Andreas Gryphius Horribilicribrifax Teutsch (1663) Vorrede des Daradiridatumtarides Personen Der Erste Auffzug Die andere Abhandelung Der dritte Auffzug Der vierdte Auffzug Der fuenffte Auffzug Heyraths-Contract Dem Hoch- und Groß- Edel-gebohrnen / Erkornen / Gestren- gen / Mannfesten Herrn / Herrn Horribilicribrifax, von Donnerkeil / auff Wuesthausen. Unvergleichlicher Camerade / be- staendiger und treuer Freund! MEinen zu Defendirung seiner Ehre scharffgeschliffnesten und von Tag zu Tage bey nuechternem Morgen ausgeputzeten Degen zuvor: Jch befinde endlich / daß die Literatis sich den hochmuethigen Neid so tieff besitzen lassen / als iemahls wir / die wir unsere Lebentage Maestri delli Campi gewesen / uns unterstehen duerffen / diesen lieblichen Furias Quartier zu geben. Jch habe nunmehr ein paar douzine Jahre unserm weyland bekanten Freunde vor zwey und dreysig tausend Millionen gute Worte gegeben und geben lassen: umb die Beschreibung unser Vortreffligkeit / So er vor laengst / und zwar bloß von der Faust auffgesetzet / ad lucibus dies zu geben: aber bloß umbsonst! unangesehen er auch auff Ansinnen Illustribus Personibus darzu angehalten worden. Er hat aber alles / als wann er uns vor diesem nie durch ein zusprengtes Bolwerck angesehen / hochmuethig negligigeret: und ich weiß nicht was vor mirables excuses vorgewendet. Neulich aber habe ich meinen alten / nunmehr zimlich abgerissenen / und stets getreuen Major domo Signor Cacciadiavolo aus lauter impantienze zu ihm abgefertiget / und selbten mit instructiones genungsam habilibitiret: und durch selbten anhalten lassen / Er wolte nicht laenger uns unser wol-meritiritirtes Lob mißgoennen: und die Totus mundus, welche laengst die Zeitung unserer Wunderen Liebe / avanturados, und horribles choses zu wissen begehret / aeffen und auffhalten: Hat sich ein unversehenes infortunium zu unserm besten erklaeret. Sintemahl mein Signeur Magior Domo nach seiner hoch-desiderablen Wiederkunfft / prelatio bey mir / nach gebuehrender Complimentirung / abgeleget / und mich berichtet: Er haette unsern vorweilen guten Patronium nach den und den tito verwichenen Monden nach Mittage um 3. Uhr angetroffen: und zwar / nach dem etliche Gentil huomini von ihm geschieden / vor welchen Er sich zimlich alterniret: were aber gleichwohl zu ihm eingetreten / da Er ihn dann noch unter vier oder fuenff / dem Ansehen nach / trefflichen Leuten gefunden: durch deren praesentiam er so gleichsam chasmentiret, daß er nicht ein einiges Wort vorbringen koennen. So bald ihn aber aus dem accantien seiner Wolredenheit und der nunmehr langgetragenen leporie unser Freund erkennet; haette er ihn Humblementissime angenommen / demuethig angehoeret / und statt der Antwort mit einem grossen Bocale Wein / von Fino de Hungaria bewillkommet / ihn zu sitzen execriret, und / propter Seriam, ad cras beschieden; Jn dessen haette er ihm nur muessen belieben lassen zu thun / was dem Wirthe gefallen. Mit welchem anwesende Chevalieers, dann er mueste gestehen al fe de Gentil houmine, daß sie mehr denn diesen Tittulos verdienet / in unterschiedenen Redens Arten weitlaeufftig discourssiret: und seiner Opinationum nach sollen sie wunderlich geredet haben: bestund darauff / er haette wohl etwas aber gar nicht multus nimios verstanden: glaubete doch / es mueste von enportanze gewesen seyn / weil sie zuweilen Farouchè gesehen / zuweilen gelachet: Er haette sich in fremde Haendel nicht mischen wollen noch sollen / wie er dann von mir nicht apprendiret, weniger darzu instruxiret: Solte es aber zu Weitlaeufftigkeiten kommen seyn / solte ich mich versichern / daß er sich nicht wolte haben roubiginiren lassen: Jndessen haette er ihm angelegen gehalten / redlich bescheid zu thun / haette auch iederzeit denselben / der am eiferigsten geredet / mit einer brindisi besaenfftiget / und also guten Frieden befoerdern und stifften helffen. Nach dem nun auch diese ihren Abschied hoechstfreundlichst genommen / waere er zwar zu der Abend-Mahlzeit / von weyland treuem Freunde / inficiret worden; derer er auch beygewohnet: Weil ihm aber bereits von der muehseligen Reise / und dem hochwichtigen vorgegangenen Discourssus das Haupt schwer gewesen / wueste er nicht eigentlich zu narriren, was bey gedachtem Souppe vorgegangen; ohne daß er ihm die eigentliche reflexion machete / es waere ein grosser gebratener Hase auffgetragen worden: welches zweiffels ohn nicht so sehr meinem Herren Ambassiadoren, als mir dem Primcali selbst gemeynet gewesen / bin aber mit dem Conspect vergnueget. Weiter wueste er nichts / als daß er vor zwey Stunden devant my die aus einem sanfften Schlaff auffgewecket / und alsobald zu unserm weyland lieben Patronium gefordert / welcher ihn avec une horrible caprice vermahnet / Er solte uns beyderseits in seinem Namen gruessen / uns ermahnen nunmehr klug zu werden: der bagatellen uns zu aeussern; und wo nicht auff Gott / doch auff unser Fictafium bey Zeiten zu dencken: Jhn wunderte / daß wir die Thorheiten seiner Jugend von ihm begehreten / in welchen doch nichts / als unsere eigene Schande zu lesen seyn wuerde. Ho! ho! caspita! und weil mein lieber Getreuer vor Schrecken diese Worte nicht so bald reprehendiren koennen; haett er sie ihm so gar en les tablettes, die er als gewesener Quartier-Meister / nach dem der Teuffel laengst die rothen Scharlach Hosen mit den Silbernen Galaunen geholet / gedictioniret. Der Herr Bruder dencke / wie dem redlichen Kerlen bey solchem Respect zu muthe worden: Weil er aber genoethiget / biß zu der Fruehmahlzeit zu verharren / auch ihm die Liefer-Gelder indessen zu manciniren begonnen: Hat er sich eilends aus dem Gemache / und zwar in respiration einen Stoicidalischen Mord an sich zu begehen retteriret; Voila, aber was geschiehet: weil ihn das Schrecken in den Affterdarm catologiret: eilet er nach dem Ort / welchen man nur avec permission nennen darff: in welchem er denn / wegen vermeintlicher unglueckseliger Ambassade, mehr durch die Nasibus und Oculis, als per derrire geweinet. Jn dem er sich aber etwas erholet / und nunmehr Stoff zu der Reinigung von ihm desseriret wurd; erblicket er einen Hauffen deschirez collutulez \& de gutte pampieres, schwinget sich derowegen mit Freuden auff dieselben: und in dem ersten Grieff erblicket er meinen erschrecklichen Namen: Jam Te-nos facimus Fortunus eam! Er greiffet nach demselben / und findet das gantze Concept unserer Liebe und Deversation: ausser daß es per curiam temporis durch die uebermuethige non chalance, unsers vorweilen Freundes hin und wieder Schaden gelitten / und was zuvor haette gesaget werden sollen / in so einen veraechtlichen Ort verworffen: in welchem es freylich laengst / seinem Belieben und Willen nach / in tausend mahl tausend / ich darff nicht schreiben was / vergangen / wenn es nicht Tempum Genium und Fortunum, und die heilige Atropis, trotz aller Neid erhalten: Und dieses heist: Qvàm saepe summa medio in culo latent. Nach gefundenem so grossen Schatz kuesset mein Don Cacciadiavolo dreymahl den Grund / auff dem es gelegen / verbirget dieses laengst gewuendschte Kleinod zwischen Fell und Hembde: isset demnach froelich mit dem / der nicht weiß / was vor eine Helenam ihm entfuehret: und bringet auff gebogenen Knien zu mir / was ich dir hiermit mit entbloessetem Haupte stehend condicire: Jch muß cunfidiren, daß in dem Roriginal aus Unachtsamkeit / wo nicht Neid und Mißgunst des Autoribus die letzte zwey Seiten verfaulet / aus welchen unsers Gegenparts Sempronius Testament abgecopiret gewesen. Jch habe aber dieses nicht sonders geachtet / weil dieser unser steter Feind gewesen / und derowegen die Orte so confect itziger Methodibus nach mit ***** bezeichnet. Gehabe dich wohl / unvergleichlicher Camerade! Stirbest du eher / als ich: so vermache mir doch deine Netze: Winde / und deine kurtze Wehre / zu stetswaehrendem Andencken: Gehe ich voran; so bleib Erbe ex massa von meiner Partisane / die ich von dem ererbet / der jenem Hertzog zu Eger den Rest gegeben. Hiermit verbleibe ich Meines unvergleichlichen Camerades / Bruders / Freundes / und Gevattern Gegeben dieses Jahr / an dem Schalttage. Obliganter biß in das Grab   Daradiridatumtarides Wind- brecher / von Tausend Mord / auff N.N.N. Erbherr / in und zu Windloch. Jn diesem Schertz-spiel werden eingefuehret als Redende: Palladius. Florian. Ein kleiner Jhm auffwartender Edelknabe. Bonosus. Cleander. Dionysius, Sein Diener. Selene. Eine hochmuethige / doch arme / Adeliche Jungfrau. Antonia. Mutter der Selene. Sophia. Eine keusche / doch arme / Adeliche Jungfrau. Flaccilla. Mutter der Sophien. Coelestina. Camilla, Jhre Cammer Jungfer. Eudoxia. Don Daradiridatumtarides und Don Horribilicribrifax. Zwey weiland reformirete Hauptleute. Don Cacciadiavolo und Don Diego. Diener des Daradiridat. Harpax. Page des Horribilicribrifax. Sempronius. Ein alter verdorbener DorffSchulmeister von grosser Einbildung. Isaschar. Ein Jude. Cyrilla, eine alte Kuplerin. Die Pagen der Coelestina. als Schweigende: Das Frauen-Zimmer Coelestinae und Eudoxiae. Die Pagen Coelestinae. Die Diener Palladii: Bonosi: Cleandri. Wehlende Liebhaber. Schertz-Spiel. Der Erste Auffzug. Capitain Daradiridatumtarides Windbrecher von Tausend Mord. Don Cacciadia- volo, Don Diego, seine Diener. Darad. DOn Diego ruecket uns den Mantel zurechte / Don Cacciadiavolo, Jch halte / daß das Ostliche Theil des Bartes mit der West Seiten nicht allzuwol ueberein komme. Don Cacc. Großmaechtigster Hr. Capiten, es ist kein Wunder! die Haare der lincken Seiten sind etwas versenget von den Blitzen seiner Feurschiessenden Augen. Dara. Blitz / Feuer / Schwefel / Donner / Salpeter / Bley und etliche viel Millionen Tonnen Pulver sind nicht so maechtig / als die wenigste reflexion, die ich mir ueber die reverberation meines Ungluecks mache. Der grosse Chach Sesi von Persen erzittert / wenn ich auff die Erden trete. Der Tuerckische Kaiser hat mir etlich mahl durch Gesandten eine Offerte von seiner Kron gethan. Der weitberuehmte Mogul schaetzt seine retrenchemente nicht sicher fuer mir. Africa hab ich vorlaengst meinen Cameraden zur Beute gegeben. Die Printzen in Europa, die etwas mehr courtese halten Freundschafft mit mir / mehr aus Furcht / als wahrer affection. Und der kleine verleckerte Bernhaeuter der Rappschnabel / Ce bugre, Ce larron, Ce menteur, Ce fils de Putain, Ce traistre, ce faqvin, ce brutal, Ce bourreau, Ce Cupido, darff sich unterstehen seine Schuch an meinen Lorberkraentzen abzuwischen! Ha Ma Deesse! merville de monde adorable beauté! Unueberwindliche Schoene! unvergleichliche Selene! wie lange wolt ihr mich in der Courtegarde eurer Ungunst verarrestiret halten? Don Diego. Signor mio illustrissimo! Mich wundert nicht wenig / daß ihr das Bollwerck von Selene noch nicht habt miniren koennen. Die Damosellen dieses Landes erschrecken / wenn sie euch von Spiessen / Schlachten / Koepff abhauen / Staedte anzuenden und dergleichen discuriren hoeren. Sie meinen / daß ihr todos los Diabolos in der Vorbruch / wie die Schweitzer in dem Hosenlatz / traget. Mich duenckt Palladius richte mit seiner anmuthigen Courtesi weit mehr aus / als wir mit allen unsern Rodomontaden. Dara. Palladius? Wenn er mir itzund begegnete / wolte ich ihn bey der aeussersten Zehe seines lincken Fusses ergreiffen / dreymal umb den Hut schleudern / und darnach in die Hoehe werffen / daß er mit der Nasen an dem grossen Hundsstern solte kleben bleiben. Don Cacciad. Es were zu viel / daß er von solchen Rittermaessigen Haenden sterben solte. Wenn er uns gleich itzund in der furie begegnete / wolte ich ihm bloß in das Gesichte speyen / er wuerde Zweiffels ohne bald in Asch und Staub verkehret werden. Dara. Behuete mich der grosse Vitzliputzli, was ist das? dort (es erscheinet von ferne eine Katze) sehe ich zwey brennende Fackeln uns entgegen kommen? Don Cacc. Holla! ins Gewehr! ins Gewehr! Die Nacht ist niemands Freund. Darad. Ey last uns weichen! wir sind ausser unserm Vortheil und moechten verraetherlich ueberfallen werden. Jch wil nicht von mir sagen lassen / daß ich mich der Finsterniß zu meiner Victorie mißgebrauchet. Don Cacc. Bey der Seel des General Wallensteins / sie blasen zu Sturm. Don Diego. Ey last uns stehen bleiben! sehet ihr nicht? es ist eine Katze / die also mit den Augen fuenckelt. Don Cacc. Es mag der Beelzebub wol selber seyn. Darad. Ho! ich bin vor ihm unerschrocken. Der gantze Leib zittert mir vom Zorn wie eine Gallart. Jch werde gantz zu lauter Hertze und kenne mich schier selber nicht / ich schwitze vor Begierde zu fechten. Voicus le bras qvi rompt le cours de destins de tous! Don Diego. Des fous! und faehret vor Furcht aus den Hosen. Darad. Was sagt Don Diego? Don Diego. Jch sage / ihm reissen vor Ungedult zu warten die Hosen entzwey. Capitain Dara (zeucht den Degen aus) . Sa! sa! heran / heran / du seyest auch wer du seyst! je brave la main des parqves, ich habe wohl eher alleine dreissig mahl hundert tausend millionen Geister bestanden. Don Diego. Minder eine halbe. Don Caccia. Wol was geraß ist dieses? (der Nachtwaechter beginnt zu singen / Ihr lieben Leute last euch sagen und dergleichen). Darad. Bey meinem adelichen Ehren / ich halte doch / es gehen Gespenster um. Was ists von noethen / daß wir die Zeit so frueh auff der Gassen zubringen. Herein / herein ins Gemach. Wer Unglueck suchet / der verdirbet darinnen. Antonia. Selene. Antonia. Liebes Kind / es ist nicht ohn / ich bin deine Mutter / und wolte bey dir thun / was einer ehrliebenden Frauen und Mutter zustehet: Du bleibest aber auff deinem Kopff / und wilst gutem Rathe nicht folgen. Du weissest / unsere Mittel sind in dem Kriege zerronnen: Wir stecken in Schulden / und so es entdeckt wird / verlieren wir unser uebriges Credit. Die Kleider / Perlen und Geschmeide / in welchen du herein gehest / gehoeren meiner Schwester / welche sie eher wird abzufordern wissen / als uns vielleicht lieb seyn moechte. Du weissest / daß wir ueber zwey gantze Hembde nicht in unserm Vermoegen haben. Wer dich von oben besiehet / solte wol meinen / wir haetten den gantzen Spitze Kram von Bruessel erb-eigen. Wer aber etwas genauer auff uns acht giebet / wird wol erkennen / daß nicht alles Gold / was gleisset. Du bist nicht die Juengste: unter den Schoensten wird man dich nicht verlieren: und ich weiß auffs beste / was hin und wieder an dir zu meistern: Auff Fuersten darffst du nicht hoffen. Das Kueh- und Schaaff-Fleisch gilt itzt schier mehr / als Jungfern Fleisch. Drumb siehe vor dich / und hilff dir und mir durch eine glueckliche Wahl. Selene. Frau Mutter! wohl bedacht / hat niemand Schaden bracht. Jch muß mit dem Manne leben / nicht ihr. Es ist bald genommen / aber nicht so leicht davon zu kommen. Antonia. Was mangelt Possidenio? Er ist reich / von hohem Ansehen / im bluehenden Alter / hat vornehme Freunde / stehet wol zu Hofe / und liebet dich von gantzer Seele. Selen. Ha! Frau Mutter / solt ich meine Zeit mit dem wunderlichen Kopffe zubringen? lieber haettet ihr mich in dem ersten Bade ertraenckt. Antonia. Man wird dir mahlen muessen / was dir tuegen solle. Cleander, der dich vor begehret / da er in geringerm Stande / wil dich ietzt nicht / da er gestiegen / durch einen zubrochenen Zaun ansehen. Was werden wir an Palladio zu tadeln haben? Du siehest / wie dessen Gluecke zu bluehen beginnst. Selene. Wohl Frau Mutter! weil es bluehet / so mag es reiff werden! Gelehrte: Verkehrte. Ein Gebuendlin Buecher / und ein Packetlin Kinder ist ihre gantze Verlassenschafft. Was kan eine Dame von Qualitaet vor contentament haben bey einem solchen Menschen? Des Morgens um vier / oder auch eher / aus dem Bette / und unter die Buecher / von dannen auff den Hoff / in die Kirche oder zu den Krancken. Sie traeumen an der Taffel / oder belegen die Teller wohl gar mit Brieffen. Den gantzen Tag / steckt ihnen der Kopff voll Maeusenester / und (was der Teuffel gar ist) wenn sie um 12. Uhr wiederum zu Bette kommen / so schlagen sie sich mit tollen Gedancken / machen Verse oder schicken die fuenff Sinne gar in Ost-Jndien. Unsere alte wasche Magd / die schwartze Dorabelle, welche lange bey einem Koeniglichen Rath in Diensten gewesen / hat mich mit Eyd und Thraenen versichert / daß eine Bauer-Greta viel besser sich auff dem Strosack befinde / als des gelehrtesten Mannes Frau auff Schwanen Federn. Antonia. Sie sind nicht alle solche Traeumer. Unsere Schwaegerin Frau Sulpitia hat sich noch niemals beklagt: sie hat die Kasten voll / das Hauß beschicket / die Schuettboden versehen / die Keller sonder Mangel / die Kuechen stets leuchtend. Da hergegen Frau Gertrud, die den reichen Wucherer geheyrathet / hunger stirbt / und mehr Maultaschen als Krametsvogel von ihrem Mann aufffressen muß. Selen. Dem sey so! ich wil vor mich von keinem Gelehrten wissen. Ein Land-Juncker stuende mir besser an. Antonia. Der seine Hunde lieber siehet / und die grosse Vieh-Magd oeffter kuesset / als sein redlich Weib. Jch weiß / daß dir das Maul nach dem Narrenfresser / dem Auffschneider / Capitain Luegner / von der Bernhaeuterey stincke. Selene. Warum / Frau Mutter / daß sie den redlichen Cavalier verkleinert? ich sehe nicht / warum ich ihm nicht guenstig seyn solle; Er vermag bey 30000. contenten, weiß seine Person zu praesentiren, ist bey vornehmen Leuten beruehmt und beliebet. Er - - - Antonia. Er hat dir vielleicht Brieff und Siegel ueber sein Vermoegen gegeben. Selen. Was solt er vor Ursach haben ein mehrers von sich außzugeben als sich in der That befinden moechte? Antonia. Wer auff der Buler vergebenes Reichthum trauet / befindet sich in dem Ehestande mit leeren Haenden. Selen. Nechst / als er uns in den Garten tractiret / war ja der gantze Tisch mit Gold und Silber besetzet. Er streuete Ducaten aus / als waerens Stroh-Thaler: Die Diamantene Hutschnur und das Gehencke sind allein ein zehn oder zwoelfftausend Reichsthaler werth. Antonia. Tochter / Tochter! ich sehe dein Verderben vor Augen. Selen. Frau Mutter! koennet ihr mir nicht helffen / so hindert mich auffs wenigste nicht an meinem Glueck. Jhr werdet anderwerts erfahren muessen / was euch nicht lieb ist. Antonia. Wehe den Eltern / die ihre Toechterlein zusehr in der Jugend verzaerteln! Selene. Wehe den Toechtern / die nicht selber ihr bestes suchen / und es auff der wunderlichen Mutter Vorsorge ankommen lassen. Flaccilla. Sophia. Flaccilla. Ach mein Kind! wenn ich dich entweder nie gebohren hette / oder wenn du in meiner Schooß gestorben werest: wie vielem Hertzleid weren wir beyde zeitlich entkommen? was nuetzet aus hohem Geschlecht entsprossen seyn / wenn man nicht nur den Stand nicht fuehren / sondern auch das Leben nicht erhalten kan? Sophia. Frau Mutter! es gehe so hart zu als es wolle; man bleibet dennoch nicht von GOtt verlassen. Flaccilla. Was wollen wir anfangen? womit wollen wir uns erhalten? alle Mittel sind hinweg: Dein Mannbares Alter erfodert einen Braeutigam: Der Mangel aller Huelffe schneidet dir alle Hoffnung ab: deine Tugenden sind an diesem Orte ungangbare Muentze: Die grossen Versprechungen / dich zu befoerdern / werden zu Wasser? der Princessin / die dich in ihren Hoff vor diesem anzunehmen gesinnet / ist bereits eine andere auffgedrungen. Sophia. GOtt sorget dennoch fuer uns / und hat mehr als ein Mittel / die Seinigen zu erhalten. Flaccilla. Diese Worte fuellen den Magen nicht / und tuegen weder zu sieden noch zu braten. Wenn du jenem Edelman werest etwas besser an die Hand gegangen / oder noch gehen wolltest / es stuende bequemer um mich und dich. Sophia. Ha! Frau Mutter / lieber das Leben verlohren / als die Ehre: lieber Hunger gestorben / als die Keuschheit hindan gesetzt. Flaccilla. Man muß aus der Noth eine Tugend machen. Solche grosse Worte stehen reichen Damen / nicht verlassenen Kindern / an. Wir haben zwey Tage sonder Kirchen Gebot gefastet / und wissen noch heute weder Brod noch Zugemuese. Wir haben nichts zuverkauffen / nichts zu versetzen / haben beyde kein gutes Kleid / und alles / was du an dem Leibe traegest / ist mit Nadeln zusammen gestecket / als die Schindeln auff einem Kirchen Dache mit den Naegeln. Wo du an den Wind komst / so wehet er dir alle Flecke von der Haut. Was Rath bey diesem Zustand? Sophia. Ach / meine Mutter! warum mir nicht eher ein Messer durch die Brueste gestecket / als mich ermahnet von der Tugend abzusetzen? Jst kein ander Mittel zu leben / so lasset uns dienen! duencket euch diß in diesem Ort zu schaendlich / so lasset uns einen unbekandten suchen! Flaccilla. Fleug Vogel sonder Federn! Wo wollen wir uns hinmachen sonder Zehrung? werden wir so bald fuer Maegde angenommen werden / wenn wir uns nur anmelden? wer wird nicht dein Gesicht in Verdacht ziehen / und genau nach unserm Zustand forschen? Jch weiß wohl mein Kind / daß ich wider GOtt / und Stand / und dich thue / in dem ich auff solche Gedancken gerathe / aber der / dem das Wasser biß an die Lippen laufft / muß lernen schwimmen. Hetten wir indessen nur auff einen oder zwey Tage Vorrath / so koenten wir versuchen / ob und wie deinem Vorgeben nachzukommen. Sophia. Wir haben nichts / als uns selbst zu versetzen oder zu verkauffen. Flaccilla. Auff dieses Pfand pflegt niemand nichts zu leihen / es verstehet sich zu geschwinde. Sophia. Wohlan / ich habe noch etwas / daß ich ausser meiner Ehre wagen kan. Flaccilla. Du hast vielleicht einen verborgenen Schatz gefunden / und komst mir fuer / wie die Goldmacher / die in hoechster Armuth von viel Tonnen Goldes zu reden wissen. Sophia. Der Schatz ist offenbahr / ob er wohl nicht viel werth. Schneidet mir diese Haar von dem Haupt / und verkauffet sie irgens einer Hoff Damen. Flaccilla. Der Gewinn von dieser Kauffmanschafft wird so groß nicht seyn. Sophia. Geringe Handelsleute muessen nicht gar zu grossen Gewinn hoffen. Loeset mir die Flechten auff! Lasset uns hinein! denn die Noth leidet keinen Auffschub. Flaccilla. O hoechste Tugend! wie unwerth bist du in diesem Armuth / und wie ungeachtet in diesem Elend! Sempronius. Αιὼν πάντα φέρει, Sed omnia vincit Amor, Omnia, id est, omnes homines, \& omnia pecora Campi, \& nos cedamus Amori, saget das Wunder der Lateinischen Poeten Virgilius. Wer solte geglaeubet haben / daß ich / der ich ein Wunder bin inter eruditos hujus seculi, und numehr meine fuenff und sechtzig Jahr cum summa reputatione erreichet / mich auffs neue solte per faces atque arcus Cupidinis haben ueberwinden lassen? Ach Coelestina! ach Coelestina! tu mihi spes voti, tu mihi summus Amor, wenn ich deine rosenliebliche Wangen betrachte / werde ich verjuenget / als ein ander Phoenix. Aber quid haec suspiria solus montibus \& sylvis? Virgilius Ecloga 2. Warum greiff ich nicht zu Mitteln / und versuche / was zu erhalten. Hasce amoris mei interpretes Epistolas, Cicero ad Atticum, habe ich heute frueh (Aurora Musis amica) mit hoechstem Judicio \& ingenio zusammen gesetzet / und warte nur auff Gelegenheit / ihr selbige durch ein bequemes subject, welches sie kenne / zu ueberantworten. Hir in der Naehe wohnet eine bequeme Frau die alte Cyrille, die sich gar gerne zu solchen Legationen gebrauchen laest / \& nisi me fallit animus, so ist dieses ihr Hauß. Sed eccum, illa ipsa prodit, last uns hoeren in hoc angulo, was vor excursus sie vorbringen werde. Die alte Cyrille. Sempronius. Cyrille. Kaetterle schleuß das Haus wohl zu / und wo die Braut kommt der ich rathen solte / so gib ihr das Wasser / wenn sie dir 3. Ducaten eingeliefert hat. Wird Don Diego nach mir fragen / so sage / daß ich in seinen Geschaefften ausgegangen bin. Es ist ietzt alles theur: die Welt ist gar auff die Neige kommen: die Jungfern sind so geitzig / wie der Teuffel / und die junge Gesellen haben lauter lauter Nichts in dem Beutel. Es ist gar eine ander Welt / als da ich noch jung war: die Liebe ist gar gestorben. Nun muß ich gehen und sehen / ob ich heute was verdienen kan. Nu das walte / der es walten kan. Matthes gang ein / Pilatus gang aus / ist eine arme Seele draus. Arme Seele wo kommst du her? Ach das ist ein troestlich Gebet! Sempron. Prolixam texit fabulam, interrumpam \& alloqvar. Bona dies, bona Dies! Cyrille. Aus Regen und Wind / und aus dem feurigen Ring. Sempron. Bona dies, Cyrille. Cyrille. Was sagt Herr Jonipis, ô ja die is. Sempron. Ha! Bestia / verstehestu nicht was ich sage? Cyrille. Ja freylich bin ich die beste / es ist in der gantzen Stadt keine so redliche fromme Frau / Herr Criccronigs. Sempron. Ego appellor Sempronius. Cyrille. Ob ich Semmeln oder Honig ha? Ne Herr Grigories, ich verkaeuffe nicht mehr Obst und Naescherey. Sempron. Jch sage euch nicht von Semmeln oder Honig / sondern wuendsche euch einen guten Morgen. Cyrille. Dem wird der Engel Uriel nehmen sein Horn / und blasen drein Tit titu. Sempron. Was murmelt ihr? Cyrille. Jch bete ein troestlich Gebet vors Feber und boese Wetter. Sempron. Seponamus ista. Cyrille. Ob ich Seiffe haben mueste. Ja freylich lieber Herr Procrecriis. Die Waesche kost viel Geld / man muß vor ein Muderhemdlin einen guten Groschen geben. Sempron. Ey lasset uns diß beyseite setzen! hoeret nur / ich sage euch αληθω̃ς, purè. Cyrille. Da soll euch der Teuffel dafuer holen / sagt ihr / daß ich eine alte Hure bin? das kan mir kein redlicher Mann mit gutem Gewissen nachreden / du alter graubaertiger ungehangener Dieb / du darffst mir nicht viel / ich gaete dir den Bart aus. Sempron. Ey / ihr verstehst mich nicht redet / ich rede Griechisch und Lateinisch αληθω̃ς purè. Cyrille. Saget mir nicht mehr von der alten Hure oder... Sempron. αληθω̃ς, purè, das heist in der Warheit / ich weiß doch wohl / daß ihr eine redliche Frau seyd; die gantze Stadt haud negat. Cyrill. Daß ich mirs Haupt gebadt / was gehet der gantzen Stadt daran ab. Sempron. Surdo narro fabulam. Cyrille. Ey Herr / redt doch kein Polnisch mit mir / ich versteh euch nicht. Sempron. Jch rede nicht Polnisch / ich rede Lateinisch. Cyrille. Ey ihr seyd ein Doctoribus, und ich bin nicht studiret, wozu dienet der Lateinische Unrath? Sempron. Quid Gallo margaritam? Cyrill. Ja im Keller ist Margrite. Sempron. Eine Sau fragt nicht nach Muscaten. Cyrill. Muscaten in warm Bier sind gut vor die Mutter-Kranckheit. Sempron. καλω̃ς με υπέμνησας. Cyrille. Ja wenn ich kalt aaß / so nisete ich. Sempron. καταγέλας μου. Cyrille. Ja die geele Kuh! Sempron. Ey nun ad rem tandem. Cyrille. Redet ich hab es verstanden. Sempron. Hoeret Frau Cyrille, ihr koennet mir uebermassen befoerderlich seyn in einer Sachen / welche ist Grandis momenti. Cyrille. Scheltet ihr von gotz Elementen? je Herr / es ist grosse bittre Suende. Sempron. Grandis momenti / heist eine Sache von Wichtigkeit. αλλὰ ταυ̃τα εάσωμεν. Cyrille. Ja so meent ihr? Sempron. Nein doch! planè non! Cyrille. Jch bin keine Nonn. Sempron. Hoeret doch recht zu! Cyrille. Ey Herr / so muest ihr reden / daß ich es verstehen kan. Sempron. Jhr kennet Jungfrau Coelestinam wohl / nostin'? Cyrill. Herr / sie wohnt nicht gegen Osten / es ist gerade gegen Mittag. Sempron. An dieselbe habe ich einen Brieff von Importantz zu bestellen. Cyrille. Habt ihr mit derselben einen Tantz zubestellen? Sempron. Jch sage / daß ich ihr hanc Epistolam, diesen Brieff / gerne zustellen wolte. Cyrille. Aber ist dieser gestolne Brieff vom Tantzen? Sempron. σχεδόν. Doch / er ist nicht vom tantzen / er ist vom lieben. Cyrill. Aber wer hat den Brieff geschrieben? Sempron. Ego. Cyrill. Jch kenne den guten Mann nicht. Sempron. Σεμπρόνιος πεποίηκα, das ist / ich in eigner Person. Cyrille. Jhr Gelehrten habt wunderliche Nahmen. Aber stehet in dem Brieffe / daß ihr Jungfer Coelestinam liebhabt? Sempron. Divinavit. Cyrille. Die Jungfer haelt nichts vom Koenig David. Sempr. Meine wehrteste Zierde! redet mein bestes / was ihr in meinem Hause begehren werdet / das ist alles euch zu Dienst. Tua sunt, posce. Cyrille. Wie sprechet ihr / Pfui Hund / huste? Herr Cecronius werdet ihr meine Jahre auff dem Halse haben ihr werdet genung husten. Sempron. Jch sage darvon nicht / ich bitte / ihr wollet meine Sache bey Jungfrau Coelestina befoerdern / und ihr diesen Brieff de manu in manum ueberantworten. Cyrill. Ha / ha / nu merck ich / wo der Hase liegt. Fuer wen seht ihr mich an? vor eine alte Kuppelhure? Solt ihr mir diß anmuthen? was hindert mich / daß ich nicht anfange Zeter zuruffen / muß ich diß auff meine alte Tage erleben? Ha! a! a! a! a! a! Sempron. Ey Frau Cyrilla was bildet ihr euch ein? Meinet ihr / daß ich solche Sachen fuerhabe? aliter catuli olent, aliter sues, sagt Plautus. άλλο κορώνη φθέγγεται. Cyrille. Was? soll ich mich an Hals haengen? Sempron. Ey nein doch / Jch bin ein ehrlich Mann / und ihr eine ehrliche Frau / und habe etwas ehrliches fuer / beschweret euch nicht mir in dieser Sach behuelfflich zu seyn. Jhr duerffet derowegen in euren Geschaefften nichts versaeumen / und schauet / um daß ich euch den Morgen auffgehalten habe / und vielleicht verhindert / so nehmet diese zwey Ducaten / accipe. Cyrille. Ach in Warheit Herr Kikilorius, ihr seyd ein lieber redlicher Herr / ihr sorget allein fuer das liebe Armuth. Euch zugefallen will ich gern den Gang auff mich nehmen. Einem andern thaete ichs bey meiner Seelen nicht. Wo habt ihr euren Brieff? Sempron. Dieser ists. Wie wolt ihr aber in das Hauß kommen / quis recludet tibi Januam, wer wird euch das Schloß eroeffnen? Cyrille. Kuemmert euch nicht / kuemmert euch nicht! last mich nur machen; Frauen List / ueber alle List. Jch will Flachs oder Schleyer Leinwand hin zuverkauffen tragen / oder schon sonst was erdencken. Sempron. Bringet ihr mir gute Antwort wieder / so sollet ihr einen neuen Rock haben / und solt gekleidet werden à vertice ad talos. Cyrille. Viertzig Thaler die sind gut mit zu einem neuen Rock. Nu / nu Herr Senckelhorius / es wird sich wohl schicken; Jch gehe gleich drauff zu. Sempron. Darauff verlasse ich mich. Vale basilicè, athleticè, pancraticè, έρρωσο ευδαιμόνως, das heist / guten Morgen. Cyrille. GOtt der HErr bewahre euch. Das ist ein gut Glueck gewesen: Der Segen hat geholffen: es war doch in einem Wege mit zu Jungfer Sophien. Nu last uns weiter: Die heilige Sanct Margritte / die bitt ich / daß sie mich behuete / fuer Pueffen / Fallen und vor Schlaegen / auff allen meinen Wegen. Ach du lieber heiliger Sqventz, bewahre mir Huener und Gaens. Die andere Abhandelung. Horribilicribrifax Donnerkeil. Harpax sein Page. Horrib. WAs? daß der Keyser Friede gemacht habe sonder mich um Rath zu fragen? Oh gvarta! novella de spiritare il mondo! Page. So sagen sie / daß der Keyser Frieden gemacht habe mit dem Koenig in Schwaben. Horrib. Mit dem Koenig in Schweden wilst du sagen? Page. Ja Schweden oder Schwaben / es ist mir eins. Horrib. Friede zu machen sonder mich? a qvaesto modo si! hat er nicht alle seine Victorien mir zu dancken? hab ich nicht den Koenig in Schweden niedergeschossen? bin ich nicht Ursach / daß die Schlacht vor Noerdlingen erhalten? habe ich nicht den Sachsen sein Land eingenommen? hab ich nicht in Dennemarck solche reputation eingelegt? was wer es auff dem Weissen Berge gewesen / sonder mich? E che fama non m'acquistai, quando contesi col Gran Turca? Pfui! trit mir aus den Augen / denn ich erzuerne mich zu tode / wo ich mich recht erbittere / Vinto dal ira calda e bollente e dallo sdegno arrabiato, so erwische ich den Stephans-Thurm zu Wien bey der Spitzen / und drueck ihn so hart darnieder / si forte in terra, daß sich die gantze Welt mit demselben umkehret / als eine Kegel-Kaul. Page. Ey / Signor mio. wo wolten wir denn stehen bleiben? Horrib. Non temere! Als wenn sich iemand kuemmern duerffte / der bey mir stehet! laß mich darvor sorgen! aber / siehe da / meine Sonne! mein Leben! meine Goettin erscheinet. Signora mia, bella di corpo, bellissima d'animo! Coelestina. Camilla. Horribilicribrifax. Der Page. Coelestina. Jsts moeglich Camilla, daß so inbruenstige Liebe / die ich zu ihm trage / muesse vergebens seyn? oder ist er aus allen loeblichen Gemuehtes Neigungen der einigen nicht faehig / welche man die Gegen-Liebe nennet? Muß ich / die ich vor diesen vielen bin unerbittlich gewesen / nun erfahren / daß ich von dem nicht geachtet werde / den ich hoeher halte / als mein Leben? Camilla. Wenn er seine Gedancken anderswo hingesetzet / wie koennen wir ihn bewegen / nach uns zu sehen? Coelestina. Seine Gedancken anderswo hingesetzet? wird Er wohl mehr auffrichtige und reinere Liebe finden koennen / als bey mir? Camilla. Warum nicht eben also / wie er gespielet? Solte ich mich wegen eines Menschen so hefftig kraencken / dem ich unwerth / oder der nicht so viel Verstand bey sich hat / als noethig / eine keusche Gewogenheit zu erkennen? Coelest. O wiewohl koennen wir Rath geben / wenn wir selber gesund seyn! Camilla. Still meine Jungfrau! der Hauptmann ist verhanden. Coelest. Jch habe diesen Tag ein gewisses Unglueck zu verhoffen / weil mir der Vogel zu erst entgegen kommt. Horrib. Nobilissima Dea, Cortesissima Nimfa. Ochio del mondo. Durchleuchtigste unter allen schoenen; beruehmteste unter den fuertrefflichsten / uebernatuerlichste an Vollkommenheit / unueberwindlichste an Tugenden / euer unterthaenigster Leibeigner Sclav', der durch die Weltberuehmete Capitain Horribilicribrifax von Donnerkeil / Herr auff Blitzen und Erbsaß auff Carthaunen Knall / praesentiret / nebenst Verwuendschung unsterblicher Glueckseligkeit / seiner Keyserin bey angehendem Morgen seine zwar wenige / doch jederzeit bereitwilligste Dienste! Coelest. Mein Herr Capitain, er muß uns so gewogen nicht seyn / wie er vorgibt / sintemahl er uns so bald den Tod wuendscht. Horrib. Den Tod? La morte? Io rimango petrificato dalla meraviglia! Ey da behuete mich der Blitz von diesem glorwuerdigsten Degen fuer dergleichen Gotteslaesterung! Coelest. Er verwuendschte uns unsterbliche Glueckseligkeit. Horrib. Certo si. Nicht anders. Coelest. Selbige erlangen wir / wie ich weiß in dem ewigen Leben. Dazu aber koennen wir nicht eingehen / als durch den Tod. Horrib. Meine schoene ist unueberwuendlich so an Scharffsinnigkeit / als Schoenheit. Quella fu buonissima e sapientissima dimostratione! Camilla. Mein Herr Capitain liebet meine Jungfrau mit diesem Bedinge / daß sie bald sterbe: so wuerde er Erbe ihrer Gueter / und theilete den Raub aus. Horrib. Ha Jungfrau Camilla, also mit mir zu spotten? il vostro fù un ragiona troppo mordente. Sie kennet mein auffrichtig Gemuethe / und weiß / wie fest ich in Liebe gegen meine Englische Coelestinam verbunden stehe. Wenn mich nicht ihre Gegenwart allhier auffhielte / haetten die Venetier laengst den Tuercken durch mich aus Constantinopel vertrieben. Coelest. Mein Herr Capitain, wir entschlagen euch dieses Arrests, des gemeinen Bestens wegen. Wir wollen nicht Ursach seyn / daß so eine schoene Gelegenheit das Christenthum zu befoerdern hindan gesetzet werde. Horrib. Fermate vi in cortesia \& ascoltate mi per vostro bene, Anima mia! Meine himmlische! wil sie ein Probstueck meiner Staercke sehen / sie sage nur ein Wort / ich wil eine groessere That verrichten / als die Victorie vor Lepante auff der See gewesen. Coelest. Hat sich mein Herr Capitain auch bey selben so beruehmten Treffen befunden? Horrib. Jch war damahls des Don Gionanne, Austria Luogotenente. Coelest. So muß mein Herr eines ziemlichen Alters seyn / weil dieselbe Victori noch vor unser Großvaeter Zeiten erhalten ist? Horrib. Ey es ist so lange nicht / ich bin noch Assai Giovane e Galant huomo gagliardo, robusto e di buona natura, um sie meinen Engel zu bedienen! Coelest. Mein Herr Capitain, Jch bin so grosser Ehren nicht wuerdig. Horrib. Meine Princessin / unico spechio di bellezza, Regina de gli astri, miraculo de i cieli, \& honor della natura, wil sie Keyserin von Trapezont, Koenigin von Morenland / Fuerstin von Egypten. Camilla. Churfuerstin von neu Zembla, und Graefin von Nirgendsheim. Horrib. Anzi Hertzogin ueber Persen genennet werden? sie gebiethe! all diese Kronen sollen inner einem Monat / drey Tagen und zwey Stunden / und vielleicht in qvaesto giorno, zu ihren Fuessen liegen. Coelest. Mich wundert / Herr Capitain daß er nicht selbst fuer sich etliche aus gedachten Koenigreichen in Besitz genommen! Horrib. Ha! l'Honore e l'Avaritia non possono star insieme! Jch bin allein vergnuegt mit meinem Glueck und Degen / als mit welchem ich alles kan zuwege bringen. Camilla. Das ist gut / daß man alles kan darmit zuwege bringen: unser Koch weiß sonsten aus Degen keine Pasteten zu machen. Coelest. Uns genueget / Herr Capitain an unserm Stande. Horrib. Finalmente: wil meine Goettin sich anbeten lassen? sie wincke nur / sie soll mich stracks mit dem gueldenen Rauchfaß fuer ihr auff den Knien sehen. Camilla. Der Herr Capitain haelt meine Jungfrau fuer eine heilige auff dem Altar einer Kirchen. Horrib. Fuer eine Heilige in meinem Hertzen / non è cosa più chiara, wil sie / daß ich ihr zu Ehren auff der Spitze eines Dachs nach dem Ringe reite? Coelest. Jch liebe meines Herrn Gefahr nicht. Horrib. Wil sie / daß ich einen grimmigen Loewen im vollem Lauff erwische / und ihm in ihrem Angesicht den Hals abreisse. Cosi sarà per certo. Camilla. Hasen / Herr Capitain, weren besser. Coelest. Einen Loewen / Herr Capitain, solte diß wohl moeglich seyn? Page. O / mein Herr hat wol groessere Thaten verrichtet; wenn ich erzehlen solte / was er einmahl auff der Jagt mit dem Koenig in Persen zuwege gebracht; es wuerde weit anders lauten. Camilla. Ey ein schoenes Paar zusammen! so Herr / so Knecht! Coelest. Lieber / last uns hoeren / was es fuer eine Helden-That gewesen! Horrib. Ob ich wohl in meiner Gegenwart mich ungern ruehmen lasse / auch meine Diener derowegen nicht halte / dennoch weil es mein Engel zu wissen begehret / geb ich dir Freyheit dieses zu erzehlen. dite purè. Page. Der Koenig hatte die Ehre meinen Capitain neben sich auff die Jagt zu fuehren. Das Wild wurd angetroffen / die Jaeger eileten so hir als dar zusammen / der Perß aber traff auff einen sehr grossen Hirschen. Mein Herr verfolgete denselben nebenst dem Koenige: Doch umsonst / weil er zu hurtig auff die Fuesse / und die Pferde allbereits zu muede. Camilla. O weide Messer! O Jaegerrecht! Page. Als der Perß etliche Pfeile vergebens abgehen lassen / ergrimmte mein Capitain, daß er das Jaegerhorn von seinem Halse rieß / und mit demselben nach dem Hirschen warff. Camilla. Damit wird er ihm zweiffels ohn das Gewichte in Stuecken zerschmissen haben. Page. Gefehlt Jungfrau Camilla! Denn das Horn flog just dem Hirsch zum Hindern hinein / und weil das Wild in vollen Fartzen war / gab es so ein wunderlich Getoene / daß alle Hunde herzu gelauffen kamen / und den Hirschen anhielten / also ward das Wild gefaellet. Coelestina und Camilla fangen an zu lachen. Horrib. Du ungehobelter Galgenschwengel / Cane odioso! Furfante! Scimia di Barbaria, solst du deinen Herrn also schimpffen! Coelest. Ey Herr Capitain, er erzuerne sich nicht. Horrib. Wenn ich nicht meines Lebens Einrede gelten liesse / so wolte ich dich / al primo colpo, mit dem Stabe zwoelff Ellen tieff in diese Mauren jagen / daß nichts von dir hier / ohn der rechte Arm / zusehen seyn solte mit welchem du den Hut abziehen koentest / wenn mein Engel etwa vorueber gienge. Coelest. Herr Capitain, ich bitte um Verzeihung / daß ich ihm fuer dieses mahl nicht laenger Gesellschafft halten kan. Horrib. Meine Schoene wird zum wenigsten mir zulassen sie zubegleiten. Sò che lo potete fare, per la commodita mia. Coelest. Fuer diesesmal bitte ich zum hoechsten um Entschuldigung. Horrib. Adio dann wenn es ja nicht anders seyn kan / mein Engel / Adio meine Goettin / Adio mein Auffenthalt / Adio mio bene, adio mia gloria, adio donna Celeste! adio! Palladius. Coelestina. Camilla. Coelest. GOtt lob / daß wir des verdrueßlichen Menschen loß worden! Camilla. Koent auch iemanden seines gleichen in dem Traum vorkommen? Coelest. Diß ist unertraeglich / daß er nicht verstehen will / daß weder Gunst noch Liebe fuer ihn zu finden sey. Trit zurueck! Palladius ist vorhanden! O daß nu meine Augen reden koenten. Camilla. Es ist doch vergebens! Meine Jungfrau ist bey ihm in so grossem Ansehen / als ich bey dem Printzen von Peru. Coelest. Jch hoffe durch Standhafftigkeit meiner Liebe ihn zugewinnen. Palladius. Jn dem ich mich auffhalte und bemuehe andern zu rathen / vergesse ich meiner selbst. Herr Possidonius hat mir schier die Zeit gantz zu nichte gemacht / welche ich viel lieber mit dieser zugebracht haette / welche meine Seele gefangen haelt. Doch was versaeumt / ist nicht wieder zu holen! Jch wil nur bald zu ihr mich begeben / ehe mir ein ander Hindernueß vorkommen moechte: aber schau / von dem Regen in die Trauffe! Coelestina kommet mir so recht entgegen / als wenn sie bestellet were / mir etwas in den Weg zulegen. Was thu ich nun? kehr ich um? diß solte zu rauhe scheinen. Jch wil nur fuerueber / und sie mit kurtzen Worten abfertigen. Der Jungfrauen meine Dienst! Coelest. Ach mein Herr Palladi, wie ist er so freigebig mit Dienst-Anbittungen / und so fest mit der Liefferung! Pallad. Was ich der Jungfrauen versprochen / und verspreche / bin ich stets willig zu leisten / ob mir wohl bewust / daß ihr an meinen geringschaetzigen Diensten wenig oder nichts gelegen. Coelest. Die mag sieh wohl seelig schaetzen / welche seiner Dienste geniessen kan. Jch selbst wolte mir fuer die hoechste Ehre achten / mit derselben umzugehn / so wuerde ich vielleicht ihrer Glueckseligkeit in etwas theilhafftig. Pallad. Die Jungfrauen halten fuer ihre Lust / mit uns ein wenig zu schertzen / und wir fuer unsere Ehr / von ihnen umgefuehret zu werden. Coelest. Und mein Herr Palladius fuer seine Ergetzligkeit mit uns zuspotten. Pallad. Bey mir ist Hertz und Zunge in guter Vertreuligkeit. Sie reden beyde eine Sprache. Jch bitte um Verzeihung / hoechstwehrteste Jungfrau / daß ich dieselbe in ihren Gedancken verstoeret; und befehle mich in dero stetsbluehende Gewogenheit. Coelest. Ey Herr Palladi, er eile doch nicht so hefftig! befiehlet er sich in meine Gunst / und wil mir seine Gegenwart nicht einen Augenblick vergoennen Pallad. Jch fuerchte der Jungfrauen durch mein unnuetzes Geschwaetz beschwerlich zu seyn / und dadurch ihrer Gunst gantz entsetzet zu werden. Coelest. Jch wil ihn versichern / daß er die Gunst / die ich zu ihm trage / nimmermehr verlieren kan! So wenig / als ich die jenige die er zu mir traegt! Pallad. Jch verstehe nicht / was fuer ein Geheimnueß hinter diesen Worten stecke. Coelest. Der Herr sage: er wolle es nicht verstehen. Diese Gunst / die ich zu ihm trage / zu verlieren ist mir unmoeglich / weil sie zu tieff in mein Hertz eingewurtzelt: Seine gegen mir kan er nicht verlieren / weil er sie noch niemals gehabt. Pallad. Wie solte es denn meine Gunst seyn / wenn ich sie niemals gehabt haette. Coelest. Er hat Gunst genug / aber fuer eine / die derselben nicht wuerdig ist. Pallad. Wenn sie gegenwertig were / wolten wir sie darueber vernehmen: unterdessen erkenne ich noch / daß ich Jungfrau Coelestine Gunst niemals wuerdig gewesen: nichts weniger wil ich mich bemuehen selbige zuverdienen / und verbleibe der Jungfrauen stetswilligster! Coelest. Noch ein Wort / Herr Palladi. Pallad. Die Jungfrau verzeih / ich seh daß eine Person sie ansprechen wil! Sie fahre wohl. Coelest. Wie kaltsinnig zeucht er darvon. Ach! Camilla, Camilla, wie schmertzlich ists auff unfruchtbaren Sand saeen! Camilla. Sie liebe / was sie liebet / und lasse fahren / was nicht bleiben wil. Die alte Cyrilla. Deus meus. der heilige Sanct Andereus! beschere uns ein gutes Jahr / und guten Abgang zu meiner Wahr / Amen. Hodie tibi, cras sibi, Sanct Paulus, Sanct Bartholomeus, Die zween Soehne Zebedaeus, der heilige Sanct Wenzel / und der Seelige Stenzel, die seyn gut vors kalte Weh / und behueten fuer Donner und Schnee. Nu / ich bin bey Jungfer Sophien gewest / und habe Voegel gesucht in einem leeren Nest: Die wil nichts von Don Diego wissen und hoeren. Wenn ich so schoene waer / als sie / ich wolte meiner Zeit besser warnehmen: es kaeme doch hernach ein einfaeltig Schaaff / daß mich unter der Musterung durchgehen lisse. Nun wir woln sehn / wies bey Coelestinen gehen wird. Sie ist schoene / sie ist reich / sie ist jung / und schoffert allein in ihrem Kopff. Nach dem alten Ceremonigis wird sie wohl nicht sehen / wo nicht seyn Geld was zu wege bringt. Doch / die Liebe ist blind / und faellt wie die Sonne / so bald auff eine Grase Muecke / als auff ein liebes Kind. Last sehen! hier wohnt sie. ich wil anklopffen. (Sie klopfft). Camilla. Coelestina. Cyrilla. Die Pagen und Gesinde von Coelestina. Camilla. Wer klopfft? Cyrilla. INRI. Memnentau mauri. Camilla. Wer klopfft? Cyrilla. Ein gute Freundin / liebe Jungfer. Camilla. Verziehet / ich thue auff. Was bringet ihr / Frau Cyrilla? Cyrilla. Nicht gar zu viel Jungfer Simille. Jst Jungfer Coelestine nicht anzutreffen? Camilla. Habt ihr etwas anzumelden? Cyrilla. Jch habe etliche Stuecke schoene Spitzen zu verkauffen. Camilla. Jch wil sie herausser fodern. Cyrilla. Geht / geht / geschwinde geht / liebes Kind! Die heilgen sieben Planeten / die troesten uns in allen Noethen! Haccus, Maccus, Baccus, die heiligen Wort / die bewahren uns in allem Ort! Coelestin. Willkommen Frau Cyrilla! was bringet ihr uns guts neues? Cyrilla. O liebes Kind! ach eure Mutter war eine fromme redliche Frau! O GOtt sey ihrer Seelen genaedig! O was hat sie mir guts gethan! ihr gleicht ihr so eben / als wenn ihr ihr auß den Augen geschnitten waeret. O liebes Kind! liebes Kind! welch eine gute Zeit war damals. Coelest. Weinet nicht / weinet nicht / Frau Cyrilla. Cyrilla. Seht es ist nu alles theur / man kauffet ein Stein Flachs um einen Thaler / den man da um achtzehn gute Groschen kriegte. Coelest. Man hat mir gesagt / ihr braechtet was zuverkauffen. Wolt ihr uns nicht euren Kram sehen lassen. Cyrilla. O ja: gar gerne. Harret nur / ich wil die Brillen auff setzen. Denn sehet / ich bin etwas uebersichtig und habe trieffende Augen! Seht / wie gefallen euch diese Spitzen? es ist recht Brabandisch Gut. Coelest. So maessig! habet ihr nur dieser Gattung? Cyrilla. Nein / ich habe noch unterschiedene: das Hertzgen / zwey Hertzgen / das Hertzgen mit dem Pfeil / das Toden Koeppigen / das HasenZaenichen. Coelest. Wie theur die Elle von dieser Gattung? Cyrilla. Nicht naeher als um fuenff Guelden / sechs Groschen. Coelest. Und von dieser Art? Cyrilla. Diese kostet mit einem Wort / achtzehn Guelden und vierzehn Groschen. Coelest. Ey / Frau Cyrilla, ihr seyd viel zu theur. Cyrilla. Die Lilie wil ich euch um zehn Guelden lassen. Coelest. Zehn Guelden / und nicht mehr geh ich fuer die gedoppelten Hertzgen. Die Lilie ist nicht sechse werth. Cyrilla. Ey / Jungfer Coelestine, wo wolte ich hin? ich wuerde zu einer armen Frauen dabey. Gebt eilff Guelden und ein halben fuer die gedoppelten Hertzen! So eine reiche Jungfer muß nicht so genau dingen! Unser HErr GOtt segnet sie denn wieder mit einem reichen Manne. Coelest. Jhr schertzet / Cyrilla. Nun / daß wir zu einem Ende kommen; Eilff Guelden wil ich geben. Cyrilla. Gebet noch die fuenff Groschen dazu. Coelest. Nicht einen Heller mehr. Cyrilla. Nun / nun! um eines andernmahls Willen. Wie viel Elen wolt ihr haben. Coelest. Jch wil das gantze Stueck behalten. Wie viel helt es? Cyrilla. Gleich achtzehn Elen und eine halbe; das macht gerade 203. Guelden / und ein halben. Sehet / ich wils euch in den Fingern her rechnen. Ein Elle ist 11. Guelden. 2. Elen sind 22. Guelden. 4. Elen 44. Guelden. 8. Elen 88. Guelden. 16. Elen 176. Guelden. Nu die uebrigen zwo Elen sein wieder 22. Guelden. Die zu den vorigen gerechnet / machet 198. nu bleibet noch die halbe Ele vor sechste halbe Guelden. Wenn wir die nu zu der vorigen Summe nehmen / so macht es gar zusammen / wie ich vor sagte 203. und ein halben Guelden. Coelest. Hie habt ihr Geld. Cyrilla. Drey / sechs / neun / zwoelff / funfftzehn. Jst der Ducaten auch wichtig? Coelest. Es ist abgewogen Gold. Cyrilla. Seht liebes Kind / alte Leute die irren sich leichtlich / achtzen / ein vnd zwantzig / vier und zwantzig / sieben und zwantzig / dreissig / dar mangelt einer. Coelest. zehlet noch einmahl / ich habe recht gezehlet. Cyrilla. Es ist war: Ungrische Guelden soll man zweymal zehlen. Funffe / 10. 15. 20. 25. 30. 33. 1. Reißthaler / ein halben Reißthaler / ein Guelden. O Hertzes Kind / habt mirs ja nicht voruebel! ich bin so was vergeßlich: ich muß das Gold in die Tasche schliessen. Coelest. Camilla, hole mir die Ele. Cyrilla. Meine liebe Jungfrau / weil wir so alleine sind / muß ich euch was erzehlen. Wenn ihr es nur nicht woltet uebel oder auffs aergste außlegen. Coelest. Nein gar nicht. Erzehlet frey / was ihr wollet! Cyrill. Als ich heute außgehen wolte / ist mir ein Herr begegnet / der euch freundlich durch mich gruessen laest. Coelest. So weit. Cyrill. Ein feiner reicher Mann / der uebermassen in euch verliebet ist. Coelest. Wie heist Er? Cyrill. Jhr werdet es wohl aus diesem Brieffe sehen. Coelest. Wo ist der Brieff? Cyrilla. Hier hab ich ihn in dem Aermel stecken. O Hertzes Kind / euch wird wohl mit dem Manne gerathen seyn. Camilla. Jungfrau Coelestina, hier bring ich die Elle. Cyrilla. Wolt ihr die Spitzen messen? Coelest. Camilla ruffe mir stracks den Pagen und das Gesinde hervor! Jch wil dir alten Kuppelhuren den Ruecken mit Pruegeln messen lassen: und wenn ich deiner grauen Haare nicht schonete / solten dir die Ohren so weit von einander genagelt werden / daß man sie mit zweyhundert Klafftern Bindfaden nicht solte zusammen knuepffen koennen. Camilla (Mit dem Gesinde) . Wie ists meine Jungfrau? ist die Maß nicht vollkommen? Coelest. Soltest du altes Rabenfell dich unterstehen mit derogleichen Schandbrieffen fuer mein Gesicht zu treten. Camilla. Frau Cyrilla! Heist dieses Spitzen verkaufft? Coelest. Schmieret die alte Hexe zum tuegen ab / daß andere eine Abscheu nehmen derogleichen zu begehen. Coelestina gehet davon. Page. Wir wollen dem Befehl schon ein Genuegen thun. Alte Hexe / was macht der Teuffel? Cyrilla. Nu / nu / last mir meine Muetze / ihr werdet mir die Schaub in Stuecken reissen. A! meine Tasche / meine Tasche / mein Korb. Der ander Page. Schau / das alte Ungeheur hat eine Peruqve auffgesetzet. Cyrilla. A! gebt mir meine Tasche wieder. Page. Still / wir wollen ihr einen Bart von Pech anschmieren. Cyrilla. A! meine Tasche! meine Tasche! Camilla. Gebet ihr die Tasche / und lasset sie vor den Teuffel lauffen! Die Pagen schmieren sie um und um mit Koth / und gehen mit Camilla davon. Cyrilla (bleibet stehen / wischet die Augen ab / und faehret redent fort) : Ach mein Kopff! mein Bauch! mein Ruecken! O mein Schleyer / meine Muetze! mein Koerblin ist gar in Stuecken. Hab ich auch noch meine Spitzen gar / 1. 2. 3. 4. 5. 8. 12. Stueck; ja das heist Brieffe getragen. Aber schaut / dort komt Don Diego, der muß mirs wohl bezahlen. Don Diego. Cyrilla. Don Diego. Der Kopff thut mir weh ueber dem unmaeßigen Auffschneiden unseres Capitains, welcher doch in Warheit nicht anders ist / als ein gehelmeter Hase; wer ihn reden hoeret / meinet er were der ander Hercules, oder der grosse Roland. So bald er aber in eine occasion gerathen / wil er fuer Furcht gar zu trieffen. An itzo weil er sich fertig macht seine Selenisse zu besuchen / hab ich mich von ihm weg gestolen / in Meynung allhier der alten Cyrille zu erwarten. Welche ich nu zu unterschiedenen mahlen abgefertiget Jungfer Sophien zu ueberreden. Cyrille (Heulende) : Ja Jungfer Sophien zu ueberreden. Don. Dieg. Was potz hundert ist dieses? wo seyd ihr so uebel angelaufen / Frau Cyrilla. Cyrille. Jch wolte noch wohl fragen / sehet nur wie mich eure Sophia abgewuertzet hat! Don Diego. Sie weiß wohl / daß besser Wuertze an euch verlohren ist. Cyrill. Ja / und ihr wolt mich noch darzu auslachen! Diego. Wie das Fleisch ist / so ist der Pfeffer! aber ich kan kaum glauben / daß Sophia so unbarmhertzig mit euch umgegangen. Cyrilla. Welcher Teuffel solle es sonst gethan haben / hat sie nicht Leute gnug bey sich im Hause / die sich ihrer annehmen. Diego. Sie wohnet ja mit ihrer Mutter gantz alleine. Cyrill. Was weiß ich / wer stets bey ihr stecket / sehet nur ich speye Blut. (Sie reuspert sich). Diego. Purgiere dich Teuffel / friß Fleuchtenmacher / scheiß Siedeschneider / wische den Ars an Feuermeuerkehrer. Cyrille. Ja was hab ich nu darvon als Stanck und Undanck. Diego. Wer nicht redet spielen kan / dem schlaeget man die Lauten an dem Kopffe entzwey. Cyrill. Das dacht ich. Diego. Seyd zu frieden / seyd zu frieden / Mutter Cyrill, und folget mir! ich will euch schon Satisfaction thun. Cyrill. Gehet voran; ich wil euch folgen. Wenn mich iemand sehen wird / muß ich sagen / ich sey so gefallen. Dar ist sen in dem Walde ein Roeßlein roth / das hat sen geschaffen der liebe GOTT / O trauriges Leben betruebte Zeit! Du hast mir genommen alle meine Freud. (Gehet betend ab). Coelestina. Camilla. Coelest. Die thoerichte Naerrin dorffte sich unterstehen mir derogleichen Brieffe einzulieffern! Camilla. Last uns doch sehen / wie und von wem er geschrieben! Coelest. Da ist er: leset ihn / Camilla. Camilla. Wenn er von Herren Palladio geschrieben were / wuerde Cyrille vielleicht eine bessere Belohnung darvon getragen haben. Coelest. Was saget ihr? Camilla. Jch verwundere mich / daß die Außschrifft so schoen gestellet: Dem himmlischen auff der Erden scheinenden Nordstern meiner Sinnen / dem grossen Beeren meines Verstandes / der eintzigen subtilitaet und hoechstem Enti meiner Metaphysica, der wuerdigsten Natur in der gantzen Physica, dem hoechsten Gut aller Ethicorum, der Beredsamsten Phoebussin dieser Welt / der zehenden Musae, andern Veneri, vierdten Chariti und letzten Parcae, meines Verhaengnisses / dem hochedlen wolgebornen Fraeulin Coelestine, meiner glorwuerdigsten Gebieterin / ad proprias. Coelest. Es blicket wohl an dem Gesang / was es fuer ein Vogel seyn muß. Camilla. Si vales, benè est, ego autem valeo, sagt Cicero. Jch hergegen / O ihr einiger Schleiffstein meines Verstandes - - - Coelest. Es wird ein Messerschmidt oder Glaßschneider seyn / weil er von Schleiffen redet. Camilla. Si vales benè est: ego autem non valeo, das ist / ich aegrotire, melancholisire, decumbire, langvire, es sind mehr fremde Worte hierinnen / die ich nicht wohl lesen kan. Coelest. Vielleicht ist es Tuerkisch oder Griechisch: last uns das ueberschlagen. Camilla. Verstehen wir doch das Lateinische nicht. Coelest. Woher koennet ihr aber so wohl Lateinisch lesen? Camilla. Jch habe in meiner Jugend in einem Kloster Seiden stuecken gelernet; da hab ich aus Kurtzweil diese Kunst von den Jungfrauen begriffen. Nun sie hoere weiter! Jch langvire in dem Hospital der Liebe / in welches mich eure grausame Schoenheit ein furiret, und wie ein Krancker sich nach nichts sehnet / als nach seinem Artzt. Ita ego vehementer opto nur einen Anblick eurer Clementz, welchen ihr doch Hunden und Katzen nicht mißzugoennen pfleget. Wiedrigen Falls gehet der Schneider schon zu Wercke / meiner Hoffnung / die nichts hat / als Pein und Knochen ein Traurkleid zu machen; weil ich gaentzlich entschlossen bin mit dem ersten Schiff / welches Charon wird nach dem Campis Elysiis abgehen lassen / mich von hir dahin zubegeben / ubi veteri respondet amore Sichaeus. Dieses / wo euch moeglich / verhuetet und seyd gegruesset von Dem / der die Erde kuesset     auff welcher das Gras gewachsen /     Welches der Ochse auffgessen /     aus dessen Leder eure Schuch-Solen geschnitten Titus Sempronius, Caji Filius, Cornelii Nepos, Sexti Abnepos. Coelest. Ach armseliger Semproni! wilst du vor grossem Alter gar kindisch werden! Camilla. Ja wohl / armseliger Semproni! warum bist du nicht Palladius! Was wollen wir aber mit dem Brieffe thun? Coelest. Stellet ihn unserm Koch zu. Denn weil er so voll feuriger Gedancken / koennen wir etwas Holtz zu dem Braten ersparen. Camilla. Jch fuerchte fuerwar / er wuerde mit seiner Kaelte alles Feur in der gantzen Kuechen außloeschen. Cyrilla. Sempronius. Sempron. λάλησον. Cyrilla. Nicht die alte Lyse. Sempron. Er illa hat meinen Brieff angenommen? Cyrill. Nicht Camilla, sondern Coelestina selber. Sempron. Et qvid dixit? Cyrill. Sie schloß ihn nicht in die Buechse / sondern steckte ihn in den Schubsack. Sempron. ευ̃, καλω̃ς, κάλλιστα. Lachrymor prae gaudio. Cyrilla. Ja kalt ists / und sie lachte dennoch die Haut voll. Sempron. Ecqvis me felicior? Cyrilla. Jn der Ecke ist sie vorgestanden / und hat den Brieff alleine gelesen. Sempron. Aber was giebt sie Solatii? Cyrilla. Ja Herr Semororiis, Kohl hat sie hie / ihr muest ihr was anders schicken! Sempron. Ey / ihr verstehst nicht meum velle. Cyrilla. Ey Herr / was soll es ihr mit Maeusefellen / es muß Gold oder was derogleichen seyn. Sempr. Auto venalia jura. Cyrilla. Das versteh ich nicht! heist ihr mich eine Hure? meinet ihr / daß ichs ihr nicht geben werde. Sempr. Jhr verstehst nicht meinen mentem. Cyrilla. Was Verstand darff ich zu euren Enten? Sempr. Jch frage / was Jungfrau Coelestina mir zur Antwort schicket? Ecqvid responsi. Cyrilla. Ja Herr / ich gewon sie / sie sah zwar erstlich ein wenig saur. Aber als sie euch nennen hoerte / muste sie laecheln / wie sehr sie es auch verbergen wolte. Sempr. Sat est. Cyrilla. Ja ich wil wol satt essen / wenn ihr mir nur was geben woltet. Sempron. Jch wil schon geben zu essen und zu trincken sine modo. Cyrill. Nein Herr Sbrosemigis, mein Rock darff nicht nach der Mode seyn. Sempron. Non intelligis. Cyrill. Jch sehs wohl / daß es helle ist / aber wenn der Winter komt / ist ein gantzer Rock besser als ein zuschnittener. Sempron. Kommet kommet sodes. Cyrill. Herr / ich esse nicht nur Sodt / es muß auch Fleisch drinnen seyn. Sempr. Pruriunt ipsi dentes. Cyrill. Sagt ihr / die Hure isset huebsche Enten? Sempr. Ey / ich rede Lateinisch / das verstehst ihr nicht. Jch rede wie Marcus Tullius zu Rom. Cyrilla. Es schmeckt nicht uebel auff dem grossen Stul / Marck und Rohm. Sempr. Jch sage / daß ich ρωμαϊστί, Lateinisch rede. Cyrilla. Ja Rohm isset sie! Herr Vicmonius, ich verstehe es wohl / ich weiß aber nicht / ob ihr mich eine Hure heisset. Sempr. Ey nein / ihr seyd ein ehrlich Weib / ich meine meine Coqvam, welche der Teuffel zu reiten pflegt. Cyrilla. Ja es ist wahr / daß der Teuffel auff dem Bock zu reiten pflegt. Aber ich habe keine Gemeinschafft darmit. Sempron. Conscientia mille Testes. Cyrilla. Die Pestilentzia unter den Fuellen / ist nicht die beste. Sempron. Jch sage / quod me haud intelligas. Cyrilla. Da man ein Meisen Haupt auff dem Teller aß? Sempron. Auff deutsch! ihr verstehet mich nicht / haud capis me. Cyrilla. Haupt Kapis ist mehr als eine Meise. Sempron. Jch rede nicht von Essen / nicht von edendo. Cyrilla. Ja meint ihr dehn do. Sempron. Jhr verstehet den Element, was ich wolle. Jch rede noch von Coelestina, was laest sie mich endlich wissen / qvid vult? Cyrilla. Ja sie ist euch huld. Sempron. Mere? Cyrilla. Was wolt ihr mehre? Sempron. Nicht so / non fallis me? Cyrilla. Ja Herr / ich fiele mehr / als einmal. Sempron. Seyd ihr truncken? Cyrilla. Nein Herr Secconies, ich bin nicht ertruncken / aber gar tieff in den Dreck gesuncken. Sempr. O misera! Cyrilla. Ja es kam mich sehr an. Sempr. Folget / folget / drinnen calesces ad ignem. Cyrill. Wenn man kahl ist / laest sichs uebel singen. Sempr. Die Thuer ist offen / folget hernach / wir wollen schon weiter / was zur Sachen dienlich / ponderiren. Cyrilla. Eyre / Mehl und Butter lassen sich am besten unterruehren. Daradiridatumtarides. Selenissa. Cacciadiavolo. Diego. Dara. Mon Dieu! So giebt sich endlich meine bißher unueberwindliche Schoene auff Gnade und Ungnade ihrem werthen Freinde dem streitbaren und tapffern Daradiridatumtarides Windbrecher von tausendmord. Selen. Ja / mein Herr Capitain, mit diesem Handschlag versprech ich mich auff ewig die Seine zu seyn / trotz allen / denen es leid / und die mir diß grosse Gluecke mißgoennen. Dara. Graces aux Dieux! Vos avez mis mon Ame au plus haut degrez de la felicité. Mit dieser gueldenen Ketten / welche mir der unsterbliche Soldat von Pappenheim mit eigenen Haenden an den Hals gehangen / als ich zu erst mich auff die Magdeburger Mauren gewagt / verbinde ich mir meine Goettin / welche mir GOtt Mars selber mit allen seinen Feuerspeyenden Granaten und Donnerschwangeren Canonen nicht abjagen soll. Selen. Jch bitte / mein werthester Braeutigam geruhe / als ein Zeichen meines standhafftigen Gemueths und reinen Hertzens / diesen Demant von mir anzunehmen! Dara. Den wil ich nicht verlieren / als mit dieser Faust. Jch glaeube / daß Amor selbst seine Pfeile hierauff geschaerffet habe. Wer ist auff der gantzen Welt glueckseliger / als ich? Don Cacciadiavolo, Don Diego, herfuer! wuenschet eurem großmaechtigsten Capitain Glueck. J'ay gaigné mon proces! Die Festung / die ich bißher so lange belaegert / hat parlamentiret, der Accord ist geschlossen / und soll von uns beyden auff kuenfftig unterzeichnet / auch bald darauff die Citadel in posses genommen werden. Vive l'amour \& ma Deesse! Caccia. und Diego. Vive l'amour \& sa Deesse! Cacciad. Es ist kein Bluts-Tropffen in meinem gantzen Leibe / der sich nicht in lauter kleine Feur Granaten verkehre / und mir durch alle Sinnen und Geister schwerme. Jch wuendsche diesem neuen Marti und der andern Veneri unvergleichliches Glueck! Don Diego. Pallas und Bellona lasse diß treffliche Paar gluecklich zusammen kommen / froelich beysammen leben und langsam von einander geschieden werden. Dara. Aus uns werden Kinder geboren werden / welche die Welt bezwingen / die Hoelle stuermen / und den Jupiter aus dem Himmel jagen werden / nicht anders / als wie die Riesen / welche Berge auff Berge gesetzet / durch die Wolcken gedrungen / und biß an die neundte Sphaer Sturm gelauffen sind. Jch kenne mein Geschlecht / und weiß gar wohl / aus was fuer einer Art wir kommen. Alsbald ich auf diese Welt gebohren bin / hab ich auff der Erden herum gesprungen / ich habe meines Vatern Degen von der Maur herunter gezogen und damit so ritterlich herum geschwermet / daß ich der Hebammen den Kopff / und der Kinder-Magd den Leib entzwey gehauen. Don Diego. Es brennet bey zeiten / was eine Nessel werden soll. Dara. Muth komt vor den Jahren bey wackeren Gemuetern. Einen Chevalieur muß man aus dem Bart nicht aestimiren. Cet assetz! Last uns herein / Don Diego, daß man die Trompeten bestelle / Don Cacciadiavolo, daß man unsre Hochzeit mit einem Salve verehren lasse! Don Diego. Es soll geschehen / Gestrenger Herr! grosser GOtt / hier ist Zeit gewesen Hochzeit zumachen. Bey uns ist so viel Schuld / daß ich nicht weiß / die Waescherin vor ein Hemde zu saubern / zubezahlen. Wird die Braut ein grosses Heyrath Gut mit sich bringen / so wird es hoch von noethen seyn: wo nicht / so werden wir saemtlich Elend aus Essig essen / mit Mangel betreuffen / und in bittern Wermut arme Ritter backen. Der dritte Auffzug. Bonosus. Palladius. PAlladius. Es ist nicht anders / als wie ich erzehlet! Selenissa achtet weder meines Standes / noch seiner Vortreffligkeit. Sie ist mit dem Großsprecher nunmehr fest. Mich schmertzt nicht mehr / als daß wir / wegen der nichts werthen unbedachtsamen / solche heimliche Feindschafften und Verbitterungen gegen einander getragen. Er hat die unvergleichliche Ariana verlassen / und ich habe die Sinn- und Tugendreiche Corneliam geringe gehalten / ja schier gezwungen meinen Vetter zu heyrathen / damit ich desto freyer dieser Wanckelmuetigen auffwarten koente. Bonosus. Solte es aber wohl moeglich seyn / daß es geschehen? Pallad. Des Capitains Diener / welcher des meinen Landsmann und getreuer Camerade, hat anitz in meinem Hause den gantzen Zustand entdecket. Bonosus. Unbesonnene! thoerichte! leichtfertige undanckbare Selenissa! Pallad. Mein Herr / last uns nicht auff sie fluchen / ich trage ein hertzliches Mittleiden mit ihr / sie darff keiner Straffe mehr / die durch eine solche Heyrath mehr denn ueberhefftig gestraffet wird. Bonosus. Wo ich dem Capitain auff seine Hochzeit nicht einen sondern Schimpff erweise / so muesse die gantze Stadt von meiner Zagheit sagen. Pallad. Mein Herr / der hat Schimpffs mehr denn zu viel / dem man keinen Schimpff mehr erweisen kan. Die gantze Welt haelt ihn fuer einen Landluegner. Er steckt in tausend Schulden vertaeuffet biß ueber die Ohren. Selenissa hat auff der Welt nichts! wie kan man beyden mehr Ungluecks wuendschen? Bonosus. Jch kan mich nicht genung verwundern ueber der thoerichten und unbesonnenen Jugend! Cleander. Bonosus. Palladius. Cleander. Recht! Finde ich die Herren und wehrteste Freunde hir beysammen! Ich habe Herren Palladium den gantzen Morgen gesucht. Pallad. Mein Herr / die Ehre / die er seinem geringsten Diener erweiset / ist zu hoch! und ich bin schuldig ihm auch sonder sein Begehren stets auffzuwarten. Cleand. Mein Herr Palladi, die Worte sind unvonnoethen. Jch komme anietz auff Befehl ihrer Durchlauchtigkeit / unsers gnaedigsten Fuersten ihn auff den Hoff zufodern / da er den Eid / als von ihrer Fuerstl. Durchl. selbst erkohrner Mareschall ablegen soll; zu welcher von ihm wohl verdienten Erhoehung ich ihm was er selbst begehren mag / von Hertzen verwuentsche. Bonosus. Was hoere ich / Herr Cleander? Pallad. Jch halte mein Herr treibet den Spott mit seinem Diener! Cleand. Was solte ich vor Ursach zu spotten haben in so wichtiger Sache. Jch bitte mein Herr wolle bald sich mit auff den Hoff begeben / und nach abgelegter Pflicht mir / nebenst andern werthen Freunden / welche sich ueber dieser seiner neuen Ehre hoechlich ergetzen / seine Gegenwart an meiner Taffel goennen! Mein Herr Bonosus wird / wie ich auffs hoechste ihn bitte / kein Bedencken tragen uns Gesellschafft zuleisten. Bonos. Mein Herr Palladi, ich erfreue mich hoechstens ueber seinem unverhofften / doch wohlverdienten Gluecke. Pallad. Mein Herr / ich weiß bey diesem Zustand nicht / wie oder wem ich zufoerderst zu dancken verpflichtet; Diß einige ergetzet mich / daß ich Mittel an die Hand bekommen / ihnen in der That zu erweisen / daß ich ihrer allerhoechst verpflichtester Diener. Sempronius. Cyrilla. Sempronius. Amor vinumqve nihil moderabile svadent. Cyrill. Schwaden in Milch gekocht ist gut. Sempron. Nihil ad Rhombum. Cyrilla. Michel worum drum? Sempr. Εγὼ σκόροδά σοι λέγω, σὺ δὲ κρόμμυ' αποκρίνεις. Cyrilla. Ja freylich muß man das Korn lesen / wenn es krum und nicht gruene ist. Sempron. Jch rede de plaustris, ihr antwortet de trahis. Cyrill. Jhr redet von der Plautze / die ich wegtrag itz? Sempron. Jch rede von meinem Cordolio. Cyrill. Jo ich hab den Korb voll jo. Sempr. Von meiner Coelestina, bey der ihr um Antwort anhalten sollet / wo es in fatis. Cyrill. Ja ich soll fragen / ob sie Fladen isst? Sempr. Der sollet ihr bringen diese margaritas. Cyrilla. Das soll ich bringen meiner Margritte. Sempr. Jhr sollt die Perlen Jungfer Coelestinen geben sag ich / zu einem Mnemosyno. Cyrill. Sol ich sie geben meinem Sohn? Sempr. Ey nein doch / ihr sollet sie zustellen Fraeulein Coelestinen zum Mnemosyno. Cyrill. Ja ich meine so. Sempr. Wenn seh ich euch rursus. Cyrill. Herr ihr vergesset euch / ich heisse nicht Urse. Sempr. Ερωτάω. Cyrill. Ein rot Auge? Sempr. Ego qvaero, ego interrogo, ego sciscitor, das heist / ich frage euch / quando reversura sis? Cyrill. Nu seht nur Herr / ihr redet so geschwinde / und fraget immer / ob Anne eine Hure ist. Sempr. Ey was ist mir daran gelegen. Jch frage / wenn ihr wiederkommen wollet mit Antwort und guter Verrichtung. Cyrill. So bald es moeglich. Sempr. ύπαγε εις ειρήνην. Cyrill. Ja / ja ich wohne hierinnen. Coelestina. Camilla. Coelest. Nun ists vergebens! meine Hoffnung ist todt! Himmel / muß meine getreue Liebe mit einem so traurigen Außgang belohnet werden! Camilla. Gedult und Zeit / werthe Jungfrau / aendert und heilet alles. Coelest. Die Wunde ist zu groß / und der Schmertz zu hefftig. Camilla. Jch glaub es gern / daß nichts verdrießlichers und schaendlichers / als wann man treuer Liebe mit Undanck begegnet. Aber was kan euren Verstand besser auff den rechten Weg bringen / als wenn ihr ueberleget / wie uebel er mit euch biß anher gehandelt. Coelest. Aber warum schneid ich mir selbst alle Hoffnung ab? liebeste Camilla, suche doch noch einmahl Gelegenheit mit ihm zu reden / und ihm meine grosse Gewogenheit zu verstehen zu geben. Camilla. Meine Jungfrau / hat er sie nicht geachtet / als er noch im geringerm Stande geschwebet / was wird er ietzund thun / nun er so unversehens so hoch gestiegen? Ehre aendert die Gemuether und macht aus Muth Hochmuth. Coelest. Wolte GOtt / sie aenderte sein Gemuethe / daß er ein wenig besser um sich sehe und betrachtete / wer diese waere / die er verachtet. Camill. Ach / meine Jungfrau! Jhr begehret ein Wunderwerck und eine zu unsern Zeiten unerhoerte Sache! kennet ihr Palladii unveraenderlichen Vorsatz nicht? Eher wolte ich wilde / ja Felsen bewegen / als ihn / wenn er einen Schluß einmal gefasset. Coelest. Mit einem Wort / ich hoere nichts mehr als meine Verdamnueß in dem Rechtshandel der Liebe. Camilla. Es kan hier nicht anders seyn. Euer Richter ist gar zu unbarmhertzig. Coelest. Gilt denn keine fernere Beruffung? kein Auffschub? keine Linderung des Urtheils? Camill. Zu oder vor wen wollen wir des zihen? Coelest. Zu Palladio selber: wofern meine Schoenheit / meine Jugend / mein Stand / Vermoegen und Tugenden / welche andere / ihrer Einbildung nach / bey mir reichlich antreffen / nicht seiner Gunst wuerdig; wird ihm doch vielleicht meine unvergleichliche Standhafftigkeit zu Gemuethe dringen. Camilla. Jch fuerchte gegentheils / er werde unsers Elendes spotten / und uns aus seinem eignen Munde hoeren lassen / was wir schon ohne diß vernuenfftig muthmassen koennen. Coelest. Jch bin bereit nicht nur aus seinem Munde das Urtheil meines Todes anzuhoeren / sondern wolte wuendschen / wenn moeglich / von seiner Hand zu sterben; ja ich wolte mir solchen Untergang fuer die hoechste Glueckseligkeit und letzte Ervoellung alles meines Wuendschens halten. Camilla. Jch bin weit anders gesinnet. Aber / ich sehe den Capitain! last uns beyseit / daß er meiner Jungfrauen nicht verdrießlich falle. Capitain Horribilicribrifax. Harpax. Horrib. Hast du es glaubwuerdig vernommen? Harpax. Mit diesen meinen zweyen Ohren hab ich es gehoeret. Horrib. Und du hast es gehoeret? Harpax. Jch hab es gehoeret. Horrib. Du hast es gehoeret? Harpax. Jch / ich / ich / ich hab es gehoeret. Horrib. Mit deinen Ohren? Harpax. So wol mit den Ohren / als offnem Munde / ja Gehirne und allen fuenff Sinnen! Horrib. Daß Sempronius sich unterstehet seine Gedancken da einzuqvartiren / wo allein der unueberwindliche Horribilicribrifax Winterlaeger halten soll? Harpax. Signor Capitano, wird eure Herrligkeit nicht bey Zeiten darzu thun / so duerfften noch wol andere / als Sempronius ehe eine Feldschlacht aldort liefern / als er an das Winterqvartir gedencken. Horrib. Se mi monta il grillo nella testa, sarò huomo da scannar Marte e Morte, e Sempronio, e far si, che di lei non si ragioni mai piu. Welch Bellerophon, Rinocerote, Olivir, Palmerin, Roland, Galmy, Peter mit dem silbernen Schluessel / Tristrant, Pontus, duerffen sich unterstehen nur dergleichen Sache zugedencken / schweige denn ins Werck zusetzen. Jch erbasiliske mich gantz und gar / die Haare vermedusiren sich in Schlangen / die Augen erdrachen sich / die Stirne benebelt sich mit Donnerspeienden Wolcken. Die Wangen sind Aetna und Mon Gibello, die Feurfuncken stieben mir aus dem Munde wie aus dem Heckelberge / der Hals starret wie der Thurm zu Babel / es blitzet mir im Hertzen nicht anders / als wenn tausend Hexen Wetter darinnen gemacht haetten. Jedweder Finger vertheilet sich in noch dreissig andere. Die Fuesse schiessen in so viel Wurtzeln aus. Somma ich erzuerne mich zu tode. Io Sputo Archibusi, Pistolle, e fulmini, daß mir nicht einer von den Mordvoegeln entgegen geflogen kaeme / daß ich meinen Grimm an ihm auslassen koente / mit einem Anblick wolte ich ihn in lauter Asch verkehren nicht anders / als die Granaten / wenn sie in die Heuschober fliegen. Harpax. Signor Capitano, Signore e Patron mio gloriosissimo, darff ich euch unter Augen treten? Horrib. Wozu dienet diese Frage? Harpax. Jch fuerchte / ihr moechtet mich auch anzuenden / ich bin etwas duerre von Hunger. Horrib. Sey sonder Sorge! meine Augenstralen haben Verstand. Qvelli che meco vivono, e che Servono la persona mia ornata di tanti trofei e triomfi, non vivono in pericolo. Harpax. Nun ist Noth vorhanden: Sempronius komt selbst selber zu seinem Unglueck E. Herrligkeit in die Haende. Horribilicribrifax. Sempronius. Harpax. Sempron. Omnes homines summa ope niti decet, ne vitam silentio transigant veluti pecora. Salust. de Conjuratione Catilinae. Multa dies variusque labor mutabilis aevi rettulit in melius. Virgil. lib. 9. AEn. Amavi, amavisti, amavit, amo, der Fuchs aendert die Haare / nicht das Gemuethe / saget das Deutsche Sprichwort. Unter dieser grauen Aschen meines Kopffs / sub hisce canis, liegen noch viel glueende Kohlen der Liebe verborgen / ignes suppositi cineri doloso. Horatius. Horrib. Er ist verlohren! er hat gelebt! er ist todt. Harpax. Ey / Ey / Herr Capitain! Sempr. Sed qvid sibi vult Pyrgopolynices iste qvi ita gladiatorio animo ad nos affectat viam? Horrib. Wer bist du? Sempron. Wer bist du? Horrib. Qvesta è una domanda impertinente, la qvale merita per risposta una pugnalata nel cuore. Sempron. Du magst wohl ein Bernhaeuter in der Haut seyn! hastu redliche Leute nicht lernen gruessen? Saluta libenter, sagt Cato. Horrib. Jch werde rasend. Sempr. Helleboro opus est homini! er ist toll. Horrib. Bisogna, ch'io faccia in pezzi, ch'io fulmini, qvaesto ladrone! Sag ihm wer ich sey! Harpax. Mein Herr Sempronius thut sehr uebel / daß er sich an einem so fuertrefflichen Mann vergreifft! Er ist der Welt beruehmte Capitain Horribilicribrifax von Donnerkeil! Sempr. Jst er Horribilicribrifax von Donnerkeil / so bin ich Sempronius vom Wetterleuchten / famâ super aethera notus. Horrib. Tu sei un Bufalo. Wo ich mich recht erzuerne / so haue ich euch in kleine Stuecken / daß euch die Ameissen in zweyen Augenblicken wegtragen. Sempron. Qvi moritur minis, illi pulsabitur bombis. Wer fuer Draeuen stirbet / dem laeutet man mit Eselsfuertzen aus. Πολλὰ μεταξὺ πέλει κύλικος καὶ χείλεος άκρου. Oder meinet ihr / daß ich in meiner Jugend auff der Universitaet nicht auch habe fechten lernen? πολλω̃ν εγὼ Θρίων ψόφους ακήκοα! Huc si qvid animi! Harpax. Jch verstehe nichts was er wolle. Jch glaube daß er gesonnen uns zu beschweren. Horrib. Jhr habt die unvergleichliche Coelestinam lieb. Sempr. Das thu ich zu trotz / euch und allen den es leid ist / qvid id ad te? Horrib. Jch sage / daß ich ihrer Liebe wuerdiger bin. Sempr. Mentiris, Das heist auff deutsch / es ist erlogen. Horrib. Oh qval' oltragio! Sol ich dis Wort hoeren? was hindert mich / daß ich euch nicht in einem Streich in hundert tausend Stuecken zertheile. Sempr. Qvid me retinet, daß ich nicht mit diesem meinem alten guten Spannischen Degen / mit welchem ich auff so vielen Universitaeten den Bachanten Loecher geschlagen / den Haeschern Schenckel und Koepff abgehauen / die tollesten Teuffel blutruenstig gemacht / die Steine auff der Gassen zuspalten / dem Rectori Magnifico die Fenster ausgestochen / den Pedellen die Fuesse gelaehmet / eine solche That veruebe / daß die Sonne am Himmel drueber erschwartze / und die Planeten zuruecke lauffen / nec dum omnis haebet effoeto in corpore Sangvis. Virgil. Horrib. Ob ich euch wol mit diesem Degen koente auff andre Meinung bringen / (havent'io un giorno nel amfiteatro di Verona ucciso di mia mano molto mille gladiatori) wil ich euch doch darthun aus eurer eignen Wissenschafft / daß ich besser sey als ihr / damit ihr sehen sollet / daß ich eben wohl studiret bin / und in Artem Aratoriam Verstand habe. Jhr seyd ein Gelehrter / und macht profession von dem Buch / als ich von dem Degen. Jst das nicht wahr? Sempr. Rem acu! Horrib. Nu wisset ihr ja wohl / daß man das Buch unter dem lincken Arm traegt: und den blossen Degen in der rechten Hand fuehret / Ergò gehen die Gelehrten unten und wir oben an. Sempron. Καλω̃ς. Ergo gefehlet. Als wenn man nicht den Degen auff der lincken Seiten truege / und ein offen Buch in der rechten Hand hielte: als wenn man nicht die Feder oben auff den Hut steckte / welches ich weitlaeufftiger mit vielen Syllogismis, Enthymematibus, Soritibus, Inductionibus, Elenchis, Mesosyllogismis, Argumentationibus crypticis, Distinctionibus, Divisionibus, Exceptionibus, außfuehren koente / nisi res esset liqvidissima per se, und klaerer als die Sonne in ipso meridie. Harpax. Last uns fliehen / mein Herr / er zaubert / er redet der boesen Geister Sprache. Horrib. Si me lo direte: lo sapero! als wenn ich nicht mit vielen Sonneten, Madrigalen, Qvadrimen, Oden, Canzonen, Concerten, Sarabanden, Serenaden, Aubaden, das Widerspiel beweisen koente: doch damit ich euch Schamroethe abzwinge / und beweise / daß ich ein besser Arator bin / als ihr; so wil ich eine Roration halten die ich gethan / als Pappenheim Magdeburg einnahm / und man kurtz zuvor in dem Kriegsrath herum fottirete. Habt ihr so viel Muhts / so beantwortet mir dieselbe Augenblicks. Sempron. Ego sum contentissimus. Horrib. Harpax, Du solst unterdessen General Tylli seyn. Setze dich derowegen hier nieder. Bildet euch nun ein / hir sitze General Tylli, und neben ihm Feldmarschall Pappenheim. Hora, diamo principio alla narrativa! Es wurd deliberiret, ob man Magdeburg denselben Morgen antasten oder verziehen solte / biß unsre Abgeordneten wieder ins Laeger kaemen / Don Arias von Toleto, welcher in dem uebrigen ein hurtiger Cavalier, aber in dergleichen actionen troppo ardito: hatte vor mir geredet / ich richtete mich con la grandezza mia superbissima e con meraviglia e tremore di tutti circonstanti, auf diese meine marmoerne Schenckel / gab ihm einen unversehenen Blick mit diesen zweyen brennenden Carfunckeln / oder glaentzernden Laternen dieses meines fleischlichen Thurms. Die Frantzosen nennen es une olliade. Harpax. Jch zittere und bebe ueber diesem Angesichte! Horrib. Nachmals als ich sah / daß ich dem Don Arias ein Schrecken durch alle Beine gejagt; und sich die gantze Compagnie ueber mir entsetzete / wolte ich die Gemuether etwas saenfftigen / damit sie mich mit desto groesserer Anmuth hoeren moechten / derowegen prima d'ogn'altro, bacio le ginochia Jhrer Excellentzen, des Tylli und des Pappenheims / come si conviene. Nachmals / inchinai la testa gegen die umstehenden Herren / und sprach also: Harpax. Herr Semproni! ihr habt schon verlohren! Jhr werdet diß nimmermehr nachthun. Horrib. Sintemal Jhre Excellentzeste Excellentze, die Zeit sehr kurtz / in dem wir den Feind vor der Stirne haben und eine Stunde / Minute / ja Augenblick uns die Victorie geben oder nehmen kan; dirò ancor' io qvalche cosa, und wil mit wenigem mein Gemueth entdecken und sagen / daß ob es wohl uns Cavaliren uebel anstehe / mehr mit der Zungen / als dem Degen zu reden / und du mein beruehmtes Schwerd / tu mia spada fulminea, tagliente e fendente! Wenn du eine Zunge haettest / eben diß sagen wuerdest; nichts desto weniger wil ich sagen / weil mir zu sagen gebuehret / und die Reye zusagen an mich gelanget ist / und wil nicht sagen / daß ich zu beweisen willens / daß ich wohl und viel sagen koente / sondern wil auffs einfaeltigste vor euch sagen / was mich duencket / das gesaget werden mueste / und will nichts weniger sagen / als was gesaget ist von den beruehmtesten Leuten / denn wenn ich etwas anders sagete / wuerde ich sagen wider Kriegsmanier / nach dessen Gewonheit ich auffgestanden bin / etwas zusagen. Und so iemand unter dem Hauffen ist / der sich einbildet / daß er mir sagen duerffte / ich solte nicht also sagen / der mache sich herfuer und sage es / ich weiß / daß er nicht anders sagen wird / als was ich sagen wil. Jch sage denn was drey Personen aus diesem unzehlichen und unueberwuendlichen Heere werden sagen / koennen sagen / muessen sagen / wollen sagen / und sagen auch sonder ein Wort zusagen. Die ersten Zwey sind ihr excellentzeste Excellentz, (und hiermit machte ich einen Reverentz) die Dritte bin ich. Weil mir aber nicht wohl anziemet was zu sagen / so schweige ich aus Modestie, und remittire mich im uebrigen auff dieselbe / die etwas gesaget haben / und noch sagen werden. Hor su, Finiamo, la qvi. Koente man wohl was schoeners gesaget haben / Harpax? Harpax. Das ist ein schoen untereinander gemischetes Gesage! waere nicht eine Abschrifft darvon zu erlangen? Horrib. Mi sarà di sommo contento, gar sehr wohl / aber zu einer andern Zeit! itzund last uns hoeren / was dieser dargegen zu sagen habe. Harpax. Monsieur Sempronius, die Reye etwas zu sagen / ist nun an euch gelanget. Sempron. Jch sage derowegen / qvod nihil dictum sit ab eo, qvod non sit dictum prius; und bey dieser Gelegenheit etwas zu sagen / wolte ich lieber also gesaget haben: υψηλα̃ν αρετα̃ν ’Άνακτες! Harpax. Hoeret Wunder! hoeret! Sempron. Daß man mir nicht in die Rede falle! O ihr durchlauchtigsten und unuberwindlichsten Heroës, welcher unvergleichliche Staercke sich nicht aufhalten laesset in den alten und gedrangen Graentzen / Montium Pyreneorum, Alpium, Atlanticorum, Apenninorum und Sarmaticorum, sondern weit ueber die Graentzen / in welchen Calisto nicht auffgehet / sese penetrat, und herum faehret durch den zwoelffthierigen Kreis des Titanis, penetrans die beschwaertzten Aethiopes, streiffet um das Vorgebirge bonae Spei, floret durch die wolrichenden Moluccas, henget sich an die bepfefferte Bengala, gehet fuerueber bey denen / ihrer Einbildung nach zwey-aeugichten Chinesern, und haelt Mittags Ruh in Japan. Jch der ich nicht bin der andere Marcus Tullius Cicero, der nicht erreichen kan lactifluam eloqventiam Titi Livii, qvi non adspiro ad gravitatem Salustianam, neqve asseqvor Cornelii Taciti divinam Majestatem. Jch / sage ich / der ich gleichwol diese Discursus vor die treflichsten halte / οίτινες περὶ μεγίστων τυγξάνουσιν όντες, καὶ τούς τε λέγοντας μάλιστα επιδεικνύουσι, will euch mit vielen Worten nicht auffhalten / cùm alias die Zeit kurtz / \& jus sit in armis: Remittire mich also auff die / die bißanher geschwiegen haben / und noch de facto schweigen. Dixi. Was haelt Harpax von dieser Oration? Harpax. Sie war bey meiner Seel auch schoen: ob ich wol kein Wort darvon verstanden habe. Herr Capitain es muß ein verdrießlich Ding seyn einen General abzugeben. Horrib. Ohimè che parole son qveste? Warum? Harpax. Warum? solte er doch tolle werden / wenn er nur iedweden Tag solcher zwey Rorationes hoeren mueste. Horrib. Tu non m'intendi? Va! Va! Du bist ein ignorant, und verstehest nicht Zierligkeit der Wohlredenheit. Harpax. Dem sey / wie ihm wolle. Sempron. Aber welches Oration war nu die beste? Harpax. Mir ist / als wenn ich bey einer Fuerstlichen Taffel saesse / und nicht wueste unter den Gerichten zu wehlen / oder eins mit mir zu werden / welches das Schmackhaffteste. Vertraget euch selber unter einander. Jch resignire euch die Excellentz, mit sampt der Tyllischafft und dem Generalat. Sempron. Ergò έρρωσο, Herr Capitain. Horrib. Adio signor Semproni. Harpax. Ho / ho / sie kommen ja beyde noch lebend von einander. Rabbi Isaschar. Frau Antonia. Der Jude traegt ein silbern Gießbecken unter dem Arm / und die Kanne in der Hand. Rabbi. Ey bey meinem juedischen Madda! bey meinem Eyde! es ist nicht anders / als ich euch sage! mezzekenim ethbonan! Antonia. So were ich die elendeste Frau auff dem gantzen Erdboden. Andere reden gleichwol gar anders. Rabbi. Lo jadeu velo jasinu. Jhr werdet das in der That erfahren / denn ich sage euch nichts als die blosse lautere Warheit! Was hatte ich fuer Ursach euch zu betriegen? ich weiß / ihr seyd eine ehrliche Frau / es ist nicht anders / so wahr / als ich Rabbi bin / und heute gedarascht habe. Antonia. Es scheinet aber unglaublich zu seyn. Rabbi. Unglaublich? warum unglaublich? es geschehen wohl mehr derogleichen Sachen / und ihr kennet das gemeine Sprichwort: Der Tod und Heyrath entdecken alle Dinge / wenn es nicht so waere / man wuerde malcanderen den gehelen Dag sonder Ersgatt beschiten / spricht der Hollaender. Antonia. Mein lieber Rabbi, seyd mir doch zu Dienste mit zwey oder dreihundert Reichsthalern / nur auff wenige Tage / gegen genugsames Pfand. Rabbi. Ey warum das nicht / liebe Frau? auff ein Jahr und laenger / wenn das Chafol Tof und Thuf ist; last mich es schauen! Antonia. Hir hab ich es. Sehet welch eine treffliche Kette mit Diamanten versetzet. Rabbi. Ey Frau Antonia? welch schoen Ding ist das? col hefel hefalim! Antonia. Es ist ein trefflich Stueck / wie ihr selber sehet / nehmts in eure Haende / und beseht sie gar wohl. Rabbi. Frau Antonia, wir sind gute Freunde; ich habe euch mehrmahls gedienet / und thu es noch gern: Hoffe auch / ihr werdet mir erlauben / daß ich ein omer oder zwey mit euch reden moege. Wie viel begehret ihr / daß ich euch auff diese Chach leihe? Antonia. Dreyhundert Reichsthaler. Rabbi. Wolt ihr / daß ich euch mit einem nifo sage! Anton. Ey Rabbi Isaschar, machet die Sache nicht schwer! die Kette ist auffs wenigste zwey tausend Ducaten werth. Rabbi. Frau Antonia! mit einem Wort ich wil euch auff diese Kette schilen - - - Anton. Wie viel? Rabb. Fuenff Silbergroschen! und ist noch heediph. Anton. Was fuenff Silbergroschen? seid ihr toll? Rabbi. Mein / Frau Antonia, ich bin chacham, aber die Kette ist von Messing / und die Steinichen von Glaß. Das sag ich euch bey meinem Juedischen Alah! Antonia. Wie kan es moeglich seyn? es hat sie noch vor zwey Stunden der tapferste Cavalier an seinem Halse getragen! Rabbi. Traut meinen Worten / und gebt die Kette dem wider / von dem ihr sie empfangen habet. Die Kette ist von Messing. Der braveste Cavalier? O es ist lo achat geschehen! ihr sind mehr / die derogleichen Ketten tragen! Anton. So ist weder Treu noch Glauben in der Welt! Rabbi. Von wem habt ihr sie geachazt? Antonia. von Capitain Daradiridatumtarides. Rabbi. Hoh? es ist der groeste maschgeh, Bescheisser und Betrueger in der Welt! Antonia. Ey Rabbi, bedencket euch! was saget ihr? Rabbi. Jch wolte es ihm in die Augen sagen / zu heteln, falsche Siegel nachzumachen / Handschrifften zuverfaelschen / Brieffe zu erdichten / ist seines gleichen nicht! Er ist mir achthundert Kronen schuldig / und schier so viel neschech, und schweret alle Tage / daß ihn der Schet holen moechte. Aber ich sehe weder Zahaff noch Silber / noch Zinse. Das beste wird seyn / daß ich ihn lasse Thapsen / und in das Esur stecken. Antonia. Es ist unmoeglich! Rabbi. Er ist mir nicht allein schuldig; es ist kein Kenaani, kein Kramer / kein Schneider / kein Schuster / kein Hutmacher / der ihn nicht auff seinem megillha oder Buche habe. Antonia. Das sey GOtt in dem hohen Himmel geklagt! Rabbi. Glueck zu / Frau Antonia, ich muß bacek und dieses silberne aggan mit der Gießkanne einschliessen. Schaut dieses hat mir auch ein Cavalier, der den Fuersten heute eingeladen / zu Pfande gegeben / gleich als sich die Gaeste gewaschen / damit ich ihm Keseph zu Brodt liehe. Wenn sie werden Taffel gehalten haben / hat er mir versprochen das Saltzfaß mit den Tellern und Schuesseln dargegen zuschicken / damit ich ihm das Becken wieder folgen lasse / daß sie sich nach der Mahlzeit wider Thaharn koennen. Antonia. O das Hertz moechte mir fuer Ungedult in tausend Stuecken brechen; O meine Tochter! meine Tochter! in was Elend hast du dich und mich durch deine Unbesonnenheit gestuertzet! Der vierdte Auffzug. Bonosus. Palladius. Cleander. CLeander. Jch bitte die Herren verschonen meiner mit derogleichen Wortgepraenge; Sintemal ich sie nach Wuerden vor diesesmal nicht habe bewirthen koennen: Doch verhoffe ich mein guter Wille werde die Taffel / stat der Speisen besetzet haben. Palladius. Mein werthester Cleander, ich bleibe ihm ewig verbunden. Cleander. Herr Mareschall ich sterbe der Seinige. Bonosus. Mein Herr Cleander, ich bitte / er wolle mir befehlen / er sol mich bereitwilligst finden / ihm zu dienen. Cleander. Mein Herr / ich bin gantz der Seinige. Herr Mareschall / er denck unserm geheim Gespraeche etwas nach. Fraeulin Eudoxia ist eines Liebhabers von sonderbaren Vortreffligkeiten wuerdig. Bonos. Dem Herrn meine Dienst! Pallad. Mein Herr / ich bleibe der Seine. Cleand. Jch ersterbe der Herren bereitwilligst- und verpflichtester Diener. Bonosus. Palladius. Bonosus. Jn warheit / Herr Mareschall / die Speisen waren ueberaus koestlich. Palladius. Der Stadthalter laest an Magnificentz nichts gebrechen / und verleuret lieber sechs Pfund Blut / als eine scrupel reputation. Bonos. Aber / was sagen wir von Fraeulin Eudoxia? Mein Herr Marschall / erseufftzet! sie ist wol verwechselt mit Selenen, und gehet ihr an Stande / Schoenheit und Geschlecht ein weites voran. Pallad. Herr Bonosus schertzet nach seiner Art. Wir wollen zu anderer Zeit davon reden. Bonos. Er ist getroffen / man merckt es aus allen seinen Geberden. Pallad. Sein Diener / mein Herr! Bonos. Ein glueckseliges Widersehen / mein Herr Mareschall. Flaccilla. Cleander. Flaccilla. O werthestes Pfand der keuschesten Seelen / welches die Ehre der Schoenesten zuretten auffgesetzet wird. O Haar / das hoeheren Ruhms wuerdig / als das jenige / welches die unzuechtigen Liebhaber um die Arme winden! O Haar / das zwar mit keinen Perlen / aber doch mit den Thraenen der Keuschesten gezieret. O Haar / das keinem Golde der Welt gleich zu schaetzen / und doch geringer geachtet wird / als Staub / von denen / die ihres grossen Reichthums sich zu eigenem Verderb mißbrauchen. Cleand. Dionysi, nim den Degen / und folge mit den Pagen. Diodor, vermelde dem Herren Mareschall / daß ich seiner nebenst einer angenehmen Gesellschafft zu der Abend Collation in meinem Lustgarten gewaertig. Flaccilla. Ach dort komt der Stadthalter! keiner ist / dem ich meine Wahre lieber feil bieten wolte als ihm / wenn mich nicht meine euserste Scham / und sein grosser Stand ihn anzureden / verhinderte! Jch weis doch wol / daß er einem vortrefflichen Fraeulin auffwarte / welcher dieses ein angenehm Geschencke seyn wuerde! gehe ich? stehe ich? was thu ich? Cleander. Allezeit Geschaeffte. Jrre ich / oder bringet diese Frau eine Bittschrifft getragen? Flaccilla. Ach! Er hat mich erblickt! Cleand. Und scheuet sich mich anzureden? Woher meine Frau? Flaccilla. Ach gnaediger Herr - - - Cleand. Redet unerschrocken. Was traget ihr allhier verborgen? Wo kommt ihr mit diesen Haaren her? Flaccilla. Ach genaediger Herr / sie sind zuverkauffen. Jch bin in dieser Meinung auff den Hoff kommen / sie iemand aus dem Frauenzimmer anzubieten. Cleander. Trefflicher Handel! ich hoere in Ost-Jndien nehme man den Weibern Wolle von den Koepffen / und mache Schnuptuecher draus. Was wird man bey uns nicht zu letzte mit den Haaren anfangen! last schauen eure Kramerey. Diß ist ein schoenes Haar! wo der Baum so anmuthig als die Blaetter / wolten wir uns wol in dessen Schatten ergetzen. Flaccilla. Jhr Genaden koennen ihrer Liebsten mit diesem Geschencke nicht unangenehm seyn. Cleand. Wir wissen von keiner Liebe; und da wir unsere Gewogenheit auff eine Person geleget haetten; werde uns ja keine Kahle beliebet haben. Flaccilla. Die Vornehmsten unter dem Frauen-Zimmer pflegen fremde Haare mit einzuflechten. Cleander. Die offt an dem Galgen abgefaulet / oder von den Frantzosen außgefressen. Flaccilla. Jch versichere eure Gnaden / daß von diesen Haaren nichts derogleichen zuvermuthen. Cleander. Raeudige Schaafe lassen die Wolle gerne gehen: und wenn der Fuchs kranck wird / so staeubet ihm der Balg. Flacc. Ach - - - Ach! Cleand. Warum erseufftzet ihr so hefftig? geschichts vielleicht / weil ich euch die Warheit sage? Flaccilla. Ach Jhre Genaden irren in diesem Stueck hefftig! Cleand. Warum weinet ihr? Wessen sind diese Haare? Flaccilla. Jch bitte demuethigst / Jhre Genaden wolle meiner verschonen! Cleand. Durchaus ich wils wissen! Sind sie vielleicht einer Todten abgeschnitten worden? Flaccilla. Ach ihr Genaden / die Person ist bey Leben / und wol die Keuscheste die in dieser Stadt zu finden. Cleander. Sind sie irgend einer geistlichen Jungfrau? Flaccilla. Ach! Cleander. Saget sonder Weinen heraus / wessen sind sie? Flaccilla. Ach Jhr Genaden / sie sind - - - Cleand. Wessen? Nun fort. Flaccilla. Ach! meiner einigen Tochter. Cleand. Also! Weil der Vogel nicht gelten will / so verkaufft ihr die Federn! betruebet euch nicht / meine Frau! mich duenckt / ich solle euch irgendswo vor diesem gesehen haben. Wo wohnet ihr? Flaccilla. Ach! Cleander. Es muß etwas auff sich haben / daß sie sich nicht meldet. Wie ist euer Name? Flaccilla. Jch bin eurer Genaden Dienerin. Cleander. Jch frage nach dem Namen. Flaccilla. Ach eure Genaden / ich heisse Flaccilla. Cleand. Und die Tochter? Flaccilla. Sophia. Cleand. Jst nicht euer Ehemann Possidippus genennet worden? Flaccilla. Ach ja! Cleander. Was treibet euch solchen Handel zu fuehren? Flaccilla. Die eusserste Noth / mein Leben / und der Tochter Ehre zuretten. Cleand. Seid ihr denn aller Mittel so gantz entbloesset? weinet nicht! weinet nicht! was begehret ihr fuer die Haare? Flaccilla. Es wird in Eurer Genaden Belieben gestellet. Cleand. Servili, fuehre sie in das Haus / und lasse ihr ein tutzend Ducaten zustellen. Verlasset euch auff mich! und wo euch was gebricht / so sprechet mich sicher an. Cleander. Dionysius. Cleander. Zurueck ihr Diener und Pagen! Dionysi komm hieher! kennest du diese Frau? Dionysius. Sehr wohl / genaediger Herr / sie ist aus einem der beruehmtesten Geschlechter dieses Landes. Cleander. Und ihre Tochter. Dionys. Die Schoenste und aermeste / die irgend anzutreffen: aber / die zugleich den Ruhm der Keuschheit hinweg traegt. Cleander. Die Jungfern sind alle Keusch / weil niemand mit Geschencken oder Fragen auffwartet. Dionys. Gnaediger Herr / sie ist so hoch und offt bewehret / daß an ihrer Keuschheit nicht zu zweiffeln. Es hat nicht gemangelt an derogleichen Auffwartern / die bey ihrem hoechsten Armuth ihr Goldes genung gebothen haben / und dennoch nichts ausgerichtet. Cleander. Hab ich sie nicht irgend gesehen? Dionysius. Sie haelt sich trefflich eingezogen. Doch erinnere ich mich / daß sie vor dreyen Tagen in der Kirchen eurer Gnaden recht gegen ueber gesessen. Cleand. Meinest du dieselbe in den weissen Haaren / und schwartzen Kleidern / nach welcher ich bald hernach fragen lassen? Dionys. Eben dieselbe. Cleand. Wohl / wir wollen sie auch auff die Pruefe setzen; Jch will dir Gelds genung reichen lassen. Verfuege dich noch heute zu ihr / und versuche / ob sie zubewegen. Dionys. Gnaediger Herr / ich versichere Eure Gnaden / daß man mich in das Haus nicht lassen wird: oder / wo ich ja / als eurer Genaden Diener / eingelassen werde / und von dergleichen Sachen zu reden anfange / eines gewissen Schimpffs werde gewaertig seyn muessen. Cleand. Thu was ich befohlen. Wofern sie so fest auff ihrer Keuschheit haelt / so falle das Haus an / nim sie mit Gewalt heraus / und liefere sie uns auff den Hoff. Meine Diener sind starck genung dir beizustehen. Dionys. Genaediger Herr / dieses Stueck siehet etwas weitlaeufftig aus. Cleand. Thue was ich befehle; Du verstehest meine Gedancken nicht. Berichte mich mit ehesten / wie es abgelauffen. Jn dem Lustgarten werde ich anzutreffen seyn. Dionys. Mein Herr hat die Federn gesehen / es scheinet er wil den Papagoy selbst haben. Doch ich bin ein Diener! Es stehet zu seiner Verantwortung. Coelestina. Camilla. Palladius. Coelest. Daß man zwischen ihm und Fraeulin Eudoxia eine Heyrath schliessen wolle? Camilla. Diß hab ich glaubwuerdig vernommen. Coelestina. Camilla gehe zu meiner Naeterin / und sage / daß sie mir meinen angedingeten Sterbekuettel verfertige. Eudoxiae hohes Geschlecht und vornehme Freundschafft laesset mich nu nichts mehr hoffen! Camilla. Werthe Jungfrau / es sind mehr vortreffliche Maenner vorhanden als Palladius! man findet ja seines gleichen noch! muessen es denn lauter Mareschalle seyn? Coelest. Was sagest du von dem Mareschall? ich liebe nicht seinen Stand / sein Gut / sein Geschlecht / sondern nur ihn allein! ach / daß er der aermeste auff der gantzen Welt waere / und ich die groesseste Princessin / so koent ich ja vielleicht Mittel finden ihn zu meiner Liebe zu bewegen. Camilla. Jch glaube bey meiner Seelen Seeligkeit / und wolte darauff sterben / daß unter allen Jungfrauen in dieser Stadt nicht eine / ja unter Eilff-Tausenden kaum eine zufinden / die dieser Ketzerey zugethan. Coelest. Vielleicht ist in dieser Stadt / ja unter Eilfftausenden / nicht eine / die verstehe / was rechte Liebe sey. Sie lieben Geld / sie lieben Stand / sie lieben Ehre / und wenn sie sich in ihrem Sinn betrogen finden so verkehret sich die feurige Liebe in unausloeschlichen Haß. Jch liebe diß an Palladio, was ihm keine Zeit / keines Fuersten Ungenade / keine Kranckheit / kein Zufall nehmen kan / nemlich seine Tugend. Camilla. Jch hasse diß an Palladio, was ihm keine Zeit / kein Unfall / keine Widerwertigkeit nehmen wird / nemlich seine hartnaeckigte Undanckbarkeit. Coelest. O / er komt selber! was hindert mich daß ich ihm nicht entgegen gehe? Camilla. Last uns in der Thueren stehn! meine Jungfrau wird dennoch Gelegenheit haben ihn anzusprechen. Pallad. Das ist eine frembde Sache / die mir der Stadthalter erzehlet von unserm Capitain Daradiridatumtaride, daß er ihm seine Braut mit einer so trefflichen Gueldenen Kette verbunden! andere moegen hinfuero die Augen besser auffthun! doch ich schaetze mich glueckselig / nach dem ich Eudoxien erblicket / daß ich jener Bande so leicht erlediget worden. Aber / was ist dieses / ich dachte wol es wuerde an Coelestines Gesichte nicht fehlen! Der Jungfrauen meine Dienste. Camilla. Mich verdreust dieses Schauspiel laenger anzusehen. Mich jammert der armseligen Coelestinen! Coelest. Mein Herr / ich dancke ihm von Hertzen fuer so werthes Anerbieten / und wuendsche zu der neuerlangten Ehre von dem Allerhoechsten ihm stets bestaendiges Glueck und immerbluehendes Wohlergehen! Pallad. Der Wundsch ist mir uebermassen angenehm / und waere noch angenehmer / wenn er nicht mit diesem Seufftzen besiegelt waere. Coelest. Jch mag wohl seufftzen. Ja weinen moechte ich / wenn ich bedencke / welch einen werthen Freund ich verlohren. Pallad. Die Jungfrau erzehle / wen sie verlohren / daß ich Gelegenheit nehmen koenne mein Mitleiden gegen sie zu erweisen. Coelest. Mein Herr / ich habe ihn selbst verlohren / sein hoeherer Stand hat mir ihn geraubet! auch ist es vergebens / daß er mich seines Mittleidens versichert; weil ich es nie damals von ihm hoffen koennen / da er noch der vorige Palladius gewesen. Pallad. Mein Stand ist mir um keiner anderen Ursachen willen angenehm / als daß ich vermeine / in und durch denselben meiner Werthen mehr und angenehmere Dienste zu leisten. Coelest. Wolte GOtt / ich koente derselben seiner Werthen auffwarten! Pallad. Meine Jungfrau mueste ihr denn selbst auffwarten. Camilla. O falsche Wort! O verlarvetes Gesicht! Pallad. Was sagt Jungfrau Camilla? Camilla. Nichts / als daß ihre Genaden in dem Wahn / daß sie Fraeulin Eudoxien vor sich haben. Pallad. Warum das? verdienet Jungfrau Eudoxia nicht alle Ehrenpflicht? Coelest. Mein Herr / ich muß es gestehen / daß sie die hoechste verdiene: weil sie dem Gefallen / welchem nichts / als die Vollkommenheit selbst gefallen kan. Jch wuendsche nur / daß selbige ihm ewig gefallen moege! Pallad. Sie gefaellt mir nicht anders / als alle Fraeulin von Tugend und Stande / welchen ich schuldig bin mit Darsetzung meines Lebens zu dienen; und Jungfrau Coelestina hat nicht anders von mir zu vermuthen / als eine auffrichtige Gewogenheit. Coelest. O kalte Worte! mein Herr Palladi! ich bitte / er sey auffs wenigste eingedenck / daß Coelestine sich glueckselig schaetzen wuerde / wenn mein Herr Gelegenheit finden moechte / sich ihrer Gueter und Mittel zu gebrauchen. Pallad. Habe ich nicht Ursach mich ueber Jungfrau Coelestinen zu beklagen / die mir ihre Gueter anbeut / und die Gunst versaget / das ist / die Schalen anbietet und die Frucht vor sich behaelt. Coelest. Man ueberreichet die Frucht keinem dem sie nicht angenehm / vornemlich / wenn sie fuer sich selbst unwerth. Solte sich aber Gelegenheit finden / in welcher ich darthun koente / wie hoch Coelestine Palladium ehre / wolte ich kein Bedencken tragen / dieses mein weniges Leben vor das seine auffzusetzen. Pallad. O auffrichtiges Gemueth! Warum laß ich mich laenger meine eigene Fantasien verleiten? Wolte GOtt / wertheste Jungfrau / mir were moeglich ihr mit gleicher Liebe und Ehren-Neigungen zu begegnen. Unterdessen / gebe ihr ich mich selbst zu einem Pfande der von mir versprochenen Dienste / und bitte sie / sie geruhe zu glauben / daß sie die einige sey / welche durchaus und allein ueber Palladium gebieten mag. Coelestina weinet. Camilla. Mein Herr Palladi, wir haben die hohen Worte des Hofes laengst kennen lernen! Pallad. Der Hoff fuehre solche Worte / wie er wolle! meine Worte sollen ewig feste bleiben. Jch schliesse mit dieser Faust / mit welcher ich die ihre umfange / die ich inbruenstig kuesse. Coelest. Mein Herr Palladi, was werde ich ihm fuer so werthes Geschenck uebergeben koennen / daß ihm angenehm? Pallad. Jch begehre nichts / als ihre mir zuvor versprochene Gewogenheit! Camilla. Meine Jungfrau / ich hoere Volck ankommen. Coelest. Jch bitte / mein Herr Palladi, trete etwas mit ab in mein Hauß / in welchem er ueber alle zu gebieten! Selenissa. Antonia. Antonia. Jch bin das allerelendeste Weib / das auff der Erden lebet! Selenissa. Der Auffschneider! der Holuncke! der Cujon! der Berenheuter! der Landluegner! der Ehren-Dieb! der Ertzberenheuter! Jch elende verlassene Jungfrau! was fange ich an? Antonia. So gehts / wenn man der Eltern guten Rathe nicht folgen will. Selenissa. Jch will ihm seine falsche Kette um den Hals werffen / und den Buben darmit erwuergen. Antonia. Jhr werdet beyde zu Landlaeuffern werden / und ich vor Wehmuth sterben muessen. Selenissa. Ey Frau Mutter! es ist noch Rath / Palladius liebet mich von gantzer Seelen. Er wird kein Mittel unterlassen mich von dem Betrieger loß zu machen: Bonosus ist auch der meine / nehmet nur die Muehe auff euch / und redet ihn an / ich wil Gelegenheit suchen Palladium zu finden. Es sind ja Mittel vor alles Ubel / ausser dem Tode. Antonia. Sol ich gehen / und soll unsre eigne Schande an die grosse Glocke schreiben? Die du vorhin so liederlich verachtet hast / werden nunmehr viel nach dir fragen. Selenissa. Frau Mutter / man muß das euserste versuchen! Jch wil mich lieber lebend begraben lassen / als mit diesem leichtfertigen Menschen vermaehlen. O sehet! sehet! das Glueck selber spielet mit uns. Herren Palladii kleiner Page kommet dort hervor / durch diesen kan ich ihm auffs beqvemste meine Meynung wissen lassen. Florianus. Antonia. Selenissa. Florian (Hat beyde Haende voll Zuckerwerck / und taumelt von einer Seiten zu der andern) : A sa! sa! sa! Jch bin sticke wicke voll! daß ist ein froelicher Tag / ich wollte / daß diß Leben hundert Jahr waere / und dieses der erste Tag seyn solte! Der Herr Mareschall wird Morgen ein trefflich Pancket halten. Deswegen hat er mich nach hause geschickt / daß ich es bestellen soll / wie ich aber die Thuere heraus gehen wolte / begegnete mir Jungfer Rosinichen / die ließ confect herauff tragen. Jch kuessete sie einmal / und sie fuellete mir alle beyde Hosen-Saecke voll Zucker Naescherey. Selenissa. Was saget er von dem Mareschall? Er wird ja nicht von dem Palladio abgeschafft worden seyn? Florian. Sehet aber / was trug sich ferner zu; es blieb bey diesem Gluecke nicht / Jungfrau Camilla ruffte mir zurueck / und fragte ob ich nicht Durst haette / und reichte mir eine grosse silberne Kanne von rotem suessen Weine / die schier so groß war / als ich selbst. Jch erbarmete mich darueber / und tranck aus allen meinen Kraefften / biß nicht ein Tropffen mehr darinnen uebrig. Hernach lieff ich fort / und sah' daß Jungfer Coelestina an statt einer Thuer zwey gebauet hatte! nu das gehet auff Hause zu. Selenissa. Florentin, steh stille. Florian. Ho la! wer ruffet mir? Selenissa. Kennest du mich nicht mehr Florian? Florian. O Jungfrau Selenissa, habt ihr doch zwey Haeupter und vier Augen bekommen! O sehet doch / wie viel Sonnen! eine / zwey / drey / viere / fuenffe. Selenissa. Hoere doch Florian, was ich dir sagen will? Florian. Guten Morgen! guten Morgen / Frau Antonia! Antonia. Es ist ja nicht Morgen / ist es doch schon ueber Mittag. Florian. Jungfrau Selenissa, wolt ihr ein paar ueberzogne Mandelkernen haben / oder ein Stuecke Marzipan / die Lippen werden so suesse darnach werden. Selenissa. Wo hast du so viel confect bekommen? Florian. Wo! bey Jungfrau Coelestinen ist die gantze Taffel voll gesetzet. Wir werden Hochzeit machen: Der Herr Marschall und Jungfrau Coelestina, und ich und Jungfrau Rosinichen. Selenissa. Dienst du nicht mehr Herren Palladio? Florian. Warum solte ich nicht mehr bey ihm dienen / sonderlich nun es so stattlich bey uns hergehet / morgen wird er uns allen neue Hosen und Maentel geben von gelbem Sammet mit gruenen gueldenen Posementen. Antonia. Was machst du denn bey dem Mareschall? Florian. Jhr seyd truncken / Frau Selenissa, und auch ihr Jungfer Antonia! wenn ich bey Herrn Palladio bin / so bin ich ja bey dem Mareschall; wisset ihr nicht / daß mein Herr ist Marschall worden? Antonia. O daß erbarme GOtt in Ewigkeit! Tochter Tochter / wir sind verlohren. Selenissa. Frau Mutter / es ist noch nichts nicht verlohren. Florian. Jungfrau Selenissa! Auff meines Herren Hochzeit wollen wir mit einander tantzen! Selenissa. Ja wenn dein Herr wird mit mir Hochzeit haben. Florian. Nein / nein! er wird mit Jungfrau Coelestina Hochzeit haben. Antonia. Jch rauffe mir die Haare aus dem Kopffe. Selenissa. Wer hat das gesaget? Florian. Jch habe es gesaget / mein Herr hat es gesaget / und Jungfer Coelestine hat es gesaget. Ach! er hat Jungfrau Coelestinen eine Schnur Perlen gegeben sechs Ruten lang / jedwede Perle war so groß / als mein Kopff / und einen grossen gueldnen Ring mit einem glaentzernden Steinlein / nicht einen solchen Rinck / wie ihr mir neulich verehret; Nein / er war mehr als zwoelff Silbergroschen werth. Selenissa. Was hat ihm Jungfrau Coelestina gegeben? Florian. Sie kuesset ihn / daß es eine Lust zu sehen war / gab ihm einen Hauffen Rosinen / Feigen / ueberzogne Mandelkernen / ueberzogne Zienement / sie ließ die Musicanten holen / und stackte ihm an den kleinen Finger ein so glaentzend Steinlin / mit einem Ringe / daß ich mich drueber verwundern muste. (diese Worte singet er:) Jch muß heimgehen / heimgehen / lasset mich heimgehen / daß ich bald wiederkommen kan; Jch hoere so gerne singe Christoffen zu / der hat ein krummes Eisen von Messing / das stecket er in den Hals / und zeucht es immer auff und nieder / biß seine Gedaerme zu schnurren beginnen. Selenissa. Wilst du nicht deinem Herren ein kleines Brieflein bringen / welches ihm ein guter Freund geschicket. Florian. Gar gerne. Gebet mir den Brieff her. Selenissa. Lauff nach Hause; Wenn du wirst vorueber gehen / so klopfte hir an: ich wil den Brieff suchen. Florian. Guten Tag denn / Jungfrau Antonia, guten Morgen / Frau Selenissa! Antonia. O Tochter! Tochter! welch ein Gluecke hast du muthwillig verschertzet? Cyrilla. Daradiridatumtarides. Sempronius. Cyrilla. Qvibus, qvabus! sanctus Haccabus. Surgite mortis; fenitur sie judis. Ach Jusuph du lieber Mann / bist mein Compan. Pater nisters gratibis plenis. Darad. Unsre Erden-eindrueckende Schenckel / les portecorps de moy mesme, werden nunmehr den betlichen Himmel meiner irdischen Juno, nieder treten sollen. Weil wir aber es an nothwendigen Speisen nicht muessen ermangeln lassen, wollen wir unterdessen diesen Ring zu Pfande setzen / biß wir Gelegenheit haben selbigen wider an uns zubringen. Mein Diego hat die alte Cyrille, la diablesse des femmes, hieher bestellet / die wollen wir nun erwarten / denn wenn sie zu uns in das Hauß kommen solte wuerde es nur Argwohn verursachen. Cyrilla. Der Kackelthen Drumtraris hat mich auff diesen Ort erbitten lassen / er wird vielleicht / weil er Hochzeit machet / meiner Huelffe von noethen haben! Daradiri. Dort kommet sie hergeschlichen. Cyrilla. Da kommet er gegangen / Cosper, Baltzer, Melcher zart / Herodis hatte einen langen Bart / sie liegen zu Koellen am Rheine. Darad. Bonjour, Bonjour, Madame Cyrille. Cyrilla. Was saget ihr / o Hure / o Hure Mame Zyrille! och Herr! och Herr GOtt! heissen mich doch nun alle Leute eine Hure / sie thun mir groß Unrecht! ich halte Caetherle hat irgend was gesaget. Darad. Je vous recontre heuresement. Cyrilla. Seyd ihr contra Band. Darad. Qvoy! Cyrilla. Hoy! hoy! Darad. Comment vous estes vous porté. Cyrilla. Schreyet ihr ueber mich Mord und Weh? O mein Lebenlang habe ich kein Kind umgebracht! Darad. Qvel Diable. Cyrilla. Daß ich sie sabele. Darad. Jhr verstehet den Teuffel. Cyrilla. Ach Herr / ich verstehe mich nicht mit dem Teuffel. Ach! in principipis (sie macht ein Creutze) ero verbibus, was erlebet man auff seine alte Tage nicht? Darad. Jhr verstehet mich nicht recht / Frau Cyrill. Jch hab anders mit euch zu reden / Entendez vous. Cyrilla. Tand zu der Kuh. Herr eine gute melcke Kuh ist kein Tand. Darad. Ey mit dem Narrenpossen / Ecutez ecutez, Frau Cyrilla. Cyrilla. Ja Herr / ich bin heut in den Koth gefallen / die schelmischen Jungen die Brodtschueler haben mich hinein gestossen. Darad. Jch darff noethig Geld. Cyrilla. Das sagt die gantze Welt. Darad. Koennet ihr mir nicht auff diesen Ring etwas zuwege bringen? Doch ihr muestet ihn in einen Ort tragen / daß er nicht erkennet wird. Cyrilla. Das will ich gar gerne thun. Aber Herr Muscetariis, wenn wolt ihr das Geld haben? Daradir. Noch heute vor Abends / si cela est dedans la sphere d'activite de vostre cognoissance. Cyrilla. Es ist ein schweres gehacke / rothe Eyer in die Mohnsantzen. Doch will ich sehen / was ich kan zuwege bringen. Darad. Kommet fein zeitlich wider / und lasset mich durch Don Diego wissen / was ihr verrichtet. Adieu. Cyrilla. Nu der liebe GOtt bewahre euch. Das sagen die sieben Siegel / das alle Fische werden bruellen / die Engel werden weinen / und werffen sich mit Steinen / die Wege werden schwimmen / die Wasser werden glimmen / die Graeßlein werden zannen / und alle hoche Tannen. Da kommet her Feccphoniis, dem werde ich den Ring geben / und werde sprechen / daß ihm Jungfrau Coelestina dieses Liebes Pfand geschicket. Die Perlen will ich vor mein Kaetterlein behalten / und den Kackelthen wil ich anderwerts wo ich kan / forthelffen. Sempron. Ut nox longa qvibus mentitur amica diesqve. Horatius in Satyr. Tot sunt in amore dolores. Virgilius in Ecclog. Wo mag sich Cyrille so lange auffhalten / suspicatur animus nescio qvid mali, videone illam? sie ist es selbst. Cyrilla. Jm Himmel / im Himmel / sind Freuden so viel / da tantzen die Engelchen und haben ihr Spiel. Sempron. Expectata venis! Cyrilla. Fragt ihr / ob Speck zu Wehn ist? O ich bin mein Lebenlang nicht dorte gewesen. Sempron. Διὰ τί ούτω βραδέως ήκεις; Cyrilla. Nein / der Tod hat mich nicht gekuesset. Sempron. Non asseqveris divinas ratiocinationes meas, nec satis aptè respondes ad qvaesita. Cyrilla. O Herr / ihr redet gar zu geschwinde. Jch weis nicht / ob es Boehmisch oder Polnisch sey. Sempr. Loqvar ergo tardius. Cyrilla. Woher irgend ein Marder ist? Sempr. Antwortet purè. Cyrilla. Beym heilgen Creutze / ich leid es in die Laenge nicht! Last mich mit der Hure ungestichelt / bin ich eine / so bin ichs vor mich! Was ist euch daran gelegen? mir geschicht unrecht! ich bin so reine / als ich von Mutterleibe geboren worden bin! alle Leute heissen mich heute eine Hure. Ketterle / Ketterle muß geschwatzet haben. Sempr. Bildet euch doch nicht dergleichen Gedancken ein / absit injuria! Cyrilla. Nun sehet / ihr heisset mich eine Pfaffenhure und ich soll immer schweigen. Sempr. Ey nein doch / ich rede Ciceroniane / und ihr verstehet es nicht. Cyrilla. Jch verstehe genung / daß ihr mich stichelt / und außholippert. Sempr. Jch frage / qvid respondet Coelestina? Cyrilla. Ja / ja / sie ist verwundet Coelestina, sie laesset euch einen freundlichen guten Tag vermelden. Sempron. Evax! Cyrilla. Nein Herr / es ist nicht Kickskacks. Sie nahm die Perlen / und hieng sie an ihren Hals. Ach sie thaet so freundlich das liebe Kind! Sempron. Deus sum! Cyrilla. Sie gab sie nicht Matthesen um: sie behilt sie selber. Sempron. Qvid me beatius? Cyrilla. Sie sagte nichts von Pilatzius! Sempr. Aber / num qvid addidit? Cyrilla. Ob sie Vieh huett? Sempr. Thut sie mir sonst kein praesent? Cyrilla. Ja Herr / sie kuesset euch die Haend / und schicket euch diesen Rinck; Sie laesset euch darneben einen guten Abend sagen / und andeuten / daß ihr auff den Abend um neune sie besuchen sollet in dem hinter Garten. Sempron. ‛Υμὴν ω̃ υμέναιε, ω̃ υμήν. Cyrill. Simen wird nicht auff die Zeit zu Hause seyn. Sempron. Jch werde rasend prae laetitia atqve gaudio. Cyrilla (Macht ein Creutz) . Je behuete GOTT / Herr Ficfonys! ich hab es lange gedacht / daß er nicht muß klug seyn / weil er so seltzame Worte im Reden gebraucht. Sempron. Jch bin nicht unsinnig / sondern es ist eine Art also zu reden bey den Lateinern. Cyrilla. Nu wollet ihr denn auff den Abend kommen? Sempr. ’Ασμένως ποιήσω. Cyrilla. Nicht zu Herr Asman, sondern zu Jungfer Coelestinen. Sempron. Sic, sic, sic, sic, sic, sic, sic, sic, sic, sic. Cyrilla. Je Herr ist doch keine Ziege dar! Sempron. Jch will schon da seyn mellea. Cyrilla. Herr sie wird euch keine Merlin geben. Sempr. Unterdessen will ich gehen / und auff diesen Rinck hoc amoris pignus, hanc fidei arrham, dreissig tausend Epigrammata, siebenhundert Sonneten / Septenarius est numerus mysticus, und hundert Oden machen. Cyrilla. Jch will auff den Abend mich in den Garten verstecken / daß Herr Sephonius glaubt / Jch sey Coelestine, und kriegt er mich einmal / so muß er mich behalten sein Lebenlang. Sophia. Flaccilla. Dionysius. Palladii Gesinde mit blossen Degen um ihn her. Dionysius hat die Jungfrau auff den Arm. Flaccilla laufft hinter ihnen her. Sophia. Gewalt / Gewalt! O rettet! rettet! kommet mir zu Huelffe / die ihr Ehre und Keuschheit achtet. Flaccilla. Kommt mir zu Huelffe / rettet! rettet! Dionys. Fort ihr Brueder / fort! fort! gebet Feuer wo iemand kommet. Sophia. O Himmel / ist denn keine Huelffe mehr verhanden! Horribilicribrifax. Harpax. Horrib. Jch hoere Gewalt ruffen! sind die Pistolen richtig? Harpax. Recht wol / gestrenger Herr! Horrib. Solte einer sich unterstehen eine Gewalt dar zuverueben / wo der grosse Horribilicribrifax (Essend' io persona d'altissimo affare) zugegen / da mueste der Himmel drueber brechen / und die Erden in lauter Staub verkehret werden. Kommet / wir wollen folgen. Qvesta è di cosa decente al esser mio. Harpax. Jch folge. Wo Noth vorhanden / wird mein Herr gewiß der fertigste zu dem Lauff seyn / und ich der nechste hinter ihm! Der fuenffte Auffzug. Florianus. Selenissa. Antonia. ANtonia. Bey Bonoso ist nichts mehr / wie du siehest / zu suchen / er verachtet / und nicht sonder Ursach / diese / die vorhin seiner nicht geachtet. Selenissa. Es ist daran nichts gelegen / wenn Palladius noch unser ist. Antonia. Jch fuerchte / wir werden bey Palladio ankommen / wie wir verdienet! ich sehe nichts / als unser hoechstes Unglueck in bester Vollkommenheit. Selenissa. Auffs wenigste hoffe ich Antwort auff mein Schreiben zu erhalten. Mich duenckt / ich sehe den kleinen Florian daher gelauffen kommen. Florian. (singend): Lustig ihr Brueder: auff lasset uns leben! Lesbia meine Freud' hat sich ergeben! Wer mich wil neiden / der muesse zuspringen! Lustig ihr Brueder / es wil mir gelingen! Hola! (er jauchtzet etliche mahl nacheinander / nachmals faehret er fort) : Guten Morgen / guten Morgen / Jungfrau Selenissa. Selenissa. Es ist nunmehr Abend / nicht morgen. Florian. Um welche Zeit des Abends wird es Abend? Antonia. Wenn die Sonne wil untergehen. Florian. O warumb geht die Sonne nicht alle Abend dreymal unter / so gienge ich mit meinem Herren jedwedern Abend dreymal zu Gaste. Selenissa. Was machst du mit der Fackel? Florian. Jch will sehen / ob gut Wetter ist / Jungfrau Selenissa, um welche Zeit des Abends schlaegt es sechse? Anton. Wenn es vier Viertel nach fuenffen geschlagen hat. Selenissa. Bringest du mir keinen Brieff / mein Kind? Florian. Bin ich euer Kind? so seyd ihr meine Mutter: warum habt ihr mich denn keinmal gekuesset? Selenissa. Wo du mir einen guten Brieff bringst / so will ich dich zweymahl kuessen! Florian. O ich habe einen schoenen Brieff mit rothem Lack zugesiegelt. Jn meines Herren Schreibekammer ligen etliche tausend Brieffe; wo ihr mich fuer jedweden kuessen wollet / wil ich euch morgen beyde Hosen Saecke und mein Hemde voll bringen / aber fuer die grossen / an welchen die Schoenen Siegel hangen / muesset ihr mich viermal kuessen. Selenissa. Hast du denn ietzunder keinen Brieff bey dir? Florian. Ja / ja / mein Herr hat mir einen gegeben. Selenissa. Laß mich den Brieff sehen! Florian. Jhr muesset mir zuvor Tranckgeld geben. Selen. Du solt auff meiner Hochzeit mit mir tantzen. Florian. Nein / ich tantze nur mit meiner Rosinen! dis ist der Brieff! Anton. Es ist seine eigne Hand. Florian. Guten Tag / guten Tag! ich muß fort! Morgen um zwey zu Mittage / wenn Mitternacht ist / wil ich widerkommen / und mehr Brieffe mitbringen. Antonia. Laß schauen / was hat er geschrieben. Selenissa. O ich bin des Todes! Florian. Lustig ihr Himmel / ich habe gewonnen Sie / die Durchlauchtigste unter der Sonnen; Lustig ihr Sternen / ich werde sie haben: welche die Goetter und Geister begaben. (Gehet singend hinein.) Selenisse (lieset den Brieff) : Wehlende und unbesonnene Jungfrau / die Zeit ist nunmehr aus / in welcher ich meiner Vernunfft beraubet / euch einig zu Gebote gestanden. Jzt erkenne ich meine Thorheit / und schertze mit eurer Unbedachtsamkeit. Die allerkeuscheste und vollkomneste Seele Coelestina haelt mich auff ewig gebunden / und wuenschet euch Glueck zu eurer Hochzeit mit dem elenden Auffschneider / welchen ihr euch allein zu stetem Schimpffe / wackern Gemuetern vorgezogen. Gehabt euch wohl mit ihm / und bleibet von mir / weil ihr meines Grusses nicht beduerffend / ewig gesegnet! (Selen. faelt nieder / und wird ohnmaechtig.) Antonia. Dieses Unglueck hab ich vor langer Zeit als gegenwaertig gesehen. Selene! Selene! (Sie ziehet die Tochter hinein.) Daradiridatumtarides. Don Diego. Darad. O rage! o dese Spoir! Daß muessen siebzehn hundert tausend Frantzosen walten / daß meine Braut so arm / und ich nichts / als lauter Betteley bey ihr zugewarten: das waere ein Fressen fuer Capitain Daradiridatumtarides. Don Diego. Was ich sage / hab ich aus glaubwuerdigem Bericht. Darad. Da hat pour dire le vrai, ein Teuffel den andern beschissen / wer wil sie nun beyde wischen? Ha funeste object! bey der Seele des Großvaters von Machomet, die Ertzbestien zihen auf! als lauter Prinzessen! es bleibet bey Tausenden nicht! man kommt auf hundert tausend. Wenn man es aber bey dem Lichte besihet / und man mit einander verkoppelt / so sind es ohngefehr zwey Papire / die Le Grand Diable des Juristes selber nicht zu Gelde machen koennen; und kaum so viel kahle Marck bahres Geldes / daß man Arswische darvon auffs Scheishaus / und SchwefelLichter in die Kuechen kauffen kan. Doch / point du prouit, sie hat noch etwas von goeldnen Ketten und Perlen / das muß hebraeisch lernen / dir in Vertrauen entdecket / Fendions le vent Morgen weil sie noch schlaefft! was nicht mitgehen wil / das nehmen wir / und sehen / ob unsere Klepper noch das Thor finden koennen. Wir muessen anderswo unser Glueck suchen! faisons, selon le lieu, \& le temps. Selenissa. Antonia. Daradiridatumtarides. Selenissa. Mit dem Klepper zu dem Thore hinaus? da soll dir der Teuffel ehe den Hals brechen / ehe es dazu kommet. Jch will ihn anreden. Daradir. Voila, dort kommt meine Reiche. Selenissa. Finde ich meinen Braeutigam so hier allein! Daradir. Nenni, sondern vergesellet mit seinem unueberwindlichen Gedancken / avec un ceur d'un Mars. Was machet meine Werthe hier vor der Thueren? Selenissa. Sie muß sehr unwerth seyn / weil ihr Geschencke so gering geachtet / daß es nicht an seinem Finger mehr Platz haben kan. Daradir. Mort de ma vie, es gilt hir eins ums ander! weil sie unsre Kette nicht wuerdiget an ihren Hals zuhencken / stehet uns auch der Rinck nicht an. Selenissa. Wir sind niemals gewohnet / Ketten von Messing zu tragen. Daradir. Cocqvette arrogante! Habt ihr doch keine bessre zubezahlen. Jch wil lieber Messing das mein eigen ist als geliehen Gold! oder habt ihr mich wegen des Geldes genommen? Jch halte diese Ketten hoeher / als aller naerrischen Jungfern Tocken-Kram! hab ich sie euch fuer golden gegeben? Jch habe sie dem Koenige in China, als ich fuer dreyen Jahren mit den Tartern eingefallen / und ihr General gewesen / mit meinen eignen Haenden von dem Halse gerissen. Und daselbst schaetzet man Messing weit ueber Gold. Selenissa. Ander Land / andre Sitten! wenn ich ihm zu arm / haette er eine moegen in China heyrathen / die etliche Koenigreiche besessen haette. Daradir. C'est assetz. Je cherche vous. Andere kan ich ieden Augenblick haben. Als wenn mir nicht die Koenigin von Monopotapa noch gestern durch einen eignen Curir ihr Koenigreich haette anbieten lassen / mit dem Bedinge / daß ich sie heyrathen solle! Anton. Er heyrathe sie denn nach seinen Willen / und lasse mich und mein Kind unbetrogen. Darad. Was? wolt ihr mir die Heyrath auffkuendigen? Outrage pour l'outrage! da soll euch der Donnerknall von Carthaunen darfuer erschlagen! euch zu Trotz muest ihr mich haben / jhr sollet mich haben / und wenn ich euch gleich nicht haben wolte / so will ich dennoch euch anietzo behalten; damit ihr sehet / daß es nicht in eurer / sondern in meiner Macht stehe mit euch zuhandeln / zu thun und zu lassen / zu schalten und zu walten. Jch mag euch verschencken / verkauffen / verstechen / verjagen / verschicken / verwechseln / verbeuten / ihr seyd mein avec tous ces deffauts, nicht anders / als leibeigen; darnach habts euch zurichten / denn das ist unser endlicher / ernster / und ungnaedigster Wille. (Er gehet darvon.) Selenissa. Jch will mein Leben daran setzen / und nicht ruhen / biß ich seiner loß worden / oder ihn von dem Platze gebracht. Jch will den Capiten Horribilicribrifax auff ein paar Worte zu mir bitten lassen. Der wird mir schon zu diesem Stueck befoerderlich seyn. Coelestina. Palladius. Camilla. Coelest. Nunmehr befinde ich mich in dem Besitz hoechster Glueckseligkeit / nun ich seiner treuen Gegenliebe versichert. Pallad. Welche in und um uns brennen und wuercken soll / biß unsre Leiber in Aschen verkehret. Coelest. Auch unter der Aschen der erblichenen Leichen sol sie noch glimmen / und unsre auffgerichtete Grabzeichen sollen nichts anders seyn / als Denckmahle der schlaffenden Liebe / biß wir auff den Tag der grossen Vereinigung in Vollkommenheit der Liebe auffs neue ewig mit einander vermaehlet werden. Pallad. Es ist numehr Zeit / den Herren Stadthalter zuersuchen. Wo sind die Diener? Coelest. Camilla komm und folge. Cyrilla mit schoenen Kleidern angezogen / und auffgeflochtenen Haaren. Cyrilla. Verwundert euch nicht / daß ich so schoene bin / die Kleider hab ich bey einer Juedin geborget / um Herren Vixephonigis eine Nase zu machen. Jungfer Coelestina ist nicht daheime / das weiß ich wol. Deswegen kan ich mich desto besser in ihrem Lust-Garten verstecken. Wo ich ihn diesen Abend recht betruege / muß er mich sein Lebenlang behalten! Da komt der Monden. Sey mir gnaedig du neues Licht / fuer das Fieber und auch die Gicht. u. d. g. Selenissa. Horribilicribrifax. Harpax. Horrib. Sie zweifele nicht / er ist todt! es ist unmoeglich / daß er leben kan / wenn sie sich meines Degens / mit welchem io rompe esserciti, e fracasso armate, metto Spavento al Cielo, al mare \& al inferno, darzu gebrauchen wolte. Ja mit einem Anblick kan ich ihn von der Erden heben. Solte mich eine Jungfrau um etwas ansprechen / das ich ihr versagen koente! Selenissa. Er muß entweder todt seyn / oder ich muß bey ihm nicht leben / und solte ich gleich des andern Tages den Kopff lassen! lieber einmal muthig und hurtig gestorben / als sein Lebenlang in Jammer und Elend gestecket. Horrib. Veramente pensiero nobilissimo. Und warum Verzogen? Die Jungfrau glaube sicher / das Werck ist sonder alle Gefahr. Selenissa. Wenn ihn nur niemand meldet. Horribil. Was? mein gantzes Verlangen ist d'esser cognosciuto! Denn es ist vornemlich daran gelegen / daß man wisse / wer die That verrichte. Denn die gemeine Kundschafft von meiner Großmuethigkeit hebet alle Gefahr auff. So bald / als die toedlichen Wunden an den Leichen gesehen werden / schleust man / daß sie von keines andern Hand / als von der meinen herruehren. So bald als sie vor die meinigen erkennet werden / ist kein Mensch / welcher klagen / kein Zeuge / der etwas ablegen / kein Notario, der etwas schreiben / kein Advocato, der den Process formiren, kein Stadt-Diener der angreiffen / kein Richter der examiniren, keine Obrigkeit die urtheilen / kein Scharffrichter der exeqviren doerffte. Harpax. Es ist nicht anders / als wie mein Herr erzehlet. Jch weiß mich noch wohl zuerinnern / daß er / nach dem er einen niedergestossen / sich aus einem sondern capricio selber bey dem Richter fuer den Thaeter angegeben habe. Der Richter aber / damit er nicht in Gefahr geriethe / gab fuer / als wenn er dem Capiten keinen Glauben zustellete / damit er seiner nur mit Ehren loß werden konte. Selenissa. Es ist unglaublich. Harpax. Noch ein andermal gab er sich fuer einen Bandito aus / und ließ sich zu dem Galgen fuehren. Es war zu Venedig auff Sanct Marcus Platz. Als er nun die Leiter mit dem Hencker hinauff gestiegen / rieß er die Stricke entzwey / sprang ueber das Volck in ein Schiff / und ließ den Hencker selbst angeknuepfft. Horribil. Cane cativo! furfante senza ingegno! Must du derogleichen Stuecke von mir erzehlen / als wenn es sonst an Heldenthaten mangelte / die ich verrichtet habe. Nun zu der Sachen! signora mia belissima, sie entschliesse sich / auff welche Art sie ihn will hinrichten lassen. Will sie / daß ich ihn mit dem Arm nel'aria in die Lufft schmeisse / daß er sich in dem Elementarischen Feuer anzuende? will sie / daß ich ihn mit einem zornigen Anblick in einen Felsen verwandele? will sie / daß er von dem Schnauben meiner Nasen / als Schnee zurschmeltzen muesse? will sie / daß ich ihn per le treccie auffhebe und zu Boden werffe / daß er in die Sechs und dreissig mahl hundert tausend Stuecke zerspringe / wie Glaß? Selenissa. O ich komme von mir selber ueber diesem Erzehlen! Der Herr Capiten mache es auffs kuertzte / und schiesse ihm ein Pistol durch den Kopff! Horribil. Die Jungfrau verzeihe mir / ich gebrauche mich keiner vortheilhafften und berenhaeuterischen Waffen de latri \& assassini, wenn ich etwas verrichten will. Will sie / daß ich ihm einen Nasenstueber gebe / daß ihm Stirne / Gehirne / Augen / Nase / Maul / Wangen / so untereinander gemenget werden / daß er sich sein Lebenlang nicht mehr kenne? Selenissa. Jch stelle alles in des Herren Capitens Belieben / wenn ich nur seiner loß werde. Horrib. Or su! finiamo la qvi, es soll schon gehen / wie es gut ist. Selenissa. Jch stelle mich und meine Ehre in seine Haende. Der Herr Capitain bleibe gesegnet. Sempronius. Nox erat \& coelo fulgebat luna sereno, inter minora sidera. Horatius. Speluncam Dido, Dux \& Trojanus eandem devenient, Virgilius Lib. 2. Aeneidos. Κωμάσδω ποτὶ τὰν ’Αμαρύλλιδα. Theocritus. Das heist / Herr Sempronius wird zu Jungfrau Coelestina gehen. Qvas volvit fortuna vices? Statius lib. 10. Thebaidos. Wer haette dis heute morgen geglaubt? Aber es heist: kein verzagtes Hertz krieget eine schoene Dam. Non per dormire poteris ad alta venire! Sed per studere poteris ad alta sedere. Nun / das gehet drauff hin! Casta fave Lucina! Sparge marite nuces, hilaris, tibi ducitur uxor! Virgilius in Eclogis. Bonosus. Die resolution ist gefasset. Herr Palladius ist fest mit Coelestinen, und ich / durch Zuthuen des Stadthalters mit Eudoxia. Man erwartet meiner / wie ich vernehme / bey dem Herren Cleander. Derowegen ist es Zeit / daß ich mich nicht laenger aufhalte / sondern mit ehesten dahin verfuege. Daradiridatumtarides. Horribilicribrifax. Horrib. Und wenn du mir biß in den Himmel entwichest / und schon auff dem Lincken Fuß des grossen Beeren sessest / so wolte ich dich doch mit dem rechten Spornleder erwischen / und mit zweyen Fingern in den Berg Aetna werffen. Daradir. Gardez-vous Follastreau! meinest du / daß ich vor dir gewichen? und wenn du des grossen Carols Bruder / der grosse Roland selbst / und mehr Thaten verrichtet haettest / als Scanderbeck / ja in die Haut von Tamerlanes gekrochen werest / soltest du mir doch keine Furcht einjagen. Horrib. Jch? ich will dir keine Furcht einjagen / sondern dich in zwey und siebentzigmal hundert tausend Stuecke zersplittern / daß du in einer See von deinem eignen Blut ersticken sollest. Io ho vinto l'inferno e tutti i Diavoli. Daradir. Jch will mehr Stuecker von dir hauen / als Sternen ietzund an dem Himmel stehen / und will dich also tractiren daß das Blut von dir fluessen soll / biß die oberste Spitze des Kirchturmes darinnen versuncken. Horrib. Per non lasciar piu oltre passar qvesta superba arroganza, will ich die gantze Belaegerung von Troja mit dir spielen. Daradir. Und ich die Zerstoerung von Constantinopel. Horrib. Io spiro morte e furore, doch lasse ich dir noch so viel Zeit / befiehle deine Seele GOtt / und bete ein Vater unser! Darad. Sprich einen Englischen Gruß und hiermit stirb. Horrib. Du wirst zum wenigsten die reputation in deinem Tode haben / daß du von dessen unueberwindlichen Faust gestorben / der den Koenig in Schweden niedergeschossen. Daradir. Troeste dich mit dem / daß du durch dessen Hand hingerichtet wirst / der dem Tylli und Pappenheim den Rest gegeben. Horrib. So hab ich mein Schwerd ausgezogen in der Schlacht vor Luetzen. Darad. Morbleu, me voyla en colere! mort de ma vie! Je suis fasché par ma foy. So hab ich zur Wehre gegriffen in dem Treffen vor Nerglingen. Horrib. Eine solche positur machte ich in der letzten Niederlage vor Leipzig. Darad. So lieff ich in dem Waal-Graben / als man Glogau hat einbekommen. Horrib. Ha! ha! Jst er nicht qvesto capitaino, mit dem ich Kugeln wechselte bey der Gula? Darad. O! ist er nicht der jenige Signeur mit dem ich Bruederschafft machte zu Schlichtigheim? Horrib. Ha mon Signeur, mon Frere! Darad. Ha Fradello mio illustrissimo! Horrib. Behuete GOtt / welch ein Unglueck haette bald geschehen sollen! Darad. Welch ein Blutvergiessen! massacre \& strage, wenn wir einander nicht erkennet haetten! Horrib. Magnifici \& Cortesi Heroi koennen leicht unwissend zusammen gerathen. Darad. Les beaux Esprits lernen einander durch dergleichen rencontre erkennen. Dionysius. Daradiridatumtarides. Horribilicribrifax. Dionysius. Welche Berenhauter rasen hier fuer unsern Thueren? wisset ihr Holuncken nicht / daß man des Herren Stadthalters Pallast anders zu respectiren pfleget. Trollet euch von hier / oder ich lege euch beyden einen frischen Pruegel um die Ohren. Horrib. Io rimango petrificato dalla meraviglia. Sol Capitain Horribilicribrifax dis leiden? Daradir. Sol Capitain von Donnerkeil sich also despectiren lassen? Horrib. Io mi levo il pugnale dal lato, der Herr Bruder leide es nicht! Darad. Me Voila, der Herr Bruder greiffe zu der Wehre / ich folge. Horrib. Comminciate di gratia. Jch lasse dem Herren Bruder die Ehre des ersten Angriffs. Darad. Mein Herr Bruder / ich verdiene die Ehre nicht / er gehe voran. Cest trop discourir: Commensez. Horrib. Ey der Herr Bruder fahre fort / er lasse sich nicht auffhalten. la necessita vuole. Dionys. Heran / ihr Ertzberenhaeuter / ich will euch die Haut sonder Seiffen und Balsam einschmieren. Horrib. Ha! Patrone mio qvesta supercheria è molta ingiusta. Darad. O monsieur bey dem Element / er sihet mich vor einen Unrechten an. Horrib. Ey signore mio gratioso, ich bin signor Horribilicribrifax. Dionysius (nimt beyden die Degen und schlaegt sie darmit um die Koepffe) . Auffschneider / Luegner / Berenhaeuter / Bengel / Baurenschinder / Ertznarren / Cujonen. Darad. Ey ey monsieur, basta qvesto pour istesso, es ist genung / der Kopff blutet mir. Horrib. Ey Ey Signor, Jch wuste nicht / daß der Stadthalter hier wohnete. Dionys. Packet euch / oder ich will euch also zurichten / daß man euch mit Mistwagen soll von dem Platze fuehren. Sempronius. Cyrilla. Sempron. Οίμοι παρανοίας ως εμαινόμην άρα. Porro Qvirites! Deum atqve hominum fidem egonè ita sum deceptus. Cyrilla. Ja es heist nu Zepffe / es heist / hast du mich / so behalte mich. Sempr. Impura meretrix. Cyrill. Ja die Hure ist fix, wer hat mich darzu gemacht / als ihr? Jhr muest mich nun wieder redlich machen / oder der Hencker soll euch holen! Sempr. ’Ατταπατατά. Cyrilla. Ey da! da! Sempron. Me miserum! Cyrilla. Sehre hin sehre her. Sempr. Was rath nun! Qvid facio! Cyrilla. Ein Patzen do. Nein / ich lasse mich so nicht abweisen. Sempron. Est aliàs dives vetula. Cyrilla. Heist ihr mich die beste Fettel? Sempr. O du Hure! Cyrilla. O du Schelm! Sempr. O du Kuppelhure! lena faeda! Cyrilla. Wie Magdalenen? Du Ehbrecher! Sempron. Du Maegdehaendlerin! Cyrilla. Du Susannen Bube! Sempron. Du Teuffelsfettel! Cyrilla. Du Teuffelsbanner! Sempr. Du Pileweissin! Cyrill. Du Hexenmeister! Sempr. Du Pulver Hure! Cyrill. Du Bley Schelme! Sempron. Du Excetra! Cyrilla. Ja Zeter ueber dich! Sempr. Du Furia! Cyrilla. Du Hurenjaeger! Sempr. Du Erinnys. Cyrilla. Ja darinn ists. Sempr. Jch wil dir die Haare aussreissen. Cyrilla. Jch wil dir den Bart außrauffen. Sempron. Jch wil dir die Nase abbeissen. Cyrilla. Jch wil dir die Augen außkratzen / und in die Loecher scheissen. Sempron. Jch wil dir den Ars an deine Zunge wischen. Cyrilla. Jch wil dein Maul unter ein Scheißhaus nageln. Sempr. Der Hencker soll dir den Ruecken mit Ruten abputzen. Cyrill. Der Hencker soll dir die Spinnweben mit Besen abkehren / und den Bart mit dem breiten Messer scheren. Sie fallen ueber einander und schlagen einander zum guten Tiegen ab. Sempr. O mein Bart! Cyrilla. O mein Haar. Sempr. O mein Auge. Cyrilla. O mein einig Zahn! vertragen wir uns lieber in der Guete mit einander! Sempron. Je meinethalben! was haben wir auch sonsten vor? Cyrilla. Jch kan trefflich gebrand Wasser machen / und Zaehn-Pulver verkauffen / und habe ein schoen Stuecklein Heller vor mich bracht. Sempron. Wolan / unsre Gueter moegen gemein seyn! ihr muest mich aber huebsch halten / weil ich ein Gelehrter bin. Cyrilla. Jch will euch alle Morgen eine warme Suppen kochen. Sempr. Hettet ihr das also bald gesaget / so hette es so vieler Weitlaeufftigkeiten nicht beduerffet. Cyrilla. So gebet mir denn eure Hand drauff! Sempronius. So sind wir vertragen. Sie erat in fatis! Cyrilla. Ja in der Stadt ists. Kommet mit mir in mein Haus / ich will einen Notarigus holen lassen / der unsern Eh-contract auffsetzet / und uns / vor die Gebuehr / ein in nominus macht. Cleander. Bonosus. Eudoxia. Palladius. Coelestina. Flaccilla. Sophia. Cleander. Jch bitte / sie treten etwas hinter die Tapete / und hoeren unseren Reden mit Gedult zu! Dionysi ruffe die Jungfrau mit der Mutter herein. Sophia. Wenn ich auffs wenigste die Freyheit zusterben erhalten kan / schaetze ich mich glueckselig / daß / in dem ich die Angst meines Lebens beschliesse / auch der Ehren die unbefleckte Seiden meiner Keuschheit mit der Purpur dieses Blutes zufaerben / und / dadurch meine Auffrichtigkeit zu bezeugen / faehig worden. Cleander. Jst dieses eure Tochter / meine Frau / welcher Schoene und Keuschheit ihr so sehr geruehmet? Sophia (Faellet vor ihm auff die Knie) : Die unglueckselige Schoenheit / gnaediger Herr / ist diß eintzige / was mir / doch zu meinem Unglueck / die Natur verliehen. Wenn sie mich und die Reinigkeit meines Gemuethes in Gefahr setzen soll / wuendsche ich eher die weissen Brueste mit meinem eignen Blute zuerroeten / als ein durch Unehr beflecktes Gesicht / vor Euer Genaden auffzuheben. Jch bitte in diesen Schrancken in welchen mich Elend / Armuth und Gewalt dringet und herum treibet / Eure Genaden wolle mir dieses eintzige erhalten und beschuetzen helffen / was mir noch die euserste und recht Eiserne Noth nicht abzwingen koennen / oder mitleidend gedulden / daß ich vor seinen Fuessen dem geaengsteten Geiste den Weg durch diese Brueste oeffne! Cleander. Meinet ihr / daß wir euren verstelleten Thraenen und falschen Geberden so viel Glauben geben? Wir kennen der Weibes Personen Art und wissen / wie heilig sie sich stellen / wenn sie ihre Wahre hoch außbringen wollen. Sophia. Himmel / ende nun meine armselige Tage! bin ich noch laenger auff dieser Welt zu leben begierig / wenn ich Namen und Ehre verlohren? Cleand. Namen und Ehre sind eine Hand voll Wind / und werden nicht geruehmet / als nur Scheines halber. Sophia. O GOTT! ist es nicht genung / daß ich bey allen in Argwohn gerathen bin; durch diese gewaltsame Hinwegfuehrung? Muß noch meine Unschuld von dem in Zweiffel gezogen werden / welcher von allen fuer den kraefftigsten Beschuetzer elender und verlassener Waisen gehalten wird? Gute Nacht Himmel! sey zum letzten mahl gegruesset Erde! Was verziehe ich weiter? Sie holet aus mit einem blossen Messer. Cleander faellet ihr in die Armen: die andern kommen alle herzu gelauffen. Cleander. Genung meine wertheste! Jhre Keuschheit hat wie ein lauteres Gold durch eine so hefftige Anfechtung bewehret werden muessen. Sie ist in diesen Hoff nicht durch Verlust der Ehren gedrungen / sondern durch ihre Tugend eingefuehret / damit dieselbe nach so langem Verdienst praechtiger gekroenet wuerde. Diese Haarlocken sind es / welche uns gefangen: Doch die Keuschheit Sophiae hat diese Bande fester zusammen gezogen / welche eine heilige Ehe zwischen Mir und Jhr unauffloeßlich verknuepffen soll. Dionysi, Thersander, Pompei, Ptolomaee, bringet Kleider / Perlen und Demante / um meine Schoneste also außzukleiden / wie ihre Tugend und unser Stand erfordert / ob sie wohl mehr gezieret wird durch diese abgeschnittene Haare / als durch alles Reichthum dieser Welt. Coelestina. Werthe Jungfrau Sophia. Jch wuendsche zu dieser unverhofften Ehe und Ehre Jhr so viel Gluecks / als dero keusche Tugend verdienet / und schaetze mich glueckselig / in dem ich heute Jhre Kundschafft erhalte / von Jhr / als dem vollkommenen Spiegel aller Zucht / zu lernen / was uns allen anstehet. Sophia. Wird von den Jungfrauen auffs praechtigste gekleidet. Jndessen wuenschen die andern einander allerseits Gluecke. Cleander. Dionysius, welcher diesem unsern Vorsatz bey sich die Hand geboten / soll nicht sonder Lohn dieser Freude beiwohnen / wenn Jungfrau Coelestina ihre Camillam ihm vermaehlen will / werden wir Mittel finden / sie beyde bester massen zu befoerdern; Und damit Horribilicribrifax und Daradiridatumtarides nicht alleine bey der allgemeinen Freude sich mit Schlaegen / wie uns erzehlet / behelffen duerffen / wollen wir dem Daradiridatumtaride, doch mehr aus Mittleiden gegen die unglueckselige Selenissam, das Commendo ueber die gvarnison in dem nechsten Flecken / dem Horribilicribrifax aber eine Corporalschafft Tragoner in der Vorstadt vertrauen. Lasset die Personen alle auff den Hoff fordern / und unterdessen die Heerpaucken und Trompeten erschallen! Die Personen gehen alle ab / biß auff Florentin. Florentin. Hochzeiten ueber Hochzeiten! was werde ich Marcepan bekommen! Laß schauen / ich muß zehlen / wie viel es Heyrathen setze! Jch und Rosina, das ist die Erste; mein Herr und Coelestina, das ist die Ander; Camilla und Dionysius, das ist die Dritte. Bonosus und Eudoxia, das ist die Vierdte; der ungeheure Capitain mit dem Namen von sieben Meilen / und Selenissa, werden die fuenffte halten; ja wol / es mangelt mir noch eine / ey ja! ja! der Stadthalter mit der fremden Jungfrau / das ist die Sechste. Wenn doch sieben wehren / so haetten wir eine gantze Woche voll Hochzeit! wolan! Capitain Horribilicribrifax mag unsre grosse / dicke / derbe / alte / vierschroetige / ungehobelte / trieffaeugichte / spitznaesichte / schluesseltragende Schleusserin nehmen / so ist die Reihe vollkommen. Jhr Herren / Jungfrauen und Frauen / wo euch Sophiae großmuethige Keuschheit / und Coelestinen bestaendige Anmuth / zuforderst aber Florentini (und der bin ich) hoher Verstand gefallen so kommet alle mit auff die Hochzeit / jener grosse weitmaeulichte Baur der dort hinten stehet / mag wol zu Hause bleiben / Er moechte uns den Wein gar aussauffen / und alles auff fressen / daß die Braut selbst hungerig zu Bette gehen mueste. Der Auffzug wird beschlossen unter Trompeten und Heerpaucken mit einem Tantz / in welchem alle Personen / wie auch Sempronius mit seiner Cyrilla erscheinen. Heyraths-Contract. Herren Sempronii und Frauen Cyrille. In Nomine Deorum Nuptialium \& Fescenninorum. KUnd und zu wissen sey hiemit iedweden / dem daran gelegen / daß vor mir Romano Pompilio, *************** Notario, wie auch denen darzu erbetenen Zeugen / des hochtieffgelehrten Herren Peter Sqventzen, wohlbestellten Schulmeisters zur Rumpels-Kirchen / und Expectanten des Pfarr-Amts daselbst / auch des weitvorsichtigen und scharffschleiffenden Herren Poppii, Narrenfressers / breitberuehmten Glaßschleiffers und Bruellenmachers; Des durchsichtigen Herren Cuntzen von Tadelmuth / Birnen Beckers und groß Pflaumen Haendlers; des Hochgedencklichen Herren Rodomont, von und auff Fensterloch / Erbrichtern zu Mist-statt; heute den 30. Februarii, dieses tausend sechshundert acht und viertzigsten Jahres / wesentlich erschienen / der Weltberuehmte und ueberall beschriene Herr Sempronius von Wetterleuchten / und Semperheim / Oberster Inspector der Calfacterey zu Hinderlocheshausen / Mitregent des Collegii zu Bitterlingen / Verwalter des Zoll-Amts zu Blitzloch / und designireter Vice Stadt-Schreiber des Koeniglichen Fleckens Schitstroh / nebest der Wohl Erbahren / wolgeachteten und Gestrengen Frauen Cyrilla, Sidonia, Procopia, Sergii Schlirenschlaffes von Koerbentragen hinterlassener Wittib / welche sich beiderseits fuer mir obengemeldeten in meinem Gemach / welches lieget in dem hinter Hause / gegen dem Garten / welche an die Fortzeymer Gassen anstoesset / wo man gegen der lincken Seiten zu der rechten Hand hinein gehet / angegeben / daß sie ************ sich in ein festes Eheverbuendnueß mit einander eingelassen / mit allen denen solenniteten, ceremonien und Gebraeuchen / welche in dergleichen Faellen de jure oder consvetudine ueblich / auch einer Morgengabe von siebentausend Doppel-Ducaten / welche Herren Sempronio baar außgezahlet werden sollen / wann sie verhanden / und die ihm in seinen Nutzen anzuwenden / hiermit uebergeben / mit außdruecklicher Bedingung / daß wo Herr Sempronius vor Frauen Cyrilla sonder Leibes-Erben Todes erbleichen solte / welches doch nicht geschehen wolle / gedachte Frau Cyrilla vierzehntausend zuvorgedachter Sorte doppel-Ducaten eines Schlages / zuvor aus seiner Verlassenschafft bekomme / das uebrige Vermoegen aber soll an Herren Sempronii hinterlassene Blutsverwandten devolviret werden. Doch also / daß Frau Cyrilla wiederum mit denselben zu gleichem Theile gehe. Dafern aber aus solcher Ehe Kinder erfolgen / welche beiderseits wuendschen / wird sich Frau Cyrilla mit ihrem gebuehrenden legitimo vergnuegen lassen / welcher hergegen statt Leibgedinges Herr Sempronius ein Fuhrwerck an der OstSeiten der Neustadt / zwischen Marcus Pluncken Fidelbogen-Macher / und Jhr gestrengter Herren / Herren Narrenkopff von Fliegenheim Guetern gelegen / hiermit kraefftiglich verschreibet / nebest Jaehrlichen Renten von Zwoelfftausend Reißthalern / welche bey einer Erbahren Zunfft der Loeffel- und Flechten-Macher stehen / wie denn auch sechs Packentroegen von fichtenem Holtze / unter welchen einer etwas abgenuetzet. Allen seinen Kleidern / wie er die in fremden Landen und zu Hause / auff Fest- und Werckeltagen / zu Ehren / und sonsten getragen / nebest seinem alten Schlepchen von Corduan / einen Paar neuen / und einen Paar alten Pantoffeln und einem Badehuetlin von Stroh mit Muscaten gezieret; und noch ueber diß eine blecherne Laterne mit etwas verbrannten Horne / eine Brille / zwey Brillen Futter / einen Nachtstul mit einer zubrochenen Scherben / und den besten aus seinen hoeltzernen Haengeleuchtern / mit noch sechs Schock Schwefel-Liechtern / und einem ledigen Feuerzeug. Doch also / und mit nachfolgenden conditionen: Daß erstlich Frau Cyrilla Herren Sempronio ihrem erkohrnen Eheschatz / jedweden Abend mit einem Bette-Wermer von Zien auffwarte / des Nachtes ihn fein trocken lege / ihm die abgefallenen Bette sonder Murren wiederlange / die Schlaff-Hauben wol auffsetze / des Morgens aber eine warme Suppen / oder nach Jahres Gelegenheit eingemachte confituren praesentire, die Haare und den Bart wol außkaemme / die Nasen wische / ein reines Schnuptuch an den Guertel henge / und vier Stueck Papier seiner Nothdurfft nach zugebrauchen / in die Hosen stecke; Weiter begehret auch Herr Sempronius, daß sie die Speisen fertig / sauber und warm auff den Tisch bringe / den Wein nicht mit Wasser verfaelsche / kein Kuehefleisch fuer Ochsenfleisch aufftrage / und seine zwey Tischgaenger und Mittesser / Perlichen von Braband das weisse Huendlein / und Mirmex Mauer von Muentzen Schloß / seinen schwartzen Kater / freundlich halte; den Vogeln / so in seiner Studierstuben / alle Morgen frisch Wasser einschencken lasse; und sich im uebrigen aller Koplerey / Briefftraegerey / Salbenkraemerey / als die ihrem Stande nun nicht mehr anstendig / gaentzlich enthalten / und als einer fuernehmen Mannes Frauen gebuehret / verhalten solte. Jm wiedrigen Falle solle das Frauen Cyrillae vermachte Gut / de facto verfallen / und der wohl Erbahren Zunfft der Brieff-Mahler / und Qvem Pastores Schreiber zugewendet werden. Hergegen wird sich Herr Sempronius dahin befleissen / daß er fein deutlich und Deutsch ihr seine Meynung entdecke / und aller frembden Woerter sich enthalte / biß sie Frau Cyrilla zuvor gruendlich von ihm in dem Demosthenes und M. T. Cicero unterwiesen. Solte sie Frau Cyrilla aber ingleichen / wie wir alle sterblich / fuer ihm ohne Eh-Segen dahin gehen / wird Herr Sempronius, seinem hohen Verstande nach / schon wissen mit allen zuhandeln / und der Sachen abzuhelffen. Diesen ihren Heyraths-Contract habe ich unten geschriebener ************* nach empfangener Gewalt extendendi publicum Instrumentum vel Instrumenta, ad consilium sapientis, \& in omni meliore modo \&c. post renunciationem \&c. privilegiorum omnium, qvae faciunt ad favorem dominarum \&c. auffgesetzet / und mit meiner Hand und auffgedrucktem Notariat Signet bekraefftiget. Actum wie suprà. I. Herr Sempronius von Wetterleuchten / dessen Wappen ein gevierdter Schild / in dessen erstem Felde eine Fama mit Trompeten / in dem andern ein Leuchter auff drey Dintenfaessern stehen / in dem dritten zwey Fecht-Degen Creutzweisig uebereinander / durch welche ein Morgenstern / der gar zubrochen / wie ihn die Clauditchen zu Leipzig fuehren; Jn dem vierdten / ein Wagen mit 6. Rossen und auff demselben Herr Sempronius selbst / und in der perspective seiner Vorwercke / zu oberst ist ein offener Helm / auff demselben drey Hahnschwaentze / und zwischen denen die drey Koepffe des hoellischen Cerberi, welche Feuer speien. II. Frau Cyrillae Sidoniae Procopiae, erbetener Curator, Herr Fortius von Seiffkesselmacherheim / in dessen Wappen ein Doppelter Schild / und zwar in dem rechten eine Salbenbuechse auff drey Todten Koepffen / darauff eine Fledermauß / zur lincken aber ein altes Weib auff einem Bocke / zu oberst ein offener Helm / auff demselben ein Katzenkopff mit offenem Maule / aus dessen Munde eine Kinder Hand hanget. III. Peter Sqventz, dessen Signet ein gevierdter Schild / in dessen rechten Oberfelde ein Thurm mit einer Glocken / welche Herr Sqventz zeucht / in dem Lincken aber zwey Ruten Creutzweis uebereinander / und in der mitten ein Cantorstecken; in dem untersten Felde zur rechten ist ein Schauplatz / auff welchem Piramus und Thisbe, zu der Lincken aber ein Repositorium voll Buecher. IV. Poppius Narrenfresser; sein Signet ist ein Affen-Kopff / in dessen auffgesperretem Schlund ein Schiff voll Narren faehret. V. Cuntz von Tadelmuth / sein Wappen ist ein Kopff / dessen Maul nach seiner Nasen beist. Auff dem mit Schlangen-Zungen gekroeneten Helm liegen drey in einander gewundene Nattern. VI. Rodomont von Fensterloch. Dessen Schild fuenfffach. Jn dem mitlern Felde sind 3. Carthaunen; in dem rechten ein Spies voll gebratener Lerchen: in dem Lincken ein Lachskopff: unterst in dem rechten / zwey uebereinander geschrenckte Fahnen / durch welche eine Partisane gehet: in dem lincken ein Paar Heerpaucken mit aller Zugehoer. Auff dem einen Helm sitzet ein Affe / welcher mit einem Pistol nach einem auff dem andern Helm sitzenden Kater zielet / welcher sich stellet als wolte er den Schuß mit einem blossen Sebel pariren. VII. Romanus Pompilius, dessen Signet ist ein Esel mit einer Schreibfeder in der einen / und einen Dintenfaß in der andern Klauen. Turpe est, difficiles habere nugas.