Johann Fischart's, genannt Mentzer, Glückhaftes Schiff von Zürich.     In einem treuen Abdruck herausgegeben und erläutert von Karl Walling.     Tübingen , bei C. F. Osiander. 1828.     Einleitung. Die Begebenheit, welche dem Gedichte den Stoff gab, ist eine der schönsten die unsere Vorwelt aufzuweisen hat. Sie ist so ganz dem alten deutschen Volksgeiste angemessen, daß wer sie ohne Bezeichnung des Orts, meinetwegen in Kolumbien erzählen hörte, und ihm lebte ein treues Bild unserer Vorväter in der Seele, daß er sie auf den ersten Blick für eine deutsche erkennen müßte. – Biederkeit, Treuherzigkeit, fromme Einfalt (man verstehe dieses Wort in dem Sinne, wie es Luther gebrauchte; leider kennen wir die hohe Bedeutung nicht mehr), harmlose Fröhligkeit, ist der Charakter des einstigen deutschen Volksgeistes. – Die Brust war voll, darum strömte sie so reich im Gesange. – Ein solcher Geist mußte die Helden dieser Begebenheit beseelen. – Schon seit geraumen Zeit hatte zwischen Straßburg und Zürich ein sehr freundschaftliches Verhältniß statt gefunden, welches durch gegenseitige Hülfe in Kriegsangelegenheiten immer fester und fester begründet wurde. Man besuchte sich gegenseitig an Festlichkeiten, übte sich in den Waffen, schmauste und zechte mit einander, drückte sich die Hand, und wanderte seiner Heimath wieder zu. 76 Wahrscheinlich war nun in der letzten Hälfte des sechszehnten Jahrhunderts dieses brüderliche Verhältniß von Seiten Straßburgs, vielleicht durch religiöse Angelegenheiten veranlaßt, etwas loser geworden: da faßten die edlen Zürcher den Entschluß, den alten treuen Freunden bei erster Gelegenheit eine Probe ihrer noch freundlichen Gesinnung zu geben, und wie die Züricher noch immer Leute von Entschlossenheit und Ausdauer seien, um im Fall der Noth den Straßburger Freunden schnelle Hülfe zu leisten. Die Gelegenheit fand sich bald. Straßburg schrieb auf den 21sten Juni des 1576. Jahrs ein großes Hauptschießen aus, theils, wie es jährlich der Fall war, seine Bürger in den Waffen zu üben, theils sich auf eine harmlose Weise zu belustigen. Die Zürcher rüsten demnach ihren Brei an, schiffen (wie das Weitere das Gedicht enthält) in einem Tage den Weg von 30 deutschen Meilen, geben an Ort und Stelle den noch warmen Hirsebrei ihren Freunden zum Besten, und erinnern sie, wie nahe Nachbaren sie wären, wie man zu Zürich kochen und in Straßburg essen könnte , und daß man daher eben so schnell den lieben Freunden im Fall der Noth Hülfe leisten könnte und würde. Man gedenkt mit Freuden der früheren Zeiten, wie das ihre Vorväter immer so gehalten, ißt, trinkt, freut sich mit dem 77 Fröhlichen, trauert mit dem Trauernden, besieht mit einander, was sehenswerth, und die freundlichen Gäste, um recht zu zeigen, wie sie nur gekommen, ihre Gewogenheit zu bewähren, ziehen nach etlichen Tagen, noch lange vor Beendigung der Lustbarkeiten, mit Sang und Klang, mit Herolden, von tausend Bezeugungen des Dankes, der innigsten Freundschaft begleitet, fröhlichen Muthes wieder heim. – – Ist diese Begebenheit nicht unendlich komisch und rührend zugleich?   Kurze Uebersicht der in den Anmerkungen angezogenen Werke. Agrikola, Joh. siebenhundert und fünfzig deutsche Sprüchwörter ausgelegt. o. O. 1541. 8. Brücker, Jakob, deutsche Grammatika. Frankf. 1628. 8. Cholini Dictionarium v. Frisius. Frisch, Joh. Leonhard, Teutsch-Lateinisches Wörterbuch. Berlin 1741. 4. Frisii Joannis et Petri Cholini Dictionarium Latino-Germanicum. Tiguri. 1541. fol. Grimms deutsche Grammatik. Götting. Bd. I. und II. Haltaus Glossarium Germanicum. Lipsiae 1758. fol. Königshofens Elsassische und Straßburgische Chronika herausgegeben durch Schilter. Straßb. 1698. 4. Luthers Werke. 9 Bände Fol. Jena 1573. – – Bibelübersetzung. Maurer, der warme Hirsebrei auf dem Freischießen zu Straßburg. Zürich 1792. 4. (Meusebach, K. H. G. von) zur Recension der deutschen Grammatik von J. Grimm, herausgegeben durch J. Grimm. Cassel 1826. 8. Meusel histor. litter. statistisches Magazin. Zürich 1802. 8. Münsteri Cosmographei. 1550. Fol. Reise, über die des Züricher Breitopfs nach Straßburg. Bayreuth 1787. 8. Ritteri Grammatica Germanica nova. Marpurgi. 1616. 8. Umfaßt 185 Seiten. Dieses Werk, welches eigentlich für Ausländer geschrieben worden ist, bleibt noch immer sehr brauchbar besonders durch eine zweckmäßige Methode, das Geschlecht der deutschen Hauptwörter nach den Endungen zu bestimmen. Schlegel, Aug. Wilh. von, Uebersetzung des Shakespeare. Band I. Romeo und Julie. Stumpf Schwytzer Chronika. Zürich 1554. 8. Wachteri Glossarium Germanicum. Lipsiae 1537. fol.     Das glückhafte Schiff. An das Schifflin.         Nu libs Wagschifflin schiff hinein Inn dWelt, laß dir befolen seyn Das gantz Teutschland, welches fürwar Die alt Poesey nicht libet zwar, Deß baß magst seyn allzeyt geflissen Wa lib nit wont, dahin zefliesen, Vnd jn allsamen zeigen an, Wie auch die Alten gtichtet han: Diweil die Alt schön poesey Vast offt wol vortrifft noch die new. Wolan lib Schifflein far jetz zuo, Vnd gonn dir keine weil kein ruow: Wie etwan von Zürich gezogen Gehn Strasburg bist inn eyl geflogen Also auch jetz durch alle Land, Den liben Teutschen wol bekannt, Vnd wann dann bist beladen frey Mit Lib zur schönen poesey Der Alten, magstu keeren heim! Jetz Schifflin far! – Das ist mein Reim.   Das Glückhafft Schiff von Zürich. Ein Lobspruch vonn der Glücklichen vnd Wolfertigen Schiffart einer Burgerlichen Geselschafft auß Zürich, auff das außgeschriben Schiessen gehn Straßburg, den 21. Junij Die Angabe der Tageszahl geht nicht auf die Fahrt, sondern auf das Schießen einen Tag nach der Fahrt; wie solches V. 879. und dessen Ueberschrift beweist. des 76. Jars, nicht vil erhörter weiß, vollbracht. Darzu eines Neidigen Vervnglimpfers schantlicher Schmachspruch von gedachtem Glückschiff, Samt desselbigen Notwendigem Kehrab ist gethan worden.     Sal. iij. Sein zeyt hat bawen vnd die freud, Sein zeyt hat brechen vnd das leyd, Fürnemlich aber hat sein zeyt Schweigen vnd Reden, Frid vnd Streit.     Das Glückhafft Schiff von Zürich. Artliche Beschreybung der vngewonten vnd doch glückfertigen Schiffart etlicher Burger von Zürich, auff das vilberhümt Hauptschiessen, gehn Straßburg gethan. Gestellet ein Loblichen Eydgnoschafft einer Statt vnd gemein Zürich, auch dem mit freuden vollbrachten Straßburgischen Schiessen, Vnd der ehrlichen Nachbarlichen besuchung der Glückhafften Schiffartgeselschafft zu gedächtnus, Rhum vnnd Ehren. Durch Vlrich Mansehr vom Treübach.                       Man lißt von Xerxe, dem Beherscher Des auffgangs vnd der Edlen Perser, (Welcher neunhundert dausent mann Furet wider die Griechen an), 5   Das, als er het zu Meer gestritten, Vnd sehr grossen verlust gelitten, Da ward er so ergrimmet sehr, Das er ließ geyselen das Meer Meer. Später oft in dem süddeutschen Volksdialekt: Mör. S. V. 685. , Vnd wurff ketten drein, es zustillen Statt: zu stillen . Fischart, und fast alle Schriftsteller seiner Zeit trennen das zu unseres Infinitivs nicht von demselben. 108 10   Vnd es zufesseln nach seim willen. Aber was half jn Der Buchstab j steht immer zu Anfang eines Worts, wenn das i lang ist; dagegen: i, wo es kurz. dieser hon? So vil als nichts, er floch davon. Desgleichen hört man von Venedig, Das sie, zuschaffen das Meer gnädig, 15   Järlich werffen hinein ein Der Accusat kommt. fast immer so vor. Eben so der Dat. eim . In der Prose waren die aufgelösten Casus: einen , einem , gebräuchlicher. Ring. Das es sie wie ein Braut vmbfing. Aber wie offt hats sich erwisen Gantz feindtlich mit den Vbergüssen ? Auch wann sie jrer Gmahl wol trauten, 20   Was dorffts , das sie vil Dämm vmbbauten? Deßhalb ein andre weiß ist gwiß, Zuzämen die Wasser vnd Flüß, Das sie geschlacht vnd folgig werden, Vnd die leut fertigen abfertigen, daher; fordern , weiter fördern . on bschwerden. 25   Welchs ist dieselb? Nemlich nur die, Welche wir han erfaren hie, Das neulich sie gebrauchet hat Die jung Mannschafft auß Zürch der Statt. Das ist: handuest Arbeitsamkeit 109 30   Vnd standhafft vnuerdrossenheit Durch Rudern, Riemen Ist hier das Verbum, vom Lat. remus gebildet, und hat die Bedeutung pätscheln oder pätschen . , stossen, schalten, Vngeacht müh ernsthafft anhalten, Nicht schewen hitz, schweiß, gfärligkeit, Noch der wasser vngstümmigkeit, 35   Nicht erschrecken ab Wie das Lat. timere ab aliquo . Die Präposition ab war im sechzehnten Jahrhundert bei den Verbis, die eine Furcht, Besorgniß, ein Entsetzen ausdrückten allgemein für unser vor . Die Präposition ab drückt hier den Begriff einer Trennung aus, ihrer ursprünglichen Bedeutung gemäß, was wir durch unser zurück geben, z. B. zurückschaudern. wirbeln, wällen, Sonder sich hertzhafft gegenstellen; Je meh die Flüß laut rauschend trutzen, Je kräfftiger hin wider stutzen ; In summa: durch standhafft gemüt 40   Vnd strenge hand, die nicht ermüd; Dann nichts ist also schwer vnd scharff , Das nicht die arbeit vnderwarff Das Imperf. Der Infin. underwerffen , subjicere , wie noch jetzt. , Nichts mag kaum sein so vngelegen, Welchs nicht die Arbeit bring zuwegen; 45   Was die faulkeit halt für vnmüglich, Das vberwind die Arbeit füglich: Die Arbeit hat die Berg durchgraben, Vnd das Thal in die höh erhaben Dieses Particip. vom Infinit.: erheben , war noch im achtzehnten Jahrhundert im Gebrauch, und hat sich erhalten in unserem Adj. erhaben , sublimis . , 110 Hats Land mit Stetten wonhafft gmacht, 50   Vnd die Ström zwischen Damm gebracht, Hat Schif gebaut, das Meer zuzwingen, Das es die Leut muß vberbringen, Vnd die leut vber flüß müß tragen, Vnd sich mit Ruodern Mittelhochdeutsch ruodern . Im sechzehnten Jahrhundert fand sich der Vokal uo nur noch in den süddeutschen Mundarten, und verschwand, jemehr der Luthersche Dialekt zur Schriftsprache wurde. Aus dem Kampfe der Volksaussprache mit dieser Schriftsprache erklärt sich, wie man in einem Buche beide Sprachweisen gedruckt findet. So hier Ruodern und V. 31. Rudern, so V. 289. Rhuom und V. 620. Rum. lassen schlagen, 55   Das es die Schiff so gschwind muß füren, Als die vögel der Lufft Im sechzehnten Jahrhundert noch Mascul. thut rüren So viel als: dahintragen . . Derwegen, dieweil durch solch weiß , Namlich durch arbeitsamen fleiß, Die Zürcher haben vorgetroffen Uebertreffen , welches auch damals schon gebräuchlicher. Dagegen sagte man, wie heute, fürtrefflich , excellens . 60   Vilen, die auch dergleichen hofften, Vnd han ein bessern weg gefunden, Wie die flüß werden vberwunden, Vnd also han geschafft ein Nam, Der bleibt, so lang der Limmatstram Stram statt Strom war im Anfang des sechzehnten Jahrhunderts gebräuchlicher, als zu Fischarts Zeit. Zuweilen hatte es auch die Bedeutung Gestade , litus navis Vergl. Fr. L. Limmatstram , so viel als Strom der Limmat ; daher steht im nächsten Verse das Fem. jrem . 111 65   Zu jrem Vater laufft in Rein, Vnd der Rein kehrt im Meerkreiß ein, So wer es je Steht für ja ( certe ), welches damals auch schon im Gebrauch war. ein vnuerstand, Die Gschicht zumachen nicht bekant, Dieweil es je kein Fabel ist, 70   Wie man vom Triptolemo lißt, Der in kurtzer zeit hat durchgangen Die gantze welt auff fliegend schlangen, Noch ein gedicht von fliegend drachen, Welche Medea zam kont machen. 75   Hie darff Dürfen , im Sinne des unsrigen bedürfen und dürfen (S. gleich unten V. 77.); jedoch ist auch bedürfen im Gebrauch. s. V. 148. das Schiff kein Dürfen mit dem Acc. ist seltener, wie mit dem Genit. flügel nit, Wie Persei Luftpferd, welchs er ritt, Hie darff kein fettich man vmbthun, Wie Ikarus, so schmeltzt die Sunn, Sondern standmut vnd feste Hand, 80   Das macht recht fligen durch die land, Arbeit vnd fleiß, das sind die flügel, So füren vber Stram S. die Anmerk. zu V. 64. vnd hügel. Derhalben weichet jr Poeten, 112 Die war geschicht in falsch gdicht nöten Nöthigen , zwingen . Wie noch jetzt in der Redensart in Reime zwingen . . 85   Vnd laßt vns hören mit verlangen, Wie im Sommer, newlich vergangen, Von Zürch ein Gsellig Burgerschafft Mit gutem Glück vnd Manneskrafft Gen Straßburg auf das Schiessen fuhr, 90   Da sie all freuntlicheit erfuhr. Als nun war außgebrochen weit Deren von Straßburg willigkeit Zu pflantzung Nachbarlicher freundschaft, In jrem Außschreiben, gemeinhaft 95   Hin vnd wider an Ständ vnd Stett, Vnd alle Nachbawrn, die es het, Zu eim Hauptschiessen, schön mit lust, Zugleich mit Büchsen vnd Armbrust, Zu deren jedem Zu ergänzen: Hauptschiessen . war das best 100   Hundert gulden Es wurden an einem solchen Feste Geldsummen zur Vertheilung unter die besten Schützen ausgesetzt. , on sonst den Rest Nämlich der Preise, die es nach Abzug des Geldes noch gab. . Da sind von hoch vnd nider Stand Erschinen vil auß Statt vnd Land; Deßhalb die Loblich lieblich Statt Zürich, die nach seim Nam stiften that, 105   Turich Gewöhnlicher Thurico . , ein König der Heldwallen 113 Vnd Balgerhelden Thurico herrschte, der Sage nach, über die Arelatenser, den Bewohnern der Gegend um Arela, der heutigen Stadt Arles in Frankreich. Die Namen Heldwallen und Balgerhelden sollen die kriegerische Eigenschaft dieses Volkes bezeichnen: denn im Mittelhochdeutschen hieß balgen so viel als kämpfen , ringen , und wallen gleichbedeutend mit umherschweifen . In Heldwallen liegt Helvetia und davon Helveter , und in Balgerhelden wahrscheinlich Belgii , der alte Name eines Gallischen Volkes versteckt. , starck vor allen, Vor Christi gburt zweitausent jar, (Von dem auch Trüehr Trier, Trevir : Fischart liebte das Wortspiel über das Maß, so daß er oft die entferntesten Laute für seinen Zweck verwechselte. (Unzählige Beispiele im Gargant.) Zumal hier, da er den Zürchern Weihrauch streuen will, denn aus dem Namen der Stadt will er die Eigenschaften der mit Zürich verwandten Trierer, Treue und Ehre (Trü, ehr) zu erkennen geben. Eben so verwandelt er V. 109 Elsaß in Heldsaß . gbawet war) Zürich soll, der Fabel nach, 30 Jahre später, als Trier, gebaut sein (S. die Schwytzer Chron.). Eine andere Sage schreibt die Erbauung Triers dem Trebeta zu, Sohne der Babylonischen Königin Semiramis, von wo aus er wegen Anwachs seines Volkes auch Straßburg und mehrere andere Städte am Rhein gegründet haben soll. S. Könighovens Elsaß. und Straßb. Chron S. 266. Vnd im Heldsaß S. die vorletzte Anmerk. die Statt Türacburg Straßburg, Lat. Argentoratum , seltener Argentoracum . (S. Königh. Chron. S. 600.), in welchem letzteren Fischart den Namen ihres fabelhaften Erbauers, Thurico , Turich , wiederfinden will. 110   Bei den Trüwonern Die Trierischen Arelaten hatten ihre Macht bis Straßburg ausgedehnt, daher von Trier, Trüehr , Trüwoner . , heut gnant Straßburg, Welche berühmte Türuchiner Abgeleitet aus dem lat. Namen Zürichs, Tigurum , und deren Bewohner Tigurini . Fischart, auf Turich anspielend, versetzt die Buchstaben g und r, und verwandelt das g in ch. 114 Zu Cäsars zeiten waren küner, Als andre im Heldvätterland Helveterland , das Vaterland der Helden. , Vnd zogen oft mit gwerter hand 115   Den Römern ins Keiserlich gbiet, Zuschützen jr freiheit damit, Wie sie sich dann auch Mannlich stelten Bei Rudolph von Habspurg, dem Helden, Vnd andern Keisern, so nachkamen; 120   Daher groß freiheit sie bekamen; Ja Diese Partikel nimmt den schon oben V. 104 geschlossenen Vordersatz wieder auf, in dem Sinne unseres: ja, sage ich . die Statt ward so hoch geacht Vonwegen jrer Tugendmacht, Das sie den Eydgnossen hat gfallen, Zu sein das erst Ort Zu Fischarts Zeit ein Neutr. vnder allen. 125   Ja, dise alt berümbte Statt, So die Limmat eingfangen hat, Mit etlich schönen weiten Brucken, Vnd ist berümt von vilen stucken, Von Policey, Religion, 130   Von mancher Gelerter Person, Von Weisen Leuten zuo dem Rhat, Vnd Streitbarn leuten zu der that, Dieselbig wolt auch nicht erlosen Erlosen , nur des Reims wegen, denn erlassen , lassen war allgemein im Gebrauch. Aber damit soll nicht gesagt sein, daß er des Reims wegen eigene Wörter bildete, sondern daß er ältere Formen und Provinzialismen in solchem Falle benutzte. , 115 Die glegenheit, jr auffgestosen, 135   Ir vralt freund vnd Nachbarleut, Heimzusuchen in freuden weit Weit , gehört zu heimzusuchen . , Vnd solches aus ein sonder weiß, Die sich reimpt zu der freudenreiß . Dann gleich wie sein zeit hat das leid, 140   Also, hat sein zeit auch die freud, Vnd wie das leyd inn vnmut steht , Also die freud auff kurtzweil geht . Derhalben sich ein ehrlich Gselschafft Von vier vnd fünfftzig sammenthaft In allem, zusammen. Gewöhnlicher aber war damals samentlich . , 145   So all in Leibfarb In rother Farbe. (Vergl. Ueber die Reise des Züricher Breitopfs.= warn bekleidt, Zuzeigen jr einmütigkeit, Verglichen haben eines stücks, Welches bedorfft wol grosses Glücks, Nemlich, in eim tag thun ein fart, 150   Die man kaum in vier tagen fahrt, Vnd in dem folgen den Vorfaren, Die auch dergleichen Schifleut waren; 116 Dann wz Eine sehr gewöhnliche Abkürzung des Druckes für was , andere Form des Relativs. Eben dieses findet bei der Conj. daß statt; jedoch nicht immer. staht baß Steht besser. Baß der Comparativ von gut. Man comparirte: gut , baß , zu Fischarts Zeit häufiger besser , und Superl. bäst , welcher aber auch durch die Posit. mit der Partikel vast gegeben wurde: vast gut , vast wol . , dann wann dje jugend Nachschlägt Wir gebrauchen in diesem Sinne einschlagen , z. B. der Knabe schlägt ein. jrer Vorfaren tugend? 155   Dann also grünen die Stätt hie, Wann tugend bleibt bey alter plüh ; Aber wo auß der art man schlegt Die Verwandlung des a in e in der 3. Pers. des Präsens ist die ältere Form (man schrieb auch schlecht ), und oben V. 154 legt dar, daß beide Formen, schlägt und schlegt , nebeneinander bestanden. Ueberhaupt findet sich e oft für ä. , Vnd täglich newe bräuch erregt, Da kumpt gewiß ein Newerung, 160   Die selten eim Land wol gelung, Vnd wiewol heut die junge welt Für schlecht der Alten thaten hällt, Von schlecht Ein Wortspiel, für unrichtiger Gründe wegen . Fischart will die junge Welt mit ihrer eigenen Meinung widerlegen. richtiger vmständ wegen, So solte doch dieselb erwegen 165   Das sie durch die schlecht Richtigkeit Iren solch macht hat zubereit , Da man durch new vnrichtigkeit , Heut täglich sicht entstehn groß leyd. 117 Darumb vil anders gsinnet war 170   Dise Zürichisch Gsellschafft zwar Steht oft bei den Pronominibus wie das Lat. quidem verstärkend. , Die auch erweisen wolt die kraft Der Alten bey junger Mannschaft, Vnd erzeigen durch solch Wagstück, Das mit Zürch noch halt das alt Glück. 175   Rüsten Noch abhängig vom obigen diese . derwegen zu ein Schiff, Welchs in eim Tag gen Straßburg lif, Versahen es mit aller ghör Zubehör. Dabei mag bemerkt werden, daß die Vorsilben be , ge und das alte ze häufig eine Abwerfung des e erleiden, wie z. B. zsamen, was häufig vorkommt. Damit recht zuerlangen ehr, Bestellten Schifleut, so regirten, 180   Vnd die jung Manschafft wol anführten. Nach dem nun alles war versehen Noch jetzt im Sinne von verwalten , verrichten . Hier zugerichtet . , Ward zu der Abfart angesehen Im Brachmonat der zwentzigst tag, Das man es mit dem Wagschiff wag. 185   Kamen darauff fast Ungefähr. In anderen Verbindungen hat es die Bedeutung sehr . vm zwo Vren, Gleich gegen tag, das sie abfuohren, Trugen ein warmen hirß ins Schiff, In einem grossen hafen Ein irdenes Gefäß. Hier Topf . tif, Zu zeigen an, das wie sie könten 190   Den Hirß warm lifern an ferrn Fern. Man sagte im sechzehnten Jahrhundert allgemein ferr oder verr . S. V. 660. enden, 118 Also weren sie allzeit gwärtig, Zu dienen jren freunden färtig. All warens freudig, das mans wag, Vnd grüßten da den lieben tag 195   Mit Trommen vnd Trommeten schall, Das es gab durch den See ein hall: O heller Tag, O liebe Sonn, Sprachen sie, Nun dein Schein vns gonn! Zeig vns dein liechtes rotes Haupt, 200   Des Zu ergänzen du . Die Personalpronomen werden, wenn sie vor dem Verbum stehn, häufig ausgelassen, besonders wenn sie aus einem vorhergegangnen ergänzt werden können. S. V. 210. vns hast dise Nacht beraubt! Geh auf mit freuden vns zu heil, Das wir vollbringen vnser theil! Halt bey vns heut mit deinem schein, Laß dir kein Wolck hinderlich sein, 205   Zünd Erleuchte, erhelle. Im süddeutschen Dialekt noch jetzt gebräuchlich. durch dein liecht den weg vns heut Auf Straßburg, welchs noch ist sehr weit, Dan du auch wirst durch dise gschicht Noch berümpt, wo man dauon spricht! Wolan! dein vortrab Gebräuchlicher Ausdruck für alles, was wir bildlich unter Vorläufer verstehn. Hier Vorschein. , Morgenröt, 210   Zeigt, das Zu ergänzen du . S. oben V. 200. bey vns wilt halten stät. 119 Wan wir dein hitzstich heut empfinden, Wöllen wir dein beystand verkünden. Hierauff ruofft jnen das volck zuo: Glück zu! Glück zu! mit guoter ruoh 215   Vollbringet frisch vnd gsund die reiß! Gleich wie jr den Hirs lifert heiß! Laßt euch kein arbeit nicht verdriessen, Dann jr dadurch grhümt werden müssen Müssen gehört zu ihr ; man conjegirte noch zu Fischarts Zeit wir müssen , ihr müssen , sie müssen . So unten V. 336. daß ihr vollbrächten . Die anderen Formen müsset , vollbrächtet waren aber gebräuchlicher. ! Hiemit so stieß man ab von Land, 220   Vnd legt an dRuder Der Artikel erleidet zur Erleichterung des Verses oft eine Abwerfung der Vocale, und muß sich dann an das ihm zugehörige Hauptwort anschließen, hauptsächlich vor Liquidis. Beispiele sind häufig. manlich hand. Da gieng es daher inn der wog, Als ob es in dem wasser flog, Die Ruder giengen auff vnd ab, Schnell, das es ein ansehen gab, 225   Als ob ein frembds vngwont Gefügel Gefügel , von dem damals auch schon gebräuchlichen Vogel : Gevögel , Gefügel , im Sinne von Geflügel. B. Luth. Bibelübersetz. 1. Mos. 1, 21. Da auff dem Wasser rhürt die fligel. Die Limmat, welche her entspringt Vom Märchberg, der Vry vmringt, Vnd durchs Linthal für Glaris laufft, 120 230   Vnnd in dem Obersee ersaufft, Aber im Zürchsee fürkompt wider, Vnd strack für Baden laufft hernider, Die wolt sich erstlich etwas straussen Sträuben. Von diesem Worte ist noch bei uns Strauß , so viel als Kampf , Streit , im Gebrauch. , Erzeigt sich wild mit rauschen, praussen , 235   Dan jr war vngwont solch schnell schiffen, Vnd het sie gern ein weil ergriffen, Von jnen zuerfahren bscheidt, Was solches eylen doch bedeut, Ob jre Landzucht So viel als Vaterstadt , wörtlicher Erziehungsort . Zürch vileicht 240   Groß not lit, das man von jr weicht. Aber eh sie es hat erfaren, Kamen sie schnell auß jr in dAren. Die Aar beim höchsten gbürg entspringt, Dem Gotthart, der in dWolcken dringt, 245   Vnd sich wie ein Fischangel windt Durch Brientz vnd Thunersee geschwind, Vnd vmringt Bern die Landreich Statt, Die wol ein Berenmuot Wortspiel. Fischart will aus dem Namen der Stadt die Eigenschaften der Bewohner beweislich darthun. Gleichlautende Wörter haben, was unser Reim belegt, eine gewisse Verwandschaft des Sinnes. Was können Bären ( ursi ) nun anders gemein haben mit Bern, als Muth; daher Berenmuot . S. oben V. 108. zwar S. oben V. 170. hatt, 121 Beides: in pflantzung warer lehr Bern hatte sich während der Reformation, besonders in den Murnerschen Streitigkeiten 1526, hervorgethan. , 250   Vnd schirmung jrer Land mit wehr. Folgends bey Arberg sich krümpt eben, Die alt Statt Solthurn zu vmbgeben, Welche auch König Türich Soll heißen Turich ; denn Fischart hätte diese Schreibart gewiß für das obige Wortspiel mit Zürich benutzt (S. oben V. 105.), da u und ü häufig wechseln. bawt Zuo eim sal Im sechzehnten Jahrhundert allgemein für Hof eines Fürsten ( aula ). , des Thurn man noch schawt, 255   Ja in die Aar, so gibt den namen Dem Argaw, ein recht Adelssaamen Wortspiel. Fischart verwechselt Aar (den Fluß) mit Aar ( aquila ), um zu bezeichnen, daß der Adel im Argau blühte, denn Aar ist bekanntlich das Bild des Adels. . Dieselb Arig Vielleicht die Volksaussprache für Aar. hat sie geleit Inn Hier liegt der Artikel in der Präpos. inn , darum mit doppeltem n geschrieben. In der gewöhnlichen Rede würde man auch heute noch hören in-en Rhein, statt in den Rhein. Sonst steht inn am liebsten vor Vocalen; doch nicht ausschließlich. S. oben V. 141. Unten: 658. Hingegen V. 728. Rein mit schnäller fertigkeit . Da frewten sich die Reißgeferten, 260   Als sie den Rein da rauschen hörten, Vnd wünschten auff ein newes Glück, Das Glücklich sie der Rein fortschick, Vnd grüßten jn da mit Trommeten: 122 »Nun han wir deiner hilff vonnöten, 265   O Rein, mit deinem hellen fluß ! Dien du vns nun zur fürdernuß! Laß vns geniesen deiner Gunst, Dieweil du doch entspringst bey vns Am Vogelberg bey den Luchtmannen Die Anwohner des Luckmänierberges, eines Theils des Gottharts, auf welchem der Vorder-Rhein entspringt. , 270   Im Rheintzierland, von alten Anen Rheinzierland , so viel als Zierde des Rheins, aus dem alten Rhaetia gebildet, welches sich bis an die Quelle des Rheins erstreckte; daher von alten Ahnen . , Vnd wir dein Thal, dadurch du rinnst, Mit bawfeld zieren, dem schönsten dienst! Schalt Fortstoßen. Besonders vom Schiffe gesagt. Lat. trudere naves . diß Wagschiflin nach begeren, Wr wöllen dir es doch verehren , 275   Leit es gen Straßburg, dein zird, Darfür du gern lauffst mit begird, Weil es dein Der Accus. strom ziert vnd ergetzt, Gleich wie ein Gstein im Ring versetzt!« Der Rein mocht diß kaum hören auß, 280   Da wund er vmb das schiff sich krauß, Macht vmb die Rüder ein weit Rad , Vnd schlug mit freuden anß gestad, Vnd ließ ein rauschend Stimm da hören, Drauß man mocht dise wort erklären: 285   Frisch dran, jr lieben Eydgenossen! 123 Sprach er, frisch dran! seit vnuerdrossen! Also folgt eweren Vorfaren Die diß thaten vor hundert jaren! Also muoß man hie Rhuom erjagen, 290   Wann man den Alten will nachschlagen. Von ewerer Vorfaren wegen Seit jr mir willkomm hie zugegen . Ir suocht die alt Gerechtigkeit , Die ewer Alten han bereit , 295   Dieselbig will ich euch gern gonnen Gönnen, vergönnen. Noch jetzt im Schwäbischen. , Wie es die Alten han gewonnen . Ich weiß, ich werd noch offtmals sehen, Solchs von ewern nachkommnen gschehen. Also erhelt man nachbarschafft; 300   Dann je der Schweitzer eigenschafft Ist Nachbarliche freuntlichkeit, Vnd in der Not standhafftigkeit. Ich hab vil ehrlich leut vnd Schützen, Die auf mich in Schiff thäten sitzen, 305   Geleit gen Straßburg auff das schiessen; Dafür Wo ich vorüberfließe. mit freuden ich thu fliessen. Aber keine hab ich geleit Abgekürzte Form für geleitet . Noch heut des tags mit solcher freud. Fahr fort An das Schiff gerichtet, welches, da es alle die Personen. zu denen zuvor geredet ward, in sich faßt, die Schiffenden gleichsam in seiner Gestalt repräsentirt. ! fahr fort! laßt euch nichts schrecken, 124 310   Vnd thut die lenden daran strecken Sie ruderten sitzend, und mußten, so bald sie das Ruder nach sich zogen, die Füße anstämmen. . Die Arbeit trägt daruon den sieg, Vnd macht das man hoch daher flieg Mit Fama, der Rümgöttin herlich Der herrlichen Ruhmgöttin. Man setzte zu Fischarts Zeit noch häufig das Adiectivum dem Subjectivum nach. Dann wurde es aber nicht deklinirt, sondern erhielt die Geltung eines Adverbiums, vor welchem das Relativum nebst der Copula ergänzt werden mußte. ; Dan wz S. oben V. 153. gschicht schwärlich, dz wirt ehrlich . 315   Mit solchen leuten solt man schiffen Durch die Meerwirbeln vnd Meertifen, Mit solchen forcht man kein Meerwunder Vnd kein wetter, wie sehr es tunder Donnern Man sagte auch tonderen . , Mt solchen dörfft man sich vermessen, 320   Das eine Eine statt einen, Accusat. des unbestimmten Pronomens. Diese Form entstand, indem man in einen das letzte e auswarf, und für das entstehende nn blos n der leichteren Aussprache wegen setzte, dann aber des Verses wegen das e an das entstandene ein anhängte. fremde fisch nicht fressen: Dann dise alles vberstreitten Durch jr vnuerdrossen arbeiten. Mt disen Knaben solte einer Werden des Jasons Schiffartgmeiner 325   In die Insul zum Gulden Wider ; 125 Da wüßt er, das er käm herwider. Weren dise am Meer gesessen, So lang wer vnersuocht nicht gwesen America, die newe Welt; 330   Dann jr Lobgir het dahin gstellt . Laßt euch nicht hindern an dem thun, Das auff die haut euch sticht die Sunn, Sie will euch manen nur dadurch, Das jr schneid dapffer durch die furch Daß ihr tapfer durch die Furche dahinfahrt. Denn bei jedem Ruderschlag entsteht auf dem Wasser eine neue Furche, und die alte muß nothwendig durchfahren ( durchschnitten ) werden. Demnach heißt durch die Furche schneiden, schnell rudern, schiffen . . 335   Dann sie seh gern, bas jr die gschicht Vollbrächten Für vollbrächtet . S. oben V. 218. bey jrm schein vnd liecht, Damit sie auch Rhuom dauon trag, Gleich wie ich mich des Rhümen mag. Die Blatern, die sie euch nun brennt, 340   Vnd die jr schaffet Arbeitet . Das Wort schaffen in diesem Sinne ist noch jetzt im süddeutschen Dialekt allgemein gangbar. in der hend Hand. Alte, damals vielleicht nur noch in Süddeutschland gangbare Form. S. Grimm Gr. I, 676. Werden euch dienen noch zu Rhüm, Wie zwischen Tornen ejne blüm Ergänze wächst . . Ir dörft euch nicht nach wind vmbsehen, Ir seht, der wind will euch nachwähen. 345   Gleich wie euch nun diß wetter libt, 126 Also bin ich auch vnbetrübt, Ir sehet je mein wasser klar, Gleich wie ein Spiegel, offenbar. So lang man würd den Rein abfaren 350   Würd keiner ewer lob nicht sparen, Sonder wünschen, das sein schiff liff, Wie von Zürch das Glückhaffte schiff. – Wolan, frisch dran! jr habt mein gleit Vmb ewer standhafft freudigkeit, 355   Die straß auff Straßburg sey euch offen, Ir werd erlangen was jr hoffen: Was jr euch heut frü namen vor Das würd den abend euch noch wor Geht in Erfüllung, denn wahr werden drück tnur das Verwirklichen ihres Zweckes aus. , Heut werd jr die Statt Straßburg sehen, 360   So war ich selbs herzuo werd nähen Nähen für nahen , des Reims wegen, denn letzteres war allgemein im Gebrauch. Nähen hier so viel als kommen. , Heut werd jr als wolkommen gäst Zuo Straßburg noch ankommen resch Dem niedersächsischen risch verwandter als unserem rasch . Die Form rasch war im sechzehnten Jahrhundert in Gebrauch. . Nun liebs Wagschiflin lauff behend, Heut würst ein Glückschiff noch genent, 365   Vnd durch dich wert ich auch geprisen, Weil ich solch trew dir hab bewisen. Solch stimm der Gsellschafft seltzam war 127 Vnd schwig drob still erstaunet gar Ganz. Z. B. ich bin ganz erstaunt. . Es daucht sie, das sie die Stimm fül, 370   Als wann ein wind bließ in ein hül Hül , die Höhle , daher ist das fül des vorigen Verses ein geistiges, etwa: vernehmen . ; Derhalb jagt sie jr yn Die Ausgabe B liest ein , was ich vorziehen möchte. ein muot, Gleichwie das horn vnd Man construire: und wie das Horn , u. s. w. Eine seltene poetische Freiheit, die Conjunction fast an das Ende des Satzes zu stellen. ruoffen thut Des Jägers, wann es weit erschallt Den Hunden inn dem ginstern wald, 375   So sie im tieffen Thal verlauffen, Vnd die Berg auff vnd ab durchschnaufen, Alsdan jn erst die waffel schaumpt , Vnd kommen auff die spür vngsaumpt , Also war auch dem Schiff die Stimm, 380   Bekam zu ruodern erst ein grimm , Thäten so starck die Rüder zucken , Als wolten fallen sie an rucken Indem sie die Ruder nach sich zogen, beugten sie sich hinten über das Gefäß, so daß sie zu fallen schienen. , In gleichem zug, in gleichem flug In gleicher Eil . Diese Bedeutung hat sich noch in flugs . d. h. geschwind , bei uns erhalten. Der Steürman stünd fest an dem pflug Das Steuer, welches mit dem Stärt des Pflugs große Aehnlichkeit hat. Daher die Verwechselung. 385   Vnd schnitt solch furchen inn den Rein, 128 Daß das vnderst zu oberst schein Der untere Theil des Schiffes spiegelte sich, und so schien er im Wasser der oberste geworden zu sein. Man könnte es auch erklären, daß die unteren Wasser durch die Furchen empor bewegt wurden. Ich möchte die erstere vorziehen. . Die Sonn het Het , alte Form, und davon hetten , V. 437. S. Grimm I, S. 966. auch jr freüd damit, Das so dapffer das Schiff fortschritt, Vnd schin so hell inn dRüder rinnen Rinnen nennt Fischart die flachen Seiten des Ruders, an denen das Wasser herablief. , 390   Das sie von ferrn wie Spiegel schinen. Das gestad schertzt auch mit dem Schiff, Wann das wasser dem land zuliff, Dann es gab einen widerthon, Gleich wie die Rüder thäten gon Soviel als plätschern . Fischart findet Musik in diesem Ton, und in dieser Verbindung sagen auch wir: die Weise geht schön. ; 395   Ein Fluot die ander trib so gschwind, Das sie eim vnderm gsicht verschwind Man sollte das Imperfectum erwarten. Die Zeitfolge ist aber im Deutschen nicht so genau, wie im Lateinischen. . Ja der Rein warff auch auff klein wällen, Die dantzten, vmb das schiff zu gsellen , Inn summa: alles fröudig Wieder ein Beispiel des Kampfes zwischen dem süddeutschen Volksdialekt und dem zur Schriftsprache gewordenen Lutherschen. Bis hieher schrieb Fischart immer freudig , z. B. V. 136. 138. 140. 193. 201., und von nun ab fast immer fröudig , z. B. V. 697. 773. 774., und an vielen andern Orten. war, 400   Die Schiffart zuvollbringen gar. 129 Die vertröstung Rhuom zuerjagen, Erhitzigt Bei uns entflammte . jr hertz, nicht zuzagen, Wiewol sie jetzund gar nah kamen Auff Lauffenberg, so hat den Namen 405   Von des Reins hohem lauff vnd fall, Da etlich Berg mit grossem schall Dem Rein auß neid sich widersetzen, Die sich dadurch doch selbs verletzen, Dann je der Rein on alle schew 410   Etzt durch sie eine strassen frey, Vnd wirt sie mit der weil verzeren, Zu eim vorbild, demut zulehren, Vnd nicht zu vnderstohn mit Zwergen Der Sinn dieser Stelle ist: Mit Zwergen (die Kräfte der Berge gegen die des Rheins) Berge aufthürmend, um den Himmel zu stürmen . Den Himel zustürmen mit Bergen. – 415   Als sie daselbs nu durch die Brück Füren mit des Reins gutem glück, Da danckten sie jm für die trew, Vnd besahen das schön gebew Wir sagen Gebäu . , Vnd redten von der Salmen wog Der Salmen wog , so viel als Lachswasser , denn im sechzehnten Jahrhundert war Salmen ( salmo ) allgemein gebräuchlich für Lachs . , 420   Wie der Rein da vil Salmen zog Wahrscheinlich wurde damals bei Lauffenburg viel Lachs gefangen. . Folgends auff Seckingen sie schifften, 130 Die das volck der Segwanen Sequani . Von diesen leitet man den Ursprung der Stadt her. stifften, Da des Reins achtest Bruck angeht, Vnd in Sant Fridlins Seckingen liegt auf einer Insel, die der Rhein bildet, St. Fridolins-Insel genannt. Insul steht. 425   Noch musten sie sich weiter schicken Zu einem Strudel vnder Bücken, Welcher der dritt ist in dem Rein Vnd schrecklich laut vom namen sein Hier das Pronomen. , Dann er genant ist im Höllhacken Jetzt die Wilde des Rheins genannt. S. Maurer, der warme Hirsbrei u. s. w. [Zürich 1792, 4. mit Kupfern] S. 69. , 430   Weil nach den schiffen er thut zwacken, Da sprachen sie dem Schiflin zu, Das es jetzund sein bestes thu, Vnd eyl auff Reinfelden geschwind, Da es die neundte Reinbruck find. 435   Wann es durchbrech den Wasserbruch, So find es darnach, was es suoch. Eh sie diß hetten außgeredt, Waren sie hindurch auff der stett Die Wasserebne , im Gegensatz zu dem obigen (V. 435.) Wasserbruch . : Da lobten sie den reinen fluß Der Rhein. Reiner Fluß , so viel tugendhafter, frommer Fluß . , 440   Das er so gdultig on verdruß Wir sagen ohne es sich verdrießen zu lassen . Durchtring Durchdringen , bei uns nur in seltenen Verbindungen, besonders lebhaften Schilderungen, z. B. er durchdrang die Schaaren der Feinde , transitiv. durch So viel als vermöge . sein standhafftigkeit 131 Der Felsen vngestümmigkeit. Also müß allen den gelingen, Die durch Hier hat durch die eigentliche Bedeutung per ; daher zu verstehn: durch den Neid hindurch , d. h. von vielen Seiten beneidet . den Neid nach ehren ringen, 445   Also auch vnserm Schif geling Der Optativ es möge gelingen . Das es noch heut sein lauff vollbring! Inn des kamen sie für Reinfeld, Welchs billich also wirt gemeldt Im Sinne von genannt des Reims wegen. , Dieweil daselbs der Rein fängt an 450   Zurinnen reyn vnd still dauon, Das er sicht Aussieht . Sicht , veraltete Form, neben sieht in Gebrauch. Man conjugirte: ich sich, ich sach, ich hab gesähen . Vergl. V. 481. 501. 922. und Ritt. Gram. p. 142 . Im süddeutschen Dialekt verwandelt man noch jetzt oft das h in ch, z B. Viech statt Vieh . wie ein eben feld, Vnd vnbetrübt So viel als ruhigen Laufs . sich forthin stellt, Welchs er gleichsam zu lieb thun scheint Der Statt, die sich jm längst verfreund, 455   An bey Bey verstärkt das an , ganz nahe ( proxime ), denn Basel wird vom Rhein durchströmt. dem Gstad, Basil genant Dem haupt in dem Trautricherland Raurici , ein Volk im Erzbistum Basel bis an den Jura, im Deutschen gewöhnlich Rauricher (oder Rauracher, wovon unten V. 457. 460.). Fischart wandelt die Sylbe Rau in Traut (lieb, wert), um dem Stammvolke Basels eine löbliche Eigenschaft beizulegen. Demnach Trautricherland das Land der lieben, werthen Rauricher . . 132 Die mit Augst, etwan Noch im achtzehnten Jahrhundert in der Bedeutung einstmals gebräuchlich. genant Rurich Augst, im Alterthume die Hauptstadt des Rauracherlandes, ist jetzt ein Dorf. Der alte Name war Augusta Raurica , daher der jetzige Name Augst , und der von Fischart angeführte Rurich . Vergl. Münsteri Cosmograph. S. 590. , Gebawt ward von des Königs Turich S. oben V. 105. Vnderthanen, den Treuwackern Trierer und Straßburger waren nach einer Sage ein verwandtes Volk, nämlich so, daß Trier Mutter- und Straßburg Tochterstadt war. Fischart benutzt für seinen Zweck den alten Namen Straßburgs Argentoracum (s. oben V. 109.), wirft die Silben Argen weg (weshalb? s. Königshof. Chron. S. 600.), verwandelt die Silbe to in Treu , auf Trier anspielend (daher oben V. 108. Trüehr statt Trier), und die Silben racum , auf Straßburg deutend, wandelt er in wacker , daher Treuwackern , das aus Trierern und Straßburgern gemischte, dem Turich unterthänige Volk. , 460   Die von dem Rein mit den Trautrachern Von der andern Form Rauraci wie oben abgeleitet. Auff das man das Reinland erfüll , Zogen dem Gbürg nach, vnd der Ill Auff Illfurt, da sie vberfürten, Durchs Leimtal der Birsick Birs und Birseck, zwei kleine Flüsse, die bei Basel in den Rhein fallen. Im Orig. stand vor Birseck das Geschlechtswort dem , was offenbar ein Druckfehler, wie das deren des 465. Verses beweist. Ausgabe B liest auch der Prisick. nachspürten, 465   Deren Deren Dat. statt der . sie folgten, biß sie länden, Da Birsick vnd Birß in Rein wenden. Da ließ sich nider der ein hauf 133 Vnd nanten das ort Baß Ill drauf, Weil sie ein Bässer Ill da funden, 470   Da sie der Ill vergessen kunten. Von diser alten Kundtschafft wegen, Meint man, zeig sich der Rein so glegen, Eh er auff die Statt Bassil kompt, Dieweil sie sein Gstad hat vil gfromt 475   Beides mit dapffrer leut vertrawung Vnd seines Talgeländs erbawung, Welcher kundtschafft auch hat genossen Zum gleit die gselschafft vnuerdrossen Ununterbrochen, ohne daß es den Rhein verdroß. , Dieweil sie der Statt vnd dem land Ergänze Basel . 480   Mit Eidverbündnuß war verwant. Derhalben als sie sah von weite Der Statt spitzen, sich sehr frewte, Vnd sprach alsbald zusamen do Da und do , beide Formen waren im Gebrauch. : »Ein guts stück wegs sind wir nun fro, 485   Basel soll vns sein ein gut zeichen, Das wir noch Straßburg auch erreichen. Dise Statt frewt vns wol so sehr Als Orion die leut zu Meer. Han wir den rauchsten Rauch statt rauh . weg erwunden , 490   Der weitest wirt auch wol gefunden. O Basel, du holtselig Statt, Die den Rein in der mitte hatt, 134 Allda er nimt ein newen schwang Gegen mitnacht vom Nidergang Fischart ist sehr genau in örtlichen Beschreibungen, daher wird dieser Vers wohl nur auf eine einzelne, vielleicht sehr kleine Krümmung des Rheins unterhalb Basel gehn, oder er bezeichnet die etwas nordöstliche Richtung, welche der Rhein an der westlichen Gränze von Baden nimmt. , 495   Du must gewiß sehr freuntlich sein, Weil durch dich freundtlich rinnt der Rein! Darumb nach deiner freündtlichkeit Auff Straßburg freündtlich vns geleit!« Hiemit stallten sie frische an Ergänze Ruderer , welche abwechselten. Anstallen , auch zu Fischarts Zeit nicht mehr recht gebräuchliche Form. Bei uns hat sich die einfache Form stallen noch in der Bedeutung stallen ( mingere , von der Stellung des Pferdes), in dem Compositum bestallen , und in einigen Substantivis erhalten. z. B. Anstalt . , 500   Die fuoren für die Statt hinan Vmb zehen vhr, da sah man stehn Sehr vil volcks auf der Reinbruck schön, Zusehen dise waghafft Gsellen, Wie auff dem Rein sie daher schnellen Gebräuchlich im Sinne von eilen . , 505   Vnd verrichten ein solche that, Die in vil jaren niemandt that, Damit sie solches jren Kinden, Wan sies nicht glaubten Nämlich, daß so etwas möglich sei. , auch verkündten, Vnd dabei jnen zeigten an, 510   Wie küne arbeyt alles kan. Als sie das volck nun allda sah 135 Durch die Bruck faren also gah Gah noch früher gach , so viel als schnell . , Als ob ein pfeil flüg von dem Bogen, Oder ein Sperwer wer entflogen, 515   Da rüfft Man findet V. 372 rufen geschrieben, und viele andere Wörter bald mit dem Vocal uo bald ü. Diese Verwechselung ist aus einer Abschwächung des alten vollen Lauts uo zu erklären, und wurde wie ue ausgesprochen, die durch den obersächsischen Dialect entstand. es sie gantz freudig an: »Der Mechtig Gott leyt sie fort an Fort an für fortan. Fischart trennt häufig dergleichen Wörter, wie oben V. 455. an bey , und 447 inn des . , Der jnen so weit geholffen hat Der helff jn weiter zu der Statt! Ein solchen mut wöll Im sechzehnten Jahrhundert waren die beiden Formen wollen und wöllen in Gebrauch, und zwar so, daß einige Schriftsteller die Form wöllen durchgängig, andere wollen vorzugsweise schrieben, andere bald die eine, bald die andere. Daher: ich wöll und ich will , aber im Plural immer wir wöllen . Imperf. ich wollte . Perf. ich hab gewöllt und gewollt . Der Conjunctiv dagegen lautete von beiden Formen: ich wöll , ich wöllte u. s. w. Fischart gebraucht auch beide Formen nebeneinander. Gott den geben, 520   Welche nach Rhuom vnd ehren streben!« Hinwiderumb thöneten sie auch Mit den Trommeten scharff vnd rauch, Das es gab so ein widerhall, Als thet ein Baum im thal ein fall, 525   Dan vom Rhuodern vnd Ergänze von der . gschwindigkeit Nämlich des Schiffens . Ward der thon gbrochen vnd verleyt Für hin und wieder geleitet . Es gab ein Echo. . 136 Das volck Wie im Lat. bei Collectivis, so hier das Prädicat im Plural. het kaum jhr Statt ihre . wunsch verricht, Verlor das Schiff sich auß dem gsicht. Demnach nun Basel war fürvber, 530   Sah die Geselschaft Brisach lieber; Aber bei Ißstein, einem Schloß, Welches zerstört steht, öd vnd bloß, Wolt sich erst auch ein Strudel streuben, Vnd thät groß wällen da auftreiben; 535   Jedoch die Gsellschafft es veracht Vnd sprach, Es het gleich so vil macht Als diß Schloß, bei dem er her strudelt, Welchs zu der Wehr war gar verhudelt Verhudeln so viel als verderben . , Konten wir Strudelberg Lauffenburg, weil da der Hauptstrudel war. durchtringen S. oben V. 441. , 540   Wir wölln auch Hügel vberspringen; Kan vns den Muot kein hitz zerspalten Würd den kein Eisstein Wortspiel. Fischart verwandelt Ißstein in Eisstein, weil vom Erkalten die Rede ist. Iß ist aber so viel als Eis , und nur ältere Form. nicht erkalten. Trangen demnach auff Newenburg, Ein Stettlein so bedarff groß sorg, 545   Dieweil der Rein mit seinem lauff Tringt also starck vnnd hefftig drauff, Vnd laßt sein macht so streng da schawen, Das man jn nicht gnug kan verbawen; Hat mit der weil auch mit sein güssen Schnelles, reißendes, überschwemmendes Strömen. 137 550   Der Statt ein gut stuck hingerissen, Welchs die Geselschafft thet betrauren, Vnd baten Auffallender, wie oben V. 527, ist hier das Prädikat im Plural, abhängig von dem Collectivum Gesellschaft , da der Singul. vorhergegangen. den Rein vmb bedauren , Das er sein zorn wöll lan verflisen, Vnd sie einmal der Ruh lan gnisen. 555   Weil sie noch reden dise Wort, Stis sie der Rein auf Preisach Fischart schreibt Preisach , um daran ein folgendes Wortspiel zu knüpfen. fort, Welche Statt an eim Berg sich helt, Von deren Brißgaw wurd gemelt, Vnd lag etwa S. oben V. 456. mitten im Rein, 560   Daher es schein Elsassisch sein Nach älteren Berichten soll der Rhein hier bei Breisach seinen Lauf öfters geändert haben, so daß nach dem einen der Berg Breisach eine zu Elsaß gehörige Insel gebildet habe, nach dem andern ganz mit Elsaß verbunden gewesen sei. S. Münsteri Cosmogr. . Als sie dieselbig sahen weit, Da gab es jnen muot vnd freidt Die dritte Schreibart in diesem Gedicht für Freude , denn fröud , V. 697, freud, V. 136. Die hiesige scheint der Reim veranlaßt zu haben, mit dem es Fischart ziemlich genau nahm. , Dieweil da halber weg zu Rein Von Basel soll auff Straßburg sein. 565   Vor grosser freud, die sie empfiengen, Die Rhuder des Unser desto . fertiger giengen, Also, das sie ehe kamen hin, 138 Dann sie es hetten inn dem sinn: Nemlich vngefer zu Wir sagen, jedoch auch nicht sehr gewöhnlich, bei . zwey vhren. 570   Welche Lateinische Anknüpfungsweise mit dem Relativ, quos, quum vidissent cet. als die Burger erfuohren , Lieffen sie zu, die zu beschawen, Die grose Flüß zuzwingen trawen , Welches Wie oben V. 570. Das Relativum geht auf das Unternehmen der Schiffenden. , als sie besehen Besehen, betrachten, erwägen. hatten, Lobten sie jhre mannlich thaten, 575   Das sie ein solchs beynah vollbrächten, Welchs sein vnmüglich vil gedächten Diese latein. Construction des Accus. mit dem Infin. findet sich in diesem Jahrhundert häufig bei solchen Schriftstellern, die gewöhnlich Lat. schrieben. So bei Hutten unzähligemal. . Derhalben werd man sie auch Preisen Allweil Preisgaw vom Preiß würd heisen. Nachdem nun sie auch an dem ort 580   Durch die Bruck fuoren glücklich fort, Da manten sie einander wider, Das man nun käcklich führ hernider, Dieweil der Rein doch für sie wer , Vnd strenger nun zulauffen beger. 585   Aber je meh der Rein fort stis Fortstoßen, nämlich seine Wogen, d. h forttreiben. , Je meh die Sonn jr kraft bewis; 139 Dann als sie mit jrn schnellen geulen So hefftig in die höh thät eylen, Zu sein im Mitten Ihrer Bahn nämlich. zu Mittag, 590   Auff das sie da ausspannen mag, Ward sie vom eilen so erhitzt, Das sie nur feurstral von jr Das Pronomen reflexiv. der dritten Person hatte im Dativ statt sich die Formen ihm und ihr , im Accus sich , und im Ablativ von ihm , von ihr , statt von sich . schwitzt; Die schos sie hin vnd her sehr weit, So wol auff arbeitsame leut, 595   Als müsige, auff jene drumb, Das bald zu end jr arbeit kumb , Auff dise drum, das sie empfinden, Wie sich arbeitend Leut befinden, Dan welchen die hitz thut gewalt So viel als beschweren , beschwerlich fallen . , 600   Die stellen Wonach stellen , so viel als wonach streben . nach der Küle bald, Vnd fördern jre sachen meh , Das sie diselb erlangen eh . Fürnemlich aber schos Wir sagen in diesem Sinne werfen . jr stral Die Sonn auf vnser Schiflin schmal, 605   Weil sie jm schir Schier , heute gewöhnlich in dem Sinne von beinahe ( ferme ). Hier aber hat es die Bedeutung des alten vast , nämlich sehr . vergonnen thet, Das es lif mit jr vm die wett, 140 Vnd wolt jr nachthun jren lauf: Mit jr gehn nider, wie auch auf. Idoch Jedoch . Das e nach einem i wurde in der alten Aussprache verschlungen, wie bei uns noch in die , daher findet es sich öfters ausgelassen. die manlich Reisgefärten 610   Achteten nichts Hat dem Lat. gemäß einen Genit. partitiv. bei sich. der beschwärden, Ir ehrenhitzig Rumbegird Stritt mit der Sonnen Hiz vngeirrt Ungeirrt wie bei uns ungehindert . , Die eusserliche prunst Flamme, Hitze. Es hat sich bei uns in Feuersbrunst erhalten. am leib, Die innerlich prunst nicht vertreib. 615   Je meh erhitzigt ward jr Plut, Je meh entzindet ward jr Mut, Je meh von jnen der Schweis floß, Je meh Muts jn die Reis eingoß , Dan arbeit, mühde, Schweiß vnd Frost 620   Sind des Rums vnd der Tugend kost, Das sind die staffeln vnd stegreif, Darauf man zum lob steiget steif So viel als sicher . , Mit müsiggang vnd gmachlichkeit Man keinen Namen nicht Der Gebrauch der doppelten Negation findet sich in dieser Zeit häufig, was um so auffallender, da sich die deutsche Sprache vieles aus der Lateinischen anbildete. bereit, 625   Die schimlig faulkeit vnd wollüst Ligen vergraben inn dem Mist. Aber von ernsthitzigem fleiß 141 Mus der stahl schmeltzen wie das Eiß, Vnd widerumb durch stanthaft anhalten Wahrscheinlich zu ergänzen der Kälte im Winter , denn sonst wüßte ich keinen Sinn in diese Stelle zu bringen. Der Sinn ist, wofür auch die folgenden Verse sprechen: wiewohl sich die Sonne bemüht, das Eis zu schmelzen, so widersteht es derselben durch Anhalten der Kälte. 630   Mus das Eiß in Kristall erkalten, Gleich wie auch von der Sonnen gschicht, Wie man im Schweitzergbürg oft sicht. Mit der weis Im Orig. wis . Ich habe die Lesart weis aus der Ausgabe B vorgezogen. kan ein stanthaft Man Eben dis, so die Sonn auch kan. 635   Wie solt dan solchen stanthaft Freunden, Die zu der Arbeit sich vereinten, Die Sonn nun etwas angewinnen Wir sagen abgewinnen . , So sie doch jre Kunst auch künnen? Vnd gleich wie sie die Erd erhert , 640   Vnd das Wachs erweicht vnd versert, Also zutrotz dem Sonnenstrall Erherten sie gleich wie Kristall, Vnd die müh, welche scheint Kristallen Kristallen steht als Bild der Härte; daher so viel als kristallenhart . , Weichen sie, das sie muß zerfallen So viel als verschwinden. , 645   Vnd halten nur der Sonnen stich Stich ist hier Substantivum: die Stiche der Sonne . , Für anmannung zu fördern sich Der Sinn: sie halten stich, um sich durch (für) ihre Anstrengung (anmannung) weiter zu fördern. : 142 Dan wer schön Wetter haben will, Mus leiden, das er die Sonn fül. Derwegen als die Sonn vermerckt, 650   Das nur jr Manheit wurd gesterckt, Vnd sah allweil das Schiff forteilen, Da sorgt sie, sie möcht sich verweilen, Das jr vileicht das Schiff vorkäm, Vnd also jr das lob benäm, 655   Derhalben, nicht halb außgerhut, Spannt sie frisch Pferd vor wolgemut, Lis sich aus jrem guldnen Sal, Vnd rennt inn eim Kib Kippisch sein – zörnen, trotzen, schmollen nennen wirs. So erklärt Meusel diesen Ausdruck in seinem histor. litt. stat. Magaz. I. S. 249. ab zu thal, Als wann vom Himel ein Feurstral 660   Schießt plötzlich inn ein ferres thal. Sie praucht Sich prauchen , dasselbe, was unser sich zusammennehmen . sich auch so emsiglich, Das sie bei Reinau jnn Im Orig. inn , was aber ein Druckfehler. S. oben V. 11. vorstrich , Vnd zeigt sich dem Schiff auf den seiten Die Sonne war mehr gegen Abend zugegangen, mußte also dem nördlich fahrenden Schiff auf die Seite strahlen. , Im Im ist der Dativ und gehört zu ausbieten , denn eim (einem) ausbieten , also ausbieten mit dem Dativ verbunden, war so viel als hervorfordern . zu dem Wettlauf auszubieten, 143 665   Welchs dise Männer meh ermant, Das weidlich sie anlegten hand, Fürnemlich da sie daucht von ferr, Wie ein neu gstirn jn forschin her Her schien . Vom widerschein der hohen spitzen 670   DesThurns zu Strasburg, durch hell plitzen Dieser Nachsatz gehört zu wiederscheinen . , Die auf der spitz die Sonn erregt, Auf das sie die Gselschafft bewegt , Vnd also gleichsam mit jr schertzt, Vnd sie zufaren macht behertzt. 675   Dan jr der Kib vergangen war, Als sie ward jres vorteils gwar, Vnd liß die Pferd gern langsam traben, Meh kurtzweil mit dem Schiff zuohahen, Welchs mit jr, vngewonter weis, 680   Auf dem Rein wett lif vm den preis. Dann grose händel Noch jetzt gebräuchlich im Sinne von Streit , daher hier Wettstreit . vnderstehn Würd so wol globt, als sie begehn. Aher sie mußt hernider eilen, Die Erd sich lassen zuerkülen, 685   Vnd sich selbs im Mör Mör für Meer. zuerfrischen, Vnd den feurig schweiß abzuwischen; Idoch zuletzt eh sie verlauf Sprang sie zu etlich malen auf Hinter den Bergen mit jrn plicken, 144 690   Zusehen, wie sie sich nachschicken Wir sagen noch sich anschicken , so sich nachschicken gleich sich nachbegeben , nachfolgen . , Vnd als sie es sah schier Hier hat schier die Bedeutung beinahe . Vergl. oben V. 605. vollpracht Sprang sie noch eins zu guter nacht, Vnd befal die Gselschaft dem Rein, Der sie leit gar Ganz. In der Bedeutung sehr steht es im folgenden Vers. in dStatt hinein, 695   Welchs der Rein gar treulich that, Vnd ließ sich hören am gestad Mit grösserm rauschen vor meh Meh heißt mehr . Daher hier größer , mit größern Freuden. fröuden, Das sie so nah der Statt zuleiten Zuleiten , das heißt zulenken . Zuleiten sollte eigentlich mit zwei t geschrieben werden, da es das Imperfect., aus leiteten entstanden, ist. Man verkürzte in Versen sehr häufig die Conjugations-Endungen. S. oben V. 294. 307. . Sie liessen auch zu Lob dem Rein, 700   Vnd zum zeichen, das sie da sein, Die Trommen vnd Trommeten gehn, Das es gab ein groß fröuden gthön, Sie danckten Gott auch sonderlich , Der jnen hat so gnädiglich 705   Sein Gschöpf Geschöpfe , was bei uns Werke der Schöpfung , hier Wasser, Wetter, Sonne. S. den folgenden Vers. zu der fart dienen lon Verkürzte Form für lassen . Diese Form fand im Infinitiv und allen dem Infinitiv ähnlich ausgehenden Conjugations-Fällen statt. So: wir lon , auch lan , gelon . Doch wurde bei diesem Particip in Verbindungen, wie die hiesige, auch die Vorsilbe ge weggelassen, wie auch wir sagen: ich habe dies thun lassen , für gelassen . : 145 Die Wasser, Wetter vnd die Sonn, Vnd sie vor aller gfahr bewart, Auch jn kreft Zu Fischarts Zeit schrieb man noch häufig für den Umlaut ä das e. So z. B. Statt, Stette, Kraft, Krefte. geben zu der fart. Drauf hat der Rein sein abscheid gnommen, 710   Auf das er bald ins Mör möcht kommen, Vnd jhm die fremde zeitung pringen, Wie er vm rum werd mit jm Ringen, Weil man auf jm Dem Rhein. Das reflexive Pronom. fahr auch so gschwind, Darzu on Segel vnd on Wind. 715   Doch zu Strasburg an der Reinprucken Da hat der Rein gesucht ein lucken Von altem her hinein inn dStatt Mit eim Arm auß sondrer libthat , Nicht allein drum Das Folgende zur Bekräftigung des eben Gesagten. , das sie Nämlich: die Statt Straßburg. die Ill, 720   Davon man Elsas nennen will, Samt der Preisch Breusch und Ill. Beide Flüsse vereinigen sich bei Straßburg. lait zum Haupt dem Rein Wiewol erst unterhalb Straßburg die Ill in den Rhein fällt, so hat Fischart die poetische Anschauung, daß Straßburg diese Flüsse dem Rhein, als dem Haupte der Flüsse, zuführe, gleichsam als eine Ehrenbezeugung oder einen Tribut. : Vnd also mit der Stat verein Der ganze Vers ist dunkel und hat folgenden Sinn: und auf diese Weise (also) den Rhein (welches aus dem vorigen Verse zu ergänzen) mit sich (denn Statt ist überflüssig, da das Subject Statt ist) vereine, d. h. sich verbindlich mache. , – 146 Sonder auf das der Rein zugleich Durch disen Arm der Stat sein Ganz können wir den Sinn des alten Ausdrucks sein nicht wiedergeben, aber am nächsten kommt ihm unser wohl . raich , 725   Was jnen Eine lateinische Construction. Das Statt im vorigen Verse wird als Collectivum angesehn, daraus der Begriff der Mehrheit entnommen, und als Subject im folgenden Verse angewandt. So sagt Cicero de nat. deor. 2, 6. ut hoc idem generi humano evenerit, quod in terra collocati sint . Hier bei jnen ist demnach Bewohner der Stadt zu denken. wirt gefüret zu, Es außzuladen mit guter rhu, Vnd Alles noch abhängig von der Conj. das V. 723. durch den Arm, genant der Giesen, Die Schiff wie in ein Port darfliesen, Vnd die Freund, so sie bsuchen wöllen S. oben V. 519. , 730   Mögen in mittler Stat Lat. in media urbe , in der Mitte der Stadt. ausstellen Bei uns anlanden , ankern . . – – Zum selben Giesen sie Mit diesem Verse schreitet die Erzählung weiter, daher sie auf die Züricher zu beziehn. anfuren, Vngefär vm die sibend vren; Weil man aber vor hat vernommen, Das die Geselschaft an solt kommen, 735   Auch etlich Gwett drauf waren bschehen Bei uns geschehen . , Wo man sie heut würd kommen sehen: Da Unser so . stund vom Gisen zwar herauf Zum Kaufhaus zu ein solcher hauf 147 Von Mann vnd Weibern, Jung vnd Alt, 740   Das es sah Wir sagen aussah, als ob . wie am Gstad ein Wald, Welcher Wieder die lateinische Anknüpfung quod vulgus, quum cet. ; nur entspricht ihr das da V. 743 nicht. hauf als ers sah herkommen Mit jren Trommeten vnd Trommen, Da sprach er: »Allhie sind die Leut, Die wir heut han erwart so weit, 745   Hie sind dieselben Eidgenossen Im Orig. der Druckfehler Eignossen . , Welche vollprachten, was sie bschlossen! Wer will forthin meh können sagen, Das Arbeit nicht könn als erjagen Erjagen, d. h. möglich machen, alles erreichen . , Weil sie Nämlich: die Arbeit . aus vier Tagreisen heut 750   Hat ein gemacht, vnd nah das weit, Vnd gzeigt, das Nachbarn nicht allein Auf etlich zwentzig Meilen sein, Sonder treisig, ja sechtzig Meil, Wan man nach der Reiß rechnen will? 755   Dis sind recht Nachbarn, die wol weit Ergänze sind . , Doch, wan sie wöllen, nach sind heut, Vnd Nahen Nachbarn auch zugan Zugan , d. h. zu gehen, an die Hand gehn. , Vnd sich kein müh dran hindern lan. Wie solt man nicht als guts den trauen , 760   Die kein müh noch not hat gerauen Altes Particip von gerewen . , 148 Ir Nachbarn zubesuchen weit, Was thäten sie zu andrer zeit? Darum sind sie vns wol So viel als sehr , recht . willkommen, Die vns zu lib solchs für hant Für haben . Alte Form, die zu Fischarts Zeit nur noch in Dialecten im Gebrauch, und aus dieser trifft man sie noch bisweilen in Gedichten, seltener in Prosa. S. über dieselbe Grimm I. S. 966. gnommen. 765   Billich thun wir jn Inen , gleich denen . an all Ehr, Die vns zur Ehr auch kommen her. Gott wöll die libe Nachbarschaft: Ein Statt Strasburg vnnd Eidgnosschaft, In stäter freuntschaft stäts erhalten, 770   Wie sie besteht noch von den Alten Straßburg und Zürich waren seit langer Zeit Bundesverwandte gewesen. !« Dis vnd dergleichen sagten da Die Burger, vnd was jn Inen , d. h. den Zürichern. zusah. Desgleich die Gselschaft sehr erfröut, Das man jr Statt jrer . wart mit grosser fröud. 775   Sprachen: vmsonst ist nicht die mieh Wohl nur des Reims wegen. Denn müh kommt vor V. 1118. , Weil man mit danck verstehet Bemerken, sehen. Der Sinn ist: weil man die (Straßburger) dankbar sieht. die. Wer wolt den nicht zu lib was thun, Die liblich ein empfangen nun. Haben wir anders nicht davon, 780   Tragen wir doch den Rum zu lon . 149 Wer aber nichts vm Rum darf Hat hier die Geltung von mögen . wagen, An dem mag man der Ehr verzagen . In dem furen sie fort im Giesen, Da sie die Kinder Construire: da die Kinder sie (Accusat.) willkommen hießen. willkomm hiesen, 785   Den wurfen sie nach altem sitt Ehemals wie fast alle Wörter, die wie sitt auf itt, oder auf it ausgingen, ein Mascul. , Welches bedeutet danck vnd frid, Ir Zürchisch Brot, gnant Simelring Bei uns Semmelring, ein Backwerk in der Gestalt eines Ringes, wofür in einigen Provinzen jetzt Kringel oder Krengel gebräuchlich, denn das bekanntere Bräzel entspricht der Gestalt wegen nicht ganz dem Simelring . , An das Gestad, das mans empfieng Empfangen , hatte damals dem Lat. accipere gemäß auch die Bedeutung annehmen . . Das wärt hinauff das gantz gestaden, 790   Dan sie vor hatten eingeladen Treihundert solcher Semelbrot, Welchs Lateinische Anknüpfung. , wann man bei den Alten bot, Deits Gastfreiheit vnd Freuntlichkeit, Darvon die Schweitzer sind beschreit Beschreien, d. h. besprechen, und daraus bekannt sein . . 795   Folgends, als aus dem Schiff sie giengen, Zwen Das alte Zahlwort hatte die drei Geschlechter, masc. zween , fem. zwo , neutr. zwey , doch wichen dieselben nur im Nominat. und Accus. des Masc. und Fem. ab. Das Neutrum wurde wie bei uns decinirt. Herrn des Rhats sie da empfiengen Der Empfang war mit Worten begleitet, daher geht Fischart, als aus dem Sinne der Empfangenden erzählend, im Folgenden in die indirecte Rede über. 150 Von wegen einer Oberkeit, Welche sich jrer ankonft freit Freit für freut , des Reims wegen. , Die also wunder glücklich sei 800   Vollpracht, auß Nachbarlicher treu, Welche besuchung sie nun mehr Rechne für gros Freuntschafft vnd Ehr, Iren Das Pronom. reflex. Dat.: jr . vnd jrem Schiessen gschehen, Darfür man jren danck soll sehen, 805   Vnd jren fleiß, stehts D. h. stäts , immer . zuerfüllen Den Alten Nachbarlichen willen, Wünschend, das gleich wie die Schiffart Glücklich vollpracht wer vnd bewart, So glücklich besteh jderzeit 810   Der beiden Stett lib freuntlichkeit. Nach geendter Red führt man sie all Mit Trommen vnd Trommeten schall Aufs Ammeisters Stub zu dem Essen, Da vil Volcks war zu Tisch gesessen 815   Von Burgern vnd fremd Schützen zwar S. oben V. 170. , Die jrenthalb warn kommen dar Darkommen, für hinkommen, herzukommen. ^ Auch erschinen jn da zu Ehren Stett- vnd Ammeister vnd Rhatsherren, Die zwischen sich zu Tisch sie Die Züricher. Der Accus. setzten, 151 820   Vnd mit gespräch vnd Speis ergetzten, Desgleichen auch mit Musicspilen, Vnd was sie wußten jn Den Zürichern zu Wunsche. zu willen. Sie lisen auch gleich pringen dar Den Hirs, der zu Zürch kochet war, 825   Vnd lisen des Des , d. h. dessen , nämlich des Hirsebreies. Des ist abhängig von dem folgenden Platt . auf jden Tssch Ein Platt voll tragen, warm vnd frisch, Dessen sich mancher gwundert hat, Wann er jn an Der fehlende Artikel liegt in an . Mund prennen that. Hatten drob mancherlay gespräch, 830   Das jn des kurtzer wurd die Zäch, Sagt jder auch von seinen Reisen, Vnd wolt das sein vor allen preisen, Doch lobet Ist auf das jder V. 831. zurückzubeziehen. mehrtheils dise Reiß, Die jnen den Hirs lifert heiß, 835   Vnd preißten die Züricherknaben, Das sie so wol sich gprauchet haben S. oben V. 661. , Desgleichen auch die Eidgnosschaft, Die jn den Abend frölich schaft. Man sprach auch zu Zu ist auf sprach zu beziehen. Der Sinn ist: sie sprachen zu, d. h. redeten zu. den Schiffartgsellen, 840   Das sie sich frölich wolten stellen Sich fröhlich stellen , so viel als sich fröhlich benehmen , lustig sein . , Diweil man vm ergezlichkeit 152 Wer zsamen Zsamen statt zusamen, oder zesamen. kommen also weit, Vnd sie geländt weren an dem ort, Da gut sei der Hafen vnd Port, 845   Wie Glückhafft sie zu schiffen weren: So freuntlich soltens sichs erklären D. h. auslegen , eine Vorbedeutung daraus ziehn . Der Sinn: wie glückhaft sie zu Schiffe wären, so freuntlich (glücklich) möchten sie sich es auslegen. ; Dan man sagt, wem das Glück wol will, Der dantzt auch on ein Seitenspil, Vnd welchen das Glück an thut lachen, 850   Der kan auch andre lachen machen; Auch darum erfröut ein das Glück, Das er auch ander Leut erquick; Dan gwißlich ist vnfreuntlichkeit Ein stuck der vnglückseligkeit. 855   Dis sei der Freuntschaft eigenschaft: Zur fröud hertzhaft, zur not standhaft. Sie solten mit Wein külen nun Was heut verprennet het die Sunn, Vnd folten jtz zu lib dem Rein 860   Auch trincken Rain Der Diphthong ei oder ey hatte in einigen Wörtern die Aussprache von ai, und daher findet man ai und ei, ey verwechselt z. B. ein , ain . S. Ritteri Gr. Rein hat hier die Geltung von ungemischt , ungetrübt , und man könnte es auf Wein beziehn, dann wäre aber, wie mir es scheint, der Ausdruck zu unthätig, daher glaube ich eher, daß Fischart es für heiter , fröhlich nimmt, geichsam durch das Wortspiel anzuzeigen, daß der Name Reinwein es schon mit sich bringe, daß er rein , d. h. fröhlich , heiter getrunken werden müsse. den Reinischen Wein; 153 Sie solten nun die Bächer vben , Gleich wie sie heut die Ruder triben, Vnd werfen auf ein Glückgeschirr Glückgeräth. Es wurde nämlich den Gästen zu Ehren eine große Lotterie angestellt, deren Gewinnste in allerlei Geräthen von Silber und dergleichen bestanden. Die Loose wurden aus dem Glückstopf des Hirsebreies gezogen. Vergl. Maurer S. 86. , Welchs jres Glückschiffs Namen führ. 865   Dergleichen mocht man jn zusprechen Nach der Freund Ehren Ehrenbezeugungen der Straßburger. Fröud zurechen Zurechnen für zu rechnen , d. h. zu schätzen, wägen. , Demnach von Freud gnant sind die freund; Gleich wie von Fehde sind die Feind. Hierauf die Gselschaft sich erzeigt, 870   Wie Freund, zu freundtlichkeit geneigt, Erwis Ergänze vor erwis die Conjunct. und . , von wegen jrer Statt D. h. in Ansehung ihrer Stadt Zürich. , Das Hertz, so sie zu Strasburg hat, Vnd wie sie noch die Alten weren, Die Nachbarschaft zuhalten bgeren Die unrichtige Zeitfolge giebt zu erkennen, daß hier der Dichter aus dem Sinne jener spricht. . 875   Nach dem das Mal nun war vollend Lait Führte die Herrschaft der Stadu u. s. w. sie in jr bstellt Losament Zum Hirtzen Zum Hirsch . Wie auch wir Gasthäuser nach dergleichen Thieren benennen. , die Herrschaft der Statt, 154 Da die Gselschaft jr Rhu dan hat.         (Donnerstag, den 21. Junij) Folgenden tag führt man sie hnaus 880   Auff den schießplan Plan , ehemals allgemein für Ebne , Platz , daher Schießplatz . ins Neu Schießhaus, Zeigt jn herum den gantzen Plan, Beid Zilstett , vnd was drum vnd dran. An allenr gful jn der gros fleiß Fürnemlich am künstlichen Gheus , 885   Welches den Armprostrain Rain , zuförderst ein abhängiger Ort, dann Markung , Gränze . Davon Armbrustrain , ein schmaler grüner Ort, von welchem aus nach dem Ziele geschossen wurde. Hier war er mit einem Hause, vielleicht nur einem künstlichen Dache, überbaut. vmfieng. Nach disem man in dHerberg gieng. Nach mittag die geordnet Vom Range gesagt, denn Herren des Raths führten die Schiffer herum. S. Maurer S. 80. Herren Zeigten, was sie Nämlich die Züricher. mochten begeren: Als das berhümt herrlich Zeughaus, 890   Ein Kleinot diser Statt voraus D. h. vor vielen andern Dingen. Burgern vnd Freunden zu eim schutz, Vnd den Feinden zu einem trutz. Dan tröstlich soll man sein den Freunden, Vnd schrecklich zu der not den Feinden, 895   Jens, das man meh Freuntschafft erreg, Dises, das man Feindschafft zerleg . 155 Auch zeigt man jn auß sondern treuen Aus besonderer Gewogenheit, denn dies bezog sich schon auf das häusliche Leben der Straßburger, in welches man nur Vertraute einweiht. Die Speicher vnd die Kellereien, Vnd als der Tag ward Das Hingehen nach der Schneiderzunft gehört noch mit zum Hinbringen des Tages, daher das Imperfectum. hingepracht, 900   Gieng man auff dSchneiderzunft zu nacht, Dan sie dahin lud, das man käm, Von Zürich der Burgermeister Bräm , Weil daselbs wern Aus dem Sinne des Bürgermeisters gesprochen, daher der Coniunctiv wären . Es waren außer unseren Glückschiffern noch andere Eidgenossen zu der Festlichkeit gekommen, die sich auch bis an das Ende des Schiessens aufhielten. losiret ein All Eidgnoßschützen, die da sein.         (Freitag, den 22. Junij.) 905   Am Freitag führt man sie darnach Inn das Münster Das Meisterwerk der gothischen Kirchenbaukunst, welches 1277 angefangen ward. Die Uhr lehrte den Lauf der Sterne, künftiger Finsternisse, die Zeiten der Monate, Tage, Stunden, Minuten, Länge der Nächte, selbst Jahrhunderte, und noch viele andere Dinge durch ihren Mechanismus, weshalb sie Fischart auch durch ein Gedicht verherrlichte. , da man besach Das künstlich Vrwerk, gantz vollkommen, Desgleich man nicht vil hat vernommen, Darab man spürt, wie Künstlichkeit 910   Auch werd halt dise Oberkeit; Dan nichts zirt eine Statt so sehr, 156 Als ehrlich Künst vnd gute Lehr, Diweil sie weißlich führen, lenden Lenken, d. h. leiten. S. Haltaus . Das vorige sie ist auf Künste und Lehren zu beziehen, daher der Sinn: weil sie weislich die Jugend führen und lenken. Die Jugend fein in allen Ständen. 915   Daher jung Leut, wol angewisen, Das Lebendig Gmeur der Stat hisen. Folgends man auf den Thurn hoch stig Das man das schön Gebeu erwig Erwägen, hier: in Betracht nehmen . . Da ward auf des Thurns höchsten plon Wie Plan , ein Platz . Zur großen Ueberraschung der Gäste war ihnen hier ein Morgenbrod angerichtet. S. Maurer S. 83. , 920   Angericht ein Collation, Vnd demnach inn das Chor gegangen, Da man besach mit gros verlangen Das Einhorn, welchs acht schuch Schuh, Fuß. Wie gewöhnlich in Kirchen, so fanden sich auch hier allerlei Merkwürdigkeiten. Die wichtigste derselben, ein in Stein gehauenes Bild, auf welchem ein todter Fuchs von einem Schweine, einem Bock, Hasen, Wolf, Bär, zu Grabe getragen wird, und welchem ein Hirsch – mit langen Geweihen – Messe liest, und ein Esel das Sterbelied singt, hat Fischart besungen: Auslegung der von verschiedentlichen Thieren gehaltenen Meß u. s. w. durch Joh. Fischart. (Vergl. Flögel Gesch. der kom. Litterat. III. S. 350. Daselbst hat man auch eine Copie jenes Bildes.) lang war Ein herliches Kleinot fürwar. 925   Nach Mittag giengen sie gleich all Auf die Pfaltz , Cantzley vnd Marstall, 157 Folgends inns Spital man sie leit, Da ein Abendtrunck war bereit, Auch Wein von Hundert virtzig Jar, 930   Welchem doch grawet noch kein Har.         (Sambstag den 23. Junij) Am Samstag, da man innen ward, Das die Gselschaft wolt auf die fart , Da dankten jn die Herren sehr Der Freudenbesuchung vnd Ehr, 935   Vnd das sie nun erneuert hetten, Was vorlängst jr Vorfaren theten Auß Nachbarlichem willen gflissen , Dessen sehr grossen danck jn wissen Dessen ein ganzer Rath sammt der Gemein ihnen Dank wissen. Ein gantzer Rhat, samt der Gemein, 940   Vnd sind geneigt, solchs nicht allein Vm ein gantzen Ehrsamen Rhat Zu Zürich, mit jr möglichster that, Sonder besonder vm ein jden Zubschulden Der Sinn: Nicht allein um den Rath, sondern um einen jeden mit Gunst und Ehrerbietung verschuldet, verpflichtet sich zu zeigen , sind sie geneigt. mit gonst, Ehrerbiten, 945   Auch zu gedächtnus der Schiffart Den Hafen Topf. Noch jetzt ist in Süddeutschland dieser Ausdruck allgemein. , darauf gwettet ward, Vnd Ergänze welcher . wog hundert vnd zwentzig pfund, Aufzuheben, das es werd kund; 158 Ferner zu Steifer Steif so viel als fest in späterer Zeit . bezeugung 950   Irer gantz Nachbarlichen neigung Zu Zürich, vnd alln insonderheit Der Sinn: daß ihre Neigung zu Zürich kund werde, und außerdem allen, so sei u. s. w. Sei jdem ein Fanen bereit, Mit der Stattwapen fein gezirt, Wie der Ergänze Fanen aus V. 952. Fanen war damals Mascul. Die Fahnen waren, nach Maurer, schwarz und roth und in der Mitte mit dem Straßburgischen Wappen geziert. eim guten Schützen gbürt, 955   Den werd man einem jden reichen Zu jrer Reiß glückhafftem zeichen, Dan weil sie könten so geschwind Als ein Pfeil vom Armprost verschwind Von Zürch gen Strasburg fliesend schiesen Fließend schiesen bildlich für: auf dem Strom dahin fließend schießen. Fischart will damit sagen, sie hatten auch nach dem Ziele geschossen: so wie jene Armbrustschützen nach der Scheibe, so sie von Zürich mit dem Schiffe nach Straßburg. 960   Solten sie billich des genisen, Gleich wie ein andrer schütz des gnießt Wan er zu Wir sagen nach . dem Zweck gewiß schießt, Weil sie den Zweck, jn In gesetzet vor, so viel als: welchen sie sich vorgesetzt. Inen hier Pronom. reflexiv. gsetzet vor, Nemlich Strasburg, erreicht han zwar Zwar , hier überflüssig, des Reims wegen. 965   Dan diß ein gwisser Gwiß für sicher. Schütz wol heißt, 159 Der das erreicht, nach dem er reißt Sobald man reist, hat man ein gewisses Ziel vor Augen, daher von den Zürichern auf das Allgemeine bezogen. , Vnd kan das vnstät Glück noch zwingen, Ine, dahin er sinnt, zupringen. Auch wöll man der Statt zugedencken 970   An jden Fanen dazu hencken Ein Atlasseckel Ein Säckchen, Beutelchen von Atlaß. , vnd darinnen Fünf Denckpfenning, solchs lang zusinnen . Nach disem man die Gselschafft nam Nehmen ist hier etwas ungewöhnlich. Der Sinn: man nahm darauf die Gesellschaft in Beschlag, und kam mit ihr zum Ammeister. Vnd aufs Ammeisters Stub gleich kam, 975   Vnd da die Letz mit jnen aß, Vnd keiner Freuntlichkeit vergaß, Mit gutem gspräch, mit tranck vnd Speiß, Mit Music auf vilerley weiß. Als nun der Imbiß ward geendt, 980   Vnd der danck nach gebür vollendt, Da fand die Gselschafft sechs Rollwägen Vor jrer Herberg gleich zugegen Gleich zugegen finden heißt gleich in Bereitschaft finden . , Darauf sie furen hin Dahinfahren mit fröuden, Vnd thaten sie vil Herrn geleiten, 985   Meh, dann auf treisig Pferd hinaus, Auch Stett- vnd Ammeister voraus Der Stett- und Ammeister ritten vor ihnen her. . 160 Vnd als sie bei die Marckpruck kamen, Die Herren da jr Vrlaub namen, Mit vberreichung Ergänze von . Wein vnd Prot, 990   Welchs man jn in die Wägen bot. Da gieng die rechte letz erst an. Ider wolt sein zugdencken lan , Vnd entdecken sein hertzlich treu. Fürnemlich sagt die Gselschaft Nämlich: der Züricher. frei, 995   Sie wolt, bei Treu der Eidgnossen, Bewisen Treu Die ihnen von den Straßburgern bewiesene Treue. Vnbschuld nicht losen Unbeschuldet nicht lassen , d. h. nicht unvergolten lassen. So sagen wir: ich habe bei jemand viel verschuldet , d. h. ich bin ihm viel schuldig, ich habe ihm viel zu vergelten . , Vnnd forthin Strasburg Trausburg Trausburg von Treue oder Trau . haisen, Vnd die Trau bei Nachkommnen preisen. Auch dise Fanen, jn gegeben, 1000   Zu gdächtnuß solcher Treu, aufheben, Vnd die Denckpfenning stäts anhencken Aufbewahren für ihre Kindeskinder, an Straßburg zu gedenken ( ut memores essent Argentorati ). , Kindskinden, Strasburg zugedencken. – Secht, was die Treu hat für groß kraft, Die ein starck Freuntschaft sterker schaft, 1005   Deshalb sich Teutscher Treu geflissen Dieser Vers ist hier ein Ausruf an seine Teutschen. ! Vm die stäts warn die Teutschen gprisen, 161 Vnd welcher auß der art will schlagen, Den soll kein Teutschen sein, man sagen Wieder die dem Lat. nachgebildete Construction des Accus. mit dem Infinit. Aufgelöst: von dem soll man nicht sagen, daß er ein Teutscher sei. – Im Orig. ist das Pronomen man mit einem doppelten n geschrieben: mann ; doch ist dies offenbar ein Druckfehler, da die ganze Stelle, wenn man statt des Pron. das Substantivum versteht, keinen Sinn giebt. . Als man sich nun het gnug geletzt, 1010   Mit gspräch, wunsch, grus vnd trunk ergezt, Auch gwünscht, dz sie zuland glück heten, Gleich wie sie zu Schiff haben theten, Fuohr die Geselschaft auf Bennfelden, Da sie dieselbig nacht einstellten Einstellen , hier wegen des Fuhrwerks gebraucht, welches dort abgestellt werden mußte: dann liegt zunächst die Bedeutung einkehren darin. .         (Sontag 24. Junij) 1015   Morgens tags, als die Sonn herschein Herscheinen , so viel als hervorscheinen , d. h. aufgehen. Es war nöthig, sich vor der Abfahrt über den nächsten Absteigeort zu besprechen, da man einen Boten zur Bestellung der Wohnung voransendete. , Kam die Geselschaft oberein, Mittags zu Schletstatt auszuspannen. Schickten deshalben vor von dannen Von dannen so viel als von dort aus . Ein Soldner , welcher solchs bestellt; 1020   Dan jnen wurden Im Orig. worden . zugestellt Zwen Soldner von Strasburg, der Stat, 162 Deren Was unser von denen . der ein den Befelch Befehl. Die Form Befelch ist jetzt noch in Süddeutschland im Gebrauch. hat, Das er solt der Furirer sein, Der ander solt biß Zürch hinein 1025   Zalen, beides, für Roß und Man, Welchs da beid Soldner han gethan; Doch theten von Schletstatt die Herren Der Gselschafft da den Wein verehren. – Von dannen sie auf Kolmar raißten, 1030   Da jn die Herrn Nämlich: die Herren aus Colmar . gut Gselschaft leisten.         (Montag, den 25. Junij) Auf Montag sie auf Enßheim Dem heutigen Ensisheim . zugen , Vnd fortan jr Nachtläger schlugen Bei den Eidgnossen zu Müllhausen, Die sie mit freuden da behaußten Beherbergen . – Ergänze vor dem folgenden Verse und . , 1035   Lößten sie kostfrei von dem Wirt, Vnd hiltens, wie Eidgnossen gbürt. Dan sie Fischart faßt die Bewohner der Stadt hier unter dem Begriff Stadt zusammen, daher das Pronom. sie , die Stadt. zu Habsen zu Mittag Sie Dieses Pronom. geht nun auf die Züricher. auch frei hielt folgenden tag, Darum es wol Milthausen his, 1040   Diwei. sie sich sehr milt erwis. 163         (Zinstag, 26. Jumj) Als folgends sie auf Basel kamen, Die Basler sie sehr bald vernamen. Vnd wie sie jnen vor mit schiessen, Als sie vorschifften, Ehr bewisen, 1045   Also bewisens Aufzulösen in bewiesen es . sie nun auch, Vnd schosen Schosen statt schossen . , das es gab ein rauch. Es war von Volck ein groß geträng, Als sie einfuren, von der mäng Gehört zu Volk. , Sah Sie die Volksmenge. Das folgende sie geht dann natürlich auf die Helden. die Fanen mit lust voraus, 1050   Die sie steckten zun Wägen aus. – Daselbs Nämlich: in Basel . geschah jn auch vil Ehr Mit Ehrenwein Wein, welcher ihnen unentgeltlich verabreicht wurde. , vnd anders mehr.         (Mitwoch, 27. Junij) Morgens frü schickt man hinder sich Hinter sich schicken gleichbedeutend mit zurückschicken . Die Wägen, die jn Nachbarlich 1055   Die von Strasburg gaben bewerlich Wir würden sagen bewahrlich . Die Wagen waren ihnen gegeben zu Schutz und Schirm, Bewahrung , vor dem Wetter. Vielleicht um die Züricher weniger der Hitze auszusetzen. So kommt im fünfzehnten und sechzehnten Jahrhundert werlicheit ( detensio ) vor. , Vnd verletzten Das Composit von letzen . Daher verletzen : stattlich jemanden bewirthen , speisen . die Fuhrleut ehrlich; 164 Nachgehends auf die Pferd sie sasen, Vnd zu Mumpf gleich zu Mittag asen, Zu Pruck Jetzt Brugg . den Nachtimbiß sie namen, 1060   Da man jn schenckt den Wein allsamen; Daselbs sie vberein all kamen, Das sie auf morn Allgemein für morgen . den Imbis namen Zu Altstetten, von Zürch nicht weit, Vnd folgends jder sich bereit Bereit halten, um darauf vereint in die Stadt zu ziehen. 1065   Im Schützenhaus mit seinem Fan, Vnd in die Statt fortzih als dan.         (Donnerstag, den 28. Junij) Inn welchem Nämlich: dem, was sie verabredet hatten. sie auch so fortfuren, Vnd zogen ein fast vm zwo vren, Mit Fänlin fünftzig vier D. h. mit vier und fünfzig Fähnlein. , mit fröuden, 1070   Samt den zwen Soldnern, die sie leiten Welche sie geleitet hatten. – Leiten ist das Imperfect., entstanden aus leit'ten . , Die man vir tag hielt auf zur hand Bei der Hand sagen wir, d. h. sie mußten alle Freuden mit den Helden theilen. , Biß man sie wol verletzt heimsant. Der einzug war lustig zu schauen Beides, von Mannen vnd von Frauen Männer und Frauen sahen den Einzug mit Lust. , 1075   Vnd gleich wie hofnung sie ergetzt Vor, als das Schiff sich hat geletzt, 165 Also fröut sie jzunt vil mehr Die vollbracht Schiffart vnd jr Ehr. Sie sprachen: »Nun wirt man am Rein 1080   Der Aidgnossen stäts eingdenck sein, Man würd dennoch von Zürchern sagen, Das sie zu Land vnd Schiff sich wagen, Vnd das gwis Zürch müß sein glückselig, Vnd Strasburg gwis nicht vnglückselig, 1085   Diweil die Stras auf Strasburg je Je statt ja Gantz glückhaft sei, wie man spürt hie Hie statt hier. Inn dem, das man zum zweitenmol So glücklich Schiff Das Zeitwort schiffen . zusamen wol. Hie sicht man, warum Gott die Flüß 1090   Geschaffen hat, nur darum gwis, Damit man durch jr mittel, weg Durch ihre Mittel und Wege (welche sie bieten). , Nachbarschaft besuch, halt vnd pfleg; Wie man dan lißt, das ob Dieses ob hat die Geltung von an . den Pronnen Vnd den Bächlin sich hab angsponnen 1095   Der Menschen erstlich Nachbarschaft, Daraus kam Sipschaft Bei uns nur noch in verächtlichem Sinne, damals allgemein im Sinne von Verwandschaft gebräuchlich. , Schwagerschaft, Vnd folgends Dörfer, Flecken, Stett, Wie es noch gibt die täglich Red, Das man spricht, wir sind Nacharn Wiewohl man im süddeutschen Dialect die Comparation nach , näher , zunächst findet, so bin ich dennoch der Meinung, daß man Nacharn als Volksausdruck fassen kann, da in der gewöhnlichen schnellen Rede häufig Buchstaben, welche die Aussprache erschweren, ausgelassen oder vielmehr verschluckt werden. Daß Fischart übrigens den Volksausdruck beachtet, davon giebt oben V. 214. einen Beleg. nach 166 1100   Wir schöpfen Wasser aus eim Bach. Drum wir die Aar vnd Limmat preisen, Die vns den Rein zum Nachbarn weisen Als Nachbarn zeigen. . Auch preisen wir euch Zürcherknaben, Die solche Nachbarn gsuchet haben, 1105   Vnd Gott geb, das die Nachbarschaft So lang inn Freuntschafft pleib verhaft Verhaften . Dasselbe, was befestigen . So lang die Ström zusamen fliesen, Vnd vnder einander sich begriesen ! Gott geb euch liben Eidgenossen, 1110   Die jrs gewagt habt vnuerdrossen, Vnd nun glückhafft trett hie herein, Vil Hails zu Land, gleich wie zu Rein! Ir seit ja wol der Fanen werd Weil jr ersigt Ersiegen , d. w. erringen . , was jr begert, 1115   Vnd habt ein ehrlichs Lob geschaft Dem Vatterland der Eidgnosschaft! Gott wöll auch ewig segnen die, So die jn zu lib ghabte müh Vnd Nachbarliche Freuntlichkeit 167 1120   Haben erkant mit danckbarkeit! Gott wöll die Statt Strasburg erhalten, Die vorlengst ward geehrt von Alten, Vnd die die jung Welt nun auch ehret, Das Drückt die Absicht aus, daher so viel als damit . jr Ehr vnd Lob ewig wäret, 1125   Das sie, gleich wie jr Namen deit , Ein Burg sei Türes Rhats Wieder ein Wortspiel. Fischart scheint hier beide Namen, Argentoratum und deutsch: Straßburg, im Sinne gehabt zu haben, so daß tor , da das o im süddeutschen Dialect ohnehin der Aussprache des u sich nähert, in Tür , und rat (das r mußte sich nun schon eine doppelte Benutzung gefallen lassen) in Rath verwandelt, Burg dagegen von Straßburg genommen wurde. allzeit, Vnd Zürich von Rum Thewr vnd rich Theur und rich spielt auf Zürichs Erbauer Turich an, von welchem oben V. 105. Vnd bald bei Gott Reich ewiglich Nämlich, weil sie so edle Bewohner hat. .« Solchs vnd dergleichen etlich redten, 1130   Etlich es heimlich wünschen theten, Biß das der Abend herein trung Hereindrang von hereindringen . , Das jder frölich heimzu Heimzu , ein Adverbium im Sinne von der Heimath zu . gung Gehen . Dieses Wort war im sechzehnten Jahrhuudert in drei Formen aus den verschiedenen Dialecten nebeneinander in Gebrauch. Man sagte gon , gan , gehen . Präs. ich gae , für beide Formen gan , gon . Von gehen das Präs. wie bei uns. Das Imperfect. ich gieng , ich gung , für alle Formen wechselnd. Das Particip. für alle Formen: gangen , gegangen . Der Imperat. von gan und gon hieß gang ; von gehen : geh . . 168       NVn es will mir auch Abend werden, Mein Stern neigt sich nun auch zur erden, 1135   Apollo der Poeten Freund, Will auch nit wider kommen heunt Heunt auch hinte und heut , alle drei Formen für heute im sechzehnten Jahrhunderte gebräuchlich. Heut ist aber das gewöhnliche. Mercurius, der Redkunst hold, Plinzelt Was bei uns plinken in einigen Dialecten bedeutet, wenn man die Augen bald auf bald zu macht. , als ob er schlafen wolt. Derhalben will ich auch mein schreiben 1140   Zu gnaden lasen gahn vnd pleiben, Vnd nun zulezt dem liben Schiff, Welchs gschwinder, dan mein Feder, liff, Vnd der Geselschaft, die vil mehr Als ich kan schreiben, erlangt Ergänze hat . Ehr, 1145   Wünschen, das sie Rhumshalb empfangen, Was der Held Jason thet erlangen Samt seinem Schiff, Argo geheisen, Nemlich, das man sie lang mög preisen, Diweil sie vnderstunden Verstehe: sich unterstunden . mehr, 1150   Als des Jasons Gsellschaft zu Mör, Bedacht Dieses Particip geht auf das Pron. man V. 1148, und ist zu verstehn: nachdem man bedacht . Diese Construction entspricht der Lat., wo ein Particip allein die Stelle des Ablat. absol. vertritt. z. B. Curtius Ruf. 5, 13. Alexander, audito Darium appropinquare, cet. , das sie kein bhelf nicht haten 169 Von Winden, die sie treiben thaten, Noch Segeln, die sich treiben liesen, Davon, wie ein Delphin, zuschiesen Davon zu eilen . Es soll hier aber eine sehr große Schnelligkeit ausgedrückt werden, daher schießen , davonschießen . ; 1155   Sonder durch kecken Mut allein, Vnd vbung starker Arm vnd Bein, Fuhren sie, als vom Windsgewalt Vom Windsgewalt. Gewalt war im sechzehnten Jahrhundert ein Mascul. Vnd als von Segeln fortgeschalt Schalten , bei Schiffen eigenthümlich im Gebrauch, im Sinne von stoßen und lenken . Man sagte, die Schiffe schalten – schalten trudere naves und Schalter gubernator . . Auch sinds Ist aufzulösen in sind sie . nach keinem Gold gereißt, 1160   (Wie solchs das Gulden Vellus heißt), Sonder nach Rum vnd freuntschafft ehrlich, Das war jr Gulden Wider herrlich, Vnd haben solchs fridlich ersigt, Nit wie jene durch gwalt erkrigt Durch Krieg erlangen. . 1165   Drum hat meh Rum die Zürchisch freuntschaft Freundschaft bezeichnete oft einen Kreis von Verwandten . Hier heißt es Freundeskreis . , Dan die Jasonisch Argisch Fischart benutzt dieses Wort, vom Schiffe Argos genommen, um hier gleichsam einen Beleg zu der Aussage, daß den Zürichern mehr Ruhm gebühre, als den Argonauten, zu geben; denn er spielt hier auf das Wort arg an, und glaubt Recht zu thun, da jene Fahrt durch den Zweck, Gold zu gewinnen , und die Mittel zum Zweck, die Entführung der Medea , bei ihm in keinem besonderen Lichte stand. gmeinschaft. – 170 So las ich andre nun beschreiben Die Mörschiffart Meerschiffahrt kann hier auf die des Jason bezogen, oder allgemein genommen werden. In Beziehung auf das Folgende ist das Letztere besser. Mörschiffart ist hier der Plural und die Endung nur des Verses wegen ausgelassen. Der Sinn: die Meerschiffahrt koste vielen das Leben, er habe es mit dem Glückschiff zu thun. , die vil aufreiben, Ich aber hab ein Glückschiff bschriben, 1170   Welchs das Glück selber hat getriben, Von dem man sagen würd allweil , Strasburg von Zürch ligt treisig Meil Man denke hinzu: und dennoch haben sie die Fahrt in einem Tage vollbracht. . Himit schütz Gott die Eidgnosschaft Vnd jre libe Nachbarschaft!   Die Namen der Herren vnnd Freundt des Glückhafften Schiffs von Zürich. Herrn des Rhats waren: Caspar Thoman; Johan Escher; Johan Zigler Eigentlich Hans im Weerd , ein Urenkel des Mannes, der zuerst mit Ziegeln von Ton die Häuser deckte, und daher den Namen Ziegler auf seine Nachkommen brachte, war die Ursache der Schiffart und der Rentmeister der fröhlichen Bande. So Maurer S. 61. ; Sixt Vogel; Heinrich Wunderlich. Herrn der zwaihundert: Georg Ott; Felix Schneberger; Caspar Wüst; Georg Fietz; Heinrich Widerker; Johan Stampfer. Burger: Georg Keller, Medicus; Jacob Bindschädler; Hans Conrad Escher; Hans Jacob Schmid; Wolf Dietrich Hartman; Abraham Geßner; Conrad vnd Caspar Pluntschli; Christoff von Lär; Johan Schwitzer; Rodolf vnd Felix Schüchtzer; Diethelm Wiß; Caspar Wüst der Jünger; Heinrich Asper; Andreas Kippenhan; Johan Heinrich Zigler; Rodolf Wägman; Jacob Locher; Johan Bartolme Käufeler; Johan Christen; Georg Straser; Heinrich, Jacob, Ludwig vnd Rodolf Waser; Adrian Zigler; Huldrich Schwiter; Johan Wunderlich; 172 Hans Peter, vnnd Hans Huldrich Lochman; Jacob Weißling; Fridelin Weiß; Johan Ringli; Thomas zur Linden; Felix Pantli; Johan Sturm; Trei Trommeter; Salomon vnd Hans Selbler; Thomas Eberhart; Zwen Trommenschlager; Hans Asper; vnd Hans Ersam; Johan Mülli, ein Pfeiffer.   Der Schmachspruch. Schmachspruch eines Neidigen Schänders, denen von Zürich, vnd andern jren Ihren anderen. Eidgnossen, auch dem Ehrlichen Straßburgischen Hauptschiessen zu verachtung gedichtet.               GRoß wunder muß ich sagen fry Frei . Dieses Gedicht nähert sich mehr dem süddeutschen Dialect, wie sich im Folgenden bewähren wird. , Mit gunst zumelden, von eim Bry , Der droben in dem Schwytzerland Nochdan gekocht on Wyber hand, 5   Kostlich Köstlich . Ergänze vorher und . von Milach zugerüst, Inns Elsas chom Im Orig. der Druckfehler chon . Das ch hat in diesem Dialect die Geltung von k, daher chom : gekommen . Es findet sich zwar (V. 33.) kamen , aber eben so findet man die beiden Schreibarten: Knaben V. 110, und Chnaben V. 35. ist diser frist , Als zu Straßburg das Schiessen war, – Het schier gesagt das Jubeljar – Darnach gesänt hat mäniglich , 10   Ouch jren vil Wie wir sagen deren viele . Der Sinn: Auch deren viele sich vermessen haben. vermessen sich, – Wanns Aufzulösen in wann sie . Dieser und die beiden folgenden Verse sind als Zwischensatz zu fassen. nur so lang das leben han Haben . Hier der Conjunctiv haben möchten . 176 Das diß Schiessen möcht fangen an, Vnd solch Im Sinne von dergleichen auf Schießen zu beziehen. kurtzweil beschähen all, Alsdann so wöllends in dem fall 15   Gar geren sterben. – Ach der Narren! Die nichts gesächen noch erfaren, Vermeynen schlecht , die göucheri Göuch und Gauch ehemals ein Narr . Daher göucheri , d. w. Narrheit . – Das sy (sei) des folgenden Verses ist hier nach göucheri herüberzunehmen. Der gröst Triumpf vf Erden sy, Vnd gaffens Ist aufzulösen in gaffen es . Dieses es ist auf die Feierlichkeiten des Hauptschießens zu beziehen. mit verwundern an, 20   Hands Ist aufzulösen in han das . Maul und Nasen offen stan; Doch mein ich, das dus Ist an den Leser gerichtet. wißtest, die Nimm das kamen aus dem Folgenden herüber. Ir lebtag weiter kamen nie, Dann biß an Ryn vnd Ruprechtsouw Ruprechtsau ist sprichwörtlich, wenn man anzeigen will, daß jemand nicht weit gekommen. Es ist ein Dorf im Elsaß. , Vnd wann jn nicht alsbald die Frouw Frouw (Frau), alte süddeutsche Form. Gebräuchlicher war frawe , was unten V. 85. 25   Ein frisch Hembd hat geschickt hernoch Hernoch zu schicken , steht für nachschicken . , So hebt sich an ein grosse schmoch Schmach . Die vier folgenden Verse sollen verächtlich bloß anzeigen, daß die Züricher nie weit von Hause gewesen; denn zu einer weiten Reise muß man sich mit Wäsche versehen. Vornehmlich will der Verfasser den Zürichern eine Weichlichkeit andichten, was unten Kehrab V. 730 beweist. : 177 Ich glaub du loser Balg meynst fry, Das ich ein schlimmer Schuster Schlimmer Schuster , ein Ausdruck, der eine gewisse Verächtlichkeit bezeichnet, wie unser dummer Teufel , jedoch in anderem Sinne. sy, Wyl du mir nicht hast nochgesend 30   Ein par söcklin vnd wyses Weiß , so viel als rein . Hemd! – Hieneben will ich diß wenden lan, Vnd mynen Hirßbry richten an. Die Schwytzer kamen hrab den Ryn Rhein. – Der Diphthong ei wird in diesem Dialect immer in y verwandelt. Gefaren biß gen Straßburg yn 35   Zuom schiessen fry; dieselben Chnaben S. oben V. 6. Dem Bry so Der Nachsatz folgt V. 39. warm mit sich bracht haben Von Zürch herab wol viertzig myl Meile. – Eben so im andern V. Eile. Vf schneller Post, Datum in yl, Der Ergänze zuvor daß . ist inn einer hitz gebachen , 40   Sind das nicht treflich selsam sachen^ Hör wunder vber wunder zu An den Leser gerichtet. ! Ein Pry wirt vß dem Land zu Mu Muen in der Schweiz vom Rindvieh für brüllen , daher mu der Stier , Ochse . Der Autor will sagen, aus dem Lande, wo die Ochsen zu Hause sind , denn bekanntlich ist die Viehzucht in der Schweiz sehr groß. 178 So warm biß ghon Ghon statt gen , welches V. 34. vorkam. So im folgenden Verse brocht (gebracht), wiewohl oben V. 36. die gewöhnliche Form. Strasburg brocht. Wer hets sin lebtag je gedocht , 45   Das ein Ku solt mehr schissen, dan Ein Nachtigall Stercus facere . Der Autor scheint hier und unten V. 73. 74. auf Fischart anzuspielen. ! – Nun weiter dran An die Sache. : Ein vberscheyd Ein hölzernes Gefäß, in welches der Topf gestellt wurde, und welcher, nach den Nachrichten des Autors, mit Kütreck (Kuhmist) bestrichen, um den Brei durch das Abhalten der Luft länger warm zu erhalten. sie machen lassen Von holtz, den Hafen drin zufassen, Der war mit Kütreck wol beschmirt. 50   Also nach Strasburg wurd geführt, Vnd brangen mit dem Hirsbry sehr, Gleichsam Als ob es ein köstliches Heiligthum wäre. es köstlich Heiltum wer. Ward Ergänze er . doch gekocht nicht weit vom See, Da find des Kütrecks man noch mee , 55   Den man darunder hat gemengt, Alsdan darzu auch Milch gesprengt . Also von try Drei . Nämlich: Milch, Hirse, Kutreck. gewychten sachen Thät man diß Hailtum machen, Vnd ward von Predigern consecrirt, 60   Von aller sententz approbirt. 179 Als sie gehn Straßburg kamen an, Da war groß fröud bey jederman, Mit frolockung ein groß geschrey, Das jetz ankomen wer der Prey. 65   Wie nun ein schön Oration Vom Pry gehalten vnd gethon , So habend sie jn presentiert Dem Ammeister, wie sichs gebürt; Doch weiß ich von dem Hafen nicht 70   Drumb gib ich deshalb kein bericht, Glaub aber, das die Knaben Den Hafen vßgedinget haben, Dann er soll sein, wie ich vermerck Ein stuck der siben Wunderwerck. – 75   Meinst nit, sie haben kunst getriben, Das der Pry so lang warm sey bliben Ein solchen ferren wäg vnd reyß? Doch schin die Sonn sehr warm vnd heiß, Das hat geholffen, das der Bry 80   So fein Küwarm beliben Belieben eine Dehnung des Verses wegen, aus blieben (geblieben). sey. Wie werdents so manch ewig Für lang . nacht On allen schlaf han zugebracht, Eh sie das wunderwerck erdacht. – 180 Alsbald der Pry genomen an Mit Freuden aufgenommen war. Das huf im folgenden Vers heißt Haufen . , 85   Ein grosser huf Frawen vnd Man Den Bry beleitet in proceß Vfs Herren Stuben zum gefräß, Daselbst mit Reverentz so bald Würd er getheilt vß Jung vnd alt Der Dativ, statt an Jung und Alt. 90   Vf alle Tisch gerings herum, Damit es in gedächtnuß kom, Vnd daruon ässen jederman Propter rei memoriam, Das beid, Frembd vnd Heimsch allsamen 95   Erkennen des Monarchen So nennt er spöttelnd den Ammeister, weswegen ihn Fischart im Kehrab V. 533 f. bitter straft. Namen, Der diß Schiessen het angfangen, Vnd bei wess Regiment Ergänze es . ergangen, Darnach man ghabt so groß verlangen. Was von dem Bry da vberbliben, 100   Damit hat man groß wunder triben, Nämlich gar herlich Balsamirt, Vf das es lang werd reserviert, Zur dächtnuß ewig diser sachen. Wer wolt der Narren doch nit lachen! 105   Han nun die Schweitzer sollich schiessen 181 Nit wol verehrt, so laßt michs wissen Der Sinn: das wollt ich wissen. , Mit einem nagelnewen Bry? Mir nit Mir fehlt nicht viel. , das ichs hieß melckery Melkerey, ein Viehhof, wahrscheinlich, weil man nach des Autors Erzählung in diesem Brei alles antrifft, was in einem solchen Hofe: die Hirse, gewissermaßen das Futter, die Milch und den Mist. . Jetz merck die statlich gschenck vnd gaben, 110   Damit verehrt sind dise Knaben! In ward ein Küflad höflich zwar Hat die Bedeutung nämlich . Zum Schauässen getragen dar Inn jre Hütten oder Zelt Vf dem Schießrein S. oben Glückliches Schiff V. 885. inn freyem Feld. 115   Ist das nicht grose leckery, Ein Küdreck tuschen vm ein Bry? Man solts jn zwar nicht haben thon , Dann es was verbotten jederman Vf allen Zünfften mit Mandieren Von mandare . Es soll so viel heißen als Mandate . , 120   Man solt die Schweitzer nicht vexieren. Dabei will ichs nun bleiben lan, Das Ergänze vorher und . Schiessen ongefatzet Fatzen , ein jetzt ungebräuchliches Wort, hatte damals die Geltung von verspotten ; daher ongefatzet , d. w. unverspottet . han, 182 Vnd in die Saw Sprüchwörtlich. Bezeichnet bloß allgemein den Gegenstand des Verspottens. ein stichschutz thun; Wer mit will stechen, schick sich nun!   Der Kehrab. Notwendiger Kehrab Von abkehren . Ein Säuberungsmittel. Auf aines Vngehöbelten Neidigen Schandtichters mutwilliges vnd Ehrrüriges Spottgedicht, von der neulich inn verschinenem Sommer zu Straßburg bey jrem Hauptschiessen gepflägter Wir gebrauchen das Particip von pflegen unregelmäßig, gepflogen , in demselben Sinne. Nachbarlicher besuchung vnd kurtzweil, Ehrvergessener vnnd schmählicher weiß außgestraiet .                     SOl man dann einem Wäscher schweigen Vnd jm nicht seinen Pläuel Ein Knüttel, womit man jemanden durchbläut , d. h. schlägt, bis er blaue Flecke davonträgt. Hier nennt Fischart nun im edlen Zorne sein Gedicht Pläuel . zeigen? Soll man eim Narren dann zuhören Vnd jn nicht wie ein Narren bören Bohren. Dieser Ausdruck hat die Bedeutung schelten , schmähen , oder wie wir sagen einem etwas stechen . So kommt es bei Schlegel, Shakespeare I. in Romeo und Julie vor. ? 5   Ja soll man einem Schänder schweigen Vnd jn der schand Nämlich: die er sich selbst dadurch zugezogen hat. nicht vberzeugen? Nein, sondern man sol solchen Plaudrern Den Pläuel Durch das Wortspiel Plauderer und Pläuel will Fischart zeigen, wie nahe der Pläuel dem Plauderer verwandt sei. vm den Kopf wol schlaudern, 186 Vnd jnen mit dem Kolben Knüttel. Sprichwörtlich. S. Agricol. 35. lausen, 10   Damit sie sich so häfftig strausen Strausen , jetzt noch im Wort Straus , Zwist, gebräuchlich, hieß damals eigentlich widerstreben , daher hier sträuben . . Ja den Schändern sol man jr schänden Selbs in jr eignen Busen wenden, Vnd wie vns lehret Salomon, Dem Narren antworten zu hon 15   Nach seiner Narrheit, damit nitt Er sich für klug halt, nach seim sitt Wie sie zu thun pflegen. . Derhalben kan ichs nicht erlassen , Das ich nicht auch meß solcher massen Solcher maßen messen, d. h. solchergestalt ihm sein verdientes Maß geben. Einem Närrischen Lumpenschwetzer, 20   Des Lands vnd der Stett Ehruerletzer^ Der neulich mit eim Schandgedicht Sich wider fromm Leut hat gericht, Ja selbs wider sein Nachbarschafft, Die Stat Straßburg vnd Eidgnosschaft, 25   Vnd wider vil fromm Redlich Schützen, Durch sein vnflat sie zubeschmitzen , Vnd hat also sein Erbar leben Durch ein schandschrift an tag gegeben, Vnd sein witz außgschütt mit dem Prey, 30   Das man jn jetzund kent Erkennt . Fischart hatte nämlich, wie sich unten zeigen wird, erkannt, wer der Dichter obigen Schmähgedichtes war. darbey. 187 So trett du Preimaul nun herfür, Hör wie man dir den Prei nun rür Wie er ihm in den folgenden Versen den Brei rühren werde. Du bist fürwar ein sauber Kund , Dein Prei hängt dir noch an dem Mund, 35   Die händ sind dir damit noch bsudelt, Vnd dein Schreiben gar mit verhudelt; Derhalb geh hin, vnd wäsch dich vor, Vnd komm darnach vnd spitz das Ohr, Dann man wol weiß, das du dich hast 40   Mit deim Prei drum vermummet fast , Auf das man dich nicht kennen soll, Vnd dich laß lauffen durch die Roll Vermöge deiner Maske . . Drum wäsch dich, eh du jman schändst, Vnd wisch das gsicht, eh einen plendst Der Sinn: er sähe so aus, daß man blind werden könne, wenn man ihn ansieht. . – 45   Nun da er dannoch gwäschen ist, So sicht er etwas Schreiberisch Wie sich aus dem Folgenden ergiebt, hatte Fischart einen Schreiber zu Straßburg in Verdacht. , Man muß jn dannocht nicht vexieren, – Er kan Notieren vnd Koppieren, Wir möchten sonst vns grob vergessen, 50   Dann er kein heissen Prei mag essen. Nun weicht, das man jn sitzen laß! – Mein Jackel Das Deminutiv von Jack , in Norddeutschland damals Jäck , ein Narr, Possenreißer, Geck. , was hängt an der Naß? Nase. Der Sinn dieser Redensart muß sein, da er seine Nase von Koth gesäubert hat (s. V. 45.): wonach spitzest du deine Nase, was ist dir nun gefällig? Dafür spricht auch der folgende Vers. 188 Wie sollen wir nun Ehren dich, Das Weil. S. V. 10. – Ergänze du . den Prei rürst so säuberlich? 55   Gwiß must deins Preis ein mul Must für mustu , d. h. mußt du ein Maul voll deines Breies. vol haben, Vnd dann zur Schelmenzunfft Thomas Murner, der berühmt Gegner Luthers, besonders im Handel mit dem Könige von England, und einer der größten Satyriker des sechzehnten Jahrhunderts, hatte eine Satyre, Schelmenzunft , geschrieben. Da er aber selbst ein Mensch von schlechtem Character war, so gilt er gewöhnlich als Meister in jener Zunft. vortraben In der Schelmenzunft vorauftraben. , Da krönt dein Nachbaur Murrnarr Da sein Name veranlaßte, ihn mit einer Katze zu vergleichen, so wurde er denn im sechzehnten Jahrhundert auch gewöhnlich mit einem Katzenkopfe und mit Krallen abgebildet, und des Namens erste Silbe, dem Bilde gemäß, von murren Murr geschrieben; die zweite dagegen in narr verwandelt. dich Zum Obersten Treckrüttler gleich. Willkomm du schöner Katverrürer! Kat ist unser Koth , daher Kothverrührer . 60   Du Oberster Mundpreiprobirer! Man kent dich Reimendichter wol. Verzeih mir gleichwol jetzzumol, Das ich dich dautz Dauzen , was bei uns duzen , jemanden durch du begrüßen. , Ich muß die sachen Auff gut Schweitzrisch mit dir außmachen; 189 65   Jedoch kanst mirs nicht vbel messen, Dieweil ein Schulsack Man sagt nech jetzt: seinen ganzen Schulsack (was man alles in der Schule gelernt) anskramen. hast gefressen So sagt man jetzt: die Weisheit mit Löffeln fressen . , Darauf Lateinisch stund geschriben: Tu Asine , der Ergänze du . Regel: Wenn schon ein Personalpronom. vorhergegangen, aus welchem die Person beim Verbum ergänzt werden kann, so fehlt das Verbalpronom. sehr oft. Beispiele sind sehr häufig. noch bist bliben. So dautz ich dich auff dein Latein, 70   Welchs in deim Verkürzte Form für deinem . schandspruch oft mengst ein, Doch auf gut Schreiberisch verrüret, Als approbiret, Reseruiret, Vnd da du als ein Treckordnirer Rürst die Zürchische Consecrirer. 75   Dein Latein kompt dich wolfeil an, Weil es auch an deim Prei muß stahn. Aber du hasts villeicht feciret, Das kein grob Schweitzer es sentiret Grob heißt hier schlicht , nicht so fein gebildet , und sentiret verstehn ; denn ohne Zweifel würden sie ihn, falls sie den Verfasser erfahren, für diesen Uebermuth belohnt haben. , Oder du hast villeicht timiret, 80   Das man nicht den Katrütler spüret Merken. Der Sinn: Oder du hast vielleicht gefürchtet, daß man den Kothrüttler nicht einmal beachten möchte, weshalb du dich als einen gelehrten Mann hast kund thun wollen. . Dieweil dich dan gibst selbs zukennen Nämlich: durch seine Schreiberfloskeln. , 190 Wöllen wir dir dein lob nicht nemmen Des Reims wegen für nehmen . , Sonder dich lan den Rüttler pleiben, Vnd von deim gdicht nu etwas schreiben, 85   Doch auf gut Teutsch, vnd kein Latein: Dan wz Teutsch anfängt, soll Teutsch sein. Wie wöllen wirs aber anfangen, Das wir nicht vngonst hie erlangen Von vnserem sauberen Scribenten. 90   Ich wolt ich könnt nach Murrnarr senden, Dem würd er nicht für vbel haben Für übel halten, übel nehmen. , Wann er jm sagt vom Nassen Sprichwörtlich für betrunken. knaben, Vnd rüfet Ausrufen steht für herausbeschwören , denn Murner hatte sich durch seine beiden Schriften: die Narrenbeschwörung , und vom großen Lutherschen Narren, wie ihn Thomas Murner beschworen hat , als einen guten Beschwörer kund gethan. jm den Wein wol auß, Oder schickt jm die Säu zu Haus Die nämlich, welche er stechen wollte. Vergl. Schmachspruch V. 123. , 95   Dieweil er sein Landsmannus ist Vnd Zunftbruder zum faulen Mist. Aber weil wir jn nicht außgraben Aus der Erde nämlich. Murner war schon vor 1537 gestorben. Muß er mit vns für gut wol haben Vorlieb nehmen, zufrieden sein. . So will ich nun gleich anfangs prangen, 100   Gleich wie er selbs hat angefangen. – Groß wunder muß ich sagen frei, 191 Mit gonst , vom Narren vnd seim Prei, Den er jm hat im Elsaß kocht, Das er damit die Schweitzer pocht Pochen , was unser trotzen . ; 105   Dan da er sie sah Hirßprei Essen, Wolt er jn zu leid Kükat fressen, Wolt eh zu einer Küpräm Präm für Bräm , Brumme , Bremse rabanus , eine Art Fliegen, welche im Sommer die Kühe sehr plagen. werden, Dan das er zeigt Schweitzer geberden Damals häufig für Sitten , Gebräuche . , Vnd zog darzu kein Händschuch an, 110   Wie sinst gezimt eim Schreiber, dan Der zart Händ hat Ironisch. Zarte Hände , die nicht zum Rudern sich eignen. , auf daß er nicht Besudelt sein schön Narren gsicht . Aber er hat geeilt so sehr, Damit er zeitlich fertig wer, 115   Wan die Schweitzer von Straßburg kämen, Dz sie sein thorheit bald vernämen, Das einen an der Thur vnd Ill Also der giftig Neid verfüll Verfüllen zeigt das Uebermaß an. , Das jm die Menschlich speiß erleid , 120   Vnd Nach und ist er aus dem vorhergegangenen im zu ergänzen. sich wie ein Gauchkäfer Mistkäfer. Gauche ist eigentlich die Feuchtigkeit, welche der Mist absondert. weid Letzen, an dem Kothe nämlich. , Oder das jn der Neid so plend, 192 Das er nicht Kat für Prei erkent. Seh, des ist sich zu wundern mehr, Als dis, des du dich wunderst sehr, 125   Nemlich, das ein Mensch darf auß Neid, Dem andern Menschen nur zu leid, Auß Menschen Aus einem Menschen. zum Katkäfer werden: Wie man dan sicht an deinen gberden, Das dir das, so die Menschen speisen, 130   Mus (pfu der schand!) ein Thierkat heisen , Wie du es dann sehr oft vergleichst, Vnd an dem Kochen doch oft leugst . Aber nach Kat stinckt dir dein Maul, Drum meinstu aller Prei sei faul. 135   Wa Allgemein für wo . hastu dein verstand da stecken, Der all ding wilt so gnau außhecken Im Original außecken . ? Soll dis eins Erbarn Mans witz sein, Wie du wilt gsehen sein zum schein? Vnd machst die Leut zum Vieh vnd stir ? 140   Warlich, vor witz wirstu zum Thir! Vnd ist Gehört . Nämlich: der Witz gehört der Vernunft eines Katrüttlers zu. eins Katrüttlers vernunft, Welche gehört in dSchelmenzunft. Ja einer Roßpräm sie Die Vernunft. zusteht, Die inn Roßfeigen Pferdeäpfel d. i. Pferdemist. nur vmgeht! 193 145   Ein schand ists von eim solchen Man, Der sich nimt Sich annehmen , so viel als sich halten für etwas . für ein Glehrten an. Glehrte han deiner sehr gros Rum: Gleich wie des Knoblochs eine Plum. Im Roßstall magstu han gstudirt, 150   Daselbs man also Kälberirt Kälberiren , was kälbern . Letzteres gebraucht man, wenn ein erwachsener Mensch kindisch-albern sich benimmt. , Vnd nicht bei vernünftigen Leuten, Die dis nicht für vernünftig deuten. Bistu so mächtig groß erfaren, Das gantz Länder schiltst vnerfaren, 155   Vnd weist noch nit was kurtzweil ist, Wie man dieselb zur fröud zurüst ? Vnd das man alsdann vil fürnimt, Welchs sich zur ander zeit nicht zimt? Vnd das, wan man ein Der Accus. einen . lad zur fröud, 160   Sich Das Pronom man ist aus dem vorigen Verse vor sich zu ergänzen. anders erzeigt, als zu leid? Oder bistu derselb Fantast, Dem dWitz thut so groß vberlast, Das sie Die Phantasie. dich vor ängstigen anschlägen Die Ueberlast des Witzes möchte ihm die Hirnschale sprengen. Nicht lachen laßt, noch fröudig regen? 165   Man sicht wol ein Im Orig. steht nein , und nach nein ein Komma , was keinen guten Sinn giebt. an deim gedicht, 194 Das du nicht hast Ergänze nach hast das unbestimmte Geschlechtswort ein . so ernsthaft gsicht, Weil eh Steht hier überflüssig. Am besten läßt es sich noch in dem Sinne von lieber nehmen. zu Kükat machst den Prei, Nur, das du habst zu Kälbern frei; Sonder Dieses sonder nimmt die Negation des 166. V. wieder auf. auß angenommenem Neid 170   Hassest die kurtzweil frommer Leut, Vnd thust, wie alle giftig spinnen, Die das gut in gift kehren können, Vnd nimmer jnen Sich. S. oben Glückhaftes Schiff V. 592. gfallen lassen, Wäs dise machen, die sie hassen. 175   Aber der Gnidet pleibt So viel als steht , trotzt . zu leid Dem Nider, das er drob abweid Weiden heißt fressen , zehren . Hier vom Verdruß gesagt, so viel als sich abärgern , da der Aerger im Innern des Menschen zehrt. . Ja, bist du also hoch erfaren, Das du vil Völcker hältst für Narren, Vnd weist nicht, oder wilt nicht wissen, 180   Warum angsehen sind die Schiessen? Vnd wie man gmeinlich druf erscheint, Nämlich, als Nachbarn vnd gut Freund, Mit allerhand erfundner fröud, Zu bzeugen all Gutwilligkeit ? 185   Ja, bistu also glidert Also ist hier verstärkend. – Gliedert verstehe geglidert , d. h. geschaffen . Am besten entspräche unser beschaffen in seiner ursprünglichen Bedeutung. Daber der Sinn: Bist du so wohl (an Verstand) ausgestattet, daß u. s. w. wol, 195 Das du hältst jderman für Toll? Vnd weist nicht, das es nicht ist Neu, Zu wetten auf ein heissen Prei, Jnen Den Brei an weit ort Warm zulifern? 190   Dan solchs noch gmein ist vilen Schiffern Vnten am Rein, vnd Möranstösen Meeranstößern, die an das Meer stoßen, an dem Meere wohnen. , Wie ich wüßt vil Exempel dessen. Aber was darf mans vil bewären. Wie mancher Bot kan dirs erklären, 195   Das er auf wettung hat in Eil Warm speiß gebracht vber vil meil! Ja hetst nur ein alt Weib gefragt, Es het dir vileicht auch gesagt, Das gleicher gstalt vor hundert Jaren 200   Die von Zürch sint gen Strasburg gfaren, Vnd wie wol auch weiß Weise. Im Jahre 1456 wurde der erste Versuch gemacht, diese Rheinfahrt mit einem warmen Hirsebrei in einem Tage zu vollbringen, und es gelang. S. Maurer a. a. O. S. 26. Leut da waren, Vnd mehr, als du Naßweiß, erfaren : Waren sie doch nicht Tadelsüchtig, Das sie gleich hielten für gantz nichtig, 205   Was zur vbung, stärck, gschwindigkeit 196 Vnd Nachbarlichem willen leit . Auch, wie sehr es dich nun verdrieß, Vnd ob der Prei dirs hertz abstieß, So ist es dannoch wunderlich, 210   Inn kürtz Die Kürze, d. h. kurze Zeit. zuthun ein solchen strich Häufig so viel als Weg , Reise . , Nämlich, auf treisig Teutscher Meilen In neuntzehen stunden ereilen , Fürnämlich durch solch gfärlich Flüß, Wie Limmat vnd der Rein ist gwiß . 215   Dann was selten pflegt zugeschehen, Das ist auch wunderlich zusehen, So wol als diß, welchs vor nie gschah, Oder welchs mancher vbersah Dieser Vers ist aus der Meinung des Gegners gesprochen, denn Fischart widerlegt gleich darauf diese Worte durch die Aufforderung an jenen, er solle ihm ein solches Beispiel zeigen, wenn er dies für so gewöhnlich halte. . Trotz aber Der Satz hat Schwierigkeit, da im Originale nach erfahren ein Fragezeichen und nach aber ein Komma steht. Meiner Meinung nach muß nach Trotz aber ein Ausrufungszeichen stehn, und dann widerlegt Fischart mit diesem Ausrufe den vorigen Vers im Sinne von trotz aber dem , d. h. dem aber widerspreche ich . In dem Folgenden tritt nun ein hypothetischer Satz ein, dessen Bedingungsglied mit erfahren , und dessen Folgerungsglied mit V. 224 schließt, und der einen verneinenden Sinn hat. Die Ungenauigkeit der Interpunction der Alten erstreckte sich der Natur der Sache nach aber nicht auf das Fragezeichen, daher muß dasselbe stehn bleiben, und der Satz als fragendes Bedingungsglied angesehn werden; dann hat aber das folgende so die Geltung von gut, so u. s. w. – Der Sinn von erfahren ist demnach: bist du nun so sehr erfahren, so kundig solcher Thaten, gut so u. s. w. ! bist so hoch erfaren? 197 220   So wett ich mit dir auf den Narren D. h. so will ich der Narr sein. Wa mir ernennst an Ill vnd Thur, Der Bezieht sich auf ein im Vorigen zu ergänzendes Demonstrativum. deßgleichen Schiffart D. h. eine Schiffart der Art. – Pronomina, die der Sinn erganzen läßt, werden häufig ausgelassen. erfuhr, Vnd solchs zuthun hab vnderstanden, Als hie die Zürchisch Bundtsverwandten. 225   Wann es dir dann vngwonlich war Der vorige Satz war, wie bemerkt, negirend, und hatte gleichsam den Sinn: du hast dergleichen Schiffarten noch nicht gesehn. – Das es geht auf die ganze Begebenheit der Schiffart. , Was schiltst dus dann so hönisch gar So überaus höhnisch. ? Oder schmackt dir nichts als dein Feigen S. V. 144. ? So wolt ich, das dus müst bezeugen Nämlich: durch ein Beispiel. . Jdoch, weil die Schiffart verachtst, 230   Denck ich, das du es Faßt den ganzen Satz auf, nicht das eine Wort Schiffart . drumb verlachst, Diwil Bei Fischart gewöhnlich diweil . du mit geschwinderm griff Das Greifen . Hier: mit rüstigeren Händen, nämlich: als die Schweizer. Fuhrest inns Branden Narrenschiff Sebastian Brant, geb. 1458, gest. 1520, war Rechtsgelehrter zu Basel, und schrieb verschiedene Satyren, unter welchen das hier benannte Narrenschiff die berühmteste. Brant, alle Verirrungen seiner Zeit strafend, ladet die Verirrten (Narren) in ein Schiff und schickt sie nach Narragonien (Narrenland). Inn Narragoni vnd Schlauraffen, 198 Da du dan allzeit hast zuschaffen, 235   Vnd im Hafen rürst den Compaß Fischart, auf die Schiffart nach Narragonien deutend, verwandelt Compost in Compaß . Compost (vom Lat. compositum ) bezeichnet Eingemachtes ; in einigen Gegenden aber vorzugsweise einen Milchbrei, der durch die Art der Zubereitung sehr lange schmackhaft bleibt. Hier geht es auf seinen Brei . , Davon dir voll ist Mund vnd Naß. Vor solcher deiner Narrenfart Verstehst nicht, wa der Weiß hinfahrt. Vnd nicht deßminder , ob dir auch 240   Der Neid zerreissen solt den Bauch, So must dein hertzenleid doch sehen, Das solche schiffart ist geschehen, Vnd zur not, wa es Gott thät schicken, Noch möcht einmal zum besten glücken. 245   Vnd je gschwinder die Schiffart ist, Je leider gschicht dir auf deim Mist Nämlich: den du eingerührt und gegessen hast. , Vnd je stärcker die Schweitzer rudern, Je meh muß dich der Neid erschudern Erschaudern , so viel als erschüttern , und daher transitiv. . Würd doch dein armer Neid nit hindern, 250   Das Nachbarn jren willen mindern Ihre Unternehmungen mindern, d. h. Entschlüsse unausgeführt lassen. , 199 Vnd freüntlich reisen nicht Dieses nicht gehört zu das , nach hindern , dem Lat. prohibere, quominus, und prohibere, ne gemäß. zusamen, Welches kein friedsam Leut verdammen, Dann Häufig für als . solch Misthummeln, wie du bist, Die stäts vnrühig sind im Mist, 255   Vnd gern haben, das der Kat stinck, Vnd alles in ein hauffen sinck In einen Haufen sinke, d. h. zu einem Misthaufen werde. . – Ey lieber schöner Guckinn Hafen Guck-in-Hafen nach Guck-in-die-Welt gebildet. Ueber diese eigene Imperativzusammensetzung vergl. Grimms Gram. B. II. S. 691. 1020. und »zur Recens. von Grimms Gram.« S. 40–55. 59. 59–62., wo dieses Beispiel nachzutragen. Das doppelte n der Präpos. deutet hier auf den Artikel, der in solchen Zusammensetzungen gewöhnlich das d abwarf, und sich mit der Präposition vereinigte. Z. B. Guck in 'en Hafen , daraus Guckin'nhafen . Vergl. Glückhaftes Schiff 258. , Was meinstu dann mit deinem strafen ? Meinst, das vm dein Preimulitet 260   Gehalten werd darinn In deinem Strafen. für schnöd Die Gsellenschiffart zu den zeiten Zu diesen Zeiten, d. h. jetzt. Bey vernünftig erfahrnen Leuten? Nein, sonder man wurd Wird. S. V. 269. sein Der Gesellenschiffart. mehr achten, Je meh solch Neidhund sie verachten, 265   Dieweil weiß Leut der Neid nicht plend Weil weise Leute der Neid nicht blendet. , Sonder sehen auf das gut End Endzweck. , 200 Welchshalb die Schiffart an war gsehen Wir sagen: ich habe mir einen Tag angesehen (festgesetzt) u. s. w. , Als: vm Freuntschafft, so nit zuschmehen. Zu dem allweil der Rein wurd reissen , 270   Vnd die Limmat jr Tück beweisen. Allweil wurd man die Schweitzer loben, Das sie, vngeacht beider toben Toben ist hier ein Substantivum. , Beid flüß hand jnen gfölgig gmacht In eil durch streng arbeitsam macht, 275   Durch Handuest vnuerdrossenheit , Wie dann gezimt Eydgnossen Leut. Sintemal man nicht hat erfaren, Das ob der Ill vor disen Jaren Solch Wagstück Leut begangen haben, 280   On die, wie dus nennst, Schweitzerknaben. Du magst sie spotsweiß Knaben heisen , Sih, ob sie nicht den Mann beweisen. Doch haben sie des Worts kein schand, Dann jr Vorfahrn warn also gnant 285   Von wegen jrer jungen Mannschafft, Die sie brauchten zu schutz der Landschafft. Auch haben deines gleichen Gsellen Wol in verloffenen Kriegsfällen Mit Plutig Köpfen oft erfahren, 201 290   Was die Schweitzer für Knaben waren. Vnd solch Mannheit sie noch erhalten, Dieweil sie volgen jren Alten, Vnd was dieselben thaten Redlich, Demselbigen nachsetzen weidlich Brav, tapfer. Daher tapfer nacheifern . , 295   Wie sie dann auch die Schiffart han Den lieben Alten nachgethan, Welche darum kein Narren waren, Wie du Narr sie schilst all für Narren, Dieweil keiner, der vnerfaren, 300   Durch solche gfar würd sicher faren. Oder schiltst Närrisch du all Alten, So sich, wie solches magst erhalten Daheim bey deiner Priesterschafft, Die nur am alten won Wahn . Die alte Form hat sich in Argwohn erhalten. stäts haft Haftet. – Der Satz wird hier abgebrochen, da Fischarten einfällt, er habe noch wichtigeres mit ihm abzumachen. . 305   Aber was darf ich erst vil wort Aber was bedarf ich erst vieler Worte. Mit dir zerprechen an dem ort? Dan wan ich auf dein Lumpengflick, Welchs tausent in das hundert stück Welches das Tausendste in das Hundertste stickt . , Solt antworten von stück zu stück, 310   Wann würd ich färtig mit deim strick ? Man würd meinen, ich tobt In dem Toben liegt der Sinn ohne Grund , weil toben fast so stark als wüthen zu nehmen ist. mit dir. 202 Derhalben will ichs kürtzen mir, Vnd antworten auf etlich schmach Schmähungen. Man sieht hieraus, daß schmach damals noch im Plural gebräuchlich war. , Die wol verdienten grösser Rach. 315   Du nennst nach deiner Grobeseltet Grobe Eselei. Hier latinisirt Grobeseltet . Im Originale stand Grabeseltet ; dawider spricht aber der allgemeine Gebrauch von grob und unten V. 400. Das Schiessen zu Straßburg gantz schnöd Ein Triumpf vnd ein Jubeljar. Ey wie triffst dus bey einem har! Ja, mit der Nasen in den Mist! 320   Zwar mir nicht lieb vmb wenig bist Zwar bist du mir nicht um Weniges lieb. Der Nachsatz beginnt mit V. 323. , (Deinthalben der dich Römisch nennst Der du dich deinethalben Römisch nennen magst . – Worauf Fischart aber dieses stützt, weiß ich nicht, denn im ganzen Schmachspruch kommt keine Stelle vor, welche schließen läßt, daß er ein Römling war. Vnd andre Religion sonst schändst) Das du das Schiessen rhümst so sehr, Vnd gibst jm Heilig Römisch Ehr, 325   (Wo anderst eim zur Ehr gereicht, Da man mit solchem Hat keine bestimmte Beziehung, und deutet auf alles, was der römischen Kirche eigen. ein vergleicht). Ist dir Straßburg jetz worden Rom, Da jeder, wie man meint, wirt fromm? 203 Wie wilt dan deren Der Dativ des weiblichen Geschlechtsworts für der , wobei Kirche zu ergänzen. Vergl. oben Glückhaftes Schiff V. 166. widerstreben, 330   Die dir kan bösen Ablaß geben? Weist nit, wan sich der frosch will streussen Gen dem Ochsen, muß er zerreissen Ich entsinne mich keines ähnlichen Ausdrucks. Man muß zerreißen daher durch erliegen , ausreißen nehmen. ? Ey wie hast dich, du mein Koppist, Der sonst im Prei verbissen bist, 335   So grob verred im Jubeljar Der Sinn: wie hast du dich so grob verredet, da du Jubeliahr gesagt hast. , Welchs dich noch bringen möcht in gfar, Wann dich zu red dein Pfarrher stellt, Warum Straßburg für Rom hast gzehlt Zählen im Sinne von dafürhalten . , Dieweil allein das Heilig Rom 340   Hat macht zu einem Jubelkrom , Vnd du wolst ein New jrrthum dichten Einen neuen Irrthum. Fischart hat nämlich im Sinn, es giebt in der röm. Kirche doch schon Irrthümer genug. , Nach Straßburg die Walfart zurichten? Oder warumb dir hat ein Schiessen Ein Jubeljar nun heisen müssen? 345   Vnd also Weltlich fleischlichait Fleischlichkeit. – Alle Adjectiva, auf lich ausgehend, bildeten noch im funfzehnten Jahrhundert durchgängig das Substantivum durch Anhängung von ait , und erst im siebzehnten Jahrhundert wurde allgemein die Silbe keit daraus: dagegen warfen die Adjectiva, die auf ig ausgingen, das g weg und hingen kait an. So Würdikeit statt Würdigkeit . Im sechzehnten Jahrhundert bestanden beide Formen nebeneinander. 204 Vergleichst mit höchster Geistlichait? Dann man möcht dencken, wie auf schiessen Man nach den Plättern Blatt d. h. Scheibe. pflegt zu schiessen, Also schieß man im Jubeljar 350   Nach Seckeln biß sie werden klar, Welchs Nämlich: wenn du das hättest damit sagen wollen. wer ein grosse Kätzerey, Dahin dich prächt der Neidig Prey. Aber such in deim Formular Da findst entschuldigung gleich par , 355   Das, als es schribst, nit heim D. h. bei dir selbst. seist gwesen, Vnd von S. Vrbans plag Sanct Urbans Plage ist sprüchwörtlich für Trunkenheit . Er war nämlich bei einigen Völkern Schutzpatron des Weins.. Vergl. Agricol. 498. warst bsessen, Welcher Heilig dein Nachbar ist, Vnd dir oft vnders Hütlin nist Nistet . Man sagt noch jetzt: er hat sich etwas unter das Hütlein getrunken. , Vnd fürnemlich dich häßlich ritt, 360   Als deinen Prei hast außgeschütt, Vnd also nicht wußst , was du klaffst Bellen. Fischart nennt ihn V. 264. Neidhund . , Vnd wie dus mit der Nasen traffst S. V. 319. , Darum du wol ein buß verschuldst Nicht bloß verschulden , sondern stärker: auch den Lohn empfangen. , 205 Wa anders du nur geduldst Der Sinn: wenn du nur Geduld haben willst. . 365   Derhalben, wann ich Papst solt sein Im Jubeljar, welchs du führst ein, Legt ich dir auf kein ander Buoß, Als legt ein Säustrick Ein Strick, welcher den Schweinen gewöhnlich an den einen Hinterfuß gebunden wird, um sie so leichter führen zu können. dir an fuoß, Vnd hieng ein Küschwantz dir auf dprust , 370   Vnd brent Nur im Sinne von brandmarken zu nehmen. mit deim Prei, deim vnlust Aerger , den du an so harmlosen Freuden genommen. Unlust war damals Mascul. , Dir heiß ein Zeichen in den Backen, Da müst du gnug an dein Prey schmacken, Vnd rüren dein Petrolium Lat. petroleum , Steinöl, Catharinenöhl, Petersöhl. Hier Weiheöhl . , Vnd ziehen zum Triumpf herum. 375   Sih, werst nit auch wol eingeweihet? Solch Weih kein Bischof dir verleihet, Vnd ist vil schärpfer, als die Weih, Die du zu gibst dem heissen Prey, Da du schreibst, das man jn thät machen 380   Auß Hirs, kat, Milch, drey gweichten sachen. Pfey auß Was unser Pfui! Ausruf des Eckels. der schand! du Ertzvnflat Solst Am Ende dieses Verses steht im Orig. ein Fragezeichen, daher dieses sollen im Sinne von willst du, daß du heißen sollst, daß du genannt werden sollst? du heissen, geweicht dem Im Orig. den . Kat? 206 Heltst also dein Religion, So magstu zu den Säuen gohn! 385   Da findstu gnug derselben Weih, So wont ein Sau der andern bei. Hie sicht man dein schön erbar leben, Vnd was auf dein Wort ist zugeben; Dann wann ein ehrlich Ader Wir sagen: ein Fünkchen von Ehrlichkeit. hetst, 390   Würdst schämen dich, das solches redst, Gschweig dz solchs schrifftlich strewest auß, Vnd wilt darzu gerümt sein drauß. Darumb wirt man mir hie verzeihen, Das ich so grob dich muß entweihen, 395   Dan die Laug muß sein wie der Kopf Nämlich: den sie beizen soll. , Der Keul , wie am Ast der Knopf, Ich muß die Mistflieg Mistflig nennen, Damit man lehr jr art erkennen, Ich muß eim solchen Grobian 400   Die sach grob geben zuuerstahn. Billich , was einer eingeprockt hat, Das er sich dessen auch freß satt, Wie einer rüfet in den Wald Das es jm auch so widerhald . 405   Jdoch wo dich des Statt der Präpos. über mit dem Accus steht im sechzehnten Jahrhundert fast immer der Genitiv ohne Präposition, so z. B. V. 406, und weiter unten V. 417. wolst beschwären, 207 Magst dich in kurtzem des erklären, So wöllen es verbessern wir Vm etlich stück zum besten dir. Aber es daucht mich gnädig gnug, 410   Dieweil du so gar grob, on fug, Als der gröbst Baur, der nichts mag Mögen und können . Beide Formen waren im sechzehnten Jahrhundert gleichbedeutend mit posse im Gebrauch: jedoch mit einem Unterschiede: mögen , was unser vermögen , geht auf das Körperliche, können auf das Geistige. Daher entsprang aus jenem das Substantivum Vermögen , ans diesem Kunst . wissen, Vergleichst dem Jubeljar das Schiessen. Was ist für gleicheit zwischen beiden Fischart war der entschiedenste Gegner des römischen Stuhls, und benutzt jede Gelegenheit, wo er denselben zum Gegenstand seines Witzes machen kann. ? In eim find sich kurtzweil vnd freuden, 415   Im andern der gröst ernst sich find, Da man berewen soll die Sünd, Da mancher kratzt im Kopf der Ueber die Buße. Buß, Wann er so vil Gelts opffern muß. In eim Geistlich vbung bestaht, 420   Im andern Kriegisch vbung gaht Im Sinne von vorgehen . ; In eim kurtzweilt man vmb sein Gelt, Im andern man ein Buß drum stellt ; In eim, wann einer etwas gwinnt, Sein satzgelt wider er verdient, 425   Im andern muß man Gelt einbüsen, 208 Vnd darfür Brief vnd Plei geniesen; In eim gwinnts, der am besten schießt, Wann er schon nicht vil Gelts einbüßt, Im andern wer am besten zahlt, 430   Gewinnts, wie vbel er sich halt; In eim sucht man nur guten willen, Im andern den Geitzsack zufüllen. Sichst also, lieber Jubelman, Das dein gleichnuß geht Der Sinn: du siehst also, daß sich das Jubeljahr zu deinem Gleichniß verhält, wie u. s. w. In solchen Verbindungen hat angehen die Bedeutung von verhalten . eben an 435   Gleich wie der Prei zu deinem Kot. Derhalben thät es jtz wol Not Wir hetten mit dir vnser Jubel, Vnd zögen dir an eine gugel Gugel ist eine Kopfbedeckung, die noch jetzt von Frauen in einigen süddeutschen Gegenden getragen wird. Hier hat es die Bedeutung Narrenkappe . Diese Kappen hatten oben zwei herunter hängende Zipfel, an deren Ende eine Schelle befestigt war. Abgebildet findet man sie bei Brant im Narrenschiff. , Vnd setzten auf ein Esel dich, 440   Der gspalten wer fein hinder sich, Vnd geben dir in dHand sein schwantz, Krönten dich mit eim Nesselkrantz, Schmirten mit deim Prei dir den Rüssel, Zulecken allzeit etlich bissel, 445   Schickten dich aus S. Lienhart , fort, Der dir außtrib dein Lästerwort, 209 Vnd den Narren, der dich besitzt, Vnd also auf dem Esel plitzt , Auf das du lehrntest baß erkennen, 450   Wie ein Hauptschiessen sei zunennen, Nämlich: ein Nachbarliche fröud, Vnd nicht ein Römisch Jubelleid. Oder sind Schiessen Jubeljar, So sind jr warlich vil im Jar, 455   Auch bei denen, die Römisch sind, Davon der Bapst doch nichts gewinnt. Dan die von Straßburg haben nit Erst angefangen disen sitt, Er war eh deines gleichen Narren 460   Konten den Prei im Hafen scharren , Aber den Namen köntst baß geben Den Kirchweihen, darauf jr leben, Das sind die rechten Jubeltag, Da recht regirt Sant Vrbans plag, 465   Da geht es zu gantz ordenlich, Wie etwan hab gesehen ich Auf dem schönen Zabern Messztag , Vnd andern, die ich nun nicht sag, Aber du merckst es on die schrift, 470   Nämlich: die dein Sant Vrban stift . Nun, diß sei gnug vom Jubelfest, Davon du drum tribst so vil Fest Eine seltene Redensart Fest treiben , sie hat den Sinn: viel Erhebens machen von einer Sache. 210 Diweil nach deinem Teufels neid, Der vns auch stäts vergont Vergönnen für misgönnen . So: verdeuten , wiewohl selten, für misdeuten noch bei uns. die fröud, 475   Nicht sehen magst, das Nachbarleut Freundlich zusamen kommen heut, Bsorgst, das ander Leut freuntlichkeit Dir, Schadenfro, gereich zu leid. Oder meinst, das vileicht solch Leut 480   Nicht werd sein, das sie han solch freud? So würd des Weer Desto weher . Des war allgemein im Gebrauch statt desto beim Comparativ. dir geschehen, Das solche Leut must frölich sehen. O wie fro sind wir arme Leut, Das du nicht Bapst bist worden heut Zu dieser Zeit. Daher heute allgemein auf die Gegenwart. , 485   Du hetst gebotten sonst beim Bann, Das die Bauren Für Bürger häufig. Vergl. Frisch L. kein Schiessen han, Vnd das sie auch nicht lachen solten, Dan , wan sie dich anlachen wolten, Dich nämlich, mit deim Prei beschmirt, 490   Der vnter freud den neid gern rürt, Ja das kein Baur kurtzum nicht hust , Wie sehr auch rüttelst deinen Wust Geht auf seinen Brei. , Wann du ein Fürst im Elsas hißst , 211 Gleich wie nur ein Calmäuser Calmäuser erklärt Frisch durch homo umbratilis , ein Mensch der sich am Tage wenig sehen läßt, und nur am Abende, den Fledermäusen gleich, ausfliegt. Dies ist aber nur die Grundbedeutung. Häufiger steht es im Sinne von Duckmäuser , ein ganz obscurer Mensch. bist: 495   So hettest du zerstöret zwar Dises Straßburgisch Jubeljar. Derhalb sind gantz fro die Schützen, Das du nichts kanst als Federspitzen, Vnd Kat schlecken Etwas Köstliches so recht mit kleinen Bissen essen. S. Frisch. für Dinten lecken, 500   Welchs sie dir gar wol lassen schmecken, Vnd wöllen dir zu danck bald schicken Ein Karch voll, dapffer dran zuschlicken Was oben V. 499. schlecken . . Ich wolt, wer Freud vergont den Freunden, Das er als leid erführ von Feinden, 505   Vnd wer nicht gern sicht Leut beisamen, Das er gantz einsam müßt grißgrammen, Vnd wer nieman mag frölich schauen, Das er jm selber wer ein grauen; Dan des ist werd solch Teufelsart, 510   Das jren, was jm, widerfart Der Sinn: daß ihr, der Teufelsart, dasselbe, was ihm, widerfahre. . Nämlich, das weil sie fröut das leid, Sie sitzt in stäter traurigkeit, Vnd müß ertauben vnd erplinden, Ander Leut freud nicht zuempfinden: 212 515   Wie dich der Neid dan hat geplend, Das du nicht hast die Ehr erkent, Die ein Statt Strasburg hat bewisen Willig alln Fremden auf dem schiessen, Auch dir, der dus vnwürdig warst, 520   Wie du es jzunt offenbarst. Derhalben sagt man recht vom Neid, Er steh auch in vndankbarkeit D. h. er bestehe auch in Undankbarkeit. , Vnd sei wie ein stinkendes faß, Welchs alls erstänk , was man drein faß , 525   Das ist, verkehr Er verkehre u. s. w. die Gutthat auch Inn böses, nach der Spinnen prauch. Ain solches stinckend Faß du bist, Gschissen voll Nid , desTeufels Mist, Drum kanst nichts anders von dir speien, 530   Als Teufels kat, schand, Maledeien. Dan ist das nicht ain Teuflisch Schänder, Der schänden darf ganz Stätt vnd Länder, Vnd aine Hohe Oberkeit, Die ain glid ist des Reichs gefreit Des gefreiten Reichs. Hier auf Straßburg zu beziehen. ? 535   Vnd er doch selbs will sein ain glid, Schänd also selbs das Reich damit Der Sinn: sogar auch damit schändet er das Reich (Straßburg), daß er sich ein Glied dessen bennennt. . Diweil aber du Reichsverletzer 213 Bist ein Koppist vnd Gerichtsschwetzer, So soll dir billich sein bekant, 540   Was für straf gebürt auf solch schand, Vnd denen, die Schmachschrifften dichten, Vnd schmählich des Reichß Ständ ausrichten Schmählich ausrichten für: durch Reden, Worte übel zurichten. Nämlich, das man sie strafet gleich Wie die Aufrürer inn aim Reich, 545   Diweil sie durch jr Zung vnd schreiben, Wie jene durch gwalt, aufrur treiben, Vnd vnterstehn durch jr los schwetzen Die Leut inn einander zuhetzen, Vnd durch der Ständ verkleinerung 550   Zu trennen der Ständ ainigung: Wie dan du Lugentrüffel thust, Inn dem du ausschütst deinen Wust Wider die Ehrende Die zu ehrenden . Ammaister Von Strasburg, die du nennest Kaiser, 555   Ja Monarch, so herschen allein, So doch allda herscht die Gemein. Entweder nicht, du Munaff Sollte eigentlich heißen Maulaff ; Fischart spielt durch das Mun auf Monarch an, von dem jener geschwatzt hatte. , waist, Was recht das Wort Monarcha Gr. μοναρχια. haißt, Bist also der gmalt Schulsackesel S. oben V. 66. , 560   Welcher kain Kraut kent, als die Nessel, Oder du thust es nur zu schmach, 214 Verdinst deshalb wol ain scharf rach, Das dein Monarch der Henker wer, Vnd lehrt dich tadeln des Reichs Ehr; 565   Dan Strasburg ja jr Freihait hat Von Kaisern, wie ander Ergänze vorher ein . Reichstat, Das sie jr Oberkait besez, Doch nit zu Nachthail des Reichs Gsez, Wie du Neidhund führst ain gebell, 570   Als ob sie die Welt fressen wöll; Sonder dem Reich zu Ehr vnd nuz, Vnd jrer Vndertanen schuz. Darum sind jr die freihait Freiheiten. Die Declinationsendung fehlt nur des Verses wegen. geben, Deren sie Gottlob noch geleben Geleben ist veraltet, hat hier den Sinn von genießen. 575   Dir vnd deins gleichen zu aim Dorn Inn Augen, vnd zu laid dem zorn; Dann nieman haßt die Oberkeit, Als, der sich legt auf vppigkait, Gleich wie kain Vogel haßt das Licht, 580   Als der auf Diebstal ist gericht. Oder, du Neidisch Teufelsgfider, Ist dir die Person so zuwider, Die damals hilt das Regiment Als man das Schiessen hat vollend, 585   So zaigst du wol dein Neidig art , Die sich an vnschuld auch nicht spart D. h. sie vergreift sich. , 215 Vnd nur haßt, was nicht ist jrs gleichen, Als die Frommen vnd Tugendreichen. Dann wz hat sie doch durchs gantz schiessen 590   Gethan, welchs jman möcht verdriessen? That sie nicht freuntlich sich erweisen Allen fremden, wie sies noch preisen? Hat sie nicht selber mit geschossen Vnd gleiches vortail mit genossen? 595   Wa hat sie sich erzaigt beschwärlich? War sie nicht allen Schützen Ehrlich Gegen alle herablassend. ? Also das sie sich hant gefräut Ab seiner gegenwärtigkait? Was darfst du sein dan so vergessen, 600   Der auf dem Schiessen selbs bist gwesen, Vnd hast solch freundtlichkait gesehen, Dz dus ain Monarchi darfst schmehen? (Dan ainem geben höhern Namen, Als aim gebürt, haißt ain beschamen .) 605   Du Neidhund waist wol glegenhait Man sagt, die Gelegenheit eines Orts erkunden . So hier: du weißt, wie sich alles verhält, wie alles steht . , Was Straßburg hab für Oberkait, Vnd das kain Monarchi da sei, Sonder die Gmain regir da frei. Auch das nicht ain Person allain, 610   Sunder die Burgerlich Gemain 216 Dis ehrlich Schiessen an hab gsehen Ich habe mir einen Tag angesehn , sagt man noch jetzt. Daher hier angesetzt . , Nach dem etlich mal geschehen, Das jnen etlich Stätt vnd Ständ Han, wie präuchlich, Kränz zugesend. 615   Auch neulich auf dem Wurmsisch schiessen, Die sie dan nicht verwelken lisen, Sonder sie prachten an den tag D. h. sie nutzten die Kränze, indem sie ein Schiessen ansetzten. , Wie jr Ausschreiben solchs vermag Der Sinn: Ihr Ausschreiben vermochte es, Schützen genug zusammen zu bringen, also ein Beweis, daß andre nicht, wie du, so schlecht von dergleichen Vergnügungen denken. . Noch speit dein Käl gift, wie ein schlang, 620   Welche erstecken solt ain strang, Aber was soll ich ernst vil prauchen Mit Narren, die man nur soll stauchen Stauchen hieß ehemals und noch jetzt so viel als etwas frei stehen machen , davon hier stehen lassen . Bei uns laufen lassen . . Ich mus darfür deinr thorhait lachen, Das du mainst, es kön sonst nit machen 625   Ain Oberkait jr ainen Namen, On, wan er Um dieses er zu erklären, da Oberkait ein Femin., muß man aus dem Worte Oberkait sich den hohen Rath derselben herausnehmen. dSchützen rüf zusammen. Als ob nicht ander thaten weren, Die dis Hoch Amt nun längst her ehren, 217 Vnd Strasburg nit längst het ain Namen, 630   Eh je die Schiesen noch aufkamen. Da sicht man dein Nasgrose wiz, Wie du seist so erfaren, spiz, Minder, als Ruprechtsauer bauren, Die meh inn jrm Schulthaiß erdauren Erdauren, ein veraltetes Wort, heißt erfahren , noch öfter erforschen . – Schultheiß steht hier in räumlicher Beziehung, nämlich für Gerichtssprengel , den er unter sich hat. 635   Vnd du wilt, wais nit wo, sein gwesen, Weit vber Ruprechtsau gesessen, Als inn Narrwon Fischart wählt die beiden Länder Arragon und Norwegen des Wortspiels wegen. Narrwon , wo Narren wohnen . Narrweden für Norwegen , wo das weden bloß des Reims wegen zu stehen scheint. Denn wollte man weden auf das niedersächsische Wede, die Wiese, beziehn, wofür Murners Gedicht Gauchmat (Narrenwiese) spricht, so läßt sich dagegen einwenden, daß Fischart doch sonst nicht in jenen Dialect hinübergeht. vnd Narrweden, Vnd kanst nicht baß von sachen reden, Warum ain Weise Oberkait 640   Solch kurtzweil anricht vnd berait? Nämlich, zu guter freuntschaft pflanzung, Vnd Nachbarlicher lib ergäntzung . Haißst du dan nit ain schlimmer Schuster, Vnd eins Neidigen Narrens muster? 645   Ich seh wol, du dörffst auch wol schlisen, Wan nun dein Landfürst hilt ein schisen, Das ers vonwegen Namens thät, 218 Auf das man von seim Namen Red, Gleich wie Kinder jr Namen graben 650   Inn Wänd vnd Glocken Knaben besteigen gern die Thürme und schreiben ihren Namen an die Glocken. Vielleicht hängt es aber auch mit dem damals gebräuchlichen Worte klack , die Spalte , zusammen, oder auch jede Oeffnung . Dann stände es hier in der Bedeutung Thür , wie wir noch jetzt sagen Wand und Thür in derselben Verbindung. , jn zuhaben. Ei, wie hast dus so fein getroffen! Ei das man zind Zünden . Hier leuchten . Der Sinn: ihm schlafen leuchten. dem Herren schlofen! Damit ain schläflin er drauff thu, Vnd laß der Wiz ain wenig Rhu. 655   Ich glaub du mainst, aim jeden sei, Wie dir Kathan mit deinem Prei, Den du darum hast angericht, Zusagen von deim Predigedicht , Wie man im Elsas find ein Schreiber, 660   Der maisterlich zerrür die Kleiber Kleiben hieß kleben . Davon Kleiber so viel als Kleister , welches hier aber nur für Brei steht. , Vnd welcher Wer Sauersenf , d. h. Senfbrei. Senf wurde damals noch wie bei uns Kohl für langweilige Rede gebraucht. Vergl. Frisch Lex. Saursenf machen wöll, Das er dasselb Preimaul bestell, Der könn jm schaffen ainen Namen Der Sinn: der Schreiber könne sich bald in solcher Activität einen Namen erwerben; besonders, setzt Fischart ironisch hinzu, wenn man bedenkt, was er schon alles geleistet hat. 219 Inn vergleichung der ding zusammen: 665   Den Kat zum Prei, Triumpf zum schiessen, Vnd kurzum des Haupts zu den füsen . Der würd noch inn die Chronich kommen Wie er die Zürcher wahr Im Orig. nahr . hab gnommen, Vnd sein pro rei memoria, 670   Der ewig Thor inn Moria Fischart wirft die Silbe me fort, und behält Moria, griechisch μωρία, die Thorheit. Der Sinn wird deutlicher, wenn man vor dem Anfang des Verses als ergänzt. . Dann welcher nicht berümt mag werden Durch ehrlich Thaten hie auf Erden, Der sucht durch vnehr ainen weg, Auf das man von jm sagen mög, 675   Wie diser, der ain Kirch verprant, Damit sein Namen würd bekant. Asso hast du die Leut geschänt, Auf das man dich Schandvogel kent, Vnd ain Vorbild der Schänder würst Und du würdest . , 680   Die schand finden, darnach sie dürst , Die man am schänden kennen kan, Das sie auch vm mit schanden gahn. Aber solch Schänder nichts meh kränkt, Als das jr falsch Zung nichts verfängt , 685   Vnd hat an Frommen minder kraft, Als wan ain Pfeil auf Eisen haft Im Sinne von trifft . , 220 Oder als wan ain Wespe kummt, Vnd auf vnd ab lang vmher prummt, Vnd sich zu lezt stoßt an die Wand, 690   Vnd fellt herab on widerstand. Also was hilfts, dich Hurnaus thumm Dich dumme Hornisse. , Das du lang humst vnd prummst herum Mit schelten an standhafften Leuten, So es für Prämenschnurren Das Gesumme einer Bremse. deiten. 695   Was schadts aim Marmolstainin Bild, Wans ainer gaiselt oder schilt? Vnd was hat es dem Mör geschad, Das es Xerxes gegaiselt hat? Also was mag dein schmach verdunklen 700   Bei hohen, die alles verfunkeln ? Was reibst dich an die Oberkait, An deren man die Köpf lauft prait Breit laufen. ? Waist nicht, wer vber sich will hauen Hat die Bedeutung von Holz hauen . , Dem fallen die Spän Spähne. inn die Augen? 705   Vnd das man sich an Hecken reißt Vnd an dem Nidern Im Orig. den Niderm . gras bescheißt? Solchs vnd dergleichen, schöner Aff, Solst, eh du schribst, han wol begaft, Weil du so weit wilt gwandert haben Die Verbindung von wandern in der Conjugation mit haben ist auffallend. , 221 710   Auf deim Handwerk der Nassen knaben Ein nasser Knabe wie nasser Bruder. d. h. trunken. , Das du meinst andre Nationen, Allzeit wie Schnecken daheim wonen, So doch in die fürnembste Land Die Schweitzer werden in Krieg gsand, 715   In die Land nemlich, da du Narr Selbs achtst, das man mehrteils erfahr Erfahrung mache. , Vnd ist solch erfahrnus im Krieg Mehr, als wan müsig man vmzüg Umzöge, herumzöge. Mit sicherheit in Venus Haus, 720   Vnd pring fremd sitten dan heraus, Könn Noch abhängig von als wan V. 718. , wie jr Kunden, prechtig schwetzen Von Narrentäding Hier Narrethei . Gewöhnlicher Narrengeschwätz. vnd von Metzen. Solches verderbt die alte Sitten, Welchs die Schweitzer han stets vermitten Des Verses wegen aus vermyden , vermeiden. , 725   Vnd darum noch mit alten Preuchen Iren Vorfaren Lob erreichen Erreichen im Sinne von erlangen . . Deshalb solt man ausleuten Ein Zeichen des Mißfallens. Hier ausläuten so viel als auszischen , auspfeifen . dir, Da du pringst Hemd vnd Socken für, Dan wer weis nit, das Nicht der Artikel, sondern die Conjunction. Schweitzerland 730   Hart Volck ziecht, wie auch ist dz Land? Aber nach deiner Schreiber art, 222 Die man ziecht auf dem Küssen zart, Wilt du von andern auch vrtheilen, Gleich wie dein Weib mit dir mus geilen Sich einer weichlichen Lebensart hingeben. , 735   Vnd dir dz Hemd ins Bett warm pringen, Vnd die Natrain Nathrand. Die Frau soll ihm die Nath im Strumpfe pressen, pletten, zwingen, damit er nicht gedrückt werde. an socken zwingen. Drum läutet jm nur all Säuglocken, Das man ausläut Ausklopfen. Dieses Bild ist von dem Schlagen des Klöppels in der Glocke hergenommen. die Schreibersocken, Dieweil er sorg trägt für die stis Stöße für das Drücken . , 740   Vnd für die Händ nicht, die er bschiß, Als er, wie er von sich selbs meld, Schob Kükat, mit erlaup , innd zelt Zelte, welche des Schießens wegen aufgeschlagen waren. . Diß iß wol, wie schreibst, leckerei, Vnd aine schleckhaft schälkerei, 745   Welche die Schweizer sehr vexirt, Diweil jn Den Brei. du hast angerürt. Dan welcher ist, den nicht verdrißt Wann ainer Kat zu laid aim frißt? Du hetst noch wol ain andern bossen 750   Können reissen den Eidgnossen, Wan du das Maul hetst gnommen voll, Vnd an die zelt gespritzet wol. O wie hetten sie gzörnt darzu, 223 Vnd dir vil gwünscht auß dem Land Mu. 755   Ich wolt zur gdechtnus auf den Maien Main hieß sonst überhaupt eine schlechte That . Dieses Wort hat sich noch bei uns in Meineid erhalten. Die aufgelöste Form ist freilich ungewöhnlich, und sollte den Monat Mai verstehn lassen. Aber ich wüßte keine Beziehung, da das Schießen und die Schiffart im Juni war. Dich lan inn Küleim contrafaien, Vnd dein Nas gar schön drein visiren, Ja dich gar damit Balsamiren, Dan du bist mir nun nicht meh fail Feil ist hier ironisch. Fischart will sagen: du bist mir so werth , daß ich dich balsamiren lasse. , 760   Weil du bist so bossirlich gail; Gewis man dich zuprauchen hat Für ein kurzweil vnd vnflats Rhat Wörtlich: für einen Rath des Unflats. , Vnd hettens die von Strasburg gwißt , Sie hetten wol ains Narren gmißt, 765   Vnd dich damals behenkt mit Schellen, Diweil du doch kanst Reimen stellen. Nicht das ich dich vexiren thu, Dan du bist mir zu lib darzu; Jdoch darf ich dich wol vexiren 770   Dan du laßst mir noch nicht mandiren: – Gleich, wie du sagst, das man mandirt, Das man die Fremde Die Fremden. nicht vexirt, Welches doch erst Im Schwäbischen noch jetzt so viel wie gerade , durchaus . sehr billich wer, 224 Vnd anderswo ist präuchlich sehr, 775   Wo anders bist in Fremde gwesen, Wie du dich mächtig ausgibst dessen. Dan man die Fremde soll empfangen, Wie man von jn will gonst erlangen. Vnd welchen Prei selbs nicht magst fressen, 780   Sollst auch aim andern nicht zumessen. Wolan! ich halt Bezieht sich auf den oben V. 770. erwarteten Befehl; daher halten für harren . lang auf dein lib Dein lieb , für: dich , ein brieflicher Ausdruck. , Dein Prei würd schir vom rüren trüb, Pringt dir Katrüttler schir den schnuppen. Mein, wolst jn ain klains vbersuppen Kosten, schmecken. Gebräuchlicher war supfen . , 785   Weil der Mundpreicredentzer bist, Ob er Prei oder Kat nun ist. Gleichwol verzeih mir mein vnglimpf, Das ich zu bekant mit dir schimpf, Ich meint es gut, on scherzen, frei 790   Dich auszuwäschen von deim Prei; Dan mich gedauret hast gar fast, Das dich damit verwüstet Hier besudelt . So kommt wüst noch oft im süddeutschen Dialect vor. hast, Vnd verglichen die Menschenspeis Zum Vergleichen zu etwas für mit etwas . Viechkat, vnflätigerweis, 795   Auch das die Schiffart, rümlich gschehen, 225 Darsst vngegründter sachen Ungegründeter Weise sagen wir. schmehen, Vnd thun, wie der Neid, so nur lacht, Wan ein Schiff vntergeht vnd kracht. Auch dz schiessen, bedacht auf freundschaft, 800   Hässig Noch abhängig von darfst du V. 796. deüten auf trotz vnd feindschaft, Auch deine aigne Nachbarschaft Schänden aus Neid gantz lugenhaft Vnd beschmaisen mit Neidig gift Ain Oberkait, vom Reich gestift, 805   Ja, allenthalb erzaigst dein Neid, Vnd dein lust zur vnainigkeit: So mußt ich dem Bellenden Hund Ja stopfen mit seim Prei den Mund, Vnd jne Jne für ihn des Verses wegen. zalen mit der Münz, 810   Mit der er andern zalt die zins. Hetst du gespart den Atham dein, Damit dein Prei zuplasen fein, Vnd dein Maul gestopft mit deim Kat, Het ich dir nicht thun dörfen Rhat 815   Mit ainem Katgschmirten Gebiß, Welchs dein zung hilt im zaum gewis, Wiwol inn manchem Wort vnd stück Sie wol verdinet ainen strick, Fürnemlich, da du treibst dein gspött 820   Mit Oberkait der Land vnd Stätt, 226 Vnd gern wolst die lib Eidgnosschaft Verklainern bei der Nachbarschaft. Waist nit wer wol redt, hört auch wol Erklärt sich durch den folgenden Vers. Jder, wie er säyt, mäyen soll? 825   Wann die Hurnaus die Binen plagt, Würd sie von Binen auch gejagt: Wann du werest ain erbar Man, Nämest dich nicht des schändens an, Niman het dich ein Narren gschezt, 830   Wan nicht geredt hetst vnd geschwezt. Wan die Buzschär aufreißt das Maul, So sicht Sehen im Sinne von wahrnehmen . man erst, das sie stinkt faul. Aber villeicht wolst aim hofieren Mit deim preirüren vnd kälbriren, 835   So hast dus mächtig gut gemacht, Das man jetz allenthalb dein lacht, Das ein Muck will ain Seul vmstosen, Die sie doch aufrecht stehn mus losen, Vnd will sein arm Rachgir vnd Neid 840   Beweisen in dem, welchs nichts deit; Deshalben mußt man dich bkräntzen Mit Dannzweigen vnd Eselsschwäntzen, Vnd dich außstreichen vnd schön molen Mit deinem Prei, mit speck vnd Kolen. 845   Ich hab die Sau, darein du stichst, 227 Nicht können bschwären, wie du sichst, Sonder im Sauschären vnd stechen Wöllen wir dich den Maister rechen Dich als den Meister rechnen d. h. dafürnehmen. . Du stichst weit hinein inn aim Jor , 850   Stech jmmer fort, sie lauft empor Etwa so viel als: sie läuft dir zur Hand. , Aber die Sau mußt sengen ich, Die schick ich dir jetz zu dem stich, Vnd will himit geworfen han Vnter die Hund, so bellen an, 855   Vnd welcher würd getroffen hie, Der mag sich lasen hören frü, Den wollen wir als dan aufs frisch Empfangen auf grob Schweitzerisch.   Syr . XII. Ain falsch Neidisch herz ist wie ain Lockvogel auf dem Kloben, und lauret was er schänden mög. Dann was er guts sihet, deutet er aufs ärgst, vnd das best schändet er aufs höchst: Hüt dich vor solchen Buben, sie haben nichts guts im sinn.