Johann Reinhold Forster's der Rechte, Medicin und Weltweisheit Doctor, Professor der Naturgeschichte zu Halle. Mitglied der Rußisch-Kaiserl. Akademie zu St. Petersburg, der Societäten der Wissenschaften, der Antiq. etc. zu London, zu Madrid etc. etc. Bemerkungen über Gegenstände der physischen Erdbeschreibung, Naturgeschichte und sittlichen Philosophie auf seiner Reise um die Welt gesammlet. Übersetzt und mit Anwerkungen vermehrt von dessen Sohn und Reisegefährten Georg Forster, Professor am Carolino zu Cassel. Inhalt Einleitung. Tagebuch der Reise um die Welt 1772. Verbesserung einiger geringfügiger Druckfehler, von denen nur die vier mit * bezeichneten vor Durchlesung des Buches abzuändern seyn dürften. Erstes Hauptstück: Von Erde und Land; ihren Unebenheiten, Schichten und Bestandtheilen. Erster Abschnitt: Große Länder. Zweyter Abschnitt: Inseln. Dritter Abschnitt: Schichten Vierter Abschnitt: Berge Fünfter Abschnitt: Entstehung des Erdreichs. Zweytes Hauptstück; Vom Wasser und vom Weltmeere. Erster Abschnitt: Quellen. Zweyter Abschnitt: Bäche Dritter Abschnitt: Weltmeer Vierter Abschnitt: Eis und dessen Entstehung Drittes Hauptstück: Vom Dunstkreise, dessen Veränderungen und Erscheinungen. Erster Abschnitt: Wässerige Erscheinungen Zweyter Abschnitt: Lufterscheinungen. Dritter Abschnitt: Feurige Erscheinungen. Vierter Abschnitt: Winde. Viertes Hauptstück: Von Veränderungen der Erdkugel. Erster Abschnitt: Regelmäßige Veränderungen Zweyter Abschnitt: Zufällige Veränderungen Dritter Abschnitt: Abnahme der See und des Wassers überhaupt Vierter Abschnitt: Lehrgebäude über die Entstehung der Inseln Fünftes Hauptstück: Von Organischen Körpern. Erster Abschnitt: Pflanzenreich. Zweyter Abschnitt: Thierreich. Sechstes Hauptstück: Vom Menschengeschlechte. Erster Abschnitt: Bevölkerung der Inseln im Südmeere. Zweyter Abschnitt: Abarten der Menschengattung in Betracht der Farbe, Größe, Bildung, des Temperaments und Gemüthscharakters, unter diesen Insulanern. Dritter Abschnitt: Ursachen der Verschiedenheiten der Menschengattung in den Südlandern; ihre Abkunft; ihre Wanderungen. Vierter Abschnitt: Fortgang der verschiedenen von uns beobachteten Völker von der Wildheit zur Kultur. Fünfter Abschnitt: Unterhalt; Mittel ihn zu erlangen: Fischerey, Jagd, wilde Früchte. – Wilde oder barbarische Verfassung kleiner Gesellschaften. – Ursprung des Menschenfressens. – Gang der Vorsehung zur Vervollkommung menschlicher Gesellschaften. Sechster Abschnitt: Allgemeine Grundbegriffe der Volksglückseligkeit – – Zunehmende Bevölkerung – Veranlassung zur Vereinigung – Anbau – Eigenthum,– Gesellschaft, – Staatsverfassung. Siebenter Abschnitt: Grundsätze, sittliche Begriffe, Sitten, Verfeinerung, Luxus, Schicksal der Weiber bey den Völkern im Südmeere. Achter Abschnitt: Oeffentlicher und Privat-Unterricht. Ursprung und Fortgang der Manufakturen, Künste und Wissenschaften. Neunter Abschnitt: Religion, Mythologie, Kosmogenie, Ursprung des Menschengeschlechts, künftiges Leben; – Gebräuche bey der Geburt, Hochzeit und Begräbnis. Zehnter Abschnitt: Rekapitulation. Allgemeine Uebersicht des Glücks der Insulaner im Südmeere. Kurze Vergleichung ihrer Sitten und Gebräuche mit denen anderer Völker. Eilfter Abschnitt: Mittel, die Gesundheit auf langen Seereisen zu erhalten. Nachricht von den auf unserer Reise vorgefallenen Krankheiten, nebst den dagegen angewandten Heil- und Vorbauungsmitteln. Einleitung. Ich liefre in gegenwärtigem Werke diejenigen Bemerkungen, welche ich, auf meiner Reise um die südliche Halbkugel, über verschiedene Gegenstände der Natur, zu sammlen Gelegenheit gefunden habe. Ohne nach dem Leisten einer besonderen Methode zugeschniten, ohne den Meynungen und Systemen irgend eines Gelehrten angepaßt zu seyn, übergebe ich sie dem Leser als ein blosses Verzeichniß von Thatsachen. Zu meinem Zwecke bedurfte es keiner künstlichern Anordnung und Verbindung; denn bey dieser konnte ich, aus Erfahrungssätzen, die meiner Ueberzeugung gemäße Folgerungen herleiten, und das genügte mir. Indeß durfte ich doch bey mir allein nicht stehen bleiben, sondern mußte das was ältere und neuere Schriftsteller über ähnliche Gegenstände gedacht haben, bey gegenwärtiger Arbeit prüfen; daher wird man die Meynungen verschiedener Weltweisen und Naturforscher, nach Maasgabe der Veranlassung, theils bestätigt, theils entkräftet und wiederlegt finden, besonders aber wird man, bey dem Kampfe mit verjährten Vorurtheilen und bey dem Versuche etwas befriedigenderes an ihre Stelle zu setzen, die Hauptabsicht des Verfassers nicht verkennen. Natur im weitumfassendsten Wortverstande: Erde, Meer und Luft, organische und belebte Körper, hauptsächlich aber das Menschengeschlecht,– war sein Gegenstand. Soviel auch bereits über den Menschen gesagt worden ist, so wenig scheint gleichwohl dessen physische Geschichte, im Ganzen betrachtet, eine vollstaändige Bearbeitung erhalten zu haben. Bruchstücke, flüchtige Umrisse, Schilderungen einzelner Sitten und Charaktere, Systeme die im Büchersaale und höchstens in Beziehung auf gesittete Völker sich entsponnen; – dergleichen allenfalls besaßen wir bisher über eine so wichtige Kenntniß, aber, meines Wissens, noch keine Beobachtungen über ganze Nationen, welche noch in ursprünglicher Einfalt ohne alles Verkehr mit verfeinerten Menschen leben. Meine große Reise verschafte mir die Gelegenheit unsere Mitbrüder auf den verschiedenen Stufen zu betrachten, welche, zwischen dem elendesten Wilden, der sich nur um einen Grad über die thierische Natur erhebt, und zwischen den gesitteten Bewohnern der Societats - und freundschaftlichen Eilande, mitten inne liegen und beyde miteinander verbinden. Diesem erhabensten und wichtigsten Theile der Naturgeschichte habe ich viele Zeit gewidmet, wiewohl ich mir schmeichle, daß der Leser, auch an der Bearbeitung der übrigen Zweige, eben keine Vernachläßigung wahrnehmen werde. Der Plan und die Anordnung meines Werks ist größtentheils aus der bisher gehörigen bekannten Schrift des Herrn Ritter Bergmann entlehnt. Viele wichtige Sätze eines Büffon, und eines menschenfreundlichen Iselin, nebst verschiedenen anatomischen Faktis aus Herrn Professor Blumenbachs des jüngern, und Herrn D. Johann Hunters Abhandlungen, haben mir dabey öfters zum Leitfaden gedient, und diejenige Belehrung ertheilt, die ich mit Dank von einem jeden anzunehmen bereit bin. Kennern in diesem Fache wird es ein leichtes seyn, die erborgten Gedanken von meinen Erläuterungen und Zusätzen zu unterscheiden; und ihrem Urtheile unterwerfe ich nunmehr das Resultat dreyjähriger Beobachtungen mit desto größerem Verttauen, da ich mir des Eifers um Wahrheit und des anhaltendsten Fleißes in meinen Nachforschungen bewußt bin. London, den 1. Julius 1780. D. Johann Reinhold Forster. Tagebuch der Reise um die Welt. 1772. Julius. am 13. segelten die königlichen Schiffe, Resolution und Adventure, von Plymouth ab. am 20. sahen wir die Küste von Gallizien in Spanien, zwischen Cap Prior und Cap Ortiguera. am 22. kam uns der Leuchtthurm von Corunna zu Gesicht. am 23. liefen drey spanische Kriegsschiffe vorbey, deren eines die brittische Flagge insultirte. am 28. sahen wir die Inseln Porto Santo und Madera. Abends kamen wir ans der Rhede von Funchal vor Ancker. August. am 1. Abends verließen wir Madeira. am 4. sahen wir Palma, eine der canarischen Inseln. am 5. erblickten wir Ferro, eine andere canarische Insel. am 11. passirten wir Bonavista, eine der Inseln des grünen Vorgebürges. am 12. Morgens sahen wir Mayo und San-Jago, zwo andre Capverde-Inseln. Nachmittags ankerten wir auf der letztern in Porto Praya. am 14. segelten wir von St. Jago ab. September. am 9. die Linie passirt. October. am 29. entdeckten wir das Vorgebürge der guten Hofnung. am 30. ankerten wir in der Tafelbay daselbst. 1772. November. am 22. Nachmittags giengen wir vom Cap wiederum in See und steuerten südwärts. December. am 10. kam uns im Weltmeer das erste Eis zu Gesicht; wir waren damals auf 51 Gr. ± südl. Breite und 21 Gr. ± östl. Länge von der Sternwarte zu Greenwich. am 14. sahe man bereits große Eisfelder, ohngefähr im 55° südl. Br. und zwischen 22° und 24° östl. Länge. 1773 Januar. am 2. In 59° südl. Br. und 9° 30´ östl. Länge, richteten wir unsern Lauf wieder nach Osten. am 17. passirten wir den südlichen oder antarktischen Polkreis zum erstenmal, und erreichten eine Polhöhe von 67° 10´ S. im 39° 40´ östl. Länge. Februar. am 2. Mißlungener Versuch des Herrn von Kerguelens Eiland, in 48° 36´ südl. Breite und 60° ± östl. Länge aufzusuchen. am 8. die Adventure trennte sich, während eines Nebels, zum erstenmal, von uns. am 24. wurden Eisfelder, in 62° südl. Breite und 95° östl. Länge, gesehen. März. am 25. erblickten wir die neuseeländische Küste, südwärts vom Cap West. am 26. Um Mittag ankerten wir in der Duskybay. am 27. brachten wir das Schiff in Pickersgills Hafen. April. am 29. verliessen wir diesen Hafen. May. am 11. liefen wir, durch die nördliche Mündung von Duskybay, in See. am 17. sahen wir Wasserhosen in Cookstraße. am 18. kamen wir in Königin-Charlotten-Sund an, und fanden dort die Adventure wieder. Junius. am 7. verließen wir Neuseeland. Julius. am 9. befanden wir uns im 43° ± südl. Br. und 146° ± westl. Länge. August. am 11. entdeckten wir ein neues flaches Eiland welches wir Resolution nannten, in 17°24´ S.Br. und 141°39' W. L. - Abends ward noch eines gesehn, welches Doubtfull (zweifelhaftes) Eiland genannt ward und im 17°2o´ S. Br. und 142°38´ W. L. liegt. am 12. ward ein flaches Eiland entdeckt, und Furneaux Eiland genannt, auf 17°5' S.Br, und 143°16´ W. L. gelegen. am 13. passirten wir ein viertes Eiland, welches den Namen Adventure bekam; es liegt in 17°4' S. Br. und 144°30' W. L. - Nachmittags passirten wir Chain-Eiland. am 15. Morgens sahen wir Mäatea, eine Insel, welche Capt. Wallis Osnabrück nennt, im 17°48' S.Br. und 148°48' W. L. - Abends erblickten wir Taheiti. am 16. Mittags stieß die Resolution auf das dortige Rief von Corallenfelsen, sie ward aber bald wieder flott gemacht. am 17. ankerten beide Schiffe im Hafen Aitepiha, auf der kleinern tahitischen Halbinsel, Tiarrabu genannt. am 18. liefen wir von Aitepiha aus. am 25. ankerten wir in Matavaibay, auf der größern Halbinsel oder Tobreonu, deren nördlichste Spitze, Point Venus, unter 17°29',5'' S.Br. und 149°35' W.L. liegt. September. am 1. segelten wir von Taheiti ab. am 2. sahen wir Huaheine, eine der Societätsinseln. am 3. erblickten wir die drey Societätsinseln Raietea, Taha und Borabora, und ankerten im Hafen Wharre auf Huaheine, 16°44' S.Br. und 151°7' W.L. am 7. verließen wir Huaheine. am 8. ankerten wir im Hafen Hamaneno auf der Insel Raietea, 16°45' S.Br. u. 151° 34 1/2' W.L. am 14. wurden zwey Boote nach der Insel Tahà gesandt, am 17. segelten wir von Raietea ab, bey Borabora im 16°27' S.Br. u. 151°50' W.L. vorüber, und ließen Maurua 16°27' S.Br. und 152°8' W.L. nordwärts liegen. am 23. ward ein flaches Eiland entdeckt, welches wir Herveys Eiland nannten, 19°18' S.Br. und 156°54' W.L. October. am 2. Abends erblickten wir Eauhwe, von Tasmann Middelburg Eiland genannt, ohngefähr vier Seemeilen lang, und dessen Mitte auf 21°22' S.Br. und 174°42' W.L. belegen. am 3. legten wir uns auf der Rhede dieser Insel vor Anker. am 4. Giengen die Schiffe wieder unter Segel, und kamen gegen Abend auf van Diemens Rheede, an der Nordwestlichen Spitze von Tongatabbu, (Tasmans Amsterdam-Eiland) vor Anker. Diese Insel hat beinah zwanzig Seemeilen im Umkreise, und liegt die Mitte derselben in 21°11' S.Br. u. 175° W.L. am 7. segelten wir von Tongatabbu ab. am 8.-10. sahen wir Pylstaerten-Eiland in 22°16' S.Br. und 175°59' W.L. am 21. erblickte man die Küste Neuseelands, unweit Portland-Eiland. am 29. verlor sich die Adventure zum andernmal aus unserer Gesellschaft, und wir bekamen sie nachher die ganze Reise über nicht mehr zu sehen. November. am 2. ankerten wir, an der Nordseite von Cooks Meerenge, in einer Bucht unter dem Vorgebirge Tea-Whitti am 3. ankerten wir zum zweiten mal in Königin Charlottens Sund. am 25. verliessen wir Neuseeland. December am 6. Abends befanden wir uns im Punkte der Antipoden von London. am 12. ward auf dieser Fahrt das erste Eis im 62° S.Br. zwischen dem 172° und 173° W.L. entdeckt. am 15. Eisfelder im 66° S.Br. und 158° W.L. am 20. passirten wir den antarktischen Polkreis und befanden uns zum zweiten male im kalten Erdgürtel, im 147°30' W.L. am 25. verließen wir diesen kalten Erdgürtel im 135° W.L. nachdem wir denselben an 12° der Länge durchschifft hatten. 1774. Januar. am 11. erreichten wir 47°51' S.Br. u. 122°30' W.L. am 26. passirten wir abermal den südlichen Polkreis, und kamen zum drittenmal in den kalten Erdgürtel im 109°40' W.L. am 30. im 71°10'30'' S.Br. und 107° W.L. ward unser Lauf weiter gen Süden durch unabsehlige Eisfelder gehemmt; und mußten wir folglich nordwärts umkehren, nachdem wir, weiter als je zuvor geschehen, gegen den Südpol vorgedrungen waren. Februar. vom 22. - 25. suchten wir das angebliche feste Land des Juan Fernande;, ohne es zu finden, zwischen dem 36° u. 38° S.Br. und zwischen 94° u. 101° W.L. März. am 11. sahen wir die Osterinsel, oder Waihu, 27°5'30'' S.Br. und 109°46'45'' W.L. am 14. ließen wir an ihrer S.W. Seite die Anker fallen. am 16. segelten wir von Oster-Eiland ab. April. am 6. entdeckten wir Hoods Eiland, einen bisher unbekannten Felsen, zur Marquesas Inselgruppe gehörig. am 7. sahen wir Hiwaroa (la Dominica,) Onateyo (St. Pedro,) und Waitahu (St. Christina,) drey Marquesasinseln. Abends ankerten wir an Waitahu im Haven Madre-de-dios, sonst Resolutions-Bay genannt, 9°55'30'' S.Br. und 139°8'40'' W. Länge. am 10. verließen wir die Marquesas sahen die von Byron benannten König Georgs Eilande, und landeten auf Teaukea, der östlichsten derselben, unter 14°28' S.Br. und 144°56' W.L. belegen. trafen auch vier flache Eilande an, die den Namen Pallisers-Eilande erhielten, deren Mitte 15°56' S.Br. u. 146°30' W.L. liegt. am 21. erblickten wir die Insel Taheiti zum zweyten mahle. am 21. ankerten wir in Matavai-Bay. May am 14. verließen wir Taheiti. am 15. Nachmittags ankerten wir im Hafen Hwarre auf der Insel Huaheine. am 23. segelten wir von Huaheine nach Raietea. am 24. kamen wir im Hafen Hamaneno vor Anker. Junius. am 4. verließen wir die Societätsinseln. am 6. passirten wir Howes Eiland oder Mopihá, 16°46' S.Br. und 154°8' W.L. am 16. segelten wir an einem zuvor unentdeckten Eiland vorüber, welches den Namen Palmerston-Eiland bekam, 18°4' S.Br. und 163°10' W.L. am 20. entdeckten wir eine Insel in 19°1' S.Br. und 169°37' W.L. am 21. landeten wir auf selbiger, und verließen sie wieder. Ihr wurde der Name Savage-Eiland (die wilde Insel) zu Theil. am 25. sahen wir einige, zum Archipelagus von Namocka gehörige Eilande. am 26. ankerten wir unter dem Winde von der Insel Namoka, bey Tasmann Rotterdam-Eiland genannt, welches ohngefähr 5 Seemeilen im Umkreise hat, u. in 20°17' S.Br. u. 174°32' W.L. liegt. am 29. segelten wir von Namoka ab, und an den nahgelegenen übrigen freundschaftlichen Eilanden vorüber. am 30. giengen wir durch die enge Strasse, zwischen zwo bergigten kleinen Inseln, deren eine D-Ghao, die andre Tofua heißt: letztere hat einen Volkan, u. liegt in 19°45' S.Br. und 174°48' W.L. Julius. am 2. erblickten wir eine Insel, und segelten darauf zu. am 3. segelten wir an selbiger vorbey, und nannten sie Turtle-Island , die Schildkröteninsel, sie liegt im 19°48' S.Br. und 178°2' W.L. am 16. sahen wir die von Quiros entdeckten, und nachher von Bougainville besuchten Pfingst und Auroren-Inseln. am 18. liefen wir, zwischen Bougainville's Pik de l'Averdi, (oder Pik de l'Etoile) und der Auroreninsel, hindurch. Letztere ist ohngefähr 12 Seemeilen lang, und 4 bis 5 kleine Meilen breit: die Mitte derselben liegt in 15°6' S.Br. und 168°24' oestl. Länge. Darauf bekamen wir die von Bougainville sogenante Insel der Aussätzigen ( Isle aux lépreux ) zu Gesicht. am 20. liefen wir, zwischen letzterer und der Auroreninsel, nach der Pfingsiinsel hin. Die Insel der Aussätzigen ( Isle aux lépreux ) fanden wir ohngefähr 20 Seemeilen im Umfange haltend, und deren Mitte in 15°20' S.Br. und 168°3' östl.L. Die Pfingstinsel, ist ohngefähr 12 Seemeilen lang, und an ihrer breitesten Stelle 6 kleine Meilen breit, ihre Mitte liegt unter 15°45' S.Br. und 168°28' O.L. am 21. erblickten wir eine Insel südwärts von der Pfingstinsel, die von den Einwohnern (wie wir hernachmals erfuhren) Ambrym genannt wird. Sie liegt beynahe von Osten nach Westen, hat eine Länge von 7 und einen Umfang von beynahe 20 Seemeilen. Die Mitte liegt in 16°15´ S.Br. u. 168°2' östl.L. – – bald darauf entdeckten wir, in Westen, eine andere Insel von beträchtlicher Größe, welche Mallikollo heißt, nebst zwo andern gen Südosten, welche Pauhm und Apih, desgleichen einer gen Süden, welche Three-hills-island ; die Insil mit drey Hügeln, genannt wurden. Nachmittag ankerten wir auf Mallikolo, im Hafen Sandwich. am 23. des Morgens verließen wir Mallikollo, welche sich von N.N.W. gen S.S.O. 20 Seemeilen in der Länge und an 55 im Umkreise erstreckt. Ihre Nordspitze liegt unter 15°50´ S.Br. u. 167°23´ O.L. - Port Sandwich aber unweit der Südspitze im 16°28´ S.Br.u. 167°56' östl.L. Wir ließen Nachmittags Pa-uhm Nordostwärts liegen, und blieben zweifelhaft, ob sie nicht aus zwo Insel besteht,deren östlichste ein hoher Pik in 16°25' S.Br. und 168°30' O.L. ist. Der ganze Umkreis der Insel hat nicht über 5 Seemeilen. Das etwas mehr Südwärts gelegene Apih ist ohngefähr 7 Seemeilen lang und dessen Mitte in 16°42' S.Br. u. 168°36' O.L. gelegen. am 24. Morgens kamen wir der Insel mit drey Hügeln, ( Three-hills-island ) ganz nahe; sie ist nicht über zwo Seemeilen lang, und liegt in 17°4' S.Br. und 168°32' O.L. Nachmittags untersuchten wir etliche kleine Eilande Südostwärts von Apih, welche den Nahmen Shepherds-Eilande bekamen. am 25. Südwärts von der Insel mit drey Hügeln, passirten wir eine mit zween Hügeln ( Two-hills-island ) und sahen einen Felsen daneben, der das Monument genannt wurde. Abends hatten wir, nahe an einer schon Tags zuvor entdeckten Insel, Windstille. am 26. Diese neue Insel wurde die Sandwichsinsel genannt; sie liegt ohngefähr von S.O. nach N.W. und hat an 25 Seemeilen im Umfange. Die Mitte hat 17°45' S.Br. und 168°30' O.L. Wir segelten Nachmittags vorüber, und nannten zwo kleine Inseln, eine ostwärts, die andere nordwärts von jener, Montagu und Hinchingbroock. am 27, mit der Morgenröthe, entdeckten wir ein anderes neues Eiland gen S.S.O. am 28. entdeckten wir noch eine andere Insel mehr S. Ostwärts, in einer weit größern Entfernung. August. am 1. segelten wir an den westlichen Ufern der am 27. Julius entdeckten Insel, und sahen daselbst einen Hafen. am 3. ankerten wir auf der Nordseite derselben Insel, deren Mitte in 18°48' S.Br. und 169°20' O.L. liegt. Sie scheint über 30 Seemeilen im Umfange zu haben. am 4. verließen wir diese Insel, welche (wie wir hernach erfuhren) in der Landessprache der Einwohner Irromanga genannt wird, und naheten uns der etwas südlicher gelegenen. am 5. ankerten wir in einem Hafen auf dieser neuen Insel, welche in der Landessprache Tanna heißt, und einen Volkan hat; sie liegt in 19°30' S.Br. und 169°38' O.L. und scheint ohngefehr 24 Seemeilen im Umfange zu haben. am 20. segelten wir von Tanna ab. Ein kleines flaches Eiland, Immer genannt, liegt einige Meilen weit davon gen Norden; ohngefähr 12 Seemeilen ostwärts liegt Irronan eine hohe Insel, und südostwärts eine andere, Anattom genannt. Letztere liegt in 20°3' S.B. und 170°5' O.L. Wir richteten unsern Lauf Nordwestwärts und liefen unter dem Winde (an den westlichen Küsten) der Inselgruppe hin, die wir bisher entdeckt hatten, und die jetzt die Neuen Hebriden genannt wurden. am 24. nachdem wir längst der Westküste von Mallikollo hinab gefahren, erreichten wir die Nordspitze dieser Insel, und liefen durch eine Straße, die bereits Hr.v. Bougainville entdeckt hatte, und welche von einer andern gegen Norden gelegenen großen Insel gebildet wird, an deren südlichen und östlichen Küsten wir verschiedene kleine Eilande erblickten. am 25. kamen wir in eine sehr große Bucht, die ohngefähr acht Seemeilen landeinwärts geht, und an der Nordspitze der großen Insel liegt. Sie schien dem Capitain Cook die von Quiros entdeckte S. Philips und S. Jakobs-Bay zu seyn; ihre westliche Spitze, welche wir Cap Cumberland nannten, hat 14°38' S.Br. und 166°52' O.L. und die östliche Spitze, oder Cap Quiros, 14°55' S.Br. und 167°14' O.L. am 27. verließen wir die S. Philippi-Jakobi-Bay, auf dem von Quiros sogenannten H. Geistlande.( Tierra del Espiritù santo .) am 31. verließen wir das H. Geistland; nachdem wir dessen Westküste bis wieder zu Bougainvilles Durchfahrt verfolgt hatten. Die S.W. Spitze dieses Landes, oder Cap Lisburne liegt in 15°35' S.Br. u. 167° O.L. September. am 4. entdeckten wir ein ansehnliches Land, welches wir Neu Caledonien nannten. am 5. ankerten wir in einem Hafen an der nördlichen Küste desselben. Ein kleines Eiland in diesem Hafen, welches Observatory-Eiland genannt wurde, liegt in 20°15' S.Br. und 164°40' O.L. am 13. giengen wir unter Segel, und liefen Nordwestwärts an den Küsten hin. Die Spitze, welche wir zuerst entdeckten, Cap Collnet genannt, liegt in 20°30' S.Br. und 165°2' O.L. Eine Insel gegen Westen, welche die Einwohner Balabea nannten, hat ohngefähr 12 Seemeilen im Umkreise, und liegt in 20°6' S.Br. u. 164°18' O.L. am 16. das nördlichste Land, welches wir hier erblickten, hat das Ansehen einer Inselgruppe, und liegt in 19°37' S.Br. und 163°40' O.L. Jetzt wendeten wir uns wieder S.O. längst der Küste hinauf. am 24. erblickten wir die S.O. Spitze Neu Caledoniens, das Vorgebirge der Königin Charlotte genannt, in 22°15' S.Br. u. 167°15' O.L. – – Abends entdeckten wir noch eine Insel, welche wir die Fichten-Insel ( Isle of Pines ) nannten. Sie hat 15 bis 18 Seemeilen im Umfange, und liegt in 22°40' S.Br. und 167°40' O.L. September. am 29. ankerten wir an einer kleinen Insel, welche Capit. Cook Botany-Eiland nannte, in 22° 28' S. Br. und 167° 16' O. L. Die Südspitze Neu-Caledoniens, oder des Prinzen von Wallis Vorgebürge, liegt in 22° 30' S. Br. u. 166° 58' O. L. October. am 1. Hatten wir, bey Tages Anbruch, alle um Neu-Caledonien hergelegene Felsen-Riefe passirt, und setzten unsern Lauf nach Süden fort. am 10. entdeckten wir eine kleine Insel, auf welcher wir Nachmittags landeten, und sie Abends wiederum verließen. Sie erhielt den Namen Norfolk-Eiland, und liegt in 29° 21/2' S. Br. und 168° 16' O. L. am 16. Abends, sahen wir die Küsten von Neuseeland in in der Gegend des Berges Egmont. am 18. ankerten wir zum dritten mal in Ship - Cove , in Königin Charlotten Sund. Dieser Haven liegt in 41° 6' S. Br. u. 174° 25' 30'' O. L. November. am 10. segelten wir von Königin Charlottens-Sund ab. December. am 18. sahen wir, bald nach Mitternacht, die Küsten des Feuerlandes, in der Nähe des Cap Deseado. am 20. ankerten wir in einer sehr weitläuftigen Bucht, die Christmeß-Sund genannt wurde, und dessen am Eingang gelegene westliche Landspitze, die York-Münster genannt wurde, in 55° 30' S. Br. und 70° 28' W. L. liegt. am 28. segelten wir aus Christmeß-Sund ab. am 29. Morgens passirten wir das Cap Horn, welches wir in 55° 58' S. Br. u. 67° 46' W. L. fanden. am 31. ankerten wir an einigen kleinen Eilanden, auf der Nordseite von Statenland, nachdem wir durch Le-Maires Straße gelaufen waren. Diese erhielten den Namen Neu-Jahrs-Eilande, und liegen in 54° 46' S. B. und 64° 30' W. L. 1775. Januar. am 3. mit Tagesanbruch, giengen wir unter Segel und richteten unsern Lauf nach Süden. am 14. Morgens sahen wir, in sehr großer Entfernung, Land. am 16. liefen wir zwischen zwo kleinen Inseln an der N.W. Spitze dieses Landes, die kaum eine Seemeile breit von einander entfernt waren, hindurch. Die südlichste ward Bird-Eiland (die Vogelinsel) und die nördliche Williseiland genannt. Letztere liegt in 54° 15' W.L. am 17. landeten wir in einem Hafen, welchen wir Possession-Bay nannten, 54° 15' S. Br. u. 37° 15' W. L. am 19. erreichten wir die S. O. Spitze des neuentdeckten Landes, welches nunmehr die Insel Georgien genannt wurde. Eine kleine Insel an der S. Spitze, 54° 52' S. Br. und 35° 50' W. L. heißt Coopers-Eiland. Einige Felsen S. Ostwärts ohngefähr 15 Seemeilen weit davon, wurden Clerkes Felsen genannt; sie liegen in 55° S. Br. und 34° 50' W. L. am 23. wären wir beynahe auf Clerkes Felsen verunglückt. am 28. nachdem wir über den 6o° S.Br. gekommen, ward unser Lauf südwärts durch Eisfelder unterbrochen. am 31. entdeckten wir nahe bey uns, im Nebel, sehr hohes Land. Februar. am 2. sahen wir die Nordspitze dieses Landes, welches Sandwich-Land benannt wurde. Dessen Südspitze, oder das südliche Thule, liegt in 59°30' S.Br. und 27°30' W.L. Freezeland Pik, die zuerst entdeckte Spitze desselben, in 58°55' S.Br. u. 27° W.L. Eine Bucht an der Küste zwischen diesen beiden Spitzen, ward Forsters-Bay genannt. Eine im 57°48' S.Br. und 26°35' W.L. belegene Insel, ward Saunders-Insel, und zwo andere, im 57°10' S.Br. und 27°6' W.L. belegen, wurden die Lichtmeß-Inseln ( Candlemass-Islands ) benannt. am 18. liefen wir über die Stelle, wo Herr de Lozier-Bouvet Land gesehen haben will, welches er das Vorgebirge der Beschneidung ( Cap de la Circoncision ) nennet. am 23. liefen wir über die Stelle die wir im December 1772 mit Eisfeldern bedeckt gefunden hatten. März. am 18. erreichten wir die Afrikanische Küste ohnweit Mossel- Bay. am 22. kamen wir am Vorgebirge der guten Hoffnung, in der Tafelbay vor Anker. April. am 27. segelten wir vom Cap. May. am 15. erblickten wir die Insel S. Helena, und kamen um Mitternacht in Jamesbay vor Anker. am 21. giengen wir in Gesellschaft des Dutton, eines englischen Ostindienfahrers,von dort wieder unter Segel. am 28. sahen wir die Ascensions- (Himmelfahrts) Insel, und giengen in Kreuzbay vor Anker. am 31. Nachmittags verließen wir die Insel Ascension. Junius. am 9. sahen wir die Insel Fernando Noronha, und segelten vorüber. Julius. am 13. sahen wir die Azorischen oder Westlichen Eilande. am 14. ankerten wir auf der Rheede von Fayal. am 20. verließen wir die Azorischen Inseln. am 29. paßirten wir die Spitze Lizard in Cornwall, sahen die Landspitze Start, und den Leuchtthurm Eddistone. am 30. ankerten wir zu Spithead. Verbesserung einiger geringfügiger Druckfehler, von denen nur die vier mit * bezeichneten vor Durchlesung des Buches abzuändern seyn dürften. * Seite 16. in der zweyten Note † Zeile 3. statt: Boden Thon, lies, Thon-Boden. - - 60. in der zwölften Zeile von oben, statt: Eismasse, lies, Eismassen. - - 83. in der neunten Zeile von oben statt: unternehmen, lies, unternahmen. - - 89. Ausgangs der eilften Zeile von unten, statt: Thamswurzeln ignaures, lies, Yamswurzeln ignames. - - 103. in der vierten Zeile von oben, statt: stunden, l. standen. - - 107. in der siebenten Zeile von unten, statt: Neukaladonien, lies, Neukaledonien. * - - 160. Ausgangs der 15ten Zeile von oben, statt: auf jedem Fruchtarten, lies, auf jedem Fruchtknoten. - - 170. in der siebenten Zeile von unten, statt: de, lies, die. - - 196. in der sechzehnten Zeile von oben ist vor der Zahl 43,56o das Wort von einzuschalten. - - 199. in der sechsten Zeile von oben statt: umgezäunt, l. eingezäunt (oder umzäunt.) - - ebendas. in der sechsten Zeile des zweyten Absatzes, statt: Ambreym, lies, Ambrrym. - - 200. in der zweyten Zeile statt: Anottom, lies, Anattom. - - ebendaselbst bey der Summe der Einwohner ist das Wort auf wegzulöschen. - - 202. in der dritten Zeile des zweyten Abschnitts, statt: zeichnete, lies, zeichnet. - - 212. zu Anfang der vierzehnten Zeile statt: ermüdende, lies, ermüdenden. - - 233. in der sechsten Zeile statt: feinerne, lies, feineren. - - 236. in der zweyten Zeile, statt: auch hingen diese Abweichungen, lies, auch diese Abweichungen hängen etc. - - 237. in der Note, in der vierten Zeile statt: nun, lies, um - statt la Mair, lies, le Maire. * - - 238. in der sechsten Zeile statt: unmerkbar, lies, unerklärbar, * - - 240. in der eilften Zeile von unten, statt: angedruckt, lies, eingedrückt. - - 248. in der sechsten Zeile des zweyten Absatzes, statt: Societätsinsel, lies, Societätsinseln. - - 252. in der zweyten Zeile v.u. statt: Mania, l. Manilla. Seite 258. in der ersten Zeile statt: dörren, lies, dürren. - - 261. in der vierzehnten Zeile statt: vollkommenen, lies, vollkommenern. - - 300. Zeile 14. statt: einmal, lies, einstens. - - 382. in der ein und zwanzigsten Zeile von oben, statt: Jahrszeiten, lies, Jahrszeit. - - 399. in der dritten Zeile des zweyten Absatzes, statt: gedecke, lies, gedeckte. - - 412. in der sechsten Zeile von unten, statt: in Länge, lies, in der Länge, und am Ende derselben Zeile lösche weg das Wort: in. - - 416. in der Note Zeile 8. statt: Norodstspitze, lies, Nordostspitze. - - 452. in der sechsten Zeile, statt: Watta-o-ua, l. Watta-e-ua. - - 462. in der zwölften Zeile, statt: Weltballs, lies, Weltalls. - - 490. in der sechsten Zeile des zweyten Absatzes, statt: Gbeinen, lies, Gebeinen. - - 528. in der vierzehnten Zeile, statt: dere, lies, deren. - - ebendas. in der fünften Zeile von unten, statt: Paloosoinseln, lies, Palaosinseln. Erstes Hauptstück. Von Erde und Land; ihren Unebenheiten, Schichten und Bestandtheilen. Inter crimina ingrati animi et hoc duxerim, quod naturam ejus (sc. terrae) ignoramus. PLIN. Hist. Nat. L. II. c. 64. Erster Abschnitt. Große Länder. Auf der Erdkugel sind uns drey große Landmassen bekannt. Die erste ist die in der östlichen Halbkugel belegene sogenannte alte Welt, welche die drey festen Länder oder Continente, Europa, Asien und Afrika enthält. Auf diese folgt, an Größe und in der Reihe der Entdeckungen, die zwote Masse, Amerika, in der westlichen Halbkugel. Eine dritte liegt in der südöstlichen Gegend der ersteren. Schon im Anfange des siebzehnten Jahrhunderts (1616 u.f.) da die Befehlshaber der holländischen Besitzungen in Ostindien noch Forschbegier äusserten, wurden die westlichen und nördlichen Küsten dieses Landes von holländischen Seefahrern entdeckt, darauf, bald von Engländern bald von Holländern besucht, bis Cook, der große unermüdete Seemann, erst im Jahr 1770 die östlichen Küsten dieses Landes berichtigte, welches, seinen ersten Entdeckern zu Ehren, bereits 1644, den Namen Neu-Holland erhalten hatte. Sollte man wol anstehen können, es mit mir ein Continent zu nennen, da es unserm Europa, dem niemand diese Benennung streitig macht, an Größe wenig oder gar nichts nachgiebt? Zwar ist kein Continent so unbevölkert und den Europäern so unwichtig wie Neuholland: Allein dieser Einwurf thut nichts zur Sache, da es in Zukunft noch immer eben so volkreich und nützlich als die andern Welttheile werden, und Europa für den Verlust seiner anderweitigen Pflanzvölker dereinst entschädigen dürfte. Unsre Kenntniß dieses Landes ist noch unvollkommen, und alle Seefahrer führen einerley Klage, daß es Mangel an frischem Wasser und großen Strömen hat. Vielleicht hätten sie aber bey sorgfältigerer Untersuchung des ganzen Umfanges, und vorzüglich der noch unbeschiften Südwestküsten, dergleichen angetroffen; wahrscheinlich ist es wenigstens, daß im Innern eines so großen Landes ansehnliche Gebirge vorhanden sind, welche nie ohne Flüße zu seyn pflegen. Hier könnten sich also, fern von der Gewalt des in Europa überhandnehmenden Despotismus, neue Pflanzer eine glückliche Freystätte wählen, und so würde auch Neuholland einst der Sitz der Wissenschaften und Künste, durch den Anbau, durch den Reichthum seiner Produkte, und durch die Zahl seiner Bewohner glücklich werden. Alle übrigen Lande, welche nicht unter den erwähnten begriffen sind, werden nur für Inseln gerechnet. Von vorgedachten beyden ersten Continenten berührten wir auf unserer Fahrt blos das Vorgebirge der guten Hofnung in Afrika, und die Küste des Feuerlandes, oder die letzten abgebrochenen Stücke von Amerika: Von diesen Welttheilen können wir folglich, im allgemeinen, keine neue Bemerkungen anführen, eine einzige ausgenommen, welche Neuholland betrift, wo unsere Reisegefährten auf dem Schiff Adventure, im Jahr 1773, hingeriethen. Die südliche Spitze dieses Continents hat nemlich mit allen Südspitzen andrer Welttheile den großen Charakter gemein, daß sie felsigt, und von ansehnlicher Höhe ist, da doch das Land weiter nordwärts ebener wird und, wenigstens an den Küsten, keine hohen Berge hat. Ohne irgend eine Hypothese über die Entstehung der Länder vertheidigen zu wollen, veranlaßt mich diese Uebereinstimmung, einen Blick auf beide Halbkugeln zu werfen, und da finde ich noch einige andere, der allgemeinen Aufmerksamkeit würdige Nebenumstände. Alle südwärts gerichtete beträchtliche Landspitzen auf unserm Erdboden, haben untereinander die auffallendste Aehnlichkeit. Erhaben und aus Felsen gebildet, scheint jede das äusserste Glied einer nordwärts laufenden Gebirgskette zu seyn; ostwärts von jeder erblickt man eine oder mehrere Inseln, und an den westlichen Küsten eines jeden Continents macht das Meer, nach Norden zu, einen großen Busen. So viele zusammenstimmende Bezeichnungen scheinen nicht blos zufällig, sondern vielmehr Folgen einer allgemeinwürkenden einigen Ursach zu seyn. Diese Ursach getraue ich mir nicht mit Gewißheit anzugeben; nur muthmaßen möchte ich, daß jene Ähnlichkeiten in der Gestalt der Länder einer gewaltigen Überschwemmung von Südwesten her ihr Daseyn zu verdanken haben, wenn gleich der Zeit punkt dieser mächtigen Veränderung, und die nähere Bestimmung ihrer Art zu würken, unerforschlich bleiben müssen. Amerika hat seine Andes, welche von Norden nach Süden laufen, und sich im Cap Froward endigen, oder noch über die Magellanische Meerenge hinaus gehen. Der Busen an der westlichen Küste wird um den Wendekreis des Steinbocks sehr merklich. Ostwärts von der Südspitze ab, liegt das Feuerland, nebst Staatenland und den Falklandsinseln. Afrika bildet nordwärts vom Aequator einen ansehnlichen Busen. Die hohen Felsen am Vorgebirge der guten Hofnung machen den südlichen Schluß einer langen Gebirgskette, welche von da an nordostwärts fortstreicht. Madagaskar nebst andern kleineren Inseln liegt ostwärts oder nordostwärts von der südlichen Spitze. Asien endigt sich nach Süden im Cap Comorin, einer hohen Felsenspitze, welche das äusserste Glied der Gebirge von Gatté ist. Jenseits Cambaya gegen den Sindstrom oder Indus liegt ein Busen, der dem vorigen ähnlich sieht, und östlich vom Cap Comorin liegt die Insel Ceylon. Neuholland läuft, nach Tasmans und unserer Reisegefährten bereits erwähnten Nachrichten, in eine hohe felsigte Südspitze aus, welche das Ende einer langen Reihe weit ins Norden streichender Gebirge zu seyn scheint. Die merkwürdige Ähnlichkeit Neuhollands mit Africa im äussern Umriß wird man übrigens beym ersten Anblick gewahr, indem der westliche Meerbusen an beyden so sichtbar ist. Ostwärts von Neuholland sieht man die zwo großen Inseln, aus welchen Neuseeland besteht. Zweyter Abschnitt. Inseln. Die Inseln, welche wir auf unserer Reise gesehen haben, liegen theils im heißen, theils im gemäßigten Erdstrich. Die ersteren können füglich in hohe, und in niedrige oder flache Inseln abgetheilt werden. Die hohen Inseln innerhalb der Wendekreise sind entweder mit Ebenen begränzt und in Riefe eingeschlossen, als: O-Taheiti, nebst Mäatea und allen Societätsinseln; desgleichen die höheren Freundschaftlichen Inseln: Tongatabbu, Ea-Uhwe und Namoka; endlich auch Turtle-Eiland (die Schildkröteninsel) und Neukaledonien - oder, es fehlen ihnen diese Riefe, als: den Marquesasinseln, allen neuen Hebriden, Savage-Eiland, und, unter den Freundschaftlichen Eilanden, den Inseln Tofua und O-Ghao. Die niedrigen Eilande die wir kennen, sind Chain-Eiland (die Ketteninsel) nebst vier andern, die der Herr von Bougainville vielleicht gesehen hat; ferner Tedhuroa, Teaukéa, die vier Palliserseilande, Tupay, Howeseiland, Mopiha, Palmerstoneiland, Immer, eine der neuen Hebriden, und der ganze Archipelagus der niedrigen Freundschaftlichen Inseln. Gleich auf den ersten Blick entdeckt man den Unterschied dieser von grundaus unähnlichen Inseln. Die sogenannten niedrigen Eilande sind schmale, ganz flache Korallenklippen, welche einen Kreis bilden, und innerhalb desselben eine Lagune oder eine Art von kleinem See einschließen. Mehrentheils sieht man in ihrem Umkreise hie und dort kleine sandige Stellen, um ein geringes über den höchsten Standpunkt der Fluth erhöht, woselbst Kokospalmen und eine geringe Anzahl anderer Pflanzen fortkommen. Alles übrige dieses Felsenringes ist so niedrig, daß die Wellen fast beständig, auch selbst zur Ebbezeit, darüber in die Lagune gehen. Von den größern Eilanden dieser Art, sind einige das ganze Jahr hindurch bewohnt; andre werden nur bisweilen, von den Einwohnern nahgelegener höherer Inseln, wegen der Fischerey, des Vogel- und des Schildkrötenfangs besucht, noch andre aber, die gleichwol mit Kokosbäumen bewachsen sind, haben, ausser häufigen Fregattenvögeln, Tölpeln, Meeven, Meerschwalben und Sturmvögeln, gar keine Bewohner. Die hohen Inseln beyder Art sieht man in der Ferne wie Berge aus dem Meere hervorragen; sie sind zum Theil so hoch, daß ihre Gipfel selten unbewölkt erscheinen. Wenn sie mit Riefen und, am Strande her, mit fruchtbaren Ebenen umgeben sind, ist der Abhang der Berge mehrentheils sanfter, als wo jene nicht vorhanden sind. Doch findet man Ausnahmen hievon in Ambrrym, Sandwicheiland und Tanna, wo, hin und wieder, die Anhöhen ganz gemach sich erheben. Unter dem gemäßigten südlichen Himmelsstrich haben wir Neuseeland, die Osterinsel und Norfolkinsel im Südmeere besucht. Alle diese Inseln sind bergigt, und mit keinem Riefe umgeben; jedoch liegt die letztere auf einer Sandbank, welche sich zehn bis zwölf Seemeilen (leagues, jede von 3',) im Kreise erstreckt. Neuseeland besteht, so weit wir es untersuchen konnten, aus hohen Gebirgen, deren Gipfel im innersten des Landes fast beständig in Wolken verhüllet sind. Bey klarem Wetter sieht man die mit Schnee bedeckten Spitzen derselben auf dreyßig Seemeilen in die Runde. Eine zwote Reihe von niedrigern Bergen, ist fast gänzlich mit Waldung bedeckt, und blos an den höchsten Stellen, unfruchtbar. Das Feuerland scheint, unserm Bedünken nach, eine Inselgruppe zu seyn, welche von mehreren tiefen Armen der See durchschnitten wird. Es besteht aus schroffen, steilen, nackten Felsen, deren Koppen, vorzüglich im inneren Theil, wohin die feuchte mildere Seeluft nicht so leicht wirken kann, die Ruhestätte des bleibenden Schnees sind. Die östliche Küste des Feuerlandes hat einen sanftem Abhang gegen le Mairens Meerenge, und ist an einigen Stellen mit Waldung bedeckt. Staatenland hingegen gleicht dem öden Theil des Feuerlandes, und auf den Gebirgen desselben war noch im Jenner, oder in der Mitte des dortigen Sommers, überall Schnee vorhanden. Südgeorgien, eine Insel deren Länge ohngefähr achtzig Seemeilen (= 240') beträgt, ist ein Klumpen hoher Berge, von denen, in der Mitte des Jenners, kein einziger von Schnee entblößt war. Sogar alle Häven waren mit Eis angefüllt, und blos längst der Seeküste gab es einige nackte von Schnee entblößte Felsen. Am weitsten gegen Süden sahen wir zuletzt in dieser schauerlichen kalten Gegend das Sandwichland, und dessen Südspitze, das südliche Thule. Diese Inselgruppe ist ganz mit Eis und ewigem Schnee bedeckt. - - Pigris ubi nulla campis Arbor aestiva recreatur aura: Quod latus mundi nebulae malusque Iupiter urguet. HOR. Lib.I. Od. 22 Dritter Abschnitt. Schichten Auf Süd-Georgien findet man gar keine Erde, ausgenommen in einigen Felsenklüften; alles besteht sonst aus einem schweren Schiefer, welcher Eisentheilchen hält, und in meist wagrechten Lagen bricht, die hin und wieder von senkrechten Quarzadern durchschnitten werden. Von eben dieser Art sind die felsigten Küsten des Feuerlandes, auf deren höchsten Gipfeln auch ein grobspeisigter Granit ( saxum ) zum Vorschein kommt. In der südlichen Hälfte von Neu-Seeland, welche wir an zween verschiedenen Orten besucht haben, besteht die Oberfläche aus einer Schicht schöner leichter Gartenerde, ( humus daedalea et ruralis Linn. ) von schwarzer Farbe, die aus verwestem Moos, abgefallnen Blättern, und erstorbenen Bäumen entstanden ist. Die Dicke dieser Lage beträgt an einigen Stellen zehn bis zwölf Zoll, im Durchschnitt aber ist sie etwas geringer. Gleich darunter fand sich eine thonartige Substanz, welche mit den Talksteinen nahe verwandt ist, und an der Sonne, oder von der Wirkung des Regens, der Luft, und der Hitze, in eine Erdart verwittert. Etwas tiefer ist eben diese Materie bereits zu Stein verhärtet, und bricht in Lagen, welche mehrentheils nach Süden fallen. Die Härte der verschiedenen Lagen ist sehr ungleich, denn es giebt sogar einige die mit dem Stahle Feuer geben. Gewöhnlich sind sie von blaßgelber, und zuweilen von etwas grünlicher Farbe. In einer meist senkrechten Richtung durchschneiden einige weiße Quarzadern ( quarzum lacteum Linn. ) dieses Gestein. Es enthält aber auch bisweilen einen grünen, blättrigen, talkartigen Stein. Am Strande, unter Schiefergeschieben Shingly-beach heißt dem Englischen Seemanne ein jeder Strand, der mit Bruchstücken von allerhand Steinen, doch hauptsächlich vou schieferartigen, bedeckt ist. Man könnte Shingle von Schindeln herleiten. , fand ich, wiewol sehr selten, einige schwarze glatte Feuersteine, und große Stücke einer derben, schweren graugesprengten oder auch schwarzgrünen Lava, welche die Einwohner zu Imittis, oder kurzen Streitäxten fürs Handgemenge, verarbeiten. Auch wurden einige Bimssteine ( pumex vulcani Linn.) in Neuseeland eingesammelt; ob aber der Volkan, von welchem sie herstammten, in der Nähe gelegen, oder ob sie von entfernten Ländern angeschwemmt worden, kann ich nicht entscheiden. Noch gehört unter die Foßilien dieser Insel, ein grüner, bald undurchsichtiger bald ganz durchsichtiger, Stein, welchen ich in das Geschlecht der Nierensteine setze ( talcum nephriticum Linn.). Die Einwohner fertigen daraus Aexte, Meissel, und allerley Zierrathen, und holen ihn aus den Gegenden, welche jenseits der innersten Vertiefungen des Charlotten-Sundes, nach Südwesten zu liegen, wohin sie auch allemal deuteten, so oft wir sie darum befragten. Den Stein selbst nannten sie Poenammu, und wahrscheinlicherweise hat die ganze Gegend wo er bricht, davon den Namen Tavai-Poenammu erhalten. Aus dem kleinen Eilande, welches mit dem Motu-aro S. Cooks Plan vom Charlotten-Sund, in Hawkesworths Sammlung etc. etc. in 410. zusammenhängt, und woselbst ehedem ein Hippa, oder neuseeländisches Vestungswerk belegen war, fand ich diesen Stein theils in senkrechten theils in etwas schiefen Gängen, etwa zwey Zoll im Durchschnitt, in einem Gebirge von dem ebenerwähnten grauen talkartigen Gestein. Selten ist der Nierenstein derb und in großen Stücken; die größten die mir vorgekommen sind, hatten nicht über fünfzehn Zoll in der Breite, und waren ohngefähr zwey Zoll dick. Am Strande fand sich noch gemeiniglich bläulicht-grauer, blättriger Thonschiefer, welcher an der Luft sehr leicht verwitterte; bisweilen war er dunkler von Farbe, fester, und alsdann, vermuthlich von beygemischten Eisentheilchen, auch schwerer. In Norfolk-Eiland fanden wir fast die nämlichen Bergarten wie in Neuseeland, nebst etlichen rothen und gelben Laven. Ueberhaupt enthält diese kleine Insel auch lauter Neuseeländische Vögel und Pflanzen. Auf Oster-Eiland erblickt man deutliche Spuren einer neuerlichen gewaltsamen Veränderung, welche durch unterirrdische Feuer hervorgebracht worden ist. Alle dortige Felsen und Steine sind schwarz, durchlöchert, ausgebrannt, und völlig schlackenähnlich. Den Boden deckt eine braunrothe, dem Anschein nach verbrannte Stauberde, welche man zu den Puzzolanen Ferbers Reise. zählen muß. Alles ist daselbst mit Bruchstücken von Tras Ebendas. gleichsam besäet. Auch finden sich Klumpen darunter, welche aus röthlich-ocherigten volkanischem Tuffe, ( tophus tubalcaini Linn.) Ebendas. bestehen, ganz durchlöchert, und mit Eisentheilen angemischt sind. Die Riesenbilder, welche man in Oster-Eiland antrift, sind aus diesem Steine gehauen, dessen Zerstörbarkeit an der Luft zugleich ein hinlänglicher Beweis ist, daß diese Denkmäler noch nicht seit gar langer Zeit errichtet seyn können. Die Südspitze der Insel bestehet gegen die See hin aus einer Felsenstrecke, welche über eine Viertelmeile Englische Landmeile. lang, und durchaus eine derbe, schwere, löcherichte Lava oder Schlacke von muthmaßlichem Eisengehalte ist. Ueberdies giebt es noch verschiedene schwarze glasartige Steine, welche unter dem Namen isländischer oder schwarzer Achate, ( pumex vitreus ) bekannt, und in dieser Insel, so wie am Vesuv in Italien, am Mongibello in Sicilien Ferbers Reise; auch die Anmerk. des engl. Uebersetzers S. 158. und überhaupt in volkanischen Gegenden häufig anzutreffen sind. Cronstedts Mineralogie. Abschn. 295. Endlich findet sich hier auch eine leichte, schwammigte Steinlava, von weißgrauer Farbe. Die Marquesas haben Felsenufer aus folgenden Bergarten: Erstlich, ein erhärteter Thon; zweytens, schwerer, dichter, blaulicht-grauer, etwas eisenhaltiger Schiefer; endlich drittens, eine steinigte Lava, welche, bald mit braunen oder grünlichten, blätterigen, fünf bis sechseckigen, glasartigen Schörl eingesprengt, grau und schwammigt, bald wiederum, mit braunem oder weissen Strahlenschörl durchschossen, schwärzlich ist. Der Boden ist thonigt, mit Gartenerde vermischt, und wird mit Muscheln gedüngt. Darunter liegt eine andre Thonerde, mit Tras und Puzzolane vermengt. Die höhern Gegenden der Insel konnten wir, wegen der Kürze unsers Aufenthalts, nicht erforschen. O-Taheiti hat unstreitig mit den übrigen Societäts-Inseln einerley Beschaffenheit. An ihren Küsten liegen Korallenklippen, welche sich von dem in einiger Entfernung gelegenen Rief Rief ( reef ) nennt der Seemann, eine Felsenkette, welche in einiger Entfernung von den Küsten eines Landes aus der See hervorragt, und worüber die Wellen wegspülen. bis an den Standort der höchsten Fluth erstrecken. Daselbst fängt sich das Gebiet des Sandes an, welcher entweder aus zermalmten Muscheln und Korallien, oder aus einer dunkelen Mischung dieser Theile mit schwarzen, öfters glänzenden, Theilchen eines groben Glimmers ( mica ) und einiger armen Eisenerze wie z. B. Eisenmann und Wolfram Engl. Kall und Shim; ferrum micaceum und molybdaenum spuma lupi , Linn besteht. Von diesen Ufern bis an den Fuß der Berge sind die Ebenen mit einer tiefen Schicht fetter schwarzer Gartenerde bedeckt, worunter der jetzt beschriebene Sand gemengt ist. Doch wird auch dieser reiche Boden noch öfters mit Muscheln gedüngt, um das Wachsthum der berauschenden Pftfferstaude ( piper methysticum F.) und des Papiermaulbeerbaums ( morus papyrifera Linn) zu vervollkommnen. Die vordersten niedrigern Anhöhen bestehen mehrentheils ans gemeiner Ochererde ( ochra martis Linn.) von hochrother Farbe, womit die Einwohner ihre Kähne und Zeuge anstreichen. In dieser Erde fand ich hie und dort einige Stücke Beinbruch ( tophus osteocolla Linn.) Die Masse der höheren Berge ist von aussen her eine harte, dichte, zähe Thonart, welche in den untern Schichten, die der Sonne, Luft und Regen unzugänglich sind, zu Stein verhärtet ist. In den Thälern, welche sich zwischen den Bergen tief ins Land erstrecken, findet man, längst den Bächen, große Granitmassen ( saxum ,) von verschiedener, jedoch grober Mischung. Unweit eines Wasserfalls aber, welcher sich in den Matavaifluß ergießt, stehen in einer ähnlichen Lage eine Menge grauer, fester Basaltsäulen ( nitrum basaltinum Linn.) Ein schöner schwarzer dichter Basalt oder Probierstein ( paragone ) wird ebenfalls, jedoch nur in Bruchstücken, angetroffen, und ist die Materie, aus welcher die Einwohner ihre Aexte, Meißel, Stampfkeulen, und allerley Schneidewerkzeuge verfertigen. In O-Aitepiha brachten mir die Einwohner ein Stück Pyrit oder Schwefelkies, welcher genau die Gestalt eines Tropfsteins, oder einer im Herabfließen geronnenen Substanz hatte; daß aber auch derber Schwefel in Taheiti gefunden worden, hat mir Herr J. Casimir Gomez Ortega , ein berühmter spanischer Kräuterforscher und Aufseher des königl. botanischen Gartens zu Madrid, versichert. Eine daselbst gefundene ansehnliche Stufe des schönsten krystallinischen, durchsichtigen, gediegenen Schwefels ist auf den spanischen Kriegsschiffen nach Europa gebracht worden, und wird in der königlichen Naturaliensammlung aufbewahrt. Ungeheure Massen, schwarzer durchlöcherter Felsen, voll weißer und verschiedentlich gefärbter Schörle, mit einem Worte, ächte ungezweifelte Laven beschliessen die entferntesten Thäler, welche diese gebirgigten Inseln durchschneiden. Dort giebt es ebenfalls graue, tropfsteinartige und schwammigte Laven, welche schwarzen Schörl enthalten, und endlich noch einen blättrigen thonartigen Eisenstein von schmutziger rothbrauner Farbe. Die Freundschaftlichen Eilande scheinen mir mit den Societätsinseln fast einerley Boden zu haben, jedoch mit dem Unterschiede, daß die letztern weit höher und felsigter sind. Im Jahr 1774, als wir bey der Insel Namocka vor Anker lagen, konnten wir des Morgens auf der benachbarten Insel Tofua einen Rauch aufsteigen sehen, welcher des Nachts vom Feuer erleuchtet war. Da wir bald darauf zwischen der ebengenannten Insel und O-Gaho durchhinschiften, brachen, mitten aus jener, große Rauchwolken hervor, wobey sich ein Geruch wie von brennendem Torf spüren ließ; die Luft war mit seinen Theilchen angefüllt, welche auf das Schiff herabfielen, und in unsern Augen eine schmerzhafte Empfindung verursachten. Auch erblickten wir auf der Nordküste derselben Insel eine große Strecke, welche augenscheinlich erst seit kurzem abgebrannt seyn mußte. Auf A-Namocka fanden wir Bimssteine, welche die See dort häufig anschwemmt. Die Einwohner aller freundschaftlichen Eilande besitzen ebenfalls, so wie jene in den Söcietätsinseln, Aexte und andere Werkzeuge von schwarzem feinem Basalt. Unter ihrem Fischergeräth fand sich oft ein kegelförmiges Stück Kalkstein, welches ich zwar für eine Spathgattung halte, aber gleichwol nicht entscheiden kann, ob es aus wirklichem Kalkspat oder aus einer Art Korallien geschnitzt werde. Auch in den Neuen Hebriden scheint das Erdreich ziemlich genau mit den Bergarten der beyden vorigen Inselgruppen übereinzukommen. In Mallicollo bestand es, dem Ansehen nach, mehrentheils aus gelblichem Tbon mit Sand gemischt. Längst dem Strande lagen Madreporen und andre Korallien, und tiefer landeinwärts fand sich verhärteter Thon. Die Insel Ambrymm hat unstreitig einen, und vielleicht zween Vulkane, daher wir denn auch, ihr gegenüber, auf dem Strande von Mallicollo, Bimssteine fanden. Irromanga sahen wir nur von fern, indessen schien der Boden ziemlich einerley Beschaffenheit mit dem vorigen zu haben. Die Küsten der Insel Tanna sind mit Madreporen und Korallenklippen besetzt. Der Strand ist mit schwarzem Sande, einer Mischung von ganz feinem Schörl und Bimssteintheilchen, bedeckt, welches eigentlich volkanische Asche ( pumex cinerarius Linn.) ist. Der Wind verbreitet sie über die ganze Insel, so daß die Oberfläche derselben überall aus solchem Bimssteinsand besteht, der mit einer reichen schwarzen Gartenerde, aus vermoderten Pflanzen, gemengt ist. Der Volkan wirft dergleichen Asche so häufig aus, daß oft, in einem Bezirke von mehreren Meilen rund um den Volkan, ein jedes Blatt an Bäumen und Pflanzen, und jedes Gräsgen, so klein es immer seyn mag, gänzlich damit beladen ist. Dieser Auswurf macht aber den fettesten Boden, in welchem alle Gewächsarten mit ungewöhnlicher Kraft aufschießen und gedeihen. Noch fanden wir hier einige abgebrochene Stücke Felsstein, ein Gemisch von Quarz und schwarzem Glimmer, und zuletzt auch ein Stückgen aufgelöseten oder verwitterten groben Granit, welcher mit einem schwarzen drusigten Glaskopf übersintert war. Die allgemeinste Bergart dieser Insel besteht, soweit sich von der Uebersicht der Gegend am Haven urtheilen ließ, in Thonschichten, welche mit Alaunerde gemischt sind, und reine Kreide klumpenweis enthalten. Diese Lagen betragen sechs Zoll mehr oder weniger in der Dicke, und liegen beynahe waagerecht. An einigen wenigen Stellen fand ich noch einen schwarzen weichen Sandstein, welcher ein Gemisch von Thon und volkanischer Asche war. Hin und wieder bricht auch eine braune thonartige Trippelerde von der Gattung, die in England gewöhnlich Faulstein ( rottenstone ) heißt. Dieser englische Faulstein ( rottenstone ) sieht von dem Brennbaren oder Erdpech, womit er durchzogen ist, beynahe so dunkelbraun, als Umber, aus. Man gebraucht ihn zur Politur der Metalle. Er muß aber nicht mit dem Stinkstone der Engländer verwechselt werden, welches unser Saustein, oder ein mit Perroleo oder einer Phosphorsäure durchdrungener Kalkspath ist. Zwischen dieser und dem obigen Sandstein findet sich eine Schicht, welche aus einer Mischung von beiden besteht. Auf den Bergen, welche zwischen dem Haven und dem Volkan belegen sind, giebt es an mehreren Stellen eine weisse Thonart, durch welche, vermöge der Nähe des Volkans, beständig wässerige und schwefeligte Dünste emporsteigen. Diese Stellen werden von den Dämpfen unleidlich erhitzt. Der Thon hat einen zusammenziehenden, und wie mich dünkt, alaunartigen Geschmack, und man bemerkt darinn angeflogenen gediegenen Schwefel, nebst einigen grünen Kupferflecken. Volkanische Produkte sind in der Nähe dieser Solfatarra sehr häufig. Die Steinarten dortherum sind Laven; der Sand volkanische Asche, und der Boden Thon mit eben solchem Sande gemischt. Die weisse Thonart ist also ohne Zweifel ebenfalls ein volkanisches Produkt, welches eine neue Veränderung erlitten hat. – Baumé hatte zuerst den Gedanken, daß dergleichen Thonarten durch die Wirkung der Vitriolsäure auf glasartige oder verglasete Materien, entstehen. Hr. Ferber aber wußte zuerst diese Idee auf die großen Arbeiten der Natur in den Solfatarren anzuwenden, wie man im 9ten Briefe (vom 17ten Februar 1772.) der lehrreichen Reise dieses großen Mineralogen durch Italien ausführlicher lesen kann. Der Ritter William Hamilton, hatte zwar bereits 1771 die Solfatarra am Vesuv besucht, allein das wunderwürdige Werk oer Natur, welches daselbst vor sich geht, scheint er nicht einmal geahndet zu haben: denn er nennt es in seinem Briefe an den verstorbenen D. Maty, (vom 5ten März 1771.) eine Verkalchung, und erzählt, »daß er an einem großen Klumpen Lava, dessen eine Hälfte von den Dünsten unberührt, folglich unverändert geblieben war, die andre Hälfte vollkommen verkalcht gesehen habe; ja daß sogar an einigen Stücken der Mittelpunkt bereits in echten Marmor verwandelt worden sey.« Hält man gegen diese Ausdrücke die Ferberische Bemerkung, daß der weisse Thon von der Solfatarra, dem äusserlichen nach zu urtheilen, leicht für Kalkstein gehalten werden dürfte, so hat man den Ausschuß, wie der Ritter dazu gekommen sey, dabey an Verkalchungen und Marmor zu denlen. In den 1776 zu Neapel herausgekommenen prächtigen Campis Phlegraeis ist von Marmor und Verkalchung die Reue nicht mehr, sondern der Ritter Hamilton eignet sich selbst darin die Ferberische Entdeckung auf eine etwas anzügliche Art zu. Wie gegründet seine Klage gegen Hrn. Ferber seyn möge, wird nunmehr ein jeder, der Thon von Kalch zu unterscheiden weiß, beurtheilen können. Auch ist es wohl nicht ohne Absicht geschehen, daß der obenerwähnte Btief des Ritters vom 5ten März 1771 in den Campis Phlegraeis fehlt, da sonst alle die übrigen, welche ehemals in Oktav erschienen, von neuem in diesem schönen Werke abgedruckt worden sind. Unter diesen Solfatarren, aus welchen bey jedem Auswurf des Volkans die Dünste häufiger hervordringen, giebt es, unten am Strande, (in gleicher Höhe mit dem höchsten Standorte der Fluth,) etliche Heisse Quellen, welche aber nicht im mindesten geschwefelt zu seyn scheinen. In der Nähe dieser Solfatarren oder Dampflöcher, findet, man noch eine rothe Ocher- oder Vitriolerde, die dem Colcothar Vitrioli ähnlich sieht, und von den Einwohnern als Schminke gebraucht wird, mit welcher sie sich das Gesicht bemalen. Violette, schwarze und weisse Bimssteine von ungleicher Schwere sind überall auf der ganzen Insel ausgestreut. An der Südseite ist eine Felsenklippe vorhanden, in welcher ich verschiedene Stücken Lava, einige schwarz und dicht, andere durchlöchert und mit grünen und weissen Schörlkrystallen, und noch andere, grau und schwammigt, mit gelben und schwarzen Schörlen, fand. Ausser diesen Sorten gab es noch eine röthliche Lave, oder Tras, der so leicht wie ein Bimsstein war. Kalkartiger Tuff ( tophus ) mit vielen Pholadennestern angefüllt, wird längst dem Strande angetroffen. Vermuthlich enthält die nahgelegene Insel Anattom ebenfalls volkanische Materien; wenigstens versicherten die Einwohner von Tanna, daß ihre aus dichtem schwarzem Paragon, oder Basalt, verfertigten Aexte dorther geholt würden. Sie nannten diese Art Aexte: Pahà-Bittaf, um sie von Pahà-Bùschan, einer andern Art, zu unterscheiden, welche aus einem Stück einer weissen Muschel, von der Insel Immer, gemacht werden. Den erstern Namen gaben sie auch unsern eisernen Beilen. Neukaledonien, nebst den anliegenden Eilanden, wird von Madrepor- und Korallenriefen eingeschlossen. Muschelsand, mit Quartztheilchen vermengt, bedeckt den Strand. Auf der Ebene findet man eben diesen Sand mit schwarzer Gartenerde gemischt, welche durch Düngung und Wässerung urbar gemacht wird. Die Anhöhen bestehen, wo ich sie in Augenschein nahm, aus gelbem ocherigen Thon, mit reichlich eingesprengtem Glimmer und Katzensilber ( mica argentea ). Die höheren Gegenden bestehen ganz aus einer Art von Gestellstein, der aus Quarz und großen Klumpen Katzensilbers gemischt ist ( saxum quartzo et mica argentea compositum ). Das Katzensilber ist bisweilen hochroth oder orangegelb, welches von einem Eisenocher herrührt. Westwärts von unserm Ankerplatze, liegen nahe am Strande einige große Massen eines sehr harten, schwarzgrünen Hornsteins ( talcum corneus Linn.), voll kleiner Granaten, wie Nadelköpfe groß ( saxum corneum, granatis mixtum. ) An mehrern Stellen trift man große Stücke von weissem, durchsichtigem Quarz, dessen Ritzen zuweilen rothgefärbt sind. Mit der Schärfe, welche dieser Quarz im Bruche bekommt, schneiden die Einwohner sich das Haar. Diese Leute führen auch beständig eine Art Schleudersteine in kleinen Taschen bey sich; die Figur dieser Steine ist länglich- rund und an beyden Enden etwas zugespitzt. Sie werden aus einer Art Seifenstein ( sinectites ) verfertigt. Endlich so bricht hier eine faserige, grüne Asbest-Art. Wenn man nicht die Korallien und Madreporen rechnen will, welche den Küsten so vieler Inseln zur Einfassung dienen, so habe ich in allen Ländern, welche wir auf dieser großen Reise besuchten, keine einzige Versteinerung gefunden. Allerdings muß man Madreporen und Madreporiten unterscheiden. G. F. Aus allem obigen erhellet nun, wie mich dünkt, ganz deutlich, daß alle hohe bergigte Inseln im Südmeere, zwischen den Wendekreisen, von Volkanen einige Veränderung erlitten haben: und die noch würksamen feuerspeyenden Berge auf Tofua, Ambrrym und Tanna bekräftigen dieses noch mehr. Kies und schwefelartige Materien, nebst einigen Eisen- und Kupfertheilchen, sind auf mehrern dieser Inseln unstreitig vorhanden: reiche Erzgänge aber am wahrscheinlichsten in den Gebirgen von Neukaledonien, und vermuthlich auch in den Neuseeländischen, anzutreffen; dahingegen in allen volkanischen Eilanden die metallischen Theile schon längst durch die Gewalt des unterirrdischen Feuers zerstört und verschlackt seyn mögen. In Neukaledonien und Neuseeland ruhen sie noch ungestört in Bergarten, welche bisher immer zu den ursprünglichsten gezählt worden sind, und worin man jederzeit ausschliessungsweise Erzadern angetroffen hat Es ist hier die Rede blos von Gängen, und nicht ven Flötzen, die zwar ebenfalls Erze enthalten, aber eines ganz andern Ursprungs, als die uralten Berge sind. . Dieser ganz allgemeinen, aber wahrscheinlichen Vermuthung kann ich nichts ferneres hinzufügen, indem eine nähere Berichtigung der Oryktologie eines jeden Landes, welches wir besuchten, bey der Kürze unseres Aufenthalts, bey der Mannigfaltigkeit unsrer Beschäftigungen, und bey dem Mangel an nöthigen Hülfsmitteln, nicht ins Werk zu stellen war. Vierter Abschnitt. Berge. Alle Inseln in den verschiedenen Meeren, welche wir durchschifft haben, können füglich als unter Wasser liegende Gebirgsketten, deren Gipfel hervorragen, betrachtet werden. Die größte Tiefe des Meeres ist die Fläche, auf welcher diese Erhöhungen, theils einzeln theils aneinandergereihet und oft in einerley Richtung liegen. Ich begnüge mich vorjetzt, verschiedene dieser umflossenen Gebirgsreihen anzuzeigen. Am Vorgebirge der guten Hoffnung erzählte man uns, im November 1772, daß einige französische Seefahrer in dem südlichen indianischen Weltmeere, ohngefähr auf dem Meridian der Moritzinsel ( Isle de France ) und im 48° der südlichen Breite, ein neues Land entdeckt hätten. Wir suchten dem zufolge, als wir zum erstenmal den antarktischen Polkreis überschritten hatten, in der angegebenen Meeresgegend nach diesem Lande, waren aber, ohngeachtet vieler Merkmale welche uns dessen Nähe wahrscheinlich machten, nicht so glücklich, es zu finden. Bey unsrer Rückkunft ans Vorgebirge der guten Hoffnung, im März 1775, fanden wir daselbst den französischen Capitain Crozet, welcher mit seinem unglücklichen Freunde Marion eine Entdeckungsreise gethan, und ebenfalls im südlich-indianischen Meere einige kleine nebst einer größern Insel gefunden hatte. Diese Inseln, welche alle in der Richtung von West nach Osten liegen, und die obigen, von dem Hrn. von Kerguelen gesehenen, findet man zuerst auf der, unter Aufsicht des Herzogs von Croy herausgekommenen, Charte der südlichen Halbkugel, von Robert de Vaugondy. Vermuthlich wird Capitain Cook auf seiner jetzigen Reise ihre Lage berichtigen, Die Nachricht von des unglücklichen Cooks letzter Reise hat diese Vermuthung völlig bestätigt. Er hat diese Inselgruppe auf der Fahrt vom Vorgebirge der guten Hoffnung nach Neuseeland besucht. und dadurch unsern mißlungenen Versuch, sie aufzufinden, ersetzen. Sie bilden also eine von West nach Osten streichende Gebirgskette unter dem Wasser. Fast in der nämlichen Richtung erstreckt sich jene andre Reihe von Gebirgen, im südatlantischen Meere, welche aus dem Sandwichland, Südgeorgien, den Falklandsinseln, Staatenland, und den vielen Eilanden des Feuerlandes besteht, und theils auf unserer Reise, theils von andern Seefahrern besucht worden ist. – Eine dritte Reihe bilden die niedrigen Inseln ostwärts von Taheiti, die Societätsinseln, die freundschaftlichen Inseln, die Neuen Hebriden, Neukaledonien, und die dazwischen eingestreuten Eilande: Scilly, Howe, Palliser, Palmerston, Savage-Eiland und Turtle Eiland, ferner die Hoffnungs- ( hope ) und Kokosinseln, des Capitain Carterets Charlotteninseln, nebst vielen andern, welche bis an Neuirrland, Neubritannien und Neuguinea den ungeheuren Raum von mehr als zwey Drittheilen des großen Südmeeres einnehmen. Als ein Zweig dieser großen Bergkette scheint Norfolk-Eiland und Neuseeland von Nord nach Süden auszugehen; und so gereicht die verschiedene Richtung der Gebirge unter dem Ocean, wie der Knochenbau im Körper, vielleicht zur mehrern Festigkeit und Stärke unserer Erdkugel. Die Höhe dieser Gebirge kommt zunächst in Betrachtung. Der Berg Egmont im nördlichen Theile von Neuseeland ist, meines Urtheils, der höchste, den wir auf dieser Reise gesehen haben. Sein Gipfel war sehr weit herabwärts mit Schnee bedeckt, und fast beständig in Wolken gehüllt, so daß wir ihn nur selten deutlich sehen konnten. Im südlichen Frankreich, unter dem 46°. nördlicher Breite, schmilzt der Schnee nicht mehr in einer Höhe von 3280 bis 3400 englischen Yards (zu 3 Fuß) über der Oberfläche des Meeres Eintausend fünfhundert Teisen (3194 Yards) giebt der Abt Giraud-Soulavie für die Höhe der beständigen Schneelinie im südlichen Frankreich an. S. Géographie de la Nature. p. 12. G. F. ). Im 28°. nördlicher Breite, auf dem Pik de Teyde, in der Insel Teneriffa, findet man nicht eher beständigen Schnee, als in einer senkrechten Höhe von 4472 englischen Yards (13416 englischen Schuhen) über der Wasserwaage. Nun liegt zwar der Egmontsberg im 39°. südlicher Breite, allein da wir durchgehends die südliche Halbkugel auf gleichen Graden der Breite ungleich kälter als die nördliche befunden haben, so nehme ich an, daß das Klima des Egmonts dem vorerwähnten französischen völlig gleich, folglich die Schneelinie auf 3280 Yards (9840 Fuß) festzusetzen sey. Der Theil des Berges, welcher in der Mitte des Oktobers mit Schnee bedeckt war, schien ohngefähr ein Drittheil der ganzen Höhe zu betragen, mithin beläuft sich dessen ganze Höhe auf 4920 englische Yards oder 14720 engl. Fuß. Nach den Messungen des verstorbnen Dr. Heberden ist also der Pik von Teneriffa nur um ein geringes höher als der Egmontsberg Seine Berechnung giebt dem Pik eine Höhe von 15396 engl. Schuh, Philos. Transact. Vol. XLVII. p. 356. Er bemerkt ferner, daß der Zuckerhut zuoberst auf dem Pik, aber die sogenannte Pericosa , ein Achttheil einer großen Seemeile ( league ) bis zum höchsten Gipfel beträgt, und fast Jahr aus Jahr ein mit Schnee bedeckt ist. Ein Achttheil Seemeile oder 1980 Fuß von obigen 15396 Fuß, der ganzen Höhe des des Piks abgezogen, so bleiben nach dieser Angabe 13416 Fuß, oder (wie ich schon oben anführte) 4472 Yards, als die senkrechte Höhe der Schneelinie über dem Meere. Allein der Ritter von Borda giebt dem Pik von Teneriffa, zufolge seiner im August 1776 angestellten barometrischen Messung nur 1931 französische Toisen, oder 12340 engl. Fuß; und seine trigonometrische Messung gab ihm beynahe das nämliche Resultat. Also 1980 Fuß, als die Höhe des mit Schnee bedeckten Theils von 12340 abgezogen, bleiben nur 10360 Fuß (3454 Yards) als die Höhe der beständigen Schneelinie über dem Meere in einer nördlichen Breite von 28 Graden und etlichen Minuten. F. Diese Berechnung kommt wieder mit der für Frankreich angegebenen Schneelinie von 1500 Toisen, (nach dem Abt Giraud-Soulavie ) oder 3194 Yards mehr überein, indem alsdenn diese Schneelinie in einem gleichmäßig fortschreitenden Verhältnisse sich gegen die Pole zu, der Erd- oder Meeresfläche nähert. Nur würde in solchem Falle der Egmontsberg, nach dem Klima vom Vivarais berechnet, nicht über 2250 Toisen oder 4791 Yards, oder 14373 engl. Fuß hoch, und gleichwohl 2033 Fuß höher seyn, als (nach Bordas Rechnung) der Pik von Teneriffa ist. G.F. ). Auch die Gipfel anderer hoher Gebirge im Innern von Neuseeland, beydes in der Gegend von Charlottensund und um Dustybay, sind ziemlich weit herab mit ewigem Schnee bedeckt. Im May 1773 bemerkten wir alle diese Schneekuppen zwischen den beyden benannten Häven; und noch desselben Jahrs im Oktober, da uns der Sturm, an der südöstlichen Küste, beynah bis Banks-Eiland herauf verschlug, erblickten wir sie wiederum auf der südlichen Insel. Es ist also ziemlich gewiß, daß eine ununterbrochene Gebirgskette die ganze südliche Insel gleichsam durchstreicht, deren Gipfel zwischen zwölf und vierzehntausend Fuß hoch sind. In einer so langen Reihe von Bergen lassen sich mit vieler Wahrscheinlichkeit die reichsten und nützlichsten Metalladern vermuthen. Die Gebirge im Feuerlande, Staatenlande, Südgeorgien und Sandwichland sind beständig mit Schnee bedeckt, mit dem Unterschiede, daß auf den beyden ersteren blos die Gipfel der Berge, auf den letzteren hingegen alles, bis an die Meeresfläche, und zwar mitten im Sommer verschneyet ist. Hier läuft also die beständige Schneelinie ganz niedrig an der Oberfläche des Meeres fort, und bezeichnet die Rauhigkeit dieses Himmelsstriches zur Genüge. Aeusserst merkwürdig ist es, daß beydes, Südgeorgien und Sandwichland, Inseln sind, welche die nasse und mildere Seeluft umgiebt und bestreicht, mithin, sollte man denken, wird daselbst immer noch etwas zur Milderung der Kälte und der rohen Witterung gewirkt. Unter den Inseln des Südmeeres innerhalb der Wendekreise, hat O-Taheiti so viel ich weiß, den höchsten Berg, und zwar ist es derjenige, welcher im Mittelpunkt der größern Halbinsel, oder Tobreonu liegt. Eine große Anzahl sehr tiefer Thäler durchschneidet ihn auf allen Seiten; ihre Richtung ist gerade von dem Mittelpunkte ab, wo die höchste Spitze emporragt, fast wie Strahlen eines Zirkels nach der Küste hin. An vielen Orten steigt man bequem auf einer sanften Anhöhe hinan zur höchsten Spitze, welche nach einer ziemlich genauen Berechnung ohngefähr sieben englische Meilen von der Landzunge Venus, oder der nördlichsten flachen Spitze der Insel entfernt ist. Cooks Charte Hawkesworths Samml. in 4to. zweiter Band. giebt zwar die Distanz von 9 Meilen an; allein ich finde diese Angabe, nach zwey verschiedenen Reisen auf den Berg, um so mehr übertrieben, da das Thal, in welchem der Matavaistrom fließt, kaum sechs Meilen lang, und demohngeachtet beynah eben so weit, als der Gipfel dieses Berges von der See entfernt ist, landeinwärts dringt. Der Sternkundige am Bord unsers Schiffs, Herr Wales, maß den Winkel, welchen der Berg mit der Meeresfläche macht, in seiner Sternwarte auf der Landspitze Venus, und fand ihn genau 15°. Läßt sich nun auf diese beyden gegebenen Größen hinlänglich fußen, so giebt die gewöhnliche trigonometrische Berechnung dem Berge eine Höhe von 9565 Engl. Fuß Die Würkung der Strahlenbrechung abgerechnet, ist die Höhe nur 9530 Fuß. Sollte aber die Grundlinie 9 Engl. Meilen betragen, wie die Charte ausgiebt, so wäre der Berg 12252 Fuß hoch. . Auch die kleinere taheitische Halbinsel, oder Tiarrabu, ist im Mittelpunkte eine große Felsenmasse, deren Gipfel aber so steil, schroff und an einigen Orten so seltsam aufgethürmt sind, daß man ihnen eine heftige Erschütterung und Veränderung durchs Feuer oder durch andere gewaltsam würkende Mittel ansehen muß. Auf allen übrigen Inseln des Südmeeres zwischen den Wendekreisen sind die Berge von mäßiger Höhe, und wenigstens um ein Drittheil niedriger als in Tobreonu; hoch genug, um Wolken anzuziehen, jedoch tief unter der Schneelinie wegstreichend, welche in Peru unter dem Equator bekanntlich erst in der Höhe von 16020 Engl. Schuhen über dem Meere eintritt. Es ist hier der Ort, etwas über diese verschiedene Höhe der Schneelinie zu sagen, welche an den Polen die Meeresfläche berührt, und von da bis zum Equator immer höher in der Atmosphäre steigt, um, wo möglich, nach obigen Bemerkungen, ihre muthmaßliche Entstehungsursach zu errrathen. Erstlich müssen die Sonnenstrahlen wo sie senkrecht fallen, eine größere Hitze verursachen, als an denjenigen Orten wo die schiefere Richtung ihre mechanische Kraft vermindert. Zweytens erhitzen die von den Ungleichheiten des Erdbodens abprallende Strahlen, die sich auf verschiedene Art durchkreuzen, den Dunstkreis nahe an der Erdfläche weit mehr als in der Höhe. Endlich drittens, ist nach den Gesetzen der Schwere die Luft je näher am Erdboden je dicker, mithin mit Dünsten reichlicher beladen, welche die ihnen mitgetheilte Hitze länger in sich halten können Inferiora quoque repent, primum terrarum halitu, qui multum secum calidi affert, deinde quia radii solis replicantur et qousque redire potuerunt, replicato calore beniguius fovent. SENEC. Nat. Quaest. 1. 2. c. 10. . Das Gegentheil muß in der höhern Luft statt finden, welche dünner und unfähig ist, die Wärme an sich zu halten Wenn Crawfords neue Lehre gelten soll, könnte man dies auch so erklären, daß eine dünnere Luft blos eine reinere Luft ist, in deren größern Feuerräumen (wenn man sich so ausdrücken darf,) also mehr Feuer oder Wärme stecken kann, ohne gleichwohl fühlbar zu werden. S. Götting, Magazin erster Jahrgang. G.F. . Aus diesen Grundsätzen lassen sich die Erscheinungen der Schneelinie erklären. Zwischen den Wendekreisen ist Erde sowohl als Luft erhitzter als gegen die Pole, indem die Sonne dort mehr senkrecht, hier aber in schiefern Winkeln folglich nicht so thätig würkt. Im heißen Erdstrich ragen demnach die Berge in einer erhitztern Dunstkugel empor, und jene Linie, über welche hinaus der Schnee nicht mehr schmilzt, muß daselbst unstreitig höher über der Erdfläche erhaben seyn als an den Polen, wo die Würkung der Sonne weder kräftig noch dauernd ist. Die Luft, als Flüßigkeit betrachtet, welche den ganzen Erdkörper umgiebt, ist mit diesem einerley Naturgesetzen unterworfen. Die Schwere, welche unter dem Equator bekanntlich geringer als gegen die Pole hin ist, äußert also auch zwischen den Wendekreisen eine geringere Kraft auf den Luftkreis, als ausserhalb jenen Gränzen. Ist nun die Luft, theils von der Sonnenwärme theils durch die verringerte Anziehungskraft, im heißen Erdstriche mehr ausgedehnt, und höher über die Erdfläche gestiegen, so folgt auch daraus, daß die Schneelinie dort höher über der Erde fortstreifen müsse. Warum es aber in der südlichen Halbkugel, in gleichen Graden der Breite, kälter als in der nördlichen seyn mag, werde ich in einem der folgenden Abschnitte, wo von der Entstehung des Eises die Rede ist, zu erklären suchen. Fünfter Abschnitt. Entstehung des Erdreichs. Den Inseln im warmen Himmelsstriche des Südmeers sieht man es an, daß sie bereits lange Zeit in ihrer jetzigen Fruchtbarkeit bestanden sind. Hingegen sind die südllichen Spitzen Neuseelands, nebst dem Feuerlande, Staatenlande, Südgeorgien und Sandwichlande noch in jenem rohen Zustande, in welchem sie aus dem ursprünglichen Chaos hervorgetreten seyn mögen; jedoch mit dem Unterschiede, daß ihre Verbesserung und Fruchtbarkeit gleichsam mit jedem Schritte merklicher werden, den man von dem Pole nach dem gemäßigtern Himmelsstrich thut, woselbst die Sonne wohlthätiger würkt. Alle verschiedene Theilgen mineralischer Körper, welcher Art sie immer seyn mögen, sind todt; nur die organischen Körper des Pflanzen- und Thierreichs sind des Lebens fähig. Todesstille, Unfruchtbarkeit, und Schrecken der Verwüstung herrschen, wo nur Mineralien nackt und unbekleidet liegen. Der geringste Zusatz von Kräutern belebt schon eine Gegend; unbeholfne Seehunde, so träg und schläfrig sie auch sind, und Pinguine, wie sie schwerfällig wankend einhergehen, sind doch bewegliche Bilder, die schon einigermaßen den Zuschauer mit Leben erfreuen. Wo aber der Boden in seinem vielfarbigen Pflanzenkleide prangt, wo alles von Vögeln und andern Thierarten wimmelt, da steigt der Gedanke zu den Lebenskräften der Natur empor, und wagt den kühnen Flug hinauf zu ihrem allgewaltigen Herrn! – – Kein Erdenstäubgen scheint auf den wilden Felsen des Sandwichlands zu ruhen, keine Spur von Gewächsen läßt sich dort erblicken. Eine unermeßliche Last bleibenden Schnees drückt seine öden Scheren gleichsam mit dem Fluche der Natur, und alles ist von immerwährenden Nebeln in Finsterniß gehüllt Pars mundi damnata a rerum natura, et aeterna mersa caligine. PLIN. hist. nat. I.4. . An der Nordwestspitze von Südgeorgien erblickt man bereits eine kleine Insel mit grünem Rasen bedeckt; zween Felsen in der Posseßionsbay, mit dünnem Erdreich überzogen und mit Pflanzen sparsam bestreut, zeigten uns dort das erste Würken der schöpferischen Natur. Ihre Geschenke, mit karger Hand ausgespendet, bestanden daselbst nur in zwo Pflanzenarten, deren eine ein Gras ( Dactylis ), die andre ein Pimpernellenähnliches Gewächs, Ancystrum Irrig heißt es im Original sowohl, als in meiner Reisebeschreibung 2ter Theil S. 414. eine würkliche Pimpernelle, ( Sangnisorba Linn.) G. F. , war. Staatenland und Feuerland, die zunächst nach Westen liegen, können, Aehnlichkeit halber füglich zusammengenommen werden. In den Klüften und Spaltungen dieser aufgethürmten Felsenhaufen, – an solchen Stellen, wo etwas Feuchtigkeit, und ein ganz feiner Sand oder Staub, von dem beständigen Rollen kleiner Bruchstücke, die an den steilen Felsenwänden herabgewaschen oder vom Sturme fortgewälzt werden, liegen bleibt, – da entstehen allmälig einige wenige Pflänzgen, die den algis verwandt sind, und deren Saamen etwa an den Füßen, Schnäbeln oder Federn der Vögel zufälligerweise dorthin geführt wurden. Bald verweset dieser kleine organische Anfang am Schluß des kurzen Sommers, und wird zu Erde, welche solchergestalt ihren kleinen jährlichen Zuwachs erhält. Wind oder Welle, Vogel oder Insekt, trägt dann die Saamen moosartiger Gewächse auf diesen geringen Vorrath, worinn sie Wurzel schlagen und wuchern, sobald es die Jahreszeit mit sich bringt. Ohne würkliche Moose zu seyn, haben einige hier befindliche Pflänzgen in der That eine äusserliche Aehnlichkeit im Wachsthum mit den Moosen. Wir zählen hieher die Ixia Pumilla , die Donatia (ein neues Geschlecht), ein kleines Melanthium , eine Zwergart des Sauerklees ( Oxalis ), eine kleine Ringelblume ( Calendula ), die Phyllachne und das Mniarum (zwey neue Geschlechter.) FORSTER , Nova Genera Plantarum Lond. 1776. 410. Alle, oder die mehresten dieser Gewächsarten, haben eine ihrer Heimath besonders angemessene Struktur, wodurch die Vermehrung des Erdreichs vorzüglich befördert wird. Ihre vielen Stengel und Zweige liegen so dicht als möglich aneinandergepreßt, und so wie nach und nach die ältesten Fasern, Wurzeln, Stengel und Blätter vermodern, zu Torf, und zuletzt zu guter Gartenerde sich verwandlen, wächst oben die Pflanze fort, schießt frische Stengel und neue Blätter, und streut ihre Saamen um sich her, bis ein beträchtliches Plätzchen ganz mit ihrem Wasen bedeckt ist. Unter den dicht geflochtnen Fasern dieser Pflanzen verfliegt die Feuchtigkeit des Erdreichs nicht so leicht, sondern versieht jederzeit die obersten Spitzen mit hinreichender Nahrung, bis endlich ein immerwährend Grün ganze Hügel und Eilande kleidet. Sodann keimt unter diese Zwergen des Pflanzenreichs, jedoch ohne ihr Wachsthum zu schmälern, bald ein und andres ansehnlicheres Kraut hervor. Dahin gehören eine ganz kleine Sandbeere ( Arbutus ) ein kleines Myrtenähnliches Gewächs ( Leantria , Banks.), eine Bürstenart ( Perdicium ), ein kleines kriechendes Dickblatt ( Crassula ), das gemeine Alpenfettkraut Pinguicula alpina Linn.), eine gelbe Spielart der Sumpfviole ( Viola palustris ), der Seelavendel ( Statice Armeria Linn.), der lapländische Hanenfuß ( Ranunculus lapponicus ), das wohlriechende Roßgras ( Holcus odoratus Linn.), ein Gänsekraut ( Arabis herophylla ), und die gemeine Selery. Auf diese folgen noch in dem nämlichen Moosartigen Bette, eine Binsenart ( Juncus uniglumis ), eine schöne Amelle ( Amellus ) und eine noch schönere scharlachne Chelone, auch selbst einige Staudengewächse, nämlich das Embothrium coccineum (ein neues Geschlecht), zwo neue Saueracharten ( Berberis ilicifolia , und minor ) eine andre Art Sandbeeren ( Arbutus mucronata ), und endlich der Wintersrindenbaum, ( Drimys Winteri ), welcher in den felsigten öden Gegenden des Feuerlandes, von denen hier hauptsächlich die Rede ist, nicht größer als ein ziemlicher Strauch wird, hingegen an der östlichen Küste, um Succeßbay herum, aus sanften Anhöhen und tiefen Schichten fetter Erde, zur Höhe und Stärke des besten Bauholzes hinanwächst Ueberhaupt muß wohl gemerkt werden, daß die nordöstliche Küste des Feuerlandes, von dessen übrigen Gegenden, so wie von dem gegenüberliegenden Staatenlande gänzlich verschieden ist. Das stärkere Wachsthum der Pflanzen und die Lage der Berge, welche mit sanftem Abhange fallen, sind hinreichende Beweise, daß daselbst ein milderes Klima herrscht. G. F. . Das abgefallene Laub dieser Pflanzen, die stets von unten auf modernden Moosgewächse, und ähnliche Umstände, vermehren und erhöhen also immerfort die fruchtbare Erdschicht bis sie fähig wird, größere organische Körper zu nähren; das Reich der Pflanzen greift immer weiter um sich, und entwickelt in den leidenden, unförmlichen Theilen der Schöpfung ein neues Leben. Ich kann nicht umhin, hier noch die besondre Art des Wachsthums eines gewissen Grases zu beschreiben, welches auf den Neujahrsinseln den Staatenland, und ebenfalls auf Südgeorgien wächst, ich meyne das bekannte Hundsgras ( Dactylis glomerata Linn.), oder eine Spielart desselben. Dieses perennirende Gras hält die härtesten Winter aus, und wächst in Büscheln, welche in geringer Entfernung von einander stehen. Jährlich bekommt jedes Büschel, eine neue Krone, durch einen ansehnlichen Zusatz, bis es zuletzt 4 bis 5 Fuß hoch, und oben zwey- auch dreymal breiter als an der Wurzel ist. Die Blätter und Halme sind stark und oft 3 bis 4 Schuh lang. Seebären und Pinguine lagern sich zwischen diese Büschel, wenn sie triefend aus dem Meere kommen; die Zwischenräume sind daher so sumpfigt und kothig, daß man, ohne von einem Büschel zum andern zu hüpfen, nicht fortkommen kann. An einigen Orten findet man die Seeraben ( Pelecanus caruncularus ) im Besitz dieser Erhöhungen, auf denen sie schaarenweis nisten. Der Auswurf aller dieser Thiere und das Wachsthum der Pflanze selbst muß nothwendigerweise zur Vermehrung des guten Erdreichs vieles beytragen. In Neuseeland findet man bereits einen ansehnlichern Vorrath fruchtbarer Erde, die natürliche Folge eines milderen Himmelsstrichs, des längeren Sommers, und des stärkern und schnellern Wachsthums der Pflanzen; doch hat die Natur hier offenbar denselben Pfad, wie auf dem Feuerlande, gewandelt. Große Strecken Landes sind mit allerley Farrnkräutern und Moosgewächsen, (hauptsächlich dem Mniaro ,) überwachsen, in deren verweseten Ueberbleibseln ein zahlreiches Heer von Sträuchen, in der Folge, Nahrung findet. Alsdenn wächst der reiche Vorrath von Moorerde immer in schnellsteigendem Verhältniß von dem abgefallnen Laube, bis die größren Bäume darinn wurzeln, und zu erstaunlicher Höhe und Dicke wachsen können. Im hohen Alter, wenn ihre Stämme angefault und hohl geworden sind, fällt sie einst ein heftiger Sturm. In ihrem Sturz erdrücken sie unzählige Sträuche und Stauden; alles modert zusammen, und wird aufgelöst, um einer frischen Saat von jungen Bäumen Raum und Saft zu geben, die, ihrer Bestimmung nach, eben so der Verwesung zugeführt, und der spätern Nachkommenschaft aus dem Wege geräumt wird. Solchergestalt gehört diese anscheinende Zerstörung und Verwirrung, zum weisen Haushalt der Natur, welche hier Schätze des besten Erdreichs, vielleicht für die Bedürfnisse künftiger Völkerschaften, sammelt. Terra nos nascentes excipit, natos alit, semelque editos sustinet semper: novissime complexa gremio, iam a reliqua natura abdicatos, tum maxime ut mater operiens – benigna, mitis, indulgens, ususque mortalium semper ancilla! quae coacta generat! quae sponte fundit! quos odores, saporesque! quos succos! quos tactus! quos colores! quam bona fide creditum foenus reddit! quae nostri causa alit! PLIN hist. nat. l. 2. c. lxjjj. Zweytes Hauptstück. Vom Wasser und vom Weltmeere. Hoc elementum caeteris omnibus imperat. PLIN . hist. nat. I. 31. c.v. Erster Abschnitt. Quellen. Auf den Societätsinseln strömen viele reiche Quellen des reinsten, hellen, kühlen Wassers. Die Nymphe des Quells in Raietea darf sich immerhin mit der Blandusischen messen HORAT . Carm. Lib. III. Od. xiii. . Ihrer Silberwelle hatte die ländliche Einfalt ein schönes Behältniß, mit rohen Steinen eingefaßt, zum sichern Aufenthalte gemacht. Blumenreiche Stauden umkränzten den ehrwürdiggrauen Felsen, dem sie entfloß, und dickbelaubte Bäume zogen kühle Schatten rings um sie her. Die Anmuth einer Gegend, wo ein klarer Bach zwischen Ufern von lebendigem Grün, aus jenem Behälter strömte, lud oft den fremden Wanderer unter diesem heißen Himmel in das Bad, und das Gefühl verjüngter Kraft, womit er jedesmal wieder aufstieg, und die Erinnerung an Felsenhöhen, durch diese Stärkung erklommen, an brennende Mittagshitze, durch sie überwunden, werde hier der wohlthätigen Quelle zum bleibenden Denkmal! – – In Tanna entdeckten wir einige heiße Quellen, von den Einwohnern Duguhs genannt, an derjenigen Seite des Havens, welche nach dem Volkane hin gelegen war. Sie quollen aus der oben erwähnten, schwarzen Sandsteinschicht, nah am Meeresstrande, und wurden zum Theil bey hoher Fluth von den Wellen bedeckt. Wir fanden mehrere solcher Quellen dicht neben einander, und zu unsern Beobachtungen sehr bequem gelegen. In dem Felsen unter ihnen waren bereits kleine Höhlungen, Wahrscheinlich durch die Länge der Zeit, von dem heißen Wasser selbst verursacht. G. F. welche wir nur von dem Sande und Schutt reinigen durften, damit das Wasser sich darinn sammelte. Sobald dieses geschehen und die kleinen Höhlungen überflossen waren, stellte ich mein Fahrenheitisches Thermometer (von Ramsden verfertigt) hinein, dergestalt daß die Kugel und ein Theil der Röhre mit dem heißen Wasser bedeckt wurden. In meiner Cajüte, am Bord des Schiffs, hatte es an diesem Tage 78° angezeigt; nachdem ich es aber bis an die Quellen, in der Tasche dicht am Leibe, getragen, war es bis 80° gestiegen. In dem heißen Wasser stieg es bis 191° wo es auch stehen blieb, nachdem ich es fünf Minuten lang darinn hatte liegen lassen. Ich nahm es hierauf heraus, erweiterte die Höhlung noch mehr, und machte sie tiefer, allein das Thermometer zeigte bey abermaliger Einsetzung 191° und blieb diesmal zehn Minuten lang unverändert so stehen. Dies geschah den 17ten August, 1774 um vier Uhr, 30´ Nachmittags, bey hoher Fluth. Am folgenden Morgen um neun Uhr kam ich zur Ebbezeit wieder, und bemerkte, daß es, wie das vorigemal, in anderthalb Minuten, jedoch nur bis auf 187° stieg, wo es auch einige Minuten lang stehen blieb. Kleine Fische und Miesmuscheln wurden in wenigen Minuten, nachdem ich sie ins heiße Wasser hineingeworfen, gar gekocht. Das Wasser war an sich hell und klar, ohne besondern Nachschmack, jedoch kam es mir vor, fast unmerklich zusammenziehend. Ein Stück reines geschliffenes Silber, welches ich eine Stunde lang darinn liegen ließ, zog ich hernach völlig unbeschädigt, auch nicht einmal angelaufen, heraus. Einige Tropfen des aufgelösten Weinsteinsalzes darauf gegossen, präcipitirten nicht das geringste, so wenig als eine verstärkte Gabe eben dieses Salzes. Andre Probiermittel hatte ich damals nicht bey der Hand. Noch am Fuß des nämlichen Felsens, jedoch bereits auf dem sandigen Strande, der sich längst dem südlichen Ufer des Havens erstreckt, fand ich zwey andre heisse Quellen. Auch diese besuchte ich am 18ten des Morgens, zwey Stunden später als die vorigen. Ich mußte in den Sand eine kleine Verliefung scharren, damit das Wasser sich sammlen könnte, und versenkte sodann mein Thermometer genau an der Stelle, wo es hervorquoll. Innerhalb zwo Minuten war das Quecksilber bis 202° gestiegen, woselbst es etliche Minuten stehen blieb, nämlich so lange ich das Thermometer im Wasser ließ. Etwa sechzig oder achtzig Klafter höher als diese Quellen, lag, auf der Höhe desselben Felsen, ein ziemlich ebener Platz, von Bäumen entblößt Und gleichwol mitten im Walde. , woselbst wir sogar vom Schiffe ab, bey kühlem Wetter, und hauptsächlich nach dem Regen, Dünste aufsteigen sahen. In wenigen Minuten, nachdem wir an diesen Platz hinaufgestiegen waren, brach uns ein überaus starker Schweiß aus, den theils die heißen Dünste, theils die oft unleidliche Hitze des Bodens, wo wir standen, verursacht hatten. So oft nun im nahgelegnen Volkan ein Auswurf geschah, welcher jedesmal mit einem Knall oder Getöse vergesellschaftet war, so oft kamen die Dünste mit mehrerer Heftigkeit, und brachen gleichsam durch die Erde hervor. Vermuthlich liegt tiefer unten eine Höle oder unterirrdischer Gang, wenn gleich an der Oberfläche gar keine Oefnung zu sehen ist; denn der ganze Boden rund um diese Solfatarre klang hol bey jedem Fußtritte. Auch fand ich eine Reihe ähnlicher Dunstorte, theils oberhalb, theils unterhalb des jetzt erwähnten, bis auf wenige Schritte von den heißen Quellen am Strande. Die daraus aufsteigenden Dünste sind dem Wachsthum der Pflanzen nicht sehr schädlich; denn kaum 2 Schritte weit davon, standen wilde Feigenbäume, die mit Früchten beladen waren. Ich habe diese Solfatarren dreymal besucht. Das zweytemal hatte ich mein Thermometer mit, und nachdem ich in die dampfende Erde ein schuhtiefes Loch gemacht, hieng ich es, vermittelst eines Bändchens, an einem querüber gelegten Stecken hinein. In wenigen Sekunden stieg es von 80° auf 170°; ich verließ es in dieser Lage; nach Verlauf von vier Minuten fand ich es noch auf dem nämlichen Standpunkte, und so blieb es noch drey Minuten, indem ich es allemal nach Verlauf einer Minute beobachtete. Im Herausziehen fiel es schon bis 160° und hernach allmälig tiefer. Es hatte am Schiffe in meiner Kajüte auf 78° gestanden, war aber auf dem langen schlängelnden Pfade, wo ich es am Leibe getragen, bis 87° gestiegen. Jetzt hieng ichs an einen Baum in die freye Luft, ohngefähr zwölf Schritt von dem Dunstorte in den Schatten, und nach Verlauf von fünf Minuten blieb es auf 80° stehen Hieraus kann zugleich auf die Wärme des dortigen Klima geschlossen werden; jedoch ist in heissen Ländern, wenn nur die Seeluft geht, die Wärme von 80° gar nicht lästig. August steht jenseits der Linie unserm Februar entgegen. G. F. . Einige von den Einwohnern der Insel, die mich das Loch fürs Thermometer graben sahen, wurden dabey sehr unruhig, und besorgten nichts geringers, als einen Ausbruch des unterirrdischen Feuers. Alles dieses geschah den 12ten August um 10 Uhr Morgens. Am 14ten August, Vormittags, gieng ich wieder hinauf, und wiederholte die vorige Erfahrung, mit dem Unterschiede, daß ich diesesmal das Thermometer in dem dazu gegrabenen Loche mit der lockern Erde ganz verschüttete. In meiner Cajüte und in freyer Luft hatte es wie das vorigemal gestanden, in dem Dampforte stieg es aber in Zeit von einer Minute auf 210° und blieb so fünf Minuten lang darinn stehen. Der Umstand, daß sich diese Solfatarren bis in die Nähe der heissen Quellen hinabziehen, bringt mich auf die Vermuthung, daß in unterirrdischen Gängen, welche von dem Volkane glühend heiß werden, irgend ein fliessendes Wasser in Dünste zertheilt wird, und in dieser Gestalt, theils durch Felsen und Erde hindurch einen Ausweg sucht, theils aber wieder in kühlern Hölen sich sammelt, und jene heissen Quellen bildet, welche am Meeresstrande noch fast kochend hervorsprudeln. Vielleicht stehen diese Gänge selbst in Verbindung mit dem Crater des Volkans, da jedesmal die Dünste aus den Solfatarren heftiger emporstiegen, so oft die Rauchwolke, nebst glühender Asche, und großen Felsenstücken aus dem Volkan in die Höhe geschnellt wurden, wovon wir besonders am 11ten August, da der Volkan heftig tobte, sehr viel Beyspiele sahen. In dem Haven von Tanna liegt, nahe beym Strande, ein kleiner Teich mit reinem wohlschmeckendem Wasser, aber von etwas bräunlicher Farbe, welches vielleicht mit fremden entzündbaren Theilen überladen ist, well es in unsern Fässern bald in Fäulniß übergieng, und einen weit heftigern Geruch, als alles andre Wasser, welches wir auf der ganzen Reise gebraucht hatten, verbreitete. Der Teich steht, an der Waldseite, in Verbindung mit einigen Sümpfen, welche sich auf der Ebene eine oder ein paar Meilen weit vom Strande ziehen, und vermuthlich von den Regengüssen in der nassen Jahreszeit entstanden sind. Da sie nun keinen Abzug haben, so stockt das Wasser darinn, geräth in Faulung, lößt zum Theil die Salz- und Schwefeltheilchen der volkanischen Asche auf, und erhält die braune Farbe von dem abgefallnen Laube, welches darinn gewissermaßen ausgelaugt wird. Auf den übrigen Neuhebridischen Inseln sieht man viele ansehnliche Bäche von steilen Höhen herabstürzen, und sich in die Meeresfluthen mischen. Auf den freundschaftlichen Eilanden scheint es keine Quellen zu geben. Die Anhöhen von Ea-uhwe, und Namoka sind nicht beträchtlich genug, um die Wolken anzuziehen, und aus ihrem beständig herabträufelnden Seegen das Land mit Quellen zu versehen. Die Einwohner behelfen sich daher mit Regenwasser, welches in Teichen, von ziemlichem Umfange, stehen bleibt. Allein nur gar zu oft giebt die allzunahe See diesem Wasser einen eckelhaften Salzgeschmack. Ausser dem frischen Wasser auf Namoka, befindet sich daselbst noch ein grosser Teich, oder besser, ein kleiner See (Lagune) mit salzigtem Wasser gefüllt, und durch mehrere kleine waldigte Eilande verschönert. Diese schwimmende Baumgruppen, das Manglesgebüsch, welches sich um die Ufer des Sees schlingt, die sanften Hügel um ihn her, die unzähligen Enten die sich hier aufhalten, machen zusammen eine schöne romanische Landschaft aus. An der Nordspitze von Huaheine, einer von den Societätsinseln, liegen ebenfalls zween beträchtliche Salzseen, oder Lagunen, mit überaus schlammigtem Grunde. Sie können vom Winde wenig bewegt werden, denn sie sind sehr flach, ganz in Land eingeschlossen, und mit dicken Gebüschen und hohen schattigten Bäumen umgeben. Daher duftet auch beständig ein unerträglicher Gestank, und, wie ich vermuthe, auch schädliche Dünste von ihnen aus. Vielleicht ist dies die Ursach, weshalb längst der Anhöhe, südwärts von diesen Pfuhlen, nur wenige Wohnungen, und auch diese, in einiger Entfernung von den Ufern standen. Auf Norfolkeiland fanden wir eine kleine Quelle, und bey genauerm Durchsuchen hätten wir vielleicht noch mehrere entdeckt. In der Osterinsel war das Wasser durchgehends sehr schlecht, faul und salzig, und fand sich in brunnenähnlichen Behältern, wohin es sich vermuthlich vom Regen gesammelt hatte. Auch die Marqueseninseln sind reich an schönen Quellen, Wasserfällen und Bächen. Ihre Berge werden von den Wolken beständig angefeuchtet, und können folglich diese Quellen mit frischem Vorrath unterhalten. In Neuseeland giebt es unzählig viel Quellen und Bäche; kaum ist ein Eiland oder eine Klippe so klein, die nicht ihre eigne Quelle hat. In Duskybay ist der Reichthum an fliessenden Wässern besonders auffallend; das dortige Wasser ist ausserordentlich rein, ohne allen Nachschmack, und hält sich vortreflich zur See, ohnerachtet seiner dunkelbraunen Farbe, die es in dem fetten lockern Erdreich von zerstörten Pflanzen erhält. Das Feuerland hat auf seinen hohen öden Felsen viele schöne Quellen, nebst großen Teichen mit Schneewasser gefüllt. Hin und wieder rauscht auch mancher starke Wasserfall, und stimmt die Wildheit der ganzen Gegend zu etwas sanfteren Szenen herab. Auf Südgeorgien und Sandwichland fanden wir gar keine Quellen; doch das häufige Eis in der Nähe dieser Länder, kann den Seefahrern alle Besorgniß um frisches Wasser benehmen. Im Frühlinge findet man Eis im 51°. südl. Breite und im Sommer und Herbste im 67°. bis 70°. Mineralisches Wasser, von welcher Art es sey, haben wir während unserer ganzen Reise nirgends entdeckt, wenn man nicht etwa die heissen Quellen in Tanna hieher rechnen will, deren etwas zusammenziehender Geschmack vielleicht das Daseyn einiger wenigen Salztheilchen anzeigt. Zweyter Abschnitt. Bäche. Unter so vielen Bächen, welche in den Societäts- und Marqueseninseln und in Neuseeland entspringen, ist keiner ansehnlich genug, um besondere Aufmerksamkeit zu verdienen. Den sogenannten Themsenfluß in der nördlichen Insel von Neuseeland nehme ich aus; doch diesen haben wir nicht besucht. G. F. In der Duskybay, wo alle Buchten und Arme der See erstaunend tief sind, nahm diese Tiefe blos in solchen Buchten ab, in welche sich ein Bach von den Bergen ergoß; und zwar wurde es daselbst so seicht, gegen die Mündung des Bachs, daß unsere Bote mehrentheils noch fern vom Ufer auf den Grund stießen. Nichts scheint hier gewisser, als daß diese Bäche, von Regen und geschmolzenem Schnee angeschwellt, in ihrem ungestümen Lauf viele Erdtheilgen von der Höhe bis an ihre Mündung mit sich reissen, und daselbst fallen lassen, wo der Widerstand des schweren salzigen Seewassers, der Winde und der Fluthen, die Heftigkeit ihrer Bewegung hemmt. In eben dieser weitläuftigen Bay, deren Arme und Gewässer in fast unzähligen Abtheilungen das Land durchschneiden, stürzen viele prächtige Wasserfälle an steilen Felsenwänden herab, wo, in einer erstaunenden Höhe, kein anderer Stein ihren Fall unterbricht. Man wünschte sich zuweilen einen Salvator Rosa herbey, um die Schönheit dieser Cascaden und der umliegenden Landschaft vollkommen nachgeahmt zu sehen. Indessen hat Herr Hodges, der Maler, welcher diese Reise mitgemacht, in der Vorstellung einiger Gegenden dieses romantischen Landes sein großes Verdienst. In den Societätsinseln wissen die Einwohner die höhern Theile ihrer Bäche auf eine sehr vortheilhafte Art zu benutzen. Sie machen nämlich, wo sich das Thal zwischen den steilen Bergen öfnet, einen Damm von Steinen queer über den Bach, vermittelst dessen das Wasser eben so hoch, und noch höher als die Fläche des Thales steigt. Das anliegende Feld wird mit kleinen Erdwällen umgeben, und mit Aronswurzeln ( Arum esculentum ), welche unter Wasser am besten fortkommen, gepflanzt. Sobald der Bach, vermittelst des Dammes, die erforderliche Höhe erreicht hat, wird er in die Felder gelassen; und wenn diese lange genug überschwemmt gestanden haben, wird das Wasser wiederum abgezapft. Die Steindämme dienen zu gleicher Zeit als Brücken, indem die Einwohner mit besonderer Geschicklichkeit, und oft schwer beladen, von einem Steine zum andern hüpfen. Dritter Abschnitt. Weltmeer. So geringfügig meine Bemerkungen über die Beschaffenheit des Weltmeeres, dieses ansehnlichsten und merkwürdigsten Gewässers, seyn mögen, und so gewiß die allergenauesten Untersuchungen daran nicht verschwendet oder überflüßig seyn dürften, wage ich es dennoch, ein und anderes vorzutragen, was zur Bestätigung gewisser schon bekannter Meinungen gereichen kann. 1) Tiefe des Weltmeeres. Während unserer Fahrt um die Welt haben wir mehrmalen versucht, die Tiefe des Meeres fern vom Lande zu ergründen. Am 5ten Sept. 1771 in 00°. 52'. S. Breite, oder beynahe unter dem Aequator, ward mit 250 Klaftern das Bley geworfen, ohne den Grund zu erreichen. Am 8ten Februar 1773, in etwas mehr als 48°. S. Breite, und etwas ostwärts von dem Meridian der Moritzinsel ( Isle de France ) erreichte man ebenfalls nicht mit 210 Klaftern den Grund. Den 22sten Nov. 1774 ward ein eben so vergeblicher Versuch im großen Südmeere mit 150 Klaftern gemacht. Ich gebe gern zu, daß dergleichen Versuche ganz unzulänglich sind; allein sie wurden auf Befehl des Capitains nicht anders veranstaltet, und konnten doch ohne seine Bewilligung nicht gemacht werden, weil etwas mehr als ein Wurfbley und eine lange Schnur dazu gehört, um die Tiefe des Oceans zu messen. Das Schiff selbst muß in seinem Laufe aufgehalten, und, wie der Seemann sagt, in den Wind gelegt werden, und die halbe Mannschaft muß bey solchen Gelegenheiten auf dem Verdeck seyn, um theils die Segel in ihre rechte Lage zu bringen, theils das Bley wieder heraufzuziehen, welches doch allemal 40 bis 50 Pfund schwer ist. G. F. Der Graf von Büffon Histoire naturelle Tome II. p. 199 200. Edit. in 12. Ich kann nicht umhin, der Wahrheitsliebe und der großen Wissenschaft dieses Mannes das gebührende Lob wiederfahren zu lassen. Sein fürtrefliches Werk hat zwar hie und dort das Gepräge der Menschlichkeit an sich, indem es zu sehr auf unrichtige Angaben der Reisenden gegründet ist; doch sucht der Verfasser demselben durch Zusätze und Verbesserungen noch immer mehrere Vollkommenheit zu geben, und er hat auch mich, in dieser Absicht persönlich aufgefordert, alles was ich könnte, zu berichtigen. nimmt es zur Grundregel an, »daß die Tiefe des Meeres längst den Küsten gemeiniglich um soviel beträchtlicher ist, je höher diese Küsten sind; und im Gegentheil, daß an flachen niedrigen Küsten, Untiefen am häufigsten sind: so daß die Ungleichheiten des Meergrundes mit denen auf den angränzenden Küsten übereinstimmen.« Er beruft sich dabey auf das Zeugniß des berühmten und erfahrnen Dampier. Allein, wenn gleich dieser Satz von großen Ländern gelten mag; so leidet er doch, im Südmeere und an mehrern Orten, allerley Ausnahmen. So paßt z. E. jene Regel auf Neuseeland, Neukaledonien, die Neuhebridischen Inseln und das Feuerland, an deren steilen Küsten die Tiefe des Meeres bis dicht ans Land beträchtlich ist. Gleichwohl fanden wir aussen vor dem südlichen Eingange der Duskybay mit 45 Klaftern Grund, den wir doch in der Bay selbst mit 80 Klaftern nicht erreichen konnten. Eben so hatten wir längst den südlichen Küsten des Feuerlandes, zwischen Cap Noir und Christmeßbay, erst 40 bis 50, hernach 6o bis 70 Klaftern Wasser, und fanden zuletzt im Eingange dieses Havens mit 80 keinen Grund. Auch an den Küsten von Südgeorgien bemerkten wir eine allmählig abnehmende Tiefe, konnten aber im Eingange der Posseßionsbay mit 54 Klaftern den Grund nicht erreichen. Wie flach müßte nicht die See, nach der obigen Regel, in der Nähe aller niedrigen Eilande im Südmeere und gegen die Korallenriefe hin werden, welche die Societätsinseln umgeben, da sie doch im Gegentheil dicht an diesen Felsenringen unergründlich ist! Das Rief, welches, in einiger Entfernung von den Ufern der tahitischen Ebene, die Insel einschließt, steht ebenfalls wie eine Felsenmauer im unermeßlichen Meere. Das länglichtrunde Rief in der Nähe des Turtle-Eilands, welches fast allenthalben von der See bedeckt wird, steht eben so senkrecht, wie die vorigen, in einer unergründlichen Tiefe. Dies wären also lauter Ausnahmen der Büffonschen Regel. 2) Farbe des Weltmeeres. Das Seewasser hat auf großen Sandbänken und Untiefen eine ungewöhnliche Farbe, die aber nach verschiedenen Umständen sehr verschieden ist. So sieht man zuweilen gewisse ganz klare Stellen, wo der Boden des Meeres in einer Tiefe von mehrern Faden so deutlich zu unterscheiden ist, als wäre das Wasser nur wenige Ellen tief. Zuweilen aber hat auch die See eine trübe, graue Farbe, welche ihr scheinbarlich ihre ganze Durchsichtigkeit benimmt. In diesen Fällen trägt die Lage der Wolken, oder die ganze Farbe des Himmels, gar vieles dazu bey, das Auge zu täuschen. Ein finsterer, bewölkter Himmel, kleidet auch den ganzen Ocean in ein düsteres Grau; und das helle Blau des Firmaments wird im Spiegel der Wellen zum schönsten. Beryllähnlichen Grün. Eine vorüberziehende Wolke giebt oft einem Strich im Meere eine ganz abstechende Farbe, und läßt den Seemann, wenn nicht genau darauf Acht gegeben wird, Sandbänke und Untiefen befürchten. Es gehört ein ausserordentlich geübtes Auge dazu, um in solchen Fällen den Schein von der Sache selbst zu unterscheiden; daher kann es dem Seefahrer nicht dringend genug angerathen werden, sich in allen zweifelhaften Fällen, zumal in unerforschten Meeren, des Wurfbleys zu bedienen. S. Dalrymples Memoir of a Chart of the Southern Ocean , p. 7. 3) Salz des Weltmeeres. Man pflegt zu glauben, daß der Ocean nicht an allen Orten gleich salzig ist. Bald soll er unter der Linie mehr, als gegen die Pole Buffon hist. nat. Tom. II. p. 79. Ed. in 12. , bald in großen Meeren mehr, als in kleinen, welche (wie die Ostsee, das mittelländische und bey Archangel das weisse Meer, der arabische und persische Meerbusen,) fast gänzlich mit Land eingeschlossen sind, gesalzen seyn; dann heißt es, die Salzigkeit müsse mit der Tiefe zunehmen, und endlich die offne See, fern vom Lande, sey salzreicher, als an den Küsten, hauptsächlich wo sich große Flüsse darein ergiessen. Da ich mich, gleichsam nur wenige Augenblicke vor der Abfahrt, entschliessen mußte, diese Reise zu unternehmen, so war es schlechterdings unmöglich, die nöthigen Instrumente fertig zu bekommen, womit ich Erfahrungen, entweder zur Bestätigung oder Widerlegung dieser Hypothesen, hätte anstellen können. Ich führe sie daher blos in der Absicht an, damit künftighin die Seefahrer wissen mögen, was über diesen Gegenstand beobachtet zu werden verdient. Ich würde zu dem Ende Hrn. Wilkens Instrument anempfehlen, mit welchem er das Wasser aus der Tiefe, wo man es verlangt, heraufholt Abhandlungen der schwedischen Akademie der Wissenschaften, 33ster Band. 1stes Quartal. No. 6. . Eine sehr genaue hydrostatische Waage ist zur Bestimmung der eigenthümlichen Schwere des Wassers erforderlich; doch kann an deren Stelle eine Salzprobe oder Haloscop gebraucht werden, welche aus einer holen elfenbeinernen Kugel besteht, worinn eine fünf bis sechs Zoll lange Röhre befestigt wird. Die Abtheilungen auf der Röhre müssen die verhältnißmäßige Schwere des reinen Wassers, und aller möglichen Mischungen mit Salztheilchen ausdrücken. Vermittelst dieses sehr einfachen Instruments läßt sich die Schwere des Wassers durch das bloße Eintauchen entdecken, auch die verhältnißmäßige Reinigkeit des Brunnenwassers, Flußwassers, u. s. f. bestimmen. Vorzeiten glaubte man, daß die im Seewasser noch ausser dem gemeinen Kochsalze befindlichen Bestandtheile, die ihm einige Bitterkeit mittheilen, die Bereitung eines trinkbaren Wassers aus demselben sehr erschweren, wo nicht gar unmöglich machen müßten. Wie ungegründet dieses Vorurtheil ist, hat CD. Lind, am Hospital zu Haslar, bey Portsmouth, längst erwiesen. Seine Vorschrift, das Seewasser zu destilliren und trinkbar zu machen, ist bequem und entspricht ihrem Endzweck vollkommen. Lind´s Essay on diseases incidens to Europeans in hot cli- mates. Appendix p. 351. Auf unsern beyden Schiffen bediente man sich der von D. Irving erfundenen Destillirmaschine, welche ebenfalls ein trinkbares Wasser giebt, worinn weder von Salz, noch von Bitterkeit, die geringste Spur übrig bleibt. Bittere Theile sind gleichwohl im Seewasser unstreitig vorhanden, denn bekanntlich bleibt nach geschehener Verdünstung und dem Anschuß des Salzes, eine dicke gallertartige Lauge von dem Seewasser übrig, worinn noch Salzsäure und weisse Magnesia, nebst etwas Wundersalz und selenitischen Theilchen stecken. Das Seewasser scheint demnach ein Gemisch von frischem Wasser, mit Salzsäure, Vitriolsäure, feuerfesten mineralischem Laugensalze, Magnesia und Kalk zu seyn. Einige dieser Ingredienzien verursachen allerdings eine bittere Salzmixtur, verhindern aber nicht, daß man das klare, trinkbare Wasser, ohne Nachschmack, davon abziehen könne; denn jene Salztheilchen sind nicht flüchtig und bleiben in der Lauge am Boden des Gefäßes zurück. Sollten aber auch einige saure oder salzige Theilchen mit den Wasserdünsten übergehen, so würde ihre ganz unbeträchtliche Menge, weder dem Geschmacke, noch auch der Zuträglichkeit des Wassers nachtheilig seyn. Ueber die Brauchbarkeit der Irvingschen Methode entscheide ich um so weniger, da dem Admiralitäts-Collegium bereits über diesen Punkt Bericht abgestattet worden ist. Dem deutschen Leser, der jene Berichte nicht zu sehen bekommt, ist vielleicht mit näheren Erörterungen gedient. Hr. Irving, ehemaliger Chirurgus auf der Königl. Flotte, der Erfinder dieser neuen Methode das Seewasser trinkbar zu machen, hat dafür eine Belohnung von 4000 Pf. Sterling vom brittischen Parlamente erhalten. Im Grunde ist sie von dem Apparat des D. Linds nicht weiter unterschieden, denn nur in den Vortheilen, die er dabey anzubringen wußte. Vier Tage in der Woche bekommen die Matrosen kein Fleisch, sondern blos Mehlspeise und Erbsensuppe, oder etwas ähnliches. Da nun an diesen Tagen, einer von den großen eingemauerten Schiffskesseln nicht gebraucht wird, pflegt man ihn, wahrend daß im andern gekocht wird, mit Seewasser zu füllen, damit er nicht zuviel von dem Feuer leiden möge. Hr. Irving brachte folglich nur eine kupferne Röhre oben in dem hölzernen Deckel dieses Kessels an, so sammelten sich die Dünste in derselben, und wurden in die Vorlage abgeleitet. Damit aber die Verdickung der Dünste desto schneller von Statten gehen mögte, wurde jene Röhre durch eine noch geräumigere, die ebenfalls von Kupfer war, durchgesteckt, und ein Matrose mußte beständig frisches Secwasser hineinpumpen und durchlaufen lassen, um die innere Röhre schneller abzukühlen. Man destillirte also viermal in der Woche, ohngefähr 120 Quart, ohne einen größern Aufwand von Feurung, als sonst zur Bereitung der Speisen erforderlich war. Allein hiemit ward unserm Bedürfniß noch nicht abgeholfen; denn da unsere Mannschaft 120 stark war, so kam auf den Mann nur 1 Quart Wasser für zwey Tage, welches bey weitem nicht genug ist. Will man zum Trinken hinlängliche Portionen Wasser destilliren, so muß die Arbeit den ganzen Tag und bisweilen auch die Nacht hindurch fortgesetzt werden, wozu kein Schiff auf langen Reisen Brennholz oder andere Feurung in hinreichender Menge mitführen kann. Im Nothfall würde man freylich nicht anstehen, Böte, Bretter, und alles, was nicht zur Sicherheit des Schiffs unumgänglich nöthig ist, aufzuopfern, um einem so schrecklichen Uebel, als der Mangel an Wasser ist, abzuhelfen. Allein auch nur im Nothfall kann die Irvingsche Maschine von würklichem Nutzen seyn. G. F. 4) Wärme oder Temperatur des Weltmeeres. Um den Grad der Wärme des Meeres in einiger Tiefe zu erforschen, bediente ich mich eines Fahrenheitischen Thermometers, von Ramsden's Arbeit, mit Abtheilungen aus Elfenbein. Es ward jedesmal in einen blechernen Cylinder gesteckt, der an jedem Ende mit einer Klappe versehen war, welche während der Versenkung des Instruments das Wasser durchliessen, im Heraufziehen aber sich schlössen. Das Resultat dieser Erfahrungen lehrt die folgende Tabelle: D 2 Datum. Breite. Grade d. Fahrenheitischen Thermometers. Tiefe in Klaftern. Zeit, wie lange das Thermomet. unten geblieben. Zeit, die beym Aufziehen ver- loren gegangen. In der Luft. An der Ober- fläche der See. In der Tiefe. 1772. 5. Sept. 00°.52'.N. 75½°. 74°. 66°. 85. 30'. 27½'. 27. Sept. 24°.44'.S. 72½°. 70°. 68°. 80. 15'. 7'. 12. Octb. 34°.48'.S. 60°. 59°. 58°. 100. 20'. 6'. 15. Dec. 55°.00'.S. 30½°. 30°. 34°. 100. 17'. 5½'. 23. Dec. 55°.26'.S. 33°. 32°. 34½°. 100. 16'. 6½'. 1773. 13. Jan. 64°.00'.S. 37°. 33½°. 32°. 100. 20'. 7'. Nach diesen Angaben müßte man schliessen, daß die See unter der Linie, oder zwischen den Wendekreisen, in der Tiefe kühler als an der Oberfläche; in höhern Breiten aber abwechselnd bald wärmer, bald kälter, bald von gleicher Temperatur ist. Eine kurzvorhergegangene Abwechselung in der Temperatur der Luft, oder eine verschiedene Richtung und Heftigkeit des Windes kann dergleichen Verschiedenheiten vielleicht bewürken. Wenigstens verdient es angemerkt zu werden, daß unsere Versuche jederzeit bey windstillem oder ähnlichem Wetter angestellt wurden, welches in einem Bote nicht wohl anders möglich war. Auch hat das Eis wahrscheinlich keinen geringen Einfluß auf die verschiedene Temperatur der See, in hohen Breiten. 5) phosphorisches Leuchten des Wassers. Man hat vielfältig versucht, das bekannte phosphorische Licht, welches zu gewissen Zeiten die See erleuchtet, zu erklären. Die gründlichsten Schriftsteller über diese Materie sind, der Pater Bourzes in den Lettres édiffiantes , Tom.IX.Paris 1730. und Hr. Canton im LIX. Bande der Philos. Transact. p.446. Einige behaupten, es sey blos einer Art von phosphorescirenden Garneelen zuzuschreiben, andere finden den Sitz dieses merkwürdigen Phänomens in einer Gattung von weichen Meergewürmen ( Mollusca ). Gentleman´s Magazine 1771. – BasteriI Opusc. subsec . I.p.1. pag. 31. tab. IV. fig. – Ozanam, sur les Phosphores . – Vitaliano Donati, Essais d´histoire naturelle de la mer Adriatique . – Bartholini Diss. de luce Animalium . – Vianelli nuove scoperse intorno alle luci nottorne dell´ aqua marina . Beyde können in soweit recht haben, daß die Garneelen sowohl als die Würmer ein Leuchten verursachen; nur würde ich alle phosphorische Erscheinungen im Meere nicht von diesen beyden Thierarten herleiten wollen, weil sie wahrscheinlicher Weise nicht alle gleichartig sind. Eine gewisse Art des Leuchtens im Meere erstreckt sich nie fern von dem Schiffe: blos das Wasser, welches zunächst das Schiff berührt, wird erleuchtet, und höchstens theilt sich dieses Licht den nächsten Wellen mit, welche sich in einer schiefen Richtung gegen dasselbe brechen. Wir hatten gemeiniglich frischen Wind, so oft dieses Phänomen sich wahrnehmen ließ. Die zwote Art ward entweder während einer langen Windstille und bey heissem Wetter bemerkt, oder sie folgte unmittelbar darauf. Das Leuchten dieser Art war mehr über die ganze See verbreitet, und schien gleichsam sich in der Tiefe damit zu mischen. Füllte man eine Tonne mit diesem Wasser, so ward es ganz dunkel, sobald das Schwanken aufgehört hatte. Bey jeder heftigeren Erschütterung aber leuchtete es, wenn man es mit dem Finger bewegte, schien das Licht sogar auf einige Augenblicke an demselben zu haften, und verschwand sodann gänzlich. Die dritte Art des phosphorischen Lichtes im Meere, wird unstreitig von gallertartigen Gewürmen ( mollusca ) verursacht, deren Gestalt man im Wasser, vermittelst ihres eigenen Glanzes, erkennen kann. Das Geschlecht des Calmars oder Tintfisches (sepia) und der Meernesseln (medusa) leuchtet im Finstern. S. Linn. Syst. N. ed. XII. p. 1095. Hawkesworths Samml. von Reisebeschreibungen, in 4to II. Band. S. 15. und in 8vo II. Band. S. 244. Seltener habe ich eben diese Eigenschaft an Fischen und Schaalthieren Dactyli (Pholades). His natura in tenebris remote lumine, alio fulgere claro . Pi. In. Hist. Nat. L. 9. c. 87.(61). wahrgenommen; phosphorescirende Garneelen aber, und andere Insekten, welche sich vielleicht in der See aufhalten, sind mir noch nicht vorgekommen. Einige Skolopendern leuchten des Nachts, z. B. die S. electrica und S. phosphorea Linn. Die letztgenannte Gattung fiel etliche hundert Meilen weit vom Lande auf das Verdeck eines Schiffs, und hat vielleicht Flügel, wie die Wasserkäfer ( Dytisci ), welche zu Zeiten in die Luft fliegen, und ihr gewöhnliches Element, wie hier der Fall seyn mochte, verlassen. Linn. Syst. Nat. ed. XII. p. 1064. Die merkwürdigste Erscheinung dieser Art beobachteten wir in der Nacht vom 29sten auf den 30sten Octbr. 1772, bey frischem Winde, in einer Entfernung von einigen Meilen vom Vorgebürge der guten Hoffnung. Kaum war es dunkel geworden, so schien die See gleichsam überall im vollen Feuer zu stehen. Jede Welle, die sich brach, hatte einen leuchtenden Saum, und wo das Schiff die See berührte, zeigten sich Streifen von phosphorischem Lichte. Soweit das Auge in die Ferne reichte, stellte sich uns überall dieselbe Erscheinung dar, und selbst die Abgründe des unermeßlichen Oceans schienen mit Lichte geschwängert. Große leuchtende Körper, die wir aus der Gestalt für Fische erkannten, schwammen um uns her; einige näherten sich dem Schiffe, und hielten denselben Strich, andere entfernten sich seitwärts, schnell wie Blitze. Zuweilen näherten sie sich untereinander, und traf sichs, daß ein kleiner einem großen zu nahe kam, so kehrte jener eilends zurück, und suchte auf alle Art zu entkommen. Ich ließ einen Eimer voll dieses leuchtenden Wassers zur nähern Untersuchung heraufziehen, und fand darinn unzählige ganz kleine leuchtende Kügelchen, welche sich unglaublich schnell bewegten. Nachdem das Wasser eine Zeitlang ruhig gestanden hatte, schien die Zahl der leuchtenden Körperchen merklich verringert; kaum aber rührte oder bewegte man wieder das Wasser, so ward es wieder hell, und die kleinen Funken fuhren darinn sehr lebhaft in allerley Richtungen umher, auch selbst nachdem es wieder allmählig still geworden war. Wir hatten den Eimer, vermittelst eines Stricks, von der Decke herabhangen lassen, um die Bewegung des Schiffs zu vermeiden, und das Wasser recht ruhig werden zu lassen. Demohngeachtet bewegten sich diese Lichtstäubgen hin und her, so daß ich von ihrer willkührlichen Bewegung über, zeugt ward. Das Funkeln verstärkte sich aber, so oft man in dem Eimer mit der Hand oder mit einem Stecken rührte. Im erstern Fall blieb zuweilen ein solches phosphorisches Fünkchen am Finger sitzen. Kaum war es so groß, als der kleinste Nadelkopf. Das geringste Vergrößerungsglas gab die kugelförmige Gestalt und etwas bräunliche Farbe dieser gallertartigen durchsichtigen Pünktgen zu erkennen. Unter dem Mikroskop entdeckte man eine sehr feine Röhre, welche von einer runden Mündung an der Haut ins Fleisch, oder in das innere dieses kugelrunden Geschöpfes, gieng. Das Eingeweide bestand aus vier bis fünf ganz kleinen Säcken, welche mit der obbenannten Röhre in Verbindung zu stehen schienen. Das stärkste Vergrößerungsglas zeigte nichts mehreres, sondern obiges nur noch deutlicher. Ich wünschte nun noch eines dieser Pünktgen in einem Wassertropfen unter das Mikroskop zu bringen, allein ich konnte kein lebendiges mehr bekommen. Ehe ich sie vom Finger ablösen konnte, starben sie wegen ihrer äusserst zarten Structur. Am 22sten November, als wir das Vorgebirge der guten Hoffnung verließen, bemerkten wir die nämliche Erscheinung bey sehr starkem Winde. Gewiß, der Anblick des unermeßlichen Weltmeeres mit Myriaden kleiner Stäubgen angefüllt, denen der Schöpfer Leben, Bewegung und Wanderungskraft, nebst dem Vermögen ertheilt, im Finstern entweder zu leuchten, oder ihr Licht nach Willkühr zurückzuhalten, und alle Körper, die sie berühren, zu erleuchten, – solcher Anblick muß mehr Erstaunen und Ehrfurcht erwecken, als ich zu beschreiben vermag. Was ich von der Entstehung dieser verschiedenen Arten des phosphorischen Leuchtens sagen kann, sind bloße entfernte Vermuthungen, von denen ich im voraus erinnere, daß es ihnen noch an Bestätigung und Zuverläßigkeit fehlt. Das Leuchten der erstern Art, scheint mir einen sehr verschiedenen Ursprung von den beyden letztern zu haben, und muß meines Erachtens der Elektricität zugeschrieben werden. Die schnelle Bewegung des Schiffs durch das Wasser bey starkem Winde, verursacht eine starke Friktion, und selbst die Bewegung der Wellen, vermittelst des Windes, erwärmt dieselben mehr als die darüberstehende Luft S. des Schiffshauptmanns Phipps, jetzigen Lord Mulgrave, Reise gegen den Nordpol. Anhang, Engl. Ausgabe, S. 147. . Da die Planken des Schiffs mit Harz, Pech und Theer bestrichen sind, und zugleich voller Nägel stecken, das Wasser aber ein guter Ableiter ist, so läßt sich die Möglichkeit einer elektrischen Erscheinung hiebey leicht denken. – Die zwote Art scheint, im eigentlichsten Verstande, ein phosphorisches Licht zu seyn. Im Meere gerathen viele animalische Theile in Fäulniß, und werden vollends aufgelöset, folglich ihre Bestandtheile, und namentlich die Phosphorsäure, entwickelt Elemens de Minéralogie dosimatique par Mr. Sage. Paris 1772. 8vo. Préface p. XI. Tome I. p. 376. 377. 378. Wo diese Säure sowohl dem Thierreiche als auch verschiedenen mineralischen Körpern beygelegt wird. . Ein Zusatz von brennbarem Stoff macht mit dieser Säure diejenige Mischung, welche gemeiniglich als Phosphorus bekannt ist. So werden Fische, welche man an der Luft trocknet, bisweilen phosphorisch, und so wird auch der Ocean selbst, nach langwierigen Windstillen mit Gestank und Fäulniß erfüllt, indem die Hitze und Stille der Luft zur geschwindern Auflösung der animalischen Substanzen etwas beyträgt S. Boyle Tom. III. p. 222. erzählt, daß gewisse Seefahrer in einer dreyzehntägigen Windstille die See faul werden gesehen. . Denn Fische sowohl, als gallertartige Thiere enthalten öligte und brennbare Theile, womit die befreyte Phosphorsäure sich leicht vermischen, und einen Phosphorus oben auf der Oberfläche des Meeres bilden kann, der jenes wunderbare Leuchten verursacht S. Cantons Erfahrungen in den Phil. Transact. Vol. LIX. p. 446. und Bayon, Memoire pour servir à l' histoire naturelle de Chayenne. Tome II. Mémoire XII. Paris 8vo. 1778. . Die dritte Art des Leuchtens entsteht ohnstreitig von lebendigen Thieren, die im Meere schwimmen, und muß seinen Grund in ihrer besondern Organisation, oder besser, in ihren Bestandteilen haben, welche durch chymische Erfahrungen näher untersucht zu werden verdienten Herr Dagelet, ein Sternkundiger hat kleine Polypen und Fischroggen am Vorgebirge der guten Hofnung, und in der Bucht Anton Gil auf Madagaskar leuchten gesehen. Herr Rigaud beschreibt ein ähnliches Phänomen zwischen Brest und den Antillischen Inseln, im Märzmonat des Journals de Savans, 1770. . 6) Ueber das Daseyn eines südlichen festen Landes. Der Verfasser der Allgemeinen Weltgeschichte, und der gelehrte Präsident des Brosses Modern Universal History , Folio Ed. vol. V. p. 2. note c. od. 8. Vol. XI. pag. 275. – des Brosses, Voyages aux Terres Australes , Vol. I. p. 13. haben längst das Daseyn eines südlichen Continents vermuthet. Ihr Hauptgrund war der, daß die schon bekannten Landmassen in der südlichen Halbkugel, nicht hinreichend seyen, dem Lande in der nördlichen das Gleichgewicht zu halten. Ein Schriftsteller, dessen Eifer um die Erweiterung geographischer Kenntnisse, um das Seewesen, und um fernere Entdeckungen rühmlichst bekannt ist Dalrymple's Collection of Voyages to the South Sea. Vol II. Appendix. p. 12. , hat die hiehergehörigen Beweise neuerlich in ein stärkeres Licht gesetzt. Allein unser diesmaliger Kreislauf hat unwiderlegbar dargethan, daß in der südlichen Halbkugel diesseits des 60° S. Br. ausser den von uns entdeckten Inseln im südlichen Weltmeere, kein Land mehr anzutreffen ist. Wollte man nun behaupten, daß in den Gegenden, wohin wir nicht gedrungen, alles jenseit dem 60° S. Br. festes Land sey, so würde dennoch diese Masse im Vergleich mit den Ländern der nördlichen Halbkugel viel zu geringe seyn. Kann aber nicht, wenn anders das System vom Gleichgewichte beyder Halbkugeln nothwendig ist, dem Mangel einer größern Landmasse dadurch abgeholfen werden, daß im Grunde des Südmeeres Und überhaupt in den Ländern der südlichen Halbkugel. G. F. solche Körper liegen, deren verhältnißmäßige Schwere das Gleichgewicht wieder herstellt? Und wie viel andre Mittel, diesem vorgeblichen Mangel vorzubeugen, mag es nicht noch geben, die unserer begränzten Erkenntniß noch verholen sind! Vierter Abschnitt. Eis, und dessen Entstehung. Jene ungeheuren Eisklumpen, welche in der Nähe der Pole, auf dem Meere schwimmen, machen einen unbeschreiblichen Eindruck auf den Seefahrer; ich hatte im voraus viele Nachrichten von ihrer Gestalt, Größe und Entstehung gelesen, und ward dennoch völlig überrascht, als ich sie zum erstenmal erblickte. Das Große dieses Anblicks übertrift alle Erwartung. Eisinseln, eine, auch zwey Meilen lang, und über hundert Fuß hoch über dem Wasser, sind uns häufig vorgekommen. Gesetzt ein Stück Eis mit parallelen Seiten, zeigte ein Zehntheil seines Inhalts über dem Wasser BOYLE in den Philos. Transact. No 61 . Diese Voraussetzung ist noch viel zu mäßig. MAIRAN , in seiner Abhandlung sur la glace p. 264. sagt, daß im frischen Wasser nur 1/14 des Eises hervorragt, und D. Irving ( in Capt. Phipp's, (Lord Mulgravés) voyage towards the Northpole, Appendix 141.) bemerkt, daß ein Stück des allerfestesten Eises bis auf 1/11 im Schneewasser versank. , so enthält es, falls die Länge nur eine Englische Meile, die Breite eine Viertelmeile, und die Höhe über dem Wasser 100 Fuß betragen, 696,960,000 kubische Fuß, solides Eis, über dem Wasser, und neunmal so viel unter dem Wasser, oder zusammengenommen, einen Würfel von 6,969,600,000 Fuß. Allein nicht nur die Größe, sondern auch die erstaunende Anzahl dieser Eismasse würkt auf den Zuschauer. Im Jahr 1773 am 23sten December wurden vom Mastkorbe 186 große Eismassen gezählt, worunter keine geringer als das Schiff war. Oft umringten sie uns auf allen Seiten, und oft mußten wir unsern Lauf ändern, weil ganze sogenannte Eisfelder ihn in der vorigen Richtung hemmten. Die Eisfelder waren jederzeit von aussenher mit kleinen Brocken eines durchlöcherten schwammmigten Eises umgeben, welches durch die stete Bewegung der Wogen schon in so weit zerstört war. Darauf folgten unabsehliche Flächen eines festen Eises, und dazwischen stehende, oder darinn eingefrorne ungeheure hohe Eisinseln, von allerhand seltsamen Figuren, wie Kirchthürme, Felsen, u.d.gl. Die Lage dieses Eises ist nach den Jahreszeiten, und Meeresgegenden sehr verschieden. Am 10ten December 1772, fanden wir es zwischen dem 50. und 51sten Grad der südlichen Breite. Am 12ten December 1773 hingegen, erblickten wir das erste Eis im 62. Grad der Breite, und am 27sten Januar 1775 kam es uns im 60° zu Gesicht. Am 24sten Februar desselben Jahres kamen wir an die nämliche Stelle, wo wir vor 26 Monaten vor vielem Eise nicht hatten weiter südwärts gehen können, sondern den Lauf nach Osten richten müssen; bey unsrer diesmaligen Anwesenheit hingegen war keine Spur mehr davon vorhanden. Eben so wenig fanden wir Eis in der Gegend wo Hr. Bouvet sein Cap de la Circoncision gesehen haben will. Wir segelten über den ganzen Strich, wo er Land vermuthete, und hatten oft Gelegenheit, die Polhöhe zu bemerken, so daß das Land unmöglich unseren Augen hätte entgehen können, wenn es existirt hätte. Alles Eis, welches im Meere schwimmt, giebt frisches Wasser, wenn man nur die Vorsicht gebraucht, keine schwammigte und vom Anspülen der Wellen durchlöcherte Stücken einzusammlen, indem das salzige Seewasser in deren Zwischenräume dringt, und nicht wieder davon abtraufet, wenn es auch noch so lange auf dem Verdeck liegen bleibt. Der Ort wo man diese Art des Eises antrift, (nämlich in der Nähe großer Eisfelder,) und dessen äusseres Ansehen geben es hinlänglich zu erkennen. Hingegen findet man unter dem Winde großer Eisinseln gemeiniglich eine Menge sogenanntes Treibeis in kleinern aber festen Stücken, welche gutes trinkbares Wasser geben. Man sammelt davon, was der großen Eismasse am nächsten liegt, besonders solche Stücke, die man bequem in das Boot heben kann, und legt diese auf dem Verdeck des Schiffs dergestalt übereinander, daß die Tropfen des Seewassers, welche ihnen äusserlich anhängen, davon abfließen können. Sobald durch die wärmere Luft auf dem Schiffe, und besonders durch die Wärme des Verdecks, das Eis zu thauen beginnt, wird es in den großen Schiffskessel gethan und vollends aufgelöset. Das übrige zerschlägt man in kleine Stücken, packt sie durch das Spundloch in Fässer, und füllt die Zwischenräume mit dem bereits geschmolzenen an. In kurzer Zeit ist alles zergangen. Unter dem Winde von großen Strecken des Treibeises Die Grönlandsfahrer nennen es gepacktes Eis, indem die Wellen oft die kleinern Stücken übereinander anhäufen. fanden wir jederzeit eine ungewöhnlich ebene See Ebene See, in dem Sinne wie der Seemann es nimmt, möchte manchem Landmanne immer noch furchtbar seyn. Wenn bey heftigem Winde keine hohe Wellen gehn, weil Land oder Eis die Gegend schützt, und dem Schwung des Wassers entgegen steht, so nennt man dieses eine ebene See, sollte auch kein Segel mehr vor dem Sturme aussen bleiben können. G.F. . So bemerkten wirs am 17ten Januar 1773 in 67° 15' S. Br. als wir in das lose Eis kamen, da zu gleicher Zeit, an der dem Winde ausgesetzten Seite des Eises, hohe Brandungen schlugen, und die Wellen sehr hohl giengen. Was die Grönlandsfahrer den Eisblink nennen, nämlich einen weißen Wiederschein am Horizonte, bemerkten wir so oft wir in die Nähe großer Eisstrecken kamen; ja wir konnten nach dieser Erscheinung jedesmal gewiß versichert seyn, daß wir nur wenige Seemeilen vom Eise entfernt wären. Gemeiniglich erblickten wir zu gleicher Zeit eine Menge schneeweißer Sturmvögel, (Procellaria nivea,) so groß wie Tauben, als sichere Vorboten des nahen Eises. Große Eismassen erkühlen die Luft stark genug, um den Unterschied fühlbar zu machen. Am 11ten December 1772, an einem hellen, gelinden Tage, stand das Thermometer, welches an der Ankerwinde auf dem Verdeck Folglich in freyer Luft; das fahrenheitische Thermometer wird durchgehends verstanden. G. F. befestigt war, auf 41° ehe wir eine große Eismasse erreicht hatten. Kaum befanden wir uns unter dem Winde dieses Eises, so fiel das Quecksilber auf 37½° und ohngefähr um fünf Uhr Nachmittags, da wir das Eis hinter uns zurückgelassen hatten, stieg es wieder auf 41°. Die Eismasse mogte ohngefähr eine englische Meile lang, und hundert Fuß hoch seyn. Am 13ten December früh Morgens, stand das Thermometer auf 32°, indem es die ganze Nacht hindurch geschneyet hatte. Zwischen sieben und acht Uhr näherten wir uns einer Menge Eisinseln, davon einige von erstaunender Größe waren. Um acht Uhr zeigte das Thermometer schon 31½° indem wir uns in dem Augenblicke unterm Winde der größesten Masse befanden. Es stieg aber hernach nicht wieder höher, theils weil die Nässe des Verdecks von dem vielen Schnee, und die darauf erfolgte Ausdünstung, die Kälte erhielt, theils weil auch die ganze Luft um uns her, von der Menge der Eismassen abgekühlt ward. Des Sommers zergeht das Eis allmählig, indem die Temperatur des Seewassers, worinn es schwimmt, in dieser Jahrszeit etliche Grade gelinder als der Gefrierpunkt ist. Schon im frischen Wasser, dessen specifische Schwere sich zur Schwere der Luft, wie 1.000 zu 0.001 oder 0.00025 verhält, wenn beyde gleich warm sind, schmilzt das Eis leichter als an der Luft, wegen der beträchtlicheren Schwere der Wassertheilchen die das Eis berühren; mithin muß das noch schwerere Seewasser, welches sich zum frischen Wasser wie 1.030 zu 1.000 verhält, noch heftiger darauf würken Nichtsdestoweniger erfordern große Eismassen lange Zeit, und ein warmes Klima, ehe sie sich ganz auflösen lassen. Im Atlantischen Meere sind Eisinseln bis im 40° N.Br. gesehen worden, und in der Meerenge von Belleisle, hat ein Offizier der sich mehrere Jahre in Neufundland aufgehalten, ein grosses Eiseiland beobachtet, welches dort auf dem Grunde sitzen geblieben, einen ganzen Sommer hindurch gelegen, und erst im folgenden Sommer ganz geschmolzen ist. F. Es ist bekannt, daß das Eis in einem vollen Eiskeller sich besser hält, als in einem der nur zur Hälfte gefüllt ist; die Masse des Eises, welche vor den Würkungen der Luft geschützt bleibt, und folglich die Kälte in ihrem innersten stets erhält, muß hier das richtige Verhältniß der Zeit, die zur Auflösung nöthig ist, von selbst an die Hand geben. G.F. . Oft waren wir Augenzeugen der Würkung des Seewassers auf das Eis; große Massen, welche unter dem Wasser allmählig angefressen waren, stürzten mit gewaltigem Krachen ein, und zerfielen in kleine Trümmer, oder schlugen um, und erhielten durch den Verlust eines Theils, einen neuen Schwerpunkt. Zuweilen geschah dieser Umsturz so nahe an unserm Schiffe, daß wir Gefahr liefen, davon beschädigt zu werden. Das Eis, welches man im 50°–67° oder selbst 71° S.Br. im weiten Meere findet, muß, dünkt mich, unstreitig noch ferner südwärts entweder in der Nähe eines Landes, oder aber im Meere selbst entstehen. Im erstern Fall, müßte das Land augenscheinlich noch jenseits unserer Fahrt liegen, indem wir noch kein Land in 6o° – 71° S. Br. gefunden haben, welches zur Entstehung einer solchen ungeheuren Menge von Eis hinreichend wäre. Letztern Falls aber, wenn nämlich Eis ohne Land entstehen kann, müßte dessen Geburtsort ebenfalls noch südlicher liegen, da wir es noch immer in Bewegung, und nicht an einem Orte unbeweglich stillestehend sahen. Wenigstens muß das schwimmende Eis zwischen 50° und 71° von festen Eismassen jenseits dieser letztgenannten Breite hergeflößt worden seyn. Andre Seefahrer DALRYMPLE'S Collection of Voyages chiefly in the southern Atlantick Ocean Capt. HALLEY'S Journal p. 34. and Capt BOCVET'S p. 4. haben ebenfalls im Frühling und Sommer, in ziemlich geringen südlichen Breiten, z. B. 49° 50° 51° und 52° Eis angetroffen. In der nördlichen Halbkugel sieht man fast jährlich das Eis herabwärts, aus Norden nach gemäßigteren Himmelsstrichen treiben, so daß es fast scheint, als würkten Strömungen, oder Anziehungskräfte, von jedem Pole nach dem Aequator zu, vermittelst welcher jene erstaunend großen Eismassen in eben dieser Richtung bewegt werden Sollte nicht vielleicht die stärkere Ausdünstung zwischen den Wendekreisen, wodurch die See dort merklich abnehmen muß, diese Strömungen verursachen, indem die nächstliegenden Wogen immer zuströmen, um den Abgang am Gleichgewichte zu ersetzen? F. . Die Meynung, daß das Eis nur an den Küsten, und zwar allein von frischem Wasser entstehen, oder gar auf Flüssen, z. B. in Sibirien und Hudsonsbay, ins Meer geführt werden könne, hat an den Herren v. Büffon, BUFFON Histoire Naturelle (ed. in 12mo) Tome I. p.313. 319. und Tome II p.91. 100. Lomonossof, Lomonossof Abhandlung von dem Eise in den Nordischen Meeren. Siehe Abh. der Königl. Akad. der Wissensch. zu Stockholm, (deutscher Ausgabe) XXV. Band. und Crantz Crantz Geschichte von Grönland. S.18. 42. ihre Vertheidiger gefunden. Dem zufolge erwartete ich in der That die nahe Entdeckung des südlichen Landes, als wir, im December 1772, des Eises solchen großen Vorrath erblickten. Diese Erwartung wurde aber damals, und hernach, da wir zweymal über 67° und einmal jenseit 71° S.Br. kamen, verschiedentlich getäuscht. Meine anderweitigen Zweifel am Daseyn des Südlandes stellten sich also wieder ein, und leiteten mich auf eine nähere Untersuchung der Gründe, auf welche sich die benannten Schriftsteller theils in Betracht der Entstehung des Eises, theils für die Nothwendigkeit eines Südlandes Büffon, am angeführten Orte. gestützt haben. Ihr ganzes Argument läuft auf folgende wenige Sätze hinaus: »Das im Weltmeere vorhandene Eis besteht ganz aus frischem Wasser; Seewasser aber kann gar nicht gefrieren, oder dessen Eis würde immer Salztheilchen enthalten. Mithin (folgern sie) kann jenes Eis nicht in offener See entstanden seyn, sondern es muß ein Südland existiren, dessen Küsten, wie im Norden der Fall ist, den ersten festen Punkt ( point d'appui ) abgeben, an welchen sich die höhern Eismassen festsetzen; und dessen Flüsse das flache Eis in so unglaublicher Menge mit sich führen können.« Diesen Sätzen füge ich das Resultat meiner unpartheyischen Bemerkungen hinzu. 1. Ich stimme der Behauptung, daß das Eis, welches man im Meere treibend antrift, blos aus frischem Wasser bestehe, völlig bey, ohnerachtet Herr Crantz dieses nicht zugiebt, indem er ausdrücklich sagt, daß die flachen Stücken (woraus die sogenannten Eisfelder bestehen) salzig sind, weil sie aus gefrornem Seewasser bestehen Geschichte von Grönland, S. 31. . Das Eis, womit wir unser Schiff versorgten, war von allerley Art, theils flach, theils in Klumpen, allein es gab allemal reines frisches Wasser; mithin folgt entweder, daß sich von einer Halbkugel auf die andre in diesem Betracht nicht schließen läßt Diese Folgerung würde selbst für die benannten Herren zu viel beweisen. Zudem sieht man keinen Grund, jene Verschiedenheit zwischen beyden Halbkugeln, in Betracht des Eises anzunehmen. Crantz konnte vielleicht seine Bemerkung an dergleichen schwammigtem, halbaufgelöstem Eise gemacht haben, welches, wie oben bemerkt worden, in der That sehr viele äusserlich ihm anhangende Salztheilchen in seinen Hölungen enthält. G.F. , oder daß Herr Crantz, der von salzigem Eise spricht, sich geirrt haben muß. 2. Der folgende Satz behauptet, daß kein Seewasser gefrieren könne, oder, wenn es ja geschähe, so müßte das Eis immer Salztheile enthalten. Hr. von Büffon Am angef. Orte. erzählt, »daß die See zwischen Nova Zemla und Spitzbergen unter dem 79° N.Br. niemals gefriere, weil ihre Breite daselbst schon zu beträchtlich ist: daher könne man unter dem Pole selbst, eine offene See gewärtigen, indem die Gefrierung des Meeres fern von den Küsten ganz ohne Beyspiel sey.« »Das einzige Faktum, welches sich gegen diese Behauptung anziehen lasse, betreffe blos das schwarze Meer, welches eben nicht gar breit, und wegen seiner vielen von Norden her eisführenden Ströme, auch nicht salzig sey; daher gefriere es zuweilen so stark, daß die ganze Oberfläche mit dickem Eise belegt würde, und zu Constantin Copronymus Zeiten, (falls die Geschichtschreiber Glauben verdienten,) dreyßig Ellen dickes Eis gehabt habe, ohne den zwanzig Ellen tiefen Schnee zu rechnen. Das Faktum scheine zwar übertrieben, indessen gestehe das schwarze Meer fast jeden Winter, da doch andre Meere, die dem Pol auf tausend Meilen ( lieues ) näher liegen, nie gefrören, woran lediglich ihr Salz, und die geringere Zufuhr von Eis auf den Flüssen schuld seyn könne.« Ganz Recht, sagt Hr. von Büffon, daß das schwarze Meer oft gefriert. Strabo Srtabo Geogr. L. VII. p, m. 212. berichtet, daß die Völker am Bosporus Cimmerius in Karren queer über dieses Meer von Panticapäum bis Phanagorea zu fahren pflegten, und daß Neoptolemus , ein General des Königs Mithridates Eupator , mit seiner Reuterey auf dem Eise eine Schlacht gewonnen habe, an eben der Stelle, wo er im vorhergegangenen Sommer mit seinen Schiffen, einen Sieg zur See erfochten hatte. Marcellinus Comes Marcell. Comes , in Scaligeri ed. Euseb. p. 37. erzählt, daß während des Consulats des Vincentius und Fravita , in der vierzehnten Indiction, im Jahr 401 nach Christi Geburt die ganze Oberfläche des schwarzen Meeres mit Eis belegt gewesen sey, welches im Frühjahr dreyßig Tage lang, durch die Propontis in Stücken wie Berge getrieben worden. Zonaras ZONARAS in const. copronymo und NICEPHORUS Patr. p. 43.44. desgleichen THEOPHANES, p.365.366 , melden, daß im Winter 762/3, das schwarze Meer beynah fünf Monate lang von Zichien (der Gegend zwischem dem Kuban und Aerchos) bis Chazarien, (der Krim) und Bulgarien mit dreyßig Ellen dickem Eise belegt gewesen sey. führt an, daß zu Constantin Copronymus Zeiten die See zwischen Constantinopel und Skutari so stark gefroren gewesen, daß man mit beladenen Wagen drüber gefahren ist. Prinz Demetrius Kantemir DEMETRIUS CANTEMIR Hist. of the Othman Empire ; und the Modern Universal History. Vol. V. p. 347. (Fol) bemerkt endlich noch im Jahr 1620/21 einen scharfen Frost, während dessen man von Constantinopel trocknes Fußes nach Iskodar habe kommen können. Allein, wenn Herr von Büffon behauptet, daß nur allein das schwarze Meer ganz gefriere, sehe ich mich genöthigt von ihm abzugehen, indem, nach Caspar Schützen, auch die Ostsee bisweilen ganz gestanden ist C. SCHÜTZ, Historia rerum prussicarum, Lips. fol. 1599. p. 114. 281. . Im Jahr 860 war auch das mittelländische Meer so hart gefroren, daß man zu Wagen und zu Pferde über das Ionische Meer nach Venedig kam HERMANN. CONTRACTUS ap. Pistor Script. Tom. II. p. 236. . Im Jahr 1234 traf dieser Fall abermal ein, so daß die venetianischen Kaufleute ihre Waare über das gefrorne mittelländische Meer, wohin sie wollten, verführen konnten MATTH. PARIS . p. 78. . Im J. 1426 fiel ein so kalter Winter ein, daß man, auf der Ostsee, von Danzig nach Lübek, und von Dänemark nach Meklenburg übers Eis reisete. Im J. 1459 war die ganze Ostsee dergestalt gefroren, daß man zu Fuß und zu Pferde von Dänemark nach den Windischen Hanseestädten, Lübek, Wismar, Rostock und Stralsund reisete, welches zuvor noch nicht geschehen war. Ja man gieng sogar ohne die mindeste Gefahr quer über die ganze Ostsee, von Reval in Esthland nach Dänemark und Schweden, und wieder zurück. Sämund Froden zufolge Sæmund Frode , apud Thormod Torsaeum, serie Dynast. Regum Daniae. Hafn. 4to. 170s. p. 41. war aber 1408 selbst die große Nordsee zwischen Dänemark und Norwegen gefroren, und die Wölfe liefen übers Eis aus dem einen Königreich in das andere. Das große nordische Eismeer gefriert bisweilen ganz unstreitig in beträchtlicher Entfernung von den Küsten, wie aus der von Hrn. Etatsrath Müller Sammlungen Ruß. Geschichte. 3. Band. S. 41. angeführten Reise des Kosaken Markof und seiner Gefährten erhellt. Dieser Kosake versuchte, auf Befehl der russischen Regierung, das Eismeer zu erforschen; weil aber das häufige Eis seine Sommerreise zu Schiffe vereitelte, so entschloß er sich, im Winter einen Versuch von anderer Art zu wagen, reisete in etlichen, nach Landesart, mit Hunden bespannten Schlitten ab, und legte mit diesem Fuhrwerk 80 bis 100 Werste (deren 105 auf einen Aequatorsgrad gehen) täglich zurück. Am 10ten März 1715 verließ er, in Begleitung neun andrer, die sibirische Küste an der Mündung des Yanaflusses, unter 71° N. Br. und fuhr sieben Tage lang immer nordwärts, bis er wenigstens 77° oder 78° N. Breite erreicht hatte. Hier fand er das Eis in so rauhen Bergen aufgethürmt, daß er nicht weiter kommen konnte. Er erstieg einen solchen Eisberg, allein so weit das Auge tragen wollte, war nichts als Eis zu sehen. Zudem war ihm das Futter für die Hunde abgegangen, weshalb er sich genöthiget sah, zurückzukehren. Auf der Rückreise blieben etliche Hunde vor Hunger todt, deren Fleisch den übriggebliebenen zum Unterhalt dienen mußte, bis sie endlich am 3ten April mit genauer Noth das Land wieder erreichten. Nachstehende historische hiehergehörige Fakta, deren einige noch stärker, als alles oben angeführte, sind, hat mir der verstorbene Professor Thunmann in Halle durch Hrn. Ober-Consistorialrath Büsching mitgetheilt. Im J. 1269 war die Ostsee von Gothland bis Schweden gefroren, ( Incerti auctoris Annales Denor. in WESTPHAL monument. Cimbr. T.I. p.1392 ) 1306. Lag Eis vierzehen Wochen lang auf der Ostsee zwischen allen dänischen und schwedischen Inseln. LUDWIG reliquiæ MSSTOR. T. IX. p. 170. ) 1323. War für Fußgänger und Reiter sechs Wochen lang ein Weg über die Ostsee, ( id. ibid. ) 1349. Gieng man über Eis von Stralsund nach Dänemark. ( Incert. auct. cit. apud LUDWIG . T. IX. p. 171.) 1408. War die ganze See zwischen Gothland und Oeland, auch zwischen Rostock und Gezör, gefroren, ( id. ibid ) 1423. Konnte man zu Pferde auf der See von Preussen nach Lübek kommen. ( CRANZII Vandal. L. X. c. 40. ) Von Meklenburg bis Dänemark war die ganze See mit Eis belegt.( Incert. auct. ap. LUDWIG. T.IX. p.125. ) 1461. (sagt NICOL. MARESCHALLUS in annal. Herul. ap. Westphal. T.I. p.261. ) Tanta erat hyems, ut concreto gelu oceano plaustris millia passuum supra CCC*. merces ad ultimam Thylen (Ysland) et Orcades veherentur e Germania. tota pene bruma. 1545 War die See zwischen Rostock und Dänemark, auch zwischen Fünen und Seeland so gefroren, daß theils Fußgänger, theils Schlitten mit Ochsen und Pferden bespannt, über Eis giengen, ( Anon. ap. LUDWIG T.IX. p.176. ) 1294. War das Cattegat zwischen Norwegen und Dänemark gefroren, und man reisete darauf von Oxlo in Norwegen nach Jütland. ( STRELOW Chron. Juthiland p.148 .) Die angeführten Stellen sind hinlänglich, jeden unbefangenen Leser zu überzeugen, daß nicht blos das schwarze, sondern auch andere Meere im Winter gefrieren. Auch bedarf es wohl keines Beweises, daß, da die Nordsee zwischen Norwegen und Dänemark gefror, solches nicht lediglich dem Eise, welches Flüße mit sich führen konnten, zuzuschreiben war; indem alle dorthin fallenden Flüße, im Verhälniß mit dem großen Ocean, klein und unbeträchtlich sind. Hiemit stimmen auch Herrn Wilkens halostatische Versuche überein, denen zufolge die Nordsee, selbst im Haven von Landskrona, dicht am Lande, sehr salzig ist. Abhandl. der Akademie der W. zu Stockholm. Deutsche Uebersetzung. 33.Band. S.66. Der Ausdruck, daß die See fern von den Küsten nicht gefriere, ist freylich in Absicht auf die erforderliche Distanz sehr unbestimmt. Doch scheint mir Markofs Reise, da er sich sechs bis sieben Grade der Breite, (oder 360 bis 420 Engl. Meilen) vom Lande entfernte, und von dem Eisberge, den er erstieg, etwa noch 60 Meilen weiter sehen konnte, auch die allerweiteste Ausdehnung jenes Satzes zu widerlegen, und es höchst wahrscheinlich zu machen, daß das nordische Meer im Winter bis an den Pol gefriert. So wäre denn hiedurch, wie durch mehrere angeführte Beyspiele, erwiesen, daß die Breite des Meeres dessen Gefrierung nicht ausschließt. Sollten wir aber dem Hrn. von Büffon beystimmen, wenn er jene ungeheuren Eismassen, welche die Polar-Meere anfüllen, blos auf Flüssen hinabtreiben läßt? Es ist der Mühe werth, ihn selbst zu hören: »Gesetzt, sagt er, wir nähmen, wider alle Wahrscheinlichkeit Tom.I. p.313. Das unwahrscheinliche sehe ich nicht ab. G.F. , um die Pole einen solchen Grad der Kälte an, wodurch die Oberfläche des Meeres gefrieren könnte, so bleibt noch immer unbegreiflich, wie jene ungeheuren Eismassen entstanden sind, wenn kein Land vorhanden wäre, wo sie sich zuerst ansetzen, und davon sie im Sommer, vermittelst der Sonnenhitze, hätten abgesondert werden können. Die zwey Schiffe, welche die Ostindische Handlungsgesellschaft Unter Anführung des Herrn des Loziers Bouvet . 1739 auf Entdeckung ausschickte, fanden in 47° oder 48° S.Br. Eis, aber auch nicht weit davon schon Land, dem sie sich (blos wegen des Eises) nicht nähern konnten. Dieses Eis mußte also vom Innern des um den Pol gelegenen Landes auf dessen großen Strömen herabgekommen seyn, so wie es auf dem Ob und Jenisea, und andern großen Flüßen, in das nordische Weltmeer treibt, sich fast das ganze Jahr hindurch in der Waygats-Meerenge stopft, und den Zugang zum tatarischen Meere von dieser Seite versperrt.« Vorausgesetzt, daß ein Südland vorhanden wäre Wenigstens ist das Land nicht vorhanden, wovon hier die Rede im Texte ist; denn Herr Bouvet hatte sich sehr geirrt, und Eisberge für Land angesehen, wie theils aus unserer Fahrt, theils aus dem Lauf der Adventure erhellt. S. oben. G.F. , so müssen wir zuförderst dessen Lage mit den Küsten von Sibirien vergleichen, ehe wir es wagen, von der Aehnlichkeit der Flüße jenes unbekannten Landes mit dem Ob, Jenisea, und andern nordischen Gewässern, zu urtheilen. Letztere entspringen, so wie alle sibirische Hauptflüsse, welche sich ins nordische Meer ergiessen, in 48° und 50°. N. Br. unter einem gemäßigten Himmelsstrich, wo allerley Erdfrüchte gezogen werden können. Mit ihnen vereinigen sich keine andere Flüße, als solche, die ebenfalls gelinderen Gegenden entflossen sind. Ihr Lauf bleibt ziemlich genau in der Richtung von Süden nach dem Pole hin, so wie die Küste von Sibirien, (Buchten abgerechnet,) von Ost nach Westen liegt. Die kleineren Bäche, die hoch im Norden entstehen, haben keine eigentliche Quellen, sondern führen blos im Frühlinge geschmolzenen Schnee, und in dem kurzen Sommer etwas Regenwasser: im Herbste sind sie größtentheils verschwunden. Auch ist es ganz wohl begreiflich, daß in einem ewig gefrornen Erdreich keine Quellen entstehen können. Schon im 62sten Grad N. Br. zu Yakutsk ist die Erde, mitten im Sommer, zwey oder drey Schuh tief unter der Oberfläche völlig gefroren. Man versuchte daselbst 1685 und 1686 einen Brunnen zu graben, erreichte auch mit großer Mühe und Arbeit in zween Sommern eine Tiefe von 91 Fuß; doch auch hier war der Boden noch gefroren, und schlechterdings kein Wasser vorhanden, weshalb die vergebliche Unternehmung liegen blieb Gmelins (des ältern) Reise nach Sibirien. 2ter Band. S. 520. 523. . Giebt es ein Südland, so müssen dessen Küsten ebenfalls sich von Ost nach Westen, jedoch noch südlicher als unsre Fahrt, folglich allenthalben jenseits dem 60sten, und an einigen Stellen über den 71° Grad hinaus erstrecken. Die etwanigen Flüsse müßten aus dessen Innerem, mithin von Süden nordwärts laufen, um das Meer zu erreichen. Fanden wir nun bereits im 54° auf der Insel Südgeorgien, die kaum sechszig deutsche Meilen im Umfange hat, mitten im Sommer eine Kälte wobey das Thermometer 30°, 32°, oder höchstens 34° anzeigte, das ganze Land mit tiefem Schnee bedeckt, alle Häven mit festen Elsklumpen, welche 60 bis 80 Fuß aus dem Wasser hervorragten, gefüllt, und keine Spur von Flüssen oder Quellen; wie wenig Hofnung darf man sich machen, Flüsse jenseit des 71° Grad's oder gar um den Pol herum anzutreffen, woselbst sie doch entstehen müßten, wenn es möglich wäre, daß sie auf dem vorgeblichem Südlande existiren könnten. Hiemit fällt die Behauptung von selbst hin, daß auf den Flüssen des Südlandes Eis herabgeschwemmt werde. Noch ein Umstand beweiset gewiß sehr einleuchtend, daß, wenigstens unter demjenigen Himmelsstrich, welcher noch Vegetation hervorbringt, kein Südland zu suchen sey. Alle Nordische Meere werfen eine so beträchtliche Menge Holz an die Gestade von Nova Zemla, Spitzbergen, Grönland, Berings-Eiland etc. daß die Unglücklichen, welche dort etwa überwintern müssen, sich hinlänglich mit Brennholz versehen können, ohnerachtet kein Baum auf allen diesen Küsten wächst. In allen südlichen Meeren hingegen, sieht man kein Treibholz. Die Franzosen fanden auf den Falklandsinseln kaum ein paar Stückgen angespült, ohnerachtet sie eine geraume Strecke sorgfältig darnach gesucht hatten. Und eben so wenig erblickten auch wir dergleichen an den Küsten von Südgeorgien. Nach den vielfältigen Beyspielen, welche ich vom Gefrieren der See angeführt habe, bleibt mir nur die Richtigkeit des Satzes noch zu prüfen übrig, daß die See, wenn sie gefriert, nur ein salziges Eis geben könne Wenn Crantz, S. 31. sagt, das flache Eis sey salzig, weil es aus dem Seewasser entstanden sey: so giebt er wenigstens zu, daß das Seewasser gefrieren könne. . Zuvor aber kann ich nicht umhin, ein paar entscheidende Fakta hier anzuführen, welche das Gefrieren der See ausser allem Zweifel setzen. Im Jahr 1596 bemerkte Barentz Recueil des Voyages qui ont servi à l'établissement de la Compagnie des Indes Orientales Vol. I. am 16ten September, daß die See zwey Finger dick gefroren war; und in der folgenden Nacht ward das Eis noch einmal so dick. Geschahe dies im September, wie muß nicht die weit durchdringendere Kälte einer Winternacht im Januar würken? In der Mitte Decembers 1631, da der Capitain James auf Charletons-Eiland überwintern mußte, gefror ebenfalls die ganze Hudsonsbay Histoire des Voyages Vol. LVII (in 12mo) p. 421. . Dies also mit Gewißheit zum Grunde gelegt, daß die See gefrieren kann, bleibt nur die Frage, ob das solchergestalt entstandene Eis Salztheilchen enthalten müsse oder nicht? Die Schwürigkeit dieser Frage, wird noch dadurch vermehrt, daß während des scharfen Frostes im Winter 1776 zween verschiedene Versuche mit dem Seewasser angestellt worden sind, welche einander fast in jedem erheblichen Punkte geradezu widersprechen. Herr Edward Nairne, ein geschickter Optikus und Mitglied der königlichen Gesellschaft der Wissenschaften in London, ein Mann, dessen Scharfsinn und Genauigkeit im Beobachten bekannt sind, stellte den einen Versuch an; Herr O. Higgins, der in London chemische und physikalische Vorlesungen hält, den andern Hr. Nairne beschreibt seine Versuche im 66sten Bande der Philosophical Transact . Hr. Higgins die seinigen in Barrington's second Supplement to the probability of reaching the Northpole, p. 121-141. . Bekannt ist es aber in der Mechanik, Chemie und Physik, daß Erfahrungen, Maschinen, u. d. gl. im Kleinen oft die Probe halten, und hernach im Großen nicht gelingen; so wie auch im Gegentheil, daß sie oft im Kleinen fehlschlagen, da sie im Großen zuverläßig die erwünschte Würkung thun. Sollte dies nicht mit allem Rechte auch von den gegenwärtigen Versuchen mit dem Seewasser gelten, mithin die wenigen Higginschen Experimente, die in einer großen volkreichen Stadt (London), angestellt wurden, und ein loses schwammigtes, mit Salztheilgen gefülltes Eis lieferten, dennoch die Möglichkeit nicht ausschließen, daß im großen Weltmeere, hoch im Norden und bey strengerer Kälte, nicht nur festes, sondern auch von allem Salz befreytes Eis gefrieren könne? Herr Nairne erhielt aus dem Seewasser ein sehr hartes, viertehalb Zoll langes, und zwey Zoll dickes Stück Eis, welches er in frischem Wasser abwaschen und die äußerlich daran hängenden Theilchen des Seewassers davon absondern konnte, ohne dadurch in seiner innern Textur die mindeste Veränderung zu bewürken. Das Wasser, welches er erhielt, nachdem er dieses Eis hatte zergehen lassen, war rein und frisch, specifisch leichter als ein Gemisch von Schnee und Regenwasser, und dem destillirten Wasser an Leichtigkeit am nächsten. Das übriggebliebene Seewasser, oder die Sohle, war aber specifisch schwerer als anderes Seewasser geworden, – eine sichere Anzeige, daß in dem Eise keine Salztheilgen geblieben seyn konnten, weil sie sich im residuo concentrirter, als zuvor, befanden. Ein merkwürdiges Faktum, dessen Adanson Voyage au Senegal. Paris 1757. 4to. p. 190. erwähnt, bestätigt diesen Versuch. Er hatte an zwo verschiedenen Stellen im Meere, eine Flasche mit Seewasser gefüllt, und beyde nach Frankreich gebracht, in der Absicht, bey mehrerer Muße den Grad der darinn enthaltenen Salzigkeit zu bestimmen. Auf dem Wege von Brest nach Paris, den er im Winter zurücklegen mußte, zerplatzten beyde Flaschen von der strengen Kälte, und das darinn gefundene Eis zergieng zu ganz frischem Wasser Schwerlich wird man sich vorstellen können, daß ein so deutlich erzähltes Faktum sich aus Liebe zur Hypothese verdrehen ließe; indessen wird in the second Supplement to the Probability of reaching the North-Pole p.119. ohne Grund behauptet, »die Flaschen wären entweder gegen andre vertauscht worden, oder Herr Adanson habe doch vergessen anzuführen, wodurch das Seewasser, (oder vielmehr das daraus entstandene Eis) beym Zergehen, eine so große Veränderung erlitten habe.« Die Sache scheint sich ganz natürlich so zu verhalten. Das Wasser in den Flaschen gefror, und zersprengte die Flaschen; folglich lief die noch flüßig gebliebene Sohle mit allen Salztheilgen des Seewassers heraus, und ließ das reine Eis zurück, welches denn nichts anders als frisches Wasser geben konnte. F. . Herr Dr. Higgins erhielt aus dem Seewasser nur dünne Blättgen von Eis, welche sehr schwach aneinander hiengen. Diese nahm er sogleich aus dem Gefäße, in welchem er das Seewasser dem Frost aussetzte, und fuhr damit so lange fort, bis die übriggebliebene concentrirte Sohle anfieng, in Krystallen von Kochsalz anzuschiessen. Jeder Chemiker wird schon aus dieser Methode ersehen, daß die Erfahrung selbst das nicht beweiset, was Herr Higgins daraus folgern will. Anstatt so übereilt die dünnen kaum geronnenen Eisblättgen herauszunehmen, hätte er etwas geduldiger bis zu ihrer völligen Gefrierung warten müssen, da er denn gewiß, wie Herr Nairne, hartes, von allen Salztheilen befreytes Eis erhalten hätte, indem sich zwischen den vorigen Blättgen noch andre angesetzt, und jene fester verbunden haben würden. In einem andern Gefäße blieb zwar zuletzt ein etwas dickeres und festeres Eis; allein nachdem er die Sohle schon so stark concentrirt hatte, war es kein Wunder, wenn das Eis zuletzt mit Salztheilen durchdrungen werden mußte. So wenig läßt sich auf diese Versuche bauen Eine ganz bekannte Art, Salzauflösungen zu inspissiren, damit sie desto leichter zu Krystallen schiessen mögen, ist diese, daß man sie im Winter der Kälte aussetzt und das sogenannte wilde oder überflüßige Wasser gefrieren läßt. Von dem Salze geht dabey nichts verloren. Die Leichtigkeit womit man in der Destillation (s. oben) von Seewasser frisches trinkbares Wasser erhält, müßte zum Ueberfluß zeigen, wie wenig das Salz im Meere vermögend ist, die Wassertheile an sich zu hallen. G. F. . Man hat es versucht, die Entstehung des Eises im Weltmeere, noch durch die zwey folgenden Einwürfe streitig zu machen. Der erste betrift die ungeheure Größe der Eismassen selbst, in dem Ocean, oder, wie Herr Higgins sich ausdrückt, in dem tiefsten aller bekannten Gewässer, Second Supplement a. a. Orte. welchem er eine gelindere Temperatur, als zum Gefrieren erforderlich ist, beymißt. Ich brauche mich aber blos auf die oben mitgetheilte Tabelle zu beziehen, woraus zur Gnüge erhellt, daß das Thermometer mitten im Sommer, in den südlichen Breiten, von 55°, 52° 26', und 64°, in der Tiefe von 100 Klaftern, den 34sten, 34½, und 32sten Grad anzeigte. In allen diesen Fällen betrug der Unterschied zwischen der Wärme an der Oberfläche, und in der Tiefe des Meeres nie über 4 Grade, und die Lufttempertur war ebenfalls von jener in der Tiefe von 100 Klaftern, kaum 5 Grade verschieden. Ueber 71° S. Br. hinaus, muß natürlicherweise die Kälte noch größer, und zumal im Winter scharf genug seyn, das Meer bis zum 28° zu erkühlen, welches der Gefrierpunkt für das Seewasser ist. Die Kälte hält dort sechs bis acht Monate mit ununterbrochener Heftigkeit an, daß also zur Gefrierung großer Eismassen Zeit genug vorhanden ist. Doch es giebt auch mehrere Entstehungsarten dieser Eisklumpen. Gesetzt das Eis, welches im Meere bey stillem Wetter entsteht, könnte auch nicht über 12 Schuh dick werden; Crantz S. 31. Und warum sollte es nicht 30 Ellen dick werden können, wie der vom Hrn. von Büffon angezogene Byzantinische Schriftsteller es bemerkt? G. F. so zerbricht der Sturm hernach dergleichen Eisfelder, deren eines, nach Crantzens Berichte, hundert und funfzig deutsche Meilen lang, und sechszig breit seyn kann; die Stücken wiegen einander nieder, werden übereinander geworfen, frieren bald wieder zusammen, und thürmen sich zuletzt in Meilen langen Massen, von zwanzig bis über sechszig Klaftern in der Dicke, hinan. Martens Martens, Voyage au Nord, Tome II. p. 62. sagt in seiner Beschreibung von Spitzbergen, daß der Zusammenstoß der Eisschollen ein so starkes Getöse verursache, daß man einander kaum dafür sprechen höre, und fügt hinzu, daß Eisberge aus solchen Stücken bestehen, welche übereinander geworfen worden sind. Augenscheinliche Kennzeichen einer ähnlichen Entstehung, nämlich Schichten, deren jede mehrere Schuh dick war, bemerkte ich 1772 und 1773 an vielen Eismassen. Was der Kosake Markoff über 100 deutsche Meilen weit von den Sibirischen Küsten von dem Eise des Nordischen Weltmeeres bemerkt, begünstigt eben diese Entstehungshypothese Er fand die hohen Massen nicht dicht am Lande, unter den Klippen der Küste angesetzt, wie der Verfasser des Second Supplement to the probability of reaching the North-Pole S 143. und 145. ohne Grund vermuthet, sondern erblickte sie erst weit in See, und als er sie bestieg, war nichts als Eis, aber kein Land zu sehen. F. . Schnee, der oft viele Ellen tief fällt, und vom Regen aufgethauet, von neuem gefriert, und immer fester wird, trägt vieles dazu bey, die Eisberge endlich zu unglaublicher Höhe aufzuthürmen. Ein zweyter Einwurf wider das Gefrieren der See, betrift die Undurchsichtigkeit des Eises, welches Herr Higgins aus dem Seewasser erhielt, dahingegen die größten Eismassen mehrentheils hell, wie Krystallen, und von schöner blauer Farbe sind, die vom Widerschein des Wassers entsteht. So scheinbar dieses Argument ist, so wenig kann es bey Leuten gelten, denen die Würkungen einer heftigen, anhaltenden Kälte bekannt sind. Wenn der Frost mit Schneegestöber eintritt, pflegt es gemeiniglich ein undurchsichtiges Eis auf Seen und Flüssen zu geben, welches vor der völligen Erhärtung fast wie ein weißer Teig aussieht. Im Frühlinge können ein paar Tage nasses oder Thauwetter, worauf wiederum kalte Nächte folgen, die Farbe und Consistenz des Eises dergestalt ändern, daß es durchsichtig wie ungefärbter Krystall wird. Ist das Thauwetter von längerer Dauer, so, daß es den Winter völlig beschließt, so wird das durchsichtige Eis weich und schwammigt, und ehe es ganz zergeht, wieder undurchsichtig MARTENS , Recueil des Voy. au Nord. Tome II. p. 62. . Endlich behauptet man noch wider die Entstehung des Eises in der See, daß das Land wenigstens als ein Ruhepunkt BUFFON , Tome I. p. 34. , woselbst das Eis sich ansetzen könne, unentbehrlich sey. In Herrn Nairne's Versuchen entstand gleichwohl das Eis an der Oberfläche des Seewassers, und schoß seine Krystallen unterwärts an. Unstreitig entsteht also das Eis da zuerst, wo die Kälte am stärksten ist; weil nun die Luft zuerst auf die Oberfläche des Meeres wirkt, so muß sich das Eis von oben nach unten zu formiren, das Wasser immer tiefer hinab erkälten, und eines stärkern Grads der Gefrierung fähig machen. Ich setze voraus, daß die Gerinnung allemal bey stillem Wetter geschieht, welches letztere auf hohen südlichen Breiten, unserer eignen Erfahrung zufolge, nicht ungewöhnlich ist. Vielleicht ließe sich mit vieler Wahrscheinlichkeit annehmen, daß die ganze Gegend des Südpols bis zum 80sten Grade S. Br. ganze Zeitalter hindurch mit einer einzigen unzertheilten festen Eisscholle bedeckt bleibt. Der Rand dieses ungeheuren Eiscontinents, wäre alsdenn allein einigem Wechsel unterworfen, indem er des Winters, durch den frischen Ansatz im Umfange zunähme, bey Rückkehr der gelinderen Jahreszeit aber wieder von den Winden beschädigt würde, und seine abgerissnen Bruchstücke den Strömungen des Meeres, die sie Nordwärts führen, Preis geben müßte. Wie leicht können nicht große Eisfelder, und Massen, (zwischen denen das Meer mit unzähligen kleiner Eisschollen besäet ist, und wo der Wind keine Gewalt hat, hohe Wellen zu erregen,) bey wiedereintretendem Winter in eins zusammenfrieren, ohne daß man im geringsten nöthig hätte, ihnen einen festen Punkt, ein Land zu geben, an welches sie sich ansehen könnten? Selbst die Alten haben etwas hievon gewußt; Gallier und Britten, oder andere Nordische Völker, welche bisweilen eine lange Seereise unternehmen, mogten es ihnen erzählt haben. Bey ihnen hieß das Nordische Eismeer: das gefrorne, todte, träge, unbewegliche Meer; bald mare cronium , die geronnene See, bald morimarusa die todte See Dionys . Periegetes. v. 32. 33. Ποντον μεν καλεουσι ΠΕΠΕΓΟΤΑ τὲ, ΚΡΟΝΙΟΝ τὲ, Αλλοι δ'αν καὶ ΝΕΚΡΟΝ εφεμισαν, εινεκ αφαυρου Ηελιου. Orpheus Argonaut . v. 1079. 1080. Εμπεσε δ'Ωκεανω, ΚΡΟΝΙΟΝ δε επικλησκουσι Ποντον ΥΠΕΡΒΟΡΕΗΝ μεροπες, ΝΕΚΡΗΝ τε θαλασσαν. Strabo Lib. II. p. m. 71. schreibt dem Pytheas von Marseille nach, daß die See gegen Norden, bey Thule, weder Land, Wasser noch Luft, sondern ein Gemisch von allen dreyen, wie See-Zunge sey; welches doch beweiset, daß der berühmte Marseiller Reisende etwas vom Gefrieren der See gehört haben müsse. Vergleicht man seine Beschreibung mit den anderweitigen Nachrichten, die in alten Schriftstellern vorkommen, und mit den Namen, welche sie dem nordischen Weltmeere beylegten, so wird es desto zuverläßiger, daß sie diese Kenntnisse von Gallischen und Celtischen Völkern erhalten haben, deren Sprache die Bedeutung jener vom Plinius angeführten Benennungen noch aufbewahrt. So ist z, B. Morimarusa das todte Meer, weil Mor bey den Welschen (im Fürstenthume Wales) das Meer, und marw todt; mor-marw (wird ausgesprochen mor-marie) folglich noch heutiges Tages das todte Meer bedeutet. Im Irrländischen bedeutet muir-croinn die dicke, geronnene See. (S. TOLAND'S history of the Druids, in the Collection of several pieces. London 1726. 8vo. Vol. I. p. 149.) Mare cronium ward daher nicht vom Kronos oder Saturn, sondern von seinem geronnenen oder gefrornen Zustande genannt. TACIT . de morib. Germ. cap. 45. Trans Suionas aliud mare pigrum ac prope immotum – quod extremus cadentis solis fulgor in ortus edurat, adeo clarus, ut sidera hebetet. PLIN . hist. nat. L. IV. c. 13. Septentrionalis Oceanus; Amalchium eum Hecataeus appellat, a Parapamiso amne, qua Scythiam alluit, quod nomen ejus gentis lingua significat congelarum . Philemon Morimarusam a Cimbris vocari, hoc est mortuum mare usque ad promontorium Rubeas; ultra deinde Cronium . Et. cap. 16. A Thule unius diei navigatione mare concretum a nonnullis Cronium adpellatur. Diese letztere Stelle läßt mich vermuthen, daß es auch in der ersteren billig heissen sollte: ultra (Thulen) deinde Cronium . Vielleicht ist auch das: quod nomen ejus gentis lingua significat congelatum , hieher gleich nach dem Worte Cronium einzuschalten, und steht jetzt an unrechter Stelle. F. . Was diese Benennungen treffender macht, ist die Bemerkung, daß der Frost in den Nordländern bisweilen so strenge anfängt, daß alle Gewässer schleunig zu einer Art Teiges oder Breyes gerinnen, und mit einemmal gefrieren Gmelins (des ältern) Reise nach Sibirien. . In der Gegend um den Südpol thut die Kälte wahrscheinlich dieselbe Würkung, da ohnehin jene Halbkugel, in gleichen Graden der Breite, unstreitig kälter als die nördliche ist. Herr von Büffon verwirft diese letztere Behauptung Hist. nat. Tome I. p. 312. als ungegründet, und glaubt, die Seefahrer hätten das Südland aus keinem andern Grunde für kälter als die Länder um den Nordpol ausgegeben, als weil sie dort das Eis weiter vom Pole ab, angetroffen, welches doch vielleicht seine besondern Ursachen haben könne. Vergleicht man aber die Wetterbeobachtungen in den Falklandsinseln unter 51° S. Br. A Collection of Voyages chiefly in the Southern Atlantick Ocean, by Alexander Dalrymple, Esq. 4to. 1775. mit solchen, die in verschiedenen Theilen von Europa unter derselben (aber nördlichen) Polhöhe angestellt werden, so wird jeder unpartheyische Leser zugeben müssen, daß die Wärme in der südlichen Halbkugel merklich geringer ist, als unter gleichen Graden in der nördlichen. Die im Sommer Nämlich im December und Januar, welche unserm Junius und Julius entsprechen. mit beständigem Schnee und Eis bis an die Seeküste bedeckten Berge des Feuerlandes, Staatenlandes, der Insel Südgeorgien, und des Sandwichlandes, zwischen 54° und 59° S. Br. geben davon fernern Beweis, und lassen über dieses merkwürdige Faktum aus der Naturgeschichte der Erdkugel, keinen Zweifel übrig. Die Ursache jenes großen Unterschiedes in der Temperatur beyder Halbkugeln, muß nun meines Erachtens ohnfehlbar aus dem Mangel eines südlichen großen Landes entspringen. Darf ich gleich nicht hoffen, dieses im folgenden ganz überführend darzuthun, so wird doch manches dadurch in ein deutlicheres Licht gesetzt werden. Um den Nordpol, vom 60 bis über den 66sten Grad hinaus, liegen viele Länder, als z.B. Island, Spitzbergen, das nördliche Schweden und Norwegen, ganz Lapland, der ganze nördliche Theil des europäischen und asiatischen Rußlands, und weiter ostwärts, über Kamtschatka hinaus, die zahlreichen Eilande, welche neulich von den Russen entdeckt worden sind, das feste Land von Nordamerika in der Gegend von Hudsons und Baffinsbay, und endlich das neue und alte Grönland. Diese Länder sind bewohnt, zum Theil sogar bebaut, und tragen Korn und verschiedene Früchte. In dem dortigen kurzen Sommer wird die Hitze zuweilen so heftig, daß sie der im heißen Erdstriche wenig nachsteht. In der südlichen Halbkugel hingegen fanden wir um den 6osten Grad der Breite und weiter Südwärts, ausser den beyden unbeträchtlichen Inseln, im Südatlantischen Meere, nirgends Land; Ihrer Lage zufolge, zwischen 54° und 59° S. Br. kommen sie ohnehin nicht innerhalb jener Bestimmung. und mitten im Sommer stand unter diesem kalten Himmel das Thermometer nie fünf Grade über dem Gefrierpunkt, wohl aber oft unter demselben. Häufig fielen Schnee und Schlossen, und bisweilen gefror des Nachts das Wasser in offnen Fässern auf dem Verdeck. Von solchen Sommernächten kann man sich nun leicht eine Vorstellung machen, wie strenge in diesen Gegenden der Winter seyn müsse. Die Spanischen, Amerigo Vespucci's dritte Reise. Garcia Nodal; – Sarmiento. Holländischen, Roggewein, im Recueil des Voyages pour l`établissement de la Compagnie des Indes Orientales; Tome 4. Französischen de Bougainville, de Gennes, Frezier, Beauchesne Gouin, Bouvet. und Englischen Drake. Cavendish. Scharp. Sir John Narborough. Wood. Woodes Rogers. Halley. Anson etc. Seefahrer bestätigen diese unsre Erfahrung. In den Falklandsinseln bemerkte man das ganze Jahr hindurch nicht zwanzig Grade Unterschied in der Temperatur der Luft, wie die thermometrischen Beobachtungen darthun Dalrymple a.a. Orte, und Philos. Transact. Vol. 66. . Nichts gewisser also, als daß zwischen 6o und 71° S. Br. kein großes Land vorhanden ist, und daß die Inseln, welche dieser Lage am nächsten kommen, ungleich kälter sind, als alle Länder in eben denselben Graden nördlicher Breite. Die Sonnenstrahlen dringen zwar in die See, als eine durchsichtige Flüßigkeit; allein der Widerstand dieses schweren Wassers bricht ihre Gewalt, und läßt sie nicht tiefer als 271 Fuß (Engl. oder 45 Klaftern) kommen, so daß eine jede Masse von Seewasser, welche sich unter dieser Tiefe befindet, vollkommen finster seyn, BOUGUER, Essai d'Optique, sur la Gradation de la Lumiere. keine Sonnenstrahlen zurückwerfen, sondern sie gleichsam verschlingen oder absorbiren muß. Die Luftwärme entsteht aber hauptsächlich durch das Zurückprellen oder Brechen und Kreuzen der Sonnenstrahlen; folglich kann es auf dem weiten Meere, welches fast durchgehends über 45 Klaftern tief ist, nie so warm als am Lande in eben dem Striche seyn; ja es läßt sich nach demselben Grundsatze erklären, warum kleinere Inseln nicht so heiß, als große feste Länder sind. Hieher gehört auch der berühmte Versuch mit dem Brennspiegel, dessen Brennpunkt auf das Wasser gerichtet, nicht die mindeste Hitze erregte, und gleichwol sonst alle Metalle augenblicklich schmelzte, verglasete, und verdunsten machte. Der bekannte Umstand, daß in den nördlichen Zeichen des Thierkreises die Sonne eigentlich acht Tage länger als in den südlichen weilt, verlängert ebenfalls den Winter der südlichen Halbkugel, um acht Tage, und kürzt den Sommer um eben so viel Tage ab, wodurch die Kälte um ein 22-13/16 oder beynahe um 1/23 größer, als in der nördlichen Hälfte unserer Erde, werden kann. Cuncta gelu, canaque aeternum grandine tecta Atque aevi glaciem cohibent, riget ardua montis Aetherii facies, surgentique obvia Phoebo, Duratas nescit flammis mollire pruinas. SIL. ITAL. Lib. III. v. 480. Drittes Hauptstück. Vom Dunstkreise, dessen Veränderungen und Erscheinungen. Mundi pars est aër, et quidem necessaria. SENECA Erster Abschnitt. Wässerige Erscheinungen. I) Thau. Mit der im Vorhergehenden abgehandelten Materie, haben die wässerigen Erscheinungen in dem dünneren Elemente, der Luft, die nächste Verwandschaft. In den warmen Gegenden zwischen den Wendekreisen, fiel an Bord unseres Schiffs oft und reichlich Thau. Die Hitze des Tages zieht dort die Dünste in großer Menge hinauf, und die Länge der Nacht giebt ihnen hinlängliche Zeit, sich wiederum herabzusenken. Auch mitten im Atlantischen Meere, ferne von den Küsten haben wir mehrmalen Thau gehabt. In höhern Breiten sind diese Fälle zwar weit seltener, doch ward, unter andern, am 8ten Januar 1775 um zehn Uhr Abends zwischen dem 50. und 60. Grade S. Br. fern von irgend einem Lande, das Verdeck und Takelwerk von einem starken Thau benetzt, folglich kann man ihn hinführo nicht mehr für ein sicheres Merkmal nahen Landes halten. 2) Regen Aus den beyden kurzen Besuchen, die wir unter den Inseln des heißen Erdstrichs (vom August bis October 1773. und vom März bis September 1774.) ablegten, läßt sich der dortige Wechsel der Jahreszeiten wohl nicht ganz genau bestimmen. Wie es daselbst mit der Witterung beschaffen seyn mag, wenn die Sonne in der südlichen Halbkugel steht, haben wir nicht selbst in Erfahrung gebracht. Aber nach dem Unterschiede zu urtheilen, der zu Taheiti, im äusseren Ansehen des Pflanzenreichs, zwischen dem Ausgang Augusts, und den April- und Maymonaten, zu bemerken war, muß, denen innerhalb der Wendekreise so gleichförmigen und bestimmten Naturgesetzen zufolge, in den verschiedenen Jahreszeiten die Witterung auch ziemlich verschieden seyn. Im August sahe man die Taheitische Vorberge mit trocknem, und verdorrtem Grase bedeckt, welches zum Theil von den Einwohnern abgebrannt wurde; dadurch erhielt dieser Theil des Landes ein ödes, unfruchtbares Ansehen. Brodfrucht, Aepfel, ( spondias ), und Pisangs waren äusserst selten, alle andre Nahrungsmittel aus dem Pflanzenreiche, die Thamswurzeln ( ignaures ) ausgenommen, nur sparsam, und Schweine fast gar nicht zu haben. Hingegen acht Monate nachher, im folgenden April, fanden wir die ganze Insel bis an die Gipfel der höchsten Berge, in anmuthiges Grün gekleidet. Unten auf der Ebene, beugten sich die Aeste des Brodbaums unter ihren Früchten; in den Thälern prangte der Myrobalanenbaum ( spondias ) mit seinen goldenen, herrlichen Aepfeln; die Gestade, mit Palmen bekränzt, trugen eine Last von Kokosnüssen; die Bergklüfte, in den höhern Gegenden, waren mit wilden Pisangstämmen bewachsen, und jede Hütte mit einem kleinen Wald von Gartenpisangs umgeben, der eine Menge von allerley schmackhaften Früchten lieferte. Endlich fanden wir auch die Viehzucht im besten Zustande, und konnten in kurzer Zeit eine große Anzahl fetter Schweine eintauschen, ohne daß man den Abgang gewahr ward. Die Jahreszeit brachte diesen Reichthum mit sich. Nur seit kurzem hatte die Sonne die südliche Halbkugel verlassen, nur vor wenigen Wochen im Scheitelpunkte dieser Gegend, durch ihre mächtigen Strahlen die Ausdünstung vermehrt, und wahrscheinlich häufige Regengüsse bewürkt. Von diesem befruchtenden Naß, und vom Einfluß der wohlthätigen Sonne, mußte das Pflanzen- und Thierreich erquickt, von neuem belebt, und alles, wie aus Amaltheens Horn, mit Ueberfluß überschüttet werden. O-Taheiti und die bergigten Inseln des heißen Erdstrichs überhaupt, sind fruchtbarer und glücklicher, als flache, oder weniger erhabene Eilande. Dort ziehen die hohen Berge alle vorübergehende Wolken und Dünste an sich, so daß man die Gipfel derselben, fast täglich darinn verhüllt siehet. Dadurch erhält sich nun, ohne daß es eben anhaltend regnet, auf der Höhe eine stete Feuchtigkeit, welche theils auf den äussersten Bergspitzen die dicksten Wälder, und an den steilsten Orten die Stauden und Pflanzen das ganze Jahr, hindurch reichlich tränkt, theils unter dem Schutze der undurchdringlichen Schatten, in die Thäler herabtrauft, und allenthalben Quellen bildet, die sich zu Bächen vereinigen. Hier leiten Dämme von Steinen, (s. oben) welche die Einwohner darinn anbringen, das Wasser auf ihre Aronsfelder. Unzählige Fruchtbäume breiten ihre Zweige über den Bach, und erhalten ihm seine angenehme Kühle, bis er die Ebene erreicht, und zwischen Pflanzungen hinschlängelnd, den Brodfrucht- Apfel- Maulbeer- und Pisangbäumen Nahrung zuführt, indeß die Emwohner sich an seiner Silberwelle vielfältig laben. Auf den flachen Eilanden hingegen umgeben nur allein Kokosbäume die Hütten der armen Insulaner, weil in dem sandigten Boden, dicht am Seestrande, wo die Welle öfters hinüberspült, nichts anders fortkommen kann. Das einzige Getränk, womit diese Leute, nachdem sie sich auf den Riefen oder Korallenklippen, beym Fischfang, der Sonnenhitze und den ätzenden Meereswogen ausgesetzt, ihren Durst löschen, ist schlechtes Regenwasser, welches sich in unsaubern Teichen voll schleimigter Pflanzen sammelt, und einen übeln Geruch bekommt. So sehr verschieden ist, nach der Beschaffenheit der Inseln, der jedesmalige Werth dieses Naturgeschenks. Die nasse Jahreszeit war, wie gesagt, eben vorüber, als wir zum zweitenmal Taheiti besuchten; denn, ob zwar die Berge das ganze Jahr hindurch die Feuchtigkeit an sich ziehen, so ist doch die Zeit, wenn die Sonne im Scheitelpunkte steht, vor andern regnigt; daher denn auch alle taheitische Flüsse und Bäche, die wir im August sehr arm an Wasser gefunden hatten, im April völlig angefüllt waren. Durch die von den Bergen angezogenen Dünste und Wolken werden, in Rücksicht der Wärme der Luft, öftere und bisweilen plötzliche Veränderungen bewirkt; es entstehen sodann Windstöße mit heftigen Regengüssen, die dem Seemanne, nach unserer vielfältigen Erfahrung, ein gewisses Vorzeichen des nahen Landes sind. So gieng bey der Entdeckung der Harveysinseln, am 23sten September 1773, ein Donnerwetter mit dergleichen Windstößen ganz unmittelbar vorher; und ein ähnliches Wetter hatten wir am 7ten Junius 1774, nachdem wir von Howe's-Eiland abgeseegelt waren. Bey der Entdeckung von O-Taheiti, und den Marqueseninseln; desgleichen als wir bey Tofua, einer von den freundschaftlichen Insel, vorüberseegelten; bey der Annäherung zur Pfingstinsel, und einige Tage darauf unter den neuen Hebriden; wie auch in der Nähe von Norfolk-Eiland, und den neuseeländischen Küsten, wurden wir ebenfalls von heftigen Windstößen und Regen beunruhiget. Dem aufmerksamen Seemanne, Herrn von Bougainville, ist diese Beobachtung auch nicht entgangen Bougainville's Reise S. 278. 284. der Engl. Ausgabe. . 3) Nebel. Wie das Klima in höhern Breiten der nördlichen Halbkugel feucht und mit vielen Nebeln vergesellschaftet ist, so fanden wir es auch in den Meeren, welche an den Südpol gränzen. Ohne fernere Aufmerksamkeit auf diesen Umstand erregen zu wollen, wird er mir blos Veranlassung, eine von dem berühmten, großen Weltumseegler Cook zuerst gemachte Erfahrung, von deren Richtigkeit ich mich hernach oft mit eignen Augen habe überzeugen können, hier anzuführen. Wenn nämlich auf einen heftigen Sturm, der eine hohle See, und hohe Wellen erregt hatte, eine Windstille, mit Nebel begleitet, erfolgte; so bemerkten wir, daß die Wogen noch immer mehr anschwollen und höher stiegen, statt daß sie, wie es die Natur der Windstille mit sich zu bringen scheint, in ein ruhiges Gleichgewicht allmählig hätten zurückkehren sollen. Vielleicht ist der Druck des Nebels, d. i. einer mit schweren Wassertheilen überladenen Luft, die Ursache dieser Erscheinung. 4) Schnee, Schlossen und Hagel. So oft wir uns dem südlichen Polkreise näherten, wurden wir mit Schnee, Schlossen und Hagel bewillkommet. Das erstemal geschahe dieses, in Betracht der Jahreszeit sowohl, als der südlichen Breite, früher, als in der Folge; denn der erste Schnee fiel bereits im 51­° S. Br. und am 11ten December 1772. In den nächstfolgenden Jahren hatten wir aber selten eher Schnee, als bis wir dem Polkreise ziemlich nahe gekommen waren. Ich denke jetzt oft, daß wir uns glücklich schätzen können, kein Südland angetroffen zu haben; sonst wären wir vielleicht gezwungen worden, den antarktischen Winter zu empfinden, von dem der dortige Sommer uns das ärgste vermuthen ließ. 5) Wasserhosen. Am 17ten May 1773 zwischen 3 und 4 Uhr Nachmittags, befanden wir uns in Cooks Meerenge zwischen den beyden Inseln von Neuseeland, dem Cap Stephens gerade gegenüber. Der Wind legte sich allmählig, so daß es beynahe eine gänzliche Stille ward. Tages zuvor hatte es sehr geregnet und die Nacht hindurch der Wind sehr heftig getobt; am Morgen war, bey frischem Winde, heiteres gelindes Wetter, und das Thermometer stand auf 56 1/2 Grad. Um ein Viertel nach vier Uhr erblickten wir einige dicke Wolken in Südwesten, und auf dem südlichsten Theile des Caps Stephens schien es zu regnen. Unmittelbar darauf entstand auf der Oberfläche des Meeres ein weißlichter Fleck, aus welchem gleichsam ein Faden oder eine Säule emporstieg, und sich mit einer andern, die aus den Wolken gleich darnach herunter kam, vereinigte. Drey andre Säulen dieser Art, davon die nächste ohngefähr drey englische Meilen ( miles , 60 zum Aequatorsgrad) vom Schiffe entfernt seyn mochte, entstanden bald nachher. Zu unterst an der Oberfläche der See, hatte jene nächste Säule, ihre größte Breite, welche uns in der Entfernung von 70 bis 80 Klaftern zu seyn schien. In dem Kreise, wovon dies der Durchmesser war, bemerkten wir die See in heftiger Bewegung, und es stiegen Dünste, wie ein Staubregen in die Höhe, welche, von der Sonne beschienen, glänzend und goldfarben gegen die schwarze Wolke abstachen, sonst aber weiß aussahen. So wie sich diese Säulen uns näherten, indem sie in der Meerenge abwärts zogen, konnten wir sie deutlicher beobachten. Oben nach den Wolken hin, war ihr Durchmesser ebenfalls größer als in der Mitte, woselbst er kaum über zwey oder drey Fuß zu betragen schien. Das Wasser ward in einer Schneckenlinie hinaufgetrieben, und oft schien es blos einen hohlen Cylinder zu bilden, und innerhalb der Säule einen leeren Raum zu lassen; denn die Farbe war in der Mitte, und an den Rändern verschieden, und die ganze Säule stellte sich dem Auge wie eine leere gläserne Röhre dar. Die Wolken rückten nicht immer mit der nämlichen Geschwindigkeit fort, als der untere Theil der Säulen auf dem Meere, wodurch diese eine schiefe Richtung erhielten, und bisweilen gar gekrümmt wurden. Auch hatten sie unter sich, weder einerley Schnelligkeit, noch die nämliche Richtung; denn sie kamen einander vorbey, so daß wir sie zuweilen, wegen ihrer Schiefe, kreutzweis stehen sahen. Je mehr sie zu uns naheten, je mehr Bewegung spürten wir in der See, die in kleinen kurzen Wellen brach. Es wehete auch ein leichtes Lüftgen, jedoch von so unbeständiger Art, daß es in einer Viertelstunde aus allen Ecken blies. Die erste oder südlichste Säule dauerte am längsten. Die nördlichste war uns am nächsten, und schien in ihrer südlichen Bewegung sich uns noch mehr nähern zu wollen. Allein jener eben angeführte Unterschied zwischen dem schnellen Zug des obern und untern Theils der Säule, verursachte endlich ihre gänzliche Vernichtung, weil sie durch die große Ausdehnung zuletzt zerreissen mußte. Wir waren noch mit diesem Schauspiele beschäftigt, als plötzlich, in der Entfernung von etwa fünfhundert Klaftern, zur Rechten des Schiffs, ein Raum von fünfzig bis sechzig Klaftern im Durchmesser auf der Oberfläche der See, in heftige Bewegung gerieth. Die kurzgebrochenen Wellen stürzten sich schnell nach dem Mittelpunkte dieses Raumes hin, wurden daselbst in feinen Dunst zerstiebt, und wirbelten in Schneckenlinien gegen die Wolken hinan. Der Nähe dieses Dunstes war es ohnstreitig zuzuschreiben, daß wir die Säule, die in dieser Wasserhose entstanden, nicht zu sehen bekamen. Wir hörten dabey ein Getöse, wie das Rauschen der Wasserfälle in tiefen Thälern. Der bewegte Raum auf dem Meere kam uns jetzt immer näher, und stand endlich gerade gegen dem Schiffe über, nicht mehr als zweihundert Klaftern entfernt. Zu gleicher Zeit fielen etliche Hagelkörner auf das Verdeck, und wir entdeckten hinter der nahen Wasserhose, noch eine zwote. Es entstand nämlich, wie zuvor, ein Nebel von weißem Dunste, der sich schlängelnd aufwärts wirbelte, und eine nach oben hin allgemach schmälernde Gestalt annahm. Eine lange schlanke Wolke, die nach unten zu am dünnsten war, schien zur aufsteigenden Säule herab und ihr entgegen zu kommen. Sie vereinigten sich bald, und bildeten einen langen aufrechtstehenden Cylinder, dessen Bewegung nach Südosten ihm in kurzer Zeit eine krummgebogene Gestalt gab. Endlich brach er wieder, und in dem Augenblick der Trennung sahe man in der Nähe blitzen, ohne daß ein Donnerschlag gehört ward. Die nähere Wasserhose war nur kurz vorher verschwunden. Jetzt war es genau fünf Uhr, und das Thermometer zeigte 54°. Während dieses Phänomens regnete es mehrmalen, und aus Vorsicht hatte man alle größere Seegel eingezogen. Nach einem Sturm, der vom 22. bis 29sten October desselben Jahres dauerte, wollen einige unserer Offiziere, bey noch anhaltendem starkem Winde und ungestümer See, in der Nähe des Caps Palliser, des Morgens etliche Wasserhosen gesehen haben. Um 8 Uhr desselben Morgens erfolgte ein kleiner Regenschauer, und gleich drauf sprang der Wind um. Das Thermometer war 51-1/2°. Nach diesen Beobachtungen glaube ich folgendermaßen schließen zu dürfen: 1) Der Zusammenstoß zweener streitenden Winde scheint eine Entstehungsursache der Wasserhosen zu seyn. Es wird dadurch eine wirbelnde Bewegung in der Luft verursacht, welche dazu beiträgt, das Wasser aufwärts zu treiben, und in seinen Dunst zu zertheilen. Der luftleere Raum, oder wenigstens die sehr verdünnte Luft mitten in der Säule, scheint die Wolken herabzuziehen, und ihnen die Gestalt eines Kegels, dessen Spitze nach unten zu gekehrt ist, zu geben. 2) Daß die Wolken damals elektrisch waren, scheint der beobachtete Blitz zu beweisen. Man könnte folglich auch der elektrischen Anziehungskraft die Vereinigung der Röhre aus der See, mit jener aus den Wolken zuschreiben In den philos. Transact. Vol.XLVII. n.8o. p. 478. wird erzählt, daß sich eine Wasserhose in Lincolnschire zuletzt in einen feurigen Strahl verwandelt habe. Diejenige, welche der P. Boscovich beobachtet hat, und die zu Rom den 11ten Jun. 1749 großen Schaden anrichtete, gab unaufhörliches Wetterleuchten auf allen Seiten von sich. Auch die Wasserhose, deren Dampier im III. Bande S. 182 erwähnt, kam aus einer schwarzen Wolke, welche heftigen Regen, Blitz und Donnerwetter von sich gab. (S. D. FRANKLIN'S Experiments and Observations on Electricity 5th.Edition, London 410. 1774. p. 229. 280.) Herr Adanson bemerkte gleichfalls eine Wasserhose, die auf ein Gewitter erfolgte, und sehr heiß war, vielleicht, weil sie mit dem Ostwinde die erhitzte Luft ans dem innern Afrika mitgebracht hatte. (S. ADANSON Voyage au Sénégal.) . 3) Entstehen Wasserhosen gemeiniglich nicht fern vom Lande, wo sich große Vorgebirge ins Meer erstrecken, oder in Meerengen, in kleinen Seen, kurz, an solchen Stellen, wo die Winde von der Lage der Landspitzen verschiedentlich gebrochen und gegen einander getrieben werden, und in der Luft dergleichen Wirbel oder Strömungen verursachen müssen. Thevenot beschreibt Wasserhosen, die im persianischen Meerbusen, zwischen den Eilanden Guesomo, Larecka, und Ormus gesehen wurden. Herr D. Sparrmann sah deren verschiedenemal auf den überschwemmten Reisfeldern, am Kantonfluße in Schina. D. Shaw beobachtete einige im Mittelländischen Meere, zwischen den Vorgebirgen Carmel, Grecgo und Laodikea. Die unsrigen wurden zwischen den beyden Inseln von Neuseeland, in der Cookischen Meerenge, oder (das zweytemal) am Eingange derselben bemerkt, wo sich viele Vorgebirge ins Meer, und viele tiefe Buchten landeinwärts erstrecken Mehrere Beyspiele, daß Wasserhosen nah am Lande, zwischen zween Winden entstehen, findet man in den philosophical Transact. und in D. Franklins oben angeführtem schätzbarem Werke. . 4) Folgen Wasserhosen bey windstillem Wetter, auf Stürme, oder auf gelindes aber warmes Welter, besonders wo die höhere Gegend der Luftt merklich kühler ist. So hatten wir, z.B. an dem Tage, da die Wasserhose bemerkt wurde, sanftes und gelindes Wetter bekommen, nachdem der Wind die Nacht über heftig getobt hatte, und der vorhergehende Tag unter starken Regengüssen beschlossen worden war. Bey der ersten Entstehung der Wasserhosen stand des Thermometers Quecksilber auf 56°; des Tages zuvor hatte es 51-1/2° angezeigt. Bey der Annäherung einer dieser Wasserhosen, fielen Hagelkörner; folglich muß die höhere Luftgegend wenigstens um 20 Grade kühler als die untere, worinn wir uns befanden, gewesen seyn. Wie alle Wasserhosen verschwanden, sank das Thermometer bis 54°; mithin hatte sich auch innerhalb drey Viertelstunden, der Dauer dieses Phänomens, die niedere Luft merklich abgekühlt. Herr von Büffon kann alle bey den Wasserhosen vorkommende Erscheinungen nicht anders erklären, als indem er Ausgabe in 12mo. im ii. Bande. S. 287. annimmt, daß sie nur an solchen Stellen im Meere entstehen, wo ein unterirdisches Feuer die gebundene Luft in großer Menge befreyet, welche sodann die See in die Höhe treibt, Schaum und Rauch verursacht, und sich zuletzt, vermittelst der Säule, an die Wolken hängt. Allein der Dunst, den wir bey Wasserhosen bemerkten, war nichts anders, als von der Gewalt des Windes zertheiltes Wasser, also eigentlicher Dunst, und nicht ein von Feuer verursachter Rauch. Müßte hiernächst die Würkung eines unterirrdischen Feuers nicht am Thermometer offenbar geworden seyn? Anstatt aber zu steigen, fiel es; zum Beweise, daß die Luft kühler geworden war. Die schleunige Verdünnung der Luft, und die Elektricität, sind gewiß überflüßig hinreichend, alle Erscheinungen der Wasserhosen zu erklären. Vocatur et Columna, quum spissatus humor rigensque ipse se sustinet. Ex eodem genere et in longum, veluti fistula, nubes aquam trahit. PLIN. hist. nat. l. II. c. 49. Zweyter Abschnitt. Lufterscheinungen. 1) Frezier bemerkte einst im heißen Erdstrich, bey Sonnenuntergang, eine grüne Wolke, wovon er viel Aufhebens macht. Wer Farbenmischungen kennt, darf nicht erst belehret werden, daß aus gemischtem Gelb und Blau, ein Grün entsteht. Wenn nun bey der untergehenden Sonne, die Strahlen dergestalt gebrochen werden, daß das natürliche Blau des Himmels und des leichtern Gewölks mit Gold- und Feuerfarben übergossen wird, so ist alsdenn die Entstehung einer grünen Wolke nichts so ausserordentliches, daß man sie nicht auch in Europa wahrnehmen könnte Ich habe dieses Phänomen bereits in Cassel mit allem nur ersinnlichen Farbenglanze beobachtet. G. F. . Zwischen den Wendekreisen malt die Morgen- und Abendsonne den Himmel öfter mit helleren Farben, mithin werden die Mischungen auszeichnender, und fallen mehr ins Auge. Im Jahr 1774 am 2ten April, und im 9°.30'. S. Br. bemerkte ich bey Sonnenuntergang eine sehr schöne grüne Wolke; in einiger Entfernung war olivenfarbenes Gewölk, und selbst der Himmel hatte einen hellgrünen, lebhaften Anstrich. 2) Der Regenbogen, oder die bewundernswürdige Erscheinung des gebrochenen Sonnenlichts in den gegenüberstehenden Wolken und Regentropfen, ist so gemein und dessen Entstehung so bekannt, daß hier nicht der Ort wäre, seiner zu erwähnen, wenn nicht der sonderbare Fall, daß wir fünf Morgen hintereinander, auf der ersten Fahrt von Neuseeland nach Taheiti, vom 7. bis 12ten Junius 1773 jeden Morgen einen Regenbogen, oder ein Stück davon, am Horizonte gesehen, angemerkt zu werden verdiente. Das Wetter; wie sich aus dieser Beobachtung schon ergiebt, wechselte mit häufigen Regenschauern in dieser Jahrszeit ab. Das blasse Mondenlicht verursacht ebenfalls Regenbogen, die aber wegen ihrer schwächeren Farbenschattirung weniger beobachtet werden. Am 29sten Junius 1773, am 6ten Julius desselben Jahres, und am 19ten März 1775 in der Nähe des Vorgebirgs der guten Hofnung wurden dergleichen gesehen. Der erste hatte vorzüglich helle Farben. Aristoteles erwähnt, wie mich dünkt, zuerst dieses Phänomens. 3) Ein Kreis oder Hof, um Sonne oder Mond (Halo), pfiegt oft, wenn die Luft mit dicken Dünsten, zumal mit Schnee und Schlossen, beladen ist, zu erscheinen. Von dieser übrigens ganz bekannten Erscheinung will man einen Vorboten des Sturms, Regens und Schnees machen. Ich gestehe, daß ich diese Meynung sehr oft durch den Erfolg bestätigt gefunden habe. In meinem Tagebuch habe ich aber nur folgendes aufgezeichnet. Am 25sten Febr. 1774 erschien ein großer Mondkreis, und noch in der nämlichen Nacht erfolgten heftige Windstöße mit Regen, die am folgenden Morgen von starkem Donnerwetter begleitet wurden. Am 5ten Jänner 1775 bildete sich ein so großer Hof um die Sonne, daß er über 44 Grade am Himmel in sich schloß. Das innerste Feld desselben war finster, der Umfang aber hell und weißlicht, mit einigen Regenbogenfarben. Zu gleicher Zeit bekamen wir Regen mit abwechselnden Windstößen. Dritter Abschnitt. Feurige Erscheinungen. 1) Nicht nur Wassertheilchen, welche allerley Wetteränderungen bewürken, sondern noch viele andere, uns oft noch unbekannte Theilchen von verschiedener Natur, sind durch den Luftkreis überall verbreitet. Der Scharfsinn der Beobachter entdecket in diesem großen Behälter von Zeit zu Zeit neue Gemische sammt ihren Würkungen. Allein vor allen andern behält die elektrische Materie, jene wunderbare und kräftige Ursache der seltsamsten Erscheinungen, und insbesondere des in allen Welltheilen bekannten Gewitters, den Vorzug. Bey der Allgemeinheit dieses Phänomens, ist es höchst bemerkenswerth, daß die ältesten Einwohner der Insel S.Helena auf diesem glücklichen Erdwinkel niemals ein Gewitter erlebt haben. Die höchsten Berge dieser Insel, und alle Felsen ringsumher, bestehen aus einer Art Lava, oder verglaseten Schlacken, welche vermutlich, wie alle glasartige Körper, idioelektrisch und nicht Ableiter sind. Sie pflanzen also wahrscheinlich die Luftelektricität nicht fort, und so kommt es dort niemalen zur Explosion. Auf den Inseln im Südmeere sind die Gewitter nicht selten; wir haben sie in verschiedenen Orten und Jahrszeiten erlebt, und sind mehrmalen genöthigt gewesen, durch Befestigung einer kupfernen Kette an den Gipfel des Masts, allem Unfalle vorzubeugen. Es geschahe einst, als wir zu Taheiti vor Anker lagen, daß so bald diese Kette an der Spitze des Mastbaums befestigt worden, ein Matrose, der das Ende derselben an der Seite des Schiffs ins Wasser warf, einen elektrischen Schlag empfand, wobey man eine Flamme längst der Kette bis in die See herabfahren sahe, ohne einigen Schaden zu verursachen. 2.) Am 17ten August 1772. nachdem wir die Insel S. Jago verlassen hatten, ward um 8 Uhr Abends ein feuriges Phänomen von länglicher Gestalt gesehen, welches bläulicht leuchtete, und zwischen Nord und West schief zum Horizonte hinabfuhr. Es dauerte aber nur einen Augenblick. Vor und nach dieser Erscheinung halten wir plötzliche Windstöße, mit heftigen Regengüssen begleitet. Am 30sten September 1774. um halb 8 Uhr Abends, nachdem wir die S. O. Spitze von Neu-Caledonien und Pine-Eiland verlassen hatten, bemerkten alle, die auf dem Verdeck stunden, eine große, wie die Sonne hellglänzende Feuerkugel, welche mit großer Schnelligkeit nach dem Horizont hinablief. Sie verbreitete ein bleiches Licht, und zerplatzte ohne einigen Knall; man hörte blos ein lautes Zischen, wie von angezündetem Werg. Nachdem die Kugel zerplatzt war, blieben noch einige Funken übrig, davon der niedrigste, wie eine Birne gestaltet, sich durch sein blaues Licht auszeichnete. Während dieser Erscheinung hatten wir Windstille; jedoch erfolgte in der Nacht ein starker Wind, mit Regen und heftigen Stößen. Dieser Umstand gereicht also wiederum der Meynung, daß dergleichen feurige Kugeln, u.s.f. Vorboten des Sturms sind, zur Bestätigung. Ich bin weit entfernt, aus so wenigen Beyspielen die Regel allgemein geltend machen zu wollen; indessen erregen sie bey mir den Wunsch, daß man, durch vervielfältigte Beobachtungen dieser Art, einen allgemeinern und treffendern Schluß auf das Wetter zu machen trachten möge. 3) In den höhern Breiten unserer Halbkugel ist die Erscheinung des Nordlichts ( aurora borealis ) nunmehr etwas gewöhnliches. Den Schweden, Normännern, Isländern und Russen, zeigt es sich beynahe in jeder hellen Wintersnacht. Vom Südlicht ( aurora australis ) hingegen, wüßte ich nicht, daß jemand vor uns etwas gesehen hätte; und ohnerachtet wir drey Jahre hintereinander in der Nähe, oder sogar innerhalb des südlichen Polkreises, die Sommerszeit zubrachten, so haben wir diese Erscheinung doch nur im ersten Jahr 1773 beobachtet. Wir befanden uns damals zwischen dem 58 und 60sten Grade S. Breite, und das Thermometer stand auf dem Verdeck in freyer Luft, auf 31°. bis 33°. Uebrigens glich dieses Phänomen durchgehends dem Nordlichte. Säulen oder Ströme eines blassen Lichtes stiegen aus einem dunkeln Abschnitt am Horizonte bis zum Zenith hinan. Zuweilen war diese Materie so durchsichtig, daß die Sterne durchschimmerten; zuweilen aber schien der Lichtstrom weisser, stärker und undurchsichtiger. Wir beobachteten die Südlichter am 18ten, 19ten, 20sten, 21sten und 26sten Februar, und den 15ten und 16ten März 1773. Vierter Abschnitt. Winde. Zu den merkwürdigsten Veränderungen des Luftkreises, gehören die Winde, deren Geschichte, ohnerachtet ihrer Allgemeinheit, noch sehr unvollständig ist, und aus Mangel an zuverläßigen Beobachtungen so bleiben muß. Wir eilen oft alsdenn am meisten mit unsern Arbeiten und den Folgerungen aus unsern Erfahrungen, wenn wir die größte Ursach hätten, erst zwey bis drey Jahrhunderte hindurch blos Materialien zu sammlen, und dann die Nachwelt schließen zu lassen. Mit wenigen Thatsachen geht es frisch an ein System, welches auf zweifelhaften Erfahrungen ruht, mit Vermuthungen ergänzt wird, und bald von selbst zerfällt, oder seinen Gegnern den Sieg nicht schwer machen kann. Um diesem Schicksale zu entgehen, schränken wir uns hier alleinig auf Thatsachen ein, überlassen anderen die Entscheidung, und geben unsere Schlüsse für nichts Bessers, als was sie würklich sind, für bloße Vermuthungen aus. 1) Beständige Winde. Zwischen den Wendekreisen fanden wir die dort gewöhnlichen bestimmten Winde . Im Jahr 1772 verließen wir England in der Mitte des Julius, und erhielten bereits am Cap Finisterre in Spanien einen Nordostwind, welcher uns bis in die Nähe des Aequators begleitete. Wir bekamen daselbst, (Ausgangs Augusts) einen S.S.W, oder Süd-Westwind mit Regen begleitet, womit wir unsern Lauf Südost, oder Südost gen Osten nehmen mußten. Am 8ten September, noch um den Aequator, setzte sich der Wind in Süden und nach Verlauf von zween Tagen in Süd-Südost, so daß wir südwestlich seegeln konnten. Je mehr wir uns dem südlichen Wendekreise des Steinbocks näherten, je mehr wandte sich der Wind ostwärts, bis Ost gen Norden, und Nordost, indem wir am Ende Septembers, bereits jenseits des Wendekreises den Strich nach Süd-Osten halten konnten. Am 11ten October liefen wir Ost gen Süden, und am 16ten völlig Ost, indem der Wind schon aus Norden, auch N. zu W. kam. Am 25sten October kehrte er zwar wieder etwas nach Osten zurück, allein die Westwinde, welche sich zwischendurch, obgleich von kurzer Dauer, einfanden, führten uns auf das Vorgebirge der guten Hoffnung, woselbst wir, nach einer unruhigen Nacht, in der Tafelbay vor Anker legten. Aus diesen Beobachtungen läßt sich der Bezirk, worinn die Passatwinde herrschen, genau abmessen, und ihre verschiedene Richtung beurtheilen. An den Gränzen der entgegengesetzten Winde, gieng nur ein schwaches lüftgen, oder es stellte sich eine kleine Windstille ein. Auf der Fahrt von Neu-Seeland nach Taheiti erhielten wir am 2osten Julius 1773 um den 30sten Grad südlicher Breite einen Südost, den wir anfänglich für den ächten Passatwind hielten. Die bald erfolgten vielfältigen Veränderungen aber, überzeugten uns von unserm Irrthume; auch fanden wir den beständigen Passat nicht eher als in 19 Graden S.Br. am 7ten August. Die Stärke dieses Windes war sich nicht immer gleich, und pflegte besonders in der Nähe von Inseln abzuwechseln. Er führte uns am 16ten August nach O-Taheiti. Derselbe Südost-Passat brachte uns von den Societäts-Inseln nach den freundschaftlichen Eilanden, Eauhwe und Tongatabu (Mittelburg und Amsterdam-Inseln). Verschiedenemal setzte er bey herannahenden Regen- und Gewitterwolken, etliche Striche weit um, kam aber, sobald diese vorüber waren, wieder an seinen rechten Standort zurück. Vielleicht konnten auch diese Veränderungen von einem nahgelegenen Lande entstehen; denn ohnerachtet wir auf dieser Fahrt nur ein niedriges Eiland erblickten , so ist es doch nicht unwahrscheinlich, daß wir in kleiner Entfernung bey verschiedenen andern, die uns ihre geringe Höhe, oder das Dunkel der Nacht verbarg, vorübergefahren sind. Ein etwas nördlicherer Strich, den wir im folgenden Jahre hielten, ließ uns gleich mehrere Entdeckungen machen. Von Tongatabu bis außerhalb des Wendekreises, zum 32,° S.Br. behielten wir noch immer den nemlichen Passat. Im Jahr 1774 auf der Rückkehr von dem südlichen Eismeere, fanden wir bereits am 6ten März, in 29.° S.Br. den Südostwind, der uns bis zur Oster-Insel getreu blieb, und noch jenseits derselben begleitete. Am 21sten März aber, um 3 Uhr Nachmittags, ohngefähr in 22°.45' S.Br. kam uns unvermuthet ein Windstoß gerade aus Nordwest entgegen, worauf ein starker Regenguß erfolgte. Kaum war dieser vorüber, als unser Passat zurückkehrte, und, einige regnigte Augenblicke abgerechnet, frisch anhielt, bis wir die Marquesen-Eilande erreichten, wo Regen und harte Windstöße unser warteten. Mit diesem Südost-Passatwinde richteten wir von den Marquesas unsern Lauf S.S.W. hernach S.W. und zuletzt West ½ S. Einige flache Eilande, welche auf unserem Wege lagen, nöthigten uns noch etlichemal, unsere Richtung zu ändern, ehe wir das zweytemal Taheiti erreichten. Auf der zwoten Fahrt von den Societäts- nach den freundschaftlichen Eilanden, diente uns ebenfalls der Südost, der blos in der Nahe einer Insel, oder wenn starke Regenschauer angezogen kamen , nach Westen umsprang. Zuweilen ward es auch windstill. Von der Insel Namocka (Rotterdam-Eiland) gieng die Fahrt zwischen den Inseln Ogbao und Tofua hindurch; allein, wegen des noch immer anhaltenden Südost-Windes, nicht nach Tongatabu, wohin wir anfänglich wollten, sondern nach den neuen Hebriden und Neukaladonien, wo wir viele heftige Windstöße, Regen, und zuweilen Windstillen bekamen. Der Südwind, womit wir Neukaledonien verließen, wandte sich allmälig nach S.S.W., und W. gegen Süd, blieb endlich ganz im Westen stehen und führte uns zum drittenmal nach Charlottensund in Neuseeland. Im Jahr 1775 verließen wir das Vorgebirge der guten Hoffnung mit einem frischen Südost, der öfters noch mehr ins östliche gieng, und sich zulezt so gänzlich verlohr, daß es vom 10ten, bis in die Nacht des 13ten Mays, Windstille war. Darauf bekamen wir den ächten Südost-Passat, welcher uns nach den Inseln S.Helena, Ascension, Fernando de Noronha, und bis zum 4ten Grade N. Br. führte. Zwischen S.Helena und der Linie kamen zuweilen heftige Windstöße, mit Regen, die in jener Gegend gewöhnlich sind. Im 4ten ° N.Br. erfolgte eine Windstille vom 15ten bis 19ten Junius, welche mit Gewittern anfieng, und von vielem Regen begleitet war. Darauf wehete ein leichtes Nordlüftgen, welches des Nachts zum Nordnordost, und endlich Nordostwinde ward, und immermehr anhielt, je weiter wir nordwärts kamen. Ueber den Wendekreis des Krebses hinaus fanden wir Ostnordost-Winde, die oft nur 5 ½ Grad nördlich blieben, bis wir im 27sten° oder 28sten° N.Br. wieder veränderliche Winde erhielten. Aus dieser umständlichen Erzählung ziehen wir nachstehende Folgerungen: 1) Erstrecken sich die Passatwinbe zuweilen auch außerhalb der Wendekreise, bis in die gemäßigten Erdstriche. Dies geschieht aber hauptsächlich in derselben Halbkugel, wo die Sonne steht. Ja, die Gränzen der Passatwinde scheinen sogar, nach der Entfernung oder Annäherung der Sonne, sich allmälig auf einer Seite zu erweitern und auf der andern einzuschränken. 2) Werden die Passatwinde im Südmeere, zuweilen von Windstillen, oder entgegengesetzten Westwinden unterbrochen, wobey Regen und Gewitter nicht selten sind. 3) Aendert oder hemmt ein nahes Land zuweilen den Passat, zumal, wenn es von beträchtlicher Höhe ist. 4) Fallen Windstillen nicht selten, mit Regen begleitet, auf den Gränzen vor, wo das Gebiet oder Revier eines Windes aufhört, und ein anderes anfängt. Die Sonne, welche um Mittag im heißen Erdstrich fast beständig über dem Scheitel steht, und die Luft erstaunlich verdünnt, wird für die Ursache der östlichen Winde gehalten, welche in den großen Meeren zwischen den Wendekreisen herrschen. Durch das Fortrücken auf der Bahn der Ekliptik kommt sie jeden Augenblick über einen andern Punkt des Erdbodens zu stehen; die verdünnte Gegend des Luftkreises rückt folglich ebenfalls weiter von Osten nach Westen, und so wie die Ursache jener Rarefaction (die Sonne) fortrückt und an einem Orte aufhört, so stürzt die nächstangränzende dickere Luft in die verdünnten Räume, um das Gleichgewicht zu ersetzen. Durch diese Strömung der Luft entsteht also der Passatwind, und erhält sich beständig in und bey den Wendekreisen. Die Nähe eines Landes, oder die Gegenwart elektrischer Wolken, sind gleichwol vermögend, diesen steten Zufluß auf eine Zeitlang zu hemmen. Die Inseln im Südmeere genießen, ohnerachtet ihrer unbeträchtlichen Größe, den angenehmen Wechsel der See- und der Landlüfte. Der herrschende Passat weht mehrentheils nur bey Tage, und hauptsächlich nur an der Ostseite der Insel; er folgt sodann dem Umriß der Küste, so daß er sich fast aller Orten genau landwärts richtet, und zuweilen an der Westseite der Insel, eine kleine Strecke in die See, eine dem ordentlichen Passat gerad entgegengesetzte Richtung erhält. Zur Nachtzeit kehrt derselbe Wind gleichsam wieder vom Lande in See zurück. Doch sind die Gränzen dieses Landwindes sehr eingeschränkt, und nach Umständen, z.B. der Größe des Landes, sehr verschieden. Die Westwinde herrschen zwar vorzüglich außerhalb der Wendekreise, jedoch ist ihre Beständigkeit beydes an Stärke und an Richtung nicht mit der fast immer gleichen Kraft des östlichen Passatwindes im heißen Erdstrich zu vergleichen. So oft wir recht weit gegen den Südpol drangen, und bald in der Nähe, bald innerhalb des südlichen Polkreises schifften, fanden wir dort wiederum herrschende Ostwinde. Dergleichen Ostwinde haben auch andre Seefahrer in der Nähe beyder Pole gefunden. Recueil des Voyages, qui ont servi à l'établissement de la Compagnie des I.O. Vol. I. (In der dritten Reise des Barentz.)– DALRYMPLE'S Collection of Voyages in the Southern Atlantick Ocean. Capt. HALLEY'S Journal, p.32 – BARRINGTON'S Probability of reaching the Northpole p. 104 – Summary Observation and Facts, by Mr. VALTRAVERS, p. 20. Die gewöhnliche Strömung in jenen Meeren, kommt von Osten her, und ist sehr schnell und stark. Ich erkläre mir nun den allgemeinen Zusammenhang der Winde, nach obigen Bemerkungen, folgendermassen: Der Ostpassat entsteht zwischen den Wendekreisen, von der Verdünnung der Luft, durch die im Scheitelpunct stehende Sonne. Die dadurch zuwege gebrachte beständige Strömung der Luft, muß an den Gränzen der gemäßigten Erdstriche einen Rücklauf ( eddy ) verursachen, wodurch nördliche oder südliche, und endlich weiter hin westliche Winde entstehen, welche in diesen mittleren Gegenden herrschen. Diesem Luftstrome, der sich hier ostwärts fort bewegt, hält alsdenn ein neuer Gegenwind von Osten her, in den kalten Erdstrichen das Gleichgewicht. 2) Veränderliche Winde. Wenn im vorhergehenden von herrschenden Winden der gemäßigten und kalten Erdstriche gesprochen ward, so ist damit noch nicht gesagt, daß solche keinem Wechsel unterworfen sind. Die Beyspiele vom Gegentheile sind leicht gefunden. Zwischen 40° und 46° S.Br. im Südmeere, fanden wir 1773 ganz unvermuthete Ostwinde, welche uns auf unserer damaligen Fahrt sehr zuwider waren. Es war dabey merkwürdig, daß so oft der Wind sich änderte, welches zwischen dem 5ten Junius und 5ten Julius viermal geschah, er allmälig um den halben Compaß, und zwar unfehlbar in der, dem Laufe der Sonne entgegengesetzten Progression, fortrückte. Um Neuseeland sind die Winde größtentheils westlich, und im Winter oft äußerst heftig. Im Jahr 1774 herrschte der Westwind im November und December, von Neuseeland bis zum Feuerlande zwischen 42° und 54° S.Br. Andere Seefahrer haben in der Gegend des Feuerlandes mit stürmischen Meeren gekämpft. Wir fanden hier eine ruhige See und gelindes Wetter. Einige hier empfundene Windstöße waren nicht stärker, als wir sie bereits in andern Meeren ausgehalten hatten. 3) Sturm. Das Wetter war während unserer ganzen Reise so leidlich, daß wir nur zweymal eigentlichen Sturm gehabt haben. Am 23sten November 1772. als wir das Vorgebirge der guten Hoffnung verließen, und nach Süden schifften, hielten die Sturmwinde mit hochgethürmten Wellen, fast drey Wochen lang an. Im October 1773 an der östlichen Küste von Neuseeland, wuchs der Wind, welcher bereits heftig war, allmälig zu einem völligen Sturme. Wir mußten alle Seegel einziehen, und mit den bloßen Masten uns den Wellen, welche sehr lang waren, preisgeben. Der Sturm, der von den Gebirgen mit Gewalt herabfuhr, heulte im Tauwerk, und versetzte unserm Schiffe die heftigsten Stöße. An den Seiten, und ganz übers Verdeck brachen die Wellen hinein. Auf dem Gipfel einer mächtigen Woge erblickten wir große Strecken des tobenden Meeres, und uns zu jeder Seite einen Abgrund, vom Winde aufgerissen: dann gleichsam in das Thal versenkt, wurden wir fast von den Fluthen ersäuft. Im Sturme wird der Schaum jeder brechenden Welle so gleich in Atomen von Dunst zertheilt, die sich, wie ein Nebel, dicht an der Oberfläche des Meeres verbreiten. Diese traurige Lage dauerte einige Tage hindurch, bis wir endlich das Glück hatten, nach verschiedenen mislungenen Versuchen, in einem gemäßigtern Zwischenraume, den erwünschten Hafen zu finden. Viertes Hauptstück. Von Veränderungen der Erdkugel. In nova fert animus mutatas dicere formas Corpora. OVID Erster Abschnitt. Regelmäßige Veränderungen. Der Wechsel der Jahrszeiten, der Hitze und der Kälte, welcher überhaupt im gemäßigten Erdstriche merklicher als im heissen ist, wird unstreitig auf den Inseln des Südmeeres, welche zwischen den Wendekreisen liegen, am wenigsten gefühlt, indem sie, vermöge ihrer glücklichen Lage, mitten in einem unermeßlichen Meere, wo die See- und Landküste einander ablösen und die Sonnenhitze mildern, fast beständig einer gleichförmig temperirten Witterung genießen. In Neuseeland zeichnen sich, wie mir Capitain Cook erzählte, die Jahreszeiten schon mehr von einander aus. Dieser berühmte Seemann konnte, nach einem sechsmonathlichen Aufenthalte an den neuseeländischen Küsten, die zuverläßigsten Nachrichten vom dortigen Klima ertheilen. Es ist hier von der Reise in der Endeavour die Rede, wo Cook die Sommermonathe in und um Neuseeland zubrachte. Wir legten auf diesen Inseln im März, also im dortigen Herbste, an, und blieben daselbst bis in den Junius; hernach besuchten wir sie noch zwey Jahre hintereinander im Oktober und November. Aus den Beobachtungen beyder Reisen zusammengenommen, läßt sich daher mit ziemlicher Gewißheit auf die neuseeländische Witterung schließen. Im Ausgang des März und Anfang des Aprils war das Wetter an den südlichsten Gegenden Neuseelands (zwischen 46° und 47° S.Br.) noch gelinde; im May aber erfolgten Stürme, anhaltende Regen, mit Schlossen, Hagel, Schnee und einigen heftigen Gewittern. Das Grün verblich, ein großer Theil der Bäume wurde entblättert, der Schnee kleidete endlich alle Berge ein, und der Winter nahm mit einer schneidenden Kälte seinen Anfang. Etwas mehr nordwärts, (im 41sten° S.Br.) im Charlottensunde, fanden wir sogar im Junius noch viel gelinderes Wetter, welches jedoch während unseres dreywöchentlichen Aufenthalts noch etwas rauher wurde. Die Sommerszeit ist hier nicht nur warm, sondern sogar bisweilen heiß, und das Pflanzenreich steht alsdenn im schönsten Flor. So fand es Cook in der Endeavour 1770. Das Glück, einen fröhlichen Sommer am Lande zuzubringen, ward uns auf unsrer ganzen Reise nicht. Wir besuchten die Inseln des heissen Erdstrichs allemal im Spätjahr und Winter; Neuseeland im Frühlinge, und nur das erstarrte Feuerland und Südgeorgien in dem dortigen schauerlichen Sommer. Der muntere Tanz der Jahreszeiten im heißen und gemäßigten Erdstrich erhält aber die ganze Natur in einer viel lebhafteren Bewegung, und verursacht mehr Abwechselung und Veränderung, als in dem kalten Erdgürtel. Dort geht das Wachsthum der Pflanzen, mit allen seinen Erscheinungen ununterbrochen fort, verbreitet das ganze Jahr hindurch neues Leeben, und nährt Millionen Thiere und zahlreiche Völker. Schnell folgen sich die großen Verwandlungen der Natur; der Vorrath des fruchtbaren Erdreichs wächst augenscheinlich an, giebt dem Pflanzenreiche neue Kräfte, und mehrt die Zahl der organischen Körper aller Art, als der rechten Zierde des unbelebten und noch ungeordneten Theils der Erde. Wie öde, wie todt hingegen ist alles auf den gefrornen Klippen des Feuerlands! wie kurz die Jahreszeit, in welcher sich dort noch einige Lebenskraft regt! Was ist die träge Bewegung der einzigen Geschöpfe dortiger Gegend, der Wallfische, der Robben und Pinguine, im Vergleich mit der Schnellkraft und dem Feuer, welche unter einem wohlthätigern Himmel in allen Tierarten würkt! – – – Doch ich habe diesen Gegenstand schon anderwärts berührt, und begnüge mich, nur noch einmal mit einem Fingerzeig darauf zu deuten. Zweyter Abschnitt. Zufällige Veränderungen. Die schöpferische Kunst des Menschen hat nicht die unbeträchtlichsten Veränderungen auf der Erdfläche hervorgebracht. Wo er, als Herr der Schöpfung, es nicht versucht sie anzuwenden, wo er alles unberührt läßt, da verschmachtet die Natur, da behält sie nur den Anschein des Lebens, und wird je länger je mehr durch die Verwilderung entstellt. Hrn. v. Büffons première vue de la Nature; Hist. Naturelle Tome XXVl. de l'édit. in 12mo. In ihren undurchdringlichen Wäldern stehen eine Menge verdorrter Bäume, und noch mehrere umgestürzte vermodern. Ihr Sturz streift den nächstumstehenden die Rinde ab, der Sturm zerbricht ihre Wipfel. Ein Labyrinth von Dornsträuchen und Schlingepflanzen bedeckt das Erdreich, und versagt dem Reisenden allen Zugang; was noch grünen möchte, wird unter Schwämmen und Moosen vergraben und erstickt. Ueberall stockt das Wasser, überall sieht man Moräste, deren grobfaserigte Gewächse den Land- und Wasserthieren gleich wenig Nahrung geben. – Kaum aber tritt der Mensch in dieser Gegend mit bildenden Kräften hervor, so gewinnt sie eine neue, anmuthige Gestalt. Er vertilgt jene groben Sumpfgewächse, die ihm und andern Geschöpfen unbrauchbar sind. Er schafft sich und seinen Gehülfen Raum. Nahrhafte, oder sonst nützliche Pflanzen vervielfältigen sich durch seine Hand. Der Schutt und Moder zerstümmelter und verdorrter Baume wird sorgfältig weggeräumet, und schon dadurch die Luft von faulen Ausdünstungen gesäubert. Den stockenden Gewässern öfnet er einen Abfluß, und giebt ihnen Bewegung, Leben und Klarheit. Sie werden einer ganzen Welt von Geschöpfen, der sie gleich Anfangs bestimmt waren, wieder geschenkt. Jetzt trocknet allmählig die Erde, und auf ihrer fetten Rinde einsteht der schönste grüne Wasen, mit wohlriechenden Blumen bestreut. Auf jenen lachenden Wiesen, die nur sein Fleiß entstehen ließ, hüpfen schon zahlreiche Heerden. Welkt endlich das neue Elysium, vom brennenden Strahl der Mittagssonne, so leitet der Besitzer den rieselnden Bach auf die lechzende Flur, und labt jede Pflanze mit seiner erquickenden Welle. Der Brodbaum breitet hier seine schattigen Aeste mit Früchten beladen, um sich her. Die stolze Myrobalane ( spondias ) ringt um den Vorzug mit ihm, und prangt mit goldnen hesperischen Aepfeln. Junge Maulbeerstämme sprossen hier mit schnellem Wachsthum hervor; ihr feiner Splint ( liber ) wird künftig die Kleidung des Eigenthümers seyn. Schön und reich wird die Natur, wenn Menschenfleiß sie veredelt und benützt! Die geringste Arbeit des denkenden Geschöpfes bewürkt in ihr die glücklichsten Veränderungen! – – – – Wer erkennt nicht an diesen so entgegengesetzten Schilderungen der wilden und der angepflanzten Erde, dort die rauhen Scenen Neuseelands, hier die Zierde des Südmeers, das glückliche Taheiti? Natürliche Ursachen einiger zufälligen Veränderungen auf unserm Erdboden, sind Winde, Regen, Ueberschwemmungen, Fluth und Strömung des Meeres, unterirdische Feuer und Erdbeben. Allein die kurze Dauer unseres Aufenthalts in den verschiedenen Ländereyen des Südmeeres, gestattete uns nicht, etwas vollständiges über diese Gegenstände aus unsern Beobachtungen zu ziehen. Nur von den drey Volkanen, die wir 1774 gesehen haben, noch einige Worte. Wir hatten bereits zween Tage bey Namoka (Rotterdameiland) vor Anker gelegen, als wir zum erstenmal bey Tages Anbruch dreyzehn flache und zwey bergigte Eilande erblickten, von deren Westlichstem ein dicker Rauch aufstieg. Die Einwohner von Namoka nannten dieses Eiland Tofua. Nach zween andern Tagen schifften wir zwischen dieser, und der andern ganz nahgelegenen höheren Insel O-Ghao hindurch. Tofua war bis an die Gipfel des Berges mit Keulenholz ( Casuarina equisetifolia ) überwachsen; längst dem Strande aber, in der untern Gegend der Anhöhe, standen Kokospalmen und Pisangstämme. Die Einwohner gaben uns auch zu verstehen, daß Brodfruchtbäume und Yamwurzeln ( Dioscorea ) dort gepflanzt werden, und daß auf der Insel eine Quelle frischen Wassers fließt. Die Ufer bestehen aus schwarzen, fast säulenförmigen und zugleich sehr durchlöcherten Felsen, die allem Ansehen nach vom Feuer verändert sind. Am Strande liegt ein schwarzer Sand, und an den Ufern des nahgelegenen Namoka hatten wir schon angeschwemmte Bimssteine gefunden. Vom Gipfel des Berges wälzte sich eine Rauchwolke herab. Als wir uns unter dem Winde dieser Insel befanden, fieng es an zu regnen, und viele klagten, wenn die Tropfen ihnen ins Auge fielen über eine schmerzhafte Empfindung. Zugleich verbreitete sich ein Geruch von gebranntem Torf, Farrnkraut und andern Gewächsen. Ob ich gleich die ganze Zeit über auf dem Verdecke war, so empfand ich doch weder diesen Geruch, noch die Würkung des Regens. Mit letzterem fiel aber etwas Asche, die aus ganz feinen Bimssteintheilchen zu bestehen schienen. Ein ziemlich großer Theil des rauchenden Berges, an der Nordwestseite, schien erst neulich abgebrannt zu seyn. Ihre schwarze Farbe, ihre entblätterten Gebüsche, die nur an abschüssigen Orten oder Felsenritzen etwas grünes behalten hatten, dienten zum hinlänglichen Beweise. Wir fanden neben diesem Eilande keinen Ankergrund, und sahen uns daher genöthigt unsere Reise fortzusetzen, ohne fernere Bemerkungen über diesen Volkan anstellen zu können. Unter den neuen Hebriden entdeckten wir südwärts und jenseits der Pfingstinsel, eine schöne große Insel, die sehr fruchtbar und stark angebauet zu seyn schien. Ohnweit des Gipfels ihrer Berge sahen wir an zwo verschiedenen Stellen einen Rauch aussteigen, der viel grauer von Farbe, als der Rauch der gewöhnlichen Feuer war, welche des Abends häufig erschienen, und woran die Einwohner vermuthlich ihre Speisen bereiteten. Die Einwohner der nahen Insel Mallikollo , woselbst wir bald hernach vor Anker legten, nannten jene volkanische Insel Ambrym , und erzählten uns, daß zu oberst aus ihren Bergen Feuer hervorbreche. An der Südostseite dieser Insel, welche sanft abhangend, und dem Anschein nach, sehr reich und fruchtbar ist, rollten weiße Rauchsäulen, mit vieler Heftigkeit, von einem der innersten Berge, welcher gleichwol nicht der höchste war, herab. Bimssteine von verschiedener Größe bedeckten den entgegengesetzten Strand von Mallikollo, woselbst unser zweytägiger Aufenthalt zu keinen fernern Beobachtungen Gelegenheit verstattete. Die Insel Tanna , welche wir gleich nach Irromanga entdeckten, hat ebenfalls einen Volkan. Nachts vor unserer Ankunft, wurden wir daselbst ein großes Feuer gewahr, welches von Zeit zu Zeit mit Gewalt in die Höhe fuhr. Bey Tages Anbruch, nur noch einige englische Meilen weit von den Ufern entfernt, zeigte sich der Volkan ganz deutlich am Schluß einer Reihe von kleinen Hüqeln auf der Südostseite der Insel, hinter denen eine Gebirgsreihe von wenigstens gedoppelter Höhe lag; der Gipfel des Volkans mochte nicht über 360 bis 450 englische Fuß hoch über der Meereefläche erhaben, und vom Strande nicht über vier englische Meilen entlegen seyn. Er hatte eine gestutzte Kegelgestalt, war völlig entblößt von Pflanzen, rothgrauer Farbe, wie von Asche, Bimsstein und Lava zusammengesetzt. Alle vier oder fünf Minuten stieg eine Rauchsäule von ebenfalls röthlichem Grau, mit großer Schnelle und Gewalt, kerzengerade in die Höhe, und gleich darauf hörte man ein donnerndes Geprassel im Volkan. Wenn die Säule von Rauch, oder besser von glühender Asche, ziemlich hoch gestiegen war, fiel sie durch den Druck der Luft und ihre eigene Schwere, verlohr ihre aufrechte Gestalt, und verbreitete sich in mehrere abgerundete Massen, die zusammen im Umriß einige Ähnlichkeit mit einem großen Blumenkohlkopf halten Nubes (incertum procul intuentibus, ex quo monte; Vesuvium fuisse, postea cognitum est) oriebatur, cujus similitudinem \& formam non alia magis arbor quam pinus expresserit. Nam longissimo velut trunco elata in altum, quibusdam ramis diffundebatur. Credo quia recenti spiritu erecta, deinde senescente eo destituta, aut etiam pondere suo victa, in latitudinem vanescebat; candida interdum interdum sordida, prout terram cineremve fustulerat. PLIN. Epist. lib. VI, Ep. XV. . Diese Masse war zuweilen weißlicht, zuweilen schmutzig grau, auch sogar röthlich; letzteres mochte vielleicht von glühenden Aschen, oder vom Wiederschein des Feuers unten im volkanischen Crater, herrühren. Von dem Hafen, wo wir ankerten, war der Volkan sieben bis acht englische Meilen entfernt. Die Ausbrüche dauerten noch einige Tage fort, und jeder Auswurf mit seinem starken Donnergetöse währte fast eine halbe Minute. Feiner Aschen- und Kohlenstaub fiel die ganze Zeit hindurch auf unser Verdeck, und es schmerzte uns sehr, wenn er ins Auge fiel. Hierauf erfolgte eine ruhige Pause von etlichen Tagen, und auf diese, nach einer regnigten Nacht, neue Ausbrüche des Feuers. Es war früh um 4 Uhr des Morgens, als ich diesen erneuerten Ausbruch zuerst bemerkte. Die Rauchwolken hatten damals alle verschiedene Schattirungen von gelb, orangefarb, roth und dunkelpurpur, welche sich in ein röthliches Grau, und einige dunklere Nuancen verloren. So oft es von neuem aufdampfte, war der Rauch von unten her erleuchtet, und im Glanze dieses Lichtes färbten sich alle nahgelegne Gegenstände mit gelben, orange- scharlach- und Purpurrändern. Dieser zweyte Ausbruch dauerte wiederum etliche Tage, nach deren Verlauf alles stille, und während unsers Daseyns kein Getöse weiter vernommen ward. Die Rauchwolken zeigten sich immer seltner, nur waren sie des Nachts allemal noch von unten illuminirt. Von der Solfatarra und den heißen Quellen, welche wahrscheinlich diesem Volkan ihr Daseyn zu verdanken haben, ist bereits im dritten Abschnitt des ersten, und im ersten Abschnitt des zweyten Hauptstücks hinlängliche Erwähnung geschehen. Die glühenden Steine, welche der Volkan in die Höhe warf, hatten zuweilen eine ungeheure Größe. Sie mußten schon ansehnlich seyn, um in der Entfernung von sieben bis acht englischen Meilen nur gesehen zu werden. Bey unserer Abreise von Tanna bemerkten wir am Volkan einen rauchenden Strich, den wir zuvor, bey unserer Ankunft, nicht gesehen hatten. Die Laven, die ich hier auf einer Klippe, ohnweit dem Strande fand, geben hinlänglichen Grund zu vermuthen, daß jener Strich einen Strom glühender Schlacken andeutete, welche in der Folge zu einer Lava erkalten. Um den Volkan her war alles mit Asche bedeckt; der Sand am Seeufer bestand daraus, und der Boden der nahen Hügel war damit versetzt. Diese Asche ist eigentlich ein Gemisch von ganz kleinen Bimssteintheilchen, von kleinen glänzenden, unregelmäßigen, verglaseten, halb oder ganz durchsichtigen Theilchen, von weißem durchsichtigem Schörl, von faserigen, nadelförmigen, asbestähnlichen Theilen, und endlich von schwarzen undurchsichtigen Stäubchen. Sie fiel 8 bis 10 englische Meilen weit in die Runde, nach der Seite, wohin der Wind stund. Aus dem vorhergehenden läßt sich folgendes mit Grunde schließen: I) Der Berg, worinn ein Volkan entsteht, braucht nicht zu den höchsten Gebirgen zu gehören; er kann auch in einer niedrigen Kette von Hügeln hervorbrechen. Hiemit wird nicht geläugnet, daß Volkane auch auf hohen Bergen existiren können, sondern nur der Behauptung des Herrn von Büffon widersprochen, der in seiner Theorie der Erde die Volkane ausschließungsweise auf hohen Bergen wissen will. Der Volkan in Tanna war ein Hügel von 150 englischen Ellen (Yards, zu 3 Fuß; also 450 Schuh,) die beyden in Tofua und Ambrym waren nicht viel höher. 2) Viele, wo nicht die mehresten Volkane, liegen auf Inseln, oder doch nicht fern von der See. Zur erstern Classe gehören: Aetna, Stromboli, Lipari und Vulcano, Fuogo, der Pik von Teneriffa, und die azoische Insel Pico; ferner das Volkaneiland unter den Charlotteninseln, die brennenden Berge um Neuguinea, in den Molukkischen und Philippinischen Inseln, in Japan, Ysland, und den neuen rußischen Entdeckungen zwischen Asien und Amerika. Von der zwoten Classe sind: der Vesuv, die Volkane in Kamtschatka, Kalifornien, den mexikanischen und den südamerikanischen Andesgebirgen. Letztere scheinen einigermaßen Ausnahmen von der Regel zu seyn; indessen ist keiner über zwanzig deutsche Meilen weit in gerader Linie vom Meere entfernt. 3) Volkane entstehen nur in Gegenden, wo Kies und schwefelartige Materien häufig sind. Man findet daher in ihrer Nähe gewöhnlich rothe, ocherartige Schichten. Die rothe Ocher, die wir in Tanna, unweit der Solfatarren entdeckten, sahe einem in starkem Feuer gerösteten und ausgebrannten Kiese vollkommen ähnlich, dessen Bestandteile bekanntlich Schwefel und Eisenerde sind. 4) Der Volkan in Tanna tobte allezeit heftiger nach dem Regen, als vorher. Vielleicht geräth das Regenwasser, indem es durch Ritzen und Spalten ins Innere des Volkans dringt, auf Kiesschichten, und verursacht eine neue Gährung, auf welche neue Ausbrüche folgen. 5) Ansehnliche Veränderungen auf der Erdoberfläche werden vielfältig von Volkanen hervorgebracht. Ihre Asche, ihre Bimssteine häufen sich unaufhörlich an; ihre Lavaströme verwüsten alles, was sie auf ihrem Wege antreffen. Unstreitig hat der volkanische Berg in Tanna ebenfalls an Größe gewonnen, seitdem sich so viele Aschen, Bimssteine und Laven darauf gehäuft haben. Die Asche hat sogar das Erdreich der ganzen Insel verändert. Auch lag ohngefähr 10 englische Meilen östwärts vom Volkan ein Felsen, der aus Schichten von schwarzem Sandstein, voller Bimssteine, rothen ocherigten Steine und Lavastücken, bestand, folglich deutliche Spuren einer merkwürdigen Veränderung zeigte. Dritter Abschnitt. Abnahme der See und des Wassers überhaupt. Der Zeitpunkt scheint noch nicht gekommen zu seyn, wo diese wichtige Frage entschieden werden könnte. So viele Vertheidiger auch die Meynung, daß die See allmählig zurücktrete, unter den Neuern, besonders unter den schwedischen Gelehrten, gefunden hat; so genau Herr Dalin, nach der vorausgesetzten Abnahme von 45 schwedischen Zollen 45 schwedische machen 37 13/100 englische Zolle: die Verminderung des Wassers nach obiger Berechnung wäre also jährlich 0,45. oder 0,37. eines Zolls, d.i. nicht völlig ½ Zoll. in hundert Jahren, berechnen will, wenn Schweden zuerst wohnbar geworden sey und so sehr ers übertreibt, indem er diesen Zeitpunkt sogleich für denjenigen annimmt, in welchem es bewohnt worden ist; – so vieles läßt sich auf der andern Seite dawider einwenden; die Orte lassen sich in Menge aufführen, wo die See dem Lande Abbruch thut, und man dürfte, nach richtiger Vergleichung, wahrscheinlich entdecken, daß auf einer Seite nur gewonnen werde, was auf der andern verloren geht. Zudem müßten, im Fall der würklichen Verminderung des Meeres, doch nur die reinen Wassertheilchen verschwinden, die Salztheile hingegen, die nicht flüchtig sind, zurücke bleiben, und den Ocean von Jahr zu Jahre salziger machen. Fische und Seethiere überhaupt würden sich bald in einer so dicken Flüßigkeit befinden, die ihren Bedürfnissen nicht mehr angemessen seyn, ihre Bewegungen hemmen, und in kurzem ihre gänzliche Vernichtung zuwege bringen würde. Zuletzt müßte das Meer zu Salzkrystallen anschießen; Regen, Thau und Dünste aber würden immer seltner werden und endlich gar aufhören; das Thier- und Pflanzenreich könnte keine Nahrung bekommen, und somit würde der ganze Erdboden wüste und unbewohnt werden. Auf unserer großen Reise habe ich nur an einem einzigen Orte wahrgenommen, daß der Boden wirklich in Ansehung der Wasserfläche etwas gewonnen zu haben schien. Man kennt bereits die Würmer in den Lithophyten, die fast überall im Meere, vorzüglich aber in der Südsee, ihre wunderbaren Gehäuse von steinigter Substanz erbauen. Diese sogenannten Korallenfelsen sind gewöhnlich unten am Boden des Meeres schmal, und stehen gleichsam auf einem Stiele; breiten sich aber oberwärts dergestalt aus, daß Bäume, die bis fünfzehn Schuh hoch, und im Stamme kaum drey Schuh dick sind, am Gipfel bis achtzehn Schuh im Durchmesser hatten. Außerhalb Wassers aber, können die Thierchen, welche diesen Bau führen, nicht leben; daher wird er nie bis über die Meeresfläche, wie sie zur Ebbzeit steht, fortgesetzt. Gleichwohl fanden wir (am 3ten Julius 1774.) auf dem Rief, welcher das Turtle-Eiland (Schildkröteneiland) umgab, etliche Lithophyten von eben erwähnter Größe, welche völlig über dem Wasser standen, und worauf man außerhalb dem Gebiet der Meeresfluth bereits einen Anfang von Vegetation erblickte. Die Hälfte der Insel mit ihren Wäldern und Wohnungen müßte zugleich überschwemmt werden, wenn die Fluth jene Felsen erreichen könnte. Entweder müssen sie also aus dem Meere gehoben worden, oder das Meer selbst muß zurückgetreten seyn. In beyden Fällen ließen sich schwerlich die würkenden Ursachen dieser Veränderung bestimmen. Am wahrscheinlichsten ist es wohl, wenn man eine allmählig fortschreitende Verminderung des Wassers nicht annehmen will, daß Erdbeben und unterirdische Feuer diese Korallfelsen, nebst der anliegenden Gegend des Eilands aus dem Meere aufgeworfen haben. Vierter Abschnitt Lehrgebäude über die Entstehung der Inseln Es giebt im Südmeere, wie ich bereits oben (1stes Hauptst. 2ter Abschn.) erwähnt habe, dreyerley Inseln; flache Sandholmen, die durch Riefe von Korallenklippen verbunden sind, bergigte Inseln mit, und eben solche ohne Riefen. Alle niedrige Eilande der ersten Classe sind ein Seeprodukt, oder eigentlicher, das Werk der polypenähnlichen Thiere, welche die Lithophyten vom Boden des Meeres bis zur Oberfläche allmählich breiter auferbauen. Die Bestandtheile sind kalkartig, mit einer animalischen Substanz gemischt. Im Südmeere erblickt man diese Polypengebäude in ihren verschiedenen Altern und von allerley Größe. Einige Meilen westwärts von Turtle- Eiland liegt ein ziemlich großes kreisförmiges Rief, davon nichts über dem Wasser erscheint. Die Wellen gehen aller Orten hinüber in die Lagune, oder den See, welcher durch diesen Felsenring gebildet wird. Ost- und Nordostwärts von den Societätsinseln lieget eine große Anzahl niedriger Eilande, die zum Theil aus dem Wasser hervorragen, und durch Riefe, welche beständig oder zur Ebbzeit überflossen sind, verbunden werden. Die hervorragenden, oder trocknen Stellen, sind mit Schneckensand und zermalmtem Korallstein bedeckt, wozu bisweilen ein geringer Zusatz von leichter schwarzer Moorerde kommt, der von dem Auswurf der Vögel und von vermoderten Pflanzen entstanden ist. Kokospalmen, nebst einigen Sträuchen, und antiscorbutischen Kräutern wachsen hier, jedoch nur auf den erhabensten Stellen. Wo die Fluth überschlägt, will keine Pflanze mehr fortkommen. Das Rief, oder der Felsenring, welcher mehrere solcher Eilande aneinander kettet, beschließt allemal einen fischreichen See, oder Lagune. Zuweilen findet sich eine Oefnung oder Durchfahrt im Rief, worauf ein Kahn, oder ein Boot, in den See kommen könnte; für Schiffe aber sind dergleichen Canäle nicht tief genug. Das Rief, oder der erste Entstehungspunkt dieser flachen Eilande, wird also von den Lithophytenwürmern bis auf eine geringe Distanz von der Oberfläche des Meeres, auferbaut. Die Wellen spülen nach und nach allerhand Muscheln, Tang, Korallstücke, Sand, u.d.g. auf diese neuerbauete Mauer, welche, durch alle diese Zusätze erhöht, zuletzt aus dem Wasser hervorsteigt. Noch fährt die See fort, neue feste Theilchen auszuwerfen, und führt, wenn es nicht ein Vogel thut, die Saamen der Strandkräuter dahin. Das Wachsthum, die Fortpflanzung, das Absterben dieser organischen Körper giebt endlich einen Vorrath von Pflanzenerde, und nun fehlt es nur noch an einem glücklichen Zufall, der eine Kokosnuß herschwemme, welche bekanntlich ihre vegetirende Kraft sehr lange behält, und in jeder Art des Bodens Wurzel schlägt. Auf diese Art können wir uns die allmählige Entstehung der schönsten Palmenwälder auf allen niedrigen Eilanden denken. Die Würmer, welche das Ries erbauen, scheinen den Trieb zu haben, ihre Behausung vor der Macht des Windes und des ungestümen Meeres zu sichern; daher legen sie ihre Korallfelsen, im heißen Erdstriche, wo der Wind mehrentheils immer aus derselben Gegend weht, dergestalt an, daß sie gleichsam eine kreisförmige Mauer bilden, und einen See vom übrigen Meere absondern, wo keine heftige Bewegung statt findet, und der polypenartige Wurm eine ruhige Wohnung erhält. Mir scheint dies wenigstens die wahrscheinlichste Entstehungsursache der niedrigen Eilande im heißen Striche des Südmeeres. Unter den höheren Inseln wird kaum eine seyn, welche nicht deutliche Spuren einer vormals vom Feuer, oder eigentlich von Volkanen, erlittenen gewaltsamen Veränderung ihrer Oberfläche aufzeigen könnte. Daß verschiedene Inseln lediglich durch die Kraft des unterirdischen Feuers aus dem Meere hervorgekommen sind, PLINIUS hist.nat. I. II. c.88.89. I. IV. c.22. – SENECA Nat. Quaest. I. VI. c.21.26. et I. II. c.26 – STRABO (ed. Almeloven) p.94.100. – PLUTARCHUS de Phythiae Oraculis, ex edit. Xylandr. Frst, 1620. p.399. – PAUSANIAS I. VIII. c.33. – JUSTINIUS I. XXX. c.4. – NICEPHOR. PATRIARCH. Brev. Hist. Paris. 1648. p.37. ad num. 727. ad eundem THEOPHAL. Chronogr. refert. – CEDREN. et PAUL. DIACON Coronelli Isotario p.243. edit. Venet. 1696. fol. – Philos. Transact. Vol. XXVII. n. 332. DIO CASSIUS I. IX. c.29. – AUREL. VICTOR in Claudio. – AMMIAN. MARCELLIN. ed. Vales. Paris. 1681. fol. I. XVII c.7. – PINDAR Ol. Ode 2. – DIOD.SICUL. I. V. c-55. – HERAKLID.PONT de Polit. graecor. ad calcem CRAGII de Rep. Laced. – PHILO Iud. de Mundi incorruptibilitate. ist bekannt genug, und die Inseln Santorini, nebst den beyden Kamenis Nouveaux Mémoires des Missions, Tom. I. Phil. Transact. Vol. XXVII. n. 332. im Archipelago, so wie die Insel, welche 1720 mitten unter den Azoren entstand, GASSENDI de Vita Epicuri, Vol. II. p. 1050. – Hist. de l'Acad. de Paris, de 1721 p. 26 \& 1722. p. 12 – Phil. Transact. abridged. Vol. V. p. 154 – Comm. Bonon. Tom. I. p. 205 sind hievon redende Beweise. Sie scheinen, als Volkane, vom Boden des Meeres heraufgekommen zu seyn. Auf unserer Reise um die Welt besuchten wir theils Inseln mit noch brennenden Volkanen, theils solche, die unläugbare Spuren eines ehemaligen volkanischen Ursprungs zeigten, theils endlich solche, auf denen unterirdische Feuer, Volkane und Erdbeben, wenigstens eine heftige Veranderung; oder gar eine gänzliche Verwüstung angerichtet hatten, Tofua, Ambrrym, Tanna, und die azorische Insel Piko gehören zur erstem Classe; Mäatea, O-Taheiti, Huaheine, O-Raietea, O-Taha, Bola-Bola, Maurua, Waitahu oder S. Christina, nebst den übrigen Marquesen-Eilanden, einigen Neuen Hebriden, und der azorischen Insel Fayal zur zwoten; endlich die Osterinsel, nebst St. Helena und der Ascensionsinsel im atlantischen Meere, zur dritten. Ich sage nicht, daß Erdbeben oder Volkane die obgenannten Inseln hervorgebracht, sondern daß sie solche nur verändert, und zum Theil verwüstet haben. Gleichwol ließe sich von mehreren dieser Inseln behaupten, daß sie wirklich auf diese gewaltsame Art plötzlich aus dem Meere empor gestiegen sind. Die Ascensionsinsel im atlantischen Meere, die wir auf unserer Rückreise besuchten, gab zu verschiedenen wichtigen Bemerkungen Anlaß. Der höchste Berg auf dieser Insel, der etwa fünf engl. Meilen von dem Ankerplätze in der Kreutzbay ( Crossbay ) entfernt ist, besteht aus einem mit Sand und Mergel gemischten, kalkartigen Tuff. Ein wenig Dammerde, welche, an der Oberfläche dieses Berges, mit obigen Bestandtheilen vermengt ist, giebt einigen Gräsern und Portulakstauden Unterhalt. Die ganze übrige Insel, und hauptsächlich die Gegend um die Kreutzbay, ist von der Erd-Art dieses Berges sehr wesentlich verschieden. Zwischen der Bay und jenem Berge liegt nemlich eine erhabene Fläche oder Ebene, von ein paar englischen Meilen im Durchschnitt, welche mit schwarzer, sandiger, schlackenartiger Asche, auch hie und dort mit einer braungelben Ocher-Erde bedeckt ist. Auf derselben giebt es 40 bis 50 Schritte weit voneinander, unzählige kleine Höcker, die etwa zehn bis zwanzig Schuh hoch sind, und aus unförmlichen rauhen Schlacken, oder ausgebrannten durchlöcherten Steinen, mit einem Worte, aus verschiedenen Laven bestehen. Um die Ebene her siehet man, gleichsam als Gränzmale, etliche kegelförmige Hügel von rothbrauner oder rostfarbiger Staubasche und kleinen verwitterten Schlacken, wovon einige schwarz, andere ocherigt, und noch andere gelb oder röthlich sind. An einer Seite wird die Ebene von einer hohen Felsenstrecke begränzt, deren unförmliche Massen ein fürchterlich rauhes Ansehen haben, und sich in lauter seltsam gestalltete, scharfe Spitzen und hervorragende Klippen endigen. Ein Theil dieses Felsenhaufens reicht bis ans Meer, gewinnt daselbst ein noch wilderes Ansehen, und ist von unzähligen tiefen Schlünden durchschnitten, so daß die Küste dort völlig unzugänglich wird. Die Schlacke, aus welcher diese Felsen-Massen bestehen, hat einen Glockenklang, dergestalt, daß einige Bruchstücke die wir herabwarfen, durchdringend hell tönten. Man sieht gleich auf den ersten Blick, daß wahrscheinlicherweise, die Oberfläche der ganzen Insel ehemals aus dem nämlichen ursprünglichen Gestein bestand, welches noch jetzt in ihrem Innern, auf dem hohen Berge, angetroffen wird. Die hochliegende Ebene scheint der Schlund oder die Oefnung des Volkans gewesen, und die kegelförmigen Berge, von dem Auswurf der Asche und gebrannten Steine entstanden zu seyn. Die aus einer Schlackenmasse bestehenden Felsen sind der Lavastrom gewesen, der sich zum Theil in die See ergossen hat. Die Höcker auf der Ebene sind ebenfalls Lavenmassen, und, nach Löschung des volkanischen Brandes, in ihrer jetzigen Form stehen geblieben. Durch die allmählig verwitterten Bestandteile derselben, imgleichen durch die vom Regen abgespülten Theilchen der Aschenhügel, ist, nach und nach, der Schlund des Craters dergestalt angefüllt worden, daß seine Oberfläche jetzt eine Ebene ausmacht. So zeigt diese ehemals vielleicht ganz anders beschaffene Insel, jetzt nichts als Trümmer und Merkmale der äußersten Zerstörung: nec restat in illa Quod repetas; tantum cinis \& sine semine terra est. CORN. SEVERUS. Die Insel St. Helena sieht, von der Rheede her, fast noch schrecklicher als die Ascensionsinsel aus, allein weiter hinauf verschönert sich die Aussicht, und in den innersten Gegenden ist alles anmuthig mit Bäumen bepflanzt und mit dem schönsten Wasen bedeckt. Demohngeachtet sind die Spuren einer fast gänzlichen Umwühlung der Insel, durch Volkane und Erdbeben, die vielleicht den größten Theil davon ins Meer gestürzt haben, nicht zu verkennen. Ostereiland, oder, wie es die Einwohner nennen: Waihu, ist von eben derselben Beschaffenheit. Alle Felsen sind dort schwarz, verbrannt, und, wie Honigkuchen, durchlöchert. Einige haben völlig das Ansehen von metallischen Schlacken. Das Erdreich sogar besteht lediglich aus einem sehr dünn gestreuten dunkelgelben Ocher. Die schwarzen glasartigen Steine, welche man unter dem Namen ysländischer Glas-Achate kennt, Ein vulkanisches Produkt, welches in Ysland, Italien, Sicilien und auf der Ascensionsinsel häufig vorkommt. F. liegen hier in großer Anzahl auf der Oberfläche umher. Von Pflanzen giebt es kaum zwanzig verschiedene Gattungen, welche noch dazu sehr sparsam anzutreffen, und worunter die kultivirten Pflanzen mit begriffen sind. Wenigstens habe ich, auf einer Wanderung über den größten Theil der Insel, nicht mehrere aufgefunden, und unter diesen keinen einzigen Baum. Auf einer solchen Insel, die doch 25 englische Meilen im Umfange hält, und schon lange bewohnt seyn muß, ist dieser Umstand etwas merkwürdiges. Roggewein, ihr erster Entdecker, fand daselbst schon die großen steinernen Bildsäulen, welche auch wir gesehen haben, und welche uns das Werk eines früheren Zeitalters zu seyn dünkten. Einer von den Schriftstellern, welche Roggeweins Reise beschrieben haben, Nämlich der holländische anonymische Reisebeschreiber: Twee Iaarige Reyze rond om de Wereld. Te Dordrecht. 1728. 4to. spricht von Waldungen, die er auf der Osterinsel gesehen haben will. Wie also, wenn seit jenem Besuche die Wälder durch irgend einen unglücklichen Zufall, ein Erdbeben, oder ein hervorbrechendes unterirdisches Feuer, zerstört, und die Bildsäulen, die wir zum Theil liegend fanden, umgeworfen worden wären? Die heftigen Wirkungen des fürchterlichen Erdbebens, welches 1746 die Städte Lima und Callao in Peru verwüstete, könnten sich leicht bis hieher erstreckt haben, da schon Davis, im Jahr 1687 in der Entfernung von mehr als dreyhundert deutschen Meilen vom festen Lande von Amerika, jenes frühere nicht minder furchtbare Erdbeben empfand, wodurch Lima und Callao bereits damals zerstört wurden. Allein das Zeugniß des ebenerwähnten Schriftstellers ist zu verdächtig, als daß wir die Existenz der Wälder auf der Osterinsel blos auf sein Wort annehmen könnten. Da er selbst erzählt, daß das Kanot, worinn der erste Mann vom Lande an das Schiff fuhr, aus lauter kleinen Holzstücken zusammengeflickt war, deren keines die Länge eines halben Schuhes hatte; so läßt sich aus diesem Umstande, den in der Folge unsere eigne Erfahrung bestätigte, eher auf den gänzlichen Holzmangel, als auf Waldungen schließen. Wie viel Credit übrigens dieser Reisebeschreiber verdient, mag das Mährchen von den zwölfschuhigen Riesen, die, seinem Vorgeben nach, die Osterinsel bewohnen, genauer bestimmen. Die steinernen Bildsäulen, welche, wie gesagt, schon zu Roggeweins Zeit, d. i. im Jahr 1722, existirten, sind aus einer schwammigen Tufa gehauen, welche unstreitig durch ein heftiges Feuer gelitten hat. Es ist also unwiderlegbar, daß der jetzige veränderte Zustand der Insel auch schon zur Zeit der Roggeweinschen Entdeckung der nämliche gewesen ist, und daß folglich die augenscheinlichen Merkmale eines hier ehedem brennenden Volkans, der die ganze Insel gleichsam in einen Schutthaufen verwandelt hat, sich von einer ältern Epoche herschreiben. – Auf den Inseln des heißen Himmelsstrichs im Südmeer wird die Spur der vormaligen heftigen Erschütterungen und Revolutionen, welche Erdbeben und Volkane daselbst verursacht haben, schon zum Theil durch ihren jetzigen blühenden Zustand verdeckt; und es erfordert ein geübtes Auge, um, unter der fruchtbaren Erdschichte, die mit so vielen Gewächsarten prangt, die Trümmer des alten Brandes zu entdecken. Indeß lassen die ausgehöhlten Gipfel der Spitzberge, oder Piks, in Mäatea, Bolabola und Maurua, die aufgethürmten, Ruinen ähnlichen Felsen in Te-Arrabu, (der kleinern taheitischen Halbinsel,) und die schwarzen löcherigten Bergarten und Laven in Tobreonu (der größern tahitischen Halbinsel) und den Marqueseneilanden keinen Zweifel übrig, daß alle diese Inseln nicht offenbar volkanischen Ursprungs seyn sollten. Kennzeichen ähnlicher Veränderungen, welche vor Zeiten geschehen sind, sieht man sogar auf allen Neuhebridischen-, Marquesen-, Societäts-, und Azorischen Inseln. Mit wie vieler Wahrscheinlichkeit ließe sich hier nicht muthmaßen, daß einige (ich sage nicht alle) dieser bergigten Inseln, durch die Würkung eines unter dem Meere hervorgebrochenen Volkans, ihr Daseyn eben so erhalten haben, wie die schon erwähnten Inseln Therasia, Hiera, oder Santerini, Volkanello, die beyden Kamenis, und jenes Eiland unter den Azoren, zwischen Terceira und S. Michael? Die ähnliche Beschaffenheit ihrer Mineralien, so wie der ganzen Struktur jener und dieser Inseln, imgleichen die auf einigen derselben noch jetzt brennenden Volkane, auch noch öfters vorfallenden Erdbeben, geben dieser Meynung allerdings einiges Gewicht. Erdbeben sind übrigens den Taheitiern, und überhaupt den Bewohnern der Societätsinseln, nicht unbekannt. Ihre Götterlehre nennt uns einen Gott und Schöpfer der Sonne, O-Mauwe , der in seinem Zorne die Erde erschüttert, und solchergestalt der Urheber des Erdbebens ist. Die eigene Redensart ist: O-Mauwe turore te Hwennua. d. i. Der (Gott) Mauwe schüttelt die Erde. Mich dünkt, hier ist Beweises genug, daß ihnen jenes fürchterliche Phänomen nicht fremd seyn kann. Jedoch, so viel Wahrscheinlichkeit die oben angeführte Hypothese durch diesen Umstand auch erhalten mag, so wenig bin ich doch geneigt, sie für zuverläßig auszugeben, oder sie gar auf alle bergigte Inseln des stillen Meeres anzuwenden. Ich bin vielmehr im Gegentheil überzeugt, daß viele derselben eines weit ältern Ursprungs, und wohl gar nur Ueberbleibsel einer ehemaligen größern Strecke Landes sind. Schon einmal wagten wir uns dort oben ins Gebiet der Fabel; es sey uns auch bey dieser Gelegenheit vergönnt. Die Bewohner der Societätsinseln geben vor, ihr Gott Mauwe habe ein großes Land von Westen nach Osten durch das Weltmeer geschleppt, wovon sich, während der heftigen Bewegung, einige Brocken losgerissen hätten und als Inseln liegen geblieben wären. Das große Land sey würklich noch gegen Morgen anzutreffen. Scheint diese alte Sage nicht wenigstens so viel anzudeuten, daß diese Menschen selbst noch den dunkeln Begrif von einer wichtigen Naturbegebenheit haben, die in ihrem Welttheil große Veränderungen zuwege gebracht hat? Vielleicht könnte man sie dahin auslegen, daß die Rede von einem gewaltsamen Erdbeben ist, welches, mit Hülfe der eindringenden Meereswogen, (wie das Schleppen durchs Meer anzeigt,) das feste Land, den ehemaligen Wohnplatz ihrer Vorfahren, dergestalt zernichtet und zerschlagen hat, daß ihre Inseln, nur gleichsam als geringe Brocken oder Trümmer, dem allgemeinen Umsturz entgangen sind. Fünftes Hauptstück. Von Organischen Körpern. Omnis natura vult esse conservatrix sui, ut et in genere conservetur suo. M.T. Cicer. de fin. bon. \& mal L. IV. Erster Abschnitt. Pflanzenreich. Die organischen Körper bedecken theils die äußere Oberfläche des Erdbodens, theils aber wohnen sie auf derselben, und gehören, diesem Unterschiede gemäß, entweder zum Pflanzen- oder zum Thierreich, welchem letztern auch noch das Empfindungsvermögen, oder die Sinneskraft eigenthümlich zukommt. Die Gewächsarten, welche wir während unserer Fahrt, in so manchem Lande sammelten, sind merklich verschieden, neu, und seltsam, wie die Beschaffenheit eines jeden dieser Länder es mit sich bringt, und wie selbst ihr äußerliches Ansehen es vermuthen läßt. Von jenen niedrigen Eilanden des heissen Erdstrichs, (welche blos aus Korallklippen bestehen, und kaum mit etwas Sand bedeckt sind,) zu den Societätsinseln von ansehnlicher Höhe, mit fruchtbaren Ebenen und Korallenriefen, und von diesen zu den übrigen Inselgruppen, die zwar bergigt, aber weder mit Riefen noch mit Ebenen umgeben sind, ist der Abstand schon beträchtlich. Um wie viel, selbst die unansehnlichsten unter diesen Inseln, reizender als die rauheren Gebirge von Neuseeland, um wie viel trauriger noch als diese die äußersten Südspitzen von Amerika, endlich wie öde die von uns neuentdeckten südlichsten Küsten sind, – das haben wir bereits im vorigen zur Genüge bemerkt. In einem ähnlichen Verhältniß ist nun auch die Vegetation dieser Länder, in Absicht der Zahl, Statur, Schönheit und Brauchbarkeit der Pflanzen verschieden. Der geringe Umfang der flachen im stillen Meere zerstreuten Eilande , kann nur wenigen Gewächsarten Nahrung geben. Indeß verschaft ihnen die Menge ihrer Kokospalmen, in der Ferne, ein ganz anmuthiges Ansehen. Am Strande kommen außerdem noch einige andere Bäume und Stauden fort, die aber auch, nebst etlichen wenigen antiscorbutischen Kräutern und solchen Pflanzen, welche die Eigenschaft die Fische zu betäuben besitzen, die ganze dortige Flora ausmachen. Zu den Mitteln wieder den Scharbock kann man die Cardamina sarmentosa und das Lepidium Piscidium rechnen, welches letztere, nebst der Gallega littoralis LIN. von den Einwohnern beym Fischfang genutzt wird, und, mit einer Lockspeise ausgestreut, die Fische betäubt. G. F. Herrliche Aussichten, reizende Gestalten und Farbenmischungen, welche alle Begriffe des Schönen erregen, sind, auf den Societätsinseln, das gemeinschaftliche Werk der Natur und der Kunst. Dort findet man in den Ebenen, auf den Anhöhen, und auf den hohen Gebirgen, überall andre Gattungen von Pflanzen. Die Ebenen, welche den Rand jeder Insel ausmachen, sind zum Anbau vorzüglich bequem; in ihrem ganzen Umfange, und in den entferntesten Vertiefungen der Thäler, welche sich bergein erstrecken, ist alles mit Pflanzungen bedeckt. Ein zahlreiches Völkchen, dem es gelungen ist, sich auf einen höhern Grad der Kultur als seine Nachbarn zu schwingen, hat hier die rauhen Pfade der Natur geschmückt, und überall die Mannigfaltigkeit eines blühenden Gartens hervorgebracht. Statt modernder Zweige und Blätterhaufen, wo sonst üppigwachsende Dornsträuche, Farrnkräuter und andre schmarotzende Pflanzen Nahrung finden, ist hier der Boden mit einem Wasen von Grasarten bekleidet, der ohne Anbau nicht vorhanden seyn würde. In mäßiger Entfernung von einander überschatten Fruchtbäume den Rasen, der, wieder die brennende Sonne geschützt, sein lebhaftes Grün unversehrt behält. Auch die Hütte des Landmanns genießt gleichen wohlthätigen Schutz von den umhergepflanzten Baumgruppen und Gesträuchen. Die ersten Anhöhen, welche die Ebene begränzen, sind oft gänzlich von Bäumen entblößt. Die Sonne wirkt daselbst ungehindert fort, und läßt keinem Grashalm, und keiner zarten Pflanze Nahrung finden. Ein äußerst dürrer Farrn ( Polipodium furcatum Acrostichum Furcatum LINN . ) und ein paar eben so abgehärtete Stauden Dodonæa ehemals ( Prelea ) viscosa LINN .und unser Leptospermum collinum , welches die Herren Banks und Solander Merrosideros spectabilis nennen. bedecken diese sonst öden Hügel, und scheinen der Gewalt der Sonne im Zenith zu trotzen. Etwas höher hinauf findet man am Abhange der Berge, Waldungen, welche stets zunehmen, bis endlich die höchsten Gipfel überall mit Bäumen bewachsen sind. Auf diesen oft umwölkten Höhen ist die Witterung schon sehr gemäßigt, so daß allerley Pflanzen mit starkem Wachsthum hervorsprossen. Moose, Farrne, parasytische Blumen ( Epidendrum ) und ähnliche Geschlechter, die gern im Nassen wachsen, sind hier die häufigsten, und bedecken sowohl das Erdreich, als auch die Stämme und Aeste der mehresten Bäume. Vielleicht wird es meinen Lesern nicht unangenehm seyn, hier zugleich ein Verzeichniß der vorzüglichsten Pflanzen, welche von den Einwohnern der Societätsinseln auf den Ebenen gebauet werden, anzutreffen. Dieses Verzeichniß habe ich der Uebersetzung beygefügt; im Englischen wird davon nichts erwähnt. G. F. Von unmittelbarem Nutzen sind: 1) der Kokos-Palmenbaum, 2) der Pisang- oder Bananenstamm, 3) der Brodfruchtbaum, 4) der taheitische Mirobalanen- oder unrichtig sogenannte Apfelbaum, 5) der Papiermaulbeerbaum, dessen innere Rinde oder Splint zur Kleidung verarbeitet wird; 6) der Jambusenbaum, 7) die sammetblättrige und 8) die gewöhnliche eßbare Aronswurzel, 9) die Igname- oder Yamswurzel, 10) die süßen Batatten, 11) das Zuckerrohr, 12) die Klebwurz, 13) die vielblättrige Zehrwurz, 14) der Taumelpfeffer, und 15) der sogenannte tahitische Kastanienbaum, eigentlich ein neues Geschlecht. Zur Zierde wird gepflanzt, 16) der schinesische Eibisch, 17) wegen der wohlriechenden Blumen, die in England fälschlich so genannt kapische Jasminstaude oder Gardenie, und 18) der schöne Guettardenbaum. Auch werden gewisse Pflanzen, vielleicht nach religiösen Vorschriften, um die Grabstätten gepflanzt: z.B. 19) der indianische Drachenbaum, dessen Blätter die Einwohner auch als Friedenszeichen in den Händen zu tragen pflegen, 20) das Schönblatt, dessen Holz dem Kokosöhl einen angenehmen Geruch mittheilen soll, 21) eine Cratävenart, 22) der pappelblättrige Eibisch, dessen Blmuenknospen den tahitischen Zeugen eine strohgelbe Farbe mittheilen, 23)das Keulenholz, welches mehrentheils zu Waffen und Hausgeräthen verarbeitet wird, und 24) der wilde Palmnußbaum, dessen Früchte geopfert werden. Hier sind die lateinischen Benennungen der obigen Pflanzen: 1) Cocos nucifera. LINN . 2) Musa paradisiaca et sapientum. LINN . 3) Artocarpus communis. FORSTER . Sitodium altile BANCK . 4) Spondias dulcis FORST . et BANCKS . 5) Morus papyrifera. LINN . 6) Eugenia malaccensis. LINN . 7) Arum esculentum. LINN . 8) .... macrorbizon. LINN . 9) Dioscorea alata. LINN . 10) Convulvulus Batatas. LINN . 11) Saccharum officinarum. LINN . 12) Tacca pinnatifida. FORST . Chaitea Tacca. BANCKS . 13) Dracontium polyphyllum. LINN . 14) Piper methysticum. FORST . 15) Inocarpus edulis. FORST . Amorum fagiferum. BANCKS . 16) Hibiscus Rosa finensis LINN . 17) Gardenia florida? LINN . 18) Guettarda speciosa. LINN . 19) Dracaena terminalis. LINN . 20) Calophyllum Inophyllum. LINN . 21) Crataeva religiosa. FORST . 22) Hibiscus populneus LINN . Ist eigentlich ein neues Geschlecht: Thespesia populnea. BANKS . 23) Casuarina equisetifolia RUMPH. FORST. BANKS. 24) Athrodactylis indica. FORST Pandanus. RUMPH. BANKS. G.F. Nordostwärts von den Societätsinseln liegen die vom Admiral Mendanna sogenannten Marquesas de Mendoza , welche, bis auf die Ebenen und Riefe, die ihnen fehlen, jenen völlig ähnlich sind. Ihre Waldungen erstrecken sich bis an den Strand herab, und mitten in denselben liegen die Pflanzungen zerstreut. Die Mannigfaltigkeit der Kräutergattungen ist folglich dort weniger beträchtlich. Indessen fanden wir hier die Schirmpalme ( Corypha umbraculifera LINN. ) die uns auf keiner andern Insel des Südmeeres vorgekommen ist. G. F. Gleich neben den Societätsinseln sollte billig, in Betracht des Pflanzenreichthums und der schönen Aussichten, jene volkreiche Inselgruppe den Rang behalten, welche zuerst von dem holländischen Seefahrer Tasmann entdeckt, und von Capitain Cook, wegen der sanften Gemüthsart ihrer Bewohner, mit dem Namen der freundschaftlichen Inseln belegt worden ist. Sie ragen zu hoch über dem Meere hervor, um zu den niedrigen Eilanden gezählt zu werden; sind aber doch nicht bergigt genug, um mit den übrigen hohen Inseln der Südsee in Einer Classe zu stehen. Auf ihrer mehrentheils ebenen Fläche sieht man überall gebahnte Pfade und unzähliche Pflanzungen, mit artigen Hecken umzäunt. Demohngeachtet ist die Zahl der einheimischen, ohne Kultur wachsenden Pflanzen, welche neben den gebauten, in der unregelmäßigen Schönheit eines englischen Gartens, fortkommen, ziemlich ansehnlich. Die cultivierten Pflanzen sind mehrentheils alle diejenigen, welche auch auf den Societätsinseln gepflanzt werden. Ausserdem findet man hier noch Pumpelmosen ( Citrus decumanus LINN. ) in Menge. Wegen der schönen oder wohlriechenden Blüthen wird auch eine Art der Fieberrinde, ( Cinchona corimbifera FORST. ) ein Jasmin ( Jasminum simplicifolium FORST. ) die Prachtlilie ( Crinum asiaticum LINN. ) und um der gelben Wurzel willen, die Gelbwurz ( Curcuma longa LINN. ) um die Häuser gepflanzt. G. F. Mit einem sehr verschiedenen Vorrathe von Pflanzen, prangen die mehr westlich gelegenen neuen Hebriden . Zwar haben sie nicht, wie die Societätsinseln, Ebenen und Riefe, dagegen aber große Thäler, sanfte Anhöhen und hohe Berge. Ueberall sieht man fast nichts als Wälder, in denen die Pflanzungen der Einwohner, wie Inseln im Meere, zerstreut und abgesondert liegen. Auch ist ihre Bevölkerung noch sehr gering, die Zahl der wilden Pflanzenarten hingegen beträchtlich. Die Lage dieser Inseln bringt gleichwohl auch in der Zahl und Beschaffenheit der gebauten Pflanzen eine Abweichung von den vorhererwähnten, ostwärtsgelegnen hervor. Daher fehlen hier bereits die Mirobalane, die Klebwurz und Zehrwurz, der chinesische Eibisch, die Guettarde, das Schönblatt, die Cratäve, und einige a. m. Hingegen wird ihre Stelle durch andere Gewächse ersetzt: z. B. die Pommeranze, (Cirrus anrantium Linn.) die Kolpalme (Areca oleracea Linn.) die Stetculia foetida und St.Balangas Linn. ; den Keuschheitsbaum (Vitex trifolia Linn.) den Katapnußbaum (Terminalia Catappa Linn.) ein paar neue Geschlechter, nämlich: Euodia hortensis und Pometia pinnata ; und endlich fünferley Feigenbäume mit eßbaren Blättern und Früchten, (Ficus septica, aspera, scabra, und Granatum.) G. F. In dem dürren Erdreiche von Neukaledonien, welches von allen übrigen Inseln des stillen Meeres so ganz verschieden ist, kommt gleichwohl eine Menge Pfianzen zum Vorschein, die aber größtentheils zu neuen, und zwar auszeichnend neuen Geschlechtern gehören. Ein Rief von Korallenklippen umringt hier die Küste, jedoch in beträchtlicher Entfernung. Auch sind einige schmale ebene Strecken Landes längst dem See-Ufer, wie in den Societätsinseln, die einzigen bebauten Gegenden, deren Ertrag aber, dem äussersten Fleiß der Bewohner ohnerachtet, ihnen kaum den nothdürftigsten Unterhalt reicht und vielleicht der Bevölkerung nachtheilig ist. Alle diejenigen unter unsern Reisegefährten, welche ehedem, in der Endeavour, mit Capitain Cook Neuholland besucht hatten, versicherten mich, daß die Pflanzenprodukte jener nahgelegnen Küste, mit denen von Neukaledonien die größte Uebereinstimmung haben. Das eigenthümliche im Anblick heißer Länder geht ausserhalb der Wendekreise gleich verlohren. In Neuseeland vermißt man es schon. Die nördlichste dieser beyden Inseln ist zwar gebirgigt, allein ihre Anhöhen sind sanft abhangend, von beträchtlichem Umfange, und zum Theil sogar angebaut. Indeß müssen wir unsere Bemerkungen auf die südliche Insel einschränken, weil wir die nördliche gar nicht besucht haben. Die Landschaft besteht hier aus mehrern über einander liegenden Gebirgsreihen, davon die innerste und höchste mit bleibendem Schnee bedeckt ist. Jähe unzugängliche Felsenhöhen, enge Thäler, alles ist in dicke Waldungen verhüllt. Je weiter nach der Südspitze zu, je schroffer werden die Felsen, und der freyen Stellen, wie man sie in Norden noch antrift, die mit Gräsern, Binsen, u. d. gl. überwachsen sind, desto weniger. Die Witterung auf dieser Insel ist so gelinde, daß allerley europäisches Gesäme, welches wir in der Gegend von Charlottensund ausgestreut hatten, sogar mitten im Winter kräftig hervorsproßte. Die einheimischen Gattungen sind zahlreich und in hohem Grade fruchtbar. Allein seit Entstehunq dieser Wildnisse hat der menschliche Fleiß noch gar nichts daran gethan; der Wald ist daher zum unzugänglichen Labyrinthe geworden, wo Dornen, Schlingpflanzen, und Büsche ohne Zahl in einander verwebt, allen zartern Kräutern ( plantis herbaceis ) das Wachsthum verhindern, und denselben blos am Strande,längst dem äußern Rand der Waldung, eine Stelle übrig lassen. Unter diesen sind die mehresten als Mittel wider den Scharbock, oder als Gemüse, zu gebrauchen. In der nördlichen Insel von Neuseeland werden, nach dem Berichte voriger Reisenden, die süssen Batatten ( Convolvulus Batatas LINN. var. chrisorrhizus ,) und der Papiermaulberbaum gepflanzt. Die antiscorbutischen Pflanzen hingegen, die auch als Gemüse zu geniessen sind, bestehen aus folgenden Sorten, 1) eine Art Sellery ( Apium sapidum BANKS. ) eine Kressenart, welche bey unsern Seefahrern unrichtig Löffelkraut ( Scurvygras ) hieß, ( Lepidium oleraceus FORST. ) die gewöhnliche Saudistel ( Sonchus oleraceus LINN. ), eine Art des Vierecks, ( Tetragonia cornuta FORST. ) und ein Zahnkraut ( Dentaria - - - - . BANKS. et F. ) die frischen Blätter eines myrthenartigen Baumes ließen sich statt Thee gebrauchen, und die jungen Schossen eines Nadelholzes, ( Dacridium cupressinum BANKS. ) welches viel ähnliches mit dem Eibengeschlechte hat, mit etwas Hefen und Zuckersyrup gemischt, gaben ein gesundes Bier. Unsere Seeleute nannten diesen Baum den Sprossenbaum ( Spruce tree ). Die schöne Pflanze, welche den neuseeländischen Flachs giebt,( Phormium tenax FORST. )gehört unter die lilienartigen Gewächse. Die westliche Küste des Feuerlandes , an der Südspitze von Amerika, ist ein ödes und nacktes Felsengebirge, mit schneebedeckten Gipfeln. In einem großen Haven desselben, nordwestwärts vom Cap Horn, wo wir einige Tage zubrachten, fand man nirgends eine Spur des Pflanzenreichs, ausgenommen auf etlichen flachen, felsigen Holmen, die mit einem sumpfigen, moosartigen Wasen bedeckt waren, und in den niedrigsten Thälern oder Bergklüften ein kleines Gesträuch, darunter nur selten ein Baum war, aufzuweisen hatten. Alle höhere Gegenden sind durchgehends schwarze von Pflanzen gänzlich entblößte Felsen. Das armseelige Verzeichniß der dortigen Flora hat gleichwohl eine Art Sellery ( Apium decumbens BANKS. ) aufzuweisen, welche von der Vorsehung fast über den ganzen Erdboden, als ein bewährtes Mittel wider den Schaarbock, ausgestreuet worden ist. Die Nordostküste des Feuerlandes, welche sanfte Anhöhen und, am Fuß der Berge, eine geraume Ebene hat, wo alles einen größern Reichthum von Pflanzen vermuthen läßt, haben wir nicht betreten. Die Insel Neugeorgien , unter einerley Polhöhe mit dem Feuerlande, ist noch weit öder, und schien manchen unter uns, ehe wir nahe genug waren um das Land deutlich zu unterscheiden, eine bloße Eismasse zu seyn. Schwerlich dürfte man anderwärts Gebirge mit solchen Zacken und schroffen Spitzen antreffen. Mitten im Sommer sind sie mit Schnee beladen, der sich bis an den Meeresstrand herab erstreckt. Nur auf Landspitzen wo die Sonne noch einigermaßen würken kann, schmilzt endlich jene Winterdecke und läßt den schwarzen Felsen völlig entblößt zurück. Wir fanden an unserm Landungsorte, in Possessionsbay, nur zwo Pflanzenarten; nemlich das Hakenkraut ( Ancistrum decumbens FORST. ) und eine Art des Knaulgrases ( Dactilis caespitosa ,) beyde so klein und abgezehrt, daß man ihr Vaterland daran erkannte. Sandwichland , welches noch vier Grade südlicher liegt, ist vermuthlich ganz unfähig irgend einer Pflanze Nahrung zu verschaffen. Es ist noch höher als Neugeorgien, aber, bis auf einzelne Klippen, überall mit Eis und Schnee bedeckt, und fast beständig in Nebel gehüllt, welche uns nur dann und wann den Anblick des untern Theils der Küste gewährten, gerade als ob keines Sterblichen Auge den vollen Anblick dieser Einöde hätte ertragen können. 1) Zahl der Gattungen. Wenn gleich aus dem Vorhergehenden erhellet, daß in den antarktischen Gegenden die große Kälte das Pflanzenreich gleichsam im Keim erstickt; daß folglich nur in den Ländern des gemäßigten Himmelsstriches eine Mannigfaltigkeit der Arten gesucht werden muß, welcher nichts als die Hülfe des Menschen entgeht, um sie dem Pflanzenreichthum des heißen Erdgürtels gleich zu stellen: So bleibt demohngeachtet die Anzahl der verschiedenen Gattungen allemal in einigem Verhältniß mit dem Umfange der Länder. Große, feste Länder bieten größere Schätze dar als Inseln; und eben daher hat Herr Banks , mit seinem Reisegefährten Solander , auf der östlichen Küste Neuhollands eine so reiche Erndte gefunden, daß ein dortiger Haven, zum Andenken dieses Umstandes den Namen Botany-Bay erhielt. Innerhalb 3 Wochen fanden jene beyden großen Naturkundiger daselbst an 400 neue Pflanzengattungen. G. F. Nach dieser Bestimmung kann man würklich, sowohl Neuseeland als die Inseln des heißen Strichs im Südmeere, für verhältnißmäßig reich an Pflanzen halten. Unmöglich läßt sich über ihre Anzahl etwas gewisses bestimmen, indem man so wenig Gelegenheit gehabt, ihre Schätze zu ergründen. Wir besitzen aus Neuseeland etwas über hundert und funfzig neue Die Anzahl der Gattungen wird in der Übersetzung durchgehends anders, als im Original erscheinen, indem unsere Kräutersammlung seitdem einer genaueren Revision unterworfen gewesen ist, welche diese richtigere Bestimmung möglich gemacht hat. G.F. und nur zehn bekannte Linnäische Gattungen; so entfernt und den unsrigen unähnlich sind dort die Gestalten des Pflanzenreichs. Unsere botanischen Erndten fielen aber blos im ersten Frühlinge, und einmal bey eintretendem Winter, schränkten sich auch überdem nur auf zwey verschiedene Orte der südlichen Insel ein. Hieraus läßt sich leicht erachten, daß die vollständige Flora dieses Landes ungleich beträchtlicher seyn müsse, doch würde zu derselben Erschöpfung freylich eine bessere Jahrszeit und längerer Aufenthalt unumgänglich nothwendig gewesen seyn. Das Verhältniß zwischen den bekannten und unbekannten Gattungen ist auf den Inseln des heissen Erdstriches von dem Neuseeländischen ganz verschieden. Unsre dort entdeckten und vorhin unbekannten Pflanzenarten belaufen sich auf zweyhundert und vierzig; die von dem großem Linne´ bereits beschriebenen aber auf einhundert und vierzig; sie machen also mehr als ein Drittheil der ganzen Sammlung aus. Der Anbau trägt wohl das meiste hiezu bey, indem die gepflanzten Gattungen wahrscheinlicherweise durch die Einwohner aus ihren ehemaligen Ostindischen Wohnsitzen hieher gebracht seyn mögen. Diese waren also den Kräuterforschern bereits auf andern Wegen bekannt geworden. Es könnten aber auch mit diesen die Sämereyen von allerley ostindischen wilden Pflanzen hiehergeführt worden, und daher die übrigen bekannten Gattungen auf den Inseln des stillen Meers entsprossen seyn. Die neuen, oder bis jetzt unbekannten dortigen Pflanzen würden in solchem Falle entweder die wahren einheimischen, oder solche seyn müssen, die der Aufmerksamkeit unsrer Botaniker in Indien bisher entgangen wären. Jene ganze Summe von 380 Pflanzengattungen, die wir auf den Inseln des Südmeers im heissen Erdgürtel gefunden haben, ist, wie jedermann sieht, bey weitem nicht ihre vollständige Flora. Vielleicht würden so viel Monathe, als wir Tage auf diesen Inseln zugebracht haben, kaum hinreichend seyn, eine ganz vollständige Sammlung dorther zu holen. Aus den unbebauten Gegenden, welche auf den Neuen Hebriden so häufig sind, läßt sich noch viel Neues erwarten, weil diese Inseln von ansehnlicher Größe sind, und einen überaus fruchtbaren Boden haben. Wir konnten daselbst nur wenige Entdeckungen machen, weil die mißtrauische Gemüthsart der Einwohner alle unsre Anschläge, ins Land zu dringen, vereitelte, und uns von der Vegetation so wie wir sie in der Nähe des Strandes sahen, den innern Reichthum blos ahnden lies. Oft hatten wir Spuren von Pflanzen, ohne diese selbst antreffen zu können. So fanden wir, z. B. auf der Insel Tanna, im Kropf einer Taube, Columba globicera. FORST. Es ist die nämliche Gattung von Tauben, welche in den Moluckischen Inseln, nach Rumpfs Berichte, die Muskatnüsse aussäen hilft, indem sie solche niederschluckt, und unverdaut wieder von sich läßt. eine wilde Muskatnuß, welche noch in der sogenannten Muskatblume, ( macis ), oder eigentlich einer hochrothen Haut, eingewickelt lag. Die Nuß hatte die braune Farbe und den scharfgewürzten Geschmack einer ächten Muskatnuß, allein sie war länglicher, und ohne Geruch. Von den Einwohnern erhielten wir hernach mehrere Nüsse dieser Art, welche vermutlich von dem spanischen Seemanne Quiros gemeynt wird, indem er, unter die Produkte seines H. Geistlandes, ( Tierra del Espiritu Santo ) auch die Muskatnuß herrechnet. Durch diesen und ähnliche Umstände erhält die Erzählung dieses kühnen Befehlshabers jene Glaubwürdigkeit die man ihr sonst abzusprechen pflegte, und man wird kaum mehr zweifeln können, daß die übrigen Produkte, welche er diesen Inseln zuschreibt, als Ebenholz, Pfeffer, Zimmet und Silber, nicht würklich daselbst vorhanden seyn sollten. So gering, beydes, der Umfang der niedrigen Eilande und die Zahl ihrer Pflanzengattungen ist, so merkwürdig, muß ich dennoch gestehen, ist es, daß wir nie auf einer derselben gelandet haben, wo uns nicht eine oder die andere Entdeckung zu Theil geworden wäre. Savage Eiland (die Insel der Wilden), welche ihrer Erhöhung von etlichen Fuß ohnerachtet, dennoch, wie die übrigen niedrigen Eilande, aus Korallenfelsen besteht, bot uns, gleich am Strande, schon verschiedene neue Pflanzen dar, welche in den Höhlungen des Korals, fast ohne alles Erdreich, Wurzel gefaßt hatten. Das Innere dieser Insel schien dem Naturforscher viel zu versprechen; allein ihre unfreundlichen Einwohner nöthigten uns, sie schleunig zu verlassen. Die Osterinsel liegt im 27° S. Br. folglich dem Wendekreise so nahe, daß man sie füglich zu den Inseln des heissen Erdstrichs rechnen kann, so sehr auch ihre Beschaffenheit, mit allen Vorhergehenden contrastirt. Ihre holländische Entdecker haben sie entweder der Wahrheit wenig gemäß (S. oben S. 132.) beschrieben, oder sie ist seit der Zeit fast von Grund aus zerstöhrt worden. Der elende Boden ist überall mit Steinen übersäet, und bringt, zehn angebaute mit eingerechnet, überhaupt nicht mehr als zwanzig Pflanzengattungen hervor, deren keine zum Baum erwächst, und die durchgehends zwergartig,und verdorrt aussehen. Ich füge hier das Verzeichnis dieser kärglichen Flora bey: Gepflanzte (folglich wahrscheinlich hergebrachte) Arten: 1) Musa sapientum. Linn. Pisang oder Bananas. 2) Arum macrorhizon. Linn. großes Aron. 3) Arum esculentum. Linn. sammetblättriges Aron. 4) Convolvulus Batatas. Linn. süße Batatten. 5) Saccharum officinarum. Linn. Zuckerrohr. 6) Dioscorea alata. Linn. Igname, oder Yamwurzel. 7) Curcuma longa. Linn. Curcuma. 8) Morus papyrifera, Linn. Papiermaulbeer. 9) Cucurbita lagenaria. Linn. Flaschenkürbis. 10) Solanum nigrum. Linn. schwarze Nachtschatten. ll) Hibiscus populneus. Linn. (Thespesia populnea Banks.) . Wildwachsende Arten: 12) Cyperus squarrosus. Linn. 13) Avena filiformis. Forst. 14) Paspalom undulatum. Forst. 15) Boerhaavia erecta. Linn. 16) Convolvulus pes caprae. Linn. 17) Sheffieldia repens. Forst. 18) Apium decumbens. Banks. Selery. 19) Sapindus saponaria. Linn. 20) Mimosa......(N.Sp.?) giebt das Holz zu Kähnen. G. F. In der westlichen Gegend des Südmeeres, der Osterinsel entgegen gesetzt, liegt das kleine Norfolk-Eiland, welches, seiner geringen südlichen Breite von 29° ohnerachtet, fast lauter Neuseeländische Pflanzen trägt; nur mit dem Unterschiede, daß hier ein sanfteres Clima zum stärkeren und schnelleren Wachsthume vieles beyträgt. Indessen ist auch die nördlichste Spitze von Neuseeland nicht gar weit von dieser kleinen Insel entlegen. Eine Art Nadelholz, welches, nach den Saamenbehältnissen zu urtheilen, ins Cypressengeschlecht gehört, hat diese Insel mit den östlichen Gegenden von Neukaledonien gemein. Diese Cypressen erreichen eine ansehnliche Höhe und Stärke; ihr Holz ist schwer, aber demohngeachtet zum Schiffbau sehr brauchbar. 2) Stand. Amerika und Asien schliessen das Südmeer von zwo Seiten ein, und je näher die Inseln dieses Oceans dem einen oder andern der genannten festen Länder liegen, desto mehr findet man daselbst ähnliche oder gemeinschaftliche Pflanzenarten. Auf den östlichern Inseln giebt es daher eine größere Anzahl amerikanischer, auf den westlichen hingegen eine größere Anzahl ostindischer Pflanzen. Indessen leidet diese allgemeine Regel auch besondere Ausnahmen. So findet man z. B. die Gardenia Florida , und den Papiermaulbeerbaum, ohnerachtet beydes ostindische Gattungen sind, nur auf den östlichern Inselgruppen der Freundschaftlichen und Societäts-Inseln. Die Klebwurz (Tacca pinnatifida Forst.) eine gleichfalls moluckische und von Rumph zuerst beschriebene Pflanze, haben wir auch nur auf den Societäts- Inseln entdeckt. Dagegen sieht man aber, auf den neuen Hebriden und Neukaladonien, die von Amerika am weitsten entlegen sind, hinwiederum einige amerikanische Geschlechter. Nämlich eine Passionsblume (Passiflora aurantia. Forst.) eine Ximenia, und die amerikanische Waltheria, G. F. Die Wanderungen der jetzigen Bewohner dieser Inseln, können an diesen Ausnahmen einigen Antheil haben. Es ist nicht ganz unwahrscheinlich, daß die mehr gesitteten Völkerschaften, welche sich nach den östlichern Inselgruppen begeben haben, eine Menge Pflanzenarten aus ihren ehemaligen ostindischen Wohnsitzen mit sich genommen, welche von den wilderen Insulanern der neuen Hebriden vernachläßigt oder vergessen worden sind. Mit den Gesämen asiatischer Gartengewächse können folglich auch diejenigen wilden indianischen Pflanzensaamen auf den östlichen Inseln ausgestreut worden seyn, deren ich oben bereits erwähnt habe. Der Umstand, daß in den Societätsinseln die Pflanzen von asiatischer Abkunft gemeiniglich auf der bebaueten Ebene, die wilden amerikanischen hingegen auf den Bergen angetroffen werden, giebt dieser Vermuthung noch mehr Wahrscheinlichkeit. Einige Pflanzen sind beinahe in allen Gegenden des Südmeers, und unter jedem Himmelsstriche anzutreffen. Hieher rechne ich ein paar Selleryarten, welche sowohl unter einander, als auch mit der unsrigen sehr genau verwandt sind, und etliche Kressenarten, welche innerhalb der Wendekreise auf den niedrigen Eilanden, in Neuseeland, und auf den kleinen sumpfigten Holmen des Feuerlandes fortkommen. Andere Gattungen wählen in verschiedenen Himmelsstrichen hier einen höhern, dort einen niedrigern Standort. So ist z.B.die Pimelea Gnidia Ehemals nannten wir dieses Pflanzengeschlecht Banksia (Forst. Nov. gen. Pl. 4. pag. 7. 8.) Da aber Herrn Banks ein ungleich ansehnlicheres neuholländisches, von ihm selbst entdecktes Geschlecht in dem neuen Supplemento Plantarum, welches Hr. Professor Linné in Braunschweig herausgegeben hat, zugeeignet wird, so nehmen wir jene Benennung zurück, und belegen unsre mit der Passerina verwandte Pflanze, mit dem ihr von Hrn. Banks ertheilten Namen: Pimelea. G. F. in Dusky-Bay, ein schöner kleiner Baum, und wächst daselbst auf den Klippen dicht am Ufer des Meeres; in Charlotten-Sund hingegen, am nördlichsten Ende der nämlichen Insel, findet man diese Pflanze blos auf den höchsten Berggipfeln, in Gestalt eines krüplich gewachsenen Strauchs. Aehnliche Lagen und Himmelsstriche bringen oft ähnliche Pflanzen hervor; daher sieht man auch europäische Alpenkräuter Pinguicula alpina. Viola palustris ? Dazu auch Galium aparine, und Statice Armeria. G. F. auf den kalten Gebirgen des Feuerlandes. 3) Spielarten. Mannigfaltigkeit des Erdreichs und der Lufttemperatur verursacht, auf den Inseln des stillen Meeres, nirgends mehr Spielarten an den Pflanzen, als innerhalb der Wendekreise. Drey, vier und mehr Varietäten der nämlichen Pflanzengattung sind nichts ungewöhnliches; ja, die entfernteren Abarten könnte man leicht für verschiedene Gattungen halten, wenn man die dazwischen gehörigen nicht fände, welche die Verbindung und unmerkliche Abweichung von der ursprünglichen Gestalt anzeigen. Die Form der Blätter, die Zahl der Blumenstiele, und die Menge der Haare sind der Variation am meisten unterworfen; hingegen die Gestalt und die Fruchtwerkzeuge der Blume (partes fructificationis) am beständigsten. Selten leidet diese Regel Ausnahmen, und auch alsdenn eben nicht in beträchtlichem Grade. Was in gelinderen Gegenden, oder aus Niederungen, Baumesstärke erreicht, das bleibt im kältern Himmelsstrich, oder auf Bergen, blos ein Strauch. Pflanzen, die in fettem Erdreich ein dünnes Laub haben, bekommen in sandigem, felsigen Boden, dicke fleischige Blätter. Ein Kraut, welches in dürrem Erdreich völlig rauch mit Haaren bewachsen ist, wird in einer nassen, sumpfigten Gegend glatt und unbehaart gefunden. Abarten dieser letztern Beschaffenheit machen vorzüglich den Unterschied zwischen den Pflanzen der freundschaftlichen und der Societätsinseln aus, indem die Gebirge der letztern oft in Wolken gehüllt, mithin weit nässer als jene flachen Eilande sind. 4) Kultur. Daß die Kultur die Spielarten im Pflanzenreiche vervielfältige, ist eine längst bekannte Sache. Auch auf den Inseln des stillen Meeres sieht man hievon mehrere Beyspiele. Die Brodfrucht (Artocarpus communis. Forst.) hat allein vier bis fünf Abarten, der indianische Drachenbaum (Dracaena terminalis. Linn.) hat deren zwo, und der Pisang (Musa sapientum) variirt, so wie unser Apfel, fast ins unendliche. Speise, Kleidung, Wohnung und Hausgeräth der dortigen Insulaner werden fast gänzlich aus dem Pflanzenreiche hergenommen. Der Neuseeländer hingegen, lebt größtentheils vom Fischfange, und etliche wildwachsende Pflanzen, auf deren Anbau er noch nicht bedacht ist, geben ihm zu seinen Kleidungsstücken Stof her. Die Einwohner der nördlichen Hälfte von Neuseeland beschäftigen sich jedoch schon mit der Anpflanzung der Batatten und des Papiermaulbeers. G. F. Ein neues, lilienartiges Pflanzengeschlecht (Phormium tenax. Forst Es gehört in die Linnäische (sogenannte natürliche) Ordnung der Lilien, und verbindet solche mit der Ordnung der Schwerteln. ) liefert einen Flachs, aus welchem Stricke, Angelschnüre und mattenähnliche Kleider von unvergleichlicher Güte verfertigt werden. Das Klima zwischen den Wendekreisen scheint sogar die rohe Natur des Wilden selbst zu mildern und ihn zu sanfteren Sitten zu führen; Mannigfaltigkeit im Unterhalt,häusliche Bequemlichkeiten, Kleidungen, die nicht blos zur Nothdurft, sondern zum Theil auch zur Zierde dienen, alles das sind dort Folgen jenes Einflusses. Im Durchschnitt werden auf jeder dieser Inseln mehr als fünfzig verschiedene Pfianzenarten gebaut, und daneben noch viele wilde Pflanzen benutzt. In den Societäts- und freundschaftlichen Inseln erstreckt sich der Anbau auf eine größere Anzahl Pflanzen-Gattungen als anderwärts im stillen Meere, indem der Landbau dort nur geringe Mühe kostet, und man die Vortheile desselben einzusehen anfängt. In den westlicher gelegenen neuen Hebriden hält es mit der Kultur schon viel schwerer, indem die Bevölkerung gering und die Waldungen noch nirgends ausgerottet sind. Deshalb werden dort nur die nothdürftigsten Gewächse angepflanzt, und die Bewohner bleiben noch bey ihren rohen Sitten. Neukaledonien scheint ein unfruchtbares land zu seyn, welches den wenigen Menschen, die darauf leben, nach schwerer Arbeit, kaum mit dürftigem Unterhalte lohnt. 5) Klassen und Geschlechter. Auch jene alte Bemerkung, daß vermittelst der Kultur die Fähigkeit, sich durch Saamen fortzupflanzen, verloren gehe, bestätigt sich auf den Inseln des stillen Meeres. Dieser Verlust ist an der Brodfrucht vornämlich sichtbar; ihre Saamen sind vertrocknet, und in der mehlichten Frucht gleichsam verschwunden. Sonnerat beschreibt die wilden, Brodfruchtbäume in den Philippinischen Inseln, welche mit großen nußähnlichen Kernen ganz gefüllt sind, und liefert davon in seiner Reise nach Neu-Guinea eine Abbildung. Herr D. Thunberg beschreibt sie ebenfalls nach botanischen Kunstregeln in den Philos. Transact. Vol. LXIX, part. 2. pag 462. unter dem Banksischen Namen Sirodium incisium . G. F. Eben dies geschieht mit der Pisangfrucht, worinn man nur selten die Spur eines Saamens entdecken kann. Herr Banks soll auf Neuholland eine Pisanggattung ( Musa ) wild gefunden, und in ihren Früchten vollkommene Saamen angetroffen haben. Die tahitische Myrobalane, ( Spondias dulcis, Forst. ) oder der unrichtig sogenannte tahitische Apfel, enthält zwar eine harte Saamenkapsel, aber die Abtheilungen derselben sind gemeiniglich leer. Die Gardenia erzeugt ebenfalls keinen reifen Saamen, so wenig als der schinesische Eibisch, welcher jederzeit gefüllte Blumen trägt. Der Papiermaulbeerbaum blüht niemals auf diesen Inseln, indem er nicht anders als zu zwey bis dreyjährigen Schößlingen gezogen, und sodann, um der Rinde oder des Splints ( liber ) willen, abgeschnitten wird. Ließen ihn die Einwohner länger stehen, so würde die Rinde zur Anfertigung des Zeuges nicht mehr taugen. Auf den Inseln des heissen Himmelsstriches gehört eine beträchtllche Anzahl Pflanzengattungen in die Classen mit getrennten Geschlechtern, welche Linné, Monoecia, Dioecia und Polygamia nennt. Vielleicht kann man dieses als eine Folge der ausnehmenden Fruchtbarkeit des Erdreichs, gleichsam als eine Ueppigkeit der Natur, ansehen. Pflanzen, die man in Amerika mit Zwitterblumen ( Fl. hermaphroditis ) angetroffen, tragen in den Inseln des stillen Meeres männliche und weibliche Blüthen an zwey verschiedenen Sträuchen. Von dieser Art ist die Dodonaea (ehedem Ptelea) viscosa. Linn. Einige Naturforscher sind längst der Meynung gewesen, die Classe der vermengten Geschlechter ( polygamia ) gänzlich abzuschaffen, indem es ihnen wahrscheinlich ist, daß alle Pfianzen, welche entweder einhäusige oder zweyhäusige Blüthen ( Fl. monoicos et dioicos ) tragen, irgendwo auch Zwitterblumen hervorbringen können. Allein dies würde auch geradezu auf die Verwerfung der beyden andern Classen ( monoecia und dioecia, ) führen, wodurch den übrigen Abtheilungen, welche nach der Zahl der Staubfäden eingerichtet sind, ein solcher Zuwachs anheim fallen müßte, daß die Wissenschaft dadurch eher erschweret, als erleichtert werden dürfte. Mit Recht bemerkt der große Linné, in seiner Philosophie der Botanik, daß die Zahl Fünf in der Natur am häufigsten vorkommt. Daher war die Klasse der fünfmännigen Blumen schon vorher so reich an Geschlechtern, und demohngeachtet sind durch unsere Entdeckungen noch viele hinzugekommen. Dieser Zuwachs einer bereits überzähligen Classe ist aber der Brauchbarkeit des Linnäischen Sexualsystems eben nicht vortheilhaft, und lehrt den Botaniker mit Errichtung neuer Geschlechter sparsam zu seyn. Bey längerer Musse, und nachdem wir Gelegenheit gehabt, mehrere seltene botanische Werke, hauptsächtlich solche, die von ausländischen Gewächsarten handeln, zu Rathe zu ziehen, können auch wir nunmehr die Zahl unserer neuen Geschlechter, von 75, wie wir sie gleich nach unserer Rückkunft von der Reise, in den schon auf der See völlig ausgearbeiteten Characterib. Generum Plantarum, in itinere ad insulas maris austr. coll descr. delin. Londin. 1776. 4. c. 78. tab. aen. bestimmten, bis auf 60 herabsetzen, wozu aber wiederum vier andre, dazumal noch nicht gewiß bestimmte neue Geschlechter kommen, und die Zahl auf 64 bringen müssen. Wir verweisen hier auf die ausführlichen Beschreibungen aller unserer neuentdeckten Thiere und Pflanzen, an deren Ausgabe wir jetzt arbeiten. G. F. Die in Europa gewöhnlichsten natürlichen Pflanzen-Ordnungen, z. B. Papilionaceae, Bicornes, Siliquosae, Personatae und Verticillatae , haben auf den Inseln des stillen Meeres nur wenige Anverwandte; die schön blühenden Ordnungen, Ensatae, Coronariae, Sarmentaceae, sind ebenfalls selten. Die Gräser sind auch nicht gar mannigfaltig, und die dortigen Gattungen blühen meist mit vermengten Geschlechtern ( Flores polygami. ) Der größte Reichthum der dortigen Flora bestehet aus den bey uns unbekannteren Ordnungen: Piperitae, Scitamineae, Hesperidae, Luridae, Contortae, Columniferae, und Tricoccae . Die Orchideae , und unter diesen vorzüglich eine große Menge parasytischer Blumen, (Epidendrum) sind in allen unbebauten Wäldern häufig. Die mehresten Gattungen des letztgenannten Geschlechtes, welche wir angetroffen haben, waren zuvor unbekannt, und hätten, wegen der mancherley Abweichungen in der Figur der Blume, leicht in mehrere neue Geschlechter vertheilt werden können, wenn wir die Grundsätze angenommen hätten, denen zufolge man solche Geschlechter, als Spomoea und Convolvulus, oder wie Nyctanthes und Iasminum, getrennt hat. Die Glockenwinden sind auf den neuentdeckten Inseln zahlreich, und die verschiedenen Gattungen derselben so nahe mit einander verwandt, daß ihre Bestimmung nicht leicht ist. Vom Pfeffer haben wir ebenfalls mehrere Gattungen untersucht. Dieses Geschlecht, dessen mehreste Arten Linné vom Plümier entlehnte, steht annoch in der Classe der zweymännigen Pflanzen ( Diandria ) und gleichwol fanden wir fast in jeder Gattung die Zahl der Staubfäden, unbestimmt und unregelmäßig, zwischen den weiblichen Blüthen zerstreut; die Zahl der Staubwege aber, und die Bildung der Narbe sehr verschieden. Man thut daher wohl, dieses Geschlecht an seinen natürlichen Ort, in die Classe ( Gynandria ) zu stellen. Zugegeben, daß einige Pfefferarten würklich die bestimmte Zahl von zween Staubfäden in jeder Blüthe hätten, so ist dies noch kein hinreichender Grund, sie von der Classe ( Gynandria ) auszuschließen, indem die verschiedenen Aronsarten, die Zehrwurz und der Anhängsel Arum sequinum, macrorhizon et esculentum, Darcontium. – Pothos. auf jedem Fruchtarten regelmäß vier, sechs und sieben Staubfäden, und demohngeachtet dort ihre Stelle behaupten. Was überhaupt die Linnäischen Beschreibungen solcher südländischen Pflanzen betrift, welche ihm bereits aus andern Ländern bekannt geworden, so haben wir sie bey den amerikanischen größtenteils treffend, bey ostindischen hingegen öfters unrichtig befunden. Ich erkläre mir diesen Unterschied ganz leicht. Die amerikanischen Kräuter sind von Löfling , (Linne's Lieblingsschüler) Jacquin, Browne, Jüssieu, u. a. m. zur Stelle gesehen und beschrieben worden. Die indianischen Gattungen hingegen, sind theils aus trocknen Kräutersammlungen theils aus den fehlerhaften, unbestimmten und unzuverläßigen Beschreibungen der Botaniker des vorigen Jahrhunderts entlehnt. Der Linnéischen Schule ist es nur selten geglückt, in diesem Welttheile die Botanik zu berichtigen; selten hatte ein botanischer Reisender das Glück, auf der Fahrt nach Schina ein und andre Pflanze zu erhaschen, da die Gelegenheiten, an Land zu gehen, nicht oft vorfallen, und der Aufenthalt in Gegenden, welche genauere Untersuchung verdienen, immer nur gar zu kurze Zeit währt. Ein ansehnlicher Theil unseres Erdbodens, ganz Indien nebst seinen Inseln, hat folglich noch die gültigsten Ansprüche auf unsere Aufmerksamkeit; ein geübter Naturkundiger nebst einem zuverlässigen Zeichner, würden dort nicht nur Stof für die Neugier unserer Sammler, sondern wichtige, selbst dem Staate, der dort so große Besitzungen hat, England, wo die Urschrift dieses Werks herauskam. einträgliche Entdeckungen machen, die jeder Liebhaber der Wissenschafft, jeder Menschenfreund wünschenswerth finden muß. Ich schließe diesen Abschnitt mit einer Abfertigung des so allgemein eingerissenen Vorurtheils, daß schwimmender Tang und andere Seegewächse Vorzeichen nahen Landes sind. Im atlantischen Meere sind unabsehliche Strecken mit dem sogenannten Meergrase (Fucus natans) bedeckt; und im Südmeere, welches zwischen Neuseeland und Südamerika beynahe zwölfhundert deutsche Meilen breit ist, ohne daß irgend ein Land dazwischen läge, haben wir überall, von Zeit zu Zeit, Büschel von Tang und ähnlichen Pflanzen schwimmend angetroffen. Allein, einmal ist nichts wahrscheinlicher, als daß verschiedene Tangarten (Fucus) nirgend fest wachsen, sondern beständig auf der Oberfläche des Meeres vom Winde herumgetrieben werden. Hiernächst aber läßt sich auch leicht begreifen, wie andere, ohnweit des Strandes, zwischen Klippen hervorsproßende Seegewächse, durch die herrschenden Westwinde von ihrem Geburtsort weggerissen, und über den ganzen Ocean geschwemmt werden können. Selbst von dem höhern oder mindern Grade der Fäulniß, worin sich dergleichen Pflanzen befinden müssen, ließe sich kein sichrer Schluß auf die Nähe des Landes machen, weil man nicht wissen kann, wie sie von entgegengesetzten Strömungen und Stürmen im Kreise umhergeworfen worden sind. G. F. Zweyter Abschnitt. Thierreich. Die Thierarten, in den von uns theils besuchten, theils neu entdeckten Ländern, schränken sich zwar nur auf wenige Classen ein, sind aber dennoch zahlreich genug. Auch in diesem Reiche gilt das vorerwähnte Verhältniß zwischen den Ländern und ihren Produkten. Im rauhen Süden scheint die thierische Natur unhold, man mögte sagen ungestalt, zu seyn; nur unter einem milderen Himmel sind Schönheit und Mannigfaltigkeit der Bildung, nebst Anmuth der Farben, das Erbtheil der lebendigen Geschöpfe. Mit welchem Entzücken durchstreicht man nicht auf O.Taheiti die Pflanzungen, wo Einfalt und Reichthum der Natur, wo Ueberfiuß und Heiterkeit ein Volk beglücken, das unser Vorurtheil nur gar zu unbedächtig mit dem Nahmen der Wilden belegt! Ueberall Heerden von Schweinen; vor jeder Wohnung Hunde, eine zwote Gattung von Mastvieh; auf dem Rasen umher, oder auf den Bäumen, das schönste Federvieh. Den ganzen Tag hindurch erschallt das Lied der kleinern Sänger, und die Taube girrt dazwischen, wie in unsern Wäldern. Die See liefert ihre mannigfaltigen Bewohner, Fische von den schönsten Farben, die vortreflich spielen und (vorzüglich in dem Augenblick, wenn der Fisch stirbt) sich herrlich und unnachahmlich verwandeln; Muscheln und Schnecken, die zwar schon bekannt, allein deshalb nicht minder schön und bewundernswürdig sind. Schädliche Insekten, Wespen oder Schnacken, Raubthiere und giftiges Gewürm trift man auf diesen glücklichen Inseln nirgends, damit der Zauber, Die gemeine Fliege, welche zu gewissen Jahreszeiten in ungeheuren Schwärmen hier angetroffen wird, ist doch eher ein lästiges, als schädliches Insekt. Das widrigste Thier in O-Taheiti ist die gemeine schwarze Ratte, welche daselbst überaus zahlreich ist, und durch ihre Gefräßigkeit Schaden anrichtet. als wäre man dort gleichsam in eine bessere Welt versetzt, desto vollständiger sey. Gehen wir dagegen von dort in den gemäßigten Erdstrich hinüber, und vertauschen jene ruhige Scene der Häuslichkeit, gegen eine neuseeländische Wildniß – wie roh finden wir da alles! Wie wenig anlockend, ja vielmehr wie zurückscheuchend ist das Felsengebirge, der verjährte Wald, und die wilde Menschheit selbst! Zwietracht und Feindschaft erstrecken sich bis auf die Thiere. Falken und Eulen, die Tyrannen des Waldes, zerfleischen ungestöhrt die schwächeren harmlosen Vögel. Dennoch erschallt die ganze Gegend von unaufhörlichem Gesang, dessen süsse Melodie jene Wildheit mildert, indem sie uns gleichsam in unsere väterlichen Wohnsitze versetzt. Durchschneiden wir das ungeheure Südmeer, so finden wir auch dort fast überall, selbst auf dessen Mitte, wenigstens noch einzelne Wasservögel über den Wogen hinschwebend, um sich eine ungewisse Nahrung zu verschaffen. An der Südspitze von Amerika, jener öden Küste, die so dürftig mit krüppligen Sträuchen bekleidet, und von den erbärmlichsten, letzten unter allen Menschen bewohnt wird, sehen wir überall eine Menge Geyer, Adler und Habichte umher flattern, und ihrem Raube auflauren; fast alle übrigen Vögel wohnen in großen Heerden gesellig beysammen; und verschiedene Robbenarten lagern sich auf den Klippen am Strande. Die Klassen der Vögel und Fische allein haben wir in allen jenen Ländern zahlreich befunden; die dortigen Säugthiere hingegen und die Insekten sind auf eine geringe Anzahl bekannter Gattungen eingeschränkt. Auch Wallfische, Amphibien, und das Geschlecht der Würmer ist dort nichts weniger als zahlreich, und unter den beyden erstern findet man eben nicht viel neues. – Säugthiere. Auf den Inseln des Südmeeres, die zwischen den Wendekreisen liegen, findet man nicht mehr als viererley Arten von Säugthieren, nämlich zwo zahme, das Schwein und den Hund, und zwo wilde, den Vampyr und die gemeine Ratte. Die letztere ist auf den Marquesen-Eilanden, den Societäts- und freundschaftlichen Inseln, den neuen Hebriden, und sogar auf Neuseeland, anzutreffen, doch mag sie, nach diesem letztern Lande, vielleicht durch unsere eigne Schiffe hingebracht worden seyn. In Neukaledonien hat man sie nie gesehn. In den Societätsinseln, vorzüglich auf O-Taheiti, sind sie in unglaublicher Menge vorhanden. Sie nähren sich von den Ueberbleibseln der Mahlzeiten, welche in den Wohnungen der Einwohner liegen bleiben, von den Blüthen und Schoten des Korallbaums ( Erythrina Corallodendron orientale LINN. ) von Pisang und andern Früchten, und in Ermangelung dieser, von allerley Excrementen. Wenn sie recht hungrig sind, sollen sie dreist genug seyn den Einwohnern im Schlaf an den Zehen zu nagen. In den Marquesen und freundschaftlichen Eilanden findet man sie schon in geringerer Anzahl, und auf den neuen Hebriden nur selten. Der Vampyr oder Blutsauger, ( Vespertilio Vampyrus LINN. ), die größte unter den bisher bekannten Fledermäusen, wird allein auf den westlicheren Inseln des stillen Meeres angetroffen. In den freundschaftlichen Eilanden wohnen sie, zu Hunderten, in Heerden beysammen, und einzeln sieht man sie den ganzen Tag herumfliegen. Ich fand einen sehr großen Keulenbaum ( Casuarina equisetifolia, ) an welchem über fünfhundert, in verschiedenen Stellungen, bald an den Vorder- bald an den Hinterfüßen hiengen. Ihre gewöhnliche Nahrung besteht aus Früchten. Sie flattern mit vieler Leichtigkeit über dem Wasser, auch habe ich einen schwimmend gesehn. Zwar will ich daraus nicht folgern, daß sie alle diese Geschicklichkeit besitzen, doch halten sie sich gern am Wasser, um durch Baden des Ungeziefers los zu werden. Sie haben einen widrigen Geruch, und beißen scharf, wenn man sie reizt oder bös macht; sonst aber sind sie harmlos. Außer dieser Gattung giebt es in Tanna noch unzählige ganz kleine Fledermäuse, die wir zwar sahen und pfeifen hörten, aber demohngeachtet zur nähern Untersuchung nicht habhaft werden konnten. In Neukaledonien verfertigen die Einwohner aus dem Haar der großen Fledermaus Stricke und Quäste, womit sie ihre Keulen auszieren; zu dem Ende verweben sie es mit Fäden, welche aus dem Halm einer Art Cypergrases ( Cyprus squarrosus ) gemacht werden. Die beyden zahmen Säugthiere sind, wie bereits erwähnt worden, das Schwein und der Hund. Die Societätsinseln haben allein den Vorzug beyde Thiere zugleich zu besitzen. Neuseeland, nebst den niedrigen Eilanden, muß sich mit Hunden allein begnügen; die Marquesen, freundschaftlichen Eilande und neuen Hebriden, haben nur Schweine; die Osterinsel, und Neukaledonien hingegen besitzen keine von beyden Thierarten. Die Schweine sind von der sogenannten schinesischen Art, mit kurzen Füßen, fast zur Erde hangendem Bauch, aufrecht stehenden Ohren, und sehr dünnbehaartem Körper. Das Fleisch ist so saftig, und das Fett so wohlschmeckend als ich es sonst nirgends gegessen habe; man wird es daher auch gar nicht überdrüßig. Ich kann diesen Vorzug blos der Mast zuschreiben, welche dort von vortreflicher Art ist, indem sie mehrentheils aus Brodfrucht, oder aus dem daraus verfertigten sauergegornen Teig, aus Yams, Aronswurzeln, u. d. gl. besteht. In den Societätsinseln sind die Schweine sehr häufig; selten findet man eine Haushaltung, in welcher nicht Schweine gehalten würden, die mehresten haben sie in großer Anzahl. In den Marquesen und auf der Insel Amsterdam (oder Tongatabbu, einem der freundschaflichen Eilande) sind sie ebenfalls in Menge vorhanden; auf den mehr westwärts gelegenen neuen Hebriden aber ungleich seltner. Die Hunde der Südländer sind von einer eignen Rasse. Sie haben mit dem gemeinen Schäferhunde noch die meiste Aehnlichkeit, jedoch einen großen dicken Kopf, sehr kleine Augen, aufrechtstehende Ohren, langes Haar, und einen kurzen dickbehaarten Schwanz. In den Societätsinseln bekommen sie Früchte und Wurzelwerk zu fressen; hingegen auf den niedrigen Inseln und in Neuseeland nichts anders als Fische. Sie sind ungewöhnlich träger und dummer Natur, bellen nie, oder nur äußerst selten, sondern heulen nur dann und wann, und haben den feinen Geruch nicht der sonst den Hunden eigen zu seyn pflegt. Auch werden sie blos zum Schlachten, und in diesem Betracht für wohlschmeckender gehalten als Schweine. Außerdem wird ihr Haar zu allerhand Zierrathen verarbeitet; man besetzt z. B. in den Societätsinseln die Brustschilde der Krieger damit, und in Neuseeland werden ganze Kleider mit Hundsfellen gefüttert. Außer dem Hunde giebt es in Neuseeland noch vier andre Säugthiere. Das erste ist die bereits erwähnte Ratte. Das zweyte eine ganz kleine Fledermaus, welche einige Aehnlichkeit mit Pennants Neu-Yorkischer Fledermaus hat, Synops. of Quadrupeds No. 283. Sie ist gleichwohl ganz verschiedner Art. G. F. das dritte der Seebär, ( Phoca ursina LINN .) und das vierte der von Lord Anson sogenannte Seelöwe ( Phocaleonina LINN .); beydes Robbenarten. Etliche Matrosen an Bord unsers Schiffs, wollten in der Gegend von Dusky-Bay ein kleines vierfüßiges Thier, wie ein Fuchs oder Schackal gestaltet, gesehn haben; allein weder uns selbst, noch irgend einem andern der Neuseeland mit einem forschenden Auge besucht hat, ist dergleichen je aufgestoßen. Das unvollkommene Licht der Morgendämmerung, bey dem die Matrosen ihre Entdeckung gemacht haben wollen, giebt uns vollends das Recht, sie als unzuverläßig zu verwerfen. Auf denen dem Pole nähergelegenen südlichen Ländern, dem Feuerlande Statenland und Südgeorgien, findet man theils vorgedachte beyde Robbenarten, theils eine dritte, nämlich den Robben mit der Mähne, ( Phoca jubata ) und zwar in weit größerer Menge als in Neuseeland. Ich muß bey dieser Gelegenheit anmerken, daß die Gestalt und Verwandschaft dieser Thiere unter einander einem Büffonschen Lieblingssatz einigermaßen zuwider ist. Nach ihm sollen die größern vierfüßigen Thiere gleichsam einzeln, und ohne Abschattung die sie mit andern Gattungen verbände, abgesondert stehen ( espèces isolées ) wie z. B. der Elephant, das Nashorn, der Tapir, das Fluspferd und die Giraffe, denen noch unrichtig die Wassersavie, ( Cabiai BUFF. Cavia Hydrochaerus ) der Biber und der Löwe zugezählt werden. Allein die Robbenarten der südlichen Halbkugel gehören unstreitig zu den größten vierfüßigen Thieren, (Elephant und Nashorn abgerechnet,) und gleichwol sind zwo derselben einander so ähnlich, daß man sie schwerlich anders, als nach der Verschiedenheit ihrer Farbe und dem Verhältniß ihrer Glieder, charakterisiren kann. Diese beyden Gattungen sind der Seebär und der Robbe mit der Mähne. Letzteren beschreibt Steller , in der Nachricht von den Thieren auf der Beringsinsel ohnweit Kamtschatka, ganz genau, und auch Pernetty liefert einen nicht verwerflichen Beytrag zur Geschichte dieses Thieres, in seiner malouinischen (falklandischen) Reise. Beyde nennen es einen Seelöwen , und zwar mit vollem Recht; denn das Vordertheil hat in der That viel Aehnlichkeit mit einem Löwen, wozu die zottige Mähne und die gelbliche Farbe noch vieles beyträgt. Dagegen hat Ansens Seelöwe mit der runzlichten Schnauze, nicht den mindesten Anspruch auf jene Benennung. Da keines von den erwähnten acht Säugthieren in der Südsee, ein neues Geschlecht ausmacht; so dürfte man vielleicht glauben, diese Klasse von Thieren sey schon fast durchaus bekannt. Allein, was ich bereits bey Gelegenheit des Pflanzenreichs erinnert habe, gilt auch hier; man kann nicht erwarten, daß kleine Eilande reich an vierfüßigen Thieren seyn sollten. Nein; das innere Afrika, das noch unbekannte innere Indien, und Neuholland sind die einzigen Quellen, aus denen man wahrscheinlicherweise noch neue Schätze für die Wissenschaft wird schöpfen können, sobald es edeldenkenden Fürsten gefällt, ächte Naturforscher, die nichts eifriger wünschen können, zu diesem Endzwecke auszurüsten und dorthin zu schicken. Wallfischarten. Von Wallfischen sind uns im Südmeere, der Finnfisch ( Balaena Physalus ); der langgeschnautzte Wallfisch ( bottlenosed Whale ) der Nordkaper ( Delphinus Orca, LINN. Mantiss ) das Meerschwein ( D. Phocaena ) und der Delphin der Alten ( D. Delphis ) vorgekommen. Die beyden letztern sieht man, vom Aequator an bis zum Polkreise, überall. Wir bekamen aber nur einen Delphin, und zwar ein Weibchen, der mit dem Harpun getroffen wurde, zu näherer Besichtigung. Von diesem speißten wir hernach mit eben so gutem, wo nicht besserm Appetit als man, nach Dr. Kay's Berichte, ehedem in England that. Pennant´s brittish Zoology Vol.III. p. 63. Ed. in 4to. Uebrigens fanden wir die umständlichen Beschreibungen, welche so verschiedene Naturkundiger von diesen Thieren gegeben haben, sehr getreu. Vögel. Vögel giebt es im Südmeere und auf dem Feuerlande in großer Menge, und sie machen eine beträchtliche Anzahl neuer Gattungen aus; neue Geschlechter aber, haben wir nur zwey errichtet, und ein drittes von andern Gattungen, mit denen es bisher verwechselt ward, abgesondert. Die ungestörte Sicherheit worinn sie mehrentheils von den Einwohnern gelassen werden, ist ihrer Vermehrung beförderlich. Ihre hellen Farben verschönern die Natur und ihr Gesang belebt die Wälder überall. Sie widerlegen also jenes bekannte Vorurtheil, daß bunte Vögel schlecht singen sollen, dem auch schon bey uns das Lied des Stieglitzen widerspricht. In Neuseeland sowohl als in Taheiti findet man häufige Beyspiele, daß ein buntes Gefieder und eine liebliche Kehle ganz wohl mit einander gepaart seyn können. In dem heißen Striche des Südmeeres ist das gemeine Huhn durchgehends das einzige zahme Federvieh. In Ostereiland ist es sogar das einzige zahme Thier. Diese Gattung ist dort, so wie auf den Societäts- und freundschaftlichen Eilanden, sehr zahlreich. Auf der letztgenannten Inselgruppe werden de Hühner erstaunlich groß. Auf den Marquesen, neuen Hebriden, und in Neukaledonien sind sie ebenfalls nicht selten; hingegen findet man sie weder auf den niedrigen Eilanden noch in den Ländern des gemäßigten Erdstrichs. Die Einwohner der Societäts- und der freundschaftlichen Inseln fangen zwar öfters Papageyen und Tauben und machen sie ganz zahm; allein da sie nicht auf die Fortpflanzung derselben, in diesem zahmen Stande, bedacht sind; so können sie wohl nicht unter die sogenannten Hausthiere gerechnet werden. Aus Neuseeland haben wir acht und dreyßig und aus den Inseln im stillen Meere acht und vierzig neue Gattungen von Vögeln erhalten. Die auf dem Ozean, auf den südamerikanischen Felsen, und auf den noch südlichern Küsten eingesammleten Arten, belaufen sich auf acht und zwanzig. So erstreckt sich die ganze Zahl auf hundert und vierzehn, von welchen die Hälfte Wasservögel sind. Außer diesen haben wir noch ohngefähr dreyßig Gattungen angetroffen, welche bereits in das Linneische System eingetragen waren; allein auch von diesen gehören über zwanzig unter die Wasservögel. Indeß, so wenig wir während unsers kurzen Aufenthalts eine vollständige Pflanzensammlung aus diesen neuen Ländern haben zusammenbringen können; eben so wenig ist es auch möglich gewesen, in so kurzer Zeit alle Arten von Vögeln eines jeden Landes habhaft zu werden. Gleichwohl ist die Zahl unserer neuen Entdeckungen in dieser Klasse so ansehnlich, daß man ein neues Recht bekommt, hievon, auf die noch unbekannten Schätze so manches festen Landes, einen vortheilhaften Schluß zu machen. Die Geschlechter der Wasservögel sind, wie ich bereits erwähnt, am meisten bereichert worden; und wie bey den Pflanzen so auch hier, haben die vorher schon zahlreichsten Familien wiederum den größten Zuwachs erhalten. So fanden wir z.B. zehnerley neue Aenten, fünf neue Wasserraben ( Pelecanus ) und zwölf neue Sturmvögel. Unter den Landvögeln gilt die nämliche Regel; wir haben sieben neue Papageyen, sechs Tauben, und acht Fliegenstecher gefunden. Amphibien. Die wenigen Amphibien, die wir auf unsrer Reise gesehen haben, sind uns zwischen den Wendekreisen vorgekommen. Es war 1) die Karett-Schildkröte, deren Schale verarbeitet wird ( Testudo imbricata LINN. ); 2) Die grüne Schildkröte ( Testudo Midas LINN. ) welche eßbar ist; 3) die gemeine Eidechse ( Lacerta agilis LINN. ) 4) der Gecko ( Lacerta Gecko LINN. ) 5.und 6) die beyden Wasserschlangen ( Coluber laticaudatus LINN. und Anguis platura LINN. ). Keines von diesen Thieren ist giftig, und sie sind sämtlich den Naturforschern schon längst bekannt. Fische. Das Südmeer ist überaus fischreich und liefert eine große Mannigfaltigkeit von Gattungen; denn, ohnerachtet wir uns, theils wegen der Kürze unsers Aufenthalts theils wegen der Unerfahrenheit der Fischer an Bord unseres Schiffs, fast gänzlich auf die Zufuhr der Insulaner verlassen mußten, so haben wir doch eine Zahl von vier und siebenzig neuen, und ohngefähr vierzig Linnäischen Gattungen zusammengebracht. Wir begnügen uns aber mit der Errichtung eines einigen neuen Geschlechts, welches mit Recht von dem Geschlecht Chaetodon , in welchem es bisher einbegriffen war, getrennt werden muß. Bey unserer Rückkunft erfuhr ich, daß der in Arabien zu früh gestorbene Forskal, den nämlichen Gedanken gehabt, indem er diesem Geschlechte, welches ich Harpurus ( Sichelschwanz ) nenne, den Namen Acanturus beylegt. Die Fische des Südmeeres sind größtentheils eine sehr gesunde und wohlschmeckende Speise; manche hätten einem üppigen römischen Gastmal Ehre gemacht. Nur wenige unter den Branchiostegis sind giftig, und ließen uns diese schädliche Eigenschaft empfinden, wie ich in der Folge erzählen werde. Herr von Büffon sagt: die Natur scheine einen Wohlgefallen daran zu haben, manche Geschöpfe in sehr ähnliche Formen zu gießen, gerade als kosteten ihr gewisse Gestalten weniger als andre. Mich däucht, er hätte mit etwas mehr Bestimmtheit sagen können: weil solche Formen, im ganzen System der organisirten Geschöpfe, die nützlichsten und brauchbarsten sind. Aller Wahrscheinlichkeit nach ist der Zuwachs, den die vorher schon zahlreichen Pflanzen- und Vögelgeschlechter, durch unsere Entdeckungen erhalten haben, dieser Ursach zuzuschreiben; und auf gleiche Art, sind nun auch unter den Fischen die ohnehin reichen Geschlechter Gadus, Blenius, Sparus und Perca durch unsere Reise vor andern erweitert worden. Bey alledem muß von unentdeckten Gattungen aus dieser Klasse, meines Erachtens, noch eine erstaunende Menge übrig seyn; einmal, weil wir unter so mancherley Schwierigkeiten, dennoch in wenigen Tagen so ansehnliche Zusätze zu dem schon bekannten Vorrath erhalten haben; und zweitens, weil man zeither noch keine sichere Unterscheidungszeichen der Gattungen erfunden hat, und sich noch immer mit der so wankenden und unzuverläßigen Zählung der Strahlen in den Flossen behilft. Insecten. Weniger Insecten, als die Südländer hervorbringen, wird man schwerlich anderwärts finden. Wir haben ihrer überaus wenige, und diese von den gemeinsten, bekantesten Gattungen angetroffen. Nur allein in Neukaledonien schienen sie etwas häufiger zu seyn, welches vermuthlich von der Nähe des festen Landes von Neuholland herrührt. Unser gar kurzer Aufenthalt daselbst vergönnte uns indessen nicht, auf eine Sammlung bedacht zu seyn. Die Insecten mit harten Schaalen (crustaceous insects ) waren noch die zahlreichsten, allein auch unter diesen sahen wir keine Gattung, die nicht schon von Linne beschrieben worden wäre. Auf den Inseln zwischen den Wendekreisen findet sich eine kleine Scorpionart, die jedoch den westlichern Inseln eigenthümlicher zu seyn scheint. Der Insulaner aus den Societätsinseln, den wir an Bord hatten, kannte sie aber, und versicherte, sie sey unschädlich, ohnerachtet sie auf eben die Weise, wie andre Scorpionen, bewafnet ist. Es wäre demnach wohl der Mühe werth, künftig zu untersuchen, wodurch der Scorpionenstich seine Schädlichkeit erhält oder verliert. Die Erfahrungen des Herrn von Maupertuis scheinen darzuthun, daß verschiedene Scorpionen von der nämlichen Art nicht in gleichem Grade giftig sind, und daß sogar ein und derselbe Scorpion bald mehr bald weniger gefährlich ist. Mém. de l´Acad. des Sciences 1731. p. 317. de l´edit. in 12 Schaalthiere und andere Gewürme. Die Muscheln und Schnecken im Südmeere sind lange nicht so mannigfaltig als man von einem so beträchtlichen Ocean erwarten möchte. Das Rief, welches die meisten Inseln des heissen Erdstrichs umschließt, liefert nur die gemeinsten Arten des Linnäischen Systems, Porcellanen, Bischofskronen, gewöhnliche Kinkhorner, Stachelschnecken, Mondschnecken und Neriten. In Neuseeland giebt es einige wenige neue Gattungen, doch sind die mehresten ganz klein und unansehnlich. Unsere wenigen Entdeckungen in dem Geschlecht der weichen Gewürme ( Mollusca ) fanden sich im atlantischen Meere; von den übrigen Ordnungen haben wir nichts neues angetroffen. 1) Zahl der Arten. Unsre ganze Sammlung von Thieren aus der Südsee, (hauptsächlich von den vier ersten Klassen) beläuft sich, laut den oben angeführten einzelnen Summen, ohngefähr auf zweyhundert und siebenzig verschiedene Arten, wovon ein Drittel zuvor bekannt waren. Es ist wohl keinem Zweifel unterworfen, daß diese Anzahl nur einen sehr geringen Theil der dortigen Fauna in sich begreift. 2) Heimath. In Neuseeland zeichnen sich zwar verschiedene Vögel durch ihre schönen Farben aus, allein auf der etwas nördlicher gelegenen Norfolkinsel, (wo die nämlichen Gattungen von Thieren und Pflanzen vorkommen,) haben dieselben Vögel noch ein weit lebhafteres und brennenderes Colorit; ein sicherer Beweis, daß, auch auf die Hervorbringung der Farben, das Clima vielen Einfluß hat. So giebt es auf den mehresten Inseln des Südmeeres, innerhalb der Wendekreise, einen Eisvogel, dessen Gefieder weit heller gefärbt ist, als man es bey der neuseeländischen Spielart dieses Vogels antrift. Doch, auch noch in andrer Rücksicht ist die Bedeckung der Vögel dem Klima angemessen. Die Bewohner der wärmern Gegenden sind nur mäßig befiedert; Seevögel hingegen, die fast beständig über dem Wasser schweben, und überhaupt alle Vögel aus dem kälteren Erdstrich, sind zum Erstaunen federreich; sie haben nämlich doppelte Federn, d. i. es kommen aus einer Wurzel immer zwo in einander liegende Federn hervor. Die Pinguine, die fast unaufhörlich auf dem Wasser sind, haben kurze länglichte Federn von besonderer Steifigkeit, die schuppenartig fest übereinander liegen. Ueberdem ist ihr ganzer Cörper mit Fett umgeben, wie bey mehreren südlichen Wasserthieren, den Robben, den Gänsen, u. a. m. vermittelst dessen sie der Kälte wiederstehen können. Die Landvögel, sowol innerhalb als außerhalb der Wendekreise, nisten durchgehends auf Bäumen, die gemeine Wachtel ausgenommen, die auch in Neuseeland ihre europäische Sitte nicht abgelegt hat. Unter den Wasservögeln giebt es einige, z. B. die Sumpfvögel, ( Grallae ) die nur paarweis leben, und ihre Nester auf der Erde bauen. Verschiedene Arten von Wasserraben hingegen wohnen heerdenweis auf Bäumen und in Felsenhölen; einige Arten des Sturmvogels ( Procellaria ), graben sich, zu tausenden beysammen, dicht an einander, Löcher unter der Erde, in welche sie ihre Jungen groß ziehn, und wo sie sich zur Nachtzeit hinbegeben. Die Enten, die eine Menge Eyer auf einmal ausbrüten, sind zwar die fruchtbarsten Vögel im Südmeere, allein die Wasserraben, Pinguine- und Sturmvögel die nur eines, oder zwey, höchstens drey Eyer legen, sind demohngeachtet weit zahlreicher, weil sie sich jederzeit in grossen Heerden beysammenhalten, und um deswillen weniger zu befürchten haben. Von den Fischen ist es bekannt, daß die eßbarsten auch zugleich die fruchtbarsten sind. Im Südmeere sind keine Küsten fischreicher als die Neuseeländischen: daher leben die Einwohner fast gänzlich vom Fischfang, der ihnen die wenigste Mühe verursacht, mithin jener angebohrnen Trägheit, welche sie mit allen ungesitteten Völkern gemein haben, am willkommensten ist. 3) Varietät. Spielarten sind, in den Südländern, unter den Thieren nicht so häufig, als unter den Pflanzen. Die Hauptursach der Ausartung, nämlich die Zähmung, findet dort nur bey dem Schweine, dem Hunde, und dem gemeinen Huhne statt; und der Zustand, in welchem diese drey zahmen Thierarten dort leben, kommt dem Stande der Natur noch immer sehr nahe. Hühner und Schweine haben die Freyheit, die mehreste Zeit herumzulaufen; zumal die Hühner, weil sie nicht ordentlich gefüttert werden, sondern sich mit dem was sie auflesen begnügen müssen. Die Hunde werden lediglich zum Schlachten gehalten, daher mißhandelt man sie nicht, um ihnen allerhand Künste abzuzwingen, wie es bey uns Sitte ist; sondern sie bleiben den ganzen Tag über in Freyheit und in Ruhe, werden zur gesetzten Zeit gefüttert, und zu nichts anderm angehalten. Sie sind folglich noch im Stande der Natur, nur scheinen alle Sinnen bey ihnen stumpfer als bey dem wilden Hunde zu seyn, vielleicht weil sie, statt der ihnen angemessenern animalischen, keine andre Nahrung bekommen als aus dem Pflanzenreiche. Von der Sagacität und der ungemeinen Intelligenz, die man bey uns an einigen Hunden wahrnimmt, ist bey jenen südländischen nicht eine Spur vorhanden. Der Spielarten unter den wilden Vögeln sind sehr wenige. Mir sind nur zwo Tauben- zwo Papageyen- eine Eisvogel- und etwa ein paar Fliegenfänger-Gattungen bekannt, die in verschiedenen Inseln etwas abarten; doch bleibt es noch zweifelhaft, ob diese Abarten nicht entweder verschiedene Gattungen, oder aber die so oft verschiedenen Männchen und Weibchen der nämlichen Gattung sind, welches man, so im Vorübergehn, nicht entscheiden kann. In den andern Klassen sind die Spielarten noch unbeträchtlicher. 4) System. Ich habe bereits erwähnt, daß die Thierarten des Südmeeres größtentheils neu oder bisher unbekannt gewesen sind. Die bekannten Gattungen, die wir zwischen den Wendekreisen angetroffen haben, sind die gewöhnlichen Bewohner der Meeresgegenden im heißen Erdgürtel. Die im gemäßigten Erdstriche sind theils neue, (jedoch in jenen Meeren überall vorhandene,) theils auch in unserer Halbkugel bekannte Arten. Indeß können alle unsere Entdeckungen, in diesem Fache des Natursystems, gar füglich unter die bisher schon bestimmten Geschlechter ( genera ) vertheilt werden, bis auf einige wenige Arten, aus denen wir zwey neue Geschlechter von Vögeln und eines von Fischen errichtet haben. Die Geschlechter der Thiere sind beyden Continenten zu sehr gemein, als daß wir uns hier derselben Eintheilung, wie bey den Pflanzen, bedienen könnten; wir schränken uns demnach, in unsern Bemerkungen über das künstliche Thiersystem, lediglich auf die südlichen Seevögel, und auf das neue Fischgeschlecht ein. Zum Geschlechte der Sturmvögel ( Procellaria ), welches in der letzten Ausgabe des Linnäischen Werkes nur sechs Gattungen in sich begreift, haben wir zwölf neue Arten aus dem Südmeere hinzugefügt. Die größte ist der von den Spaniern sogenannte Knochenbrecher ( Quebranta huessos ); die kleinste der gemeine Sturmfink ( Procellaria pelagica Linn. ); welcher, beynahe unter allen Graden der Breite, sowol in der nördlichen als in der südlichen Halbkugel zu Hause ist. Mit Recht tadelt der Graf von Büffon an Herrn Brisson die unnöthige Vervielfältigung der Arten und Geschlechter, wovon des Letzteren Eintheilung der Sturmvögel ein Beyspiel abgiebt, indem er die wenigen ihm davon bekanntgewordenen Gattungen dennoch, wegen eines fast unmerklichen Unterschiedes im Schnabel, in zwey Geschlechter ordnet. Wenn indessen Herr Scopoli die Albatrosse ( Diomedea ) mit den Sturmvögeln in ein Geschlecht zusammenwirft, und eben dadurch auf der andern Seite zu weit geht; so scheint dieser Irrthum daher entstanden zu seyn, daß er eine würkliche Gattung von Sturmvögeln, auf welche Veranlassung weiß ich nicht, für die Linnéische Diomedea gehalten hat. Diese Mängel und Fehler der Klaßifikationen entspringen gemeiniglich entweder daher, daß man sich zu sehr mit der Untersuchung der einzelnen Gattungen, ohne Uebersicht der ganzen Kette der Natur, beschäftigt oder sich zu sehr mit diesem weitumfassenden Blick über das Ganze begnügt, und darüber vergißt, von einem so erhabenen Gesichtspunkte zum Einzelnen systematisch hinabzusteigen, welches gleichwol bey dem annoch unvollkommenen Zustande unserer Wissenschaft unumgänglich nochwendig ist. Der verewigte Linné hielt das Mittel zwischen diesen beyden Abwegen, und verdient deshalb, daß auch die Nachwelt ihn als einen Vater der Naturgeschichte ehre. In den erstern Fehler verfallen gemeiniglich Stubengelehrte, die nur aus Büchern die Natur kennen lernen, und sich daher verleiten lassen, Spielarten für verschiedene Gattungen anzusehen. Den andern läßt der Graf von Büffon sich bisweilen zu Schulden kommen, indem er seine hinreissende Beredsamkeit lieber an großen Gegenständen übt, und sich manche kleine Nachläßigkeit im Einzelnen erlaubt. Aus Beyder Schriften wird die Nachwelt das eigentlich Brauchbare verbinden, und dadurch die Wissenschaft der Vollkommenheit näher bringen. Unsere Zeitgenossen können selbst Linnés Verlust leichter verschmerzen, da Solander, Banks und Jacquin D. Solander, der erste aus diesem botanischen Triumvirate ist nun auch, 1782 seinem großen Lehrer Linné gefolgt. G.F. die Botanik, und Büffon und Pallas die Zoologie bereichern. Unter den Linnéischen Geschlechtern des Albatros ( Dionædea ) und des Tropikvogels ( Phaëton ) lag lange Zeit ein ganz eignes Geschlecht verlohren, welches zuerst Herr Pennant, unter dem Namen Pinguin, in gehöriges Licht gesetzt hat. Pennants Magellanischer Pinguin, und unsere neuen Gattungen, zu den beyden verirrten Linnéischen hinzugerechnet, haben diesem Geschlechte nunmehr einen beträchtlichen Zuwachs verschaft. So verschieden die Dicke des Schnabels bey den verschiedenen Gattungen, so gleichförmig ist demohngeachtet dessen übrige Bezeichnung bey allen; ausgenommen, daß die untere Kinnlade bisweilen abgestumpft ist. Die engen linienähnlichen Nasenlöcher unterscheiden sie noch mehr von dem Albatrosgeschlecht. Die Füße sind durchgehends gleichförmig. Die Flügel sind nur im Skelet vorhanden, und dem äussern Ansehen nach Flossenähnlich, indem sie mit einer lederartigen breiten Haut überzogen sind, welche zwar gefiedert ist, jedoch mit so kleinen, breiten, dicht aufliegenden Federn, die nur aus einem etwas sägenförmig eingezahnten Kiel, ohne Fahne bestehen, daß man sie weit füglicher geschuppt als befiedert nennen mögte. Dieser Charakter, nebst einiger Verschiedenheit in den Füßen und Schnäbeln, unterscheidet auch hauptsächlich die Pinguine vom Geschlecht der Alken ( Alca ), welche letzteren zwar ebenfalls nicht fliegen können, jedoch nur durch die Kürze, nicht aber durch den gänzlichen Mangel der Schwungfedern daran verhindert werden. Der ganze Leib der Pinguine ist mit länglichten, dicken, harten, glänzenden Federn bedeckt, die gleichsam einen Panzer ausmachen; eine weise Einrichtung der Natur, welche Vögeln, die fast ihr ganzes Leben in der See zubringen, eine gegen das Wasser so undurchdringliche Bedeckung schenkt! Das ganze Geschlecht bewohnt die gemäßigten und kalten Gegenden der südlichen Halbkugel, bis auf eine einzige Gattung, die Hr. Sonnerat bey Neuguinea entdeckt haben will S. I. R. FORSTER hist.Aptenodytae in Commentar. Soc. Sc, Götting. 1780. Vol. III. p. 121. fqq. . Mit mehrerm Rechte als bey so vielen andern Zertheilungen der Thiergeschlechter geschehen ist, könnte man vielleicht das Linnéische Pelikangeschlecht in drey andre trennen. Der wahre Pelikan ( P. Onocrotalus ) unterscheidet sich von allen übrigen Gattungen durch die auffallendsten Merkmale. Der Fregattenvogel ( P. Aquilus ), der Bassan oder Jan van Ghent ( P. Bassanus ), und die verschiedenen Arten von Tölpeln ( boobies engl. P. Sula, Fiber et Piscator ) bilden eine zwote Abtheilung, von welcher der Cormoran und Wasserrabe ( P. Carbo et Graculus ) nebst vier neuen Gattungen wiederum gar merklich verschieden sind. Indessen, da sie die vier verbundenen Zehen, und die nackte Haut worinn die Augen liegen, als Kennnzeichen mit einander gemein haben; so lasse ich sie in einem Geschlecht beysammen. Die Bassane und Tölpel nisten zwar an einigen Orten neben einander, leben aber übrigens nicht Heerdenweis beysammen, wie die Wasserraben, die bald auf einem Baume, bald in den Höhlen eines über die See hangenden Felsens, bald auf dem flachen Boden, bey Tausenden, ihre Nester nebeneinander bauen. Unser neues Fischgeschlecht, der Sichelschwanz , ( Harpurus ) unterscheidet sich von dem Bandfisch ( Chaetodon ) durch eine verschiedene Anzahl von Gräten in der Kiefenhaut, einen Stachel zu beyden Seiten des Schwanzes, und durch den Mangel der Schuppen auf den Flossen. Es giebt sieben hieher gehörige Arten, nämlich den Chaetodon nigricans, lineatus, und fasciatus, LINN .; eine von Hasselquist beschriebene und von Linné unrichtig zum Ch. nigricans gezogene, und drey neue Gattungen. Zum Linnéischen Geschlechte Sciaena , (Seerappe?) haben wir acht neue Gattungen hinzugefügt, wodurch es gleichsam von neuem befestiget wird. Die Lippfische und Seebrassen ( Labri et Spari ) haben ebenfalls einigen Zuwachs erhalten. Verschiedene Naturkundiger haben diesen beyden Geschlechtern ganz verschiedene, oft einander widersprechende Kennzeichen beygelegt; dies rührt zum Theil daher, weil sie es wagten, nach wenigen vor sich habenden Gattungen, für alle übrigen zu entscheiden; die Sache verdient folglich allerdings eine nähere Berichtigung Man versuche es nur LINN . Syst. Nat. ed. XII. – GOUAN Genera Piscium – BRUNNICHE Ichtyol. Massiliens. – PALLAS Spicileg. Zool. – und FORSKAL Faun. Aegypt. Arab. zu vergleichen. . Das Thierreich hat dem Menschen von jeher die Mittel liefern müssen, seine angebohrnen sowol als seine erkünstelten Bedürfnisse zu befriedigen und sich Bequemlichkeiten zu verschaffen. Die Naturprodukte zu diesem Behuf anzuwenden, darinn besteht der erste Schritt zur Gesittung. Kaum ist er geschehen, so werden die lüstern gemachten Sinne auf mancherley Art, mehr als zuvor, gereizt die rege gewordene Begier fordert immer neue Befriedigung und so entstehet nach und nach ein Aufwand von allerhand vorher unbenutzten Sachen. In Rücksicht auf diesen geringeren oder weitern Fortschritt zum Luxus, theilen sich die Bewohner der Südländer in mehrere Klassen. In den Societätsinseln weiß man bereits was zur Gemächlichkeit und zum Ueberfluß gehört; letzteres fällt auf den westlicheren Inseln schon weg, und es findet nur noch ein und andres zur Erleichterung des Lebens statt. Bey den Neuseeländern, sind der Bequemlichkeiten noch weniger; den armen Feuerländern aber, gehn auch diese ab, und es bleibt ihnen, in ihrem beynah rein Thierischen Zustande, wenig mehr als bloßer nothdürftiger Lebensunterhalt. Auf den Inseln zwischen den Wendekreisen dienen fast alle Arten von Fischen zur Nahrung, und man giebt ihnen sogar den Vorzug vor Schwein- und Hundefleisch, welche doch sonst unter die Leckerbissen der Insulaner gehören. Von Vögeln werden dort blos Hühner und wilde Enten verspeiset, andre Gattungen aber hauptsächlich um der Federn willen gefangen. Diese verarbeitet man zu allerhand Zierrathen, welche dann bey den Einwohnern in so hohem Werth stehen, als die Artickel des Luxus überall erhalten haben. Nur einige Vögel werden, und zwar aus einer Art von Aberglauben, ganz ungestört gehegt. Zum Beyspiel: in Taheiti, ein Eisvogel, Kuckuck und Reiher; in Neuseeland, eine Art Baumkletten, u. s. w. Doch läßt man keiner von diesen Gattungen irgend eine religiöse Achtung wiederfahren, sondern verschont sie nur (so wie bey uns zu Lande das Rothkehlgen, die Schwalbe, den Storch,) theils als zahme oder unschädliche, theils als nützliche Vögel. Die Brustschilde und Helme der Krieger auf den Societätsinseln sind von aussen mit glänzenden Taubenfedern bekleidet und mit den langen weißen Schwanzfedern des Tropikvogels gleichsam umstrahlt. Allein die scharlachnen Federn einer Art kleiner Papageyen, woraus die Krieger Quäste und andre Zierrathe tragen, werden von ihnen so hoch geschätzt, als in Europa Perlen und Diamanten. Zufälliger Weise tauschten wir auf der Insel Amsterdam oder Tongatabbu (eine der freundschaftlichen Inseln) eine große Menge dieser Federn ein. Sie waren auf Stücke von dort gewöhnlichem Zeuge geheftet. In Otaheiti schnitten wir diesen Zeug in kleine Quadrate von zwey Zollen, für deren eines die Einwohner mit Freuden ein Schwein hingaben. Auf Ostereiland, den Marquesas- und andern Inseln des heissern Erdstrichs, fertigen die Einwohner ebenfalls Kopfputz, Fliegenwedel, und allerley Geschmuck von Federn. Hundshaar setzen die Taheitier um ihre Brustschilde; und Menschenhaar, in großen Büscheln und Quästen, binden die Insulaner auf den Marquesas, um ihre Kniee, Knöchel, u. s. f. Ein Knochen des Meerschweins oder Delphins wird von den Ostereiländern zu einem Brustzierrath verarbeitet; und in Otaheiti macht man Sägen, und allerhand Werkzeuge aus Hayzähnen, Knochen u. d. gl. Ueberall wird der Schwanz des Stachelrochens ( Raia pastinaca ) vorn an die Spitze der Speere und Lanzen befestigt. Die Mallikolesen befestigen eine Spitze von Knochen an ihre Pfeile, und selbst die Feuerländer haben Stäbe, an welche sie ausgezackte Knochen stecken, um damit Muscheln und Schnecken aufzuhaken, imgleichen um Seehunde zu erlegen. Schaalthiere sind theils ein allgemeines Nahrungsmittel, theils macht man Halsgeschmeide, Armbänder, Fischhaken, und Gewichte zum Versenken des Hamens daraus. Perlen, die aber gemeiniglich klein und ungestalt sind, hangen die Einwohner sich ins Ohr. Auch das harte Korall, woraus die Riefe und Klippen bestehn, bleibt nicht ungenutzt; man polirt oder glättet die Kähne damit. Fische sind der Neuseeländer tägliche Speise, daher Vögel oder Hundefleisch für rechte Leckerbissen gelten. Die Hundsfelle thun ihnen zu Kleidungsstücken in ihrem schon etwas rauhen Klima gute Dienste. Ihre Kämme von Wallfischknochen gereichen blos zum Zierrath; so auch Mewen und Papageyenfedern, wovon die erstern auf dem Kopf, die letztern an ihren Waffen angebracht werden. Ausserdem liefert ihnen auch das Mineralreich einigen Schmuck. Bey der Zubereitung ihrer Speisen, gehen die Insulaner zwischen den Wendekreisen fast mit europäischer Reinlichkeit zu Werke. Wir ließen uns daher nicht lange bitten, wenn die gastfreyen Einwohner uns in ihre Hütten riefen, um das ländliche, einfache Mahl mit verzehren zu helfen. Weder so gastfrey noch so reinlich sind die Neuseeländer; indessen geht es bey der Zubereitung ihrer Fische noch so ordentlich zu, daß man bey mäßigem Appetit eben nicht anstehen würde, ihr Tischgenosse zu werden. Die elenden Feuerländer hingegen, die kaum mit einigen Lappen von Seehundsfell behangen sind, fressen auf die eckelhafteste Weise, rohes, halbverfaultes Seehundsfleisch, dessen thraniges Fett ihrem Geschmack am meisten schmeichelt. Wo Seehunde seltner sind, nähren sie sich von den an den Klippen überaus häufigen Miesmuscheln. Uns dienten die verschiedenen Thierarten, überall wo wir uns befanden, zur großen Erfrischung. Nur ein paarmal mußten wir für den Genuß von giftigen Fischen durch heftige Schmerzen büßen. Der eine war ein Seebrasse ( Sparus ) ohngefähr funfzehn Zoll lang, dergleichen im Haven zu Mallikollo drey gefangen wurden. Sechzehn Personen die davon aßen, wurden alle, ohne Ausnahme, von einer so gewaltigen Betäubung überfallen, daß sie nicht auf den Füßen stehen konnten, und wie Trunkene taumelten. Hierauf folgten die grausamsten Schmerzen in den Knochen, welche über zehn Tage lang dauerten, und endlich nur durch Brechmittel und schweißtreibende Arzneyen allmälig gehoben wurden. Ein Schwein, dem man eine Portion des Eingeweides vorgeworfen hatte, schwoll davon auf, und starb einige Stunden nachher. Etliche Hunde, die das übrige verzehrt hatten, agonisirten vierzehn Tage lang, heulten erbärmlich, schäumten am Maule, und konnten auf keinem Beine stehen. Auch ein kleiner zahmer Papagey, dem sein Herr über Tisch einen Bissen dieses Fisches zugetheilt hatte, mußte es mit dem Leben bezahlen. Einige Zeit nachher fieng ein Matrose einen Fisch von der nämlichen Gattung, den er, ohne die mindeste üble Würkung davon zu spüren, mit seinen Cameraden verzehrte. Vermuthlich ist also dieser Fisch nicht an und für sich giftig, sondern er wird es, von der zufälligen Nahrung die er zu sich nimmt; so wie in Westindien sonst unschädliche und schmackhafte Fische giftig werden, wenn sie Manchenillenfrüchte genossen haben. Der andre giftige Fisch war ein Tetrodon ( LINN .) dessen Aeusseres ihn schon verdächtig gemacht hätte, wenn wir noch einigermaßen Kostverächter gewesen wären; allein die lange Seereise hatte uns den rechten Werth der frischen Lebensmittel gelehrt, und so kehrten wir uns uns nicht an seine fürchterliche Gestalt. Zum Glück wurde die Leber des Abends vorher gebraten, und nur drey von uns kosteten davon. Vor 2 Uhr Morgens waren wir alle drey aufgestanden, und klagten einander unser Leiden. Das Gift wirkte genau wie bey der vorigen Fischgattung; wir nahmen sogleich Brechmittel, und entkamen auf diese Art, mit einer Betäubung die nur etliche Tage dauerte, ohne daß sich die schneidenden Schmerzen in den Gliedern darnach einstellten. Ein Schwein hatte wieder das Unglück die Eingeweide zu verzehren, wovon es aufschwoll und starb. Man fieng hernach noch einen Fisch von dieser Gattung, von dessen Gedärmen nur ein Hund etwas bekam, der aber, nachdem er vierzehn Tage lang jämmerlich gewinselt hatte, ohne Rettung über Bord geworfen werden mußte. Die ersterwähnten Seebrassen ( Sparus ) scheint Quiros schon unter dem Namen Pargos ( Pagrus ) anzuführen; er erzählt davon, sie hätten seine halbe Schiffsgesellschaft vergiftet. Der Tetrodon ist mit dem von Kämpfern angeführten Tetrodon ocellatus nahe verwandt, womit sich die Japanesen selbst vergiften, indem sie ihn, um das Gift wirksamer zu machen, mit dem sonst gesunden Stern-Anis ( Illicium anisatum ) kochen Kämpfers Geschichte von Japan. . Zum Beschluß dieser Materie muß ich noch ein paar Worte über diejenigen Thiere sagen, deren Erscheinung im Meere für Vorboten nahen Landes zu gelten pflegt. Bey Vögeln dieser Art kommt alles darauf an, ob es ohnleugbar Landvögel, das ist, solche sind, die vermöge ihrer ganzen physischen Beschaffenheit sich nie vom Lande entfernen; sind sie dies nicht, so kann man sich auf ihre Erscheinung gerade eben so wenig als auf das schwimmende Tang und Meergras verlassen. Robben oder Seehunde, Pinguine, Sturmvögel und Albatrosse sieht man sechs- bis siebenhundert See-Meilen ( leagues ) weit vom Lande, mitten auf dem Südmeere. Zwischen den Wendekreisen geht der Fregattenvogel ( P. Aquilus ) ebenfalls über hundert Meilen weit in die offene See. Wie könnte man solchen Zeugen die Nähe des Landes glauben? Tölpel ( Pelecanus Piscator ) und Seeraben verliehren seltener das Land aus dem Gesichte; doch kann ein Zufall auch sie von ihren Küsten entfernen. G. F. Sechstes Hauptstück. Vom Menschengeschlechte. Miransur aliqui altitudines montium, ingentes fluctus maris, altissimos lapsus fluminum, et oceani ambitum, et gyros siderum – et relinquunt seipsos, nec mirantur. Augustinus The proper study of mankind is man. Pope. Die Menge von Schriften über den Zustand entfernter Länder, beweiset unstreitig, daß man einen Gegenstand vielfältig betrachten könne, ohne ihn andern kenntlich zu machen. Bald fehlt es den Reisenden an denjenigen Vorkenntnissen und dem Beobachtungsgeiste, von welchen allein brauchbare, nützliche Bemerkungen zu gewarten stehen; bald treten sie, an der Stelle von Thatsachen, mit Hypothesen auf, und verbergen ihre Leere unter dem Flitterstaat erborgter Gedanken. Wer noch Fähigkeit und Einsicht genug besäße, um mit Nutzen für die Welt zu reisen, schränkt mehrentheils seine Aufmerksamkeit auf unbelebte Gegenstände ein, erstreckt sie höchstens bis zum Thierreich, indeß der Mensch, unter geringschätzigern Dingen vernachläßigt und vergessen wird. Was kann der Gelehrte, der Philosoph und Denker, wenn er sich auf seinem Zimmer, an diesen wichtigen Vorwurf menschlichen Wissens macht, mit solchen Hülfsmitteln beginnen? Männer, deren Namen sonst allein statt aller Empfehlung gelten, müssen, wenn sie hier dem unphilosophischen Reisenden folgen, irre geführt, ja selbst verleitet werden, seine schwankenden Erzählungen nach ihren Systemen auszulegen, und somit der Natur zu verfehlen. Ihre eigne Erfahrung zeigt ihnen nur den gesitteten, polizirten Menschen, der zwar alle Welttheile durchstrichen hat, allein auch aller Untugenden Sammelplatz geworden, und mehr als andre ausgeartet ist. Bey so bewandten Umständen dürften meine Bemerkungen, unter so manchen Völkerschaften die noch mit Europäern oder andern verfeinerten Menschen keinen Umgang gepflogen hatten, der gelehrten Welt vielleicht nützlich werden, und in dem Fall bin ich für ihre Mittheilung genugsam belohnt. Erster Abschnitt. Bevölkerung der Inseln im Südmeere. Non temere nec fortuito sati et creati sumus, et profecto est quaedam vis, quae generi consulie humano. CICERO. Eine der größten, volkreichsten und kultivirtesten Inseln im Stillen Meere, ist O-Taheiti. Die hohen Berge, und das ganze Innere, bis auf einige fruchtbare, mit Bächen hinlänglich getränkte Gründe, zwischen den Bergen, sind noch unbewohnt, unbebaut, und völlig im natürlichen Zustande. Die bewohnte Gegend ist blos eine rund um die Insel, längs dem Meerstrande hinlaufende Ebene und diese gewährt den herrlichsten Anblick. Fruchtbarkeit des Bodens und Fleiß des Bewohners sind auf dieser weitläuftigen Fläche überall sichtbar; Kokospalmen, und Brodbäume, deren Früchte die vornehmste Speise der Insulaner sind, Pisangplantagen, und Maulbeergärten zum Behuf ihrer Kleidungsstücke; auch andre nützliche Pflanzen, wie Ignanien, Aronswurzeln, Zuckerrohr, u. d. gl. stehen hier in der anmuthigsten Abwechselung. Im Schatten der Bäume sieht man die Häuser der Insulaner, die in Europa nur für Schoppen gelten würden, und die gleichwol in jenem milden Himmelsstriche hinreichenden Schutz gegen Hitze und Nässe gewähren. Diese ländlichen Wohnungen wimmeln von Menschen, und beherbergen unter einem Dache oft mehrere Familien. Auf unsern Spatziergängen fanden wir nirgend ein leeres Haus; überall begegneten uns Leute, ohnerachtet wir deren eine fast unzählbare Menge auf dem Strande, unsern Schiffen gegenüber, zurückgelassen hatten. Alles dies läßt vermuthen, daß die Bevölkerung hier ungemein beträchtlich seyn müsse, und das ist sie in der That, wie wir überzeugend beweisen wollen. Ein sanftes Klima, in einer Weltgegend wo die Macht und wohlthätige Einwürkung der Sonnenstralen, die das Wachsthum der Pflanzen und Thiere befördert, durch abwechselnde See- und Landwinde immer gemäßigt wird, ein solches Klima trägt auch zur Stärkung und Vollkommenheit des menschlichen Körpers gar vieles bey. Es kann daselbst den Einwohnern fast niemals an Lebensmitteln fehlen; theils bietet ihnen das Land, um geringe Mühe, die schönsten Früchte im Ueberfluß dar; theils finden sie ihren Unterhalt auf einem fischreichen Meere, sammeln bey Tag und den Nacht, an den Klippen, Muscheln, Meerigel, Krebse, und allerley gallertartige Gewürme, und thun kleine Reisen nach nahegelegenen flachen Eilanden, von woher sie gewisse Arten von Fischen ( Cavallas ), Schildkröten, und Seevögel holen. Jedes Haus hält seinen Hund, etliche Hüner, und zuweilen zwey bis drey Schweine. Der Vorrath von eßbaren Produkten des Thier - und des Pflanzenreichs ist also nicht nur beträchtlich, sondern auch mannigfaltig. Die Rinde des Papiermaulbeerbaumes, des Brodbaumes, und einiger andern, giebt ein bequemes, leichtes, und nachdem sie behandelt wird, auch sogar ein warmes Zeug, dessen man sich in verschiedener Gestalt, mit allerley Farben bemalt, und von verschiedener Güte, zur Kleidung bedient. Glückliches Volk, dessen Hauptbedürfnisse, Nahrung und Decke, so leicht befriedigt werden, und das jene erkünstelten Bedürfnisse nicht kennt, womit die Habsucht, der Ehrgeitz und die Wollust, Europa angesteckt haben! In seinen Hütten fühlt die Jugend, frühe, den Trieb der Natur; nichts hält sie ab, dem Rufe derselben zu folgen, und frühzeitig ein Bündniß zu schließen, nicht sowol um mit vereinten Kräften die Bürde des Lebens zu tragen, als um dessen ganze Süßigkeit zu schmecken, und in der Menge glücklicher Nachkommen noch jenseit des Grabes zu leben! Ist es, bey so bewandten Umständen, nicht natürlich, daß die Bevölkerung dieser glücklichen Insel, in Vergleich mit der von Europa, ansehnlich seyn müsse, da bey uns durch so viele Mängel, so gehäufte schwere Arbeiten, durch so manche schon von einem rauheren Himmelsstrich herrührende Schwürigkeiten, die Freuden der Ehe verbittert, mithin diesen Verbindungen würkliche Hindernisse in den Weg gelegt werden? Doch wir haben nicht bloßes Raisonnement, sondern Belege von Thatsachen versprochen. Hier sind sie. Bey unserer Rückkehr nach O-Taheiti im Jahre 1774, trafen wir die dortigen Einwohner mit der Ausrüstung einer großen Seemacht beschäftigt, welche gegen den Bezirk Morea auf der Insel Eimeo gerichtet werden sollte. Wir fanden eine Flotte von bewafneten Canots, und eine große Zahl von kleinern Kähnen, die man wie bey unsern Flotten die Proviant- und Transportschiffe, ansehen kann. In den verschiedenen Distrikten an der Küste wurden die Kriegscanots ausgebessert, und in Bereitschaft gebracht, an andern Orten waren sie schon in See gelassen, und vor des Königs Residenz zu O-Parre, sahen wir die Eskadre von zwo Provinzen, nämlich von Atahuru und von Tittahah , die Revüe paßiren. Jene ist einer der größten, letztere einer der kleinsten Bezirke auf der Insel. Von ersterem fanden sich einhundert und neun und funfzig Kriegscanots, nebst siebenzig kleinern Kähnen, welche theils Lebensmittel führten, theils aber zur mehreren Bequemlichkeit der Befehlshaber, oder auch zu Hospitalschiffen für Kranke und Verwundete bestimmt waren. Der zwote Distrikt hatte vier und vierzig Kriegscanots, nebst zwanzig bis dreyßig kleinern Fahrzeugen geschickt. Nun enthält T'Obreonu , oder die westliche größere Halbinsel von Taheiti vier und zwanzig solcher Distrikte, die kleinere östliche Halbinsel, Te-Arrabu , neunzehn. Gesetzt wir nehmen an, daß ein Distrikt in den andern gerechnet, jeder nach dem oben angeführten Verhältnis seine Anzahl von Fahrzeugen zur Flotte liefert, so würde das Mittel zwischen jenen beyden angeführten Zahlen (159 und 44), ohngefähr hundert Kriegscanots auf jeden Distrikt geben. Jedoch ich verringere auch diese Angabe noch um die Hälfte, und bestimme für jeden Bezirk nur einen Beytrag von 50 Kriegscanots und 25 kleineren Fahrzeugen. Im Durchschnitt zählten wir am Bord der größern Kriegscanots 50, und auf den etwas kleinern 30 Mann, die Krieger, Ruderer, und Steuerleute zusammengerechnet Wir haben zwar auch auf einem großen Kriegscanot 144 Ruderer, einen Anführer der Ruderer, 8 Steuerleute und 30 Krieger gesehen, inzwischen mag ich sie hier nicht in Anschlag dringen; denn jede Insel kann höchstens ein paar Fahrzeuge von dieser Größe aufweisen. . Auch diese Angabe will ich noch mäßigen, und jedes Kriegscanot im Durchschnitt nur mit 20 Mann besetzt, annehmen. An Bord eines jeden kleinen Kahns waren, einer mit dem andern, fünf Mann. Also in ganz T'Obreonu 24 Distrikte, in jedem Distrikt 50 Kriegscanots.   1200   bemannt mit 20 Mann.   24,000 Mann. 25 kleine Kähne; 25×24=600   mit fünf Mann — — 5     3,000 Mann, zu obigen 24,000     27,000 Mann. Auf jeden Mann eine     Frauensperson 27,000   und ein Kind, 27,000   in T'Obreonu 81,000 Menschen. Man wird mir zugeben, daß ich die Berechnung aufs äusserste eingeschränkt habe, ja daß die wahrscheinliche Zahl der Einwohner auf der größern Halbinsel leichtlich noch einmal so groß, als ich sie hier angebe, seyn dürfte. Nicht alle Mannspersonen ziehen in den Krieg, oder werden zur Bemannung der Ruderbänke erfordert; es bleiben gewöhnlich die Alten und die Greise zurück; und in einem Lande, wo die Ehen fruchtbar sind, wie ich schon gesagt habe, rechnet man sehr sparsam, wenn man auf jedes Ehepaar nur ein Kind zugeben will. Familien mit sieben und acht Kindern habe ich dort mehrmalen angetroffen. Der Vater des O-Tu, des jetzigen Königs von T'Obreonu, hatte acht Kinder, von denen bey unserer Anwesenheit noch sieben am Leben waren. Familien mit drey bis fünf Kindern gab es sehr häufig. Von einer andern Seite läßt sich auch zur Gnüge erweisen, daß diese Inseln, deren Fruchtbarkeit wir oftmals so lebhaft gepriesen haben, eine so starke Bevölkerung ganz füglich ernähren können. Nach der einstimmigen Aussage mehrerer Insulaner sind, auf den Societätsinseln, drey große Brodfruchtbäume hinreichend, einen Mann acht Monate lang, das ist, so lange die Brodfruchtzeit dauert, völlig zu ernähren. Ein solcher Baum nimmt einen Raum ein, der vierzig Schuh im Durchmesser hält, also braucht er, wofern der Raum rund ist, 1256 2/3 , und widrigenfalls 1600 Schuhe. Da nun ein Englischer Acker oder Morgen Landes 43,560 Schuh ins Gevierte enthält, so werden im erstern Falle 35, im letztern aber 27 Brodbäume auf demselben Platz finden, wovon sich 10–12 Personen acht Monate lang, nähren können. Die noch übrigen vier Monate hindurch, essen sie Yams- und Aronswurzeln, Pisangs und Plantanen, (oder eine gröbere Art Pisang, die in den obern, unbewohnten Thälern häufig gepflanzt wird), nebst einem sauren gegohrnen Teige, der aus zerriebener Brodfrucht besteht, sich etliche Monate lang hält, und (denen die sich daran gewöhnen können,) gesund und zugleich wohlschmeckend ist. Mit dieser Berechnung wollen wir nun einmal die Volksmenge der fruchtbarsten Gegenden in unserm Welttheil vergleichen. In Frankreich Discours sur les Vignes, Dijon 1756. 12mo. können, auf einer Lieuë ins Gevierte, welche ohngefähr 4867 französische Morgen Landes ( arpens ) enthält, vom Ackerbau nur 1390, und vom Weinbau nicht mehr als 2604 Personen leben. Im ersteren Fall braucht jede Person 3½ arpens , im letztern doch beynahe 2 arpens , zu ihrem jährlichen Unterhalt. Da nun in O-Taheiti von einem englischen Acker 43,560 Quadrat-Schuhen, zehn bis zwölf Menschen, acht Monate lang, ernährt werden, in Frankreich hingegen von dem französischen arpens , oder 51,550 Quadrat- Schuhen (engl. Maas) nur Eine Person sechs Monate lang leben kann, so verhält sich die Bevölkerung von Taheiti zu der, des volkreichsten Theils von Frankreich, fast wie 17 zu 1. Jetzt können wir weiter rechnen. Damit wir aber bey unseren geringen Annahmen bleiben, so will ich auf der ganzen Insel nur vierzig englische Quadratmeilen, welche mit Brodbäumen bepflanzt sind, in Anschlag bringen. Eine Quadratmeile dieser Art enthalt 640 engl. Morgen, 40 Meilen folglich 25,600 Morgen. Zehn bis zwölf Personen werden von einem Morgen Landes acht Monate lang erhalten, also zwanzig oder vier und zwanzig Personen von drey Morgen, das ganze Jahr hindurch. Hieraus ergiebt sich im erstern Fall (20) eine Bevölkerung von 170,660, im zweyten (24) von 204,800 Menschen. Meine vorige Berechnung gab aber für die eine Halbinsel nur 81,000, folglich für beyde zusammen, nach der daselbst zum Grunde gelegten Zahl der Kriegscanots, 145,125 Menschen, also entweder 25,535, oder gar 59,675 Menschen weniger, als die Insel wirklich, bey der billigsten Schätzung ernähren kann. Die kleinere Halbinsel von Taheiti, oder Te-Arrabu , ist wohl so gut bebaut, und so volkreich als die größere: die Einwohner können nicht nur der gesammten Macht der andern Halbinsel widerstehen, sondern haben sie zurückgeschlagen, und die feindlichen Ländereyen verheert. Dies wäre zwar ein hinreichender Grund, anzunehmen, daß die Volksmenge daselbst so groß wie in T'Obreonu ist; gleichwol will ich sie nur auf die Hälfte, oder auf 40,500 Seelen setzen. Die kleine, wohlbebaute Insel Eimeo ist ebenfalls dem Könige von T'Obreonu unterworfen. Man erzählte uns, daß die dortigen Einwohner die ganze Heeresmacht von Te-Arrabu in die Flucht geschlagen hätten; auch schienen die gewaltigen Zurüstungen gegen diese Insel, deren ich bereits erwähnt habe, schon so viel zu beweisen, daß man von ihrer innern Macht keinen verächtlichen Begriff hatte. Indessen wenn auch hier nur halb so viel Menschen als auf der kleinen taheitischen Halbinsel wohnen, mithin 20,250. Einwohner von Te-Arrabu 40,500. von T'Obreonu 81,000. So beläuft sich die Zahl der sämmtl. Einwohner von Taheiti und Eimeo, doch immer auf 141,750. O-Tu, der König der Halbinsel T'Obreonu, ist zugleich der Beherrscher aller dieser gesammten Volksmenge, denn der König von Te-Arrabu ist eigentlich nur sein Vasall. Wenn ich für die Seelenzahl von Taheiti und Eimeo, eine runde Zahl von 150,000 Menschen annehme, so ist die Rechnung noch immer sehr gemäßigt. Die Inseln Huaheine, o-Raietea, o-Taha, Bolabola, Maurua, Tabu-a-Manu, und Mäatea, oder die übrigen Societätsinseln, sind nicht minder volkreich. Huaheine, o-Raietea, und o-Taha, die wir selbst besucht haben, sind überaus wohl angebaut. Von Bolabola und Maurua läßt sich vermuthen, daß sie eben so stark bewohnt seyn, als o-Raietea und o-Taha, da der König von Bolabola diese letztgenannten Inseln bezwungen hat. Wenigstens laufen wir keine Gefahr im Uebermaas zu irren, wenn wir auf diesen sieben Inseln nur 200.000 Einwohner annehmen. Die fünf Marquesas-Inseln sind ebenfalls volkreich, und alle Vorberge derselben bewohnt. Zwischen den Marquesas- und den Societäts-Inseln liegt eine große Anzahl kleiner flacher Eilande, die zum Theil stark bewohnt sind, und Ost- und Südostwärts von Taheiti giebt es dergleichen noch mehrere. Im Jahr 1773 erblickten wir fünfe davon, und 1774 eben so viele, wo nicht mehr. Auf der Reise des Schiffs Endeavour waren bereits verschiedene entdeckt, auch hatten die Herren Wallis und Carteret deren eine Menge gesehn. Die Bevölkerung aller dieser Eilande und der Marquesasinseln, schätzen wir nun gewiß nicht zu hoch, wenn wir 100,000 Menschen dafür rechnen. Die größte unter den weiterhin, nach Westen, gelegenen Freundschaftlichen Inseln, Tongatabu, ist im höchsten Grade angebaut. Wenn ich den sandigten Strich längs dem Strande, und die schmalen Fußsteige, welche durch die ganze Insel führen, abrechne, so ist alles übrige Privateigentum, umgezäunt, und von einem zahlreichen, fleißigen, gutmüthigen Volke bewohnt. E-Auwe und Namoka sind schon etwas kleiner, auch nicht überall bebaut, dennoch aber beyde sehr volkreich. Um A-Namoka liegt eine Gruppe von flachen, stark bewohnten Eilanden, die sich, laut Tasmans Entdeckungen (unter dem Namen der Prinz Wilhelms Eilande) noch weiter gegen Norden erstrecken. Die sämmtliche Volksmenge dieser Inseln mag 200,000 Menschen betragen. Die noch weiter Westwärts liegenden Neuen Hebriden, sind zwar lange nicht so volkreich als die Societäts- und Freundschaftlichen Inseln, aber ihre beträchtlichere Größe hebt diesen Unterschied auf. In Mallikolo versammelten sich die Einwohner bey unserer Ankunft in großer Anzahl. Die Insel Ambreym ist, nach dem äussern Anblick ihrer Pflanzungen zu urtheilen, eben so stark, vielleicht noch stärker bewohnt. Die Aurora -, die Pfingst-Insel, und die Insel der Aussätzigen, scheinen etwas weniger volkreich zu seyn. Das H.Geistland ( Tierra del Espirito Santo ) ist eine sehr große Insel und wahrscheinlich stark bewohnt. Die Inseln Paum, Api, Dreyhügel ( Three-hills ), Shepherd, Montague, Hinchinbrook, und Sandwich sind insgesammt bewohnt, und alle, vorzüglich aber die letztere, schienen beydes fruchtbar und volkreich zu seyn. Irromanga und Tanna haben wir selbst stark bewohnt gefunden, und laut dem Bericht der Tannesen, gilt eben dieses von Irronan, Immer, und Anottom. Die Volksmenge auf den neuen Hebriden würde sich daher allerwenigstens auf 200,000 Menschen belaufen. Aus Neukaledonien und den umherliegenden Inseln rechne ich 50,000 Einwohner; denn diese weniger volkreiche Küste, ersetzt durch eine Länge von achtzig Seemeilen, was ihr an verhältnißmäßiger Bevölkerung fehlt. Von Neuseeland ist die südlichere Insel nur sparsam bewohnt; die nördliche hingegen enthält nach Kapitain Cooks Berichten, und nach unsern eigenen Wahrnehmungen an einigen Gegenden, schon mehr Einwohner; ja an manchen Stellen soll die Volksmenge sogar ansehnlich seyn. Hunderttausend Menschen können daher mit gutem Fug als die Bevölkerung beyder Inseln angenommen werden. Die ganze Summe aller Insulaner im Südmeere würde daher, nach dieser Schätzung betragen (O-Taheiti und Eimeo 150,000. Societäts-Inseln 200,000. Marquisen-Inseln 100,000. Freundschaftliche Inseln 200,000. Neue Hebriden-Inseln 200,000. Neukaledonien 50,000. Neuseeland-Inseln 100,000. ) auf 1'000,000. Die Bewohner des Feuerlandes gehören nicht in diese Rechnung; auch ist ihre Zahl so gering, daß ich auf diesem ganzen Lande, welches doch wenigstens mit der Hälfte von Irland gleiche Größe hat, ohnmöglich mehr als zweytausend Menschen annehmen kann, die daselbst in ganz kleinen Familien zerstreut wohnen, oder vielmehr herumirren. Man wird von den obigen Angaben nicht jene Präcision verlangen, die auf zuverläßigern Datis nur allein beruhen kann. Mir genügt es, daß ich nach den jedesmaligen Umständen so genau als möglich gerathen habe; sollte irgendwo der Irrthum dahin ausfallen, daß zu viel Menschen gerechnet wären, so könnte dies nur bey Neukaledonien der Fall seyn; von allen übrigen Ländern dürfte ich eher zu wenige Einwohner angegeben haben. Die Bevölkerung der Länder steigt im Verhältniß mit der höheren Gesittung, und dem künstlichern Anbau. Damit will ich nicht sowohl sagen, daß Verfeinerung der Sitten, und Ausnahme der Haushaltungskunst, wahre Ursachen, sondern vielmehr, daß sie Folgen der grösseren Volksmenge sind. So bald die Zahl der Einwohner auf einem eingeschränkten Platz, dergleichen eine Insel ist, in dem Grade anwächst, daß man sich von den natürlichen wilden Produkten, welche nicht mehr zum Unterhalt hinreichen wollen, abwenden, und zum Anbau gewisser Gewächse schreiten muß; sogleich wird auch zur bequemeren und vollständigeren Bewerkstelligung dieses Vorhabens, eine Vereinigung nothwendig; einer muß dem andern die Gesäme, Pflanzen oder Wurzeln mittheilen; daher Verträge, diese angehenden Pflanzungen nicht zu verwüsten, sie mit vereinten Kräften gegen alle feindliche Angriffe zu beschützen, einander wechselseitig beyzustehen. So denke ich mir den ersten Anfang der Künste und Kultur, den Ursprung des bürgerlichen Lebens. Die Entstehung verschiedener Stände, verschiedener Grade des Reichthums, daher entspringender Einfluß und Gewalt, sind unausbleibliche Folgen jener ersten Schritte, und können oft sogar auch Unterschiede der Farben, Sitten und Gebräuche, unter den Menschen hervorbringen. Zweyter Abschnitt. Abarten der Menschengattung in Betracht der Farbe, Größe, Bildung, des Temperaments und Gemüthscharakters, unter diesen Insulanern. Επι δε τι και παρα τα κλιματα· ωστε τα μεν φυσει εστιν επιχοριαν     τισι, τα δε θεσει, και ασκησει. STRABO. Lib. II. Es giebt unter dem Menschengeschlecht eine Menge von Varietäten. Durch Zwergesgröße, gelbbraune Farbe, mistrauisches Gemüth, zeichnete sich der Eskimo aus; edle Gestalt, Schönheit im Umriß, helle Farbenmischung, und doch verrätherische Falschheit, charakterisiren den Tscherkassen. Der Bewohner von Senegal wird an seiner Furchtsamkeit, der pechschwarzen Haut, und dem krausen Wollhaar erkannt; und die deutschen Stämme des europäischen Nordens zierte sonst ein königlicher Wuchs, ein falbes ( red ) Haar, das blaue, schmachtende Auge, der unerschrockene Heldensinn, und die edle Offenherzigkeit. Doch alle bekannte Spielarten der Menschengattung hier aufzuzeichnen, wäre der Absicht meines Werkes nicht angemessen; ich schränke mich daher blos auf diejenigen ein, die während unserer Reise in verschiedenen Ländern und Inseln bemerkt worden sind, und werde sie nicht nur getreu zu schildern, sondern auch ihre verschiedene Entstehungsart, wo möglich, anzugeben suchen. Die auf den Inseln des Südmeeres vorhandene Menschengattung kann unter zwo Hauptabtheilungen gebracht werden. Die eine ist von hellerer Farbe, wohl gebildet, von starkem Muskelbau, ansehnlicher Größe, und sanften gutherzigem Charakter; die andere schwärzer, mit kraus und wolligt werdendem Haar, dürrer, kleiner, fast noch lebhafter als jene, aber zugleich mißtrauischer. Die erste Klasse bewohnt O-Taheiti, die Societäts- die Marquisas- und die freundschaftlichen Inseln, Ostereiland, und Neuseeland. Die andere trift man auf Neukaledonien, Tanna und den übrigen neuen Hebriden, vorzüglich aber in Mallikollo an. Die Pescherähs, oder die Bewohner des Feuerlandes, können nicht füglich unter eine von diesen Klassen gebracht, oder überhaupt zu den Einwohnern der Südseeinseln gezählt werden, indem sie zweifelsohne von dem amerikanischen festen Lande hinüber gezogen sind. Jene beiden Hauptrassen theilen sich wiederum in mehrere Abarten, wodurch sie stufenweis einander näher kommen; daher finden wir einige Völkerschaften, die zur ersteren Klasse gehören, und gleichwohl dunkler Farbe und hagern Leibes, wie die Menschen von der zweyten Klasse sind; und in dieser hergegen, starke athletische Kerle, die den besten aus der ersten Klasse nicht nachstehen. In solchem Fall entscheiden dann andre charakteristische Züge, zu welcher Hauptabtheilung diese oder jene Insulaner eigentlich gehören. 1) Erste Hauptgattung. 1) Die schönsten Menschen aus der ersten Klasse sind unstreitig die Taheitier, und die Bewohner der anliegenden Societätsinseln. Allein auch hier äußert die Natur denselben Hang zur Mannigfaltigkeit wie im Pflanzenreiche, und spielt in einem Reichthum von verschiedenen Formen. Das gemeine Volk ist der Sonne und der Luft am meisten blos gestellt; die mühsameren, oder auch die unsauberen Arbeiten werden ihm zu Theil; es muß seine Kräfte nicht nur bey der Kultur der Ebene, sondern hauptsächlich beym Fischfang, im Rudern, beym Bau der Häuser und Kähne anstrengen. Noch mehr, die Abwechselung und der Ueberfluß der Speisen, existirt nur für die höheren Stände. Wenn ein Mangel an Lebensmitteln eintrit, so trift dies Ungemach zuerst die Klasse des gemeinen Volks. Man bemerkt daher schon an diesen Menschen einige Annäherung zur zwoten Hauptgattung, einigen Abfall von dem schönen Modell, welches man so häufig, und so fehlerfrey unter ihren Vornehmen wahrnimmt. Die Farbe der Taheitier ist weder so gelb als die Farbe des Spaniers, noch so kupfer ähnlich, als die des Amerikaners; sie ist heller als das schönste Colorit eines Bewohners der Ostindischen Inseln, mit einem Worte, sie ist weis, mit etwas braungelbem Anstrich, der gleichwohl so stark nicht ist, daß man auf den Wangen des weisseren Frauenzimmers nicht noch das Erröthen unterscheiden könnte. Ausser dieser helleren Farbe findet man hier noch alle Schattirungen bis zu einem hell Braun, welches schon an die räucherigte Farbe der zwoten Hauptgattung gränzt. Das Haar ist schwarz,und ziemlich grob; es fällt in schöne natürliche Locken, und glänzt von dem wohlriechend gemachten Kokosöl, womit es bestrichen wird. Ich habe unter den Einwohnern dieser Inselgruppe nur wenige gefunden, die gelbbraunes oder sandfarbiges Haar hatten; mehrentheils waren auch bey diesen nur die Spitzen der Haare gelblicht, der untere Theil aber dunkelbraun. In O-Taha sahe ich einen einzigen Kerl, der völlig rothes Haar hatte. Seine Haut war weisser als gewöhnlich, und ganz mit Sommersprossen bestreut. Die Gesichtszüge der Taheitier sind ziemlich regelmäßig schön, nur die Nase ist unterwärts etwas zu breit. Der Bart ist stark, und von dunkler Farbe. Viel offenes, fröliches verkündigt das runde Gesicht des Frauenzimmers, und ihr heiteres großes Stralenauge. In der Vereinigung der Züge ist Symmetrie, und der Ausdruck des Ganzen gewinnt unendlich durch unbeschreiblich holdes Lächeln. Der Leib ist schön gebaut, die Linien des Umrisses fließen sanft ineinander, die Proportionen sind weiblich schön. Unter der Klasse der Erihs und Manahaunes giebt es Männer von athletischem Muskelbau, der aber demohngeachtet etwas weichliches verräth. Nur in den Füssen ist einige Disproportion vorhanden, indem sie, fast durchgehends, zu groß zu seyn scheinen. Der gemeine Mann ist mehrentheils gut und proportionirlich gebaut, aber sein ganzer Körper zeugt von größerer Lebhaftigkeit, und einer durch Uebung und Arbeit erlangten Festigkeit. Auch das Frauenzimmer dieser Insel ist zart und symmetrisch gebildet; besonders findet man bey ihnen die schönsten Arme, Hände und Finger, wie das Modell zur mediceischen Venus sie nicht schöner gehabt haben mag. Allein auch das Frauenzimmer geht mit blossen Füßen, die eben dadurch verunstaltet werden müssen. Unter den Mannspersonen, sind vorzüglich die Erihs fast durchgehends von ansehnlicher Statur, viele hatten eine Höhe von sechs Schuh und drey Zoll, und einer sogar von sechs Schuh und vier Zoll. Auch die gemeinen Mannspersonen sind nicht klein. Das Frauenzimmer könnte man eher klein nennen; die wenigsten kommen den Männern nahe; inzwischen sahe ich doch verschiedene große Mädchen, und besonders eines von sechs Schuhen Den Unterschied zwischen der Höhe der Manns- und Weibspersonen werden wir bey uns nicht gewahr, weil der Anzug, die hohen Absätz, der Kopfputz, uns täuscht. Im Grunde ist er wohl eben so groß als bey den Taheitiern, folglich sind die dortigen Frauenspersonen verhältnismäßig, nicht kleiner als sie seyn sollten. G. F. . Alle Einwohner der Societätsinseln haben ein lebhaftes heiteres Naturell, einen Hang zur Fröhlichkeit, die oft in schallendes Gelächter ausbricht; ein vertrauliches, gutartiges Gemüth, und einen hohen Grad von Leichtsinn, vermöge dessen sie nichts mit anhaltender Aufmerksamkeit betrachten können, sondern schnell von einem Gegenstände zum andern vorüber eilen. Die Hitze ihres Klima verursacht eine Erschlaffung der festen Theile, und macht sie träge, oder zu aller anhaltenden schweren Arbeit abgeneigt. Die Großen und Vornehmen, die gemeiniglich überaus starke Mahlzeiten thun, und ihren Magen nichts weniger als zusammen schrumpfen lassen, sind sogar bey dieser Beschäftigung unthätig genug, um sich nicht selbst zu bedienen; sondern laßen sich von andern die Speisen in den Mund stecken. Bey der reichlichen gesunden Nahrung, die sie geniessen, und in einem so herrlichen Klima, würken die Reitze des andern Geschlechts mit zwiefacher Macht, und daher überlassen sie sich sehr frühzeitig schon der zügellosesten Unzucht. Ihre Gesänge, ihre Tänze und Schauspiele – athmen Wollust. Dafür sind auf der andern Seite Gastfreyheit gegen den friedfertigen Fremdling, und Tapferkeit im Kriege, ihre Tugenden. Der Pöbel bestiehlt nur darum den Fremden, weil ihn der Anblick mancher Seltenheiten, die ihm unschätzbar sind, unwiderstehlich reitzt. Wenn ich nun dies alles zusammen nehme, eins gegen das andre aufgehen lasse, so dünkt mich, daß schwerlich ein Volk, ohne fernere Ausbildung zu erhalten, unter einer liebenswürdigern Gestalt aus den Händen der rohen Natur hervor gegangen sey. 2) Die Einwohner der Marquisasinseln machen diejenige Spielart aus, welche an Vorzügen den Einwohnern der Societätsinseln am ähnlichsten ist. Daß sie von etwas dunkelgelberer Farbe sind, rührt vermuthlich daher, weil ihre Inselgruppe um einige Grade dem Aequator näher liegt, und weil sie selbst, bis auf einen leichten Schurz, fast gänzlich nackend gehen. Inzwischen giebt es auch unter ihnen einzelne Personen von hellerer Farbe; und das Frauenzimmer, welches ganz bekleidet ist, kömmt dem taheitischen an Weiße bey. Fast durchgehends sind die Mannspersonen stark und wohlgebaut, jedoch nicht so fleischigt wie die Taheitier. Diesen Unterschied schreibe ich einem höhern Grade von Aktivität zu; sie wohnen größtentheils auf den Rücken und sogar auf den höchsten Gipfeln der Berge, woselbst ihre Wohnungen, gleich Adlersnestern auf den schrofsten Felsenspitzen, stehen. Die schärfere Luft auf diesen Höhen, welche oft, ja die mehreste Zeit in Wolken verhüllt sind, und die heftige Bewegung im Auf- und Absteigen, können schon das ihrige beytragen, den Körper etwas hagerer zu machen. Die Männer haben schwarze Bärte, und schönes Haupthaar. Auch hier sieht man schöne Körper, proportionierliche Gliedmaßen, und wallenden Umriß; allein der Gebrauch der Mannspersonen, sich über den ganzen Leib, das Gesicht nicht ausgenommen, auf die seltsamste Art zu punktiren, und mit sorgfältigst beobachter Symmetrie lauter Schnirkel, Kreise, Linien und rautenförmige Figuren, dicht neben- und in einander anzubringen, verunstaltet sie merklich, und benimmt der Schönheit der Bildung ihren ganzen Effekt. Ihre Jünglinge, die noch nicht so stark punktirt sind, können für Modelle zu einem Ganymedes gelten. Ihre Gesichtszüge, und so auch die des Frauenzimmers, sind schön und regelmäßig; das Gesicht selbst ist oval. Der zarteste Umriß, und die schönsten Extremitäten, sind auch hier das Eigenthum des andern Geschlechts. Fast durchgehends sind diese Insulaner mittler Statur; wir haben wenige oder gar keine kleine gesehen. Uns begegneten sie freundlich, gefällig, und nahmen uns sehr gastfrey auf. Neugierde schien ein hervorstechender Zug in ihrem Charakter zu seyn, und den Leichtsinn hatten sie mit den übrigen Völkern des heißen Erdstrichs gemein. Unser nur kurze Aufenthalt bey ihnen, verstattete uns keine nähere Erforschung ihres Charakters. Aus Teaukea, einem der vielen flachen Eilande, zwischen den Marquisasinseln und O-Taheiti, fanden wir die Einwohner beyderley Geschlechts von dunkelbrauner Farbe, mittler Statur, starken Knochen, wohl proportionirt, und mit schwarzem Haar. Auf die Brust, den Bauch, und bey einigen auch auf die Hände hatten sie sich allerhand Figuren punktirt. Sie nahmen uns gut auf, überliessen uns um etliche eiserne Nägel, Kokosnüsse und Hunde, und versuchten es nicht, uns das mindeste zu Leide zu thun, ohnerachtet sie in ziemlicher Anzahl und wohl bewafnet waren. Indeß, da ihr Haufen mit jedem Augenblicke größer ward, so will ich es dahin gestellt seyn lassen, ob sie mit uns durchaus nichts als gutes im Schilde führten oder nicht. 3) Die Bewohner der freundschaftlichen Inseln, werden denen auf den Marquinasinseln an Schönheit wenig oder nichts nachgeben. Ihre Farbe ist unstreitig etwas dunkler als die gewöhnliche Schattirung der gemeinen Leute auf den Societätsinseln; sie ist aber nur hellbraun, und fällt ins röthliche oder kupferähnliche, kann folglich keinesweges für eine Schattirung von Schwarz gelten. Die Vornehmeren und die mehresten Weiber kommen ohnehin dem weisseren O-Taheitischen Colorit schon näher. Ihre Statur ist eher über als unter der Mittelgröße; ihre Züge sind regelmäßig und männlich. Den Bart lassen sie nicht lang werden, sondern bedienen sich gemeiniglich zwoer Muscheln, um ihn abzuschneiden. Jedes Ohrläppchen wird mit zwey Löchern durchbohrt, durch welche sie ein kleines Hölzchen in horizontaler Richtung stecken. So weiblich schön von Gestalt, wie die taheitischen Erihs, sind sie nicht; allein Festigkeit, Symmetrie, und Ausdruck von Stärke liegt allemahl in ihrer Bildung; nichts ist verzerrt, sondern jede Muskel erhält durch mäßige Anstrengung seine rechte Dimension. Die Statur der Weiber kömmt der des männlichen Geschlechts nahe: fette Leute wie in den Societätsinseln, wird man nicht gewahr. Bey einem runden Gesicht, mit regelmäßigen Zügen, und schönen, hellen, großen Augen, scheinen diese Brünetten durch ihre Farbe eher zu gewinnen, als zu verlieren. Ein gefälliges Lächeln und natürliche Ungezwungenheit in allen Handlungen, erhöhen den Reiz ihrer schönen körperlichen Bildung. Unter andern erregte hier, auf der Insel Tongatabu, ein Mädchen von zehn bis zwölf Jahren, in dem Gewühl der am Strande versammleten Menschen, unsre Aufmerksamkeit in vorzüglichem Maasse. Ihr länglichtes Gesicht hatte die schönsten, regelmäßigsten Züge, und eine unbeschreibliche Anmuth im ganzen Ausdruck; ihr helles munteres Auge schien lauter Leben zu seyn; ihr langes Haar fiel in ungekünstelten Locken herab, und war mit wohlriechenden Blumen besteckt; aus ihrem ganzen Betragen leuchtete Seele, Freyheit und Grazie hervor. Sie hatte fünf kugelförmige Früchte, die sie beständig in die Höhe warf, und mit bewundernswürdiger Geschicklichkeit und Behendigkeit auffieng. Der Charakter dieses Volks ist in der That liebenswürdig; ihre Freundschaftsbezeugungen gegen uns, die wir ihnen doch völlig fremd waren, hätten einer gesitteten Nation Ehre gemacht. In den Häusern, bot man uns überall, mit wahrer patriarchalischer Gastfreyheit, Speise, und den kühlenden Trank aus der Kokosnuß, dar. Ihre Handlungen zeugten jederzeit von Gutherzigkeit und einnehmender Sitteneinfalt. Alle die kleinen Flecken, die wir im Charakter der Taheitier bemerkt hatten, fanden wir zwar bey diesen guten Insulanern, jedoch nicht in gleich starkem Grade, wieder. Erfindungsgeist und Zierlichkeit des Geschmacks offenbaren sich deutlich in ihren Geräthen, Waffen und übrigen Handarbeiten, so auch in ihrer Tonkunst und ihrem Ackerbau. 4) Zunächst an diesen Stamm, ordnen wir ein geringes Völkchen, welches kaum aus 900 Köpfen besteht, und allen bereits genannten Spielarten der ersten Hauptgattung, weit nachstehen muß. Ich spreche von den Bewohnern der Osterinsel. Diese Menschen sind mittler Statur, zwischen fünf und sechs Schuh hoch, hagern Körpers, von ziemlich symmetrischen Gliedmaßen, aber nicht allzu einnehmenden Zügen. Ihre Farbe ist gelbbraun, und zwar noch etwas dunkler, als wir sie bey den Einwohnern der freundschaftlichen Inseln bemerkt haben. Die Mannspersonen tragen selten eine andre Bedeckung, als ein Tuch, welches um den Unterleib gegürtet wird; das Frauenzimmer ist vollständiger gekleidet, etwas kleinerer Statur, und von angenehmerer Bildung. Die Männer sind über den ganzen Leib punktirt, haben schwarzes Haar, und einen dünnen Bart. In das Ohrläppchen ist eine große Oefnung eingeschnitten, dergestalt, daß auch ein Theil des äußern Randes durch einen Schnitt von dem Ohre abgelöset ist; in diese geräumige Oefnung stecken sie ein aufgerolltes Blatt vom Zuckerrohr. Uebrigens sind es gute, harmlose Menschen, die zum Theil die Gastfreyheit nach Vermögen ausübten, aber auch sehr fertig stehlen konnten. Bey aller Dürre und Unfruchtbarkeit des Bodens giebt es dort dennoch weitläufige Pflanzungen von süssen Bataten, Zuckerrohr, Pisangs und Aronswurzeln; Wasser und Holz aber sind äußerst selten. Einige Ueberbleibsel von ehemaligen Pflanzungen auf den Bergen, nebst einer großen Anzahl ungeheurer Bildsäulen von Stein, welche auf ihren Begräbnisplätzen das Andenken verstorbener Befehlshaber und Helden verewigen sollen, beweisen, daß die Bevölkerung dieser Insel und die nationale Größe ihrer Bewohner ehemals weit ansehnlicher gewesen seyn muß, als iezt. An einigem kleinen Schnitzwert, welches wir dorther erhalten haben, sieht man auch sichere Anzeigen von Kunst und angehendem Geschmack. 5) Fern von dieser, und allen übrigen Inseln des Südmeeres, welche von der ersten Hauptrasse bewohnt werden, finden wir noch eine Abart dieser Menschengattung auf den beiden Inseln von Neuseeland. Diese Leute sind gelbbraun, und sehen im Gesichte noch dunkler aus, weil sie es mit Punkturen, oder eigentlichen schneckenförmigen Einschnitten, über und über verunstalten. Oft hindern diese Punkturen den Wuchs des Barts, der sonst schwarz und zottigt zu seyn pflegt. Ihr starker, zu ermüdende Arbeiten gebildeter Körper, ist von großer Statur; ihre Gliedmaßen haben Festigkeit und Ebenmaas. Nur die Knie sind etwas unförmlich, und die Beine einwärts gebogen, welches von der Stellung herkommt, die sie in ihren Kähnen, auf den Fersen sitzend, annehmen müssen. Die Weiber sind mehrentheils hager, und die wenigsten haben ein hübsches Gesicht, sondern fast durchgehends widrige Züge, wenn schon der Wuchs des übrigen Körpers proportionirlich ist, bis auf die Knie, die so wie bey jenem Geschlechte viel zu dick sind. Die Männer behandeln ihre Weiber mit vieler Härte, und halten sie zu allerley mühsamen, harten Arbeiten an, wie solches bey allen barbarischen Völkern üblich ist STRABO lib. III. p. 114. n. Tacit. de morib. Germanor. c. XV. Auch die alten Bewohner von Spanien, Ligurien, Celtica und Germanien hatten diese grausame Sitte, und überließen den Ackerbau nebst allen schweren Arbeiten dem schwächern Geschlechte, um selbst Müssiggänger zu seyn. Noch jezt findet man bey rohen Völkerschaften ähnliche Gewohnheiten. Am Orinokostrom hat ihn Gumilla wahrgenommen, (Gumilla, el Orinoco illustrado) in Californien der P. Venegas, (Hist. of California part I. sect. I.) Unter den Esquimos sind die Männer die ärgsten Faullenzer, und die Weiber die geplagtesten Geschöpfe. (Lieut. Curtis in den Philos. Transact. Vol. LXIV. part. 2 p. 385.) In Tscherkassien müssen die Weiber das Feld bestellen. Chardin. Voyag. en Perse. Der P. Boscowich fand die Bulgarischen Weiber mit der Anpflanzung der Weinberge beschäftigt. (Voyage de Constantinople p. 93 und 164.) In Afrika ist es überall gebräuchlich die schwersten Arbeiten den Weibern zu überlassen. So z. B. unter den Hottentotten, (s. Kolbens Beschreibung des Vorgeb. der guten Hofnung Theil 1. S. 127 u. 128) und la Caille Voyage au C. de B. E.) Keeling sahe die Negern Weiber um Sierraleona mit schwerer Arbeit belastet. (S. dessen Reise.) Die Giagas beschreibt man als ein äußerst fühlloses und gegen das andere Geschlecht grausames Volk. (Lord Kairne´s Sketches of the history of man, p. 187.) Falkner bemerkt, daß das Leben der Weiber unter den Pueltsches, Tehuelhets und andern patagonischen Stämmen eine ununterbrochene Folge von Arbeiten ist. Außer der Sorge für die Erhaltung der Kinder, werden ihnen alle Arten der Beschwerden zu Theil. (Descript. of Patagonia, p. 125). . Uebrigens sind sie gastfreye, aufrichtige und grosmüthige Freunde, unerschrockne, kühne Krieger, grausame und unerbittliche Feinde. Ihre Rachgier ist nicht anders als durch Blut zu stillen, und geht gar so weit, daß sie ihre unglücklichen Gefangenen verzehren. Sonst scheint viel gesunder Menschensinn in ihrer Anlage; und daß sie auch von Erfindung und Geschmack nicht völlig entblößt sind, erhellet zur Genüge aus ihrem Schnitzwerk und übrigen Handarbeiten. 2. Zwote Hauptgatttung. Die Abänderungen der zwoten Rasse von Menschen in den Südländern, trift man insgesammt auf den westlicheren, innerhalb der Wendekreise gelegenen Inseln an. 1) So nahe auch die große Insel Neukaledonien dem festen Lande von Neuholland liegt, so verschieden sind dennoch ihre Einwohner von den kleinen, unansehnlichen Menschen, die man auf diesem neuesten Continente angetroffen hat. Sie unterscheiden sich aber zugleich eben so merklich von den Bewohnern der östlichen Inseln, die zur ersten Hauptgattung gehören. Es giebt unter ihnen viele von langer Statur, und starkem Knochenbau, keinen aber unter der mittleren Größe; die Weiber hingegen, die auch hier zur Classe der lastbaren Thiere erniedrigt werden, sind gewöhnlich kleiner Statur. Die allgemeine Farbe ist schwärzlich (oder räucherigt,) ihr Haar ist kraus, doch nicht sehr wolligt Der Unterschied zwischen krausem Haar und Wollhaar ist so ungegründet nicht, als man vielleicht beym ersten Lesen denken möchte. Das Haar des Negers ist nicht blos kraus, sondern jedes einzelne Haar ist überaus fein, und sproßt aus einer ungleich kleinern Wurzel als bey andern Menschen; daher heißt es Wollhaar. Es ist wahrscheinlich, daß die übermäßige Ausdünstung eine Menge Säfte mit sich führt, welche zur Nahrung und zum stärkern Wachsthum der Haare beytragen sollten. Vielleicht hat also das Klima und die Lebensart selbst, einigen Einfluß auf die Beschaffenheit des Haares. Die Einwohner von Taheiti, den Societäts- Marquisas- und freundschaftlichen Inseln haben einerley Himmelsstrich mit den Bewohnern der neuen Hebriden, allein man wird an ihnen kein Wollhaar entdecken, weil die Gewohnheit, sich oft mit Kokosöl zu salben, die stärkere Ausdünstung zurückhält. Es ist aber auch nicht minder beobachtungswerth, daß diese Völkerschaften schon von weisseren Stämmen herkommen, wie in der Folge gezeigt werden soll. Noch gehört die Bemerkung hieher, daß mäßige Wärme den Haarwuchs befördert; denn im Sommer wächst das Haar bekanntlich stärker als im Winter: und die Bewohner heisser Länder gelangen eher zur Mannbarkeit, als die näher gegen die Pole wohnenden. ihre Bärte sind stark, und können oft in Knoten geschlagen werden; die Gesichtszüge sind grob und männlich, die Ohrenlappen, wie bey den Bewohnern von Ostereiland, ausgeschnitten und verlängert, so daß ich einen Mann bemerkte, der achtzehn Ohrringe von Schildkrötenschale trug, deren jeder einen Zoll im Durchmesser, und drey viertel Zoll an Breite hatte. Ihre Gliedmassen sind stark, und zur Anstrengung tauglich, jedoch wohlgebildet. Die Frauenspersonen haben grobe Züge; ihr rundes Gesicht, mit dicken Lippen und weitem Munde, hat nur selten einige Reize aufzuzeigen. Doch sind ihre Zähne, Augen und das lockigte Haar schön genug; so wie auch der Wuchs der Mädchen schlank und wohlgestaltet ist. Diese Insulaner sind fast durchgängig sanft, gutmüthig, und gegen Fremdlinge sehr dienstfertig. Ihr unfruchtbares Land bringt aber nach einer mühsamen Bearbeitung kaum genug für ihren nothdürftigen Lebensunterhalt hervor. Daher konnten sie uns keine Vorräthe dieser Art mittheilen, im Gegentheil empfingen sie von uns das erste Paar Hunde und Schweine, wodurch sie in der Folge vielleicht einen Zuwachs von neuen Lebensmitteln erhalten werden. 2) Die Einwohner von Tanna, einer unter den neuen Hebriden gelegenen Insel, sind fast eben so schwarz, als die eben erwähnten Neukaledonier. Nur wenige haben eine etwas hellere Farbe, und gelbbraune Haarspitzen, indeß bey allen übrigen der Bart und das Haupthaar schwarz und kraus, ja zuweilen gar wolligt sind. Die Tannesen sind gemeiniglich große, starke, wohlgestaltete, keinesweges aber corpulente Leute. Ihre Züge sind männlich und voll Kühnheit; selten fanden wir häsliche unter ihnen. Die Weiber haben mit den Männern einerley Farbe; die noch unverheiratheten sind zwar gut gebaut, aber fast alle Gesichter häßlich; einige in sehr hohem Grade. Ich habe nur zwey von sanfteren Zügen bemerkt, die eine frohe, lächelnde Miene annehmen konnten. Sowohl die Männer als die Weiber machen die Löcher in den Ohrlappen weit, und tragen mehrere große Ringe von Schildkrötenschale drinnen; so ist auch der Nasenknorpel durchbohrt, und ein cylindrisches Stöckgen, oder ein weisser Stein füllt die Oefnung aus. Das Haar wird auf eine eigne Manier gleichsam frisirt. So viel Haare als etwan die Dicke eines Taubenkiels betragen, werden mit dem Bast einer Art Zaunwinde (Convolvulus) umwickelt: und dergleichen kleine Zöpfe werden eine ungeheure Menge gemacht, bis alles Haar auf diese Art auf dem ganzen Kopfe verarbeitet ist. Wenn die Zöpfe kurz sind, kann man diese Frisur am besten mit den Stacheln eines sich sträubenden Stachelschweins vergleichen. Die Mannspersonen gehen ganz nackend, bis auf die Geburtstheile, die sorgfältig in Blätter gewickelt, und mit einem Bindfaden an den Strick befestigt werden, der anstatt des Gürtels um den Leib gebunden ist. Auf den Armen und auf der Brust sind Figuren eingeschnitten, die vermuthlich vermittelst Auflegung gewisser Kräuter, eine erhabene Narbe hinterlaßen. Ihr Naturell ist gutherzig, friedfertig und in hohem Grade gastfrey. Feinde, deren Waffen den ihrigen gleich sind, haben allem Anschein nach Ursach ihre Tapferkeit zu fürchten. Gegen uns, deren Feuergewehre sie nicht recht kannten, bezeigten sie solche dadurch, daß sich oft ein einzelner Mann mit seinem Wurfspies, oder seiner Schleuder, in einen Pfad stellte, und acht bis zehen der unsrigen wehrte, tiefer ins Land zu dringen. Anfangs äußerten sie Mißtrauen und Eifersucht gegen uns; nachdem wir aber einige Worte ihrer Sprache gelernt, und sie überzeugt hatten, daß wir nichts unbilliges im Sinne führten, ließen sie uns ungehindert hin und her gehen. So bin zum Beyspiel ich selbst in Begleitung zwoer, oder auch nur einer Person, etliche englische Meilen weit ins Land gegangen. Auch zum Stehlen sind sie meines Wissens nicht geneigt. Im Ganzen genommen, ist ihr Charakter etwas ernsthafter als bey den Societätsinsulanern; doch ließen sie mit unter nicht weniger Leichtsinn als jene blicken; sie sind lebhaft thätig, behend und dienstfertig, und belehrten uns williglich, wenn wir uns nur verständlich machen konnten. 3) Die Bewohner der Insel Mallikollo sind kleine, behende, hagere, schwarze, häsliche Geschöpfe, die unter allen Menschen, welche ich je gesehen, die mehreste Verwandschaft mit den Affen zu haben scheinen. Ihre Hirnschädel sind auf eine besondre Art von der Nasenwurzel aufwärts, mehr platt oder hinterwärts zurück gedrückt, als bey allen andern Menschen. Die Weiber sind häslich und übel gestaltet; sie müssen sich zur Arbeit und Dienstbarkeit bequemen, wie bey allen Varietäten, der zwoten Hauptrasse der Fall ist; sie tragen ihren müssigen Männern Lebensmittel nach, und bestellen in den Pflanzungen das Land. Das Haar der Mallikolesen ist mehrentheils wolligt und gekräuselt. Die Nase und Ohren sind durchbort; in jener tragen sie Stöckchen oder Steine, und in diesen große Ringe. Die Farbe ist schwarz, wie Ofenruß, die Gesichtszüge sind unsanft, die Backenknochen breit, und der Ausdruck des Ganzen unangenehm. Ihre Gliedmassen sind zwar nicht misgestaltet, aber dünn, und der Bauch insbesondere, wird mit einem Strick dergestalt zusammen geschnürt, daß es ein Europäer schwerlich aushalten würde. Die Geburtstheile sind, wie bey den Tannesen und Neukaledoniern eingewickelt und aufgebunden. An einem Arm befestigen sie in frühen Jahren ein Armband, welches hernach, wegen des zunehmenden Wachsthums der Gliedmaßen und Gelenke, nicht mehr abgezogen werden kann. Es giebt verschiedene unter ihnen, die über den ganzen Leib, auch sogar auf dem Rücken ziemlich stark behaart sind; jedoch habe ich diese Anomalie auch in Tanna und Neukaledonien bemerkt. Sie sind sehr behend, lebhaft und unruhig; einige scheinen boshaft und übelgesinnt, die mehresten aber friedlich und gutartig zu seyn. Frölichkeit, Musik, Gesang und Tänze sind bey ihnen sehr beliebt. Ihre vergifteten Pfeile thaten zwar keine Wirkung auf unsere Hunde, an denen wir sie versuchten, indessen folgt daraus nicht mit Gewisheit, daß sie ganz unschädlich sind. Nicht ohne Ursach würden diese Leute so ängstlich unsere Hand zurückgehalten haben, so oft wir es versuchten, die Spitzen dieser Pfeile nur mit dem Finger zu berühren; auch begreife ich nicht, in welcher Absicht sie sich sonst die Mühe geben sollten, diese knöchernen Pfeilspitzen mit einer harzigten Substanz zu beschmieren. Quiros, der ebenfalls dieses Volk besucht hat, hält ihre Pfeile auch für vergiftet. Ist dieses, so läßt sich wohl daraus schließen, daß sie in der Feindschaft grausam und unversöhnlich seyn müssen. Gegen uns äusserten sie jedoch ein Gefühl von Billigkeit und Menschenliebe. Der ungleich größere Theil von ihnen war vernünftig genug, mit der äussersten Sorgfalt alles zu vermeiden, was uns Mißvergnügen machen konnte. Sie schienen so gar die Ungerechtigkeit zu empfinden, die sie an uns durch den ersten Angrif begangen haben würden; denn sie verhinderten nicht nur alle Feindseeligkeiten, sondern gestatteten auch den ihrigen nicht einmal solche gleichgültige Handlungen, die wir übel hätten deuten können. Medio vero terrae salubris utrimque mixtura, fertilis ad omnia tractus, magna \& in colore temperies, ritus molles, sensus liquidus, ingenia foecunda, totiusque naturae capacia. PLIN . Hist. Nat. L. II. c. 78. Die Einwohner des Feuerlandes, als muthmaßliche Abkömmlinge der Südamerikaner, gehören zwar zu keinem von den obigen beiden Hauptstämmen der Südländer; indessen kann ich sie hier doch nicht mit Stillschweigen übergehen. Vorläufig wird es nicht überflüßig seyn, die von verschiedenen Schriftstellern und Reisebeschreibern oft so unter einander geworfenen Bewohner der Südspitze von Amerika, genauer zu bestimmen. Der Capitain Wallis sahe die Einwohner der Gegend, welche an den Eingang der magellanischen Meerenge gränzt, und nahm das Maaß ihrer Höhe S. Hawkesworths Sammlung der englischen Seereisen und Entdeckungen im Südmeere. Edition ln Quart. 1774 erster Theil. Seite 148. Edition in Octav. erster Theil. Seite 204. . Die mehresten waren 5 Schuh und 10 Zoll, bis 6 Schuh hoch; einige 6 Schuh 5 und 6 Zoll, und einer der größten 6 Schuh 7 Zoll. Herr von Bougainville Reise um die Welt etc. bemerkt, daß keiner weniger als 5 Schuh 5 bis 6 Zolle, Pariser Maaß, etliche aber 5 Schuh und 9 bis 10 Zoll hoch waren. Allein in einer vorhergehenden Reise des Schifs l'Etoile , hatte man etliche Menschen wahrgenommen, deren Länge 6 Pariser Schuh betrug. Nach englischem Maaß betragen die drey angegebenen Größen: die erste fünf Schuh zehn Zoll, die andre 6 Schuh 2 Zoll, und die letzte 6 Schuh 41 728/1000 Zoll. Herr de la Giraudais , Befehlshaber des Schiffs l'Etoile , Pernetty, Voyage aux isles Malounies. versichert, daß die kleinsten, die er 1766 gesehen, 5 Schuh 7 Zoll, Parisermaas, oder über 5 Schuh 11 Zoll (Englischen Maaßes) hoch waren. Herr Duclos Guyot in der Fregatte l'Aigle , Pernetty. l.c. berichtet, daß er die kleinsten, die er 1766 gesehn, 5 Schuh 7 Zoll, Parisermaas, (d.i. 5 Schuh 11 498 / 1000 Zoll, Engl. hoch befunden habe; es seyen aber auch viele weit größer gewesen. Pigafetta Pigafetta ap. Ramusio. Vol.I. p.353. ) der den Magalhaens an Bord des Schiffs Victoria begleitete, sahe im Haven S. Julian Menschen, die acht spanische Schuh, oder 7 Schuh 4 Zoll Engl. hoch waren. Knivet S. dessen Reise. der 1592 den Ritter Thomas Cavendish begleitete, fand im Haven Desire Menschen, die sechszehn Hände hoch waren; rechnet man 4½ Zoll auf eine Hand (breit) so sind diese Leute 6 Schuh hoch gewesen. Richard Hawkins dessen Reisen in der englischen Urschrift London 1622. spricht ebenfalls von großen Leuten im Haven S. Julian, die er 1593 gesehen, und die so gros gewesen, daß man sie füglich hätte Riesen nennen dürfen. Einige Spanier geben vor, daß im Innern von Chili (Tschile) zehn bis zwölf Schuh hohe Leute wohnen sollen. Allein eine so unbestimmte Nachricht, verdient ohne nähere und zuverläßigere Bestimmung keinen Glauben. Das Resultat aller hier angezogenen Zeugnisse, läßt uns inzwischen nicht mehr zweifeln, daß sich auf dem festen Lande von Amerika, ohnweit dem Vorgebirge der Jungfrau Maria, ein Volk von ungewöhnlich großen und robusten Menschen aufhält, deren keiner unter 5 Schuh und 10 Zoll, verschiedene über 6 Schuh, und einer 6 Schuh und 7 Zoll hoch befunden worden, und daß, wenn man Pigasetta Glauben beymessen will, einige sogar 7 Schuh und 4 Zoll hoch seyn müssen. Weiter landeinwärts giebt es ohnstreitig gewisse Stämme, die von noch ansehnlicherer Statur als jene von Wallis gemessene sind. Herr Falkner, Beschreibung von Patagonien. der sich mehrere Jahre unter jenen Völkern aufhielt, beschreibt den großen Caciquen Cangapol , dessen Residenz Huitschin am schwarzen Flusse ( black River ) belegen war, als einen 7 Schuh und einige Zoll langen Mann. Dieses Maaß hatte er dadurch bestimmt, daß er auf den Zehen stehend, mit seinen Fingerspitzen Cangapols Scheitel nicht zu erreichen vermochte. Dieser Cacique hatte einen Bruder der nur 6 Schuh lang war. Sie gehörten beyde zum Stamme der Pueltsches ( Puelches ). Herr Falkner erinnert sich nicht, je einen dortigen Einwohner gesehen zu haben, der den Cangapol um mehr als zwey Zoll an Höhe übertroffen hätte. Dieser Stamm der Pueltsches, und einige andre, ziehen selten nach der Seeküste, oder in der Nähe der magellanischen Meerenge; sie bleiben daher den wenigen Seefahrern, die jene unbewohnte Küste berühren, fast gänzlich unbekannt. Es möchte uns zwar problematisch scheinen, daß ein ganzes Völkchen sich in solcher auszeichnenden Leibesgröße erhalten könne, allein die Umstände können vieles dazu beytragen. Eine unaufhörliche Vermischung mit Fremden, ist bey uns eine Folge der höhern Gesittung; wir können nicht hoffen, die verschiedenen Rassen unvermischt zu erhalten; List und Trug, des einen, Neugier, Leichtsinn und Sinnlichkeit des andern Geschlechts, haben in unsern so aufgeklärten Ländern jene Nichtvermischung völlig unmöglich gemacht. War doch der Sittenverderb in England hoch genug gestiegen, um unter Damen von Stande, aus O-Mai einen Gegenstand thierischer Begierde zu machen! Die Pueltsches und andere Patagonische Stämme bewohnen ein Land, welches außer ihnen; fast von keinen andern Menschen betreten wird. Ihre Nachbarn, die Spanier in Tschile ( Chili ) und Rio de la Plata, haben mit ihnen wenig Verkehr, und sind froh, wenn sie von den Streitereyen so gefährlicher Feinde verschont bleiben. Sie leben fast ohne Mühe von der Jagd, und von großen Heerden, wozu ihr Land ihnen unermeßliche Weiden darbietet, die von einer Seite an das Meer gränzen, und von der andern, durch hohe Gebirgsketten von allen andern Gebieten abgesondert werden. Diese Lage ist in der That das beste Mittel, die Ausartung jener edlen, herkulischen Rassen von Menschen zu verhindern; sie verheiraten sich blos mit ihres gleichen, geniessen einerley Nahrung, leben stets unter demselben Himmel, und sind allesammt an mäßige Bewegung gewöhnt; lauter Umstände, die das ihrige beytragen, den Körperbau zu stärken und zu befestigen. Ihre Speisen, die sie reichlich von der Jagd erhalten, sind mannigfaltig und gesund. Das Klima ist gemäßigt, und ihre Kleidung von Pelzwerk schützt sie hinlänglich gegen die Strenge des Winters. Endlich ist noch ihre nomadische Lebensart, ihrer vollständigeren Ausbildung vortheilhaft; sie durchstreifen beständig die weitläufligen Gefilde von Südamerika; vom Platafluß bis an die magellanische Meerenge; die Jagd, das Reiten, die Uebung in den Waffen, stärken und bilden ihren Körper durch mäßige Bewegung; sie wissen nichts von jener anhaltenden, heftigen Anstrengung, die bey andern Völkern bereits im frühen Knabenalter beginnt, die Lebensgeister erschöpft, das Wachsthum erstickt, und alle Glieder verkrüppelt Anmerk.: Der obige Satz, daß die Rassen, auch des Menschengeschlechts, sich in ihrer Eigenthümlichkeit erhalten können, so lange sie nicht vermischt werden, bestätigt sich durch ein seltenes Beyspiel aus unsern nordischen Gegenden. Die Garden des hochsel. und des jetztregierenden Königs von Preussen, Leute von ungewöhnlicher Grösse, haben seit funfzig Jahren in Potsdam gestanden. Man hat daher bemerkt, daß eine beträchtliche Anzahl der jetzigen Einwohner dieser Stadt, hauptsächlich aber Personen weiblichen Geschlechts, von ansehnlicher Länge sind. Unfehlbar ist dieses merkwürdige Phänomen eine Folge der Vermischung oder Verheiratung jener großen Soldaten mit dem Potsdamer Frauenzimmer. Diese Beobachtung bin ich einem Gelehrten Freunde schuldig. . Mich dünkt, nicht nur die Wahrscheinlichkeit, sondern auch die wirkliche Existenz der großen Patagonier wird außer Zweifel gestellt, wenn man neben diese physischen Beweisgründe, jene Zeugnisse glaubwürdiger Schriftsteller setzt. Unbillig, und ich möchte fast sagen unartig war es immer, eines Mannes blos deswegen zu spotten, weil ihm die Existenz dieser großen Südamerikaner glaublich schien. Im Feuerlande, welches das südliche Ufer der magellanischen Meerenge ausmacht, wohnen einige Familien von Menschen, die augenscheinlich von jenen auf dem festen Lande ausgeartet, und sehr von ihrer ursprünglichen Größe herabgesunken sind. Ihre dicken Köpfe, breiten Schultern und Brustknochen, ihre Gesichtszüge sogar, würden verrathen, daß sie von dem zunächst angränzenden Volke, den Yacannacunihs abstammen, wenn auch Herr Falkner nichts davon erwähnt hätte Beschreibung von Patagonien. . Merkwürdig ist es indessen, daß die großen Menschen, die der Admiral Byron , Capitain Wallis , Herr Bougainville , Hr. de la Giraudais und Hr. Duclos Guyot gesehen, durchgängig beritten waren; dahingegen die Yacannacunihs , deren Name schon Fußvölker bedeutet, keine Pferde haben. Auch diese Bemerkung, die sich von Herrn Falkners treflichen Buche herschreibt, wird durch die erste Cookische, und mehrere holländische und französische Reisen bestätigt S. Hawkesworths Geschichte der englischen See-Reisen etc. Edition in Quart. 2 Theil. S. – Recueil des Voyages pour l'établissement de la Comp. des Indes Orientales. Tome IV. – Bougainville, Voyage autour du monde, – , indem diese alle, auf dem Feuerlande unberittene Einwohner angetroffen haben, die in Kähnen von Baumrinde über die Meerenge hin und her schifften. Die Einwohner der westlichsten Inseln des Feuerlandes mögen indessen eher noch von den Key-yus , einem Stamme unter den Huillitsches , die zur Nation der Molutsches gehören Falkners Beschreibung etc. , Abkömmlinge seyn. Diese Kay-yus beschreibt Herr Falkner als Leute von kleiner, jedoch untersetzter Statur. Die wenigen Menschen, die wir im Christmeßsunde antrafen, hatten ohngefähr diese Bildung. Sie waren kurz, untersetzt, dickköpfigt, gelbbrauner Farbe. Ihre Züge waren grob, das Gesicht breit, mit hoch hervorragenden Backenknochen, flacher Nase, weiten Nasenlöchern und Munde; und in der ganzen Gesichtebildung herrschte eine Leere, die keines andern Ausdrucks, als des Elendes fähig schien. Ihr schwarzes, schlichtgehendes Haar hing in eckelhafter Verwirrung um den Kopf, ihr Bart war dünn, und kurz abgestutzt. Der Obertheil des Leibes ist stark gebaut, die Brust und Schultern breit; der Bauch aber flach, und nicht hervorstehend, der Hodensack sehr lang. Die Füsse haben kein Verhältniß zu dem Oberleibe; die Schenkel sind dünn, und hager, die Beine gekrümmt, die Knie ausgedehnt, die Zehen einwärts gekehrt. Sie gehen fast ganz nackend, und tragen blos auf dem Rücken ein Stückchen Seehundsfell. Ihre Weiber sind ihnen an Bildung und Farbe ähnlich, und mit ihren hängenden Brüsten nur noch häßlicher. Ausser jenem Seehundsfelle auf dem Rücken, tragen sie (jedoch nicht alle) noch einen kleinern Lappen, oder den Balg eines Vogels, um die Schaam zu decken. Harmlose, friedfertige Menschen schienen sie zwar zu seyn, allein zugleich auch ungewöhnlich dumm. Sie waren nicht im Stande, irgend eines der Zeichen zu verstehen, die wir ihnen vormachten, und deren Bedeutung doch alle Insulaner des Südmeeres so leicht begriffen hatten. Wir hörten von ihnen kein deutliches Wort, ausser: Pesseräh! welches sie oft wiederholten, vielleicht um uns zu bezeugen, daß sie Freunde wären, vielleicht auch, daß sie dies oder jenes gut und schön fänden. Wenn sie unter sich sprachen, bemerkte ich, daß das r und l, hinter einem englischen th, also fast wie das wälsche ll öfters vorkam; auch hatten sie verschiedene andere Lispeltöne. Das Trahnöl womit sie sich beschmiert hatten, kündigte, durch einen höchstwidrigen Geruch, ihre Annäherung schon auf etliche Schritte weit an. Selbst an den heitersten Tagen ihres unfreundlichen Sommers, schauderten sie beständig vor Kälte. Mit einem Wort; die menschliche Natur erscheint nirgend in einem so herabgewürdigten, elenden Zustande, als unter diesen traurigen, verlassenen, sinnlosen Geschöpfen. Dritter Abschnitt. Ursachen der Verschiedenheiten der Menschengattung in den Südlandern; ihre Abkunft; ihre Wanderungen. Inde Venus varia producit forte figuras: Majorumque voltus, vocesque comasque. LUCRET. Die Lehre unserer heiligen Bücher, daß aller Menschen Ursprung ein einiges Paar gewesen sey, würde mich der Mühe überheben, den Grund der so verschiedenen Abstufungen des Charakters, des Körperbaues, der Farbe, Größe und Gesichtsbildung aufzusuchen, die ich im vorhergehenden an den Bewohnern der Südländer aufgezählt habe; ich würde den Knoten mit einem Schwerdtstreich lösen, und gerade zu entscheiden können, daß alle Varietäten im Menschengeschlechte bloß zufällig, keinesweges aber ursprünglich sind. Allein darf es in einem Zeitalter der allgemeinen Aufklärung und Erleuchtung hiebey sein Bewenden haben? Ich fürchte sehr, das Gegentheil! Wir leben in einem Jahrhunderte, welches zuweilen einen Beweis seiner höchsten Verfeinerung im kühnen Unglauben setzt; dessen angebliche Weisen aus eben jener göttlichen Schrift, die sie so keck verspotten, zwar oft ihre eignen Sätze vertheidigen, andern aber ein gleiches Recht absprechen wollen. Wir erblicken um uns her, neben dieser allgemeinen Verachtung alter Wahrheiten, ein noch allgemeineres Bestreben, neue, unerhörte Dinge zu sagen. – – velut ægri somnia, vanae Finguntur species – Die neuesten Schriften unsrer Zeiten wimmeln von parodoxen Sätzen, und von ungereimten Meinungen. Bald theilt man das Menschengeschlecht nach seinen verschiedenen Farbenschattirungen in mehrere besondre Gattungen; bald zählt man einige Klassen von Menschen wirklich unter die Affenbastarte; bald gnügt es den Sonderlingen nicht, alle diese Schattirungen aus einer Quelle herzuleiten, sondern es wird noch eine Affenart, der Orang-Utang, zum Range eines Menschen erhoben. Lord Montboddo, Verfasser des Werks On the origin and progress of language , sagt, Vol. I. p. 175. 289. »Es ist mit, wie mich dünkt, unumstößlichen Gründen erwiesen, daß die Orang-Utangs zu unserer Menschenart ( Species ) gehören.« So erweitert sich dann der Kampfplatz; wir sehen uns plötzlich von entgegengesetzten Meinungen bestürmt, und müssen darauf denken, die unsrige zu vertheidigen. Wie leicht könnte ich mich auf Menschensinn und Vernunft, jene erhabenen Vorrechte unseres Wesens berufen, wenn es darum zu thun wäre, den Menschen von denjenigen Thierarten zu unterscheiden, denen man so fälschlich Seelenkräfte beyzulegen pflegt? Sollte nicht der Hülfbedürftige, wehrlose Zustand des neugebohrnen Kindes, die lange Kindheit, der Mangel des Instinkts, oder einer angebohrnen Fähigkeit sich gegen äussere Gefahren zu schützen, und die zuträglichste Nahrung aufzusuchen und auszuwählen; dies, und noch mehr, hinlänglich beweisen, daß der Mensch zum gesellschaftlichen Leben bestimmt, der Vorsorge anderer anvertraut, und eben deswegen auch mit jenem Keime der Vernunft begabt worden ist, der aus den verschiedenen Stufen der Kultur einer so mannigfaltigen Entwicklung fähig wird? Welch einen Beweis, daß der Mensch von allen Thieren sorgfältig abgesondert werden muß, giebt nicht das Werkzeug und der Gebrauch der Sprache, dieses erhabenen Geschenkes, welches die Vernunft begleitet, und ihm einzig eigen ist? Nicht einmal den Umfang der Stimme, nicht die Abwechselung der Töne, nicht die Stärke und Biegsamkeit, besitzt irgend eines der bekannten Thiere, denen die Natur zwar sinnliches Gefühl und leidenschaftliche Triebe zugetheilt, die Gaben der Vernunft aber, die Verbindung der Begriffe, die Sprache des Herzens, und die Ausbildung des sittlichen Gefühles vorenthalten hat. Court de Gebelin, Plan général du Monde primitif. p. 10. Sind endlich die Aussagen aller berühmten Zergliederer der jetzigen und verflossenen Zeiten, eines Hallers, eines Hunters, eines Daubenton, eines le Cat, eines Meckel, eines Camper, nicht ohne alle Ausnahme entscheidend über den großen Unterschied des menschlichen von allen thierischen Körpern. Beweisen nicht die Gestalten der Theile des Hirns, und des Schädels, nicht das Hinterhauptsloch, ( foramen magnum ) die Verbindung, Bewegung, Gestalt und Länge der Nackenwirbel, die Kürze und eigne Figur des Beckens, die Breite des Hüftbeins, das schmale Gesäßbein, die Figur der Pfanne ( acetabulum ) und des Kopfs am Schenkelknochen, die Gestalt und Verbindung des Glutæus mit den Muskeln der Beine, die Bildung der Füsse und Hände, kurz, der ganze vielfache, wunderreiche Gliederbau; beweisen diese nicht, daß unter allen Säugthieren der Mensch nur ganz allein zum aufrechten Gange bestimmt ist? Blumenbach, de generis humani varietate nativa. Götting. 1776. 8vo. und J. Hunter de eodem Argumento. Edinburg. 1776. 8vo. Zufälligerweise sieht man zwar bisweilen einen Affen in einer aufgerichteten Stellung; doch ist ihnen dieselbe keinesweges natürlich, sondern sie laufen lieber auf allen vieren. Hingegen hat man bey Menschen, in einem ganz wilden Zustande, wenn solche den Thieren nachgeahmt, und einen vierfüßigen Gang angenommen haben, eine davon entstandene unnatürliche Geschwulst in den Weichen bemerkt. Tulpius, obs. IV. 10 Doch ich halte mich schon zu lange bey einer ernsthaften Widerlegung jenes verworffenen Satzes auf, daß Affen nur Abarten der Menschengattung sind, und es würde doch vergebens seyn, wenn ich alle hieher gehörige, den Gelehrten so bekannte, so entscheidende Beweisgründe aufzählen wollte, da deren Auseinandersetzung unsern witzelnden Zeitgenossen viel zu mühsam und gründlich ist. Dem lächerlichen Streite angemessener, wäre vielleicht jene ihnen eigne Art des Beweises, wozu ich mich der dichterischen Schilderung unserer ersten Mutter bedienen könnte, die Milton so reizend entwirft. »Wer ists, der das unvergleichliche Geschöpf der Meisterhand, das Weib, - - - So lovely fair, That what seem`d fair in all the world, seem`d now Mean, or in her summ`d up, in her contain`d And in her looks, which from that time infus`d Sweetnes into his heart, unfelt before, And into allthings from her air inspir`d, The spirit of love and amorous delight. Grace was in all her steps, heav`n in her eye, In every gesture dignity and love. so wunderschön gebildet, um den Reitz der ganzen Welt zu verdunkeln, oder vielmehr Inbegrif aller Schönheit zu seyn, durch den Zauber ihrer. Blicke dem Herzen des Mannes noch ungefühlte Süßigkeit einzuflössen, und den Geist der holden Liebe durch die ganze Natur zu athmen, – wer ists, sage ich, der diese Grazie daherschwebend, den ganzen Himmel in ihrem Auge, und in jeder ihrer Bewegungen die mächtige Liebe selbst erblickte, – und fähig wäre, sie mit einer häßlichen, eckelhaften Aeffin zu vergleichen?« Wer einen solchen Gedanken im Ernst vertheidigen wollte, verdiente von den glänzenden Kreisen wo Evens schöne Tochter erscheinen, gänzlich verbannt zu werden, und zur Strafe nur mit Orang-Utangs, der Liebe zu pflegen! Eine andre Klasse von Schriftstellern giebt die Einwohner von Grönland, von Senegambia, von Tscherkassen und von Europa als eben soviel verschiedene Gattungen an. Voltaire, Philosophie de l'histoire \& Questions sur l'Encyclopédie Tom. IV. \& VII. Zwar ist der Unterschied zwischen einem häßlichen Neger, und einer europäischen Schönheit so groß, daß, wenn man von dem einen, zur andern unmittelbar übergienge, jene Meinung, doch wenigstens dem Scheine nach, etwas für sich haben würde. Allein, bey genauerer Untersuchung der unmerklichen Abstufung, in Gestalt, Größe, Farbe und äusserlichen Verschiedenheiten, wird jener Unterschied nicht mehr so auffallend, und man lernt einsehen, daß er nicht hinreichend ist, um abgesonderte Gattungen zu bilden. Der Zergliederer findet völlige Uebereinstimmung in allen Haupttheilen ihres Baues, ja so gar in den kleinsten Umständen. Uebrigens ist ja die Vermischung derjenigen Stämme, die sich am unähnlichsten sind, jederzeit fruchtbar, und selbst die Abkömmlinge dieser Vermischungen, die ihren Aeltern ähnlich bleiben, sind zur Zeugung vollkommen geschickt. Die Nachkommenschaft der Mulatten (d. i. solcher Personen, die von Aeltern verschiedener Farbe, gezeugt worden sind,) wird aber durch bestündige Verheirathung mit weißen Personen zuletzt so weiß, daß kein Unterschied bemerkt werden kann, woran man sie von unvermischt gebliebenen Weissen unterscheiden könnte; umgekehrt schwärzt sie sich immer mehr und mehr, durch neue Vermischung mit Schwarzen, und wird nach einigen Generationen zu förmlichen Negern. Ohne Vorurtheil, ohne eingewurzelte hämische Feindschaft gegen die Offenbarung, wird man also hier allemal entscheiden müssen, daß die so sehr abstechenden Spielarten des Menschengeschlechts alle von einer Gattung sind. Sollte man auch das Ansehen der Schrift, welches Christen nicht in Zweifel ziehen können, dahin gestellt seyn lassen, so würde sie noch immer als die älteste historische Urkunde ihren Werth behaupten, und das obige philosophische Resultat durch ihr Zeugnis bestätigen. Ist nun das ganze Menschengeschlecht eine einzige Gattung, von einem ursprünglichen Stamme entsprossen, woher ist doch der Neger in Senegal vom nordischen Europäer, und der Taheitier von dem Mallikollesen so verschieden? Welche Ursachen konnte, namentlich im Südmeere, zween so verschiedene Stämme hervorbringen? Diese Frage zerfällt in zwey Theile; insofern sie nämlich die Verschiedenheiten des Körpers, und die des Gemüths in sich begreift. Von letzterer wird in der Folge weitläuftig gehandelt werden; hier betrachten wir vorerst die Varietäten am Körper, und zwar 1) dessen Farbe, 2) Größe, 3) Gestalt und Bildung, und 4) besondre Mängel, Auswüchse oder Umstaltung gewisser Theile. 1) Dreyerley Ursachen haben unstreitig ihren wichtigen Einfluß auf die Farbe des menschlichen Körpers, nämlich: die Luft, die Sonne, und die besondre Lebensart. Die Untersuchungen der sorgfältigsten Zergliederer haben erwiesen, daß der Grund der Farbe, die wir äusserlich am menschlichen Körper wahrnehmen, in der Beschaffenheit des Häutleins und des darunter liegenden Schleimes, ( membrana mucosa, rete Malpighii ) zu suchen ist. Das Häutlein ( Epidermis ) ist bey weissen Menschen, und überhaupt bey allen, eine sehr dünne, durchscheinende, erhärtete Lamelle, welche die Farbe der darunter liegenden schleimigten Netzhaut durchschimmern läßt. Wie nun letztere gefärbt ist, so zeigt sich auch die erstere unserm Auge. Wenn das Blut schnell sich in die feinerne Gefäße des Gesichts ergießt, werden wir das Erröthen gewahr. In der Gelbsucht, wenn gallichte Theile das Blut färben, erhält der Leib eine gelbe Farbe. In Westindien, erscheint ebenfalls bey denen, die das Gelbfieber haben, eine gelbe Farbe am Körper, weil alsdenn ein gelbes Wasser in die Hautgefäße tritt. Wenn die Taheitier sich tattowiren (punktiren), oder wenn ein Zufall, Schießpulver unter die Haut treibt, erhält der Körper davon eine schwarze, bläuliche Farbe. Bey Negern hat die Netzhaut, nach des verstorbenen Meckels Erfahrung, eine schwarze Farbe; die markiche Substanz des Hirns, die Zürbeldrüse, das Rückenmark, der Sehnerve, sind ebenfalls grau und schwärzlich. Mémoires de l`Acad. de Berlin 1753. So haben andre entdeckt, daß das Negernblut eine dunklere Farbe, als das Blut weisser Menschen hat. Towns, in den Philos. Transact. über das Negernblut. Den Alten war es nicht unbekannt Herodotus, Thalia N. CI. daß die Samenfeuchtigkeit der Negern eine dunkle Farbe hat, wie solches von den Neuern bestätigt wird. le Cat traité sur la couleur de la peau. Mit einem Worte, die Feuchtigkeiten im Körper der Negern haben einen dunklern Anstrich als die unsrigen, und von den festen Theilen sind die zartesten ebenfalls schwarz gefärbt. Meckel vermuthet, daß die bläuliche Feuchtigkeit, welche die markichte Substanz des Negerhirns färbt, und so leicht verfliegt, die nämliche sey, welche auch die dunkle Farbe der Schleimhaut unter dem Oberhäutlein verursacht, indem sie daselbst durch die Hautnerven abgesondert würde. Eine der wirksamsten Ursachen dieser Erscheinung an den Negern, ist unstreitig der Einfluß der freyen Luft. Wir bemerken etwas ähnliches schon in unsern Gegenden. Unser Frauenzimmer, und alle diejenigen, die wenig in die freye Luft kommen, haben eine vorzüglich weisse, der gemeine Arbeitsmann hingegen eine bräunliche Farbe. Ja, an unserm eignen Körper erhalten sich die bedeckten Theile weisser und zarter, als die Hände, die der Luft stets blos gestellt sind. Das Klima der Negern gestattet ihnen wenige oder gar keine Bedeckung; die meisten gehen ganz nackend, und die Luft wirkt also gleichförmig auf alle Theile ihres Körpers, welcher davon unstreitig schwärzer wird. Im Südmeere gehen die weissesten Völker, z. B. die Taheitier, fast beständig gekleidet oder bedeckt, die ungleich schwärzeren Tannesen, Mallikolesen und Neukaledonier hingegen, gebrauchen keine Bedeckung. Mächtig ist aber auch die Wirkung der Sonne auf den Körper. Daher findet man die Negern schwärzer, je näher sie der Linie wohnen. Diese allgemeine Regel leidet indessen nach Maasgabe der Umstände, manche Ausnahmen. Inselbewohner pflegen selten so schwarz, als die Einwohner des festen Landes zu seyn. In Afrika, wo zwischen den Wendkreisen der Ostwind herrscht, sind die Abyssinier nicht so schwarz, als die Völker am Senegal, weil jenen der Ostwind über das indische Meer kommend, kühl wehet, den letzteren aber, nachdem er über die brennenden Sandwüsten dieses großen Welttheils fortgestrichen, unleidliche Hitze zuführt. Die verschiedene Erhöhung einer Gegend über der Meeresfläche, bringt einen großen Unterschied in der Temperatur zu Wege. Die Einwohner von Quito in Peru wohnen unter der Linie, und sind weder schwarz, noch dunkler Farbe. Die Nähe des Meeres, und die daher rührenden kühlen Seewinde, mildern dort die gewaltige Sonnenhitze. Allein, die Inseln Taheiti und Mallikollo, die in Betracht des Klima gleiche Vortheile geniessen, werden doch von ganz verschieden gefärbten Menschen bewohnt; es muß also noch eine andre mitwürkende Ursach auf die Farbe des Körpers Einfluß haben, und diese finde ich zum Theil in den mancherley Lebensarten der verschiedenen Völker. Die Taheitier sind jederzeit reinlich, waschen sich oft über den ganzen Leib, und erhalten dadurch die Weisse der Haut, ohngeachtet sie innerhalb der Wendekreise wohnen. Die Neuseeländer sind im gemäßigten Erdstrich, zwischen dem 34° und 47° S. Br. weit gelbbrauner, weil sie im höchsten Grade schmutzig sind, vor dem Bade gleichsam einen Abscheu haben, und in ihren Hütten beständig im Rauch, und andern Unrath sitzen. 2) Die Einwohner von Taheiti und überhaupt alle Insulaner, die mit ihnen zu einerley Rasse gehören, sind von den Mallikolesen an Statur sehr merklich unterschieden. Gleichwohl finden sich unter dieser schwärzeren Rasse, in Tanna und Neukaledonien, wie bereits erwähnt, ebenfalls viele große und starkgebauete Menschen. In O-Taheiti und den Societätsinseln zeichnen sich aber die Vornehmen und Häupter des Volks noch vor den andern Einwohnern besonders aus, und sind von ungewöhnlich körperlichem Umfang und Höhe. Auch hängen diese Abweichungen bekanntermassen vom Klima, von der Nahrung, und von der Bewegung ab. Was das Klima betrift, so wird vermittelst der Hitze, die Bewegung des Herzens beschleunigt und gereitzt; die festen Theile des Körpers sind dabey mehr erschlaft, folglich findet das Blut der Pulsadern geringeren Widerstand, und dehnt die Theile des Körpers leichter aus, indem die Absonderung der verschiedenen Feuchtigkeiten, und die Mitwirkung eines jeden Gliedes überall schneller und besser von statten geht. Die Erfahrung lehrt daher, daß die Menschen in heissen Ländern am frühesten zur Reife und Mannbarkeit gelangen. Die Kälte nun besänftigt im Gegentheil jenen Reitz, zieht die Fibern zusammen, und haucht gleichsam Betäubung und Schwäche in den ganzen Mechanismus. Das Herz schlägt schwächer, und kann den Wachsthum nicht mit gehörigem Nachdruck befördern, vielweniger den größern Widerstand der gespannten festen Theile überwinden. Daher die kleine Statur der Feuerländer, die doch von wohlgebildeteren Stämmen, in den milderen Gegenden von Südamerika, entsprossen sind. Der Ueberfluß an Lebensmitteln, dessen sich die Erihs, oder Personen vom Range in den Societätsinseln, und besonders in O-Taheiti, zu erfreuen haben, die Mannigfaltigkeit und Vortreflichkeit der Früchte dieser Länder, die verschiedenen Gattungen von Fischen, die Hühner, Hunde und Schweine die sie zuweilen geniessen, dies alles trägt zu ihrer größern Körpermasse und Stärke bey. Der gemeine Mann, oder Tautau, hat, was zu seinem nothdürftigen Unterhalte gehört; wenn aber unfruchtbare Jahre einfallen, leidet er Noth, indeß der Erih seines Bauchs wie gewöhnlich pflegen kann. Die großen Festtage, wobey die Vornehmeren das Schweinefleisch fast über Vermögen hineinfressen, kommen dem Tautau selten oder nie zu gut, dessen Nahrung blos vegetabilisch, und, wenn es hochkommt, ein Gericht Fische, Schnecken oder gallertartiges Seegewürm ( Medusae ) ist. Auf den Marquisasinseln ist dieser Unterschied zwischen Vornehmen und Geringen, schon nicht so merklich, auch ist daselbst die Statur der Einwohner überhaupt nicht vollends so athletisch, wie die der vornehmen Taheitier; denn weder animalische, noch andere Speisen sind dort in jenem Ueberfluß vorhanden. Eben so verhält es sich jedoch auch mit den Einwohnern der freundschaftlichen Inseln, ohnerachtet ihre Pflanzungen, wo jedes Eigenthum sorgfältig umzäunt und abgesondert ist, Früchte und Wurzeln in Menge hervorbringen, und auch an Schweinen und Hünern, den einzigen zahmen Thieren ebenfalls kein Mangel ist. Hier schiene also eine Ausnahme von der Reqel statt zu finden; allein ich zweifle nicht, daß der Mangel an frischem, fliessendem Wasser den Körper dieser Insulaner etwas mehr austrocknet. Dies ist nun so wahrscheinlicher, weil la Maire und Schouten, auf Horne und Kokoseiland, (die zu dieser nämlichen Gruppe gehören,) eben so dicke, wanstige Menschen angetroffen haben, als wir in Taheiti sahen; und diese beiden Inseln mit schönen Wasserströmen versehen sind. G.F. Die großen und starkgebauten Neuseeländer scheinen keinen Mangel an Lebensmitteln zu leiden; besonders ist dies in der nördlichen Insel der Fall, woselbst ihnen, neben dem ergiebigen Fischfang, ihre ansehnliche Pflanzungen von Bataten und Aronswurzeln, noch andern reichlichen Vorrath liefern. An vegetabilischer Speise, fehlt es auch den Tannesen und Neukaledoniern nicht, die animalische hingegen ist desto seltener; bey den letztern fanden wir sogar keine Hausthiere, indessen sind die rings um ihre Küste gelegenen Korallenbänke sehr fischreich; ein Umstand der über ihren ansehnlichen Wuchs hinlängliche Auskunft giebt. Allein unmerkbar scheint mir bis jetzt die kleine Statur der Mallikolesen, die doch mit allerley nahrhaften Gewächsen reichlich versorgt sind, und Fische im Ueberfluß, nebst einigen Schweinen und Hünern besitzen. Die Einwohner der westlichen Küsten des Feuerlandes haben unstreitig keine andre Lebensmittel, als solche, die ihnen die See liefert; und dies muß in einer so weit gegen den Pol hin belegenen, und so vielen Stürmen ausgesetzten Gegend, ein überaus ungewisser Unterhalt seyn. Aus dem Pflanzenreiche werden ihnen in ihrem öden Lande nur einige wilde Beeren zu theil. Nichts ist daher gewisser, als daß sie zuweilen, im eigentlichsten Verstande, Hunger leiden müssen. Der bloße Anblick ihrer Gestalt bekräftigt diese traurige Wahrheit; sie sind klein, und dünn an Beinen und Schenkeln; ihr Fraß ist halb verfaultes Robbenfleisch, welches weder gesund noch nahrhaft seyn kann, und wovon sie demohngeachtet mit einer Gierigkeit zehrten, die warlich keinen Ueberfluß an bessern Lebensmitteln vermuthen ließ. Zur Stärkung des Körpers ist mäßige Bewegung unentbehrlich. Gänzliche Unthätigkeit hindert die Absonderung und den Umlauf der zum Wachsthum erforderlichen Säfte, und verursacht daher bey jungen Personen erschlafte Glieder und körperliche Schwäche. Auf einer andern Seite ist die heftige Anstrengung dem Wachsthum des Körpers ebenfalls nachtheilig, indem die Muskeln, durch zu lange anhaltende Spannung, unbiegsame Fasern bekommen, und die Lebenskräfte bald erschöpft werden. Die kleinsten unförmlichsten Menschen, mit verwachsenen oder disproportionirten Gliedern, sind unfehlbar solche, die von Jugend auf, in engen Wohnungen, zu harter Arbeit angehalten worden. Nur vermittelst des gleichförmigen mäßigen Gebrauchs aller Theile des Körpers, wird er gegen Krankheit und Abspannung geschützt, und in demselben Beweglichkeit der Glieder mit Festigkeit der Gelenke verbunden. Das lebhafte Temperament der erstern Rasse von Insulanern im Südmeere, läßt ihnen in der Jugend nicht viel Ruhe; ihr glückliches Klima, ihr fruchtbares Erdreich, gewähren ihnen die Befriedigung ihrer wenigen Bedürfnisse, ohne große Anstrengung; und auch dies trägt zur Ausbildung ihres schönen, langen Körpers etwas bey. 3) Die besondere Beschaffenheit und das eigenthümliche Ebenmaas des Körpers verschiedener Nationen, können gleichfalls blos durch jene drey Hauptursachen, das Klima, die Nahrungsmittel und die Bewegung abgeändert werden. Unstreitig dörrt die Hitze alle diejenigen Menschen aus, die ihr zu sehr ausgesetzt sind, und verursacht eine hagere Statur; wie man dies an den Mallikolesen, den Bewohnern von Oster-Eiland, den Einwohnern der flachen Eilande, und der Marquesas, imgleichen an den Tautaus oder dem gemeinen Volke in den Societäts- und freundschaftlichen-Inseln wahrnimmt, die mehrentheils unbekleidet, der Luft und Sonne blos gestellt sind. Die Erihs, oder Vornehmen in den letzt genannten Inselgruppen, hingegen, behalten einen fleischigen, oft sehr fetten Körper, weil sie die Hitze vermeiden, und sich beständig im kühlen Schatten aufhalten. Auch selbst die Neuseeländer und Feuerländer, weil sie in kälteren Gegenden leben, erhalten schwammigtes Fleisch, und dickere Knochen, indeß die vorerwähnten Völker zwar feste, harte, aber nicht so dicke Knochen haben. 4) Gewisse Mängel, unnatürliche Vergrösserungen, oder Verunstaltungen der Glieder, werden durch Localumstände verursacht,und hangen oft von besondern Gebräuchen ab, wovon der Grund sich nicht allemahl mit gleicher Zuverläßigkeit angeben läßt. Ich werde indessen hier dasjenige anführen, was wir über diesen Punkt bemerkt haben. In Mallikollo hat der Hirnschädel bey den meisten Einwohnern eine sonderbare Gestalt, indem der Stirnknochen von der Nasenwurzel an, gleichsam niedergedruckt ist, und auf eine ungewöhnliche Art zurück geht. Dieser Zug war so auffallend, daß man durchgehends einige Aehnlichkeit mit Affen, im Gesichte dieser Insulaner fand. Ob den Kindern der Schädel in diese Gestalt angedruckt wird, oder ob es ein ursprünglich angebohrner Fehler ist, der sich von den Stammeltern dieses Volks bis jetzt fortgepflanzt hat, oder was sonst die Ursach davon seyn mag, läßt sich unmöglich bestimmen. Zuweilen lassen sich freylich dergleichen Erbstücke am menschlichen Körper ihrer wahren Anstammung nach, erkennen; wie z.B. die dicken Köpfe und breiten Schultern, der sonst so unansehnlichen Feuerländer, ihre Herkunft von den langen und starkgebauten Stämmen des südlichen Amerika mit vieler Wahrscheinlichkeit andeuten. Dicke Köpfe werden sonst auch gemeiniglich bey allen Zwergen bemerkt. Anm. des Verfassers. Dagegen haben die dünnen Beine dieses Volkes nicht das gehörige Verhältniß zu jenen Gliedmassen, und eben dies ist auch bey den Neuseeländern der Fall. Diese sitzen beym Fischfang oft ganze Tage lang in ihren Kähnen, ohne die Beine ausstrecken zu können; und in den Hütten ist ihre gewöhnliche Stellung, auf den Fersen zu sitzen, wodurch die Kniegelenke zuweit ausgedehnt, die Beine aber desjenigen Zuflusses der Säfte beraubt werden, den sie bey ordentlicher Bewegung erhalten müßten. Auf den Inseln des heisseren Erdstrichs sind die Einwohner starke Fußgänger, und haben daher große Füsse; allein die sitzende Stellung, welche sie mit den Neuseeländern gemein haben, bringt auch bey ihnen eine ähnliche Unförmlichkeit der Knie zu wege. Der allgemeine und ursprüngliche Gesichtscharakter aller Völker der ersten Rasse in den Inseln des Südmeeres, besteht in stark gezeichneten Zügen, und großen aber breiten Nasen. Bey den Einwohnern der westlicheren Inseln, steht die Nase weniger hervor, der Mund ist größer, und die Lippen sind dicker; auch diese Züge sind ihnen wahrscheinlich von ihren Voreltern angestammt. In Oster-Eiland, in Neukaledonien, und zum Theil auch in Tanna, wird das Ohrläppchen nicht nur eingeschnitten, sondern auch, vermittelst eines durchgesteckten Zuckerblattes beständig erweitert. Ohne diese Einschnitte zu machen, begnügen sich die Einwohner von Tongatabu und den übrigen freundschaftlichen Inseln, die Ohrläppchen lang zu ziehen, und durch zwey darin gebohrte Löcher ein Stöckchen, von der Dicke eines Federkiels, waagrecht durch zu stecken. Unter eben diesem Volke fehlt den meisten ein, oft sogar zwey Gelenke an beyden kleinen Fingern, die sie sich bey der Trauer um ihre Verwandten abzuschneiden pflegen. In O-Taheiti und den Societätsinseln findet eine Art von Beschneidung statt; es wird nämlich ein glattes rundes Holz unter die Vorhaut gesteckt, und diese oben mit einem scharfen Bambusmesser zerschnitten. Nach der Operation werden die getrennten Theile von einander abgesondert, geheilt, so daß sie die Eichel nicht wieder bedecken können. Die Weibspersonen in O-Taheiti und den Societätsinseln, (einige vom gemeinen Volk ausgenommen,) auch die Einwohnerinnen der Marquesas und freundschaftlichen Eilande haben keine so schlaffe herabhangende Brüste, als die Negerinnen, Neuseeländerinnen und die Weiber auf den westlichen Inseln des Südmeeres. Man hat diese große Ausdehnung der Brüste neuerlich Blumenbach de Generis humani varietate nativa. p. 73. der besondern Art die Kinder zu säugen, zugeschrieben, allein dieser Grund scheint mir nicht hinreichend, indem die vornehmen Weiber in Taheiti, deren Brüste nicht so lang gezerrt sind, doch keine eigne Art zu säugen haben. Daher glaube ich vielmehr, daß diese Theile bey den gemeinen Weibern, deshalb erschlaffen müssen, weil sie der Sonne und der Luft mehr ausgesetzt sind. Die Negerinnen sowohl, als die Weiber in Mallikolo, Tanna und Neukaledonien sind ebenfalls der Luft und Sonnenhitze blosgestellt, und mehrentheils bis an den Unterleib unbekleidet. Die taheitischen vornehmeren Frauenzimmer hingegen, hüllen sich in feine Zeuge, und vermittelst dieses gelinden Drucks, verliert ihr Busen seine Reitze nicht so leicht. Alte, aber sehr fette Personen unter ihnen, hatten zwar stark ausgedehnte, allein nicht lang gezerrte, und hangende Brüste. Lange Nägel an allen oder wenigstens an einigen Fingern, sind der Stolz der taheitischen Oberhäupter; es sind redende Beweise ihrer Unthätigkeit, oder wenn man will, der Vorrechte ihres Ranges, der sie von aller Handarbeit losspricht. Inzwischen halten sie diese langen Nägel sehr sorgfältig rein, und putzen fleißig daran. In Neuseeland, wo die Männer sich das Gesicht überall in Spirallinien punktiren, und in den Marquesas Inseln, wo das Gesicht ebenfalls mit allerhand tattauirten Figuren verunstaltet wird, verhindern die Narben, welche von diesen Operationen entstehn, den Haarwuchs; und daher kommt es, daß die gar zu stark punktirten fast gar keinen Bart halten. Aus diesen Hauptzügen, durch welche die zwey großen Stämme der Südländer von einander abweichen, läßt sich der mächtige Einfluß erkennen, den Klima, Nahrungsmittel, und Sitten auf die Beschaffenheit des Körpers äußern; zugleich ist aber auch daraus mit Gewißheit einzusehen, daß diese dreyerley Ursachen nicht hinreichend sind, um alle hieher gehörige Erscheinungen zu erklären. Nur ein Beyspiel anzuführen, will ich der unveränderten physischen Beschaffenheit der Holländer am Vorgebürge der guten Hofnung, und ihrer seit 120 Jahren ungemischt beybehaltenen Weisse, und volkommenen Gleichheit mit den Europäern erwähnen. Könnte der Unterschied des Klima allein, auf die Farben des Menschen würken, so müsten diese Holländischen Pflanzer doch mit der Länge der Zeit ihren schwarzbraunen Nachbarn, den Hottentotten, ähnlicher geworden seyn, Aber dies ist so wenig der Fall, daß nicht einmahl die Mitwürkung übereinstimmender Lebensart und Speisen eine solche Umstaltung hat hervor bringen können. In der That darf man von einigen holländischen Bauern, die sich tief im Lande, mitten unter den Hottentotten aufhalten, behaupten, daß sie die Lebensart dieses einheimischen Volkes fast gänzlich angenommen haben, statt der Häuser, in elenden Hütten wohnen, nomadisch ihren Wohnort verändern, den ganzen Tag bey ihren Heerden zubringen, von dem Fleische und Milch derselben sich nähren, Auch die Jagd liefert ihnen Nahrungsmittel. und demohngeachtet den unveränderten europäischen Charakter behalten. Die Veränderung, welche allenfalls blos vermittelst des Klima verursacht werden könnte, müßte daher so unmerklich seyn, daß sie sich erst nach einer sehr entfernten Periode bestimmen liesse; allein unser Leben ist zu kurz, unsere historische Nachrichten von den Völkerwanderungen zu unvollständig, unsere physikalische Beobachtungen viel zu neuerlich erst angefangen worden, um uns hierüber sichere Entscheidungen zu erlauben. Einige Veränderung der Farbe, und der Leibesbeschaffenheit wird freylich an den weissen Einwohnern unsers Nordens gespürt, wenn sie in den heissen Erdstrich versetzt werden; allein so weit unsre Erfahrung reicht, bleiben sie allemahl von den ursprünglichen Einwohnern der heissen Länder sehr merklich verschieden. Von einer andern Seite ist unläugbar, daß letztere, wenn sie näher gegen den Pol versetzt werden, ihre angebohrne Schwärze unverändert beybehalten. Auf die verschiedenen Umstände, welche bey dieser Versetzung obwalten können, muß gleichwohl Rücksicht genommen werden, ehe man hier etwas festsetzen will. Wenn ein wohlgekleideter, und ein beynah nackender Europäer zu gleicher Zeit in dasselbe heisse Klima versetzt werden; wenn jener die Luft und die Sonnenhitze sorgfältig vermeidet, dieser aber auf freyem Felde arbeiten muß, so wird sich unfehlbar ein merklicher Unterschied der Farbe an ihnen äussern; und sollte ihre verschiedene Lebensart durch mehrere Generationen fortgesetzt werden, so würden beyder Nachkommen zuletzt ein ganz verschiedenes körperliches Ansehen erhalten. In unserm Norden ist die weisse Haut, nebst blauen Augen und blondem Haar, den Dänen eigen. Alle slavische Völker hingegen, wie die Böhmen, Polen und Russen, deren einige unstreitig weiter gegen Norden als die Dänen wohnen, haben eine bräunliche Farbe, dunkle Augen, und braunes oder schwarzes Haar. An dieser Verschiedenheit kann also nicht das Klima, wohl aber die Wanderung der Völker schuld seyn. Die Gothischen Stämme waren unstreitig die ältesten Bewohner des Nordens; sie hatten also Zeit sich daselbst zu bleichen, und weisser als die übrigen europäischen Stämme zu werden; auch lebten sie von jenen südlichern Nationen abgesondert, und unvermischt, die braun von Farbe, und schwarz von Haar waren. Die Slavonier oder Sauromaten, sind spätere Abkömmlinge der ehedem in Persien wohnenden Meder. Diod. Sicul. lib. II. Plin. hist. nat. lib. Vl. c. 7. Ihre ersten Wohnsitze an der Nordküste des schwarzen Meeres, und nordwärts vom Caucasus, sind einer heftigen Sommerhitze blosgestellt. Im fünften Jahrhundert finden wir sie an der Donau, und aus der Gegend dieses Stroms verbreiteten sie sich allmählich in die, von ihnen jetzt bewohnten Länder; daher ist es kein Wunder, daß sie noch alle Kennzeichen eines südlichen Volkes beybehalten haben. Ihre Wanderungen aus dem Süden fallen in eine weit spätere Periode, als die der Gothen, und anderer deutschen Stämme; auch haben sie weit mehr Veranlaßung gehabt, sich mit den dunkler gefärbten Asiaten zu vermengen, als jene nordischen Dänen und Gothen. Neger, und andere schwärzliche Völker, die in gemäßigte oder kalte Länder verpflanzt werden, verlieren ihre Farbe nicht gar leicht, so lange sie sich blos untereinander verheirathen. Man weiß es aus Erfahrung, daß auch nach vielen Generationen an solchen versetzten Schwarzen keine Veränderung merklich ist. Es scheint also, daß am menschlichen Körper die Verwandlung der weissen in die schwarze Farbe leichter als der entgegen gesetzte Fall erfolge. Das durchsichtige Oberhäutlein läßt nämlich die Sonne und Luft ungehindert auf die schleimige Netzhaut würken, die sich dann bald von der Hitze färbt; wenn sie aber einmahl dunkel geworden ist, die Farbe nicht leicht wieder fahren läßt. So lehrt die tägliche Erfahrung, daß wenn man nur einen Tag in der Sonnenhitze zugebracht hat, die unbedeckten Theile des Körpers sogleich braun, oder wie man spricht, verbrannt werden, und kaum durch sechs auch acht monathliches Enthalten von der Luft, ihre vorige Weisse wieder erhalten können. Wenn demnach zween verschiedene Stämme, nachdem sie auf ihren Wanderungen ganz verschiedene Himmelsstriche durchzogen haben, in ein und dasselbe Klima zusammen kommen, dabei aber ihre ihnen eigne Lebensart, und zum Theil verschiedene Speisen beybehalten, so können sie allerdings in Ansehung der Farbe, Größe, Bildung, des Temperaments und der ganzen physischen Constitution, sehr weit von einander verschieden bleiben. Dies auf den vor uns liegenden Gegenstand angewandt, führt uns auf die Vermuthung, daß die zwo verschiedenen Rassen in den Südländern ursprünglich ganz verschiedener Herkunft gewesen seyn mögen, und daß sie deshalb, auch noch jetzt, ohnerachtet sie in einerley Klima wohnen, doch so auszeichnend verschiedene Bildung, Züge und Temperamente haben. Dieser Satz erhält noch dadurch neue Bestätigung, daß man gemeiniglich alle Völker, die eine gemeinschaftliche Sprache haben, als ursprünglich verwandte oder aus einerley Quelle entsprossene Stämme zusammen zu zählen pflegt; es wäre dann das ausdrückliche Zeugniß ihrer ältern Zeitgenossen, oder doch älterer Schriftsteller dawider. Wenn ich von einer gemeinschaftlichen Sprache rede, so verstehe ich aber auch darunter die verschiedenen Abänderungen der Mundarten. So gehören z.B. das Holländische, das Niederdeutsche oder Plattdeutsche, das Dänische, das Schwedische, Norwegische und Isländische, das Englische, in sofern es Worte Angelsächsischer Abkunft enthält, das Hochdeutsche, und die Ueberbleibsel des Gothischen, in Ulfilas neuem Testamente, zu einer und derselben allgemeinen Ursprache. Diejenigen Begriffe, welche ein jeder Stamm erst nach seiner Trennung von den übrigen, in seinem neuen Wohnsitze erhielt, drückte er unfehlbar mit neuen Wörtern aus, deren Gebrauch nicht mehr so allgemein werden konnte. Verbindungen mit andern fremden Völkern, Eroberungen, erwarben manchem ausländischen Worte nach und nach das Indigenat, und so entstanden Dialekte, die dem ersten Anschein nach sehr weit von einander entfernt sind; im Grunde aber, sobald man sie mit schärferen Blicken untersucht, noch immer die genaueste Verwandschaft haben. In den Südländern sprechen alle zur ersten Rasse gehörige Menschen, dieselbe Sprache, in deren Mundarten man die auffallendste Uebereinstimmung antrift. Wo ich hinkam, sammelte ich überall so viele Wörter, als ich konnte, und entdeckte gar bald, daß die fünf Stämme, welche die Societätsinsel, die Freundschaftlicheninseln, die Marquesas, das Oster-Eiland und Neuseeland bewohnen, bis aus wenige Worte einerley Sprache hatten. Der Unterschied der Mundarten war sehr geringfügig, und bestand blos in der Abänderung ähnlicher Mitlauter oder Selbstlauter, so daß die Worte überall an ihrer Aehnlichkeit erkannt wurden, und viele durch alle Dialekte, nicht die mindeste Veränderung erlitten hatten. Gewisse Mitlauter fielen einigen in der Aussprache schwer, und wurden deshalb entweder durch leichtere ersetzt, oder gänzlich weggelassen. Mit einem Worte, ich durfte es nicht länger bezweifeln, daß alle diese Insulaner aus einem gemeinschaftlichen Stamme entsprossen wären, und daß der kleine Unterschied, den ich bemerkte, gröstentheils von den eigenthümlichen Vögeln, Fischen, und Pflanzen eines jeden Landes, ihren verschiedenen Eigenschaften, ihrer Bereitung zu Speise und Kleidung, und von andern ähnlichen Ursachen, herrühre. Nicht nur gänzlich verschieden von dieser Sprache, sondern auch untereinander völlig fremd und unähnlich, sind die Sprachen der Insulaner von der zwoten Rasse, so daß man mit gutem Fug behaupten könnte, die Mallikolesen, Tannesen, Neukaledonier u.s.f. wären von ursprünglich verschiedener Herkunft, wenn nicht einige Aehnlichkeit der Farbe und Bildung, und einige, wiewohl wenige übereinstimmende Gebräuche, dieser Behauptung entgegen stünden. Wenn man die Südsee, gegen Osten von Amerika, und gegen Westen von Asien, den ostindischen Inseln und Neuholland, begränzt sieht, und dann die herrschenden Ostpassatwinde in Erwägung zieht, möchte man in Versuchung gerathen, die ersten Ansiedler aus Amerika nach den Inseln des Südmeeres wandern zu lassen, zumahl sie sich in so schlechten kleinen Fahrzeugen, wie bey ihnen zum Theil gebräuchlich sind, nicht leicht gegen den Wind hinaufarbeiten können. Allein dieser erste Anschein blendet nur. Nicht gar lange vor Ankunft der Spanier ist Amerika selbst erst bevölkert worden. In diesem ungeheuren Welttheil fanden sich nur zwey Staaten oder Königreiche vor, die einigermassen volkreich und gesittet waren. Ihre Entstehung ist wohl kaum um vier Jahrhunderte früher als die spanischen Eroberungen erfolgt. Das ganze übrige Amerika ward von zerstreuten Familien so sparsam bewohnt, daß vierzig Personen oft einen hundert Meilen weiten Bezirk besaßen, und darin einsam und entfernt von einander umher irrten. Wenige Jahre nach der Eroberung von Amerika hingegen, fanden die Spanier, indem sie über das Südmeer hinschiften, verschiedene der dortigen Inseln bereits so volkreich, wie sie noch heut zu Tage sind. Ueberdies erblickt man auch nicht die allerentfernteste Aehnlichkeit, zwischen den Mexikanischen, Peruanischen, Tschilesischen, und andern amerikanischen Sprachen, S. Relandi Diss. Miscell. Vol. III. Hiernächst war der Herr von Pinto, portugiesischer Gesandter am Großbritannischen Hofe, der ehedem zu Matogrosso in Brasilien Gouverneur gewesen, so gütig, mir ein Wörterbuch der brasilianischen Sprache im Mspt. mitzutheilen. und den Südländischen. Auch sind Farbe, Gesichtszüge, die Beschaffenheit des Körpers überhaupt, und die Sitten der Amerikaner, von denen unsrer Insulaner ganz verschieden. Ja, die Entfernung von sechs hundert bis tausend Seemeilen ( leagues ), welche die östlichsten Inseln, und Amerika von einander trennt, scheint den Einwohnern dieses Continents, die von jeher elende Seeleute waren, und nur kleine, zu Seefahrten ganz unbrauchbare Kähne befassen, ein unüberwindliches Hinderniß gewesen zu seyn. Mehr bedarf es nicht, um darzuthun, daß die Inseln des Südmeeres, keinesweges von Osten her, bevölkert worden sind. Auf der Westseite fangen wir mit Neuholland an. Dieses große feste Land, haben alle Seefahrer, Capitain Cook mit eingeschlossen, sehr wenig bewohnt gefunden. Die Einwohner daselbst sind kleiner Statur, und haben ganz andre Sitten und Gebräuche als die Insulaner im Südmeere; sie besitzen weder Kokosbäume, noch Pflanzungen von Pisangs, noch Schweine; auch ihre Hütten und Boote sind so schlecht gezimmert, daß man die Südseebewohner unmöglich von ihnen herleiten kann. Zum Ueberfluß erhellt aber ihre gänzliche Verschiedenheit, aus einer Sammlung von Wörtern, die Capitain Cook auf Neuholland gesammelt und mir mitgetheilt hat. Wir sehen uns also genöthigt, etwas mehr nordwärts zu gehen, wo die Inseln des Südmeeres mit den östlich-asiatischen gleichsam zusammen hangen. Diese letztere werden zu gleicher Zeit von zwo verschiedenen Menschengattungen bewohnt. So trift man in mehrern Moluckischen Inseln ein Volk, welches schwärzlicher, als die andern Einwohner, schlank und hoch von Wuchs ist, ein wollicht krauses Haar hat, seine eigne Sprache redet, und in den innern Gebirgsgegenden wohnt. Man kennt es auf verschiedenen dieser Inseln, unter dem Namen Haraforas oder Alfuris. S. Franc. Valentyn Beschryving van Amboina. II. Deel. p.71.-84. Dan. Beeckman´s Voyage to Borneo p.43. Letzterer nennt die ursprünglichen Einwohner auf Borneo die Byajos. S. ferner Forrest´s Voyage to New Guinea p. Auf der Insel Sumatra wohnen im Innern, verschiedene Völker, die sich von den Malayen, oder Küstenbewohnern, welche aus der Halbinsel Malakko herüber gekommen, gänzlich unterschieden. Ein Stamm dieser ursprünglichen Einwohner von Sumatra, sind die Battas oder Baddas S. Miller in den Phil. Trans. LXVIII.part I p.163.165. Die Küsten eben dieser Inseln werden dagegen von einem andern Volke bewohnt, welches zwar von schwärzlicher Farbe, allein von schönerer Bildung, mit langem, lockigtem Haar, und auch in der Sprache von jenen verschieden ist. Die Sprache derselben ist eigentlich eine Mundart des Malayischen. Der innere gebirgigte Theil der Philippinischen Inseln, wird von einem schwärzlichen Volke, mit krausem Haar bewohnt, welches hoher Statur, stark gebaut und kriegerisch ist, und ebenfalls eine, von der benachbarten verschiedene Sprache redet. An den Küsten hin, wohnen viel weissere Menschen, mit langem Haar, die ihre eigne Sprache haben, und unter mehrern Benennungen bekannt sind. Die vornehmsten Stämme sind die Tagales, Pampangos und Bissayos. Die Gebirgsleute sind vermuthlich die älteren Bewohner, die andern hingegen malayischen Ursprungs, indem die Malayen, lange vor Ankunft der Europäer in diesen Gegenden, sich über alle ostindische Inseln verbreitet hatten. In den Sprachen dieser Stämme findet man auch Spuren ihrer malayischen Abkunft. Hernado de los Rios Coronel, Relacion de las Islas Malucas. – Navarette Trattados historicos de la Monarchia de China. – Gemelli-Carreri, il giro del moudo. - Fr. Diego Bergano Vocabulario de Pampango en Romance; Manila, 1732. Fol. P. Juan de Noceda y el P. Pedro de S. Lucar Vocabulario de la Lengua Tagala Manila, 1754. Fol. Die Insel Formosa oder Taiovan , deren Küsten, besonders die nördlichen, im Besitz der Schinesen sind, hat in ihren innern Gebirgen ein braunes Volk, mit breiten Gesichtern und krausem Haar, welches eine ganz eigene Sprache hat. Verwandt mit jenen Schwarzen auf den Moluckischen und Philippinischen Inseln, sind wahrscheinlich die schwarzen Einwohner der nahgelegenen Inseln von Neuguinea, Neubrittannien und Neuirrland; deren Sitten, Gebräuche, Statur und Charakter ihnen überaus große Ähnlichkeit mit den Südländern der zwoten Rasse, nämlich den Einwohnern von Neukaledonien, Tanna, Mallikolo u. s. f. geben. Anderntheils sind die Einwohner der Diebsinseln, ( Ladrones ) und der neuentdeckten Carolineninseln, mit den Völkern unsrer ersten südländischen Rasse, genau verwandt. Ihre Größe, ihre Sitten und Lebensart, geben hievon hinreichende Beweise. Nimmt man hiezu das Zeugniß der Schriftsteller, P. Gobien, histoire des Isles Marianes, 12mo. Paris 1700.] die da versichern, daß sie in allem mit den Tagales in Luzon oder Mania übereinkommen, so läßt sich den Völkerwanderungen von Asien her, durch eine Inselreihe nachspüren, von denen selten zwo au 100. Seemeilen von einander entfernt liegen. Zwischen einigen Wörtern der weisseren Rasse von Menschen in den Südseeinseln, und einigen malayischen Wörtern bemerkt man ebenfalls eine auffallende Aehnlichkeit. Gleichwohl darf aus der Uebereinstimmung einiger Wörter keinesweges gefolgert werden, daß die Insulaner des Südmeeres von den Malayen herstammen. Wer so unphilosophisch schliessen wollte, dürfte mit gleichem Rechte behaupten, daß auch Perser, Malabaren, Braminen, Singalesen, Javanesen und Malegassen, in deren Sprachen ebenfalls gewisse Wörter mit dem Malayischen übereinkommen, von den Malayen entsprungen wären. Reland Diff. Miscell. Vol. III. Allein ich kann mich hier des Gedankens nicht erwehren, daß jene in allen eben genannten Sprachen vorkommende gemeinschaftliche Wörter, die Ueberbleibsel einer älteren und allgemeinern Sprache seyn können, welche, erst in der Folge der Zeiten, in so weit abweichende Mundarten zerfallen ist. Dem sey nun wie ihm wolle, so beweiset die Verwandschaft der Sprachen hier wenigstens zur Genüge, daß die östlicheren Inseln im Südmeere von den östlich- asiatischen Eilanden her, sind bevölkert worden; die westwärts gelegenen Südseeinseln hingegen, ihre ersten Bewohner aus der Nähe von Neuguinea erhalten haben. Wären die Wörterbücher, aller der verschiedenen hieher gehörigen Sprachen vollständiger, so hätte man vielleicht den Ursprung der beyden südländischen Rassen, noch bestimmter von einzelnen asiatischen Stämmen herleiten können. Allein, gerade in diesem Fache findet man die größten Lücken. In der angehängten Tabelle habe ich die verschiedenen Sprachen, sowohl der von uns besuchten Inseln, als der gegen Osten und Westen angränzenden Völker mitgetheilt, um dem Leser die allgemeine Uebersicht zu erleichtern. Vierter Abschnitt. Fortgang der verschiedenen von uns beobachteten Völker von der Wildheit zur Kultur. Quod unique obtulerat praedae fortuna, ferebat Sponte sua, sibi quisque valere, et vivere doctus. Lucret. Die kalten, unfreundlichen Gegenden, welche zunächst an den Polkreis gränzen, scheinen nicht die ersten Wohnsitze des Menschengeschlechts gewesen zu seyn. Weit wahrscheinlicher ist es, daß das sanftere Klima in der Nähe, oder innerhalb der Wendekreise, wo thierisches und vegetabilisches Wachsthum ihren Cirkel ungleich schneller durchlaufen, wo gesunde Früchte und Wurzel ohne Kultur, in so großer Verschiedenheit vorhanden sind, mithin für Nahrung und Obdach so leicht gesorgt werden kann, zum ersten Aufenthalte des Menschen bestimmt gewesen sey. Wie wenig ist doch der nackte, sich selbst überlassene Mensch von Natur gegen den rauhen Winter, und die veränderliche Witterung der kälteren Gegenden des gemäßigten Erdstrichs, oder vollends gegen den immerwährenden Frost jenseits der Polkreise versorgt? Wie könnte er jemahls anders, als nur durch Zufall oder äusserste Noth dorthin gerathen seyn? Die Insulaner im Südmeere erscheinen auf verschiedenen Stufen der Vervollkommung, je nachdem sie sich der wohlthätigen Wärme mehr oder weniger zu erfreuen haben. Unter dem milderen Himmelsstrich ist ihre Speise mannigfaltiger, häufiger; ihre Wohnung geräumig, reinlich, bequem; ihre Kleidung zierlich und künstlich; die Bevölkerung stärker; das gemeine Wesen, öffentliche Sicherheit stehn auf festerm Fuße; sittliche Grundsätze werden tiefer empfunden, besser befolgt; die Gemüther sind lenksam und lehrbegierig; Begriffe von einem höchsten Wesen, von der Schöpfung, von dem zukünftigen Leben, heben sie allmälig auf eine höhere Stufe der individuellen sowohl, als der bürgerlichen Glückseligkeit. An des Eisgürtels Gränze hingegen, wie elend, wie bedaurenswerth die wenigen zerstreuten Einwohner! wie hinabgesunken, bis auf die blosse äussere Gestalt, von allem was menschlich ist! Ihr Unterhalt dürftig und ungewiß; ihre Speise ekelhaft; ihr Obdach die erbärmlichste Hütte, die ihrem Zwecke nicht entspricht; ihre Bedeckung unsauber, und der unfreundlichen Kälte des Himmels keinesweges angemessen; ihre Anzahl gering; ihre Gesellschaft ohne einiges gegenseitiges Band, ohne wechselseitige Zuneigung, jedem Angrif blosgestellt; um ihm zu entrinnen auf die ödesten Felsen verscheucht, ohne Empfindung für Großes und Schönes in thierischer Betäubung gleichsam erstarrt; ohne andre Regel als das Gesetz des Stärkeren, feindselig wo der Zufall es erlaubt, ja von aller Menschlichkeit und mittheilenden Liebe entwöhnt! – Ausser denjenigen Völkern, welche durch eine besondere Verkettung von glücklichen Umständen und Schicksalen die höchsten Stufen der Gesittung erstiegen haben; – ausser diesen, sage ich, und ohne Verkehr mit ihnen, scheint also der Mensch nur nach Verhältniß des milderen Erdstrichs, den er bewohnt, von der Natur zum Genuße des geselligen Lebens angeführt zu werden. In den meisten Polargegenden befindet er sich in einem widernatürlichen Zustande, und sinkt dort gleichsam unter sich selbst, zum Wilden hinab. Man verstehe mich recht. Wenn die Glückseligkeit, welche wir in Europa theils geniessen, theils geniessen könnten, von denjenigen verderbten Mitbürgern beeinträchtigt wird, welche den Luxus und die Laster nebst ihrem Gefolge eingeführt, und dadurch manche neue Gattung von Elend hervorgebracht haben; so folgt daraus noch keineswegs, daß die höchste Vervollkommung und Aufklärung, die völlige, ungehinderte Entwickelung aller Seelenkräfte überhaupt, der natürlichen, bürgerlichen und sittlichen Glückseligkeit nachtheilig sey; und eben so wenig, daß die Stufe der Entwicklung, worauf einige südländische Völker mit so vielem Reitz erscheinen, in Wahrheit jener höhern vorgezogen werden dürfe. Uebrigens ist hier der Ort nicht, den besondern Ursachen nachzuforschen, welche uns in Europa auf einen so vorzüglichen Gipfel der Vervollkommung geführt haben. Die Rede ist blos von Menschen, welche keine solche ausserordentliche Veranlaßungen gehabt haben; nur bey diesen behauptet das Klima sein Recht, und verursacht den Verfall der Menschen, je nachdem es unfreundlicher wird. Jene Bemerkung drang sich mir nur auf, als ich die Feuerländer und Neuseeländer mit ihren Nachbarn vergleichen wollte, die unter einem sanftern Himmel wohnen. Es bleibt mir nur noch übrig, daß ich die Leser in den Stand setze, zu urtheilen, ob ich recht bemerkt habe, oder nicht. Wir fanden die Einwohner des Feuerlandes, in der Gegend von Christmeßbay, in gar geringer Anzahl. Andere Seefahrer haben diese äusserste Südspitze von Amerika ebenfalls sehr wenig bevölkert gefunden, und schon der Anblick des öden Felsengebirgs, nebst einiger Erfahrung von der dortigen Witterung lehren zur Gnüge, daß sich nur wenig Menschen daselbst erhalten können. Auf den noch weiter südwärts gelegenen Inseln, Südgeorgien und Sandwichland. haben wir gar keine Menschen angetroffen; auch schienen sie uns ohne fremde Hülfsmittel unbewohnbar. Die Feuerländer selbst sind allem Anscheine nach, das elendeste aller Völker. Sie naheten sich in einigen Kähnen unserm Schiff, und hatten keine andre Kleidung, als ein Stück Robbenfell, welches ihnen kaum bis auf die Hälfte der Lenden herabreichte, und oben kaum die Schultern bedeckte. Solchergestalt blieben ihre Hände und Füsse und der ganze Leib, einer Kälte bloßgestellt, die auch uns, ohnerachtet wir gut dagegen versorgt waren, empfindlich war, indem das Thermometer, mitten im Sommer, nie höher als zwischen 46° und 50° stieg. Beyde Geschlechter verhülleten die Geburtstheile nicht; ein unerträglicher Gestank, von dem verdorbenen Trahnöl, womit sie sich oft beschmieren, und von dem faulen Robbenfleisch, welches ihre leckerste Nahrung ist, kam uns von ihnen entgegen, und zwar so heftig, daß ich mir vorstellte, ihr ganzer Körper müßte gleichsam davon durchdrungen seyn. Sie wohnen unter etlichen zusammen gebundenen dörren Zweigen, die das Gerippe einer niedrigen, runden, offenen Hütte ausmachen; über diese werden einige Sträuche, etliche Bündchen trocknes Gras, gelegt, und die Lücken hie und da, höchstens mit einer Robbenhaut bedeckt. Ein Fünftheil oder Sechstheil des ganzen Umfanges bleibt offen, und dient zum Eingang und zur Feuerstätte zugleich. Alle Geräthschaft, die wir bey ihnen erblickten, bestand in einem geflochtenen Körbchen, einer Art Taschen oder Säcke von Mattenwerk, einem Haken von Knochen, an einen langen Stab von leichtem Holze befestigt, womit sie die Schnecken von den Felsen ablösen, einem schlecht geschnitzten Bogen und etlichen Pfeilen. Ihre Kähne sind von Baumrinde, über ein biegsames Holz gewunden, und mit gebogenen anderthalb Zoll dicken Stäben, an statt der Ribben inwendig ausgespreitzt, wodurch verhindert wird, daß der Boden so leicht nicht ausgetreten werden kann. An einem Ende dieses Kahns schütten sie etwas Erde auf, und auf dieser unterhalten sie, auch im Sommer, ein beständiges Feuer. Ausser den vorhin erwähnten Robben, sind noch gebratene Schaalthiere ihre Nahrung. Die Kälte schien ihnen sehr empfindlich zu seyn, denn sie zitterten am ganzen Leibe. Das Schiff und seine verschiedenen Theile begaften sie mit einer dummen Gleichgültigkeit, dergleichen wir in den Südländern noch bey keinem Volke wahrgenommen; ihr leeres Starren druckte gar selten einiges Verlangen nach den Sachen aus, die wir ihnen anboten. Ihr Zustand war weit von aller Behaglichkeit entfernt; daher bemerkte man nie einen Ausdruck der Freude oder der Zufriedenheit in ihren Mienen, vielmehr waren ihnen diese sittlichen, geselligen Gefühle fremd, und ganz in dem Gefühl ihrer Bedürfnisse verschlungen. In der Gegend von Succeßbay, an der östlichen Küste des Feuerlandes, haben unsre Officiere schon weit glücklichere Familien dieses Volks gefunden; vermuthlich sind also die vorhinbeschriebenen, etwa nur vertriebene Flüchtlinge, die sich aus bessern Gegenden in die traurigsten Scheeren an der Küste zurückgezogen haben. In der That sind auch die auf dem benachbarten festen Lande wohnenden Stämme, wie sie Herr Falkner nach einem 40 jährigen Aufenthalte unter ihnen, beschreibt, den vorigen in jedem Betracht überlegen; sie sind nämlich beritten, und haben reichlichere Nahrung von der Jagd; ihre Kleidungen sind der Witterung angemessener, und ihre Waffen, theils zum Angriff, theils zur Vertheidigung, verrathen schon einigen Erfindungsgeist. Ihre Gesellschaft ist nicht ganz ohne bürgerliche Verfassung, sie haben Anführer und Vorgesetzte im Frieden, wie im Kriege. Gerechtigkeit und Menschenliebe sind ihnen nicht ganz fremd, ein muthiges Betragen, und eine schon einigermassen wortreiche und zierliche Sprache, zeigen von einem Anfange der Cultur. Ihre Verwandschaft mit den armseligen Feuerländern, gereicht also meiner nur erwähnten Meynung zur Stütze, nach welcher die letztern nur von ienen vertrieben, und dadurch in ihre gegenwärtige traurige Lage scheinen versetzt worden zu seyn. Der südlichste Haven in Neuseeland, wo wir anlegten, ist Dusky-bay, deren südliche Breite, auf der Stelle, wo die Sternwarte stand, 45°47' befunden ward. Die vielen oft Meilenlangen Arme und Buchten dieses weitläuftigen Havens, werden von mancherley Vögeln bewohnt, und sind reich an schmackhaften Fischen. Die Felsen an der See umher sind der gewöhnliche Aufenthalt von zahlreichen Robbenheerden. Menschen, die blos von Fischen und Geflügel leben, wie die Neuseeländer, hätten sich also am ersten dorthin ziehen, und sich daselbst vermehren müssen. Wir fanden aber nur drey kleine Familien, die daselbst in armseeligen Hütten, aus dürren in die Erde gesteckten Aesten gemacht, auf Binsen und Laub gelagert, noch keinen Begrif von irgend einer Pflanzung oder Art des Anbaues hatten. Ihre Kleidung bedeckte nur die obere Hälfte des Leibes; die Beine, und zum Theil die Schenkel, blieben entblößt, ausgenommen wenn sie im Sitzen auf den Fersen, unter dem schmutzigen Anzüge verborgen wurden. Diese drey Familien waren allem Anschein nach, noch überdem von einander völlig unabhängig. Weiter nordwärts, in Charlottens-Sund, einem eben so großen Gewässer, hatten vier bis fünfhundert Menschen die Ufer inne, und schienen unter der Anführung einiger alten Männer, denen sie Ehrerbietung erzeigten, als z. B. Tringobuhi, Gubaya und Teiratu, zu stehen. Fische, jedoch von einer andern, weniger schmackhaften Gattung, sind daselbst ebenfalls häufig; Vögel hingegen, und besonders Wasservögel, waren weit seltener, als in Dusky-bay. Von Robben sahen wir nicht mehr als einen einzigen, obgleich beyde Schiffe sich zu verschiedenen mahlen daselbst aufgehalten haben. Die Kleidung der Einwohner, war die nämliche, wie in Dusky-bay; die Wohnungen aber, besonders auf den Hippahs oder befestigten Höhen, waren besser, reinlicher, und inwendig mit Rohr gefüttert. Sie hatten zwar selbst keine Pflanzungen angelegt, kannten aber gleichwol die Namen: Tarro und Gumolla, womit in den wärmern Inseln die Aronswurz ( Arum esculentum )und die Bataten ( Convolvulus Batatas ) belegt werden. Dieser Umstand scheint gewissermassen ihre Abkunft von einem Stamme zu beweisen, der schon Pflanzungen besaß. Vielleicht konnten der größere Ueberfluß von Fischen in ihren neuen Wohnsitzen, vielleicht auch die traurige Notwendigkeit aus bessern Gegenden zu flüchten, ohne jene Pflanzen mitnehmen zu können, oder aber ihre angebohrne Trägheit und Gleichgültigkeit, die Ursachen seyn, wodurch sie des Vortheils der Pflanzungen verlustig geworden sind. Das Klima kann wenigstens im 41° S. Br. noch Aronswurz und Bataten hervorbringen. Hier ist also wiederum ein augenscheinliches Beyspiel, von Verwilderung und Verfall, aus einem vollkommenen Zustande. Die Einwohner der nördlichen Insel von Neuseeland, die unser Schiff besuchten, hatten bessere Kähne und feinere Kleider. Auch erhellt aus den Nachrichten von der vorigen Reise, die mir Capit. Cook mittheilte, so wie aus der gedruckten Reisebeschreibung Hawkesworths Sammlung der englischen Reisebeschreibungen Edition in 4. III. Band. S. 36. u. f. , daß eben diese nördlichen Neuseeländer ansehnliche, regelmäßige Pflanzungen besitzen, welche mit Rohr sehr artig und dauerhaft umzäumt sind; daß sie in einem Distrikte von einigen 90 Seemeilen die Oberherrschaft eines einzigen Herrn erkannten, und von dessen Untergeordneten gerichtet wurden; daß sie endlich daselbst weit ruhiger und bequemer als sonst auf der ganzen Insel zu wohnen schienen. Wir kommen nunmehro zu den freundschaftlichen, sodann zu den Societätsinseln, und ihrer Krone, dem gepriesenen Taheiti. Hier ist die Bevölkerung schon sehr beträchtlich, das Land aber vermuthlich im Stande, eine noch weit größere Menge von Menschen zu ernähren, die auch in der Folge der Zeiten vorhanden seyn dürfte, wofern keine Unglücksfälle, keine üble Sitten oder Verordnungen den Fortgang der Bevölkerung hemmen. Alles zeugt hier von einem Zustande, der weit über denjenigen erhaben ist, dessen sich die vorhingenannten Völker rühmen können; alles deutet zugleich auf das Klima, als auf die erste und ergiebigste Quelle, aus welcher der Fortschritt der Einwohner zu einer so hohen Stufe auf der Leiter der Menschheit entspringt. Allein, weiter nach Westen liegen Inseln, in derselben Entfernung vom Pol, unter einerley Parallelkreisen,und in dem nämlichen glücklichen Klima, deren Einwohner gleichwohl weit hinter den Taheitiern und ihren Verwandten zurückstehen, und weder so gesittet, noch im Besitz so vieler Vortheile der Cultur sind. Die neuen Hebriden Es giebt also ausser der Einwürkung des Klima, unfehlbar noch eine andre Ursach, dieser merkwürdigen Verschiedenheit. Man könnte allen Fortgang in den Wissenschaften, alle Entwickelung und Vervollkommung der Künste, der Manufakturen, der bürgerlichen Gesellschaft, und der Sittlichkeit selbst, gleichsam die Summe der Bemühungen des ganzen Menschengeschlechts seit seines Daseyns, nennen. Nichts ist wahrscheinlicher als daß die ursprünglichen Familien vermittelst gegenseitiger Verbindung, einander ihre angeerbte und erworbenen Kenntnisse, ihre darauf erbauten Grundsätze, ihre Einrichtungen, und ihre mechanischen Künste, zum Besten der Nachkommenschaft, mitgetheilt haben. So kannte und adoptirte man zum Theil in Griechenland, die Wissenschaften, die Künste, Grundsätze, Verordnungen und Manufakturen der alten Egyptier, und der orientalischen Völker. Die Römer erhielten ihre Aufklärung und Ausbildung von den Griechen, und wir lernen von diesen unsern alten Vorgängern, und finden noch jetzt ihre lang vernachläßigten Künste in manchen Stücken nachahmungswerth. Aus Chaldea aber, und aus Egypten strömten die beiden merkwürdigsten Systeme von Kenntnissen hervor, jenes über Indien, Schina und die äussersten Enden des östlichen Asiens, dieses über alle Abendländer, und über Norden. Ueberall findet man Spuren dieser uralten Systeme, ausser so viel ich weiß, im innern südlichen Afrika, und auf dem ganzen festen Lande von Amerika nicht. Je mehr nun dieser Kenntnisse bey einem Volke aufbewahrt wurden, je mehr es suchte, sie seiner neuen Lage, seinem jetzigen Klima und andern Nebenumständen anzupassen, je schneller es auf jenen ersten Grund fortbaute, und von einem Begriffe zum andern, von Grundsätzen zu Grundsätzen stieg, desto vollkommener, gesitteter, glücklicher ward ein solches Volk. Verlohr es im Gegentheil seine angeerbten Kenntnisse, es sey nun, daß das Klima, oder die neue Lage, oder irgend etwas, die vorigen Regeln vereitelte, und daß keine neue Einrichtung an die Stelle der verlornen kam, so mußte es verfallen, ausarten, und unglücklich werden. Ueberhaupt können bey diesem oder jenem später entstandenen Volke, Wissenschaften und Kenntnisse durch mancherley Ursachen in Verfall gerathen; indeß der alte Stamm, von welchem es entsprungen ist, mit der Quelle jener Kenntnisse immerfort in Verbindung bleibt, und selbige bey sich, von Vater auf Sohn ununterbrochen fortpflanzt. Man nehme an, eine Anzahl Menschen sähe sich durch innerliche Unruhen gezwungen, ihr Vaterland, ihr angeerbtes Klima, zu verlassen, um der Gewalt und dem Uebermuth ihrer Feinde zu entgehn. Sie durchwanderten eine Strecke noch unbewohnter Länder, und liessen sich endlich unter einem kälteren Himmelsstrich als ihr voriger war, nieder. Hier finden sie jene Früchte ihrer wärmeren Heimath nicht mehr, welche dort ohne Menschenhülfe reiften, die nahrhaften Wurzeln, welche ihnen vorhin mit leichter Mühe eine überflüßige Nahrung lieferten, erfordern hier die langwierigste und beschwerlichste Kultur; weil Pflanzen-Wachsthum überhaupt, in Gegenden, die weiter von der Sonne entfernt sind, nicht so schnell und stark von statten geht. Durch die Länge der Zeit wird aus jenen Emigranten ein Volk; es entstehn neue Spaltungen, und der schwächere Theil weicht zum zweyten mahle, in eine noch unfreundlichere Gegend, wo die Früchte gänzlich aufhören, und auch die Wurzeln, wegen des rauhen Winters, nicht gedeihen wollen. Von ihrer ehemaligen Nahrung bleibt ihnen also nichts mehr; keine Spur von einer Erndte zur gesetzten Zeit, wodurch ihre schwere Arbeit sonst belohnt ward. Das neue Land und dessen einheimische Produkte, sind ihnen noch ganz unbekannt, sie irren folglich überall nach einem ungewissen Unterhalte herum; Stärke und List werden wechselsweise aufgeboten, um zur Nahrung, Thiere, Vögel und Fisch der neuen Gegend habhaft zu werden. Ihre ganze Lebensart verändert sich; ihre angeerbten Gewohnheiten, ihre Sprache, ja ihre ganze Beschaffenheit selbst, wird umgeschmolzen. Eine andre Ideenfolge tritt ein; jene Vortheile, die sie in ihrer ehemaligen Lage schon kannten, werden hier wieder vergessen; der Baum, von dessen Rinde sie sich ehedem etwa zu kleiden pflegten, wächst um ihre neuen Wohnsitze nicht; vielleicht war ihre Flucht so eilig, daß sie weder junge Pflanzen, noch Hausthiere mit fortnehmen konnten. Indessen fühlen sie lebhaft das Bedürfniß in einem kältern Klima gekleidet und gedeckt zu seyn. Eine Grasart, einige Pflanzenfasern andrer Art, oder auch Robbenfelle, und Vögelhäute müssen jetzt zu diesem Behufe dienen. So oft an einem Orte das Wild abnimmt und seltner wird, oder der Fischfang nicht mehr so ergiebig ist, müssen sie ihre Wohnorte verändern. Bald verlohnt es ihnen die Mühe nicht mehr, große, bequeme, reinliche Häuser zu bauen; wo sie hinkommen, errichten sie bloß eine Hütte zum einstweiligen Schutz gegen Wind und Wetter. Die Namen und Begriffe von Dingen, die sie ehemals anderwärts besassen und genossen, bleiben allenfals noch bey der ersten Generation; ihre Kinder haben jene Begriffe bereits verloren, und ihre Enkel wissen auch von den Benennungen nichts mehr. Hingegen kennen und benutzen sie jetzt neue Gegenstände, sehen sich genöthigt ihnen neue Namen zu ertheilen, auch die Anwendung derselben mit neuen Worten auszudrucken. So verschwindet die vorige, erscheint eine neue Sprache. Als Jäger und Fischer müssen sie nunmehr zerstreut in kleinen Familien leben; sie können nicht mehr ihren Unterhalt neben einander finden, ihre Ruhestunden verfliessen nicht mehr im geselligen Kreise; ihre Kräfte werden nicht mehr zu größern Unternehmungen vereint, ihre Erfindungen, ihre Erfahrungen und Kenntnisse bleiben isolirt. Reissende Thiere, oder wilde Menschen, so reissend als jene, sind ihnen überall gefährliche Feinde; nichts großes, wozu die Arme einer Menge nöthig sind, wird ausgeführt; nichts wichtiges von ihrem ungeübten Verstande erfunden; was wir Genie nennen, vermißt man unter ihnen; wenigstens ist in einer geringen Anzahl von Menschen lange nicht so viel Wahrscheinlichkeit, es anzutreffen, als in zahlreichen Gesellschaften. Die Nahrungssorge beschäftigt sie ganz und gar; mithin verschwinden nach und nach alle Begriffe, die keinen Bezug auf Fischerey und Jagd haben. Die unfehlbare Folge von diesem allem: sie versinken allmälig in die äusserste Unwissenheit, und arten völlig aus; jene Begriffe von Vervollkommung, jene verfeinerte Empfindungen von Glückseligkeit, – das Werk von vielen Jahrhunderten, und das Resultat der aufgesammelten und vereinten Verstandskräfte vieler tausend Menschen, – sind vergessen; Gewohnheit, und nicht moralisches Gefühl, knüpft ihre gesellschaftlichen Bande; es bleibt ihnen nur noch das thierische leben, mit seinen Bedürfnissen und Trieben; vom Bewußtseyn edler Thaten aber, vom ruhmvollen Kampfe für die Tugend und für das Vaterland, von erhabener und ausgebreiteter Weisheit, kurz von der ganzen Zierde des Menschen, regt sich kein Funke mehr in ihrer Brust. Diese Ausartung, dieser Verfall, hat offenbar eine zwiefache Veranlaßung, wie aus allen Umständen erhellt. Einmal das unfreundliche Klima, dessen Kälte auf den Körper nachtheilig wirkt, ihn gegen Gefühl und Empfindung härtet; dann aber auch der Mangel der Erziehung, d.i. der Fortpflanzung, Aufbewahrung und Entwickelung aller nützlichen Begriffe und Kenntnisse, welche den Menschen nach allen seinen physischen, geistigen, sittlichen und bürgerlichen Verhältnissen vervollkommnen und beglücken können. Zum Schluße dieses Abschnitts noch einige Bemerkungen. Die Wilden, welche die Südspitze unseres Erdbodens bewohnen, haben wir als elend, ausgeartet und verfallen geschildert. So schien es uns, so mußte es einem jeden Europäer scheinen, der einen bessern Zustand kannte, und gewohnt war. In ihren eignen Augen sind sie so unglücklich nicht. Ihre Lebensart ist ihnen zur andern Natur geworden, sie geben ihr vor allen den Vorzug, und keiner von ihnen würde unsern milden Himmelsstrich, ihrem kalten Klima vorziehen; seine Hütte ist ihm lieber als ein bequemes europäisches Wohnhaus; sein Robbenfell dünkt ihm zierlicher als Seidenstoffe und gestickte Kleider; ein wohlschmeckendes Gericht aus unsrer Küche, ersetzt ihm keineswegs das lieblichere fumet seines Robbenfleisches. Gesetze und Einschränkungen verschmäht er; zügellos, sinnlich und rachgierig, paßt er in keine wohleingerichtete Gesellschaft, und verachtet sogar unsere Sitten und Lebensart, die er nicht beurtheilen kann. Dieses gilt von den Wilden im Feuerlande; und von den Neuseeländern; die O-Taheitier sind über diesen Zustand hinaus. Von den Einwohnern des Feuerlandes dachte kein einziger daran, mit uns zu gehen, und ob es ihnen gleich angeboten ward, schlugen sie es doch aus. Eben so verhielten sich auch die Neuseeländer, bis die Bekanntschaft mit Omai, zween junge Leute bewegte, sich mit zu Schiffe zu begeben. (S. die neue Reisebeschr. von Cooks letzter Reise) Dagegen gab es auf Taheiti und den angränzenden Societätsinseln mehrere Beyspiele, daß sich dortige Einwohner aus eignem Antriebe erboten, mit nach Europa zu reisen. Ich erinnere mich jetzt folgender: 1) Aoturu der auf der Rückreise aus Frankreich starb. (S. Bougainville Reise.) 2) Tupaya , und sein Bedienter. 2) Teiyatu , die beide in Batavia starben. (Hawkesw. Gesch. der engl. Seereisen in 4. II, Band. S. 180. und in Oct. II. B. S.476. 4) O-Mai , der mit Capit Furneaux von Huaheine gieng, und von Capit Cook wieder dahin geführt ward. (Cooks letzte Reise S.) 5) Porea , ein O-Taheitier gieng mit uns bis zur Insel O-Rayetea, wo er aufgefangen ward. (G. Forsters Reise I. p .362. 41O.) 6) O-Hididi , oder Maheine , ein Einwohner von Borabora, der 8 Monath lang an Bord unsers Schifs ( Resolution ) mitreiste, hernach aber in O- Rayetea blieb, indem ihm Cook die Rückkehr aus England nicht gewiß versprechen konnte. (Forsters Reise I. 311.) 7) Nuna , wollte Taheiti verlassen, und sogar auf die Rückkehr Verzicht thun; allein Capt. Cook, gestattete ihm die Reise nicht. 8) Ein anderer junger Mensch von dem Distrikt Oparre in Taheiti, verlangte ebenfalls mit zu gehn. Er war sehr stark über den ganzen Leib punktirt, und gab vor er sey ein Tahataorrero, oder ein Lehrer; indessen schien er wenige Begriffe zu haben, und Capit. Cook gab ihm ebenfalls abschlägige Antwort. Wir behaupten dennoch mit Recht, daß die Anhänglichkeit des Wilden an seine angebohrne Lebensart, für die Vortreflichkeit derselben nichts beweiset. Seine Zufriedenheit ist Wahn; sein Glück ist ohne Dauer und betrüglich, denn es beruht blos auf sinnlichem Genuß. Die ganze Summe seiner angenehmen Empfindungen ist unbeträchtlich, mangelhaft, mit einem Worte von geringem Werth. Glücklich, wer daher unter gesitteten Menschen lebt, unter den weisesten erzogen wird, und dem wohlthätigen Schutz der Gesetze, einer gutgewählten Staatsverfassung, und der religiösen und politischen Toleranz seine Ruhe und sein Glück verdankt. Entweder ist dieser Satz richtig, oder es müßte wahr seyn, daß Mangel an Empfindungen, glücklich machte. Alle Geschöpfe haben ihr Maas von angenehmen und schmerzhaften Empfindungen; und es ist höchst wahrscheinlich, daß beydes durch die ganze Reihe der indischen Wesen, überall in gleichem Gewichte steht. Dieser Gleichheit ohngeachtet, ist es noch niemand eingefallen zu behaupten, daß der Stein glücklicher als die Pflanze, diese beneidenswerther als die Thiere, und das Thier dem Wilden und gesitteten Menschen vorzuziehen sey. Die Mannigfaltigkeit, der Umfang und die Vortreflichkeit der Kräfte, die sich in jedem Geschöpfe thätig beweisen, die Vollkommenheit der Empfindungen, ist der einzige Maasstab, nach dem wir die Geschöpfe ordnen können, wenn von ihrer respektiven Vollkommenheit überhaupt die Rede ist. Haben wir etwa beym Menschen einen untrüglichern Maasstab, in so fern er nämlich mit den übrigen Geschöpfen in eine Klasse gehört? Oder ist es nicht genug, daß der gesittete Mensch vollkommner empfindet, und alle seine Kräfte ungleich besser anwendet und entwikelt, um ihn dem Wilden vorzuziehn? Ich schweige von noch höhern Verhältnissen, die seinen Werth unfehlbar bestimmen, und betrachte ihn hier blos als einen physischen Gegenstand. G. F. Ist aber der Wilde nicht so glücklich, wie uns einige Schriftsteller überreden wollen, die ihn nie in seinem verfallenen Zustande sahen, so ist der Wunsch natürlich, ihn aus seiner trostlosen Lage heben, glücklicher, gesitteter, mit einem Worte, zu einem vollkommnen Menschen machen zu wollen, ohne ihm zugleich jene Bürde aufzulegen, welche bey uns den Misbrauch unserer Vorzüge gemeiniglich begleitet. Die menschliche Natur ist großer Vervollkommung fähig; allein oft verfehlt man den kürzesten Weg zu einem so edlen Ziele; man ist unbillig in Erwartungen, voreilig und gewaltthätig in der Ausführung; man verlangt da unmittelbare, plötzliche Wirkungen, wo die Natur der Dinge es nicht mit sich bringt; man will sie durch unrechte Mittel erzwingen, und man verfehlt den Weg, der einzig zur wahren Erleuchtung führt, weil er langsam und unmerklich fortstreicht. Ist nicht der Gang des individuellen Wachsthums von der Geburt an, bis ins männliche Alter, langsam und allmälig, wenn gleich der Körper noch so gut gepflegt, und das Gemüth mit den Samen aller geselligen Tugenden früh geschmückt wird? Können wir die Knabenjahre, die Jünglingsjahre überhüpfen, und aus Säuglingen mit einem Sprunge Männer machen? Alle Künste der Erziehung vermögen es nicht. So ist auch der Fortschritt der Völker zur Kultur ein Werk der Zeit; und Jahrhunderte werden zu ihrer Reifung erfordert. Von den ersten thierischen Trieben keimt der Mensch zum Wilden hervor, wächst sodann fort in einem Stande der Barbaren, ehe er einigermassen der Gesittung fähig wird, und die vielen Stufen der Verfeinerung ersteigen kann. Kindheit des individuellen Menschen ist bloßes thierisches Leben. Auf eine ähnliche Art ist die unterste Stufe, wohin die Gesellschaft verfallen kann; blos thierisch, unschuldig, harmlos, ohne Trug sind die Knabenjahre; Privateigenthum und persönliche Sicherheit sind Begriffe, die der Knabe erst lernen muß; denn er kannte bisher nur das Gesetz des Stärkern. Ueber eben diese Gegenstände sieht es im Kopfe des Wilden nicht viel heller aus; ausser seiner eigenen Sicherheit, weiß er von keiner andern; er raubt was ihn gelüstet, wenn er es sonst nicht erhalten kann, und er schlägt ohne Anstand den, der schwächer ist. Der Jüngling hat die heftigsten leidenschaften; er beleidigt oft alle Grundsätze der Moralität, er braust wie ein reissender Strom, der alles fortschleppt, was sich ihm wiedersetzen will; gleichwol röthet sich schon der helle Tag der Vernunft und des Verstandes; wird dieser Zeitpunkt verwahrloset, und werden die Leidenschaften der Vernunft nicht untergeordnet, so versinkt er in Ausschweifungen, die seinen Untergang nach sich ziehn. Nicht minder heftig und feurig ist der Barbar; ohne Grundsatz, ohne Zügel, der fürchterlichsten Excessen und Schandthaten fähig. Völker auf dieser Stufe, bedürfen vor allen andern Erziehung und Vervollkommung. Das reife männliche Alter hat mit dem gesitteten Zustande viele Ähnlichkeit, und hier giebt es verschiedene Grade. In den Südländern hat noch kein Volk die höchsten Stufen der Kultur erstiegen. Daher kann hier um so weniger von einer zwoten Kindheit die Rede seyn. Lage die Scene näher, so hätte man vielleicht das Gleichniß fortsetzen müssen. (Man lese Herders Philosophie zur Geschichte der Menschheit.) G.F. Man hat mich verschiedentlich gefragt, welchen Fortgang in der Kultur, welche Vervollkommung ich an den Bewohnern der Südländer wahrgenommen hätte, die von ihrem Umgang mit Europäern herrühren könnten? Das eben gesagte kann hierüber hinlängliche Auskunft geben, und zugleich die Erwartungen der Philosophen, von einer zu hoffenden Verfeinerung dieser Völker, nach dem richtigern Begriffe ihres jetzigen Zustandes würdigen. Einige Jahre sind in der Exsistenz eines Volks, was einige Augenblicke im Leben eines Menschen sind. Innerhalb wenigen Stunden kann ein Mensch viele wichtige Dinge erlernen, die auf sein ganzes künftiges Leben den wesentlichsten Einfluß haben können; allein in seinem Charakter, seiner Lebensart, seinen Gesprächen und Handlungen, gleich in den ersten Stunden nach dieser Belehrung, die Vortheile schon bemerken wollen, welche er in der Folge davon ziehen kann, dürfte nicht wohl möglich seyn. Eben so wenig können wenige Jahre im Charakter der Völker merkliche Veränderungen verursachen. Wir führten den Neuseeländern Hüner und Schweine zu; den Neukaledoniern schenkten wir Hunde und Schweine, den Tannesen, Mallikollesen, und Einwohnern der freundschaftlichen Inseln Hunde, den Taheitiern Ziegen. In der Folge können diese Thiere auf die Lebensart der Völker merklichen Einfluß haben, und sie größtentheils verändern; allein wenn man erwägt, daß wir ihnen nur ein Ziegenpaar, und auch in dem nämlichen Verhältniß von den andern Thieren, nur wenige mittheilten, so sieht man, daß eine lange Reihe von Jahren, zu ihrer Vermehrung und allgemeinen Ausbreitung unter den Einwohnern erfordert werden. Eiserne Geräthe können jenen Völkern ebenfalls in der Länge der Zeit zur Aufnahme und Vervollkommung ihrer mechanischen Künste gereichen; allein der Vorrath von Eisenwaare, welcher durch die verschiedenen europäischen Schiffe dorthin gekommen ist, reicht noch nicht hin, um jeden Einwohner damit hinlänglich zu versehen; folglich sind die Wirkungen dieser neuen Einfuhr auch noch unmerklich. Ueberdies, können die Inseln des Südmeeres keine europäische Nation zu einem regelmäßigen anhaltenden Verkehr mit ihnen anlocken, indem es ihnen an allen Handelsprodukten fehlt; vielmehr ist es wahrscheinlich, daß man sie in wenigen Jahren gänzlich vernachläßigen wird. Wären nun daselbst die eisernen Werkzeuge bereits so häufig, daß sie allgemein gebraucht würden, so halten sie vielleicht die vorher gewöhnlichen steinernen Aexte und Meissel, nebst andern Geräthen verdrängt, und die Einwohner würden mit der Zeit die Kunst verlernt haben, sie zu machen. Wie sehr müßte nicht dieser Umstand sie zurücksetzen, und ihrem Fortschritte nachtheilig seyn, da sie sich nicht nur an unsre Instrumente gewöhnt haben würden, ohne die Kunst sie zu verfertigen, und ohne das Eisen, woraus sie geschmiedet werden, zu besitzen, sondern auch die steinernen nicht mehr zu machen wüßten! Sittliche Begriffe und Aufklärung des Verstandes konnten sie bisher eben so wenig von den Europäern erhalten; die Besatzungen der englischen Kriegsschiffe sind eben nicht die besten Lehrmeister in diesem Fache, und die wenigen einzeln Menschen, von denen man diese Belehrung allenfalls erwarten konnte, hatten weder die dazu nöthige Sprachkenntniß, noch auch Gelegenheit in den wenigen Tagen ihres Aufenthalts, neben ihren Amtsgeschäften, dieses große Werk, welches ganze Jahre und Menschenalter erfordert, mit Nachdruck zu betreiben. Fünfter Abschnitt. Unterhalt; Mittel ihn zu erlangen: Fischerey, Jagd, wilde Früchte. – Wilde oder barbarische Verfassung kleiner Gesellschaften. – Ursprung des Menschenfressens. – Gang der Vorsehung zur Vervollkommung menschlicher Gesellschaften. – Sed primum positum sit, nosmet ipsos commendatos esse nobis, primamque ex natura hanc habere appetitionem, ut conservemus nosmet ipsos. CIC. de fin. bon. et mal. IV. Die Hauptbeschäftigung aller Völker, welche die Polargegenden des Erdbodens bewohnen, ist die Anschaffung des Lebensunterhalts; auf diese tägliche, unabläßige Sorge beziehen sich alle ihre Erfindungen und Bemühungen; Kleidung, Wohnung, Sicherheit, Freyheit, Eigenthum, und jedes andere Bedürfniß muß jenem ersten nachstehen. Vergleichen wir indeß die Bewohner des Südpols und Nordpols, die Feuerländer, Eskimo's und Grönlander unter einander, so finden wir diese nördlichen Völker jenen südlichen Amerikanern weit überlegen, ohnerachtet das Feuerland, in Betracht so mancher Naturprodukte, vor Labrador und Grönland, vieles voraus hat. Die Grönländer und Eskimo's leben von Land- und Seethieren, deren sie sich eine ziemliche Menge zur Abwechselung verschaffen können. Sie gehen auf die Rennthierjagd, aus den Wallfisch- und Robbenfang; sie wissen Seevögel zu erlegen, und fangen auch Fische, besonders Lachse. Die armseligen Pesserähs (Feuerländer) hingegen, nähren sich hauptsächlich nur von Miesmuscheln und andern Schaalthieren, die sie vom Grunde des Meeres und von den Felsen unter dem Wasser, vermittelst eines knöchernen, an einem achteckigen langen Stocke befestigten, Hakens auffischen. Wir fanden auch, daß sie faules Robbensteisch fraßen, wovon sie uns, als etwas gar köstlichem, anboten. Indeß scheinen die Robben hier sehr selten zu seyn, oder wenigstens von einem Orte zum andern umher zu ziehen, und folglich diesen Haven nur zu gewissen Jahrszeiten zu besuchen, denn wir selbst haben auf den vielen Exkursionen, die wir mit unsren Böten über die ganze Christmeßbay anstellten, nirgends welche angetroffen. Ein Pesseräh trug das Fell eines Guanako Eine Art wilder Schaafkamele; im zahmen Zustande heißen sie Llamas, auch Llacmas. (Ljakmas) zur Kleidung; er war aber auch, unter einigen dreyßigen, der einzige so gekleidete. Aller Wahrscheinlichkeit nach giebt es keine Guanako's um Christmeßbay, indem man daselbst lauter öde, unfruchtbare Holmen, aber keine Waldungen und Grasweiden sieht, wo diese Thiere Schutz und Nahrung finden könnten. Im Ausgange Decembers, mithin im Sommer, waren auch noch die Gipfel der Berge mit ungeheuren Schneelasten bedeckt. Hieraus läßt sich mit einiger Wahrscheinlichkeit schließen, daß die Pesserähs, oder Einwohner, die wir hier vorfanden, zuweilen andre Gegenden besuchen, wo sie vielleicht Guanakos fangen können. Auf dem östlichen Theile des Fenerlandes, welcher aus einer großen zusammenhängenden Erdmasse, und nicht, wie der westliche, aus vielen kleinen Eilanden, besteht, haben wir, so wie andere Seefahrer, große Wälder von schönem Bauholz, und weitläuftige mit Gras bewachsene Ebenen angetroffen. Hier möchten sich also die Guanakos, wenn es deren überhaupt auf dem Feuerlande giebt, wahrscheinlich aufhalten. Die Holländer, die, in der sogenannten Nassauischen Flotte, auf dem Feuerlande anlegten, fanden eine Art Thiere, die sie Hirsche ( deer ) nannten; ich vermuthe, dies waren Guanakos. S. Recueil des Voyages, qui ont servi à l'Etablissement de la Comp. des Indes Orientales Vol. IV. und folglich unsere Pesserähs bisweilen, nach dieser östlichen Insel, oder gar auf das feste Land von Südamerika ziehen; ein Beweis mehr, daß die Seltenheit der Lebensmittel in dieser traurigen Gegend, sie in große Noth versetzt, ohne welche sie warlich nicht aus der Stelle zu bringen wären! Es giebt zwar auf dem Feuerlande eine Arbutus in großer Menge, dessen Beeren eßbar sind; allein ich wüßte nicht, daß die Einwohner von diesen, oder sonst von andern Producten aus dem Pflanzenreiche Gebrauch machten. Die Grönländer hingegen, sammlen mehrere Gattungen von Beeren ein, und speisen überdem eine Art des Tangs oder Seekrauts. Sie sind auch weit besser gekleidet als die Feuerländer, und besitzen einen Ueberfiuß von Robben und von Rennthierfellen, imgleichen Häute von verschiedenen Wasservögeln. Ihre Kleidung ist mit einiger Kunst verfertigt, und besonders gut gegen ihren rauhen Winter eingerichtet; sie tragen auch eine Art Unterkleid, welches von den Gedärmen gewisser Thiere und Fische gemacht wird: aus Fischgräten und Vogelknochen verfertigen sie Nadeln, spalten die Sehnen der Rennthiere und Wallfische zu einer Art Zwirn, und nähen ihre Kleidungsstücke mit so vieler Geschicklichkeit, daß auch europäische Kürschner ihre Kunst bewundern. Ihre Wohnungen sind, nach Verschiedenheit der Jahrszeit, auch verschieden eingerichtet. Im Winter wohnen sie sehr warm, in bequemen steinernen Häusern, welche mit Balken und Dächern versehen sind, obgleich das Holz bey ihnen sehr selten, und sonst keines vorhanden ist, als was die See an ihren Küsten auswirft. Das Tageslicht kommt durch kleine Oefnungen in diese Häuser, oder eigentlich durch eine seltsame Art Fenster, die aus Robbeneingeweiden und Fischmagen verfertigt werden. Ihre Hütte ist inwendig mit Fellen behangen, oder eigentlich ausgefüttert; die besten Felle aber dienen, auf erhöheten Bettstellen, zum Lager. Auch die Thüre ist bequem und künstlich eingerichtet. Ihre Küche ist es nicht minder; sie kochen in einem steinernen Topf über eine Lampe von Tranöhl. Den Sommer hindurch wohnen sie in netten Gezelten, die von Stangen ordentlich erbaut und mit Fellen bedeckt sind. Im Eingange hängt eine durchsichtige Haut, die Wind und Regen abhält, aber das Licht hindurch läßt. Kurz: alles zeugt bey ihnen von Geschicklichkeit und Erfindungsgeist, von einer höhern Stufe der Glückseligkeit und des bequemen Genusses. Wie elend wohnt dagegen der arme Pesseräh! Auf etliche Pfäle, oder auf kleine Bäume, die er mit Bast oder Riemen aneinander knüpft, wirft er einige Gebinde Strauchwerk, umschließt dies mit alten Robbenfellen, und läßt ein Sechstheil oder gar ein Fünftheil des ganzen Umfangs offen, wo er sein Feuer anmacht, ohne gegen die rauhe kalte Witterung geschützt zu seyn. Auffallend war es mir, daß dieses blödsinnige Volk, den Vorrath des schönsten Bauholzes, der in dortigen Gegenden angetroffen wird, nicht besser benutzt, und bessere Häuser und Kähne daraus verfertigt. Man mögte vielleicht einwenden, sie wissen das Holz nicht zu zerschneiden und zu diesem Behuf zu verarbeiten, es fehlt ihnen an Werkzeugen u.s.f.; allein dies ist nicht ihr Fall; sie können allerdings das Holz bearbeiten, denn die Stangen, woran sie ihre knöchernen Muschelhaken befestigen, sind zehn bis zwölf Schuhe lang, ganz gerade, glatt und achteckigt. Eben so sehr muß man sich wundern, daß sie, bey einem Vorrath von Robben- Fuchs- und Guanakosfellen, an welche sie doch hin und wieder lederne Riemen genähet hatten, nie darauf verfallen sind, zu ihrer eignen Bequemlichkeit noch einen Schritt mehr zu thun, und die Felle dergestalt zur Kleidung zuzuschneiden und zusammenzunähen, daß sie dadurch gegen die Strenge der Witterung vollkommen geschützt würden. Nichts stellt uns ihren tiefen Verfall so lebhaft vor Augen, als diese mit Blödsinn vergesellschaftete Unbeholfenheit. Es ist wahr, eben diese Eigenschaften machen sie gleichgültig und unempfindlich gegen ihr Elend; allein schwerlich ist es bloße angeborne Indolenz und Gleichgültigkeit, die sie zu einer gemächlichern Lebensart unfähig macht; sondern man muß vielmehr aus allem obigen schließen, daß sie die unglücklichen Opfer der Rache oder des Uebermuths ihrer stärkern Nachbarn geworden, und von denselben hieher, in die unfreundlichste Gegend von Südamerika, vertrieben worden sind. Die Europäer fanden indeß, bey der Entdeckung von Amerika, alle dortigen Völker im wilden Zustande, nur um eine Stufe über den blos thierischen Zustand hinaus. In kleinen Horden durchstreiften sie die Wälder dieses großen Welttheils, lebten hauptsächlich von Jagd und Fischfang, ohne Ackerbau, und waren schlecht gekleidet. Nur zwey Völker hatten eine Art von Gesittung erreicht, und diese wohnten innerhalb der Wendekreise; auch bezeugten ihre eignen historischen Denkmäler, daß ihr Fortschritt zur gesitteten Lebensart ein Werk später Zeiten, und wahrscheinlich von einigen wenigen fremden Familien befördert worden sey, welche das Schicksal, wider ihre Erwartung, auf diese wilde und feindselige Küste geworfen haben mogte. Ist aber die Bevölkerung des ganzen Amerika so gering, der Zustand der dortigen Menschen überhaupt noch thierisch, und von aller Cultur entfernt, das Klima gegen die Pole hin rauh und unfreundlich und die Lebensmittel daselbst selten; - wie einleuchtend wird dann nicht der Satz, daß nur die äußerste Noth die Menschen gezwungen haben könne, aus wärmern und reichhaltigern Gegenden, in die entferntern öden Theile des festen Landes zu wandern! Je elender ihr jetziger Zustand ist, desto entfernter ist ihre Abkunft von den Einwohnern des wärmern Erdgürtels, die noch einige Erziehung genossen. Ihre Anzahl ist gering; denn sie können selbst nur Abkömmlinge einer unbeträchtlichen nomadischen Horde seyn, und der Mangel an natürlicher Wärme, die Härte ihrer Fibern, die Ausartung ihrer Säfte, lauter Folgen ihrer Lebensart und ihres Klima, tragen vieles zu ihrer Unfruchtbarkeit bey. Montesquieu Esprit des Loix, L.XXIII. Ch. 13. behauptete, daß die fischsressenden Völker die fruchtbarsten wären, und fand in den öligten Theilen der Fische, reichlicher als in anderen Lebensmitteln, jene Materie, welche die Natur zu neuen Zeugungen aufbewahrt. Allein diese sinnreiche Erfindung, die so mancher nachgeschrieben hat, ist weder in der Natur, noch in der Erfahrung gegründet. De Saintfoix Essais historiques sur Paris Tomme II. p181. In Grönland Crantz, Geschichte von Grönland, im ersten Theil sowohl, als auch unter den Eskimos, Lieut.. Curtis in the Philos. Trans. Vol LXIV. part.2. pag.385 wo man doch hauptsächlich von Fischen, Robben und fetten animalischen Speisen lebt, kommen die Weiber selten öfter als drey bis viermal nieder; fünf oder sechs Geburten sind etwas ungewöhnliches. Bey den Pesserähs bemerkten wir in jeder Familie nur zwey bis drey Kinder, obgleich auch ihre Nahrung aus Miesmuscheln, Fischen und Robben besteht. Die Neuseeländer leben bekanntlich größtencheils von Fischen; allein, auch in ihren fruchtbarsten Familien trift man über drey bis vier Kinder nicht an. Es ist also nicht blos die Nahrung, die zur Volksvermehrung beyträgt, sondern es beruht solche noch auf andern Umständen. Das Menschengeschlecht scheint nemlich nur in jenen Gegenden zu blühen, und mit einiger Kraft zur Gesittung zu reifen, woselbst es durch Erziehung ein System von nützlichen und lehrreichen Begriffen beybehalten hat, oder wenigstens von dieser allgemeinen Quelle noch nicht lange, noch nicht gänzlich, abgeschnitten worden ist. Von Kublaichans großem Heere, welches er zur Eroberung von Japan ausgerüstet hatte, und welches durch einen schrecklichen Sturm verschlagen ward, können vielleicht einige Schiffe bis nach den Küsten von Amerika gschleudert worden seyn. Vielleicht waren sie es, die den Grund der mexikanischen und peruanischen Reiche legten, welche um die Zeit, und später noch, entstanden sind. Außer den Mexikanern und Peruanern kam kein Volk später nach Amerika als die Grönländer und Eskimos in dessen nördlichste Gränzen. Die andern amerikanischen Völker nennen sie Fremdlinge, und sowol ihre Gesichtszüge als auch ihre kleine Statur, ihre Sprache, Kleidung und Sitten scheinen dies zu bekräftigen. Wahrscheinlich kamen sie aus einigen Inseln dorthin, welche zwischen Asien und Amerika so zahlreich sind, und, gleich einer Kette, diese großen Welttheile miteinander verbinden. Diese spätern Ankömmlinge sind aber auch gesitteter als ihre Nachbarn; alle ihre Einrichtungen verrathen mehr Kraft als bey den übrigen amerikanischen Wilden vorhanden ist. Was anders, als ihre noch neuliche Verbindung mit Asien, konnte diese Begriffe des geselligen Lebens, diese Kunstfertigkeiten, diese wohlgeordnete Verfassung bey ihnen so lebhaft erhalten? Ganz ein entgegengesetzter Gang des Schicksals machte die Pesserähs im Feuerlande zu den armseligen Geschöpfen, die sie sind. Entsprossen von wandernden amerikanischen Stämmen, die bereits vor langer Zeit ausgeartet waren, konnten sie von ihren Stamm-Eltern keine Begriffe des gesitteten Lebens, keine Winke der Erziehung erhalten, sondern verwilderten gleichsam von Tag zu Tage mehr. Dies gieng um so leichter an, da ihre ganze Anzahl, auf einem Lande welches wenigstens halb so groß als Irrland ist, schwerlich über 2000 Seelen beträgt. Man kann mit vieler Wahrscheinlichkeit annehmen, daß die wenigen Mitglieder, aus welchen eine Gesellschaft wilder oder ungesitteter Menschen besteht, auch lauter nahe Blutsverwandte sind. Die Folgerung aber, welche der europäische Beobachter hieraus zieht, daß nämlich eben diese Verwandschaft das Band ihrer Gesellschaft seyn müsse, ist wohl etwas zu voreilig. In einem Lande, welches nicht Ueberfluß an Lebensmitteln hat, ist es dem Interesse wilder Völker nicht zuträglich, in großen Gesellschaften zu leben; sie können nicht beysammen subsistiren, und müssen sich in lauter einzelne Familien trennen, deren jede einen noch unbetretenen Bezirk aufsucht, um daselbst, so leicht als möglich, die Bedürfnisse der Natur zu befriedigen. Wo nur wenige Personen beysammen sind, da lehrt sie die Erfahrung, daß aus ihrer Vereinigung und gemeinschaftlicher Bemühung ein Vortheil für alle erwächst; daher sieht man Wilde mit ihren Weibern und Kindern, und wohl auch noch mit Schwestern und Brüdern in einer Familie beysammen wohnen, gegenseitiger Vortheil ist alsdenn das Band ihrer kleinen Gesellschaft. Verschwindet er mit der zunehmenden Vermehrung der Personen, so trennt sich von der alten eine neue Familie, und sucht eine andere Gegend zu ihrem Aufenthalt. Wie leicht ist bey so bewandten Umständen die Ausartung und der gänzliche Verfall der Wilden ins thierische? An der Erfahrung und dem Rath ihrer Voreltern können sie keinen Antheil mehr haben; um etwas bisher ungewöhnliches zu versuchen, sind ihrer zu wenige, und um selbst zu erfinden, sind sie mit täglichen Sorgen zu sehr beschäftigt. Wächst die Anzahl der Familien dergestalt heran, daß sie einander im Wege sind, daß das Land ihnen nicht hinreichende Nahrung giebt; so müssen sie zu Gewaltthätigkeiten greifen, und einander umbringen oder vertreiben, um den Genuß der Jagd und des Fischfangs allein zu besitzen. Der unwahrscheinlichste Fall ist der, daß sie auf eine neue Gattung von Unterhalt sinnen und durch Fleiß etwa ersehen sollten, was ihnen, durch ihre vermehrte Anzahl, an Lebensmitteln abgeht. Diese Industrie widerspricht zu sehr der natürlichen, gedankenlosen Trägheit des Wilden, als daß er, ohne eine nähere Veranlassung, darauf verfallen sollte. Den Nachbar zu unterdrücken, auszurotten, sein Weib und Kind zu den schwersten und mühsamsten Arbeiten anzuhalten, scheint ihm ein kürzeres und zuverläßigeres Mittel. Indessen wird vielleicht auf diese Art der Grund zur künftigen Gesittung gelegt. Es kommt darauf an, den verwilderten Menschen aus seinem Schlafe zu wecken, und seinen Geist in Thätigkeit zu versetzen. Hat er seinen Nachbar erschlagen, und sich durch diese Gewaltthätigteit ein bequemeres Leben verschaft, so hat er doch auch zugleich Empfindungen und Leidenschaften in sich rege gemacht, die er zuvor nicht kannte. Er ist nicht mehr der bloße Wilde, der nur kümmerlich den ganzen Tag hinbringt, um seinen nagenden Hunger zu stillen. Sein größerer Jagdbezirk liefert ihm diese Nahrung ohne Mühe, und läßt ihm Zeit, sich seiner großen Heldenthat zu freuen, mehr Muth, mehr Vertrauen zu sich selbst zu fassen; er fühlt eine Art des Stolzes der ihn über andre erhebt. Wird nicht diese neue Triebfeder ihn in Bewegung setzen, wenn neue Feinde ihm drohen, und sollte er durch sie nicht vermögen, was er in seinem erschlafften, trägen Zustande nicht vermochte? nicht auf neue Mittel sinnen, sich gegen sie, in seiner jetzigen neuen Lage zu erhalten, deren Süßigkeit er eben zu schmecken anfängt? Eine geringe Anstrengung versetzte ihn in diese glücklichere Lage, und ein wenig Anstrengung mehr, kann ihn darinn erhalten und befestigen. So erwacht er zu neuer Thätigkeit, und erhebt sich wieder von jener letzten Stufe der Ausartung. In ununterbrochenem Glück, so wie in immerwährendem Elend, erschlaffen die Geisteskräfte, oder äußern sich wenigstens nicht. Werden aber die Leidenschaften rege gemacht, so setzen sie alles in Bewegung und Feuer. Man denke, was für Würkungen sie bey Menschen hervorbringen müssen, deren Verstand ganz ungeübt ist, die keinen vernünftigen Grundsätzen Gehör geben, und kein Recht erkennen, als das Recht des Stärkeren. Will man einwenden, daß ein solches Feuer nicht lange anhalten kann, daß z.B. in dem vorerwähnten Falle, der Kampf zwischen den neuen Eroberern, und jenen andern Stämmen, die ihr Eigenthum hartnäckig vertheidigen wollen, bald entschieden wird, und alles stillet; so bleibt doch immer noch jener wesentliche vortheilhafte Eindruck, der sie zuerst zur Vertheidigung anfeuerte, und gegen ihre Unterdrücker wahrscheinlich eine gemeinschaftliche Verbindung stiften lehrte, in allen Gemüthern zurück. Sie empfinden die Vortheile der Einigkeit noch in der Folge, und endlich bricht für sie der schöne Morgen des geselligen Lebens an. Der Wilde der, durch irgend einen Stoß, aus seinem blos thierischen Zustande geweckt wird, dessen Geist und dessen physische Kräfte zugleich in Bewegung gesetzt, ihn auf der Leiter der Wesen, um eine Stufe höher heben, ist nun zwar auf dem Wege etwas zu werden; allein seine wiedererlangte Thätigkeit, die keinen Zügel fühlt, reißt ihn jetzt nur so viel leichter hin, und läßt ihn Schandthaten begehn, wofür das Herz des gesitteten Menschen zurück bebt. Neuseeländer mit Feuerländern verglichen, sind hievon einleuchtende Beyspiele. In vielem Betracht ist die Lage der erstern viel leidlicher. Ihr ungleich sanfteres Klima erhärtet ihre Fasern nicht, wie bey den starrenden Pesserähs; und so wie ihr Blut sich freyer bewegt, und den ganzen Gliederbau mehr belebt, so werden sie auch mehrerer Empfindung fähig, und bereichern ihren Verstand mit einer größeren Menge von Begriffen. Die Bevölkerung ist ungleich beträchtlicher; Muth und Unerschrockenheit aber auch desto allgemeiner. Gemeinschaftliche Hülfleistung, Belehrung, Erziehung, sind Folgen der unter ihnen stattfindenden festeren Verbindung. Scharfsinnig genug, um gesundes Raisonnement zu fassen, und gelehrig genug, um sich alles, was zu ihrem Vortheile gereichen kann, zu Nutz zu machen, werden wechselseitige Zuneigungen ihnen zum Bedürfniß und größere Gesellschaften ein Mittel sich frey und unabhängig zu erhalten. Heftige Leidenschaften aber sind ihre einzigen Führer; diese würken bey ihnen zugleich Gutes und Böses. Daher Beyspiele von Freundschaft und Treue unter Barbaren, die gleichsam aus einem edlen Enthusiasmus entspringen, und bey verfeinerten Völkern bereits in Vergessenheit gerathen, oder nur noch bey Roman- und Fabeldichtern anzutreffen sind. In der That sind ihre Begriffe von Ehrlichkeit und öffentlicher Treue beynahe romantisch; aber die von Unabhängigkeit und Freyheit sind es nicht weniger, und veranlassen ein beständiges Mißtrauen. Die geringsten Kleinigkeiten werden Beleidigungen, und die Rache entbrennt gar bald, um auch blos eingebildete Uebel zu ahnden. Von Fremden wird vollends weniger als von ihres Gleichen erduldet. Ihre Begriffe von Unabhängigkeit sind schwankend und gehen oft in Zügellosigkeit über. Sie fühlen eine Art von Begeisterung, in der sie keines Schreckens fähig sind; allein ihre Tapferkeit erwartet nicht, sie sucht vielmehr Gelegenheit. Ohne Veranlassung, erregen sie in sich selbst einen rasenden Paroxysmus, stürzen sich sodann in die augenscheinlichste Gefahr, und streiten mit einer Standhaftigkeit, die Verachtung des Todes anzeigt. Im Siege sind sie grausam und rachgierig; ausschweifend in allen Affekten, treiben sie auch die Rache und Feindschaft bis ins unmenschliche, und verzehren die Opfer ihrer Tapferkeit. Gegen ihre Weiber sind sie harte Unterdrücker; sie gehn mit ihnen als mit Sklavinnen und verworfenen Lastthieren um. Wir haben mehrmalen gesehn, daß sie den Europäern den Genuß ihrer Töchter oder Verwandtinnen, ohne Einwilligung derselben, verkauften. Mit Geschöpfen, die man keinesweges als Gehülfinnen, sondern blos als Werkzeuge zur Befriedigung thierischer Lust, oder als Leibeigen zum Arbeiten geschaffen, ansieht, kann man nicht härter verfahren. Daß sie die Weiber aus diesem Gesichtspunkte ansehen,erhellet daraus noch unläugbarer,daß, wie wir oft gesehen haben, kleine Knaben ihre Mütter schlugen, indeß die Väter daneben standen, aber umgekehrt nicht gestatteten, daß jene diese züchtigen durften. Diese barbarische Nation liebt gleichwol den Putz und Zierrathen, und schnitzt an den gewöhnlichsten Werkzeugen, wie an den Waffen, allerley Schnirkel und Spiralverzierungen, die bereits einigen Geschmack verrathen. Fabeln und romantische Erzählungen, Musik, Lieder, Tänze, sind ihr Zeitvertreib. Sie beginnen sogar ihre Gefechte mit kriegerischem Tanz und Gesang. Auch haben sie einige Religionsbegriffe, Nachrichten von allerley Göttern, und einige Ueberzeugung von der Fortdauer abgeschiedener Seelen; doch ist, so viel wir bemerken konnten, keine Art des Aberglaubens sehr unter ihnen eingerissen. Bey gewissen Gelegenheiten, zum Beyspiel: wenn Freundschaft errichtet, Frieden geschlossen, Krieg erklärt, oder Todte begraben werden sollen, bedienen sie sich gewisser, ihnen eigener, Feyerlichkeiten und Gebräuche. Die Todten werden bisweilen ins Meer versenkt. Die Neuseeländer errichten weit beßre Wohnungen als die Feuerländer; sie sind durchgehends mit Gras gedeckt, inwendig mit Rohr gefüttert, und erhalten dadurch eine Art von Zierlichkeit. Oft umzäunen sie die Hütten noch mit einer Wand, welche auf eben die Art gemacht, als das Dach gedeckt ist, und den Wind besser abhält, oder das Feuer schützt, welches mehrentheils im Eingange der Hütte angezündet wird. Ihre Kähne sind ungleich stärker als jene auf dem Feuerlande, dabey artig verziert, und mit besserer Beobachtung des Ebenmaaßes gebaut. Dieser Bau sowohl, als auch die Geschicklichkeit womit die Ruder gebraucht werden, theilt diesen Fahrzeugen eine sehr schnelle Bewegung mit. Ihre Kleidung deckt nicht nur, was bedeckt seyn muß, sondern ist auch hinreichend, sie gegen die rauhere Witterung zu schützen; sie ist zierlich gewebt, mit Rändern von allerley Mustern, schwarz, braun und weiß gemischt, an den Zipfeln mit Stücken von Hundsfellen verziert, oder wohl gar, mit weißen und schwarzen Hundsfellen, in abwechselnden Feldern, ganz ausgeschlagen. Ueber dieses Kleid tragen sie einen rauhen Mantel, der aus den Fasern der Flachspflanze ( Phorimum ) wie eine Matte gemacht ist, aber von aussen wie ein Strohdach aussieht, weil die Enden gedachter Fasern alle frey herabhängen; dieser Mantel, den sie Keghia nennen, schützt sie vortreflich gegen den Wind, gegen Regen, und das Anspülen der Wellen. Hierinn haben sie also einen ansehnlichen Vorzug vor den Feusrländern, die, in einer weit strengern Kälte, von ihren Robben- und Guanakos-Fellen keinen rechten Gebrauch zu machen wissen. Auf der nördlichen Insel von Neuseeland wird auch der Ackerbau mit so gutem Erfolg getrieben, daß es uns der fernern Mühe überhebt, durch den Vergleich der dortigen Einwohner mit den jämmerlichen Pesserähs zu erweisen, wie unendlich diese jenen nachstehen müssen. Das sanftere neuseeländische Klima, die größere Volksmenge, die wahrscheinlich nähere Verwandschaft mit solchen Hauptvölkern, die noch bessere Erziehungsgrundsätze besaßen, scheinen hier sich vereinigt zu haben, um den Neuseeländern einen höhern Platz anzuweisen. Die äußerste Südspitze der südlichen Insel von Neuseeland, ist vielleicht nicht besser bevölkert als das Feuerland, allein nicht nur ihr Klima ist in allem Betracht, erträglicher; sondern ihre Einwohner haben auch noch von ihren nördlicheren Vorfahren so manche Kenntnisse beybehalten, und unter sich fortgepflanzt, daß sie, ohngeachtet ihrer Zerstreuung und Absonderung, gleichwol weit über die Pesserähs hinwegsehen. Nur ein Umstand, dessen ich schon vorhin erwähnte, scheint ihnen ungünstig zu seyn, und sie als Menschen tief hinabzuwürdigen; ich meyne die verhaßte und barbarische Gewohnheit, die im Kriege Erschlagenen zu fressen. Ein geschickter Schriftsteller D. Hawkesworth, in dessen Sammlung der neuesten engllschen Reisebeschr. Edition in Quart III. Bandes 2. Buch, und 9. Kapitel. hat neulich vorgegeben, daß Hunger und äußerste Noth die Neuseeländer zu dieser Grausamkeit getrieben habe; allein ich kann nicht umhin, von dieser Meynung gänzlich abzugehen, seitdem ich gefunden habe, daß die Neuseeländer an Lebensmitteln eben keine Noth leiden. Im Gegentheil sammlen sie, wenn die Jahrszeit günstig ist, allerley Vorrath ein: werden mehr Fische als sie verzehren können, gefangen, so trocknen sie solche sorgfältigst, und verwahren sie an sichern Orten. Die Weiber gehen oft ins Gebirge, welches mit FarrnkraUt überwachsen ist, graben die Wurzeln aus, trocknen sie, und sammlen davon einen Vorrach, der im Nothfall, wenn keine Fische oder andre Lebensmittel vorhanden sind, gute Dienste leistet. Wir fanden ihre Hütten mit einer großen Menge dieser Lebensmittel angefüllt, und trafen sie oft beschäftigt, die Fische und Farrnwurzeln zu bereiten. Herr Hauptmann Crozet, der Gesellschafter des unglücklichen Hauptmanns von Marion, erzählte uns ebenfalls: er habe in dem Hippah, oder der neuseeländischen Festung in der Inselbay Bay of islands einen erstaunlichen Vorrath von getrockneten Fischen, Farrnwurzeln und andern Wurzeln, in besondern blos dazu bestimmten Häusern vorgefunden. Es scheint daher höchst unwahrscheinlich, daß Leute, die so fleißig für die Zukunft zu sorgen wissen, und solche Magazine von Lebensmitteln anlegen, je aus Hungersnoth sollten menschliche Körper verzehrt haben. Hiezu kommt ihre eigene Versicherung, daß sie nur im Kriege erschlagene und erbeutete Körper, nie aber die eines natürlichen Todes verstobenen essen; denn letztere werden entweder in der See oder unter der Erde begraben. Wäre jener Gebrauch aus Mangel an Lebensmitteln entstanden, wie kommt es, daß die Neuseeländer nicht ihre eigene Todten speisen? Umsonst wirft man ein, daß der Hunger nur gegen die Leichname der Feinde wüthen, nicht aber das Gefühl der Menschlichkeit so sehr betäuben könne, daß auch die Verstorbenen aus einer und derselben Gesellschaft, den Ueberlebenden zur Speise dienen sollten. Der Hunger, dünkt mich, ist ein Feind von solchen spitzfündigen Distinktionen, zumal den Völkern, deren Erziehung keine zärtlichen Gefühle voraussetzt Denn nichts ist unbändiger, als der zürnende Hunger, Der, mit tyrannischer Wuth, an sich die Menschen erinnert. Odyssee. Vll. 2,6. So Vater Homer – Wenn man der Lebensgeschichte des Pierre Viaud Glauben beymessen darf, so wird man darinn sehen, wie weit die Wuth des Hungers den elenden Menschen treiben kann, und wie leicht alle feinere Empfindungen der Menschlichkeit vor seiner schrecklich-unüberwindlichen Gestalt entfliehen. Diese Lebensgeschlchte ist übrigens durch so viele ehrwürdige Zeugnisse bekräftigt, und von Personen, die dem Verfasser eben nicht Ursache zu schmeicheln hatten, für authentisch erklärt worden, daß die größte Wahrscheinlichkeit für ihre Aechtheit da ist. . Ich habe aber auch hinreichende Gründe, anzunehwen, daß alle Bewohner der verschiedenen Inseln im Südmeere, selbst in dem glücklichsten fruchtbarsten Erdstriche, wo die Hauptnahrung in Früchten besteht, und die Bevölkerung so ansehnlich ist, nichts desto weniger, vor Zeiten, Menschenfresser gewesen sind. Die Einwohner der Insel Tanna gaben uns mehr als einmal zu verstehen, daß, wenn wir uns ohne ihre Bewilligung zu weit ins Land wagten, sie uns tödten, den Leib aufschneiden und fressen würden. Ja, als wir mit Fleiß diesen Theil ihrer Rede misverstanden, und ihn so auslegten, als ob sie uns etwas gutes zu essen vorsehen wollten; so überführten sie uns durch Zeichen, welche keiner Misdeutung fähig waren, daß sie von unsern Armen und Beinen mit ihren Zähnen das Fleisch herunterreißen würden. In Mallikollo hatten wir ebenfalls Anzeigen, daß die Einwohner Menschenfresser sind. Die Taheitier pflegten uns oft von Inseln zu erzählen, wo Menschenfresser wohnten; z. B. von einer bergigten Insel Mannua, jenseits Tabuamanu, »deren Einwohner nur wenige Kähne besäßen, aber sehr wild und unbändig wären, wilde grimmige Augen hätten, und Menschen fräßen.« Zuletzt sagten sie uns, daß sie selbst (die Taheitier) ehedem Menschen gefressen hätten, und nannten daher ihre cannibalischen Vorfahren: Tahe-ai, d. i. Menschenfresser. Die Neuseeländer und Taheitier gehören übrigens zu einer und derselben Rasse von Menschen; woraus zu folgen scheint, daß das Menschenfressen ein gemeinschaftlicher Gebrauch aller mit einander verwandten Stämme gewesen ist. War aber dies der Fall bey Völkern, die zwischen den Wendekreisen einen Ueberfluß an Lebensmitteln besitzen, so wird daraus nur immer wahrscheinlicher, daß Hungersnoth, weder dort noch in Neuseeland, diese gräuliche Gewohnheit veranlasset haben könne. Ein Blick auf die ganze Verfassung ihres gemeinen Wesens zeigt uns, daß der Grund dieser und aller andern Abscheulichkeiten, denen sie sich überlassen, in ihrer frühesten Erziehung liege. Die Freyheit, worin die Knaben heranwachsen, ohne von den Vätern im Zaum gehalten zu werden, wird zuletzt zu einer unbändigen Ausgelassenheit. Der unabhängige Geist der in diesen Jungen herrscht, muß, ihrem Bedünken nach, auf keinerley Weise gedämpft werden; er ist die Seele ihrer Gesellschaft. Daher darf die Mutter ihr Kind nicht schlagen, so boshaft und unlenksam es immer seyn mag. Bald erwächst aus dieser Zügellosigkeit ein jähzorniges Gemüth, welches keinen Widerstand erdulden, und kein Wort anhören will, sobald es, nach ihrer Art zu denken, übel ausgelegt werden kann. Die Leidenschaft erhitzt sie dergestalt, daß sie ungeduldig sind, bis sie Rache üben können, und die Einbildungskraft, die so wenig als ihre übrigen Kräfte Ziel und Maaß leidet, macht aus jeder Beleidigung ein Hauptverbrechen, welches nur mit dem Blut des Thäters wieder gut gemacht werden kann. Jetzt wissen sie sich selbst keine Schranken mehr zu setzen; sie ziehen zur Schlacht mit lautem, wildem Feldgeschrey; alle Gesichtszüge, alle Glieder am Leibe werden nach dem Takte verzuckt. Sie schwenken ihre Waffen, stampfen mit dem Fuß auf die Erde, und stöhnen fürchterlich alle zusammen. Hierauf geht das Kriegslied wieder an; der ganze Trupp ist voll Wuth und Raserey, und stürzt, wie von Furien angefeuert, ins Handgemenge. Die siegende Parthey macht alles ohne Gnade nieder, und in der Huth verschlingt sie nun die Leichname der Erschlagenen In Sumatra essen die Battas Menschenfleisch; jedoch mehr in terrorem , als zur gewöhnlichen Speise. C. Miller, in den Philos. Transact. LXVIII. part. I. 168. . Es ist schwer den Rückweg zu finden, wenn man einmal über die Schranken der Menschlichkeit hinausgeht. Endlich wird diese übereilte That zur Gewohnheit, und bald darauf gehört es zu der Siegesfeyer des Ueberwinders, daß er von dem Ueberbleibsel seiner Feinde einen Schmaus halte. Das letztere ist in der That der neuseeländische Gesichtspunkt der Sache. Auch will ich nicht in Abrede seyn, daß nicht eine Nation, deren gewöhnliche Speise nur Fische und Hunde sind, zuletzt das Menschenfleisch wohlschmeckend finden sollte, zumal, da verschiedene Zeugnisse wirklich sehr vortheilhaft davon lauten Ein Weib aus der Provinz Mattogrosso in Brasilien, erzählte dem Ritter Pinto, (hernachmaligen Portugiesischen Gesandten am Englischen Hofe) das Menschenfleisch, besonders von jungen Personen, sey sehr wohlschmeckend. In der letzten Hungersnoth in Deutschland, erschlug ein Hirte einen jungen Menschen, zuerst um seinen Hunger zu stillen, darnach aber mehrere andere, weil er Geschmack am Menschenfleische fand. . Daß Menschen ihres gleichen verzehren, ist freylich den gesitteten Völkern ein Greuel; denn sie sind schon längst demjenigen Zustande entwachsen, in welchem diese abscheuliche Gewohnheit allein statt finden kann. Indeß ist diese Stufe der Barbarey doch gleichsam die Vorbereitung zu einem menschlichern und glücklicheren Zustande. Ich habe es schon mehrmalen gesagt: der Wilde ist nur um einen Schritt vom Thiere verschieden; die Triebfeder seiner Handlungen ist blos die äußerste Noth: im übrigen ist er in sinn- und gedankenleere Trägheit versunken, wo alle seine Fähigkeiten und Kräfte schlummern. Aber kaum werden die Leidenschaften angeregt, und mit ins Spiel gezogen, so schwankt der Mensch von einem Extrem zum andern; alles ist excentrisch in seinen Handlungen; alles ein schneller Uebergang von einer Ausschweifung, einem Laster, einer Grausamkeit, zur andern. Die Natur der Dinge bringt es mit sich, daß dieser schwankende Zustand, diese heftigen Oscillationen, nicht von langer Dauer seyn können. Es kommt nur auf einen glücklichen Augenblick, einen Umstand an, der den Barbaren die Augen über das unnatürliche, und unpolitische ihrer Handlungen öffnet, so ist der Weg zu einer gesitteteren Lebensart gebahnt. Eine Reihe von Niederlagen darf nur einmal den Gedanken bey ihnen erwecken, daß ein Mitbürger am Leben, mehr werth ist, als ein gebratener Feind; so wird sie ihr eigenes Interesse größere Behutsamkeit lehren, sie werden den Zorn und die Rache unterdrücken, und, wenn auch in feindseliger Absicht, menschenfreundlichere Gesinnungen annehmen. Es giebt vielleicht noch einen Fall; nemlch, wenn eine Nation von Barbaren über die andere so sehr das Uebergewicht erhält, daß sie aus allen Schlachten siegreich zurückkehrt. Um ihrer gänzlichen Aufreibung vorzubeugen, dürfte zuletzt die gedemüthigte Parthey wohl um Frieden flehen; so hart auch die Bedingungen wären, die der Sieger ihnen vorschreiben könnte, so dringend würden die unaufhörlichen Verfolgungen, denen sie ausgesetzt wären, und der gänzliche Untergang, der ihrem Stamme drohte, ihnen doch zur Annahme rathen. Der Vortheil und Nutzen, den die stärkere Parthey von der Arbeit ihrer neuen Sklaven einerndten könnte, bewegte sie vielleicht, ihnen das Leben zu schenken, und solchergestalt die Einrichtung ihrer Gesellschaft um ein großes zu verbessern. Doch dies, wird man sagen, sind bloße Einfälle. Ich muß also darthun, daß sie nicht ohne allen Grund sind. Capitain Cook fand auf der nördlichen Insel von Neuseeland, daß man, in einem Bezirke von mehr als neunzig Englischen Meilen, überall einen obersten Befehlshaber oder König, Namens Teiratu, anerkannte S. Cooks erste Reise, in Hawkesworths Sammlung. . Die unter seiner Oberherrschaft vereinigten Familien, mögen nun entweder von ihm und den seinigen unterjocht worden seyn, oder sich aus eignem Antrieb ihm auf gewisse Bedingungen unterworfen haben, um, als ein größrer Staatskörper, die Vortheile der Sicherheit zu genießen; so ist wenigstens, aus den eben erwähnten Nachrichten Ebendaselbst. unläugbar, daß die Unterthanen des Teiratu bereits gewisse Gesetze anerkennen, daß sowol ihre Person, als auch ihr Eigenthum, mehr gesichert ist, daß daselbst die Gerechtigkeit unpartheyischer gehandhabt wird, mithin, daß die Neuseeländer, in den volkreichsten Gegenden ihrer Inseln, im Begriff stehen, von dem heftigen rohen Zustande menschenfressender Barbaren, zu einer glücklichern und ruhigern Lebensart überzugehen. Die Gewohnheit Menschen zu fressen, findet zwar noch unter Teiratu's Unterthanen statt, allein, da sie wegen ihrer innern Einrichtung unter einander schwerlich Krieg führen können, so scheint die Veranlassung zu dieser Gewohnheit blos in der Nachbarschaft anderer Stämme noch würksam zu seyn, übrigens aber wegzufallen. Denique caetera animantia in suo genere probe degunt; congregari videmus et stare contra diffimilia: leonum seritas inter se non dimicat: serpentum mortus non petit serpentes: ne maris quidem belluae ac piscee, nisi in diversa genua saeviunt; at hercule! homini plurima ex homine sunt mala. Plinii Hist. Nat. Lib. VII. Bey Betrachtung dieser verschiedenen Stufen menschlicher Vervollkommnung, müssen wir zuletzt noch die Wege einer allweisen Vorsehung bewundern. Ueberall erreicht sie ihren Endzweck auf die einfachste Art, überall sorgt sie, mit mehr als Vatertreue, für das Glück des Menschengeschlechts! Von ihrer Hand gepflanzt, liegen in der menschlichen Seele, wunderbare Fähigkeiten und Kräfte. Es sey, daß eigne Schuld, oder sonst ein unvorhergesehenes Unglück, ein Völkchen zur untersten Stufe der Ausartung hinabschleudert, und eine Zeitlang darin seufzen läßt; so liegt doch schon der Keim zur künftigen Rettung in jeder Seele, und bürgt dafür, daß das Elend eines solchen Völkchens nicht lange dauren könne. Ein glücklicher Umstand entwickelt jene Kräfte, und sogleich strömt neues leben durch alle Mitglieder dieser kleinen Gesellschaft, verschafft ihnen Mittel aus ihrem Verfall wieder empor zu kommen, und eine bessere Stufe unter den vernünftigen Geschöpfen zu betreten. Auf diese Art kann auch der arme Feuerländer, durch öftern Umgang mit Europäern, durch einen Zufalls wie z. B. die Auffindung des Eisens, oder eines andern Metalls, durch die Entdeckung einer nützlichen Pflanze, durch eine neue bequemere Art, Fische, Vögel und Thiere zu fangen, früh oder spät, in seiner ganzen Art zu seyn, eine große Veränderung erfahren. Veränderte Art des Unterhalts, neue Kleidungsstücke, Waffen, Werkzeuge, neue Sitten und Gebräuche, müssen auf seine Denkart und Handlungen einen entscheidenden Einfluß haben, sein ganzes Gemüth umschmelzen, mit einem Worte, ihn retten, und aus der Dummheit und Trägheit, worin er jetzo stecket, gänzlich befreyen. Wenn neue Ideenverbindungen, neue Begriffe den Verstand erst begrüssen, wenn der Einbildungskraft ein Feld geöffnet wird, wenn Erzählungen geschehener Thaten, wenn Gesänge und Tänze anfangen zu ergötzen, dann erwacht Leidenschaft im Herzen, die große Quelle der Thätigkeit, und ergießt ihr prometheisches Feuer in alle Einrichtungen des gemeinen Wesens, Leidenschaft, die gemisbraucht und nicht in Schranken gehalten, schon oft die schrecklichsten Uebel über die menschliche Gesellschaft verhängte, wird also hier, in der Hand des allweisen Weltherschers, ein Werkzeug das Glück der Völker zu fördern, und sie allmälig zur sanften, stillen Tugend zu leiten. Wunderreicher Gang der Vorsehung! Staunend und anbetend im Staube vor dem Vater aller Seelen, hegt mein Herz den Wunsch, daß doch auch die Menschen, die noch jetzt in widernatürlichem Zustande leben, bald in eine glücklichere Lage kommen mögen, wo Menschlichkeit und brüderliche Liebe alle ihre Handlungen beseelen, und ihnen die Würde wieder schenken möge, die dem edelsten Werte des Schöpfers gebührt! – Deus ille fuit – Qui princeps vitae rationem invenit eam; quae Nunc appelatur Sapientia: quippe per artem Fluctibus e tantis vitam, tantisque tenebris, In tam tranquillo, et tam clara luce locavit. Lucret. Lib.V. Sechster Abschnitt. Allgemeine Grundbegriffe der Volksglückseligkeit – – Zunehmende Bevölkerung – Veranlassung zur Vereinigung – Anbau – Eigenthum,– Gesellschaft, – Staatsverfassung. Tum genus humanum primum mellescere coepit. Lucret. Auch der standhafteste Beobachter ermüdet endlich bey Barbaren; der Anblick ihrer Unmenschlichkeiten wird ihm verhaßt, und er athmet freyer, nachdem derselbe vorüber ist. Gefühle der reinsten Freude, und unnennbares Vergnügen gewährt nur der Anblick jener glücklicheren Menschen, denen die erste Blüthe des geselligen Lebens sich öffnet. Bisher, mit Milton zu reden, nahmen auch wir unsern Flug durch äußerste und mittlere Finsternisse; jetzt kehren wir in ätherische Regionen zurück, begrüßen die Quelle des Lichts, und fühlen uns, durch ihren mächtigen Einfluß, verjüngt! – Wir besuchen jetzt die muntern Bewohner des heißeren Erdstrichs; jedoch, ehe wir weiter gehen, wird es unserer Absicht nicht entgegen seyn, einen Blick auf die Grundlage des geselligen Lebens überhaupt zu werfen, um ebenfalls voraus zu bestimmen, welchen Grad der Glückseligkeit, die Kultur mit Recht versprechen könne. Glücklich seyn ist, überall nach den Umständen, das Bedürfniß eines jeden Menschen. Seine dringenden Naturtriebe lassen ihn bald die Erfahrung machen, daß er, allein, nicht einmal in geringem Grade glücklich werden könne; Vereinigung mit mehrern sey der sicherste Weg, nicht nur den ihm möglichen höchsten Grad der Glückseligkeit zu erlangen, sondern auch im ungestörten Genüsse desselben zu bleiben. Sein Glück, das Werk der vereinten Kräfte anderer Menschen, kann, wie er bald selbst einsieht, ohne ihr Glück nicht bestehen. Wen die Last des Elends und der Schmerzen drückt, und wer mit jeder Anstrengung für fremdes Wohl nur eignen Kummer häuft, wird schwerlich mit Ernst darauf bedacht seyn können, die Summe des Genusses eines andern zu vergrößern. So einfach und innig ist die Verbindung des Wunsches glücklich zu seyn, mit dem Intresse, das Wohl der ganzen Gesellschaft, zu der man gehört, zu befördern. Der organische Körper des Menschen bedarf Speise, Obdach und Kleidung. Wo diese ohne heftige Anstrengung und ohne Gefahr herbeygeschafft werden können, da ist der Genuß des Lebens angenehm, da ist der Mensch schon physisch glücklich. Allein auch zur sittlichen Glückseligkeit ist der vernünftige, denkende, freye Mensch geschaffen; und er erlangt sie nur alsdenn, wenn er dieser hohen Würde gemäß leben, die Verstandskräfte durch Erziehung und Belehrung üben und erhöhen, die Vorrechte des freyen Willens zu seiner eignen und zur gemeinschaftlichen Befriedigung aller, geltend machen kann. Das nähere Band zwischen ihm und denen, die mit ihm zu einem gleichen Zwecke verbunden sind; dieses Band, welches die Dauer und Vollkommenheit ihres Glückes, beydes im körperlichen und im sittlichen Verstande, sichern soll, erzeugt die Verhältnisse der bürgerlichen Glückseligkeit. Stufen, verschiedene Grade der Annäherung zum vollkommen beglückten Zustande, muß es nach den verschiedenen Umständen geben, worinn Völker und lander sich besinden, wenn gleich völlige Glückseligteit nicht das Loos dieser Welt seyn kann. Je mannigfaltiger und reichlicher die Gegenstände des physischen und moralischen Genusses dem Menschen, oder einer Gesellschaft zugetheilt werden, desto sicherer wird jener große Zweck unseres Daseyns erreicht, desto viel umfassender ist der hohe Grad der Glückseligkeit, den sie bewürken. Hingegen einseitig und geringfügig im sittlichen wie im physischen Verstande, muß das Glück desjenigen bleiben, den das Schicksal auf wenige Gegenstände, auf einen engen Würkungskreis beschränkt. Endlich bestimmt noch die Dauer des Genusses, und die Sicherheit seiner Quellen, den Grad der Zufriedenheit und des Glückes, den er gewähren kann. Mit diesen Voraussetzungen, und mit steter Rücksicht auf die Ursachen, welche den Fortschritt der Völker zur Glückseligkeit beschleunigen oder aufhallen, wird der Zustand der Südländer uns Stoff zu ferneren Betrachtungen darbieten. Die Natur scheint für glücklich organisirte Menschen in einem sanften Erdstrich, alles mit Macht dahin zu leiten, daß ihre Glückseligkeit befördert und entwickelt wird. Daher die frühe Aufklärung, die Größe und der Glanz der assyrischen und ägyptischen Reiche, die im gemäßigten Erdstriche gelegen sind, und deren Einwohner zu allen Zeiten, ja noch jetzt in ihrem gesunknen, ausgearteten Zustande, ein lebhaftes Temperament, gutes Herz, und leicht auffassende Vorstellungskraft besitzen. Eben diese Eigenschaften waren der Grund jener starken Bevölkerung, jenes Reichthums, jener Glückseligkeit, wovon die alte Geschichte beyder Reiche so laut und vielfältig spricht, und wovon so manches ungeheure Denkmal noch zeugen kann. Die Bewohner einer Gegend, deren sanftes Klima jenem fast ähnlich ist, und zur Schönheit ihrer Bildung beygetragen hat, können gleichwol, wenn sie etwa von rauheren Himmelsstrichen herstammten, wo ihre Voreltern einen Theil der angeerbten Kenntnisse einbüssen mußten, nur mit Hülfe der Kunst sich zur bürgerlichen Glückseligkeit hinaufschwingen. Kekrops, Triptolem, Theseus, Solon, Pisistrat, Miltiades und Aristides, – das waren die Männer, die in Attika durch Kunst der Nayur zu Hülfe kamen; und gleichwol wurden, unter Anführung und beständiger Mitwürkung der weisesten Menschen, 1130 Jahre erfordert, ehe die Athenienser, unter Perikles, den Gipfel erstiegen, wo sie einmal von der damaligen gesitteten Welt als das glücklichste unter allen Völkern verehrt wurden. Aber, welchen schöpferischen Geist, und welche unbeschränkte Macht ihm Nachdruck zu geben, erheischt nicht jenes unfreundlichere Klima, damit die zarte Blüthe der Volksglückseligkeit daselbst sich öffnen könne? Damit die harte Fiber biegsam, und die Seele im erstarrten Körper rege werde! Die gewöhnliche Kunst allein vermag hier nichts; nur mit unwiderstehlicher Kraft und Geistesgröße zwingt ein großer Peter sein rauhes, träges Volk in einem halben Jahrhunderte, aus skythischen Finsternissen hervorzugehn, und sich im Angesichte von Europa mit jenem Glanze zu kleiden, der unter dem weisen Zepter seiner großen Enkelin noch täglich sich erhöht. Auch in den Inseln des Südmeeres giebt es Menschen, denen die Natur, im Verhältniß ihrer Lage, ein sanftes Schicksal bereitet hat; andre, wo ihr die Kunst zu Hülfe kommen muß, ehe sie jenen gleich werden können; und noch andre, die gleichsam einer gänzlichen Umschaffung ihrer selbst und einer neuen Schöpfung um sie her bedürfen, wenn je die Freude sich ihren Hütten nahen soll. Kleinere Schattirungen der Volksglückseligkett lassen sich nicht wohl voraus bestimmen, denn sie beruhe zu sehr auf Nebenumständen, und verschiedenen Verhältnissen; nur so viel ist gewiß, daß beydes, allzu hohe Reizbarkeit und allzu hohe Steifigkeit der Muskelfasern in entgegengesetzten Erdstrichen, der fortschreitenden Kultur im Wege sind. So ist der Bewohner der heissen Zone ein unruhiges Geschöpf, dessen Leidenschaften keinen Zügel kennen; und der Wilde an beyden Polen, ein Gemisch von Dummheit, und träger Gleichgültigkeit. Wie schwer es sey, diese beyden verschiedenen Temperamente umzuschaffen, erhellet schon aus den fruchtlosen Versuchen die Neger der englischen Kolonien sowol, als, anderntheils, die Grönländer und Lappländer im kalten Norden, zu gesitteten Menschen umzubilden Vielleicht aber hat man auch bisher die rechten Mittel verfehlt, um dieses erwünschte Ziel zu erreichen. . Die Inseln im Südmeere sind volkreich; allein, dem Berichte aller ältern Reisebeschreiber zufolge waren sie es schon vor 180 Jahren, und dieselbe Stufe von Kultur worauf wir sie fanden, hatten sie auch dazumal schon erreicht. Ihre gesellschaftlichen Verbindungen bestehn folglich schon seit langen Zeiten. Wenn man erwägt, daß die Abstammung dieser Insulaner von asiatischen Völkern so gut als erwiesen ist, so läßt sich ebenfalls mit Gewißheit schließen, daß die ersten Ankömmlinge, die sich im unermeßlichen Ocean, auf kleinen Inseln, so fern von ihrem ursprünglichen Vaterlande niederließen, keinesweges zahlreich gewesen sind. Allein sie fanden ihren Unterhalt mit leichter Mühe, in einem Klima, wo die frühe Mannbarkeit, und die Abwesenheit jenes furchtbaren Heeres von Krankheiten, welches lieber in üppigen Pallästen als unter den mäßigen Hüttenbewohnern wüthet, der Bevölkerung überaus vortheilhaft seyn, und die Inseln schnell mit Menschen anfüllen mußten. Wie leicht, wie ganz natürlich schritt man hier allmählig von der ersten Entstehung des geselligen Lebens, zu den höhern Stufen der Kultur, zu bürgerlichen Verträgen aller Art hinauf! In den ersten Zeiten lieferte das Meer und die wilden Früchte den Einwohnern hinlängliche Speise; bald aber, im engen Bezirke ihres Eilands zahlreicher als zuvor geworden, mußten sie zum Anbau jener Pflanzen schreiten, die ihnen sonst, ohne ihr Zuthun, Sättigung schaften. Das Zuckerrohr, die Kokospalme, der Brodbaum, der Pisang, die Myrobalanen und Jambusen, nebst Jamswurzeln, Pataten und Aronswurzeln sahe man jetzt, hie und dort, in ganzen Feldern angepflanzt. Einzelne Menschen oder Familien hatten mit dieser weisen Veranstaltung den Anfang gemacht, und andre, für ihre Erhaltung eben so besorgt, folgten ihrem Beyspiele. Der Anbau des Landes ward allgemein. Gelüstete es den trägen, den mächtigen, oder den zügellosen Nachbar, die schönen Früchte des fremden Schweißes zu erndten; so verbanden sich die Pflanzer unter einander zu wechselseitiger Beschirmung der Felder, worauf nunmehr ihre ganze Hofnung des Lebensunterhalts beruhte. Der kleine Bezirk, wo jeder seine Bäume, seine Wurzeln mit Mühe und Sorgfalt anpflanzte, kam gleichsam in ein engeres Verhältniß mit seiner eignen Person, mit seinen Blutsverwandten und dem Bunde zu dem er gehörte; es entstand der Begriff von Landeigenthum. Allmälig wurden in dergleichen kleinen Gesellschaften gewisse Einrichtungen genehmigt, und jene Gewohnheitsgesetze gemacht, die man, mehr oder weniger, bey allen Völkern antrift, denen das Eigenthumsrecht bekannt ist. Auf Inseln ist der Fortgang der Gesittung leichter als auf dem festen Lande; denn wo die Menschen überflüßigen Raum haben sich auszubreiten und im Lande umher zu irren, da zerstreut sie der kleinste Zwist, die unbedeutendste Beleidigung; sie werden von Verbindungen abgehalten, und können sich nicht so leicht zur gemeinsamen Gegenwehr vereinigen. Das wüste, noch unbewohnte Land, hat noch immer Wildpret und Waldfrüchte im Ueberfluß, die eine langwierige und mühsame Handarbeit entbehrlich machen. Auf Inseln hingegen sind die Einwohner schon mehr gezwungen sich zusammenzuhalten; nur würde man, mit Unrecht, in gar zu kleinen Eilanden, wo es an Raum für eine große Volksmenge und weitläuftige oder abwechselnde Pflanzungen fehlt, den nämlichen Grad der Kultur und der wohlgeordneten Verfassung suchen, der auf größern Inseln gewöhnlich ist. Da die Inseln im Südmeere überhaupt von keinem beträchtlichen Umfange sind, so scheint zu folgen, daß die größte unter ihnen, wenn die übrigen Umstände zusammentreffen, die glücklichsten und aufgeklärtesten Einwohner haben müsse. In dieser Rücksicht besitzt also Taheiti, nebst den benachbarten Societätsinseln, einen ansehnlichen Vorzug vor den übrigen von uns besuchten Inseln. Dort findet man Lebensmittel in größerem Ueberfluß, in mannigfaltigerer Abwechselung als anderwärts im Südmeere. Die Kleidung der Einwohner verräth nicht minder Reichthum; und dies ist schon eine Verfeinerung der Sitten, eine Art von Luxus, den man bey den übrigen Südländern entweder gänzlich, oder doch größtentheils vermißt. Ihre Wohnungen sind rein und geräumig; die der Vornehmeren möchte ich nett und zierlich nennen, in so fern nämlich die Zierlichkeit sich mit der höchsten Einfalt der auskeimenden Kunst verbinden läßt. Mehr als dies alles, – sie haben bereits unzählige Begriffe, die noch kein anderer Insulaner im Südmeere ausser ihnen gedacht hat. Unterricht und stete Uebung erweitern ihren Verstand, und stärken seine Fähigkeit Ideen zu fassen, aufzubewahren, wieder darzustellen, und zu verknüpfen. Bey schneller Vorstellungskraft, und lebhaftem Temperamente, sind sie eifrige Vertheidiger ihrer Freyheit und des Vermögens, frey zu handeln; endlich vereinigen sich in ihnen die Einflüsse einer einfachen aber der Natur angemessenen Erziehung, eines schöngebildeten Körpers, und eines lieblichen Himmelsstrichs, um sie zu den gutmüthigsten, weichherzigsten und mitleidigsten Menschen zu machen. Dem Ausländer gelingt es ohne Mühe ihr Herz zu gewinnen, ohne daß sie den kleinsten Vortheil von seiner Freundschaft zu gewarten hätten; ist er krank, mismüthig, in Noth oder Gefahr, oder auch nur ermüdet, und einiger Erfrischung bedürftig? so wetteifert alles um ihn her, wer ihm helfen, ihn erquicken oder pflegen soll. In der That sind die zärtlichen Empfindungen der Freundschaft, und der innigsten Zuneigung, die, bey einer so gemengten und ausgearteten Menschengattung als die unsrige, nur selten angetroffen werden, den Herzen jener Insulaner gar nicht fremd; denn oft ward uns dort das entzückende Schauspiel der edelsten Liebe, die auf den uns eigennützigsten, zärtlichsten, fast schwärmerischen Gefühlen beruhte. Wer die sanfte Rührung des väterlichen Herzens je empfand, wird hier am treffendsten urtheilen können; und o! wie oft zerfloß das Herz des Europäers, wenn Kinder und selbst größre Knaben, ihn mit unschuldiger Freundlichkeit umringten, so traulich, so unbefangen, so dankbar, für jedes kleine Geschenk sich an ihn schmiegten, durch kleine Gefälligkelten, durch Warnungen sogar gegen einige ihrer unredlichen Landsleute, ihre Liebe ohne Falsch bezeugten! Ein herrlicher Segen ist dieses allgemeine Wohlwollen, welches die Natur so liebreich uns schenkte! Nicht meyne ich den leeren Schall, den der Empfindsame irgend einem Lieblingsdichter entlehnt, nicht das romanhafte Sittensprüchlein, das oft auf den schönsten Lippen nur wie ein wesenloser Schatten spukt; – nein, nur jene Himmelstochter verdient diesen Namen, die in gefühlvollen Herzen thront, und überall, im reinsten Ausdruck der Liebe und Güte, sich ergießt; nur sie schaft aus dem ganzen Menschengeschlechte eine große allgemeine Familie; zaubert Brüder aus den Jünglingen entfernter Himmelsstriche zusammen, schenkt den Vätern eines Volkes, Kinder im andern; nur sie ists, die allen Unterschied der Stände, das Werk des Ehrgeitzes, des übermüthigen Reichthums und der Ueppigkeit, niederreißt, und dem Wandrer aus dem kalten Norden, im heißen Erdstrich der andern Halbkugel einen Freund in die Arme führt! Traurig ist es für uns, daß ein harmloses kleines Völkchen, welches in so mancher Rücksicht den aufgeklärten Europäern nachstehen muß; dennoch, in allem was Herzensgüte und menschenfreundliches Wohlwollen betrift, vor diesen letztern so viel voraus hat, daß ich oft genug zu dem Wunsche veranlaßt wurde; die Bewohner unsres Welttheils mögten doch jene reizende Einfalt und Sanftmuth unsrer Taheitischen Freunde zum Muster wählen! Nicht nur diese guten Eigenschaften, sondern auch einen richtigen Begrif von den großen Vorteilen der bürgerlichen Vereinigung, bemerkte ich an den Einwohnern von Taheiti. Letztere gründet sich, (so viel ich mit unvollkommner Kenntniß der Sprache, während dem kurzen Aufenthalte unter ihnen, und aus abgerissenen Erzählungen des O-Mai und Maheine abnehmen konnte,) auf das väterliche Ansehen, und war im Anfange patriarchalisch. Ueberall ist die Ehe die erste Verbindung. Bey rohen Völkern entstehet sie lediglich aus thierischem Triebe, und allenfalls aus der Hofnung an der Gehülfin ein Lastthier zu bekommen, welches, nach eingeführtem Brauch die schwerste Arbeit verrichten muß. Ganz anders verhält es sich unter einem gutmüthigen Volke, wo Klima, Bildung und hellere Begriffe die Leidenschaft veredeln, und Bedürfnisse, die sonst mit Hunger und Durst in einer Klasse standen, zu tugendhaften Gefühlen erhöhen. Zärtliche Besorgniß, sanfte Gefälligkeit, gegenseitige Achtung und Liebe, sind eine Folge feinerer Sitten; und das Glück sich in seinen Kindern gleichsam wieder verjüngt zu sehen, giebt dort einen Beweggrund mehr zur Ehe ab, den der Wilde und Barbar nicht kannte. Die Nachkommenschaft so glücklicher Aeltern lernt nach ihrem Beyspiele glücklich seyn, und wird zugleich durch eine liebreiche zwanglose Erziehung dahin geleitet. Die Ausbrüche ihrer Leidenschaften werden gemäßigt, und Ordnung, Fleiß und sanfte Gesinnungen ihren jungen Gemüthern eingeflößt. So habe ich, zum Exempel, in O-Taheiti Mütter gesehn, die ihre Kinder bestraften, und ihnen ihre Fehler vorhielten, obgleich unter diesem Volke die mütterliche Zärtlichkeit sehr groß ist. Mit einem Wort, sie haben Begriffe von Sittlichkeit, Ordnung, kindlicher Unterwürfigkeit, und insbesondre von der Notwendigkeit, diese Grundsätze ihren Kindern frühzeitig beyzubringen. Auch verfehlt diese Sorgfalt selten ihrer Absicht; vielmehr schien in vielen Familien eine jede einzelne Person mit den übrigen auf das engste und zärtlichste verbunden zu seyn, und zur Erhaltung der allgemeinen Eintracht das ihrige beyzutragen. Ehrfurcht bezeugten die Jungen überall den Alten, und bey der geringsten, entferntesten Gefahr sähe man sie jederzeit am ersten für ihre Ältern besorgt; was diese geboten, ward williglich, und mit einer wirklich musterhaften Bereitwilligkeit befolgt. Der Vater war gleichsam die Seele seiner ganzen Familie, der dieselbe mit seiner vorzüglichern Kenntniß, und reiferen Erfahrung regierte. Mit einem Worte: alle unterstützten einander, und nahmen ihren Antheil an der Arbeit, zur gemeinschaftlichen Erhaltung, Sicherheit und Glückseligkeit. Wenn mehrere Familien die vorzügliche Tapferkeit, Weisheit, Erfahrung und Rechtschaffenheit eines Hausvaters anerkennen, ihn zum gemeinschaftlichen Vater wählen, seinen Rath als Befehl und Gesetz annehmen; so entsteht aus dieser freywilligen Vereinigung jene gute Ordnung, allgemeine Übereinstimnmng, und Zusammenkettung der einzelnen Glieder, die der Aufnahme der Sitten, und dem gemeinen Besten Aller so vortheilhaft ist. Hat dieses Oberhaupt einen Sohn der fähig und würdig ist in seine Fußstapfen zu treten, so folgt er seinem Vater im Ansehen; er wird in seinem kleinen Staate allgemein verehrt, und man gewöhnt sich endlich daran, die Würde eines Anführers und Oberhaupts vom Vater auf den Sohn vererbt zu sehen. Ein solches Haupt der Gesellschaft, der für ihr gemeines Beste sorgt, der an ihrer Spitze ihre Freyheit vertheidigt, in allen Privatstreitigkeiten entscheidet, und den muthwilligen Störer der öffentlichen Sicherheit bestraft, hat, vermöge seines Amtes, vielfällige Gelegenheit sein Eigenthum zu vergrößern; freywillige Beysteuer seiner Untergebenen, Antheil an irgend einem dem gemeinen Wesen zugefallenen Vortheil, können ihn vor andern bereichern, und ihm auch von dieser Seite ein Uebergewicht von Einfluß und Macht in die Hände spielen. Seine Verwandten gewinnen verhältnißmäßig an allen diesen Vorzügen, und fangen an eine vom gemeinen Volke abgesonderte Klasse auszumachen. Kommt endlich noch der Umstand hinzu, daß irgend eine fremde Nation einen Angriff auf dieses Volk wagte, aber selbst darüber seine Freyheit verlöre, so würde der Zustand dieser Ueberwundenen noch geringer als der des gemeinen Mannes unter den Siegern seyn, und es würde eine neue Klasse, oder ein neuer Stand in ihrem kleinen Staate entstehen. Vielleicht ist auf O-Taheiti, den Societäts- und freundschaftlichen Eilanden, auf diese Art, der Unterschied der Stände nach und nach bewürkt worden. Das allgemeine Oberhaupt heißt Erih-rahai (großer Erih); alle seine Verwandte sind Erihs, und besitzen gewisse Ländereyen. Einige unter ihnen haben noch den Vorzug, daß sie ganze Distrikte oder Provinzen (Hwennua) regieren, und werden daher nach diesen Provinzen betitelt. So war Happai (der Vater des Königs O-Tu) ein Erih n'o-Parre, Oberhaupt von O-Parre; O-Retti war Erih von O-Hiddia, T'-Ohwa, und Potatau gemeinschaftliche Erihs von Attahuru, O-Ammo (der abgesetzte König der ganzen Insel, jetzt) Erih von Paparra, Toppere von Matavai, und Tumataroa von Tittahah. Nächst den Erihs giebt es eine zwote Klasse, die auch noch Eigenthum an Ländereyen besitzt, nämlich die Manahaunes; und endlich eine unterste Klasse, nämlich die Tautaus. In der taheitischen Sprache und den verschiedenen südländischen Mundarten trift man mehrere Malayische Wörter an, welche hinlänglich beweisen, daß diese Insulaner, nicht so wohl von den Malayen selbst unmittelbar, sondern vielmehr von einigen mit diesem Volke verwandten Stämmen entsprossen sind. Die Einwohner der Philippinischen Inseln, welche Tagalas und Pampangos heissen, sind ohne Zweifel malayischen Ursprungs, indem einer Seits Gemelli Carreri von ihnen versichert, daß sie von der Halbinsel Malakka dort, hingekommen wären; anderer Seits aber sie selbst bekennen, daß ihr ehemaliger Wohnsitz Borneo gewesen sey. Voyage autour du monde, par Gemelli Carreri. Tom.V. p.64. Die Sprache auf den Diebsinseln, ist mit der tagalischen verwandt. Histoire des isles Marianes par le P. Gobien Paris 1700. 12 me . nebst dem Auszug des 2ten Buchs von Gobien, in des Brosses Hist. des navigassions aux terres australes. Vol.II. p.495. Die geringe Entfernung dieser Inseln von den neuen Carolineninseln, und die große Ähnlichkeit ihrer Sitten, scheint anzuzeigen, daß diese große Inselgruppe, welche dreißig Grade der Länge einnimmt, von einer und eben derselben Nation bevölkert seyn müsse. Von da bis an Byrons-Eiland und einige andre, wo bereits die taheitische Mundart gesprochen wird, ist die Entfernung nicht mehr beträchtlich. Auf diesem Wege sind, meines Erachtens, die ersten Völker nach den östlichen Inseln des Südmeeres gekommen; und da ohnedies die Ähnlichkeit der Sitten und Gebräuche zwischen den Einwohnern der karolinischen und der freundschaftlichen Eilande so auffallend ist, so glaube ich hier etwas mehr als blosse Vermuthung für mich zu haben. Ein glaubwürdiger philosophischer Reisender, Herr Poivre. hat uns noch ganz neuerlich belehrt, daß unter den Malayen eine Art von Feudalsystem statt findet, welches ohngefähr dieselbe Verschiedenheit der Stände, wie bey den Taheitiern hat. Einige tragen sogar ihre Ländereyen zu Lehen. Der König, oder das höchste Oberhaupt in Taheiti, vertheilt ganze Provinzen oder Bezirke an untergeordnete Befehlshaber; unter dem Ansehen dieser letzteren besitzen die übrigen Erihs, oder Personen vom königlichen Geblüt, ihre Portionen Landes, und die Manahaunes, die nicht von der königl. Familie sind, erhalten ebenfalls gewisse Länder. Die Erihs, sowol die Provinzialbefehlshaber als die übrigen, lassen ihre liegende Gründe von Tautaus oder gemeinen Leuten bearbeiten, die für ihren Herrn die erforderlichen Baum- und Gartenfrüchte ziehen, für ihn auf den Fischfang ausgehen, Häuser und Kähne bauen, Kleidungsstücke verfertigen, in Friedens-und Kriegszeiten seinen Kahn rudern, mit einem Worte ihm in allen Stücken zu Gebot seyn müssen. Für diese Mühe wird ihnen der übrige Vorrath von Früchten und Fischen zu Theil; insbesondre werden die Fische, wenn ein großer Fang geschieht, von dem Erih selbst, mit der genauesten Unpartheilichkeit unter seine Leute vertheilt. Der Manahaune mit seinen Geschwistern und Kindern verrichtet alle seine ländlichen Arbeiten selbst, und ich kann nicht sagen, daß ich je einen Tautau bey ihnen bemerkt hätte. Die Zurüstungen zum Kriege werden vom Könige anbefohlen, nachdem er mit seinen Verwandten und hauptsächlich mit den Oberhäuptern der Provinzen Rath gepflogen hat. Gemeiniglich geschieht der Angriff zur See, weil nur die Küsten der Inseln bewohnt sind. Zu dem Ende sind Kriegscanots in großer Anzahl vorräthig, welche unter eigends dazu errichteten Schoppen aufbewahrt werden, und ohne Verzug ausgerüstet werden können. Jeder einzelne Erih und jeder Manahaune kommandirt entweder ein solches Kriegsschif, oder thut Dienste an Bord desselben, als Krieger; denn Ruderknechte sind nur die Tautaus. In ihren Bezirken regieren die Provinzial-Erihs, handhaben die Gerechtigkeit, und stehen völlig in königlichem Ansehen. Gleichwol kann der König in ausserordentlichen Fällen, selbst Befehle ertheilen; ich hörte z. B. den Ori, König von Huaheine, seinem Hoa, Hoa heißt Freund, oder auch einer der vornehmsten Bedienten um die Person des Königs; wir würden ihn allenfalls den Kammerherrn der die Aufwartung hat, nennen. Der König von Taheiti hat deren eine ziemliche Anzahl, die einander ablösen. den er in einen andern Bezirk schickte, befehlen, er solle dem dortigen Erih sagen: dies find die Worte des Erihrahai: »die Diebe in Verhaft zu nehmen, und die gestolnen Sachen (die er zugleich herzählte) zurück zuschicken.« Noch an demselben Tage erhielten wir die Sachen großentheils zurück, die man uns entwendet hatte, und am folgenden Tage wollte Ori die Diebe in unserer Gegenwart bestrafen lassen; allein wir waren bereits unter Segel, und hatten ihn gleich anfangs nicht verstanden. In O'Taheiti sahen wir die Flotten von zwoen Provinzen die Musterung paßiren. Sie waren bestimmt, einen mächtigen abtrünnigen Vasallen im Distrikt Morea auf der Insel Eimeo zu züchtigen. Man versicherte uns, daß jeder Provinzial-Erih seine bestimmte Anzahl Kähne zu dieser Expedition liefern müsse; ja sogar, daß der Erih-rahai von der kleinen taheitischen Halbinsel Tiarrabu, mit seinen Schiffen pflichtmäßig dazu stossen würde. O-Tu, der König der größern Halbinsel, der vielleicht im Kriegsdienste nicht Erfahrung genug hatte, übertrug die Würde eines Groß-Admirals dem T'Owah, Erih von Attahuru; indessen wollte er doch, wie er uns sagte, die Flotte selbst als blosser Krieger, oder wie wir es nennen würden, als Ritter, besteigen. Aus allen diesen Umständen erhellet zur Genüge, daß die Regierungeforn, dort feodallsch ist, daß aber die ursprünglichen patriarchalischen Sitten noch vielen Einfluß darauf haben, und den Fehlern dieses sonst so kriegerischen Systems großentheils abhelfen. Eine andre Art, die Entstehung dieser südländischen Regiemligsform zu erklären, wäre folgende: bekanntlich sind die Erihs, und die Manahaunes in O'Taheiti weisser von Gesichtsfarbe als die Tautaus oder Gemeinen; sie gestehen aber selbst, daß es ehedem auch Menschenfresser unter ihnen gegeben habe. Wie also, wenn die ursprünglichen Bewohner der Südseeinseln, von den schwarzen Papuas und andern Stämmen in Neuguinea herstammten, dergleichen wir noch wirklich in Tanna, Mallikolo und den übrigen neuen Hebriden vorgefunden haben, die noch heutiges Tages Menschenfresser sind? Zufall oder ein vorherbeschlossener Kriegszug, führte höchst wahrscheinlich, die allen Malayen aus ihrer Halbinsel Malakka, nach den Inseln des indischen Meeres; erst über Sumatra nach Borneo, dann nach den Philippinen. Allein, eben so wahrscheinlich ist es auch, daß sie sich hernach weiter über die Diebsinseln, die neuen Carolinen, die Pescadores, und zuletzt nach den freundschaftlichen, Societäts- und Marquesasinseln, ja noch östlicher, bis zur Osterinsel, und südlich nach Neuseeland gezogen haben. Diese Wanderung war freylich nicht das Werk eines kurzen Zeitraumes; Jahrhunderte konnten seit der ersten Reise nach Borneo verstreichen, ehe diese Völker die Osterinsel oder Neuseeland erreichten. Auf jedem neuen Ruhepunkte erhielten sie einen neuen Anstrich von Sitten und Gebräuchen, nach Maasgabe des Himmelsstriches und der Eigenschaften des Landes. Die ursprünglichen Einwohner widerstanden ihnen vermuthlich überall, und liessen sich nicht ohne vieles Blutvergiessen gänzlich unterjochen. Auch sind sie in den größern Inseln, wie z.B. Sumatra, Borneo, Luzon, Magindanao, und einigen Molukken nicht gänzlich bezwungen worden, sondern existiren noch, als abgesonderte Völkerschaften, in den Gebirgsgegenden, unter den Namen, Battas, Benajos, Negrillos, Zambales, Alfuries oder Haraforas, etc. hingegen in den kleinen Inseln des Südmeeres, nämlich den freundschaftlichen und den Societätsinseln konnten sie ihren Bezwingern nicht entgehen. Diese, schon gesitteter und menschlicher, führten eine sanftere Regierungsform, das malayisch- orientalische Feudalsystem ein, und entwöhnten ihre neuen Unterthanen von der wiedernatürlichen Gewohnheit Menschenfleisch zu fressen, die, unter den ursprünglichen schwarzen Rassen von Menschen, in den Südländern allgemein üblich ist. Dieses Unternehmen ist ihnen in der That so vollkommen geglückt, daß man in Taheiti bloß den Namen und eine entfernte Tradition von jener verabscheuungswürdigen Gewohnheit beybehalten hat. Nach eben dieser Voraussehung liessen sich dann auch manche andre taheitische Traditionen erklären, z.B. eine, welcher zufolge eine nahgelegne Insel Mannua von Menschenfressern bewohnt seyn soll, – vermuthlich, weil die dortigen Einwohner noch alle zur ersten schwarzen Rasse von Menschen gehören. In Neuseeland scheinen sich die Malayischen Ankömmlinge mit den ursprünglichen Einwohnern verglichen zu haben, wozu vielleicht das rauhe Klima, das wilde waldigte Land, und dessen ansehnliche Ausdehnung etwas beygetragen haben mag. Solchergestalt blieb die kannibalische Sitte; die übrigen Gebräuche wurden zusammengeschmolzen, und von der Aufklärung der Malayer gieng vieles verloren, obgleich ihre Sprache, mit einigen einheimischen Wörtern gemengt, die Oberhand behielt. Die Wildeninsel ( savage-island ) deren Einwohner von brauner Farbe, und sehr feindlicher Gemüthsart sind, kann vielleicht ein solches Eiland seyn, welches von den malayischen Stämmen noch nicht bezwungen worden ist. Selbst in den neuen Hebriden, namentlich auf der Insel Tanna, glaube ich Spuren gefunden zu haben, daß die malayische Nachkommenschaft, auch dorthin noch immer sich auszubreiten, und die schwärzeren Völker zu unterjochen sucht. Denn in Tanna kannten einige, die, von ihrer eignen ganz verschiedene, Sprache der freundschaftlichen Inseln, welche, nach ihrem Berichte, doch bereits auf der nahgelegenen Insel Irronan, (die auch Futtuna heißt), gesprochen wird. Doch, dies sind nur Winke für den künftigen Seefahrer, die ihn auf Sprachen, Sitten und Gebräuche, Naturell und Farbe der verschiedenen Inselbewohner aufmerksamer machen, eine genauere Geschichte ihrer Wanderungen, ihres Ursprungs veranlassen, und somit aufmuntern sollen, von dieser Seite über die Geschichte der Menschheit überhaupt ein helleres Licht zu werfen. Merkwürdig ist es, daß die Ehrerbietung der Südländer gegen ihre Könige in dem Verhältnisse steigt, in welchem man sich den freundschaftlichen Inseln nähert. In der Osterinsel, wie auf den Marquesas, bemerkt man zwischen dem Unterthan und seinem Oberhaupte, kaum einen andern Unterschied, als in der geschmückteren Kleidung, einem Gefolge, und den Titeln Eriki oder Ekahai. In Taheiti und den Societätsinseln legt man in Gegenwart des Königs (Erih-rahai), als ein Zeichen der Ehrfurcht das Oberkleid ab. In Tongatabbu und Horneiland Dalrymples Collection of Voyages to the south sea. Vol. 2 p. 41. 55. hingegen, geht man in Ehrenbezeugungen gegen den Latu oder das Oberhaupt noch ungleich weiter, indem sich die Einwohner vor ihm zur Erde werfen, und seinen Fuß sich auf den Hals setzen. In den Diebsinseln sind die Edlen oder Tamolas ebenfalls in hohem Ansehen, und der gemeine Mann darf sich ihnen nicht nähern, aus Furcht sie zu verunreinigen Des Brosses Hist. des Navigat. aux Terres australes. Tom. II. p. 484 499. . Diese Verschiedenheit scheint anzudeuten, daß die jetzigen Beherrscher der Inseln im Südmeere von ihren ehemaligen Gebräuchen manches abgeändert, und namentlich, je weiter sie von ihrem ursprünglichen (malayischen) Vaterlande ostwärts vorgedrungen sind, desto mehr die sklavischen Ehrenbezeigungen verworfen haben, an denen ihre Vorältern hingen. In Taheiti trift man daher jenes glückliche Gleichgewicht an, welches jeder Klasse von Menschen ihre Vorrechte einräumt, und die Zufriedenheit derselben eben dadurch auf eine sichere Grundfeste erbaut. Dem Könige erweißt man einen geziemenden und nothwendigen Grad von Ehrfurcht. Er kann sein Ansehen, seine Macht, zwar zum Besten seiner Unterthanen äussern, aber keineswegs sie unterdrücken; ein Vater seines Volks, aber kein Tyrann kann er werden. Die Provinzial-Erihs sind zwar die Stützen der königlichen Würde, allein sie halten sie zugleich in Schranken. Der hohe Rath des ganzen Volks besteht aus diesen Heerführern, die, bey wichtigen Angelegenheiten versammelt, über Krieg und Frieden entscheiden. Ohne ihre Zustimmung darf der König nichts unternehmen, was auf die Sicherheit des gemeinen Besten Einfluß haben kann; ohne ihre Einwilligung darf er keinen Vornehmen bestrafen. Mit einem Worte, ohne sie kann er nichts Großes. Sollte er es auch versuchen seine Gewalt zu mißbrauchen, so würden sie ihm entweder die Hülfsvölker ihrer Provinz versagen, oder wohl gar, sich zu der Parthey der Unterdrückten schlagen, und solchergestalt seinem Ansehen und seinen zunehmenden Vorrechten die Wage halten. Der Kriegszug den die Taheitier gegen den Befehlshaber der Provinz Morea, auf der Insel Eimeo, nach unserer Abreise unternehmen wollten, lies uns diesen Theil ihrer Staatsverfassung deutlich einsehen. Die Unterdrückung der Unterthanen ist, nach eben dieser Verfassung, nicht leicht möglich, da alle Provinzial- Oberhäupter unter dem Könige stehen, und endlich auch die Unterthanen selbst, in Ermangelung seiner, sich Recht schaffen würden. Doch, Nahrungsmittel, Kleidungsstücke, und alles was hier sowohl zum nothdürftigen Lebensunterhalt, als auch zum Luxus und zur Bequemlichkeit erfordert wird, schaft der Unterthan oder Tautau mit so geringer Mühe herbey, daß von Unterdrückung die Rede nicht seyn kann. Verschlimmert der Umgang mit lasterhaften Europäern nicht das gute Herz und die einfachen Sitten dieser Menschen; werden keine neue Bedürfnisse unter ihnen eingeführt, deren Erwerb mit schwerer Arbeit vergesellschaftet ist; so kann das gemeine Volk daselbst noch lange glücklich bleiben. Jeder Menschenfreund wird gewiß mit vollem Herzen wünschen, daß ihre Ruhe und harmlose Zufriedenheit durch keinen eigennützigen Plan der Europäer gestört werden möge! Es giebt dort Gewohnheitsgesetze und Verordnungen, wodurch die gute Ordnung aufrecht erhalten, das Eigenthum und Leben eines jeden gesichert, und die Friedensstörer und Verbrecher bestraft werden. Der Schildwacht die bey unsern Gezelten auf der Landspitze Venus in Taheiti ausgestellt war, hatte ein Insulaner das Feuergewehr entwendet. Dieser Nachläßigkeit halber, ward der Soldat an Bord geschickt, um daselbst bestraft zu werden. Vor der Execution aber wurden die Kriegsartikel, wie in solchem Falle gebräuchlich ist, vor der ganzen Schiffsmannschaft, auf dem Verdeck verlesen. Die Menge der anwesenden Einwohner, und unter ihnen verschiedene Anverwandte des Königs, bezeugten ein Verlangen zu wissen, was vorgienge, und weshalb man eine so lange Para-Parau, oder Rede hielte? Ich sagte ihnen, dies wäre das Wort des großen Königs unserer Nation. Hierauf nannten sie es alle: Mira; welches folglich bey ihnen ein Gesetz oder eine Verordnung heissen muß. Sie erzählten uns oft, daß Diebe am Leben bestraft würden, und daß man sie mit einem Stein am Halse ins Meer versenke. Doch sind die Beyspiele des Diebstahls unter ihnen selbst, wo so wenige und leicht zu befriedigende Bedürfnisse dieses Laster veranlassen können, vermuthlich nur äusserst selten. Der Mord scheint ihnen fast gänzlich unbekannt zu seyn. Wir sahen zwar öfters Zwist und Schlägereyen zwischen einzelnen Kerlen; doch waren die Umstehenden jederzeit geschäftig, sie aus einander zu bringen, und zu besänftigen. Von einer aufgeschobenen Rache, die mit kaltem Blute entworfen, und zu gelegner Zeit erst ins Werk gestellt würde, weiß ihr redliches Herz noch nichts. Kinder der Natur sind sie, deren Leidenschaften, als Triebfedern der Selbsterhaltung, zwar oft, den wirklichen oder eingebildeten Beleidigungen, erwachen, aber auch eben so leicht von friedlichern Brüdern besänftigt werden. Es giebt Beyspiele von ungetreuen Eheleuten unter den Erihs, und dieses Laster scheint demnach überall, wie in Europa, hauptsächlich unter den Vornehmen im Schwange zu gehen. Man versicherte uns, daß Ehebrecher am Leben gestraft würden; allein wir sind nichts davon gewahr worden. Im Gegentheil bemerkten wir nur, bey einer Untreue die der Mann begangen hatte, daß seine ziemlich junonische Ehehälfte, ihn mit einem Strom von Schimpfwörtern überhäufte, und in der Hitze ihres gerechten Eifers, der Sünderin, die im Begriff gewesen war, sich ihre Vorrechte zuzueignen, einige derbe Maulschellen gab. Bey dem Ueberfluß an Dingen die zur Befriedigung der natürlichen Bedürfnisse dienen, sind indeß die Sitten der Taheitier und ihrer nächsten Nachbaren so weit verfeinert, daß sie bereits gewisse Zierrathen und Artikel des Luxus kennen, deren einige in einer oder der andern Insel seltener sind, und daher einen Tausch veranlassen. Die Inseln Borabora und O-Taha sind vorzüglich reich an Kokospalmen, aus deren Nüssen dort das in Ostindien bekannte Kokosöl bereitet wird. Die Taheitier und übrigen Einwohner der Societätsinseln verbrauchen einen großen Vorrath davon, indem sie es mit balsamischen Kräutern und würzhaften Hölzern wohlriechend machen, und dann ihre Zeuge, ihr Haar, und oft den ganzen Leib damit salben. Da nun die Kokospalmen auf ihrer Insel nicht in hinreichender Menge vorhanden sind, um so viel Oel als verbraucht wird zu liefern; hingegen auf Borabora und O-Taha nicht so viel Zeuge als aus O-Taheiti, woselbst der Anbau des Papiermaulbeerbaumes weit stärker ist, verfertigt werden; so reisen jährlich einige Leute von Taheiti nach Borabora und Taha mit großem Vorrath von Zeugen, wogegen sie das Kokosöl, welches statt der Fässer in die knotenförmigen Absätze von Bambusrohr gefüllt wird, eintauschen. Auf den niedrigen Eilanden, die nur aus schmalen mit Sand bedeckten Streifen von Korallfelsen bestehn, welche sich im Kreise um eine Lagune voll Seewassers ziehn, kommt der Maulbeerbaum ebenfalls nicht fort; dagegen besitzen die dortigen Einwohner eine Rasse von Hunden, mit langem weissem Haar, dessen sich die Taheiter zur Verzierung ihrer Brustschilder bedienen. Das wechselseitige Bedürfniß veranlaßt also auch hier ein beständiges Verkehr zwischen den verschiedenen Inselbewohnern, die ihre überflüßigen Landesprodukte vertauschen. Rothe Papageyenfedern sind bey den Einwohnern von Taheiti und den Societätsinseln in hohem Werthe; man schmückt den Anzug der Krieger damit, und verfertigt Quaste davon, die statt der Haarzöpfe den Rücken hinab hängen; auch bedient man sich ihrer in kleinen Sträussern mit Kokosfasern zusammengebunden, während des Gebets, um die Aufmerksamkeit von andern Gegenständen abzuziehn. Die in Taheiti befindliche Papageyenart, hat indeß nur wenige, und zwar braunrothe Federn; allein, weiter nach Westen hin, liegen einige Eilande, wo sich die schönsten rothgefiederten Papageyen aufhallen. Eins dieser Eilande, welches noch dazu unbewohnt ist, liegt ohngefehr zehn Tagereisen weit von O-Taheiti, und wird Hwennua-ura, d.i. das Land der rothen Federn genannt. Dorthin werden von den Societätsinseln, blos dieser Federn wegen, Reisen unternommen, indem die Taheitier für diese kostbarste aller Waaren, alles hingeben. Wir brachten einige hellrothe Federn aus England mit; allein die Insulaner erkannten bald, daß es nur gefärbte Hahnenfedern waren, und legten ihnen keinen sonderlichen Werth bey. Sie nahmen sie zwar an, allein nie wollten sie etwas dafür geben. Im Jahr 1774 aber, da wir zum zweytenmal nach O-Taheiti kamen, hatten wir auf der Insel Tongatabu viele Zierrathen von rothen Federn eingetauscht, wofür man uns jetzt nicht nur eine Menge Schweine, als das schätzbarste ihrer Lebensmittel, sondern auch die schönen Trauerkleidungen verkaufte, wovon auf Capitain Cooks erster Reise mit Hrn. Banks, schlechterdings keine einzige zu erhalten gewesen war. Die Begierde nach diesem Schmucke stieg zu einer so ausschweifenden Höhe, daß Potatau, ein Befehlshaber, dessen edelmüthige Denkungsart wir bis dahin noch nie bezweifelt hatten, sein Weib dafür preis geben wollte. Seit der Bekanntschaft mit Europäern sind, unter den Einwohnern, auch allerley Eisenwaaren im Handel gangbar geworden. Die Spanier haben diese Insulaner durchgängig mit dem Eisen bekannt gemacht. Mir kommt es sogar wahrscheinlich vor, daß das taheitische Wort, womit sie Eisen bezeichnen, aus dem Spanischen entstanden ist. Als Olivier van Noort im Jahr 16oo. nach der Insel Guaham , einer von den Diebsinseln kam, stiessen die Einwohner, in mehr als zwey hundert Kähnen, mit Kokosnüssen, Pisangfrüchten, Zuckerrohr und Fischen beladen, vom Strande ab, und verlangten gegen diese Erfrischungen Eisen einzutauschen, indem sie überlaut: hierro! hierro! riefen, welches der spanische Name für Eisen ist. Yuri, wie die Taheitier es nennen, ist eben nicht so weit von hierro in der Aussprache verschieden, daß nicht jenes von diesem entstanden seyn könnte, zumal, da sowol die Diebsinseln als auch Taheiti mit den umliegenden Inseln zuerst von Spaniern entdeckt worden sind. Als Roggewyn, 1727, auf dem flachen Eilande o-Anna eines seiner Schiffe verlohr, erhielten die Südländer einen neuen Vorrath von allerley Eisenwaaren. So gelang es ihnen auch die Anker, die der Herr von Bougainville in dem Haven an der taheitischen Provinz O-Hiddia zurück lassen mußte, aus dem Grunde des Meers aufzufischen, und der König von Taheiti schickte eins derselben dem Könige Opuni von Borabora, als eine Seltenheit, zum Geschenke. Die Menge von Eisenwaaren, worunter vorzüglich Beile oder Aexte, Meissel, Hobel, Sägen, Bohrer, große und kleine Nägel von allerley Größe zu rechnen, welche die englischen Seefahrer in jenen Inseln zurück gelassen haben, ist so beträchtlich, daß dieses Metall schwerlich wieder von den Einwohnern vernachläßigt werden, oder ausser Gebrauch kommen, und noch weniger bey ihnen in gänzliche Vergessenheit gerathen wird. Dies ist um so viel gewisser, da wir Beyspiele anführen können, daß die Völker des Südmeeres das Eisen, bis auf die kleinsten Stückgen, mit der größten Sorgfalt aufzuheben pflegen. Als wir auf der Insel Tongatabu an Land stiegen, verkaufte mir ein Insulaner, einen ganz kleinen Nagel, der sehr sorgfältig in einen hölzernen Heft oder Griff gefaßt, und darin, vermittelst einer Schnur von Kokosfasern, befestigt war. Ohne allen Zweifel hatte Tasmann, im Jahr 1643, diesen Nagel hier verhandelt, der sich solchergestalt 130 Jahre lang erhalten hatte, nunmehro aber nebst andern Seltenheiten, im brittischen Museum aufbewahrt wird. Seit unsern wiederholten Seereisen ins Südmeer sind auch Glaskorallen unter den Einwohnern sehr gemein geworden; man vertauschte deren eine unglaubliche Menge gegen Kokosnüsse, Yamswurzeln und Brodfrucht. In O-Taheiti suchte man vorzüglich ungefärbte durchsichtige Glaskorallen; in den freundschaftlichen Inseln schätzte man die schwarzen, in Neuseeland waren grüne Ohrgehänge, nebst grünen und rothen Glaskorallen am willkommensten; so verschieden ist der Geschmack, und der Begriff von Schönheit. Auch in den westlichern Gegenden des Südmeeres treiben die Einwohner verschiedener Inseln einen Handel mit den Produkten die in einer oder der andern häufiger sind, und als wahre Bedürfnisse, oder als Artikel des Luxus gesucht werden. Keulen oder Streitkolben vom Holze des Casuarbaums (Casuarina equiserifolia) wurden von Irromanga nach Tanna verführt, wohin auch Aexte von festem schwarzem Basalt aus Anattom, und Aexte, deren Klinge aus einem Stück Muschelschale bestand, aus Immèr gebracht wurden. Der Reichthum einzelner Einwohner, oder ihrer Familien, besteht hauptsächlich in der Menge solcher durch den Tauschhandel erworbnen Sachen; daher ist mancher gemeine Taheitier durch unsere Ankunft bereichert und aus einem armen, ein angesehener und wohlhabender Mann geworden. Das erworbene Guth blieb sein Eigenthum, womit er nach Gefallen schalten konnte. Eben das schien auf der Osterinsel, den Marquesas, Neuseeland, den neuen Hebriden und Neukaledonien auch der Fall zu seyn. In den freundschaftlichen Inseln verhielt es sich anders; Attaha, ein Befehlshaber vom zweyten Range, mußte alle Geschenke die er empfangen hatte, an den Latu-Nipuru abliefern; die andern Befehlshaber alle, mußten sich das nämliche gefallen lassen; nur der Priester war von diesem Tribute befreyt. Allein, wenn gleich die taheitischen Befehlshaber ihren Untergebenen oder den Tautaus nicht mit Gewalt entwendeten, was diese gegen Lebensmittel, Kleidungsstücke, Hausgeräthschaften und Waffen eingetauscht hatten; so hatten wir doch Ursach zu glauben, daß nach Verlauf einiger Zeit ihr ganzer Reichthum entweder als ein freywilliges Geschenk, oder unter einem andern Vorwande, in den Schatz ihrer Herren fliessen mußte. Wenigstens schienen diese Befehlshaber die einzigen Besitzer der Aexte und Beile zu seyn, und solche ihren Unterthanen nur den gewissen Gelegenheiten, und vermuthlich nicht ohne Vergeltung, zu leihen. Dies kommt mir um desto wahrscheinlicher vor, da eben diese Gewohnheit auch in den Carolinischen Inseln statt findet, woselbst die Einwohner alles Eisenwerk, welches sie aus verunglückten Schiffen aufsammlen, ihren Tamoles oder Befehlshabern zustellen, die daraus Werkzeuge von verschiedener Größe verfertigen, und solche an ihre Unterthanen um hohe Preise vermiethen Des Broffes Hist. des Navigations aux Terres australes. Tom. II. p.485. – In Neuguinea geben die Papuas oder Küstenbewohner, den Haraforas, die tiefer lm Lande wohnen, Aexte und andre Werkzeuge von Eisen; wofür die Empfänger ihnen lebenslänglichen Tribut zollen müssen. Forrest's Voyage to New Guinea. G.F. . Gestohlne Sachen pflegten die taheitischen Erihs entweder ganz und gar zu confisciren, oder wenigstens mit ihren Tautaus zu theilen. Der eigentliche Reichthum der Einwohner von Taheiti und den Societätsinseln, von den Marquesas, den freundschaftlichen Inseln, und der Osterinsel besteht jedoch in Landeigenthum. Die Manahaunes (Vasallen) bauen ihren Antheil davon, mit Beyhülfe ihrer Familien, selbst; hingegen die Erihs und der König überlassen dieses Geschäft ihren Tautaus. Diese Leute müssen die Schweine und Hunde ihrer Herren füttern und hüten; die Pisang-Brodfrucht- und Apfelbäume, nebst andern nützlichen Vegetabilien, pflanzen, den Maulbeerbaum anbauen, und die Rinde verarbeiten; von dem Mahei, oder aus Brodfrucht bereiteten sauergegohrnen Teige, einen großen Vorrath anfertigen, mit einem Worte, sie müssen ihren trägen Erihs Kleidung und Speise schaffen. Je größer demnach die Anzahl der Tautaus die ein solcher Erih besitzt; und je weitläuftiger seine liegenden Gründe sind, für desto reicher und wohlhabender wird er gehalten. Die Tautaus aber sind ein würkliches Eigenthum der Erihs, welches sie auch nach Gutbefinden veräussern können, wie solches aus dem Umstande abzunehmen war, daß die Verwandten unseres jungen Freundes Maheine, in O-Taheiti, ihn mit einem Knaben von 13 bis 14 Jahren beschenkten, der Poe tea-tea (weisse Glaskoralle) hieß, und von Stund an sein eigner Tautau ward, der seinem neuen Herrn, und dessen Freunden an Bord des Schiffs, sogleich mit vieler Treue anhing. Es ist merkwürdig, daß Hunde und Schweine, die vorzüglichsten taheitischen Reichthümer, nicht einmal auf allen Inseln des Südmeeres vorhanden sind. Die Bewohner der niedrigen Eilande besitzen zwar durchgehends Hunde, aber keine Schweine; hingegen hatte man Schweine auf den freundschaftlichen Inseln, ohne Hunde anders als dem Namen (Ghurri) nach, zu kennen; vermuthlich ist das Thier bey ihnen ausgestorben. In Neuseeland fehlten ebenfalls die Schweine; in Neukaledonien aber, fehlten beydes, Schweine und Hunde. Auch in Tanna hatte man nur Schweine allein. Den Taheitiern schenkten wir das erste Ziegenpaar, welches sich bey unserer zweyten Ankunft daselbst, bereits um zwey vermehrt hatte. Den Einwohnern von Tonga-tabbu und Tanna schenkten wir die ersten Hunde, den Neuseeländern, Schweine und Hüner; den Neukaledoniern ein paar Hunde und ein paar Schweine. Diese beyden Thierarten, die an und für sich schon so schnell und stark sich vermehren, kommen unter dem sanften Himmelsstriche in den Südländern um desto besser fort, und erreichen frühzeitig ihr völliges Wachsthum. Demohngeachtet fanden wir sie so häufig nicht, daß die Einwohner sie zur gewöhnlichen Speise hätten brauchen können; im Gegentheil lebt der größte Theil der Nation von vegetabilischer Nahrung, welche sie sich, durch Fleiß und mäßige Anstrengung, in genugsamer Menge verschaffen. Auch in dieser Einrichtung, die vielleicht von besondern Umständen herrührt, scheint mir eine Spur jener unendlichen Weisheit merkwürdig, welche im ganzen Umkreise der Schöpfung, nichts geringeres, als die höchste Vollkommenheit des Ganzen bewürkt. Das Thierreich ist nemlich nicht so sehr in unsrer Gewalt, als das Pflanzenreich; wir können es nicht nach Willkühr fruchtbarer machen; die unveränderlichen Gesetze der Natur, halten die Vermehrung und Fortpflanzung einer jeden Thierart in gewisse Schranken. Lebte der Mensch überall blos vom Fleisch der Thiere, und bliebe er im Hirtenstande, so würde diese Lebensart dem Fortschritt des ganzen Menschengeschlechts zu den höhern Stufen, physischer sowohl als sittlicher und bürgerlicher, Glückseligkeit offenbar entgegen stehen. Die Quelle aller irdischen Vervollkommnung ist der Ackerbau. Alle Pflanzen, hauptsächlich aber die bereits in verschiedenen Ländern angebauten Gattungen, können durch menschlichen Fleiß zum Erstaunen vermehrt werden. Die Lebensmittel aus dem Pflanzenreiche sind überdies gesund, und der Einrichtung unseres Körpers angemessen; sie sind auch so mannigfaltig und wohlschmeckend, daß man ihrer nicht überdrüßig wird. Noch mehr; durch anhaltende Kultur gewinnen die Pflanzen an Wohlgeschmack, wovon wir an den unzähligen Apfel- Birn- Kirschen- Pflaumen- Pfirsichen- und Aprikosensorten, an Rüben, Kohl, Kartoffeln, und so vielen andern Früchten, Wurzeln und Gemüßkräutern die auffallendsten Beyspiele sehen. Diese Vortheile des Anbaues erleichtern das gesellige Leden, und werden Veranlaßungen zur wechselseitiger Hülfsleistung und Mittheilung der Erfahrungen, Verbesserungen und Ideen. Je höher man es in jener Kunst bringt, desto fester wird das Band der Gesellschaft geknüpft, desto lebhafter und feiner alle Menschenfreundliche Empfindungen, desto mehr gewinnen Ordnung und Friedensliebe den vorhin ungezähmten Leidenschaften ab. Die neue Stimmung der Gemüther wird Gesetz für die Nachkommenschaft; Denkungsart und Sitten werden sich in jedem einzelnen Mitbürger ähnlicher, und der Einfluß der Tugend und des Lasters auf das Glück eines jeden insbesondere, so wie auf die Ruhe des Ganzen, fängt an ihnen deutlich einzuleuchten. Diese Empfindungen, der Sittlichkeit und des Gewissens bereiten endlich den Menschen zu den höhern Stufen der Vervollkommnung. Ich bin weit entfernt, hier zu behaupten, daß man wegen der Vortheile, zu denen der Ackerbau so sichtbar führt, die Viehzucht gänzlich vernachläßigen sollte. Ein mäßiger Antheil von animalischer Speise, mit Nahrung aus dem Pflanzenreiche vermischt, scheint im Gegentheil unserm Körper besonders zuträglich zu seyn, mithin die Viehzucht mit dem Ackerbau vereint werden zu müssen, wenn ein Volk den höchsten Grad möglicher Glückseligkeit erreichen soll. Wohl also den Taheitiern, denen es weder an wohlschmeckenden, gesunden Früchten und Wurzeln, noch an Hausthieren fehlt, zumal seitdem auf Cooks letzter Reise zu ihren einheimischen Thieren, nicht nur Schaafe, sondern auch Rindvieh und Pferde hinzugefügt worden sind. Brächte man ihnen noch Reis, besonders die Gattung, welche auf bergigtem Boden wächst, und nicht, wie gemeiner Reis, überschwemmt werden muß, nebst türkischem Korn oder Mays, Ananas, Kastanien, Datteln, Orangen, Zitronen, und vor allen die Sagopalme, so würde dieses Geschenk unfehlbar das vernünftigste seyn, welches ein Volk dem andern machen kann; ja es wäre die beste Erwiederung für die mannigfaltigen Erfrischungen, die unsere Weltumsegler in solchem Ueberfluß aus den Händen ihrer vortreflichen, gastfreyen Freunde empfingen, und wodurch sie sich in Stand gesetzt sahen, Schiffarthen zu vollenden, welche in den Jahrbüchern der Welt nie ihres gleichen finden werden. Der Glückliche, der jene Pflanzen nach Taheiti, und überhaupt in alle Südländer brächte, und die Einwohner ihren Anbau und Nutzen lehrte, würde unter die Wohlthäter des Menschengeschlechts gerechnet, und neben Orpheus, Triptolem, und andern Helden, von einer dankbaren Nachwelt verehret werden! Aus allen bisher angeführten Bemerkungen wird der Vorzug der Bewohner von Taheiti und der Societätsinseln vor allen übrigen südlichen Völkern offenbar. Ihre bürgerliche Vereinigung ist sogar gewisser massen, von einem Grade von Patriotismus und public Spirit Es fehlt uns hier ein Wort, um eine Empfindung auszudrücken, die den alten Vorfahren bekannt genug war. Der Uebersetzer. beseelt. Denn, zu geschweigen daß wir oft gesehen haben, wie ein Taheitier sein kleines Mahl von Brodfrucht oder dergleichen, mit den Umstehenden so lange theilte, bis nichts mehr zu theilen war; so scheint die Sorgfalt, mit welcher die Erihs sich bemühten, ihren Unterthanen einen guten Preis für Lebensmittel und andre Waaren, welche diese uns zum Verkauf brachten, auszuwürken, Beweises genug. Auch gehören hieher wechselseitige Hülfleistungen, wovon wir öfters Zeugen waren; der Abscheu, den die Vornehmeren gegen alle Diebe und Räuber blicken liessen; die merkliche Verbesserung ihrer häußlichen Umstände, die wir acht Monate nach unserm ersten Besuch in Taheiti bemerkten, und die man mit Recht der genaueren Aufsicht und Aufmunterung ihres Königs O-Tu zuschreiben muß; ferner eben dieses Königs edles Betragen, indem er sich der Anführung der Flotte begab, und blos als Freywilliger, unter To-Hwa, streiten wollte; endlich die Bereitwilligkeit dieses eben genannten braven, von der Gicht geplagten Alten, die Expedition gegen Eimeo zu wagen, und die Klugheit womit man die vom Capit. Cook angetragene Hülfe unsrer Schiffe, zur Wiedereroberung dieser revoltirten Insel, verbat. Das Bild, welches wir hier von der Verfassung der Taheitier und der Bewohner der Societätsinseln entwerfen, läßt sich auf die übrigen Insulaner im Südmeere nicht anwenden. – Zwar treibt man auf den freundschaftlichen Inseln den Anbau noch um einen merklichen Schritt weiter, man verwendet viele Zeit und Mühe auf Hecken und Verzäunungen, wodurch eines jeden Eigenthum sehr sorgfältig abgesondert wird; allein die Regierungsform nähert sich dem orientalischen Despotismus; denn man erzeigt dem Latu und den übrigen Oberhäuptern sklavische Ehrfurcht. So wie jene genaue Bestimmung des Eigenthums eine Folge der starken Bevölkerung dieser Inseln ist, so scheint, auf der andern Seite; die bey ihnen übliche Sklaverey die nähere Abstammung der Einwohner von ihrem ursprünglichen Vaterlande zu beweisen. Dort In den asiatischen Inseln. ist noch heutiges Tages kriechende Unterwürfigkeit gegen Fürsten und Große üblich; von elenden Schmeichlern erfunden, forderten tyrannische Unterdrücker sie als ein Recht, und machten sie zum Gesetz. In den freundschaftlichen Inseln sahen wir vielfältig, daß die Einwohner sich vor ihrem Befehlshaber zur Erde niederwarfen; allein von der eigentlichen Verfassung ihres kleinen Staats, und von ihren Gesetzen, konnten wir, während unseres kurzen Aufenthalts, keine hinlängliche Kenntniß erlangen. Ein Mann, Namens Attahà, schien an unserm Landungsorte aus der Insel Tongatabu in großem Ansehen zu stehen; indessen gab es unstreitig verschiedene Befehlshaber von noch höherem Range, weil er in deren Gegenwart, aus Ehrerbietung, es nicht wagte, mit uns zu Tische zu sitzen. Unter diesen Vornehmen hatte einer, hauptsächlich bey denen Insulanern die in Kähnen zu uns ans Schiff kamen, viel zu sagen; daher pflegten unsre Matrosen ihn den Großadmiral zu nennen. Das Ansehen des Priesters aber war um nichts geringer, wie schon zur Gnüge aus dem Umstände erhellet, daß die übrigen Befehlshaber die Geschenke welche sie von uns erhielten, dem Latu einhändigen mußten, der Priester aber die seinigen für sich behalten durfte. Oftmals sahen wir die Vornehmeren dem Volke etwas anbefehlen, und dieses letztere gehorchte allezeit willig; inzwischen sähe man doch nicht, daß sich diese Vorgesetzten, über die Früchte und Maaren des gemeinen Mannes, irgend eine Gewalt anmaßten; eben so wenig foderten sie ihnen auch die Sachen ab, die jene durch den Tauschhandel mit uns gewonnen hatten; folglich giebt es, wahrscheinlicher weise auch hier, einige Verordnungen die das Privat-Eigenthum sichern. Auf den Marquesas- und auf der Osterinsel war der Unterschied zwischen den Vorgesetzten und den Unterthanen kaum merklich; jene hatten ausser dem Titel, nebst einem kleinen Gefolge, und einer (vielleicht um der Fremden willen angelegten) auszeichnendern Kleidung vor den übrigen nichts voraus. Ihr Ansehen, soweit wir solches aus einigen Ereignissen während unseres kurzen Aufenthalts beurtheilen konnten, schien mit dem Ansehen eines Vaters, die nächste Aehnlichkeit zu haben, sich mehr in Ermahnungen als in gebieterischen Befehlen auszulassen. In den westlicher gelegenen Inseln, Mallikollo, Tanna, und Neukaledonien, fanden wir zwar Oberhäupter unter dem Titel, Elighi oder Eriki; allein, weder Ansehen noch sonst ein Unterscheidungszeichen schien, im Ganzen genommen, sie über den großen Haufen zu erheben. Vielleicht ist also die ganze Würde weiter nichts, als ein angeerbter Titel. Von den Gesetzen dieser Völker, könnten wir, denen es an Zeit, Gelegenheit und Sprachkenntniß mangelte, nicht ohne Vermessenheit sprechen. Wir sahen, daß sie Pflanzungen angelegt hatten, und fanden verschiedene kleine Familien mit der Ausrottung einzelner kleiner Bezirke Waldes beschäftigt; daß die Früchte ihres Schweisses ihr Eigenthum sind, läßt sich folglich wenigstens vermuthen. O-Taheiti nebst den benachbarten Societätsinseln, sind solchergestalt die einzigen Inseln im Südmeere, wo der Anbau einigen Fortgang gehabt hat, ohne daß auf der andern Seite die Mängel der Staasverfassung diesen Vortheil überwiegen. Ueberhaupt aber vermuthe ich, daß jene Völker, sich selbst überlassen, zwar nicht leicht auf eine geringere Stufe der Vervollkommnung zurück sinken, jedoch, wegen des unbeträchtlichen Umfanges ihrer Inseln, auch nie mit schnellen Schritten zu höherer Kultur gelangen werden, wofern nicht etwa ausserordentliche Mittel hinzukommen. Sollte der Eroberungsgeist mehrere Inseln zu einem Staatskörper vereinigen, so dürfte es immer noch ganze Jahrhunderte erfordern, ehe die Feindseligkeit und Eifersucht zwischen den Siegern und den Unterjochten sich verlieren, und ein großes mächtiges Volk entstehen könnte. Ohne eine solche Vereinigung aber, sind, in den Wissenschaften, in der Sittlichkeit, in Künsten, in Manufakturen und im Ackerbau, die höchsten Gipfel der Aufklärung nicht zu erreichen. Siebenter Abschnitt. Grundsätze, sittliche Begriffe, Sitten, Verfeinerung, Luxus, Schicksal der Weiber bey den Völkern im Südmeere. – Primæ dederunt folaria vita. LUCRETIUS. Der Mensch nähert sich nur alsdenn seiner Vollkommenheit, wenn er bereits anfängt dem Triebe alles um sich her zu erforschen, dem Durste nach Wahrheit, und nach Begriffen die eines jedweden Dinges wahre Eigenschaften darstellen, ein Genüge zu leisten; wenn er endlich schon einem Gefühle von Billigkeit gehorcht, und Gedanken und Handlungen darnach abmißt. So heftig und eigennützig die Begierde ist, alles dasjenige, was man für ein Gut hält, zu besitzen und sich selbst zuzueignen, so unausbleiblich lehrt gleichwohl die Erfahrung den Menschen, daß noch viel Unvollkommnes im Genuße aller seiner Güter liegt; und in eben dem Grade in welchem er dieses fühlt, wird er unglücklich seyn, bis er eine neue Art des Genußes, und zugleich die ergiebigste erfindet, nämlich das Vergnügen andern wohlzuthun und seinen Genuß mit ihnen zu theilen. Nur diese menschenfreundliche Empfindung, nur diese Billigkeit öfnet dem Menschen eine Laufbahn an deren Ende eine dauerhafte Glückseligkeit, als das hohe Ziel seines Hierseyns, ihm entgegenwinkt. Hievon handelte schon der vorhergehende Abschnitt. Weder diese Billigkeit, noch dieses Mitgefühl, mangelt den Inselbewohnern im heissen Striche des Südmeeres. Ein Beweis davon ist, unter mehreren andern, die Wisbegierde, womit sie uns über Gegenstände die unser Vaterland, unsre Regierungsform, unsern Gottesdienst betrafen, und über die zur Verfertigung unserer Kleidungsstücke etc. abzweckenden Künste, befragten; und die Aufmerksamkeit, womit sie auf unsere Belehrung horchten. Die Kleider die wir anhatten, gaben zu verschiedenen Fragen Anlaß; ich mußte ihnen den Unterschied zwischen unseren wollenen, seidenen, baumwollenen und leinenen Zeugen begreiflich machen; ihnen folglich erzählen, daß die wollenen von der haarigen Bedeckung eines Thieres Unsere Schafen nannten sie Bua-niho, d. i. ein gehörntes Schwein; eigentlich nach dem Wortverstande aber, ein Schwein mit Zähnen. Diese uns so ungereimt scheinende Benennung kann Veranlaßung geben, über die Entstehung mancher unerklärbaren Benennungen in andern Sprachen nachzudenken. Einmal kennt man dort kein größeres Hausthier als das Schwein; daher der erste Theil jener Benennung; sodann aber weiß man auch nichts von Hörnern, und eben deswegen ward der Begriff von großen Zähnen, die aus dem Schädel hervorwachsen, untergeschoben. Daß eine dunkle Idee, aus Ueberlieferungen, von ehemals dort vorhanden gewesenen wilden Schweinen , die allenfalls wegen ihrer großen Hauer den Namen der großgezahnten Schweine (Bua-niho) verdienen könnten, hier zum Grunde liegen sollte, mögte ich nicht gern behaupten. , die seidenen von einem Raupengespinste, die Baumwollenen von der Saamenhülle eines Strauchs, der ihrem E-Wawai ( Gossypium religiosum ) sehr ähnlich sähe, und die leinenen aus den Fasern einer Pflanze verfertigt würden. Ich drehte auch bisweilen einige Fäden aus ihrer Baumwolle zusammen, um ihnen die Möglichkeit, daß sie zu Kleidungsstücken gebraucht werden könnte, zu zeigen. Die Arbeit des Büchsenspänners, der auf dem Amboß Beile schmieden mußte, und die Arbeit der Zimmerleute, wenn sie ihre Werkzeuge schärften, betrachteten sie ebenfalls mit großer Aufmerksamkeit; weshalb auch Capit. Cook verschiedene Schleifsteine hinterließ, und Sorge trug, daß den guten Einwohnern der Gebrauch dieser Sachen gezeigt und gelehret wurde. Wir mußten ihnen oft erklären, daß wir an Gott glaubten; dann fragten sie, wie er auf englisch hiesse, und gaben sich Mühe den Namen, Gott, auszusprechen. Ihre Aufmerksamkeit war bey diesen Unterredungen allemal sichtbar, vornämlich aber, wenn man auf ihr Verlangen ihnen erklärte, daß dieses Wesen ohne Hervorbringer (unerschaffen) da sey, unsichtbar, allmächtig, unendlich gut. Sie frugen auch noch wohl, ob wir ihn mit Gebet anredeten? ob wir Priester und Marais d. i. zum Gottesdienste bestimmte Plätze hätten, die bey ihnen zugleich Begräbnisplätze sind, u.s.w. Dies alles, sage ich, sind Beweise eines forschenden, nach Wahrheit durstenden Geistes. Ihr eigenes System von nützlichen Kenntnissen, und gewisse höhere Begriffe, welche von den Einsichtsvolleren unter ihnen aufbewahrt werden, bestätigen die Thätigkeit ihres Geistes in Erforschung der Natur. Hieher gehört der Anbau gewisser Pflanzen zur Speise oder zur Bedeckung; die Zubreitung dieser Pflanzen nach Maasgabe ihrer verschiedenen Bestimmung; die Kunst mit den einfachsten Werkzeugen oft zierliche Kleidungsstücke, Hausgeräthe, Waffen, und Schmuck zu verfertigen; die Kenntniß der Vögel, Fische, und Pflanzen auf ihren Inseln; die Wissenschaft der Jahrszeiten und Winde, der Benennungen der Gestirne, ihres Aufgangs und Niedergangs; einige geographische Kenntnisse von der Lage vieler Inseln zwischen den Wendekreisen; die Kunst, bey Tage und bey Nacht, zur See zu fahren, und sich dabey nach dem Lauf der Sonne oder der Sterne zu richten; die Zahl und Namen der Tage binnen einer Mondes Revolution, und die Zahl der Monden im Jahre. Müssen nicht Lehrer oder Aeltern ihnen diese Begriffe beybringen, ihr Gedächtniß darin üben, und sie auf die Beobachtung und eigene Erfahrung der verschiedenen Phänomene verweisen? müssen sie dadurch nicht einen Hang zur Erforschnng der wahren Beschaffenheit der Dinge bekommen? und wird dieser, in der Anwendung auf das gemeine Leben, nicht über alle Handlungen, über alle Geschäfte einen Geist der Aufrichtigkeit und Billigkeit verbreiten? Wohl wird er das! Wir dürfen nur, statt alles ferneren Beweises, einen Blick auf ihren menschenfreundlichen Umgang mit so vielen Europäern werfen. Die Weltumseegler an Bord des Delphins, der Boudeuse und Etoile Hr. von Bougainville , der Endeavour, der Resolution und der Adventure, haben dem liebreichen, freundschaftlichen Herzen ihrer taheitischen Wohlthäter ein bleibendes Denkmal gestiftet. Wie gutmüthig führten sie uns nicht Erfrischungen und gesunde Lebensmittel im Ueberfluß zu? Wie bereitwillig waren sie nicht, uns Hülfe zu leisten, wenn wir, einzeln, uns tief ins Land verirrt hatten? Wie zuvorkommend in den Beweisen ihrer gütigen Gesinnungen gegen uns, wie eifrig ihrer angebornen Gastfreyheit, als einer angenehmen Pflicht, Genüge zu leisten? Wie wurden wir nicht gebeten, im kühlen Schatten ihrer Hütten auszuruhen? Wie thätig suchten sie nicht unsre ermüdeten Glieder, (nach dortiger Landessitte, durch gelindes Reiben) wiederum zu stärken? Wie wetteiferten sie, uns ein wohlbereitetes Mahl von Früchten vorzusetzen, wie gerne trugen sie nicht unsre Bürde von Lebensmitteln und unsre Sammlungen von Naturprodukten? Wie rasch und munter trugen sie uns selbst, auf ihren starken Schultern, durch Bäche und Ströme, damit wir trocknen Fußes hindurch kamen? Wie schnell und unverdrossen holten sie nicht die Aenten oder anderes Geflügel, welches wir geschossen hatten, herbey? Welche Lustbarkeiten, mit Tänzen und Gesängen, wurden nicht unsertwegen angestellt? Welche ansehnliche Geschenke an Zeugen und Lebensmitteln erhielten wir nicht? Welche, gesittete Höflichkeit sogar, bezeugte uns nicht so mancher unter ihnen? Dies sind Züge des Wohlwollens und der Herzensgüte, die einen unauslöschlichen Eindruck machen müssen. Wer nur anfängt sich von Beschädigung seines Nebenmenschen zu enthalten, den führte das erste dunkle Gefühl eines Naturrechts auf diesen großen Grundsatz; höher aber ist bereits der gestiegen, der, aus sittlichen Beweggründen, neben sich her so viele Glückliche als möglich, zu machen wünscht. Die Aeusserung dieses moralischen Gefühls kann bey verschiedenen Völkern sehr verschieden seyn, indem das eine öfters Handlungen als unsittlich verwirft, die bey einem andern in hohem Werthe stehen. Allein, auch über dieselbe Handlung können, zu verschiedenen Zeiten, in einem und demselben Volke ganz zuwiderlaufende Urtheile gefällt werden, je nachdem es diesen oder jenen Fortgang in der Kultur und Aufklärung gehabt hat. Denn Völker reifen wie einzelne Menschen und erhalten, mit jeder Stufe ihres Alters, festere Grundsätze und feinern moralischen Sinn. In dem Maaße, in welchem die Vorurtheile ausgerottet werden, und die nachtheilige Übermacht der Leidenschaften abnimmt, in eben dem Maaße handelt, sowohl der einzelne Mensch als der Staat, nach Recht und Billigkeit, und folgt dem Gewissen, dieser vom Schöpfer ihm eingepflanzten Stimme, die ihn laue seine Pflicht erinnert. Alle menschliche Handlungen fliessen demnach, mehr oder minder, aus einer oder aus beyden dieser Quellen: aus wohlwollender Ueberzeugung, oder aus leidenschaftlichem Eigennutz. Die guten Insulaner, von denen wir hier handeln, machen keine Ausnahme von dieser Regel. Je nachdem das Vorurtheil, der Nationalcharakter, und zufällige Umstände sie misleiten, gewinnt in ihren Handlungen zuweilen eine eigennützige Leidenschaft die Oberhand. Jedoch, selbst ihre kleinen Diebstähle, wenn die Begierde nach einem Stücke Eisen sie dazu verleitet hatte, zeugten vom Daseyn eines sittlichen Gefühls, indem das Bewustseyn, uns beleidigt zu haben, sie zur Flucht antrieb; obwohl dieses Gefühl, im Augenblick der Versuchung, nicht lebhaft genug gewesen war, ihre unrechte Begierde zu dämpfen. Dagegen gab es auch Leute unter ihnen von besserer Denkungsart, und strengeren Sitten, die uns gegen verdächtige Personen warnten. Unter den Vornehmen, und unter der geringsten Klasse von Einwohnern waren die Beyspiele von Eigennutz und Immoralität aller Art, weit häufiger als unter dem Mittelstände. Eines Tages besuchte der König O-Tu nebst seiner Schwester Taurai den Capitain Cook, der sie in sein Schlafzimmer führte, woselbst ein großer Vorrath von Eisenwaaren zur Hand lag, der, zum Einkauf der Lebensmittel für das Schiff bestimmt war. Der Capitain und ich waren mit ihnen allein in der Cajüte; da aber jener, von dem wachthabenden Officier, wegen eines Vorfalls der keinen Aufschub litt, auf das Verdeck gerufen ward; so bat er mich bey den königlichen Herrschaften zu bleiben. Die Abwesenheit des Capitains, und die großen Haufen eisenner Werkzeuge, erregten bey Taurai den Gedanken diese Gelegenheit zu nutzen, um etwas zu entwenden; sie gab daher ihrem Bruder einen Wink mich zu unterhalten. Er rief mich sogleich ans Fenster, um mir zu zeigen, was in einigen Kähnen neben dem Schiffe vorgieng. Ich argwöhnte indessen ihre beyderseitige Absicht, und folgte ihm zwar an das Fenster, jedoch ohne Taurai aus dem Auge zu verlieren, die sich nicht sobald unbemerkt glaubte, als sie schon ein paar eiserne Nägel von zehn Zoll ergriffen, und unter ihr Kleid versteck hatte. Indem kam der Capitain zurück, und ich erzählte ihm den Vorfall, wovon wir uns gleichwol nichts merken ließen, damit der Tauschhandel, der so eben den besten Fortgang hatte, durch kein Misverständnis gestört werden möchte. Indessen sahe ich aus diesem Vorfall was der Anblick solcher Schätze von Eisen für eine gewaltige Versuchung für sie gewesen seyn müsse; weil O-Tu und seine Schwester, denen es nur ein Wort gekostet hätte, um zwey und mehrere Nägel geschenkt zu bekommen, gleichwol der Idee sie zu stehlen, als einem plötzlich entstandenen unwiderstehlichen Triebe folgten, und nicht nur das innere Gefühl der Niederträchtigkeit dieser Handlung, sondern auch die Furcht vor der Schande, ertappt zu werden, darüber aus den Augen setzen konnten. Daß der König selbst sich bis zum Hehler einer so unwürdigen That herablassen konnte, geschah ganz offenbar seiner Schwester zu Gefallen, und ist eben deshalb schon verzeihlicher. Er war sonst ein billiger Mann, der zwar Anfangs befürchtete, daß wir unsre Gewalt misbrauchen dürften, ausserdem aber in allen Stücken, Güte und eifriges Bestreben zeigte sein Volk wohlhabend, mächtig und glücklich zu machen. Noch edelmüthiger und uneigennütziger schien mir der Charakter des Towha zu seyn, der sich aller Wahrscheinlichkeit zufolge, unter jedem Himmelsstriche und in jedem andern Volk eben so vortheilhaft als bey seinen Landsleuten ausgezeichnet haben würde. Ohne wegen des einzigen Vergehens, dessen Taurai sich schuldig gemacht, allzu nachtheilig von ihr zu urtheilen, so erweckte es doch wenigstens kein günstiges Vorurtheil für sie; und wenn die Beschuldigung Grund hatte, die uns sehr oft zu Ohren kam, daß sie eine Art von Messaline wäre, die sich bis zu Leuten vom niedrigsten Volke (Tautaus) herabzulassen pflege, so erscheint sie eben nicht im vortheilhaftesten Lichte. Zu diesem Beyspiele der Immoralität unter den Großen, gehört noch der bereits erwähnte Vorfall, da Potatau und sein Weib Waini-au, nachdem sie alle Schweine die sie entübrigen konnten, nebst einem kostbaren Helm, verschiedenen Brustschildern und einem ganzen Trauerhabite, für rothe Federn vertauscht hatten, endlich, aus übertriebener Gierigkeit nach diesem Schmucke, noch unter sich eins wurden, daß das Weib sich Hrn. Cook anbieten sollte; zu welchem Ende sie denn auch, als ein bereitwilliges Opfer, vor ihm erschien: tunica velata recincta. Ich muß gestehen, daß dieser Zug in dem sonst edlen Charakter des Potatau mir die schwärmerische Freude verdarb, die Taheitier als das einzige liebenswürdige Völkchen ansehen zu dürfen, dessen Unschuld und ursprüngliche Einfalt, zur Ehre der Menschheit noch ganz untadelhaft geblieben wären. Indessen fanden wir doch, in manchen Familien, nicht nur Begriffe von Keuschheit, sondern auch würkliche Ausübung dieser Tugend. Ich habe oft mit Entzücken gesehen, daß die glänzendsten Anerbietungen unserer raschen Jünglinge, von einem schönen taheitischen Weibe, mit einer höflichen Bescheidenheit ausgeschlagen wurden, deren sich die Beste unsrer Landsmänninnen nicht zu schämen gehabt hätte; bald hieß es Tirra - tane, ich bin verheirathet; bald begleitete ein Lächeln das einfache: Eipa (Nein). Nur muß man sich hier ein Volk denken, wo alle Familien, Erwachsene und Kinder, unter einem Dache wohnen, wo die Häuser nicht in mehrere Zimmer abgetheilt sind, folglich mehrere Handlungen nicht verheelt werden können, bey denen man in Europa schwerlich Zeugen zulassen würde. Selbst Kinder mußten daher frühzeitig Begriffe von Dingen bekommen, die manches europäische Frauenzimmer vielleicht nie erfährt; und aus eben dem Grunde hält man auf jenen Inseln die Liebe, mit allen ihren Folgen, nicht für unehrbar. Dort macht der Zotenreisser keinen Eindruck; er erzürnt so wenig, als er gefallen oder gar entzücken kann. Allenfalls bestraft ein lehrreicher Blick seine Unkunde des reineren Genußes tugendhafter Liebe. Der bessere Mann ist also, auch unter diesen Völkern, der Stimme der Menschheit und der Billigkeit gehorsam, die ihn den Unterschied zwischen Recht und Unrecht lehrt, und Begriffe von Sittlichkeit und Tugend in ihm hervorruft. Im Allgemeinen aber hängt das Betragen eines Volks, aus welchem man sich einen Begriff von dessen Sitten machen kann, noch von dem eigenthümlichen Charakter desselben ab. Einige Völker haben solche starke, hervorstechende Züge, die mit dem Charakter andrer Nationen so wesentlich contrastiren, daß man sie ohne Schwierigkeit darstellen kann. Was ist leichter als ein Bild spartanischer Sitten zu entwerfen, nachdem die kriegerische Verfassung und die Gesetze die Lykurg seinen Landsleuten gab, ihren Charakter so auszeichnend gebildet hatten? Aber, den Orchomenier vom Megalopolitaner, den Mantinäer vom Tegeäer zu unterscheiden, dies war ungleich schwerer, weil die Abweichungen so gering, und für Ungeübte fast unmerklich waren. Im Ganzen genommen, sind die charakteristischen Züge der Südländischen Völker von den unsrigen gar sehr verschieden, mithin leicht nachzuzeichnen; mit allen übrigen Völkern hingegen, die so eben aus der Barbarey empor kommen, sind sie schon näher verwandt. Ohne demnach von den Bewohnern einer jeden Insel besonders zu sprechen, wozu übrigens unser kurzer Aufenthalt nicht Stoff genug darbot, werde ich im folgenden ihre Sitten nur mit einigen Strichen anzudeuten suchen. Von ihrer äusseren Bildung, die von der unsrigen so merklich verschieden ist, handeln die vorhergehenden Abschnitte so ausführlich, daß ich es für unnöthig erachte, die nämlichen Sachen hier zu wiederholen. Die Kleidung, welche den Menschen so auffallend charakterisirt, ist in den Südländern bey weitem nicht gleichförmig. Dem Feuerländer gebricht es nicht nur an Kleidungsstücken, welche die Schamhaftigkeit fodert, sondern auch an denen, die das Bedürfnis heischt. Auf den westlichern Inseln, des stillen Meeres wo, vermöge des sanfteren Himmelsstrichs, die Kleidung als Bedürfnis betrachtet, wegfällt, verhüllt man blos diejenigen Theile, die, vermöge einer allgemeinen Uebereinstimmung, bey allen Völkern verdeckt zu werden pflegen In der englischen Ausgabe von Cooks neuester Reisebeschreibung hat man daher ganz unrichtig der Figur des Mallikolesen eine Draperie gegeben, die ihr gar nicht zukommt. . Nur scheint die Erfindung deren sich die Männer hiezu bedienen, eben nicht die glücklichste zu seyn. Jedoch, an unsern alten Rüstungen, imgleichen an den Kleidertrachten des 15ten und 16ten Jahrhunderts, vermißt man ja, in diesem Punkt, die Delikatesse eben so sehr. Ob bey jener seltsamen Bedeckung wirkliche Begriffe von Anständigkeit und Schamhaftigkeit zum Grunde liegen, oder ob es bloße Vorsorge ist, sich vor Verletzung an Dornen, Aesten, oder gegen Insekten zu schützen? entscheide ich nicht. Ist das erstere, so gehen diese Begriffe doch nur daß reifere Alter an, denn bey eben diesen Völkern laufen die Knaben ganz nackend umher, und alle Mädgen unter acht Jahren, haben keine andre Bedeckung als eine Schnur um den Leib, an welche vorn und hinten ein kleiner Strohwisch befestigt ist. Merkwürdig ist es hiebey, daß man, bey so gänzlicher Entbehrung der Kleidung, demohngeachtet auf Schmuck und Zierrathen bedacht ist. Der Feuerländer beschmieret sich das Gesicht mit röthlicher Ockererde; der Tannese legt abwechselnde Streifen schwarzer und weißer Schminke auf, welche in schräger Richtung über das Gesicht laufen, und aus seinem Haar dreht er unzählig viel Zöpfe, die nicht dicker als eine Rabenfeder, und mit Fäden von der Rinde einer Art Glockenwinde (Convolvulus) umwickelt find. Dieser Kopfputz hatte ein sehr seltsames Ansehen. Fast durchgehends durchbohren diese Völker die Ohren, um Ringe von Schildkrötenschale darin tragen zu können. In Neukaledonien und der Osterinsel erweitert man dieses Loch in den Ohren so sehr, daß vier bis fünf Finger bequem durchgesteckt werden konnten und die Läppchen beynah bis auf die Schultern herabhiengen. Man dehnte diese ungeheuren Oefnungen vermittelst aufgerollter Blätter des Zuckerrohrs, oder zerrte sie mit ungeheuren Ringen, deren wir zuweilen achtzehen gezählt haben, gewaltsam auseinander. Die Einwohner der freundschaftlichen Inseln durchbohren das Ohr mit zwey Löchern, durch welche sie, in horizontaler Richtung, ein Stück Bambusrohr, oder einen Cylinder von Schildkrötenschale, oder von Muschelschalen stecken. Auf Malllkolo und Tanna durchbohren verschiedene Männer den Nasenknorpel (Septum) und füllen die Oefnung mit einem hindurchgesteckten cylindrischen Steine aus. Die Männer giengen mit entblößtem Haupte, die Weiber hingegen wickelten entweder ein Blatt von der Aronswurz oder Drachenwurz ( Arum esculentum, Dracontium pertusum ) oder sie banden eine Schnur, oder eine Binde um den Kopf. In Neukaledonien trugen viele Mannspersonen hohe, walzenförmige schwarze Mützen, die aus gespaltenem Bambusrohr und Kokosfasern geflochten waren, und ihnen ein kriegerisches Ansehen gaben. Der Gebrauch, den Körper mit feinen Stichen zu punktiren, und in die Stiche Kohlenstaub oder Ruß einzureiben, ist mehreren Völkern im Südmeere gemein. In eben dem sanften Klima zwischen den Wendekreisen, haben die mehr gesitteten Taheitier eine bequeme und zugleich zierliche Kleidung gewählt. Der untere Theil des Leibes bis an die Waden, wird in ein oder mehrere Stücke ihres, aus Maulbeerrinde verfertigten, Zeuges gewickelt; und den obern Theil bedeckt ein andres Stück, welches in der Mitte, der Länge nach, einen Einschnitt hat, wodurch man den Kopf steckt. Hiemit sind die Schultern, der Oberarm, Rücken und Brust bedeckt. Bisweilen hängt das Oberkleid ganz frey, bisweilen wird ein langer Streif Tuch, gleich einer Schärpe, drüber gewickelt. Die Bewohner der freundschaftlichen Inseln haben blos dieses letztere beybehalten, und das Oberkleid, welches von seiner Oefnung in der Mitte, auf Taheitisch, Tiputa heißt, ganz weggelassen. Auf der Osterinsel und in den Marquesas wird das nämliche Zeug verfertigt; allein die ganze Kleidung wird blos bey Feyerlichkeiten gebraucht, wenn ihre Vorgesetzten, und die Weiber geputzt erscheinen; das übrige Volk gürtet nur ein ganz kurzes Tuch um die Lenden. Unter allen Bewohnern der Südländer sind die Einwohner der Societätsinseln die reinlichsten. Bey den Vornehmern wird diese Liebe zur Reinlichkeit ziemlich weit getrieben. Sie baden sich Morgens und Abends, entweder in einem Bache, oder im Seewasser, letztern Falls waschen sie sich jedesmahl noch in frischem Wasser ab, um alle Salztheilchen abzuspülen. Auch waschen sie ihre Hände vor und nach dem Essen. Kämme von allerley Art waren ihnen sehr willkommen, um sich vom Ungeziefer zu befreyen, wozu sie sich vordem unter einander behülflich waren. Sie salben ihr Haar auch mit Kokosöl, theils in der Absicht der Vermehrung dieser Thiere Schranken zu setzen, theils wegen des Wohlgeruchs der diesem Oehle zuvor mitgetheilt wird. In allen niedrigen Eilanden, imgleichen in den freundschaftlichen Inseln, wo es an frischem Wasser gebricht, reinigen sich die Einwohner nicht so sorgfällig, und vielleicht entstehen aus dieser Ursache die häufigen Hautkrankheiten und der Aussatz, die wir an ihnen bemerkten. Die Insulaner der neuen Hebriden und die Neukaledonier sind wiederum etwas reinlicher, indem das frische Wasser dort nicht selten ist; wir wurden auch gewahr, daß sie sich Mühe gaben das Ungeziefer zu vertilgen. Auf den freundschaftlichen Inseln schneiden sich die Männer den Bart, vermittelst zwoer scharfen Muschelschalen, kurz ab. Wenigstens erinnere ich mich nicht, auf allen diesen Inseln einen einzigen mit langem Barte gesehen zu haben Herr Hodges, der Maler, der die Reise mitmachte, hat daher gegen das costume sehr verstoßen, indem er bey der Landung auf der Insel Middelburg, lauter langbärtige Männer ner gezeichnet, und mehrere Figuren von Haupt zu Füssen lange, fast griechische, Gewänder gekleidet hat, ohnerachtet die dortigen Einwohner, vom Gürtel aufwärts, nackend gehen. Um eine so schöne Composicion ist es schade, daß sie nicht Wahrheit genug hat, da bey Vorstellungen dieser Art, die eine Reisebeschreibung erläutern sollen, die Wahrheit Hauptsache ist, und keinen eingebildeten Idealen aufgeopfert werden darf. Omne tulit punctum qui miscuir otile dulci. Diese Zeichnung ist für Capitain Cooks englischer Reisebeschreibung in Kupfer gestochen. . Das Haar ist bey den Einwohnern der Südländer durchgehends schwarz, und fällt in schönen natürlichen Locken von dem Scheitel herab; es wird aber mehrentheils kurz geschnitten. Etliche Männer von Bolabola waren die einzigen die langes Haar trugen. Unter den äußerlichen charakteristischen Verschiedenheiten der Völker im Südmeere, ist die Sprache nicht die unbemerklichste, oder uninteressanteste. Ohne mich hier auf etwas weitläuftiges und vollständiges einzulassen, wozu bey so vielen verschiedenen Mundarten, eine vollkommene Kenntniß gehören würde, kann ich gleichwol nicht umhin, einige algemeine Bemerkungen vorzutragen. Am besten erlernten wir diejenige Sprache welche auf den Societätsinseln gesprochen wird, indem nicht nur unser Aufenthalt daselbst länger als in andern Inseln dauerte, sondern weil auch die Sammlungen von Wörtern, welche auf den vorigen Reisen gemacht worden waren, nebst dem Vortheil des längern und vertraulichern Umganges mit dem Insulaner Maheine, der acht Monate lang unser Gefährte war, uns dieses Studium vorzüglich erleichterten. Alle andre Mundarten konnten wir nur auf eine sehr unvollkommene Art verstehen. Indeß spricht man auf Ostereiland, auf den Marquesas, den niedrigen, den Societäts- und freundschaftlichen Inseln, wie auch in Neuseeland, einerley Sprache mit sehr unbedeutenden Abweichungen. Dagegen sind die Sprachen in den neuen Hebriden, in Neukaledonien und in Neuholland gänzlich von einander, und von jener allgemeinen Sprache, verschieden. Nach angestellter Vergleichung zwischen den Vocabularien in Schoutens und Le Maires Reisebeschreibung, und den Wörtern die wir auf den freundschaftlichen Inseln gesammlet hatten,«rgiebt sich, daß man auf letztern, so wie auf den mehr Nordwärts gelegenen Hofnungs- Verräther-, und Kokos- Eilanden völlig einerley Mundart spricht. Könnte ein einziges Wort, in einem Reisebeschreiber aufbehalten, hier etwas gelten, so würde ich dieselbe Sprache auch auf Tschikayana G.Dalrymples Collection of Voyages, I. p. 159. seinem vier Tagereisen von Taumako entlegenen Eilande vermutheu, denn Quiros berichtet, daß dort die Hunde Ti-Kuri hießen, die man auf den freundschaftlichen Inseln te-Ghurri nennt. Auf den neuen Karolinen Inseln sogar, heißt der klagende Gesang, der ein Zeitvertreib der Weiber ist: Tongher-ifaifil; und eben das würde der Neuseeländer oder der Einwohner der freundschaftlichen Inseln mit Tanghi-fefeine ausdrucken; Laute, die sich nicht so unähnllch sind, daß man es nicht wagen dürfte, auf eine Verwandschaft der Sprache zu schließen Des Broffes, Hist. des Navig. aux Terres australes. Vol.II, p.482 ! eben so scheint auch die Sprache von Tschikayana mit der Tagalischen aus der Insel Lüzon, (einer von den Philippinen) verschwistert zu seyn, denn in der letztern heißt Daquilla oder taquila, gros; und mit eben diesem Beyworte nannten die Tschikayauer die größern Muscheln (vermuthlich Chama Gigas) um sie von den gewöhnlichen 1 S. P. juan de Noceda, y el P. Pedro de S. Lucar, Vocabulario de la Ligua Tegala. Manila 1754 fol. Darymle's Collect. i. 149. kleinern zu unterscheiden. Die Sprache der Tagalas, welche mit der Malayischen, wie sich aus der Vergleichung leicht ergiebt, unstreitig verwandt ist, mußte folglich auch verschiedene Worte mit der taheitischen gemein haben; und in sofern bestätigt diese Uebereinstimmung, meine vorhin geäußerten Ideen über die Wanderungen der Malayischen Abkömmlinge. Die Sprache von Taheiti und den Societätsinseln, hat keinen zischenden Laut, und folglich werden auch, aus Mangel der Uebung, ihre Sprachwerkzeuge unfähig irgend einen solchen Laut hervorzubringen. Jedes Wort, ja jedwede Sylbe des Taheitischen, endigt sich auf einen Selbstlauter, und aus diesem Grunde mußten die Einwohner, so oft sie einen europäischen Namen nachsprechen wollten, der auf einen Consonanten ausgieng, allemal noch einen Vokal anhängen. Diese Menge der Vokalen, giebt der Sprache Wohlklang und einen sanften Character. Für den Zischlaut, so wie für jeden andern Consonanten der ihrem Ohr nicht weich genug tönte, substituirten sie einen, der in der Aussprache leichter war: für Solander sagten sie Tolano ; für Banks, ta-Bane , für Cook, Tute , und für Georg, Teori . Bey solcher Menge von Vocalen mußten Diphtongen und verschiedene Accente angebracht werden, um die Töne zu vervielfältigen, und um diese kleinen oft kaum merklichen Unterschiede zu fassen, mußte das Ohr angestrengt mithin das Gehör sehr fein werden; denn oft giebt ein gar geringer Unterschied der Aussprache einen sehr wesentlichen des Sinnes: wie z.B. äi essen; eäi beywohnen; Eiya , Fische, aiya stehlen oder plündern; oiyo eine Meerschwalbe ( Sterna flolida ); Ewài Wasser; àwai der Fuß; Ahaù ein Kleid, oder Zeug; àhu , ein unreiner Wind; Eu die Brüste; Uri der Hund, Yuri ein Nagel, E-Ure , die Ruthe. Die Sprache, wie sie in Taheiti gesprochen wird, ist harmonisch und männlich; in Huaheine aber hatten viele Einwohner die Gewohnheit, alles in einem singenden Tone zu sprechen, und auf den freundschaftlichen Inseln war eben dieser Ton noch gewöhnlicher, hauptsächlich bey Personen des andern Geschlechts. Die taheitische Sprache ist nicht ohne alle Kultur, sondern setzt bereits einen Ansang von Aufklärung voraus. Nicht nur Gestirne, einzelne Sterne, Bäume und Kräuter, sondern auch jedes Insekt, jeder Wurm, jede Art Muscheln, Fische und Vögel, die ihre Insel hervorbringt, hat einen eignen Namen; nicht blos die äussern Theile des menschlichen Körpers, sondern auch die inneren, die ohne anatomische Oefnung nicht bekannt werden konnten, werden mit besondern Namen bezeichnet. Den Zwischenraum von etlichen Tagen berechnen sie, wie die alten Britten und andre Nordische Völker, nicht nach der Anzahl der darin enthaltenen Tage, sondern der Nächte. Blos an das Sinnliche gewöhnt, können sie abgezogenen Begriffe keine eigne Ausdrücke widmen; so nennen sie die Gedanken Parau-no-te Obu , d.i. Worte aus dem Bauch Obu heißt allerdings der Bauch, allein wahrscheinlich hat das Wort auch eine allgemeinere Bedeutung, und soll überhaupt soviel heißen, als das Inwendige. G. F. ; ein Geitziger heißt Tahata - Pipirri oder Piripiri , wobey sie die Begriffe von Zusammenziehung, Enge, und Verkleibung, welche das Pirri ausdruckt, allegorisch anwenden. Ein freygebiger Mann heißt Tahata-uhworoa , wörtlich, der Mann von Gaben. Einigen Reichthum der Sprache verrathen folgende Beyspiele: der Kopf des Menschen heißt Upo , der Kopf eines vierfüßigen Thiers oder eines Fisches beißt Omi ; und der eines Vogels Poaarahau . Der Schwanz des Hundes heißt Airo , eines Vogels Hòbe , eines Fisches Iterre . Die letztere Benennung ist merkwürdig, weil sie den Gebrauch ausdruckt, wozu der Schwanz der Fische dient; denn Ehoe-Watirra bedeutet das Ruder eines Kanots, und zu eben diesem Behuf braucht der Fisch seinen Schwanz. Personen männlichen Geschlechts heißen Tane , weiblichen Waheine ; männliche Thiere aber, Fische, Vögel, u. s. f. heißen Ouni , und weibliche òhwa . Europäer, die an mannigfaltige abwechselnde Geschäfte sowohl als an Vergnügungen aller Art gewöhnt sind, würden das einfache Leben der Insulaner in den Südländern ein höchst ermüdendes und ungenießbares Einerley nennen. Sie stehen mit der Sonne auf, und dieselben Stücke Zeuges, die ihnen des Nachts zur Decke dienen, wickeln sie bey Tage um den Leib. Ihr erster Gang ist in den Fluß, oder ins Meer, um sich zu baden. Hierauf folgt das Geschäft des Tages; entweder gehen sie, wenn es Ebbezeit ist, auf die Riefe um zu fischen, oder in den Maulbeerpflanzungen zu graben, und sie mit Muschelsand zu düngen; oder Brodfrucht zu pflücken, und den sauren Teig daraus zum Vorrath auf jene Jahrszeit, wenn keine Früchte auf den Bäumen sind, zu bereiten. Bald steigt einer die Berge hinan, um in den höhergelegenen Thälern, eine last von großen Pisangs oder Plantanen ( horfe-plantanes ) zu sammeln; bald hölt er einen Baum zum Kahne aus, oder näht verschiedene Planken desselben mit Schnüren aus Kokosfasern zusammen. Ein andermal pflanzt er Pisangschossen, und umringt einen jeden mit Pflöcken, damit weder die Thiere, noch die Kinder etwas daran verletzen mögen. Er verfertigt Fischangeln, und Fischleinen, die letzteren aus Graßfasern; er dreht Stricke von verschiedener Art und Dicke, aus Kokosfasern und andern Materialien; er macht sich eine Lanze, eine Keule, einen Brustschild, eine Schaufel für den Kahn, ein Ruder, oder sonst ein Werkzeug, das entweder im Kriege oder im Frieden gebraucht wird. Gegen Mittag, nimmt er mit gewaschenen Händen sein einfaches Mahl zu sich, welches entweder aus Brodfrucht, oder aus dem sauergegohrnen Teige derselben besteht, der in kleinen Laibern auf erhizten Steinen gebacken wird. Sein Bruder, oder vielleicht sein Sohn, ist sein Tischgenosse, indes die Frau, mit der übrigen weiblichen Familie in einer andern Ecke der Hütte ihren Antheil verzehrt, oder so lange wartet, bis die Mannspersonen ihre Mahlzeit geendigt haben. Der gewöhnliche Trank ist frisches Wasser; zuweilen auch Seewasser. Zum Beschluß der Mahlzeit werden wiederum die Hände gewaschen; und wenns alsdenn mit der angefangenen Beschäftigung keine große Eile hat, so bleibt der Mann in seiner Hütte; oder, je nachdem er sichs Vormittage hat sauer werden lassen, erholt er sich auch wohl durch eine kleine Mittagsruhe. Erst am kühlern Abende setzt er mit neuen Kräften seine Arbeit, bis gegen Sonnenuntergang, fort; alsdenn aber folgt wieder eine kleinere Mahlzeit und das letzte Waschen, worauf er sich, in Ermanglung eines weicheren Bettes, auf einer Matte hingestreckt, und, mit seinen Kleidern zugedeckt, der Ruhe überläßt; es sey denn daß er etwa für besser gethan fände, mit Fackeln auf die Riefe hinaus zu gehn und Fische zu fangen. Grausamkeit gegen Fremde bemerkt man bey den Völkern nur in dem Maaße, als sie roh und ungesittet sind. Bey den Einwohnern der Inseln im Südmeere zwischen den Wendekreisen zeugte ihr ganzes Betragen von Freundschaft und Menschenliebe. Sie empfingen uns bey dem ersten Anblick unsrer Schiffe auf die beste, herzlichste Art, und würden, meines Erachtens, den Angrif auf Capitain Wallis nie gewagt haben, wofern nicht eine Beleidigung, die vielleicht wider Wissen und Willen der unsrigen vorgefallen seyn mochte, Gelegenheit gegeben und sie zur Rache gereizt hätte. Wer kann wissen, ob sie nicht von den Engländern, die freylich ihre Sprache damals noch nicht verstanden, Genugthuung gefordert, und, erst nachdem sie eine Fehlbitte gethan, sich selbst Recht zu verschaffen gesucht haben? Auf andern von uns besuchten Inseln, wo man von der Würkung des Schießgewehrs so wenig Begriffe als ehedem auf O-Taheiti hatte, begegnete uns demohngeachtet jedermann sehr freundschaftlich; und was noch mehr ist, nachdem die Engländer auf den Marquesasinseln einen Menschen erschossen, auf Ostereiland einen verwundet, auf Tongatabu einen mit dem Boothaken in den Leib gehakt, auf Namoka und Mallikolo auch einen verwundet, und auf Tanna wieder einen ums Leben gebracht hatten, blieben die Einwohner gleichwol unsre guten Freunde, da es ihnen doch ein leichtes gewesen wäre, wäre, unsere einzelne Partheien abzuschneiden, und nach dem Recht der Wiedervergeltung zu behandeln. Wir hatten nicht Gelegenheit die Art, wie sie einen Verbrecher bestrafen, mit anzusehen, doch erzählten sie uns, daß Diebe entweder gehenkt, oder, vermittelst eines an die Füße gebundenen Steins, ersäuft würden. In keinem Falle findet man bey ihnen Spuren von wilder Grausamkeit. Im Kriege ist, nach dem ersten Angriff, alles vorüber. Wahrscheinlicherweise machen sie in ihren Schlachten keine Gefangene; oder, wenn sie ja jemand gefangen nehmen, behandeln sie ihn nicht auf eine harte, oder unmenschliche Art; sie machen ihn nicht einmal, im orientalischen Sinne, zum Sklaven, geschweige daß sie ihn zu schweren Arbeiten anhalten sollten, wie es die europäischen Völker mit so vielen Tausenden von Negersklaven gemacht haben, die nach den Kolonien eingeschift worden sind. – Ein einziges Beyspiel von Grausamkeit, welches ihnen zur Last gelegt werden könnte, ist die Verheerung der Provinz O-Parre, nach der letzten Schlacht die, zwischen den Einwohnern der beyden Halbinseln, auf der Landenge vorfiel. Unsere Bekannten unter den Insulanern versicherten, daß damals die Einwohner der kleinern Halbinsel, oder Tiarrabu, alle Häuser und Kanots in O-Parre verbrannt, und alle Schweine aus der dortigen Gegend weggeführt hätten Die Verheerung her Provinz Paparra, durch eben diese Einwohner der kleinen Halbinsel, zu der Zeit als O-Ammo (der O Burea Gemahl) abgesetzt ward, muß noch weit fürchterlicher gewesen seyn, denn O-Aheatua der König von Tiarrabu soll die meisten Kokosbäume und andre Pflanzungen haben vernichten lassen, so daß aus dieser Provinz, die ehemals der Garten von Taheiti war, jetzt die ärmste Gegend der Insel geworden ist. G. F. . Allein, die Grausamkeiten der europäischen Truppen, die, so gleichgültig gegen ihren Nebenmenschen und so erpicht auf Beute, plündern, sengen und brennen, wo es nur angeht, sind Beweises genug, daß unser Welttheil hierin keinen Vorzug vor jenem hat. Die Einwohner von Borabora hatten vor unserer Ankunft die Inseln O-Raietea und O-Taha erobert und ans den Ländereyen einiger Einwohner, die aus gedachten Inseln entflohen waren, halten sich verschiedene Erihs und Krieger von der siegreichen Parthey niedergelassen; dies ausgenommen war alles im vorigen Stande geblieben. Den Königen der unterjochten Inseln hatte man nicht nur ieben und Freyheit, sondern auch einen Bezirk geschenkt, und ihnen alle Ehrenbezeugungen ihres vormaligen Standes gelassen. Die höchste Gewalt abgerechnet, hatten sie also wenig verloren. Giebt es wohl in Europa Beyspiele einer solchen Mäßigung? Gegen Fremde waren sie allerdings weniger gewissenhaft; denn, so strenge der Diebstahl unter ihnen geahndet wird, und so gut sie wußten daß sie Unrecht thäten, pflegten sie uns doch ohne Bedenken alles zu entwenden, was ihnen unter die Hände fiel. Indessen kann die Macht der Versuchung sie gewissermassen entschuldigen; denn für Kinder der Natur, wie sie sind, mußte der Reiz der Neuheit unserer Waaren unwiderstehlich seyn, und leicht alle Bedenklichkeiten überwinden. Gesetzt aber sie hätten sich besinnen können, so mußte ja für sie der Gedanke: – es sind nur Fremde; was haben sie hier in unserm Lande zu schaffen? sie haben ja des Dings so Viel! – im Augenblick der stärksten Versuchung mehr als hinreichend seyn, ihnen den Diebstahl gegen uns zu erlauben. Daß sie bey aller ihrer Gastfreyheit dennoch gegen Fremde zurückhaltender als gegen Einheimische sind, wird man ihnen hoffentlich nicht verdenken; auch haben sie diese Sitte mit allen Inselbewohnern gemein, bey denen die Kultur noch nicht den höchsten Gipfel erreicht hat So hießen auch die Britten ehedem inhospirales Britanni. – Uebrigens ist der Vorzug den jede Nation ihren eignen Landsleuten vor andern giebt, nichtsweniger als Vor urtheil; er ist Gesetz der Natur. Allein die Aufklärung reißt Dornsträuche und Weinstöcke, Vorurtheile und Gefühle zugleich aus, und dann weicht die liebe Mutter Natur – den Franzosen. G. F. Unter dem Pöbel giebt es, auch in den Südländern, ungezogene Leute, die sich Grobheiten u. d. gl. erlauben. Ich habe bereits vorhin erwähnt, daß sie sich zuweilen mit den Fäusten schlagen, oder bey den Haaren raufen, sie bedienen sich auch noch ausserdem verschiedener Schimpfwörter, wie z. B. Tauna, Weheine- hwa-aturi, Aiya, Tahata-taiwa, Due-duai, Tahata-pipirri, u. v. m. Unter die Folgen des Ueberflusses an Lebensmitteln und andern Dingen die das Leben versüssen, zählt man bey allen Völkern mit Recht eine Vermehrung der sinnlichen Begierden, deren Reiz immer stärker wird, und zuletzt über alle Schranken des Wohlstandes hinaus geht, wenn nicht zeitig Maaßregeln getroffen werden, ihm Einhalt zu thun. Der Reichthum der Societätsinseln, und vorzüglich der Insel Taheiti, welche von den benachbarten Insulanern durchgängig für die reichste anerkannt wird, hat natürlicher Weise auf ähnliche Art gewürkt. Anfangs, da man noch in jedem Erih einen Helden, oder einen ganz vorzüglich tapfern Kriegsmann verehrte, war vermuthlich ihre Anzahl noch gering. Allein, in einer so fruchtbaren Insel, wo diese oberste Klasse von Menschen das Vorrecht nichts zu thun, und sich vom Fette des Landes zu mästen, genoß, mußte in kurzer Zeit ihre Anzahl dergestalt anwachsen, daß der klügere Theil der Nation, die Regenten der Provinzen, und endlich der ganze Staat, ihre Menge der gemeinen Sicherheit für gefährlich hielten; eine Besorgniß, die vielleicht dadurch gerechtfertigt ward, daß dieser große Schwarm wohlgenährter Faullenzer schon wirkliche Unruhen zu erregen anfieng. Ihr Uebergewicht mochte um so viel furchtbarer seyn, je mehr man sich scheute bey dem Volke die Ehrfurcht für seine Oberhäupter zu vermindern, und doch befürchten mußte, gegen Leute, die auf ihre Leibeskräfte trotzten, ohne Gewalt nichts ausrichten zu können. Sie waren aber auch in einer andern Hinsicht der Wohlfahrt des Staates nachtheilig. Auf allen jenen Inseln, erzeigt man dem verheiratheten Frauenzimmer große Achtung, und gestattet ihnen einen gewissen Einfluß sowohl in öffentliche als in häusliche Angelegenheiten; ja, sobald der Erbe einer Familie gebohren ist, verliert gewissermassen der Vater selbst von seinem eigenen Ansehen. Bewegungsgründe genug für junge begüterte Männer von Range, den Ehestand zu hassen, und, statt dessen, die heftigen Naturtriebe, denen die wirksamere Sonne einen neuen Stachel lieh, auf eine leichtere und ungezwungnere Art zu befriedigen, und ein Geschlecht, welches von demselben Feuer brannte, zu verführen. Es gieng freylich auch hier mit dem Sittenverderb nur allmälig, nur von Stufe zu Stufe; in den früheren Zeiten konnten dergleichen Beyspiele von Ausschweifungen nicht anders als selten seyn. Indessen war das Uebel immer groß genug, um ein Gegenstand allgemeiner Berathschlagung zu werden. Waren Kinder die Folgen jenes Umganges zwischen unverheiratheten Personen, so war es nicht immer möglich den rechten Vater zu bestimmen, den sie beerben sollten, wenn gleich so viel ausgemacht blieb, daß sie von Erihs gebohren, selbst aus diesen Titel Anspruch hätten, und folglich eine Klasse von Menschen vergrößerten, die ohnehin schon viel zu zahlreich, zu mächtig und zu unruhig war. Die Provinzial-Erihs, und die verständigsten Männer im Volke, die, bey allen diesen bedenklichen Umständen, doch nicht in Abrede seyn konnten, daß eben diese Klasse ihrer Mitbürger als die tapfersten Krieger, nicht zugleich die wahren Beschützer des Staats wären, mußten endlich desto leichter auf den Gedanken gerathen, sie gleichsam in einen Orden zu vereinigen, worin ihnen, als den Vertheidigern des Vaterlandes, zwar die größten Vorrechte, und die größten Ehrenbezeugungen zugestanden, hingegen die Ehe, und aller vertraute Umgang mit dem Frauenzimmer untersagt werden sollten, damit eines Theils die häuslichen Freuden ihr Herz nicht ganz gewinnen, andern Theils aber auch durch wollüstige Ausschweifungen weder ihr kriegerisches Feuer gedämpft, noch der Körper entnervt werden mögte. Eine solche Gesellschaft, welche Errioy genannt wird, besteht in der That noch jetzt in jenen Inseln; doch ist sie von ihrer ursprünglichen Einrichtung etwas abgewichen. Es giebt dort keine Art des Vorrechts, worauf man sich mehr zu gute thut, als auf das Vorrecht eines Errioy G. Forsters Reise, 2ter Band, S. . Sie sind durchgehends Krieger. Sobald ein fremder Errioy, aus einer andern Gegend oder Insel, sich sehen läßt, wird er, vom ersten Errioy der ihm begegnet, auf das freundschaftlichste empfangen; sie wechseln Kleider und andre Geschenke, und der Fremde wird mit unbegränzter Gastfreyheit bewirthet. Zu festgesetzten Jahrszeiten reisen die Errioys von einer Insel zur andern; bey diesen Gelegenheiten bringen sie den Tag mit Schmausen zu, wobey ein Ueberfluß der herrlichsten Speisen verpraßt wird, und die ganze Nacht hindurch ergötzen sie sich theils mit Musik und Tänzen, welche im höchsten Grade wollüstig seyn sollen, theils in den Armen einiger unzüchtigen Dirnen. Wir sahen an einem Tage mehr als siebenzig Kähne von Huaheine nach Raietea hinüberschiffen, worin an sieben hundert Personen beyderley Geschlechts, auf ein solches Fest reisten. Als wir bald hernach die Insel Raietea selbst besuchten, hatten sie bereits die östliche Küste, wo sie zuerst gelandet waren, verlassen, und befanden sich nunmehr auf der Westseite, wo jedes Haus gepropft voll Menschen lag, und überall eine Menge Speisen von den Weibern zubereitet ward; unter andern wurden bey diesen Feyerlichkeiten Fische, Hüner, Schweine und Hunde verzehrt. Des Nachts konnten wir vom Schiffe aus sehen, daß ihre Wohnungen erleuchtet waren, und sehr oft hörten wir auch die Trommeln, welche bey ihren dramatischen Tänzen gebraucht werden. In einigen Tagen wollten sich diese Errioys nach O-Taha verfügen, und von da erst nach Borabora hinüberschiffen, ehe sie an die Rückkehr dächten. Solchergestalt müssen über diesen Lustbarkeiten mehrere Wochen verstreichen. – Ihr ausschweifender Umgang mit dem andern Geschlecht mußte aber bisweilen die Folge nach sich ziehen, daß ihnen, wider die Absicht des Verbots, Kinder gebohren wurden, zumal seitdem einige Errioys so sehr ausgeartet sind, daß sie sich eine ordentliche Beyschläferin halten, ohngefähr wie die Mohamedaner eine Frau auf eine Zeitlang heirathen Chardin, Voyages, Vol.2. p.261.263. de Pedit. in 12.1711. Amsterdam. . Die weise Absicht, der allzu starken Vermehrung der obersten Klasse Einhalt zu thun, würde folglich ohne ein zweytes Gesetz vereitelt worden seyn, vermöge dessen die etwanigen Kinder der Erioys, gleich nach der Geburt, ums Leben gebracht werden müssen. Boba der oberste Erih von O-Taha, war ein Errioy , und seine Maitresse Teinamai , die bey unserm zweyten Besuch auf jenen Inseln, schwanger von ihm war, erzählte uns selbst, daß ihr Kind im Augenblicke der Geburt erstickt werden müsse. Gewohnheit und Gesetze haben dieser unmenschlichen Handlung ihre Sanktion ertheilt. Völker, denen die Ausübung einer höhern Tugend, wie das Christenthum sie lehrt, ganz unbekannt ist, haben nur gar zu oft eine sittliche oder auch bürgerliche Tugend der Sicherheit des Staats, oder eingebildeten Uebeln, oder noch schlimmer, der Erhaltung eines kriegerischen Geistes, aufgeopfert. So schickten die Spartaner ihre Jünglinge aus, um Heloten zu ermorden, oder ihre Nachbaren zu bestehlen. Traurig ist es, daß dergleichen gräßliche Auftritte die Folgen des Ueberflußes und der Wollust, unter einem Volke sind, welches sonst so menschenfreundlich und gutmüthig ist. Der Ueberfluß an Lebensmitteln hat in jenen Inseln noch eine andre nachtheilige Würkung auf die oberste Klasse, oder die Erihs , gehabt; ich meyne ihre bereits erwähnte Gefräßigkeit. Die Quantität von allerley Speisen, welche diese wohlgenährten Faullenzer verschlingen können, ist beynah unglaublich. Vermuthlich sind auch die verschiedenen Zubereitungen der Naturprodukte, nebst einigen Tunken, welche dort üblich sind, blos in der Absicht erfunden worden, um ihren Gaumen zu kitzeln, und die Eßlust noch mehr zu schärfen. Für eben diese Klasse von Menschen giebt es auch ein berauschendes Getränk, welches aus dem Saft und Aufguß einer Pfefferwurzel bereitet wird. So unterscheiden sie sich auch in ihrer Kleidung, haben eine ansehnliche Garderobe die an Eigenschaften und Farben der Zeuge verschieden ist; ja, sie wechseln oft damit um. Das feinste, weisseste und weichste Zeug ist die gewöhnliche Kleidung der vornehmsten Personen; und die Frauenzimmer dieser Klasse tragen ein Unterkleid von dünnen dunkelbraunem Zeuge, welches ganz mit wohlriechendem Kokosöl parfümiert ist. Auch kommt es den Vornehmeren allein zu, roth und gelb gefärbte Tücher zu tragen. Die Trägheit der Vornehmen geht bisweilen sehr weit; denn, zu geschweigen, daß ihre Tautaus ihnen fast immer aufwarten, ihre Speisen zubereiten, ihnen Wasser holen, u. d. gl. so lassen sie sich auch bisweilen von ihnen füttern, oder das Essen in den Mund stopfen. Den ganzen Tag bringen sie mit Nichtsthun zu; denn abgerechnet daß sie sich zuweilen baden, liegen sie die meiste Zeit auf einer Matte hingestreckt, und den Kopf statt eines Kissens auf einen kleinen hölzernen Schemel gelehnt. Ihre ganze Arbeit besteht in Besuchen, die sie etwa bey ihren Freunden oder Verwandten ablegen, und in allerley Anschlägen ihre sinnlichen Begierden zu befriedgen. In dieser letzteren Absicht schwärmen sie auf ihrer Insel herum, und wissen fast auf eben die Art als die Einwohner gesitteter Länder, die Unschuld der schönen Jugend zu berücken. Hievon ist folgendes ein sehr auffallendes Beyspiel. Im Jahr 1774, als wir von O-Taheiti nach Huaheine und Raietea segelten, hatte sich ein Mädchen, welches auf der letzteren Insel zu Hause gehörte, mit uns in Taheiti eingeschift. So wie wir uns ihrer Insel näherten, äusserte sie einige Besorgniß, daß ihre Aeltern sie derb für ihre Unart züchtigen würden, indem sie ihnen vor anderthalb Jahren mit einem jungen Errioy S. oben. entlaufen wäre. Dieser hatte sie in der Folge verlassen, so daß sie auf der Insel Taheiti, wo sie sich bey der Mutter des Erib Tutahah aufhielt, mit Verfertigung des Zeuges aus Maulbeerrinde, und durch den Umgang mit jungen Mannspersonen ernähren mußte. In der letztern Absicht war sie auch an Bord des Schifs gekommen, doch, nachdem sie sich mit ihren Aeltern ausgesöhnt hatte, begleitete sie die Errioys die nach O-Taha reiseten, und kam nach einigen Tagen wieder auf ihre Insel zurück. Eine unschuldigere Sitte, welche unter diesen Insulanern ziemlich allgemein ist, ist das Reiben der ermüdeten Glieder, wenn man viel gegangen ist, oder irgend eine anstrengende Arbeit verrichtet hat. Theils verhindert dieses Reiben eine zu schleunige Erkältung, theils wird dadurch das Gleichgewicht zwischen den Muskeln, von denen einige immer mehr als andre angestrengt werden, wieder hergestellt, und der sonst ans jener Ungleichheit entstehende Krampf ebenfalls verhindert. Der ganze Körper gewinnt neue Stärke, und wird durch diese Operation so sehr erquickt, daß es meine Erwartung übertraf Die Chineser halten sehr viel auf eben diese Operation. S. Osbecks Reisen. (engl. Ausg. 1. 231.) Bekanntlich ist dieses Reiben auch in den Bädern der Morgenländer üblich, wo es so weit getrieben wird, daß der Operirte den Empfindungen die es erregt, beynah unterliegen muß. Ein Umstand, den mir Herr Lockyer , der Zahlmeister des Ostindischen Schiffs Ceres erzählte. S. G. Forsters Reise I. 353. . Wenn wir auf unsern botanischen Excursionen, nachdem wir einen beträchtlichen Weg zurückgelegt hatten, uns niedersetzten um auszuruhen, und einige Erfrischungen zu uns zu nehmen, so vergassen die Einwohner (der Societätsinseln und die von Taheiti) niemals unsere müden Aerme und Füsse zu reiben und sanft zu drücken, so wie sie, bey ähnlichen Gelegenheiten, sich unter einander eben diesen Dienst leisteten. Ich darf diesen Abschnitt nicht schliessen, ohne von der Achtung zu sprechen, die man bey diesen verschiedenen Völkern dem andern Geschlechte bezeugt; denn der Werth den die Männer auf ihre Weiber setzen, hat auf ihre Kultur und Moralität großen Einfluß. Es ist allgemein wahr, daß, je tiefer ein Volk in Barbarey und Wildheit versunken ist, desto übler behandelt es das weibliche Geschlecht. Im Feuerlande müssen die Weiber die Miesmuscheln und Schnecken, als ihre vorzüglichste Nahrung, von den Felsen lesen. In Neuseeland müssen sie die Wurzeln der eßbaren Farrenkräuter ( Pteris efculenta , und Polypodium medullare ,) einsammlen, Essen kochen, den Flachs bereiten und Kleider daraus verfertigen, die Netze zum Fischen stricken, mit einem Worte, unaufhörlich arbeiten, indeß ihre gebieterischen Männer ihre Zeit meist mit Nichtsthun hinbringen. Doch dies sind ihre kleinsten Beschwerden; denn sie vertreten nicht nur die Stelle der Sklaven, sondern dürfen nicht einmal ihre unbändigen und muthwilligen Knaben in Gegenwart des Vaters züchtigen, wenn sie auch mit Steinen nach den Müttern werfen, oder sich gar unterstehen, dieselben zu schlagen. Sie sind, in den Augen des Wilden, blos zur Befriedigung seiner thierischen Triebe da; daher werden sie auch nicht besser als Lastthiere gehalten, und dürfen keinen eigenen Willen haben; ein unleugbarer Beweiß, von dem natürlichen Hange den schwächern zu unterdrücken, der bey Menschen, die bis zur Wildheit ausgeartet sind, die stärkste Triebfeder der Handlungen ist Et Venus in sylvis jungebat corpora amantum, Conciliabat enim vel murua quemque cupido, Vel violenta viri vis atque impensa libido. LUCRET . 1.5. Auf den Inseln Tanna, Mallikolo und Neukaledonien , ist das Schicksal der Weiber nicht viel leidlicher. Zwar haben wir nicht bemerkt, daß sie von ihren eigenen Kindern gemißhandelt wurden; allein Lastthiere blieben sie immer, denen das Schwerste und Mühsamste von allen häuslichen Arbeiten anheim fällt. Indessen lenkt die Vorsehung auch diese traurige Lage des andern Geschlechts, da wo sie statt findet, vielleicht zum Besten der ungesitteten Völker; vielleicht verursacht der Druck worin sie leben, daß die Entwicklung der Fähigkeiten, und Verstandskräfte bey ihnen zuerst anfängt. Ihre Nerven sind feiner und reizbarer, folglich macht alles um sie her einen lebhafteren und schnelleren Eindruck auf sie; die Eigenschaften und Verhältniße der Dinge begreifen sie am ersten, prägen sie ihrem Gedächtniße besser ein, und lernen daher leichter die Werke der Natur nachzuahmen, und auf ihre Bedürfnisse anzuwenden. Hiezu kommt noch, daß sie von Jugend auf dem Willen der Männer gehorsam seyn müssen, folglich den kühnen Schwung der Leidenschaften zu mäßigen gelernt haben; bey ihnen ist stilles Nachdenken, Sanftmuth und Bestreben zu gefallen, oder wenigstens nur leidliche Begegnung zu erhalten, an die Stelle brausender Hitze gekommen; und müssen diese nicht mit der Zeit den rauhen Wilden selbst erweichen, und ihn von einer Generation zur andern für die Morgenröthe der Kultur bereiten? Barbarische Völker betrachten die Weiber als ihr Eigenthum; und dies gieng in Neuseeland so weit, daß Väter oder nahe Verwandte die Gunstbezeigungen ihrer Frauenzimmer an unsere Matrosen verhandelten. Wenn das schuldlose Opfer vom Vater in die finstern Gemächer des Schiffs geschleppt, und dort aller Thränen ungeachtet, der viehischen Begierde des Liebhabens übergeben ward, dann pflegten wir uns zu fragen, wer von beyden der ärgere Wilde sey? Die Unwissenheit alles dessen was Gesetz , ja was Gefühl heißt, entschuldigt am ersten die tyrannische Herrschaft des Barbaren über sein Weib. Wenn er ihr den Umgang mit andern Männern verbietet, und die Übertretung dieses Verbots mit grausamer Strenge bestraft, so ist nicht ein Begrif von Liebe und Zärtlichkeit, von Schamhaftigkeit oder Feinheit, – nein, blos der Begrif des Eigenthumsrechts ist schuld daran; denn aus eben dem Grunde liefert er selbst das Weib dem Fremden, so bald er ein Equivalent das ihm ansteht für jede Umarmung bekommen kann. Auf O-Taheiti, den Societäts und freundschaftlichen Inseln, ungleichen auf den Marquesas, herrscht zwischen beyden Geschlechtern weit mehr billige Gleichheit und aus diesem einzigen Umstande erhellet schon, wie weit es diese Insulaner jenen Wilden und Barbaren in der Cultur zuvor gethan haben. Die Bildung der taheitischen Schönen, ihr holdes Lächeln, ihr sanfter und feuriger Blick, vereint mit aufgeweckter Laune, lebhaftter Einbildungskraft, mit ungewöhnlich reizbarem Gefühl, Sanftmuth und Gefälligkeit, mit Einfalt und Offenherzigkeit, dies alles macht schon Eindruck auf der Männer Herz, und sichert dem Frauenzimmer einigen Einfluß in öffentliche und häußliche Geschäfte. Wir fanden auch die Weiber in O-Taheiti allgemein geschätzt; sie kommen in alle Gesellschaften, und sprechen mit jedermann ohne Einschränkung; solchergestalt werden beyde Geschlechter an sanftere Sitten gewöhnt, und das Bestreben zu gefallen verfehlt selten seines Zwecks. Gesänge, Tänze, Scherz und laute Freude fesseln vollends den Jüngling, und so entstehen Bündnisse, die nur der Tod aufheben kann – – – fuit haec sapientia quondam – – – – – – – concubitu prohibere vago, dare jura maritis. HOR. in ART. POET. Bey den großen Schritten zur Vervollkommung welche diese zuletzt angeführten Insulaner bereits gethan haben, ist es merkwürdig daß noch ein Zug übrig geblieben ist, der von einer ehemaligen schlechteren Behandlung des andern Geschlechts zu zeugen scheint. Alle jene Völker, die das weibliche Geschlecht zur Arbeit verdammen, zwingen auch ihre Weiber von ihren Herren abgesondert zu essen Labat sahe einen Neger allein speisen, und erst nachdem er satt war, seinem Weibe und Kindern erlauben sich ebenfalls zu sättigen. Valentyn bemerkte ebenfalls, daß die Weiber in Amboyna ihren Männern währender Mahlzeit aufwarten, und hernach allein essen. Die Wilden in Guiana lassen ihre Welber auch nicht mit essen, und bey den Karalben dürfen sie nicht einmal in Gegenwert ihrer Männer essen. Labat, voy. en Amerique . . Eben dieser Gebrauch ist auch bey den Tahetiern, und den Einwohnern der benachbarten Inseln, allgemein eingeführt, ohne daß man einen andern Grund als das Herkommen, dafür anzugeben wußte. Unter den Völkern der Südländer ist die Monogamie, so weit wir bemerken konnten, allgemein üblich. Es gab zwar Beyspiele unter den Vornehmen, daß einer einen Liebesroman mit einem von den vielen Mädchen spielte, die allzeit bereit waren solche Anbeter zu befriedigen: allein, daß ein verheirathetes Frauenzimmer die Ehe gebrochen hätte, habe ich nie gehört. Es möchte manchem auffallen, daß, da die Vielweiberey, theils in heissen Ländern, theils unter Barbaren die ihre Weiber als eine Waare ansehen, im Schwange geht, – daß sage ich, die Polygamie, demohngeachtet, weder in den Societätsinseln, wo das Klima so heiß, der Luxus bereits so hochgestiegen, und die Einwohner zugleich so wollüstig sind, noch in Neuseeland, und den westlicher gelegenen Inseln, wo man die Weiber weniger schätzt, üblich ist. Allein diese Ausnahme gründet sich theils auf die sanfteren Sitten des weiblichen Geschlechts in diesen Inseln, theils auch auf das gleiche Verhältniß welches dort zwischen der Anzahl von Personen von beiden Geschlechtern statt findet, und endlich auf die geringe Schwürigkeit sich von einer Frau scheiden, und eine andere heirathen zu können. Von dergleichen Ehescheidungen wurden uns mehrere Beyspiele bekannt. O-Ammo , der Gemahl der berühmten O-Purea (Oberea) hatte, da wir Taheiti besuchten, eine andere Gemahlin; und die Geschichte sagt, daß es der O-Purea ebenfalls nicht an Leuten gefehlt habe, die den Ehemann bey ihr spielten. Potatau hatte Wainiau geheirathet, und seine erste Frau Polatehera von sich gelassen, die nunmehr mit einem Erih, Namens Maheine , aus Raietea, lebte. Um aber auf die Monogamie zurück zu kommen, so muß ich gestehen, daß das gewöhnliche Argument für dieselbe, nämlich die Behauptung, daß von Kindern männlichen und weiblichen Geschlechts eine fast gleiche Anzahl geboren werden, meines Erachtens bey weitem noch nicht erwiesen ist; ich meyne, daß jenes übereinstimmende Verhältniß nicht in allen Ländern und Himmelsstrichen statt findet. Vielmehr scheint es ausgemacht, daß, z. B. in Afrika, das Klima, die Nahrung und das uralte Herkommen der Vielweiberey, durch die Länge der Zeit eine beträchtliche Ungleichheit zwischen der Zahl der Manns- und Frauenspersonen zuwege gebracht habe; dergestalt, daß jetzt gegen einen Knaben wahrscheinlich etliche Mädgen geboren werden. Bey Thieren hat man schon die Anmerkung gemacht, und wahr befunden, daß das Junge, mit dem stärksten und hitzigsten der beiden Aeltern, einerley Geschlechts ist, daß z. B. ein hitziger Hengst, in seinen besten Jahren und in voller Kraft, mehr männliche als Stut-Füllen zeugt, im Gegentheil aber, daß die Stut-Füllen zahlreicher fallen, wenn der Hengst nicht so hitzig als die Stuten, und durch öfteres Bescheelen erschöpft ist. Wendet man diese Beobachtung auf den jetzigen Zustand von Afrika an, so findet man offenbar, daß die Männer, durch die daselbst übliche Vielweiberey, im äußersten Grade entnervt seyn müssen; die Weiber hingegen, denen ein Theil der ehelichen Pflicht entzogen wird, desto feuriger bleiben, mithin nothwendigerweise mehr Mädchen als Knaben geboren werden müssen. Dieses Raisonnement ist durch Thatsachen aufs vollkommenste bestätigt; indem alle Reisende einstimmig bekennen, daß die Polygamie oder Vielweiberey bey allen afrikanischen Völkern durchgehends üblich ist Oldendorp (in den Nachrichten der Mährischen Mission auf den Caraibischen Inseln, St. Thomas, St. Croir und St. Johannes, Barby 1777 8. S. 293 des ersten Theils) sagt: die Polygamie ist bey allen Stämmen der afrikanischen Neger eingeführt; nur die von Kongo, welche getauft und im Christenthum unterrichtet sind, begnügen sich mit einem Weibe. Lord Kaimes aber (in seinen Sketches of the history of man I. 197) behauptet, daß die Vielweiberey unter den christlichen Einwohnern von Kongo eben so wie bey den heidnischen im Schwange geht. An ein einziges Weib gebunden seyn, hält der eifrigste Christ daselbst für etwas höchst unvernünftiges; und ehe er sich so einschränken liesse, würde er lieber dem Christenthum entsagen. ; und kein einziger Schriftsteller merkt an, daß es auch Männer gebe, die deswegen ganz leer ausgiengen; vielmehr heißt es, daß ein jeder Mann eine oder mehrere Frauen hat Bosmans Beschreibung der Küste von Guinea S. 180. 181., wo er noch ausdrücklich bemerkt, daß die Anzahl der Frauenspersonen die der verheiratheten Weiber weit übersteigt. . Wenn ein Volk bey dem die Polygamie im Schwange ist, an einweibige Nationen gränzt, so bleibt der Fall möglich, daß die überzähligen Weiber, die jenes Volk braucht, theils mit List, theils mit Gewalt, oder durch den Handel, von den Nachbaren geholt werden können; allein, dieser Ausweg findet in Afrika nicht statt, denn dort ist die Vielweiberey bey allen Völkern durchgehends eingeführt, mithin muß ohnfehlbar eine größere Anzahl von Mädgen als von Knaben gebohren werden. Unter den Colonisten am Cap der guten Hofnung, die nur eine Frau heirathen, bemerkte ich gleichwohl, daß die Zahl der Kinder weiblichen Geschlechts, sowohl in der Stadt als auf dem Lande, bey weitem die stärkste war. Klima und Nahrung können vielleicht etwas dazu beytragen; allein die Hauptursach ist wohl in den Ausschweifungen der Jünglinge zu suchen. So viele Sklavinnen aus Madagaskar, Bengalen, Java, den Moluckischen Inseln, und von der Küste von Papua, geben Veranlassung zu einem frühzeitigen, unordentlichen Umgange, der die Männer, noch vor der Ehe, erschöpft. Kein Wunder also wenn die Töchter der Colonie, unter dem milden Einfluß des Klima, bey der gesunden reichlichen Nahrung, und der Ruhe von allen anstrengenden Beschäftigungen, deren sie genießen, ein stärkeres Temperament behalten und deshalb in der Ehe wieder Töchter gebären. – Auch in Schweden will man in den späteren Jahren unsers Jahrhunderts mehr weibliche als männliche Geburten gezählt haben. – Im Königreiche Bantam Lord Kaimes Sketches of the history of. Man.I 179. , sollen gar zehn Mädgen gegen einen Jungen geboren werden. Alles bisher angeführte beweiset wenigstens, daß man billig mehr Beobachtungen über diesen wichtigen Gegenstand anstellen müßte. In unserm Welttheil ist jenes Verhältniß ganz anders, denn die genauesten europäischen Sterbelisten beweisen, daß die Anzahl der männl. und weibl. Geburten, sich im Ganzen beynahe gleich ist, ja daß auf hundert weibliche, hundert und fünf männliche Geburten gezählt werden müssen. In Asien ist eine solche Berechnung noch nicht angestellt worden. Vielleicht hat in der That die üble Gewohnheit mehrere Weiber zu nehmen, nach einem langen Zwischenraum von Jahrhunderten, die Ordnung der Natur in jenen heißen Ländern umgekehrt, indem die Männer immer mehr und mehr an Kraft verloren haben. So wäre also die Monogamie für einen Welttheil, und für einen andern die Polygynie nothwendig geworden. In Ostereiland herrscht, aller Wahrscheinlichkeit nach, die Vielmännerey (Polyandrie). In den ältesten Zeiten, hat man von den medischen Weibern behauptet, daß sie mehrere Männer zu gleicher Zeit gehabt hätten, und daß eine, die nur fünf Ehemänner hatte, noch übel weggekommen wäre Strabo Geogr. L. XI. p. m. 362. . Unter den alten Britten hielten zehn bis zwölf Männer zusammen nur eine Frau Caesar de bello Gall. Lib. V. . An der Küste von Malabar haben die Damen von Stande die Freyheit so viel Männer, als sie immer wollen, zu heirathen Dellon's Voyage part. I CHAP. XXXII. . Im Königreiche Tibet, vereinigen sich, den neuesten Nachrichten zufolge In den Philos. Transact. , mehrere Männer, besonders aber Brüder oder Verwandte, um gemeinschaftlich eine Frau zu unterhalten; sie schützen dabei vor, daß es in ihrem Lande an Frauenspersonen fehle. So seltsam und wiedernatürlich diese Gewohnheit seyn mag, so gewiß existirt sie doch, und hat vermuthlich mehrere Localursachen zum Grunde. Die Zahl der Weiber muß in den an Schina, Indien und die Bukarey angränzenden ländern abnehmen, denn sie werden dort in großer Anzahl entführt, weggestohlen, oder verhandelt. Zuletzt bleibt den Männern nichts übrig, als sich zur Polyandrie zu bequemen. Die Osterinsel hatte, da sie 1722 von Roggewein zuerst entdeckt ward, viele tausend Einwohner Dalrymple's Collection of Voyages . Vol. II. p.91. et 112 . Im Jahr 1770 fanden die Spanier dort ohngefähr 3000 Seelen Dalrymple's Letter to D. Hawkesworth. London . 410. 1773 pag.34 , wir hingegen, im Jahr 1774, kaum 900 Capt. Cook's Voyage towards the Southpole and round the World Vol.I.p. 289, sagt: »die Einwohner dieser Insel scheinen sich auf nicht mehr als sechs bis siebenhundert Seelen zu belaufen, und über zwey Drittheile von denen, die wir zu Gesicht bekamen, waren männlichen Geschlechts.« Die Disproportion zwischen beyden Geschlechtern war gewiß weit beträchtlicher. Capt. Cook war damals kränklich und schwach, und begleitete daher die Parthey, welche die ganze Insel durchwanderte nicht selbst. Ich bin überzeugt, daß sie in ihren Häusern keine Weiber versteckt hatten, und eben so überzeugt, daß ich nicht über fünfzig Weiber in allem gesehen habe. Da diese Insulaner nichts weniger als eifersüchtig sind, so ist es schlechthin unwahrscheinlich, daß sie ihren Weibern etwa verboten haben sollten, während unserer Anwesenheit zum Vorschein zu kommen. . Diese allmälige Verminderung der Einwohner ist auffallend; noch auffallender aber war es, daß wir unter diesen 900 in allem nicht mehr als 50 Weibspersonen sahen; folglich die Zahl der Weiber gegen die Männer auf dieser Insel sich wie 17 zu 1 verhielt. Dieses seltsame Verhältniß, muß, meines Erachtens, erst kurz vor unserer Ankunft entstanden seyn, weil sonst in kurzer Zeit beide Geschlechter durch den Tod wieder ins Gleichgewicht würden gebracht worden seyn. Die Insel hat auch in der That die unleugbarsten Spuren aufzuweisen, daß unterirrdische Feuer und Erdbeben ehemals heftige Veränderungen auf derselben angerichtet haben müssen, und eben dadurch mag denn die Menge der sonst zahlreichern Einwohner vermindert worden seyn. Was mich zu dieser Vermuthung noch mehr berechtigt, ist, daß Capitain Davis, im Jahr 1687, nicht fern von dieser Insel, zur See ein heftiges Erdbeben verspürte. Auch in O-Taheiti sind Erderschütterungen wenigstens bekannt, und man nimmt sogar eine eigne Gottheit, Nahmens Mauvi an, welche die Aufsicht und Verwaltung darüber haben soll. Wie es aber zugegangen, daß durch ein Erdbeben auf der Osterinsel das weibliche Geschlecht so besonders vermindert worden sey, das läßt sich leicht aus der jetzigen Bauart der Einwohner erklären, die sehr oft ihre Wohnungen unter der Erde anlegen, und selbige blos mit losen, über einander gelegten Steinen unterstützen. Ereignete sich nun ein heftiges Erdbeben zu einer Zeit am Tage, da viele Männer ihrer Geschäfte wegen im Freyen waren, so wurden, durch den plötzlichen Einsturz ihrer armseligen Hölen, nur die Weiber verschüttet, und die wenigen, die etwa damals auf dem Felde waren, allein gerettet, um Mütter einer künftigen unglücklichen Nachkommenschaft zu werden. Es ist wahrscheinlich, daß diese wenigen Weiber jetzt viele Männer hatten; daher trugen sie auch an Bord unsers Schiffs kein Bedenken, ihre Gunstbezeugungen mehreren Liebhabern nacheinander zu gestatten. Wofern dieser zügellose Umgang mit allerley Männern die Fortpflanzung nicht gänzlich aufhebt, so mögte man hier gerade das Gegentheil, von dem was in Afrika geschieht, zu gewarten haben, und die Zahl der männlichen Geburten dürfte die der weiblichen weit übersteigen. Allein, man weiß es bereits aus dem Beyspiel der unglücklichen Geschöpfe, die sich in unsern Gegenden der sittenlosen Menge überlassen, daß die Absicht der Natur dadurch vereitelt wird. Die südländischen Völker leben also, bis auf die Einwohner von Ostereiland, in der Monogamie, ohnerachtet sie von indianischen Stämmen entsprossen sind, bey denen fast durchgehends die Vielweiberey eingeführt ist. Ein sicherer Beweis, daß die, der Natur und den Wegen der Vorsehung gemäße Monogamie, unter jenen Insulanern nicht durch besondere Weisheit oder durch ein tugendhaftes Gefühl bey ihnen eingeführt worden ist; sondern, daß die ersten Ankömmlinge wahrscheinlich aus einer gleichen Zahl von Männern und Weibern bestanden, die sich in eben diesem Verhältnis vermehrten, welches letztere auch, auf einer kleinen Insel, ohne Gewaltthätigkeiten nicht auszuarten pflegt. Wer, bey so bewandten Umständen dieses Verhältniß überschreiten, und mehrere Weiber heirathen wollte, der würde die Rechte anderer Männer dadurch beeinträchtigen und ein solches Vergehen wider den Staat könnte, auf einer kleinen Insel, nicht lange ungeahndet bleiben. Vor der Ehe, sind die jungen Mädchen in O-Taheiti und den nahgelegenen Inseln, eben nicht sehr gewissenhaft im Umgang mit ihren Liebhabern. In andern Ländern wäre die geringste Zweydeutigkeit dieser Art hinreichend, sie auf immer aller Aussicht zu berauben; dort hingegen denkt man anders. Ist ein Kind die Folge, so wird aus einem Liebeshandel eine ordentliche Ehe; wo nicht, so fällt doch auf das Mädgen kein Vorwurf, sondern sie ist, nach wie vor, eine annehmliche Partie Die Ausschweifungen dieser Art sind doch wahrscheinlich nicht so allgemein, wie man aus dem obigen vielleicht vermuthen dürfte. Wenn man die niedrigste Classe der Tautaus ausnimmt, die vielleicht dergleichen Gunstbezeugungen ihren Vornehmen nicht versagen dürfen, und allenfalls unter diesen noch die Mädgen abrechnet, die sich zu der wollüstigen Erriuysgesellschaft schlagen, so möchte bey den übrigen, ohne Bewilligung der Eltern, der Umgang zwischen jungen Leuten nicht so leicht statt finden. Daß sich Personen von Stande, (wie wir sie nennen würden,) mit unsern Reisegefährten auf einen vertrauten Umgang eingelassen hätten, ist, alte Weiber abgerechnet, ohne Beyspiel. – – – – – Iam proterva Fronte petet Lalage maritum dilecta. Horat. . Nach vollzogener Heirath aber halten eben diese Personen, mit unbestechlicher Treue und Keuschheit, auf ihre Pflicht. Zum Beschluß dieses Abschnittes muß ich noch eines hieher gehörigen seltsamen Umstandes erwähnen. Als wir uns zum zweitenmale in Raietea aufhielten, besuchte uns Boba, der oberste Erih von O-Toha, fast täglich. Einst, als er an Bord unseres Schiffes war, und seine Schwestern in einem Kahne ebenfalls auf das Schiff zu steuern sahe, zeigte er mir die jüngste, und verlangte, ich möchte, wenn sie aufs Verdeck käme, zu ihr sagen: Weheine-puwa, dies that ich, ohne zu wissen, was die Folge seyn könnte; sogleich hob die ältere Schwester der jüngeren die Kleider auf, und zeigte, daß sie - mannbar wäre. Nachdem sie diese Ceremonie zwey bis dreymal wiederholt hatte, wollte sie es nicht noch einmal thun. Ich erkundigte mich hierauf genauer nach der Bedeutung dieser Handlung, konnte aber nur soviel erfahren, daß es auf diesen Inseln eine Art von Unehre sey, noch nicht mannbar zu seyn, (oder wenn man es ist, nicht dafür gehalten zu werden). Sobald nun die Zeichen der Mannbarkeit vorhanden sind, müssen sich alle Mädgen zu einer äusserst schmerzhaften Operation bequemen, und breite, bogenförmige Streifen auf den Lenden einpunktiren oder tattauiren lassen. Diese schwarze Streifen werden als Ehrenzeichen angesehen; vielleicht weil es ein Vorzug ist, zur Fortpflanzung, tüchtig zu seyn. Wirft man daher einem Mädchen vor, daß sie diese Zeichen noch nicht besitze, so leidet es ihre Ehre nicht, den Spötter bey seiner irrigen Meynung zu lassen. Er muß durch den Augenschein überführt werden. Den Ursprung dieser seltsamen Gebräuche konnte ich nicht ergründen: begnügte mich also, vor der Hand, die Sache selbst wenigstens aufzuzeichnen Bey den Thraziern pflegte man über die Keuschheit der Jungfern eben nicht sehr zu wachen, vielmehr stand es ihnen frey, ihre Umarmungen zu gestatten, wem sie wollten. Dagegen bewachten sie ihre Weiber mit desto größerer Strenge, den diese hatten sie von ihren Eltern theuer erkauft. Punktirt seyn, war bey ihnen ein Zeichen des Adels, und nur der niedrige Pöbel war unpunctirt. HERODOT. Lib. V. c. 6. . Achter Abschnitt. Oeffentlicher und Privat-Unterricht. Ursprung und Fortgang der Manufakturen, Künste und Wissenschaften. Usus, et impigrae simul experientia mentis Paulatim docuit pedetentem progredientis. LUCRET. L.IV.p 14.51.52 Unsere Handwerke und mechanische Künste sind, so gut als unsere historischen und anderen Wissenschaften, Resultate der Beobachtungen und Erfindungen vieler tausend Menschen, die, zu verschiedenen Zeiten und in weit von einander entlegenen Ländern, gelebt haben. Mit Recht könnte man sie, den gemeinschaftlichen Vorrath menschlicher Kenntnisse, nennen; einen Schatz, wozu einem jeden lehrbegierigen Menschen, hauptsächlich bey den gesittetern europäischen Völkern, der Zugang frey gestattet wird. Dieser unermeßliche Vorrath kann heut zu Tage nicht mehr von einem einzigen Menschen ganz umfaßt und durcharbeitet werden; wäre dieser auch das größte Genie. Der gegenwärtigen hohen Cultur in Europa ist es daher angemessener, die Menge dieser Kenntnisse, in mehrere Zweige vertheilt, auf die Nachwelt fortzupflanzen, und eine große Anzahl Menschen mit wissenschaftlichen Untersuchungen zu beschäftigen, indem man ihnen, nach den Umständen, die Wahl eines gewissen einzelnen Theils überlaßt. Jeder kleine Zweig der Wissenschaft hat, eben auf diese Art, nicht nur seinen jetzigen Grad der Vollkommenheit erreicht, sondern wird auch noch fernerer Entwickelung fähig. Die Erfindung der Schriftzüge und der Buchdruckerkunst bewahrt schon hinlänglich alle neue und nützliche Bemerkungen, Erfahrungen, Entdeckungen in jeder Wissenschaft vor gänzlicher Vergessenheit. Hätte das ganze Menschengeschlecht beständig als Wilde oder als Jäger in den Waldern verstreut umhergeirrt, oder im Hirtenstande sich mit großen Heerden weitläuftig ausgebreitet, so wäre die Sammlung, Vermehrung und gemeinnützige Anwendung eines solchen Vorraths von Kenntnissen schon nicht möglich gewesen. Noch mehr: der Anbau nützlicher Gewächse und namentlich der Kornbau ist die Hauptstütze, worauf die starke Bevölkerung unserer Länder, und die Vereinigung in große Gesellschaften sich gründet. Da nun aber viele Künste und Gewerbe, blos durch die Menge der Arbeiter, eine gewisse Vollkommenheit erreichen können, und die Abzweigung der Handwerke, in viele Unterabtheilungen, oft am sichersten auf ihre Vervollkommnung würkt; so ist unleugbar, daß nur zahlreiche Gesellschaften, in Ländern welche an Lebensmitteln und andern Erfordernissen Ueberfluß haben, vorzüglich dazu geschickt sind, große und wichtige Verbesserungen in der Lebensart zu entdecken, und alle Zweige der Künste und Wissenschaften mit glücklichem Erfolge zu kultiviren. Egypten, beglückt durch jährliche Ueberschwemmungen des Nils in seinen niedrigen Gefilden, ward früh ein Sitz des Ackerbaues. Man vergaß das Hirtenleben bald, man verabscheute es sogar; die Volksmenge wuchs zum Erstaunen heran, und mit ihr keimten und blühten mechanische Künste, allerley Handwerke und Wissenschaften auf, erhielten fort und fort neuen Zuwachs, und erweiterten den ganzen Kreis des menschlichen Wissens. Eine ähnliche Lage, der Länder um die Mündungen des Tigris und des Euphrats, war auch dort dem Ackerbau, den Handwerken, Künsten und Wissenschaften schon damals günstig, als die übrige Welt noch in Barbaren versunken lag. Eben solches Klima, und eben solche Lage, nebst demselben frühen Ackerbau, und dem nämlichen Fortgang in Künsten und Wissenschaften, finden wir an den Ufern des Sind und des Ganges in Indien, so wie am Hoanho und Jantsekian in Schina. Diese Beyspiele sind für die Richtigkeit jenes Satzes, hinlängliche Beweise. Fast auf die nehmliche Art läßt sich der Grad der Aufklärung in den Societäts- und freundschaftlichen Inseln erklären. Die Volksmenge ist daselbst beträchtlich, und zwang meiner Vermuthung nach die Einwohner zu fleißiger Vermehrung der Landfrüchte. Das sanfte Klima, die ausnehmende Fruchtbarkeit des Bodens, und die Vervollkommnung des Landbaues, befestigten ihre gemeinschaftliche Verbindung, und machten ihnen das gesellige Leben immer süsser; so mußte alles sich dahin zusammenfügen, daß die Künste, Begriffe und Grundsätze, worauf ihre Erziehung erbaut ist, leicht und vollständig auf die Nachkommen fortgepflanzt wurden. Daß die westlichem Inseln im stillen Meere, bey einem eben so glücklichen Himmel, hinreichender Fruchtbarkeit und ziemlicher Volksmenge, dennoch in der Kultur der Künste, so wie in wissenschaftlichen Begriffen weiter zurückstehen, habe ich bereits im vorhergehenden erwähnt, aber auch die Ursach dieses großen Unterschiedes bereits aufgesucht und namentlich in dem Umstande gefunden, daß die verschiedenen Stämme, von denen die zwey Menschenrassen in den Inseln des Südmeeres entsprossen sind, vermuthlich nicht in gleichem Maaße von ihren Voreltern einen Vorrath von Begriffen mögen beybehalten haben. Es bleibt uns folglich nur noch übrig, von dem Erziehungssystem dieser Völkerschaften selbst, etwas umständlicher zu sprechen. Was zur Nahrung, Kleidung und Wohnung gehört, oder eigentlich alle Begriffe die das erste Bedürfniß des Lebens, die Erhaltung, betreffen, werden den Kindern von ihren Aeltern natürlicherweise zuerst beygebracht. Da es hier noch keine erkünstelte Bedürfnisse giebt, sondern die vorzüglichste Beschäftigung der Einwohner blos auf jene drey Hauptsorgen abzweckt, so sind die Gewerbe auch noch in ihrer Einfalt, und nicht, wie bey uns, in mehrere Zweige vertheilt. Die hieher gehörigen Kenntnisse werden mit Recht für unumgänglich nothwendig gehalten, mithin einem jeden Kinde mitgetheilt. Jedes lernt also, wie es den Brodbaum,, den Pisangstamm, die Pamwurzeln, und andere Vegetabilien, am besten bauen soll; wie man am sichersten Fische fängt; es lernt die Jahrszeit, die Aetzung für jede besondre Art, und die Stellen kennen, wo sie sich am häufigsten aufhalten. Alle Arten von Seegewürmen, Schaalthieren, und hauptsächlich der eßbaren Fische, werden den Kindern gezeigt und genannt, und deren Eigenschaften, Nahrung, Strich, etc. gelehrt. Eben das geschieht bey den Vögeln; und nicht minder sorgfältig ist der Unterricht in Ansehung der Hunde- Schweine- und Hünerzucht. Auch werden den jungen Leuten die Namen aller wilden Pflanzen mitgetheilt, die irgend zu Lebensmitteln dienen oder sonst nützlich seyn können, dergestalt, daß man schwerlich einen Knaben von zehn oder zwölf Jahren dort antrift, der nicht von allen diesen Dingen vollkommen unterrichtet wäre. Der Anbau des Papiermaulbeerbaums, dessen Rinde zu Kleidungsstücken verarbeitet wird, erfordert die mehrste Sorgfalt; allein auch hierüber erhalten die jungen Mannspersonen hinreichende Belehrung, so wie anderntheils die Mädchen frühzeitig alle Handgriffe erlernen müssen, diese Rinde zu verarbeiten, die verschiedenen Zeuge daraus zu verfertigen, sie zu färben, imgleichen Matten und andre Kleidungsstücke zu machen. Vom niedrigsten Leibeignen bis zum obersten Befehlshaber im ganzen Lande weiß jedermann, welche Holzarten am besten taugen, um Häuser und Kähne zu bauen, was für Materialien zur Verfertigung der verschiedenen Werkzeuge gehören, kurz alles, was zur Errichtung einer Behausung, oder Zusammensetzung eines Boots mit dessen Zubehör, an Rudern, Masten, Stangen, Segeln, etc. erfordert wird. Die Jugend aus allen Ständen wird mit diesen und allen andern mechanischen Arbeiten die unter ihren Landsleuten üblich sind, so frühzeitig bekannt, daß sie durch Uebung es darin bald so weit als ihre älteren Lehrmeister bringt. Man möchte hier einwenden, daß dies alles, in Rücksicht auf Erziehung, doch nur für Kleinigkeiten zu achten sey. Allein, in dem Fall bedenkt man nicht, daß das Daseyn dieser Insulaner ja schlechterdings von ihrer Kenntniß der Pflanzen, Vögel, Fische, Muscheln, u. d. gl. abhängt, welche Land und Meer ihnen zur Speise darbieten. Auch ist diese Kenntniß an und für sich weitläuftig genug. Ich fand Gelegenheit, in Taheiti allein, 48 Namen eßbarer Fische aufzuschreiben; und Capitain Cook versicherte, daß die Zahl derer, die man daselbst auf seiner ersten Reise gesehn, und wovon man die Namen vernommen, sich auf 150 beliefe. Die Brodfrucht ( Artocarpus ) welche bey den Taheitiern Uru heißt, hat drey Spielarten, und jede derselben wissen die Einwohner durch einen eignen Namen zu unterscheiden; die erste mit schmaleren, tief eingeschnittenen Blättern ( foliis pinnatifidis ) und länglicher Frucht, heißt Maira ; die zwote, mit ebenfalls länglichter aber rauher, oder gleichsam schuppiger Frucht, Epatea ; und die dritte, ebenfalls mit länglichter Frucht, welche, von der Menge ihrer kleinen Warzen, gleichsam stachlicht ist, Tattara . Von dem Pisang ( Musa Sapienutm \& paradisaica ) zählen sie wenigstens dreyzehn Spielarten, jede mit einem besondern Namen, und ausserdem noch die große wilde Gattung, oder die sogenannten Plantanen ( horse-plantanes ). Von der Aronswurzel kultiviren sie zwo Gattungen, nämlich die gewöhnliche eßbare, mit bläulichten sammetähnlichen Blättern ( Arum esculentum LIN.) welche dort Tarro heißt, und die größere, mit glatten grünen Blättern, ( Arum marcrorhizon Lin .) auf taheitisch: Ape . Nächst diesen Kräutern pflanzen sie noch einen Baum, mit Apfelähnlichen Früchten, der bey ihnen e-Wih heißt, und mit den brasilianischen Myrobalan-Pflaumen ( Spondias ) die nächste Verwandschaft hat. Ein großer Baum, der, in einer faserigten Schale, einen Nußkern trägt, welcher im Geschmack mit Kastanien Aehnlichkeit hat, heißt bey ihnen Ratta ; es ist unser Inocarpus edulis . Der Jambusenbaum, der in den Ostindischen Inseln wohl bekannt ist ( Eugenia malaccensis LIN.), ist auf den Societätsinseln nicht selten; seine saftigen erfrischenden Früchte werden häufig gespeißt, und heissen e-Haya . Noch ein ansehnlicher Baum, den diese Inselgruppen mit Ostindien gemein haben, und der in den Moluckischen Inseln unter dem Namen Pandang bekannt ist Pandanus odorratissimus Lin. Suppl. 64.424 Rumph. Amboin IV.p. 139. t.74.81. Kaida Rheed. Hort.Malab. II.p.i.t.i. – 8. Athrodactylis spinosa Forst. Gen. plans. p: 149.tab. 75. , heißt auf O-Taheiti e-Hwara . Die Früchte desselben wachsen in großen Trauben, und haben, wenn sie reif sind, einen lieblichen Geruch. Ihr Geschmack war mir unangenehm und zusammenziehend, obgleich die Insulaner sie gern essen. Die breiten Blätter dieses Baums, werden getrocknet, und zum Dachdecken gebraucht. Die männliche Blüthe eben dieser Pflanze wird statt Puders auf den Kopf gestreut, und, wegen ihres süssen Geruchs, von den Vornehmen, unter dem Namen Hinanno , gebraucht, um sich wohlriechend zu machen. Die Banianen haben, um dieses Wohlgeruchs willen, den Baum aus Indien nach Yemen in das glückliche Arabien verpflanzt; der verst. Forskal , glaubte sogar, daß man in Yemen keine andre als nur männliche Stämme dieses Gewächses habe; diese heissen dort Keura , und jeder einzelne Blumenstraus davon, wird zur Stelle mit ohngefähr sechs Groschen bezahlt Forskal. Aegypt. flora-arabica , Havniae 1775. 4. pag. 172. . Die Morinda citrifolia Lin. hat in Taheiti den Namen e-Nonno , und im Nothfall essen die gemeinen Leute die Früchte dieses Baums. Die Wurzeln der Tacca pinnatifida , oder wie sie taheitisch heißt: Piha ; die des vielblättrigen Drachenwurz ( Dracontium polyphyllum ), dort Teweh genannt, die eines Saumfarrens ( Petris grandifolia? ) oder e-Narre , dienen oft zur Speise; jedoch die beyden letztern nur im Nothfall, der die Insulaner auch zwingt, zu Portulakblättern ( Portulaca lutea ) oder e-Aturi , zu Nachtschattenblättern, Puraheite , zu den Stängeln einer Boerhaavie ( Boerhaavia procumbens ) oder e-Nuna-nuna , ihre Zuflucht zu nehmen, und solche gebacken, oder eigentlich gedämpft, zu essen. Ausser diesen werden noch die süssen Batatten ( Convo!vulus Batatas ) oder Umarro , und die Yamswurzeln ( Dioscorea alata ) oder Uhwi , ordentlich angepflanzt, und gehören, in derjenigen Jahrszeiten wo die Brodfrucht aufhört, unter die besten Lebensmittel; der Kern in den Kokosnüssen, wird ebenfalls häufig gespeißt. Blos die Kenntniß der eßbaren Pflanzen setzt also schon eine ansehnliche Reihe von Benennungen und damit verknüpften Begriffen voraus; obgleich ich hier noch nicht alles aufgezeichnet habe, was auf jenen Inseln bisweilen zur Nahrung gebraucht wird. Auf den freundschaftlichen Inseln ist die Pompelmusfrucht ( Citrus decumanus Lin. ) häufig und heißt dort Molìa oder Morìa . In Mallikolo hat man Pomeranzen; in Tanna, zwo verschiedene Jambusenbäume, ( Eugenia Iambos , und noch eine), auch verschiedene eßbare Feigen; von einer Gattung werden sogar die Blätter, in einer Art von Pastete, welche aus Pisangfrucht und Pamswurzeln bereitet wird, gebacken. Die Katappnüsse, ( Terminalia Catappa ) und die Kerne der Sterculia Balanghas werden dort ebenfalls gegessen. In Neukaledonien endlich, kaut man noch die Rinde des Linden-Eibisches, hibiscus tiliaceus , welches mir aber eine elende Speise zu seyn scheint. Nächst den Lebensmitteln, betrift die zwote Sorge die Kleidung. In O-Taheili und den umliegenden Inseln, sind die Einwohner, was diesen Punkt betrift, gewiß am reichlichsten versorgt; allein, der Unterricht in allen Zweigen der dazu erforderlichen Kunst, ist daher auch etwas weitläuftiger und mühsamer. Sie haben dreyerley Kleidungsstücke: Die erste Art sind Zeuge aus Baumrinden verfertigt; die zwote, geflochtene Matten, und zur dritten rechne ich allerhand Zierrathen, für Personen von verschiedenen Ständen, die nur bey gewissen Gelegenheiten oder zur feyerlichen Begehung gewisser Cerimonien und gottesdienstlichen Gebräuche angelegt werden. Die Kunst das taheitische Zeug zu machen, begreift mancherley Kenntnisse und Handarbeiten in sich. Zuerst sind die Materialien verschiedener Art; die besten Zeuge werden aus dem Splint des Aaute , oder Papiermaulbeerbaumes, verfertigt. Zu dem Ende pflanzt man in gutem, fettem Erdreich, welches zuvor noch mit allerley Muscheln gedüngt wird, eine Menge junger Maulbeerstämme, und umgiebt die Pflanzung gemeiniglich mit tiefen Gräben, damit sie, weder von Menschen noch vom Vieh, beschädigt werden möge. Die jungen Pflanzen stehen regelmäßig in Reihen, etwa achtzehn Zoll auseinander; die Blätter und Aeste welche seitwärts ausbrechen wollen, werden abgeschnitten, damit der Hauptstamm stärker und gerader in die Höhe schießen könne. Sobald die Bäumchen einen Zoll im Durchmesser haben, und etwa sechs bis acht Schuh hoch sind; werden sie ausgerissen, Wurzeln und Aeste abgeschnitten, und die aus der Wurzel ausgewachsenen jungen Sprößlinge zu einer neuen Pflanzung aufgehoben. An dem geraden, Mittlern oder Hauptschoß, schlitzt man nun die Rinde der Länge nach auf und legt sie in fliessendes Wasser, unter ein mit Steinen belastetes Brett. Wenn hierauf die Fasern der Rinde im Wasser biegsamer, das Gummi welches sie verband, ausgelößt, und die in den Zwischenräumen enthaltene breyartige Substanz erweicht worden, so fangen die Weiber an, die Rinde im Wasser, oder nahe am Ufer, auf einem glatten Brett, welches schief liegt, zu kratzen. Eine dünne Muschelschaale ( Tellina Gargadia ) ist das Werkzeug, dessen sie sich hiezu bedienen. Während der Arbeit wird die Rinde oft ins Wasser getaucht. Die kleinen schmalen Streifen von Rinde, welche solchergestalt bereitet werden, legt man auf Pisangblätter sorgfältig neben einander, bis die bestimmte Länge und Breite des Stückes ganz beysammen, oder doch aller Vorrath von Rinde verbraucht ist. So bleibt die Masse eine Nacht hindurch liegen, und während derselben kleistern sich die feinen Fäserchen der Rinde, vermittelst des noch bey sich habenden Gummi so fest aneinander, daß, am folgenden Morgen, das Ganze, ein einziges zusammenhängendes Stück ausmacht, von welchem das Wasser theils abgedunstet, theils abgelaufen ist. Bey diesem Ausbreiten der Lagen von Rinde, wird viel Sorgfalt und Vorsicht erfordert, indem die Streifen nicht überall von gleicher Dicke sind, mithin an zu dünnen Stellen ausgebessert werden müssen. Hierauf trägt man diese großen Stücke Zeuges unter eine Art von Schoppen, der von den übrigen Wohnungen etwas abgelegen ist. Dort sehen sich die Weiber, zu beiden Seiten, eines langen viereckigten glatt behauenen Balkens, und schlagen, auf selbigem, das Zeug mit einem viereckigten langen Klöpfel von schwerem Keulenholze ( Caf. equifet ). An den vier Seiten dieses Schlägels sind, der Länge nach, Furchen, oder Hohlkehlen, eingeschnitten, deren Tiefe und Weite, aus jeder Seite des viereckigten Klöpfels, verschieden ist. Diejenige Seite nun, welche die gröbsten Hohlkehlen hat, wird zuerst gebraucht, und hernach mit den feinern das Klopfen fortgesetzt, bis das Zeug zum Gebrauch hinlänglich zubereitet ist; durch das Klopfen werden die Fasern noch genauer mit einander verbunden, dergestalt, daß, wenn das Zeug trocken geworden, es in der That ziemlich fest und dauerhaft ist. Dennoch muß man es für Regen in Acht nehmen, weil dieser das Gewebe wiederum aufzulösen pflegt. Einige Zeuge, welche man aus der besten und feinsten Rinde bereitet, müssen länger als die gewöhnlichen geklopft werden, wodurch sie ein zarteres und weicheres Gewebe erhalten, fast so schön als unsere Mousseline. Während dem Klopfen steht, neben jeder Arbeiterin, eine Kokosschale mit Wasser, womit sie von Zeit zu Zeit das Zeug bespritzt. Wenn ein Stück fertig ist, wird es sorgfältig gewaschen und gebleicht, um es weisser und weicher zu machen. Von diesem weichen Zeuge, auf taheitisch Hobu genannt, werden oftmals mehrere Schichten übereinander gelegt. Und mit einem Kleister, der aus den Wurzeln der Tacca pinnatifida gemacht wird; zusammengeleimt. Diese Schichten werden sodann durch abermaliges Klopfen, Reiben, Waschen und Erweichen noch fester zusammen verbunden, wodurch der Zeug zuletzt Flanellartig und weich wird, so daß er wirklich warme Kleidungsstücke abgiebt. Auf die nämliche Art kann auch die Rinde des Brodbaums zu Zeugen verarbeitet werden. Die Einwohner pflanzen davon, eben wie vom Maulbeerbaume, junge Sprößlinge an; streifen die Rinde ab, kratzen oder kämmen sie, breiten sie aus und klopfen sie eben so wie jene. Nur sind die daher erhaltenen Zeuge etwas gröber und heissen Tu-erru . Eine Art Feigenbäume, welche mit der Linneischen Gattung, Ficus indica , übereinkommt, und dort Ea-Uwa heißt, imgleichen eine zwote noch nicht beschriebene Art, ( Ficus aspera ) haben eine Zimmetfarbene Rinde, welche ebenfalls zu Zeugen verarbeitet wird. Die Zubereitung desselben ist nicht verschieden; das Zeug selbst aber, welches Ocra heißt, widersteht der Nässe besser als die vorhergehenden Arten, und wird deshalb sehr gesucht, auch hauptsächlich von den Vornehmen getragen, nachdem es zuvor wolriechend gemacht worden ist. Die Zeuge sind indeß, nicht allein wegen der Verschiedenheit der Materialien, sondern auch nach ihrer Farbe, und in dem Gebrauch der davon gemacht wird, verschieden. Alle Sorten desselben werden unter dem gemeinschaftlichen Namen Ahau begriffen. Ein Kleid für Frauenzimmer, welches mehrentheils von dem warmen Zeuge, Hobu , gemacht wird, heißt: Paruwai . Ein Stück, welches ohngefähr sechs Schuh lang ist, und in der Mitte, um den Kopf hindurchzulassen, einen, der Länge nach laufenden, Einschnitt hat, wird bey den Einwohnern Tiputa genannt. Diese Kleidung ist Personen beyderley Geschlechts gemein; der Kopf wird durch den Einschnitt gesteckt, und das Kleid hängt hinten und vorn, entweder ganz frey, bis an die Knie hinab, oder es wird noch ein anderes Stück über dasselbe, queer um den Leib, bis in die Gegend der Brust gewickelt. Ausserdem pflegen auch beyde Geschlechter ein schmales langes Stück dieses Zeuges, als einen Gürtel oder Unterkleid, zu tragen; bey den Männern heißt derselbe Marro, bey den Weibern Paréu. Rothes Zeug heißt e=Hwaayo; gelbes, Heàpa. Eine andre Gattung des gelben Zeuges, auf welchem, vermittelst eines in die Farbe getauchten Bambusrohrs, allerhand rothe Figuren gedruckt werden, wird Apäh genannt; eine braune, stark gegummte Art heißt: Puhwirri. Die Farben sind schön und hell, und würden Aufmerksamkeit verdienen, wenn sie dauerhafter wären. Die rothe Farbe wird nicht ohne Mühe bereitet. Man nimmt hiezu die kleinen Früchte einer Art von Feigenbäumen, ( Ficus tinctoria , bey den Einwohnern Matti) welche, so wie man sie abbricht, ein paar Tropfen eines Milchsafts geben. Diesen Saft sammelt man in reine Kokosschalen, und wenn ein hinreichender Vorrath beysammen ist, werden die Blätter des Etau oder Cordia Sebestena Lin. darin eingeweicht. Der Milchsaft zieht sich in diese Blätter hinein, und erhält dadurch die schönste Carmesinfarbe. Diese druckt man gelinde aus, seigert sie durch Kokosfasern und hebt sie zum Gebrauch auf. Statt der Cordia können auch verschiedene andere Pflanzen dazu genommen werden, z. B. Tahinnu, oder die Tournefortia sericea; Pohua oder die brasilianische Winde (Convolvulus brasiliensis) und e=Pua, oder eine Nachtschattenart Solanum repandum.) Der Milchsaft der kleinen Feigen, für sich allein, färbt gelb; die schönste gelbe Farbe aber bereiten die Einwohner aus dem Safte, welcher von den Blumenstielen des Pappel=Eibisches Hibiscus populneus LINN. besser, Thespesia populnea BANKS.) oder e=Miro, trieft; ein Aufguß von der Wurzel der Morinda cirrifolia , oder Nonno, giebt ebenfalls eine schöne gelbe Farbe; endlich erhält man eine solche Farbe auch vom Schönblatt Calophyllum inophyllum) welches die Taheitier Tamannu nennen. Eine kastanienbraune Farbe erhält man von einer Wolfsmilch, ( Euphorbia ) Pirri=pirri genannt, und die eingeweichte Rinde des Mehlblatts Aleurites triloba) oder Tutui, liefert eine harzigte Substanz, womit das braune Zeug, Puhwirri, wie mit Gummi, steif gemacht wird. Matten werden, theils zur Kleidung, theils zu Fußteppichen und Betten, theils auch zu Segeln gebraucht. Die zur Kleidung bestimmten Matten zieht man, entweder bey regnigtem Wetter oder beym Fischfang, an. Die Rinde des Purau, oder Linden=Eibisches, ( hibiscus ciliaceus ) wird zu sehr starken, dauerhaften Matten verarbeitet. Sie heißen, nach dem Baume wovon sie genommen sind, e=Puròa, und sehen fast so aus, als wenn sie aus grobem Flachs oder Hanf gemacht wären; bisweilen sind sie ziemlich fein, doch behalten sie jederzeit eine gewisse Härte oder Sprödigkeit. Die Art von Matten, welche e=Warau heißt, wird aus den Blättern eines Pandangbaumes ( Pandanus) ) geflochten. Die schönsten glänzenden, weissen Matten, unter dem Namen: e=Wanne, werden aus dem häutigen wohl zubereiteten Theile eben dieser Blätter, zuweilen aber auch aus einer Grasart, verfertigt. Wiederum eine andre, starke Art, wird aus Binsen gemacht, und heißt Moeya, eine Benennung die zugleich auf den Gebrauch abzielt den die Einwohner davon machen, indem sie auf diesen Matten schlafen. Mit dieser nahe verwandt, giebt es noch eine andre Sorte, welche oftmals schwarz gestreift oder in schwarz und weissen Feldern gesprenkelt ist, und zu Teppichen, desgleichen bey den dramatischen Vorstellungen, um darauf zu tanzen, gebraucht wird. Diese Art ist dreyßig bis vierzig Ellen lang. Die größte und gröbste Sorte aber heißt Hohorra, und wird von der Rinde eines Baumes gemacht, den ich nicht entdecken konnte. Diese Art, in einen eyrunden Rahmen gespannt, giebt das Segel (Eiya) ihrer Kähne ab. Die Taheitier und ihre Nachbarn wissen hiernächst auch noch allerhand geschmückte und zu besonderen Feyerlichkeiten bestimmte Kleidungen zu verfertigen. Wenn z.B. eine Person von gewissem Ansehen stirbt, so muß sich einer der nächsten Anverwandten in einen sehr seltsamen Habit vermummen. Es wird nicht überflüßig seyn, hier die verschiedenen Stücke dieses Anzuges zu beschreiben, damit man sich desto leichter einen Begriff von demjenigen Grade der Vervollkommnung machen könne, den diese Insulaner, in Künsten und Erfindungen, erreicht haben. Das erste Stück desselben, Ta=Upo, ist der Kopfputz. Dieser besteht aus einem Stück Matte, welches in kegelförmiger Gestalt zusammen gebunden, statt einer Mütze dient. An dasselbe klebt man ein Stück tahitischen Zeuges, welches die Ohren, den Hals und die Schultern bedeckt. Auf der Mütze selbst werden wechselsweise rothe, braune und weisse Streifen eben dieses Zeuges, der Queere nach, aufgeklebt; oben darauf kommt ein Kranz von dunkelgrünen glänzenden Taubenfedern, woran bisweilen noch kleine Sträusse von gelben oder gar rothen Federn, mit Kokosfasern umwunden, befestigt sind. Um diesen Kopfputz herum, gehet eine breite, aus zweyerley taheitischem Zeuge bestehende Schnur nebst einer Menge kleinerer Schnüre, welche aus der roth und schwarz gefärbten Rinde verschiedener Winden ( Convolvulor. ) geflochten werden. Der Habit selbst besteht aus mehreren Stücken; das erste dazu gehörige Stück ist: Pa-Tia, eine grosse Perlen-Austerschale, deren äußere rauhe Seite soweit abgeschliffen wird, daß die braune Farbe, welche drunter liegt und fast wie Schildkrötenschaale aussieht, zum Vorschein kommt. Diese Muschel ist am Rande mit vielen Löchern durchbohrt, welche zur Befestigung einer Franze, von glänzenden, dunkelgrünen, Taubenfedern dienen; indem letztere auf einem aus Kokosfasern geflochtenen Bande angebracht sind. In diese Besetzung steckt man noch eine große Menge langer Federn aus dem Schwanz des Tropikvogels ( Phaeton aetereus, ) welche, wie die Stralen aus einem leuchtenden Körper, immer weiter von einander abstehen müssen. An das Pa-Tia wird, unten, das Stirnblatt; Pa-Rae, vermittelst einiger Schnüre befestigt, und ist wiederum eine Muschel von eben der Art als die vorige, worinn ein sehr enger Ritz angebracht ist, damit derjenige der diese Maske trägt, hindurch gucken könne. Unter dieser folgt das Pa-Utu, ein dünnes schwarzes Brett, in Gestalt eines halben Mondes, welches ohngefähr drey Schuh in der Weite, und sechs bis 7 Zolle in der Höhe hält. Auf demselben sind fünf, von beiden Seiten polirte, Austerschalen befestigt, wovon die beiden äußersten, wie das Pa-Tia, wiederum mit Taubenfedern berändert sind. Von jeder dieser beiden Muscheln, hängt noch ausserdem eine 18 Zoll lange Quaste von Taubenfedern, welche Orro-orro heißt, herab. Am untern Rande des Brettes folgt das Hupa , eine Art von Schürze, oder Brustdecke, aus lauter kleinen Stücken Perlenmutter, welche anderthalb Zoll lang, zwey zehentheil Zoll breit, und, vermittelst eines kleinen Loches an jedem Ende, senkrecht übereinander aufgereihet sind. In einem solchen Hupa sind manchmal 15 bis 20 Reihen PerlenmutterstÜcke. Die Löcher in denselben werden mit Stücken von Muscheln, oder zugespitzten Knochen, eingebohrt; und wenn man bedenkt, daß alle diese Stücke durchaus gleich lang, und dergestalt befestigt seyn müssen, daß sie flach liegen; so wird man über die Geduld und Geschicklichkeit der Einwohner erstaunen, die, an einem einzigen Theile dieser Kleidung, 2000 und mehr kleine Stücke von gleicher Länge, Dicke und Breite, so bearbeiten können. Eben deswegen ist das Pa-Rae (welches auch das ganze zusammengesetzte Muschelwerk bedeutet,) bey ihnen im höchsten Werth, und wird nicht anders als um etwas äusserst schätzbares vertauscht. Alsdenn folgt der Ahau-aibu , ein Kleid mit dem Einschnitt, ( Ti-Puta ) von dickem Zeuge, (siehe weiter oben, Seite 387) welches, auf der Vorderseite, mit runden Scheiben von Kokosschalen, anderthalb Zoll im Durchmesser, reihenweise durchaus besetzt ist. Dieses Kleid wird über zwey andre, von eben der Art, angelegt, wovon das unterste von weissem oder rothem Zeuge das Breiteste, das andre aber schmäler und von braunerFarbe, hingegen das Ahau-aibu , (als das oberste,) das schmälste ist. Ein aus zweyerley Arten des taheitischen Zeugs gewundener, 1 1/2 Zoll dicker Gürtel, Nau-Kau , umschließt diese Kleider; über dieselben hängt ein Mantel über den Rücken frey hinab, und wird Ahau-Rupe genannt, weil er auswendig ganz mit Taubenfedern bedeckt ist, die an einem von Schnüren weitläuftig zusammen gestrickten Netzwerke, befestigt sind. Hiernächst hält der Vermummte in einer Hand eine Klapper, Teteh , welche aus zwey großen Perlenmutterschalen besteht, die seine Annäherung mit Lärm verkündigen. In der andern hat er den Payho , einen hölzernen Stab, der oben mit scharfen Hayfischzähnen besetzt ist, und womit diejenigen blutig geritzt werden, die den feyerlichen Umgängen des Leidtragenden nicht zeitig genug aus dem Wege gehen In Hawkesworths Geschichte der englischen Seereisen etc. Edition ln 410. 2. Bandes S. 234. Kupfert. 32., oder in 8vo. Band 3 Seite 550, und in der englischen Ausgabe von Coeks zweyter Reise 1ster Band. S. 185. Taf. 44. wird der Leidtragende in der Trauerkleidung abgebildet. Allein es muß bemerkt werden, daß die Federn des Tropikvogels nicht über das ta-Upo hinausgehen, und nie am Pa-Tia befestigt werden, wie Herr Hodges sie unrichtig gezeichnet hat. . Diese Kleidung ist unter allen Arbeiten, welche wir aus jenen Inseln sahen, am meisten zusammengesetzt, und erfordert daher, wenn sie nett und zierlich ausfallen soll, eine besondre Geschicklichkeit. Ein andrer besonderer Anzug ist, ferner, den vornehmsten Kriegsmännern bestimmt, wenn sie zur See in die Schlacht ziehen, und zu dem Ende, in den Kriegscanots, auf einem erhabenen Streitgerüste ihren Platz einnehmen. Zu dieser Kleidung gehört erstlich der Ahwau , oder Helm, eine hohe runde Mütze von geflochtner Arbeit, die fünf bis sechs Schuh hoch ist. An der Vorderseite ist sie (wie unsre Grenadiermützen es mit Blech sind) mit einer drey bis vier Schuh hohen Platte, ebenfalls von gestochener Arbeit, versehen, die oberhalb sich von dem Helme ab, und, mit breiterem etwas ausgeschweiftem Rande, vorwärts beugt. Dieses ganze vorderste Stück ist mit grünen glänzenden Taubenfedern dicht besetzt; zuweilen hat es auch einen oder mehrere Ränder von weissen Federn, und ist am äussersten Rande, allemal mit einer großen Menge Federn aus dem Schwanz des Tropikvogels, in einer strahlichten Richtung, besetzt, welches dem Helme ein herrliches Ansehen giebt. Diese ungeheuren Maschinen können offenbar nicht zur Vertheidigung oder zum Schutz getragen werden, denn sie sind so leicht, daß der mäßigste Wind sie erschüttern und der Krieger selbst, alle Augenblick, Gefahr laufen müßte, damit umgeworfen zu werden. Sie scheinen daher eigentlich zur Pracht zu dienen, und nebenher den Nutzen einer Standarte zu haben, nämlich die Truppen um ihre Anführer her zu sammeln. Dies ist um desto wahrscheinlicher, da wir, in einer Flotte von 169 Canots, nur auf einem oder zwo Canots, einzelne Helme wahrnahmen Man findet eine Abbildung dieser Helme in einer, aus Sidney Parkinsons Tagebuch entlehnten Zugabe, von 12 Kupfern zu der Hawkesworthschen Geschichte der englischen Seereisen etc. Edition in 4to. im 2ten Bande S. 237. oder in der Edition in 8vo. 3. Band Seite 556. . Dagegen ist das Brustschild, taheitisch Ta-Umi, welches ebenfalls aus Korbmacherarbeit besteht, bey denen auf den Streitgerüsten zur See dienenden Kriegern, allgemein im Gebrauch. Auf das platte Gerippe von geflochtenen Zweigen, werden zwey, aus Kokosfasern geflochtene, Streifen von Mattenwerk, in Gestalt eines halben Mondes, befestigt, und diese wiederum mit grünen glänzenden Taubenfedern dicht bedeckt, zwischen denselben strahlen drey halbe Zirkel von Hayfischzähnen hervor, welche hinten durchbohrt und mit Fäden angeheftet sind. Der Rand des Schildes ist mit langem weissem Hundshaar, (welches von den niedrigen Eilanden nach Taheiti und den Societätsinseln gebracht wird) eingefaßt. Zuoberst sind, auf jedem Flügel, Perlenmutterschaalen angebracht, und mit grünen Federn berändert. Das Schild wird, vermittelst einer Schnur, um den Hals gehangen, und schützt die Brust gegen einen Lanzenstoß, der sonst, wegen des Rochenstachels womit die Spitze der Lanze gemeiniglich bewafnet ist, gefährlich werden könnte. Auch zur Verfertigung dieser Rüstungen gehört eine geübte Hand, nebst Musse und Geduld. Es würde mich zu weit führen, die mancherley Körbe, Schemel, Klöpfel und andere Hausgeräthschaften der Südländer, nebst ihrer Verfertigung, zu beschreiben. Ich komme also zu dem dritten Zweige der daselbst üblichen mechanischen Künste, nämlich zum Bau der Häuser, die, sowohl nach ihrer Größe und Bestimmung, als auch nach denen dazu angewandten Materialien, unterschieden sind. Die verschiedenen Holzarten welche hiezu gebraucht werden, sind: e-Hudu , oder Barringtonia speciosa , Ratta , ( Inocarpusedulis ), e-Wih , ( Spondias dulcis ), Tamannu oder Schönblatt ( Calophyllum inophyllum ) und Uru , oder der Brodbaum, ( Artocarpus communis ). Die allgemeine Bennennung: te-Hwarre bezeichnet allerley Arten von Häusern; kleine runde Häuser heißen: Hwarre-potto , sehr große, lange aber, Hwarre-tàrra . Ausser diesen giebt es noch Schober oder Schoppen, unter denen die großen doppelten Kähne gegen Wind und Wetter geschützt sind. Die gewöhnlichen Wohnhäuser sind 15 bis 20 Schuh lang, und 10 bis 15 Schuh breit; das Dach ist in der Mitte neun bis zehn, an den Seiten aber nur fünf bis sechs Schuh hoch, und läuft, ausserhalb vor den Pfosten des Hauses, noch weit tiefer gegen die Erde herunter. Alle Häuser werden auf drey Reihen von Pfosten oder Pfeilern gebaut, welche das Dach, Erà-Woro , tragen. Die mittlere Reihe, e-Pó-u , ist in großen Häusern 16 bis 20 Schuh hoch, und 9 bis 10 in den kleinern. Sie trägt einen Balken, der den Forst (ridge) des Dachs Tokore-yore ausmacht, an welchem die Sparren oder Streben, Ahéo , befestigt werden. Diese ruhen mit dem andern Ende auf einem andern langen Balken, Epài . Die Seitenpfosten, Tuto-oru , tragen denselben, und ruhen zugleich mit dem untern Ende auf einem andern Balken, Tu-Arru , der auf der Erde liegt. Zuweilen wird der Zwischenraum zwischen den Seitenpfosten mit einer Rohrwand vermacht, und diese Art von Gebäuden wird Paruru genannt. Gewöhnlicherweise aber sind die Häuser auf allen Seiten offen. Das Dach ist mit Pandangsblättern gedeckt. Zuweilen läuft auch bey den offenen Häusern, eine kleine Umzäunung von Bambusrohr, die nicht über einen Schuh hoch ist, rund um das Haus. Eben so stehen manchmal einige kleinere Hütten innerhalb einer Art von Umzäunung, die, ohngefähr wie Schafhürden, aus kleinen Stäben geflochten ist. Die Schweine werden des Nachts gemeiniglich in die Häuser eingesperrt. Zu diesem Behuf findet man in einer Ecke einen abgeschlagenen Stall, Pa-Bua , der oben mit Brettern bedeckt ist, und auf welchem die Einwohner ihre Schlafstelle zu nehmen pflegen. Die großen Kriegscanots kosten den Insulanern so viel Fleiß und Arbeit, daß man sich nicht darüber wundern muß, wenn sie diese großen Fahrzeuge ungemein sorgfältig verwahren. Ueberdem sind diese Kähne die besten Vertheidigungsmittel gegen die Angriffe ihrer Feinde. In der Nähe von Huaheine liegen die Inseln, Raietea, o Tahà, Borabora und Maurua, welche insgesammt unter dem Opuni , einem mächtigen Könige und Eroberer der beiden zuerst genannten Inseln, stehen. Huaheine hätte vielleicht mit jenen gleiches Schicksal gehabt; allein ihr Beherrscher, Ori , war nebst den dortigen Einwohnern auf der Hut, und hielt beständig eine starke Flotte für den Nothfall, unter dergleichen Schoppen, in Bereitschaft. In einem solchen Schoppen bemerkte ich ein doppeltes Kriegskanot, welches 144 Ruder- und acht bis zehn Steuer-Leute brauchte, um in See zu gehen. Auf dem geräumigen erhöheten Streitgerüst dieses großen Fahrzeugs hatten an 30 Mann Platz. Solche Schoppen oder Boothäuser sind bisweilen 40, 50 und mehrere Ellen (Yards) lang, etwa 10 Ellen breit, und die Dächer reichen bis auf 3 Schuh vom Erdboden herab. Bisweilen stellen die Wände dieser Boothäuser Cirkelsabschnitte vor, die sich oben begegnen. In Taheiti nennt man die kleinen Kähne, zum Unterschiede von den großen, e-Wàha , die größern hingegen Pahei Die Einwohner der freundschaftlichen Inseln, und die Neuseeländer sprechen das Wort e-Wàha , mit einem stärker aspirirten Tone aus, und sagen daher, te-Wagga . So verändern sie auch Tihi in Tiggi , und Tahàta , in Tangata ; Ehoe , oder Ehohe in Hoghi (bey den Neuseeländern) Tohi in Togi , Tareha in Taringa , Tuhana in Tugana , etc. etc. . Letztere sind, nach Maasgabe ihrer Bestimmung, ziemlich verschieden, je nachdem sie zur Fischerey, zu langen Seereisen, oder zum Kriege gebraucht werden sollen. Die von der letzteren Art sind hinten sehr hoch, und allemal paarweise zusammen gekoppelt. Gegen das Vordertheil hin ruhet, auf beiden Kähnen, ein flaches Gerüst, ( Etuti ,) von sechs bis acht Pfeilern unterstützt, die vier bis fünf Schuh hoch und, im Verhältniß der Kähne, dick sind. Auf diesem Gerüste stehen die Krieger und greifen von da aus den Feind an, der am Ufer sich der Landung widersetzen will. Das gewöhnliche Schiffsbauholz ist hier der Taheitische Myrobalanenbaum, oder e-Wih , (Spondias dulcis) oder auch der e-Marra (Nauclea orientalis). Der Kiel ist ein einziger Stamm, wie ein Trog ausgehölt; doch muß, zu größern Kähnen, der Kiel aus zwey oder gar aus drey Stücken zusammengesetzt werden. Die Planke oder die Diele, welche auf den Rand des Kiels zu stehen kommt, hat eine schräge Richtung, so, daß sie den Raum des Kahns erweitert. Die zunächst daruf folgende ist von aussen convex und von innen hohl oder gewölbt; und hierauf folgt noch eine dritte Planke. Diese Stücke müssen sämmtlich, mit der größten Genauigkeit, auf- und in einander passen, und werden hernach noch mit Stricken, oder eigentlicher, mit Schnüren von Kokosfasern, fest zusammen gebunden Die älteste und einfachste Art Kähne, oder andre Fahrzeuge, zu verfertigen, ehe man mit Eisen und Nägeln die Planken an die Kniee und Queerbalken befestigen lernte, scheint die gewesen zu seyn, sie mit Schnüren zusammen zu nähen. So bey Plin. Hist. Nat. lib. XXIV. c. 40. Cum futiles fierent naves, lino ramen, non sparto unquam futas. Im neunten und zehnten Jahrhunderte nach Christi Geburt wurden bereits alle Arten von Schiffen mit Nägeln zusammen geschlagen; allein, um eben diese Zeit strandete an der syrischen Küste ein Fahrzeug, dessen Planken insgesammt genähet waren. Der Verfasser der Reisen einiger Mahomedaner nach China, (von Renaudot herausgegeben) sagt S.53 . daß es ein »arabisches Fahrzeug von Schiraf gewesen sey, dessen Planken nicht genagelt, sondern so verbunden wären, als hätte man sie an einander genähet«. So ließt man auch in Arrian. Peripl. Maris Erythr. pag. 20: και απο Ομανων εις την Αραβιαν εντοπια ραπτα πλοιαρια, τα λεγομενα Μαδαρατε. Herr Niebuhr (Beschreibung von Arabien S. 306.; Reise. I. S.285) fand auch zu Oman eine Art Fahrzeuge, welches dort Tarad genannt wurde. Merkwürdig ist es, daß die dortigen Einwohner ihre genäheten Fahrzeuge, und sogar den Namen derselben, von Arrians bis auf unsre Zeiten, d.i. ohngefähr 1700 Jahre lang, beybehalten haben: denn daß Madarate und Tarad einerley sind, wird man leicht zugeben, da bey ersterem die vorgesetzte Sylbe ein blosses formativum nominis, zu seyn scheint. – Auf der Insel Enganho , südwärts von Sumatra, haben die Einwohner kein Eisen, und verfertigen gleichwohl sehr nette Canots, welche aus zwey dünnen aneinander genäheten Brettern bestehen, deren Fugen mit einer harzigten Materie ausgefüllt sind. (Charles Miller) in Philos. Transact. LXVIII. Vol. Part. I. pag. 174. , dergestalt daß sie wasserdicht sind, und keines Kalfaterns bedürfen. In größern Kähnen wird jedoch, zur Vorsicht, einem von den Leuten aufgetragen das etwa eindringende Wasser auszuschöpfen. Die Vorder- und die Hintertheile des Schiffs sind mit Schnitzwerk gezieret, und zuoberst stehet gemeiniglich eine unförmliche menschliche Figur, die sie E-Tihi nennen. Man möchte sie mit dem Schutzgeiste der alten Römer und Griechen vergleichen. Kähne, die zu langen Reisen bestimmt sind, haben auf dem Vordertheile eine kleine mit Palmblättern gedeckte Hütte, welche, an einer oder an beyden Seiten, mit Brettern oder mit Bambusrohr, verschlagen, und überdies inwendig mit Matten behangen ist. In diesen Hütten halten sich die vornehmen Reisenden bey Tage auf, und schlafen auch des Nachts in selbiger. Im übrigen sind diese Kähne fast so wie die Kriegscanots beschaffen, führen aber einen Mast ( E-Tira ) und ein, in einen Rahmen ausgespanntes Segel von Matten ( Eiya ). Oben an der Spitze des Masts befestigt man ein Bündel junger Baumzweige, welches E-Hwatewa heißt, und, entweder an eben dieser Stelle oder an der höchsten Spitze des Segelrahmens, hängen eine oder zwey sehr lange Schnüre, mit Quasten oder Guirlanden von Federn, geschmückt, Matitti , herab. Wenn statt zweener zusammen gefügten Kähne nur einer gebraucht wird, so befestigt man, in der Mitte desselben, einen langen Queerbalken ( Patoa ) und, an dessen einer Seite, etliche kleine Hölzer deren anderes Ende etwas hinabwärts an einem kielförmigen d. i. dreyeckigten Sparren befestigt wird, welcher beynah die Länge des Kahns hat und, demselben parallel, auf dem Wasser ruht. Diese Zurüstung, welche wir Ausleger, die Insulaner aber E-Oa nennen, wird ausserdem noch durch verschiedene Queerbalken mit dem Kahne verbunden. Man verhindert dadurch das Umschlagen, ohne die Bewegung des Fahrzeuges zu erschweren. Die schnellen, oder sogenannten fliegenden Proën , in den Diebsinseln, deren Anson in der Beschreibung seiner Reise erwähnt, geben, von der Nützlichkeit dieser Zurüstung, den besten Begriff. Die Wände ( Shrouds ) oder das stehende Tauwerk, ist an etliche Queerbalken befestigt, welche um den Mast hervorstehen. Auch pflegt zuweilen ein großer Stein an der dem Ausleger entgegen gesetzten Seite festgemacht zu werden, um das Gleichgewicht desto besser zu erhalten. Die Fischerkähne sind den Reisekähnen ziemlich ähnlich, nur unansehnlicher, und mit einer schlechtern oder gar keiner Hütte versehen. Doch, es erhellet aus dem bereits gesagten zur Genüge, daß es diesen Insulanern an mechanischen Kenntnissen nicht fehlt, welche sie auf ihre Nachkommen mit Sorgfalt fortpflanzen. Eine steinerne Axt, ein Meissel ebenfalls von Stein, ein Stück Korallfelsen zum poliren, und eine Säge, welche aus einem Stücke von der Haut des Stachelrochens gemacht wird, indem man es auf ein Holz klebt; – dies sind, bey dem Bau der Häuser und der Kähne ihre sämmtlichen Geräthe. Muß man nicht erstaunen, daß sie, mit so schlechten und so wenigen Werkzeugen, das Geschick haben, so vieles auszurichten? Ich sahe einst einen Insulaner, der die Planken seines Kahns zusammen nähete; er hatte sich dazu eine Art von Gabel gemacht, mit welcher er die Schnur fester anziehen konnte. Wenn er einen Zacken dieses Instruments an die unterste Planke legte, indeß die Schnur um den andern Zacken gewickelt war, so vermochte er die Schnur mit großer Kraft anzuziehen, und sobald sie aufs äusserste gespannt war, schlug sein Gehülfe einen Pflock in das Loch wodurch diese Schnur gieng, damit sie nicht wieder nachgeben konnte. Ihre Fischergeräthschaft zeugt ebenfalls von Erfindung und Beobachtungsgeist. Sie verfertigen Harpunen von Rohr ( E-Tao-werro-Eiya ) mit einer Spitze von hartem Holz, welche Widerhaken hat, wie eine Pfeilspitze. Zugnetze ( Upea ) brauchen sie nur in seichtem Wasser; diese sind von großem Umfange, und bestehen aus Fäden von einer Bohnen- ( phaseolus ) oder Winden- ( Convolvulus ) Art. Die Angelhaken ( Mattau ) sind aus Muschelstücken; die kleinen, für kleinere Fische, sind überaus nett und aus einem Stücke; die mittlere Sorte ist von Perlenmutter und aus zwey Stücken zusammen gesetzt. Zum Rücken nimmt man gewöhnlich das hellglänzendste der Schaale; und an diese wird der Haken selbst, durch die in beyden Stücken befindlichen Löcher, mit Fäden befestigt. Haare, Federn oder kleine Quäste von Fäden, stellen dabey die Flossen der Fische vor, um die größeren, auf deren Fang es angesehen ist, desto leichter zu täuschen. Diese Mittelart heißt Witti-Witti . Die größte Sorte hat ein Rückenstück von Holz oder Knochen, welches nur von oben her mit brauner Perlenmutter belegt ist, nebst einem Haken von Schildkrötenschaale der bisweilen wieder aus zwey mit einander verbundenen Theilen besteht. Die Angelschnur zu dieser Art Haken muß von E-Rua , einer Art Nesseln ( Urtica argenta ) gemacht werden, welche, ohne zu reissen, den größten und stärksten Boniten, Albicoren oder Doraden hält Bonito, taheitisch Pirara , Scomber Pelamys . Albecore, – – E-Ahai , Scomber Thymnus . Dorade, – – E-Uma , Coryphaena Hippurus . . Zu allem andern Gebrauch bedient man sich der Schnüre die ans E-Mohu ( Cyperus alatus ), aus der Rinde des Purau ( Hibiscus tiliaceus ) des Matti ( Ficus tinctoria ) und des Pipi ( Dolichos luteolus ) gedreht werden. Zum Behuf des Fischfanges sind den Insulanern ausserdem auch gewisse Pflanzen und Früchte bekannt, welche, zerstossen und mit klein gehackten Krebsen ins Meer geworfen, die Fische dergestalt betäuben, daß sie mit Händen gefangen werden können. Hieher gehörten vorzüglich die Frucht des E-Hudu Baumes ( Barringtonia speciosa ), die Blätter des O-Ao ( Daphne foetida ), des E-Hora ( Galea littoralis ) und des E-Nau ( Lepidium Piscidium ). Sobald sie über einem gewissen Fleck im Meere eine große Anzahl Vögel schweben sehen, so wissen sie, aus Erfahrung, daß sich daselbst eine Menge Fische aufhalten. Alsdann eilen sie mit ihren Kähnen und den Witti-Witti, oder Angelhaken, hinzu, befestigen die Angelschnur an einem ziemlich starken Bambusrohr, welches auf beyden Seiten des Kahns weit über Bord reicht, und verfehlen nicht leicht ihrer Beute Auch die Einwohner der Maldivischen Inseln sind im Fischfang, der an ihren Küsten reichlich ist, sehr geschickt. Fleisch von vierfüßigen Thieren ist bey ihnen eine Seltenheit; Fische hingegen sind ihre vornehmste Speise. D. Voyage de François Pyrard 4to Paris, 1679. part.I. p.88.136.166. . Nachdem die Begriffe die sich auf Speise, Kleidung und Obdach beziehen, bey der Erziehung des Insulaners zum Grunde gelegt worden sind, und die Fruchtbarkeit seines Landes, das schönste Klima, und sein eignes fröliches Temperament ihn allmählig für sinnliche Freuden gestimmet und empfänglich gemacht haben; so wird irgend ein besonders glücklicher Vorfall, ihn bald mit Wonne erfüllen, und dieses Gefühl wird ihn in Bewegung setzen. Er fängt vor Freuden an zu hüpfen, zu tanzen; und athmet, durch diese Bewegung gezwungen, in gemessenen Zeiträumen. Wünscht er, während diesem Affekt, den Umstehenden seine Ideen mitzutheilen, sie anzureden, so mißt er seine Rede-Abschnitte nach den Athmungen, und die Stimme des Frohlockens wird ein Anfang des Gesanges. Inniges Gefühl beflügelt seine Worte; Bilder strömen hervor; zu köstlich ist ihm die Zeit, um jedesmal das Ding mit rechtem Namen zu nennen, welches eine Ähnlichkeit, ein Zug, ihm jetzt lebendig darstellt, und andern kenntlich machen kann; jede auszeichnende Eigenschaft eines Dings ist ihm die Sache selbst; so entsteht eine Art von Poesie, mit ihren Gemälden, Gleichnissen, Metaphern und Epitheten. Die Zuschauer ergötzt dieser Auftritt; sie fangen an, bekannte Handlungen ihres einfachen Lebens durch Pantomimen auszudrucken, und diese Vorstellungen mit rohem, materiellen Scherz zu würzen. Je näher und natürlicher jemand einen gewissen Zug nachzuahmen weiß, je auffallender er den Miston oder das disproportionirliche dieser oder jener Handlungen und Charaktere angiebt, desto größer ist das Vergnügen aller derer die ihn hören. So wird das Drama, ein neuer Zeitvertreib, erfunden und immer mehr ausgebildet; ja sobald das Volk Geschmack an diesen Künsten findet, so lehrt natürlicherweise, derjenige der es weit darin brachte, seinen Kindern die Grundsätze durch deren Anwendung er Beyfall erhielt, und durch deren Befolgung sie ihm nacheifern können. Dies ist also ein andrer Zweig der Erziehung, der bey den mehr gesitteten Völkern der Südländer statt findet. Ihre Tänze, ihre Musik, Dichtkunst und dramatische Vorstellungen haben jedoch noch keinen besondern Grad von Vollkommenheit erreicht; es sind nur noch die ersten rohen Anfänge dieser Künste, die aber eben darum weil sie noch roh und einfach sind, auch weit allgemeiner erlernt werden, als bey uns der Fall zu seyn pflegt. In O-Taheiti tanzen gemeiniglich nur die Weiber, seltner die Männer; doch ist jedermann mit den dazu gehörigen Schritten und Bewegungen bekannt. Die Kunst, aus dem Stegereif Verse zu machen und sie zugleich abzusingen, ist allgemein. Ihre dramatischen Vorstellungen sind gemeiniglich dergleichen auf der Stelle erdachte Compositionen, oder ein Gemisch von Gesängen, Tänzen und Musik. Unser Welttheil hat also seine Improvvisatori nicht allein. Im Tanzen bewegt das taheitische Frauenzimmer die Füsse sehr genau nach dem Takte, der durch laute und schnell aufeinander folgende Trommelschläge angegeben wird. Die Kleidung, welche bey den dramatischen Tänzen üblich ist, scheint dabey eben nichts wesentliches zu seyn, und ist bereits anderer Orten ausführlich beschrieben S. Hawkesworths Sammlung der engl. Seereisen. Edition in 4to. II. Band S. 261. und in 8to. III. Band S.24.25. Forsters Reise I. Band S.399. u.f. worden. Nur zeigt die Länge der Kleider an, daß man in der zierlichen Bewegung der Füsse hier keine besondere Vollkommenheit setzt, indem man sie sorgfällig bedeckt; Geschicklichkeit und Zierlichkeit, äussert sich bey ihnen blos in der Bewegung der Hände und Finger. Ihre Finger sind fast durchgehends lang gut proportionirt, und zugleich so ausnehmend biegsam, daß sie, mit samt der ganzen Hand, beynahe zirkelförmig zurückgebogen werden können; und gerade in dieser Figur bewegen sie dieselben während dem Tanzen mit bewundernswürdiger Geschwindigkeit. Diese Art von Tänzen heißt: Hiwa-he-ura, und die Bewegung der Finger: Eorre. Ausserdem wußten sie, sowol aufrechtstehend, als auch in einer auf den Knieen und den Elnbogen gestützten Stellung, den Hüften eine schnelle, schwankende Bewegung mitzutheilen, welche in ihrer Art oft nicht weniger merkwürdig war als jene welche sie mit den Fingern vornehmen; in der Landessprache, heißt sie: Onne-Onne. Ausser diesem giebt es noch andere Tänze, zu welchen abgemessene Schritte erfordert werden; sie fassen einander bey den Händen, und klatschen dazu, letzteres heißt: Pa-ata. Bey allen Arten von Tänzen aber, verziehen sie den Mund auf eine ganz entsetzliche Art. Wir sahen in dieser Bewegung nichts als die häßlichste Verunstaltung: die Taheitier aber sind hierin von anderem Geschmack. Sie können den Mund ganz schräge ziehen, indem sie die Lippen, durch eine plötzliche krampfartige Bewegung verzucken, und diese scheußliche Grimasse verfehlt niemals des lauten Beyfalls der Zuschauer. Diese Verzerrung heißt: Uru-roa (große Lippen). In den Tänzen welche die nächtlichen Orgien der Errioys begleiten, sollen, nach dem Bericht der Insulaner, sehr unanständige und und wollüstige Bewegungen vorkommen; diese Tänze, welche keiner von unserer Reisegesellschaft zu sehen bekam, heissen t'-nài-morodi, und die Tänzerinnen selbst: Tu-àha. Bey den gewöhnlichen dramatischen Tänzen ist die Bewegung äußerst heftig; das gefälligste daran ist das Spiel der Hände; denn Füsse bekommt man dabey nicht zu sehen, und das Schaukeln der Hüften ist, nach unsern Begriffen, seltsam und unanständig zugleich, die Verzerrung des Mundes aber wiedrig und eckelhaft. Bey den Tänzen der Frauenzimmer, war allemal eine Mannsperson zugegen, der beym Takt der Trommel, eine Art von Gesang recitirte, und die Bewegungen der Tänzerinnen, durch Händeklatschen und laut ausgesprochene Worte, zu dirigiren schien. Allem Anschein nach sind also ihre Tänze nicht ganz ohne Plan; und der Uebergang von den schrägen Schritten, mit welchen die Scene anfängt, bis zur Bewegung der Finger und Hüften, hat einige Beziehung auf den Inhalt des Gesanges, den der Balletmeister absingt. Weit unvollkommener als ihre Poesie und Tanzkunst, ist ihre Music. Die taheitische Flöte hat nur drey Ventile, und ist folglich auf gar wenige Noten beschränkt. Die Musik die damit gemacht wird, besteht in einem einförmigen Gesumme. Die Flöte wird mit der Nase geblasen. Auch die Vocalmusik ist von keinem weiteren Umfange; sie enthält nur drey bis vier Töne, demohnerachtet sind einige ihrer Gesänge nicht ganz unangenehm. Unter den Einwohnern der freundschaftlichen Inseln hat die Musik ungleich stärkern Fortgang gehabt. Die Gesänge der Frauenzimmer auf der Insel Ea-uhwe oder Middelburg, wo wir sie zuerst hörten, hatten etwas angenehmes. Noch mehr Abwechselung und Umfang findet man in den Gesängen der Tannesen In Tanna hörten wir alle Morgen bey Tages Anbruch einen feyerlichen Gesang, der uns von der Landspitze auf der Ostseite des Havens herzukommen schien. Wahrscheinlich verrichten also die dortigen Einwohner ihren Gottesdienst mit Gesang. Es bestätigte uns sehr in dieser Vermuthung, daß wir einigemal diese Ostspitze besuchen wollten, jedesmal aber von bewafneten Insulanern zurückgewiesen wurden. S. Forsters Reise. 2. Band. S.300.362. und der Neuseeländer; es scheint also, daß diese von Natur mehr Anlage zur Musik haben. Die Taheitier pflegen, wie auch die Griechen ehemals thaten, ihre Verse stets singend zu recitiren. Diese kleinen Gedichte werden mehrentheils aus dem Stegereif gemacht; denn ihr Inhalt bezog sich öfters auf unsere Schiffe und Reisegefährten, und auf Begebenheiten, die sich während unseres Aufenthalts zugetragen hatten. Doch gab es auch Gesänge die mit unserm Besuch nichts gemein hatten. Die Verse haben ein förmliches Sylbenmaaß, und beym Singen wird die Quantität ausgedruckt. Von den poetischen Schönheiten konnten wir nicht urtheilen, weil wir von ihrer Sprache zu wenig Kenntniß besaßen, gleichwol bemerkten wir so viel, daß in ihren Gedichten verschiedene Worte vorkommen, die man sonst, im gemeinen Leben, nicht hörte. In der Nacht, bey Mondenschein, pflegten die Mädgen, an Bord unseres Schiffs, folgendes couplet oder Pehai öfters zu singen: . _ · _ · _ · _ Te U | wa no | te Ma | lama · _ _ · _ ____ Te U | wa te hi | naro. Das Wölkchen im Monde, Das Wölkchen liebe ich! Aus der Hawkesworthschen Geschichte der englischen Seereisen und Entdeckung im Südmeer setze ich noch eine ähnliche Strophe her, welche bey der Anwesenheit des Schiffs Endeavour in Taheiti componirt ward: · ·_ _ · __ · · __ · Epaha | tayo | Malama | taye · ·__ · __ __ __ __ · __ __ · No Taba | ne to | no Ta | wa hwanno | maye. Vielleicht befreundete dieser Mond Den Banks, der zu seinen Freunden her kam. Auch hier ist der Mond mit eingeflochten, und folglich das Liedgen, allem Ansehen nach, bey Mondenschein gemacht worden. Bemerkenswerth ist dabey noch der Reim am Ende der Zeilen, der nicht ein Werk des Zufalls ist, wenn gleich das vorige Couplet , und die übrigen im Hawkesworth angeführten, ohne Reime sind. Noch eine solche Strophe von zwo Zeilen pflegten die Insulaner, bey unsrer Anwesenheit im Jahr 1774, am Bord der Resolution oft zu singen. · __ · ·__ · ____ Awa | hi te Pahi | no Tute · __ _ · ·_ · ·__ · _ Teini | a to Teo | ri horo | a - e. Für die Scansion will ich mich eben nicht verbürgen, denn sie ist blos nach dem Ohr entworfen. Bey Gebeten, bey dramatischen Vorstellungen, und andern Feyerlichkeiten Als der Einwohner von Duskybay, in Neuseeland, an Bord unseres Schifs kommen wollte, recitirte er zuvor, einen grünen Zweig in der Hand haltend, ein Carmen, oder eine Rede, in einem singenden, jedoch feyerllchen, Tone; die ein paar Minuten lang dauerte. Vor und nach der Rede schlug er mit dem Zweige an das Schif, und warf ihn zuletzt hinein, auf das Verdeck. Im Charlottensunde kamen einige Neuseeländer, die uns zuvor noch nicht besucht hatten, an Bord. Einer hielt eln grünes Schilf in der Hand, indeß ein anderer eine lange, metrische Rede hersagte. Etwas ähnliches scheint die Feyerlichkeit und das Gebet des Tupaya, bey der Landung auf den Inseln Huaheine und O-Raietea gewesen zu seyn. S. Hawkesworths Geschichte der englischen Seereisen etc. Edition in 4.Band II. S.247.248. und in der Edition in 8.Band 3. S.6. Als wir in Neukaledonien landetet, hielt der Vorgesetzte, Teabuma, nebst noch einem andern, einige feyerliche metrische Reden, mit Zwischenabsätzen, wo etliche Männer ganz kurz antworteten. S. Forsters Reise 2.B. S.310. Es ist daher die erste Zusammenkunft oder der Friedensschluß zwischen verschiedenen von einander entfernten Völkern nicht nur ein feyerlicher Aktus, sondern die dabey üblichen Reden sind eigentliche Gedichte. hörten wir, daß die Sprache vom gewöhnlichen Conversationstone abwich, und den Namen eines Carmen, ohngefähr in eben dem Sinne, verdiente wie derselbe von der Formul galt, welche die Römischen Feciales hersagten. Liv. Hist. l.I. c.24. Die dramatischen Vorstellungen der Taheitier und ihrer Nachbarn, deren ich bereits mit ein paar Worten erwähnt habe, verdienen, als ein Zweig der freyen Künste, eine ausführlichere Anzeige. Sie bestehen aus Tänzen mit eingestreuten Gesängen; doch sind die Schauspieler blos Mannspersonen, wie solches im alten Rom ebenfalls gebräuchlich war. Das Drama stellt irgend eine Handlung oder einen Vorfall aus dem gemeinen Leben vor. Z.B.: Es vertraut jemand seinen Bedienten einige Sachen an; sie schlafen dabey ein, und, ob sie gleich Sicherheitswegen, die Sachen unter sich gelegt haben, so kommen geschickte Diebe, die demohngeachtet damit entwischen; oder aber ertappt und derb durchgeprügelt werden, bisweilen auch die Schläge erwiedern. In einer andern Posse erscheint ein Vater mit seiner Tochter, und ihrem Liebhaber. Der letztere misfällt dem Vater und erhält eine abschlägige Antwort, giebt aber gleichwol diesem so viel Argwohn, daß er seine Tochter genau bewacht. Mitten in der Nacht begegnet der Liebhaber endlich seiner Schönen, überredet sie, mit ihm zu entlaufen, und die Folge ihres Umgangs ist – die Geburt eines Knaben. Die Kreissende erscheint auf dem Theater, und nach allerley Gaukeleyen, wird ein großer Kerl, der den neugebohrnen Knaben vorstellt, zum Vorschein gebracht, und läuft mit der Nabelschnur und dem Mutterkuchen auf dem Schauplatz herum. Dieser Auftritt verliert hier sein Unanständiges, indem jedermann, bis auf die Kinder von vier oder fünf Jahren, mit einer so natürlichen Ereigniß bekannt sind. Der seltsame Umstand, daß das neugebohrne Kind herumläuft, und der Hebamme, die es fangen will, entwischt, wird mit dem lautesten Beyfall und Gelächter von den Zuschauern aufgenommen. Der Vater des Mädgens wird endlich selbst, von der besonderen Geschicklichkeit seines Enkels, gerührt, und mit seinem Schwiegersohne ausgesöhnt. Eine andre Posse in diesem Geschmack ward in Huaheine aus dem Stegereif ausgeführt, und war eine Satyre auf das Mädgen, welches bey unsrer Abreise aus Taheiti an Bord unseres Schiffes diese Insel verlassen hatte, um wieder nach O-Raietea zu ihren Aeltern zurück zu kehren, denen sie mit einem jungen Errioy entlaufen war. So unvollkommen und plump diese Vorstellung ausfiel, so beschämte sie doch das Mädgen, welches unter den Zuschauern saß, und brachte ihr die Thränen in die Augen. Mich dünkt dieser Zug enthält für die ganze Nation viel vortheilhaftes. Die Thränen der kleinen Sünderin zeugten von seinem Gefühl, welches desto lobenswürdiger war, da Klima, Temperament, Erziehung, alles sie entschuldigen mußte, daß sie den Ueberredungen ihres jungen feurigen Liebhabers Gehör gegeben hatte; und da dieser Schritt, nach landesüblicher Sitte, einer künftigen Heirath auch keine Hindernisse in den Weg legte. Indessen war es von den Schauspielern ebenfalls wohlgethan, daß sie die Gelegenheit wahrnahmen, um die Folgen der Immoralität zu schildern, ohne sich daran zu kehren, daß der Gegenstand ihrer Satyre ein Frauenzimmer, und noch dazu eine Fremde war, die sich unter dem Schutz der mit Feuer bewafneten Europäer auf ihrer Insel befand. Welch' eine Unerschrockenheit, trotz dieser mächtigen Vertheidiger, ihrer Pflicht ein Genüge zu leisten! Die Zuschauer selbst zeigten sich dabey von einer guten Seite. So lange sie blos die Spässe ihrer theatralischen Helden anhörten, ergötzten sie sich daran mit herzlichem Lachen; als sie aber entdeckten, daß der Gegenstand dieser beissenden Satyre zugegen wäre, daß sie für ihre Vergehungen büßte, daß Schamhaftigkeit, Reue und Selbstverdammung ihr Thränen auspreßten, da litte manches Herz mit ihr, und manches Auge trübte sich. Nach geendigtem Schauspiele waren die Zuschauer bemüht, dem Mädgen Freundschaft zu bezeigen, sie zu trösten und für ihre Wiederkehr zu ihren Aeltern zu loben; ich möchte fast sagen, ihr für die angenehme Unterhaltung welche sie ihnen zufälligerweise verschaft hatte, zu danken So dankt der Magistrat einer Stadt in Thessalien dem Lucius, dafür, daß er sie mit seinem Proceß ergötzt hatte. Apulej. de Asino aureo. . Wie viel gewinnen diese guten Insulaner nicht im Vergleich mit jenen fühllosen Menschen, die unsere Schaubühnen täglich besuchen, ohne jemals, wie diese Kinder der Natur, eine mitleidsvolle Thräne zu vergiessen, oder einige Spur eines sanften Gefühls blicken zu lassen! Mollissima corda Humano generi dare se natura fatetur Quæ lacrymas dedit; hæc nostri pars optima sensus. IUVEN. So verbreitet also die taheitische Schaubühne, nebst ihren Tänzen, Gesängen, und musikalischen Compositionen, Freude und muntere Fröhlichkeit Αιει δ' ημι̃ν δαίς τε φίλη κίθαρίς τε χοροί τε Είματά τ' εξημοιβὰ λοετρά τε θερμὰ καὶ ευναί. HOMER. Odyss. [Θ] 247. 248. [recte: 248. 249.] im ganzen Volke, lehrt die Ausübung tugendhafter Pflichten und bestreitet die Laster würksamer als es unter den verfeinerten Europäern geschieht. Ich habe bereits gesagt, daß die Personen, welche sich mit diesen Künsten beschäftigen, dadurch keinesweges an der Achtung ihrer Mitbürger verlieren. Im Gegentheil sind es Prinzeßinnen vom Geblüt, die den Unterthanen ihres Vaters, oder Bruders, ihre Geschicklichkeit im Tanzen zeigen, und Kammerherren (Hoas) die als Schauspieler auftreten. Wir haben keinen Einwohner jener Inseln angetroffen, der nicht sein Liedgen hätte singen können; und sogar die Frauenspersonen die unsern Matrosen ihre Liebkosungen feil boten, sangen bey jeder Veranlaßung, Verse ihrer eignen Erfindung, aus dem Stegereif. Von den dramatischen Vorstellungen und den Tänzen der übrigen Insulaner im Südmeere konnten wir, wegen unseres kurzen Aufenthalts bey ihnen, und bey der geringen Kenntniß ihrer Sprachen, kein Urtheil fällen. Die Neuseeländer pflegten uns zuweilen mit ihrem Schlachtgesange zu unterhalten. Einer stimmte ihn an, und stampfte dabey heftig mit den Füssen, machte allerley Bewegungen und Gebehrden dazu, und schwenkte seine Streitaxt. Am Ende jeder Strophe folgte eine Art von Ritornell, in welches der ganze wilde Haufe, als Chor, mit lautem gräßlichen Geschrey einstimmte. Dadurch erhitzen sie sich bis zu einem gewissen Grade von Raserey, welches der einzige Gemüthszustand ist, in dem sie handgemein werden. Aus der Insel O-Tahà war ich bey einem Begräbniße zugegen, wo drey kleine Mädgen tanzten, und drey Mannspersonen Zwischenspiele vorstellten. Zwischen den Aufzügen traten die Freunde und Verwandten (Hea-biddi) des Verstorbenen, vom Kopf bis auf die Füsse bekleidet, paarweise vor den Eingang der Hütte, jedoch ohne hineinzugehen. Darauf ward der Platz auf welchem das Schauspiel vorgestellt worden war, ein Fleck von 30 Schuh in Länge, und acht Schuh in in der Breite, mit Zeug belegt, und dieses dem Trommelschlägern, die während der Vorstellung Musik gemacht hatten, zum Geschenke gegeben. Ob diese Ceremonie irgendeine besondere Bedeutung hätte, konnte ich nicht herausbringen; nur so viel erfuhr ich, es sey gebräuchlich, daß, bey dem Absterben vornehmer Leute, der erste Leidtragende, zur Begräbnißfeyer in dem weitr oben beschriebenen Trauerkleide umher gehe, und daß Schauspiele, von Tänzen und Gesängen begleitet, angestellet würden. Die Wissenschaften der Insulaner, als der nächste Gegenstand dieses Abschnitts, sind freylich, mit den unsrigen verglichen, von keinem großen Umfange. Doch haben die Taheitier darin vor den übrigen Inselbewohnern im Südmeere einen großen Vorsprung, der ihre Volksglückseligkeit um eine Stufe erhöht, indem sie dadurch theils an baarem Genuß gewinnen, theils manchen Uebeln und Unbequemlichkeiten auszuweichen, oder vorzubeugen wissen. Diejenigen Wissenschaften, wovon die Taheitier einige Begriffe haben, sind 1) die Heilkunde, 2) Geschichte, 3) Geographie, 4) Sternkunde, 5) Schiffarth, und 6) Theologie. 1) Durchgehends in den Südländern geniessen die Menschen einer dauerhaften Gesundheit, und müssen sehr alt werden. Wir sahen eine Menge alter Leute unter ihnen mit grauen Köpfen, und oft Greise mit schneeweissem Haar, nebst allen übrigen Kennzeichen eines hohen Alters. Indeß war keiner im Stande die Zahl seiner Lebensjahre anzugeben: es genügt ihnen gelebt zu haben, ohne die Länge des Hierseyns nach Zeitabschnitten zu berechnen. Den Erih Tutahàh nennt Capt. Cook, 1769 einen Mann in seinen besten Jahren. Im Jahr 1774, als wir Taheiti besuchten, fanden wir seine beyden äiteren Brüder, als Grauköpfe, noch am Leben. Ihre Mutter aber, die damals ebenfals noch lebte, mußte zwischen 60 und 70 Jahr alt seyn; sie war sehr corpulent, hatte weisses Haar und schien Lebhaftigkeit und Kräfte genug zu haben, um noch älter zu werden. Meines Erachtens giebt es unter diesen Insulanern weder so häufig noch so mannigfaltige Krankheiten als in unsern Gegenden. Der Tod, der bey uns so viele gräßliche Gestalten annimmt, und der selbst den stoischen Philosophen zu erschüttern weiß, kann folglich in jenen Eilanden, aus mancherley Ursachen, nicht so heftig wüthen als unter europäischen Völkern. Zum Theil liegt der Grund davon in dem vortreflichen Klima. Bey mäßiger Bewegung, und ohne sich der Sonnenhitze gar zu sehr blos zustellen, findet man die Witterung durch die abwechselnden See- und Landlüfte mehrentheils temperirt. Die Nacht über pflegen die Einwohner aller Inseln im Südmeere durchgehends am liebsten unter einem Dache zuzubringen, um vor der kühlen und feuchten Luft einigermassen geschützt zu seyn; doch ist man, was diesen Punkt betrift, in Taheiti und den Societätsinseln lange nicht so sorgfältig, als auf den westlicher gelegenen Inseln, woselbst die Hütten nicht blos nach Schoppen-Art gebauet sind, sondern auf allen Seiten dichte Wände haben. Wenn Regenwolken, mit kühlen Winden begleitet, von den Bergen herabkamen, bemerkten wir jedesmal, daß sich die Einwohner eilig dagegen in Sicherheit zu setzen suchten. Die Kleidung der Taheitier ist, je nach dem die Maulbeerrinde zubereitet wird, bald luftig, bald erwärmend; bey Tage hält sie die Hitze und bey Nacht die Kälte ab. Ihre Kost, die aus den besten Früchten des heissen Erdstrichs besteht, ist ebenfalls gesund; und daher wissen sie auch wenig von dem Fluche der gleichsam auf Europa haftet, wo mancher mit einem gebrechlichen Körper und verderbten Säften bereits auf die Welt kommt, und von Mutterleibe an ein sieches Leben führt. Die gefräßigen Erihs pfiegen zwar ungeheure Portionen Speise zu sich zu nehmen, jedoch erfolgt daraus kein anderes Uebel, als daß sie dicke Wänste davon bekommen. Die dortigen Fische und andere Seethiere, z.B. Hummern, Schnecken, Meerigel, Calmars ( Sepias ) und eine Art Quallen ( Medusae ), scheinen eine eben so gesunde als wohlschmeckende Nahrung abzugeben. Was aber andere animalische Speise, nämlich Schweinefleisch, Hundefleisch und Hüner betrift, so kommt diese zuverläßig nur selten auf ihren Tisch, und eben darum können die Erihs, wenn ein Schwein oder ein Hund geschlachtet wird, ungeheure Portionen Fleisch, Fett, Blut und Eingeweide verzehren, über welche wir erstaunen müssen. Das gewöhnliche Getränk ist frisches Wasser, und in einigen Fällen Seewasser; beydes ist gewiß unschädlich. Die Oberhäupter und Vornehmen aber sind an einen Trank gewöhnt, der aus den Wurzeln einer gewissen Pfefferstaude ( Piper methysticum ) bereitet wird. Man kaut diese Wurzeln, thut das Gekaute in eine hölzerne tiefe Schüssel, gießt entweder frisches Wasser, oder den Saft aus Kokosnüssen darauf, und läßt es durch eine Menge Kokosfasern seigern; alsdenn sieht es weißlich aus, und ist unschmackhaft, oder schmeckt vielmehr wie ein schwacher Aufguß von Pfeffer. Wenn sie von diesem ekelhaften Gebräu in großen Quantitäten trinken, werden sie schläfrig, betäubt, ja endlich völlig berauscht. Bey allen unkultivirten Völkern ist die Völlerey, und das Berauschen im Schwange. Die alten Skythen berauschten sich indem sie den Dampf von Hanfsamen einzogen, den sie auf heißgemachte Steine warfen, Herodot. L.IV. 69.70.71. Maximus Tyrius 0rat. XIII. §.6. Die verschiedenen Celtischen und Teutonischen Stimme braueten durchgängig, Bier und Meth; auch einige ihrer fremden Nachbarn hatten diese Sitte angenommen. Hist. des Celtes. I.2. Ch.18. Tacit de morib. germ. c. 22.23. King.Alfred's Orosius in Anglosaxon. p. 26.27. Die Tschuktschen und Jukaghiren, an der Nordostspitze von Asien, betrinken sich in einem Aufguß von Erdschwämmen oder Pilzen. Alle Mongolische Völker und unter andern die Kalmycken lassen Stutenmilch gähren, bis daraus ein berauschendes Getränk entsteht, oder sie ziehen das geistige davon ab, welches sie Kumyß nennen. Bey den Mohamedanern sind Opium und Taback üblich; das Tabakrauchen ist unter den Kalmycken ebenfalls so allgemein, daß auch Weiber und Kinder rauchen. Die Neger auf der guineischen Küste sind nach Brandwein äusserst lüstern. (S. Römers Beschr. der Küste von Guinea.) Kolbe und Sparrmann bemerken das nämliche von den Hottentotten. Eben so allgemein bekannt ist es, wie begierig die Wilden, sowohl in Nord- als in Südamerika nach Brandwein sind. La Honran. liv.XI. u. a. m. Hieraus entstehen nun allerley üble Folgen, welche ich weiter unten namhaft machen werde. Auf Taheiti ist die Wurzel jener Pfeffergattung selten, und wird dort auch nicht häufig gebraucht. In Huaheine, und den andern Societätsinseln giebt es bereits weitläuftige Pflanzungen davon; am stärksten aber wird sie auf den freundschaftlichen Inseln angebaut; und überall bedient man sich des Krautes dieser Pflanze als eines Freundschaftszeichens. Indessen, da der Trank verhältnißmäßig nur von wenig Leuten genossen wird, so kann er auch, auf die Gesundheitsumstände des ganzen Volks, keine allgemeine Wirkung verursachen. Ein mäßiger Grad von Bewegung in ihren kühlen Haynen, wo sie theils spatzieren gehen, theils ihre ökonomischen Geschäfte abwarten; und die gelinde Anstrenguug, die sie beym Rudern ihrer Kähne, desgleichen beym Fischfang anwenden, alles dies stärkt den Körper ebenfalls. Wenn auch die Sonne, welche dort zuweilen im Scheitelpunkte steht, durch ihre Hitze die festen Theile zu sehr erschlaffen sollte, so wird dieses doch durch wiederholtes Baden in der See, und durch Abwaschen mit frischem Wasser wiederum gut gemacht. Gemeiniglich badet man sich Morgens und Abends, oder auch nur einmal des Tages, je nachdem es ein jeder gewohnt ist. Indeß ist die unmerklich« Ausdünstung in heissen Ländern so beträchtlich, daß der Körper darunter leiden, und die Säfte zur Fäulniß geneigt werden könnten; daher pflegen die Insulaner, sich zuweilen das Haar, den Kopf, oder gar den ganzen Leib mit Kokosöl zu salben, um dadurch der allzuhäufigen Ausdünstung vorzubeugen Franz Pyrard ( Voyage L.i. p.126. ) sagt eben das von den Einwohnern der Maledivischen Inseln. . Das Oel wird mit wohlriechendem Holz, Früchten, Blumen und Blättern zubereitet. Rechnet man zu allem bereits Angeführten noch das fröliche Temperament der Insulaner, ihr sorgenfreyes Leben, die Einfalt ihrer Sitten, nebst der fast allgemeinen Mäßigkeit, so ist leicht zu begreifen, warum sie von einem Heere von Krankheiten verschont geblieben sind, welches bey uns die schrecklichsten Verwüstungen anrichtet. Auf allen jenen Inseln fanden wir wenige mißgestaltete oder gebrechliche Personen; doch sind sie nicht gänzlich ftey von körperlichen Fehlern. Ich habe etliche Schielende, andere, die ein Fell auf dem Auge hatten, und verschiedene Einäugige angetroffen. InTanna bemerkte ich bey mehreren eine Schwäche der Augenlieder, so daß sie solche nicht aufziehen konnten, sondern den Kopf zurückbeugen mußten, um einen Gegenstand, der mit ihrem Kopfe in gleicher Hohe stand, gewahr zu werden. Dieses Uebel scheint mir nicht ganz zufällig, indem ein Mann nebst seinem kleinen sechsjährigen Sohne zu gleicher Zeit damit behaftet waren. Es mochte also wohl von der in ihrer Familie üblichen Lebensart, oder von der ungesunden Lage ihrer Hütte; oder endlich von einem Erbfehler herrühren, und solchergestalt in der Familie transcendent seyn. Es giebt Beyspiele, daß Stummheit und Taubheit sich von Aeltern auf Kinder fortgepflanzt haben, Blindheit desgleichen. Leute mit vier und sechs fingrigten Händen haben eben solche Kinder gezeugt. Im gegenwärtigen Falle würde ich jedoch eher glauben, daß der paralytische Zufall in den Augenliedern, von der etwas sumpfigen Lage der Hütten, worin sich die damit behafteten Familien aufhielten, und vielleicht auch von dem beständigen Rauch herrührte, den sie des Nachts in ihren Hütten unterhalten um Mücken und Schnaken, welche in ihren feuchten Wäldern sehr häufig sind, zu verjagen. Dies ist um soviel wahrscheinlicher, da es gewisse Arten von Hölzern giebt, deren Rauch theils völlige Blindheit, theils eine merkliche Verminderung und Schwächung der Sehkraft verursacht. S. Osbecks Reise, I. Theil S.320. (Engl. Ausgabe.) Weiter bemerkte ich einige Bucklichte, und einige verwachsene, einige mit schiefen Beinen, und einen dem ein Bein fast gänzlich verdorrt war. Unter den Neuseeländern sahe ich einen wohlgestalteten Menschen mit einer lahmen Hand; da wir aber anfänglich der Sprache nicht kundig, und auch mit allerley Beschäftigungen überhäuft waren; so konnten wir den Ursachen solcher Verstümmlungen nicht allemal gehörig nachforschen. In Huaheine hatte ein Mann einen Nabelbruch, und eben daselbst ein andrer, einen zur Größe eines Kinderkopfs ausgedehnten skirrhösen rechten Hoden, dergestalt, daß der ganze Hodensack und die Haut der Ruthe, damit angefüllt war, und die Oefnung zum harnen seitwärts lag. Gleichwol war der Mensch recht stark und thätig, und stieg die zum Schiffe führende Leiter eben so behend und unbesorgt hinan, als ob ihm nichts gefehlt hätte. Unter die von uns bemerkten Krankheiten dieser Völkerschaften zähle ich zuerst den Husten, der sich bey mehreren Personen, besonders des Morgens und Abends einstellt. Wahrscheinlich entsteht er von Erkältung, wenn sie von frischen Regenschauern übereilt werden, oder des Nachts, beym Fischfang auf den Riesen, sich erkälten, oder auch wenn sie in ihren eigenen Hüttten unter allzu leichter Bedeckung schlafen. Eine zwote, dort ziemlich allgemeine Krankheit, welche verschiedene Grade hat, ist, in ihrer höchsten Bösartigkeit, ein wahrer Aussatz. Der erste Anfang besteht in einer schuppenähnlichen Abblätterung der Haut, die alsdenn von weißlicher oder auch ganz weisser Farbe ist. Bisweilen nimmt dies Uebel den ganzen Körper, bisweilen nur ein Bein oder beide, oder auch den Rücken, ein; bisweilen war es nur an einzelnen Stellen vorhanden. Mit dieser blätterigen Hautkrankheit hatten noch zwey andere Erscheinungen einige Ähnlichkeit. Die erste, die man ziemlich oft an den Einwohnern bemerkte, bestand darinn, daß die Haut rauh und als wäre Reif daraus gefallen, aussähe; dies rührte aber nicht von einer Krankheit, sondern lediglich von Salztheilchen her, welche sich, wenn die Leute an das Schiff geschwommen waren, vom Seewasser angesetzt hatten, aber eben so leicht sich wieder abreiben liessen. Die zwote Erscheinung ist eine Würkung des oben erwähnten Pfeffertrankes, wenn er zu häufig getrunken wird. In diesem Falle sieht die Haut gleichsam wie verschrumpft, von Hitze und Winden spröde und dürr gemacht aus, ist schwärzlich, und blättert sich zuweilen in kleinen Schuppen ab. Dabey sind gemeiniglich die Augen roth, entzündet und triefend, der Leib fängt an zu schwinden, und die Verstandskräfte nehmen ab. Man versicherte uns, daß alle diese Symptome lediglich von dem unmäßigen Gebrauch des Pfefferaufgusses herrührten. Die Schuppen sind bey dieser Krankheit nicht so hart und rauh anzufühlen, als diejenige Rauhigkeit, welche das Seewasser verursacht, und es pflegt gemeiniglich eine Geschwulst darunter zu liegen. Nimmt die Krankheit überhand so entstehen in den weißen Flecken Geschwüre, welche sich unter der Haut fortziehen, schwammigt aussehen, und, aus einer Oefnung welche mit rothem schwammigten Fleisch umgeben ist, eitern. Zwischen den weissen Flecken sind bisweilen auch röthliche oder grüngelbe Stellen. Eine zwote Abart dieser schrecklichen Krankheit besteht in runden und länglichten purpurfarbnen Erhöhungen auf der Haut, von der Größe eines Conventionsthalers, die bisweilen so aussahen, als ob ein Theil herausgefallen wäre, und das übrige sich in ein Geschwür, mit rothem schwammigten Rande, verwandelt hätte. Auf der Insel Ea-uwe, oder Middelburg, war eine Frauensperson mit dergleichen Geschwüren behaftet; ihr Gesicht war sehr angeschwollen, über und über roth, grüngelblich und eiternd; die Nase war bereits weggefault, und die Wangen sahen rochen Schwämmen ähnlich. Die rothen, triefenden Augen waren tief eingesunken; mit einem Worte sie befand sich in einem bejammernswürdigen Zustande. Noch eine andre Art derselben Krankheit bemerkte ich in der nämlichen Insel. Einer von den Einwohnern hatte, auf dem Rücken, auf der linken Schulter und auf dem Oberarm ein Geschwür, welches um einen viertels Zoll über der Haut erhöhet, und ganz grünlichroth war. Die hervorstehenden Ränder, nach den Extremitäten hin, hatten eine häsliche gelbe Farbe. Es eiterte aber nicht ob es gleich sehr darnach aussahe. Für diese Art von Geschwüren haben die Einwohner keinen besondern Namen; sondern nennen sie, wie alle übrige Arten des Ausschlags, der Hitzblattern, u.s.w. Epà. In Tahà, o-Raietea, Tongatabbu und Neukaledonien war, bey verschiedenen Mannspersonen, ein oder beide Beine ganz ungeheuer dick angeschwollen. In diesem Zustande hatte die Haut des kranken Theils eine grünliche Farbe, und fühlte sich sehr hart an. Die Geschwulst reichte mehrentheils vom Knie bis an die Knöchel, auch wohl tiefer herab bis an die Zehen, und zuweilen auswärts bis in den Schenkel. Sie hinderte indeß die damit behafteten Leute nicht, recht scharf zu gehen, auch nahmen sie nicht Anstand, bis an den Bauch im Meere zu waten. Die einzige Beschwerde welche sie davon hatten, bestand in einem etwas keuchenden Athem. Dies ist vermuthlich die in Ostindien, an der Malabarischen Küste, bekannte Elephantiasis Es ist bekannt daß die Indier, die sich St. Thomaschristen nennen, eine Krankheit haben, welche man pedes strumosi nennt; Miscell. Médico. phys. Decur. III. tom.III. Obs.13. Sanchez diss. sur la maladie venerienne. . In Neukaledonien hatten zween Männer jeder einen dicken Arm von eben der Beschaffenheit. Bey unserer Ankunft zu O-Taheiti, im Jahr 1773, erfuhren wir, daß, einige Monathe vor uns, ein spanisches Schiff da gewesen wäre, welches die Insulaner Pahei-no Peppe, das Schiff von Peppe, nannten. Den Befehlshaber desselben hießen sie t-Errire, und den Matrosen, die er an Bord hatte, gaben sie schuld, daß sie eine neue Krankheit, e-Pá-no-Peppe, das Geschwür von Peppe, unter ihnen eingeführt hätten. Bey der Rückkunft von unsrer Reise am Cap, erzählte uns Hr. Crozet, Capitain eines französischen Ostindienfahrers, und einige Officiere der spanischen Fregatte Juno, welche damals Don Juan de Arraos commandirte, bekräftigten es, daß im Jahr 1773 zwey spanische Schiffe, unter dem Befehl des Don Juan de Langara y Huarte, auf Entdeckungen im Südmeere ausgelaufen, und bey Taheiti vor Anker gegangen wären. Die Insulaner bezeugten, daß die neue Krankheit, Pá-no-Peppe, in ofnen Geschwüren bestände, welche mit Engbrüstigkeit vergesellschaftet wären; daß dabey zuletzt alle Haare ausfielen, und der Tod erfolge, und sie fügten hinzu, daß dies Uebel durch den Umgang der Spanier mit dem taheitischen Frauenzimmer auf die Insel gekommen wäre. Anfänglich glaubten wir also, daß die Krankheit venerisch seyn müßte; allein, wenn man bedenkt, daß die spanischen Schiffe von Callao bey Lima kamen, woselbst man viele Negersklaven hält, die öfters mit verschiedenen Arten von Aussatz, namentlich mit der Elephantiasis, behaftet sind; so wird es nicht unwahrscheinlich, daß einer oder der andre in der Schiffsgesellschaft die Elephantiasis haben, und die Einwohnerinnen dieser Inseln damit anstecken konnte. Bekanntlich können einige Arten des Aussatzes durch Beywohnung mitgetheilt werden, und die Kranken dieser Art pflegen, was die Vermischung mit dem andern Geschlechte betriff, oft noch wenige Augenblicke vor dem Tode, im äussersten Grade auszuschweifen. Was die Wahrscheinlichkeit dieser Vermuthung bestätigt, ist, daß die Symptome welche Aretäus und Paulus Aegineta von der Elephantiasis anführen, mit einigen der erwähnten übereinstimmen. Genauere Beobachtungen liessen sich im gegenwärtigen Falle nicht anstellen, indem uns von denen mit dieser Krankheit angesteckten Leuten, niemand zu Gesichte kam. Es bleibt daher auch noch zweifelhaft, ob das Uebel wirklich von den spanischen Matrosen herrührt oder nicht; denn wie leicht pflegt man nicht, Fremdlingen die Ausbreitung einer Krankheit unverdienterweise zuzuschreiben, wenn die Zeitpunkte ihrer beiderseitigen Erscheinung, in irgend einem Lande, zusammentreffen? Im Jahr 1769 nachdem Capt. Cook Taheiti und die Societätsinseln verlassen hatte, war die Hälfte seiner Leute mit venerischen Krankheiten angesteckt S. Hawkesworths Geschichte der englischen Seereisen und Entdeckungen im Südmeere, Edition in 4to. 2.Theil, S.230. u.f. und in 8.Theil. 3.Seite. 545-547. . Man hatte damals die Reisegefährten des Herrn von Bougainville in Verdacht, daß sie diese Krankheit dorthin gebracht hätten. Der Herr von Bougainville S. dessen Beschreibung seiner Reise um die Welt. hingegen scheint den Verdacht auf die Mannschaft des unter Capt. Wallis hier vor Anker gegangenen Schiffes zu werfen, die sich ihrer Seits durch die Versicherung dagegen vertheigen, daß sie, weder während ihres Aufenthalts in o Taheiti, noch bald hernach einen einzigen venerischen Kranken gehabt hätten Hawkesworths Geschichte der englischen Entdeckungen im Südmeere. Edition in 4to. 1.Th. S.265. u.f. und in Octav I.Theil. S.369.370. . Wir waren wenigstens fünf Monathe lang zur See gewesen, ehe wir, im Jahr 1773, nach Charlottensund in Neuseeland kamen. Keiner von unsern Matrosen hatte das geringste venerische Symptom, welches doch schwerlich so lange Zeit in ihrem Körper hätte verborgen liegen können, da sie, seitdem wir vom Vorgebirge der guten Hofnung ausgelaufen waren, nichts anders als gesalzenes Rind- und Schweinefleisch, und dagegen kein frisches Zugemüse genossen, auch Brandtwein in Menge getrunken hatten, und überdies der Nässe und Kälte eines rauhen Himmelsstrichs beständig ausgesetzt gewesen waren. Wären sie angesteckt gewesen, so müßte dies alles zusammengenommen den heftigsten Ausbruch der Krankheit verursacht haben, den sie ihrem Wundarzte gewiß nicht verheelt hätten. Allein, sechs Monathe nachdem wir das Vorgebirge der guten Hofnung verlassen hatten, giengen wir auch von Charlottenssund wieder unter Seegel, und gleich darauf entdeckte ein Midschipmann (Seekadet) auf der Adventure, daß er die Seuche von einer Neuseeländerin bekommen habe. Unsere Mannschaft wurde im Jahr 1773 in o-Taheiti und den Societätsinseln ebenfalls angesteckt. In den freundschaftlichen Inseln ward den Angesteckten der Umgang mit den Frauensleuten verboten, mithin die Seuche diesen Insulanern nicht mitgetheilt. Dafür ward aber auch keiner von unsern Leuten hier angesteckt. Die Marquesasinseln und Ostereiland, wohin unsere Leute frey von allen venerischen Symptomen kamen, verließen wir auch wieder eben so frey davon. Hingegen hatten wir 1774 nach dem zweyten Besuch auf o-Taheiti und den Societätsinseln, wiederum eine Menge Patienten. Während den wenigen Tagen, welche wir in Namoka zubrachten, ward die Infektion vermuthlich weder von unsrer noch von Seiten der Eingebohrnen fortgepflanzt. In den westlichern Inseln Mallicollo, Tanna und Neukaledonien hatten unsre Matrosen keinen Umgang mit den Frauenspersonen; allein bey ihrer Rückkehr nach Neuseeland, wurden sie von neuem angesteckt. Es scheint überhaupt, daß die Lustseuche nicht erst seit kurzem auf diesen Inseln eingeführt worden, sondern daß sie daselbst schon längst bekannt gewesen ist. Ohediddi oder Maheine, der junge Mann aus Borabora, der uns im Jahr 1773 von o-Raietea aus begleitete, pflegte zu erzählen, daß diese Krankheit in Borabora sehr gemein wäre, obgleich kein europäisches Schiff daselbst angelegt hatte; ja, wir erfuhren von ihm, daß seine eigene Mutter an dieser Krankheit, noch vor Ankunft der Europäer, gestorben wäre. Sollte demnach diese Seuche nicht von einer solchen Beschaffenheit seyn, daß sie durch unzüchtige Ausschweifungen, und durch einen unordentlichen Umgang zwischen mehreren Personen beiderley Geschlechts, entstehen könnte? daß in O-Taheiti und den umliegenden Inseln Beyspiele von dergleichen Ausschweifungen nichts seltenes sind, ist nunmehr bekannt genug. Sollte es so gar unbegreiflich seyn, daß eine Krankheit, welche sich durch die Beywohnung fortpflanzt, unter einem wollüstigen Volke, welches in einem heissen Erdstriche wohnt, und ohnedies zum Aussatz geneigt ist, überhand nähme? Wir bemerkten unter den Einwohnern einige bedaurenswürdige Opfer dieser schrecklichen Krankheit, an denen sie bereits den höchsten Gipfel erreicht hatte. Dem Gefühl unserer Leser können wir die nähere Beschreibung eines so traurigen und ekelhaften Gegenstandes füglich ersparen. G.F. Sanchez hat in seinen beiden kleinen Traktätgen (Dissertation sur l`origine de la maladie venerienne Paris, 1752. 12mo. Examen historique sur l`apparition de la maladie venerienne en Europe. Lisbonne (Paris) 1774, hinlänglich erwiesen, daß die Lustseuche keinesweges zuerst aus Amerika nach Europa gebracht worden sey. Er zeigt, daß diese Krankheit bereits im März 1493,in Italien sowohl als auch in Auvergne in Frankreich, bemerkt worden ist. Gerade zu derselben Zeit war Christoph Columbus noch auf der Rückreise von Amerika nach Spanien begriffen; denn er landete am 15ten März 1493 zu Sevilla, und kam ohngefähr in der Mitte Aprils desselben Jahrs nach Barcelona, woselbst sich der Hof damahls aufhielt. Aus einer Schrift, die einen spanischen Arzt, Peter Pintor, zum Verfasser hat, erhellet, daß die venerische Krankheit im März 1493, in Rom bereits gewüthet habe; und aus verschledenen andern Schriftstellern ist erweislich, daß diese Krankheit um eben diese Zeit bereits als eine Epidemie in ganz Italien sich ausgebreitet hatte. Pacificus maximus ein Dichter, dessen Werke 1489 zu Florenz gedruckt sind, beschreibt die venerische Seuche so deutlich, daß sie ohne allen Zweifel schon damals völlig bekannt gewesen seyn muß. In der Kirche St. Maria del popolo zu Rom, sieht man das Denkmal eines gewissen Mario Alberti, qui annum agens XXX. peste inguinaria interiit, Anno 1485 ; acht Jahre vor Columbus Rückkehr von seiner ersten Reise. ( Viaggiana , or detached Remarks on the buildings, pictures, statues, inscriptions, etc. of ancient and modern Rome. London 1776 ) Die Juden, die aus Spanien vertrieben wurden, brachten, wie Leo Africanus , bezeuget, ( Descr. Africae L.I. p.86, ed Elzev. Lugd. Bat. 1632. 16mo.) diese Krankheit nach Afrika, wo man es die spanische Seuche, malum hispanicum nannte, Mariana (Lib. XXXIV. Cap.I, ad.ann.1492.) sagt aber ausdrücklich, daß der Befehl, die Juden aus Spanien zu vertreiben, im März 1492 gegeben, und daß man ihnen nur vier Monathe Frist gelassen habe. Mithin waren sie vermutlich schon im Junius 1492 ehe noch Columbus abreiste, hinübergezogen; Auch fehlt es nicht an andern Beyspielen, in noch ältern Zeiten, wo die Symptome der Lustseuche bekannt gewesen, und deutlich beschrieben worden sind: Alfonsus I. König von Neapel, starb im Jahr 1458 an der Gonorrhöe, oder wie sich Tristano Carraciolo de varietate fortunae , ausdruckt: morbo insuper immundo et pertinaci, involuntario scilicet insensibilique seminis Fluxu . Ladislas, König von Neapel, starb 1414 an einer ansteckenden Krankheit der Geburtstheile, die er von einer Maitresse bekommen hatte, L'art de verifier les dates, p. 903. et Cardani Chronicon , von 1410-1494). Mehrere Beyspiele, daß die Lustseuche auch den Alten bekannt gewesen, findet man in Joh. Zachar. Platners Opusculis Tom.II. Prolus.3. de morbo Campano p. 21. Lipsiae, 1748 4to. Petrus Martyr de Angleria ( Epist. lib.I. No.67 vom 5ten April 1489) führt an, daß Ario Barbosa, Professor in Salamanca, dazumal die bubat d.i. Die Lustseuche gehabt hätte. Endlich erhellet aus Muratori Collect. Scriptor: Historiae Ital. Tom. XVl. p.554. 555. (nach dem Chronico Placentino ) daß im Jahre 555 nach Christi Geburt eine pestilentialische, epidemische Krankheit in Italien gewüthet habe, welche nebst andern auch diese merkwürdigen Symptome hatte, daß die Drüsen, hauptsächlich diejenigen in der Gegend der Geburtsglieder, zur Größe einer welschen Nuß anschwollen, worauf eine unleidliche Hitze entstand; und daß die Kranken mehrentheils in Zeit von ein paar Tagen daran starben. Aus Briefen des Königl. Dän. Leibarztes, Herrn Henslers, an einen meiner Freunde ln London, habe ich mit Vergnügen ersehen, daß er mehrere wichtige Fakta älterer Zeiten, aus Chroniken und alten Urkunden gesammelt hat, die es außer allen Zweifel setzen, daß diese Krankheit in verschiedenen europäischen Ländern einige Jahrhunderte vor Columbens Entdeckung von Amerika bekannt gewesen, und daß, im Norden von Deutschland, vor allen andern Ständen, die Mönche zur Ausbreitung dieser Seuche beygetragen haben. (Ein mehreres hiervon besagt dieses Verfassers so eben erschienenes gelehrtes Wort über diese Materie) Man sehe ferner die Philosophical Transactions Vol XXVII u. XXXI. No.365. hierüber nach. Herr André, Wundarzt und Apotheker ln London bemerkte in seinen Observations on the Theory and Treatment of the Veneral disease 8. daß die Lustseuche auch in England vor der Entdeckung von Amerika bekannt gewesen ist. Er erwähnt zu dem Ende einer Originalhandschrift eines alten Kirchenrituals, für die Diocese von Winchester, welche Dr. W. Becket in den Phil. Trans. No.355 Abrigd. Ph. Trans. Vol.V. p.382 seq. auch schon anführt, und woraus er mit völliger Gewisheit erweiset, daß diese Krankheit damals the Brenning (Burning) of an Harlot , das Brennen einer Hure, heißt. Daher nannten es die französischen Schriftsteller jener Zeit la Brulure; und in lateinischen medicinischen Büchern, findet man dafür incendium . In einer Schrift des Ioh. Arden, Esquire , der Richards des zweyten und Heinrichs des vierten Wundarzt war, (1377 – 1413.) und um das Jahr 1380 schrieb, findet man die letzterwähnte Benennung. Ein anderer Schriftsteller um das Jahr 1390 nennt die Gonorrhöe the Brenning of the pyuryl, that men clepe the Apegalle , von Galle ein ofnes eiterndes Geschwür, und Ape. pudenda ; wovon noch das englische Wort Apron , Schürze, herkommt. Das vorhinerwähnte book of ordinances, rules and Costumes welches dem Blschof von Winchester gehört, ist um das Jahr 1430 geschrieben. Es ergiebt sich also, aus den angeführten Gründen, zur Gnüge, daß die venerische Krankheit auch in älteren Zeiten nicht ungewöhnlich war. Um 1493 aber brach sie mir neuer Heftigkeit hervor, und ward durch die Beywohnung ansteckend, indem sie vielleicht auf andre epidemische Krankheiten gepfropft wurde. Nach alle diesem wird es nun auch begreiflicher seyn, wie diese Krantheit, bereits vor Ankunft der Europäer, in Taheiti habe entstehen können. Ausser den vorhingenannten Krankheiten hatte Tohwa, der oberste Befehlshaber der taheitischen Flotte, und einer der Oberhäupter vom Distrikt Attahuru, Symptome vom Podagra, die so wenig zweydeutig waren, daß, von uns Europäern, ein jeder sie dafür erkannte. Er war von starker Leibesconstitution, und dabey sehr corpulent; vermuthlich hatte er also diese Krankheit der unter Personen seines Standes so sehr eingerissenen Unmäßigkeit im Essen zu verdanken. Noch bemerkte ich öfters an den Einwohnern kleine Entzündungen der Augenlieder, und zuweilen einige Symptome der Wassersucht. Wahrscheinlich giebt es auch noch andre Krankheiten unter ihnen, die wir, während unseres kurzen Aufenthalts, nicht alle entdecken konnten. Die taheitischen Aerzte, die bey ihnen Tahauwamai heissen, Tahauwa heißt auf taheitisch ein Priester; mai, oder momai, ein Schmerz, eine Wunde, eine Krankheit; aus diesen beyden ist das Wort Tahauwa-mai welches den Arzt oder Wundarzt bedeutet, zusammengesetzt; und fast scheint es, daß dadurch die Aerzte gewissermaassen unter die Priester gerechnet werden. Es kommt mir auch nicht unwahrscheinlich vor, daß sie biswellen bey ihren Kuren von Gebeten, Ceremonien und Beschwörungen Gebrauch machen. (Siehe Hawkesworths Geschichte der englischen Seereisen und Entdeckungen im Südmeere, Edition in Quart 2 Theil S.282. 229. und in Octav Theil III, S.544. scheinen eben nicht sehr ausgebreitete Kenntnisse zu besitzen, denn für die hier erwähnten schwereren Krankheiten gestehen sie offenherzig, daß ihnen kein Heilmittel, oder Irrepau, bekannt sey. Indessen wird in der Hawkesworthischen Geschichte der englischen Seereisen und Entdeckungen im Südmeere Edit. in Quarto, 2 Th. S.230. u. in Oct. Th.3. S.546. ein Beyspiel angeführt, aus welchem zu folgen scheint, daß sie die venerische Krankheit zu heilen wissen. Auch uns sagten einige, daß es ein Mittel wider diese Krankheit gebe; allein, entweder war es ihnen selbst nicht bekannt, oder sie machten uns ein Geheimniß daraus. Von einer Stachys die bey ihnen Enia-rohitti heißt, einer Cotula (E-Wainu) und einer dritten Pflanze, Etuhu, welche gequetscht werden, mächen sie Umschläge auf Wunden; jedoch kann ich nicht bestimmen, wie weit die heilsamen Eigenschaften dieser Kräuter gehen mögen; denn, bey der einfachen Lebensart und dem gesunden Körper der Einwohner heilt jede Wunde ohnehin leicht genug. Demohngeachtet kann die Wissenschaft, Wunden vermittelst Umschlägen von Kräutern zu heilen, sich von ihren Voreltern, durch die Tradition, fortgepflanzt haben, und, in einem geringern Grade, eben das seyn, was Aeskulaps Wissenschaft war, dessen Söhne im troyanischen Kriege die verwundeten Griechen verbanden; denn diese scheinen, ausser einigen chirurgischen Operationen und der Zusammensetzung einiger Pflaster, eben nicht weitere Kenntnisse besessen zu haben. Die Narben, die wir bey manchen Taheitiern wahrnahmen, gaben der Kunst ihrer Wundärzte nicht immer das beste Zeugniß; neben einigen gut geheilten, fanden sich auch mehrere mit erhabenen Näthen. Ein glückliches Beyspiel von der ersten Gattung konnte O-Retti, der Erih von O-Hiddia und Freund des Herrn von Bougainville, aufweisen, indem von einer Wunde, die er über den Schläfen, durch einen Steinwurf, bekommen hatte, keine Spur von Narbe zu sehen war, ohnerachtet der Stein den Schädel dergestalt eingedruckt hatte, daß man eine Faust in die Hölung legen konnte. Bey den Einwohnern der freundschaftlichen Inseln bemerkten wir, daß sie, fast durchgehends, auf jedem Backenknochen einen Fleck hatten. Bey einigen hatte die Haut blos eine andre Farbe, bey andern aber war der Fleck mit einem Schorf bedeckt, und bey noch andern sahe die Stelle roth und wund aus, als ob sie eben von irgend einem ätzenden Mittel angegriffen, oder, nach Art der japanischen Mora, cauterisirt worden wäre. Alle orientalischen Aerzte brauchen Brennmittel gegen gewisse Krankheiten. Die Araber laßen auf dem schmerzenden Theile des Körpers ein Stück Baumwollenzeug zu Asche brennen. Die Indier und Malayer bedienen sich verschiedener Aetzmittel, wovon das gewöhnlichste das Mark einer Art Binsen ist, welches in Sesam-Öl getaucht wird. Die Schinesen und Japanesen bedienen sich des Wollhaars von den jungen Blättern des Beyfußes ( Artemisia vulgaris ) machen daraus ein kleines Häufchen, legen solches auf das kranke Glied, und lassen es auf selbigem zu Asche brennen. Einige niederländische Aerzte haben dieses Mittel wider die Gicht und Rheumatische Zufälle empfohlen, allein es hat kein sonderliches Glück gemacht. Die Lapländer bedienen sich, in eben der Absicht, des gemeinen Zunderschwamms ( Boletus igniarius ) (S. Knud Leems Beschreibung der Lappen.) Die Beduinen nehmen Baumwolle dafür (S. D'Arvieux Reisen nach Palästina), und Leeuwenhoek hält diese Methode für eben so gut als die Moxa. S Rob. Hooks philosophical Experiments and Obss. p. 73 . Sonst haben von der Moxa noch geschrieben: Valentinus in Epistola ad Cleyerum, in Act. Nat. Curios, Kaempfer in Amoen Exot. p.589, seqq. – Ejusd. history of Japan. vol. II. app. p.37. – P.S. Pallas in s. Sammlung historischer Nachrichten über die Mongolischen Völkerschaften, p.169.170. J. G. Gmelin Flora Sibirica I. p.170). Auf unser Befragen, wozu es diene? deuteten die Einwohner auf die Augen, daher wir glaubten, es sey ein Mittel gegen Augenschmerzen. In der vorläufigen Nachricht die seitdem von Cooks letzter unglücklicher Reise heraus gekommen ist, heißt es, daß diese Flecke Zeichen der Trauer wären, welche sich die Ueberlebenden beym Absterben ihrer nächsten Verwandten einbrennen liessen; wie weit dies gegründet sey , wird sich aus der authentischen Beschreibung von Cooks lezter Reise in die Südsee ergeben, welche aus dessen Handschriften in England herauskommen soll, und von welcher ich, im Verlage der Haud und Spenerischen Buchhandlung in Berlin, eine deutsche Übersetzung herausgeben werde. G. F. Auf welche Art es zuwege gebracht würde, hatten wir keine Gelegenheit zu erfahren. Der taheitische Arzt, oder Tahauwa-mai, muß nicht nur die verschiedenen Heilmittel kennen, deren man sich auf jenen Inseln gewöhnlich bedient, sondern er besitzt gemeiniglich noch eine allgemeine Naturkenntniß, sofern sie den eingeschränkten Begriffen seines Volkes angemessen ist. Fast möchte ich glauben, daß er auch etwas von der Zergliederung wissen muß; denn woher sollten die Einwohner sonst ihre ziemlich genaue Kenntniß der inwendigen Theile des menschlichen Körpers erhalten haben? Für jeden dieser Theile haben sie eine eigene Benennung; als z. B. das Gehirn, Roro; das Herz, O-Huttu, die Leber, Paraia; die Nieren, Huahaua; der Magen, Opu-arahai; die Gedärme, Aau; die Blase, Obubu; der Blinddarm, Pau-ohure; die Gebärmutter, Awa, und das Netz, ( omentum ) Toa-hauwa. Eben so wissen sie auch die Namen der Pflanzen und Thiere in und um ihre Inseln; ja, oft scheint die Benennung einigen Beobachtungsgeist zu verrathen, indem sie eine Eigenschaft des Thiers oder der Pflanze ausdruckt. Man findet z. B. in O-Taheiti eine Art Riemenblume ( Loranthus ) welche, gleich den übrigen Pflanzen dieses Geschlechts, und wie unsre Mistel, auf andern Bäumen parasitisch wächst, und mit jener auf gleiche Art fortgepflanzt wird, indem die Vögel die Beeren verschlucken, und den Saamen unverdaut von sich lassen, der, wenn er auf einen Ast eines Baumes fällt, sofort zu keimen anfängt. Dieser Art der Fortpflanzung wegen, heißt die Pflanze auf otaheitisch Tute-Upa, Taubendreck, von einer Art Tauben (Upa) welche die Frucht davon begierig frißt. Ferner giebt es daselbst auch eine Art des Phyllanthus , dessen Blätter sich des Nachts zusammen legen und gleichsam schlafen, wie LINNE selbst es an andern Pflanzen nennt. Auch dieser kleine Umstand ist den Einwohnern nicht entwischt; sie haben das Pflänzchen, Moe-moe, die Schläfrige, genannt. Der Keulenbaum ( Casuarina equisetifolia ) hat ein überaus hartes und schweres Holz, welches zu Keulen verarbeitet wird, deren man sich im Kriege bedient; daher ist das Wort Toa, welches Krieg bedeutet, zugleich der Name dieses Baumes. Die Saamen der Urena lobata , haben die Eigenschaft unserer Kletten, daß sie sich an die Kleider hängen; sie werden daher Pirri-pirri genannt, welches sonst zusammenkleben, fest anschliessen; bedeutet. Eben dieser Beobachtungsgeist erstreckt sich bey den Einwohnern auch bis auf die Theile der Pflanzen; die Wurzel heißt, Ea; der Stamm unter der Erde ( Caudex intra terram ) Tumu; der Stamm über der Erde Eraau; die Zweige, Ama; die Blätter, Elau; der mittelste Schoß oder das Herz, Amau; die Blume, Tearri! die Frucht, Huerru. Noch merkwürdiger aber sind die Benennungen Oròe, der Blumenscheide der Kokospalme, und Te-Pewaye, der Blumenblätter ( bracteæ ), welche in der That eine genauere Aufmerksamkeit auf Gegenstände der eigentlichen Botanik verrathen. Diese Kenntniß bestätigte sich immer mehr, auf unsern Spaziergängen, wo die Insulaner uns oft an Pflanzen, die einander im Ganzen ähnlich sahen, die charakteristischen Unterscheidungszeichen derselben, in der Figur der Blätter, der abweichenden Beschaffenheit der Blumen, u.s.f. zeigten. Sie kennen auch die männlichen und weiblichen Theile der Blüthe, namentlich an der Kokospalme. Schmerzen, Krankheit und Wunden, waren es demnach, welche die ersten Menschen antrieben sich nach Heilmitteln umzusehen, das Pflanzenreich zu erforschen, und den Bau ihres eignen Körpers genauer zu untersuchen. Nichts geringeres als der Verlust alles Genusses, aller Glückseligkeit, die mit der Gesundheit zugleich verschwanden, weckte sie zur Anstrengung aller ihrer Fähigkeiten, um die Mittel zur Genesung aufzusuchen und anwenden zu können. 2) Das Andenken vergangener Thaten und verstorbener Männer, wird auch in Taheiti auf die Nachkommenschaft vererbt; die Einwohner wissen von den Vorgängen auf ihrer Insel genaue Nachricht zu ertheilen; jedoch ist hier die Rede nur von spätern Zeiten, denn da sie ihr eignes Alter nicht nach Jahren berechnen, so können sie auch den Zeitpunkt eines Vorfalls nie genau bestimmen. Sie begnügen sich mit dem Ausdruck: es geschah bey Lebzeiten meines Großvaters, Ureltervaters etc. Ausgezeichnete Begebenheiten und Namen berühmter Männer, werden in ihren Versen aufbewahrt, und, als die rohen Annalen ihrer Geschichte, bisweilen abgesungen. In diesem Betracht gleichen die Taheitier allen Völkern, denen es an Schriftzügen, oder einer anderen Art das Vergangene aufzuzeichnen, noch mangelt. 3 – 5) Die Taheitier besitzen aber auch ferner einige in die Sternkunde, Geographie und Schiffahrtskunde einschlagende Kenntnisse. Ich nehme diese drey Wissenschaften hier zusammen, theils wegen ihrer engen Beziehung auf einander, theils weil bey den Taheitiern die beyden ersteren nur Folgen und zugleich Hülfsmittel zur Erleichterung der letztern geworden sind. Denn das wenige, was ihnen von der Lage der Oerter und ihrer Beschaffenheit bekannt geworden ist, lernten sie bloß durch ihre Schiffarth, und wäre es ihnen, bey längeren Reisen, nicht um Wegweiser zu thun gewesen, so hät- ten sie schwerlich auf die Bewegungen der Himmelskörper geachtet. Nicht Neugier, sondern Bedürfnis lenkte ihren Blick auf die Sterne. Wenn sie auf der Reise nach den nahe gelegenen Inseln von einem Sturm betroffen, und fern von ihrer Richtung verschlagen werden, so würden sie vielleicht nie wieder ihre Heimath erreichen, wofern nicht einige Kenntnis von der Bewegung der Gestirne ihnen dazu behülflich wäre. Diese Kenntnisse, welche die Noth zuerst erfinden lehrte, werden jetzt, als ein Theil der Erziehung, von einer Generation auf die andere fortgepflanzt. Der Himmel ist in jenen Gegenden gewöhnlich heiter, und im ganzen Jahre nur wenige Tage hindurch umwölkt; die Einwohner des heissen Erdstrichs haben folglich hinreichende Gelegenheit die Bewegung der helleuchtenden Sterne wahrzunehmen. Die Dämmerung und Morgenröthe sind nicht, wie bey uns, von langer Dauer; die Sonne erscheint plötzlich in vollem Glanze, und gleich nach ihrem Untergange ist alles in dunkle Schatten versenkt. Jedermann mußte dort gewahr werden, daß die Sonne zu bestimmter Zeit, in Gegenden des Horizonts die einander gerade entgegen gesetzt sind, auf und unter gehe; denn die Abweichung durch das ganze Jahr beträgt dort nicht über fünfzig Grade. Eben diese Gegenden mußten den Einwohnern wegen des Auf- und Niederganges des Mondes merkwürdig werden; und in der Folge mußten sie ebenfalls entdecken, daß fünf Sterne, (die Planeten), wovon die meisten scheinbarlich eben so groß, ja noch größer als die ansehnlichsten unter den übrigen sind, in eben denselben Abschnitten des Horizonts auf und untergehen. Dies gab ihnen hinreichende Veranlaßung, jene Himmelsgegenden durch eigene Benennungen zu unterscheiden. Der Ort des Sonnenaufgangs heißt daher Tataheita, der des Sonnenuntergangs, Topa-t-Erà. Sie bemerkten ferner, daß die Sonne, vom Augenblick ihres Aufgangs an, sich bald mehr bald weniger, dem Scheitelpunkte nähert, daß sie alsdenn bis zu ihrem Untergange sich wieder in eben dem Maaße vom Scheitelpunkte entfernt, daß sie an gewissen Tagen im Jahre, wirklich senkrecht über ihren Scheiteln zu stehen kommt, und daß alle jene Punkte der täglichen Annäherung zum Zenith, in einer Linie liegen. Diesen Meridian oder die Mittagslinie nennen sie T'Erà-Hwattèa; die Nordspitze derselben Tu-errau, und die entgegengesetzte auf dem Horizont, oder Süden, Toà. Zwischen diesen Cardinalpunkten haben sie auch Benennungen für einige Unterabtheilungen, die mir zwar genannt wurden, doch so, daß ich nicht im Stande war zu bestimmen, wie sie sich zu unserm Compaß verhalten. Soviel ich weiß, theilen sie den ganzen Horizont in zwölf Abschnitte, mithin fallen zwischen zwey Hauptpunkte, noch zwey andre. Die Bemerkung, daß die Brodfrucht, als die vorzüglichste Nahrung der Einwohner, innerhalb zwölf Monden nur einmal wächst, konnte ihnen nicht entgehen. Sieben Monate lang sammelt man diese Frucht, in größerer oder geringerer Menge, von den Bäumen; die übrigen fünf Monate hindurch ist keine Frucht daran vorhanden. Es war natürlich, den Grund einer so auffallenden Erscheinung erforschen zu wollen, und eben so natürlich, ihn in der scheinbaren Bewegung der Sonne zu finden. Bey der Sonnenwende im December steht die Sonne in O-Taheiti südwärts vom Zenith, bey der andern im Junius, nordwärts; folglich geht sie zweymal im Jahr durch den Scheitelpunkt. Ohngefehr zwey Monate vor und nach der südlichen Sonnenwende, ist die Brodfrucht sehr selten auf der Insel, hingegen vom März bis August überaus häufig, indem sie im März oder Anfang Aprils zu reifen anfängt. Diese Jahrszeit heißt daher auch Pa-Uru nach dem Na- men der Brodfrucht (Uru). Bey dem milden Klima pflegt, bald hie bald dort, ein Brodbaum, je nachdem er in einem höher gelegenen Thale, oder an der Südseite eines hohen Berges etc. steht, zu einer Jahrszeit Früchte zu bringen, wenn die mehresten Bäume bereits längst davon entblößt sind. Dergleichen einzelne Bäume liefern dann denen Erihs und vornehmsten Personen der Insel, diese Frucht in ununterbrochener Folge, in- deß sich der gemeine Mann, theils mit groben Plantanen, Rattanüssen, ( Inocarpus fagifera ) Jams- und Aronswurzeln ( Dioseorea alata; \& Arum macrorhizon \& esculentum ); theils mit dem aus Brodfrucht bereiteten sauergegohrnen Teige, Mahei, begnügen muß Die Zubereitung dieses Teiges lieset man in Hawkesworths Geschichte der englischen Seereisen, Edition in 4 Theil ll. S.196 197. und in Octav. dritter Band S. 499. . Die ganze Zeitfrist, während welcher der Brodbaum seine Frucht bringt, mit Einschluß derjenigen Monate wo man keine Frucht auf den Bäumen an- trift, also eigentlich ein ganzes Jahr, heißt auf taheitisch: Tàu. Man zählt dort aber auch die Revolutionen des Mondes, und nennt sie, wie den Mond selbst, Marama, oder Malama. Mir rechneten sie dreizehn Monden vor, und sagten alsdenn: Harre-te-tau; das Jahr ist hin: auch fügten sie noch hinzu: Umannu, d. i. oft oder vielmal, womit sie vielleicht sagen wollten, daß der Cyclus von Monden jährlich wiederholt werden muß. Ihr Jahr fängt im März an, um welche Zeit sie auch anfangen Mahei, oder den sauer gegohrnen Teig aus Brodfrucht zu bereiten, wozu sie die reifen Früchte in großer Menge abpflücken. Es entsteht also gerade zu dieser Zeit ein Mangel an frischer Brodfrucht, der in der Folge immer zunimmt. Aus der blossen Aufzählung von dreizehn Monden mag ich indeß nicht folgern, daß das tabeitische Jahr wirklich aus so vielen Lunationen besteht; vielmehr glaube ich, daß es deren eigentlich nur zwölf enthält, der dreizehnte aber von Zeit zu Zeit eingeschaltet wird, um das Sonnen- mit dem Mondenjahre zu gleichen. Wie oft dieses geschehe, ist mir unbewußt. Die Benennungen der Monden setze ich zur Befriedigung des Lesers her: 1) O-Porori-0-Mua. Einige dieser Namen haben bekannte Bedeutungen; andre sind mir unerklärbar. 1.O-porori-mua kann heissen: der erste Hunger oder Mangel, und 2.O-porori-0-muri, der letzte Mangel. Einigermassen paßten diese Benennungen, wenn man auf die oben angeführte Bemerkung achtet, daß die Brodfrucht gerade um die Zelt wenn sie reift, am seltensten ist, weil sie alsdenn zum Mahei oder sauern Teige verbraucht wird. 4. Uhi-eipa hat sicher eine Beziehung auf den Fischfang mit Angeln. 8. O-te-Ari, heißt vermuthlich so wegen der jungen Kokosnüsse, welche alsdenn häufig sind. 9. O-te-Tai, spielt auf die See an; 11. Wäe-àhau auf das Zeug von Maulbeerrinde, und 12.Pi-pirri irgend eine Sparsamkeit, oder Geitzen, vielleicht ebenfalls mit Rücksicht auf den Vorrat von Früchten. Die in Klammern eingeschlossenen Namen sind blosse Varianten, nach der Aussprache verschiedener Einwohner. März. 2) O-Porori-O-Muri April. 3) Murehà May. 4) Uhi-Eiya Junius. 5) Hurri-ama, (ohwirri-ama) Julius. 6) Tauwa August. 7) Hurri-erre-erre (ohwirri-erre-erre) Sept. 8) O-te-Ari October. 9) O-te-Tai November. 10) Warehu (Owarehiu. S. Hawkesw. 2 Theil. S. 167 Dezemb. 11) Wá-àhau – Januar. 12) Pipirri Februar. 13) E-u-nunu   Ein jeder Monat enthält, wie man mir erzählt hat, neun und zwanzig Tage, welches mit der wahren Länge der Lunation ziemlich genau zutrift. Hat das Jahr nur 12 Mondenmonate, so enthält es also nur 348 Tage; 365 aber, wenn jedes Jahr 13 Monden enthält; im erstern Falle ist es 17 Tage zu kurz, im zweyten 12 zu lang. Hieraus scheint mir zu folgen, daß sie, auf eine uns nicht bekanntgewordene Art, das Sonnenjahr mit dem Mondenjahr wieder übereinstimmend zu machen wissen. Merkwürdig ist noch dieses, daß sie, wie die Perser, einem jeden der 29 Tage einen eigenen Namen geben. Der Mondenmonat fängt mit der ersten Erscheinung des Neumonds an; nach dem 28sten und 29sten Tage aber, pflegten sie hinzuzufügen: Mà-lama-matte, der Mond ist todt (d. i. unsichtbar.) Hieraus folgt aber, daß ihre Monden nicht allemal gleicher Länge seyn können, sondern bald 30 bald nur 29 Tage enthalten, je nachdem der Neumond früher oder später erscheint. Zählten sie allemal 29 Tage, so würden sie bisweilen die Erscheinung des Neumonds verfehlen, und der Ausdruck Màlama = matte, würde auf die beyden letzten Tage der Lunation nicht passen. Die Namen der Tage setze ich ebenfalls her, ohne ihre Bedeutung erlernt zu haben. l.Tirreo. 16.Oturu. 2.Tirrohiddi (Hoi rohiddi.) 17.Ra-au. 3.O-Hatta (Ha-otta) 18.Ra-au-hoi (rotto) 4.Ammi-amma. 19.Ra-au-haddi.(Hwaddi) 5.Ammi-amma-hoi(Hwaotti) 20.Ororo-tai (tahai) 6.Orre-orre. 21.Ororo-rotto. 7.Orre-orre-hoi (rotto.) 22.Ororo-haddi.(hwaddi) 8.Tamatea. 23.Tarròa-tahài. 9.Huna. 24.Tarròa-rotto. 10.Oràbu. 25.Tarròa-haddi.(hwaddi) 11.Maharru. 26.Tane. 12.Ohua. 27.Oro-mua. 13.Mahiddu. 28.Oro = muri. 29.Omuddu. Màtte-màrama. 14.Ohoddu. (Ohwoddu.)   15.Marài.   Der Tag hat bey den Taheitiern sechs Abtheilungen oder Stunden, und eben so viele die Nacht. Bey Tage wissen sie diese Abtheilungen ziemlich genau nach der Höhe der Sonne zu bestimmen; hingegen bey Nacht, nach den Sternen davon zu urtheilen, ist eine Wissenschaft, die nur wenigen eigen ist. Diese Stunden, deren jede zwo der unsrigen enthält, sind den schinesischen ähnlich, und jede hat ihren eigenen Namen. Ich erfuhr jedoch nur folgende davon. Mitternacht heißt: Otu-rahai-pò; der Zwischenraum von Mitternacht bis Tagesanbruch, Oetai-yaau; Tagesanbruch, Utaataheita; Sonnenaufgang, Erà-wau; wenn die Sonne anfängt warm zu scheinen, Erà-t'uwerra; wenn sie in den Meridian tritt, Erà-t'-uawatea; der Abend, vor Sonnenuntergang, Uaheihei, nach Sonnenuntergang, Erà-u-opò. Diese Zeitabschnitte erleichtern den Einwohnern ihre astronomischen Beobachtungen. Die Erfahrung lehrt sie, daß die Fixsterne ihre Lage gegen einander nie verändern, und daß sie an ihrem Horizonte zu gesetzten Jahrszeiten auf und untergehn. Mit Hülfe dieser Kenntnisse wissen sie, bey Nacht, die scheinbare Bewegung der Planeten, und die verschiedenen Himmelsgegenden zu bestimmen. Tupaya der, auf Cooks erster Reise, in Batavia starb, war in dieser Kunst so erfahren, daß er, während einer Reise die beynah ein ganzes Jahr dauerte, jederzeit richtig den Strich anzudeuten wußte, in welchem Taheiti lag. Aus der genauern Beobachtung der größern Himmelslichter und der Sterne, folgte nun auch, daß man sie durch eigene Namen zu unterscheiden lernte, und so findet man es auch bey den Taheitiern. Die Sonne heißt Erà, der Mond Màrama, die Venus Taurua, Es verdient bemerkt zu werden, daß, im taheitischen Taurua zugleich ein Weibername ist. G. F. Jupiter Matàri, Saturn Na-ta-hia. Das Siebengestirn heißt: E-Hwettu-ohwaà; Die Benennung der Gestirne wörtlich zu übersehen, erfordert eine vollständigere Kenntniß der taheitischen Sprache, als die ist, deren ich mich rühmen darf. Einige kann ich indeß erklären; z. E. E-Hwettu-ohwaà bedeutet: die Sterne des Nests, vermuthlich wird der Begrif von der Figur des Gestirns, welches eine Aehnlichkeit mit einem Vogelneste hat, hergeleitet. Ta-hawettu-roa der große Stern, scheint eine schickliche Benennung des Hundssterns. T'Eiya, die Milchstrasse, von Eiya ein Segel, E-hwettu-werra, ein Comet, buchstäblich ein brennender Stern. Sirius, oder der große Hundsstern, Ta-Hwettu-roa; der Gürtel Orions, oder der Rechen, E-Hwettu-mahu; die Milchstrasse, T-Eiya; ein Comet, E-Hwettu-werra. Die Einwohner kennen auch das Sternschneutzen, und nennen es Epào; sie halten es für einen bösen Genius, der schnell durch die Lüfte fährt. Ausser den hier angeführten kennen sie noch eine Menge anderer Sterne, unter eigenen Benennungen. So unvollkommen ihre astronomischen Kenntnisse, und so wenig sie auf entfernte Weltgegenden anwendbar sind, so große Dienste leisten sie ihnen gleichwol auf ihren Seereisen, wenn sie sich, in ziemlich gebrechlichen Kähnen, unter die umliegenden Inseln wagen. Tupaya, unstreitig der einsichtsvollste und erfahrenste Mann den europäische Seefahrer bisher in jenen Inseln angetroffen haben, war selbst zehn bis zwölf Tagereisen weit gen Westen von O-Raietea gewesen, welche, nach Hrn. Cooks Berechnung, etwa 400 Seemeilen oder 20 Grade der Länge betragen. Als er hernach mit Hrn. Cook, auf der Endeavour, die Reise nach Europa unternahm, beschrieb er seine vorigen Seereisen und nannte über achtzig Inseln her, die ihm bekannt waren, wobey er zugleich ihre Größe und Lage andeutete. Die mehresten davon hatte er selbst besucht. Da er auf dem englischen Schiffe die Beschaffenheit und den Nutzen der Seecharten sehr bald einsehen lernte, so gab er seinen europäischen Reisegefährten Anleitung, nach seinen Angaben, eine Charte von allen um seine Heimath ihm bekannt gewordenen Inseln zu verfertigen. Zu diesem Behuf zeigte er ihnen jedesmal die Himmelsgegend an, in welcher jede Insel lag, und bemerkte, ob sie größer oder kleiner als O-Taheiti, hoch oder niedrig, bewohnt oder wüst wäre, setzte auch bisweilen einige speciellere Nachrichten hinzu. Eine Copie dieser Charte erhielt ich von Hrn. Lieutenant Pickersgill, vom Schif Resolution, der vor unsrer Reise bereits zweymal, nämlich mit Commodore Wallis im Delphin, und mit Capt. Cook in der Endeavour, die Insel Taheiti besucht hatte. Hiernächst theilte auch Capitain Cook mir zwey Verzeichnisse von Insel-Namen mit, die er auf seiner ersten Reise, theils von Tupaya, theils von andern Taheitiern, hatte nennen hören. Bei meiner Rückkunft aus der Südsee fand ich eine andere Copie der nach Tupaya's Anweisung gezeichneten Charte, bey dem Baronet Sir Joseph Banks, der mir ebenfalls erlaubte, Gebrauch davon zu machen. Beyde Charten kamen, im Ganzen, ziemlich mit einander überein; die Verzeichnisse enthielten ebenfalls größtentheils die nehmlichen Insel-Namen, die auf den Charten standen, nebst noch einigen andern, die auf jenen nicht angeführt waren. Ich selbst endlich sammelte, in O'Taheiti und den Societätsinseln, viele Namen und Nachrichten von Inseln. Die Hauptabweichung die zwischen diesen verschiedenen Verzeichnissen statt findet, besteht in der Rechtschreibung der Namen, indem es, auf den neuen Reisen der Engländer ins Südmeer fast ohne Beyspiel ist, daß derselbe Name, von verschiedenen Personen, mit gleichen Buchstaben geschrieben worden wäre. Hieran, ist lediglich die Unbestimmtheit des Lauts der englischen Buchstaben schuld. Aus eben dieser Ursach weiß auch kein Engländer mit seinen Buchstaben einen fremden Laut füglich anzugeben. Man bedenke hiebey noch, daß auf diesen Expeditionen, unter allen Officieren und Reisenden, kein einziger eine andre lebende Sprache als seine Muttersprache verstand, und daß es ihnen folglich, ausser der vorgedachten Schwierigkeit, auch an Begriffen von einer allgemeinen Sprachlehre durchaus fehlen mußte. G. F. Jedoch liessen sich die Varianten mit Hülfe der Kritik leicht vergleichen. Die Charte habe ich als ein Denkmal, sowol von der Geschicklichkeit als von der geographischen Kenntniß der Insulaner auf den Societätsinseln, und insbesondre des Tupaya, in Kupfer stechen lassen, und füge solche hier bey. Alle Inseln sind mit einer Nummer bezeichnet, um das Referiren zu erleichtern. Ich habe die Rechtschreibung aus den verschiedenen Listen, theils nach der Analogie der Sprache, theils nach der mehreren Authorität des einen Verzeichnisses vor dem andern, gewählt. Die mit feinerer Schrift geschriebenen Namen der Inseln, sind denselben von Europäern beygelegt; die doppelt uuterstrichnen haben wir selbst, während unserer Reise auf der Resolution, in den Jahren 1773 und 1774 gesehen, die nur einfach unterstrichenen hingegen, sind von andern Seefahrern gesehen worden. Die Charte erstreckt sich auf ohngefähr 20 Grade der Länge, zu beyden Seiten des 150sten Meridians westlicher Länge von Greenwich, also zusammen auf 40 Grade; und ohngefähr auf 20 Grade der südlichen Breite, vom 7ten bis 27ten; der 17te Grad S.Br. ist der in der Charte gezogene Parallel. Von einer solchen Charte wird man keinen Nutzen für die Schiffahrt erwarten, weil sie lediglich die Begriffe der dortigen Insulaner darstellt; höchstens werden künftige Seefahrer dadurch aufmerksam gemacht werden, bey Beschiffung jener Gegend auf ihrer Hut zu seyn, und die Lage so vieler, noch zur Zeit unbekannten Inseln zu bestimmen suchen. 1. O-Taheiti Da die Originalcharte auch dieser Uebersetzung beygefügt worden, folglich die Rechtschreibung der Namen dieselbe geblieben ist, so ist auch hier allemal dieselbe Rechtschreibung, (in Klammern eingeschlossen neben der nach unsrer Ausspräche veränderten beybehalten worden, damit die Uebereinstimmung zwischen der Charte und dem Texte bleiben möge. (Uebers.) ( O-Taheitee ), vom Commodore Wallis, König Georgs Insel, und von Bougainville, Taiti genannt. Tupaya erzählte, daß ein feindliches Schif (Pahi-tòa) zu seines Urgroßvaters Lebzeiten (Medua no-te-Tubuna) dorthin gekommen sey. Höchst wahrscheinlich ist aber Don Pedro Fernandez de Quiros im Jahr 1606, der erste Entdecker dieser Insel gewesen, welche in diesem Fall bey ihm Sagittaria heißt, wie Herr Dalrymple solches, in dem Briefe an Dr. Hawkesworth p. 17 , sehr sinnreich vermuthet. Die Insel hat ohngefahr dreyßig Seemeilen im Umfange, und besteht aus zwey gebirgigten Halbinseln, welche beyde, besonders die östliche, in schroffe Felsenspitzen getheilt sind, und, nach den Spuren zu urtheilen, durch Erdbeben und unterirdisches Feuer hervorgebracht zu seyn scheinen. 2. Mäatea, ward vom Commodore Wallis Osnabruck- Island und vom Hrn. v.Bougainville Pic de la Boudeuse genannt. Ist O-Taheiti die Sagittaria des Quiros, so muß Mäatea seine Degena seyn, die er am 9ten May 1606 erblickte. Sie hat vier bis fünf englische Meilen im Umkreise, und ist ein hoher Berg, dessen Gipfel, wie der Krater eines Volkans ausgehöhlt zu seyn scheint. 3. O-Hiva-nui, (auf der Charte: O-heeva-noòee ) eine Insel ostwärts von O-Taheiti; wahrscheinlich das von Cook 1769 sogenannte Chain-island oder Ketteneiland: es ist eine Kette von flachen Eilanden, welche, durch ein Rief, in eyrunder Gestalt miteinander verbunden werden; hat ohngefähr eine Länge von 5 Seemeilen. 4. Oiròtah, eine Insel, größer als Taheiti; bewohnt. 5. Auropoe ( Ouropòë ) ebenfalls bewohnt, und größer als Taheiti. 6. 0-Hitti-tamaro-eirih ( O-hitte-tamaro-eïree ) scheint dasjenige Osnabruck Island zu seyn, welches Capt. Carteret, 1767, entdeckte; ist niedrig und wahrscheinlich noch unbewohnt. 7. Te-Newhammea-tane, ein flaches Eiland. 8. Tumeto-roaro, ( Toometo-roàro ) ein Haufen niedriger Eilande, wahrscheinlich dieselben die Capt. Carteret, des Herzogs von Gloucester Inseln, nannte. 9. Mautau ( Moutoù ) ist größer als Taheiti, und die südlichste Insel von denen die Tupaya gesehen; doch wußte er von seinem Vater, daß noch einige Inseln südlicher lägen. 10. Mannua, ein hohes Eiland, von grimmigen Leuten mit wildem Blick, bewohnt, welche Menschenfleisch fressen, aber wenig Kähne haben; liegt N.O. von O'Hitte-roa. 11. Eito-nui, ( Eïto-noòe ). 12. O-Hitte-roa, eine bergigte Insel, von Capt. Cook 1769 gesehen. 13. Tabu-a-mannu ( Tabbu-a-mànnoo ) eine kleine hohe Insel, evon Taheiti, zuerst von Commodore Wallis gesehn, der sie Sir Charles Saunders 's Island nannte. Herr von Bougainville hatte davon gehört, denn er spricht von einer Insel Tapoua-massou . Sie ist ohngefähr sechs englische Meilen lang. Der König dieser Insel, im Jahr 1774, hieß Upa ( òopa ). 14. Eimeo, ein hohes land, von Wallis Yorkeiland genannt, gehört zu Taheiti. Hr. von Bougainville nennt es Aimeo. 15. Huaheine, ebenfalls bergigt, zuerst von Capt. Cook entdeckt. Der oberste Befehlshaber im Jahr 1774 war Ori ( Oree ). 16. Ea-Watteà, mitten in der Charte, bedeutet den Meridian oder die Mittagslinie. 17. O-Raietea, eine hohe Insel, zuerst von Capt. Cook entdeckt, der sie mehrentheils Ulietea nennt. Herr von Bougainville hat sie nennen gehört, und schreibt Aiatea . Sie ward von Opuni, dem König von Borabora, bezwungen. Der unterjochte König der Insel heißt U-uru. Tupaya erzählte, daß zur Zeit seines Großvaters ein fremdes Schif dahin gekommen, dessen Mannschaft mit den Einwohnern friedlichen Umgang gepflogen hätte. In Europa haben wir keine Nachricht welche auf diesen Zeitpunkt paßte; es müßte denn seyn, daß eines von Roggewyns Schiffen sich dieser Insel genähert hätte. 18. O-Tahà, eine hohe Insel, zuerst von Capt. Cook entdeckt; und ebenfalls von Opuni unterjocht. Die gemeinschaftlichen Befehlshaber daselbst waren Otà und Boba. Herr von Bougainville scheint auch von dieser Insel gehört zu haben, er schreibt aber ihren Namen Otaa. 19. Borabora oder Bolabola, eine hohe Insel, von Opuni beherrscht. Capt. Cook sahe sie zuerst; allein Herr von Bougainville hatte schon davon gehört, wie der Name Paparra den er anführt, anzudeuten scheint. 20. Tupai ( Toopài ) ein flaches unbewohntes Eiland, wohin die Einwohner von Borabora gehen um Fische und Vögel zu fangen; es kommen auch bisweilen Einwohner einer andern Insel, Papaá genannt, dorthin. 21. Maurua ( Mouroòa ) eine hohe Insel, unter Opuni's Bothmäßigkeit, zuerst von Cook entdeckt. Hr. von Bougainville meynt vermuthlich diese Insel durch sein Toumaraa . 22. O-Anna, ein flaches Eiland, auf welchem, Tupayas Erzählung zufolge, ein europäisches Schif verunglückt ist, und einige Leute umgekommen sind. Es scheint das Prince of Wales's Island des Admirals Byron zu seyn. Seine Leute fanden zwar, nicht hier, sondern auf King George's Eiland, Eisenwerk und Meßing nebst dem obersten Theil des Steuerruders einer holländischen Schaluppe; allein, dies letztere kann, vermöge seiner Lage, ohnmöglich das Eiland seyn, an welchem das Schif verloren gieng; sondern ist vielmehr die von den Einwohnern sogenannte: Insel Teokea (auf der Charte No. 26.). Die metallenen und hölzernen Ueberbleibsel konnten leicht von O-Anna dort hinüber geschleppt worden seyn. Das an dieser Insel gescheiterte Schif ist, übrigens, allem Anschein nach, die zu Roggeweyns Geschwader gehörige sogenannte afrikanische Galiotte, und die Insel, an welcher sie verloren gieng, heißt bey ihm Schadelyk eilandt. 23. O-Mateiwa oder o-Matea, ein flaches, gegen Norden von Raietea, und N.W. von Taheiti gelegenes Eiland. Einige Monathe vor unserer Ankunft in Huaheine, war daselbst ein Kahn mit drey Männern und einem Weibe aus diesem Eilande angelandet. Ich sahe den Kahn, der denen von Teotea ähnlich war; die Leute waren an den Armen und im Gesicht über und über punktiert, oder tattauirt, 24. O-Wahei, scheint Waterland zu seyn, welches Schouten und le Maire 1616 entdeckten; es ist flaches Land. 25. Aura ( 0ura ) und 26. Teoheau ( Teoheow ) oderTeokea, zwey flache Eilande nur wenige englische Meilen von einander entfernt. Der Admiral Byron sahe sie 1765 und nannte sie, die Inseln des Königs Georg, King George's Islands . Wir landeten 1774 auf der östlichsten derselben, und erfuhren, daß sie, mit ihrem einheimischen Namen, Teaukea oder Teokea hieße. Diese Insel war es, wo Adm. Byron einen mit Schnitzwerk verzierten Kopf des Steuerruders von einer holländischen Schaluppe ( longboat ) ein Stück geschlagenes Eisen, ein Stück Messing, und etliche eiserne Werkzeuge fand. Er scheint selbst einzusehen, »daß es sich nicht wohl erklären läßt wie das Steuerruder der Schaluppe hier habe zurückbleiben können, falls das Schiff, dem die Schaluppe gehörte, unversehrt geblieben wäre; im entgegen gesetzten Fall aber, sey es eben so unerklärbar, warum auf dem Eilande nicht ungleich mehrere Ueberbleibsel von dem Wrack, vorzüglich von dessen Eisengeräthschaft, anzutreffen gewesen, zumahl da letztere, allen Völkern die kein Metall besitzen, von so unschätzbarem Werthe seyn müssen.« Dies ist alles ganz richtig geurtheilt, allein das holländische Schiff gieng auch nicht auf Teokea sondern auf O-Anna verloren, und die auf Teokea gefundenen Sachen waren vermuthlich nur von den Einwohnern eingetauscht, oder, als Geschenke, an die Oberhäupter ihrer Insel geschickt worden. Solche Geschenke sind aus den Inseln sehr gewöhnlich, z.E. Tutabàh verschenkte eines von den Ankern, welche der Herr von Bougainville an der taheitischen Küste einbüßte, an den König Opuni von Borabora. 27. O-Rai-Roa, vielleicht das von Roggewein im Jahr 1722 entdeckte, und von ihm Carlshof genannte, Eiland. 28. O-Tàh, kommt, der Lage nach, mit dem von uns 1773 gesehenen Adventure's Eiland überein. 29. O-Patai oder U-Patay ( Oo-pati, ) ist, der Lage nach, die vom Capt. Cook 1774 sogenannte Gruppe der Pallisers Eilande. 30. O-Hwarrewa( O-Wharèwa ), wahrscheinlich Furneauxeiland, von uns, 1773 entdeckt. 31. O-Hwao, ( O-Whào ) scheint das Birdeiland (Vogeleiland) zu seyn, welches Cook 1769 entdeckte. 32. O-Rima-roa kommt mit den Islands of Disappointment , welche Byron 1765 gesehen, der Lage nach, überein. 33. O-Hiwa-tautau-ai; ( O-Heeva-toutou-ai ) bey dieser Insel hatte Tupaya folgende Anmerkung gemacht: »die Einwohner sind Menschenfresser, ihre Schiffe sehr groß, und das englische Schiff, die Endeavour (worauf er sich befand) ist gegen sie gerechnet, nur klein« Ich muß aufrichtig gestehen, daß es allen Anschein hat, Tupaya habe seinen Reisegefährten hier etwas aufbinden wollen. (Uebers.) . 34. Haneanèa, und 35. Nio-Hiwa ( Neeo-heeva ) sind kleine Eilande. 36. Hwaterre-toa( Whaterre-tòa ) scheint die von Mendana 1595 entdeckte Insel Magdalena zu seyn. 37. Terohwà. 38. Tibuai. ( Teebooài ) der Lage nach zu urtheilen, Hoodseiland unter den Marquesasinseln. 39. Hwatàrre-ura ( Whatarre-oora ). In Hrn. Banks Charte steht dieser Name also geschrieben: Whatterre-ero , in zwey andern Verzeichnissen aber steht für ero, oora , welches ich auch der Sprache angemessener finde. Der Name Waitahù, den die Einwohner von St. Christina ihrer Insel beylegen, bestätigt dieses noch mehr. Die Einwohner der Marquesas- Einlande (wovon St. Christina eines ist) können nämlich kein r aussprechen. Ich fand in einigen achtzig Wörtern, die ich unter ihnen sammelte, kein einziges r, wiewol diese Wörter mit dem Taheitischen bis aus den geringen Unterschied, den die Auslassung dieses Buchstabens verursachen mußte, übereinkamen; sie hatten die litteram caninam entweder ganz verworfen, oder doch einen weichern Mitlauter dafür substituirt. Komm her! heißt auf taheitisch: harre-mai, in der Sprache von Waitàhu aber, hanna-mai. Die Hand heißt auf taheitisch: Rima, in den Marquesas, Hima: Zwey heißt im taheitischen erua, in Waitahu, bohua, drey, taheitisch: a-toru, marquesisch: bo-dòhu; fünf: dort rima, hier hima; groß, in O-Taheiti: roa in den Marquesas: oa. So nannten die letztern auch ihre Insel S.Dominica, Ohiwa-oa, statt Ohiwa-roa. Waitàhu ist daher, fast augenscheinlich, das entstellte Wort Wattare-ura; denn, läßt man die rr ausfallen, so bleibt Watta-o-ua oder Watta-ua; das h wird der Verbindung wegen, zwischen die Selbstlauter eingeschoben, und dann klingt das Wort: Watta-hua oder Waita-hu. Dieses ist die Insel St. Christina, eine der Marquesas de Mendoza, welche der Admiral Mendanna im Jahr 1595 entdeckte. Sie ist bergigt. 40. Te-Mannu, ( Te-Mànno ) 41. O-Otto. 42. O-Hiwa-roa, ( O-Heeva-roa .) ein bergigtes Land; von den Einwohnern wird es O-Hiwa-oa ausgesprochen. Dies ist das von Mendanna sogenannte S.Dominica, eine volkreiche, fruchtbare Insel, und die größte unter den Marquesas. 43. O-Hiwa-potto, ( O-Heeva-potto .) 44. Mopiha oder Motu-hea, ein flaches Eiland, von großem Umfange, jedoch unbewohnt. Fische, Kokosnüsse, Schildkröten und Perlen sind dort häufig vorhanden. 45. Hwennua-ura ( Whennua-oora ) ebenfalls ein flaches, aber bewohntes Eiland, welches mit dem vorigen einerley Produkte hat. 46. O-Papatèa. 47. Waurio ( Woureèo ) eine große bewohnte Insel. 48. Ururutù, bewohnt. 49. O-Adiha ( O-Adèeha ) ein Eiland welches nur von Zeit zu Zeit, wegen des Fischfangs, besucht wird, sonst aber nicht bewohnt ist. 50. O-Ahaua-hau ( )-Ahoua-hoù ) groß und bewohnt. 51. O-Wiha. ( O-Weeha .) 52. O-Rima-tarra, hohes, bewohntes Land. 53. O-Rai-Hawai. 54. O-Raro-toa, bewohnt. 55. O-Ahaurau ( )-Ahouròu ) größer als Taheiti. 56. O-Tumu-pàpa. ( O-Toomoo-papa ) 57. Tautipa. ( Touteepa ). ein kleines, jedoch bewohntes, niedriges Eiland. 58. O-Riwa-wai. ( O-Reeva-vai ) Tupaya bemerkt dabey; »Schöne Aexte kommen von daher nach O-Raietea«. Ob hier eiserne oder steinerne Aexte gemeint sind, kann ich nicht entscheiden. Waren es eiserne, so mußten sie sich entweder von Abel Jansen Tasmans Reise 1643, oder von Schoutens und le Maires Reise, 1616, hier erhalten haben. In Eo-uwe tauschte ich einen kleinen Nagel ein, der in einem hölzernen Griff befestigt war, Beweises genug, daß die Einwohner auch die geringsten Slückgen Eisen sorgfältig aufheben. 59. Tainuna. 60. O-Rima-tema, der Lage nach, vielleicht das von uns 1774 entdeckte Palmerston's Eiland. 61. O-Rotuma, ( O-Rotooma ,) soll grösser als Taheiti seyn. 62. O-Poppoa. 63. Moe-no-tayo, ein niedriges Eiland, mit Herveyseiland, welches wir 1773 entdeckten, ohngefähr in gleicher Lage. 64. Te-tupa-tupa-eahau. ( Te-toopa-tupa-eahau ) 65. O-Hitti-potto kommt ziemlich in die Lage von Savage island , welches wir 1774 entdeckten. 66. O-Hitti-tautau-atu. ( Ohitte-tou-tou-atu .) 67. O-Hitti-tautau-ni. ( Ohitte-toutu-nee .) 68. O-Hitti-tautau-rera. ( O-hitti-tou-rou-rera .) 69. O-Hitti-taiterre. ( O-hitte-taitérre .) 70. Te-Amaru-hitti. Te-amaroo-hitte .) 71. Te-Atau-hitti. ( Te-atou-hitte .) 72. Auohwea. ( Ouwhea .) 73. O-Tutu-erre. ( O-Tootoo-erre .) 74. Te-Oruru-mateiwatea. ( Te-orooroo-mativatea .) 75. Wauwau, ( Wouwou ,) ein kleines, flaches, aber bewohntes Eiland. 76. Uporru, ( Ooporroo ) eine große, volkreiche Insel. 77. Te-errepu-opo-matte-hea. ( Te-errepoo-opo-matte-hèa .) 78. O-Heawai, ( O-Heavai ) größer als Taheiti; Tupaya setzte hinzu: »der Vater aller Inseln«. 79. Tedhu-roa, ein kleines Eiland, einige Seemeilen Nordwärts von Taheiti, welches keine andre Einwohner, als ab- und zugehende Taheitier hat. 80. O-Wanna eines der flachen Eilande, gen Osten von Taheiti. 81. Tata-hapai. 82. Tapai-arai, ( Tapy-ary ) und 83. Haedidi, ( Haedede ); drey Inselnamen die ich in einem Verzeichnisse, ohne weitere Erklärung, fand. 84. Pappaá, ein flaches Eiland, etwas östlicher als Tupai (No. 20.); dessen Einwohner oft dorthin kommen, um allda Fische und Schildkröten zu fangen; die Einwohner von Borabora, die in eben der Absicht dorthin kommen, verstehen jener ihre Sprache nicht. Die fünf letzten Inseln habe ich nicht in die Chart gesetzt, weil ich ihre Lage nicht wußte. Inzwischen sind achtzig Inseln hinreichend, um zu beweisen, daß sich die Einwohner der Societätsinseln von der Geographie ihres Welttheils schon ganz beträchtliche Kenntnisse erworben haben. Diese ibre Wißbegierde erscheint in einem desto vortheilhaftern Lichte, wenn man erwägt, daß ihre Kähne klein, und nicht allzu dauerhaft sind, daß sie die Magnetnadel nicht kennen, daß sie endlich bey ihren Seereisen sich nicht einmahl des Vortheils bedienen können, der den Phöniziern und Griechen so gut zu statten kam, ich meyne, daß sie nicht, wie diese Völker des Alterthums, längst den Küsten eines großen festen Landes Entdeckungen machen, sondern sich in den weiten Ocean wagen, und große Strecken desselben durchschiffen müssen, ehe sie aus ein anderes Eiland stoßen. Auf diesen Seereisen führen sie keine andre Lebensmittel als ihren sauergegohrnen Teig von Brodfrucht, nebst etwas frischem Obst mit sich, welches aber nicht gar lange dauert; auch fehlt es ihnen an großen Gefäßen, worinn sie einen hinreichenden Vorrath von frischem Wasser aufbewahren könnten. Aller dieser Mängel und Schwierigkeiten ohngeachtet, haben sie ihre Entdeckungen, in einem Umkreise von vierhundert Seemeilen, rund um ihre Inselgruppe ausgebreitet. Die Gruppe der freundschaftlichen Eilande besieht aus den drey größren größern Inseln, Amsterdam, Middelburg und Rotterdam, oder Tongatabbu, Eauwe und Namoka, nebst vielen kleinern, wovon wir einige zu Gesicht bekamen, noch mehrere aber bloß nennen hörten. Die kleinen Eilande, an der Nordspitze von Tongatabbu heißen Weweghi. Als wir 1774 nach Namoka segelten, erblickten wir, Ostwärts von dieser Insel, einige kleinere, wovon eine O-Mango-nui, und eine andere, O-Mango-iti, d. i. gros und klein Mango, heißen. Beide ließen wir gegen Norden liegen; südwärts hingegen blieben uns Tomu-mea und Terefetschea. Südlich von Namoka liegt Na-Mako-iti, welches aus Tasmanns Charte Namokaki heißt. N.W. von Namoka liegen zwo bergigte hohe Inseln; die westlichste heißt Tofua, und hat einen Vulkan, es ist die nämliche, welche Tasman, und nach ihm auch Capt. Cook, Amattafoa nennen. Die östlichste heißt bey den Insulanern Oghao, bey Tasman hingegen Kaybay. Von der Gruppe von flachen Eilanden welche sich Nord und Nordostwärts von Namoka erstreckt, heißt das westlichste: Motto-wà. Die übrigen kleinen Eilande dieses Archipelagus heißen: O-Tughua, O-Ua, Lughelà-ei, Fonnuàcka, Laghollà, Ufanga und Wofudgi. Alle diese liegen Nordwärts von Namoka. Weiter gen Nordosten liegen, nach dem Bericht der Insulaner: Uwia, Woalli-awa, Olifanga, Ko-fu, Ko-e-e-onna, Ko-Naghunamu, O-Fulango, Mau-e-e-onne, Toghuru, Koe-Nugu, Ko-odgi, Ko-Nimu und Tonunu-ofua. Quitos hat ebenfalls ein Verzeichniß von einigen Inseln geliefert, welches ihm von einem Einwohner der Insel Tschikayana ( Chicayana ) mitgetheilt worden war. Er selbst aber hatte es, nach seinen eigenen Beobachtungen und Entdeckungen, berichtigt Dalrymple's Collect. of Voyages. Vol. I. p.151. . 1. Taumako. Quiros sahe diese Insel im 10.° südl. Breite, 1250 Seemeilen von Mexiko. Sie hält 8 bis 9 Seemeilen im Umkreise, und hat einen hohen, schwarzen Berg, wie ein Vulkan. 2. Tschikayana ( Chicayana ). Vier Tagereisen weit davon liegt ein flaches Eiland, größer als Taumako; die dortigen Insulaner nennen Hunde Te-curi, oder Te-Ghurri, welches mit dem Namen dieses Thieres in der Sprache von Tongatabbu und von Neuseeland völlig übereinstimmt, folglich vermuthen läßt, daß an allen drey Orten Dialekte einer und eben derselben Sprache gesprochen werden. 3. Guaytopo, eine andre Insel, grösser als die beiden vorhergehenden, drey Tagereisen weit von Taumako, und zwey von Tschikayana; die Einwohner dieser drey Inseln sind sanfte, friedfertige Leute. 4. Mekayràyla, vermuthlich ein flaches Eiland, aber bewohnt. Die Einwohner von Guaytopo holen Schildkrötenschaale, zu ihren Ohrringen, von dorther. 5. Tukopia, eine hohe Insel, im 12.° S. Br. fünf Tagereisen S.W. von Taumako. 6. Fonofono, der Name einer Inselgruppe, die aus kleinen flachen Eilanden besteht, und drey Tagereisen weit von Taumako entlegen ist; doch kann man, bey frischem Winde, auch in zween Tagen hinüber schiffen. Die Einwohner sollen sehr langer Statur seyn, und eine andre Sprache, als die auf Taumako übliche, haben. 7. Pilen, und 8. Nupan, liegen unweit den Fonofono Eilanden. 9. Pouro ein großes volkreiches Land, dessen Einwohner, von brauner Farbe, unter einander Krieg führen, und silberne Pfeilspitzen haben. Herrera, Galvano, Argensola und De Couto sprechen von einigen Inseln, die Alvarado und Grijalva entdeckt haben, und welche mit den neuen Carolinen-Inseln, nicht weit von der Linie, in ohngefähr 205.° westlicher Länge von Greenwich, zusammen zu hängen scheinen; die Namen dieser Inseln findet man in Herrn Dalrymples Sammlung von Reisebeschr. I. Th. S. 35-39. Da es aber nicht einheimische Namen sind, so gehören sie eigentlich nicht hieher. Es ist eben bemerkt worden, daß die Einwohner der Societätsinseln, fast ohne alle Ausnahme, etwas vom Tanzen, Singen und aus dem Stegereif Verse zu machen wissen; in Ansehung der Wissenschaften aber verhält es sich anders, und, sowohl die Arzneykunde, als auch geographische und astronomische, nebst Kenntnissen von der Schiffarth, findet man nur bey einigen wenigen unter ihnen. Die Unwissenheit geht soweit, daß der ungleich größere Theil der Nation nicht über zehn zählen kann; nur diejenigen, die von ihren Lehrern unterrichtet sind, können bis zweyhundert zählen. Ob sie noch weiter gehen können, habe ich nicht erfahren; ich zweifle aber daran. Sie zählen, indem sie zuerst die Finger an den Händen aufzeigen: 1. atahai; 2. arua; 3. atoru; 4. a-hea; 5. a-rima; 6.a-hono; 7.a-hiddu; 8. a.-warru; 9. a-hiwa; 10. a-huru. Hierauf fügen sie noch zehn hinzu auf folgende Art, bis sie zwanzig voll haben: 11. ma-tahai; 12. ma-rua; 13. ma-toru; 14. ma-hea; 15. ma-rima; 16. ma-hono; 17. ma-hiddu; 18. ma-warru; 19. ma-hiwa; 20. a-tahai-tau. Alsdenn zählen sie bey zwanzigen fort bis 200. Z. B. 21 heißt bey ihnen, a-tahai-tau mara tahai, buchstäblich: einmal zwanzig und eins. 30. atahai-tau-mara-hru 40. a-rua-tau. 50. arua-tau-mara-huru etc. Die Lehrer unter den Taheitiern sind Männer, die, entweder von ihren Vätern oder von andern Lehrern, in den Wissenschaften, soweit man sie dort zu Lande kennt, unterrichtet, und in Stand gesetzt worden sind, sie wiederum andern mitzutheilen. Diese Lehrer heißen Tahata-orrèro, stehen in großem Ansehen, und sind mehrentheils von der Familie der Erihs oder Oberhäupter. Ich vermuthe daher auch, daß sie, als wohlhabende Leute, keine Bezahlung von ihren Schülern annehmen. Ihr Wissen ist aber größtentheils Gedächtnißsache, nicht immer die Folge von durchdachten und verdauten Begriffen. Unter den Erihs fand ich mehrere, die es versucht hatten, die Namen der Monathe und Tage zu lernen, die aber nicht damit fertig werden konnten; hingegen waren die Lehrer ex professo , oder die Tahata-orrero besser zu Hause. Wenn nun gleich diese Kenntnisse jetzt blos erhalten und fortgepflanzt, nicht aber vermehret würden, so muß doch eine Zeit gewesen seyn, wo sie erfunden worden sind; und ihr Erfinder muß fürwahr keinen geringen Grad der Geduld besessen haben, um, aus der steten Beobachtung der Himmelskörper, die Länge des Sonnenjahres oder des Brodfruchtjahres, und die Länge der Lunationen, nebst dem Eintritt der Neumonden genau zu bestimmen. Nicht mindere Aufmerksamkeit, Geschick und eine wohlüberlegte Verbindung von mehreren Umständen gehörte dazu, um die Lage der entfernten Inseln zu bestimmen. Der Mann, der sich hiemit beschäftigen konnte, mußte große Fähigkeiten besitzen, und sich geübt haben sie beständig anzuwenden. Wenn man auch zugiebt, daß die ersten Keime der Wissenschaft, aus Asien, von den mehr gesitteten Völkern jenes festen Landes, entlehnt, und bis in die Inseln des Südmeeres allmälig verpflanzt worden sind; so kann doch dieses mit den astronomischen und geographischen Kenntnissen der Insulaner nicht der Fall gewesen seyn, indem diese eine unmittelbare Beziehung auf die Lage ihrer neuen Wohnörter hatten. Die Sternkunde, die auf eine asiatische Gegend in der Nördlichen Halbkugel paßt, würde in O-Taheiti unbrauchbar seyn; die Sonne geht dort in ganz andern Gegenden des Horizonts auf und unter; und je weiter man das asiatische Reich, woher die taheitische Astronomie gekommen seyn sollte, von der Insel selbst, und nordwärts von der Linie entlegen annimmt, desto auffallender ist der Unterschied der Jahreszeiten und der Erscheinungen. Es bleibt daher allemal wahrscheinlich, daß die Insulaner die Erfinder ihrer eignen Geographie und Astronomie gewesen sind; – hatten sie aber Geisteskräfte genug um Wissenschaften, die so genaue Beobachtungen und soviel Scharfsinn voraussetzen, zu erfinden, so darf man wohl nicht Anstand nehmen, auch den ganzen Kreiß ihrer übrigen Kenntnisse ihrer eignen Erfindung zuzuschreiben. Matti ingenio este coeli interpretes, rerumque naturæ capaces argumenti repertores, quo deas hominesque vicistis. PLIN. hist. nat. lib. II, cap. 12. Neunter Abschnitt. Religion, Mythologie, Kosmogenie, Ursprung des Menschengeschlechts, künftiges Leben; – Gebräuche bey der Geburt, Hochzeit und Begräbnis. Fragili \& laboriosa mortalitas in partes ista (numina) digessit. Infirmitatis suæ immemor, ut portionibus quisque coleret, quo maxime indigeret. Iraque nomina alia aliis gentibus, \& numina in iisdem innumerabilia reperimus. PLIN. hist. nat. lib. II. cap. 7. Der Gedanke an die gränzenlose Macht und Weißheit des Schöpfers und Weltherrschers, an den Urquell alles Guten, den Zeugen und den Richter alles unseres Thuns; das Gefühl eigener Schwäche und eigener Bedürfnisse; die Erfahrung endlich, daß die wichtigsten Auftritte des Lebens, Folgen einer Zusammenkettung von Ursachen sind, die man oft weder vorhersehn noch vermeiden kann: dies sind Bewegungsgründe genug Gott zu fürchten und zu ehren, dem Wohlthätigen zu vertrauen, ihn zu lieben, den Allbarmherzigen! Noch näheren Antrieb zur Anbetung, zur innigsten Neigung, zur herzlichsten Liebe gegen das höchste Wesen, giebt uns jeder tiefere Blick auf unsere physische und geistige Fähigkeiten, auf die Beschaffenheit des Genusses, der hauptsächlich von den letztern herfließt, auf den Durst nach Lebenedauer ohne Ende, und nach ewiger Glückseligkeit, den jeder, trotz der Vorurtheile seiner Erziehung, und trotz der Lockstimme der Leidenschaften, im Busen fühlt. Von diesem Gefühl durchdrungen, erkennt es der Mensch bald für seine Pflicht, die Vollkommenheit und Macht jenee Wesens näher zu erforschen, sein Verhältniß gegen dasselbe und gegen seine eigenen Mitgeschöpfe genau zu ergründen, um, nach dieser Einsicht, ihm ähnlicher zu werden, ihm näher zu treten, dem Inbegrif und Urquell aller Vollkommenheit und Güte! – Hierin besteht die Grundlage aller ächten Religionsbegriffe. So deutlich und zugleich so erhaben können nun freylich die Begriffe des Insulaners in den Südländern nicht seyn. Indeß erkennt er bereits einen unsichtbaren, allmächtigen Herrn und Schöpfer des Weltballs, der die verschiedenen Theile der Schöpfung durch mehrere untergeordnete Wesen (Kräfte) vollendet hat. Er ist, auch in den Augen jener Menschen, allwissend und gut; er hört und sieht alle menschliche Handlungen, und ist ein Geber alles Guten. Diesen höchsten Gott, (Eatuá-rahai) beten sie daher auch, im Gefühl ihrer Bedürfnisse, an; ihm bringen sie, mit dankbarem Herzen, die besten Früchten ihres Landes dar. Die Taheitier glauben ferner, daß in ihrem eignen Körper ein Wesen wohnt, welches sieht, hört, riecht, schmeckt und fühlt. Diese Seele nennen sie: E-Tihi. Nach der Auflösung des Körpers, glauben sie, daß dieses Wesen um den Leichnam schwebe, und daß es zuletzt sich in gewisse hölzerne menschliche Figuren zur Ruhe begebe, welche zu diesem Behuf um die Begräbnisplätze aufgestellt werden. Hiernächst sind sie auch von der Gewißheit eines glückseligen Lebens, in der Sonne, überzeugt, und erwarten, dereinst Brodfrucht und Fleisch welche keiner vorhergegangenen Zubereitung bedürfen werden, dort zu speisen. Das Volk zeigt bey müßigen Stunden viel Neigung und Anfmerksamkeit, etwas, sowohl die höchste Gottheit, als auch die untergeordneten Götter betreffendes, anzuhören, und hierin, und in der Befolgung ewiger allgemein erkannten Vorschriften zur Tugend, besteht das wesentliche ihres Gottesdienstes. So allgemein diese ersten Grundsätze bey dem ganzen Menschengeschlechte überall anzutreffen sind, und so gewiß sie bey keinem Volke fehlen, welches überhaupt noch den Begrif einer Gottheit aufbehalten hat, so wahrscheinlich ist es auch, daß sie ehrwürdige Ueberbleibsel mündlicher Überlieferungen sind, welche vom festen Lande Asiens noch herstammen. Ohne hiemit entfernt behaupten zu wollen, daß alle Begriffe von Gott und Gottesdienst von der Beschaffenheit sind, daß sie nicht anders als durch Tradition fortgepflanzt werden könnten, bewegen mich mehrere Gründe jene Überlieferung doch im hier obwaltenden Falle anzunehmen. Einmal, ist es durch Sprache, Gebräuche, Sitten und Nebenumstände erwiesen, daß die Völker im Südmeere asiatischen Ursprungs sind; warum sollten sie folglich von dorther nicht auch ihre Religionsbegriffe mit sich genommen haben? Zweytens: in Ansehung der Dinge, die eine Anstrengung des Verstandes, Aufmerksamkeit und Ueberlegung fodern, und in lauter abgezogenen Begriffen bestehen, ist die Trägheit den Menschen so eigen, daß sie weit eher auf dem schon gebahnten Wege fortgehen, als selbst Bahn brechen, und ihre Seelenkräfte aus eignem Antriebe in Thätigkeit versetzen mögen. Natürlich ist es folglich, zu vermuthen, daß die Insulaner lieber den Meynungen ihrer asiatischen Vorältern haben treu bleiben, als, in eigner Kraft, ein neues Religionssystem erfinden wollen. Drittens: ist die Uebereinstimmung der taheitischen Religionsbegriffe, mit den östlich-asiatischen, so auffallend, daß man keinen Augenblick anstehen kann, jene von diesen herzuleiten. Doch, wir dürfen die Untersuchung nur etwas weiter fortsetzen, um bald überzugt zu werden, daß kein Land und kein Volk existirt, dessen Religion nicht Spuren einer Überlieferung enthält. Indem wir solchergestalt allenthalben auf ein frühes Zeitalter zurückgewiesen werden, müssen wir gleichwol endlich einen Ort und einen Zeitpunkt annehmen, wo jene Begriffe ihrer ersten Quelle entflossen. Das Menschengeschlecht, im Ganzen genommen, verhält sich in seiner Kindheit, wie der einzelne Mensch. Der Begrif, daß ein höchstes Wesen vorhanden, und daß es Pflicht sey, dasselbe anzubeten, wird von dem Kinde nicht erfunden; allein ehe sich noch seine geistigen Fähigkeiten entwickeln, sind Aeltern oder Erzieher schon bemüht, die Lehre von Gottes Daseyn, und von dem ihm schuldigen Dienste, als ein allgemein anerkanntes Axiom, ihm beyzubringen. Hernach erst, wenn die Verstandskräfte durch Uebung und Erziehung reif geworden sind, giebt man dem Schüler Gründe an, und zeigt ihm die überzeugende Kraft der Schlüsse, auf denen jene Lehre beruht. Die göttliche Vorsehung, scheint das Menschengeschlecht in seiner Kindheit, auf ähnliche Weise behandelt zu haben. Den ersten Begrif von Gott, von seinem Daseyn, und seinem Dienste, gab Er selbst, als ein Axiom, als ein Gebot, welches dem kindischen Alter des Geschöpfs angemessen war; und so lange die Seelenkräfte, insbesondere die Vernunft, bey irgend einem Volke noch ungeübt bleiben, so lange beruht ihr Religionsbegrif auf Ueberlieferung und Gebot. Tritt aber das reifere Alter ein, so wird die Lehre, vom Daseyn Gottes, die in der Kindheit blos Sache des Gedächmisses war, nun auch Sache des Verstandes, weil dieser den Beweis dafür mit so lesbaren Zügen,in jedem Gegenstande der ihn umgiebt, nunmehr von selbst entdecken kann. Mit dieser großen, jetzt erst durch Ueberzeugung erwiesenen Wahrheit, geht der Mensch in sich zurück, erforscht sich selbst, erkennt die Pflichten gegen Gott, gegen sich selbst, und gegen alle sowohl vernünftige als unvernünftige und leblose Geschöpfe, welche theils mit, theils unter ihm, in einen gemeinschaftlichen Plan verwebt sind. Die Taheitier und ihre Nachbaren stehen noch auf jener ersten Stufe. Ihre Begriffe von Gott und Gottesdienst sind blosse Ueberlieferungen, die ihr Verstand noch nicht zu prüfen weiß. Allem Anschein nach wird auch noch ein langer Zeitraum dazu gehören, ehe sie im Stande seyn werden, den hellleuchtenden Beweiß jener Wahrheiten einzusehen. Wir können also für diese guten Menschen, vor der Hand, nichts mehr thun, als bloß wünschen, daß sie, von der Religion der Natur und Vernunft, zum Empfang der christlichen Lehren bald gehörig vorbereitet werden mögen! Ihr gegenwärtiges Religionssystem ist ein Polytheismus, jedoch einer der leidlichsten die bisher bekannt geworden sind. Denn das Wort Eatua, welches Gott bedeutet, ist von dem Umfange, daß es auch durch Genius überseht werden kann. Sie nehmen eine, über alle erhabene, höchste Gottheit an, und nennen dieses Wesen, Eatua-rahai (der große Gott). Taheiti, und jede der Societätsinseln, hat demnächst ihren eignen Gott, oder eigentlicher, ihren Schutzgott. Der von Taheiti heißt: Orua-hattu; der von Huaheine: Tane; von Raietea: Oru: von Q-Tahà: Orra; von Borabora: Tauttu; von Maurua: Otu; von Tabuamannu: Taroa. An diesen Schutzgott richtet der Hohepriester jeder Insel sein jedesmaliges Gebet, und der hiezu bestimmte Ort ist das Marai, oder der Begräbnisplatz des Königs. Von dem höchsten Wesen glauben sie, daß es der erste Hervorbringer aller, sowohl göttlichen als menschlichen, Wesenheiten sey. Da nun die Begriffe von der Zeugung diesen Insulanern so früh und so allgemein bekannt werden, so darf man sich nicht wundern, daß sie dieselben auch in die Götterlehre mischen, und folglich ihrem Eatua-rahai ein weibliches Wesen zugesellen, um aus dieser beyden Verbindung den Himmel mit untergeordneten Eatuas, und die Erde mit Menschen bevölkern zu können. In dieser Rücksicht heißt das höchste Wesen bey ihnen auch Ta-roa-t'eay-etumu, der große Stamm (Ursprung) aller Fortpflanzung. Sein Weib ist ihm aber keineswegs ähnlich; vielmehr haben sie, nach ihren rohen Begriffen, eine zugleich existirende feste, materielle Substanz für notwendig erachtet, welche sie O-te-Papa, den Felsen, nennen. Mit diesem Weibe zeugte der Eatua-rahai, die O-Hina, oder die Schöpferin des Mondes, die auch in dem schwarzen Wölkchen wohnt, welches man im Monde sieht; ferner, den te-Hwettu-ma-tarai, den Schöpfer der Sterne; Umarrìo den Gott und Schöpfer des Meeres; und Orre-orre, Orri bedeutet Wind. den Gott der Winde. Hiernächst steht die See noch unter dreyzehn besonderen Gottheiten, deren jede ein eignes Geschäft hat, wie ihre Namen, zum Theil auch uns, anzuzeigen schienen; sie heissen: 1.Uru-haddu, 2.Tamaùi, Z.Ta-Api, 4. Atu-Ariòno, 5. Tama, 6. Tahau-meonna, 7. 0-ta-Maauwi Ma-au heißt ein Hayfisch. , 8. Ohwai Ohwai bedeutet einen Stein' oder Kiesel. , 9. O-Hwatta, 10. Ta-Hua, 11. Tëu-t'Eiya Eiya, ein Segel; auch ein Fisch. 12. Oma-huru, 13. 0-Hwaddu. Der große Gott, Taroa-t'eay-etumu, wohnt in der Sonne. Sie stellen ihn sich als eine menschliche Gestalt mit schönen langen Haar vor, welches bis zur Erde (zu seinen Füssen) reicht. Er gilt für den Urheber der Erdbeben, und heißt in dieser Bedeutung, O-Mauwe; auch hat er die Sonne erschaffen. Als Capt. Cook, bey seiner Anwesenheit in Taheiti 1769, diese Insel, zu Erforschung ihrer Küsten, in einem Boot umschifte, fand er diese Gottheit, als Mauwi, oder Gott der die Erde erschüttert, auf eine ziemlich unförmliche Art abgebildet. Diese Bildsäule, wenn man sie so nennen darf, war von Baumzweigen geflochten, und ausserhalb mit schwarzen und weissen Federn bedeckt. Uebrigens ist dieß der einzige Fall, wo bey den Taheitiern eine körperliche Vorstellung einer Gottheit vorkömmt, und Capt.Cook erwähnt auch überdem nirgends, daß diesem Bilde irgend eine Art von Verehrung erwiesen worden sey. Einer, unter den Insulanern angenommenen, Ueberlieferung nach, glauben sie, daß die oberste Gottheit, zuerst die untergeordneten Götter gezeugt, und diesen alsdenn auferlegt habe, gewisse Theile der Schöpfung hervorzubringen; als z. B. einem das Meer, andern den Mond, die Sterne, die Vögel, die Fische etc. O-Mauwi schuf die Sonne; und nahm hernach sein Weib, den unermeßlichen Felsen O-te-Papa, und schlepte ihn von Westen nach Osten durchs Meer; bey dieser heftigen Bewegung brachen die Inseln, welche diese Völker jetzt bewohnen, von der großen Masse ab, und diese blieb zuletzt, als ein großes festes Land, gegen Osten liegen, wo es noch jetzt vorhanden seyn soll. Die Schutzgötter der verschiedenen Inseln habe ich bereits hergenannt; nur ist dabey noch zu erinnern, daß der Gott Tane, vor den andern Gottheiten, seinen Brüdern, nichts voraus hat, und sich weder um menschliche Angelegenheiten mehr bekümmert, noch auch von den Einwohnern allgemeiner angerufen wird, als alle übrigen, ausgenommen in Huaheine, der Insel über welche er die besondre Aufsicht hat, und wo man ihn als Schutzgott verehrt. Dahin müssen also die Nachrichten, welche unsre Vorgänger auf dieser Reise, von dem vorzüglichen Ansehen des Gottes Tane mitgetheilt haben, berichtiget werden S. Hawkesworths Geschichte der engl. Seereisen etc. Edition in 4 Band II, S.236.237. und in der Edition in 0ctav Band 3, S.355 . Ausser den Göttern vom zweyten Range, giebt es aber noch einige geringere Wesen, die zwar ebenfalls mit dem Namen Eatua bezeichnet werden, jedoch ohngefehr nur das sind, was in der römischen Mythologie die Genii und dii minorum genitum waren. Ein solcher ist der Orometua, ein bösartiger Geist, der sich, ihrer Meynung nach, gemeiniglich um die Marais und Tupapaus (Begräbnißorte) in, oder um, die kleinen Kästchen aufhält, in welchen die Knochen der Verstorbenen aufbewahrt werden. Diese Kästchen heissen daher te-Hwarre-no-te Orometua, das Haus des Orometua. Die Taheitier glauben, daß dieser böse Genius, wenn ihn die Priester anrufen, denjenigen plötzlich umbringen, über den sie seine Rache herabfordern. Vielleicht sind diese Priester eben nicht die gewissenhaftesten Menschen, und wissen, gegen eine gute Bestechung, den zum Untergang bestimmten Menschen zu vergiften, seinen plötzlich erfolgten Tod aber dem Orometua zuzuschreiben. Dieses scheint mir um desto wahrscheinlicher, je feyerlicher mich die Einwohner versicherten, es sey gar nichts ungewöhnliches, daß das Gebet der Priester an ihren Orometua in Erfüllung gienge. Ich hörte noch von einem andern Genius, Orome-hauhauwi, der gleiche feindselige Gewalt gegen die Menschen ausübt, aber nicht mit Gebet, sondern nur durch Zischen verehrt wird. Merkwürdig genug ist es, daß diese Art von Verehrung einer Gottheit, oder eines Genius, durch Zischen, auch bey den ägyptischen Priestern gebräuchlich war. Nicomachus spricht davon in Harmon. Manual. L. H. ( in Meibomii auctiborus antiau. Musicae vol. 1. p. 37. ) Αρμονια αποτελει δρασικας δυναμεις και τελεσικας των θειων. δια οτ'αν μαλισα οι θε ινοι (lege θεοριμοι) το τοιουτον (lege το θειον) σεβαζονται σιγμοις τε και εναρθροις και ασυμφωνοις ηχοις συμβολικως επικαλουνται. Harmonia perficit potestates operatrices \& divinorum effectivas. Quare Theurgici, cum sanctissime colunt numen aliquod, invocant illud sibilis \& poppysmis , fonisque qui articulationes \& confonas non habent. Die unterste Gattung von Geniis sind endlich die Tihi. Ich habe bereits erwähnt, daß die Insulaner mit diesem Namen das Ding nennen, welches in uns sieht, hört, riecht, schmeckt und fühlt, welches Gedanken bildet Es fehlt den Taheitiern der Ausdruck für abgezogene Begriffe. Gedanken, sind nichts körperliches; hier mußten sie sich also einer besondern Wendung bedienen, und durch die Umschreibung: Parau-no-te-obu, Worte des Bauches, den Begriff von Gedanken ausdrücken. (Anm. des Verf.) Da in allen Sprachen bey jedem Worte eln sinnlicher Begriff zum Grunde liegt, so werden die nicht körperlichen Dinge auch in allen Sprachen figürlich ausgedrückt. Unsere Vorältern haben vermuthlich schon so lange her zu denken gewußt, daß wir jetzt nicht mehr wissen, welchen sinnlichen Begriff sie bey diesem Worte zum Grünte legten. Wüßten wir ihn, so würbe er uns vielleicht jetzt eben so seltsam scheinen, als der taheitische. G. F. und nach dem Tode, abgeschieden vom Körper, noch fortdauert, sich in der Gegend des Begräbnißortes aufhält, um die Gebeine und Leichnamme herschwebt, und ebenfalls mit Zischen verehrt wird. Ausserdem erklärten sie uns noch, daß diese Tihis hauptsächlich in den hölzernen Figuren wohnen, welche an den Begräbnißplätzen aufgestellt werden. Sie sind, nach dem Geschlechte der verstorbenen Person, entweder männlich oder weiblich. Man fürchtet sich auch vor ihnen; denn die Insulaner glauben, daß sie, zur Nachtzeit, in ihre Hütten kriechen, und den Schlafenden das Herz und die Eingeweide aus dem Leibe fressen, folglich sie umbringen. Pausanias in Phocicis s. Lib. X. p. 663. beschreibt das Gemälde Polygnots, welches die Höllenfahrt des Ulysses vorstellte. Hiebey erwähnt er eines Dämons aus den Inferis, mit Namen Eurynomus, der das Fleisch von den Knochen der Leichnamme nagt. Die taheitischen Tihis und Eatuas vom letzten Range, scheinen eben solche Dämonen zu seyn, die von Leichen und auch von Lebendigen schmausen. Die Beschreibung des Eurynomus ist im Pausanias meisterhaft, und enthält Beweise von dem großen Genie Polygnots, der seine Kunst zu einer Vollkommenheit gebracht zu haben scheint, die den Werken der Neuern nur gar zu oft fehlt. Die Verehrung der Götter besteht bey den Taheitiern in verschiedenen Stücken. Erstlich giebt es besondere ihnen gewidmete Oerter, welche zum Gottesdienste bestimmt sind, und Marài genannt werden. Sie haben selbige gemeiniglich am Strande, auf Landspitzen die sich etwas in die See erstrecken, angelegt, und sie bestehen aus einem großen Steinhaufen mit hohen Stufen, fast in Gestalt einer egyptischen Pyramide. Bisweilen findet man, an einer Seite dieser Pyramide, einen mit platten Steinen gepflasterten, und mit Mauern von Quaderstücken umgebenen Hof ( area ). Die Pyramide selbst ist nicht ganz von solchen Steinen erbaut, sondern das Inwendige derselben ist mit kleinen Bruchstücken von Korallfelsen ausgefüllt. Bisweilen sind, in geringer Entfernung vom Marai, ein oder mehrere kleine Schoppen errichtet, unter denen sich diejenigen aufhalten, die entweder bey dem Marai ihr Gebet verrichten, oder daselbst die Begräbnißfeyer ihrer verstorbenen Anverwandten begehen wollen. Bisweilen stehet unweit des Marais, eine Anzahl Pfähle in der Erde, welche mit Querbalken genau verbunden sind; auch trift man erhöhete, auf Pfeilern ruhende Bühnen, oder Gerüste, von verschiedener Größe daselbst an. Auf eine solche Bühne,(Hwatta) legen die Einwohner die Opfer, welche sie ihren Gottheiten darbringen, und welche in Schweinen, Hunden, Hünern und Früchten bestehen. Die größern Bühnen sind bisweilen dreyßig Schuh hoch und über zwanzig Schuh breit, und oft mit Pisangs ganz bedeckt, die zwischen Blumenkränzen und grünen Zweigen, als Opfer für die Götter aufgehangen sind. Die Pflanzen deren man sich zu solchen Verzierungen gemeiniglich bedient, sind Pura-au oder Epua-taruru, ( Crataeva religiosa ) Emotu ( Melastoma malabathrica ) und Awa-waidai ( Piper latifolium ). Endlich stehen, in der Nähe des Marai's, ohngefehr zwanzig bis dreyßig lange Pfäle, aufrecht und einzeln, in der Erde, die, an einer Seite, über und über ausgeschnitzt sind. Das Schnitzwerk stellt menschliche Figuren, jede achtzehn Zoll hoch, und wechselsweise männlichen und weiblichen Geschlechts, vor, ist aber von grober, unförmlicher Arbeit. An einem solchen Pfale sind zuweilen fünfzehn bis zwanzig dergleichen Figuren über einander angebracht, welche Tihi genannt werden, und die Wohnorte der abgeschiedenen Geister seyn sollen. Zur Zierde des Marais, und zum Zeichen der Verehrung die man, sowohl für die Götter als auch für die Verstorbenen, hegt, werden verschiedene Arten von Bäumen, um diese Gebäude her gepflanzt. Unter allen wird der Keulenbaum oder Toa ( Casuarina equisetifolia )zu diesem Behuf vorzüglich gebraucht, und zwar nicht nur bey den Taheitiern sondern auch bey den Einwohnern aller übrigen freundschaftlichen Inseln. In den letztern haben wir überaus große Bäume dieser Gattung um ihre Gotteshäuser (Affayetuca) stehen geschen. Das Schönblatt oder Tamannu, ( Calophyllum inophyllum ), der Pappeleibisch, e-Miro, ( Hibiscus populneus ) der Pandang, e-Hwara ( Pandanus odoratissimus ) und endlich eine Art des Drachenbaums, Etih, ( Dracæna terminalis ) besonders die Spielart welche rothe Blüthen und roth geäderte Blätter hat, werden ebenfalls, nebst noch andern mehr, um den Marai hergepflanzt. Die zunächst folgende Art der Gottesverehrungen bestehet in gottesdienstlichen, an bestimmten Tagen vorgenommenen, Handlungen. Zeit und Zahl der Festtage sind uns nicht bekannt geworden; allein, daß es dergleichen gebe, haben mir die Einwohner vielfältig versichert. Zu dem Ende sind aber auch, drittens, gewisse Personen besonders ausersehen, welche die Gebete und Ceremonien verrichten. Der oberste Erih, oder König einer Insel, wählt unter den ihm untergeordneten Erihs oder Vornehmen, einen Mann von Einsicht, der sein Priester, oder Tahauwa wird, und, zur gesetzten Zeit, Gebete verrichten, die Opfer darbringen, kurz, alle erforderliche Feyerlichkeiten begehen muß. Diese Würde ist nunmehr vom Vater auf den Sohn erblich geworden. Jeder Provinzial-Erih hat ebenfalls einen Priester, und die unteren Klassen des Volks desgleichen. Diese letzteren können aber nicht für Personen von höherem Stande beten und opfern. In den vorigen Reisebeschreibungen S. Hawkesworths Geschichte der englischen Seereisen etc.. Edition in Quart Band II. S.239.u. in 8. B.IIl. S.559. findet man sogar angemerkt, daß die Priester der Mannspersonen nicht einmal für das Frauenzimmer ihre Gebete verrichten können. Jedes Geschlecht hat seine eigenen Marais, wohin das andre nicht kommen darf; nur gewisse Marais sind beiden gemein. Von allen diesen seltsamen Verfassungen haben zwar, wir selbst, während unseres Ausenthalts in Taheiti, nichts erfahren, sondern führen es blos nach Hawkesworths Zeugniß an, doch dünkt es uns gar nicht unwahrscheinlich. Die gottesdienstlichen Handlungen sind verschiedener Gattung. Zuerst Anrufungen oder Gebete, an eine ihrer Gottheiten. Die Gebete werden vom Priester entweder laut hergesagt, oder stillschweigends dargebracht. Bey jeder Ceremonie bedienen sie sich kurzer, dazu bestimmter, Sentenzen. Die Sprache der Priester ist feyerlich, in kurzen Sätzen, und von der Art wie man sich im gemeinen Leben auszudrucken pflegt, fast gänzlich verschieden. Wir konnten wenigstens keinen einzigen Absatz ihrer Gebete verstehen, ohnerachtet wir von der gewöhnlichen Mundart beträchtliche Wörtersammlungen gemacht hatten, und diese ziemlich gut verstanden. Ausser den Gebeten, welche die Priester eines jeden Standes bey gewissen Gelegenheiten hersagen, ist es auch den Layen erlaubt, für sich zu beten, und gewisse gottesdienstliche Gebräuche zu verrichten. Der junge Taheitier der sich 1773 entschloß, mit uns nach Hua-heine zu gehen, sagte vor seinem Abendessen ein Gebet her, nahm hierauf von dem Fisch, der ihm vorgesetzt ward, ein kleines Stückchen, und legte es neben sich auf den Tisch, als ein Opfer für den Eatua. Die Insulaner bey denen ich mich, wegen der Art ihres Gottesdienstes erkundigte, antworteten mir, daß der Priester bisweilen so leise bete, daß kein Mensch es hören könne; demohngeachtet höre es der Eatua, welcher zu der Zeit nahe am Marai sey, und antworte dem Priester. Von dieser Antwort des Eatua, vernimmt die umherstehende Menge nicht das mindeste. Der Priester hingegen hört alles was die Gottheit spricht. Gottheiten geringerer Art werden, wie bereits erwähnt, blos durch Zischen verehrt. Sobald der Einwohner der Societätsinseln sich einem Marai nähert, zieht er sein Kleid von den Schultern ab, und erzeigt also diesem Orte die nähmliche Ehre, die er seinem Fürsten schuldig ist. Ein sicheres Zeichen, daß er ihn für den Wohnort eines höheren Wesens hält, dem eine solche Ehrenbezeugung, von Rechtswegen, zukommt. Doch, nicht genug, daß sich diese Insulaner mit Worten und äusserlichen Gebärden zu ihren Göttern nahen, sie suchen auch noch thätigere Beweise der Verehrung, durch Opfer, an den Tag zu legen, und diese bestehen in den Landesprodukten aus dem Thier- und aus dem Pflanzenreiche. Ich habe oftmals, auf einer Art von Altären, die zu dem Ende am Marai errichtet war, gebratene Schweine, Hunde und Hüner, mit feinem Zeuge bedeckt, ausgestellt gefunden; der bereits erwähnten Bühnen nicht zu gedenken, die voller Pisangs und Plantanen hängen. Von andern Opfern, habe ich nie etwas gesehen, noch je gehört, daß, wie Capt. Cook erfahren haben will, zuweilen gar Menschen geopfert werden. Cook's Voyage towards the Southpole or round the World, Vol.I. p.185. Indessen scheint er die Sache so genau untersucht zu haben, daß sich, ohne eigene noch genauere Nachforschungen, nichts dagegen einwenden läßt. Fast alle Völker des Alterthums opferten Menschen, die Egyptier ausgenommen, denen diese grausame Gewohnheit fremd war. Wenn aber zuweilen in alten Schriftstellern von ihnen gesagt wird, daß sie Menschen geschlachtet hätten, um den Zorn ihrer Götter zu besänftigen, so ist dieses von den arabischen Hirtenvölkern zu verstehen, die ganz Egypten einst erobert hatten, und bey denen jene gräßlichen Opfer üblich waren. Ueber diese Art die erzürnten Götter mit Menschenblut zu versöhnen, hat Herr Bryant mit der größten Gelehrsamkeit geschrieben, in seinen Observations and Inquiries relating to various parts of ancient history; pag. 267 – 285. Vielleicht haben die Einwohner für gut gefunden, daß ein Verbrecher, als ein Schlachtopfer für die Götter, hingerichtet werde; und da wahrscheinlich, vor diesem, auch die Taheitier Menschenfresser gewesen sind, so können diese Menschenopfer wohl Ueberbleibsel jener gräßlichen Gewohnheit seyn, mit dem Unterschiede, daß Verbrecher den Göttern jetzt nur geschlachtet, nicht aber gefressen werden. Der Umstand, dessen man gegen Hrn. Cook erwähnte, nämlich »daß nur böse Menschen getödtet werden, um die Götter zu versöhnen« scheint dieses grausame Verfahren in etwas zu mildern, und, einer unheiligen Handlung ein gesetzmäßiges Ansehen zu ertheilen. Allein sie erscheint bald wieder in ihrer ganzen Abscheuligkeit, indem es weiter heißt, daß die Wahl des Opfers dem hohen Priester überlassen wird. Dieser kann also, bey einer solchen Gelegenheit, nicht nur ganz bequem seinem eignen Privathaß den Zügel schiessen lassen, sondern auch ungestört die allerfürchterlichsten Auftritte pfäffischer Politik veranlassen. Wenn das ganze Volk feyerlich versammlet ist, geht er ganz allein, in das Gotteshaus oder den Marai, verweilet daselbst eine Zeitlang, und meldet der Versammlung, indem er wieder herauskommt, daß der oberste Gott sich mit ihm unterredet, und ein Menschenopfer gefordert habe; jetzt nennt er den Menschen, den die Gottheit hiezu gewählt hat, der auch sogleich gegriffen, und zu tode geprügelt wird. Noch eine Bemerkung, daß man nämlich nur solche Verbrecher, die kein Lösegeld für ihre Verbrechen bezahlen können, zu diesem Tode verurtheilt, ist ein Beweiß, daß der Priester bey solchen Gelegenheiten zugleich seine Habsucht befriedigen kann. Wenn alles dieses seine Richtigkeit hat, so geben auch die Einwohner der Societätsinseln ein trauriges Beyspiel jener unseeligen Verirrungen ab, in welche sich die Menschen immer mehr vertiefen, je weiter sie sich in Religionssachen, ihrem eignen Dünkel überlassen, und von der Einfalt jener Anbetung im Geist und in der Wahrheit sich entfernen, welche die christliche Offenbarung auf das vollkommenste lehrt. Die Taheitier scheinen indessen, dem so eben Erzählten zu folge, den Begrif anzunehmen, daß Gott dem Menschen seinen Willen durch ihre Priester zu erkennen gebe. In zweifelhaften Fällen von einiger Wichtigkeit, wird, wie man mir selbst versichert hat, die Gottheit von den Priestern unmittelbar um Rath gefragt, und diese bringen die Antwort derselben zurück an das Volk. Hieraus folgt, daß man dort die Marais zugleich als Orakel ansieht, wo Gottes Antwort, dem Priester nur hörbar, denenjenigen mitgetheilt wird, die dadurch belehrt und geleitet seyn wollen. Auch dieser Begrif ist unter den Menschen so allgemein, daß man, unter Alten und Neuern, schwerlich ein Volk antreffen wird, welches nicht daran gehangen, und geglaubt hätte, die Gottheit habe sich die Belehrung der Menschen in wichtigen Fällen, welche die nächste Beziehung auf ihre Glückseligkeit haben, unmittelbar selbst vorbehalten. Um jedoch auf die Traditionen der Taheitier zurückzukommen, so erzählten sie ferner, daß, nachdem ihr oberster Gott, Taroa-t'eay-etumu, mit seinem Weibe O-te-Pappa viele Gottheiten von beyderley Geschlecht erzeugt, und diese zu Schöpfern und Regierern der verschiedenen Theile des Weltalls verordnet; nachdem er sodann die Inseln gebildet, indem er sein Weib O-te- Pappa durchs Meer geschleppt, so habe er endlich mit ihr einen Sohn, Namens O-Tea, erzeugt, und dies sey der erste Mensch gewesen. Die Volkssage setzt hinzu, seine Glieder wären anfänglich wie eine Kugel zusammengerollt gewesen; seine Mutter aber habe sie allmälig ausgebreitet, und ihnen die Gestalt ertheilt, die ihnen noch jetzt eigen ist. Von eben diesen Aeltern ward auch eine Tochter gebohren, welche O-te-Torro hieß, und das Weib des ersten Menschen, des O-Tea, ward. Von diesem Paare, ist ihrer Meynung zufolge, das ganze Menschengeschlecht entsprossen. Aus dieser Entstehungsgeschichte lassen sich nun folgende wichtige Folgerungen ziehen. 1) Sie glauben, der Mensch sey von Gott geboren; mithin müssen sie auch glauben, daß ihre Götter Menschen ähnlich sind. Dies bestätigt sich durch die Abbildung des Mauwi, welche Capt.Cook auf seiner ersten Reise gesehen hat. 2) Da sie, ohnerachtet ihrer Behauptung, daß Gott nicht gesehen werden könne, dennoch den Mauwi unter dem Bilde eines Menschen dargestellt haben, so folgt, daß sie damit nicht eine wahre Abbildung, sondern blos ein Symbol verstanden haben. 3) Da sie von dem im Menschen empfindenden, und denkenden Wesen glauben, daß es nach dem Tode, in einem abgeschiedenen Zustande, fortdauere, und obgleich unsichtbar, dennoch fähig sey, Handlungen zu vollbringen, welche denen, die es im Körper würkte, ähnlich sind; daß es nämlich sieht und hört, von seinen Freunden ergötzt werden, und sein Misvergnügen dadurch, daß es Leute ums Leben bringt, thätig erweisen kann; so folgt offenbar, daß sie sich hiebey ein unsichtbares, freyes Wesen, unabhängig vom Körper denken. Dies ist es was sie Tihi nennen, und selbiges, vermittelst einer hölzernen Figur, die selten über 18 Zoll hoch ist, durch ein ungestaltes Schnitzwerk, als einen Menschen, bald männlichen bald weiblichen Geschlechts, vorstellen. Offenbar ist also auch hier das Bild keine ächte und direkte Vorstellung der Seele, sondern nur ihr Emblem, ein Symbol, oder eine Hieroglyphe, bey welcher sie sich die Seele denken. 4) Der Mensch, von der obersten Gottheit entsprossen, muß demnach, ihrer Meynung zufolge, auch in einem gewissen Grade den Göttern homogen oder gleichwesentlich seyn. Behaupten sie nun, wie sie es gegen mich mehrmalen gethan haben, daß der große Eatua unsichtbar sey, so kann die Analogie doch nicht im Körper, d. i. in dem sichtbaren Theile des Menschen liegen, sondern jener innere Theil unsers Wesens, welcher empfindet und denkt, ist, auch nach den einfachen Begriffen dieses Volks, nach dem Bilde Gottes geschaffen, wie unsere Offenbarung es ausdruckt. Endlich 5) Da dem O-Tea, als dem ersten Menschen nur ein Weib zugesellet wird, so scheint dieses zugleich anzudeuten, daß die Insulaner selbst die Monogamie für die gesetzmäßigste oder vernünftigste Art der menschlichen Vermehrung halten. Die Einwohner des Südmeers glauben, ihrer eigenen Aussage nach, ein künftiges Leben; allein ich muß gestehen, daß ich alle Hoffnung aufgebe, ihre Begriffe über diesen Gegenstand zusammen zu reimen. Sie erzählten uns zwar, wie ich bereits gesagt habe, daß das Wesen, welches denkt und empfindet, nicht mit dem Körper verfaule, sondern gesund (waura) bleibe, sich aber unweit seiner ehemaligen irdischen Wohnung, (dem Körper nämlich, der auf einer erhöheten Bühne ruht) oder auch bey den übrig gebliebenen Gebeinen aufhalte, nachdem diese in ein kleines Kästchen gesammlet worden sind. Diesem Wesen bringen sie Früchte und Speisen dar und lassen selbige, ohnweit der Begräbnißplätze, liegen; und das Gehäuse dieses Wesens, dieser Seele, wie wir, (oder Tihi, wie sie) es nennen, sind die kleinen, aus Holz geschnitzten Tihis, oder menschliche Figuren. – Ohnerachtet dieser so positiven und deutlichen Behauptungen, fügten sie noch gleichwohl in demselben Othem hinzu, daß die Verstorbenen, sich nach dem Tode, in der Sonne, um den Mauwi versammlen, und mit diesem Gotte, von Brodfrucht, Schweinefleisch und Hundefleisch schmausen, welches keiner Zubereitung bedarf; einige giengen in diesen Behauptungen noch weiter, indem sie hinzusetzten, daß sie dort unabläßig mit dem bekannten Pfeffertrank versorgt würden. Diesen Zustand nennen sie die Versammlung oder Zusammenkunft des Himmels, Te-rua-t'Erai. Terua bedeutet die Zusammenkunft ober Versammlung der Stände in O-Taheiti, worinn der König, die Provinzial-Erihs, die Priester, die übrigen Erihs und Manahaunes das Vorrecht haben, sich niedersetzen zu dürfen, indes die Hoa's, oder königlichen Begleiter, zwar zugegen seyn, aber stehen müssen. Inzwischen haben blos die Vornehmen Hoffnung, nach ihrem Tode in diese Versammlung zu kommen; eine Einschränkung, die vermuthlich ihren Grund in der Staatsverfassung der Insel hat, wo nur Standespersonen in den großen Rathsversammlungen sitzen dürfen. Die Tautaus, oder Leute von geringer Abkunft, versammeln sich, nach dem Tode, im Taya-hobu, ein Ort, oder ein Unterscheid, von welchem ich jedoch keine Erklärung zu geben weiß. Nur so viel weiß ich, daß sie den Aufenthalt an beiden Oertern, uns nie als einen Zustand der Bestrafung schilderten. Die Te-rua t'Erai scheint ein glückseliger Ort des Genusses, ohngefähr im Geschmack des Walhalla der nordischen Völker, zu seyn, wo die in der Schlacht gefallenen Helden sich in Odins Pallast versammeln, vom wilden Eber Serimner schmausen, und Bier und Meth aus den Schädeln ihrer Feinde zechen S. die Edda an mehreren Stellen, und I. G. Keysleri Antiquitares selectæ Septentrionales, p. 149 seq. . Nach dem hier mitgetheilten Begriffe von der taheitischen Lehre sollte es fast scheinen, daß die Insulaner vom Einfluß der Handlungen dieses Lebens auf die Zukunft nichts halten. Allein ich habe überzeugende Ursach zu glauben, daß die Furcht, den Unwillen der Götter auf sich zu laden, sie von vielen unmoralischen Handlungen zurückhält. Wenn ich bisweilen, in der Unterredung mit ihnen, die Frage aufwarf, warum sie dieses oder jenes nicht thäten, z. B. warum sie nicht jemand umbrächten, u. d. gl. so war die Antwort allemal: die Götter würden zürnen. Frug ich weiter, ob dieser Zorn ihnen Strafe zuziehen würde, so bejaheten sie dieses; und auf die Frage, ob der Zorn sich auch nach dem Tode an ihnen äussern könne, gaben sie dieselbe Antwort. Auf welche Art, wo, und wie lange, der Unwille der Götter wirkt, konnte ich von ihnen nie erfahren. Einst, als ich die Beyschläferin des Erihs von O-Tahà, die Teinamai, überreden wollte, das Kind, womit sie in kurzem niederkommen sollte, nicht zu tödten, bediente ich mich unter andern des bey ihren Landsleuten sonst üblichen Arguments: der Eatua würde zornig (wòriddi) darüber werden. Allein sie blieb bey ihrem Entschlüsse, und antwortete mir, mit kaltem Blute, das würde vielleicht der brittische Eatua thun, der von O-Raietea hingegen, wisse wohl, daß sie von einem Errioy schwanger wäre, dessen Kinder nicht am Leben bleiben dürften; er könne mithin darüber nicht zürnen. So viel scheint wenigstens hieraus wahrscheinlich zu werden, daß der Begriff des künftigen Lebens, auch bey diesen Insulanern mit dem Begriffe von Strafen und Belohnungen vergesellschaftet ist. Daher bezeigen sie dem Schöpfer Ehrfurcht, und beten ihn mit kindlicher Einfalt und Demuth, nach Maasgabe der geringen Erkenntniß an, welche sie von seiner Größe, Güte und Vortreflichkeit, und nach der Furcht, welche sie vor seinem mächtigen Zorn haben; Begriffe, die ihnen frühzeitig eingeflößt worden sind. Ihre Religion hat also auch Einfluß auf ihre Sittlichkeit, so sehr sie übrigens, gleich ihrer Vernunft, noch unausgebildet, noch in der Kindheit ist. Bey der Geburt eines Kindes sind keine Feyerlichkeiten oder gottesdienstliche Ceremonien üblich; man drückt dem Neugebohrnen blos die Nase etwas platt, und giebt ihm einen Namen, von irgend einem Gegenstande, der in dem Augenblicke sich lebhafter darstellt, oder durch die Umstände merkwürdig wird. So heißt z. B. der jetzige König von Taheiti: 0-Tu, welches der Name einer Art aschgrauer Reiher ist; der König von der Insel St. Christina unter den Marquesas, hieß: Ahonu, Schildkröte; ein Erih in Taheiti, der ein naher Verwandter des O-Tu war, hieß Tihi, die Seele, oder auch das aus Holz geschnitzte Bild, welches die Seele symbolisch vorstellt; der Befehlshaber der Provinz Tittahà hieß Taumata-roa, großer Hut; u. s. f. Die nächste Ceremonie, welcher sich hierauf die Knaben unterwerfen müssen, ist eine Art von Beschneidung. Zu diesem Ende wird ein glattes Bambusrohr unter die Vorhaut gesteckt, und diese Haut mit der scharfen Schneide eines andern, gespaltenen Bambusrohrs durchschnitten, damit sie die Eichel nicht wieder bedecken könne. Diese Operation verrichtet zwar der Priester; jedoch scheint dabey nur Reinlichkeit die Absicht zu seyn, und kein Religionsbegriff zum Grunde zu liegen; daher ist auch weder Tag noch Alter bestimmt, wenn sie vorgenommen werden muß; sondern dies geschiehet sobald der Knabe selbst im Stande ist Acht zu geben, daß die Haut sich, nach geschehenem Einschnitte, nicht wieder über die Eichel ziehen möge. Eine andere Operation, zu welcher sich die Jugend beyderley Geschlechts bequemen muß, ist das Einpunktiren gewisser schwarzen Flecke auf den Lenden, bisweilen auch an den Armen und Seiten. Das Instrument womit diese Zeichen gemacht werden, hat, in Form eines engen Kammes, viele feine Zähne, und heißt: Euwi-tattatau; das zweite zu dieser Operation erforderliche Werkzeug ist ein hölzerner Spatel, dessen oberes Ende etwas keulenförmig, ohngefähr Fingersdick, zuläuft, und mit welchem auf das Kamm ähnliche Instrument sachte geklopft wird, um die Zähne desselben durch die Haut zu treiben. Dieser Spatel heißt Tatà-e, und dient zugleich zum Umrühren der schwarzen Farbe, oder Arahoà-tattau. Die Bogen, welche auf den Hinteren zu stehen kommen, werden Awari genannt, die große Masse von schwarzer Farbe, oder ein sehr breiter schwarzer Streif unter jenen Bogen, heißt Tanmarro; bey den Frauenspersonen werden die Bogen, welche zugleich die ehrenvollen Merkzeichen ihrer Mannbarkeit sind, Toto-Huwa genannt. Die Priester haben das ausschliessende Vorrecht, auch diese Operationen zu verrichten, und erhalten dafür eine Belohnung an taheitischein Zeuge, Hünern, Fischen, und, seitdem die europäischen Waaren gangbar geworden sind, auch wohl an Nägeln und Glaskorallen. Ihre Heirathen werden zwar mit einigen Feyerlichkeiten vollzogen; allein es fehlt uns bis jetzt noch immer an glaubwürdigen Nachrichten davon, indem die einzige Beobachtung die wir über diese wichtige Sache mittheilen können, von einem Menschen herrührt, der theils die Sprache nicht verstand, mithin keine Erklärung alles dessen fordern konnte, was er sahe und hörte; theils auch nicht Wißbegier genug besaß, um sich deshalb die geringste Mühe zu geben, oder irgend einen seiner Reisegefährten herbeyzurufen. Wir schränken uns daher auf die mangelhafte Erzählung des nicht genugsam aufmerksamen Europäers ein, der Gelegenheit hatte eine Feyerlichkeit dieser Art mit anzusehen. Dem jungen Maheine aus Borabora, der eine Reise von acht Monaten auf unserm Schiffe gethan, gab nämlich der Provinzial- Erih von Mattawai, Namens Toperre, seine Tochter zur Ehe. Maheine sas neben seiner Braut, und hielt ihre Hand in der seinigen, indeß zehn bis zwölf Personen, meistens Weiber, umherstanden, und einige Worte in einem singenden Tone, als Recitative, hersagten. Zwischen den Absätzen dieses Gesanges antworteten Maheine und seine Braut durch kurze Formeln. Darauf setzte man ihnen Speise vor, wovon das neue Ehepaar, unter Hersagung gewisser Worte, einer aus des andern Hand etwas nahm, und zum Beschluß badeten sich beide im Flusse. Schon seltsamer und umständlicher ist dagegen die Feyerlichkeit, welche bey dem Leichenbegängniß der vornehmen Taheitier vorgenommen wird. Sobald jemand von Stande gestorben ist, kommen seine Verwandten und Freunde, in seiner Wohnung, zusammen, und beklagen den Verlust des Verstorbenen den ganzen Tag und die Nacht, bis an den folgenden Morgen. Alsdenn wickeln sie den Leichnam in weisses Zeug, und tragen ihn in die Nähe desjenigen Marai, wo die Ueberbleibsel des Körpers in der Folge begraben werden sollen. Hiezu bedienen sie sich einer Bahre, über welche, nach Art einer kleinen Hütte, ein Dach von Palmblättern angebracht ist; liegt die Wohnung des Verstorbenen weit vom Marai entfernt, so führt man den Leichnam zu Wasser dorthin, indem die Marais durchgängig am Strande erbauet sind. In jedem Fall wird der Leichnam zuerst am Strande der See nieder gesetzt, und der Priester der ihn begleitet, sagt, von dem Augenblick an da der Todte weggetragen wird, bis zur Ankunft am Marai, beständig Gebete her. Nachdem er am Marai von neuem gebetet, und Sprüche hergesagt hat, sprenget er ein wenig Seewasser nach dem Leichnam hin, jedoch nicht auf denselben. Diese Ceremonie wird mehrmalen wiederholet, und der Leichnam jedesmal aufgehoben und einige Schritte weit zurückgetragen. Unterdeß hat man, ohnweit des Marai, ein kleines Gehäge mit einem Tupapau, d.i. einer Art von offenem Schoppen welcher auf sechs bis sieben Schuh hohen Pfosten ruhet, verfertigt, und unter diesen stellt man den Körper mit samme der Bahre, entweder auf Pfählen oder auf einen zu dem Ende errichteten bretternen Boden hin, woselbst er bleibt, bis das Fleisch von den Knochen abgefault ist. Während der Verwesungszeit bringen die Anverwandten, zu wiederholten mahlen, Fleisch, Früchte und Wasser dahin, und lassen diese Lebensmittel in einiger Entfernung von dem Tupapau zurück. Ueberdem wird die Grabstelle mit taheitischen Zeugen und Kränzen von e=Hwarra=Früchten ( Pandanus ) und Kokosblättern verzieret. Rings umher werden auch gemeiniglich einige Keulenbäume ( Cafuarina equifetifolia ) gepflanzt. Die weiblichen Anverwandten geben ihr Leidwesen dadurch zu erkennen, daß sie sich am Kopf mit Hayfischzähnen blutig ritzen. Das Blut aus diesen Wunden, und die Thränen, welche sie bey dieser feyerlichen Gelegenheit vergiessen, lassen sie sorgfältig auf kleine Lappen ihres Zeuges tröpfeln, und werfen diese, nebst dem Haar, welches einige junge Leute sich bey eben der Gelegenheit abschneiden, unter die Todtenbahre. Einige Tage nachher zieht einer der nächsten Anverwandten den oben beschriebenen Hiwa = Habit an, und nimmt in einer Hand die Klapper, welche aus zwey großen Perlmutterschalen besteht; in die andere aber einen hölzernen Stab, der oberhalb am Rande, oder längst der Schärfe, mit Hayfischzähnen besetzt ist. In diesem Aufzuge geht er, in feyerlicher Proceßion, durch einen weiten Umweg, vom Hause des Verstorbenen, bis nach dessen Grabstätte (Tupapau) hin. Vor ihm treten zwey oder mehr Leute her, die fast gänzlich nackend und über den ganzen Leib mit einer aus Holzkohle und Wasser gemischten Farbe, schwarz angestrichen sind. Diese heissen Nineva, d.i. unsinnige oder tolle, indem sie Personen vorstellen sollen, die vor Betrübniß wahnwitzig sind. Sollte der Leidtragende, der den seltsamen Trauerhabit trägt, jemand unterwegs antreffen, so würde er auf ihn losgehn, und ihn mit den an seinem Stabe befindlichen Hayfischzähnen empfindlich verwunden. Sobald folglich die, seine Ankunft verkündigende, Klapper ertönt, verläßt jedermann seine Wohnung, und verbirgt sich oder entläuft fern von dem Wege, den der Leidtragende zu nehmen pflegt. Dieser sagt allerhand Gebete her, sowohl wenn er sich dem Leichnam nähert, als auch wenn er bey den Wohnungen der noch Lebenden vorbeygeht. Diese Proceßion wird fünf Monden lang, zu gesetzten Zeiten, wiederholt; gegen das Ende aber weit seltner als im Anfange der Trauer. Die Verwandten lösen einander dabey ab; bisweilen geht, auf ihr Verlangen, der Priester mit, und betet und opfert den Göttern am Grabe. Nachdem das Fleisch verweset ist, schabt man die Knochen vollends rein, wäscht und begräbt sie, im Marai, wofern der Verstorbene ein Erih oder von der obersten Classe, ausserhalb demselben aber, falls er nicht von diesem Range war. Der Schädel eines Erih wird nicht mit den übrigen Gebeinen begraben, sondern in Zeug gewickelt, und in einen langen Kasten, oder einer Lade Die Begräbnißart der Taheitler scheint zwar, auf den ersten Blick, äusserst seltsam; allein bey genauer Untersuchung findet man doch bey vielen alten und neuern Völkern viel ähnliches. Bey meinem Aufenthalt in Rußland im Jahr 1765 sahe ich, in der großen Steppe an der östlichen Seite der Wolga, verschiedene Leichname der Kalmücken auf die nämliche Art zum Verwesen ausgesetzt. Einer lag in einer Hütte, in seiner Kleidung; um die Hütte herum standen etliche lange Stangen, mit Fähnlein von Seide und Kattun, worauf tibetanische Schriftzüge gedruckt waren. Ein andrer lag in einem kleinen hölzernen Behältnisse, welches 6 Schuh lang, und 2 Schuhe breit war. Als ich mich demselben näherte, lief ein Fuchs heraus, der von dem Leichnam gezehrt hatte. Um diesen Sarcophag standen noch, ausser den vorhin erwähnten Fahnen, auf eben solchen Stangen, einige Hölzer, welche in der Mitte, wo die Stangen durchgingen, durchbohrt waren, zu beiden Seiten aber wie Löffel ausgehölt, und sieben bis acht Zoll lang, auch in dem holen Theile mit tibetanischen Charakteren beschrieben waren. Da die Hölungen oder Löffel, zu beiden Seiten der Achse, nach entgegengesetzten Himmelsgegenden gerichtet waren, so bewegte sie das leichteste Lüftgen. Die Lamen oder kalmykischen Priester, behaupten, daß der Inhalt des Gebets, gleichsam mit jeder Umdrehung des Fähnchens zu Gott für die Seelenruhe des Abgeschiedenen hinaufgeschickt werde. In der Archæologia der Gesellschaft der Alterthümer zu London, steht eine Abhandlung (Vol. II. p. 233.) die ich 1767 schrieb, worinn ich die sechs Begräbnißarten beschrieben habe, welche unter den Völkern vom dalailamaischen Religionssystem üblich sind. Die erste Art ist, die Leichname der Lamen, Khane, Noyons, und anderer Standespersonen zu verbrennen, und ihre Asche, mit Weyhrauch vermischt, dem Dalai-Lama in Tibet zu schicken. Zweitens werden die Körper zuweilen in Särgen aufbewahrt, und endlich mit Steinhaufen bedeckt. Drittens werden einige auf die Gipfel der Berge getragen, und daselbst den Vögeln und wilden Thieren zur Speise überlassen. Viertens, trägt man andere in ein Gehäge, wo eine Menge Hunde gehalten werden; der Todtengräber füttert die Hunde mit dem Fleische, welches zuvor von den Knochen abgesondert worden ist, wirft diese letzten ins Wasser, und giebt den Anverwandten den Schädel, die ihn ehrerbietig nach Hause tragen. Fünftens wirft man einige Leichname ins Wasser. Sechstens werden einige zur Erde bestattet. Welche von diesen Begräbnißarten bey einem Verstorbenen statt finden solle, bestimmt der Priester, nach Maasgabe der Todesstunde. Die Bestätigung dieser Nachrichten findet man in Hrn. Pallas Reisen durch verschiedene Provinzen des russischen Reichs: I. Th. S. 362. 363 und zum Theil in Hrn. John Stewart's Nachricht vom Königreich Tibet in den Philos. Transact. Vol. LXVII. part 2. pag. 478 . Auf der Insel Formosa, oder Tayovan, behalten die Einwohner die Leichname der Verstorbenen, auf eine erhöhte Bühne gelegt, in ihren Wohnhäusern, und machen ein Feuer unter denselben an, um sie auszudörren. Nach dem neunten Tage wickeln sie den Körper in Matten und Zeuge, und stellen ihn auf einer noch höheren Bühne aus. Wenn er daselbst drey Jahre lang gelegen, werden die Gebeine begraben. S. Candidius, Relation of the island of Formosa . Die Einwohner von Korea begraben die Ueberbleibsel ihrer verstorbenen Freunde nicht eher, als nach Verlauf von drei Jahren ( Du Halde History of China.) Die Indianer am Fluß Oronoko lassen die Leichname ihrer Befehlshaber verwesen, und schmücken hernach das Knochengerippe mit goldenen Zierrathen und Federputz, und hängen es in einer Hütte auf. (S. Voyage of Sir Walter Raleigh, in Hackluy's Collection Vol. III. p. 644 edit 1598. Ney Appollonius Rhodius Argonaticor. Lib. III. p. 207.) und im Aelian ( var. hist. Lib. IV. cap. 1.) ließt man, daß die Kolchier die Leichen in rohe Ochsenhäute zu nähen, und sie in Ketten an die Luft zu hängen pflegten. Die Einwohner von Chili (Tschile) geben ihren Todten die Stellung, welche das Kind im Mutterleibe hat, und legen sie alsdenn auf eine sechs Schuh hohe Bühne. Supplemens to Anfon's Voyage. ) Die Moluches, Tatuhets und Diwihets, in Südamerika, Ilsen das Fleisch von den Knochen ihrer Todten, und verwahren das schön geputzte Gerippe in unterirrdischen Hölen; die Tehuelhets, eine andre Völkerschaft in derselben Gegend, verwahrt sie in kleinen Hütten, nahe an der Seeküste, manchmal 300 Seemeilen weit von ihrer Heimath. S. Falkner's Description of Patagonia. p. 118. 120. bestattet, welche auf taheitisch, bereits erwähntermassen, te-Hwarre no te Orometua heißt. Sogar nach Beerdigung der Gebeine, erneuern die Verwandten, bisweilen in Gesellschaft des Priesters, gewisse Ceremonien. Der Priester nimmt, z. B. einen Straus von rochen Papageyenfedern, (Ura) mit Kokosfasern umwunden, und befestigt ihn, auf einen kleinen spitzigen, in der Erde stehenden, Stab Diese Federn werden, wie bekannt, von den Einwohnern sehr hoch geschätzt; hier sind sie gleichsam ein Sinnbild der Gottheit, und dienen eigentlich dazu, die Aufmerksamkeit wahrend der Ceremonie von andern Gegenstinden ab, und auf sich hinzulenken. . Gegen über wird ein junger Pisangstamm, als Sinnbild der Freundschaft, des Friedens und der Versöhnung, gestellt. Der Priester und die Verwandten stehen vor den rothen Federn, er betet daselbst, und legt hernach auf dem Grabe einige, während des Gebets auf verschiedene Art zusammengeflochtene, Kokosblätter hin; sie aber lassen allerhand Lebensmittel bey dem Grabe zum Opfer zurück. Im O-Tahà sahe ich eine Frauensperson im Trauerhabit (Hiwa) umhergehen; es ward ein feyerlicher Tanz daselbst vorgestellt, und die Angehörigen des Verstorbenen waren wohlgekleidet dabey zugegen, und gaben den Trommelschlägern und Musikanten Geschenk von Zeugen. Aus allen Umständen dieser Begräbnißfeyerlichkeiten scheint zu erhellen, daß die Einwohner von Taheiti und den nahgelegenen Inseln einen Zustand der Seele (Tihi) glauben, in welchem diese, auch geschieden vom Leibe, noch lebt. Wie lange, ihrer Meynung nach, die Seele bey den Gbeinen verweile, und wenn ehe sie dieselben endlich verlaße, um (falls es eine vornehme Seele ist) zum Mauwi in die Sonne zu gehen, und mit der himmlischen Versammlung (Te-rua-te-rai) das Fest zu halten? konnte ich nicht erfahren. Vielleicht giebt hier die so berüchtigte, und so übel verstandene Lehre der Aegyptier, von der Seelenwanderung, einigen Aufschluß Im folgenden Abschnitte wird man die Seelenlehre, wie solche bey den Einwohnern der Carolinen Inseln angenommen ist, beschrieben finden. Sie kann zu Erläuterung der taheitischen Lehre angewendet werden. . Die Aegyptier glaubten nämlich, daß die menschliche Seele, nach der Auflösung des Körpers, bestimmt wäre, thierische Leiber, von vierfüßigen Thieren, Vögeln, Fischen zu beleben, bis sie, nach Verlauf von 3000 Jahren, wieder einen menschlichen Leib zu regieren bekäme Herodot. Lib. II. No. 123. . Um nun die Zerstörung und Verwesung des Körpers zu verhindern, pflegten sie ihn zu balsamiren, damit die Seele der mühsamen Wanderungen durch so viele thierische Körper überhoben, nach 3000 Jahren aus einem Menschen gleich in den andern übergehen mögte So lange der Körper nicht zerstört war, blieb, nach der Meynung der Aegyptier, die Seele nahe bey demselben. In Memphis lag zwischen der Stadt und dem Begräbnißplatze ein See, und nahe daran eine schöne grüne Wiese, welche das Elysium war: denn so bemerkt Servius, ad Aeneid. VI: Viveta propre Memphin amoena sunt, in quibus Aegyptorium sepulcra sunt, haec Elysios campos vocant. Palus propre est, loto et calamis plena, et graviter olet; per hunc paludem vectantur cadavera; hinc dixit Orpheus vehi per Acherontem. Hom. L. IV. Oddysseae, ubi loquitur Proteus: sed re Elysium campum et ultimas terras Dii immortales mittent; etc. Homer nennt es in der Odyssee, Ω 13: —   —   —   —   ασφοδελὸν λειμω̃να, ένθα τε ναίουσι φυχαί:   —   —   —   — Die grasigte Wiese, wo die Seelen wohnen . Die Wörter Αχερουσία und Elysium sind ägyptischen Ursprungs, und haben einige Beziehung auf Fruchtbarkeit, Gras und Schilf. Nahe dabey waren die ‘Ηλιοσόπυλοι, die Sonnenthore, d.i. ein Tempel des Serapis oder der Sonne, und λευκας πετρα oder derjenige Theil von Memphis, der beym Thucydides (Lib. I. c. 104) Leucotiche heißt. – Die taheitischen Marais liegen allemal am Seestrande, in einem angenehmen, schattigten und mit grünem Rasen bewachsenen Orte. . Sollten nun nicht die Taheitier vielleicht ebenfalls den Uebergang ihrer Seelen zur himmlischen Versammlung (Te-rua-te'-rai) erst nach gänzlicher Verwesung des Körpers erfolgen lassen? Von dem auffallenden Unterschiede zwischen ihrer und der ägyptischen Lehre, ist nicht die Rede. Sie kommen blos darinn miteinander überein, daß die Seele in der Nähe des Körpers bleibt, so lange noch das Fleisch auf den Knochen unverweset ist. Können nicht Menschen zufälligerweise ähnliche Gebräuche und ähnliche Begriffe mit gewissen Gegenständen verbinden, ohne sie deswegen von einander entlehnt zu haben? Ich bin wenigstens weit entfernt zu glauben, daß die Insulaner im Südmeere die Art ihrer Leichenbegängnisse von den Aegyptiern erhalten hätten. Unsere Anwesenheit auf den freundschaftlichen Inseln war, beyde mahle, nur von so kurzer Dauer, daß wir, von ihren Religionsbegriffen und Gebräuchen, wenig befriedigendes einziehen konnten. Indessen haben wir auch von ihnen das Wort Eatuka Wie in Tahtiti Eatua, (Gottheit.) gehört; und einen ihrer Priester vor einem ihrer Begräbnißhäuser, welche sie Affayetuka Dieser Name bedeutet ein Gotteshaus. Denn in jenen Inseln heißt Farre ein Haus, und Eatuka, Gott, woraus also e-Farre-tuka oder e-Faye-tuka, entstanden ist. nennen, ein langes Gebet verrichten sehen. In diesen Häusern begraben sie, ihrer eigenen Aussage nach, die Ueberbleibsel ihrer verstorbenen Freunde. Ein solches Haus, welches ich untersuchte, war inwendig mit Stücken von Korallfelsen angefüllt, und ich fand darum ein paar schlecht geschnitzte menschliche Figuren, welche den taheitischen Tihis ähnlich waren. Ich frug, ob dies ihre Eatuka wären? allein sie verneinten es gleich, und nannten sie auf mein ferneres Befragen, Tighi. Ich erkundigte mich weiter, ob sie diese Bilder anbeteten? allein auch dies verneinten sie, und stießen die Figuren mit dem Fuße, um anzuzeigen, daß sie ihnen nicht die geringste Ehrerbietung erwiesen. Die Neuseeländer fanden wir in Religionssachen sehr unwissend; sie kannten indessen die Benennungen Eatuka und Tighi und legten denselben eben die Bedeutung bey, als die zuletzt gedachten Insulaner. Die Tighis schnitzten sie als menschliche Figuren, jedoch äußerst unförmlich und klein, aus einem grünen Nierensteine, und tragen selbige gewöhnlich, an einer Schnur hängend, am Halse. Zu dieser Gewohnheit scheint ihre nomadische Lebensart Veranlassung zu geben; indem die Figur eines Tighi, wenn sie an einer bleibenden Stelle unbeweglich fest gemacht wäre, gar zu leicht einer feindlichen Parthey in die Hände fallen und vernichtet werden könnte. Noch ein andrer Grund davon liegt vielleicht in dem Gebrauch daß sie ihre Todten nicht begraben, sondern, vermittelst einiger Steine, in die See versenken. Zum Andenken ihrer verstorbenen Freunde tragen sie auch die Zähne derselben an Schnüren um den Hals. Ich habe Personen, sowohl männlichen als weiblichen Geschlechts, gesehen, die einen ganzen Halsschmuck solcher Zähne trugen. In Ostereiland begräbt man die Todten in der Nachbarschaft der riesenförmigen Bildsäulen, welche dort die Stelle der taheitischen hölzernen Tihis vertreten, weil auf dieser Insel das Holz äusserst selten ist. Die Einwohner erzählten mir, daß diese Bildsäulen ihre verstorbenen Befehlshaber oder Harikis vorstellen. Oben auf der steinernen Erhöhung, auf welche die Bildsäulen stehen, lagen viele Menschenknochen einzeln umher. Ich maas ein Hüftbein, und fand, daß es mit dem meinigen ohngefahr einerley Länge hatte. In den Marquesasinseln erblickten wir nirgends Spuren von einer Grabstätte, vermuthlich waren sie aber auf den Gipfeln der Berge vorhanden; zwar erstieg diese keiner von uns, doch konnten wir, mit Hülfe der Ferngläser, vom Verdeck des Schiffs aus, mehrere lange, aufrechtstehende Pfähle daselbst wahrnehmen, die fast wie die Tihis in Taheiti aussahen, ob sie gleich von einigen unserer Reisegefährten für Vestungswerke gehalten wurden. Mendanna sahe im Jahr 1595 auf derselben Insel (St. Christina) nicht fern von dem Flecken, oder der Stadt, wie er es nennt, ein Bethaus mit Pallisaden umringt; der Eingang durch die Pallisaden lag an der Westseite, die Thüre des in der Mitte stehenden Hauses aber an der Nordseite. In dem Hause waren einige schlecht ausgeschnitzte hölzerne Figuren, und allerhand zum Opfer dargebrachte Lebensmittel, unter andern auch ein Schwein. Dieses nahmen die spanischen Soldaten herunter und waren im Begriff noch mehr weg zu nehmen, als die Indianer sie unterbrachen, und durch Zeichen zu verstehen gaben, sie möchten alles unberührt laßen, indem das Haus und die Figuren bey ihnen in Ehren, gewissermaßen für heilig, gehalten würden Dalrymple's Collects. of Voyages . Vol. I. pag. 68 . Diese Nachricht läßt mir keinen Zweifel übrig, daß dieser umzäunte Ort zum Gottesdienst und zu Begräbnissen bestimmt, mit einem Wort, ein Marai gewesen ist. Eben so scheint auch die Uebereinstimmung der an beyden Orten dargebrachten Opfer, an Schweinen und andern Lebensmitteln, imgleichen die hölzernen Tihis, zu beweisen, daß der Gottesdienst hier zu Lande, mit dem in den Societätsinseln allgemein eingeführten, von gleicher Art ist. In Mallikollo hielten wir uns nur einen Tag auf, und konnten folglich über die Religion der Einwohner keine Nachrichten einziehen. Die Hymnen, welche einige Einwohner von Tanna, jeden Morgen bey Tagesanbruch, sangen, waren ohne allen Zweifel eine Art von Gottesdienst, wie sich aus dem feyerlichen Ton der Stimmen, und aus der genauen Beobachtung des bestimmten Zeitpunkts deutlich abnehmen ließ. Von Begräbnissen fanden wir dort keine Spur. In Neukaledonien sahen wir, auf dem Gipfel eines unfruchtbaren Hügels, einige Pfäle in die Erde gesteckt, und auf selbige einige Zweige nebst etwas trocknem Grase gelegt. Dieses war, wie sie uns zu verstehen gaben, eines ihrer Begräbnisse. Dicht am Seestrande bemerkten wir auch noch einen Zaun von Stäben, der einen vier Schuh hohen Grabhügel einschloß. Oben auf dem Hügel standen etliche Stangen in der Erde, an deren obersten Ende etliche grosse Schneckenhäuser ( Turbines ) befestigt waren; man bedeutete uns, dies sey die Grabstätte des Befehlshabers des dortigen Distrikts. Auf der Insel Balabia welche N. W. von Neukaledonien liegt, fanden unsere Leute, (die Cook dorthin geschickt hatte) einen grossen Grabhügel eines Befehlshabers der Eingebohrnen, der in einem Treffen gegen die Bewohner von Minda oder Mingha geblieben war Diese große Insel soll nördlich oder Nordwestlich von Ballabia liegen, und ihre kriegerischen Bewohner sind Feinde der Eingebohrnen von Ballabia. . Endlich so traf auch ich, einige englische Meilen weit von dem Ankerplatze unseres Schiffs, am Fuß der Gebirgskette, welche durch die ganze Insel Neukaledonien streicht, ein Haus eines Befehlshabers, und hinter demselben eine Reihe hölzerner Pfähle, ohngefähr zehn bis zwölf Zoll ins Gevierte dick, und acht bis neun Schuh hoch, an deren Spitze sich ein ausgeschnitzter Knopf befand, der einen menschlichen Kopf vorstellte. Der alte Mann, der in diesem Hause wohnte, gab mir durch Zeichen zu verstehen, daß dies seine Grabstätte wäre; allein, da wir blos in der Absicht dorthin gekommen waren, um den Hibai, einen Freund des Capitain Cook aufzusuchen, welchem dieser ein Paar Ferken (ein Männchen und Weibchen) schenken wollte; so blieb mir, zu näheren Erkundigungen über diesen Gegenstand, feine Zeit übrig; zumal da dies am letzten Tage vor unserer Abreise war. Indeß lassen diese Begräbnisse und die geschnitzten Köpfe einigermassen vermuthen, daß ihre Art die Leichen zu bestatten, und einen Tihi in der Nähe aufzurichten, dem in Taheiti eingeführten Brauch ähnlich seyn müsse. Ich habe gesagt, daß der Polytheismus der Insulaner des Südmeeres einer der leidlichsten sey; und ich glaube diesen Satz, durch obige Darstellung ihrer Religionsbegriffe und gottesdienstlichen Gebräuche, erwiesen zu haben. Menschliche Erfindungen, menschliche Sätze und Arbeiten tragen, wie überall so auch hier, das Siegel der Unvollkommenheit und des Irrthums an der Stirne; allein hier ist wenigstens diese Unvollkommenheit nicht mit Grausamkeit befleckt, nicht mit Aberglauben in dem Grade geschändet, wie bey so manchen Völkern, die man für gesitteter und gebesserter hält. Die Religion der Taheitier fordert Anbetung Gottes, lehrt, ihn als den Geber aller guten Gaben kennen, der ihre Gebete erhört, der den Menschen die ihn anrufen gerne hilft, und die Guten belohnt. Und was sind diese Lehren anders, als die Quelle aus welcher Gerechtigkeit, Treue und Glauben, oder mit einem Worte, alle Pflichten und Tugenden des geselligen lebens herfliessen, ohne die kein Trost, und keine Glückseligkeit unter den Menschen möglich ist! Asque hand scio, an pietate adversus Deos sublara, fides etiam et societas humani generis, \& una excellentissima virtus, justitia tollasur. CIC. de Natura Deor. L.I.p.7. Elzev. Zehnter Abschnitt. Rekapitulation. Allgemeine Uebersicht des Glücks der Insulaner im Südmeere. Kurze Vergleichung ihrer Sitten und Gebräuche mit denen anderer Völker. Nec solum in rectis, sed etiam in pravis actibus insignis est humani generis similitudo. CIC. de legib. lib. I.p.305. ed. Elzev. Zum Schluß unserer Bemerkungen über die Insulaner im Südmeere, fassen wir noch in einem Gesichtspunkt, alle Resultate der neun vorhergehenden Abschnitte zusammen, damit wir von ihrem gegenwärtigen Zustande, einen desto vollständigern und richtigen Umriß entwerfen mögen. Die Inseln des Südmeeres, die wir besucht haben, sind, im Durchschnitte, ziemlich volkreich. Je weiter sie vom Aequator entlegen sind, desto geringer ist ihre Bevölkerung; und unter denen die zwischen den Wendekreisen liegen, haben diejenigen die größte Volksmenge, deren Einwohner am meisten gesittet sind. Ohne die Volksmenge von Taheiti genau zu bestimmen, welches bey den jetzt vorhandenen Datis nicht wohl möglich ist, läßt sich gleichwol ein ziemlich wahrscheinlicher Ueberschlag machen, indem man auf die Anzahl der Kriegskanots Rücksicht nimmt, und die daraus folgende Berechnung mit der Menge der Brodfruchtbäume auf der bewohnten Ebene, und mit der Anzahl dieser Bäume die zum Unterhalt jedes einzelnen Einwohners nöthig sind, zusammen hält. Aus diesen Angaben ergiebt sich denn, daß die Insel noch eine größere Menge Menschen ernähren könnte, als wir wirklich daraus vermuthen. Nach diesem Maasstabe ließe sich nun auch die Volksmenge auf den übrigen Inseln, nach der Analogie, beurtheilen, und so schätzen wir die Summe aller Einwohner auf den sämmtlichen von uns besuchten Südländern, über eine Million. Wir haben ferner bemerkt, daß diese Insulaner, an Farbe, Gestalt, Bildung und Gemüthsart unter einander sehr verschieden sind; und daß die Einwohner von Taheiti und den Societätsinseln, nebst denen von den Marquesas, den freundschaftlichen Inseln, Neuseeland und Ostereiland, eine ganz andre Menschenrasse, als die auf Neutaledonien, Tanna, Mallikollo und den übrigen neuen Hebriden vorhandenen, ausmachen. Diesen Beobachtungen haben wir einige Nachrichten über die von uns besuchten Einwohner des Feuerlandes beigefügt, und zugleich den Beweis voran geschickt, daß in Südamerika, in der That, ein vorzüglich großer und athletischer Völkerstamm vorhanden sey, wenn gleich die Riesenmährchen, welche hievon so vielfältig erzählt worden sind, die Sache übertreiben. In dem nächst folgenden Abschnitt haben wir die Ursachen jener, unter den Bewohnern der Südländer wahrgenommenen, Verschiedenheit erörtert. Dies gab uns Gelegenheit die beiden hierüber vorhandenen, aber einander entgegengesetzten Nennungen, (wovon die eine mehrere wesentlich und ursprünglich unter sich verschiedene Menschengattungen annimmt, die andere hingegen sogar die Orang-Utangs unter die Menschenrassen zählt,) darzustellen, und das Ungereimte derselben zu zeigen. Gegen die letztere streitet nämlich der Gebrauch der Vernunft, die Entstehung und Verbindung der Ideen, die Empfindung des Herzens, die Veredlung des sittlichen Gefühls, und die Gabe der Sprache, welche auf der Stärke, dem Umfange, und der Biegsamkeit des Ausdrucks sowohl, als aus dem ganzen von allen Affenarten so sehr abweichenden Körperbau des Menschen beruhet. Die andere Meinung ist durch die Erfahrung wiederlegt, indem die verschiedenen Stämme des Menschengeschlechts, sie mögen sich unter einander vermischen wie sie wollen, dennoch fruchtbar bleiben, und Kinder, von zweierlei Eltern gezeugt, theils ihr Geschlecht weiter fortpflanzen, theils auch eine solche Nachkommenschaft hinterlassen, die, vermittelst einiger Mischung der Rassen in den folgenden Generationen, gänzlich alle Spur ihres ehemaligen gemischten Ursprunges in Ansehung der physischen Beschaffenheit wiederum verlieren kann. Diese Untersuchungen führten uns zur Nachforschung, worin wohl der Grund jener Verschiedenheit liegen möge? und da zeigte sich, daß sie bloß auf physischen Ursachen beruhetn Indessen erhellet zugleich aus denen bei dieser Veranlaßung angeführten Beyspielen, daß es, unter gleichen Umständen, leichter ist, eine weisse Rasse von Menschen, durch den blossen Einfluß des Himmelsstrichs, in eine schwarze, als umgekehrt, eine schwarze in eine weisse allmälig zu verwandeln. Es folgt also, daß, wenn zwei Rassen, eine hellere und eine dunklere,(die nämlich auf ihren Wanderungen länger in heisseren Ländern gewohnt hat) unter einerlei Himmelsstrich sich mederlassen, beide einen Eindruck von dem Klima, welches sie zuletzt verlassen hätten, behalten würden. Auf diese Voraussetzung gründeten wir dann die Behauptung, daß die beiden in den Inseln des Südmeeres vorhandenen Rassen auf ganz verschiedenen Marsch-Routen dorthin gekommen, und, schon ehe sie in diese Weltgegenden zogen, von verschiedenen Stämmen entsprossen seyn müßten. Könnte man historische Beweise zur Bestätigung dieser Meynung anführen, so würde sie Thatsache seyn. Allein wie kann man historische Beweise von Leuten fordern, die keine Urkunden, keine Geschichten aufbewahren? Die fünf Völkerschaften, welche zur ersten (weisseren) Rasse gehören, scheinen indeß mit den Malayen verwandt, und von da über Borneo, die Manillen, Diebsinseln und Carolineninseln ins Südmeer gekommen zu seyn; dahingegen die schwarze Rasse, meines Erachtens, von den ursprünglichen schwarzen Bewohnern der Molucken herstammt, die sich dort, bey der Ankunft der Malayen, ins Innere ihrer Ländereyen zurück gezogen hat. Die Sprache beyder Rassen bestätigt gewissermassen diesen Satz, indem die fünf Stämme der ersten Rasse sich nur blosser Mundarten einer gemeinschaftlichen Sprache bedienen, in welcher noch verschiedene malayische Wörter vorkommen; hingegen von den drey uns bekannt gewordenen Stämmen der zwoten Rasse jeder seine eigne ganz verschiedene Sprache hat. Endlich haben wir hieben noch angemerkt, daß keine von allen diesen Sprachen, mit irgend einer Sprache der an den westlichen Küsten von Amerika wohnenden Völkerschaften, die mindeste Aehnlichkeit hat. In dem Maasse wie die Inseln, ausserhalb des warmen Erdstrichs, den Polen näher liegen, sind ohne Zweifel ihre Einwohner, so viele wir deren gesehen haben, minder glücklich, und ärmer am Genuß aller Art. Die traurige Verfaßung der Pesserähs und der Neuseeländer, verglichen mit der weit glücklicheren Lage der Taheitier, beweißt schon sonnenklar, daß jene beiden Völker von einem vormaligen besseren Zustande ihrer Vorfahren herabgesunken und ausgeartet sind, wobey das unfreundliche Klima zuerst auf den Körper, und dann auch auf Verstand und Herz gewürkt zu haben scheint. Halten wir aber auch die Einwohner der westlichern Inseln im Südmeere gegen die Taheitier, so bleibt der Vortheil, der Aehnlichkeit des Himmelsstrichs ohnerachtet,dennoch auf Seiten der letztern; ein sicheres Merkmal, daß das Klima nicht die einzige Quelle der Volksglückseligkeit ist, sondern daß Erziehung einen wenigstens eben so mächtigen Einfluß darauf haben müsse. Daher vergleicht man die auf verschiedenen Stufen der Kultur befindlichen Völker, ganz richtig, mit den verschiedenen Stufen des menschlichen Alters, vom Knaben bis zum Manne, mit diesem einzigen Unterschiede, daß der gemeinschaftliche Fortschritt eines Volkes, vom bloß thierischen Leben ( animality ) durch die Stufen der Wildheit und Barbarey hinauf, zur Vollkommenheit einer gesitteten Gesellschaft, die hinwiederum verschiedener Grade der Veredlung fähig ist, ungleich langsamer von Statten geht. Eben deshalb läßt sich auch nicht erwarten, daß der kurze Aufenthalt der Europäer unter jenen südländischen Völkern, eine merkliche Veränderung in den Sitten der letzteren bewürkt haben sollte. Nach dieser Digreßion stellten wir zwischen den Eskimos und Pesserähs einen Vergleich an, der ganz zum Nachtheil der Letztern ausfiel und es zeigte sich, daß die Neuseeländer bereits einen Schritt vorwärts gethan haben. Hierauf wagten wir einen Blick ins Feld der Wahrscheinlichkeiten, um ein Mittel anzudeuten, welches die armen Feuerländer aus ihrer jetzigen unglücklichen Lage in eine bessere empor bringen könnte. Es dürfte nemlich, bey heranwachsender Volksmenge, nur der Mangel an Lebensmitteln, einen Stamm oder ein Völkchen zwingen das andre zu unterdrücken. Die Vereinigung der Bedrängten unter einander, zu desto stärkerem Widerstande, oder gar zu Bezwingung ihrer Feinde, würde sie alsdenn auf alle Fälle glücklicher machen. Der Barbar fühlt seine physische Stärke und den Keim auflebender Verstandkräfte; so wild und unbändig er ist, so muß er doch auf die Bewegungen der Feinde aufmersam seyn, sich mit andern in ein gemeinschaftliches Bündniß einlassen, und solchergestalt früher oder später sanftere Sitten annehmen. Seine grausame Gewohnheit, das Fleisch seiner Nebenmenschen zu vezehren, die nur Wirkung der übertriebenen Rachgier und nicht des Hungers ist, fällt in der Folge, als eine widernatürliche Gewohnheit, von selbst weg. Um hierauf das Glück dessen die Insulaner im Südmeere jetzt fähig sind, und dessen sie würklich geniessen, desto einleuchtender zu schildern, schickten wir, von den verschiedenen Stufen der Glückseligkeit deren der Mensch nach seiner verschiedenen Kultur fähig ist, allgemeine Begriffe voran. Da die körperlichen Bedürfnisse: Nahrung, Kleidung und Wohnung, unter allen die dringendsten sind, so ist ein leichter Erwerb derjenigen Mittel, durch welche diese befriedigt und die Gesundheit erhalten werden kann, d. i. »eine von schmerzhaften Empfindungen ungestörte Existenz« der Grund physischer Glückseligkeit. Zur sittlichen Glückseligkeit führen: Anwendung und Ausbildung der Vernunft, und Unbeschränktheit des freyen Willens, in so weit dieser mit der Freyheit andrer bestehen kann. Die Vortheile welche aus der geselligen Vereinigung, und aus dem gemeinschaftlichen Genuß physischer und moralischer Glückseligkeit, herfliessen, verschaffen uns endlich bürgerliche Glückseligkeit. Eine jede Verbindung unter den Menschen beruhet aber auf gewissen Pflichten, ohne deren Beobachtung keine Glückseligkeit zu erlangen steht, und, je nachdem die Quellen des Genußes vermehrt oder vermindert werden, je nach dem sie früher oder später versiegen, mehr oder weniger auf das Glück anderer Menschen Einfluß haben, in dem Grade ist die daraus entspriessende Glückseligkeit mehr oder minder vollkommen. In gewissen Himmelsstrichen hat die Natur dem Menschen, ohne andre Beyhülfe, einen gewissen Grad von Glückseligkeit bescheeret; in andern thut sie es erst alsdenn wenn die Kunst ihr zu Hülfe kommt; und noch in andern, kann eben diese Würkung nur durch schöpferisches Genie und physische Gewalt erzwungen werden. Auf Inseln von mittler Größe, machte die starke Vermehrung der Einwohner es ihnen zum Bedürfniß, sich, zu gemeinschaftlichem Schutz und Beystande, unter einander zu vereinigen, eine Art von Staat unter sich einzurichten. Auf diese Weise entstanden Eigenthum und Ackerbau; daraus folgten Gesetze, und zu Beobachtung derselben wurden endlich besondere Wächter bestellt. Bey rohen Völkern herrscht indeß die Anarchie, bey den kultivirteren hingegen, die näher an den Orient gränzen, Despotismus. Der Anbau macht die Menschen des höchsten Glückes fähig und hat Vorzüge vor dem herumirrenden Hirtenstande, noch mehr aber vor dem wilden Zustande der Völkerschaften, die bloß von Fischerey und Jagd leben. Annäherung zur Vollkommenheit beruht auf Wahrheitsliebe und Menschlichkeit; folglich, auf Verfeinerung der sittlichen Begriffe und des sittlichen Gefühls. Beyspiele davon hat uns die Beschreibung der Südseevölker reichlich an die Hand gegeben. Die Sitten dieser Völker, d.i. ihre charakteristischen Handlungen, der Grad ihrer Verfeinerung, ihr Luxus, ihre Errioysgesellschaften; das Schicksal des weiblichen Geschlechts, welches unter den Wilden und Barbaren in der niedrigsten Sklaverey, hingegen bey der andern, weisseren Rasse von Menschen in jenen Inseln, auf einem anständigeren Fuße lebt; – diese Gegenstände gaben uns Stof zu weiteren Betrachtungen. Bey allen jenen Völkern, welche wir in der Monogamie lebend antrafen, hat die Ehe ihre heiligen Rechte. Die Polygynie, oder Vielweiberey, scheint, nach den von uns aufgestellten Beyspielen, die Folge zu haben, daß eine größere Anzahl Kinder weiblichen, als männlichen Geschlechts gebohren werden. In Ostereiland, sonst nirgends, bemerkten wir Spuren von Polyandrie, deren wahrscheinliche Ursach wir zugleich angeführt haben. In Taheiti ist das junge Frauenzimmer vor der Ehe nicht unter genauer Aufsicht; bey verheiratheten hingegen wird strenge auf Keuschheit gehalten. Erziehung ist, Fortpflanzung der Kenntnisse unserer Vorältern, und Hinzufügung eigner Entdeckungen. In Europa zerfällt diese Kenntniß in mehrere Zweige, und kann nicht leicht verloren gehen, seitdem die Buchdruckerkunst erfunden ist und mit so gutem Erfolge angewandt wird. Unsre Insulaner hingegen, müssen ihre mechanischen Künste, jedem einzelnen Gliede ihrer Gesellschaft, vom Fürsten bis zum Sklaven, beybringen. Historische Urkunden besitzen sie nicht, einige Verse abgerechnet, in welchen sie die Namen und Thaten ihrer großen Männer verewigen. Die schönen Künste, Toukunst, Tanzkunst und Dichtkunst sind ihnen nicht ganz fremd; sie haben sogar eine Art des Drama. Nächst diesem schildern wir ihren Fortgang in der Heilkunde, ihre gewöhnlichen Krankheiten, die hauptsächlich in Aussatz und in der Lustseuche bestehen, wobey wir, über den Ursprung der letztern, eine beträchtliche Anzahl historischer Thatsachen anführen. Von der Geographie, Sternkunde und Schiffarth haben sie einige Begriffe, worüber Tupayas Charte, und die dazu gehörige Erklärung, ihre Eintheilung der Stunden, Tage und Monden, nebst den Benennungen der Himmelsgegenden und einiger Sterne, hinreichende Auskunft geben. Endlich gehören noch ins System der Erziehung, ihre Religionsbegriffe, nämlich ihr Polytheismus, nebst den Namen und Verrichtungen ihrer Götter und Genien, die Anbetungsarten, die Gedanken von Entstehung der Welt und des Menschengeschlechts, und vom zukünftigen Leben; die Gebräuche bey der Geburt, der Hochzeit, und dem Begräbniß, welches alles wir umständlich anführen. Nach dieser allgemeinen Uebersicht können wir nun den Grad der Glückseligkeit schätzen, den diese Inselbewohner geniessen. Wir finden sie, auf jeder Insel, bey jedem von uns besuchten Völkchen, verschieden, und sie steigt, im fortschreitenden Verhältniß, von der elenden Existenz des Feuerländers, zum nomadischen Leben der südlichen Neuseeländer; dann zur etwas gemächlicheren Lebensart der nördlichen Neuseeländer, (welche bereits die Vortheile des Anbaues kennen und benutzen, auch gegen die Macht und Unterdrückungen ihrer Nachbarn Sicherheitsverträge errichtet haben)zum glücklichern Zustande der Neukaledonier, und der Bewohner der Neuen Hebriden, die noch mehr vom Anbau leben, und nicht ganz so wild sind; zu den Einwohnern der freundschaftlichen Inseln, die den Anbau aufs höchste getrieben haben, übrigens aber unter dem Druck des Despotismus seufzen; zu der bessern Lage der Marquesas-Bewohner, die, bey einer etwas geringern Kenntniß vom Anbau, eine bessere Staatsverfassung haben, und endlich zur höchsten Stufe des Glücks, wohin die Natur ohne Hülfe führen kann, in Taheiti; wo ein temperirtes Klima, und ein glücklich gemischtes Regierungssystem, mit der Größe und Fruchtbarkeit der Insel, der sanften Gemüthsart der Einwohner, ihren gut-artigen Sitten, und ihren ausgebreitetern Kenntnissen, sich vereinigen, um das wahre Wohl der Nation auf eine dauerhaftere und vollkommnere Art zu befördern. Der unpartheyische Beobachter findet, gleich auf den ersten Blick, die Vorzüge welche die Taheitier und ihre nächsten Nachbaren auf den Societätsinseln vor andern voraus haben. Sie sind durchgehends gutmüthig, aufgeräumt, und fröliches Herzens; im ganzen Volke bin ich nicht einen finsteren, unzufriedenen Menschen gewahr worden. Einfalt der Sitten ist bey ihnen, auf die glücklichste Art, mit Höflichkeit gemischt. Der Leichtsinn ihrer Jugend reift mit dem Alter zur Gefälligkeit, die sich in jeder Miene und in jeder Handlung äussert; und ihre von Natur glückliche Anlage, durch Erfahrung entwickelt, ist der Klugheit und Ueberlegung fähig, womit sie sich in allen Vorfällen ihres Lebens durchhelfen können. Sie besitzen entweder Ländereyen als Eigenthum, oder haben an den Früchten und Wurzeln, welche sie auf den Ländern ihrer Befehlshaber anbauen, hinreichenden Antheil. Ihrer Bedürfniße, in einem so fruchtbaren und temperirten Klima, sind wenige; und diese werden leicht befriedigt. Speise im Ueberfluß, reichliche Kleidung, und bequeme Wohnung kosten ihnen nur geringe Mühe. In Europa kennt der wohlgemästete Wollüstling nicht die hunderterley Ingredienzen seiner erkünstelten Speisen, und am Ende reitzen die Leckerbissen aller Welttheile seinen verwöhnten Gaumen dennoch nicht mehr; er weiß nicht einmal wo jedes wächst oder herkommt, und wie es zubereitet wird. Glücklicher dagegen der Taheitier, der seinen Brodbaum pflanzt, und dessen Frucht mit eignen Händen pflücken kann; dem der Pisang mit dem schönen Stamme, den malerischen Blättern, und den treflichen Früchten, jährlich seine Mühe und Sorgfalt lohnt; der, selbstgezogene Jams- Arons- Takka- und andre Wurzeln speißt, und für seinen eignen Mund die schönsten Fische fängt; dem sein Weib, den Hund, das Schwein und das Huhn, zur festlichen Mahlzeit grosfüttert; der, mit einem Worte, nichts genießt, was nicht durch seinen Fleiß entstand. Auch was die Kleidung betrift, ist der Taheitier glücklicher als der Europäer, für den so viele Zeit, Arbeit und Erfindungsgeist verschwendet wird, dem die Mode und die Thorheit das unbrauchbare oft nochwendig macht. Das Kleid des Taheitiers ist leichter gemacht, zierlich, einfach und seiner Lage völlig angemessen. Eben dieses gilt von seiner netten, reinlichen Wohnung. Ich will damit nicht sagen, daß diese drey Bedürfnisse: Speise, Decke und Obdach, dort besser und vollständiger als bey uns befriedigt werden; im Gegentheil haben unsere Wohnungen, unsere Kleider und Lebensmittel die Vorzüge einer bequemeren Einrichtung, einer größern Abwechselung, und eines genaueren Verhältnisses mit den Jahreszeiten, und den Ständen. Allein, wer wird läugnen können, daß der Taheitier dagegen einen Grad der Glückseligkeit genießt, dessen alle seine Mitbürger fähig sind? Dort gab es noch nie ein Beyspiel, daß ein Mensch vor Hunger und Blösse umgekommen wäre, weil der Schwelger ihm von seinem Ueberfluß nichts mittheilen mochte; dort wird niemand von einem fühllosen Herrn zu unaufhörlicher schwerer Arbeit angehalten, die ihn zu beständiger Anstrengung zwingt und entkräftet. Vielmehr ist dort eines jeden Arbeit mehr eine dem Körper zuträgliche Bewegung, als eine harte Bedingung unter der allein er sein Leben kümmerlich fristen kann. Einer hilft dem andern, und, bey müßigen Stunden, theilen die Aeltern der heranwachsenden Jugend, ihre Kenntnisse und Erfahrungen, nicht im Ton des ernsten Unterrichts, sondern gemeinschaftlicher Erholung mit. Gesänge verherrlichen die Thaten ihrer ehemaligen Helden, und empfehlen sie einer dankbaren Nachkommenschaft, die solchergestalt im frühen Alter schon, zu Redlichkeit und Menschenliebe, zu Wahrheit und Tugend angeführt wird. Ihre Staatsverfassung ist gut eingerichtet; die Befehlshaber lieben ihre Untergebenen, und suchen ihr Wohl recht väterlich zu befördern. Dafür ist auch, jeder überzeugt, daß das gemeine Beste, und das Glück jedes einzelnen Menschen das Ziel sey, dem diese Anführer nachstreben; und diese anerkannte Liebe erwiedert das ganze Volk mit wahrhaft musterhafter Zuneigung und Ehrfurcht, und mit willigem Gehorsam. Die Laster die unter ihnen bekannt sind, sind weder so zahlreich, noch dem gemeinen Wesen so nachtheilig, als in andern gesitteten Ländern; ja es läßt sich behaupten, daß die Sitten weniger Völker so einfach und so unschuldig sind. Indeß die Knaben und Mädgen mit Tanz und Gesang sich ergötzten, und die reifere Generation an ihren Freuden thätigen Antheil nahm, entdeckten wir oft im sanften, freudigheitern Blick des ehrwürdigen Alten, ein stummes Zeugniß ihres und seines Glücks. Daher sind wir auch völlig überzeugt, daß diese Insulaner einen Grad von Zufriedenheit geniessen, den man, bey mehr gesitteten Völkern, selten bemerkt, und der desto schätzbarer ist, je allgemeiner er sich auf jeden Mitbürger erstreckt, je leichter er erreichbar ist, und je genauer er mit der gegenwärtigen Verfassung des Volks zusammenstimmt, welches, für höhere Stufen der Glückseligkeit, noch nicht empfänglich ist. Die Gebräuche der südländischen Völker haben wir zwar bereits im vorhergehenden, wo Gelegenheit dazu vorhanden war, mit ähnlichen Zügen andrer Völker verglichen, allein es sind demohngeachtet noch viele Aehnlichkeiten unbemerkt geblieben, die ich jetzt nachholen will; nicht als möchte ich damit behaupten, daß diejenigen Völker, die sich in ihren Gebräuchen ähneln, von einander entsprossen sind, sondern, im Gegentheil, zum Beweise, daß dergleichen Uebereinstimmungen keinen hinreichenden Grund zu einer solchen Vermuthung geben. In einigen besondern Fällen läßt sich indessen allerdings aus der Aehnlichkeit der Sitten auf einen gemeinschaftlichen Ursprung der Völker schliessen. Die Gewohnheit, die Haut vermittelst gewisser Werkzeuge, welche in eine Mischung von Wasser und Ruß getaucht werden, mit allerley Figuren zu punktiren, ist aus den Inseln des Südmeerts überall einheimisch, mit dem Unterschiede, daß einige, z.B. die Neuseeländer, vorzüglich das Gesicht, andere, nämlich die Einwohner der Marquesas, den ganzen Leib, und noch andre, z.B. die Taheitier und die Einwohner der Societätsinseln, vorzüglich den Hintern, mit Linien, Figuren oder großen Flecken zu zeichnen pflegen. Die neuseeländischen Weiber haben nur einige schwarzbraune Flecken auf den Lippen. So seltsam diese Mode scheinen mag, so häufig findet man sie doch bey andern Völkern wieder. Die Tungusen Gmelins Sibirische Reise. I Band S. 77. u. 2B. S.648. und die Grönländer Crantz Beschreibung von Grönland 1 Theil S. 138. nähen, mit einem in schwarze Farbe getunkten Faden, den Kindern allerley Figuren ins Gesicht. Die Hunnen des Alterthums Ammianus Marcellinus, L. XXXI. c.2. und Jordanes, Hist. Ger. pflegten sich die Backen zu zerfetzen, um das Wachsthum des Barts zu hindern. Dies war vielleicht nicht die Absicht der Neuseeländer, bey ihren tief eingeschnittenen Spirallinien, womit sie sich vermuthlich nur ein schrecklicheres Ansehen geben wollten; inzwischen haben ihre Punkturen doch zugleich auch jene Wirkung gehabt, und den Bart größtentheils verdrängt. In ganz Amerika punktiren die Wilden irgend einen Theil des Leibes mit schwarzen Figuren. Pietro della Valle bemerkte ähnliche Punkturen an den Arabern; und die Beduinenweiber, in den Wüsten von Tunis uud Tremessen, punktiren ihre Lippen, wie Boullaye-le Gouz bezeugt. D'Arvieur und la Roque sprechen von einem ähnlichen Gebrauch unter den Arabern in Palästina.– Ausser den schwarzen Spirallinien hatten die Neuseeländer oft verschiedene tiefe Furchen und Narben, welche senkrecht über die Stirn herabliefen. Sie ritzen sich auf diese Art mit scharfen Muscheln, wenn sie, im Paroxysmus der Trauer, über den Verlust eines Freundes oder nahen Anverwandten, in Wehklagen ausbrechen. Auf eben die Art verwunden sich die taheitischen Weiber die Scheitel mit Hayfischzähnen, um ihrem Leidwesen ein desto ernstlicheres Ansehen zu geben. Aber auch die alten Hunnen zerfetzten sich die Backen, so oft sie ihre Trauer um einen Angehörigen, oder einen ihrer Großen, zu erkennen geben wollten. Agathias lib. V. Menander Protector lib. VIII. und Sidonius in Penegyrico ad Avitum. Die Einwohner der Insel Tanna haben auf den Armen und dem Bauche erhabene Narben, welche Pflanzen, Blumen, Sterne und allerhand andere Figuren vorstellen. Zu dem Ende schneiden sie die Haut mit einem Bambusrohr ein, und legen eine Pflanze auf, welche die Narbe über der Haut erhöht. So machen sich auch die Einwohner von Formosa, oder Tanovan, allerley Figuren von Bäumen, Blumen und Thieren vermittelst sehr schmerzhafter Einschnitte in die Haut. Relation of Candidus. Die vornehmen Herren in Guinea Prevot Hist. des Voyages tom. I haben eine wie Damast geblümte Haut; und im Königreich Dekan in Indien, lassen sich die Weiber, auf der Stirne, auf den Armen und Brüsten allerley Blumen einschneiden, und bemalen die erhöhten Narben mit Farben, welches ebenfalls wie geblümter Damast aussehen soll, Taverniers Reise. Die Einwohner von Mallikolo und Tanna tragen einen cylindrischen Stein im Nasenknorpel. Eben diesen Knorpel durchbohren auch die Neuholländer, nach Hrn. Banks und Cooks Zeugniß, stecken aber durch die Oefnung, anstatt des Steines, einen fünf bis sechs Zoll langen, und fingerdicken Vogelknochen S. Hawkesworths Geschichte der englischen Entdeckungen im Südmeere, Edition in Quarto Band III. S. 171. und in Octav, Band lV. S. 469. ). Bey den Einwohnern von Neubrittanien ist, nach Dampiers Angabe, unter den Männern diese Sitte ebenfalls eingeführt. Dampier's Voyages. Vol. III. p. 203. 205. ) In den freundschaftlichen Eilanden durchbohren sich die Einwohner das Ohrläppchen zweymal, und tragen ein kleines Stöckchen durch beyde Löcher gesteckt. Eben diese zweyfache Oefnung, mit einem etwas längeren Stöckchen, findet man an den Einwohnern der Insel Gerard de Nys auf der Küste von Neuguinea Dampier, am angeführten Orte; die Insel nennt er daselbst Garret Dennis. ). Die Einwohner von Tanna, Irromanga und Mallikolo, tragen große Ohrringe von Schildkrötenschale, welche 3 viertel Zoll breit sind, und im Durchschnitt über einen Zoll halten. An den Armen haben sie Spangen von Kokosschalen mit kleinen darin verflochtenen Schnecken. Die Einwohner der freundschaftlichen Inseln pudern sich das Haar entweder weis, orangegelb oder blau. Der weiße Puder ist weiter nichts als Muschelkalk, der rothe ist gepulverte Gelbwurz ( Curcuma ); die Substanz des blauen hingegen konnten wir nicht erkennen. Die Papuer in Neuguinea tragen Ringe nicht nur in den Ohren, sondern auch in beyden Nasenläppchen, und im Nasenknorpel; und Armbänder, über den Elnbogen, imgleichen über der Faust; auch pudern sie sich mit Muschelkalk Jacques le Maire, dans la Coccection des Voyages qui ons servi pour l'établissement de lan comp. des Indes ; Tome IV. p. 648. . Capitain Carterel führt an, daß die Einwohner der von ihm benannten Admiralitälsinseln, und von Neuirrland, sich sowohl das Haupthaar als auch den Bart pudern S. Hawkesworths Geschichte etc. Edition in Quart Th. I. S. 379 und 385. und in Ictav B. II S. . Andre haben bemerkt, daß die Einwohner der Insel Gerard de Nys Dampier, a. a. O. ihr Haar roth, weis oder gelb färben. Die Damen von Tripoli in Afrika bestreuen das Haar ihrer Kinder mit Zinnober Etat des Royaumes de Barbarie. . Die alten Gallier erhöhten die rothe Farbe ihres Haars, durch Hülfe der Kunst, und ihre Heerführer bestreuten es mit Goldstaub; Diod. Sic. L. V. p. 305. ed. Wechel. eine Art des Luxus die auch bey dem jüdischen Frauenzimmer im Schwange gieng Josephus . Der heilige Hieronymus ermahnt sogar eine römische Dame, in einem seiner Briefe, ihrer Tochter die Mode-Thorheiten der damaligen Zeit zu verbieten, und sagt unter andern: ne irrufet crines, et sibi anticipet ignes Gehennae! Einige Völker beschmieren sich das Gesicht mit Farben, um entweder ihre Feinde zu schrecken, oder ihren Freunden zu gefallen. Die trägen, bedaurenswürdigen Feuerländer bedienen sich hiezu einer mit Tranöl angemengten Ockererde, wodurch die Dummheit und der Stumpfsinn ihrer leeren Physiognomie um desto sichtbarer wird. Die neuseeländischen Mädgen legten eben dergleichen Schminke auf, wenn sie zu unsern Matrosen an Bord des Schiffs kamen, und ihre ekelhaften Gunstbezeugungen feil boten. Herr Hodges, der eben eine dieser sauberen Dirnen abzeichnen wollte, und bemerkt hatte, wie viel sie sich auf ihre schmierige rothe Farbe zu gute that, mischte etwas Zinnober mit Leinöl zusammen, und bemalte ihr das Gesicht damit. Sie war über diese Verbesserung vor Freuden ausser sich; und ihre Landsleute, sowohl Männer als Weiber, bewunderten ihre dadurch erhöheten Reitze. Die Schminke verrieth aber nachher alle diejenigen, welche mit dieser Nymphe zu vertraut geworden waren. Die neuseeländischen Mannspersonen, sind schier noch mehr in die rothe Farbe verliebt als die Frauensleute. Die Einwohner von Tanna aber bleiben vollends bey dieser einen Farbe nicht stehen; sondern bedienen sich noch einer glänzend schwarzen Farbe, von einer Art Wasserbley, ( Molubdaenum plumbago Linn.) und einer weißen, von Muschelkalk zubereiteten, welche, in abwechselnden, breiten, schräg über das Gesicht laufenden Streifen, aufgetragen werden. In den Admiralitätsinseln, zeichnen sich die Einwohner ebenfalls mit weißen Streifen im Gesicht S. Hawkesworths Geschichte etc. Edition in Quart B.I.S . Die Ostereiländer und die Neukaledonier dehnen sich die Ohrläppchen so ungeheuer aus, daß sie auf die Schultern hinabhängen: sie bedienen sich hiezu der elastischen Blätter des Zuckerrohrs, welche sie ausrollen und durch das Loch stecken. Verschiedene amerikanische Völker, desgleichen die Einwohner von Siam, verfahren auf die nähmliche Weise. Eben so ist dieser Gebrauch auch in Afrika bekannt, wo die Weiber große schwere Ohrgehänge, von sechs Zoll im Durchschnitt, tragen Voyage de Brue. . Die Mongolischen Völker, im Norden von Asien, haben Ohrgehänge, die vollkommen einen Schuh lang sind. An der malabarischen Küste haben die Einwohner so große Löcher in den Ohrläppchen, daß eine Mannsfaust bequem hindurch gesteckt werden kann; und dies ist kein Wunder, da ihre Ohrringe manchmal mehr als zwey Unzen wiegen Dillon´s Voyage to the Estindies (English transl.) London 8vo, 1698. p. 107. . Die Vornehmen in Taheiti laßen ihre Nägel sehr lang werden; dergestalt, daß der Theil der über den Finger ragt, manchmal so lang als ein Gelenk des Fingers ist. Die Tänzerinnen, (welches allemal Personen von Stande sind) haben ebenfalls lange Nägel. Den nehmlichen Brauch findet man unter den Negerweibern, auf der afrikanischen Goldküste Prevôt, Hist. des Voyages. Tom. IV. . Auch die schinesischen Mandarinen halten auf lange Nägel, als auf einen Beweis ihres Adels und Ranges, so sorgfältig, daß sie des Nachts kleine Futterale vom Bambù darüber ziehen, um allen Schaden daran zu verhüten Osbecks Reise. (Engl. ed.) Vol.I.p.270. . In Siam tragen die Tänzerinnen falsche lange Nägel von Meßing De la Loubere, Voyage au Siam . und in Magindanao, (oder Mindanao) beschneidet man den Nagel des linken Daumens nie. Endlich wird auch von den Javanern gesagt, daß sie langes Haar, und lange Nägel haben Voyages faits pour l`Etablissement de la C. des Indes Tome I. p.392. (ed.d`Amsterd. 1702.) . Den taheitischen Hebammen ist es nicht gleichgültig, was für eine Gestalt die Nase des neugebohrnen Kindes hat; eine zierliche Nase muß, nach ihren Begriffen von Schönheit, breit, und einigermaßen plattgedruckt seyn, zu dem Ende drucken sie solche an neugebohrnen Kindern sogleich ein, und wiederholen den Druck so lange die Kinder noch im zartesten Alter sind, einigemal, wie wir an seinem Orte erwähnt haben. Diese seltsame Gewohnheit findet man auch unter den Hottentotten, die den Kindern die Nase mit dem Daumen eindrücken Kolbens Beschr. des Vorgeb. der guten Hofnung. I. Theil ; und unter den Makassaren aus Celebes, die den Kindern die Nase plattdrücken, und die Operation etliche mal des Tages wiederholen, indem sie zu gleicher Zeit die Nase mit Oel oder warmen Wasser erweichen Gomara, historia general de las Indias . . Bey den Taheitiern ist der Luxus eingeführt, sich das Haar mit wohlriechendem Oel zu salben. Die nämliche Gewohnheit hat man bey den Einwohnern der Maldivischen Eilande bemerkt Voyage de F. Pyrard Vol. I. p. 30. . Die Tannesen sind am ganzen Leibe ausserordentlich stark mit Haar bewachsen, unter andern bemerkte ich einen, der sogar auf dem Rücken ganz rauh war. Dies hat Pyrard ebenfalls an den Einwohnern der Maldivischen Inseln wahrgenommen, die weit stärker behaart seyn sollen als die Europäer Ebend. I. p. 81. ). Unter den Krankheiten sogar finden sich einige Aehnlichkeiten zwischen den verschiedenen Völkern. In Tanna bemerkten wir einige Männer und Kinder, S. weiter oben. welche die Augenlieder nicht aufziehen konnten, sondern den Kopf zurücklegen mußten, um ein Objekt gewahr zu werden, welches mit der Gesichtslinie in gleicher Höhe war, und eben dieses Gebrechen fand Dampier unter den Neuholländern Voyages. Vol. I. p. 464. . So ist auch das dicke Elephantenbein eine Beschwerde mit welcher verschiedene von den Einwohnern der Societätsinseln und von Neukaledonien geplagt waren, bey den Nairen in Calicut und Ceylon nicht ungewöhnlich Voyages de Francois Pyrard. I.p.280. . In Mallikolo trugen die Einwohner anfänglich Bedenken in ihren Kanots an unser Schiff heran zu kommen; als sie aber nirgends feindliche Anstalten sahen, und endlich wohl vermuthen konnten, daß man ihnen nichts zu leide thun würde, nahmen sie ein wenig Seewasser in die hole Hand, und gossen es sich auf den Kopf. Bey unserer hernachmaligen Landung auf ihrer Insel verlangten sie, daß wir es eben so machen möchten, indem sie es als eine Freundschaftsbezeugung auslegten. In eben dieser Bedeutung findet man den nehmlichen Gebrauch bey den Einwohnern von Pulo Sabuda in Neuguinea Dampier, III. Theil, S.186 . Doch ist es auch wahrscheinlich genug, daß die Mallikolesen von irgend einer Völkerschaft auf Neuguinea entsprossen sind. Allein, auch bey einem Volke welches sicherlich keine Gemeinschaft mit diesen beiden hat, trifft man dieselbe Gewohnheit an. Die Neger an der guineischen Küste in Afrika nemlich kommen nicht an Bord eines Schiffs, wofern der Capitain desselben nicht heraussteigt, seine Hand ins Seewasser taucht, und sich den Kopf damit besprengt, welches bey ihnen nicht blos ein Friedenszeichen, sondern sogar eine Art eidlicher Betheurung, oder eine abergläubische Ceremonie seyn soll Villauld de Bellefond, Relasion des Côtes d' Afrique appellées Guinée. Paris 1669. 8vo. . Capitain Cook und Hr. Banks haben, sowohl in o-Taheiti als auf den übrigen Societätsinseln, bemerkt, daß die Unterkinnladen der erschlagenen Feinde als Trophäen aufgehangen werden; und gerade derselbe Brauch ist in Guinea eingeführt, wo der Sieger diese Knochen vor seinem Hause aufhängt, zum Zeichen daß er sich Ruhm erfochten, und den ersten Schritt zur Erlangung der Vorrechte des Adels gethan habe Atkins Voyage to Guinea 8vo. 1737. p. 80. it. Villauld de Bellefond. I.c. . Die Nation der Battas in Sumatra pflegt, nach dem Siege, von dem Fleisch ihrer erschlagenen Feinde, einen Schmaus zu halten. Die Schädel werden hernach als Trophäen Haufenweis in den Häusern aufbewahrt, wo die unverheiratheten Männer und Knaben speisen und schlafen Charles Miller in phil. Trans. Vol. LXVIII. pt. I. pag. 166. . Wir haben es an seinem Orte, und seitdem bereits mehrmahlen erwähnt, daß die Völker der ersten Rasse in den Südseeinseln, welche Ostereiland, die Marquesas, Societäts und freundschaftlichen Inseln, imgleichen Neuseeland bewohnen, höchstwahrscheinlicherweise von den Einwohnern der, ostwärts von den Philippinen belegenen, Carolineninseln entsprossen sind. Es dürfte folglich einige Nachricht von den Sitten und Gebräuchen dieser letztgedachten Insulaner hier nicht am unrechten Orte angebracht seyn, weil dadurch der Leser sich von dem hohen Grade der Aehnlichkeit selbst überzeugen, und die Wahrscheinlichkeit des gemeinschaftlichen Ursprungs daraus abnehmen könne. Diese Nachricht von den Einwohnern der Carolineninseln ist ein Auszug aus Des Broffes, Histoire des Navigations aux terres australes, Tome II. pag. 445 - 511. Um Weitläuftigkeit und Wiederholungen zu vermeiden, verweisen wir die Leser, der Vergleichung halber, auf die verschiedenen Stellen dieses Werks, auf Cooks Reisebeschr. und auf G. Forsters Reise. Die Einwohner der zu den Carolinen gehörigen Insel Ulee Da ich die Rechtschreibung, welcher Des Broffes gefolgt ist, nicht beurtheilen mag, so habe ich alle Namen so stehen lassen, wie sie in der Urschrift geschrieben sind, obgleich die Analogie mlt den südländischen Sprachen darinn gänzlich vermißt, wird. G. F. und ihres Bezirks, sind nicht von einerley Farbe. Einige sind heller als die übrigen, wie die Mestizen, die einen spanischen Vater, und eine indianische Mutter haben; andre sind den Indianern auf den Philippinen an Farbe ähnlich, und noch andre sehen aus wie Mulatten, die von einem Neger und einer Indianerin entsprossen sind. Die dunkelsten gehören zu der niedrigsten Klasse, und dienen als Gesinde. Sie nähren sich durchgehends von Fischen, die sie in grosser Menge fangen, von Kokosnüssen, und von sieben Arten von Wurzeln, von den nämlichen Gattungen die auf den Marianen (Diebsinseln) gewöhnlich sind. Sie haben Hüner, und wissen allerley Geflügel, besonders aber Wasservögel, zu fangen und zur Speise zu bereiten. Vierfüßige Thiere hingegen, fehlen ihnen ganz und gar. Die Wohnungen des gemeinen Mannes sind kleine Hütten mit den Blättern einer Palmenart (wahrscheinlich des Pandangs) gedeckt: die Anführer, oder Tamoles, hingegen wohnen in großen Häusern, welche inwendig bemahlt, und verziert sind. Ihre Kähne laufen vorn und hinten hoch hinauf. Die Planken daran sind zusammen genähet. Auf einer Seite des Boots befestigen sie einen Ausleger mit einem langen Balken, der dem Boote parallel liegt, und das Umschlagen desselben verhindert. Am Vordertheil, sowohl als am Hintertheil, desgleichen an jedem Ende des Auslegers, sind kleine Cajütten angebracht. Die Segel bestehen aus Matten von Palmblättern. Die Mannspersonen beschäftigen sich gemeiniglich mit dem Anbau der verschiedenen Wurzeln wovon sie sich nähren. Zu dem Ende müssen sie den Boden von Bäumen reinigen, welches mit ihren steinernen Aerten eine sehr mühsame Arbeit ist; wenn alsdenn das gefällte Holz recht ausgetrocknet ist, so verbrennen sie es auf der Stelle, wovon man den Rauch und das Feuer oft zur See in großer Entfernung vom Lande sieht. Die Fischerey kostet ihnen viele Zeit; unter andern bedienen sie sich dabey einer Art von Fischreusen von geflochtenen Zweigen. Der Bau der Häuser und der Kähne, und die Verfertigung der Waffen ist ebenfalls das Werk der Männer. Die Weiber helfen ihnen bey der Aussaat und Verpflanzung des Wurzelwerks, bereiten die Speisen, und verfertigen Zeuge aus der Rinde einer Art des Ahorns ( Platanus ) Höchst wahrscheinlich ist der vermeinte Platanus der Papiermaulbeerbaum, dessen zackigte Blätter man leicht mit dem Laube des Ahorns verwechseln kann. . Auch verarbeiten sie die Rinde eines Baumes, den sie Balibago nennen, zu gleichem Behuf. Ihr häusliches Leben ist mäßig und einfach. Sie stehen mit der Sonne auf, und legen sich schlafen, wenn sie untergeht. Ihre Mahlzeiten sind an keine gesetzte Zeit gebunden, sondern wenn sie Appetit haben, und Speise vorräthig ist, so essen sie. Daher machen sie mehrere Mahlzeiten des Tages und essen jedesmal nur wenig. Sie baden dreymal des Tages und sind überhaupt sehr reinlich und sauber. Ihr König oder oberster Befehlshaber wohnt auf der Insel Illee, und ein anderer auf der Insel Lamurec, die übrigen Anführer, oder Tamoles, der benachbarten Eilande sind Vasallen dieser beiden Könige. Auf jeder Insel sind eine große Anzahl Tamoles, oder Edle, von der Familie des Königs, wohnhaft; einer aber regiert die Insel. Es giebt auch, ausser den Tamoles, noch eine angesehene Mittelklasse, und auf diese folgt die unterste Classe, die in noch größerer Unterwürfigkeit lebt. Doch bezeugen alle Stände ungemein viel Ehrfurcht gegen die Befehlshaber. Wer einen Befehlshaber besuchen will, bezeugt ihm seine Ehrerbietung unter andern dadurch, daß er sich den ganzen Leib mit einem gewürzhaften gelben Teige oder Brey bemalt In den freundschaftlichen Inseln, in Ostereiland und allen neuen Hebriden, färben die Einwohner zuweilen ihre Kleidung, und ihren Leib, mit einem gelben gewürzhaften Pulver, welches von der Gilbwurz bereitet wird. . Eben dies geschieht auch bey großen Feyerlichkeiten; die Anführer aber gehen fast beständig so bemalt einher. Die Kleidung des gemeinen Volks ist ein Lappen von ihrem Zeuge, den sie um die Lenden und Hüften schlagen, und zwischen den Beinen aufziehen. Die Weiber sind auf die nämliche Art gekleidet, nur daß ihr Anzug bis auf die Waden reicht, dahingegen die Männer kaum bis an die Kniee bedeckt sind. Die obere Hälfte des Leibes ist nackend; bisweilen wirft man jedoch noch eine Art Mantel mit einer Art Kappe oder Kapuzze, über die Schultern. Die Anführer tragen ein Sück des dortigen Zeuges, mit einem Loche in der Mitte, wodurch der Kopf gesteckt wird, so daß die eine Hälfte des Anzugs vorn über die Brust bis an die Knie, und die andere hinten, längst dem Rücken, eben so weit hinabreicht. Die Weiber tragen oberhalb des Ellenbogens Armbänder, und in den Ohren Ringe, beydes von Schildkrötenschaale; statt der Ohrringe tragen sie auch bisweilen wohlriechende Blumen, oder kleine aus Kokosschalen geschnitzte Knöpfe in den Ohren. Bey den Mannspersonen ist ein Stirnband üblich, welches aus geflochtenen Fasern besteht, und mit aufrechtstehenden Federn besetzt ist. Auf der Haut zeichnen sie sich mit verschiedenen Linien, welche Felder von mancherley Figur vorstellen; Weiber und Kinder aber haben dergleichen Zeichen nicht. Diese Insulaner sind durchgehends wohl proportionirt, die Anführer aber vorzüglich groß und corpulent; sie haben langes schwarzes lockigtes Haar, starke, buschigte Bärte, breite Nasen, grosse, lebhafte, durchdringende Augen. Ihre Gemüthsart ist lautere Gutherzigkeit; daher es bey ihren Streitigkeiten auch nie zu heftigen Ausbrüchen von Leidenschaft, und am wenigsten zum Todtschlag kommt; sondern die äußerste Rache die sie sich erlauben, besteht in Faustschlägen. Sobald die Zuschauer dem Streite Einhalt thun, so hat es mit ihrem Zorn ein Ende, und sie vertragen sich bald wieder, zumal wenn der Beleidigte einige Geschenke erhält. Sollte sich jemand eines groben Verbrechens schuldig machen, so wird er auf eine der benachbarten Inseln verbannt. Die Verletzung der ehelichen Treue, wird zwar bey ihnen unter die großen Verbrechen gerechnet, doch ist Verzeihung dafür zu erlangen. Gegen eine billige Entschädigung pflegt sogar der Mann die in solchem Fall ihm zugefügte Beleidigung zu vergessen, ohnerachtet es ihm frey steht, sich deshalb von seinem Weibe zu scheiden. Auf der andern Seite hat auch die Frau das Recht, sich, unter dem unbedeutenden Vorwande einer Beleidigung, oder Unzufriedenheit, vom Manne zu trennen. Hiernächst haben sie noch einen seltsamen Brauch, (wovon wir in den von uns besuchten Südländern kein Beyspiel wissen,) nämlich, daß ein Mann die Witwe seines verstorbenen Bruders heirathet, wofern dieser ohne Kinder zu hinterlassen gestorben ist. Die gemeinen Leute begnügen sich mit einer Frau, wiewohl mehrere nicht verboten sind; die Anführer und Edlen hingegen halten dafür, es sey ihrem Stande angemessen mehr denn eine Frau zu haben, und der König von Cittac, der auf der Insel Huogoleu oder Torres residirt, hat deren neune. Unter sich sind diese Leute sehr redlich; nur von Fremden pflegen sie zu stehlen, und vor allen Dingen auf Eisen erpicht zu seyn. Wer Eisen habhaft werden kann, es sey durch den Tauschhandel mit Europäern, oder von verunglückten Schiffen, oder durch Diebstahl, der ist in jedem Fall verbunden solches dem Befehlshaber einzuhändigen, welcher daraus Werkzeuge machen läßt, je nachdem die Größe und Gestalt des Eisens ist, und dieses verleihet er an seine Unterthanen um einen gesetzten Preis. Bey ihrer gutmüthigen, friedfertigen Gemüthsart leben sie untereinander in einträchtiger Freundschaft. Vergnügungen und Spiele sind ihrem aufgeweckten, frölichen Temperament willkommen. Sie lachen recht herzlich und oft, und hören überaus gern kleine drollige Geschichtchen. Im Umgange sind sie höflich und gesittet; können auch über allerley Gegenstände sehr vernünftig und zur Sache sprechen. Ihr weiches Herz wird schon bey der blossen Erwähnung irgend eines Unglücks oder Elendes sehr gerührt, und bey dem wirklichen Anblick desselben preßt das Mitleid ihnen Thränen aus. Wenn sie untereinander, bey feyerlichen Gelegenheiten, versammelt sind, wird viel gesungen und getanzt. Ihre Frauenzimmer setzen sich oft in Haufen neben einander, und singen im Chor schmachtende Lieder, wobey sie zu Verstärkung des Ausdrucks, in eben dem Maaße, Kopf und Hände bewegen; diese Lieder heissen bey ihnen Tanger-faisil, d. i. Weiberklage Diesen Ausdruck haben wir bereits vorhin angeführt, und daraus für die Abkunft der Einwohner des Südmeeres (von der ersten Rasse) von den Einwohnern der Carolineninseln einige Wahrscheinlichkeit hergeleitet. ). Ihre Lieder sind nicht ohne Takt und Harmonie; den Takt schlagen sie mit der Hand auf die Lenden. Beym Tanze stehen die Mannspersonen gegen einander über in zwo Reihen, am Kopf mit Federn und Blumen geschmückt, auch stecken sie sich, zur Zierrath, wohlriechende Kräuter in die durchbohrten Nasenknorpel, und Gehänge von geflochtenen Kokosfasern in die Ohrlöcher. Die Tänze bestehen hauptsächlich in abgemessenen, einförmigen Bewegungen des Kopfs, der Aerme, Hände und Füsse. Zuweilen hält der Befehlshaber ein Stück Zeug empor, welches, im Wettlauf, demjenigen zu Theil wird, der es am ersten erreicht. Für die Beleidigungen auswärtiger Völkerschaften wissen sie sich im Kriege zu rächen. Lanzen und Wurfspieße, mit Spitzen von Menschenknochen versehen, sind ihre Waffen, mit welchen sie, ausser dem Kriege, sich üben, nach der Scheibe zu werfen. Sie marschiren in drey Linien auf; die erste besteht aus jungen Leuten, die zwote aus Männern in den besten Jahren, und die dritte aus alten Leuten. Sobald einer in der ersten Reihe fällt, tritt gleich ein andrer aus der folgenden in seine Stelle. Schutzwaffen kennen sie nicht; sondern begnügen sich, allen Würfen durch Behendigkeit auszuweichen. Ihre Kriege sind nichts weniger als grausam; der Tod von zwey oder drey Leuten entscheidet den Sieg, und die triumphirende Parthey verkündiget ihren Vortheil mit lautem Siegesgeschrey, und mit Verhöhnung des Feindes. Sie haben Begriffe von der Unsterblichkeit der Seele, und von einem künftigen Zustande, wo die Guten belohnt, und die Bösen bestraft werden. Die Leichen der gemeinen Leute werden in die See geworfen; die der Vornehmen hingegen mahlt man gelb an. Das versammelte Volk schneidet sich, vom Bart- und vom Haupthaar, Locken ab, und wirft solche, zum Zeichen der Trauer, auf den Todten; sodann wird das Lob des Verstorbenen mit lautem Geschrey verkündigt, und der Tag übrigens mit Fasten beschlossen. Der Leichnam wird hierauf, entweder in einem kleinen steinernen Sarge, im Hause, aufbewahrt, oder, in einiger Entfernung von demselben, begraben, und das Grab mit einer steinernen Mauer umgeben. Von Zeit zu Zeit legen sie Früchte und andere Speisen in der Nähe der Grabstätte hin, damit der Verstorbene, nach ihrer Meynung, sie aussaugen möge. Sie glauben nämlich, daß die Seelen derer, die gen Himmel gehen, am vierten Tage wieder kommen, und, unsichtbarer Weise, unter ihren Verwandten und Freunden wohnen. Diese Seelen hält man für gute Geister. Bey allen ihren Unternehmungen werden sie um Beystand und glücklichen Erfolg angerufen, und die Priester sollen Umgang mit ihnen haben. Diese sowohl als andere Überlieferungen werden von gewissen Lehrern der Jugend, sowohl den Mannspersonen als dem Frauenzimmer, in eigen dazu bestimmten Häusern beygebracht. Die Knaben müssen die Namen und die Richtung der zwölf Hauptwinde, die Namen und Bewegungen der hellesten Sterne, die Lage und Namen der nahgelegenen Inseln, und wie man dorthin segeln müsse, erlernen. Die Lehrer theilen ihnen auch die religiösen Traditionen mit. Ohnerachtet sie von einem allgemeinen Schöpfer Himmels und der Erden nichts wissen, so glauben sie doch an einen großen und guten Geist, der ein Herr des Himmels und Oberhaupt vieler guten und bösen Geister ist. Diese Geister sind himmlische, von denen die auf Erden wohnen verschiedene, Wesen, die aber doch einen Leib haben, und, so wie die Anführer unter den Insulanern, mehr als eine Frau nehmen. Der älteste unter ihnen bekannte Geist, ist Sabucoor und seine Frau heißt Halmelul. Der Sohn aus dieser Ehe, wird Eliulep (d.i. großer Geist) und die Tochter Ligobuud genannt. Eliulep heirathete Leteuhieul, eine Frauensperson aus der Insel Ulee gebürtig; er zeugte einen Sohn mit ihr, Lugueiling d.i. der mittlere Himmel, genannt. Leteuhieul starb in der Blüthe der Jugend, und ihr Geist flog auf gen Himmel. Eliulep adoptirte einen Jüngling, der auf der Insel Lamurec geboren war, und Reschahuileng hieß. Dieser, des Erdenlebens müde, stieg gen Himmel, um die Freuden seines Vaters zu genießen. Seine Mutter aber lebte noch in Lamurec, und er kam zu ihr in die mittlere Luft zurück, und lehrte sie die Geheimnisse des Himmels. Die Schwester des Eliulep, Ligobuud genannt, fand sich in der Mittlern Luftregion schwanger, und kam auf Erden mit drey Kindern nieder. Zu ihrer Verwunderung war die Erde unfruchtbar und dürre; auf ihr mächtiges Wort aber, bedeckten Kräuter, Blumen und Obstbäume das Erdreich; sie kleidete die Erde in Grün, und bevölkerte sie mit vernünftigen Menschen. Dazumal starben die Menschen noch nicht; sondern statt des Todes fielen sie, am letzten Tage des Mondes, in einen kurzen Schlaf, und erwachten wieder bey dessen erster Erscheinung über dem Horizont, als vom angenehmsten Schlummer geweckt. Allein Erigerigers, ein böser Geist, dem die Glückseligkeit der Menschen mißfiel, bewirkte die Todesart, wogegen keine Hülfe ist, und seit der Zeit ist, wer einmal stirbt, auf immer gestorben. Dieser böse Genius heißt Elus melabut (d.i. feindseliger Geist); die andern heißen Elus Melafirs, gute Geister. Morogrog, ein böser, aus dem Himmel verstoßener Geist, brachte zuerst das Feuer auf die Erde. Lugueiling, der Sohn des Eliulep, heirathete zwey Frauen, eine, himmlischer Abkunft, die ihm zwey Kinder, Carrer und Meliliau, brachte; die andere, irrdischen Ursprungs, zu Falalu in der Provinz Huogoleu geboren, mit der er einen Sohn, Oclefat, erzeugte. Als dieser Jüngling hörte, daß sein Vater ein himmlischer Geist wäre, versuchte er es, gen Himmel zu fahren, allein er fiel herunter, und weinte. Darauf zündete er ein großes Feuer an, und gieng im Rauche Rauche hinauf zu seinem himmlischen Vater, den er umarmte Eine entfernte Aehnlichkeit mit diesen wunderseltsamen Begriffen hat die javanische Mythologie im Sadjara Radja Djawa, einem geschriebenen javanischen Geschichtbuche. S. Verhendelingen van Bataviaasch Genootschap. – I. deel. (G. F.) . Auf der Insel Falalu ist ein Teich mit frischem Wasser, dem die Einwohner nicht nahe kommen dürfen, weil sie glauben, daß die Götter sich darinn baden. Die Sonne, der Mond, und die Sterne, haben, ihrer Meynung zufolge, eine vernünftige Seele, und werden von zahlreichen himmlischen Nationen bewohnt. Man findet bey diesen Insulanern weder Tempel noch geschnitzte Bilder; nur wenige unter ihnen halten Opfer für nöthig, und diese scheinen solche ihren verstorbenen Freunden darzubringen. In der Insel Pap oder Panlog beten die Einwohner einen Krokodil an, und machen Beschwörungen zu dere Behuf sie, in Palmblätter, gewisse geheimnißvolle Knoten schürzen. Ostwärts von den fünf Inselgruppen, die man unter dem gemeinschaftlichen Namen der Carolinen begreift, liegen noch viele andre Inseln, und namentlich die Insel Falupet, deren Einwohner den Hayfisch ( tiburon ) anbeten. Diese Inseln sind sehr zahlreich, und ihre Einwohner sind braun, wie die Küstenbewohner der Philippinen; hingegen sind die Leute auf den Panleu- oder Paloosinseln neger-ähnlich, wild, und grausam; gehen nackt, und fressen Menschen. Die Einwohner der Carolinen verabscheuen sie deswegen, und halten sie für Feinde und Teufel unter den Menschen, mit denen es gefährlich ist, etwas zu thun zu haben. Den Anführern, oder Befehlshabern, begegnet man in den Carolineninseln mit großer Ehrerbietung. Sie tragen lange Bärte, und sitzen, wenn sie Audienz geben, auf einer Erhöhung, die wie ein Tisch gestaltet ist. Wer mit einem Befehlshaber sprechen will, bückt sich sehr tief, küßt ihm zuweilen die Hände oder die Füße, oder nimmt den Fuß des Befehlshabers ganz behutsam in die Hand, und reibt sich das Gesicht damit. Auch ist es ein Zeichen der Ehrerbietung gegen die Anführer, oder Tamoles, daß die Geringern sie, mit Liedern, in Schlaf singen. Aus diesen Bemerkungen über die Sitten, Gebräuche und Meynungen der Einwohner der Carolineninseln erhellet zur Genüge, daß sie, mit der ersten Rasse von Menschen in den Südseeinseln, ungemein viel Aehnlichkeit haben, und diese erstreckt sich zu sehr bis auf die kleinsten Umstände, als daß man sie für das bloße Werk des Zufalls halten könnte; zumal wenn man die Nähe jener Inselgruppen, die gleiche Farbe, Statur, Leibesbeschaffenheit und Gemüthsart der Einwohner, und die wahrscheinlich allmälige Wanderung der Stämme, von einer Insel zur andern, bedenkt. Dies zusammengenommen, setzt es beynahe gänzlich ausser Zweifel, daß diese Menschen untereinander nahe verwandt, und zwar, daß die Einwohner der östlichen Inseln des Südmeeres, in einem entfernten Zeitalter, von den Einwohnern der Carolinen entsprossen seyn müssen. Wir bemerken nur noch, daß es, aus Mangel historischer Urkunden und Denkmäler, unmöglich ist, vom Ursprunge und den Wanderungen dieser Nation etwas gewisses zu erfahren, ja daß nicht einmal entfernte Muthmaßungen darüber möglich gewesen wären, wenn man nicht ihre Sitten und Gebräuche, imgleichen ihre Sprache dabey hätte zu Hülfe nehmen wollen. Von den erstern haben wir so umständliche Nachricht ertheilt, als wir nur immer davon zusammenbringen konnten; die letztere empfehlen wir künftigen Seefahrern zu sorgfältigerer Untersuchung. Eben in der Ungewißheit, in welcher sich die von uns besuchten Insulaner über ihren Ursprung befinden, liegt, meines Erachtens, ein großer Beweis für die Vorzüge der Cultur, der wir die bessere Erkenntniß des unsrigen allein zu verdanken haben. Daß wir im Stande sind, über den ihrigen wahrscheinliche Muthmaßungen anzustellen, selbst dies ist das Werk der Cultur, ohne die unsre Seelenkräfte nicht entwickelt, unsre Beurtheilungskraft zur Erforschung der Wahrheit nicht geschärft worden wäre. Dank also der Vorsehung, daß sie uns den Segen einer höhern Aufklärung und Erziehung, und mit ihm so große Vorzüge über jene Völker, daß sie uns eine so erhabene Stelle in der Reihe vernünftiger Geschöpfe zu Theil werden ließ! aber auch mehr als leeren Dank müße die Erkenntniß unseres vorzüglichen Glückes in uns bewürken; wir müssen unsre besseren und vollkommneren Einsichten zweckmäßig und werkthätig anzuwenden, mit einem Wort, wir müssen suchen, durch Tugend und Menschlichkeit, unseres bessern Looses werth zu seyn! Quum natura hominis imbecillior fit quam caeterorum animalium, quae vel ad perferendam vim temporum vel ad incursiones a fuis corporibu5 arcencdas naturalibus munimentis providentia coelestis armavit; homini autem quia nihil istorum datum est, accepit pro istis omnibus miserationis affectum, qui plane vocatur humanitas , qua nosniet invicem rueamur. Lactant. lib.III. c. 17. Eilfter Abschnitt. Mittel, die Gesundheit auf langen Seereisen zu erhalten. Nachricht von den auf unserer Reise vorgefallenen Krankheiten, nebst den dagegen angewandten Heil- und Vorbauungsmitteln. Ideo utile est scire, unumquemque, quid et quando maxime caveat. Corn. Celsus de medicina, Lib II. praef. Seitdem Amerika, und die Fahrt nach Ostindien um das Vorgebirge der guten Hofnung, entdeckt, mithin zu langwierigen Seereisen mehr Anlaß als sonst vorhanden war, seitdem hörte man auch überall Klage, daß eine lange Anwesenheit zur See unzählig viel Leute wegraffe. Dieser neue Tribut, den der Tod mit unerbittlicher Strenge forderte, fiel zunächst der Handlung, weiterhin aber auch dem Staate sehr empfindlich, weil dieser, vornehmlich beym Ausbruch eines Krieges, sich so vieler gesunden jungen Seeleute, beraubt sahe. Zwar versuchten die einsichtsvollsten Männer, früh genug, die Quellen dieses Nebels zu erforschen, und ihre dagegen ersonnene Mittel den künftigen Seefahrern zum Gebrauch und zur Prüfung zu empfehlen, und fast alle große handelnde Staaten setzten Belohnungen darauf aus, aber lange blieben alle Bemühungen, dem Uebel Einhalt zu thun, vergebens. Der brittischen Nation, die unter allen Seemächten am mehresten Versuche hierüber anstellte, war es endlich vorbehalten, die wirksamsten und glücklichsten Gegenmittel ausfindig zu machen. Die Regierung, gelehrte Gesellschaften und einzelne Privatmänner arbeiteten gemeinschaftlich daran, einen so wohlthätigen Endzweck zu erreichen, und wie vollständig dies geschah, das beweiset die Geschichte der neuesten Entdeckungs-Reisen, welche unter dem Schutze des Königs, nach einem einsichtsvollen Plane, unternommen, mit der dem Volke eigenthümlichen Freygebigkeit unterstützt, und mit unermüdeter, anhaltender Anstrengung der Geisteskräfte so glücklich vollendet worden sind. Cook, der große, erfahrne Seemann, hat seine Methode die Gesundheit des Schiffsvolkes zu erhalten, nebst dem Erfolg derselben, in einer eigenen Schrift öffentlich bekannt gemacht, und die Königl. Gesellschaft der Wissenschaften hat ihm dafür, zum Zeichen ihres Beyfalls, Sir Godfrey Copley's goldene Schaumünze, zuerkannt. Der (nunmehr verstorbne) gelehrte Präsident dieser Gesellschaft, Sir John Pringle, hat bey Gelegenheit dieser Preißschrift, über das Verfahren des Capitain Cook wichtige Erläuterungen mitgetheilt, und, auch dadurch, den Ruhm jenes großen Seefahrers vergrößert. Nach alle dem, was zwey in ihrer Art so berühmte Männer über diesen Gegenstand bereits gesagt haben, dürfte es folglich, beym ersten Anblick, überflüssig scheinen, daß auch ich mich noch in dieses Feld wage. Allein ich halte es für meine Pflicht, das, was ich selbst hievon beobachtet habe, nicht unangezeigt zu lassen. Es betrift theils den Gebrauch und die bessere Zubereitung antiseptischer Mittel und gründet sich auf genaue Untersuchungen; theils betrift es Winke, die, für die Folge, zu nützlichen Versuchen Anlaß geben können. Das gewöhnlichste und zugleich das schrecklichste Uebel, welches auf langen Reisen unter dem Schiffsvolke wüthet, ist der See-Scharbock, der, nach den Beobachtungen des D. Macbride, und des Sir John Pringle, unter die faulen Krankheiten gehört Billig muß ich hier erinnern, daß die englische Urschrift gegenwärtigen Werkes im Jahr 1777 verfertigt ward, folglich die seit der Zeit bekanntgewordenen Erfahrungen dabey nicht genutzt worden sind. Was demnach in der bisher so wandelbaren und unbestimmten Theorie der Luftarten, und der damit verwandten Gährung, neues, und auf den hier abgehandelten Gegenstand anwendbares, entdeckt worden ist, wird der medicinische Leser von selbst gehörigen Orts zu Rathe zu ziehen wissen. (Der Uebersetzer.) . Einige Schriftsteller halten die Seeluft für eine mitwirkende Ursach dieser Krankheit; allein diese Behauptung ist unerweißlich, indem die Bewohner der Seeküsten, und kleiner ganz von Seeluft umschlossener Eilande, eben so gesund sind, als die mitten im Lande wohnen. Gesalzene Speisen hingegen tragen unstreitig vieles zur Ausbreitung dieser Krankheit auf den Schiffen bey; zumal, wenn sie durch die Länge der Zeit in der Salzlache gleichsam aufgelöst worden sind, wodurch der ganze Körper zur Fäulniß geneigter werden muß. Jedoch die Hauptquelle der im menschlichen Körper entstehenden Fäulniß hat man, meines Erachtens, bisher übersehen. Das Blut der Thiere erhält, in den Lungen, eine beträchtliche Menge eines phlogistischen Zusatzes; denn, man nehme eine Quantität entzündbarer Luft (welche durch das Aufgießen einer schwachen Vitriolsäure auf Eisenfeile erhalten wird,) in eine Blase, ziehe solche mit dem Athem in die Lunge, und hauche sie wechselsweise wieder in dieselbe Blase, oder das enthaltende Gefäß: so wird die Luft, nach zwanzig bis 30 Ein- und Ausathmungen, nicht mehr entzündbar seyn, sondern, im Gegentheil, die Flamme eines brennenden Lichts auslöschen. Es folgt daraus, daß, in der Lunge, die entzündbare Luft ihr Phlogiston verliert, und folglich, daß letzteres vom Blute absorbirt wird. Der Versuch mit der gemeinen Luft, welche nach der Einathmung sowohl zur fernern Respiration, als zur Erhaltung der Flamme des Lichts unfähig wird, giebt Hrn. D. Priestley Anlaß zu folgern: »daß es die Bestimmmung der Lungen sey, die fauligten Ausflüsse, oder das Phlogiston, fortzuschaffen, welches mit den Speisen in die Nahrungssäfte und das Blut gekommen, und nun dort gleichsam seine Kraft zurückgelassen hat; die eingeathmete Luft aber diene hiebey statt des Auflösungsmittels Experiments and observations on different Kinds of air, by Priestley.L.L.D. Vol.III.p.56. und in den Phil.Transact. Vol.LXI. part.I. p.226. . Er fügt hinzu: »Was er ehemals für eine Würkung der Respiration überhaupt angesehen habe, werde, seiner nunmehrigen Entdeckung zufolge, durch das Blut effektuirt, welches, in den Lungen, die Luft beinahe unmittelbar berührt; das Blut aber sey eine mit der wunderbaren Eigenschaft versehene Flüßigkeit, den Grundstof, den die Chemiker Phlogiston nennen, einzusaugen und wieder von sich zu geben.« Allein, das Experiment, was ich weiter oben angeführt habe, beweiset vielmehr daß das Blut, anstatt Phlogiston von sich zu geben, es vielmehr mit jeder Einathmung aus der Luft in sich zieht, und solchergestalt die gemeine atmosphärische Luft zerlegt, Gemeine Luft hält D. Priestley unwiedersprechlich für ein Gemisch von Salpetersäure und Erde. Vol.II. p.55. Herr Sage glaubt, sie bestehe aus Phosphorsäure, Phlogiston und Wasser. Elemens de Mineralogie docimastique, Vol.II. pag.377.378. welche aus Feuerluft oder (wie v. Priestley sie nennt,) dephlogistisirter Luft, und aus derjenigen Luftart besteht, in welcher Lichter auslöschen. Die Bestandtheile der Feuerluft aber, sind, wie Scheele Chemische Abhandlung über Luft und Feuer/ von Karl Wilhelm Scheele. 1777. 80. erwiesen hat, eine sehr feine Säure und ein Phlogision. Mit jeder Einathmung giebt daher die gemeine Luft ihren feurigern, reinern Theil, der eine beträchtliche Menge Phlogiston enthält; und das übrige, zur Respiration undienliche, bleibt zurück Man sieht leicht, daß es hier nur darauf ankömmt, zu bestimmen, was eigentlich Phlogiston ist. Was hier so genannt wird, und was D. Priestley darunter versteht, sind zwey ganz verschiedene Sachen. Beyde sind darinn einstimmig, daß nur der reinere Theil der Luft bey der Respiration, dient. Diesen zu zerlegen, hat bisher nur allein Herr Scheele, nach obiger Behauptung, gewagt. G. F. . Die Feuerluft wirkt demnach wie ein Aether, oder eine versüßte Säure, oder als ein gelinder Stimulus, auf die Lunge. Hätte die Säure darinn die Oberhand, so würde sie Zuckungen verursachen; ein Uebermaaß des Phlogiston würde aber ebenfalls üble Folgen haben, wie wir weiter unten zeigen werden. Das versüßte Saure, oder die ätherische Luft, ist also die zuträglichste Mischung. Alle Wirkungen die im menschlichen Körper vorgehen, sind chemische Processe, oder beruhen auf mechanischen Grundsätzen, oder sind aus beiden zusammengesetzt. Die Feuerluft stimulirt, vermöge ihrer gemäßigten Säure, das Herz, unterhält dessen beständige Bewegung, und verbreitet, vermöge des bey sich habenden Phlogistons, die zu allen Handlungen des Lebens unentbehrliche Wärme. Alle organische Körper, sowohl Thiere als Vegetabilien, bestehen aus einer Säure, einigem Phlogiston, und einer absorbirenden Erde. Die Verhältnisse dieser Bestandtheile sind verschieden, und zuweilen, durch den Beytritt anderer Substanzen, modificirt. Sowohl die Thiere als auch die Pflanzen leben und wachsen vermittelst der, entweder durch den Mund oder durch die Wurzeln eingenommenen, Nahrung. Eine Art der chemischen Operation scheidet, in animalischen Körpern, von den eingenommenen Speisen gewisse Säfte, welche denen im Körper bereits vorhandenen beynah gänzlich (homogen) gleichartig werden, sodann in Gestalt des Bluts im ganzen Körper umherlaufen, und überall verschiedene Theile absetzen, zum Ersatz derjenigen Atomen, welche unaufhörlich durch die Ausdünstung, und das Reiben verloren gehen. Diese vom Blute und andern Säften neu angesetzten Theilchen sind aber noch einigermassen der Mischung der Speisen ähnlich, von denen sie abgesondert wurden. Sind demnach saure Theile in den Speisen in vorzüglicher Menge vorhanden, so giebt es eine saure Diät; haben phlogistische Theilchen das Uebergewicht, so ist sie phlogistisch, und wo endlich die absorbirenden Substanzen häufiger sind; ist sie alkalisch. Gesundheit hängt von einem genauen Gleichgewicht der verschiedenen Diäten ab; denn wie die Speise geartet ist, so werden die circulirenden Säfte modificirt, aus denen die festen Theile des Körpers entstehen. Durch ein Uebermaas von Säure werden die Fasern zu stark gereizt und veranlassen konvulsivische Symptome. Eine allzugroße Menge Phlogiston, läßt Entzündungen und heftig ausbrechende Krankheiten befürchten; und auf eine vorzüglich alkalische Diät pflegen faule Krankheiten zu erfolgen. Indeß muß diese Aeußerung nicht unrecht gedeutet werden, ich will nehmlich dadurch keinesweges behaupten, daß alle konvulsivische Krankheiten einzig und allein von der sauren Diät; alle infiammatorische lediglich von der phlogistischen, und alle faule blos von der alkalischen entstehen. Unter gewissen Umständen können andere Ursachen die nämliche Wirkung hervorbringen; auch äusserliche Ursachen können oft, auf ähnliche Art, wie die zu uns genommenen Nahrungsmittel wirken. Frische Speisen, beides aus dem Thier- und aus dem Pflanzenreiche, enthalten Säuren, Phlogiston und Alkali in einem heilsamen Verhälniß gemischt, zumal, wenn man sie ohne gewürzte Tunken zubereitet, deren Bestandtheile unserm Körper nicht zuträglich sind. Es ist demnach ganz natürlich, daß solche frische Speisen der Gesundheit zuträglicher sind als gesalzene. Bey allen Arten von Speisen aber, vorzüglich bey dem Fleische, und auch sogar bey dem Wasser, dessen man sich auf langen Seereisen bedient, ist das ursprüngliche natürliche Verhältniß der Bestandtheile nicht mehr vorhanden. Das Wasser, wenn es, frisch von der Quelle getrunken, auch noch so gut ist, fängt, zur See, innerhalb wenigen Wochen an, unleidlich zu stinken, besonders in warmen Ländern, und ist mit Insekten angefüllt. Wenn diese in der Folge darinn absterben, gehen sie in Fäulniß über, d.i. ihre organischen Theile verwandeln sich wieder in ein Gemeng von blossen Grundtheilchen (elementary parts) und bringen eine wirkliche Art der Schwefelleber hervor M. Sage, Analyse des blés. Paris 8vo. 1776. pag. 106. sqq. , deren schädliche, septische Eigenschaft genugsam bekannt ist. Das Fleisch wird gesalzen, weil es sich auf diese Art länger aufbewahren läßt; allein das gemeine Küchensalz hört auf antiseplisch zu seyn, sobald es thierischen Substanzen beygemischt wird. Sobald das Thier todt ist, fängt die allmälige Auflösung, vermittelst der innern Bewegung seiner Grundtheilchen an, die flüchtigen Theile des Phlogiston, und die durch dasselbe flüchtig gemachten Säuren gehen davon, die flüchtigen alkalischen Grudtheile folgen ihnen, und es bleibt ein Brey (magma) zurück, der ebenfalls mit Schwefelleber verwandt ist, und sich in längerer Zeit in ein Alkali oder in eine absorbirende Erde verwandelt. Der Zusatz einer beträchtlichen Quantität Salz verhindert diese Fäulniß nicht, sondern verspätet sie blos. Unser gesalzenes Fleisch, welches in der That von der besten Beschaffenheit gewesen, veränderte sich so sehr, daß es in der Folge nicht viel besser als faul war; das Salz hatte das Fett aufgelöset; und der Geruch, sowohl des rohen als gekochten Fleisches war äußerst wiedrig, ohnerachtet man es, in ein Netz gewickelt, vier und zwanzig Stunden lang im Seewasser hinter dem Schiffe her gezogen halte, wodurch das Salz größtentheils, und der Geruch einigermassen, abgewaschen, dagegen aber auch nichts weiter als die blossen Muskelfasern, mit vielem Salze vermischt, übrig geblieben waren. Die Gallerte, welche im Fleisch der eigentlich nahrhafteste Theil ist, war gänzlich verschwunden; und nichts als eine stark alkalisirte Substanz übrig, welche bekanntermaßen die Fäulniß befördert. Das Brod, oder der Schiffszwieback, für die englische Marine, wird von Weizenmehl, in platte Kuchen, ohne Zusatz von Hefen oder Sauerteig gebacken. Die platte Form gewährt den Vortheil, daß der Zwieback recht hart gebacken, mithin alle Feuchtigkeit desto besser herausgetrieben werden kann. Gegen die Wibeln oder Kornwürmer(Curculio) hingegen, die sich bey lausenden darinn einfinden, kann ihn diese Vorsicht nicht schützen. Im Raupenstande durchbort dieses Ungeziefer den Zwieback wie ein Sieb, und, als vollkommene Insekten, legen sie ihre Eyer hinein. Sind unglücklicherweise die Tonnen, worinn das Brod gepackt wird, von frischem Stabholz gemacht, so beschlägt es mit Schimmel, erhält einen dumpfigen Geschmack und Geruch, mit einem Worte, es verfault. Auch an sich gute Tonnen ziehen doch die faulen Ausdünstungen des Wassers, des Böckelfleisches, des im untersten Schiffsraum stockenden Seewassers, und der, von der Respiration einer zahlreichen Mannschaft, verdorbenen Luft in sich. Diese Ausdünstungen dringen in jede Art von Verschlag, er mag auch noch so gut verwahrt seyn. Eben so ereignet es sich, daß das Seewasser zuweilen an die Zwiebackstonnen kommt, und diesen, wie leicht zu erachten ist, gänzlich verdirbt; wehe alsdenn den Unglücklichen, die genöthigt sind von einer solchen Speise zu leben! – Der Matrose bekommt alle Tage, zu Mittage, eine Erbssuppe; Erbsen gehören unstreitig zu den besten Lebensmitteln, welche auf langen Seereisen mitgenommen werden können, denn sie enthalten nebst vieler festen Luft, auch eine ziemliche Menge Phlogiston. Durch die Digestion und Gährung in den Eingeweiden lassen die Erbsen ihre feste Luft daselbst zurück, und dieser Bestandtheil ist es hauptsächlich, der in den Speisen, zu Erhaltung der Gesundheit auf der See, erfordert wird. Wir hatten das Unglück an Bord unseres Schiffs, (Resolution) einen Vorrath von Erbsen zu erhallen, der vermuthlich im Ofen gedörret worden war. Wir mochten sie daher kochen so lange wir wollten, so blieben sie ganz, die äussere Haut zerplatzte nur, und die beiden Hälften der Erbse blieben so hart, als ob sie zuvor ausgetrocknet worden wären. An Bord der Adventure hatte man bessere Erbsen, welche verdaulicher als die unsrigen waren. Dieser Umstand beweiset, daß man, bey der Auswahl der Lebensmittel, nicht Vorsicht genug anwenden könne; zumahl da auf dergleichen Reisen ohnehin alles auf den Magen losstürmt, und die Dauungskräfte schwächt. Vormahls pflegte man den Matrosen aus königlichen Schiffen auch Baumöl zu reichen, um ihre Puddings und andre Speisen damit zuzubereiten. Allein Capitain Cook bemerkt, daß das Oel, welches für die königliche Flotte geliefert wird, gemeiniglich nicht antiscorbutisch sondern im Gegentheil septisch ist. Es scheint also, daß die Lieferanten nur schlechtes Oel, welches entweder schon ranzigt oder doch nahe daran ist, anschaffen. Wie wenig dies aber der Gesundheit zuträglich sey, weiß ein jeder der die Wirkung der Säuren auf den Körper kennt. Zum Frühstück bekommt der englische Matrose eine Portion Weizen- oder auch Habermehl und beides sind vortreffliche Nahrungsmittel für Leute, die lange Zeit über frisches Gemüse entbehren müssen. So viel von den Lebensmitteln die man auf den zu langen Reisen bestimmten Schiffen vorräthig hat. Jetzt wollen wir die Oekonomie des Matrosen noch in andern Stücken durchgehen. Die Menge der Menschen, welche zwischen den Verdecken athmen und ausdünsten, verdirbt dort zuletzt die Luft so sehr, daß sie zur Respiration nicht mehr taugt; wenigstens ist sie mit alkalischen und septischen Dünsten dermaßen angefüllt, daß die Leute schon um deswillen darinn schwerlich gesund bleiben können. Ausserdem ist das Wasser, welches sich im untersten Schiffsraum sammelt, ( bilge water ) wohin die Pumpen gehn, allein schon mehr als hinreichend, ein ganzes Schiff mit schädlichen Ausdünstungen anzufüllen. Im Jahr 1772, als wir von Plymouth unter Segel gegangen waren, und uns allmälich wärmeren Gegenden näherten, verbreitete dieses stockende Wasser, welches damals in den höchsten Grad der Fäulniß gegangen war, und durch die Bewegung des Schiffes unaufhörlich umgerüttelt wurde, im ganzen Schiffe einen unerträglichen Gestank. Meine eigne und meines Sohns Kajüte, die ohnweit des grossen Masts, folglich dicht an der Mündung der Pumpen standen, erhielten solchergestalt diesen üblen Geruch aus der ersten Hand. Ich wußte damals wenig vom Seewesen, und besprach mich über diesen Gegenstand mit Capitain Cook, der sogleich darauf verfiel, daß der Gestank von jenem im Schiffsraume angesammelten Wasser herrühren müßte. Er zeigte mir, daß in dieser Gegend alle Feuchtigkeit, aus dem ganzen Schiffe, wie in einen Brunnen zusammenflösse, und fügte hinzu, daß der lange Aufenthalt des Schiffs, zu Scheerneß und Plymouth dem Wasser Zeit genug gelassen hätte in Fäulniß zu gerathen. Hieraus ließ er die Tiefe dieses Wassers messen; weil sie aber nur wenige Zoll betrug, so dünkte es ihm der Mühe nicht werth, dasselbe auspumpen zu laßen; der Gestank blieb also noch eine Zeitlang, bis er von selbst aufhörte. Indessen empfahl ich damals schon das Räuchern unter dem Verdeck, als das beste Mittel gegen den üblen Geruch, und die faulen Ausdünstungen; auch ward mein Rath bereits vor dem achten August, auf der Fahrt von Madeira nach den Capverd Inseln befolgt, indem man die Luft, durch verschiedene Holzkolenfeuer, und zuweilen durch das Abbrennen von Schwefel oder Pech, oder auch einer Mischung aus Schießpulver und Eßig verdünnte Sir John Pringle führt in seiner Rede die Beobachtung eines Freundes des verstorbenen Cook an, daß die alten englischen Schiffe von zwanzig Kanonen, ihre Küche in dem Vordertheil des mittleren Verdecks (oder Orlop) gehabt hätten, und, seiner Vermuthung zufolge, eben deswegen weit gesunder als die neuern Schiffe von demselben Range gewesen wären. Diese Vermuthung ist ganz richtig. Während meinem Aufenthalt in Plymouth, 1772, wo ich das Schiff (Resolution) erwartete, besuchte ich mit Hrn. D. Irving ein holländisches Kriegsschiff, welches dort vor Anker lag. Wir fanden auch da die Küche im mittleren Theil des Orlops, etwas vor dem grossen Mast, und man versicherte uns an Bord, daß das Schiff zur See überaus gesund bliebe; doch fanden wir, des damaligen warmen Wetters wegen, den Rauch und die Hitze unter dem Verdecke fast unerträglich A. d. Verfassers. Gemeiniglich wird die Küche ganz im Vordertheil des Schiffs, dicht am Fockmast angebracht. G. F. . Sobald alles angezündet war, wurde die ganze Mannschaft aufs Verdeck gerufen, alle Oefnungen verstopft, und solchergestalt der Rauch so eingeschlossen, daß er zugleich dem Ungeziefer tödtlich werden mußte. So oft dieses Geschäft im Winter vorgenommen ward, bemerkte ich, daß mein Thermometer um zwey, höchstens drey Grad gestiegen war, und die nächstfolgenden vier und zwanzig Stunden um so viel höher blieb. Wärmer konnte es in meiner Kajüte nicht werden, indem die Feuer unter dem Verdeck, auf welchem sie stand, angezündet wurden, und der Rauch blos durch die Ritzen und Fugen hinaufstieg. Die Person des Matrosen selbst, und seine Kleidung kommen endlich hier ebenfalls mit in Anschlag. Die Menschen sind sich, im ganzen genommen, überall ziemlich ähnlich; es giebt daher in allen Ständen Freunde der Reinlichkeit, sowohl an ihrem Leibe als in Kleidungsstücken, und andere, die aus angebohrner, unüberwindlicher Gleichgültigkeit und Trägheit beständig unrein und in schmutzigen Kleidern einhergehn, ohnerachtet sie hinlänglich damit versorgt sind um wechseln zu können. Eine Schiffsmannschaft besteht, wie fast jede Gesellschaft, aus diesen zweyerley Menschen. Die nämlichen Kleider, stets auf dem Leibe getragen, müssen mit der Zeit eine Menge Ausdünstungen, Schweis, u.d.gl. in sich ziehn, wovon die Schweislöcher unfehlbar wieder etwas resorbiren; ja bey dem Schmutzigen, der sich ungern und selten wäscht, müssen viele dieser Oefnungen sich zuletzt verstopfen, und dadurch die unmerkliche Ausdünstung gehindert werden. Alle diese Umstände, befördern und beschleunigen die Wirkungen des See-Scharbocks nicht wenig. Gegen diese Krankheit können Arzneymittel, die doch immer nur in kleinen Portionen gereicht werden, nichts ausrichten: denn, wo die Speisen zur Fäulniß geneigt sind, da wird der daraus bereitete Nahrungssaft, die ganze Masse des Bluts, mit einem Worte, der ganze Cörper zur Auflösung geneigt, und folglich muß das Gegenmittel, welches Genesung wirken soll, eben so reichlich als jene die Krankheit verursachende Lebensmittel, genossen werden können, mithin in der Wahl der letzteren selbst gesucht werden. Das heißt, es kommt darauf an, einen Vorrath von antiseptischen Lebensmitteln anzuschaffen, der den auf Schiffen gewöhnlichen alkalischen, kräftig entgegen würcke. Das Fleisch muß zur Dauer gesalzen werden; hiedurch verliert es aber diejenigen Theilchen, welche beym Einkochen die animalische Gallerte und zuletzt eine Art Leim geben, worinn eigentlich das nahrhafte des Fleisches besteht. Es gehört folglich unter diejenigen Speisen, die keiner Verbesserung fähig sind, sondern die immer schlechter werden, je länger man sie aufbewahrt. Auch das Brod kann sich nicht gar lange halten, zumal der Waizenzwieback, der, leichter als andre Sorten, verschimmelt und wurmstichig wird. Ueberdies weiß ich aus eigner Erfahrung, die sich an vielen unserer Reisegefährten bestätigte, daß diese Art Zwiebacks Verstopfungen des Unterleibs verursacht, zu denen der Matrose ohnehin schon zu sehr geneigt ist. Ungleich zuträglicher würde demnach, meines Bedünkens, Rockenbrod oder aus Rocken und Waizenmehl gemischtes Brod seyn. Man könnte sich, auch vom Waizenmehl allein, eine bessere Wirkung versprechen, falls es nur nicht ganz fein gemahlen, sondern blos von der gröbsten Kleye geschieden würde. Endlich aber müßte dieses Brod auch mit Sauerteig gebacken werden. Daß diese Zubereitung gesund ist, erfuhr ich auf der Reise vom Cap nach Neuseeland, die wir im November 1772 unternahmen. An die Stelle des Brods, welches wir auf der Hinreise, von Plymouth nach dem Cap, verzehrt hatten, nahmen wir an letzterem Orte einen Vorrath von holländischen Zwieback ein, der von grobgemahlnem Waizen, mit den Kleyen vermischt, und mit Sauerteig gebacken war. Diese Brod-Art stimulirte die Eingeweide gelinde, so daß man dabey von Verstopfungen ungleich freyer war, als bey dem gewöhnlichen Zwieback. Das Beyspiel der russischen Soldaten und Matrosen, die, bey ihrem Rockenzwieback, (der aus ungebeuteltem Mehl mit gegohrnem Teige gebacken wird,) fast ohne alle andre Speise zu geniessen, sehr gesund bleiben, und fast gar nicht vom Scharbock angegriffen werden, bestätigt mich noch mehr in meiner Meynung. Man muß aber dabey die Vorsicht gebrauchen, 1) das Brod in großen Laibern zu backen, welche sodann in Würfel von anderthalb Zoll geschnitten und nochmals gebacken werden müssen; 2) diesen Zwieback nicht anders als aufgeweicht zu essen. Weder Schimmel noch Würmer sind bey dieser Art Zwiebacks so leicht zu befürchten, weil er säuerlich und hart ist. Seine gröberen Theile stimuliren die Gedärme; die Säure aber wirkt als ein antiseptisches Mittel, verursacht eine stärkere Gährung mit den übrigen Speisen, und entwickelt folglich eine größere Menge fester Luft. Hiedurch wird der schädlichen Wirkung des halb verwesten Böckelfleisches einigermaßen abgeholfen, welches nunmehro, mit Beyhülfe des in den Erbsen häufig vorhandenen entzündbaren Bestandtheiles, einen dem Körper angemeßneren Nahrungssaft giebt. Die größte Schwierigkeit bey der Einführung dieses Zwiebacks ist also diese, daß es etwas neues ist; und wer mit dem Seewesen bekannt ist, wird wissen, daß alle Neuerungen dem Matrosen äußerst verhaßt sind. Wenn indeß die Officiere mit gutem Beyspiel vorangingen und man sich überhaupt auf die gehörige Art dabey zu nehmen wüßte, so würde auch dieses Hinderniß bald überwunden, und auf der englischen Flotte eine Speise eingeführt seyn, die zur Gesundheit der Schiffsmannschaft, und folglich zur Erhaltung manches dem gemeinen Wesen nützlichen Menschen, vieles beytragen könnte. Das Sauerkraut, oder der saure Kohl, der seit kurzem auch in England allgemeiner zu werden anfängt, ist ein so vortreffliches antiseptisches Mittel, daß es keiner fernern Empfehlung bedarf. In Deutschland, Dännemark, Schweden und Rußland versteht man sich sehr gut auf die Zubereitung desselben, und seitdem ist es auch auf der königlichen grosbrittannischen Flotte eingeführt worden Im Originale folgt hier eine weitläuftige Vorschrift, wie man Sauerkraut am besten einmachen müsse, deren aber unsre Leser überhoben seyn können. Nur die Bemerkung gehört noch hieher, daß bey der Zubereitung Kümmel vorzüglicher als Wachholderbeeren, zu gebrauchen ist, indem er viel feste Luft enthält, und bey Ammen, sogar die Milch vermehrt. G.F. . Von diesem Zugemüse bekam auf unserem Schiffe der Mann wöchentlich zwey bis dreymal jedesmal einen Schoppen, und mit Recht schreibt man es dem häufigen Genuß desselben zu, daß sich an Bord unseres Schiffs so wenige Symptome des Scharbocks gezeigt haben. Nach und nach fanden die Matrosen selbst Geschmack daran, wozu die heilsame Wirkung welche sie davon vor Augen sahen, freilich vieles beytragen mochte. Unser Vorrath von Sauerkraut bestand in sechzig Fässern, wovon wir das letzte bereits im März 1775, also einen Monath vor unsrer Rückkunft an das Vorgebürge der guten Hofnung, verzehrt zu haben glaubten. Der Abgang dieser vortrefflichen Kost ward von der ganzen Mannschaft sehr beklagt. Beim Auspacken am Cap fanden sich indessen noch zwey Fässer, wovon im Julius 1775, bey unserer Ankunft in Fayal, (einer der azorischen Inseln) noch etwas übrig war. Der brittische Consul an gedachtem Orte, dem diese Speise sehr gut schmeckte, erhielt den Ueberrest, (welcher übrigens noch völlig so gut war, als im Oktober 1771 da das Sauerkraut eingemacht worden,) vom Capitain zum Geschenk. Das Waitzen- und das Habermehl, welche den Matrosen zum Frühstück gereicht werden, geben überaus gesunde Suppen ab; Waizen, als das nahrhaftere, dürfte den Vorzug verdienen, indessen bereitet man in Schottland vom Habermehl eine säuerliche, höchst antiseptische Gallerte, welche dort Sooins genannt wird, und die zur See eins der besten Lebensmittel abgiebt. So lange die Erbsen, der Matrosen gewöhnliche Speise, noch frisch und unverdorben sind, so lange sind sie überaus gesund. Wegen ihres vielen bey sich habenden Phlogistons würde man aber wohl thun, dem Matrosen etwas Weineßig zur Erbsensuppe zu geben, weil die Säure dieses Nahrungsmittel sehr verbessern, und, bey der Gährung in den Gedärmen, die darinn enthaltene feste Luft leichter entwickeln würde. Anstatt Oel ist es, nach Capit. Cooks Meynung, auf langen Seereisen ohnstreitig zweckdienlicher, Zucker auszutheilen S. Cook's Voyage towards thr southpole \& round the World, Vol.II.p.290. . Zucker gehört unter die vegetabilischen Substanzen, die eine eigne Säure, nebst einem öligt entzündbaren Wesen, bey sich führen. Das rechte Verhältniß dieser Bestandtheile erleichtert die Gährung überhaupt, und bringt auch andre Substanzen am leichtesten in Gährung. Diese Eigenschaft zeigt, wie sehr antiseptisch der Zucker ist, und um wie viel er die Fäulniß der eingesalzenen Fleischspeisen mildern, mit einem Wort, dem Scharbock entgegen wirken kann. Daß die süsse Würze, oder der Aufguß von Malz, das beste Präservativ gegen den Scharbock sey, ist durch das einstimmige, in Theorie und Praxis gegründete Zeugniß der Herrn D. Maebride, Sir John Pringle und Capitain Cook hinlänglich erwiesen. Der Gebrauch ist folgender: Man nimmt einen Schoppen gutes, grobgemalnes Malz, gießt darauf drey Schoppen kochendes Wasser, und stellt den Anfguß an einen lauen Ort, ans Küchenfeuer, damit er nicht erkalte. Wer am Bord unseres Schiffs mit dem Scorbut bedroht wurde, trank täglich, zwey oder drey Stunden nach den Mahlzeiten, ein bis zwey Schoppen dieses Aufgusses weil er noch warm war: Wo sich schon kleine Merkmahle vom Scorbut äußerten, mußte der Patient zweymal des Tages ein Quartmaaß davon ausleeren; wer aber von der Krankheit schon in hohem Maaße befallen war, der mußte wohl drey Quart und drüber davon trinken. Dieses Gegenmittel that an Bord unseres Schiffs die herrlichste Wirkung. Wir hatten unter andern scorbutischen Kranken, vorzüglich zween, an denen die ersten Symptome dieser Krankheit jedesmal, so oft wir uns nur etliche Tage vom Lande entfernt hatten, schon zum Vorschein kamen. Das Uebel stieg bey ihnen in kurzer Zeit, wenn man nicht vorbaute, zu einem heftigen und gefährlichen Grade. Das Zahnfleisch blutete, und hatte Geschwüre; die Zähne fingen an zu wackeln, die Füsse waren angeschwollen, und bekamen blaue und purpurne Flecken; die Geschwulst war ödömatös, (das ist, wenn man mit dem Finger darauf drückte, so blieb an dem Orte lange Zeit eine Vertiefung oder Grube in der Haut stehen;) der Harn hatte einen häßlichen fauligten Geruch, und war voll langer Fäden. Diese beide Patienten wurden, durch den Gebrauch der Würze, nicht nur völlig wieder hergestellt, sondern der eine bekam auch, statt des alten, nach und nach, Stückweise ausgefallenen Zahnfleisches ein ganz neues; und der andre, der contract an Händen und Füssen war, erhielt dadurch große Linderung, daß er, nach Abzug des Aufgusses, die zurückgebliebenen Malzkörner oder Träbern warm auf die schmerzhaften Glieder legte. Bey einem andern scorbutischen Kranken vergiengen, nach oft wiederholten Umschlägen von diesen Träbern, die Geschwulst und blauen Flecken an den Beinen gänzlich. Von diesem schätzbaren Heilmittel, dem trocknen Malz nemlich, hatten wir eilf große Fässer voll an Bord, die sich in den ersten zwey Jahren ausserordentlich gut hielten. Im dritten Jahre aber fanden sich einige verschimmelte Klumpen in den Fässern, doch war das übrige noch brauchbar. Die Würze, welche man von diesem, letztern Malz erhielt, war zwar geringhaltiger, wenn man aber das Verhältniß des Malzes verstärkte und weniger Wasser dazu nahm, so blieb der Aufguß noch immer ein wirksames und vortreffliches antiseptisches Mittel. Capt. Cook sagt zwar am angeführten Orte Vol. II. p. 289. , daß das Malz den Scharbock zur See nicht kurire, sondern eigentlich nur so viel bewirke, daß die Krankheit in einer geraumen Zeit keine grosse Progressen machen kann. Allein die von uns angeführten Beyspiele wird meines Erachtens wohl jedermann für völlige Kuren gelten lassen. Denn man muß bedenken, daß so lange der Patient, der durch den Gebrauch der Würze wieder hergestellt wird, an Bord bleibt, die Ursachen, die in ihm den Scharbock veranlaßen, noch immer fortdauren. Er trinkt, nach wie vor, faules Wasser, seine Kost ist verdorbenes Böckelfleisch, und er athmet, wenigstens des Nachts, unreine Luft unter dem Verdeck; mithin vereinigt sich alles, die Disposition zur Fäulniß im Körper zu unterhalten. Muß also der Kranke, zumal wenn er von Natur zum Scharbock geneigt ist, auch nach Endigung der eigentlichen Kur noch immer fortfahren, die Würze als ein Präservativ zu gebrauchen, wofern er gesund bleiben will; so kann daraus doch so wenig gegen die Wirksamkeit des Mittels, als gegen die Gewißheit der Kur selbst etwas gefolgert werden, sondern die Nothwendigkeit des fortzusetzenden Gebrauchs liegt einzig und allein in der Fortdauer der Ursach, aus welcher die Krankheit entsteht. Das Malz wird, bekanntermaßen, aus Gerste bereitet, welche, mehr als alle andere esbare Grasarten, einen Zucker-ähnlichen Extract in Menge enthält. Das Malzen geschieht, indem man die Gerste einweicht, und sodann in gelinder Wärme gähren läßt, wodurch das Wachsthum des Halms und der ersten Wurzelfäserchen befördert, zugleich aber die süssen Theilchen, welche bis dahin in der klebrigten Substanz gleichsam ruhig eingewickelt gelegen hatten, entbunden werden Sage Analyse des bles. Paris 8vo. 1776. . Die süsse Zuckerähnliche Materie bringt am leichtesten eine Gährung zuwege. Das Malz, welches in dem Augenblicke, wo dieser vortreffliche süsse Saft sich durch die innere Gährung ablöset, gedörrt wird, behält ihn noch in sich; er wird aber durch den Ausguß des kochenden Wassers ausgezogen, und kann nunmehro die Fäulniß erregenden Theile des Böckelfleisches dadurch verbessern, daß er eine Menge fester Luft, als die einzige Substanz welche den Wirkungen der Fäulniß mit Macht wiedersteht, in den Körper bringt. Ich komme nunmehr auf das Wasser zurück. Ein beträchtlicher Theil des üblen Geruchs, den dieses unentbehrliche Element in den Tonnen erhält, geht schon durch die blosse Ventilation Man gießt es nämlich durch verschiedene übereinander liegende durchbohrte Bleche, da denn, während der Operation, die kleinen Tropfen, durch das Durchstreichen der Luft gereiniget werden. weg; allein es bleibt dem, ohngeachtet noch fauligt, übelschmeckend und höchst ungesund. Wiederholte Erfahrungen haben mich belehrt, daß das faule Wasser eine Schwefelleber enthält; da nun diese übelriechende Materie durch nichts so gut, als durch ungelöschten Kalk niedergeschlagen werden kann, so würde ich rathen in das faule Wasser so viel ungelöschten Kalk zu thun, als zu Dämpfung sowohl des üblen Geschmacks als des Geruchs erforderlich ist. Die Quantität läßt sich nicht bestimmen, indem das trübe Wasser bald mehr bald minder in Fäulniß gegangen seyn kann; genug, daß ungelöschter Kalk das Wasser augenblicklich trinkbar macht, sobald man es vom Niederschlage klar abgegossen hat Seitdem ich dieses schrieb, habe ich gehört, daß man sich auf französischen Schiffen des Kalkwassers mit dem besten Erfolge bedient hat, um das Wasser in den Tonnen trinkbar zu machen, da im Gegentheil das Wasser, ohne die Beymischung des Kalkwassers unerträglich roch und schmeckte. . Kalkwasser, in das faule Seewasser welches sich im untersten Schiffsraum zu sammeln pflegt, gegossen, schlägt die faulen Theilchen sogleich nieder, und nimmt die unerträglich stinkenden Ausdünstungen des letztern sogleich weg. Auch würde ich hierbey noch anrathen, vermittelst angezündeter Feuer, die Luft im untersten Schiffsraum zu verdünnen und zu reinigen. Zu den Vorbauungsmitteln, welche wir am Bord hatten, gehörte auch ein Rob von Zitronen und Apfelsinen, oder Orangen; er schien aber gegen den Scharbock gänzlich unwirksam zu seyn. Unser Wundarzt hatte ihn, ohne Zusatz und ohne andere Mittel neben her zu gebrauchen, an etlichen scorbutischen Patienten versucht, aber befunden, daß er der Krankheit nicht einmal Einhalt that, geschweige denn sie heilte. Ausserdem hatten wir noch einen Vorrath von gelben Rüben- oder Möhren-Saft an Bord, der bis zur Dicke eines Syrups eingekocht, und, von dem nunmehr verstorbenen Hrn. Muzel Stosch in Berlin, der Gesellschaft der Künste Handlung und Manufakturen in London, empfolen worden war. Diese Gesellschaft hatte die Admiralität ersucht, dies neue Mittel probiren zu lassen; und zu dem Ende ward es den Schiffswundärzten mitgegeben. Es fand sich aber, daß es mit dem Zitronen-Rob ohngefähr gleiche Wirkung hatte, nur mit dem Unterschiede, daß der Möhrensaft offenen Leib verursachte. Vielleicht hat, bey der Zubereitung, das Feuer diesen Säften ihre antiscorbutischen Eigenschaften geraubt. Ich vermuthe daher, daß der blos ausgedruckte Zitronensaft, für sich, ein besseres antiseptisches Mittel als der Rob und der Möhrensaft ist. Befürchtet man aber, daß dieser Saft sich nicht lange halten dürfte, so muß man es auf folgende Art damit machen. Ich erhielt mit Capitain Cook am Cap ohngefähr sechzig Maas Zitronensaft; unter diese Quantität gossen wir ein Fünftheil oder Sechstheil Brantwein oder Rum, und dadurch hielt sich der Saft 32 Monathe lang so gut und unverdorben, als er zuerst gewesen. Versetzt man diese Säure mit Zucker, so wird sie gewiß, in Verbindung mit andern Mitteln, bey scorbutischen Patienten sehr gute Dienste leisten. Ich schmeichle mir, daß, in diesen wenigen Winken und Beobachtungen, hinlängliche Mittel an die Hand gegeben worden, durch deren Anwendung die schädlichen Würkungen des Schaarbocks auf das beste verhindert, die Kost und das Wasser versüßt, und die ungesunde, eingeschloßne Luft unter dem Verdecke von allen schädlichen Ausdünstungen gereinigt werden können. Diese Absicht wird um desto sicherer und vollständiger erreicht werden, je genauer man, in Rücksicht auf den Matrosen selbst, Cooks Methode befolgt, d.i. die Leute reinlich erhält, die Betten oft an die Luft bringen, die Kleider wechseln, das Schiff durch Rauch und Feuer von allen ungesunden Dünsten reinigen läßt und endlich, statt der gewöhnlichen zwey Wachen, die Mannschaft in drey Wachen vertheilt. Diesen Einrichtungen, nebst den vorher erwähnten Verwahrungsmitteln hatten wir es zu danken, daß unsere Mannschaft die ganze Reise hindurch, größtentheils gesund blieb, ohnerachtet wir oft die schleunigste Veränderung der Witterung und des Himmelsstrichs ausstehen mußten. Denn oft kamen wir, in Zeit von wenigen Wochen, aus dem kalten Klima, wo viele hundert Eismassen uns umringten und wo Schnee und Schloffen auf uns herabregneten, in die größte Hitze, oder, von 27° des Fahrenheitischen Thermometers in 80. bis 90. Grad. In den kalten Gegenden um den Südpol, (wo das Wetter oft stürmisch, und Nebel und Schneegestöber mit durchdringenden Regen häufig waren,) bestanden die an Bord gangbaren Krankheiten hauptsächlich in Verkältungen, rheumatischen Zufällen, geschwollenen Hälsen und angelaufenen Drüsen. Das letztere kam, meines Erachtens, größtentheils vom Eiswasser her. Denn wir pflegten das Eis, in kleine Stücken zerschlagen, in dreyßig bis vierzig Fässer zu packen, diese dann mit etwas zerlassenem Eiswasser aufzufüllen, und, zum gänzlichen Zergehen, in den Schiffsraum zu legen, wodurch die Luft-Temperatur sich daselbst so schleunig änderte, daß das Thermometer von 50.° bis 35. Grad, Fahrenheitischer Abtheilung, fiel. Durch den Frost geht bekanntermassen die feste Luft aus dem Wasser verloren, welche demselben durch das Schmelzen über dem Feuer nicht wieder ertheilt werden kann; der Mangel dieses Bestandtheils aber scheint, auf die Drüsen im menschlichen Körper, von nachtheiliger Würkung zu seyn. Nächst den Verkältungen klagte man noch über Fieber; indessen war unsere Mannschaft damit bey weitem nicht so geplagt, als man auf einer so langwierigen Reise von den schleunigen Veränderungen des Himmelsstrichs hätte besorgen können. Im Februar, März und April 1774, auf der Rückkehr von den südlichen Eisgegenden in das gemäßigte und warme Klima, bekam der Capitain nebst meinem Sohne, meinem Bedienten, und zwey oder drey andern Personen, eine Gallenartige Colik, welche, wenn sie den höchsten Grad erreicht hatte, mit heftigen Schmerzen verbunden war. Der Capitain ward durch anfängliche Geringschätzung und Vernachläßigung dieses Uebels sehr entkräftet, und bekam vier und zwanzig Stunden lang ein beständiges Schluchzen. Unser geschickter und unermüdeter Arzt, Herr Patton, war jedoch so glücklich die Patienten wieder herzustellen. Der Mangel an frischen, nahrhaften Speisen verzögerte ihre völlige Genesung so lange wir die See halten mußten; sobald wir aber in Taheiti angelangt waren, mußten sie die gewöhnlichen Landfrüchte, als Brodfrucht, Pisang, Kokosnüsse vermeiden, welche ihnen neue Schmerzen verursachten; dagegen fanden sie an dem sogenannten taheitischen oder Myrobalanenapfel ( Spondias ) ein unerwartetes Heilmittel, welches ihnen, nach Verlauf von wenigen Tagen, wieder zur Gesundheit verhalf. Der See-Scharbock, wie ich schon erwähnt habe, wüthete nicht so sehr auf unsern Schiffen als bey langen Reisen sonst zu geschehen pflegt. Die Luftseuche war zuweilen unter der Mannschaft ziemlich allgemein und wohl dreyßig bis vierzig Personen zu gleicher Zeit damit behaftet. Allein unser Arzt ließ sie nie überhand nehmen. Doch, gefährlicher als alle bisher erwähnte Krankheiten drohete uns ein ganz unerwarteter Zufall zu werden. Am 23sten Julius 1774 fingen unsre Leute, im Haven Sandwich an der Insel Mallikolo, des Nachts, zwey oder drey röthliche Fische, schnitten sie sogleich auf, nahmen sie aus, und hiengen sie unter dem Verdecke hin. Als ich am Morgen aufstand, bedauerte ich, daß die Fische bereits so verstümmelt waren, weil man sie in diesem Zustande weder beschreiben noch zeichnen konnte. Diese Fische wurden hernach auf der Officierstafel, verspeiset und verursachten die heftigsten Zufälle. In Neukaledonien fing ein Matrose, des Nachts, einen Fisch von der nämlichen Art, den er, auf Gefahr davon vergiftet zu werden, doch lieber genießen als ungenutzt wegwerfen wollte; so selten waren damals frische Lebensmittel und so begierig nach denselben die mehresten von uns! Indessen ging der Matrose mit mehr Behutsamkeit zu Werke als seine Vorgänger. Er bestreute den Fisch sehr stark mit Salz, ließ ihn drey oder vier Tage hängen, und verzehrte ihn hierauf mit seinen Cameraden ohne alle Folgen. Der Fisch, den ich nicht eher zu sehen bekam, als da er ausgenommen, geschuppt, und eingesaltzen war, hatte, so viel sich dann noch erkennen ließ, viel Ähnlichkeit mit dem Sparus Pagrus, Linn . und war, auch um deswillen, vermuthlich von dieser Gattung, weil Quiros anmerkt, daß seine ganze Mannschaft in dieser Gegend, von dem Genuß eines Fisches vergiftet ward, den er Pargos nennt Dalrymple´s Collect. of Voyages I. p.140. . In eben der Nacht, da man diese röthlichen Fische im Haven zu Mallikollo gefangen hatte, wurden auch verschiedene Lippfische, ( Labri ) der große Schildfisch ( Echeneis Naucrates ) und ein neun Schuh langer Hay daselbst gefangen, und am folgenden Tage jedoch ohne alle üble Folgen gespeißt. In Neukaledonien tödtete ein Einwohner, vermittelst eines Wurfspießes, auf dem Rief, an der Mündung eines Baches einen Fisch vom Linnäischen Geschlecht Tedrodon. Der Schiffsschreiber kaufte denselben für des Capitains Tafel, und nachdem wir ihn beschrieben und gezeichnet hatten, sollte er am folgenden Tage gespeißt werden. Mein Sohn sowohl als ich äußerten Zweifel gegen die Eßbarkeit des Fisches, da er in ein so verdächtiges Geschlecht gehörte; allein der Capitain glaubte, auf seiner vorigen Reise, an der Küste von Neuholland einen Fisch derselben Art gespeißt zu haben, und an diesem Argumente lies unser gedemüthigter Magen sich genügen. Wir sassen noch beym Abendbrod, da uns der Bediente die Leber des Fisches, welche der Koch eben ausgenommen hatte, vorzeigte. Ihr äusserliches gutes Ansehen verleitete uns, sie sogleich braten zu lassen, und ich aß davon ein Stück von der Größe eines Conventionsthalers: Capitain Cook und mein Sohn kosteten blos davon, und nahmen also jeder kaum halb so viel zu sich. Der Geschmack war nicht übel, und wir versprachen uns von dem Fische selbst eine gute Mahlzeit auf den folgenden Mittag. Allein gegen drey Uhr des Morgens erwachte ich mit einer Beklommenheit, die einer Ueberladung des Magens ähnlich war. Ich richtete mich im Bette auf, und bemerkte, daß mir der Kopf eingenommen war. Ich wollte einen Stuhl der vor meinem Bette stand, aus dem Wege räumen, und es kam mir vor, als wäre er ganz leicht wie eine Feder; ja ich fand gleich darauf, daß ich überhaupt leichte Sachen von schwerern am Gewicht nicht mehr unterscheiden konnte. Ich versuchte es zu gehen, allein ich taumelte von einer Seite der Kajüte zur andern. Im Magen fühlte ich eine Schwere und ein Brennen, welches den ganzen Schlund hinauf reichte, gerade als wäre die Stelle geschunden. Hände und Füsse waren wie betäubt. Nach bald darauf erfolgter Leibes-Oefnung, versuchte ich den Magen durch Erbrechen noch mehr zu erleichtern; da brannte es mir aber, wie Feuer, vom Magen bis zum Munde hinauf. Ich weckte Hrn. D. Sparrmann und besprach mich mit ihm über diesen Zufall. Der Capitain, dessen Zimmer von dem unsrigen nur durch eine hölzerne Wand abgesondert war, hörte uns sprechen, versuchte aufzustehen, und verspürte an sich die nämlichen Symptome; hierauf weckte ich meinen Sohn, der sich um nichts besser befand. Der Capitain ließ den Arzt holen; wir mußten viel laues Wasser trinken, um den Magen von den Ueberbleibseln dieser gefährlichen Speise zu entledigen, und sodann einige Schweißtreibende Mittel und Salze nehmen, wodurch wir in wenigen Tagen wieder hergestellt wurden. Der Schwindel, und die Betäubung an Händen und Füssen, ein beständiges kaltes Schaudern, und einige Schmerzen, blieben indessen noch bis auf den zehenten Tag zurück. Ein Hund, der das übrige von der gebratenen Leber bekommen hatte, und ein Schwein, dem das Eingeweide des Fisches war vorgeworfen worden, wurden beyde krank, und das letztere starb am nächsten Tage. Verschiedene Einwohner die an Bord gekommen waren, und den Fisch hängen sahen, gaben durch Zeichen zu verstehen, wie gefährlich er zu essen sey; sie wiesen nämlich auf den Magen, und legten sodann die Hand an Backen und Ohr, und neigten den Kopf, als zum Schlafen. Ich stellte mich, als ob ich dies noch nicht verstände, sondern befahl, man sollte ihnen den Fisch geben, damit sie ihn verzehren könnten: allein sie wiesen das Geschenk, mit den deutlichsten Zeichen des Abscheues, von sich. Die vorgedachten, in Mallikolo gefangenen, Fische, welche daselbst von den Officiers verzehrt wurden, verursachten am Abend heftiges Erbrechen, Leibschmerzen und Durchfall, mit derselben Beklommenheit die ich anfänglich auch gefühlt hatte. Darauf folgten die heftigsten Kopfschmerzen mit brennender Hitze im Gesicht, welches beydes sich auch auf Aerme und Beine erstreckte. Der Puls war nicht, wie sich von der Hitze erwarten ließ, fieberhaft und stark, sondern im Gegentheil klein und schwach. Ohngefähr fünfzehn Personen, die von diesen Fischen gegessen hatten, waren, ohne Ausnahme, mehr oder weniger davon vergiftet, hatten einerley Zufälle und einerley Betäubung in den Gliedern. Die Schmerzen im Magen und in allen Gliedern, nebst Hitze und einer Schwere im Kopfe, hielten einige Tage lang so heftig an, daß die Kranken kaum gehen oder stehen konnten. Im Schlunde hatten sie eine schmerzhafte Empfindung, als ob die Haut losgegangen und das Fleisch roh wäre. Bey einigen waren die Speicheldrüsen angelaufen, und der Speichel floß unwillkührlich, in grosser Menge, zum Munde hinaus. Andere klagten über eine sehr schmerzhafte erectionem penis, und noch anderen wurden die Zähne los. Die Genesung gieng sehr langsam von statten, und bey kühler Witterung stellten sich die Schmerzen und die Betäubung in den Gliedern von neuem ein. Vorzüglich lange aber dauerte es, ehe des Abends die Unruhe, die Schmerzen und die Beklommenheit weichen wollten. Nach Verlauf von vierzehn Tagen, da sie bereits alle diese Zufälle überstanden hatten, klagten sie noch über öfteres Frösteln oder Schaudern. Sie mußten die nämlichen Mittel gebrauchen die der Arzt hernach auch uns verschrieb. Ein zahmer kleiner Papagey aus Taheiti, der nur einen Bissen von dem Fische bekommen hatte, starb unter heftigen Zuckungen. Alle die Hunde, die von den Gräten, den Eingeweiden etc. gefressen hatten, wurden heftig krank, und blieben lange in diesem traurigen Zustande. Einer hatte sich in ein Boot verkrochen, worinn sich etwas Wasser gesammelt hatte. In dieser elenden Lage war er paralytisch geworden, und man mußte ihn über Bord werfen, um nur seinen Schmerzen und seinem Winseln ein Ende zu machen. Einem andern, der eben so krank war, hatte sein Herr einen Aufguß von Tabak, als Brechmittel, eingegeben; allein er ward ein Opfer dieser Kurart. Ein Schwein, welches ebenfalls von den Eingeweiden gefressen hatte, starb innerhalb 24 Stunden. Allen angeführten Umständen nach zu urtheilen, scheint diese Fischart, der Pargos des Quiros (oder Sparus Pagrus Linn .) nicht an und für sich giftig zu seyn, sondern nur alsdenn diese gefährliche Eigenschaft anzunehmen, wenn er selbst eine besonders giftige Nahrung zu sich genommen hat. Die übrigen Fische welche im Sandwichshaven mit dem giftigen Pargos zu gleicher Zeit gefangen, und ohne allen Nachtheil verspeiset wurden, mußten folglich eine andre Nahrung gehabt haben. Der Tetrodon sceleratus allein scheint giftig von Natur zu seyn, weil die Einwohner von Neukaledonien diese böse Eigenschaft an ihm kannten. Gleichwohl muß auch dieser Fisch das Gift von seiner Nahrung herbekommen, weil er gerade eben dieselben Zufälle als der Pargos verursachte. Ich wünschte, wir hätten die Gedärme dieser Fische untersuchen können, weil ohne Zweifel in diesen der Grund des Uebels lag. Vielleicht nähren sie sich hauptsächlich von Quallen ( Medusae ) deren einige, wenn man sie blos anrührt, auf der äußern Haut, eine eben so brennende Empfindung verursachen, als wir, nachdem Genuß des Fisches, im Schlunde verspürten. Wollte man einwenden, daß, da diese schädliche Speise den Fischen selbst nicht zu schaden scheint, diese im Grunde auch wohl nicht so giftig seyn mochten, als hier vorgegeben wird; so ließe sich dagegen erwiedern daß die Fische, bekanntlich ohne Schaden auch Mantchenillen-Aepfel ( Hippomane mancinella ) geniessen, die für Menschen geradehin tödtlich sind. Zu Verhütung ähnlicher Unglücksfälle sollte man die Einwohner, die mit den Eigenschaften ihrer Fische durchgehends bekannt zu seyn scheinen, darüber befragen, und sie sind gutherzig genug um vor der geringsten Gefahr zu warnen. Wissen aber Völcker dieser Art in manchem Stücke mehr als der Klügste unter den gesitteten Menschen; so hat man wohl nicht Ursach sie blos deshalb zu verachten, weil sie uns sonst an Cultur nachstehen! Und kann man sich jene Kenntnisse, durch friedliches, menschenfreundliches, wohlwollendes Betragen von ihnen erwerben; so ist das ein Beweggrund mehr, nicht übermüthig oder grausam, als wären sie Wesen geringerer Art, mit ihnen umzugehen! Eine andre Folge welche ich aus jenem Vorfall ziehen möchte, ist diese, daß es gutgethan seyn würde, bey jeder Gelegenheit Gelehrte und Naturforscher in entfernte Welttheile auszuschicken, um durch sie die Kräfte und Eigenschaften der Dinge ergründen zu lassen. Soll aber diese edle Absicht, das Leben der Menschen durch genaue Bestimmung gefährlicher Naturprodukte zu sichern, und vermittelst neuer und oft wichtiger Entdeckungen bequemer und glücklicher zu machen, gehörig erreicht werden; so muß es denen dazu ausgesandten Personen an keiner Art der Unterstützung fehlen, und dies ist eine Pflicht die den Großen der Erde obliegt. Quibusdam et iis quidem non admodum indoctis, totum hoc displicet, philosophari. Quidam autem id non tam reprehendunt si remissius agatur: sed tantum studium, tamque multam operam ponendam in eo non arbitrantur. CIC. de finib. Lib. I. initio