Paul Fleming Gedichte Auff des Ehrnvesten und Wolgelahrten Herrn Reineri Brockmans / Der Griechischen Sprache Professorn am Gymnasio zu Revall / Und der Erbarn / Viel-Ehren und Tugendreichen Jungfrawen Dorotheen Temme / Hochzeit. Zuschrifft An Braut und Bräutigamb.         Lasst diß ein Zeichen seyn / ihr wolgetrawten Beyde / Daß Euch mein Phebus liebt / der niemals feind seyn kan Dem Volcke wie Ihr seyd. Die Braut gehört ihm an / Der Bräutgamb ist sein Freund. Er frewt sich ewrer Frewde.     Verehrt Euch / was Er hat; in diesem frey vom Neide / Daß Er nichts hohes schenckt. Doch weis der gute Mann / Daß / wenn Er wündsche giebt / so hab' Er satt gethan. Und Ihr seyd auch vergnügt. Sie spinnen Gold für Seide /     Die Parcen / uber Euch. Des Jupiters Gemahl Führt Euch das Lager auff. Der Hymen steckt den Saal Mit liechten Fackeln voll / und lest den BrautTantz machen /     Den mein Apollo singt / freyt / tantzet / schlaffet wol. Der schluß der Götter steht; was drauff geschehen soll / Das ist des Vatern Lust / der Jungen Mutter lachen. M. P. F. V. H.       Den nächten gieng das Liecht der halben Pheben auff / Ihr Bruder hatte gleich im Stiere seinen Lauff. Die Wälder schlugen aus. Das Wild war bey Geferten. Das Dorff gieng auff das Feld / die Stadt in ihre Gärten. Mit kurtzem / es war zu mitten des Aprils / als ich einst nach gehaltenem Mittagsmahl umb mich ein wenig zu ergehen aus Revall / da wir die Zeit stille lagen / in den anmutigen Koppel spatzierte / von dessen Gegend ein lustiges absehen in einen Meerbusen der Ostsee / und umbliegendes Gepüsch war. Zwar von niemande / als einem der Knaben vergleitet: Aber / wie jener sagte / niemaln weniger alleine / als da ich so alleine war. Und bedünckte mich der Ort bequem zu seyn / allda ich meine Gedancken außlassen / und ihnen desto mehr und freyer nachhengen köndte. Wie lange / sagte ich zu mir selbsten / wirds noch zur Zeit seyn / daß ich in mein süsses Vaterland / und zu den lieben Meinigen / welche ich voller Kriegsunruhe und Betrübnis vor zweyen Jahren verlassen muste / wieder gelangen werde? Zwar wie die sage gehet / so hat der versöhnte Gott mein Meissen mit Friedensaugen gnädiglich wieder angesehen / aber die Meinen messen noch Unglückselig seyn / in dem / daß sie solch seyn groß Glücke leiblich nicht anschawen mögen. Die Beschaffenheit unserer Reise wird mir solches so balde nicht verstatten. Was aber hette wol für ein geneigter Verhängnis aus damahliger Gefahr mich entreissen können / als eben die wunderliche Versehung zu dieser löblichen und der gantzen Christenheit ersprießlichen Reise? Unsere Gesandten / die tapffern und vornehmen Leute / was haben sie an geneigtem willen und allem Vorschube ermangeln lassen? Warlich / nicht alleine bißhero nichts / sondern haben auch auffs künfftige günstigen Verspruch gethan. Und du Undanckbahrer bist am wenigsten bekümmert / auff was massen du die hohen Gutthaten bedancken wollest. Zwar daß du angefangen hast von ihrem Lobe und Verrichtungen auffzusetzen / ist ihr billicher Verdienst und deine rechte Schuldigkeit / aber was beruffest du dich auff solche Sachen / die Zukünfftig seyn / und von denen du weder sie noch dich versichern kanst? Ihr stündliches und stets gegenwertiges Wolthun erheischet eine gleichmässige Danckbarkeit. Hierüber fiel mir ein / daß / wie newlich der Geburtstag des Herrn Brüghemans / also der bald kommende des Herrn Licentiaten Crusii, mir Anlaß und Fug geben würde / mein Gemüthe in etwas außzulassen. Hub derowegen für wündschen an:     Kom schöner Tag / und du / O süsser schein / Wie lange wilst du denn noch aussen seyn? Kom / brich doch an. Die Laute liegt schon fertig. Die Seiten stehn. Bist du nur gegenwertig / So sol ein Lied dir werden außgeführt / Das dich erhebt / und deinen Herren ziert. Ach daß du itzt / daß du noch heute kemest / Und mir diß Leid / diß müde warten nehmest. Kom / schöner Tag / und du / O süsser Schein / Wie lange wilst du dennoch aussen seyn? Mir war noch nicht außgefallen das Gedichte / so gemeltem Gesandten / Herrn Brüghemanne in Moskaw auff seinen Geburtstag gemacht wurde: Und weil ich mit solchen Gedancken umbgienge / sagte ichs vom Anfange biß zu Ende her:     HERR / wer er auch wird seyn / der etwas auff wird schreiben / Das biß zum Ende hin der grawen Zeit kan bleiben / Das seinen Todt verlacht / der wird auch zeigen an / Was diß sey für ein Werck / das itzo wird gethan / Und wie / und wer es thut. Er wird voraus vermelden Den unverzagten Muth / das Glücke zweyer Helden / Die alle Furcht und Neid geschlagen unter sich / Vor keiner Müh' erblasst / biß daß sie ritterlich Den thewren Danck verdient. Er wird den Lauff der Sachen Durch sein berümbtes Buch gleich als wie schöner machen Ein Barclay seiner Welt. Jetzt thun wir / was sich ziembt / Und was der alte Brauch noch heute löblich rhümbt / Auch nicht zu schelten ist. Der Brunnquell aller Tage / Der Gott / den Delos ehrt / tritt auff der Sternenwage Mit seiner Pracht herfür / sagt von der hohen Bahn Den Namen / den ihr führt / der runden Erden an. Drümb kommen wir auch jetzt. Dem Himmel wil gedancket / Euch Glück gewündschet seyn. Euch hat noch nie gewancket Die Göttin / die ein Rad und leichte Flügel führt / Weil Vorsicht und Verstand in ewrem Thun regiert. Der thewre FRIEDRICH liebt den Witz der klugen Räthe / Macht seine Cimbren froh. erbawet newe Städte. Vermehrt sein reiches Land. Lässt einer andern Welt Durch Euch sein Hertze sehn. hat alles heimgestellt In ewer weises Thun. So hoher Häupter Häuser Verbinden sich durch Euch. der Reussen grosse Käyser Der heisst Euch seinen Freund. der edle Saphian Wird bald erfahren auch / was ewre Trewe kan / Die seinen Nutzen sucht / und unser Land vermehret. Ihr seyd der Länder Heyl. macht / daß der Morgen kehret In unsern Abend ein. daß sich die Mitternacht Mit beyden wie vermählt / und eine Freundschafft macht / Die mit der Welt gleich lebt. Ihr öffnet uns die Länder / Die noch verschlossen sind / zieht der verbündnüß Bänder Umb ferne Gräntzen her. setzt sichern Glauben ein / Und lehrt ein frembdes Volck / wie es uns trew muß seyn. Der Preiß ist ewer Lohn. So nehme nun die Gaben / Die wir vor ewer Heyl den Sternen verbracht haben / Der Höchste gnädig an. Er sey Euch förder gut / Und segne was ihr treibt / als wie er täglich thut: So binden wir Euch an / die Ihr Euch habt verbunden Mit wolthun längst vorhin. seht diese süssen Stunden Noch tausent mal wie itzt. Ein Wundsch ist unser Band / Das nicht wird auffgelöst / als durch der Günste Hand. Du aber altes Jahr / verjüngre deine Glieder / Zeuch deinen Zierath an. nim newe Kräffte wieder. Sey deiner Jugend gleich. November werde Mey. Mach / daß für weissen Schnee es weisse Lilgen schney: Heiß da seyn Lust für Frost. Ihr warmen Etesinnen Haucht unsern Winter an. Und ihr / ihr Najadinnen Sprengt laulecht Wasser aus / daß aller Blumen Zier Aus der verlebten Welt vom newen komm' herfür. Und darmit ich mich ein wenig ermunterte / sang ich die eben selbigen Herren auff dessen newlichen Geburtstag ubersendete Ode / welche mir noch in frischer Gedächtnüß hienge.     Ist er itzo schon von hinnen / Mein und ewer grosser Freund / Ihr berühmbten Castalinnen: Thut drümb nicht / als wie ihr meynt / Daß der Schönste seiner Tage Unbeschenckt sich von uns trage.     Nicht so / Meine. stimmt die Seiten / Und mischt ewren Thon darein. Last uns heut umb Frewde streiten. Diß sol unser Reichthumb seyn / Daß wir ihm zu Dienst und Ehren Ein kurtz Liedlein lassen hören.     Hier rint unsre Hippocrene / Pindus und sein Volck ist hier / Das ein hohes Lobgethöne Außschreyt ihm und uns zur Zier. Und die blossen Charitinnen Tantzen uns nach unsern Sinnen.     Euch / O Edler / euch zur Frewde Sieht Apollo güldner aus, Luna hengt all ihr Geschmeide An ihr vollgestirntes Hauß / Daß der schöne Tag dem Zeichen Der noch schönern Nacht muß weichen.     Der beschneite Hornung stehet / Und streicht seinen Eißbarth aus. Eolus der alte / gehet / Hemmet seiner Knechte Lauff / Und lesst keinen von so vielen Als den linden Westwind spielen.     Das Verhängnis drückt sein Siegel In das blawe Himmelsfeld. Fama schwingt die Augenflügel / Und rufft durch die Sternenwelt / Daß forthin auff unsrer Erden Güldne Zeit durch Euch sol werden. Die anmutige einstimmung der umbher schwebenden Lerchen name mir mein lüsternes Gemüte so sehr ein / daß ich mehr auff ihr tirilliren / als meine Wort achtung hatte. Mit diesem so scheust eine hinder mir auff / daß sie im fluge meinen Hut berührete. Diese Lust erinnerte mich meiner alten Gedancken / welche mir doch / halte ich dafür / were es ausser dem gewesen / nicht in den Sinn kommen weren. Ist diese / sagte ich wider mich selber / auch eine von den Bulerinnen / welche sich bisweilen ihren verliebten so nahe darstellen / und doch endlichen auff vermeinte gewisse umbfassung sich ihnen wieder entreissen? Rechte Brüder sind diese des Tantalus / welcher ob er wol die schönsten Aepffel vor seinem Munde hat / auch selbst mitten im Flusse stehet / doch die vor ihm fliehende Kost nicht erlangen mag / und also Stets ist am Durste voll / und an dem Hunger satt. Warlich dieser und kein andrer Vogel ubereilet derer Leute Wanckelmuth mit seiner Geschwindigkeit im fliegen. Und mag wol nichts unliebers seyn / als in solcher Liebe zu leben. Mitler weile kam ich zu einem breiten Steine / der mit seiner Bequemigkeit vorüber spatzirende sich nieder zu setzen einlude. Auff dem nam ich ein wenig ruhe / und darmit ich nicht gar nichts thete / so sange ich / als gut ich kondte / folgende Ode.             Laß es seyn / mein Sinn / und schweige / Stelle deine Seufftzer ein. Schlechte Seelen die sind feige / Die nur von der Erden seyn. Dencke / dencke / was du denckst / Daß du dich so abekränckst.     Ein behertzetes Gemüthe Weichet keinem Glücke nicht. Es erfrischet sein Geblüte / Wenn denn andern ihres bricht. Lacht und weinet nicht zu viel. Wil stets / was sein Glücke wil.     Wenn der Stahl den Stein bestreichet So wird er erst rein und scharff. Du / mein Sinn / bists / der ihm gleichet / Der auch Glantz und Schärffe darff. Unfall ists / der auff uns wacht / Und die Männer männlich macht.     Ein bewehreter Soldate / Der vor keinem Tode zagt Suchet ihm zu früh / und spate Einen Feind / mit dem ers wagt. Ein groß Hertze bricht heraus / Fordert stets sein Unglück aus.     Mein / was nützet doch das klagen / Daß die Liebste nicht ist hier? Mißtrew ists / so wir verzagen. Sie ist allzeit ähnlich ihr. Wahrer Liebe trewe Pflicht Mindert sich durch abseyn nicht.     Dennoch ist Sie in dem Hertzen / Ist sie aus den Augen schon. Dieses / was du nennest Schmertzen / Ist der rechte Liebe Lohn / Die Sie fühlet gleich wie du / Und noch duppelt mehr darzu.     Philyrena / die du liebest / Liebet dich noch / wie vorhin / Umb die du dich so betrübest / Wirst du wieder sehn / mein Sinn. Und das wird dir lieber seyn / Als auff Regen Sonnenschein.     Kommet bald / ihr schönen Tage / Komme bald / du süsse Zeit / Daß ich frey und frölich sage: Weg / erblasste Trawrigkeit. Philyrena meine Zier / Ist und bleibet stets bey mir. Ich hatte die letzten Worte noch nicht recht außgesungen / so hinterschleicht und umbfällt mich Polus: Ja / mein / ja / sprach er / wie viel mal hab ichs errathen / was deine Kranckheit sey / itzt hast du wieder dein so vielmahliges Verleugnen ohne Peiniger mir alles selbst bekandt. Das erschrecken uber seiner gehlingen Ankunfft hatte mich blässer gemacht / und diß gab ihm Anlaß mich mehr zu verlachen. Eben diese / fuhr er fort / ist die rechte Farbe / darbey man die fleissigen Liebhaber erkennet. Endlich fang ich an: Es ist mir besonders lieb / mein Polus / daß ich dich itzt bey mir befinde / der ich sonst die Zeit mit eiteln und vergeblichen Gedancken verschliessen hette. Daß du dir aber etwas solches von mir einbildest / weis ich nicht / ob diß arme Lied / welches du vielleicht auch nicht recht gehöret hast / dir ein genugsamer Zeuge seyn könne. Ich bin gewiß / daß dergleichen etwas von mir niemand wird haben übertragen und nachreden können / zu dem / so wird mich die Beschaffenheit meines jetzigen Zustandes dessentwegen bey dir und andern leichtlich entschuldigen. Zwey widerwertige Dinge sind / sagt Venator recht / in Herr Opitzens seiner Hercinie / Reisen und Lieben: und nur in diesem einander gleich und verwand / daß sie beyde in ihrem Unbestand bestendig sind. Uber diß kennestu die Poeten / unter welche man mich / weis nicht aus was für Verdienste / mit Gewalt rechnet / die zu weilen ihrer Mutter der Natur nicht alleine nichts nachgeben / sondern auch sie an fruchtbarkeit ubertreffen wollen / in dem sie Sachen erdencken / welche niemals gewesen sind / noch seyn werden. Wie schwerlich er dessen zu bereden war / sagte er doch endlich: Ich muß dirs zu gefallen gläuben. Und du thust wol / fuhr er fort / mein Flemming / daß du dich wider anderer Meinung derer Sachen entschlägest / welcher Wurtzeln zwar süsse / die Früchte aber bittrer als Erdrauch und Galle seyn. Die widerwertigen Vorstellungen ungleicher Personen machen dich klüger / derer Gemüther durch Krafft dieser Sonnen theils wie Wachs zerschmoltzen / theils wie Leimen außgesogen und vertrocknet sind. Haben dir etliche hierinnen etwas auffgedacht / so ist es doch / wie ich von dir verstehe / nur ihr blosses einbilden gewesen / und hast du recht gethan / daß du dich unterweilen gleich kranck mit ihnen angestellet / damit sie sich auff den Schein einer Geselschafft ihres Anliegens trösten köndten. Du kennest ja einen / der hiervon also singet.     Wer ihnen trawt / pflügt in die Winde.     Und seet auff die wilde See. Misst des verborgnen Meeres Gründe.     Schreibt sein Gedächtnüß in den schnee. Schöpfft / wie die Schwestern ohne Liebe /     Das Wasser mit durchbohrtem Siebe. Der schnelle Wind fährt ohne Zügel.     Ein leichter Pfeil eilt auff Gewin. Der starcke Blitz hat frische Flügel.     Ein strenger Fall scheust plötzlich hin. Für ihren Sinnen sind nicht schnelle     Wind / Pfeile / Plitz und Wasserfälle. Sonsten heists: weit darvon ist gut für den Schoß / der schädliche Arsenic mag wol ohne Gefahr in den Mund genommen / aber nicht ohne selbige eingeschluckt werden. So sticht auch der gifftige Scorpion nur den anrührenden. Napellus / ein Kraut / tödtet die Leute / wenn es nur in der Hand oder auff dem Häupte erwarmet. Sol dir der Iebenbaum nicht schaden / so fleug seinen vergiffteten Schatten. Die Liebe ist das Sardinische Gewächse / welches den Leuten mit lachen heimhilfft. Im widrigen / geschichts gleich / daß dir hierinnen etwas menschliches wiederfähret / so weist du doch / wie weit du den Zügel schiessen lassen solst. Was du bißhero geredet / sagte ich / das laß ich dich bey ihnen verantworten. Mich aber solstu gantz sicher von solchen Händeln wissen / und dannenhero aller Qual und Mißgunst entfreyet. Wolte GOtt / sagte er weiter / wir weren alle dieser letzten frey. Ich merckte wol / worauff er dieses redete / und war mir lieb / daß wir auff etwas anders geriethen. Darümb fragte ich: Was klagst du uber Mißgunst / der du des deinigen wartest / und sonder zweiffel reiche Belohnung für deinen fleiß einstreichest? Das werden wir an unserm Theile allhier wol gewahr / antwortete er / da des Neides und ubel Nachredens fast kein ende ist. Oho / sagte ich darauff / das sind Scheltworte; die gehen Euch nicht an. Du weissest besser / als ich dirs sagen kan / was unser Seneca hiervon so viel redet. Kans doch Jupiter nicht allen Leuten recht machen. Auch der Mügligkeit selbsten ist es unmöglich / allen gefallen. Muste nicht der künstlichste Mahler sein unsträffliches Werck von einem Schueknechte durchziehen lassen? Aller ehrlichen Sachen beginnen ist lobens werth / das Vollführen stehet bey dem Unsterblichen. Was wird wol zu gleich angefangen und vollendet? Die Natur auch helt ihre gewisse Zeit / welche ihren Geschöpffen die Vollkommenheit geben muß. Wie lange muß ein Kind haben / ehe es gehen / ehe es reden lernet? Ein Baum / der hewer gepflantzet wird / blühet nicht also balde / trägt nicht so geschwinde seine Früchte. Je näher ein Strom seinem Häupte / dem Quelle ist / je kleiner ist er auch. Leget nicht der Baumeister erst den Grund / hernach führet er seine Werck in die höhe auff? So ist auch das grosse Rom auff einen Tag nicht gebawet. Ewer Gymnasium / welches itzo noch in den ersten Jahren ist / wird dermaleins auch zu seiner Mannheit kommen. Wer sind sie / die Euch und ewren Fleiß verkleinern? Unverständige / mit Löwensheuten verkapte Midasbrüder. Und was hinderts / daß ich / der ich mich billich hierüber bewege / dir und deinen andern Mitgesellen / allen meinen lieben Freunden zur Auffmunterung / wo anders ewer Fleiß ermahnens bedarff / etwas hersinge. Fieng derowegen auff sein Gutachten an nachgesetzte Ode.         Ich hin froh / daß ich was habe / Daß man dennoch hassen kan. Und was geht mir daran abe / Daß mich jener schel sieht an; Leid' ich von der Tugend wegen / So wird mir sein Fluch zu Segen.     Neid ist nur bey hohen Sachen / Und die nicht gemeine sind / Hierein setzt er seinen Rachen. Des Gelücks Gefert' und Kind / Steigt und fällt mit seinem Rade / Wenn es Zorn braucht oder Gnade.     Grosse Dannen / hohe Fichten Die bestürmt des Nordwinds Zorn / Der doch nichts dran aus kan richten / Keine hat kein Haar verlohrn. Wer der Tugend an wil siegen / Pfleget allzeit zu erliegen.     Caphareus verlacht die Wellen / Die sich an ihm lehnen auff. Scylla lest die Wogen bellen / Auch nicht so viel giebt sie drauff. Laß das Unglück auff sie gehen / Tugend steht / wie Klippen stehen.     Rost verzehrt den stillen Degen. Stehnde Sümpffe werden faul; Lüfft' auch / die sich nicht bewegen; Unberitten dient kein Gaul; Müssigang verderbt die Jugend. Ungeübt verschält die Tugend.     Tugend die ist niemals müssig. Sucht ihr allzeit einen Feind / Nie der Arbeit uberdrüssig / Aller Mühe steter Freund / Ihre Sinnen und Gedancken Sind: Stets lauffen in dem Schrancken.     Die berühmbten Dattelstämme Heben ihre Last empor / Und thun zwischen solcher klemme Reicher ihre Zier hervor. Ein starck Hertze wird erblicket / Wenn es sein Verhängnüß drücket.     Aus den außgequetschten Trauben Kömpt Lyens süsser Safft. Eine Rose hat / bey Glauben / Ungerieben schwächre Krafft. Tugend schmeckt und reücht gepresset / Welche Kost ihr Weisen esset.     Bellet / ihr erzürndten Hunde / Bellt die stille Pheben an / Sie bleibt wol / wo sie vor stunde / Und helt ihre hohe Bahn. Weißheit ist zu hoch gestiegen / Da kein Haß ihr nach kan fliegen.     Jene / die ich sie seyn lasse / Die nicht mehr sind / als nur seyn / Sind nicht werth / daß ich sie hasse / Reich an nichts / Klug auff den Schein. Wahn ists / des ein Weiser lachet / Der sie so voll Hoffart machet.     Unser Pöfel hat die Sitten / Schilt / was er nicht haben kan. Tadelt / warumb er muß bitten / Sieht den Nachbar hart drümb an. Und an dem er muß verzweiffeln / Das vergönnt er allen Teuffeln.     Bessern sol michs / nicht betrüben / Daß mich der zu tadeln pflag. Wer nicht etwas hat zu lieben / Hat nicht / was man hassen mag. Und umb was mich dieser neidet / Ist / an dem er mangel leidet.     Ich kan einem ja vergönnen / Daß er seines Maules braucht. Redet er mir nicht zu sinnen; Wie bald ist ein Wort verhaucht. Hüte dich nur für den Thaten / Gott der wird den Lügen rathen.     Steht denn meine Schand' und Ehre So in eines Lob' und Schmach? Weit gefehlt. Wenn dieses were / So geb' auch kein Weiser nach. In die Zeit sich schicken können / Können nur geübte Sinnen.     Diß mein redliches Gewissen Ist mir Zeuge gnug für mich. Wes ich allzeit mich beflissen / Wissen zweye: Gott und ich. Welcher alles wil verfechten / Der muß heut und allzeit rechten.     Jupiter / wie hoch er sitzet / Ist nicht von den Lästrern frey / Wenn er allzeit würd erhitzet / Wenn man ihn schilt ohne schew / So würd er in kurtzen weilen Werden arm an Blitz und Keilen.     Wil dich einer nicht begrüssen / So beheltst du deinen Danck. Setzt er dich schon nicht auff Küssen / Sey vergnügt mit blosser Banck. Er und alle / die dich hassen / Müssen doch dich dich seyn lassen.     Laß sie seyn / die TheonsBrüder / Die Geschwister Zoilus / Und laß deine guten Lieder Die der Haß auch lieben muß / Die die Unehr' auch muß ehren / Umb die Flüß und Püscher hören. Ich wolte noch mehr gesungen haben / aber die gleiche entgegenkunfft zweyer / welche der Bekleidung nach von fernen uns Befehlichshaber zu seyn schienen / unternam es. Wer sind diese / fragte Polus? Ich gab zur Antwort: Dafern ich anders mit meinem halb gantzen Auge nicht noch doppelt sehe / so däucht mich / der eine ist unser Olearius. Wie? antwortete er / wo soll er itzt hieher kommen? Wir bestunden ein wenig umb ihre herzunäherung zu erwarten. In der Warheit / hub er wieder an / er ists. Und der andre / sagte ich / ist Pöhmer. Hiermit giengen wir auff sie zu. Und da wir noch eine gute strecke von ihnen waren / schrye uns Olearius an: Ich vermeine ja / sprach er / Ihr seyds / ihr lieben zwey Freunde? Wir eben auch also von euch / sagte Polus / O ihr gantz unversehens Gäste. Hierüber empfiengen wir einander mit Frewden. Und nun erfahre ich / fuhr Olearius fort / daß sich gleich und gleich gerne gesellet. Ich ward hierüber ein wenig lachend. Wer uns beyde / sprach ich / gleich heisset / der muß fürwar ungleicher Augen seyn. Du aber / sagte Er zu mir auff dieses / kanst deine alten Einfälle nicht lassen. Und weil sie beyde mit einander redeten / führete mich Pöhmer ein wenig bey der Hand ab / und sprach: Mein / wie hastu so gar unterlassen können / in so geraumer zeit an mich zu schreiben? Beschuldige mich nicht / antwortete ich / mein Bruder / es ist unterschiedener mahlen geschehen. Und eben den Tag hernach / als ihr von Moskaw abgereiset waret / da ich denn deiner in einer Ode / so einem unsrer besten Freunde gemacht wurde / auch gedachte. Du weist / fuhr er fort / daß ich ein Liebhaber deiner Poesis bin. Kan ich bittselig seyn / so laß mich selbige hören. Gerne / antwortete ich / aber sie ist mir meistens aus dem Gedächtnüß entgangen. Ohne gefähr war sie so gesetzt:         Er / der liebste deiner Tage / Den der güldne Titan trägt Auff der hohen Sternenwage / Und in diese Stunden legt / Er / der liebste / heist uns lachen / Und mit dir uns lustig machen.     Wol / damit du seyst gebunden / So sey dieser Eppichstrauß In dein weisses Haar gewunden. Freund / es geht auff lösen aus. Du wirst nicht ohn deinen Schaden / Uns darfür ein müssen laden.     Wir sind da / wir trewen Dreye / Die du mehr / als vor / nun kennst. Die du dir verknüpffst auffs newe / Daß du sie mehr deine nennst. Wir sind da / mit dem verlangen / Was du denn nun an wirst fangen.     Folge / Bruder / was zu üben Wir / und Zeit / und Himmel heist. Mein / wer wolte den doch lieben / Der sich stets der Lust entreisst? Denn ists Zeit / daß wir uns grämen / Wenn wir unsers Glücks uns schämen.     Brauch der Zeit. die leichten stunden Schiessen schneller / als kein Fluß. Zeit hat Flügel angebunden. Glücke steht auff glattem Fuß'. Und die hat nur vornen Haare / Die nicht allzeit kömpt im Jahre.     Gott weiß / was wir morgen machen. Heute laß uns lustig seyn. Trawren / froh seyn / weinen / lachen / Ziehn bald bey uns aus / bald ein. Wol dem / welcher ist vergnüget / Wie sich sein Verhängnüß füget.     Bringt uns Lauten / Geigen / Flöten. Junger hole das Regal. Die Music kan trawren tödten / Sie zertreibt der Sinnen Qual. Auch die Götter sind betrübet / Wo nicht sie die Frewde giebet.     Wenn wir edlen Menschen sitzen Umb den Ofen und ein Glaß / Und an Seel' und Leibern hitzen / So ist besser nichts / als das / Daß man bey so süssen Dingen Auch läst süsse Lieder klingen.     Her die Schalen. frisch / ihr Brüder. Wir sind heut' und Morgen hier. Daß ich warlich komme wieder / So gilt / Herr Martinus / dir Der trunck dieses weiten Römers / Auff Gesundheit unsers Pöhmers. Er drückte mir die Hand / und sprach: Du solst bedanckt seyn / mein Bruder. Was aber bringet ihr uns itzo / fragte Polus / als wir wieder zusammen getreten waren? Wir hetten uns ehe eines Himmelfalles versehen / als dieser ewrer lieben Gegenwart. Olearius wolte gleich seine Frage beantworten / als wir vor uns in dem Püschlein ein liebliches Gethöne allerhand süssen Instrumenten / doch uns fernen / erhöreten / welches uns der Orten ein ungewöhntes bedünckte zu seyn. Ich weiß nicht / hub ich zu meinen Gesellen an / ob wir einerley Ohren haben? Nicht einerley Ohren / gab Polus zur antwort / aber vielleicht einerley Gehör. Es ist nahe dahin kein Vorwerck / auch nach Art unsers Lieffländischen Winters noch der Zeit nicht / daß man sich auff den Landgütern mit dergleichen belüstige. Wenn ewer Land / fuhr Olearius fort / nicht so nahe mit der Barbarey gräntzete / so gläubte ich / daß die Musen ihren Parnass verlassen / und in diese Gegend sich verfügt hetten. Sey doch nicht so hönisch / antworttete Polus / auff das gute Lieffland / welches / were es ohne die fast in die hundert Jahre mit ihren Nachbarn geführte unerhörte Kriege / unserm Teutschlande an Künsten / Reichthumb und Gerüchte nicht weichen solte. Doch meyne ich / daß unser Vaterland durch so langwierige KriegsLäuffte etlicher Orten auch ziemlich kahl gemachet worden. Und warumb zeuchst denn du ferne in die Wüsteney / die es warlich ist? Wie ich höre sol Reussen ein ziemblich holdselig Land seyn. Von Casan biß Astracan abwarts in die fünffhundert deutscher Meilen so gebawet / daß man fast kein Dörfflein zu Augen bekömpt. Ferner / was hat lustigs und nützlichs zu beschawen     Der Sandstrich / dessen Feld gräntzt mit dem Tarterlande / Und von den weissen See läufft zum Bahuverstrande / Aus dem kein Strohm nicht fleust / und der doch viel schlurft ein / So / daß die Erde sie schlingt / oder Sonnenschein. Wie fruchtbar und bewohnet Meden sey / in dessen Häuptstädte / Tauris oder Casmin / einer ihr itzt regierenden Schach Saphian Sophi antreffen sollet / machen Herodotus und Tacitus genugsam offenbar. Ich schertze nur / gab Olearius zur antwort: Doch wisse / fuhr er fort / Daß auch in der Barbarey Alles nicht barbarisch sey. Was seltzam ist / das ist mehr angenehm. Zu dem reisen wir mit Leuten / derer Gesellschafft uns jetzo Trost / Lust und Zeitverkürtzung / dermaleins Beförderung und Frewde geben kan. Wie mag der von Süssigkeit urtheilen / der nie zuvor bittere und herbe Sachen gekostet hat? Aus gegeneinanderhaltung werden widerwertige und ungleiche Dinge mehr offenbar und käntlich. Unser Vaterland / welches mit Warheit eine der schönsten Landschafften in der gantzen Welt ist / wird uns dermal eins noch schöner fürkommen / wenn wir dasselbige gegen solche Oerter setzen / und darvon Unterredung anstellen werden. Unter solchen Reden waren wir dem Gethöne ein gut theil Weges nachgegangen / welches je mehr wir folgeten / je weiter es aus den Ohren zu rücken bedünckte. Wir waren nun vor den Pusch ankommen / da wird Pöhmer einer Taffel ansichtig / welche an eine mittelmessige Danne auffgehenckt war. Wir giengen etwas geschwinder drauff zu / und besahen sie. An ihr selber schiene die Taffel von Pflaumenbäumen Holtze gemacht zu seyn / und waren umb sie / wie sie denn achteckigt war / zwey Lorbeerreiser / einem gespitzten Krantze nicht ungleich / hergelegt. Die Schrifft war güldin / allerdings so sauber / daß man abnehmen kondte / sie müste mit keiner sterblichen Hand geschrieben seyn. Polus nam die Taffel ab / und wir andern traten mit verlangen umb ihn her. Eine seltzame Geschicht! hub er an. Fürwar unser Olearius hat mit schertzen ernstlich gemutmasset. Und diß hat uns die Music bedeutet / die nun aus unsern Ohren verschwunden ist. Die neun Musen haben unseren Brocmanne ihre Hochzeitwündsche verehret. Und lase sie folgender Gestalt nacheinander her: Clio .     Die schöne Temmin freyt / und Brocmann wird ihr Mann. Ihr Götter / seht diß Werck mit Gnadenaugen an. Melpomene .     Er liebe sie / wie Orpheus seine liebte / Doch ohne das / was ihn so sehr betrübte. Thalia .     Hirsche werden langsam alt. Keine Krahe stirbt nicht bald. Ihren Jahren müß' im gleichen Hirsch und Krahen alter weichen. Euterpe .     Die Braut ist durch den schein der schönen Sitten klar / Wie die Sulpitia Paterculana war. Terpsichore .     Ist er von Jahren jung / und grüne von Gestalt / So ist der Bräutgam doch an grawer Weißheit alt. Erato .   Niemand weis der Sternen zahl Umb des Himmels blawen Saal / Ihres Glückes reiche Gaben Können keinen Zähler haben. Calliope .     Mein / was vermählt diß Paar der süssen Jugend? Was ist ihr Schatz; ihr gantzes Alles? Tugend. Urania .   So einig / so getrew / so fruchtbar und so rein / Sey dieses newe Paar / wie Turteltauben seyn. Polyhymnia .     Seyd tausent mal gegrüst / und tausent mal gesegnet / Ihr beyde / denen nichts als Glück' und Heyl begegnet! Wir sahen einander an / und verwunderten uns des Verlauffs solcher Sachen. So kommen wir / fieng Olearius an / so gestalter Dinge zur Hochzeit? Ich frewe mich des Glückes / und wündsche meinem Brocmanne und seiner Liebsten allen Segen. Aber was halten wir uns hier länger auff? Der heranrückende Abend gebeut uns von hinnen zu gehen. So ist es auch unbillich / daß wir diese Frewde unsern guten Freunden in der Stadt etwas langer mißgönnen und verhalten sollen. Hieran werden wir Materi gnug haben uns den Rückweg zu verkürtzen. Wir liessens uns sämptlich gefallen. Grüsseten die Oreaden und Hamadryaden / als einheimische Nimfen des Orts / theten auch unsere Ehrerbietung gegen den Baum / an dem wir der Musen Hochzeitwündsche gefunden hatten / und wendeten uns nach der Stadt zu. Ich liebe / redete Olearius weiter / den Bräutigam als meinen Bruder. Ich nichts weniger / sagte ich. Er ist der erste von den Gelehrten / der bey unserer Ankunfft nach mir gefraget / und mit dem ich Freundschafft gemacht. Zu dessen Zeugnüß ich ihm bey uberreichung seines Stammbuchs nachfolgendes zu Latein drein schriebe:     So viel Athen und Rom an Weißheit schönes hat / So viel hat beydes dir gegeben in der That. O du der Musen Zier / und Lust der Charitinnen / Den jeder lieben muß / der Liebe kan beginnen. Ich ehre deinen Geist / und wundre mich der Kunst. Doch ubertrifft sie zwey der Freundschafft wehrte Gunst. Ich weis nicht / was ich vor und nach an dir sol lieben. Diß weis ich / du bist mir gantz in den Sinn geschrieben. Er ist Ihrer / sprach Polus / und Sie seiner wol wehrt. Ist auch kein zweiffel / daß aus vermählung so ähnlicher Gemüther eine gewündschte Ehe erspriessen wird. Sie meynen einander von Hertzen. Er für seine Person gibts sonderlich zu vernehmen in einem Liede / welches er ihr einsten an einem Freytage ubergeben lassen / und nunmehr in vieler Händen ist:         Ja / Leben / ich bin angezündet Von deiner Liebe keuschen Brunst. Was meine freyen Sinnen bindet / Das sind die Ketten deiner Gunst.     Wie selten sind sie sonst beysammen / Ein Leib und Geist / an Zier gleich reich: Diß duppelt meiner Liebe Flammen / Bey dir ist Schmuck und Zucht zugleich.     Der Glantz / die Schönheit / das gebärden War dich zu lieben ubrig satt. Doch muß dir vor gelobet werden Daß deine Jugend Tugend hat.     So komm / und laß mich werden innen Der schönen Frewden süssen Frucht. Schatz / deiner recht geniessen können / Ist einig / was mein Hertze sucht. Ich thue es nicht gerne / fieng ich hierauff an / daß ich Heimligkeiten offenbare / doch gereicht ihm diß zu keinem Schaden. Unlängst gerieth ich uber sein Buch / darein er viel Liebsgedichte geschrieben hatte. Unter hunderten gefielen mir / theils der kürtze / theils des Verstandes halben / nachgesetzte Uberschrifften: Auff der Liebsten Demant . Was ists / das du mir sagst / du liechtester der Steine / Und härttester darzu / mit deiner Krafft und Scheine? Diß ists. mein Lieb und du trefft mit einander zu. Ihr Hertz und Augen sind so hart und hell / als du. Auff ihr Armband .     Fahr hin / du liebes Band / fahr hin an deinen Ort / Dieweil du selbst so eilst / und wilst mit ernste fort. Fahr hin / und bind mir die / die mich mit dir gebunden. Bindst' du sie / wie sie mich / so hab' ich überwunden. Er redet der Liebsten Halßperlen an .     Was bildet ihr euch ein / ihr Muscheltöchter ihr? Vermeynt ihr / daß mein Lieb euch trägt zu ihrer Zier? Nein. darümb trägt sie euch / darmit ihr selbsten schawt / Wie viel ihr dunckler seyd als ihre klare Haut. Bey ubersendung eines Confects . Cupido schickt euch diß / ihr schönste der jungfrawen / Aus seiner Mutter Schoß / umb fast nur anzuschawen. Er weiß / daß ewer Mund sich über diß erstreckt / Für dem der Zucker auch wie bittrer Wermuht schmeckt. Als sie im Schnee sich erlustirete . Spiel immer / wie du thust. doch dencke diß darbey / Daß unter diesem Schertz / auch etwas ernstlichs sey. Du übertriffst / mein Lieb / des liechten Schnees brauch: So viel du weisser bist / so bist du kälter auch. Uber deroselben Demant . Was siehst du mich viel an / du liechtes Sternlein du? Ach / zeuch nur wieder heim / und thu dein Antlitz zu. Da bist du viel zu schlecht / zu seyn ein Widerschein Der Augen / die mir mehr als Mon und Sonne seyn. Daß er unbillich gethan / in dem er ihm vorgesetzt / Sie in zweyen Tagen nicht zu besuchen .   Ich dachte / laß doch sehn / was denn die Liebe kan / Wiewol sie sich noch nie mir recht hat kundt gethan. Dictynna soll ihr Häupt zu zweyen mahlen zeigen Und zweymal sol von Ost' Apollo wieder steigen / Eh mich mein Schatz soll sehn. Cupido war nicht weit / Was / sprach er / aber ist denn diß vor ein Bescheid? Mit diesem truckt er loß. Ach Lieb / ich bin getroffen. Diß hier diß war der Pfeil. Die Wunde steht weit offen. Giebst du mir einen Kuß / so hat es keine Noth. Siehst du mich sawer an / so bin ich plötzlich todt. Weiln du mich erinnerst / redete Polus weiter / so muß ich euch erzelen / was sich mit mir begeben hat. Unlängst stunde er neben mir in der S. Oluffs Kirche / weis nicht / wie ers versahe / daß er im abziehen seines lincken Handschuchs ein Briefflein daraus fallen ließ / und / wo ich mich nicht irre / so habe ichs noch bey mir verwahret. Das werden gewiß Geistliche Sachen seyn / fieng Olearius an / weil es an einem Geistlichen Orte von so einer Geistlichen Person verschüttet / und einer gleichen Standes auffgenommen worden. Wir lachten hierüber. Ja / ja sagte Polus / es ist nicht anders. Zog es darmit heraus / und lase es uns vor / nebenst der Uberschrifft: Wie er wolle geküsset seyn . Es war fast gar zu deutsch. Derowegen sagte ich: Ich achte für rathsamb / daß dieses unter uns verbleibe / damit wir der Venus ihre Ungunst nicht auff uns erwecken. Nichts gefährlichers ist / als geheime Sachen außbringen / bevorab dieser Göttin / welcher Wercke mit heiligem stillschweigen wollen geehret seyn. Was könten wir wol billichers thun / sprach Olearius / als daß den beyden zu Ehren ein jeder unter uns ein HochzeitGedichte hören ließ? Frembden gebühret die Ehre / sagte Polus. So fange denn an / wir wollen erfahren / was dein Gedichte uns für Gedancken erwecken wird. Derowegen sang OLEARIUS an die Vertrawten zweye:         Was thun doch wir / daß wir die süsse Jahre / Der Jugend Lentz / so lassen Fuß für Fuß Vorüber gehn? soll uns denn der Verdruß / Die Einsamkeit noch bringen auff die Bahre?     Sie kehrt nicht umb / die Zeit / die thewre Wahre. Bewegt uns nicht / diß / was man lieben muß? Die Höffligkeit? der Muth? die Gunst? der Kuß? Die Brust? der Halß? die Goldgemischten Haare?     Nein. wir sind Felß / und stählerner als Stahl. Bestürtzt / verwirrt. Wir lieben unsre Qual. Sind lebend todt / und wissen nicht / was frommet.     Diß einige steht uns noch gantz und frey / Daß wir verstehn / was für ein gut Ding sey / Das uns stets fleucht / und das ihr itzt bekommet. Hiermit wandt er sich zu Pöhmern. Und du / sprach Er / Bruder / must auch dran. Ich gebe keinen Poeten / antwortet er / bin auch der verlobten Personen bekannter nicht. Doch / weil ich höre / daß ihr ihnen so gewogen seyd / so wil ich an meinem Theile meine Glückwündschung nicht hindan setzen. Zu dem bin ich versichert von ewrem geneigten Willen / welcher alles zum besten deuten wird. Hub derowegen an.             Die warme FrühlingsLufft macht ihren Himmel klar. Seht / wie das güldne Liecht der Sonnen heller blicket. Der Felder schwangre Schoß ist zur Geburt geschicket. Die grüne See geht auff. die Quelle springen gar     Aus ihren Adern auff. der Blumen bunte Schar Mahlt ihre Gärten aus. die Felsen stehn erquicket. Die Thäler auffgeputzt. Die Awen außgeschmücket. Der Berge Zierath gläntzt. den Wäldern wächst ihr Haar.     Seh' ich diß alles an / so acht' ich unvonnöthen / Daß auff diß HochzeitFest die embsigen Poeten So ernstlich sein bemüht. Ihr Baldefraw und Mann /     Erkennt des Glückes Gunst. Lufft / Himmel / Sonne / Felder / See / Quelle / Garten / Fels / Thal / Awen / Berge / Wälder / Die stimmen Euch jetzund ein süsses BrautLied an. Die Reye traff nun Polussen / welcher sprach: weil ihr zwey ersten so glückselig in Sonneten seyd / so muß ich mein Heyl auch versuchen. Diß waren aber seine Worte:             Wie? ist die Liebe nichts? was liebt man denn im Lieben? Was aber? Alles? Nein. wer ist vergnügt mit ihr? Nicht Wasser. sie erglüt die Hertzen für und für. Auch Fewer nicht. warumb? was ist für Flammen blieben?     Was denn? Gut? aber sagt / woher kömpt ihr betrüben? Denn Böse? mich dünckts nicht. nichts solches macht Begier. Denn Leben? nein. wer liebt / der stirbt ab seiner Zier. Und wird bey Leben schon den Todten zugeschrieben.     So wird sie todt denn seyn? nichts minder / als diß eben. Was tod ist / das bleibt todt. aus Liebe kompt das Leben. Ich weiß nicht / wer mir sagt / was? wie? wo? oder wenn?     Ist nun die Liebe nicht Nichts? Alles? Wasser? Fewer? Gut? Böse? Leben? Todt? Euch frag' ich / newe Freyer / Sagt ihr mirs / wenn ihrs wisst: was ist die Liebe denn? Ein gut Stücke / sagte Olearius / welches wol weiset / bey was vor einem Meister er in die Schule gangen. Du aber / sprachen sie Beyde endlich wider mich / must beschliessen. Zu Oden / antwortete ich / habe ich besser Glücke / als zu anderer Art Versen. Wil derowegen / weil wir das Stadthor schon sehen können / meine sonst kurtze Reime noch kürtzer machen:         Wilst du denn vor untergehn / Und so wieder aufferstehn / Güldnes Auge dieser Welt / Eh sich dieses Paar gesellt?     Diß Paar / dem der Musen Chor Seine Stimme hebt empor. Dem die Venus und ihr Sohn Zugesagt längst ihren Lohn.     Sieh doch / wie sie bittend stehn / Und vor deinem Wagen flehn / Schaw doch / wie sie kläglich thun / Daß du sie nicht lässest ruhn.     Nein / du hörest / grosses Liecht Itzt der krancken bitte nicht. Dißmahl ruffen sie umbsunst / GOtt der Götter / deiner Gunst.     Liebstes Paar / seyd unbetrübt / Liebt doch / wie ihr habt geliebt. Seyd doch ewer / wie ihr seyd / Und verschmertzt den Neid der Zeit.     Es ist umb ein kleines noch / Biß daß Euch das süsse Joch / Das Joch / daß Euch jetzt noch drückt / Beyderseits ohn end' erquickt.     Jetzund seh' ich schon den Tag / Daß / eh Phebus auffstehn mag / Man Euch beyde Weib und Mann Gantz mit Ehren nennen kan. Hiermit giengen wir in die Stadt / und nötigte uns Polus / daß wir die Abendmahlzeit bey ihm nehmen musten. Darbey denn Olearius und Pöhmer ihrer Ankunfft und anderer Sachen halben uns Bericht gaben. Ward auch selbiger gantzer Abend mit Gelehrten Unterredungen und höflicher Kurtzweile / biß an die Mitternacht / vertrieben / umb welche Zeit wir Abschied nahmen / und auff künfftige Hochzeit zusammen zu kommen / einander gewisse Zusage theten. ENDE.