Adolf Glaßbrenner Komischer Volkskalender für 1849   Dieses Jahr ist seit dem Anfang der Ewigkeit (Perizonius, die morgenländischen Kirchen, die Bibel, die Hypsomenconstellation der alten Völker, die jüdischen Chronologen, die alten Parsen und die jungen Gelehrten Deutschlands stimmen zwar hierin nicht mit mir überein, doch hoffe ich, daß wir uns darüber noch verständigen werden.) das 00000000000 ste " der Erschaffung der Welt, wobei gar kein Irrthum möglich ist " 7816535 " " Gott sprach: Es werde Licht! was indessen nicht sogleich bewerkstelligt werden konnte " 5872 " " Erbauung des Salomonischen Tempels " 2835 " " der Geburt des Herrn Christus " 1849 " " Erfindung der Buchdruckerkunst durch Guttenberg " 409 " " Entdeckung Amerikas durch Christoph Columbus " 358 " " Erfindung der Censur " 334 " " der Hinrichtung Ludwig's XVI " 56 " " Beendigung des sogenannten deutschen Freiheits-Krieges " 34 " " Einführung des verbesserten Kalenders " 150 " " Einführung des Komischen Volkskalenders von Ad. Brennglas " 4 " " der französischen Republik: »Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit« " 2 " " Erhebung des deutschen Volkes " 2 " Die 12 himmlischen Zeichen. Widder Weisheit       Wage Muth Stier Milde Skorpion Gerechtigkeit Zwillinge Liebe Schütze Mitleid Krebs Fortschritt Steinbock Aufklärung Löwe Geduld Wassermann Hoffnung Jungfrau Kraft Fische Freiheit Die 25 irdischen Zeichen. A. B. C. D. E. F. G. H. I K. L. M. N. O. P. Q. R. S. T. U. V. W. X. Y. Z. Sonne und Planeten. Sonne Geist. Freiheit. Auge Gottes Mond Liebe. Sinnlichkeit. Verwandlung Merkur Habsucht. Geiz. Reaction Venus Schönheit. Humor. Kunst Mars Kampf. Haß. Rohheit Jupiter Gewalt. Willkühr. Tyrannei Satum Egoismus. Eitelkeit. Schwäche Uranus Dummheit. Vorurtheil. Knechtsinn Abkürzungen lassen wir uns keine andre mehr gefallen als: Abkürzung der Arbeitszeit, Abkürzung der Militair-Dienstzeit, Abkürzung der zu hohen Gehalte und Pensionen, Abkürzung des Hofgesindels, Abkürzung der Bureaukratie, Abkürzung der stehenden Heere, Abkürzung der Prozesse, Abkürzung der Predigten, Abkürzung der Steuern und Abkürzung der Deputirtenreden. Die vier Jahreszeiten. Ob Hochdieselben in diesem Jahre, bei dem gänzlich veränderten Zustand der Dinge und bei dem Möglichgewordensein des Unmöglichen eintreffen werden, ist noch nicht mit Bestimmtheit anzugeben. Man vermuthet indeß am 20. März ein Ministerium Frühling-Neugrün-Blum , das Ministerium des Friedens; am 21. Juni ein Ministerium Sommer-Frucht-Eichhorn , das Ministerium der That; am 23. September ein Ministerium Herbst-Wein-Kühlwetter , das Ministerium des Glückes, und am 21. December..... den Präsidenten Winter .   Kurze deutsche Verfassung. Die Deutschen sind freie Brüder. Jeder Deutsche kann thun, was er vernünftig will. Der vernünftige Wille des Einzelnen ist die Freiheit und Gleichheit Aller. In der Despotie wurden wir regiert, in der Constitution werden wir beherrscht, in der Republik muß sich das Volk selbst beherrschen. – Das Gesetz der Gesellschaft ist ihr Richter. Die Religion des Staats ist die schöne Freiheit; sein Zweck nach innen ist das gleiche Glück der Bürger, nach außen die Verbrüderung der Nationen. – Jede Verlängerung dieser Verfassung ist ein Eingriff in die Rechte der Nation. Der Prophet dieses Kalenders spricht zu dem Volke. Er erhebt seine melodische Stimme und redet also: Wisse, mein deutsches Volk, Das, so folget, ist das Gesicht und die Verkündigung Brennglasii, des Sohnes Glaßbrennerii, der sich nennet mit dem Vornamen Adolf und erzeuget ist zu Berlin, der Stadt des Ruhmes. Das, so er redet zu Euch mit weissagender Zunge, ist ihm geworden durch die allerhöchste Eingabe, zur Zeit als da herrscheten die Könige und Fürsten und die Völker sich empörten gegen die Tyrannei und erfüllet werde das Geheiß des Himmels. Denn der Herr hat geschaffen den Menschen zu seinem Ebenbilde, und der Herr ist Herr . Und was gerufen und verkündet hat der Prophet in den Stunden und Tagen der Knechtschaft, das hat erfüllet die Zeit nach seinem Spruche, und hat getragen sein Lob und seinen Ruhm durch ganz Europa und die angrenzenden Gegenden. Man hat zusammengeschlagen die Hände vor Erstaunen und hat gerufen: Siehe, es ist gekommen, wie es hat verkündet Brennglas, der Sohn Glasbrennerii, mit dem Vornamen Adolf, und selber ist ein wahrhafter Prophet! Und nun trete ich wieder unter Euch, und weissage Euch Großes und Kleines als woraus bestehet das Leben. Aber die Zeit ist schwer geworden und ernst, und die That widerspricht dem Wort und das Wort der That. Also müsset Ihr deuten mein Wort nach der Wahrheit, welche darinnen lieget, und nicht nach der Form, in welcher ich es rufe. Denn die Lüge ist noch mächtig und schleichet im Finstern, und so die Wahrheit nicht wird auch schleichen und suchen im Finstern, wird sie nicht begegnen der Lüge. Und so ist mir befohlen: du sollst weissagen, so da wird geschehen und gleichermaßen sollst du weissagen, so da nicht geschehen soll . Denn dies ist der Wille dessen, der dir gegeben hat dein Gesicht und die Verkündigung zum Frommen deines Volkes. Gehe hin und thue also! Januar Die Sonne , von der im verg. Jahre zu viel Licht verlangt wurde, steht erst nach 8 Uhr auf, und scheint über Könige und Gerechte. Der Mond , unser Reichs-Nachtwächter, stößt am 2. und 31. in sein erstes Horn und trinkt am 16. das letzte Viertel , obschon er bereits am 8. voll ist. Am 24. kommt ein neuer . Die Witterung wird so beschaffen sein, daß keine Volksversammlungen stattfinden und die Reaction Oberwasser kriegt. Bis gegen den 20. eiskalt : draußen und in den Herzen der Reichen und Hohen. Bis den 27. milder mit weißem Schnee, der sich später, mit Regen vereinbart. 1. Woche.       WO MAN SINGET, LASS DICH RUHIG NIEDER. M 1. An diesem merkwürdigen Tage werden sich viele Menschen gratuliren, welche sich condoliren möchten. D 2. Trotzdem die Paulskirche nicht geheizt ist, friert Keinen darin. M 3. Congreß in Karlsbad wegen weiterer Beschränkung der Presse und des Versammlungsrechtes. D 4. Der Kaiser von Oestreich dankt ab. Es fließt eine Thräne. F 5. Erzherzog Johann, pensionirter Reichsverweser, wird zum Kaiser von Oestreich ausgerufen. Seine Frau nimmt die Wahl an. S 6. Die Kaiserin von Oestreich läßt scheuern. 2. Woche.       WIR HATTEN GEBAUET EIN STATTLICHES HAUS. S 7. Hochzeit Pius' IX. mit der Gräfin von Landsfeldt. M 8. Ein Exkönig thut Etwas, was er als König nie gethan hat: er segnet das Zeitliche . D 9. Die Geheimeräthe Held, Eichler, Korn, Löwinson und Karbe werden in den Adelstand erhoben. M 10. Die Demagogen K. Mathy, Fr. Bassermann und Gervinus werden vorläufig zum Tode verurtheilt. D 11. Erbsen, Sauerkohl und Pökelfleisch. F 12. Große Illumination in beiden Sicilien zum allerhöchsten Geburtstage Sr. Maj. des Königs von Neapel. S 13. Der frühere Censurpreis, 3 Groschen pro Bogen, wird auf 2 Groschen ermäßigt. 3. Woche.       GUTE NACHT! ALLEN MÜDEN SEI'S GEBRACHT. S 14. Der Prediger Sydow predigt über den Text: »Eine jute jebratne Jans is eine jute Jabe Jottes,« und »vom verlornen Schaf.« M 15. Der Kaiser von Rußland reitet in den Straßen Petersburgs umher und ruft: Hoch Freiheit und Einigkeit! Rußland geht fortan in Deutschland auf! D 16. Die Königin Isabella von Spanien empfängt, und zwar den Gesandten von Hohenzollern-Sigmaringen. M 17. Cottbus ist ruhig. – – – Prag †. D 18. An diesem Tage wird General Wrangel in den Straßen Berlins kein Gras sehen. F 19. Der hohe russische Adel bringt einigen Petersburger Demokraten eine Katzenmusik. S 20. Der Sicherheitsausschuß von Berlin, die Schutzmannschaft, wird um 2000 Mann vermehrt. 4. Woche.       DAS GRAB IST TIEF UND STILLE. S 21. Das neue deutsche Staatsprincip heißt: der gemäßigte Rückschritt. M 22. Ernst August hebt, da sein Volk die Constitution für eine halbe Sache hält, dieselbe auf und wird wieder consequent. D 23. Das Recht, Waffen zu tragen, bleibt den deutschen Soldaten. M 24. Fr. Hecker in New-York läßt Deutschland grüßen . D 25. Der Kölner Dom schlägt die Hände über dem Kopf zusammen. F 26. An diesem Tage passirt ein glückliches Malheur in Würtemberg. S 27. Der hohe Senat von Rußland setzt den Kaiser mit 1000 Rubeln Pension und freies Licht ab. 5. Woche.       HERZ, MEIN HERZ, WARUM SO TRAURIG? S 28. Ihre Majestät die Königin Donna Maria da Gloria von Portugal werden nebst hohem Gemahl zum Lande hinausgejagt. M 29. Hinrichtung von 733 Demokraten in Thüringen. D 30. Große Revolution des türkischen Volkes. Abdul Medschid wird mit der ganzen Janitscharenmusik ermordet. M 31. Eine Flasche Clicquot macht dumme Streiche. Erdbeben in Kroppstädt. Februar Wenn die Sonne nicht vor 8 Uhr aufgeht, so will ich noch einen Thron annehmen. Ende dieses Monats ist sie bereits um 7 Uhr in allerhöchst-demokratischem Glanze. Der Mond , der in diesem Monate wegen Verdrüßlichkeiten mit der Sonne ohne erstes Viertel bleibt, ist dennoch am 7. voll ständig da, und pfeift am 15. auf dem letzten Loche. Am 23. neu . Eine Witterung wird in diesem Monate nicht stattfinden. Die holden Frauen werden deshalb ersucht, ihre Männer zu ersuchen, zu Hause bleiben zu müssen, falls nicht besondere Interessen ihre Abwesenheit wünschen lassen. Am 30sten wird ein Fürst guten Willen zeigen. D 1. Die Deutschen fressen sich aus Liebe einander auf. F 2. Das Schriftstellern wird in Baiern und in beiden Hessen mit zwei Jahr Zuchthaus belegt. S 3. In Paris wird auf kurze Zeit eine ächte Purpurschnecke gezeigt. 6. Woche.       WAR EINST EIN RIESE GOLIATH. S 4. Ergreifende Predigt von den Arbeitern im Weinberge. M 5. Der hohe Deutsche Adel erklärt, daß in unserm glücklichen Vaterlande die frühere Ordnung und Ruhe wieder hergestellt sind. D 6. Fr. Hecker läßt grüßen. M 7. Letzte Interpellation der preußischen National-Versammlung. Dieselbe lautet: Warum kooft mir mein Vater keene Handschuhe? D 8. Großes Zweckessen mehrerer Tausend Mitgötterfürkönigeundvaterländer bei Kroll. Beim Rindfleisch: Ich bin ein Preuße etc. F 9. Ein deutscher Fürst theilt seinen Unterthanen folgenden Gedanken mit: Ohne Ordnung und Gesetz giebt es keine Freiheit. S 10. Auf allen Bergen unsres Vaterlandes Freudenfeuer über diesen neuen Gedanken. Mehrere Mörde in Böhmen. 7. Woche.       MEIN GUTER MICHEL LIEBET MICH. S 11. Die Gutsbesitzer verbieten ihren Dorf-Pfaffen »Von vielerlei Acker« zu predigen. M 12. Victoria ertheilt dem Prinzen Albert einen 6wöchentlichen Urlaub zu einer Erholungsreise. D 13. Trennung des Papstes von der Kirche. M 14. Der frühere Kaiser von Knutland wühlt als Volkstribun, und bringt eine Empörung gegen den Adel zu Stande. D 15. König Otto von Griechenland ludwigphilippt mit seiner Gemahlin nach Baiern. F 16. General v. Wrangel wird mit dem Oberbefehl der Charlottenburger Bürgerwehr begnadigt. S 17. Das Wort »Reaction« wird durch ganz Deutschland verboten, weil dieselbe nicht möglich ist. 8. Woche.       O TANNEBOOM, O TANNEBOOM, WIE GRÜN SIND DEINE BLÄTTER. S 18. Der Constitutions-Kochtopf von Kassel verliert seinen Henkel. M 19. Durchlaucht von Reuß-Lobenstein-Eberswalde geruhen mit den Deputirten seines Reiches in einer Droschke spazieren zu fahren. D 20. Fast-Nacht . Auf einem Narrenfeste in Frankfurt erscheint ein deutscher Kaiser. M 21. Der Präsident des demokratischen Frauen-Vereins zu B. nimmt einen sechswöchentlichen Urlaub. D 22. In den Tuilerien wird der Geist Guizot's erblickt. F 23. An diesem Tage wird man eine unsichtbare Sonnenfinsterniß erblicken. Das Haus O. fallirt. S 24. In Hamburg wird die Republik proclamirt. – Frankfurt 9. Woche.       EIN DEUTSCHER GRUSS IST GOLDES WERTH. S 25. Der Rhein tritt aus seinen Ufern. M 26. Wiedereinführung des beschränkten Unterthanenverstandes. Der Wille der Polizei wird als höchstes Staatsgesetz anerkannt. D 27. Der Mond erscheint am Abende dieses Tages mit einer Nachtmütze. M 28. Große Volksversammlung von 20,000 Geheimräthen bei Potsdam. – In Berlin werden, statt der verbotenen Katzenmusik, mehrere »demokratische Gelächter« ausgebracht. D 29. An diesem Tage wird keine Seele unglücklich sein. März Die Sonne erscheint täglich gegen 6 Uhr Morgens, beleuchtet die innern Zustände, und wird Abends gegen 6 Uhr vom ersten Viertel commissarius Mond (am 2. und 31.) unterdrückt. Dieser allerhöchste Polizist erhält am 9. unbeschränkte Voll macht, wird aber schon am 17. so geviertheilt. Man vermuthet am 24. einen neuen . Die Witterung wird nach meiner weisen Erkenntniß unangenehm, dagegen nach dem Calendarium oeconomicum practicum perpetuum nur störend sein. Vom 1. bis 9. Kälte mit Regen, vom 10. bis 17. Regen mit Kälte; vom 18. bis 23. rauh und naß, und vom 24. bis 31. naß und rauh. Dennoch inzwischen einige leise Ahnungen v. Frühling. D 1. Ueberraschender Kosacken-Besuch in den Provinzen Preußen und Schlesien. F 2. Versammlung von 10,000 Frauen bei —n. Der erste Antrag: »Unsre Männer haben keinen Muth« wird einstimmig angenommen. S 3. Die »Nachrichten aus dem Reiche Gottes« melden offiziell, daß im Himmel vorläufig die Constitution eingeführt ist. 10. Woche.       BRÜDER, GERÜSTET DAS HERZ UND DEN MUND. S 4. Ganz Deutschland wird in Belagerungszustand erklärt. Die Zeitungen, mit Ausnahme der Leipziger Illustrirten, sind suspendirt. M 5. Vollständiger Sieg der vereinigten Irländer über das englische Heer. D 6. Feierliche Hinrichtung Sr. Majestät des Königs Ferdinand von Neapel, vom schönsten Wetter begünstigt. M 7. Erster Stoß des Staatsbebens, durch welches eine Menge Sekretaire umfallen. D 8. Der Vossischen Zeitung wird bereits ein Maikäfer eingesendet. Es ist ein sogenannter König (roth Schild), der aber bald stirbt. F 9. Bei den Zelten im Berliner Thiergarten beginnen schon einige Bäume auszuschlagen. Sichtbare Finsterniß. S 10. Das Regiment X. drückt seine Absicht, andre Offiziere zu haben, auf sehr deutliche Weise aus. 11. Woche.       DAS VOLK STEHT AUF, DER STURM BRICHT LOS. S 11. Der frühere Kaiser von Knutland wird, wegen Aufregung zu Mißvergnügen, nach Sibirien geschickt. M 12. Der Großherzog von Baden besucht seinen Vetter Ludwig Philipp in Claremont. D 13. Fr. Hecker verläßt Amerika und schifft sich ein, um nach Deutschland zurückzukehren. M 14. Hinrichtung von 2576 einigen Deutschen, deren monarchische Gesinnung zweifelhaft war. D 15. Der Timarch von Rixdorf, Theseus Wieseke, belagert mit den Teltowsagen Berlin. F 16. Niederlage der russischen Armee bei Kalisch. Jubel in Deutschland. S 17. Zweiter stärkerer Stoß des Staatsbebens. Der neue Komet am Himmel sieht wie eine Guillotine aus. 12. Woche.       BRÜDER, LAGERT EUCH IM KREISE. S 18. Die Berliner fragen nicht bei der Polizei an, ob sie ihren 18. und 19. März feiern dürfen. M 19. Dritter gewaltiger Stoß des Staatsbebens. Preußen geht in Deutschland auf. D 20. Frühlings Anfang. M 21. Der Kaiser von Oestreich tritt mit seiner Gemahlin eine lange Erholungsreise an. D 22. Ihre Majestäten, die Königinnen Isabella und Christine von Spanien werden Allerhöchstpersönlich weggejagt. F 23. In Stuttgart dankt das Volk Sr. Maj. dem Könige für seine Regierung. S 24. Der neue amerikanische Gesandte sieht sich behindert, dem baierischen Hofe sein Creditiv zu überreichen. 13. Woche.       WIR SIND DIE KÖNIGE DER WELT! S 25. Volksversammlungen in den Kirchen, bei welchen die Pfaffen nicht zu Worte kommen. M 26. Starker Nebel in Paris, durch welchen die rothe Republik braun und blau aussieht. D 27. Mehrere Deputirte erhalten einen langen, ungeforderten Urlaub. M 28. Der Präsident Fr. Hecker erläßt sein Manifest: »Freies deutsches Volk!« unterzeichnet »Euer Bruder.« D 29. Gerücht in Wiesbaden, daß ein Herr v. Nassau die Sommersaison daselbst verleben wolle. F 30. Der vereinbarende Landtag in Meklenburg beschließt die Aufhebung der Beamten-Sporteln und hofft auf die Zustimmung I. K. H. der Großherzöge. S 31. In Lübek werden einige Personen verhaftet, welche der republikanischen Gesinnung verdächtig sind. April Die Sonne wird in diesem Monate des Nachts scheinen, der Mond bei Tage . Man kann ihnen diese Abwechselung nicht verdenken, da die ewige Dasselbigkeit sehr ermüdend ist. Die conservativen Astrologen, für deren Wahrheit ich mein Fürstenwort verpfände, sagen Aufg. 5½ bis 5. Mond am 7. voll , 15. 23. neu . 29. . Es kann mit Siegesgewißheit behauptet werden, daß in diesem Monat das schönste Aprilwetter stattfindet. Ueberall wird es knospen und grünen, selbst in den Herzen der Zarucker. Am 17. und 19. furchtbare Gewitter, die aber nur – (Censurstrich). – 14. Woche.       DIE SONN' ERWACHT IN IHRER PRACHT ETC. S 1. Vor allen Thoren der deutschen Städte unbeschreiblicher Jubel. Bürger, Soldaten, Arbeiter, Hofräthe, Advokaten, Raschmacher, Gelehrte, Apotheker und Priester umarmen sich. Sämmtliche Männer küssen sämmtliche Frauen. M 2. Die Schulen werden auf vier Wochen geschlossen. Die Knaben jauchzen in allen Straßen und spielen Monarchie. D 3. Der Gläubiger der Beherrscher kriegt Prügel statt Zinsen. Allgemeine Freude. M 4. Die reichen Bürger Deutschlands übersenden 500 Millionen Thaler an die provisorische Regierung, um diese Summe zum Besten des Vaterlandes zu verwenden. D 5. Revolution in London. Aufhebung der englischen Aristokratie; Confiskation ihrer Güter. Jeder Lord fort. F 6. A. d. T. w. i. D. d. G. e. S 7. In der A. A. Zeitung werden »Völker gesucht, welche sich regieren und beglücken lassen wollen.« Unterzeichnet: »Mehrere Könige und Herzöge.« 15.Woche.       WENN'S IMMER, WENN'S IMMER, WENN'S IMMER SO WÄR! S 8. Keine Kirche. Vor allen Thoren erhebende Freiheitsfeier mit Musik und Gesang. Gott blickt aus dem Himmel und ruft: »Das ist gescheidt!« Ostern . M 9. Die Spitzbuben und Betrüger Deutschlands zeigen an, daß sie – nach der Abschaffung der Fürsten – ihr Geschäft aufgegeben haben. Jeder Bürger könnte nun auch die kleinen Schlösser abreißen. D 10. Mieroslawsky wird zum Präsidenten der russisch-polnischen Republik ausgerufen. M 11. Die Standsäule Hermanns des Cheruskers steht Kopf. Der Düsseldorfer Senf wird sehr stark. D 12. Der hohe Adel Deutschlands wandert nach dem Cap der guten Hoffnung aus. F 13. Der frühere Kurfürst von Hessen legt eine Bierbrauerei an. S 14. Eröffnung des deutschen »Bruderhauses« in der Paulskirche. 16. Woche.       ES BLINKEN DREI FREUNDLICHE STERNE ETC. S 15. Der Bürger Arnold Ruge wird französischer Gesandte; Robert Blum Director von Sachsen. M 16. Sämmtliche Thronhimmel von Deutschland werden in der früheren Walhalla verpfändet. Für Mottenfraß wird nicht eingestanden. D 17. Der Bürger Ernst August errichtet ein Theatergeschäftsbureau. M 18. Der Bürgerin Hahn-Hahn wird bei ihrer Abreise nach dem Cap der guten Hoffnung ein demokratisches Gelächter gebracht. D 19. Eine Druckerei zeigt an, daß noch mehrere junge Prinzen bei ihr Beschäftigung finden können. F 20. Kossuth, der Präsident der Republik Ungarn, wird in Wien festlich empfangen. Salbung im Slavenreiche. S 21. Wäsche, Scheuern, ehelicher Verdruß, etwas Revolution. 17. Woche       EIN FREIES LEBEN FÜHREN WIR. S 22. Die Republik Amerika macht der deutschen ein Geschenk von 10 Kriegsschiffen. M 23. Frauen-Unruhen in Süddeutschland; Geschrei: Hoch die politische Emancipation! D 24. Lamartine von Frankreich schlägt einen Congreß sämmtlicher Präsidenten Europa's vor. M 25. Furchtbares Erdbeben, wodurch Rußland an Schwarzburg-Rudolfstadt fällt. D 26. D. Reichsminister des Innern, Dr . Habicht, verkündet d. Gesetz, nach welchem alle Doctor- und Professor-Titel aufhören. F 27. Die Türken werden nach Asien verjagt und die Türkei unter dem Namen »Neu-Deutschland« unsern Armen zur Ansiedlung übergeben. S 28. Das »Deutsche Bruderhaus« in Frankfurt erhält Nachrichten aus allen Städten, daß Handel und Gewerbe in höchster Blüthe stehen. 18. Woche.       FAHRET HIN, FAHRET HIN, GRILLEN GEHT MIR AUS DEM SINN! S 29. Die Schleswig-Holsteiner lassen dem Könige von Dänemark eine »Gute Nacht« wünschen. M 30. Allgemeine Deutsche Priester-Versammlung zu Worms. Rothaan und Hengstenberg leiten die Debatte. Mai Die Sonne kann gar nicht die Zeit erwarten, das glückliche Deutschland zu bestrahlen. Schon Morgens 4 Uhr grüßt sie in alle Häuser und weint Millionen Thränen, wenn sie Abends 8 Uhr zu Bett muß. Der verdrüßliche Mond ist am 7. in voller Opposition, die er am 22. erneut . Am 15 schielt er so und am 29. so herab. »Und ist es Winter auch auf Erden, Die Geister und die Herzen glühn, Und Frühling, Frühling muß es werden, Und unsre Rosen müssen blühn!« Programm der Witterung dieses Monats. D 1. Die europäischen Präsidenten kommen in Frankfurt zusammen und umarmen sich im Namen ihrer Nationen. M 2. Das deutsche Bruderhaus erhält eine Adresse von 52,000 Frauen, welche die Mitvertretung der deutschen Schwestern fordern. D 3. Alle Rothschilder und Consorten werden, mit Ausnahme ihres Vermögens, aus Europa verbannt. F 4. Das Bremer Handelsschiff Germania geht mit einer Ladung gut abgerichteter Kammerjunker nach China. S 5. Die Stadt Berlin erhält von sämmtlichen deutschen Brüdern eine Dankadresse für ihre demokratische Haltung in den Tagen der Gefahr. 19. Woche.       LASST UNS, IHR BRÜDER, FREUNDSCHAFT ERHÖHN. S 6. Schleswig-Holstein erobert Dänemark und verschenkt es an Schweden. M 7. In mehreren Wäldern Deutschlands entdeckt man noch Spuren von Adel. D 8. Die alten Reactions-Beamten erhalten den Titel »Kranke Kartoffeln« und werden pensionirt. M 9. Eröffnung der Eisenbahn von London nach Philadelphia. D 10. Eine aufrührerische Emancipatientin wird vom Berliner Geschwornengericht zu »Fünf Jahr Monarchie« verurtheilt. F 11. Ein merkwürdiger acceptirter Wechsel. S 12. Der Bürger, Schlächtergesell Piefke, heirathet die frühere Fürstin von Dämelhagen-Mottenau-SchimmelburgStrohfelde-Pilzethal. 20. Woche.       NUR ZÄRTLICHES KOSEN IM BLÜHENDEN HAINE ETC. S 13. Der Verein der Pietisten zeigt an, daß er aus dem Himmel einen kurzen Befehl erhalten habe. Derselbe lautet: »Frömmer!« M 14. Ein Stern fällt aus den Wolken und verschüttet Frankreich. D 15. Der Präsident der Republik »Neu-Deutschland« (früher Türkei) führt die Vielweiberei ein. M 16. Der erste langweilige Tag seit dem Februar 1847. D 17. Ein König singt das schwäbische Volkslied: Muußi denn. muußi denn zum Städtel hinaus, und du, mein Schatz , bleibscht hier? F 18. Petition der Abgeordneten von Radowitz und von Vincke um Erhebung in den Bürgerstand. S 19. Die schlesischen und die sächsischen Weber zeigen den Fabrikherren an, daß sie dieselben nicht länger ernähren wollen. 21. Woche.       FRISCH AUF, FRISCH AUF MIT SANG UND KLANG. S 20. Der Director Preußens, Bürger Waldeck, predigt im Freien über die »Verheißung des heiligen Geistes.« M 21. Etwas röthliche Republik in Italien. D 22. In Frankfurt wird da, wo früher der Bundestag nachtete, die Standsäule Ludwig Börne's errichtet. M 23. Luzie Lenz fällt an der Spitze von 30,000 Frau Emancipatientinnen in Baden ein. Fraternisirung mit den Soldaten. D 24. Der Bürger und Volksanführer Held wird mit 10,000 Mann zur Unterdrückung des weiblichen Aufstandes beordert. F 25. Carl Herloßsohn wird Präsident der Republik Böhmen. Ministerium: J. Kuranda, R. Hartmann, A. Meißner, Uffo Horn. S 26. Der Messias zeigt den Juden an, daß sie ihn nicht mehr zu erwarten hätten, da bereits Alles abgemacht sei. 22. Woche.       SÜSSE, HEILIGE NATUR, LASS MICH GEHN AUF DEINER SPUR. S 27. Um 12 Uhr Mittags wird in ganz Deutschland die Volkshymne »Heil Freiheit, dir!« gesungen. Pfingsten . M 28. Die vereinigten deutschen Priester aus Worms erstürmen die Paulskirche in Frankfurt und heben das »Bruderhaus« auf. Zweiter Pfingsttag . D 29. Niederlage des Bürgers Held gegen die Emancipatientinnen bei Baden-Baden. M 30. Auf dem Gensd'armenthurm zu Berlin wird ein Nest mit jungen fliegenden Buchhändlern ausgenommen. D 31. England erklärt die Republik. Victoria geht mit Alberten nach Neustrelitz. Die dortige Fasanerie wird zu ihrem Empfang eingerichtet. Juni Allerhöchstihremajestät von Welt, Sonne die Erste und Letzte, steht schon vor 4 Uhr auf und arbeitet bis nach 8, mithin 16½ Stunde . Quod bene notandum! Der Mond hat von mir folgenden Befehl: am 5ten, Punkt 11¼ Uhr sind Sie voll , am 13. im letzten Viertel , am 20. neu , u. am 27. sehen Sie im ersten Viertel nach, ob Alles ruhig. Nankinginexpressible Witterung . Die Damen erscheinen in weißen oder bunten leichten Kleidern und sind sehr verliebt. Das Wetter wird schöner sein als die Zeit. Nur vom 4. bis 7. und vom 25. bis 30. wird es so fürchterlich regnen, daß die Briefträger naß werden. F 1. Allgemeine deutsche Schüler-Empörung. Sie wollen das alte dumme Zeug nicht mehr lernen, da es für die neue demokratische Welt unnütz sei. S 2. Der frühere Kaiser von Knutland zieht mit sämmtlichen sibirischen Gefangenen gegen Petersburg. In Bunzlau Ruhe. 23. Woche.       DIE ROSE BLÜHT, DIE SCHÖNSTE ALLER BLUMEN. S 3. Eröffnung des »deutschen Bruderhauses« im Berliner Schlosse. Fr. Hecker und Waldeck halten ergreifende Reden. »Die Freiheit sei nur im Gesetz möglich;« es müsse energisch gegen Emancipatientinnen, Adel und Priester verfahren werden. M 4. Der frühere Reichsverweser und Kaiser zieht mit 40,000 Tyrolern gegen das rebellische Wien. D 5. Der Kölner Dom wird wahnsinnig. M 6. Die Wirkliche-Geheime-Ober-Hof-Buchdruckerei-Exellenz von Decker zeigt den insurgirenden Priestern an, daß sie mit 30,000 Geheimräthen und Stockpreußen zu ihnen stoßen würde. D 7. Bürger Glaßbrenner besiegt das Heer der Frauen bei Mannheim. Die Anführerinnen werden von ihm zu »Fünf Jahr Rellstab« verurtheilt. F 8. Niederlage der Reichstruppen bei Erfurt. S 9. Großer Sieg des kanon'schen Rechtes. 24. Woche.       DEN SCHÖNEN HEIL! BEIM FROHEN BECHERKLANGE ETC. S 10. Isabella und Christine zeigen sich als geschickte Seiltänzerinnen in London. M 11. Urwähler-Schlacht in den märkischen Wäldern. Niederlage von Korn. D 12. Untergang der deutschen Kriegsflotte bei Nürnberg. M 13. Das Heer der adligen armen Ritter vereinigt sich mit dem der Priester bei Weimar. D 14. In der Pleiße bei Leipzig wird ein großer geräucherter Rheinlachs gefangen. F 15. Der frühere Kaiser von Knutland erobert Petersburg und besetzt es mit den sibirischen Gefangenen. S 16. Geburtsfeier der nordalbingischen Republik in Hamburg. – Der Schwarzwald wird roth. 25. Woche.       ES KANN JA NICHT ALLES SO BLEIBEN. S 17. Allgemeines deutsches Rosenfest bei Altenburg. 10,000 Jungfrauen stellen sich als Heirathscandidatinnen auf. M 18. Der Moniteur von Reuß-Schleiz enthält einen auffallenden monarchischen Artikel. D 19. Fr. Bassermann'en ministert dermaßen, daß er sich's nicht länger aufhalten kann und ein Portefeuille übernimmt. M 20. Zank und Versöhnung in einer Ehe. – München †. D 21. Rothaan, der General der Jesuiten, wird zum Kaiser von Süddeutschland ausgerufen. F 22. Wiedererhebung Frankreichs. S 23. Hengstenberg erobert an der Spitze des Heeres der Priester, des Adels und der Geheimräthe Berlin. 26. Woche.       WARUM SIND DER THRÄNEN UNTERM MOND SO VIEL? S 24. Furchtbares Blutbad. M 25. Man hört in der Ferne das Geräusch eines nahenden rothen Adlers vierter Klasse. D 26. Metternich unternimmt eine Geschäftsreise nach Deutschland. M 27. Der deutsche Michel feiert seinen 34sten Geburtstag. Das Fest wird mit Heil Dir im Siegeskranz eröffnet. Siebenschläfer . D 28. Der Reichsverweser feiert seinen zweiten Geburtstag. Der Prinz von Preußen schenkt ihm eine Trompete. F 29. Die Königin von Baiern, Lola Montez I., läßt sich die Jünglinge des Vaterlandes vorstellen. S 30. Dieser Tag wird stockfinster sein. Schreckliches Gewitter, vernichtender Hagel, Erd- und Staatsbeben, Untergang mehrerer Städte. Juli Die keusche Sonne küßt ihre Schwester Erde um 3½ Uhr; ihr Auge strahlt Liebe. Nach 8 Uhr abends sieht sie Lieutenants baden, erröthet und versteckt sich in ihr Wolkenbett. Papa Mond ist am 5. voll Sorgen, ob nach dem letzten Viertel der Freiheit (13), ein neu (19) Deutschland sich erheben und am 27. dessen erstes Viertel zu sehen sein wird. Nach den langjährigen, unermüdlichen Forschungen vieler deutschen Gelehrten dürfte es in diesem Monate sehr warm werden. Wenn es, meinen sie, nicht gegen Sitte und historisches Recht wäre, könnte man in Hemdsärmeln spazierengehen. Donnerwetter, einige; vom 19. bis 22. sanfter, weibmilder Regen. 27. Woche.       DENKST DU DARAN, MEIN TAPFERER etc. S 1. Fünfzig baierische Jünglinge werden von der Königin Lola Montez I. mit der Reitpeitsche zu Rittern geschlagen. M 2. Ein Fischer fängt in der Havel bei Potsdam einen munter zappelnden Gensd'armen. D 3. Der Prinz von Preußen besteigt den Thron seiner Väter und seines Sohnes. M 4. Mehrere Mißverständnisse. D 5. Mehrere sehr schöne Gegenden. F 6. Fr. Hecker wird nach St. Helena gebracht. S 7. Wellingtons letzter Sieg. Victoria zieht in London ein und hebt mit Hülfe von Alberten das Parlament auf. 28. Woche.       STEH' ICH IN FINSTRER MITTERNACHT ETC. S 8. Sehr viel Kirche. Morgens trübes Wetter, gegen 10 erheitert sich der Thronhimmel. M 9. Das Berliner Opern- und Schauspielhaus werden zu Casernen eingerichtet. Wrangel wird Intendant, Louis Schneider Dramaturg. D 10. Der Berliner Kreuzberg wird plötzlich feuerspeiend und schleudert das Monument auf den Hausvoigteiplatz. M 11. Acht Millionen preußischer Naturforscher unternehmen eine wissenschaftliche Reise nach Amerika. D 12. Varnhagen v. Ense schifft sich bei Stralau nach St. Helena ein, um die Memoiren Fr. Heckers zu schreiben. F 13. Die Deutschen erhalten das Recht, sich drei Mann hoch friedlich und ohne Waffen zu versammeln. S 14. Der Kaiser von Süddeutschland, Rothaan I., wird von einer Rotte Aufrührern todtgeprügelt. 29. Woche.       FORDRE NIEMAND MEIN SCHICKSAL ZU HÖREN. S 15. Aeußerst viel Kirche. Die Gläubigen setzen sich rechts. M 16. Excellenz Graf von Hengstenberg, preußischer Cultusminister, heben die Universitäten und Theater auf. D 17. Der Kölner Dom stürzt sich in den Rhein und ward nicht mehr gesehen. M 18. Eröffnung des Berliner Hoftheaters im Zeughause. Der Andrang nach Sperrsitzen ist ungeheuer. D 19. Tzkwang-Strank-Hepsi, der neue Kaiser von China, beehrt Deutschland mit einem Besuche. Sein Karbatschenminister Auu-Wö begleitet ihn. F 20. Die vereinigten Staaten erobern England. S 21. Ein deutscher Gelehrter stirbt in seinem 42sten Jahre nach langen Leiden an der Philologie. 30. Woche.       GUTER MOND, DU GEHST SO STILLE! S 22. Ein Mißvergnügen-Aufregender wird zu Zehn Jahr Ordenstragung verurtheilt. M 23. Fallissement mehrerer guten Handlungen. D 24. Der preußische Arbeitsminister, Roth von Schreckenstein, fordert die Stadt Mainz auf, preußisch zu werden. M 25. Mainz übergiebt sich. D 26. Der Kaiser von Oestreich zeigt seinen Unterthanen an, daß sich sein Zustand gebessert, und er sich wieder so stark fühle, sie ohne alle Hülfe von Vertretern glücklich zu machen. F 27. Der Ludwigs-Kanal enthält plötzlich bairisches Bier. S 28. Dieser Tag wird ohne alle Störung, durchaus langweilig sein. 31. Woche.       ACH, WÄR' ICH DOCH FRÖHLICH SO GERNE! S 29. Stille Seligkeit in Alexisbad. Mord und Todtschlag in Teplitz. M 30. Abfall der Niederlande von Limburg. D 31. Zur Befestigung der Monarchie wird in verschiedenen deutschen Staaten eine freiwillige Anleihe ausgeschrieben. Einnahme 3½ Silbergroschen. August Hoheit Sonne trinken Morgens 4½ Uhr bei Oriente Kaffee, diniren bei Meridians und nehmen 7¾ Uhr, bei Occidents ihren Thee. Der himmlische Geheimerath Mond ist am 4. in seinen Wolken von Acten in voll er Arbeit, am 11. im letzten Viertel , kriegt am 18. neue und dreht am 25. aller Constitution so den Rücken zu. Die Witterung wird keineswegs angenehm sein: Hitze, Platzregen, Militair, Hagel, Schulden, Donnerwetter, Mücken, Unruhen, Reaction, häuslicher Verdruß, Blitze, Fieber, Kindergeschrei, und... nein, das ist so ziemlich Alles. Im Uebrigen ist das Wetter nett. Am 15. von 9 bis 10¾ Uhr Kälte. M l. Der König Karl Albert erobert mit Schweizer Soldaten sein geliebtes Vaterland. D 2. Ludwig Philipp treibt Musik und geht im Garten zu Claremont flöten. F 3. In Wien und München sterben mehrere Gelehrte an der Philologie ohne ihren Geist aufzugeben. S 4. Tzkwang-Strank-Hepsi, der Kaiser von China, nimmt in Wien Unterricht im Barrikadenbau und ist entzückt über die hohe Stufe deutscher Cultur. 32.Woche.       ICH DENK' AN EUCH, IHR HIMMLISCH SCHÖNEN STUNDEN. S 5. Wie so? (Diese Prophezeihung wird sicher eintreffen.) M 6. An diesem Tage ist solch furchtbares Wetter, daß man keinen Censor hinausjagen möchte. D 7. Die Unterthanen Mehmet Ali's bitten ihn allerunterthänigst, doch endlich zu sterben. »'Mal!« heißt es in der Petition auf egyptisch, »muß doch Allens aufhören.« M 8. Ein merkwürdiger Schuß. D 9. Einweihung der neuen Caserne auf dem Friedrichshain bei Berlin. F 10. 5000 Mitgötterfürkönigeundvaterländer erhalten die preußische Rettungsmedaille. S 11. Der Kaiser von China will beim Bürger Glaßbrenner seine Aufwartung machen, wird aber durch dessen Kammerjunker zum Hause hinausgeworfen. 33. Woche.       NUN SCHLÄGT DIE ABSCHIEDSSTUNDE, VATERLAND! S 12. Ohne Gesetz und Ordnung giebt es schon wieder keine Freiheit. M 13. Del Carreto wird Oberpräsident der frühern Republik Schlesien. D 14. Varnhagen kehrt zurück, da Fr. Hecker seine Memoiren nicht einer Salon- sondern einer Stahlfeder dictiren will. M 15. Sämmtliche Fürsten Deutschlands zeigen an, daß die Mäßigkeitsvereine erlaubt bleiben. D 16. Grüne Aale und Gurkensalat. F 17. Todestag Friedrich des Großen. Enthüllung der Reiterstatue desselben zu Berlin. S 18. Demokratischer Aufstand im Pommern. Die Ordnung wird aber sogleich wieder hergestellt. 1034 Todte. 34. Woche.       NUR DIE HOFFNUNG DARF NICHT SINKEN. S 19. Baron v. Rothschild kehrt zurück und wird König von Frankfurt. In Dresden wird eine scheene Gegend stattfinden. M 20. Einem politischen Verbrecher in Baiern wird gestattet, vor dem Bilde des Königs Abbitte zu thun. D 21. Der Kaiser von Rußland folgt einer Einladung seiner deutschen Vettern und besucht dieselben mit sehr großem Gefolge. M 22. Ein höchst interessanter Schuß. D. v. P. st. D 23. Allerhöchste Cabinetsordre: Deutschland geht fortan in der Polizei auf. F 24. Eine entsetzliche Nacht. S 25. In Thüringen werden 3115 Demokraten niedergeschossen. Die Ruhe und Ordnung werden indeß weiter nicht gestört. 35. Woche.       DU SCHWERT AN MEINER LINKEN ETC. S 26. Große Paraden mit Krautjunkern. M 27. Friedrich der Große ergreift den Zügel und reitet nach Frankfurt. D 28. Wiedereinsetzung des früheren Bundestags unter dem Titel: »Deutscher Polizeitag.« M 29. Fr. Hecker auf St. Helena läßt grüßen . D 30. Die Philologie greift immer weiter um sich. Bis zu diesem Tage in Deutschland erkrankt 5315, gestorben 4111, genesen 3, noch in Behandlung 201. F 31. Der Monat schließt mit der tröstlichen Nachricht, daß in der Nähe von Helgoland eine neue Austernbank entdeckt ist. September Die Sonne geht um 5 blutroth auf und um 7 blutroth unter, im Uebrigen ihren bekannten vorgeschriebenen Weg. Der Minister der Nacht, Excellenz Mond , hat am 2. alle Hände voll zu thun und schneidet ein finstres Gesicht, spionirt am 9. so , am 24. so und wird uns am 16. etwas ganz Neues mittheilen. Vom Wetter wird man sich in diesem Monate sehr wenig unterhalten, da es ganz andre Dinge als Wassertropfen und Eiskörner regnen und hageln wird. Auch wird Allen selbst im Schatten heiß werden und es wird stürmisch ohne Luftzug hergehen. In den letzten Tagen schön und warm. S 1. An diesem Tage würde Polen aufstehen, wenn's der Prophet nicht verrathen hätte. 36. Woche.       HÖR' UNS, ALLMÄCHTIGER, HÖR' UNS, ALLGÜTIGER! S 2. An mehreren Orten wird »das Fest der Handwerker« in ganz neuer Bearbeitung aufgeführt. Um 7 Uhr eine sichtbare Mondfinsterniß. M 3. Der »deutsche Polizeitag« erläßt eine neue Gemeindeordnung. Je 1000 Pöbelseelen kommen unter einen Adligen, einen Pfaffen und einen Polizeidirector. D 4. Die deutschen Frauen lassen sich von ihren Männern scheiden. M 5. Karl Müchler, der Verfasser von »Heil Dir im Siegerkranz« und mehrerer andrer Polterabendscherze, wird zum Historiographen ernannt. D 6. Süddeutsche Frauen-Revolution. Die feindlichen Soldaten sind artig und nehmen die Zündhütchen ab. Allgemeiner Schrecken. F 7. Der Kaiser Rothschild I. führt den Orden der Coupons vierter Klasse ein. S 8. Der Rabbiner, Dr . X., geht zum preußischen Glauben über. 37. Woche.       SOHN, DA HAST DU MEINEN SPEER. S 9. Predigt in der Frankfurter Paulskirche: »Von den zehn Aussätzigen.« Luc. 17. Ep. Gal. 5. M 10. Aufhebung sämmtlicher deutschen Spielhöllen mit Ausnahme Frankfurts. D 11. An diesem Tage wird man, bei günstiger Witterung, einen Weinreisenden bemerken. M 12. Die Adligen, Pfaffen und Bezirksdirectoren zeigen dem »deutschen Polizeitag« an, daß die Kanaille noch immer Souverainetäts-Mucken hätte. D 13. H. e. F. F 14. Abfall der Hamburger Börse von Deutschland. S 15. Die Heere der süddeutschen und norddeutschen Emancipatientinnen vereinigen sich bei Weinsberg. Der Generalfeldmarschall heißt Friederike. 38. Woche.       WAS IST DES DEUTSCHEN VATERLAND? S 16. Der Straßburger Münster stattet Notre Dame in Paris einen Besuch ab. Preußen wünscht das etwaige Resultat zu sich zu nehmen. M 17. Die Juden werden an ihrem Neujahrsfeste mit der frühern Schutzverwandtschaft beschenkt. »In Erwägung, daß die Regierungen Deutschlands christliche sind.« D 18. Sieg der Frauen über die süddeutschen Truppen bei Schwetzingen. Auf dem Schlachtfelde großer Kaffee. Spuk in Frankfurt. M 19. In Berlin platzt eine Schachtel mit Cadetten; 72 fallen auf die Straße und werden beschädigt. D 20. Hr. v. Raumer giebt »Thaten« heraus, die in der Paulskirche hätten gethan werden können. F 21. Die deutschen Regierungen widerrufen das durch englische Zeitungen verbreitete Gerücht, als solle dem deutschen Volke Nichts von den Errungenschaften der Februar-März-Revolution bleiben. Die Salzsteuer sei ermäßigt. S 22. Ein speculativer Urwähler wird wegen einer Zwangs-Anleihe im Thüringer Walde zum Zuchthaus verurtheilt. 39.Woche.       MIT DEM PFEIL, DEM BOGEN, DURCH GEBIRG UND THAL ETC. S 23. Ein Prediger wird in der Kirche wegen des Ausdrucks »fromme Schafe« interpellirt. M 24. Untergang des Reuß-Lobenstein-Eberswalde'schen Reiches. D 25. Gefangennehmung des Generals Ottensoser bei Wallmüller. M 26. Ein Gedicht »Neuer Reinecke Fuchs von Radowitz« macht viel Aufsehen. D 27. Louis Napoleon geht über die Alpen. F 28. Der Präsident der italienischen Republik, Josef Mazzini, geht zum Deutsch-Katholicismus über. S 29. Großes adliges Princip-Wettrennen auf den Fluren bei Tempelhof. Der »Kladderadatsch« schlägt den »Lamartine« um eine halbe Pferdelänge 40. Woche.  FRISCH AUF, FRISCH AUF MIT SANG UND KLANG! S 30. Politische Gewitterschwüle. Man hört in der Ferne das Geräusch einer Barrikade. October Ankunft Ihrer einzigen erleuchteten und leuchtenden Hoheit der Sonne um 6 Uhr Morgens im Hotel d'Osten. Sie streut Gold aus , will aber nur die Krönung des Volkes. Ebenso Hoheit Mond , der Silber ausstreut und zwar am 2. u. 31. mit voll en Händen, am 24. das erste , am 9. das letzte Viertel . Am 16. Neu silber. Der Herbst kann nicht schöner verlangt werden, als er sein könnte. Frühe Pflaumen, Trauben, Birnen, Aepfel und späte Früchte der Revolution. Die offiziellen Blätter werden abfallen und mancher alte Zweig nackt dastehen. Vom 10. bis 16. starker Regen . M 1. (Diese Prophezeihung wird sicher eintreffen.) D 2. Fr. Hecker steht plötzlich in Mannheim. Deutsche Bewegung. Vertilgung eines Cardinals. M 3. Mehrere Konstitutiönchen erhalten durch die Gnade der Herrscher etwas breitere Grundlagen. D 4. Starker Alterweibersommer in den Gefilden der Uckermark. F 5. In der Nähe von Freiburg wird ein halb verhungertes suspensives Veto gefunden. S 6. An diesem Tage wird es in Tyrol noch Tyroler geben. 41. Woche.       FRISCH AUF, ZUM FRÖHLICHEN JAGEN! S 7. Unzusammenberufene Urwähler-Versammlungen. Mehrere Völker machen Gebrauch vom Jagdrecht. M 8. Unberufene Polizei. Im stillen Oceane gräßlicher Skandal. D 9. Regenwetter. Besonders wird es viel Hiebe regnen. M 10. In der A. A. Zeitung erklärt sich ein Landmann für die Republik, weil er dies Wort leichter aussprechen könne, als die langgezogene, verreckte konstitutionelle Monarchie. D 11. Viele Gerber und Knochenhauer erbieten sich, einige Tage zum Besten des Staates umsonst zu arbeiten. F 12. Etablirung mehrerer neuen Blau färbereien. Bei Viehweg in Braun schweig erscheinen Klopstocks sämmtliche Werke. S 13. Schlagende Beweise gegen das Staatsprinzip des gemäßigten Rückschrittes. 42. Woche.       MORGENROTH! MORGENROTH! S 14. Königsberger Klopps. M 15. Verschiedene grobe Keile auf grobe Klötze. D 16. Der berühmte General Druff findet unzählige Nachahmer. M 17. Der Abgeordnete Baumstark giebt »Reden« heraus, die er in der Preuß. Nationalversammlung nicht hätte halten sollen. D 18. Im Hennebergischen wird ein vollkommen ausgewachsener siebenjähriger Reactionär für 2 Groschen Entrée gezeigt. Adlige zahlen die Hälfte. F 19. Praktisch-geognostische Untersuchungen der Wiener Studenten auf den Straßen. S 20. Wiedervereinigung der deutschen Männer mit ihren Frauen. Hochzeitsfeier durch ganz Deutschland. 43. Woche.       DER GOTT, DER EISEN WACHSEN LIESS, DER WOLLTE KEINE KNECHTE. S 21. Feuerlicher Abzug des »deutschen Polizeitags« in Frankfurt. M 22. Unruhen unter den Leipziger Gebirgsbewohnern. D 23. Dr. med. Populus erfindet ein ausgezeichnetes schnellwirkendes Mittel gegen Schwerhörigkeit . M 24. Großbrittanien wird etwas kleiner. D 25. Fürst Windisch-Grätz schreibt nach England um neue Zündhütchen, da die der alten Construction nicht mehr losgehen wollen. F 26. Ein Berliner Conditor empfiehlt dem hohen Publikum eingemachte Geheimeräthe. S 27. An diesem Tage wird eine unübersehbar große Brüderversammlung bei Weimar stattfinden. Fr. Hecker leitet die Debatte. 44. Woche.       FREIHEIT, DIE ICH MEINE, DIE MEIN HERZ ERFÜLLT ETC. S 28. »Von des Königschen Sohn.« Joh. 3. Ep. Ephes. 6. M 29. Ende der »rothen Monarchie.« D 30. Uebersetzung mehrerer deutschen mittelalterlichen Werke in's Englische. M 31. Congreß der deutschen Fürsten in London. November Die Sonne thut, als ob gar Nichts vorgefallen wäre. Nur die Arbeitszeit hat sie sich abgekürzt. Morgens 7 Uhr steht sie auf, leuchtet und wärmt so viel in ihren Kräften steht, und macht 4½ Uhr Feierabend. Der Mond hat sich für diese 4 Wochen von mir Urlaub erbeten, die ich ihm auch bewilligt habe. Wäre dies nicht der Fall, so hätte er am 7. das letzte Viertel -Pfund Licht, am 14. neues , am 23. das erste Viertel und am 30. ein volles Pfund ziehen müssen. Die Witterung wird mit Ausnahme starken Nebels wie im schönsten Sommer sein. D 1. Auch an diesem Tage wird es in Tyrol noch Tyroler geben. F 2. Höchst merkwürdiger Tag. Entdeckung eines genialen Deputirten. S 3. Der ewige Jude legt eine Plakat-Fabrik an und ernennt 200 Berliner und Wiener Straßenjungen zu Celebritäten. 45. Woche.       HOCH VOM OLYMP HERAB WARD UNS DIE FREUDE. S 4. Geburtsfeier der rosenrothen Republik. M 5. Aus 1000 deutschen Statuen, die nicht mehr courant sind, wird Münze geprägt. D 6. Der indianische Stamm der Twuhuhanghuhus, die gelenkigen Söhne der Einfalt, wählen den frühern Kurfürsten v. H. zum König. M 7. Die Deutschen trinken – Brüderschaft. Abends starker Nebel. D 8. Auf der Fahne der deutschen Republik steht: »Freiheit! Gleichheit! Brüder schafft!« F 9. Allgemeine Verwunderung, daß auf den Kienbäumen keine Apfelsinen wachsen. S 10. Dem Könige von Frankfurt, Rothschild I., wird ausgezahlt. 46. Woche.       HAT UNS NICHT MAHOMET SCHÄNDLICH BETROGEN? S 11. Der König von Lappland wird von den Lappländern wegen Aufregung zu Mißvergnügen gefänglich eingezogen. M 12. Abd el Kader entspringt und besucht seine Vettern in London. D 13. Mehrere Straßen-Celebritäten empfinden einen schmerzlichen Stoffmangel zu Revolutionen. M 14. Die Bürger Eichhorn, Hengstenberg und Radowitz etabliren eine bairische Bierhalle mit hübschen Kellnerinnen. D 15. Im »deutschen Bruderhause« zu Berlin wird der Antrag auf Errichtung einer conservativen Frauenkammer verworfen. F 16. Jeder 21jährige Deutsche, mit Ausnahme der Rentiers, erhält die active Wahlfähigkeit. S 17. Die politischen Geschäfte steigen dermaßen, daß der König von X. an diesem Tage gar nicht wissen wird, wo ihm der Kopf sitzt. 47. Woche.       O WIE WOHL IST MIR AM ABEND. S 18. In Warschau schwören Tausend auf den Knieen. M 19. Apollo und die acht Musen, so lange von Europa abwesend, kehren unter allgemeinem Jubel in die Arme Clio's zurück. D 20. Der Geist Dieffenbach's steht auf und operirt Berlin von der Vossischen Zeitung. M 21. Mehrere hochgeborene Personen sterben in gleicher Weise. D 22. Entdeckung einer neuen politischen brennendrothen Farbe. Derselben wird der Name »Demokratissimus« gegeben. F 23. Furchtbare Revolution im Himmel, bei welcher 4237 Engel bleiben. An der Spitze der provisorischen Regierung steht J. J. Rousseau. Christus flieht nach England. S 24. Deutschland wird als »Republik der Schönheit« proclamirt. M. G. Saphir wird Präsident, die Ewige Lampe Staatsorgan. 48. Woche.       GAUDEAMUS IGITUR, JUVENES DUM SUMUS. S 25. Die Kirchen werden zu Armen- und Krankenhäusern eingerichtet. M 26. Der Demokratissimus zeigt an, daß Geist und Talent die Gleichheit der Demokratie stören und deshalb deportirt werden müßten. D 27. Die Mitglieder des Demokratissimus werden nicht aus Deutschland vertrieben. Aufruhr derselben. M 28. Nachricht aus dem Himmel, daß die Wahlen, trotz der Umtriebe der reactionären Engel, im liberalen Sinne ausgefallen sind. D 29. An diesem Tage werden sich zwei Menschen über Politik unterhalten! F 30. Der Antrag der Demokratissimisten, das »ultima ratio regis« auf den deutschen Kanonen in »Bruderliebe« zu verwandeln, wird verworfen. Der alte Spruch bleibt. December Die Sonne wird in diesem Monat, in Folge der himmlischen Revolution, so früh wie im Mai aufstehen und Gold und Liebe herabstrahlen. Der Mond bleibt voll und macht zum ersten Male ein freundliches Gesicht. Sämmtliche Sterne erscheinen 5 7 / 17 Mal größer als sonst, so daß wir fast von ihrem Lichte geblendet werden. An December, im Sinne der alten gestürzten Himmelsordnung, ist nicht zu denken. Statt Schnee u. Eis: Veilchen, Flieder, Tulpen und Nelken, kurz vollkommener Frühling . Die Brüder erscheinen in buntem Cattun, die Schwestern in weißen Beinkleidern und rosenrother Jacke. In den letzten Tagen aber ändert sich das Wetter. S 1. Die Gläubiger in Deutschland vernichten ihre Schuldbücher und legen die Quittungen auf dem Altar des Vaterlandes nieder. 49. Woche.       FREUDE, SCHÖNER GÖTTERFUNKEN, TOCHTER AUS ELYSIUM. S 2. Ein Banquier zeigt an, daß bei ihm die Kronen unter dem Silberwerth zu haben wären. M 3. Merkur kommt vom Himmel und berichtet, daß Jupiter zum verantwortlichen Präsidenten gewählt ist. Der alte Gott lebt übrigens noch. D 4. Der ewige Jude wohnt der Sitzung des patriotischen Preußenvereins bei und – stirbt . M 5. Der Demokratissimus erklärt Eins seiner Mitglieder, welches zwar Vier Andersdenkende ermordete, aber den Fünften laufen ließ, als Reactionär. D 6. Anstatt der Bezeichnung »Herr« und »Dame« wird »Mann« und »Weib« eingeführt. F 7. Mann Sternberg heirathet Weib Hahn-Hahn. S 8. Die Reaction weigert sich, Hundesteuer zu zahlen. 50. Woche.       WAS IST DER MENSCH? HALB THIER, HALB ENGEL. S 9. Ausbruch des allgemeinen europäisch-barbarischen Völkerkrieges. Auf den Fahnen steht: »Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit.« M 10. Zerstörung sämmtlicher Eisenbahnen mit Ausnahme der Hagenow-Rostocker. D 11. Der Herzog von Cöthen erobert durch seine Musik Italien. Die Italiener fliehen nach Algier. M 12. Die Deutschen erobern unter Anführung des Generalfeldmarschalls Herwegh Frankreich. D 13. Zerstörung sämmtlicher Pressen, Theater, Schulen und Akademieen. Einführung der Religion der Dummheit. F 14. Der Republikaner Dr . Schütte heirathet die chinesische Erzherzogin So-a-pfie. S 15. Die fliegenden Buchhändler verbinden sich mit dem Heer der Zigeuner und Rehberger und besetzen Rußland. 51. Woche.       LEB' WOHL, DU THEURES LAND, DAS MICH GEBOREN! S 16. Ein rother Republikaner wird als Reactionär hingerichtet. M 17. Revolution im Innern der Erde. Die Gebirge halten eine Volksversammlung im Ocean, die Quellen sprudeln Blut, in den Flüssen fließt Feuer. D 18. Entdeckung einer Landstraße nach dem Himmel. M 19. Die Revolution im Innern der Erde siegt: der Magnet dankt ab. D 20. Sieg eines berühmten Dichters über die Barbarei. F 21. Eine neue polit. Seuche, Cholerarissima genannt, greift um sich. Von 6 Erkrankten sterben immer 7. S 22. Der Stamm der »gemäßigten Menschenfresser« aus dem Innern Afrika's erobert Deutschland. 52. Woche.       ACH, WÄR' ICH DOCH FRÖHLICH SO GERNE! S 23. An diesem Tage wird es Ducaten regnen und alle Actien ihnen um 60 Prozent entgegen steigen. M 24. Reaction im Innern der Erde, die östreichische Camarilla läßt sich herab. D 25. Christus wird in London zwischen Metternich und Jarke gekreuzigt. M 26. Gott kommt nach Berlin und ist außer sich, daß er von Held anerkannt wird. D 27. Die Republik Amerika läßt Europa durch ihren Gesandten sagen, daß sie sich sehr wohl befände. F 28. Ein gemäßigter Menschenfresser, der einen deutschen Aristokraten speisen wollte, spuckt denselben wieder aus. S 29. Die zweite Sündfluth. Vater Gagern rettet Sich und mehrere Fürsten in seiner Arche. 53. Woche.       LASST UNS, IHR BRÜDER, WEISHEIT ERHÖHN. S 30. Allgemeine Tugend, Liebe und Seligkeit. Gegen Abend hört man ein furchtbares Röcheln. M 31. An diesem Tage geht, während die Menschheit Punsch trinkt, diese verrückte Welt unter. Raritäte von 1848.                     Raritäte sein ßu sehn, Neue Raritäte; Alles, was da sein geschehn Zeig sick im Portraite: Metternick und Republick, Köniklieke Mißgeschiek, Lauter schöne Saken. Eine großße Mordkrakehl In Pariser Straße, Könik Viehlieb sick empfehl Eilik ohne Maaße. Barrikad' und Peupelwuth, Groß Courag und Bürgerblut, 'Errlick anzusehen! 'Opsa, eine Weibsperson, Spring sie mit der Peitzen, Ludwig sein verlassend Thron Folgend ihr groß Reitzen, Mackt in Stille ein Gedicht, Dieses aber zeig' ich nicht, Sein nix zum Ergötze. Raritäte, meine 'Errn, Wondervoll ßu sehe: Metternick mit funkelnd Stern Stürzt von seine 'Oehe. Galgen stellt man vor sein 'Aus: Szurke, nu spazier Sie 'raus! Er geht durch die Gärte. Schau Sick 'ier petit Portrait Wie die 'Erzok Cassel 'Inter das Gardine steh, Glaubt, es gäb ein Spaßel, Aber Cassler brave Mann, Rücken mit stark Bitte 'ran Und mit dicke Fausten! Präsentir sik Ihn'n Berlin In das große Kampfer, Volk postir sick stolz und kien In die Pulverdampfer, 'Alten Achtsehn Stunden aus, Bombe- und Kartätsche-Graus: 'Errlicke Natione! Schau' Sie, wie Berliner hier Brüderlick die Pole Mit viel Freud' und Jubilir Aus die Kerker 'ole. Ach, danebe blick Sie nick, Weil da massakriren sick Bruder Pol' und Deutscher. Eine riesick Prozession Mit Zwei'undert Särgen, Bös Spektakel für die Thron, Bös für seine Schergen; Werden in den Fredrick'ain Gott'en sehr willkommen sein, Diese schöne 'Elden. Hier, in Frankfort an den Main, Großße Parlamente, Mitten in der Kirchen drein: Tausend Sackermente! Maaken deutsche Einickeit, Sein sehr kluk un sehr gescheidt, Maaken schöne Rede. Freie Presse, Association! Ruft die deutsch Geschlechte: Das sein, abßolüte Kroon', Unsre 'eilgen Rechte! Polißei nix mehr regier, Der etat sein Volk, sein Wir! Deutsches Volk will Frei'eit! Selbstbe'errscher von die Knut', Kaiser Nikolause, Find't die deutsche Ding nick gut, Ueberfällt ihm Grause; Russen kriegen viel Ukäs', Wo er schimpft sibirisch bös Auf die deutschen 'Eiden. Kaiser Ferd'nant eschappier, Furcht sick sehr vor Pöbel, Er verläßt sein 'Auptquartier Bei die Nacht und Nebel; Adel auk mit Knecht und Schatz Maaken schnelle Außikratz, 'Ole sie der Deibel! Glänzend Fêt' in Köln am Rhein, Dom sein ausgebauen, Sieht man laufe Groß und Klein, Ein'eit anzuschauen; Reiksverweser kommen hin, Könick embrassiren ihn, Maaken Nagelprobe. Schleswik-'Olstein hat Sie Kriek, Ist noch mehr umschlunge; Deutscher Bursch geht hin: der Siek, 'Eißa, ist errunge! Plötzlick kommt die Diplomat, Maakt die scheußlickste Verrath: Schocke-schwere-Noten! Raritäte excellent: Sturz von faul Minister, Offizier, der rückwärts rennt, Pfaffe und Philister; Muth und Kraft im Volke doch, Immer frisch erhalte noch: Braver, braver Deutscher! Sylvesterrausch eines Berliner Arbeiters. Frischer (hat nach beendeter Sylvesterfeier auf einer Bank unter den Linden geschlummert; er erwacht und sieht sich befremdet um) . Tiefe, stille Nacht? Unter'n Linden? Sylvester? Punsch? Freiheit? Jlück gewunschen? Aha! (nimmt den Hut ab) Schlafen Sie wohl, 1848 ! Ich weene Ihnen eine Thräne nach un danke Ihnen vor Allens (aufspringend.) Ich bin bejeistert , bin ich! (fällt wieder auf die Bank) Des kann ich; ich bin frei! Des kann ich so jut wie jeder Andere – Banquier oder Jraf – kann ich des. Ich bin jleich! Ich bin jleich mit Allens, so wie – so wie mir Allens jleich is. Ich bin brüderlich! Ich bin Brüder von Alle, von alle Menschen, blos von die re-ochs-achs-jonähren Theekessels nich. 1848 , komm' mal her! Laaß Dir mal in's Jesicht sehen, schönstes – erhabensten-stes Jahr der Menschheit. Du siehst janz jut aus, janz jut! Stirbst mit rothe Backen un mit offne, feurige Oogen. Was is des vor Feuer? Rrrrrrrevoluuzionsfeuer? Freiheitsfeuer? Liebesfeuer? So is es; – schlaf' wohl! Leje Dir janz ruhig bei Eewigkeitens zu Bette: Du hast Deine Schuldigkeit gedahn! Wir werden Dir nich verjessen, werden wir nich: wir lieben Dir! Bist 'ne jute Seele, ju'n Nacht! Ne, hör 'mal, Du, dreh' Dir noch mal um, 1848, ich habe Dir noch was zu fragen, seh' mir noch mal an. So! Was hast Du gedahn? Du hast uns jeweckt , hast Du uns, Uns , Mir , die Menschheit! Stille ! abwarten, was ich sagen werde! Du hast die verfluchte Tyrannei den Dolch in die Brust jestoßen, damit sie aus blutet, un damit – wie? was? – rosenrother Frühling wird, für Uns, für's Volk, für's jroße, weite Volk, den die Erde gehört, Himmel un Erde! Des war nett von Dir, war es, un nanu kannste schlummern jehn, un kannst alle die andern Fünf, Sechs oder Sieben Dausend Jahre, die vor Dir waren, sagen: en Compelment von uns , un sie hätten nischt jedoocht, oder jedaucht. Jar nischt nich hätten sie jedaucht! Sie sollten sich was schämen , sollten sie sich! En Compelment von mir , Arbeiter Frischer, Brüderstraße Nr. 49, un sie sollten sich was schämen! (Er schwankt weiter.) Wer hat die Welt jeschaffen? Jott? Meinswejen! (steht still) Worum hat er ihr geschaffen? Wie, wo? (laut rufend) Entweder, oder! (etwas beruhigter) Entweder die Welt konnte jleich jut jeschaffen sind, oder sie brauchte jar nich jeschaffen zu werden. Denn wär't noch so! Wenn wir nischt von wüßten, wenn wir nischt von alle die Jeschichten, von Himmel un Sterne, von Jeheimeräthe un Leutnams, von Zahnschmerzen un Cabbenetsorders, von Hunger un Könje, von die janze Naturjeschichte un von Durscht nischt nich wüßten, denn wär't noch so! Denn dhäte uns keen Finger weh, un – un't Herz ooch nich. Aber anjetzt, als wie alleweile? Hm? Wenn't alleweile besser wird, denn is et späte! Wenn't alleweile besser wird, wo so? Hm? Des war bei die Schöpfungsjeschichte een Ufwaschen: worum is es früher nich besser jewesen? (er blickt zum Himmel empor) Worum sind wir nicht schon früher frei geworden, hm? (läßt den Kopf sinken) Keene Antwort! Immer un ewig dieselbe Jeschichte: keene Antwort. Det is wahr: eine Frage an't Schicksal hat man frei, aber – et antwort't nich. (Er geht auf einen Constabler los.) Vielleicht antwort't des Schicksal hier, der Kommstaapler. Hör'n Se mal, Herr jeheimer expediernder Kommstaapler, was ich sagen wollte: worum hat Jott die Welt erschaffen? Entschuldjen Sie, ne, ick wollte Ihnen anders interpappel-plapper, peppel-pelliren, interpelliren! (Er legt seine Hände auf des Constablers Schultern.) Warum hat Jott die Welt nich jleich frei jeschaffen, ohne Könje, ohne Kommstaaplers, hm? So wollt' ick Ihnen interpeppelliren. Wozu dieser Umwech , hm? Wie? Constabler (macht sich los von ihm) . Gehen Sie zu Hause un verhalten Sie sich ruhig. Frischer . Siehste , wie De bist! Worum hat Jott die Welt nich jleich frei geschaffen: jehen Se zu Hause un verhalten Se sich ruhig! Des is des alte Lied: jehen Se zu Hause un verhalten Se sich ruhig. Wie se uns noch mit Füßen jetreten haben un wir wollten schreien, hieß es: jehen Se zu Hause un verhalten Se sich ruhig, un jetzt, alleweile, nu wir ihnen einije Barrikaden unter de Nase jerieben haben, un Uns de Krone ufjesetzt haben, un Uns selber an de Rejentschaft gebracht haben, nanu fangen se schon wieder an un sagen: jehen Se zu Hause un verhalten Se sich ruhig. (Zu einem Nachtwächter) Hör'n Se mal, Nachtwächter, hohe obrigkeitliche Person, Sie sind doch ein Mensch, sind Sie, nich wahr? Sie sind doch ein Mensch, der seine fünf Sinne nöthig hat. was sagen Sie zu den Umwech? Wie? Nachtwächter . Wat vor'n Umwech? Frischer (sinnend) . Wat vor'n Umwech? Von't Schönhauser oder Rosendhaler Dhor durch de Königsstraße nach'n dustern Keller un wieder zurück. Hm? Was sagen Sie zu den Umwech? Nachtwächter . Sie sind besoffen. (Geht weiter.) Frischer . Janz richtig, des bin ich, des bin ich an jeden Sylvesterabend: ich danke Ihnen vor de Anerkennung. Des bin ich an jeden Sylvesterabend wegen de Jleichheit . Was die Vornehmen Recht is, is uns Arbeiter billig. Alle sind heute besoffen. In diesen Augenblicke is die janze Welt besoffen! Ein schöner, ein jroßer Mojement: Allens besoffen! (Er geht dem Wächter nach.) Es dhut mir leid, dhut es mir, deß Sie hohe obrigkeitliche Horn-Person, deß Sie eine Ausnahme sind, deß ich Ihnen sagen muß, deß ich es Ihnen nich verschweigen kann: deß Sie nüchtern sind! Man sagt so was seinen Menschenbruder nich jerne nach, aber die Wahrheit jeht über Allens. (schreit) Die Wahrheit jeht über allens! (wieder leiser zum Wächter) Ju'n Nacht, Majistraat! Ju'n Nacht Kommstaapler von vorher! Prost Neujahr! Jott schenke Ihnen ein selijes Ende. Wenn Sie, Sie Nachtwächter! wenn Sie mal bei Dage Zeit haben, denn besuchen Se mir in die Brüderstraße Nummer 49 in Schlafstelle. Von Morjens Viere bis Fünwe jeb' ick Audienz , de überjen Stunden muß ick arbeeten als rechtschaffner Mann. (steht still, heftig:) Wer sagt hier, deß ich keen rechtschaffner Mann wäre? Wer? Esel verdammter, Pappstoffel, Hundekerl, Schafskopp, Pflaumflegel, Bratenflaps, Bummellümmel, Reachsjoneer, Theekessel! (Droht einem Laternenpfahl mit geballter Faust.) Ich bin freundlich zu Ihnen, zuvorkommend, un Sie sind jefälligst ein jrober Esel, wenn Sie erlauben wollen. Nachtwächter (kommt wieder vorüber.) Wenn Sie hier noch lange schreien un so viel raisenieren, denn wer'n Se woll diese Nacht 'ne andre Schlafstelle als in de Brüderstraße Nr. 49 haben. (Geht weiter.) Frischer (bleibt stehen und sieht ihm mit müden Augen nach.) Wie? Was? Ach so, die alte Bürjerwehr stichelt uf de Kommstaaplers. Ach so: diesen feinen Jedanken errath' ick. Er meent, ick könnte, – mit meine – wie heeßt et? – Schlaf-Sonderintressen vor diese Nacht in den Staat ufjehen, mir verallgemeinern, mir mit de Stadtfochtei vereinbaren . (sehr erregt) Wenn mir Eener anrührt, den hau' ick um de Jedankenfreiheit, det ihm en Jensd'arm aus de Nase looft! Wer mir anrührt, der is perdu , perdüü komm Ludwig Viehlipp! (sanft für sich) Ich kann mir benebeln, des is meine Freiheit. Was dhut die Rejierung? Sie benebelt mir meine Freiheit, also kann ick mir meine Freiheit alleene benebeln, kann ick. (sehr lebhaft gestikulierend, laut) Die janze Welt is benebelt, Allens benebelt, so weit die deutsche Zunge reicht. Der Reichsverweser ooch, Alle ! (sanfter) Nebel is Nebel, der frägt nach keene Hoheit nich. Wir sind noch alle so benebelt, deß wir den Wald vor lauter Beeme nich sehen. Wir haben noch Alle Bretter vor'n Kopp; wir stehen noch, wie der junge Mensch in de Volksversammlung sagt, unter die Tyrannei von de Vor urtheile, stehen wir. (nachdenkend) Wenn ich jetzt, alleweile ein Jlas Punsch hätte, denn – denn dhät ich, was ich wüßte. (sich verbessernd) Denn wüßt' ich, was ich dhäte. (mit entschiedener Sicherheit) Ich dränke es! (läßt den Kopf sinken) Diese Fähigkeit, diese Jesinnung habe ich. Es sind die Foljen einer zu drocknen Zunge, weil die verschiednen politischen Frajen noch nich jelöst sind. (Er verfällt in eine Art träumerischer Speculation.) Denn Des is Allens Theorie. Die Arbeet muß sich selbst helfen. Der Mensch muß sich ooch selbst helfen. Der Staat muß sich ooch selbst helfen. Jott muß sich ooch selbst helfen. Von die Conschtischtuschtischtu – schtution wer' ich nich satt, weil hier ein König is un ein Volk, welches! Un überjens bleib' ich dabei, deß es ein Umwech is... deß es ein Umwech is... deß wir... deß wir... nanu muß ich mir um Entschuldijung bitten, deß ich vergessen habe, was ich mir habe sagen wollen. Nachtwächter (pfeift) . . . . is die Klock! Frischer (horchend) . Eens? Erscht een Uhr? Jott, wo wird man heute seinen Abend hinbringen! Ick jloobe überjens, jloob' ick, deß es mehr is, als hier jepfiffen wird. Ick jloobe, der Majistraat hat sich verpfiffen, hat er sich. Die Magisträte un die Obbrigkeiter un die Rejierer haben des oft an sich, deß sie nach jehen un stillstehen, wenn man sie nich immer jehörig ufzieht. (steht still) Die Zeit eilt. (er gähnt) Die Stunden fliehen. Wenn ick man wüßte vor wem? Vor uns? Wir haben ihnen ja jar nischt jedhan! Ach ja so, nu weeß ick, vor wem die Stunden fliehen. Vor de Rentiers un de Vornehmen un de Leutnams. Die schlagen de Zeit dodt , det sind Helden, aber die Zeit, die Stunden sind feige, un darum kratzen se aus. Wenn die Morjenstunde alleene flöhe, denn könnt' ick mir det noch anders erklären, denn die hat Jold im Munde, det is ne Capitalistin, wenn die jetzt hier in det bewegte Berlin Pech gibbt, det is keen Wunder. Aber... ick merke überjens, deß sich meine Jedanken verwirren. Wenn ick man blos Ein Jlas Punsch hätte, denn... (zu einem vorübergehenden Herrn) stille! jetzt sprech' ick! ... (wieder ruhig fortfahrend) ... denn würd' ick mir wieder sammeln, würd' ick mir. (Zu einem andern Herrn) Hör'n Se mal, deutscher Bruder, haben Sie nich zufällig ein Jlas Punsch bei sich, womit Sie mir unter die Aerme jreifen könnten? Wo? Der Herr (lächelnd) . Nein, deutscher Bruder. Aber wenn Sie mich mal besuchen wollen, will ich Ihnen eine ganze Bowle vorsetzen. Frischer . Wo sind Sie'n zu Hause, hm? Der Herr . In Stuttgart. Gute Nacht! (Geht weiter.) Frischer . Schlafen Se wohl, deutscher Bruder! (für sich) Des is ein sehr ein anständjer, bildungsfähijer, plausibler Mensch, der fremde Herr. Ick wollte man blos ein einzijes Jlas Punsch haben, un er biet't mir jleich eine janze Bowle an, wenn ich mal in seine Jejend komme. Des is schön! Des is deutsche Einigkeit, Brüderrüderlüderlichkeit! Sehr schön is es von ihm! Dreifarbig is es von ihm! (nachdenkend) Des einzige Störende dabei is, deß er in Stuttjart lojirt und deß er verjessen hat, mir seinen Namen un Charakter zu sagen. Indessen es bleibt immer liberal von ihm; er hat jejen mir als Nation gehandelt, frankfurtsch am Mainsch , nich würtembergsch oder stuttgartsch, nich jeswietsch, nich sonderbündlersch, un des macht ihm alle Ehre. Davor soll er meine Stimme haben, soll er! (Pause) Wenn ick wieder als Ur wähler auftrete. Denn schreib' ick uf den Zettel: der fremde Herr mit de Bowle Punsch aus Stuttjart. (steht still und schreit) Deutsche Brüder wir wollen einig sind! (läßt den Kopf auf die Brust fallen und spricht sehr gemüthlich) Ick bin einig mit mir, also seid auch einig mit Euch. Ich liebe mir, also liebt mir ooch. (energisch auftretend und schreiend) Wo stehe ich hier? (er turkelt und fällt hin) Ach so! (sich aufrappelnd) Des is heute eine betäubende, strenge Winterluft. (wieder sehr laut) Deutsche Brüder, wo stehe ich hier, hm? In Berlin, in Preußen? Jo nich! In... (mit furchtbarer Stimme) Deutschland stehe ick!!! (etwas gemäßigter) Ick bin ufjejangen! Ick bin ein Deutscher, kennt Ihr meine Farben! Ick bin schwarz, ick bin roth, ick bin jold! (nachdenkend) Die letzte Kuleur is man sehr schwach bei mir, aber – des jehört hier nich her . Des sind keene innere Angelegenheiten, des is Finanzmysterjum. (lauter) Ick bin ein reener Deutscher, ein jroßer Vaterländer von'n – von'n – Sundzoll bis an de Appelsinen, von'n Rheinwein bis an de Knute. Allens Preuß'sche hab' ich mir abjepellt, hab' ich mir, un nanu – nanu könnt Ihr mir genießen. (zu einem vorübergehenden Herrn) Stille , wenn ick spreche! (sich umdrehend) Ick bin keene kranke Kartoffel, ick bin ein Berliner. Ein Berliner is sehr jesund! Sehr! Ich sage Euch, deutsche Nationer, ein Berliner is ein sehr jesunder Junge, is er! Kopp un Herz, un Herz un Kopp, un Volk . Von innen un außen Volk , sag' ick Euch: jeder Einzelne Volk . (legt den Finger an die Nase) Wißt Ihr, was des heeßt? (schreiend) Rejierendes Volk heeßt des! Ick bin Souvereen, bin ick! Ick habe mir Anno März die Krone ufjesetzt, un nanu regier' ick. Wart't mal, ich wer' mal jleich rejieren. (er setzt sich sehr langsam auf eine steinerne Treppe) So, des is mein Thron. Nanu stellt Euch mal Alle da hin, Nation. Wie heeß' ich'n nanu? Oberfaul! König Oberfaul von Jottes Jnaden der Erschte. Wie? Ne, wenn ick König Oberfaul bin, denn dhut Ihr am besten, Ihr setzt mir ab. (schreiend) Stille, nich mitreden! (gemäßigter) Ick könnte Euch zwar erscht noch en Paar kleene Jeschichten erzählen, Familienjeschichten, aber es wäre möglich, wäre es, daß sie Euch langweilten, un darum is es am besten, Ihr setzt mir gleich ab. (steht auf) So, nu bin ick abjesetzt, futsch. (sieht sich fragend um) Wie? Is Ihnen sonst noch was jefällig? (sinnend) Wat bin ich'n nanu vor'n König? Frischer? (setzt sich) Des is richtig. König Frischer von Jottes Jnaden der Erschte. Nanu bringt mir mal zuerst ein Hurrah. (steht auf, schwingt seinen Hut und schreit) Hurraaah, König Frischer der Erschte soll leben! (setzt sich und denkt sehr lange nach) Nanu, wat'n nanu? (Pause) Nanu meine Ziehvielliste. Hm? Ne! Ne, jo nich! Wat ick sagen wollte: wie so? Wie so, Ziehvielliste? Wißt 'r was, ich habe mir Des überlegt. Ihr dhut am besten, Ihr setzt mir ooch als Frischer ab. Denn, seht mal, mir fällt es in diesen Oogenblicke nich ein, fällt es mir nich, womit ich Euch nützlich sein könnte. (er legt seinen Kopf auf eine Stufe) Sein könnte. Ich bin heute von den vielen Sylvesterdurscht... (sehr lange Pause) ... des is ein ausjezeichenter Durscht, der Sylvesterdurscht!... bin ich heute... sehr schwach bei Jedanken. (lange Pause) Wenn villeicht Eener von Euch (sich aufrichtend) ... ein Jlas Punsch bei sich hätte, denn! (legt sich wieder nieder, Pause) Denn wäre es möglich... was ich sagen wollte... deß ich Euch den Rath jeben würde, mir abzusetzen. (Pause) Aber anjetzt, deutsche Na... Nation, Frankfort am Mein, Na... Nationalversammlung, Reisverweecher,... wollt' ich sagen Reisverwejner, Ver we ser... Centner... Centraljewalt... nu schläfert mir. (Pause.) Jestern war Sylvestern, un heute is Bette, und darum leg' ick mir jetzt zu Neujahr. Proost Neujahr! (halb im Traume) Ich wünsche Euch Alle... eine... Centraljewalt... ein Jlas Punsch... Arbeit... soziale Frage... Zufriedenheit mit Hundertdausend Dhaler... ein festes Leben un eine vejnügte Jesundheit... Liebe... un... un... un keine Pollezei. Proost Neujahr! Der gute, stammelnde Unterthan. Nach bekannter Melodie.         Ich bin ein guter Unterthan, Das leidet keinen Zweifel; Mein Fürst, das ist ein frommer Mann: O wär' er doch beim theu...theuren Volke immer, So würd' es niemals schlimmer, Beim theu...theuren Volke immer, So würd' es niemals schlimmer. Wir haben ihn wohl oft betrübt, Doch nimmermehr belogen; Er sagte, daß er uns geliebt, Und hat uns doch betro...offen oft auf Thaten, Die er uns nicht gerathen. Betro...offen oft auf Thaten, Die er uns nicht gerathen. Die Staatsbeamten thaten Recht: Sie wahrten seine Rechte, Und Der war ihm der liebste Knecht, Der sich recht viel erfre...eulich zu uns neigte, Und Mitleid uns bezeugte, Erfre...eulich zu uns neigte, Und Mitleid uns bezeugte. Den Schwur, so er geleistet hat: Erfüllung alles Dessen, Was seine Pflicht an Gottes Statt, Den hat er ganz verge...ebens halten wollen, Es hat nicht glücken sollen! Verge...ebens halten wollen, Es hat nicht glücken sollen! Du, Polizei, die dazu da, Das wilde Volk zu zügeln, Dich möchte ich nur ein Mal, ja, So recht von Herzen prü...prüfen und Dich fragen: Wer über Dich könnt' klagen? Prü...prüfen und Dich fragen: Wer über Dich könnt' klagen? Ihr Ritter des Philisterruhms, Und ihr, gelahrte Raben Am Friedenshof des Alterthums: O laßt euch doch begr...eiflich alle machen, Wie sehr wir euch bewachen! Begr...eiflich alle machen, Wie sehr wir euch bewachen! Ihr Mönche, vornehm, schwarz und weiß: Das Volksglück, das verpuffte, Wird eurer steten Mühe Preis, Denn ihr seid große schu...ulgerechte Lehrer, Und eifrige Bekehrer, Ja, schu...ulgerechte Lehrer Und eifrige Bekehrer. Ihr Stolzen, ihr im deutschen Land Vom Rheine bis nach Polen, Ihr seid mir durch und durch bekannt, Euch soll der Kuckuck ho...hohes Alter melden, Euch weisen Friedenshelden, Ja, ho...hohes Alter melden, Euch weisen Friedenshelden! Rede des deutschen Reichsnarren an das vereinigte Deutschland. Geliebte Unterthanen! Es ist geschehen. Was mir, dem Narren, niemals geträumt hat, das habt Ihr gescheidten Leute erlebt: ein deutscher Kaiser ist gewählt. Dem Willen des Höchsten zufolge ist mein Allerhöchster Herr aus der Wahl Eurer Vertreter hervorgegangen – unverantwortlich! Wenn ein Volk souverain ist, wie Ihr es gewesen seid, so kann's ihm Niemand verwehren, sich unter einen Kaiser zu stellen. Ich habe mir neulich eine Maulschelle gegeben, weil mein Freund bezweifelte, daß ich Alles thun könne, was ich wolle. Durch Eure glorreichen Revolutionen, deren Blut und böse Folgen mir leid thun, habt Ihr jede Freiheit errungen, also auch die der Kaiserwahl. Innig geliebte Brüder, ich müßte mich und meine ganze Stellung verkennen, wenn ich nicht sagen wollte: Ihr habt Recht gethan. Ein Land muß stark sein und die Fürsten repräsentiren das Land; Ihr aber hattet im Frühling des verflossenen Jahres Eure Fürsten schwach gemacht, folglich waren Eure Länder schwach. Ich gebe Euch mein Wort, sie werden wieder stark werden, Kraft und Macht kriegen, denn Eure Fürsten haben nun einen gewaltigen Halt an den Kaiser, und der Kaiser meint es gut mit ihnen. Er trägt seine Krone nicht allein, die Kaiserkrone ist eine Collectivkrone, Eure Fürsten tragen sie Alle. Und die vier freien Städte, welche Ihr bisher noch hattet, genießen fortan ihren Segen auch. Ich habe meine Nachtmütze zu Hause von allen Seiten betrachtet und darüber schöne Gedanken gehabt, aber der letzte war: jede Nachtmütze muß einen Zipfel haben. Wenn Ihr keine Fürsten gehabt hättet, so würde ich weder Euch zu dem Kaiser, noch dem Kaiser zu Euch gerathen haben: da Ihr aber Fürsten habt, oder die Fürsten Euch, so ist Jeder glücklich, der zufrieden ist. Geliebte Unterthanen! Ich spreche im Namen meines allerdurchlauchtigsten Kaisers zu Euch. Da er weiß, mit wem ich spreche, so hat er mich dazu auserkoren, obschon er noch eine Menge anderer Minister und Bedienten hat. Er läßt Euch grüßen und versichert Euch vorläufig seiner allerhöchsten Gnade, bis er zu Handlungen schreitet. Da ihm gestern der Oberreichsmundschenk zum Schlusse der wohlbesetzten, nicht genug zu rühmenden Tafel noch einen güldenen Becher güldenen Weines kredenzte, hat er sogar auf Euer Wohl getrunken. Er trank aus voller Seele und fügte hinzu, daß er dasselbe keinen Tag seines Lebens vergessen werde. Es war ein sehr feuriger Wein, die Flasche kostet zehn Thaler Gold, und ich kann ihn Euch empfehlen, denn man wird sehr leicht selig darnach und vergißt alle seine Sorgen. Seine Majestät läßt Euch sagen, auf daß Ihr es wüßtet, daß Deutschland nunmehr einig wäre. Er, der Kaiser, sei mit den Fürsten durchaus einig geworden, die Fürsten mit ihm, die Fürsten verträten Euch und die Sache wäre richtig. Die Einigkeit aber, geliebte Deutsche, ist das höchste Gut, und so freut es mich, Euch versichern zu dürfen, daß Ihr fortan Alle Glieder Einer Kette seid. Und Eisen ist eine feste Masse, das wird Niemand bestreiten. Denn sonst würde ich gesagt haben: man kann eine Menge einzelner Hanffäden zusammendrehen, bevor sie eine einige Knute werden. Auf die rechte Handhabung aber kommt Alles an und, wie gesagt, der Kaiser läßt Euch grüßen. Wegen der Freiheit soll ich auch mit Euch sprechen. Ich thue es gern, weil ich weiß, daß es Euch Freude macht, von Freiheit zu hören und mitunter selbst ein Wörtchen darüber mitzureden. Auch ist heute sehr schönes Wetter und da plaudert man gern von Allem, was man erlebt hat. Das geht durch alle Geschöpfe. Ich habe zu Hause in meinem goldnen Käfig einen Vogel, der das Lied pfeift: Ein freies Leben führen wir! und es wäre sehr unrecht von mir, wenn ich ihn nicht pfeifen lassen wollte. Ein freier Vogel kann übrigens fliegen, wohin er will, sich des Sonnenscheins freuen, von Baum zu Baum flattern, den Blüthen Liebeslieder singen und fressen, was seinem Schnabel gefällt. So viel werdet Ihr wohl aus der Naturgeschichte wissen. Die Naturgeschichte ist eine große, heilige Wissenschaft, und wenn wir nicht verstanden hätten, die furchtbare Kraft des Feuers in seinem Dampfe zu zähmen und zu unserm Besten anzuwenden, so hättet Ihr müssen mit elenden Postkleppern nach Frankfurt kommen, statt daß Ihr jetzt fast hergeflogen seid, Euch einen Kaiser zu wählen und zu krönen. Und mit ihm habt Ihr auch die freie Verfassung gekrönt, welche Eure Vertreter für 4 Millionen Gulden zu Ende gebracht haben. Sie wird Euch theuer sein und noch theurer werden. Es ging Alles, wie's Einer nur wünschen konnte. Der Kaiser hat die Verfassung beschworen; er hat sie mit seinem Fürstenworte beschworen, und was das sagen will, wißt Ihr. Mehr konnte Seine Majestät vorläufig nicht thun: mit der Verfassung hat es nun seine Richtigkeit. Dagegen erwartet er von Euch Ruhe, Ordnung und Ehrerbietung vor seinem Gesetze, ohne welche es keine Freiheit gäbe. Das ist richtig: wenn Einer die Ruhe und die Ordnung stört, so kann von Freiheit keine Rede sein. Darüber seid Ihr gewiß einig, wie Ihr in Allem einig sein müßt, da Ihr Euch einen Kaiser gewählt habt, dessen Befehlen Gehorsam werden muß. Den Letztern fordert er auch vorzugsweise von denjenigen Eurer Brüder, welche zum Militair gehören. Ich kenne übrigens den Kaiser persönlich: er ist voller Gaben, zu Vielem fähig, und ein freundlicher Mann, wenn man ihn bei Laune erhält. Des Morgens spült er sich den Mund aus wie jeder wissenschaftlich gebildete Mensch, aber er hat die spaßhafte Gewohnheit, wenn's ihn irgendwo juckt, einen Andern zu kratzen. Während der verdrüßlichen Vorgänge im Februar und März des verflossenen Jahres sind manche Wünsche aus Eurer Mitte laut geworden. Sie werden hiermit verbürgt . Es giebt keinen unglücklicheren Menschen, als den, der keinen Wunsch mehr hat. Unter meiner Verwandtschaft war auch ein reicher Vetter, der Alles besaß, was sein Herz verlangte und darüber so melancholisch wurde, daß er sich das Leben nahm. Innig geliebte Brüder und Schwestern, Ihr sollt Euch nicht das Leben nehmen – denn das ist frecher Selbstwille – und es soll Euch auch nicht genommen werden, wenn Ihr nicht selbst die Veranlassung dazu gebt. Das Leben ist so süß; es ist einstweilen das Beste was wir haben, und darum bewahrt es jeder gute Staatsbürger so sorgsam und opfert es nur seinem Fürsten und seinem Kaiser. Ich bin Nichts weiter als ein Narr, aber ich denke eben so. Was bietet das schöne Leben nicht Alles! Kann Einer zu Bett gehen, der nicht lebt? Kann Einer Abgaben geben und unter dem Schutze der Polizei für sich und die Seinigen sorgen, der nicht lebt? Kann Einer illuminiren an hohen Geburtstagen; kann Einer Hurrah schreien, wenn ein neuer Prinz geboren ist, der nicht lebt? Kann Einer essen und trinken, wenn er was hat, der nicht lebt? Kann Einer von einem Grafen oder sonst einem vornehmen Manne herablassend behandelt werden, der nicht lebt? Geht mir doch mit dem Tode und mit der künftigen Seligkeit, die ich nicht Schwarz auf Weiß besitze und worüber ich kein Fürstenwort habe! Ich glaube an keine Seligkeit, ich wohne in meinem Deutschland, und ehe ich nicht verhungre oder mich zu Tode ärgre, oder mich für meine Herrscher opfern kann, soll mir Keiner mit dem Tode kommen. Fürchten thu' ich mich aber auch nicht, wenn er selbst zu mir tritt. Der Tod ist die Krone des Lebens, sagen unsre Gelehrten, und wenn der Tod eine Krone ist, so wird schon für mich gesorgt werden. Ihr habt gewünscht, Euch zu bewaffnen. Nun, es hat Euch Geld und Zeit und Strapazen genug gekostet, bevor Ihr den uniformirten Bauerjünglingen das Wache halten und der Polizei das Arretiren erleichtern konntet. Meine siebenjährige Nichte zu Hause ist ein eitles Aeffchen und putzt sich über die Maaßen gern. Sie bedauerte neulich, niemals ein Mann werden, sich nie so allerliebst bunt kleiden und Waffen tragen zu können. Ich antwortete auf diesen nichtigen Wunsch: das Loos, ein Mann zu werden, sei nur Wenigen beschieden und Vielen wär's besser, sie bewaffneten ihre Augen als Lenden und Arme. Denn da ist zum Beispiel die Freiheit. Das Ding, so groß es ist, kann sich so klein machen, daß man's mit bloßen Augen gar nicht gewahr wird, wenn es durch Tausend und Millionen Bajonette, Büchsen, Piken und Säbel durchschlüpft. Ein noch größerer Narr, wie ich, rief neulich: Gott im Himmel, wo ist mein gemüthvolles, romantisches Deutschland geblieben? Wenn man über die grünen Gebirge zieht, läuft man Gefahr, in Bajonette zu rennen; wenn man an einem plätschernden Bach träumen und dichten will, trommeln sie einem die Ohren voll; der Mehlmüller hat bunte Kleider an wie ein Lakai; der Fischer hat eine Angel, die er mit Pulver ladet; der Schuster paradirt auf der Straße als geschnürter Lieutenant und die Frau Pech-Lieutenantin zu Hause hungert; der Hauspapa erschreckt seine Kinder durch einen neuen Schnauzbart und einen langen Säbel; auf dem Nähtische der Frau liegt ein großes Pulverhorn, und Dörthens Liebster kommt zum traulichen Mondschein-Stelldichein mit der Pike! Gegen Wen führt denn das plötzliche Lager von 40 Millionen Krieg? Gegen Niemand, es ist ringsum Friede. Gegen Wen schützt es denn seine Freiheit? Gegen 34 Mann – Fürsten? Oder gegen 35 Mann, da noch zwischen all den Waffen ein Kaiser aufgewachsen ist? Nicht möglich, denn wenn die Fürsten Feinde der Freiheit wären, würde man sie nicht im Lande dulden. Und wenn's Ernst ist, wozu die spaßigen bunten Röcke und das spaßige bunte Treiben? Dem ächten Bürger ist die Waffe angewachsen; man sieht sie nicht und er trägt sie doch, und der Teufel holt Den, der ihn und seinen Staat anrühren wollte! So sagt mein Freund. Wie gesagt, mein Freund ist ein übergroßer Narr, welchen mein Herr, der Kaiser, nächstens in ein apartes Narrenhaus sperren wird, was ich allerdings für überflüssig halte. Preßfreiheit habt Ihr auch. Aber ich bitte Euch, geliebte Unterthanen, nicht davon zu reden, denn es steht einem Menschen Nichts übler als Prahlerei. Was Censur ist, habt Ihr erfahren: es ist ein Polizeicommissarius, den uns die Vorsehung auf die Zunge gesetzt hat. Das war ein Schaden vorn. Nun giebt es aber auch Menschengeschlechter, die haben einen Criminalrichter auf dem Rücken, und ich kann Euch im Augenblicke nicht sagen, was ich vorziehe. Am liebsten zög' ich den Criminalrichter vor, um ihn durchzuprügeln, wenn aber Einer einen angewachsenen Buckel hat, so kann er sich denselben nicht abreißen, ohne seine ganze Constitution auf's Spiel zu setzen. Ich bin ein Narr, ich setze sie nicht aufs Spiel. Als Narr habe ich den Vorzug, jedem Esel und jeder Katze ungestraft die Wahrheit sagen zu können, und ich danke Gott, daß ich Keiner von den Gescheidten geworden bin. Ich habe einen Widerwillen gegen Gefängnisse wie der Fisch gegen das Continentalsystem, und wenn ich sitzen will, so setze ich mich am liebsten selbst. Es ist freilich wahr, daß man nach der Bauart im deutschen Styl nicht genau angeben kann, wo das Gefängniß aufhört – aber ich vertrete mir gern die Beine und mache gern meine tägliche Promenade über die Felder. Später bin ich wieder zu Hause und trinke meinen Kaffee, und wenn Ihr mich besuchen wolltet, um vielleicht über Preßfreiheit mit mir zu plaudern, so würde ich Euch von meiner Frau einen Kuchen backen lassen, wenn ich verheirathet wäre. Die Bureaukratie hat, wie Ihr gewünscht, ihren letzten Klecks gemacht. Die verwerfliche, weiche Feder-Regierung hat aufgehört, Euer politisches Leben wird nicht mehr geschrieben . Von nun an beginnt der Druck . Das freie Versammlungsrecht ist Euch auch zugestanden. Aber der Kaiser, mein Herr, ist sehr ängstlich. Er meint: wenn Ihr da Vier oder Fünf Tausend Mann beisammen ständet, so könnte Euch leicht ein Malheur passiren. Die Fürsten hätten ihm gesagt, es gäbe noch Spitzbuben und Räuber, und die wüßten es am besten, weil ihnen von ihren Beamten immer statistische Tabellen zukämen. Deshalb muß es die Polizei vorher wissen, wenn Ihr zusammen singen oder plaudern wollt, und wenn es irgend Gefahr hat, so wird sie es Euch unter keinen Umständen erlauben, denn sie ist eine gute Seele und hat Euch gern. Die deutsche Großmutter macht es darin wie alle Mütter mit ihren Kindern: sie erdrückt einen fast mit ihren Aufmerksamkeiten. Nun, man muß auch gestehen, Vorsicht schadet nie, und da Vorsicht die Mutter der Weisheit ist, so ist die Weisheit eine Tochter der Polizei. Also vorsichtig! Wie leicht kann ein Kind übergefahren werden oder in die Gosse fallen, oder von bösen Buben zu dummen Streichen verführt werden! Ihr habt Euch einen Kaiser gewählt, also hört auch auf ihn in Erziehungsangelegenheiten. Er meint, es sei immer besser, die Kinder gingen an der Hand ihrer Mutter aus oder sie blieben hübsch zu Hause. Kann es nicht auch regnen? Gewiß, ich habe es neulich selbst erlebt, als ich meine Blumen im Garten begießen wollte! Kann sich solch ein kleines Wurm nicht erkälten? Oder erhitzen? Schon Pestalozzi, Metternich, Lancaster und andere Pädagogen sind von dem Prinzip ausgegangen, daß man auf Kinder ein wachsames Auge haben muß, und ich sehe nicht ein, warum ein Kind vernünftiger sein sollte als seine Eltern. Ferner wolltet Ihr den Adel abgeschafft haben. In dieser Angelegenheit, läßt Euch der Kaiser sagen, sei Manches geschehen, nur möchtet Ihr nicht vergessen, daß er selbst aus adligem Blut stamme und sein Ahnherr sich, in dem Kampfe gegen reisende Kaufleute, rühmlichst ausgezeichnet und viele Verdienste erworben hätte. Einstweilen hat man, das kann ich Euch versichern, dem Adel alle Vorrechte genommen und ihm nur das tättowirte Von gelassen, denn man soll keinen Menschen um seine Vergangenheit, und wäre sie noch so verächtlich, noch um seine Zukunft bringen. Ich habe in meinem Garten, von dem ich schon vorher sprach, einen Stammbaum mit giftigen Früchten. Um Unglück zu verhüten, schüttelte ich die Früchte alle ab, ließ aber die Wurzel in der Erde. Im nächsten Jahre schon war der Baum wieder ganz mit Gift bedeckt und verpestete mit seinen stolzen Zweigen ringsum die Luft. Daraus seht Ihr, wie fruchtbar der Boden Deutschlands ist, und daß Ihr Unrecht habt, sogleich zu klagen und zu jammern, wenn einmal eine schlechte Ernte eintritt und Eure armen Arbeiter keine Kartoffeln haben, weil die Schweine gemästet werden müssen. Gott läßt keinen Sperling auf dem Dache verhungern, geschweige ein Schwein im Stall: er sorgt für alle Thiere. Blos für die Raubthiere sorgt er nicht, weil diese für sich allein sorgen. Die Adler sind auch Raubthiere und es sind keine Lämmer, die sich in ihre Nähe drängen. Das Lamm ist ein geduldiges Vieh; wenn es älter wird, so wird es ein Schaf, das sich Alles gefallen läßt. Wenn Ihr's mir nicht glaubt, so könnt Ihr in Buffons Naturgeschichte nachschlagen, in welcher Ihr, auch ohne Vorkenntnisse zu besitzen, Euch schon finden werdet. – In demselben Garten, von welchem ich eben sprach, habe ich auch den Baum der Freiheit, den ich Euch gern näher beschreiben möchte, wenn er Euch interessirte. Aber wie kann Euch ein Baum interessiren, der, wie die Erfahrung lehrt, keine Reichsäpfel trägt? Ihr habt auch auf Verminderung der stehenden Heere angetragen, weil Euch diese halb auffräßen. Oder ganz, denn sie hätten den Bürger im Magen. Nun, was wollt Ihr? Das Militair verdaut gut und so werdet Ihr bald wieder zum Vorschein kommen. Vorläufig hat Seine Majestät, um Sich, also um Euch und Euer Land zu schützen – von der Bürgerwehr kann hier keine Rede sein – die stehenden Herre vermehren müssen. Er hat aber, denkt Euch, nur 2 Prozent von Eurer Bevölkerung verlangt! Sagt selbst, geliebte Unterthanen und Brüder, ist das nicht über die Maaßen billig? Fünf Prozent kann der Sohn von seinem Vater nehmen, und als ich neulich kein Geld hatte, um für die Miethe, welche ich meinen Wirth bezahle, Miethssteuer an die Regierung zu zahlen, mußte ich bei einem Capitalisten borgen und – 10 Prozent geben. Und wie viel Prozent zahlt Ihr, wenn Eure Fürsten zum Wohle des Staates Anleihen machen, damit die Hofleute Gehalt kriegen? Wenigstens eben so viel. Also seht Ihr ein, daß Euer allergnädigster Kaiser kein Wuchrer ist, sondern ein solides Geschäft unternimmt. Und was würden denn Eure Frauen sagen, wenn keine Paraden mehr wären? Und was soll denn aus den armen, adligen jungen Männern werden, die sich doch nicht mit Euch auf gleiche Stufe stellen und damit befassen dürfen, etwas zu lernen, wenn, da sie nicht Gemeiner werden können, keine Lieutenantschargen zu vergeben sind? Und was soll denn daraus werden, wenn Revolutionen ausbrechen, und nicht hinreichend Militair vorhanden wäre, um den einzelnen guten Bürger gegen die allgemeine Empörung zu schützen? Ihr seid während der verdrießlichen Vorgänge im Februar und März des verflossenen Jahres sehr voreilig gewesen und habt Forderungen gestellt, die kein Fürst der Welt bewilligen kann, der Euer Bestes möchte. So, zum Beispiel, wollt Ihr auch die Polizei vom Gericht, den Staat von der Kirche und die Kirche von der Schule getrennt haben. Lauter Trennungen, und dabei ein einiges Deutschland: ist das möglich? Könnt Ihr Euch ein einiges Deutschland träumen lassen, wenn Ihr mehr als ein Viertel desselben, die Polizei, von dem allgemeinen deutschen Vaterlande losreißt? Wenn Ihr die arme Kirche allein, von Gott und der Welt verlassen, ohne Staat stehen laßt? Warum wollt Ihr sie trennen? Sie werden sich nicht beißen. Der Staat und die Kirche können sich sehr gut vertragen, sich gegenseitig unterstützen. Es sind, so zu sagen, Eure Eltern, und wenn auch der Papa ein wenig unter dem Pantoffel steht, oder ein Mal schilt, wenn die Frau die Kleinen zu viel mit dem Licht spielen läßt, was geht das die Kinder an? Doch ich will nicht weiter davon reden, denn von dem Lebenswandel mancher Frau sagt man nicht viel Gutes und es steht einem Hagestolz, wie mir, sehr schlecht, sich in Familienangelegenheiten zu mischen. Aber von der Schule will ich sprechen. Wie, Ihr wollt sie von der Kirche unabhängig machen? Ist die Kirche nicht die eigentliche Schule der Menschheit? Hat ihr nicht die Menschheit das Schulgeld bezahlen müssen? Seht unsre ganze Geschichte näher an: sie ist von den Pfaffen gemacht. Alles, was wir bisher genossen haben, verdanken wir den Pfaffen. Und zum Lohn dafür, und zu unserm, zu unsrer Fürsten Unheil, wollen wir ihnen die Schule nehmen? Wißt Ihr, was Das heißt? Das heißt, wenn auch nicht die Religion – denn die nimmt uns kein Gott! – die ganze Theo- oder Pfaffologie aus der Weit bringen! Das heißt, alle die heiligen Männer, welche Eure Kinder für Einen Thaler Acht Groschen taufen, und Eure Liebe für Zwei Thaler Sechszehn Groschen im Namen des Herrn segnen, nach und nach um allen Einfluß, an den Bettelstab oder zu einem nützlichen Handwerk bringen! Seid gescheidt, wenn Ihr auf einen Narren hören wollt, und thut es nicht. Der Kaiser, unser allerhöchster Herr, läßt Euch darüber noch Nichts Gewisses sagen. Er wird sich die Sache noch mit seinem Beichtvater überlegen. Seid überzeugt, er wird das Rechte wählen, denn der Beichtvater ist einer von den Heiligen und weiß Bescheid, und der Kaiser ist ein Mann, der in seinem kleinen Finger mehr Verstand hat als sonst wo. Ueber die socialen Fragen wird Seine Majestät erst mit Euch sprechen, sobald er mit seinen Militairangelegenheiten fertig geworden und ein sichres, festes Reichsheer geschaffen hat. Schließlich freut es mich, Euch versichern zu können, daß allen Euren Wünschen in Beziehung auf gleiche Münze, gleiches Maaß und Gewicht keine Hindernisse entgegenstellen. Daß Niemand mehr auf Lebenszeit eingesperrt wird, der die schwarz-roth-goldene Kokarde trägt, versteht sich von selbst, da aus dem Schwarz Eurer Vergangenheit und dem Rothe Eures Blutes der Kaiser hervorgegangen ist und sich durch Euer Gold halten und befestigen wird. Auch kann fortan jeder Deutsche zu jedem Deutschen, welcher niest: Helf Gott! sagen. Um nun endlich auch von mir zu reden, so bin ich, der allerhöchst ernannte deutsche Reichsnarr, weder stolz noch hoffärtig, sondern betrachte Jeden von Euch als meinen Bruder. Der Himmel beschütze uns und unser Vaterland! Amen! Wichtige Notiz für Geschichtsschreiber. Die preußische Regierung, so heftig ihr diese Angabe auch von allen Seiten bestritten wurde, hat ganz Recht, daß in dem heiligen Kampfe am 18. und 19. März nicht mehr als 20 Mann Militair in Berlin geblieben sind . Die Uebrigen wurden fortgeschafft. Gähnereien eines Blasirten. Aach! Das war der Seufzer der Langenweile. Es war kein Ausruf des schönen Schmerzes, kein Freudenschrei der entzückten Seele: zu solchen frischen Speisen komm' ich nicht mehr, oder kann sie nicht mehr vertragen. Mein Geist ist verdorben durch die Suppe der Alltäglichkeit, die Nerven meiner Gefühlsharfe sind zerrissen... von den Menschen. Der Reiz, der die süßesten, wonnigsten Lieder darauf spielte, ist verschwunden. So lange ich jung war und die Welt, die Menschheit aus der Ferne liebte, war ich glücklich; seitdem ich mit ihr verbunden bin, gähne ich. Nur ein Dummkopf kann es bezweifeln, daß der klügste Mensch zuweilen dumm ist; daß ihn die graue Monotonie, diese staubige Dasselbigkeit des Tages, dieser kleine Jammer erstickt. Unsre Phantasie reicht weit hinüber über das Gegebene, darum ermüdet es uns, und selbst das Werdende hat wenig Reiz, da Alles Tod wird, da eine Existenz die andre auffrißt in diesem großen Leichenschmaus der Ewigkeit. Ich verschlinge und werde verschlungen: das ist der bittre Inhalt, den wir mit Unsterblichkeit überzuckern. Aach! Der letzte Gedanke ist das Gähnen. Ich lebe – wie man zu sagen pflegt – hier in der Stadt, in diesem Krimskramms des Wuchers, in diesem durcheinanderkrabbelnden Betrug. Es giebt nichts Kleineres als diese sogenannte große Welt. Wenn man ein Paar Hundert Stufen steigt und hinabschaut, ekelt einen diese Ameisenkriecherei mit ihrem Wichtigthun an. Und vor Tausend Jahren so, und nach Tausend Jahren wieder so, und Das soll einen Gott interessiren? An dieser seiner Schöpfungsgrille sollt er noch immer Gefallen finden? In dieser Stabilität Mensch, die mit zwei Beinen aus sich selbst herausgehen will, in diesem aufgeblasenen Staube sollte er sich selbst bespiegeln wollen? Ein arrogantes Thier, der Mensch! Wenn Gott wirklich Sechs ganze Tage zu diesem Spaß gebraucht hat, so hat er sicher keine Sechs Tage gebraucht, um darüber zu gähnen... wie ich. Aach! Im Anfang war die Langeweile. Oder sind diese Gedanken schon Sünde oder Spott? Wäre diese Nahrung, die einzige, die mir noch schmeckt, verbotene Speise? Dummes, staatskluges Zeug! Wie kann ich spotten, wenn ich denke , wie kann ich sündigen, wenn ich in Gott bin? In alle Dem, was die Pfaffen Spott nennen, ist mehr Geist, also mehr Göttlichkeit, als in dem breitmäuligen, moralischen Pfaffengeschwätz, mit welchem sich die Menschen nun schon seit Zweitausend Jahren ennuyiren lassen – ohne auch nur eine Herzbreite weiter in der Liebe gekommen zu sein, aber Zweitausend Schritt weiter im Haß. Was haben uns diese Diener, die für das Haus Gottes zu reisen vorgeben und in unächter Moral machen, genützt? Wir sind noch böser als früher, denn wir befeinden uns wegen des Glaubens. Wir sind so egoistisch wie Adam und Eva, deren Egoismus sehr zu entschuldigen war; wir lästern, stehlen, betrügen, morden und knechten noch immer; die Sündfluth käme alle Tage zu rechter Zeit. Wir haben uns nur dies armselige Leben noch mehr verhunzt, da wir seine ungekünstelten Freuden in's Schuldbuch der Pfaffen schreiben ließen; da wir dem Gemeinen, dem Menschlichen, einen eklen Accent gaben und uns gegenseitig wegen unsrer nicht zu umgehenden Natur widerlich machten. Nur die Schönheit kann uns erheben und kräftigen, nur die Schönheit darf unsere Moral sein; die jetzige Moral mit ihren kleinen Sünden und Tugenden entnervt unsre höchste Natur, verdirbt uns. Sollen wir also dieses nutzlose, schädliche Pfaffengeschwätz noch einmal zwei Tausend Jahre mitanhören? Sollen wir noch ferner dieses verschimmelte Brod und dieses Sumpfwasser genießen, während uns die saftige Frucht und die sprudelnde Quelle des Volksgeistes winkt? Sollen wir diese Monologe der schwarzen und bunten Komödianten noch länger dulden, die, mit demselben Fleisch, mit denselben Trieben wie wir begabt, uns ein dummfrommes, entsagendes Gesicht schneiden und ihren auswendig gelernten Kram abjammern? Aach! ... ich möchte gähnen können mit einem Hydrarchos-Rachen. Woran liegt es, daß sich der Mensch nicht aufschwingt aus seiner so hochbegabten Niedrigkeit? Daß sich die Menschen in Wort und That belügen, betrügen und knechten, daß sie nicht die Kraft und den Stolz haben, zu sein, sondern nur die erbärmliche Sucht zu scheinen; daß sie nicht leben und schaffen in Liebe und Freiheit, sondern gelebt werden von der Furcht und Gewöhnlichkeit? Die freiesten Völker sind um ein Weniges besser als die geknechtetsten; der kleine, boshafte Egoismus des Individuums wird durch die blos politische Freiheit nicht vertrieben: er hängt sich nur den Mantel der Menschenliebe um, oder versteckt sich hinter die Nation und wuchert und betrügt in Gemeinschaft. Selbst in den Republiken haben Herrschsucht, Haß und Neid ihre Throne aufgeschlagen. Nirgend sind die Völker in der Schönheit, in der wahren Tugend größer geworden. Was unsere Seele durch Kunst und Wissenschaft gewinnt, verliert sie in dem Schnürleib der Convention und des Glaubens. Dieser Letztere namentlich beschneidet alle Flügel, welche der Menschheit wachsen. Unsre Religionen haben ein falsches Prinzip: den Ernst . Alles, wohin sie gerathen, selbst den rosigsten Frühling, machen sie langweilig. Die Blumen vertrocknen, die Nachtigallen gähnen, wenn man den Koran einer Religion in ihrer Nähe bringt. Diese Welt, die wir Erde nennen, ist die Welt des Humors; ihre beiden Pole sind Lachen und Weinen; die Achse, um welche sie sich dreht, ist der Genuß; die Sonne, um welche sie fliegt, die Schönheit, Freiheit oder Liebe, der wechselnde und kalte Mond ihr Verstand, der Frühling ihre Freude, der Winter ihr Schmerz. Den faden, lauen, philisterhaften, langweiligen Ernst , den unsre Welt gar nicht kannte, diesen Krankheitsstoff, mit dem sie noch immer ringt, hat uns die Religion, oder besser gesagt, die Pfafferei gegeben. Um die heitre Schönheit, um die Seligkeit des Genusses, um die Heiligkeit des Scherzes hat sie uns zu Gunsten der Tyrannei betrogen; die holden Götter oder den schönen und nahen Gott, der die Menschen aus allen Sternen anblickte, aus allen Blumen anhauchte, aus dem Sturm und mit dem Donner zur Größe weckte, wenn wir im Kleinlichen eingeschlummert waren, und sich in der süßen Sünde opfern und anbeten ließ: diesen Allgott, der Alles beseelt und lachen macht, hat uns die Pfafferei gestohlen und uns dafür ein fernes, ernstes Phantom, für diese lebendige Unsterblichkeit eine zukünftige, eine Redensart gegeben. An diesem ewigen, unvermeidlichen Ernste, der in ihre Poren gedrungen, geht unsere Welt zu Grunde, wenn sie sich nicht bald von ihm befreit. Man hat gesagt, der Mensch sei eine ernsthafte Bestie. Aber er ist nicht ernsthaft, weil er Bestie ist, sondern er ist Bestie, weil er ernsthaft wurde. Darum sind wir Alle am glücklichsten und herzigsten, wenn wir lachen. Das Gähnen ist die Pest, an welcher die Menschheit stirbt; das Gelehrtenthum ist ihre furchtbarste Tyrannei und Inquisition, der Ernst ihre größte Sünde, weil sie ihr nicht mitgegeben wurde. Die Welt kann nur gesund und genial werden, wenn sie den Ernst auslacht. Eh' nicht die Schönheit unser Glaube, die Häßlichkeit Verbrechen, eh' nicht unser Gott lustig wird, eher wird der Mensch, trotz seiner göttlichen Kraft, mit seinen vom Ernste gebundenen Flügeln am Boden der Niedrigkeit liegen und vergebens mit Kunst und Wissenschaft zappeln. Der Ernst ist das Mittelmäßige und das Mittelmäßige ist das Schlechteste, denn es ist langweilig. Zwischen die höchste Erhabenheit und Schönheit, die wir Gott nennen, und dem witzig negirenden Satan haben uns die Pfaffen einen Philister erfunden, der unsre Seele austrocknet. Aach! Ich will in den Wald, auf die Berge, in meine unverdorbene Natur gehen. Du, Witz, der du das tiefste Gefühl hast, begleite mich. Neuer Gesang des deutschen Michels. Mel.: Immer langsam voran u. s. w.               Immer'n Bisken zurück, immer'n Bisken zurück Zu des alte Unterthanenjlück! Ne nu dauert mir zu lange die Revoluzjohn, Nu jeh' ick über zu de Reakzjohn! Immer'n Bisken zurück, immer'n etc. Wat hab' ick mir jefreut am neunzehnten März! Nu seufz' ick un stöhne allerwärts: Jott, man immer zurück, Jott, man immer etc. Des is mir 'ne schöne Preßfreiheit, Da kommt man ja selber in de Öffentlichkeit! Immer'n Bisken zurück, immer'n etc. In de Zelten drank ich sonst meine Flasche Bier, Jetzt stört des Assotzjatzjohnsrecht mir. Immer'n Bisken zurück, immer'n etc. Da halten sie Reden janz frank un frei, Un die Gensd'armen, die stehn un rochen dabei! Ne, man immer zurück, ne, man etc. Herrjeeses, da sprech'n sie von Republik! Mir lief es eiskalt über's Jenick. Jott, man immer zurück, Jott, man etc. Die Republik wär' doch's jrößte Malheur, Da hätten wir ja jar keenen Keenig mehr! Ne, man immer zurück, ne, man etc. Die Volksbewaffnung, die is dummes Zeug, Des is keene Jarde, des sieht man jleich! Ne, man immer zurück, ne, man etc. Uf's Urwählerrecht leg' ick jar keen Jewicht, Denn ick weeß schon vorher, Mir wählen se nicht. Immer'n Bisken zurück, immer'n etc. Mein Hausknecht, der nennt sich ooch schon Demokrat, Un reinigt tagtäglich meinen Staat! Immer'n Bisken zurück, immer'n etc. Die Freiheit, ja, wenn man was davon hätt'! Aber die macht wahrhaftig den Kohl noch nich fett. Immer'n Bisken zurück, immer'n etc. Wat hab ick woll früher an't Rejieren jedacht! Alleweile incomm'dirts mir Dag un Nacht. Immer'n Bisken zurück, immer'n etc. Man wird ja als Bürjer janz verrückt un doll, Wat man jetzt ooch Allens verstehen soll. Ne, man immer zurück, ne, man etc. Da komm' ick neulich in 'ne Tabagie, Da spricht mir Eener von: Autonomie! Ne, man immer zurück, ne, man etc. Wat frißt so'n Thier, so'n Autonomie? Was kümmert mir so ein ausländisches Vieh! Ne, man immer zurück, ne, man etc. Die vornehmen Minister hab'n se alle jeschaßt, Nu nehmen se so'n Menschen, der jar nich dazu paßt! Ne, man immer zurück, ne, man etc. So'n Mensch nennt des Volk seinen Souswereen, Un läßt den Keenig neben sich stehn! Ne, man immer zurück, ne, man etc. Wenn man so eenen Minister sich früher denkt, Der wäre an de Beene ufjehängt. Immer'n Bisken zurück, immer 'n etc. Die Literaten, det sind doch Hallunk'n: Meine Papier sind um die Hälfte jesunk'n! Immer'n Bisken zurück, immer'n etc. Un wenn die Zucht nu nich balde ufhört, Denn sind sie am Ende jar nischt werth, Jott, man immer zurück, Jott, man etc. Keen Jeld und Allens in Samm't un in Taff't, Det nennen sie nu: Errungenschaft! Ne, man immer zurück, ne, man etc. Die Juden, die haben des jrößte Maul, Die ihre Jesinnung is oberfaul. Ne, Herrjees, man zurück, ne, Herrjees etc. Je'n den Adel wagen sie sich ooch die Hep-Hep's, Am Ende, da werden wir noch Alle nischt als Plebs! Ne, man immer zurück, ne, man etc. Der Bundesdag hat uns nich viel jenützt, Aber er hat uns doch vor des Volk jeschützt. Immer'n Bisken zurück, immer'n etc. Des Parlament da in Frankfurt am Main, Des bild't sich 'ne Menge Jeschichten ein. Immer'n Bisken zurück, immer'n etc. An des, was ein Kaiser janz alleine kann, Da arbeiten 700 Arbeiter dran! Ne, man immer zurück, ne, man etc. Für unsere Diäten kuriren sie uns jetzt, Und Wir sind dabei uf Diät jesetzt. Jott, man immer zurück, Jott, man etc. Den Deutschmachern soll et aber doch nich jeling'n, Deß sie mir um mein Vaterland bring'n! Ne, man immer zurück, ne, man etc. Mit de beeden Lippe'n mag det woll jehn Aber Uns soll man keene Nase nich drehn! Ne, man immer zurück, ne, man etc. Meine Frau, die betet noch monarch'scher als ich: Lieber Jott, schick' uns wieder den Metternich! Jott, man immer zurück, Jott, man etc. Meinen ält'sten Jungen jab ick jestern einen Schupps, Die Demokreete jeht ooch schon in de Clubbs. Ne, man immer zurück, ne, man etc. »Verjessen Sie nich, deß et Fürsten jibbt!« Sonst wird die Paulskirche umjekippt! Immer'n Bisken zurück, immer'n etc. Hätt'n wir nich noch des jute Milletair, Wir hätten keene jute Hoffnung mehr. Immer'n Bisken zurück, immer'n etc. Nach Rußland seh' ick noch mit Vertrau'n, Det kann uns noch 'mal die Jacke vollhau'n. Immer'n Bisken zurück, immer'n etc. Un kurz, die Freiheit, die hab' ick nu dick! Nu jeh' ich immer en Bisken zurück. Immer'n Bisken zurück, immer'n Bisken zurück, Zu des alte Unterthanenjlück! Aus dem Denkbuche eines Hofmannes. Ich will sagen:             Ich sage : Der Kerl ist verrückt! Jener Herr leidet an ununterbrochener Zerstreuung. Sie haben nicht das geringste Talent. Sie berechtigen zu den schönsten Hoffnungen in dieser Welt der Täuschung. Sie werden die Anstellung nicht erhalten. Wenn Ihre Ansprüche gerecht erscheinen, unterliegt die Besetzung dieser Stelle keinem Zweifel. Sie incommodiren mich zu oft. Ich bin nun von Ihren Wünschen durchaus genügend unterrichtet. Bleiben Sie mir vom Halse. Ich bitte Sie, den Erfolg meiner Bemühungen für Sie schriftlich entgegennehmen zu wollen. Die Stelle ist längst vergeben. Es ist Alles gethan; man scheint indeß Ihr Talent und Ihre Ansprüche für den Moment nicht berücksichtigen zu wollen. Ich werde Sie zur Thür hinauswerfen lassen! Mein Diener kennt meinen Willen, zuweilen allein zu sein. Er ist ein Spitzbube! Seine Neigung zum Communismus ist zu handgreiflich. Sie sind ein grober Esel! Ich umgehe es, durch Beurtheilung Ihres Benehmens Ihre hohe Ohren zu kränken. Sie reden dummes Zeug. Ihre Wendungen sind etwas originell. Das Weib ist eine... Mit der Abneigung gegen Plato treibt jene Dame ein wenig Ostentation. Sie sind ein aufdringlicher Mensch. Mein Kammerdiener wird Ihnen das Nähere mittheilen. Herr v. X. hat Prügel gekriegt. Dem Herrn von X. soll sehr deutlich gedroht sein. Die Baronin Y. ist eine offenbare Coquette. Die Baronin Y. gefällt sich im Gefallen. Mich hungert fürchterlich; haben Sie nichts zu essen? Sie entschuldigen, wenn ich mich beurlaube: ich weiß, daß Sie um diese Zeit dejeuniren. Es war nur gemeiner Plebs. Es waren (indem ich mein Taschentuch vor die Nase nehme) Urwähler. Sie bürgerlicher Patron, ich verbitte mir dergleichen beleidigende Anspielungen. (Statt zu antworten, erzähle ich dem Nachbar des Beleidigers einen Vorfall, in welchem sich ein Cavalier über die Taktlosigkeit eines Bürgerlichen beklagt.) Mein Gott, welch ein alter, abgedroschener, schlechter Witz! Ha ha ha, sehr gut, sehr gut! So mußte ich neulich auch über einen humoristischen Einfall Rellstabs lachen. (Sehr ernst) Ich habe ihn vergessen. Ihr Dilettiren ist nicht mehr zu ertragen. Vortrefflich! Schade nur, daß ich gar nichts von Musik verstehe. (Nach einer langweiligen politischen Vorlesung.) Sie haben uns durch Ihre gütige Mittheilung die große Bedeutung der Zeit fühlen lassen. (Nach einer langweiligen ästhetischen Vorlesung.) Wir sind Ihnen für Ihr Lesen verpflichtet. Kennen Sie über denselben Gegenstand das Werk X. X.? Ausgezeichnet! Sie sind mir vom letzten Faro noch 10 Louisd'or schuldig. Sie hatten neulich viel Malheur. Wieviel verloren Sie doch? Sie sind besoffen. In Ihrem spirituellen Kopfe verdoppelt sich Alles, weshalb es dem nüchternen Verstande schwer wird, Ihnen in Ihren eigenthümlichen Bewegungen zu folgen. Sie verstehen gar Nichts davon. Sie haben Ansichten. Sie sind ein naseweiser, dummer Junge! Rasiren Sie sich selbst? Hoheit haben da etwas sehr Albernes gesagt. Diese Ansicht, Hoheit, muß ich für die geistreichste halten. Hoheit sind überhaupt sehr bornirt. Ew. Hoheit Verstand übersieht Alles. Er ist Republikaner. Er hat in der bisherigen Ordnung keine Stellung gewinnen können. Er ist Demokrat. Er dient auf dem Hofe des souverainen Volkes. Ich bin vollkommner Reactionair. Ich bin von jeher für den ruhigen Fortschritt gewesen. Wann wird Ihre langweilige Erzählung endigen? Ich bin sehr auf den Schluß gespannt. Hoheit sollten auf die Canaille schießen lassen! Es kommt mir vor, als ob eine energische Parade nothwendig wäre. Lassen Sie meine Frau zufrieden! Die Baronin wird auf Ihre geistvollen Complimente Nichts zu antworten wissen. Der Gewählte ist ein Branntweinhändler. Der Gewählte ist Obermundschenk des souverainen Volkes. Er ist ein Schmutzpeter. Er hält die Seife für ein Vorurtheil. Sie sind ein falscher Spieler! Ich bemerke, daß Sie nicht gern verlieren wollen. Das Volk hat mir gestern seinen Haß durch eine Katzenmusik dargethan. Einige Straßenjünglinge haben sich gestern die unnütze Mühe gegeben, mir zu bezeugen, daß ich nicht mit ihnen harmonire. Ehrlicher Narr, Sie verstehen mich nicht. Ihr Wunsch soll erfüllt werden, wenn ich dabei etwas verdienen kann. Ich werde manche Unkosten und Mühe davon haben, hoffe jedoch: nicht ohne Erfolg. Er ist zur Thür hinausgeworfen worden. Man ist seinem Wunsche, sich zu entfernen, zuvorgekommen. Er ist ein offenbarer Betrüger. Er spekulirt mehr zu seiner eignen, als zu Andrer Zufriedenheit. Der Kerl hat zwei Jahre Zuchthaus bekommen. Der Mann hat sich aus dieser zuchtlosen Welt auf zwei Jahre zurückziehen lassen. Er ist ein Schuster. Er arbeitet mit Pech für den Fortschritt der Nation. Ich habe kein Geld, um Ihnen Ihre Rechnung zu bezahlen. Aber mein Sekretair ist wirklich ein nachlässiger Mensch. Zwei Jahre, es ist kaum zu glauben! Geben Sie die Rechnung her! Adieu! Logische Beweise für die Nothwendigkeit der Staatsdiener, Künstler etc. Aerzte . Gäbe es keine Aerzte, so gäbe es auch keine Krankheiten: gäbe es keine Krankheiten, so wäre auch kein Tod; wäre kein Tod, so blieben wir Alle leben; blieben wir Alle leben, so würde die Welt übervölkert: die Welt darf aber nicht übervölkert werden, ergo muß es auch Aerzte geben. Banquiers . Gäbe es keine Banquiers, so gäbe es auch keinen Rothschild; gäbe es keinen Rothschild, so könnten die Staaten kein Geld borgen; könnten die Staaten kein Geld borgen, so wäre auch kein Krieg; wäre kein Krieg, so brauchten wir unser Blut nicht zu lassen; brauchten wir unser Blut nicht zu lassen, so bedürften wir auch keiner Blutegel: der Blutegel bedürfen wir aber, ergo muß es auch Banquiers geben. Ceremonienmeister . Gäbe es keine Ceremonienmeister, so würden auch keine Trauerkleider um verstorbene Fürsten angelegt; würden keine Trauerkleider um verstorbene Fürsten angelegt, so würden sie auch nicht betrauert; würden die Fürsten nicht betrauert, so blieben sie leben: ergo muß es auch Ceremonienmeister geben. Diplomaten . Gäbe es keine Diplomaten, so spräche jeder Mensch die Wahrheit; spräche jeder Mensch die Wahrheit, so müßten wir alle Tage die größten Grobheiten hören; müßten wir alle Tage die größten Grobheiten hören, so liefe uns auch endlich die Galle über: die Galle soll uns aber nicht überlaufen, ergo muß es auch Diplomaten geben. Edelleute . Gäbe es keine Edelleute, so existirte auch kein Adel; existirte kein Adel, so könnten wir ihn auch nicht abschaffen: wir wollen aber den Adel abschaffen, ergo muß es auch Edelleute geben. Fürsten . Gäbe es keine Fürsten, so wäre die ganze Welt Republik; wäre die ganze Welt Republik, so existirten auch keine Fürsten mehr: Fürsten existiren aber noch, ergo muß es auch Fürsten geben. Gardelieutenants . Gäbe es keine Gardelieutenants, so gäbe es auch keine Ehre; gäbe es keine Ehre, so könnte sie auch nicht in Blut reingewaschen werden; könnte sie nicht in Blut reingewaschen werden, so kämen auch keine Forderungen vor: Forderungen kommen aber vor, ergo muß es auch Gardelieutenants geben. Hetären . Gäbe es keine Hetären, so gäbe es Nichts als Tugend; gäbe es Nichts als Tugend, so brauchten wir auch keine Gesetze; brauchten wir keine Gesetze, so brauchten wir auch keinen Staat; brauchten wir keinen Staat, so wäre auch Spanien keiner; wäre Spanien keiner, so wären auch Christine und Isabella keine Königinnen: Christine und Isabella sind aber Königinnen, ergo muß es auch Hetären geben. Intendanten . Gäbe es keine Intendanten, so existirte auch die Schauspielkunst nicht; existirte die Schauspielkunst nicht, so gäbe es auch wahrscheinlich keine Komödianten; gäbe es wahrscheinlich keine Komödianten, so bekäme auch Niemand dafür Geld, eine Rolle zu spielen, die er nicht spielen kann: es bekommen aber Viele dafür Geld, eine Rolle zu spielen, die sie nicht spielen können, ergo muß es auch Intendanten geben. Jägermeister . Gäbe es keine Jägermeister, so gäbe es auch keine Jagd; gäbe es keine Jagd, so würde auch nicht geschossen; würde nicht geschossen, so existirten auch keine Mißverständnisse; existirten keine Mißverständnisse, so würden wir uns Alle verstehen; verständen wir uns Alle, so müßte auch der Kaiser von Rußland verstehen, was wir deutschen Demokraten ihm sagen wollen: der Kaiser von Rußland versteht aber nicht, was wir deutschen Demokraten ihm sagen wollen, ergo muß es auch Jägermeister geben. Kammerherren . Gäbe es keine Kammerherren, so hätte auch Niemand da zwei kleine Knöpfe auf dem Rücken, wo man sich bücken muß; hätte Niemand da zwei kleine Knöpfe auf dem Rücken, wo man sich bücken muß, so würde er sich auch durch Nichts auszeichnen: es soll sich aber jeder Mensch durch Etwas auszeichnen, ergo muß es auch Kammerherren geben. Literaten . Gäbe es keine Literaten, so wüßten die Reactionäre nicht, wen sie aufhängen möchten; wüßten die Reactionäre nicht, wen sie aufhängen möchten, so hingen sie sich vielleicht selbst auf; hingen sich die Reactionäre vielleicht selbst auf, so thäte es uns um die Stricke leid: es soll uns aber um keinen Strick leid thun, ergo muß es auch Literaten geben. Minister . Gäbe es keine Minister, so könnte auch Niemand diesen Posten erlangen; könnte Niemand diesen Posten erlangen, so würde weniger in den Kammern gesprochen; würde weniger in den Kammern gesprochen, so würde mehr für die Freiheit des Volkes gehandelt; würde mehr für die Freiheit des Volks gehandelt, so könnten die Herrscher verdrüßlich werden: die Herrscher sollen aber nicht verdrüßlich werden, ergo muß es auch Minister geben. Nachtwächter . Gäbe es keine Nachtwächter, so würden auch die Menschen niemals geschlafen haben; würden die Menschen niemals geschlafen haben, so wäre auch Deutschland nicht entstanden; wäre Deutschland nicht entstanden, so hätten wir auch keine 40 Patriotismuße: wir haben aber 40 Patriotismuße, ergo muß es auch Nachtwächter geben. Pfaffen . Gäbe es keine Pfaffen, so hätten wir keine Kenntniß von Gott; hätten wir keine Kenntniß von Gott, so hätten wir auch keine frommen Vereine; hätten wir keine frommen Vereine, so übten wir lauter Verbrechen; übten wir lauter Verbrechen, so wären wir auch Alle Betrüger: wir sind aber nicht Alle Betrüger, ergo muß es auch Pfaffen geben. Rectoren . Gäbe es keine Rectoren, so gäbe es auch keine Universitäten; gäbe es keine Universitäten, so gäbe es auch keine Gelehrte; gäbe es keine Gelehrte, so gäbe es auch keine Dummköpfe; gäbe es keine Dummköpfe, so gäbe es auch keine Knechte: Knechte giebt es aber, ergo muß es auch Rectoren geben. Schutzmänner . Gäbe es keine Schutzmänner, so gäbe es auch keine Polizei; gäbe es keine Polizei, so existirte auch das ruhmvolle Preußen nicht mehr; existirte das ruhmvolle Preußen nicht mehr, so könnte es in dem unrühmlichen Deutschland aufgehen: das ruhmvolle Preußen soll aber nicht in dem unrühmlichen Deutschland aufgehen, ergo muß es auch Schutzmänner geben. Tambours. (S. Garde-Lieutenants.) Uebersetzer . Gäbe es keine Uebersetzer, so wüßten wir auch Nichts vom Ausland; wüßten wir Nichts vom Ausland, so brauchten wir auch kein Militair; brauchten wir kein Militair, so hätten wir viele Millionen sparen können; hätten wir viele Millionen gespart, so hätten wir eine große Summe im Staatsschatz: wir haben aber keine große Summe im Staatsschatz: ergo muß es auch Uebersetzer geben. Volksvertreter . Gäbe es keine Volksvertreter, so könnten die Volksvertreter auch keine Diäten kriegen; könnten die Volksvertreter keine Diäten kriegen, so könnten sie auch nicht für das Wohl des armen Volkes sorgen; könnten sie nicht für das Wohl des armen Volkes sorgen, so wäre ein Theil desselben schon verhungert: ein Theil desselben ist aber noch nicht verhungert, ergo muß es auch Volksvertreter geben. Wollhändler . Gäbe es keine Wollhändler, so gäbe es auch keine Wolle; gäbe es keine Wolle, so säßen auch die Schaafsköpfe nicht in der Wolle; säßen die Schaafsköpfe nicht in der Wolle, so sehnten sie sich auch nicht nach der Despotie zurück; sehnten sie sich nicht nach der Despotie zurück, so hörten wir sie auch nicht in den Zeitungen blöken: wir hören sie aber in den Zeitungen blöken, ergo muß es auch Wollhändler geben. Zoologen . Gäbe es keine Zoologen, so gäbe es auch keine Thiere; gäbe es keine Thiere, so gäbe es auch keine Zobel; gäbe es keine Zobel, so existirte auch kein Sibirien; existirte kein Sibirien, so gäbe es auch keine russische Regierung; gäbe es keine russische Regierung, so könnten auch die Russen nicht regiert werden: die Deutschen müssen aber regiert werden, ergo muß es auch Zoologen geben. Aus dem Cataloge der nächsten deutschen Kunst-Ausstellung. DAS MISSVERSTÄNDNISS. Vollkommener Abdruck avant lettre . Stahlstich. DIE FLUCHT ÜBER'S MEER. Eigne Composition, im Auftrage Sr. Majestät des Königs. GROSSE KREBSE. Ländliche Scene bei einbrechender Dunkelheit, mit der sich im Nebel verlierenden Aussicht auf Deutsch-Krone. DER EWIGE JUDE BESUCHT BETHANIEN UND BENEIDET EINEN KRANKEN UM DESSEN STERBEFÄHIGKEIT. In bunten Stiften. EINE HEERDE CONSTABLER IN DEN URWÄLDERN BEI PANKOW. Im Besitz des Ministers Kühlwetter. EIN SONNENAUFGANG AUF DEM MONTE TEMPLO BEI DUSTRO KELLERI. Landschaft mit reicher Staffage. DIE DEUTSCHE EINIGKEIT, {ein Quodlibet, / in aqua tinta , / Farbenskizze.} EIN MATERIALIST. In Oel. EINE DEMOKRATIN, SPINNEND, WIRD VON IHREM GELIEBTEN ÜBERRASCHT. Historisches Gemälde in Lebensgröße. PORTRAITS VON MOSES, DEM GOLDNEN KALBE UND AARON. Aus der Erinnerung gemalt. EIN ADLIGER HANDWERKSBURSCH MIT SEINEM WAPPEN AUF DEM RÜCKEN. Im Auftrage des Staatsministers von Dessau, Dr . Habicht. ZWEI SPANISCHE FLIEGEN IM ZIEHEN BEGRIFFEN. Eigenthum des spanischen Gesandten. EIN SCHNAUZBART MIT EINEM BARON. Genrebild. Im Besitz der Hofschauspielerin X. DER STAATSSCHATZ. In Schmelzfarben. Privatbesitz Sr. Majestät des Königs. EIN REITER. Brustbild. FRISCHE BLUMEN. In Oel. DIE KÖNIGIN CHRISTINE LÄSST SICH VON DEM GRENADIER MUNOZ – JETZIGEN HERZOG VON MANZARES – DEN PLATO ERKLÄREN. Genrebild. INNSPRUCK, VOM MÖNCHSBERGE AUS BETRACHTET. IM VORDERGRUNDE HIRTEN. Im Besitz des Hrn. Pater Rothaan. DER HEIMKEHRENDE ULYSSES WUNDERT SICH, DASS PENELOPE SO WENIG STRÜMPFE GESTRICKT HAT. Historisches Familiengemälde. GENERAL SERRANO. Halbe Figur. Im Besitze des Gemahls der Königin Isabella von Spanien. REAKTIONÄRE, WEIDEND. Staffage ohne Landschaft. HIOB HÖRT AUF ZU JAMMERN. Historisches Gemälde. Preisbild der Düsseldorfer Schule. DIE BAIERISCHE POLKA-BIERHALLE AUF DEM MARKTPLATZ ZU ATHEN AM THURM DER WINDE. LINKS DER BERG LYKABETTOS, RECHTS DER HYMETROS. Eigenthum des griechischen Kunst-Vereins. DER KAISERRITT. Historisches Gemälde nach eigner Erfindung. Unausgeführt. LOLA MONTEZ, AM OBERPFÄLZISCHEN HERZEN LUDWIGS VON BAIERN RUHEND. MORGENDÄMMERUNG. Altarblatt. FLIEHENDE ESEL, MIT SÄCKEN BELADEN. Geschichtsbild aus Berlins jüngster Zeit. URWÄHLER-VERSAMMLUNG IN DER VILLA PAMFILI DORIA ZU ROM. Pastell. DIE PREDIGER SYDOW UND JONAS IN LEBENSGRÖSSE. Kniestück. Eigenthum Sr. Majestät des Königs von Preußen. DIE BREITESTE GRUNDLAGE. Sepia. In verjüngtem Maaßstabe. DER TEMPELBAU ZU BABYLON. Aus der Gallerie des Reichsverwesers. SONNENAUFGANG BEI WIEN; MIT EINER PARFORCEJAGD. Im Besitz des Fürsten von Metternich. GUIZOT UND LUDWIG PHILIPP, Karten spielend. Großes historisches Gemälde, 12' hoch, 10' breit. PROFESSOR DAHLMANN. Studienkopf. DIE OFFENBARUNG JOHANNIS. Mythologisches Bild im alten Styl. Für die Paulskirche bestimmt. EIN PROLETARIER. Genrebild, im Besitz des Barons von Rothschild. Im goldnen Rahmen. HOLTEI LIEST DEN HERREN VON RADOWITZ, VINCKE UND WRANGEL DEN DON QUIXOTE VOR. Genrebild. DIE KÖNIGIN VICTORIA. Fruchtstück. EINE SCHÖNE GEGEND IN HANNOVER. Motiv von der Leine. DER HEILIGE GEIST BEI DER JUNGFRAU MARIA. Eigene Composition. EIN GENSD'ARME. Historische Statue in Lebensgröße. Von Rauch. DIE MUSE CLIO. Nach der Antike geformt und ciselirt von F. W. Pferdnant. EIN LIMBURGER KÄSE MIT MADEN. Stillleben. Im Besitz des Reichsdeputirten X. COMMUNISMUS. Phantasiestück. Privateigenthum. DER GEÄCHTETE OTTO VON WITTELSBACH, AUS SEINER BURG VERTRIEBEN. Historisches Gemälde. ¾ Lebensgröße. Eigenthum der Gräfin von Landsfeldt. VIEHSTÜCK AUS DEM HUNDSRÜCK; IM VORDERGRUNDE MEHRERE ALTE GEHEIMERÄTHE. Idylle. GRÜNER SALAT. Composition in Oel. DER BERLINER GENSD'ARMENMARKT MIT ZWEI KIRCHEN UND EINEM SCHAUSPIELHAUSE. Stillleben. EIN FLIEGENDER BUCHHÄNDLER. Altarblatt. EIN MÄNNLICHER KOPF. Im Besitz Friedrich Hecker's. EIN SCHAFSKOPF. Im Besitz des Herrn von ... DIE VOLKSBEWAFFNUNG IM BERLINER ZEUGHAUSE. Schlachtbild. Eigenthum des Herrn von Gneisenau. SAPHIR UND SAPPHO. Mythologisches Bild. EIN MÄRKISCHER LUMPENSAMMLER, UNTERSCHRIFTEN AN DIE VOSSISCHE ZEITUNG SENDEND. Genrebild von Lessing. DER DEUTSCHE FRÜHLING. Winterlandschaft. BAUERN, GURKENSALAT ESSEND. Landschaft im Charakter der Ruhr. JUDITH MIT DEM HAUPT DES HOLOFERNES. Neue Erfindung. MAINZER BÜRGER UND PREUSSISCHE SOLDATEN AM RHEIN. Idylle. DER DEUTSCHE KAISER. Halbe Figur. Federzeichnung. ANGELNDE EGYPTISCHE MÄDCHEN UNTER DEN LINDEN CAIRO'S. Großes Oelbild. Eigenthum des Polizei-Präsidenten X. EINE WEINSTUBE. Aquarelle. SIBIRIEN BEI MONDSCHEIN. Landschaft von Nikolaus Schinderow. KAISER FERDINAND VON OESTREICH. Quodlibet. DIE BARRIKADE. Jagdstück. {Schwarze Kunst / Holzschnitt. / Steindruck. / Stahlstich. / Illustration.} CONSTABLER VOR DEM PALAZZO DI KROLLI AUF DER CAMPAGNA REKRUTA. Zeitbild im Costüm des vorigen Jahrhunderts. WIENER UND BERLINER STUDENTEN. In voller Lebensgröße. Altarbild. EIN LANDMÄDCHEN VON DER MOSEL. Im Costüm des Bischofs Arnold II. von Trier, 1250. DOLCE FAR NIENTE. Genrebild. Im Besitz der pensionirten Minister X. Y. Z. DIE JUDEN SEHNEN SICH NACH DEN FLEISCHTÖPFEN EGYPTENS ZURÜCK. Genrebild. Eigenthum des Commerzienraths und Gutsbesitzers W. Bär-Kummer. REGIERUNGSANTRITT SR. MAJESTÄT DES SULTANS ABDUL-MEDSCHID. SCENE AUS DEM HAREM. Historisches Gemälde. RELLSTAB, AN EINER TONNE WEISSBIER DICHTEND, BELAUSCHT VON LOUISE ASTON UND DER RITTMEISTERIN LEHMANN. HINTERGRUND DIE VILLA PIEFKE BEI TIVOLI. Vom Professor Krüger. DIE HINRICHTUNG DES KÖNIGS VON NEAPEL. Phantasiestück. Eigenthum des Preußenvereins in Berlin. DER VERLORENE SOHN. Biblisches Gemälde. Besitz des Herrn von Vielhelm in London. EIN VERANTWORTLICHER MINISTER IM BADE. Genrebild von Th. Hosemann. EIN NATÜRLICHES KIND. Studie. GROSSE GRUNDBESITZER, WEHKLAGEND. Portraits von Verbookhoven in Brüssel. Goldner Rahmen. HANAUER BEWAFFNETE BÜRGER. Im Auftrage Sr. Königl. Hoheit des Kurfürsten von Hessen-Cassel. INTERLAKEN MIT DEM BLICK AUF DIE JUNGFRAU. Schweizer Landschaft. DIE RECHTE DES VOLKS. Radirt. Privatbesitz. BALAK, KÖNIG DER MOABITER, AUF DER RÜCKKEHR VOM KRIEGE. Skizze zu einem großen Gemälde. Eigenthum des Consuls Wagner. VERHUNGERNDE IRLÄNDER. Schwarze Kunst. Druck von Pächter. Aus der Gallerie des edlen Lord ... RAUCHENDE MAURER. Blumenstück. RHEINLÄNDISCHE DEPUTIRTE VON DER RECHTEN SEITE, IM WEINHAUSE AUF DIE BERLINER REVOLUTION SCHIMPFEND. Humoreske von Peter Hasenclever. MORPHEUS. Vom Professor Wach. Eigenthum Sr. Exc. des Ministers der Arbeiten, Herrn von ... EIN TISCH MIT AUSTERN, CHAMPAGNER, CAVIAR, ANANAS U. S. W. BEDECKT. Entwurf zu einem Freskobilde für das Armenhaus in Rybnick. DAS ÖSTREICHISCHE HEER VERWEIGERT DIE ANNAHME DER DEUTSCHEN KOKARDE. Fresken zu Glasfenstern, für den Kölner Dom bestimmt. EIN LIEUTENANT VOM GARDE DU CORPS-REGIMENT VERLÄSST EINE WEINHANDLUNG. Schwarze Kreidezeichnung. REHBERGER AM LAGO DI PLÖTZEN BEIM SILVA DEI MAMSELLO. Stillleben. Im Besitze des Berliner Magistrats. FRIEDRICH HECKER STEHT IN DER NACHT SINNEND VOR DER PAULSKIRCHE IN FRANKFURT. Historisches Gemälde. ERINNERUNGEN AUS DER VENDÉE. Oberöstreichische Landschaft. JOHANN OHNE LAND. In Wasserfarben. Gekröntes Concurrenzbild. TELTOWER BAUERN, AUF DEM WEGE NACH BERLIN. Farbenskizze. Eigenthum des Posamentiers Demelken in Perleberg. THADDEN-TRIEGLAFF. Nach der Natur. Von A. Schrödter. IGNAZ LOYOLA. Ganze Figur. Im Besitz des Herrn von Radowitz. EIN GEHEIMERATH ALS KIND. Familiengemälde. DER MUCKER UND DIE MUCKERIN. Ländliche Scene mit Mondscheinbeleuchtung. EINE LUSTIGE PUNSCHGESELLSCHAFT IN DER EINSIEDELEI DES KLOSTERS ST. MARIA DIE GESU. Geschichtsbild von C. Schorn. Eigenthum Pius' IX. ZWEI SCHIFFE. Deutsches Marinebild. MEHRERE OCHSEN, unter einer Nummer. Von Willibald Zaruck. Eigenthum des patriotischen Vereins zu X. ALCIBIADES, ZUM HAUPTMANN DER ATHENIENSISCHEN BÜRGERWEHR ERNANNT, WEINT VOR FREUDE AM HALSE DES ZUGFÜHRERS SOKRATES. Historisches Oelgemälde im Costüm der neuern Zeit. 6 Fuß hoch, 16' breit. EIN MISERABLER FÜRST. Genrebild. LAMARTINE, DICHTEND. Mit der goldnen Ueberschrift: 1848 . Gekröntes Geschichtsbild. DER ENGEL DER WELT. HUMORESKE. Eigenthum des Dr . Ernst Heiter. Aus Herrn Rentier Buffey's Tagebuche Herr Rentier Buffey sammelt Alles: eigene und fremde Gedanken, Erlesenes, Erlebtes, Erhörtes und Unerhörtes. Bei dieser Mittheilung habe ich den charakteristischen Ausdruck und den wunderbaren Styl des seltnen Mannes überall beibehalten, wo die Uebersetzung in's Hochdeutsche Wahrheit und Interesse hätte beeinträchtigen können. Auch der Künstler, dessen Werk die beigegebenen Bilder sind, hat die höchst eigenthümlichen Zeichnungen Buffey's nur dort für die herkömmliche Anschauung und Auffassung verändert, wo das der Originalität entwöhnte deutsche Publikum die Andeutungen des großen Bürgers und Politikers nicht verstanden haben würde. — D. V. Anno Eens für die Völker! Ludwig Philipp is fortjejagt, in Frankreich is de Republik erklärt, heller Dag jeworden: nu wird et in Deutschland tagen , nu der Hahn jekräht hat. Unsre Nachtwächter werden noch mal ochsig tuten un »Bewahret det Feuer un det Licht!« singen, aber et wird ihnen nischt mehr helfen, denn die Sonne is ufjejangen un – des stört! Ju'n Nacht, Despotie, schlafen Se wohl! Ju'n Morjen, Freiheit! Wenn wir man erst »Jesejente Mahlzeit, Armuth!« werden sagen können. Ich habe mir uf den ersten Freudenschreck über Paris eine Flasche Champagner vor zwei Dhaler jeben lassen, um so recht den französsischen Jeist, esprit , nennt man Des, ufzufassen. Seitdem is mir so revolutionär zu Muthe, deß ich mir in meine vier Pfähle zurückjezogen, in meine Stube injespunnt habe, un immer wild uf un abjehe un mit'n Stock in de Hand rumdeklamire. Mir is, als ob jar keen Fürst mehr existiren dürfte; als ob se Alle zum Deibel jejagt werden müßten, die von Jottes Jnaden. Aber nu ich jeschrieben habe, nanu bin ich schon wieder einigermaßen beruhigt.   Mein Sohn Willem is en halber König. Er lernt Nischt, aber verjessen dhut er Allens.   Meine Tochter Hulda hat einen Sohn jekriegt. Wenn nu dieser Sohn eine Tochter wird jekriegt haben, denn werde ich jestorben sein, un so jeht es immerzu. Im Jrunde is doch die janze Weltjeschichte eine bloße Jeburts- un Dodtenliste un nich der Rede un des Handelns werth. Als ich diesen Jedanken, der von mir is, meinen Eidam Dr . Ernst Heiter mittheilte, antwortete er: »Aber die Menschheit überlebt den Menschen.« Des mag sehr gescheidt sein, aber ich verstehe es nich, un ich halte Nischt vor jescheidt, was ich nich verstehe. Des is mein Recht als Indiwiedumm.   Ne, wie Des in Deutschland herjeht, diese Ufrejung, diese Dreistigkeit, diese Forderungen, diese Revolutionen: Des kann man sich jar nich mehr Allens notiren! Des is mir zu viel, Des geniert mir. Man wird ganz verrückt! Janz so verrückt wie... die Zustände. Worüber man lacht, wie über'n Witz, is morjen jeschehen; was ich jestern dachte, lese ich heute jedruckt; übermorjen früh is eener berühmt, der jestern Nacht noch keene Ahnung davon hatte; jestern Nacht war 'ne alte Welt, wo heute 'ne neue is; die Berje, die heute stehen, sind Nachmittag Thäler; was ich jestern erlebte, is morjen nich wahr, un was ich morjen erlebe, is heute schon dodt! Wie jesagt, man wird janz verrückt, un wenn ich keenen Spiegel hätte, denn jloobt' ich, ich wäre en Anderer .   In meine Restauration, der Jubel, wenn de Zeitung vorjelesen wird, der is unbeschreiblich! Den Kurfürsten von Hessen haben se also doch endlich den Zepter beschnitten. Jötter, ich danke Dir! sagt Beckmann. Ich lebe zwar als Rentier von meine Zinsen, aber ich bin nich jrade reich, aber einen Ducaten an de Armen habe ich heute jejeben, wie ich hörte, deß sie des Kurfürschteken ooch uf halbe Despotie, uf Warte-Knute jesetzt haben. Besonders haben ihm die edlen Hanauer sehr zugered't . Die haben einen sehr klaren un aufmunternden Stiel, so daß man ihren Wünschen jar nich widerstehen kann. Ich jloobe, sie würden damit selbst im Pallast der Czäären ihren Willen erlangt haben.   Jetzt begreif' ich, was uns des deutsche Sprichwort alle Dage zujerufen hat: »Des is nich gehauen un nich gestochen!«   Wenn das Schimpfen nich erlaubt ist, denn kann ich den Namen »Metternich« nich aussprechen.   Is es möglich? Des von Metternichen schreibe ich jestern un – vorjestern ist er schon wegjejagt! Oestreich, sage Oestreich , ne, sage es noch mal: Oestreich is frei!!! Ich habe jeweent wie en Kind, wie ich Des jelesen habe. Ne, is es denn möglich? Dreht sich denn die janze alte Welt, diese Sechsdage-Arbeet von Jott oder Moses, um un dum? Es soll mir wahrhaftig jar nich wundern, wenn ich morjen früh ufwache, un einen preußischen Dhaler anstatt de Sonne an'n Himmel sehe, oder aus de Hausdhüre trete un uf keenen Jeheimerath stoße. –   Die Weltgeschichte hatte königlich geruht , plötzlich ist sie ein unruhiger Arbeiter geworden.   Am 19ten März 1848. Ich stürze athemlos in's Zimmer, ich vergesse alle die Angst un die Wuth von die letzten zwee Dage; ich falle meinen Sohn Willem, den dummen Jungen, um'n Hals, der beinah hinter 'ne Barrikade gekommen wäre, wenn ich ihn nich rufgeholt hätte, un schreibe weiter Nischt als drei Worte, die aber eben so viel sagen wie: Vater, Sohn un heiliger Jeist, wie Sonne, Mond un Sterne, wie Jeburt, Leben un Tod: Wir sind frei!   Ich habe mir an meinen Hut eine schwarzrothjoldne Kokarde, des einije Deutschland , annähen lassen; ich drage als Orden ein langes verknüppertes schwarzrothjoldnes Band in't Knopploch; ich lasse aus mein Haus drei Stück schwarzrothjoldne Fahnen rausflattern, so jroß hat se Keiner in meine janze Nachbarschaft!   Von Dr . Ernst Heiter. »Wie soll ich beschreiben, was unbeschreiblich ist: den Siegesjubel der errungenen Freiheit in Berlin, die Flittertage nach der Hochzeit des 19ten März 1848? An dem Orte, wo ich lebte, blieb am Sonntag, den 19ten, die Berliner Post aus. Die ganze Stadt war auf den Beinen und in ängstlicher Spannung, obschon die letzten Nachrichten aus der Residenz beruhigender Art waren. Endlich, Abends gegen 10 Uhr, eben als die Mondfinsterniß eintrat, kam durch eine Extrapost die schreckliche Nachricht, daß Berlin in voller Revolution sei, daß es an allen Ecken brenne, daß förmlich Krieg gegen das Volk hinter den Barrikaden geführt würde, daß die Leichen haufenweise in den Straßen lägen. Das Entsetzen, der Schmerz, die Wuth war allgemein. Dennoch hegte man noch Zweifel, denn die erste Nachricht war unzuverlässig; als aber der Mond da oben die Farbe geronnenen Blutes annahm, schien Jedem die furchtbare Wahrheit besiegelt, denn in solchen großen, erschütternden Momenten glaubt auch der Ungläubigste an Zeichen und Wunder. Da tönte das Posthorn wieder: eine zweite, eine dritte Extrapost mit Flüchtlingen, welche nicht nur die Angaben der Erstern bestätigten, sondern noch neue und grauenhaftere Thatsachen hinzufügten! Mein Inneres war ein Chaos, ich vermag die Gedanken und Gefühle, welche sich kreuzten, nicht wiederzugeben. Durch den tiefsten Schmerz rief meine Seele jubelnd Freiheit! Freiheit! denn ob die Despotie für den Augenblick Siegerin war oder nicht: ihr Tod war mir gewiß. Seit 15 Jahren hatte ich für mein Volk gekämpft und nun... Aber diese blutige Schlacht! Und meine arme Mutter! Und meine Brüder! Hatten sie schon ihr Leben ruhmvoll ausgehaucht oder kämpften sie noch hinter den Barrikaden? Daß sie nicht zurückgeblieben waren, wo es gegen die Tyrannei zu thun gab, das war mein Stolz, ehe ich sie noch rühmen hörte. Also hinüber nach Berlin, so schnell wie möglich. Welche Gerüchte unterweges! Das Volk hatte gesiegt, das schien sicher, aber keiner der Reisenden traute den Frieden, wie man ihm in Berlin selbst nicht traute. Die Fama blies offenbare Fabeln, aber seit dem Februar gab es in Europa keine Unmöglichkeiten und Wunder mehr. Im Gasthofe zu Oranienburg, durch welchen eben die Ex-Minister Eichhorn und Savigny geschlüpft waren, beschwor der Wirth mich und die Freunde, welche mit mir reisten, von unserm Vorhaben abzustehen. Es läge in den Dörfern und im Wald, durch den wir müßten, noch Militair. – Berlin brenne noch an allen Ecken und Enden, die Proletarier plünderten und mordeten, vor dem Oranienburger Thore wären sie zu Tausenden und wütheten und wir kämen nicht lebendig durch. Nichts von alle dem. Das lange Artilleriegebäude brannte allerdings noch, aber das Proletariat fiel uns nicht an, ging vielmehr selbst mit Piken und Schwertern bewaffnet umher, um die Ordnung aufrecht zu erhalten und – für alle möglichen Fälle schlagfertig zu sein. Es herrschte noch das größte Mißtrauen gegen die Regierung, obschon das Berliner Volk sein einziger Regent, sein eigenes Ministerium, sein eigener Rath war. Mindestens sechs Mal hielt man in der Vorstadt unsern Wagen an, guckte hinein, sagte guten Abend, prüfte unsere Kleider und Gesichter und gab dann dem Schwager einen Wink, weiter zu fahren. Gegen halb Eilf Uhr fuhren wir durch das Oranienburgerthor in Berlin hinein. Sogleich war dieser Wagen von Vierzig, Fünfzig Personen umringt: Handwerker, Studenten, Kaufleute, Beamte, Arbeiter, Künstler, Einige mit Federbüschen auf den Hüten, Alle in Waffen. Man fragte uns eifrig, wild durcheinander, woher wir kämen, ob wir kein Militair bemerkt, ob wir nicht gehört hätten, daß Berlin Gefahr drohe? Ich nahm meine Mütze ab und antwortete: Wir haben nichts Gefahrdrohendes gesehen, Nichts gehört als die Größe Berlins preisen. »Mein Bruder!« rief es plötzlich. Einer meiner Brüder war unter den Wachthabenden. Nun riefen sie meinen Namen, reichten mir kreuz und quer Alle die Hände nach dem geöffneten Wagenfenster und begrüßten mich auf die liebevollste Weise. Ich wurde aus dem Wagen geholt und in die naheliegende Artilleriekaserne geführt. »Zu unsern Brüdern, zu den hochherzigen Studenten!« rief man. »Zwei Jahre sind Sie von Ihrer Vaterstadt verbannt gewesen; wir haben die Freiheit erkämpft; ein Glas Wein zum Wiedersehen!« Man rief in die Artilleriekaserne hinein, daß ein Freund der Freiheit da sei; man drückte mir auch hier herzig die Hand; Alle waren wie innig verbundene Kameraden, wie Brüder untereinander; es herrschte kein Rang, kein Stand, kein Stolz auf Wohlhabenheit oder Bildung, keine conventionelle Scheu, kein Fremdthun; Berlin war hier und in den nächstfolgenden Tagen in der schönsten menschlichen Gleichheit. Die Anarchie Berlins war seine größte Zeit. Plötzlich ertönte es aus den Seitenstraßen: »Auf, auf! Zu den Waffen, Brüder! Sturm läuten! Der Prinz von Preußen kommt mit Militair!« Man lief, man rannte und schrie, die Aufregung wuchs sichtlich von Sekunde zu Sekunde, und trotzdem die Meisten das Ganze sogleich richtig als blinden Lärm erkannten, wurde doch ins Horn gestoßen und die Trommel gerührt. Ich vergesse diese Scenen, diese Entschlossenheit in allen Mienen, die errungene Freiheit nur mit dem Leben zu opfern, diese erschütternde, unruhige Einheit, dieses starke Bündniß tieferregter Menschen in einer ihnen neuen Welt, dieses plötzliche Mährchen in unsrer Polizeiwelt, diese wunderbare Nacht in meinem ganzen Leben nicht. Was auch geschehen sollte, ich mußte zuvor meine alte Mutter, meine Brüder sehen. Die Freunde waren bereits nach dem Hôtel de Russie abgefahren, wo wir uns später treffen wollten. Bruder Theodor rief eine Droschke an. »Wollen Sie noch fahren, Bürger?« Der Kutscher sah uns prüfend an. »Aber ooch Bürjer ?« fragte er. »Keene verkleedte Soldaten oder Polezisten, oder Rejierung oder sonst so'n Zeug?« Mein Bruder lachte, schlug an seinen Säbel und antwortete: »Barrikadenbürger! Keiner von den – Andern; fahr' uns nur dreist, Bruder Droschke!« – »Man rin!« war die Antwort. »Et is zwar halb Zwölwe, aber Ihnen, Bürjer, fahr' ick, un so lange un so weit wie Sie wollen.« Eine Stunde später saß ich im Speisezimmer des Hôtel de Russie mit meinen Brüdern und Reisegefährten, mit deutschen Gästen, mit Engländern, Polen und Franzosen zusammen. Die Nachricht, daß der Prinz von Preußen mit Militair heranrücke, hatten wir auch in der Nähe des Halleschen Thores rufen hören; draußen wurde noch immer von Zeit zu Zeit Generalmarsch geschlagen oder Feuer geblasen u. s. w., aber es war alles nur die taube Furcht der allgemeinen Aufregung und Besorgniß. Wir ließen uns bald nicht mehr stören und schwelgten – von einigen Bowlen Punsch unterstützt – in den Berichten vom weltgeschichtlichen Kampfe, von der Uneigennützigkeit, dem Edelmuthe und der Tapferkeit des untersten Volkes, in den Hundert Perspectiven der neuen Freiheit. Jeder hielt Reden. Die Polen, deren Brüder heut jubelnd aus dem Gefängnisse geholt waren, die deutschen Reisenden, welche sich als frühere Berlin- und Preußen-Feinde bekannten, priesen die Revolution als einen wahrhaften Heldenkampf; die beiden Franzosen gestanden mit freudeflammenden Augen, daß der letzte Pariser Umsturz Spielerei gegen diese Schlacht gewesen sei, und selbst die Engländer waren voll Enthusiasmus. Meine Brüder, die einzigen Barrikadisten an diesem Tische, hatten es daher vorzugsweise gut, und sie waren auch die Ersten, welche Alles, auch unsere neue Freiheit, doppelt sahen. Bald umarmten und küßten wir uns Alle: Deutsche, Franzosen, Engländer und Polen. Europa war verbrüdert und... ging gegen Morgen zu Bette. Heut, am 20sten, am letzten großen Sieg des deutschen Volkes gegen seine Tyrannen, am ersten Tage des neuen, freien Deutschlands, war... Frühlings-Anfang . Der Himmel ist mit uns. Was ich am nächsten und in den folgenden Tagen erlebte, kann ich mir nicht mehr lebendig vergegenwärtigen. Das größte Talent vermögte es nicht, sich in solche Stimmung zurück zu versetzen, wie sie die Auffassung jener wunderbaren Begebenheiten bedingt, geschweige mein geringes. Ich theile daher die beiden Briefe mit, welche ich in diesen Tagen von Berlin aus an meine Frau schrieb.   Berlin, am 21sten März 1848. Warum weintest Du, Geliebte, als ich hierher eilte? Du hättest jubeln sollen, daß ich das erlebte. Kaum vermag ich die Feder zu halten; meine Aufregung ist furchtbar. Das Blut tobt mir im Kopfe, die Nerven zittern, als sollte ich keine zwei Stunden mehr leben. Ist denn das Alles aber auch zu ertragen, zu erfassen? Nein, nein, es ist unüberdenkbar. Alles, Alles jubelt im Morgenroth der Freiheit, alle Fremden sind voll Enthusiasmus über die Berliner. Die Barrikaden wuchsen aus der Erde; nicht nur die Männer, auch die Frauen riefen zu den Waffen, schrieen Rache; feine Damen trugen in ihren Kleidern Steine von der Straße aufs Dach und eiferten an, wo es irgend nöthig schien. Neben den Handwerkern, Studenten, Künstlern, Beamten etc. schanzten und fochten die Proletarier, die Straßenjungen – mit heiligem Ernste! Das Ereigniß ist groß, seine Detail vielleicht noch größer. Versäume ja nicht, die Schilderung derselben in den Zeitungen zu lesen und... Dich vor dem Volke zu beugen. Könntest Du hinausschauen in dies Berlin, in dies tiefaufgeregte wogende Meer, in welchem jedes Haus ein Schiff mit schwarz-roth-goldenen Fahnen ist. An meinem verwilderten Styl wirst Du merken, wie schwindlich mir von der ersten Fahrt geworden. Kaum kann man durch die tobenden Straßen; die ganze Bevölkerung wogt durcheinander. An die Arbeit, an das Geschäft denkt keine Seele. Wie man auch jauchzen möchte, Niemand weiß noch, was daraus werden soll; die Stimmung, die Gesichter sind ernst. Der Besitz fürchtet sich, macht aber gute Miene zum bösen Spiel. Vor jedem öffentlichen Gebäude Bürger und Studenten im Gewehr. Die Straßen sind noch voll offner Wunden, so schnell man auch Pflaster darauf legte; viele Häuser, besonders Eckhäuser, zeigen ihre Schußnarben und wundern sich über die schnelle Versöhnung. – Hier und dort liest man »National-Eigenthum«, am Palais des Prinzen von Preußen außerdem die Worte; »Hier wirken Männer aus dem Volke für das Volk.« An einem zerstörten Gewölbe unter den Linden, dessen Besitzer vor dem 18ten zwei heftig gegen die Despotie raisonnirende Polen angezeigt hatte, steht: »So werden Verräther bestraft«, und über einer Kartätsche in einem Brunnen in der Breiten Straße: »An meine lieben Berliner.« So lautete die Ansprache des königlichen Erlasses nach der Revolution. Das ist kein bloßer Witz mehr; dieser Witz blutet von Humor. – Morgen früh schreibe ich Dir mehr. Das feierliche Begräbniß der Gefallenen findet erst Nachmittag statt. Alles sieht diesen entscheidenden Stunden mit Angst oder doch mit größter Spannung entgegen. Was diese todten Helden morgen noch thun werden... wer kann es wissen! Die Todten sind oft unversöhnlicher als die Lebenden. Es möchte heut wohl Niemand mit seinem Kopfe ein ferneres Königreich Preußen garantiren. Schon wird die Reaction laut. Der Magistrat und einige andere gute Männer haben heut dem Volke durch Anschläge zugerufen: wir sind großherzig, wir vergessen Alles; wir wollen die Leichen der Soldaten vereint mit denen der gefallenen Helden nach dem Friedrichshain tragen. – Die, die mit einem Fluche auf die Despotie starben, neben deren besoldeten Schlächtern! Das wollen nun die Demokraten nicht zugeben. Viele Führer derselben werden sich heut Abend hier unten im Hôtel versammeln und eine Deputation wählen, welche den Ministern die Zurücknahme jenes Anschlages... auf die Revolution und die Freiheit... befehlen soll. Werden sie es in dieser einen Nacht – durchsetzen? Es handelt sich um eine zweite Revolution. So steht man hier mitten in der lebendigste Geschichte; man sieht sie wachsen. Ist's bei Euch ruhig? Ich hoffe, der Großherzog hat Alles bewilligt. Alles ist jetzt das Wenigste, was ein Fürst geben kann. – Leb' wohl!   Berlin, am 22sten März 1848. Mittags 12 Uhr. Ich habe Dir gestern nur flüchtige Züge von der Physiognomie Berlins entworfen und will heut noch Flüchtiges hinzufügen. Der König, der constitutonelle , ritt gestern mit den neuen verantwortlichen Ministern, von Bürgern geführt, mit der dreifarbigen deutschen Fahne durch die Straßen. Er sprach zu dem ihm umgebenden Volke und sagte: er stelle sich an die Spitze der deutschen Bewegung, denn die deutsche Einheit sei bedroht und er sei der mächtigste Fürst Deutschlands, Nicht mächtig durch die Waffen seines tapfern Heeres, nicht stark durch seinen gefüllten (?) Schatz, sondern nur durch die Herzen und die Treue seines Volkes. Preußen müsse fortan in Deutschland aufgehen . Den Studenten vor der Universität versicherte der König: er sei stolz darauf, daß Deutschland solche Söhne besitze, und in einer Proclamation: »An mein Volk und an die deutsche Nation« sagt der noch vor drei Tagen absolute preußische Herrscher: Ich habe mich und mein Volk unter das ehrwürdige Banner des deutschen Reichs gestellt. – Preußen geht fortan in Deutschland auf. – Vor Allem Noth thut die Aufstellung eines allgemeinen deutschen, volksthümlichen Heeres . – Der auf den 2ten April bereits einberufene Landtag sei eine deutsche Ständeversammlung, welche die Wiedergeburt und Gründung eines neuen Deutschlands , eines einigen und freien , berathen soll. – – – Eine stolze, begeisternde Melodie, durch welche aber immer die Pariser Dissonanz »Trop tard!« und das ferne Geheule der Reaction durchklingt. Auch späterhin waren die Linden, der Schloßplatz, die Königs- und alle Straßen des Mittelpunktes der Stadt mit Menschen übersäet. Ueberall wird Hunderten, die ihre Köpfe zusammenstecken, vorgelesen, was die jauchzende freie Presse alle Fünf Minuten Neues bietet. Jungen und Weiber verkaufen Kokarden, Gedichte, Freiheitscigarren u. s. w. Durch ganz Berlin kein Gebäude, kein Stockwerk, kein Laden ohne die schwarz-roth-goldene Fahne. In den Kirchen – auch in einem Zimmer des Schlosses – liegen die mit Blumen und Lorbeer geschmückten Leichen des Völkersieges, daneben stehen weinende Mütter, Väter, Brüder, umgeben von Hundert und aber Hundert Neugierigen. Trotz der fluthenden Menschenmasse kein Soldat, kein Gensd'arme, kein Polizist: der gute Wille ist allein Gesetz, die Ehre des Volkes seine Wache. Alle zwanzig Schritt stehen auf den Straßen weißbedeckte Stühle mit Tellern darüber die Bitte: »Für die Hinterbliebenen der gefallenen Brüder.« Da werfen die Vorübergehenden Dreier, Sechser, Groschen, Thaler, Louisd'ore, ja Fünfzig- und Hundert-Thalerscheine hinein. Wer Geld wechseln will, wechselt: es ist sichere Ueberzeugung, daß diese geheiligten Spenden Niemand, auch nicht der Aermste, der sich vielleicht nach einem Bissen Brot umsieht, anzugreifen wagt. Ist das nicht groß? Das Berliner Volk ist mir einen kleinen Dank schuldig; nicht allein, daß ich der Erste war, der es sprechen ließ, als es noch schweigen mußte: ich war auch der einzige von allen Schriftstellern, die sich über Berlin aussprachen, der die sittliche Kraft und die tiefere Bedeutung dieses Volkes erkannte und gegen alle Angriffe vertheidigte. Nun , allerdings, coquettiren Tausende mit ihm; jetzt, nach diesem letzten Kugelregen wachsen die Volksfreunde wie die Pilze. Ich stehe auf dem Schloßplatze im Kreise mehrerer Freunde, älterer und – augenblicklicher. Da kommt von den Linden her ein gallopirender Fiaker, an dem eine große dreifarbige Fahne flattert, in ihm drei Studenten. Sie werfen Gedichte in hunderttausend Exemplaren herab: alle Hände von unten und aus den Fenstern greifen darnach. Die Gedichte flattern bis über die Dächer, in alle Seitenstraßen. Wir lesen. Es ist das stark veränderte, frei übersetzte »Heil Dir im Siegerkranz.« Wir treten auf die Kurfürstenbrücke und sehen die Gedichte auch durch die Königsstraße, durch deren Menschenmenge der Fiaker kaum hindurch kann, flattern. Sie flattern lustig, sie jubiliren, die Lerchen der freien Presse. Nach einigen Minuten drehen wir uns um: da stehen mindestens 4000 Menschen vor den Fenstern des Schlosses, wo der König wohnt, und singen ihm unisono das neue Lied vor. Welch ein Eindruck! Das Herz drohte mir immer aus der Brust zu springen; ein Freund mußte mich unterstützen, ich hatte kaum noch die Kraft, meinen Weg durch die Königsstraße fortzusetzen. Hier neues Leben, neue Bilder! Da fahren Wagen, hochbepackt mit Särgen für die Gefallenen; da jauchzen Weiber einem der kecksten Barrikadenkämpfer entgegen: da tragen finster und wild ausschauende Gesellen einen gelben Sarg, vor und hinter ihnen ihre Kameraden mit der deutschen Fahne; da steht das zerstörte Haus des Major Preuß – da kommt Prinz Albrecht. Er hatte mehrere Arbeiter an den Barrikaden mit Wein etc. bewirthet; er hatte nach dem Siege des Volkes illuminirt: das gute Herz der Berliner fand eine Entschädigung für den tiefen Haß gegen den Prinzen von Preußen darin, diesem seinen Bruder Wohlwollen zu zeigen. Er kommt zu Fuß. Das, was man früher Plebs nannte, umgiebt ihn, die zerrissensten Straßenjungen tanzen jubelnd, fahnenschwingend vor ihm her: das Schauspiel erinnert an den Zug des Masaniello in der Stummen von Portici. Nur zwei Bürger begleiten ihn. Alle drei Minuten stehen die Buben still und bringen ihm ein Hoch und Hurrah; alle Damen aus den Fenstern winken mit ihren weißen Tüchern. Der Prinz nimmt den Hut ab, schwenkt ihn und läßt die Constitution leben, die Freiheit, das einige Deutschland. Kannst Du Dich in diese große Scene Berlin in seinen Tausend erschütternden einzelnen Scenen, in diese Herzlichkeit, Gleichheit, in dieses neue, wilde Brausen des souverain gewordenen Volkes, in diesen tiefernsten Jubel hineindenken, und dazu mich, der die Krönung seiner Wünsche und seines Strebens feiert, und mein weiches Herz ermessen, so brauche ich mich nicht zu scheuen, Dir zu sagen, daß ich die Thränen nicht mehr halten konnte, daß ich auf offener Straße wie ein Kind weinte. Und warum scheuen? Wer weiß, was diese Thränen bedeuten werden! – – – Bei alle dem glaubt Niemand, daß die Revolution schon zu Ende. Das Staatsschiff schwankt auf hoher See und – es ist schlimmer Südwest . Die Arbeit wird am meisten Arbeit machen. Vorläufig fürchtet man vor der heutigen Beerdigungsfeierlichkeit. Gilt es, geht es noch wieder los, so kämpfe ich mit dem Volke, zu dem ich gehöre. Ich, der immer nur die Stahlfeder zog, werde zwar kein besonderer Held sein, was mir aber an Kraft gebricht, wird mein unwandelbarer, gestählter Zorn gegen die Tyrannei jeder Gattung ersetzen. Die edlen Opfer werden übrigens ohne die Soldatenleichen bestattet: die Demokraten des Hôtel de Russie haben es gestern Nacht durchgesetzt. Aus dieser Versammlung wird sich ein »Politischer Clubb« bilden, der sich der unausbleiblichen Contrerevolution gegenüberstellen und die Rechte des Volkes, den Volkswillen als höchstes Gesetz aufrecht halten will. Wie tobt es auf den Straßen! Schon jetzt ordnen sich die einzelnen Trauerzüge. Ich folge auch, unser Corps versammelt sich hinter der katholischen Kirche.   Abends 8 Uhr. Es ist vorüber, ruhig vorüber. Die Beschreibung wirst Du in der Zeitung finden; ich bedaure Jeden, der dergleichen von heut zu morgen beschreiben muß. Je größer die Fertigkeit in solchen Referaten, je kleiner gewiß der Geist; ein Dichter kann's gar nicht, es ist noch mehr Poesie in der Tagelöhnerei, als Tagelöhnerei in der Poesie. Die Feierlichkeit hat wohl ihres Gleichen nie gehabt. Gegen 300,000 Menschen waren betheiligt, betheiligt mit Herz, Auge und Ohr. Und Alles in musterhafter Ordnung und Schönheit, Alles vom Volke selbst geordnet und ausgeführt. Es ist reif für die Freiheit. Der Eindruck war ein erhabener. Ich konnte vor überwältigenden Gefühlen nicht zu mir selbst kommen und – ich hatte Furcht vor dieser Begegnung mit mir. »Welch' ein Leichenzug!« rief mein Nebenmann. »Ja,« antwortete ich, »aber so Viel wie heut ist auch noch niemals begraben worden.« Das Gefühl meiner Schwäche, meiner Unbedeutendheit erdrückte mich. Kann man noch mitreden, wenn die Welt so spricht; kann man sich noch als Individuum hervorthun wollen, wenn die Zustände, die Völker so groß sind? Nein, mit jenen Leichen der Berliner Helden sind auch wir begraben: ich fühlte, daß ich mir selbst folgte. Dennoch habe ich noch ein Leben im Volke und mit diesem will ich leben. Wenn nichts Unerwartetes vorfällt, so ist dies, Geliebte, mein letzter Revolutionsbrief. Am Freitag bringt mich die Post selbst, und ich hoffe, daß ich Dir der liebste Brief – ein endlich frankirter – sein werde.   Die alten Minister haben wir ausgemerzt, aber mit den neuen sind wir in'n April geschickt.   Mein Sohn Willem hat heute von mir eine orndliche Dracht Schläge gekriegt, weil er nich zur gehörigen Zeit, wie es sich schickt , zum Abenbrot gekommen is. Wie ich ihm fragte, wo er so lange gestochen habe, sagte er: er hätte unten uf de Straße Freiheit jespielt . Nanu werde ich doch den Bengel etwas knapper halten müssen, sonst wird er mir in meinen eijenen Hause souverain , ich weeß nich wie.   Ein New-Yorker Blatt sagt über die Vorstellung von Shakespeare's »Macbeth« Folgendes: »Ich habe der Vorstellung vom Anfange bis zu Ende beigewohnt, aber ich kann nicht anders sagen, als daß ich ihn, den Macbeth, keinesweges für einen guten moralischen Charakter halte. Was seine Gemahlin, die Lady betrifft, so scheint sie mir ein sehr herrschsüchtiges Temperament zu besitzen und sehr falsche Vorstellungen von Gastfreundschaft zu haben, was dieselbe – in Verbindung mit der unangenehmen Angewohnheit, laut mit sich selbst zu sprechen und Nachts im Hemd umherzugehen, zu einer sehr lästigen Lebensgefährtin gemacht haben muß.«   Wie sich die Störche jewundert haben werden, wie die in diesem Frühjahr nach Deutschland jekommen sind! – – – Aber ob se sich noch mehr wundern werden, wenn sie im Herbst wieder abziehen?   In der Berliner Singakademie wird jetzt nur einer von den berühmten Componisten gehört: Händel . Von einem Messias aber noch kein Ton.   In Paris, in der Nationalversammlung, hat ein Herr Barete verlangt, daß sich jeder Mann mit mehrere Frauen verheirathen dürfte. Ich weeß nich, ob dieser Petitionarr sich jemals in die Ehe befunden hat, aber ich fand es bei diesem scandalösen Antrag sehr jeistreich, daß die Deputirten sich schämten un – zur Tages-Ordnung überjingen.   Damals, bei de Wahlen nach Frankfurt am Main, saß neben mir ein Urwähler in eine Jacke, die an de Ellenbogen noch nich janz zujenäht war. Sie hatte mehrere bunte Abtheilungen, un überhaupt war sein janzer Anzug sehr patriotisch, indem er einen ziemlich deutlichen Bejriff von Deutschland jab. Außerdem roochte er eine Cijarre – – – die jewiß sehr preiswürdig war. Ich habe ihn nich gefragt, was der halbe Haufen davon kost't, aber – ich behielt meine Besinnung. Dieser Mann schrieb uf seinen Zettel bei de erste Wahl »Lehmann« un bei alle engere Wahlen immer wieder »Lehmann« , obschon ich, der ich mir doch schon drum bekümmert hatte, als Staatsbürjer, weder einen Lehmann hatte sprechen, noch einen Lehmann als Candidaten hatte vorschlagen hören. Endlich frage ich den Mann mit die Jacke, die an de Ellenbogen noch nich zujenäht war: »Sie entschuld'jen,« sagte ich, »mein Herr, der Lehmann , den Sie immer ufschreiben, des is woll ein sehr bedeutender Mensch?« – »»Des bin ich selber««, antwort't mir der Mann. »Wie so ?« sage ich, »wünschen Sie nach Frankfurt am Main zu kommen?« – »»Ja««, antwort't der Mann mit einen sehr ernsten aber jutmüthijen Jesicht, »»weil ick da Bescheed weeß. Ich kenne da Allens, weil ick schon früher 'mal als Jeselle in Frankfurt jearbeet habe.««   Da haben sich mehre junge Aerzte einen Spaß jemacht, un in meinen Wahlbezirk ihren Stiebelputzer, der ein Mensch is mit einen großen Bart un einen noch jrößern Splehn, eine Rede halten lassen, wie se noch nich dagewesen is. Et wurde jelacht un geschimpft, aber er hielt se ruhig aus. So weit ich die Rede behalten habe, will ich sie mir hier notiren, denn das Janze is ein Unsinn , des kann jedes Kind merken. – »Meine Herren!« sagte der Stiebelputzer. »Meine Herren , ich bin Republikaner un will die absolute Monarchie. Wenn einmal repräsentirt werden muß, immer drauf los! Das höchste Gesetz ist der Volkswille, insofern die Polizei damit einverstanden und Ruhe die erste, zweite und dritte Bürgerpflicht ist. Meine Herren: der 19. März war ein glorreicher Tag; die Despotie wurde gestürzt, mit ihr die Minister, mit ihnen das Vormundschaftsgericht! Blutroth ging die Sonne der Tyrannei unter, golden die der Freiheit auf. Man kann dies noch anders ausdrücken, aber es hört sich auch in dieser Form ziemlich gut an. Meine Herren; das Volk soll souverain sein, und eben darum muß uns Seine Majestät der König sagen, was wir zu thun und zu lassen haben! Nach Innen Zwiespalt, nach Außen keine Eroberungen, aber brüderliche, todesmuthige Unterstützung und Hülfe allen deutschen Brüdern, die in Italien und Polen im Kampfe um Freiheit und Nationalität sind. Um die freie Presse zu verlangen, können wir uns versammeln, so oft es uns gestattet wird. Aber, meine Herren , ohne Ordnung keine Anarchie, ohne Freiheit keine Interpellation! Ich werde keinem Deputirten meine Stimme geben, der nicht für die monarchische Form und für die direkte Wahl der Bürgerwehroffiziere ist, denn nur dadurch und durch das feste Auftreten des Gesetzes ist es möglich, die Paßbelästigung aufzuheben und den Kirchenstaat zu trennen. Meine Herren: das heiligste Recht des Volkes ist die Kenntniß des Staatsschutzes und die sichere Ueberzeugung, daß unsere Abgaben in demselben gewesen waren. Der Steuern muß gesteuert, die nothwendigsten Lebensbedürfnisse durch Einkommen gesichert werden. Meine Herren: die Schule muß Sonntags, Mittwochs und Sonnabends Nachmittag unabhängig sein und die deutsche Flotte ist kein Hirngespinnst, sobald die Beiträge zusammenkommen. Meine Herren: was Frankfurt am Main betrifft, so muß Deutschland zum Theil in Preußen, Preußen zum Theil in Deutschland aufgehen, so lange die Gefängnisse die Centralgewalt bilden. Aber, meine Herren , die sociale Frage ist und bleibt die Hauptsache! An die Arbeit muß gedacht werden, wenn das ganze Gebäude des Fortschritts nicht zusammenstürzen soll. Die Arbeit, die Arbeit ist der Polarstern, um welchen sich der Himmel unsrer Freiheit und Eventualitäten dreht, und eben weil die Arbeit dieser Stern ist, will ich hier nicht länger stehen bleiben, sondern mich nützlich zu beschäftigen suchen. Und dasselbe rathe ich Ihnen! «   Ich weeß nich, mir kommt es immer vor, als ob die Freiheit bei uns blos eine Jastrolle jejeben un sehr unjlücklich gespielt, bebütirt hat, nennt man des. Sie trat als »Weib aus dem Volke« auf, aber des Bürjerwehr-Commando hat se jleich austrommeln lassen.   Die Gefahr.             Nächtens um die zwölfte Stunde, Liegt Berlin in tiefer Ruh; Plötzlich wirbelt's in der Runde, Hörner schmettern wild dazu! Furchtbar dröhnt es durch die Straßen, Allen Schläfern rinnt das Blut, – Immer stärker, ohne Maaßen, Selbst den Weibern wächst der Muth! Und sie fahren aus den Betten: Bürger, Bürger, zum Gewehr! Auf! das Vaterland zu retten, Ist kein Opfer uns zu schwer! Und in Kurzem stehn gerüstet Gegen zwanzigtausend Mann: Ha! wenn's nun dem Feind gelüstet: Wir sind da! Er rücke an! Und der Feldherr, todesmuthig, Ruft: Kam'raden, folget mir! Sei der Kampf auch heiß und blutig: Siegen oder fallen wir! Und die Linden kühn erringend, Sieht man auch den Feind schon fliehn: Vier Besoffne, wie sie singend Nach der Wilhelmsstraße zieh'n.   Die neuen Staatsbürger.         Es saßen zum Frühstück vereinigt, Der würdigen Männer wohl Vier; Sie schimpfeten sehr auf die Freiheit Und tranken mitsammen viel Bier. Am Abend, da waren sie wieder Beisammen, die würdigen Vier, Da lobeten sie ihren Fürsten Und tranken auch wieder viel Bier. Der Kriegesrath und der Hofrath, Ein Schneider und ein Barbier, Das sind vier würdige Männer: Sie trinken zusammen viel Bier.   Für die Hinterbliebenen vom 19ten März sind große Summen gesammelt. Wenn man aber alle die höhern Beamten betrachtet, die zum ancien régime gehörten und noch immer nicht abgesetzt sind, so glaube ich doch nicht, daß die großen Summen für die – Hinterbliebenen vom 19ten März – ausreichen werden.   Alle Redner reden von Constitution , obschon in dem Bauch dieser Constitution bei Diesen der Absolutismus, bei Jenen die Republik liegt. Die Constitution ist das politische Mädchen für Alles .   Die Theater stehen jetzt janz leer. Warum? Die Leute sagen, sie hätten kein Geld dafür. Mit Permission, des is 'ne Lüje! Ich jlobe, wir haben noch niemals so viel Jeld davor ausjejeben, uns Komödien vorspielen zu lassen. Allerdings hatten die Acteure den Vorhang nich ufjezogen, aber wer durch des feine Jewebe un Jespinnste nich durchkucken kann, der muß nich bloß een Brett, sondern alle die Bretter vor'n Kopp haben, uf die unsre politischen Komödianten ihre Rollen abpathossen, die ihnen vom Souffleurkasten, der mit Purpur überzogen is, einjeblasen werden. »Ich sehe keine Reaction!« des is des dritte Wort aller – Reactionäre. Ne, des is doch wirklich um die Crepangse zu kriegen! Keine Reaction! Mit Hühneroogen kann man sie sehen!   Neulich machte mein Sohn Willem einen Spazierjang mit unjefähr fünfzig von seine Kameraden, eine Ercursion nennt man des. Wie er wieder zu Hause kam, fragte ich ihn, als Vater , wie es gewesen wäre? Darauf antwortete er: »ick habe mir königlich amiesirt.« Darauf sagte ich ihm, weil er natürlich noch keinen Bejriff von die jetzigen Zustände haben kann, sehr strenge: » Königlich amiesirt, so heeßt es nich mehr! Es heißt jetzt: ich habe mir reichsverwesersch amiesirt! Wie heeßt es?« Darauf fing der dumme Junge jleich an zu heulen und sagte unter Schluchsen: ich habe mir reichsverwesersch amiesirt! –   Jleich nach die schöne Wiener Revolution empfahl ein Weinhändler: »Frisch abgezogenen Johannisberger.«   Der constitutionelle Bürger Isaac Moses Hersch schrieb an's Ministerium Camphausen: »Wie ich habe gesehen Ihren Entwurf von die Verfassung, hab' ich bekummen ein Schreck in meine Glieder, wie wenn ich hätt gesehen spuken das Jespenst von's Minesterium Eichhorn! Gott soll mer lassen leben mit meine Frau und Kinder, es hat nicht viel gefehlt, hätt mir der Schlag gerührt auf die Stelle. Haste gesehen a Entwurf! Hohes Ministerium Camphausen! Was soll ich Ihnen sagen? Mir hat mein Verstand stille gestanden, wie ich habe gelesen Ihren Entwurf; wie muß er erst Ihnen haben stille gestanden, wie sie ihn haben geschrieben! «   Dr . Ernst Heiter schreibt: »Gestern traf ich den früher viel genannten, jetzt aber antiquirten X. Es giebt nichts Unbequemeres, als einen todten Menschen zu begegnen, der noch lebt.«   Ick habe immer in de Staatszeitungen gelesen, deß der Adel verliehen wurde. Nanu fordern wir ihn zurück , so beschädigt, verbraucht un besuddelt er ooch is. Dahin, wo wir ihn jetzt hinlegen wollen, paßt er noch immer.   Busike. »Herrjees, wat hast Du politischer Hungerfritze denn gegen de Voßsche anzuwenden? Se hat ja drei Beilagen! « Schnebbe. »Det is richtig, aber det Fleesch is faul, un bei de Beilagen sind immer so viel dumme un blaffende Hunde , det keen anständijer Mensch anbeißt.«   Also in de Paulskirche sitzen unsre deutschen Vertreter! Na wenn die unsre Freiheit zu Weje bringen, det wäre des erste Jute, was aus de Kirche hervorjejangen is.   Ick weeß nich, warum uns die Zarucker des Wort un die Sache Revolution nehmen wollen, un dafür Ereigniß, Bejebenheit, Zusammenstoß un dergleichen nämliches Zeug sagen! Ne, ne, wir bleiben bei de Revolution un wollen se nich aus de Ogen verliren bis unsre Freiheit gesichert is. Wir haben, wie der berühmte Minister Habicht von Dessau sagt: in jede Westentasche 'ne Barrikade, wenn se uns Eener angreifen will. Der König selbst un der Minister v. Schwerin haben sie »Tage des Ruhms« jenannt. Bejebenheit! Theeekessels! Eine Bejebenheit mit 187 Todte im Friedrichshain! Seht Euch doch vor, Ihr Zarucker, Mucker, Opernkucker, Achselzucker, Zinsenschlucker, Haideschnucker, Ehrespucker, Polizeidrucker un Knieehucker , des es keene Bejebenheit war, denn eine Bejebenheit kann alle Dage wiederkommen! Außerdem is es noch billig un jerecht: deß wir uns de Revolution nich verdeutschen lassen – denn wir haben durch sie das Bürjerrecht erlangt, also kommt's ihr auch zu. –   Die Königin Victoria will jetzt blos inländische Stoffe tragen. Mich soll wundern, was der Prinz Albrecht dazu sagen wird.   Nanu? – Heute lese ick in de Zeitung, die Pässe sollen beibehalten werden! Ne, ne, det verbitten Wir uns! Orden, Pässe, Adel, alle Dummheiten müssen abgeschafft werden, oder wir illum'niren keen Fenster mehr, wenn ein Prinz oder eine Prinzessin jeboren wird! Det haste davon! Pässe, hat sich was zu pässen! Wir, von Jottes Jnaden Volk sind sehr unangenehm jeworden; wir wollen uns nicht mehr bescheinigen lassen, deß wir keene Spitzbuben sind. Des wissen wir alleene. Wir erinnern uns nich, Jottesrechte jestohlen un die Menschen um 33 Jahre bedrogen zu haben.   Wenn es man nich wahr wird, deß wir damals, als wir die Freiheitshelden nach den Friedrichshain trugen, ihnen die letzte Ehre erwiesen haben.   In Hamburg haben sie Privatstunde im Barrikadenbau gehabt. Bei dieser Schule wird es wohl nicht nöthig gewesen sein, die Trennung von der Kirche zu verlangen.   Jestern hausirte mir ein Bilderhändler mit lauter Portraits von alte Fürsten, Kurfürsten, Herzoge un Könije an. »Laaßen Sie mir zufrieden!« sagte ick verdrüßlich, »sonne Karrikaturen kooft jetzt keen Mensch mehr!«   Des jeht jetzt schon jut uf's Arretiren wegen politische Meinungen los. Wir haben von den Siren Jedankenfreiheit jekriegt, um nanu laßen se noch de Jedanken frei, aber die Personen sperren se ein.   Es giebt Millionen Menschen, die nur Wunderbares sehen, wenn sie Entrée bezahlt haben.   Die halben Zaruckerchens sagen immer von de Volks-Parthei: »die Demokraten jehen zu weit .« Aber ick jloobe im Jegentheil, wenn die Demokraten nich noch weiter jehen , denn werden se bald alle in't Jefängniß sitzen.   Ne, mein Sohn Willem is doch wirklich der dummste Junge in janz Europa! Seit einiger Zeit halte ich nämlich Verstandes-Uebungen mit ihm, weil ich jloobte, deß ich blos Uebungen nothwendig hätte, und deß ich ihm vielleicht darin üben könnte, Verstand zu kriegen. Aber ne! So ne bornirte Antworten sind mir noch von keinen jungen Menschen vorjekommen, der mir nu schon jejen Sieben Jahr des schwere Schuljeld kost't un der jetzt, bei die neuen Einrichtungen, Institionen heeßt des, später mal Deputirter oder sogar, wenn die Umstände danach sind, Minister werden kann. Ich habe mir einije von die Antworten aufjeschrieben, weil se wirklich so bockdämlich un unbeholfen sind, deß es wie soll ich sagen, bei diese all- jemeinjebildete Zeiten un bei solchen Vater , kaum zu glauben is. Ich fragte ihm:             Er antwortete:       Was is ein Prediger? Der schwarze Mann mit eine Bibel. Wozu is die Kirche? Damit man des Orjeln hört. Was soll der Mensch in der Kirche? Einen Jroschen in'n Klingelbeutel schmeißen. Was is eine jute Handlung? Eine Conditorei. Wer hat die Welt jeschaffen? Moses. Woraus hat Jott die Menschen geschaffen? Aus Klöße. Weswegen feiern wir den Sonntag? Weil man sich ein reines Hemde anzieht. Wodurch zeichnet sich der Mensch vor den Thieren aus? Durch Bleistift. Was ist Freiheit? Wenn keene Schule is. Was ist Liebe? Wenn man sich gern hat. Wer hat das Pulver erfunden? Johann Guttenberg. Warum nennt man den Löwen den König der Thiere? Weil er Allens uffrißt. Wo liegt Polen? In Sibirien. Wo liegt Frankreich? In Paris. Wo liegt Deutschland? Rund um uns 'rum. Was ist eine Actie? Wenn man ein Papier hat. Woraus sind die Rothschild'schen Actien entstanden? Aus Lumpen. Wodurch erreicht man die ewige Seligkeit? Durch's Sterben. Wer is unser Aller Vater? Der Rentier Buffey. Weshalb haben wir Preußen Krieg mit Dänemark geführt? Des weeß ich nich. Was ist ein Edelmann? Von. Wofür haben wir Deutschen einen Reichsverweser? Für Frankfurt. Wo kommt der Champagner her? Aus'n Keller. Was ist ein Kronprinz? Ein junger Mensch, der noch keene Krone hat. Was ist eine Kammer? Wenn man schlafen will. Was ist ein Orden? Bunt.   Jestern sprach ich mit einem solchen echten servilen, kriechenden Hofmann, der durchaus nich in Deutschland ufjehen wollte. Er wäre un bliebe Preuße, mit Leib un Seele, mit Jott für König un Vaterland. »Ach wat!« sagte ich, »Sie sind ja nich mal en Preuße! Sie sind en Lippe-Bückeburger .«   Ein Freund von mir, der sich sehr am politischen Leben betheiligt, hat eine allerliebste reizende Frau. Wie ich neulich da war, hing sie sich an ihn, sah ihn mit ihren schönen Augen an und fragte zärtlich: »Liebst Du mich denn noch?« – »Ach,« antwortete er seufzend, indem er seinen Hut aufsetzte, »Pauline, wenn dazu jetzt Zeit wäre!«   Der »beschränkte Unterthanenverstand« war ein janz richtiges Wort, denn erstens war unser Verstand durch die Fürsten wirklich beschränkt, un zweetens haben Völker überhaupt keenen Verstand , oder doch einen sehr beschränkten , so lange sie Unterthanen bleiben.   Die Abjeordneten un Predijer Sydow un Jonas wollte ich doch jehorsamst jebeten haben, in de Wochendage in de Kirchen zu stimmen un Sonndags in de Deputirtenkammer zu predijen .   Wie des Volk von Berlin so böse, entrüstet über die Eisenjitter in't Schloß war, die der König sich machen ließ, un ooch die janze Bürjerwehr Protest um de Jitter lejte, da habe ich Seine Majestät sehr vertheidigt, indem ich sagte: was nützt einen ein Schloß , wenn man's nich zuschließen kann?   Warum jehen denn die Reichen mit de Armen so brutal um? Weil sie keen Jeld haben! Na, denn müssen sie den lieben Jott ooch nich ehren, denn der hat jewiß ooch keen Jeld. – Un doch wird er die Stolzen und Hoffährtijen jehörig bezahlen.   Die Despoten sind jnädijer, als wir Alle, sie sind Allerjnädigst. Des is richtig, denn Alles, was sie erlassen , sind Strafen .   Die Publicisten sind doch noch immer Menschen, die mehr schreiben als denken, un dadurch schaden sie uns fürchterlich. So zum Exempel, was mir jrade einfällt, machen sie jar keenen Unterschied zwischen Polizeiminister un Minister der Polizei , un schreiben bald so, bald so. Un daher kommt es denn nu ooch, deß die meisten Minister der Polizei Polizeiminister werden.   Was is eine Revolution? Der Wille des Volkes. Wenn man also die Revolution anerkannt hat, und man will sich denn noch mit einen Andern vereinbaren , so is des ein rechter Unsinn!  –   In mein Weinhaus, wo ich immer des Morjens von Elwe bis Ein Uhr sitze, trat gestern der fromme Baron v. X. rein. »Ach, Herr Jesus!« sagte der Wirth zu mir, »der Mucker läßt sich wieder eine Flasche Wein zu Schulden kommen.«   Die Berliner Frauen jehören zu den reizendsten von der Welt, aber von die lieben bürjerlichen Hausfrauen ärgert es mir immer, deß sie nich verstehen, einen orndt'lichen Kaffee zu kochen. Un doch is es so leicht. Wenn ich man irgend wüßte, wie ich's ihnen beibringen könnte. Vielleicht mach ich mal ein Einjesandt vor de Zeitung draus. Man nimmt nämlich zuerst Kaffeebohnen ; des is aber jerade des, was die meisten Hausfrauen beim Kaffeekochen vernachlässigen.   Ein Deputirter hat die Gewohnheit, fast alle seine unnützen Redereien so anzufangen: »Ich bin persönlich für...« Einer von seinen Collegen sagte von ihm: »Dieses persönliche Fürwort ist außerdem ein sehr langweiliges Neben - und Umstands wort, aber niemals ein Haupt wort, noch weniger ein Zeit wort, kurz, für sein Vaterland Nichts weiter als ein Zahl wort.   Es jibt, wie ich aus de Zeitungen bemerke, immer noch Fürsten, die des Jagdrecht nich ufjeben wollen. Sie denken: jrade wenn des Volk wild wird, denn is Uns des Jagdrecht am liebsten. Wie is es'n aber, wenn sich des Volk des Jagdrecht selbst nimmt! Wird da nich manches Hochwild sehr Hase werden?   Neulich kam so'n ufjeblasener Adlijer bei einen Volkshaufen vorüber. »Nanu, Naturjeschichte!« rief Einer der Jesellen, »wat wird'n nanu? Der Mensch is ohnehin schon det vornehmste Jeschöpf, – nanu kommt Der noch! «   Lola Montez war die Eva, mit welcher Ludwig von Baiern im Paradiese lebte, aber ooch zujleich der Engel mit der Reitpeitsche, welche ihn daraus vertrieb. – Des is ein Jedanke von mir, den ich jestern Mittag beim Desehr hatte, als ich einen Borschdorfer aß.   Wenn das Ministerium in Hannover von seiner Höhe fällt, denn soll mir des nich wundem. Ich habe schon lange bemerkt, daß es am Schwindel leid't.   Des is 'ne komische Jeschichte! Die juten Teltower Könijs-Bauern schicken neulich eine Adresse an die Nationalversammlung, worin sie sich jejen die Aufhebung un Ausrottung des Adels aussprechen. Außerdem jaben sie dem Boten einen Sack Rüben mit, den er bei einen Käsekrämer in de F... Straße abjeben soll. Der Bote aber, der vielleicht nich aus Teltow jebürtig is, is etwas dumm, un verwechselt die Jejenstände, un so kommt die reactionäre Adresse zum Käsekrämer un der Sack mit Teltower Rüben an de Nationalversammlung.   Unser Armen-Unterstützungs-Haus sucht eine liberale Inschrift. Ich weiß eine sehr passende: »Mir Nichts, Dir Nichts!«   Ne, aber wie weit die Unbildung noch bei vielen Menschen jeht, des heißt, die Unkenntniß von Fremdwörtern, nennt man des! des jeht in's Weite. Neulich war ich in's Ausland jejangen, des heeßt immer noch in Deutschland, da jing ich in einen patriotischen Verein, nämlich ohne zu fragen, als deutscher Staatsbürger. Da handelte es sich darum, ob wejen eine verwickelte Jeldjeschichte, die mir nich recht klar jeworden is, un von die ich blos merkte, daß der Fürst von des Land nich zu kurz dabei gekommen war: ob diesen Fürsten eine Petition eingereicht werden sollte. Un – wenn ich es nich selbst jehört hätte, denn würde ich es nich jlauben! – da sagte Einer von die Staatsbürjer, der einen sehr langen, blauen Ueberrock anhatte: »Ick bin sehr davor, daß wir bei unserm Fürschten so'n Dings, so 'ne Spedition vornehmen.«   Heute Mittag jeh' ich unter'n Linden, so seh ich und mein Freund Frischer, mit den ich mir unterjearmt hatte, eine von unsre Deputirten aus Jerold'ten rauskommen, der sich wahrscheinlich über einen merkantilischen Jejenstand sehr erhitzt hatte, und dessen Nase offenbar zur rothen Republik jehörte, während er keineswejes jerade auf sein Ziel losjing, sondern in seinen Bewejungen sehr schwankend war. »Is des nich Einer von die Männer,« fragte ich Frischer'n, »die uns vertreten sollen?« – »Ja wohl!« antwortete mein Freund, »er is eben im Tritt.«   Die Süd-Deutschen wollen einen hohen Schutzzoll für Deutschland, die Nord-Deutschen sind größtentheils für den Freihandel. Die jüngste politische Annäherung der Süd-Deutschen an das ihnen sonst so verhaßte Preußen rührt wahrscheinlich daher, weil der König von Preußen ein Hohenzoller ist.   Darüber sind wir Deutsche Alle einig, daß wir gegenwärtig noch uneinig sind. Das neue Deutschland wird wahrscheinlich erst im Frühling aufblühen, denn das alte ist so eben erst in Verwesung übergegangen.   Die Caution für Zeitungen ist die Censur der Capitalisten.   Von Dr. Ernst Heiter . Ueber Das, was man nicht versteht, wird immer am meisten und am gelehrtesten geschrieben. Was man wirklich weiß , weiß man auch Andern in wenigen und einfachen Worten zu sagen. Cavaignac will kein Napoleon werden. Er hat Recht: um ein Napoleon zu werden , muß man ein Napoleon sein . Aber Der ist der Größte, der ein Napoleon ist und – keiner werden will. Manchen Frauen ist nicht wohl, wenn sie nicht krank sind. So fühlen sich manche Bürger nicht frei, wenn sie nicht unter Controlle der Polizei stehen. Ludwig Börne sagt: Die ersten Verbrechen der Freiheit waren überall die letzten der Tyrannei. Aber ich gehe weiter und sage: die fernern Verbrechen der Freiheit sind die Verbrechen der Reaction. Das einzige Verbrechen der Freiheit ist – ihr Tod. Die Bibel ist nicht Gottes Wort. Wenn sie Gottes Wort wäre, brauchte sie nicht in die verschiedenen Sprachen übersetzt zu werden, – Die Bibel ist das Buch der Könige und ihr letzter Abschnitt die Offenbarung Johannis. – Als der Staat zur politischen und socialen Maschine wurde, preßte er sein Herz, die Arbeit , und erniedrigte ihre Achtung und ihren Werth. Durch das Aufathmen eines freien Völkerlebens hören wir nun wieder das Herz pochen und seine Rechte fordern. Aber die Arbeit hat keine Grenzen, ihre Adern fließen durch die Welt und ergießen sich in das Meer, in welchem die Welt schwimmt. Nicht der einzelne Staat also kann der Arbeit helfen, sondern die Staaten. Die Despotien haben sich und konnten sich nicht anders verbinden als zum Despotismus, wie sich freie Staaten nur zur Freiheit verbinden können. Reicht sich jetzt das Gewerbe brüderlich seine Millionen Hände, kürzt die Stunden seines heiligen Schweißes so weit ab, daß ihm Muße zur Bildung bleibt, durch welche sie die geistige Versöhnung und Gleichheit mit den andern Staatskräften erreicht, und fallen die Schranken des Handels, so wird ihm und mit ihm uns Allen geholfen – eher nicht. Ihr Staaten: schon steht das bleiche, halb wahnsinnige Elend drohend hinter euch. Nehmt der Arbeit die Schnürbrust ab und kredenzt ihr den vollen Becher eurer Liebe, bevor es zu spät wird!   Neulich war ich in eine Jesellschaft – Thee danzzank – mit einen Capitalisten, einen solchen Jeldmenschen zusammen, der sich unter de Sonne blos einen silbernen Champagner-Dhaler, un unter'n Mond einen Doppel-Louisd'or denkt. Es wurde über Unsterblichkeit jestritten un der Jeldmensch war für de Unsterblichkeit. Plötzlich, wie Einer ihm eben eine Menge Jejenjründe ufjestellt hatte, rief der Capitalist: »Ich wette 10 Louisd'or, deß wir unsterblich sind!«   Von de Letten – ich weeß zwar nich, welche Völker man so nennt – habe ich heute ein Sprichwort gelesen, von des mir scheint, daß es manchem von unsre jetzigen politischen Philister uf de Stirne jeschrieben steht. Nämlich: Es ist der arme Teufel Erzogen in einer Tonne, Durch's Spundloch aufgefüttert – Wie paßt er an die Sonne?   Was die Trinker manchmal für putzige Ausdrücke haben! Jestern läßt sich Einer in mein Weinhaus eine Flasche Rothwein vor anderthalb Dhaler jeben, schenkt sich ein, kost't ihn mit einen lauten Schlürf, macht eine zufriedene Miene un äußert janz ernst zu seinen Nebenmanne: »Ein sehr brauchbarer Rothwein.«   Ne, so was von Frühwohlität is mir noch nich vorgekommen. Wie mein Schwiegersohn, Dr . Ernst Heiter, hier in Berlin war, waren mehre von seine gelehrten Freunde bei mir – ich jab eine Bowle – un da sagte ein junger geistreicher Mann: »Jedes schöne Mädchen, das sich verheirathet, ist mir untreu geworden. Aber ich habe noch Hoffnung, daß sie ihren Fehler bereut.« – Mein Schwiegersohn nannte das: objective Weltanschauung.   Im März hatten wir unsre Revolution. Des war der letzte Monat, wo ein R. drinn is. In den Monaten ohne R. sind bekanntlich die Krebse am besten. Des hat sich wieder bis zum September jlänzend bewährt. –   Meine süße Tochter Hulda, Frau Dr. Heiter, schreibt: »Nieder mit den Orden! Nieder mit jenen großen Sternen, welche man in den Windeln der Geburt fand! Nieder mit jenen kleinen Sternen, welche Deutschlands Nacht bedeuten! Nieder mit jenen goldenen und silbernen Raubthieren, welche unser Gold und Silber stahlen! Nieder mit jenen Bändern und Schleifen, in denen die Wahrheit erstickt wurde! Nieder mit jenen Kreuzen, welche man solchen Leuten anheftete, die das Kreuz des Volkes waren! Nieder mit jenen Schnallen, mit denen man die Lippen der ungerecht Verurtheilten schloß! Nieder mit jenen Brillanten, welche die verkohlten Thränen der Armuth waren! Nieder mit der ganzen bunten Lappen-Livrée, durch welche die Despotie ihre getreusten Knechte und Knechter bezeichnete! Nieder mit den Orden!«   Unsere Minister, die wir jetzt hatten, haben uns den Champagnerwein der Freiheit präsentirt, aber sie haben das Jlas unterwegs umjedreht.   Man wunderte sich, deß ein absoluter König früher viel mehr und viel längere Reden als nach der Revolution hielt. Ich finde des sehr natürlich: er hat uns jetzt nich mehr so viel zu sagen. Börse der Welt 1849. Fonds. Cours 1848. Cours 1849. Geschäft. Papst Pius IX 199½ 99½ Matte Haltung. Italien 87¾ 74½ Schwankend. Oestreich 22¼ 122¼ Gewinnen Leben. Preussen 99 151½ Starker Begehr. Orden und Titel 183½ 23 Kein Geschäft. Vorurtheile-Dummheiten. 183¼ 180¼ Blieben übrig. Freiheiten . . . . . 100 Starke Ordres. Freiheit 199¾ 199¾ Lebhafte Reaction. Frankreich 78¾ 178 Aengstliche Stimmung. Lamartine 88¾ 199 Nicht zu lassen. England 150½ 150½ Hielt sich. Türkei 14½ 15 Wenig Frage. Bundestag 13 0 Matt geschlossen. Badens zweite Kammer 154¼ 53½ Kein Begehr. Bairisch Bier 18¾ 99 Sehr begehrt. Lola Montez 67 12½ Der Liebhaber hatte sich zurückgezogen. Jenny Lind 199¾ 90½ Kein Markt. Hannover 37¼ 137 Etwas williger. Sachsen 66½ 139¼ Wurde Einiges gemacht. Schweiz 47¾ 180¼ Hob sich bedeutend. Berlin 100½ 199½ Ging in die Höhe. Amerika 162¾ 199¾ Haltung fest. Spanien 26½ 22 Weichend. Kunst 180½ 49 Blieb liegen. Wissenschaft 169 168½ Im Ganzen Nichts gemacht. Russland 21¼ 13 Blieb übrig. Polen 95½ 86½ Begehrt. Absolutismus 27¼ 13½ Will sich heben. Communismus 21½ 13½ Notirungen wichen. Sozialismus 76 98½ Ging stark um. Jesuitismus 91 51 Wenig am Markt. Pietismus 24¼ 13½ Fast ganz ohne Geschäft. Reaction 107¼ 137½ Zum Steigen geneigt. Deutsch-Katholicismus 37¼ 39 Macht sich bemerkbar. Adel 17¼ 2½ Stellt sich immer niedriger. Poesie 176¾ 100½ Lahm. Gelehrtenthum 15¾ 13 Ganz Null. Industrie und Handel 165½ 65½ Gedrückt. Association 127 181¼ Reizbarkeit der Börse. Reichthum 24¼ 14 Niedrige Notirung. Revolution 100 199 Belangreiches Geschäft. Republik 13½ 113¾ In kurzer Sicht begehrt. Thee-Literatur 23 3¼ Ohne Frage. Volks-Literatur 157¼ 162 Guter Markt. Fürsten 99¾ 39¾ Vertrauen sehr gestört. Volk 19¾ 99¾ Trat Festigkeit ein. Theologie 33¼ 17 Nichts zu melden. Celebritäten des Liberalismus 123¾ 23¾ Auffallende Stille. Democratismus 137¼ 199 Gut gestimmt. Historisches Recht 48 6¼ Stark gedrückt. Menschenrecht 157½ 177 Geber und Nehmer waren Proletariat 188¾ 198½ Agitirt. Wahrheit 45 134 Haltung fester. Freihandel 137¾ 139½ Etwas williger. Constitution 123 54¼ Mittelwaare gefragt. Gymnasien 65¼ 69½ Schwankend. Realschulen 117¼ 117½ Neigung zum Steigen. Studenten . . . . . 150½ Blieben gutpreishaltend. Universitäten 98½ 32 Flau. Alterthum 62½ 32¼ Blieb liegen. Gegenwart 189½ 199¾ Aufschwung der Effecten. Schleswig-Holstein 90½ 91½ Nicht zu lassen. Reichsverweser 0 56½ Bezahlt. Deutsche Einigkeit 14½ 59¾ Sehr beliebt und fehlt. Deutsche Centralgewalt 0 31¼ Auswärt. niedrige Notirung. Paulskirche . . . . . 39 7 / 8 Sehr precair. Friede 160½ 92 Tangirende Nachrichten. Deutsche Flotte 0 17¾ In der Ferne schwimmend. G. Herwegh 52 31½ Etwas gewichen. Friedrich Hecker 92¼ 168½ Sehr gefragt. Kriegs-Politik 190 178 Starke Verkaufsordres. Diplomatie 190 86½ Ohne Handel. Friedens-Politik 0 37¾ In langer Sicht begehrt. Arbeiter 27½ 127½ Lebhaft. Brüderlichkeit 0 27½ Will sich heben. Philisterium 127 126¼ Ohne erhebl. Veränderung. Stuhl in Rom 59 40½ Wurde Nichts gemacht. Ungarn 44¼ 121½ Fluctuation. Prinzen 83 29½ Kein Verlangen. Deutsche Presse 84¼ 122¾ Starker Begehr. Ministerien 157 76¾ Angetragen und Nehmer gefunden. Strassenliteratur 0 23¾ Anhaltender Druck. Strassenwitz 76 21¼ Stark gedrückt. Humanität – Fortschritt 31½ 39½ Absatz träge. Sinnlichkeit 100 100 Erhielt sich sehr angenehm. Sittlichkeit 52¼ 89½ Der Markt besserte sich. Gemüthlichkeit 162 37¾ Still. Geld 190 199 7 / 8 Macht sich knapp. Advocaten 102 99 Ueber Cours bezahlt. Bürgerthum 152 153¼ Noch immer matte Haltung. Originalität 199 197 Blieb mangelnd. Humor 192½ 194½ In beiden Sichten begehrt. Egoismus 199¾ 199¾ Blieb übrig.