Pamphilus Gengenbach Die Totenfresser     Aus: Das Drama der Reformationszeit Herausg. Dr. R. Froning Stuttgart 1894     ¶ Der Bapst:           D En todten greyffen dapffer an!     Wann ich den gwalt von christo han, Die sünd zvergeben hie und dort,     Auß der pyn erlo e sen mit eim wort! 5   All zytlich gu e ter sind mir ergeben:     Darumb so prassen und wolleben! Keren euch nit an Luthers tandt:     Er hat got imm himmel und mich gschant! Got hat gnůg thon für unser sünd, 10   Als ich in Paulo gschriben sind!     Darumb so ist der Luther blind, Der unß anzeigt bůßfo e rtigs leben,     Die weyl wir neüt verdienen mo e gen, Und got all unser sünd hinnimpt, 15       Als iohan baptist gar wol bestimpt. Got hat gefast , wissen ir wol,     Umb das wir all tag seyen vol! Hat gla e bt in grosser armůt,     Das wir besitzen scha e tz und gůt! 20   In demůt hat er gfu e rt sein leben,     Hat unß darbey ein beyspil geben, Das wir so e llen tyrannesieren,     Ein grossen bracht auff erdtrich fu e ren! Seinen find hat er ir sind vergeben, 25       Das wir in alzeit widerstreben 4 Und machen krieg in aller wa e lt!     Umb all gůtheit nam er kain ga e lt, Die wir verkauffen umb groß gůt!     Das hat er unß als gton zů gůt, 30   Das cru e tz auch für unß all getragen,     Das wir so e llen gůt leben haben! Am cru e tz gehangen nackent bloß,     Deßgleich er auch sein blůt vergoß, Das wir tragen vil sydner gwandt 35       Und nit werden als er geschandt! Auch darnach für unß wellen sterben,     Das wir all mo e gen sa e lig werden! So nun got durch sin marter hat     Abgleit all unser missethat, – Was wo e llen wir dann wieter fra e gen? – 40       Und darzů mir den gwalt geben, Zů binden und endbinden,     Auch die einfeltigen christen schinden, So nit gwissers, das Ob nicht das in dann zu verbessern ist? wir haben:     Dann wan wir von den todten sagen, 45   Wie wirs erlo e sen auß der pin,     Das bewegt die alten mu e terlin, Und auch darzů die alten man,     Das sy das ir als hencken dran, Stifften groß iorzyt und vil ma e ssen: 50       Domit hand wir von todten zfressen, Die weyl wir leben hie auff erden,     Obschon dem teüfel dsel solt werden.   ¶ Der Byschoff: W Eren nit todten unds fa e gfür,     So weren ietz die byschoff thür : 55   Hetten nit so vil land und leüt,     Als sy dann hand zů diser zeyt, Und mu e st ir hoffgsind übel essen,     Die sunst all gnůg von todten fressen! 5   ¶ Der Wa e ltlich Priester: 60   D Omit ichs Luthers nit verga e ß!     So hab ich doch selten kain ma e ß, Ich engilt synr tüfelischen leer :     Kein paur will ietzund opffren meer! Ha e t ich ietz nit drey gůter pfru e nd, 65       In meinem hauß ich übel bstu e nd Und wurd nit wol von todten fressen!     Der tüfel hat pauren bsessen: Sie lond in von dem fa e gfür sagen,     Wend aber kein glauben dran haben, 70   Sprechen, es sy itel tandtma e r:     Das kumpt in als vom Luther ha e r!   ¶ Der Bernhardiner: D Er Lůter thůt ein new leer geben:     Wir so e llen wie die apostlen leben, Haben weder so e ckel noch gelt! 75       Der tüfel dann ein münch sin welt! Wir mu e sten dick groß hunger liden!     Ich wil bey miner regel bliben, Die mir hat gen sant Bernhardin:     Do sind vil grosser faß mit win 80   Und darzů auch volle kasten,     Sein bru e der do e rffen wenig fasten: Das wir als haben von den todten!     Darůmb so lond uns dapffer schroten , Biß das wir kommen auff das marck: 85       Der irdisch got ist also starck, Das ers unß kan alles vergeben!     Darumb lond unß mit fro e iden leben Und die bauren im tra e ck umbschweben ,     Biß sy kommen inns ewigs leben! 6   ¶ Der Ba e ttelmünch: 90   W Eren die selen im fa e gfür,     Tha e t man uns weder hilff noch stür: Wir mu e sten unß mit arbait neren,     Auch offt und dick den schweiß verreren , Mit wasserbrot uns lassen bnu e gen! 95       Ob wir schon auff der kantzel liegen , Damit wir betriegen manchen man,     So kumpt es unß so saur nit an! Got geb, ob dselen inn der hell     Sitzen und liden groß gequell!   ¶ Die Klosterfraw: 100   D Ie todtenbain schmecken unß wol,     Dobey wir tag und nacht sind vol Und mo e gen unser faulkayt triben!     Beym irdischen gott wellen wir bliben!   ¶ Die Pfaffenma e gt: D As todtengschray kumpt unß fast wol: 105       Dann wir darby sind allzyt vol Und begond ir iarzyt allen tag!     Schafft unser keine, dienen mag , Darzů auch kaine nem ein man,     Bey dem sie mu e st groß arbayt han 110   Und hunger liden tag und nacht:     Sunst todtenfra e ssen unß faist macht! Es ist nit grosse sorg darby:     Gott ga e b die seel: sy, wo sie sy, So begond wir sie mit thantzen, singen, 115       On alle sorg imm hauß umbspringen, Das Requiem singen wir im ka e ller:     So felt unß opffer auff dem ta e ller, Können Placebo domino machen:     Deß darff die gůt seel nit fast lachen! 7   ¶ Der teüffel mit der gigen: 120   D As sind mein außerwelten kind!     Auff erd hab ich nit besser fründ: Darumb ich in mach auff der gigen,     Auff das sie ko e nen kurtzwil triben, Es sey mit tantzen, pfyffen, singen, 125       Und mit mir ad infernum springen!   ¶ Der Selen klag wider die todtenfra e sser: E Rbarmen euch, ir lieben fründ     Uber unß, die gar verlassen sind Von euch in diser schweren peyn!     Warumb gend ir das unser hyn, 130   Das ir von unß haben ererbt,     An ort, do mans schandtlich verzert Und hoffart treibt mit fru e und spot?     Wissen ir nit, das gschriben stot: »Allmůsen tilcket ab die sünd«? 135       O got, wir waren auch so blind, Und stifften iarzyt mit vil ma e ssen,     Thetten der armen gantz vergessen, Des nächsten lieb achten wir nyt:     Des wir schwerlich in diser zyt 140   Vomm höchsten got gepinget werden!     Das lond euch zů hertzen gon auff erden!   ¶ Der Ba e tler klag wider die todtenfra e sser: O Got, der sitzst im höchsten thron     Und kanst all glicheit wol verston, Laß dich unser ellend erbarmen: 145       Du bist ein zůflucht aller armen, In aller tru e bsal hie in zyt,     On dich so schaffen wir nyt, Du erkenst allein all arbait, schmärtzen:     Wir bitten dich von gantzem härtzen, 8 150   Tro e st unß armen hie auff a e rd,     Die do verschmacht sind und unwa e rd! Allain wir dir verlassen sind     Und hand auff erd sunst keinen fründ, Deß wir unß solten hie erneren: 155       Tůnd münch pfaffen ietz als verzeren! Du sprachst: wer bsitzen wolt dein rich,     Der solt sin allmüsen miltigklich Mittailen armen hie auff erden!     Wie wenig ietz dan sa e lig werden!   ¶ Des Pfarrers klag: 160   O Ho e chster gott, ich schrey zů dir!     Dein scha e fflin hast befolhen mir Zů weiden in ainr faisten weid:     So clag ich dir mein grosses leid Von den, die abetzend den somen 165       Und lond mich armen, dürren, gramen Dein scha e fflin weiden nacht und tag     Auff dürrer haid, dz ich kaum mag Mich hungers mit den scha e fflin erweren!     Wie kan ichs dann fast weysen, leren, 170   Die weyl mich zwingt des hungers not,     Das ich můß gdencken frů und spot, Wie ich mich ta e glich auch erner     Und auch die scha e fflin baß bescher Und in abziech erst gar die woll, 175       So der recht pfarer ist sta e ts voll Und hat sein tag nit anders glert,     Dann wie man armen scha e fflin bschirt? Den gwalt hat im der bapst dann gen :     Der teüfel můß sy all weidnen , 180   Und fu e rt ain blind den andern blinden!     Thůnd nit, dann die armen schinden, Die einfeltig gond den rechten wa e g,     So sie dick fallen ab dem sta e g, 9 Als man das spürt auff disen tag! 185       O ewigs wort, ich dir das klag!   ¶ Der Edelman klagt: B Armmha e rtziger got, in dinem rich     Den grossen mißbruch ietz ansiech, Den die geistlichen ietzund triben:     Der adel mag schier nüme bliben, 190   Der bschützen solt witwen und waisen     Mit wachen, hu e ten und auch raisen ! Des wir ietzund solten geleben,     Hand unser elteren als hyn geben Und an klo e ster, styfft gemacht: 195       Gar wenig haben sy betracht, Wann sie unß sollichs hetten glon ,     Das es vil besser wa e r gethon, Dardurch wir unß baß mo e chten neren     Und unsere armen nit beschweren, 200   Domit sie dest baß mo e chten bliben:     Ich hoff, got werd es nit lang liden!   ¶ Der Bawr clagt: V On minen elteren hab ich ghört:     Wa e r sich siner hand arbayt nert, Der sey sa e lig und werd im wol. 205       So sind münch, pfaffen ta e glich vol, Fra e ssen mir mein schweiß fru e und spot     Und wirt mir kaum darvon dz brot! Kan auch so vil kaum überkummen ,     Das ich es bring munnch, pfaffen, nunnen, 210   Die mir wenig danck darumb sagen.     Got in dem himmel ich das klagen, Der sollichs wol ergelten kan,     Well ain mitliden mit unß han Und erkennen unser not, 215       In der wir ligen fru e und spot 10 Mit bannen, brieffen, interdicieren:     Sich an, wie sy ain wesen fu e ren, Die unß billicher solten geben,     Wolten sie bsitzen ewigs leben!   P   *   G