Das Jesuiterhütlein Satirisches Gedicht von Johann Fischart   Erneut und erläutert von Karl Pannier     Leipzig Druck und Verlag von Philipp Reclam jun. [ca. 1920]     Vorbemerkungen Mit dem sechzehnten Jahrhundert tritt auf allen Gebieten des deutschen Lebens ein gewaltiger Umschwung ein; die alte Welt mit ihren Anschauungen geht zu Grunde, um einer neuen, völlig anders gestalteten Platz zu machen. Auf dem Felde der deutschen Literatur können wir diese großartigen Umwälzungen in zwei Erscheinungen wahrnehmen: einmal in der Ausbildung einer ganz Deutschland beherrschenden Prosa und dann in der Entstehung hervorragender komischer und satirischer Werke, welche letztere stets zur Erscheinung gelangen, wenn mit den Traditionen einer alten Welt gebrochen wird, um aus ihren Trümmern eine neue aufzurichten. In der Mitte dieses Ringens zwischen dem Althergebrachten und dem neu Entstehenden steht als Grenz- und Markstein Johann Fischart . Jenseits finden wir die Volkspoesie in ihren letzten Ueberresten, diesseits sehen wir die Keime einer unfruchtbaren Gelehrtenpoesie. Trotzdem Fischart die hervorragendste literarische Erscheinung seiner Zeit ist und seine Schriften in unzähligen Drucken und Nachdrucken über ganz Deutschland verbreitet waren, wird seiner von den Zeitgenossen doch kaum Erwähnung gethan, und was wir von seinem Leben wissen, erfahren wir nur durch gelegentliche Aeußerungen des Dichters in seinen eigenen Schriften. Wer seine Eltern waren, wann er geboren, ist uns nicht überliefert, vielmehr können wir nur vermuthen, daß seine Geburt in das Jahr 1550 fällt, da schon 1570 sein »Nachtrab oder Nebelkräh« erschien. Mit größerer Sicherheit können wir annehmen, daß er zu Mainz geboren wurde, denn in seinen Schriften nennt er sich zuweilen Mentzer , Mögeintzer , Moguntinus , Menatzer und, mit Umkehrung von Mentzer, 4 Retznem , spricht auch einmal von »Mentzerischen Landsleuten«. Er besuchte die Schule zu Worms, an welcher sein Vetter Kaspar Scheid , bekannt als Uebersetzer des Dedekind'schen Grobians, als Lehrer thätig war. Als aber die ganze Scheid'sche Familie an der Pest starb, wird er Worms verlassen haben. Zum Studium der Rechtswissenschaft bezog er die Universität, vielleicht das benachbarte Heidelberg, und schloß die Studien in Siena ab. Gegen Ende der sechziger Jahre finden wir ihn in Frankfurt, wo er sich mit seinem spätern Schwager Jobin eng befreundete. Als Jobin etwa 1570 nach Straßburg zog und dort eine Druckerei gründete, folgte ihm Fischart dorthin nach und blieb daselbst bis 1580. Im folgenden Jahre ging er als Reichskammergerichtsadvocat nach Speier und verheirathete sich daselbst mit Anna Elisabeth Hertzog am 11. November 1582 (?), ist aber schon im folgenden Jahre als Hohenfels-Ripingischer Amtmann in Forbach und war es 1586 bestimmt noch. Sein Tod erfolgte wahrscheinlich im Winter 1589. Die Zahl der Fischart'schen Schriften ist eine überaus große und manches seiner Werke – er schrieb über fünfzig – ist noch heute nicht wieder aufgefunden; es kommt noch hinzu, daß eine sichere Uebersicht über seine Wirksamkeit als Schriftsteller sich deshalb so schwer gewinnen läßt, weil er seinen Namen auf die mannichfachste Weise versteckte und verdrehte. Es gibt etwa 40 solcher Pseudonyma, außer den oben genannten, z. B. Joh. Fried. Guicciart, Joh. Fried. Gwischhart, Hartfisch, Ifgem, d. h. Johann Fischart, genannt Mentzer, J. Noha Trauschiff von Treubuchen (Straßburg), abgekürzt J. No. Trau. u. s. w., Huldrich Elloposcleros (Uebersetzung des Vornamens ins Deutsche, des Familiennamens ins Griechische); auch versteckte er wol den Namen im Motto z. B. Im Fischen Gilts Mischen (vergl. Ifgem). Seine literarische Thätigkeit ist von drei Hauptrichtungen her beeinflußt, denn fast alles, was er schrieb, ist an eine äußere Veranlassung geknüpft; der eine Theil seiner Schriften steht im engsten Zusammenhange mit den hochgehenden religiösen Bewegungen der Zeit, der andere ist angeregt durch die politischen Interessen Straßburgs, Deutschlands und der benachbarten Staaten, der dritte endlich 5 findet seine Veranlassung in den allgemeinen sittlichen Zuständen und Eigenthümlichkeiten des Jahrhunderts. Daneben läuft noch eine Anzahl von Schriften, welche nicht in die dichterische Thätigkeit Fischarts gehören und mehr im Bedürfniß nach gelehrter Beschäftigung, wol auch auf Andrängen Jobins geschrieben sind, um dessen Druckerei zu beschäftigen. Dennoch sind sie in sofern von Bedeutung, als sie von der eminenten Begabung ihres Verfassers und seiner ausgedehnten Gelehrsamkeit Zeugniß geben. Unter den dichterischen Werken, welche der kirchlichen Bewegung ihren Ursprung verdanken, ragen am meisten hervor die polemischen Schriften, sämmtlich Satiren in Versen. Es gehören dahin: Nachtrab oder Nebelkräh (1570), sein erstes selbstständiges, Schon vorher war eine gereimte Bearbeitung des Eulenspiegels erschienen. aber auch schwächstes Werk, gerichtet gegen Jakob Rabe in Ulm, welcher vom Protestantismus zum Katholicismus übergetreten war; ferner: Von St. Dominici, des Predigermönchs, und St. Francisci, Barfüßers, artlichem Leben und großen Gräueln (1571) und Der Barfüßer Sekten und Kuttenstreit , gegen die Dominikaner, Franciskaner und besonders den Vorkämpfer des Ingolstädter Schriftenthums und Hauptvertreter des zu bekämpfenden Unheils, Johann Nas (vergl. Anm. 44 ), sich wendend; schließlich zwei Streitschriften gegen den 1540 gestifteten Jesuitenorden, welche das Geistreichste und Witzigste sind, was je gegen ihn geschrieben ist: der Bienenkorb des heiligen römischen Immenschwarms (1579), eine freie Nachahmung des holländischen Byencorf der roomescher kerke von Philipp Marnix , und das Jesuiterhütlein (1580), auf das wir unten näher einzugehen haben. – Doch daß der auf Seiten der Reformation stehende Dichter sich nicht blos mit Bekämpfung der Heuchelei befriedigte, sondern auch auf Hebung der wahren Religiosität hinzuwirken suchte, das beweisen die beiden von ihm 1573 u. 1576 herausgegebenen Gesangbücher, in welche er 30 selbstgedichtete geistliche Lieder und Psalmen aufnahm, die von 6 der Gläubigkeit und Gottesfurcht des Verfassers ein glänzendes Zeugniß ablegen. In die Gruppe der politischer Anregung entsprungenen Schriften sind zu stellen: Reveille Matin (1575), gegen die französischen Uebergriffe, und seine dem Namen nach wol bekannteste erzählende Dichtung: Das glückhafte Schiff von Zürich , welche die später noch oft behandelte Reise des Züricher Breitopfs nach Straßburg am 21. Juni 1576 lebensfrisch und anschaulich beschreibt. Die dritte Gruppe endlich zerfällt in rein didaktische und beschreibende Schriften einerseits und in satirische andererseits. Die erste Abtheilung umfaßt das philosophische Ehezuchtsbüchlein (1578), überaus sinnige und zarte Schilderungen des ehelichen Lebens, die nicht minder liebliche Anmahnung zu christlicher Kinderzucht , das Lob der Laute , und besonders die wackere Ernstliche Ermahnung der lieben Deutschen , das Vortrefflichste, was je über deutsche Ehre und Sinnesart geschrieben ist. Zu erwähnen ist auch noch das allen »Podagramsgeduldigen und Zipperleinsschuldigen« gewidmete Podagrammische Trostbüchlein (1577), das von einer erschütternden Komik ist. – Von den rein satirischen Schriften sind anzuführen: Aller Praktik Großmutter , eine witzige Verspottung trügerischer Prophezeiungen und Praktiken, (d. h. Kalender, welche Wetterregeln, Vorschriften über das Aderlassen u. s. w. enthalten), die 1572 in Prosa erschien; dann die Flöhhaz (1573), eine Klage der Flöhe gegen die Weiber und deren Verantwortung vor Jupiter, zwar etwas derb, aber voll der muthwilligsten Laune; ferner der Catalogus Catalogorum (1589) eine schneidige Satire gegen Bücherwuth und trockene Gelehrsamkeit, nach Rabelais; vor allem aber endlich sein umfangreichstes und großartigstes Werk, der Prosa-Roman Gargantua und Pantagruel (1575). Um einen Begriff von der witzigen und kühnen Behandlung der Sprache von Seiten des Dichters zu geben, sei hier der Titel dieser genialen Schöpfung nach dem Druck von 1590 vollständig mitgetheilt, welcher zugleich die charakteristische Schreibart des ganzen Buches erkennen läßt: »Affentheurlich Naupengeheurliche 7 Geschichtklitterung Von Thaten vnnd Rhaten der vor kurtzen langen vnnd je weilen Vollennwolbeschreiten Helden vnd Herren Grandgoschier Gorgellantua vnd deß Eiteldurstlichen Durchdurstlechtigen Fürsten Pantagruel von Durstwelten, Königen in Vtopien, Jederwelt Nullatenenten vnd Nienenreich, Soldan der Neuen Kannarien Fäumlappen Dipsoder, Dürstling vnd Oudissen Inseln: auch Großfürsten im Finsterstall vnd Nu bel Nibel Nebelland, Erbvögt auff Nichilburg, vnd Niderherren zu Nullibingen, Nullenstein vnd Niergendheym. Etwan von M. Frantz Rabelais Französisch entworffen: Nun aber vberschrecklich lustig in einen Teutschen Model vergossen, vnd vngefärlich oben hin, wie man den Grindigen laußt, in vnser Mutter Lallen vber oder drunder gesetzt. Auch zu disen Truck wider auff den Ampoß gebracht, vnd dermassen mit Pantadurstigen Mythologien oder Geheimnus deutungen verposselt, verschmidt vnd verdängelt daß nichts ohn das Eisen Nisi dran mangelt. Durch Huldrich Elloposcleron« – Das Wert ist, wie man gewöhnlich sagt, nach dem gleichnamigen Romane des Franzosen Rabelais gearbeitet, aber dies ist ungefähr eben so richtig, als wenn man sagen würde, Goethes Faust sei nach dem Spieß'schen Faustbuch und nach dem Puppenspiel gedichtet. Denn was Fischart geschaffen, hat fast nur in dem von Rabelais der altfranzösischen Sage entlehnten Fresser Gargantua und seinem Sohne Pantagruel, einem Riesentrinker, einige Aehnlichkeit. Im übrigen wird man, wenn man Fischarts Werk gelesen hat, um mit Vilmar zu reden, Rabelais neben Fischart kaum für einen Satiriker gelten lassen wollen. Alles Unnatürliche und Verkehrte, alles Widersinnige und Abenteuerliche, die »sternamhimmligen \& sandammeerigen Mißbräuche« werden mit scharfer Satire zergliedert und zerfetzt und mit beißendstem Spotte verhöhnt. Dabei ist das ganze Werk mit einer Frische und Natürlichkeit geschrieben, daß man es immer wieder zur Hand nehmen muß. Nachdem wir so eine wegen Raummangels vielleicht allzu knappe Uebersicht über die bedeutendsten Schriften Fischarts gegeben haben, wollen wir noch eine kurze Würdigung seiner Persönlichkeit und seines dichterischen 8 Schaffens folgen lassen. Fischart ist der Angelpunkt zweier Literaturepochen, er vereinigt in sich die Vorzüge der Volks- und der Gelehrtenpoesie, ohne ihre Fehler zu theilen. Die Beweglichkeit seines Geistes, die Schärfe seines Verstandes befähigten ihn, sich mit Leichtigkeit auf allen Gebieten des menschlichen Wissens zu bewegen. Er hatte Jurisprudenz studirt, kannte die alten Sprachen, sowie mehrere neuere und ihre Literatur, war aber auch auf dem Gebiete der Geschichte und Politik eben so bewandert, wie auf dem der Theologie und hat sogar Kunststudien getrieben. Aber nicht nur seine Gelehrsamkeit und seine großartige dichterische Begabung weisen ihm eine Stellung unter den ersten Männern seiner Zeit an, sondern auch die Tüchtigkeit seines Charakters. Ein ächtes »deutsches Adlersgemüth«, begeistert für alles Hohe und Schöne, für Freiheit und Recht, für deutschen Sinn und deutsche Sitte, aber nicht blind für die Fehler seines Volkes, gegen die er seine mahnende Stimme ertönen läßt, durchdrungen von hohem sittlichen Ernste. Zwar braucht er im Kampfe die schneidigsten Waffen, aber nie bedient er sich unehrenhafter, wenn er auch oft Feinden gegenüber steht, die nicht so wählerisch mit ihren Kampfesmitteln sind. Alle Dichtungen Fischarts sind die Produkte einer glänzenden dichterischen Begabung, er hat sich in allen bedeutenden Dichtungsarten, mit Ausnahme des Dramas, versucht und Vortreffliches geleistet, am höchsten aber stehen seine Satiren, die ihn zum größten Satiriker der Welt machen. Wir glauben den Dichter, der soeben ein voll tönendes Kirchenlied angestimmt, uns das eheliche Leben mit den zartesten Farben gemalt oder mit bewundernswürdiger Lebendigkeit die Reise des Glückhaften Schiffes geschildert hat, gar nicht wieder zu erkennen, wenn er zornerfüllt mit unwiderstehlicher satirischer Kraft die Lüge und Heuchelei niederschmettert. Mit erstaunlichem Scharfblick entdeckt er die Fehler und Thorheiten der Zeit, und gleich schwingt er die Geißel seines Witzes, bald mit leichtem Schlag berührend, bald schonungslos Schlag auf Schlag herniedersendend. Bald zupft er uns neckisch am Kleide und lacht uns gutmüthig spottend an, bald wirft er den 9 Feind zu Boden und grinst ihm höhnisch ins Gesicht. Hier genügt ihm ein schnellerdachtes Wort, ein kurzer Satz, dort spinnt sich seine Rede in immer wachsender Steigerung fort, dem Gegner eine Waffe nach der andern raubend, bis er wehrlos zu Boden sinkt. Jetzt ist seine Sprache neckisch und leicht tändelnd, im nächsten Moment tönt sie uns ernst und erhaben entgegen. Eben war er noch zügellos ausgelassen, derb und ungezwungen, und gleich darauf ist er die Ernsthaftigkeit und Ehrbarkeit selbst. Aber er mag noch so derb, noch so muthwillig erscheinen, stets steht im Hintergrunde die reinste Sittlichkeit und der heiligste Ernst. Er ist Satiriker nicht aus Spottlust, nicht aus hämischer Tadelsucht, er will nur lachend die Wahrheit sagen und der Welt den Spiegel vorhalten, um sie zu bessern und auf den rechten Weg zu führen. – Dabei hat Fischart eine Gewalt über die Sprache, die uns mit Bewunderung erfüllen muß. Wie ein Diktator meistert er sie, nie ist er um einen Ausdruck verlegen; scheint ihm ein Wort nicht passend, gleich bildet er sich ein neues, welches so bezeichnend, so dem Geiste der deutschen Sprache gemäß ist, daß wir staunend dastehn vor dem gewaltigen Sprachtalent dieses Mannes. Auf diese Weise hat er den deutschen Sprachschatz um eine große Menge von Worten bereichert, die noch heute in aller Munde sind. Mit noch größerem Geschick behandelt er vielfach Worte aus fremden Sprachen, indem er sie durch gleichklingende deutsche charakteristisch er- und übersetzt, resp. verdreht; aus Podagra macht er z. B. Pfotengram, aus Jesuiter Jesuwider. Jedoch darf nicht verschwiegen werden, daß er dabei zuweilen über die Grenzen der Kunst hinausging und der Verständlichkeit seiner Werke dadurch starken Abbruch that. Zwar steht Fischart mitten im Volke und hat sein Wesen und seine Sitten auf das Genaueste studirt, so daß seine Schriften eine ganz unentbehrliche Quelle für die Cultur des 16. Jahrhunderts sind, aber seine Riesennatur ward bei den kleinlichen Anschauungen seiner Zeit kaum, im folgenden Jahrhundert aber gar nicht verstanden, so daß alle seine Werke bis auf den Bienenkorb in Vergessenheit geriethen und selbst der Name dieses größten 10 Satiriker unbekannt wurde. Erst Bodmer und Lessing haben ihn wieder ans Licht gezogen. Zum Schlusse noch einige Worte über das hier in möglichst wortgetreuer Bearbeitung einem größeren Publikum zum ersten Male gebotene Jesuiterhütlein . Dieses Meisterwerk der Satire, welches 1580 erschien, ist nach einem französischen Gedicht, betitelt: La legende et description du Bonnet Carré, avec les propietez, composition et vertus d'icelluy , gearbeitet. Das Gedicht ist abgedruckt im zweiten Bande von Fischarts sämmtlichen Dichtungen, herausgegeben von H. Kurz, Leipzig, 1866 u. 1867, wo sich auch der von mir benutzte Text des Jesuiterbüchleins findet. Aber wenn man das Vorbild mit dem Fischart'schen Werke vergleicht, so wird man finden, daß eigentlich nur der Grundgedanke aus der Legende entlehnt ist. Schon aus dem Zahlenverhältniß der Verse läßt sich erkennen, daß das Jesuiterhütlein mit seiner reichen epischen Entwicklung gegenüber der wortreichen, aber inhaltlosen Legende mehr als eine bloße Nachbildung ist, denn die Legende umfaßt, abgesehn von den Zusätzen, nur 212 Verse, während unser Gedicht deren 1142 hat, also fünfmal so umfangreich ist. Man wird also nicht fehlgreifen, wenn man diese meisterhafte Satire als ein ureignes Werk Fischarts bezeichnet. Da sich in dem auf der folgenden Seite genau nachgebildeten Titel des Drucks von 1591 noch verschiedene dem Leser vielleicht unklare Worte und Beziehungen finden, sollen sie an dieser Stelle erläutert werden: 3. Z., abgeführt = listig verschlagen; 5. und 6. Z., quadricornische Suiterhauben und Cornutschlappen = vierhörnige Jesuitenhaube und Hornmütze; 9. Z., Vierdächtig , gebildet aus verdächtig mit Anspielung auf die vier eckige Gestalt der Kopf bedeckung ; 12. Z., Meyster Hansen , d. h. Johannes Nas; 13. Z., Würffelhütlein : von der viereckigen Gestalt der Jesuitenmütze; 13. Z., benasen = beriechen, mit Anspielung auf Nas. Berlin , im Januar 1879. Karl Pannier.         Die wunderlichst Legend Vom Vrsprung des Abgeführten , Gevierten, Quartirten, Vierhornigen vnd Viereckechten Hütleins. Oder der Heiligen Quadricornischen Cornutschlappen vnd Suiterhauben. Sampt eingemischter Außlegung der drei Gehörnten vnd Vermummten Geystlichen Butzenkleydungen des Versuches in der Wüsten. Auch eygentlicher Anzeygung des waren Spanischen Vrsprungs der Jesuwider, vnd jrer vierhornigen Pflicht, Ge- heymer Ordensgelübd, Leben, Griff , Dück, Glenck vnd Renk. Alles zu Vierfach Ablaßwürdiger Ergetzlichkeyt, den Lieben Vierdächtigen Ignazischen Quadricornirten, vnd Lugvollischen Widerhörnigen Cornuten, oder Herrn der Gesellschaft Jesu, geschriben. Durch Jesuwaltum, Pickhart von Mentz , den Knecht der Bruderschafft Christi, des Waren Ecksteyns.                       Hört zu an allen vier Ecken der Erden, Ihr Welten vier, hört ohn' Beschwerden, Woher an allen Enden und Ecken Sich alle Uebel hier erstrecken.     Bald nach der Himmelfahrt des Herrn Thät es sehr kümmern Lucifern, Daß seine finstre Höllenmacht Zerstört durch Christi helle Macht, Und seine tückische List und Pracht Ihm aufgedeckt und klar gemacht, Und baß als Herkulis Gedicht Den Cerberus gebracht ans Licht, D. h. und besser den Cerberus ans Licht gebracht (d. h. die Hölle geöffnet) als Herkules, der der Sage nach den Höllenhund an die Oberwelt brachte. 14 Also daß jetzt die Welt anfing, Theils ihn zu achten ganz gering, Theils gleich vor seinem Blick zu fliehn Und gänzlich zu verachten ihn. Darum, damit er solche Pein, Bevor sie größer, schränke ein, Hat er darauf gleich in dem Jahr, Da St. Johann macht' offenbar , Was mit den drei Thieren sein der Drache Und ihren Hörnern einsten mache, Aus rechtem Grimme aufgestellt Am Kreuzweg sich der ganzen Welt Und nahm zu Handen ein Cornet , Das vier Ausgäng' und Rachen hätt'; Und durch dies grause Schreckenshorn Blies er mit solchem Ernst und Zorn, Daß alle Teufel, seine Gesellen, Herstoben, gleich als brennt' die Höllen, Wie wenn der Kyklops rufen thät', Da man des Augs beraubt ihn hätt', Oder als käm' Christus herwieder, Riss' noch einmal die Hölle nieder. Als er nun sah sein ehrbar Gesind', Das zu Ehrlosem nur geschwind, Da stehn und warten, was er sage, Da fing er an mit solcher Klage:     »O Mückenfürst Beelzebub , Beelzebub, eigentlich Baal Sebub, d. h. Fliegenbaal, war eine Gottheit der Ekroniker (2. Könige, 1, 2 u. 3); im Evang. Matthäi wird er als der oberste der Teufel genannt. O Abdon aus der Heuschreckgrub', Abdon, verstümmelt aus Abbadon, d. h. Ort des Untergangs, Abgrund, Todtenreich, bedeutete später Engel des Verderbens, in welchem Sinne es Klopstock in seinem Abadonna gebraucht. Vergl. Offenbarung, Kap. 9, V. 11. »Und hatten über sich einen König, einen Engel aus dem Abgrund, deß Name heißt auf Ebräisch Abaddon, und auf Griechisch hat er den Namen Apollyon.« 15 O Meerfürst du, Leviathon , Leviathon heißt ursprünglich jedes große Seethier, dann besonders eine große Wasserschlange, später erhielt es die Bedeutung eines Teufels. Und du Verderber Appollyon , Entstellt aus Appollon, der ja in der Griechischen Mythologie auch Pestbringer ist. O stiergehörnter Behemot , Behemoth eigentlich = Thiere; dann mit Singularbedeutung wahrscheinlich das Nilpferd, später gleichfalls als böser Engel gedacht. O Legion Der Name eines Teufels Legion ist mißverständlich aus Evang. Markus 5, 9 entstanden: »Und er fragte ihn: ›Wie heißest du?‹ Und er antwortete und sprach: ›Legion heiße ich; denn unserer ist viel.‹« und Astaroth , Astaroth, eigentlich Astoreth, griechisch Astarte, eine phönizische Göttin, deren Cultus auch bei den Israeliten aufkam. , Auch du, unbänd'ger Belial , Belial, ursprünglich = Verderber, Verwüster, dann der Name eines Teufels. Der Welt, des Feldes Teufel all, Ihr wißt, wie unser Reich und Macht Vor Zeiten war so hoch geacht't In aller Welt, bei allen Heiden, Die uns gedient ohn' Unterscheiden, Wir machten's ernsthaft oder schimpflich, Wir fingen's an grob oder glimpflich, So war's bei ihnen angesehen, Mußt' all's in Gottes Namen geschehen. Wenn wir uns schon erzeigten gräulich Mit Klauen, Hörnern gar abscheulich, So thäten sie's doch heilig halten, Nur weil es ungewohnte Gestalten. Denn sie hatten sich eingebild't, Das Heil'ge müss' auch aussehn wild, 16 Was stark sei, müss' auch haben Hörner Was Klauen hab', das wehr' sich gerner. So war bei uns alles ansehlich, Das Scheußlichste an uns nicht schmählich: Vermummung brauchten wir zu nichts, Erschienen nicht wie Engel des Lichts; Wenn wir auch wie Geißmännlein kamen, Für Gott und Pan sie uns aufnahmen: Wir machten's gecklich oder schrecklich, Sie folgten uns doch allzeit kecklich. Da saßen steif wir in dem Neste Und hatten ruhig die Paläste; Jedoch seitdem daß kommen ist Ein stärk'rer, der sich nennet Christ, Der – gleich wie Herkules das Horn Dem Achello Herkules kämpfte mit dem Flußgott Achelous um Dejanira und riß ihm, als er sich in einen Stier verwandelt hatte, ein Horn aus, vergl. Ovids Metamorphosen 9, 1–88. ausriß im Zorn, Zum Spott es braucht' als Blumenscherben Blumenscherben = Blumentopf. – Ovid sagt (9, 87–88) von dem Horne: Dieses weihten Najaden, mit Obst und duftigen Blumen Angefüllt, und es prangt mit meinem Horne der Segen, was Fischart nicht recht verstanden zu haben scheint. – Also durch Schwachheit sein und Sterben Auch unser Horn und Stärk' zerbrach, Daß man's nun hält für Spott und Schmach. Durch Demuth, ohne Horn und Krallen, Entriß den Panzer er uns allen Und hat die Hörner uns zerrissen, Darauf wir uns sonst stets verließen; Hat unsre Bosheit nun der Welt, Entblößt vom Harnisch, vorgestellt, 17 Daß man uns in die Brust nun sieht, Wie all's zum Bösen nur geschieht, Und daß aus diesem Grund wir seien, Als Feind des Menschengeschlechts zu scheuen; Ja, hat entdeckt, daß unser Horn Nicht mehr vermag als Gottes Zorn, Daß wir mit ihm so viel nur schaden, Als thöricht uns die Leut' gestatten. Seither beginnt nun jedermann, Dem Nazarener zu hängen an, Und unsre Macht wird ganz zu nichte, Wir werden verscheucht bei diesem Lichte. Nicht Hörner woll'n sie sehen mehr, Mit denen wir genarrt sie sehr; Sie wollen von den Klaun nichts wissen, Darmit wir sie sonst zu uns rissen. Was sollen wir nun dabei thun? Sagt, wollen wir aufgeben nun Dies Reich, das uns von Ewigkeit Und den Gottlosen all bereit? Und wollen wir die böse Art Nun lassen, die zu theil uns ward? Fürwahr, beim Fegefeuer nit. Laßt bleiben uns bei der alten Sitt', Laßt um so mehr nur Bosheit blicken, Je mehr man uns will unterdrücken. Es müßt' die Welt eh' untergehn, Eh' wir von unsrer Art abstehn. Derhalben hört mir zu mit Fleiße, Auf welche ganz verzweifelte Weise Seither in meinem langen Leid Ich dachte, mich zu rächen heut': Ich hab' erfunden eine List, Die aller Listen Ausbund ist. Dieweil ich merk', wie obgedacht, 18 Daß unsre Hörner man veracht't Und, sieht man sie, vor ihnen flieht, Und ihnen nicht die Ehr' geschieht, Die ihnen zu Kalkutt' widerfährt, Wo unsre scheußlichste Form man ehrt, Die indischen Götzenbilder haben die ungeheuerlichsten und abenteuerlichsten Gestalten. So will die Hörner ich behalten, Jedoch auf heil'ge Art gestalten Und sie so schön anmuthiglich Verstellen, daß man wundert sich, Und unsre Hörner doch verstecken Fein drunter, die sie sonst erschrecken. Denn ohne Hörner, müßt ihr sehn, Kann unser Reich nicht aufrecht stehn. Stets baun wir, das ist unser Brauch, Eine Zell' bei Gottes Kirche auch . Agricola hat ein Sprichwort: »Wo unser Herrgott eine Kirche hinbauet, da bauet der Teufel auch ein Wirthshaus daneben.« Drum, weil's Lamm Gottes Hörner führet, Es uns als Drachen auch gebühret; Und weil Gott heißt des Heils ein Horn, Wollen wir Hörner sein voll Zorn; Doch also, daß der Zorn fein schein' Der allerheiligste Eifer zu sein.     »Und erstlich wollen wir zuhand Aus aller Farb', Tuch und Gewand, Aus Weiß, Schwarz, Blau, Gelb, Roth und Grau Ein einzig Spitzhorn machen schlau. Das soll zusammengenähet sein Aus Faulheit und einfält'gem Schein, Mit der Nadel der Heuchelei Und dem Faden der Täuscherei, 19 Und heiße eine Kuttenkapp', Wie ich hier schon geschnitten hab'. Ihr wisset ja, daß in der Wüsten, Als Christum ich wollt' überlisten, Ich in der ersten Versuchung hab' Gebrauchet die Einsiedlerkapp'. Als ich ihm in der Hungersnoth Sprach: › Mach' aus diesen Steinen Brod! ‹ Deshalb könnt ihr sie machen bald, Weil ihr seht vor euch die Gestalt.«     Die jungen Teufel flugs darüber – Ihr Lebtag thaten sie nichts lieber – Ueberstachen die Kutt' behend, Daß sie im Hurrah war vollend't; Zogen sie an dem Abdon dann, Zu sehn, wie sie ihm stünde an. Sie stand ihm wohl, er kehrt' sich um, Ließ einen F . . z und macht' sie frumm. Hiemit war sie geweihet ein, Daß sie eine Bubendeck' sollt' sein. Alsbald befahl der Satan drauf, Daß flugs ein ganzer Teufelshauf Gleich wie Heuschrecken dahin flögen, Und dieses Horn, voll von Unsegen, Durch alle Welt hin thäten führen, In alle Winkel einfuhriren . Da steckt es noch, wo man's nicht flieht In Herzen sehnlich oder auszieht.     Da nun dies Kapphorn fertig was, Sprach Lucifer drauf weiter das: 20 »Nun haben wir das eine Horn, Drin wir verkaufen unsern Zorn, Das uns wird nützen ohne Gleichen Und viel gewinnen unsern Reichen. Weil uns das Handwerk denn mit Glück Von statten geht in diesem Stück, So müssen wir noch andres rüsten. Nun wißt ihr, daß wir in der Wüsten, Als Gottes Sohn, gesandt der Welt, Wir auf des Tempels Zinn' gestellt, Schön waren in prälat'schem Kleid, In seidnem Talar, lang und breit, Und hatten dazu aufgesetzt Zwei Hörner, mit Gestein besetzt, Wie ihr seht vorgeschnitten hier. Nun sollt das recht nachmachen ihr, Denn ein Prälatengehürn es wird, Das der Aebt' und Bischöf' Stirnen ziert; Es wird ein heil'ger Bischofshut, Der sich erhebt von zeitlichem Gut Ueber die andre Heerd' allein. Durch glanzesreichen Herrscherschein, Durch heil'gen Glanz und Höflichkeit Und glanzesreiche Heiligkeit Führt in Versuchung er die Leut', Auch durch unmöglich Gelübd' und Eid, Drob viel die Seligkeit verkürzen Und über'n Tempel den Hals stürzen. Deshalb, du zweigehörnter Hut, Gefällst du mir mit diesem Muth: Was Gott gebeut, deß nicht gedenke, Preis' du dafür der Menschen Ränke, 21 Regier' im Tempel, reformir' Nur mit Gepräng', Sang, eitler Zier! Dies wird dich äußerlich hochsetzen: Was acht'st du des Worts heimlich Ergetzen? Denn wolltest du das Wort hoch ehren, So müßtest du's auch pred'gen, lehren. Jedoch von außen sei hochwürdig, Im Lehren sollst du sein kleinbürdig ; Dann kannst dein Amt, die Schaf' zu weiden, Du andern, niedrigern bescheiden, Darneben auch mit Bann und Zwang Den Gewissen machen angst und bang, Kannst die bedrängen, nagen, zwingen, Deren Gaben du thust verschlingen, Kannst auch mit andrer Schweiß und Blut Fein Hochfahrt treiben und Hochmuth; Und andre, die dich müssen nähren, Die müssen dich noch als heilig ehren. Hei, thatenlose Heiligkeit, Die nur durch Müßiggang gedeiht. O Geistlichkeit, im Sang nur geistlich, Ja, auch im Sang ohn' Ernst und fleischlich! So muß in meinem Reich es stehn, Man laß dies getheilte Horn nur gehn; Denn es wird Mosis Hörner führen Allein zum Herrschen und Regieren, Und doch darneben fein vorwenden, Es führ' von den zwei Testamenten Die Hörner zwei, damit zu deuten, Daß es sich weis' zu beiden Seiten, So ich doch solche gehörnte Mützen, Die nur zur Ehr' , zur Lehr' nicht nützen 22 (Gleich wie Hirschhörner, so sind schön, Jedoch vor'm Jäger nicht bestehn), Von Aarons goldnem Kalbe nahm Und den zwei Kälbern Jerobeam , Und auch vom heidnischen Baccho her, Der sie auch führt nicht von ungefähr, Damit ich durch solch Doppelhorn Könnt' üben sichtbar'n Doppelzorn. Drum, ihr Gesellen, wacker dran, Greift die zweihörn'ge Hauben an, Vernähet drein die Hochfahrt geistlich Durch die Nadel der Herrschsucht fleischlich Mit Fäden der Schafschinderei, So wird's ein Doppelcornut frei; Stickt's mit der Perl' reicher Geschenk' Und mit dem Stein Uneingedenk: So wird's ein hoher Horniger Und ein hochfährt'ger Zorniger.« Auf solch luciferisch Gebot Macht' drüber sich die gehörnte Rott' Und näht' dies falsche Bischofshorn, Gestickt mit einem Heil'gen vorn, Der hielt 'nen krummen Hirtenstecken Und thät zwei gesalbte Finger aufrecken Und trug drei güld'ne Kugeln schwer, Zu zeigen, was das Horn begehr'.     Als es nun fertig war gemacht, Da setzten auf sie's mit großer Pracht 23 Gleich ihrem Fürsten Behemat, Dasselbe wie Behemot; vergl. Anm. 9 . Dem paßt's auf sein Gehörn ganz glatt Und stund sehr wohl ihm sunderlich, Weil er wie Janus anus, ein altitalischer Gott, als Sonnengott den Jahreslauf bezeichnend. Sein Bild ist ein zusammengewachsenes Doppelgesicht, das Symbol von Sonne und Mond. wunderlich Hatt' zwei Gesichter an dem Kopf Und sehen konnte auch am Schopf; Dazu sich recht dies Theilhorn schickt, Wohin er hinten, vornen blickt. Man neigt' sich ihm, als wär' es Gott, Und brachte balde Rinderkoth, Das Horn zu weihen und zu schmieren Zur Macht, daß es mög' chrisamiren .     Hierauf, als es nun fertig war, Befahl der Satan offenbar, Daß es das Behemot Gesinde Sollt' führen durch die Welt geschwinde, Fein eingepackt in Bisamsladen, Daß das zarte Werk nicht litte Schaden. Daher erstrecken sich noch heut' Diese Prälatenhörner weit, Und haben überall viel Ehre, Gar nicht von wegen ihrer Lehre, Nein, nur um ihre Pracht und Macht, Die falsche Andacht ihnen bracht'.     »Nun ist dies Horn auch abgethan; Mög's haben Glück!« so sprach Satan. »Jedoch wir haben noch dahinten Das Hauptgehörn, darnach wir gründen, 24 Wo Hörner drei zusammen gehn Und dreifach auf einander stehn, Ist wie ein Einhorn zugespitzt, Und oben drauf ein Kreuzlein sitzt : Das schaut denn aus gar majestätlich, Und beinah', wie ihr seht, gar göttlich. Daher wir's denn zu Schmach und Leid Der einigen Dreifaltigkeit Als dritt Versuchstück in der Wüsten Gebrauchten wider den Gott der Christen, Als wir ihn auf den Berg gestellt Und ihm gezeigt die Schätz' der Welt . Ja, ich, als alte Schlang', macht' auch Von dem dreifachen Horn Gebrauch, Als ich im Paradies verführte Die ersten Aeltern durch Begierde. Drum ziert mit Fug dies Dreigehürn Dreifachen Uebelthäters Stirn. Dies Haupthorn trägt mit Fug ein Haupt, Das so wie ich an Gott nur glaubt, Und das von Gott und Menschen raubt, Und alles um baar Geld erlaubt, Ja, diese Bestia und Bepstia Bepstia: Fischart'sche Bildung mit Anlehnung an bestia (wildes Thier) und »Bapst«. , Die ird'schem Gott ich bringe nah. In Summa es gebührt dem Thier, Das ich bracht' aus dem Abgrund herfür Und setzt' es in den Stuhl aufs Kissen, Daß alle Wett ihm fall' zu Füßen. Ja, dem Statthalter mein es gebührt, Der leiblich an meiner Statt regiert Allhier und Papst ist zubenannt, Der mir doch nie wird bringen Schand', Dieweil er stets wird dran gedenken, Wer ihm dies Triplehorn thät schenken. Er wird von wegen Dankbarkeit Uns stets zu dienen sein bereit, Wird sich befleißen, unser Reich Mit seinem zu erhalten zugleich, Es geh' mit Unrecht oder Recht, Es koste Herren oder Knecht, Ja, sollt's auch kosten Potentaten: Er zwingt es durch gehörnte Prälaten.     »Drum höre, Beelzebub, greif's an, Das Zeug liegt hier schon auf dem Plan Und ist just ganz nach unsern Proben; Auch habe unten ich und oben Schon angefangen und drein genäht Des Judas Seckel und Geräth, Dergleichen auch die Simonei Simonei (Simonie): Handel mit geistlichen Aemtern, benannt von Simon dem Magier, der von den Aposteln die Gabe des heiligen Geistes kaufen wollte (Apostelgesch. 8, 14 ff). Und die große Pfründendieberei, Um des Primates Horn den Streit Und alle Rachgier, allen Neid, Auch Wollust, Ehrgeiz, falschen Eid, Verfluchung auch der Obrigkeit, Gift, Aufruhr und Verrätherei, Die Sodomie und Zauberei. Ihr andern näht die Lügen drein Und den trüglichen Augenschein. Hier habt ihr guten Judenzwirn Von Menschensatzung zum Gehürn ; 26 Hier nehmt die Nadel der Durchächtung , Des Blutdursts, Banns und der Anfechtung. Du, Mammon Mammon, ein syrisches und chaldäisches Wort, eigentlich Reichthum, Vermögen bedeutend, dann als Name für den Teufel des Reichthums gebraucht. , stick's voll Edelgestein Von Schätzen der Erde, die da mein; Stick' drein die falsche Donation Damit ist die sogenannte konstantinische Schenkung gemeint, die angeblich Kaiser Konstantin dem Papst Sylvester gemacht hat und welche die Grundlage der weltlichen Herrschaft des Papstes ward. , Die man zuschreibt den Kaisern schon, Stick' drein der Stiftungen große Zahl, Die Bullenschrift und den Meßkram zumal, Den Ablaßkasten, die Annaten Annaten sind bestimmte von den Geistlichen an den Papst zu entrichtende Abgaben, darin bestehend, daß der Betreffende eine bestimmte Quote von den Einkünften seiner Pfründe im ersten Jahre zahlen mußte. , Die Pallia Das Pallium ist eine weiße, mit schwarzen Kreuzen versehene Binde, welche von Bischöfen getragen wird; das Recht, sie zu tragen, wird vom Papste gegen eine nicht unbedeutende Abgabe, die Palliengelder (Pallia), verliehen. und die Reservaten; Reservaten ( reservata pontificis ) sind Rechte, deren Ausübung dem Papste allein vorbehalten ist, z. B. Errichtung von Bisthümern, Heiligsprechungen, Ertheilung des Pallium; meist wurde ihre Ausübung andern nur gegen schwere Abgaben gestattet. Denn solche Perlen das Horn mehr zieren, Als die aus Indien man thut führen. Auch stickt zu höherm Glanz und Schein St. Petrum mit dem Schlüssel drein, Denn dies Horn braucht sein Fischernetz Zur Fischung aller ird'schen Schätz'. Wohlan, ich seh', ihr macht's gar gut, Ihr habt dazu besondern Muth : Ihr merkt, daß es auch euch wird frommen, Wenn er es in Besitz bekommen: 27 Deshalb macht euch viel Irrgäng' drinnen, Gleichwie im Bienenkorb die Bienen.     »Wohlan, du Belial, mußt es firmen, Denn dies Horn soll manch Horn noch stürmen, Und dann an seine Stelle dringen. Nun thu' die Firmung gleich herbringen, Misch' höllisch Feuer und Pech zusammen Und Kohlen aus Fegefeuers Flammen Und Schweiß von mir, der hart wie Stahl, Und firm's und schmier's wohl überall, So wird mit Lügen, Trügen, Kriegen Kein Teufel nimmer ihm obsiegen, Man müßte denn durch Degradiren Zuvor die Weih' von ihm purgiren .     Als nun war eingesalbt dies Schmeer, Nahm das Gehörn selbst Lucifer Und setzt' es auf und spie gleich Feuer Und stellt' sich also ungeheuer, Daß den Teufeln verging das Lachen, Und sie sahn sauer zu den Sachen, Bis plötzlich er zu Boden fällt Und einen Teufel bringt zur Welt, Der trug einen rothen Krämpenhut Und war wie ein Kardinal gemuth. Der führt' das gewundene Horn in Eilen Gen Rom: dort wählt' man ohne Weilen Sich einen Papst, wie Satan meld't. – Seither ist noch die arme Welt Mit dem dreifachen Horn beladen, Das allenthalben stiftet Schaden. 28     Nun weiß ich, daß, wer dies wird lesen, Wird deuten, daß an den drei Bösen Und diesen Teufelshörnern drei Genug Unglücks auf Erden sei. So haben die Teufel auch gedacht. Die die drei Hörner erst gemacht, Man hab' sich an der Christen Pochen Mit den drei Hörnern genug gerochen. Jedoch der grimme Lucifer Kam erst ins Wüthen wie ein Bär, Der erst sein Brummen lässet wieder, Wenn alles er sieht liegen nieder. Er schüttelt' den Kopf, verkehrt' das Gesicht, Er schwitzte Pech und hatt' die Gicht, Als wollt' zu Delphi er weissagen, Aus der Orakelstätte zu Delphi, einer höhlenartigen Vertiefung mit enger Oeffnung, entströmten betäubende Dämpfe, welche den sie einathmenden in eine Verzückung versetzten, in der er nach dem griechischen Glauben den Willen der Gottheit verkünden und Zukünftiges offenbaren konnte. Wenn man nach Schwarzem ihn thät fragen. Doch bald, als zu sich selbst er wieder Nun kam, da sprach er: »Hört, ihr Brüder! Wie aber, wenn uns unsre Tücke Und die verhörnten Bubenstücke Mit dem Gehörn, das wir ausschicken, Vielleicht wollt' fehlen und mißglücken? Wie es uns auch gefehlt hat grob Und wir sind angelaufen drob, Als die drei Hörner wir in der Wüsten Versuchten an dem Gott der Christen , An dem die drei Anläuf' und Stöße Mit den drei Hörnern scharf und böse So wenig haben da verfangen, Wie wenn man Halme nimmt statt Stangen. 29 Darum bedarf's Aufschauens hie! Hier habt nun Acht, hier habt nun Müh', Hier gilt's zu schnaufen, gilt's zu schwitzen, Mehr als die in der Höllen sitzen. Dies hat uns lang' den Kopf zerbrochen, Bis wir's einmal aus konnten kochen. Derhalben gebt nun Acht darauf, Hier liegt der Schwanz und Kopf zu Hauf.     »Hier kommt das Stichblatt nun herfür, Darauf ich setz' mein Glück gar dürr. Ich hab' zuvor Es, Sau und Daus »Es, Daus, Drei, Katter oder Quater, Zink, Ses, die bekannte kauderwelsche, aus dem französischen entstellte Art, die Augen der Karten oder Würfel zu zählen. Es ist das Französische As ( unio ), Daus ( binio ) altnordisch die Zwei im Würfel und auch in der deutschen Karte. Figürlich bedeutet Daus Es das gemeine Volk, Quater Drei den Mittelstand, Ses Zink den Adel.« H. Kurz. Von Klee, Herz, Schellen Die französischen Farben trèfle (Klee, Kreuz), pique (Blatt), coeur (Herz), carreau (Eckstein) entsprechen den deutschen Eicheln, Grün, Roth, Schellen. geworfen aus; Doch hier behalt' ich zu dem Stich Die Eicheln-Sau, Man erwartet, daß oben statt Klee pique oder Grün stände, denn die Stelle will sagen »nachdem ich Schellen, Roth und Grün ausgespielt habe, behalte ich mir Eicheln-Daus, die oberste Karte der obersten Farbe (also franz. trèfle ) zum Stiche zurück; in Eicheln- Sau liegt vielleicht eine ähnliche Anspielung wie später in Suiten statt Jesuiten (vergl. Anm. 30 ). die regt nun sich, Die muß gewinnen ohne Zweifel, Oder es muß gar haben den Teufel, Es hab' mir denn ketz'rische Art Vielleicht gesehen in die Kart', Und das verworfen, drauf ich harr': Da hätt' ich wahrlich arg die Plarr . 30 Ich hoff', es soll uns glücken schon Mit Christi eigener Person, Da wir ja nicht nach denen fragen, So nach ihm ihren Namen tragen, Darunter sich viel laue Christen Und unsres Unkrauts viel einmischten, Ja, etliche sich so erweisen, Daß sie nach uns wol besser heißen. Zudem so wollen wir so schön Dies Stichblatt schmücken und versehn, Daß es gar nützlich werden soll Und jenen Hörnern dienen wohl.     »Jedoch, wie wollen wir's formiren ? Wir können es zwar nicht visiren Nach Art der vor'gen drei Gehürn, Denn jedes Horn hat auch sein Hirn . Besondre Form, die muß es haben, Weil es auch kriegt besondre Gaben; Doch soll's gehörnt wie die andern sein, Denn Hörner dienen uns gar fein.     »Deshalb, damit ich ohne Gnaden Den Menschen vierfach thue Schaden, So will ich es zu diesen Sachen Viereckig und vierhörnig machen, Auf daß an Gift es viermal mehr Enthalte als die Hörner vorher, Dieweil es doch auch tragen sollen Vierfache Böswichter ärgster Wollen, Die noch viel artiger als wir Den Schafspelz können kehren für, 31 Da sie doch Säu' und Bocksart sind, Wie aus dem Namen sieht ein Kind, Den wir für ihre Schaar erfanden Und sie Suiten Suiten ist verstümmelt aus Jesuiten, wie die vorigen Verse zeigen, mit bewußter Beziehung zum lateinischen sus (Schwein). und Wider Wider schreibe ich absichtlich im ganzen Gedicht, um der vom Dichter oft gewollten Doppelbeziehung zu Widder und wider (gegen) freien Spielraum zu lassen. Die Bezeichnung Widder erhält Fischart durch Verdrehung von Jesuiter in Jesuwider. nannten; Doch unsern Namen sie nicht nehmen, Nein – ihn mit Jesu Namen beschämen (Jedoch mit List zu unserm Frommen, Damit sie mehr ins Netz bekommen): Sie nennen sich die Jesuiter – Und hießen baß Jesu zu wider .     »Oder wie Jesus hat zumal So Schaf' wie Wider hier im Stall, Also sind sie die Wider drin, Weshalb sie auch in diesem Sinn Recht heißen Jesu Böck' und Wider, Nicht Christen, Christi Schaf' und Glieder. Denn unsre Heerd' der Nam' nicht zieret, Vielmehr weit besser ihr gebühret, Der herrliche Name Wider-Christ , Der Alters halb berühmet ist. Doch weil der Name Wider-Christ Noch etlichen zuwider ist, Die doch noch zu gewinnen wären, So that den Namen ich verkehreu Und setzt' das Vorderste dahinter, Daß man es fände desto minder, Macht' Christ-Wider und Jesu-Wider , Für Wider-Christ, was sonst merkt jeder. 32 Denn wie viel wär'n von uns getrennt, Hätt' ich sie Wider-Jesu genennt. Drum sollen sie denn bleiben Wider; Das andre weiß von euch ein jeder, Wem nämlich sie soll'n zuwider sein, Ihr wißt, dem Lämmlein Gottes rein, Dawider ich als der alte Drache Mit meinem Stuhlthier Stuhlthier ist der Papst, so genannt mit Beziehung auf den Ausdruck » päpstlicher Stuhl «. stets streit' und wache. Daher ich denn auch Wider heiß'. Denn wo wär' einer, der nicht weiß, Daß Satan ein Wider sacher heißt, Auch ein Verfolger und Widergeist Der Schafe all, die nur begehren Des Hirten Christi Stimm' zu hören? Wer wüßt' zugleich nicht auch daneben, Was mein Romthier und ich angeben? Darum ich diesem Stichblatt mein, Dem viergehörnten Widerlein, Nur meinen Namen konnt verleihn, Der also lieblich klingt und fein, Weil man den Kindern, die man liebt, Zumeist des Vaters Namen gibt; Drum sollten nach meinem Namen auch Sie heißen, den ohn' Scheu' ich brauch', Sataniten und Schadaniten : Weil sie auch wider Jesum wüthen, Und alles, was das Papsthorn schwitzt, Auch wider Jesu Wort selbst schützt; Denn hierzu hab' ich mir dies Horn Mit allen Ecken auserkor'n, 33 Daß teuflisch es auf jeder Eck' Soll Jesu widerstreben keck, Soll sein ein Würfel, der da gibt – Wie man ihn schüttelt, drückt und schiebt –, Nur eitle Es und Wider-Christen, Eitle Quater Vergl. Anm. 27 . , die das Spiel verwüsten. Doch, weil ich ihm den Namen mein Gab, wird's mir nicht zur Schande sein, Vielmehr des Namens eingedenk Das Reich mir fördern durch Wunderränk' Auf allen Ecken, drein ich steck' All meinen gift'gen Teufelsdreck. Es bleibt ein cornucopia Cornucopia (häufiger cornu copiae ), eigentlich das Horn der Ziege Amalthea, der Nährerin des Zeus, aus dem Nektar und Ambrosia geflossen sein soll; dann = Füllhorn. , Der Schelmerei recht propria , Ein überhäuft, gefülltes Horn Voll Trug, List, Rach', Neid, Gift und Zorn. O Quadricorn , o Widerhorn, Wenn ich dich umkehr' hinten, vorn – Trotzdem du jetzt erst zugeschnitten –, Seh' ich voraus schon deine Sitten, Gleichwie an seinem Söhnlein zart Ein Vater merket seine Art; Ja, durch Nachrechnung kann ich sehn, Was in dem Orden noch soll geschehn.     »Ich weiß, daß einmal kommen soll Ein Spanier, Ignaz Luguol – Zu deutsch heißt's Feu'rart Lugevoll Ignatius Loyola, der Stifter des Jesuitenordens, geboren 1491 (?), gestorben am 31. Juli 1556. Aus Loyola bildet Fischart Lugevoll, und den Vornamen Ignaz ( ignis  = Feuer) übersetzt er mit Feuerart. –, Dem da zuerst erscheinen soll 34 Dies viergehörnte Widerhütlein; Er nimmt es auf für's größte Gütlein (Wie Epimetheus die Pandor Jupiter entsandte die Pandora mit einer mit allen Uebeln angefüllten Büchse zu den Menschen, um sich für die Entwendung des Feuers vom Himmel durch Prometheus zu rächen. Epimetheus, der Bruder des Prometheus, nahm die unheilvolle Büchse als Geschenk an, öffnete sie und entfesselte so die darin gefangenen Uebel. Mit ihrer Unglücksbüchs' zuvor) Und pflanzt es fort in allen Gebieten Auf seine Sauheerd', die Lugvolliten , Aus seine Ignazischen Gesellen, Geboren in der Glut der Höllen, Denn Ignaz Ignaz hängt mit ignis (Feuer) zusammen und bildet so den Uebergang zu Vulkan, dem Gott des Feuers, und der Benennung Vulkaniten. , wie ein jeder weiß, Bedeutet geboren im Feuer heiß . Drum hießen sie wol, wie wir riethen, Vulkaner oder Vulkaniten Von Vulkan , meinem Höllenschmied, Der ohne dies nun gleich hiermit Beschlagen wird dem Horn die Ecken, Gleichwie recht kriegerischen Böcken. Ja, Herr Ignatius selber wol Noch mein Vulkanus werden soll, Weil er wird hinken wie Vulkan Von einem Schuß, den er wird hân Von den Franzosen an den Beinen Loyola wurde bei der Belagerung von Pampelona durch die Franzosen (1521) das linke Bein durch eine einstürzende Mauer, das rechte durch eine Kanonenkugel verletzt; das rechte Bein wurde schlecht geheilt und blieb zu kurz. Diese Verletzungen hatte er als Kriegsmann erlitten, aber sie waren die Veranlassung, daß er schließlich der Stifter des am 27. Sept. 1540 bestätigten Jesuitenordens wurde. , Denn er will auch ein Kriegsmann scheinen; 35 Jedoch, wenn Krieg ihm nicht will glücken, Wird er zur Geistlichkeit sich schicken: Denn wie man spricht, ein Landsknecht faul Gibt noch 'nen guten Klostergaul; Jedoch kommt aus dem Kloster er, Gibt keinen Ackergaul er mehr. O freu' dich, du vierhörnig Thier! Wenn erst dein Haupt bekommen wir Zu einem Schmied, dann woll'n wir schmieden, Daß es soll funkeln voll Unfrieden An allen Ecken und Theilen der Welt, Denn dazu bist du eckig bestellt.     »Auch freu' dich, du dreifach Gehürn, D. h. die dreispitzige Tiara des Papstes. Daß du dein Haupt streckst bis ins Gestirn. Hier ist ein Helfer dir geschafft, Der wieder dir verhilft zu Kraft, Wenn dir vielleicht dein Horn will sinken, Oder deine Macht beginnt zu hinken. Denn dies breit' Eckhorn hat vier Horn, Ist um ein arg Horn höher gebor'n, Für vier zugleich bestehen soll: Zuerst für einen Mönch gar wohl, Darnach für einen Pfaffen auch, Zum dritten , was nicht sehr im Brauch, Für einen pflichtigen Schulregent, Der auf seine Art die Jugend wend't Und ihr einbrennt durch Bubenwerk Des päpstlichen dreifachen Horns Gemerk, Zum vierten für einen Landstreicher, Der auch dabei ein Hinterschleicher . 36 Seht, wem soll's billiger gebühren, Dies würfelgevierte Platthorn zu führen, Als diesen abgeführten Gesellen, Die nach allem auf einmal stellen, Vier Köpf haben in einem Hut, Und in vier Köpfen einen Muth Und tragen unter einem Mantel Vier Ständ', verschieden ganz an Wandel?     »Drum mögt ihr wol, ihr andern Pfaffen, Nichts haben mit dem Hut zu schaffen! Behelft euch mit Pfaffenschlappen schlecht, Sucht nur die Mess' zu schwänzeln recht. Desgleichen auch, ihr Canonisten , Des päpstlichen Rechtes Decretisten , Bei Leib' rührt nicht das Würfelhorn , Denn sonsten stößt es euch mit Zorn. Denn es stößt auch viel Mönch' und Pfaffen Von ihren Stiftern, ihnen geschaffen, Fürnehmlich die vier Bettelorden, Die sonst dafür gehalten worden, Daß sie die starken Räder waren, Auf denen fahr' mein Kirchenkarren; Jetzt aber sind sie hingestreckt, Nicht achtend, wo mein Karren steckt. Denn dies Horn hat gewonnen schon Bei der dreifach gehörnten Kron', Weil es gelobet nicht allein, Wie andre Ordensleut' insgemein, Keuschheit , Gehorsam und Armuth , Vielmehr, dieweil es führt am Hut 37 Vier Hörner, so gelobt's zu diesen Das vierte , was gar wohl zu wissen, Nämlich zu sein dem Papst leibeigen , All seine Lehr' für Recht zu bezeugen, Seinen Aberglauben in alle Land' Ausbreiten, wenn auch weit gesandt, Die röm'sche Kirch' allein aufbringen, Und alle andern niederzwingen, All sein Geheiß, sein Trachten, Dichten Mit blindem Gehorsam gleich verrichten, Ohn' nachzudenken, ob es recht, Vielmehr sich überreden schlecht , Daß niemals ein so heil'ger Mann Ersinnen etwas Arges kann; Ja, wenn er auch verderbt die Welt, Nur sagen: »Herr, wie's euch gefällt«; Ja schaffen, daß man überall Ihn anbet' hier und ihm zufall'. Seht, ist denn je ein Horn gewesen, Das so vom Papsthorn war besessen? Gewiß nicht. Drum hab' ich zum Stich Behalten diese Sau für mich Vgl. Anm. 29 . . Ja, ich bracht' dies vierhörnige Thier Erst aus dem tiefsten Abgrund herfür, Daß es erst komm' zur letzten Zeit, Zuletzt verwirre alle Leut', Verfinstre auch der Sonne Klarheit Und unterdrück' das Licht der Wahrheit Und schaffe, daß die Leut' dafür Anbeten auf dem Stuhl das Thier, Das Frösch' und Kröten speit durch mich, Die zu dem Eckhorn rotten sich, 38 Und sich auch lassen mit behörnen, Damit mehr Bubenwerk sie lernen. Daher neunt man auch dies Gehürn Schildkrötenhütlein , Krötenschirm , Mein Wurfbeil oder mein Eckbeil , Meine Würfel und Kegel nennt's ein Theil. Jedoch man nenn' es, wie man's woll', Wenn man nur weiß, was es sein soll: Mein viergehörntes Widerhütlein , Das ich brauch' für mein letztes Müthlein, Mit dem ich überall will schirmen, Den Eckstein auch, Jesum, bestürmen, Ihm zeigen, was die vier Ecken mein Genüber seinen dreien sei'n. Genügt ihm nicht am Wider-Christ, So kommt jetzt auch, zum Krieg gerüst't Der Lugvollische Jesu-Zuwider, Der wird's angreifen nicht zu nieder, Er wird durch seine Boshaftigkeit Vertreten unsre Teufligkeit.     »Deshalben, o Herr Belial, Beelzebub, mein Cardinal, Ihr Feldteufel und Rumpelgeister, Die ihr im Trügen alle Meister, Bei euren Pflichten ich euch mahn', Geht an die Arbeit nun heran, Die uns und euch zu Nutz' gereicht – Sonst man als Teufel uns verscheucht. Braucht hier all eure Hinterlist, Die in dem fernsten Winkel ist, Sch . . ßt sie zusammen in die Schlappen , Die an vier Enden thut aufschnappen; 39 Wenn man nur faßt das eine Horn, So blitzen drei noch auf vor Zorn.     »Nun reg' dich hier, du wüst Profei , Reg' dich, meine Mummersakristei , Gib mir das wüsteste Geräth, Daß man für schön dich anseh' stet; Gib mir scheinheilig Teufelthum Und verteufelt Scheinheiligthum. Seht da, es drang mir zur Nase fürwahr Ein Stank, der gewiß kein Bisam war – Vom Höllenpfuhl ist's Bisamstank, In den auf Ewigkeit ich sank. Darbei ist gewiß das Tuch gelegen, Wie ihr es pechschwarz seht zugegen. Da habt von meiner Farb' ihr Tuch, Das ich nehm' zu Hosen oft genug. Das Tuch hab' ich selbst zugeschnitten, Und es verderbet wol zum Dritten, Auch kam 'ne Scheere drob zu Schaden, Eh' es zum Vierten ist gerathen. Drum bleibt es wol ein Meisterstück, Und stets wird's heißen, der hab' Glück, Der recht kann treffen den Quadrangel , Daß er auf keiner Eck' hab' Mangel. Daß es nun nicht ohn' Futter sei, Habt ihr ein feuerroth Tuch hiebei, Das man erhitzt' in Höllenglut, Bis es gesehen aus wie Blut: Denn da, wo höllisch Pech von außen , Soll drin auch höllisch Feuer hausen. Hier ist auch Faden zugericht't, Sehr wohl gewächset und gepicht 40 Mit Sodom- und Gomorra-Peche; Besorget nicht, daß er euch breche: Sonst mach' ich draus Barfüßer-Corden Barfüßerstricke, Stricke, wie sie die Barfüßer, vorn zugeschlungen, um die Hüften tragen. Und Sträng', wenn man sich selbst will morden. Hier sind auch Nadeln, schön gestählt – Babylon'scher Stahl Im ganzen Orient wurde vorzüglicher Stahl gefertigt, der deshalb gewöhnlich Damaszener heißt, weil Damaskus der Hauptstapelplatz für diesen Artikel war. Dieser Stahl ist auch hier gemeint. ward dazu gewählt – Die mir Vulkanus selber stählte, Der nie in seiner Kunst noch fehlte. Nun tapfer an die Arbeit her, Stecht drein, als ob's das Stichblatt wär'! Arbeitet wie unsinn'ge Teufel! Hier gilt die Sau es ohne Zweifel.«     Der Beelzebub und Belial Und auch die andern Teufel all Die waren nicht zu mahnen lange, Sie griffen zu in einem Schwange, Nahmen das Hütlein zugeschnitten Und sprachen: »Lieb Hütlein, sei zufrieden. Wir wollen dich so schön zuputzen, Du mußt viel tausend Seelen uns nutzen. Nun kehr' dich um, du Widerlein, Du bist mein liebes Brüderlein, Als Kram dahin bist du nicht feil, Und würd' dafür uns Rom zutheil. O wie das Dreigehörn dich doch Wird unsertwegen zieren hoch. O wie wirst du um unsertwegen Ihm wieder dienen nach Vermögen! 41 Drum geben wir uns billig Müh', Daß wir dich schön staffiren hie. Schön Satanitenhäublein mein, Wie viel wirst du bethören fein Durch deinen viergehörnten Schein, Bei dem wir sonst nicht drängen ein.«     Dies sagten sie, und sangen' s schier, Und stachen immer drein mit Gier, Spitzten die Hörner artig rund Und setzten's auf, daß es artig stund. Sie stülpten's um auch, um zu sehen, Wie solcherart es würde stehen, Ob wol auch solche Narren kämen, Die auch auf solche Art es nähmen. Sie zogen Fäden durch die Mitt', Beschäftigten sich stets damit, Sie warfen's auch bei guter Ruh' Einander wie ein Wurfbeil zu Und spielten wie mit Würfeln damit, » Tief oder Blatt «, » Ruck oder Schnitt «. Dasselbe Spiel, das heute heißt »Kopf oder Wappen«, »Grad' oder Ungrad'« (bei Münzen) und »Rücken oder Schneide« (beim Messer).     Auch des Teufels Großmutter alt, Sammt ihren Töchtern ungestalt, Spie'n in die schwarzen, runzligen Hände, Strichen das Hütlein an jedem Ende, Daß es gab Funken wie die Katzen, Will man sie auf dem Rücken kratzen. Sie brauchten dicke Fingerhüt', War'n ob dem Hütlein sehr bemüht, Zerbrachen zwei Nadeln ob dem Nähen, Wie es Vulkan auch hab' versehen; 42 Kommt Bruder Nas Johannes Nasus (auch Nas und Naß), geboren am 19. März 1534 bei Bamberg, ein Gegner Fischarts. Er war erst Schneidergeselle und neigte zum Protestantismus hin, ward aber durch die berühmte Schrift »von der Nachahmung Christi« zum Katholicismus zurückgeführt. Er trat 1551 in München in den Barfüßerorden ein, verschaffte sich durch Selbststudium und den Besuch von Vorlesungen in Ingolstadt hinreichend wissenschaftliche Ausbildung, ward 1560 Conventprediger, in welcher Eigenschaft er auch nach Straubing, Ulm und München kam. 1569 ward er Guardian des Franziskanerklosters zu Ingolstadt, ging nach Rom und ward dort vom Papste wegen des ungeheuern Beifalls, den seine Predigten fanden, zum apostolischen Prediger ernannt. Drei Jahre darauf machte ihn der Erzherzog Ferdinand zu Innsbruck zu seinem Hofprediger, wodurch Streitigkeiten mit den Jesuiten entstanden, da diese ihm wegen seines großen Einflusses auf den Erzherzog mißgünstig waren. 1578 wurde er Commissair über alle Klöster seines Ordens im Gebiete des Erzherzogs und 1580 Weihbischof von Brixen. Er starb am 16. Mai 1590 zu Innsbruck. Die Hauptbedeutung von Nas liegt in seiner eminenten Fähigkeit, die Menge durch seine Predigten hinzureißen, aber auch als Schriftsteller war er thätig: es erschienen über 40 größere und kleinere Schriften von ihm. Am wichtigsten sind die »sechs Centurien Evangelischer Wahrheit« (Ingolstadt 1565–1570), in denen er mit allen Mitteln gegen den verhaßten Protestantismus zu Felde zieht, in seiner schmutzigen Gesinnungsart selbst Lüge und Verleumdung nicht verschmähend. So unbedeutend und flach seine Schriften an sich sind, so wurden sie doch sehr viel gelesen, weil ihr Verfasser als Prediger so beliebt war. hinab, zu schwitzen, Kann er sie ihnen wieder spitzen. Viel Müh' thät der Hut in Anspruch nehmen! Drum braucht kein Schneider sich zu schämen, Daß er den Hut mit seinen Falten Für's größte Meisterstück muß halten, Weil's doch den Teufeln Müh' gemacht, Bevor die Hornschlapp' sie vollbracht! Was müßt' erst Meister Nas geschehen, Wenn solch Gehörn er müßte nähen? 43 Er würd' gewiß darob mehr schwitzen, Als wenn er bös soll Federn schlitzen. Näh' Frater Nas nun, was er hat. Ich muß zurück zur Werkstatt. – Die Teufel pflegten nicht der Ruh' Und nähten unverdrossen zu, Sie schafften, grad' als ob so recht Ihr Bruder Nas, der Schneiderknecht, Die Mönchskutt' einem Barfüßer flickte Oder eine Schändhuri Anspielung auf die Centurien von Nas. stickte. Etliche spitzten die Nadeln fein; Etliche wieder fädelten ein; Etliche das Cornut-Hütlein messen Nach dem Triangel und es pressen; Etlich' mit heißem Stein es brannten; Etlich' es über den Leisten spannten. Den Leisten nannten sie Heuchelei , Den Stein die röm'sche Lieferei , Den Triangel Papst-Fantasei , Die Nadel röm'sche Tyrannei ; Den Faden nannt' man Aberglaub' , Das Tuch sammt Futter Gottsehr'-Raub ; Das Seidenband, Schmeichelei genannt, Vergaß man auch nicht an dem Rand. Als es nun fertig bis hieher, Da ruft erst laut der Lucifer:     »Nun schließ' dich auf mir, Arckelei , Schatzkammer mein, voll Schelmerei! Nun nehmt, ihr Hütleinmacher, draus, Womit ihr schmückt dies Hütlein aus!« 44     Der Beelzebub alsbald ganz munter Zusammenlas den ärgsten Plunder, Näht's vorn zur Spitzschlacht ins Gehürn Als die verschämte Horn-Hur'n-Stirn , Vernähte drein Abgötterei, Verblendung und Verzauberei, Die Teufelslist im Paradies, Die Schmeichelwort', vergiftet süß, Falsch Herz und Sinn, Arglist, Betrug, Scheinarmuth, die vollauf hat g'nug, Umsonst die Jugend wollen ehren, Und sie doch theuer genug verlehren, Andre trösten und selbst verzagen, Ehrgeiz und Ruhmsucht, still verschlagen, Zur Augenblendung fein demüthig, Jedoch im Herzen bärenwüthig, Sich stellen äußerlich andächtig, Jedoch im Herzen sein schanddächtig , Zum Schein von außen pharisäisch, Im Herzen heimlich saducäisch Die jüdische Secte der Pharisäer , welche neben der schriftlichen auch eine mündliche Ueberlieferung anerkannte, galt wegen der scharfen Beobachtung der Aeußerlichkeiten bei der Religionsausübung für besonders fromm und rechtgläubig. Die Saducäer dagegen standen vielfach im Gegensatz zu den Pharisäern und läugneten z. B. die Unsterblichkeit der Seele, das Dasein der Engel, die Vorsehung u. s. w.; während also oben pharisäisch soviel wie rechtgläubig ist, hat hier saducäisch den Sinn von falsch - und ungläubig . , Das wilde Fleisch zu zähmen, sich Viermal kasteien wöchentlich, Wie ja auch handeln die Baalspfaffen – Und gleichwol, weiß nicht, bei wem schlafen; Unter vermummter Hurerei Geloben große Keuschheit treu, 45 Die Pfaffenköchin schelten hoch – Verkappte Huren halten doch, Den falschen Rath in schönem Glanz – Und hinten mit einem Drachenschwanz: Das alles kam ins erste Horn, Und falsche Wunderzeichen vorn Thät er hinein noch, welche schafft Des Teufels trügerische Kraft.     Darneben nahm auch Belial, Was ihn gut dünkt', in seinen Stall, In die spitzen Flügelhörner beide, In die Hörner der Schlacht zur Seite; So allerhand Sophisterei, Verkehrte heidnische Philosophei, Sophist'sche Kniff', Ränk', Stücke, Tücken Und Argumente voll Zweifelsstricken, Viel Crocodilitates Dafür gewöhnlich crocodilinus ( sc. syllogismus ) = Trugschluß. Der Name Crocodilschluß kommt von folgender Geschichte. Ein Crocodil hatte einer Mutter versprochen, das ihr geraubte Kind zurückzugeben unter der Bedingung, daß sie die Wahrheit sage. Die Mutter äußerte nun, es werde das Kind doch nicht zurückgeben. Darauf erwiderte das Crocodil, die Mutter habe entweder die Wahrheit gesagt oder nicht. Im ersten Falle dürfe es das Kind nicht zurückgeben, denn dann würde ihre Rede unwahr werden; ebenso sei es im zweiten Fall, weil sie dann die Bedingung seines Versprecheus (daß sie die Wahrheit sage) nicht erfüllt habe. groß Und Syllogismos cornutos Ebenfalls eine Art Trugschluß, auch Dilemma genannt. : Du hast, was du nicht hast perdirt , Die Hörner hast du nicht amittirt , Ergo : die Hörner hast du noch, Komm' ich nicht bald, schlüpf' selbst ins Loch! 46 Auch andre vierfach' Argument', Durch die im Finstern man bald geblend't, Auch fremde weitgesucht' Auslegung, Neue Distinctionen und Zerlegung, Die Kunst, Fürz' vor Gewürz zu schieben Als Bisam des Papstes Koth zu lieben, Mutiren quadrata rotundis , Für Knöpfe Spitzen, unrein's pro mundis Viereckiges für rund, Stumpfes für spitz, Unreines für rein zu erklären. ; Item die Frevel plaudern breit, Die närrisch große Vermessenheit, Ganz Ungereimtes zu defendiren , Und um den Gansdreck einzuführen, Alle offnen Mißbräuch' zu verkleiben , Mit Schreien einen zu betäuben, Alles, was vom Papste stinkt, zu räuchen, Allen harten Dreck stets einzuweichen, Die Wahrheit an den Papst zu binden, Als einen Eckstein ihn zu gründen, All seine Decret', Concilia Zu halten für Evangelia, Zu gläuben, ohne alle Sachen Könn' er neue Glaubensartikel machen, Und was er spricht, sei Gottes Mund, Wenn es schon ist des Drachen Schlund; Und wenn man vor ihn komm' getreten, Müss' man mit Fußfall ihn anbeten, Die Brust dreimal beim Falle schlagen Und dreimal miserere sagen. Auch viele andre solche Künste Mit allerhand sonstigem Lügengespinnste, Mitsammt Vergiftung der Jugend all Näht' dicht zur Seite Belial. 47 Er macht' die Seitenecken beid' So voll viereck'ger Geschicklichkeit, Daß Lucifer gleich sprach: »Ich mein' Sie soll'n mein Tintenhörnlein sein, Draus ich vollauf hol' allzumal, Womit ich meine Lügen mal'.«     Nun weiter, daß man fert'ge bald Den Nachdruck und den Hinterhalt, Das hinterste Gehörn staffirten Viel Teufel mit viel Teufelszierden, Mit Blutpraktik und Greulichkeit, Mit Mordstiftung, Unfriedsamkeit, Mit den Schürgabeln der Verhetzung, Mit Feuergabeln der Verletzung, Mit den vergifteten Lügenspießen, Mit Thaten wider das Gewissen, Mit stummer Sünd', Verrätherei Und Mamelucken allerlei, Die richtig Teufels Lucken heißen, Weil seine Art sie wohl beweisen. Und als zu leicht die Ecke war, Setzten sich drein die Teufel gar: Die halten recht die Hinterwacht, Beschützen das Hütlein mit aller Macht, Stieben herum zu den Quartieren, Sie mehr zu hetzen und zu schüren; Sind Feuerschürer und Lärmblaser Und aller Ruh' Erzfeind' und Hasser. Seht, sind da nicht gar schöne Gaben In dieser Hintereck' begraben? 48 Sind dies zum Stich nicht gute Blätter? Kein Wunder, daß viel Hexenwetter Entstehn, und daß die Luft wird zornig, Wenn drein kommt dieses Thier vierhornig. Derhalben auch der Lucifer, Als er vollendet sah so sehr Den Hut sammt dem, was drinnen stak, Vor Furcht gar selber sehr erschrak, Weil ihm vor Augen gleich thät schweben, Was er für Jammer werd' erheben. Dennoch sprach er: »Nun zürn', wer woll', Der Hut bleibt unser Gesell gleichwol Und unsre Geburt und letzt' Geschöpf, Das ändern soll alsbald die Köpf'; Sobald man es nur wird aufsetzen, Soll es gleich andre Art einätzen. Und solche Kraft ihm baß zu wecken, Sammt allen Hüt ein, die drin stecken, So wollen wir es nun einweihen Und ihm so unsre Kraft verleihen.«     Auf dieses legt' er vor sich dar Dies Widerhütlein, wie es war, Holt' aus Vulkani finstrer Kammer Pech, Höllenschwefel, Rauch mit Jammer, Das babylon'sche, röm'sche Gift, Des Fegefeuers Nebeldüft', Räuchert' dies sorglich Hütlein wohl, Daß Stankes es stets bleibe voll. Er räuchert' es so manches Mal, Daß es noch schwärzer ward zumal; Er picht's an jeder Eck' und Spalte, Daß seinen Unflat es behalte; 49 Er feuert's wie ein neues Faß Bei der Verfertigung eines Fasses werden die einzelnen Theile so weit zusammengesetzt, daß nur der Deckel und die obersten Reifen noch fehlen; darauf werden die Seitenwände erhitzt, damit sie sich dicht zusammenschließen und die obersten Reifen darüber geschlagen werden können. , Damit es seinen Stank nicht lass'; Er feuert's so, daß ein'ge Hörnlein Zu zeigen fingen an ein Zörnlein Und gaben solchen Horngestank, Daß es die halbe Welt macht' krank. Damit nun Meister Lucifer Dem Stanke etwas helf' und wehr', Ließ eignen Stank er drauf mit Fleiß, Davon man noch zu sagen weiß: Denn daher kommt es, daß man sagt, Der Suiter Ursprung und ihre Macht, Die sei'n des Teufels letzter F . . z, Der doch vor Angst ihm ward zu kurz. Hiernach, als dieses auch vollendet, Die Augen er im Kopf umwendet, Gleichwie ein Kalb an einem Stricke, Und schoß die teufelischten Blicke, Daß schier die jungen Teufel erschraken. Dann nahm er seinen Feuerhaken, Legt' ihn aufs Hütlein schön mit Ehren Und hub zween Finger zum Beschwören. »O Hütlein,« sprach er, »Widerhütlein, O du viereckiges Suitlein, O Hütlein, aller Hüte Putz, O Hörnlein, aller Hörner Trutz, O Hütlein, vor dem man sich hütet, O Hütlein, das nur Schälk' ausbrütet, Ja viereck'ge, vierfache Schälk', Vierfach gefüttert mit Teufelsgebälk, 50 O Hütlein, gewendet nach vier Enden, Aus böser Stück' vier Elementen, Dich soll anbeten ungescheuet, Was sonst vor meinen Hörnern scheuet: Und wer dich ehrt, hoch oder nieder, Der soll geehret werden wieder; Wer aber dir wird widersprechen, An dem woll'n wir uns vierfach rächen. O stolzes Hütlein, heuchlisch Hütlein, Nun wacker, nun erheb' das Müthlein, Du wirst durch heil'gen Namen doch Die Heiligkeit selbst beschämen noch, Du mußt uns ein Wünschhütlein sein, Durch das wir uns fein kaufen ein. O Widerhütlein cornipeta , Nun hebe deine cornua , Weil wir die Hörner dir addiren , So magst du sie wol prakticiren . Nun mein Hirnstoßerlein , stoß' hin, Sei eine Spinn' für eine Bien'; Stoß' um, was wir noch nicht umstießen, Verdirb, was wir noch übrig ließen. Nun weicht dem Hütlein, weicht ihm froh, Cornu ferit ille, caveto! Das Widerlein stößt an vier Ecken, Des Teufels Ränk' kann's gar aufdecken. O trughaft Hütlein mit vier Scheinen, Schein' anders, als wir es gemeinen, Erschein' als eins der Jesus-Glieder, Und sei doch stets Jesu zuwider; Ja, setz' dich wider ihn allezeit Ariëtir' nach jeder Seit' 51 Durch all Quartier der ganzen Erden, Verführ' auch, wo es nur kann werden, Auch die Erwählten durch falsche Ränke, Durch wunderseltsame Lügenschwänke. Thu' Wunderzeichen durch meine Kraft Und behalt' all meine Eigenschaft. Verhetz' die Leut', mach' Meuterei, Hilf zu Verfolgung, Tyrannei, Schärf' des Papstes keraunischen Strahl , Sein Fluchen, Bannen allzumal, Sei du das Hornthier, welches schafft, Daß man anbetet der Bestie Kraft. O Suität, Satanität, Der Schelmereien Quodlibet, O du neue Pandorabüchs', Du Grundsuppe alles Unglücks, O Vulkaniten, Lugvolliten, Ignazianer, Sataniten, Eure höllische Vierhörnigkeit Halt' ich zum Stichblatt mir bereit. Ihr seid meine rechte Eicheln-Sau, Aus die ich jetztund bau' und trau'. Ja eure Quadricornität Lateinische Uebersetzung des oben von Fischart selbst gebrauchten Ausdruckes Vierhörnigkeit. , Sie ist mein letzt' Gericht zum Bankett. Nur euch mein Name Satan gebührt, Weil ihr wie Würfel seid abgeführt, Und ebenso, wie ich auch, schnöd' Dem Eckstein Jesu widersteht. O du schönes Cornutenschläpplein , Du gibst ein gutes Mummenkäpplein. O Horn stirn du, o Huren stirn, O hörnertrutzig eckig Hirn, 52 Du bist verwünscht auf jeder Ecke, Zu sein eines Widerchristen Decke, Denn auf alle Ecken kannst du dich schrauben. Gleichwie des Proteus Proteus konnte sich in jede beliebige Gestalt verwandeln. Zauberhauben, Und kannst an Höllen dich einschicken Und in die Schulen dich einflicken, Zu blenden beide, Jung und Alt. O Würfelhütlein wohlgestalt, Nun mach' dich auf die Fahrt dahin Mit deinem vierfachen Bubensinn; Füg' dich in die vier Ecken der Welt, Als unser Leutenant bestellt: Was wir für Unruh' nicht erwecken, Erwecke du mit deinen vier Ecken!«     Sobald der Lucifer dies hätt' Ob seinem Hütlein ausgered't, Verdunkelte die Erde sich, Daß man konnt' sehen keinen Stich, Und ging solch schrecklich Donnern an, Daß drob erschrak gleich jedermann; Nicht anders war's zu sehen an, Als käm' der letzte Tag heran. Und während also zürnt der Himmel, Verflog das Hütlein im Getümmel Und fügt' sich zu den Menschen schnell, Daß es sie plag', vergift' und quäl' Und recht erweis' durch Büberei, Daß es das ärgste Hütlein sei, Daß alles es wirkte in der That, Wozu es Satan beschworen hat. – Seht, also habt ihr, lieben Leute Den Ursprung alles Uebels heute, 53 Und wer es doch nicht glauben will, Der wird's bald fühlen nur zu viel.     Hiermit denn nehmt also für gut, Ihr Suiter, mit unserm Muth; Demnächst, wenn eure Cornutität Eine Fischart'sche Bildung von cornu (Horn) nach Analogie von Majestät. Aufsetzet anders ihr Baret, So woll'n wir das, was hier nun wird Legendenweis' allein tractirt , Comödienweis' auch führen ein. Dazu woll' uns behilflich sein Mein Meister Nas mit Faden recht Und einem paar Dutzend Schneiderknecht', Die uns, wenn soll das Spiel geschehen, Darbei ein Dutzend Hütlein nähen. Wohlan, mein Nas, benas' es wohl, Denn dies dein Meisterstück sein soll; Und trifft's nicht recht, mein Meister Hans Sieh zu, wer dann gewinnt den Kranz. Denn es ist noch dahinten blieben Das einfache Kappenhorn unbeschrieben, Das wir nur übergangen haben In Hoffnung, mit mehr noch nachzutraben.   DIXI. I. LICET, MISSA EST. EST MISSA, LICET I. PLAUDITE. D. h. die Rede ist zu Ende. Ihr könnt gehn, die Messe ist aus! Klatscht Beifall!   Gedruckt zu Laufannen, bei Gang- wolf Suchnach. Anno MDLXXX.   Ende .