Jacob Grimm Deutsche Mythologie I. Band     Drei Lilien Verlag Wiesbaden (1992) (Nachdruck der 4. Aufl. von 1875-78)   Dahlmann dem Freunde 1835 Jacob Grimm.   Inhalt I. BAND vorrede I. einleitung II. gott III. gottesdienst und feste IV. tempel und altar V. priester VI. götter VII. Wuotan VIII. Donar IX. Zio X. Fro XI. Paltar XII. andere götter XIII. göttinnen XIV. götterverhältnisse XV. helden XVI. weise frauen XVII. wichte und elbe XVIII. riesen XIX. schöpfung XX. elemente II. BAND XXI. bäume und thiere XXII. himmel und gestirne XXIII. tag und nacht XXIV. sommer und winter XXV. zeit und welt XXVI. seelen XXVII. tod XXVIII. schicksal und heil XXIX. personificationen XXX. dichtkunst XXXI. gespenster XXXII. entrückung XXXIII. teufel XXXIV. zauber XXXV. aberglaube XXXVI. krankheiten XXXVII. kräuter und steine XXXVIII. sprüche und segen ANHANG Angelsächsische Stammtafeln Aberglaube A. Aus einer predigt des heiligen Eligius B. indiculus superstitionum et paganiarum C. aus Burchard von Worms samlung der decrete D. aus der Zürcher pap. hs. E. aus einer papierhs. der baseler univ. bibl. F. aus einem papiercodex des 14. jh. in der bibl. zu S. Florian G. aus Hans Vinstlers blume der tugend H. aus doctor Hartliebs buch aller verbotenen kunst, ungelaubens, und der zauberei I. auszüge aus neueren samlungen a . aus der chemnitzer rockenphilosophie b . aberglaube im erzgebirge um chemnitz c . aberglaube im Saalfeldischen d . aberglaube in und um Worms e . aberglaube bei Gernsbach im Speierschen f . aberglaube zu Pforzheim g . aberglaube aus dem Würtembergischen h . aberglaube in Schwaben i . aberglaube im Ansbachischen k . aberglaube im Lande ob der Ens l . aberglaube zu Osterode am harz m . aberglaube zu Bielefeld n . vermischte samlung K. aberglaube in Schweden und Dänmark L. aberglaube in Frankreich M. aberglaube der Ehsten N. aberglaube der Litthauer Beschwörungen     [Anmerkung zur Ausgabe für Projekt Gutenberg: Der 3. Band dieser 4. Auflage der »Deutschen Mythologie« besteht aus Nachträgen zu den ersten beiden Bänden und einem Anhang. Die Nachträge sind zur leichteren Erreichbarkeit hier als Fußnoten, durch ein einleitendes Nachtrag: gekennzeichnet, an den entsprechenden Stellen eingearbeitet.]   Vorrede. Wenn ich das entsprossene reis deutscher mythologie jetzt schon ins zweite laub liefern kann, so geschieht es mit desto stärkerer zuversicht auf sein ungehemmt vorschreitendes wachsthum. nachdem die erste schüchternheit einmal überwunden war, trafen suchen und finden schneller zusammen, und die thatsachen gegen den verzärtelten zweifel an der statthaftigkeit wissenschaftlicher entdeckungen auf einem öde geglaubten felde erhoben sich allenthalben, so daß sie klecken werden. Nun habe ich haft und band gewonnen, manchen strich gezogen, manche falte gelegt, und mich doch gehütet es auf einen schluß der ergebnisse abzusehen; denn wer mag das, solange bald der stof gebricht, bald die hände des herbeiholens voll sind? ich will wol deuten was ich kann, aber ich kann lange nicht alles deuten was ich will. Die critik, der es auf fremden gebieten oft glänzend gelingt, hatte sich an dem heimatlichen alterthum versündigt und ihre meisten mittel misbraucht. durch eines Römers unsterbliche schrift war ein morgenroth in die geschichte Deutschlands gestellt worden, um das uns andere völker zu beneiden haben; nicht genug daß man die echtheit des buchs (als wäre das gesamte mittelalter solcher hervorbringungen fähig gewesen) verdächtigte, wurden seine aus edler wahrheitsliebe entsprungnen meldungen herunter gezogen und die unsern vorfahren darin beigelegten götter aus aufgedrungnen römischen vorstellungen hergeleitet. statt den gehalt so kostbarer angaben mit den sonst zerstreuten überbleibseln unsers heidenthums emsig zu vergleichen, hatte man nichts angelegneres als auch den werth dieser wenigen trümmer zu schmälern und sie für ersonnen, erborgt und abgeschmackt zu erklären. was von besondern göttern unangetastet blieb, pflegte man, um ihrer nur bald los zu werden, als gallische oder slavische zu betrachten, wie landstreicher auf schub weiter geschickt werden, mag der nachbar zusehn, was er mit dem gesindel anfange. Die nordische edda, deren anlage, gestalt und gehalt entlegenste vorzeit athmet, deren lieder ganz anders an unser herz greifen als die im überschwank bewunderte ossianische dichtung, brachte man auf christlichen und angelsächsischen einfluß zurück, übersah blind oder geflissentlich ihren zusammenhang mit den spuren des innern deutschen alterthums, und meinte sie zu den ammen und VI spinnerinnen (s.  1028 ) zu verweisen, deren bloßer name allen mit dem wesen der volksdichtung unvertrauten den tiefsten ton der verachtung anzugeben schien. sie haben dafür rache genommen, die nornen und spindelträgerinnen. Man darf sagen, den wirklichen bestand dieser mythologie leugnen, heiße ungefähr auch das hohe alter und die andauer unsrer sprache in abrede stellen: jedem volk ist glaube an götter nothwendig wie die sprache. niemand kann aus abgang oder armut an denkmälern folgern, daß unsre vorfahren in bestimmter zeit ihre sprache nicht geübt, nicht fortgepflanzt hatten; bedachtlos wird mangel oder sparsamkeit der nachrichten vorgeschützt, um unser der bekehrung vorausgegangnes heidenthum gleichsam alles seines inhalts zu berauben. die geschichte lehrt in der sprache, je weiter hinauf wir ihr zu folgen vermögen, sinnliche vollendung gewahren, die mit dem steigen der bildung sinkt; da die formen des dreizehnten jahrhunderts den heutigen überlegen sind, die des neunten und fünften noch höhere stufe einnehmen, darf vorausgesetzt werden, daß ganz unbezeugt gebliebne deutsche völkerschaften der drei ersten jahrhunderte unserer zeitrechnung selbst den gothischen sprachstand hinter sich werden gelassen haben. gelten also in der sprache schlüsse auf das was abhanden ist, zuckt ihre gegenwärtige beschaffenheit noch weit zurück in die ältere und älteste: so muß auch in der mythologie ein ähnliches verfahren sich rechtfertigen und aus ihrem versiegenden wasser die quelle, aus den stehngebliebnen sümpfen der alte strom geahnt werden. die völker hängen und halten fest am hergebrachten, wir werden ihre überlieferung, ihren aberglauben niemals fassen, wenn wir ihm nicht ein bett noch auf heidnischem grund und boden unterbreiten. Diese verhältnisse bestätigen sich auch durch die bewandtnis, die es um poesie und sage hat. war den Heiden schon eine feingegliederte sprache eigen und wird ihnen eine fülle von glaubensmythen zugestanden, so kann es nicht fehlen, daß in sie lieder und dichtungen eingriffen und sich den gebräuchen verwebten. das versichert uns schon Tacitus, und die zeugnisse bei Jornandes und Eginhart lassen auch für den verlauf der späteren zeit nicht den geringsten zweifel übrig. die uralten gesänge auf Tuisco, Mannus und dessen stammsöhne hallen lang nach in den genealogien von Ingo, Iscio, Hermino, wie der Hygelâc des Beovulfliedes, den eine eben erst emportauchende sage des zehnten jh. Huglacus magnus (Haupt 5, 10) nennt, zum beweis daß auch die dichtung begegnen könne der geschichte, wiedergefunden ist im Chochilaichus des Gregor von Tours. Wenn im zwölften, dreizehnten jahrhundert die einheimische heldensage zum letztenmal aufleuchtete, muß sie doch lange vorher fortgesungen worden sein, wie das gerettete bruchstück von Hildebrand oder die lateinischen fassungen des Rudlieb und Waltharius klar machen, und ganz verschollen sind die niederdeutschen lieder und sagen, aus welchen Vilkinasaga VII hervorgieng, die sie widerspiegelt. ohne grund und noth hat man auch die erweckung der höfischen dichtkunst auf die kreuzzüge zurückgeführt; sollen übergänge aus dem morgenland angenommen werden, so lassen sich solche bequemer von dem ruhigeren, älteren verkehr der Gothen und Nordmänner mit dem griechischen reiche leiten, wenn es nicht gerathen ist fast alle ähnlichkeiten, die uns überraschen, auf rechnung einer gründlichen urgemeinschaft der europäischen völker insgemein zu bringen, deren mächtige wirkung gleich stark in sprache, sage und religion lange zeiten hindurch gespürt wird. Mir widersteht die hoffärtige ansicht, das leben ganzer jahrhunderte sei durchdrungen gewesen von dumpfer, unerfreuender barbarei; schon der liebreichen güte gottes wäre das entgegen, der allen zeiten seine sonne leuchten ließ, und den menschen, wie er sie ausgerüstet hatte mit gaben des leibs und der seele, bewustsein einer höheren lenkung eingoß: in alle, auch die verschriensten weltalter wird ein segen von glück und heil gefallen sein, der edelgearteten völkern ihre sitte und ihr recht bewahrte. Man braucht nur die milde und tüchtige gesinnung unseres höheren alterthums in der reinheit und kraft der volksgesetze, oder die angestammte fähigkeit des dreizehnten jahrhunderts in seinen sprachgewaltigen, beseelten dichtungen zu empfinden, um für sage und mythe, die in ihnen noch wurzel geschlagen hatten, gerecht gestimmt zu sein. Diese gerechtigkeit muß aber der untersuchung im großen wie im kleinen angedeihen. die naturforscher bezeugen uns, daß das kleinste auch das größte mit erweisen kann, und die ursache ist einzusehn, warum in unserm alterthum, während seine hauptzüge getilgt wurden, kleinliche und scheinbar zufällige geborgen blieben. leise analogien, wie die zwischen Bregovine, Freávine und gotes friunt (s.  76 ), lasse ich mir nicht gern vorbeigehn. Meinem anfänglichen vorsatz treu habe ich die nordische mythologie auch diesmal nur zum einschlag, nicht zum zettel genommen. sie liegt uns nah wie die nordische sprache, deren länger ungestört gebliebne aufrechthaltung reichen blick in die natur der deutschen gestattet, ohne daß beide vollständig in einander aufgiengen, oder daß einzelne tugenden der deutschen sprache und die beiden zusammen überlegne kraft der gothischen könnten geleugnet werden. auch die nordischen götterverhältnisse dürfen die deutschen vielfach läutern und vervollständigen, aber nicht alleinige richtschnur für sie geben, da sich, wie in der sprache, einzelne abweichungen des deutschen von dem nordischen typus ergeben, die jedem derselben bald zum vorzug bald zum nachtheil gereichen. hätte ich den vollen nordischen reichthum der untersuchung zum grunde gelegt, so würde von ihm die deutsche besonderheit gefährlich überwuchert worden sein, die vielmehr aus sich selbst entfaltet werden soll und zwar jenem oft zusagt, in vielem aber auch gegenüber steht. Die lage der dinge scheint VIII also die zu sein, daß bei fortschreitendem betrieb wir der nordischen grenze entgegen rücken und endlich der punct erscheinen wird, auf dem der wall zu durchstechen ist und beide mythologien zusammenrinnen können in ein größeres ganzes. sind gegenwärtig schon mehr anknüpfungen statthaft geworden, so haben sich auch bedeutendere verschiedenheiten erwiesen. den nordischen alterthumsforschern, hoffe ich, wird mein verfahren gerade willkommen sein: wie wir ihnen für empfangnes gern wieder geben, sollen sie nicht allein geben sondern auch empfangen. unsere denkmäler sind ärmlicher aber älter, die ihrigen jünger und reiner; zweierlei festzuhalten, daran war es hier gelegen: daß die nordische mythologie echt sei, folglich auch die deutsche, und daß die deutsche alt sei, folglich auch die nordische. Auf uns ist keine edda gebracht worden und kein einziger schriftsteller unsrer vorzeit hat es versucht die überreste des heidnischen glaubens zu sammeln. Wer unter den Christen auch noch deutsche milch gesogen hatte, wurde in römischer schule bald den erinnerungen des vaterlandes abgewandt und trachtete die letzten eindrücke des verhaßten heidenthums zu tilgen statt zu bewahren. Jornandes und Paulus Diaconus, denen gewis noch viel heidnische sagen zugänglich waren, machten eingeschränkten gebrauch von den mythischen. andere geistliche berichten nur auf besondern anlaß hin und wieder einzelnes, das für uns von hohem werth ist, Jonas (s.  46 . 90 ), Beda (s.  239 ), Alcuin (s.  190 ), Widukind (s.  292 ), Adam von Bremen (s.  191 ). Wie ich schon s.  8 sage, zu sanct Gallen, Fulda, Merseburg, Corvei hätte ein mönch auf den fruchtbaren gedanken verfallen können, vaterländische alterthümer zu verzeichnen, was damals noch in der zäheren fußspur haftete aufzunehmen und für den vordergrund unsrer geschichte, da wo sich diese eben aus der sage zu lösen beginnt, ein bleibendes werk, wie es Saxo grammaticus vollbrachte, zu schaffen. war auch vom siebenten bis zum eilften jahrhundert die deutsche überlieferung blässer und stumpfer als die dänische im zwölften, hatte im fernen Norden die entfremdung von der einheimischen sage langsamer zugenommen; so thun uns doch Waltharius und Rudlieb oder der reim vom eber bei Notker dar, daß selbst in den klöstern noch manches von den alten liedern unverklungen war. es ist wahrscheinlich, daß eine zeitlang noch abschreiber ihre hand an die von Carl dem großen veranstaltete sammlung setzten, deren untergang für uns unberechenbarer verlust geworden ist, aus der sich eine fülle von stof und darstellung des entlegensten alterthums hätte gewinnen lassen. Den mittelhochdeutschen dichtern war dieses schon beträchtlich entrückt und alles was sie unbewust noch aus ihm hernehmen konnten muste zufällig in überlieferten formen der dichtkunst oder der lebendigen ausdrucksweise des volks hängen geblieben sein. das werk, dem sich am unverfänglichsten heidnische namen und gestalten hätten anfügen können, Albrechts von Halberstadt übertragung der metamorphosen ist uns IX in seiner echten fassung gerade verloren; wenn Rudolf im Barlaam von christlichem gesichtspunct aus die griechischen götter in Chrothildes weise (s.  88 ) widerlegt, so hält er sich zu dicht an seinen text, als daß ihm einheimische züge beigefallen wären: neigung ins eigne alterthum wie in das fremde zurück zu blicken, ist dieser ganz in ihrer gegenwart versunknen zeit überhaupt nicht eigen. Erst um das vierzehnte, fünfzehnte jahrhundert werden einzelne schriftsteller aufgelegter dazu. Gobelinus Persona gewährt schon einiges (s.  210 ); gäbe uns doch Böhmer bald eine ausgabe der Magdeburger schöppenchronick und des chronicon picturatum, deren beider wir benöthigt sind. vgl. Böhmers reg. ed. 1849. p. XXI. s. 62 ad a. 1213. Zeuß s. 38. Bothos angaben, so uncritisch sie seien, fordern rücksicht, weil damals immer noch nachrichten in gang sein konnten, die nachher verschollen. eine seltsame enthält des Joh. Craemer chronica sancti Petri in monte crucis ad a. 1468: Matthaeus Huntler in cella sancti Martini ad Werram vidit librum Johannis Vanderi ord. s. Benedicti monachi in Reynertsborn de omnibus gentilium deastris in provincia nostra, quem magna cura conscripsit, et quemlibet deastrum in habitu suo eleganter depinxit cum multis antiquitatibus, in quibus bene versatus esse dicitur. aus ihm vorliegenden götzenbildern schöpfte Botho seine schilderungen, und zu Reinhartsbrunn in Thüringen könnte vorräthig gewesen sein ähnliches oder dasselbe was nach Braunschweig gelangte; wäre nur nicht Paullini, dessen syntagma s. 315 die stelle in jener chronik liefert, selbst verdächtig. gleiche unsicherheit schwebt über Joh. Berger (s.  79 ), über einem von Letzner beigebrachten Conradus Fontanus (s.  158 ) oder dem Friesen Cappidus, dessen arbeit Hamconius benutzt haben will (s.  621 ). Wer Bertholds von Regensburg noch dem schluß des dreizehnten jh. zufallende werke vollständig durchlesen wollte, würde vielleicht da, wo der prediger auf zauberei und unholden zu reden kommt, beiläufige nachrichten von dem aberglauben seiner zeit antreffen, wie auch die späteren predigten des Johannes Herolt (s.  778 ), Johannes Nider († um 1440) und des Geiler von Kaisersberg einzelnes darbieten. selbst den geschichtschreibern im 16. 17 jh., die viel alte archive durchstöberten, wie Aventin, Celtes, Freher, Spangenberger, Letzner († nach 1612), Nicolaus Gryse († 1614) müssen brauchbare angaben mancher art vor augen gewesen sein, aus deren spreu die körner hervorzulangen uns freilich leichter als ihnen werden würde. Genug also ist unserer mythologie unwiderbringlich entzogen; ich wende mich zu den quellen, die ihr verbleiben, und die teils geschriebene denkmäler sind, theils der nie stillstehende fluß lebendiger sitte und sage. jene können hoch hinauf reichen, zeigen sich aber bröckelhaft und abgerissen, während noch die heutige volkslieferung an faden hängt, wodurch sie zuletzt unmittelbar mit dem alterthum verknüpft wird. Von den unschätzbaren nachrichten der Römer, die auf den X besiegten, unüberwundnen feind der geschichte ersten strahl fallen ließen, ist im vierten und sechsten cap. geredet. noch lange nicht wird die auslegung dieser stellen erschöpft sein. Wenn unter göttern und helden nur Tuisco, Mannus und Alx deutsch genannt, die übrigen in römischer interpretation mitgetheilt werden, haben dagegen die frauennamen Nerthus, Veleda, Tanfana, Huldana (f. Hludana), Aliruna sich ursprünglich erhalten, ebenso von völker und ortsbenennungen, die auf götter zurückleiten, Ingaevones, Iscaevones, Hermiones, Asciburgium. Auch lateinschreibenden christlichen verfassern sind die römischen namen gerecht, obwol bei bestimmtem anlaß Wodan, Donar, Frea, Sahsnot nicht gemieden werden können. Die feinheit der sprache der Gothen, das gerüst ihrer heldensage lassen breiteste entfaltung ihres eben erst dem christenthum gewichnen glaubens ahnen, in so gänzliches dunkel er uns versunken ist: ausdrücken wie fráuja, halja, sibja, unhulþô, skôhsl, anz, faírguni, sáuil (neben sunna), vaíhts, alhs, gudja, hunsl, dulþs, jiuleis, midjungards, aúhns, aþn, blôtan, inveitan müssen heidnische vorstellungen zum grunde liegen und diese würden noch weit reicher an den tag kommen, wären uns stücke aus der gothischen verdeutschung des AT. zugelangt. Nach verlauf einiger jahrhunderte sehen wir die übrigen mundarten, mit der gothischen zusammen gehalten, mehr oder minder verwildert, und da seit bekehrung der meisten stämme nun schon geraume zeit verstrichen war, muß auch in sprache und dichtung das heidenthum weiter zurückgetreten sein. gleichwol lassen das bruchstück von Muspilli, die abrenuntiation, die Merseburger und einige andere lieder den blick noch unerwartet rückwärts schweifen; in den glossen sind einzelne ausdrücke, und eigennamen der menschen, örter, kräuter weisen auf andere spuren; aus dem nebel treten nicht allein götter und helden wie Wuotan, Donar, Zio, Phol, Paltar, Frôho, Sintarfizilo, Orentil, göttinnen und weise frauen, wie Frouwa, Folla, Sindgund, Wurt, sondern auch eine menge andrer wörter itis, wiht, urlac, tuld, haruc, hliodar, paro, sigil, zunkal u. s. w. sind unausgerottet. Es versteht sich von selbst, daß unter den länger heidnischen Sachsen, vorzüglich den Angelsachsen, deren sprache durch die poesie besser in wärme gehalten blieb, solche überreste sich verdreifachen, denn außer Vôden, Thunor, Freá, Bealdor, Helle, Eástre, Hrêđe und dem reichen namengehalt der genealogien treten auch Forneot, Vôma, Geofon, Gersuma, Vuscfreá, Bregovine, Earendel, ides, vyrd, välcyrge, þyrs, eoten, geola, hleodor, bearo, neorxenavong, häleđhelm, Brosingamene und andere mehr hinzu. Was die mittelhochdeutsche dichtung gegen die ältere verlieren muß, wird ihr durch größeren reichthum ersetzt, sie hat uns neben heldennamen wie Nibelunc, Schiltunc, Schilbunc, Alberîch, Wielant, Horant, die unmittelbar der mythologie anheim fallen, die wörter tarnkappe, albleich, heilwâc, turse, windesbrût, goltwine und dergleichen mehr aufgehoben und läßt in ihren gangbaren ausdrucksweisen von der XI sunnen haz, von des arn winde, von des tiuvels muoter noch alte fabeln anklingen. auf das lebendigste, in unermüdlichem farbenwechsel, schildern uns die minnelieder den einzug des mais und sommers; das sehnsüchtige herz bedurfte des alten gottes in solcher wandlung. Aus tiefer wurzel entspringen die personificationen der Sælde und Aventiure, wie bedeutsam werden allein die namen Wunsch und vâlant, die nicht einmal bei allen dichtern, geschweige schon im ahd. angetroffen werden. Man kann doch nichts anders annehmen, als daß diese wörter, obschon ihr bezug auf Wuotan und Phol lange zeiten hindurch verdunkelt war, ununterbrochen und unmittelbar aus dem heidenthum hergetragen wurden. sie sind ein beweis der möglichkeit von überlieferungen, die nur an gewissen plätzen haften und so noch zu einzelnen dichtern gelangen; für orte und zeiten ganz verstummt, schlagen sie anderswo plötzlich wieder an, jeder landstrich, jede mundart wird an ihnen arm oder ärmer sein; nur einiger erzmythischen ausdrücke wie frau, hölle, wicht hat sich unsere sprache bis auf den heutigen tag nicht entschlagen und bedarf ihrer unablässig. Haben diese zahlreichen schriftlichen denkmale gleichsam einzelne knochen und gelenke der alten mythologie übrig gelassen, so rührt uns noch ihr eigner athemzug an aus einer menge von sagen und gebräuchen, die lange zeiten hindurch vom vater dem sohn erzählt wurden. mit welcher treue sie sich fortpflanzen, wie genau sie wesentliche züge der fabel erfassen und auf die nachwelt tragen, ist erst eingesehn worden seit man ihres großen werths eingedenk geworden, sie in einfache und reichliche sammlungen nieder zu legen begonnen hat. Zu der schriftlichen aufzeichnung verhält sich die mündliche sage wie zur dichtkunst das volkslied oder zu den geschriebenen rechten von den schöffen erzähltes weisthum. Die volkssage will aber mit keuscher hand gelesen und gebrochen sein. wer sie hart angreift, dem wird sie die blätter krümmen und ihren eigensten duft vorenthalten. in ihr steckt ein solcher fund reicher entfaltung und blüte, daß er auch unvollständig mitgetheilt in seinem natürlichen schmuck genugthut, aber durch fremden zusatz gestört und beeinträchtigt wäre. wer diesen wagen wollte, müste, um keine blöße zu geben, in die unschuld der ganzen volkspoesie eingeweiht sein, wie der ein wort zu ersinnen ausgienge, in alle sprachgeheimnisse. aus elben elfen machen heißt unserer sprache gewalt thun; an farbe und gehalt der mythen selbst ist sich noch schonungsloser vergriffen worden. man meinte die volkssage zu überbieten, und ist immer hinter ihr geblieben; nicht einmal soll da, wo sie lückenhaft vortritt, eine ergänzung vorgenommen werden, die ihr wie alten trümmern neue tünche ansteht, und mit ein paar strichen schon ihren reiz verwischt. Ihre manigfaltigkeit in der einstimmung überrascht, an unerwarteter stelle sprießen verschönernde nebenzüge, doch nicht auf jedem boden geht sie üppig hervor und erzeigt sich XII streckenweise mager oder spröde; zumal belebt ist sie da, wo reime und formeln in ihr auftauchen. Ergibigste ausbeute scheinen die samlungen zu gewähren, die mitten in einer sagenreichen landschaft sich erhebend aus ihr nach allen seiten sorgfältig schöpfen, ohne weit die grenze zu überschreiten; so hatten Otmars Harzsagen ein günstiges feld vor sich, das wol in gleich eingehaltner schranke nochmals durchzogen zu werden verdiente. unter den neuerdings bekannt gemachten samlungen nenne ich Börners sagen aus dem Orlagau, die auf fettem sagengrund erwachsen trefliches darreichen, in den zugefügten gesprächen aber die natur der volkssage meist ungenügend erörtern. Bernhard Baaders oberdeutsche sagen gewähren einen reichen schatz, in einfacher angemessener aufzeichnung; sie sind aber in Mones anzeiger so zerstreut und unbequem mitgetheilt, daß sie in erneutem abdruck handgerecht gemacht werden sollten: an der doppelt nach verschiedner aufnahme erzählten sage von Dold (die stellen habe ich s.  821 angeführt) wird es anschaulich was vorhin unter magerer und üppiger auffassung gemeint war. Bechsteins thüringische volkssagen scheinen mir erst in den beiden letzten bänden ihren rechten standpunkt zu gewinnen und dankenswerthes zu leisten. allen forderungen entsprechen die von Reusch und Kuhn gesammelten samländischen und märkischen sagen, in welchen der reichhaltigste stof herangeschaft und der wahn zu schanden gemacht ist, daß irgend eine gegend Deutschlands arm sei an volksüberlieferungen, die nur dem entweichen, der es nicht versteht ihnen zu nahen. Vielleicht bald werden uns gleich bedächtig angelegte samlungen aus Holstein, Westfalen, Baiern und Tirol zu statten kommen. Auch für Dänemark hat Thiele musterhaft gesammelt, dessen neue ausgabe mir eben erst zugeht und noch ungenutzt bleibt. viele der schönsten schwedischen sagen sind an verschiednen orten mitgetheilt, aber eine größere menge wird unaufgenommen liegen, und Afzelius sagohäfder, so willkommen sie sind, gehn schon allzusehr darauf aus dem was ihnen gerade vorlag den saft auszupressen. Norwegen mag nicht weniger sagenerfüllt sein als Schweden, es hat auch noch seine volkslieder aufzustellen, in welche eddische gesänge übergegangen sind, wie das lied von Thors hammer (s.  150 ) und das Sôlarlied. Um die belgische volksüberlieferung sind in unsern tagen J. W. Wolf, um die schottische Rob. Chambers eifrig und mit sichtbarem erfolg besorgt. Von der volkssage werden mit gutem grund die märchen abgesondert, obgleich sie wechselseitig in einander überstreifen. Loser, ungebundner als die sage entbehrt das märchen jenes örtlichen halts, der die sage begrenzt, aber desto vertraulicher macht. das märchen fliegt, die sage wandert, klopft an; das märchen kann frei aus der fülle der poesie schöpfen, die sage hat eine halb historische beglaubigung. wie das märchen zur sage, steht die sage selbst zur geschichte, und, läßt sich hinzufügen, XIII die geschichte zu der wirklichkeit des lebens. im wirklichen dasein sind alle umrisse scharf, hell und sicher, die sich im bild der geschichte stufenweise erweichen und dunkler färben. der alte mythus aber vereinigt gewissermaßen die eigenschaften des märchens und der sage, ungehemmt im fluge vermag er zugleich örtlich sich niederzulassen. Man hat sonst geglaubt, nach den italienischen und französischen märchensammlungen sei es in Deutschland zu spät geworden sie zu veranstalten, das ist durch die that widerlegt, und Molbechs samlung, manches was Afzelius seinem buche einschaltet, bezeugen wie reich auch Dänmark und Schweden an unvertilgten märchen sind. alle samlungen hat aber neulich die noch unvollendete norwegische von Moe und Asbiörnsen mit ihrem frischen, vollen vorrath fast überboten, und nicht geringe schätze müssen England, Schottland, Niederland bergen, aus welchen allen der mythologie vielseitiger gewinn bevorsteht. Soll ich in der kürze den ihr jetzt schon aus der volkssage hervorgegangnen bezeichnen, so leuchtet ein, daß nur dieser wir auskunft über die göttinnen Holda, Berhta und Fricka, so wie über den unmittelbar auf Wuotan leitenden mythus von der wilden jagd verdanken. das märchen von der alten bettelfrau gemahnt an Grimnir. der weißen frauen, schwanfrauen und bergentrückten könige würden wir aus den geschriebnen denkmälern wenig habhaft geworden sein, verbreitete nicht die volkssage ihr licht darüber. selbst die mythen von sinflut und weltuntergang läßt sie noch nicht außer acht. was in ihr aber vorzugsweise gehegt und mit dem buntesten gewirk gewoben wird, das sind die traulichen erzählungen von riesen, zwergen, elben, wichteln, nixen, schraten und hausgeistern, welche letztere zu den übrigen, wie die zahmen thiere der fabel zu den wilden und ungebändigten sich verhalten: dem gezähmten ist in der poesie das wilde stets überlegen. die sage von den sonneblinden zwergen (s.  386 . 1042 ) und dem blutfaß (s.  387 . 752 ) gemahnen an die edda. Auch in den märchen treiben zwerge und riesen ihr wesen, Swanwitchen und Dornröschen s.  351 . 1007 sind schwanfrau und walküre, die drei spinnerinnen s.  344 sind nornen; der schemelwurf von dem himmlischen sitz herab (s.  113 ), die gevatterschaft des Todes (s.  711 ), der würfel des spielers, der spielhansel ( XXXI ) reichen in das heidenthum. märchen, nicht volkssagen, ist eine fülle von verwandlungen mit den göttermythen gemein, so wie auch jene oft thiere auftreten lassen und in das alte thierepos überschreiten. Außer den märchen und sagen, die der jugend und dem volk bis auf heute gesunde nahrung geben, von welcher es nicht ablassen wird, wie viel andere speise man ihm vorschiebe, kommen sitten und gebräuche in betracht, die aus dem alterthum hervorgegangen und fortgeführt unabsehliche aufschlüsse darüber ertheilen können. Es ist zu zeigen versucht worden, wie das feuerreiben, die XIV osterfeuer, heilbrunnen, regenwasserumgänge, heiliggehaltnen thiere, der kampf zwischen sommer und winter, das todaustragen und die fülle des aberglaubens, zumal bei dem angang und der heilung der krankheiten fest mit heidnischen anlässen zusammen hänge. Manches auseinander zu setzen wird aber erst einer umständlichen untersuchung, die sich dem gesamten volksleben nach verschiedenheit der jahrszeiten und lebensalter widmet, vorbehalten bleiben, wie nicht weniger die ganze ausdehnung unsrer rechtsalterthümer vielstrahlendes licht auf glauben und sitte fallen läßt. Aus den festen und spielen geht die frohe, heitere seite der vorzeit hervor; es war mir angelegen, auf die manigfalten, aber unentwickelt gebliebnen keime dramatischer darstellungen hinzuweisen, die den ersten anlagen griechischer oder römischer kunst verglichen werden dürfen. im Norden ist das julspiel hin und wieder noch geübt, seine gothländische weise (s.  35 ) nimmt bezug auf Freyr. des wichtelspiels wurde s.  364 gedacht, über das bärenspiel (s.  655 ) werde ich mich anderwärts ausführlicher verbreiten. Schwerttanz und riesentanz (s.  252 ), Berchtenlauf (s.  231 ), pfingstspiel (s.  655 ), osterspiel (s.  651 ), die einführung des sommers oder mais, das veilchensuchen und der schwalbenempfang sind in lauter heidnischen anschauungen begründet und auch der brauch des kiltgangs wie der wächterlieder (s.  625 . 626 ) führt sich auf uralte festlichkeiten zurück. Dies sind unsere quellen und so weit reichen sie noch; wir wollen nachsehn was die bisherige forschung daraus entnommen hat. Den kern aller mythologie bilden die gottheiten: sie waren uns fast verschüttet und musten aus der erde hervorgegraben werden. ihre spur ließ sich theils in haftenden, unausgerotteten namen, die beinahe nur den leeren klang darbieten, theils bei verwandelter gestalt in der flüssigen, aber volleren volkssage erkennen. dies findet mehr auf göttinnen, jenes auf götter anwendung. götter und helden stecken sogar in den namen der runen, deren erste altn. Freyr heißt, außerdem Thor, Zio, Eor, Asc, Man, niemals göttinnen. Unter den göttern zeigen den stärksten haft drei in den wochentagen als Mercur, Jupiter und Mars bezeichnete; von allen tritt als der deutlichste Wuotan vor. Jonas, Fredegar, Paulus Diaconus, die abrenuntiatio nennen ihn, er ragt an der spitze alter königsreihen, vielen örtern ist sein name unauslöschlich eingeprägt. die Woedenspanne bezeichnete in der sprache ein glied der hand, wie dem Norden ulfliđr, das wolfglied, auf Tŷr zielt. unerwartet überliefert uns das dreizehnte jh. einen seiner namen, der sogar in der nordischen lehre beiseits liegt, und doch gerade mit den frauen, die des gottes geheiß ausrichten, mit der rute, die seinen hort öfnet, mit dem mantel, der ihn durch die luft trägt, sich aufs engste berührt, ja diese alle erst recht ins licht setzt. Weniger wird Omi durch Vôma erläutert, obgleich das wort den rauschenden gott nicht verkennen läßt, dessen wir durch XV die sage vom wütenden heer gewisser sind: der breite mantel, tiefe hut klebt im namen Hackelbernd, den ich bis in ein goth. Hakulbaírands (s.  121 ) zurückzuschieben wage. Als Langbart ist der gott in bergschlummer versunken noch auf die heldenkönige Carl und Friedrich übertragen; wer eher als Wuotan, dem sie auf der achsel sitzen, gedanken und geschichte zutragen, darf nach den fliegenden raben fragen? sein siegesnahen witterten raben und wölfe, die vor allen andern thieren in die mannesnamen des volks aufgenommen wurden. in den nord. sagen fragt ein blinder graumann, der ebenso deutlich der alte Odin ist. Siegesvater ist er auch gott des heils und der wonne, d. h. wiederum Wunsch, an dessen stelle nachmals Sâlida eintrat. Weil er zugleich als gott des dichtens, des maßes, der spanne, der grenze, des würfels erscheint, so dürfen alle gaben, schätze, künste als von ihm ausgegangen betrachtet werden. Obschon Wuotans sohn und ihm an macht oder einfluß weichend erscheint Donar wieder mit ihm zusammenfallend, gewissermaßen als ein älterer vor Wuotan verehrter gott. denn gleich Jupiter ist er ein vater, er ist vieler völker großvater, und als großvater berggott, felsengott, ein hammer, in wäldern auf berggipfeln thronend, die alte steinwaffe und den keil des blitzes schleudernd. ihm war die eiche heilig und sein hammerwurf maß das land, wie hernach Wuotans rute. er schlägt mehr auf die riesen los, als daß er schlachten an der helden spitze kämpfte und auf kriegskunst sänne. den zug halte ich nicht für bedeutungslos, daß er fährt oder geht, statt wie Wuotan zu reiten; niemals wird er im wilden heer, noch in frauengesellschaft dargestellt. aber in den volksflüchen haftet sein name, Wuotans nur in betheuerungen (s.  110 ), als Rothbart könnte auch Donar im berg sitzen. alle helden gehn in Wuotans himmel, das volk kehrt zu Donar ein: dem edlen, feinen Wuotan gegenüber gibt Donar etwas volksmäßiges, bäurisches, ungeschlachtes kund. er scheint die uralte, im verlauf der zeit von einer andern, nahverwandten aber umfassenderen, doch nicht überall zurückgedrängte gottheit. Lassen sich Wuotan und Donar als erhabene götter des himmels ansehn, wird Zio, Tius noch viel mehr so aufgefaßt werden mögen, dessen name unmittelbar den begrif des himmels ausdrückt, während Wuotan die luft, Donar das gewitter bezeichnen. Und wie Wuotan siege lenkt, stellt sich Zio als eigentlichen kriegsgott, wie von Donar der hammer, von Wuotan der speer geworfen wird, als einen schwertgott dar, welcher in den namen Sahsnôt und Heru aufgewiesen wurde. Es bleibt aber hier noch manches dunkel, weil ihn die volkssage ganz außer acht gelassen hat. gleich Wuotan scheint auch Zio als sturm vom himmel nieder zu brausen. Zwei andere, gar nicht in der woche auftretende götter müssen dennoch unter die großen gerechnet werden. Froho, ein gott der jagd, der zeugung, fruchtbarkeit, des sommers hatte seinen namen XVI lange dem innersten unsrer sprache eingepflanzt, in den abgeleiteten wörtern fron und frönen hält er noch heute stich; sein heiliger goldborstiger eber dauerte im helmzeichen, im gebäck und beim feierlichen gastmal. alljährlich in königs weise zog Froho durch die länder (s.  176 . 634 ). er ist eine freundliche, liebreiche gottheit, im gegensatz zu den zwei vorhergenannten und zu Wuotans einer seite: denn als Wunsch scheint auch Wuotan lieblich und schöpferisch wie Froho. Über den uns kaum erst genannten Phol habe ich so manche vermutungen gewagt, daß ich sie hier nicht noch vermehren will. ist er, wie es zumeist erscheint, mit Paltar gleichbedeutig, so muß er als gott des lichts, aber auch des feuers und wiederum des sturmes gelten; anders aufgefaßt hauste er an brunnen und quellen. er nähert sich den höheren elementarischen wesen, um so leichter war es ihn in ein teuflisches zu verdrehen. Gleich verschollen in Deutschland ist der name des nordischen Loki, der das feuer von andrer seite vorstellt und sich noch mehr auf den teufel anwenden ließ. Die sagen von seiner schlauheit, von seinen künsten haben sich unter allen stämmen oft wiedergeboren. Ich wende mich zu den göttinnen. eine göttermutter, die Nerthus, ist uns von Tacitus genannt, ihr name entspricht aufs haar dem eines nordischen gottes, der sie bestätigt, wie Freyr die Freyja bestätigen würde, wäre sie nur als hochdeutsche Frouwa überliefert, und mit dem nemlichen fug gilt ein schluß vom goth. fráuja auf fráujô. Längst mag die benennung Nerthus ausgestorben sein, wenn sie überhaupt allgemein auf alle volksstämme erstreckt werden darf; eine ganze reihe anderer ihr beinahe gleicher wesen dauert in blühender sage fort: Holde, Berhte, Fricke, Harke, Gaue, Stempe, Trempe. dem ersten blick scheinen alle diese namen nicht hoch hinauf zu reichen, doch wird Berhte wenigstens in gedichten des 14. 15 jh. angeführt, und noch andres ansehn gewinnt es, sobald man sie zur kerlingischen Berhta, zur eddischen Biört (s.  961 ), zur eingewurzelten vorstellung von der weißen frau halten darf. von frau Holda ist die volkssage gar nicht einmal vor dem 17 jh. aufgezeichnet; war Holda im Venusberg, der bereits dem 14ten gehört, so wächst schon ihre bedeutung, weiter zurück im 12. jh. ist Pharaildis nachweisbar (s.  235 ), wäre vollends Huldana in der steinschrift rechtfertig (s.  221 ), so wird der gotische Hulþôcultus (s.  827 ) geringes bedenken haben. Da nun Berhta und Holda adjectivische namen sind, forderte ich gern auch für Nerthus ein adj. naírþus, mit dem sinn von mild, hold, schön. Auch Frigg (s.  250 ) verstehe ich aus dem adjectivischen frei, schön, hold. Wurde Gaue, Gauden aus dem männlichen Woden entstellt, so konnte der gedanke an gut möglicher weise hinzutreten. Frouwa ist sichtbar das fem. zu Froho und dauert im heutigen frau mit voller kraft. Fast alle benennungen weiblicher gottheiten sind noch durchsichtig, sie haben gegen die der männlichen gehalten etwas unschuldiges, unverletzbares und scheinen XVII auch darum geschont oder geduldet zu werden. die zartheit und der unverfängliche gehalt des mythus hat ihn in der volkssage länger geschützt. Die alte Hellia wurde aus dem persönlichen in den räumlichen begrif der hölle übertragen. Ostara wenigstens im namen der hehren festes, Hreda, falls ich triftig muthmaße, im namen des fräulichen gerada, wie Zio im namen des schwerts bewahrt. Folla und Sindgund sind erst durch die neusten entdeckungen zu tage gefördert. Diese zahl von gottheiten ist bedeutend genug, um an ihnen das gesamte gerüste der übrigen mythologie aufzuschlagen; wo solche pfeiler stehn, darf auch nebenwerk und zierrat in überfluß angenommen werden. An und für sich betrachtet erscheinen fast alle einzelnen gottheiten ausflüsse und zerspaltungen einer einzigen: die götter als himmel, die göttinnen als erde, jene als väter, diese als mütter, jene schaffend, waltend, lenkend, sieg und seligkeit, luft, feuer, wasser beherschend, die göttinnen nährend, spinnend, ackerbauend, schön, geschmückt, liebend. Wie die gesammten laute der sprache auf eine kleine zahl zurückgehn, aus deren einfachheit sich alle übrigen ergeben, die vocale mittelst ablaut, brechung und diphthongierung, die stummen consonanten durch zerlegen jeder drei reihen in drei stufen, einzelne sprachen aber diese stufen in fester ordnung fortschieben; so führe ich auch in der mythologie die vielfachen göttlichen erscheinungen auf ihre einheit hin, lasse aus der einheit die manigfaltigkeit entspringen, und es schlägt kaum fehl, auch für die gottheiten und helden solche einigung, mischung und verschiebung, ihrem character und einzelnen eigenschaften nach anzunehmen. Auf welche weise Wuotan, Donar, Zio theilweise in einander aufgehn wurde gesagt, aus Logi wird Loki, aus G wird K und der begrif der lohe wandelt sich in den des riegels, wie Hamar und Heru in das geräth übergiengen. wir sahen Wuotan in den langbärtigen Carl, den rothbärtigen Friedrich vorgeschoben. die nord. heldensage im vergleich zur deutschen liefert bemerkenswerthe beispiele des verschiebens der namen und gestalten. Gudrun nimmt in der edda den platz der deutschen Krîmhilt ein, und Grîmhildr heißt ihre mutter; in der Vilk. saga ist Mîmir der schmied, Reginn der drache, in Völs. saga Reginn der schmied, Fâfnir der drache. geschähe der wechsel unordentlich, so würde er nichts auf sich haben, er scheint aber nach bestimmter stufe und ohne sprung zu erfolgen. Unter allen stämmen des deutschen volks geben sich zahllose abweichungen der mundart kund, denen gleiches recht gebührt; ebenso sind in dem volksglauben manigfalte unterschiede anzunehmen: es hält nur schwer das räumliche verhalten mit dem zeitlichen allenthalben zu vereinbaren. Wollte man aus der größeren zahl der zeugnisse für Wuotan in Niederdeutschland folgern, dieser gott sei bei den Sachsen höher geachtet gewesen als bei den XVIII Alemannen oder Baiern; so rührt doch jenes übergewicht hauptsächlich her von der längeren dauer des heidenthums im nördlichen theil: auch der südliche würde in den ersten jahrhunderten nach der bekehrung den gott reichlicher bezeugt haben. jetzt hat in Oberdeutschland kaum ein einziger mit Wuotan zusammengesetzter ortsname sich behauptet (s.  131 ), den Wuotanstag vertritt mittwoche, und das wütende heer wird dort lebendiger erzählt. Wichtig wäre es dahinter zu kommen, wo und ob unter Gothen die benennung Faírguneis der von Thunrs vorgewogen habe? ein schluß aus der nachbarschaft des litthauischen Perkunas, des slavischen Perun hat sein wagnis, obgleich gerade diesen fremden völkern gothische und hochdeutsche auch in der sprache sich mehr zuwenden als die niederdeutschen. man erwäge Hruodo und Kirt (s.  206 ). Eher wird der unterschied zwischen Zio und Eru und dessen zurückführung auf Schwaben und Baiern zu verfolgen sein, aber den hauptanspruch auf Eru, wenn das gemutmaßte nicht abschweift, hätten vor allen stämmen Cherusker. auch der pflanzenname Ziolinta (s.  998 ) verdient angeschlagen zu werden. Sahsnôt, Seaxneát war gewis ein sächsischer eponymus. Wie stehen sich Paltar und Phol nach den völkern, die ihnen zugethan waren, zur seite? Phol scheint bald östlich bald westlich hin zu weisen. Ein wichtiges merkmal wird der wechsel des genus bei denselben götternamen unter verschiednen volksstämmen sein. den Gothen war noch das abstracte männliche fráuja geläufig, den Althochdeutschen das weibliche frouwâ, alts. ist nur das masc. frôho, frô, ags. nur freá im gang, bei Gothen, Sachsen mag der gott, bei den Hochdeutschen die göttin hervorgehoben gewesen sein; im Norden haben Freyr und Freyja gleiche ehre. aber der Norden kennt bloß den gott Niörđr, die an der entgegengesetzten Ostseeküste wohnenden Deutschen bloß die göttin Nerthus. das verhältnis zwischen Zio und Zisa und vielleicht Isis (s.  247 ) bedarf fernere aufklärung. Ohne zweifel geht die vielnamigkeit jenes höheren weiblichen wesens, das noch in der jüngeren volkssage unverschollen ist, auf stammunterschiede zurück: Holda zeigt sich in Hessen, Thüringen, Nordfranken, Berhta in Vogtland, Ostfranken und einzelnen schwäbischen strichen, wo zugleich der männliche Berhtold aufstößt. beider göttinnen keine spur in Niederdeutschland, frau Freke ist nun in der Mark wieder gefunden, in Meklenburg, zwischen Elbe und Weser haust frau Gaue. Holda dagegen würde in alter zeit als Huldana weit gegen Westen zum Rhein, und wenn sie der Verhildenstraet (s.  236 ) zum grunde liegt in die Niederlande vorrücken, so daß der Chatten verwandtschaft mit den Bataven beachtet werden dürfte; gleiche ausdehnung dem Berhtadienst verhieße die kerlingische Berhta Pedauca und nordische Biört. Es muß auf das allgemeine vordringen fast aller stämme gegen Westen geachtet werden; selbst Isis suevisches schif ließ bis in die Ardennen sich verfolgen. Aber außer den gottheiten haben andere theile der mythologie mit zu entscheiden. XIX von himins und himil, himel und heven war s.  582 , von fortschiebung des Himil in Gimill s.  687 die rede, in Hessen sondern sich wichtel von Elben, jene gehören dem fränkischen, diese dem sächsischen boden; das niedersächs. hüne ist in Hochdeutschland außer gebrauch, schon ahd. scheinen hûni nur Hunnen, nicht riesen, und das mhd. hiune war beschränkten umfangs (s.  433 ), wie es heute in Hessen, Schwaben, Baiern nicht gehört wird, man müste es denn im namen der krankheit (s.  973 ) finden Nachtrag: Der zwischen dem nordischen und deutschen götterglauben bestehende unterschied erscheint noch bedeutender, wenn man erwägt, daß dem Norden Eru, Phol, Saxnot, Beovulf, Isis, Zisa und Sindgund unbekannt waren, während andrerseits in Deutschland bisher keine spuren von Heimdall, Loki und Hoenir (färöisch auch Höner, nicht Hœner) zu entdecken sind. fast nur dem namen nach bekannt ist Meili, sohn Ođins und der Fiörgyn. — In Norwegen war Thor, in Schweden Freyr, in Dänemark Ođin vorzüglich geehrt (s.  133 ). lokalgottheiten in Hâlogaland scheinen Hâlogi, Thorgerđr und Irpa (F. Magnusen s. 981). . Solche und ähnliche, aller erweiterung fähige und jetzt zum theil nicht einmal geahnte untersuchungen können für das innere der deutschen mythologie allmählich bedeutsam werden; noch dringlicher ist ihr verhältnis zu dem glauben auswärtiger völker festzustellen, ja um diesen angel dreht sich eigentlich das mythologische studium überhaupt. selten hat es aber geglückt die gegenseitigen einflüsse oder abstände so zu ergründen, daß daraus eine heilsame richtschnur für die behandlung der einen oder der andern mythologie entsprungen wäre. Jedwedem volke scheint es von natur eingeflößt sich abzuschließen und von fremden bestandtheilen unangerührt zu erhalten. der sprache, dem epos behagt es nur im heimischen kreis, nicht länger als er zwischen seinem ufer wallt, hält der strom seine farbe lauter. aller eignen kraft und innersten triebe ungestörte ausbildung ergeht aus dieser mitte, und unsre älteste sprache, poesie und sage sehen wir keinen andern zug einschlagen. allein der strom hat nicht nur die bäche aufzunehmen, die ihm von berg und hügel herab frisches gewässer zuführen, sondern selbst zuletzt in die weite meerflut auszumünden: völker grenzen an völker, friedlicher verkehr, krieg und eroberung verschmelzen ihre schicksale. aus den mischungen mag unerwartetes hervorgehn, dessen gewinn gegen den verlust, den die unterdrückung des heimischen elements nach sich zog, abgewägt werden darf. Wenn sprache, dichtung und glaube unsrer vorfahren zu keiner zeit überall dem andrang des ausländischen wehren konnten, haben sie durch den übertritt des volks zum christenthum alle zusammen die erschütterndste umwälzung erfahren Nachtrag: Eine zutretende neue religion veranlaßt mischung mit der alten, die sich nie ganz vertilgt. der alte glaube wird dann zum aberglauben, wie das Nilsson 6, 3 recht gut auseinander setzt. . Man hat sich lange gequält alle sprachen aus der fernen hebräischen herzuleiten; erst durch die genau erforschte geschichte der nahen europäischen idiome ist endlich ein sichrer weg gebrochen worden, der das semitische sprachgebiet vorläufig zur seite lassend tiefer in das mittlere Asien leitet. zwischen indischer und zendischer zunge und den meisten, die sich nach Europa ergossen haben, findet ein unmittelbares jedoch solches band statt, vermöge dessen sie sämtlich als geschwister erscheinen, die vom ersten ausgang an hauptgrundzüge miteinander theilten, hernach aber auf eingeschlagnen eignen wegen überall anlaß und fug hatten von einander abzuweichen. Unter allen sprachen der erde stehn berührungspuncte zu ermitteln, jede gefundne regel nöthigt zu ihren ausnahmen und diese ausnahmen werden verführerisch; die XX regel aber lehrt uns grundverschiedenheiten festigen, denen erst langsame auflösung in höhere einheit bevorsteht. zwar allen anschein hat es, daß Europa keine aborigines enthielt und seine bevölkerung allmählich aus Asien empfieng, doch die zahlen unsrer zeitrechnungen reichen nicht bis zur wirklichkeit einer abkunft menschlicher sprache aus einer und derselben urquelle, und die schichten unserer gebirge bezeugen höheres, vorgeschichtliches alter, dessen ungemessene breite kein forscher durchdringt. Außer der die ergebnisse des sprachvergleichens bedingenden nothwendigen urverwandtschaft müssen nun in der geschichte europäischer sprachen äußere, zufällige und offene einwirkungen vieler untereinander angenommen werden, die so mächtig und folgenreich sie gewesen sein können, sorgfältig von jener verborgner liegenden zu unterscheiden sind: es sei nur an den alten einfluß des lateins und den jüngeren des französischen auf fast alle übrigen sprachen, oder an den ursprung des englischen aus dem zusammenstoß deutscher und romanischer elemente erinnert. Vorzüglich darin zeigt sich der unterschied beider arten von berührung, daß, während jene urverwandten sprachstoffe gelenk und durchsichtig bleiben, in den erborgten und um der erborgung willen trübheit der formen und stumpfheit der bewegungen hervorgeht. alle urverwandten wörter greifen demnach in das wesentliche leben der sprache, über welches die erborgten meist ohne aufschluß lassen: wie leblos z. b. ist unser adj. rund geworden, da doch das franz. rond, aus welchem es herstammt, noch auf roond, reond, das span. redondo, ital. rotondo, und so auf rotundus, also rota zurückleitet. Auch beschränken urverwandte formen sich selten auf einen stamm oder einen zweig der sprache, sondern laufen gleichmäßig durch mehrere, wie z. b. unsere zahlwörter, oder unser ist, goth. ist, lat. est, gr. ἐστί, skr. asti; oder das goth. sa, sô, þata; ags. se, seo, þät; altn. sâ, sû, þat; gr. ὁ, ἡ, τό; skr. sa, sâ, tad; lauter einstimmungen, die nicht erst, gleich jenem rund, in bestimmter nachweisbarer zeit entsprangen, sondern seit undenklicher vorhanden waren. Diese beispiele sind bekannt, und hier gewählt worden, um auch für die mythologie unterscheidungen eines urgemeinschaftlichen stofs von entlehntem, später übergetretenem geltend zu machen. unsre gelehrsamkeit, dem vaterland abspenstig, an pracht und ausbildung der fremde gewohnt, mit auswärtiger sprache und wissenschaft beladen, in der heimischen armselig, war bereit die mythen unsrer vorzeit griechischen und römischen, als höheren, stärkeren unterzuordnen und die selbständigkeit deutscher poesie und sage zu verkennen, gleich als dürfe auch in der grammatik das deutsche ist geleitet werden aus est und ἐστί, statt die ansprüche dieser drei formen völlig gleichzustellen. jene wunderbare und erfreuende übereinkunft fahren lassend, deren uranfang weit zurückgesetzt werden muste, strebte man, so gezwungen es nur angehn wollte, irgend anlässe jüngerer entlehnung aufzuspüren, XXI damit der heimat alle kraft und sehne des hervorbringens abgeschnitten würde. Nicht einmal zufrieden unsere mythologie dem auslande zu überweisen, gelüstete es, ihren inhalt gleich unbefugt auf das feld der geschichte zu spielen und durch historische auslegung wesentlich unhistorische elemente zu beeinträchtigen Nachtrag: Als der hang zum ausländischen und der überdruß am heimischen wich (tanta mortalibus suarum rerum satietas alienarumque aviditas. Plin. 12. 17, 38), da begann die gleich unbefugte historische und geographische auslegung der mythen, deren nähere betrachtung noch aussteht. die vergötterten helden und heiligen, die stammtafeln, an deren spitze ein göttlicher ahn steht, zeigen die berührung der mythen und der geschichte. . Wozu den frevel und die launen dieser critik verschweigen? Mone, ein redlicher und begabter forscher, dessen ernsten fleiß ich hochachte, pflegt der wahrheit auf halben weg entgegen zu treten, dann aber plötzlich abzuspringen und an ihr zu zerren. mit aller gewalt soll Reinhart unsrer thierfabel auf einen geschichtlichen, Siegfried unsers heldenlieds der reihe nach auf Arminius, Civilis und Siegbert, Tanhäuser auf Ulysses geleitet werden. Was sich mir bei sorgfältiger quellenvergleichung ergeben hatte über zauberei und hexen, ist ihm weder umsichtig noch enthaltsam, der wähnt, daß in früherer zeit die hexerei wirklich vorhanden gewesen (Mone anz. 8, 271) und sich nicht enthält aus einem einzigen malefizprotocoll von 1628 auf die griechischen Dionysien zu stürzen, den teufel flugs zu Dionysus macht und die verbrauchte deutung der hexe aus Hecate aufwärmt. dem teufel wird damit viel alterthum zugestanden im vergleich zu jenen helden; mir scheinen Reinhart und Isengrim weit über das neunte jahrhundert hinauf zu reichen, wie Siegfried noch über Armin, also längst über die zeit, in welcher der ausdruck teufel unsrer sprache das erstemal zukam. unverkennbar hängen mehrere benennungen der riesen mit den namen benachbarter völker zusammen; die monesche ansicht wendet sie zu Indern, Friesen und Persern, je nachdem ihr die wörter ent und wrise zusagen: des Kaukasus aus unserm Gouchsberg darf sich niemand verwundern. Eine neuere schrift, deren werth ich s.  894 rühme, kommt mir jetzt nicht ungelegen. Soldan stimmt in meine ansicht von dem greuel und unsinn der hexenverfolgungen, doch zusammenhang der hexen mit der deutschen mythologie möchte er abstreiten und wieder allen zauber, alles dämonische wesen von Römern und Griechen herführen. die ähnlichkeit der vorstellungen des mittelalters mit dem classischen alterthum fällt ihm so stark auf, daß er anzunehmen scheint, Deutschland und das übrige barbarische Europa seien vor ihrem frühen zusammenstoß mit jenem entweder ohne zauberei und geisterglauben gewesen oder dieser auf einmal erloschen. die Walburgisnacht sollen römische lares praestites, selbst den gebrauch des lehnausbietens floralien und averruncalien, den bilsenschnitt das fruges excantare veranlassen; warum rührt nicht auch unser es aus id, unser auge aus oculus, unser zehn aus decem? in solcher Weise wäre Wuotan unbedenklich auf Jupiter, Holda auf Diana, der alp auf den genius, die gesamte deutsche mythologie auf römische zurückzubringen, und es bliebe uns nichts eigenthümliches als der kahle boden, der die fremde lehre in sich empfieng. Da wo unter zwei völkern sprache, sitte und glaube sich gleich XXII liegen, ist die übereinkunft für den erweis ihres alters willkommen und nicht zu schlüssen auf borgen oder eindringen zu misbrauchen, die jede besonderheit daran geben. das siegel aber wird der forschung dadurch aufgedrückt werden, daß der reihe des einstimmigen zugleich unwillkürliche reihen des abweichenden und verschobnen zur seite laufen. In unserm heldenbuch haben die abenteuer Wolfdieterichs und Orendels, jedes in seiner weise, auffallende ähnlichkeit mit zügen der Odyssee, und namentlich gleicht die entsendung des engels zur rauhen Els und zu frau Breide der des Hermes zu Kalypso, als ihr geboten wird Odysseus zu entlassen. aber solche heldenirfahrten und begegnungen mit weisen frauen und riesen scheinen episches überall vorwaltendes gemeingut, während gerade das entferntbleiben aller sonstigen hauptbeweggründe des griechischen mythus den gedanken an entlehnung zurückweist. Wir dürfen die vielfachen bezüge zwischen Wuotan Zeus und Apollo, zwischen Zio Zeus und Ares gewähren lassen, Nerthus zu Demeter, Frigg und Freyja zu Here und Aphrodite, Wieland zu Hephäst und Dädalus, die nornen zu den mören halten, ohne daß darum das gewimmel der griechischen götter auf unsern boden übertragen, noch alles was dieser hervorbrachte in Griechenland aufgesucht zu werden brauchte. soll das honum hlô hugr î briosti etwan aus dem homerischen ἐγέλασσε δέ οἱ φίλον ἦτορ in die edda gerathen sein? jener unterschied zwischen götter und menschensprache bei Homer wie in der edda darf uns etwas bedeuten, und doch nicht lästiger zu erklären fallen als das eintreffen von Zio zu Zeus oder Ζεὺς πατήρ zu allvater. gar schön wird uns Venus und venustus durch das altn. vænn und vænstr, ja durch den alts. superlativ wânumo verständigt. Was von griechischer und römischer mythologie gilt, daß sie bei aller einstimmung lange nicht in einander aufgehn, muß für das verhältnis zwischen römischer und deutscher in weit höherem maße behauptet werden, weil die griechische literatur und dichtung ungleich tiefer in die römische einschnitt, als die lateinische auf unser alterthum einzuwirken vermochte. Wenn in cap. XXXV und XXXVII manches angeführt wird, was aus römischem aberglauben zu entspringen scheint, so hat es in der dürftigkeit einheimischer nachrichten seinen vollen grund, die mich zwangen ihnen an jenem eine stütze zu geben: ich glaube nicht, daß die altdeutsche vorstellung vom angang der thiere und vom gebrauch der kräuter an und für sich ärmer gewesen ist als die römische Nachtrag: Wolfdietrich vergleicht sich auch darin dem Odysseus, daß er sant Georgen hemd an hat, wie Odysseus den schleier der Leucothea. weitere ähnlichkeiten der griechischen und deutschen mythologie, auf die schon die vorrede zur Kopenhagener edda s. XXVII ff. zu sprechen kommt, tritt an den tag bei Artemis und Hekate, die an Berhta mahnen. die vorstellungen von Meleager und Nornagestr (s.  712 ), μεσογαία und mittelgart (s.  662 ), von ὀμφαλός und dem dillestein (s.  673 ), dem höllenhunde der unterwelt (s.  832 ), dem κηρύκειον und der wünschelrute (s.  815 ) und dem siebdrehen (s.  928 ) sind nahe verwandt. gr. ἥλιος, altn. sôl, goth. sáuil decken sich auch sprachlich (s.  585 ). An römischen brauch erinnert die verrenkungsformel (s.  185 . 186 ), wie die wegelustration. RA. s. 73. Andrerseits erscheint Zeus-Jupiter bei anderen völkern gespalten, in Wuotan, Donar, Zio, in Radegast, Perun, Svetovit, in Brahma, Wischnu und in Gwydion, Taranis. . Was ich den Deutschen gegenüber Römern und Griechen einräume muß auch in bezug auf Celten, Slaven, Litthauer und Finnen statthaft sein, deren heidenthum dem unsrigen ähnlich oder unähnlich war. die masse des zutreffenden thut aber der annahme von erborgungen, die sich an allen ecken häufen würden, noch entschiedner eintrag. Zu gunsten celtischer sprach und sagenforschung ist eine XXIII heilsame reaction eingetreten, die darauf besteht, daß diesem zurückgedrängten volke, das vorzeiten breite strecken Deutschlands einnahm, sein recht widerfahre. keineswegs arm an denkmalen besitzt es in der lebenden armorischen, welschen, schottischen und irischen sprache aushelfende mittel. Noch aber gehn die pfade unsicher und schlüpfrig, und was wir den Celten zugestehn soll im entdeckungseifer nicht wider uns selbst gekehrt werden; auf den berührungspuncten hat auch die deutsche eigenheit ihren anspruch zu wahren. So scheinen mir Heinrich Schreibers anziehende untersuchungen über grabhügel, waffen und feen einigemal über die rechte linie weg zu streifen: die pferdeköpfe auf den dachgiebeln in Meklenburg und Holstein sind doch besser deutsch als die ähnlichen in der Schweiz celtisch, und so weit unsere elbinnen und weißen frauen reichen haben sie guten grund, wie die feen von der andern seite. Leo hat dunkle thiernamen, wie mich dünkt, mit erfolg celtisch ausgelegt; so lange er die hauptträger der fabel Reginhart und Isangrim deutsch lassen muß, bin ich um die echtheit unseres epos unverlegen und fremdheit der nebengestalten bestärkt das entrückte alter der gesamten dichtung. auch was er zu Nerthus und muspell beibringt (Haupt 3, 226) fordert rücksicht. Außer den feen, die zu schwanfrauen, wünschelweibern und nornen stimmen, außer Abundia die der Folla gleicht, lege ich gewicht auf Taranis = Donar, auf Gwydion = Wuotan, auf Beal = Phol oder Balder, vielleicht mag Hesus zu Cheru leiten, und Segomon (s.  308 ) nicht zu übersehn sein. die nothfeuer und maiopfer kommen in betracht. Großen vorschub unsrer einsicht in Wuotans eigentliche natur würde es leisten, wenn wir über die abweichung des celtischen Mercurcultus von dem römischen ins klare kämen; nach allem war diese gottheit Celten und Germanen größer als Hermes und Mercur den Griechen und Römern; auf Trismegist und Tervagan wies ich s.  124 . Alles was uns von celtischer religion übrig blieb zeugt selbst in seinen bruchstücken von feinerer geistesbildung, als uns deutsche oder nordische mythologie kundgeben; es dringt darin mehr von priesterlicher lehre durch. aber an gemüt und epischem gehalt stehn unsre denkmale unvergleichlich höher Nachtrag: Celtischen einfluß in deutscher mythologie weist Leo malb. gl. 1, 39 nach, und Nilsson 6, 13. 14 leitet den mistelteinn und Baldrsbrand daraus ab, wie er denn viele skandinavische striche früher von Celten bewohnt glaubt. die celtischen götter Taranis, Hesus und Teutates stimmen zu Jupiter, Mars und Mercurius vgl. Stälin 1, 112. 111. 109. GDS. s. 120. . Wie gegen westen von den Celten werden wir gegen osten von den Slaven umschlossen und gleich celtischen haben slavische schriftsteller lust, da wo slavischer und deutscher glaube aneinander rühren, von slavischem grunde her zu deuten, was ebensowol von dem unsern aus erklärbar ist. Schon aus urgemeinen wörtern wie goth. sunus, ahd. sunu, slav. syn; goth. liubs, ahd. liop, böhm. liby, russ. ljobov liebe; goth. láuþs, ahd. liut, slav. ljod, lud; goth. hláifs, ahd. hleip, slav. chlep; läßt sich beider völker verwandtschaft begreifen. Nicht geringere bedeutung haben mythische ähnlichkeiten. Radegast muß zu Wuotan, Perun zu Faírguneis, Fiörgunn, aber Svatovit zu Zio gestellt werden; zwischen Radegast dem gott der wonne (rad gern, lubens, radost freude, XXIV lust) und Wunsch bricht stärkere berührung vor. Krodo gemahnt an Kirt, Molnija an Miölnir (s.  1021 . 678 ). Wie nahe reicht der serb. badnjak an unser weihnachtsfeuer, die serb. kukuksstange an die langobardische taubenstange (s.  950 ), dodola ans regeneinholen (s.  493 ), das todaustragen an den kampf des sommers und winters, die vile an unsre weisen frauen Nachtrag: Den angeführten der deutschen und slavischen sprache gemeinsamen uralten wörtern reihen sich ferner an goth. gulþ, ahd. kold, slav. zoloto, zlato; goth. þaurnus, ahd. dornu, slav. trn. Siwa Geres gleicht der altn. Sif, Sitivrat dem Saturn, Prija der Frowa (s.  252 ) und Prove dem Frô. . scheint die sage von elben und zwergen minder ausgebildet als sie bei Celten und Germanen ist, so hat unsre riesensage viel mehr mit Slaven und Finnen gemein. Im ganzen ist wol die slavische mythologie noch um einige stufen wilder und sinnlicher als die deutsche, doch manches wird sich anders ausnehmen, sobald einmal slavische volkssagen und märchen getreuer und reicher eingesammelt sind, und auch der deutschen forschung großer gewinn daher erwachsen. Aus solchen samlungen lithauischer, samogitischer, lettischer mythen, sagen und thierfabeln stehen nicht minder wichtige aufschlüsse bevor, die schon das merkwürdige verhältnis der sprache ahnen läßt. Mehr bereits ist in Finnland geleistet, dessen volk, vergleichbar nur dem serbischen, heute noch die wunderbarste fülle von liedern und sagen im munde führt, und wie in serbischer poesie die heldensage überwiegt in finnischer der mythus. Allein aus dem was von Ganander, Porthan und jetzt von Lönnrot herausgegeben ist, wird zwischen deutscher, nordischer, slavischer, griechischer und asiatischer mythologie unendlich viel vermittelt. aus dem finnischen leitete schon Rask afhand. 1, 96 nordische riesennamen ab. Auch für diese finnische dichtung gilt noch gar nicht jener unterschied zwischen märchen und volkssage: sie steht auf älterer stufe, wo des märchens wunder ohne scheu mit dem festeren haft der sage sich knüpfen, selbst die thiersage eingelassen werden kann. Wäinämöinen (esthn. Wannemunne) läßt sich zu Wuotan und gerade wieder zu Wunsch halten; in finnischer sprache heißt waino und wainotem desiderium, wainok cupidus, wainotet desiderare, den schwedischen Lappen, deren sprache verwandt ist, bezeichnet waino wunsch und begier, den norwegischen vaimel cupidus. Wunsch, Radegast und Wäinämöinen scheinen sich also näher zu rücken. Wäinämöinen ist gott des dichtens und singens (s.  756 ), er heißt immer wanha, der alte, wie auch Ukko der donnergott, vater und alter, Akka seine frau, mutter und alte; den Lappen ist Atja großvater und donner (der alte tatl s.  139 ). wie Thors minne trank man Ukko zu ehren volle schale. Wäinämöinen weckt die Wipune aus ihrem grab (rune 10), wie Ođinn die Völa. Ilmarinen, der finnische schmiedegott, erinnert an Hephäst wie an Völundr, greift aber tiefer als beide ein; er bildete sich eine frau aus gold (vgl. s.  472 ). Sarakka heißt den Lappen die schöpferin, von saret schaffen, eine göttin des glücks. Jumala ist allen finnischen völkern ein allgemeiner name des höchsten wesens, im sinn unsers gott oder des slav. bog, ihm entspricht das schwedischlappische jupmel, norwegischlappische ibmel, XXV aber auch bei Syriänen jen (gen. jenlon), bei Permiern en, bei Wotjaken inmar, bei Tscheremissen jumn. Am nordrande von Europa über den Ural nach Nordasien zieht sich dieser ausgebreitete, den Finnen angehörige volksschlag, dessen sprache und mythen allenthalben gemeinschaft zeigen. den specht halten die Wotjaken gleich Slaven und Deutschen heilig (s.  561 ), was ich aber besonders hervorhebe, ist ein bärencultus dieser völker, der sich auch in Schweden und Norwegen spüren läßt und den ältesten stand der deutschen thiersage verkündet (s.  556 ). dichterische schmeichelwörter bezeichnen das heilige thier, sobald es erlegt ist, werden feierliche gesänge gleichsam zur sühne angestimmt. in Kalewala schildern rune 28. 29 eine solche jagd und die ganze feier. Ostjaken knien beim eidschwur auf bärenhaut, heidnische opfer wurden mit bärenhaut gedeckt (s.  844 ), bärenhaut hernach noch lange im dienst des teufels umgehangen (s.  851 ); wie der bär aller thiere könig war, mahnen seine benennung alter und großvater an die des donnergotts. im gestirn des großen bären (s.  604 . 605 ) scheint schon eine deutliche spur seiner verehrung auch bei den Griechen hervorzugehn. Nähern von Nordasien herabwärts wir uns kaukasischen stämmen, so begegnen auch da die merkwürdigsten berührungen. bei den Tscherkessen gilt eberdienst (s.  178 ), wie bei den alten Aestyern und Germanen. Tscherkessen und Osseten feiern jenen Elias (s.  144 . 145 , vgl. 154 ), der auch slavischen stämmen voraus heilig gilt. Aber schon Alanen und Scythen scheint schwertcultus (s.  169 ) mit heidnischen Deutschen zu verbinden, Attila bedeutet großvater und ist bergname Hunnen so wie Deutschen. jene von Jornandes gemeldete hunnische schulterblattschau gilt noch heute bei Kalmüken (s.  932 ). mancher mongolische brauch trift zu deutschen und celtischen, ich will bloß das gerstenkorn als grundlage alles landmaßes anführen, von dem ich in Berl. jb. 1842 s. 795. 796 bescheid ertheilte. vgl. finn. ohrasen jyweä hordei granum Kal. 17, 625. 27, 138. Noch größere einstimmung mit germanischem alterthum als bei Finnen und Mongolen dürfen wir in der urverwandten zendischen und indischen mythologie suchen. die indische ist gleich der griechischen zart ausgebildet, und doch hat diese gegen jene, meine ich, etwas von dem voraus, was ich vorhin der deutschen gegenüber der celtischen zusprach: ein gewisser theosophischer hang tritt bei Indern wie bei Celten hervor, der in griechischer und deutscher mythenfülle mehr den hintergrund einnimmt. Merkwürdig scheint, daß den indischen göttern und göttinnen himmlische wohnsitze, wie in der edda, mit eigennamen verliehen werden. Unter den göttern selbst gleicht Brahmas schöpferische kraft der des Wuotan, mit Donar hat gemeinschaft Indra, der blitzschleudernde, über luft und winde herschende, so daß er als gott des himmels auch zu Zio gehalten werden könnte. der anklang des Wunsches an die in manoratha liegende vorstellung (s.  726 ) ist XXVI zu beachten. Nerthus stimmt zu Bhavani (s.  211 ), Halja zu Kâli, Mannus zu Manus (s.  480 ) und in diesen letzten beispielen wird die gleichheit buchstäblich; was aber nicht übergangen werden darf, jener nun schon fünfmal auftretende schöpfungsmythus von den acht stoffen (s.  468 –470) erscheint in Aitareya Aranya, einem theile der Vedas, von dem Golebrookes miscellaneous essays, Lond. 1837 vol. I p. 47 ff. einen auszug liefern; hier werden gerade acht stück aufgezählt: feuer, luft, sonne, raum, kraut, mond, tod und wasser. billig weicht das einzelne wiederum ab, so wenig auch jenen übrigen berichten eine gewisse indische färbung abzusprechen sein wird. Vielleicht ist eine wiederkehr noch anziehender, die in das innerste unsrer heldensage rührt. Putraka (bei Somadeva I, 19) stößt auf zwei männer, die um wünscheldinge stritten, um schale, stab und schuhe; indem er sie zum wettlauf verleitet, steigt er selbst in die schuhe und fliegt mit stab und schale zu den wolken empor. mit gleichem geschick weiß Siegfried den zwergen ihren hort, auf dem die wünschelruthe liegt, zu theilen (s.  378 ) und unsre kindermärchen sind erfüllt von solchen theilungen (altd. bl. 1, 297. Km. ed. 5 no. 193. 2, 502. Bechsteins märchen s. 75). auch bei Asbiörnsen no. 9 s. 59 entscheidet dieser streich den hader, und im ungrischen märchen bei Gaal s. 166. Nachtrag: Die einstimmungen der indischen mythologie mit der deutschen lassen sich noch stark vermehren. so erinnert der auf dem blatt schwimmende däumling an Brahma und Wischnu (s.  374 ), der kahlhäuptige Ođin und sein wochentag an Buddha (s.  107 und Iduna 10, 231), Wischnus rad an Krodos (s.  206 ), Prithivi an Fria (s.  252 ), Jama der todesgott und sein seil, die kuh der schöpfung an ähnliche germanische vorstellungen, Garudas flügel an den deutschen wind (s.  527 ). dem mittelgart entspricht das ind. madjamalôka und nach Bopp gloss. 71 b ist Kâli zwar nicht zu Halja, wol aber zu hveila zeit zu stellen. . Woher denn zugeführt sollen dem ländlichen märchen diese züge worden sein? es klopft in allen reichen an die thür, ich will noch ein merkwürdiges beispiel anführen: die fabel von den drei basen, die sich die nase lang, die augen roth, die finger dick spannen (s.  344 ), wird noch lebendiger in Norwegen (Asb. und Moe no. 13), am lebendigsten in Schottland (Chambers s. 54. 55) erzählt. Oder die formel vom wechselbalg (s.  388 . 773 ) wurde sie aus Dänmark nach Schottland, aus Irland nach Hessen, die sage vom unbekrähten weidenbaum (s.  1039 ) von Römern zu Polen getragen und der mythus vom donnerkeil überkam ihn vom Griechen der Slave, vom Slaven der Deutsche? hat immer ein vöglein der sage samenkorn aufgepickt und über berg und thal in andere länder geschleppt? ich glaube daß der mythus vielen zusammen gehört und alle seine wege noch nicht gewust werden, daß er aber dem volk am eigensten ist, dessen göttern er sich genau verbindet, wie von der sprache ein wort, das ihr mit andern gemeinsam ist, zumeist in anspruch genommen werden darf, die seine wurzel erklären kann. Die Tellssage erzählt keinen wirklichen vorgang, aber unerdichtet und ungelogen ist sie echtmythisch im schoße der Schweiz neu aufgestiegen, um ein das volk aufs innerste ergreifendes ereignis zu schmücken. Ich leugne keinen augenblick, daß neben solcher geheimnisreichen ausbreitung der mythen äußere entlehnung stattfand, ja daß sie mit absicht ersonnen und übertragen werden konnten, wiewohl dieser letzten art es schwerer hält als man wähnt unter dem volk wurzel zu greifen. Die römische literatur hat von frühauf über andere europäische länder sich ergossen, es wird in einzelnen XXVII fällen sogar unmöglich sein, zwischen ihrem einfluß und jenem inneren wachsthum der sage den ausschlag zu thun. Nirgends aber ist einwirkung von außen weniger zu bezweifeln als da, wodurch zusammenstoß der christlichen lehre mit dem heidenthum unter den bekehrten völkern unvermeidlich ward, der hergebrachten zu entsagen und an deren stelle, was der neue glaube herbeiführte oder ertrug, aufzunehmen oder abzuändern. Die kirche war, wie im einzelnen ausgeführt worden ist, oft gleich anfangs oder allmälich schonend und duldsam. klug ließ sie zu oder konnte nicht hindern, daß hin und wieder heidnisches und christliches in einander flossen; den geistlichen selbst wird es nicht überall gelungen sein beider lehren grenze abzustecken; ihrer eignen neigung mag einiges, was sie unter der menge wurzeln sah, angemessen geschienen haben. Wie in der sprache neben einer masse neueingeführter griechischer und lateinischer ausdrücke auch noch für kirchlichen gebrauch ein theil deutscher, ehdem im heidnischen dienst verwandter haftete, in den wochentagen die alten götternamen unvertilgbar dauerten; schloßen an dergleichen wörter leise und unvermerkt sich auch noch fortgepflanzte gewohnheiten. in festen des volks liegt ein so zäher stof, sie sind mit seiner lebensart so eng verwachsen, daß sie sich fremden zusatz gefallen lassen, um doch ein stück der bewährten und geliebten feier zu sichern. auf diese weise ist dem Norden, wahrscheinlich auch eine zeitlang unter Gothen und spät unter Angelsachsen der heidnische jul verblieben und allen deutschen Christen die heiligkeit des osterfestes, wovon nun juleber, julbrot, osterfladen, ostersachs, osterfeuer, ostertanz nicht getrennt werden konnten; ebenso treu bewahrte sich name und vielfacher brauch der sommerwende. neue christliche feste, zumal der heiligen scheinen mit bedacht und ungefähr auf heidnische feiertage gelegt. kirchen pflegten gerade aufzusteigen, wo der heidnische gott oder sein heiliger baum gestürzt worden war, das volk trat seine alten wege nach der gewohnten stätte: nicht selten wurden die mauern des heidnischen tempels zur kirche umgewandelt, es kommt vor, daß götzenbilder noch in einer wand der vorhalle platz fanden oder außen vor die thür gestellt wurden, wie am Bamberger dom slavisch-heidnische thiergestalten mit runen beschrieben liegen. heidnische berge und quellen schufen den namen um nach kirchenheiligen, auf die ihre weihe übergieng, heilige wälder wurden dem gestifteten kloster oder dem könig zugeeignet, und selbst im privatbesitz war ihre angestammte verehrung nicht ganz erloschen. rechtsbräuche zumal die gottesurtheile und eidschwüre aber auch markbegänge, einsegnungen, bildtrachten (s.  52 ), sprüche und formeln wurden, indem sie ihr heidnisches wesen beibehielten, bloß mit kirchlichen hergängen verbunden. Einzelne gewohnheiten begegneten sich, bei der geburt des kindes übten die heiden ein der christlichen taufe vergleichbares wassersprengen (vatni ausa s.  492 , dicare s.  89 ), das hammerzeichen mahnt an das kreuzzeichen und die aufrichtung der kreuzbäume an XXVIII irmenseulen und weltbäume der heidenschaft. noch bedeutender wird die stelle scheinen, wo Völuspâ und die bibel an einander stoßen (s.  677 ); in dem weit jüngeren Sôlar liođ sind einwirkungen der christlichen lehre anerkannt. Bei so manigfalter mischung konnte nicht fehlen, daß auch die inneren vorstellungen und ansichten des einfachen, der mythe bedürftigen volks allen einfluß dieses wandels erfuhren und wechselsweise das nicht vollends getilgte alte mit unabweisbarem neuen, halb unbewust, verknüpft wurde. jüdische, christliche lehre begann der heidnischen sich anzuschmiegen, heidnischer wahn und aberglaube an alle stellen vorzudringen und gleichsam zu flüchten, die er von dem neuen glauben unbesetzt fand. bald erscheinen christlicher stof in heidnischer form, bald in christliche form heidnischer stof verkleidet. Wie die göttin Ostara in einen zeitbegrif, ward Hellia umgesetzt in einen räumlichen. was unser alterthum von elben und riesen annahm schärfte und erweiterte sich in engel und teufel, aber die alten sagen blieben. Wuotan, Donar, Zio, Phol zogen die natur übelthätiger, teuflischer wesen an und die sage von ihrem feierlichen jahresumgang gestaltete sich zu einem wilden, wütenden heer, dem das volk mit scheu auswich, wie es sich ehmals gedrängt hatte zu jenen umgängen. Gehüllt in die biblischen namen Cain, Elias, Enoch, antichrist, Herodias treten mythen von mondsflecken, riesenbauten, donner und wettergott, der holden nachtfrau und dem weltbrand dennoch vor. Weit tiefer greift es jedoch ein, daß auf Maria eine fülle lieblicher sagen von Holda und Frouwa, den nornen und valkyrien, bei den Römern von Venus, Juno und den parzen angewandt werden, ja im märchen können frau Holle und Marie des graukappigen Wuotans stelle übernehmen. wie zart duften diese märchen von Maria und was hätte ihnen irgend eine andere poesie entgegen zu stellen! den milden heidnischen zügen gesellt sich für uns noch ein gefühl höherer heiligkeit, das diese frau umgibt. blumen und kräuter heißen nach Maria, Marienbilder werden umgetragen, auf waldbäume, ganz dem heidnischen cultus angemessen, eingesetzt. Maria ist göttliche mutter, spinnerin, und erscheint als hilfreiche jungfrau (vierge secourable) allen sie anrufenden. Dem italienischen landvolk steht Maria durchaus in den vordergrund seines glaubens gerückt, in Neapel erscheinen Marienbilder mehrerer kirchen gleichsam als verschieden aufgefaßte göttliche wesen, sogar im widerstreit, und eine santa Venere daneben gibt keinen anstoß. drei Marien nebeneinander (s.  345 ) gleichen den drei nornen oder drei feen, Maria nimmt erde in die schürze (s.  445 ) wie Athene oder die fee. Der gesamte, weder in der heiligen schrift begründete noch von den ersten jahrhunderten anerkannte Mariencultus ist nur aus der tiefen wurzel zu erklären, die im volk schöne und schuldlose, aber heidnische anschauungen geschlagen hatten, mit denen auch die kirche allgemach eine feiner XXIX ausgeklügelte, in zahlreichen legenden und predigten versponnene feierlichere andacht (attentio) zusammen fließen ließ. Doch Maria steht lange nicht allein. unmittelbar ihr zur seite ist in der catholischen und griechischen kirche eine unendliche heiligenverehrung aufgewachsen, die götter zweiten oder dritten rangs, helden und weise frauen des heidenthums zu ersetzen hat und das herz erfüllt, weil sie ihm die höhere, strengere gottheit vermittelt, zwar das dogma unterscheidet zwischen ihr und den fürbittern; allein wie manche fromme lippe, wenn sie sich vor dem heiligen bild bewegt, mag diesen unterschied gar nicht wissen oder vergessen. Auch unter den heiligen und heiliginnen gelten noch vielfache stufen und die verschiednen nöthe, in welchen sie hilfreich sind, werden gleich ämtern und geschäften unter sie vertheilt, so daß fast alle krankheiten und heilmittel dawider nach ihren namen bezeichnet sind; dies fachwerk hat größte analogie zu den angaben der nordischen und litthauischen mythologie für das anrufen einzelner götter (s.  279 ). Mit dem siegeshelden, der den drachen getödtet hatte, tauschten Michael oder Georg, und der heidnische Siegberg (s.  164 ), der vielleicht einem Eresberg gleichstand (s.  167 ), gieng über auf Michael wie in Frankreich aus mons Martis ein mons martyrum (montmartre) gebildet ward. es ist merkwürdig, daß die Osseten aus dies Martis einen Georgtag, aus dies Veneris Marientag machen (Pott 1, 105. 2, 802). An Odins und Freyjas stelle beim minnetrinken traten Johannes und Gertrud, welche mit der göttin auch sonst noch wechselt (s.  50 . 253 . 561 ); leicht aber ist einzusehn, warum das gegenstück zur heiligenlegende häufiger in der römischen mythologie zu suchen sein wird als in unserer deutschen. Die kirche verstand in ihren heiligen und heiligsprechungen kein maß einzuhalten und das unmaß ergibt sich am baarsten daraus, daß die thaten und wunder des heilands und seiner aposteln durch die der heiligen im einzelnen überboten sind. Wer diese forschungen, wie sie es verdienen, weiter pflegen will, wird vorzüglich darauf zu achten haben, welche heilige im volksglauben jedes landes zuerst auftauchen, und welche in den gedichten und segensprüchen stufenweise an den platz der alten götter einrückten Nachtrag: Christliches und heidnisches wesen berühren sich oft. über christliches in der edda lese man die vorrede der Kopenhagener edda s. XXVI ff. nach und gedenke des jüngsten gerichts, in welchem des engels horn dem Heimdalls und Surtr dem tode, dem letzten feinde , gleicht (s.  193 . 194 . I. Cor. 15, 26). Während die Heiden neben ihren heimischen oft auch fremde götter zuließen und sie assimilirten, was bei den Griechen einigemal zur sühne gegen das ausland geschah, war das christenthum ausschließlich und aller fremden götter feind. dennoch assimilierte wider willen oder vorsichtig auch die christliche kirche heidnische götter und gebräuche. Wie den heiligen der katholischen kirche oft göttliche verehrung erwiesen wird, erkennt auch Seb. Frank im zeitbuch 2, 243 a vgl. A. W. Schlegel oeuvres 1, 219. Kingston Lusitanian sketches Lond. 1845. Die heiligen heilen (s.  973 ), Kosman und Damian werden von den Serben vratschi d. i. wahrsager, ärzte genannt. Vuk wb. 82, Johannes der täufer weissagt der Aeda von ihrer tochter Oda und der herrlichkeit des von dieser ausgehenden geschlechts. Pertz 6, 307. die heiligen schaffen regen (s.  145 ), als wasserheilige helfen sie in sturm und wetter (s.  530 ), ja nonnen ersetzen in deutschen sagen oft weiße frauen, und munkar in Schweden treten als jättar auf s. Runa 1844, 13. die heiligen stillen gottes zorn, so im pass. 312, 56: des mugen si in stillen swâ er zornic ûf uns wirt. Servat. 1705: müeze sîn unser vorspreche, daz got mit zorne iht reche swâ wir haben gesündet. gottes und der heiligen zorn wird fast gleich geachtet in der verwünschung bei Kemble 2, 4: habbe he godes unmiltse and sancti Martines, oder bei Helbling 8, 915: des haben in sant Geôrgen haz und gotes vluoch umbc daz! Anshelm 3, 252: hilf sanct Anna selbdritt! Unter allen heiligen genoß Maria die innigste verehrung, die, wenn auch nicht in den ersten jahrhunderten, doch schon früh vorzüglich von den frauen gefördert ward s. Zappert 10. Epiphan. adv. haeres. p. 1058. ed. Paris. 1022. sie wird wie Hulda ›gud-moder‹ genannt. Asbjörnsen no. 8 und ist spinnerin s. Zappert 13. wenn in der sage von Crescentia Peter als greis, wie sonst Wuotan, erscheint, die heldin vom meeresfelsen über das wasser zurückführt und sie mit heilkraft begabt, oder selber heilt (KM. no. 81), so tritt in andern sagen Maria an Peters stelle und zeigt der kaiserin ein heilkraut. Maria und Christus prägen die spur ihrer finger und zehen dem stein ein, gleich riesen (s.  452 ) und teufeln (s.  854 ). vgl. ons heren spronc. Maerl. 2, 110. im altnorw. Gulaþingslaug p. 6 heißt es ›signa til Krist þacca oc sancta Mariu til àrs oc til friđar‹ gerade wie bei Freyr (s.  170 ). Maria hilft in kindesnöthen, schafft regen und erscheint unter den erntern, küsst und trocknet sie. Maerl. 2, 248. 285. 280. Statt der Dioskuren läßt sie licht auf den masten scheinen (s.  951 ), Maria oder ihre mutter Anna tragen durch die luft aus weiter ferne (hist. de la bastille 4, 315) wie sonst Wuotan (s.  121 ) oder der teufel (s.  859 ). man läßt zwei Marienbilder einander besuche machen und trägt die geringere zur vornehmeren. Von unfruchtbaren eltern wird die heilige Verena angefleht und schenkt ihnen erben. Pertz 6, 458–460 wie Ođinn und Frigg Völs. saga cap. 2. vgl. die eingänge der KM. . Ich will die gegenseitige stärkere oder schwächere durchdringung und berührung der christlichen und heidnischen sage hier noch an zwei beispielen ins licht setzen, die mir besonder wichtig scheinen. Es wird den urgemeinschaften unserer mythologie beizurechnen sein, daß der gott, oder zwei und drei götter, vom himmel auf die erde herabsteigen; sei es die sitte und das leben der menschen zu prüfen (s.  280 ) oder auf abenteuer auszugehn. das verletzt christlichen glauben von der allgegenwart und allwissenheit gottes. es ist aber höchst anmutige dichtung, daß die götter leiblich und unerkannt auf der erde wandeln und zu sterblichen einkehren. solcher wanderung gedenkt auch Odyssee 17, 485–87 XXX und darin liegt die erhabenste heiligung der gastfreundschaft: der mensch wird scheu tragen einen fremden abzuweisen, unter dessen gestalt ihn ein himmlischer gott besucht haben kann. näheren griechischen mythus bietet die sage von Orion: bei Hyrieus kehren drei götter ein, Zeus, Poseidon, Hermes (nach andern Zeus, Ares, Hermes = Donar, Zio, Wuotan), empfangen gastmal und stellen ihm bitte frei, worauf er sich einen sohn wünscht, den sie ihm ungefähr auf ähnliche weise schaffen, wie Kvâsir erzeugt wurde (s.  751 . 752 , vgl. 857 ). Ovid fast. 5, 495–535. vom thrakischen Byrseus berichtet Hygin 195 dieselbe fabel. in der schönen sage von Philemon und Baucis (Ovid. met. 8, 626–721) wandern Jupiter und Mercur und lohnen den gastfreunden durch rettung aus der einbrechenden sinflut (s.  481 ); eine phädrische fabel läßt allein den götterboten, den gott der wege und straßen bei sterblichen übernachten (Mercurium hospitio mulieres olim duae illiberali et sordido receperant). aber auch Demeter wird zuweilen wandernd und unter sterblichen verkehrend dargestellt, und allen göttermüttern wäre es gerecht; Aesop. fab. 54 läßt Demeter mit schwalbe und aal reisen, als sie an einen fluß kamen, flog der vogel auf, der fisch schlüpfte ins wasser hinab, was that Demeter? Bei den Indern sind es vorzugsweise Brahma und Vischnu, die die erde heimsuchen. Nach einer litthauischen sage wandelte Perkunos auf erden, zur zeit als die thiere noch redeten: er traf zuerst auf das pferd und erkundigte sich des weges. ›ich habe keine zeit dir den weg zu zeigen, ich muß fressen‹. in der nähe weidete auch ein rind, das des wanderers bitte vernommen hatte: ›komm, fremdling, rief es, ich will dir den weg nach dem flusse weisen‹. da sprach der gott zum pferde: ›weil du dir fressens halber nicht zeit nahmst mir einen liebesdienst zu erzeigen, sollst du zur strafe nimmer satt werden‹! zum rinde aber: ›du gutmütiges thier sollst gemächlich deinen hunger stillen und der ruhe pflegend wiederkauen, weil du mir zu dienen bereit warst‹! auch dieser mythus prägt gastliche dienstfertigkeit ein, und an Perkunos stelle durften jüngere erzähler unbedenklich den heiland setzen. In der edda ist es immer Ođinn, Loki und Hœnir, die sich auf reisen einander gesellen, dieselben drei asen, die auch schöpferisch zusammen wirken (s.  465 ), denn Lođr und Loki scheinen eins (s.  200 ) und in solcher verbindung hat Loki weder unedles noch böses an sich. Hœnir heißt Sn. 106 sessi, sinni, mâli Ođins (sodalis, comes, collocutor Odini). diese drei asen ziehen aus, und kehren abends ein, der geprüften gastfreundschaft geschieht in den erhaltnen fabeln keine meldung. In einer jüngeren sage reitet Ođinn mit Loki und Hœnir zur jagd (Müllers sagabibl. 1, 364); ein bedeutsames färöisches lied bei Lyngbye s. 500 ff. stellt die nemlichen Ouvin, Höner, Lokkji zwar nicht als reisende, aber als hilfreiche götter dar, die auf erfolgten ruf alsogleich erscheinen und einen vom riesen Skrujmsli verfolgten knaben nach der reihe retten, indem sie ihn völlig märchenhaft in gerstenähre, schwanfeder und fischei bargen. XXXI Gewis solcher sagen gab es manche andere wie das norw. märchen bei Asbiörn. no. 21. vgl. s.  423 . für ihren nachherigen übergang ist nicht zu übersehn, daß fornm. sög. 9, 56. 175 Ođinn abends als reitersmann bei einem schmiede einkehrt und sich das ros beschuhen läßt; seine identität mit Hermes wird in diesen mythen gar auffällig. anderemal ist jedoch Thôrr mit seinem schweren hammer (s.  150 ) der einkehrende, wie Zeus, und den Thôrr, als er beim bauer übernachtete, begleitet Loki (Sn. 49); wiederum durchzieht, Rîgr sich nennend, Heimdallr die welt und gründet die menschengeschlechter. die finnische sage läßt Wäinämöinen, Ilmarinen und Lemminkainen zusammen wandern (rune 23), ganz mit Ođinn, Loki, Hœnir vergleichbar. Blicken wir nun von diesen heidnischen mythen auf christlicheingekleidete der jüngeren zeit, so kann ihr zusammenhang nicht räthselhaft sein: den ton angegeben hat uns schon jener zum heiland werdende Perkunos. entweder wandern Christus und Petrus mit einander aus, oder einer der beiden allein; die fabel selbst wendet sich nach mehr als einer seite. vor allem alterthümlich klingt der göttlichen wesen, wie Ođins, einkehr beim schmied, und begabung des gastfreien unterbleibt hier nicht. im norwegischen märchen no. 21, nachdem der heiland die kunstfertigkeit seines wirtes weit übertroffen hat, gibt er ihm doch dreier wünsche gewalt, der nemlichen, die auch dem schmied von Jüterbok gestattet wurden; man muß dazu KM. no. 147, die nl. sage von Smeke in Wolfs Wodana s. 54 ff. und H. Sachs IV, 3, 70 vergleichen. der spielhansel (KM. 82) aber bittet zwar gleich dem schmied um den baum, von dem keiner niedersteigen kann, hauptsache sind ihm die würfel, deren gewährung an Wuotan, erfinder des würfels (s.  124 . 841 ) und wieder an Merkur erinnern muß. bei H. Sachs II. 4, 114 ist es bloß Petrus, der einem gartenden landsknecht den wünschwürfel verehrt. im fabliau saint Pierre et le jongleur (Méon 3, 282) wird aber erzählt, wie es dem gestorbnen spieler in der hölle gieng; hier ist weder von wanderung noch gabe die rede, allein Petrus, der in schwarzem bart, schmuckem knebel und mit würfeln aus dem himmel in die hölle steigt, dem spielmann die seelen, deren bewachung ihm übertragen war, abzugewinnen, hat völlig Wuotans ansehn, Wuotan, wissen wir, strebt seelen in seine wohnung aufzunehmen, und den schneider, der das stulbein aus dem himmel warf (s.  113 ), hatte Petrus eingelassen. In andrer sagenreihe bricht aber ein neuer, für uns bedeutungsvoller zug durch. der heiland und Petrus reisen zusammen, Petrus soll das mahl zurichten und beißt dem gebratnen küchlein ein bein ab (Wolfs. Wod. s. 180); im lat. gedicht von Heriger, das dem zehnten jahrhundert gehört, heißt Petrus geradezu himmlischer küchenmeister und ein lustiger gesell ißt heimlich ein stück lunge vom braten, wie im märchen no. 81 bruder Lustig, der mit Petrus wandert, das herz vom gebratnen lamm, anderwärts der landsknecht oder der Schwab das leberlein stehlen. das scheint immer der nemliche XXXII mythus. denn daß schwankend Petrus bald den thäter, bald den gott vorstellt, dessen begleiter die schuld trägt, kann gerade hoch hinauf reichen: auch in den heidnischen sagen mochten Ođinn und Loki ihre stelle vertauschen. Loki ist um so mehr koch und bratendieb, folglich dem Petrus gleichzustellen, weil schon die edda ihm das herzessen beilegt (die verzweifelte stelle Sæm. 118 a ändere ich: Loki ât hiarta lundi brenda, fann hann hâlfsviđinn hugstein konu, Lokius comedit cor in nemore assum, invenit semiustum mentis lapidem mulieris) und in uralter thierfabel der schlaue fuchs (= Loki) das halb gebratne herz des hirsches entwendet (Reinh. xlviii. lii ). Damit erschöpft sich die menge dieser wandersagen noch lange nicht. H. Sachs 1, 492 dichtete 1557 (Burc. Waldis 4, 95 schon 1537), wie Christus und Petrus zusammen giengen, dieser in seinem übermut auch die welt zu regieren begehrte, und nicht einmal mit der geiß fertig werden konnte, die ihm der herr auf einen tag in die hände gegeben hatte, 1, 493 wie beide an die wegscheide gelangten und einen faulen unter dem schatten eines birnbaums ruhenden knecht nach dem weg fragten, der ihnen schnöd antwortete; hernach stießen sie auf eine dirne, die im schweiß des angesichts arbeitete, den fragenden herrn aber alsobald mit niederlegung ihrer sichel auf den rechten weg geleitete: diese dirne, sagte der heiland zu Petrus, sei keinem andern als jenem knecht beschieden (bei Agricola spr. 354 ist die magd faul, der knecht fleißig). nicht nur klingt das an Perkunos bei dem pferd und rind, sondern auch an die durchs land ziehenden nornen oder feen in der s.  339 ausgehobnen sage. Den kurzsichtigen Petrus vertritt in altfranz. dichtungen der einsiedler, in dessen geleite ein engel die welt durchzieht (Méon nouv. rec. 2, 116 und die vorrede vor tome 1), aus Mielckes litth. sprachl. s. 167 erhellt mir, daß diese darstellung auch in Samogitien vorkommt, und die gesta Romanor. cap. 80 melden vom angelus et eremita. Gleich den göttern zu Philemon und Baucis kehrt ein wandernder zwerg auf dem Grindelwald zu armen leuten ein und schützt das häuslein der gastfreien gegen die wasserflut (DS. no. 45); im kindermärchen no. 87 herbergt der liebe gott bei dem armen und schenkt ihm drei wünsche, nach Rügen kam der alte bettler (= Wuotan) und begabte die arme frau, welche ihn über nacht geherbergt hatte, morgens beim weggang mit der wunscharbeit, was der neidischen nachbarin übel ausschlug. ganz denselben mythus hat Thiele (Danmarks folkesagn 2, 306) aus Fühnen, und hier ist wieder Petrus der wandersmann: das norwegische märchen läßt unsern herrgott und Petrus zu frau Gertrud kommen und die geizige in einen vogel verwandeln (s.  561 ). Nach einem volksscherz wandern Christus und Petrus und der heiland erschaft den ersten Böhmen, nach einem nl. märchen (Wodana s. xxxvii ) kehren sie im waldhaus des menschenfressers ein und werden von dessen mitleidiger frau geborgen, was sich in andern erzählungen oft wiederholt Nachtrag: Der christengott sendet nur seine boten auf die erde, wie im Gregor 2078: swenn dich unser herre dîner sælden ermante und dir sînen boten sante, den soldest du enphâhen baz. dagegen die heidnischen götter kamen selber herab: fôru at kanna heim allan. Sn. 135. (KM. 3 3, 146 ff.). Zeus, Hermes und Plutus erscheinen bei Lucians Timon vgl. Aristoph. Lysistrata 808 ff. aves 1549. wo drei götter einkehren, fehlt Hermes nie. GDS. 123. dem Zeus als unbekanntem gast wird ein kind zur speise vorgesetzt. fragm. hist. gr. 1, 31. auch die Dioskuren wandern unerkannt unter den menschen. Preller 2, 72. Was die Litthauer von des Perkunos oder auch des heilands zusammentreffen mit pferd und rind erzählen, berichtet die estnische sage gleichfalls von Jesus. Neus 435. Perkunos und Pikullos wandern und begaben die menschen. Tettau und Temme ostpr. und lit. sagen s. 28. auch pferd, stier und hund kehren bei menschen ein und begaben für die gastfreundschaft mit ihren jahren. Babr. 74. Bei solchen wanderungen kehrt der alterthümliche zug wieder, daß der heimsuchende gott drei wünsche gewährt. Theseus Hippolytum perdidit, cum ter optandi a Neptuno patre habuisset potestatem Cic. de Nat. D. 3, 31. het ich drîer wünsche gewalt . MS. 2, 145. vgl. KM. no. 87. hierhin gehört das bretagn. märchen vom listigen moustache, dem Christus und Petrus drei wünsche gewähren. er bittet um ein schönes weib, um die gewinnende karte und einen sack den teufel einzusperren. als ihm Petrus den eingang in den himmel weigert, wirft er seine kappe hinein und setzt sich in besitz. anklänge vom spielmann, der in den himmel will und abgewiesen wird, hat die Warnung 2710–2806, und im märchen wollen bruder Lustig und der Spielhansel in den himmel (KM. no. 81. 82. lat. ged. des Ma. s. 343), wozu man vergl. den schwank von dem müller, der auf seinem sack hinter dem thor im himmelreich sitzt. alld. bl. 1, 381. der bitte des Spielhansels um den baum, von dem keiner niedersteigen kann (s.  712 ) vergleicht sich die geschichte in Hones daybook 1, 447, Panzer 1, 94 und das würfeln um die seele kennt auch Caesar. heisterb. 5, 34. Sommer sagen 175. 176. Der zug vom diebischen koch begegnet in Aviani fab. 30: sed cum consumti dominus cor quaereret apri, impatiens fertur cor rapuisse coquus. Auf den wanderungen von Christus und Petrus zieht jener eine ähre aus der garbe und brennt sie mit dem licht, so daß körner zu einem haufen herausrieselten. das geschah in einer scheune, wo der faule Petrus von einem bauern gestrixt war, wie ihm im wirthshaus, da er nicht spielen will, der buckel voll geschlagen wird. da machte der herr den bauern äste an den bäumen, deren härte die äxte stümpft, wie er groben leuten die bitte um weinreben in ihrer gegend gewährt, aber der wein ist danach. in einer schmiede schneidet Christus dem pferde den fuß ab, spannt ihn in den schraubestock, heftet und setzt ihn dem thiere wieder an. für ein halbes hufeisen, das von Petrus mißachtet, von Christus aufgehoben wird, kauft dieser kirschen, die jener mühsam aufhebt, seinen durst zu löschen. Im schwank vom blinden mann, dessen frau auf dem apfelbaum sitzt, im nd. gedicht bei Dasent. XXVI, gleichen Petrus und der herr dem Pluto und der Proserpina in Chaucers marchantes tale und dem Oberon und der Titania bei Wieland ges. 6, 87 ff. Christus wandelt auch wohl mit zwei aposteln und drei jüngern und kommt zum mädchen, das wasser trägt. wend. volksl. 2, 314. Petrus fängt den schellfisch wie die asen den Loki und Loki den Andvari. vgl. Wolfs ndrl. sagen s. 706. Wolfs vorr. zu Zingerle 2, XX. Petrus geht aus dem himmel mit urlaub auf die welt. Hans Sachs III. 1, 240, auch I, 94 b . S. Peter sitzt auf dem dach, wirft biren herab und S. Claus faul äpfel hinauf. Garg. 75 b . ähnlichen schlages sind die volkssagen vom h. Jost und dem Baier. Renner 24583 ff. und vom h. Nicolaus und dem Baier. Bebelii facet. p. m. 1136. der heiligen rückkehr zum himmel schildert die Warnung 1767: die heilegen habent sich ûfgezogen, von der kuppel sint si geflogen ûf zuo ir schepfaere. Hier verdient noch hervorgehoben zu werden die hilfreiche erscheinung Peters und Pauls unter den kämpfenden christen in der schlacht. Lohengr. s. 116–119. 158–160. vorr. LXXXI. weißgekleidete jünglinge oder ritter erscheinen auf der mauer von Rhodus und vertheidigen die Christen gegen die Türken. s. Detmar 2, 417 ad a. 1480. auch engel heißen wîges wîse in Hêlj. 149, 10 und erscheinen paarweis und gewaffnet s.  989 . dieses streitbare, leuchtende paar erinnert an die Alci s.  303 und die Dioskuren, die von weißen pferden herab kämpfen helfen. Cic. ND. 2, 2. vgl. ed. Creuzeri p. 213. 214. Justinus 20, 3. Florus ed. Jahn 14, 14. Sueton. in Nerone c. 1. Klausen Aeneas 664. 665. 707. Maerl. 3, 148. 174. vor dem reiter auf weißem ros erschrecken die Galater. Lucian dial. mer. 13 und schon im Herod. 8, 38 jagen und tödten den feind zwei gewapnete, übermenschliche wesen. . XXXIII Afzelius (sagohäfder 3, 155), indem er auch für Schweden das dasein der sagen von Christus und Peter bestätigt, irrt sicherlich wenn er sie für ersonnene schwänke und im volksglauben unbegründet ausgibt. sie beruhen fester als etwas auf uralten überlieferungen und thun dar, mit welcher treue das gedächtnis des volks für unsere mythologie gesorgt hat, während mhd. dichter solche fabeln, welche sie vortreflich erzählt hätten, verachten, wie sie frau Berhte und Holde und das einheimische insgemein bei seite setzen. doch sollen ein paar anspielungen beweisen, falls es beweises bedarf, daß schon dem 13 jh. diese einkleidung des mythus geläufig war; Rumelant (Amgb. 12 a ) meldet von Christus und Peter, wie sie zu einem tiefen bach gelangten, in den ein mann gefallen war, der nichts that sich selbst zu helfen, und ein ungenannter dichter (Mones anz. 5, 192) erzählt vom holzhacker, den Petrus am schlegel in den himmel ziehen wollte: auf dem obersten staffel gieng der stiel des schlegels los und der arme mann fiel in die hölle hinab. dem landsknecht oder dem schmied des märchens, der ranzen und schurzfell (am alterthümlichsten bei Asbiörnsen s. 136 den großen hammer) in den himmel wirft, gelingt es besser. Allerdings lehnen sich die wanderungen des heilands und eines seiner jünger an die reisen Jesu und seiner apostel durch Judaea, den einkehrenden zwerg dürfte man den drei engeln vergleichen, die bei Abraham oder Loth segen und strafe gottes ankünden, Philemon und Baucis hätten gewisse ähnlichkeit mit Abraham und Sara; der anklang an die heidnische sage ist aber ungleich voller und stärker. die engel sind bloß abgesandte, unsre mythologie wie die griechische und indische meinen hier einen wirklichen avatâra der gottheit selbst. Ein anderes beispiel von geringerem umfang, doch gleich belehrend für die mischung christlicher unter heidnische ideen soll die alte sage von Fruoto abgeben. des heilands freudenreiche geburt, die mit ihm beginnende neue zeitrechnung wandte man an auf vorstellungen eines goldnen weltalters (s.  580 . 661 ) und davon unzertrennliche zustände des glücks und friedens. der römische Augustus, unter welchem Christus geboren ward, schloß den Janustempel, über den ganzen erdboden soll damals friede geherscht haben. ihren mythischen Frôđi, dessen herschaft durch ruhe und seligkeit bezeichnet wird, der sich von gefangnen riesinnen gold in fülle malen (s.  440 . 726 ) und armspangen auf ofne heerstraße niederlegen ließ, ohne daß jemand sich daran vergrif, setzt nun die nordische überlieferung wiederum als gleichzeitig mit August. den dichtern heißt das gold miöl Frôđa, Fruotes mehl (Sn. 146), auf dieses ausdrucks anlaß wird in der edda das gedicht Grôttasaungr eingeschaltet; auch Sæm. 151 a kommt vor: sleit Frôđa friđ fianda â milli. nach Rymbegla trugen zu seiner zeit die äcker ungesät von selbst (es ist die selige Sampoperiode der Finnen) und erz fand sich überall in der erde, die natur feierte ihn mit, wie sie mittrauert, wenn des fürsten tod erfolgt (s.  491 ). als Helgi XXXIV geboren ward, schrien adler auf und heilige wasser gossen von himmelsbergen nieder (Sæm. 149 a ); im jahr von Hâkons wahl sollen die vögel zweimal gebrütet, die bäume zweimal getragen haben, wovon Hâk. Hâkonarsaga cap. 24 schöne lieder hat. Hartmann ein sanct Galler mönch sang zu des königs einzug: haec ipsa gaudent tempora floreque verno germinant, adventus omni gaudio quando venit optatior. so tiefes gefühl hatte das alterthum für geliebte könige. Auch Beda 2, 16 schildert könig Eádvines zeit: tanta eo tempore pax in Britannia fuisse perhibetur, ut sicut usque hodie in proverbio dicitur, etiamsi mulier una cum recens nato parvulo vellet totam perambulare insulam a mari ad mare, nullo se lædente valeret. tantum rex idem utilitati suae gentis consuluit, ut plerisque in locis ubi fontes lucidos juxta publicos viarum transitus construxit, ibi ob refrigerium viantium, erectis stipitibus, aereos caucos suspendi juberet, neque hos quisquam, nisi ad usum necessarium contingere prae magnitudine vel timoris ejus auderet vel amoris vellet. Von noch andern königen mehr geht sage, daß sie kostbares geschmeide auf den öffentlichen weg auslegten. milde und gerechtigkeit waren der herscher höchste tugenden, mild bezeichnet zugleich mitis und largus, munificus. Frôđi hieß fêmildi, in frôđi selbst liegt ein begrif kluger weisheit. Wenn die stammtafeln und sagen mehrere könige dieses namens auf einander folgen lassen, so fallen sie sichtbar zusammen (vgl. s.  288 ); den ersten Frotho läßt Saxo gramm. 27 gemalen gold auf die speise streuen, worin jenes Frôđa miöl nicht zu verkennen ist, der zweite heißt vegetus (frœkni), erst unter seinem dritten, der die goldspange auf den weg heftet, wird ihm der heiland geboren (s.  95 ). Dieser mythus vom milden friedenskönig muß aber auch über Scandinavien hinaus vordem bei uns in Deutschland, sowie in Britannien umgegangen sein. einmal heben die chronisten und dichter, wenn sie der geburt des heilands gedenken, gleich Snorri und Saxo das friedliche, augustische zeitalter hervor; Gotfried von Viterbo s. 250: fit gladius vomer, fiunt de cuspide falces, Mars siluit, pax emicuit, miles fuit auceps, nascentis Christi tempore pax rediit. Wernhers Maria 160: dô wart ein chreftiger fride, diu swert versluogen die smide, bediu spieze und sper; dô ne was dehein her, daz iender des gedæhte, daz ez strite oder væhte, dô ne was niht urliuge bi des meres piuge, noch enhein nîtgeschelle. mit grôzer ebenhelle XXXV und harte fridlîche stuonden elliu rîche. und s. 193: aller fride meiste mit des keisers volleiste der wart erhaben und gesworn, dö Christ was geborn. vgl. En. 13205–13 und Albrechts von Halberstadt prolog, wo wieder gesagt ist, daß Augustus machte sô getânen fride daz man diu swert begunde smide in segense unde werken hiez zuo den sicheln den spiez. zwar keine dieser stellen nimmt bezug auf Fruote, wie wäre aber der milte Fruote von Tenemarke so fest in die heldenlieder von Gudrun und der Rabenschlacht und ins andenken der höfischen dichter (Ms. 2, 221 b 227 b , Conr. Engelhart und Helbl. 2, 1303. 7, 366. 13, 111) übergegangen, ohne auf ausführlicher sage zu ruhen? (vgl. Haupts vorr. zu Engelh. s. X) die ich s.  440 noch aus den eigennamen Fanigolt und Manigolt ahnte. ja die östreichischen weisthümer (3, 687. 712) fordern als buße einen schild voll gemalnen goldes, wie schilde mit gold füllen freigebig sein heißt. im volkslied Uhland 1, 76. 77 malt die müle gold und liebe. gold malen und goldmehl wüste ich sonsther nicht zu deuten Nachtrag: Bei der zeugung und geburt eines bösewichts verdüstert sich der himmel. Pertz 2, 154, aber als Georis erzeugt ward, freute sich die natur. Geo. 261 ff. vgl. die Alexandersage Maerl. 1, 264. zu Frôđis seligem zeitalter halte man, was O'Kearney Gabhra s. 104 mittheilt: they say that the times were so prosperous and the produce of the earth so abundant, that when the kine lay down, the grass reached above the top of the horns. hence it is said, that cows whenever they lie, give utterance to three moans in remembrance of the good old times, that once had been, and lamenting the hard days, in which they live. so sprach man von einem gottesfrieden unter Numa. Klausen Aen. 953 und unter Salomon. Diemer s. 113. 114. Gotfrieds von Viterbo angeführte verse weisen auf Jesaias 2, 4 zurück: et conflabunt gladios suos in vomeres et lanceas suas in falces. vgl. passional s. 17. Jornandes de regn. succ. p. 45. Ksrchron. 630. . Solche beispiele könnte ich vervielfachen, ich könnte auch, wenn das nicht andern oder anderer gelegenheit vorbehalten wäre, ausführen, daß die mythische unterlage, wie sie für unsere heldenlieder angenommen werden muß, weder den kerlingischen dichtungen, die hauptsächlich von einem deutschen volksstamm ausgiengen, noch selbst den britischen fremd blieb. Artus gehört dem wilden heer und dem Himmelswagen, Morgana berührt sich mit nornen und elbinnen. ungleich näher treten Carl und seine helden, er ist der langbärtige, im gebirg schlafende, auf dem Karlwagen fahrende, der Karlstein gleicht dem Wodenstein (s.  128 ), Roland steht auf der seule, Froberge erinnerte an Fro (s.  178 ) und Galans, der diesen fränkischen helden schmiedet, ist Wielant, Völundr. Berhta mit dem fuß, Carls ahnmutter, ist unsre Berhta (s.  357 ) und an sie hängen sich Blume und Weißblume, mit ihren elbischen namen (s.  888 ). Carls geliebte war elbin (s.  361 ), Auberon ist elb und Elberich; auch Maugis, Malagis = Madalgis streift ins elbische. Carls halle gleicht der asgardischen (s.  948 ). Haben diese erörterungen den raum nicht verschwendet (und es schien mir der mühe werth von allen seiten her in den haushalt unsers alterthums zu blicken), so darf ich endlich auch auf fragen nach dem eigentlichen grundcharacter deutscher mythologie bescheid versuchen, wenigstens einen und den andern. Stellt man sie den übrigen, die ihre bahn von anfang zu ende erfüllten, namentlich der griechischen entgegen, mit welcher sie doch gerade bedeutsame züge gemein hat, so hält sie schon XXXVI deshalb keinen vergleich aus, weil sie früh unterbrochen ward, und nicht geleistet hat was sie hätte leisten können. auch sprache und poesie waren empfindlich gestört und gehindert, allein sie dauerten und konnten neuen trieb gewinnen; der heidnische glaube blieb in der wurzel abgeschnitten, seine überbleibsel durften sich nur in andrer gestalt verstolen bergen. roh und rauh muß er erscheinen, doch das rohe hat seine einfachheit, das rauhe seine treuherzigkeit. In unsrer heidnischen mythologie treten vorstellungen, deren das menschliche herz hauptsächlich bedarf, an denen es sich aufrecht erhält, stark und rein hervor. der höchste gott ist ihm ein vater (s.  18 ), ein guter vater, gofar (s.  139 ), altvater, großvater, der lebenden heil und sieg, sterbenden aufnahme in seine wohnung gewährt. tod ist heimgang, rückkehr zum vater (s.  700 ). dem gott zur seite steht die höchste göttin als mutter (s.  18 ), altmutter, großmutter, weise und weiße ahnfrau. der gott ist hehr, die göttin leuchtend von schönheit, beide ziehen um und erscheinen im land, er den krieg und die waffen, sie spinnen, weben, säen lehrend, von ihm geht das gedicht, von ihr die sage aus. dem alten recht hat sich dieselbe vatergewalt tief eingeprägt, er legt den neugebornen sohn auf seinen schoß und erkennt ihn; aber vielleicht galt allgemein, was wir nur in einigen der alten volksrechte lesen, daß den frauen ursprünglich höhere, doppelte composition zukam; deutsche frauenverehrung hat schon Tacitus eingesehn (s.  329 ) und die geschichte zeugt davon auch im mittelalter: auf frau Uote fällt in den liedern größerer nachdruck als auf der helden ahnvater, wie Brunhild noch über Siegfried hinausragt Nachtrag: Die deutsche frauenverehrung spricht sich auch in dem verse aus: êre wol die muoter din. pass. 224, 25. in einem serb. lied nennt die tochter ihre mutter bela tzrkvitze, weißes kirchlein! Vuk 1, 17. no. 27. . der schönen schilderung mütterlicher liebe in der vita Mahthildis (Pertz 6, 298) an die seite stellen kann man den zug aus Rudlieb 1, 52: ast per cancellos post hunc pascebat ocellos mater, als ihr sohn fortzog. so oft in dem trocknen Otfried ich IV, 32 lese: ›wir sîn gibot ouh wirkên inti bî unsa muater thenkên‹ bewegt es mich zur wehmut, ich weiß nicht ob er die kirche meinte, oder die ihn geboren hatte, ich denke an meine liebe mutter (Dorothea Grimm, gb. 20 nov. 1755 † 27 mai 1808). Das lernt man noch in der ältesten geschichte unseres volks, daß ihm zucht und tugend nicht aus dem lande gezogen waren; neben Tacitus dürfen wir auch auf Salvian (im 5 jh.) als den unverwerflichsten zeugen bauen. Feine anmut mag gemangelt haben, sie ist auch oft vor uns zurückgetreten und in der erinnerung ausgewaschen; den Griechen standen Apollo, Pallas, Aphrodite näher, ihr leben gleich ihrem himmel war heiterer. Frô und Frouwa erscheinen aber durchaus als freundliche, liebende gottheiten, den gott des dichtens habe ich in Wuotan aufgezeigt, als Wunsch konnte er gott der sehnsucht und liebe sein. Wie viel blüten unsrer alten mythologie und poesie unerschlossen und gewelkt seien, das wird den kennern nicht entgehn, daß ihr noch frische formeln, ungesuchter schmuck XXXVII zu gebot stehn, die wie mancherlei kräuter in höhern klimaten nicht weiter vorkommen. Wenn bildende und dichtende kunst sich aus dem volksglauben erheben, so schmücken und schützen sie ihn durch unvergängliche werke; nur das ist auch nicht zu übersehn, daß beide dichter und künstler allmälich aus der heiligkeit des alten typus weichen und zu eigenmächtiger behandlung göttlicher dinge übergehn, die, wie geistig sie sei, der sicherheit des überlieferten abbruch thut. die tragiker ändern zu ihren zwecken, was das epos unschuldig herbrachte, die bildner, nakten formen der schönheit nachstrebend, opfern ihr zu gefallen, wo es noth thut, das bedeutsame zeichen; weil ebenso wenig sie alle züge des mythus brauchen, als mit ihnen allen ausreichen, müssen sie bald weglassen bald hinzuthun. drama und bildkunst gehn darauf aus, die götter für das gemüt näher, menschlicher zu fassen, und jede sich frei entwickelnde religion wird dem menschen und den tiefsten gedanken, deren er fähig ist, unablässig zurücken, um von ihnen aus das offenbarte neu zu begreifen. wie an der bildseule die ungelenke stellung gelöst, die steife falte getilgt wurde, will auch die andacht im verkehr mit der gottheit nicht unnöthig gefesselt sein. nicht anders neigt die sprache, selbst unter den händen der dichter von der sinnlichen vollkommenheit der poesie ab zu der prosa geistiger ungebundenheit Nachtrag: Vorzug und nachtheil des neuen deutet Pausan. 1. 24, 4 mit den worten an: ὅστις τὲ τὰ σὺν τέχνῃ πεποιημένα ἐπίπροσϑεν τίϑεται τῶν ἐς ἀρχαιότητα ἡκόντων. vgl. Lessing 8, 246. . Jenes rohe wäre aus dem heidnischen glauben, wenn er länger angehalten hätte, geschwunden, von der rauheit aber dennoch viel geblieben, wie in unsrer sprache etwas rauhes, unausgearbeitetes steckt, was sie nicht zu allem untüchtig macht, zu manchem befähigt. deutscher art angemessen ist ein sinniger ernst, der sie dem eitlen entführt und auf die spur des erhabnen leitet. das hat schon Tacitus wahrgenommen, dessen im buch (s.  56 . 57 . 86 ) besprochne worte hier wiederholt werden mögen: ceterum nec cohibere parietibus deos, neque in ullam humani oris speciem assimilare ex magnitudine coelestium arbitrantur. lucos ac nemora consecrant deorumque nominibus appellant secretum illud, quod sola reverentia vident. das ist nicht leere phrase, dies arbitrantur und appellant müssen hervorgegangen sein aus erkundigung, die ein Römer, wollte er von den Germanen etwas begreifen, zu allererst anstellen muste. damals stand es in Deutschland wirklich so, und solche antwort hatten Deutsche gegeben, wenn nach tempeln und bildern ihrer götter gefragt wurde. tempel kommen erst auf für bildseulen. so lange diese nicht waren auch jene nicht. was in den folgenden jahrhunderten namhaft gemacht wird oder bei einzelnen stämmen als ausnahme vorkam scheint verderbnis und verwilderung, der es nicht an anlässen gebrach. alle scandinavischen tempel und götzen fallen in diese jüngere zeit oder sind in des volkzweigs verschiedenheit gegründet. Jene merkwürdige beobachtung zeigt uns den vollen keim des protestantismus. es war nicht zufall, sondern nothwendig, daß die XXXVIII reformation gerade in Deutschland aufgieng, das ihr längst ungespalten gehört hätte, würde nicht auswärts dawider angeschürt. nicht zu übersehn ist, wie empfänglich derselbe boden germanischen glaubens in Scandinavien und England für die protestantische ansicht bleibt. wie günstig ihr ein großer theil Frankreichs war, in dem deutsches blut haftete. gleich sprache und mythus ist auch in der glaubensneigung unter den völkern etwas unvertilgbares. Götter, d. i. vervielfachung der einen, höchsten unerfaßlichen gottheit sind nur als menschlich gestaltet zu fassen (s.  263 ) und himlische wohnungen gleich irdischen häusern werden ihnen beigelegt; doch etwas andres ist die scheu, das unermessene (die magnitudo coelestium) im bilde darzustellen und zwischen irdische wand zu zwängen. die gottheit wirklich abzubilden fällt rein unmöglich, darum hat bereits der decalog des AT. solche bilder untersagt, Ulfilas verdeutscht εἴδωλον durch galiug oder galiugaguþ: alle abbildungen des gottes sind lug und trug, und des christenthums erste jahrhunderte verabscheuten bilderdienst, der allmälich in der kirche wieder einriß. die bildseulen griechischer götter giengen doch ursprünglich von heiligem typus aus, der nur vorschreitend weltlicher ward; die gemählde des mittelalters, später selbst Rafaels große seelenergreifende compositionen konnten, weil ihnen solcher typus gebrach, ihre gestalten bloß erdichten, wie die legende, aus der die künstler meistens schöpften, schon gedicht und sage war; diese mahlerei steht also unter den werken griechischer kunst, und im geiste des protestantismus sind die bilder aus den kirchen zu weisen. Wenn aber heidnische götter auf bergen und in heiligen wäldern gedacht wurden, so dürfen als hohe bäume gen himmel strebende kirchen unseres mittelalters, deren erhabnem eindruck kein griechisches gewölbe beikommt, wol auf jene germanische vorstellung zurückgehn. Irmansûl und Yggdrasill waren heilige bäume, die sich hoch in die lüfte streckten: der baum ist Wuotans, des ahnungsvollen naturschauers ros (drasill, das schnaubende), auf dem er daherrauscht: Yggr bedeutet schauer (s.  120 Nachtrag: Wie die altdeutschen götter wurden später auch gott, Christus und der heilige geist im walde sitzend gedacht. Pröhle märchen für die jugend s. 17. ). Aus dem altdeutschen waldcultus erkläre ich auch die geringe zahl der priester, die sich erst in den tempeln, deren hut ihnen obliegt, vervielfachen. Unter allen formen ist monotheistische, wie der vernunft die angemessenste, der gottheit die würdigste. auch scheint sie die ursprüngliche, aus deren schoß dem kindlichen alterthum leicht sich vielgötterei entwand, indem des einen gottes erhabenste eigenschaften erst trilogisch, hernach zur dodecalogie gefaßt wurden. dies verhältnis ergeben alle mythologien, die unsrige, dünkt mich, vorzüglich klar: fast alle götter erscheinen an rang und macht einander ungleich, bald überlegen bald untergeordnet, so daß sie wechselsweise von sich abhängig zuletzt insgesamt für ausflüsse einer höchsten einzigen gelten müssen. was der polytheismus anstößiges hat wird dadurch gemindert (s.  149 ). denn auch in heiden brust war ein bewustsein jener unterordnung schwerlich XXXIX völlig erloschen und der schlummernde glaube an den höchsten gott konnte stets erwachen. Diese götterfolgen aus unsern halbversiegten quellen nachzuweisen war mir unmöglich, dreiheiten und zwölfzahlen der edda sind s.  278 . 823 angezeigt. darin weicht aber die griechische zwölfzahl ab, daß sie sechs götter neben sechs göttinnen stellt, während der asen und asinnen jedesmal zwölf, zusammen doppelt so viel als der griechischen götter gezählt werden. zwölf stühle ordnender götter werden gestellt (s.  716 ). einigemal treten zu dem obersten gott die zwölf unteren hinzu, und dann erhöht sich die zahl um einen: unter den göttern heißt Loki der dreizehnte, unter den göttinnen Gnâ die dreizehnte. Sn. 211 b sind dreizehn asen genannt, und noch mehr asinnen. Trilogien und dodecalogien der götter spiegeln sich wiederum in den helden und weisen frauen ab. Mannus zeugte drei stammsöhne (s.  286 . 327 ), Heimdall festigte drei stände, Ynglînga saga 2. 7 nennt Ođins nebengötter seine zwölf fürsten (höfdîngjar); Westmar hat zwölf söhne (Saxo gramm. s. 68) und es gab dreizehn valkyrien (s.  349 ), drei nornen. in Welfs geleite sind zwölf helden (s.  327 ); könig Carls zwölfe könnte man von den zwölf aposteln leiten, worauf das gedicht selbst deutet, sie walten aber in unzähligen mythen und sagen. die kraft des göttlichen königs strahlt in seinen helden nochmals aus Nachtrag: Abstammung aller götter von einem gott der götter nimmt schon Helmold 1, 83 an. in Indien sind Brahma, Wischnu, Siva die drei oberen götter, unter denen alle andern stehn. ihre dreieinheit wird durch das heilige wort ôm = aum bezeichnet, Brahma = a, Wischnu = u, Siv = m. Bopps gl. 61 a . GDS. 122. neben der trilogischen auffassung ist die doppelte auffassung der gottheit nach ihrem männlichen und weiblichen geschlecht wirksam, als vater und mutter, oder als bruder und schwester. so entstanden Niörđr und Nerthus, Freyr. Frô und Freya, Frouwa, Berhtolt und Berhte, Faírguneis und Fiörgyn, Geban und Gefjon, Hruodo und Hreda. mit dem deutschen sunne masc. und fem. vergleiche Lunus und Luna, Liber und Libera. GDS. 122. zwölf götter zählt Athenaeus 5, 330. vgl. Platons Phaedrus 246. 247, ebenso Apulejus p. m. 59. τῶν δώδεκα ὀνομαζομένων ϑεῶν ἀγάλματα. Pausan. 1. 40, 2. si undecim deos praeter sese secum adducat Jupiter. Plautus Epidicus V. 1, 4. duodecim deis. V. 2, 3. zwölf adityas. Bopp 30 a . tredecim dii exceptis Brahma, Vishnu et Siva. Bopps gloss. 160. vâro ellifo aesir taldir. Sæm. 117 b . zwölf asen, 8 asinnen. Sn. 79. so zählte man zwölf helden Hrôlfs. Sn. 152. fornald. s. 1, 100, zwölf söhne Kalevas und zwölf jünger des teufels (s.  823 . 855 ). . Vielgötterei ist, bedünkt mich, fast überall in bewustloser unschuld entsprungen: sie hat etwas weiches, dem gemüt zusagendes, sie wird aber, wo der geist sich sammelt, zum monotheismus, von welchem sie ausgieng, zurückkehren. Niemand schilt die catholische lehre vielgötterisch, und doch ließe sich angeben von welcher seite die catholischen zu den heiden sich verhalten wie die protestanten zu den catholischen. das heidenthum unterlag der gewalt des reinen christenthums, im verlauf der zeit brachen in der kirche wieder heidnische regungen vor und von diesen strebte die reformation zu reinigen. das polytheistische princip in seiner fortregung warf sich aber hauptsächlich auf zwei puncte, die verehrung der heiligen, wovon ich schon redete, und der reliquien. vgl. GDS. s. 149. kirchen und kapellen des mittelalters durchdringt mit schwülem grabgeruch ein anbeten todter knochen, deren echtheit und wunderkraft selten beglaubigt, zuweilen ganz unmöglich scheint. die wichtigsten geschäfte des lebens, eidschwüre und krankheiten forderten berührung dieser heilthümer und alle geschichtlichen denkmäler zeugen von ihrem weit eingerissenen, in der bibel durch nichts gerechtfertigten, dem frühsten christenthum fremden gebrauch (vgl. s.  986 . 987 ). an idololatrie und heiligen dienst fand aber die herschaft der geistlichkeit ihre große stütze. Von eigentlichen dualismus habe ich unser heidenthum frei gesprochen (s.  746 . 822 ). er scheint mir gegenüber dem polytheismus, nicht wie dieser durch verwilderung, sondern in bewuster vielleicht sittlicher reflexion später entspringend. vielgötterei ist duldsam und freundlich: wer nur himmel oder hölle, gott oder XL teufel im auge hat, pflegt überschwänklich zu lieben und hart zu hassen. Auch hier mag wiederholt werden, daß unter den deutschen heiden das gute dem bösen, mutig sein dem verzagen überwog: dem tod lachten sie entgegen Nachtrag: Die gründe, mit welchen die kirchenväter und christlichen autoren z. b. Arnobius den unsinn des heidenthums in bezug auf götter, tempel, bildseulen und opfer widerlegen, streiten auch gegen vieles in der catholischen lehre. auch bloß die weltliche freude an frühling, blumen und vogelgesang wurde fast so hart wie vielgötterei angegriffen. in der Warnung 2243 heißt es: einer anbetet daz vogelsanc unt die liehten tage lanc, darzuo bluomen unde gras daz ie des vihes spîse was: diu rinder vrezzent den got.   vgl. 2077 ff. 2382 ff. vom dualismus, der das böse als eine gewalt dem guten entgegenstellt, ist unser heidenthum frei, denn unsre vorfahren und die Griechen schieben das böse auf einzelne untergeordnete götter oder lassen es bloß in eigenschaften der götter vortreten. . Zwischen viel und alles vergöttern, fällt eine grenze schwer, denn auch die ärgste pantheistische ansicht wird noch ausnahmen machen. welche schranke der griechische und selbst nordische glaube hielt, lehrt jene göttliche zwölfheit, aber die personification, von welcher ich ein capitel eingeschaltet habe, scheint in das gebiet des pantheismus überzustreifen; gleichwol sind göttlich gedachte elemente, geräthe fast nichts als die anders gefaßten schon bekannten hauptgötter: die luft geht in Wuotan, der hammer in Donar, das schwert in Eor, die Sælde wieder in Wuotan auf. der menschengeist versucht es die unergründliche gewalt der gotttheit immer auf anderm wege zu begreifen. man hat unserm heidenthum fetischismus untergelegt (s.  84 ); hammer, speer, kiesel, phallus waren nur symbol der göttlichen kraft, von welcher zugleich noch mehr sinnliche so wie sittliche vorstellungen walteten. vom sächlichen begrif auf den persönlichen überzugehn oder umgekehrt war dabei ganz leicht. wie die götter sich in helden wandeln und wiedergebären, schlagen sie auch in thiere nieder, dieser niederschlag hätte mancher aufschlüsse bedurft, die ich einmal bei erneuerter behandlung der thierfabel nachholen will. Je stärker sich der götterhaufe mehrt, desto eher mag der glaube umschlagen in leugnen und schmähen der alten götter; eine merkwürdige spur solcher atheistischen ansicht hat schon der Norden in unverhaltnem spott und dem auf eigne kraft und tugend gesetzten vertrauen (s.  5 ). jenen benannte die altn. sprache gođgâ (irrisio deorum), die ahd. kotscelta (blasphemia) und als das christenthum näher trat, nahm sie unter den heiden wider das heidenthum zu, Nialssaga cap. 105 hat ein beispiel von Hialti, der des hohns gegen die götter angeklagt wurde (varđ sekr â þîngi um gođgâ). vgl. Laxd. s. 180. Kristnisaga c. 9. Das element (στοιχεῖον, ὑπόστασις) ist ruhiger grund, grundlage, der Gothe weiß es noch recht deutsch zu nennen stabs (= stab, woher das roman. stoffa, étoffe und so wieder unser stof) oder stôma (wovon unser ungestüm, ahd. ungistuomi unruhig); es wird dem menschen sichtbar in seiner pracht, während ihm die gottheit unsichtbar bleibt: wie gedrungen sein muß er es göttlich zu ehren. aber sein sinn und gemüt knüpfen die erscheinung aller naturkräfte an leibliche und geistige eindrücke, zusammenhänge lehrt der sprache fingerzeigen. Wie doch geschah, daß in Zio zugleich die idee des himmels und kriegs sich entfaltete? veihan ist pugnare, vaíhjô pugna, veihs sacer, veiha sacerdos (s.  54 ), ahd. wig pugna und Mars (s.  168 ), das geweihte, heilige war zugleich das lichte, leuchtende. dem goth. hveits entspricht skr. svêtas albus, diesem das slav. svety, swięty sanctus, svjet, swiat, swiatło, bezeichnen mundus, coelum, lux. Svetovit, Swantowit ist wiederum Ares XLI bellum und die parallele Wuotan, Donar, Zio-Radigast, Perun, Svetovit steht unbezweifelbar: der siegesgott leuchtet in der schlacht. den Indern bedeutet Sûryas sonne, licht, tag und gleicht Zio; als Sûryas ein opferthier nehmen soll, beißt es ihm die hand ab, eine goldne muß angesetzt werden: ist das nicht Tŷr, dessen hand der wolf abbiß (s.  171 ); wer weiß ob vom slav. Svetovit nicht einmal ähnliches verlautete? Es ist schön, das auge aus der sonne, das blut aus dem wasser, das haar aus dem gras, die salze thränenflut aus dem bittern meer zu leiten, und desto tiefsinniger scheinen die mythen vom haar der Sif, von den zähren der Freyja; himmel und erde spiegeln ineinander. aber, wie schon die alten cosmogonien sich umdrehen (s.  471 –473), darf man heidnische götter ausschließlich weder auf astrologie und calender, noch auf elementarkräfte, noch auf sittliche gedanken, vielmehr nur auf ein beständiges unablässiges wechselwirken dieser aller zurückbringen. Niemals war das heidenthum aus der luft herabgefallen, es wurde undenkliche zeiten hindurch von der überlieferung der völker fortgetragen, zuletzt aber beruhen muß es auf geheimnisvoller offenbarung, die sich der wunderbaren sprache, der schöpfung und fortzeugung der menschen vergleicht. Unser einheimisches heidenthum erscheint ungedrückt durch traurige vorstellungen vom elend des herabgesunknen daseins (wie die indische emanationslehre), es huldigte sorgenfreiem fatalismus (s.  717 ) und glaubte ein paradies, welterneuerung, vergötterte helden; seine götter sind mehr den griechischen, sein aberglaube ist mehr dem römischen ähnlich: tanta gentium in rebus frivolis plerumque religio est. Es ist im ernst die frage geschehn, ob die heidnischen götter wirklich da gewesen seien? und mir graut darauf zu antworten. die einen leibhaften teufel und eine hölle glauben, die daran giengen hexen zu brennen, können geneigt sein es zu bejahen, weil sie wähnen die wunder der kirche durch den erweis des wunders, das in besiegung der falschen götter als wirklicher feinde und gefallner engel enthalten wäre, zu festigen. Weil ich lernte, daß seine sprache, sein recht und sein alterthum viel zu niedrig gestellt waren, wollte ich das vaterland erheben. die eine arbeit ward mir zur andern, und was dort bewies half auch hier stützen, was hier gründete diente dort zu bestätigen. Vielleicht werden meine bücher in einer stillen, frohen zeit, die auch wiederkehren wird, mehr vermögen; sie sollten aber schon der gegenwart gehören, die ich mir nicht denken kann, ohne daß unsere vergangenheit auf sie zurückstrahlte, und an der die zukunft jede geringschätzung der vorzeit rächen würde. Die nachgelesnen ähren vermache ich dem, der auf meinen schultern stehend nach mir mit ausstellung und ernte des großen feldes in vollen zug kommen wird. Berlin 28 april 1844. Jacob Grimm .   XLII Die dritte auflage ist der zweiten vollkommen gleich und keiner der vielen erweiterungen und verbesserungen theilhaft geworden, welche die große regsamkeit in diesem fach und der steigende wachsthum der quellen und forschungen hätte herbeiführen können. Berlin 16 juli 1854. Jacob Grimm .   Auch die vorliegende vierte auflage, deren besorgung mir die Grimm'schen erben anvertraut haben, entspricht in ihren beiden ersten bänden im wesentlichen der vorhergehenden. doch hat der alte text einige berichtigungen und hie und da solche kleine zusätze in sich aufgenommen, die weder unterlassen zu werden verdienten, noch auch bei ihrer geringfügigkeit einen besonderen platz im dritten bande, der die dem Grimm'schen nachlasse angehörigen handschriftlichen nachträge enthalten soll, beanspruchen durften. außerdem sind die früher dem schlusse der darstellung der mythologie angehängten alten nachträge jetzt derselben an passendem orte einverleibt und zahlreiche hinweise auf jene neuen nachträge hinzugefügt, deren bearbeitung viel zeit gekostet hat, sich aber jetzt der vollendung nähert. Bremen 27 october 1876. Elard Hugo Meyer .   Die vorrede zu der zweiten ausgabe seiner mythologie, 1844, der ein jahrzehnt darauf ein unveränderter abdruck als dritte folgte, schloß Jacob Grimm mit dem satze: ›die nachgelesenen ähren vermache ich dem, der auf meinen schultern stehend nach mir mit ausstellung und ernte des großen feldes in vollen zug kommen wird‹. ein menschenalter ist seitdem vergangen, und zahlreiche sagen sind in den meisten deutschen gauen gesammelt, wohl geordnet und theilweise wissenschaftlich erklärt worden, wie von Kuhn, Müllenhoff, Panzer und vielen anderen, Mannhardt hat einzelne glaubensvorstellungen eingehender prüfung unterzogen, Müllenhoff den mythischen gehalt mancher heldensage nachgewiesen, der zusammenhang deutschen, griechischen und indischen glaubens ist in oft sehr überraschender weise viel deutlicher dargethan, als zuvor. aber in jenen vollen zug ist doch noch niemand gekommen, und auch die nachgelesenen ähren bringt in diesem dritten bande der 4. auflage der mythologie doch wieder kein anderer, als Jacob Grimm selber dar. Daß ihn die gedanken an unsre alten götter selbst im drange seiner geschichte der deutschen sprache nicht losließen, das bezeugen viele blätter dieses werkes. er ist sich hier dessen bewußt geworden, daß die mythologie darnach streben muß, das eigne eines jeden stammes zu ermitteln und festzusetzen, damit die richtung des ganzen desto deutlicher erkannt werde (GDS. 509), und er ist jetzt geneigt, Caesars berühmter nachricht von dem naturcult der Germanen mehr recht angedeihen zu lassen als früher (a. o. 766). eine reihe weit ausholender und tiefgreifender abhandlungen, wie die vom liebesgott und dem namen des donners, der schöne, aber sehr kühne aufsatz über die göttin Bendis und die allzu großem vertrauen entsprungenen bemerkungen über die göttin Tanfana und über die göttin Freia, bekunden außerdem seine fortdauernde freude an mythologischer forschung. ja man fühlt aus diesen arbeiten hie und da die aufrichtigkeit seines wunsches heraus, seine seele aus der umarmung des wörterbuchs befreien zu dürfen; ›denn‹, wie er sich einmal mündlich ausdrückte, ›aus jedem meiner zehn finger möchte ich ein buch schreiben und kann es nun nicht‹. so war es ihm denn auch nicht vergönnt, den drei ecksteinen, auf denen das gebäude unseres geistigen volksthums ruht, der sprache, dem recht und dem glauben, noch als vierten und letzten eine geschichte der deutschen sitte hinzuzufügen, wie er früher gehofft hatte (GDS. 1010). er fand nicht einmal zeit, die zahlreichen seit 1844 zu seiner mythologie gesammelten nachträge zu verarbeiten. was sie unter seiner hand geworden wären, läßt etwa der bedeutende abstand zwischen der ersten und zweiten auflage der mythologie und der inhalt seiner eben angeführten späteren mythologischen untersuchungen ahnen. Die Grimmschen erben, die ursprünglich nur an einen einfachen wiederabdruck der dritten auflage dachten (kl. schr. 5, 505), haben sich später entschlossen, auch jene nachträge zu veröffentlichen, und mir diese aufgabe anvertraut. gewiss, wenn ich mich der gesamten neueren mythologischen Forschung, die Jacob Grimm nur theilweise benutzte und nur theilweise benutzen konnte, bedient hätte, wenn ich gar so dreist gewesen wäre, das vorliegende neue unbekannte material zur stütze und satteren darstellung eigener ansichten zu verwenden, so hätte sich vielleicht ein buch von reicherem inhalt und jedenfalls von gefälligerer Form gestalten lassen. aber mir schien es das allein richtige und angemessene, bloß das zu geben, was ein solcher mann wie Jacob Grimm darbot, und zwar in einer lesbaren und praktischen form. diese scheinbar so sehr bescheidene aufgabe war für mich noch immer groß genug. denn die nachträge bestanden fast durchweg nur aus kurzen citaten, die bald vereinzelt, bald in dichten scharen den breiten rand seines handexemplars der ausgabe von 1844 bedeckten. dazu kamen allerhand abgerissene notizen, meistens von Grimms hand, die auf etwa hundert größere und kleinere zettel verstreut waren. endlich wurden an einigen wenigen stellen einige collectaneen benutzt, die sich in dem schönen eichenschranke der kgl. bibliothek zu Berlin befinden, welcher den wissenschaftlichen nachlaß der beiden brüder bewahrt. eine zweimalige durchforschung desselben ergab keine weitere mythologische ausbeute. auch von den ›sehr erweiterten untersuchungen über die alten stammtafeln, dem angeschwollnen vorrath des aberglaubens und der segensformeln‹, wovon Grimm in Haupts zeitschr. 4, 581 spricht, fand sich nichts, so daß der nur der ersten ausgabe beigegebene anhang, dessen wiederabdruck manchem wünschenswerth erschien, ganz unverändert den nachträgen beigegeben werden mußte. nur einige berichtigungen, die wie ein paar von mir hinzugefügte hinweise in eckige klammern eingeschlossen sind, waren in einem roth eingebundenen heft von nachträgen zu der ersten ausgabe der mythologie verzeichnet, aus denen dann später die zweite ausgabe hervorgegangen ist. Meine arbeit bestand nun darin, die masse von citaten und andeutungen, gedanken und einfällen, je nach ihrer beziehung zum texte des erwähnten handexemplars, in passende gruppen zu sondern und durch die bloße anordnung oder auch durch ein paar erläuternde und verknüpfende worte in einen verständlichen zusammenhang mit einander zu setzen. soweit es mir möglich war und nöthig schien, prüfte ich die richtigkeit der citate. waren die quellen gar nicht oder ungenau angeführt, so bemühte ich mich sie aufzufinden oder bestimmter zu bezeichnen. wo mir dies hie und da nicht gelang, deutet ein fragezeichen meine unkunde oder meinen zweifel an. sonst fügte ich nur hinweise auf Grimms eigene schriften hinzu, um sein mythologisches wissen in diesem ergänzungsbande möglichst zu vereinigen. ich änderte nur an einzelnen stellen handgreifliche irrthümer, die er selber wahrscheinlich beim druck würde ausgemärzt haben. dagegen trug ich kein bedenken, auch sehr verwegene einfälle, wie z. b. die vermuthete gleichstellung von segomo und ἡγεμών ( anm. 128 ) oder den gedankensprung von Hugleichs gebeinen zur Herculesseule ( anm. 902 ) aufzunehmen. noch viel weniger kam es mir zu, mich der wiedergabe von beweisstellen für ansichten zu entziehen, die meines erachtens nicht bewiesen werden können, wohin ich z. b. die von der göttlichkeit des Wunsch ( anm. 349 ) rechne. denn dieser dritte band sollte gleich den beiden ersten nur Grimmsche anschauungen, wie sie nun einmal waren, enthalten, unverkümmert durch die bedenken fremder. Wenn Jacob Grimm kaum ein jahr nach dem erscheinen der zweiten auflage seiner mythologie es für ein leichtes hielt, hundert blätter beträchtlicher nachträge zu diesem werke zu liefern (kl. schr. 5, 339), so kann man sich nicht über die große zahl der in einer reihe von jahren gesammelten nachträge verwundern, die nun der nachfolgende band bringt. und in der that, nicht in der aufstellung neuer umgestaltender ansichten, sondern in dem reichthum neuer belege für ältere behauptungen, wie sie durch ein langjähriges quellenstudium gewonnen sind, steckt der werth dieses bandes. nicht nur später gefundene und eröffnete quellen sind gründlich ausgeschöpft, sondern es ist ein großer theil der schon früher benutzten aber- und abermals sorgsam durchforscht worden. So sind denn besonders die einleitungen vieler capitel, wo es galt, den ursprünglichen sinn eines mythisch bedeutsamen wortes oder die mit demselben verbundenen anschauungen nach allen seiten hin darzulegen, voller ausgestaltet. aber auch die im engeren sinne mythische welt ist nicht unbedeutend bereichert, wie schon ein blick in das auch im übrigen verstärkte register erweisen kann. dennoch sind manche lücken noch immer unausgefüllt geblieben, und Grimm selber fühlte, daß z. b. die lokale beschränktheit mancher götter auf einzelne länder und örter ( anm. 72 ), die geltung der riesen und titanen als alter naturgötter ( anm. 471 ), die heiligen feste ( anm. 124 ), die historische und geographische deutung der mythen ( anm. 3 ) näher hätte besprochen werden müssen. Dem freunde deutscher alterthumswissenschaft wird auch dieser dritte band, hoffe ich, trotz seiner mangelhaften form hoch willkommen sein, weil er ein kostbares stück aus dem vermächtnisse ihres schöpfers enthält. weihnacht 1877. Elard Hugo Meyer . Cap. I. Einleitung in einem buche, das sich soviel mit heidenthum befaßt, darf dessen wortbegrif nicht unbesprochen bleiben. für andersgläubige völker hatten Griechen und Römer keinen eignen namen (denn ἑτερόδοξοι, βάρβαροι galten nicht in solchem sinn); aber den Juden und Christen des NT. stehen ἔϑνος, ἔϑνεα, ἐϑνικοί entgegen, lat. gentes und gentiles , Ulfilas braucht den pl. thiudôs , und gern im gen. neben pron. thái thiudô, sumái thiudô (gramm 4, 441. 457). thiudiskôs verdeutscht ἐϑνικῶς Gal. 2, 14. da vorzugsweise griechischer glaube dem jüdisch-christlichen gegenüberstand, nahm auch Ἕλλην die bedeutung ἐϑνικός an und wir treffen ἑλληνικῶς = ἐϑνικῶς, was dem Gothen wiederum thiudiskôs gewesen wäre, wie ihm Ἕλληνες thiudôs sind, Joh. 7, 35. 12, 20. 1 Cor. 1, 24. 12, 13; nur 1 Cor. 1, 22. zieht er Krêkôs vor. dies Ἕλλην = gentilis stimmt auch zum begrif von riese, der sich aus mehr als einem volksnamen (s. unten Avar. Tschud) entwickelte: die griechischen mauern wurden zu heidnischen, riesischen ( cap. XVIII .). Ahd. verwendet noch Notker den pl. diete für gentiles (Graff 5, 128). Unterdessen war der engere begrif von pagus κώμη allgemeiner geworden (ager, campus), wie er noch im it. paese, franz. pays lebt, und paganus begann gentilis , das in den sinn von nobilis auswich, zu verdrängen. in allen roman. sprachen gilt nun pagano , payen , ja es ist ins böhm. pohan , poln. poganin , litth. pagonas vorgerückt. Frühe schon wurde aus dem goth. háithi campus ein adj. háithns agrestis, campestris = paganus gebildet, Ulf. überträgt Marc. 7, 26 ἑλληνίς durch háithnô, und ahd. entsprang aus heida heidan , mhd. aus heide heiden , ags. aus haeđ haeđen , engl. aus heath heathen , nl. aus heide heiden , altn. aus heiđi heiđinn ; schwed. dän. sagt man hedning . das ahd. wort behauptet adjectivische natur und bildet den gen. pl. heidanêro (paganorum). das nhd. heide gen. heiden f. heiden gen. heidens ist falsch, aber schon seit Luther im gang. Zur vollen bestätigung gereicht das mlat. agrestis  = paganus, z. b. in einer cap. IV. aus der vita s. Agili angezogenen Stelle, und der ›wilde heiden‹ in unserm heldenbuch ist deutlicher pleonasmus Nachtrag: Heiden = rustici gebraucht noch Paulus Diac. in Pertz archiv 7, 334. demo heidanin commane Diut. 1, 504 b . die falsche form heid für heiden tritt schon vor Luther auf. heide : leide. G. Abent. 2, 67. dieser zeginer oder heit . Keller fastnachtssp. s. 823. ebenso falsch ist das nhd. christ für mhd. kristen, ahd. christani. doch findet sich der richtige genitiv jenes wortes noch in Chr. Weise's erznarren 190: des jungen heidens los werden. die heiden werden gern wild genannt. die wilden heiden, wie die wilden in der wilden heide. anegenge 23, 61. vgl. Rabenschl. 1080. Neifen 14, 6. Ms. H. 1, 152 a . die wuotendigen heiden. Kaiserchr. 951. gewöhnlicher heißen sie die übelen heiden Diemer 158, 18. 162, 2. Morolt 376 ff. die bösen h. Diemer 170, 24. 179, 17. der übele h. Pantal. 1034. der vil arge h. Pantal. 1847. den h. gramen . Servat. 148. dafür wird hypocrita dunni cristâni . Diut. 1, 239 b übersetzt. den heiden wird der schimpfname hund beigelegt. Judith 134, 39: þone haeđenan hund . Olavs Tryggv. s. cap. 68: hundheidinn . svenske vis: hedningshund . Mor. 418: den heidenschen hunt . nach Willeh. 58, 16 werden die Sarrazin von hunden und schweinen getragen. schon milder sind die ausdrücke: dat domme heidine diet. Maerl. 3, 128. des gelouben geste Türl. Wh. 15 a . heidinen, die sunder êwe lebeten Roth. 475. man verwahrt sich zu den heiden zu gehören: sô bin ich nicht ein heiden MsH. 1, 42 a . als ich waere ein heiden MsH. 1, 45 b . in der klage 437 heißt es: swie si wâren heiden, och was zerbarmen umbe sie. schön menschlich wie Walther spricht Wolfram über sie Willeh. 450, 15: die nie toufes künde enpfiengen, ist daz sünde, daz man die sluoc alsam ein vihe? grôzer sünde ich drumbe gihe: ez ist gar gotes hantgetât , zwuo und sibenzec sprâche, die er hât. . . Von Asiens westlichster Küste hatte sich das christenthum gleich herüber nach Europa gewandt; der breite boden des welttheils, in dem es entsprungen war, konnte ihm nicht lange nahrung geben, und auch im Norden Africas schlug es nur flache wurzel. bald wurde und blieb Europa sein eigentlicher sitz und heerd. Es ist beachtenswerth, daß die richtung, in welcher der neue glaube von Süden nach Norden um sich grif, dem strome der wanderung gerade entgegensteht, die von Osten und Norden nach Westen und Süden damals die völker hintrieb. wie dorther geistiges licht eindrang, sollte von hieraus das leben selbst erfrischt werden. Das ermattete weltreich der Römer war zugleich in seinem innersten aufgeregt und an seiner grenze überschritten. aber mit 2 derselben gewaltigen lehre, die ihm eben erst seine alten götter gestürzt hatte, konnte das unterwürfige Rom sich von neuem seine sieger unterwerfen. dadurch geschah der flut jener bewegung allmälich einhalt, die neubekehrten länder begannen sich zu festigen und ihre waffen umzukehren gegen die im rücken gebliebenen Heiden. Langsam, schritt vor schritt, wich die heidenschaft der christenheit. Fünfhundert jahre nach Christus glaubten an ihn noch die wenigsten völker Europas; nach tausend jahren die meisten und bedeutendsten, aber nicht alle. Nachtrag: Heiden in Italien und in Rom nennt noch das edict. Theoderici 108. Salvian de gubernatione dei um 450 hält den verkommenen christlichen Römern und Provincialen die tugenden der noch heidnischen Sachsen, Franken, Gepiden und Hunnen und der häretischen Gothen und Vandalen entgegen. gegen schluß des siebenten buchs sagt er: ›Gothorum gens perfida, sed pudica est, Alamannorum impudica, sed minus perfida. Franci mendaces, sed hospitales, Saxones crudelitate efferi, sed castitate mirandi‹ und etwas weiter: Vandali castos etiam Romanos esse fecerunt. vgl. Papencordt 271. 272. der Baier Ratolf bekehrt sich 788 zum christenthum: coepi deum colere MB. 28 b , 7. in des Bonifacius und Sturmi zeiten heißt es: populi gentis illius (in Noricum) licet essent christiani, ab antiquis tamen paganorum contagiis et perversis dogmatibus infecti. Pertz 2, 366. Alamannen, die 552. 553 in Italien erscheinen, sind noch Heiden im gegensatz zu den christlichen Franken Agathias 2, 1. 1, 7. Eginhard cap. 7 (Pertz 2, 446) sagt von den Sachsen: Saxones cultui daemonum dediti. cultum daemonum dimittere. abjecto daemonum cultu et relictis patriis caerimoniis. der verfasser der vita Mathildis (Pertz 12, 575. vgl. 6, 284) erzählt von den heidnischen Sachsen und Widukinds stamm: stirps qui quondam daemonum captus errore, praedicatorum pro inopia idola adorans , christianos constanter persequebatur. Die Nialssage cap. 101–106 berichtet über den einzug des christenthums nach Island a. 995–1000 (kl. schr. 2, 272). doch opferte man in Nerike bei Orebro noch im 17. jh. auf gewissen felsen dem Thor gegen zahnschmerz. Dybeck runa 1848 s. 26 (kl. schr. 2, 115) und alte frauen opfern noch heutzutage an flüsse und werfen den zweig auf den stein. Dybeck runa 2, 3, 15. vit erum heiđin in Olafs des heiligen zeit 1015–1030 (in Gautland) heißt es fornm. sög. 4, 187. 12, 84. in den norwegischen bezirken Serna und Idre (an der grenze von Dalarne) lebten Heiden noch 1644. samling. Christiania 1839. 6, 470. 471. þa kunni enge madr pater noster i Straumi. Werlauff. grenzbest. 20. 37. Odens diener kommen noch 1578, 1580, 1601 in Schweden vor. Geyer Svea rikes häfder 2, 329 und in einem volksliede fürchtet eine Christin die nah im wald hausenden Heiden: locka till Thor i fjäll Arvidsson 3, 504 der donnerstag war in Schweden noch vor 100, 150 jahren heilig (s.  173 ). in Schweden zumal waren rückfälle ins heidenthum häufig Hervarars. cap. 20 (fornald. sög. 1, 512). das heimliche heidenthum hieß launblôt . fornm. sög. 2, 243. Unter den Slaven in Pommern galt noch zu eingang des 12. jh. heidenthum. gefeiert wird ein heidenfest bei Pyritz. Barthold gesch. v. Pommern 2, 34. Giesebrecht wend. gesch. 2, 265 und ein fest des Gerovit in Havelberg. Barthold 2, 76. Giesebrecht 2, 309. heidnische Ranen erwähnt Barthold 2, 100. 101. Pribizlaus von Meklenburg wird 1164 getauft. Lisch meklenb. jahrb. 11,10, Svantevits tempel 1168 zerstört a. o. 11, 97. Die Slaven zwischen Elbe und Oder waren 70 jahre Christen und fielen dann wieder ab um 1013. Helmold 1, 16. adhuc enim (a. 1147) Slavi immolabant daemoniis et non deo. Helm. 1, 68. als die Russen schon bekehrt waren, waren die Preußen noch Heiden Helm. 1, 1. Christen in Ungarn kommen schon in der zweiten hälfte des 10. jh. vor. s. Dümmlers Pilgrim von Passau 36 ff. noch heute leben in Ehstland einzelne Heiden. verhandl. 2, 36. die Lappen waren noch 1750 Heiden. Castréns reise s. 69. Verbindungen zwischen Heiden und Christen waren nicht unerlaubt, wie Chlodowigs beispiel beweist. auch Kriemhilts ehe mit dem Heiden Etzel war eine gemischte, doch bewirkt sie, daß ihr sohn Ortliep getauft wird. Nibel 1328. Aus Griechenland und Italien gieng die christliche lehre zunächst über nach Gallien im zweiten und dritten jahrhundert. einzelne Christen kommen gegen das jahr 300 oder bald nachher vor unter den rheinischen Deutschen, zumal Alamannen, um gleiche zeit oder etwas früher Waitz Ulfila s. 35. unter den Gothen. Die Gothen sind das erste deutsche volk, bei dem das christenthum im laufe des vierten jh. sichern fuß faßte, Westgothen giengen voran, Ostgothen folgten: nach ihnen bekehrten sich Vandalen, Gepiden und Rugen. diese stämme hielten es mit der arianischen lehre. Die Burgunden in Gallien wurden catholisch zu anfang des fünften jh., hernach unter westgothischen herschern arianisch, im beginn des sechsten jh. wiederum catholisch. Die Sueven in Spanien waren anfangs catholisch, dann arianisch (um 469), bis sie mit allen Westgothen im 6. jh. gleichfalls zur catholischen kirche übertraten. Erst gegen den schluß des fünften und zu anfang des sechsten gewann das christenthum die Franken, bald darauf die Alamannen, nachher die Langobarden. Die Baiern wurden im siebenten und achten, Friesen, Hessen und Thüringer im achten, die Sachsen gegen das neunte jh. bekehrt. Nach Britannien hatte schon frühe das christenthum eingang gefunden; einbruch der heidnischen Angelsachsen störte es. gegen den schluß des sechsten und im beginn des siebenten jh. giengen auch sie zum neuen glauben über. Im zehnten jh. wurden die Dänen Christen, zu anfang des eilften die Norweger, in der andern hälfte des eilften gänzlich die Schweden. um gleiche zeit drang das christenthum nach Island. Von den slavischen völkern nahmen zuerst die Südslaven, die Carentaner, und seit Heraclius († 640) die Croaten, 150 jahre nach jenen die Mähren im achten und neunten jh. christlichen glauben an, unter den Nordslaven Obotriten im neunten, dann Böhmen vierzehn böhmische fürsten 845 getauft. Palacky 1, 110. die mittleren Nordslaven: Riaderi, Tolenzi, Kycini, Circipani in der zweiten hälfte des 11 jh. noch Heiden. Helmold 1, 21. 23. (a. 1066.) Rugianer erst 1168 bekehrt. Helm. 2, 12. 13. und Polen im zehnten, Sorben im eilften, Russen zu Ende des zehnten. 3 Ungern im beginn des eilften, Lieven und Letten im zwölften, Ehsten und Finnen im zwölften und dreizehnten, Litthauer sogar erst im anfang des funfzehnten. Alle diese angaben sind bloß allgemein gefaßt; weder frühere bekehrungen, noch späteres, längeres haften am heidenthum im einzelnen schließen sie aus. Abgelegenheit und unabhängigkeit des volksstammes schützte hergebrachten glauben. oft versuchten auch die abtrünnigen wenigstens theilweise rückkehr. Das christenthum äußerte bald seine wirkung auf die gemüter der vornehmen und reichen, durch deren beispiel das gemeine volk hingerissen wurde, bald zuerst auf die armen und geringen. Als Chlodowig taufe empfieng und die salischen Franken ihm nachfolgten, waren schon einzelne menschen aus allen fränkischen stämmen vorausgegangen. der verkehr mit Burgunden und Westgothen hatte sie der arianischen lehre geneigt gemacht, während in andern theilen Galliens die catholische anhänger fand. hier stießen beide lehren aufeinander. Lanthild, Chlodowigs eine schwester, war vor ihm arianische Christin geworden, Albofled, die andere, Heidin geblieben: jetzt ließ sich diese mit ihm taufen, jene zum catholischen bekenntnis überführen baptizata est Albofledis . . . . . Lanthildis chrismata est Greg. tur. 2, 31. so wird auch die gothische Brunichild, Sigiberts gemahlin, chrismiert (4, 27) und der goth. Herminichild, Ingundens gemahl (5, 38), wobei er den neuen namen Joannes empfängt. Die Arianer scheinen übertretende Catholiken wiedergetauft zu haben: eben jene Ingund wurde von Goisuintha, ihrer müttergroßmutter, angetrieben ›ut rebaptizaretur ‹ rebaptizare katholicos. Eugippii vita Severini cap. 8. . aber noch im sechsten und siebenten jh. war das heidenthum in einzelnen gegenden des fränkischen reichs unausgerottet. Neustrien hatte an der Loire und Seine heidnische bewohner, Burgund in den Vogesen, Austrasien in den Ardennen; zumal scheinen nordwärts gegen Friesland hin im heutigen Flandern Heiden fortzudauern belege nachher cap. IV. vgl. lex Frisionum ed. Gaupp p.  xxiv , 19. 47. zulängst haftete das heidenthum zwischen Laubach und Weser. . Spuren des heidenthums hafteten unter den Friesen bis ins neunte, unter den Sachsen bis ins zehnte jh., auf gleiche weise unter Normannen und Schweden bis ins eilfte und zwölfte fornmannasögur 4, 116. 7, 151. . Bei den nördlichen Slaven war der götzendienst hin und wieder im zwölften jh. nicht ausgetilgt, ja bei den Finnen und Litthauern im sechzehnten und siebzehnten nicht durchgängig Wedekinds noten 2, 275. 276. Rhesa dainos p. 333. die eigentlichen Litthauer 1387, die Samogiten 1413 bekehrt. ; die äussersten Lappländer hängen ihm noch heutzutage an. Das christenthum war nicht volksmäßig. es kam aus der fremde, und wollte althergebrachte einheimische götter verdrängen, die das land ehrte und liebte. Diese götter und ihr dienst hiengen zusammen mit überlieferungen, verfassung und gebräuchen des 4 volks. ihre namen waren in der landessprache entsprungen und alterthümlich geheiligt, könige und fürsten führten stamm und abkunft auf einzelne götter zurück; wälder, berge, seen hatten durch ihre nähe lebendige weihe empfangen. Allem dem sollte das volk entsagen Nachtrag: Zwischen der heidnischen taufe vatni ausa , dem dicare in nomine deorum Greg. tur. 2, 29, und der christlichen taufe steht das prîmsignaz Egilss. s. 265 d. h. die bloße kreuzbezeichnung, prima signatio. so heißt es; Gestr ist › prîmsigndr , eigi skîrđr .‹ fornald. sög. 1, 314. vom ungetauft sein ließ man höllische strafe abhängen (s.  765 ). Wer die paganica vetustas (Pertz 2, 342) aufgab, entsagte den göttern. den goten entfarn  = sich taufen lassen Türl. Wh. 130 a . den glauben abschwören hieß abrenuntiare, abjurare, renegare, reneare Ducange s. v., franz. renier , altfrz. renoier , mhd. sich vernoijieren , Nib. 1201, 7 (al. vernogieren, vernewern). Klage 494. vernoierten sich von den Kristen Livl. reimchr. 5719. mnl. vernogerde Karel. 2, 75. vernoyert pajin 2, 519. 831. vernoyert : verghiert Maerl. 3, 140. ahd. antrunneo, anttrunneo apostata Graff 5, 533. abatrunneo renegatus, apostata a. o. li cuivers renoié Ducange s. v. renegatus. tornadie, tornadis retrayant. andere ausdrücke sind: den touf hin legen Livl. r. 6129. lâzen varn krist . Livl. r. 6385. was heißt in der vita Bonifacii (Pertz 2, 342): eosque (die Hessen zu Amenaburg) a sacrilega idolorum censura, qua sub quodam christianitatis nomine male abusi sunt, evocavit. es scheint christliche ketzerei gemeint, denn s. 344 heißt es auch von Thüringen : sub nomine religionis falsi fratres maximam hereticae pravitatis introduxerunt sectam. vgl. Rettberg, 2, 308. , und was sonst als treue und anhänglichkeit gepriesen wird, wurde von verkündigern des neuen glaubens als sünde und verbrechen dargestellt und verfolgt. Ursprung und sitz der heiligen lehre waren für immer in ferne gegenden entrückt und nur eine abgeleitete, schwächere ehre konnte auf heimatliche stätten übertragen werden. Der neue glaube erschien im geleit einer fremden sprache, welche die bekehrer ihren zöglingen überlieferten und dadurch zu einer die herabgewürdigte vaterländische zunge in den meisten gottesdienstlichen verrichtungen ausschließenden priestersprache erhoben. zwar gilt dies nicht von den griechischredenden ländern, die der ursprünglichen abfassung der christlichen offenbarung folgen konnten, aber doch von der viel weiteren strecke, auf welcher sich die lateinische kirchensprache ausbreitete, selbst unter romanischen völkerschaften, deren gemeine mundart sich bald von der altrömischen regel losmachte. härter war der gegensatz in den übrigen reichen. Die heidenbekehrer strengfromm, enthaltsam, das fleisch tödtend, nicht selten kleinlich, störrisch und in knechtischer abhängigkeit von dem entlegnen Rom musten das nationalgefühl vielfach verletzen. Nicht bloß die rohen, blutigen opfer, auch die sinnliche, lebensfrohe seite des heidenthums war ihnen ein greuel Nachtrag: Die anferlegten abrenuntiationen erklärten die alten namentlich genannten götter für teufel und unholde . so galt auch alle heidnische festeslust, insbesondere tanz und spiel für teuflisch vgl. s.  214 . 513 . 514 . 643 . feste, spiele, bräuche, die mit dem alten cultus zusammenhiengen, waren nun diaboli pompa, gelp inti zierida . in Grieshabers predigten s. 48 heißt es: da man singet und springet in des tievels dienste . vgl. Aucassin bei Méon fabl. 1, 385. Fauriel 3, 190. . Was aber ihr wort und ihre wunderthätigkeit nicht bewirkten, sollte oft durch feuer und schwert von neubekehrten Christen gegen verstockte Heiden ausgerichtet werden. Der sieg des christenthums war der einer milden, einfachen, geistigen lehre über das sinnliche, grausame, verwildernde heidenthum. für die gewonnene ruhe der seele, für den verheißenen himmel gab der mensch seine irdischen freuden und die erinnerung an seine vorfahren. Viele folgten innerer eingebung des gemüts, andere dem beispiel der menge, nicht wenige dem eindruck unvermeidlicher gewalt. Obschon das untergehende heidenthum von den berichterstattern geflissentlich in schatten gesetzt wird, bricht doch zuweilen rührende klage über den verlust der alten götter, oder ehrenwerther widerstand aus gegen die äußerlich aufgedrungene neuerung fornmanna sögur 1, 31–35. Laxdaela s. 170. kralodworsky rukopis 72.74. Nachtrag: Der innerliche widerstand gegen das christenthum zeigt sich in der fortdauer der kräftigen, heldenhaften auffassung des paradieses (s.  684 ). das christliche paradies wurde oft verschmäht, so von Radbod, dem Friesenfürsten, der bei der taufe den fuß aus dem heiligen wasser wieder zurückzog, da er nicht der genossenschaft seiner vorgänger in der hölle entbehren und mit einer kleinen schaar im himmelreich sitzen wollte. v. Bonifacii (Pertz 2, 221). Melis Stoke rymkronike 1, 24. vgl. das entgegengesetzte benehmen Gudbrands (Maurer bekehrung 1, 537) und des Sighvatr bei der taufe des Magnus. Olaf h. saga c. 119. Waldemar will lieber jagen als in den himmel. Thiele 1, 48. nit ze himelrîche sîn woldich vür dise reise. roseng. 110. mir waere ie liep bî ir ze sîn dan bî got in paradîs. MS. 1, 178 a . möht aber mir ir hulde werden, ich belîbe ûf der erden alhie, got liez ich dort die werden. MS. 2, 16 b . daz himelrîche liez ich sîn und waere bî in iemer wol alsô. Dietr. drachenk. 131 b waz sol ein bezzer paradîs, ob er mac vrô beliben von wol gelopten wîben? MsH. 1, 82 b . si waere getreten durch Flôren in die helle. Fl. 5784. si me vauroit miex un ris de vous questre en paradis. Thibaut de N. 69. kestre ne voudroie en paradis, se ele nestoit mie. das. 75. vgl. 113. der erbtruchsess von Schlotheim soll gesagt haben: wäret ihr mit einem fuß im himmel und dem andern auf der Wartburg, ihr würdet eher jenen als diesen wegziehen können. Rommel gesch. von Hessen bd. 2, anm. s. 17. vom himmel auf die erde fallen. Schwein. 1, 95. aus dem paradis zurückkehren. chans. histor. 1, 43. Eyvindr hält, gleich einem christlichen märtyrer, die größte pein aus, die ihm Olaf Tryggvason anthut, und wird nicht abtrünnig. fornm. sög. 2, 167. (kl. schr. 5, 93). in der historia sancti Cuthberti heißt es: quadam die cum Onalaf cum furore intrasset ecclesiam Cuthberti, astante episcopo Cuthheardo et tota congregatione. ›quid, inquit, in me potest homo iste mortuus Cuthbertus, cujus in me quotidie minare opponuntur? juro per deos meos potentes Thor et Othan , quod ab hae hac inimicissimus ero omnibus vobis.‹ Twysden s. 73. 74. das noch in vielen herzen glimmende heidenthum ist sogar noch in lateinischen urkunden von 1270 bei Seibertz no. 351 erkennbar. . Die bekehrer verschmähten es nicht auf die sinne der Heiden zu wirken durch alles was dem christlichen cultus ein höheres ansehen gegenüber dem heidnischen gewähren konnte: durch weißes gewand der täuflinge, vorhänge, glockengeläute Nachtrag: Das glockengeläute war den Heiden verhaßt und darum den riesen s.  793 , den zwergen s.  380 und den hexen s.  908 . , kerzen 5 anzünden und weihrauchbrennen Greg. tur. 2, 31. fornm. sög. 1, 260. 2, 200. . Es war auch weise oder kluge maßregel, viele heidnische plätze und tempel beizubehalten, indem man sie, wo es angieng, nur in christliche verwandelte, und ihnen andere, gleichheilige bedeutung überwies. Die heidnischen götter selbst wurden zwar als unmächtige im gegensatz zu dem wahren gott dargestellt, doch nicht überall als machtlose an sich selbst, sondern in feindliche, böse gewalten, in teufel, zauberer und riesen, verkehrt, die unterliegen müssen, denen aber noch eine gewisse schädliche thätigkeit und einwirkung beigelegt werden konnte. Einzelne heidnische überlieferungen und abergläubische gebräuche dauerten fort, indem sie bloß namen änderten, und auf Christus, Maria und die heiligen anwendeten, was vorher von den götzen erzählt und geglaubt wurde Nachtrag: Auch in christlicher zeit traut man den heidnischen göttern manche fähigkeit zu. die abgötter sprechen pass. 307, 2 ff. Barl. 342, 8 und schweigen pass. 306, 24. 34. die Livl. reimchr. 1433 ff. meldet: die Littouwen vuoren über sê, daz ist genant daz Ôsterhap, als ez Perkune ir abgot gap , daz nimmer sô harte gevrôs. man ließ es daher auch oft im streit zwischen altem und neuem glauben auf ein gottesurtheil oder wunder ankommen. ›probemus miraculis, quis sit majoris potentiae, vestri multi, quos dicitis, dii an meus solus omnipotens dominus Jesus Christus‹ ruft der Christenpriester in der vita Ansgarii cap. (Pertz 2, 702) und der regen stürzt gewaltig auf die heidnischen Schweden trotz ihres gebetes herab, während ihn kein tropfen trifft. (vgl. kl. schr. 5, 94). nach Greg. tur. mirac. 1. cap. 81 entscheidet der kesselfang , ob der arianische oder der katholische glaube der richtige sei. in der Silvesterlegende tödtet erst der jüdische zauberer durch den namen seines gottes einen stier, den Silvester darauf durch anrufung Christi wieder lebendig macht. vgl. Silvester v. W. Grimm XV–XX. . Anderntheils zerstörte und unterdrückte die frömmigkeit christlicher priester eine menge heidnischer denkmale, gedichte und meinungen, deren vernichtung historisch schwer zu verschmerzen ist; allein die gesinnung ist tadellos, welche uns ihrer beraubt hat. an der reinen übung des christenthums, an der tilgung aller heidnischen spuren war unendlich mehr gelegen, als an dem vortheil, der später einmal, wären sie länger stehen geblieben, für die geschichte hätte aus ihnen hervorgehen können. Bonifacius und Willebrord, indem sie die heilige eiche fällten, die heilige quelle antasteten, und lange nachher die bilderstürmenden Reformierten, dachten nur an die abgötterei, die damit getrieben wurde Nachtrag: Gleich Bonifacius und Willebrord ließen schon die Römer heilige bäume fällen: et robora numinis instar barbarici nostrae feriant impune bipennes.                         Claudian de laud. Stilich. 1, 230. so wird auch die Irminsul zerstört und die götzenbilder werden von Columban zerbrochen und in den see geworfen (s.  96 . 89 ). die vier eroberten sarrazenengötzen lässt Karl zerschlagen und theilt die goldenen stücke unter seine helden aus. Aspremont 11 b . 45 b b. 46 b . 47 a . 48 b . gleichfalls im Barl. und Georg werden die götzen niedergebrochen. merkwürdig ist bei Beda 2, 13, wie der Coifi selber den heidnischen tempel zerstört (s.  75 ). fromm war, dass man wenigstens die alten bilder in den kirchenwänden einmauerte. . Wie jene ihre erste tenne fegten, ist anzuerkennen, daß die reformation nachwüchse des heidenthums ausrottete und die last des römischen bannes lösend unseren glauben zugleich freier, innerlicher und heimischer werden ließ. gott stehen wir allenthalben nah und er weiht uns jedes vaterland, von dem der starre blick über die Alpen abzieht. Wahrscheinlich kam auch unter den Heiden selbst hin und wieder parteiung und secte, ja in einzelnen gemütern herangereifte veredlung der denkungsart und sitte dem eingang des christenthums, wie späterhin seiner läuterung, auf halbem weg entgegen Nachtrag: Die Heiden kannten zwar nicht des wahren gottes namen, galten aber doch nicht immer für wild, hündisch und dumm (s. anm. 17 ), sondern sie hießen auch die werden heiden Titur. 55, 4, die wîsen heiden Servat. 19. his sylfes (gottes) naman, þone yldo bearn aer ne cûđon, frôd fädera cyn þeáh hie fela viston Cädm. 179, 15. . Merkwürdig erwähnt die altnordische sage verschiedentlich einiger männer, die aus innerem überdruß und zweifel dem heidnischen glauben sich abwendend, ihre zuversicht auf eigne kraft und tugend stellten. so heißt es im Sôlar liođ 17 von Vêbogi und Râdey ›â sik þau trûđu‹; von könig Hâkon (fornm. sög. 1, 35) ›konûngr gerir sem allir ađrir, þeir sem trûa â mâtt sinn ok megin‹; von Barđr (das. 2, 151) ›ek trûi ekki â skurđgođ eđr fiandr, hefi ek þvî lengi trûat â mâtt minn ok megin‹; von Hiörleifr ›vildi aldri blôta‹ Landn. 1, 5. 7; von Hallr und Thôrir gođlaufs ›vildu eigi blôta ok trûđu â mâtt sinn‹ (Landn. 1, 11); von könig Hrôlfr (fornald. sög. 1, 98) ›ekki er þess getit at Hrôlfr konûngr ok kappar hans hafi nokkurn tîma blôtat gođ, heldr 6 trûđu â mâtt sinn ok megin‹; von Örvaroddr (fornald. sög. 2, 165. vgl. 505) ›ekki vandist blôtum, þvî hann trûđi â mâtt sinn ok megin‹; von Finnbogi (p. 272) ›ek trûi â sialfan mik‹. Nachtrag: Das vertrauen auf eigene kraft tritt mehrfach dem gottvertrauen gegenüber oder verbindet sich damit. in der Faereyîngas. cap. 23 s. 101 heißt es: ›ek trûi â mâtt minn ok megin‹ und ebenda ›ek treystumsk hamîngju minni ok sigrsaeli ok hefir mer þat vel dugat‹ vgl. ›trûa magni‹ fornald. sög. 1, 438. das ahd. sô mir ih! (Graff 6, 13) bedeutet doch wol so viel wie ›so ich mir helfe‹. mhd. stehen nur die milderen formeln: sam mir got und mîn selbes lîp! Tristan 215, 2 (vgl. gramm. 4, 135). als in got unde ir ellen gebôt. Ernst 1711. als im sîn manlîch ellen jach Parz. 89, 22. ich gelove god ind mime swerde . Karlmeinet 122, 34. M. Beheim 266, 22 sagt: si wolten ûf in selber stân, und nach Gotthelfs. erzähl. 1, 146 dient ein starker bauer in der Schweiz ›dem gelde und der kraft ‹. durch die taufe verliert der riese seine stärke . Rääf 39. den zweifel an gott drückt Wolfram aus: ist got wîse. Willeh. 66, 18. hât got getriwe sinne. Parz. 109, 30. hât er sîn alt gemüete. Willeh. 66, 20. die widersetzlichkeit gegen ihn heißt En. 3500: ze himele klimmen und got enterben. über die menschen, die götter sein wollen, vgl. s.  319 . das ist die gesinnung, welche noch in einem dänischen volkslied (D. V. 4, 27), wiewol ohne bezug auf gottesdienst, ausgesprochen wird: först troer jeg mit gode svärd, og saa min gode hest, dernäst troer jeg mine dannesvenne, jeg troer mig self allerbedst; es ist auch noch christlicher sinn, der auf erhebung und weihe des innern menschen dringt Nachtrag: Nicht von ernster verbindung des alten glaubens mit der neuen lehre, sondern nur von tändelnder verknüpfung gottes mit heidnischen göttern zeugt der minnesang. ich hân got und die minneclichen Minne gebeten flêlîche nu vil manic jâr, daz ich schier nâch unser drîer sinne vinde ein reine wîp.   MS. 1, 1841 oder Venus, vil edeliu künegin, iuch hât got , vrowe, her gesant ze freuden uns in ditze lant.   Frauend. 233, 26. . Wir dürfen annehmen, wenn schon das heidenthum noch eine zeitlang lebendig hätte wuchern, gewisse eigenthümlichkeiten der völker, die ihm ergeben waren, schärfer und ungestörter ausprägen können, daß doch ein keim des verderbens und der verwirrung in ihm selbst lag bemerkenswerth sind die stellen altn. sagen und lieder, worin der götter derb gespottet wird, obgleich in Lokasenna und Harbardslied vieles für rohen scherz gelten kann, neben dem noch das heiligste fortbesteht Nachtrag: Wie gott bedroht und gescholten wird, vgl. s.  17 . zum spott über Jupiter (Plaut. Trin. IV. 2, 100) stimmt, dass man seiner bildsäule das goldgewand nahm und ein wollenes gab, sowie man dem Aesculap den goldbart raubte. Cic. de Nat. D. 3, 34. Friđþiofr sagte: ›enda virđi ek meira hylli Ingibiargar enn reiđi Baldrs‹ fornald. sög. 2, 69. er zieht Baldrs bildsäule am ring, dass sie ins feuer fällt. a. o. 2, 86. könig Hrôlfr betrachtet Ođin schon als einen bösen geist, illr andi . fornald. sög. 1, 95. . Aber der glaube ist schon geschwächt, wenn ein kühner dichter Ođinn und Freyja mit hunden vergleicht (fornm. sög. 2, 207. Islend. sög. 1, 11. ed. nov. 372. Nialss. 160), ein andrer die götter rângeyg (schielend, ungerecht) und rokindusta nennt (fornm. sög. 2, 154). bei Freyr wird eine sage angeführt werden, die offenbar seine verehrung herabsetzen sollte, hier noch eine stelle aus Oswald 2913: ›din got der ist ein junger tôr, ich wil glouben an den alten‹. Hätten wir verzeichnisse alter und volksmäßiger hundenamen , so würde sich, glaube ich, ergeben, daß dem thier die benennungen verschiedner götter zur herabwürdigung beigelegt wurden. Vilk. saga cap. 230. 235 überliefert uns Thor (doch vgl. ed. nov. cap. 263) und Paron , jenes ist der altn., dieses der slav. name, in der slowakischen form Parom f. Perun (cap.  VIII ). den sächsischen hirten oder jägern war wol Thunar , vielleicht ist Donner noch jetzt für hunde gangbar. ein steuberhund heisst den Polen Grzmilas (Linde 1, 779a. 2, 798), den Böhmen Hřmiles (Jungm. 1, 759) = Donner, Walddonner. bei Helbling 4, 441. ff. finde ich einen hund Wunsch (nicht Wünsch). Ähnlich ist der übergang von volksnamen auf hunde: das böhm. Bodrok bezeichnet einen Obotriten und benennt einen hund (Jungm. 1, 150.); Sâmr in der Nialssaga ein hundename scheint Same, Sabme = Lappländer; Helbling 4, 458 hat Frank Nachtrag: Hunden legten auch die Griechen namen heidnischer götter bei. Pollux onom. 5, 5 führt auf: Κόραξ, Ἅρπυια, Ξάρων, Λυκίττας. ein hund wird Locke genannt. sv. folkv. 1, 135. neben Helblings hund Wunsch stellt sich der hund Wille bei Hadamar v. Laber 289 und Altswert 126, 23 (kl. schr. 2, 330). Sturm bei Helbl. 4, 459 könnte wie Donner gefasst werden. die leithündin heißt Heila, Hela . Döbel 1, 86. Nemnich 720. Alke heißt der hund des Hakelberend. zeitschr. d. Osnabr. ver. 3, 406. Ruland um 1420 (kl. schr. 2, 359). ganz wie personennamen klingen Willebreht . Ls. 1, 297. 298. auf äußere und innere eigenschaften und zweck dieses thieres weisen viele bezeichnungen, so der noch heute gebräuchliche name Wacker , der zu den GDS. s. 468 besprochenen alten nordischen, sächsischen, skirischen und suevischen benennungen hinaufführt. Wäckerlein, Weckherlin, Wickerlein Fischarts spiele no. 246. 491 sind diminutiva von Wacker. ob Wasser , der gewöhnliche name der bauernhunde in der Mark, (Schmidt v. Wern. s. 253) aus Wacker entstellt ist? Wackerlos und Vernim heißen hunde im froschmeus. Bbb 5 b Hüterlin in Keisersb. bilg. 140 b . 144 c . 145 b . liebkosungen sind Harm Ls. 2, 411 ff. bei Holle im Crane s. 30, Bärlin Garg. 258 b und Zuckerl . Jucundiss. 54. dem poln. gromizwierz hetzhund Linde 1, 779 a gleicht Hetzebolt Nic. v. Jeroschin 30, 12. Bello, Greif, Packan, Packauf (medic. maulaffe. 647), Suoche Fichard 3, 245 erklären sich selber, wie auch der böhmische windspielsname dolet flieghin. altn. Hopp und Hoi . Hrolfkr. Saga, Hopf im Eulensp. Estula (es-tu-là?). Méon 3, 394. 395. Ren. 25355. 25660. dagegen ist Strom in Fritz Reuters reise n. Belligen 2. 98 dunkler. bedeutet es gestriemt oder hat man lieber an Helbl. 4, 456 Striun von striunen umherschweifen zu denken? Smutz bei Laber 358 wird mit dem jägerausdruck schmötzen den hasenruf nachmachen (Schmeller 3, 479) zusammenhängen. Trogen sv. äfvent. 1, 51 ist unser Fidel. Gramr . fornald. sög. 1, 87. Gîfr und Geri heißen zwei hunde in Fiölsvinnsmâl. Snati . Markusson 174 a . Guldtand . norske event. 2, 92. Yrsa . fornald. sög. 1, 22, bei Saxo Ursa . in stände eingeordnet erscheinen die hunde Bettelmann bei Bürger 474 a und Stallmeister in Tiecks Zerbino. vgl. Malvoisin . Ren. 1664. gewagt ist es Leppisch in Pauli schimpf und ernst 77 a b mit Sâmr = Lappe in der Nialss. cap. 71 und den hundenamen Goth Goz mit dem alten volksnamen (s. Michel hist. des races maudites 1, 355. GDS. 454) zusammenzubringen, eher darf dies mit der nach Weinhold in Schlesien gewöhnlichen schäferhundebezeichnung Sachs geschehen. vgl. böhm. Bodrok  = Obodrite. König Arthurs hund hieß Cabul . Nennius s. 78. Cipriân ist hundename MsH. 3, 305 a . . , welcher es ohne dazwischentritt der christlichen lehre zerrüttet und aufgelöst haben würde. ich vergleiche das heidenthum einer seltsamen pflanze, deren farbige, duftende blüte wir mit verwunderung betrachten, das christenthum der weite strecken einnehmenden aussaat des nährenden getraides. Auch den Heiden keimte der wahre gott, der den Christen zur frucht erwuchs. In jener zeit, wo das christenthum vorzudringen begann, mag mehrern Heiden der gedanke, den die bekehrer auf alle weise zu hintertreiben suchten, nah gelegen haben, die neue lehre mit ihrem alten glauben zu vereinbaren, ja beide zu verschmelzen. Von Nordmännern sowol als von Angelsachsen wird berichtet, daß einzelne an Christus und heidnische götter zugleich glaubten , oder mindestens in einzelnen fällen die letztern anzurufen fortfuhren, 7 wo sie ihnen früher hilfreich gewesen waren. So mögen noch spät von den Christen die alten götter bei zaubereien und besprechungen genannt und zugezogen worden sein. Landnâmabôk 3, 12 meldet von Helgi: hann trûđi â Krist, en þô het hann â Thôr til sæfara ok harđræđa ok alls þess, er honum þôtti mestu varđa. daher auch die dichter heidnische epitheta auf Christus übertrugen. Beda 1, 15 erzählt von Reduald, einem ostanglischen könige im beginn des 7. jh., rediens domum ab uxore sua a quibusdam perversis doctoribus seductus est atque a sinceritate fidei depravatus habuit posteriora pejora prioribus, ita ut in morem antiquorum Samaritanorum et Christo servire videretur et diis, quibus antea serviebat, atque in eodem fano et altare haberet ad sacrificium Christi et arulam ad victimas daemoniorum Nachtrag: Christus und die alten götter werden vielfach zugleich verehrt . die leute ließen sich taufen und glaubten an Christ en hêto â Thôr til allra stôrraeđa (kl. schr. 5, 93). Widukind (Pertz 5, 462) berichtet ad a. 965 von einer altercatio super cultura deorum in convivio. Danis affirmantibus Christum quidem esse deum , sed alios ei fore majores deos , qui potiora mortalibus signa et prodigia per se ostentabant. Athelbert, König von Kent, ließ heidnische götzenbilder neben christlichen altären stehn. vgl. Lappenberg engl. gesch. 1, 140. auch die bekehrten Slaven hiengen noch am alten aberglauben. so erzählt Dietmar (Pertz 5, 735) vom heiligen see Glomuzi: ›hunc omnis incola plus quam ecclesias veneratur et timet‹ und ein götzenpriester in Stettin schlug vor, neben den alten göttern dem gott der Christen einen altar zu errichten, um beider gunst zu gewinnen. s. Giesebrecht wend. gesch. 2, 301. . Daraus erklären sich auch die rücktritte zum heidenthum. Die geschichte der heidnischen lehren und vorstellungen wird sich je leichter schreiben lassen, je länger einzelne volksstämme von der bekehrung ausgeschlossen blieben. unsere vertrautere bekanntschaft mit der griechischen und römischen religion gründet sich auf quellen, die schon vor dem entstehen des christenthums entsprungen waren; desto geringere kunde wohnt uns aber oft bei von der veränderten gestalt, welche die ältere lehre unter dem gemeinen volk in Griechenland und Italien während den ersten jahrhunderten unserer zeitrechnung angenommen hatte. In den altceltischen glauben hat die forschung doch noch tiefer einzudringen, als bisher geschehn ist, es darf nicht vermieden werden celtische denkmale und gebräuche auf dem später deutschen boden zu erkennen und zu untersuchen, Leos wichtige entdeckung über das verhältnis der malbergischen glosse kann weit greifen. Viel genauer würde uns die religion der Slaven und Litthauer bekannt sein, hätten diese völker in den jahrhunderten, die zunächst auf ihre bekehrung folgten, erinnerungen an ihr alterthum besser gesichert; gleichwol ist manches einzelne nur noch ungesammelt und die fortlebende überlieferung gewährt hier in manchen gegenden reichhaltigen stof. Etwas mehr bescheid weiß man um die finnische mythologie. Deutschland befindet sich in einer besonderen nicht ungünstigen mitte. Während der übertritt Galliens und Slavenlands überhaupt doch im verlauf einiger jahrhunderte entschieden und abgethan wurde, sind die deutschen stämme ganz stufenweise und langsam vom vierten bis zum eilften jh. dem glauben ihrer vorfahren abtrünnig geworden. ihre sprachdenkmäler haben sich reichlicher und aus den verschiedenen zeiten erhalten. außerdem besitzen wir in den werken römischer schriftsteller, zumal des Tacitus, zwar beschränkte und ausländische, immer aber sehr bedeutende, ja unschätzbare nachrichten über die ältere, ungestörte zeit des deutschen heidenthums. Die religion der zuerst bekehrten ost- und süddeutschen stämme ist uns dunkler als die der Sachsen Nachtrag: Die längere fortdauer des heidenthums, insbesondere des Wodandienstes bei den Sachsen ist noch erkennbar aus der sage vom wilden heer, manchen flüchen und dem namen des mittwochs. hier haftete auch fester die sitte des notfeuers. noch im Lohengrin s. 150 wird der unglaube der wilden Sachsen getadelt. ; wiederum wissen 8 wir von den Sachsen ungleich weniger als von den Scandinaven. Welche ganz andere einsicht in den gehalt und in das material der unterdrückten lehre besäßen wir, wie sehr wachsen würde die deutlichkeit der vorstellung, die wir uns davon zu bilden vermögen, wenn ein geistlicher zu Fulda, Regensburg, Reichenau, S. Gallen, oder zu Bremen, Corvei und Magdeburg im achten, neunten, zehnten jh. darauf verfallen wäre, die noch vorräthige tradition des volks von dem glauben und aberglauben der vorfahren, in der weise des Saxo grammaticus, zu sammeln und aufzustellen. man sage nicht, damals schon sei nichts mehr zu haben gewesen; einzelne spuren legen dar, daß solche erinnerungen wirklich noch nicht ausgestorben sein konnten wurde doch im zehnten jh. auch die heldensage von Walther und Hildegund zu S. Gallen lateinisch gedichtet, und ein überrest heidnischer dichtung wahrscheinlich zu Merseburg deutlich niedergeschrieben. . Und wer zeigt uns in Schweden, das länger und treuer am heidenthum haftete, eine aufzeichnung, wie sie in Dänemark während dem zwölften jh. wirklich erfolgte? würden ohne das die zweifler nicht sie in Schweden für unmöglich erklären? in der that, Saxos acht erste bücher sind mit das erwünschteste denkmal der nordischen mythologie, nicht allein ihres gehalts wegen, sondern weil sie zeigen, in welches veränderte licht unter den neuen Christen der alte volksglaube gestellt werden muste. hervor hebe ich, daß Saxo wichtiger götter ganz geschweigt; um so weniger darf aus der nichterwähnung vieler gottheiten in weit dürftigeren schriften des inneren Deutschlands gefolgert werden, daß sie hier immer fremd gewesen seien. Außer diesem Saxo hat sich nun aber die reinere quelle altnordischer religion in dem abgelegensten ende des Nordens, wohin sie, gleichsam zu vollständigerer sicherung, geflüchtet war, auf Island geborgen. Nicht bloß in den beiden edden, auch in einer menge vielgestaltiger sagen, die ohne jene rettende auswanderung wahrscheinlich in Norwegen, Schweden und Dänemark untergegangen wären. Die echtheit der nordischen mythologie anfechten wäre eben so viel als die echtheit oder selbständigkeit der nordischen sprache in zweifel ziehen. daß sie uns in reinerer und getrübter auffassung, in älteren und jüngeren quellen überliefert worden ist, erleichtert eben, sie desto vielseitiger und historischer kennen zu lernen. Ebensowenig läßt sich gemeinschaft und nahe berührung der nordischen mythologie mit der übrigen deutschen verkennen. ich habe unternommen alles, was von dem deutschen heidenthum jetzt noch zu wissen ist, und zwar mit ausschließung des vollständigen systems der nordischen mythologie selbst, zu sammeln und darzustellen. Durch diese einschränkung hoffe ich licht und raum zu gewinnen und den blick zu schärfen für die critik des altdeutschen glaubens, insofern er dem nordischen entgegen oder zur seite steht; nur da wird es uns also auf den letzteren ankommen, wo er 9 seinem inhalt oder seiner richtung nach mit dem des inneren Deutschlands zusammentrift. Alter, ursprünglichkeit und zusammenhang der deutschen und nordischen mythologie beruhen 1. auf der nie verkannten ganz nahen verwandtschaft der sprache beider stämme, so wie der jetzt auch unwiderleglich dargethanen einerleiheit der formen ihrer ältesten poesie. unmöglich können völker, die eine aus gleichem grund und boden entsprossene sprache redeten, deren lieder die eigenthümlichkeit der den nachbarn fremden oder völlig anders gestalteten alliteration an sich trugen, in ihrem götterglauben bedeutend von einander gewichen sein. die alliteration scheint zuerst in Hochdeutschland, dann auch in Sachsen, gerade darum dem christlichen reim zu erliegen, weil sie in heidnischen damals noch nicht verhallten gesängen geherscht hatte. Jener urverwandtschaft unbeschadet, haben sich deutsche und nordische mundart und dichtkunst allerdings in manchem besonders gestaltet und ausgebildet; unglaublich aber schiene, daß der eine stamm götter, der andere keine gehabt haben sollte, oder daß die hauptgottheiten beider eigentlich von einander verschieden gewesen wären. Sicher fanden merkbare unterschiede statt, allein nicht anders als in der sprache, und wie der gothischen, angelsächsischen, althochdeutschen mundart eigenthümliche vorzüge vor der altnordischen zustanden, wird auch an manchen stellen der glaube des innern Deutschlands auf auszeichnung und besonderheit anspruch haben. 2. auf der nachweislichen gemeinschaft vieler ausdrücke des cultus durch alle deutschen sprachen. vermögen wir bei Gothen des vierten jh., Alamannen des achten ein wort in der form und bedeutung aufzuzeigen, die es genau noch in der nordischen quelle des 12. oder 13. jh. behauptet, so wird dadurch die verwandtschaft der deutschen lehre mit der nordischen, und das alter der letzten gerechtfertigt. 3. auf der hin und wieder durchbrechenden identität mythischer begriffe und benennungen: so gewährt die einstimmung des ahd. muspilli, alts. mudspelli mit dem eddischen muspell, des ahd. itis, ags. ides mit dem eddischen dîs, oder des ags. brosinga mene mit dem eddischen brîsînga men vollkommen schlagende zeugnisse. 4. auf der ganz ähnlichen weise wie sich hier und dort der mythus an die heldensage zu knüpfen pflegt; weil gothische, fränkische, nordische genealogien in einander greifen, läßt sich auch berührung im hintergrund stehender verhüllter mythen schwerlich ablehnen. 5. auf der eingetretenen mischung des mythischen elements mit namen von pflanzen und gestirnen. das ist eine unvertilgte spur des uralten, innigen bandes zwischen gottesdienst und natur. 10 6. auf der allmälich erfolgten verwandlung der götter in teufel, der weisen frauen in hexen, des gottesdienstes in abergläubische gebräuche. zuletzt flüchten sich die götternamen in verdunkelte ausrufungen, schwüre, flüche, betheuerungen vgl. donner! hammer! serb. lele! lado! lat. pol, aedepol! me hercle! me castor! mediusfidius! u. s. w. . Eine gewisse analogie damit hat die übertragung der heidnischen mythe von göttinnen und göttern auf Maria und heilige, von elben auf engel. Heidnische feste und gebräuche wurden in christliche umgewandelt, für kirchen und gerichtsplätze zuweilen die stätten beibehalten, welche schon das heidenthum geweiht hatte. der catholische volksglaube, zumal in der verehrung der heiligen, hat nicht wenige, oft anmuthige und liebliche überreste des heidenthums. Nachtrag: Wo quellencultus war, zog die kirche das caput aquae in ihren bereich. Rudorff 15, 226. 227. wenn in einem segen Maria zu Christus ruft: ›zeuch ab dein wat und deck es dem armen man über die sat‹. Mone anz. 6, 473, so wird hier ein heidnischer gott angerufen, den acker gegen hagel zu schützen. ganz heidnisch klingt auch das kinderlied: liebe frau, machs türl auf, laß den regen nein, laß raus den sonnenschein. Schmeller 2, 196. stellen im feld, die man nicht anbauen darf, weisen auf heiligkeit im heidenthum vgl. gudemans croft in Schottland, die Tothills in England. Hones yearb. 873. 874. zu den anm. 42 erwähnten aus götternamen verdunkelten schwüren und flüchen füge man noch ὦ Δάματερ! als ausruf des staunens und das armor. tan feuer! Villemarqué barzaz breiz 1, 76. vgl. Pott 1, LVII. 7. auf dem deutlichen niederschlag der göttermythen in einzelne, heut zu tage noch lebendige volkssagen und kindermärchen, spiele, sprüche, flüche, unverstandene tag- und monatsnamen und redensarten. 8. auf dem unleugbaren ineinandergreifen der alten götterlehre und rechtsverfassung, da sich die letztere auch nach der annahme des neuen glaubens einzelne bräuche und gewohnheiten nicht entreißen ließ. Nachtrag: Zu diesen alten in die verfassung zurückgreifenden bräuchen, dem Hildesheimer und Halberstädter götzenwerfen am lätaretage (s.  158 . 653 ), gehört auch folgender Paderborner: ›im domhof zu Paderborn, da wo den götze Jodute soll gestanden haben, wurde bis ins 16. jh. der tag dominica laetare etwas einem bilde gleich auf eine stange gesteckt, und von den vornehmsten des landes darnach mit prügeln geworfen, bis es nieder zur erde fiel. das uralte adliche geschlecht der Stapel hatte den ersten wurf und rechnete es sich zu einer besonderen ehre und erblichkeit an. war das bild abgeworfen, so trieben die kinder spott und spiel damit, und die adlichen feierten ein gastmal. nach dem erlöschen der Stapel unterblieb der alte brauch‹. fortsetz. v. Martin Klockners Paderborn. chron. das geschlecht der Stapel gehörte zu den vier seulen des Paderborner domstifts. der letzte Stapel starb 1545 s. Erhards und Gehrkens zeitschr. f. vaterl. gesch. 7, 379. 380. man darf auch das durchsägen der alten, das hälen des teufels, das todaustragen (s.  652 ), das jährliche zerbrechen eines hölzernen teufelsbildes und das riding the black lad vergleichen in Hones yearb. 1108. daybook 2, 467. Unumgänglich scheint es, bei erörterung dieser mannigfalten verhältnisse die mythologie benachbarter völker, vorzüglich der Celten, Slaven, Litthauer und Finnen, wo sie bestätigung und erläuterung gewähren, nicht zu übersehen. dieses weiter gesteckte ziel hat schon seinen grund und vollgültige entschuldigung in der mehrfach einwirkenden berührung der sprachen dieser völkerschaften mit der deutschen, namentlich der celtischen mit der alten fränkischen, der finnischen und litthauischen mit der gothischen, der slavischen mit der hochdeutschen. Dann aber sind göttersage und aberglaube gerade dieser völker besonders geeignet uns über den gang zu verständigen, den das einheimische heidenthum in seinem bestehen und verfall genommen hat. Vor der verirrung, die so häufig dem studium der nordischen und griechischen mythologie eintrag gethan hat, ich meine die sucht, über halbaufgedeckte historische daten philosophische oder astronomische deutungen zu ergießen, schützt mich schon die unvollständigkeit und der lose zusammenhang des rettbaren. ich gehe darauf aus getreu und einfach zu sammeln, was die frühe verwilderung der völker selbst, dann der hohn und die scheu der Christen von dem heidenthum übrig gelassen haben, und mitarbeiter zu gewinnen für das langsame herbeischaffen eines festeren vorraths, ohne den keine übersicht des gehalts und werths unserer mythologie zu erlangen sein wird. Nachtrag: Der einleitung müsste ein allgemeines capitel über inhalt und wesen der mythologie folgen, in das manches aus den capiteln XIV und XV zu bringen wäre, nämlich die auseinandersetzung, wie götter menschen und umgekehrt menschen götter werden. 11 Cap. II. Gott. In allen deutschen zungen von jeher ist das höchste wesen einstimmig mit dem allgemeinen namen Gott benannt worden. die formen lauten goth guþ , ags. alts. altfries. god , ahd. cot , altn. gođ , schwed. dän. gud , mhd. got , mnd. god , und hierbei ist noch einiges grammatische anzumerken. nemlich obgleich alle dialecte (auch der nordische) diesen ausdruck männlich gebrauchen (weshalb ahd. der acc. sg. cotan ; ein mhd. goten kenne ich nicht), so entbehrt der goth. und altn. nom. sg. des kennzeichens und der goth. gen. sg. wird ohne i gebildet guþs , worin er mit den genitiven mans, fadrs, brôþrs zusammentrift. analog den ahd. genitiven man, fatar, pruodar hätte man den gen. cot zu erwarten, ich bezweifle ihn nicht, bin ihm aber noch nirgend begegnet, nur dem gewöhnlichen cotes, wie auch mannes und fateres erscheinen. wahrscheinlicher ist, daß des namens heiligkeit die alte, unangetastete form sicherte, als daß der häufige gebrauch sie abschlif. ein gleicher grund erhielt selbst die ahd. schreibung cot (gramm. 1, 180) und die mnl. god (1, 486), vielleicht den lat. vocativ deus (1, 1071) Saxo flectiert Thor nicht. Uhland s. 198. . Auch schlagen gott und die namen anderer göttlicher wesen allen artikel aus (4, 383. 394. 404. 424. 432), ihre besonderheit steht zu fest, als daß sie eines solchen hervorhebens bedürfte. das fürwort der vor got MS. 2, 260a. gilt von einem heidnischen. Ueber die wurzelhafte bedeutung des wortes gott sind wir noch nicht genug aufgeklärt zum slav. bog vergleicht man das sanskr. bhâga felicitas, bhakta devotus und bhadsh colere, auch wol das dunkle bahts im goth. andbahts minister, cultor? vgl. hernach s.  17 die anmerkung über bogat dives. Von ϑεός deus wird cap.  IX noch zu reden sein. ; daß das adj. gut, goth. gôds, altn. gôđr, ags. gôd, ahd. cuot, mhd. guot abliegt, lehrt die verschiedenheit des vocals, es müste erst eine vermittlung der ablaute gida, gad und gada, gôd dargethan werden, wie sie in einigen andern fällen statt findet, denn freilich heißt gott der gute und gütige οὐδεὶς ἀγαϑὸς εἰ μὴ εἷς ὁ ϑεός Marc. 10, 18. Luc. 18, 19, was goth. ausgedrückt wird: ni hvashun þiuþeigs alja ains guþ, aber ags. nis nân man gôd buton god âna. gott ist geber des höchsten gutes und selbst das höchste gut, summum bonum. so nennt ihn auch Plato τὸ ἀγαϑόν. . Noch weniger berührt sich mit gott der volksname der Gothen, die sich selbst Gutans (ahd. Kuzun, altn. Gotar) nannten, und von den altn. Gautar (ags. Geátas, ahd. Kôzâ goth. Gautôs?) unterschieden werden müssen. 12 Zu gott hat man längst das pers. khodâ (Bopp vrgl. gramm. s. 35) gehalten. wenn dieses, wie aufgestellt worden ist, durch eine starke verkürzung aus dem zendischen qvadâta (a se datus, increatus, sanskr. svadâta) vgl. Dêvadatta Θεόδοτος, Mitradatta = Ἡλιόδοτος, Srîdatta hervorgieng, so wäre unser deutsches wort ursprünglich zusammensetzung und von treffendem sinn, wie denn auch die Serben gott als samozazdani boshe, selbsterschaffner gott! anreden. Vuk 741. In ahd. eigennamen nimmt cot vielmal die erste stelle ein: Cotadio, Cotascalh, Cotafrit, Cotahram, Cotakisal, Cotaperaht, Cotalint, ohne daß sich daraus irgend etwas für die bedeutung folgern ließe; sie sind gebildet, wie Irmandio, Hiltiscalh, Sikufrit, und können sich sowol auf den allgemeinen begrif des göttlichen wesens als auf einen mehr besonderen beziehen. Steht cot an zweiter stelle, so kann durch das compositum nur ein gott, nicht mensch ausgedrückt werden, so in Irmincot, Hellicot. Ulfilas pflegt in der ableitung das TH mit D zu vertauschen, woraus sich die ahd. tenuis erklärt: es heißt gudafaúrhts Luc. 2, 25. gagudei Tit. 1, 1, während der dat. sg. beständig guþa lautet. auf gleiche weise wird, wenn von mehrern göttern, also von abgöttern nach christlicher ansicht, die rede ist, das neutral gebrauchte guda Joh. 10, 34. 35 geschrieben. Die Angelsachsen bilden von god den neutralen pl. godu , sobald abgötter gemeint sind (cod. exon. 250, 2. 254, 9. 278, 16). Nicht anders ist die ahd. und mhd zusammensetzung apcot, aptcot meist neutral und hat den pl. apcotir; ob das mhd. der aptgot Geo. 3254. 3302 richtig sei, steht dahin, nhd. hat man angefangen, abgott überall männlich zu gebrauchen, doch unser heutiger pl. götter , da es nur einen wahren gibt, fordert selbst die ursprüngliche neutralform zur erklärung, und der ahd. pl. cotâ, mhd. gote enthalten insofern einen widerspruch. bei Ulf. ist afguds kein subst., sondern adj. und bedeutet impius Sk. 44, 22; afgudei impietas. Rom. 11, 26; εἴδωλα verdeutscht er durch galiuga (d. i. figmenta) 1 Cor. 5, 10. 10, 20. 28 oder galiugaguda 1 Cor. 10, 20 und εἰδωλεῖον durch galiugê staþs 1 Gor. 8, 10. Einen andern nhd. ausdruck götze habe ich gramm. 3, 694 besprochen; Luther schreibt 5 Mos. 12, 3 ›die götzen ihrer götter ‹ nimmt also götze für idolum. bei Er. Alberus fab. 23 ist der götz ein halbgott. schriftsteller des 16. 17 jh. gebrauchen ölgötze für bildseule (nach Stieler von bildlicher vorstellung der auf dem ölberg schlafenden apostel). Hans Sachs häufig ›den ölgötzen tragen‹ für: im haus schweren dienst thun. I. 5, 418 d 528 d . III. 3, 24 a 49 d . IV. 3, 37 b 99 a . Das ahd. coz, simpuvium Numae (Juvenal. 6 , 343), das Graff 4, 154 mit götze vergleicht, war ein gefäß und gehört zu giozan, fundere. Nachtrag: Gott ist ein eigenthümlich germanischer ausdruck. Guitecl. 1, 31: terre ou lon claime dieu got . über göttin s. anfang des XIII.  cap. diu gotheit findet sich schon fundgr. 2, 91. gott wird nicht selten in den venetianischen Alpen der got mit dem artikel genannt. Schmellers cimbr. wb. 125. Kommt das ital. iddio von il dio, wogegen iddia göttin spräche, oder ist es verkürzt aus domen eddio , das wie das altfrz. domnedeu, damledeu, damredeu aus dem lat. voc. domine deus stammt? vgl. Diez altrom. sprachdenkm. s. 62. Gott hängt mit guot nicht zusammen, obgleich diese beiden wörter auch ahd. schon zusammengestellt sind. jedoch vgl. die vorr. zu Ernst Schulzes goth. glossar s. XVIII. got unde guot plurivoca sint. taz mit kote wirt, taz wirt mit kuote N. Boeth. 172. Fast ebenso dunkel wie die wurzelhafte bedeutung des wortes gott, ist die des slav. bog, wozu man auch skr. b‛agas sonne hält. Höfers zeitschr. 1, 150. in der altpersischen keilschrift 4, 61 kommt bagâha dei vor vom stamme baga Bopp vgl. gramm. 452 und skr. bhagavat heißt adorandus. Hesychius hat βαγαῖος Ζεὺς φρύγιος. vgl. Spiegel keilinschr. s. 210. Windischmann s. 19. 20. Bopp vergl. gramm. s. 452. 581. Miklosich s. 3. böhm. bůže, božatko, poln. bozę, bozątko gottchen, kleiner, junger gott, auch genius und schoßkind des glücks. böhm. bůzek, poln. božek götze. Neben guda Joh. 10, 34. 35 kommt guþa Gal. 4, 9 numina vor. D für Þ in der ableitung bezeugen auch noch die wörter afgudei impietas, gudalaus impius, gudisks divinus. neutral ist daz apgot Mos. 33, 19. abgote sibeniu Ksrchr. 65. appitgot myst. 1, 229. neben dem neutr. abcotir appetgöte: kröte troj. kr. 27273 und abgote Maria 149, 42. männlich ist das wort auch in Kristes büchelîn a. 1278 (cod. giss. no. 876) ›bette an den appitgot ‹. abgotgobide Haupt 5, 458 steht für abgotgiuobida. im goth. ausdruck þô galiugaguda 1. Cor. 10, 19. 20 für εἴδωλα, wo der griechische text keinen artikel hat, kann man einen hinblick auf gothische mythologie verspüren vgl. Löbe gloss. 76 b . altnordisch ist gođ nicht immer nur idolum, sondern auch numen z. b. gođ öll omnia numina Sæm. 67 b . siti Hâkon međ heiđin gođ: Hakonarm. 21. gauđ , sonst latratus, ist ein verächtlicher ausdruck für ein numen ethnicorum, wozu man das von Freya ( anm. 36 ) ausgesagte geyja bellen halten mag. Das nhd. götze kommt schon in den fastn. sp. 1181. 1332 vor, wo von den geschnitzten ›goezen‹ des malers zu Würzburg die rede ist. götzenbilder sind aus holz und werden gespalten und verbrannt fornm. sög. 2, 163. v. d. Hagen narrenbuch s. 314. Platers leben s. 37. so verbrennt Diagoras seinen hölzernen Hercules (Melander jocos. s. 329. 330) und kocht damit. vgl. anm. 292 . ölgötz wird von Agricola no. 186 als ›ein stock und ein holtz, das geferbt, ölgetrenckt ist‹, gedeutet, ndrd. oligötze; es könnte aber auch irdene lampe oder gefäß mit dem bild eines götzen sein. Pröhle XXXVI. in Thüringen wird ein gebäck ölgötze genannt. Die altn. sprache unterscheidet das neutr. gođ (idolum) von dem masc. guđ (deus). Snorri 119 sagt von Sif: it hârfagra gođ, ich weiß nicht, ob ein heide es gesagt haben würde. 13 Unser volk, aus scheu den namen gottes zu entweihen, nimmt damit in flüchen und ausrufen eine veränderung vor solche scheu kann zwiefachen grund haben: der heilige name soll nicht misbraucht, der unheilige, furchtbare z. b. des teufels durch verunstaltung gemildert werden, vgl. cap. XXXIII . wie das volk gefürchtete thiere anders benennt, sagt es statt Donner lieber donnerwetter (dän. tordenveir, donnerstag), donnerwettstein (wetterstein oder wetzstein?), donnerkeil, donnerwäsche, dummer. fornm. sög. 10, 283 steht Oddiner f. Ođinn, vielleicht wurde Wuotansheer absichtlich verändert in Mutesheer; auch Fâlant f. Phol ist zu erwägen. : potz wetter! potz tausend! oder kotz tausend! kotz wunder! statt gottes ; ich kann diesen gebrauch nicht auf die alte sprache zurückführen. Aelter scheint die ähnliche wandlung des franz. dieu in bieu, bleu, guieu sangbieu (sang de dieu), corbieu (corps de dieu), vertubleu (vertu de dieu), morbleu (mort de dieu), parbleu (par dieu), vertuguieu, vertugoi (vertu de dieu), morguoi (mort de dieu), und andere dergleichen. schon Renart 18177 por la char bieu. auch altengl. cocks bones f. gods bones und ähnliches, vgl. Weber metr. rom. 3, 284. . Nachtrag: An die aus gottes namen entstellten flüche reihen sich noch: gots hingender gans! Geo. von Ehingen s. 9. potz verden angstiger schwininer wunden! Manuel fastn. sp. 81. Er. Alberus gebraucht › bocks angst‹, wie H. Sachs › boiz angst‹. ist potz, botz aus bocks entstanden? (s.  831 ). ähnliche französische wandlungen des franz. dieu verzeichnet Raynouard s. v. deus. vgl. culbieu Méon 4, 462 und das ital. sapristi f. sacristi. Einige auffallende anwendungen des wortes gott in der älteren und in der volksprache können noch mit heidnischen vorstellungen zusammenhängen. So wird gott gleichsam zur verstärkung des persönlichen pronomens beigefügt Nachtrag: Einige auffallende anwendungen des wortes gott können noch mit heidnischen vorstellungen zusammenhängen. die verbindung des pron. poss. mit gott erinnert an die schutzgeister des einzelnen menschen (s.  729 ). die noch heute gangbaren ausdrücke: ich danke meinem gott, du kannst deinem gott danken, er lobte seinen gott, wir können unserm gotte nicht genug danken, du mein gott! Gotthelf erzähl. 1, 167 werden schon früher gebraucht. hevet ghesworen bi sinen gode . Reinaert 526. ganc dînem gote bevolen. Mor. 3740. er lobte sînen got . Greg. 2652. durch meinen gott . Ecke (Hagen) 48. saget iuwem gote lop. Eilh. 2714. daz in mîn trehtîn lône. Kolocz. 186. gesegen dich got mîn trechtin . Ls. 3, 10. je le feré en mondieu croire. Renart 3553. 28465. Méon 2, 388. son deable . Ren. 278. 390. röm. Junonem meam iratam habeam. Hartung beim genius. Das dem interrog. bisweilen vorangesetzte gotgeb, gotweiß gramm. 3, 74 stellt gleichsam die bestimmung des ungewissen der höchsten hand anheim, vgl. wëre got, gott behüte gramm. 3, 243. 244. got sich des wol versinnen kann Parz. 369, 3. vgl. scit cura deum. daz sol got niht enwellen Er. 6411. daz enwelle got von himele Nib. 2275, 1. nu ne welle got En. 67, 36. andere wünsche sind: sô sol daz got gebieten Nib. 2136, 4. hilf got! Parz. 121, 2. nu hilf mir, hilferîcher got! Parz. 122, 26. vgl. ita me deus adjuvet? ita me dii ament, amabunt. Terent. heautont. IV. 2, 8. 4, 1. got hüete dîn Parz. 124, 17. 132, 23. 144, 9. got halde iuch 138, 27. 145, 9. got lôn dir 156, 15. nu lôn iu got Nib. 1254, 1. got troeste iuch des vater mîn Parz 11, 2. got grüeze iuch Jw. 5997. vgl. fastn. sp. register s. 1584 b . die häufigen formeln: nu gesegen dich gott, nu grüße dich gott, mit denen besonders der wein angeredet wird. mhd. kommt oft vor: got sî z. b. der daz wende Er. 8350. nu sî got der in ner Er. 6900. dcr uns gelücke gebe. Hartm. erstes büchl. 1068. vgl. Ben. wb. z. Jw. s. 166. die treuherzige empfangsformel kann noch vielfach belegt werden: got willekomen unde mir . Ulr. Trist. 865. sît got und mir grôz wilkomen. Frauend. 651. 15. got und mir sît willekomen Dietr. drachenk. 39 b . wilekomen gote unde mir Engelh. 4290. sô sint mir willekomen gote Engelh. 725. so sît mirs gote willekomen Engelh. 419. sît gote und uns wilkommen MS. 2, 132 a sît gote willekomen unde mir Mai 76, 11. mnl. willecome sô moete wesen bede gode ende mi Karel 1170. wis willekomen mir gote Amur 2165. auch noch: meine herrn sind mir freundlich gott willkomen franz. Simpl. 1, 150. abweicht: sit mir in gote wilkomen! pass. 34, 92 in gote er unser bruodev ist. Barl. 197, 8. bruodur in gote . Pant. 1737. in gote wahsen. Barl. 328, 18. . im und den göten willekonren troj. kr. 23105. zuweilen steht das bloße gote: got willekume here von Berne Dietrich. drachenk. 60 a . ähnlich heißt es: willekomen mir und ouch der frouwen mîn MS. 1, 57 b . bien venuz mîner frouwen unde mir Parz. 76, 12. Das höchste wesen wird auch in andere formeln hereingezogen: dankent ir und gote Lanz. 4702. des danke ich dir unde gote Flore 5915. des danke ic gode ende u Lanc. 17581. danc hebbe god ende ghi Lanc. 14102. 17498. 21814. got und iu ze minnen Greg. 3819. nû lâz ich alle mîne dinc an godes genâde unde dîn Roth. 2252. ich fergihe got unde iu Grieshaber pred. 2, 71. durch gottes namen wird die versicherung des wissens oder nichtwissens, wollens oder nichtwollens erhöht, wodurch der abschnitt über die verstärkende negation gramm. 3, 726 bereichert werden kann. nein ich und got Ls. 2, 257 gleich dem heidnischen Oden och jag Geyer 1, 39. daz weiz ich wol unde got Turl. Wh. 118 a . got und mir ist am besten bekant. Ayrer fastn. 70 b . das wissen zwene: gott und ich . Fleming 469. ohne das fürwort heißt es: hvem vet min sorg utan gud! Arvidss. 2, 170. (›nec quispiam praeter se‹ sagt Saxo gramm. 146 in derselben sage). âne got mac niemen wizzen Flore 6050. andere näher oder ferner anklingende formeln sind: daz er sich noch got erkennet Walth. 30, 7. got und ouch die liute Greg. 271. got und reht diu riten dô in ze heile Trist. (Massm.) 176, 26. 177, 2. gott und der welt klagen sagt man noch heute. lieb haben mußte man sie, da half kein gott und kein teufel . Höfer Lovelei 234. weiter ab liegt: ich hân gesungen der vil lieben und der Minne Neifen 13, 37. frou Minne und ir, vil saelic wîp Neifen 20, 33. ich wil dir und deinem gaul zusaufen Garg. 240 b . . in mhd. gedichten liest man die treuherzige empfangsformel: gote unde mir willekomen. Trist. 504. Frîb. Trist. 497. gote sult ir willekomen sîn, iurem lande unde mir . Trist. 5186. got alrêst, dar nâch mir , west willekomen. Parz. 305, 27. wis willekomen mir u. got . Frauend. 128, 13. sît mir gote wilkomen. Eilh. Trist. 248. rehte got wilkomen mir . Dietr. 5200. nu sît ouch mir got wilkomen. Dietr. 5803. sît willekomen got und ouch mir . Dietr. 4619. nu wis mir got wilkomen. Oswalt 208. 406. 1163. 1268. 1393. 2189 das wegbleibende und zwischen beiden dativen alterthümlich, vgl. zeitschr. f. d. a. 2, 190. . du solt grôz willekomen sîn dem rîchen got unde mir . Lanz. 1082; wis mir unde auch got wilkomen. Ls. 1, 514. zuweilen steht bloß gote: diu naht sî gote willekomen. Iw. 7400, was in den anm. s. 413 erklärt wird: gott gelobt; es sagt nichts als: für die nacht sei gott. in Oberdeutschland hat sich diese begrüßung gottwilche, gottwillkem, gottikum, skolkuom! heute erhalten (Stald. 1, 467. Schm. 2, 84). ich finde sie nicht in romanischen gedichten, aber schon in dem sächsischlateinischen liede des 10 jh. auf Otto I und seinen bruder Heinrich; sîd wilicomo bêthiu goda ende mi! Das höchste wesen wird allgegenwärtig gedacht, und soll den eintretenden gast, wie der wirt selbst, in schutz nehmen, wie Slovenen dem anlangenden gast sagen: bog te vsprimi, gott empfange dich buge waz primi, gralva Venus! Frauend. 192, 20 vgl. 177, 14. , wir dem weggehenden: gott geleite, behüte, segne dich! das heißt einen gott empfehlen, befehlen, mhd. gote ergeben (Er. 3598). ich vergleiche 14 das dem ankömmling oder abreisenden zugerufne heil (heill ver þu! Sæm. 67 a 86 b b), wobei auch hilfreiche götter genannt werden: heill þu farir, heill þu âsyniom sêr! Sæm. 31 a . heill scaltu Agnarr, allz þic heilan biđr vera tŷr vera! Sæm. 40. Ebenso erhöht der name des allwissenden gottes die versicherung des wissens oder nichtwissens: daz weiz got unde ich. Trist. 4151. den schatz weiz nu nieman wan got unde mîn Nib. 2308, 3 hie hœrt uns anders nieman dan got unde diu waltvogellîn . Ecke 96. niemen bevinde daz wan er und ich und ein kleinez vogellîn , das mac wol getriuwe sîn. Walth. 40, 15. vögel belauschen die heimlichkeit der menschen. . dieser beruhigenden verbindung des ich mit gott steht entgegen die scheltende des du mit teufel ( cap. XXXIII ). auch hier reicht das bloße got hin: ingen vet min sorg utan gud . svenska visor 2, 7. Daß aber diese redensarten mit gutem fug schon auf die heidnische zeit zurückgeführt werden, lehrt folgende merkwürdige stelle aus fornald. sög. 1, 380: ek hugđa engan kunna nema mik ok Ođinn . an geheimnissen, die niemand wissen kann außer Ođinn und wem er sie ins ohr gesagt hat, offenbart sich alsbald seine göttlichkeit (Sæm. 38 a b , 95 b fornald. sög. 1, 487). Nicht ganz vergleichbar sind redensarten wie: daz geloube gote unde mir . Amis 989; iu unde gote von himele klage ich unser leit. Nib. 1889, 3. ik klage gode unde iu . richtsteig landr. 11. 16. 37; sanc die messe beide got u. in . Parz. 378, 25. Wh. 289, 5. neic si im unde gote Iw. 6013; auch altfranz. jel te pardoins de diu et de mi . Mones unters. 245. Zuweilen wird das böse wesen neben der gottheit genannt: got noch den tiuvel loben. Iw. 1273. in beschirmet der tiuvel noch got . Iw. 4635 d. h. gar niemand. Die gedichte des mittelalters legen gott menschliche leidenschaften bei; namentlich wird er oft in dem zustand des wohlbehagens und der freude Nachtrag: Gott erscheint menschlich. par les iaus dieu Ren. 505. vgl. Freyr lîtr eigi vinar augum til þin. fornm. s. 2, 74. par les pies quide diu tenir Méon fabl. 1, 351. im half diu gotes hant Nib. 1519, 3. wan dô got hiez werden ander wîp, dô geschuof er iuwern lîp selbe mit sîner hant Flore 2, 259. vgl. got selbe der hât mich ze diesem lantgesinde brâht Trist. 495. und: der hôhste fride (= gott) müez in noch wider an mînen arm geleiten! Wolfr. lied. 8, 8. die Finnen sprechen von gottes bart . gott trägt helm, vielleicht wenn er in wolken gehüllt ist vgl. helothhelm s.  383 . Grîmnir pileatus s.  121 und Mercurs hut. den gotes helm verbinden MsH. 3, 354 b . dazu die eigennamen Gotahelm Zeuss trad. wizemb. s. 76 wie Siguhelm, Friduhelm. wie nach Plato ein hirt, ist gott bei Wolfr. ein richter Parz. 10, 27. gott wacht, wie Mars vigilat Petron c. 77. vgl. Mars vigila, Hennil vigila (s.  625 ). er freut sich seiner schöpferkraft: got was in güetlicher zuht. Gerh. 2174. er schafft die menschen unmittelbar: got selbe worht ir süezen lîp Parz. 130, 23. und wird dadurch geehrt: ir schöenen lîbes hât got iemer êre MS. 1, 143 a . im glanze der mondnacht bildet er die schönheit: diex qui la fist en plaine lune . Dinaux trouvères artésiens s. 261. gott schaut, wählt, späht gnädig, freudig auf die erde herab: got kunde in selbe weln MsH. 2, 4 a daz sî (eos) got iemer schouwe! Jw. 794. ob got von himele wolde sehen von zwein kempfen einen strît, er möhte ir vehten beschouwet hân mit êren troj. kr. 34584. daz ez got selbe möhte sehen , ob er wolde aventiure spehen von sîner creatiure Frib. Trist. 1791. baz danne tûsent frouwen, der schoene mohte schouwen got ûz dem himelriche Dietr. 4280. dar wart ein wuof, daz ez vor got ze himel was genaeme Lohengr. 71. in wurde got noch diu werlt iemer holt . Dietr. drach. 119 a . auch altn. heißt es: Yggr var þeim lîđr (lenis, linde) Saem. 251 a . vgl. ›unus tibi hic dum propitius sit Juppiter, tu istos minutos deos flocci feceris‹ und die keilschrift 4, 74: Auramazdá thuvám dushta bija! Oromasdes tibi amicus fiat. und 4, 78 umgekehrt (s.  anm. 63 ). , dann aber auch in dem entgegengesetzten des zornes und der rache geschildert. jener begünstigt die erschaffung ausgezeichneter, glücklich gebildeter menschen. got was an einer süezen zuht , do'r Parzivâlen worhte. Parz. 148, 26. got der was vil senftes muotes , dô er geschuof sô reine ein wîp. MS. 1, 17 b got der was in fröiden , dô er dich als ebene maz. MS. 1, 22 b . got in großen freuden was, do er dich schuof (nämlich den wein) altd. bl. 1, 413. got der was in hôhem werde der goth. ausdruck für friede, ruhe ist gavairthi. , dô er geschuof die reinen fruht, wan ime was gar wol ze muote MS. 1, 24 b . got si zer werlde brâhte, dô ze freuden stuont sîn muot. Wigal. 9282. got der was vil wol gemuot , dô er schuof sô reinem wîbe tugent, wünne, schœne an lîbe. MS. 1, 201 a . got was gezierde milte , der si beide schuof nâch lobe. Troj. 19922. gott selb in rîchen freuden was, dô er ir lîp als ebene maz. misc. 2, 186. ich weiz daz got in fröiden was, dô er niht, frouwe, an dir vergaz waz man ze lobe sol schouwen. Ls. 1, 35. Auch ein troubadour singt: belha domna, de cor y entendia dieus, quan formet 15 vostre cors amoros. Rayn. 1, 117 dem schöpferischen, seines werkes frohen gott legen die mhd. dichter besonders fleiß und eifer bei: an den henden lac der gotes flîz. Parz. 88, 15. jach, er trüege den gottes flîz. Parz. 140, 5. got het sînen flîz gar ze wunsche wol an si geleit. Wigal. 4130. ich wæn got selbe worhte dich mit siner gotlicher hant. Wigal. 9723. zwâre got der hât geleit sîne kunst und sîne kraft, sînen vlîz und sîne meisterschaft an disen loblîchen lîp. Jw. 1685. bei Chrestien: ja la fist dex de sa main nue, por nature fere muser, tout le mont i porroit user, s'ele la voloit contrefere, que ja nen porroit a chief trere; no dex, s'il sen voloit pener, mi porroit, ce cuit, assener, que ja une telle feist, por peine que il i meist Nachtrag: Der fleiß gottes wird noch öfter gepriesen. gotes flîz lac an in. Wigam. 4895. ich waene got sînen vlîz an si hâte geleit von schoene und von saelekeit. Er. 338. daz ober (antlütze) ich geprüevet hân . . . dâ lag an gotes vlîz . Helbl. 1, 1105. vgl. Gerh. 1653. 1681. 3735. an si was gotes flîz geleit. Lanz. 4062. got selbe sînen fliz und sîn huote an si leite. Mar. 161, 12. vgl. Jupiter hât sînen vlîz an dich geleit. Parz. 749, 16. . . Eine gleichheidnische gesinnung ist es, welche gott neigung zuschreibt, menschliche schönheit zu beschauen, oder zu thun, was die menschen thun. got möhte selbe gerne sehen die selben jungfrouwen. fragm. 22 a . gott möht in (den spielman) gerne hœren in sînen himelkœren. Trist. 7649. den slac scolte got selbe haben gesehen . Rol. 198, 18; Karl 72 a got selbe möht ez gerne sehen . Trist. 6869; ein puneiz, daz in got selber möhte sehen . Frauend. 84, 16. gestrîten dazz d'engel möhten hœren in den niun kœren. Willeh. 230, 27; si möhte nâch betwingen mite eines engels gedanc, daz er vil lihte einen wanc durch si von himele tœte . Iw. 6500 (nachgeahmt von Ottocar 166 a ). ich weiz daz wol, daz sîn got nicht verdrüzze MS. 2, 127 a .; ir hâr gelîch dem golde als ez got wünschen solde MS. 2, 62 b ; sîn swert dat geinc an sîner hant, dat got selve vrâchde mêre , we der ritter wêre? dey engele muosten lachen, dat hey is sus kunde machen. Haupts zeitschr. 3, 24. diese zufriedenheit der geleitenden schutzengel ( cap. XXVIII ) oder walküren muß zum lachen der geister ( cap. XXXI ) gehalten werden. in Hartmanns Erec; als Enitens weiße hände ein pferd besorgten (begiengen), heißt es 355: und wære, daz got hien erde rite , ich wæn, in genuocte da mite, ob er solhen marstaller hœte . Diesen begrif des theilnehmenden frohen, holden gottes drückt zumal das subst. huldi aus, altn. hylli : Ođins hylli . Sæm. 47 a . Ullar hylli ok allra gođa. Sæm. 45 b . Von dem gegensatz der uralten sinnlichen vorstellung des zürnenden, rächenden gottes Nachtrag: Gott empfindet zorn und rache. sowie Cic. leg. 2, 9 spricht von placare donis iram deorum, sagt Tac. Germ. c. 9 von deutschen göttern: Herculem ac Martem placant . Freyr lîtr eigi vinar augum til þîn. fornm. s. 2, 74 vgl. ôreidom augom lita Saem. 194 a . hefir hun fengit gođa reiđi . Völs. cap. 29. haf fyrir guđ drottins reiđi! Thidr. cap. 109. gremi Ođins Saem. 151 a . gođa gremi . Egilss. 382. die götter zürnen über die neuen bräuche. Laxdæla s. 168. so auch mhd: der grimme zorn gotis. Ludw. der heilige (Rückert 68). der gotes zorn . Rol. 2, 33. den gotes zorn lîden. Wigal. 5857. über mich gêt der gotes zorn . Tundal. 43, 73. die heiligen stillen gottes zorn (vorr. XXIX). daz iu got ist gram pass. 359, 7. got mir ein teil was ze gram . Flore 2293. dem wirt got und diu werlt gram . Renn. 716. got hât durch râche an mich geleit ein sus gewante siecheit. a. Heinr. 409. diu chetten der gotes râche hât mich starche gebunden. tôdes gehugde 658. unser gote sint sô guot, daz si dînen tumben muot niht râchen mit einer donrestrâle. Barl. 207, 13. godes yrre bär d. h. er war gott verhaßt. Beov. 1427. dulten gotes haz . Haupt zeitschr. 1, 84. der tiufel vuor in gotis haz . Ksrchr. 6093. fuor in gotes haz . Margareta 547. dû bist gevarn in gotes haz . En. 8984. nu var dû in gotis haz . Ksrchr. 13365. als beiname in Othelricus godes haz a. 1075 (Pertz 7, 349). › got haz den lesten!‹ sprâchen die dâ vluhen hin. Ottoc. 76 a . sô in got iemer hazze MsH. 3, 195 b . ähnlich: liubera denne truhtinis haz . Hattemer 1, 415 a . allir heiligen haz . Kaiserchr. 12895. strîchen der sunnen haz . Maßm. Erad. 951. aber auch: si huoben sich in gotes segen . Livl. reimchr. 6817. andrerseits: daz in got gehoene . Lanz. 3862. nu ist der gotes vluoch volleclîch an uns ergân. Livl. reimchr. 1139. que deus maudie . Ren. 645. 1656. 3032. gott schlägt: er bat daz got sînen slac über in vil schiere slüege . Turl. krone 92 vgl. ϑεοβλαβής. Herod. 1, 127. schwere krankheit heißt der gotes slac , wie nach N. Boeth. aus der ira dei intemperies und morbi erfolgen. got sol disen vellen . Jw. 4960. got velle si beide! Jw. 6752. daz in got velle! Er. 3774. got müeze iuch vellen! Parz. 3774. ich wil daz mich got velle und mir schende den lîp. Flore 1314. vgl. auf dem hergotts boden . Garg. 158 b . fort mit dir zu gottes boden . Weise comödienprobe s. 39. wider gottes boden . böse weiber s. 95. que deus cravent! Trist 2756. diex la puist cradieu, trai t'espée de ton fuerre s'es porfen tox jusventer! Berte 31. got si schende! MsH. 3, 187 a . got rechez über sîn kragen! Ottoc. 352 a . so muoze mig got wuorgen . Karlm. 368. ques entrailles! Méon 1, 310. nû brennet mich der gotes zan in dem fiur. tôdes gehugde 679. gott kehrt den falschen den rücken zu: diex meisme s'en destorne nes puet voir, le dox lor torne. Méon. 1, 310. sô entwîche mir got! Flore 5277. des muoz dir got entwîchen ! ds. 2, 520. got ist an mir verzaget. Parz. 10, 30. ist got an sîner helfe blint , oder ist er dran betoubet . Parz. 10, 20. die göte gar entsliefen . Albr. Tit. 2924. Man halte noch dazu den serb. stari krunik den alten blutvergießer (s.  18 ). ἦ σε περὶ Ζεὺς ἀνϑρώπων ἤχϑηρε. Od. 19, 364. Auramazdá tya jhatá bija! Oromasdes ibi infensus fiat! keilschr. 4, 78 ( anm. 59 ). Krischna heißt hominum vexator . Bopp. gloss. 135 a . soll im verfolg das wichtigste beispiel bei dem donner ( cap. VIII ) abgehandelt werden piacula irae deûm . Liv. 22, 9. deos iratos habeam! dii immortales hominibus irasci et succensere consueverunt. Cic. pro Rosc. Am. 16, und Tacitus gerade bei Germanen: propitiine an irati dii. Germ. 5. ira dei . hist. 4, 26. infensi Batavis dii. hist 5, 25. Im mittelalter: tu odium dei omniumque sanctorum habeas! vita Meinwerci cap. 13 § 95. crebrescentibus jam jamque cottidie dei justo judicio in populo diversis calamitatibus et flagellis . . . . quid esset in quo deus offensus esset, vel quibus placari posset operibus. Pertz 2, 547. . die idee kehrt in der edda und sonst mehrmals wieder. reiđr er þer Ođinn, reiđr er þer Asabragr. Sæm. 85 b Ođinn ofreiđr . Sæm. 228«. reiđ varđ þâ Freyja oc fnasađi. Sæm. 71 b sie schnaubte vor wut, wie dem zürnenden wolf der bart stiebt (Reinh. XLII). guđin reiđ ordin. fornm. sög. 2, 29. 231. gođa gremi (deorum ira) wird verkündet. Egilss. 352. at gremia gođ (offendere deos). fornald. 16 sög. 2, 69. was imo god âbolgan . Hel. 157, 19. than wirdid iu waldand gram , mahtig môdag . Hel. 41, 16, wie sonst: diu Sælde, welt, erde wird ihm gram . ein zornec got in daz gebôt, dazs uns hie suohten mit ir her. Parz. 43, 28. hie ist geschehen gotes râche . Reinh. 975. got wil vervüeren sînen zorn . Osw. 717. ich wæne daz got ræche da selbe sînen anden . Gudr. 845, 4; daz riuwe got! Trist. 12131; daz ez got immer riuwe! Trist. 11704. beim verbot der sonntagsarbeit sagt die lex Bajuv. 6, 2: quia talis causa vitanda est, quae deum ad iracundiam provocat , et exinde flagellamur in frugibus et penuriam patimur. wie rohsinnlich drückte man sich noch im 17. jh. aus: ein misbrauch, der got in harnisch bringt , und zu scharfer ungnädiger einsehung verursacht, daß er gewis, zu rettung seiner ehre, mit fäusten darein schmeißen wird; oder: dem zornigen, eifrigen gott in die spieße laufen Hartmann vom segensprechen. Nürnb. 1680. s. 158. 180. . Einen bösen menschen schalt man im mittelalter gote leide , gott und den menschen verhaßter! verwünschung war jemanden in gottes haß zu weisen: ûz in gotes haz! Trist. 5449. ûz strîchet balde in gotes haz! Trist. 14579. nu vart den gotes haz alsam ein bœswiht von mir hin! Frauend. 109, 12. mich hât der gotes haz bestanden. kl. 518. iuch hât rehte gotes haz (wie sonst: das unwetter, der teufel) daher gesendet beide. Iw. 6104. sô müeze ich haben gotes haz . Altd. w. 3, 212. varet hen an godes haz! Wiggert 2, 47. nu mueze er gewinnen gotes haz . Roth 611. ebenso mnd. godsat hebbe! Huyd. op St. 2, 350. Reinaert 3196 schwere krankheit und noth heißt gewöhnlich: der gotes slac . . Was aber vorzüglich beachtet werden muß, jener formel in gotes haz oder bloß accusativisch gotes h. varn, strîchen völlig parallel steht eine andere, die für gott die sonne setzt; dadurch erhöht sich die heidnische färbung: ir sult farn der sunnen haz! Parz. 247, 26. var der sunnen haz! ungedr. ged. von Rüediger 46. hebe dich der sunnen haz! Er. 93; nu ziuhe in von mir der sunnen haz! Helmbr. 1799. si hiezen in strîchen in der sunnen haz . Eracl. 1100. hiez in der sunnen haz hin varn. Frauend. 375, 26. ein so verfluchter ist unwerth von der sonne gnädig beschienen zu werden. Der Vandale Gizerich besteigt sein schif und überläßt den winden, wohin sie es treiben, auf welches volk, dem gott zürne (ἐφ' οὕς ὁ ϑεὸς ὤργισται), er fallen solle. Procop de bello vand. 1, 5. Aus solchem feindlichen verhältniss folgt zuweilen widersetzlichkeit der menschen, die in prometheischen trotz und drohworte ausbricht, oder auch sich thätlich vergreift Nachtrag: Die irrisio deorum, altn. gođgâ (s. vorr. XL und anm. 36 ) steigert sich zum hohn gegen die götter wie Laxdaelas. s. 180. Kristnisaga cap. 9. ahd. kotscelta blasphemia, mhd. gotes schelter blasphemi bei Berthold. vgl. die schimpfreden der Kamtschadalen gegen ihren obersten gott Kutka. Klemm. 2, 318. nu schilte ich miniu abgot . Klage 481. bliben ungescholden ir gote, daz was ân ir danc. Livl. reimchr. 1143. ze gote huop diu vrowe ir zorn . Jw. 1381. sînen zorn huob er hin ze gote: rîcher got unguoter! Greg. 2436. 2442. sô wil ich iemer wesen gram den goten. En. 7985. die heiligen drohen gott. Keisersb. omeis. 12 d . wâfen schrîen über gotes gewalt. Wigal. 11558. got, dâ bistu eine schuldec an! Jw. 1384. Karl droht ihm: Karles tença à dieu , si confust son voisin: jamais en France n'orra messe à matin. Aspr. 35 a . he, saint Denis de France! tu somoilles et dorz , quant fauz tes homes liges tiens en est li gran torz. Guitecl. 2, 156. nemt iuwer gote an ein seil und trenket si! Wh. 1, 83 a . Tröwet als dann S. Urban auch, wann er nicht schafft gut wein, werd man ihn nach den alten brauch werffen in bach hinein. Garg. vorw. 10. Ksrchr. 14737 droht Karl dem. h. Petrus: und ne mache dû den blinden hiute niht gesunden, dîn hûs ich dir zestôre, dînen widemen ich dir zevuore. abgötter werden unter hunde und schweine geworfen. Karel. 8563. vgl. das Todaustragen s.  640 . Man trotzt gott oder hintergeht ihn. biß gott selbst kompt (der strafende), haben wir vogel und nest weggeraumbt. Garg. 202 a (vgl. anm. 416 ). . Herodot 4, 94 von den Thrakern: οὗτοι οἱ αὐτοὶ Θρήϊκες καὶ πρὸς βροντήν τε καὶ ἀστραπὴν τοξεύοντες ἄνω πρὸς τὸν οὐρανὸν, ἀπειλεῦσι τῷ ϑεῷ. des gottes bildseule, wenn er die erflehte hilfe verweigerte, wurde vom volk in den fluß gestürzt, ins wasser getaucht oder geschlagen. in den kerlingischen romanen ist verschiedentlich der 17 zug, daß Karl gott droht , wenn er seinen beistand versage, die altäre in ganz Frankreich nieder zu werfen, die kirchen und alle priester eingehen zu lassen, z. B. Ferabr. 1211, 1428. so droht auch frau Breide gott den altar zu entdecken und das heilthum zu brechen. Orendel 2395; ja Marsilies läßt nach dem verlust der schlacht die götzenhäuser niederstürzen. Rol. 246, 30. Urbans bildseule, wenn miswachs des weins eintrat, warf man ins bad oder in den fluß wenn das wetter einschlägt sagen die leute: kann gott wegbrennen, können wir wieder bauen! Ettners hebamme s. 16. . Die Arkader geiselten ihren Pan mit σκίλλαις (meerschilfen), wenn sie beutelos von der jagd heimkehrten (Theocrit 7, 106). Nicht allein zorn und haß, auch neid, schadenfreude, νέμεσις legten die Griechen ihren göttern bei. Epitheta gottes. Nachtrag: Der epitheta gottes gibt es noch viele. in der anrede begegnet kaum lieb , doch heißt es: an sînen lieben abgoten. pass. 306, 20. ir lieben gote. pass. 38, 41. got der guote fundgr. II. 91, 2. MS. 2, 227 b . Greg. 748. 757. 2584. Nib. 1043, 3. sô dir got der guote! Herb. 9632. gute frau 1524. der grundgütige gott. Simplic. 146. ach gott und alle güte! Gotthelfs erzähl. 1, 167. nhd. du meine güte! rîcher got der guote . Erec. 3148. 8294. Krist ther guato . O. Sal. 32. 47. der milte got. Ls. 2, 287. Grieshaber pred. 129. der zarte got. Ls. 2, 285. 286. Grieshaber pred. 5. 9. 17 = Christus, 22 = gott. der zarte got von himel . Griesh. 2, 3. 5. 6. 11 und sehr oft der süeze got von himel. Griesh. 2, 58. in svasugođ . Saem 33 a . der süeze got. Emst. 348. 1370. 1769. 2275. noch häufiger der süeze Krist. Greg. 613. Haupts zeitschr. 5, 515. Silv. 3783. 3857. 3901. tugenhafter got. Wh. 49, 16. der vil tugenthafte Krist. Trist. 15739. (395, 21). nhd. der treue gott, o du treuer gott. got der gewâre . fundgr. II, 90, 41. hêre wird von heidnischen göttern gesagt, wie sonst von engel, kaiser: ein Venus hêre . MS. 1, 55 a . hâlig dryhten Beov. 1366. Wäinämöinen heißt pyha uro, heiliger mann. Kalev. 3. 117. noch oft der rîche: rîkir tîfar. Saem. 72 a . 93 a . herre got der rîche! Klage 2011. rîcher got der guote s. o. rîcher got unguoter. Greg. 2442. rîc god, comt mi te baten. Uhland volksl. s. 56. Christ der rîche . Diemer 86, 23. fundgr. 1, 166. reicher Crist. liederb. v. 1582 s. 249. regnator omnium deus Tac. Germ. 39. goth. fráuja allvaldands 2. Cor. 6, 18. eddisch ist die benennung nicht, denn Saem. 152 a ist alvaldr nicht gott, sondern könig. im Beovulf wird vealdend häufig von gott gebraucht. vgl. alts. irmingod s.  292 . Siwa heißt Mahadêva magnus deus. Bopp gloss. 261 a . altfranz. heißt er: rei ki tot guvernet . Alexis 99, 4. Jupiter der waldige got. Ksrchron. 5083. nu muoz es got walden . Herb. 9623. zuweilen wird gott der alte genannt: nu helf uns doch der alt gott! ring. 50 c , 28 (stuttg. 226). ja lebt noch got der rîche. Wolfd. und Saben 531. man habe oft lange ursache zu glauben, er sei auch zu alt geworden , aber am ende komme er doch. Gotthelfs käserei 436. der liebe gott erscheint als alter mann . Müllenhoff s. 432. 457. der alte heißt er bei Göthe am schluß des prologs zu Faust. finn. waka wanha Wäinämöinen, der treue alte W. lett. wezzais tehws oder bloß wezzais . Bergmann 141. chines. lao tiau der alte himmel. gott heißt der hoehste . MS. 1, 91 a . vgl. anm. 59 : der hôhste fride. auxtheias vissagistis deus omnipotens et summus. Lasicz 46. Gott sieht, pflegt, segnet, minnt, lohnt, ehrt, erbarmt sich und vergißt. got gesach den man Haupts zeitschr. 1, 281. wê dir daz dich got ie gesach! fragm. 15 b . daz euch got beschawe! Keller erzähl. 476, 25. im sehen liegt mitleid. GDS. s. 173 anm. οὐδ' εἶδεν αὐτοῦ τὴν ἅλωνα Δημήτηρ. Babr. 11, 9. daz dîn der himel müeze pflegen! fragm. 20 c . got der müeze dîn pflegen! Herb. 6160. got pflege iuwer! Herb. 6169. 6263. got gesegene uns immer mêre! Herb. 7732. daz iuch got gesegen! Helbl. 4, 785. gesegen dich got! Helbl. 1, 1402 (s. n. 13). got segen iuch, got lône dir! Herb. 8092. got minne dich! Eracl. 644. got gebe dir immer guot! Herb. 8094. got müeze mich êren . MsH. 1, 59 b . daz mohte got erbarmen . Wigal. 5342. ez mohte got erbarmet hân . Dietr. 9337. andrerseits: daz ire got ergaz . Haupts zeitschr. 8, 148. als im got ergaz . Herb. 15669. sô mîn got ergaz . troj. kr. 14072. ob sîn got in sîm zorne het vergezzen . Orendel 508. sît mîn hât. got vergezzen . Gudr. 1036, 3. des hât got vergezzen , der tivel hât in besezzen. warnung 343. gar vergezzen hât mîn got. Wigam. 886. vgl. fro Saelde wie si mîn vergaz . Walther 43, 5. nhd. gottvergessen, gottverlassen . Gott tritt als attribut in folgenden formeln auf: diu gotes kraft , Reinh. 1580. 1740. Erec. 8890. vgl. Minnenkraft (s.  745 ). diu gotes gewalt , gotes hant s.  968 . gotes vlîz s.  15 . gotes râche . Reinh. 975. Helbl. 4, 95. gotes zorn s.  17 . gotes haz s.  16 . gotes fluoch , Karl. 6 a . gotes slac s.  968 . godes volk  = pauperes. Diut. 1, 438. vgl. sîne aerme. Maerl. 2, 230. dasselbe bedeutet daz gotes her . gute frau 1492. hierhin gehört der eigenname Godesman trad. corb. 291. 351. 398. Godasmannus pol. Irmin. 93 b . Kotesman trad. juvav. 131. dagegen ist gotes als bloße verstärkung neben mehreren adjectiven aufzufassen: diu gotes arme Nib. 1020, 4. Erec. 6031. der gotes arme priester. Nib. 1515, 4. owê mich gotes armen . Nib. 2090, 1. ich vil gotes armiu . Gudr. 1209, 1. von den gotes armen . En. 2979. ein gotes armer . Wigal. 5315. ich gotes arme maget. Dietr. drachenk. 10. die gotes ellenden . Ernst 3176. der gotes tumbe , Helmbr. 85. der gotes reine . Marienleg. 189, 428. vgl. gotts ainzig . Schmeller wb. 2, 83. in der heutigen sprache: der liebe, liebste, gnädige bei gott ist gnade, ruhe, friede; von einer feierlichen stätte heißt es: hier wohnt der liebe gott! und: einem den lieben gott von der stube treiben (Lessing 1, 243) ist einen einsamen durch profanen besuch stören. , große, gute, allmächtige , in der früheren: hêrre got der guote . Reinh. 1296. gute frau 276. hêrro the gôdo . Hel. 78, 3. 90, 6 frô mîn the gôdo 143, 7. gnædeger trehtîn. Reinh. 1309. oft der rîche : thie rîkeo Christ. Hel. 1, 2. rîki god. Hel. 195, 9. rîki drohtin. Hel. 114, 22. der rîche got von himele. Roth. 4971. got der rîche . Nib. 1793, 3. Trist. 2492. durch den rîchen got von himel. Morolt 3526. der rîche got mich ie gesach. v. d. wîbe list 114 rîhhi ist ahd. dives, potens, auch beatus, und dives gehört nahe zu divus, wie Dis, Ditis erwächst aus Divit. vom slav. bog leitet sich her bogat (dives) litth. bagotas; vgl. ops, inops (russ. ubogii), opulentus mit Ops, der bona dea. vgl. Diefenb. celt. 1, 196. . cot almahtico , cot heilac . wessobr. gebet; mahtig drohtin Hel. 2, 2. freá älmihtig . Cædm. 1, 9. 10, 1. se älmihtiga vealdend. Thorpes anal. 83. mannô miltisto (largissimus) wessobr. geb. ags. êce dryhten, aeternus. Caedm. 246, 11. Beov. 3382. 3555. 4655. vitig god, sapiens Beov. 1364. 2105. Cædm. 182, 24. vitig dryhten Beov. 3101. 3679. Cædm. 179, 8. vitig vuldorcyning Cædm. 242, 30. vil milter Christ. cod. pal. 350, 56. waltant got. Hild. waldindinger got. Roth. 213. 523. 1009. 2332. 4031 waltant Krist. O. V. 25, 91. Gudr. 2243. ags. vealdend Cædm. 9, 25. vuldres vealdend Beov. 4. heofnes vealdend Cædm. 17, 15. þeoda vealdend . fäder alvealda Beov. 630. alts. waldand Hel. 4, 5. 6, 6. waldand god 3, 17. waldand drohtin 1, 19. alowaldo 4, 8. 5, 20. 8, 2. 69, 23. eddisch aber ist die benennung nicht. dieser begrif von walten (dominari, regere) wird noch in der redensart es walten Parz. 568, 1. En. 7299. 10165. 13225 auf das höchste wesen bezogen, nhd. gottwalts! mnl. godwouds! Huyd. op St. 2, 548. falsch ist der nhd. acc. das walt gott! Agricola 596. Praet. weltb. 2, 50. Zuweilen heißt gott auch der alte: der alte gott lebt noch. ags. eald metod. mhd. hât got sîn alt gemüete. Wh. 66, 20. der alde got. Roth. 4401. 18 unterm volk: der alte vater. in einem serb. lied (Vuk 2, 244. Montenegro 101) wird bog genannt: stari krvnik, der alte blutvergießer, tödter, und bei Frauenlob Ms. 2, 214 b der alte friedel. Die dichter des 13. jh. bedienen sich einigemal des lat. beinamens altissimus . Wh. 216, 5. 434, 23. Geo. 90. 401, womit sich das mhd. diu hôhste hant . Parz. 484, 6. 487, 20. 568, 8. Wh. 134, 7. 150, 14. und das ahd. zi waltanteru henti . O. V. 25, 91 zusammenhalten läßt. Der allwaltende gott ist zugleich der allsehende, allwissende; aller dinge sich erinnernde, daher von glücklichen gesagt wird, daß sie gott sah , von unglücklichen, daß ihrer gott vergaß . ahd. kesah tih kot! (o te felicem!) N. Boeth. 145; mhd. gesach in got! (wol ihm) altd. bl. 1, 347; sô mir got ergaz troj. kr. 14072. sô hât got mîn vergezzen! Nib. 2256, 3; wie gar iuwer got vergaz. Iw. 6254; got mîn vergaz. Ecke 209; got hæte sîn vergezzen. Trist. 9243, genædelîcher trehtîn, wie vergæze dû ie mîn sô? Trist. 12483. Andere belege sind gramm. 4, 175 zusammengestellt. Gott schaut und bewahrt: daz si got iemer schouwe! Iw. 794. altengl. god you see! god keep you in his sight! Unter den substantivischen benennungen sind mehrere, die gott mit den weltlichen herschern gemein hat Nachtrag: Gott wird mit titeln weltlicher herrscher versehen: der edel keiser himelbaere. Tit. 3382 und dem könig der vögel verglichen: gott der hohe, edle adler vom himmel. Berthold 331. das mlat. domnus wird nicht von gott, der stets dominus heißt, aber von päbsten, königen u. s. w. gebraucht. Ducange s. v. altfrz. dame dieu (s.  139 ), dame dê Roquefort s. v. prov. dami dricu, damri deu, domini dicus . Raynouard. 3, 68. über dame vgl. s.  248 . walach. dumnedeu für gott, domn für herr. das slav. knez , kniaz bedeutet dominus, princeps, sacerdos, wird aber in Wiggerts psalmen auch von gott gebraucht vgl. die kneze graniza bei Lisch urk. 1, 9. auch ἄναξ und ἄνασσα gilt von göttern wie von weltlichen herschern. vorzugsweise die dioskuren heißen ἄνακες. der vocativ ἄνα kommt göttern allein zu. . goth. fráuja , alts. frôho , frô , ags. freá , von welchem namen künftig noch weiter zu handeln sein wird. ahd. truhtîn , mhd. trehtîn, alts. drohtin , ags. dryhten , altn. drôttinn , ahd. hêriro , mhd. hêrre , und zwar kann dieses, von gott gebraucht, nie in her verkürzt werden, sowenig als dominus in roman. domnus, don. Vor allen hervorzuheben ist der name vater Nachtrag: Gott heißt fäder in der schönen stelle: þonne forstes bend fäder onlaeteđ. Beov. 3218. Brahma heißt avus paternus Bopps gloss. 217 a und Pitamaha großer vater. Holtzmann 3, 141. 153. vgl. Donar als vater s.  139 . an die väterliche natur gottes erinnert in den märchen, daß er pathe einzelner kinder wird. KM. no. 126 erscheint gott als bettelmann und schenkt dem pathen einen schimmel, im walach. märchen 14 schenkt er dem pathen eine kuh. ebenso begaben die feen als pathinnen . die großmutter zieht auf der ganzen erde. Klemm 2, 160. über anel , baba (s.  533 ), zlotobaba goldne mutter. über mutter (s.  210 . 211 ). . in der edda wird alföđr auf Ođinn angewandt Sæm. 46 b 88 a 154 b Sn. 3. 11. 17; herfađir , herja fađir , valfađir , als auf den vater aller götter, menschen und erschafnen dinge. diese zusammensetzung mangelt in den übrigen mundarten, sie mochte heidnisch dünken, doch das ags. fäder alvealda Beov. 630 durfte gesagt werden und die vorstellung gott vater wurde den Christen noch geläufiger als den Heiden. altfatar d. i. großvater, avus O. I. 3, 6. ags. ealdfäder Beov. 743. 1883 finde ich nicht auf gott angewandt. Wie nun die Griechen Ζεὺς πατήρ (besonders im voc. Ζεῦ πάτερ), die Römer Jupiter, Diespiter, Dispiter, Mars pater Jane pater! Cato 134; was aber bedeutet Dissunapiter in der merkwürdigen formel bei Cato 160? und ebenso Δημήτηρ, Δαμάτηρ, Terra mater verknüpften, pflegen die Letten beinahe jeder göttin das epithet mahte , mahmina , mutter, mütterchen (Büttner 244. Bergmann 142) zu verleihen, wovon im verfolg noch mehr zu sagen ist. allem anschein nach ist vater, fadr verwandt mit faþs herr, wie pater, πατήρ mit πότις, πόσις, litth. pats. Das ags. meotod , metod Cædm. 223, 14. eald metod . Beov. 1883. sôđ metod Beov. 3222. alts. metod Hel. 4, 13. 15, 17. 66, 19, ein ausdruck, der gerade so in der edda vorkommt, miötudr Sæm. 226 b 241 b scheint creator zu bedeuten, wie er wörtlich den sinn von mensor, moderator, finitor 19 darlegt. den vollen sinn von metod wird uns erst eine genauere auskunft über das verhältnis zwischen goth. mitan und máitan, ahd. mëzan und meizan erschließen; die lat. mētiri und mĕtere, außer daß sie nicht lautverschoben sind, drehen die quantität um. das altn. miötuđr scheint einigemal sector, messor, Sn. 104. 105 heißt das haupt, womit Heimdall erschlagen wurde, miötuđr Heimđallar und das schwert, mans miötuđr', fornald. sög. s. 441. ›manna miötuđr‹ Nachtrag: Das sächsische metod , altnordische miötudr läßt sich dem skr. mâtar , messer und creator vergleichen s. Bopp vergl. gramm. 1134, wie mâtâ, mutter, creatrix. vgl. ταμίας Ζεύς. . noch die mhd. dichter brauchen mezzen von dem schönsten ebenmaß des schaffens: dô sîn (des Wunsches) gewalt ir bilde maz . Troj. 19626. got selb in rîchen fröuden was, dô er ir lîp als ebene maz . misc. 2, 186. er sol ze rehte lange mezzen , der an si sô ebene maz , daz er an si zer werlte nie nâch vollem wunsche weder des noch des vergaz. Ms. 1, 154 b . got der was in fröiden, dô er dich als ebene maz . Ms. 1, 22 b . wer kunde in sô gemezzen . Tit. 130, 1. anders denne got uns maz , dô er ze werke über mich gesaz. Parz. 518, 21. ein bilde mezzen ist also was sonst ein bilde schaffen (Troj. 19805) oder giezen (Walth. 45, 25. MS. 1, 195 b 2, 226 b ) und bei Suchenwirt 24, 154 heißt es: ›got het gegozzen ûf ir vel ir mündel rôt und wîz ir kel‹, wodurch bedeutsames licht auf den goth. stammnamen Gáuts , ags. Geát , ahd. Kôz fällt Nachtrag: Gott ist der gießende, fundens auch bei Homer: Zeus schaft, zeugt die menschen. Od. 20, 202. doch Zeus χέει ὕδωρ Il. 16, 385. χιόνα Il. 12, 281. Poseidon χέεν ἀχλύν Il. 20, 321. Athene ἠέρα χεῦε Od. 7, 15. 13, 189. ὕπνον Od. 2, 395. 18, 188. 20, 54. κάλλος Od. 23. 156. χάριν Od. 2, 12. 6, 235. 8, 19. 23, 162. ἀχλύν Od. 7, 42. vgl. s.  271 und Athene ἧκε κόμας, ließ haare fließen, wallen. Od. 23, 156. gott heißt: der alle bilde giuzet Diut. 2, 241. er hât bilde ûz nihte gegozzen . Diut. 2, 253 (s.  86 ). got hât ein bilde gegozzen Ms. 1,195 b . got der schepfet alle zît niuwe sêl, dier giuset unde gît in menschen. Freid. 16, 25. sêl wirt, wîl got si giuzet . Frauenlob. 181. got selber gôz in si die tugent, die engel zesâmen lâsen. Dietr. und ges. 196. der engel giuzet dem menschen die sêle in. Berth. 209. 239. gottes hand bildet wunder troj. kr. 19824. er würkt bilde: der smit von Oberlande , der elliu bilde wol würken kan. Ms. H. 2, 247 a der smit von Oberlande , warf sinen hamer in mîne schôz. MsH. 2, 339 b . gîn Oberlande varn. MsH. 3, 354 b . . gott fügt vgl. wb. z. Jw. s. 519. Graff 3, 421. 422. daz füege got! Rab. 554. Dietr. 6389. und füege mir got Dietr. ahnen. 1045. vgl. 3545. 4626. 5058. got füege mirz ze guote. frauend. 422, 22. nu füege der süeze Crist dir den tac ze heile. Dietr. ahn. 904, sô füeg in got die saelecheit. Dietr. ahn. 865. got der füege in kraft. Rab. 514. Dietr. ahn. 229. got fuoct im guotes rîche kraft. Dietr. ahn. 2492. dô bat si got vil dicke füegen ir den rât. Nib. 1187, 1 vgl. nhd. eingeben. doch auch: sigehafte hende füege in got der guote. Dietr. 8082. dô fuogt in got einen wint. Rab. 619. Dietr. ahn. 1089. vgl. Gevuoge s.  258 . auch die Minne fügt (kl. schr. 2, 319. 320). dir füeget saelde daz beste. Tit. 3375. daz er (Kahûn) dem strîte sig unde saelde füege . Tit. 3097. daz sie in fuogen sigehaft wer. Dietr. 4302. nhd. die fügung gottes. gott verhenget Ms. 1, 74 a (dem rosse den zügel), ahd. firhengan concedere, consentire oder auch bloß hengan mit dem dat. im nhd. über einen etwas verhängen. got truoc uns zu dir in das lant (wie sonst: der teufel) Dietr. und ges. 656. mich hât selber gewîset her got von himmel. Keller erzähl. 648, 11. nhd. mit gott gehen d. h. in gottes geleit, glücklich gehen. vgl. σὺν ϑεῷ βαίνεις. Babr. 92, 6. . Ags. scippend (creator), ahd. scefo scephio , mhd. schepfære Wh. 1, 3. nhd. schöpfer. Einige dieser namen können gehäuft, oder noch durch composition verstärkt werden, z. b. drohtin god . Hel. 2, 13. waldand frô mîn . Hel. 148, 14. 153, 8. freá dryhten Beov. 62. 186. lîffreá Cædm. 2, 9. 108, 18. 195, 3. 240, 33. Beov. 4. das weltliche cuning wird durch ein praefix auf gott anwendbar: vuldorcyning Cædm. 10, 32. hevancuning Hel. 3, 12, 18. 4, 14. 5, 11. gleichbedeutend damit rodora veard Cædm. 11, 2, oder die epische ausführung: irmingot obana ab hevane . Hild. got von himele Nib. 2090, 4. 2114, 1. 2132, 1. 2136, 1. Solcher epischen formeln Nachtrag: Obgleich Berthold s. 302 die vorstellung, daß gott auf dem himmel sitze und die beine ihm auf die erde herabreichen, als eine jüdische verspottet, so sind doch ähnliche sinnliche anschauungen noch vielfach aus älteren romanischen und deutschen gedichten zu belegen. deo chi maent sus en ciel. Eulalia vgl. ille qui supra nos habitat. Plautus Persa. V. 2, 38. qui loins voit et haut siet. Ogier 5868. vgl. herre got, herabe von himel blicke! Laber 111. qi fist la nue. Ogier 10294. 10306. qi fist solel et nue. Ogier 10329. par cui il pluet et vente. Guitecl. 2, 3. der weinen unde lachen geschuof. Wh. 258, 19. der uns alle werden hiez Ms. 1, 41 a . alwaltintir got, der mir zi lebine gibôt. Diemer 122, 24. der mir ze lebene gebôt. Jonckbl. Walew. 2, 292. 293. god die ons allen gebôt. Lanc. 24758. cil diex vos saut, qui sor tos homes puet et vaut! Méon 4, 5. wanti got al mag und al guot wil. Diemer 99, 18. gott ist ewig: qui fu et iest et iert. Ogier 4102. lassen sich aus den gedichten, zumal den romanischen, schöne, einstimmige anführen; die meisten sind von gottes aufenthalt, von seiner schöpferischen kraft, allmacht, allwissenheit und wahrheit hergenommen: dios aquel, que esta en alto. Cid 800. 2352. 2465. qui la amont el seint ciel maint. Ren. 26018. qui maint el firmament. Berte 129. 149. der hôho sizet unde nideriu sihet. N. ps. 112, 5. qui haut siet et de loing mire. Ren. 11687. qui haut siet et loins voit. Berte 44. 181. Guitecl. 2, 139. der über der blauen decke sitzt. Melander jocoseria 1, 439. cot almahtico, dû himil inti erda gaworahtôs. wessobr. geb. cel senhor, qui lo mon a creat. Ferabr. 775. qui tot le mont forma. Berte 143. que fezit nueyt e dia. Ferabr. 3997. per aycel senhor que fetz cel e rozada. Ferabr. 2994. 4412. qui fist ciel et rousee. Berte 28. 66. 111. 139. 171. 188. Aimon 876. qui feis mer salee. Berte 67. qui fist et mer et onde. Méon 3, 460. des hant daz mer gesalzen hât. Parz. 514, 15. qui fait courre la nue. Berte 136. 183 νεφεληγερέτα 20 Ζεύς). par celui qui fait toner. Ron. 16658. 17780. par qui li soleus raie. Berte 13. 81. der himel und erde gebôt und die mergriezen zelt. Mar. 18. der der sterne zal weiz. Wh. 466, 30. der die sterne hât gezalt. Parz. 629, 20. der uns gap des mânen schîn. Wh. 467, 1. qui fait croitre et les vins et les blez. Ferabr. 163 a . der mir ze lebene geriet. Nib. 2091, 4. Kl. 484. der mir ze lebene gebôt. Roth. 215. 517. 4552. der uns daz leben gebôt. Mar. 24. mnl. bi den here die mi ghebôt (gramm. 4, 134), die mi ghewrochte. Elegast 345. 451. 996. qui tot a a baillier. Berte 35. qui tot a a garder. Berte 7. que totz nos a jutgier. Ferabr. 308. 694. 1727. the mancunnies forwardôt. Hel. 152, 5. qui sor tos homes puet et vaut. Méon 4, 5. dominus qui omnia potest. urk. a. 1264 bei Wenk 3 no. 151. wider den nieman vermac. a. Heinr. 1355. der aller wunder hât gewalt. Parz. 43, 9. der gît unde nimt. Parz. 7, 9. der weinen und lachen geschuof. Wh. 258, 19. der beidiu krump unde sleht gescuof. Parz. 264, 25. der ane sihet alle getougen. Diut. 3, 52. der durch elliu herzen siht. Frîd. 355. der in diu herze siht. Wh. 30, 29. der ie daz guote geriet. Greg. 2993. ther suntilôso man (Christus) O. III. 21, 4. dem nie voller genâden zeran. Er. 2490. qui onques ne menti. Berte 82. 96. 120. 146. Méon 3, 8. icil dieu qui ne ment, et qui fist tot quanque mer serre. Ren. 19338. er mik skôp ok öllu ræđr. fornm. sög. 1, 3. sâ er öllu ræđr. das. 8, 107. er sôlina hefđi skapat. das. 1, 242. hêt â þann sem sôlina skapađi. Landn. s. 139. Wenn nun schon in einigen der bisher verhandelten namen, beinamen und umschreibungen gottes merkbare beziehung auf das heidenthum vorwaltet, in andern bloße anklänge daran statt finden mögen; so hängen die folgenden ausdrücke noch unleugbarer mit der heidnischen vorstellung zusammen. In der nord. mythologie gilt für den begriff deus, divus, wo nicht der obersten, ältesten reihe, doch einer zweiten, später mächtig gewordnen die benennung âs , pl. æsir Nachtrag: Zur erklärung der Asen bedarf es einer besprechung von ahuramazdas (s.  822 ) und dem skr. asura geistig, lebendig. svâ lâti âss þik heilan î haugi! fornald. s. 1, 437. Rîn âskunn . Sæm. 248 a . nornir âskungar . Sæm. 188 a . eine friđla heißt âsa blôđ fornm. sög. 9, 322 (doch vgl. die var.), schön wie von Asen abstammend ? hafra drôttinn foerdiz allr î âsmegin . Sæm. 56 b ôx honum âsmegin . Sn. 51. þâ vex mer âsmegin iafnhâtt up sem himinn. Sn. 114. vgl. Finn Magnusen lex. 992. âsmegir . Sæm. 94 b . âsmôđr steht Sn. 109 dem iötunmôđr gegenüber. âsa bragr heißt Thor Sæm. 85 b âs scheint auch einen genius zu bezeichnen. in Nialssaga s. 190 (v. 418) macht ein Svinfellsâs oder Snaefellsâs einen bei ihm hausenden mann jede neunte nacht zur frau. dieser mann heißt brûđr Svinfellsâs, amica genii svinfelliani. merkwürdig ist auch hier der bezug von âs auf einen berg (fell = fiall)? die sächsische form der benennung wird auch aus den ortsnamen Osenedred Kemble no. 1010 (5, 51) und Osnabrugga (vgl. s.  610 ) deutlich. ahd. sind noch zu bemerken Kêrans speergott, Folchans . Haupts zeitschr. 7, 529. sehr zweifelhaft ist, ob die Ansivarii zu erklären sind als a diis oriundi. ›des bomes as ‹ in Haupts zeitschr. 5, 409 steht doch für ast, das aber mit âs balken verwandt sein mag, denn es bedeutet auch gibel, gipfel, firmamentum, ἕρμα, fulcrum. nach Varro steht das lat. ara für asa , ansa , geweihter göttersitz. s. Forcellini. Pott 1, 244. GDS. s. 114 ff. das griech. αἶσα vgl. s.  343 scheint ganz abzuliegen. Bopp hält 43 d zu îs’vara dominus ein irisches aesfhear aesar deus aus Pictet s. 20. worin aber fear vir liegt. . landâs (Egilss. s. 365. 366) ist patrium numen, und der höchste nord. gott, Thor, wird darunter gemeint, wiewol âs und allmâttki âs Landn. 4, 7 dem Odin zukommt. âsmegin , die göttliche macht: tha vex honum âsmegin halfu. Sn. 26. fœraz î âsmegin. Sn. 65. Dieser name muß auch in Hochdeutschland und Sachsen früher allgemein gewesen sein, und goth. ahd. ans , pl. anseis , ensî , ags. ôs , pl. ês gelautet haben (vgl. gans, hansa, altn. gâs, ags. gôs, pl. gês; hôse = hansa). in mehrern eigennamen dauert das wort noch fort. goth. Ansila, ahd. Anso. das ahd. Anshelm, Anspald, Anshilt, Ansnôt entsprechen dem sinn nach den namen Cotahelm, Cotahilt. ags. Osveald, Oslâf, Osdäg, Osrêd. altn. Asbiörn ursus divinus, Asbirna (ursa divina), wofür im Waltharius die mischform Ospirn statt Anspirn, vgl. Reinh. fuchs p.  ccxcv . von Asketill, Oscytel am schluß des dritten cap. , 21 Asdîs, Asgautr, Aslaug, Asmundr u. s. w. ans m. bedeutet nun bei Ulfilas Luc. 6, 41. 42 einen balken, δοκός, der auch noch altn. ebenso âs heißt, sei es, daß man die mächtigen götter als wagebalken, tragebalken und decken des himmels ansah, oder die vorstellungen eines jochs und der berghöhen damit verknüpfte, das altn. âs gilt namentlich für jugum terrae, bergrücken, dän. biergaas (dettiâs Landn. 3, 17 ist fallbalken, fallbaum). hierbei sind aber noch andere merkwürdige stellen und zeugnisse zu erwägen. in einem ags. gedicht werden êsa gescot und ylfa gescot, geschoß der ansen und der elben (jaculum divorum et geniorum) nebeneinander gestellt, gerade wie in der edda (Sæm. 8 b 71 a 82 a 83 b ) æsir und âlfar. Jornandes sagt cap. 13: tum Gothi, magna potiti per loca victoria, jam proceres suos quasi qui fortuna vincebant, non puros homines, sed semideos , id est anses (das wäre anzeis) vocavere. was kann deutlicher sein? auch die nord. æsir greifen ein in das heldengeschlecht, und fast in gleichem abstand von einer älteren, durch sie verdrängten göttermacht. hierbei darf nun allerdings an die bekannte aussage Suetons und Hesychs Sueton. Octavian. cap. 97. futurumque, ut inter deos referretur, quod aesar , id est reliqua pars e Caesaris nomine, etrusca lingua deus vocaretur. Hesychius s. v. αἰσοί. ϑεοὶ ὑπὸ τῶν Τυρρηνῶν. vgl. Lanzi 2, 483. 484. auch Dio Cass. 56, 29. erinnert werden, daß den Etruskern die götter aesares oder aesi hießen, ohne daß damit schon eine eigentliche verwandtschaft des etruscischen oder tyrrhenischen volksstamms mit dem altdeutschen behauptet würde, so auffallend übrigens τυρρηνός, τυρσηνός an das altn. þurs, ahd. durs gemahnt. Die bedeutsamkeit dieser analogie steigt aber durch die wahrnehmung, daß der etruscische glaube, ja vielleicht der altrömische und griechische, eine reihe zwölf engverbundner höherer wesen ansetzte, die unter dem namen dii consentes und complices bekannt sind Nachtrag: Hos consentes et complices Etrusci ajunt et nominant, quod una oriantur et occidant una: sagt Arnobius adv. gentes lib. 3. meint er gestirne? vgl. Gerhards etr. gottheiten s. 22. 23. bedeutet âttûnga brautir Sæm. 80 b soviel als âsa, cognatorum? , gerade wie in der edda die ausdrücke höpt und bönd , die eigentlich vincula besagen, für diese hohen numina gelten (Sæm. 24 a . 89 b . Sn. 176. 204) und auch im sg. hapt und band auf einen einzelnen gott bezogen werden (Sæm. 93 b ). Läßt sich freilich haptbandun aus dem Merseburger gedicht nicht sicher dazu nehmen (die zusammensetzung scheint hier bloß leibliche fessel auszudrücken), so gehen vielleicht deus und δῖος zurück auf δέω, und zu dem band und haft aller dinge gehört selbst jenes ans und joch, wobei man die zwölfzahl der nord. æsir nicht außer acht lassen darf, vgl. Sæm. 3 b æsir or þvi liđi (aus dem haufen, geschlecht). Daran schließen sich bestätigend noch einige andere benennungen. in der frühsten zeit unsrer sprache bedeutete das neutrum ragin rath, consilium. den pl. davon gebraucht wiederum die edda eigenthümlich für den begrif der götter mehrheit Nachtrag: Als rathende ragin erscheinen die götter im skr. ráganas und dem entsprechenden etrusk. rasena . auch der homerische Zeus wird rathgeber μήστωρ, μητίετα genannt. consilio deorum immortalium , consuesse deos immortales sagt Caes. b. gall. 1, 12. 14. den pl. regin hat die edda auch noch Sæm. 32 b . 34 a nyt regin , Sæm. 36 a vîs regin , Hakonarmâl. 18 râđ öll ok regin. Sæm. 248 b dôlgrögnir . neben regin kommt auch rögn vor: höpt, bönd, rögn Sn. 176. wer gesaz bî gote an dem râte dâ diu guote mir wart widerteilet? Ms. 2, 180 a . ebenso abstract wie der gen. pl. regano im alts. reganogiscapu klingt ein anderer in Haupts zeitschr. 2, 208, wo Maria kuneginne aller magene , omnium virtutum heißt. . regin sind die rathschlagenden, weltordnenden gewalten, und die 22 benennungen blîđ regin die frohen, freudigen götter; wo menschen festlich, prächtig geschmückt einhergiengen, glaubte man götter erscheinen zu sehn: menn hugđu at æsir væri þar komnir. Landn. 3, 10. die Völs. saga c. 26 sagt von Sigurd: ›þat hygg ec at her fari einn af gođunum ‹. Parz. 36, 18: ›aldâ wîp und man verjach, sine gesachen nie helt sô wünneclich, ir gote im solten sîn gelîch ‹. um so begründeter ist die anmerkung über Siegfried (cap.  XV .), von dem es noch Nib. 84, 4 heißt: ›der dort sô hêrlîchen gât ‹. Nachtrag: Von den göttererscheinungen ist s.  280 die rede. Saxo ed. Müller spricht 118 von sacra deûm agmina . die götter leben froh: deorum vitam apti sumus. Terent. heautont. IV. 1, 15. deus sum, si hoc ita est. Hecyra V. 4, 3. frohe, schöne menschen werden ihnen darum verglichen. þyckir oss Ođinn vera . Hakonarm. 15. vgl. oben Asablôđ. gê her für als ein götinne . Renn. 12277. ên wîf ghelîc ere godinnen . Maerl. 2, 233. alse ochter god selve comen soude. Lanc. 31321. nhd. schön wie ein gott. vgl. die schönheit der elbe und engel s.  371 . die insel Gos scheint götter hervorzubringen, so schön sind da die menschen. Athenaeus 1, 56. die götter sind den menschen gleich worden und zu uns herniedergekommen und nenneten Barnabam Jupiter und Paulum Mcrcurius, dieweil er das wort führete. apost. gesch. 14, 11. 12. , holl regin (gute, gnädige götter), upp regin , gin regin (superae potestates) haben ganz diesen technischen sinn. ragnarökr (goth. raginê riqvis?) bezeichnet das weltende, den untergang der leitenden götter. Sæm. 89 b wird rögnir ok regin verbunden, rögnir (vgl. 196 a ) ist der hervorgehobne einzelne ragineis (raguneis?). Diese altn. regin wären goth. ragina, wie die höpt und bönd goth. hafta und banda. Dieselbe heidnische vorstellung bricht durch in dem alts. regan giscapu, regano giscapu, welches Hel. 79, 13. 103, 3 soviel als fatum, schicksal, den beschluß und rath der götter ausdrückt. es ist synonym mit wurd giscapu. Hel. 103, 7 von wurd (fatum); metodo giscapu. Hel. 66, 19. 147, 11. wir sahen vorhin, daß metod ebenfalls eine benennung des höchsten wesens war, die der christliche dichter aus der heidnischen poesie beizubehalten sich getraute, die gen. pl. regano, metodo weisen wieder auf die mehrheit der haftenden götter. Augustins briefsammlung enthält cap. 178 in der altercatio mit Pascentius eine gothische, vielleicht vandalische formel sihora armen , deren sinn kein anderer ist als κύριε ἐλέησον auch die Tscheremissen beten: juma sirlaga, die Tschuwaschen: tora sirlag, d. i. gott erbarme! G. J. Müllers saml. russ. gesch. 3, 359. die Morduinen, wenn es donnert: paschangui Porguini pas (erbarme dich gott Porguini.) Georgi description 1, 64. . wäre sie gleich untergeschoben und, statt am ende des vierten, erst im fünften oder sechsten jh. aufgezeichnet, immer bleibt merkwürdig, daß in ihr sihora für gott und herr verwendet ist. Ulfilas hätte gesagt: fráuja armái. der inf. armên , wenn es nicht für armê verschrieben, könnte die stelle des imp. vertreten; auch in der finn. und ehstn. sprache bezeichnet armo gratia, misericordia. sihora aber scheint sich bloß aus dem deutschen erklären zu lassen, und ein von seiner siegreichen gewalt hergenommner, schon heidnischer beiname gottes Nachtrag: Ueber sihora armen vgl. Maßmann in Haupts zeitschr. 1, 386 und Holtzmann in Germania 2, 448, der varianten gibt. sihora könnte neben frauja gegolten haben. sigorafreá cod. exon. 166, 35. 264, 8 heißt wörtlich triumphorum dominus. ein kriegerischer gottesanruf ist auch klage 1672: himelischer degen! . Odinn heißt sigrgođ, sigtŷr, sigföđur, und noch Hel. 47, 13. 114, 19. 125, 6 wird sigidrohtîn , Cædm. 33, 21. 48, 20 sigidryhten auf gott übertragen, sigmetod Beov. 3544, vîgsigor Beov. 3108 den sig hât got in siner hant . Ms. 2, 16 a . , anderwärts sigoradryhten , sigorafreá , sigoravealdend , sigoragod , sigoracyning . ja aus diesem alten namen sihora könnte sogar die in deutscher und romanischer zunge fortlebende benennung sira , sire , entsprungen sein gött anz. 1833. s. 471, 472. doch hat Diez (roman. gramm. 1, 41) zweifel erhoben. . Wie die götter als superi und uppregin , als in der höhe, im himmel, uphimin, auf der berghöhe (âs, ans) oben wohnend 23 dargestellt werden, so pflegen den einzelnen gewisse besondere berge und wohnungen beigelegt zu werden. Wir haben also schon aus einer betrachtung der allgemeinen namen für gott und götter ergebnisse gewonnen, die zwischen ausdrücken der sprache und begriffen unseres heidenthums zusammenhang anzunehmen nöthigen. das ›mir und gott‹, der holde und zornige gott, der frôho und vater, das sehen, schaffen, messen, gießen, die vorstellungen von ans, haft, band und ragin lenken einzeln und mit desto stärkerem gewicht zusammen in den zu betretenden weg. ich werde alle fäden wieder aufnehmen, will aber zuvor die verhältnisse des cultus erörtern Nachtrag: Zum schluß dieses capitels von gott müsste noch ausgeführt werden, wie götter oft nur für einzelne länder und örter gelten, andere aber z. b. der Ζεὺς πανελλήνιος allen stämmen gemein waren. andrerseits verdient die unbestimmtheit bemerkt zu werden, die sich in mehreren griechischen und römischen, nicht in germanischen formeln ausspricht: καὶ τις ϑεὸς ἡγεμόνευεν. Od. 9, 142. 10, 141. τίς με ϑεῶν ὀλοφύρατο. Od. 10, 157. ἀϑανάτων ὅς τις . Od. 15, 35. τις ϑεός ἐσσι. Od. 16, 183. οὔ τίς τοι ϑεός εἴμι. Od. 16, 187. τίς σφιν τόδ' ἔειπε ϑεῶν. Od. 16, 356. ἦ μάλα τις ϑεὸς ἔνδον. Od. 19, 40. καὶ τις ϑεὸς αὐτὸν ἐνείκοι. Od. 21, 196. 24, 182. 373. solemnis formula, qua dii tutelares urbium evocabantur e civitatibus oppugnatione cinctis ambiguo nomine si deus, si dea , ne videlicet alium pro alio nominando aut sexum confundendo falsa religione populum alligarent cf. Macrobius sat. 3, 9. nam consuestis in precibus: sive tu deus es sive dea dicere. Arnob. 3, 8. hac formula utebantur Romani in precibus quando sive terra movisset sive aliud quid accedisset de quo ambigebatur, qua causa cujusque dei vi ac numine effectum sit. cf. Gellius 2, 20. ibique Gronov. . 24 Cap. III. Gottesdienst. Die einfachsten handlungen, wodurch der mensch den göttern seine verehrung ahd. êra , goth. wol áiza? das ahd. êrôn ist nicht bloß unser ehren, sondern auch verehren, revereri (wie reverentia anbetung, cultus) ags. veorđian , alts. giwerthôn . heilig ist alles was von den göttern kommt und sie angeht, das älteste wort unsrer sprache dafür lautet goth. veihs , ahd. wîh , dessen sich aber nur einige ahd. denkmäler bedienen, während die übrigen heilac vorziehen, alts. nur hêlag , ags. hâlig , altn. heilagr ; von den beziehungen des wortes wîh zu dem subst. wih im verfolg. frôn bedeutet heilig im sinne von dominicus. Nachtrag: Die verehrung, der cultus der götter heißt ags. veorđscipe reverentia, dignitas, auch veorđung , engl. worship , für ags. veorđian tritt engl. worship ein. den alten gottesdienst stellten die bekehrer dar als diobules gelp inti zierida (pompa). aerlôs heißt impius bei Isid. 21, 21. 55, 5. neben gottes ehre ist auch von des meien êre . Ms. 2, 22 b und duvels êre . Rose 11200 die rede. GDS. 71. gote dienen wird Nib. 787, 1, er vorchte den heilant. Roth 4415. gebraucht. die andacht, innigkeit des herzens gibt Barl. 187, 16 mit inneclîchem muote , 187. 36. 14 durch andaehtlîche wieder und Diemer 24, 16 mit dem inneren gebete . Wolkenst. s. 24 sagt schon: die andâht fuor zum gibel aus. kund that, und fortwährende verbindung mit ihnen unterhielt, waren gebet und opfer. das opfer ist ein mit gaben dargebrachtes gebet. wo aber zum gebet fand sich auch anlaß zum opfer Nachtrag: Die gottesverehrung thut sich bei den meisten völkern, von denen aber die Chinesen ausgenommen sind, in gebet und opfer kund, (kl. schr. 2, 460–462) in feierlichen handlungen, die zu festen und hochzeiten anlaß gaben, welche weiter unten näher erörtert werden müssten. Nicht immer sind im gottesdienst gebet und opfer verbunden. betra er ôbedit enn se ofblôtit (al. ôblôtit ) Sæm. 28 b . die Chinesen beten nicht (kl. schr. 2, 461) und allerdings darf man gott, da er keine sprache, keinen leib hat, auch nicht ohr und gehör beilegen, folglich kein hören des gebets. ein allmächtig gedachter gott muß auch die gedanken so gut wie die worte vernehmen. die gebete, ausdrücke der bitte, des danks und der freude, sind im heidenthum entsprungen und setzen ein hörendes götterbild voraus. Odysseus betet zu Athene: κλῦδί μευ, νῦν δή πέρ μευ ἄκουσον, ἐπεὶ πάρος οὔποτ' ἄκουσας ῥαιομένου. Od. 6, 325. 13, 356. vgl. Od. 2, 262: κλῦϑι ἄναξ. Od. 5, 445. Il. 16, 514. zu Apollon, Poseidon wird mit derselben formel gebetet. götter läßt man durch andere grüßen: Veneri dicito multam meis verbis salutem. Plautus Poenul. I. 2, 195. doch neben lautem gebet kommt oft leises reden, murmeln vor wie bei beschwörungen. Lasicz. 48. ϑρησκεύειν soll ein halblautes beten sein. Creuzer 2, 285. das lat. precari (vgl. procus), umbr. persnî (Aufrecht und Kirchhoff 2, 28. 167) entspricht dem ahd. fergôn poscere, precari N. Cap. 153, dem skr. prach , zend. pereç . tases persnimu tacitus precare, bete still für dich hin, und kutef persnimu caute precare. a. o. 168. 169. 170. das skr. dschap heißt submissa voce dicere, praesertim preces Bopp 135 a . vgl. dschalp loqui, litth. kalbu. faveas mihi, murmure dixit. Ov. metam. 6, 327. (s.  1023 . 1024 ). gebete käuen kommt in Bronners leben 1, 475 vor. ›stille gebete thauen ‹ Gessners schriften. Zürich 1770. 2, 133. gebet vrumen . Gudr. 1133, 1. beten und himelspreken Gefken. beil. 116. daz gebet ist ein süezer bote ze himele. Ernst 20. andrerseits aber erschallt das gebet. daz dîn bete erklinge . Walth. 7, 35. precibus deum pulsare opimis. Ermold. Nigell. 2, 273. das gebet ergeht, wird ergossen: alse daz gebet irgie . Ksrchr. 2172. gebed utstorten Soester fehde. s. 597. nnl. bede storten preces fundere wie tranen storten lacrimas fundere. gepet ausgießen . MB. 27, 353. . Erwägen wir das Wort, dessen sich Ulfilas für den begrif des anbetens bedient, so ergibt sich gleich wieder eine übereinstimmung mit dem nord. sprachgebrauch. προσκυνέω wird durch das goth. inveita , inváit, invitum verdeutscht Matth. 8, 2. 9, 18. Marc. 5, 6. 15, 19. Luc. 4, 7, 8. Joh. 9, 38. 12, 20. 1 Cor. 14, 25; einmal auch ἀσπάζομαι Marc. 9, 15. Nachtrag: Unbesprochen sind geblieben außer den griech. ausdrücken δέομαι ich habe nöthig, bitte, ἱκετεύω flehe, λίσσομαι flehen, das altn. heita â einn vovere sub conditione contingenti: hêt â þôr er flehte zu Thor, gelobte ihm. oldn. läseb. 7. (vgl. einem bestimmten gott, namentlich dem Ođin, gegeben werden vgl. s.  851 ), dann auch vom ahd. harên clamare anaharên invocare. N. Boeth. 146. (Graff 4, 980). alts. grôtian god. Hel. 144, 24. 145, 5. das goth. inveita verdeutscht προσκυνέω und einmal ἀσπάζομαι. es fragt sich ob προσκυνέω von κυνέω küsse, wie adoro von os, oris, woraus osculum entspringt, herstammt und an den handkuss erinnern darf, mit welchem die Griechen die sonne anbeteten: τὴν χεῖρα κύσαντες . Lucian 5, 133, oder ob von κύων vgl. πρόσκυνες hündische schmeichler bei Athen. 6, 259 (vgl. Pott zählmeth. 255). ἀσπάζεσϑαι gilt auch von hunden, die dem herrn wedeln. ob damit die προσκύνησις genau erfaßt wurde, steht zu bezweifeln, schon weil der Gothe überall den acc., statt des gr. dat., hinzufügt. προσκυνεῖν gilt in neugriech. volksliedern vom niederfallen des besiegten, für sich ergeben, gefangen geben. wir wissen nicht, von welcher gebärde das inveitan begleitet war, ob das haupt geneigt oder die hand bewegt, das knie gebogen wurde? wenn es 1 Cor. 14, 25 heißt: driusands ana andavleizn inveitiþ guþ, so widerstreitet jenes flehende niederfallen nicht dem begrif des worts. da ein alts. ags. giwîtan, gevîtan abire bedeutet, könnte inveitan auch nur annäherung, hinzugehen ausdrücken? und Paul. Diac. 1, 8 hat zweimal accedere . fraveitan ist vindicare. zu vergleichen scheint das altn. vîta inclinare, das Biörn unter veit anführt, und wie ich glaube unrichtig vita schreibt. davon abgeleitet ist veita (goth. váitjan?), veita heiđr, honorem peragere, veita tîđir, sacra peragere, veitsla (epulum, goth. váitislô? Bopp vergl. gramm. s. 128 stellt inveita zu dem zend. nivaêdhayêmi invoco. ). bida ist goth. preces, bidjan , precari, rogare, orare, beide im weltlichen wie im geistlichen verstand. nicht anders ahd. pëta und pittan , aber von pëta wird nun ein pëtôn (adorare) geleitet und mit dem acc. der person construiert: O. I. 17, 62. II. 14, 63. 25 nidarfallan joh mih bëtôn . O. II. 4, 86. 89. 97. III. 11, 25. T. 46, 2. 60, 1. pëtôta inan. Diut. 1. 513 b . doch bëtôn kann auch geistliches orare ausdrücken. T. 34, 1, 2. 3. bëtoman cultores O. II. 14, 68. mhd. finde ich bëten im sinn von adorare stets mit der praep. an verbunden Nachtrag: Der beter, anbeter heißt nicht nur ahd. bëtoman , sondern auch noch mhd. beteman . Hartm. 1. büchl. 263. das gebet heißt bete . mine flehe und mine bete, die wil ich erste senden mit herzen und mit henden . Trist. 123, 22 (also flehen mit händen, händefalten?). mhd. bëten adorare ist stets mit an verbunden: betent an in Parz. 107, 19. an welchen got er baete. Servat. 1347. beten an des gelückes got. pass. 358, 63. ein kreftige stat, dô man diu apgot anebat. Karl 10 a . ist dies beten an nur auf falsche götter bezüglich? vgl. Pfeiffers Barl. s. 446. bëten an diu abgot. Barl. 72, 4. an ein bilde bëten. das. 98, 15; sô muoz si iemer mê nâch gote sîn mîn anebët (gegenstand meiner verehrung) Ben. 146. nhd. unterscheidet sich bitten , beten und anbeten , so wie bitte von gebet . das alts. bëdôn (adorare) hat nicht den acc. bei sich, sondern die praep. te : bëdôn te mînun barma. Hel. 33, 7. 8. und schon daraus mag folgen was gramm. 2, 25 vermutet wurde, daß bidjan ursprünglich den sinnlichen begrif von jacere, prosterni enthielt, aus welchem allein auch sich badi κλινίδιον und das alte badu, ags. beado caedes, strages erklärt welche war die sinnliche bedeutung des slav. moliti rogare, molitise orare, böhm. modliti se, poln. modlić się? das sloven. moliti ist noch porrigere, vgl. litth. meldziu rogo, inf. melsti, malda oratio. preuß. madla vgl. g. maþljan loqui, maþleins loquela, was an oratio rührt. . In dem ags. N. T. wird adorare übersetzt geeáđmêdan , d. i. sich demütigen, humiliare. Das mhd. flêhen , wenn es supplicare ausdrückt, regiert den dativ: gote flehen. Aegid. 30. den goten vlêhen. Parz. 21, 6. Wh. 126, 30. Türl. Wh. 71 a . wenn aber demulcere, solari, den acc. Parz. 119, 23. 421, 25. Nib. 499, 8 Iw. 3315 vlêgete got, in der ältesten hs. aber vlêhete gote. Nachtrag: Mhd. flêhen supplicare hat den dativ. deme heiligin geiste vlên. Wernh. v. Niederrh. 37, 17. vlêhet mîneme trechtîn. Ksrchr. 2167. dir vlêhen 6730. gote flêhen. Freid. 128, 25. Kschr. 6564 v. d. glouben 3170. vlêget got. Warnung 874. 1067. 1425. 1519. 2591. dagegen mit acc. den tôren flêhen. Freid. 83, 3. alle hêrren flêhen. Walther 28, 33. fleha ze himele frumen N. Boeth. 271. vgl. oben: gebet vrumen. wie flehen hat εὔχεσϑαι den dat. z. b. Διί Od. 20, 97. 24, 518. Ἀϑήνη Od. 2, 261. Ποσειδάωνι Od. 3, 43. 54. ἐπεύχεσϑαι Ἀρτέμιδι Od. 20, 60. vgl. εὐχῆ πρεσβεύειν Aesch. Eumen. 1. ἐν εὐχαῖς φροιμιάζομαι a. o. 20. ἐν λόγοις πρεσβεύειν. a. o. 21. es ist das goth. þláihan , fovere, consolari. ahd. kenne ich flêhôn (vovere) nur aus N. Cap. 8, Bth. 178 und er schreibt fléhôn , ten (quem) wir flehoton. nhd. zu gott flehen , oder gott anflehen . das goth. aíhtrôn προσεύχεσϑαι, προσαιτεῖν drückt mehr betteln als bitten, beten aus, das ahd. diccan , alts. thiggian precari, impetrare, wie ags. þicgan , altn. þiggja überall bloß impetrare, accipere, so daß bitten schon in erbitten, erlangen übergegangen ist Nachtrag: Stammt das goth. aíhtrôn wie ahd. eiscôn von aigan und bedeutet so viel wie haben wollen? das ahd. diccan kommt auch noch mhd. vor. digete gein gote. altd. bl. 2, 149. an in gediget  = zu ihm betet. kindh. Jesu 91, 4. underdige supplicatio. Servat. 3445. . Eigenthümlich der nord. und ags. mundart, fremd allen übrigen, ist noch ein ausdruck für gebet. altn. bôn oder bœn , schwed. dän. bön , ags. bên , gen. bêne (fem.) Cædm. 152, 26., bei Chaucer bone , engl. boon . davon bêna supplex, bênsian supplicare. Endlich das isl. schwed. dyrka , dän. dyrke , welches ganz wie das lat. colere von der gottesverehrung, wie von dem landbau gilt, scheint erst ein später aufgekommner, der altn. sprache fremder ausdruck. Ueber die art und weise des heidnischen gebets entbehren wir nachrichten; ich vermute bloß, daß damit blicken gen himmel , neigen des leibs (worauf schon bidjan führte), händefalten , kniebeugen , hauptentblößen verbunden war. diese gebärden erwachsen aus kindlich roher vorstellung des alterthums, wonach der flehende mensch dem mächtigen gott, seinem sieger, sich als wehrloses opfer darbietet und unterwirft Nachtrag: Blicken gen himmel, neigen des leibes, kniebeugen geschieht beim gebet. precatus deos coelumque suspiciens . Tac. Germ. 10 (kl. schr. 2, 459). zuweilen wird stehend gebetet: diu stêt an ir gebete in der kapellen hie bî. Jw. 5886. an daz gebet stân. Zappert s. 23. man neigt sich: te bedu hnîgan. Hel. 48, 16. diofo ginigen O. III. 3, 28 (vgl. tiefe nîgen. Walth. 18, 20.) sîn nîgen er gein himel gap. Parz. 392, 30. Hagen neigt den meerfrauen. Nib. 1479, 1. wie man dem wege freundlich neigt, so heißt es umgekehrt: ich wil dem wege iemer mêre sîn vîent swâ dû hin gâst. Amur 2347. das finn. kumarran flecto me, veneror wird dem wege (tielle), mond (kuulle), der sonne (päiwällä) zu theil. Kalew. 8, 103. 123. 145. diu bein biegen = beten cod. vind. 159 no. 35. vgl. über knien und niederbeugen. Zappert s. 39. ze gebete gevie . Ksrchr. 6051. ze gote er sîn gebete lac . Pantal. 1582. er viel an sîn gebet. troj. kr. 27224. Parz. 122, 27. viel in die bede. Maerl. 2, 209. vielen int gebede. Maerl. 3, 247. dô hup er ane zu veniende : wo ime daz houbit lac, dô satzte her di fuze hine. myst. 1, 218. legde hleor on eorđan . Caedm. 140, 32. schwed. bönfalla heißt betend knien. beim opfer fiel man zur erde ρίπτοντες ἐς ὠδὰς nach Athenaeus s. 511. die Esten knien und kriechen barhaupt zur opferstätte. estn. verh. 2, 40. andere bräuche sind folgende: die Inder tanzen vor der sonne. Lucian. (ed. Lehmann) 5, 130. in matronengewand, mit nackten füßen und gelösten haaren baten römische frauen Jupiter um regen. kl. schrift. 2, 446. man küßt den göttern die hände. vgl. προσκυνεῖν. im gegensatz zum ἄνω βλέψας. epigr. von Moschos, zum aufschauen zu den göttern oben im himmel, wendet man von göttlichen, heiligen dingen den blick ab. Odysseus soll das ihm von Ino geliehene κρήδεμνον nach der landung mit abgewandtem antlitz ins meer zurückwerfen ἀπονόσφι τραπέσδαι. Od. 5, 350. ταρβήσας δ' ἑτέρωσε βάλ' ὄμματα, μὴ ϑεὸς εἴη. Od. 16. 179. precari deos, coelumque suspicere bezeugt schon Tac. Germ. 10. genuflectere ist goth. knussjan , supplicare den Römern flexo corpore adorare. niederfallen und 26 neigen war auch gewohnheit der Christen, daher heißt es Hel. 47, 6. 48, 16. 144, 24 te bedu hnîgan , 58, 12. te drohtine hnîgan 176, 8. te bedu fallan, 145, 3 gihnêg an kniobeda. im Sôlarliođ der merkwürdige ausdruck: henni (der sonne) ec laut . Sæm. 126 a , ihr neigte ich mich, von lûta , inclinare. falla â knê ok lûta. Vilk. saga cap. 6. nu strauk kongsdôttir sinn legg ok mælti ok sêr î loptid upp . Vilk saga cap. 61. ebenso wird in Oiaf des heil. saga erzählt, daß sich die männer vor Thors bildseule neigten ( lutu þvî skrimsli). fornm. sög. 4, 247. fell til iardar fyrir lîkneski. fornm. sög. 2, 108. von den Langobarden erzählen die dial. Gregorii M. 3, 28, daß sie ein göttlich verehrtes ziegenhaupt submissis cervicibus angebetet hätten. Man pflegte noch im mittelalter sich vor leblosen gegenständen zu neigen , d. i. sie zu segnen und benedeien: einem geliebten lande, dem wege, den jemand gewandelt war, dem tage dem stîge nîgen. Iw. 5837. dem wege nîgen. Parz. 375, 26. dem lande nîgen. Trist. 11532. nîgen in daz lant. Wigal. 4018. nîgen in elliu lant. Iw. 7755. in die werlt nîgen. Frauend. 163,10. den stîgen und wegen segen tuon. Iw. 357. . Lat. schriftsteller des mittelalters, z. b. Lambert setzen pedibus provolvi für inständig bitten, die gebärde fand, wie vor gott, vor allen statt, die man ehren wollte: neig im ûf den fuoz. Morolt 41 b hie viel sie ûf sînen vuoz. Iw. 8130. ouch nîge ich ir unz ûf den fuoz. Ms. 1, 155 a valle für si und nîge ûf ir fuoz. Ms. 1, 54 a . buten sich weinende ûf sinen vuoz. Greg. 355. neig im nider ûf die hant. Dietr. 55 b . Die stellen lehren, daß man vor den fuß, zu den füßen dessen, der zu verehren war, niederfiel, ihm zu füßen fiel: wilt fallan te mînun fôtun, bedôs te mînun barma. Hei. 33, 7. sich bôt ze tal gein sînen füezen nieder. Wh. 463, 2 fial in sine fuazi. O. III. 10, 27. an sîne füeze. Karl 14 b . Die Christen im mittelalter nannten es venie fallen . Parz. 460, 10. Karl 104 a Berth. 173. Ksrchr. 2958. 3055. knien und die erde küssen, um sündenerlaß (venia) zu erlangen: dâ er ûf siner venie lac. Barl. 366, 21. den anger maz mit der langen venie. Frib. Trist. 2095. venien suochen. Ms. 1, 23 b . Morolt. 28 a . Troj. 9300. terrae osculationibus, quas venias appellant. Pez bibl. ascet. 8, 440. gie ze kirchen und banekte ze gote sîniu glider mit venien und gebet. cod. kolocz. 180. . Ein altböhm. lied hat: sie klanieti bohu, sich vor gott neigen, ihn anbeten. königinh. hs. 72. ebendaselbst aber auch das undeutsche: se biti w čelo přede bohy, sich an die stirne schlagen das stirnschlagen, die tschelobitnaja, verbot in Russland Catharina II. vgl. pronis vultibus adorare. Helmold 1, 38. . Entblößung des haupts Nachtrag: Man entblößt das haupt vor got, königen und vornehmen. huic capite velato, illi sacrificandum est nudo . Arnob. 3, 43. pilleis capitibus inclinarent detractis . Eckehardus a. 890 (Pertz 2, 84). pilleis detractis regratiare a. c. (Pertz 2, 85). tuot ûwere kugelen abe und bitit got. myst. 1. 83, 25. man lupft den hut . Docen misc. 2, 252. son chapel oste . Ren. 9873. vgl. 's chäppli lüpfe . Hebel 213. helme und ouch diu hüetelîn diu wurden schiere ab genomen. Lanz. 6838. sînen helm er abe gebant . Wigal. 15, 29. sinen helm er abe bant und sturztin ûf des schildes rant. des hüetels wart sîn houbet blôz, wan sîn zuht wart vil grôz. Er. 8963. von dem houpt den huot liez vliegen. G. Ab. 2, 92. nach 1. Cor. 11, 4. 5 soll der mann mit unbedecktem , die frau mit bedecktem haupte beten und weissagen. vgl. Vaters note. ganz nackend wird im wasser gebüßt. G. Ab. 1, 7 vgl. vorr. LXX. der klosterbruder geht frühmorgens zur Donau, wasser zu schöpfen, sich zu waschen und zu beten. Vuk II. 7 naod Simeun im eingang. an die see gehen auch die Griechen gern zum gebet. Τηλέμαχος δ' ἀπάνευϑε κιὼν ἐπὶ ϑῖνα ϑαλάσσης . Od. 2, 260. βῆ δ' ἀκέων παρὰ ϑῖνα πολυφλοίσβοιο ϑαλάσσης. πολλὰ δ'ἐπειτ' ἀπάνευϑε κίων ἠρᾶϑ' ὁ γεραιός Ἀπόλλωνι ἄνακτι. Il. 1, 34. war gewis von frühe her unsern vorfahren eine ehrbezeugung, die, gleich dem neigen, der gottheit wie königen und vornehmen erwiesen wurde. vielleicht machten die priester, wenigstens die gothischen, hiervon eine ausnahme, deren namen pileati Jornandes daher erklärt, quia opertis capitibus tiaris litabant, während das übrige volk unbedeckt stand. in einem überrest heidnischer erntegebräuche werden wir cap.  VII noch ein solches hauptentblößen bestätigt finden. in des Nicolaus Magni de Göw registrum superstitionum (von 1415) heißt es: insuper hodie inveniuntur homines, 27 qui cum novilunium primo viderint flexis genibus adorant vel deposito caputio vel pileo , inclinato capite honorant alloquendo et suscipiendo was ich sonst über diesen gebrauch gesammelt habe, mag hier platz finden: elevato a capite pileo alloquitur seniorem. Dietm. merseb. p. 824 (a. 1012). sublata cydare surgens inclinat honeste. Ruodlieb 2, 93. Odofredus in I. secundo loco digest. de postulando: or signori, hic colligimus argumentum, quod aliquis quando venit coram magistratu debet ei revereri, quod est contra Ferrarienses, qui, si essent coram deo , non extraherent sibi capellum vel birretum de capite , nec flexis genibus postularent. pilleus in capite est. Isengrimus 1139. oster la chape (beim gruß) Méon 4, 261. gelüpfet den huot. MsH. 3, 330. sinen huot er abenam , hiemit êret er in alsô. Wigal. 1436. er zôch durch sîn hübscheit den huot gezogenlîchen abe. Troj. 1775. dô stuont er ûf geswinde gnuoc, ein schapel daz er ûf truoc von gimmen und von golde fîn daz nam er ab dem houpte sîn. Troj. 18635. er zucket im sîn keppalî . Ls. 3, 35. er was gereit, daz er von dem houbt den huot liez vliegen und sprach. Kolocz. 101. Festus erklärt: lucem facere dicuntur Saturno sacrificantes, id est capita detegere , und Saturno fit sacrificium capite aperto , vgl. Macrob. Sat. 1, 8. Serv. in Virg. 3, 407. . Eine ags. legende von Cuđberht erzählt, daß dieser heilige nachts zur see ging, bis an den hals in die flut stieg und auf den kieseln kniend , mit gen himmel ausgestreckten händen , betete väs gevunod þät he volde gân on niht tô sæ, and standan on þam sealtum brimme, ođ his svuran, singende his gebedu, and siđđan his cneovu on þam ceosle gebygde, âstrehtum handbredum tô heofenlîcum rodere. Thorpes analecta p. 76. 77. homil. 2, 138. im altfranz. jeu de saint Nicolas soll man sich dem Tervagant mit entblösten elnbogen und knien nahen (Legrand fabl. 1, 343). . Emporheben und falten der hände Nachtrag: Arsenius betet von sonnabends sonnenuntergang bis sonntags sonnenaufgang mit emporgehobenen händen. Maerl. 3, 197. dies emporstrecken der arme liegt auch wol in Parz. 392, 30: sîn nîgen er gein himel gap. in crucis modum coram altari se sternere. Pertz 8, 258 vgl. kreuzurteil. beten mit zertânen armen heißt es auch Zellw. urk. no. 1029, mit zertrenten armen no. 775. die hände sind vor dem gebete zu waschen. χεῖρας νιψάμενος ἠρώμην πάντεσσι ϑεοῖς. Od. 12, 336. χεῖρας νιψάμενος πολιῆς ἁλός εὔχετ' Ἀϑήνη. Od. 2, 261. Helgafell, þângat skyldi engi mađr ôþveginn lîta . Landn. 2, 12. galt auch gegenüber dem herrn, namentlich lehnsherrn. ›bat mit zertânen armen ‹ heißt es Ls. 3, 78; bei dem altbairischen stapfsakên kam ein solches emporrichten der hände vor (RA. 927) Nachtrag: Gott ist gnädig.χάρις gratia wird auch verdeutscht durch anst . goth. anstái audahafta gratia plena. ahd. fol gotes ensti . O. I. 5, 18. enstio fol. Hel. 8, 8 vgl. gebôno fullu bei Tat. und ags. mid gife gefylled. Otfried braucht für ginâda auch das ihm eigne wort êragrehti (Graff 2, 412). in der keilschrift heißt es immer: Auramazdâ mija upastám abara, Oromasdes mihi opem ferebat, und: vashná Auramazdaha, gratiâ Oromasdis. . Es ist nicht unmöglich, daß die bekehrten Christen einige heidnische gebräuche bei ihrem gebet bewahrten. auffallend sind die gebärden, die in einer handschrift vermuthlich des 12 jh. den gebeten hinzugefügt werden: sô miz den ubir dîn herza in modum crucis, unde von demo brustleffile zuo demo nabile , unde miz denne von eime rippe unz an daz andire unde sprich alsus. und wiederum: sô miz denne die rehtun hant von deme lengistin vingire unz an daz resti , unde miz denne von deme dûmin zuo deme minnisten vingire . ein gebet hieß ›der vane des almehtigin gotis‹, den sollen neun (frauen) neun sonntage, ›sô ez morginet‹ lesen; die neunte hat den psalm domini est terra zu lesen: daz ir lîb niet ruore die erde, wan die ellebogin unde diu chnie . die andern sollen alle stehen, bis das angezündete licht verbrennt ist. Diut. 2, 292. 293. Wir fassen das goth. aviliudôn εὐχαριστεῖν nicht mehr deutlich, es ist von aviliud χάρις gebildet, dem ein alts. alat , olat gratiae gleicht; liegt darin liuþ cantus und war schon etwas heidnisches dabei? Die alten gebetformeln verdienen genauere samlung, in den nordischen, welche den beistand der götter anrufen, findet sich meist das verbum duga mit dem sinn von propitium esse: biđ ec Ottari öll gođ duga . Sæm. 120 b . biđja þâ 28 dîsir duga . Sæm. 195 a . duga ist helfen vgl. gramm. 4, 687. schön ist das altn. gebet: biđjom herjaföđr i hugom sitja (rogemus deum in animis sedere nostris) Sæm. 113 a , wie die Christen den heiligen geist flehen herab zu kommen Nachtrag: Zu den altnischen gebetformeln können noch einige hinzugefügt werden. biđ ec barna sifjar duga . Saem. 61 b . blôtađi Ođinn ok biđr hann lîta â sitt mâl. Hervar. sag. c. 15. (vgl. unten cap.  XIV ). ôreiđom augom lîtiđ ockr þinnig ok gefit sitjondom sigr! Saem. 194 a . vgl. anm. 59 . mâl ok mannvit gefit ockr maerom tveim ok laeknishendur međan lifom! Saem. 194 a . vgl. s.  1033 und das gebet zu Freyr . Vigagl. sag. c. 9. 26. dem nord. biđjom herjaföđr î hugom sitja entspricht O. IV. 5, 30: in herzen unsên sâzi . dazu die griechische formel: κλῦϑί μευ s.  anm. 93 . der zweck des gebets, wie des opfers, ist entweder bloße ehrenbezeigung oder erbitten der gnade und hilfe. die gnade erscheint wieder doppelt, entweder als bloße huld, ohne daß der betende ungnade verdient hätte, oder als verzeihung begangner sünde, als aufgeben der rache. merkwürdig ist Hel. 3, 18: thiggean herron is huldi, that sie hevancuning lêdes âlêti (ut deus malum averteret, remitteret), da doch Luc. 1,10 bloß orare steht, auch O. I. 4, 14 nur ginâda beitôta. schonung und erbarmen wird von ihm erfleht (s.  22 ) ἵληϑι Od. 16,184. ἄνασσ' ἵληϑι Od. 3, 380. φείδεο δ'ἡμέων Od. 16, 185. σὺ δὲ ἵλεως γενοῦ. Lucian 5, 292. taivu ainomen Tapio! laß dich beugen, erbitten! Kalev. 7, 243. vgl. τόδε μοι κρήηνον ἐέλδωρ Il. 1, 41. τόδε κρηήνατ' ἐέλδωρ . Od. 17, 242. (kl. schr. 2, 458.) Gen osten schaut beim gebet auch der Inder am frühen morgen, daher ihm der süden daxa, daxima, die rechte seite heißt. beim anrufen Odins blickt man nach osten , bei Ulfs nach westen sv. forns. 1, 69. solem respiciens heißt es vom Bojocalus. Tac. ann. 13, 55. gegen die sonne wird das gebet gerichtet. n. pr. pr. bl. 1, 300, wie auch nicht nach sonnenuntergang geopfert werden darf. Geo. 2281. dagegen norđr horfa dyr kommt auch Saem. 7 b vor. Jötunheimr liegt nördlich . Rask afh. 1, 83. 94. GDS. 981. 982. . Betende und beichtende Christen schauten gen osten , mit aufgehobnen armen (Bingham lib. XI. cap. 7. ed. hal. 3, 273) und so heißt es auch in dem Kristinbalkr des alten Gulathinggesetzes ver skulum lûta austr , oc biđja til ens helga Krists ârs ok friđar (vgl. syntagma de baptismo p. 65). contra orientalem prostratus corpore partem precatur. Waltharius 1159, in ags. formeln: eástveard ic stande; kêret iuch gên ôrient Troj. 9298. 9642. Betende und opfernde Heiden schauten aber gen norden (horfa î norđr. fornm. sög. 11, 134. leit î norđr. Sæm. 94 a ); beten gegen mitternacht (Keisersperg omeiss 49 b ); und der Norden wurde unter den Christen als die unselige heidnische gegend angesehen, welches ich RA. 808 näher ausgeführt habe; gegen mitternacht soll kein wurf geschehn (RA. 57), in langobard. grenzurkunden heißt der nördliche strich: nulla ora (RA. 544). Dieser gegensatz muß zur erklärung einer stelle im roman de Renart angewendet werden, wo der fuchs christlich , der wolf heidnisch betet (Reinhart fuchs s.  xli ) bei der abrenuntiatio muste man gegen sonnenuntergang mit gerunzelter stirne (fronte caperata), zorn und haß ausdrückender gebärde, beim glaubensbekenntnis aber gegen sonnenaufgang mit gen himmel erhobnen augen und händen schauen. Bingham lib. XI. cap. 7. § 13. 14. vgl. Joh. Olavii synt. de baptismo p. 64. 65. . Wie jene ausdrücke des betens und erlangens zusammenfallen (s.  25 ), hielt man ein gebet für desto wirksamer, von je mehrern es ausgesprochen wurde: got enwolde so manegem munde sîn genâde niht versagen.   Wigal. 4458. die juncvrouwen bâten alle got, nu ist er sô gnædec unt sô guot unt sô reine gemuot, daz er niemer kunde sô manegem süezen munde betelîchiu dinc versagen.   Iw. 5351. in (den nonnen) wâren de můnde sô royt, so wes si god bâden, of syt mit vlîze dâden, he id in nummer inkůnde dem rôsenrôten můnde bedelicher dinge versagen. ged. von der vrouwen sperwere (cod. berol. 184, 54 d ). daher: helfen singen . Ms. 1, 57 a . 2, 42 b . vgl. cento novelle 61 scheinfrömmigkeit und andächtelei bezeichnete schon das MA. durch die kräftige redensart: ›er wil gote die füeze abezzen ‹. Ls. 3, 421. fragm. 28 a . Mones anz. 3, 22. ›unserm herrgott die füeß abbeißen wollen‹. Schmeller 2, 231; ›den heiligen die füß abbeten wollen‹. Simplic. 4, 17; herrgottbeißer. Höfer 2, 48; herrgottfisler (füßler) Schmid 193; heiligenfresserin. 10 ehen s. 62; ital. mangiaparadiso, franz. mangeur de crucefix; böhm. hryzipáter, poln. gryzipacierz (heiligenfresser); böhm. poln. liciobrazek (heiligenlecker). eine betschwester heißt gleichbezeichnend kapeltrete, tempeltrete, tempelrinne (Mones schausp. s. 123. 137) Nachtrag: Die frömmelei wird noch durch folgende redensarten ausgedrückt: wollt ir den heiligen die zehen abbeißen? Bronner 1, 295. allen heiligen die zehen abbeißen . Ettn. maulaffe 522. allen heiligen die füße ahbeißen wollen. Felsenburg 2, 328. alle heiligen fressen wollen. Elis. v. Orl. 251. götzeschlecker Stald. 1, 467. den gaunern heißt ein katholik tolefresser, bilderfresser . Thiele 317 a . magliavutts, götzenfresser . Carisch 182 b . woher das ital. bachettone? vgl. bigot, sp. beato. eine betschwester heißt die alte tempeltrete , spil v. d. 10 jungfr. b. Steph. 175. du rechte renne umme id olter (renn um den altar) Mone schausp. 2, 99. ein frömmler wird schon von Er. Alberus praec. vitae ac mor. 1562 s. 90 a frömmchen genannt. . . Das wort opfer wurde in unsere 29 sprache erst durch das christenthum eingeführt, und stammt aus dem lat. offero, offerre nicht aus operari, das in solchem sinn der kirche fremd war, auch verwenden die Romanen offerire, ofrecer, offrir, kein operare, obrar, ouvrer; die technische bedeutung dauert in offerta, ofrenda, offrande. aus oblata rührt das span. oblea, franz. oublie her, vielleicht das mhd. oblei, falls dieses nicht aus eulogia, oblagia. nach offre und offerta wurde das welsche offryd, irische oifrion, aifrion, offrail gebildet. offerre bestätigt endlich die verdeutschung bringen, darbringen. . mit recht haben die Angelsachsen nur das verbum offrian und ein daraus gebildetes offrung (oblatio). ahd. hat sich aus opfarôn, opforôn auch ein subst. opfar erzeugt, mhd. ophern, opher , opfer kaum läßt sich bei ophar , opfer ans goth. áibr δῶρον denken, dessen vocal und consonant nicht genau stimmen. das welsche abert , galische iobairt , irische iodbairt (sacrificium) gehören wol auch zu offerta. , und von Deutschland aus mag dieser ausdruck weiter vorgedrungen sein, altn. offr, schwed. dän. offer, lith. appiera, lett. uppuris, ehstn. ohwer, finn. uhri, böhm. ofěra, poln. ofiara, sloven. ofer. Überall wichen die älteren, heidnischen benennungen Nachtrag: Über opfer vgl. Creuzer symb. 1, 171. opphir vota gl. sletst. 6, 672. geschenke, gaben = opfer (s.  47 . 48 ). si brâhten ir obfer und antheiz . Diemer 179, 25. der allgemeinste lateinische ausdruck ist rem divinam facere = sacrificare. es wird auch commovere , obmovere  = darbringen, darreichen gebraucht. Aufr. und Kirchh. 2, 165. unterschieden wird victima das größere opfer von hostia , dem kleineren. Fronto s. 286. den oblationes ›für allen gebilden‹ (d. h. vor allen bildseulen, altären in der kirche), ut tenor est fundationis, cedens pastori (stiftung zu Rüden in Westfalen. a. 1421. Seibertz quellen der westf. gesch. 1, 232). entspricht der deutsche ausdruck wîsunga visitatio, oblatio. Graff 1, 1068 von wîsôn visitare. wîsod  = oblei, visitatio. Schmeller 4, 180. das schweiz. wîsen heißt jetzt an den gräbern verstorbener beten. Stalder 2, 455. . Die älteste, allgemein verbreitete für den begrif ›gott durch opfer verehren‹ war blôtan (wir wissen nicht, ob im goth. prät. báiblôt oder blôtáida?), ich möchte damit ganz die bedeutung des gr. ϑύειν verbinden wenn Sozomenus hist. eccl. 6, 37 in einer erzählung von Athanarich προσκυνεῖν καὶ ϑύειν gebraucht, so wäre das gothisch inveitan jah blôtan . Nachtrag: Über blôt , blôstr s. Bopp vgl. gr. 1146. für blôtan fráujan kommt 1 Tim. 2, 10 guþ blôtan deum colere vor. im altn. erhalten nicht nur die götter blôt vgl. âlfa blôt s.  370 . dîsa blôt s.  333 . blôthaug und stôrblôt werden fornm. s. 5, 164. 165 erwähnt. sleikja blôtbolla Fagrsk. s. 63 (kl. schr. 2, 215. 5, 305). der altn. eigenname Blôtmâr acc. Blôtmâ. Landn. 3, 11. scheint larus sacrificator, also soviel wie der merkwürdige beiname blotevogel a. 1465. Osnabr. ver. 2, 223. oder ist es wahrscheinlicher, daß er bloßer, nackter vogel bedeutete? vgl. spottvogel, speivogel, wehvogel. altn. blôtvargr ist pronus ad exsecrandum, denn blôta ist nicht nur consecrare, sondern auch exsecrare, maledicere. . Ulfilas fand es noch unanstößig, dadurch σέβεσϑαι und κατρεύειν Marc. 7, 7. Luc. 2, 37 zu übersetzen, er construiert dazu den acc. der person, blôtan fráujan heißt ihm deum colere, schwerlich denkt er dabei an grausame opfer. blôtinassus Rom. 12, 1 ist ihm λατρεία, guþ blôstreis Joh. 9, 31 ϑεοσεβής. letzteres setzt ein subst. blôstr (cultus, oblatio) voraus, dessen S gramm. 2, 208 erklärt worden ist. usblôteins (παράκλησις) 2 Cor. 8, 4 verlangt ein verbum usblôtjan (flehen, obsecrare). Cædmon braucht das ags. blôtan , blêot, onblôtan , onblêot von dem jüdischen opfer, und verbindet damit acc. der sache, dat. der person, blôtan sunu (filium sacrificare) 173, 5. onblêot thät lâc gode (obtulit hostiam deo) 177, 21. in Älfreds Orosius steht auch blôtan , blôtte. ich leite davon her blêtsian , später blessian, engl. bless, benedicere. Das ahd. pluozan (pliez und pluozta) erscheint nur in glossen und für libare, litare, victimare, immolare. gl. Hrab. 959 a 960 a 966 b 968 b Diut. 1, 245. 258 a , casusconstruction ist nicht zu ersehen, doch acc. der sache aus kaplôzaniu immolata zu folgern. das subst. pluostar (sacrificium) bluostar Is. 382. gl. emm. 411. gl. jun. 209. T. 56, 4. 95, 30 102 die gl. Hrab. 954 a bacha plôstar ist unvollständig und lautet gl. Ker. 45. Diut. 1, 166 a bacha sacrificat ploastar ploazit oder zëpar plôzit , soll also nur das lat. verbum, nicht das subst. bacha (d. i. βάκχη) übersetzen. noch richtiger vielleicht ist die lesart bachat f. bacchatur, synonym non sacrificat. . pluostarhûs (idolium) gl. enim. 402. ploashûs fanum, pluostrari (sacrificator) das. 405; offenbar hat das wort hier ein mehr heidnisches ansehn, und wurde um diese zeit nicht vorn christlichen dienst gebraucht; bald sterben mit der sache die ausdrücke ganz aus. Ihre allgemeine anwendung im nord. heidenthum läßt aber keinen zweifel übrig, daß sie unter Gothen, Alamannen, Sachsen, vor dem übertritt zum christlichen glauben, ebenso galten. Gleich dem goth. verbum hat das altn. blôta (blêt und blôtađi) den acc. der person oder sache, die man göttlich verehrt, bei sich, Grâgâs 2, 170 in der formel des trygdamâl heißt es: svâ viđa sem kristnir menn kirkior sœkia, heiđnir menn hof blôta (fana colunt) und in der edda: Thôr blôta, mik blôta , blôtađi Ođin (Sæm. 111 a 113 b 141 a 165 a ) blôtađi hrafna þria. Landn. 1, 2. verehrte drei raben, die ihm den weg weisen wollten; so fordert ein vogel (Sæm. 141 a ) daß ihm kühe geopfert werden. das opfer selbst heißt altn. blôt und nicht selten wird gesagt: feck at blôti, ak blôti miklu, brachte ein opfer, ein großes opfer. Landn. 2, 29. ; der sinn ist immer sacrificio venerari, also das goth. altn. verbum heben mehr den persönlichen begrif, das ahd. ags. mehr den sächlichen heraus. noch die altdän. übersetzung des A. T. gebraucht blothe (immolare) blodh madh (libamina) blotelsä (holocaustum) Molbechs ausg. s. 171. 182. 215. 249. auch das altschwed. Uplandslag, gleich zu anfang des kirchenbalkens, hat: ængin skal affguþum blotæ , schon mit persönlichem dat., der einen acc. der sache voraussetzt. Die rechte abstammung des wortes kenne ich nicht buchstäblich verwandt wäre φλοιδόω entzünde, verbrenne, was ϑίω und das lat. suffio ausdrückt; aber wenn ursprünglich in blôtan idee des brandopfers lag, müste sie frühe verdunkelt worden sein. . auf keinen fall ist sie in blôþ (sanguis) zu suchen, wie die abweichenden consonanten beider goth. wörter lehren; gerade so stehen ahd. pluozan und pluot von einander. auch war die dadurch bezeichnete götterverehrung nicht nothwendig blutig. Eine merkwürdige stelle in der livländ. reimchronik 4683 erzählt von den Sameiten (Schamaiten, Samogiten) ir bluotekirl der warf zuo hant sîn lôz nâch ir alden site, zuo hant er bluotete alles mite ein quek. hier freilich wird ein thier geopfert, ich glaube der dichter behielt den aus Scandinavien nach Litthauen gedrungnen ausdruck bei, ohne ihn selbst zu verstehen, bluotkirl ist ein altschwed. blôtkarl, heidnischer priester, der litthauischen sprache war die benennung fremd auch mhd. scheint das wort erloschen, in örtlichen benennungen dauert es vielleicht noch heute fort, so gibt es in Hessen blotz graben, blotz garten, vgl. die redensart blotzen (geld geben, aufopfern) müssen. auch heißt blotz ein altes messer, schwert Nachtrag: Mit der blotzen haun. H. Sachs III. 3, 58 c . eine breite blötze . Chr. Weise. drei erzn. 194. der weidplotz das waidmesser. plötzer . Vilmar in der hess. zeitschr. 4, 86. die bluote altes messer. Woeste. . 31 Einige andere allgemeine ausdrücke sind folgende Nachtrag: Antheiz gelübde, votum heißt auch opfer, aber das noch nicht dargebrachte, aber künftig gelobte opfer. so verhießen die Deutschen nach dem siege zu opfern. Tac. ann. 13, 57. so gelobten die Römer ein ver sacrum , alle frühlingsgeburten, das vieh ward nach 20 jahren geopfert, die jugend ausgesandt. Niebuhr 1, 102. si brâhten ir obfer unde antheiz . Diemer 179, 25. gehetôn vîgveorđunga Beov. 350 promiserunt, voverunt sacrificia. zum ähnlichen worte onsecgan die stelle: aerþon hine deáđ onsägde priusquam mors eum sacrificaret. cod. exon. 171, 32. vgl. das mhd. iuwer lîp ist ungeseit ἄφατος Neidh. 47, 17. Was heißt ahd. frêhtan? N. Boeth. 226 sagt von Iphigenia: dia Chalchas in friskinges wîs frêhta (Graff 3, 818). vgl. altn. frêtt vaticinium, divinatio (s. 77 ) und ags. on blôte ođđe on fyrhte . Schmid 272. 368, wo man an furcht nicht denken darf. ( anm. 273 ). . ahd. antheiz (hostia, victima). Diut. 1, 240 a 246. 258. 278 b und im verbo sowol antheizôn als inheizan (immolare). Diut. 1, 246. 258. ahd. insakên (litare) gl. Hrab. 968 b insagêt pim (delibor) das. 959 a 960 a , wozu man das bairische stapfsakên (RA. 927) nehme; ebenso ags. onsecgan cod. exon. 171, 32. 257, 23. onsecgan tô tibre. Cædm. 172, 30. tiber onsägde 90, 29. 108, 17. tifer onsecge ps. 65, 12. lâc onsecge cod. exon. 254, 19. 257, 29. lâc onsägde Cædm. 107, 21. 113, 15. cod. exon. 168, 28. gild onsägde Cædm. 172, 11 und onsägdnes (oblatio). wie inheizan und onsecgan mit der partikel and gebildet scheint auch das ahd. ineihan pim (delibor) Hrab. 960 a , was ein goth. andáikan ergeben würde; aus diesem ahd. ineihhan , wofür Graff 1, 128 wol irrig ireihan liest, scheint mir aber hernach neihhan immolare, libare (Graff 2, 1015) durch aphaeresis entsprungen (gramm. 2, 810) wie nëben aus inëben, vgl. eichôn (dicare, vindicare) Graff 1, 127. hierher gehört ebenwol das ahd. pifëlahan (libare, immolare) Diut. 1, 245. 248. Alles dies bezeichnet eigentlich nur die ansagung, widmung, weihung, dedication des opfers, und es geht aus dem sprachgebrauche wenigstens hervor, daß einzelne gegenstände vorher zum opfer auserlesen wurden auch das altböhm. obiecati obiet (königinh. hs. 72) ist eigentlich: opfer verheißen , widmen. . antheiz ist sonst auch gelübde, votum, feierliche zusage, intheizan vovere; daher werden dem ags. onsecgan bestimrnende subst. hinzugefügt. Ähnlich mag sehr frühe schon biudan (olferre) gebraucht worden sein, ags. lâc bebeodan . Cædm. 173, 9. altn. bodn (oblatio). von diesem biudan leite ich her biuds (mensa) altn. biođr (discus) ags. beod (mensa, lanx) ahd. piot , insofern es ursprünglich den heiligen opfertisch oder altar bedeutete. fullafahjan (mit dat. der pers.) ist ein goth. wort für λατρεύειν Luc. 4, 8, eigentlich genüge thun Nachtrag: Dem goth. fullafahjan mit dat. der pers. kommt das ags. cveman nahe. onsecgan and godum cveman diis satisfacere. cod. exon. 257, 25. Criste cveman leofran lâce. a. o. 120, 25. zum ags. bring oblatio stellt sich das ahd. antfangida victima. Diut. 1, 240. das dargebrachte, empfangene liegt. Theocr. epigr. 1, 2 gebraucht κεῖσϑαι von weihgeschenken. . atbairan προσφέρειν, darbringen Marc. 1, 44. Luc. 5, 15 wie ags. bring oblatio ausdrückt und schon Wolfram Parz. 45, 1 sagt: si brâhten opfer vil ir goten; fundgr. II, 25: ein lam zopphere brâhte . Merkwürdig steht goth. saljan , das sonst intransitiv divertere, manere ausdrückt, Luc. 1, 9. Marc. 14, 12. 1 Cor. 10, 20. 28 transitiv für ϑυμιᾶν und ϑύειν, hunsla saljan ist Joh. 16, 2 λατρείαν προσφέρειν, was sich der bedeutung des ahd. ags. sellan, altn. selja tradere, darreichen anschließt, vielleicht weil feierliche übergabe mit einem hingehen verbunden war. das ahd. pigangan (obire) wird verschiedentlich auf gottesdienst bezogen: piganc (ritus) Diut. 1, 272 a afgoda begangan . Lacomblet 1, 11. Auch das vieldeutige gildan , këltan hängt mit cultus und opferdienst zusammen, von den alten opferschmäusen führen die gilden ihren namen. alts. waldandes gëld . Hel. 3, 11. 6, 1. that gëld lêstian. Hel. 16, 5. bryne gield (holocaustum) Cædm. 175, 6. 177, 18. gild onsecgan. 32 172, 11. Abels opfer heißt gield . Cædm. 60, 5. deofol gield (idololatria) Beda 3, 30. cod. exon. 245, 29. 251, 24. hæđen gield cod. exon. 243, 23, ahd. heidankëlt sacrilegium. gote ir gelt bringent warn. 2906. ahd. offerunc ghëlstar (sacrificium) Is. 395. dhiu blôstar iro ghëlstro (libamina et sacrificia) Is. 382. eigenthümlich der ags. mundart ist die allgemeine benennung lâc (neutr.), oft durch verba, die den begrif opfer hervorheben, verdeutlicht: onbleot thät lâc gode. Cædm. 177, 26. dryhtne lâc brohton. 60, 2. lâc bebeodan. 173, 9. lâc onsägde. 107, 21. 113, 15. ongan lâc . 90, 19 Nachtrag: Zum ags. lâc kann man noch anführen lâcan offerre vgl. placare. lâc onsecgan. cod. exon. 257, 30. lâc xenium, donum, lâcdaed munificentia. Haupts zeitschr. 9, 496 a . . das wort scheint einer wurzel mit dem goth. masc. láiks (saltatio) ahd. leih (ludus, modus) altn. leikr, ursprünglich also tanz und spiel, die das opfer begleiteten, allmählich die gabe serb. prilog opfer, d. h. dargebrachtes, prilozhiti darbringen, sloven. dar, darina, daritva gabe. das sloven. aldov (unblutiges opfer) scheint unslavisch und gemahnt. ans ungr. aldozat . ϑυσία wird altslav. zhrtva (Kopitars Glagol. 72 c ), russ. zhertva ausgedrückt Nachtrag: Altslav. trjeba heißt libatio, res immolata, templum. trjebischtsche βωμός. qui idolothyta, quod trebo dicitur, vel obtulerit aut manducaverit. Amann cod. mss. friburg. fasc. 2. s. 64: altböhm. třeba , russ. tréba opfer. altslav. trjebiti , poln. trsebić , serb. trjebiti reinigen. vgl. den ortsnamen Trebbin . Jungmann 4, 625 b . poln. trzeba , potrzeba oportet, es ist noth. poln. potrzeba , serb. potreba , böhm. potřeba noth, bedarf vgl. litth. Potrimpus und Antrimp , Atrimp . Hanusch 216. 217. GDS. 328. im lettischen heißt opfer sobars . Bergmann 142, im ungr. aldomás . Ipolyi 341. . selbst zu bezeichnen. daß spiel und gesang bei den opfern war, lehren die weiter unten aus Gregors dialogen und Adam von Bremen ausgehobnen stellen. Für bestimmtere ausdrücke halte ich die folgenden Nachtrag: Über die erstlingsopfer ἀπαρχαί vgl. Pausan. 1, 31. Callimach. hymn. in Del. 279. ein bestimmterer ausdruck für opfer scheint auch das dunkle goth. wort daigs massa Rom. 11, 16. wizôt kommt auch noch mhd. vor: frône wizôt. Servat. 3337. hunsl leitet Massmann von hinþan, Kuhn berl. jahrb. 10, 192–195. 285 von hu gießen ab, das nach Bopp 401 ϑύειν ist. hunsljada σπένδομαι II Tim. 4, 6. unhunslags ἄσπονδος II Tim. 3, 3. das goth. ufsneiþan ϑύειν schlachten Luc. 15 , 23. 27. 30, ufsniþans immolatus I. Cor. 5, 7 bezieht sich deutlich auf zerlegen des opferthiers. Hunsaloa in der ecbasis kann als hunsalaha (opferwasser) und hunsalah (opfertempel) gedeutet werden. lat. ged. s. 289. 290. . ἀπαρχή, das darbringen der erstlinge beim opfer, delibatio, gibt Ulf. Rom. 11, 16 ufarskafts , was ich nicht von skapan, sondern von skaban radere herleite, insofern ἀπαρχαί die zuerst abgeschabten, abgeschnittnen stirnhaare des opferthiers Odyss. 14, 422. 3, 446 waren; erklärt man es aus skapan, so müste dies aus der bedeutung von creare in die von facere, immolare übergehn. vitôd ist goth. lex, das ahd. wizôt Graff 1, 1112. fundgr. 1, 398 b sowol lex als eucharistia, das fries, vitat überall nur letzteres, das serb. zakon wiederum beides. ϑυσία wird durch das goth. hunsl verdeutscht Matth. 9, 13. Marc. 9, 49. Luc. 2, 24 und λατρείαν προσφέρειν Joh. 16, 2. wiederum hunsla saljan, wo gerade gemeint ist durch tödtung. ϑυσιαστήριον heißt hunsla staths Matth. 5, 23. 24. Luc. 1, 11. das entsprechende ags. hûsel , engl. housel verträgt aber anwendung auf das christliche sacrament und bedeutet die eucharistie, hûsel gong den genuß derselben, hûsel fät das heilige opfergefäß, vgl. Cædm. 260, 5 hûsl fatu hâlegu von den jüdischen gefäßen zu Jerusalem. ebenso findet sich altn. hûsl in den norweg. und schwed. gesetzen christlich gebraucht, niemals heidnisch; ein ahd. hunsal mangelt, die wurzel errathe ich nicht. Zweimal übersetzt aber Ulf. ϑυσία durch sauþs , pl. sáudeis Marc. 12, 33. Rom. 12, 1. ich glaube, er hat sich dabei das opfer eines geschlachteten und gekochten thiers gedacht; die wurzel scheint siuþan, sieden, altn. ist sauđr ein widder, vermuthlich weil sein fleisch gesotten wird. Eph. 5, 2 stehn hunsl jah sáuþ , προσφορὰν καὶ ϑυσίαν neben einander, und Skeir. 37, 8 gasaljands sik hunsl jah sauþ . Auch das ahd. zëpar ist sacrificium im sinn von hostia, victima hymn. 10, 2. 12, 2. 21, 5. gl. Hrab. 965 b Diut. 240 a 272 a Nachtrag: Das recht, das goth. áibr in tibr zu verwandeln, wird von Weigand 1997 bestritten vgl. Diefenbach goth. wb. 1, 12. über τέφρα vgl. kl. schr. 2, 223. umbrisch tefro n. ist ein unbekannter theil des opferthiers. Aufrecht und Kirchh. 2, 294. 373. darf man an das lett. śohbars pestopfer denken? andere vergleichen das ndrd. zefer f. käfer s. Campe s. v. ziefer. Schmeller, 4, 228. vgl. ahd. arzibôr. Graff 5, 578. ceepurhuc n. propr. bei Karajan. Keisersb. brös. 80 b spricht von ungesuber , es kommt auch unzuter ungeziefer vor vgl. unâz ungeziefer, quod non editur. Mone 8, 409. der Gral duldet kein ungezibere im wald. Tit. 5198. den wolf nennt man euphemistisch ungeziefer . rockenphil. 2, 28. das geziefer sind auf der Tiroler weide schafe und geißen. Hammerle s. 4. Zu ahd. wîhan opfern vgl. oben das ags. vîgveorđung opfer und litt. weikiu ago, facio. finn. waikutan . ; ein goth. tibr wäre nachgewiesen, dürfte man jenes seltsame áibr 33 (δῶρον) Matth. 5, 23 emendieren (vgl. gramm. 1, 63). meine vermutung, daß noch unser nhd. unge ziefer , früher unge ziber Titur. 5198 ist ungezibere soviel als ungeheuer; aber was heißt im Lanz. 5028. vor grôzem ungezibele : nibele? , und das altfranz. atoivre dahin gehöre (Reinh. liv ), hat gute gründe für sich. ziefer, geziefer heißt in Franken und Thüringen noch jetzt nicht nur das hausfedervieh, sondern begreift auch zuweilen ziegen und schweine (Reinwald henneb. id. 1, 49. 2, 52. vgl. Schm. 4, 228). dagegen schiene zwar, daß das ags. tiber Cædm. 90, 29. 108, 5. 172, 31. 175, 3. 204, 6. 301, 1. sige tiber 203, 12. sigor tifer cod. exon. 257, 30. nicht einmal auf thiere beschränkt werden darf, vielmehr Cains getraideopfer, im gegensatz zu Abels gield, gerade tiber heißt 60, 9. und Älfr. gl. 62 b vîn tifer (libatio) haben. darin könnte spätere verwirrung liegen, oder ungeziefer auch das unkraut mitbegreifen, folglich zëpar alles opfermäßige von pflanzen und bäumen bezeichnen? die auch von Thorpe nicht recht gefaßte stelle Cædm. 9, 2 þâ seo tîd gevât ofer tiber sceacan middangeardes verstehe ich: da die zeit fortschritt über die (von gott verliehene) gabe der erde. der inf. sceacan (elabi) gehört zu gevât; ebenso steht Judith (anal. 140, 5) geviton on fleám sceacan, begannen zu fliehen, und öfter geviton gangan. indessen ist auch das altn. tafn victima und esca ferarum zu erwägen. Zuletzt will ich eine der altn. sprache eigne, sicher heidnische benennung angeben: fôrn (victima, hostia) fem., fôrna (immolare) wofür auch fôrnfæra gesagt wurde, vgl. fornm. sög. 1, 97. 2, 76, nach Biörn soll dieses fôrna zugleich elevare, tollere bedeuten. ags. fôrn porcus, porcaster (?). hinderte nicht ô, so ließe sich das adj. forn (vetus) forn (zau-berer) fornæskia (zauberei) und das ahd. furnic antiquus, priscus, canus (Graff 3, 628) hinzuhalten, zumal dieselben glossen zur erklärung von baccha pluostar verwenden. forn wäre dann der von den Christen gewählte ausdruck für das heidenopfer der alten vorzeit , was leicht überschlug in zauberei, ja es wäre buchstäbliche verwandtschaft zwischen zëpar und zoupar denkbar, und dann ein weiterer zusammenhang der begriffe opfern und zaubern, wie die verba garawan , wîhan , vielleicht zouwan auf beide bezogen werden mögen, unser ahd. karo , karawi (victima) Graff 4, 241 drückt nichts anders aus als das zubereitete, heilig gemachte , geweihte sanskr. kratu sacrificium, nach Benfey 2, 307 hergang, gehört zu kri (facere) und im latein gelten facere (agnis, vitula, Virg. ecl. 3, 77) und operari von der heiligen opferhandlung; ebenso griech. ρέζειν = ἔρδειν, böot. δέδδειν vom bringen der hekatombe, und ἔρδειν ist ἔργειν, unser wirken . ἐπιῤῥέζειν Od. 17, 211. ϑύειν, ῥέζειν, δρᾶν Athenaeus 5, 403. δρᾶν f. ϑύειν, δρᾶσις = ϑυσία. auch dem catholischen priester gilt conficere , perficere für consecrare. (Caesar. heisterbac. 9, 27); man vergleiche das aliquid plus novi facere bei Burcard von Worms 10, 16 und p. 193 c . das lat. agere bedeutete schlachten des opferthiers. . Man wird außerdem die vorstellungen gelübde und opfer , mittellat. votum und census genauer zu sondern haben, so nahe sie aneinander reichen: das gelübde ist gleichsam ein privatopfer. 34 Unserer alten sprache standen also hier mehrfache wörter zu gebot, es läßt sich erwarten, daß davon unterschiede abhiengen Nachtrag: Die verschiedenheit der opfer wird bezeugt durch Pertz 2 , 243: diversos sacrificandi ritus incoluerunt und schon durch Tac. Germ. 9: deorum maxime Mercurium colunt, cui certis diebus humanis quoque hostiis litare fas habent. Herculem ac Martem concessis animalibus placant . pars Suevorum et Isidi sacrificat. , aber es ist schwer, diese nun selbst in der sache zu entwickeln. Das opfer beruhte auf dem gedanken, daß den göttern menschliche speise angenehm sei, gemeinschaft zwischen göttern und menschen stattfinde. man läßt den gott beim opfer mit essen und die speise behagt ihm auch. erst später setzt man ihm besondere götterspeise vor Nachtrag: Zum opfer ladet man den gott ein, ruft ihn herbei. καλέει τὸν ϑεόν. Herod. 1, 132. ἐπικαλέει τὸν ϑεόν. 4, 60. ἐπικαλέσαντες τὸν ϑεὸν σφάζουσι. 2, 39. die götter sind beim opfer gegenwärtig. Athen. 3 , 340. 341. warum den göttern knochen geopfert werden? Hes. theog. 557. primitiae ciborum deo offerenda. Athen. 2, 213. den göttern ist der aufsteigende rauch und dampf angenehm. Lucians Prometh. 19. ἐκ δὲ ϑυμάτων Ἥφαιστος οὐκ ἔλαμπε. Soph. Antig. 1007. die menschen stärken die götter durch opfer. Haupts zeitschr. 6, 125. dem Wêda (Wodan) bringt man opfer mit dem rufe: Wedki taeri lieber Weda, zehre! nimm unser opfer an! schlesw.-hlst. landeskunde 4, 246. auch gibt der gott ein zeichen, daß er es annimmt. þâ kômu þar hrafnar fljugandi ok gullu hâtt, zum zeichen: at Ođinn mundi pegit hafa blôtit. fornm. sög. 1, 131. . Beweggründe der opfer waren überall, entweder den göttern dank für ihre wohlthaten abzustatten oder ihren zorn zu versöhnen, die götter sollten gnädig erhalten oder wieder gnädig gemacht werden, also zwei hauptarten, dankende und sühnende opfer. wenn das mahl begangen, ein wild erlegt, der feind besiegt Nachtrag: Von der kriegsbeute wird dem Christengott ein theil gegeben, wie den Heidengöttern Livl. reimchr. 2670–73. 3398–3401. 6089. 4696. 11785. 11915. brünien, pfert und rische man soll man brennen im fall des siegs. Livl. reimchr. 4700 ff. 4711. ein siegesopfer war wol ursprünglich lat. victima von vinco, altn. sigurgiöf victima. der ehrengang in Müllenhoffs schlsw.-holst. s. s. 108 scheint ein altes siegesopfer. , ein erstling vom vieh geboren, getraide geerntet wurde, gebührte dem verleihenden gott voraus ein theil der speise, des tranks und des ertrags, der beute, des fangs bei der jagd (auf welche vorstellung sich auch hernach der zehnte an die kirche gründete); dagegen sobald hungersnoth, miswachs, seuche über das volk hereinbrach, säumte es wiederum nicht abwendende gaben darzubringen Nachtrag: Bei den sühnopfern herscht die vorstellung, daß auf das opfer der zorn gottes falle, besonders deutlich beim hebr. sündenbock 3. Mos. 16. Grieshaber pred. 2, 119. vgl. Grimm zum a. Heinr. s. 160. in Massilia wird ein pestopfer gebracht. Petron. c. 141. . solche sühnopfer haben ihrer natur nach etwas unständiges, während die dem gnädigen gott zu leistenden gern in regelmäßig wiederkehrende feste übergehen. Eine dritte art von opfern ist, wodurch der ausgang eines unternehmens erforscht, und die hilfe des gottes, dem es gebracht wird, herbeigeführt werden soll Nachtrag: Durch das opfer soll die zukunft erforscht werden. ante pugnam miserabiliter idolis immolavit (Decius). Jornand. c. 18. . doch war weissagung auch ohne opfer thunlich. Außerdem gab es besondere opfer für einzelne gelegenheiten, z. b. bei königswahlen, geburten, hochzeiten und leichbestattungen, die meistens auch mit feierlichen mahlzeiten verbunden wurden. Weil die götter mehr huld als zorn erweisen, die menschen eher froh gestimmt, als von ihren sünden und fehlern gedrückt sind, waren dankopfer die frühsten und häufigsten, sühnopfer die seltneren, ergreifenderen. Was den göttern aus dem pflanzenreich dargebracht werden kann, ist heiter, unschuldig, aber auch minder bedeutsam und kräftig als ein thieropfer. das hinströmende blut, das vergossene leben scheint stärker bindende und sühnende gewalt auszuüben. thieropfer sind dem krieger, jäger und hirten natürlich, getraide und blumen wird der ackerbauer hingeben. Die großen jahrsfeste der Heiden berühren sich mit volksversamlungen und ungebotnen gerichten RA. 245. 745. 821–825. . in der Ynglînga saga cap. 8 werden sie so angegeben: þâ skyldi blôta î môti vetri til ârs, enn at miđjum vetri blôta til grôđrar, it þriđja at sumri, þat var sigrblôt. in der Olafs helga saga cap. 104 (fornm. sög. 4, 237): en þat er siđr þeirra at hafa blôt â haustum ok fagna þa vetri, annat blôt hafa þeir at miđjum vetri, en hit þriđja at sumri, þa fagna þeir sumari; vgl. ed. holm. cap. 115 Nachtrag: Til ârs wird auch fornm. 10, 212 geopfert: siđan gerđi uaran mikit ok hallaeri, var þâ þat râd tekit at þeir blôtuđu Olaf konung til ârs ser. wie Hâlfdan der alte ein großes mitwinteropfer für langes leben und reich brachte (Sn. 190), so wurden in Griechenland ἑκατομφόνια von dem gebracht, der 100 feinde erlegt hatte. Pausan. IV. 19, 2. . das herbstopfer geschah zum empfang des winters und til ârs (pro annonae ubertate), das mitwinteropfer til grôđrar (pro feracitate), 35 das sommeropfer zum empfang des sommers und til sigrs (pro victoria). Hâlfdan der alte brachte ein großes mitwinteropfer für die lange dauer seines lebens und reichs (Sn. 190). Bei dem großen hauptblôt zu Upsal im winter wurde aber zugleich geopfert til ârs ok friđar ok sigrs (fornm. sög. 4, 154). die formel lautet auch: til ârbôtar, oder til friđar ok vetrarfars gôđs. In einer merkwürdigen stelle des Gutalagh s. 108 werden die großen volksopfer von den kleineren vieh, speise und trankopfern unterschieden: firi þann tima oc lengi eptir siþan troþu menn â hult oc â hauga, vi ok stafgarþa, oc â haiþin guþ blôtaþu þair synum oc dydrum sinum, oc fileþi miþ mati oc mundgati , þat gierþu þair eptir vantro sinni. land alt hafþi sir hoystu blôtan miþ fulki , ellar hafþi huer þriþiungr sir. en smêri þing hafþu mindri blôtan med, fileþi mati oc mungati , sum haita suþnautar : þi et þair suþu allir saman. Die osterfeuer , maifeuer , sonnwendfeuer mit ihren mannigfachen gebräuchen, leiten auf heidnische opfer zurück, zumal ist das reiben der heiligen flamme, laufen durch die brände, werfen von blumen in das feuer, backen und austheilen großer brote oder kuchen, und der reihentanz zu erwähnen. tänze gingen in spiel und dramatische vorstellung über (vgl. cap.  XIII das schiff ziehen, cap.  XXIII und die hexentänze cap.  XXXIV ). Afzelius 1, 3 schildert ein noch jetzt an gothländischen orten aufgeführtes opferspiel, das von verkleideten burschen, die sich ihr gesicht schwärzen und schminken (vgl. cap.  XVII gegen schluß), dargestellt wird. einer als opferthier in pelz gehüllt sitzt auf einem stul und hält im munde einen büschel scharf abgeschnittner halme , die ihm bis zu den ohren reichen und ein ansehn von schweinsborsten haben: das bedeutet den dargebrachten juleber, den in England lorbeer und rosmarin schmücken (s. cap.  X .), wie das teufelsopfer raute, rosmarin und pomeranze (s. cap.  XXXIII ). Der alten Sachsen großes opferfest war den 1. oct., und wird auf einen 534 über die Thüringer davongetragnen sieg (s. cap.  VI .) bezogen; noch in urk. des MA. führt diese hehre zeit den namen der gemeinwoche (vgl. cap.  XIII . Zisa) (Würdtwein dipl. magunt. 1 praef. III–V. Scheffers Haltaus s. 142. vgl. Höfers östr. wb. 1, 306), eine andere chronik gibt den 25. sept. an (Ecc. fr. or. 1, 59), und Zisa wurde am 29., Michael am 28. sept. gefeiert, so daß überall begang eines herbstopfers gemeint sein muß. Außer den großen festen opferte man bei besondern gelegenheiten, zumal hungersnoth und verheerenden krankheiten; auch für langes leben: blôta til lânglifi (Landn. 3, 4) und für beliebtheit (thockasaeld) beim volk: Grîmr, er blôtinn var dauđr für thokkasaeld ok kallađr kamban (Landn. 1, 14. 3, 16) dieser beiname kamban muß auf das opfer des todten leichnams gehn und ich nehme dazu das ahd. pichimpida funus, mnl. kimben (comere) Diut. 2, 207 a . vgl. anm. zu Andr. 4. Menschenopfer sind ihrem wesen und ursprung nach sühnend, ein großes unheil, ein schweres verbrechen kann nur durch 36 menschliches blut beschworen und getilgt werden; bei allen völkern des alterthums waren sie hergebracht Lasaulx die sühnopfer der Griechen und Römer. Würzburg 1841 s. 8–13. , die folgenden zeugnisse setzen es für Deutschland außer zweifel Nachtrag: Menschenopfer scheinen bei den meisten völkern hergebracht, wie auch menschen bei leichen mitverbrannt wurden. dafür war bei diesen alten völkern die todesstrafe selten oder unerhört. Hercules, ad quem Poeni omnibus annis humana sacrificaverunt victima . Plin. 36, 5. der Artemis wurden menschen geopfert. Pausan. 7, 19. unter flötenspiel wurden sie geschlachtet s. Aufrecht und Kirchhoff umbr. sprachdenkm. 2, 377. statt des früheren menschenopfers wurde jünglingen die stirn mit blutigem messer berührt. O. Jahn über Lycoreus s. 427. vgl. den rothen faden am hals in der sage von Amicus und Amelius. gott als Tod, als alter blutvergießer (s.  18 ) verlangt menschenopfer. darum gelobt man solches in schwerer krankheit und gefahr, weil den göttern für das leben nur andres leben geboten werden könne. gesta Trevir. cap. 17 aus Caesar b. gall. 6, 16. einen auf dem pferd sitzend den göttern opfern. Lindenblatt s. 68. Adam von Bremen (Pertz 9, 374) sagt von den Esten: dracones adorant cum volucribus, quibus etiam vivos litant homines , quos a mercatoribus emunt, diligenter omnino probatos, ne maculam in corpore habeant , pro qua refutari dicuntur a draconibus. die Abissinier bringen ähnlich den Franken beim flußübergang einer sclavencaravane den göttern ein dank- und sühnopfer mit dem schönsten mädchen. Klöden beitr. z. geogr. v. Abissinien s. 49. frühlings wird ein lebendiges kind im scheiterhaufen geopfert. Dybeck runa. 1844, 5: î þann tîma kom hallaeri mikit â Reiđgotaland. enn svâ gêck frêttin, at aldri mundi âr fyrri koma, enn þeim sveini vaeri blôtat , er aeđstr vaeri þar î landi. Hervar. saga s. 452 vgl. 454. auf beiden Gallehuser hörnern ist ein mann abgebildet, der ein opferkind hält. Saxo ed. Müller 121 sagt von Frö zu Upsala: humani generis hostias mactare aggressus foeda superis libamenta persolvit. er habe den › veterem libationis morem ‹ geändert. dem sacrare aciem in Tac. ann. 13, 57 (s.  874 ) entspricht das altn. val fela Hervar. s. s. 454. spuren von kinderopfern sind besonders in den hexensagen zu finden (s.  904 . 905 ), wie das herzausreißen und essen. knochen und beine werden gesammelt und dargebracht vgl. die sage vom guten Lubbe s.  435 und die villa Opferbein , j. Opferbaum bei Würzburg s. Lang reg. 3, 101 (a. 1257). 4, 291 (a. 1285). . Tac. Germ. 9: deotum maxime Mercurium colunt, cui certis diebus humanis quoque hostiis litare fas habent. Germ. 39: stato tempore in silvam coeunt, caesoque publice (für das volk) homine celebrant barbari ritus horrenda primordia. Tac. ann. 1, 61: lucis propinquis barbarae arae, apud quas tribunos ac primorum ordinum centuriones mactaverant . Tac. ann. 13, 57: sed bellum Hermunduris prosperum, Cattis exitiosius fuit, quia victores diversam aciem Marti ac Mercurio sacravere, quo voto equi, viri, cuncta victa occidioni dantur . Isidori chron. Gothorum, aera 446: quorum (regum gothicorum) unus Radagaisus . . . Italiam belli feritale aggreditur, promittens sanguinem Christianorum diis suis litare , si vinceret. Jornandes cap. 5: quem Martem Gothi semper asperrima placavere cultura. nam victimae ejus mortes fuere captorum , opinantes bellorum praesulem aptius humani sanguinis effusione placandum vgl. Jul. Caesar de bello gall. 6, 17 von verehrung des Mars bei den Galliern, und Procop de bello goth. 3, 14 von den Slavenen und Anten: ϑεὸν μὲν γὰρ ἕνα τὸν τῆς ἀστραπῆς δημιουργὸν ἁπάντων κύριον μόνον αὐτὸν νομίζουσιν εἶναι, καὶ ϑύουσιν αὐτῳ βόας τε καὶ ἱερεῖα ἅπαντα. . . . ἀλλ' ἐπειδὰν αὐτοῖς ἐν ποσὶν ἤδη ὁ ϑάνατος εἴη, ἢ νόσῳ ἁλοῦσιν ἢ ἐς πόλεμον καϑισταμένοις, ἐπαγγέλλονται μὲν, ἢν διαφύγωσι, ϑυσίαν τῷ ϑεῷ ἀντὶ τῆς ψυχῆς αὐτίκα ποιήσειν, διαφυγόντες δὲ ϑύουσιν ὅπερ ὑπέσχοντο, καὶ οἴονται τὴν σωτηρίαν ταύτης δὴ τῆς ϑυσίας αὐτοῖς ἐωνῆσϑαι. . Orosius 7, 37 von Radagaisus, den er einen Scythen nennt, aber Gothen nach Italien führen läßt: qui (ut mos est barbaris hujusmodi generis) sanguinem diis suis propinare devoverat von ihm sagt Augustinus im sermo 105. cap. 10: Rhadagaysus rex Gothorum . . . . Romae . . . Jovi sacrificabat quotidie, nuntiabaturque ubique, quod a sacrificiis non desisteret. . Procop de bello goth. 2, 15 von den Thuliten, d. i. Scandinaviern: ϑύουσι δὲ ἐνδελεχέστατα ἱεραῖα πάντα καὶ ἐναγιζουσι. τῶν δὲ ἱερείων σφίσι τὸ κάλλιστον ἄνϑρωπός ἐστιν, ὅνπερ ἄν δοριάλωτον ποιήσαιντο πρῶτον . τοῦτον γὰρ τῷ Ἄρει ϑύουσιν, ἐπεὶ ϑεὸν αὐτὸν νομίζουσι μέγιστον εἶναι. das 2, 14 von den Herulern: πολύν τινα νομίζοντες ϑεῶν ὅμιλον, οὓς δὴ καὶ ἀνϑρώπων ϑυσίαις ἱλάσκεσϑαι ὅσιον αὐτοῖς ἐδόκει εἶναι. das. 2, 25 von den schon bekehrten Franken beim Poübergang: ἐπιλαβόμενοι δὲ τῆς γεφύρας οἱ Φράγγοι, παῖδάς τε καὶ γυναῖκας τῶν Γότϑων, οὕσπερ ἐνταῦϑα εὗρον ἱέρευόν τε καὶ αὐτῶν τὰ σώματα ἐς τὸν ποταμὸν ἀκροϑόνια τοῦ πολέμου ἐῤῥίπτουν. οἱ βάρβαροι γὰρ οὗτοι, Χριστιανοὶ γεγονότες, τὰ πολλὰ τῆς παλαιᾶς δόξης φυλάσσοισι, ϑυσίαις τε χρώμενοι ἀνϑρώπων καὶ ἄλλα οὐχ ὅσια ἱερεύοντες, ταύτη τε τὰς μαντείας ποιούμενοι. Sidonius Apollinaris 8, 6 von den Sachsen: mos est remeaturis decimum quemque captorum per aequales et cruciarias poenas, plus ob hoc tristi quod superstitioso ritu necare . Capitul. de partib. Saxon. 9: 37 si quis hominem diabolo sacrificaverit , et in hostiam, more paganorum, daemonibus obtulerit . Lex Frisionum, additio sap. tit. 42. qui fanum effregerit – immolatur diis , quorum templa violavit, das gesetz galt nur noch für die trans Laubachi wohnenden, länger heidnischen Friesen. Was Strabo von den Cimbern, Dietmar von den Nordmännern erzählt, wird nachher angezogen werden. Epist. Bonif. 25 (ed. Würdtw.): hoc quoque inter alia crimina agi in partibus illis dixisti, quod quidam ex fidelibus ad immolandum paganis sua venundent mancipia ; es war den herrn erlaubt knechte zu verkaufen, und Christen verkauften sie den Heiden zum opfer. Der kriegsgefangne Graecus Avar de (a) Suevis pecudis more litatus (vgl. cap.  XIII . bei der göttin Zisa) Adamus brem. de situ Daniae cap. 24 von den Litthauern: dracones adorant cum volucribus, quibus etiam vivos litant homines , quos a mercatoribus emunt, diligenter omnino probatos, ne maculam in corpore habeant. . Zeugnisse über nordische menschenopfer hat Müllers sagabibl. 2, 560. 3, 93. In der regel waren die schlachtopfer gefangene feinde, erkaufte knechte oder schwere verbrecher; das frauen und kinderopfer bei den Franken beim flußübergang gemahnt an die griech. διαβατήρια daher noch in unsern volkssagen der zuerst über die brücke gehende, zuerst in den neuen bau oder ins land tretende mit dem leben büßt, d. i. als opfer fällt. Jornandes cap. 25 von den Hunen: ad Scythiam properant et quantoscunque prius in ingressu Scytharum habuere, litavere victoriae . , die erstlinge des kriegs, der erste gefangne sollten heil bringen; in volkssagen sind noch spuren von opferung der kinder , sie wurden zur heilung des aussatzes getödtet, in grundwälle eingemauert (s. cap.  XXXV . XXXVI . schluß.), und der zug deutet eigens auf uralten opferbrauch, daß dem kinde spielzeug und eßwaaren hingestellt sind, während die wölbung vollbracht wird. auch bei den Griechen und Römern fielen die opfer unter lärm und flötenspiel, damit das schreien überhört würde und die thränen der kinder wurden durch liebkosungen erstickt, ›ne flebilis hostia immoletur‹. Seltne fälle konnten den tod der königssöhne und töchter, ja der könige selbst verlangen. Thoro opfert seinen sohn den göttern. Worm mon. dan. 285. könig Ön der alte brachte hinter einander dem Ođin neun söhne für sein langes leben dar (Yngl. saga cap. 29) und die Schweden in großer hungersnoth, nachdem andere große opfer vergeblich waren, opferten ihren eignen könig Dômaldi (das. cap. 18). Thieropfer waren hauptsächlich dankende, aber auch sühnende, und als solche traten sie nicht selten zur milderung an die stelle älterer menschenopfer. ich will auch erst die zeugnisse anführen Nachtrag: Das thieropfer war sühnend, wenn ein viehstück der einbrechenden seuche dargebracht wurde s.  506 . 956 . nur thiere mit eßbarem fleisch werden den göttern geopfert. cur non eis et canes, ursos et vulpes mactatis? quia rebus ex his deos par est honorare coelestes, quibus ipsi alimur , sustentamur et vivimus, et quas nobis ad victum sui numinis benignitate dignati sunt. Arnobius 7, 16. über hundeopfer s.  43 . auch kam es auf farbe und geschlecht der opferthiere an (s.  44 ). vgl. Arnobius 7, 18–20; ob sie trächtig waren oder nicht. a. o. 7, 22. ob mit haar oder borsten versehen (s.  60 ) vgl. ›dem junker, der sich auf dem fronhof lagert, soll man geben als off der hube gewassen ist mit federn, mit borsten‹. weisth. 3, 478. beim kauf der opferthiere darf man nicht handeln. Athen. 3, 102 (vgl. zu s.  410 ). die opferfelle wurden aufgehängt und darnach geschossen s.  541 . . Herculem et Martem concessis animalibus placant. Tac. Germ. 9, d. h. mit dazu geeigneten (hist. 5, 4), das concessum steht als sacrum dem profanum entgegen, und nur solche thiere eigneten sich, deren fleisch von den menschen gegessen werden konnte. es wäre unschicklich gewesen, dem gott eine speise zu bieten, die der opfernde selbst verschmäht hätte; 38 zugleich scheinen diese opfer auch schmäuse, ein bestimmtes stück des geschlachteten thiers wird dem gotte dargebracht, das übrige zerlegt, ausgetheilt und in der versamlung verzehrt. das volk trat dadurch in gemeinschaft mit dem heiligen opfer, so wie die götter für mitschmausende an seinem mahl gelten Nachtrag: Das volk trat durch den schmaus in gemeinschaft mit dem heiligen opfer. vgl. 1. Cor. 10, 18 βλέπετε τὸν Ἰσραὴλ κατὰ σάρκα, οὐχὶ οἱ ἐσϑίοντες τὰς ϑυσίας κοινωνοὶ τοῦ ϑυσιαστηρίου εἰσί: (s.  34 ). . den königen bei großen opfern war es geboten von allen speisen zu kosten, und das abergläubische volk stellt noch spät den hausgeistern und zwergen ihren theil beiseits. Quadraginta rustici a Langobardis capti carnes immolatitias comedere compellebantur. Greg. M. dial. 3, 27, das heißt weiter nichts, als daß die heidnischen Langobarden den gefangnen Christen gestatteten oder zumuteten, an ihrem opfermahl theil zu nehmen. dieser immolatitiae carnes und hostiae immolatitiae , quas stulti homines juxta ecclesias ritu pagano faciunt, geschieht auch in Bonifacii epist. 25 und 55 (ed. Würdtw.) meldung. In der ältesten zeit scheinen vornemlich pferde geopfert worden zu sein, ohne zweifel aß man ihr fleisch allgemein vor einführung des christenthums. Nachtrag: Über pferdeopfer s. 553 und dessen ursprung s. Bopp gl. 24 a . asvamêdha . vgl. Feifalik über die Königinh. handschr. s. 103. der Helena freier läßt Tyndareus am geopferten pferde schwören und es hernach vergraben. Paus. III. 20, 9. dem Helios werden pferde geopfert von Griechen Paus. III. 20, 5. Ovid. fast. 1, 385, wie die Massageten der sonne pferde schlachteten. Herod. 1, 216. in den Strymon werden weiße pferde geschlachtet. Herod. 7, 113. illi (Moesi) statim ante aciem immolato equo concepere votum, ut caesorum extis ducum et litarent et vescerentur. Florus 116, 21. könnte sich aíhvatundi βάτος auf pferdeopfer beziehen und wurde das pferd mit dörnern verbrannt oder wurde mit diesem strauch feuer zum opfer gerieben? neubekehrten blieb nichts anstößiger an den Heiden, als daß diese dem pferdeschlachten ( hrossaslâtr ) und dem genuß des pferdefleisches nicht entsagten. vgl. Nialss. cap. 106. christliche Normänner schimpften die Schweden hrossæturnar (fornm. sög. 2, 309. Fagrsk. s. 63). könig Hâkon, den seine unterthanen des christenthums verdächtigten, wurde aufgefordert, at hann skyldi eta hrossaslâtr . saga Hâk. gôda cap. 18. Schon Tac. ann. 13, 57 meldet, daß die Hermunduren die pferde der besiegten Catten opferten. Den Thüringern wurde noch zur zeit des Bonifacius verbot des pferdefleisches eingeschärft (epist Bonif. ed. Würdtw. 25. 87. Serr. 121. 142) inter cetera agrestem caballum aliquantos comedere adjunxisti, plerosque et domesticum . hoc nequaquam fieri deinceps sinas. und: inprimis de volatilibus, id est graculis et corniculis atque ciconiis, quae omnino cavendae sunt ab esu Christianorum. etiam et fibri et lepores et equi silvatici multo amplius vitandi. Hieronymus adv. Jov. lib. 2. (ed. basil. 1553. 2, 75): Sarmatae, Quadi, Vandali et innumerabiles aliae gentes equorum et vulpium carnibus delectantur. Otto frising. 6, 10: audiat, quod Pecenati (die wilden Peschenære. Nib. 1280, 2) et hi qui Falones vocantur (die Valwen. Nib. 1279, 2. Tit. 4097), crudis et immundis carnibus, utpote equinis et catinis usque hodie vescuntur. Rol. 98, 20 von den Heiden: sie ezzent diu ros . Auch den hexen wird pferdefleisch essen zur last gelegt Nachtrag: Pferdefleisch essen hexen (s. 877 ) und riesen. Müllenh. s. 444. pferdefüllen essen. Ettner unw. doctor. 338–40. der wilde jäger wirft pferdekeulen herab. Schwartz s. 11. aus dem genuß des pferdefleisches leitet man den ursprung des weichselzopfs. Cichocki s. 7. . . den alamannischen brauch bezeugt Agathias: ἵππους τε καὶ βόας, καὶ ἄλλα ἄττα μυρία καρατομοῦντες ἐπιϑειάζουσι (ed. bonn. 28, 5). nicht übersehen werden darf hier das abschneiden des haupts , das nicht mit verzehrt, sondern vorzugsweise dem gott geheiligt wird. Wenn Caecina, als er sich dem schauplatz der varischen niederlage nahte, auf baumstämmen pferdehäupter befestigt erblickte (equorum artus, simul truncis arborum antefixa ora . Tac. ann. 1, 61), so waren diese keine andere als die römischen pferde, welche die Deutschen in der schlacht erbeutet und ihren göttern dargebracht hatten auch in jener stelle vom Mars bei Jornandes: huic truncis suspendebantur exuviae . Nachtrag: Man kann die ora der (s. 38 ) angeführten stelle aus Tac. ann. auch auf menschenhäupter beziehen, jedoch vgl.  549 . überhaupt bleibt zu untersuchen, in wie fern den göttern die leiber , rosse und waffen der besiegten feinde dargebracht wurden. das erbeutete wîcgeserwe darbringen (Diemer 179, 27) scheint biblisch. dem Mars werden schilde und schwerter geopfert. Ksrchr. 3730. die Serben weihten ihnen waffen der erschlagenen feinde. Vuk Kralodw. 88. . 39 ein solches immolati diis equi abscissum caput kommt bei Saxo gr. p. 75 vor; im Norden errichtete man damit die zauberkraft wirkende neidstange (Egilss. p. 389). in einem hessischen kindermärchen (n° 89) lebt unverstandene erinnerung an die wunderbare bedeutung eines aufgehängten pferdehauptes Gregor M. (epist. 7, 5.) ermahnt Brunichilden, bei den Franken zu verhindern: ut de animalium capitibus sacrificia sacrilega non exhibeant. . Über die nordischheidnischen pferdeopfer sind aber noch besonders wichtige nachrichten vorhanden. In Olafs des heiligen sage cap. 113. (ed. holm. 2, 181) heißt es: þat fylgđi ok þeirri sögn, at þar væri drepit naut ok hross til ârbôtar. eines andern gedenkt ganz am schluß der Hervararsaga ein zusatz, das die vom christenthum abtrünnigen Schweden bei der wahl könig Sveins (zweite hälfte des 11 jh.) brachten: var þâ framleidt hross eitt â þîngit ok höggvit î sundr, ok skipt til âts , en rioþuđu blôđinu blôttrê ; köstuđu þâ allir Svîar kristni ok hôfust blôt (fornald. sög. 1, 512). Dietmars von Merseburg beschreibung des großen nordischen, eigentlich dänischen opferbrauchs, der aber schon hundert jahre vor ihm erloschen war, enthält offenbar sagenhaft übertriebene und entstellte umstände; er erzählt 1, 9: sed quia ego de hostiis (Northmannorum) mira audivi, haec indiscussa praeterire nolo. est unus in his partibus locus, caput istius regni, Lederun nomine in pago qui Selon Sêlon für Sêlond, altn. Sælundr, woraus nachher Sioland, Seeland wurde; Lêderûn der sächs. dat. von Lêdera, altn. Hleiđra, später Lethra, Leire, vgl. goth. hleiþra (tabernaculum). dicitur, ubi post novem annos mense Januario, post hoc tempus, quo nos theophaniam domini celebramus, omnes convenerunt, et ibi diis suismet LXXXX et IX homines , et totidem equos , cum canibus et gallis pro accipitribus oblatis, immolant, pro certo, ut praedixi, putantes, hos eisdem erga inferos servituros, et commissa crimina apud eosdem placaturos. quam bene rex noster (Heinrich I. a. 931) fecit, qui eos a tam execrando ritu prohibuit. Neunjährig wiederkehrende große festopfer, die eine beträchtliche zahl von thieren kosteten, haben nichts unglaubliches. so gut der name hekatombe blieb, wenn viel weniger thiere dargebracht wurden, darf auch hier die sage sich an die feierliche zahl halten; den greuel des menschenopfers fügte sie vielleicht ganz hinzu. offenbar stimmt aber nicht der angegebene grund des thieropfers: er vermischt was bei leichbestattungen mit Sigurđr werden dienstleute und hahichte verbrannt Sæm. 225 b ; sonst auch pferde und hunde , vgl. RA. 344. Asvitus morbo consumptus cum cane et equo terreno mandatur antro. Saxo gramm. p. 91, mit der falschen deutung, als zehre der todte davon: nec contentus equi vel canis esu. p. 92. und zur sühne geschah. nur den leichen edler, reicher männer, damit sie sich ihrer jenseits bedienen könnten, folgten unfreie, und haus und jagdthiere in den tod. wären 99 menschen, wir wollen annehmen kriegsgefangene, den göttern geopfert worden, so können die angegebnen thiere weder den feinden zum 40 geleit, noch den göttern selbst bestimmt gewesen sein, denen man niemals pferde oder jagdthiere in der meinung weihte oder schlachtete, daß sie davon gebrauch machen sollten. beziehe sich also das zweideutige eisdem auf homines oder diis (wie hernach eosdem nur auf letztere geht), immer scheint etwas unpassendes behauptet. ich glaube daß an den neujahrfesten von allen genannten opfern nur die der rosse fielen; menschen, hunde, hähne hat die sage hinzugethan pro accipitribus heißt: in ermanglung der habichte wurden hähne genommen. einige haben es so angesehen, als seien hunde und hähne vergötterten raubvögeln dargebracht worden. aber das pro läßt sich nicht misverstehen. . wie sich zu Dietmars die erzählung Adams von dem upsalischen opfer verhalte, soll s.  43 erwogen werden. Unter allen thieropfern war das des pferds das vornehmste und feierlichste. Unsere vorfahren haben es mit mehreren slavischen und finnischen völkern gemein, mit Persern und Indern. ihnen sämmtlich galt das pferd für ein besonders heiliges thier vgl. Bopps Nalas und Damajanti s. 42. 268. Dem Apollo brachten die Hyperboreer eselopfer (Pindar Pyth. 10. Callimach. fr. 187. Anton. Liberal. metam. 20) und auch in Delphi geschah es (Böckh corp. inscr. I, 807. 809). noch ein neugriech. gedicht (γαδάρου, λύκου καὶ ἀλουποῦς διήγησις v. 429–434) mag ein solches opfer meinen; Hageks böhm. chron. p. 62 enthält ein slavisches beispiel. ich ziehe darauf daß die Schlesier eselfresser genannt werden (zeitvertreiber 1668 p. 153) und wenn den Göttingern derselbe beiname zusteht, so dürfen auch in Deutschland diese volksscherze sehr alt sein Nachtrag: Die Slaven brachten eselopfer . Büsching 101. 102. Cosmas redet von der zerstückelung eines esels. s. Vuks vorr. zu Kralodw. s. 9. eselfresser. Rochholz 2, 267. 271. die von Oudenaerde in Flandern heißen kickefreters (küchlein, hünerfresser). belg. mus. 5, 440. . . Rinder geopfert Nachtrag: Bei den Griechen und Römern war das rinderopfer sehr beliebt. τοὶ δ'ἐπὶ ϑινὶ ϑαλάσσης ἱερὰ ῥέζον ταύρους παμμέλανας ἐνοσίχϑονι κυανοχαίτη. Od. 3, 5 und zwar je neun stiere vor jedem der neun sitze. a. o. 3, 7. dem Poseidon werden zwölf stiere geopfert. Od. 13, 182. (der Athene) ῥέζω βοῦν ἦνιν εὐρυμέτωπον ἀδμήτην, ἢν οὕπω ὑπὸ ζυγὸν ἤγαγεν ἀνήρ. τὴν τοι ἐγὼ ρέζω, χρυσὸν κέρασιν περιχεύας. Od. 3, 382 vgl. 426. 437. auratis cornibus hostiae immolatae. Plin. 33. 3, 12. Perseus opfert auf drei altären ochsen, kuh, kalb. Ovid. met. 4 , 755. bovem album Marti immolare et centum fulvos . Plin. 22, 5. niveos tauros immolare. Arnob. 2, 68. Beim holmgang tödtet der sieger den opferstier. Egilss. 506. 508. rauđ hann î nŷju nauta blôđi . Saem. 114«. der weise vogel verlangt hof, hörga marga ok gullhyrndar kŷr . Sæm. 141 b . gotteskühe kennt man noch jetzt in Schweden. heißt das soviel wie opferkühe oder priesterabgabe? julkuse ist ein brot in kalbsgestalt. Cavallius voc. verl. 28 b . 37 b . ein opferkalb wird erwähnt in Kellers altd. erz. s. 547. auf stieropfer scheint auch der name farrenberg , bublemons zurückzuweisen. Mones anz. 6, 236. 237. kalb und kuh werden der seuche dargebracht (s.  506 ). ein schwarzes rind mit weißen füßen und weißer blässe wird geopfert. Sommer s. 150, vgl. das kuhhaupt . Wolfs märch. no. 222. auch eine rothe kuh (kravicu buinu). Königsh. hs. s. 100. vgl. rôte kalbela âne mâl . Griesh. 2, 118 (nach 4 Mos. 19, 2). diu rôten rinder . fundgr. 2, 152. Mone anz. 6, 237 bemerkt nicht uneben, daß ackerbauende völker mehr zu stieropfern, kriegerische zu pferdeopfern geneigten. über nachklänge alter stieropfer s. GDS. 128. 129. 32. . jene stelle des Agathias bezeugt den alamannischen brauch, die aus der Olafssaga den nordischen. ein brief an Bonifacius (ep. 82. Würdtw.) erwähnt gottloser priester: qui tauros et hircos diis paganorum immolabant. Von den Angeln versichert ein brief des Gregorius M. ad Mellitum (epist. 10, 76 und in Bedas hist. eccl. 1, 30): boves solent in sacrificio daemonum multos occidere. Der schwarze ochs , die schwarze kuh , die nicht ins haus geschlachtet werden sollen ( abergl. 887 ), sind es heilige opferthiere? Val. Suplit, ein freibauer an der samländischen küste, opferte einen schwarzen bullen mit seltsamen gebräuchen Berlin. monatschr. 1802. 8, 225 vgl. Lucas David 1, 118-122. . Ich setze noch einige nordische beispiele her. als in Schweden unter könig Dômaldi hungersnoth entsprungen war, þâ eflđo Sviar blôt stôr at Uppsölum, it fyrsta haust blôtuđu þeir yxnum , bei der unzulänglichkeit des opfers wurde stufenweise zu höheren arten aufgestiegen. Yngl. saga c. 18. þâ gekk hann til hofs Freyss, ok leiddi þagat uxa gamlan ok mælti svâ ›Freyr nù gef ek þer uxa þenna‹. en uxanum brâ sva viđ, at hann qvađ vid ok fêll niđr dauđr. Islend. sög. 2, 348. vgl. Vigaglumssaga cap. 9. Bei feierlichem zweikampf opferte der sieger einen stier mit den waffen, die eben den gegner erlegt hatten: þâ var leiddr fram grâdûngr mikill ok gamall , var þat kallat blôtnaut , þat skyldi sâ höggva er sigr hefđi. Egilssaga p. 506. vgl. Kormakss. p. 214. 218. Kühe geopfert. Sæm. 141. fornm. sög. 2, 138. 41 Die griech. ἑκατόμβη (wie der name zeigt, stierhundert) bestand ursprünglich aus einer grossen zahl rinder, bald auch anderer thiere. auch indische hundertopfer gab es. Holzmann 3, 193. in mehreren gegenden Deutschlands und Frankreichs pflegen zu bestimmter jahrszeit die schlächter einen mit blumen und bändern geschmückten mastochsen , unter dem geleite von trommeln und pfeifen durch die straßen zu führen und trinkgeld einzusammeln. in Holland nennen sie die ochsen belder und hängen ihm vergoldete äpfel an die hörner, voraus geht ein schlächter mit dem beil. das alles scheint überbleibsel einer alten opferfeier. Eber , ferkel Nachtrag: Dem majalis sacrivus entspricht in den welschen gesetzen die sus coenalis , quae servatur ad coenam regis. Leo malb. gl. 1, 83 ff. Varro meint: ab suillo genere pecoris immolandi initium primum sumtum videtur. r. rust. 2, 4. porci duo menses a mamma non dijunguntur. porci sacres , puri ad sacrificium ut immolentur. porci lactentes, sacres , delici, nefrendes. a. o. 2, 4. (Claudius) cum regibus foedus in foro icit, porca caesa , ac vetere fecialium praefatione adhibita. Sueton. cap. 25. Duo victimae porcinae . Seibertz no. 30 (1074). ein frischling für fünf schilling soll an einer seule gebunden stehen. Krotzenb. w. a. 1415 (weisth. 3, 513). der grasfrischling im urbar. august. a. 1316 scheint ein schaf zu bedeuten. MB. 34 b 365 ff. frischig , frischling verschnittener widder. Stald. 1, 399. opferen als einen friskinc . Mos. 19, 8. ein friskinc (widder) dâ bî gie. Diemer 19, 19. mit friscing als recens natus vgl. σφαγαὶ νεοϑήλου βοτοῦ in Aesch. Eumen. 428. Der könig Heiđrekr läßt einen göltr aufziehen, den zwölf richter hüten sollen. Hervar. saga c. 14. (fornald. sög. 1, 463). vgl. den giafgoltr . norweg. ges. 2, 127. . im salischen gesetz tit. 2 wird auf den majalis sacrivus oder votivus höhere composition als auf jeden andern gelegt, das scheint überbleibsel von alten opfern der heidnischen Franken; warum hieße es sonst sacrivus? zwar 700 von 600 den. (17 von 15 sol.) stehen nicht bedeutend ab, allein solcher zu heiligem gebrauch ersehnen thiere muß es im heidenthum eine menge gegeben haben, so daß das einzelne in keinem hohen werth zu sein brauchte. vermuthlich wurden sie gleich nach der geburt ausgesucht, gezeichnet und bis zur opferzeit mit den übrigen auferzogen. In fränkischen und alamannischen urkunden erscheint oft der ausdruck friscing , meist für porcellus, doch auch für agnus, einigemal mit der näheren bestimmung porcinus und agninus; das wort selbst mag ursprünglich aussagen recens natus (frisch geboren) Ducange s. v. Eccard Fr. or. 2, 677. Dorows denkm. I, 2, 55. Lacomblet 1, 327. Graff 3, 833. Schmeller wb. 1, 619. , heute lebt es nur im sinn von porcellus fort (frischling). Wie wäre nun erklärbar, daß dieses ahd. friscing geradezu bei einigen schriftstellern das lat. hostia, victima, holocaustum übersetzt (N. Cap. 8. ps. 15, 4. 26, 6. 33, 1. 39, 8. 41, 10. 43, 12. 22. 50, 21. 115, 17; ôsterfriscing. ps. 20, 3. lamp unkawemmit kakepan erdu friscing. hymn. 7, 10) als aus der erinnerung des heidenthums? das jüdische pascha kann es nicht verursacht haben, schon weil der begrif von porcellus vorherrschte. Im Norden war der dem Freyr gebrachte sühneber, sônargöltr , ein feierliches opfer, und bis auf jüngere zeiten hat Schweden den gebrauch forterhalten, alle julabende brot oder kuchen in ebergestalt zu verbacken. dieser güldenborstige eber läßt sich auch im innern Deutschland aufspüren. Wer am Christabend bis zum abendessen sich der speise ganz enthält, bekommt nach dem thüringischen volksglauben Gutgesells beitr. zur gesch. des deutschen alterth. Meiningen 1834 s. 138. ein goldnes junges ferkel zu gesicht (d. h. es wurde vor alters zuletzt beim abendschmaus aufgetragen). Ein Lauterbacher weisthum von 1589 (3, 369) verordnete, daß zu einem auf dreikönigstag, also in der julzeit, gehaltnen gericht die hübner ein reines, schon bei der milch vergelztes (noch säugend verschnittnes) goldferch liefern sollten: es wurde rund durch die bänke geführt, und ohne zweifel hernach geschlachtet der stelle aus dem Lauterbacher w. kann ich jetzt noch eine andere aus dem Vinkbucher, in alamannischer gegend, zur seite setzen. es heißt 1, 436, der schultheiß solle in dem kloster ein schwein 7 schilling pfennig werth auslesen und sobald die ernte angeht auf den klosterhof lassen, wo man ihm gütlich kost und freien zutritt zum korn gewähren müsse. da bleibe es bis zum donnerstag nach sanct Adolf, wo es geschlachtet, und halb dem meier, halb der gemeinde ausgetheilt werde. auf denselben tag empfängt die gemeinde auch herrenbrot und käse. der preis von sieben schillingen entspricht den im Lauterbacher w. bestimmten achthalben und ist ein sehr hoher, den gewöhnlichen werth übersteigender (vgl. Gött. anz. 1827 s. 336. 337.); es war ein in den weisthümern lange fortgeführter und oft gebrauchter ansatz, der sich für ein ausgewähltes opferthier ziemte. das Lauterbacher goldferch wird gleich dem Vinkbucher ausgetheilt und in feierlichem mahl verzehrt; das ganze gericht führt davon seinen namen (3, 370). zu Vinkbuch hat man bloß den heidnischen ausdruck vergessen oder verschwiegen: sicher gab es noch in andern deutschen gegenden solche gerichtsmahle. der heil. Adolf war bischof zu Straßburg und sein tag fällt auf den 29. oder 30. august (Conr. v. Dankr. namenb. s. 117), das gericht also in den anfang sept. In den haushalt pflegt man schweine bei eingehendem winter, im nov. oder dec. zu schlachten, und wenn diese beiden wechselweise schlacht monat heißen, durfte auch darin bezug auf heidnische opfer fortdauern, zumal ein ags. name des nov. blôt mônađ lautet. der gemeine mann stellt bei diesem schlachten ein gastmahl an und sendet fleisch und würste seinen nachbarn (vgl. mäuchli Stalder 2, 525), was von der alten opfergemeinschaft und fleischvertheilung übrig sein mag. Merkwürdig ist, daß auch in Serbien an dem feierlich brennenden badnjak, der völlig dem weihnachtsklotz oder julklotz (s. cap.  XX . feuer) gleicht, ein ganzes schwein , oft daneben noch ein spanferkel gebraten wird. Vuks Montenegro s. 103. 104. . so wurde aus dem opferschwein bei den 42 Welschen ein zum königsschmaus bestimmtes. Es ist das svîn ealgylden , eofor îrenheard der Angelsachsen und von seinen genauen bezügen auf den Frôhocultus wird im verfolg näher zu handeln sein. Die Griechen pflegten schweine der Demeter zu opfern, welche als Nerthus dem Niörđr, Freyr und der Freyja sehr nahe steht. Widderopfer Nachtrag: Ἄρνα μέλαιναν ἐξενέγκατε. Aristoph. ran. 847. man opferte einen widder und schlief auf dessen haut . Paus. III. 34, 3. der Juno brachte man ziegenopfer: αἰγοφάγος Ἥρη . Paus. III. 15, 7. nunc et in umbrosis Fauno decet immolare lucis seu poscet agno sive malit haedo . Hor. I. 4, 12 vgl. bidental zu s.  145 . einen schwarzen bock mit weißen füßen und weißer blässe schlachtet ein neunjähriger knabe über dem schatz und besprengt sich mit dessen blute. Sommer sagen s. 140. ein bock mit goldnen hörnern wird geopfert a. o. s. 150. 151. 179. ›diu ôsterwîche get über dehein geiz ‹ sagt Helbl. 8, 299. heißt es, daß bloß lämmer, nicht geiße ostern gegessen werden? dem teufel wird ein schwarzes schaf gebracht. Firmenich 1, 206 b . dem zwerg der Baumannshöle wird ein schaf geopfert. Gödeke 2, 240. die bocksheiligung bei den alten Preußen beschreibt Simon Grunau (im j. 1526) bei Nesselmann s. X und Lasicz s. 54. vgl. Tettau und Temme s. 261. auf Thomastag wird unter sonderbaren gebräuchen in Estland ein ziegenbock geschlachtet s. Possart s. 172. . wie aus friscing die bedeutung victima hervorgieng, scheint umgekehrt ein name des thieropfers, goth. sáuþs, den altn. des thiers sauđr (hammel) veranlaßt zu haben. diese art von opfer war also nicht selten, so wenig ihrer im einzelnen gedacht wird, vermutlich als eines geringen opfers. Nur die saga Hâkonar gôda cap. 16 berichtet: þar var oc drepinn allskonar smali ok sva hross. smali bedeutet hauptsächlich schafe (μῆλα), auch allgemeiner das kleine vieh der heerde, gegenüber den rindern und pferden, und weil hier allskonar (omnis generis) beigefügt wird, scheinen böcke mitbegriffen. Geopferter böcke gedenkt die vorhin angeführte epist. Bonif. 82. Nach schwedischem aberglauben muß dem wassergeist, wer harfenspiel von ihm erlernen will, ein schwarzes lamm opfern (svenska folkv. 2, 128). Von ziegen opfern redet einmal Gregor der große, die Langobarden sollen, seiner ansicht nach dem teufel, d. i. einem ihrer götter caput caprae darbringen, hoc ei, per circuitum currentes, carmine nefando dedicantes. dial. 3, 28. vor diesem (aufgerichteten) haupt der ziege oder des bocks? neigte sich das volk. Bekannt ist unter den alten Preußen die bocksheiligung (Luc. David 1, 87. 98.) der slav. gott Triglav wird mit drei ziegenhäuptern vorgestellt 43 (Hankas zbjrka 23). hätte sich jenes langob. carmen nefandum aufbewahrt, es würde genauer von dem gebrauch zu urtheilen sein, als aus dem bericht des kirchenvaters, der ihn mit feindseligem auge betrachtete. Anderer opferthiere werden wir nicht versichert, denn von Dietmars hunden, habichten, hähnen möchten fast nur die letzten zulässig sein Nachtrag: Hundeopfer in Griechenland erwähnt Paus. III. 14, 9, über umbrische vgl. Aufr. und Kirchh. 2, 379. dem nickelmann wird alljährlich ein schwarzer hahn in die Bode geworfen. Haupt 5, 378. Samogiten opfern dem Kirnos hähne . Lasicz 47. das blut des von Esten geopferten hahns wird ins feuer gesprützt, federn, kopf, füße, eingeweide werden in die flamme geworfen, den übrigen hahn kochen und verzehren sie. estn. verh. 2, 39. σκύμνους παμμέλανας σκυλάκων τρισσους ἱερεύσας. Orph. argon. 962. die leiber oder häute der opferthiere werden an bäumen aufgehängt s.  61 . 62 . 63 . 541 . in alta pinu votivi cornua cervi Ov. met. 12, 266. incipiam captare feras et reddere pinu cornua . Prop. III. 12, 19. . vielleicht auch sonst noch eßbares hausgevögel, gänse, hüner, tauben? die taube war ein jüdisches und christliches opferthier, hähne brachten die Griechen dem Aesculap, auch dem heil. Christoph pflegte man in Touraine für ein übel am finger einen weißen hahn zu opfern (Henri Estienne cap. 38, 6). Vom wild waren ohne zweifel nur eßbare thiere auch opferbar, hirsche, rehe, wildschweine, niemals bären, wölfe, füchse, denen selbst ein geisterhaftes wesen und gewisser cultus zukommt. Doch ließe sich annehmen, daß zur sühne, gleich menschen, uneßbare thiere dargebracht werden durften, so wie knechte, auch hunde und falken dem verbrannten leichnam des herrn folgten. Hier muß vor allem Adams von Bremen beschreibung 4, 27 des großen opfers zu Upsala zur seite gestellt werden jener nachricht von dem zu Hlethra (s. oben s.  39 ): solet quoque post novem annos communis omnium Sveoniae provinciarum solennitas celebrari, ad quam nulli praestatur immunitas; reges et populi, omnes et singuli sua dona ad Vbsolam transmittunt, et quod omni poena crudelius est, illi, qui jam induerunt christianitatem, ab illis ceremoniis se redimunt. sacrificium itaque tale est: ex omni animante quod masculinum est, novem capita offeruntur, quorum sanguine deos tales placari mos est. corpora autem suspenduntur in lucum, qui proximus est templo. is enim lucus tam sacer est gentilibus, ut singulae arbores ejus ex morte vel tabo immolatorum divinae credantur. ibi etiam canes , qui pendent cum hominibus , quorum corpora mixtim suspensa narravit mihi quidam Christianorum se septuaginta duo vidisse. ceterum naeniae, quae in eiusmodi ritibus libatoriis fieri solent, multiplices sunt et inhonestae, ideoque melius reticendae. Neunzahl herscht in diesem schwedischen opferfest gerade wie in dem dänischen, aber auch hier ist alles sagenmässig aufgefaßt. wiederum scheinen die opfer häupter das wesentliche, nicht anders als bei Franken und Langobarden, die hunde aber bestätigen jene hlethrischen hunde und habichte, auch die alte rechtssitte, neben missethätern wölfe oder hunde aufzuhängen (RA. 685. 686) kann dabei in betracht kommen. Daß hier von jedwedem lebendigen geschöpfe nur das männliche geschlecht opferbar ist, stimmt auffallend zu einer episode des Reinardus, der kein volles jahrhundert nach Adam gedichtet wurde, in seiner grundlage ihm gleichzeitig sein konnte. zur hochzeitsfeier eines königs sollten die männchen aller vierfüßigen thiere und vögel geschlachtet werden, hahn und gansert waren entflohen (Reinh. fuchs lxxiv ). es scheint mir eine uralte opfersage, die noch im 11, 12 jh. verbreitet war, und wovon selbst ein kindermärchen 44 (n°. 27 die stadtmusikanten) etwas weiß oder will man die stelle im Reinardus aus den worten der vulgata Matth. 22, 4: tauri mei et altilia occisa sunt, venite ad nuptias (was bloß die vorkehrung zum hochzeitsmahl schildert) ableiten? dabei fehlt gerade der bezug auf die mares. . Wenigstens scheinen im heidenthum vorzugsweise männliche thiere zum opfer gefordert zu werden bei den Griechen wurden den göttern männliche , den göttinnen weibliche thiere dargebracht (Il. 3, 103 dem Helios ein weißes männliches , der Erde ein schwarzes weibliches lamm). Die Litthauer opferten dem Zemiennik, ihrem erdengott, utriusque sexus domestica animalia. Haupts zeitschr. 1, 141. . Die tödtung eines von jeder gattung (das liegt nicht einmal in des Agathias καὶ ἄλλα ἄττα μυρία) würde ein so ungeheures opfer bilden, daß an keine wirkliche ausführung je zu denken gewesen wäre, es beruhte also nur in der volksüberlieferung. Nicht unähnlich ist übrigens, wenn nach dem Sachsen und Schwabenspiegel alle lebenden wesen, die bei einer notnunft waren, namentlich rinder, rosse, katzen, hunde, hüner, gänse, schweine und leute, außer dem eigentlichen missethäter (d. i. ursprünglich ihrem hausherrn) enthauptet werden sollten Reyscher und Wilda zeitschr. für deutsches recht 5, 17, 18. , oder wenn in der edda die eide aller thiere und pflanzen, und alle wesen zum weinen erfordert werden. Die von einem menschen abhängigen geschöpfe, seine hausthiere, haben bei leichenverbrennung, bei opfer und strafe mitzuleiden. Nächst dem geschlecht war gewis auch an der farbe des thiers gelegen, und unter allen die weiße die günstigste. Von weißen rossen ist vielfach die rede (Tac. Germ. 10. weisth. 3, 301. 311. 831), schon bei den Persern (Herod. 1, 189). auch der opferfriscing war vermutlich fleckenlos weiß; noch in spätern rechtsdenkmälern ist unverletzbarkeit schneeweißer ferkel ausgesprochen RA. 261. 594. weisth. 3, 41. 46. 69. vgl. Virg. Aen. 8, 82 candida cum foetu concolor albo sus. trif apruf rufru ute peiu (tres apros rubros aut piceos) Aufrecht und Kirchh. umbr. sprachd. 2, 278. 279. . Die Votjaken opferten einen rothen , die Tscheremissen einen weißen hengst . Da bei alten viehbußen und zehnten des deutschen rechts oft fahle oder bunte farbe begehrt wurde RA. 587. 667. weisth. 1, 498. 3, 430. weiße thiere sind den heidnischen göttern verhaßt. Tettau und Temme preuß. sag. 42. , so könnte darin zusammenhang mit den opfern statt finden; auch zur zauberei waren thiere bestimmter färbung erforderlich. der wassergeist heischte ein schwarzes lamm und den huldren wird ein schwarzes lamm, eine schwarze katze gebracht. Asb. 1, 159. Saxo gr. p. 16 sagt: rem divinam facere furvis hostiis; heißt das schwarzes vieh opfern? Man kann sich denken, daß das vieh zum opfer bekränzt und geschmückt wurde. goldhörnige kühe verlangt eine stelle der edda Sæm. 141 a und im mansfeldischen dorfe Fienstädt war ein kohlschwarzes rind mit weißer bläße und weißen füßen und ein 45 ziegenbock mit vergoldeten hörnern zur entrichtung auferlegt neue mitth. des thür. sächs. vereins V. 2, 131. vgl. Il. 10 , 292. Od. 3, 382 σοὶ δ'αὖ ἐγὼ ῥέξω βοῦν ἦνιν, εὐρυμέτωπον, ἀδμήτην, ἢν οὕπω ὑπὸ ζυγὸν ἤγαγεν ἀνήρ· τήν τοι ἐγὼ ῥέξω, χρυσὸν κέρασιν περιχεύας. . Einiges deutet an, daß vor der opferung die thiere erst im kreise der volksversamlung herumgeleitet wurden, darauf beziehe ich jenes durch die bänke führen und per circuitum currere (s.  41 , 42 ), vielleicht um ihnen, wie bei Griechen und Römern, den schein zu geben, daß sie freiwillig zu tode giengen oc eingu skyldi tortŷna hvarki fê ne mönnum, nema siâlft gengi î burt. Eyrb. saga p. 10. Nachtrag: Das herumführen der victima war bei allen arten des lustrationsopfers wesentlich. Aufr. u. Kirchh. umbr. spr. 2, 263. κήρυκες δ'ἀνὰ ἄστυ ϑεῶν ἱερὴν ἑκατόμβην ἦγον. Od. 20, 276. . Wahrscheinlich war auch darauf zu achten, daß das opferthier vorher nicht zu menschlichem gebrauch gedient , z. b. das rind noch nicht im pflug oder wagen gezogen hatte. denn solche fohlen und rinder fordern unsere alten rechtsdenkmale zu feierlichem landerwerb oder todpflügen der marksteinfrevler. Vom eigentlichen hergang des opfers enthalten fast nur die nordischen quellen nachricht. während das thier auf dem opferstein sein leben ließ, wurde alles herab rinnende blut (altn. hlaut) entweder in einer angebrachten grube, oder in gefäßen aufgefangen. mit dem opferblut bestrich man die heiligen tische und geräthe und besprengte die theilnehmer saga Hâkonar gođa cap. 16. Eyrbyggiasaga p. 10. rauđ hörgin. fornald. sög. 1, 413. stalla lâta riođa blôđi. das. 454. 527. Sæm. 114 b . riođuđu blôđinu blôttrê . fornald. sög. 1, 512. das griech. αἷμα τῷ βωμῷ περιχέειν, vgl. Moses 2, 24, 8. . Wahrscheinlich geschahen auch weissagungen aus dem blut, vielleicht wurde ein theil davon unter bier oder meth gemischt und getrunken. Im Norden scheinen die blutgefäße ( hlautbollar , blôtbollar) nicht groß zu sein; anderswo gab es eigne, große kessel Nachtrag: Auf kleine opfergefäße , die von den festtheilnehmern mitgebracht werden, deutet die Hak. goda saga c. 16. vgl. ›ask ne eski‹. ebendas. ein opferaltar mit großem kessel ist in einem meklenburgischen grabhügel bei Peccatel gefunden. Lisch 11, 369. 370. über den cimbrischen opferkessel bei Strabo vgl. Lisch 25, 218. aus der höhle bei Velmede wurde auf wunsch ein braukessel geliehen. Firmenich 1, 334 b und der riesen alte kupferkessel wurden aufbewahrt. Faye. 9. . den Schweden machte Olafr Tryggvason den vorwurf, sie säßen daheim und leckten ihre opfernäpfe (at sitia heima ok sleikja blôtbolla sîna) fornm. sög. 2, 309. Eines opferkessels der Cimbern gedenkt Strabo 7, 2. ἔϑος δέ τι τῶν Κίμβρων διηγοῦνται τοιοῦτον, ὅτι ταῖς γυναιξὶν αὐτῶν συστρατευούσαις, παρηκολούϑουν προμάντεις ἱερείαι πολιότριχες, λευχείμονες, καρπασίνας ἐφαπτίδας ἐπιπεπορπημέναι, ζῶσμα χαλκοῦν ἔχουσαι, γυμνόποδες· τοῖς οὖν αἰχμαλώτοις διὰ τοῦ στρατοπέδου συνήντων ξιφύρεις· καταστέψασαι δ'αὐτοὺς ἦγον ἐπὶ δ'αὐτοὺς ἦγον ἐπὶ κρατῆρα χαλκοῦν, ὅσον ἀμφορέων εἴκοσι· εἶχον δὲ ἀναβάϑραν, ἣν ἀναβᾶσα (ἡ μάντις) ὑμερπετὴς τοῦ λέβητος ἐλαιμοτόμει ἕκαστον μετεωρισϑέντα· ἐκ δὲ τοῦ προχεομένου ἁίματος εἰς τὸν κρατῆρα , μαντείαν τινὰ ἐποιοῦντο. Eines der Sueven die vita S. Columbani: sunt etenim inibi vicinae nationes Suevorum; quo cum moraretur et inter habitatores illius loci progrederetur, reperit eos sacrificium profanum litare velle, vasque magnum, quod vulgo cupam vocant, quod viginti et sex modios amplius minusve capiebat, cerevisia plenum in medio habebant positum. ad quod vir 46 dei accessit et sciscitatur, quid de illo tieri vellent? illi ajunt: deo suo Wodano, quem Mercurium vocant alii, se velle litare . Jonas bobbiensis vita Columb. (aus der ersten hälfte des 7 jh. Mabillon ann. Bened. 2, 26). hier wird ausdrücklich gesagt, daß der opferkessel mit bier gefüllt, nicht aber, daß blut eines geschlachteten thiers darunter gemengt war; es könnte, wenn die erzählung nicht unvollständig ist, ein bloßes trankopfer gemeint sein. Gewöhnlich dienten die kessel zum kochen (d. h. sieden) des opferfleisches; nie wurde es gebraten. ebenso beschreibt Herodot 4, 61 ein kochen (ἔψειν) des opfers in dem großen kessel der Scythen. von diesem sieden , wie ich vermutet habe, hieß der widder sáuþs , und die theilnehmer am opfer suđnautar (sudgenossen) Gutalag s. 108; das kochen, die kessel und töpfe der späteren hexen mögen damit zusammenhängen auch den trolden legt die norwegische sage bei Faye 11 einen kupferkessel bei, die Christen erzählten lange von einem Saturni dolium und von einem grossen kessel in der hölle (chaudiere. Méon 3, 284, 285). . Die austheilung der stücke unter das volk besorgte wahrscheinlich ein priester; an großen festtagen wurde die mahlzeit man speiste auch die kraftbrühe von dem gesottenen und das obenschwimmende fett. die Heiden bieten ihrem könig, der das fleisch ausschlägt, an, drecka sođit und eta flotit , saga Hâkonar gôđa cap. 18. vgl. fornm. sög. 10, 381. gleich in der versamlung gehalten, bei andern gelegenheiten durfte sich wol jeder sein theil mit nach haus nehmen. Daß priester und volk die speise genossen geht aus vielen stellen hervor vgl. oben s.  38 . in die capitularien 7, 405 ist aufgenommen was in den epist. Bonifacii cap. 25 (a. 732) von dem presbyter Jovi mactans et immolatitias carnes vescens gesagt wird, nur heißt es dort: diis mactanti et immolatitiis carnibus vescenti. Vermutlich war es einzelnen gestattet, den göttern bei besonderem anlaß kleine gaben darzubringen, und einen theil davon zu verzehren; das nannten die Christen: more gentilium offerre et ad honorem daemonum comedere. capit. de part. Sax. 20. Wahrscheinlich auch wurden den göttern gewisse edlere stücke des thiers überwiesen, haupt, leber, herz, zunge γλῶσσα καὶ κοιλία ἱερείου διαπεπραγμένου. Plutarch im Phocion 1; γλώσσας τάμνειν und ἐν πυρὶ βάλλειν. Od. 3, 332. 341. vgl. de linguae usu in sacrificiis Nitzsch ad Hom. Odyss. 1, 207. in den volkssagen allenthalben, daß von einem zu tödtenden menschen oder thier zunge oder herz zum wahrzeichen überbracht werden sollen, gleichsam als vornehmste theile. . haupt und fell des erlegten wilds pflegten ihnen an bäume aufgehängt zu werden Nachtrag: Auf alte opfer weisen zurück die trinkgelage bei öffentlichen gerichten und nach dem grenzumritt. das opferfleisch wurde gesotten, nicht gebraten, doch ist beim Bacchusfeste von braten und sieden die rede. troj. kr. 16201. 16299. für die austheilung unter das volk fand eine zerstückelung des opferthieres statt, des esels (s.  39 ), der gädda in 8 theile. sv. folks. 1, 90. 94, des Osiris in 14 theile. Bunsen 1, 508. dem Thorbild im Guđbrandsdalr werden täglich vier laibe brot und slâtr (schlachtfleisch) vorgelegt. fornm. sög. 4, 245. 246. vgl. Olafsaga ed. Christ. s. 26. brei und fische opfert man der Percht an ihrem feste (s.  220 ) und den seelen speis und trank (s.  761 ). auf dem brownies stone wird jeden sonntag die milch einer kuh geopfert. Hones yearb. 1532. . Reine brennopfer , wobei das thier auf dem holzstoß in asche verwandelt wurde, scheinen ungebräuchlich. das goth. allbrunsts übersetzt Marc. 12, 33 nur das gr. ὁλοκαύτωμα, ebenso steht albrandopher N. ps. 64, 2, und das ags. brynegield onhreáđ rommes blôde soll Cædm. 175, 6. 177, 18 ganz ein brandopfer im jüdischen sinn ausdrücken paliti obiet, opfer anzünden. königinh. hs. 98. . 47 Auch keine rauchopfer galten; der Christen süßer weihrauch war den Heiden etwas neues. Ulphilas behält das gr. thymiama bei Luc. 1, 10. 11; unser weihrauch, alts. wîrôc Hel. 3, 22, das altn. reykelsi, dän. rögelse sind nach christlichem begrif gebildet Nachtrag: Das rauchopfer ist schon den Heiden bekannt. den göttern brachte man weihrauch und knochen. Athen. 2, 73. thus et merum. Arnobius 7, 26 ff. ir. tusga , usga ags. stôr thus, stêran thurificare. Haupts zeitschr. 9, 513 b . an jedem altar opfert man ›eine risten flahses, ein wahskerzelîn und wîrouches korn‹. Diut. 1, 384. auch bloße lichtopfer mag es gegeben haben. dem teufel und den flußgeistern werden lichter angezündet (s.  484 . 844 ). christlichen heiligen gelobt man in der noth eine kerze so groß wie der leib, dann wie der schenkel, zuletzt wie der finger. walach. märch. s. 288. vgl. Helena (in templo) sacravit calicem ex electro mammae suae mensura . Plin. 33. 4, 23. schif brüchige geloben ihnen eine kerze von der grösse des mastes. hist. d. l. bastille 4, 315. ähnlich schimpf und ernst cap. 403. statt dessen wird auch eine navicula cerea oder eine argentea anchora dargebracht. Pertz 6, 783. 784 oder ein wechsin haus gegen den brand. h. Ludwig 84, 19 oder der bau einer kapelle gelobt. auch schiffe und pflüge von silber werden geopfert ( anm. 191 . s.  219 ). GDS. 59. der zehnt der seebeute wird dargebracht (s.  191 ). Vgl. ἐνταῦϑα τῷ ναῷ τριήρους ἀνάκειται χαλκοῦν ἔμβολον . Paus. I. 40, 4. steine werden aufs grab getragen oder geworfen (oder auch baumzweige Klemm. 3, 294), so von pilgern auf Bremunds grab. Karlm. s. 138. und mit steinwurf wird geopfert. Wolf zeitschr. 2, 61, auch ein stein auf die herme gelegt. Preller 1, 250. um die herme liegt ein steinhaufe. Babr. 48. O. Müller archäol. § 66 meint, zugleich um den weg zu reinigen, seien solche ἑρμαῖα haufen errichtet. Darius läßt auf seinem Skythenzuge am flusse Atiskus einen steinhaufen, von jedem soldaten einen stein, zusammentragen. Herod. 4, 92. jeder pilger muß einen stein zum bau der kirche herbeibringen. Matth. Koch reise s. 422. J. Barrington personal sketches of his own times. Lond. 1827. 1, 17. 18 erzählt von einem irischen brauch: By an ancient custom of every body throwing a stone on the spot, where any celebrated murder had been committed, upon a certain day, every year, it is wonderful, what mounds were raised in numerous places, which no person, but such as were familiar with the customs of the poor creatures would ever be able to account for. lappen werden an den heiligen baum gehängt. Fel. Faber 2, 410. 422. reis oder lappen wirft der vorbeigehende auf den stein. Dybeck 1845. s. 6. 4, 31. auch nålar das. 4, 35. der gemeine mann opfert noch pfenninge in den stein das. 3, 29 und wirft in quellen brot , geld , eierschalen das. 1844. 22. si het ir opfergoldes noch wol tûsent marc, si teilt ez sîner sêle, ir vil lieben man. Nib. 1221, 2 (s.  761 ). . Das blutige thieropfer ist gesellschaftlicher, allgemeiner, die gesamtheit des volks oder die gemeinde pflegt es zu bringen, frucht oder blumen, milch oder honig darf jeder haushalt und selbst der einzelne mensch opfern. diese fruchtopfer sind daher einsamer, ärmlicher; die geschichte gedenkt ihrer kaum, aber in der volkssitte haben sie desto fester und länger gehaftet Nachtrag: Die hirten bringen blutige opfer, die ackerleute ihre früchte dar. GDS. 20. 21. dem Wuotan bleiben ähren stehen (s.  128  ff). man läßt ein bündel flachs auf dem acker. Wolfs ndrl. sag. s. 269, dem holzfräulein flachshalme oder hüttchen von flachsstengeln stehen. Schönwerth 2, 360. 369. man macht den göttern garben von stro . Garg. 129 b . halme und ähren brachten auch die Griechen dar. Callimachus 4, 283. hic placatus erat, seu quis libaverat uvam , seu dederat sanctae spicea serta comae. Tib. 1. 10, 21. in ermangelung von gerste wurde zartes eichenlaub geopfert. Od. 12, 357. die Inder hatten grasopfer. Kuhn rec. d. Rigv. s. 102, wie die pixies bündel gras oder nadel als opfergabe erhielten. der Artemis wurden erstlinge der früchte ϑαλύσια dargebracht. Il. 9, 534. alt ist auch das blumenopfer , das zu den 5 indischen opfern gehört: vedalesen, wassersprengen, butterverbrennen, reis und blumenstreuen , gastfreundschaft. Holtzmann 3, 123. skr. sêsa bedeutet reliquiae, flores qui deo vel idolo oblati sunt, deinde alicui traduntur. vgl. das blumenopfer der Sarasvati. Somadeva 1, 120. 121 und ›zum opfer weiht er dem gewölk vom kutadscha die schönsten blüten ‹. Meghadûta 4. den göttern wurden auch in Griechenland blumen dargebracht. Theokr. epigr. 1. der Venus opfer besteht aus bluomen und vingerlîn . Ksrchr. 3746. in Deutschland umtanzte man das erste veilchen (s.  636 ). opferstein heißt unterm volk ein stein im wald eine stunde von Marburg, auf den die leute noch blumen und getreide legen. ein fels wird am ersten mai mit blumen umkränzt. Pröhle Unterharz no. 347. 263. wie man am ostertage in die höle unter dem Meisner mit blumen zieht, geht das landvolk auch in der Lippegegend an diesem tage in den holen stein. Firm. 1, 334 und denkt an Veleda, wie in Hessen an Holda. am ersten ostertage ziehen ferner die einwohner der dörfer Waake, landolfshausen und Mackenrode nach den Schweckhäuserbergen, wo ehmals ein götze stand. Harrys 1. no. 4. . Der ackermann läßt, wenn er sein korn schneidet, dem gott der es segnete einen haufen ähren stehen und schmückt sie mit bändern. noch jetzt bei der obsternte bleiben in Holstein auf jedem baum fünf oder sechs äpfel unberührt hängen, dann gedeiht die nächste ernte. merkwürdigere beispiele dieser gewohnheit werde ich erst im verfolg bei abhandlung der einzelnen gottheiten mittheilen. Wie aber hauptsächlich zahme und eßbare thiere, taugen auch fruchtbäume (frugiferae arbores. Tac. Germ. 10) und getraide zum opfer, und bei feierlicher übergabe von grundstücken dienen zweige mit blättern, äpfeln oder nüssen als wahrzeichen des geschäfts. Cains opfer umschreibt der mhd. dichter (fundgr. II, 25) in den worten: eine garb er nam, er wolte sie oppheren mit eheren joch mit agenen , diese formel drückt sowol den oberen theil, die spitze (arista), als die ganze ähre (spica) insgemein aus. Hierher gehört auch das bekränzen des götterbildes, eines heiligen baums, oder eines geopferten thiers mit laub oder blumen ; in den nordischen sagen zeigt sich nicht die geringste spur davon, ebenso wenig in unsern ältesten überlieferungen. Aus der späteren zeit und fortlebenden volkssage kann ich einiges anführen. am himmelfahrtstage winden in mehr als einer gegend Deutschlands die mädchen kränze aus weißen und rothen blumen, und hängen sie in der stube oder im stall über dem vieh so lange auf, bis sie das nächste jahr durch frische ersetzt werden Bragur VI. 1, 126. . Im dorfe Questenberg am Harz bringen am dritten pfingsttage die bursche eine eiche auf den die ganze gegend beherschenden burgberg, und befestigen, sobald sie aufgerichtet steht einen großen kranz daran, der von baumzweigen geflochten ist und einem wagenrad gleicht. alles ruft: die queste (d. i. der kranz) hängt! und dann wird oben auf dem berge um den baum getanzt, baum und kranz aber jährlich erneuert Otmars volkssagen p. 128. 129. was über den ursprung der sitte erzählt wird scheint erdichtung. . Unweit dem hessischen berge Meisner steht eine hohe felsenwand, unter der sich eine höle öffnet, die den namen des holen steins führt. in diese höle tragen am zweiten ostertage jünglinge und mädchen der benachbarten dörfer blumensträuße 48 und schöpfen sich dann kühlendes wasser. ohne blumen mitzubringen wagt es niemand hinabzusteigen Wigands archiv 6, 317. . Grundstücke einzelner hessischen dorfschaften haben jährlich einen strauß maiblumen zu zinsen Wigands archiv 6, 318. Casselsches wochenbl. 1815 s. 928 b . . In allen diesen beispielen, die sich durch manche ähnliche vermehren lassen werden, scheint heidniche gewohnheit auf christliche feste und abgaben überführt es wurden außer vieh und getraide einzelnen göttern und in besondern fällen andere kostbarkeiten dargebracht, wie noch in christlicher zeit z. b. seefahrer den kirchen ein silbernes schif als weihgeschenk gelobten, in schwed. volksl. offra en gryta af malm (gefäß aus metall) Arvidss. 2, 116; en gryta af blankaste malm (von silber) Ahlqvists Öland II 1, 214. auch kleidungsstücke, z. b. rothe schuhe . . Wie es uralter und verbreiteter brauch war, den hausgöttern bei festlicher mahlzeit einen theil der speise zurückzustellen und namentlich der Berhta und Hulda eine schüssel mit brei hingesetzt wurde, ließ man die götter auch den feierlichen trank mitgenießen. Aus dem gefäß pflegte der trinkende, eh er selbst genoß, etwas für den gott oder hausgeist hinzugießen, wie die Litthauer, wenn sie bier tranken, auch davon für Zemynele, ihre erdgöttin, auf den boden schütteten in der deutschen sprache kenne ich keine technischen ausdrücke, wie das griech. σπένδω, λείβω, lat. libo für trankopfer Nachtrag: Λεῖβον δ'ἀϑανάτοισι ϑεοῖς. Od. 2, 432. andere beispiele hat Passow s. v. λείβω. statt dessen οἶνον ἔκχεον, ἠδ' εὔχοντο ϑεοῖς. Il. 3, 296. den göttern wird vor dem weintrinken auf die erde gegossen. Il. 7, 480. Skythen dagegen gießen den göttern keinen wein nach Lucians Toxar. 45, wie die germanischen helden minne tranken, ohne dabei auszugießen. GDS. 236. 237. poculis aureis memoriae defunctorum commilitonum vino mero libant . Apulejus metam libr. 4. p. m. 131. . . Hierher gehören norwegische sagen von Thor, der auf hochzeiten eingeladen erscheint und ungeheure biertonnen ansetzt und leert. Ich will nochmals auf jene erzählung des Jonas von der suevischen bierkufe zurückkommen und sie zur erklärung der heidnischen, im christenthum lange unausgerotteten gewohnheit des minnetrinkens verwenden. auch hier scheinen name und sitte allen deutschen volksstämmen gemein. Den Gothen hieß man (pl. munum, præt. munda) ich denke, gaman (pl. gamunum, præt. gamunda) ich gedenke, erinnere mich. davon leitet sich das ahd. minna  = minia amor, minnôn  = miniôn amare, des geliebten gedenken. in altn. sprache giebt es sowol jenes man , munum , als auch minni memoria, minna recordari, die nebenbedeutung amor hat sich gar nicht entwickelt. Einen abwesenden oder verstorbenen pflegte man zu ehren, indem man seiner bei versamlung und mahlzeit erwähnte, und auf sein andenken einen becher leerte, dieser becher, dieser trunk wurde altn. erfi dryckja , und wiederum minni genannt. Bei festlichen opfern und gelagen ward des gottes, oder der götter gedacht und minni getrunken. minnis öl. Sæm. 119 b (gegensatz zum ôminnisöl) minnis horn, minnis full. fôro minni mörg ok skyldi horn dreckia î minni hvert. um gôlf gânga at minnom öllum. Egilss. 206. 253. minniöl signođ âsom. Olafs helg. saga (ed. holm.) 113. signa ist segnen, weihen. signa full Odni, Thôr. Ođins full , Niarđar full , Freys full drecka. saga Hâkonar gôda cap. 16. 18. in der Herrauđssaga cap. 11 wird Thors, Odins und 49 Freyas minne getrunken. bei dem begräbnis eines königs wurde ein becher dargebracht, welcher Bragafull hieß, vor ihm erhob sich jeder, that ein feierliches gelübde und leerte ihn. Yngl. saga cap. 40; andere stellen lesen bragarfull Sæm. 146 a fornald. sög. 1, 345. 417. 515. der becher hieß auch minnisveig . Sæm. 193 b . Dieser sitte entsagte man nach der bekehrung nicht, sondern trank nun Christus, Marien und der heiligen minne, z. b. Krists minni , Michaêls minni . fornm. sög. 1, 162. 7, 148. Nach fornm. sög. 10, 178 verlangt der heil. Martinus von Olaf, daß statt Thors, Odins und der übrigen âsen sein minni angeführt werde. Die andern stämme hatten ebensowenig davon abgelassen, und da wo unterdessen die bedeutung des ausdrucks minne verändert war, übersetzt man ihn auch in das lat. amor statt memoria in dem gedicht des 12. jh. von dem gelouben heißt es 1001 von der einsetzung des abendmals, dessen kelch den Christen auch ein gedächtnistrank sein sollte: den cof nam er mit dem wîne unde segente darinne ein vil guote minne . vgl. loving cup . Thoms anecd. 82. . merkwürdig schon bei Liutprand hist. 6, 7 (Muratori II. 1, 473). u. Liutpr. hist. Ott. 12. diaboli in amorem vinum bibere. Liutpr. antapod. 2, 70. amoris salutisque mei causa bibito. Liutpr. leg. 65. potas in amore beati Johannis praecursoris. hier ist also der täufer gemeint, nicht der evangelist; in des Fel. Faber evagat. 1, 148 aber bestimmt der letztere. bei Eckehard (casus s. Galli, Pertz 2, 84) amore que, ut moris est, osculato et epoto, laetabundi discedunt; im Rudlieb 2, 162. post poscit vinum, Gerdrudis amore , quod haustum participat nos tres, postremo basia fingens, quando vale dixit post nos gemit et benedixit; im sogenannten liber occultus heißt es, nach der Münchner hs., bei darstellung eines raufhandels: hujus ad edictum nullus plus percutit ictum, sed per clamorem poscunt Gertrudis amorem ; im Peregrinus (einem lat. gedicht des 13 jh.) v. 335 (Leyser 2114): et rogat, ut potent sanctae Gertrudis amore , ut possent omni prosperitate frui. Bei Ereks abschied: der wirt neig im an den fuoz, ze hand truog er im dô ze heiles gewinne sânt Gêrtrûde minne . Er. 4015; (der gewafnete kämpfer) trânc sant Johannes segen . Er. 8651; Hagene sagt, indem er Etzels kind erschlägt Nib. 1897, 3: nu trinken wir die minne unde gelten sküneges wîn, iz mac anders niht gesîn wan trinkt und geltet Ezeln wîn .   Helbl. 6, 160. 14, 86. wo auch gelten an die beim opfer entwickelte bedeutung gemahnt (vgl. Schm. 2, 40). si dô zucten di suert unde scancten eine minne . herz. Ernst in Hoffm. fundgr. 1, 230, 35. minne schenken. Berthold 276. 277; sant Johannis minne geben. Oswald 611. 1127. 1225 Nachtrag: S. Johannes und s. Gertruden minne kommt noch viel häufiger vor. vgl. spätere beispiele bei Gödecke weim. jb. 6, 28. 29 und Scheller 2, 593. postea dominis amor sancti Johannis ministretur. MB. 35 a , 138. dafür potum caritatis propinare. Lacombl. 487 (a. 1183). dar truoc man im sand Johanns minne . Ottoc. 838 b . Johannes liebe, Johannes minnetrinken . weisth. 1, 562. 564. trag uns her sant Johans min! Keller erz. 32. si trinkent alsamt sant Hans min . Keller erz. 34. in Belgien sagte man: sinct Jans gelei ende sinct Gertrous minne sy met u! zu S. Gerdrut fleht man um gute herberge. Eschenburg denkm. s. 240. über die herberge der seele bei Gertrud vgl. s.  699 . bei Wolkenstein s. 114 bedeutet minne sanct Johans den abschiedskuss. vgl. Johannes minne. Uhland s. 814 ff. Pauli schimpf und ernst 1550 cap. 456. beim scheiden sagt die frau: setz sant Johans ze bürgen mir, daz wir froelich und schier zuo einander komen. Ls. 3, 313. vgl. die scheidelkanne trinken. Lüntzel Hildsh. stiftsfehde s. 80. altn. heißt es: bad þâ drecka velfarar minni sitt. Egilss. s. 213. den leuten wird weihnachten Johans segen gegeben. weisth. 1, 241. 243. nicht nur von Liutpr. (Pertz 3, 363) wird der täufer (Johannes praecursor) gemeint, sondern auch im liede von Heriger: Johannes baptista pincerna . lat. ged. d. Ma. s. 336. . was später wol hieß: einen ehrenwein schenken, denn schon in der älteren sprache bezeichnete êra , êre höheren und geliebten wesen erwiesene verehrung. Im 50 mittelalter waren es also vorzugsweise zwei heilige, denen zu ehre minne getrunken wurde, Johannes (der evangelist) und Gerdrut . Johannes soll vergifteten wein ohne schaden getrunken haben, der ihm geheiligte trunk wiederum alle gefahr der vergiftung abwenden; Gerdrut verehrte den Johannes über alle heiligen und darum scheint ihr andenken dem seinigen hinzugefügt. Sie galt aber auch für eine friedensstifterin und im Latinarius metricus eines Andreas rector scholarum wird sie angerufen: o pia Gerdrudis , quae pacis commoda cudis bellaque concludis, nos caeli mergito ludis! ein schreiber betete täglich zu ihr: daß sie ihm schueffe herberg guot, und in einer hs. des 15 jh. wird angeführt: aliqui dicunt quod quando anima egressa est tunc prima nocte pernoctabit cum beata Gerdrude , secunda nocte cum archangelis, sed tertia nocte vadit sicut diffinitum est de ea; diese merkwürdige äußerung wird sich im verfolg auf Freyja beziehen lassen, an welche, wie an Hulda und Berhta Gerdrut auch darin erinnert, daß sie spinnend vorgestellt wurde. Beider (Johannes und Gerdrutens) minne pflegten besonders scheidende, reisende und friedliebende zu trinken, wie die angeführten stellen lehren. ein älteres zeugnis über Gertruden minne (welche Johannes minne voraussetzt) kenne ich nicht, als das aus Rudlieb; in späteren jahrhunderten steht ihrer noch eine menge zu gebot. der brâhte mir sant Johans segen . Ls. 3, 336; sant Johans segen trinken. Ls. 2, 262; ich dâht an sant Johans minne . Ls. 2, 264; varn mit sant Gêrtrûde minne . Amgb. 33 b ; setz sant Johans ze bürgen mir, daz du komest gesunt herwider schier. Hätzl. 191 b ; sant Johannes namen trinken. altd. bl. 413; sant Gêrtrûde minne . cod. kolocz. 72; trinken sant Johannes segen und scheiden von dem lande. Morolt. 3103. diz ist sancte Johans minne . cod. pal. 364, 158; s. Johans segen trinken. Anshelm 3, 416; Johans segen. Fischart gesch. kl. 99 b ; Simpliciss. 2, 262 Thomasius de poculo s. Johannis vulgo Johannistrunk. Lips. 1675. Scheffers Haltaus p. 165. Oberlin s. v. Johannis minn und trunk. Schmeller 2, 593. hannov. mag. 1830, 171–176. Ledeburs archiv 2, 189. über Gerdrut zumal Huyd. op. St. 2, 343–45. Clignetts bidr. 392–411. Hoffm. horae belg. 2, 41–48. antiqvariske annaler 1, 313. Hankas böhm. glossen geben 79 b 132 a Johannis amor durch swatá mina . Auch in dem slovenischen denkmal der Freisinger hs. (Kopitars Glagolita xxxvii , vgl. xliii ) wird zusammengestellt: da klanjamse i modlim se im i tschesti ich pijem i objeti nasche im nesem (ut genuflectamus et precemur eis et honores eorum bibamus et obligationes nostras illis feramus). tschest ist honor, τιμή, cultus, unser altes êra, ich finde aber auch slava (ruhm, andenken) im sinn von minne gebraucht, und in einem serb. lied (Vuk. 1 n° 94) wird wein ›za slave bozhje‹ zu gottes ehre getrunken. In der finnischen mythologie ist eine schale des Ukko (Ukkon malja) erwähnt. malja = schwed. skål, eigentlich scutella, potatio in memoriam vel sanitatem. . Die Sueven, denen sich Columban näherte, tranken vermutlich Wuotans minne ; Jonas erzählt, wie der heilige das ganze gefäß entzwei geblasen, ihnen die freude verdorben habe; manifesto datur intelligi, diabolum in eo vase fuisse occultatum, qui per 51 proanum litatorem caperet animas sacrificantium. so dürfte man sich bei Liutprands teufel , dessen minne getrunken wird, einen heidnischen gott denken. gefa priggja sâlda öl Ođni. fornm. sög. 2, 16; gefa Thôr ok Ođni öl , ok eigna full Asum. das. 1,280. drecka minni Thörs ok Ođins. das. 3, 191. Wie im Norden Thors hammerzeichen wandte man unter den Christen das kreuz zur segnung des bechers an, vgl. poculum signare . Walthar. 225, ganz jenes signa full . Wahrscheinlich dauert das minnetrinken selbst als kirchlicher gebrauch noch heute in einigen gegenden Deutschlands. jährlich am 27 dec. wird zu Otbergen, einem hildesheimischen dorfe, ein kelch mit wein vom priester geweiht und als Johannis segen dem in der kirche versammelten volk zu trinken gereicht; in keinem der benachbarten orte geschieht es. In Schweden und Norwegen kommt auf lichtmesse ein dricka eldborgs skal vor ( schwed. abergl. 122 ). Jene biergefüllte suevische cupa (s. 45 ) war aber ein geheiligter opferkessel , dergleichen die Cimbern einen dem römischen kaiser August sandten ἔπεμψαν τῷ Σεβαστῷ δῶρον τὸν ἱερώτατον παρ' αὐτοῖς λέβητα . Strabo VII, 2. . An den skythischen kessel wurde schon s.  46 gedacht, und man weiß, welche rolle der kessel in der Hŷmisqviđa spielt und beim gottesurtheil des kesselfangs . Auch sind die altn. eigennamen Asketill und Thorketill (verkürzt Thorkel) ags. Oscytel (Kembles urk. 2, 302) nicht zu übersehen, sie führen auf kessel, die dem gott und dem Thor geweiht waren. Wie aus beachtung dieser bis in die spätere zeit fortgepflanzten trinkgebräuche wird die kunde der heidnischen alterthümer vortheil ziehen aus der gestalt des backwerks , das entweder noch die alte götzenform nachahmte oder die vorschriften der opfer beibehielt. eine geschichte der deutschen kuchen und semmeln ließe sich nicht ohne unerwartete aufschlüsse zusammenstellen. schon der indic. superstit. 26 nennt simulacra de consparsa farina . gebackne thiergestalten scheinen verehrte thiere oder attribute eines gottes ebergebäck muß viel weiter als im Norden (s. unten Frôs eber) üblich gewesen sein, auch in Frankreich buk man cochelins auf neujahr. mém. de l'ac. celt. 4, 429. . Aus einer merkwürdigen stelle der Fridthiofssaga (fornald. sög. 2, 86) geht hervor, daß die Heiden beim dîsa blôt götterbilder buken und mit öl schmierten : sâtu konur viđ eldinn ok bökuđu gođin, en sumar smurđu ok þerđu međ dûkum. durch Friđþiofs schuld fällt ein gebackner Baldr ins feuer, daß fett in die flamme schlägt und das haus vom feuer verzehrt wird. Nach Voetius de superstitione 3, 122 pflegte man am tage Pauls bekehrung ein ströhern bild vor den herd zu stellen, auf dem man buk, und wenn es einen hellen lieblichen tag brachte, mit butter zu schmieren, sonst aber vom herd zu stoßen, mit unrath zu bestreichen und ins wasser zu werfen. Manches also was in den abgaben und bräuchen des volks nicht recht erklärlich wäre, die farbe der thiere (s.  44 ), das 52 umführen des ebers (s.  41 ), die blumen (s.  47 ), das minnetrinken (s.  49 ), selbst die form der kuchen, gemahnt noch an die opfer des heidenthums Nachtrag: Über die gestalt des backwerks vgl. s. 414 . form oder namen des osterflade , des pfadelat , palellata, und der ôsterstuopha (s.  651 ) des furiwiz (Graff 1, 1104) verdient beachtung. an das nach Voetius vor den herd gestellte ströhern bild erinnert Günther 647: bei diesen opferherd wird nun dein bild gebracht. Das feierliche umtragen der götterbilder kannte auch das alterthum. Syriam deam per vicos agrosque circumferre . Lucian de dea Syria 49, und im Lucius cap. 36. circumgestare deam . Apulejus p. m. 194–196. die Nordmänner von Guđbrandsdalr tragen die bildseule Thors aus seinem hause in das þing , stellen sie dort auf und neigen sich ihr. Olaf h. s. ed. Christ. s. 23. 26. die Delbrücker trugen früher auf langer stange einen abgott hilgerio umher . weisth. 3, 101 anm. darf des Ulrich von Lichtenstein umzug als frau Venus , die man empfängt und willkommen heißt, aus einer sitte erklärt werden die noch auf heidnische umzüge zurückzuführen ist? es geschah auch zur pfingstzeit, vom 25. april 1227 – 26. mai. pfingsten fiel auf den 30. mai. Hier wäre der heiligen feste zu gedenken, über deren namen die GDS. s. 71. 72 handelt, über die jahres-, monats- und tageszeit, in die sie fielen. festa ea Germanis nox (sideribus inlustris d. h. illunis ) et solemnibus epulis ludicra . Tac. anm. 1, 50. vgl. Germ. 24, wo ludicrum der schwerttanz heißt. zum fest gehören nicht nur schmäuse und spiele, sondern auch die waschungen der (weiblichen) götterbilder (s.  210 . 211 ). . Außer den gebeten und opfern muß noch ein wesentlicher bestandtheil des heidnischen cultus hervorgehoben werden: das feierliche umtragen, umführen der götterbilder ; nicht bloß an einer stätte sollte die gottheit weilen, sondern sich von zeit zu zeit dem ganzen umkreis des landes vergegenwärtigen (s. cap.  XIV .). so fuhr Nerthus einher (invehebatur populis) und Berecynthia (s. cap.  XIII .), so zog Frô im frühling aus, so wurde das heilige schif, der heilige pflug umgeführt (s. Isis cap.  XIII .). des ungenannten gothischen gottes bild zog auf dem wagen (cap.  VI .). einholen des Sommers oder Mais, austragen des Winters oder Todes beruhen auf gleicher vorstellung. Holda, Berhta und alle ähnlichen wesen halten zu bestimmter jahrszeit ihren umgang, den Heiden zur freude, den Christen zum schrecken; selbst Wuotans heerszug kann so aufgefaßt werden (vgl. frau Gauden cap.  XXXI .). Seit Fro nicht mehr erschien, zeigte sich noch Dietrich mit dem ber (aper) und Dietrich Bern (cap.  X . XXXI .) oder man führte den sônargöltr zum heldengelag (cap.  X .), den eber durch die bänke (s. 41 ). In den öffentlichen rechtsgebräuchen ist der umritt neugewählter könige durch die landesstraßen, die feierliche lustration der wege, der grenzbegang, wobei vor alters götterbilder und priester kaum gefehlt haben, ganz zu vergleichen. Nach der bekehrung gestattete auch die kirche solche umzüge fortwährend, nur daß ein Marienbild oder heiligenbilder getragen wurden, namentlich wann dürre, miswachs, seuche, oder krieg ausgebrochen war, um regen (cap.  XX .), fruchtbarkeit der äcker, genesung und sieg zurückzuführen; selbst einer feuersbrunst trug man heilige bilder entgegen. Der indicul. paganiar. meldet XXVIII ›de simulacro quod per campos portant ‹, wozu Eccard 1, 437 aus noch ungedruckter vita Marcsvidis (nicht Maresvidis) eine wichtige stelle mittheilt: statuimus ut annuatim secunda feria pentecostes patronum ecclesiae in parochiis vestris longo ambitu circumferentes et domos vestras lustrantes, et pro gentilitio ambarvali in lacrymis et varia devotione vos ipsos mactetis et ad refectionem pauperum eleemosynam comportetis, et in hac curti pernoctantes super reliquias vigiliis et cantibus solennisetis, ut praedicto mane determinatum a vobis ambitum pia lustratione complentes ad monasterium cum honore debito reportetis. confido autem de patroni hujus misericordia, quod sic ab eo gyrade terrae semina uberius proveniant et variae aëris inclementiae cessent . Die römischen ambarvalia waren entsündigungen der felder und es wurde bei dem terminus publicus geopfert; maigänge und beritte der grenzen und wege zur zeit des deutschen heidenthums müssen ihnen sehr ähnlich gewesen sein. Auf der Gabelheide in Meklenburg zogen noch im 15 jh. die Wenden mit lautem geschrei um die grünende saat (Giesebrecht 1, 87). 53 Cap. IV. Tempel. Auch bei untersuchungen über die heiligen wohnplätze der götter wird am sichersten von ausdrücken angehoben, die den christlichen benennungen tempel oder kirche vorausgiengen, und durch sie verdrängt wurden. Das goth. fem. alhs überträgt die jüdischchristlichen begriffe ναός (Matth. 27, 5. 51. Marc. 14, 58. 15, 29. Luc. 1, 9, 21. II Cor. 6, 16) und ἱερόν (Marc. 11, 11. 16. 27. 12, 35. 14,49. Luc. 2, 27. 46. 4, 9. 18, 10. 19, 45. Joh. 7, 14. 28. 8, 20. 59. 10, 23). es muß dem Gothen ein altheiliges wort sein, weil es die anomalie ähnlicher ausdrücke theilt, und den gen. alhs, den dat. alh statt alháis, alhái bildet. ein einziges mal steht Joh. 18, 20 gudhus (ἱερόν), das einfache hus hat nie die bedeutung von domus (razn). warum sollte Ulfilas verschmähen, den heidnischen namen auf die christliche sache anzuwenden, da ja die auch heidnischen templum und ναός für den christlichen gebrauch unanstößig befunden wurden? Dasselbe wort erscheint, möglicherweise, schon einmal bei Tacitus Germ. 43: apud Naharvalos antiquae religionis lucus ostenditur: praesidet sacerdos muliebri ornatu, sed deos interpretatione romana Castorem Pollucemque memorant. ea vis numini, nomen Alcis ; nulla simulacra, nullum peregrinae superstitionis vestigium. ut fratres tamen, ut juvenes venerantur. alcis ist entweder selbst nom. oder ein gen. von alx (wie falcis, falx), das vollkommen dem goth. alhs gleicht. ein heldenbrüderpaar wurde, ohne bildsäulen, in heiligem hain verehrt, auf sie kann der name nicht wol bezogen werden es wäre denn dat. pl. von alcus? man hat untreffend ein wendtsches holz, böhm. holec darauf bezogen, das aber eigentlich einen kahlen, nakten wicht und betteljungen bedeutet. poln. golec, russ. goljak. auch waren die Naharvalen und alle lygischen völker schwerlich Slaven. , die stätte der gottheit hieß alx . das numen ist hier der heilige wald oder ein darin ausgezeichneter baum selbst. Vier oder fünf jahrhunderte nach Ulfilas muß den hochdeutschen stämmen das wort alah altväterisch heidnisch geklungen haben, gleichwol wissen wir, daß es in der zusammensetzung mit eigen und ortsnamen gesichert noch vorhanden war Nachtrag: Über die mit alah zusammengesetzten namen s. Förstemann. Halazes stat in Ratenzgowe (Hallstadt bei Bamberg) MB. 28, 98 (a. 889) scheint verlesen für Halahes stat und das. 28, 192 (a. 923) Halazzesstat f. Halahhesstat. denn im cap. bei Baluze 1, 755 heißt es Halax stat, wo bei Pertz, 3, 133 wiederum Halazstat, bei Bened. richtiger Alagastat steht. doch hat auch Pertz 3, 302 Halaxstat. darf man ags. ealgian tueri und das lat. arcere, arx vergleichen? GDS. 319. Pictet origines 1, 227 stellt alhs zu skr. alka. was heißt in der Limburger chron. p. m. 5: alle gassen und alhen? mit den Alcis Tac. Germ. 43 sind vergleichbar die skythischen κόρακοι , φίλοι δαίμονες = Orest und Pylades. Lucians Toxaris 7. GDS. 118. : Alaholf, Alahtac, Alahhilt, Alahgund, Alahtrût; Alahstat in pago Hassorum (a. 834) Schannat trad. fuld. n° 404. Alahdorp in Mulahgöwe (a. 856) das. n° 476. den namen Alahstat, Alahdorf können mehrere örter geführt haben; an denen sich ein 54 heidnischer tempel, eine geheiligte gerichtsstätte oder ein haus des königs befand. denn nicht bloß das fanum, auch die volksversamlung und die königliche wohnung galten für geweiht, oder in der sprache des mittelalters für frôno. Alstidi , eine bei Dietmar von Merseburg oft genannte königspfalz in Thüringen hieß ahd. alahsteti , nom. alahstat. Unter den später bekehrten Sachsen erhielt sich das wort länger lebendig. der dichter des Hel. gebraucht alah (masc.) gerade wie Ulfilas (3, 20. 22. 6, 2. 14, 9. 32, 14. 115, 9. 15. 129, 22. 130, 19. 157, 16), seltner godes hûs 155, 8. 130, 18, oder that hêlaga hûs 3, 19. Cædm. 202, 22 alhn 1. alh hâligne (den heiligen tempel). 258, 11 ealhstede (palatium, aedes regia). Andr. 1642 bessere ich ealde ealhstedas (delubra) f. eolhstedas, vgl. die eigennamen Ealhstân in Kembles urk. 1, 288. 296, Ealhheard 1, 292, gleichsam steinhart, felsenhart, was auf die ursprünglichste bedeutung des worts leiten könnte. es mangelt den altn. quellen, würde aber lauten müssen alr , gen. als . Einen andern uralten ausdruck bieten die goth. bruchstücke nicht dar, das ahd. wih (nemus) Diut. 1, 492 a ; alts. wih masc. (templum) Hel. 3, 15. 17. 19. 14, 8. 115, 4. 119, 17. 127, 10. 129, 23. 130, 17. 154, 22. 169, 1; friduwih Hel. 15, 19. ags. vih , viges oder veoh , veos (gleichfalls masc): viges (idoli) Cædm. 228, 12. þisne vig vurđigean (hoc idolum colere) Cædm. 228, 24, vgl. vigveorđing (cultus idolorum) Beov. 350. veohveorđing cod. exon. 253, 14. vihgild (cultus idol.) Cædm. 227, 5; veobedd (ara) Cædm. 172, 8 f. veohbedd, vihbedd; veos (idola) f. veohas cod. exon. 341, 28. kurzen vocal fordert der ags. wechsel zwischen i und oe, und den gründen zum trotz, die ich gramm. 1, 462 geltend mache, scheint er auch dem altn. ve zu gebühren, das im sg. Ve einen bestimmten gott, im männlichen pl. vear dii, idola, im neutral gefaßten pl. ve loca sacra bedeutet. Gutalag 6. 108. 111: haita â hult eþa hauga, â vi eþa stafgarþa (invocare lucos aut tumulos, idola aut loca palis circumsepta); trûa â hult, â hauga, vi oc stafgarþa; han standr î vi (stat in loco sacro). Hier hätten wir also, wie bei alah, einen zwischen nemus, templum, fanum, idolum, numen schwankenden begrif Nachtrag: Ags. veoh templum. veoh gesôhte. cod. exon. 244, 6. we im oldenburgischen ortsnamen Donerswe scheint Donars heiligthum zu bedeuten. auch das hess. Eschwege könnte aus Eschweh verderbt sein, doch heißt es nach Förstemann 2, 111 schon im 10. jh. Eskinewag, Eskineweg. vgl. Wodeneswege (s.  126 ) und andrerseits Ođinsve (s.  131 ). schon ahd. kommt we für wih vor: za themo we ploazit. gl. ker. 27 (al. themo parawe). außer diesen ist zu erwähnen: Vandilsve Saem. 166 a . Frösvi dipl. suecan. no. 1777. Götäwi (Götevi) das. no. 1776. von den göttern heißt es: valda veom . Saem. 41 b . Skadi sagt: frâ mînom veom oc vöngom . Saem. 67 a . gehört ›Valhallar til ok vess heilags ‹ Saem. 113 a zu ve oder steht es für vers? bei ve ist zu erwägen alda ve iarđar, populorum habitaculum Saem. 23 b (F. Magnus s. 255 note), dem ûtve  = ûtgarda gigantum habitacula entgegensteht. das goth. adj. veihs sacer, ahd. wîh mangelt in der alts., ags. und altn. sprache. Cotewîh nomen monasterii. Pertz 7, 460. heißt später Göttweih. vgl. Ketweig Beham 335, 31. Chetewic bei Gerbert (Diemers vorr. XXI). , dessen wurzel ohne zweifel das goth. veiha, váih, vaíhum, ahd wîhu, weih, wihum ist, aus welcher auch das adj. veihs sacer, ahd. wîh stammt, und s.  33 . erhellte ein bezug von wîhan auf opfer und gottesdienst. in der lappischen sprache soll vi silva bedeuten. Noch entschiedener ist ein drittes heidnisches wort und wird für den gang unserer untersuchung vorzüglich wichtig. das ahd. haruc (masc, pl. harugâ) übersetzt in den glossen bald fanum, Hrab. 963 b , bald delubrum, Hrab. 959 a , bald lucus, Hrab. 969 a , Jun. 212. Diut. 1, 495 b , bald nemus, Diut 1, 492 a . die letzte glosse lautet vollständig nemus plantavit, forst flanzôta, edo haruc , edo wih . haruc schließt also, gleich jenem wih, einerseits den begrif von templum, fanum in sich, andrerseits den von wald, 55 hain, lucus haragâ in einer stelle sind auch arae. für altar (gr. βωμός) war sonst der heidnische ausdruck goth. biuds , ahd. piot , ags. beod , eigentlich tisch (oben s.  31 ) und wiederum geht goth. badi , ahd. petti , ags. bed , bedd (lectus s.  25 ) über in den sinn von ara, areola, fanum, vgl. ags. vihbed , veohbed , veobed , später entstellt in veofed (ara, altare), ahd. kotapetti (lectus, pulvinar templi) Graff 3, 51, wobei man Brunhilde bette und ähnliches, auch das lat. lectisternium erwäge. ›ad altare s. Kiliani, quod vulgo lectus dicitur‹. Lang reg. 1, 239. 255 (a. 1160. 1165.) Nachtrag: Ara = asa , ansa, (zu s. 20 ) ist göttersitz, wie goth. badi , ahd. petti , ags. bed ara und fanum bedeuten. GDS. s. 115. beod gereordu n. pl. epulae Cädm. 91, 27. ad apicem gemeinen gunbet . MB. 29 a , 143 (a. 1059). gumpette hess. zeitschr. 3, 70. vgl. Gombetten ort in Hessen. ist ein andrer ahd. ausdruck für ara ebanslihti (Graff 6, 789) oder gilt er für area? altslav. koumir heißt ara und idolum vgl. finn. kumarran adoro, inclino me. über andere germanische ausdrücke für altar, wie altn. stalli und das plur. hörgar s. GDS. 114. 115. . . In der lex rip. hat sich merkwürdigerweise harahus als benennung der mahlstätte, die ursprünglich ein wald war, aufbewahrt (RA. 794. 903), sicher aus dem heidenthum her. ags. hearg (masc. pl. heargas) fanum. Beda 2, 13. 3, 30. Oros. 3, 9 (p. 109) hearg träf (fani tabulatum) Beov. 349; ät hearge Kembles urk. 1, 282. altn. hörgr (masc, pl. hergir) delubrum, zuweilen idolum, simulacrum, Sæm. 36 a 42 a 91 a 114 b 141 a ; besonders merkwürdig Sæm. 114 b : hörgr hlađinn steinom, griot at gleri orđit, rođit î nŷio nauta blôđi. einigemal werden hörgr und hof , fanum, tectum verbunden (36 a 141 a ), dann scheint hörgr der heilige ort in wald und fels, hof der gebaute tempel, aula, vgl. hamr ok hörgr (fornm. sög. 5, 239). beiden ausdrücken stände sowol der örtliche begrif zu, als auch der des numen und des bildes selbst Nachtrag: Das ahd. haruc scheint erhalten in Harahesheim cod. lauresh. 3, 187 und in Hargenstein. Panzer beitr. 1, 1. vgl. Hercynius . ags. Besinga hearh . Kemble no. 994. altn. hâtimbrođom hörgi roedr. Saem. 42 a . hof mun ek kiosa ok hörga marga . Saem. 141 a . Thorsargh , Thorsaerg , Thorsharg heißt heute Thorshälla bei Hildebrand tom. III. GDS. 115. das mit hörgr einigemal verbundene hof kommt auch mhd. für tempel oder tempelhof vor. ze hofe geben (in atrium templi). Mar. 168, 42. ze hove giengen (in atrium) das. 169, 30. den hof rûmen (tempel). das. 172, 5. vgl. altn. hofland , tempelland. Munch om Skiringssal. s. 106. 107. GDS. 116. 117. wie hof werden auch die ausdrücke garte , tûn , pl. tûnir , wiese , aue (s.  186 ) für heilige örter gebraucht, gr. ἄλσος ( anm. 209 ). . Unverwandt scheint das altlat. haruga, aruga, opferstier, woher haruspex, aruspex. Aber das gr. τέμενος bedeutet wiederum den heiligen hain Il. 8, 48. 23, 148, τέμενος τάμον Il. 20, 184. Synonym mit haruc ist endlich das ahd. paro (gen. parawes) ags. bearo (gen. bearves) welche lucus dem lat. lûcus entspräche goth. láuhs, das auch durch ahd. lôh , ags. leáh bestätigt wird. das engl. ley geht schon in den begrif von wiese, feld über, und auch das slav. lug , böhm. lutz ist zugleich hain, aue und wiese. nicht bloß der wald, auch die waldaue war göttern heilig Nachtrag: Ahd. luoc specus, cubile, delubrum. Graff 2, 129. in luakirum delubris. Diut. 1, 530 a . lôh lucus. Graff. 2, 128. in Rudolfs weltchron. kommen betelôch lucus, beteloecher luci vor. Notker Cap. 143 unterscheidet die arten der waldungen in walden , forsten , lôhen . das vocabul. optim. s. 47 a hat: silva wilder walt, nemus schoener walt, lucus dicker walt, saltus hoher walt. lucus leitet Mommsen unterital. dial. 141 von luere weihen ab. auch horste werden nach göttlichen vvesen benannt z. b. Freckenhorst , Givekanhorst (vgl. Freckastein , Givekanstên . ok þâr stendr enn Thôrsteinn . Landn. II. 12). zum waldcultus gehört, daß den göttern wilde thiere beigegeben werden, dem Wuotan wolf und rabe, dem Froho eber. . und arbor ausdrücken, heiliger hain oder baum. ags. ät bearve . Kembles urk. 1, 255. altn. barr (arbor) Sæm. 109 a barri (nemus) Sæm. 86 b 87 a ; qui ad aras sacrificat, de zae dmo parawe ploazit. Diut. 1, 150; ara oder der pl. arae steht hier für templum Nachtrag: Ahd. paro , ags. bearo werden bezeugt durch ahd. kiparida nemorosa in den glossen, das von Graff 3, 151 zu kipârida gestellt wird, durch ags. bearevas saltus. (Haupts zeitschr. 9, 454 b ) und bearo sette, veobedd vorhte. Cädm. 172, 7. (vgl. anm. 253 ). hierhin scheinen auch zu gehören die ortsnamen Parawa Neugart. cod. dipl. no. 30 (a. 760). Barwithsyssel . Müllenhoff, nordalb. stud. 1, 138. altn. Barey . dem ahd. za demo parawe . Diut. 1, 150 (z. s. 54 al. za themo we ) stellt sich an die seite: to deme hoen althere , to deme siden althere . Goslarer bergg. 343. . Tempel ist also zugleich wald . was wir uns als gebautes, gemauertes haus denken, löst sich auf, je früher zurück gegangen wird, in den begrif einer von menschenhänden unberührten, durch selbstgewachsne bäume gehegten und eingefriedigten heiligen stätte. da wohnt die gottheit und birgt ihr bild in rauschenden blättern der zweige, da ist der raum, wo ihr der jäger das gefällte wild, der hirte die rosse, rinder und widder seiner herde darzubringen hat. Was ein schriftsteller des zweiten jahrhunderts vom cultus der Celten sagt, kann auf die deutschen und alle urverwandten völker angewendet werden: Κελτοὶ σέβουσι μὲν Δία, ἄγαλμα δὲ Διὸς κελτικὸν ὑψηλὴ δρῦς. Maximus Tyrius (diss. 8. ed. Reiske 1, 142). man vergleiche Lasicz. 46: deos nemora incolere persuasum habent (Samogitae). habitarunt di quoque sylvas (Haupts zeitschr. 1, 138). 56 Damit behaupte ich nicht, daß diese waldverehrung alle vorstellungen, die sich unsere vorfahren von der gottheit und ihrem aufenthalt machten, erschöpfe; es war nur die hauptsächlichste. Einzelne götter mögen auf berggipfeln, in felsenhölen, in flüssen hausen, aber der feierliche, allgemeine gottesdienst des volks hat seinen sitz im hain ; nirgends hätte er einen würdigern aufschlagen können Nachtrag: Der gottesdienst im schattigen, stillen hain war bei vielen völkern üblich. ›hin und wieder laufen zu den fremden göttern unter allen grünen bäumen ‹ klagt Jerem. 3, 13. κλυτὸν ἄλσος ἱρὸν Ἀϑηναίης . Od. 6, 321. ἐν ἄλσεϊ δενδρήεντι Φοίβου Ἀπόλλωνος . Od. 9, 200. ἄλσεα Περσεφονείης . Od. 10, 509. ἄλσος ὑπὸ σκιερὸν ἑκατηβόλου Ἀπόλλωνος . Od. 20, 278. die kühle der götterwälder rühmt Athenaeus 4, 371. 372. inhorruit atrum majestate nemus . Claudian in Pr. et Olybr. 125. (über nemus s. s.  540 ). in tuo luco et fano . Plaut. aulul. IV. 2, 8. lucus sacer , ubi Hesperidum horti. Plin. 5, 5. itur in antiquam silvam, stabula alta ferarum . Aen. 6, 179. nunc et in umbrosis Fauno decet immolare lucis . Horat. carm. I. 4, 11. nec magis auro fulgentia atque ebore, quam lucos et in iis silentia ipse adoramus. Plin. 12, 1. proceritas silvae et secretum loci et admiratio umbrae fidem numinis facit. Seneca epist. 41. Wie der wald oben offen steht, scheint auch in tempeln oben ein loch gelassen. vgl. die griechischen hypaethraltempel. Terminus quo loco colebatur, super eum foramen patebat in tecto ; quod nefas esse putarent Terminum intra tectum consistere. Festus s. v. vgl. Ovid. fast. 2, 671. Serv. in Virg. Aen. 9, 448. die Kelten decken einmal jährlich den tempel ab (ἀποστεγάζεσϑαι) Strabo 4, s. 198. vgl. das loch in den teufelsbauten. GDS. 117. 118. (s.  857 ). in Sarmatien hieß nach Ptolem. 3, 5 ein hain ἁλιεύμα ϑεοῦ piscatura dei. die Abasgi am Caucasus verehrten haine und wälder (ἄλση καὶ ὕλας) und zählten bäume unter die götter. Procop 2, 471. vgl. das weissagende rauschen der cypressen in Armenien (s.  930 ). noch in den lateinischen gedichten des Ma. heißt es: Amoris nemus paradisus . carm. bur. 162. circa silvae medium locus est occultus ubi, viget maxime suus deo cultus. das. 163. bei Eckhart 186, 32: ›unsere elteren‹, sagt die Samariterin ›beteten under den böumen ûf dem berge‹. Troj. kr. 890: si wolden gerne hûsen ze walde ûf wilden riuten . Walther v. Rh. 64 b : in einen schoenen grüenen walt, dar diu heidensche diet mit ir abgöten geriet (= herschte?). in teufelssagen erscheint der teufel im finstern wald z. b. Ls. 3, 256, vielleicht weil man sich da die alten, heidnischen götter dachte. man beachte auch den bezug der hausgeister, der waldfrauen auf bäume s.  421 . Auch die verehrung der götter auf bergen ist alt und verbreitet. vgl. âs, ans (s.  20 ), die Wuotans berge , Donners berge . drei tage und nächte wird auf einem berge der teufel angerufen. Müllenhoff no. 227. das anbeten auf dem berge ist auch biblisch, z. b. auf dem Garizim. Joh. 4, 19. Raumers Palästina s. 113 ff. . Zu einer zeit, wo erst rohe anfänge der baukunst statt fanden, muß das menschliche gemüt durch den anblick hoher bäume, unter freiem himmel, zu größerer andacht erhoben worden sein, als es innerhalb der kleinlichen von unmächtiger hand hervorgebrachten räume empfunden hätte. Die lang nachher eingetretene vollendung eigenthümlich deutscher architectur hat sie in ihren kühnsten schöpfungen nicht eben gesucht, die aufstrebenden bäume des waldes nachzuahmen? wie weit hätte die unform ärmlich geschnitzter oder gemeißelter bilder von der gestalt des gottes abgestanden, den die kindliche einbildungskraft der vorzeit sich auf dem belaubten wipfel eines heiligen baumes thronend vorstellte. In dem wehen, unter dem schatten waldes hleo , hlea (umbra, umbraculum) Hel. 33, 22. 73, 23. ags. hleo , altn. hlie , ahd. liwa Graff 2, 296, mhd. lie , liewe . uralter wälder fühlte sich die seele des menschen von der nähe waltender gottheiten erfüllt; welchen tiefen einfluß das waldleben von jeher auf alle verhältnisse unseres volks hatte, bewähren die markgenossenschaften, und marka , das wort nach dem sie den namen führen, bezeichnete erst wald und dann auch grenze. Die ältesten zeugnisse für den waldcultus der Deutschen legt Tacitus ab. Germ. 9: ceterum nec cohibere parietibus deos, neque in ullam humani oris speciem adsimulare ex magnitudine coelestium arbitrantur. lucos ac nemora consecrant , deorumque nominibus adpellant secretum illud, quod sola reverentia vident aufgenommen hat die ganze stelle, mit einigen veränderungen, Ruodolf von Fuld († 863) in seine schrift de translatione Alexandri (Pertz 2, 675), vielleicht mittelbar anderswoher. Tacitus worte darf man nicht anders nehmen als sie lauten. zu seinen tagen besaß Germanien keine meister, die tempel gebaut, bilder gemeißelt hätten; da war der hain aufenthalt der götter und ein heiliges zeichen vertrat das bild. Möser § 30 will die stelle so fassen, daß man die allgemeine volksgottheit unsichtbar verehrt habe, um nicht der landschaft durch verleihung des tempels einen vorzug zu geben; besondere götter seien aber abgebildet worden. diese vorstellung ist zu politisch und schon der damaligen abgeschlossenheit der volksstämme unangemessen. ohne zweifel erwuchs auch der gegend, wo ein götterberg lag, ehre und heiligkeit davon, wie z. b. den örtern Rhetra oder Loreto, weil sie das slavische heilthum oder ein marienbild enthielten; das hinderte nicht, daß anderwärts derselbe cultus sitze gewann. Zu den worten des Tacitus halte man was er hist. 2, 78 sagt: est Judaeam inter Syriamque Carmelus, ita vocant montem deumque, nec simulacrum deo aut templum, sic tradidere majores, ara tantum et reverentia . und im dial. de orat. 12: nemora vero et luci et secretum ipsum. secretum ist ihm secessus, abgelegenheit, nicht arcanum. . Germ. 39: von den Semnonen: stato tempore in silvam auguriis patrum et 57 prisca formidine sacram den hexameter entlehnte er nicht, er schrieb ihn selbst. omnes ejusdem sanguinis populi legationibus coeunt. est et alia luco reverentia . nemo nisi vinculo ligatus ingreditur, ut minor et potestatem numinis prae se ferens. si forte prolapsus est, attolli et insurgere haud licitum: perhumum evolvuntur wer in heiliger sache begriffen ist, in gegenwart und auf dem gebiet des gottes steht, der soll nicht straucheln, und wird, wenn er zu boden sinkt, seines rechts verlustig. So darf ein im heiligen kampf zu boden fallender sich nicht auf die füße erheben, sondern muß kniend das gefecht beenden. danske viser 1, 115; so darf an gewissen orten der umfallende wagen des fremdlings nicht wieder aufgerichtet werden. RA. 554. Was von einem abgott Sompar bei Görlitz gefabelt wird (neue lausitz. monatsschrift 1805. p. 1–18) ist deutlich aus unserer stelle des Tac. hergeholt, man nimmt den wohnsitz der Semnonen in lausitzischer gegend an, wie schon Aventin thut (Frankf. 1580 bl. 27 b ), der nur statt des Sompar einen könig Schwab nennt. . cap. 40: est in insula oceani castum nemus , dicatumque in eo vehiculum veste contectum. cap. 43: apud Naharvalos antiquae religionis lucus ostenditur . . . numini nomen Alcis , nulla simulacra. cap. 7: effigies et signa (d. i. effigiata signa) quaedam detractae lucis in proelium ferunt, womit hist. 4, 22 verbunden werden muß: inde depromptae silvis lucisque ferarum imagines, ut cuique genti inire proelium mos est. ann. 2, 12: Caesar transgressus Visurgim indicio perfugae cognoscit delectum ab Arminio locum pugnae, convenisse et alias nationes in silvam Herculi sacram . ann. 4, 73: mox conpertum a transfugis, nongentos Romanorum apud lucum , quem Baduhennae vocant, pugna in posterum extracta confectos, wiewol nicht hervorgeht, daß dieser hain ein geheiligter war Baduhenna vielleicht ortsname, wie Arduenna. Müllenhoff setzt an Badvinna, Patunna (Haupts zeitschr. 9, 241). . ann. 1, 61: lucis propinquis barbarae arae , apud quas tribunos . . . mactaverant, vgl. 2, 25: propinquo luco defossam varianae legionis aquilam modico praesidio servari. hist. 4, 14: Civilis primores gentis . . . sacrum in nemus vocatos. dazu mögen gleich noch stellen des späteren Claudians gefügt werden (cons. Stilich. 1, 288): ut procul hercyniae per vasta silentia silvae venari tuto liceat, lucos que vetusta religione truces, et robora numinis instar barbarici nostrae feriant impune bipennes. und (de bello get. 545): hortantes his adde deos . non somnia nobis, nec volucres, sed clara palam vox edita luco est: rumpe omnes Alarice moras! Hier wird nicht bloße naturverehrung angekündigt, aber Tacitus hätte kein auge gehabt für die germanischen zustände, wenn ihm ihre wesentlichste eigenheit entgangen wäre. Götter wohnen in diesen hainen, namentlich genannte bilder (simulacra, nach menschengestalt) sind nicht aufgestellt, keine tempelwände aufgeführt Brissonius de regno Pers. 2, 28: Persae diis suis nulla templa vel altaria constituunt, nulla simulacra. nach Herodot 1, 131. . 58 aber heiliges geräthe, altäre stehen in dem wald, thierhäupter (ferarum imagines) hängen an baumästen. Da wird gottesdienst gehalten, opfer gebracht, da ist volksversamlung und gericht, überall heilige ehrfurcht und erinnerung des alterthums. sind uns hier nicht alah, wih, paro, haruc getreu beschrieben? wie hätten solche technische ausdrücke, bezögen sie sich nicht auf geregelten von priestern geleiteten volkscultus, in der sprache entspringen und fortdauern können? Durch lange jahrhunderte und bis zur einführung des christenthums hielt der gebrauch an, die gottheit in heiligen wäldern und bäumen zu verehren. Ich lasse die umständliche nachricht folgen, welche Wilibald († 786) in vita Bonifacii (Canisius II. 1, 242. Pertz 2, 343) von der heiligen eiche bei Geismar (an der Edder, unweit Fritzlar in Hessen) ertheilt kürzere nachricht davon beim annalista Saxo p. 133. . das ereignis fällt zwischen die jahre 725 und 731. Is autem (Bonifacius) . . . ad obsessas ante ea Hessorum metas cum consensu Carli ducis (d. i. Carl Martells) rediit. tum vero Hessorum jam multi catholica fide subditi ac septiformis spiritus gratia confirmati manus impositionem acceperunt, et alii quidem, nondum animo confortati, intemeratae fidei documenta integre percipere renuerunt, alii etiam linguis et faucibus clanculo, alii vero aperte sacrificabant , alii vero auspicia et divinationes, praestigia atque incantationes occulte, alii quidem manifeste exercebant, alii quippe auspicia et auguria intendebant, diversosque sacrificandi ritus incoluerunt, alii etiam, quibus mens sanior inerat, omni abjecta gentilitatis prophanatione nihil horum commiserunt. quorum consultu atque consilio arborem quandam mirae magnitudinis , quae prisco Paganorum vocabulo appellatur robur Jovis , in toco, qui dicitur Gaesmere, servis dei secum astantibus, succidere tentavit. cumque mentis constantia confortatus arborem succidisset, magna quippe aderat copia Paganorum, qui et inimicum deorum suorum intra se diligentissime devotabant, sed ad modicum quidem arbore praecisa confestim immensa roboris moles , divino desuper flatu exagitata, palmitum confracto culmine, corruit, et quasi superni nutus solatio in quatuor etiam partes disrupta est, et quatuor ingentis magnitudinis aequali longitudine trunci, absque fratrum labore astantium, apparuerunt. quo viso prius devotantes Pagani etiam versa vice benedictionem domino pristina abjecta maledictione credentes reddiderunt. Tunc autem summae sanctitatis antistes consilio inito cum fratribus ex supradictae arboris materia andere hss. mole und metallo; ein ehernes bild auf der eiche ist hier nicht anzunehmen, weil das im vorausgehenden, oder im gleichfolgenden genauer ausgedrückt sein würde. oratorium construxit, illudque in honore s. Petri apostoli dedicavit. Seitdem hatte an diesem ort das christenthum in Hessen seinen platz; dicht dabei war von jeher hauptsitz des volks 59 (Mattium, id genti caput. Tac. ann. 1, 56) und noch im mittelalter seine vornehmste mahlstätte. nach Landau stand die eiche und die daraus gebaute kirche an der stelle der S. Peterskirche zu Fritzlar. die ganze gegend ist waldreich Nachtrag: An die Donarseiche bei Geismar erinnert eine große heilige eiche, die bei Mülhausen in Thüringen gestanden haben soll, aus deren holz ein kasten gemacht wurde, welcher noch in der kirche des dorfes Eichenried gezeigt wird. Grasshof Mülhausen s. 10. . Nicht unähnlich sind einige in der vita s. Amandi († 674) über den wald und baumcultus der nördlichen Franken enthaltene stellen (acta Bened. sec. 2. p. 714. 715. 718): Amandus audivit pagum esse, cui vocabulum Gandavum, cujus loci habitatores iniquitas diaboli eo circumquaque laqueis vehementer irretivit, ut incolae terrae illius, relicto deo, arbores et ligna pro deo colerent, atque fana vel idola adorarent. – ubi fana destruebantur, statim monasteria aut ecclesias construebat. – Amandus in pago belvacense verbum domini dum praedicaret, pervenit ad quendam locum, cui vocabulum est Rossonto juxta Aronnam fluvium . . . . respondit illa, quod non ob aliam causam ei ipsa coecitas evenisset, nisi quod auguria vel idola semper coluerat. insuper ostendit ei locum, in quo praedictum idolum adorare consueverat, scilicet arborem, quae erat daemoni dedicata  . . . ›nunc igitur accipe securim et hanc nefandam arborem quantocius succidere festina‹. Unter den Sachsen und Friesen währte die verehrung der haine weit länger fort. im beginn des eilften jahrhunderts ließ bischof Unwan von Bremen (vgl. Adam. brem. 2, 33) bei abgelegenen bewohnern seines sprengels solche wälder ausrotten: lucos in episcopatu suo, in quibus paludicolae regionis illius errore veteri cum professione falsa christianitatis immolabant , succidit. (vita Meinwerci cap. 22.) von dem heiligen baum der altsächsischen Irminsûl wird das sechste cap. handeln. In verschiedenen strichen Niedersachsens und Westphalens haben sich bis auf die neuste zeit spuren heiliger eichen erhalten, denen das volk einen halb heidnischen, halb christlichen dienst bewies: im fürstenthum Minden pflegten die jungen leute beiderlei geschlechts am ersten ostertage, unter lautem freudengeschrei, reigen um eine alte eiche zu führen Weddigens westph. mag. 3, 712. . Unweit dem paderbornischen dorfe Wormeln in gehölz steht eine heilige eiche , zu welcher noch jährlich die einwohner von Wormeln und Galenberg feierlich ziehen Spilckers beiträge 2, 121. . Ich bin geneigt, die fast überall in Deutschland erscheinende örtliche benennung heiliger wälder auf das heidenthum zurückzuführen; nach christlichen kirchen, die im walde angelegt waren, würde man schwerlich den wald heilig genannt haben, und gewöhnlich findet sich in solchen wäldern gar keine kirche. noch weniger läßt sich der name aus den königlichen bannwäldern des mittelalters erklären, umgekehrt scheinen die bannwälder selbst aus heidnischen hainen hervorgegangen und das recht des königs an die stelle des cultus getreten, der den heiligen wald der 60 benutzung und gemeinschaft des volks entzog. in solchen wäldern pflegten auch asyle für missethäter zu sein (RA. 886. 889). Eine alte aufzeichnung von einem treffen der Franken und Sachsen bei Notteln im j. 779 (Pertz 2, 377) berichtet, daß sich ein schwerverwundeter Sachse heimlich aus seiner burg in einen heiligen wald habe tragen lassen: hic vero (Luibertus) magno cum merore se in castrum recepit. ex quo post aliquot dies mulier egrotum humeris clam in sylvam Sytheri, quae fuit thegathon sacra , nocte portavit. vulnera ibidem lavans exterrita clamore effugit. ubi multa lamentatione animam expiravit. der seltsame ausdruck thegathon erläutert sich aus dem τ'ἀγαϑόν, einer benennung der höchsten gottheit (summus et princeps omnium deorum), die der aufzeichner aus Macrobs somn. Scip. 1, 2 entlehnte, vielleicht absichtlich wählte, um den bekannten heidnischen gott zu verschweigen? Nachtrag: Über thegathon s. Haupts zeitschr. 9, 192 und die abhandlung von Wilmans. Münster 1857. summum et principem omnium deorum, qui apud gentes thegaton nuncupatur. Wilkens lebensgesch. der h. Gerburgis. vgl. Wigands arch. 2, 206. tagaton bespricht Ritters christl. phil. 3, 308. es ist Socratis δαιμόνιον, Platonis τὸ ἀγαϑόν, das auch in Apuleji apologia p. m. 278 vorkommt. thegatho f. theodo wie Tehota f. Thiuda? Förstemann 1, 1148. Sytheri, der name des waldes selbst scheint was sonst Sunderi (der südliche), wie in mehrern gegenden wälder heißen, z. b. ein Sundernhart in Franken (Höfers urk. s. 308). an der heiligen stätte hoffte der Heide heilung? oder wollte er da sterben? Des waldes genannt dat hillige holt gedenkt eine urk. bei Kindlinger münst. beitr. 3, 638; im Hoyaschen lag ein Heiligenloh (Pertz 2, 362.); eine ganze reihe elsassischer urkunden bei Schöpflin erwähnen den heiligen forst unweit Hagenau, n° 218 a. 1065 cum foresto heiligenforst nominato in comitatu Gerhardi comitis in pago Nortcowe; n° 238 a. 1106. in sylva heiligeforst : n° 273 a. 1143. praedium Loubach in sacro nemore situm; n° 297 a. 1158 utantur pascuis in sacra silva ; n° 317 a. 1175 in silva sacra ; n° 402 a. 1215 in sacra silva ; n° 800 a. 1292 conventum in königesbrücken in heiligenforst ; n° 829 a. 1304 nemus nostrum et imperii dictum heiligvorst ; n° 851 a. 1310 pecora in foresta nostra, quae dicitur der heilige forst , pascere et tenere; n° 1076 a. 1356. porcos tempore glandium nutriendos in silva sacra . Schon die wechselnden wörter forst, silva, nemus zeigen des ausdrucks bedeutsamkeit. Der name des bekannten Dreieich (Drieichahi) scheint aus dem heidnischen cultus dreier eichen erklärbar, es war daselbst noch lange königlicher bannforst, dessen weisthum (I, 498) eins der alterthümlichsten ist. Merkwürdig ist die ausdrückliche beziehung auf Thüringen und Sachsen in folgender stelle eines gedichts, das bald nach beginn des 13 jh. verfaßt worden zu sein scheint (Reinh. F. 302); der wolf erblickt eine geiß auf einem baum und ruft aus: ich sihe ein obez hangen, ez habe hâr ode borste, in einem heiligen vorste , ze Düringen noch ze Sachsen enkunde niht gewahsen bezzer obez ûf rîse. 61 gemeint sind doch wol opferthiere, oder erstlinge der jagd, die im heiligen wald an den bäumen aufgehängt werden? entweder beruht die erzählung auf älterer grundlage, oder zu des dichters ohren war noch irgendwoher kunde von heidnischen opfern der Sachsen und Thüringer gelangt? Nachtrag: Der heilige forst bei Hagenau wird auch bei Chmel reg. Ruperti 1071 erwähnt GDS. 497. fronwald . weisth. 1, 423. zum ausdruck bannwald vgl. Lanz. 731: diu tier bannen. zu den heiligen hainen gehörte auch wol der Fridewald in Hessen vielleicht auch der gleichfalls hessische wald Spieß . zeitschr. f. hess. gesch. 2, 163. Friđesleáh Kemble urk. no. 187. 285. Ôsvudu das. 1, 69 ist zwar mannsname, der jedoch auf einen ortsnamen zurückzuführen ist. der göttliche hain Glasir mit goldnem laub Sn. 130 steht vor Valhöll, nach Sæm. 140 b heißt Glasis lundr Hiörvards wohnort. . Auch in andern gedichten des mittelalters wirkt noch die heiligkeit der alten wälder nach, Alex. 5193 heißt es ›der edele walt frône ‹ und es geschieht hin und wieder, wenn auch nicht der opfer, die heiligen bäumen gebracht werden, doch einer fortdauernden, unvertilgten scheu erwähnung, und des wahns daß auf einzelnen bäumen geisterhafte wesen hausen. So ist Ls. 2, 575 das unglück, gleich einem dämon, auf einem baum gesessen, und altd. w. 3, 161 heißt es von einem holen baum : dâ sint heiligen inne, die hœrent aller liute bet leicht ist der übergang von dem begriffe des waldtempels auf den einzelnen göttlich verehrten baum. Festus hat: delubrum fustis delibratus, quem venerabantur pro deo. die namen einzelner bäume sind zugleich namen von göttinnen z. b. altn. Hlîn, Gnâ. es verdient aufmerksamkeit, daß auch in christliche legenden die heidnische idee von götterbildern auf bäumen eingegangen ist; so tief wurzelte unter dem volk der baumcultus. ich verweise auf die erzählung von dem Tiroler gnadenbild, das in einem baum des waldes aufwuchs (deutsche sagen n° 348). in Kärnten sieht man muttergottesbilder an bäumen schauerlicher haine befestigt (Sartoris reise 2, 165). Nicht unverwandt scheint die vorstellung von wunderbaren jungfrauen, die in holen bäumen oder auf bäumen im walde sitzen (Marienkind, hausmärchen n° 3. romance de la infantina p. 259). Marienbild im walde. Mar. legend. 177. viel eichen mit Marienbildern in der Normandie. Bosquet 196. 197. Nachtrag: Das anbeten der eiche bezeugt Velthem. sp. hist. 4,57 (ed. le Long fol. 287). van ere eyken, die men anebede: in desen tiden was ganginge mede tusschen Zichgen ende Diest ter stede rechte bi na te midden werde, daer dede menich sine bedeverde tot ere eyken , dat si u cont, die alse een cruse gewassen stont met twee rayen gaende ut, daer menich quam overluut, die daer ane hinc scerpe ende staf , en seide, dat hi genesen wer daer af . som liepense onder den bôm u. s. w. also christliche wallfahrt der kranken nach einem kreuzförmigen baum zwischen Sichen und Diest in Brabant und aufhängen der binde und des stabs, wenn genesung eintrat, wie s.  976 . 985  ff. das erinnert an die heidnischen oscilla (s.  63 ). die zeit wird sich aus le Longs Velthem ermitteln lassen. Noch unverkennbarer waltet, durch längeres heidenthum geschützt, jener waldcultus im Norden. das große von Dietmar (s.  39 ) beschriebene opfer zu Lêdera wurde auf der insel gehalten, die von ihren selbst heute prächtigen buchenwäldern den namen Sælundr führte und der schönste hain in ganz Scandinavien war. Ebenso feierten die Schweden ihr opferfest in einem hain bei Upsala, Adam von Bremen sagt von den geopferten thieren: corpora suspenduntur in lucum , qui proximus est templo; is enim lucus tam sacer est gentibus, ut singulae arbores ejus ex morte vel tabo immolatorum divinae credantur. Von Hlöđr Heiđrekssohn heißt es in der Hervararsaga cap. 16 (fornald. sög. 1, 491), daß er mit waffen und mit pferde in heiligem walde (â mörk hinni helgu) geboren sei. In Glasislundr , dem hain, sitzt auf baumästen ein vogel und fordert opfer , einen tempel und goldgehörnte kühe. Sæm. 140. 141. an die heiligen bäume der edda, Yggdrasil und Mîmameiđr Sæm. 109 a braucht kaum erinnert zu werden. Endlich wirft die einstimmung des slavischen, preußischen, finnischen und celtischen heidenthums licht auf unser einheimisches, und gereicht zu seiner bestätigung. Dietmar von Merseb. (Pertz 5, 812) versichert von dem heidnischen tempel zu Riedegost: quam undique sylva ab incolis intacta et venerabilis , circumdat magna ; a. o. 816 62 erzählt er, daß Wigbert, sein vorfahre, etwa ums jahr 1008 einen hain der Slaven ausrottete: lucum Zutibure dictum, ab accolis ut deum in omnibus honoratum , et ab aevo antiquo nunquam violatum radicitus eruens sancto martyri Romano in eo ecclesiam construxit. Zutibure ist Svetibor, heiliger forst (von bor, föhre und föhrenwald), eine Merseburger urk. von 1012 gedenkt schon einer ecclesia in Scutibure (zeitschr. f. archivkunde 1, 162). Einen blôtlundr (opferhain) bei Stræla, namens Böku, nennt eine altn. sage (fornm. sög. 11, 382); Helmold 1, 1 von den Slaven: usque hodie profecto inter illos, cum cetera omnia communia sint cum nostris, solus prohibetur accessus lucorum ac fontium, quos autumant pollui Christianorum accessu. ein lied der königinhofer hs. p. 72 erwähnt den hain (böhm. hai, hag, poln. gay, sloven. gaj, vgl. gaius, gahajus, lex Roth. 324. kaheius, lex bajuv. 21, 6), aus dem die Christen den heiligen sperber verscheuchten Brzetislav verbrannte der Böhmen heidnische haine und bäume (a. 1093). Pelzel 1, 76. den Polen hieß der heilige hain rok und uroczysko vgl. russ. roschtscha hain. drohte feindes einfall, so schnitt man gerten (wicie) des hains und sandte sie den nachbarn zum aufruf. Mickiewicz. 1, 56. . Den Ehsten heißt sallo , den Finnen salo , heiliger wald, zumal dichtbelaubte aue; von Tharapita, ihrem gott, meldet Heinrich der Lette (ad a. 1219): in confinio Wironiae erat mons et silva pulcherrima , in quo dicebant indigenae magnum deum Osiliensium natum qui Tharapita vgl. Turupid fornm. sög. 11, 385, aber bei slavischen völkern vgl. Schiefner zu Castrén 329. vocatur, et de loco illo in Osiliam volasse (in gestalt eines vogels?) Nachtrag: Deos nemora incolere persuasum habent (Samogitae) sagt Lasicz. Haupts zeitschr. 1, 138. credebat deos intra arbores et cortices latere das. heilige wälder haben auch die Ostiaken. Klemm 3, 121. das finnische Tharapita ist verlesen aus Tharapila . Castrén 215 denkt dabei an bild , aber nach Renvall heißt Tharapilla ohreule, estn. torropil . verhandl. 2, 92. Juslen 284 hat pöllö bubo, 373 tarhapöllö bubo. mit diesem heiligen waldvogel und dem altnordischen im Glasis lundr vergleiche die seltsame nachricht des Plin. 10, 47: in Hercynio Germaniae saltu invisitata genera alitum accepimus, quarum plumae ignium modo colluceant noctibus. vgl. Stephans stoflief. 116. . Bei den Altpreußen war Romowe der heiligste ort des landes und ein sitz der götter auf einer heiligen eiche , mit tüchern verhängt, standen da ihre bilder. keines ungeweihten fuß durfte den wald betreten, kein baum darin gefällt, kein zweig versehrt, kein thier erlegt werden. solcher heiligen haine gab es in Preußen und Litthauen viele an andern orten Joh. Voigts gesch. Preußens 1, 595–597. . Die von Constantius bereits um 473 geschriebne vita s. Germani autisiodorensis (gb. 378 † 448) enthält merkwürdige nachrichten von einem heidnisch verehrten birnbaum , der mitten in Auxerre stand acta sanctor. Bolland. 31 jul. p. 202. vgl. legenda aurea cap. 102. . da die Burgunden erst zu anfang des fünften jahrhunderts in Gallien eindrangen, so wäre dabei einmischung deutscher überlieferung unwahrscheinlich. aber auch, wenn die sage als celtisch zu betrachten ist, verdient sie hier eine stelle, weil sie die verbreitung der sitte, häupter der opferthiere an bäumen aufzuhängen, darthut huic (Marti) praedae primordia vovebantur, huic truncis suspendebantur exuviae Jornandes cap. 5. . Eo tempore (noch vor 400) territorium autisiodorensis urbis visitatione propria gubernabat Germanus. cui mos erat tirunculorum potius industriis indulgere, 63 quam christianae religioni operam dare. is ergo assidue venatui invigilans ferarum copiam insidiis atque artis strenuitate frequentissime capiebat. Erat autem arbor pirus in urbe media , amœnitate gratissima: ad cujus ramusculos ferarum ab eo deprehensarum capita pro admiratione venationis nimiae dependebant . Quem celebris ejusdem civitatis Amator episcopus his frequens compellebat eloquiis: ›desine, quaeso, vir honoratorum splendidissime, haec jocularia, quae Christianis offensa, Paganis vero imitanda sunt, exercere. hoc opus idololatriae culturae est, non christianae elegantissimae disciplinae‹. Et licet hoc indesinenter vir deo dignus perageret, ille tamen nullo modo admonenti se adquiescere voluit aut obedire. vir autem domini iterum atque iterum eum hortabatur, ut non solum a consuetudine male arrepta discederet, verum etiam et ipsam arborem , ne Christianis offendiculum esset, radicitus exstirparet. sed ille nullatenus aurem placidam applicare voluit admonenti. In hujus ergo persuasionis tempore quodam die Germanus ex urbe in praedia sui juris discessit. tunc beatus Amator opportunitatem opperiens sacrilegam arborem cum caudicibus abscidit, et ne aliqua ejus incredulis esset memoria igni concremandam illico deputavit. oscilla Virg. Georg. 2, 388 tibique (Bacche) oscilla ex alta suspendunt mollia pinu. doch hier werden keine aufgehängte larven gemeint, sondern wirkliche thierhäupter; sind die ferarum imagines bei Tacitus hist. 4, 22 nothwendig bilder? bedeuten oscilla capita oscillantia? man sperrte, scheint es, den aufgehängten köpfen mit einem stab das maul, vgl. Isengr. 645. Reinardus 3, 293 Nachtrag: Oscilla sind sonst puppen, ahd. tocchun. Graff 5, 365. sie könnten auch krücken sein, die am heiligen baum für erlangte heilung aufgehängt wurden ( anm. 224 ). doch oscilla sind dem werthe nach schwerlich krücken, sondern bilder, effigies. wie an heilige bäume hieng man opfer und weihgeschenke, wunderbare sachen, an die kirchenmauern . si hiezen diu weppe hâhen in die kirchen an die mûre . Servat. 2890. . Bekannt und bis auf heute geübt ist die sitte, raubvögel an das thor der burg oder scheune zu nageln, der aufgehängten pferdehäupter wurde s.  38 gedacht. Grimnismâl 10 meldet, in Odins wohnung hänge ein wolf vor der thür und darüber ein adler , waren das simulacra und insignia? nach Witechind errichteten die opfernden Sachsen einen adler über dem thor : ad orientalem portam ponunt aquilam, aramque victoriae construentes, dieser adler scheint ihr zeichen. Auch des über der thürschwelle aufgehängten hundes (lex Alam. 102) erinnert man sich. vero, quae tanquam trophaea cujusdam certaminis umbram dependentia ostentabant, longius a civitatis terminis projici praecipit. Protinus vero fama gressus suos ad aures Germani retorquens, dictis animum incendit, atque iram suis suasionibus exaggerans ferocem effecit, ita ut oblitus sanctae religionis, cujus jam fuerat ritu atque munere insignitus, mortem beatissimo viro minitaret. Ein um 876 verfaßtes gedicht des Herricus schildert den abgöttischen birnbaum noch ausführlicher: altoque et lato stabat gratissima quondam urbe pirus media, populo spectabilis omni; non quia pendentum flavebat honore pirorum, nec quia perpetuae vernabat munere frondis: sed deprensarum passim capita alta ferarum arboris obscoenae patulis haerentia ramis praebebant vano plausum spectaculo vulgo. horrebant illic trepidi ramalia cervi et dirum frendentis apri , fera spicula, dentes, acribus exitium meditantes forte molossis. tunc quoque sic variis arbos induta tropaeis fundebat rudibus lascivi semina risus. nicht das gelächter der menge war es, was den christlichen priestern 64 anstoß gab, sie erkannten in dem gebrauch eine wenn schon ausartende und vcrdunkelte übung heidnischer opfer der heil. Benedict fand in Montecassino vetustissimum fanum, in quo ex antiquo more gentilium a stulto rusticano populo Apollo colebatur. circumquaque enim in cultum daemoniorum luci succreverant , in quibus adhuc eodem tempore infidelium insana multitudo sacrificiis sacrilegis insudabat. Gregorii M. dialogi 2, 8. das waren keine deutsche Heiden, es bezeugt aber die allgemeinere sitte. . Bisher sind die zeugnisse berücksichtigt worden, aus welchen hervorgeht, daß der älteste gottesdienst unserer vorfahren an heilige wälder und bäume geknüpft war. Es ist gleichwol nicht zu bezweifeln, daß schon in frühster zeit für einzelne gottheiten tempel erbaut , vielleicht rohe bildnisse darin aufgestellt wurden. Im verlauf der jahrhunderte kann auch bei einigen völkerschaften mehr, bei andern weniger, jene alte waldverehrung ausgeartet und durch errichtete tempel verdrängt worden sein. Endlich erscheinen manche anführungen und zeugnisse so unbestimmt oder unvollständig, daß es unthunlich ist mit einiger sicherheit aus ihnen zu entnehmen, ob die gebrauchten ausdrücke den alten cultus, oder einen davon abweichenden bezeichnen. Für die wichtigsten und bedeutendsten dieser noch hierher gehörigen stellen halte ich nachstehende Nachtrag: Einen keltischen hain beschreibt Lucan phars. 3, 399 ff, einen altn. tempel Eyrbyggja saga c. 4. : Tac. Germ. 40 beschreibt den heiligen hain und den dienst der mutter erde; nachdem der priester die göttin an festtagen unter dem volk herumgeführt hat, gibt er sie ihrem heiligthum zurück, satiatam conversatione mortalium deam templo reddit. Tac. ann. 1, 51: Caesar avidas legiones, quo latior populatio foret, quatuor in cuneos dispertit, quinquaginta millium spatium ferro flammisque pervastat; non sexus, non aetas miserationem attulit: profana simul et sacra , et celeberrimum illis gentibus templum , quod Tanfanae eine im Neapolitanischen gefundene (nach Orelli 2053 aber von Ligorius gemachte) inschrift hat Tamfanae sacrum (Gudii inscript. antiq. p.  lv , 11, de Wal s. 188); deutsch sein muß das wort und gebildet wie Hludana, Sigana (Sequana), Liutana (Lugdunum), Râbana (Ravenna) u. s. w. vocabant, solo aequantur. das volk, dem dieser tempel gehörte, waren die Marsen, vielleicht noch einige ihm benachbarte Nachtrag: Giefers (Erhard und Rosenkranz zeitschr. f. gesch. 8. 261–285) nimmt an, das templum Tanfanae gehörte Cheruskern , Chatten und Marsen zugleich. Tanfana komme vielleicht von tanfo truncus (?) und sei der name eines hains, an der stelle der alten Eresburg , des jetzigen Obermarsberg gelegen. einer von den der zerstörung durch die Römer entgangenen trunci (solo aequare s. 74 nach Giefers vernichtung des hains durch feuer) desselben sei die Irmensul , die auf dem Osning zwischen dem castrum Eresburg und der Carlsschanze auf dem Brunsberg gestanden habe, etwa 4–5 stunden von Marsberg und einige stunden von dem Bullerborn bei Altenbeke entfernt, der wunderbar entsprungenen quelle. GDS. 118. . vita s. Eugendi, abbatis jurensis († um 510), auctore monacho condatescensi ipsius discipulo (in actis sanct. Bolland. 1. jan. p. 50 und in Mabillon acta Ben. sec. 1. p. 570): sanctus igitur famulus Christi Eugendus, sicut beatorum patrum Romani et Lupicini in religione discipulus, ita etiam natalibus ac provincia exstitit indigena atque concivis. ortus nempe est haud longe a vico, cui vetusta 65 paganitas ob celebritatem clausuramque fortissimam superstitiosissimi templi gallica lingua isarnodori , id est ferrei ostii indidit nomen: quo nunc quoque in loco, delubris ex parte jam dirutis, sacratissime micant coelestis regni culmina dicata Christicolis; atque inibi pater sanctissimae prolis judicio pontificali plebisque testimonio exstitit in presbyterii dignitate sacerdos. Wenn Eugendus ungefähr in der mitte des fünften jh. geboren, sein vater schon priester der christlichen kirche war, die an der stelle des heidentempels errichtet wurde, so mag dort das heidenthum höchstens nur noch in der ersten hälfte dieses jh. fortgedauert haben, in dessen beginn die Westgothen über Italien nach Gallien vordrangen. gallica lingua scheint hier deutsche, von den einwandernden völkern im gegensatz zur romana geredete, jene benennung ist fast gothisch (eisarnadaúri), sie könnte noch näher burgundisch sein (îsarnodori) doch liegen auch die celtischen formen nicht weit ab, ir. iaran, welsh haiarn, armor. uarn ferrum; ir. doras, welsh dor, porta. haearndor (eisenthor) gerade in Davies british mythol. s. 120. 560 angeführt. . Westgothen, Burgunder, vielleicht gar so weit eingeschrittene Alamannen, hätten in clausen und engpässen des Juragebirges scheidegebirge mehrern völkern heilig und opferstätte. Ritters erdkunde 1. aufl. 2, 79. bd. 2. p. 903. den tempel angelegt? der name schickt sich zur festigkeit der lage und des baus, den die Christen zum theil beibehielten Nachtrag: Dem isarnodori im Jura entspricht das von Trajan gebaute eiserne thor , türk. demir kapa in einem passe Daciens. ein Temir kapa liegt auch in Cilicien. Koch anabas. 32. Müller lex. sal. s. 36. clausura ist ein engpass wie ϑερμόπυλαι, auch bloß πύλαι. vgl. Schott die Deutschen in Piemont. s. 229. . Eine constitutio Childeberti I um das j. 554 bei Pertz 3, 1 enthält folgendes: praecipientes, ut quicunque admoniti de agro suo, ubicunque fuerint simulacra constructa vel idola daemoni dedicata ab hominibus, factum non statim abjecerint vel sacerdotibus haec destruentibus prohibuerint, datis fidejussoribus non aliter discedant, nisi in nostris obtutibus praesententur. Vita s. Radegundis († 587), der gemahlin Chlotars, von Baudonivia, einer gleichzeitigen nonne abgefaßt (acta Bened. sec. 1. p. 327): dum iter ageret (Radegundis) seculari pompa se comitante, interjecta longinquitate terrae ac spatio, fanum quod a Francis colebatur in itinere beatae reginae quantum miliario uno proximum erat. hoc illa audiens jussit famulis fanum igne comburi, iniquum judicans deum coeli contemni et diabolica machinamenta venerari. Hoc audientes Franci universa multitudo cum gladiis et fustibus vel omni fremitu conabantur defendere. sancta vero regina immobilis perseverans et Christum in pectore gestans, equum, quem sedebat, in antea (d. i. ulterius) non movit, antequam et fanum perureretur et ipsa orante inter se populi pacem firmarent. Die lage des zerstörten tempels wage ich nicht zu bestimmen; Radegund zog aus Thüringen nach Frankreich, in dieser richtung könnte das fanum unweit des Rheins gesucht werden. Greg. tur. vitae patr. 6: eunte rege (Theoderico) in Agrippinam urbem, et ipse (s. Gallus) simul abiit. erat autem ibi fanum 66 quoddam diversis ornamentis refertum, in quo barbaris (l. Barbarus) opima libamina exhibens usque ad vomitum cibo potuque replebatur. ibi et simulacra ut deum adorans , membra, secundum quod unumquemque dolor attigisset, sculpebat in ligno. quod ubi s. Gallus audivit, statim illuc cum uno tantum clerico properat, accensoque igne, cum nullus ex stultis Paganis adesset, ad fanum applicat et succendit. at illi videntes fumum delubri ad coelum usque conscendere, auctorem incendii quaerunt, inventumque evaginatis gladiis prosequntur; ille vero in fugam versus aulae se regiae condidit. verum postquam rex quae acta fuerant Paganis minantibus recognovit, blandis eos sermonibus lenivit. Dieser Gallus ist verschieden von dem in Alamannien ein halbes jh. später auftretenden; er starb um 553, unter dem könig wird der austrasische Theoderich I gemeint. Vita s. Lupi senonensis (Duchesne 1, 562. Bouquet 3, 491): rex Chlotarius virum dei Lupum episcopum retrusit in pago quodam Neustriae nuncupante Vinemaco (le Vimeu), traditum duci pagano (d. i. duci terrae), nomine Bosoni Landegisilo (sicher einem Franken). quem ille direxit in villa quae dicitur Andesagina super fluvium Auciam, ubi erant templa fanatica a decurionibus culta . (a. 614.) Andesagina ist Ansenne, Aucia hieß später la Bresle, Briselle. Beda hist. eccl. 2, 13 erzählt, wie der northumbrische könig Edvine, der im j. 627 getauft und 633 erschlagen ward, sich erst nach reiflicher berathung mit verständigen männern zu der annahme des christenthums entschloß, vorzüglich aber durch Coifi (Cæfi), seinen vornehmsten heidnischen priester selbst, in dem alten glauben wankend gemacht wurde: cumque a praefato pontifice sacrorum suorum quaereret, quis aras et fana idolorum cum septis, quibus erant circumdata (vgl. den altn. ausdruck stafgarđr), primus profanare deberet? respondit: ego. quis enim ea, quae per stultitiam colui, nunc ad exemplum omnium aptius quam ipse per sapientiam mihi a deo vero donatam destruam? . . . . . Accinctus ergo gladio accepit lanceam in manu et ascendens emissarium regis (was alles für einen heidnischen priester unerlaubt und unanständig war), pergebat ad idola . quod aspiciens vulgus aestimabat eum insanire. nec distulit ille. mox ut appropinquabat ad fanum , profanare illud injecta in eo lancea quam tenebat multumque gavisus de agnitione veri dei cultus, jussit sociis destruere ac succendere fanum cum omnibus septis suis. ostenditur autem locus ille quondam idolorum non longe ab Eboraco ad orientem ultra amnem Dorowentionem et vocatur hodie Godmundinga hâm, ubi pontifex ipse, inspirante deo vero, polluit ac destruxit eas, quas ipse sacraverat, aras die ags. übersetzung drückt arae durch vigbed (s.  54 ), fana durch heargas , idola durch deofolgild aus, septa einmal durch hegas (hedges, hecken), dann durch getymbro . der nach dem hearg geworfne speer gab das zeichen zu seiner zerstörung. . 67 Vita s. Bertulfi bobbiensis († 640) in act. Bened. sec. 2. p. 164: ad quandam villam Iriae fluvio adjacentem accessit, ubi fanum quoddam arboribus consitum videns allatum ignem ei admovit, congestis in modum pirae lignis. id vero cernentes fani cultores Meroveum apprehensum diuque fustibus caesum et ictibus contusum in fluvium illud demergere conantur. der fluß Iria läuft in den Po, die begebenheit spielt unter Langobarden. Walafridi Strabonis vita s. Galli († 640) in actis Bened. sec. 2 p. 219, 220: venerunt (s. Columbanus et Gallus) infra partes Alemanniae ad fluvium, qui Lindimacus vocatur, juxta quem ad superiora tendentes pervenerunt Turicinum. cumque per littus ambulantes venissent ad caput lacus ipsius, in locum qui Tucconia dicitur, placuit illis loci qualitas ad inhabitandum. porro homines ibidem commanentes crudeles erant et impii, simulacra colentes, idola sacrificiis venerantes , observantes auguria et divinationes et multa quae contraria sunt cultui divino superstitiosa sectantes. Sancti igitur homines cum coepissent inter illos habitare docebant eos adorare patrem et filium et spiritum sanctum, et custodire fidei veritatem. Beatus quoque Gallus sancti viri discipulus zelo pietatis armatus fana , in quibus daemoniis sacrificabant , igni succendit et quaecunque invenit oblata demersit in lacum. Die weiter folgende wichtige stelle wird späterhin angeführt werden, es heißt ausdrücklich: cumque ejusdem templi solemnitas ageretur. Jonae bobbiensis vita s. Columbani († 615) cap. 17. in act. Bened. 2, 12. 13: cumque jam multorum monachorum societate densaretur, coepit cogitare, ut potiorem locum in eadem eremo (i. e. Vosago saltu) quaereret, quo monasterium construeret. invenitque castrum firmissimo munimine olim fuisse cultum , a supra dicto loco distans plus minus octo millibus, quem prisca tempora Luxovium nuncupabant, ibique aquae calidae cultu eximio constructae habebantur. ibi imaginum lapidearum densitas vicina saltus densabat die menge (densitas) der bilder machte den benachbarten wald dichter? sollte nicht vielmehr hinter den beiden ersten genitiven ein acc. fehlen: copiam oder speciem? , quas cultu miserabili rituque profano vetusta Paganorum tempora honorabant. an diesem burgundischen orte (Luxeuil in Franche comte, unweit Vesoul) fanden sich wohl schon römische thermae, mit bildseulen geschmückt? hatten daran die Burgunden ihren cultus geknüpft? von demselben castrum handelt auch die Vita s. Agili resbacensis († 650) in act. Ben. sec. 2 p. 317: castrum namque intra vasta eremi septa, quae Vosagus dicitur, fuerat fanaticorum cultui olim dedicatum , sed tunc ad solum usque dirutum, quod hujus saltus incolae, quamquam ignoto praesagio, Luxovium nominavere; es wird an der heidnischen stätte eine kirche gebaut: ut, ubi olim prophano ritu veteres coluerunt fana , ibi Christi figerentur arae et erigerentur vexilla, habitaculum deo 68 militantium, quo adversus aerias potestates dimicarent superni regis tirones. p. 319: ingressique (Agilus cum Eustasio) hujus itineris viam, juvante Christo, Warascos praedicatori accelerant, qui agrestium fanis decepti, quos vulgi faunos vocant, gentilium quoque errore seducti in perfidiam devenerant Fotini seu Bonosi virus infecti, quos errore depulso matri ecclesiae reconciliatos veros Christi fecere servos. Vita s. Willibrordi († 789) in act. Ben. sec. 3. p. 609: pervenit in confinio Fresonum et Danoram ad quandam insulam, quae a quodam deo suo Fosite ab accolis terrae Fositesland appellatur, quia in ea ejusdem dei fana fuere constructa. qui locus a Paganis tanta veneratione habebatur, ut nil in ea vel animalium ibi pascentium vel aliarum quarumlibet rerum gentilium quisquam tangere audebat, nec etiam a fonte, qui ibi ebulliebat, aquam haurire nisi tacens praesumebat. Vita s. Willehadi († 739) bei Pertz 2, 381: unde contigit, ut quidam discipulorum ejus, divino compuncti ardore, fana in morem gentilium circumquaque erecta coepissent evertere et ad nihilum, prout poterant, redigere; quo facto barbari, qui adhuc forte increduli perstiterant, furore nimio succensi, irruerunt super eos repente cum impetu, volentes eos funditus interimere, ibique dei famulum fustibus caesum multis admodum plagis affecere. Dies geschah im friesischen pagus Thrianta (Drente) vor dem j. 779. Vita Ludgeri (anfang des 9 jh.) 1, 8: (in Frisia) Paganos asperrimos . . . mitigavit, ut sua illum delubra destruere coram oculis paterentur. inventum in fanis aurum et argentum plurimum Albricus in aerarium regis intulit, accipiens et ipse praecipiente Carolo portionem ex eo. vgl. die s.  37 angezogene stelle aus der lex Frisionum. Folcuini gesta abb. lobiensium (um 980) b. Pertz 6, 55: est locus ubi intra terminos pagi, quem veteres a loco, ubi superstitiosa gentilitas fanum Marti sacraverat, Fanum martinse dixerunt. das ist Famars in Hennegau, unweit Valenciennes. Aller wahrscheinlichkeit nach war das im j. 14 von den Römern zerstörte heiligthum der Tanfana kein bloßer hain, sondern ein aufgeführtes gebäude, bei dessen vernichtung sich Tacitus sonst schwerlich der worte ›solo aequare‹ bedient haben würde. aus den drei oder vier zunächst folgenden jh. fehlen uns alle nachrichten von heidnischen tempeln in Deutschland. im 5. 6. 7 und 8 jh. kommen, wie ich dargethan habe, castra , templa , fana bei Burgunden, Franken, Longobarden, Alamannen, Angelsachsen und Friesen vor. unter fanum (wovon fanaticus) scheint man oft ein gebäude von geringerem, unter templum eins von größerem umfang verstanden zu haben; im indiculus superstit. xxxi , 4: de casulis i. e. fanis Nachtrag: Wie castrum für templum und fanum wird das böhm. kostel , poln. kościel aus castellum für kirche gebraucht. umgekehrt scheint templum zuweilen palatium zu bedeuten: exustum est palatium in Thornburg. Pertz 5, 62; dagegen exustum est famosum templum in Thornburg. Pertz 5, 63. außerdem heißt es Pertz 5, 755: Thornburg castellum et palatium Ottonis. das alts. rakud (s.  75 ) bezeichnet beides, templum und palatium. außer casulae i. e. fana wird auch genannt eine cella antefana oder ante fana? Mones anz. 6, 228. . Ich will einräumen, bei einigen zeugnissen mag bestritten werden, daß deutsch-heidnische tempel gemeint sind, es könnten stehngebliebene römische sein, und dann wäre ein doppelter 69 fall möglich: das herschende deutsche volk hätte in seiner mitte einzelne gemeinden römischgallischen cultus fortsetzen lassen, oder der römischen gebäude sich für die ausübung seiner eignen religion bemächtigt wie das volk römische festungswerke für die teufelsmauern hielt, war es natürlich, mit römischen castellen den begrif der abgötterei zu verknüpfen. Rupertus tuitiensis († 1135) in seiner schrift von der feuersbrunst, wodurch im j. 1128 ein solches für den christlichen gottesdienst eingerichtetes castellum zu Deuz verzehrt wurde, meldet, daß es nach einigen von Jul. Caesar, nach andern von Constantius und Constantinus erbaut war. zu kaiser Ottos zeiten sei Maria nachts dem erzbischof Heribert erschienen; ›surge, et tuitiense castrum petens locum in eodem mundari praecipe, ibique monasterium deo mihique et omnibus sanctis constitue, ut, ubi quondam habitavit peccatum et cultus daemonum , ibi justitia regnet et memoria sanctorum‹. Mit ähnlichen worten in der vita Heriberti cap. 15. Vgl. das fanum zu Cöln oben s.  65 . Nachtrag: Veniens (Chrocus Alamannorum rex) Arvernos delubrum illud, quod gallica lingua vassogalate vocant, incendit, diruit atque subvertit. miro enim opere factum fuit etc. Greg. tur. 1, 32. diese nachricht ist merkwürdig, weil sie die verschiedenheit des deutschen und celtischen cultus beweist. Chrocus hätte kein werk zerstört, das seinem glauben heilig gewesen wäre. oder war der tempel schon christlich? vgl. cap. 39. . Da bisher keine gründliche untersuchung gepflogen worden ist über den zustand des glaubens unter den Galliern unmittelbar vor und nach dem einbruch der Deutschen (ohne zweifel gab es neben den bekehrten damals auch noch heidnische Gallier); so ist es schwer sich für eine dieser voraussetzungen zu entscheiden, beide können zusammen statt gefunden haben. in dem zweiten fall hätten wir immer noch tempel des deutschen heidenthums vor uns, wenn auch erst römische gebäude in sie verwandelt worden wären. Und sicher darf man nicht alle zeugnisse auf jene weise verstehen. so gut der Tanfanatempel von Germanen selbst errichtet wurde, läßt es sich von den alamannischen, sächsichen, friesischen tempeln annehmen, und was im ersten jh. geschah, wird im 2. 3. 4 noch wahrscheinlicher geschehen sein. Für gebaute tempel muß es frühe verschiedenartige ausdrücke gegeben haben Nachtrag: Ausdrücke für gebaute tempel sind: hof âtti hann î tûninu, sêr þess enn merki , þat er nu kallat tröllaskeiđ . Laxd. 66. sal templum. Graff s. v. der sal Diemer 326, 7. mit dem ags. reced , alts. rakud scheint racha O. IV. 19, 38 verwandt, das sonst res, causa bedeutet: zimborôn thia racha. vgl. wih und wiht. spätere ausdrücke für templum sind pluozhûs , blôzhûs Graff 4, 1053. abgothûs fanum. das. 4, 1054. chirihhâ , ags. cyrice kommt nach dem lausitz. mag. 7, 166 von circus. altsl. tzerky Dobr. s. 178, croat. czirkva , krain. zirkva , serb. tzrkva , böhm. cirkew , altb. cjerkew , poln. cerkiew . vgl. gramm. 3, 156. vorr. zu Schulze. XI. Graff 4, 481. Die heilige stätte, altn. griđastađr , darf man nicht betreten. fornm. sög. 4, 186. weder vieh noch mensch durfte da geschädigt werden, männer und weiber sollten da keinen umgang mit einander haben (engi viđskipti skyldu karlar viđ konur ega þar) fornald. s. 2, 63. . ahd. ags. alts. altn. hof (aula, atrium) das asyl, welches atrium und tempel in ihrem umkreis gewähren, hieß altn. griđastađr , ahd. frîdhof , alts. frîthob Hel. 151, 2, 9. mhd. vrône vrîthof Nib. 1795, 2, nicht friedhof, vgl. goth. freidjan, alts. frîdôn (parcere). daß die bestimmungen der altdeutschen freistätten noch großentheils heidnisch sind, ist RA. 886–92 untersucht. ; ahd. halla (templum) hymn. 24, 8. ags. heal , altn. höll , vgl. hallr (lapis), goth. hallus; ahd. sal , altn. salr , ags sele , alts. seli (aula); ags. reced (domus, basilica) Cædm. 145, 11. 150, 16. 219, 23. alts. rakud Hel. 114, 17. 130, 20. 144, 4. 155, 20, ein dunkles, den übrigen dialecten mangelndes wort; ahd. pëtapûr (delubrum) Diut. 1, 195 a actum in illo betapûre (d. i. in der kirche zu Fulda) publice. trad. fuld. ed. Schannat n° 193, in bedebur . Lacombl. n° 412 (a. 1162). in bedebure Erhard p. 148 (a. 1121). betbur Meyer Zürch. ortsn. 917. ; welchen dann auch noch pëtahûs minores ecclesiae gl. sletst. 21, 32. und chirihhâ , ags. cyrice hinzutraten. Mhd. dichter brauchen bëtehûs gern von heidnischen tempeln En. 2695. Barl. 339, 11. 28. 342, 6. Athis D 93. Herb. 952. Wigal. 8308. Pass. 356, 73. Tit. 3329. mnl. bedehûs Maerl. 1, 326. 3, 125 im gegensatz zur christlichen kirche, ungefähr wie heute die Catholiken in ihrem lande den Protestanten nur ein bethaus, keine kirche 70 gestatten wollen Nachtrag: Heidnische cultstätten blieben auch nach der bekehrung hofstätten und stifter, die mit heidnischen tempelgütern ausgestattet waren, so das zu Kaufungen gehörige Herbede an der Ruhr. GDS. s. 589. Mannhardts zeitschr. 3, 147. auf manchen gutshöfen muß eisernes vieh, faselvieh gehalten werden RA. 593, nach den weisthümern auch auf pfarrhöfen . auch in christlicher zeit wurden wie in heidnischer die heiligen örter durch wunder und zeichen den menschen offenbart. eine glühende egge läßt sich vom himmel dorthin herab auf Sommer s. 76, wie der glühende pflug in der skythischen sage bei Herodot 4, 5. GDS. 58. 59. in der legende von erbauung christlicher kirchen kehrt oft der zug wieder, daß im wald an der dazu bestimmten stelle nachts lichter in der gestalt neben einander gesehen werden, die den grundriß des baus vorbildet. solche lichter schaut ein subulcus in der sage von Gandersheim . Pertz 6, 309. 310, ein anderer, der Frickio genannt wird, in der sage von Freckenhorst , wo Petrus als ein zimmermann die gestalt des heiligen hauses bildete. Dorow. I. 1, 32. 33. vgl. die sage s. 54 und die von Wessobrunn . MB. 7, 372. fallender schnee deutet die geeignete stelle an. Müllenhoff s. 113. vgl. den Hollenschnee (s.  222 ). wo der falke niederfliegt , wird ein kloster gebaut. Wigand corv. güterb. 105. eine schwedische sage meldet von kühen , ›Wieselgren. 408‹, eine schöne ags. von ruhenden thieren , die den ort angeben. Kemble no. 581. a. 974. . O. umschreibt gotes hûs IV. 33, 33 oder druhtînes hûs II. 4, 52. N. hat kein bedenken cap. 17 mit chîlechon das lat. fanis zu übertragen, wie etwa auch bischof für den heidnischen priester mitgilt. Sehr frühe behielt man tempel bei, so Is. 382. 395. T. 15, 4. 193, 2. 209, 1. Diut. 1, 195 a . Die hütte, welche wir uns unter fanum, unter pûr vorzustellen haben, mag aus holz und zweigen um den heiligen baum her aufgeführt worden sein, eines hölzernen tempels der göttin Zisa wird cap.  XIII meldung thun. bei halla und einigen andern namen ist man schon eher an einen steinbau zu denken genöthigt. Wir sehen alle bekehrer eifrig das beil an die heiligen bäume der Heiden setzen und feuer unter ihre tempel legen. fast sollte es scheinen, die armen leute seien gar nicht um ihre einwilligung gefragt worden, und erst der aufsteigende rauch habe ihnen die gebrochene macht ihrer götter angekündigt. Aus den weniger ruhmredigen erzählungen ergibt sich aber bei näherer betrachtung der umstände, daß weder die Heiden so feig und einfältig, noch die Christen so unbesonnen waren. Bonifacius entschloß sich die donnereiche nieder zu fällen erst nach gepflognem rath mit den bereits übergetretenen Hessen und in ihrer gegenwart. So hätte auch die thüringische königstochter auf ihrem reisepferd nicht stillhalten und den befehl ertheilen dürfen, in den fränkischen tempel feuer zu werfen, wäre ihr gefolge nicht zahlreich genug gewesen, den Heiden die spitze zu bieten. daß diese sich mit den waffen widersetzten, geht aus Radegundens bitte, nachdem der hof niedergebrannt war, hervor, ut inter se populi pacem firmarent. In den meisten fällen ist ausdrücklich bemerkt, daß an der stelle des heidnischen baums oder tempels eine kirche errichtet wurde Sulp. Severus (ed. amst. 1665) p. 458: nam ubi fana destruxerat (Martinus), statim ibi aut ecclesias aut monasteria construebat . Dietmar von Merseb, 7, 52 p. 859 (von bischof Reinbern auf slavischeni gebiet, a. 1015) fana idolorum destruens incendit, et mare daemonibus cultum inmissis quatuor lapidibus, sacro chrismate perunctis et aqua purgans benedicta, novam domino – – plantationem eduxit. über die verwandelung des Pantheons in eine kirche s. Massmanns Eradius 476. . auf solche weise schonte man der angewöhnungen des volks, und machte ihm glaublich, daß die alte heiligkeit der stätte nicht gewichen sei, sondern fortan von der gegenwart des wahren gottes abhänge. Zugleich entdeckt sich hier die ursache des fast gänzlichen mangels an überbleibseln heidnischer monumente nicht allein im innern Deutschland, sondern auch im Norden, wo doch sicher solche tempel, und häufiger, vorhanden waren. vgl. cap.  VI . X . XVI . den tempel zu Sigtûn, baer î Baldrshaga und den Nornentempel. entweder wurden sie dem boden gleich gemacht, um darauf die christliche kirche zu erbauen, oder ihre mauern und hallen selbst mit in diese verwendet. von der baukunst der heidnischen 71 Deutschen einen hohen begrif zu fassen wird man sich zwar enthalten, doch mögen sie es verstanden haben, bedeutende steinmassen zu ordnen und fest zu verbinden. Hierfür zeugen denn auch die in Scandinavien, zum theil noch in Friesland und Sachsen erhaltenen grabhügel und opferplätze, aus denen sich einige wichtige folgerungen für den altheidnischen gottesdienst ziehen lassen, die ich aber von meiner gegenwärtigen untersuchung ausschließe. Das ergebnis ist: in hainen bald der berge bald anmutiger auen war des ältesten gottesdienstes sitz, da werden nachher die ersten tempel gebaut worden sein, da lagen auch die mahlstätten des volks. Nachtrag: Zum schluß dieses capitels ist noch zu bemerken, daß auf beinahe allen deutschen bergen spuren der götter und helden gefunden werden, die auf alte verehrungsstätten zurückweisen, z. b. auf dem Taunus von Brunhild, dem Harz von Gibich und Dietrich. in Hessen ist der Allerhätenberg, anderwärts die großvaterberge bemerkenswerth. 72 Cap. V. Priester. Die allgemeinste benennung dessen, der zum unmittelbaren dienst der gottheit berufen ist ( minister deorum Tac. Germ. 10), führt sich auf ihren namen selbst zurück. vom gothischen guþ (deus) wird das adj. gaguds (pius, εὐσεβής), gagudei (pietas, εὐσέβεια) gebildet; ahd. und mhd. finde ich für pius êrhaft , eigentlich reverens, das auch venerandus ausdrücken kann, unser nhd. fromm hat erst spät diesen sinn überkommen, das mhd. vrum ist bloß tüchtig, treflich. Der gott dienende, fromme mann heißt goth. gudja (ἱερεύς) Matth. 8, 4. 27, 1. 63. Marc. 10, 33. 11, 27. 14, 61. Luc. 1, 5. 20, 1. Joh. 18, 19. 22. 19, 6. ufargudja (ἀρχιερεύς) Marc. 10, 33. gudjinôn (ἱερατεύειν) Luc. 1, 8. gudjinassus (ἱερατεία) Luc. 1, 9. Nachtrag: Religion wird griech. durch εὐσέβεια oder ϑρησκεία (vgl. ϑρησκεύειν s.  88 ) gegeben. κατ' εὐσέβειαν pie. Lucian 5, 277. religio  = iterata lectio vgl. intelligere. Lobecks rhematicon. s. 65. religio heißt in ahd. glossen heit , Hattemer 1, 423. cotedehtigi , Graff 5, 163 gotedehti devotio, ebenda anadaht intentio, attentio. eigenthümlich wird Hattemer 1, 423 pietas durch heimminna unde mâgminna ausgedrückt. crêdischeit Servat. 762 ist frömmelei. vgl. anm. 112 . deis (dîs) fretus Plaut. Cas. 2, 5 heißt ahd. gote forahtac. O. I. 15, 3. . Daß diese ausdrücke heidnisch waren folgt aus dem einstimmigen altn. gođi (pontifex) hofs gođi (fani antistes) Egilss. 754. Freys gođi Nialss. c. 96. 117 (fornm. sög. 2, 206.) gođord (sacerdotium). einen andern grund dafür gibt das verschwinden des worts in den übrigen dialecten, etwa wie alah verschwand, das den Gothen noch unbedenklich schien. nur eine leise spur erscheint in dem ahd. cotinc Diut 1, 187, womit tribunus glossiert wird(goth.gudiggs?). Wie aber Ulfilas gudja und sinista (πρεσβύτερος, der ältere, angesehene, der priester) verbindet, sagt ein merkwürdiges zeugnis bei Ammianus Marcell. 28, 5 aus, daß der burgundische oberpriester sinisto hieß: nam sacerdos omnium maximus apud Burgundios vocatur sinistus , et est perpetuus vgl. den mit sin - in der zusammensetzung verbundnen begrif der perpetuität (gramm. 2, 554. 555). , obnoxius discriminibus nullis ut reges. Vom zusammenhang der priester mit dem adel handle ich RA. 267. 268 Nachtrag: Der goth. gudja , ags. gođi priester scheint im ags. eigennamen Goda . Kemble 1, 242 erhalten. statt auhumists gudja , ἀρχιερεύς Matth. 27, 62. Marc. 8, 31 heißt es auhumists veiha . Joh. 18, 13. der priester weiht und ist geweiht (s.  76 ) vgl. die hexenweihe und taufe. die Göndul weiht: nû vîgi ek þik undir öll þau atkvaeđi ok skildaga, sem Ođinn fyrimaelti. fornald. sög. 1, 402. die worte bei Lactantius im Phoenix antistes nemorum, luci veneranda sacerdos wird vom ags. dichter 207, 27. 208, 7 mit bearves bigenga, vudubearves veard wiedergegeben. (vgl. anm. 208 ). der priester steht vor gott , ἔναντιο τοῦ ϑεοῦ. Luc. 1, 8. giangi furi got. O. I. 4, 11. die mönche bilden ›daz gotes her ‹. Reinh. F. 1023. Das zend. âthrava priester. Bopp vgl. gr. 42. Spiegel Avesta 2, VI bedeutet feuerdiener von âtars feuer, dat. âthrê. poln. xiądz priester, eigentlich fürst oder opferer. Linde 2, 1164 b vgl. skr. xi herschen, tödten, xaja dominans. . Noch heidnischer sind die ahd. priesternamen harugari Diut. 1, 514 b bedeutet haruc wald, fels, harugari priester, so gleicht das ir. carn steinhaufe und cairneac priester. O'brien 77 a . und parawari Diut 1, 150 a : beide aus jenen benennungen der tempel haruc und paro (s.  54 . 55 ) hergeleitet und die vorhin behauptete identität dieser begriffe bestätigend. schwerlich wurden sie vom glossator zur verdeutschung des lat. aruspex erfunden, sie waren längst in unserer alten sprache vorhanden. pluostrari (s.  29 ) hieß der priester, in sofern er opferte. Daß aber cotinc die bedeutung tribunus haben konnte zeigt den genauen zusammenhang zwischen priester und richteramt, 73 der vorzüglich in einem andern der hochd. mundart eigenthümlichen ausdruck hervorbricht. êwa , êa bezeichnete nicht bloß das weltliche, sondern auch das göttliche gesetz, die früher genau verbunden und gleich heilig waren, êwart , êowart also den pfleger, hüter des gesetzes, den νομικός, goth. vitôdafasteis, den gesetzes und rechtskundigen. K. 55 a 56 a . b . gl. Hrab. 974 a N. ps. 50, 9. das schwachformige êwarto hat O. I. 4, 2. 18. 72. gotes êwarto I. 4, 23. so noch im 12 jh. êwarte Mar. 21 und ohne allen bezug auf das jüdische amt, ganz synonym mit priester: der heilige êwarte Reinh. 1705. der bâruc und die êwarten sîn Parz. 13, 25. Wh. 217, 23 von sarazenischen priestern Nachtrag: Ewart priester. ein êwart der abgote. Barl. 200, 22. 201, 38. der abgote êwarten . pass. 329, 56. die valschen êwarten . das. 356, 76. noch abgot noch êwarte . das. 358, 17. êwarde En. 244, 14. prêster und ir êwe mester das. 243, 20. . Daneben galt das nahliegende êosago , êsago für judex, legislator. RA. 781. Der dichter des Heliand bedient sich des ausdrucks wihes ward (templi custos) 150, 24, und versucht, um dem heidnischen wie dem fremden worte auszuweichen, umschreibungen: the giêrôdo man 3, 19. the frôdo man 3, 21. 7, 7, frôdgumo 5, 23. 6, 2. godcund gumo 6, 12, was an jenes gudja anschlägt, vielleicht aber auch den eigenthümlichen sinn berührt, den bei Wolfram ›der guote man ‹ hat Parz. 457, 2. 458, 25. 460, 19. 476, 23. 487, 23. the gôdo gumo steht Hel. 4, 16 von Johannes, ther guato man O. II. 12, 21, 49 von Nicodemus. in Ulrichs Lanzelot heißt ein abt: der guote man 4613. 4639. vgl. 3857 und 4620 êwarte, 4626 priester. dazu gehört aber diu guote frouwe (s. unten) d. h. ursprünglich bona socia, so daß auch in dem guten mann etwas heidnisches, ketzerisches durchblickt. das heimchen ist in der thierfabel ein geistlicher und heißt Ren. 8125 preudoms und Frobert = Fruotbert Nachtrag: Fruod gomo heißt Zacharias Hel. 2, 24. nhd. bedeutet der kluge mann, die kluge frau wol noch einen geheimer naturkräfte kundigen menschen. ebenso schwed. de klokar die klugen. Fries udfl. 108. Der ausdruck › der guote man ‹ bezeichnet vorzugsweise leute geistlichen standes. der guote man (vom priester) Marienleg. 60, 40. der bischof der guote man . pass. 336, 78. der guote man (pfaffe und pilgrim) Uolrich 91. guote frowen sind nonnen. Eracl. 735. klôster und guote liute . Nib. 1001, 2. Barlâam der guote man . Barl. 387, 5. vgl. 398, 32. Egidi guot man! Ksrchr. 15043. die goede man heißt der einsiedler. Lanc. 4153. 4171. 16911. 16918. 17786. 25376. 25446. 28280. 28308. das ags. gudemans croft ( anm. 43 ) gehört wol hieher, dagegen ist der ortsn. Gutmanshausen aus Woteneshusen entstellt ( anm. 390 ). bonshommes sind ketzer, manichäer, die auf dem concil zu Cambery 1165 verdammt werden. buonuomini Macch. stor. fior. 1, 97. 158. bei O. I. 12, 17 heißen die hirten: guotê man . im engl. bedeutet goodman biedermann und hauswirt. Grôa wird angeredet gôđ kona Sæem. 97 a und in zaubersprüchen Alrûn, du vil guote (s.  1006 ). . . die romanischen ausdrücke prudens homo , bonus homo (prudhomme, bonhomme) sind nicht ohne bezug auf die alte rechtspflege. Einmal Joh. 18, 13 verdeutscht Ulfilas ἀρχιερεύς durch aúhumists veiha , niemal ἱερεύς durch veiha. Mit dem christenthum drangen fremde benennungen ein Nachtrag: Christlich, wenn auch deutschen ursprungs, scheint auch das ahd. heithaft sacerdos von heit ordo, also: in ordinem sacrum receptus est. noch mhd. heithafte liute sacerdotes. fundgr. 1, 94. vgl. eithafte herren = geistliche. Ksrchr. 11895. das ags. geþungen bedeutet angesehn, würdig, zumal auch religiosus z. b. homil. s. 344. . die Angelsachsen nahmen, in verkürzter form, das lat. sacerdos auf: sacerd , pl. sacerdas; Alfred übersetzt Bedas pontifex und summus pontificum (beides von einem heidnischen) 2, 13 biscop und ealdorbiscop . T. und O. haben gleichbedeutig das aus episcopus entspringende bisgof , biscof O. I. 4, 4. 27. 47; auch Hel. 150, 24 biscop . Später werden priester (nach presbyter, also jenem begrif des vornehmen und ältesten) und pfaffe (papa) die allgemeinsten namen. ags. preost, engl. priest, franz. prestre, prêtre, bei Veldek reim prêster: mêster. En. 9002. Wenn Jul. Caesar von den Germanen sagt (de bello Gall. 6, 21): neque druides habent, qui rebus divinis praesint, neque sacrificiis student, so braucht diese nachricht nicht für unrichtig und dem was Tacitus von den deutschen priestern und opfern meldet, widersprechend erklärt zu werden. Caesar behauptet alles im gegensatz zu den Galliern. diese hatte er 6, 16 als den opfern äußerst ergeben geschildert, und ›non studere sacrificiis‹ wird im 74 zusammenhang nichts anders bedeuten als: sich der opfer sparsam bedienen. ebensowenig herschte unter den Deutschen das gallische fein ausgebildete druidensystem; sie ermangelten aber nicht ihrer eigenthümlichen opfer und priester. Die deutschen priester , wie wir es schon aus dem übergreifen der namen erkannten, waren zugleich bei gottesdienst und volksgericht thätig. In den heerzügen gebührt ihnen allein, nicht den feldherrn die zucht, da der ganze krieg gleichsam in gegenwart der gottheit geführt wird: ceterum neque animadvertere neque vincire nec verberare quidem nisi sacerdotibus permissum: non quasi in poenam, nec ducis jussu, sed velut deo imperante, quem adesse bellantibus credunt. Germ. 7. Nachtrag: Auch Agathias 2, 6 legt den heidnischen Alamannen des 6. jh. ausdrücklich weissager (μάντεις und χρησομολόγοι der μάντις deutet träume, vögelflug und eingeweide, ist aber kein wahrsager χρησομολόγος. Pausan. 1. 34, 3. ) bei, die von der schlacht abrathen, und noch im MA. nehmen die fürsten geistliche mit ins feld und heer zum ratschlagen, abbates pii, scioli bene consiliarii . Rudl. 2, 253. gottesurtheile sind unter priesterliche autorität gestellt. Saem. 237 b . 238 a . In der volksversammlung gebieten die priester stillschweigen, andacht. silentium per sacerdotes , quibus tum et coërcendi jus est, imperatur. Germ. 11. zu dem, was in Haupts zeitschr. 9, 127 über lust und unlust beigebracht ist, erwäge man noch das tacitus precari in der umbrischen formel und den eingang der fastnachtsspiele. . auch die gleich folgenden worte beziehen sich auf die priester, sie nehmen aus dem heiligen hain die bilder und zeichen mit ins feld. Cap. 10 lehrt, daß der sacerdos civitatis dem loßen mit zweigen vorsteht, sobald es für das volk geschah. war die angelegenheit keine öffentliche, so kann der hausvater selbst das geschäft verrichten und der priester brauchte nicht zugezogen zu werden. eine merkwürdige beschränkung der priestergewalt und ein zeichen, wie weit in dem eigentlichen privatleben das recht des freien mannes gieng; aus gleichem grunde, scheint es mir, durften in frühster zeit symbolische handlungen unter den parteien vorgenommen werden ohne zwischenkunft des richters (RA. 201). Auch wenn aus dem gewieher der öffentlich unterhaltenen weißen rosse geweissagt werden sollte, begleiteten priester den heiligen wagen und beglaubigten das geschäft. Der gottheit wagen berührt allein der priester , ihre nahende gegenwart wird von ihm erkannt, er geleitet sie ehrfurchtsvoll, und führt sie zuletzt in ihr heiligthum zurück cap. 40. Segimund, des Segestes sohn, den Tac. ann. 1, 57 sacerdos nennt, war nicht deutscher, sondern römischer priester (apud aram Ubiorum) gewesen und nach zerreißung der fremden binde (vittas ruperat) in die heimat entflohen. Diese wenigen der priester nur gelegentlich erwähnenden stellen lassen ihr amt lange nicht überschauen Nachtrag: Das goth. prôþjan , usþrôþjan verdeutscht μυεῖν initiare und γυμνάζειν exercere. GDS. 819. sollte es auf ein heiliges geschäft heidnischer priester gehen und sich mit dem namen der gallischen druiden berühren s. anm. 2600 oder lieber mit þrûđr. s.  351 ? ob heilac von priestern und priesterinnen gesagt ward? vgl. heilac huat cydaris. Graff 4, 874. Heilacflât cod. lauresh. 1, 578. heilacbrunno s.  458 . heiligbär s.  556 . Priester nehmen an den opfermahlzeiten theil, heiligen den kessel. sentu at Saxa Sunnmanna gram: hann kann helga hver vellanda. Saem. 238 a . Petrus wurde auch als himmelskoch vorgestellt. lat. ged. d. Ma. s. 336. 344. priester unterhalten die heiligen thiere , pferde und eber. Hervarars cap. 14. vgl. RA. 592. sie scheinen bei grenzbegängen vorausgegangen zu sein und die heiligen steine gewiesen zu haben. später thaten es die kirchvorsteher. man ritt zumal um alte kirchen, in deren gewölbe ein götzenbild liegen sollte. Priester verstehen die wiederbelebungskunst. Holtzm. 3, 145. sie haben zugleich die gabe der heilkunst und weissagung. ἰατρόμαντις. Aesch. suppl. 263. . ohne zweifel lag ihnen, außer jenen geschäften, die verrichtung feierlicher gebete, die tödtung der opferthiere, die weihung der könige und leichen, vielleicht auch der ehen, die abnahme der eide und manches andere ob. Von ihrer tracht, ihren insignien und abstufungen wird gar nichts gemeldet, einmal gedenkt Tacitus cap. 43 eines sacerdos muliebri ornatu , gibt aber nichts näher an; ohne zweifel bildeten die priester einen gesonderten, vielleicht erblichen stand, wenn auch minder mächtigen und einflußreichen als in Gallien. wahrscheinlich gab es außer jenem sacerdos civitatis höhere und geringere. Namentlich aufgeführt wird ein einziger, der cattische Libes (Λίβης τῶν Χάττων ἱερεύς) bei Strabo, den mit anderen gefangnen Deutschen die pompa des Germanicus nach Rom schleppte. Tacitus (so viel wir ihn übrig haben) geschweigt 75 seiner Libes könnte sein Leip, Lêb, altn. Leifr, goth. Láibs? eine variante giebt Λίβυς. . Bemerkenswerth ist noch des Jornandes aussage, daß die gothischen priester pileati hießen, im gegensatz zu den capillati , dem übrigen theil des volks, und daß sie während dem opfer ihr haupt mit hüten bedeckten, vgl. RA. 271 Nachtrag: Bei vielen arischen völkern ist das priestergewand von weißer farbe. graecus augur pallio candido velatus, umber et romanus trabea purpurea amictus. Grotefend inscr. umbr. 6, 13. weiß ist das gewand römischer priester und magistrate. vgl. die schilderung des flamen dialis bei Hartung 1, 193. Schwenck 27. amictus veste alba sevir et praetor Petron. 65. die kimbrischen priesterinnen nennt Strabo λειχείμονες (s.  45 ), auch die gothischen priester erschienen nach Jornandes cap. 10 in candidis vestibus . die gallischen druiden trugen weißes gewand (s.  1009 ), ebenso wie der priester des Gerovit schneeweiß gekleidet ist nach Sefridi v. Ottonis p. 128. (Giesebr. wend. gesch. 1, 90). auch im MA. kommt weißes gewand heiligen frauen und nonnen zu. die goede man met witten clederen . Lanc. 22662. 22670. Die gothischen pileati (kl. schr. 3, 227 ff. GDS. 124) erinnern an die tria genera pileorum , quibus sacerdotes utuntur: apex , tutulus , galerus nach Suetonii fragm. p. m. 335. vielleicht muß das von Stälin 1, 161. 162 mitgetheilte bild eines bärtigen mannes auf einen priester gedeutet werden. das geschorne haar der christlichen und buddhistischen (?) mönche und nonnen ist wohl als ein zeichen der knechtschaft gottes aufzufassen. GDS. 822. . Ođinn heißt Sîđhöttr, der breithutige. Aus der folgenden zeit, und bis zur einführung des christenthums haben wir fast gar keine kunde weiter, wie es sich im innern Deutschland mit den priestern verhielt; ihr dasein folgt aus dem der tempel und opfer. Eine nicht unwichtige nachricht hat Beda hist. eccl. 2, 13 bewahrt, dem heidnischen priester der Angelsachsen war es waffen zu tragen und auf hengsten zu reiten untersagt: non enim licuerat, pontificem sacrorum vel arma ferre, vel praeterquam in equa equitare . sollte das noch mit der bestimmung zusammenhängen, die freilich auch biblisch erklärt werden kann, daß christliche geistliche, wenn sie land umreiten, auf eseln und füllen (nicht auf pferden) sitzend erscheinen (RA. 86–88)? auch Festus bemerkt: equo vehi flamini diali non licebat, ne si longius digrederetur sacra neglegerentur Nachtrag: Gleich dem heidnischen priester der Angelsachsen reitet auch Snorri gođi auf einer stute. Eyrbygg. s. 34, der flamen dialis durfte überhaupt kein pferd besteigen. Klausen Aen. 1077. Hartung 1, 194. Vielleicht war schon den heidnischen priestern nicht gestattet blutiges zu essen, sondern bloß kräuter. Trevrizent gräbt sich wurzeln, die er an stauden hängt. Parz. 485, 21. ähnlich fristen Wilhelm der heilige und Waltharius ihr dasein. at. ged. d. Ma. s. 112. zu den gebärden, die an priesterliche gebräuche bei opfern und gebeten erinnern, rechne ich vorzüglich, daß bei der vindication von thieren der schwörende seine rechte zum eid aufheben oder auflegen, mit seiner linken aber des thieres rechtes ohr fassen musste. auch die stellung beim hammerwurf mag dahin gehören. RA. 65. 66. GDS. 124. 125. (s. anm. 265 . nach Kemble ist coifi ags. ceofa diaconus Kemble 1, 278). . die übertragung solcher in die gewohnheit und sitte des lebens eingreifenden gebräuche mochte ganz zulässig sein. Ich werde anderswo auszuführen trachten, daß in gebärden oder stellungen, die für gewisse rechtshandlungen erfordert werden, manches noch an priesterliche gebräuche bei opfern und gebeten erinnert. Es ist nicht unwahrscheinlich, wie heidnische stätten in christliche umgewandelt wurden, daß man auch für vortheilhaft hielt, unter den bekehrten völkern die alten priester zu dem neuen gottesdienst heran zu ziehen. sie waren der gebildetste theil des volks, am ersten fähig die christliche lehre zu fassen, und ihren landsleuten zu empfehlen. aus der mitte des heidnischen priesterthums mögen daher zwar die heftigsten feinde, aber auch die eifrigsten anhänger der neuerung hervorgegangen sein wie aus der catholischen geistlichkeit sowol die stützen als gegner der reformation. Das merkwürdige beispiel eines heidnischen priesters, der seinen alten glauben herabsetzt und selbst hand anlegt an die zerstörung des früher von ihm heilig gehaltenen tempels, ist s.  66 aus Beda angeführt. dieser priester war ein angelsächsischer, kein britischer, obgleich ihn Beda Coifi , mit einem galischen worte ( choibi , choibhidh , cuimhi , nach Jamieson im supplement s. v. coivie, archidruid) offenbar nur zu näherer bezeichnung seines standes, nennt. eigenname ist Coifi auch im galischen nicht, und es wäre unglaublich, daß Edvine, könig von Northumbrien, britischen glauben angenommen und einen britischen priester gehalten hätte. . an einer stelle der bonifazischen briefsammlung wird über vermischung christlichen und heidnischen brauchs geklagt, die sich unverständige oder leichtsinnige und strafbare priester zu schulden kommen lassen ed. Würdtw. 82. Serr. 140: pro sacrilegis itaque presbyteris, ut scripsisti, qui tauros et hircos diis paganorum immolabant, manducantes sacrificia mortuorum . . . . modo vero incognitum esse, utrum baptizantes trinitatem dixissent an non etc. Dahin auch der presbyter Jovi mactans, ep. 25. . das konnte in schuldloser unerfahrenheit, oder 76 mit wolbewuster absicht geschehen, aber fast nur von solchen, die zugleich des heidenthums kundig waren. Selbst den nordischen priesterstand beschreiben die edden und sagen äußerst unvollständig. eine merkwürdige stelle der Ynglîngasaga cap. 2, welche die Asen überhaupt als einwanderer aus Asien, und Asgard ihren sitz als eine große opferstätte ansieht, macht die zwölf vornehmsten Asen zu opferpriestern ( hofgođar ): skyldu þeir râđa fyrir blôtum ok dômum manna î milli, und fügt hinzu, daß sie dîar (divi) und drôttnar (domini) genannt worden seien. diese vorstellung, wenn auch nichts als vermutung Snorris, zeigt uns die hohe würde, worin das nord. priesterthum stand, und wie man götter selbst an die spitze der opfer und gerichte setzte. aber dîar und drôttnar dürfen wir darum nicht mit den priestern vermengen. Ich muß hervorheben, daß einzelne den göttern durch dienst und verehrung näher stehende menschen, voraus die priester, freunde der götter genannt werden noch von mhd. dichtern wird gotes friunt , gotes degen einsiedlern und mönchen beigelegt. im Renner 24587 heißt Sanct Jost ›heiliger gotes kneht .‹ Nachtrag: Wie im norden die heidnischen priester freunde der götter genannt werden, so heißt der christliche ein man, kind, kneht, scalc, deo, diu, vine, trut gotes oder gote lieb. vgl. Mannhardt in Wolfs zeitschr. 3, 143. gotes man ( anm. 69 ). gotes kint  = geistlicher. Greg. 1355. 1383. Reinh. 714. oder = pilgrim im gegensatz zum weltkind. Trist. 2625. munche und pfaffen sint gotes kint . Renn. 17967. der edle gotes kneht wird pass. 346, 24. 349, 23. 60 von Zacharias und Johannes gebraucht. der gotes kneht . Karl 62 b . 64 b . so heißt der pilgrim. Trist. 2638. heiliger gottes kneht! Renn. 24587. gotes rîter . Greg. 1362. ein wârer gotis scalc . Ksrchr. 6071. ahd. Gotadeo, Gotesdeo , fem. Gotesdiu . vgl. ir. ceile de, culde , diener gottes. ir. sagen 2, 476. der gotes trût . pass. 350, 91. unter den griech. priestern gibt es ἀγχίϑεοι . Lucian. dea Syria cap. 31. vgl. die conscii deorum. Tac. Germ. 10. Amphiaraus wird von Zeus und Apollo geliebt . Od. 15, 245. d. h. er ist μάντις. nach seinem tod wird Polypheides, desselben geschlechts, von Apoll zum μάντις bestimmt. Od. 15, 253. . dahin gehört der name Freysvinr , ags. Freávine , Bregovine für helden und könige (s. cap.  X . Frôwin). nach Eyrbygg. p. 6. 8. 16. 26 war Rôlfr ein Thôrs vinr , er hatte auf einer aue einen hof dieses gottes und wurde darum Thôrôlfr genannt, seinen sohn Steinn widmete er ihm und nannte ihn Thôrsteinn, wiederum widmete Thôrsteinn seinen sohn Grimr dem gott und nannte ihn Thôrgrimr, durch dies hingeben (gefa) wurde die bestimmung zum gođi oder priester ausgesprochen. Hallstein (nach Landn. 2, 23) gab seinen sohn dem Thôrr zum gođi. Man sieht, daß der priesterstand durch gewisse geschlechter fortgeführt wurde Nachtrag: Der nordische priesterstand wurde durch gewisse geschlechter fortgeführt, der gođi durfte also heirathen, wie ursprünglich der christliche episcopus und diaconus (1. Tim. 3, 2. 12. Walters kirchenrecht s. 218.) und der indische brahmane. aber der preuß. waidlot oder waidler muste enthaltsam leben. Nesselmann s. XV (über waidleimai und waidlotten s. Nesselmann s. 141). die bestimmung zum priesterstand hieß altn. signa gođom , oder gefa , wenn auch aus dem letzten ausdruck nicht immer der priesterstand scheint gefolgert werden zu dürfen. þeir voro gumna; gođom signađir . Saem. 117 b . gefinn Ođni. fornm. sög. 2, 168. enn gaf hann (Brandr) guđunum , ok var hann kallađr Guđbrandr . fornald. sög. 2, 6. sein sohn heißt Guđmundr, dessen sohn wieder Guđbrandr 2, 7. Gudbrandr ist ahd. Gotaberaht. gehört hierhin die fortpflanzung der weissage im geschlecht? (s.  926 ). . Aber auch Odysseus hieß Διΐ φίλος (Il. 10, 527). Αἴολος φίλος ἀϑανάτοισι ϑεοῖσι Od. 10, 2. doch der letzte wird Od. 10, 21 ταμίης ἀνέμων, also priester genannt. Wie genau das nord. priesteramt in die rechtspflege eingrif, bedarf hier keiner ausführung, in solcher eigenschaft scheinen die priester eine bedeutende wirksamkeit unter dem volk gehabt zu haben, während von ihrem politischen einflus an den königshöfen wenig die rede ist. man lese nur die Nialssaga. noch nach einführung des christenthums behielten die isländischen richter den namen und manche befugnisse der heidnischen gođar bei (Grâgâs 1, 109–113. 130. 165). Klöstern, aber auch landmeiern, zumal inhabern alter freistätten ( anm. 246. ) scheinen noch im MA. einzelne rechte zuständig, die sich auf den altheidnischen priesterstand zurückleiten lassen, wovon ich bei abhandlung der weisthümer ausführlich reden werde. so sollen sie für die ganze mark einen kessel , oder maß und gewicht , namentlich aber die zucht- oder wucherthiere halten, denen überall große gunst erwiesen wird Nachtrag: An den gott wurden theile der jagd und beute (s.  34 ), an priester und tempel abgaben entrichtet, woraus der zehnte entsprang. hoftollr heißt der an tempel zu zahlende zoll. fornm. sög. 1, 268. über priesterliche wohnorte s. GDS. 125. . Der gođi konnte zwar blôtmađr (sacrificulus), bliotr (Egilssaga s. 209) heißen, doch nicht alle blôtmenn waren priester, vielmehr 77 bezeichnete dieses wort jeden an den opfern theilnehmenden, später unter den Christen überhaupt die Heiden. zu jener stelle des Tacitus von dem paterfamilias stimmt, daß jedweder iarl oder hersir, wenn er schon kein priester war, ein opfer verrichten durfte. Saxo gramm. p. 176 erzählt von dem getauften Harald: delubra diruit, victimarios proscripsit, flaminium abrogavit. unter jenen versteht er wol blôtmenn, unter flamines die priester. p. 104 meldet er, bei den upsalischen opfern seien effoeminati corporum motus, scenicique mimorum plausus, ac mollia nolarum crepitacula vorgekommen, von chören und tänzen der priester weiß auch das griech. alterthum. Auf nachrichten über die kleidung der nordischen priester bin ich nicht gestoßen; fand zusammenhang der dichter mit ihnen statt? Bragi, gott des gesanges, hat nichts mit opfern zu thun. gleichwohl schien die dichtkunst ein heiliges, geweihtes geschäft: Ođin bediente sich gebundner rede, er und seine hofgođar heißen liođasmiđir (dichter). Yngl. saga cap. 6. sollte skâld (poeta, aber neutr.) sich berühren mit dem ahd. seltnen worte sgalto (sacer)? Diut. 1, 183, gl. ker. 69 scaldo. Selbst von christlichen sängern bald nach der bekehrung wird noch eins und das andere erzählt, was uns von heidnischen skalden überliefert ist. Wie nah grenzt poesie an weissagung, der vates ist sänger zugleich und weissager, weissagung war aber das amt der priester. Ammianus Marcellinus 14, 9 erwähnt alamannische auspices und Agathias 2, 6 μάντεις oder χρησμολόγοι ἀλαμαννικοί Nachtrag: Germanische weissagung scheint auch in Rom ansehen genossen zu haben. haruspex (Domitiano) ex Germania missus. Sueton. Domit. 16. überrest der heidnischen priester und priesterinnen sind die wahrsager, an welche sich auch nach der bekehrung das volk in gewissen fällen wandte. die lex Visig. VI. 2, 1 redet von ariolos , aruspices , vaticinantes consulere und VI 2, 5 execrabiles divinorum pronuntiationes intendere. salutis aut aegritudinis responsa poscere. Liutpr. 6, 30 ad ariolos vel ariolas pro responsis accipiendis ambulare und Liutpr. 6, 31 in loco ubi arioli vel ariolae fuerint. . Ulfilas scheut sich ein goth. wort für das häufig vorkommende προφήτης zu brauchen, er setzt immer praúfêtus, und für προφῆτις praúfêteis Luc. 2, 36. warum nicht veitaga, veitagô? diesmal sind die ahd. und ags. übertragungen kühner, sie geben wîzago , vîtega das î nach der nhd. form weissager, mhd. wîssage für wîzege, und gleich fehlerhaft weissagen, mhd. wîssagen Iw. 3097. (ahd. wîzagôn, ags. vitegian). . der priester, wenn er augurien und auspicien vorstand, war ein veitaga? vgl. inveitan s.  24 . Die altn. benennung ist spâmadr , und der prophetin (ags. vîtegestre) spâkona . Solche weissager waren Mîmir und Grîpir . in altfranz. gedichten heißen sie devin (divini, divinatores), was nicht selten mit dem begrif der dichter zusammenfließt: uns devins, qui de voir dire est esprovez (Méon 4, 145); ce dient li devin . Ren. 7383 (wie Tristr. 1229 li contor dient) Nachtrag: Der altn. spâmađr heißt râđspakr . Saem. 175 a . oder framvîss wie der weissager Grîpir. Saem. 172 a . 175 a . þû fram um sêr . Saem. 175 a . b . farit er þaz ek forvissac 175 a . þû öll um sêr orlôg for. 176 b . Grîpir lŷgr eigi 177 b . Gevarus rex, divinandi doctissimus, industria praesagiorum excultus. Saxo gramm. s. 115. (vgl. s.  863 . 926 .) der begriff von oraculum (was von den göttern erfragt, erbeten wird), vaticinium, divinatio wird durch das altn. frêtt wiedergegeben: frêttir sögđu. Saem. 93 . frêtta beiddi, oracula poposcis 94 a . geck til frêttar . Yngl. 21. die Griechen sagten: χρᾶσϑαι τῷ ϑεῷ beim gott anfragen. vgl. frelitan. anm. 124 . ahd. freht meritum. frehtîc meritus, sacer. ags. fyrht in den leg. Canuti. Thorpe s. 162. . Hier fragt es sich nach den weissagerinnen, priesterinnen des alterthums. Das mundium, worin tochter, schwester, frau standen, scheint sie in der ältesten, heidnischen zeit nicht von heiligen ämtern wie z. b. vom opfer Nachtrag: Am opfer scheinen germanische weiber theil genommen zu haben (s.  47 ), frauen opfern vor dem heer des thrakischen Spartakus (um 67 vor Chr.), der auch Germanen bei sich hatte. Plutarch. Crassus cap. 11. dagegen waren die frauen davon ausgeschlossen bei Römern s.  96 , bei Tscheremissen s.  1033 , bei Lappen Klemm 3, 87, bei Buriäten Klemm 3, 111. 113. und von bedeutendem einfluß auf das volk auszuschließen. Tacitus, nachdem er, wie gewaltig deutsche frauen auf die tapferkeit der krieger einwirken, und daß die Römer von 78 einzelnen völkern zu größerer sicherheit edle jungfrauen fordern, gesagt hat, fügt hinzu: inesse quin etiam sanctum et providum (feminis) putant wilde kraft der phantasie. und was man den zustand des hellsehens nennt, hat sich vorzüglich in frauen gezeigt. , nec aut consilia earum aspernantur, aut responsa negligunt. Schon Jul. Caesar 1, 50: quod apud Germanos ea consuetudo esset, ut matres fam. eorum sortibus et vaticinationibus declararent, utrum proelium committi ex usu esset, nec ne; eas ita dicere; non esse fas Germanos superare, si ante novam lunam proelio contendissent Nachtrag: Eine druias gallicana vaticinans wird erwähnt von Vopiscus in Aureliano 44, Numeriano 13. 14, Lampridius in Alex. Severo 60. dem Drusus tritt eine species barbarae mulieris humana amplior entgegen. Sueton. in Claudio cap. 1, Dio Cassius 55, 1. Chatta mulier vaticinans . Sueton. in Vitellio cap. 14. Veleda erhält geschenke: Mumius Lupercus inter dona missus Veledae. Tac. hist. 4, 61. sie ist als göttin in eine neuere volkssage gebracht. Firmenich 1, 334. 335. über Albruna vgl. Haupts zeitschr. 9, 240. von Jettha erzählt man in der Pfalz, sie habe im wald einen stein gesucht und behauen. wer auf den gefeiten stein tritt, muß sich an dem ort niederlassen, kann nicht mehr fort. Nadler s. 125. 292. sie erscheint wie Pallas als städtegründerin. gleich Veleda hat Brynhild ihre halle auf einem berg und sitzt im thurm . Völs. s. cap. 25. Hother geht in den wüsten wald zu wahrsagerinnen und bescheidet dann das volk in edito montis vertice . Saxo gramm. s. 122. die weiße frau der fürstenhäuser erscheint auf schloßthürmen . die witte Dorte wohnt im thurm . Müllenhoff s. 344. wenn unglück naht, wächst der Pedasensenpriesterin ein bart. Herod. 1, 175. 8, 104. Frauen schneiden und lesen runen: Kostbera kunni skil rûna Saem. 252 a , reist rûna Saem. 252 b . Ornŷ reist rûnar â kefli. fornm. sög. 3, 109. 110. (sie war stumm geboren s. 107) auch im MA. verstehn sich frauen vorzugsweise auf schreiben und lesen . RA. 583. . Keinen namen eines germanischen vates hat die geschichte aufbewahrt, aber mehrerer wahrsagerinnen. Tac. Germ. 8: vidimus sub divo Vespasiano Veledam (als gefangene im triumph), diu apud plerosque numinis loco habitam. hist. 4, 61: ea virgo nationis bructerae, late imperitabat , vetere apud Germanos more, quo plerasque feminarum fatidicas , et augescente superstitione arbitrantur deas . tuncque Veledae auctoritas adolevit: nam ›prosperas Germanis res et excidium legionum‹ praedixerat. 4, 65 als die Cölner mit den Tenctern ein bündnis schließen sollten, entboten sie: arbitrum habebimus Civilem et Veledam apud quos pacta sancientur. Sic lenitis Tencteris legati ad Civilem et Veledam missi cum donis, cuncta ex voluntate Agrippinensium perpetravere. sed coram adire, alloquique Veledam negatum. arcebantur aspectu, quo venerationis plus inesset. ipsa edita in turre ; delectus e propinquis consulta responsaque , ut internuntius numinis portabat. 5, 22: praetoriam triremem flumine Luppia donum Veledae traxere. 5, 25: Veledam propinquosque monebat. in den verlornen capiteln des fünften buchs wäre vermutlich ihre gefangenschaft erzählt Statius silv. I. 4, 90: captivaeque preces Veledae ; er scandiert die ersten beiden silben kurz, und das scheint richtiger, als des Cassius Dio βελῆδα. Zeuß 436 will Βελέδα Βελίδα = Vilida . Graff 1, 800 hat ein n. pr. Wallodu . ich vergleiche den goth. frauennamen Valadamarca bei Jornandes cap. 48, und den thüring. ortsnamen Walada bei Pertz I, 308. . Dieser Veleda giengen andere voran: sed et olim Auriniam (schwerlich übertragung eines deutschen namens, wie etwa des altn. Gullveig; man mutmaßt auch Aliruna, Ölrôn, Albruna ) et complures alias venerati sunt, non adulatione nec tamquam facerent deas. Germ. 8. Eine spätere, namens Ganna , führt Cassius Dio 67, 5 an Γάννα (al. Γαῦνα) παρϑένος μετὰ τὴν Βελῆδαν ἐν τῇ Κελτικῇ ϑειάζουσα, vgl. den mannsnamen Gannascus ann. 11, 18, 19; das fem. Ganna , dat. Gannane, noch in einer lothr. urk. von 709. Don Calmet ed. 1728. tom. 1. preuves p. 265. ; im jahr 577 zog Gunthcramnus eine frau ›habentem spiritum phitonis , ut ei quae erant eventura narraret‹ zu rath (Greg. tur. 5, 14. bei Aimoin 3, 22 heißt sie mulier phytonissa d. i. πυϑώνισσα); einer noch weit jüngeren Thiota , die aus Alamannien nach Mainz gekommen war, gedenken fuldische annalen 79 im jahr 847 (Pertz 1, 365) überlieferungen, die Hubertus Thomas aus Lüttich, geheimschreiber des kurfürsten von der Pfalz, nach seinem buche de Tungris et Eburonibus. 1541 von einem alterthumsforscher Joan. Berger aus altem buche (libello vetustissimis characteribus descripto) empfangen haben will, und in seiner abhandl. de Heidelbergae antiquitatibus mittheilt, erzählen: quo tempore Velleda virgo in Bruchteris imperitabat, vetula quaedam, cui nomen Jettha eum collem, ubi nunc est arx heidelbergensis et Jetthae collis etiam nunc nomen habet, inhabitabat, vetustissimumque phanum incolebat, cujus fragmenta adhuc nuper vidimus, dum comes palatinus Fridericus factus elector egregiam domum construxit, quam novam aulam appellant. Haec mulier vaticiniis inclyta, et quo venerabilior foret, raro in conspectum hominum prodiens volentibus consilium ab ea petere, de fenestra, non prodeunte vultu, respondebat . et inter cetera praedixit, ut inconditis versibus canebat, suo colli a fatis esse datum, ut futuris temporibus regiis viris, quos nominatim recensebat, inhabitaretur, coleretur et ornaretur, vallisque sub ipsa multo populo inhabitaretur et templis celeberrimis ornaretur. Sed ut tandem fabulosae antiquitati valedicamus, lubet adscribere quae is liber de infelici morte ipsius Jetthae continebat. Egressa quondam amoenissimo tempore phanum , ut deambulatione, recrearetur, progrediebatur juxta montes , donec pervenit in locum, quo montes intra convallem declinant et multis locis scaturiebant pulcherrimi fontes, quibus vehementer illa coepit delectari, et assidens ex illis bibebat, cum ecce lupa famelica cum catulis e silva prorupit, quae conspectam mulierem nequicquam divos invocantem dilaniat et frustatim discerpsit, quae casu suo fonti nomen dedit, vocaturque quippe in hodiernum diem fons luporum , ob amoenitatem loci omnibus notus. Es wird jetzt kaum angehen, zu scheiden was hierin echte sage sein kann und was die gelehrsamkeit des 16 jh. zur verherrlichung der neuerbauten pfalz Heidelberg (= Heidberg) zudichtete; selbst das fenster auf dem hügel mag dem thurm der Veleda nachgebildet scheinen, obgleich auch Brynhild auf dem felsen wohnt und einen hohen thurm hat (Völs. saga cap. 20. 24. 25), vgl. Menglöđ (ahd. Maniklata?) mit neun jungfrauen zu ihren knien auf dem felsen (Sæm. 110. 111). Wäre der zauberin name statt Jettha Heida , so würde das zu der örtlichkeit besser stimmen, und vielleicht das altn. Heiđr darin wiederklingen. . wie Cassandra den untergang von Troja verkünden unsere weissagerinnen das ende der welt (s. unten) und Tacitus ann. 14, 32 erwähnen britischer druidinnen mit den worten: feminae in furore turbatae adesse exitium canebant vgl. 14, 30. in Völuspâ liegt uns aber das erhabenste beispiel vor. Jene grauhaarigen, barfußen wahrsagerinnen der Cimbern bei Strabo (vorhin s.  45 ), in weißem gewand, linnenem wamms und mit ehernen spangen gegürtet, die gefangnen im kriege schlachtend und aus dem blut im opferkessel weissagend, erscheinen wie grauenhafte hexen gegenüber der bructerischen jungfrau; neben der divination üben sie zugleich priesterliches amt. ihrer genau geschilderten kleidung müsten wir die der priester vergleichen können. Zwar im dienste der göttin (Tac. Germ. 40) zeigt sich gerade ein priester , der ihr wagengespann lenkt, umgekehrt treten nordische dienerinnen der götter auf. aus einer merkwürdigen, vom christlichen verfasser sichtbar gehässig dargestellten erzählung der Olaf Tryggv. saga (fornm. sög. 2, 73 ff.) läßt sich wenigstens entnehmen, daß in Schweden Freys unter dem volk umziehenden wagen eine jungfrau begleitete: Frey var fengin til þionosto kona 80 ûng ok frîd, sie wird genannt kona Freys. Sonst heißt eine priesterin gyđja , hofgyđja , ganz nach gođi, hofgođi könnte das nhd. götte, gothe, goth für taufpathin (susceptrix e sacro fonte) von einem ähnlichen heidn. ausdruck übrig geblieben sein? Morolt 3184 gode von der getauften jungfrau. , vgl. Turiđr hofgyđja. Islend. sög. 1, 205. þorlaug gyđja Landn. 1, 21. Steinvör und Fridgerđr. sagabibl. 1, 99. 3, 268. Aber auch die nordischen quellen heben weniger das priesterliche amt der frauen, als ihre gleichsam höhere gabe der weissagung hervor. perita augurii femina. Saxo gr. 121. Valdamarr konûngr âtti môđur miök gamla ok örvasa, svâ at hun lâ î rekkju, en þo var hun framsŷn af Fîtons (Pythons) anda , sem margir heiđnir menn. fornm. sög. 1, 76. Hierher scheint die in den begrif eines übernatürlichen, höheren wesens, wie dort bei Veleda, greifende benennung dîs (nympha, numen) gehörig. vielleicht nicht zufällig heißt die spâkona verschiedentlich Thôrdîs (Vatnsd. p. 186 ff. fornm. sög 1, 255. Islend. sög. 1, 140. Kormakkss. p. 204 ff.), dîs aber, ein uraltes wort, dem ich früher das goth. filudeisei (astutia, dolus) verglichen habe, scheint nichts anders als das ahd. idis , alts. idis , ags. ides (femina, nympha). Gleich berühmt und verbreitet war der name völva , der allgemein eine zauberhafte wahrsagerin (Vatnsd. p. 44. fornm. sög. 3, 214. fornald. sög. 2, 165. 166. 506) bezeichnet, und dann auf eine bestimmte mythische Völva geht, von welcher eins der ältesten eddischen lieder Völuspâ handelt. entweder steht hier völu für völvu, oder es läßt sich die ältere form Vala (gen. Völu) behaupten, beiden würde ein ahd. Walawa oder Wala, das an jenes nur anders abgeleitete Walada mahnen kann, entsprechen. in der saga Eiriks rauda tritt Thorbiörg , die kleine Vala auf (edda Sæm. hafn. 3, 4). Heiđr heißt nicht bloß die völva der edda (Sæm. 4 b vgl. 118 a ), sondern auch die der Orvaroddssaga; vgl. sagabibl. 3, 155. Hyndla (canicula) die auf wölfen reitende, in der höle wohnende weissagerin. ich vermute, auch die jungfrauen Thorgerđr und Irpa (fornm. sög. 2, 108 3, 100. 11, 134–137, 142. 172), denen fast göttliche ehre widerfuhr und der beiname hörgabrûđr (nympha lucorum), aber auch der name guđ (numen) Nialss. cap. 89 gegeben wurde, sind aus dieser reihe nicht auszuschließen. ebenso ist in den valkyrien außer dem göttlichen zugleich etwas priesterliches, man erwäge ihre jungfräulichkeit (s. cap.  XVI . Nachtrag: Zu den nordischen wahrsagerinnen gehören noch Grâa völva . Sn. 110 und Göndul fornald. s. 1, 398. 402, eine valkyrie, deren name wol von gandr (s. 880. 348) abzuleiten ist. Thorgerđr und Irpa heißen neben hörgabrûđr auch Hölgabrûđr nach ihrem vater Hölgi. (kl. schr. 4, 278. 279. s.  94 ). eine slavische pythonissa geht dem heer mit dem sieb voran (s.  931 ), slavische wahrsagerinnen erwähnt Saxo gramm. 827. vgl. die altpreuß. waidlinne. Nesselmann vorr. s. 15. ). Wir werden auf die, nach einem tiefen zug unserer mythologie, in das übermenschliche streifenden klugen und weisen frauen und noch andere ihnen zuständige namen zurückkommen; hier sollte ihr zusammenhang mit opfern, weissagung und priesterthum dar gethan werden. 81 Cap. VI. Götter. Jetzt scheint die untersuchung, ob für die älteste zeit in Deutschland wirkliche götter zu behaupten seien, völlig vorbereitet. alle zweige unserer sprache haben die selbe allgemeine benennung der gottheit gekannt und bis auf den heutigen tag beibehalten; alle oder doch die meisten, insofern mangelhaftigkeit der quellen zeugnisse vervollständigen läßt, zeigen gleiche oder wenig abweichende ausdrücke für die heidnischen begriffe des cultus, des opferns, der tempel und des priesterthums. Besonders leuchtet unverkennbare analogie hervor zwischen dem altnordischen sprachgebrauch und den viele jahrhunderte älteren überlieferungen der anderen dialecte: die nordischen æsir, blôta, hörgr, gođi waren den Gothen, Alamannen, Franken Sachsen längst vorher, und in dem nemlichen sinn, bekannt. aber einstimmung und ähnlichkeit erstrecken sich über die wörter hinaus auf die gebräuche selbst; in heiligen hainen wurden die ältesten menschen und thieropfer dargebracht, priester leiteten opfer und weissagungen, weise frauen genossen beinahe göttliches ansehen. Der beweis, den die gleichheit der sprache an hand gibt, ist für sich schon hinlänglich und entscheidend. wenn verschiedene abtheilungen eines volks eine und die selbe sprache reden, haben sie auch so lange sie ihrer natur überlassen bleiben und nicht gewaltsamen einfluß von außen her ausgesetzt sind, immer gleiche weise des glaubens und der gottesverehrung. Das deutsche volk liegt mitten zwischen Celten, Slaven, Litthauern, Finnen, lauter völkerschaften, die götter erkennen und eines geordneten cultus pflegen. slavische völker, in weit entlegene gebiete verbreitet, haben ihre hauptgötter gemeinschaftlich. wie sollte es in Deutschland anders sein? Beweise für die echtheit der nordischen götterlehre zu fordern, darüber sind wir endlich hinaus. jede critik lähmt und zerstört sich, die damit anhebt zu leugnen oder zu bezweifeln, was in einer unter dem volk lebendig gebornen und fortgepflanzten poesie und sage enthalten ist, und vor augen liegt. sie hat es lediglich zu sammeln, zu ordnen und die bestandtheile in ihrem geschichtlichen stufengang zu entwickeln. Billigerweise darf also nur in frage gestellt werden, ob die unbestreitbaren götter des Nordens auch für das übrige 82 Deutschland gelten? sie im allgemeinen zu bejahen scheint nach den vorausgehenden ergebnissen unserer forschung aller grund vorhanden und beinahe nothwendig. Eine verneinende antwort, wenn sie sich recht begriffe, hätte zu behaupten, daß die nordische götterreihe, ihrem wesen nach, ehemals auch dem innern Deutschland gemein, durch die frühere bekehrung hier vernichtet und erloschen sei. aber eine menge ausnahmen und zurückgebliebener spuren würden die behauptung einschränken, und was noch aus ihr gezogen werden möchte bedeutend verändern. Man hat inzwischen auf ganz andere weise zu verneinen gesucht und die ansicht aufgestellt, jene gottheiten seien sonst in Deutschland überhaupt niemals vorhanden gewesen und dessen ältesten einwohnern nichts als ein grober, götterloser naturdienst eigen . Diese meinung, eine wesentliche unterscheidung zwischen germanischem und scandinavischem heidenthum machend, und alle spuren miskennend, welche sich unbefangner forschung als unverwerfliche zeugen für die gemeinschaft beider zweige eines volks ergeben, legt vorzügliches gewicht auf einige äußerungen, die etwa seit dem sechsten jahrhundert über die beschaffenheit des heidnischen glaubens vorkommen. meistentheils rühren sie her aus dem munde eifriger Christen, denen es gar nicht angelegen war, das angefeindete heidenthum kennen zu lernen oder darzustellen, die vielmehr davon ausgiengen. vor dem rohesten erscheinungen seines cultus als verabscheuungswürdigem greuel zu warnen. Es wird erforderlich sein die hauptsächlichsten stellen in ihrer einförmigkeit und einseitigkeit zu überblicken. Agathias († vor 582), selbst ein neubekehrter Grieche, der was er von fernen Alamannen vernommen hatte, nur aus christlichgefärbten berichten wissen konnte, stellt den alamannischen cultus, gegen über dem fränkischen, so dar: δένδρα τε γάρ τινα ἱλάσκονται καὶ ῥεῖϑρα ποταμῶν καὶ λόφους καὶ φάραγγας, καὶ τούτοις ὥσπερ ὅσια δρῶντες. 28, 4. darauf folgen die s.  38 angeführten worte über ihre pferdeopfer. Aber sein gegensatz zu den Franken geht schon verloren, wenn wir von diesen aus Gregors, ihres ersten geschichtschreibers, munde fast ganz das nemliche versichern hören: sed haec generatio fanaticis semper cultibus visa est obsequium praebuisse, nec prorsus agnovere deum (den wahren), sibique silvarum atque aquarum, avium, bestiarumque et aliorum quoque elementorum finxere formas, ipsasque ut deum colere eisque sacrificia delibare consueti. Greg. tur. 2, 10. Ähnlich von den Sachsen Einhard in der vita Caroli cap. 7: sicut omnes fere Germaniam incolentes nationes et natura feroces et cultui daemonum dediti, nostraeque religioni contrarii. Ruodolf von Fuld, nachdem er Tacitus und Einhard 83 ausgeschrieben hat, fügt noch hinzu (Pertz 2, 676): nam et frondosis arboribus fontibusque venerationem exhibebant den Ruodolf schreibt Adam von Bremen wieder ab. Pertz 9, 286. , und erwähnt dann der Irminsûl, von welcher ich im verfolg handeln werde. Endlich versichert von den Holsteinern Helmold 1, 47: nihil de religione nisi nomen tantum christianitatis habentes. nam lucorum et fontium, ceterarumque superstitionum multiplex error apud eos habetur. . . . Vicelinus . . lucos et omnes ritus sacrilegos destruens cet. Ganz in solchem sinne gefaßt sind auch die verbote heidnischer und abgöttischer gebräuche in den concilienschlüssen und gesetzen. conc. autissiod. a. 586. can. 3: non licet inter sentes aut ad arbores sacrivos vel ad fontes vota exsolvere; vgl. conc. turon. II. a. 566 can. 22. leges Liutpr. 6, 30: simili modo et qui ad arborem, quam rustici sanguinum (al. sanctivam, sacrivam) vocant atque ad fontanas adoraverit. capit. de partibus Sax. 20: si quis ad fontes aut arbores vel lucos votum fecerit, aut aliquid more gentilium obtulerit et ad honorem daemonum comederit. Und die bekehrer, die christlichen geistlichen hatten jahrhunderte lang wider den fast unausrottbaren unfug zu eifern. es genügt bloß aus den actis Bened. sec. 1. p. 668 auf die predigten des Caesarius episcopus arelatensis († 542) contra sacrilegos et aruspices, contra kalendarum quoque paganissimos ritus, contraque augures lignicolas, fonticolas zu verweisen. Alle diese stellen enthalten keine unwahrheit, nur nicht die ganze wahrheit. Götterlosigkeit des deutschen heidenthums thun sie unmöglich dar; einmal weil sie aus zeiten herrühren, wo das heidenthum nicht mehr frei und ungestört waltete, sondern von der neuen lehre heftig angefeindet, größtentheils überwältigt war. seine allgemeine übung hatte aufgehört, einzelne anhänger hegten es schüchtern in verstolen beibehaltenen gebräuchen; daneben gab es Christen, die aus einfalt oder irthum fortfuhren abergläubische ceremonien, neben den christlichen zu treiben. verrichtungen auf solche weise hin und wieder unter dem gemeinen haufen unvertilgt, aber aller ordnenden leitung heidnischer priester entzogen, musten sich schnell vergröbern und nun als rohe überbleibsel eines älteren glaubens erscheinen, den man nicht nach ihnen ermessen kann. So wenig in teufeln und hexen der späteren zeit die uns verhüllten höheren, reineren vorstellungen des alterthums zu miskennen sind, so wenig dürfen wir scheu tragen, jene paganien auf die ungetrübte quelle der vorzeit zurück zu leiten. verbote und predigten hielten sich streng an die practische seite der sache und hatten gerade ihr absehen auf die letzten verhaßten überreste des falschen glaubens. Eine stelle in Cnuts ags. gesetzen (Schmid 1, 150) lehrt, daß der 84 quellen und baumdienst anbetung der götter an sich nicht ausschließe: hæđenscipe biđ, þät man deofolgild veorđige, þät is, þät man veorđige hæđene godas, and sunnan ođđe mônan, fŷre ođđe flôdväter, vyllas ođđe stânas ođđe æniges cynnes vudutreova vgl. homil. 1, 366. ganz ebenso heißt es fornm. sög. 5, 239 von Olaf dem heiligen, daß er die heidnischen opfer und götter getilgt habe: ok mörg önnur blôtskapar skrîmsl, bæđi hamra ok hörga, skôga, vötn ok trê ok öll önnur blôt, bæđi meiri ok minni. Es kann aber noch ein anderer grund gedacht werden, warum die vielleicht unverschollenen heidnischen götter bei solchen anlässen verschwiegen bleiben; christliche geistliche scheuten sich ihre namen auszusprechen, ihre verehrung näher zu beschreiben. rathsam erschien, sie unter der allgemeinen benennung von dämonen oder teufeln zu begreifen, und ihre wirksamkeit durch eingeschärfte verbote dessen, was sich von ihrem cultus zuletzt erhalten hatte, vollends zu zerstören. Die Merseburger gedichte zeigen, wie ausnahmsweise in beschwörungsformeln dennoch die namen einzelner götter fortgepflanzt werden konnten. Auf keinen fall lassen sich darstellungen des gesunkenen, zerfallenden heidenthums den nachrichten zur seite setzen, die uns fünf bis acht jahrhunderte früher Tacitus von ihm, da es noch in seiner vollen kraft bestand, gegeben hat. Zeugt die in der gewohnheit des volks haftende anbetung der bäume und flüsse nicht mehr für das dasein der götter, wie laut kündigen es unvollständige und mangelhafte mittheilungen des fremden Römers an. wenn er ausdrücklich redet von einem deus terra editus, von helden und abkömmlingen des gottes (plures deo ortos), von dem gott, der die kriege lenkt (velut deo imperante), von den namen der götter ( deorum nominibus), die das volk auf heilige haine übertrug, von dem priester, der keine weissagung beginnt, ohne die götter anzuflehen (precatus deos ) und sich für den diener der götter (ministros deorum ) hält, von einem regnator omnium deus , von den göttern Deutschlands (Germaniae deos in aspectu. hist. 5, 17), von den diis patriis, denen die eroberten signa romana aufgehängt wurden (ann. 1, 59), penetrales Germaniae deos , dii penates (ann. 2, 10. 11, 16), communes dii (hist. 4, 64) und conjugales dii (Germ. 18) sondert, wenn er auch einzelne gottheiten unterscheidend römische namen auf sie anzuwenden sucht und (interpretatione romana) einen Mars, Mercurius, Hercules, Castor und Pollux, eine Isis nennt, ja für den deus terrâ editus und dessen sohn, für eine göttin, terra mater den deutschen ausdruck beibehält; wer vermag da zu leugnen, daß in jener zeit die Deutschen leibhafte götter verehrten? wie läßt sich, alles andere, was wir von der sprache, der freiheit, den sitten und tugenden der Germanen wissen, hinzugenommen, der gedanke festhalten, sie hätten in dumpfem fetischismus versunken sich vor klötzen und pfützen niedergeworfen und ihnen rohe anbetung erwiesen? 85 Caesars meinung deorum numero eos solos ducunt, quos cernunt, et quorum opibus aperte juvantur, Solem et Vulcanum et Lunam , reliquos ne fama quidem acceperunt. B. G. 6, 21. auch halte man dazu B. G. 4, 7, wo die Usipetes und Tenchtheri zu Caesar sagen: sese unis Suevis concedere, quibus ne dii quidem immortales pares esse possint. , der die Deutschen oberflächlicher kannte, als hundert jahre nachher Tacitus, darf der wahrheit keinen abbruch thun; er will unsere vorfahren den Galliern, mit denen er vertrauteren verkehr gepflogen hatte, entgegenstellen; und die personificationen der sonne, des feuers, des mondes, worauf er die zahl aller götter beschränkt, ertragen kaum gezwungene ›römische auslegung‹. Setzen wir Apoll und Diana an die stelle der sonne und des mondes, wie wenig entsprächen sie gerade der festgewurzelten eigenthümlichkeit deutscher vorstellungsweise, worin jene als weibliches, dieser als männliches wesen aufgefaßt wird, und die schon der beobachtung des Römers, wenn sie tiefer eingedrungen wäre, nicht hätte entgehen dürfen. Vulcan, dem nord. Loki vergleichbar, eine der gottheiten, von der sich in dem übrigen Deutschland die geringste spur zeigt, hatte ohne zweifel weniger begründung, als die gleich sichtbaren und hilfreichen götter der nährenden erde, und des labenden, fischreichen, schiffetragenden wassers. ich kann Caesars worte für nichts als eine halbwahre, allgemeingehaltene ansicht nehmen, die gegen Tacitus bestimmtere aussage weder andere götter verdächtigen, noch viel weniger einen bloßen elementardienst unter den Germanen darthun mag. Alle nachrichten, die uns für das alte dasein einzelner götter gewähr leisten, zeugen zugleich nothwendig von ihrer menge und wechselseitigen verbindung. Schreibt Procop den Herulern einen πολὺς ϑεῶν ὅμιλος zu, so wird diese schaar auch für die Gothen gelten, von denen wir gerade das wenigste einzelne wissen, und für sämtliche Germanen insgemein. Nach Jornandes sollte man glauben, daß erst Diceneus die Gothen mit göttern bekannt gemacht habe, cap. 11: elegit ex eis tunc nobilissimos prudentiores viros, quos theologiam instruens numina quaedam et sacella venerari suasit; offenbar fällt hier das licht auf den herscher, der den dienst einzelner götter förderte. doch daß auch Jornandes seinen Gothen unbedenklich einheimische götter zutraute, folgt aus cap. 10: unde et sacerdotes Gothorum aliqui, illi qui pii vocabantur, subito patefactis portis cum citharis et vestibus candidis obviam sunt egressi paternis diis , ut sibi propitii Macedones repellerent voce supplici modulantes. was hier zum grunde liegt, kann den wahren Gothen sogar völlig fremd gewesen sein, und doch ergibt sich daraus des Jornandes ansicht. Und will man noch ein zeugniss für einen andern, am ganz entgegengesetzten ende liegenden deutschen volksstamm, der mit großer treue dem hergebrachten glauben anhieng, so liefert es uns die lex Frisionum addit. tit. 13, wo von der strafe der tempelschänder die rede ist: immolatur diis , quorum templa violavit. 86 Wir sind nunmehr zu folgendem resultat gelangt. in dem ersten jahrhundert unserer zeitrechnung beruhte die religion der Deutschen wesentlich auf göttern; tausend, zwölfhundert jahre später hat sich unter dem nördlichen volkstheil, der seinen angestammten glauben zuletzt für den neuen hingab, das alte göttersystem am vollständigsten bewahrt. an beiden endpuncten des heidenthums, da, wo es in der geschichte für uns auftritt, und untergeht, haftet durch sprache und nie abgebrochene überlieferung das mittlere Deutschland vom fünften bis zum neunten jahrhundert. um diese zeit erscheinen uns die gestalten der heidengötter in dem schwachen und feindseligen licht, das berichte der neubekehrten auf sie werfen, erblichen und verworren, immer aber noch als götter. Es muß hier wiederholt werden, daß Tacitus von keinem simulacrum , von keinem nach menschlicher gestalt geformten bilde griech. ἄγαλμα, signum, bildseule: goth. manleika , ahd. manalîhho , altn. lîkneski Nachtrag: Das goth. manleika , ahd. mannalîhho , mit dem sich das griech. ἀνδριάς vergleichen läßt, findet sich noch im mhd. wehsîne manlîch . fundgr. 2, 123. guldîn manlîch . Servat. 2581. apud manlîcha (ort, wo ein bild stand) notizenbl. 6, 168. , sollte aus manleika das sloven. malik götze entsprungen sein? böhm. ist malik der kleine finger und däumling, was sich mit götze berühren kann. ein anderer ahd. ausdruck war avara . piladi , pilidi ist allgemein effigies, imago; man sagte im mittelalter für erschaffen, bilden (s.  19 ) ein bilde giezen , ein schoene juncfrouwen ergiezen cod. vindob. 428 num. 211, ohne daß sich dabei an guß aus metall denken läßt; ein bilde mezzen . Troj. 19626. mezzen. misc. 2, 186. Bemerkenswerth ist das litth. balwonas , idolum, statua, vgl. Pott de ling. litth. 2, 51 und russ. bolwan, ung. balvany; ferner das russ. kumir , götze und idol. germanischer götter weiß; was er cap. 9 im allgemeinen gesagt hatte, versichert er cap. 43 für den besondern fall, und wir haben keine ursache dieser versicherung glauben zu verweigern. das wirkliche dasein von bildseulen zu jener zeit in Deutschland, wenigstens dem ihnen zunächst bekannten theile, wäre erkundigungen der Römer kaum entgangen. Nichts kennt er als signa und formas , wie es scheint, geschnitzte und gefärbte, die zu der gottesverehrung symbolisch gebraucht und bei gewissen anlässen herumgetragen wurden; wahrscheinlich enthielten sie irgend eine beziehung auf die natur und das wesen einzelner götter. das signum in modum liburnae figuratum (cap. 9) bezeichnete die schiffende gottheit, die formae aprorum (cap. 45) den gott, dessen geheiligtes thier der eber war, und so zu nehmen sind die ferarum imagines an bäumen und bei gewissen opfern Nachtrag: Tacitus weiß zwar von keinem nach menschlicher gestalt geformten bilde, er kennt nur signa und formas. effigies que et signa quaedam detracta lucis in proelium ferunt. Tac. Germ. 7. (s.  57 ). vgl. vargr hângir fyr vestan dyr ok drûpir örn yfir. Sæm. 41 b . doch scheint Germ. cap. 40 der von der göttermutter im bade gebrauchte ausdruck: numen ipsum, freilich mit dem zusatz: si credere velis, auf ein götterbild zu zielen. . Von dem mit gewändern zugedeckten vehiculum der göttin Erde wird hernach geredet werden. Die abwesenheit der bildseulen und tempel ist, bei dem unvermögen aller kunstfertigkeiten in jener periode eine der betrachtung willkommne und vortheilhafte eigenschaft des germanischen cultus. nur folgt daraus sicher nicht, daß in der damaligen vorstellung die götter menschähnlicher gestaltung ermangelt hätten; ohne das wären götter, denen menschliche begebenheiten beigelegt wurden und die der mensch in stete berührung mit sich setzt, rein undenkbar. Waren damals schon, was ich eher behaupte, als 87 leugne, deutsche poesien vorhanden, wie hätten die dichter den gott anders dargestellt als in menschlichem aussehen? Versuche, götterbilder zu fertigen, und wo nicht auszuhauen oder zu schnitzen, wenigstens zu zeichnen und zu malen, oder ganz roh aus mehl zu backen (s.  51 ), konnten gleichwol in jeder zeit und bereits in der frühsten gemacht werden; es bleibt möglich, daß das innere, den Römern minder zugängliche Deutschland, tempel, bildseulen und zeichnungen hin und wieder bewahrte. in den folgenden jahrhunderten, als sich die tempelbauten mehrten, müssen aber auch mit größter wahrscheinlichkeit bilder, die ihren raum erfüllten, angenommen werden. Der sprachgebrauch, wo nicht die keinen zweifel gestattenden ausdrücke simulacra oder imagines angewendet sind, bedient sich einzelner wörter, deren sinn schwankt, und aus dem begriffe des tempels in den des bildes übergeht, eben wie früher die bedeutung des hains sich mit dem des numens mischte. wenn vielleicht jenes alah stein oder felsen ausdrückte (s.  53 ), so konnte es wie haruh und wih leicht übergehn in den begrif von steinbett und bildseule, von ara, fanum, idolum. auf solche weise bezeichnet das ahd. abcut , abcuti bald fana, bald idola und statuae. Diut. 1, 497 b 513 a 515 a 533 b ; nicht anders als nhd. götze zugleich den abgott, sein bild und seinen tempel (oben s.  12 . gramm. 3, 694). gleiche zweideutigkeit mag idolum haben, wo es nicht ausdrücklich von delubrum, fanum und templum unterschieden wird. wenn es im allgemeinen heißt: idola colere, idola adorare, idola destruere, folgt daraus allein nicht, daß bilder gemeint sind, denn es wird gleich häuflg und in dem selben sinn gesagt adorare fana, destruere fana. man erwäge noch folgende aus ahd. glossen entnommne ausdrucksweisen: abcuti wîhero stetio, fana excelsorum. Diut. 1, 515 a ; abcut in heilagêm stetim, fana in excelsis. Diut. 1, 213 a ; steinînu zeihan inti abcuti , titulos et statuas. Diut. 1, 497 b ; altara inti manalîhun inti haruga, aras et statuas et lucos. Diut. 1, 513 b ; afgoda begangana. Lacombl. arch. 1, 11. Saxo gramm. bedient sich oft des ausdrucks simulacra für götzenbilder, z. b. p. 249. 320. 321. 325. 327. Die nachricht in Aribonis vita s. Emmerammi (acta sanct. sept. 6, 483): ›tradidero te genti Saxonum, quae tot idolorum cultor existit ‹ ist ein unabweisbares zeugnis dafür, daß die heidnischen Sachsen im 8. jh. (der freisingische bischof Aribo fällt in die jahre 764–783) vielen abgöttern dienten. auch die zwischen 918–976 von Hucbald geschriebne vita Lebuini sagt von den alten Sachsen (Pertz 2, 361. 362): inservire idolorum cultibus . . . numinibus suis vota solvens ac sacrificia . . . simulacra , quae deos esse putatis, quosque venerando colitis . damit müssen doch bildseulen gemeint sein Nachtrag: In der ältesten zeit werden fetische, steine und stämme als götterbilder betrachtet. Gerhard metron. s. 26. gr. τὸ βρέτας , das bei Tragikern vorkommt, ist ein hölzernes götterbild vgl. εἰκών, nach Benfey 1, 511 aber ein thonbild. ξόανον , eigentlich schnitzbild von ξέω drechsle, schabe, bedeutet oft ein kleines bild, das einzelne bei sich führen, z. b. die Kleo. Paus. III. 14, 4. ἄγαλμα heißt ursprünglich zier, schmuck, dann auch bildseule. ζώδιον bild, eigentlich thierlein. Paus. III. 15, 8. bildseulen wurden aus gewissem holze gefertigt, ξόανον ἄγνου . aus der weide keuschlamm. Paus. III. 14, 7. vgl. evagator. Fel. Fabri 1, 156. 157: ramos de nobilissimo agno casto , so wie paternoster aus mistelholz beliebt waren. cum paupere cultu stabat in exigua ligneus aede deus. Tib. 1. 10, 20. Irisch heißt dealbh , deilbh , deilbhin , deilbhog , imago, statua, figura. neben dem böhm. modla idolum, das von modell oder von modliti stammt, kommt böhm. balwan block, klotz, götze, poln. bałwan , Miklos. bal'van' , walach. balavanu großer stein vor (vgl. anm. 284 ), wozu Garnett proceed. 1, 148 das armor. peulvan , a long stone erected, a rough unwrought column hält. ahd. avara (s.  96 ) heißt imago, statua, pyramis (irmansûl), pyra, ignis. Graff 1, 181. vgl. Criachesavara s.  247 . alts. avaro filius, proles. ags. eafora . schwankend bleibt immer im MA. der begriff idolum . so hieß ein gegenpapst Burdinus a. 1118. 1119 idolum . Pertz 8 , 254. 255. selbst idolis servire. Beda 2, 9. ist zweifelhaft, wenn man daemonicis cultibus servire. Beda 2, 5 daneben erwägt. . Einigemal kommt noch die edlere benennung deus , wie bei Tacitus, gebraucht vor: cumque idem rex (Edvine, im j. 625) gratias ageret diis suis pro nata sibi filia. Beda 2, 9. 88 Folgende stellen bezeugen bildliche darstellungen der götter; auf ihre beschreibung lassen sie sich nicht ein, wir sind froh nebenbei andeutungen zu erhaschen. Das älteste zeugniss führt erst in die zweite hälfte des vierten jh., ist aber sonst eins der merkwürdigsten. Sozomenus hist. eccl. 6, 37 gedenkt der vielfachen gefahren, in welchen Ulfilas unter den heidnischen Gothen schwebte: ἔτι τῶν βαρβάρων ἑλληνικῶς ϑρησκευόντων, ἑλληνικῶς bedeutet hier auf heidnische weise, und das ϑρησκεύειν (gottverehren) beschreibt er sogleich näher, indem er meldet, welche verfolgungen der Christen Athanarich († 382) unternommen habe. Athanarich befahl, die bildseule (offenbar des gothischen gottes) auf einem wagen (ξόανον | ἐφ' ἁρμαμάξης ἑστὼς) vor den wohnungen aller des christenthums verdächtigen herum zu führen; weigerten sie sich niederzufallen und zu opfern (προσκυνεῖν καὶ ϑύειν), so sollte ihnen das haus über dem haupt angezündet werden. unter ἁρμάμαξα denkt man sich einen verdeckten wagen; ist es nicht ganz das vehiculum veste contectum , worauf unsichtbar die göttin herumgeführt wurde (Tac. Germ. 40)? Nachtrag: Über Athanarichs götzendienst vgl. Waitz Ulfila. s. 43. 62. Claudianus de b. getico 528 läßt auch den Alarich (a. 402) ausrufen: non ita dî getici faxint manesque parentum! dem götterwagen Athanarichs vergleicht sich der sacer currus . Tac. Germ. 10. vgl. unten s.  272 . wagen von erz sind im grabe gefunden. Lisch meklenb. jahrb. 9, 373. 374. 11, 373. . nicht ganz das vagn , auf dem Freyr und seine priesterin saßen, wenn er zu heiliger zeit unter dem schwedischen volke umzieht (fornm. sög. 2, 74. 75)? Das volk pflegte verdeckte götterbilder durch die fluren umzutragen, denen dadurch fruchtbarkeit verliehen wurde de simulacro quod per campos portant (indic. superstit. cap. 28); eine vita s. Martini cap. 9 (Surius 6, 252): quia esset haec Gallorum rusticis consuetudo, simulacra daemonum, candido tecta velamine , misera per agros suos circumferre dementia. . selbst die karrâschen unserer gedichte des mittelalters, mit den sarazenischen göttern, das carroccio der lombardischen städte (RA. 263–265) scheinen nichts als spät fortdauernde erinnerung an jene uralten götterwagen des heidenthums. auch den römischen, griechischen, indischen göttern fehlen solche wagen nicht. Was uns Gregor. tur. 2, 29–31 von Chlodovichs taufe und den ihr vorhergegangenen begebenheiten meldet, ist sichtbar verziert, und namentlich halte ich die reden der königin für erdichtet; allein er hätte sie ihr schwerlich in den mund gelegt, wenn allgemein bekannt gewesen wäre, daß die Franken gar keine götter und bildseulen hatten. So spricht Chrothild zu ihrem gemahl, den sie für die taufe einnehmen will: nihil sunt dii, quos colitis , qui neque sibi neque aliis poterunt subvenire: sunt enim aut ex lapide aut ex ligno aut ex metallo aliquo sculpti , nomina vero, quae eis indidistis, homines fuere, non dii. nun führt sie den Saturnus und Jupiter an, mit bezügen, die aus der classischen mythologie genommen sind; darauf: quid Mars Mercurius que potuere? qui potius sunt magicis artibus praediti, quam divini numinis potentiam habuere. sed ille magis coli debet, qui coelum et terram, mare et omnia, quae in eis sunt, verbo ex non extantibus 89 procreavit, cet. Sed cum haec regina diceret, nullatenus ad credendum regis animus movebatur, sed dicebat: deorum nostrorum jussione cuncta creantur ac prodeunt. deus vero vester nihil posse manifestatur, et quod magis est, nec de deorum genere esse probatur (das klingt deutsch genug). Als das christlich getaufte söhnlein bald stirbt, sagt Chlodovich: si in nomine deorum meorum puer fuisset dicatus , vixisset utique; nunc autem quia in nomine dei vestri baptizatus est, vivere omnino non potuit. Solch ein umständlicher bericht von Chlodovichs heidenthum, kaum hundert jahre nach dem ereignis und aus dem mund eines unterrichteten geistlichen, wäre abgeschmackt, wenn ihm gar nichts wahres unterläge. sobald Gregor einmal an die stelle der fränkischen götternamen lateinische setzte (worin er ganz die ansicht und gewohnheit seiner zeit befolgte), muste er von selbst darauf gerathen, auf diese namen auch lateinische fabeln zu beziehen, und es ist nicht zu übersehen, daß die vier genannten götter lauter wochentaggötter sind, d. h. dergleichen völlig hergebracht war den einheimischen gottheiten zu identificieren. ich scheine mir also nicht unbefugt, die stelle wenigstens für die existenz fränkischer götterbilder beizubringen Nachtrag: Das vorhandensein fränkischer götterbilder in Chlodovichs zeit bezeugt auch die bekannte grabschrift des Remigius auf ihn: contempsit credere mille numina , quae variis horrent portenta figuris . dagegen lautet die äußerung Gregors von Tours 1, 34, der Alamannenkönig Chrocus im 3. jh. habe den h. Privatus in Gallien zwingen wollen, den götzen zu opfern, sehr unbestimmt: daemoniis immolare compellitur, quod spurcum ille tam exsecrans quam refutans. vgl. über Chrocus Stälin 1, 118. . Die erzählung eines vorfalls aus dem beginn des siebenten jh. gehört nach Alamannien. Columban und der heil. Gallus trafen im j. 612 bei Bregenz am Bodensee einen sitz der abgötterei: tres ergo imagines aereas et deauratas superstitiosa gentilitas ibi colebat, quibus magis quam creatori mundi vota reddenda credebat. so berichtet die noch im achten jh. aufgezeichnete vita s. Galli bei Pertz 2, 7. umständlicher Walafrid Strabo in der vita s. Galli (acta Bened. sec. 2. p. 233): egressi de navicula oratorium in honore s. Aureliae constructum adierunt . . . post orationem cum per gyrum oculis cuncta lustrassent, placuit illis qualitas et situs locorum, deinde oratione praemissa circa oratorium mansiunculas sibi fecerunt. Repererunt autem in templo tres imagines aereas deauratas parieti affixas in der schon christlichen kirche waren also die alten heidnischen götterbilder der wand eingemauert , wahrscheinlich um dem volk, das an ihnen hieng, sich gefällig zu bezeigen? von diesem gebrauch gibt es noch manche spätere beispiele, vgl. Ledeburs archiv 14, 363. 378. Thür. mitth. VI. 2, 13. Nachtrag: Man setzte alte götzen in den kirchen hinter die orgel (Melissantes orographie. s. 437–439) bei Duval Eichsfeld. 341. eine götzenkammer war auf dem alten chor. Leipz. avant. 1, 89–91 vgl. die engel aus der holzkammer. Weinhold schles. wb. 17 b . man heizt mit götzen ein vgl. zu s.  12 . Riesenrippen oder hammer werden vor das thor der kirche gehängt s.  460 , urnen und umgestürzte näpfe in kirchenwände eingemauert. Thür. mitth. I. 2, 112–115. Stephans stoflief. s. 189. 190. ein heidnischer stein mit dem huftritt ist in die Gudensberger kirchhofsmauer eingesetzt. s.  783 . . , quas populus, dimisso altaris sacri cultu, adorabat, et oblatis sacrificiis dicere consuevit: isti sunt dii veteres et antiqui hujus loci tutores , quorum solatio et nos et nostra perdurant usque in praesens. . . . cumque ejusdem templi solemnitas ageretur, venit multitudo non minima promiscui sexus et aetatis, non tantum propter festivitatis honorem, verum etiam ad videndos peregrinos, quos cognoverant advenisse. . . . Jussu venerandi abbatis (Columbani) Gallus coepit viam veritatis ostendere populo . . . . et in conspectu omnium arripiens simulacra , et lapidibus in frusta comminuens projecit in lacum . his visis nonnulli conversi sunt ad dominum. Hier erscheinen heidnischer und 90 christlicher cultus sonderbar vermengt. in einem zu ehren der heil. Aurelia eingerichteten bethaus stehen noch drei heidnische bildseulen an der wand, denen das volk fortfährt zu opfern, ohne den christlichen altar zu berühren: es sind ihm seine alten schützenden gottheiten. nachdem der bekehrer die bilder zerschlagen und in den Bodensee geworfen hat, wendet sich ein theil dieser Heiden zum christenthum. wahrscheinlich entarteten auf solche weise an mehreren orten die ältesten christlichen gemeinden durch das übergewicht der heidnischen volksmenge und die fahrlässigkeit der priester. In zweifel kann es aber gezogen werden, ob unter diesen heidengöttern alamannische zu verstehen sind, oder vielleicht römische? römischer gottesdienst in althelvetischer gegend wäre denkbar, und dii tutores loci lautet fast danach. auf der andern seite muß erwogen werden, daß Alamannen hier schon seit drei jahrhunderten hausten und ein andrer cultus als der ihrige kaum noch volksmäßig sein konnte. Jonas in der älteren lebensbeschreibung derselben heiligen gedenkt des entschieden deutschheidnischen Wuotansopfers (oben s.  45 ), am benachbarten Zürchersee seltsam will Mone (gesch. des heid. 1, 171. 175) diesen Wuotanscultus bei Tuggen auf Heruler, von denen hier niemand weiß, nicht auf Alamannen beziehen, weil Jonas sagt: sunt inibi vicinae nationes Suevorum. das heißt aber gerade: da herum angesessen, von abgelegnen war gar kein anlaß zu sprechen. Columban verweilte an dem ihm ungefälligen ort, um die heidnischen bewohner zu bekehren, auch liegt nach Walafrids darstellung die gegend infra partes Alamanniae, wo ebenso wol stehen dürfte intra . . endlich erscheint die verbindung dreier gottheiten zu gemeinschaftlicher verehrung hervorstechender zug unseres einheimischen heidenthums; wenn die Römer einen tempel für mehrere götter widmeten, wurde ihre bildnisse nicht neben einander, sondern in verschiedenen zellen aufgestellt. Ratpert (casus S. Galli. Pertz 2, 61) scheint die beiden fälle, den am Zürchersee, und den nachherigen bei Bregenz zu vermischen: Tuconiam (Tuggen) advenerunt, quae est ad caput lacus turicini, ubi cum consistere vellent, populumque ab errore demonum revocare (nam adhuc idolis immolabant ), Gallo idola vana confringente et in lacum vicinum demergente , populus in iram conversus . . . . sanctos exinde pepulerunt. Inde iter agentes pervenerunt ad castrum quod Arbona nuncupatur, juxta lacum potamicum, ibique a Willimaro presbytero honorifice suscepti, septem dies cum gaudio permanserunt. qui a sanctis interrogatus, si sciret locum in solitudine illorum proposito congruum, ostendit eis locum jocundissimum ad inhabitandum nomine Brigantium. ibique reperientes templum olim christianae religioni dedicatum, nunc autem demonum imaginibus pollutum, mundando et consecrando in pristinum restituerunt statum, atque pro statuis , quas ejecerunt, sanctae Aureliae reliquias ibidem collocaverunt. Auch nach diesem bericht ist der tempel früher christlich, hernach von Heiden (Alamannen) eingenommen, also nicht urrömisch. Daß unter jenen zerbrochnen idolis vanis Wuotans bildseule war, läßt 91 sich aus Jonas nachricht von dem ihm gebrachten bieropfer etwa folgern. Ratperts cantilena s. Galli hat nichts als die unbestimmten worte: castro de Turegum adnavigant Tucconium, docent fidem gentem, Jovem linquunt ardentem . dieser Jupiter ardens, dem das volk abtrünnig wurde, mag Donar gewesen sein, aber seiner bildseule ist nicht erwähnt. Eckehardus IV soll nach Arx (zu Pertz 2, 61) Jovis et Neptuni idola anführen, ich kann die stelle nicht finden. vgl. s.  101 bei Ermold Nigellus den Neptun. offenbar beziehen die drei bildseulen sich auf die abgötterei am Bodensee, nicht auf die am Zürchersee, und wenn Mercur, Jupiter und Neptun da zusammengestanden hätten, so wären wenigstens die beiden ersten leicht auf deutsche götter anzuwenden. über Neptun will ich cap.  7 meine mutmaßung mittheilen. Aber aus allen dem scheint hervorgehend, daß unsere tres imagines stärkeren anspruch auf deutschen ursprung haben, als die s.  67 angeführten imagines lapideae im luxovischen wald zwei berichte Gregors von Tours über bildseulen der Diana im Trierischen, des Mercur und Mars im südlichen Gallien bieten, wenn sie auch keinen gedanken an deutsche götter zulassen, merkwürdige vergleichungen dar. hist. 8, 15: deinde territorium trevericae urbis expetii, et in quo nunc estis monte habitaculum, quod cernitis, proprio labore construxi; reperi tamen hic Dianae simulacrum , quod populus hic incredulus quasi deum adorabat . columnam etiam statui, in qua cum grandi cruciatu sine ullo pedum stabam tegmine. . . . . .Verum ubi ad me multitudo vicinarum civitatum confluere coepit, praedicabam jugiter, nihil esse Dianam , nihil simulacra , nihilque quae eis videbatur exerceri cultura: indigna etiam esse ipsa, quae inter pocula luxuriasque profluas cantica proferebant, sed potius deo omnipotenti, qui coelum fecit ac terram, dignum sit sacrificium laudis impendere. orabam etiam saepius, ut simulacro dominus diruto dignaretur populum ab hoc errore discutere. Flexit domini misericordia mentem rusticam, ut inclinaret aurem suam in verba oris mei, ut scilicet relictis idolis dominum sequeretur, (et) tunc convocatis quibusdam ex eis simulacrum hoc immensum , quod elidere propria virtute non poteram, eum eorum adjutorio possem eruere; jam enim reliqua sigillorum (die kleineren bilder), quae faciliora erant, ipse confregeram. Convenientibus autem multis ad hanc Dianae statuam , missis funibus trahere coeperunt, sed nihil labor eorum proficere poterat. Darauf gebete, egressusque post orationem ad operarios veni, adprehensumque funem ut primo ictu trahere coepimus, protinus simulacrum ruit in terram, confractumque cum malleis ferreis in pulverem redegi . So giengen bilder zu grunde, deren betrachtung uns jetzt sehr lehrreich dünken würde; wahrscheinlich war diese Diana eine mischung des römischen und gallischen cultus, man hat inschriften von einer Diana arduinna (Bouquet 2, 319). Die andere stelle findet sich in mirac. 2, 5: erat autem haud procul a cellula, quam sepulchrum martyris (Juliani arvernensis) haec matrona construxerat (in vico brivatensi) grande delubrum , ubi in columna altissima simulachrum Martis Mercuriique colebatur . cumque delubri illius festa a gentilibus agerentur, ac mortui mortuis thura deferrent, medio e vulgo commoventur pueri duo in scandalum, nudatoque unus gladio alterum appetit trucidandum. der eine flieht zur zelle des heiligen und wird gerettet. quarta autem die, cum gentilitas vellet iterum diis exhibere libamina, verrichtet der christliche priester ein brünstiges gebet zum martyr, es entsteht heftiges gewitter, die Heiden erschrecken: recedente autem tempestate gentiles baptizati statuas , quas coluerant, confringentes , in lacum vico amnique proximum projecerunt . Bald darauf kamen Burgunden in diese gegend. Das zerbrechen, zermalmen und in den see werfen der bildseulen ganz wie in jener sage bei Ratpert. . Die hauptstelle von götterbildern der Sachsen ist die bekannte Widekinds von Corvei, als er (1, 12) ihren sieg über die Thüringer an der Unstrut (um 530), ›ut majorum memoria prodit‹ erzählt: mane autem facto ad orientalem portam (der burg Schidungen) ponunt aquilam, aram que victoriae construentes, secundum errorem paternum, sacra sua propria veneratione venerati sunt, nomine Martem, effigie columnarum imitantes Herculem , loco Solem quem Graeci appellant Apollinem . diese wichtige nachricht muß im verfolg noch von mehrern seiten besprochen werden. 92 Den Corveier annalen wird zum j. 1145, wo der Eresburg meldung geschieht, von einer hand des zwölften jh. nachstehendes zugesetzt (Pertz 5, 8 anm.); hec eadem Eresburg est corrupto vocabulo dicta, quam et Julius Cesar romano imperio subegit, quando et Arispolis nomen habuit ab eo, qui Aris greca designatione ac Mars ipse dictus est latino famine. duobus siquidem idolis hec dedita fuit, id est Aris , qui urbis meniis insertus , quasi dominator dominantium, et Ermis , qui et Mercurius mercimoniis insistentibus colebatur in forensibus. hiernach hätte eine bildseule des Mars auf der stadtmauer gestanden. Daß in friesischen tempeln götterbilder waren, scheint sattsames zeugniss zu ergeben. zwar die stelle über Fosite (s.  68 ) nennt nur fana dei, es wird erzählt, daß sich Wilibrord an der heiligen quelle vergriffen, nicht daß er ein bild vernichtet habe. Dagegen drückt sich die vita Bonifacii (Pertz 2, 339) über den neuen aufschwung des heidenthums unter könig Redbod (um 716) so aus: jam pars ecclesiarum Christi, quae Francorum prius subjecta erat imperio, vastata erat ac destructa, idolorum quoque cultura exstructis delubrorum fanis lugubriter renovata. und will man hier idolorum nur für deorum gelten lassen, so sagt die vita Willehadi (Pertz 2, 380) bestimmter: insanum esse et vanum a lapidibus auxilium petere et a simulacris mutis et surdis subsidii sperare solatium. quo audito gens fera et idololatriis nimium dedita stridebant dentibus in eum, dicentes, non debere profanum longius vivere, imo reum esse mortis, qui tam sacrilegia contra deos suos invictissimos proferre praesumsisset eloquia. das ereignis fällt in des achten jh. mitte, Anskars († 865) aufzeichnung erst hundert jahre später; doch befugt ist man nicht, in jenen worten bloße ausschmückung zu erblicken. ich weiß nicht einmal, ob für leere phrase gehalten werden darf, wenn es in einer erst 839 geschriebenen vita S. Goari († 649) heißt: coepit gentilibus per circuitum (d. h. in Ripuarien) simulacrorum cultui deditis et vana idolorum superstitione deceptis verbum salutis annuntiare (acta Bened. sec. 2 p. 282). gewöhnlich liegen solchen lebensbeschreibungen schon ältere aufsätze zum grunde. 93 Die Friesen bilden in jedem betracht den übergang zu den Scandinaviern; bei dem vielfachen verkehr dieser beiden an einander grenzenden völker ist nichts natürlicher als die annahme, daß den heidnischen Friesen auch die gewohnheit des tempel und bilderdienstes mit jenen gemein war. selbst den tempel des Fosete auf Helgoland denke ich mir kaum bildlos. Fertigkeit bilder und gestalten aus holz zu schnitzen oder aus stein zu meißeln lassen schon jene signa und effigies des Tacitus erwarten, und diese kunst konnte sich bis zu einem gewissen grad vervollkommnen. steinwaffen und anderes geräth, das man in grabhügeln findet, zeugen von nicht ungeschickter behandlung schwieriger stoffe. Daß kein einziges germanisches götterbild der zerstörenden macht der zeit und dem eifer der Christen entgangen ist, darf uns noch weniger verwundern als der untergang der Heidentempel. hat sich doch auch im Norden, wo die zahl der bilder größer war, und die vernichtung weit später erfolgte, keins erhalten, alle lethrischen, alle upsalischen götzen sind zerschlagen. der technische ausdruck war dort skurđgođ (fornm. sög. 2, 73. 75) von skëra (sculpere), skurd (sculptura). in den angeführten stellen ist er ein lîkneski des Freyr; Biörn hat skûrgođ idolum, sculptile, von skûr subgrundium, weil es gleichsam in schauer, unter dach gestellt werden müsse, wozu die ahd. gl. skûrguta (Graff 6, 536) zu passen scheint. doch dem altn. skûrgođ mangelt der nähere ausweis. Der götterbilder zu Lethra geschweigt Dietmars nachricht über neulich aufgefundene Odinsbilder s. unten Odin. ; in Adams von Bremen beschreibung der upsalischen (cap. 233) ist zumal merkwürdig, daß drei bildseulen , wie bei jenem alamannischen tempel, angegeben wurden: nunc de superstitione Sveonum pauca dicemus. nobilissimum illa gens templum habet, quod Ubsola dicitur, non longe positum a Sictona civitate (Sigtûn) vel Birka. in hoc templo, quod totum ex auro paratum est, statuas trium deorum veneratur populus, ita et potentissimus eorum Thor in medio solium habeat triclinio. hinc et inde locum possident Wodan et Fricco. die weitere schilderung gehört noch nicht hierher, es kommt dabei auch der ausdruck sculpere vor; da der ganze tempel aus gold bereitet, d. h. goldverziert sein soll, so hätte er auch die götterbilder vor allem vergoldet bezeichnen können, wie die alamannischen aereae und deauratae heißen. Einer goldnen bildseule Othins erwähnt Saxo p. 13: cujus numen Septentrionis reges propensiore cultu prosequi cupientes effigiem ipsius aureo complexi simulacro , statuam suae dignationis indicem maxima cum religionis simulatione Byzantium transmiserunt, cujus etiam brachiorum lineamenta confertissimo armillarum pondere perstringebant. diese ganze stelle, und was weiter folgt, ist nicht nur unhistorisch, sondern auch den echten mythen entgegen; es erscheint darin 94 bloß Saxos und seiner zeit vorstellungsweise von den göttern, und insofern damit auch goldne und geschmückte götterbilder übereinstimmen, läßt sich folgern, daß die erinnerung an solche bilder damals fortlebte Nachtrag: Daß götterbilder gewärmt (baka), geschmiert und getrocknet wurden, erwähnt die Friđþiofssaga cap. 9 (s.  51 ). golden dagegen war die langobardische göttliche schlange, aus der schüssel und kelch verfertigt wurden (s.  570 ). an die Memnonsseule erinnert die von Saxo s. 42 beschriebene statua ad humanos tactus vocalis . die spur eines Donnersbildes kann man in dem ehernen dorper (s.  443 ) erkennen. über die armringe der götterbilder vgl. die note in Müllers Saxo s. 42. noch H. Sachs 1, 224 b sagt von einem gelben ringlein: du nähmst es gott von füßen rab, und II. 4, 6 d : ihr thet es gott von füßen nemmen. vierhauptige, mit halbmond geschmückte nennt Jaumanns Sumlocenne s. 192–194. über die nimbi, die strahlenhäupter vgl. s.  269 und Festus: capita deorum appellabantur fasciculi facti ex verbenis. thiere waren auf solchen bildern, wie auf helmen, angebracht, und wenn Albrecht v. Halberstadt 456 a illa mihi niveo factum de marmore signum ostendit juvenile gerens in vertice picum . Ov. met. 14, 318 übersetzt: truoc einen speht ûf sîner ahseln , so scheint ihm Wodan mit dem raben auf der schulter vorzuschweben. auch fragm. 40 a heißt es noch: swuor bi allen gotes bilden. . Ermoldus Nigellus, indem er Herolds (Haralds) zusammenkunft mit könig Carl beschreibt, gedenkt 4. 444 ff. (Pertz 2, 509. 510) der götterbilder (sculpta) der Heiden, er solle pflugscharen, kessel und wassereimer aus dem metall schmieden lassen. Nach der Nialssaga cap. 89 befanden sich in einem norwegischen tempel (gođahûs) wiederum drei bilder , Thors und der beiden halbgöttinnen Thorgerđr und Irpa, in menschlicher größe und geschmückt mit armspangen; wahrscheinlich saß Thor in der mitte beider auf seinem wagen. Überhaupt scheinen Thors abbildungen die häufigsten gewesen zu sein, wenigstens in Norwegen Finn Magnusen bidrag til nordisk archaeologie p. 113–159. . ein tempel, worin viele skurdgođ verehrt wurden, zumeist aber Thor, wird fornm. sög. 2, 153 und 159 beschrieben, ebendaselbst 1, 295. 302–306 seine bildseule ; 2, 44 heißt es: Thôrr sat î miđju ok var mest tignađr, hann var mikill ok allr gulli bûinn ok silfri (ex auro et argento confectus); vgl. Olafs heiga saga ed. holm. cap. 118. 119, wo ein großes stehendes bild des Thor beschrieben wird. vgl. fornm. sög. 4, 245. ed. Christ. p. 26. Freyr giörr af silfri . Isl. sög. 1, 134. Landn. 3, 2. Einer trug ein bildchen Thors aus walfischzahn geschnitzt (lîkneski Thôrs af tönn gert) bei sich in der tasche, fornm. sög. 2, 57 um ihn noch heimlich, unter Christen zu verehren. Thôrs bild wurde auf die öndvegisseulen geschnitzt (Eyrbygg. p. 8. Landnamab. 2, 12) und vornen an die schiffe (fornm. sög. 2, 324). Bildnis des Thorgerđr hölgabrûđr, mit goldringen um den arm, vor welcher niedergekniet wird, fornm. sög. 2, 108 in dieser stelle ist noch etwas hervorzuheben. der Thorgerđ bildseule hatte einen goldring um den arm und krümmte die hand , als ihn einer greifen wollte, dem es ihn noch nicht gönnte. derselbe mann nahm nun viel geld, legte es dem bilde zu füßen, kniete nieder und vergoß thränen, dann sich erhebend faßte er nochmals nach dem ring, den nunmehr das bild losließ . dasselbe wird Færeyîngasaga cap. 23. s. 103 erzählt. ich halte es für einen echtheidnischen alterthümlichen zug, wie dergleichen hernach in christliche sagen und märchen des mittelalters übergiengen Nachtrag: Die götterbilder sind vom leben der gottheit durchdrungen und können sich bewegen. viele beispiele von sich wendenden bildern sammelt Bötticher hell. tempel s. 126. eines solchen gedenkt auch Athenaeus 4, 439, eines gesicht drehenden Dio Cassius 79, 10. sacra retorserunt oculos. Ov. met. 10, 696. ein götterbild geht Dio Cassius 48, 43. ἱδρώει τὰ ξόανα καὶ κινέεται . Lucian ed. bip. 9, 92. 120. 378. deorum sudasse simulacra. Cic. de divin. 2, 27. simulacrum Apollinis Cumani quatriduo flevit . Augustin. Civ. Dei 3, 11. Lanuvii simulacrum Junonis sospitae lacrimasse . Livius 40, 19. lapidum fletus  = statuarum lacrimae. Claudian in Eutrop. 2, 43. dagegen simulacrum Jovis cachinnum repente edidit. Sueton. Calig. 57. flammen schlagen aus kopf und brust der bildseule. Herod. 6, 82. ein bild der Artemis läßt den schild fallen . Paus. IV. 13, 1. man redet nicht nur mit dem götterbild: interdiu cum capitolino Jove secreto fabulabatur, modo insusurrans ac praebens invicem aurem , modo clarius, nec sine jurgiis. Sueton. Calig. 22, sondern es antwortet auch. auf die frage: visne ire Romam Juno? nickt sie und sagt ja . Livius 5, 22. Ähnliches meldet das germanische heidenthum. Thors bild geht und spricht . fornm. sög. 1, 302 ff. wie Thorgerđs bild die hand krümmt, um ihren goldring festzuhalten, thut es, wie oben dargethan, auch das bild der Maria. das bezeugt noch die Kaiserchr. 13142. 13265. 13323. Vincent. bellov. 25, 29 und danach Heinr. de Hervord. ad a. 1049. ein Marienbild setzt ihr kind nieder und kniet vor ihm . Marienleg. 228. ihm wird das kind genommen . pass. 144. vgl. Ges. Ab. 3, 584. ein Marienbild empfängt einen schuß und hält ihn dadurch von dem ab, den er treffen sollte. Maerl. 2, 202. ein crucifix umfängt einen betenden. Keiserb. seel. par. 75 d vor einem, der seinem todfeind verziehen hatte, neigt es sich . schimpf und ernst 1522 cap. 628. dat cruce losede den voet unde stotte ene. Detm. 1, 7. ein bild beißt dem falsch schwörenden die hand ab. schimpf und ernst cap. 249. ein bild redet . Alexius. 444. 490. Maerl. 2, 201 und wendet sich um. KM. 1. ausg. 2, XLIX. im Don Juan nickt und schreitet der steinerne gast. Götterbilder fallen vom himmel nach der skythischen sage, wie auch das bild der Athene. Paus. I. 26, 7 oder sie werden aus der fremde geraubt, dii evocati , so wie ein Junobild (Gerh. Etrusker s. 31) und die Artemis aus Taurien. schol. zu Theocr. vgl. Meiners 1, 420. 423. so wurden im Ma. reliquien geraubt. götterbilder werden gewaschen , gebadet . schol. zu Theocr. vgl. die Alraun s.  1006 . sie wurden auch feierlich verbrannt, so übergab man in den boeotischen dädalen alle 60 jahre 14 eichene bilder der Here den flammen. E. Jacobi handwörterb. d. gr. und röm. mythol. 394. . Von mehr als einem gnadenbilde wird gemeldet, daß es einen ring vom finger , einen schuh vom fuß fallen ließ zur gabe für die vor ihm betenden. Ein Christusbild gab seine schuhe einem armen mann (Nicolai abbatis peregrinatio ed. Werlauff p. 20), ein heiligenbild seine goldpantoffel (Mones anz. 7 , 584. arch. des henneb. vereins s. 70. 71). ein Marienbild nimmt den ihm dargereichten ring an und krümmt den finger zum zeichen des behaltens (Méon nouv. recueil 2, 296. 297. Maerl. 2, 214). die aus Méon und Maerlant angeführten Mariensagen, im grund einerlei, sind sehr verschieden gewendet. nach der letzten zieht ein jüngling beim ballspiel den ring vom finger und steckt ihn an die hand eines Marienbilds, nach der ersten legt einer zu Rom im Colosseum den ring beim faustkampf ab und an den finger eines heidnischen bildes, das ihn einkrümmt. beide bilder machen nun die verlöbnis geltend. das altfranz. gedicht läßt aber den gequälten jüngling ein Marienbild jenem heidnischen entgegensetzen, Maria nimmt dem andern bild den ring ab und stellt ihn dem jüngling zurück. vgl. Kaiserchr. 13142. 13265. 13323. Forduni Scoti chronicon 1, 407 (W. Scotts minstr. 2, 136) berichtet diese fabel als ein ereignis des 11. jh., ein edelmann steckt beim ballspielen den ring an den finger einer zerbrochnen Venusbildseule, und erlangt ihn nur mit hilfe eines zauberkundigen priesters Palumbus wieder. Die sage war, wie man sieht, früh verbreitet, ursprünglich aber undeutsch. selbst eine gemalte Maria läßt sich von dem kinde auf ihrem schoß ein büchslein für einen flehenden darreichen (cod. pal. 341 fol. 63). Ähnlich ist, daß bildseulen das gesicht abwenden , den arm zum schutz ausstrecken, reden, lachen, weinen, essen und wandeln ; so wendet sich ein Christusbild ab (Ls. 3, 78. 262), ein andres beginnt zu essen und zuzunehmen (kinderm. legenden n° 9), zu weinen, zu winken, fortzueilen (deutsche sagen n° 347. Tettaus preufs. sagen s. 211. 215, 218). In Reinbotes Georg wird der abgott Apollo von einem kind mit ruten gestrichen und fortzuwandeln gezwungen (3258–69), was an Perun erinnert, den nach Nestor Wladimir mit ruten peitschen ließ. Daß eine bildseule die ihr vorgesetzte speise ißt, finde ich in einer indischen sage bei Polier 2, 302. 303. Das alterthum hielt also die bilder nicht ganz für todte massen, sondern von dem leben der gottheit durchdrungen. Auch die Griechen haben erzählungen von statuen, die sich bewegen, lanzen rücken, sich auf die knie werfen, die augen zudrücken (καταμύσεις), bluten, schwitzen, zum theil wol entstanden aus der gestalt alterthümlicher bilder; aber daß eine statue eine handbewegung mache, finger biege, habe ich nirgends gelesen, so viel bedeutung bei götterbildern auf das halten der arme gelegt wurde; daß die götter selbst χεῖρα ὑπερέχουσιν über die, welche sie schützen wollen, kommt schon bei Homer vor. . Freys bildseule aus silber (Freyr markađr af silfri) Vatnsd. p. 44. 50; in Schweden auf einem wagen 95 umgeführt, fornm. sög. 2, 73–77. die Jomsvikîngasaga gedenkt eines tempels auf Gautland, in welchem hundert götter waren (fornm. sög. 11, 40); eine wirkliche densitas imaginum nach dem ausdruck des Jonas (s.  67 ). Saxo gramm. 327 nennt ein simulacrum quercu factum , aus eichenholz geschnitzt? oder ein göttlich verehrter eichbaum? Nachtrag: Die drei- oder vierzahl kommt bei götterbildern auch noch später vor. In Aign am Inn bei Rottalmünster, nächst der post Malching, findet eine Leonhardswallfahrt nach fünf ehernen götzen statt, deren größter der würdige heißt. die bauern sagen: nur der würdige kann ihn heben. wenn der bursch nach der ersten beicht denselben nicht heben kann, geht er noch einmal zur beicht und kehrt gestärkt zurück. das fest heißt: die drei goldnen samstagnächte im september. ein mädchen erprobt ihre jungfrauschaft (auch durch das heben?). die Östreicher haben auch eine Leonhardscapelle, wallfahrten aber nach Aign und sagen: ›der ist der rechte‹, ›die Baiern haben den rechten‹. vgl. Panzer beitr. 2, 32–34. In einem kindermärchen bei Ernst Meier no. 6 s. 38 kommt ein hölzernes bildwerk vor in pferdegestalt, das mit vier köpfen versehen ist, worunter drei den göttern Donner, Blitz und Wetter angehören, offenbar Donar, Zio und Wuotan. Ebenso wie drei werden aber verschiedentlich zwei bilder neben einander genannt, zumal die von Wuotan und Donar oder die von Mars und Mercurius , wie die angeführten stellen lehren. bilder von Frear und Thor, Frigg und Freyja neben einander kommen vor in Müllers sagabibl. 1, 92. Auch die ortsnamen weisen auf solche Verbindung des cultus zweier götter, z. b. in Hessen stand die Donnerseiche dicht neben dem Wodansberg, und man hat bei der untersuchung darauf zu achten. Aber weder die angabe der zahl der bilder, noch ihre beschreibung in den sagen darf für historisch gelten: bloß daß es bilder gab, wird dadurch erwiesen. die meisten scheinen aus holz gehauen, einige wurden vielleicht bemalt, bekleidet und mit silber oder gold überzogen; doch mögen auch steinere vorgekommen sein und kleinere aus kupfer oder elfenbein Finn Magnusen a. a. o. 132–137. . Bis hierher ist die erwähnung eines besonderen ausdrucks für bildseule, woran sich merkwürdige nachrichten von heidnischen götterbildern knüpfen, verspart worden. Ahd. glossen haben das wort irmansûlî pyramides mons. 360; avarûn, irmansûlî pyramides. Doc. 203 b ; irmansûl colossus, 96 altissima columna. florent. 987 a blas. 86; colossus est irminsûl gl. schletst. 18, 1. 28, 1. die eigentliche bedeutung scheint bildseule, nach dem synonymen avarâ zu urtheilen, welches gl. Jun. 226 für statua und imago gebraucht wird ( anm. 284. ). sie ist auch im 12. jh. noch unerloschen, wie sich aus zwei stellen der kaiserchronik, bald im anfang des gedichts ergibt, und vermutlich sind ihrer mehrere; von Mercur heißt es (Massm. 129): uf einir yrmensûle stuont ein abgot ungehiure, den hiezen sie ir koufman; hernach von Julius Cæsar (Massm. 624): Romere in ungetrûweliche sluogen, ûf einir yrmensûl sie in begruoben; und vom zauberer Simon 24 c (Massm. 4432): uf eine yrmensûl er steic, daz lantvolc im allesamt neic, d. h. verehrte ihn göttlich, ja im letzten capitel des Titurel, als die großen seulen des graltempels beschrieben werden, hat die hannov. hs. statt der lesart inneren seul des drucks (Hahn 6151) richtiger irmensûl . Nun aber findet sich in den fränkischen annalen ad a. 772 wiederholentlich, daß Carl der große bei besiegung der Sachsen einen hauptsitz ihres heidnischen aberglaubens unweit Heresburg dem heutigen Stadtbergen, vgl. die stelle aus Dietmar; aber gute gründe rathen, die seule sechs stunden tiefer im Osning anzusetzen. Clostermeier Eggesterstein p. 26. 27. Eresburg, Horohus in pago Hessi saxonico Saracho 735. 350. Vgl. Massmann Eggesterst. s. 34. in Westfalen zerstört und dieser Irminsûl geheißen habe. Ann. petav.: domnus rex Karolus perrexit in Saxoniam et conquisivit Erisburgo, et pervenit ad locum, qui dicitur Ermensul , et succendit ea loca (Pertz 1, 16). ann. lauresh.: fuit rex Carlus hostiliter in Saxonia et destruxit fanum eorum, quod vocatur Irminsul (Pertz 1, 30). ebenso das chron. moissiac. (Pertz 1, 295) wo nur Hirminsul und die ann. quedlinb. etc. (Pertz 5, 37.) ann. juvavenses: Karolus idolum Saxonorum combussit, quod dicebant Irminsul (Pertz 1, 88). Einhardi fuld. annales: Karolus Saxoniam bello aggressus, Eresburgum castrum cepit, et idolum Saxonum, quod vocabatur Irminsul destruit (Pertz 1, 348). ann. ratisbon.: Carolus in Saxonia conquesivit Eresburc et Irminsul (Pertz 1, 92). ann. lauriss.: Karlus in Saxonia castrum Aeresburg expugnat, fanum et lucum eorum famosum Irminsul subvertit (Pertz 1, 117.) ann. lauriss.: et inde perrexit partibus Saxoniae prima vice, Aeresburgum castrum cepit, ad Ermensul usque pervenit et ipsum fanum destruxit, et aurum et argentum, quod ibi repperit, abstulit. et fuit siccitas magna, ita ut aqua deficeret in supradicto loco, ubi Ermensul stabat , cet. (Pertz 1, 150). Einhardi ann.: ferro et igni cuncta depopulatus, Aeresburgum castrum cepit, idolum quod 97 Irminsul a Saxonibus vocabatur, evertit (Pertz 1, 151). wiederholungen in den ann. tilian. und im chr. Regin. (wo Ormensul ) Pertz 1, 220. 557 poeta Saxo 1, 65 (Bouquet 5, 137): gens eadem coluit simulacrum, quod vocitabant Irminsûl , cujus factura simulque columna non operis parvi fuerat, pariterque decoris. . Und Dietmar von Merseb. (Pertz 5, 744) erzählt noch bei gelegenheit späterer begebenheiten: sed exercitus capta urbe (Eresburch) ingressus juvenem praefatum usque in ecclesiam s. Petri, ubi prius ab antiquis Irminsul colebatur , bello defatigatum depulit. Irminsûl heißt also in allen diesen stellen, ganz nach den im vierten cap. entwickelten übergängen der bedeutung, bald fanum , bald lucus , bald idolum selbst; es ist kaum zu zweifeln, daß sich in dieser gegend mächtige waldungen ausbreiteten: wie wenn der bergwald Osning ôs ist sächs. form für ans , das einen gott, aber auch berg bedeutete, hochd. wäre es Ansninc, Ensninc, hierzu kommt, daß außer diesem mons Osnengi bei Theotmelli, d. i. Detmold (Pertz 2, 447), noch eine silva Osning unweit Osnabrück lag (Möser urk. n° 2), eine dritte in Ripuarien am Niederrhein (Lacomblet n° 310. 343. 354), welche sich bis nach Aachen gegen die Ardennen mag ausgebreitet haben, ihrer gedenkt Vilkinasaga cap. 40; nach Bärsch zu Schannats Eiflia illustr. 1, 110 und Hattemer 3, 602 a hieß der Ardenner wald selbst Osninka, Oseninch und nach jener Osnabrücker urkunde scheint der dortige wald sogar nach dem Aachener Osning eingerichtet gewesen zu sein (ad similitudinem foresti Aquisgranum pertinentis). daß Osning in mehreren gegenden vorkommt, zeugt für einen allgemeineren begrif, es ist wie âs, ans und fairguni der heilige berg und wald. Ledebur hält den Teutoburger wald für Osning. Osna brück, Asne bruggi scheint nah verwandt. , in dem die seule stand, einen heiligen wald anzeigte? der gold und silberschatz, dessen sich Carl da bemächtigt habe, mag sagenhafte ausschmückung sein gemahnt dieser Ermenseulschatz an die sage von Ermenrichs schatz? (Saxo gramm. 156. Reinh. fuchs CLII.) . Näher läßt sich über die Irminsul Ruodolf von Fuld aus; nach seiner allgemeineren äußerung über die heidnischen Sachsen (s.  83 ): frondosis arboribus fontibusque venerationem exhibebant, fährt er fort: truncum quoque ligni non parvae magnitudinis in altum erectum sub divo colebant, patria eum lingua Irminsul appellantes, quod latine dicitur universalis columna , quasi sustinens omnia (Pertz 2, 676) Nachtrag: Der irmenseule mit Mercurs bild in der Ksrchr. vergleicht sich eine bildseule in Trier, die den Mercur fliegend darstellte. Pertz. 10, 132. Karl soll in der Irmenseule nach den Lorscher annalen gold und silber gefunden haben. sonst wird auch von mäusen und ratten erzählt, die in den bildseulen gehaust haben. Lucian. somn. 24. in slavischen götzen nach Saxo, im umgestürzten Thor wimmelt es von großen mäusen, nattern und würmern. Maurer bek. 1, 536. Was Rudolf von Fuld über die Irminsul sagt, wiederholt Adam von Bremen bei Pertz 9, 286. irmesuwel der cristenheit. Germania 1, 451. vgl. 444. der roman de Challemaine (cod. 7188. s. 69) schildert den krieg der Franken mit den Sachsen: en leur chemin trouverent un moustier que li Saisne orent fet pieca edifier. une idole y avait, que les Saisnes proier venoient come dieu touz et gloirefier, quar leur creance estoit selonc leur fol cuidier quele les puist bien sauver jousticier. Neptusnus ot à non en lonneur de la mer. an die hohe Irminsul erinnert die sage von einem 60 ellen hohen götzenbild Lug oder Heillug in der Wetterau. Ph. Dieffenbach 291 (heiliger lôh?). . es war eine große hölzerne seule aufgerichtet, unter freiem himmel verehrt, ihr name sagt aus: allgemeine, alles tragende seule. Diese deutung scheint untadelhaft, wenn wir andere wörter hinzunehmen, deren begrif durch die zusammensetzung mit irmin gesteigert wird. irmingot , der höchste gott, der gott aller, im Hildebr. lied, kein besonderer, in der bedeutung nicht verschieden von dem durch ein anderes praefix verstärkten thiodgod Hel. 33, 18. 52, 12. 99, 6. irminman , erhöhter ausdruck für mensch Hel. 38, 24. 107, 13. 152, 11. irminthiod Hel. 87, 13 und Hild. für menschengeschlecht das slav. ramo, böhm. ramenso ist das umgesetzte lat. armus, ahd. aram und drückt beides arm wie schulter aus; in der sloven. zusammensetzung ramenvelik (valde magnus) verstärkt es gerade wie irman; führt dies auf verwandtschaft zwischen arm und irman? man erwäge Arminius. vgl. Schaffarik 1, 427. . ebenso erkläre 98 ich andere mit irman , irmin componierte eigennamen (gramm. 2, 448) und irmansûl , irminsul ist die große, hohe göttlichverehrte bildseule; daß sie einem einzelnen gott geweiht war, liegt nicht in dem ausdruck selbst. auf gleiche weise wird im ags. gesagt eormencyn (genus humanum) Beov. 309. cod exon. 333, 3, eormengrund (terra) Beov. 1711. (seltsam ist die adj. form: ofer ealne yrmenne grund cod. exon. 243, 13.) eormenstrŷnd (progenies), altn. iörmungrund (terra) iörmungandr (anguis maximus) iörmunrekr (taurus maximus), woraus sich das hohe, mythische alter, und die verbreitung dieser benennungen unter allen deutschen volksstämmen ergibt. denn auch den Gothen können sie nicht fremd gewesen sein, wie ihr berühmter königsname Ermanaricus (Aírmanareiks) altn. Iörmunrekr darthut, und unbedenklich sind die Hermunduri eigentlich Ermunduri (gramm. 2, 175), wie das H in allen solchen formen häufig vorschlägt. Was nun der wahrscheinliche sinn des wortes irman , iörmun , eormen war, auf den ich im verfolg zurückkommen werde, das springt in die augen, daß die Irmanseul in noch spät (s.  96 ) gefühltem bezug auf Mercur stand, dem das griechische alterthum ähnliche seulen und pfäle errichtete, die nach dem gott selbst Hermen hießen und an den deutschen namen gemahnen. Die Sachsen mögen mehr davon gewust haben; unter den Franken, in Hochdeutschland verband man, vom achten bis in das dreizehnte jh. mit irmansûl , irminsul die allgemeine vorstellung eines heidnischen, auf einer seule errichteten bildes. unter truncus ligni dachte sich Ruodolf wahrscheinlicher einen auserlesenen, heilig gehaltenen baumstamm (mit oder ohne götterbild?), als eine von menschenhand gezimmerte seule; jenes stimmt auch zu der verehrung sub divo, zu dem von einigen chronisten gebrauchten ausdruck lucus und der einfachheit des ältesten walddienstes. wie sich das bild in den begrif des baums verliert, geht der baum in den des bildes über, und der westfälischen Irmenseule liegt die vorstellung von der hessischen Donnereiche sicher ganz nahe, beide verwandelten die bekehrer in Peterskirchen. Ich vermute näheren zusammenhang zwischen den Irmanseulen und den im späteren mittelalter, zumal im nördlichen Deutschland aufgerichteten Rolandseulen ; in Schweden gab es Thorsseulen , bei den Angelsachsen Äthelstânseulen (Lappenberg 1, 376). Zuletzt noch die nachricht von einem heiligen stock in Neustrien, wie sie in der vita Walarici abbatis leuconensis († 622) enthalten ist, die aufzeichnung soll im 8 jh. geschehen sein: et juxta ripam ipsius fluminis stips erat magnus, diversis imaginibus figuratus , atque ibi in terram magna virtute immissus, qui nimio cultu morem gentilium a rusticis colebatur. Walaricus läßt den klotz umwerfen: et his quidem 99 rusticis habitantibus in locis non parvum tam moerorem quam et stuporem omnibus praebuit. sed undique illis certatim concurrentibus cum armis et fustibus, indigne hoc ferentes invicem, ut quasi injuriam dei sui vindicarent. (acta Bened. sec. 2. p. 84. 85.) der ort hieß Augusta (bourg d'Augst, unweit der stadt Eu), es wurde hernach an der stätte eine kirche errichtet. Ich glaube nachgewiesen zu haben, daß es götter und bildseulen im ältesten Deutschland gab. Noch wird es nöthig sein zu erwägen, wie das alterthum verfuhr, um fremde götternamen auf deutsche, und umgekehrt deutsche auf fremde anzuwenden. Der darstellungsweise der Römer war es weit mehr angelegen, durch freie übersetzung halbe deutlichkeit zu erreichen, als durch beibehaltung barbarischer ausdrücke der nachwelt einen dienst zu erweisen. willkürlich aber verfuhren sie nicht dabei, sondern unverkennbar aufmerksam. Mit Caesars Sol , Luna und Vulcan könnte man am wenigsten zufrieden sein, allein Tacitus scheint keine benennung römischer gottheiten ohne vorsicht und überlegung zu brauchen. er nennt bloß Mercur und Mars (Germ. 9. ann. 13, 57. hist. 4, 64), von vergötterten helden Hercules , Castor und Pollux (Germ. 9. 43), von göttinnen Isis (Germ. 9), die terra mater , mit deutschem namen (Germ. 10), die mater deum (Germ. 45). Ganz unvergleichbare, z. b. Apoll oder Bacchus werden niemals verglichen. Das auffallendste ist, daß Jupiter nicht vorkommt, und die auszeichnung Mercurs , der bei den Römern nur eine gottheit zweiten rangs bildet, bloß ein gott der kaufleute ist, hier als vornehmste unter allen erscheint: deorum maxime Mercurium colunt, dem auch allein menschenopfer fallen, während Mars und Hercules sich mit thieren begnügen. das hervortreten Mercurs erklärt sich wahrscheinlich daher, daß dieser gott auch unter den Galliern als hauptgottheit verehrt und zumeist abgebildet wurde (deum maxime Mercurium colunt, hujus sunt plurima simulacra Jul. Caes. 6, 17 Schöpflin Als. ill. 1, 435–60 und zumal über ein fanum Mercurs zu Ebermünster, das. 1, 58 vergl. Hummels bibl. deutsch. alterth. p. 229. Creuzer altröm. cultur am Oberrhein p. 48. 98. ), die blicke der Römer nach Deutschland immer aber Gallien im vordergrund sahen; vielleicht hatten auch gallische berichterstatter den germanischen gott in dieses licht gestellt. beachtenswerth ist dabei die gallische verbindung des Mars und Mercurius in bildseulen (vorhin s.  91 ), gerade wie Tacitus die germanischen zusammen nennt (ann. 13, 57). Die auslassung Jupiters hat augenscheinlich ihren grund darin, daß sein cultus bei den völkern, die Tacitus zunächst kannte, dem des Mercurs nachstand; wir werden im verfolg sehen, daß die nördlichen, entlegneren stämme umgekehrt dem donnergott ihre hauptsächliche verehrung widmeten. Über Isis und Hercules will ich mich späterhin erklären; wen man sich unter den Dioscuren denken solle, ist schwer zu rathen; 100 vermutlich doch zwei söhne Wuotans, und mit rücksicht auf den inhalt der edda würden sich Baldr und Hermödr, die beiden brüder, am meisten dafür eignen. Diese anwendung classischer namen auf deutsche götter verbreitete sich allgemein und wird von den latein. schriftstellern der folgenden jahrhunderte mit genauer übereinstimmung beibehalten: einmal in umlauf gesetzt blieb sie lange zeiten hindurch üblich und verständlich. Der gothische geschichtschreiber benennt uns nur einen gott auf römische weise, und es ist Mars : quem Gothi semper asperrima placavere cultura (Jornand. cap. 5), womit schon der scythische Ares (Herod. 4, 62. 63) verglichen werden mag. Paulus Diac. schließt was er von Wodan erzählt mit der ausdrücklichen meldung (1, 9): Wodan sane, quem adjecta litera Gwodan dixerunt, ipse est qui apud Romanos Mercurius dicitur, et ab universis Germaniae gentibus ut deus adoratur. ebenso versichert Jonas von Bobbio, sein älterer landsmann, in dem bericht von den opfernden Alemannen: illi ajunt, deo suo Vodano, quem Mercurium vocant alii, se velle litare, wobei eine anderwärts eingeschaltete glosse weniger richtig sagt: qui apud eos Vuotant vocatur, Latini autem Martem illum appellant, wenn sich auch sonst Wuotan mit Mars berührt (s. unten). Dem Gregor von Tours sind (oben s.  88 ) Saturn und Jupiter , dann aber Mars Mercuriusque die gottheiten, welche der heidnische Chlodovich anbetete. allgemeiner drückt er sich 1, 34 aus: Privatus, gabalitanae urbis episcopus – daemoniis immolare compellitur a Chroco Alamannorum rege im 3. jh. Widekind von Corvei nennt Mars und Hercules als götter der Sachsen (s.  91 ), der zusatz zu den Corveier annalen stellt die griech. und lat. benennungen Aris und Mars, Ermis und Mercurius nebeneinander. Im indiculus paganiarum wird unter 8 aufgezählt: de sacris Mercurii vel Jovis wären es die römischen götter, so würde sicher Jupiter zuvor und Mercur erst nach ihm genannt. ; unter 20: de feriis, quae faciunt Jovi vel Mercurio ; der donnernde gott, dessen Tacitus geschweigt, ist also bei andern unvergessen, und nun verstehen wir auch Wilibalds erzählung von dem robur Jovis (s.  58 ) und Bonifac. ep. 25 (a. 723) den presbyter Jovi mactans Nachtrag: Über Caesars Sol et Vulcanus et Luna s. GDS. 766. der indiculus folgt unmittelbar auf die abrenuntiatio, in welcher Thuner, Woden und Saxnôt genannt sind, also müssen auch Mercurius und Jupiter deutsche götter vorstellen, wie denn auch die deutschen wörter nodfyr, nimidas, frias, dadsisas darin vorkommen. die abrenuntiatio läßt offenbar der trilogie Thuner, Wôden, Saxnôt absagen und allen den unholden, die deren genossen sind . also gab es drei und mehr heidengötter. über die trilogie vgl. XXXVIII . XLI und die stelle aus der Trojamannasaga s. 34 bei Verelius s. v. blotskap, wo Thor, Ođin und Gefjon von Brutus angerufen werden. . In den additamentis operum Matthaei Paris. ed. W. Watts, Paris 1644. p. 25. 26 steht ein alter bericht von büchern, die man zu Verlamacestre bei der anlegung eines kirchbaues im zehnten jh. aufgefunden und verbrannt haben soll. eins derselben enthielt invocationes et ritus idololatrarum civium Varlamcestrensium: in quibus comperit, quod specialiter Phoebum, deum solis invocarunt, et coluerunt, secundario vero Mercurium, Voden anglice appellatum, deum videlicet mercatorum, quia cives et compatriotae . . . . fere omnes negotiatores et institores fuerunt. offenbar hat der 101 berichterstatter von seiner gelehrsamkeit hinzugethan. die formeln und bräuche selbst würden viel erwünschtere auskunft geben. Stellen, welche unter Diana eine deutsche göttin zu verstehen scheinen, sollen später mitgetheilt werden. Neptun wird einigemal genannt (oben s.  91 ). Saxo grammaticus in seinem lat. stil, scheut sich vor anwendung römischer götternamen und gebraucht Othinus oder Othin, niemals dafür Mercurius; doch statt des gewöhnlichen Thor (s. 41. 103) einmal s. 236 Jupiter und malleus jovialis ; Mars scheint s. 36 für Othin zu gelten, nicht für Tŷr, der bei ihm nirgends erwähnt wird. Ermoldus Nigellus, die götzen der Normanni anführend, sagt 4, 9 (Pertz 2, 501), daß sie für gott (vater) den Neptun , für Christus den Jupiter verehrten, Neptun muß hier Odin, Jupiter Thor bedeuten? dieselben namen kehren 4, 69. 100. 453. 455. wieder Nachtrag: Wie Saxo die nordischen götter ansah, ist s.  319 bemerkt. er nennt den Donnergott, der s. 41 bei ihm Thoro , s. 103 aber Thor heißt, einmal Jupiter . ausserdem steht Pluto oder Dis  = Othinus als Valföđr. Saxo 36. 140. 147. Proserpina  = Hel. Saxo 43. . Melis-Stoke, schon im beginn des 14. jh., weiß noch, daß heidnische Friesen den Mercur anbeteten (1, 16. 17); ich kann die lat. quelle nicht nachweisen, aus welcher er dieses ohne zweifel schöpfte unsere mhd. dichter machen keine solche mittheilungen; sie kümmern sich nur um Sarazenengötter, unter welchen freilich auch Jupiter und Apollo auftreten. Rol. 97, 7 werden Mars , Jovinus , Saturnus genannt. . Wenn angenommen werden darf, und es scheint mir fast unbedenklich und nothwendig, daß seit dem ersten jh., in den sechs oder acht folgenden, eine ununterbrochene übertragung der angeführten und einiger ähnlichen lateinischen götternamen auf einheimische gottheiten Galliens und Germaniens statt fand, und unter den gelehrtgebildeten verbreitet wurde; so erlangen wir allein dadurch aufschluß über eine noch nicht befriedigend erklärte merkwürdige erscheinung: über die frühe in das halbe Europa eingedrungne heidnische benennung der wochentage . Diese namen sind ein günstiges, nicht zu übersehendes zeugnis für das deutsche heidenthum. Ich stelle mir die sache so vor hierbei kann ich nur den anfang, nicht den für meine untersuchung wichtigeren schluß eines gelehrten aufsatzes von J. C. Hare benutzen; on the names of the days of the week (philolog. museum nov. 1831). zu vergl. ist Idelers handb. der chronologie 2. 177–180 und Letronne observations sur les représentations zodiacales p. 99. . Von Aegypten her durch die Alexandriner kam siebentägige woche (ἑβδομάς), wie sie in Westasien sehr alt ist, aber wol später erst planetarische benennung der wochentage bei den Römern auf, unter Jul. Caesar älteste erwähnung des dies Saturni , in verbindung mit dem jüdischen sabbat, bei Tibull 1, 3, 18. ἡλίου ἡμέρα Justin. martyr. apolog. 1, 67; Ἑρμοῦ und Ἀφροδίτης ἡμέρα bei Clemens alex. strom. 7, 12. die einrichtung durchgesetzt nicht lange vor Cassius Dio (37, 18), um den schluß des 2 jh. alter vers zu ende der ausgaben des Ausonius: ungues Mercurio , barbam Jove , Cypride crines. . Früher 102 bestand bei den Römern eine neuntägige woche, nundinae = novendinae. Das christenthum hatte die hebdomas von den Juden übernommen und konnte nun auch die abgöttischen tagnamen nicht leicht von der kirche abwehren Nachtrag: Nach Lepsius einl. s. 131 hatte die aegyptische woche nicht 7, sondern 10 tage. neun tage lang, ist ein zeitabschnitt bei wilden. Klemm 2, 149. dem röm. nundinae entspricht das griech. ἐννῆμαρ, doch nehmen Niebuhr 1, 308 und O. Müller Etrusker 2, 324 eine achttägige woche bei den Römern an. die siebentagswoche ist semitisch, den Römern wie Griechen unbekannt, beruht auf aberglauben an die heiligkeit der zahl sieben. vgl. Nesselmann über den ursprung der woche (königsb. deutsche gesellsch. 22. mai 1845). Die siben stern siben tugende haltent, Die muozen alle mensche haben, die dâ zît der tage waltent.                                                                         Titur. 2753. Die namen der provenz. wochentage gibt Raynouard s. v. dia ; altfr. demierkes f. mercredi, devenres f. vendredi. vgl. Roquefort suppl. v. kalandre. . Diese namen, samt der wocheneintheilung, waren aber früher als der christliche glaube von Rom aus nach Gallien und Deutschland übergegangen. In allen romanischen ländern dauern die planetarischen namen bis auf heute fort (meist in sehr verkürzter gestalt), nur für den ersten und letzten wochentag ausgenommen: statt dies solis wählte man dies dominica , ital. domenica, span. domingo, franz. dimanche; statt dies Saturni blieb das jüdische sabbatum , ital. sabbato, span. sabado, franz. samedi (= sabdedi, sabbati dies). aber die heidnischen benennungen auch dieser beiden tage waren lange noch volksmäßig: ecce enim dies solis adest, sic enim barbaries vocitare diem dominicum consueta est. Greg. tur. 3, 15. Leider entgeht uns kenntnis der gothischen tagnamen. das allein bei Ulf. vorkommende sabbatê dags, sabbatô dags, beweist nichts, wie wir eben sahen, wider die planetarische benennung der übrigen sechs oder fünf tage. ein sunnôns dags, mênins dags lassen sich mutmaßen, die vier übrigen, für uns die wichtigsten, wage ich nicht anzugeben. Es wäre für unsere ganze untersuchung vom höchsten werth, wenn sie sich erhalten hätten. Ahd. sunnûn dag O. V. 5, 22. gl. blas. 76 a Lacombl. arch. 1, 6; mânin tac (ohne beleg, denn mânitag, mânotag bei Graff 2, 795. 5, 358 haben keinen, mânetag steht N. ps. 47, 1). dies Martis, bei den Alamannen wahrscheinlich Ziuwes tac, im 11. jh. Cies dac gl. blas. 76 a Cies = Zies, wie dieser glossator 86 a gicimbere und cinnun schreibt. , bei den Baiern und Longobarden wol anders. dies Mercurii vielleicht noch Wuotanes tac? das abstracte diu mittawecha N. ps. 93, mittwocha gl. blas. 76 b . dies Jovis Donares tac, Toniris tac N. ps. 80, 1. donres tac gl. blas. 76 a Burcard von Worms 195 b : ›quintam feriam in honorem Jovis honorati‹; dies Veneris Fria dag O. V. 4, 6. Frîje tag T. 211, 1; endlich mit umgehung des heidnischen dies Saturni, wie im romanischen und gothischen, sambaztag T. 68, 1. N. 91, 1, Sambazolus n. pr. bei Karajan. samiztag N. 88, 40, sûnnun âband , unser sonnabend, schon O. V. 4, 9, wahrscheinlich kürzung für sunnûndages âband, feria ante dominicam, denn vespera solis meinte man nicht. auch dem roman. dies dominica entspricht zuweilen frôn tag N. ps. 23, tag des herrn. Sollte man glauben, daß aus den zahlreichen mhd. sprachdenkmälern die namen der wochentage nicht leicht zu entnehmen sind? zwar sunnen tac (suntac Berth. 118) und mântac (Parz. 452, 16, mæntac, 498, 22. Amis 1648) zuemtig – montag Stald. 2, 470 soll wol sein: zue mentig, ze mântage? doch 1, 490 hat er guenti, güenti für montag, Tobler 248 b gwontig, guentig und Zellwegers urk. 1 b , 19 guonti, wofür die urk. n° 146 an gutem tag, was durch Haltaus jahrzeitb. s. 42 bestätigt zu werden scheint, oder heißt so bloß der bestimmte montag nach der fasten? im cod. pal. 372, 103 (a. 1382) steht: guotem tag. dieser gute tag ist nur zufällig ähnlich dem westfäl. gudensdag = mittwoche. leiden keinen zweifel; 103 auch nicht Donrestac (Donerstag. Uolrich 73 a , Dunrestac Berth. 128), Duristag schreibt eine halbniederd. urk. a. 1300 bei Höfer s. 57), Dornstag eine von 1495 in Useners femgerichten s. 131; Frîtac (Parz. 448, 7. 470, 1. Walth. 36, 31. Berth. 134) Vriegtag. Uolrich 73 a ; samztac (Parz. 439, 2. Berth. 138) sunnen âbent Trist. 3880. Aber ungewisheit schwebt wieder über dem dritten und vierten tag. Jener hieß, nach merkwürdiger unterscheidung, in Baiern Eritac , Erctac (die rechte form nicht ganz sicher, eritag Adelungs vat. hss. 2, 189. ergetag Berth. 122, beispiele aus urkunden sammelt Schm. 1, 96. 97); in Schwaben hingegen Ziestac , das aus Ziewestac entsprungen ist. beide sich ganz abliegende formen leben unvertilgt in der heutigen volkssprache fort; bair. ierte , östreich. iärta , irita , vicentinischdeutsch eörtä , ortä ; alem. ziestag, zinstag, ziestig, zistig, zienstig, zeinstig, zinstag , die einschaltung der liquida hat den ausdruck verderbt und falsche nebenbegriffe herbeigeführt. im mittlern Deutschland scheint die form diestag, tiestag vorzuherschen (an der Rhöne diestik ), woraus unser nhd. dienstag (schlechter dinstag, das IE hat guten grund) herrührt, falsch ist die schreibung dingstag , mit dem gedanken an ding, judicium. dinstag steht in Gaupps magdeb. recht p. 272. Den vierten tag finde ich nie, weder mhd. noch in späteren volksmundarten, nach dem gott benannt, es müste sich denn das in der anmerkung beigebrachte gwontig als Gwuotenstag, Wuotenstag rechtfertigen lassen; überall hat hier jene abstraction um sich gegriffen, ist aber fast selbst unverständlich und in ein masc. mittwoch , mittich (Berth. 124. mäktig Stald. 2, 194 vgl. gothl. mäjkädag Almqv. 442 a ) verwandelt worden, an der mitkun steht im cod. zaringobad. no 140 (a. 1261). So ist auch für den fünften tag der zahlnahme phinztac (Berth. 128. Ottoc. 144 a . Grätzer urk. von 1338. Schwabenspiegel s. 196. Schm. 1, 322) phingstag , durch griechischslavischen einfluß (πέμπτη, petek, piatek, patek, nur daß die Slaven den freitag darunter verstehen) in einige oberdeutsche gegenden gedrungen Nachtrag: Sunnentac . MS. 2, 190 b . Amur 1578. 1609. 1621. Griesh. 114. 141, suntac pass. 299, 68. 81. mântac Frauend. 32, 11. maentags Frauend. 82, 1. aftermaentag  = dienstag Hätzl. LXVIII a . aftermontag bei Uhland volksl. s. 728. zistag und zinstag neben einander in Wackernagels Bas. hss. 54. 57, wie im schweiz. geschichtsfr. 1, 82. 83. 161. 4, 149. cinstag weisth. 1, 759. zinstag Dietrichs drachenk. 320 b . Justinger 59. Keisersperg. zistig Tobler 458. eritag fundgr. 1, 75. MB. 27, 89 a . 1317. 132 a . 1345. Lang reg. 4, 711 a . 1300. Grätzer urk. 1319. 1320 ff. dagegen ebendas. erchtag 1310. Schwabe tintenf. 19. 56. erctag bei Hartlieb ( abergl. H. cap. 31. 32). erichtag Beheim 76, 16. H. Sachs 1, 206 d . Hutten 3, 358. eretag bei Guben 48, 32. mitwoche Wackern. Bas. hss. 57. mittoche Diemer 357, 5. von dem mitechen Tund. 44, 27. des mittichen MB. 27, 90 a. 1317. 27, 98. a. 1321. der midechen Grätzer urk. v. 1320. mitich, mitichen a. o. 1338. midechon Grieshaber 2, 48. an dern nehsten guotemtag(!) Schreiber 1, 486. (vgl. anm. 320 ) zwischen donresdag und donredag schwanken die urkunden des 14. jh. dunrstac pass. 57, 87. 58, 36. 103, 67. dünderstag, dunderstag immer bei Conrad von Weinsberg. dorstage f. donrstage schweiz. geschichtsfr. 3, 260. a. 1396. dunredagh Maltzan 2, 6. Haupts zeitschr. 5, 406. donredagh Maltzan 2, 45. phincztag Beheim 78, 8. MB. 27, 131 a . 1343. vrîtach Griesh. 2, 48, frehtag Grätzer urk. a. 1310. des vriegtages S. Uolrich 1488. . Auch die altsächsichen benennungen mangeln uns, müssen aber in wesentlichen punkten von den ahd. abgewichen sein, wie die späteren dialecte verkündigen. fast sicher anzunehmen ist Wôdanes dag für den vierten der woche, denn noch heißt er in Westfalen Godenstag, Gonstag, Gaunstag, Gunstag , zu Aachen Gouesdag , in niederrhein. urkunden Gudestag z. b. Günther 3, 585. 611 (a. 1380. 1387). Gudenstag Kindlinger hörigk. p. 577. 578 (a. 1448). der dritte mag gelautet haben Tiwesdag , der fünfte Thunaresdag , der sechste Frîundag? zumeist verschieden war wol der name 104 des siebenten, man bildete nach dies Saturni Sâteresdag? vgl. westph. Saterstag, Saiterstaig Günter 3, 502 (a. 1365). Ssp. 2, 66 liest eine hs. für sunavend Satersdach . Mnl. I sondach Maerl. 2, 159. II manendach . Huyd. op St. 3, 389. maendach Maerl. 2, 139. III Disendach Maerl. 2, 140, anderwärts Dicendach, Dissendach . Gannaert strafrecht s. 124. 481, wie es scheint verderbt aus Tisdach. IV Woensdach Maerl. 2, 143. V Donresdach Maerl. 2, 144. VI Vrîdach Maerl. 2, 159. des Vrîndaghes Maerl. 2, 143. 157. VII Saterdach Maerl. 2, 114. 120. 123. 157. 159. 276. 3, 197. 343, daneben sonnacht Maerl. 2, 164. 3, 240. Nnl. I zondag . II mândag . III dingsdag , früher dinsdag, Dissendag . IV Woensdag , belgisch Goensdag. V Donderdag . VI Vrîdag . VII Zaterdag . Altfries. I sonnadei . II monadei . III Tysdei . IV Wernsdei . V Thunresdei , Tornsdei. VI Frigendei, Fredei . VII Saterdei , belege für alle diese formen hat Richthofen. Neufries. I sneyn , verkürzung aus sinnedey, sendei, senned, (vgl. Frêd), das auslautende n in sneyn mag, wie im altfries. Frigendei, überrest der älteren schwachen form des gen. sg. sein. II moandey . III Tyesdey . IV Wânsdey . V Tongersdey . VI Frêd , gekürzt aus Fredey. VII sniuwn, snioun , gekürzt aus sinnejuwn, sonnabend. vgl. tegenwoordige staat van Friesland 1, 121. Wassenberghs bidraghen 2, 56. Halbertsma naoogst s. 281. 282. Nordfries. I sennendei . II monnendei . III Tirsdei . IV Winsdei . V Türsdei . VI Fridei . VII sennin (in = abend). Ags. I sonnan däg. II monan däg. III Tives däg. IV Vôdenes, Vôdne s däg. V Thunores däg. VI Frige däg. VII Sætres däg, Sæternes däg. Engl. I sunday . II monday . III Tuesday . IV Wednesday . V Thursday . VI Friday . VII Saturday . Altn. I sunnudagr das altn. sunnudagr ist hervorzuheben, da sonst lieber sôl als sunna gesagt wird, sunnudagr scheint von den bekehrern dem sprachgebrauch der übrigen Deutschen nachgeahmt. vollends muß das schwed. dän. söndag (statt soldag ) aus einer plattdeutschen form entsprungen sein. . II mânadagr . III Tŷrsdagr, Tŷsdagr . IV Ođinsdagr . V Thôrsdagr . VI Friadagr, Freyjudugr . VII laugardagr . Schwed. I söndag . II måndag . III Tisdag , woher selbst finn. tystai. IV Onsdag . V Thorsdag . VI Fredag . VII lördag . Dän. I söndag . II mandag . III Tirsdag . IV Onsdag . V Torsdag . VI Fredag . VII löverdag Nachtrag: Die altsächsischen benennungen der wochentage müssen aus den späteren formen erkannt werden. I. sundach . Ssp. sondag . Pommern 1486. Klempin 488. II. mandag a. o. III. dinsdag cöln. urk. von 1261. bei Höfer no. 5. dinstag von 1316. a. o. s. 112, dynsdais von 1334. a. o. s. 277. dincedagh pomm. urk. a. 1306 a. o. s. 354. dinstdag magdeb. urk. a. 1314. s. 103. dinscdag magdeb. urk. a. 1320 s. 142. dinstagh quedlinb. a. 1325 s. 179. dingstdag ravensberg. urk. a. 1332 s. 258. dynstag Seibertz no. 652 a. 1315. no. 688 a. 1343. dinxtdag Ditmars. landr. v. 1447 ed. Michelsen s. 32. dynsthedach Detmar 2, 287. dinschedach weisth. 3, 88. 90. dyngstedag urk. von Maltzan 2, 270. dincsedagh 2, 34. dinghestedaghes 2, 179. dingstedaghes 2, 210. dynstedaghes 2, 207. dyngesdaghes 2, 142. dinxstedages Haupts zeitschr. 5, 405. 406. dingstedag Hammerbröker recht. hat irgend eine niederdeutsche gegend im MA. noch tisdag? kaum. alle scheinen dinsdag, dinsedag, dingsdag zu brauchen, das dem nnl. dinsdag entspricht und aus mnl. disendach entstellt wurde. aus diesem dinsdag rührt das nhd. dienstag oder dinstag her. dinstag schon in urk. von 1316 bei Höfer s. 120 in Schleusingen, von 1320. 1322 bei Höfer s. 146. 153 in Erfurt. dingesdag Klempin a. o. IV. gudinsdag, gůdensdag Höfer no. 6. 7. a. 1261. 1262. des mitwekens Maltzan 2, 88 in deme mitwekene 2, 113. des mydweken Haupts zeitschr. 5, 406. des middewekenes Höfer s. 166. a. 1323 (Halberstadt). mitdwekenes s. 370 a. 1331. medewekes s. 360 a. 1324. middeweke Klempin. V. dunresdach Ssp. donredag Klempin. dunredagh urk. von Maltzan 2, 6. Haupt 5, 406. donredagh . Maltzan 2, 45. VI. vridach Ssp. frigdag . Klempin. VII. sunavent Ssp. 2, 66 (eine hs. hat satersdach ) sonnavend . Klempin. saterdag ist nl. und westf., nicht sächs. saterstag Seibertz s. 724 a . 1352. satirsdach Marienlieder. Haupts zeitschr. 10, 80. 81. saterstag spinnr. evang. Cöln (1538). titel. Freidank 169, 15: suones tac verwandelt eine hs. in satersdach. soterdag Firmenich 1, 301 b . sorreschteg in Eupen a. o. 1, 495. Mnl. I. sondach Deckers lekensp. 1, 38. II. maendach Decker a. o. III. dinxdach Decker. disdag, desdag Coremans s. 49. disendaighes Hedu s. 443. de klerk 1, 804. disendach Uhland 1, 415. IV. woonsdach Decker. V. donredach Decker. donderdach Lanc. 13970. VI. vridach Decker. den vrindach Lanc. 25310. sfrîndaghes Maerl. 3, 284. sfrindaechs de klerk. 1, 708 a. 1303. VII. saterdach Decker. im leven van Jezus s. 27. 28. 74. 75. 234 wird der jüdische begrif von sabbat unpassend immer durch saterdach gegeben. Neufries. III tihsdi, tisdej . Höfers zeitschr. 1, 107. wie VII sniuon, snioun ist snavendes aus sunavendes gekürzt in einer anhaltischen urk. von 1322 bei Höfer s. 163. Nordfriesische formen bei Outzen s. 38. IV. Weadansdai . landeskunde 4, 248. auf Silt Winjsday . Müllenhoff s. 167. für V. Türsdei kommt auch Tüsdei vor. VII. das nordfr. in abend in sennin gleicht dem een abend in der englischen volkssprache, schott. gude een , Shakesp. good en . Ags. IV. Mercoris die hoc est Vôdnesdag . Kemble 5, 94 (a. 844). Altengl. III tweisdaie . IV. wensdaie Garner proceedings s. 232. Altn. Gulaþ. s. 9: III. Tysdagr . IV. Ođensdagr . V. þorsdagr . VI. Freadagr . VII. þvatdagr . Schwed. I. sunnudaghr östg. (vgl. anm. 320 ). VII. löghurdagh . östg. Norweg. IV. mekedag . VI. Freadag . dipl. norveg. bd. 3. no. 787. a. 1445. Jütisch. IV. Voensdag, Voinsdau . Molbech. dial. 653. VI. Freia . VII. Luora . Foersom. s. 12. Anglisch. IV. Vonsdaw . . Man sieht, nur in dem siebenten tag entfernt sich der nord. name von dem sächsischen und friesischen: laugardagr bedeutet badetag, weil am schluß der woche gebadet wurde. und doch ist vielleicht hier zusammenhang? ein lat. gedicht des neunten jh. 105 auf die schlacht von Fontenay (Bouquet 7, 304) hat den merkwürdigen vers: sabbatum non illud fuit, sed Saturni dolium , ein teufels bad? vgl. cap.  XII . Saturn. Wenn auch die Germanen von frühster zeit an die siebentagwoche nach den reihen und folgen des mondwechsels dem lat. worte vix, gen. vicis entspricht das unverschobene goth. vikô , ahd. wëchâ und wëhsal, beide der wurzel veika, váik, ahd. wîchu, weih gehörend weil der wechsel ein weichen (recedere) ist. Ulf. hat vikô nur Luc. 1, 8, wo ἐν τῆ τάξει τῆς ἐφημερίας verdeutscht wird in vikôn kunjis, es ist hier offenbar mehr als τάξις, nemlich drückt zugleich einen theil des gen. ἐφημερίας aus, in vice generis, was in der vulg. heißt in ordine vicis. ob nun vikô den Gothen für die wechselnde wiederkehr der mondzeiten galt, wissen wir nicht sicher, ich vermuthe es, da das ahd. wëchâ, wochâ, ags. vuce, altn. vika, schwed. vecka, dän. uge grade auf den begrif der septimana eingeschränkt sind. auf ein hohes alter des worts führt sogar der abgang der lautverschiebung. merkwürdig ist auch das javanische vuku zeitabschnitt, das jahr zerfällt in dreißig vukus (Humboldt Kawispr. 1, 196). das finn. wijkko scheint eher der nord. als schon der goth. form abgeborgt. Ich bemerke noch, beachtung der zeitabschnitte bei den Germanen müsse schon daraus folgen, daß nach Tac. Germ. 9 für die Mercursopfer certi dies festgesetzt waren. gekannt haben; so ist ihnen die benennung der tage und deren anordnung offenbar aus der fremde zugebracht worden. sonst würde einzelnes abweichen, und Saturn aus dem spiel geblieben sein, für den sich kein einheimischer gott darzubieten scheint. Aber nicht weniger verwerflich wäre, die einführung der woche und der tagnamen den Christen beizulegen. so gut sie unter heidnischen Römern in gang kamen, konnten sie es unter heidnischen Galliern und Deutschen, ja, bei dem lebhaften verkehr dieser drei völker ist eine schnelle verbreitung überaus natürlich Jos. Fuchs gesch. von Mainz 2, 27 ff. (Kupfert. 4 no. 7) beschreibt einen römischen runden altar, wahrscheinlich aus dem dritten oder vierten jh., an welchem die sieben wochentaggötter (1 Saturn, 2 Apollo, 3 Diana, 4 Mars, 5 Mercur, 6 Jupiter, 7 Venus) und an achter stelle ein genius ausgehauen sind Nachtrag: Über den römischen mit den bildern der 7 wochentagsgötter geschmückten altar in Schwaben s. Stälin 1, 111. über den planetarischen götterkreis Lersch in den jb. d. Rheinlande. IV. 183. V. 298–314. die 8 bildnisse des altars bedeuten vielleicht götter der römischen nundinae . in der mitte der deutschen woche steht Odin, ihm zur seite seine söhne Tyr und Thor, lat. Mars, Mercurius, Jupiter. . . Das christenthum hatte die jüdische woche, und duldete namen, die ihm ein häufiger anstoß, aber bereits zu tief eingewurzelt waren und sich nur theilweise verdrängen ließen. Jene worte Gregors zeigen den ganzen widerwillen der geistlichkeit, und noch deutlicher geht es aus der (im syntagma de baptismo p. 190 gedruckten) äußerung eines isländischen bischofs im j. 1107 hervor, welcher sie wirklich für Island abschafte und durch bloße zahlnamen ersetzte. Wie hätten jemals die bekehrer gelitten, daß verhaßte namen der abgötter den neubekehrten zum täglichen gebrauch überliefert würden, wären sie nicht schon längst unter dem volk hergebracht gewesen? und wie hätten in Deutschland die lateinischen götter in deutsche übersetzt werden dürfen, gleichsam um sie dem volk erst recht nahe zu rücken, wenn dieses nicht schon jahrhunderte lang damit vertraut gewesen wäre? Das hohe alter der übertragungen ergibt sich auch ganz aus ihrer genauen einstimmung mit dem sprachgebrauch der ersten 106 jahrhunderte, sobald es darauf ankam, deutsche götter in römische zu verwandeln. Meiner vermutung zufolge muß die einführung der wochentagnamen wenigstens in das vierte oder fünfte jh. bei uns gesetzt werden; vielleicht hatte sie nicht überall in Deutschland zugleich statt. Unsere vorfahren, in natürlicher täuschung befangen, huben frühe an, den ursprung der wochentagnamen auf die eigenen götter ihrer heimat zu beziehen. Wilhelmus malmesbur., die ankunft der Sachsen in Britannien berichtend, erzählt von Hengist und Horsa, daß sie aus dem edelsten geschlecht abstammen: erant enim abnepotes illius antiquissimi Voden , de quo omnium pene barbararum gentium regium genus lineam trahit, quemque gentes Anglorum deum esse delirantes, ei quartum diem septimanae, et sextum uxori ejus Freae perpetuo ad hoc tempus consecraverunt sacrilegio (Savile 1601. p. 9). Umständlicher bei Galfredus monemut. (lib. 6. ed. 1587 p. 43), Hengist sagt zu Vortigern: ingressi sumus maria, regnum tuum duce Mercurio petivimus. ad nomen itaque Mercurii erecto vultu rex inquirit cujusmodi religionem haberent? cui Hengistus: deos patrios Saturnum , atque ceteros, qui mundum gubernant. colimus maxime Mercurium (wie bei Tac. 9.), quem Woden lingua nostra appellamus. huic veteres nostri dicaverunt quartam septimanae feriam, quae usque in hodiernum diem nomen Wodenesdai de nomine ipsius sortita est. post illum colimus deam inter ceteras potentissimam, cui et dicaverunt sextam feriam, quam de nomine ejus Fredai vocamus. Da Matthaeus westmonast. (flores, ed. 1601. p. 82) in einzelnem abweicht, mögen auch noch seine worte hier stehen: cumque tandem in praesentia regis (Vortigerni) essent constituti, quaesivit ab eis, quam fidem, quam religionem patres eorum coluissent? cui Hengistus: deos patrios , scilicet Saturnum , Jovem atque ceteros, qui mundum gubernant, colimus, maxime autem Mercurium , quem lingua nostra Voden appellamus. huic patres nostri veteres dedicaverunt quartam feriam septimanae, quae in hunc hodiernum diem Vodenesday appellatur. post illum colimus deam inter ceteras potentissimam, vocabulo Fream , cujus vocabulo Friday appellamus. Frea ut volunt quidam idem est quod Venus et dicitur Frea, quasi Froa a frodos, quod est spuma maris, de qua nata est Venus secundum fabulas, unde idem dies appellatur dies Veneris . Die angelsächsische sage, unbesorgt um die mischung eigner und fremder fabel, zweifelt also gar nicht an dem hohen alterthum der namen unter ihrem volk. Critischer äußert sich Saxo gramm. p. 103 über die nordische benennung, sie rühre von den heimischen göttern her, diese aber seien nicht einerlei mit den lateinischen. das beweisen ihm Thor und Othin , nach welchen der fünfte und vierte tag der woche genannt werde, wie im latein nach Jupiter und Mercur . denn Thor, als Othins sohn, lasse sich dem Jupiter, d. h. Mercurs vater unmöglich vergleichen, folglich auch nicht der nord. Othin, 107 Thors vater, dem römischen Mercur, d. h. Jupiters sohne. der unterschied ist allerdings triftig, es geht aber daraus nur hervor, daß zu der zeit, wo man Othin und Mercur gleichzustellen begann, Mercur als ein celtischer gott und wahrscheinlich mit sehr von der classischen vorstellung abweichenden eigenschaften gedacht wurde. In seinem sinn hat Saxo ganz recht, seine bemerkung bestätigt den frühen heidnischen ursprung dieser tagnamen vgl. Pet. Er. Müller om Saxo p. 79. , er läßt sich aber, wie wir s.  101 sahen, doch von der durchdringenden identität Thors und Jupiters beschleichen Nachtrag: Auch Snorri im formâli hat interpretationen und vergleichungen aus der bibel und der classischen mythologie. den Freyr hält er zu Saturn (s.  180 ). . Auch die varianten der wochentagsnamen nach verschiedenheit der volksstämme verdienen alle rücksicht; man gewahrt, daß sie nicht gerade starr aufgenommen oder beibehalten wurden, sondern nationalbegriffe immer noch ein gewisses recht darauf ausübten. Das längere heidenthum in Friesland und Sachsen machte, daß die alten namen des vierten und siebenten tags fortwährten, während sie in Hochdeutschland früher in vergessenheit sanken. vorzüglich bedeutsam ist uns aber die abweichung der Alamannen und Baiern bei dem dritten tag; wie hätte sie erst in späterer zeit, als die vorstellung von dem heidnischen gott, der den Mars repräsentiert, bereits verworren war, entspringen mögen? wie die christliche geistlichkeit, wenn von ihr die namengebung ausgegangen wäre, eine solche unterscheidung genehmigen können? Die hinter uns liegenden völker, Slaven, Litthauer, kennen die planetentagnamen nicht, sondern zählen gleich den Griechen auch die indischen völker benennen ihre wochentage nach planeten, und bemerkenswerth scheint hier, daß im sanskrit der mittwoch Budhuvaras , tamulisch Budhunküramei heißt, da man Budda mit Wuotan vergleicht. indessen ist der regent des Mercur, ein sohn des mondes, Budhas von Buddhas dem propheten verschieden (Schlegels ind. bibl. 2, 177). , nicht weil sie später bekehrt, sondern später mit der lateinischen bildung vertraut wurden. die Finnen und Lappen zählen nicht, dagegen wieder meistens die Esten Nachtrag: Die wochentagsnamen der Esten, Finnen und Lappen lauten so: Estn. I. pühhapääw , heiliger tag. II. esmaspääw , erster tag. III. teisipääw , zweiter tag. IV. kesknäddal . V. neljapääw , vierter tag. VI. rede (redi), fasttag? VII. laupääw oder poolpäiw , halber tag. Finn. I. sunnuntai . II. maanan . III. tiistai . IV. keskiwijcko . V. tuorstai . VI. perjandai . ist dies ein vom fünften tag verschobenes Peruntag (vgl. Perendan s.  108 ), oder, da die Finnen kein F haben, entstellt aus Fredag ? VII. lauwandai . Schwed. lapp. I. ailek . II. manodag . III. tisdag . IV. kaska wakko . V. tuoresdag . VI. perjedag . VII. lawodag . Norw. lapp. I. sodno beive . II. vuosarg . III. mangebarg . IV. gaskvokko . VI. fastobeive , fasttag und perjedag . . auch die von Byzanz aus ergehende christianisierung entschied hierbei nichts, sie hatte auf Litthauer und Finnen keinen und nur auf einen theil der Slaven einfluß. Diese zählen aber so, daß sie von montag, als erstem tag nach der ruhe, anheben, folglich dienstag ihr zweiter, donnerstag ihr vierter ist, ganz abweichend von der lat. und isl. zählung, die den montag als zweiten, donnerstag als fünften annimmt. daher ist der slav. patek freitag, jener oberd. pfinztag donnerstag. die mitte der woche nennen sie sreda, sereda, srida (woher litth. serrada), was vielleicht auf die hochd. benennung einwirkte. auch die Finnen haben keskiwijcko (halbe woche von keski medium), es wäre nicht unwichtig auszumitteln, wann zuerst und aus welcher ursache Hochdeutsche und Slaven die abstracte benennung mittewoche und sreda (böhm. středa) einführten, 108 während Niederdeutsche und Romanen Wodan und Mercur behielten. Nur bei den lüneburger Wenden ist eine spur des götternamens, dies Jovis hieß ihnen Perendan , von Peren, Perun, donnergott; wie es scheint bloße nachahmung des deutschen namens, da sie in den übrigen tagen mit den andern Slaven einstimmen auffallend, daß in altböhm. glossaren (Hanka 54. 165) Mercur, Venus und Saturn eben in der folge der wochentage aufgeführt werden, und daß überhaupt slavische götter, wenn sie mit lateinischen zusammengestellt sind, gewöhnlich unter jene wochengottheiten gehören. Und während sich von altslavischen göttern Svatovit dem Mars (Ziu), Radigast dem Mercur (Wuotan), Perun dem Jupiter (Donar), Lada (goldne frau, zolota baba bei Hanusch 241, 35 b ) der Venus (Frîa), vielleicht Sitivrat dem Saturn vergleichen, werden die planetennamen Mars durch Smrtonos (letifer), Mercur durch Dobropan (guter herr oder vielmehr dator bonorum), Jupiter durch Kralemoc (rex potens), Venus durch Ctitel (cupitor? venerandus?), Saturn durch Hladolet (famelicus oder annonae caritatem afferens) gedeutet. Wegen Sitivrat verweise ich auf das am schluß des zwölften cap. ausgeführte. . Reines ergebnis aller dieser betrachtungen ist, daß wir berechtigt sind, in lateinischen, Deutschland und seine götter behandelnden denkmälern mit größter wahrscheinlichkeit Mercurius von Wuotan, Jupiter von Donar und Mars von Ziu zu verstehen. die verdeutschten wochentaggötter sind eine probe auf des Tacitus interpretatio romana. 109 Cap. VII. Wuotan. Die höchste und oberste gottheit, wie man annehmen darf, allgemein unter allen deutschen stämmen verehrt, würde in gothischer mundart geheißen haben Vôdans ; sie hieß ahd. Wuotan , und diese benennung erscheint noch, wenn gleich selten, als eigenname: Wuotan trad. fuld. 1, 149. 2, 101. 105. 108. 128. 158. 161. Woatan 2, 146. 152. Longobarden schrieben Wôdan oder Guôdan , Altsachsen Wuodan , Wôdan , wiederum in Westfalen, mit dem vortritt des G, Guôdan , Gudan , Angelsachsen Vôden , Friesen Wêda , nach der neigung ihres dialects auslautendes N wegzuwerfen, und ô auch ohne folgendes i umzulauten ein friesischer gott Warns ist einfältig nach dem gen. in der zusammensetzung Warnsdei, Wernsdei (Richth. s. 1142) erfunden worden, wo Werns deutlich aus Wedens, Wodens, das r aus anstoß des d an s entsprang; kaum wird sich ein nom. Wern irgend darbieten. auch sprechen die heutigen Westfriesen Wansdey, die Nordfriesen Winsdei, ohne solches r. . die nord. form ist Ođinn , bei Saxo Othinus , færöisch Ouvin (gen. Ouvans, acc. Ouvan). In Graubünden, woraus die tiefhochdeutsche verbreitung des namens hervorgeht, hat die romanische sprache den ausdruck Vut Alamannen oder Burgunden der frühsten zeit abgehört, und, im sinn von abgott, götze (1 Cor. 8, 4) bis heute bewahrt Conradis wb. 263. Christmann p. 30–32 Nachtrag: Carisch 182 b hat vutt , götze, götzenbild, das nach anderen von vultus , voult, bild, gesicht oder von votum stammt. vgl. magliavutts (s. anm. 113 ). . Nachtrag: Der name der höchsten heidnischen gottheit, der alle anderen götter wie kinder dem vater dienen (Sn. 23), kommt gleich dem späteren Herrgott im ahd. häufig als mannsname vor: Wotan . Schannat. 312. Woatan 318. Wuotan 342. 386. 389. langobardische glossen haben Odan und Godan . Haupts zeitschr. 1, 557. vgl. Godân . Haupts zeitschr. 5, 1. 2. in der abren. steht Woden , vielleicht ist auch Wedan alts. ( anm. 382 ) vgl. über Wodan Lisch meklenb. jb. 20, 143 ff. ags. neben Vôden auch Othan (s. anm. 28 ). Ođon . Sal. and Sat. 83. Eovđen (s. anm. 399 ). nordfries. Wede, Wedke . Müllenhoff s. 167. Wedki taeri! landesk. 4, 240. für das nord. Ođinn einmal Oddiner . vgl. Munch zu Odds Ol. Tr. s. 94. Audon . Yngl. cap. 7. steht das in norw. urk. nicht seltene Audun für Odin? Oden östgötl. = hin onde. Almqvist 371 a . noch in Stockholms adresscalender für 1842 s. 142 heißen zwei männer Odin . Rask afh. 1, 377. 378 sieht im lettischen Vidvut den Vodan der Viden (Letten), aber nach Vogt 1; 141 ist Widewud, Waidewud ein preussischer könig. zum Vut in Graubünden (kl. schr. 5, 427 ff.) halte man den Vuodan in Wallis, von dem M. C. Vulliemin in der abhandlung la reine Berte et son temps. Lausanne 1843. s. 3 erzählt: un jour on avait vu Wuodan descendre le Rhône, telle était du moins la croyance populaire, l'épée nue dans une main, un globe d'or dans l'autre, et criant: rigou haiouassou! fleuve soulève toi! et le fleuve s'élevant avait détruit une partie de la ville. auf meine frage (durch Troyon), ob der name Wuodan wirklich so in der erzählung vorkomme, wurde dies bestimmt bejaht. die gemeinte stadt sei Martigny. . Unzweifelhaft ist wol die unmittelbare abkunft dieses wortes aus dem verbum ahd. watan, wuot, altn. vađa, ôđ, welches meare, transmeare, cum impetu ferri, bedeutet, jedoch nicht dem lateinischen vadere gleichgestellt werden darf, da jenem kurzes, diesem langes a zusteht. mit vadere läßt sich das alts. ags. gavîtan zusammenbringen. Von watan stammt das subst. wuot , wie μένος und animus, eigentlich mens, ingenium, dann ungestüm und wildheit ausdrückt; im altn. öđr haftet noch ganz die bedeutung mens oder sensus das noch nicht völlig aufgeklärte goth. vôþis dulcis II Cor. 2, 15, ahd. wuodi Diut. 2, 304 a , alts. wuothi Hel. 36, 3. 140, 7 ags. vêđe muß entweder als ganz unverwandt angesehen, oder in der bedeutung vermittelt werden. . Hiernach scheint Wuotan, Ođinn das allmächtige, alldurchdringende wesen, qui omnia permeat; wie Lucan von Jupiter sagt: est quodcunque vides, quocunque moveris, die geistige gottheit das hat auch Finn Magnusen gefunden, lex myth. 621. 636. . vgl. Virgil. Georg 4, 221: deum ire per omnes terras und Ecl. 3, 60: Jovis omnia plena. in der bairischen volkssprache heißt wueteln sich regen und bewegen, wimmeln, üppig wachsen und gedeihen (Schm. 4, 203) Nachtrag: Wuotans name stammt von watan etwa wie ϑεός von ϑέειν, skr. vâdanas . Schleicher in Kuhns zeitschr. 4, 399. er steht in nahem bezug zu wetter , ahd. wetar , aer, aether, und wind ( anm. 300 ), er ist sturm, byr, furia, wilder jäger, uma, Ymir, Jumala, geist, er heißt auch Ofnir, Vafuđr, Vatþrûđniri warum aber gibt Ođinn önd, Hoenir ôđ bei Sæm. 3 b , da doch Ođinn ôđ geben sollte? Das bairische wueteln kennt auch H. Sachs: das es aufwudlet grün in grün (von kräutern) V. 377 d . wudelt das kraut auf V. 378 c . vgl. Wuotilgôz s.  304 und Wuotans verhältniss zu Geát s.  136 . Er ist gleich zu setzen Zeus, Indra, Loptr. ἀήρ , ὅν ἄν τις ὀνομάσειε καὶ Δία . Meineke. fragm. com. 4, 31. Aeschylos in den Eum. 650 sagt von Zeus: τά δ'ἄλλα παντ' ἄνω τε καὶ κάτω στρέφων τίϑησιν , οὐδὲν ἀσϑμαίνων μένει. Zeus rührt bloß, weht die Jo an, und sie wird schwanger mit Epaphos (dem berühren) nach Aesch. Prom. 849–851. ἐξ ἐπαφῆς κάξ ἐπιπνοίας Δίος. Aesch. suppl. 18. ἐξ ἐπιπνοίας Τηνός a. o. 45. ἐφάπτωρ. a. o. 312. ϑείαις ἐπιπνοίαις παύεται. a. o. 576. eigenthümlich ist bei Ducange s. v. Altanus die gl. Aelfrici: Altanus Voden , quae vox saxonice Wodanum seu Mercurium sonat (vgl. anm. 404 ). bei Wright 17 b Altanus þoden und þoden sonst turbo . altanus auster ein wind. über Woldan s. Haupts zeitschr. 5, 494 ff. . 110 Wie frühe aber dieser urbegrif verdunkelt oder erloschen war, läßt sich nicht sagen. schon unter den Heiden muß neben der bedeutung des mächtigen und weisen gottes die des wilden, ungestümen und heftigen gewaltet haben. um so willkommner war es den Christen, die übele aus dem namen selbst hervorzuheben. in den ältesten glossen verdeutscht wôtan tyrannus, herus malus, Diut. 1, 276 b gl. Ker. 270; ebenso gebraucht man später und noch heute wüeterich, wüterich (gramm. 2, 516), vgl. ein ungestüemer wüeterich. Ben. 431; wie Mar. 217 Herodes mordknechte wüeteriche heißen, nennt ihn O. I. 19, 18 selbst gotewuoto . die form wuotunc wird sich davon nicht unterscheiden: ein ungedrucktes gedicht des 13 jh. sags Wüetunges her, es scheint für das wütende, gleichsam von Wuotan angeführte heer, und auch Wuotunc ist ein ahd. eigenname, Wôdunc trad. patav. nr. 19. Die alte gottheit war herabgewürdigt zu einem bösen, teuflischen, grausamen wesen und scheint noch im ausruf des niederd. volkes als betheurung oder fluch zu leben, so in Westfalen: o Woudan, Woudan! Firmenich 1, 257. 260; in Meklenburg: Wod, Wod! Nachtrag: Zu Otfrieds gotewuoto stellt sich eine schlettst. gl. aus dem 9. jh. sub tyranno under themo godowôden . der wüeterîch . Servat. 2853. ein tobender wüeterîch . Barl. 254, 21. vgl. gwyth (s.  124 ). in der Eifel heißt das wilde heer Wodes heer und ein ungeheurer, wilder mensch Wuodes woor. Schmitz 1, 233. in der wetterauischen räuberbande war ein Werner Wuttwuttwutt . Schwenker s. 574. Pfister 1, 157. 162. . Beweise für den allgemein verbreiteten Wuotancultus ergeben sich einmal aus den im vorigen cap. gesammelten stellen über Mercurius , dann aus des Jonas von Bobbio (s.  46 . 100 ), des Paulus Diaconus zeugnis und der abrenuntiatio, welche noch näher erwogen werden soll, endlich aus dem zusammentreffen einer reihe von einzelnen umständen, die, wie ich glaube, bisher übersehen worden sind. Sollen nun die eigenschaften dieses gottes kurz zusammengestellt werden, so ist er die alldurchdringende schaffende und bildende kraft , der den menschen und allen dingen gestalt wie schönheit verleiht, von dem dichtkunst ausgeht und lenkung des kriegs und siegs, von dem aber auch die fruchtbarkeit des feldes, ja der wunsch, alle höchsten güter und gaben, abhängen. Sæm. 113 a. b . Nach der heidnischen vorstellung ist Wuotan nicht bloß der weltlenkende, weise, kunsterfahrne gott, er ist vor allem ordner der kriege und schlachten got waldes an der sige kür! Wh. 425, 24; sigehafte hende füege in got! Dietr. 84 a . Ođinn, wenn er die leute in den krieg entließ, legte ihnen die hände auf ihr haupt und segnete, nach Yngl. cap. 2 gaf þeim bianac (ir. beannact, beannugad, beandacht, gal. beannachd, welsh bianoch Villemarqué essai LIX = benedictio, wol alles nach dem lat. wort? vgl. franz. bênir, ir. beannaigim). . Adam von Bremen cap. 233 (ed. 1595) sagt von dem nordischen: Wôdan id est fortior, bella gerit, hominique ministrat virtutem contra inimicos. . . . Wôdanem sculpunt (Sveones) armatum sicut nostri Martem sculpere solent. jenem fortior, fortis entspräche der altn. name Svîđr , d. h. der starke, gewaltige, geschwinde (alts. suîth), gewis aber ist fortior falsche lesart, alle hss. (vgl. Pertz 3, 379) lesen Wodan id est furor , was dem vorhin 111 erörterten begriffe zusagt. Nach der edda gehören ihm alle im kampf fallenden edlen (Sæm. 77 b ), dem Thôr die knechte, was aber gesagt scheint, um diesen herabzuwürdigen; nach einer andern stelle (Sæm. 42 a ) theilt sich Freya mit Ođinn in die gefallenen : er heißt valfađir und herfađir. eidem prostratorum manes muneris loco dedicaturum se pollicetur (Haraldus). Saxo p. 146 Ođinn vildi þiggja mann at hlutfalli at hânga or herinom. fornald. sög. 3, 31. Othinus armipotens p. 37: auctor aciei corniculatae ordinandi agminis disciplinae traditor et repertor, p. 138. 139. 146; er lehrt als greis die schlachtordnung p. 17, das hamalt at fylkja, svînfylkja (fornald. sög. 1, 380); er lehrt die, welche kein schwert verwundet, mit kieseln niederschlagen. id. p. 157 Nachtrag: Nicht Svîđr , sondern Sviđur ok Sviđrir steht Sæm. 46 b . Sn. 3. 24. 195. und der gen. lautet Sviđurs Sn. 195, nicht Svinns. Aufser valfađir und herfađir (s.  682 ) trägt Ođinn die beinamen Herjann , Herteitr , Gunnarr . lex. myth. 641 a . vgl. Herjans dîs . Sæm. 213 b . fleygđi Ođinn ôk î folk umskaut . Sæm. 5 a . valr lâ par â sandi vitinn enum eineygja Friggjar fađmbyggvi (ibi caesi in arena jacuere dedicati unoculo qui Friggae amplexibus delectatur) Sn. 1848, 236. non humile obscurumve genus, non funera plebis Pluto rapit vilesque animas, sed fata potentum implicat et claris complet Phlegethonta figuris.                                                                 Saxo gramm. 36. Den eberkopf in der alamannischen schlachtordnung erkennt ausdrücklich an Agathias 2, 8 (Stälin 1, 160). . Nicht verwundern darf also, wenn er mit Ziu oder Tŷr, dem eigentlichen kriegsgott verwechselt und Mercurius neben Mars (s.  88 . 99 ) gestellt wird, in einer glosse zu Jonas von Bobbio, der ihn mit recht dem Mercur gleich setzt (s.  100 ) steht: qui apud eos (Alamannos) Vuotant (part. praes. von wuotan) vocatur, Latini autem Martem illum appellant. mögen auch Adams worte ›sicut nostri Martem sculpere solent‹ so genommen werden, daß nostri bedeutete Saxones? der kann freilich die mit der römischen mythologie bekannten meinen. Zumal lehrt die merkwürdige, von Paulus Diaconus 1, 8 aufbewahrte sage, daß es Wodan ist, welcher sieg verleiht , dem daher jener uralte name sihora (s.  22 ) vor allen übrigen göttern und in den edden der beiname Sigtŷr (Sæm. 248 a Sn. 94), Sigföđr (siegvater) Sæm. 68 a , ags. vîgsigor Beov. 3107, sigmetod Beov. 3554, gebührt Nachtrag: Mit dem berichte des Paulus Diaconus 1, 8 vergl. die ältere fassung im prol. leg. Rotharis in Haupts zeitschr. 5, 1. Wodan und Frea gemahnen hier ganz an Ođinn und Frigg im Grimnismâl. Ođinn heißt Sigrhöfundr Egilss. 640, seine wohnung Sigtûnir . Yngl. cap. 5. Sn. 15. . refert hoc loco antiquitas ridiculam fabulam, quod accedentes Wandali ad Wodan , victoriam de Winilis postulaverint , illeque responderit, se illis victoriam daturum , quos primum oriente sole conspexisset. Tunc accessisse Gambaram ad Fream , uxorem Wodan , et Winilis victoriam postulasse, Fream que consilium dedisse, Winilorum mulieres solutos crines erga faciem ad barbae similitudinem componerent, mane que primo cum viris adessent, seseque a Wodan videndas pariter e regione, qua ille per fenestram orientem versus erat solitus adspicere, collocarent; atque ita factum fuisse. Quas cum Wodan conspiceret oriente sole, dixisse: qui sunt isti Langobardi? tunc Fream subjunxisse, ut quibus nomen tribuerat, victoriam condonaret , sicque Winilis Wodan victoriam concessisse. Nachdem nun Paulus, als Christ, die bemerkung gemacht hat: haec risu digna sunt, et pro nihilo habenda: victoria enim non potestati est adtributa hominum, sed e coelo potius ministratur, fügt er eine nähere erklärung des namens der Langobarden hinzu: certum tamen est Longobardos ac intactae ferro barbae longitudine, cum primitus Winili dicti fuerint, ita postraodum appellatos. nam juxta illorum linguam lang longam, bart barbam significat. Wodan sane, quem adjecta litera Gwodan dixerunt, et ab universis Germaniae gentibus , ut 112 deus adoratur, qui non circa haec tempora, sed longe anterius, nec in Germania, sed in Graecia fuisse perhibetur Gotfried von Viterbo (bei Pistorius ed. Struve 2, 305) hat die sage aus Paul Diac. mit entstellten namen, für Wotan Godam , für Frea Feria . bei Godam oder Votam denkt er hernach an das deutsche got (deus). Der seltsame Toclacus historiographus geht deutlich aus dem ›hoc loco‹ bei Paulus hervor. . Diese ganze fabel trägt das gepräge hohen alterthums, sie ist auch schon vor Paulus von andern, und abweichend, erzählt worden; in der hist. Francor. epitomata, die wenn gleich nicht Fredegar, doch einen schriftsteller des siebenten jh. zum verfasser hat. statt der Wandaler werden hier Chuni genannt: cum a Chunis (Langobardi) Danubium transeuntes fuissent comperti, eis bellum conati sunt inferre. interrogati a Chunis, quare gens eorum terminos introire praesumeret? at illi mulieribus suis praecipiunt, comam capitis ad maxillas et mentum ligare, quo potius virorum habitum simulantes plurimam multitudinem hostium ostenderent, eo quod erant mulierum comae circa maxillas et mentum ad instar barbae valde longae: fertur desuper utraeque phalangae vox dixisse: ›hi sunt Langobardi‹! quod ab his gentibus fertur eorum deum fuisse locutum, quem fanatici nominant Wodanum (al. Wisodano, ein bloßer schreib oder lesefehler f. Wuodano). Tunc Langobardi cum clamassent, qui instituerat nomen, concederet victoriam , in hoc praelio Chunos superant. (Bouquet 2, 406, nach Pertz lesen alle hss. Wodano .) Hier bleibt Frea und ihr rathschlag aus dem spiel, die namengebende stimme des gottes erschallt aus der luft herab. Es war sitte, daß wer namen ertheilte gabe folgen lassen muste lâta fylgja nafni. Sæm. 142 a 150 a fornm. sög. 3, 182. 203. gefa at nafnfesti. Sn. 151. fornm. sög. 2, 51. 3, 133. 203. Islend. sög. 2, 143. 194. vocabuli largitionem muneris additione commendare Saxo gramm. 71. . Wodan sah sich gehalten den sieg zu verleihen denen er den neuen namen beigelegt hatte. darin lag die gunst des schicksals, denn das volk wollte durch männlichgeschmückte frauen nichts als die zahl seiner krieger vergrößern. Ich brauche kaum zu erinnern, daß diese mythische deutung des namens Langobarden falsch ist, so viel glauben sie im mittelalter fand Longobardi a longis barbis vocitati. Otto fris. de gest. Frid. 2, 13. aber Ođinn selbst hieß Lângbarđr . . Die sage hat aber noch einen zug, der uns nicht entgehen darf. Wodan, aus seiner himmlischen wohnung, schaut durch ein fenster zur erde nieder , vollkommen der altnordischen vorstellung gemäß. Ođinn hat einen thron, Hliđskialf genannt, auf dem er sitzend die gesammte welt überblicken und alles, was unter den menschen vorgeht, hören kann: þar er einn stađr er Hliđscialf heitir, oc þâ er Ođinn settiz þar î hâsæti, þâ sâ hann of alla heima , oc vissi alla luti þâ er hann sâ. Sn. 10. oc. þâ er Allföđr sitr î þvi sæti. þâ ser hann of allan heim . Sn. 21. hlustar (lauscht) 113 Ođinn Hliđsciâlfo î. Sæm. 89 b . als sich Loki verbergen wollte, hatte von diesem sitz aus Ođinn seinen aufenthalt erspäht. Sn. 69. Zuweilen wird auch Frigg, seine gemahlin, neben ihm sitzend gedacht, und dann erfreut sie sich derselben aussicht, Ođinn ok Frigg sâto î Hliđscialfo, ok sâ um heima alla . Sæm. 39, die vorrede zu Grîmnismâl hat entschiedene ähnlichkeit mit der sage bei Paulus, denn gerade wie Frea ihre günstlinge, die Winiler, gegen Wodans eignen entschluß durchsetzt, bringt Frigg den von Ođinn begünstigten Geirröđr in nachtheil. das sinnliche heidenthum macht aber die göttliche eigenschaft alles zu durchschauen abhängig von der stelle oder einrichtung des stuls, und wie sie dem gott, wenn er nicht darauf niedergelassen ist, abgeht, können andere, sobald sie ihn einnehmen, ihrer theilhaftig werden. dies war der fall, als Freyr von solchem sitz herab in Iötunheim die schöne Gerđr erblickte: Freyr hafđi setzc î Hliđskialf, oc sâ um heima alla . Sæm. 81. Sn. 39. hliđscialf scheint wörtlich thürbank, von hliđ (ostium) und skialf (scamnum), ags. scylfe, Cædm. 79, 4. engl. shelf Nachtrag: Über die namenertheilung, altn. nafnfesti s. GDS. 153. 154. Zu Hliđsciâlf vgl. anm. 2126 Valaskiâlf. gehört ahd. Bughen scelp hieher? cod. lauresh. no. 2597. die gl. sletst. 15, 7 haben scelb fornice, auch die in Haupts zeitschr 5, 196. scelp fornix Graff 6, 479. biscilbit in clida. Diut. 1, 342. clida aber gehört zu hliđ, ahd. hlit operculum. das lex. myth. 434 erklärt Hliđskiâlf als porta coeli tremens. . Bemerkenswerth sind die ausdrücke, deren sich der alts. dichter bei Christi himmelfahrt bedient: sôhta imo thena hêlagon stôl , sitit imo thar an thea suîdron half godes, endi thanan all gisihit waldandeo Crist, sô huat sô thius werold behabêt. Hel. 176, 4–7, vgl. Cædm. 265, 16. Diese idee eines sitzes im himmel, von dem gott zur erde sehe, ist unter dem volk noch nicht erloschen. biblisch ist nur das sitzen zur rechten, nicht das niederschauen. die formeln qui haut siet et de loing mire, qui haut siet et loins voit (oben s.  19 ) sollen das nicht beweisen, denn überall dachte man sich die gottheit in der höhe thronend und weit umher schauend. Auch Zeus sitzt auf dem Ida und schaut den sterblichen zu, er waltet vom Ida herab, Ἴδηϑεν μεδέων, so wie Helios, das auge der sonne, alles überschaut und vernimmt (Il. 3, 277). Aber ein verbreitetes märchen erzählt von einem sterblichen menschen, den der heil. Petrus in den himmel eingelassen, und der neugierig zuletzt auf den stul des herrn stieg, von welchem herab man alles sehen kann, was auf dem ganzen erdreich geschieht . er sieht eine wäscherin zwei frauenschleier stehlen, ergreift im zorn den vor dem stul stehenden schemel des herrn (oder ein stulbein ) und wirft hinab nach der diebin kindermärchen num. 35. zuerst bei Bebel (ed. 1. Tub. 1506) s. 6. Freys gartengesellschaft, cap. 109. 1556. p. 106. ed. 1590. p. 85. Rollwagenbüchlein 1590. p. 98. 99. (wo ein güldner sessel.) Mösers vermischte schriften 1, 332. 2, 235. ed. 1842. 4, 5, 39. H. Sachs (1563) V. 381. Thron oder stul wird den göttern nach der griechischen und altnord. vorstellung beigelegt: thâ gengêngo regin öll â rökstôla ginheilög gođ. Sæm. 1 b . Man erwäge auch das biblische: der himmel ist gottes stul , die erde sein fußschemel . Matth. 5, 34. 35 (Hel. 45, 11. 12) Nachtrag: Gottes stul heißt auch der regenbogen (s.  611 ), gottes stülchen bei den lausitzischen Wenden der leichenvogel (s.  950 ). das deutsche märchen vom schneider, der des herrn stuhl bestieg, und von Ferdinand mit den eisernen stiefeln, vom treuen Johannes und vom starken Franz, die in ein himmelreich mit vielen thüren gelangen (vgl. Wolf deutsche m. und sagen no. 5, KM. no. 3, 35, Müllenhoff märchen no. XII) gemahnt an die griechische vorstellung von dem thron des Zeus und den verschiednen thüren , durch welche er die gebete, schwüre und opfer der menschen anhört. Lucians Icaromenippus. cap. 25. 26. . . So weit hat sich die alte fabel geflüchtet. Sollte nicht ein mhd. gedicht auf sie anspielen (Amgb. 3 a ): 114 der nû den himel hât erkorn der geiselt uns bî unser habe: ich vürhte sêre, unt wirt im zorn, den slegel wirft er uns her abe auch MS. 2, 254 b : ›ze hûs wirf ich den slegel dir‹. MS. 2, 6 b : ›mit einem slegel er zuo dem kinde warf‹. schlegelwurf gleicht dem bei unsern vorfahren so einflußreichen hammerwurf, und slaga ist ahd. malleus (Graff 6, 773). der vom himmel geworfene schlegel wird also nichts als ein donnerkeil sein und das dunkle sprichwort: ›swer irre rite daz der den slegel fünde‹ Parz. 180, 10 bezieht sich vielleicht auf einen schätze anzeigenden, heilbringenden donnerstein (s. Donar), der nur zufällig waldverirrten zu handen kommt, weshalb auch Wolfram baumstämme, unter welchen der glücksstein vorragt, slegels urkünde und zil nennt. . Nach einem serbischen lied (Vuk 4, 9) steigen die engel vom fenster gottes (od bozhijeg prozora) zur erde nieder; prozor (fenster) erinnert an zora (morgenröthe), prozorje (morgendämmerung) und an den in der frühe gegen sonnenaufgang schauenden Wodan. die morgenröthe ist gleichsam der ofne himmel, aus dem gott in die welt sieht. Auch was Paul. Diac. 1, 20 von dem zürnenden gott (oben s.  15 ), als die kämpfenden Heruler ihren gegnern unterlagen, meldet, möchte ich auf Wuotan beziehen: tanta super eos coelitus ira respexit ; und hernach: vae tibi misera Herulia, quae coelestis domini flecteris ira! vgl. Egilssaga p. 365 reiđr sê rögn ok Ođinn! und fornald. sög. 1, 501 gramr er yđr Ođinn. Sieg war in den augen unserer vorfahren erste und höchste aller gaben, doch betrachteten sie Wuotan nicht bloß als siegverleiher, es ist nun auszuführen, daß er ihnen überhaupt für den gott galt, von dessen gnade der mensch jede andere auszeichnung zu erwarten hat, in dessen hand alle höheren güter stehn, in diesem sinn hieß auch Hermes den Griechen vorzugsweis δώτωρ ἐάων, und ich habe die vermutung gewagt, daß uns der name Gibika , Kipicho ursprünglich dasselbe bedeutete Haupts zeitschr. 1, 573. einen Datanus , donator bonorum, nennt Lasicz. 47. . Den inbegrif von heil und seligkeit, die erfüllung aller gaben, scheint die alte sprache mit einem einzigen worte, dessen bedeutung sich nachher verengerte, auszudrücken, er hieß der wunsch . dieses wort ist wahrscheinlich von wunja, wunnja, wonne, freude abstammend, wunisc, wunsc, vollkommenheit in jeder art, was wir ideal nennen würden. so Er. 1699 ›der wunsch was an ir garwe‹; Iw. 3991 ›daz mir des wunsches niht gebrast‹; Iw. 6468 ›der rât, des der wunsch an wîbe gert‹; Gerh. 1754 ›an der got wunsches niht vergaz‹; Parz. 742, 15 ›der wunsch wirt in beiden‹; Trist. 3710 ›dir ist der wunsch gegeben‹; Frauend. 87 ›der wunsch von edlem obze‹, das edelste obst; Parz. 250, 25 ›erden wunsches rîche‹, reich an allen gaben der erde; 235, 24 ›erden wunsches überwal‹; Trist. 4696. 4746 ›der wunsch von worten, von bluomen‹; Trist. 115 1374 ›in dem wunsche sweben‹, in voller befriedigung; und der zauberhafte stab, durch dessen anschlagen schätze erworben werden, hieß wunsciligerta, wünschelruthe, vgl. Parz. 235, 22 ›wurzel unde rîs des wunsches.‹ die bedeutung des begehrens und verlangens nach solchen vollkommenheiten mag sich erst zufällig mit dem worte wunsc , altn. ôsk verbunden haben Nachtrag: Das deutsche wunsch scheint verwandt mit skr. vângksch, vântsch optare, desiderare. Bopp gl. 315 a . Pott 1, 235, dem nach Bopp das welsche gwanc desiderium entspricht. altfr. heißt der wunsch souhait (s.  794 ) oder avel . Ren. 26828. pl. aviaux . Ren. 25131. 27886. plus bel lui nestuest souhaidier Ogier 1, 140. der Wunsch ist der gott der wonne und liebe, der den leuten gutes wünscht und will, sie begabt. man nennt gott noch jetzt den geber alles guten, aller gaben . vgl. kl. schr. 2, 327. 329. wünschen ist fabelhaft erzählen, übertreiben, sich einbilden z. b. sam ez gewünschet waere. Rab. 240. ob ieman wünschen solde. Nib. 281, 3. 780, 1. und der nu wünschen solde. Ecke 202 (Hagen), es heißt auch: durch wunsch hervorrufen, schaffen. Wigal. 327. 887. 5772, so viel nur immer gott vater wünschen kann. Zingerle 2, 64. mit wunsch  = gotes kraft. Tit. 347: ebenso heißt umgekehrt verwünschen vernichten, verderben. das wünschen lernen ist bei Müllenhoff s. 395. 402 so viel wie zaubern lernen. der wunsch ist das ideal. so heißt es: der wunsch in allen was bereit.   Turl. Wh. 35 b . im was gar der wunsch bereit.   Barl. 139, 5. alsô was in der wunsch bereit, ir gespil was diu saelecheit.   Wigal. 10592. vgl. des wunsches man hie wartet.   Turl. Wh. 34 b . 35 a . nu hât iu got wunsch gegeben.   Er. 6486. mit Haupts bemerkung über den artikel. dir hete got den wunsch gegeben.   Parz. 124, 29. dem wart an ir der wunsch gegeben.   Parz. 436, 16. hie gap in got den wunsch (= gral).   Tit. s. 26.     vgl. des wunsches (grales) hêrre. Parz. 616, 13. den wunsch hât im got gegeben.   Bit. 6048. ir waere der wunsch an schoene ergeben.   Gerh. 1549. nâch alles sînes wunsches geben.   Walth. v. Rh. 66 a . an die hât got sînen wunsch wol geleit.   MS. 1, 56 a . got hete den wunsch an sie geleit.   Haupts zeitschr. 7, 323. got hât an sie den wunsch geleit und der wünschelruoten hort.   Dietr. drachenk. 310 a . der wunsch was an in geleit von aller hande dinge.   Troj. 1678. 2193. were ouch der wuns an mir gelegen.   Diut. 1, 429. der wunsche (pl.) mâze was geleit.   Walth. v. Rh. 111 b . an der der wunsch laege.   Mai 76, 23. an der got wunsches niht vergaz.   Parz. 188, 8. an dem got wunsches het erdâht.   Parz. 148, 30. got hat wol des wunsches stewr an ir volpraht.   Suchenw. XXV. 358. dâ het ir vrâgen wunsch bejagt.   Parz. 124, 19. weset froelich mit fröiden frô, lât her (hern?) Wunsch an uns bejagen oder: lât herren wunsch ans uns bejagen?   Dietr. drachenk. 41 b . den wunsch spehen, ritter, magde unde wîp.   Parz. 718, 16. an der mohte man den wunsch wol sehen.   Turl. Wh. 138 b . der iemer nâch dem wunsche schoenes wîbes solde varen, der kunde si, nâch mînem dunke, schoener niht gemachen.   MS. 1, 154 a . du hâst mînen muot verwendet an den wunsch.   MS. 1, 84 b . des wunsches weren.   Frauenlob s. 107. der wunsch was in geteilet.   Wigal. 190, 22. des man den wunsch dâ haete.   Trist. 129, 36. er hete wunsch und kore.   Pilat. 274. don wunsch ûf der erden hâstu volleclîche.   Parz. 254, 26. der wunsch der irde.   Minnefalkner 48. der wunsch ûf erden.   Ms.H. 1, 169 a . irdesch wunsch gar an ir lit.   MS. 1, 84 a . ein wunschleben.   Iw. 44. mein schäfer war, wie man in unsrer sprache spricht, mein größter wunsch und ich sein glück und sein gedicht.   Gellert, 1, 222. der wunsch von hasenwinden.   Er. 7180. den wunsch von den wîben.   Er. 8221.     vgl. süezer wunsch bî allen wîben.   MS. 2, 105«. er hete den wunsch der eren.   Nib. 661. 1. vom paradîse den wunsch.   Turl. Wh. 98 a . den wunsch von bluomen unde rîsen.   Trist. 120, 28. saelden wunsch und froiden hort.   MS. 1, 86 a . weinsch van ate ende van wîne.   Rose 10825. ic hadde van germoden den weins.   Maerl. 3, 71. der bücher ein wuntsch.   Haupts zeitschr. 6, 49. ên ors van wensche.   Limborch 4, 990. der sedech was der frowen ein gewunschet kleine kindelîn.   Crâne 3719.     vgl. wunschkint, Wunsches kint   Er. 8277. 8934. ein wol gewünschet wîp.   MS. 1, 2 b . wunschlich geschicke.   Tit. 89, 1. wunschlich rang.   Antiloie 382. Rüedegêres hant kunde wunschlichen geben.   Klage 943. schoene wünscheltocken.   Laber 694. . Unter den eddischen namen Ođins kommt auch vor Osci , Sæm. 46 b . Sn. 3. 24, d. h. der die menschen des wunsches, der höchsten gabe theilhaftig machende. Osk gen. Oskar ein frauenname. fornm. sögur 1, 246. Eyrbyggja s. cap. 7. Laxd. s. 12. Hiermit zusammenhängend, also überrest altheidnisches glaubens, scheint mir nun, daß unsere dichter des 13. jh. den wunsch personificieren und als ein gewaltiges, schöpferisches wesen darstellen. die meisten belege dafür liefern Hartmann, Rudolf und Conrad: got erloubte dem Wunsche über in, daz er lîb unde sin meistert nach sîm werde. swâ von ouch ûf der erde deheinem man ze loben geschiht, desn gebrast im niht, der Wunsch het in gemeistert sô, daz er sîn was ze kinde vrô , wande er nihts an im vergaz: er hetn geschaffet , kunder, baz.   Greg. 1091–1100. man sagt daz nie kint gewan ein lîp sô gar dem Wunsche glîch.   Er. 330. der Wunsch het in gemeistert sô.   Er. 2740. alsô was ez (daz phert) gestalt und ob er (der werltwîse man) danne den gewalt von dem Wunsche hæte , daz ez belibe stæte swes er darzuo gedæhte, und swenne erz volbræhte, daz erz für sich stalte und er von sînem gwalte dar abe næme swaz daran im missezæme, alsô was ez volkomen, daz er dar abe niht hete genomen alse grôz als umb ein hâr.   Er. 7375–87. als ez der Wunsch gebôt .   Er. 8213. was ein wunschkint .   Er. 8277. Enîte was des Wunsches kint , der an ir nihtes vergaz.   Er. 8934. dâ was ir hâr und ir lîch, so gar dem Wunsche gelîch.   Iw. 1333. diz was an ir (zuht, schœne, jugent) und gar der rât 116 des der Wunsch (oder wunsch?) an wîbe gert.   Iw. 6468. wande sie niegesâhen zwêne riter gestalt sô gar in Wunsches gewalt an dem lîbe und an den sîten.   Iw. 6913. der Wunsch vluochet im sô.   Iw. 7066. mir hât der Wunsch gevluochet.   Hartm. büchl. 2, 113. er was schœne und wol gevar rehte, als in der Wunsch erkôs .   Gerh. 771. mîn herze in des begunde jehen, in wære des Wunsches flîz bereit.   Gerh. 1599. an der der Wunsch mit kiusche bar sîne süeze lebende fruht .   Gerh. 1660. daz ich ir schœne krœne ob allen frouwen schône mit des Wunsches krône .   Gerh. 1668. ein regen ûz dem wolken vlôz, der ûf des Wunsches ouwe gôz sô heizen regen (?).   Gerh. 2307. an lobe des Wunsches krône .   Gerh. 2526. swes ich begunde daz geschach, der Wunsch ie mînen werken jach des wunsches als ich wolte und als ich wünschen solte.   Gerh. 2945. nach des Wunsches lêre .   Gerh. 4500. der Wunsch mit sîner hende vor wandel hete si getwagen.   Troj. 1212. der Wunsch hât âne lougen erzeiget an ihr sîne kraft , und sîner künste meisterschaft mit vlîze an ir bewert. Troj.   7569. der Wunsch hât in gemachet wandels vrî.   Troj. 3154. der Wunsch der hete an si geleit me flîzes denne ûf elliu wîp.   Troj. 19620. sô daz er niemer wîbes leben für sie geschepfen wolde baz; dô sîn gewalt ir bilde maz , dô leit er an sie manec model.   Troj. 19627. und hæte sîn der Wunsch gesworn, er wolde bilden ein schœner wîp, und schepfen alsô klâren lîp als Hêlenâ min frouwe treit; er müeste brechen sînen eit: wan er kunde niemer, und solter bilden iemer geschepfen wünneclîcher fruht.   Troj. 19726–32. ez hât ze sînem teile der Wunsch vergezzen niender.   Engelh. 579. daz haete an si der Wunsch geleit.   Engelh. 4703. 117 der Wunsch der hete niht gespart an ir die sîne meisterschaft , er hete sîne beste kraft mit ganzem flîz an sie geleit.   der werlde lôn. 84. Aber auch andere dichter (doch nicht Wolfram und Gotfried) personificieren: der zweier kurtêsîe sich ze dem Wunsche het geweten, si wâre niender ûz getreten.   Wigal 9246. an ir schœne was wol schîn, daz ir der Wunsch gedâhte.   Wigal. 9281. der Wunsch het sich geneiget in ir gewalt.   das. 904. in was der Wunsch bereit. das.   10592. des Wunsches amîe .   das. 7906. 8735. wen mohte dâ erlangen, dâ der Wunsch inne was .   das. 10612. der Wunsch het si gemachet sô, und ist ir ze kinde vrô .   Amûr 1338. (Pf. 1343). des Wunsches ougenweide sît ir und mîner sælden spil.   Wigal 8760. Amûr 1068. (Pf. 1072). si schepfet ûz des Wunsches heilawâge .   Martina 259. (diu hant) ist im grôz, lanc unde wîz, zuo der het sich der Wunsch gesellet .   Turl. Wh. 38 a . hie stuont der Wunsch .   das 137 b . dar an lît wol des Wunsches vlîz .   Tyrol E, 3. si ist des Wunsches hôstez zil .   Ms. 1, 84 a . sie ist der Wunsch ûf erde.   Ms. 2, 100 b . sie ist des Wunsches ingesinde .   Ms. 1, 6 a . von ir scheitel ûf ir zêhen sô ist niht an minneclîchen wîben wan des Wunsches blic .   MsH. 3, 493 a . der Wunsches blüete sint entsprungen in mîne herzen.   fragm. 45 b . si trage des Wunsches bilde .   Ms. 1, 191 a . des Wunsches krône tragen.   Docen misc. 2, 186. sie hât des Wunsches gewalt .   Amgb. 31 b er was sô gar des Wunsches kint , daz alle man gein sîner schœne wâren blint, und doch menlich gestalt bî clârem velle; der Wunsch im niht gebrechen liez dâ von man s Wunsches kint den stolzen hiez.   Lohengr. ed. Rückert str. 625.     schon über die mhd. grenze hinaus geht: an yr yst Wensches vlyt geleit.   Haupts zeitschr. 3, 221. mnl. gedichte bieten keine personification Wunsch dar. auch die Nib. und Gudrun haben keinen Wunsch, aber Wolfdietr. 970: des Wunsches ein amîe! es gibt der zeugnisse sicher noch manche andere Nachtrag: Persönlich erscheint der Wunsch besonders häufig bei Hartmann, was um so mehr beachtung verdient, als sein französisches vorbild keinen anlaß dazu gab. die schon angeführten stellen der Wunsch het in gemeistert sô.   Greg. 1097. Er. 2740 erinnern nur nach einer seite hin an einen Franzosen. Thib. de N. 95: beneet soit le maistre , qui tele la fist naistre, während Chrestiens Erec weder hier, noch bei der schilderung des pferdes (Hartm. Er. 7375), noch bei der des pallastes und der zwanzig damen (Hartm. Er. 8213. 8277) etwas ähnliches hat, und wo Hartmann von der Enite rühmt: man sagt daz nie kint gewan ein lîp sô gar dem Wunsche glîch.   Er. 330. hat Chrestiens Erec. 407: que tote i avoit mis s'entente nature , qui faite l'avoit.   vgl. v. 415. 425. dagegen nähert sich Hartmann wieder seinem vorbilde an: ich waene got sînen vlîz an si hâte geleit von schoene und von saelekeit.   Er. 338. wo Chrestien v. 429 sagt: onques dex ne sot faire miauz ie nes, la bouche, ne les iauz. Hartmanns Wunsches gewalt findet sich mehrfach bei späteren schriftstellern: beschoenen mit Wunsches gewalte .   Flore 6927. ir lîp aller wolgestalt gar in des Wunsches gewalt .   Meleranz. 8768. Wunsches gewalt hân.   Berth. 239. 240. hie Wunsches gewalt , hie liep âne leit in immerwerender sicherheit.   Heinr. Suso in der ew. weish. doch wird der ausdruck immer abstracter: si hât an ir wunsch gewalt .   Altsw. 98. an im lît der wunschgewalt .   Dietr. drach. 41 b . drîer wünsche gewalt .   MS. 2, 145 b . (vgl. KM. 3 3, 146. 147). geben mit alles wunsches gewalt .   pass. 298, 1. aller wünsche gewalt .   Uhl. volksl. 1, 21. man vergl. ἐξουσίας τυχεῖν παρὰ τοῦ Διὸς αἰτήσασϑαι ὅτου ἐπιϑυμεῖ. Athen. 3, 24. Die personification ist wieder deutlicher in folgenden wendungen: der Wunsch der haete mit gewalt geschephet die figûre sîn.   Troj. 3032 sît daz der Wunsch getihtet als ûzgenomenlîchen hât sîn leben under sîner wât .   Troj. 3094. (es steht: und sîne wât?) der Wunsch der hât in vollebrâht .   Troj. 26996. daz an allen dingen der Wunsch mac wol (vol?) pringen .   Ottoc. 834 (hs. wutisch?) als ez der Wunsch geleisten sol.   Walth. v. Rh. 112 b . als ez von Wunsche waere erdâht.   Ges. Ab. 3, 59. ez genc alsô in beiden als in de Wuonsch hette irdâht . Darifant 40. (Haupts zeitschr. 2, 180). kein Wunsch sie schoener mahte nicht.   jahrb. d. Berl. sprachges. 8, 243. der sô gar der Wunsch benimt aller slahte missetât.   Flore 6940. der Wunsch het an ir niht gelogen .   MsH. 1, 166 a . der Wunsch hât gestrichen dar die varwe, der man nam hie wâr.   Turl. Wh. 37 a . an den der Wunsch der welte prîs hete gar geleit .   Troj. 40620. der Wunsch der hete si bedâht mit flîze gar.   Troj. 836. nâch Wunsches flîz .   jahrb. d. Berl. sprachges. 8, 242. Wunsches fliz.   Walth. v. Rh. 26, 21. Wunsches flît .   Haupts zeitschr. 1, 252. sîn antlütt was dem Wunsche gelich.   Walth. v. Rh. 90 a . ein frau, dem Wuntsch fast wol geleich von gestalt.   Wigal. prosa 92 (wo nichts im text). des Wunsches lîp tragen.   Mai 72, 34. stuont in Wunschis schowe .   Martina 8, 64. Wunsches rîcher ougenglast .   Barl. 310, 13. Wunsches wal .   Greg. 2089. lebt in Wunsches wale (: mâle).   Kolocz. 245. des Wunsches wunsch .   Frauenl. 349, 6. nâch des Wunsches werde.   Er. 7839. nâch Wunsches siten .   Ludw. 2676. nâch des Wunsches lêre .   Troj. 44704. des Wunsches segen .   Lanz. 5518. nâch alles Wunsches kraft .   Diut. 1, 49. des Wunsches heil .   Dietr. drach. 245 a (str. 797) des Wunsches übergulde .   MS. 2, 53 a . des Wunsches âventiure .   Parz. 130, 10. Wigal. 8885. des Wunsches creatiure .   Wigal. 8886. des Wunsches holde .   Turl. Wh. 85 a .     vgl. der Minnen holde.   Turl. Wh. 43 a . 108 b . des Wunsches trût .   Heinzelîns Amûr. Pf. 1539. 1729. des Wunsches amîe .   Heinr. Trist. 6096. des Wundsches ein ameie .   heldenb. 1590. 105 b . an sines Wunsches kint vant er swaz er wolte als ob erz wünschen solte.   Ls. 1, 276. gots und des Wunsches kinde .   Barl. 344, 11. Wunschkind gleicht dem schoßkind und poln. bozątko, böhm. božatko glückskind, saeldenbarn, genius. daz ouch wir den wunsch sîner kinde empfingen d. h. von ihm zu kindern angenommen würden. Kelles predigten 17. seelen und engel heißen gotes kint . Alex. 6911. 6998. GDS. 129. des Wunsches bluomen tragen.   Barl. 274, 27. vgl. s.  725 . des Wunsches kranz tragen.   Haupts zeitschr. 7, 520. des gernden Wunsches krône .   Laber 100. des Wunsches awe .   Minnefalkner. 28. . das mir bekannte älteste findet sich aber in dem Entekrist aus dem 12 jh. (Hoffm. fundgr. 2, 107): 118 mit Wunschis gewalte segniti sie der alte. Wir sehen dem Wunsch hände, gewalt, blick, fleiß, kunst, blüte, frucht beigelegt, er schaft, bildet, meistert, denkt, neigt sich, schwört, flucht, freut sich und zürnt, nimmt zu kinde, ingesinde oder zur freundin an: alle solche, beinahe stehenden, redensarten wären schwerlich in poesie und sprache entsprungen und erhalten, bezögen sie sich nicht unbewust auf ein höheres wesen, von dem die vorzeit lebendigere vorstellung hatte; auf diesem grunde scheinen mir fast alle von den mhd. dichtern angewendeten personificationen zu beruhen. Man dürfte in den meisten beispielen den namen gottes an die stelle von Wunsch , oder in den s.  14 –16 mitgetheilten ausdrucksweisen von dem frohen, zürnenden gott, Wunsch setzen. freudenvoll hât sie got gegozzen (MS. 1, 226 b ), der Wunsch maz ir bilde, wie mezzen von gott gilt (s.  18 ) und gebieten gleich technisch auf beide bezogen wird (s.  20 . 115 ), jenes gramr. er yđr Ođinn (s.  15 . 114 ) könnte mhd. gegeben werden: der Wunsch zürnet, fluochet iu, die welt ist euch gram. einigemal scheinen die dichter zu schwanken, ob sie got oder Wunsch setzen sollen, in der ersten stelle aus Gregor wird der Wunsch, gleichsam als wesen zweiten rangs, als diener oder bote, dem höheren gott untergeordnet, und dieser gestattet ihm erst sein bildendes geschäft zu übernehmen, was er sonst aus eigner kraft thut. wenn anderwärts leib, gestalt, haare dem Wunsche gleich genannt worden, gemahnt es vollkommen an das homerische κόμαι Χαρίτεσσιν ὁμοῖαι Il. 17, 51, und Χάριτες, die Gratiae, schöpferinnen der anmut und schönheit, verhalten sich ganz wie unser Wunsch, selbst darin, daß neben der persönlichen bedeutung die abgezogene χάρις, gratia wie von wunsch in manchen stellen bleibt zweifelhaft, ob der dichter wunsch oder Wunsch meinte. bei Wolfram und Gottfried, die sich der klaren personification enthalten, nehme ich immer den abstracten begrif an, Hartmann läßt beide abwechselnd zu. wenn es Parz. 102, 30 heißt: si was gar ob dem wunsches zil (hinaus über dem was man sich nur wünschen konnte), so reicht der ausdruck ganz nah an das oben angeführte: si ist des Wunsches hôstez zil (das höchste was der Wunsch schuf) und ›mînes wunsches paradîs‹ Ms. 2, 126 a kann leicht umgesetzt werden in des Wunsches paradîs oder ouwe. ›dâ ist wunsch und niender breste‹ Ms. 1, 88 a  = der Wunsch liez im niht gebrechen, sparte niht Nachtrag: Des Wunsches zil kennt übrigens auch Wolfram im Wh. 15, 7. und des Wunsches paradîs kommt in der that in Barl. 52, 8 und im Rudolf. Vilmar s. 64 vor. . statt findet. Püterich von Reicherzhausen (Haupts zeitschr. 6, 48) nennt ›die wuntsches füeße‹ einer princessin, der ältere ausdruck würde lauten: ir füeze wâren dem Wunsche gelîch. es ist recht deutsch heidnisch gedacht, daß diese schöpferische kraft einem gott zusteht, nicht wie bei den Griechen einem höheren weiblichen wesen. Aber noch andere züge weisen auf das heimische alterthum zurück. des Wunsches aue und heilwâc vergleichen sich mit Pholes ouwa und brunno oder mit den auen und heilbrunnen andrer götter, des Wunsches krone mit der von göttern und königen getragnen. Vor allem hervorzuheben ist, daß der wunsch sich seines geschöpfes als eines 119 kindes freut, Wuotan tritt hier auf als altvater oder hausherr, dem die erschaffnen menschen wie kinder, freunde und hausgesinde erscheinen, wunschkint wird auch von dem adoptierten, angewünschten gesagt. Herbort läßt 13330 Hecuba ausrufen: ›ich hân einen sun verlorn, er gezæme gote ze kinde‹, das bedeutet nicht in christlichem sinn: gott nahm ihn wol gern zu sich, sondern in heidnischem: er war so schön, daß er des Wunsches kind heißen mochte, denn auch der nordische Ođinn hat solche wunderkinder, wunschjungfrauen in seinem geleite Nachtrag: Wunsch ist die messende, gießende, gebende, schaffende kraft (s.  18 . 86 . 115 ), die bildende, einbildende, denkende, also auch einbildung, idee, bild, gestalt. es ist beim Wunsch etwas innerliches, aus dem inneren gesprochen. der Wunsch tihtet . Troj. 3096. ûz tiefer sinne grunde erwünschet mit dem munde. Troj. 2960. an den deutschen wunsch gemahnt die griech. χάρις, abgesehen von der angeführten stelle der Ilias, nicht nur in Lucians pro imag. cap. 26. s. 52: Κόμην ταῖς χάρισιν ἀπεῖκασε, sondern wie gott den wunsch verleiht, heißt es von Hermes: ὅς ῥά τε πάντων ἀνϑρώπων ἔργοισι χάριν καὶ κῦδος ὀπάζει. Od. 15, 319. neben des Wunsches aue und heilwâc kommt auch ein wunschsee und wunschbrunne . Pröhle unterharz. s. no. 345 vor. ein Wünschberg in Panzers beitr. 1, 116, Wenschenborch Haupts zeitschr. 1, 258, Wunschilburg bei Henricus Pauper 115. Wünschelburg ein schlesischer ort bei Glatz. ein Joannes Wunschelberg doctor vixit circa a. 1400. Flacius cat. test. verit. 782, bei Zarncke univers. Leipzig 764 a. 1427, 888 a. 1438. ein ort Wünschmichelbach . Baaders sagen no. 345, ein Wünschensuhl unweit Marksuhl in Thüringen, ein ort: super Wünsche und Wunscheidorf bei Rauch 2, 198. 200. . Dem altn. Oski entspräche genau betrachtet ein ahd. Wunsco , Wunscjo , das ich nicht einmal in eigennamen späterhin begegnet der eigenname. Johannes dictus de (= der) Wunsch . ch. a. 1324 (neue mitth. des thür. vereins I. 4, 65). einen wahrscheinlich noch lebenden Johannes Wunsch lese ich in dem oberhess. wochenblatt, Marburg 1830. s. 420. aufweisen kann Nachtrag: Förstemann hat keinen namen Wunsc , Wunscio , was der wünschende, anwünschende, zum sohn annehmende bedeuten würde, doch führt Karajan Wensco und Sigiwunh für Sigiwunsc an vgl. Sigtŷr und Sigewnsesholz im Eichstädtischen für Sigiwunscesholz. MB. 31, 363 (a. 1080). Die Oskmeyjar heißen auch nunnor Herjans, Ođins meyjar Sn. 212 a . Oskopnir könnte man daran anschließend erklären: stragem, campum electionis aperiens von opna aperire, woraus Völs. saga cap. 18 uskaptr macht. Außer dem angeführten ags. Vûscfreá aus Deira wird ein späterer Vûscfreá von Beda 138, 19. 153, 5 verzeichnet. , die mhd. form Wunsche ist nicht aus Troj. 3154. 7569. 19620. 19726 (straßb. hs.) zu rechtfertigen, metrum und der gen. auf -es widerstreben. Doch die ganze vorstellung mag vor alters in Süddeutschland viel lebhafter gewurzelt haben, als in Scandinavien, weil von Oski die edda beinahe gar nichts, unsre poesie des 15 jh. noch soviel von Wunsch zu berichten weiß. daß sie auch dort einheimisch war, lehren zumal die Oskmeyjar  = Wünschelfrauen , der Oskasteinn , ein stein der weisen, der mit der Wünschelrute und Mercurs stab zusammenhängt, Oskabyrr , mhd. Wunschwint , Oskabiörn , ein seeungeheuer, von welchen allen im verfolg ausführlicher die rede sein wird. Osk , ein weiblicher eigenname, findet sich an einigen stellen; wie wenn das dunkle Oskopnir Sæm. 188 a als Osk-opnir zu nehmen wäre? Opnir , Ofnir sind wiederum beinamen Ođins. Wort und begrif scheinen immer bedeutsamer für unsre mythologie zu werden; es fällt auf, daß die ags. denkmäler keinen beitrag gewähren, selbst das einfache vûsc (optio, votum) scheint ungewöhnlich, und nur vŷscan (optare) geläufig; unter den mythischen helden von Deira kommt jedoch ein Vûscfreá , gleichsam ein herr des Wunsches vor, und auch den Angelsachsen mag dies wesen nur ausgestorben, früher bekannt gewesen sein. Dafür ist ihrer ältesten poesie gerade ein andrer namen Wuotans heimlich noch bewust, dessen die edda wieder nur beiläufig gedenkt, sie stellt aber Sæm. 46 b Oski und Omi ganz nebeneinander, und 91 b wird Omi nochmals für Ođinn gebraucht. Omi verhält sich nun zu ômr sonus, fragor, wie das ags. vôma zu vôm clamor, sonitus, die belege habe ich Andr. und El. s. XXX. XXXI. angeführt, denen jetzt noch aus dem cod. exon. heonfonvôma 52, 18. 62, 10; dägredvôma 179, 24; hildevôma 250, 32. 282, 15; vôges vôma 277, 5; vintres vôma 292, 22 beigefügt werden kann; in der letzten stelle liegt die bedeutung hiemis impetus, fragor, furor vor augen und wir sehen uns zu dem sinn geleitet, den das alterthum mit Wuotan selbst verband, aus der lebendigen gottheit 120 ergaben sich die abstractionen wuot (furor), wunsch (ideal) und vôma (impetus, fragor). der huldvolle, anmutverleihende gott hieß andremal der stürmende, schrecken bringende, die natur durchschauernde; so drückt auch alt altn. Yggr bald Ođinn aus, bald yggr terror. das ags. vôma erscheint gar nicht mehr als Vôma , ahd. sind beide, wuomo und Wuomo unerhört. heofonvôman übersetzt Thorpe örtlich durch heavens corners, ich bezweifle ob richtig, es sind beidemal coeli fragores gemeint. Man dürfte aber den Omi , Vôma sich als einen luftgott, gleich dem indischen Indras, denken, dessen rauschen am himmel, bei tagesanbruch, im tosen der schlacht und im aufzug des wütenden heers vernommen wird Nachtrag: Wie Wuotan wind und wetter verleiht, das tobende meer stillt, heißt es vom christlichen gott: daz er uns alle tage dienet mit weter ioch mit wint . Diemer 89, 18 im Parzival legt Feirefiz der Juno bei, daß sie daz weter fuocte 750, 5. dem Juno ie gap segels luft . 757, 7. segelweter fuogte 767, 3. wenn yggr terror ist, so bedeutet yggdrasill das schauerpferd, den sturmrenner, vielleicht den rauschenden gott selbst, wie denn Ođinn ja auch den beinamen Yggr führt und immer als reiter in der luft, als wütender jäger gedacht wird. Yggdrasils askr (vorr. s.  XXXVIII ) ist also des rauschenden gottes esche. Ođinn heißt auch Hrôptr alte clamans vgl. ahd. hruoft clamor. Graff 4, 1137. Hrôptr glađr (?) Haupts zeitschr. 3, 154. Hrôptatŷr (s.  162 ). auch der beiname Farmatŷr, Farmaguđ könnte hieher gezogen werden als deus vecturarum nauticarum von farmr, onus nauticum. Mefîngr Sæm. 272 a hängt vielleicht mit mafr, möve zusammen. andere beinamen sind Fengr Sæm. 184 a . Völs. saga cap. 17. s. 157. Svâfnir Sæm. 93 a . Fiölnir Sæm. 10 a . 46 b . 184 a . Völs. saga cap. 17. s. 157 vgl. s. 136. 193. 200. 323. inn reginkunngi baldur î brynjo heißt er Sæm. 272 b . . Nemlich wie die seelen der erschlagnen krieger in Indras himmel gelangen Bopps Nalas s. 264. , nimmt auch der siegverleihende gott unsrer vorfahren die im kampf gefallnen helden in seine gesellschaft, in sein heer, in seine himmlische wohnung auf. wahrscheinlich war es glaube aller guten und edeln menschen, nach ihrem tod in nähere gemeinschaft der gottheit zugelassen zu werden. sterben heißt darum, und selbst nach der christlichen ansicht, zu gott gehen , zu gott heimkehren. ags. metodsceaft seon , Beov. 2360: Cædm. 104, 31 gott heimsuchen . alts. god suokian Hel. 174, 26; fadar sudkion Hel. 143, 23; upôdashêm, lioht ôdar, sinlîf, godes rîki suokian Hel. 85, 21. 17, 17. 63, 14. 137, 16. 176, 5. nach Herodot 4, 94 sagten in gleichem sinn die Thracier ἰέναι παρὰ Ζάλμοξιν (Γεβελέϊζιν) δαίμονα, und diesen Zalmoxes oder Zamolxes hält Jornandes für einen gothischen (getischen) vergötterten könig. Im Norden hieß zu Ođinn fahren, bei Ođinn zu gast sein, Ođinn heimsuchen nichts als sterben (fornaldarsögur 1, 118. 422. 423. 2, 366) und war gleichbedeutend mit nach Valhöll fahren, in Valhöll zu gast sein (das. 1, 106). Unter den Christen wurden aber verwünschungen daraus: far þû til Ođins! Ođins eigi þik! Nachtrag: Ähnliche ausdrücke für sterben sind: ags. dryhten sêcean . Beov. 373. altn. kenna einom âttûnga brautir til Ođins landa . Sæm. 80 b . far till Oden . Geyer 1, 123. vgl. gefa Ođni . Landn. 5, 10. vom geizhals, der schätze sammelt, heißt es in Schweden tjena Oden . Geyer 1, 123. kl. schr. 3, 197. hier zeigt sich die umkehrung des gütigen wesens, bei dem man bleiben will, in ein böses so schlägt Wuotans name von selbst um in den begrif der wut und des zorns ; die edda hat beispiele. Brynhild stach er aus rache mit dem schlafdorn (Sæm. 194 a ) und sie sagt: Ođinn þvî veldr, er ek eigi mâttak bregđa blunnstöfom. er stiftet feindschaft und streit: einn veldr Ođinn öllu bölvi, þviat međ sifjungom sakrûnar bar Sæm. 165 b b. inimicitias Othinus serit. Saxo gr. p. 142, wie die Christen von dem teufel sagen, daß er den samen der zwietracht aussäe. gremi Ođins Sæm. 151 a Nachtrag: Die auffassung Odins als eines bösen wesens wird auch aus dem altn. hvađa Ođins lâtum? quid hoc mali est? klar, wofür auch hvađa lâtum? quid hoc rei est? gebraucht wird. Wormius mon. dan. s. 11. lât ist amissio, mors. vgl. nhd. was des teufels? fornm. sög. 3, 179 heißt es: ôfögnuđr (unheil) sendr af Ođni . Ođinndæll fornm. sög. 11, 151 bedeutet periculosus, insociabilis, difficilis und wird fornm. sög. 12, 430 durch illr viđfângs erklärt, Ođinndæla heißt periculum, infortunium fornm. sög. 6, 374 und wird 12, 430 durch vandraeđi, vandamâl, naudsyn wiedergegeben. dæll heißt sonst mansuetus, affabilis. . , dessen aufenthalt furcht und schrecken einflößt. Im verfolg wird näher ausgeführt werden, auf welche weise Wuotan an der spitze des nach ihm benannten wütenden heers durch die fahrend vorgestellt wurde. Valhöll (aula optionis) und Valkyrja hängen offenbar zusammen mit dem begrif des wunsches und der wahl. Von den eigenthümlichkeiten der gestalt und äußeren erscheinung des gottes, wie sie in den nordischen mythen ausgeprägt sind, habe ich bei uns in Deutschland wenig spuren mehr 121 angetroffen. Odin ist einäugig , trägt einen breiten hut und weiten mantel . Grîmnir î feldi blâm . Sæm. 40; î heklu grænni ok blâm brôkum (fornald. sög. 1, 324); heklumađr (1, 325). Als er aus Mîmis brunnen zu trinken begehrte, muste er eins seiner augen zu pfand lassen (Sæm. 4 a Sn. 15) vgl. Tritas im brunnen. Kuhn bei Höfer 1, 290. nach dem volksglauben soll man nicht in das rinnende wasser sehn, weil man in gottes auge sieht (Toblers Appenzell s. 369 b ), wie man nicht mit dem finger an die sterne deuten soll, um nicht den engeln ins auge zu greifen. . bei Saxo p. 12 tritt er auf als grandaevus, altero orbus oculo ; p. 37 armipotens, uno semper contentus ocello ; p. 138 senex orbus oculis, hispido amictu . ebenso in den sagen: kom þar mađr gamall , miök orđspakr, einsŷnn ok augdapr , ok hafđi hatt sîđan . fornm. sög. 2, 138. hann hafir heklu flekkôtta yfir ser, sâ madr var berfœttr ok hafđi knŷtt lînbrôkum at beini, han var hâr miök ok eldiligr ok einsŷnn . fornald. sög. 1, 120. þa kom mađr î bardagann međ sîđan hatt ok heklu blâ es gibt ein schwed. märchen von graumantel (grakappan) Molbech. 14, der, wie in deutschen Maria, mit in den himmel nimmt , und eine lucke zu öfnen untersagt (KM. 3, 407). , hann hafđi eitt auga ok geir î hendi. das. 1, 145. þetta mun Ođinn gamli verit hafa, ok at vîsu var mađrinn einsŷnn . das. 1, 95. sâ hann mann mikinn međ sîđun hetti , das. 5, 250. međ hetti Hângatŷss gânga, cum cidari odiniana incedere Vigagl. saga s. 168. Othinus, os pileo , ne cultu proderetur, obnubens . Saxo gramm. 44. schon in einem eddischen liede heißt er Sîđhöttr (der breithutige) Sæm. 46 b , in einer sage bloß Höttr (der hutige, gehutete) fornald. sög. 2, 25. 26, vgl. Müllers sagabibl. 3, 142. ohne jenen namen im Grimnismâl würde ich vermuten, es sei absicht der Christen, den alten gott durch ärmlichen anzug herabzusetzen, oder er wolle, in den mantel gehüllt, sich den Christen verbergen. darf an die pileati des Jornandes gedacht werden? Schön lautet eine sage bei Saxo p. 12: der blinde greis faßt einen schützling in den mantel und trägt ihn durch die lüfte, Hading aus einem loche des mantels schauend, gewahrt, daß das pferd über die wellen schreitet. jener heklumađr mit aufgekremptem hut ist aber unser Hakolberend an des wilden heeres spitze, der sich genau in ein goth. Hakulabaírands übertragen läßt, seit hakuls (φελόνης) 2. Tim. 4, 13 gefunden ist. Schwedische volkssagen schildern Odin kahlhäuptig (Iduna 10, 231). In der alten dichtung heißt er Harbarđr, Sîđgrani, Sîđskeggr , alles in bezug auf seinen dichten haar und bartwuchs. Rothbart habe ich zwar sonst auf Thor gedeutet, doch fornald. sög. 2, 239–257 ist Grani und Raudgrani ausdrücklich Ođinn Nachtrag: Die äußere erscheinung Odins wird noch an manchen stellen geschildert. hinn eineygji Friggjar fađmbyggvir. Sn. 1848. s. 236. er heißt Hengikiaptr , labeo, cui pendet maxilla. Sn. 146. vgl. s.  899 . und Harbarđr , Flachsbart von hör, linuni. der Langbart erscheint dem Sigurdr und hilft ihm Grani kiesen. Völs. s. cap. 13. GDS. 688. 689. dem Othinus, os pileo obnubens , des Saxo entspricht sein beiname Grîmnir , larvatus, von grîma. als Grîmnir zeigt er sich in bettlergestalt die menschen zu versuchen z. b. den Geirröđr, als Gestr blindi den Heiđrekr, als Gângrâđr den Vafþrûđnir. an Grîmnir gemahnt das deutsche märchen von der alten bettelfrau (KM. 150), der die kleider zu brennen anfangen, wie dem Grîmnir. bei Heiđrekr löst Gestr rätsel für einen andern, wie der müller oder schäfer beim abt. Schmidt s. 85–89. Ođin erscheint ferner als bôndi Hrani , einäugig, und beschenkt. Hrolf Kr. saga cap. 39. 46 (fornald. s. 1, 77. 94). ›hann var stuttklaeddr ok hafđi sîdan hatt niđr fyrir andlitit ok sâ ôgerla âsjonu hans; skeggjađr var hann‹. heißt es fornm. sög. 5, 171. 172. vgl. den blinden (? einäugigen) Hatt . sv. äfventyr 1, 363. GDS. 578. nach schwed. volkssage trug Ođin einen spitzen hut, uddehatt , was zu der eignen gestalt einiger grabdenkmäler stimmt, die keilspitzig, fußangelförmig aussehn. er heißt aber haugadrôttinn . Vitterh. acad. handl. 14, 73. uddehatt ist sonst die spitze nebelkappe der zwerge und er erscheint auch darum als herr der zwerge. der hut ist aber auch wünschelhut und Mercurs hut. er begegnet als alter mann , oder als jäger auf hohem ros mit drei hunden, die er einem jüngling schenkt. eine småländische sage nennt ihn ausdrücklich Oden . sv. folkv. 1, 212. gammal gråman gibt rath, darf aber nicht länger als bis zum hankrat bleiben. Arvidsson 3, 3. ähnlich ist die einäugige alte (hexe). norske event. 141. 142. auch in Deutschland lassen sich jetzt mehr spuren dieser göttlichen erscheinung nachweisen. in kindermärchen tritt mehrfach ein graumantel , breithut auf s. Haltrich s. 10. 39. 44. ein alter mann holt die kinder s. 4. er erscheint auch als alter einäugiger s. 45. 55, als steingeiß 44, wilde katze 63. gott kommt als alter bettelmann und wird gevatter und beschenkt. KM. no. 126. oder als graubärtiges männle . Frommann munda. 4, 328. vgl. die alte bettelfrau. KM. no. 150. einäugiger lapphut . Alsatia 1856 s. 131. ein grauer schmied heilt. Haupts zeitschr. 1, 103. Wuotans wunschmantel sieht Simrock auch in Martins mantel und kappe. Martinsl. XVII. . Die nord. mythe legt Ođinn einen wunderbaren speer (geir), namens Gûngnir bei (Sæm. 196. Sn. 72), den ich der lanze oder dem schwert des Mars, nicht dem stabe Mercurs vergleiche. Sigmunds schwert bricht, als er in Ođins speer haut. Völs. saga cap. 11. diesen speer leiht er den helden zum sieg (Sæm. 165). eine 122 merkwürdige stelle, fornm. sög. 5, 250, sagt: seldi honum reyrsprota (den spere von rohr) î hönd, ok bađ hann skiota honum yfir liđ Styrbiarnar, ok þat skyldi hann mæla: Ođin â yđr alla! alle feinde, über die der geschossene speer fliegt, werden dem tode geweiht, und der ihn abschießende erhält den sieg. auch Eyrbygg. saga p. 228: þâ skaut Steinþôrr spioti at fornom siđ til heilla ser yfir flock Snorra, wo freilich nicht gesagt ist, daß es des gottes speer war, der über den feind geschwungen wird. Sæm. 5 a von Ođinn selbst: fleigđi ok î fôlk um skaut Nachtrag: Als Ođin den speer wirft, da war nach der Völuspa der erste krieg in der welt. er heißt geira drôttinn . Egilss. 639. geiri undađr oc gefinn Ođni . Sæm. 27 b . marka sik Ođni vgl. s.  901 . unter Otto III. wurde ein mann im traum nach ablegung eines frommen gelübdes von zwei lanzen der märtyrer Crispinus und Crispinianus durchbohrt . Pertz 5, 787. der riese Oden sv. äfvent. 455, an dessen stelle in andern recensionen ein unbenannter riese vorkommt, besitzt kostbare dinge, wie der gott den speer . Aus solchen vorstellungen stammen die ahd. namen: Kêrans , Folchans . Haupts zeitschr. 7, 529. Gleicht dieser speer mehr dem verderblichen pfeil Apolls oder dem zepter des Zeus? (s.  566 ). hängt mit Gûngnir der name des langobardischen königsgeschlechtes der Gunginge zusammen? GDS. 687. 688. . Dem siegsgott werden zwei wölfe und zwei raben beigelegt, die als streitlustige, tapfere thiere dem kampfe folgen und sich auf die gefallenen leichen stürzen (Andr. und El. XXVI. XXVII). die wölfe heißen Geri und Freki (Sn. 42), und noch ein schwank bei H. Sachs (I. 5, 499) weiß, daß sich gott der herr die wölfe zu jagdhunden erwählt hatte, daß sie sein gethier sind. die beiden raben aber werden Huginn und Muninn genannt, von hugr (animus, cogitatio) und munr (mens), sie sind nicht nur mutig, sondern auch weise und klug, sitzen dem Ođinn auf den achseln und sagen ihm alles ins ohr, was sie sehn und hören (Sæm. 42 b 88 a Sn. 42. 56. 322). Auch dem griech. Apollo waren wolf und rabe heilig die worte bei Marc. Cap. 1, 11 ›augurales vero alites ante currumDelio constiterunt‹ verdeutscht N. 37: tô wâren garo ze Apollinis reito sîne wîzegfogela, rabena unde albisze . Bei Ođinn werden statt der raben auch habichte genannt: Odins haukar . Sæm. 167 b . , der rabe, sein bote, meldete ihm die untreue der Koronis; Aristeas begleitete ihn als rabe (Herod. 4, 15), auf des Mithras (sonnengottes) mantel sitzt oben ein rabe . Die evangelien stellen den heiligen geist als taube dar, die bei der taufe hernieder auf Christus fährt (Luc. 3, 22) und über ihm bleibt (ἔμεινεν ἐπ' αὐτόν, mansit super eum. Joh. 1, 32). ›in Krist er sih gisidalta‹ sagt O. I. 25, 24, Hel. 30, 1 aber von der taube: sat im uppan ûses drohtines ahslu . ist das noch heidnische erinnerung? kein kirchenvater hat diesen zug, wol aber ist im mittelalter genug vom sitzen der taube auf der schulter die rede Gregor. Nyssen. encom. Ephraemi erzählt, auf der rechten schulter Basils des großen, wenn er predigte, habeEphraem eine weiße taube erblickt, welche ihm worte der weisheit eingegeben. Von Gregor dem großen meldet Paulus Diac. in vita p. 14, daß, indem er Ezechiels letztes gesicht auslegte, eine weiße taube ihm auf dem haupt gesessen und öfter den schnabel in den mund gesteckt, während welcher zeit er, der schreiber, nichts für seinen griffel von ihm vernommen habe; man vergleiche die erzählung eines dichters aus dem 12 jh. (Hoffm. fundgr. 2, 229). auch myst. s. 226. 227. Augustin und Thomas von Aquino werden abgebildet mit einer auf ihren schultern sitzenden oder über ihren häuptern schwebenden weißen taube . Nach einem kindermärchen (no. 33) setzen sich aber zwei tauben auf des pabstes schulter und sagen ihm alles ins ohr, was er vorzunehmen hat. Auf des heil. Devy haupt steigt eine weiße taube singend nieder und unterweist ihn (buhez santez Nonn. Paris 1837 p. 117). Auch bei andern anläßen verkündet die niederfliegende taube des himmels willen. Niemand wird aus diesen tauben die sage von Wuotans raben herleiten, die einstimmung bleibt aber merkwürdig Nachtrag: Aristeas heißt Apollons rabe . Herod. 4, 15 d. i. priester, wie die priester des sonnengotts nach Porphyrius bei den magiern raben heißen. mit dem heil. Benedict fliegen drei raben . Paul. Diac. 1, 26. in Goethes Faust 12, 127 (1828) fragt die hexe Mephistopheles: wo sind denn eure beiden raben? tauben sitzen auf Goldmarikens schultern . Müllenhoff s. 403. eine taube sitzt auf dem haupt und der schulter eines knaben zu Trier. Greg. tur. 10, 29. eine taube setzt sich dreimal auf das haupt des h. Severus. myst. 1, 226. 227 oder läßt sich auf der schulter des h. Gregorius nieder. myst. 1, 104. . , und die taube, obwol häufig gegensatz des raben (den die Christen wie den wolf auf den bösen 123 geist anwandten) kann ihn dennoch vertreten. dem Oswald fliegt sein rabe auf achsel und arm 749. 942. Oswald redet mit ihm 95. 96. und kniet vor ihm 854. vgl. Zingerle Oswalt s. 67. neulich sollen in Dänemark und Schweden abbildungen Odins gefunden sein, die man, wenn etwas seltsame nachrichten gegründet sind, bekannt zu machen nicht lange säumen wird. ein bauer zu Boeslund auf Seeland pflügte zwei goldne mit asche gefüllte urnen aus, oben am deckel findet sich Odin stehend mit beiden raben auf seinen schultern, den beiden wölfen zu seinen füßen in getriebner arbeit abgebildet (kunstbl. 1843. no. 19. s. 80 b ). beim dorfe Gömminga auf Öland wurden ebenfalls goldmünzen entdeckt, deren eine Odin mit den raben auf der schulter darstellt, die kehrseite hat runen (kunstbl. 1844. no 13. s. 52 a ). Nachtrag: Flugu hrafnar tveir af Hnikars öxlum, Huginn til hanga, enn â hrae Muninn . Sn. 322. die täglich ausgesandten raben kommen zurück at dögurđarmâli. Sn. 42. vgl. F. Magnusen dagens tider s. 42. fara Viđris grey valgiörn um ey. Sæm. 154 a . hrafnar tveir flugu međ þeim alla leiđ. Nialss. 80. über Odens foglar, Odens svalar ( anm. 397 ). ). In der gestalt jenes bärtigen alten scheint aber Wuotan als wassergeist oder wassergott aufzufassen und dem lat. namen Neptunus gerecht, den einige ältere schriftsteller von ihm gebrauchen (s.  101 ). er heißt altn. Hnikar , Hnikuđr , Nikarr , Nikuz und das schwanken der Sn. 3 ausdrücklich nebeneinander gestellten formen (Nikarr eđa Nikuz) mag von verschiedenheit der alten dialecte herrühren, Nikarr entspräche dem ags. Nicor , Nikuz dem ahd. Nichus , anlautendes HN gehört wol nur dem altn. ausdruck? ich werde bei abhandlung der wassergeister noch einiges hinzuzufügen haben Nachtrag: Ođin-Neptunus gleicht dem Poseidon oder auch dem Zeus, die in stiergestalt aus dem meere steigen. so zeigt sich Ođin dem Olaf als nachenmann nökkva mađr . fornm. sög. 2, 180 und holt als mann im boot Sinfiötlis leichnam. Völs. s. cap. 10. an ihn erinnert der göttliche steuermann im Andreas (vorr. XXIV. XXV) und der dreizehnte, der die zwölf Friesen steuert, die axt auf der schulter trägt, mit ihr einen brunnen wirft und sie das recht lehrt. Richthofen 439. 440. doch kommt Ođinn Hnikar auch als karl af biargi vor. Sæm. 183. 184. . Gleich bemerkenswerth ist ferner die doppelgestalt eines andern odinischen beinamens Bifliđi eđa Biflindi (Sn. 3); Sæm. 46 b b steht Biblindi . da bif motus, aer, aqua, das bebende element, ags. lîđe lenis, ahd. lindi, altn. linr (für linnr) bedeuten, könnte ein ags. Biflîđe, Beoflîđe, ahd. Pëpalindi von der leisen bewegung der luft entnommen sein, ein treffender name des alldurchdringenden gottes; doch die ags. ahd. formen, aus denen der nord. ausdruck erborgt wäre, sind untergegangen. Beides zusammen Wuotans herschaft über das wasser wie über den wind verständigen uns, daß er auf den wellen wandelt und durch die lüfte im sturm naht. Ođinn verleiht den schiffen wind (fornm. sög. 2, 16) und günstiger segelwind hieß darum ôskabyrr Sæm. 165 b d. h. Oskabyrr , byrr von byrja, ahd. purran, sich erheben. damit trift bedeutsam überein, daß auch die mhd. dichter wunschwint in solchem sinn gebrauchen, Hartmann sagt Greg. 615 dô sande in der süeze Krist den vil rehten wunschwint Nachtrag: Byr , Burr ist Ođins vater (s. 289 ). gefr hann (Ođinn) byri brögnom. Sæm. 113 b . der günstige segelwind, altn. ôskabyrr , heißt in der schwed. reimchronik önsko bör . auch deutsch könnte neben wunschwint ein wunschbür gedacht werden. denn pass. 379, 19 heißt es: in kam von winde ein ebene bür , die in die segele dâ sluoc. pass. 201, 29. dô quam ein alsô gelîche bür . pass. 380, 78 daz in wart ein guote bür . andrerseits wird gesagt: sô er den wint ze wunsche hât. Er. 7795. und wunsches weter . urstende 125, 85. got schuof im sanften süezen wint . Ernst 5, 238 (zu s. 120). das himmlische kind macht guten wind . Osw. 960. 965. 1220, aber auch sturmwind . Osw. 1137. 2731. den Griechen gab vorzugsweise Zeus guten fahrwind. Διὸς οὖρος . Od. 15, 297. Ζεὺς οὖρον ἴαλλεν . Od. 15, 475. Ζεὺς εὐάνεμος . Paus. III. 13, 5. auch ein Ἑρμῆς ἀέριος wird genannt inter deos, qui ad pluviam eliciendam a mago advocantur. Cass. Dio 71, 19. Hermes oder Theuth war der Aegypter regengott. Cass. Dio 71, 8 ( anm. 449 ). . Andere eigenschaften Wuotans weisen aber mehr auf Hermes und Apollo . Diesem letzteren gleicht er darin, daß von ihm seuchen und deren heilung ausgehn, jede schwere krankheit ist gottes schlag und Apollons pfeile entsenden die pest. auch die Gallier wähnten, Apollo vertreibe die krankheiten (Apollinem morbos depellere. J. Caesar 6, 17), und Wôdan allein vermag Balders ausgerenktes pferd durch seinen zauber zu heilen. zu Apollo stimmt ganz der rabe auf des gottes schulter und noch deutlicher, 124 daß Ođinn die dichtkunst erfand und Saga seine göttliche tochter ist, wie die griech. Musen zwar des Zeus töchter sind, aber in Apollons schutz und geleite stehn. Doch schrift und buchstaben wiederum hatte nicht Apollo sondern Hermes erfunden. die ägyptischen priester setzten Hermes an die spitze aller erfindungen (Jamblich. de myst. Aegypt. 8, 1) und Theuth oder Thoth soll zuerst die buchstaben gefunden (Platons Phaedr. 1, 96. Bekker), nach Hygin. fab. 143 Hermes dem fluge der kraniche abgesehen haben. Im ags. dialog zwischen Saturn und Salomon heißt es (Thorpes anal. p. 100): ›saga me hvâ ærôst bôcstafas sette? ic the secge, Mercurius se gygand ‹. ein andrer dialog, Adrian und Epictus betitelt (ms. mus. brit. arund. no. 351. fol. 39) hat: ›quis primus fecit literas?‹ und antwortet: Seith , was entw. aus Theuth entstellt oder der bibl. Seth ist. Der eddische rûnatals þâttr scheint nun auch die erste lehre der runen dem Ođinn beizulegen, wenn man die worte: › nam ec upp rûnar ‹ (Sæm. 28 a ) so deuten darf. ›thær ofrêđ, thær ofreist, thær ofhugđi Hroptr‹. Sæm. 195 b . d. h. die las, schnitt und erdachte (bedachte) Ođinn. auch Snorri sagt Yngl. cap. 7: ›allar thessar îdrôttir kendi hann međ rûnum ok liôđum‹. Hincmar von Rheims legt dem Mercur die erfindung des würfelspiels bei: ›sicut isti qui de denariis quasi jocari dicuntur, quod omnino diabolicum est, et, sicut legimus, primum diabolus hoc per Mercurium prodidit, unde et Mercurius inventor illius dicitur‹. 1, 656. vgl. schol. zur Odyss. 23, 198 und MS. 2, 124 b ›der tiuvel schuof daz würfelspil‹. Das wissen auch noch unsre volkssagen, die den teufel immer kartenspielen und andre zum spiel verleiten lassen Reusch sagen des preuß. Samlandes no. 11. 29. Nachtrag: Zu der stelle aus dem dialog zwischen Saturn und Salomon vgl. Kembles Salomon s. 323: Mercurius gigas . in den altd. bl. 2, 190 ist der andere ags. dialog betitelt: Adrian and Ritheus und enthält die worte: ›saga me hvâ vrât bôcstafas aerest? ic þe secge, Mercurius se gigant ‹. in Småland erscheint ein an Ođin erinnernder reitender mann mit feuerathem und einem runstab im munde. Haupts zeitschr. 4, 509. der ägyptische Theuth aber erfand nicht nur die buchstaben, sondern auch das würfelspiel, πεττείας κυβείας und γράμματα . Platons Phaedr. 274. so ist Odin nicht nur runenerfinder, sondern auch der meister des würfelspiels. eine altn. wurfformel lautet ( anm. 2985 ): at þu Fiölnir falla lâtir, þat er ek kasta kann! F. Magnus. lex. myth. 646. Fiölnir = Odin ( anm. 356 ). ferner war sprichwort: þû ert ecki einn î leik, ef Ođinn styđr þik . über den teufel als spieler vgl. s.  841 . übrigens wurden auch Thor und Odin, Frigg und Freya zusammen mit Enoch und Elias, Christus und Maria beim würfelspiel angerufen. F. Magnus. lex. myth. 646. . Nimmt man hierzu, daß die wünschelruthe, d. i. der stab des Wunsches an Mercur caduceus, die wünschelfrauen, d. h. die oskmeyjar, valkyrjor an das geschäft des Psychopompos erinnern; so darf ein nachhall des gallischen in der altbritischen mythologie tritt ein Gwydion ab Don (sohn des Don) auf, den Davies (celt. researches s. 168. 174. brit. mythol. s. 118. 204. 263. 264. 353. 429. 504. 541) dem Hermes gleichstellt, er soll die schrift erfunden, zauber geübt und den regenbogen gebaut haben, die milchstraße hieß caer Gwydion, burg des Gwydion (Owen s. v.). an Vôden erinnern die brit. alterthumsforscher nicht, und doch scheint Gwydion jenem Gwodan  = Wodan nahe zu liegen. auch der irische name für dies Mercurii, dia Geden , sei er nun dem engl. Wednesday nachgebildet oder nicht, führt auf die form Goden, Gvoden Nachtrag: Über Gwydion und Don s. Villemarqué bardes bretons s. 388. die milchstraße hieß nicht nur caer Gwydion, sondern auch Arian rod merch Don . Davies mythol. 205. Leo in Haupts zeitschr. 3, 224 leitet Gwydion von gwyd , mens, μένος (s. 120) wie Ođin von altn. ôđr , mens. der irische name dia Geden , dies Mercurii, gal. di ciadain, ciadaoin kann auch aus ceud und aoine d. h. erste faste erklärt werden, doch s. O'brien 168 a . . oder germanischen Mercurs in dem beinamen Trismegist (Lactantius I. 6, 3. VI. 25, 10. ter maximus Hermes bei Ausonius) vernommen werden Nachtrag: Der satz im prol. legis salicae: › Mercurius Trismegistus primus leges Aegyptiis tradidit‹ stammt aus Isid. orig. 5, 3. bei Tervagan , Tervigant ließe sich auch an Trebeta denken. gesta Trev. (Pertz 10, 131). , den die späteren romanischen und deutschen dichter des 12. 13 jh. ja noch die heutigen kindermärchen wissen von dem großmächtigen Mercurius (KM. no. 99. 2, 86). auf einen sarazenischen abgott Termagan dies Termagan, Termagant begegnet vorzüglich in altengl. gedichten und kann an das irische tormac augmentum, tormacaim augere gemahnen. , Tervagan , Tervigant , Terviant übertragen. Wenn 125 aber Hermes und Mercur als dator bonorum vorgestellt werden und den Slaven Mercur wiederum Dobropan heißt (s.  108 ), gleichsam mercis dominus; so verdient aufmerksamkeit, daß der Misnere Amgb. 42 a bei aufzählung sämmtlicher planeten unter ihnen allen den Mercur mit den worten anruft: nu hilf mir , daz mir sælde wache! schin er mir ze gelücke, noch sô kum ich wider ûf der sælden phat. ich finde daß in schwedischen volksliedern Odin gerade so gerufen wird: hielp nu Oden Asagrim! sv. fornsängor 1, 11; hielp mig Othin! 1, 69; diesen gott flehte das volk zuerst und vor allen in der noth an, Asagrim heißt er wol, weil er unter den Asen Grîmnir genannt wurde? Darum scheint auch bedeutsam, daß den wanderungen des götterboten unter den menschen, in deren hütten er zuweilen einkehrt, hauptsächlich die des Ođinn und Hoenir , in christlicher einkleidung gottes und des heiligen Petrus zur seite stehn. Unsere vorzeit erzählt von Wuotans wanderungen, von seinem wagen, weg und geleite (duce Mercurio, s.  106 ). Es ist bekannt, daß schon im höchsten alterthum die sieben sterne, welche am nördlichen himmel den bären bilden, als ein vierräderiger wagen vorgestellt werden, dessen deichsel aus den drei abwärts geneigten sternen besteht. Ἄρκτον ϑ', ἣν καὶ ἄμαξαν ἐπίκλησιν καλέουσιν. Il. 18, 487. Od. 5, 273. so auch ahd. glossen ursa wagen . Jun. 304. mhd. himelwagen Walth. 54, 3 septentrion, que nos char el ciel apelon. roman de Rou. , herwagen Wackern. lb. 1. 772, 26. am deutlichsten erklärt N. cap. 64: selbiu ursa ist pî demo norde mannelîchemo zeichenhaftiu fone dien siben glatên sternôn, die allêr der liut wagen heizet, unde nâh einemo gloccun joche horizontaler tragbalke, wie bei glocken, vgl. ans, âs s.  21 . gescaffen sint, unde ebenmichel sint, âne des mittelôsten. den Angelsachsen hieß dieses gestirn vænes þîsl (wagendeichsel) oder bloß þîsl , es wird aber auch carles væn bei Lye angeführt, dem engl. charles wain entsprechend, dän. karlsvogn , schwed. karlwagn . ist hier karl gleichviel mit herr, wie sich herrenwagen in gleichem sinn darbietet? oder ist es übertragung auf den berühmten könig der christlichen sage? worauf es uns aber ankommt, die constellation mag in der heidnischen zeit den vollständigen namen Wuotanes wagan geführt haben, nach dem obersten gott des himmels. die niederländische sprache zeugt dafür, noch in einem ms. von 1470: ende de poeten in heure fablen heetend (das gestirn) ourse, dat is te segghene Woenswaghen ; und anderwärts: dar dit teekin Arcturus, dat wy heeten Woonswaghen , up staet; het sevenstarre of de Woenswaghen ; vgl. Huydec. proeven 1, 24. plaustrum Mercurii habe ich nicht gelesen, auch kein altn. Ođins vagn, nur vagn â himnum . Vielleicht hieß auch, in einigen gegenden, die große, offene heerstraße, mit der man lange zeit den begrif einer besonderen 126 heiligkeit verknüpfte, vielleicht die vorstellung der himmlischen milchstraße (caer Gwydion s.  124 ) verwachsen ließ, Wuotanes wec oder strâza? in Niedersachsen erhielt sich die örtliche benennung an einem dorfe bei Magdeburg: Wôdenesweg ch. a. 973 in der zeitschr. f. archivk. 2, 349. eine ältere urk. von 937 soll Watanesweg lesen (vgl. Wiggert in den n. mitth. des thür. vereins VI. 2, 22); praedium in Wôdeneswege . Dietm. merseb. 2, 14 p. 750. annal. Saxo 272. Johannes de Wdenswege , Heinricus de Wôdensweghe , (Lenz) brandenb. urk. p. 74 (a. 1273) 161 (a. 1301); später Wutenswege , Godenschwege , Gutenswegen vgl. Ledebur n. arch. 2, 165. 170. Gero ex familia Wodenswegiorum . ann. magdeburg. in chron. marienthal.. Meibom 3, 263. ich erinnere an die lustration der koninges strate (RA. 69), in Uplandsl. vidherb. balkr 23, 7 wird der heerweg genannt karlsveg , gleich jenem himmlischen wagen. doch soll hernach zweifel erhoben werden, ob in Wodenswege wirklich dieser begrif von weg (via) enthalten sei. Noch deutlicher und beziehungsvoller scheinen aber die namen einzelner berge, die dem dienst des gottes im heidenthum geheiligt waren. at Sigtŷs bergi . Sæm. 248 a . Othensberg (jetzt Onsberg ) auf der dän. insel Samsöe; Odensberg in Schonen. Godesberg bei Bonn in den urk. des mittelalters Gudenesberg . Günther 1, 211 (a. 1131) 1, 274 (a. 1143) 2, 345 (a. 1265), früher Wôdenesberg (Lacomblet 97. 117 a. 947. 974). schon Caesarius heisterb. 8, 46 stellt beide formen neben einander: › Gudinsberg vel, ut alii dicunt, Wudinsberg ‹. Unweit der heiligen eiche in Hessen, die Bonifacius stürzte, lag ein Wuodenesberg , der noch in urk. von 1154 (Schminke beschr. von Cassel p. 30 vgl. Wenk 3, 79) so heißt, später Vdenesberg , Gudensberg ; verschieden davon muß ein Gudensberg bei Erkshausen, amts Rotenburg (niederh. wochenbl. 1830 s. 1296) und ein Gudenberg bei Oberelsungen und Zierenberg (daselbst s. 1219 Rommel 2, 64. Gudenburg bei Landau s. 212) sein, so daß allein in Niederhessen drei berge dieses namens vorkommen: vgl. montem Vodinberg cum silva monti eidem attinente, in einer urk. von 1265 bei Wenk II. no. 174. eines Henricus comes de Wôdenesberg , aus anderer gegend, gedenkt eine urk. von 1130 in Wedekinds noten 1, 367; einer curtis Wôdenesberg eine urk. von 973 bei Falke tradit. corb. 534. Gotansberg (a. 1275) Langs reg. 3, 471: vineas duas gotansberge vocatas. Mabillons acta Bened. sec. 5, p. 208 enthalten folgendes: ›in loco ubi mons, quem dicunt Wonesberth (l. Wônesberch  = Wôdanesberg), a radicibus astra petit‹; er soll im pagus gandavensis liegen, richtiger ist es der berg von Ardenghen zwischen Boulogne und s. Omer. Comes Wadanimontis , später Vaudemont in Lothringen (Don Calmet, tome 2, preuves XLVIII. L.) scheint dasselbe, und für Wodanimons gesetzt bekannt ist Graisivaudan, ein thal bei Grenoble im Delfinat, wofür der Titurel Graswaldane; aber die beziehung auf unsern gott hat hier keinen grund. . ein Vôdnes beorg in der ags. chronik (Ingram 127 p. 27. 62) woraus nachher Wodnesborough , Wansborough (in Wiltshire) gemacht wurde; schon bei Ethelwerd p. 835: facta ruina magna ex utraque parte in loco qui dicitur Wodnesbyrg , statt Wodnesberg, doch Florentius ed. 1592 p. 225 hat Wodnesbeorh , id est mons Wodeni. Vôdnesbeorg auf Lappenbergs carte beim Bearucvudu, vgl. Wodnesbury Wodnesdyke , Vôdanesfeld in Lappenbergs engl. gesch. 1, 131. 258. 354. Dazu nehmen muß man, daß bei dem hessischen Gudensberg die sage geht von dem bergversunkenen könig Carl, der daselbst einen sieg über die Sachsen erfochten, und dem durstenden heer einen brunnen im wald geschlagen habe, künftig aber einmal zur rechten zeit, mit seinem heer, aus dem berg hervorgehen werde. den mythus vom siegreichen heer, das nach wasser schmachtet, wenden bereits die fränkischen annalisten auf könig Carl an (Pertz 1, 150. 348), gerade da, wo sie zerstörung der Irmenseule vortragen; er ist aber sicher älter und heidnisch, Saxo gramm. 42 hat ihn von dem siegenden Balder; das zusammentreffen solcher sagen mit festen plätzen des alten cultus kann nicht anders als ihre bedeutsamkeit erhöhen und bestätigen. das volk, dem sein glaube zerstört wird, rettet einzelne züge daraus, indem er sie überträgt auf einen gegenstand neuer, unverfolgter verehrung. Nach so häufigen beispielen alter Wuotansberge darf man dazu vergleichen, wenn bei lateinischen annalisten, z. b. Fredegar eines mons Mercurii erwähnt wird. Außerdem begegnen andre namen. das breviarium Lulli (bei Wenk II. no. 12) nennt als thüringischen ort: in Wudaneshusun , und nochmals Woteneshusun (vgl. Schannat no. 84. 105); ein Wodensholt (heute Godensholt) liegt im Oldenburgischen, ein lagerbuch von 1428 (Ehrentraut fries. arch. 1, 445) führt auf: ›to Wodensholte Tideke Tammen gut x schillinge‹; Wothenower (? Wôdenôver) sitz eines brandenburgischen geschlechts (Höfers urk. p. 270 a. 1334); unweit Bergen op Zoom und der Schelde, gegen Antwerpen, liegt noch heute Woensdrecht , gleichsam Wodani trajectum. Woensel  = Woedenssele, Wodani aula liegt unweit Eindhoven am Dommel in Nordbrabant; eine merkwürdige mir von J. W. Wolf nachgewiesne stelle darüber findet sich in Gramayes Taxandria p. 23: imo amplius supersunt aperte cymbricorum deorum pagis aliquot, ubi forte culti erant, indita nomina, nominatim Mercurii in Woensel , honoris in Eersel , Martis in Roysel . uti enim Woen Mercurium eis dictum alias docui, et eer honorem esse omnes sciunt, ita Roy Martem a colore sanguineo cognominatum ostendunt illi, qui tertiam hebdomadis feriam Roydach indigitant. auf Eersel und Roysel, die in der nähe von Woensel, sämtlich in dem nordbrabäntischen district Oirschot liegen, werde ich hernach zurückkommen. dies Woensel gleicht den s.  131 angeführten Ođinssalr, Othänsäle, Onsala. Wunstorp , Wunsdorf, städtchen und stift in Niedersachsen, heißt in einer urk. von 1179 (bei Falketrad. corb. 770) noch vollständig Wodenstorp . Bei Windbergen in Ditmarschen führt ein platz an einem gehölze den namen Wodenslag , 128 Wonslag . Unweit Hadersleben in Schleswig sind die dörfer Wonsbeke , Wonslei , Woyens früher Wodensyen . Eine ags. urk. von 862 (bei Kemble 2, 73) liefert in einer grenzbestimmung den ausdruck Vônstoc  = Vôdenesstoc , Wodani stipes, und verräth uns zugleich den einfluß des gottes auf die alte grenzmessung. Wuotan, Hermes, Mercur scheinen gottheiten des maßes und der grenze, vgl. Woedensspanne , Woenslet (s.  132 ) Nachtrag: Über die ortsnamen Wodenesberg, -husen, -wege vgl. Förstemann 2, 1566. in Wodeneswego Pertz 8, 604. de Wodeneswege 8, 676. Vudenesvege Lisch, Örzen 2 b , 161. Gudenswege 2 b , 136. dann Wodonesberg Lacomblet. 1 no. 97. 117. Witanesberc (? Wuotanes). cod. dipl. Juvav. s. 95 (a. 861). Fredegar c. 55 hat einen mons Mercurii. Onsbjerg liegt auf Samsöe. Vôdensbeorg Kemble 5, 78. 137. Voddanbeorg 3, 457. Vônhlinc 3, 414. 5, 112. 291. Vôncumb 5, 78. 137. Vodnesdene 5, 238. Vôdnesdîc 3, 403. 413. 452. 455. 456. 460. 464. 466. 5, 215. 238. Vônlond 5, 235. 6, 355. Vôddes geat 5, 78. 137. Vônstoc kl. schr. 2, 57. Kemble 3, 227. Vônâc (quercus Jovis) 3, 458. Vônalre (Vodens eller) 4, 459. wie aber sind Vonred , Vonreding Beov. 5925. 5938 zu deuten? alts. Wetanspeckia f. Wêdanesspeckia (brücke, holzbrücke). Lünzel s. 12. 53. nordfries. Wedeshoog , Wenshog , Winishog . Müllenhoff s. 167. andere namen in den nordalb. stud. 1, 138. Weadanask jahrb. f. schl.-holst. landesk. 4, 248. Wonsfleth in Holstein, alts. Wôdenstorp , nhd. Wunstorf (kl. schr. 2, 58) geht nach Förstemann 2, 1578 auf Wungeresdorf zurück. bei Caes. Heisterbach. 9, 18 ein Wuninsdorp . Wôteneshûsen trad. fuld. Dronke 38, 221. cod. fuld. no. 610 s. 274, heute Gutmannshausen (Dronke 237 a ). im Weimarischen liegt ein Wonshusen und bei Nidda. Landau, Wetterau 214. Wonsaz Bamb. verein 10, 108. Wonsees zwischen Baireut und Bamberg, wobei man jedoch ›in der wonsass ‹ MB. 27, 141 und wonsassen bei Schm. 4, 80 erwäge. kl. schr. 2, 58. MB. 11, 167 kommt ein Sigeboto de Wuontengeseze (? Wuotanes) vor. ums Fichtelgebirge liegen außerdem Wunsiedel , (Wotanessedal?) Wonsgehai , Wonsgehäu , Wondsgehäu , Wohnsgehaig , ein dorf am Neunberg unweit Mistelgau im Baireutischen. Panzer beitr. 2, 101. flumen quod vulgo Wotinprunno dicitur. Sinnacher 2, 635. Watan brunnon. Lacomblet 1 no. 103. . Wie diese namen, welche den wagen und berg des alten gottes bezeichnen, vorzüglich in Niederdeutschland, wo sich das heidenthum länger behauptete, übrig geblieben sind, weist eben dahin auch eine merkwürdige gewohnheit des niedersächsischen volks bei der kornernte. man pflegt einen büschel getraide auf dem feld stehen zu lassen dem Woden für sein pferd . Nach der edda reitet Ođinn das beste aller rosse, den Sleipnir , welchem acht füße zugeschrieben werden (Sæm. 46 a 93 b Sn. 18. 45 65). Sleipnis verđr (speise des Sl.) ist dichterische benennung des heues (Yngl. saga cap. 21); andere sagen reden von einem hohen weißen schimmel , an dem der siegesgott in den schlachten zu erkennen war Nachtrag: Ođin ist reiter. daher heißt er Atriđi der zureitende? (wie Thôr Hlôrriđi s.  138 ). vgl. auch Yggdrasils askr und die sage vom weltbaum s.  802 . in der Hervararsaga (fornald. sög. 1, 486) geht ein rätsel auf Ođinn und Sleipnir . auf einem gotländischen runenstein soll Oden mit dem achtfüßigen Sleipnir stehen. Dybeck 1845, 91. er wird oft mit dem pferde genannt: om Oden och hans hästar heißt es in Upland und Gottland. in Småland spricht man von Odens stall och krubba . (Rääf). Oden begegnet als alter mann, oder als jäger auf hohem ros mit drei hunden, die er einem jüngling schenkt. sv. folkv. 1, 212. ( anm. 363 ). ein ros mit sechs füßen bei Haltrich s. 35. 36, mit acht s. 49, ein redendes, achtfüßiges sonnenros s. 101. . Jenen unschuldigen gebrauch rottete das christenthum weder bei dem nordischen noch dem sächsischen landmann völlig aus. In Schonen und Blekingen blieb es lange sitte, daß die ernter auf dem acker eine gabe für Odens pferde zurückließen Geyers schw. gesch. 1, 110. orig. 1, 123. In Öland, Högrumssocken liegen große steine genannt Odins flisor (Odini lamellae), von welchen die sage geht, Odin habe sein pferd geweidet, ihm das gebiß abgenommen und auf einen mächtigen steinblock gelegt; von des gebisses schwere brach der stein in zwei theile, welche zum andenken daran aufgerichtet wurden. Andere aber erzählen: Oden wollte mit einem gegner kämpfen und wuste nicht wo sein pferd anbinden . er lief hastig zu dem stein, stach mit dem schwert hindurch und band nun sein ros durch das loch fest. das ros aber riß sich los, der stein sprang von einander und wälzte sich fort, dadurch entstand ein tiefer sumpf genannt Högsrumträsk: man hat stangen zusammengebunden und doch keinen grund erreichen können. Abrah. Ahlquist Ölands historia. Calmar 1822. 1, 37. 2, 212. die steine stehn abgebildet bei Liliengren och Brunius no. XVIII. Auch im öländischen Högbysocken liegt ein geglätteter granitblock Odinssten genannt, auf dem nach der volkssage die ins feld ziehenden krieger vor zeiten ihre schwerter schliffen. Ahlquist 2, 79. Diese sagen bestätigen, daß Odins pferd in seinem mythus besondere wichtigkeit hat. Verelii notae zur Gautrekssaga p. 40 führen aus der clavis computi runici an: › Odin beter hesta sina i belg bunden‹, was ich nicht recht verstehe. Nach fornm. sög. 9, 55. 56 ließ Ođinn bei einem schmied sein pferd beschlagen und ritt dann in ungeheuern sprüngen nach Schweden, wo ein krieg ausbrach Nachtrag: Odinus pascit equos suos in follem inclusus . Pâll Vidalin s. 610. vgl. i bälg binda. Vestg. lag. p. m. 48. veit ec at ec hêck vindga meiđi â naetur allar nîo, geiri undađr ok gefinn Ođni sialfr sialfum mer. Sæm. 27 b . (vgl. zu KM. no. 146). Auch Karl spaltet vor der schlacht einen stein . Wächter heidn. denkm. s. 42. 43. vgl. die sage vom schwedischen general. a. o. s. 45 und von Hoier. Beneckes Wigal. s. 452. auch in der irischen sage läßt der göttliche held Fin Barre sein pferd von einem menschlichen schmied beschlagen und thut das vierte bein aus der tasche. ir. sagen 2, 85. vgl. kl. schr. 2, 450. . . Die meklenburgische gewohnheit schildert Gryse spegel des antichristischen pawestdoms, dorch Nicolaum Grysen, predigern in Rostock. Rost. 1593. 4. bogen E IIII b . zu den von ihm angeführten versen vgl. die weisthümerformel: ein jahr driesch liegen, das andre distel und dorn tragen lassen. folgendermaßen: ja, im heidendom hebben tor tid der arne de meiers dem afgade Woden umme god korn angeropen, denn wenn de roggenarne geendet, heft men up den lesten platz eins idern veldes einen kleinen ord unde humpel korns unafgemeiet stan laten, datsülve baven an den aren drevoldigen to samende 129 geschörtet unde besprenget. alle meiers sin darumme her getreden, ere höde vam koppe genamen (vgl. oben s.  26 ) unde ere seisen na der sülven wode (?) unde geschrenke dem kornbusche upgerichtet, und hebben den Wodendüvel dremal semplik lud averall also angeropen unde gebeden: Wode , hale dinem rosse nu voder, nu distel unde dorn, tom andern jar beter korn! welker afgödischer gebruk im pawestom gebleven. daher denn ok noch an dissen orden dar heiden gewanet, bi etliken ackerlüden solker avergelövischer gebruk in anropinge des Woden tor tid der arne gespöret werd, und ok oft desülve helsche jeger , sonderliken im winter des nachtes up dem velde, mit sinen jagethunden sik hören let. Dav. Franck (Meklenb. 1, 56. 57), der von alten leuten das nemliche gehört hat, führt den reim so an: Wode, Wode , hal dinen rosse nu voder, nu distel un dorn, ächter jar beter korn! auf adlichen höfen, fügt er hinzu, wenn der roggen ab sei, werde den erntemeiern Wodelbier gereicht; auf Wodenstag jäte man keinen lein, damit Wodens pferd den samen nicht zertrete. in den zwölften spinne man nicht und lasse keinen flachs auf dem rocken; auf die frage warum? heiße es: der Wode jage hindurch. Ausdrücklich wird berichtet, dieser wilde jäger Wod reite auf weißem rosse Mussäus meklenb. volkssagen no. 5; in Lisch meklenb. jb. 2, 133 wird Waud geschrieben und bemerkt, daß man ihn an der Elbe fruh Wod nenne, d. i. frôho, herr vgl. unten fru Gaue und fru Gauden im wütenden heer. . bei Sätuna in Vestergötland liegen schöne wiesen Onsängarne (Odens ängar) genannt, auf welchen des gottes pferde geweidet haben sollen (Afzelius 1, 4). in Süddeutschland erzählt man von des burgherrn weidendem schimmel (Mone anz. 3, 259). s. unten das wütende heer. Ich habe mir erzählen lassen, daß auch im Oldenburgischen (in der gegend von Kloppenburg) die erntenden ein stück halme auf dem acker nicht abschneiden, und darum tanzen. vielleicht wird noch jetzt ein reim dazu gesungen, sicher geschah es ehmals. Eine schaumburgische sitte finde ich so beschrieben von Münchhausen in Bragur VI. I, 21–34. : in scharen von zwölf, sechzehn, zwanzig sensen zieht das volk aus zur mahd, es ist so eingerichtet, daß alle am letzten erntetag zugleich fertig sind, oder sie lassen einen streif stehen, den sie am ende mit einem schlag hauen können, oder sie fahren nur zum schein mit der sense durch die stoppel, als hätten sie noch zu mähen. Nach dem letzten sensenschlag heben sie die werkzeuge empor, stellen sie aufrecht und schlagen mit dem streek dreimal 130 an die klinge. jeder tröpfelt von dem getränke, das er hat, es sei bier, brantwein oder milch, etwas auf den acker, trinkt selbst, unter hüteschwingen , dreimaligem anschlag an die sense und dem lauten ausruf Wold, Wold, Wold! die weibsleute klopfen alle brotkrumen aus den körben auf die stoppeln. jubelnd und singend ziehen sie heim. Funfzig jahre früher war ein lied gebräuchlich, das seitdem ausgestorben ist, und dessen erste strophe lautete: Wôld, Wôld, Wôld! hävenhüne weit wat schüt, jümm hei dal van häven süt. vulle kruken un sangen hät hei, upen holte wässt manigerlei: hei is nig barn un wert nig old. Wôld, Wôld, Wôld! unterbleibt die feierlichkeit, so ist das nächste jahr miswachs an heu und getraide. Wahrscheinlich wurde dem verehrten wesen, außer der trankspende, getraide stehen gelassen, wie die vierte zeile des lieds (er hat volle krüge und garben) zu erkennen gibt; vielleicht gedachte die zweite strophe des rosses. ›der himmelriese schaut nieder von himmel, er weiß alles was geschieht ‹, das stimmt zu dem alten glauben an Wuotans stul (s.  112 ); die sechste zeile schildert den ungebornen und unalternden gott fast zu theosophisch. Wôld , obgleich durch den reim gerechtfertigt, scheint eher aus Wôd , Wôde verderbt vgl. nl. oud, goud f. old, gold, folglich Woude, das sich der form Wôde nähert. ist diese in dem ortsnamen Wodestede? (ein Theodericus de W. in Scheidts mantissa p. 433. a. 1205). , als aus waldand (oben s.  17 ) verkürzt. Mir hat ein Schaumburger den namen Wauden ausgesprochen und folgendergestalt erzählt: am Steinhudersee gehn im herbst nach gehaltner ernte die bursche aus dem dorfe Steinhude an einen hügel, Heidenhügel genannt, entzünden ein feuer darauf und rufen, wenn die flamme lodert, unter hutschwenken: Wauden, Wauden! Nachtrag: In Baiern in der gegend von Beilngries gehört der ährenbüschel für den Waudlgaul , bier, milch und brot, das man dabei stehn läßt, für die Waudlhunde , die in der dritten nacht kommen und fressen. wer nichts stehn läßt, über dessen felder geht der biber (bilmerschnitt). im vorigen jh. galt noch ein erntefest, die Waudlsmähe genannt, wo man den schwarzen rossen des Waude futter aussetzte, dabei zechte und sang: o heilige sanct Mäha, beschere übers jahr meha, so viel köppla, so viel schöckla, so viel ährla, so viel 1000 gute gährla. vergaßen es die schnitter, so hieß es: seids net so geizig und laßt dem heil. s. Mäha auch was steha und macht ihm sein städala voll! vgl. die nicht so vollständigen angaben in Panzers beitr. 2, 216. 217. drei halme bleiben für den Oswald stehn, drei ähren dreimal mit blumen gebunden. die blumen sind die kornblume (centaurea, blau), die blotze (rothe kornblume, papaver rhoeas) und die camille. die rothe kornblume heißt sonst auch Miedelmagn (Marienmohn). Panzer beitr. 2, 214–216. Schm. 2, 555. 608, in Schwaben: hergots kitele, mäntele. Die Russen lassen garben für Volos (Veles) stehen, dem Volos in den bart (borod). . Aus solchen gebräuchen leuchtet die milde des alterthums. der mensch will sich nicht alles zueignen, was ihm gewachsen ist, dankbar läßt er ein theil für die götter zurück, welche auch ferner seine saat schützen. die habsucht nahm zu, als die opfer aufhörten. Wie hier dem Wuotan werden anderwärts gütigen geistern und elben, z. b. in Schottland den brownies ähren hingelegt und dargebracht. (vgl. pixyhording in anm. 1101 .) Wuotan war es nicht ausschließlich, der den feldern fruchtbarkeit verlieh; in noch näherem bezug zum ackerbau stand Donar und dessen mutter, die Erde. wir werden diese göttin, bei ganz ähnlichen erntefesten, an jenes stelle gesetzt sehen. In welchen ländern die verehrung des gottes am längsten haftete, läßt sich aus den ortsbenennungen erkennen, die, weil 131 ihm die stätte geheiligt war, mit seinem namen zusammengesetzt sind. es ist sehr unwahrscheinlich, daß sie statt auf den gott auf menschen bezogen werden müsten, die wie er geheißen hätten; Wuotan, Ođinn als menschlicher eigenname kommt zwar, jedoch selten vor, und der sinn des zweiten theils der zusammensetzung, ihre wiederkehr in verschiedner gegend, reden ganz dafür, daß sie von dem gott zu verstehen ist. Aus Niederdeutschland und Hessen wurden (s.  126 ) angeführt Wôdenesweg , Wôdenesberg , Wôdenesholt , Wôdeneshûsun , an der jütischen grenze Wonsild ; aus den Niederlanden Woensdrecht ; in Oberdeutschland zeigen sich solche namen fast gar nicht einen Odensberg in der Bibelnheimer mark (heute Biebesheim unterhalb Gernsheim im Darmstädtischen) nennt eine urk. von 1403 in Chmels reg. Ruperti p. 204; die form Wodensberg wäre sichrer. . in England erscheinen: Woodnesboro in Kent, unweit Sandwich; Wednesbury in Staffordshire; Wednesfield ebenda; Wednesham in Cheshire, Wodnesfeld bei Ethelwerd p. 848. Ihre zahl ist aber in Scandinavien, wo das heidenthum länger gesichert war, ansehnlicher, und wenn sie in Dänemark und dem gothländischen theile Schwedens häufiger vorkommen, als in Norwegen und dem eigentlichen Schweden, so folgere ich daraus ein übergewicht des odinischen cultus in Südscandinavien. der hauptort der insel Fühnen (Fion) hieß Odinsve (fornm. sög. 11, 266. 281) von ve , heiligthum, zuweilen auch Ođinsey (das. 230. 352) von ey , insel, aue, und hiernach später Odense , in Waldemars liber censualis Langebek script. tom. 7. 530. 542 Othänsö . im untern Norwegen, nahe bei Fredrikstad, ein anderes Ođinsey (Heimskr. ed. hafn. 4, 348. 398), später genannt Onsö . in Jütland Othänshyllä (Wald. lib. cens. 519), später Onsild . Othänslef (Othini reliquiae Wald. lib. cens 526), heute Onslev . in Halland Othänsäle (Wald. lib. cens 533), heute Onsala (Tunelds georgr. 2, 492. 504), wie im alten Norwegen ein Odhinssalr (vgl. das brabantische Woensel, Woenssele?). in Schonen Othänshäret (Wald. lib. cens. 528), Othenshärat (Bring 2, 62. 138. 142 Sven Bring monumenta scanensia. vol. 2. Lond. goth. 1748. ), heute Onsjö (Tuneld 2, 397); Onslunda (Tuneld 2, 449) d. i. Odinshain; Othensvara (Bring 2, 46. 47. Othenvara 39); Othenströö (Bring 2, 48) von tro (fides) und vara (foedus)? in Småland Odensvalahult (Tuneld 2, 146) und Odensjö (2, 109. 147. Sjöbörg försök s. 61). in Ostergötland Odenfors (Tuneld 2, 72). in Vestergötland Odenskulla (2, 284) und Odenskälla (2, 264), ein gesundbrunnen; Odensåker , Onsåker , Wuotans acker, feld (2, 204. 253). In Westmanland Odensvi (1, 266. vgl. Grau p. 427 Olof Grau beskrifning öfver Wästmanland. Wästerås 1754. vgl. Dybeck runa I. 3, 41. ) gleich dem fühnischen Odinsve, vielleicht gehört unser niedersächsisches Wodeneswege zu diesem ve , nicht zu weg (via) und erklärt sich aus dem alten wig, wih 132 (templum, oben s.  54 )? um so glaublicher wird das, weil im cod. exon. 341, 28 die merkwürdige stelle vorkommt: Vôden vorhte veos , vuldor alvealda rûme roderas, d. i. Voden construxit, creavit fana (idola), deus omnipotens amplos coelos; dem Christen waren noch die heidnischen heiligthümer, die Vôden beigelegt wurden, im gedächtnis und er setzt ihnen gottes größere schöpfung gegenüber, die pluralform veos rechtfertigt sich leicht, da vih in veoh gebrochen wird und veohas in veos zusammengezogen. das ags. Vôdenesveoh träfe also genau zum alts. Wôdanesweg = Wôdaneswih und zum altn. Ođinsve. In Westmanland auch ein Odensjö (Grau p. 502). in Upland Odensala (Tuneld 1, 56); Odensfors (1, 144); Onsike (1, 144). in Nerike Odensbacke (1, 240) Nachtrag: Odinsve kommt 988 vor im episcopatus Otheneswigensis bei Lappenberg hamb. urk. no. 5. Onsjö , Odensjö in Skåne, Röstangasocken, liegt über einem versunknen schloß, das Odinsgård hieß. vgl. die sage z. s.  897 . Dybeck Runa 1844, 32. 33. in Onskälla wurden die alten vom fels sich stürzenden männer gewaschen. Geyer 1, 115. Onsänger in Småland. Odensbrunn in Upland, Wendelsocken. Dybeck Runa 1844, 90. zu: Vôden vorhte veos vgl. den seine kirchenpforte hauenden Woldan. Wolfs zeitschr. 1, 69. In mannsnamen kommt Ođin im gegensatz zu Thor fast nie vor, doch verzeichnet Rääf s. 237. 235: Odhinkarl , Odhankarl . . Es schien nothwendig die wichtigsten dieser ortsnamen hier nebeneinander zu stellen, und gewis sind mir noch manche entgangen einige stehen in Finn Magnusens lex. myth. 648, dem ich aber nicht beistimme, wenn er auch die hochd. namen Odenwald, Odenheim (wo die hochd. form Wuotan und das genitivische -s mangelt) dahin zieht, oder das finn. Odenpä, das vielmehr bärenhaupt bedeutet. , in ihrer menge, so wie in ihrer ähnlichen oder gleichen bildung liegt eben der volle beweis ihrer bedeutsamkeit. einzelne, wenige dürfte man bezweifeln und anders auslegen, sie alle zusammen zeugen unabweislich für die große ausdehnung des Odincultus. Kräuter und pflanzen scheinen nach diesem gott nicht benannt. in Bruns beitr. s. 54 wird wodesterne als pflanzenname angegeben, er müste in bestimmterer form erhellen. Isländer und Dänen heißen aber einen kleinen wasservogel (tringa minima, inquieta, lacustris et natans) Ođinshani, Odenshane, Odens fugl , was sich an den s.  122 erörterten glauben von ihm geheiligten vögeln schließt. eine ahd. glosse (Haupts altd. bl. 2, 212) gewährt das unsichere vtinswaluwe fulica Nachtrag: Uber den pflanzennamen Wodentungel s. K. Schiller niederd. pflanzenn. s. 32. vgl. Ἑρμοῦ βάϊς, Mercurii surculus, filix. Diosc. 4, 183. herba mercurialis, Ἑρμοῦ βοτάνιον Diosc. 4, 188. Verschiedene vögel waren Ođin heilig. korpar , kråkar , skatar bör man icke skjuta, emedan de äro Odens foglar , dem han vid Olofsmässan har hos sig i âtta dagar , då han plocker och tager en stor del af dem. ardea nigra, en temligen stor fogel of hägerslägtet, kallas Odens svala . (Rääf.) s. anm. 369 . . Sogar ein glied des menschlichen leibs wurde nach dem gott benannt, der raum zwischen dem gestreckten daumen und zeigefinger, was die Griechen λιχάς nennen, hieß in den Niederlanden Woedensspanne, Woedenspanne, Woenlet . der daume war heilig und selbst als däumling und Pollux = pollex verehrt; Wodan war gott des spiels und glücklichen, sagte man, laufe das spiel auf dem daumen. es sind über die benennung, ihren umfang und den ihr zum grund liegenden aberglauben noch weitere aufschlüsse abzuwarten Nachtrag: Woenslet gemahnt an ûlfliđr s. 171. kl. schr. 2, 58. wer die diebsdaumen abschnitt, der hett glückhaft würfel. Garg. 192 a . sagt man in Scandinavien irgend Odensfinger, Onsfinger? nach F. Magnusen lex. myth. 639 war die lunge dem Ođinn und Mercur heilig. vgl. die aderlaßtafeln. . Ich bin davon ausgegangen, daß die anbetung dieser gottheit allen deutschen stämmen gemein und keinem fremd war, eben weil wir sie für die allgemeinste und oberste anerkennen müssen. Wuotan ist, insofern es gelingen konnte aus überresten des 133 alten glaubens eine idee seines wesens zusammenzufassen, der geistigste gott unseres alterthums, unter allen übrigen göttern leuchtet er hervor, und darum haben lateinische schriftsteller, wenn sie von deutschem cultus reden, immer am ersten Mercurs zu erwähnen anlaß. Wir wissen, daß, außer den Nordmännern, die Sachsen, Thüringer, Alamannen, Langobarden diesen gott verehrten; warum sollten Franken, Gothen und die übrigen von seinem dienst ausgeschlossen sein? Deutliche spuren zeugen aber auch an, daß sein cultus nicht immer und nicht in allen gegenden überwog. in dem südlichen Deutschland, wo doch die personification des Wunsches anhielt, erlosch er früher als in dem nördlichen, dort haben ihn weder ortsnamen, noch die benennung des vierten wochentags erhalten. unter den Scandinaven scheinen ihm weniger Norweger und Schweden, als Gotländer und Dänen zugethan. Die altn. sagen gedenken verschiedentlich der Thorsbilder, nie eines Odinsbildes; nur Saxo gramm. thut es in ganz mythischer weise (s.  93 ), Adam von Bremen, obwol Wodan unter den upsalischen gottheiten nennend, weist ihm nur die zweite, Thor die erste stelle an. Späterhin mag in Schweden Freys verehrung vorgewaltet haben. Ein freilich jüngerer zusatz zu Olaf des heiligen sage gewährt eine merkwürdige äußerung über die durch einführung des christenthums gestürzten heidengötter. ich will sie hier beibringen, um im verfolg noch öfter darauf zurückzukommen: Olafr konûngr kristnađi þetta rîki allt, öll blôt braut hann niđr ok öll gođ, sem Thôr Engilsmanna gođ, ok Ođin Saxa gođ, ok Skiöld Skânûnga gođ, ok Frey Svîa gođ, ok Gođorm Dana gođ. fornm. sög. 5, 239. Das ist nicht genau zu nehmen, allein es scheint mir noch darin die nachhaftende erinnerung an alte nationalgötter ausgedrückt; wie die Schweden Frey, so zogen die Sachsen wahrscheinlich Wôden allen übrigen gottheiten vor. warum wol der gewis norwegische verfasser der stelle den abgott seiner landsleute ausläßt? hier hätte er Thor nennen sollen, statt bei den Engländern, die auch dem sächs. Vôden ergeben waren. Indessen darf nicht außer acht gelassen werden, daß in der abrenuntiatio, einem nicht rein sächsischen, doch niederdeutschen, altfränkischen, vielleicht ripuarischen denkmal des achten jh., Thunar vor Vuodan genannt wird, und Saxnôt die dritte stelle einnimmt. auf jeden fall geht daraus hervor, daß auch Thunars verehrung in diesen gegenden herrschte; es wäre möglich Wuodans ansprüche auf den obersten platz durch die annahme zu rechtfertigen, daß hier die drei götter in der ordnung genannt seien, wie ihre bildseulen nebeneinander aufgestellt waren? Wuodan , als der erste unter ihnen stand in der mitte? wie, nach Adam von Bremen, zu Upsala Thor , ihm zur seite Wodan und Fricco . 134 Wenn in altn. sagen zwei götter genannt werden, geht gewöhnlich Thôrr dem Ođinn voraus. Laxdælasaga p. 174 von Kiartan: at hann þykist eiga meira traust undri afli sînu ok vâpnum (vgl. oben s.  5 . 6 ) heldr enn þar sem er Thôrr ok Ođinn . die nemliche stelle findet sich fornm. sög. 2, 34. Eyvindr erzählt von seinen eltern, daß sie vor seiner geburt gelobt: at sâ mađr skal alt til dauđadags þiona Thôr ok Ođni . fornm. sög. 2, 168 auch in einer ags. homilie de temporibus Antichristi in Whelocs Beda p. 495 werden Thor and Eođven , the hæþene men herjađ sviđe, und vorher Erculus se ent (Hercules gigas) and Apollinis (Apollo), þe hi mærne god lêton, aufgezählt. der prediger dachte an die nordischen und griechischen götter, nicht an die sächsischen, sonst hätte er Thunor and Vôden gesagt, auch in andern fällen, wo bestimmt von nordischen göttern die rede ist, bedienen sich ags. schriftsteller der nordischen namensform. F. Magnusens lex. p. 919. . Daraus folgt jedoch nicht, daß man Thôr für den größten hielt, Eyvindr wurde gerade dem Ođinn geweiht. fornm. sög. 5, 249 opfert Styrbiörn dem Thôrr, Eirekr dem Ođinn, und jener unterliegt. Thôrr tôk jolaveizlu frâ Haraldi, enn Ođinn tôk frâ Hâlfdâni. fornm. sög. 10, 178. fornm. sög. 1, 35 wird in der volksversammlung zu Thrândheim der erste becher dem Ođinn , der zweite dem Thôrr gebracht. in der berühmten Bravallaschlacht tritt Othin , unter dem namen Bruno als wagenlenker des Dänenkönigs Harald und zu dessen verderben auf, mit den Schweden fechten abkömmlinge Freys . Saxo gramm. 144–147. Das eddische Harbarzliođ scheint doch Ođinn über Thôrr zu setzen. ein gegensatz zwischen Ođinn und Thôrr ist recht hervorgehoben in der unten (cap.  XXVIII .) ausgezognen Gautrekssaga. Da aber Thôrr als Ođins sohn, als dessen verjüngung dargestellt wird, müssen sie oft in einander aufgehen Wenn Ođinn in den eddaliedern Thundr heißt (Sæm. 28 b . 47 b ), so kann das von einem verlornen þynja = ags. þunian, tonare geleitet werden und gleichviel mit Donar sein. zwar deutet man þundr loricatus von þund lorica. Wuotan ist als Vôma das rauschen der luft, und wir sahen ihn den schlegel werfen, wie Thôrr den hammer. . Werden die drei mächtigsten götter genannt, so finde ich Ođinn vornen: Ođinn, Thôr, Freyr , Sn. edda 131. nach fornm. sög. 1, 16 geloben seefahrer dem Freyr geld und drei tonnen bier, wenn sie guter wind nach Schweden, aber dem Thôrr oder Ođinn , wenn er sie heim nach Island führe Nachtrag: Ođinn, Thôrr, Freyr in der Sn. edda 131 entsprechen bei Sæm. 85 b : Ođinn, Asabragr, Freyr . die erste stelle weisen ihm auch die anrufe in schwedischen volksliedern (Arvidss. 1, 69) an: hjälp mig Othin thu kan bäst! hjälp mi Ulf och Asmer Gry! und im dänischen bei Syv s. 48: hielp mig Othin du kan best! hielp mig Ulf og Asmer Grib! Asmer Gri = Asagrim (vgl. hielp nu Oden Asagrim . Arvidss. 1, 11). . Etwas anderes ist, wenn Ođinn in altn. denkmälern Thriđi , der dritte heißt wie auch Zeus τρίτος, wonach sich Τριτογένεια leichter erklärt als aus der hauptgeburt Nachtrag: Über den Zeus τρίτος und die Τριτογένεια vgl. Welcker trilogie 101. 102. dem Zeus wurde beim gelag der dritte becher gebracht, τὸ τρίτον τῷ σωτῆρι. s. Passow s. v. σωτήρ. Athene τρίτη . Babr. 59, 1. . , dann erscheint er nicht neben Thôrr und Freyr, sondern neben Hâr und Iafnhâr (dem hohen und gleichhohen, ahd. epanhôh) als der dritte hohe Aelfrics glossen 56 a Altanus: Vôden . Altanus ist wie Summanus beiname Jupiters, der Altissimus. sonst dürfte Altanus, als benennung eines windes auch an den sturm des wütenden heers gemahnen. Nachtrag: Ođin = Hâr . Sæm. 46 a . = Jafnhâr . Sæm. 46 b . =  priđi . Sæm. 46 a . wo aber steht Tveggi außer bei F. Magnusen lex. myth. 644? vgl. Egilssaga s. 610, wo schwerlich Thriggi für Tveggi zu lesen ist. über die skr. Ekatas, Dvitas, Tritas s. Kuhn bei Höfer 1, 279. 281. 289. zend. Thraetaono, Thrita . Spiegel Zendav. s. 7. 66. Thraetaono = Feridun, nach Leo 1. ausg. 3, 192. 195 = drei köcher habend. . Sn. 7. Yngl. 135 saga 52. Sæm. 46 a . begreiflich schwankte die stufe und anderemal scheint er Tveggi (duplex oder secundus) genannt. Wiederum in verschiedner beziehung tritt er auf neben seinen brüdern Vili und Ve , Sn. 7; neben Hœnir und Lođr Sæm. 3 b , neben Hœnir und Loki , Sæm. 180. Sn. 135, was auf älteren mythen beruht, die wir, als dem Norden eigenthümlich, beiseite lassen. Doch sei hier in bezug auf die trilogie Ođinn, Vili, Ve nicht verschwiegen, daß das ahd. willo außer voluntas auch votum, impetus und spiritus bedeutet das griech. μένος wäre geschickt die bedeutungen mut, wut, wunsch, wille, gedanke zu verreinigen. und das goth. viljan velle genau mit valjan eligere verwandt ist, so daß sich begreift und bestätigt, wie Wuotan, Wunsch und Wille aneinander rühren Nachtrag: Altn. Vili wäre goth. Vilja , ahd. Willo. brôđr Vilis Egilss. 610 steht für Vilja, doch hat die Yngl. saga cap. 3 auch den nom. Vilir . darf Vili dem finn. veli , lapp. välja , albanes. βελά frater verglichen werdcn? GDS. 271. . auf den largitor opum geht vielleicht auch das ags. vela, alts. welo, ahd. wolo, welo, opes, felicitas, und Vela scheint einigemal fast personificiert zu werden (vgl. gramm. 4, 752) gleich der lat. göttin Ops (vgl. unten Sælde anm.); unter den altn. göttern ist auch ein Vali . Bei Ve (gen. Vea) kann die deutung zwischen wîho sanctus (ahma sa veiha) und wih (idolum) schwanken. Sæm. 63 wirft Loki der Frigg ihre buhlschaft mit Ve und Vili vor, das geht auf die meldung in Yngl. saga cap. 3 und es erhellt daraus die identität der drei brüder, darum konnte Frigg für jedes derselben frau gelten nach dieser erzählung war Ođinn lange zeit in der fremde und den abwesenden vertreten die brüder; merkwürdig daß auch Saxo den Othin in das ausland ziehen und den Mithothin seine stelle ersetzen läßt p. 13; dieses Mithothins verhältnis wirft licht auf das des Vili und Ve. Saxo stellt aber p. 45 den Othin nochmals landesverwiesen dar und den Oller an seiner stelle Nachtrag: Mithothin erklärt Munch 1, 217 misverstanden aus metod, es scheint aber mitođin wie mitregent, mithelfer. der Ollerus des Saxo ist der eddische Ullr , wie daraus erhellt, daß er sich eines knochens zum schif bediente. Saxo s. 46. doch scheinen in Ullr Ollerus des Saxo und Vilir des Snorro (Yngl. saga cap. 3) zusammenzustoßen. (kl. schr. 5, 425). skip Ullar . Sn. hafn. 420 = skiöldr, askr Ullar 426. Ydalir, sein saal. Sæm. 40 b Ullersagr . Finn Magn. lex. 766. Ullar hylli Sæm. 45 b . hrîngr Ullar 248 a . Ullar sefi  = Baldr. 93 a . Ullr þors stiefsohn Sn. 31. 101. 105. boga-, veiđi-, öndr-, skialdarâs 105. . Auf des gottes weite reisen führen auch seine nord. beinamen Gângrâđr, Gângleri, Vegtamr und Viđförull und bei Saxo 45 viator indefessus . Nicht zu übersehn, daß noch Paulus Diac. 1, 9 von Wodans aufenthalt in Griechenland weiß (qui non circa haec tempora, zur zeit des streits der Langobarden und Vandaler, sed longe anterius, nec in Germania, sed in Graecia fuisse perhibetur, Saxo p. 45 versetzt ihn nach Byzanz , Snorri nach Tyrkland ). In der stelle des Paul. Diac. 1, 9 (vgl. s.  110 . 111 ): ›Wodan sane, quem adjecta litera Gwodan dixerunt, ipse est, qui apud Romanos Mercurius dicitur, et ab universis Germaniae gentibus ut deus adoratur, qui non circa haec tempora sed longe anterius, nec in Germania sed in Graecia fuisse perhibetur‹, will man das letzte qui auf Mercurius statt auf Wodan ziehen (Ad. Schmidts zeitschr. 1, 264), und damit gienge das einstimmen dieser nachricht zu Snorri und Saxo verloren. Dem Paulus war es um die abgeschmacktheit der 1, 8 erzählten langobard. sage zu thun, deren unhistorischen grund er damit aufdeckt, daß zur zeit jenes ereignisses zwischen Wandalen und Winilen Wodan nicht in Germanien, sondern Griechenland geherrscht habe, was ihm aus anderen sagen bekannt sein konnte, und hier eben das merkwürdigste ist. die meinung, daß Mercur auf Griechenland einzuschränken sei, würde weiter reichen und nicht blos den heidnischen glauben der Deutschen, sondern auch der Römer treffen. heidnische götter galten aber für allgegenwärtig, wie schon daraus folgt, daß Wuotansberge an vielen örtern des ganzen landes angenommen wurden, die gemeinschaft des gottes unter den Deutschen, Römern, Griechen gab also keinen anstoß. . Ein hauptzeugnis für die tiefgewurzelte verehrung dieser gottheit legt endlich Wôdans verflechtung in altsächsische stammsagen ab, welche ich im anhang umständlich erörtere. Wir erblicken da Wôdan überall im mittelpunct. auf ihn führen sich alle helden und königsgeschlechter zurück, unter seinen söhnen und vorfahren sind mehrere göttlich gefeierte. namentlich erscheinen als söhne Balder und jener noch im achten jh. in dem nordwestlichen Deutschland unausgerottete Saxnôt ; in der reihe 136 seiner ahnen treten Heremôd auf und Geát , welchen diese sagen ausdrücklich für einen gott oder eines gottes sohn ausgeben, während ihnen Wôdan selbst mehr das haupt aller edlen geschlechter ist: es läßt sich aber leicht wahrnehmen, daß unter höherem gesichtspunct beide, Geát und Wôdan in ein wesen zusammenfallen, wie denn Ođinn alda Gautr heißt Sæm. 93 b . 95 b . vgl. unten Goz und Koz. In diesen genealogien, die sichtbar von mehr als einer seite in die älteste epische poesie unseres volkes greifen, mischen sich götter, helden und könige. so wie helden vergöttert werden, können darin auch götter von neuem als helden auftreten; die folge und ordnung der einzelnen glieder schwankt unter wiedergeburten. Auf die geschichtlichen könige, in welche zuletzt jeder stammbaum ausgeht, fußend zurückzurechnen, und nach menschenaltern die zeit der mythischen helden und götter zu ermitteln, wäre verkehrt. die ersten historisch sicheren angelsächsischen könige fallen in das fünfte, sechste oder siebente jh., man zähle vier, acht oder zwölf generationen hinauf bis zu Vôden, er würde hiernach nicht früher als in das dritte oder vierte jh. gesetzt werden dürfen. Solch eine rechnung kann die annahme seines weit älteren daseins auf keine weise gefährden. seine verehrung muß in undenkliche zeiten, lange über die erste nachricht hinauf reichen, die uns von Römern über den Mercursdienst in Germanien mitgetheilt worden ist. Aber noch zu einer andern betrachtung darf die hohe stelle führen, welche die Germanen ihrem Wuotan anweisen. der monotheismus ist etwas so nothwendiges und wesentliches, daß fast alle Heiden in ihrer götter buntem gewimmel, bewust oder unbewust, darauf ausgehn einen obersten gott anzuerkennen, der schon die eigenschaften aller übrigen in sich trägt, so daß diese nur als seine ausflüße, verjüngungen und erfrischungen zu betrachten sind. daraus erklärt sich, wie einzelne eigenheiten bald jenem bald diesem einzelnen gott beigelegt werden, und warum die höchste macht, nach verschiedenheit der völker auf den einen oder den andern derselben fällt. So gleicht also unser 137 Wuotan dem Hermes und Mercur, allein er steht höher als beide; umgekehrt ist der deutsche Donar ein schwächerer Zeus oder Jupiter, was dem einen zugegeben war, muste dem andern abgenommen werden: Ziu aber, der fast nur ein wuotanisches geschäft verwaltet, schließt sich mit seinem namen unmittelbar an den ersten und höchsten gott der Griechen und Römer, und so begegnen und durchdringen sich alle göttlichen erscheinungen. Der griechische Hermes ist jugendlich, der deutsche Wuotan väterlich gedacht, Ođinn hinn gamli heißt er Yngl. cap. 15, wie der alte gott (s.  17 . 18 ). Ziu und Froho sind bloße ausflüsse Wuotans Nachtrag: Es wäre hier noch zu besprechen Ođins verhältniss zu seiner frau Frigg (s.  248 ) und zu Skađi , die in Yngl. saga cap. 9 seine frau heißt. . 138 Cap. VIII. Donar. Nachtrag: Vgl. kl. schr. 2. 402–438. Den über wolken und regen gebietenden, sich durch wetterstrahl und rollende donner ankündigenden gott, dessen keil durch die lüfte fährt und auf der erde einschlägt, bezeichnete die sprache des alterthums mit dem worte Donar selbst, alts. Thunar , ags. Thunor , altn. Thôrr so auch in hochd. dialekten durstag f. donrstag. engl. thursday, und bair. doren, daren f. donnern (Schm. 1, 390). in Thôrr darf nicht RR, bloß das erste R (da das zweite flexivisch ist) aus NR gedeutet werden; es ist also syncope des N vor R, etwa wie im mnl. ere, mire f. ênre, mînre. . die naturerscheinung heißt altn. þruma oder duna , beide sind weiblich, gleich dem goth. þeihvô , das vielleicht aus finnischer sprache übernommen wurde. dem gott legten die Gothen wol den namen Thunrs bei? das schwed. tordön, dän. torden (tonitru), bei Harpestreng noch thordyn, thordun, ist aus der benennung des gottes und jenem duna zusammengesetzt, altn. Thôrduna? Nachtrag: Donar verhält sich zu donen , extendere, auspannen der luft (Haupts zeitschr. 5, 182), wie τόνος zu τείνω, doch heißt tonare skr. stan, was an στέντωρ und stöhnen klingt (kl. schr. 2, 412). neben dem ags. Thunor , von dem es eine sage gibt (s.  678 ), kommt auch Dôr vor. Sal. and Sat. 51. ebenso gewährt die rubrik der ags. version Joh. 5, 17 đunres däg, dagegen Joh. 5, 30 đurs däg. auch der normännische Dudo nennt ihn Thur . Wormius mon. s. 24. die abren. hat Thuner , dat. Thunare . mhd. noch der dunre . pass. 227, 81. Dietr. drach. 110 b . des dunres sun (Johannes). pass. 227, 59. s. kl. schr. 2, 427. Für das zusammengesetzte schwed. tordön, dän. torden hat der Norweger thordaan . Faye 5, jemtländ. torn . Almqv. 297, westgötl. thorn und tånn . im dänischen märchen kommt Tordenvejr für Thor vor, wie in deutschen flüchen Donnerwetter für Donar. Den schwed. Lappen heißt der donnergott Tiermes . Klemm 3, 86. 87, ostiakisch Toruim . Klemm 3, 117, tschuwasch. Tóra , Tór , jakut. Tanara , wogul. Tórom . Rask afh. 1, 44. 33. ganz auf ähnliche weise entspringt der schwed. ausdruck åska (tonitru, fulmen), im westgoth. gesetz åsikkia vgl. Onsike (Odins fahrt?) oben s. 132 . aus âsaka, der wagen oder das fahren des gottes, von âs, deus, divus und aka vehere, vehi, schwed. âka. auf Gotland sagt man Thorsåkan , Thors fahren für donner, und das altn. reiđ bezeichnet nicht nur vehiculum, sondern auch tonitru, reiđarslag, reiđarþruma donnerschlag und blitz. denn das fahren eines wagens über ein gewölbe kommt dem gerassel und krach des donners am allernächsten. diese vorstellung ist so natürlich, daß sie sich bei mehrern völkern ausgebreitet findet: δοκεῖ ὄχημα τοῦ Διὸς ἡ βροντὴ εἶναι. Hesychius s. v. ἐλασίβροντα. auch dem heutigen Krainer ist des donners rollen gottes fahren . Thôrr wird in der edda, außer der benennung Asaþôrr, durch Ökuþôrr , d. h. wagen-thôrr (Sn. 25) näher bezeichnet, seinem wagen sind zwei böcke vorgespannt (Sn. 26). zwar haben auch andere götter ihren wagen , namentlich Ođinn und Freyr (vgl. s.  86 . 125 ), allein Thôrr ist in eigentlichem sinn der fahrend gedachte; niemals kommt er, gleich Ođinn reitend vor, noch wird ihm ein pferd beigelegt: er fährt entweder oder geht zu fuß. es heißt ausdrücklich, daß er zu gericht gehe (Thôrr gengr til dômsins, ok veđr âr, und watet durch die flüsse) Sn. 18 sein dunkler beiname Hlôrriđi widerspricht dem schwerlich: dieses riđi bezieht sich wol auf reiđ (wagen), Hlôrriđi scheint mir assimiliert aus hlôđriđi, vgl. cap. XIII bei der göttin Hlôđyn. . Noch heute pflegt das volk in 139 Schweden, wenn es donnert, zu sagen: godgubben åker (der gute alte fährt) Ihre 696. 740. 926, gofar åkar, goffar kör (der gute vater fährt) Nachtrag: Altn. reiđ bezeichnet nicht nur vehiculum, sondern auch tonitru. lystir reiđ (al. þruma). Gulaþ. ed. hafn. s. 498. norw. Thorsreia tonitru. Faye 5. Dänische kritiker fassen Asaþôrr und Ökuþôrr als zwei ganz verschiedne wesen auf, Ökuþôrr soll aus früherer, Asaþôrr aus späterer zeit sein. aber Sn. 25 stellt beide neben einander und betrachtet den Thor auch als Ökuþôrr. vgl. Sn. 78. er fährt zu wagen. vgl. den schonischen volksglauben von Thor bei Nilsson 4, 40. 44 ebenso wenig wie Hlôrriđi Sæm. 211 a braucht ein anderer beiname Eindriđi der annahme zu widersprechen, daß Thor entweder gehend oder fahrend gedacht ward ( anm. 415 ). Sn. 101 heißt Thor fôstri Vingnis ok Hlôru (s.  156 ). Sn. Formâli 12 heißt Loride Thors sohn und Loricus Thors fôstri und dessen frau Glora . . östgötl. heißt der åska goa und man sagt beim gewitter: goa går. Kalen 11 a , goffar kör. Almqv. 347, aber auch gomor går 384 und kornbonden går 385. in Holland: onze lieve heer reed (d. h. fuhr) door de lucht. gott vater rollt dbrenta (milchgefäße) über die kellerstiege. Wolfs zeitschr. 2, 54. sollte die alte kittelkar (kesselwagen?) des riesen mit zwei böcken sich auf Donars wagen beziehen? Müllenhoff s. 447. vgl. kl. schr. 2, 422. Thôrr trägt einen korb auf dem rücken: meis, iarnmeis . Sæm. 75 a . Sn. 111. ahd. meisa (Graff 2, 874). . aus scheu wurde des gottes eigentlicher name nicht mehr ausgesprochen, oder seine väterliche güte sollte hervorgehoben werden (der alte gott , dän. vor gamle fader , oben s.  17 . 18 ). Den blitz nennt der Norwege Thors varme (Th. wärme) Faye p. 6. Donner, blitz und regen gehen unter allen naturerscheinungen vorzugsweise von gott aus, sie werden als seine handlung, sein geschäft angesehen ein bauer, bei der procession ermahnt niederzufallen, sagte: ich glaube nicht, daß unser herrgott dabei sei, ich hörte ihn noch gestern oben im himmel donnern. Weidners apophthegmata. Amst. 1643 p. 277. Nachtrag: Gott donnert. die blikzen und die donrelege sint mit gewalte in sîner pflege. MS. 2, 166 b . Zeus erregt sturm und wetter. ὅτε τε Ζεὺς λαίλαπα τείνη. Il. 16, 365. ›was macht Zeus‹? heißt ›was ist für wetter‹? O. Müller gr. gesch. 1, 24. Jupiter, alles weters gewalt het er. Ksrchr. 1152. (s.  524 .) in Frankreich: ni oistau nes damledeu tonant . Aspremont 22 b . nes deu tonant ni poistau oir. mort de Gar. 145. 149. noissiez deu tonant . Garins 3, 205. vgl. si gran romore facevano, che i tuoni non si sarieno potuti udire. Decam. 2, 1. bei aufsteigendem gewitter sagt man: schmeckste paar öchsel? merkste a scheindl? Weinh. schles. wb. 82. ecce ubi iterum diabolus ascendit! Caesar. heist. 4, 21. die Russen rufen dem gewitter, wenn es abzieht, schimpfwörter nach. Asbjörnsen hjemmet s. 193. . Bei großem lärm und gepolter ist die redensart gewöhnlich: man könnte unsern herrgott vor dem tosen nicht donnern hören; in Frankreich: le bruit est si fort, qu'on n'entend pas dieu tonner . schon im roman de Renart 11898: font une noise si grant quen ni oist pas dieu tonant . 29143: et commença un duel si grant, que len ni oist dieu tonant Ogier 10915: lor poins deterdent, lor paumes vont batant, ni oissiez nis ame dieu tonant . Garin 2, 38: nes dieu tonnant ni possiez oir auch im roman de Maugis (Lyon 1599 p. 64): de la noyse quils faisoyent neust lon pas ouy dieu tonner . Besonders aber wird der donner dem zürnenden und strafenden gott zugeschrieben, Donar gleicht in dieser eigenschaft des zorns und der strafe wiederum dem Wuotan (s.  15 . 118 ). bei gewitter pflegt das volk den kindern zu sagen: der liebe gott zürnt; in Westfalen: use hergot kift (Strodtm. osnabr. 104); in Franken: draußen ist gott , der zankt; in Baiern: der himmeltatl greint (Schm. 1, 462). in Eckstroms gedicht zu ehren der grafschaft Honstein. 1592. CII b heißt es: gott der herr muß warlich from sein daß er nicht mit donner schlegt drein in einem aus liederanfängen zusammengesetzten gedicht: ach gott vom himmel sieh darein und werfe einen donnerstein , es ist gewislich an der zeit, daß schwelgerei und üppigkeit zerschmettert werden mausetodt! sonst schrein wir bald aus tiefer noth. . die nemliche vorstellungsweise bei den lettischen und finnischen völkern. Lettisch: wezzajs kahjâs, wezzajs tehws barrahs (der alte vater hat sich auf die füße gemacht, er keift). Stender lett. gramm. 150. unter diewas (gott), diewaitis (lieber gott, göttlein) denken sich die Litthauer vorzugsweise den donnernden: diewaitis grauja! diewaitis ji numuße. Ehstnisch: wanna issa hüab, wanna essä wäljan, mürrisep (der alte vater brummt). Rosenplänters 140 beitr. 8, 116. ›unser herr gott zankt‹; ›der himmel führt krieg‹. Joh. Christ. Petris Ehstland 2, 108 Nachtrag: Das donnern wird als kegelspiel gottes aufgefaßt. uns herr speelt kegeln . Schütze 4, 164 oder: die engel kegeln . Müllenhoff s. 358. vgl. das kegeln im Odenberg s.  796 , oder auch als zorn, daher der donnerstein poln. boźy praten, gottes rute heißt. . An diesen Donar der Germanen fügt sich nun bedeutsam der gallische Taranis , dessen namen uns Lucan 1, 440 überliefert hat, in allen celtischen sprachen lebt noch das wort taran für donner, irisch toran , womit man die altn. form Thôrr, wenn die assimilation aus RN leichter scheint, unmittelbar zusammenhalten mag. doch gewährt eine alte inschrift auch Tanarus (Forcellini s. v.) = Taranis. die ir. benennung des donnerstags dia Tordain (dia ordain, diardaoin) wurde vielleicht aus einer germanischen entlehnt Nachtrag: Der gallische name Taranis ist auch in den veden ein beiname des donnergottes Indra, der durchfahrende von taran = trans, und so ist vielleicht Perun zu πέρα zu stellen (doch s. s.  142 . kl. schr. 2, 420). welsch heißt taran donner, gal. tairneach , tairneanach und torrunn . Taranucnus überliefert Mone bad. urgesch. 2, 184. in Bourgogne lag ein Tarnodurum , dessen späterer name Tonnerre und le Tonnerrois (Jos. Garnier s. 51. 77) beweist, daß man in jener ortsbezeichnung den begrif donner verstand. vgl. kl. schr. 2, 412. . Ebenso herscht in dem lateinischen Jupiter (wörtlich: gott vater, diespiter) die idee des donnerers vor; den dichtern gilt Tonans für Jupiter (z. b. Martial. VI. 10. 9. 13, 7. Ovid. heroid. 9, 7. fast. 2, 69. metam. 1, 170. Claudian. Stilich. 2, 439) und lat. dichter des mittelalters bedienen sich gern dieses namens (z. b. Dracontius de deo 1, 1. satisfact. 149. Ven. Fortunat. p. 212. 219. 258) für den christlichen gott. dem begegnen ausdrücke der vulgarsprache: celui qui fait toner , qui fait courre la nue (s.  19 ). eine inschrift Jovi tonanti hat Gruter 21, 6. der griechische, donner und blitz (κεραυνός) sendende Zeus heißt κεραύνειος. Ζεὺς ἔκτυπε Il. 8, 75. 170. 17, 595. Διὸς κτύπος Il. 15, 379 man wäre versucht, das tuskische Tina = Jupiter zu Tonans und Donar zu stellen; richtiger fügt es sich zu Ζήν (s. unten Zio). . Weil er sie aber von der höhe des himmels herab entsendet, führt er zugleich den namen ἄκριος, und wird auf dem berggipfel (ἄκρις) wohnend gedacht. Zeus thront auf dem Olymp, dem Athos, Lycaeus, Casius und auf andern bergen Griechenlands und Kleinasiens. Ich muß aber hierbei gewicht legen darauf, daß der donnernde gott vorzugsweise als ein väterlicher aufgefaßt erscheint, als Jupiter und Diespiter, als far und tatl. denn es hängt damit zusammen, daß auch die ihm geheiligten berge die benennungen Etzel , Altvater , Großvater in mehrern gegenden empfiengen zeitschrift des hess. vereins 2, 139–142. Altd. blätt. 1, 288. Haupts zeitschr. 1, 26. finnisch: isäinen panee (Renval. 118 a ) der vater donnert. den Finnen bedeutet ukko proavus, senex und ist beiname der götter Wäinäsnöinen u. Ilmarinen. Ukko bezeichnet aber auch für sich den donnergott (s. unten) den schwedischen Lappen ist aija sowohl avus als tonitrus Nachtrag: Thôrr heitir Atli oc âsabragr. Sn. 211 a . vgl. Atli Sn. 208 a , der lappische donnergott Tiermes wird aijeke genannt und sein statthalter junkare , storjunkare . Klemm 3, 86. den Esten heißt Pikker wana essa , alter vater. verh. 2, 36. 37, auch den americanischen Indianern das höchste wesen: der großvater . Klemm 2, 153. zu den bergen Etzel , Altvater darf vielleicht auch Oetschan ein hoher berg, Helbl. 7, 1087, gestellt werden, heute Öftscher , von otez , vater. vgl. kl. schr. 2, 421. . . Thôrr selbst hieß zugleich Atli d. i. großvater. Ein hoher berg, über den von ältester zeit die hauptstraße nach Italien zieht, in der kette zwischen den grajischen und penninischen alpen, der heutige sanct Bernhard, hieß im frühen mittelalter mons Jovis . so häufig in den fränkischen annalen (Pertz 1, 150. 295. 453. 498. 512. 570. 606. 2, 82), bei Otto fris. de gest. Frid. 2, 24, bei Radevicus 1, 25, der ihn als via Julii Caesaris, modo mons Jovis bezeichnet; bei ags. schriftstellern munt 141 Jofes (Lye s. v.), in Älfr. Boet. p. 150 muntgiov , in unserer kaiserchronik 88 d monte job . Benennung und cultus führen schon auf die zeit der Römer zurück; die alpenbewohner verehrten einen Peninus deus, oder eine Penina dea: neque montibus his ab transitu Poenorum ullo Veragri, incolae jugi ejus, norunt nomen inditum, sed ab eo (al. deo), quem in summo sacratum vertice peninum montani adpellant. Liv. 31, 38. quamvis legatur a poenina dea, quae ibi colitur, alpes ipsas vocari. Servius zu Virg. Aen. 10, 13. eine auf dem s. Bernhard gefundne inschrift (Jac. Spon miscellanea antiq. Lugd. 1685. p. 85) sagt ausdrücklich: Lucius Lucilius deo Penino, opt. max. donum dedit, und hieraus folgt, daß man unter diesem gott sich den Jupiter dachte. vgl. Jupiter apenninus . Micali storia 131. 135. Ζεὺς καραιός bei Hesych. den namen mons Jovis gebrauchen die classiker nie, auch die tabula Antonini benennt bloß den summus Penninus und den Penni lucus; zwischen dem 4 und 7 jh. scheint dafür Jovis mons aufgekommen, vielleicht mit rücksicht auf den gallischen oder gar deutschen sinn, in dem dieser gott damals aufgefaßt wurde. man erinnere sich jenes deutschen îsarnodori auf dem nicht weit abgelegnen Juragebirge (s.  65 ) zu unterscheiden von dem mons Jovis ist der mons gaudii , unter welchem das mittelalter eine höhe bei Rom verstand: Otto frising l. c. 2, 22; in der kaiserchronik a. a. o. heißt es wörtlich verdeutscht mendelberc . in romanischen gedichten des 12. 13 jh. ist monjoie das französ. feldgeschrei, gewöhnlich aber mit beigefügtem s. Denis, z. b. monjoya, monjoya sant Denis. Ferabras 365; monjoie enseigne s. Denis. Garin 108. Ducange in der eilften dissertation zu Joinville erklärt monjoie unstatthaft für eine diminutivform von mont, da es in andern stellen (Roquefort 2, 207) allgemein ort der wonne und freude, paradies bezeichnet, so darf man bei der wörtlichen bedeutung stehen bleiben; es müste aber in mehrern gegenden berge dieses namens gegeben haben. möglich wäre, daß auch dieses monjoie aus einem alten monjove (mons Jovis) hervorgieng: mit dem götterberg verband sich zugleich die idee eines wonneaufenthaltes Nachtrag: Der s. Bernhard oder große Bernhard wird im jahre 1132 Montjoux genannt. über das jugum Penninum , deus Penninus vgl. Zeuss s. 34. 99. Dieffenbach celt. 1, 170. mehrere inschriften, dem Jovi Poenino , Penino bestimmt, bei de Wal no. 211–227. ein Freudenberg auch Meghaduta 61 und in Mähren der Radost . finn. ilo-kivi , freudenstein. Kalev. 3, 471. . . Mit völliger sicherheit dürfen wir solche bergnamen in Deutschland selbst auf die verehrung des einheimischen gottes beziehen. allbekannt ist der Donnersberg (mont tonnerre) in der Rheinpfalz an der grenze der alten grafschaft Falkenstein, zwischen Worms, Kaiserslautern und Kreuznach, ihn nennt eine urk. von 869 (Schannat hist. wormat. probat. p. 9) Thoneresberg . ein andrer Thuneresberg liegt in Westfalen an der Diemel unweit Warburg in mitten der dörfer Wormeln, Germete und Welda; die älteste seiner meldung thuende urkunde ist vom j. 1100 (Schaten mon paderb. 1, 649). im mittelalter dauerte da noch ein großes volksgericht fort, das ursprünglich sicher an die heiligkeit des ortes geknüpft wurde: comes ad Thuneresberhc (a. 1123) Wigands feme (222); comitia de Dunrisberg (a. 1105) Wigands arch. 1. 1, 56; a judicio nostro Thonresberch (a. 1239) das. 58. gerade in der nähe dieses berges steht die heilige eiche , deren s.  59 gedacht wurde, wie das robur Jovis bei dem hessischen Geismar (s.  58 ) unfern von einem 142 Wuotansberg (s. 126 ). allem anschein nach konnte beider götter cultus dicht neben einander gepflogen werden. auf dem hessischen Knüllgebirge findet sich eine Donnerkaute ; im Bernerland ein Donnerbühel (urk. a. 1303. Joh. Müller 1, 619), Tonrbül genannt in Justingers Berner chron. s. 50. Wahrscheinlich sind noch in andern gegenden Deutschlands Donnersberge aufzufinden. eines im Regensburger gebiet gedenkt eine urk. von 882 unter dem namen Tuniesberg . Ried cod. dipl. num. 60. eine urk. von 1300 MB. 33 pars 1 p. 289 nennt einen Sifridus marschalcus de Donnersperch , MB. 4, 94 a. 1194 Otto de Donersperg , 4, 528 a. 1153 steht Duonesberc, 11, 432 Tunniesberg. auf dem Thüringer walde zwischen Steinbach und Oberhof am rennsteig ein Donershauk Nachtrag: Comes ad Thuneresberhc (a. 1123). Erhard. s. 150. apud Thuneresberg s. 133. Sifrit de Tonresberc (a. 1173). MB. 33 a , 44. Sifridus de Donresberch (a. 1241. 1258). MB. 33 a , 68. 90. vom giel eines drachen heißt es: er hete wol drî kiele verslunden und den Dunresberc . Dietr. drachenk. 262 b (str. 834). vom Donresberge . Haupts zeitschr. 1, 438. außer dem Thuneresberg bei Warburg noch ein Donnersberg bei Etteln, südwärts von Paderborn. ags. Dunresleá . Kemble 3, 443. 4, 105. 5, 84. Dunresfeld 3, 394. 5, 131. vgl. 6, 342. Doneresbruno . zeitschr. f. hess. gesch. 1, 244. . Die Donares eih , das robur Jovis , war der dem blitzesendenden gott vorzüglich heilige baum, dessen in den deutschen wäldern eine unendliche fülle wuchs. Auch in Scandinavien mangelt es nicht an Thôrs namen tragenden bergen und felsen: Thors klint in Ostgotland (vgl. Wildegrens Östergötland 1, 17), Thorsborg in Gotland; Molbech tidskr. 4, 189. aus Norwegen, wo dieser gott vorzugsweise verehrt wurde, sind mir jedoch keine bekannt. In Vermland pflegt der gemeine mann die südwestliche himmelsgegend, aus der im sommer die meisten gewitter aufsteigen, Thorshåla , des Donners höle, zu nennen. (Geijer Svearikes häfder 1, 268). Aber die slavischen Donnersberge sind nicht zu übersehen. bei Milleschau in Böhmen ein Hromolan , von hrom, donner, nach andern dialecten grom; in Steiermark ein Grimming , d. h. slav. germnik, altsl. gr’’mnik (donnersberg, vgl. sloven. gr’mi, es donnert, serb. grmi) einer der steilsten berge der steirischen alpe Nachtrag: Zum slav. hrom , grom , donner (kl. schr. 2, 418) stellt sich ndrd. grummeln , in der ferne donnern, ir. crom , cruim , donner, franz. grommeler , brummen. das litth. grauja , es donnert, growimmas , donner klingt an (s.  148 ). , nicht weit davon ein flüßchen genannt der Donnersbach Kindermann abriß von Steiermark p. 66. 67. 70. 81. . Mit einem andern wort also drücken die Slaven gott und naturerscheinung aus, jenen altslav. durch Perun , poln. Piorun , böhm. Peraun die Slowaken sagen Parom und paromova strela f. perunova. redensarten von Parom nach Kollar bei Hanusch 259. 260. ; bei den Südslaven scheint es früher ausgestorben, lebt aber noch in ableitungen und ortsnamen fort, Dobrowsky (inst. 289) führt es auf die wurzel peru, ferio, quatio zurück, und vielleicht hat dieser passende sinn eben zur entstellung der echteren wortform beigetragen wie wenn man perun mit κεραυνός = περαυνός vergleichen dürfte? noch näher dem Perun schiene das sanscr. Parjanyas , welchen namen Indras als Jupiter pluvius führt, wörtlich: befruchtender regen, donnerwolke, donner. einen hymnus auf diesen regengott theilt Rosens Vedae specimen p. 23 mit. vgl. Hitzig Philist. 296. Holtzmann 1, 112. 118. . ich möchte ihr ein ausgefallnes k zutrauen: der litthauische, lettische, altpreußische donnergott heißt Perkunas , Pehrkons , Perkunos , und eine menge von ortsnamen sind damit zusammengesetzt. lith. Perkunas grauja (P. donnert), Perkunas musza (P. schlägt, ferit); lett. Pehrkons sperr (der 143 donner schlägt ein) Nachtrag: Zu litth. Perkunas musza. Nesselm. 411 b und Perkunas grauja, grumena. Nesselm. 286 a kommen die formeln Perkuns twyksterejo (P. hat gekracht), P. uźdege (P. hat gezündet), Perkúno szowimmas, P. schlag, P. growimmas, P. donner, P. źaibas, P. blitz. perkunija ist ungewitter, donnerwetter. die livl. reimchr. 1435 sagt von ihm: als ez Perkune ir abgot gap, daz nimmer sô harte gevrôs . ein Perkunstein liegt bei Battenhof in Kurland, von dem sage geht. Kruses urgesch. 187. 49. Perkuhnen ort bei Libau. pehrkones hederich. die Lappen kennen den bösen gott oder teufel perkel , pergalak , die Finnen perkelc , Kalev. 10, 118. 141. 207. 327. (s.  824 ). . das slav. perun wird heutzutage weniger persönlich verwendet, und mehr vom blitzstrahl gebraucht. Schon Procop (de bello goth. 3, 14) sagt von den Sclavenen und Anten: ϑεὸν μὲν γὰρ ἕνα τὸν τῆς ἀστραπῆς δημιουγὸν ἁπάντων κύριον μόνον αὐτὸν νομίζουσιν εἶναι, καὶ ϑύουσιν αὐτῷ βόας τε καὶ ἱεραῖα ἁπάντα. Wiederum war dem Perun die eiche geweiht und alte urkunden bestimmen nach ihr die grenzen (do perunova duba ), und die eichel hieß den Römern juglans d. i. joviglans, Jovis glans , des väterlichen gottes frucht; der blitz soll gern in eichen einschlagen Nachtrag: Finn. heißt die eiche (tammi) gottes baum , puu jumalan . Kalev. 24, 98. 105. 107. 115. 117. vgl. des Zeus eiche s.  153 und robur Jovis s.  142 . juglans ist Διὸς βάλανος, castanea. Theophrast. 3, 8. 10. Dioscor. 1, 145. weil die eiche dem Thor heilig war, erschlägt er die darunter flüchtenden riesen; aber unter der buche hat er keine macht über sie. man hat bemerkt, daß der blitz verhältnißmäßig 20 grade in die eiche niederschlägt und nur einen grad in die buche. Fries bot. udfl. 1, 110. . Perkun gemahnt nun an jenen morduinischen donnergott Porguini (oben s.  22 ), noch merkwürdiger an einen goth. ausdruck, der freilich wie er bei Ulfilas erscheint, alle personification eingebüßt hatte. das goth. neutrum faírguni (gramm. 2, 175. 453) bedeutet berg, ὅρος Matth. 8, 1. Marc. 5, 5. 11. 9, 2. 11, 1. Luc. 3, 5. 4, 29. 9, 37. 19, 29. 37. I. Cor. 13, 2. baírgahei (ἡ ὀρεινή) steht Luc. 1, 39. 65. nie das einfache baírgs. . wie wenn es vorzugsweise der Donnersberg gewesen und ein verlornes Faírguns des gottes name wäre? Nachtrag: Nach einem schwed. volkslied (Arvidss. 3, 504) wohnt Thor im berge: locka till Thor î fjäll . neben Ođins frau Frigg, Fiörgvins tochter, wird eine andere frau und zugleich tochter desselben Jorđ genannt, die mutter Thors. wenn Thorr aber = Faírguni ist, so erscheint er bald als Ođins vater, bald als Ođins sohn, und er ist erdensohn wie Frigg erdentochter. vgl. kl. schr. 2, 415. GDS. 119. man dürfte die bedeutung von faírguni = mons unverändert behalten, und in das masc. Faírguns oder Faírguneis , folglich in Perkunas , den sinn jenes ἄκριος legen? ein schicklicher nebenname für den donnergott. Fergunna , dessen endung an Patunna (s.  57 ) anklingt, bezeichnet im chron. moissiac. a. 805 (Pertz 1, 308) keinen einzelnen ort, sondern das erzgebirge, und Virgunnia (Virgundia, Virgunda, vgl. Zeuß p. 10) den waldgebirgstrich zwischen Ansbach und Ellwangen. Wolfram Wh. 390, 2 sagt von seinem waltswenden: der Swarzwalt und Virgunt müesen dâ von œde ligen. in zusammensetzungen, ohne welche es völlig untergegangen wäre, kann das ahd. virgun , ags. firgen entweder bloß den begrif des bergigen, waldigen enthalten oder auf einen verdunkelten gottesnamen bezogen werden. wie es darum stehe, daß mit faírguni, virgun, firgen göttlichverehrte wesen zusammenhängen, ergibt sich offenbar aus dem altn. Fiörgyn , gen. Fiörgynjar, worunter in der edda Thôrs mutter, die göttin Erde verstanden wird (Th. Jarđur burr Sæm. 70 a . 68 a . Ođins son Sæm. 73 a . 746); und außer ihr tritt noch ein männlicher Fiörgynn , gen. Fiörgvins, Fiörgyns (Sn. 10. 118. Sæm. 63 a ) auf, als vater der Frigg, Ođins gemahlin. in allen diesen wörtern muß man faírg, firg, fiörg, als wurzel annehmen, und nicht abtheilen faír-guni, fir-gun, fiör-gyn. Nun sind zwar alle Anzeis, alle Aesir, auf bergen thronend (s.  21 ) und auch Firgun dürfte für mehrere gelten, vorzugsweise wird aber dieser name von Donar und seiner mutter in anspruch genommen werden können, wie Perun, Perkun lehren und hernach noch die bedeutung berg und fels für hamar bestätigen soll. Wie Zeus ἐνάκριος so hieß Pallas, seine tochter, ἀκρία, ὀρεστέρα Γᾶ, μᾶτερ αὐτοῦ Διός (Sophocl. Philoct. 389); 144 der mythus überträgt von dem vater auf mutter und tochter. Von des Donners mutter wissen noch die märchen (pentam. 5, 4) und unbedenklich sind die sagen von dem teufel, seinem bad und seiner großmutter vergröberung heidnischer vorstellungen des donnergottes. Lasicz 47 meldet: Percuna tete mater est fulminis atque tonitrui, quae solem fessum ac pulverolentum balneo excipit, deinde lotum et nitidum postera die emittit. teta drückt sonst eben matertera, nicht mater aus. Die christliche mythologie hat unter slavischen und einzelnen asiatischen völkern das geschäft des donnerers auf den propheten Elias übertragen, der im wetter gen himmel fährt, den ein wagen mit feuerrossen in empfang nimmt, II. buch der könige 2, 11. in den serbischen liedern 2, 1. 2, 2 heißt er ausdrücklich gromovnik Ilija 1, 77: udri gromom, gromovit Ilija! schlag mit donner, donnerer Elias! , blitz und donner (munja und grom) sind in seine hand gegeben, und er verschließt sündhaften menschen die wolken des himmels, daß sie keinen regen zur erde fallen lassen Nachtrag: Von Elias und Enoch, die auch in der anm. 416 angeführten altn. wurfformel nebeneinander genannt werden, heißt es in den fundgr. 2, 112: sie hânt och die wal, daz sie den regin behabin betalle. swenne in gevalle unt in abir lâzin vliezen , ir zungin megin den himel besliezen unt widir ûftuon, sô si sich wellint muon. die Litthauer nennen den tag Mariae verkündigung, serb. blagovjest (25. merz), Elyjôs diena, Ilyjos diena, an welchem es anfange oder aufhöre zu regnen. man deutet es aus ilyja: es regnet ein. sollte aber dies nicht eher aus Eliastag entsprungen sein? Eliassagen der Walachei und der Bukowina stehen bei Schott. 375. Wolfs zeitschr. 1, 180. zum kampf des Elias mit dem Antichrist vgl. Grieshaber 2, 149. . auch dies letzte ist dem AT. gemäß (I. buch d. kön. 17, 1. 18, 41. 45, vgl. Luc. 4, 25. brief Jac. 5, 17) und ebenso in der altdeutschen dichtung aufgefaßt worden, O. III. 12, 13: quedent sum giwâro, Helias sîs ther mâro , ther thiz lant sô tharta , then himil sô bisparta , ther iu ni lias in nôtin regonon then liutin, thuangta si giwâro harto filu suâro Greg. tur. vorrede zum zweiten buch: meminerit (lector) sub Heliae tempore, qui pluvias cum voluit abstulit , et cum libuit arentibus terris infudit etc. . was aber besonders beachtet werden muß, in der durch das ganze mittelalter verbreiteten sage von erscheinung des Antichrists kurz vor dem weltende (deren auffallende berührung mit dem altn. mythus von Surtr und Muspellsheim noch im verfolg besprochen werden soll) nimmt Helias wiederum des nordischen donnergotts stelle ein. Thôrr siegt über die große schlange, hat sich aber kaum neun schritte von ihr entfernt, als er durch ihren giftanhauch getroffen todt zu boden sinkt. Sn. 73. Nach dem ahd. gedicht Muspilli 48–54 erliegen zwar der Antichrist und der teufel, allein auch Elias empfängt im kampf schwere wunden: doh wânit des vilu gotmanno gotman priester, theolog? vgl. oben s.  72 . 73 . daz Elias in demo wîge arwartit: sâr sô daz Eliases pluot in erda kitriufit, sô inprinnant die perga, von seinem auf den boden triefenden blut gerathen die berge in brand und der jüngste tag wird noch durch andere zeichen verkündet. wir müsten die vorstellung von dem teufel, dem Antichrist, Elias und Enoch in ihrer ganzen vollständigkeit, wie sie 145 etwa im 7 und 8 jh. umgieng auch die rabbinische sage nimmt an, daß Elias wiederkehren und den bösen Sammael tödten werde. Eisenmenger 2, 696. 851. , kennen, um diese analogie zwischen Elias und dem Donar der Heiden sicher auffassen zu können. in der christlichen überlieferung ist nichts, was eine verwundung, und gar tödtliche, des Elias anzunehmen berechtigte. Noch merkwürdiger aber wird die vergleichung dadurch, daß auch halbchristliche kaukasische völker den Elias als donnergott verehren. einen blitzerschlagnen preisen die Osseten glücklich und glauben, Elias (Ilia) habe ihn zu sich genommen; die hinterbliebenen erheben freudengeschrei, singen und tanzen um den leichnam, alles strömt herzu, schließt sich dem reihen an und singt: ›o  Ellai , Ellai eldaer tschoppei!‹ (o Elias, Elias herr der felsengipfel). neben dem steinhaufen des grabhügels wird eine große stange mit dem fell eines schwarzen ziegenbocks aufgerichtet, denn auf diese weise opfern sie dem Elias überhaupt Nachtrag: Hominem fulgure ictum cremari nefas; terra condi religio tradidit. Plin. 2, 54. die stellen, wo der blitz einschlug, waren auch den Griechen heilig und hießen ἠλύσια, ἐνηλύσια, weil die gottheit, der herabsteigende Zeus dahin gekommen war. der ort war heilig und durfte nicht betreten werden: hoc modo contacta loca nec intueri nec calcari debere fulgurales pronuntiant libri. Amm. Marc. 23, 5. echt tuskisch war aber ein besonderer ritus. der ort hieß bidental , weil ein zweijähriges schaf daselbst geopfert wurde. Festus s. v. bidental. ambidens. O. Müller Etrusker 2, 171. die schranke um den ort hieß puteal und vergleicht sich der ossetischen fellstange. bidental locus fulmine tactus et expiatus ove. Fronto s. 277. blitzerschlagnes vieh darf man nicht essen . Westendorp. 525. . Sie flehen den Elias an ihre felder fruchtbar zu machen und den hagel davon abzuhalten Klaproths reise in den Kaukasus 2, 606. 601. . Schon Olearius berichtet, daß die caspischen Circassier auf Eliastag ziegen opfern und das fell an einer stange unter gebeten aufspannen Ermans archiv für Rußland 1841, 429. . Ja selbst die Muhamedaner nennen in ihren gebeten zu abwendung eines gewitters den namen Iljas Ad. Olearius reiseschr. 1647. p. 522. 523. . Wie nun in jenen serbischen liedern die jungfrau Maria neben Elias auftritt, ist sie es vorzüglich, die im mittelalter um regen angefleht wurde. Die chronisten gedenken einer regenprocession im Lüttichschen um das j. 1240 oder 1244 Aegidius aureae vallis cap. 135 (Chapeaville 2, 267. 268). chron. belg. magn. ad. a. 1244 (Pistorius 3, 263). ; dreimaliger umgang des clerus und volks (nudis pedibus et in laneis) blieb ohne erfolg, weil man bei anrufung aller heiligen der mutter gottes vergessen hatte. als nun der chor der heiligen sich bei gott um regen verwendete, widersprach Maria ; in neuer procession wurde ein feierliches salve regina gesungen: et cum serenum tempus ante fuisset, tanta inundatio pluviae facta est, ut fere omnes, qui in processione aderant, hac illacque dispergerentur. den Litthauern ist die heilige göttin (diewaite szwenta) regengöttin. Das heidenthum richtete vermutlich die bitte um regen, statt an Elias und Maria auch andere heilige bewirken ersehnten regen, so der h. Mansuetus Pertz 6, 512 b . 513 b und das umtragen des leichnams des heil. Lupus im j. 1097 zu Sens Pertz 1, 106. 107. vgl. unten den regenzauber. , an den donnergott. ich entsinne mich gleichwol auch aus der altn. sage keiner stelle, worin von verleihung des erflehten regens durch Thôrr die rede wäre; bloß daß er unwetter sendet, wenn er zürnt, wird Olafs Tr. saga 1, 302–306 erzählt Nachtrag: ὑέτος ist umbr. savitu. Aufr. und Kirchh. 2, 268. νὺξ δ'ἄρ' ἐπῆλϑε κακὴ σκοτομήνιος, ὗε δ'ἄρα Ζεὺς πάννυχος. Od. 14, 457. ὕει ὁ Ζεύς. Athenaeus 4, 73. τὸν Δί' ἀληϑῶς ᾤμην διὰ κοσκίνου οὐρεῖν. Aristoph. wolken. 373. vgl. imbrem in cribrum gerere. Plaut. Ps. I. 1, 100. Διὸς ὄμβρος. Od. 9, 111. 358. οὔτε Πελοποννησίοις ὗσεν ὁ ϑεός. Paus. II. 29, 6. ein ägyptischer magier beschwört den luftgott Hermes (Ἑρμῆν τὸν ἀέριον) um regen. Cass. Dio 71, 8. ind. ist Indra , der den donnerkeil hat, auch gott des regens. als er verschwunden war, fiel kein regen mehr. Holtzmann 3, 140. 1, 15. dalekarl. ist der skaurman , der schauermann, gott des regens und skaurman åk heißt: es donnert. Almqvist s. 258. vgl. goth. skura vindis, λαῖλαψ. ahd. scûr , tempestas, grando. ags. scûr , procella, nimbus. altn. skûr , nimbus. vgl. kl. schr. 2, 425. . wir dürfen aber seine allgemeine ähnlichkeit mit Zeus und Jupiter (dem ὑέτιος, 146 pluvius , vgl. Il. 12, 25 ὗε Ζεὺς συνεχές) und die verbreitung des votis imbrem vocare unter benachbarten völkern in anschlag bringen Nachtrag: Einer regenprocession im j. 1415 gedenkt auch Lindenblatt s. 301. das petronische uvidi tanquam mures erinnert an Eracl. s. 142 b : sô sît ir naz als eine mûs (aus Enenkel). nhd. wie eine gebadete maus . ein gebet der legio tonans , gerade auch bei Mark Antonin, schaft regengüsse. Cass. Dio 71, 8. ein ungr. regengebet s. Ungarn in parab. s. 90, andere bei Klemm 2, 160. vgl. kl. schr. 2, 439–458. . Eine beschreibung, die Petron cap. 44 von der römischen regenprocession macht, trifft nahe mit der vorhin aus dem mittelalter gegebnen zusammen: antea stolatae ibant nudis pedibus in clivum, passis capillis, mentibus puris, et Jovem aquam exorabant ; itaque statim urceatim (als gösse man mit mulden) pluebat, aut tunc aut nunquam, et omnes ridebant, uvidi tanquam mures. Das einfach schöne regengebet der Athener hat Mark Antonin (εἰς ἑυατόν 5, 1) aufbewahrt: εὐχὴ Ἀϑηναίων, ὗσον, ὗσον, ὦ φίλε Ζεῦ, κατὰ τῆς ἀρούρας τῆς Ἀϑηναίων καὶ τῶν πεδίων. Das litthauische gebet lautete nach Lasicz 47: Percune devaite niemuski und mana dirwu (so bessere ich f. diewu), melsu tawi, palti miessu, cohibe te Percune, neve in meum agrum calamitatem immittas (einfacher: schlage nicht ein in meinen acker), ego vero tibi hanc succidiam dabo. die altpreußische formel soll gelautet haben: diewas Perkunos absolo mus! (schone unser), litth. apsaugok mus! Ich setze allem diesem das ausführlichere ehstnische gebet an die seite, wie es noch im 17 jh. Gutslaff Joh. Gutslaff kurzer bericht und unterricht von der falsch heilig genandten bäche in Liefland Wöhhanda. Dorpt. 1644 p. 362–364. die ehstnischen ausdrücke des gebets waren ihm damals schon schwierig, verbessert geben sie Peterson finn. mythol. p. 17 und Rosenplänters beitr. heft 5. p. 157. einen alten bauer sprechen hörte: ›lieber Donner (woda Picker), wir opfern dir einen ochsen, der zwei hörner und vier klauen hat, und wollen dich bitten um unser pflügen und säen, daß unser stroh kupferroth, unser getraide goldgelb werde. stoß anderswohin alle schwarzen, dicken wolken über große sümpfe, hohe wälder und breite wüsten. uns pflügern und säern gib aber fruchtbare zeit und süßen regen . heiliger Donner (pöha Picken), bewahre unsern acker, daß er trage gut stroh unterwärts, gute ähren überwärts und gut korn innenwärts‹. Picker oder Picken würde im heutigen ehstnisch lauten Pitkne , was dem finnischen pitkäinen donner, vielleicht auch Donner, näher kommt, in Hüpels ehstn. wörterb. steht indessen pikkenne donner, und pikne donner. gewöhnlich nennen die Finnen ihren donnergott Ukko , die Ehsten aber auch Turris , offenbar nach dem nordischen Thôrr Ukko ist nach Jumala (den ich Wuotan vergleiche) der höchste finnische gott. pitkäinen heißt eigentlich der lange, hohe. Nachtrag: Pikker . Kalewipoeg, 3, 16. 23. 358. 16, 855. pikkertaati . 20, 730. über pikker und pikne s. estn. verh. 2, 36. 37. er ist der im blitz erscheinende, strafende, dreimalneunige gott, der mit seiner glühenden eisenrute (raudwits) züchtigt, auch als höchster gott die niederen götzen, welche vor ihm gleich den riesen vor Thor zum heerd der menschen flüchten. verh. 2, 36–38. pikne scheint kürzung aus pitkäinen , tonitru, das in der finnischen form des estnischen regengebets vorkommt. Suomi 9, 91, und von pitkä langus stammt. pitkäikäinen ist longaevus, also der alte = Ukko, nach Castrén myth. 39 vielleicht der lange strahl des blitzes. über Toro , Toor , Torropel s. estn. verh. 2, 92. . Da vom regen und gewitter fruchtbarkeit der fluren abhängt, so erscheinen Pitkäinen und Zeus als die älteste gottheit ackerbauender völker, von deren güte sie das gedeihen ihrer saatfelder und früchte erwarten Nachtrag: Ukko segnet das korn. Peterson s. 106. der h. Sezny wirft an der küste von Bretagne seinen hammer auf ein ödes feld, um welchen das getreide in einer nacht zu vollen reifen ähren heranwächst. bretagn. volkss. mitgeth. von Aug. Stöber, wahrscheinlich nach Souvestre. . ausdrücklich legt auch Adam von Bremen dem Thor donner und blitz verbunden mit der herschaft über wetter und früchte bei: Thor, inquiunt, praesidet in aere, qui tonitrua et fulmina, ventos imbresque, serena et fruges gubernat . hier berührt sich also seine verehrung mit der des 147 Wuotan, welchem gleichfalls die ernter huldigten (s.  128 –130), wie auf der andern seite Thor neben Ođinn kriegsthaten verrichtet, und seinen theil der beute empfängt (s.  111 ). In der altn. auffassung haben sogar Thors siege und kämpfe mit den riesen sein friedliches amt in schatten gesetzt. Doch Wuotans kraftvollstem sohn, dessen mutter die Erde selbst ist, der auch Perkunos heißt, muß schon dieser abkunft wegen unmittelbarer bezug auf den feldbau gegeben werden Uhland, in seiner schrift über Thôrr den altnordischen mythen auf den grund dringend, hat sinnig durchgeführt, daß eben der streit des sommergottes mit den winterriesen das geschäft der urbarmachung auszudrücken scheine, die felsenspaltende, zermalmende gewalt des wetterstrals bereite den harten steinboden. für die sagen von Hrüngnir und Örvandill wird dies treffend ausgelegt, in einigen der übrigen scheint es minder zu gelingen. . er reinigt das wetter, entsendet fruchtbaren regen und sein heiliger baum gewährt die nährende eichel. Thôrs minni wurde für das gedeihen der äcker getrunken. Gleich Zeus und Jupiter wurde ohne zweifel auch der deutsche donnergott mit langem barte vorgestellt. noch ein dänischer reim nennt ihn: Thor med sit lange skiäg (F. Magnusens lex. 957). in den altn. sagen erscheint er aber mit näherer bestimmung überall rothbärtig , was auf die feurige lufterscheinung des blitzes bezogen werden muß: wenn der gott zürnt, bläst er in seinen rothen bart und donner schallt durch die wolken. fornm. sög. 2, 182. 10, 329 heißt er ein schlanker, schöner, rothbärtiger jüngling: mikill vexti ok ûngligr, friđr sŷnum ok rauđskeggjađr ; 5, 249 mađr rauđskeggjađr . hilfsbedürftige menschen riefen seinen rothen bart an: landsmenn tôko þat râđ at heita â þetta hit rauđa skegg (2, 183). beim zürnen schüttelt er den bart: reiđr var þâ, scegg nam at hrîsta, scör nam at dŷja . Sæm. 70 a ; allgemeiner ist der ausdruck: lêt sîga brŷnnar ofan fyrir augun. Sn. 50, von seinem göttlichen zorn (âsmôđr) ist öfter die rede: Thôrr varđ reiđr. Sn. 52. Zumal merkwürdig ist die erzählung von Thôrs begegnung mit könig Olaf 1, 303, seine macht erscheint da schon halb gebrochen und vor der neuen lehre weichend; als die Christen nahten, ermahnt den Thôrr ein anhänger zu tapferm widerstand: þeyt þû î môt þeim skeggrödd þîna (blas ihnen deinen bartruf, die stimme deines bartes, entgegen). þô gengu þeir ût, ok blês Thôrr fast î kampana ok þeytti skeggraustina (da giengen sie aus, Th. blies stark in den bart, und erregte die sprache seines barts), kom þâ þegar andviđri môti konûngi svâ styrkt, at ekki mâtti viđ halda (alsbald kam ein unwetter gegen den könig, daß er sich nicht in der see halten konnte). Dieser rothe bart des donnerers ist in flüchen der späteren zeit unvergessen, und zwar unter dem friesischen volk, ohne allen äußeren zusammenhang mit der nordischen vorstellung: ›diis ruadhiiret donner regiir!‹ (deß walte der rothhaarige donner) rufen noch heute die Nordfriesen aus der geizhalz auf Silt. Flensburg 1809 p. 123. 2. ausg. Sonderburg 1833 p. 113. . wenn 148 in der isländ. sprache der fuchs holtaþôrr (waldthôrr) genannt wird nucleus lat. in usum scholae schalholtinae. Hafniae 1738 p. 2088. , bezieht sich das vermutlich auf sein rothes haar Nachtrag: Vom Donnergott handelt sicher die sage vom rothbärtigen riesen und vom wagen mit dem goldnen bock . Wolfs zeitschr. 2, 185. 186. den nordamerikanischen Indianern ist Pahmioniqua und ebenso Jhätschintschiä d. h. der rothe donner ein mannsname. Catlin übers. v. Berghaus 136. 190. 191. . Die alten sprachen unterscheiden drei acte der naturerscheinung: das leuchten, fulgur , ἀστραπή, den schall, tonitrus , βροντή, und das einschlagen, fulmen , κεραυνός Nachtrag: Die drei erscheinungen des gewitters als gleichzeitige schildert Hesiod. theog. 691: κεραυνοὶ ἴκταρ (im nu) ἅμα βροντῆ τε καὶ ἀστεροπῆ ποτέοντο. vom fulgur kann man noch trennen den begrif fulguratio (sine ictu). . Den leuchtenden schein nennen wir blitz, die ältere sprache gebraucht sowol das einfache plih (Graff 3, 244), mhd. blic Iw. 649. Wigal. 7284, als plechazunga (coruscatio) aus plechazan ich schreibe plechazan, und denke an pleckan, plahta (patere, nudari) mhd. blecken, blacte Wigal. 4890, so daß es vom himmel gebraucht bedeutet: die wolken thun sich auf, der himmel öfnet sich, wie man noch jetzt von blitzen und wetterleuchten sagt. vgl. Lohengr. p. 125: reht alsam des himmels bliz vor doner sich erblecket . Soll dies plechan mit plih (fulgur) verwandt sein, so hat man zwei verba plîhhan, pleih und plëhhan, plah, letzteres aus ersterem entsprungen anzunehmen. slav. blesk , blisk, doch böhm. boźj posel gottes bote, blitzstral. russ. molnija , serb. munja fem. Nachtrag: Beim blecken , plechazan , dem sich öfnen des himmels gedenkt man der Bastarner, welche glaubten, beim donnerwetter falle der himmel auf sie herab. Liv. 40, 58. vgl. Duncker s. 84. in den serb. liedern ist munja tochter der vila, grom ihr bruder. mjesetz , mond, heiratet die Munja. Vuk. 1, 154 no. 229–231. . , dem frequentativ von plechên (fulgere) Diut. 1, 222. 224 abgeleitet; man sagte auch plechunga Diut. 1, 222. Pleccateshêm , ein ort (Pertz 2, 383), heute Blexen; mhd. blikze (fulgur) Ms. 2, 166 b ; die blikzen und die donerslege sint mit gewalte in sîner pflege. Ms. 2, 166 b . So setzt lôhazan (micare, coruscare) goth. láuhatjan ein lôhên, goth. láuhan voraus. der Gothe bildete von derselben wurzel sein láuhmuni (ἀστραπή), der Sachse aus blic ein blicsmo (fulgur). ags. leoma (jubar, fulgur), altn. liomi , schwed. ljungeld , dän. lyn . Bezeichnend schildert eine preußische volkssage (bei Reusch 29) das gewitter so: der mit der blauen peitsche verfolgt den teufel (d. i. die riesen). denn zumal die blaue flamme schien göttlich, bei ihr wird geflucht; nordfries. ›donners blöskên (blauer schein) help!‹ (Hansens geizhals p. 123) und Schärtlins fluch war: blau feuer! Nachtrag: Fulgur nennt Justinger noch bliks für blitz. Blixberg , heute das verfallne schloß Plixburg, urkundl. Plickhsperckh , liegt im Münsterthal bei Colmar gegenüber einem zwerchberg. Schöpflin als. dipl. no. 1336. des snellen blickes tuc. Freid. s. 375. himelblicke . Servat. 397. 1651. Roth. 3536. in Steier himlatzen blitzen. weterbliche , fulgura. Haupts zeitschr. 8, 137. wetterleich . Stalder 2, 447. hab dir das plab feuer! H. Sachs II. 4, 19 a . blaues licht bei donnerwettern. Schwabs Alb. s. 229. der blitz trift oder rührt. vom blitz gerührt. felsenb. 1, 7. er entsteht, wenn mit der feurigen axt (s.  150 . 678 ) funken geschlagen werden. altn. af þeim liomom leiptrir qvômo. Sæm. 151 a . Κρονίδης ἀφίει ψολόεντα κεραυνόν. Od. 24, 539. ἀργῆτι κεραυνῷ 5, 128. 131. trisulcum fulgur. Festus. Varro ap. Non. 6, 2. Sen. Thyest. 1089. ignes trisulci . Ovid. met. 2, 848. Ibis 471. tela trisulca . Claudian. III. cons. Hon. praef. 14. genera fulminum tria esse ait Caecina, consiliarium, auctoritatis et status . vgl. Amm. Marc. 23, 5. vgl. O. Müllers Etrusker 2, 170. neun blitzwerfende götter nahmen die Etrusker an. O. Müller Etr. 2, 84. Romanisch heißt der blitz camêg , früher auch calaverna, chalávera, heute straglüsch , sagietta , saetta , der einfahrende blitz, auch lütscherna (? lucerna). litth. źaibas , blitz, Perkuno źaibas , blitzstrahl, von źibeti, leuchten. Nesselmann 345. Die fulguratio, den schwachen, fernen, nicht einschlagenden blitz oder das wetterleuchten nennt der Finne Kalevan tulet, Kalevan valkiat d. h. Calevae ignes, bruta fulmina autumnalia, auch kapeen tulet , genii ignes. πῦρ Διὸς , hebr. gottes feuer wird der blitz genannt. Außer donar hätte der ahd. sprache zu gebot gestanden caprëh (fragor) von prëhhan (frangere) gl. hrab. 963 b . mhd. dafür öfter klac (Troj. 12231. 14693) und krach , von krachen (crepare): mit krache gap der doner duz. Parz. 104, 5; und da krachen synonym ist mit rîzen (eigentlich krachend bersten), steht auch wolken rîz (fem.) für donner, Parz. 378, 11. Wh. 389, 18; gegen rîz , wartb. kr. jen. 57; reht als der wilde dunrslac von himel kam gerizzen . Ecke 105. der chlafondo doner. N. Cap. 114, der chlafleih heizet toner; der doner stet gespannen . Apollon. 879. das goth. fem. þeihvô vergleiche ich dem finnischen teuhaan (strepo), teuhaus (strepitus, tumultus), es bedeutet also die lärmende, tosende. einige niederd. mundarten haben die benennung grummel für donner (Strodtm. osnabr. 77), nach dem slav. grom, hrom Nachtrag: Tonitrus ist toniris chlaccha . Hattem. 3, 598 b . tonnerklapf . Justinger 383. donnerklöpfige wort. franz. Simpl. 1, 231. dôzes klac . Parz. 379, 11. Troj. 12231. 14693. donrescal . fundgr. 2, 116. tonnerbotz . Garg. 270 b . 219 b von donerbôz. altn. skrugga , tonitru vgl. skröggr, fulminans. dän. tordenskrald , tordenbrag . ndrd. grummelwier , grummelschuur , grummeltaaren (donnerwolke) Lyra s. 103. 117. s. anm. 429 . nhd. der donner rollt , grollt . Wie der blitz als blick eines vogels , wird der donner als flügelschlag eines solchen aufgefaßt. Klemm 2, 155. Zeus adler hält die blitze, und ein adler erregt den sturmwind (s.  527 . 528 ) vgl. den vogel bei tagesanbruch. . Für den begrif von fulmen besitzen wir nur zusammensetzungen, wo nicht das bloße donner in dieser bedeutung steht: 149 sluoc alse ein doner . Roth. 1747; hiure hât der schûr (das wetter) erslagen heißt es MS. 3, 223 a ; gewöhnlich donnerschlag , blitzschlag . ahd. bligscuz , fulgurum jactus, N. cap. 13; mhd. blickeschoz Barl. 2, 26. 253, 27 blicschoz Martina 205 a ; fiurin donerstrâle Parz. 104, 1; donreslac Iw. 651; ter scuz tero fiurentûn donerstrâlo (ardentis fulminis), erscozen mit tien donerstrâlôn . N. Bth. 18. 175; mhd. wetterstrahl, blitzstrahl, donnerstrahl . mhd. wilder donerslac Geo. 751, wie der blitz das wilde feuer genannt wird, Rab. 412. Schm. 1, 553, altn. villieldr . Sn. 60 Nachtrag: Fulmen ist ahd. donarstrâla . Graff 6, 752 und laucmedili . gloss. jun. 191. Graff 2, 707. blicschôz mit dunrslegen. pass. 89, 49. blicschôz an dunrslegen 336, 9. des donres schuz Freid. 128, 8. donrestrâl der niht enschiuzet. Turl. Wh. 11 a . dornstrâl Grieshaber 151. die donerblicke fundgr. 1, 73. donresblicke Freid. 123, 26. des donrisslac fundgr. 2, 125. ob der doner zaller frist slüege , swann ez blekzend ist. w. gast 203. swaz er der der heiden ane quam, die sluoc er alse ein doner sân. Rother 2734. dô sluog er alsô der thoner , for dem sich nieman mac bewarn. Diemer 218, 8. schûrslac Helbl. 8, 888. wolkenschôz Lanz. 1483. weterwegen pass. 336, 10. 2. ahd. drôa , drewa heißt minae, oraculum und fulmen, ictus. Graff 5, 246. ist der blitz hier eine drohende, weissagende erscheinung? altfranz. es foldres (foudre) du ciel. Ogier 1, 146. foudre qi art . Guiteclin 2, 137. Le tonnerre a sept différentes formes pour se manifester aux Polognots. il tombe en fer , alors il brise tout; en feu , il brûle; en soufre , il empoisonne; en genuille , il étouffe; en poudre , il étourdit; en pierre , il balaye ce qui l'environne; en bois , il senfonce où il tombe. mem. celtiq. 2, 211. . Wie also dem blitzenden gott rothes haar, dem donnernden der wagen, so wird dem einschlagenden geschoß und waffe beigelegt. hier scheint mir aber die vorstellung von geschoßnen pfeilen: wilder pfîl der ûz dem donre snellet. Troj. 7673, doners pfîle . turnei von Nantheiz 35. 150, erst den κήλιος Διός, telis Jovis nachgeahmt; der deutsche Donar wirft eigentlich keilförmige steine vom himmel herab. ez wart nie stein geworfen dar (in die hohe burg), er enkæme von der schûre . Ecke 203. ein vlins von donrestrâlen. Wolfram 9, 32. ›ein herze daz von vlinse ime donre gewahsen wære‹. Wh. 12, 16; schûrestein Bit. 10332; schawerstein Suchenw. 33, 83; ›sô slahe mich ein donerstein! ‹ MsH. 3, 202 a . in der heutigen sprache donnerkeil , schwed. åskvigg, und nach dem volksglauben fährt mit dem zündenden blitz aus der wolke zugleich ein schwarzer keil tief wie der höchste kirchthurm diese tiefe wird in andern flüchen mannigfaltig ausgedrückt, z. b. der donner schlage dich so tief in die erde als ein hase in hundert jahren laufen kann! in den erdboden nieder. so oft es aber von neuem donnert, beginnt er der oberfläche näher zu steigen, nach sieben jahren ist er wieder oben auf der erde zu finden. jedes haus, in dem er aufbewahrt wird, ist vor gewitterschaden sicher, und sobald ein gewitter naht, fängt er an zu schwitzen Weddigens westfäl. mag. 3, 713. Wigands archiv 2, 320, wo neun jahre statt sieben. . solche steine heißen auch donneräxte, donnersteine, donnerhämmer, albschoße, strahlsteine, teufelsfinger , engl. thunderbolt , schwed. Thors vigge , dän. torđenkile, tordenstraale (s. unten cap.  XXXVII .) die gr. benennung des steins ist βελεμνίτης, geschoß. ; in heidengräbern gefundne steinhämmer und steinmesser führen denselben namen. Saxo gramm. p. 236: ›inusitati ponderis malleos , quos joviales vocabant, . . . prisca virorum religione cultos . . . . cupiens enim antiquitas tonitruorum causas usitata rerum similitudine comprehendere, malleos , quibus coeli fragores cieri credebat, ingenti aere complexa fuerat‹ Nachtrag: Über donnerkeile s. den 9. Bamberger bericht s. 111. außer donnerstein kommt auch wetterstein , krottenstein vor. auch heißt es: herre got , und liezt du vallen her ze tal ein stein , der mir derslüege. Suchenw. 78, 175. man läßt sich ein stückchen donnerkeil in die hand heilen , um ihr ungeheure kraft zu verleihen. Haupts zeitschr. 3, 366. donnerstral dritthalb centner schwer hängt zu Ensheim in der kirche. Garg. 216 a . vestgötl. Thorskäjl , Donnerskeil, schwed. Thorviggar , donnerkeile. Sjöborg nomenclat. f. nordiska fornlemningar s. 100 ff. Indras donnerkeil und blitz heißt svarus von svar, coelum, sonne. Benfey 1, 457. vgl. die ἠλύσια ( anm. 442 ). an den albschoß erinnert das skr.: vitulum veluti mater, ita fulmen Marutes sequitur. Bopps gloss. 364 a vgl. mugientis instar vaccae fulmen sonat. 262 a . Athene weiß allein die schlüssel zum gemach des donnerkeils . Aesch. Eum. 727. 728, was an die verbotne kammer des Marienmärchens gemahnt. litth. Perkuno kulka , Perkuns kugel = donnerkeil. serb. strjelitza , der donnerkeil. . Auch dem Jupiter war der silex (flins) heilig und schwörende faßten ihn. Aus jener benennung elbischer geschoße möchte ich zusammenhang der elbgeister mit dem donnergott, in dessen dienst sie zu stehn scheinen, folgern. Die nord. mythologie legt dem Thôrr ausdrücklich einen wunderbaren hammer zu, Miölnir (tudes, contundens) genannt, den er 150 gegen die riesen schleudert. Sæm. 57 b 67 b 68 b ; er heißt auch pruđhamar (starker hammer) Sæm. 67 b 68 a , und hat die eigenschaft nach dem wurf von selbst in die hand des gottes zurückzukehren. Sn. 132. diesen hammer, wenn er durch die luft fährt (er hann kemr â lopt. Sn. 16), kennen die riesen, seinem wurf gehen blitz und donner voraus: þvî næst sâ hann (der riese Hrûngnir) eldîngar oc heyrđi þrumur stôrar, sâ hann þâ Thôr î âsmôđi, fôr hann âkaflega oc reiddi hamarin oc kastađi . Sn. 109. augenscheinlich ist es der nach blitz und donner niederfahrende, schmetternde keil, den man sich aber als dem gott immer verbleibende waffe dachte; daher vielleicht jenes emporsteigen des keils aus der erde. Saxo p. 41 stellt ihn als eine keule (clava) ohne grif dar, aber meldet, daß Hother dem Thor das manubium clavae in der schlacht abgeschlagen habe, was zu der eddischen erzählung von der verfertigung des hammers stimmt, wo ihm als gebrechen angerechnet wird, daß sein schaft zu kurz sei (at forskeptit var heldr skamt). Sn. 131. kunstfertige zwerge wie Cureten oder Cyclopen des Zeus blitz. haben ihn geschmiedet, und er war, jenes fehlers unerachtet, ihr meisterstück. Saxo p. 163 wird dem Thôr eine torrida chalybs beigelegt daß bei des donnergotts bildseulen der hammer unvergessen war, scheint sich noch aus spätem zeugnis, der bei den riesen erwähnten bildseule eines dorpers , zu ergeben (s. cap.  XVIII ) und im ags. Salomon und Saturn führt der Donner eine feurige axt (s. cap.  XXV Muspilli). . Bemerkenswerth drückt sich Frauenlob Ms. 2, 214 b von gott vater aus: ›der smit ûz Oberlande warf sînen hamer in mîne schôz‹. Der göttliche hammer galt für ein heiliges geräth, mit dem bräute und leichen geweiht werden (Sæm. 74 b Sn. 49. 66); das hammerzeichen segnet im altdeutschen recht heiligt hammerwurf den erwerb. , wie bei den Christen das zeichen des kreuzes, und der einschlagende blitz galt im mittelalter noch lange für die glückliche, einweihende vorbedeutung eines unternehmens. mit dem hammer weiht Thôrr knochen und belebt sie von neuem (Sn. 49) Nachtrag: Miölnir kann an sl. ml'nija , ἀτραπή erinnern, das nach Miklos. 50 von mljeti, conterere stammt. der hammer ist das einfache, uralte, fast allen handwerken unentbehrliche geräth, das bei vielen geschäften symbolisch zugezogen wird. bei grenzen wurde die hamarsmark eingehauen, ein mit haken versehenes kreuz, später wurden oft bekreuzte eichen zur grenze verwendet. kl. schr. 2, 43. 55. beim bechersegnen (signa full) machte man das hammerzeichen: hann gerđi hamarsmark yfir. Hâkonar gôđa s. cap. 18. Thor med tungum hamrum auch bei Landstad 14. Thors bild hat einen großen hammer in der hand. Ol. helga s. ed. Christ. s. 26. fornm. sög. 4, 245. daß man den hammer bildlich darstellte und heilig hielt, zeigt die schon theilweise angeführte stelle bei Saxo ed. Müller s. 630: Magnus inter cetera trophaeorum suorum insignia inusitati ponderis malleos, quos joviales vocabant , apud insularum quandam prisca virorum religione cultos , in patriam deportandos curavit. die begebenheit fällt zwischen 1104–1134. In Deutschland waren vielleicht früher hämmer und keulen als symbole Donars an der kirchenmauer oder ins stadtthor eingemauert, an die sich ein barbarischer volksglaube und eine sage vom slegel knüpfte. Haupts zeitschr. 5, 72. auch die sagen vom teufelshammer , der auch donnerkuhl , hammerkuhl heißt (Müllenhoff s. 268. 601), gehören in diesen kreis. vgl. s.  835 . Pikne führt den blitz als eiserne rute . s. anm. 452 . . Vorzüglich wichtig und die verbreitung des altheidnischen glaubens bestätigend scheint mir aber das schöne gedicht der edda hamars heimt (mallei recuperatio) kein andrer gesang der edda zeigt sich so fest in die nordische volkspoesie verwachsen; die dichtung lebt in schwedischen, norwegischen, dänischen liedern fort, welche sich zu jenem eddischen verhalten, wie das volkslied von Hildebrand und Alebrand zu der alten dichtung. Thor tritt nicht mehr als ein gott auf, sondern als Thorkar (Thorkarl) oder Thord af Hafsgaard , dem sein goldhammer gestolen ist, vgl. Iduna 8, 122. Nyerups udvalg 2, 188. Arvidsson 1, 3. Schade beskrivelse over öen Mors. Aalborg 1811. p. 93. Vgl. die merkwürdige sage von Thor med tungum hamri bei Faye norske sagn. Arendal 1833. p. 5, auch hier verliert und sucht er den hammer. , dessen inhalt darauf beruht, daß Thôrs hammer von einem riesen entwendet und acht meilen tief in die erde verborgen wird: ›ek hefi Hlôrriđa hamar umfôlginn âtta röstom for iörđ neđan‹. Sæm. 71 a , das hängt unverkennbar zusammen mit dem angeführten volksglauben, der 151 donnerkeil fahre tief in die erde und brauche sieben (neun) jahre um wieder auf die oberfläche zu rücken, er steigt gleichsam jedes jahr eine meile aufwärts. Aber Thrymr , der durse gott, þursa drôttinn, der den hammer wieder zu sich geholt hatte, scheint selbst mit Thôrr identisch, und ein älterer naturgott, in dessen händen vor ankunft der âsen der donner gewesen war; das zeigt sein name, der von þruma tonitru abzuleiten ist. das zusammengesetzte wort þrumketill (nach Biörn: aes tinniens) verhält sich wie das bekanntere þôrketill Nachtrag: Thor ist riesenfeind . s. 439 . wie Wodan die unterirdischen, verfolgt jener die riesen. diese wollen nicht zum gelag, wobei Tordenveier erscheint. s.  157 . 444 . wenn es blitzt, sagt man in Schonen, daß Thor die trolle schlägt . Nilsson 4, 40. der ( tievel ) wider unsih vihtet mit viuren (viurînen) strâlen . Diemer 337, 9. . Ein anderes zeugnis für die gemeinschaft des mythus vom donnergott zwischen Scandinavien und dem übrigen Deutschland kann das wort hammer selbst ablegen. hamar bedeutet ursprünglich einen harten stein slav. kamen (stein), litth. akmå, gen. akmens. kam = ham. , felsen, und dann erst das daraus verfertigte geräth; das altn. hamarr hat noch beiderlei sinn rupes und malleus, sahs wiederum ist steinmesser, folglich das lat. saxum. dieser name schickt sich ganz besonders für ein werkzeug, womit der berggott Donar, jener Faírguneis, alle seine thaten vollbringt. weil nun des gottes hammer einschlägt und die flüche ›der donner schlage dich‹ oder ›der hammer schlage dich!‹ gleichviel aussagten, so entsprang in einigen, zumal niederdeutschen gegenden, nach dem untergang des gottes Donar , eine personification des wortes Hamar mit dem begriffe Tod oder Teufel. ›dat die de Hamer! ‹ ›i vor den Hamer! ‹ ›de Hamer sla!‹ sind noch jetzt unter dem volk gangbare redensarten, in welchen man Hamer mit Düvel vertauschen kann, die aber sämtlich auf den mit dem hammer einschlagenden gott zurückgeführt werden müssen. ebenso heißt es ›dat is en Hamer , en hamersken kerl‹, ein verteufelter, verwegener, listiger mensch brem. wb. 2, 575. dat di de hamer sla! Strodtm. s. 80. vgl. Schm. 2, 192; daß dich der hammer schlag, ein großer hammer schlag! Abeles künstl. unordn. 4, 3. gerichtsh. 1, 673. 2, 79. 299. 382. verhamert dür, kolt, Schütze 2, 96 ist gleichviel mit verdonnert, verteufelt, verflucht. Wie tief der cultus des gottes unter dem volk wurzel gefaßt, beweisen alle solche, fast unausrottbaren flüche, d. h. frühere betheuerungen: donner! donnerwetter! heiliges gewitter! und mit beifügung des christlichen symbols: kreuz donnerwetter! euphemistisch entstellt: bim dummer, potz dummer! dummer auch! Stutz. 1, 123. 2, 161. 162. 3, 56. bim dummer hammer 3, 51. oder bim dumstig , bim dunnstig! wie in Hessen: donnerstag! bim hamer! in Flandern: bi Vids morkel hamer! (Willems vloeken s. 12). . de Hamer kennt se all! (der teufel kenne sie alle) Schütze 2, 96. Hemmerlein , meister Hämmerlein bedeutete den bösen geist. hierbei zu erwägen ist auch die in flüchen übliche verbindung der namen: donner und teufel! welche beide den alten gott meinen. in Dänemark versteht das volk unter gammel Thor den teufel, in Schweden betheuerte man lange mit Thore gud . Die Litthauer verehrten einen übergroßen hammer (Seb. Frankes weltbuch 55 b ) Nachtrag: Hamer sla bamer, sla busseman dot! Müllenhoff s. 603. vgl. Hermen sla dermen s.  294 . bim hammer! Corrodi professer 16. 58. vikari 11. tummer und hammer. professer 96. daß dich des himmels kreuzdonnerwetter zehntausend klafter tief in die erde schlage! du widertuo ez balde, oder dir nimet der donner in drin tagen den lîp! Wolfd. 331, 3. 4. (Haupts zeitschr. 4.) eine dän. betheurung ist: ney Thore gud! Wormii mon. dan. s. 13. ähnlich: daß dich der donnerstag! Phil. v. Sittew. 2, 680. donnstig! (donner!). du donnstigs bub! Gotthelfs erz. 2, 196. 195. Die Litthauer legen nach Aen. Sylvius dem Percunnos einen großen hammer bei, mit welchem die sonne aus der gefangenschaft befreit wird. Aen. Sylvius in den kurländ. send. 2, 6. n. preuß. prov. bl. 2, 99. vgl. Tettau und Temme s. 28. litth. kad Perkuns pakiles deszimt klafterin tave i zeme itrenktu! d. h. daß sich Perkunas erhebe und dich zehn klafter tief in die erde hineinschlage! Schleicher ber. der Wiener acad. 11, 108. 110. Bei den Etruskern führt Mantus den hammer. Gerhard. s. 17. Außer dem hammer hatte Thor auch die megingiarđar , fortitudinis, roboris cingula und die iarngreipr , chirotecas ferreas. Sn. 112. 113. er hann spennir þeim (megingiörđum) um sik, þâ vex honum âsmegn hâlfu . Sn. 26. þâ spenti hann megingiörđum Sn. 114. die megingiarđar mahnen an Laurîn 906. 890. 1928: zebrechent sîn gürtelîn, do hât er von zwelf man kraft . ein gürtel verleiht sterke und wisheit . Wigal. 332 und weist den rechten weg. Wigal. 22. 23. ein gürtel der den hunger stillt . Fierabras 209. vgl. schmachtrieme. eine victoriae zona kennt Saxo ed. Müller 124. den stärkegürtel Thors gleicht das blaue band in norske folkev. no. 60 s. 365. 374. 376. Müllenhoffs schl.-holst. märchen no. 11. Moes einl. XLVI. . Alterthümlicher war die übertragung einzelner eigenschaften und namen des heilands, oder jüdischchristlicher sagen auf den 152 heidnischen gott; namentlich der mythus von Leviathan auf Iörmungandr. wie Christus durch seinen tod die ungeheure schlange überwältigte (Barl. 78, 39–79, 14), besiegte Thôrr den miđgarđsorm, und beiden kommen ähnliche epitheta zu Finn Magnusen lex. 484. 485. . die ähnlichkeit der zeichen des kreuzes und hammers dazu genommen, würde es nicht befremden, wenn die neubekehrten Deutschen unter Christus sich auch noch den herrn des donners und verleiher des regens vorgestellt hätten. desto leichter konnte die anwendung auf Maria ., gottes mutter, gemacht werden (s.  145 ); wirklich nennt der älteste troubadour (Diez p. 15. Raynouard 4, 83) Christus noch den herrn des donners (Ihesus del tro). Ein neapolitanisches märchen im pentamerone 5, 4 personificiert donner und blitz ( truone e lampe ) als einen schönen jüngling, den bruder sieben spinnender jungfrauen und den sohn einer alten bösen mutter, die keinen höheren schwur hat, als ›pe truone e lampe ‹. auch in dieser überlieferung, ohne daß ich sie äußerlich mit der deutschen in verbindung setzen möchte woher hat die ital. sprache das wort trono (neapol. truono , span. trueno ) neben tuono? die provenzalische in gleicher bedeutung trons? ist das R aus unserm donar oder vielmehr dem goth. drunjus (sonus) Rom. 10, 18 eingemischt? (vgl. dröhnen), oder gieng der begrif des lat. thronus über in den von himmel und donner? förchst nicht, wanns tonnert, ein tron werd vom himmel fallen? Garg. 181 b . jenes Ihesus del tro könnte auch bloß bedeuten: herr des firmaments. , erhält sich die idee eines gütigen, wohlthätigen donnergottes, keines feindlichen und teuflischen. Der große käfer, den wir hirschschröter, feuerschröter nennen, lucanus cervus, taurus (s. cap.  XXI käfer) heißt in einigen süddeutschen strichen donnergueg, donnerguge, donnerpuppe , von gueg, guegi (käfer), vielleicht weil er sich gern auf eichen, dem donner heiligen bäumen, findet? denn er führt auch den namen eichochs, schwed. ekoxe, außerdem aber feuerschröter, fürböter (feueranzünder), börner (brenner), hausbrenner, was seinen bezug auf donner und blitz andeutet. das volk sagt, er trage auf seinen hörnern glühende kohlen in die dächer und stecke sie an; bestimmter ist die aberglaube p.  xcvi angeführte meinung, daß das wetter in die häuser schlage, worin man den schröter getragen hat. schwed. wird der käfer noch genannt horntroll Nachtrag: Nach Schotts Deutschen in Piemont. s. 300. 340 heißt der molch, dessen erscheinen in den alpen sturm verkünden soll, wettergiogo . das hirschkäferweibchen trägt glühende kohlen in die häuser. Odenwald. . Unter kräutern und pflanzen sind hervorzuheben der donnerbart , die hauswurz, sempervivum tectorum, welche aufs dach gepflanzt vor dem einschlagen des blitzes sichert ein provenzalischer troubadour, den Raynouard s. v. barbajol anführt, sagt: e daquel erba tenon pro li vilan sobre lur maiso. gleich dieser hauswurz (hauswurzel, abergl. 60 ) ist der hagedorn (albaspina) schutzmittel wider den blitz (mém. de l'acad. celt. 2, 212), bei den alten Römern der lorbeer oder die um das haus gepflanzte weiße rebe ; vgl. brennnessel ( abergl. 336 ). › palmzweige auf kohlen gelegt, lichter angezündet, feuer auf den heerd gemacht, ist gut für gewitter‹. (braunschw. anz. 1760. p. 1392). auch der kreuzvogel (weil sein schnabel ein kreuz oder hammerzeichen bildet?) schützt ( abergl. 335 ), aber das nistende rothkehlchen oder rothschwänzchen scheint den blitz herbeizulocken (s. cap.  XXI rothkehlchen und abergl. 629 . 704 ); war es, des rothen gefieders wegen, dem rothbärtigen gott heilig? Nachtrag: Die barba Jovis gilt für heilkräftig. Caes. heisterb. 7, 15. Jovis herba, husloek . Mone quellen. 289 a . hûslouch Mone 8, 403. donderloek , crassula major. Mone qu. 283 b dundarlök . Dybeck 1845 s. 61. Jovis caulis, sempervivum magnum. Diosc. 4, 88. ags. þunorvyrt , barba Jovis. it is still common in many parts of England, to plant the herb houseleek upon the tops of cottage houses. Hones yearb. 1552. vgl. s. 1010. der donnerbesen heißt schweiz. hexenbesen Stald. 2, 42. Nemnich nennt glecoma hederacea donnerrebe , gundrebe. die donnernessel , urtica dioica, widersteht dem donner. finn. ukon tuhnio, fungus, fomes. ukon nauris, rapa. ukon lummet, caltha palustris. ukkon lehti, folium (lappa). Jovis colus, Διὸς ἠλακάτη, clinopodium, verbena. Diosc. 3, 99. 4, 61. Jovis madius, catanance, herba filicula. Diosc. 4, 132. ἱερὰ τοῦ ϑεοῦ φηγός zu Dodona. Pausan. 1, 17. Jovis arbor Ovid. met. 1, 104. einen donnerbaum gibt es in Tirol. Wolfs zeitschr. 2, 61. Während rothkehlchen und schröter den blitz locken, wendet der wannenweihe ihn ab s.  562 . Allgemein verbreitet ist die sitte beim gewitter zu läuten , weil das den donner vertreibe, offenbar das christliche läuten den heidnischen gott. ähnlich ist das thrakische schießen gegen blitz und donner . (s.  16 ), wie sonst gegen die finsternis (s.  589 ). : barba Jovis 153 vulgari more vocatur (Macer Floridus 741), franz. Joubarbe (vgl. anhang p.  lviii ); der donnerbesen , ein struppiges, verwirrtes, nestartiges gewächs auf baumästen, dessen erzeugung der aberglaube dem blitz zuschreibt, es führt auch den namen alpruthe ; das donnerkraut (sedum); der donnerflug (fumaria bulbosa); die donnerdistel (eryngium campestre); dän. tordenskreppe (klette). den Südslaven heißt die iris perunika , Peruns blume, den Letten der hederich pehrkones ; jenes Perunika ist zugleich frauenname, wie Iris. Vor allen bäumen war die eiche dem Donnerer geweiht (s.  55 . 58 ). quercus Jovi placuit. Phaedr. 3, 17; magna Jovis antiquo robore quercus . Virg. Georg. 3, 332. zu Dodona stand die δρῦς ὑψίκομος Διός . Od. 14, 327. 19, 297, bei Troja aber seine in der Ilias oft genannte buche: φηγὸς ὑψηλὴ Διὸς αἰγιόχοιο 5, 693. 7, 60. den Serben heißt eine bestimmte art eichen grm , und grmik (quercetum), ohne zweifel in naher verwandtschaft mit grom (tonitrus) grmiti oder grmljeti (tonare). der eichel wurde schon s.  147 gedacht. Wahrscheinlich gehört eine benennung der schnepfe (scolopax gallinago) hierher: donnerziege, donnerstagspferd, himmelsziege , capella coelestis, weil sie in der luft meckern oder wiehern soll? sie wird aber auch wettervogel , gewittervogel, regenvogel genannt, man behauptet, daß ihr flug nahendes gewitter verkünde. dän. myrehest , schwed. horsgjök , isl. hrossagaukr (pferdeguguk) vom gewieher, wenn er zum ersten mal im jahr sich hören läßt, zeigt er den menschen ihr schicksal an (Biörn s. v.); offenbar haften abergläubische vorstellungen auf diesem vogel. sein lettischer name pehrkona kasa (donnerziege), pehrkona ahsis (donnerbock) stimmt völlig zu jenem deutschen. auch litth. gibt Mielcke 1, 294. 2, 271. Perkuno oźys für himmelsziege an, der auch die benennung tikkuttis zusteht. Kannes pantheum s. 439 will donnerstagspferd für die ziege selbst, nicht für den vogel in anspruch nehmen, was beglaubigung fordert, aber willkommen wäre. Zur weitern bestätigung gereicht aber das ags. firgengæt (ibex, rupicapra, gemse) und firginbucca (capricornus), denen ein ahd. virgungeiz, virgunpocch entsprechen würde, worin also die analogie von faírguni zu Donar obwaltet. das über felsen springende thier steht dem felsengott noch besser an, als der zahme bock. Nach der edda hat Thôrr ein gespann böcke vor seinem donnerwagen: zwischen ihnen und dem mythischen wettervogel, der als bock oder pferd (immer als ein wagenziehendes thier) vorgestellt wird, könnte irgend eine halbverdunkelte beziehung walten Nachtrag: Bemerkenswert ist der henneberg. volksglaube von der habergeiß oder himmelsziege , worunter man phalangium opilio, eine spinne (Maler Müller), bezeichnet. s. Brückner henneb. s. 11. unter horsgök ward ehemals ein pferd verstanden. runa 3, 14. 15. finn. heißt die himmelsziege taivaan vuohi . sie schwebt zwischen himmel und hölle, meckernd in der luft. Schiefner finn. wrtrb. 612. lith. kommt auch dangaus oźys . Nesselm. 31 und lett. Pehrkon ohsols . Possarts Kurland s. 228 dafür vor. Thor heißt hafra drôttinn im Hymislied. seine böcke heißen tanngniostr und tanngrisnir , dente frendens, was an lat. nefrendes = arietes oder porci nondum frendentes erinnert, die noch keine zähne haben. tanngniostr ist auch beiname für einen mann. Kormaks. s. 54. 134. 136. . Es ist wichtig, daß dem teufel, d. h. des donnergottes jüngeren stellvertreter auch die 154 erschaffung der geiße und böcke beigelegt wird, und wie Thôrr die abgegessnen knochen der böcke bei seite legen und aufheben läßt, damit er sie neu beleben könne (Sn. 49. 50) der mythus von den geschlachteten , durch hammerweihe wiederbelebten böcken , von dem täglich gesottnen und aufgezehrten, jeden abend aber wieder ganz werdenden eber Sæhrîmnir (Sn. 42) scheint in mehr als einer gestalt wiederzukehren. Wolfs Wodana s. XXVIII bringt aus Barthol. de Spina († 1546) quaestio de strigibus folgende stelle von hexen in Ferrara bei: dicunt etiam, quod postquam comederunt aliquem pinguem bovem vel aliquam vegetem vino vel arcam seu cophinum panibus evacuarunt et consumpserunt ea vorantes, domina illa percutit aurea virga , quam manu gestat, ea vasa vel loca, et statim ut prius plena sunt vini vel panis ac si nihil inde fuisset assumptum. similiter congeri jubet ossa omnia mortui bovis super corium ejus extensum ipsumque per quatuor partes super ossa revolvens virgaque percutiens, vivum bovem reddit , ut prius, ac reducendum jubet ad locum suum. Das teuflische hexenmahl läßt sich gut zu dem des donnergotts halten. Es wird aber auch in legenden erzählt, daß der heilige den aufgezehrten hahn nach der mahlzeit aus den knochen wieder belebte, und schon pfaffe Amis nutzt diesen glauben um einen betrug zu spielen (z. 969 ff.). volkssagen lassen einen zauberer, wenn der fisch gegessen ist, die gräte ins wasser werfen, und den fisch von neuem lebendig werden. Wie bei diesen speisen erfolgt in andern sagen die erweckung zerstückter menschen im märchen vom Machandelbom; im mythus von Zeus und Tantalus, wo die von Demeter verzehrte schulter des Pelops (Ovid 6, 406) an des bocks zerspaltnen schenkel, der nun lahm bleiben muß, gemahnt; im mythus von Osiris und dem heil. Adalbert (Temme s. 33) vgl. DS. no. 62 und Ezechiel 37. auch in der finnischen achten rune sammelt Lemminkäimens mutter alle glieder seines zerstückten leibs und belebt sie von neuem. Das legen der abgehaunen häupter zu den rümpfen im Waltharius 1157 (vgl. s.  93 ) scheint künftige wiederbelebung anzudeuten und stimmt zu einem zug in den norske eventyr s. 199. 201. ; so hat nach dem glauben der Schweizerhirten die ziege etwas teuflisches, sie ist vom teufel erschaffen, namentlich gelten ihre füße für teuflisch und werden nicht gegessen. Tobler 214 a . Ob dem deutschen donnergott vorzugsweise böcke und ziegen (oben s.  42 ) geopfert wurden? das altrömische, etruskische bidental (von bidens, lamm) bezeichnet die stelle, wo der blitz eingeschlagen und einen menschen getödtet hatte: ein lamm muste da dem Jupiter geopfert werden; den menschen verbrannte man nicht, sondern begrub ihn (Plin. 2, 54). Wenn die Osseten und Circassier ihrem donnerer gerade so bei der vom blitz getroffenen leiche eine ziege opfern und das fell an einer stange aufrichten (vorhin s.  145 ), so wird dadurch noch um viel wahrscheinlicher, daß das langobardische ziegenopfer keinem andern als dem Donar gegolten habe. denn der gebrauch des fellaufhängens war langobardisch und galt auch bei anderm anlaß, wie demnächst dargethan werden soll. In Kärnten gilt blitzerschlagnes vieh für gottgeweiht, niemand, selbst die ärmsten nicht, wagt davon zu essen (Sartoris reise 2, 158). Ortsnamen, deren zusammensetzung den des gottes an sich trüge, bieten sich, außer dem vorhin angeführten Donnersberg , in Deutschland noch einige andere dar. unweit Oldenburg liegt ein dorf geheißen Donnerschwee , früher Donerswe to Donerswe, daT heft de herscup den tegenden. lagerbuch von 1428. , Donnerswehe, 155 Donnerswede (Köhli handb. von Oldenb. 2, 55), das an Odinsve, Wodeneswege (s.  131 ) gemahnt und gleich unsicher aufzufassen ist, als tempel oder weg? die norwegische volkssage kennt wirklich einen Thors vej (Faye s. 5). ein dorf Donnersreut ist in Franken, gegen Böhmen hin, anzutreffen, ein Donnersted im braunschw. amt Thedinghausen, Thunresfeld in ags. urkunden bei Kemble 2, 115. 193. 272. u. s. w. Viele in Scandinavien, z. b. in Dänmark Torslunde (Thôrs lundr) Tosinge (Tôrs engi) andere verzeichnet Suhm krit. hist. 2, 651. , mehrere in Schweden, Tors måse (gurges) in einer grenzurkunde zwischen Östergötland (Broocman 1, 15), Thorsborg auf Gotland im Gutalag s. 107. 260. Thôrsbiörg und Thôrshöfn in Norwegen (fornm. sög. 4, 12, 343); Thôrsmörk (ein heiliger wald?) Nialssaga cap. 149. 150 die ansiedler auf Island, als sie einen bezirk dem Thôrr heiligten, nannten ihn Thôrsmörk . Landn. 5, 2. ed. nova s. 343. aus Donnersmark (Zschötör tökely) im ungrischen Zipser gespan stammen die schlesischen Henkel von Donnersmark. walach. manura die Donnersmar kt . . Thôrs nes Sæm. 155 a und Eyrbygg. saga cap. 4 Nachtrag: Donerswe . Ehrentraut fries. arch. 1, 435. Haupts zeitschr. 11, 378. de Donrspah . notizenbl. 6, 306. Thurislô in den trad. corb. scheint nicht Thonareslô, sondern riesenwald s. 488. ags. aber Thunres leá . Kemble 3, 443. 4, 105. 5, 84. 243. Im Norden Thörsleff . Molbechs dipl. 1, 173 (warum nicht Thors?). in Schweden liegen Thorsby, Thorshälla, Thorslunda, Thorstuna; Thorsvi, Thorsåker, Thorsång, Thorsås, Thorsö . über Thôrstuna, Thorsåker vgl. Schlyter Sv. indeln. 32. Thorseng auf Fühnen, Thorshöi in Schleswig. Müllenhoff s. 584. in Norwegen: Thôrsey, Thôrsnes, Thôrshof . Munch om Sk. s. 107. Thorsnes . Landn. 2, 12 hat seinen namen, weil eine seule mit Thors bild dahin getrieben war. Thorsharg  = Thorshälla. Hildebr. tom. 3. Thorsborg in Gutalag 94, nach 317 ein kalkberg. Thorshafn liegt auf Färöe. . Thors bro (Thôrs brû) in Schonen, wie jener norwegische Thors weg führt auf die verbreitete vorstellung von teufelsbrücken und bauten, wodurch das volk die gestalt eigenthümlicher felsen, abhänge und jäher bergpfade sich erklärt. nur der gott oder teufel vermochte sie zu sprengen. Donar , in der einfachen form, als mannsname kommt selten vor; ein edles geschlecht am Rhein hieß Donner von Lorheim (Siebmacher 5, 144). auch ableitungen und composita damit sind in hochd. sprache ungewöhnlich; eine kerlingische urk. im cod. lauresh. num. 464 hat Donarad , was ich für das altn. Thôrđr halte; die tradit. fuld. 2, 23 Albthonar , dem altn. umgesetzten Thôrâlfr vergleichbar. Desto häufiger erscheinen solche namenbildungen im Norden, wo sich der dienst des gottes lange ausbreitete: Thôrarr (ahd. Donarari?), Thôrir, Thôrđr, Thôrhallr, Thôrôlfr , (alts. Thunerulf, im calend. merseburg. septemb.), Thôroddr und die weiblichen Thôra, Thôrun, Thôrarna (gebildet wie diorna, gramm. 2, 336), Thôrkatla, Thôrhildr, Thôrdîs u. s. w. ich sehe den grund nicht ein, weshalb die herausgeber der formanna sögur den eigennamen Thôrgeirr, Thôrbiörn, Thôrsteinn, Thôrketill, Thôrvaldr, Thôrfinnr, Thôrgerđr u. a. m. den langen vocal entziehen; mit dem abstracten þor (audacia) sind sie nicht zusammengesetzt, auch wird in der Nialssaga z. b. cap. 65 Thôrgeirr, Thôrkatla geschrieben. Der häufige name Thôrketill (verkürzt in Thôrkell, dän. Torkild, ags. Turketulus, Thurkytel, Kemble 2, 286. 349, vgl. oben s.  51 ), wenn er kessel, gefäß des donnergotts ausdrückt, gemahnt an jenen opferkessel Wuotans (s.  46 ). in Hymisqviđa wird besungen, wie Thôrr einen großen kessel herbeiholt und auf seinem haupt trägt (Sæm. 57), was an den starken Hans (?ans) im 156 kindermärchen gemahnt, der sich die glocke als mütze auf das haupt stürzt. Beachtenswerth scheint die verbindung von Alp und Donar in Albdonar und Thôrâlfr, weil auch der donnerkeil alpgeschoß , das donnerkraut alpruthe heißt; es muß ein nahes verhältnis zwischen dem gott und den elben bestehen (s.  149 ), wenn auch von seiten der letztern ein untergeordnetes Nachtrag: Zu den seltenen deutschen mit Donar zusammengesetzten eigennamen tritt Donarpreht . Haupts zeitschr. 7, 529. Albdonar bezieht sich auf den pflanzennamen albdona . für Thoneulf bei Kemble no. 337 ist Thonerulf zu lesen. Durcytel chron. sax. a. 920. merkwürdig ist der altir. eigenname Tordealbhach , was nach Obrien s. v. dealbhach Thoro similis bedeutet. Thorhalli in der Heidarvigasaga. der könig Toril, dessen blitz das meer versengt, die wälder aufbrennt, die stadt verzehrt (Haupts zeitschr. 4, 507. 508) scheint Thor selbst. ist es vielleicht Torkil? denn Thorild ist weiblich. vgl. Thorkarl anm. 472 . . Es ist wahrzunehmen, daß Thôrr in einzelnen eddischen liedern mit besondern namen erscheint. zwar in Lokaglepsa und Harbardsliođ heißt er Thôrr, Asaþôrr, in Hamarsheimt aber Vingþôrr, Hlôrriđi (daneben auch Thôrr), in Alvismâl immer Vingþôrr, in Hymisquiđa Veorr und Hlôrriđi; von den umschreibungen vagna verr (curruum dominus), Sifjar verr, Ođins sonr abgesehn. Hlôrriđi ist s.  138 besprochen. Vîngþôrr wird von vængr ala geleitet, gleichsam Schwingdonner, der beschwingte, geflügelte, aera quatiens? das scheint noch sehr ungewis, er heißt sonst auch fôstri Vîngnis Sn. 101 und in den stammtafeln tritt dieser Vîngnir neben ihm auf. Zumal wichtig ist aber Veorr , das außer Hymisqv. nur noch Sæm. 9 a und nicht anders als im nom. sg. vorkommt; es gehört wol zu jenem ve und wih, kündigt also ein heiliges, geweihtes wesen an und ist verschieden von Ve, gen. Vea (s.  135 ), die ahd. form wäre Wihor, Wihar? Nachtrag: Thors beiname Vîngþôrr steht Sæm. 70 a . Eindriđi s. anm. 417 . Thôrr heißt harđhugađr. Sæm. 74 b wie der iötunn hardrâđr (s.  437 ). ferner wird er genannt fôstri Hlôru , Vîngnis  = fôstri Hlôrriđa ( anm. 417 ). Jarđar burr Sæm. 70 a . 68 a . 157, Fiörgynjar burr, Hlôđynjar burr, Yggs barn . Sæm. 52 a . ist sein beiname Veor eins mit verr vir? vgl. ags. veor. doch die altnord. brechung wäre viörr. So wie Ođinn in die fremde, nach Morgenland gewandert dargestellt wurde (s.  135 ), ist auch Thôrr auf ostfahrten begriffen: Thôrr var î austrvegi Sæm. 59: â austrvega 68 a ; fôr or austrvegi Sæm. 75: ec var austr . Sæm. 78 a. b ; austrförom þinom scaltu ald-regi segja seggjom frâ. Sæm. 68 a . auf diesen reisen bekämpfte und erschlug er die riesen: var hann farinn î austerveg at berja tröll. Sn. 46. Dies deutet wiederum auf den alten, damals noch unverschollenen zusammenhang germanischer völker mit Asien; das fara î austrveg wird noch von andern helden berichtet (Sn. 190. 363), z. b. der stamm der Skilfîngar ausdrücklich in jene ostgegend gesetzt (sû kynslôđ er î austrvegum) Sn. 193; Iötunheim, die riesenwelt war da gelegen. Thôrr galt nach Ođinn für den mächtigsten und stärksten aller götter, die edda stellt ihn als Ođins sohn dar (Sn. 101), was ganz von der römischen auffassung abweicht, die den Jupiter als Mercurs vater annimmt (oben s.  106 ); stammtafeln lassen freilich den Thôrr als ahnen Ođins erscheinen (anhang xx . xxi ). Gewöhnlich wird Thôrr gleich neben Ođinn, zuweilen vor ihm genannt (s.  133 . 134 ), vielleicht war er noch mehr als Ođinn gefürchtet Nachtrag: Thor als sohn gedacht (und in der edda erscheint er, wo nicht als jüngling, in manneskraft) stimmt nicht recht zum alten urgroßvater . Saem. 54 b heißt er sveinn , 85 b dagegen Asa bragr. ist also ein zwiefacher Donar anzunehmen? daß er im norden vielleicht noch mehr als Ođinn gefürchtet wurde, könnte man daraus schließen, daß zahllose eigennamen der männer und frauen mit Thor, sehr seltene mit Odin zusammengesetzt sind ( anm. 395 ). . Regner, bei Saxo gr. 23, bekennt: se, Thor deo excepto , nullam monstrigenae virtutis potentiam expavere, cujus (sc. Thor) virium magnitudini nihil humanarum divinarumque rerum digna possit aequalitate conferri. Er ist der eigentliche landesgott, landâs (patrium numen) der Norweger, Egilss. p. 365. 366 und âss alleinstehend gilt vorzugsweise von ihm, z. b. Sæm. 70 a , wie auch der begrif ans (jugum montis) gerade an Faírguneis 157 gemahnt: seine tempel und bildseulen sind in Norwegen und Schweden die häufigsten, âsmegin , göttliche stärke, wird besonders von ihm verstanden. daher so häufig der ausdruck: Thôr blôta Sæm. 113 b . hêt â Thôr (Landn. 1, 12), trûđi â Thôr (Landn. 2, 12), wenn der heidnische glaube überhaupt bezeichnet werden soll; auswandernden weist er die neue wohnstelle an: Thôrr vîsađi honum (Landn. 3, 7. 3, 12). aus Landnâmabôk wäre noch manches über Thors cultus anzuführen: þar stendr enn Thôrs steinn . 2, 12; gânga til frêtta viđ Thôr . 3, 12; Thôrr wird zumeist verehrt, dann Freyr 4, 7 und dem entsprechen die eigennamen Thôrviđr and Freyviđr in einem geschlecht, 2, 6; bedeutet dieses viđr arbor? und etwas priesterliches? nie begegnet Ođinviđr, aber ein Tŷviđr ist cap.  XXXVII als pflanzenname beigebracht. Thôrs hammer hatte die mark, die ehe, die runen (wie auf den steinen ausdrücklich gesagt wird) zu weihen. Ich habe cap.  XXXIII gewiesen, wie vielfach Thôrr in den teufel der Christen übergieng, und es kann nicht befremden, daß er zugleich etwas plumpes und riesisches annahm, denn auch der riese ward zum teufel. der feind und verfolger aller riesen zur zeit der Asen erschien den Christen selbst als tölpel und wirft mit den riesen steine um die wette (vgl. cap.  XVIII ). Aber schon in der eddischen Thrymsqviđa ißt und trinkt Thôrr unmäßig wie ein riese, und die norweg. volkssage läßt ihn auf der hochzeit tonnen biers ansetzen (Faye s. 4). vgl. das sprichwort: mundi enginn Asathôr afdrecka. Umgedreht ist Thrymr , der alte gute riese schon dem namen nach ein Donar (vgl. cap.  XVIII ). Sehr ausgebreitet im Norden war die anmutige sage vom hobergsgubbe (bergmann, riesen), den ein armer mann zu gevatter bittet, der sich aber zu kommen weigert, als er hört, daß auch Thor oder Tordenveir eingeladen sei (vgl. cap.  XVIII ), doch sendet er reiches geschenk (vgl. Afzelius 2, 158. Molbechs eventyr no. 62, F. Magn. s. 935). bei aller abweichung erscheint in der anlage dieser fabel gewisse ähnlichkeit mit der vom gevatter tod (cap.  XXVII ), da auch der tod ein teufel, folglich riese ist. vgl. Müllenhoff schl. holst. s. 289. Eben darum suchen überlieferungen, die noch zur christlichen zeit hafteten, alles gehässige auf ihn zu werfen und ihn als teuflisches wesen darzustellen von schlimmerer art als Ođinn, vgl. Gautrekssaga p. 13. Finnr schleppt Thôrs bildseule zu Olaf, spaltet und verbrennt sie, die asche mengt er in brei und gibt ihn den hunden zu fressen: ›es ist billig daß hunde den Thôr essen, wie er selbst seine söhne aß‹. fornm. sög. 2, 163. das ist schmähung, die edda weiß nicht das mindeste davon; sie erzählt vielmehr, daß Môđi und Magni ihren vater überleben Nachtrag: Magni (robustus) und Môđi (animosus) heißen seine mit Jarnsaxa erzeugten söhne. Sn. 110 (vgl. s.  687 ), wie ihm selbst âsmegin und âsmôđr zusteht. Jarnsaxa ist sonst name einer riesin. þôr nennt sich Magna fadir, Sæm. 76 a . þôrs tochter wird braut des Alvis. Sæm. 48 a b . ist dies þrûđr, robur, die er mit Sif erzeugt hatte? Sn. 101. 109. er selber heißt prûđugr âss. Sæm. 72 b . prûđvaldr gođa. 76 a . sein hammer prûđhamarr . 67 b . . Einzelne wiedergeborne sagen, z. b. die von erschaffung der wölfe und geiße machen aus Wuotan den guten gott, aus Donar den teufel. Seit der bekanntschaft mit römischer götterlehre setzen die schriftsteller den deutschen donnergott und Jupiter gleich. nicht nur dies Jovis heißt ags. Thunres däg, sondern auch Latona, Jovis 158 mater Thunres môdur; capitolium wird von den Isländern Thôrs hof übertragen. Umgekehrt versteht Saxo gr. p. 236 unter Jupiter den einheimischen Thor , den Jupiter ardens (oben s.  91 ), meinte er Donar? Jener kinderfressende Thôrr scheint baare verwechselung mit Saturn, Jupiters vater? wie jener nord. genealogie Thôrr Ođins ahne ist. des presbyter Jovi mactans, der sacra und feriae Jovis (im indicul. pagan.) ist s.  100 erwähnung geschehen. Letzner (hist. Caroli magni. Hildesh. 1603 cap. 18 am schluß) erzählt: alle jahr, sonnabends nach laetare kommt auf den kleinen Hildesheimer domhof ein bauersmann sonderlich dazu bestellt, und bringt mit sich zwei hölzer , jegliches einer klafter lang, daneben zwei andere kleinere kegelförmig gespitzte. die beiden großen setzt er gegeneinander in die erde, die kegel oben darauf. bald und in der eile versammeln sich dahin allerlei buben und jung gesindlein und werfen mit steinen oder stöcken die kegel von den klötzen herab; andere setzen sie wieder auf und das abwerfen geht von neuem an. unter diesen kegeln sind die heidnischen, teuflischen götzen zu verstehen, welche die christlich gewordnen Sachsen niedergeworfen haben. Des namens der götzen wird hier geschwiegen in der corbeischen chronik, Hamb. 1590. cap. 18. meint Letzner, es sei der gott der Irmenseule. Letzner bezieht sich auf hss. nachrichten des Con. Fontanus, eines helmershäuser benedictiners im 13 jh. , einer davon muß aber damals schon, wie noch später, Jupiter geheißen haben ein zu ende des 14 oder anfang des 15 jh. aufgesetztes Hildesheimer register hat: ›de abgotter so sunnabendes vor laetare von einem hausmann von Algermissen gesetzet, davor ihm eine hofe landes gehört zur sankmeisterie, und wie solches von dem hausmann nicht gesetzt worden, gehort cantori de hove landes‹. hannoversche landesblätter 1833 p. 30. . unter den bäuerlichen abgaben zu Hildesheim kommt bis auf unsere zeit ein Jupitergeld vor. das dorf Großenalgermissen hatte jährlich 19 ggr. 4 pf. unter dieser benennung an den todtengräber der domkirche zu entrichten: ein Algermisser bauer muste jedes jahr einen vier fuß hohen, fußdicken, achteckigen klotz in einen sack gesteckt auf den domhof bringen. die schüler bekleideten diesen klotz mit mantel und krone, griffen den nun so genannten Jupiter erst von der einen, dann von der andern seite mit steinwürfen an und verbrannten ihn endlich. Dies nicht selten von unordnungen begleitete volksfest wurde mehrmals untersagt, ausgestellte wachen sollten das verbot wirksam machen; zuletzt erließ die königliche kammer das Jupitersgeld. Jenes dorf Algermissen hatte sich vielleicht bei einführung des christenthums durch seine anhänglichkeit an den alten glauben die strafe der abgabe zugezogen Lüntzel die bäuerl. lasten in Hildesheim. 1830 p. 905. hannov. mag. 1833 p. 693. protocolle von 1742. 1743 in einem aufsatze ›über das steinigen des Jupiter‹ (hannov. landesbl. a. a. o.). . Das werfen nach den klötzen soll verachtung ausdrücken? in der Schweiz heißt das bekannte steinwerfen auf dem wasser 159 auch Heiden werfen (sonst: den herrgott lösen, vater und mutter lösen. Tobler 174 a ) Nachtrag: Ebensowenig wie das klotzwerfen in Hildesheim, womit man das zersägen der alten frau s.  652 vergleiche, lässt sich das radschleudern bei Trier (Hockers moselland. 1852. s. 415) auf Jupiter beziehen. die zuerst 1550, zuletzt 1779 erwähnte feier verlief so. am donnerstag der fastenwoche wurde auf dem Marxberg (Donnersberg, Dummersberg) eine eiche gesetzt und dazu ein rad . am sonntag invocavit wurde jene umgehauen, dieses angezündet und in die Mosel gerollt. das rad, zumal das flammende, ist sinnbild des donners , Donars . deshalb führen es die herren von Donnersberg , burgmannen zu Gochheim, im wappen. Hontheim 2, 5. tab. V., ebenso die von Roll (donner), so wie die von Hammerstein 3 hämmer darin haben. germanische legionen, die 14. und 22., führten die rota als signum. ein ziegel ist bezeichnet mit Leg. XXII. und sechsspeichigem radstempel. auch Mainz und Osnabrück führen ein sechsspeichiges rad im wappen, Mainz als wappen der legionen (Fuchs Mainz 2, 94. 106). ein rad trägt Krodo in Bothes Sassenchronik (s.  171 ). steht mit diesem wappenrade der ausdruck rädelsführer in zusammenhang? . Ich betrachte freilich als ganz unausgemacht, ob dieser Jupiter bis auf den Thunar der alten Sachsen zurückgeführt werden dürfe. der gebrauch wird nur durch protocolle der letzten jahrhunderte bewährt, und frühere bestimmte zeugen treten dafür nicht auf; aber selbst der abweichende letznerische bericht läßt eine uralte volkssitte vermuten, die, wenn auch Jupiter nichts damit zu schaffen hat, der aufzeichnung werth scheint. die zeitbestimmung laetare erinnert an das allgemein in Deutschland verbreitete todaustreiben, wovon ich im verfolg handeln werde, und auch dabei kommt ein werfen nach dem aufgesteckten tod vor. Soll der kegel den heiligen hammer vorstellen? Unverkennbarer überrest der verehrung des gottes ist die noch bis auf die neuste zeit unausgerottete besondere heilighaltung des donnerstags unter dem volk, wie sie schon in frühen denkmälern des mittelalters angegeben ist: ›nullus diem Jovis in otio observet‹ (abergl. p.  xxx ); ›de feriis quae faciunt Jovi vel Mercurio‹ (p.  xxxii ); ›quintam feriam in honorem Jovis honorasti‹ (p.  xxxvii ); donnerstags abends darf nicht gesponnen und nicht gehauen werden (schwed. abergl. 55 . 110 , vgl. deutsch. abergl. 517 . 703 ). die Ehsten legen dem donnerstag höhere heiligkeit als dem sonntag bei etwas über die Ehsten p. 13. 14. . Welche strafe den frevler traf, läßt sich aus folgendem aberglauben entnehmen, der freilich schon den geheiligten christlichen tag an die stelle des heidnischen setzt: wer am sonntag trinitatis (dem nächsten nach pfingsten) arbeitet oder etwas (an diesem tag) geflicktes und gestricktes an sich trägt, wird vom donner erschlagen . Scheffers Haltaus p. 255 Nachtrag: Von der heilighaltung des donnerstags handelt besonders Nilsson 4, 44. 45. tre Thorsdags qvällar. Dybeck runa 4, 37. 43. Gavallius 1, 404. thorsdagsnatt erscheinen in den schwedischen märchen die geister und verzauberten. Wer am trinitatis sonntag arbeitet, darein schlägt der blitz . daher sticken und nähen die frauen ungern an diesem tage. Haupts zeitschr. 3, 360. ähnliche feiertagsentweihungen durch weben, spinnen, stricken werden oft erwähnt. Servat. 2880: wir sâzen unde wâben dô die lantliute êrten disen tac. . . . schiere runnen diu weppe von bluote, daz ez uns des werkes erwante. ein armes mädchen spinnt auf unser frauentag, der faden klebt ihr an zunge und lippe. Maerl. 2, 219. über die frauen, die sonnabends spinnen s. Müllenhoff s. 168. die während der sonntagskirche flachs wickeln, werden versteinert. Reusch no. 30. auch am Gertrudstag und Berhtentag war spinnen verboten. s.  224 . 227 . 238 , ebenso bei den Griechen am Bacchustage s.  759 . das an solchen heiligen tagen gesponnene garn hat gleichwol besondere kraft. s.  920 . vgl. das teigtalken an der heil. samstag nacht. abergl. G v. 194. dagegen wieder: si quis die dominico boves junxerit et cum carro ambulaverit, dexterum bovem perdat. lex Bajuv. VI. 2, 1. . Wenn Jupiter auf diese weise im achten jh. gefeiert war, wenn das capitulare von 743 für nöthig fand, ein ›ec forsacho Thunare ‹ ausdrücklich zu gebieten, und vieles, was sich auf seinen dienst bezieht, noch später unausgetilgt fortdauerte; so läßt sich nicht bezweifeln, daß er auch schon früher von unsern vorfahren für einen wirklichen gott, und einen ihrer größten, gehalten wurde. Vergleichen wir ihn mit Wuotan, so ist dieser geistiger und erhabner, Donar hat eine derbe, sinnliche kraft voraus, die ihn gerade der besondern verehrung einzelner stämme empfehlen muste; gebete, schwüre, flüche erhielten sein andenken öfter und länger als irgend eines andern gottes; aber nur ein theil des griechischen Zeus ist in ihm begriffen. 160 Cap. IX. Zio. Mit dem altn. namen Tŷsdagr, dies Martis, kommt der des eddischen gottes Tŷr (gen. Tys, acc. Ty) überein. das ags. Tivesdäg, ahd. Ziestac haben kaum noch den einfachen namen des gottes zur seite, lassen ihn aber folgern: er muß ags. Tiv nach der analogie von þeov: þŷr dürfte Teov gelten. Lye führt (ohne belegstellen) an: Tiig Mars, Tiiges vel Tiisdäg dies Martis. die von Mone bekannt gemachten Epinaler glossen liefern no. 520 (anzeiger 1838 s. 145) wirklich Tiig Mars, auch Öhler s. 351. das buchstabenverhältnis ist wie in briig jusculum f. brîv, und man darf daraus wenigstens auf production des vocals (Tîg) schließen. , ahd. Zio lauten. von der rune Tî und Ziu wird hernach die rede sein. die goth. benennung des wochentags entgeht uns; war sie, aller analogie nach, Tivisdags, so kann der gott selbst nur Tius geheißen haben. diese formen Tius, Tiv, Tŷr, Zio reihen sich aneinander wie die ähnlichen þius, þeov (þiv), þŷr, dio = puer, servus. Wenn der begrif unsers donnergottes engere schranke hatte, führt der des Zio in unermeßliche weite. in den urverwandten sprachen begegnet eine fülle von ausdrücken, die der wurzel div angehören und jene formel div, tiv, zio vervollständigend die vorstellungen glanz, himmel, tag, gott gewähren. Am genausten stimmt das sanskr. djaus coelum zu den griech. und deutschen götternamen Ζεύς, Tius. nom.     djaus     Ζεύς     Tius gen. divas Διϝός, Διός Tivis dat. dive Διϝί, Διΐ Tiva acc. divam Δίϝα, Δία Tiu voc. djaus Ζεῦ Tiu der digammierten älteren form des griech. obliquen casus entspricht auch das lat. Jovis, Jovi, Jovem, wofür der nom. Ju, Jus anzunehmen ist, der nur in der zusammensetzung Jupiter = Jus pater, Ζεὺς πατήρ blieb. denn der anlaut Jus, Jovis scheint bloße schwächung des volleren Djus, Djovis, das sich in Dijovis erhielt, so wie Ζεύς ein früheres noch im äol. dialect bewahrtes Δεύς voraussetzt. auch die gr. und lat. worte enthalten den begrif des himmlischen gottes, d. h. eine personification des himmels. dium, divum ist der gewölbte himmel, und Zeus sohn des himmels, Οὐρανοῦ ὑιός, οὐράνιος, Ζεὺς αἰϑέρι ναίων Nachtrag: Im umbrischen hat sich noch der nom. Juv erhalten, dat. Juve , voc. Jupater . Aufrecht und Kuhns zeitschr. 1, 128, Juveis luvfreis Jupiter liber. Mommsen s. 139. gehört finn. taivas , coelum hierher oder gar der name des assyrischen Mars Θοῦρος? Suidas. abweicht vater Zi . Müllenhoff nr. 410. Djaus ist nicht nur coelum, sondern auch ein Vasugott, der als räuber der kuh Nandini ein menschenleben durchlaufen muß. Holtzmann 3, 101–106. den der wurzel div angehörenden vorstellungen entsprechen die aus dem skr. sur, splendere sich entwickelnden begriffe sura deus, sûrja sol, svar coelum. 161 Außer djaus, Ζεύς und Jupiter drücken nun aber die abstracte vorstellung der gottheit die wörter dêvas , ϑεός und deus aus; jenen verwandt sind sie doch davon unterschieden. am nächsten scheint das lat. deus unserm Tius und Zio zu liegen; allein sein u, gleich dem ο in ϑεός, gehört der flexion, nicht der wurzel, entspricht also dem a in dêvas Kuhn hat in der zeitschr. f. d. a. 2, 231 richtig nachgewiesen, daß Zio sich unmittelbar nur zu djaus und Ζεύς, nicht zu deus, ϑεός stellen lasse, daß dies aber mittelbar geschehen müsse hätte er einräumen sollen. die wurzel div zu Zeus war schon von O. Müller (gött. anz. 1834 s. 795. 796) aufgezeigt. . nichtsdestoweniger müssen auch deus aus devus, ϑεός aus ϑεϝός hervorgegangen sein, weil sich in letzterm eben das ϑ für δ aus einfluß des digamma auf den anlaut erklärt; wegen kürze des e entfernen sich beide von dêvas, dessen ê (= ai) durch guna aus i erwuchs, zu welchem daher das litth. diewas stimmt vgl. piemů, ποιμήν und kiemas, κώμη, háims. . aber die adjectiva δῖος (nicht aus δίϊος, vielmehr für δίϝος) und dîvus vergleichen sich mit dêvas , wie dîves , dîvitis (s.  17 ) mit dêvatas (deus). diese berührung zwischen dîvus und deus dient den ursprung von deus aus devus oder divus (mit kurzem i) zu bestärken wenn oben s. 21 δῖος, deus mit δέω verglichen wurde, so müste die vorstellung des haftens und bindens erst aus dem göttlichen haft und band entsprossen sein, was doch kaum anzunehmen ist. Nachtrag: Spiegel Zendav. 6 zieht ϑεύς zu dhâ . litth. diewas gott, deiwe göttin, diewaitiz (der kleine, liebe gott) = donnerer, diewaite (kleine liebe göttin) = regengöttin. vgl. Pott etym. forsch. 1 s. LVI. LVII, Benfey orient 1, 510. . Noch wichtiger ist uns, daß in der edda ein pl. tîvar götter, helden ausdrückt Sæm. 30 a 41 a ; rîkir tîvar (vgl. reicher gott s.  17 ) Sæm. 72 a 93 a ; valtîvar Sæm. 52 a , sigtîvar 189 a 248 a ; kein sg. ist im gebrauch. von Tŷr liegt dieses tîvar ab, mag aber verwandt damit sein, wie mit Ζεύς δῖος, ϑεός und ϑεῖος, î wird gesichert dadurch, daß die altn. mundart kurzes iv in ŷ zusammenzieht, wir gewahren also neben tiv ein tîv, im sanskrit neben div ein dêv, im latein neben deus dîvus, ablautende und gunierte formen der wurzel div, tiv (splendere) einigemal, doch selten erscheint auch die altn. form dîar Sæm. 91 a Sn. 176. Yngl. saga cap. 2, mehr zu ϑεός als zu δῖος stimmend. . Ist aber Tuisco, der erdgeborne stammgott unseres volks (wie Zeuß s. 72 scharfsinnig aufgestellt hat) für Tivisco , Tiusco zu nehmen, so läge darin ganz einfach die bedeutung eines göttlichen, himmlischen wesens, wobei dahin gestellt bleibt, ob man ihn auf Wuotan oder einen andern gott (nur nicht auf Tius selbst, von dem er sich herleitet) beziehen will Nachtrag: Wackernagel bei Haupts zeitschr. 6, 19 behält Tuisco duplex und legt es aus zwitter , wie Lachmann tuisc bimus annimmt. ihnen stimmt Müllenhoff zu in Haupts zeitschr. 9, 261. dann aber wäre Tuisto gar nicht = Ziu. auch würde die auffallende zwitternatur wol von Tacitus angezeigt worden sein. fraglich ist, ob Zio, Tio im wâfenruf zieter! zeter! tiodute! tianut! und in Parz. 651, 11: ziu dar nâher! sich erhalten hat. s. gramm, 3, 303, RA. 877. Leo in Haupts zeitschr. 5, 513. heißt ferner zie , tie , die versammlung ursprünglich soviel wie divum, und darf man sub dio, divo vergleichen? bei den provenz. troubadours steht sotz dieu für sub divo, unterm himmel. Diez leben d. troub. s. 166. 167, doch bedeutet es vielleicht sub deo, dei imperio. . An den begrif des himmels grenzt der des leuchtenden tags, dem wiederum göttliche personification zu theil wurde. Lucetium Jovem appellabant, quod eum lucis esse causam credebant. Festus s. v. Nicht nur berührt sich dies (vgl. diu, dio) mit deus und divus, Jupiter hieß Diespiter, gleichsam diei pater, denn der alte gen. heißt dies, sondern das wort schwankt im sg. aus dem männlichen ins weibliche geschlecht, und wie jenes Ju, Dju mit ableitendem n fortgebildet wird in die weiblichen formen Juno f. Jovino, 162 Djovino, Diana, so stimmt die litth. benennung des tags diena (fem.), während das slav. den , dzien, dan, gleich dem sanskr. divan, dina männlich ist. die deutschen sprachen entnehmen kein wort für himmel oder tag aus dieser wurzel, im griech. läßt es sich noch nachweisen: Cretenses Δία τὴν ἡμέραν vocant, ipsi quoque Romani Diespitrem appellant ut diei patrem. Macrob. Sat. 1, 15; die dichterischen und dorischen formen Ζηνός, Ζανός, Ζηνί, Ζανί, Ζῆνα, Ζᾶνα statt Διός, Διΐ, Δία entsprechen jenen bildungen es ist bekannt, auf welche abwege Plato den Socrates gerathen läßt, wenn er die formen Ζῆνα und Δία zu deuten sucht (Cratylus p. 29 Bekk.). ϑεός aber leitet er von ϑεῖν currere (p. 32). , und den Etruskern hieß Jupiter Tina , d. i. Dina (O. Müller 2, 43) Nachtrag: Von div splendere (litth. źibeti ) entspringt div und diva coelum, divan und divasa , divana und verkürzt dina dies. Bopp gloss. 168. Diespiter heißt bei Jul. Caesar bell. gall. 6, 18 Dîspater , abl. Dite patre . O. Müller Etrusk. 2, 67. vgl. Dissunapiter s.  186 . auf den etrusk. spiegeln kommt auch Tinia f. Tina vor. . Ein anderes ableitendes element scheint aus derselben wurzel das altn. tîvor (deus?) Sæm. 6 b oder muß hier tivor gelesen und zum ags. tifer, tiber, ahd. zepar gehalten werden? und ags. tîr (tiir cod. exon. 331, 18 gloria, splendor), gen. tîres, alts. tîr , gen. tîras, tîreas hervorzubringen, wozu ich das ahd. adj. ziori , ziari, zieri (splendidus) und das lat. decus , decor, decorus nehme. die ags. dichter brauchen tîr zur bloßen verstärkung andrer wörter; tîrmetod (deus gloriae, summus deus) Cædm. 143, 7; äsctîr vera (hasta gloriosa virorum) Cædm. 124, 27; äsca tîr Cædm. 127, 10; tîrvine Boeth. metr. 25, 41; tîrfruma cod. exon. 13, 21; tîrmeahtig (potentissimus) cod. exon. 72, 1; tîreádig (felicissimus) Cædm. 189, 13. 192, 16; tîrfäst (firmissimus) Cædm. 64, 2. 189, 19, ungefähr wie auf gleiche weise ags. eormen, ahd. irman vorgeschoben wird. wenn nun in altn. denkmälern ein solches präfix tŷ erscheint, z. b. tŷhraustr (fortissimus) tŷspâkr (sapientissimus) Sn. 29, so bestätigt das die verwandtschaft zwischen tŷr und tîr. Diesen verwickelten wortforschungen war nicht auszuweichen, sie berechtigen uns für den deutschen gott Zio, Tiv, Tŷr bezüge in anspruch zu nehmen, die ihn den hehrsten göttern des alterthums beigesellen. Zwar in der edda als Ođins sohn dargestellt scheint er diesem an macht und bedeutung untergeordnet, er fällt aber auch ganz zusammen mit ihm, insofern beide schlacht und krieg lenken, von einem wie dem andern der ruhm des sieges ausgeht. denn allen glanz leitete die vorzeit zurück auf kriegerischen, ja neben Wuotan und Zio war sie noch eines dritten kriegsgottes Hadu bedürftig; die feineren unterschiede in dem cultus liegen uns jetzt verborgen. Es ist nicht zu übersehen, daß Ođinn oft auch Sigtŷr, Hroptatŷr, Gautatŷr, hângatŷr, farmatŷr genannt wird (Sæm. 30. 47. 248 a Sn. 94–96), bödvartŷr, gleichsam pugnae deus, geirtŷr (fornm. sög. 9, 515. 518), und daß selbst Thôrr, auf welchen Jupiters blitzstrahl übergegangen ist, Reiđartŷr, Reiditŷr, Sn. 94 d. i. gott des wagens heißt nicht hierher nehme ich den häufigen namen Angantŷr , der außer Hervararsaga auch Sæm. 114 a 119 a 9 a steht, in der letzten stelle heißt Ođinn ›Friggjar ângantŷr‹. ohne zweifel ist die rechte form Anganþŷr , wie aus dem ahd. Angandeo (trad. fuld. 1, 57) und ags. Ongenþeov , Ongenþio (Beov. 4770. 4945. 4967. 5843. 5897. 5917. 5967) hervorgeht; jenes Angantŷr würde ags. Ongenteov, ahd. Anganzio fordern. Graff bietet 1, 132. 5. 87 Agandeo dar, was fehlerhaft scheint, obwol die trad. wizenb. no. 20 den weiblichen namen Agathiu haben (für Anganthiu), wozu man noch den acc. Agathien, Agacien (Walthar. 629) halte. das wort angan, ongen ist dunkel, ângan illrar brûđar soll bedeuten: deliciae malae mulieris, Biörn legt es aber aus pedisequa und auch Ođinn hieße füglich Friggae pedisequus. Daß in der edda manche eigennamen verfälscht sind, zeigt auch Hamdir, wofür überall Hamþŷr zu schreiben ist, ahd. Hamadio , Hamideo (Schannat no. 576. cod. lauresh. 2529), mhd. Hamdie (MsH 3, 213 b ). Soviel sehe ich, daß weder in Anganpŷr noch Hamþŷr ein tŷr stecken kann, welches fast nur mit genitiven uneigentlich componiert wird. . In allen diesen 163 dichterischen ausdrücken zeigt also tŷr jenen allgemeineren sinn, der das wort für alle gottheiten, zumal die höheren, gerecht macht. mit vollem fug scheint Tŷr dem Zeus gleichnamig. Dazu kommt, daß das epithet des vaters , wie Jupiter und Diespiter, vorzugsweise dem siegväterlichen Marspiter verliehen wurde Gellius 5, 12. . Solch eine stellung für Zio fordern aber auch die ältesten uns überlieferten nachrichten. Mars wird als ein hauptgott aller germanischen völker ausgezeichnet und gleich neben Mercur aufgeführt. die zeugnisse sind s.  36 gesammelt eine stelle des Florus 2, 4 (mox Ariovisto duce vovere de nostrorum militum praeda Marti suo torquem. intercepit Jupiter votum, nam de torquibus eorum aureum tropaeum Jovi Flaminius erexit) redet von insubrischen Galliern, die unter dem consulat des Flaminius 225 vor Chr. geschlagen wurden. doch gemahnen diese Gallier auch sonst an Deutsche und der name ihrer anführers an den des suevischen königs. . bei Tacitus hist. 4, 64 heißt es geradezu von den Tencteren: communibus deis et praecipuo deorum Marti grates agimus, welche stelle man nicht auf Wuotan zu beziehen braucht, dem sonst der höchste rang gebührt, da ihn einzelne stämme dem Zio überwiesen haben konnten. Das noch bestimmtere zeugnis Procops 12, 15 von verehrung des Ἄρης bei den Nordbewohnern Θουλῖται ist ihr allgemeiner name, er rechnet zu ihnen aber namentlich die Γαυτοί, die ihm richtig ein anderes volk sind als die Γότϑοι (vgl. gött. anz. 1828, 553). , wo es ausdrücklich heißt: ἐπεὶ ϑεὸν αὐτόν νομίζουσι μέγιστον εἶναι muß man zu den äußerungen des Jornandes über den gothischen Mars halten; beidemal ist von gebrachten menschenopfern die rede, darum möchte sie Zeuß s. 22 wiederum von Wuotan verstehen, dem nach Tacitus menschen geopfert wurden, es heißt aber nicht ihm allein , vielmehr steht bei dem hermundurischen opfer ann. 13, 57, wo auch viri fielen, Mars vor Mercur genannt. Und Jornandes, der den Gradivus pater der Geten aus Virg. Aen. 3, 35 mit dem gothischen Mars vergleicht, muste an den bestimmten kriegsgott denken, nicht an einen höheren, allgemeineren, so genau sich beide im namen und wesen durchdringen. Für diese ansicht streiten scythische und alanische sagen von dem kriegsschwert, welche 164 hernach erörtert werden sollen: wenn irgendwo getische, scythische, gothische überlieferung sich begegnen, so ist es in diesem Mars cultus. Auch die spätere vorstellung Widukinds (Pertz 5, 423) von dem sächsischen obenangesetzten Mars ist nicht zu übersehn. Wie Jupiter und Mercur, scheinen Donar und Wuotan vor ihm zurückzuweichen, mit denen er andermal in bedeutender trilogie vereinigt genannt wird. Es begreift sich aber, wie der s.  111 angezogne glossator Wuotan durch Mars übertragen und Widukind von Mars leicht auf Hermes d. i. Wodan gerathen konnte, zumal wenn ihm die analogie jener praefixe irman- (wovon er redet) und tîr- in den sinn gekommen war. Die altn. denkmäler, so sehr sie Ođins einfluß auf krieg und sieg anerkennen, reden von Tŷr nicht weniger deutlich, er ist ihr ausdrücklicher Vîgaguđ (deus proeliorum) Sn. 105 und hann er diarfastr ok best hugađr, ok hann ræđr miöc sigri î orostom (Sn. 29) Nachtrag: Dem germanischen Mars werden siegesopfer gebracht. vestita spoliis donabere quercu (Mavors). Claudianus in Ruf. 1, 339. huic praedae primordia vovebantur, huic truncis suspendebantur exuviae . Jornand. c. 5. hostiles suspendit in arbore cristas . Claudian. in Rufum 1, 346. Kuhn vergleicht Wuotan vielfach mit Mars und hält den römischen Mars für einen ursprünglichen frühlingsgott. Mars = Mârutas ist beiname Indras. Haupts zeitschr. 5, 491. 492. dem Tŷr Vîgaguđ entspricht En. 5591 Mars des wîges got . Troj. 8140. 8241. Ms. 2, 198 b Mars strîtes got . Christliche schriftsteller nehmen einen siegesengel an, der in der schlacht vorangeht: coram eo (Ottono imperatore) angelus, penes quem victoria. ganz abstract zu fassen ist Erm. Nig. 2, 2. straverat adversos Mars que Deus que viros. Pertz 8, 228: dum jam per ordinatas omni parte acies Mars cruentus cepisset frendere. vgl. s.  168 . . Ohne zweifel waren dem Zio, wie dem Wuotan und Donar berge geheiligt, es wird nur unsicher bleiben können, welcher gott, ob Wuotan oder Zio, unter der benennung gemeint sei. Dürfte man den namen der niederrheinischen abtei Siegburg hierher nehmen, die 1064 auf einem berge, an dem sich das alte volksgericht sammelte, gestiftet wurde? von nun an sollte der berg nach dem christlichen sieger mons sancti Michaelis heißen, doch konnte das heidnische Sigeberg nicht verdrängt, nur in Siegburg entstellt werden urk. bei Lacomblet no. 203. 204. , oder hat man die benennung aus dem flusse Sieg, der diese gegend durchströmt, zu erklären? Das altn. Sigtŷsberg (alts. Sigutiwisberag?) Sæm. 248 a mag auf Ođinn oder Tŷr bezogen werden. die weimarische carte hat section 38 ein Tisdorf , section 48 Ziesberg , beide in niedersächsischen Elbgegenden. ein ort in Seeland, von welchem volkssagen gehn, heißt Tybierg (Thiele 2, 20); andere seeländische örter sind Tisvelde (Tis quelle), Tysting; ein jütischer Tystathe, Tiislunde . schwedische örter: Tistad, Tisby, Tisjö, Tyved. Zierberg in Baiern (Cirberg, Zirberc. MB 11, 71. 73. 75. 76), Zierenberg in Niederhessen könnten sich nach der nebenform gebildet haben Nachtrag: Ziesburc , Augsburg. Haupts zeitschr. 8, 587. Diuspurch Lacomblet 83 (a. 904), Tusburg 205 (a. 1065), Diusburg  = Duisburg. Thietmar 5, 3. 5, 9. Důseburg weisth. 4, 775. in Geldern liegt ein Doesburgh. Tussberg, Tyssenberg . Wolfs zeitschr. 1, 337. Desberg bei Vlotho. Redecker s. 59. Desenberg, Diesenberg. Tistede . Hamb. liber actor. s. 331. 332. Tiisvad, Tiiswath in Jütland. Molbechs dipl. 1, 9. bei Schwatz in Tirol ein Zirelberg . H. Sachs I. 3, 251 a . vgl. s.  275 Zisa, Zisenburg . GDS. 541. . Der mons Martis bei Paris (Montmartre), dessen auch Abbo de bell. par. 2, 196 erwähnt, geht auf den gallischen Mars, wofür einige Belus halten, andere Hesus. mit weit größerm recht (doch vgl. Waitz sal. gesetz s. 52) als der Pariser mons Martis gehört hierher das fanum Martis heute Famars in Hennegau (s.  68 ), nach Herm. Müller das altfränk. Disbargum (oder Disbargus) in termino Toringorum bei Greg. tur. 2, 9, Chlodios castellum. Dis wäre latinisiert für Tis = Tives und könnte an Dispiter, Diespiter gemahnt haben, kein ähnliches gallisches wort leitet auf Mars, und die gegend ist grundfränkisch, Liphtinae, wo uns Saxnôt neben Thunar und Wôdan genannt wird, nah dabei. wegen Eresberg und Mersberg s.  167 habe ich die ältesten urkunden bei 165 Seibertz nachverglichen. no. 11 a. 962 gewährt Eresburg; no. 25 a. 1030 schon Mersburg; 1, 98 a. 1043 mons Eresburg; no. 51 a. 1150 mons Eresberg; no. 70 a. 1176 mons Eresberch; no. 85 a. 1184 Heresburg; no. 115 a. 1201 mons Martis; no. 153 a. 1219 Mersberch; no. 167 a. 1222 Eresberch; no. 179 a. 1228 mons Martis; no. 186 a. 1229 mons Heresberg; no. 189 a. 1230 mons Martis und Mersberg. mons Martis war der gelehrte name, Mersberg der volksmäßige, Eresberg der älteste. da bald mons, bald castellum gebraucht wird, sind berg und burg gleich gerecht. Widukind 2, 11 und Dietmar 2, 1 schreiben Heresburg , Eresburch , als sie die einnahme des orts im j. 938 erzählen. nach den ann. corb. (Pertz 5, 8) sind sie beiden, dem Ares und Hermes, (Mars und Mercur) geweiht. Auch pflanzennamen bekennen den gott. altn. Tŷsfiola , wol nach dem lat. viola Martis, merzviole; Tŷrhialm (aconitum), sonst Thorhialm, Thorhat (helm, hut des Thor), zu deutsch sturmhut, eisenhut, dän. troldhat, ein kraut, dem zauberkräfte beigelegt werden und dessen helmförmige gestalt an die beiden kriegerischen götter, Tŷr oder Thôrr erinnerte. Tŷviđr , dän. Tyved, Tysved (daphne mezereum), helsingisch tis, tistbast , der kellerhals, eine schöne giftblume Nachtrag: Tived, Tisved, Tivebark nennt auch Dybeck. 1845, 59. 50. mhd. zidelbast (Gervinus 2, 233). vgl. Zigelinta s. 998 . . Bürgen schon diese namen von örtern und pflanzen für des gottes weitausgebreitete verehrung, so muß hauptsächlich erwogen werden, daß die benennung des dritten wochentags, von welcher ausgegangen wurde, ihn außerhalb Scandinavien und Angelsachsen heutzutage unter dem volk in Schwaben und der Schweiz lebendig bezeugt. die formen stellt Schm. 4, 214 zusammen. Von dem hohen alterthum des Ziodienstes in Schwaben läßt sich aber noch eine gewähr entnehmen aus Cyuvari  = Suâpa einer alten Wessobrunner glosse (MB. 7, 375 und Diut. 2, 370), welches ich nicht mit Zeuß s. 146. 149 für Teutonoari, sondern für Ziowari Martem colentes halte, warian wird wie das lat. colere beides habitare und ϑεραπεύειν ausdrücken, die Suevi sind ϑεράποντες Ἄρηος. Hiermit ist aber nicht genug; weitere wichtige aufschlüsse über den namen und das wesen des alten kriegsgottes soll uns die runische schrift an hand geben. Bekanntlich stehn allen einzelnen runen eigne benennungen zu, die nach den völkern, welche sich ihrer bedienten, mehr oder weniger abweichen, meistentheils aber uralte wörter darbieten. Die ahd. runen, indem sie den namen dorn auf D, tac auf T anwenden müssen, bedürfen für ihre das alphabet schließende aspirata Z des namens Zio. im altn. und ags. alphabet drückte dag D, Tŷr und Tiv T, þorn þ aus, es sind dieselben benennungen nur an verschiedener stelle, einigemal wird bei den Angelsachsen Tir und Tis geschrieben. sobald ein runenverzeichnis thorn für TH, dag für D behält, zeigt es auch Ti für T (wie der cod. Isidori paris. und bruxell.); im s. Galler cod. 270 und Brüsseler 9565 verhält es sich ebenso, nur daß unrichtig dorn statt thorn, tag 166 statt dag geschrieben steht, richtig Ti neben T. der Pariser cod. 5239 gibt dhron (dhorn), tac und Ziu , der salzburger dhorn, Ti und daeg, überall versichert uns die form Ziu hochdeutscher, die form Ti (einmal, im cod. vatic. Christinae 338 wird Tu, vielleicht Tii geschrieben) niederdeutscher, sächsischer auffassung. das  u in Ziu scheint alterthümlicher, als das dem regelmäßigen fortgang der ahd. mundart gemäße und der analogie von dio (servus) folgende  o in Zio , vielleicht läßt sich dieses verhältnis des u und o hernach noch genauer fassen. Zumal bemerkenswerth ist aber im Wiener cod. 140 bei T der name Tyz , in einem alphabet, das gothische buchstaben anwendet, denn dieses Tyz käme der oben vermuteten goth. form Tius ziemlich nahe. Sowol die beibehaltung als die nothwendige abänderung des götternamens in den runen verschiedener volksstämme darf als ein zeugnis für die frühere ausbreitung des Ziocultus angesehen werden. Warum wol kein runenname auf Wuotan oder Ođinn geht, der doch die schrift erfunden haben soll? R = reiđ, râd, donnerwagen darf wenigstens mittelbar auf Donar bezogen werden, auch F soll nach einer auslegung Freyr bedeuten. T = Tŷr scheint aber ein höchst feierliches zeichen, der name dieses gottes besonders heilig gewesen zu sein; beim einritzen der siegrunen auf das schwert sollte Tŷr zweimal genannt werden (Sæm. 194 b ). die gestalt der rune ↑ hat unvermerkbare ähnlichkeit mit dem althergebrachten planetenzeichen für Mars, wenn man es aufrichtet und in dem ags. gedicht über die runen steht ausdrücklich: tîr biđ tâcna sum (tîr ist ein gewisses zeichen), wobei wieder die abgeleitete form tîr zur erklärung des einfachen Tiv oder Tî angewendet wird. verschiedentlich reden die dichter von tîre tâcnian (El. 753. Jud. 137, 18) und tîres tô tâcne (Beov. 3306), man darf es auslegen: gloria, decore insignire, in gloriae signum, und doch an das heidnische zeichen des gottes denken, etwa wie es auch bei feierlichem besegnen der becher vorkam vgl. anmerkung zu Elene 155, 156. Nachtrag: Das althergebrachte planetenzeichen für Mars ♂ scheint ursprünglich schild und speer des kriegsgottes zu meinen. Tŷr gemahnt hier an Ođinn mit seinem Gûngnir (s.  121 ). zu tîre tâcnian vgl. tîrfäst tâcen . cod. exon. 236, 13. sigortâcen 169, 3. sigorestâcen und friđotâcen für beschneidung. zu Elene s. 156. Cädm. 142, 29. . Bisher immer noch ist bloß das runische Tŷr, Tiv, Zio erörtert worden, einen schneidenden unterschied zweier namen desselben gottes bringen nun aber dieselben alphabete an den tag. nemlich nicht nur wird in den ags. verzeichnissen neben ↑ Tir ein ähnlicher um zwei haken vermehrter buchstab mit beigefügtem namen Ear angetroffen in einem gedicht des cod. exon. 481, 18 drückt die rune bloß den vocallaut ea aus. , sondern die ahd. alphabete, welche ↑ für tac gebrauchen, bedürfen gerade des zeichens , dem sie bald den namen Zio, bald aber Eo , Eor und Aer ertheilen. einzelne ags. alphabete setzen zu sogar beide namen Tir und Ear, obgleich Tir schon dem ↑ gegeben war. Offenbar also waren Tir und Ear , Zio und Eo , Eor benennungen desselben gottes, beide müssen bei einzelnen volksstämmen, niederdeutschen und 167 hochdeutschen, gangbar gewesen sein. Für jene zeugt sowohl das vorkommen der rune bei den Angelsachsen, als der merkwürdige name Eresburg , Aeresburg (oben s.  96 ) in westfälischer gegend, für einen entschiednen sitz des heidenthums, ganz in der nähe der Irmansul. daß er eigentlich Eresberg (wie Sigburg früher Sigberg, s.  164 ) lautete, folgt aus der latein. übersetzung in mons Martis , wie aus dem späteren Mersberg dies Eresburg oder Mersberg liegt im pagus Hessi saxonicus (registr. Sarachonis p. 42, 735), vgl. Wigands archiv I. 1, 36. 37. II. 143. 268. , dessen anlautendes m sich erklären ließe durch zusammenziehung der worte ›in dem Eresberge, Aresberge‹ Motgers = in dem Otgêres hove. , aber auch dem lateinischen namen nachgebildet sein kann. noch in einer andern gegend Westfalens lag ein Marsberg im pagus Marstem, Marshem, Marsem (dicht an der Weser, bei Marklô), reg. Sarachonis 42, 727. . Dieser Eresberc also ist ein Ziesberc , ein Sigtiwesberg, und näher ein Ἀρειόπαγος, πέτρα, πάγος τ' Ἄρειος; (Aeschyl. Eum. 690). Auf hochdeutsche stämme und zumal den bairischen (markomannischen) führt noch bedeutsamer jene zu der rune Eor stimmende benennung Ertag, Iertag, Irtag, Eritag, Erchtag, Erichtag für den dritten wochentag, die bis auf heute fortlebend Baiern, Östreicher, Tiroler den Schwaben und Schweizern entgegensetzt, welche (als alte Ziowari) Zistag gebrauchen; an der scheide dieser völker muß sich also auch ehmals die verehrung der götter Eor und Zio getrennt haben. freilich mangelt der zusammensetzung Ertac das in Ziestac erhaltne genitivische -s und es hat mir nicht geglückt, in den älteren urkunden des 13. 14 jh. ein Erestac in einer von Schm. 1, 97 angezognen stelle Keisersbergs scheint Eristag der ableitung aus dies aeris zu gefallen geschrieben. aufzuspüren; doch das übereintreffen der doppelten namen für den tag und für die rune muß hier entscheiden, folglich ein ahd. Erestac gleich jenem Eresberc vermutet werden. man könnte auf den gedanken fallen, in Ertag sei die Erde nach den (cap.  XIII ) angegebnen formen gemeint. allein die ansicht der alten setzte die erde in den mittelpunct der welt, nicht unter die planeten, sie kann also keinem wochentag namen gegeben haben und bei keinem volk findet sich ein solcher, man müste denn Venus und Freyja zur erde machen. Zu Ertag tritt das s.  127 aus Gramaye angezogene örtliche Eersel , wobei weder an era honor, noch die personificierte Era (cap.  XVI . XXIX .) zu denken ist, sondern an einen wochentaggott. Nicht zu übersehn, daß Ertac , Erdag als mannsname erscheinen, und das taxandrische Eersel vom hennegauichen Tisberg oder Fanmars wenig entfernt lag Nachtrag: Der Ertag ist oft gerichtstag z. b. bei Kaltenb. I, 563 a b . 580 a . und gericht kann krieg, entscheidung bedeuten. RA. 818. 819. wurde im gericht ein schwert aufgesteckt? über Famars oder Fanmars s. GDS. 529. 619. . Dazu tritt etwas viel bedeutenderes. Wie Zio dem Zeus als lenker der kriege identisch war, sehen wir auf den ersten blick, daß dieser Eor, Er, Ear mit Ἄρης Zeus sohne zusammenfällt, und weil Wuotan bei den Deutschen des Zeus rang einnimmt, erscheint auch 168 Tŷr, folglich Eor als des höchsten gottes sohn. Ist es in den sinn der dunkeln wurzel Eor einzudringen noch gestattet? Die schilderung der rune in dem ags. gedicht deutet nur leise an, sie lautet: Ear biđ egle eorla gehvilcum, þonne fästlîce flæsc onginneđ hræv côlian, hrusan ceosan blâc tô gebeddan. blæda gedreosađ, vynna gevîtađ, vera gesvîcađ, d. i. Ear fit importunus hominum cuicunque, quum caro incipit refrigescere pallidumque corpus terram eligere conjugem. tunc enim gloriae dilabuntur, gaudia evanescunt, foedera cessant. Dargestellt wird der eintretende tod und das aufhören aller irdischen freuden, wer ist aber unter dem gemeint, der den menschen dann schwer falle? die gewöhnliche bedeutung des wortes ear spica, arista kann hier nicht statt finden, ich glaube, daß das nahende verderben, ein persönlich aufgefaßter tod zu verstehen sei, von dem sich ein übergang auf den würgenden schlachtgott, den βροτολοιγός, μιαιφόνος Ἄρης leicht denken läßt. Ἄρης selbst wird bei den Griechen abstract für verderben, mord und seuche genommen, wie unser Wuotan für furor und belli impetus die begriffe von wüten und insanire sind auf den tobenden, stürmenden kriegsgott gerecht. Ares heißt bei Homer ϑοῦρος, der wilde, und ἄφρων, der sinnlose, ὃς οὔτινα οἶδε ϑέμιστα (Il. 5, 761). aber μαίνεται gilt auch von andern göttern, zumal Zeus (8, 360) und Dionysos (6, 132). , das lat. Mars für bellum, exitus pugnae, furor bellicus, vgl. Mars cafeht (gefecht) gl. Hrab. 969 a umgekehrt scheint das ahd. wig pugna, bellum (Graff 1, 740) einigemal den persönlichen kriegsgott zu bezeichnen. › Wicgch quoque Mars est‹ sagt Ermoldus Nigellus (Pertz 2, 468) und es gilt von ihm farneman, ags. forniman, wie sonst von Hild (Bellona): dat inan wîc fornam (Hildebr. lied); ags. vîg ealle fornam. Beov. 2155, vîg fornom cod. exon. 291, 11. doch wir sagen noch heute: der krieg, die schlacht rafte alle weg. Eine merkwürdige glosse des alten sangallischen cod. 913 p. 193 hat turbines ziu (man darf nicht schreiben zui), es kann den sturm, das wetter der schlacht, den Mars trux oder saevus meinen, vielleicht aber auch die naturerscheinung des wirbelwinds, auf den noch andere mythische namen angewendet werden, also ist es entweder Zio selbst, oder eine gleichbedeutige, weibliche personification Ziu , die sich zu Zio, wie diu (ancilla) zu dio (servus) verhält. Hieran reihen sich andere aufklärungen, so gewagt noch einzelnes scheinen muß. Da für Eresburg bei den fränkischen annalisten gleich häufig geschrieben steht Heresburg , darf das goth. hairus, ags. heor, alts. heru, altn. hiörr ensis, cardo erwogen werden, obschon jene runennamen und wochentage nur ohne aspiration vorkommen. denn auch die unaspirierten Ἄρης und ἄορ schwert, waffe, lassen sich zu einander stellen und weisen auf einen gott 169 des schwerts. Nun aber nennt die berühmte abrenuntiation drei heidnische götter Thunar , Wôden , Saxnôt , deren dritter den beiden andern an macht und heiligkeit wenig nachgestanden haben kann. Sahsnôt ist wörtlich gladii consors, ensifer, wer anders als Zio oder Eor und der griechische Ares? man dürfte an Frô denken (s. das folgende capitel), natürlich aber wurden mehr als einem gott glänzende schwerter beigelegt, so führt Poseidon ein δεινὸν ἄορ Il. 14, 385 und Apollon heißt χρυσάορος Il. 5, 509. 15. 256. des namens Saxneát , als Vôdens sohn, versichern uns die ags. genealogien, und daß Tŷr Ođins sohn, Ares Zeus sohn war, steht damit in vollem einklang Nachtrag: Die trilogie der berühmten abrenuntiatio fordert einen gott , keinen bloßen helden, schon darum muß Sahsnôt Mars bedeuten; er könnte höchstens der Freyr der upsalischen götterdreizahl sein. Zu Saxneát vgl. Jarnsaxa , Thors frau. Sn. 110. in Pommern ist noch der fluch, ›doner sexen! ‹ gebräuchlich, auch in Baiern ›meiner sechsen! ‹ Schm. 3, 193. 194. vgl. mein six! . Aber noch mehr, wie die Sachsen so genannt sind entweder weil sie das steinschwert führten oder den gott an ihres stammes spitze stellten, scheinen mir auch die Cherusker , ein ihnen gleichnamiges, ja identisches volk, so zu heißen nach Cheru , Heru = Eor , von dem sie abzuleiten sind -sk würde sich kaum an den sächlichen begrif heru fügen, desto leichter an das persönliche Heru. . Nach dieser wichtigen einstimmung, die uns den sinn des alten volksnamens aufschließt und zugleich lehrt, daß für heru früher cheru, später hingegen eru, er gesprochen wurde, dürfen wir auch den gallischen kriegsgott Hesus oder Esus (Lucan. 1, 440) herbeiziehen und erwähnen, daß das metall des eisens durch das planetenzeichen des Mars, jenes ags. tîres tâcen ausgedrückt wird, folglich in der rune Zio und Eor ein schwert mit seinem grif oder ein speer abgebildet sein könnte. Noch deutlicher lauten scythische und alanische sagen von des gottes schwert, bei denen berührung mit germanischer ansicht behauptet werden darf, weil in dem glauben der Scythen und Gothen Mars auf gleiche weise vorragt. Die eingreifende personification des schwerts steht der des hammers zur seite, und beide, glaube ich, bestärken einander. begrif und name von zwein der größten götter gehen in das werkzeug über, durch welches sich ihre macht bekundet. Herodot meldet 4, 62, daß die Scythen den Ares unter dem bild oder symbol eines alten eisernen schwertes (ἀκινάκης) verehrten, welches auf einer ungeheuren schichte von reisig errichtet wurde: ἐπὶ τούτον δὴ τοῦ ὄγκου ἀκινάκης σιδήρεος ἵδρυται ἀρχαῖος ἑκάστοισι· καὶ τοῦτ' ἔστι τοῦ Ἄρηος τὸ ἄγαλμα. Ammianus Marcellinus 31, 2 von den Alanen: nec templum apud eos visitur aut delubrum, ne tugurium quidem culmo tectum cerni usquam potest, sed gladius barbarico ritu humi figitur nudus, eumque ut Martem , regionum quas circumcircant praesulem, verecundius colunt . Er hatte aber auch schon von den Quaden, einem entschieden germanischen volk 17, 12 (a. 358) behauptet: eductis mucronibus, quos pro numinibus colunt , juravere se permansuros in fide. Bei den waffen, mit berührung der waffen schwuren vielleicht alle deutschen völker vgl. RA. 896. noch Wigal 6517: swert, ûf dinem knopfe ich des swer. , nicht anders die Scythen und 170 Römer › per Martis frameam ‹ (Juvenal 13, 79). Arnobius 6, 11: ridetis temporibus priscis coluisse acinacem Scythiae nationes . . . pro Marte Romanos hastam , ut Varronis indicant Musae; diese framea und hasta der Römer steht dem scythischen schwerte vollkommen gleich juro per Dianam et Martem . Plaut. mil. glor. 5, 21. . Jornandes gedenkt nach Priscus 201, 17 des scythischen schwertes und wie es in Attilas hände gekommen sei, cap. 35: qui (Attila) quamvis hujus esset naturae ut semper confideret, addebat ei tamen confidentiam gladius Martis inventus, apud Scytharum reges semper habitus. quem Priscus historicus tali refert occasione detectum, quum pastor, inquiens, quidam gregis unam buculam conspiceret claudicantem, nec causam tanti vulneris inveniret, sollicitus vestigia cruoris insequitur, tandemque venit ad gladium, quem depascens herbas bucula incaute calcaverat, effossumque protinus ad Attilam defert. quo ille munere gratulatus, ut erat magnanimus, arbitratur se totius mundi principem constitutum et per Martis gladium potestatem sibi concessam esse bellorum. Das schwert artet aber in ein unheilvolles aus, wie berühmte nordische. Lambert erzählt, eine königin, Salomons von Ungern mutter, habe es an Otto herzog von Baiern verschenkt, aus dieses Ottos händen sei es an den jüngern Dedi, des markgrafen Dedi sohn leihweise gekommen, dann an Heinrich 4 und darauf an Lupold von Mersburg, welcher bei einem sturz vom pferd von demselben schwert durchstochen und zu Mertenefeld begraben wurde. Es steht dahin, ob hier die ortsnamen Mersburg und Mertenefeld eine beziehung auf das schwert des Mars haben könnten. Viel später soll es der herzog von Alba nach der schlacht bei Mülberg wieder aus der erde gegraben haben (deutsche heldensage s. 311). Man sieht wie lange zeit aus dem uralten cultus die volksüberlieferung genährt werden konnte Nachtrag: Über den göttlichen Cheru s. GDS. 612. Neben Herodot gewährt Lucian verschiedene belege des göttlich verehrten schwertes der Scythen: Toxaris 38 οὐ μὰ γὰρ τὸν Ἄνεμον καὶ τὸν Ἀκινάκην . Scytha 4 ἀλλὰ πρὸς Ἀκινάκου καὶ Ζαμόλξιδος, τῶν πατρῴων ἡμῖν ϑεῶν. Jupiter Trag. 42 Σκύϑαι Ἀκινάκη ϑύοντες καὶ Θρᾶκες Ζαμόλξιδι. vgl. Clemens alex. admon. s. 42. GDS. 231. der von Jornandes (a. o.) angezogene Priscus 201, 17 und 224. (ed. bonn.) bemerkt zu dem schwerte: Ἄρεος ξίφος ὅπερ ὂν ἱερὸν καὶ παρὰ τῶν σκυϑικῶν βασιλέων τιμώμενον, οἷα δὴ τῷ εφόρῳ τῶν πολέμων ἀνακείμενον, ἐν τοῖς πάλαι ἀφανισϑῆναι χρόνοις, εἶτα διὰ βοὺς εὑρεϑῆναι. Des alanischen Mars gedenkt Lucan. 8, 223: duros aeterni Martis Alanos. Die verehrung der lanze und des schwertes bei den Römern wird noch bezeugt von Justinus 43, 3: nam et ab origine rerum pro diis immortalibus veteres hastas coluere, ob cujus religionis memoriam adhuc deorum simulacris hastae adduntur. Sueton. Calig. 24: tres gladios in necem suam praeparatos Marti ultori addito elogio consecravit. Nach Mascou 1, 117 wurde das zu Cöln im Marstempel bewahrte schwert Jul. Caesars dem neuerwählten Vitellius überreicht. Später kniete man vor das schwert im kriegsgerichte. s. Ambraser liederb. s. 370. vgl. Osw. 2969: dô viel er nider ûf sîniu knie, daz swert er an sîn hant gevie und zôch ez ûz der scheide, der helt des niht vermeit, daz ort liez er nider. von Swantewit erwähnt Saxo ed. Müller 824 conspicuae granditatis ensis . die indischen Thuggs, eine fanatische räuberbande, verehren ein beil (oder eine axt), das geheimnisvoll geschmiedet wird und vor dem sie niederknien. Ramasiana. Calcutta 1836. ausz. im conversat. lex. der gegenwart. IV. 2, 54. 55. Dem kriegsgotte gebührt außer dem schwerte ein helm, wie schon der pflanzenname Martis galea Ἄρεος κυνῆ, Tŷrhialm (s.  165 ) bezeugt. . Gar nicht zu dem worte Ἄρης gehörig scheint das lat. Mars, das aus Mavors zusammengezogen ist, und den wesentlichen anlaut bewährt die reduplication Mamers ; jenes verhältnis von Eresburg und Marsberg schlägt darum nicht ein. Im altrömischen Marsdienst ragt die sage von Picus, Saturns sohn hervor, einem waldgeist, der die kinder Remus und Romulus pflegen half, an ihn scheinen noch einige züge unseres alterthums zu erinnern, wie später angegeben werden soll. Dem Mars, seinem ahn, heiligte Romulus den dritten jahrsmonat, und auch unsere vorfahren benennen ihn nach einer gottheit, die sich vielleicht mit Mars vergleichen ließe. Nemlich den Angelsachsen hieß der merz Hrêđemônađ , was Beda entschieden auf eine göttin Hrêđe bezieht, sollten es andere stämme aus einem gott Hrêđa gedeutet haben? in diesen namen läge hrôđ gloria, fama, altn. hrôđr, ahd. hruod, altfränk. chrôd, womit eine menge uralter wörter, z. b. ahd. Hruodgang, Hruodhilt, altfränk. Chrôdogang, Chrôdhild gebildet waren; könnte Hruodo, Chrôdo bei einigen stämmen den leuchtenden gott 171 des ruhmes bezeichnen? auf solchem wege mag versucht werden, die verdächtige und herabgewürdigte sage von einem sächsischen abgott Krodo zu retten; erst im 15 jh. empfängt sie, im älteren mittelalter hat sie gar keine gewähr. Bothes Sassenchronik (Leibn. 3, 286) meldet zum j. 780, auf der Hartesburg habe könig Carl einen abgott, dem Saturn ähnlich, vom volk aber Krodo genannt, bei besiegung der Ostsachsen niedergeworfen. wahrscheinlich hätten dieses ereignisses, wenn es wirklich vorgefallen war, die annalisten, wie des sturzes der Irmenseule gedacht. darum braucht die überlieferung noch nicht grundlos zu sein, käme ihr nur anderes entgegen. denn die namensform Crôdo für Chrôdo, Hrôdo, Rôdo klingt fast allzu alt, und ich weiß aus der sächs. sprache keine bestätigung für sie beizubringen. in einer urk. von 1284 (Langs reg. 4, 247) steht ein Waltherus dictus Krode und in einem liede Nitharts MsH. 3, 208 b Krotolf , was aber nicht an Hruodolf, Ruodolf gemahnen darf, kein eigenname sondern schelte, folglich von krote bufo herzuleiten ist, wohin auch manche ortsnamen krotenpful u. s. w. gehören, die man auf den götzen gezogen hat. die oberdeutsche form würde nur R oder HR, kein KR ertragen Nachtrag: Auch Zeuss s. 23 hält den namen Krodo fest und Reto bei Letzner für dasselbe. Crodio cod. Lauresh. 1634. Crodico 1342. Crôda Kembles urk. 1, 143. Crêda 1, 159. 177. Krode duvel (s.  205 ). wer weiß, ob nicht Nitharts Krotolf (Haupt s. 117) doch mythischen klang hat, folgt doch gleich darauf die ähnliche schmeichelei Üetelgôz. s. 304. Krathabothl bei Lüntzel Hildesh. 51. Kreetpfuhl, Kreetkind DS. 1, 415. rivus Krodenbek Falke trad. corb. 612. Krottorf im Halberstädtischen vgl. Krottenstein f. Donnerstein. . die edda kennt keinen beinamen Hrôđr oder Hrœđi für Tŷr Nachtrag: Hrêđcyninges. cod. exon. 319, 4 geht auf den bösen Eormanrîc, ist also wol mit dem ags. adj. hred, hrede crudelis zusammengesetzt (s.  240 ), während Hrêđgotum exon. 322, 3 dem altn. Reiđgotum entspricht. red red brengt raed raed. Coremans année de l'ancienne Belgique 16, wallon. Mars Mars . vgl. redmonat s. 240. bedenklich ist es: Hrôđrs andscoti oder hrôđrs andscoti Hymisq. 11 auf Tŷr zu beziehen. . Zu solchen aufschlüssen oder mutmaßungen leitete noch die mehrfache benennung eines der größten götter unsrer vorzeit, von dessen eigenschaften und verhältnissen sonst fast keine nachrichten übrig geblieben sind. Wir dürfen aber schon im allgemeinen auf ihn anwenden, was die poesie andrer völker gewährt. Zio wird tapfer und kampfbegierig gewesen sein, wie Ares, fülle des ruhms gewährend, aber grausam und blutdürstig (αἵματος ἆσαι Ἄρηα. Il. 5, 289. 20, 78. 22, 267), er raset und wütet gleich Zeus und Wuotan, ist jener alte blutvergießer des serbischen lieds (s.  18 ), erfreut raben und wölfe, die ihm auf das schlachtfeld folgen, obgleich diese thiere wiederum mehr auf Wuotan bezogen werden müssen (s.  122 ), nach griechischem ausdruck sind es οἰωνοί und κύνες, die wahlstätten, auf denen sich die hunde tummeln, heißen κυνῶν μέλπηϑρα (Il. 13, 233. 17, 255. 18, 179). Sicher wurden auch Zio zu ehren schlachtgesänge angestimmt, vielleicht kriegerische tänze gehalten (μέλπεσϑαι Ἄρηϊ. Il. 7, 241), worauf ich die noch lange und weit verbreitete sitte des feierlichen schwerttanzes beziehe, der ganz eigentlich dem gott des schwertes zukam. Die edda hebt das kriegsschwert nicht hervor, wie sie nichts von Sahsnôt weiß, ja ihr sverđâs ist ein andrer gott (Heimdallr) vgl. Apollo χρυσάορος vorhin s. 169 . ; aber sie stellt uns Tŷr einhändig dar, weil der wolf, in dessen rachen er die rechte hand zum unterpfand einlegte, sie ihm bis zum gelenk (ûlfliđr, carpus) abgebissen hatte (Sæm. 65 a Sn. 35. 36). diese vorstellung muß gangbar und characteristisch gewesen sein, da auch in der altn. runenerklärung bei dem buchstab T gesagt wird: ›Tŷr er einhendr Asa‹; vgl. Sn. 105. In der übrigen deutschen sage ist keine spur davon cod. pal. 361, 65 a erzählt von Julianus, daß er dem bilde des Mercur die hand in den mund zu legen genöthigt wurde: die hant stiez er im in den munt dar, darinne uobte sich der vâlant, er clemmete im die hant, und gehabete sie im sô vaste, daz er sich niht irlôsen mohte. Übrigens gemahnt das wolfglied an Wuotansglied (s.  132 ). , sie müste denn in Walthers einhändigkeit , und in seinem namen der waltende lenker 172 der schlacht (s.  17 . 110 ) gesucht werden. Lieber eigne ich mir die treffende erklärung Wackernagels im schweitz. mus. 1, 107. an, Tŷr erscheine darum einhändig , weil er nur einem theile der kämpfenden sieg verleihen könne, wie Hadu , ein andrer gott des kriegsglücks, oder bei Griechen und Römern Plutos und Fortuna, weil sie blindlings ihre gaben austheilen, blind dargestellt werden Nachtrag: Nach Simrock ist Tŷr einhändig , weil das schwert nur eine klinge hat. bezieht sich Freidank 137, 23: swâ ich weiz des wolves zant , dâ wil ich hüeten mîner hant , oder der spruch: brant stant as dem dode (Tio?) sine rechte hand! Wolfs zeitschr. 1, 337 noch auf die mythe? aus dem römischen sind zu vergleichen die redensarten: pugnare aequo, pari, certo, ancipite, dubio, vario, proprio, suo Marte. Widukind 1, 6 gebraucht coeco Marte irruere, wie 1, 9 coeco furore. Wenn kämpfende sehn, daß sie nichts weiter ausrichten können, so lassen sie ab und erkennen: ὡς πρὸς τὸν ϑεὸν σφίσιν ὁ ἀγὼν γένοιτο. Procop. 2, 641. die veränderlichkeit des siegs kennt auch die Od. 22, 236: οὔπω πάγχυ δίδου ἑτεραλκέα νίκην (vgl. ein Hie- und -dort Geo. 5748). Sieg und glück sind mit einander verknüpft, z. b. sig und saelden geben. Albr. Tit. 2920. 2933. an sig und saelden verderben 2929. . Da sieg für das höchste glück galt, kommen dem gott des glücks die hervorstehenden eigenschaften des glücks überhaupt, parteilichkeit und wandelbarkeit in vollem maße zu. vielleicht kannte unser höheres alterthum benennungen, die sich darauf bezogen das griech. epos drückt die veränderlichkeit des siegs (νίκη ἑτεραλκής Il. 8, 171. 16, 362; νίκη ἐπαμείβεται ἄνδρας 6, 339) durch einen beinamen des Ares aus, Ἀλλοπρόσαλλος 5, 831. 889. von einem vielgestaltigen, alles umgestaltenden wesen, das fast ebenso Vilanders (Ls. 1, 369–92), Baldanderst , Baldander (H. Sachs 1, 537. Simpliciss. buch 6 cap. 9) heißt, läßt sich freilich kein bezug auf den kriegsgott nachweisen, eines gottes beiname könnte es gewesen sein. diesem Vilanders gleicht der tirolische ortsname Villanders bei Brixen (nach Steub. s. 79. 178 = Velunutris, Vulunuturusa) durch bloßen zufall. . Im gefolge des Ares und Mars erscheinen noch andre mythische wesen, personificationen der begriffe furcht und graun. Δεῖμος und Φόβος (Il. 4, 440. 11, 317, 15, 119) stimmen zu den lat. Pallor et Pavor ; jene schirren dem Ares die rosse an, Φόβος heißt sohn des Ares (13, 299) und bei Aeschylos wird ihm ein haus (μέλαϑρον, tectum) zugeschrieben, aus dem er vorspringt. so brechen in den altböhmischen liedern Třas und Strach aus waldesschatten in die haufen der feinde, jagen sie, drängen im nacken und entpressen den kehlen lauten schrei (königinh. hs. 84. 104); sie sind geisterhaft und gespenstig. Hierher streifen Vôma , Ômi und Yggr (s.  119 . 120 ), die nur den gott selbst bezeichneten, nicht seine gefährten, söhne und diener, aber von neuem die gemeinschaft zwischen Wuotan und Zio bestätigen. Thôrr hieß ôtti iötna (terror gigantum). Wenn nach dem heutigen sprachgebrauch die furcht einen überfällt, ergreift, rüttelt, entseelt, so liegt personification nahe, auch Il. 17, 67 heißt es χλωρὸν δέος αἰρεῖ, doch die männlichen vorstellungen δεῖμος, φόβος, pallor, pavor, třas, strach führten sie lebhafter herbei, und pavor in das romanische fem. paura, peur übergehend wurde schwächer. ags. þâ hine se brôga ongeat (terror eum invasit) Beov. 2583. ahd. forhta cham mih ana N. ps. 54, 5; forhta anafiel ubar inan T. 2, 4; vgl. mhd. diu sorge im was sô verre entriten sie möhte erreichen niht ein sper. Wh. 280, 10 Nachtrag: Von gefährten des Mars sagt Virg. Aen. 12, 335: circumque atrae Formidinis ora irae que insidiae que, dei comitatus, aguntur. Luctus comitatur euntem (Tisiphonen) et Pavor et Terror trepidoque Insania vultu. Ov. met. 4, 485. Claudian nennt Bellona , Pavor , Formido als Mars gefolge in Rufin. 1, 342 ff. Metus cum fratre Pavore . de laud. Stil. 2, 373. Impetus horribilisque Metus . in Pr. et Olybr. 78. δείματα πανικά. Procop. 2, 550. panicus terror. Forcellini s. v. pan et panicus. ein panischer laubblattrauschender schrecken. Garg. 256 b . so wohnt nach dem wend. volksl. 2, 266 a Třach, Strach an schauerlicher stelle, wo es nicht geheuer ist. dem Třach, Třas entspricht vielleicht goth. þlahs. finn. ist kammo genius horroris, horror. Ein altn. spruch lautet: Ôttar er fremst î flocki þâ flŷa skal. liegt darin ôtti timor? vgl. den Ôttar im Hyndluliođ. ›þâ skaut þeim skelk î brîngu. skaut skelk î brîngu ok ôtta ‹ heißt es in einer nord. quelle (?). skelk und ôtta sind acc. von skelkr und ôtti timor. goth. agis disdraus ina, φόβος ἐπέπεσεν ἐπ' αὐτόν Luc. 1, 12. timor irruit super eum. Vulg. zu erwägen sind ags. Brôga und Egesa (zu Andr. XXXII) und diu nahtegese Diemer 266, 23. ahd. gefieng thô allê forhta, invasit eos T. 49, 5. personification liegt auch noch in dem romanischen: negus neu pot ir, si nos torna espavers . Albigeois 4087. abweichend, aber lebendig ist die bezeichnung: daß ihnen die katz den rücken hinauflief. Garg. 256 b 218 a . Neben der Hilda-Bellona (s.  349 ) tritt auch ein Hildôlfr Sæm. 75 b auf, wie neben Berhta Berhtolt. . Im verfolg aber werden wir eine weibliche Hilta kennen lernen, die der lat. Bellona, gr. Enyo und Eris vergleichbar mit krieg und kriegsgott selbst zusammentrift. Tŷr wird als Ođins sohn (Sn. 105), in Hymisqviđa hingegen als ein verwandter der riesen geschildert. seine mutter, deren name uns entgeht, deren schönheit aber das beiwort allgullin (Sæm. 53 a ) andeutet, war also eine riesentochter, mit welcher Ođinn den unsterblichen sohn zeugte Nachtrag: Tŷ , der in Hymisqviđa mit Thor zu Hymir geht, nennt diesen seinen vater, Hymis kebse seine mutter, ist also riesischer abkunft. vgl. Uhlands Thor s. 162. 163. ist dieser Tŷr nicht der gott, wofür Simrock edda (2. ausg.) 404 ihn nimmt? . 173 Cap. X. Fro Der nächste gott an macht und ruhm ist im altnordischen glauben Freyr (Landn. 4, 7); den Schweden scheint er sogar die dritte stelle einzunehmen. wie verbreitet auch unter den übrigen deutschen stämmen sein cultus war, thut sein name selbst kund, dessen heiligkeit noch zur zeit des christenthums auf das höchste wesen angewandt werden durfte. es muß in diesem namen ein allgemeiner ausdrucksvoller sinn gelegen sein, der ihn für die besonderheit eines gottes, und zugleich für den umfassenden begrif göttlicher und weltlicher herschaft eignete: einzelnen völkern bezeichnete er den bestimmten gott, andern die waltende gottheit überhaupt, ungefähr wie wir neben den eigennamen Zio, Zeus die allgemeinere benennung deus, ϑεός antreffen. Während die namen der andern heidnischen götter den Christen ein abscheu wurden, das goth. Vôdans oder Thunrs übles klangs gewesen wäre; konnte jener ausdruck, wie das uralte guþ selbst, geraume zeitlang noch unanstößig bleiben und bald den himmlischen herrn bald den irdischen bedeuten. Zwar entsprechen sich die benennungen nicht ganz genau. das altn. Freyr , gen. Freys, bei Saxo ganz richtig in dänischer form Frö , gen. Frös , woher Frösö , ebenso schwed. Frö , sollte im goth. Fráus, Fravis nach der analogie von hey = havi, mey = mavi, ey = avi. lauten, statt dessen auf allen blättern bei Ulfilas fráuja , gen. fráujins begegnet und κύριος übersetzt; der altn. mundart gebricht umgekehrt sowol die schwache form (Freyi, gen. Freyja) als die bedeutung herr. Alle übrigen sprachen halten es mit der gothischen. ahd. geht das volle frouwo bereits ab, die denkmäler setzen lieber truhtîn, nur in der anredeformel frô min! (O. I. 5, 35. II. 14, 27. V. 7, 35. Ludw. lied) hat sich die benennung des göttlichen oder weltlichen herrn erhalten, etwa wie jenes alterthümliche sihora und sire (s.  22 ) zulängst in anreden dauerten. Gerade so erscheint, wenn damit angeredet wird, im Heliand immer das gekürzte frô mîn! 123, 13. 140, 23. frô mîn the gôdo! 131, 6. 134, 15. 138, 1. 7. waldand frô mîn! 153, 8. drohtîn frô mîn! 15, 3; außerdem aber das vollständige frôho gen. frôhon 3, 24; frâho 119, 14 gen. frâhon 122, 9. frâon 3, 24. 5, 23; frôio 93, 1. 107, 21; nur bedient der alts. dichter dieser worte 174 sich seltner als der synonymen drohtîn oder hêrro, er stellt immer possessiva dazu, keine adj. (wie mâri drohtîn, rîki drohtîn, craftag drohtîn, liob hêrro), noch weniger setzt er damit zusammen (wie sigidrohtîn), was alles erkältung des ausdrucks verräth. Größern umfang hat das ags. freá , gen. freán (für freáan oder freávan) und duldet nicht allein adj. neben sich (freá älmihtig Cædm. 1, 9. 10, 1) sondern bildet auch composita: âgendfreá Cædm. 135, 4, aldorfreá 218, 29. folcfreá 111, 7; ja verbindet sich mit dryhten: freádryhten Cædm. 54, 29. Beov. 1585 (wo freahdrihtnes) 5150 (wo freodryhtne). Neben jenem ahd. frô besteht jedoch ferner ein verhärtetes frôno , welches substantiven vor oder nachgesetzt den begrif des heiligen und herrlichen enthält, woraus sich allmälich ein beweglicheres adj. gleicher bedeutung frôn entfaltete, und weiter ein anderes adj. frônisc (pulcher, mundus, inclytus, arcanus) entsprang, alts. frônisk, frânisk. mhd. und selbst nhd. währen manche zusammensetzungen mit vrôn und das adj. in jenem sinne fort, frohnen , fröhnen heißt dem herren dienen, zueignen. die friesische mundart kennt frân dominicus und frâna (minister publicus). das hinzugetretene n in allen diesen ableitungen erklärte sich aus dem goth. fráujinôn (dominari), obgleich kaum ein goth. fráujinisks bestand, frônisc erst gebildet scheint, nachdem sich die verkürzung frô und frôno eingeführt hatte. Doch selbst das goth. fráuja stellt uns nicht den einfachen stamm dar, ich suche ihn in einem mangelnden adj. fravis (wie navis νεκρός Rom 7, 2), das ahd. frô (gen. frouwes), alts. fra (gen. frahes), mhd. vrô , nhd. froh lautet und mitis, laetus, blandus ausdrückt, woher dieselben dialecte frouwî (gaudium), frouwan (laetum reddere), frouwida (laetitia) u. s. w. ableiten Nachtrag: Die Yngl. cap. 13 nennt Freyr veraldar god , Saxo nennt Frö deorum satrapa . im goth. steht fráuja nicht nur für κύριος, sondern auch für ϑεός. der monachus sangall. (Pertz 2, 733) sagt: tunc ille verba, quibus eo tempore superiores ab inferioribus honorari demulcerique vel adulari solebant – hoc modo labravit: laete vir domine, laetifice rex! das ist doch: frô herro! alts. ist noch zu erwähnen die form fruoho Hel. 153, 1. sollte ein alts. Frô den gen. Frôs gebildet haben und daher der ortsname Frôsâ (Frôs aha, ouwa) rühren? ags. composita mit freá sind noch freábeorht, freahbeort limpidus Lye und Haupts zeitschr. 9, 408 a . freátorht limpidus Haupts zeitschr. 9, 511 a . vgl. Donarperht. freáraede expeditus. Lye freahräde. freádrêman jubilare. freábodjan nuntiare. ein weiblicher eigenname Freávare Beov. 4048. Lohengr. 150 hat: zuo dem frôn d. h. an den heiligen ort. hieher gehört auch das altn. frânn nitidus, coruscus. darf man aus dem worte frâna ein fries. frâ dominus folgern? Bopp gloss. 229 b vermutet herkunft des goth. frauja aus frabuja und zusammenhang mit skr. prabhu dominus excelsus. doch scheint gr. πραΰς, milde nahe zu liegen. . Die tief in unsere sprache eingeschlagne wurzel führt also auf die begriffe froh, erfreuend, schön, herrlich, heilig, und die urbedeutung von fráuja wie von Freyr scheint keine andere als: der frohe, frohmachende, beseligende, wunderschöne, heilige herr, was auf den weltlichen herscher wie auf die gottheit bezogen werden kann. Ich will nicht behaupten, in den ersten jahrhunderten unsrer zeitrechnung sei ein Fráuja, Frouwo, Fraho von Gothen, Alamannen, Franken, Sachsen so bestimmt verehrt worden, wie noch viel später Freyr in Scandinavien; es ist sogar möglich, daß in der form fráuja schon eine abstraction der lebhafteren vorstellung Fravis = Freyr lag, die den Christen unanstößiger sein konnte. Allein beziehung beider ausdrücke auf ein höheres wesen ist unverkennbar, und noch im mittelalter scheint in den zusammensetzungen mit vrôn etwas schauerliches, altheiliges zu liegen; ich erkläre mir daraus die seltenheit und das baldige verschwinden des ahd. frô, selbst die grammatische starrheit des frôno; es ist als habe man darin noch heidnischen nachhall gewittert. Auf diesen cultus leitet sogar der gebrauch einzelner eigennamen und dichterischer epithete, zumal bei den Angelsachsen. 175 Noch die späteren Gothen verwenden Fráuja als mannsnamen, in welchem schwerlich die bedeutung von herr gesucht werden darf: ein abgesandter des königs Hadafus an Carl den Großen hieß Froia (Pertz 1, 184. 2, 223) oder auch Froila (Fráujila), einen ahd. Frewilo zeigt eine urkunde bei Neugart no. 162. Die ags. genealogien bieten dar Vûscfreá , der name kommt sonst öfter vor (Beda 138, 19. 153, 5) und scheint auf Vôden, den gott oder herrn des wunsches (s.  119 ) gerecht. Gleichwichtig ist Beov. 4708. 4853. 4871 das poetische freávine (freávine folca), das in diesen stellen bloßen beinamen göttlicher, gottgeliebter helden und könige bildet. die wessexische stammreihe hat aber ihren Freávine aufzuzeigen, der bei Saxo gramm. Frowinus (besser Fröwinus) heißt, und auch ahd. urkunden gewähren den eigennamen Frôwin (trad. juvav. p. 302. cod. lauresh. 712, aber 722 Friowini ), in mehrern adlichen geschlechtern, z. b. in dem bekannten der von Hutten, hat er sich bis auf neuere zeiten erhalten; das merkwürdige ist, daß die edda gleich jenem ags. freávine, nur ohne zusammensetzung Freys vinr (Sæm. 219 b ) von einem helden gebraucht: Sigurđr wird Freys freund und schützling geheißen, oder auch sein anhänger und diener, wie s.  76 gezeigt wurde. hier kann freá, frô, freyr wiederum nicht den abstracten sinn von herr haben. schwedische helden in der Bravallaschlacht, die sich der abkunft von Frö rühmen, nennt Saxo s. 144 Frö dei necessarii , das wird genau jenes Freys vinar sein. Auf gleiche weise ist der ags. und altn. poesie, folglich mythe, gemeinschaftlich der ausdruck freá Ingvina (gen. pl.), Beov. 2638, Ingvinar (gen. sg.) freyr, Ingunnar freyr (Sæm. 65 b ), Ingi freyr (Thorlac. obs. bor. spec. 6. p. 43), worunter ein held oder gott (nicht aber junior dominus, wie Thorlacius p. 68 meint) zu verstehn ist. Yngvi freyr heißt Sn. 211 a Ođins sohn. ich werde auf diese dunkle verbindung zweier mythischen namen bei gelegenheit des helden Ingo zurückkommen. Die altn. skalden knüpfen ein solches freyr noch an andre namen und substantive z. b. Kormakssaga s. 104 und 122 drücken fiörnis freyr , myrđif reyr nichts als held oder mann aus in der verstärkenden allgemeinen bedeutung, die wir auch in den wörtern irmin, tîr und tŷr erkannten. ebenso heißt freyja frau Kormakss. s. 317. Alles was ich bisher von dem namen und begrif des gottes erörtert habe wird sich bei untersuchung seiner göttlichen schwester näher beleuchten und befestigen. diese geschwister sind sich in allen eigenschaften gleichgestellt und vertreten einander. In der wochengötterreihe erscheint Frô nicht, weil da kein platz für ihn war; will man ihn durch einen römischen namen ausdrücken, so kann es kaum ein andrer als des Liber sein, dessen zusammenfassung mit Libera der des Frô mit Frôwa (Freyr mit Freyja) äußerst ähnlich ist. gerade wie Liber und Libera zum dienst der Demeter gehören, stehn Frô und Frôwa in engem band mit Nerthus. Frôs gottheit mag zwischen dem begrif des höchsten 176 herrn und dem eines liebe und fruchtbarkeit wirkenden wesens die mitte halten. er hat Wuotans schöpferische eigenschaft, verrichtet aber keine kriegsthaten; pferd und schwert gibt Freyr aus seiner hand, als ihn sehnsucht nach der schönen Gerđr verzehrt, wie in einem der herrlichsten lieder der edda gesungen wird. Snorri sagt, daß von Freyr regen und sonnenschein (wie sonst von Wuotan und Donar s.  130 . 146 ) abhänge, er wird um fruchtbarkeit der erde und frieden , til ârs oc friđar , angerufen (Sn. 28, vgl. Yngl. saga cap. 12). Die Schweden verehrten ihn als einen hauptgott, und nach Adam von Bremen stand zu Upsal seine bildseule neben der von Thôr und Wôdan Nachtrag: Freyr oc Freyja werden zusammen genannt. Sæm. 59. er gleicht dem Bacchus Liber, dem Διόνυσος ὁ Ἐλευϑέριος. Pausan. I. 29, 2, dem Jovis lufreis liber. aus Freys ehe mit Gerđr (s.  256 . 257 ) entspross Fiölnir. Yngl. saga 12. 14. auch Saxo ed. M. 120 erwähnt seines tempels zu Upsala: Frö quoque deorum satrapa sedem haud procul Upsala cepit. Fröi schenkt den leuten lebensmittel. Faye 10. der auf dem wagen durch das land fahrende gott erinnert an Alber , der mit schmalzigen füßen des frühlings in die alpe zieht. Wolfs zeitschr. 2, 62, oder an carm. burana 131 a : redit ab exilio ver coma rutilante und das umgekehrte: aestas in exilium jam peregrinatur. ibid. (vgl. 633 der sommer). serato ver carcere exit. ibid. 135. . Auch Sæm. 85 b wird er neben Ođinn und Thôrr (âsabragr) als dritter gott genannt. Adam nennt ihn Fricco ein auch sonst vorkommender mannsname, z. b. Friccheo bei Schannat trad. fuld. 386. , was der öfteren verwechslung der beiden göttinnen Freyja und Frigg, wovon künftig die rede sein wird, ganz gleichkommt. er schildert ihn aber als einen gott des friedens und der liebe : tertius est Fricco , pacem voluptatemque largiens mortalibus, cujus etiam simulachrum fingunt ingenti priapo zu priapus, πρίαπος halte ich das altn. friof semen, friofr foecundus, vgl. goth. fráiv. des Adamus bremensis angabe von Fricco : ›cujus etiam simulachrum fingunt ingenti priapo ‹ gewinnt, seitdem Wolf in der Wodana s. XXI. XXII. XXIII späte feier und bilder des Priapus oder Ters in den Niederlanden nachgewiesen hat. ters lautet ags. teors , ahd. zers , und Herbort 4054 scheut sich den namen Xerses auszusprechen. Phalludienst, wie er unter vielen völkern des alterthums verbreitet war, muß aus einer schuldlosen verehrung des zeugenden princips hergeleitet werden, die eine spätere ihrer sünde bewuste zeit ängstlich mied. am ende hat auch Phol und die scheu vor dem wort (cap. XI.) solchen anklang, obgleich ich nicht wage φαλλός ausdrücklich heranzuziehen Nachtrag: Über das umhertragen des phallus zu ehren des Dionysos oder Liber bei den Ägyptern, Griechen und Römern vgl. Herod. 2, 48. Hartung 2, 140. φαλλοὶ ἑστᾶσι ἐν τοῖσι προπυλαίοισι δύο κάρτα μεγάλοι. Lucian. de dea Syra 16, wo noch anderes über die phalli bemerkt ist. vgl. auch cap. 28. 29. ein idolum priapi ex auro fabrefactum wird überliefert Pertz 5, 481. phalli hiengen in kirchen zu Toulouse und Bordeaux. Westendorp s. 116. altböhm. hieß der Priapus Připekal . Jungmann s. v., sonst Pripegala . Mone 2, 270 aus Adelgar bei Martene 1, 626. sloven. kurenet , kurent , vgl. serb. kurat . . ; si nuptiae celebrandae sunt, (sacrificia offerunt) Fricconi . Hiermit stimmt auch noch die in christlichem sinn zur erniedrigung des heidnischen gottes abgefaßte erzählung von der in Schweden auf einem wagen durch das land umgeführten bildseule des Freyr und seiner jungen schönen priesterin (fornm. sög. 2, 73–78). diese umfahrt geschieht: þâ er hann skal gera mönnum ârbôt , das volk strömt dem wagen entgegen und bringt seine opfer, dann klärt sich das wetter, und alle hoffen fruchtbares jahr. das sind die opfer, welche Saxo s. 16 Fröblôt nennt; es wurden lebendige thiere dargebracht, namentlich ochsen (Vigagl. saga p. 56. Islend. sög. 2, 348), woraus sich zu erklären scheint, daß unter den dichterischen namen des ochsen Freyr aufgezählt wird (Sn. 221 a ); ebenso waren dem gott pferde geweiht, ein solches hieß Freyfaxi und galt für heilig (Vatnsd. s. 140), in Schweden fielen ihm menschenopfer (Saxo gramm. 42). Freyr besaß einen eber Gullinbursti , dessen goldborsten die nacht gleich dem tag erhellten, der mit pferdes schnelligkeit rannte und des gottes wagen zog (Sn. 66. 132). in Freys cultus erscheinen darum opfer von sühnebern (oben s.  41 ) außer Demeter empfieng auch Zeus eberopfer (Il. 19, 197. 251). ; das schwedische volk backt auf julabend kuchen 177 in ebergestalt . Hier zeigen sich beträchtliche überbleibsel des dienstes, der diesem gott gewidmet wurde, auch außerhalb des Nordens. von dem reinen goldferch wissen bräuche des wetterauischen und thüringischen volks (s.  41 ). im mnl. gedicht von Lantslôt ende Sandrîn sagt v. 374 ein ritter zu der jungfrau: ic heb u liever dan ên everswîn , al waert van finen goude ghewracht ; pflegte man damals noch kleinode aus gold in ebergestalt zu fertigen? wenigstens war die erinnerung daran nicht verloren. Auf Fro und seinen eber möchte auch ein geldrischer aberglaube gehn, der an des gottes stelle einen berühmten helden einführt: in der Christnacht hält Derk met den beer (Dietrich mit dem eber) seinen umgang, man sieht sich vor, alles ackergeräthe unter dach und fach zu schaffen, sonst trappelt der eber darauf herum und macht es unbrauchbar Staring in der zeitschrift Mnemosyne, Leiden 1829 1, 323 und daraus Westendorps noordsche mythologie. Dordrecht 1830 p. 495. . Um dieselbe weihnachtszeit zogen frau Holda oder Berhta aus und schauten nach pflug und spindel , mütterliche göttinnen statt des gottes, Frouwa statt des Frö. Damit hängen nun die formae aprorum zusammen, die bei den fernen Aestyern, aber nach suevischer sitte, üblich waren. Tacitus Germ. 45 bezieht sie auf die verehrung der mater deûm, auf einen weiblichen Frô, d. h. auf Freyja, entscheidend wird hier, daß die edda (Sæm. 114 a ) den Gullinbursti der Freyja zulegt, wie er sonst dem Freyr gehört Nachtrag: Gullinbursti vgl. Sn. 104 gulli byrstum . gullborst ist name einer pflanze, die auch eberwurz genannt wird (s.  1011 ). die Hervararsaga cap. 14 (s.  463 . 531 ) legt den eber einmal dem Freyr, an der anderen stelle wie Sæm. 114 a der Freyja zu. vielleicht war auch der ungeheure eber in dem ahd. lied bei Hattemer 3, 578 und der eber, welcher dem Olaf begegnete. fornm. s. 5, 165 der eber Freys. Beim dreschen wird ein schwein aus stroh gebunden. Schm. 2, 502, jenen eber darstellend, der durchs korn geht, wenn der wind in den ähren wellen macht. vgl. vorr. 1. ausg. XXVII und ags. gârsecg, altn. lagastafr. die wilde sau im korn . Meier schw. s. 149. Rocholtz 2, 187. der wind ist im korn. Frisius 178 b de willen swîne lâpet drupe. Schambach 118 b . . Dieser eberzeichen , dieser goldschweine gedenkt vorzugsweise die ags. poesie. Als Constantin im schlafe ein traumgesicht hat, heißt er eoforcumble beþeaht (apri signo tectus) El. 76, es muß als ein heilbringendes zeichen zu seinen häupten über dem bette angebracht gewesen sein. hernach bei der schilderung von Elenes prachtvollem zuge gen osten wiederum: þær väs on eorle êđgesŷne grîmhelm manig, ænlîc eoforcumbul (tunc in duce apparuit horrida cassis, excellens apri forma) El. 260. der dichter beschreibt altheidnische zierat, cumbul ist das helmzeichen, und der königshelm scheint mit dem eberbilde geschmückt zu werden, mehrere stellen in Beovulf lassen darüber keinen zweifel: eoforlîc scionon ofer hleor beran gehroden golde, fâh and fŷrheard ferhvearde heold (apri formam videbantur supra genas gerere auro comptam, quae varia igneque durata vitam tuebatur) 605; hêt þa inberan eofor heáfodsegn , heađosteápne helm (jussit afferri aprum, capitis signum, galeam in pugna prominentem) 4300; svîn ofer helme (sus super galea) 2574; svîn ealgylden, eofor irenheard (sus aureus, aper instar ferri durus) 2216, d. h. ein helm der als köstliches geschmeide auf den scheiterhaufen gelegt wird; helm befongen Freávrâsnum (= ahd. Frôreisanum), svâ hine fyrndagum vorhte væpna smiđ, besette svînlîcum , þät hine siđþan no brond ne beadomêcas bîtan ne meahton (galea ornata Frohonis signis, sicut eam olim fabricaverat armorum faber, circumdederat eam apri formis, ne gladius ensesve laedere eam possent) 2905, als heiliges, göttliches symbol sollte es im kampfe schirmen und den 178 feind schrecken; der ahd. eigenname Epurhelm , Eparhelm , verglichen mit Frôhelm (beide in den trad. patav. no. 20 MB. 28 b , 18) empfängt auf diese weise eigenthümliche bedeutung. solche eberzeichen konnten auch noch christlichen helden zur zierde gereichen, nachdem die erinnerung an Frô erloschen war, und lange zeit als kleinode geschmiedet werden Nachtrag: Über eoforcumbul vgl. Andr. und El. XXVIII. XXIX. Tristan hat einen eber schild. 4940. 6618. Frib. 1944. hevedes of wildbare (= ebern) ichon to presant brought. Thomas Tristrem 1, 75. vrâsen, vraesen (Andr. s. 97) in Freávrâsnum ist vinculum und Freyr leysir or höptom hvern. Sæm. 65 a . (vgl. s.  1029 ). ein helm in Hrolf Kr. saga heißt Hildisvîn und Hildigöltr . sollte unter Helmnôt Eleuther im Waltharius 1008. 1017 ein göttlicher Fro und Liber verborgen sein? . Noch andere spuren der eberheiligung haben späterhin vorzugsweise in England fortgedauert, die sitte des ebergelübdes ist RA. 900. 901 erläutert worden; wie noch heutzutage auf festlichen tafeln das haupt eines wilden schweins zugleich als schaugericht erscheint, pflegte man es im mittelalter bei gastmälern mit lorbeer und rosmarin aufzustellen, umherzutragen und mancherlei damit vorzunehmen: ›where stood a boars head garnished with bayes and rosemarye‹ heißt es in einer ballade von Arthurs tafel, dreimal wird mit einer rute darüber geschlagen und dann können es nur die messer tugendhafter männer anschneiden; ja anderemal zeigt sich ein lebendiger eber im saal und ein kühner held schneidet ihm das haupt ab. Zu Oxford stellen sie auf weihnachten ein eberhaupt aus, tragen es feierlich um und singen: caput apri defero reddens laudes domino Nachtrag: Über die eberköpfe , die weihnachts aufgetragen werden vgl. Hones table book 1, 85. every daybook 1, 1619. 1620. guldsvin som lyser. Asbj. s. 386. des riesen julgalt . Cavallius 26. julhös sinciput verrinum. Cavallius voc. verland. 28 b . . In jenen Aestyern kann sich eine gemeinschaft germanischer völker an finnische und asiatische knüpfen, es ist sehr zu beachten, daß die Tscherkessen einen gott der wälder und jagd namens Mesitch verehren, der auf wildem eber mit goldborsten reitet Ermans archiv für wissenschaftl. kunde Rußlands. 1842 heft 1 s. 118. . Den meisten andern göttern sind zahme thiere heilig, dem Frô der kühne mutige eber, wie es sich für einen gott der jagd geziemt. Vielleicht war auch ein ungeheurer eber , den die slavische sage mit weißem hauer λευκὸν ὀδόντα Il. 11, 416. σῦς λευκῶ ὀδόντι Od. 19, 465. schäumend aus einem see hervorgehen ließ (Dietmar s. 812), der einer verwandten gottheit. Die edda legt dem Freyr ein trefliches schwert bei, das sich von selbst gegen das geschlecht der riesen in schwung setzte (Sæm. 82). daß er es in jener bedrängnis weggab, brachte ihm hernach verderben, und wurde für die ursache seines todes gehalten, als er zur zeit des Ragnaröckr mit Surtr den kampf zu bestehen hatte und sein gutes schwert miste (Sn. 73). von diesem schwert mögen noch andere überlieferungen umgegangen sein in der altfranzösischen dichtung finde ich ein berühmtes von Galant (Wielant) selbst geschmiedetes schwert Froberge oder Floberge genannt (Garin 1, 263. 2, 30. 38); die zweite lesart läßt sich gar nicht deuten, obgleich aus ihr das spätere Flamberge entspringen mag. Froberge könnte aber passend entweder die den herrn (frô) bergende waffe, oder eine erinnerung an des gottes Frô schwert sein, man vgl. die gramm. 2, 486 angeführten bildungen. ahd. ortschaften heißen Helidberga, Marahaberga (pferdestall). kein altn. Freybiörg kenne ich, wol aber Thôrbiörg (fem.) und Thôrbergr (masc). , und der gedanke liegt nicht ab, seinetwegen die bekannte trilogie Thunar, Wôdan, Saxnôt der des Adam von Bremen: Wodan, Thor und Fricco oder jenem eddischen Ođinn, Asabragr, Freyr auch Sn. 131 sind Ođinn, Thôrr, Freyr urtheilsprecher. an die seite zu setzen, 179 d. h. Freyr, Fricco = Frô auch für Sahsnôt , den besitzer des schwertes zu nehmen. dazu kommt, daß die edda des schwertes von Tŷr geschweigt. Andere gründe reden aber desto stärker für Sahsnôz = Zio, und schon der, daß er Wuotans sohn war, während Freyr von Niörđr stammt, obgleich ihn einzelne genealogien (s.  181 ) mit Vôden in verbindung setzen. Dem glänzenden Freyr, dem heilsamen sohne Niörđs hatten die zwerge ein wunderbares schif , Skîđblađnir, gefertigt, das sich wie ein tuch zusammenfalten ließ (Sæm. 45 b Sn. 48. Yngl. saga cap. 7) Plinius N.H. 5, 9 erwähnt äthiopische naves plicatiles humeris translatas. Nachtrag: Skîđblađnir kommt von skîđ, skîđi asser, tabula. Rask. afh. 1, 365 sieht darin ein finnisches leichtes schif. spätere sagen von diesem schif bei Müllenhoff s. 453. Yngl. saga legt Skîđblađnir dem Ođinn, jedoch Sæm. 45 b Sn. 48. 132 dem Freyr zu. . Außer den Schweden waren in Norwegen vor allen göttern dem Freyr die Thrændir ergeben (fornm. sög. 10, 312). verschiedentlich wird seiner priester gedacht, so des Thorđr Freys gođi (aus dem zehnten jh.) in Landn. 4, 10 und Nialss. cap. 96; Flosi scheint dem vater in dieser würde nachzufolgen; Landn. 4, 13 sind andere Freysgyđlîngar angeführt. Freys hofs zu Upsala erwähnt Vigaglumssaga cap. 19, und seiner bildseule zu Thverâ (auf Island) cap. 26, doch nur in einem traumgesicht, er wird dargestellt auf einem stuhl sitzend, kurz und zornig (stutt ok reiđuliga) den flehenden antwortend, so daß Glûmr, der ihm cap. 9 einen alten ochsen opferte, nach dem erwachen seinen dienst vernachlässigte. von einem Freyr giörr af silfri ist Landn. 3, 2 und Vatnsd. s. 44. 50 die rede, wie man ihn zum loosen brauchte (vgl. Verlauffs anmerk. s. 362). Landn. 4, 7 ist auch die gewöhnliche eidesformel aufbewahrt: hiâlpi mer svâ Freyr ok Niörđr ok hinn almâttki âs , unter welchem letzten eher Thôrr als Ođinn gemeint sein muß, denn auch Egilssaga s. 365 werden Freyr , Niörđr und der landâs (Thôrr) zusammen genannt. auch Egilssaga s. 672 nennt Freyr ok Niörđr neben einander. in der erzählung von Brisingamen (anhang zu Sn. 354) heißt es, Ođinn habe beide den Freyr und Niörđr zu opfergöttern bestellt. Hallfređr sang (fornm. sög. 2, 53 vgl. 12, 49): mer skyli Freyr oc Freyja , fiarđ læt ek ađul Niarđar , liknist gröm viđ Grimni gramr ok Thôrr enn rammi! daß er in diesen stellen neben Freyja und Niörđr aufgeführt erscheint, ist leicht zu begreifen Nachtrag: Freyr ist sohn des Niörđr und der Skađi , die ihn Sæm. 81 a enn frôđi afi nennt. sie ist riesentochter (des þiazi) wie Gerđr (des Gymir); also haben Niörđr und Freyr riesinnen. Verloren ist die sage von Freyr und Beli , den Freyr in ermanglung seines schwerts mit einem hirschhorn oder mit einer faust erschlägt. Sn. 41. er heißt daher bani Belja . Sæm. 9 a . Freyr erhält Alfheim beim zahnen. Sæm. 40 b . Zahlreiche nordische ortsnamen halten das andenken Freys fest: Frösö im norw. dipl. vgl. Frôsâ s. anm. 543 . Fröjrak (Freyraker) dipl. norv. 1, 542. Fröslund dipl. suecan. 2160. Fröswi a. o. 1777. Frösberg 2066. Frösåker in Vestmanland. Dybeck I. 3, 15. Schlyter Sv. indeln. 34. Fröslöff in Seeland. Molbechs dipl. 1. 144 (a. 1402). Fröskog in Schweden. Runa 1844. 88. Frösunda, Frösved, Frösön, Frötuna, Frölunda, Fröjeslunda liegen alle in Schweden. Frotunum dipl. suec. s. 228. Fryeled in Jönköpings län heißt in einer urk. von 1313 (diplom. suec. no. 1902) Fröle (al. Fröale ). ein ort Fröel auf Gothland scheint derselbe name. Wieselgr. 409 sucht darin led  = leiđ via, iter. liegt nicht darin eled, eld feuer? Niarđarhof ok Freyshof . Munch om Sk. s. 147. Vrôinlô , heute Vronen in Westfriesland. Böhmer reg. s. 28. Müllenhoff Nordalb. stud. s. 138. der eigenname Freysteinn ist wie Thorsteinn gebildet. . Von Niörđr würde die deutsche mythologie so wenig wissen, als Saxo gramm. ihn je bei diesem namen nennt, hätte nicht Tacitus für uns den glücklichen zug einer göttin Nerthus gethan, deren identität mit dem gotte so augenscheinlich ist, wie die zwischen Frô und Frouwa. die goth. namensform Naírþus dürfte sogar auf beide geschlechter gehn, vielleicht wurde Fráuja als sohn der Naírþus gedacht, wie Freyr als der des Niörđr, den umzug der göttin auf ihrem wagen, sterblichen friede und fruchtbarkeit zu verkünden, kann man dem des Freyr oder seines vaters Niörđr gleichsetzen. nach Yngl. saga cap. 11 glaubte man, daß eben 180 diese güter auch von Niörđr ausgiengen, auđigr sem Niörđr (reich wie N.) galt sprichwörtlich von einem wohlhäbigen mann. Vatnsd. s. 202. Sn. formâli 10 stellt ihn mit Saturn zusammen, er habe die menschen im weinbau und in der ackerbestellung, gleich einer erdgöttin unterwiesen; man hätte bei ihm und bei Freyr vielmehr an Dionysus oder Liber zu denken, oder gar an Noah, wenn auf Niörđs wohnung in Nôatûn einiges gewicht fallen soll. Wie andern heldennamen freyr beigefügt wurde (s.  175 ) finde ich geirniörđr allgemein von einem helden gebraucht, Sæm. 266 b , vgl. geirmîmir, geirniflûngr u. a. Der name selbst ist schwerer deutung, vielleicht berührt er sich mit nord (septentrio), ags. norđ, altn. norđr, goth. naúrþs? Sæm. 109 b findet sich niarđlâs für sera firma oder pensilis? unter ahd. eigennamen habe ich kein Nirdu, Nerd, Nird angetroffen, auch in den ags. denkmälern keine spur von Neorđ. Irminons polyptych 222 a hat Narthildis Nachtrag: Niörđr heißt meins vani (innocuus) Sæm. 42 a . Sæm. 130 a erwähnt Niarđar dœtur niu. neun musen oder wellen? vgl. Heimdalls neun mütter. Niörđr wohnt zu Nôatûn an der see und Weinhold in Haupts zeitschr. 6, 460 leitet den namen von skr. nîra aqua, nîradhi oceanus ab. man erwäge auch Nereus und das neugr. νερόν. Schaffarik 1, 167 hält dagegen Niörđr und Niörunn zum slav. nur terra. man dürfte auch ans finnische nuori juvenis, nuorus juventus, nuortua juvenesco, estn. noor jung, frisch, noordus jugend, lapp. nuor jung denken. im celt. ist neart kraft, welsch nerth . Haupts zeitschr. 3, 226: sabinisch Nero fortis et strenuus. Lepsius inscr. umbr. 205. koptisch heißt neter gott und göttin. Bunsen Aeg. 1, 577. bask. nartea nord, wie auch schwed. lappl. nuort borealis, aber nicht norweg., noch finnisch. daß man übrigens bei Niörđr an nord dachte, zeigt das inn norđri niörđr. fornm. sög. 6, 258. 12, 151, wo Fagrsk. 123 nerđri hat. nach ihm genannte ortsnamen sind: Niarđey Landn. 2, 19. Niarđvîk 4, 2. 4. Laxd. 364 ff. Niarđarlögr Ol. Tr. cap. 102. fornm. sög. 2, 252 vgl. 12, 324. Munchs Biörgyn. s. 121. al. Marđa lög, Jarđar lög. steht ein schwed. Närtuna für Närdtuna? darf man an das deutsche Nörten bei Göttingen denken? niarđlâs Sæm. 109 b bedeutet nach Thorlac. VII. 91 sera adstricta wie niarđgiörđ arctum cingulum. dunkel ist das sprichwort: galli er â giöf Niarđar . Niörđûngr? gl. edd. hafn. 1, 632 b . . Niörđr erscheint vielgefeiert, hofum oc hörgum hann ræđr hundmörgum (Sæm. 36 a ); hauptsächlich wohl bei völkern, die am seegestade wohnten. nach der edda gebietet er über wind, see und feuer und liebt wasser und see, wie Nerthus im see badet (Sn. 27); aus dem gebirge des binnenlands sehnt er sich weg an kühle ufer zum gesang der schwäne; eine wasserpflanze, die spongia marina führt den namen Niarđar vöttr (N. handschuh), der anderwärts wol auf Freyja oder Maria übertragen wurde, denn auch einige arten der orchis, wegen ihrer handförmigen wurzel, heißen Marienhand, liebfrauenhand, gotteshand (dän. gudshaand). So wie Dionysus außerhalb dem kreise der zwölf olympischen götter steht, scheinen Niörđr, Freyr und Freyja nicht eigentlich den Asen beizuzählen, obschon sie Sn. 27. 28 unter ihnen aufgeführt werden. Sie waren Vanir , d. h. nach alteddischer ansicht unterschieden von Asen; wie diese in Asgarđ, wohnten Vanir in Vanaheim, Alfar in Alfheim, Iötnar in Iötunheim. Freyr heißt Vanîngi (Sæm. 86 b ). Die Vanir galten für weise und verständig (Sæm. 36 a ), traten auch in nähere gemeinschaft mit den Asen, welchen Alfar und Iötnar stets entgegengesetzt blieben. In den Alfen und Iöten hat man celtische, in den Vanen slavische volksstämme gemutmaßt, und hauptsächlich aus einer Yngl. saga cap. 1 versuchten anwendung des namens Tanais auf Tanaqvîsl (oder Vanaqvîsl!) eine wirkliche grenzscheide zwischen Asen und Vanen = Germanen und Slaven in jenen vormals von ihnen eingenommnen landstrichen gefolgert Nachtrag: Auch Rask saml. afli. 2, 282. 283 hält die Vanir für Slaven und stellt 2, 276 Heimdall zu Bjelbog. eher scheint bei Gothen und andern im verfolg hochdeutschen stämmen vanischer cultus zu vermuthen, bei den Niederdeutschen und Scandinaven asischer. s. kl. schr. 5, 423 ff. 436 ff. over hondert milen henen! daer wetic enen wilden Wenen . Walew. 5938, dem sinn nach einen elb, schmid. vgl. Jonckbloet s. 284. . Und noch heute heißt in finnischer zunge der Russe Wenäläinen, ehstn. Wennelane, selbst der name der Wenden könnte anklingen, wiewol die Vandili des Tacitus abführen. Haben nun jene behauptungen einigen grund, so liegen mir doch die begriffe Aesir, Vanir, Alfar in der edda alzu mythisch, als daß ihnen historischer sinn abgewonnen werden dürfte; ich mag auf den gegensatz zwischen Asen und Vanen hin keine wesentliche verschiedenheit in dem cultus einzelner gottheiten anerkennen, und so sehr hervorzuheben sein wird, daß 181 Frouwa, Freyja einer slavischen göttin Prije begegnet, folgt daraus keineswegs, daß Frô, Frouwa und Nerthus in geringerm maße germanische gottheiten waren als die übrigen. Tacitus geschweigt des deutschen Libers wie Jupiters, dennoch dürfen wir eine allgemeine verehrung Donars voraussetzen, wenn schon Perkunas oder Perun mehr an das goth. faírguni gemahnen; so scheint auch nach allen spuren Fráuja, Frô und Freyr zu tief begründet, als daß er sich, bei den dürftigen nachrichten, die uns über unsere vorzeit zu gebot stehn, einem deutschen stamme absprechen ließe, obgleich ihm einzelne völker ihre besondere andacht zugewandt haben mögen, was aber nicht so leicht zu ermitteln ist wie in Scandinavien Wh. Müller Nibelungensage s. 136–148 will die Vanengötter nur den Sueven und Gothen, nicht den westlichen Germanen beilegen, und einen unterschied zwischen Freys und Wuotanscultus aufstellen, der mir bedenklich zu sein scheint. ich kann ebensowenig einräumen, daß Niörđr und Nerthus geschwister gewesen seien, Freyr und Freyja zusammen erzeugt hätten; das beruht nicht bloß auf einer jüngern vorstellung Snorris in der Yngl. saga cap. 4, wo gleichwol nirgends die weibliche Niörđ genannt ist, wie Tacitus umgekehrt nur von einer Nerthus, von keinem gott dieses namens weiß, sondern auch auf Sæm. 65 a ›viđ systor thinni gaztu slîkan mög‹, obschon auch hier die schwester ungenannt bleibt. . Es verdient beachtung, daß die ags. und altn. stammtafeln Freá mit Vôden in verwandtschaft setzen, sie lassen von Finn einen Freálâf (Friđleifr), von diesem Vôden erzeugt werden; einigemal sind noch zwei mittelglieder dazwischen geschoben, Friđuvulf und Friđuvald, so daß die vollständige genealogie lautet: Finn, Friđuvulf, Freálâf, Friđuvald, Vôden . statt Freálâf auch jenes Freávine. offenbar fallen hier Friđuvulf, Freálâf, Friđuvald zusammen und sind bloße erweiterung des einfachen Freá. dies folgt sogar aus einer wiederum abweichenden altn. geschlechtsreihe (fornald. sög. 2, 12), nach welcher von Burr (= Finn) vgl. Rask afh. 1, 107. 108 unmittelbar Ođinn abstammt, von diesem aber Freyr, Niörđr und ein zweiter Freyr. der doppelte Freyr entspricht dem ags. Friđuvulf und Friđuwald, wie wörtlich froh, frei und schön aneinander rühren. Wenn endlich nach denselben ags. genealogien Finns vater bald Godvulf bald Folcvald heißt, so wird der letzte name auch durch Fin Folcvalding cod. exon. 320, 10 und Beov. 2172 bestärkt, wobei wieder eine beziehung auf Freá und sein geschlecht stattfinden muß, da die edda Sæm. 87 a (vgl. 10 a ) den Freyr als folcvaldi (al. folcvaldr) gođa bezeichnet. dies folkvaldi drückt nichts anders als dominator, princeps, also dasselbe was freá, frô aus, und scheint gleich ihm in einen eigennamen überzugehn. Auf die anknüpfungen von Freyr und Niörđr an Ođinn kommt cap.  XV nochmals zu sprechen Nachtrag: Die s. 289 besprochene verbindung Ođins mit Freyr und Niörđr wird noch verstärkt durch folgende umstände. Ođin wie Freyr ist gott der fruchtbarkeit. jedem wird Skiđblađnir beigelegt (s. anm. 558 ), jedem Gerđr (s.  256 ). Fiölnir, ein sohn Freys und Gerđar (s. anm. 544 ), ist auch name Ođins. Sæm. 466 (s.  289 ) und Skađi, Niörđs frau und Freys mutter, ist später Ođins gattin. . hätte jene vergleichung zwischen Niörđr und Kronos (s.  180 ) irgend grund, so läge dem meergott offenbar Poseidon, Kronos sohn, näher und Ποσειδῶν dürfte an πόσις (mann, herr, litth. pats, sariskr. patis, goth. faþs) gemahnen, wie Frô herr bedeutet. dann aber gehörten beide, Frô und Nirdu, wieder zu dem ältesten göttergeschlecht. 182 Cap. XI. Paltar. Den mythus von Balder, einen der schönsten und geistigsten der edda, hat uns günstigerweise auch noch eine abweichende jüngere auffassung überliefert; für die fluctuation der göttersage gibt es kein gelegeneres beispiel. jene stellt dar, wie der reine schuldlose gott von dem blinden Höđr durch Mistiltein getroffen allbeweint hinab zur unterwelt fahren muß, nichts ihn zurückholen kann und Nanna, die treue gattin ihm in den tod folgt. Saxo hält alles viel niedriger, Balder und Hother sind feindliche nebenbuhler, beide um Nanna werbend, und Hother der begünstigte weiß sich ein zauberschwert zu verschaffen, durch welches allein sein gegner verwundbar ist; nachdem das kriegsglück lange zwischen ihnen geschwankt, siegt zuletzt Hother und erlegt den halbgott, dem Hel, seines nahen besitzes froh, vorher erscheint. doch der feierliche scheiterhaufen ist hier auf Gelder, einen genossen Balders übertragen, von dem der eddische bericht gar nichts weiß. Die verehrung des gottes bezeugt uns vor allen Friđþiofssaga s. fornald. sög. 2, 63 ff. Nachtrag: Hotherus ist dem Saxo ed. M. 124 ein sohn des Hothbrodus rex Sueciae und bruder des Atislus (= Ađils der Yngl. saga), Nanna ist tochter des Gevarus (ahd. Këpaheri), auch ungöttlich, ja sie schlägt aus diesem grund die werbung des göttlichen Balder aus. Balder scheint fast in Sachsen oder Niederdeutschland zu wohnen, der Sachse Gelderus ist auf seiner seite und Hothers feind. Gelder wird mit Balder zugleich besiegt. aus Sachsen mag Balder nach Seeland gekommen sein, in Schweden war er nie. Nach Saxo wird Nanna nicht dem Balder zu theil, sondern dem Hother, der sie nach Schweden führt. Balder von Hother tödlich verwundet stirbt am dritten tag. Die sage vom kampfe König Bolders mit König Hother wird auch in Schleswig erzählt, doch ist darnach Bolder der sieger. Müllenhoff s. 373. vgl. die sage von Balder und Rune a. o. s. 606. . Baldr , gen. Baldrs, findet sich wieder in dem ahd. eigennamen Paltar (bei Meichelbeck no. 450. 460. 611) Graff 1, 432 hält diesen namen für Paltaro d. h. zusammengesetzt mit aro (aquila), wozu aber keine analogie stimmt; das neunte, zehnte jh. würden die schwache form noch nicht verstümmeln, wie sie überall Epuraro (eberaar) schreiben, nicht Eburar. . und dem ags. bealdor , baldor , das einen herrn, fürsten, könig bedeutend nur mit vorgesetztem gen. pl. gebräuchlich scheint: gumena baldor Cædm. 163, 4. vîgena baldor Jud. 132, 47. sinca bealdor Beov. 4852. vinia bealdor Beov. 5130; merkwürdig steht mägđa bealdor (virginum princeps) cod. exon. 276, 18 auch von einer jungfrau. ich kenne nur einige altn. beispiele: Sæm. 272 b heißt es baldur i brynju und 218 b herbaldr für heros allgemein; atgeirs baldr (lanceae vir) fornm. sög. 5, 307. dieser übergang aus dem eigennamen in die abstracte bedeutung erinnert ganz an fráuja, frô, freá und an das altn. tŷr. so wie bealdor in der ags. prosa bereits erloschen ist, scheint es auch frühe der ahd. eigenname; paltar = princeps haben vielleicht ahd. heidnische gedichte gekannt. die goth. formen Baldrs gen. Baldris und baldrs princeps dürfen gemutmaßt werden von Baldrs, Paltar unterscheide man die zusammensetzung Baldheri (Schannat no. 420. 448) Paldheri (trad. patav. no. 35) ags. Baldhere. mit diesem Paldheri fällt zusammen Patdachar (tr. patav. no. 18). . 183 Von dem goth. balþs audax schiene dieses Baldrs, wie vom ahd. pald Paltar, vom altn. ballr Baldr eigentlich abzuliegen. nach der regel steht gothischem ld altn. ld, ahd. lt, aber gothischem lþ altn. ll, ahd. ld zur seite goth. kalds, ahd. chalt, altn. kaldr; goth. vilþeis, ahd. wildi, altn. villr; goth. hulþs, ahd. hold, altn. hollr; goth. gulþ, ahd. kold, altn. gull. . doch hat die alts. und ags. mundart in beiden lagen ld, und es sind auch im goth. ahd. und altn. mischungen wahrzunehmen vgl. goth. alþan und alþs, aldis, sowie aldrs; goth. falþan und ahd. faldan, später faltan. da þ zu d, d zu t herabsinkt, scheinen d für þ, t für d immer die jüngeren formen. das goth. fadr steht für faþr wie schon pater lehrt (vgl. oben s.  18 ). im altn. valda prät. olli muß ll für älter gelten als ld, dem goth. valdan, ahd. waltan zum trotz. , so daß ein naher zusammenhang zwischen balþs und Baldrs baldr kann sich zu balþ wie tîr zu tŷ, zior zu zio verhalten. , ahd. pald und Paltar möglich ist. er wird aus einem mythologischen grunde sogar wahrscheinlich: auch Nanna , Balders gemahlin, heißt die kühne, von nenna audere, wie sie goth. Nanþô von nanþjan, ahd. Nandâ von ginendan heißen würde. zwar nach der eddischen schilderung zeichnet sich Baldr nicht durch kühne thaten aus, aber bei Saxo kriegt er aufs tapferste, und keine dieser erzählungen kann darauf anspruch machen, uns einen vollständigen bericht von seinem leben zu liefern. Vielleicht leiteten die gothischen Balthae (Jornand. 5, 29) ihren ursprung von einem göttlichen Balþs oder Baldrs ab? Nachtrag: Paltar auch MB. 9, 23 a. 837. Baldor servus. polypt. de S. Remig. 55 a . Baaldaich Neugart no. 289. lit. heißt baltas weiß, gut (vgl. Baldr inn gôđi Sn. 64), baltorus ein bleicher mann und ein zusammenhang der begriffe weiß und schnell begegnet öfter z. b. im gr. ἀργός. Passow s. v. Allein selbst die deutung des kühnen gottes oder helden könnte eine jüngere sein, das litth. baltas , lett. balts drücken aus weiß, gut, und dieses baltas würde nach der lautverschiebung sich genau zu dem goth. balþs, ahd. pald fügen. Dazu kommt, daß die ags. genealogien Vôdens sohn nicht Bealdor, Baldor-, vielmehr Bäldäg , Beldeg nennen, was ein ahd. Paltac erwarten ließe, welche form ich freilich nirgends gelesen habe. beide dialecte pflegen aber sonst eine menge eigennamen mit däg und tac zu componieren, ahd. Adaltac, Alptac, Ingatac, Kêrtac, Helmtac, Hruodtac, Regintac, Sigitac; alts. Alacdag, Alfdag (Albdag, Pertz 1, 286), Hildidag, Liuddag, Osdag, Wulfdag; ags. Vegdäg, Svefdäg; selbst dem altn. ist der name Svipdagr bekannt. Entweder stehen nun Bäldäg und Bealdor gleichbedeutig (wie z. b. Regintac und Reginari, Sigitac und Sigar, Sigheri), oder es muß auch in dem worte däg, dag, tac eine personification erkannt werden, wie sie s.  161 bei andrer wurzel in den wörtern div, divan, dina, dies erhellte, und dieser begrif begegnete wiederum dem des leuchtenden, weißen gottes. Das slav. bjel, bel hinzugehalten, hätte man nicht einmal nöthig das ags. Bäldäg für Bäldäg zu nehmen, Bäldag ist der weiße gott, lichtgott, der wie himmel, licht und tag leuchtende, der gütige Bjelbog , Belbog des slavischen systems Nachtrag: In der legende vom heil. Bartholomaeus (leg. aur. cap. 118) wird ein gott Baldach genannt, auch im passional 290, 28. Baldach ist aber im MA. die form für Bagdad, wie Baldewine für Beduinen steht. über Svefdäg, Svipdagr s. die anm. zur stammtafel XXIII von Deira im anh. auch der eigenname Ostartac mußte erwähnt werden, dem das ags. Bäldäg  = dies ignis am besten entspräche. man vergl. auch den celt. Bel, Belenus (s.  510 . 511 ). . Mit dieser erklärung von Bäldäg verträgt sich vollkommen, daß ihm die ags. stammsage einen sohn Brond beilegt, 184 dessen die edda geschweigt: brond, brand, altn. brandr drücken aus jubar, fax, titio. Bäldäg vergliche sich also dem namen nach mit Berhta der glänzenden göttin. Hierzu dürfen gleich noch einige andere umstände erwogen werden. Baldrs schönheit wird Sn. 26 so beschrieben: hann er svâ fagr âlitum ok biartr svâ at lŷsir af honum , oc eitt gras er svâ hvitt, at iafnat er til Baldrs brâr , þat er allra grasa hvîtast , oc þar eptir mâttu marka hans fegurd bæđi â hâri ok lîki. diese leuchtende pflanze, nach des gottes weißer braue Homer hebt an Zeus und Here die dunkle braue ὀφρὺς κυανέα) hervor. vgl. λευκόφρυς und Artemis λευκοφρύνη. Baldrsbrâ benannt, ist entweder die anthemis cotula, jetzt in Schweden Barbro , in Schonen Balsensbro, Ballensbra , in Dänemark Barbrogräs genannt, oder matricaria maritima, inodora, die auf Island jenen namen fortführt deutsche benennungen der camille: kuhauge, rindsauge, ochsenauge; darlekarl. hvitetoja (weißauge), in Båhuslän hvitapiga (weiße jungfrau). Nachtrag: Baldrs leuchtende schönheit verkündet auch das sprichwort: fâtt er liott â Baldri . was bedeutet aber das isl. sprichwort: logiđ hefir Baldr at Baldri? fornm. sög. 6, 257. nach der weißen braue, die auch der Bödvildr, meyna brâhvîto , Sæm. 139 b und der Artemis λευκοφρύνη beigelegt wird, heißt die pflanze anthemis cotula auch Ballerbro. Fries. udfl. 1, 86. vgl. Dybeck 1845 s. 74. nach ihm heißen Balderes lege. Kemble 5, 117 (863) und Balteres eih . . in Skåne liegt ein Baldursberg , im Öttingischen ein Baldern , im Vorarlberg östlich von Bregenz Balderschwang . doch fordern solche ortsnamen vorsicht, weil sie von männern Baldar und Baldheri rühren können, daher ich mich enthalte noch mehrere anzuführen. Aber auch seine himmlische wohnung hieß Breiđablik , nom. pl. (Sæm. 41 b Sn. 21. 27) d. i. breiter schimmer, glanz, was auf den streifen der milchstraße angewandt werden könnte; unweit Roskild, bei Lethra, soll ein ort den namen Bredeblick geführt haben Suhm crit. hist. 2, 63. . gerade dieser ausdruck findet sich, zwar nicht von einer wohnstätte, sondern einer über das feld anrückenden schaar schneeblanker rosse und helden in einem gedicht des 12 jh. wieder: ›dô brâhte Dietherîches vane zvencik dûsint lossam in breither blickin uber lant‹. Roth. 2635. was heißt Wh. 381, 16 ›daz bluot über die blicke flôz, si wurdn almeistic rôtgevar‹? über die wege des feldes, oder über die glänzenden pfelle? Nachtrag: Zu Breiđablick vgl. in manigen breiten blicken . tr. kr. 42475 und unten s.  663 . Dem Baldr war die mitsommerzeit heilig und Johannes scheint bei den Christen an seine stelle getreten. die mistel, mit der er getödtet wurde, muss um diese zeit abgehauen werden. Dybeck runa 1844, 21. 22. mahnen die Johannisfeuer an Baldrs leichenbrand? in Tegners Frithiofssaga XIII wird Baldersbål im mitsommer entzündet. Hvat maelti Ođinn ađr â bâl stigi sialfr î eyra syni? Sæm. 38 a , î eyra Baldri ađr hann var â bâl borinn? fornald. sög. 1, 487. dazu vergl. Plaut. Trinum. I. 2, 170: sciunt id quod in aurem rex reginae dixerit, sciunt quod Juno fabulata est cum Jove d. h. die größten geheimnisse. Wenn uns Bäldäg und Brond offenbaren, daß die verehrung Balders auch über den Norden hinaus unter eigenthümlichen bestimmungen stattfand; so darf aus dem vorhandensein aller wesentlichsten eigennamen, die hier den hauptmythus bedingen, geschlossen werden, dieser müsse vollständig bei allen Deutschen bekannt gewesen sein. Die göttin Hel , wie cap.  XIII ausgeführt werden soll, entspricht der goth. abstraction halja, ahd. hella. Höđr (gen. Hađar, dat. Heđi, acc. Höđ), ein blind dargestellter gott von gewaltiger stärke (Sn. 31), der ohne arg den tödlichen pfeil gegen Baldr abschießt, bei Saxo Hotherus genannt, weist auf einen goth. Haþus , ags. Heađo , ahd. Hadu , altfränk. Chado , deren uns noch spuren in eigennamen und dichterischen zusammensetzungen versichern. ahd. Hadupraht, Hadufuns, Hadupald, Hadufrid, Hadumâr, Hadupurc, Hadulint, Haduwîc (Hedwig) und 185 andere; welche formen zunächst an Catumêrus bei Tacitus (ahd. Hadumâr, Hadamâr) stoßen. in der ags. poesie haften die beiwörter heađorinc (vir egregius, nobilis) Cædm. 193, 4. Beov. 737. 4927; heađovelm (belli impetus, fervor) Cædm. 21, 14. 187, 8. Beov. 164. 5633; heađosvât (sudor bellicus) Beov. 2919. 3211. 3334; heađovæd (vestis bellica) Beov. 78; heađubyrne (lorica bellica) cod. exon. 297, 7; heađosigel (egregium jubar) cod. exon. 486, 17; heađogleám (idem) cod. exon. 438, 6; heađolâc (pugnae ludus) Beov. 1862. 3943; heađogrim (atrocissimus) Beov. 1090. 5378; heađosioc (pugna vulneratus) Beov. 5504; heađosteáp (celsus) Beov. 2490. 4301. Wenn in solchen ausdrücken die bedeutung nicht bloß unbestimmt erhöht ist, scheint der begrif von schlacht und kampf hervorgehoben und der gott oder held vorzüglich als ein kriegerischer gedacht und verehrt worden zu sein. Haþus, Höđr drückte also, neben Wuotan und Zio, erscheinungen des kriegs aus, er wurde blind vorgestellt, weil er glück oder unglück blindlings vertheilte (s.  172 ). Außer Höđr flicht sich sodann noch Hermôđr in den verlauf von Balders geschichte, Hermôđr wird zu Hel entsandt, den geliebten bruder aus der unterwelt zurückzufordern. Von ihm weiß schon Saxo nichts, die ags. genealogie setzt ihren Heremôđ unter Vôdens vorfahren und nennt Sceldva oder den sageberühmten Sceáf seinen sohn, während er dem Norden erst mit Baldr von Ođinn abstammt; auf ähnliche weise sahen wir s.  181 Freyr sowol für den vater als den sohn Niörđs angenommen. ein jüngerer Heremôđ tritt Beov. 1795. 3417 auf, aber in verwandtschaft mit den alten geschlechtern. er ist vielleicht der Sæm. 113 a neben Sigmundr genannte held, welchem Ođinn helm und brunie verlieh? auch ags. urkunden gewähren den namen (Kemble 1, 232. 141), und in ahd. erscheint Herimuot, Herimaot sehr oft (Graff 2, 699 a. 782 aus MB. 7, 373. Neugart no. 170. 214. 244. 260 a. 809. 822. 830. 834. Ried. no. 21 a. 821), doch kein gedicht, keine sage meldet von ihm Nachtrag: Höđr heißt Baldurs bani, andskoti . Saem. 95 a. b . er wird von dem neugebornen Vali auf den scheiterhaufen (â bâl) gebracht a. o. die edda stellt ihn weder als kriegsgott auf, noch bedeutet altn. höđr pugna, wol aber ags. heađo (Kemble Beov. bd. 1), so auch noch in heađolâf. Beov. 914 u. ir. cath pugna. Bei Saxo ist Hotherus schwedischer held, und nicht blind, aber tapfer, des bogens und der harfe kundig (ed. M. 111: citharoedus 123). er wird von waldnymphen begünstigt und mit unverwundbarem gewande, mit unwiderstehlichem schwerte begabt. ist auf ihn auch das schwed. märchen vom blinden Hatt . Gavallius s. 363 zu beziehen? zu erwägen sind Hadolâva, Hadeln, Hatheleria und Hadersleben. auch Hothersnes (heute Horsens?) in Jütland soll nach ihm heißen. Saxo 122. ags. Heađobeard wie Longbeard. Hermôđr heißt in sögubrot (fornald. s. 1, 373) bazt hugađr und ist gleich Helgi d. h. dem Helgi vergleichbar. Beov. 1795 wird er unmittelbar nach Sigemund genannt, er geräth in der Eoten gewalt und macht seinem volk sorge. auch 3417 wird er getadelt. bedeutet Hermôđr militandi fessus? dagegen spricht, daß ahd. neben Herimuot und Herimaot nie Herimuodi vorkommt. Hermôdes porn begegnet in Kembles chart. 3, 387, terra quae anglice Hermodesodes nuncupatur im chartol. mon. s. trinitatis (Guerard 5. Bertin s. 455). . Desto bedeutsamer sind die aufschlüsse des Merseburger fundes, nicht nur werden wir eines göttlichen Balders in Deutschland vollkommen sicher, es taucht ein verschollner mythus wieder auf, zugleich ein neuer, selbst dem Norden unbekannter name. Als Phol (Balder) und Wodan , erzählt das lied, einmal zu walde ritten, sei Balders fohlen, demo Balderes volon, der fuß ausgerenkt und sogleich die größte sorgfalt der himmlischen erwiesen worden, ihn wieder einzurichten; doch weder Sindgund und Sunna, noch Frûa und Folla vermochten es, erst Wodan der zauberkundige selbst konnte den fuß beschwören und heilen Nachtrag: Über Phol s. kl. schr. 2, 12–17. Ferd. Wachter im art. pferd der hall. encycl. (1845) erklärt phol für den pl. neutr. von phol, pullus equi. aber das gedicht braucht ja hernach die schwache allein richtige form volo, und welcher dichter hätte wol das pferd (wenn vol ein sg. sein sollte) oder die pferde des gottes neben oder gar vor dem gott genannt? und sagt man je von gehendem pferde fahren? . Dies ganze ereignis ist der edda so wenig als andern altn. sagen bekannt. doch was ein heidnischer spruch schon vor dem zehnten jh. in Thüringen wuste, hat sich seinem wesentlichen inhalte nach in beschwörungsformeln geborgen, die noch unter dem 186 schottischen und dänischen landvolk leben (vgl. cap. XXXIII Einrenken), nur daß auf Jesus angewandt wird, was die Heiden von Balder und Wodan glaubten. Es überrascht, daß Cato (de re rust. 160) gerade auch einen altrömischen, vielleicht sabinischen zauberspruch gegen die verrenkung mittheilt, der uns unverständlich, in dem aber deutlich ein gott angerufen ist: luxum si quod est, hac cantione sanum fiet. harundinem prende tibi viridem pedes IV aut V longam, mediam diffinde et duo homines teneant ad coxendices. incipe cantare in alio S. F. motas vaeta daries dardaries astataries Dissunapiter! usque dum coeant. weiteres gehört nicht hierher. Das erlahmte, in seinem gang aufgehaltne pferd Balders empfängt vollen sinn, sobald man ihn sich als lichtgott oder taggott vorstellt, durch dessen hemmung und zurückbleiben großes unheil auf der erde erfolgen muß. wahrscheinlich wuste es die sage im zusammenhang zu berichten; dem zwecke der zauberformel war nichts daran gelegen. Die namen der vier göttinnen hat der verfolg zu erörtern; hier zieht uns an, daß Balder mit einem bisher unerhörten namen zugleich auch Phol genannt wird. Das auge für unser alterthum braucht uns oft nur geöfnet zu werden. beachten des unbeachteten hat ergeben, daß von diesem gott Phol in ortsnamen noch wichtige spuren vorhanden sind. In Baiern lag ein Pholesauwa, Pholesouwa , etwa vier stunden von Passau, dessen die traditiones patavienses zuerst in einer zwischen 774–788 verfaßten urkunde (MB. vol. 28 pars 2 p. 21 no. 23), hernach viele spätere derselben gegend erwähnen, es ist das heutige dorf Pfalsau. die zusammensetzung mit aue eignet sich ganz für die annahme eines altheidnischen cultus. nicht nur auf bergen wurden die götter verehrt, auch auf inseln oder von bächen und flüssen eingeschloßnen auen, da wo fruchtbare wiesen trift, wälder schatten gaben. so das castum nemus der Nerthus in insula Oceani, so Fosetesland mit seinen weiden und quellen, wovon bald nachher. Baldrshagi (Balderi pascuum) dessen Friđþiofssaga erwähnt, war eine eingehegte friedstätte (griđastađr), die niemand schädigen durfte. ich finde, daß auch klöster, denen man gern altheilige, dem volk ehrwürdige plätze auswählte, oft auf auen angelegt wurden, und von einem nonnenkloster ist gerade der ausdruck gebraucht: in der megde ouwe (Diut. 1, 357) auch das altbairische kloster Chiemsee hieß ouwa (MB. 28 a , 103 a. 890) und später das männliche kloster daselbst der herren werd , das weibliche der nunnen werd . stat ›zo gottes owe ‹ in Lisch mekl. jb. 7, 227 aus einem zu Bertholds Crane gehörigen bruchstück. Demantin 242. . Die altn. mythologie liefert uns mehrere, nach den hehrsten göttern benannte auen: Ođins ey , (Odensee) auf Fühnen, ein andres Ođins ey (Onsöe) in Norwegen (fornm. sög. 12, 33); Thôrs ey fornm. sög. 7, 234. 9, 17; Hlêss ey (Lässöe) im Kattegat u. a. m. Kein ahd. 187 Wuotanesouwa, Donaresouwa kennen wir, aber Pholesouwa bietet denselben bezug dar. Wenig verschieden davon wird Pholespiunt sein (MB. 9, 404, um 1138. Pfalspiunt 5, 399 a. 1290), das heutige Pfalzpoint an der Altmühl zwischen Eichstädt und Kipfenberg, in einem ansehnlichen forste. piunt drückt einen eingehegten acker oder garten aus eine Salzburger urk. des 10 jh. bei Kleinmayrn p. 196: curtilem locum cum duobus pratis, quod piunti dicimus. , und so gut dem gott eine aue kann ihm auch ein feldstück geheiligt werden. Graff 3, 342 hat einen ort Frawûn piunt , der den umständen nach mit gleichem fug auf die göttin Frouwa bezogen werden darf, ohne zweifel fällt er wieder nach Baiern Nachtrag: Pfalsau hieß Pfoalsowa MB. 4, 519 (um 1126), Pholshou 4, 229, Pholsu 4, 219. 222. 223. Phůlsouua notizenbl. 6, 141. Pholsowe bair. quellen 1, 279. zu den in Haupts zeitschr. 2, 254 aufgezählten auen füge man noch des Wunsches ouwe. Gerh. 2308 (oben s.  118 ), der juncvrouwen wert . Iw. 6326 (Guest 196 b , lille as puceles) gotiswerder in Preußen. Lindenbl. 31. 150. Mit Pholespiunt hat man die anderen ebenfalls mit genitiven zusammengesetzten ortsnamen: Eburespiunt, Tutilispiunt, Heibistesbiunta (fin. wirceb.) zu vergleichen. . In den fuldischen traditionen dei Schannat s. 291 no. 85 begegnet die merkwürdige stelle: Widerolt comes tradidit sancto Bonifacio quicquid proprietatis habuit in Pholesbrunnen in provincia Thuringiae. auf dies Pholesbrunno hat nun nächsten anspruch das dorf Phulsborn unfern der Saale, von den städten Apolda, Dornburg und Sulza gleichweit entlegen, urkunden des mittelalters schreiben Phulsborn und Pfolczborn; es befindet sich aber auch ein anderes Falsbrunn , Falsbronn auf dem fränkischen Steigerwald an der rauhen Eberach. Pfolesbrunno gemahnt nun noch deutlicher an eine gottheit, und gerade an Balders, da sich auch Baldersbrunnen finden, ein Baldebrunno ist aus der Eifel und Rheinpfalz vgl. Schöpflins Alsat. dipl. no. 748 (a. 1285): in villa Baldeburne. eine westfälische urk. von 1203 (Falke trad. corb. s. 566) gewährt den ortsnamen Balderbroc , was palus, campus Balderi bedeuten könnte. aufgewiesen und gezeigt, daß die form in Baldersbrunno gebessert werden müsse, wie das spätere Baldenhain in Baldershain (zeitschr. f. d. a. 2, 256) und Bellstadt im schwarzburgsondersh. amte Klingen ehmals Baldersteti hieß (Schannat dioec. fuld. s. 244 a. 977) Nachtrag: Pfahlbronn bei Lorch. Stälin 1, 85. Pohlborn in der Wetterau (auf der teufelsmauer) s. 855. Johannes de Paleborne urk. a. 1300 (Thür. mitth. IV. 2, 48). ist dies Paderborn, und könnte dasselbe, das ndrd. Palborn, Balborn, Padelborn heißt, mit Baldersbrunnen in zusammenhang stehn? Balborn weisth. 1, 778. 779 in der Pfalz. Baldeburnen , Baldeborne Böhmers reg. s. 231. 232 (a. 1302). Heinrich von Pfolsprundt , ein chirurg, bruder des deutschen ordens um 1460. Polborn eigenname in Berlin. bei H. von Fritzlar heißt der monat jan. oder febr. volborne vgl. die eigennamen Vollborn und Fülleborn , auch Faulborn . GDS. 798. in der Wetterau begegnet auch Palgunse (neben Kirchgunse) Arnsb. urk. no. 439. de phalgunse s. 267. palgunse s. 298. Pholnrade . Thür. mitth. VI. 3, 2. Pfulnrode 4, 47. 66. Fulesbutle Lappenb. urk. no. 805. 812. a. 1283. 1284, heute Fuhlsbüttel. Balderslee in Schleswig soll hlie refugium ausdrücken und scheint dem von Saxo ed. M. 119 angegebnen ortsnamen Balderi fuga zu entsprechen. . Aus dem nordischen mythus von Balder, wie ihn Saxo gibt, erhellt, daß Balder seinem lechzenden heer in der hitze der schlacht einen brunnen schuf: victor Balderus ut afflictum siti militem opportuni liquoris beneficio recrearet, novos humi latices terram altius rimatus aperuit, quorum erumpentes scatebras sitibundum agmen hianti passim ore captabat. eorundem vestigia sempiterna firmata vocabulo quamquam pristina admodum scaturigo desierit, nondum prorsus exolevisse creduntur. Diese stelle ist das heutige Baldersbrönd unweit Roskilde (note zu Müllers Saxo s. 120). die sage mag aber mit deutschen zusammentreffen, die später auf könig Karl (s.  96 und unten Wütendes heer) anwandten, was das heidenthum von Balder erzählte; also ist die fortdauernde benennung selbst ein quell geblieben, aus dem der mythus von Balder neu hervortritt von Heracles und Zeus meldet die griechische überlieferung: φασὶ τὸν Ἡρακλέα δίψει ποτὲ καταχεϑέντα εὔξασϑαι τὸ Διὶ πατρὶ ἐπιδεῖξαι αὐτῶ μικρὰν λιβάδα. ὁ δὲ μὴ ϑέλων αὐτὸν κατατρύχεσϑαι, ῥίψας κεραυνὸν ἀνέδωκε μικρὰν λιβάδα, ἢν ϑεασάμενος ὁ Ἡρακλῆς καὶ σκάψας εἰς τὸ πλουσιώτερον ἐποίησε φέρεσϑαι (scholia in Il. 20, 74). dieser quell war Scamander, die λιβὰς Ἡρακλῆος läßt sich dem Pfolesbrunno wie der Pfolesouwa an die seite setzen, λιβάδιον ist wiese, aue, und darf nicht der auf dem Oeta entzündete scheiterhaufen des griech. halbgotts an Balders gemahnen? . 188 Phols name sitzt aber noch viel fester. ein Heinricus de Pholing erscheint häufig in den Altacher urkunden des 13 jh. MB. theil 11, ein Rapoto de Pholingen , Phaling MB. 12, 56. 60 und dieser ort liegt auf der linken seite der Donau unterhalb Straubingen, zwischen beiden stiften Altach; ich zweifle, ob das Polling andrer urkunden (und es gibt mehrere Polling in der Ammergegend) wegen der mangelnden aspiration und doppelten liquida dasselbe wort sei. Pfullendorf oder Follendorf bei Gotha heißt in urk. des 14 jh. Phulsdorf . Pholenheim Schannat. vind. lit. coll. 1, 48. 53. Zwischen dem Harz und Thüringen, unweit Scharzfeld liegt ein alter ort namens Pölde, in urkunden und schriften früherer zeit Polidi, Palidi, Palithi, Pholidi (gram. 2, 248) genannt, sitz eines bekannten klosters, das vielleicht wiederum an der stätte eines heidnischen heiligthums gestiftet wurde. Läßt sich hier die beziehung auf den gott sichern, so entnehmen wir zugleich das verhältnis der consonanten in dem namen. Bei Phol dringen so viel deutungen zu, daß man sich verirren würde, dürften sie sich alle geltend machen. das chaldäische bel oder bal scheint bloßer mehrern göttern zuständiger titel: bel Uranus, bel Jupiter, bel Mars. finnisch ist palo feuer, altn. bâl , ags. bael rogus, slav. paliti brennen, wozu das röm. Pales und die Palilien . phallus wurde vorhin erwogen. man muß sich vorerst der einheimischen anklänge versichern bei einer gottheit, die wir jetzt nur noch dem kahlen namen nach kennen Nachtrag: Daß Phol (kl. schr. 2, 12 ff.) bloße koseform von Balder oder Paltar sei, scheint doch höchst annehmbar; die verschiedenheit des anlauts stört nicht, wie denn z. b. Dudo koseform von Liudolf ist. außer dem celtischen Bel kann man auch Apollo zu Phol halten, da gr. α oft vorgeschoben wird. auch das lat. pol in Pol, edepol! (per Pollucem) könnte einem einfallen. phol , ful als eber (s.  832 ) zu erklären, könnte einem durch das dem pholespiunt entsprechende eburespiunt (s. anm. 581 ) nahe gelegt werden. volencel faunus. gl. bern. Diut. 2, 214 b ist gramm. 3, 682 aus fol, fou, stultus gedeutet worden. in Ovid. metam. 12, 306 kommt ein held Pholus vor. über den äthiopischen König Phol s. Haupts zeitschr. 5, 69 ff. . Bei der frage nach dem sinn des wortes Phol selbst lehne ich den gedanken ab, auf welchen man gerathen könnte, daß er bloße koseform von Balder oder Paltar sei, denn in solchen pflegt sich der anlaut des vollständigen namens stets zu bewahren; es wäre Balzo, Palzo, nicht Phol zu gewarten den eigennamen Folz erkläre ich aus Folbreht, Folrât, Folmâr u. dgl., er steht also ganz ab von Phol . . ebensowenig scheint das ahd. PH hier dem gewöhnlichen F gleichzusetzen, das zu dem sächsischen F stimmte, vielmehr eine aspirata, die der sächs. tenuis entsprechend urverwandte media B zur seite haben würde. da bekanntlich die sächs. anlaute P = hochd. PH fast nur in fremden wörtern eintreten (porta, phorta; putti, phuzi; pêda, pheit), so folgt, daß für Phol , wenn die sächs. form Pol ausgemacht ist, entweder solch ein fremdes P gesucht werden müsse, oder als seltne ausnahme, in der sich die regel der lautverschiebung bewähren würde, ein urverwandtes B. ich bin dieser letzten annahme geneigt, und halte zu Phol und Pol (deren o aus a entsprungen sein mag) den celtischen Beal, Beul, Bel, Belenus , eine gottheit des lichts oder feuers, den slav. Bjelbog, Belbog , samt den 189 adj. bel, bjel (albus) litth. baltas, welches durch die fortbildung T wahrscheinlich macht, daß Bäldäg und Baldr derselben wurzel sind, nur keine lautverschiebung erfahren haben. Phol und Paltar fallen also anfänglich zusammen, verkünden uns aber zwei von einander laufende historische entfaltungen desselben worts, und einen nicht unwichtigen unterschied in der mythologie einzelner deutscher stämme ich bin bei dieser ganzen untersuchung davon ausgegangen, daß Phol und Balder in dem Merseburger spruch ein und dasselbe göttliche wesen bezeichnen, wofür auch die nachgewiesne analogie zwischen Pholesouwa und Baldrshagi, Pholesbrunno und Baldrsbrunnr stark streitet: der cultus des gottes muß schon darum sehr im volk verbreitet gewesen sein, weil ihn das gedicht hintereinander mit verschiednen namen nennt, ohne misverstand zu befürchten. Sonst ließe sich den worten nach denken, daß Phol und Balder zwei verschiedne götter seien, und der frage bliebe ein weiter raum geöfnet, wer dann unter Phol gemeint sein könne? Wenn PH hier V = W vertreten dürfte, was aber gegen alle analogie ist und durch die beständige schreibung PH, PF in jenen ortsnamen fast beseitigt wird; so böte sich der altn. Ullr, bei Saxo p. 45 Ollerus dar, der (wie ull lana ahd. wolla) ahd. Wol lauten würde, so daß Wol endi Wôdan (Ullr ok Ođinn) vollständig alliterierten. Ullr steht in beziehung zu Baldr, welcher Sæm. 93 a Ullar sefl (Ulli cognatus) heißt Nachtrag: anm. 1. Über Ullr = ahd. Wol vgl. Haupts zeitschr. 7, 393, doch besser ist Ullr dem goth. Vulþus gleich zu setzen s. Haupts zeitschr. 8, 201 ff, jedoch s. anm. 409 . . allein der gen. verlangte Wolles, wogegen sich das einfache L in Pholes allenthalben sträubt. Dieser letzte grund entscheidet auch wider Wackernagels vorschlag, Fol als gott der fülle, neben Follâ, anzunehmen; ein ahd. Pilnitis würde dazu, scheint es mir, die schwache form Follo begehren. s. Haupts zeitschr. 2, 190. Noch mehr aber fordert der innere zusammenhang des liedes selbst Phols und Balders identität, denn es wäre seltsam, daß Phol im eingang genannt würde, ohne hernach in betracht zu kommen. . So weit sich absehen läßt, war der gott unter dem namen Phol vorzugsweise von Thüringern und Baiern, d. h. nach dem ausdruck älterer zeiten Hermunduren und Marcomannen gefeiert, doch scheinen sie daneben auch seine andere benennung Paltar und Balder gekannt zu haben, während bei Sachsen und Westfalen Baldag , Bäldäg galt, das ags. bealdor in die abstraction übergetreten war. Da nun der bairische Eor dem alamannischen Zio entgegenstand, so muß man darauf achten, ob auch Phol den Alamannen und andern ihnen verwandten stämmen unbekannt blieb? die untersuchung, wie weit diese namen in unser alterthum reichen, darf noch nicht abschließen. ich habe an den Pfol graben, die Pfal hecke erinnert, wofür sonst teufelsmauer gebraucht wird, und wiederum scheint die erregung des wirbelwinds in einigen gegenden dem teufel, in andern der Herodias, in noch andern dem Pfol zugeschrieben. das östliche Hessen an der Werra kennt einen ›ganz seltsamen‹ namen des wirbelwinds, welcher Bull - oder Boil - anfängt, mit scheu und widerstreben wird im benachbarten Eichsfelde Pulloineke (Münchner gel. anz. 1842 s. 762) ausgesprochen. ein Niddawitzer weisthum aus derselben gegend (3, 327) kennt den geschlechtsnamen Boyls perg (Polesberc?) Pfoylsperg. die schreibung Bull, Boil vertrüge sich mit der vorhin aufgestellten vermutung, doch den namen des harzischen götzen Biel (da Bielstein auf bîlstein, beilstein führt) mag ich nicht heranziehen. Schmids westerw. id. 145 hat pollecker , bollecker für gespenst, popanz Nachtrag: Der wirbelwind heißt Pulhoidchen , Pulhaud . Schambach 161. vgl. unten s.  236 . 526 . 529 . neben Boylsperg findet sich auch Boylborn . mitth. d. Thür. vereins V. 4, 60. Fold s.  829 . Reinwald henneb. id. 1, 37 hat die redensart: etwas für seinen foll haben oder nehmen müssen d. h. ein übel, das man sich durch frevel zugezogen, tragen müssen. nach der Achner mundart 56 nennen die weber follche , füllchen das aus bei seite geschaftem garn gewobene tuch. Im alten bannforst ›Kammerforst‹ bei Trier, den keiner mit › gesteppten leimeln ‹ (genagelten schuhen) betreten durfte, wohnt ein geist, der holzfrevler und spötter züchtigt. er heißt Pulch , was noch trierscher familienname ist. der berg bei Trier, von dem das rad in die Mosel gerollt wurde (vgl. anm. 495 ), heißt auch der Pulsberg . bei Waldweiler liegt ein Pohlfels , im kreise Prüm ein Pohlbach . . Aus dem östlichen Deutschland in das nordwestliche gewiesen werden wir zuletzt durch einen dem Baldercultus genau angehörigen 190 namen, der sich wieder an die edda schließt. Sie führt unter den Asen einen sohn Balders und Nannas, Forseti auf, welcher gleich seinem vater in einem leuchtenden, von gold und silber gebauten saale Glitnir (glit nitor, splendor, ahd. kliz) wohnt und, wie schon Baldr selbst der weiseste, beredteste, mildeste gott heißt, dessen ausspruch unumstößlich ist (Sn. 27), für den weisesten richter bei göttern und menschen gilt; er schlichtet alle streitigen sachen (Sæm. 42 a Sn. 31. 103), weiter wird nichts von ihm berichtet Nachtrag: Forsetalund in Norwegen. Munch beskrivelse 483. . Dieser Forseti ist wolbefugt mit dem friesischen gott Fosite zusammengehalten worden, von welchem uns einige im neunten jh. abgefaßte lebensbeschreibungen schätzbare kunde geben. die vita sancti Wilibrordi († 739), wie sie der berühmte Alcuin († 804) geschrieben, erzählt cap. 10 folgendergestalt: cum ergo pius verbi dei praedicator iter agebat, pervenit in confinio Fresonum et Danorum ad quamdam insulam, quae a quodam deo suo Fosite ab accolis terrae Fositesland appellatur, quia in ea ejusdem dei fana fuere constructa. qui locus a paganis in tanta veneratione habebatur, ut nil in ea vel animalium ibi pascentium, vel aliarum quarumlibet rerum gentilium quisquam tangere audebat, nec etiam a fonte qui ibi ebulliebat aquam haurire nisi tacens praesumebat. Quo cum vir dei tempestate jactatus est, mansit ibidem aliquot dies, quousque sepositis tempestatibus opportunum navigandi tempus adveniret. sed parvipendens stultam loci illius religionem, vel ferocissimum regis animum, qui violatores sacrorum illius atrocissima morte damnare solebat; tres homines in eo fonte cum invocatione sanctae trinitatis baptizavit. sed et animalia in ea terra pascentia in cibaria suis mactare praecepit. quod pagani intuentes arbitrabantur, eos vel in furorem verti, vel etiam veloci morte perire; quos cum nil mali cernebant pati, stupore perterriti regi tamen Radbodo quod viderant factum retulerunt. Qui nimio furore succensus in sacerdotem dei vivi suorum injurias deorum ulcisci cogitabat, et per tres dies semper tribus vicibus sortes suo more mittebat , et nunquam damnatorum sors, deo vero defendente suos, super servum dei aut aliquem ex suis cadere potuit; nec nisi unus tantum ex sociis sorte monstratus martyrio coronatus est. Radbod fürchtete Pippin, den fränkischen könig, und entließ den bekehrer unverletzt acta sanctor. Bened. sec. 3 pars 1. p. 609. . Was Wilibrord unausgeführt gelassen hatte, brachte einige zeit nachher ein anderer geistlicher zu stand, wie die vita Liudgeri, abgefaßt von Altfrid († 849) zum jahr 785 berichtet: ipse vero (Liudgerus) . . . . studuit fana destruere, et omnes erroris pristini abluere sordes. curavit quoque ulterius doctrinae derivare flumina, et consilio ab imperatore accepto, transfretavit in confinio Fresonum atque Danorum ad quandam insulam, quae a nomine dei sui falsi Fosete Foseteslant est appellata . . . . . . . pervenientes autem ad eandem insulam, destruxerunt omnia 191 ejusdem Fosetis fana , quae illic fuere constructa, et pro eis Christi fabricaverunt ecclesias. cumque habitatores terrae illius fide Christi imbueret, baptizavit eos cum invocatione sanctae trinitatis in fonte, qui ibi ebulliebat, in quo sanctus Willibrordus prius homines tres baptizaverat, a quo etiam fonte nemo prius haurire aquam nisi tacens praesumebat (Pertz 2, 410). offenbar hatte Altfrid Alcuins arbeit zur hand. die insel nahm seitdem den namen hêlegland , Helgoland an, den sie noch heute fortführt; den bekehrern war auch hier daran gelegen, einen auf der stätte ruhenden begrif der heiligkeit für das christenthum zu erhalten. Adam von Bremen, in seiner schrift de situ Daniae (Pertz 9, 369) äußert sich über die insel nachstehendermaßen: ordinavit (archiepiscopus episcopum) in Finne (Fühnen) Eilbertum, quem tradunt conversum (l. captum) a piratis Farriam insulam, quae in ostio fluminis Albiae longo secessu latet in oceano, primum reperisse constructoque monasterio in ea fecisse habitabilem. haec insula contra Hadeloam sita est. cujus longitudo vix viii milliaria panditur, latitudo quatuor; homines stramine fragmentisque navium pro igne utuntur. sermo est piratas, si quando praedam inde vel minimam tulerint, aut mox perisse naufragio, aut occisos ab aliquo, nullum redisse indempnem , quapropter solent, heremitis ibi viventibus decimas praedarum offerre cum magna devotione . est enim feracissima frugum, ditissima volucrum et pecudum nutrix, collem habet unicum, arborem nullam, scopulis includitur asperrimis, nullo aditu nisi uno, ubi et aqua dulcis (die quelle, aus der man schweigend schöpfte), locus venerabilis omnibus nautis , praecipue vero piratis, unde nomen accepit ut Heiligeland dicatur. hanc in vita sancti Willebrordi Fosetisland appellari dicimus, quae sita est in confinio Danorum et Fresonum. sunt et aliae insulae contra Fresiam et Daniam, sed nulla earum tam memorabilis. Der hier zuerst genannte name Farria ist entweder aus verwechslung der insel Föhr mit Helgoland entsprungen, oder man hat zu bessern: a piratis farrianis. aus den gebräuchen der schiffer und wikinge noch der christlichen zeit bestätigt es sich, wie heilig der ort im heidenthum gehalten wurde Nachtrag: Spätere fischer und schiffersagen auf Helgoland und das umtragen eines götzenbildes S. Giets berichtet Müllenhoff no. 117. 181. 535. vgl. s.  597 . ähnliche oft damit verwechselte namen (vgl. fornm. sög. 12, 298) sind: Hâlogaland , heute Helgeland, im nördl. Norwegen und Halland die schwedische, ehemals dänische landschaft, die in Alfreds periplus Halgoland heißt. muß man Hâlgoland schreiben? vgl. Helgi s. 322. . Auf einer insel, zwischen Dänemark, Friesland und Sachsen gelegen, dürfen wir einen heidnischen gott erwarten, der diesen stämmen unter einander gemein war. es wäre seltsam, daß der friesische Fosite den Nordländern unbekannt gewesen, und noch seltsamer, daß der eddische Forseti ein davon ganz verschiedner gott sein sollte. freilich hätte man bei Saxo gramm. eine erwähnung gerade dieser gottheit erwartet, der ihrer völlig geschweigt; allein er gedenkt mancher anderer nicht, und in seinen tagen mag Fosites name unter den Friesen verklungen gewesen sein. In beiden namen ist einige abweichung, wie zwischen zwei völkern natürlich: altn. Forseti , gen. Forseta , fries. Fosite , gen. Fosites . leichteste annahme scheint, daß durch assimilation aus Forsite Fossite, Fosite entsprang oder R ausfiel, wie ahd. mosar 192 f. morsar, nnd. möser. im fries. Angeln ist nach Hagerup s. 20 föst, föste = förste, primus. auch läßt sich sonst Fosite kaum deuten. forseti ist praeses, princeps, was in ein ahd. forasizo übersetzbar scheint; passende benennung für den gott, der dem gericht vorsitzt und alle händel beilegt. das goth. faúragaggja gewährt einen ganz ähnlichen sinn, den ich auch noch in viel jüngeren denkmälern mit dem ausdruck vorgänger verbunden finde. Vollständigere ags. genealogien würden uns vielleicht einen Forseta oder Forsete als Bäldägs sohn nennen spätere schriftsteller haben aus Fosete eine weibliche göttin Foseta, Phoseta, Fosta gemacht, um sie der römischen Vesta zu nähern; helgoländische carten, auf denen sich ein templum Fostae vel Phosetae vom j. 768, ein templum Vestae a. 692 angemerkt findet, sind in Majors Cimbrien (Plön 1692) ersonnen worden, vgl. Wiebels programm über Helgoland. Hamb. 1842. In die unechte vita Suiberti cap. 7 konnte der gott Foste und Fosteland leicht gelangen. . Nachtrag: Villa Forcsazi in pago Lisgau (Förste bei Osterode?) in einer urk. Ottos III a. 990 bei Harenberg Gandersheim 625. Falke s. 483. Walterus de Forsaten (j. Förste bei Alfeld) Falke s. 890 a. 1197. in Saxonia in pago qui vocatur Firihsazi . Einhard. ann. a. 823 (Pertz 1, 211) mit den varianten: firihsati, fiuhsazi, frihsazi, strihsazi, firichsare, virsedi . in den ann. fuld. (Pertz 1, 358) Firihsazi. die anm. 596 vermuthete herleitung von fors cataracta scheint die sicherste. GDS. 757. Forseti , Fosite bewähren uns die ausbreitung des Baldrdienstes. ist aus Pholesouwa, aus Baldrshagi zu folgern, daß dieser gott inseln und auen liebte, so stimmt dazu Helgoland, wo die heerden seines sohnes weideten, vielleicht die verehrung der seulen des Hercules, welche nach Tacitus auf eine andere benachbarte insel gelegt werden kann bei Fosete ist mir ein andrer gedanke durch den kopf gefahren. im anhang zum heldenbuch heißen Ecke , Vasat , Abentrot brüder. die form Fasat statt der gewöhnlichen Fasolt braucht kein fehler zu sein, es gibt mehrere ahd. mannsnamen auf -at, alts. auf -ad, -id, und Fasat, Fasolt bestehen nebeneinander. Fasolt (vgl. cap.  XX . Sturm) und Ecke wurden aber für göttliche riesen des windes und wassers, Abentrot für einen dämon des lichts erkannt. Wie Ecke-Oegir an der Eider und auf Lässöe konnte Fosite auf Helgoland verehrt werden. Die übereinkunft mit Forseti darf man nicht fallen lassen, nur die deutung Forseti, Forasizo wird bedenklich, ich hätte lust Forseti aus fors (strudel) dän. fos zu erklären, und einen dämon des strudels, einen Fossegrimm (vgl. cap.  XVII . Nichus) anzunehmen, wozu des Fosite heilige quelle stimmt. Jenen drei brüdern wird aber im heldenbuch ein vater Nentigêr (denn so ist für Mentiger zu lesen) = ahd. Nandgêr gesetzt, und gemahnt er nicht an Forsetis mutter Nanna = Nandâ? . 193 Cap. XII. Andere Götter. Außer den bisher abgehandelten göttern, die sich mit völliger bestimmtheit bei allen oder den meisten deutschen volksstämmen nachweisen ließen, zählt die nordische mythologie noch eine reihe anderer auf, deren spur schwerer zu verfolgen sein wird, oder gänzlich ausgeht. es sind großentheils solche, von denen auch der Norden selbst an jüngeren nachrichten arm oder verlassen ist. Heimđallr , nach jüngerer schreibung Heimdallr, bei Saxo nirgends mehr genannt, gleich Baldr ein gütiger, lichter gott ( hvîtastr âsa Sæm. 72 a wenn es in dieser stelle von H. heißt: vissi hann vel fram sem Vanir ađrir , so wird hier seine klugheit bloß der vanischen verglichen (gramm. 4, 456 über ander ), nicht gesagt, daß er zu den Vanen gehöre, wovon sonst nicht das geringste erhellt. fornald. sög. 1, 373 ist er, ich weiß nicht warum, genannt: heimskastr allra âsa, welches heimskr sonst unerfahren ausdrückt, was die mhd. dichter unter tump meinen. , sverđâs hvîta Sæm. 90 a , hvîti âs Sn. 104), der himmlischen brücke (des regenbogens) hütend und in Himinbiörg (den himmelsbergen) wohnhaft. an himinn klingt auch das heim in dem ersten theil seines namens; þallr scheint verwandt mit þöll, gen. þallar (pinus) schwed. tall, schweiz. däle (Stald. 1, 259, vgl. Schm. 2, 603. 604 über mantala), doch heißt þöll auch ein fluß (Sn. 43) und Freyja führt den beinamen Mardöll (gen. Mardallar) Sn. 37. 154; dies alles bleibt noch dunkel. kein eigenname in den übrigen deutschen mundarten entspricht dem Heimdallr, zu Himinbiörg (Sæm. 41 b 92 b ) oder dem abstracten himinfiöll (Sæm. 148 a Yngl. saga cap. 39) lassen sich andere ortsnamen halten: ein Himilînberg (mons coelius) auf dem geister hausen, in der vita s. Galli (Pertz 2, 10); Himelberc in Lichtensteins frauend. 199, 10, ein Himilesberg im Fuldischen (Schannat Buchon. vet. 336), mehrere in Hessen (Kuchenb. anal. 11, 137) unweit Iba und Waldkappel (niederh. wochenbl. 1834 s. 106 und 2183), in Vestgötland ein Himmelsberg und (angeblich der heimdallische) in Halland. aber auch Himinvângar (Sæm. 150 a ), alts. hebanwang, hebeneswang, paradies (s. cap.  XXV .) ags. Heofenfeld (coelestis campus) Beda p. 158 und ähnliche bald bestimmte bald allgemeinere namen sind zu erwägen und gestatten keinen sicheren schluß auf diesen gott. Andere züge sind fast märchenhaft: er soll sohn von neun müttern, riesinnen, gewesen sein (Sæm. 118 a. b. Sn. 106. Laxd. 194 s. 392), bedarf weniger schlaf als ein vogel, sieht bei nacht wie bei tag hundert meilen weit und hört das gras auf der erde, die wolle auf den schafen wachsen (Sn. 30) vgl. KM. 3, 125. . Sein pferd heißt Gulltoppr (goldzopf) und er selbst hat goldne zähne li diente d'oro . pentam. 3, 1; von einem Haraldr: tennr voru miklar ok gulls litr. â. fornald sög. 1, 366. , daher die beinamen Gullintanni und Hallinskîđi (tennur Hallinskîđa. fornm. sög. 1, 52). es ist bemerkenswerth, daß unter den namen des widders Hallinskîđi und Heimdali angeführt werden (Sn. 221 b ). Als wächter und wärter der götter (vörđr gođa, Sæm. 41) läßt Heimdall ein lautes horn ( Giallarhorn ) erschallen, das unter heiligem baume bewahrt wird (Sæm. 5 b 8 a Sn. 72. 73). Was Völuspâ bezeugt muß hohem alterthum angehören Nachtrag: Heimđallr wird von Leo vorl. 131 als heimdolde, weltbaum gedeutet. wenn d anstatt đ richtig wäre, so vergliche sich ags. deal, dealles (z. Andr. s. 126). Heimđall, vîdđunnari enn vörđr međ gođum. Sæm. 85 a , der sverdâs, in Himinbiörg mahnt an den das paradies mit dem schwert hütenden engel. El. 755 ff. auch daß er bläst, wann Surtr naht, erinnert an das horn des engels beim jüngsten gericht 1 Cor. 15, 52 (bei Ulf. þuthaurn f. tuba). ein Himilesberc auch in Mones anz. 6, 228. Heofenfeld ist ortsname in Northumberland. Lye s. v. (s. 685) vgl. des himels lant . Suchenw. 46, 75. Heimđallr heißt auch Vindler Sn. 105, bei Resen Vindlere. wie er unter den nordischen, hat Ahti oder Lemminkäinen unter den finnischen göttern das feinste gehör. Kalev. 17, 7. (vom gras wachsen hören spricht auch Anshelm 3, 64.) er ist sohn von neun müttern, riesinnen vgl. auch Laxd. saga s. 392 und zugleich Ođinssohn. Sn. 211 a . heißt das, daß sein vater hinter einander neun weiber hatte? Liber hieß den Römern bimater , der zweimal geborne, der zwei mütter hatte. vgl. den namen Quatremère. . Gleich zu eingang dieses gedichts werden aber alle erschaffnen wesen, die größeren und kleineren, megir Heimđallar , des gottes söhne oder kinder genannt, er scheint also bei schöpfung der welt und der menschen gewaltet und eine erhabnere rolle gespielt zu haben, als ihm hernach beigelegt wird. Wie neben Wuotan dem krieg Zio, der fruchtbarkeit Frô vorstand, mag auch die schöpferische gewalt zwischen Ođinn und Heimđallr getheilt gewesen sein. Die erste anordnung der menschlichen stände läßt ein bedeutsam angelegtes eddisches lied eben aus Heimđallr hervorgehn, der unter dem namen Rîgr die welt durchwandert Nachtrag: Sæm. 100 a . 105 a heißt Rîgr stîgandi und gângandi . er ist Yngl. s. 20 der erste dänische könig und sein sohn heißt Danpr , dessen tochter Drôtt den Dyggvi zeugt, und dessen sohn Dagr ist. auch Sæm. 106 b stehn Danr ok Danpr zusammen. vgl. Finn Magn. lex. s. 670. . ich habe gewagt eine zwar viel jüngere, noch in den letzten jahrhunderten tief wurzelnde deutsche überlieferung, deren ursprung sonst schwer zu erklären wäre, bis auf die heidnische zurück zu leiten zeitschrift f. d. a. 2, 257–267. vgl. cap. XIX . . Was den namen Rîgr betrift, so scheint er mir durch aphaeresis, wie dis aus idis, aus einer älteren form entsprungen, die ich nicht genau bestimme, doch dem mhd. Irinc vergleiche, da altn. n vor g und k öfter ausfällt (vgl. stînga, stack; þacka, þânki) und wie später gezeigt werden soll, Iringes strâza, Iringes wec mit einer schwed. Eriksgata übereinkommt der gammel Erik , gammel Erke ist dem schwed. volk zum teufel ausgeartet; vgl. oben s.  103 über Erchtag . . Dem vom himmel zur erde niedersteigenden gott, dessen behausung an Bifröst grenzt, war die glänzende milchstrasse höchst angemessen. Von seinem cultus zeugen norwegische ortsnamen Heimdallarvattn , ein see in Guldbrandsdalen (Guđbrandsdalir), und Heimdallshoug ; ein berg in Nummedalen (Naumudalr); beider geschieht in den altn. sagen keine meldung. Vor andern göttern möchte man eine allgemeinere verehrung des altn. Bragi wieder erkennen, auf den die gabe der dichtkunst und beredsamkeit bezogen wird. er heißt der beste aller skalde (Sæm. 46 a Sn. 45) frumsmiđr bragar (auctor poeseos) und die poesie selbst bragr Sæm. 113 b von Ođinn: gefr hann brag skâldom (dat carmen poetis). ; ihm zu ehren wurde Braga full oder 195 bragar full (s.  49 ) gebracht, es scheint daß die formen bragi gen. braga und bragr, gen. bragar schwankten, wenigstens steht jenes in der redensart bragr karla = vir facundus, praestans, und in âsa bragr (deorum princeps) = Thôrr (Sæem. 85 b Sn. 211 b ), Bragi (Sn. 21 b .) ja bragr qvenna bedeutet (Sæm. 218 a ) femina praestantissima. Ein altberühmter dichter und könig, verschieden von dem gott, führte aber selbst den namen Bragi hinn gamli , seine nachkommen hießen Bragnîngar. der sänger wurde alt und langbärtig gedacht; sîđskeggi und skeggbragi (Sn. 105), was an Ođinn mit langem bart, den erfinder der dichtkunst (s.  121 ) gemahnt, ja Bragi soll Ođins sohn sein (Sn. 105) Nachtrag: Bragi heißt beckskrautuđr scamnorum decus. Sæm. 61 b . er ist Sæm. 164 bruder des Dagr und der Sigrûn. appellativisch bragnar , viri, dat. brögnum. Sæm. 152 a . . In den ältesten ags. gedichten begegnet, überall nur im nom. sg., ein ausdruck brego oder breogo , mit dem sinn von rex oder princeps, bregostôl Beov. 4387. Andr. 209 ist thronus regius, bregoveard Cædm. 140, 26. 166, 13 princeps bei Beda 4, 23 (Stevens. p. 304) ein frauenname Bregusuid, Bregosviđ, Kemble urk. 5, 48 (a. 749) Bregesviđestân und in Kembles urk. 1, 133. 134 (a. 762) 5, 46 (a. 747). 5, 59 (a. 798) der mannsname Bregovine. bregorôf Beov. 3847 ist clarissimus. . da ihm aber genitive pl. beigefügt werden: brego engla Cædm. 12, 7. 60, 4. 62, 3. brego Dena Beov. 848. häleđa brego Beov. 3905. gumena brego Andr. 61. beorna breogo Andr. 305 (vgl. brego moncynnes cod. exon. 457, 3): so erwächst eine bedeutsame analogie zu dem eben angeführten bragr karla, und den mit den götternamen Tŷr, Freá und Bealdor gerade so verbundnen genitiven (s.  162 . 175 . 182 ). Auch das ags. brego scheint auf einen verdunkelten gott zu weisen, obgleich formen und vocalverhältnisse nicht genau zutreffen das irische breitheam, brethemb (judex) soll fast wie brehon ausgesprochen werden, vgl. transactions of the irish acad. 14, 167. . Ihre abweichung ladet sogar ein, die wurzel aufzusuchen, unter welcher sie vereinbart werden könnten: ein briga, brag wäre dazu geschickt. bloß den sächs. und friesischen sprachen, weder den nord. noch hochdeutschen ist ein unaufgehelltes wort eigen für cerebrum: ags. brëgen (wie rëgen pluvia, daher minder gut geschrieben brägen), engl. brain, fries. brein, niedersächs. bregen; ich meine darin berührung mit den begriffen verstand, klugheit, beredsamkeit, nachahmung wahrzunehmen und vergleiche φρήν, φρένος, -φρων, -φρονος. altn. bedeutet bragr außer poesis auch mos, gestus und braga eftir einum, referre aliquem gestu, imitari. im ahd. ist nichts was sich anschlösse und ein eigenname Prako, Brago, Brëgo unerhört. Trat aber bei den Sachsen noch eine leise spur des gottes oder göttersohnes ans licht, so darf hervorgehoben werden, daß in einer alts. urkunde von 1006 ein ortsname Burnacker (Lünzels Hildesheim s. 124 vgl. vorrede V) vorkommt Nachtrag: Burnacker . Förstemann 2, 4. brunnacker in H. Meyers Zürch. ortsn. 523. weisth. 1, 119. daher wol der eigenname Brünacker bei Konr. v. Weinsberg. 3. 4. . Bragi und seine gemahlin Idunn wohnten in Brunnakr (Sn. 121 a ), und sie heißt Brunnakrs beckjar gerđr, brunnakerinae sedis ornatrix, 196 nach Sk. Thorlacius auslegung (spec. 6 p. 65. 66). quell und brunne eignen sich, aus mehr als einer ursache, für einen gott der dichtkunst, aber freilich ist die benennung brunnacker so natürlich, daß sie auch ohne allen bezug auf götter entstehen konnte. In irgend einem näheren verhältnis scheint Bragi mit Oegir gestanden zu haben, und ließe sich analogie zwischen beiden behaupten, der es aber noch an weiteren gründen gebricht, so würde sich neben jenem briga, brag die wurzel braga, brôg darbieten, und das ags. brôga (terror) ahd. pruoko, bruogo verwandt sein. beziehung des Bragi zu Oegir erhellt daraus, daß in dem gedicht Oegisdrecka Bragi besonders vortritt, und nach Sn. 80 dem Oegir zunächst saß; weshalb er auch in vertraulichem gespräche mit ihm göttersagen vorträgt, die davon Bragaræđur (reden des Bragi) heißen. sehr schicklich, ohne zweifel, wurden diese erzählungen, wobei ihn Oegir oft mit fragen unterbricht (Sn. 93), wie im ersten theil der edda Gângleri den vortragenden Hâr, dem vorstand der poesie in den mund gelegt. Oegir nun ein älterer, nicht in die reihe der Asen tretender, aber friedlich mit ihnen verkehrender riesischer gott führt den namen des grausenden, schauerlichen. aus der wurzel aga, ôg sind genug ableitungen in unsrer ältesten sprache entsprossen, goth. agis φόβος, ög φοβέομαι, ahd. akiso, egiso, ags. egesa horror, ahd. akî, ekî, ags. ege (oder êge?) terror, altn. œgja terrori esse, man darf hier nur œ, nicht æ schreiben. dem eigennamen Oegir entspräche ein goth. Ôgeis, ags. Êge, ahd. Uogi, wofür ich nur die schwache form Uogo , Oago nachweisen kann. œgir bezeichnet aber auch das meer selbst, sôl gengr î œginn, die sonne sinkt ins meer, geht unter; œgisior pelagus gleicht dem goth. marisáivs, das ags. eagor und êgor (mare) verhalten sich zu êge wie sigor zu sige. wichtig ist die einstimmung des griech. ὠκεανός, Ὠκεανός und Ὠγήν, woher das lat. oceanus, Oceanus entlehnt wurde, unverwandt scheint lat. aequor (mare placidum), das nicht zu aqua (goth. ahva) sondern aequus gehört Oegir heißt auch Gymir Sæm. 59. Gûmir Sn. 125. 183. vielleicht epulator? doch kenne ich für das altn. gaumr bloß die bedeutung cura, attentio, während das ahd. gouma, alts. gôma cura und epulae, das ags. gŷming cura und nuptiae ausdrückt. Nachtrag: Thom. Carlyle: on heroes, heroworship and the heroic in history. Lond. 1841. s. 30: now this day, on our river Trent, as I learn, the Nottingham bargemen, when the river is in a certain flooded state (a kind of backwater or eddying swirl it has, very dangerous to them) call it Eager ; they cry out: ›have a care, there is the eager coming!‹ dies ist ags. eagor . noch in Baileys wb. heißt die flut eager . der finnische meergott, der grasbärtig auf einer seelilie sitzt, heißt Ahto oder Ahti , gen. Ahin . Kalev. 22, 301. 29, 13. 15. vgl. kl. schr. 3, 122. . Das rauschende element erregte schauer und den gedanken an eines gottes unmittelbare nähe; wie Vôden auch Vôma hieß (s.  119 . 120 ), Ođinn Omi und Yggr, so werden von ags. dichtern die ausdrücke vôma, svêg, brôga und egesa beinahe gleichbedeutend für geisterhafte, göttliche erscheinungen verwendet (Andr. und El. s. xxx – xxxii ). Oegir war also ein höchst passender name und berührt sich mit den s.  172 entwickelten begriffen der furcht und des grauns. Diese deutung bestätigen andere mythische vorstellungen überraschend. 197 In der edda ist von einem grausenerweckenden helm die rede, welcher Oegishialmr heißt: er öll qvikvendi brœđast at siâ (Sn. 137), einen solchen trug Hreiđmar, dann Fafnir, während er auf dem golde lag, und erschien allen, die ihn erblickten, desto fürchterlicher (Sæm. 188 a ); vera undir Oegishialmi , bera Oegishialm yfir einum bedeutet furcht, ehrfurcht einflößen (Laxd. saga s. 130. Islend. sög. 2, 155); ek bar Oegishialm yfir alla folki (fornald. sög. 1, 162); hafa Oegishialm î augum (fornald. sög. 1, 406) bezeichnet jenen fürchterlichen, scharfen blick der augen, den andere nicht aushalten, der bekannte schlangenblick, ormr î auga war etwas ähnliches gêkk alvaldr und Ŷgishialmi (fornm. sög. 9, 513). die schreibung mit ŷ gereicht zur bestätigung des œ, und widerlegung des æ, da nicht für dieses, wol aber für ienes ŷ stehen darf, vgl. môr und mŷri = mœri (gramm. 1, 473). . Deutliche spur dieses nordischen helms finde ich nun in dem ahd. mannsnamen Egihelm (trad. fuld. 1, 97; bei Schannat no. 126 p. 286 Eggihelm) d. h. Agihelm , identisch mit der ablautenden form Uogihelm , die ich nicht aufweisen kann. aber in dem Eckenliede selbst wird Eckens kostbarer und zauberkräftiger helm, ja anderwärts Ortnits und Dietrichs helm genannt Hildegrîm , Hildegrîn , und grîma altn. larve, helm (Sæm. 51 a name der nacht) hat sich jetzt auch in der fuldischen glosse bei Dronke s. 15 dargeboten, scenici crîmûn setzt einen sg. krîmâ larva, persona, galea voraus, so verstehen wir Krîmhilt (gramm. 1, 188) den namen einer mit dem schreckenshelm gerüsteten Walkurie, und warum in einer andern glosse daemon durch egisgrîmolt verdeutscht wird. nicht anders bedeutet das ags. egesgrîme larve und El. 260 wird der durch sein eberbild erschreckende helm grîmhelm genannt. ich darf mutmaßen daß auch dem wolf in der alten thierfabel solch ein furchtbarer helm und davon selbst der name Isangrîm beigelegt wurde (Reinh. ccxlii ) Nachtrag: An Oegis helm gemahnt der Exhelmer stein auf einer höhe des Kellergebirges. hess. zeitschr. 1, 245. über Grîmr œgir s.  850 . im helm lît ein hiltegrîn . Dietr. drachenk. 11. Claudian. in Prob. et Olybr. 92: galeaeque minaci flava cruentarum praetenditur umbra jubarum. Virg. Aen. 8, 620: terribilem cristis galeam. . Damit sind vielfach in einander greifende vorstellungen noch nicht erschöpft: wie der helm des gottes oder helden schrecken erregte, muste es auch sein schild und schwert, und es scheint bedeutend, daß ein von zwergen geschmiedetes grauenvolles schwert, wieder nach beiden formen, in der Vilkinasaga Eckisax , in Veldeks Eneit Uokesahs (man darf nichts ändern) heißt, in dem Eckenlied Ecken sahs, wie Hildegrîn Ecken helm, Eckes helm. In der griech. αἰγίς suche ich keine wörtliche verwandtschaft, aber dieser schild des Zeus αἰγίοχος (Il. 15, 310. 17, 593), den zuweilen Athene (2, 447. 5, 738) und Apollo (15, 229. 318. 361. 24, 20) schütteln, verbreitet grausen, wie Oegishialmr, Hildegrîm und Eckisahs; auch an des Pluto unsichtbarmachenden helm darf gedacht werden. Jener alte meergott, Oceanus und Oegir Nachtrag: Oegir ist iötunn. Hym. 3 und heißt bergbûi . Hym. 2. altn. ôgn f. heißt terror und oceanus. ôgnar liomi aurum. Sæm. 152 a . ôgorlig Oegisdottor. 153 a . ölsmiđr = Oegir. Egillss. 618. was bedeutet Oegisheimr Sæm. 124 b . 125 a ? Egisleiba , Agistadium s. Haupts zeitschr. 8, 588. ein ort Agasûl am Zürchersee (Haupts zeitschr. 2, 536) scheint gebiidet wie Agadora (s.  198 ). oegisandr , meersand. Barl. 26, 20. , in dessen halle gold leuchtete (Sæm. 59) das getränke in dem großen fest, das er den göttern gab, trug sich von selbst auf (sialft barsc þar öl. Sæm. 59), wie Hefästs dreifüße αὐτόματοι in den ϑεῖον ἀγῶνα giengen und zurückkehrten. Il. 18, 376. gerade so hatte Freyr ein schwert, er sialft vegiz (das sich von selbst schwingt) Sæm. 82 a und Thors Miölnir kehrt jedesmal nach dem wurf von selbst wieder. , wird vor allen den leuchtenden helm getragen 198 haben, der von ihm den namen führt. Sein ahd. name muß, nach allen diesen ausführungen Aki oder Uoki lauten, und es gehört keine kühnheit mehr zu der annahme, daß in dem völlig riesenhaft gehaltnen Ecke unsrer heldensage ein niederschlag des heidnischen gottes erscheine. Eckes mythisches wesen wird durch das seiner brüder Fasolt und Abentrôt, auf die ich später zu sprechen kommen werde, bestätigt. Wie dem griech. Okeanos flüsse als söhne und töchter beigelegt werden, zeugt der nord. Oegir mit Rân neun töchter, deren namen die edda (Sn. 185) auf gewässer und wellen anwendet. es ist zu erwarten, daß auch in unserm alterthum den strömen und flüssen, die meist weiblich gedacht waren, ähnliche bezüge auf den meergott zustanden. Gerade in einem solchen örtlichen namen ist er deutlich zu erkennen. die Eider , ein fluß welcher die Sachsen von den Normannen scheidet, hieß im achten neunten jh. bei den fränk. annalisten Egidora , Agadora , Aegidora (Pertz 1, 355. 370. 386. 2, 620. 631); Helmold I, 12. 50 schreibt Egdora . die altn. denkmäler setzen deutlicher Oegisdyr (fornm. sög. 11, 28. 31, vgl. die von Werlauff herausg. geographie eines Nordmanns p. 15) d. h. thüre des meers, ausgang in das meer, ostium, vielleicht auch hier mit dem nebenbegriff des schreckhaften. ein zweiter ort des namens Oegisdyr wird Landn. 5, 2 in Island genannt, woselbst sich auch 3, 1 ein Oegissîđa (latus oceani) findet. Es ergibt sich weiter, daß unter der ags. benennung Fîfeldor im cod exon. 321, 8 und unter Wieglesdor bei Dietmar von Merseb. ad. a. 975 p. 760 wiederum die Eider, also jenes Oegisdyr zu verstehen ist, eine variante bei Dietmar und der annal. Saxo ad a. 975 geben Heggedor  = Eggedor, Egidor. da nun anderwärts in ags. gedichten Fifelstreám (Boeth. 26, 51) und Fifelvæg (El. 237) den ocean bezeichnen, Fifelcynnes eard (Beov. 208) das land der meergeister, so könnte in Fîfel und dem daraus entstellten Wiegel eine andere veraltete benennung des Oegir gemutmaßt werden. Für eine solche darf ferner das ags. Geofon , alts. Geban gelten, ein wesen dessen göttlichkeit schon aus der altn. Gefjun erhellt, die den Asinnen beigezählt wird, aber mit einem riesen söhne zeugte. der sächsische Gëban hingegen war ein gott, im Hel. erscheint bloß die zusammensetzung Gebenesstrôm 90, 7, 131, 22, bei ags. dichtern außer Geofenes begang Beov. 721, Geofenes stađ Cædm. 215, 8 und dem abstracteren geofonhûs (navis) Cædm. 79, 34, geofonflôd cod. exon. 193, 21 auch noch allein stehend im nom. Geofon Cædm. 206, 6. gifen geotende Beov. 3378. kein ahd. Këpan , nicht einmal in eigennamen, jedoch verzeichnet Stälin 1, 598 ein Gebeneswîlare . ich weiß nicht, ob die wurzel giban zu vergleichen ist, in welchem fall Gibika (s.  114 ) und Wuotans 199 verhältnis zu Neptun (s.  101 . 123 ) anschlüge, oder darf hiervon abseits an das gr. χιών (fem.) gedacht werden, an die vorstellung von schnee und eisriesen? Selbst im Norden bieten sich mehr namen dar, die mit Oegir synonym sind. in dem fundinn Noregr (Sn. 369. fornald. sög. 2, 17) lesen wir: Forniotr âtti 3 syni, hêtt einn Hlêr, er ver köllum Oegi , annarr Logi, þridji Kari (Rask afh. 1, 95: Kâri ). Hlêr (gen. Hlês) scheint hiernach der alte, unter den riesen gangbare name, wie er auch Sn. 79 zu Oegir gefügt wird, und wonach sein wohnort Hlêsey (Sæm. 78 b 159 b 243 a ) hieß, das heutige Lässöe im Kattegat. Von diesem Hlêr weiß ich sonst keinen bescheid Nachtrag: Hlês dættr â vîđ blêsu. her er sjor kallađr Hlêr , þvî at hann hlŷr allra minnz. Sn. 332. hlŷr ist egelidus, tepidus, ahd. lâo, lâwer. Graff 2, 294. vgl. ir. lir . Conan 33. 34. 39. 93. 192. 193. Diarmid 87. 112. 114. 116, sonst lear. gal. Learthonn. T. 7. , wol aber gewährt uns sein vater Forniotr eine merkwürdige spur; zwar gehört er noch weniger als Oegir in die reihe der Asen, sondern zu den älteren dämonischen riesen, und beweist, daß auch diese halbgötter oder naturwesen über Scandinavien hinaus unter andern deutschen stämmen gewaltet haben müssen. Forniotr ist nicht zu deuten for-niotr primus occupans, vielmehr forn-iotr, der alte Iotr (Rask afhand. 1, 78), ein für jene riesen zumal treffender ausdruck und, wie später dargethan werden soll, genau zusammenhängend mit iötunn, ags. eoton selbst. Nun findet sich in dem ags. liber medicinalis, aus welchem Wanley p. 176–180 ungenügende excerpte gibt, nach Lyes wb. eine heilkräftige pflanze des namens Forneotes folme, Fornetes folme (d. h. Forneoti manus), wie die variante lehrt, zweimal angeführt. da keins der altn. denkmäler dieses krauts gedenkt, so muß seine benennung aus der eignen mythologie des sächsischen volkes übrig sein. ahd. könnte der riese Firnëz, die pflanze Firnëzes folma geheißen haben. man erinnert sich aus dem ags. Beovulf, daß einem wassergeiste Grendel die hand abgerissen und als siegeszeichen (tâcen) vorgelegt wird (1662) gerade wie dem riesen Urgan Tristan die hand abgehaut und wiederum zur bewærde der that mitnimmt (16055. 16075. 16085). das abhauen der plumpen riesenhand scheint also altmythisch, und passend in dem namen eines breitblättrigen gewächses festgehalten; es gibt auch eine pflanze, die teufelshand heißt, und der böse feind läßt in mehr als einer sage den abdruck seiner hand in stein und mauer zurück. Sind wir durch diese letzteren beziehungen von den gütigen göttern ab mehr auf schadende dämone und bösartige geister geleitet worden: so findet sich hier ein unmittelbarer übergang zu dem einzigen gott, den die eddische lehre als schlimm und übelgesinnt darstellt, gleichwol noch unter die Asen rechnet. Logi , wie wir sahen, hieß ein andrer sohn Forniots, und die drei brüder Hlêr , Logi , Kari überhaupt scheinen wasser, feuer, luft elementarisch darzustellen. nun stehen in einer merkwürdigen erzählung (Sn. 54. 60) Logi und Loki sich zur seite, ein wesen aus dem kreise der riesen dem genoß und gesellschafter der götter. das ist gewis nicht bloßes wortspiel, beide bezeichnen ein 200 und dasselbe nach verschiedner auffassung; Logi die naturkraft des feuers, das im laut fortgeschobne Loki zugleich eine verschiebung des begrifs: aus dem plumpen riesen ist ein schlauer, verführerischer bösewicht geworden; man darf beide dem Prometheus und Hefäst der Griechen an die seite setzen, Oceanus war jenem verwandt und befreundet. doch beide mengen sich. in Loki, sâ er fiestu illu ræđr (Sn. 46), von dem das übel ausgeht, erscheint auch der riesische teufel, der die götter, wie Hefäst zum lachen aufregt, dessen hinken an Hefäst und die lahme flamme (N. Cap. 76), dessen fesselung an Prometheus gemahnt. Loki wird gleich seinem sohne Fenrir in fesseln gelegt. wie Hefäst das netz für Ares und Afrodite schmiedet, bereitet auch Loki ein netz Sn. 69, worin er selbst gefangen wird. zumal vorstechend ist die analogie, daß Hefäst durch Zeus vom Olymp herabgestürzt wird (Il. 1, 591–93), wie der böse feind durch gott aus dem himmel in die hölle (s. cap.  XXXIII Teufel), obgleich die edda von Loki weder einen solchen sturz berichtet, noch ihn als künstlichen schmied und meister der zwerge darstellt; wahrscheinlich gab es von Loki und Logi viel reichere sagen. Lokis frühere gemeinschaft mit Ođinn erhellt deutlich sowohl aus Sæm. 61 b , als als aus dem nebeneinanderstellen dreier wandernder schöpferischer gottheiten Ođinn, Hœnir, Lođr (Sæm. 3 a ), wofür Sæm. 180 Ođinn, Hœnir, Loki oder mit veränderter ordnung Sn. 80. 135 Ođinn, Loki, Hœnir genannt sind (vgl. oben s.  135 ). sie jener trilogie Hlêr, Logi, Kari gleich zu stellen wage ich nicht, so treffend Ođinn der ἲς ἀνέμοιο entspricht, und von dem schaffenden Ođinn geht athem und geist (önd) aus, von Lođr , dem lodernden feuer, blut und farbe (lâ ok litr), dunkler würde ein bezug des sinn (ôđ) verleihenden Hœnir auf das wasser bleiben; dieser Hœnir gehört zu den schwierigsten erscheinungen der nordischen mythologie und er ist bei uns in Deutschland spurlos verschollen. Aber auch der feuergott, der nach jener abstufung entweder goth. Laúha, ahd. Loho oder goth. Luka, ahd. Locho heißen müste, scheint mit verlust des namens ganz in dem wesen des späteren teufels aufgegangen. Länger hat er noch in Scandinavien gehaftet und allenthalben zeigen uns mythen, wie nahe der asische Loki an den riesen Logi reicht. Thorlacius (spec. 7, 43) hat gewiesen, daß in der redensart › Loki fer yfir akra‹ (L. fährt über die äcker), in der dänischen: › Locke dricker vand‹ (L. trinkt wasser) feuer und brennende sonne gemeint werde, wir sagen in gleicher meinung: die sonne zieht wasser, wenn sie in hellem streifen zwischen zwei wolken durchscheint. Loka daun (Lokii odor) heißt auf Island der feurige schwefel dunstende irwisch (das. 44); Lokabrenna (Lokii incendium) der Sirius; Loka spænir sind brennspäne; ein böses dem vieh schädliches unkraut (polytrichum comm.) wird in Nordjütland Lokkens havre genannt, und sprichwörtlich sagt man: ›nu saaer Lokken sin havre‹ (nun säet Locke seinen haber, der teufel sein unkraut, seinen scheidelsamen), das dän. wb. übersetzt 201 Lokeshavre avena fatua, nach andern ist es rhinanthus crista galli. knistert das feuer, so heißt es › Lokje gibt seinen kindern schläge‹. Faye s. 6. nach Molbechs dial. lex. s. 330 gilt jenes jütländische › Lokke saaer havre idag‹ und gleichbedeutig damit: › Lokke driver idag med sine geder‹ (L. treibt heute seine geiße aus) von dünsten, die in der sonnenhitze auf der erde schweben. verlieren die vögel in der mausezeit ihre federn, so sagt man, daß sie ›gaae i Lokkis arri‹ (unter Lokkes egge gehn?) ›at höre paa Lockens eventyr‹ bedeutet auf lügen, fabeln hören (P. Syvs gamle danske ordsprog 2, 72). nach Sjöborgs nomenklatur s. 151 findet sich in Vestergötland ein riesengrab, Lokehall genannt. Lauter beachtenswerthe, unter dem gemeinen volk bis auf heute fortdauernde vorstellungen, in welchen Loki bald als wohlthätiges, bald als schadendes wesen, für sonne, feuer, riese oder teufel genommen ist, ganz ähnliches böse wird in Deutschland dem teufel beigelegt, die gütige lichtgottheit als verheerende flamme gedacht Nachtrag: Wie Logi , das villieldr Sn. 60 (oben s. 149 ) sohn des riesen Forniotr, ist Loki sohn des riesen Farbauti (s.  204 ). der wettstreit zwischen Loki und Logi im essen gleicht dem zwischen Herakles und Lepreus. Athenaeus s. 412. Pausan. 5, 5. Prometheus wird an felsen gebunden durch Hephäst, wie Loki in gleicher weise durch Logi. Loki sâ er flestu illu raeđr Sn. 46, ist allen göttern verhaßt: er öll regin œgja . Thorl. sp. 6, 38. er heißt sâ inn laevîsi Loki. Sæm. 67 b , im volkslied Loke leve . Wieselgren 384. 385, im dän. Loke lejemand (s.  204 ). vgl. Liuuiso n. pr. trad. fuld. 2, 32. Liuiso 2, 43. Loke wird norweg. hin onde (Hallager) genannt, wie anderwärts Oden s. anm. 2504 . neben Lokkens havre kommt auch den ondes hafre vor. Dybeck runa 1847, 30. 31. ein spruch lautet: leingi geingr Loki ok Thôr , lêttir ei hriđum (lang geht L. und Th. = blitz und donner), das unwetter läßt nicht nach. Rask afli. 1, 96 denkt bei Loki ans finn. lokki wolf. man könnte gar auf eine kürzung aus Lucifer fallen. Uhland nimmt Loki für den endiger , beschließer aller dinge, als gegensatz zu Heimdall, dem beginner und anheber. Zu Logi vgl. Hâlogi  = Hölgi. Sn. 128. 154. Finn Magn. lex. s. 981. . Auf solcher identität zwischen Logi und Loki beruht eine andere noch nachzuweisende spur des nordischen dämons bei den übrigen deutschen stämmen. wenn Logi von liuhan (lucere) stammt, wäre Loki scheinbar zu der wurzel lukan (claudere, vgl. claudus lahm) übergetreten, lok bedeutet altn. finis, consummatio, loka repagulum, weil der riegel schließt. Im Beovulf tritt ein feindseliger, teuflischer geist auf, ein thyrs Beov. 846, namens Grendel und seine mutter (Grendeles môdor, Beov. 4232. 4274) als wahrhafte teufelsmutter und riesenmutter. eine ags. urkunde von 931 bei Kemble 2, 172 führt den ort Grendles mêre (Grendeli palus) auf. nun heißt das ags. grindel , ahd. krintil , mhd. grintel gerade repagulum, pessulus, und jener name Grendel (kein ahd. Krentil kenne ich) scheint mit grindel obex verwandt wie Loki mit loka, das altn. grind bedeutet ein gitter, das gleich dem riegel einschließt Nachtrag: Ik bede di, grindel an deser helle . upstandinge 553 klingt fast wie personification eines teufels. . Gervasius tilberiensis (bei Leibn. 1, 980) erzählt von einem englischen feuerdämon namens Grant . das ist sehr auffallend, daß wir noch heute einen dritten synonymen ausdruck zur bezeichnung eines teuflischen wesens, freilich in der verstärkenden zusammensetzung mit hölle verwenden: höllriegel , vectis infernalis, höllenbrand, teufel und dem teufel verfallen; eine häßliche zänkische alte wird höllriegel oder teufels großmutter gescholten. dies hellerigel gebraucht schon Hugo von Langenstein (Martina 4 b ) als schelte, man stellte sich aber auch die hölle als verriegelt und mit riegeln gesperrt vor, als Christus, heißt es fundgr. 1, 178, mit löwenkraft zur unterwelt fuhr, musten ›die grintel brechen‹. Endlich darf selbst das ahd. dremil (pessulus) Graff 5, 531 zu dem altn. trami oder tremill gehalten werden, die cacodaemon und, scheint es, daneben clathri, cancelli bedeuten: tramar gneypa þik skulo! Sæm 85 a und trolltram wird im schwed. lied von Torkar der teufel genannt, von welchem der hammer geraubt wurde. da dies der eddische Thrymr ist, möchte man auch für trami þrami vermuten, wozu das ahd. dremill genauer stimmte. 202 Von mehrern seiten sehen wir also die hier obwaltenden mythischen begriffe in einander greifen und der übergang von Logi in Loki muß ein hohes alter für sich haben. Foersom (über den jütländ. abergl. s. 32) führt an, der teufel werde in gestalt eines lässeträ , d. h. eines windelbaumes, mit dem man lasten festigt, gedacht. Außer dem asischen Loki stellt uns Snorri in der edda noch einen andern Utgarđaloki als könig auf, dessen künste und macht sogar den göttlichen Thôrr teuschen, und dessen hausgenoß es eben war, der sich selbst jenem Loki überlegen zeigte (Sn. 54 ff.) Nachtrag: Thorlacius ansicht von einem älteren durch die Asen verdrängten naturdienst stützt sich hauptsächlich auf einen Ökuþôrr im gegensatz zu Asaþôrr (s. anm. 416 ), Logi im gegensatz zu Loki (s.  201 ), wahrscheinlich auch Hlêr gegenüber Oegir (s.  199 ), wodurch donner, feuer, wasser dargestellt sind. zu diesen älteren vorstellungen soll auch Sif  = erde (s.  257 ) und miđgarđsormr gehören. aber an welches naturgottes stelle soll Ođin getreten sein? an keines? und wäre sein wesen nicht uralt? Außer den Asen wird allerdings ein anderes herschergeschlecht gesetzt, zu ihm gehört Gylfi könig von Schweden, der als gangleri (pilger) ausgeht die Asen zu erforschen (Sn. 1. 2. 3 ff.), von ihnen aber geteuscht wird. selbst das ist nachahmung eddischer lieder, welche Ođinn als gangleri oder gangrâđr zu den riesen wandern und sich mit ihnen unterreden lassen, wie bei Snorri Gylfi mit Hâr. vgl. Sæm. 31. 32. ähnlich ist Aegirs reise nach Asgard und dessen gespräch mit Bragi . Sn. 79 ff. . Von diesem Ugarthilocus berichtet Saxo, der in seinem ganzen werk des eddischen Loki mit keinem worte erwähnt, s. 163–166 wunderbare dinge: er schildert ihn als riesenhaftes in entlegnem lande wohnendes, halbgöttliches ungeheuer, das im sturm gleich andern göttern angerufen werde und hilfe leiste. ein mutiger held, namens Thorkill, besteht die abenteuerliche fahrt zu Ugarthilocus, das alles ist nichts als fabelhafte veränderung des besuchs, den nach Snorri Thôrr bei Utgardaloki abstattet. hervorzuheben bleibt, daß Thorkill dem Ugarthilocus eins seiner großen speerähnlichen haare rauft und mit nach haus bringt (Saxo 165. 166). ûtgarđar sind die äußersten grenzen der bewohnten welt, wohin das alterthum die stätte der riesen und ungeheuer, die hölle versetzte; auch dabei könnte an den begrif des riegels gedacht werden, der gleichsam den eingang jener unnahbaren region der geister und dämonen absperrt. Mag es nun in früher vorzeit auch einen sächsischen Loko , einen alamannischen Lohho , oder bloß einen Grendil , Krentil gegeben haben; von entscheidender bedeutsamkeit ist die übereinkunft der mythen selbst. Dem schon angeführten sei hier noch andres zugefügt. durch unsre kindermärchen ist der zug verbreitet von dem haar, das dem teufel gerauft wird, als er auf dem schoß seiner großmutter schläft (KM. 29). das einstimmige norwegische märchen (folkeeventyr no. 5 s. 38) läßt nicht dem schlafenden drachen, sondern erst dem getödteten drei federn aus dem schwanz ziehen. Loki, zur strafe seiner unthaten, wird gleich dem gütigen Prometheus, der den menschen die flamme zugeführt hatte, in fesseln gelegt, aus denen er aber am weltende wieder frei werden soll; eins seiner kinder Fenrir goth. Fanareis? ahd. Fanari, Feniri? doch nicht fahnenträger, pannifer? allein die nord. sprache scheint das dem goth. fana, ahd. fano entsprechende wort in früher zeit nicht zu kennen. , d. h. er selbst in der wiedergeburt, verfolgt in wolfsgestalt den mond und droht ihn zu verschlingen. Nach Sn. 12. 13 hat eine alte riesin im wald diese riesen in wolfsgürteln gezeugt, der mächtigste heißt Mânagarmr (lunae canis) und soll den mond schlingen, anderemal aber wird Sköll genannt, der die sonne, Hati, Hrôđvitnis sonr (Sæm. 45 a ), 203 der den mond verfolgt. wahrscheinlich gab es von ihnen allen ausführlichere sagen, die nicht aufgezeichnet worden sind, einer altschottischen von dem wolf und dem weltende (the tayl of the wolfe and the warldis end) geschieht noch erwähnung Nachtrag: Fenrir verfolgt Sæm. 37 a den Alfrödull, der doch wol den mond, nämlich die sonne der elben, bedeutet. vgl. noch: festr mun slitna enn Frecki renna. Sæm. 7 a . 8 a . man ôbundinn Fenrisûlfr fara. Hakonarm. 20. Loki liđr or böndom. Sæm. 96 a . vgl. iötunn losnar. Sæm 8 a . ist hier Loki, Surtr gemeint? Loki heißt Sæm. 7 a lægiarnlîki âþeckr, monstro similis. Loki wird gefangen von þiazi. Sn. 81. er wird eigens gefesselt . Sn. 70 (vgl. Sæm. 7 a ), ebenso Fenrir. Sn. 33–35. vgl. den gebundenen riesen ( anm. 1383 ), den gebundenen teufel (s.  844 ), den gebundenen Kronos (s.  694 ). Hel , Lokis tochter, macht zumal die allgemeinheit Lokis wahrscheinlich. . Der volksglaube scheint sich aber allgemein und schon in der ältesten zeit durch ganz Deutschland und weiter zu erstrecken. noch jetzt sagen wir, wenn unheilvolle gefahrdrohende verwirrung eintritt: ›der teufel ist los , der teufel ist freigelassen‹, wie es im Norden hieß: › Loki er or böndum‹ (s. cap.  XXIII ). in Göz von Berlichingen leben s. 201: ›der teufel war überall ledig‹, in Detmars chronik 1, 298 ›do was de duvel los geworden‹, da herschte unruhe und gewaltthat. Von einem aus weiter ferne drohenden pflegte man in Burgund spöttisch die redensart: ›dieu garde la lune des loups ‹ zu gebrauchen Lamonnaye glossaire zu den noei borguignon, Dijon 1776. p. 242. , d. h. solche drohungen treffen erst am ende der welt ein, und nicht anders wird in dem franz. volkslied auf Heinrich IV das äußerste ende der zukunft durch eine zeit ausgedrückt, wo die zähne des wolfs den mond erreichen werden: ›jusqu'à ce que l'on prenne la lune avec les dents ‹ vgl. ps. 72, 7: donec auferetur luna. . Von diesem › wolf des mons ‹ redet Fischart an mehrern stellen, ausführlich in aller practik großmutter: ›derhalben dörft ihr nicht mehr für ihn (den mond) betten, daß ihn gott vor den wölfen wölle behüten, denn sie werden ihn diß jahr nicht erhaschen‹ darf hier an die thierfabel von dem wolf erinnert werden, der in den brunnen steigt, um den für einen käse gehaltenen mond zu verschlingen? . an mehreren orten gehn noch jetzt unter dem volk reime von den zwölf stunden, und die beiden letzten werden so bezeichnet: ›um elfe kommen die wölfe , um zwölfe bricht das gewölbe (bricht der tod aus dem gewölbe)‹. sollte darin ein alter glaube an das erscheinen des wolfs oder der wölfe beim weltuntergang, dem brechen der himmelswölbung nachhallen? Wenn am brennenden licht ein stück des dochtes sich ablöst und neben haftet, so daß die kerze nun schneller verzehrt wird, heißt es: ›ein wolf (räuber, dieb) ist am licht‹; auch das gleicht dem sonne oder mond verschlingenden wolf. Sonnen oder mondfinsternisse waren vielen heidnischen völkern schauerlich; die eintretende und wachsende verdunkelung der leuchtenden kugel schien ihnen der zeitpunct, wo sie der gaffende rachen des wolfs zu verschlingen drohe, und man glaubte durch lautes geschrei dem monde hilfe zu leisten (s. cap.  XXII Finsternisse). Dieses losbrechen des wolfs und die dereinstige erledigung Lokis aus seinen banden, der zur zeit des ragnaröckurs die götter bekämpfen und überwinden wird, stimmt auffallend zu der lösung des gefesselten Prometheus, durch welchen alsdann Zeus gestürzt werden soll. die formel unz Loki verđr lauss = unz riufaz regin begegnet ganz der griechischen πρὶν ἂν ἐκ δεσμῶν χαλάσϑη Προμηϑεύς (Aeschyl. Prom. 176. 770. 991) 204 und durch die zuckungen des gefesselten Loki entsteht erdbeben (Sæm. 69. Sn. 70) gerade wie bei Prometheus (χϑών σεσάλευται·, Aeschyl. 1081). aber der griechische titan erregt unser edelstes mitgefühl, während die edda den Loki als ein hassenswerthes ungeheuer darstellt. Loki war schön von gestalt, böse von sinnesart, sein vater ein riese hieß Farbauti , seine mutter Laufey und Nâl (acus, die schmale, schmiegsame), miô ok auđþreiflig Sn. 355, lauter wörter, die sich leicht ins ahd. übertragen lassen: Farpôzo (remex), Loupouwa und Nâdala, ohne daß sie irgend begegnen. nie wird er Farbauta sonr, immer nach der mutter Loki Laufeyjar sonr (Sæm. 67 a 72 b 73 a ) genannt, was in der alliteration begründet ist, aber noch in der prosa (Sn. 64) und in dem Locke Löje, Loke Lovmand, Loke Lejemand der jüngeren volkslieder vorhält; in diesem Laufey (schwed. Löfö) liegt personification eines ursprünglichen örtlichen namens, also wol wieder elementarischer bezug. Mit seiner frau Sigyn zeugte Loki den Nari oder Narvi, mit einer riesin Angrbođa drei kinder, jenen Fenrir , die schlange Iörmungandr und eine tochter Hel . merkwürdig heißt er selbst auch Loptr (aereus) und einer seiner brüder Helblindi , was zugleich ein name Ođins ist. ich hebe diese der deutschen mythologie größtentheils fremden namen aus, um künftige forschung auf sie lenken. Noch einmal zurückwenden muß sich die betrachtung auf einen namen, der schon s.  104 . 105 unter den gottheiten der woche angeführt wurde, und dem seltsames zusammentreffen einzelner umstände fast eine stelle in unserm einheimischen alterthum zu verschaffen scheint. die hochdeutsche woche läßt zwei tage, gerade in der mitte und am schluß, nicht nach göttern benannt werden. wie aber mittwoch für Wuotanstag ist auch sambaztag baare neuerung, welche die kirche wenigstens bei diesen tagen durchsetzte oder gern annahm. Die sechs ersten tage heißen nach sonne, mond, Zio, Wuotan, Donar und Frîa; welchem gott hätte den namen des siebenten herzugeben gebührt? für Mars, Mercur, Jupiter, Venus standen jene deutschen gottheiten zu gebot, wie ließ sich Saturn verdeutschen? das mittelalter fuhr fort den siebenten tag aus dem römischen gott zu erklären, unsre kaiserchronik, die auch beim dritten, vierten, fünften, sechsten der deutschen götter geschweigt und nur von Mars, Mercur, Jupiter, Venus redet, drückt sich unbeholfen aus: an dem sameztage sâ einez heizet rotundâ, daz was ein hêrez betehûs, der got hiez Saturnûs , darnâch was iz aller tiuvel êre, hier ist Saturns cultus mit dem zu aller götter oder teufel ehre errichteten, von Bonifacius in eine Marienkirche umgewandelten pantheon verbunden. Angelsachsen, Engländer, Friesen, Niederländer und Niedersachsen haben dem dies Saturni seinen namen 205 selbst gelassen: Sæteres däg, Sæternes däg, Satur day, Sater dei, Sater dach, Saters dag, auch Irländer dia Satuirn , Satarn angenommen, während das franz. samedi (sabdedi), span. sabado, ital. sabato zum hochd. samstag stimmt. hier ist nicht nur ein begrif, wie bei den übrigen göttern, sondern im namen gleichheit, und der unverschobne laut scheint unmittelbare entlehnung zu verrathen; oder sollte die berührung zufällig und ein deutscher name nach dem fremden verderbt sein? weder ein ahd. Sâtarnes noch Sâzarnestac läßt sich aufweisen, merkwürdig aber bedeutet ags. sætere insidiator (ahd. sâzari, vgl. sâza, mhd. sâze insidiae = lâga, lâge), was noch wichtiger ist, eine ags. urk. von Eduard dem bekenner (chart. antiq. rot. M. no. 1. Kemble 4, 157) liefert den ortsnamen Sæteresbyrig , ganz dem Vôdnesbyrig vergleichbar, und die pflanze gallicrus, nhd. hahnenfuß, engl. crowfoot, wurde ags. sâtorlâđe benannt, gleichsam Saturni taedium (altn. leiđi, ahd. leidi) bei den Angelsachsen haben sich verschiedenartige gespräche zwischen Saturn und Salomon erhalten, ähnlich denen zwischen Salomon und Marculf im innern Deutschland, nur alterthümlicher und von der christlichen fassung oder überarbeitung abgesehn den fragen und reden vergleichbar, welche in der edda zwischen Ođinn und Vafþrûđnir, zwischen Vîngþôrr und Alvîss, zwischen Hâr und Gângleri gepflogen werden. der name Saturn scheint auch hier von belang und eines heidnischdeutschen gottes. . ich erinnere daran, daß schon die alten Franken von Saturnus (s.  88 ) als heidnischem gott; und von Saturni dolium (s.  105 ) redeten, was freilich auf den bloßen planetarischen gott bezogen werden darf Nachtrag: Die kaiserchronik 3750 sagt noch von Saturn : Saturno dem wilden dem opphere wir daz koksilber (quecksilber), während heute Saturns zeichen das blei bedeutet. bei Megenberg 56, 2. 57 wird Saturn Satjâr genannt. der sächsische Saturn erhält noch bestätigung durch die berufung des Hengist auf Saturn (s.  106 ), und das ags. sâtorlâđe panicum crusgalli ist ein gras wie ἄγρωστις, des Kronos kraut ( anm. 2915 ). an Saturni dolium erinnert Lucifer sedens in dolio . upstandinge s. 41 und des tiuvels vaz . Haupts zeitschr. 7, 327. was bedeutet altn. scâturnir . Sn. 222 b ? . Dieser letzte name des sabbats führt auf das altn. laugardagr, schwed. lögerdag, dän. löverdag, worunter man späterhin sicher den wasch oder badetag meinte, wie der gleichbedeutende þvottdagr lehrt; aber früher könnte ein Loka dagr, Loga dagr gegolten haben vgl. Finn Magnusen lex. s. 1041. 1042. dagens tider s. 7. und Logi, Loki dem lat. Saturnus entsprechen, wie das volk die in Loki nachgewiesne idee des teufels auf den jüdischen satan und heidnischen Saturn überträgt und Locki altn. zugleich verführer, verlocker, nachsteller ist. Sogar ein nebenname Ođins aus Sæm. 46 a Sađr oder etwa Sâđr käme in betracht, obschon ich es vorziehe, die erste form für Sannr, und Sanngetall gleichbedeutend zu nehmen. Unabweisbar mahnt aber jene ags. Sæteresbyrig aus der mitte des 11 jh. an die burg, welche unsere bisher verachteten meldungen des 15 jh. in Bothes Sachsenchronik auf dem Harz dem abgott Saturn errichten lassen, und diesen Saturn, wie beigefügt wird, hieß das gemeine volk Krodo , wozu wir den s.  170 berührten namen, für welchen ein älteres Hruodo , Chrôdo gemutmaßt wurde, herholen dürfen auf Hrôdo ließe sich nun jenes Roysel (die spätere schreibung ist Reusel ) und Roydach bei Gramaye ziehen, der an Mars denkt; urkunden müsten erst außer zweifel setzen, welcher wochentag gemeint sei. Hruodtoc ist gerade ahd. mannsname (Graff 5, 362), alts. Hrôddog gewähren trad. corb. §. 424 ed. Wigand; sie können sich zu Hruodo, Hrôdo verhalten wie Baldag zu Baldar, und die kürzung Roydag, Rodag gliche dem Roswith f. Hrôdsuith. es wäre ein starkes zeugnis für den Chrodocultus, wenn Roydag der siebente der woche ist; bleibt es beim dritten, so darf angeschlagen werden, daß auch der dritte monat dem Mars geheiligt war und den Angelsachsen Hrêdemônađ hieß (s.  170 ). . von Saturn oder Krodo ist 206 zugleich ein bild überliefert, das den götzen als mann darstellt, der auf einem großen fische steht, in der rechten ein gefäß mit blumen und in der linken ein emporgerichtetes rad hält; dem römischen Saturn wurde die sichel, kein rad beigelegt Nachtrag: Delius s. 41. 50 führt krodenduvel , kroden heuker, kroden kind an. rührt der erste aus Botho? pravi spiritus id est de kroden duvels heißt es im gegensatz zu den guden holden (s.  377 ) in einer hildesheim. handschr. des 16. jahrhunderts froschmeus. Hh. VIII a : so ungestalt wie man den kroden teuffel mahlt. Jornandes de regn. succ. p. m. 2 hat den stamm Saturnus, Picus, Faunus, Latinus vgl. 561. GDS. 120. der dem Saturn entsprechende slav. Sitivrat ist der indische Satjavrata d. h. nach Kuhn der wahrhafte (erfüllte) gelübde hat, so auch Dhritavrata, der erhaltene gelübde hat = Varunas. . Hier scheinen slavische vorstellungen einzugreifen. Widukind (Pertz 5, 463) nennt ein ehernes simulacrum Saturni bei den Slaven des 10 jh., ohne es irgend zu beschreiben; nun führen altböhmische glossen bei Hanka 14 a und 17 a weiter. in der ersten wird Mercurius Radihost wnuk kirtow (Radigast enkel des Kirt), in der andern Picus Saturni filius, ztracec sitivratow zin (specht sohn des Sitivrat) genannt, und in einer dritten 20 a heißt Saturn nochmals Sitivrat. wer sieht nicht, daß Sitivrat Saturns slavischer name ist, der zunächst auf sit = satur leitet? Radigast = Mercur (s.  108 ) ist des Stračec = Picus sohn, wie griechische mythen Picus (Πῖκος) dem Zeus gleichstellen, und ihn das reich seinem sohne Hermes abtreten lassen. Picus ist Jupiter, Saturns sohn; außer Sitivrat vernehmen wir noch einen andern namen Saturns, nemlich Kirt , der offenbar unser Krodo und Hruodo scheint. Sitivrat und Kirt bestätigen Saturn und Krodo , ich weiß nicht, ob bei dem slavischen wort an das böhm. krt, poln. kret, russ. krot d. i. maulwurf gedacht werden mag schwerlich an Kreta, wo Kronos herschte und Zeus geboren ward. . größere lust hätte ich dem namen Sitivrat den nebensinn von sitovrat (siebdreher) einzulegen, so daß er beinahe gleichviel mit kolovrat (raddreher) wäre, und aufschluß über jenes rad des Krodo gäbe; beide rad (kolo) und sieb (sito) laufen um und ein alter zauber lag in dem siebdrehen. Slavische mythologen haben Sitivrat mit dem indischen Satjavrata , der aus einer großen wasserflut in fischgestalt durch Vischnu errettet wird, zusammengehalten. Krodo steht auf einem fisch, und Vischnu wird blumenkränze um den hals, in seiner vierten hand ein rad (tschakra) tragend vorgestellt Edw. Moore the Hindu pantheon. Lond. 1810. tab. 13 und 23. . Alle diese bezüge sind noch kahl und unsicher, aber sie reichen hin das hohe alter einer deutschslavischen göttersage, die an mehrern ecken hervorbricht, zu bewähren. 207 Cap. XIII. Göttinnen. Bei den göttern konnte die vorschreitende untersuchung darauf ausgehn einzelne wesen zu sondern; alle göttinnen ahd. bei N. nur die starke form gutin , gen. gutinno, mhd. gotinne Trist. 4807. 15812. Barl. 246. 247, seltner gütinne MS. 2, 65 b ; ags. gyden pl. gydena, aber auch schwach gydene , pl. gydenan, Mones gl. 4185 Proserpinam to gidenan (l. tôgydenan, nebengöttin); altn. gyđja , was dea und sacerdos fem. bedeuten kann, besser ist âsynja Nachtrag: Die mhd. gotinne (s. auch Krone 18722. 28406–39) heißt Sæm. 115 a gyđja , jedoch Sæm. 114 b ey trûđi Ottarr â âsynjor , Sæm. 61 a heilir aesir , heilar âsynjor! vgl. κέκλυτέ μευ, πάντες τε ϑεοὶ πᾶσαι τε ϑέαιναι . Il. 8, 5. 19, 101. ὑμεῖς δ'εἴσορόωτε ϑεοὶ πᾶσαι τε ϑέαιναι. Od. 8, 341. der ausdruck göttin wurde später in niedrigerem sinne gebraucht, wie denn das volk schöne frauen und dirnen so nannte. Liudpr. antap. 4, 13. Ermegart Himel gotin . Rückerts Ludwig 97. was ist bei Nithart MSH. 3, 288 a ein götin , die unter dem fanen ûz dem vorst geht, wol geammet war und von den bauern, wie es scheint, bei einem alten erntefest, unter blauem himmel (baldachin) auf den anger geleitet wird? vgl. fee anm. 1010 . . scheint es rathsam vereint und getrennt zu betrachten, weil ihnen ein gemeinsamer begrif zum grunde liegt, der dann desto deutlicher hervortreten wird. Sie sind hauptsächlich gedacht als umziehende, einkehrende göttermütter , von denen das menschliche geschlecht die geschäfte und künste des haushalts wie des ackerbaus erlernt: spinnen, weben, hüten den herd, säen und ernten . diese arbeiten führen ruhe und frieden im lande mit sich, und das andenken daran haftet in lieblichen überlieferungen noch fester als an kriegen und schlachten, deren die meisten göttinen gleich den frauen sich entschlagen. Wie aber auch einige göttinnen dem kriege hold sind, begünstigen ihrerseits götter den frieden und landbau, und es entspringt ein wechsel der namen oder verrichtungen zwischen beiden geschlechtern. Fast in allen sprachen wird die Erde weiblich und, ein gegensatz zu dem sie umfangenden väterlichen himmel, als tragende, gebärende, fruchtbringende mutter aufgefaßt: goth. aírþa , ahd. ërada , ërda , ags. eorđe , altn. iörđ , gr. ἔρα (aus ἔραζε gefolgert); lat. terra , tellus , humus  = slav. země, ziemia, zemlja, litth. zieme, griech. χαμή (nach χαμᾶζε?), αἶα, γαῖα, γῆ, das beigefügte mutter in Δημήτηρ, Zema mate kündet die göttin an. airþa, ërda (daneben herda) ist schon abgeleitet, das einfachere ahd. ero (im Wessobr. gebet: ero noh ûfhimil), hero (in einer glosse für solum, Graff 4, 999) könnte männlich (wie herd, solum, Graff 4, 1026) oder auch weiblich sein beide formen ero und hero gemahnen an jenes dem Mars beigelegte Eor, Cheru (s.  169 ). . das goth. mulda , ahd. molta , ags. molde , altn. mold enthalten nur den materiellen begrif der erde, staub; eben so unpersönlich steht das alts. folda , ags. folde , altn. fold , vgl. feld (campus) finn. peldo (campus) ungr. föld (terra). Aber leiblich auf tritt die altn. Iörd , Ođins gemahlin zugleich und tochter; Thôrs mutter (Sn. 11. 39. 123), der oft Iarđar burr genannt wird. Verschieden von ihr war Rindr , Ođins andre 208 gemahlin und mutter des Vali (Sæm. 91 a 95 a 97 b ), bei Saxo Rinda geheißen und roher aufgefaßt; ihr name ist das ahd. rinta , ags. rind  = cortex, folglich crusta soli vel terrae, und mit crusta wird das ags. hruse (terra) genau verwandt sein; wie dem Norden diese wortbedeutung, mangelt in Deutschland der mythische bezug Nachtrag: Dem ahd. ero , erde, stellt sich skr. irâ , irl. ire zur seite. GDS. 55. tellus könnte aus terulus zusammengezogen sein, wie puella aus puerula, doch heißt der gen. Telluris. vgl. skr. tala , fundus. lat. humus ist skr. xamâ. Γαῖα, Aesch. Eum. 2 πρωτόμαντις genannt, entspricht dem skr. gaus , gô kuh (s.  554 ), wie denn die kuh als mutter der welt gilt (s.  464 ). ὠ γῆ καὶ ϑεοί! ist häufige attische formel. Altn. fold steht unpersönlich, jedoch Sæm. 194 a wird sie begrüßt: heil sû hin fiolnŷta fold! GDS. 60. (s.  210 ). Die erde Jörđ heißt Jonakrs baumgrüne, eichgrüne tochter: dottur Onars viđigroen. Sn. 123, eikigroent Onars fliođ. fornm. sög. 1, 29. 12, 27. tochter der nacht ist sie Sæm. 194 a : heil nôtt ok nipt! wer ist eorđan brôdor? cod. exon. 490, 23. Jörđ ist auch des Meili mutter, der Thors bruder heißt. Sæm. 76 a . Jörđ = Fiörgyn Sæm. 80 b (s.  143 ). von Ođins verhältniss zu Rindr sagt Sn. 1848. 1, 236: seiđ Yggr til Rindar, Y. amores Rindae incantamentis sibi conciliavit. Gehört zum ags. hruse (terra) die grusebank , rasenbank bei Schmidt von Wern. 114? . Doch weder in Iörđ noch in Rindr hat die edda ihre mütterliche eigenheit klar herausgehoben, nirgend ist diese reiner und einfacher ausgesprochen als in der ältesten nachricht, die wir über die göttin besitzen. nicht allen Germanen legt Tacitus die verehrung der Nerthus bei, nur den Langobarden, Reudignern, Avionen, Angeln, Varinen, Eudosen, Suardonen und Vuithonen: nec quicquam notabile in singulis, nisi quod in commune Nerthum die verglichenen hss. lesen so, eine nehertum (Maßmann in Aufseß und Manes anzeiger 1834. p. 216); Nertus würde ich dem Nerthus vorziehen, weil sonst in deutschen wörtern Tacitus kein TH hat, außer in Gothini und Vithones. gegen Herthus, wenn die aspiration in herda dafür zu sprechen schiene, streitet das -us der endung, da goth. aírþa, kein aírþus besteht. übrigens schreibt schon Aventin (Frankf. 1580. p. 19 a ) Nerth. , id est Terram matrem colunt, eamque intervenire rebus hominum, invehi populis, arbitrantur. Est in insula oceani castum nemus, dicatumque in eo vehiculum, veste contectum. attingere uni sacerdoti concessum. is adesse penetrali deam intelligit, vectamque bubus feminis multa cum veneratione prosequitur. Laeti tunc dies, festa loca, quaecunque adventu hospitioque dignatur. non bella ineunt, non arma sumunt; clausum omne ferrum; pax et quies tunc tantum nota, tunc tantum amata: donec idem sacerdos satiatam conversatione mortalium deam templo reddat. Mox vehiculum et vestes, et, si credere velis, numen ipsum secreto lacu abluitur . servi ministrant, quos statim idem lacus haurit der see schlingt die knechte, die bei dem geheimen bad zugegen gewesen waren. mehr als einmal kehrt der zug wieder, daß zu geheimer arbeit gebrauchte diener getödtet werden; so die, welche den fluß zu Alarichs bestattung abgegraben (Jornand. cap. 29) oder einen schatz geborgen hatten (landnâmabôk 5, 12) Nachtrag: Auch an Attilas grab fallen die knechte. et ut tot et tantis divitiis humana curiositas arceretur, operi deputatos trucidarunt , emersitque momentanea mors sepelientibus cum sepulto. Jornand. cap. 49. Decebalus, der dacische könig, birgt seine schätze unterm flußbett der Sargetia. Cass. Dio 68, 14. Giesebrecht mutmaßt ähnlichen brauch bei den Wenden. balt. stud. 11, 28. 29. . . arcanus hinc terror sanctaque ignorantia, quid sit illud, quod tantum perituri vident bei Nerthus verdienen rücksicht die Nertereanen des Ptolemaeus, denen er freilich ganz andere lage zuschreibt, als bei Tacitus die der Nerthus huldigenden stämme einnehmen. Nachtrag: Nerthus ist die allein richtige lesart nach Müllenhoff in Haupts zeitschr. 9, 256, aber Erthus zu lesen ist nach Zeuss und Bessel statthaft. Nerthus entspricht dem skr. Nritus, terra. Bopp 202 b . vgl. Conr. Hofmann in d. ztschr. d. morgenländ. ges. 1847. eine thesis von Pyl, Medea. Berol. 1850. s. 96 leitet den namen vom niederd. nerder, nerdrig ab vgl. νέρτερος, ἐνέρτερος. ihre insel wird nicht Rügen ( anm. 651 ), aber vielleicht Femern oder Alsen sein nach Müllenh. nordalb. stud. 1, 128. 129. ihr wagen stand im hain (templum) unter einem baum. Giefers. Nerthus id est Terra mater und ihr umzug erinnert sehr an die mater deûm , von der Plin. 18, 4 erzählt: quo anno mater deûm advecta Romam est, majorem ea aestate messem quam antecedentibus annis decem factam esse tradunt. vgl. s.  211 . . Diese schöne erzählung verträgt sich mit dem, was andere berichte von dem cultus einer gottheit enthalten, der man friede und fruchtbarkeit beilegte. In Schweden war es Freyr , sohn des Niörđr , dessen verhüllter wagen im frühjahr durch das land zog, während das volk betete und feste feierte (s.  176 ), er steht seinem vater, dieser der ebennamigen Nerthus völlig gleich. tiefe wurzel in deutschem recht und landbrauch haben die lenzfrieden, herbstfrieden, pflugfrieden, wie sie für gewisse jahrszeiten und geräthschaften des ackerbaues festgesetzt waren. Auch Wuotan und 209 Donar erscheinen auf ihren wagen, und werden um gedeihen der frucht und milden regen angerufen; ich habe s.  88 bei dem wagen eines gothischen gottes, dessen namen Sozomenus vorenthält, auf Nerthus gewiesen. Den wechsel weiblicher und männlicher gottheiten muß hier willkommen ins licht setzen, daß die s.  128  ff. bei Wuotan als erntegott angeführten formeln und reime in andern niederdeutschen gegenden geradezu auf eine göttin übertragen werden. wenn die hausleute, heißt es, den roggen mähen, lassen sie etliche halme stehen, binden blumen dazwischen und nach vollendeter arbeit sammeln sie sich um die stehen gebliebenen büschel, fassen die roggenähren an, und heben dreimal an zu rufen: fru Gaue , haltet ju fauer, düt jar up den wagen, dat ander jar up der kare! braunschw. anz. 1751 p, 900. hannov. gel. anz. 1751 p. 662. im Altenburgischen heißt dieser erntebrauch: eine scheune bauen . arch. des henneb. vereins 2, 91. während dort dem Wode für dies jahr schlechtes futter, für das nächste besseres zugesagt ist, scheint hier frau Gauen eine künftige herabsetzung der dargebrachten gabe voraus angekündigt zu werden. durch beides finde ich die scheu der Christen über die beibehaltung des heidnischen opfers ausgedrückt: die alten götter sollen, wenigstens den worten nach, sich nunmehr gering und schlecht stehen. In der umgegend von Hameln herschte die gewohnheit, daß, wenn ein schnitter beim binden eine garbe übergieng, oder sonst auf dem acker etwas stehen ließ, ihm spottweise zugerufen wurde: ›scholl düt dei gaue frue ‹ oder ›de fru Gauen hebben?‹ hann. gel. anz. 1751 p. 726. anmutiger klingt das kurze gebet der heidnischen Litthauer an die erdgöttin, wenn sie trinkend etwas von dem bier auf den boden gossen: Zemenyle ziedekle, pakylek musu ranku darbus! (blühende Erde, segne unsrer hände werk!) In der Prignitz wird gesagt fru Gode , und der auf jedem acker stehn gelassene büschel ähren heißt vergodendeelsstrûß d. i. frau Godentheilsstrauß, der ihren theil ausmacht Adalb. Kuhns märkische sagen s. 337. 372 vorr. s.  vii . vgl. cap.  XVII . den ruf der zwerge: ›de gaue fru is nu al dot‹. . ver ist übliche kürzung von frau und die mundart, welche fauer für foer, foder gebraucht, wird auch Gaue für Gode , Guode nehmen. in diesem Guode könnte nun nichts anders stecken als Gwode, Wode, und fru aus dem älteren fro erklärt, würde fro Woden , fro Gaue (vgl. Gaunsdag s.  103 für Wonsdag) den herrn und gott, keine göttin bezeichnen, also die formel völlig mit der bei Wuotan gegebnen und dem anm. 387 beigebrachten fruh Wod übereintreffen Nachtrag: Wenn sich das volk jetzt auch fru Gode , fru Goden , Gauden meist als frau denkt, so scheint doch zuweilen statt ihrer ein de koen (der könig) aufzutreten. Haupts ztschr. 4, 385. sagen von fru Gauden bringt auch Lisch meklenb. jb. 8, 203 ff. und Niederhöffer 2, 91 (vgl. s.  771 . 772 ). im Lüneburgischen heißt das erntefest noch heute vergodensdêl . vgl. Kuhn und Schwartz s. 394. 395. die Vermländer nennen Thors frau godmor , gute mutter. die altn. Gôi stammt nach Rask afh. 1, 94 aus finn. koi (aurora). GDS. 53. 93. . Zieht man den wenigstens späterhin mit der benennung fru offenbar verbundnen begrif einer weiblichen gottheit vor, so ließe sich vielleicht an die altn. Gôi (Sn. 358. 210 fornald. sög. 2, 17) eine mythische jungfrau denken, nach welcher der februar altn. benannt wird. die gr. Γαῖα oder Γῆ halte ich aus dem spiel. In einem ags. formular zur herstellung der fruchtbarkeit solcher äcker, denen ein zauber angethan war, kommen zwei bemerkenswerthe anreden vor; einmal heißt es: › erce, erce, erce, eorđan môdor ‹ und es scheint damit nicht die erde selbst, vielmehr ihre mutter gemeint, aber der ausdruck ist noch räthselhaft. sollte in Erce (gen. Ercan) ein verdunkelter eigenname stecken, der sich mit dem ahd. adj. ërchan (simplex, genuinus, germanus) berührte? wäre doch genauer zu schreiben Eorce? und mag man sich an die in unserer heldensage berühmte frau Erche, Herkja, Herche, Helche erinnern? Bedeutsam sind in niedersächsischen gegenden die bestimmten spuren einer göttlichen frau namens Herke oder Harke . In Jessen, einem städtchen an der Elster unweit Wittenberg erzählt man von frau Herke , was an andern orten, wie gezeigt werden soll, von frau Freke, Berhta und Holda gilt. in der Mark heißt sie frau Harke , in den zwölften soll sie durchs land fliegen und die fülle irdischer güter verleihen, bis zum dreikönigstage müssen die mägde den flachs abspinnen, sonst zerkratzt sie frau Harke oder besudelt den rocken Adalb. Kuhn in den märkischen forschungen 1, 123. 124 und märk. sagen s. 371. 372: vgl. singularia magdeburg. 1740. 12, 768. Nachtrag: Attilas gemahlin heißt dem Priscus 179, 9 Κρέκα , 207, 17 Ῥέκαν , woraus leicht Herka entspringt. frau Harke ist riesin. Kuhn 146. 371, fru Harke, Arke, Harfe . Haupts ztschr. 4, 386. Sommer 11. 167. frau Harke . Haupts ztschr. 5, 377. frau Harre . Sommer 11. 167. 168. 147. (vgl. frau Motte a. o. 12. 168. 147). eine hexentochter Harka . Wolfs ztschr. 2, 255. auch Haksche heißt sie, wie Godsche f. Gode. Haupts ztschr. 5, 377. man erzählt auch, frau Harke fliege in gestalt einer taube durch die luft und mache, wohin sie komme, die felder fruchtbar , sie trägt ein stülchen mit sich, auf dem sie ruht, um die erde nicht zu berühren. Sommer s. 12. so gleicht sie der durch die luft fahrenden Herodias (s.  236 ) und der fahrenden frau (s.  526 . 884 ). . Aber in älterer zeit galt der einfachere name, bei Gobelinus Persona (Meibom 1, 235) findet sich folgende meldung, die also über 1418 hinauf reicht: quod autem Hera colebatur a Saxonibus videtur ex eo, quod quidam vulgares recitant se audivisse ab antiquis, prout et ego audivi, quod inter festum nativitatis Christi ad festum epiphaniae domini domina Hera volat per aera , quoniam apud gentiles Junoni aer deputabatur. et quod Juno quandoque Hera appellabatur et depingebatur cum tintinnabulis et alis, dicebant vulgares praedicto tempore: vrowe Hera seu corrupto nomine vro Here de vlughet , et credebant illam sibi conferre rerum temporalium abundantiam. Haben wir hier noch das alte Ero , Ἔρα, Hero für erde? und gehört Ἥρα dazu? liegt aber im ags. Erce dasselbe, so muß auch der diminutivform Herke hohes alter gebühren. Das anderemal wird in jener ags. formel der erde zugerufen: ›hâl ves thu folde, fira môdor! ‹ heil sei du erde, der menschen mutter, was zu jenem auch von Tacitus ausgedrückten terra mater stimmt. Die ausgebreitete verehrung der zeugenden, nährenden erde wird ohne zweifel auch unter unsern vorfahren mehrfache benennungen veranlaßt haben, wie sich der Gäadienst und ihrer tochter Rhea mit dem der Ops mater, der Ceres und Cybele mischten Ops mater = terra mater ; Ceres = Geres , quod gerit fruges , antiquis enim C quod nunc G. Varro de ling. lat. ed. O. Müller p. 25. der Ceres gr. benennung Δημήτηρ scheint wieder auf γῆ μήτηρ zu führen Nachtrag: Lat. Ceres , osk. Kerres, wird von Mommsen 133 a creando abgeleitet. Hitzig Philist. 232 stellt Ceres gleich Çrîs = Šrî, ich halte es lieber zu cera und cresco. für Demeter haben die Slaven země matě , mutter erde. sie ist eine liebe mutter, πυρὸς φίλης Δήμητρος. Aesop (Corais 212. de Furia 367). Babr. 131. vgl. Δημήτερος ἀκτή. Il. 13, 323 und das liebe korn, das liebe getreidelein. gramm. 3, 665. GDS. 53. der erde schoß ist wie der einer mutter. foldan sceát. cod. exon. 428, 22. eorđan sceáta eardian. 496, 23. eorđan sceátas hveorfan. 309, 22. grundbedd. 493, 3. . . 211 beachtenswerth scheint mir die ähnlichkeit zwischen dem cultus der Nerthus und dem der phrygischen göttermutter. Lucretius 2, 597–641 beschreibt den umzug der magna deum mater auf ihrem löwenbespannten wagen durch die länder der erde: quo nunc insigni per magnas praedita terras horrifice fertur divinae matris imago. – ergo quom primum magnas invecta per urbeis munificat tacita mortaleis muta salute, aere atque argento sternunt iter omne viarum, largifica stipe ditantes, ninguntque rosarum floribus, umbrantes matrem comitumque catervam. Den VI kal. apr. benannten die Römer lavatio matris deum und begiengen sie festlich. Ovid. fast. 4, 337: est locus, in Tiberin qua lubricus influit Almo,     et nomen magno perdit ab amne minor; illic purpurea canus cum veste sacerdos     Almonis dominam sacraque lavit aquis. Ammian. Marcell. 23, 3, (Paris 1681. p. 355): ad Callinicum, – ubi ante diem sextum kal. quo Romae matri deorum pompae celebrantur annales, et carpentum, quo vehitur simulacrum , Almonis undis ablui perhibetur; vgl. Prudentius hymn. 10, 154: nudari plantas ante carpentum scio proceres togatos matris Idaeae sacris. lapis nigellus evehendus essedo muliebris oris clausus argento sedet, quem dum ad lavacrum praeeundo ducitis pedes remotis atterentes calceis Almonis usque pervenitis rivulum. Gerade so wird Nerthus, nachdem sie im land umhergezogen ist, in dem heiligen see, auf ihrem wagen, gebadet, und ich finde bemerkt, daß auch die indische Bhavani , Schivas gemahlin, an ihrem feiertag umher gefahren und von den Brahmanen in einem geheimen see gebadet werde mit der phrygischen Cybele vergleicht oder vermischt Gregor. turon. de glor. conf. cap. 77 eine gallische göttin, deren dienst er folgendermaßen schildert: ›ferunt etiam in hac urbe (Augustoduno) simulachrum fuisse Berecynthiae , sicut sancti martyris Symphoriani passionis declarat historia. Hanc cum in carpento, pro salvatione agrorum et vinearum suarum , misero gentilitatis more deferrent , adfuit supradictus Simplicius episcopus, haud procul adspiciens cantantes atque psallentes ante hoc simulachrum , gemitumque pro stultitia plebis ad deum emittens ait: illumina quaeso, domine, oculos hujus populi, ut cognoscat, quia simulachrum Berecynthiae nihil est! et facto signo crucis contra protinus simulachrum in terram ruit. ac defixa solo animalia, quae plaustrum hoc quo vehebatur trahebant, moveri non poterant. stupet vulgus innumerum, et deam laesam omnis caterva conclamat. immolantur victimae , animalia verberantur, sed moveri non possunt. Tunc quadringenti de illa stulta multitudine viri conjuncti simul ajunt ad invicem: si virtus est ulla deitatis, erigatur sponte, jubeatque boves, qui telluri sunt stabiliti, procedere. certe si moveri nequit, nihil est deitatis in ea. Tunc accedentes, et immolantes unum de pecoribus , cum viderent deam suam nullatenus posse moveri, relicto gentilitatis errore, inquisitoque antistite loci, conversi ad unitatem ecclesiae, cognoscentes veri dei magnitudinem, sancto sunt baptismate consecrati‹. Man halte dazu die legenda aurea cap. 117, wo eines festum Veneris erwähnt wird. Nachtrag: Über den umzug der göttin s. anm. 639 . mit ihrem bade kann man vergleichen das reinigende bad der Rhea (Preller 1, 409), deren name nach Pott in Kuhns ztschr. 5, 285 aus εὐρεῖα = skr. urvî von urû statt varû zu erklären ist. die lavatio Berecynthiae schildert schon Augustin. civ. dei. 2, 4. vgl. vita Martini. cap. 9 (W. Müller s. 48). das bild der Artemis wurde in 7 aus einer quelle entspringenden flüssen gewaschen (vorr. zu Theocrit); der alraun, die alirumna wurde gebadet. 212 Für die insel des oceans hat man Rügen gehalten, in dessen mitte noch jetzt ein see liegt, der schwarze see, oder burgsee genannt. was als sage umgeht: vor alten zeiten sei dort der teufel angebetet, in seinem dienst eine jungfrau unterhalten, und wenn er ihrer überdrüßig geworden, im schwarzen see ersäuft worden deutsche sagen num. 132. , wird, so arg die entstellung ist, aus des Tacitus nachricht entsprungen sein, der die menschliches umgangs gesättigte göttin im see samt den dienern, verschwinden läßt. aber sonst geben andere örtlichkeiten gar keinen ausschlag von Hertha soll in Pommern der spruch umgehen: ›de Hertha gift gras und füllt schün und faß‹ (hall. allg. lit. z. 1823 p. 375). aber schon der unsächsische reim gras: faß verkündigt das machwerk. es ist nach der bekannten bauernregel ›mai kühl und naß füllt scheunen und faß‹ schlecht ersonnen Nachtrag: Die niederd. bauernregel: ›maimând kold un nat füllt schünen un fat‹ heißt im schwed. mai kall fyller bondens lador all. Runa 1844, 6. ein ähnlicher spruch wird in der Bretagne von der heil. Anna gesagt Lausitz. mag. 8, 51, aber wie lautet er französisch? . und die dänischen inseln der ostsee haben wenigstens gleichen anspruch darauf, ehmals der göttin heiliger sitz gewesen zu sein. Es greifen aber noch andere altnordische und von den Römern zu entnehmende namen der erdgöttin in die untersuchung. In skâldskaparmâl s. 178 heißt sie sowol Fiörgyn als Hlôđyn . Fiörgyn ist schon s. 143 abgehandelt; wenn neben dieser göttin ein gott Fiörgynn und ein abstractes neutrum fairguni bestehn konnte, wenn der begrif von Thôrs mutter zugleich in den des donnergotts übergeht, so wird dadurch eine weibliche Nerthus (Naírþus, gen. Naírþâus) neben dem männlichen Niörđr (Nerthus) bestätigt, wie neben Freyr Freyja. Schlug es nicht fehl aus Perkunas einen berggott Faírguneis zu folgern, so kennt die litthauische mythologie auch eine göttin Perkunatele . Hlôđyn hat dieselbe ableitung wie Fiörgyn, es darf also ein goth. Hlôþunja , ahd. Hluodunia gefolgert werden. Völuspâ 56 wird Thôr genannt: mögr Hlôđynjar , das ist wieder der erde sohn und fornald. 1, 469 heißt es: î Hlôđynjar skaut . hlôđ in der altn. sprache bedeutet einen heerd eigentlich strues, ara von hlaþan, hlôþ (struere) gramm. 2, 10. num. 83. , der name der göttin also schirmerin der feuerstätte, und jenes ahd. herd (s.  207 ) sagt außer solum, terra auch geradezu focus, arula, fornacula aus, der heerd ist uns grund und boden der wohnung, gleichsam ein väterlicher Lar, wie die erde mutter. auch die Römer verehrten eine göttin der erde und des feuers unter dem gemeinschaftlichen namen Fornax , dea fornacalis Ovid. fast. 2, 513. . Was aber für uns noch mehr bedeutet, in niederrheinischem boden wurde ein anfänglich zu Cleve, hernach zu Xanten aufbewahrter stein gefunden mit der merkwürdigen inschrift: DEAE HLUDANAE SACRVM C. TIBERIVS VERVS. 213 Hludana ist weder eine römische noch celtische göttin; ihr name begegnet vollkommen dem der altnordischen, Sk. Thorlacius hat das verdienst die identität beider anerkannt und gelehrt erwiesen zu haben antiq. bor. spec. 3. Hafn. 1782. vgl. Fiedler gesch. und alt. des untern Germaniens 1, 226. Steiners cod. inscr. Rheni no. 632. Gotfr. Schütze in seiner schrift de dea Hludana, Lips. 1748 vermochte zwar den werth des steins einzusehn, aber nicht die bewandtnis der sache aufzudecken. . ich sehe in dieser inschrift ein schlagendes zeugnis für das zusammentreffen nord. und deutscher götterlehre. Thorlacius vergleicht nicht uneben Λητώ und Latona . Sollte nicht Hlôrriđi , ein beiname Thôrs, des sohns der Hlôđyn aus Hlôđriđi gedeutet werden können? In dichteres dunkel gehüllt steht eine andere göttin, die von Tacitus und in einer steinschrift genannte Tanfana , Tamfana (TAMFANAE SACRUM, oben s.  64 ). ihr name ist gesichert, und der ausgang - ana wie bei Hludana und andern weiblichen eigennamen, z. b. Bertana, Rapana, Madana. der sinn des worts und damit nähere einsicht in die bedeutung des wesens der göttin ist uns verschlossen. Nachtrag: Über Tanfana s. kl. schr. 5, 418 ff. GDS. 231. 232. 336. 622. Auch der belgischen oder friesischen dea Nehalennia sei hier kurz gedacht, über deren benennung mehrere gleichlautende inschriften Montfaucon ant. expl. 2, 443. Vredii hist. Flandr. 1, XLIV. mém. de l'acad. celt. 1, 199–245. Mone heidenth. 2, 346. keinen zweifel zulassen, ihr name gestattet nur gezwungene, unbefriedigende anknüpfungen. in andern am Niederrhein gefundnen inscriptionen kommen zusammensetzungen vor, deren ausgang (- nehis oder - nehabus sind dat. pl. fem.) das nemliche wort zu verkünden scheint, das in Nehalennia die erste hälfte bildet, die mehrzahl scheint eher auf nymphen als eine göttin zu deuten, doch findet sich auch die vorstellung von mater dabei. s. cap.  XVI . die Walachuriun. Viel weiter führt, weil sie sich mit lebendiger überlieferung eines im mittelalter fortdauernden cultus verbinden läßt, Tacitus nachricht von der Isis. unmittelbar nachdem er die verehrung des Mercurius, Hercules und Mars gemeldet hat, fügt er (cap. 9) hinzu: pars Suevorum et Isidi sacrificat. unde causa et origo peregrino sacro, parum comperi, nisi quod signum ipsum, in modum liburnae figuratum , docet advectam religionem. das aus der fremde her eingeführte liegt kaum in dem namen Isis , da bei Mercur, Mars, Hercules, deren benennung gleich ungermanisch aussehn muste, nichts auffiel; fremdartig schien zeichen und bild des schiffes , weil ihn dies an das römische navigium Isidis erinnerte. Griechen und Römer pflegten beim anbruch des frühlings, wenn das im winter unbefahrne meer wieder schiffbar wurde, feierlichen umgang zu halten und der Isis ein schif darzubringen. es geschah den 5 merz (III. non. Mart.) und dieser tag wird im 214 kalendarium rusticum durch Isidis navigium bezeichnet Gesner script. rei rust. ed. lips. 1773. 1, 886; ebenso im calend. vallense, und im cal. lambec. (Graevii thes. 8, 98). . die hauptzeugnisse stehen bei Apulejus und Lactantius Apuleji met. lib. 11 (Ruhnk. p. 764. 765): diem, qui dies ex ista nocte nascetur, aeterna mihi nuncupavit religio; quo sedatis hibernis tempestatibus et lenitis maris procellosis fluctibus, navigabili jam pelago rudem dedicantes carinam primitias commeatus libant mei sacerdotes. id sacrum sollicita nec profana mente debebis operiri. nam meo monitu sacerdos in ipso procinctu pompae roseam manu dextra sistro cohaerentem gestabit coronam. incontanter ergo dimotis turbulis alacer continuare pompam meam, volentia fretus; et de proximo dementer velut manum sacerdotis deosculabundus rosis decerptis pessimae mihique detestabilis dudum belluae istius corio te protinus exue. Lactantius instit. 1. 27: certus dies habetur in fastis, quo Isidis navigium celebratur, quae res docet illam non tranasse sed navigasse. , zwei schriftstellern, die jünger sind als Tacitus, aber die sitte muß in ein höheres alter hinaufreichen. Isis erscheint auf alexandrinischen münzen neben dem Pharus wandelnd, ein segel ausbreitend. War der Isisdienst aus Aegypten nach Griechenland, nach Rom gedrungen, wie ließe sich annehmen, daß er, im ersten jh. oder vorher, einem das herz von Deutschland bewohnenden einzelnen volksstamm zugeführt worden sei? es mag nur ein ähnlicher cultus, nicht derselbe, und vielleicht noch unter andern Deutschen hergebracht gewesen sein. Ich will einen seltsamen gebrauch, der mir damit zusammenzuhängen scheint, aus viel späterer zeit nachweisen. etwa um das j. 1133 wurde in einem wald bei Inda (in Ripuarien) ein schif gezimmert, unten mit rädern versehn und durch vorgespannte menschen zuerst nach Aachen, dann nach Mastricht (wo mastbaum und segel hinzukam), hinauf nach Tungern, Looz und so weiter im land herumgezogen , überall unter großem zulauf und geleite des volks. wo es anhielt war freudengeschrei , jubelsang und tanz um das schiff herum bis in die späte nacht. die ankunft des schiffes sagte man den städten an, welche ihre thore öfneten und ihm entgegen giengen. Wir haben darüber eine zwar ausführliche aber nicht vollständige nachricht in Rodulfi chronicon abbatiae s. Trudonis lib. XI, welche ich aus Pertz 12, 309 ff. ihrer wichtigkeit halben, hier einrücke: Est genus mercenariorum, quorum officium est ex lino et lana texere telas, hoc procax et superbum super alios mercenarios vulgo reputatur, ad quorum procacitatem et superbiam humiliandam et propriam injuriam de eis ulciscendam pauper quidam rusticus ex villa nomine Inda Inden im Jülichischen, später Cornelimünster, unweit Aachen, vgl. Pertz 1, 394. 488. 514. 592. 2, 299. 489. hanc diabolicam excogitavit technam. Accepta a judicibus fiducia et a levibus hominibus auxilio, qui gaudent jocis et novitatibus, in proxima silva navem composuit , et eam rotis suppositis affigens vehibilem super terram effecit , obtinuit 215 quoque a potestatibus, ut injectis funibus textorum humeris ex Inda Aquisgranum traheretur daß schiffe im wald gezimmert und auf schultern getragen werden erinnert an Saxo gramm. p. 93, an die Argo humeris travecta alpes (Plin. N. H. 3, 18), und daß man räder unterlegte, an Nestors erzählung von Oleg. vgl. oben s.  179 Frôs schif. . Aquis suscepta cum utriusque sexus grandi hominum processione: nihilominus a textoribus Trajectum Mastricht. est provecta, ibi emendata, malo veloque insignita Tungris est inducta, de Tungris Los Looz. . Audiens abbas (sancti Trudonis) S. Tron zwischen Lüttich und Löwen. Rodulfus navim illam infausto omine compactam malaque solutam alite cum hujusmodi gentilitatis studio nostro oppido adventare, praesago spiritu hominibus praedicabat, ut ejus susceptione abstinerent, quia maligni spiritus sub hac ludificatione in ea traherentur, in proximoque seditio per eam moveretur, unde caedes, incendia rapinaeque fierent, et humanus sanguis multus funderetur. Quem ista declamantem omnibus diebus, quibus malignorum spirituum illud simulacrum loci morabatur, oppidani nostri audire noluerunt, sed eo studio et gaudio excipientes, quo perituri Trojani fatalem equum in medio fori sui dedicaverunt, statimque proscriptionis sententiam accipiunt villae textores, qui ad profanas hujus simulacri excubias venirent tardiores . Pape! Quis vidit unquam tantam (ut ita liceat latinisare) in rationalibus animalibus brutitatem? quis tantam in renatis in Christo gentilitatem? Cogebant sententia proscriptionis textores, nocte et die navim stipare omni armaturae genere , sollicitasque ei excubias nocte et die continuare. mirumque fuit, quod non cogebant eos ante navim Neptuno hostias immolare, de cujus naves esse solent regione, sed Neptunus eas Marti reservabat, quod postea multipliciter factum est. Textores interim occulto sed praecordiali gemitu deum justum judicem super eos vindicem invocabant, qui ad hanc ignominiam eos detrudebant, cum juxta rectam vitam antiquorum Christianorum et apostolicorum virorum manuum suarum laboribus viverent, nocte et die operantes, unde alerentur et vestirentur, liberisque suis idipsum providerent. quaerebant et conquerebantur, ad invicem lacrymabiliter unde illis magis quam aliis mercenariis haec ignominia et vis contumeliosa, cum inter Christianos alia plura essent officia suo multum aspernabiliora, cum tamen nullum dicerent aspernabile, de quo Christianus posset se sine peccato conducere, illudque solum esset vitabile et ignobile quod immunditiam peccati contraheret animae, meliorque sit rusticus textor et pauper, quam exactor orphanorum et spoliator viduarum urbanus et nobilis judex. Cumque haec et eorum similia secum, ut dixi, lacrymabiliter conquererentur, concrepabant ante illud nescio cujus potius dicam Bacchi an Veneris , Neptuni sive Martis , sed ut verius 216 dicam ante omnium malignorum spirituum execrabile domicilium genera diversorum musicorum, turpia cantica et religioni Christianae indigna concinentium . Sancitum quoque erat a judicibus , ut praeter textores, quicumque ad tactum navi appropinquarent, pignus de collo eorum ereptum textoribus relinquerent, nisi se ad libitum redimerent. Sed quid faciam? loquarne an sileam? utinam spiritus mendacii stillaret de labiis meis: sub fugitiva adhuc luce diei imminente luna matronarum catervae abjecto femineo pudore audientes strepitum hujus vanitatis, passis capillis de stratis suis exiliebant, aliae seminudae, aliae simplice tantum clamide circumdatae, chorosque ducentibus circa navim impudenter irrumpendo se admiscebant . Videres ibi aliquando mille hominum animas sexus utriusque prodigiosum et infaustum celeusma usque ad noctis medium celebrare. Quando vero execrabilis illa chorea rumpebatur, emisso ingenti clamore vocum inconditarum sexus uterque hac illacque bacchando ferebatur; quae tunc videres agere, nostrum est tacere et deflere, quibus modo contingit graviter luere. Istis tam nefandis factis plus quam duodecim diebus supradicto ritu celebratis conferebant simul oppidani quid agerent amodo de deducenda a se navi . Qui sanioris erant consilii, et qui eam susceptam fuisse dolebant, timentes deum pro his quae facta viderant et audierant, et sibi pro his futura conjiciebant, hortabantur ut comburatur (combureretur) aut isto vel illo modo de medio tolleretur; sed stulta quorundam coecitas huic salubri consilio contumeliose renitebatur. Nam maligni spiritus, qui in illa ferebantur , disseminaverant in populo, quod locus ille et inhabitantes probroso nomine amplius notarentur, apud quos remansisse inveniretur . Deducendam igitur eam ad villam, quae juxta nos est, Leugues decreverunt. Interea Lovaniensis dominus audiens de daemonioso navis illius ridiculo , instructusque a religiosis viris terrae suae de illo vitando et terrae suae arcendo monstro , gratiam suam et amicitiam mandat oppidanis nostris, commonefaciens eos humiliter, ut pacem illam quae inter illos et se erat reformata et sacramentis confirmata non infringerent, et inde praecipue illud diaboli ludibrium viciniae suae inferrent; quod si ludum esse dicerent, quaererent alium cum quo inde luderent. Quod si ultra hoc mandatum committerent, pacem praedictam in eum infringerent et ipse vindictam in eos ferro et igne exsequeretur. Id ipsum mandaverat Durachiensibus dominis, qui et homines ejus fuerant manuatim, et interpositis sacramentis, et obsidibus datis sibi confoederati. Hoc cum jam tertio fecisset, spretus est tam ab oppidanis nostris quam Durachiensibus dominis. nam propter peccata inhabitantium volebat dominus mittere super locum nostrum ignem et arma Lovaniensium. Ad hanc igitur plebeiam fatuitatem adjunxit se dominus Gislebertus (advocatus abbatiae S.  Trudonis) contra generis sui nobilitatem, trahendamque decrevit navem illam terream usque Leugues ultra Durachiensem villam, quod et fecit malo nostro omine cum omni oppidanorum nostrorum multitudine et ingenti 217 debacchantium vociferatione . Leuguenses oppidanis nostris prudentiores et Lovaniensis domini mandatis obsequentes portas suas clauserunt et infausti ominis monstrum intrare non permiserunt . Lovaniensis autem dominus precum suarum et mandatorum contemptum nolens esse inultum, diem constituit comitibus tanquam suis hominibus, qui neque ad primum, neque ad secundum, sed nec ad tertium venire voluerunt. Eduxit ergo contra eos et contra nos multorum multitudinis exercitum armatorum tam peditum quam militum. Nostro igitur oppido seposito, tanquam firmius munito et bellicosorum hominum pleno, primum impetum in Durachienses fecit, quibus viriliter resistentibus castellum nescio quare cum posset non obsedit, sed inter Leugues et Durachium pernoctavit. Cumque sequenti die exercitum applicare disponeret et ex quatuor partibus assultum faceret, habebat enim ingentem multitudinem, supervenit Adelbero Metensium primicerius filiorum Lovaniensis domini avunculus, cujus interventu, quia comitissa Durachiensis erat soror ejus, et Durachiense erat castellum sancti Lamberti, Lovaniensis dominus ab impugnatione cessavit et ab obsidione se amovit, promisso ei quod Durachienses paulo post ei ad justitiam suam educerentur. Et cum ista et alia de dominis et inter dominos tractarentur, pedites et milites per omnia nostra circumjacentia se diffuderunt, villas nostras, ecclesias, molendina et quaecunque occurrebant combustioni et perditioni tradentes, recedentes vero quae longe a nobis fuerant prout cuique adjacebant inter se diviserunt. Sichtbar ist in der ganzen erzählung alles in gehässigem licht aufgefaßt; es verleiht aber dem hergang gerade erst volle bedeutung, daß er den geistlichen entschieden zuwider war, und sie ihn auf alle weise als ein sündhaftes heidnisches werk zu hintertreiben dachten. allein die weltliche obrigkeit hatte den umzug gestattet und schützte ihn, es hieng von den einzelnen ortschaften ab, dem heranfahrenden schif einlaß zu gewähren; wie es scheint galt in der volksmeinung für schimpflich, es nicht weiter gefördert zu haben . Bloßer tanz und gesang, wie sie damals bei vielfacher gelegenheit unter dem volk üblich sein musten, konnte der geistlichkeit keinen solchen ärger verursachen. sie benennt das schif ›malignorum spirituum simulacrum‹, ›diaboli ludibrium‹, nimmt an, daß es ›infausto omine‹ und ›gentilitatis studio‹ aufgeschlagen sei, daß in ihm ›maligni spiritus‹ herumziehen, ja daß es ein schif des Neptun oder Mars, des Bacchus oder der Venus heißen könne; man solle es verbrennen oder sonst wegschaffen. Wahrscheinlich lebten unter dem gemeinen volk jener gegend damals noch erinnerungen an einen uralten heidnischen cultus, der jahrhunderte lang gehindert und eingeschränkt nicht vollends hatte ausgerottet werden können. ich halte dieses im land umziehende, von der zuströmenden menschenmenge empfangne, durch 218 festlichen gesang und tanz gefeierte schif für den wagen des gottes, oder lieber jener göttin, welche Tacitus der Isis vergleicht, die den sterblichen (gleich Nerthus) friede und fruchtbarkeit zuführte. wie der wagen verhüllt war, so mochte auch der eingang in das innere schif den menschen verwehrt sein, ein bild der gottheit brauchte nicht darin zu stehen. ihren namen hatte das volk längst vergessen, nur die gelehrten mönche ahnten noch etwas von Neptun oder Mars, Bacchus oder Venus; auf das äußerliche der alten feier kam die lust des volks von zeit zu zeit wieder zurück. wie wäre der bauer im walde zu Inden darauf verfallen ein schif zu bauen, wenn ihm nicht erinnerungen an frühere processionen, vielleicht auch in benachbarten gegenden vorgeschwebt hätten? Beachtenswerth ist, daß die weber , in den Niederlanden ein zahlreiches, übermütiges, aber dem gemeinen haufen verhaßtes handwerk, gezwungen wurden, das schif mit seilen auf ihren schultern zu ziehen und zu bewachen; dafür durften sie dem übrigen volk näheren zutritt wehren und pfänder nehmen. Rodulf meldet nicht, was zuletzt aus der damals umgeführten ›terrea navis‹ wurde; es genügt ihm zu erzählen, daß über die verlangte und geweigerte aufnahme zwietracht und händel ausbrachen, die in offnem kampf gekühlt werden musten. das bezeugt uns die lebhafte theilnahme der zeitgenossen, wie sie für oder wider das fest von der weltlichen oder geistlichen partei angefacht worden war. Es sind spuren vorhanden, daß auch anderwärts in Deutschland zur zeit des beginnenden frühjahrs solche schiffe umher gezogen wurden, namentlich in Schwaben, also dem späteren sitze jener Sueven Nachtrag: Aus dem angeführten berichte Rodulfs scheint folgende meldung des 16. jahrhunderts in Reiffenbergs Phil. Mouskes tome 2. Bruxelles 1838 anh. s. 721 geschöpft: sub Alexandro, qui fuit sex annis episcopus (leodiensis) et depositus in concilio Pisae a. 1135, fuit quaedam prodigiosa seu daemoniaca navis , quae innixa rotis et magice agitata malignis spiritibus attractu funium fuit Tungris inducta Los-castrum. ad quam omnis sexus appropinquans tripudiare et saltare cogebatur etiam nudo corpore . ad eam feminae de mane stratis exilientes accurrebant, dum dicta navis citharae et aliorum instrumentorum sonitu resonaret. die weber, welche Rodulf als zieher und hüter des schiffes hervorhebt, haben gewisse bezüge zur schiffart, so führen sie bei ihrer arbeit ein schif, das weberschifchen, lat. radius und hießen darum auch marner. Jägers Ulm. s. 636. 637. auf schultern getragne schiffe erwähnt Plinius auch noch an einer andern stelle, NH. 5, 9: ibi aethiopicae conveniunt naves. namque eas plicatiles humeris transferunt , quoties ad catarractas ventum est. außerdem Justinus 32, 3: Istri naves suas humeris per juga montium usque ad littus adriatici maris transtulerunt . weit wichtiger aber sind folgende spuren von deutschen schiffsumzügen und schiffsfesten. in Antwerpen und Brabant, also nahe jenem alten schiffsumzug gab es um 1400 eine gilde in der blauwer scuten. Haupts ztschr. 1, 266. 267. schiffer ziehen fastnachts ein schiff umher. Kuhns nordd. sagen s. 369. beim Schönbartlaufen in Nürnberg führten vermummte in narrenkleidern fastnachts die hölle herum, wobei auch ein schif und der venusberg vorkam s. gesch. des schönbartlaufens in N. von der deutschen ges. in Altdorf 1761. von einem anderen zu lande umgezogenen schif meldet Hones every daybook 2, 851. im gedicht von Mauritius und Beamunt v. 627–894 fährt ein schif zu land, von rädern und verdeckten rossen bewegt, mit musik und rittern auch in der Maas und Rheingegend nach Cöln zu einem turnier. hernach wird es unter die garzune ausgetheilt v. 1040 ff. sollte die vorstellung vom narrenschif , das durch die länder zieht, verwandt sein, zumal frau Venus ›mit dem ströwen ars‹ (vgl. Huldas stroharnß s. anm. 688 ) darin fährt. ed. Strobel s. 107. frau Fenus mit dem stroem loch. fastnsp. s. 263. man gedenke auch des nebelschifs von Magonia (s.  531 ) und des gezauberten schifs, auf dem eine große musikbande spielt. Müllenhoff s. 220. das wilde gjaid kommt auf einem schlitten daher, der wie ein schif gestaltet und von bösen dienstmägden, die beschlagen werden, gezogen wird. Wolfs ztschr. 2, 32. 33. oft berichten die kindermärchen von einem schif zu lande und zu wasser. Meier 31. Schambach 18. Pröhle kinder und volksm. XLVI. XLVII. Wolfs beitr. 1, 152 ff. finn. märchen bd. 2. no. 1 b . Berchta fährt häufig über und von Ođin heißt es im Sôlarliođ 77 (Sæm. 130 a ) Ođins qvon rær â iarđar skipi . . ein Ulmer rathsprotocoll vom Nicolausabend 1530 enthält das verbot: ›item es sol sich nieman mer weder tags noch nachts verbuzen, verkleiden, noch einig faßnachtkleider anziehen, ouch sich des herumfarens des pflugs und mit den schiffen enthalten, bei straf 1 gulden‹ Carl Jäger schwäb. städtewesen des MA. 1, 525. . Noch ausgebreiteter scheint die gewohnheit des pflugumziehens , die ursprünglich, ohne zweifel, zu ehren der gottheit geschah, von welcher man fruchtbares jahr und gedeihen der aussaat erwartete. wie beim umzuge des schifs fanden tänze und freudenfeuer statt. Sebast. Frank s. 51 a seines weltbuchs: ›an dem Rhein, Frankenland vnd etlichen andern orten samlen die jungen gesellen all dantzjunckfrauwen vnd setzen sy in ein pflůg , vnd ziehen yhren spilman, der auff dem pflůg sitzt vnd pfeifft, in das wasser; an andern orten ziehen sy ein feürinen pflůg mit einem meisterlichen darauff gemachten feür angezündet, biß er zů trimmern felt‹. Enoch Wiedemanns chronik von Hof meldet: ›fastnacht führten böse buben einen pflug herum , und spannten die mägdlein darein, welche sich nicht mit 219 geld lösten; andere folgten nach, säeten heckerling und sägespäne‹ sächs. provinz. bl. 8, 347. . Pfeiffer chron. lips. lib. 2. § 53: ›mos erat antiquitus Lipsiae, ut liberalibus (am Bacchusfest d. i. fastnachts) personati juvenes per vicos oppidi aratrum circum ducerent , puellas obvias per lasciviam ad illius jugum accedere etiam repugnantes cogerent, hoc veluti ludicro poenam expetentes ab iis, quae innuptae ad eum usque diem mansissent‹ Scheffers Hallaus 202. auch H. Sachs I. 5, 508 a erzählt, wie die mägde, welche nicht männer genommen, in den pflug getrieben werden Nachtrag: Zu fastnacht wurde ein pflug von vermummten durch die straßen gezogen. Büschings wöchentl. nachr. 1, 124 aus Tenzel. nach H. Sachs a. o. wurden die mägde, die nicht männer genommen, auf aschermittwoch in den pflug gespannt, ebenso fastn. sp. 247, 6. 7. im narrenpflug ziehen fastn. sp. 233, 10. Kuhn vergleicht pfluoc , plôgr , litth. plugas mit der wurzel plu, flu, so daß er ursprünglich ein schif bedeutet habe. skr. plava navis, gr. πλοῖον. . . Von diesen und ähnlichen umzügen wird im verfolg noch einiges nähere mitgetheilt werden, hier wollte ich bloß zeigen, wie das fahren des pflugs mit dem des schifs durch die landschaft auf einer und derselben altheidnischen idee zu beruhen scheine, die sich seit verdrängung der götter durch das christenthum nur in unverständlichen volksgebräuchen forterhalten und allmälich verflüchtigen konnte: auf der sichtbarwerdung einer wolthätigen, gütigen gottheit unter den menschen, die sich ihr allenthalben mit freudenbezeugungen nahten, wann im lenz die erde wieder weich geworden und das eis von den strömen gelöst war, daß ackerbau und schiffahrt neu beginnen konnten noch heutzutage pflegen in einigen holsteinischen dörfern, wo viel schiffer wohnen, in den kirchen kleine schiffe zu hängen, die zur zeit des frühjahrs, wann die schiffahrt aufgeht, mit bändern und blumen geschmückt werden; das ist ganz der römische brauch bei der Isis (oben s.  214 ). Man findet auch zuweilen silberne schiffe in kirchen aufgehangen, welche reisende in sturmesnöthen bei glücklicher heimfahrt gelobt hatten; dafür entnehme ich aus der vita Godehardi hildesiensis ein altes zeugnis: fuit tunc temporis in trajectensi episcopatu vir quidam arti mercatoriae deditus, qui frequenter mare transiret, hic quodam tempore maxima tempestate in medio mari deprehenditur, ab omnibus conclamatur et nil nisi ultimus vitae terminus timetur. tandem finito aliquanto tempore auxilium beati Godehardi implorabant, et argenteam navim delaturos, si evaderent, devoverunt. hos in ecclesia nostra navim argenteam deferentes postea vidimus (zu könig Lothars zeit). bei einem seesturm thun die schiffer gelübde. e chi dice, una nave vo far fare e poi portarla in Vienna al gran barone. Buovo d'Antona 5, 32. Die Lappen pflegen ihrem jauloherra zu weihnachten kleine mit renthierblut bestrichne schiffe darzubringen und an die bäume zu hängen. Högström efterretninger om Lapland s. 511. Diese weihgeschenke an die heiligen vertreten ältere an die götter zu heidnischer zeit, wie die schiffer auf Helgoland noch lange Fosetes heilthum ehrten (s.  191 ). Da nun auch silberne pflüge in die kirchen geliefert, im späteren mittelalter sogar als abgabe gefordert wurden, erlangt in solchen pflügen und schiffen ein uralter cultus der mütterlichen gottheit willkommne bestätigung Nachtrag: Becher kommen in schifform vor, so die argentea navis. Pertz 10, 577. nef d'or auf der königstafel. Garin 2, 16. 17. spätere beispiele finden sich bei Schweinichen 1, 158. 187. ein orakel von silberner pflugschar überliefert Thucyd. 5, 16. . . So müssen die Sueven zu Tacitus zeit ihre göttin durch umtragung des schifs gefeiert haben. Die nöthigung der unverheirateten jungfrauen zur theilnahme am fest gleicht dem zwang, der in Ripuarien den webern angethan wurde, und scheint anzudeuten, daß die umziehende göttermutter zugleich dem band der liebe und ehe hold war und versäumnisse strafte; in diesem sinn konnte sie mit recht für frau Venus, Holda und Frecke gelten. Nicht allein der Isis war bei den Griechen das schif geweiht, auch der Athene . in den Panathenäen wurde ihr heiliger peplos 220 zu schif auf die Akropolis geführt: das schif an dessen mast er als segel hieng, im Keramikos erbaut, bewegte sich zu lande durch ein unterirdisches triebwerk, erst zum tempel der Demeter, um diesen herum, am pelasgischen vorüber zum pythischen, zuletzt nach der burg. das volk folgte in feierlich geordnetem zug Philostrat. de vitis sophist. lib. 2. cap. 1. ed. paris. 1608 p. 549. . Nicht unerwähnt bleiben darf, daß Aventin, welcher die taciteische Isis in eine frau Eisen umwandelt und nach ihr das eisen benannt werden läßt (wie ferrum auch Mars bedeutet, s.  169 ), die nachricht von ihrem cultus erweitert, und außer dem schiflein noch angibt, nach ihres vaters (Hercules) tod sei sie durch alle länder gezogen, zu dem deutschen könige Schwab gekommen und eine weile bei ihm geblieben; da habe sie ihn eisen schmieden, getraide säen, mähen, malen, kneten und backen, flachs und hanf bauen, spinnen, nähen und weben gelehrt, und das volk sie für eine heilige frau gehalten auch Jean le Maire de Belges in seinen illustrations de Gaulle, Paris 1548. buch 3 p.  xxviii : ›au temps duquel (Hercules Allemannus) la deesse Isis , royne d'Egypte veint en Allemaigne et montra au rude peuple l'usaige de mouldre la farine et faire du pain‹. Jean le Maire beendigte sein werk 1512, Aventin erst 1522; schöpften hier beide aus dem falschen, im 15 jh. ausgegangnen Berosus? Hunibald läßt eine königin Cambra , die man der langobard. Gambara vergleichen könnte, die künste des bauens, säens und webens einführen Nachtrag: Annius viterb. ed. ascensiana 1512. fol. 171 a : ergo venit ( Isis ) in Italiam et docuit frumentariam, molendinariam et panificam, cum ante glande vescerentur. 171 b . Viterbi primi panes ab Iside confecti sunt. item Vetuloniae celebravit Jasius nuptias et panes obtulit primos Isis ut in V. antiquitatum Berosus asserit. porro ut probant superiores quaestiones Vetulonia est Viterbum. die litth. Krumine wandert nach ihrer verlornen tochter durch die ganze erde und lehrt die leute den feldbau. Hanusch 245. fruchtbar wird das jahr , wenn es in den zwölften durch die luft rauscht. Sommer s. 12 (s. anm. 645 ). . . Wir werden im verfolg eine göttin Zisa untersuchen, die auf Isis bezogen zu werden anspruch hätte. Sollte der name, unter welchem die Sueven die von Römern der Isis gleichgesetzte göttin verehrten, sollte nicht wenigstens eine ihrer nebenbenennungen gewesen sein Holda? Dieser name hat reindeutsche bedeutung und noch heute in lebendiger volksüberlieferung festen grund. Holdâ ist die freundliche, milde, gnädige göttin und frau, von hold (propitius) goth. hulps (Luc. 18, 13) altn. hollr; die goth. form würde Hulþô lauten. Ulfilas verwendet für den entgegengesetzten begrif feindseliger, teuflischer wesen sowol das fem. unhulþô als das masc. unhulþa , woraus ich ein hulþa neben hulþô folgere; neue bestätigung des doppelgeschlechts, das in der vorstellung dieser götter waltet. gewis aber konnten mehrere götter oder geister des beinamens theilhaftig werden. Notker im Capella 81 überträgt verus genius durch ›mîn wâre holdo ‹ auch in der mhd. sprache muß holde (fem. und masc.) für geisterhafte wesen bekannt und gebräuchlich gewesen sein. Albrecht von Halberstadt in seiner bearbeitung der ovidischen metamorphosen hat wazzerholde (gen. -en) für nymphe, der reim schützte diese ausdrücke in Wikrams umdichtung Frankf. 1631. 4. 171 a von einer wazzerholden: solden; 176 a wazzerholde: solde. . in der niederdeutschen vielfach erweiternden übertragung des narrenschifs (Narragonia, Rostock 1519. 96 a ) findet sich folgende dem hochd. text mangelnde stelle: ›mannich 221 narre lövet an vogelgeschrei und an der guden hollen (bonorum geniorum) gunst‹. Häufiger begegnet das mhd. unholde (fem.) nhd. unhold (masc.) im sinn eines bösartigen, finsteren, jedoch gewaltigen wesens. Das älteste zeugnis für den bestimmteren gebrauch des namens Holda gewährt mir Burchard von Worms p. 194 a darf man die s. 212 angeführte inschrift dea Hludana in Huldana umsetzen, so wäre das noch willkommner als die analogie zur altn. Hlôdyn, und urältestes zeugnis für Hulda , welcher schon das goth. unhulþô , und der zwar seltne, doch bei Schannat trad. fuld. no. 445 vorräthige ahd. frauenname Holda zustatten kommt. Graff 4, 915 hat auch Holdasind . Schützes abhandlung de dea Hludana erschien zuerst Lp. 1741, und wenn Wolf (Wodana s. L) eine niederländische de dea Huldea , Trajecti 1746 namhaft macht und deren titel wirklich so lautet, kann dies nichts anders sein als eine von Cannegieter nach unsrer Hulda, wie sie bei Eccard vorkommt, aufgestellte sehr ansprechende mutmaßung. der lat. dativ Huldanae würde die schwache form ahd. Holdûn, ags. Holdan ausdrücken, wie man in lat. urkunden Berta, Hildegarda flectiert Bertanae, Hildegardanae; doch mag auch ein nom. Bertana, Huldana entsprungen sein. hiernach leitet wiederum Tanfanae wenigstens auf einen deutschen nom. Tanfa und alle versuche wären abgeschnitten, aus -fana ein celtisches wort oder das lat. fanum zu machen. Tanfa gemahnt an den altn. mannsnameu Danpr oder an die ahd. wurzel damph; übergänge des F in CH und TH angenommen, ergäben sich noch andere möglichkeiten, z. b. ein weiblicher name Tancha (grata) entspräche dem männlichen ahd. Dancho (gratus) Graff 5, 169. vgl. Dankrât = Gibicho. Haupts zeitschr. 1, 573. Ich bin von Huldana abgerathen und gestehe, daß sich auch Hludana behalten, Hlûda (clara, praeclara) deuten ließe; das gewicht der übrigen gründe hat den ausschlag zu geben. unter diesen ist aber die anwendung von gute holden, hollar vættir (Sæm. 240 b ) auf geister, von holl regin (Sæm. 60 a ) auf götter besonders zu beachten; im altn. adj. hollr. = goth. hulþs, ahd. hold hatte assimilation statt, während im eigennamen Huldr die alte form blieb; denn huldr = occultus, celatus zu erklären scheint bedenklich. : credidisti ut aliqua femina sit, quae hoc facere possit, quod quaedam a diabolo deceptae se affirmant necessario et ex praecepto facere debere, id est cum daemonum turba in similitudinem mulierum transformata, quam vulgaris stultitia Holdam (al. unholdam ) vocat, certis noctibus equitare debere super quasdam bestias, et in eorum se consortio annumeratam esse; die merkwürdige variante unholda ist aus dem cod. vidob. univ. 633 geschöpft. Burchard hat hier das deutsche wort an die stelle der Diana , Paganorum dea, gesetzt, die sonst gewöhnlich in gleichem sinn und in der nemlichen verbindung genannt wird. Volkssagen und märchen lassen frau Holda (Hulda, Holle Holle aus Hulda wie Folle aus Fulda. , Hulle, frau Holl) als ein höheres wesen auftreten, das den menschen freundliche, hilfreiche gesinnung beweist, und nur dann zürnt, wenn es unordnung im haushalt wahrnimmt. diese überlieferungen scheinen unter keinem deutschen stamm so verbreitet wie unter Hessen und Thüringern (auch der Wormser bischof war gebürtig aus Hessen). indessen kommt frau Holle vor bis ins Voigtland Jul. Schmidt Reichenfels p. 152. , über die Rhön hinaus im nördlichen Franken Reinwald henneb. id. 1, 68. 2, 62, Schmeller 2, 174. , 222 in der Wetterau bis zum Westerwald Schmidt westerwäld idiot. 73. 341. und reicht aus Thüringen her in das angrenzende Niedersachsen. Schwaben, Schweiz, Baiern, Östreich, Nordsachsen, Friesland kennen sie nicht unter diesem namen. Aus dem, was uns die tradition noch bewahrt hat kinderm. no. 24. deutsche sagen no. 4–8. Falkensteins thür. chronica 1, 165. 166 Nachtrag: Zu kinderm. no. 24 vgl. die variante KM. 3, 40 ff., svenska äfv. 1, 123 und pentam 4, 7. ähnliches wird von den dialas gesagt. Schreiber taschenb. 4, 310. ( anm. 1010 ). . , ergeben sich folgende züge. Frau Holle wird als ein himmlisches , die erde umspannendes wesen vorgestellt: wenn es schneit, so macht sie ihr bett, dessen federn fliegen frau Holle schüttelt ihr bett. modejourn. 1816, 283. auch in Schottland heißt es, wenn die ersten schneeflocken fallen: the men o'the East are pyking their geese and sending their feathers here away, here away. im preuß. Samland heißt es: die engel schütteln ihr bettchen, wenn es schneit. die schneeflocken sind ihre flaumen, viele aber fallen vorbei und gelangen zu unserer erde. . Sie erregt den schnee wie Donar den regen; die Griechen legten ihrem Zeus die hervorbringung des schnees und regens bei, Διὸς ὄμβρος Il. 5, 91. 11, 493 wie νιφάδες Διός Il. 19. 357, Holda erscheint darum als hehre göttin da andere eigenschaften Holdas auf Maria übergehn, so darf hier auch die Maria ad nives , notre dame aux neiges verglichen werden, deren fest die kirche am 5 aug. feierte, auf diesen tag beten zu ihr die Brüsseler spitzenmacherinnen, damit ihr werk weiß wie der schnee bleibe. in einem bretagn. volkslied heißt es: notre dame Marie, sur votre trône de neige! (Barzas breiz 1, 27). Sollte nicht die sonst unverständliche hildesheimische sage von dem Hillesnee (D. S. no. 456) aus einem Holde snê entsprungen sein? . die vergleichung der schneeflocken und federn ist uralt, die Scythen erklärten die nördliche weltgegend, weil sie mit federn angefüllt sei, für unnahbar (Herod. 4, 7. vgl. 31). Holda muß sich also durch die lüfte bewegen können, wie frau Herke. Sie liebt den aufenthalt in see und brunnen ; zur mittagsstunde sieht man sie, als schöne weiße frau, in der flut baden und verschwinden , dieser zug stimmt zu Nerthus. sterbliche gelangen durch den brunnen in ihre wohnung, vgl. die benennung wazzerholde wenn der name brunnenhold im märchenbuch von Alb. Ludw. Grimm 1, 231 echt und überliefert ist, so bezeichnet er einen brunnengeist. . Auch das stimmt, daß sie auf einem wagen einherfährt . sie ließ ihn von einem bauer, der ihr begegnete, verkeilen, die aufgeraften späne waren gold ähnliche sage bei Jul. Schmidt Reichenfels p. 152. . ihr jährlicher umzug , der wie bei Herke und Berhta auf weihnachten in die sogenannten zwölften verlegt wird, wo es nicht recht geheuer ist, und thiere wie der wolf nicht bei namen genannt werden, bringt dem lande fruchtbarkeit . nicht anders scheint Derk mit dem eber, jener niederländische Freyr (s.  177 ) umzuziehen und nach den pflügen zu schauen. Gleich Wuotan fährt Holda aber auch schreckenhaft 223 durch die lüfte und gehört, wie der gott, zu dem wütenden heer. daraus folgt die einbildung, daß hexen in Hollas gesellschaft fahren (s. cap.  XXXIV die schneefrauen), schon Burchard wuste es, und noch ist Hollefahren, mit der Holle fahren in Oberhessen und im Westerwald gleichbedeutig mit hexenfahrt Estors oberh. idiot s. v. . in das wütende heer wurden aber nach dem weit verbreiteten volksglauben die seelen der ungetauft sterbenden kinder aufgenommen, da sie keine Christen wurden, blieben sie heidnisch und fielen heidnischen göttern zu, Wuotan oder Hulda. Hieran knüpft sich, daß Hulda statt der göttlichen gestalt das aussehen einer häßlichen , langnasigen, großzahnigen alten , mit struppigem, engverworrenem haar annimmt. ›er ist mit der Holle gefahren‹ heißt es von einem, dessen haare sich unordentlich wirren und sträuben, und so werden die kinder mit ihr oder mit ihrem nicht weniger greulichen gefolge geschreckt Erasm. Alberus fabel 16: ›es kamen auch zu diesem heer viel weiber, die sich forchten sehr, und trugen sicheln in der hand, fraw Hulda hat sie ausgesandt‹. Luthers auslegung der episteln, Basel 1522 fol. 69 a : ›hie tritt fraw Hulde herfür mit der potznasen , die natur, und darf irem gott widerpellen und in lügen strafen, hengt umb sich ihren alten trewdelmarkt, den stroharnß (strohharnisch) – hebt an und scharret daher mit ihrer geigen ‹. er vergleicht hier die gott widerspenstige natur der heidnischen Hulda mit der fürchterlichen nase (Oberlin s. v. potzmännchen), wie sie in stroh und trödellumpen vermummt unter geigenspiel auftritt. : ›still, der Hullebetz , der Hullepöpel kommt‹. Hollepeter (sonst auch Hersche, Harsche, Hescheklas, Ruprecht, Rupper s. cap.  XVII Hausgeister) heißt der zur zeit der winterwende, in Holles geleit, umziehende vermummte knecht. In einem märchen (no. 24) wird sie als alte hexe mit langen zähnen geschildert; nach verschiedenheit der erzählung geht ihr freundliches holdes aussehn über in ein finsteres, schreckhaftes. Holla wird wiederum als spinnende frau dargestellt, der flachsbau ist ihr angelegen. fleißigen dirnen schenkt sie spindeln und spinnt ihnen nachts die spule voll; faulen spinnerinnen zündet sie den rocken an oder besudelt ihn Brückners beitr. zum henneberg. idioticon s. 9 führt aus dem dortigen volksglauben an: ›am obersten (tag) kommt die Hollefrau (Hollefra, Hullefra) und wirft spulen herein . wer sie nicht vollspinnt, dem bricht sie den hals‹ (vgl. unten Berhta und Berhtolt und den Teufel ). ›am obersten wird sie verbrannt ‹, was an das austragen des todes und sägen des alten weibes (cap.  XXIV ) erinnert. Aus der beifügung von frau (vgl. gaue fru s.  209 ) erhellt der ursprüngliche, adjectivische sinn des namens. cod. pal. 355 b b: ›ich wen, kain schusel (scheusal) in kaim rocken wart nie als heßlich als du bist‹. . dem mädchen, dessen spindel in ihren brunnen fiel, lohnte sie durch begabung. wenn sie weihnachten im land einzieht, werden alle spinnrocken reichlich angelegt und für sie stehen gelassen; fastnachts aber, wenn sie heimkehrt, muß alles abgesponnen sein, die rocken stehen dann vor ihr versteckt (abergl. 683 ); trift sie alles an, wie es sich gehört, so spricht sie ihren segen aus, im gegentheil ihren fluch, die 224 formeln ›so manches haar, so manches gute jahr!‹ ›so manches haar, so manches böse jahr!‹ klingen alterthümlich. verwechselung scheint, wenn auch erzählt wird, in den zwölfnächten dürfe kein flachs auf der dieße bleiben, sonst komme frau Holla braunschw. anz. 1760 no. 86 dieße ist der eingebundne flachs am rocken. brem. wb. 5, 284. . das verstecken des arbeitsgeräthes deutet zugleich auf die heiligkeit ihres feiertages, an dem gerastet werden soll hier wird man an Gertrud erinnert. krainische bauernkalender bilden die heilige ab durch zwei mäuslein, die an einer spindel (vretenò) mit flachsgarn nagen, zum zeichen, es dürfe an ihrem festtage nicht gesponnen werden. gleiches gilt von der russ. pjatnitza . (Kopitars rec. von Strahts gel. Rußland.) . den ›samstag der Hulla ‹ wird auf der Rhön keine ländliche arbeit verrichtet, weder gekehrt; noch gemistet, noch zu acker gefahren. auch im Norden soll sich von jultag bis zu neujahr weder rad noch winde drehen (dän. abergl. no.  134 ) Nachtrag: Die wurzel von goth. hulþs , propitius ist hilþan halþ hulþun, sich neigen (s. Löbe). Holle, Holda ist in Kärnten kuhname, in Dietr. drachenk. 160 a . 164 a heißt ein riese Hulle (str. 517. 518. 1019. 1020), aber str. 993: sprancten für frowen Hullen der edelen juncfrowen fîn. man hört in Thüringen auch frau Wolle und Rolle . Sommer s. 10. 11. Holda cod. fuld. no. 523. Frau Holla im rheinfränkischen. Frommann 3, 270. die Holl kommt! sagt man in Gießen, die Hulla auch jenseit des Mains im Würzburgischen. Kestler beschr. von Ochsenfurt. Wrzb. 1845. s. 29. frau Holle auch in Schlesien. obersächsisch hieß sie frau Helle . buch vom abergl. 2, 66, 67, frau Holt , frau Holt in Wolfs ztschr. 1, 273. Das älteste zeugniss für die Holda gewährt übrigens nicht Burchard von Worms, sondern Walafrid Strabo, indem er Judith, Ludwig des frommen gemahlin besingt: organa dulcisono percussit pectine Judith, o si Sappho loquax vel nos inviseret Holda etc. Wenn nebel auf dem berge hängt, heißt es: frau Holle hat feuer im berge. im Elsaß heißt es beim schneefall: d'engele hans bed gemacht, d'fedre fliege runder, bei Gegenbach 427: die himelfedern fliegen, in Nassau: frau Holle schüttelt ihr bett. Kehrein Nassau s. 280. Neugeborne kinder holen die hebammen aus frau Hollenteich . Frauholdagraben ist ein flurname in Siebenbürgen. progr. über todaustragen 1861 s. 3. sie wäscht ihren schleier. Pröhle 198. Holle ist wie Berthe königin, führerin der elben und holden (s.  425 ) vgl. Titania und frau Venus. (fraue Bercht oder fraue Holt heißt es in Landskranna (?) himelstrasz. gedr. 1484. Gefken beil. 112.) frau Holle soll einen felsen in der gegend des Meisners auf ihrem daumen dahin getragen haben. hess. zeitschr. 4, 108. hier heißt eine höle kitzkammer , vielleicht weil ihr wie der Freya katzen heilig waren (s.  253 ). am Main zwischen Hassloch und Grünenwörth zeigt sich fra Hulle, ihre locken kämmend, auf dem Fra Hullenstein . wer sie sieht, verliert das augenlicht oder gar den verstand. frau Holle fährt in der kutsche, macht wirbelwind und verfolgt den jäger. Pröhle 156. 278. 173, sie gleicht der Pharaildis, Verild (s. anm. 890 ). andere sagen von frau Hulle in Herrleins Spessartsagen 179–184. in Thüringen gibt es noch ein frau Hollenspiel , hess. zeitschr. 4, 109. die Haulemutter (mutter Holle) am harz erscheint als altes mütterchen, macht sich klein und groß. Harrys 2 no. 6. Pröhle 278. vgl. Haule männerchen = zwerge. KM. no. 13. ein bucklichtes mütterchen ist sie auch bei Sommer s. 9. sie geht an der krücke in Westfalen bei Haxthausen. auch kommt königin Holle als haushälterin und botin des Friedrich Rothbart im Kifhäuser vor, ganz wie Frau Venus im geleite Wuotans zieht. Sommer s. 6. oberhess. bedeutet ›meätt der Holle färn‹ verworrnes haar oder verworrnen rocken haben, auch wol nachtwandeln. einer hexe gleicht die Holle zu Warburg. Woeste mitth. s. 289 no. 24. vgl. verheuletes haar. Corrodi professer 59. einer mit struppichtem haar heißt hollekopf . zu ihrem stroharnß halte man den ströwenars anm. 665 . Schlechten spinnerinnen droht man mit der verwunschenen frau s. Panzer beitr. 1, 84: wer samstags nicht abspinnt, dem fährt die Holle in den rocken und verwirrt ihn. vgl. die Kuga (s.  994 ). . Diese oberaufsicht über den feldbau und die strenge ordnung im haushalt bezeichnet ganz das amt einer mütterlichen gottheit , wie wir sie in der Nerthus und Isis kennen gelernt haben. Ihre besondere sorge für flachs und spinnen (das wesentliche geschäft deutscher hausfrauen, die nach spindel und kunkel benannt werden RA. 163. 168. 470. ags. heißen die frauen friđovebban. , wie nach speer und schwert die männer) führt aber unmittelbar auf die altn. Frigg , Ođins gemahlin, deren wesen in den begrif einer erdgöttin übergeht und nach der ein gestirn des himmels, Orions gürtel: Friggjar rockr (Friggae colus) benannt ist. zwar gewähren isländische denkmäler diesen namen nicht, unter dem schwedischen landvolk ist er im gebrauch geblieben (Ihre s. v. Friggerock ). das gestirn heißt aber Mariärock , dän. Marirock (Magnusen gloss. 361. 376), weil die Christen den alten namen auf Maria , die himmlische mutter, anwandten. Bei den Griechen wurde spindel und rocken mehreren göttinnen beigelegt, vorzüglich der Artemis (χρυσηλάκατος Il. 20, 70) und ihrer mutter Leto, dann aber auch der Athene, Amphitrite und den Nereiden. alles stimmt zu Holda, die eine göttin der jagd (des wilden heers) und der brunnen ist. Man könnte versucht sein, frau Holda aus einer gestalt des alten testaments herzuleiten. II Reg. 22, 14 und II Paralip. 34, 22 ist die rede von einer wahrsagerin הֻלְדׇּח Chuledda, Chulda, wofür Luther Hulda setzt; die LXX haben Ὀλδά, die vulg. Olda , die lat. bibel Viteb. 1529 und wahrscheinlich andere spätere Hulda , mit rücksicht auf Luthern, der die deutsche ›frau‹ Holda im sinn habend die jüdische prophetin popularisiert. mehrmals in seinen schriften gedenkt er des heidnischen wesens, eine stelle ist s.  223 angezogen. Ich weiß nicht, ob schon andere vor ihm beide namen verglichen haben, sicher aber ist die vorstellung von frau Holda nicht erst aus der ganz unbedeutsam auftretenden Olda der vulgata geschöpft, wie die tiefere wurzelung jenes namens 225 in unserer sprache, seine allgemeine beziehung auf verschiedenartige geister und die uralte negation unholda zeigen. Auch um der verwandtschaft nordischer überlieferungen willen würde man jenen gedanken fahren lassen. zwar kennt die eddische götterlehre keine, unserer Holda entsprechende, Holla; allein Snorri (Yngl. saga c. 16. 17) gedenkt einer zauberin (völva, seiđkona) namens Huldr , und eine spätere im 14 jh. abgefaßte isl. sage erzählt umständlich von dem zauberweib Hulda , Ođins geliebten, und der bekannten halbgöttinnen Thorgerđr und Irpa mutter Müllers sagabibl. 1, 363–366. . Noch wichtiger scheinen norwegische und dänische volkssagen von einer berg oder waldfrau Hulla , Huldra , Huldre , die sie bald jung und schön, bald alt und finster darstellen. in blauem kleid und weißem schleier naht sie sich den weideplätzen der hirten und dem tanz der menschen, an dem sie theil nimmt, ihre gestalt wird aber durch einen schwanz entstellt, den sie sorgsam zu verbergen trachtet. nach einigen ist sie von vornen schön, von hinten häßlich. sie liebt musik und gesang, ihr lied hat traurige weise und heißt huldreslaat . in den wäldern sieht man Huldra als graugekleidete alte frau, an der spitze ihrer heerde, den melkeimer in der hand, einherziehen. sie soll den menschen ungetaufte kinder forttragen. oft erscheint sie nicht allein, sondern als herrin oder königin der berggeister, welche huldrefolk genannt werden nähere angaben findet man in Müllers sagab. 1, 367. 368. Hallager p. 48. Faye p. 39–43. p. 10. 15. 25. 26. 36. Frigge, nytaarsgave for 1813 p. 85. Ströms Söndmör 1. 538–59. Vilses Spydeberg 2, 419. Villes Sillejord. p. 230. Asbiörnsen an vielen stellen. . auch auf Island weiß man von diesem Huldufôlk , von den Huldumenn , und hier zeigt sich von neuem die berührung mit dem deutschen volksglauben, der neben der frau Holde zugleich holden , d. h. freundliche geister, ein stilles unterirdisches volk annimmt, dessen fürstin gleichsam frau Holde ist Nachtrag: Die Huldarsaga , sage von der zauberin Huldr, erzählt Sturle. vgl. den auszug aus Sturlunga im oldn. läseb. s. 40. Huldregespinst bedeutet in Norwegen einen weichen fast flanellartigen pflanzenstoff. bei Faye 42 ist Huldra grüngekleidet, bei Asb. 1, 48. 78. 199 hat die hulder einen kuhschwanz. bei ihm treten öfter einzelne und viele huldren auf, als eine einzige. auch in der mnl. Rose 5679 heißt es: hulden , die daer singhen. sind es meerfrauen? die hyllefru ist in Schweden bekannt, auch die Hildimoder . Geyer 1, 27. vgl. Dybeck 1845, 56. . Aus diesem grund schon wird es richtiger sein, die nord. benennung Hulla , Huldra aus dem altn. adj. hollr (fidus, fidelis, propitius), das dän. und schwed. huld lautet, zu erklären, nicht aus dem altn. hulda (obscuritas) mit beziehung auf die wohnung der berggeister unter der erde. in schwed. volksliedern finde ich huldmoder, hulda moder gleichbedeutend mit kära moder von der natürlichen mutter gesagt (sv. vis. 1, 2. 9), wonach also huld ganz den sinn unsers deutschen worts haben muß. wahrscheinlich kam der ausdruck huldufôlk erst aus der dänischen oder norwegischen sprache in die isländische. Schwerer zu deuten ist das in den formen Huldra , Huldre eingeschaltete R; sollte es aus der pluralform hulder (boni genii, hollar vættir) herrühren? oder aus einer zusammensetzung? Die deutsche Holda steht dem spinnen und ackerbau vor, die nordische Hulle der viehweide und dem melken. 226 Ein ähnliches wesen, wie Holda, oder ganz dasselbe, unter verschiedner benennung, erscheint gerade in den oberdeutschen gegenden, wo jene aufhört, in Schwaben, im Elsas, in der Schweiz, in Baiern und Österreich ein theil von Franken und Thüringen kennt Berchta und Holda ; wenigstens ist hier die grenze zwischen beiden. Matthesius in seiner auslegung der festevangelien s. 22 nennt frau Hulda und die alte Berchte nebeneinander. . es heißt frau Berchte , d. i. ahd. Perahta , die leuchtende, glänzende unter den gefeierten jungfrauen der Menglöd ist eine Biört (Sæm. 111 a ), Menglöd selbst heißt sû in sôlbiarta (111 b ) und der vater ihres verlobten Svipdagr Sôlbiartr (112 a ). eine Menglöd in späterer sage erscheint einem im traum fornmannas. 3, 222. 223. und hinterläßt ihm wunderbare handschuhe. , hehre, wie Holda den glänzenden schnee erzeugt; schon dem sinn des wortes nach eine gütige, freudebringende, aber selten wird sie noch so vorgestellt, gewöhnlich ist die grauenhafte seite hervorgehoben, sie tritt als ein fürchterliches, kinderschreckendes scheusal auf. in den erzählungen von frau Berchta herscht die böse bedeutung vor, wie in denen von frau Holda die gute, d. h. durch die christliche volksansicht ist Berchta tiefer als Holda herabgewürdigt. aber sie fällt auch zusammen mit frau Herke, Freke und andern Nachtrag: Perahta , die leuchtende, gleicht durch ihren namen der Selene oder Lucina, der mondgöttin, der Diana oder Artemis. darum geht sie auch mit auf die wilde jagd, von hunden begleitet wie Hecate. darum ist im ndrd. Valentin und Namelos aus Berta Clarina gemacht. der Berhta oder Holda ist die litth. Lauma sehr ähnlich. sie ist erdgöttin und webegöttin. zuweilen wird sie in einem hause sichtbar, hilft den mädchen weben und ist schnell mit einem stück leinwand fertig. das mädchen muß dann den namen der laume errathen. räth es ihn, so gehört ihm die leinwand, räth es ihn nicht, so entfernt sich die laume damit. einer webenden laume sagte das mädchen: laume Sore pecziu auda důna pelnydama d. h. die laume Sore webt mit dem arme brot verdienend. sie hieß Sore und das mädchen behielt die leinwand. n. preuß. prov. bl. 2, 380. nach Schleicher wien. ber. 11, 104 ff. ist die laume ein böser alp, der nachts drückt, kinder stiehlt, gefräßig ist, doch auch am ufer badet, hilft und leinen bringt. sie ist verschieden von der (s.  345 ) besprochenen laima a. o. s. 96. 97. Nesselmann 353 b . . Ihre identität ergibt sich am deutlichsten daraus, daß alle zu gleicher zeit, in den zwölften, zwischen weihnachten und neujahr, ihren umgang halten. doch ist für Berchta ein eigenthümlicher tag am schluß dieser periode bestimmt worden, den ich nie nach frau Holda benannt finde. nicht weniger gleichen sich ihre verrichtungen. Berchta führt, wie Holda, aufsicht über die spinnerinnen , was sie am letzten tag des jahrs unabgesponnen findet, verdirbt sie (abergl. 512 ). ihr fest muß durch eine althergebrachte speise begangen werden, brei und fische . Thôrr sagt (Sæm. 75 a ), daß er › sîldr ok hafra ‹ (heringe und haber) zu nacht gegessen habe; die weiße frau hat dem landvolk auf ewige zeiten ein gericht fische und habergrütze verordnet, sie zürnt, wenn es einmal unterbleibt (deutsche sagen no. 267). den letzten tag im jahr beschließen die Thüringer im Saalfeldischen mit knödel und heringen . fische und mehlspeise galt den Christen geziemend für die faste nach den braunschw. anz. 1760 p. 1392 sollen, wenn frau Holla in den 12 nächten umgeht, keine hülsenfrüchte genossen werden. entweder misverstanden, oder auf bestimmte hülsenfrüchte zu beziehen. . Seltsam und alterthümlich klingt die rache der zürnenden Berchta , wenn fische und klöße fehlen: sie schneidet dem der andere speise an ihrem tag zu sich genommen hat, den leib auf, füllt ihn mit heckerling, und näht mit einer pflugschar statt der nadel, mit einer eisenkette statt des zwirns den schnitt am bauch zu (abergl. 525 ) im Voigtland wird fast dasselbe erzählt von der Werre oder frau Holle . die Werre hält am heiligen abende des hohen neuen jahres genaue revision, ob auch alle rocken abgesponnen sind; wo es nicht der fall ist, verunreint sie den flachs. auch muß an diesem abende polse , ein aus mehl und wasser eigen bereiteter dicker brei genossen werden: wer es unterläßt, dem reißt sie den leib auf . Jul. Schmidt Reichenfels p. 152. Den namen Werra (von den gewirrten, straubenden haaren?) lehrt schon Thom. Reinesius lect. var. Altenb. 1640 p. 579 (in den critischen anmerkungen zu Rhyakinus, d. i. Andr. Rivinus oder Bachmann, liber Kiranidum Kirani. Lips. 1638): ›nostrates hodieque petulantioribus et refractariis manducum aliquem cum ore hiante frendentem dentibus, aut furibundam silvescente coma, facie lurida, et cetero habitu terribilem cum comitatu maenadum Werram interminantur‹. Reinesius war aus Gotha (geb. 1587 † 1667), lebte aber zu Hof im Voigtland. die werre ist sonst ein schwirrendes grillenartiges ungeziefer (Popowitsch 620). mhd. sæjet diu Werre (Discordia) ir sâmen dar, Ms. 2, 251 b (vgl. Troj. 385) Nachtrag: Der Werre ist Wandelmuot Ls. 3, 88. 1, 205. 208 verwandt. frô Wandelmuot sendet ihren scheidsâmen Ls. 2, 157. in dirre wîten werlde kreizen hât irresâmen uns gesât ein frouwe ist Wendelmuot geheißen. MS. 2, 198 b . vgl. den säenden tod (s.  708 ) und teufel (s.  845 ). frou Wendelmuot hie liebe maet mit der vürwitz segens abe. Turl. Wh. 128 a *. und in Selphartes regel (Wackernagels lb. 903) ist neben bruoder Zornli, bruoder Ergerli, ein bruoder Werra aufgeführt, der sîn herze mit weltlichen dingen also beworren hat, daz da niht mê in mag. hiermit kann die vorstellung des garn und haarverwirrens , die auch bei Bertha und Holda waltet, dennoch verwandt sein. am Zürchersee heißt sie de Chlungere , weil sie faulen mägden chlungel, kneuel in das unabgesponnene garn bringt. Albert Schott (deutsche colonien in Piemont) s. 282. in Baiern und Deutschböhmen wird Berhta auch durch die heilige Lucia , deren tag schon auf den 13 dec. fällt, vertreten. frau Lutz schneidet den bauch auf. Schmeller 2, 532. Jos. Rank Böhmerwald s. 137. vgl. die Lusse in Schweden. Wieselgren. 386. 387. . damit wird auch in andern gegenden gedroht Nachtrag: Das der Bertha hingestellte mahl erinnert an Hecate, der den 30. monatstag speisen vorgelegt wurden. Athen. 3, 194. gewisse fische sind Ἑκάτης βρώματα. Athen. 3, 146. 147. 323. zu dem mit heckerling gefüllten bauch halte man den hrîsmagi Laxd. saga 226. wie von der weißen frau , die dem landvolk speisen verordnet s. morgenbl. 1847. no. 50–52, so erzählt man von einer frau Borggabe , die dürftigen menschen geld und getraide gab oder borgte, wenn sie zu ihrer höle giengen und riefen: gnädige frau Borggabe. vgl. ahd. chorn gëpâ Ceres, sâmo këpa saticena und Gibicho. wîn gebe MB. 13, 42. oti geba (s.  741 ). Nycolaus von dem crumen ghebe. a. 1334. henneb. urk. II. 13, 30. . 227 Börners volkssagen aus dem Orlagau (zwischen der Saale und Orle) erzählen reichlich s. 153: jedesmal nachts vor dem h. dreikönigstag untersucht Perchtha die rockenstuben der ganzen umgegend, bringt den spinnerinnen leere spulen unter der weisung, daß dieselben in einer bestimmten sehr kurzen frist vollgesponnen sein müssen, und bestraft, wenn das geforderte nicht geliefert werden kann, mit verwirrung und verunreinigung des flachses. bei dieser gelegenheit schneidet sie auch allen, die an diesem tage nicht zemmede wird aus mehl und milch oder wasser bereitet und in der pfanne gebacken, unverkennbar eine fastenspeise. gegessen haben, den leib auf, nimmt die genossene anderartige speise heraus und füllt den leeren raum mit wirrbüscheln und backsteinen an, zuletzt näht sie den leib wieder zu, wobei sie sich statt der nadel einer pflugschar , statt des zwirns einer röhmkette bedient. s. 159: zu Oppurg, als Perchtha in jener nacht die spinnstube voll schäkernder gäste antraf, reichte sie hocherzürnt zwölf leere spindel durch das fenster , die in einer stunde, wann sie wiederkehre, bis zum rande vollgesponnen sein sollten; eine viertelstunde verstrich nach der andern in banger erwartung, da sprang ein keckes mädchen auf den dachboden, langte einen wickel werrig und umwickelte die leeren spulen. dann überspannen sie das werrig zu ein, zwei bis dreimalen, so daß die spulen voll schienen. Perchtha kam, man überreichte ihr die gefertigte arbeit und kopfschüttelnd zog sie damit ab. (vgl. die ähnliche sage vom weißen männlein bei Bader s. 369). s. 167: zu Langendembach war eine alte spinnfrau, die im ganzen winter den faden flink drehte und sogar am dreikönigsabend nicht aussetzte; sohn und schnur warnten: wenn Perchtha kommt, es wird euch übel gehn. ›ei was‹, war ihre antwort, ›Perchtha bringt mir keine hemden, ich muß sie selbst spinnen!‹ nach einer weile wird das fenster aufgeschoben, Perchtha schaut in die stube und wirft leere spulen 228 zu, die sie in einer stunde voll gesponnen wieder abholen werde. da faßte sich die spinnerin ein herz, spann in aller eile einige reifen auf jedwede spule und warf die spulen insgesammt in den bach , der an dem hause vorüber floß (dadurch schien Perchtha versöhnt). s. 173: einem bergmann, der in der Perchthennacht von Bucha zurück nach Könitz kehrte, trat sie auf dem kreuzweg drohend entgegen und verlangte, daß er ihren wagen verkeilen solle . er nahm sein messer, schnitzte den keil so gut es gehen wollte, und paßte ihn in Perchthas wagen ein, die ihm die abgefallenen späne schenkte. er las sie auf, und zog zu hause aus allen taschen gold in Perchthas gabe. s. 182: zwei bauern aus Jüdewein, die sich im Köstrizer bierkrug auf Perchthenabend verspätet hatten, waren noch nicht weit gegangen, als Perchtha auf einem wagen gefahren kam und sie anrief, sie sollten ihr einen pflock in die wagendeichsel machen. der eine bauer hatte ein messer und mit holz half Perchtha aus, der pflock wurde eingepaßt und der hilffertige mann trug einige geldstücke im schuh als lohn nach hause. s. 113: in dem fruchtbaren Saalthal zwischen Bucha und Wilhelmsdorf hatte Perchtha, die königin der heimchen , ihren alten sitz, und auf ihr gebot musten die heimchen die felder und fluren der menschen bewässern, während sie unter der erde mit ihrem pfluge ackerte; zuletzt aber veruneinigten sich die leute mit ihr und sie beschloß das land zu verlassen, auf Perchthenabend wurde der fährmann im dorfe Altar für spät in der nacht bestellt, und als er zum Saalufer kam erblickten seine augen eine große, hehre frau umgeben von weinenden kindern, die von ihm überfahrt forderte. sie betrat das fahrzeug, die kleinen schleppten einen ackerpflug und eine menge andern geräthes hinein, unter lautem wehklagen, daß sie aus der schönen gegend weichen müsten. am andern ufer der Saale angelangt hieß Perchtha den schiffer nochmals fahren und die zurückgebliebnen heimchen holen, welches nothgedrungen geschah. unterdessen hatte sie am ackerpfluge gezimmert , deutete auf die späne und sprach zum fährmann: ›da nimm, das sei der lohn für deine mühe!‹ mürrisch steckte er drei von den spänen ein, warf sie zu hause auf das fensterbrett und sich geängstigt ins bette. am morgen lagen drei goldstücke da wohin er die späne gelegt hatte. die kunde von Perchthas überfahrt hat sich auch bei Kaulsdorf an der Saale, so wie an der Elster zu Köstriz unweit Gera erhalten. s. 126: spät in der nacht gieng der wagnermeister aus Colba von Oppurg, wo er auf arbeit gewesen war, nach hause, es war am vorabend des h. dreikönigfestes und an des Orlaflüßchens ufer stieß er auf Perchtha , deren zerbrochnen pflug klagende heimchen umringten. ›hast du ein beil bei dir, so hilf und zimmere!‹ rief sie den erschrocknen mann an. er half so gut als möglich war, doch von den gefallnen spänen , dem ihm zugewiesnen lohne, nimmt er nichts: ›dergleichen habe ich selbst genug zu hause‹. daheim erzählte er was ihm begegnet war und als die leute ungläubig den kopf schüttelten, zog er den 229 schuh vom fuß, worin ihn etwas hineingefallnes gedrückt hatte, da rollte ein blankes goldstück heraus. Jahr und tag vergiengen, ein knecht, der jene erzählung mit angehört hatte, machte sich in der Perchthennacht auf den weg und harrte an der Orla, da wo sein meister auf Perchtha getroffen war, nicht lange so kam sie an mit ihren kinderzug : ›was suchst du hier um diese zeit?‹ rief sie zürnend, er antwortete stotternd. ›diesmal bin ich mit werkzeug besser versehen‹, fuhr sie fort, ›du aber nimm was dir gebührt!‹ bei diesen worten hieb sie mit ihrem beil dem burschen in die schulter. Das ähnliche wiederholt sich bei Kaulsdorf an der stelle eines bachs, die das wasser über den weg genannt wird, in Preßwitz bei dem Saalhause und auf dem sandberge zwischen Pößneck und dem forsthause Reichenbach. Unter dem Gleitsch, einem auffallend gebildeten felsen bei Tischdorf, weicht die sage darin ab, daß dort Perchtha mit den heimchen auf einem wagen fuhr und so eben die achse gebrochen hatte, als ihr ein landmann begegnete, der eine nothachse bildete und mit den spänen bezahlt wurde, die er verschmähte, und von denen er nur ein stück im schuh nach hause trug. s. 133: eine spinnerin kam in dieser nacht vom Neidenberge her gegangen, sie hatte rein abgesponnen und war wolgemut, da schritt Perchtha mit dem großen zuge des heimchenvolks den berg heran ihr entgegen, alle kinder von gleicher art und größe, mühsam schob eine schaar der kleinen an einem schweren ackerpflug , ein anderer haufe war mit wirtschaftsgeräthe beladen, sie klagten laut, daß sie keine heimat mehr hätten. über diesen wunderlichen zug begann die spinnerin laut auf zu lachen, da erzürnte Perchtha , trat vor die leichtfertige hin und blies sie an , daß sie auf der stelle erblindete. das arme mädchen fand mit mühe den weg ins dorf, sie war nun unglücklich, konnte nicht mehr arbeiten und saß traurig am weg und bettelte. als das jahr verstrich und Perchtha wieder in Altar einkehrte, bettelte die blinde, weil sie niemand kannte, auch die vorüberziehende hohe frau an, da sprach Perchtha gütig: ›voriges jahr blies ich hier ein paar lichtlein aus, so will ich heuer sie wieder anblasen‹, und bei diesen worten blies sie der magd in die augen, welche alsbald wieder sehend wurden. dieselbe sage findet sich in der sogenannten Sorge bei Neustadt an der Orla. Rührende sagen von den weinenden kindern, die in Perchthas großem haufen einherziehen, sollen mitgetheilt werden, wann von dem wütenden heer ausführlich zu handeln ist Nachtrag: Wie Holda ist auch Berta mutter im schwed. märchen s. 366, gamla Berta und trollkäring. in einer schwed. sage geht eine schöne frau im geleit vieler zwerge , von denen die stube erfüllt wird, in die sie eintritt. Wieselgr. 454. gleich der thüringischen Perchtha bläst auch der teufel die augen aus . Müllenhoff s. 202. die sorge haucht den Faust an, daß er erblindet. vgl. die formel: deine augen sind mein! n. preuß. prov. bl. 1, 395. und: spältle zu und aufstreichen. Meier schwäb. sag. 136. nach dem verstreichen eines jahrs erhält auch die frau ihr kind wieder. Müllenhoff no. 472 und wird der mann bei der wilden jagd von seinem buckel wieder befreit (s. anm. 2383 ). vgl. Steubs Vorarlberg s. 83. Baders sagen no. 424 und das Käsemännlein bei Panzer 2, 40. über Berhtas teilnahme an der wütenden jagd s.  777 . . An diese bedeutsamen thüringischen überlieferungen reihen sich andere aus Baiern und Österreich. im gebirge um Traunstein (in Oberbaiern gegen Salzburg) sagt man den kindern am vorabend epiphaniae, wenn sie bös seien, werde die Berche kommen und ihnen den bauch aufschneiden. an diesem tage werden fette kuchen gebacken und bei den knechten heißt es, damit müsse man sich den bauch schmieren, dann werde frau Berche mit dem messer abglitschen (Schm. 1, 194). Vielleicht führt sie darum den 230 namen der wilden oder eisernen Bertha? Grusius ann. suev. p. 2. lib. 8. cap. 7. p. 266 erzählt als seine vermutung über des namens ursprung, Heinrich 4 habe der stadt Padua freiheiten verliehen: inde in signa libertatis armato carrocio uti coeperunt in bello Bertha nominato. hinc dictum hoc ortum puto, quo terrentur inquieti pueri: ›schweig, oder die eiserne Bertha kommt!‹ vgl. Crusius p. 1. lib. 12. cap. 6. p. 329, wo er an Bertha, Carls mutter, denkt. ein carrocium hieß den Lombarden Berta und Berteciola (Ducange s. v.), vielleicht der umfahrenden göttin oder königin wagen? an andern fränkischen und schwäbischen orten heißt sie Hildaberta (etwa verbindung der beiden namen Holda und Berta?) oder Bildaberta ; in zottigem haar geht sie nachts um die häuser und zerreißt böse buben Joach. Camerarius chronol. Nicephori p. 129. Nachtrag: Neben Bertha , Berche kommt in Süddeutschland auch der name frau Bert , Bertel vor. Panzer beitr. 1, 247. 248. die wilde Berta wischt den arsch mit (dem ungesponnenen) flachs aus. in Holzberndorf in Oberfranken macht ein bursch die Eisenberta , indem er eine kuhhaut überzieht und eine schelle in die hand nimmt. gute kinder beschenkt er mit nüssen und äpfeln, böse straft er mit der rute. Panzer beitr. 2, 117. . Frau Precht mit der langen nas wird sie von Vintler genannt, und schon ein mhd. gedicht, das in einer hs. überschrieben ist ›daz mære von der Stempen‹, heißt in einer andern ›von Berchten mit der langen nas ‹ Haupts altd. bl. 1, 105. . was daraus hierher gehört vermag ich nur nach jener (in berichtigter schreibung) mitzutheilen. nu merket reht waz iu sage: nâch wîhennaht am zwelften tage nâch dem heilgen ebenwîhe ebenweihtag, gleichheilger tag, neujahr. Scheffers Haltaus p. 68. (gotgeb, daz er uns gedîhe) dô man ezzen solt ze nahte, und man ze tische brâhte allez daz man ezzen solde, swaz der wirt geben wolde, dô sprach er zem gesinde und zuo sîn selbes kinde: › ezzet hînte fast durch mîn bete, daz iuch diu Stempe niht entrete ‹. daz kintlîn dô von forhten az, er sprach ›veterlîn, waz ist daz, daz du die Stempen nennest? sag mir, ob dus erkennest‹. der vater sprach: ›daz sag ich dir, du solt ez wol gelouben mir, ez ist so griuwelîch getân, daz ich dirz niht gesagen kan: wan swer des vergizzet, daz er nicht fast izzet, ûf den kumt ez und trit in ‹. auch hier werden kinder und knechte vom hauswirt ermahnt, die aufgetragnen gerichte rein zu verzehren und mit der Stempe tritten bedroht. von dem stampfen (drücken, treten, stapfen, tappen) muß dieser beiname der Berchte entsprungen sein, vielleicht ist 231 Stempfe zu lesen? doch findet sich in Baiern der eigenname Stempo (MB. 2, 280 a. 1130), nicht Stempho, und beide formen stampen und stampfen für treten und drücken scheint gerecht, ital. stampare, es ist die ängstigende nachtfrau, dem alp und schrat vergleichbar. Dazu kommt, daß in Franken, im Nordgau, frau Holda genannt wird die Trempe (Döderlein antiq. nordg. 41), d. h. die trampelnde, polternde; Stalder deutet trämpeln: mit kleinen, abgemeßnen schritten gehn (trippeln) und die Drut naht mit leisen schritten (Höfer 3, 242), sonst ist auch trampel, trampelthier ein plumpes weib. Da nun S dem T zuweilen vorgeschlagen wird, so wäre bei Stempe ein gedanke an die ältere Tamfana , Tanfana (s.  213 ) doch nicht überkühn Nachtrag: Dem bair. eigennamen Stempo gesellt sich der des Straßburgers Stampho a. 1277. Böhmer reg. Rudolfi no. 322. vgl. stempfel henker. MS. 2, 2 b . 3 a . Schm. 3, 638 hat stampulanz kinderschreckbild, 2, 224 stempenhar  = flachs. vgl. v. d. Hagen G. Abent. 3, XIII. XIV. neben Trempe scheint auch Temper vorzukommen. Wolfs zeitschr. 2, 181, das vielleicht aus Quatember entstanden ist, wie ähnlich der name der frau Faste (s.  652 ). Wolfs zeitschr. 1, 292. tolle trompe (trampel?). rockenphil. 2, 16. 17. für vorschlag des S vor T könnte man Schperchta für Perchta anführen. Mannhardts zeitschr. 4, 388. wie Stempe gleich dem alp tritt , scheint ihr auch die alpdrückende Muraue identisch. . Martin von Amberg sein gewissensspiegel (aus der mitte des 14 jh.) liegt in zwei hss. zu Wien (Hoffm. s. 335. 336) vgl. Schm. 4, 188. 216 und jb. der berl. ges. f. deutsche spr. 2, 63–65. nennt sie Percht mit der eisnen nasen und erwähnt, daß ihr die leute an der Perchtnacht essen oder trinken stehn lassen, d. h. förmlich speise opfern. Im salzburgischen gebirg wird noch bis auf heute der fürchterlichen Perchtel zu ehren das sogenannte Perchtenlaufen , Perchtenspringen zur zeit der rauchnächte gehalten das Perchtenspringen gleicht dem hexentusch im Böhmerwald, der nach Jos. Rank s. 76. 77 auf pfingsten vorgenommen wird. knaben und bursche richten um diese zeit große lautknallende peitschen zu und verjagen alle hexen aus häusern, ställen, scheunen. . im Pinzgau ziehen dann 100–300 bursche (sie heißen die Berchten ) bei hellem tag in seltsamster vermummung mit kuhglocken und knallenden peitschen bewafnet umher reise durch Oberdeutschl. p. 243. Schm. 1, 195. . im Gasteinerthal geht der zug, den rüstige bursche zu 50, 100 bis 300 anführen, von ort zu ort, von haus zu haus, durch das ganze thal, hüpfend und springend Muchar Gastein p. 145. 147. Nachtrag: Bechlboschen heißt der weihnachtsbusch im Salzburgischen. Weim. jb. 2, 133. in loco qui dicitur Bertenwisun . Salzb. urk. des 10 jh. arch. f. östr. gesch. 22, 299. 304. bei Remshard unweit Günzburg in Baiern liegt ein gehölz ›zu der dirne ‹. da war das dirneweibl in rothem röckel mit schönen äpfeln im korb, die sie verschenkte und in geld verwandelte. giengen die leute nicht mit ihr, kehrte sie weinend in den wald zurück. › jetzt kommts dirneweibl ‹ sagten die kinder, wenn sie einander erschrecken wollten. das bächten farn kennt auch Seb. Brant p. m. 195. . In der nördlichen Schweiz, wo neben Berchtli auch die weichere form Bechtli , Bechteli vorkommt, ist Bechtelistag der zweite, oder wenn neujahr auf sonnabend fällt, der dritte jan., und er wird von den jungen leuten durchgehends in gesellschaftlicher lustbarkeit gefeiert. man nennt es berchteln , bechteln . noch im 16 jh. herschte in Zürich der gebrauch, neujahrs einander aufzufangen und zum weingehen zu nöthigen: das hieß ›zum Berchtold führen‹ Stald. 1, 150. 156. . man dachte sich auch einen männlichen Bercht oder Berchtolt , der sich mit Wuotan berührt, wie Berhta mit Freke, woraus dann in Schwaben wieder eine Brechtölterin , Prechtölterin wurde Schmid schwäb. wb. 93. . Im Elsaß galt das bechten : knaben und handwerksgesellen liefen zur weihnachtszeit aus einem haus, aus einer stube in die andere und lermten stellen bei Oberlin s. v. Bechten. . Cunrat von Dankrozheim, in seinem 1435 verfaßten namenbuch Ad. Walt. Strobels beitr. Strasb. 1827 p. 123. : 232 darnauch so komet die milde Behte , die noch hat gar ein groß geslehte. er nennt sie die milde , den menschen gütige, nicht die schreckliche. Berchtolt aber ist nach schwäbischer sage das weiße männchen , welches spulen zum bespinnen bringt (Mones anz. 8, 179) gerade wie Berchta (s.  227 ) Nachtrag: Berchtolt ist zumal in Schwaben häufiger name. Bit. 10, 306. 10, 770. vgl. auch Berchtolsgaden, Berchtesgaden. Prechtlesbodenalpe. Seidls almer 2, 73. vom weißen männlein berichtet auch Bader no. 417. . Als ein gutes, günstiges wesen erscheint sie noch in manchen andern, gewis hoch in das mittelalter hinaufreichenden vorstellungen. die weiße frau ist ihr schon dem namen nach völlig gleichbedeutig, denn peraht, berht drückt aus glänzend, leuchtend, weiß. diese weiße frau pflegt zwar an bestimmte geschlechter geknüpft zu werden, aber den namen Berta fortzuführen, z. b. Berta von Rosenberg. schneeweiß gekleidet zeigt sie sich nachts in fürstlichen häusern, wiegt und trägt die kinder, wenn die ammen schlafen: sie tritt auf als alte ahnmutter des geschlechts Nachtrag: In den mém. de Bêsenval ist erwähnt, daß, als einst Malesherbes Ludwig XVI. andeutungen über das ihm drohende schicksal machte, dieser ihm sagte: on m'a souvent raconté dans mon enfance, que toutes les fois, qu'un roi de la maison des Bourbons devoit mourir, on voyait à minuit se promener dans les galeries du château une grande femme vêtue de blanc . vgl. de witte un swarte Dorte. Müllenhoff s. 343. 344. die klagmutter (s.  950 ). ähnliches wird von der ir. bansighe pl. mnasighe erzählt. Obrien s. v. sithbhrog. gruagach. . Es hat vieles für sich, daß einige in unsern überlieferungen berühmte frauen dieses namens mit der geisterhaften Berhta zusammenhängen: sie sind aus der göttersage in die heldensage aufgenommen worden. Eine weit zurückliegende vergangenheit pflegt man in Italien und Frankreich durch die redensart zu bezeichnen: ›nel tempo ove Berta filava ‹. Pentamerone. Liebrecht 2, 259. ›au tems que la reine Berthe filait ‹; es ist wieder die vorstellung der spinnenden hausmutter ich kann noch eine spinnende Bertha aufweisen. in der vita s. Berthae avennacensis, in diœcesi remensi (vgl. Flodoardus 4, 47) heißt es (acta Sanctor. maji p. 114 b ): quae dum lustraret situs loci illius pervenit ad quendam hortum, in quo erat fons mirae pulcritudinis. quem ut vidit deo devota femina, minime concupivit, sed possessoribus ipsius praedii sic locuta est: o fratres, hunc fontem praedii vestri vendite mihi, et accepta digna pecunia cedite usibus nostris. cui sic ajunt: en praesto sumus, si tamen detur pretium a nobis taxatum. Sancta autem videntibus qui aderant libram unam denariorum posuit super lapidem, qui erat super os ejusdem fontis, domini vero ac venditores receperunt aes. Tunc sancta mater, deo plena, colo , quam manu tenebat, coepit terram fodere et in modum sulci rigam facere , orans ac dicens: ostende nobis domine misericordiam tuam et salutare tuum da nobis! Revertens namque ad monasterium colum eadem post se trahebat, tantaque abundantia aquae eam sequebatur, ut ad usus omnes hominibus pertinentes sufficeret, sicut usque hodie apparet. Nomen quoque sancta mater fluviolo ipsi composuit dicens: Libra vocaberis, quia una libra pro emptione tua data est. . Berta , des königs Blume und der Weißblume tochter, hernach gemahlin Pippins, und mutter des großen helden Carl, in dem mnd. gedicht von Flos Vredeling und Brehte (1555. 7825) geheißen, verleugnet ihren mythischen ursprung nicht wie stark sie hafte, geht daraus hervor, daß sie die kerlingische an die langobardische sage knüpft: sie ist Carls mutter und gemahlin Pippines, des sohns von Rother (4789), tochter von Flore und Blancheflor, in deren namen wieder die idee der weiße liegt. . sie heißt › Berhte mit dem fuoze ‹ Flore 309; franz. Berthe au grand pied ; nach den Reali di Franza 6, 1: › Berta del gran pie , perche ella aveva un pie un poco maggior dell altro, e quello era il pie destro‹. Adenez, der franz. dichter, scheint 233 diese misgestalt absichtlich zu mildern, indem er ihr beide füße größer beilegt, sie ist ihm › Berte as grans pies ‹ (Paris ausg. LII. 78. 104) und ebenso mnl. › Baerte metten breden voeten ‹ Florîs 3966. aber der eine großfuß ist echter und geht aus weit älterer überlieferung hervor von einer ›reine Pédauque ‹, ›regina pede aucae ‹, deren bild an alten kirchen in stein gehauen steht Altd. w. 3, 47. 48; auch Paris verbindet die Pédauque mit Berte (III. IV. 198).. reine Pedauque Michelet hist. de France 1, 496. 498. 2, 152. . es scheint der fuß einer schwanjungfrau , den sie (wie Huldra den schwanz, der teufel den pferdfuß) zum zeichen ihrer höheren natur nicht ablegen kann, zugleich der platschfuß der auftretenden spinnerin und der stampfenden frau Stempe oder Trempe. Hätten wir in Deutschland ältere, genauere beschreibungen von › frau Berhta ‹, vielleicht würde dann auch dieses fußes erwähnt Nachtrag: Das bild der reine Pédauque , prov. Pedauca (Rayn. s. v. auca), steht unter dem kirchenportal zu Dijon, Nesle, Nevers, Saint Pourcin und Toulouse. die letzte kannte Rabelais: qu'elles étaient largement pattues, comme sont les oies et jadis à Toulouse la reine Pedauque. die bildseule zu Toulouse hatte eine spindel und spann und man schwur auch par la quenouille de la reine Pédauque. Paris s. IV. also war die gansfuß spinnerin. doch rührt vom spinnen ihr gansfuß nicht her, denn die spinn räder wurden erst im 15. jh. erfunden. Haupts zeitschr. 6, 135. Berhta cum magno pede . Massm. Eracl. 385. Heinricus Gensefuz . MB. 8, 172. cagots mit gansfuß oder entenfußohr . Fr. Michel races maud. 2, 126. 129. 136. 144. 147. 152. M. C. Vulliemins: la reine Berte et son temps will die Berte la fileuse zur gemahlin Rudolfs von Kleinburgund und tochter des Alamannenherzogs Burchard machen, der mutter Adelheids, der frau Ottos I. diese Berta starb zu Payerne um 970. Man gibt der weißen jungfrau ein kleines weißes lamm . Müllenhoff s. 347. . Es ist jetzt noch übrig ihr näheres verhältnis zu einem bestimmten jahrstag auseinander zu setzen. Die christliche kirche feiert entweder am 25 dec. (dies natalis) oder dreizehn tage nach weihnachten, also am 6 jan., an welchem der stern den drei königen erschien, das fest der erscheinung Christi unter dem namen epiphania (s. Ducange s. v.), bethphania , oder theophania (altfranz. tiephaine, tiphagne). in einer ahd. glosse (emm. 394) wird theophania gegeben giperahta naht, die leuchtende nacht von der himmlischen erscheinung, die den hirten auf dem felde widerfuhr Luc. 2, 9. O. I. 12, 3. 4. Hel. 12, 8. Maria 182. . urkunden des MA. datieren mit der dativform: perchtentag, perhtennaht (zi demo perahtin taga, zi deru Perahtûn naht); an der berechtnaht. M. Beham (Mone anz. 4, 451) ze perhnahten. MB. 8, 540 (a. 1302). ›unze an den ahtodin tac nâh der Perhtage‹ fundgr. 110, 22; ›von dem nehsten Berhtag‹ MB. 9, 138 (a. 1317); ›an dem Prehentag‹ MB. 7, 256 (a. 1349); diese und andere verkürzte formen belegt Scheffers Haltaus p. 75 und Schm. 1, 194 der ahd. pherintac parasceve (Graff 5, 360) ist charfreitag und von Prehentag, Perchtentag verschieden. . hieraus konnte sich nun ganz leicht die personification Perchtentac , Perchtennaht , d. h. der tag, die nacht der frau Perchte entwickeln. Conrad von Dankrotsheim p. 123 setzt die milte Behte auf den 30 dec. 28 dec. unschuldige kinder, 29 dec. Thomas, 31 dec. Silvester. , acht tage früher. Zwei annahmen bieten sich dar. entw. hat sich das fabelhafte wesen einer Perhta überhaupt erst zufällig und durch misverstand aus dieser personification ergeben, oder die analogie des leuchtenden tages ist an die früher vorhandne Perhta geknüpft worden. Frau Perhta läßt sich freilich erst aus dem 15 oder 14, höchstens dem 13 jh., nachweisen; aber jene vermutung würde selbst dann nicht zu weichen brauchen, wenn es gelänge, den persönlichen namen in noch ältern denkmälern aufzuspüren. auch im 9 jh. könnte aus der formel perahtûn naht geworden sein 234 Perahtûn naht. Indessen scheinen mir die beigebrachten eigenheiten einer mythischen Berta, noch mehr ihre identität mit Holda für den andern fall zu entscheiden. gab es, unabhängig vom christlichen calender, eine Holda, so wird auch Perahta nicht erst aus ihm hervorgegangen sein; vielmehr führen beide adjectivische benennungen auf eine heidnische gottheit, die gerade auch in der julzeit ihren umgang hielt, daher von den Christen gern mit der heiligkeit von weihnachten und neujahr in verbindung gesetzt wurde. Ich will hier die züge zusammenstellen, die unverkennbar Holda und Bertha in diesem lichte erscheinen lassen. sie ziehen auf wagen einher, gleich der mutter Erde, und begünstigen ackerbau und schiffahrt unter den menschen, ein pflug , von dem goldspäne abfallen, ist ihr heiliges geräth. auch das ist göttlich, daß sie plötzlich erscheinen und zumal Berhta ihre gaben zum fenster herein reicht. beiden liegt spinnen und weben an, sie fordern fleiß und heiligung der feiertage, an dem frevler werden grausame strafen vollzogen. In ihrem heer finden sich die seelen kleiner kinder , wie sie über elben und zwergen herschen, aber auch nachtfrauen und zauberinnen folgen in ihrem geleite, das alles schmekt nach dem heidenthum. Sehr merkwürdig, daß auch den Italienern eine ungestalte, kinderschreckende fee Befana aus epiphania (befania) entsprang: an diesem tage setzen frauen und kinder eine von alten lumpen gemachte puppe ans fenster: sie ist schwarz und häßlich und bringt geschenke. nach einigen ist sie des Herodes tochter Rankes hist. zeitschr. 1, 717. . la Befania (Pulcis Morg. 5, 42). Berni sagt: ›il di di Befania vo porla per Befana alla fenestra, perche qualcun le dia d'una ballestra‹ Franc. Berni rime 105. Crusca s. v. befana. , es wäre doch seltsam, wenn zweimal, unter verschiednen völkern, ein name des calenders die erfindung eines übernatürlichen wesens veranlaßt hätte; wahrscheinlicher ist, daß sich in Italien wie bei uns ältere volksüberlieferungen mit jener christlichen benennung zu verschmelzen suchten. Herodias , an die uns eben Befana gemahnte, soll das noch mehr erläutern. die erzählung von Herodes tochter, durch deren tanz Johannes des täufers enthauptung herbeigeführt wurde, muß in der früheren zeit des MA. einen besonders tiefen eindruck erzeugt, und sich auf mehr als eine weise mit fabeln gemischt haben. geistliche dichter behandeln diesen gegenstand ausführlich und mit vorliebe (Hel. 83–85), Otfried scheint ihn absichtlich auszulassen. Man wähnte, ihrer mehr leichtsinnigen als boshaften handlung wegen (denn der gedanke gieng von der rachsüchtigen mutter aus), sei Herodias (die tochter) verwünscht worden, in gesellschaft der bösen und teuflischen geister umzuwandern. sie wird an die spitze des wütenden heers oder der nächtlichen hexenfahrten gestellt, 235 neben die heidnische. Diana, neben Holda und Perahta, oder an deren platz. Bei Burcard von Worms heißt es 10, 1: illud etiam non omittendum, quod quaedam sceleratae mulieres retro post satanam conversae, daemonum illusionibus et phantasmatibus seductae credunt se et profitentur nocturnis horis cum Diana Paganorum dea, vel cum Herodiade et innumera multitudine mulierum equitare super quasdam bestias, et multa terrarum spatia intempestae noctis silentio pertransire, ejusque jussionibus velut dominae obedire et certis noctibus ad ejus servitium evocari. Johannes salisberiensis († 1182) im polycr. 2, 17: quale est, quod noctilucam quandam, vel Herodiadem , vel praesidem noctis dominam concilia et conventus de nocte asserunt convocare, varia celebrari convivia etc. Angerius, episcopus conseranus (a. 1280): nulla mulier de nocturnis equitare cum Diana, dea paganorum, vel cum Herodiade seu Bensozia Ducange s. v. Diana liest Benzoria, hat aber die richtige lesart s. v. Bensozia selbst; die bedeutung scheint bona socia, günstiges holdes wesen. bona dea. Dio Cass. 37, 35. 45. vgl. cap.  XXVIII dobra sretja bona Fortuna und cap.  XVI die gute frau unter den Waldfrauen. , et innumera mulierum multitudine profiteatur. Ähnliche äußerungen sind in spätere schriften, z. b. Martins von Amberg und Vintlers übergegangen. Nicht zu übersehen ist daß dem cultus dieser Herodias ein drittel der ganzen welt eingeräumt, also die ansehnlichste ausbreitung zugestanden wird. Ratherius (bischof zu Verona, aber ein Franke, aus Lobi bei Cambrai gebürtig, † 974) in seinen praeloquiis (Martene und Durand 9, 798. opp. edit. Ballerini p. 20. 21): quis enim eorum, qui hodie in talibus usque ad perditionem animae in tantum decipiuntur, ut etiam eis, quas (Ball. de quibus) ait Gen. dies Gen. versteht Ballerini nicht; vielleicht Gennadius (massiliensis) ein schriftsteller des ausgehenden 5 jh. , Herodiam illam baptistae Christi interfectricem, quasi reginam imo deam proponant; asserentes, tertiam totius mundi partem illi traditam: quasi haec merces fuerit prophetae occisi, cum potius sint daemones, talibus praestigiis infelices mulierculas, hisque multum vituperabiliores viros, quia perditissimos, decipientes. Merkwürdige ausführlichere nachrichten von der tradition des MA., die an Herodias geknüpft wurde, enthält Reinardus 1, 1139–1164: praecipue sidus celebrant, ope cujus, ubi omnes     defuerant testes, est data Roma Petro traditaque injusto Pharaildis virgo labori,     sed sanctifaciunt qualiacunque volunt. Hac famosus erat felixque fuisset Herodes     prole, sed infelix hanc quoque laesit amor: haec virgo thalamos Baptistae solius ardens     voverat hoc demto nullius esse viri. offensus genitor, comperto prolis amore,     insontem sanctum decapitavit atrox. 236 postulat afferri virgo sibi tristis, et affert     regius in disco tempora trunca cliens. mollibus allatum stringens caput illa lacertis     perfundit lacrimis, osculaque addere avet; oscula captantem caput aufugit atque resufflat ,     illa per impluvium turbine fiantis abit. Ex illo nimium memor ira Johannis eandem     per vacuum coeli flabilis urget iter: mortuus infestat miseram, nec vivus amarat,     non tamen hanc penitus fata perisse sinunt. lenit honor luctum, minuit reverentia poenam,     pars hominum moestae tertia servit herae . quercubus et corylis a noctis parte secunda     usque nigri ad galli carmina prima sedet . nunc ea nomen habet Pharaildis , Herodias ante     saltria, nec subiens nec subeunda pari. vgl. Aelfrici homiliae 1, 486. hier wird Herodias geschildert, als die moesta hera , cui pars tertia hominum servit, der ehrenvolle cultus, dessen sie theilhaft geworden ist, mindert ihr herbes geschick, von mitternacht bis zum ersten hankrat sitzt sie auf eichen und haselstauden, die übrige zeit schwebt sie durch den leeren luftraum. sie war von liebe gegen Johannes entzündet, die er nicht erwiederte; als sie das auf dem teller getragene haupt mit thränen und küssen bedecken will, weicht es zurück und hebt heftig zu blasen an; die unselige wird in den leeren raum getrieben und schwebt ohn unterlaß auch dieser bezug auf den turbo scheint mythisch und von hohem alter. nicht nur war Ziu oder Zio , die alte gottheit, hernach den Christen ein ausdruck für den wirbelwind (s.  168 ), und Pulloineken könnte auf Phol gehn (oben s.  189 ); sondern in Niedersachsen (gegend um Celle) wird er noch heute aus der in lüften kreisenden, tanzenden Herodias erklärt. Anderwärts schreibt man seine erregung dem teufel zu, und stößt gegen ihn laute schelte aus, im Saalfeldischen: Schweinezahl fähret! (Praetorius Rübezahl 3, 120), auf der Rhön Säuzagel (Schm. 4, 110), zur herabwürdigung des dämons und um seiner wut einhalt zu thun Nachtrag: Sauarsch , muckenarsch wird der wirbelwind genannt. Schmidt westerwäld. id. 116, in Oberbaiern sauwede . dem wirbelwind, der heu und korn in die luft dreht, ruft das volk in Passau und Straubing nach: saudreck! du schwarz farkel! sewzagel , schimpfort. H. Sachs V, 347 b . vgl. 526. 832. in einem alten langobard. tractat heißt der teufel porcorum possessor . . ich werde bei abhandlung der geister des windes noch andere sagen anführen. . Warum sie späterhin (im 12 jh.) Pharaildis hieß, erklärt uns nicht das leben einer flandrischen heiligen dieses namens (acta sanct. 4 jan.), noch was die kirche von Johannes dem täufer und Herodias berichtet (acta sanct. 24 jun.), rührt an den inhalt jener überlieferung. Herodias ist des Herodes frau, die tochter wird genannt Salome. Pharaildis aber, mnl. Verelde Cannaert strafrecht 153. 155. belg. mus. 6, 319. vgl. Vergode (s.  209 ). führt auf ver Elde = frau Hilde oder frau Hulde , wie in einer urk. von 1213 (in Bodmanns rheing. alterth. s. 94) ein miles dictus Verhildeburg , in einer fries. urk. des 14 jh. Ferhildema begegnet, was sicher die mythische Hildburg meint. Noch merkwürdiger scheint, daß für die milchstraße die mnl. benennung Vroneldenstraet (frauen Hilde oder Hulde straße) vorkommt, der dichter des Reinardus war also in gutem fug, wenn 237 ihn Herodias auf Pharaildis brachte und auf diese die milchstraße, das sidus . Es leidet keinen zweifel, daß der christliche mythus von Herodias schon im frühen mittelalter mit einheimischen heidnischen fabeln versetzt wurde; die vorstellungen von frau Holda , dem wütenden heer, und den nachtfahrten der zauberinnen griffen ein, der jüdischen königstochter fiel die rolle einer heidnischen göttin zu, wie Ratherius ausdrücklich sagt; ihr cultus fand zahlreiche anhänger. auch Diana , die nächtliche mondgottheit, die wilde jägerin, bewegt sich in diesem kreise; Diana, Herodias, Holda stehen für oder nebeneinander. Diana wird von Eligius (anhang abergl. A ) aufgeführt, die stelle aus den concilienschlüssen ( abergl. C ) ist hernach in manche schriften übergegangen (abergl.  D . G ) gleich der Herodias erscheint Diana als domina und hera . das leben des heil. Caesarius arelatensis erwähnt ein ›daemonium, quod rustici Dianam vocant‹ die benennung muß ganz volksmäßig gewesen sein; jener bildseule der Diana aus Gregor. tur. 8, 15 habe ich s.  91 gedacht. vorzüglich wichtig für die ausbreitung des Dianacultus scheint aber eine stelle aus dem leben des heil. Kilian, des bekehrers der Ostfranken († 689); Gozbertus, dux Franciae – ›volens crebra apud se tractare inquisitione, utrum ejus, quem (Kilianus) praedicabat, vel Dianae potius cultus praeferendus esset. Diana namque apud illum in summa veneratione habebatur‹. (Surius 4, 133 und acta sanct. Bolland. 8 jul. p. 616). Da frau Holda in Thüringen, Franken und Hessen vorzugsweise fortlebt, so ist nicht unglaublich, daß schon im 7 jh. unter Diana in der gegend von Würzburg keine andere als sie gemeint wurde. Der Herodias oder Diana zurückbeziehung auf gestalten des einheimischen heidenthums, sei es celtischen oder germanischen, wird endlich noch willkommen bestätigt durch die sage von einer domina Abundia oder dame Habonde aus franz. quellen des MA. Ein Pariser bischof Guilielmus alvernus (Guillaume d'Auvergne), der 1248 starb, redet (opera, Par. 1674 fol. I, 1036) von nymphen und lamien: ›sic et daemon, qui praetextu mulieris, cum aliis de nocte domos et cellaria dicitur frequentare, et vocant eam Satiam a satietate, et dominam Abundiam pro abundantia auch die Römer personificierten ein höheres wesen Abundantia , die aber nur auf münzen vorkommt, weder tempel noch altäre hatte. , quam eam praestare dicunt domibus, quas frequentaverit; hujusmodi etiam daemones, quas dominas vocant vetulae, penes quas error iste remansit, et a quibus solis creditur et somniatur. dicunt has dominas edere et bibere de escis et potibus, quos in domibus inveniunt, nec tamen consumptionem aut imminutionem eas facere escarum et potuum, maxime si vasa escarum sint discooperta et vasa poculorum non obstructa eis in nocte relinquantur. si vero operta vel clausa inveniunt seu obstructa, inde nec comedunt nec bibunt, propter quod infaustas et infortunatas relinquunt, nec satietatem nec 238 abundantiam eis praestantes‹. ähnliches wird p. 1068 wiederholt, p. 1066 aber heißt es: ›sunt et aliae ludificationes malignorum spirituum, quas faciunt interdum in nemoribus et locis amoenis et frondosis arboribus, ubi apparent in similitudine puellarum aut matronarum ornatu muliebri et candido , interdum etiam in stabulis, cum luminaribus cereis, ex quibus apparent distillationes in comis et collis equorum, et comae ipsorum diligenter tricatae, et audies eos, qui talia se vidisse fatentur, dicentes veram ceram esse, quae de luminaribus hujusmodi stillaverat vgl. deutsche sagen num. 122. . De illis vero substantiis, quae apparent in domibus, quas dominas nocturnas , et principem earum vocant dominam Abundiam , pro eo quod domibus, quas frequentant, abundantiam bonorum temporalium praestare putantur, non aliter tibi sentiendum est neque aliter, quam quemadmodum de illis audivisti. Quapropter eo usque invaluit stultitia hominum et insania vetularum, ut vasa vini et receptacula ciborum discooperta relinquant, et omnino nec obstruant neque claudant eis noctibus, quibus ad domos suas eas credunt adventuras, ea de causa videlicet, ut cibos et potus quasi paratos inveniant et eos absque difficultate apparitionis pro beneplacito sumant.‹ Der roman de la rose (Méon 18622 ff.) erzählt: qui les cinc sens ainsinc deçoit par les fantosmes, quil reçoit, dont maintes gens par lor folie cuident estre par nuit estries errans auecques dame Habonde , et dient, que par tout le monde li tiers enfant de nacion sunt de ceste condicion . qu'il vont trois fois en la semaine, si cum destinee les maine, et par tous ces ostex se boutent, ne cles ne barres ne redoutent, ains sen entrent par les fendaces, par chatieres et par crevaces, et se partent des cors les ames et vont avec les bonnes dames par leus forains et par maisons, et le pruevent par tiex raisons: que les diversités veues ne sunt pas en lor liz venues, ains sunt lor ames qui laborent et par le monde ainsinc sen corent etc. 18686. Dautre part, que li tiers du monde aille ainsinc avec dame Habonde , si cum voles vielles le pruevent 239 par les visions que truevent, dont convient il sans nule faille que trestous li mondes i aille. Wie von Ratherius und dem dichter des Reinardus ein dritter theil der ganzen welt dem dienste der Herodias ergeben vorgestellt wird, so ist hier das nemliche auf dame Habonde angewandt, Herodias und Abundia sind also einerlei. eine beziehung der Abundia auf die einheimische Folla , Fulla soll sich bald ergeben. der ausdruck enfans scheint auf jene ungetauften kinder bezüglich, oder auf die große menge der Heiden, die von gemeinschaft der Christen ausgeschlossen blieben. man pflegte längst die bekannte welt in drei theile abzusondern agitur pars tertia mundi. Ovid. met. 5, 372; tertia pars mundi fumans perit Africa flammis. Coripp. 1, 47; tertia pars orbis Europa vocatur. Walthar. 1. . die weißgekleidete domina erinnert an Perahta, die bona domina, bona socia vielleicht hängt die benennung socia zusammen mit der Satia bei Guilielmus alvernus? an Holda, die nachts auf eichen hausende Herodias an den altdeutschen baumcultus. Es sind ursprünglich lauter gütige wesen, deren erscheinung den menschen gedeihen bringt und überfluß; daher ihnen, wie befreundeten geistern, wie göttern zum opfer, speise und trank bei nächtlicher weile aufgestellt werden. Holda, Berhta, Werra scheinen bestimmte speise zu lieben und an ihrem festtag zu gewarten. Wir haben bisher die namen und den cultus mehrerer göttinnen kennen lernen, die von gewissen völkerschaften Deutschlands unter verschiednen namen gefeiert wurden (Nerdu, Hluodana, Tanfana, Holda, Berhta), einige ihnen ähnliche sind uns nur in ausländischer benennung bekannt geworden (Isis, Diana, Herodias, Abundia); von allen (so lange ich jene anwendung der Erce auf Herke noch für unsicher halte) erscheint keine einzige bei den Angelsachsen. Der angelsächsische geschichtsschreiber hat uns dagegen die namen zweier von ihm ausdrücklich für alte göttinnen seines volks ausgegebner wesen gemeldet, deren dasein umgekehrt bei den übrigen Deutschen verschwindet. zum klaren beweis, daß hier wie dort das heidenthum erfüllt war von vielgestaltigen, vielnamigen gottheiten, deren eigenschaften und verehrung sich dennoch begegnete. warum bei den weiblichen göttern diese mannigfaltigkeit der form noch mehr überwiegt als bei den männlichen, scheint aus dem größern ansehn der männlichen hauptgottheiten gut erklärlich: sie waren zu berühmt und zu hoch gehalten, als daß nicht ihre vorzüglichsten benennungen alle stämme des volks durchdrungen haben sollten. Die beiden göttinnen, welche Beda (de temporum ratione cap. 13) ganz kurz, ohne nähere schilderung, bloß zur erklärung der nach ihnen benannten monate anführt, sind Eástre und Hrede , 240 von dieser hat merz, von jener april seinen sächsischen namen. › Rhedmonath a dea illorum Rheda , cui in illo sacrificabant, nominatur.‹ ›antiqui Anglorum populi – gens mea – apud eos Aprilis Esturmonath , qui nunc paschalis mensis interpretatur, quondam a dea illorum, quae Eostra vocabatur, et cui in illo festa celebrantur, nomen habuit; a cujus nomine nunc paschale tempus cognominant, consueto antiquae observationis vocabulo gaudia novae solennitatis vocantes‹ nach einer hs. (Kolmesen opusc. p. 287, dies citat gibt Rathlefs Hoya u. Diepholz 3, 16): ›veteres anglicani populi vocant Estormonath paschalem mensem, idque a dea quadam , cui teutonici populi in paganismo sacrificia fecerunt tempore mensis aprilis, quae Eostra est appellata‹. . Es wäre uncritisch, dem kirchenvater, der sich das heidenthum überall abhält und weniger als er weiß davon mittheilt, die erfindung dieser göttinnen aufzubürden. sie haben nichts unwahrscheinliches, ja die zweite derselben wird durch eine deutliche spur in dem wortvorrath der übrigen stämme gerechtfertigt. der merz heißt ahd. lenzinmânôt, vom beginn des frühlings (lenzo, lengizo) gramm. 2, 510. langez. Diut. 3, 88. ; er könnte aber noch andere namen geführt haben. Oberlin bringt aus Chorions ehrenkranz der teutschen sprach, Straßb. 1644 p. 91, Retmonat für merz bei, und eine urk. von 1404 (weisth. 1, 175) giebt Redtmonet , man ersieht nicht für welchen monat. wenn es in der Appenzeller reimchronik p. 174 heißt: in dem Redimonet die puren kamen donet, do der merzenmonet gieng herzu an ainem morgen fru do zundentz Rorschach an, so scheint hier Redimonet , nach einer in monatsnamen gewöhnlichen verschiebung, der dem merz vorausgehende februar, wie Chorion retmonat auch für februar gebraucht; von Arx hat das wort ganz anders, wie mich dünkt unpassend, aus einem berg erklärt. Von diesem schweizerischen ausdruck ganz abgesehn glaube ich, daß der ags. name Hrêđ oder Hrêđe  = ahd. Hruod oder Hruodâ lautete, und wie schon s.  170 gesagt wurde, von hruod gloria, fama abzuleiten ist, so daß wir die bedeutung einer leuchtenden, ruhmvollen göttin erhalten. die trad. fuld. 2, 196 bieten den weiblichen namen Hruadâ, gen. Hruadûn, und 1, 42. 2, 26 den nom. Hruadun dar, welcher letztere wie altn. Fiörgyn und Hlôdyn gebildet scheint. das ags. adj. hrêđ oder hrêđe drückt crudelis aus (Cædm. 136, 21. 198, 2) vielleicht victoriosus? zweifelhaft sind mir hrêđ, sigehrêđ und guđhrêđ Beov. 5146. 974. 1631, mit einem zwischen adj. und subst. schwankenden sinn, in der letzten stelle ›Beovulfe vearđ guđhrêđ gifeđe‹ wird offenbar victoria gemeint. Wenn es in ags. menolog z. 70 heißt Martius ređe, so könnte hrêđe gemeint sein. 241 Den april benennen wir noch heute ostermonat , und schon bei Eginhart findet sich ôstarmânoth . das heilige fest der Christen, dessen tag gewöhnlich in den april oder den schluß des merz fällt, trägt in den frühsten ahd. sprachdenkmälern den namen ôstarâ (gen. ûn) T. 157, 1. 3. 5. O. I. 22, 8. III. 6, 16. IV. 9, 8. hymn. 21, 4. fragm. theol. XIV, 17. , meistentheils steht die pluralform, weil zwei ostertage (ôstartagâ, aostortagâ, Diut. 1, 266 a ) gefeiert werden. Dieses Ostarâ muß gleich dem ags. Eástre ein höheres wesen des heidenthums bezeichnet haben, dessen dienst so feste wurzel geschlagen hatte, daß die bekehrer den namen duldeten und auf eins der höchsten christlichen jahrsfeste anwandten vgl. Idelers chronologie 1, 516. . alle uns benachbarten völker haben die benennung pascha beibehalten, selbst Ulfilas setzt paska, kein áustrô, obwol ihm der ausdruck bekannt sein muste er wählt für oriens urruns, für occidens sagqs, aufgang und niedergang der sonne, kannte aber ohne zweifel vistr (versus occidentem), wurzel vis (ruhe, stille, abend). , gerade wie die nord. sprache pâskir (schwed. påsk, dän. paaske) einführt. das ahd. adv. ôstar bedeutet die richtung gegen morgen (gramm. 3, 205), ebenso das altn. austr , vermutlich ags. eástor, goth. áustr? die lat. sprache hat das ganz identische auster auf die mittagsseite (den süd) verschoben. In der edda führt ein männliches wesen, ein lichtgeist den namen Austri , ebenso könnte ein weibliches Austra heißen; der hochd. und sächs. stamm scheint umgekehrt nur eine Ostara , Eástre , keinen Ostaro , Eástra gebildet zu haben usammengesetzte eigennamen: Ostroberht, Austroberta, Austregisil, Ostrogotha, wie Visigotha, Vistrimund, Westaralp, Sundarolt, Nordberaht u. a. m. . hierin liegt vielleicht der grund, weshalb die Nordländer pâskir und nicht austrur sagen: sie hatten keine göttin Austra verehrt, oder ihr cultus war früher untergegangen. Ostara , Eástre mag also gottheit des strahlenden morgens, des aufsteigenden lichts gewesen sein, eine freudige, heilbringende erscheinung in der baskischen sprache heißt ostara mai, zeit des blühens, belaubens, von ostoa laub, blatt; ein bloß zufälliger anklang. , deren begrif für das auferstehungsfest des christlichen gottes verwandt werden konnte. freudenfeuer wurden zu ostern angezündet, und, nach dem lange fortdauernden volksglauben, thut die sonne in des ersten ostertages frühe, so wie sie aufgeht, drei freudensprünge , sie hält einen freudentanz (abergl. 813 ). wasser, das am ostermorgen geschöpft wird, ist gleich dem weihnächtlichen, heilig und heilkräftig (abergl. 775 . 804 ); auch hier scheinen heidnische vorstellungen auf christliche hauptfeste übergegangen. weißgekleidete jungfrauen, die sich auf ostern, zur zeit des einkehrenden frühlings, in felsklüften oder auf bergen sehen lassen, gemahnen an die alte göttin Nachtrag: Zu Ostara gehört skr. vasta tagslicht, vasas tag, uschas aurora, vastar frühmorgens. vgl. zend. uschastara östlich. Benfey 1, 28. litth. auszta es taget, auszrinne aurora. Ausca (l. Ausra) dea occumbentis vel ascendentis solis (Lasicz). viele örter in Deutschland waren ihr geweiht, zumal Osterberge. Austerkopp, Osterkopf im Waldeckischen. Firmen. 1, 324 b . vgl. Astenberg a. o. 325 a . Osterstube, eine höle. Panzers beitr. 1, 115. 280. Osterbrunne als eigenname: ich Osterbrunne ein edelknecht von Ror. a. 1352. Schmid Tübingen 180. ihr fest war ein hohes freudenfest, daher die wendungen: mîner freuden ôstertac. Iw. 8120. sist mînes herzen ôstertac. MS. 2, 223 a . 1, 37 b . der gernden ôstertac. amgb. 3 a . vgl. meientag. ostertag wird als beiname im Zollerschen gebraucht. dictus der Ostertag. mon. zoll. no. 252. 257. Frideriches saligen son des Ostertages. a. o. no. 306. Der gegensatz ost und west scheint neben der Ostara auch eine Westara , eine göttin des abends oder sonnenuntergangs zu fordern, worauf auch Mone anz. 5, 493 geräth. man erwäge westergibel, westermâne, vielleicht westerhemde, westerbarn und die slav. Vesna, selbst das lat. Vespera, Vesperugo. . 242 Auf Bedas nachrichten von Hrede und Eástre ich könnte ein ags. Ricen in den text aufnehmen, wenn ich etwas anders von ihr wüste als was Lyes glossar aus cod. cot. 65, 87 anführt: Ricenne Diana. die bildung ist wie þinen (ancilla) vylpen (bellona) u. s. w. soll ( die bis in das 11 jh. hinauf reichende und schon dieses hohen alters wegen beachtenswerthe meldung von einer im heidenthum zu Augsburg verehrten göttin Zisa folgen. Der cod. monac. lat. 2 (vom j. 1135) und cod. emmeran. F. IX fol. 4 a (aus dem 12 / 13  jh.) enthalten einstimmig: ›excerpta ex gallica historia‹ ich danke die mittheilung Schmellers güte, auch zu Wien findet sich das stück zweimal, im cod. lat. CII (olim hist. prof. 652) sec. XI ineuntis fol. 79. 80; und im cod. CCXXVI (olim univ. 237) sec. XII, in beiden zwischen Jornandes de reb. get. und de regn. succ. CII hat interlinearglossen und marginalien (ganz wie die Münchner hss.) von kaum jüngerer hand, die auch ›excerptum ex gallica historia‹ überschreibt. CCXXVI nimmt die interlinearien in den text und stimmt sonst. . ›dum hec circa renum geruntur in noricorum (übergeschr. bawariorum, cod. vind. CII. pauwariorum) finibus grave vulnus romanus populus accepit. quippe germanorum gentes (übergeschr. suevi ), que retias occupaverant, non longe ab alpibus tractu pari patentibus campis, ubi duo rapidissimi amnes (übergeschr. licus et werthaha (CII vuerdaha)) inter se confluunt, in ipsis noricis finibus (übergeschr. terminis bawariorum et suevorum ) civitatem non quidem muro sed vallo fossaque cinxerant, quam appellabant zizarim (CII. cizarim) ex nomine deę ciz ę am rand: ›quem male polluerat cultura nefaria dudum                 gallus monticulum hunc tibi ciza tulit‹. , quam religiosissime colebant. cujus templum quoque ex lignis barbarico ritu constrictum, postquam eo am rand: ›post conditam urbem augustam a romanis ‹. colonia romana deducta est, inviolatum permansit, ac vetustate collapsum nomen randnote: ›ut usque hodie ab incolis cizunberc nominetur‹. colli servavit. hanc urbem titus annius pretor ad arcendas barbarorum excursiones kal. sextilibus (übergeschr. exacta jam estate) exercitu circumvenit. ad meridianam oppidi partem, que sola a continenti (übergeschr. littoribus) erat, pretor ipse cum legione martia castra operosissime communivit. ad occidentem vero, qua barbarorum adventus erat, ávar, bôgudis regis filius, cum equitatu omni et auxiliaribus macedonum copiis inter flumen et vallum loco castris parum amplo infelici temeritate extra flumen (überg. werthaha ) consedit. pulchra indoles, non minus romanis quam grecis disciplinis instructa. igitur quinquagesimo nono die, qua eo ventum est, cum is dies dee cize (CII. deę cizę) apud barbaros celeberrimus, ludum et lasciviam magis quam formidinem ostentaret, immanis barbarorum (überg. suevorum , CII. svivorum) multitudo, ex proximis silvis repente erumpens ex improviso castra irrupit, equitatum omnem, et quod miserius erat, auxilia sociorum delevit. avar randnote ›ex cujus vocabulo, quia ibi mactatus et tumulatus est chrikesaveron (CII chrekasaver) nomen accepit. grecus enim erat‹. , cum in hostium 243 potestatem regio habitu vivus venisset, [sed que apud barbaros reverentia?] more pecudis ibidem mactatur am rand: ›hoc nomen terris bogudis dat regia proles                 grecavar (CII grecus auar), pecudis de suevis more litatus‹. . oppidani vero non minori fortuna sed maiori virtute pretorem in auxilium sociis properantem adoriuntur. romani haud segniter resistunt duo principes oppidanorum habino am rand: ›prefectus habeno se victum hicque sepultum                 perpetuo montis nomine notificat. qui juxta montem occisus et sepultus nomen monti habenonberch dedit, quem rustici havenenberch (CII. havenonpereh) dicunt‹. et caccus CII: a cujus nomine putamus iekingen nominari. in primis pugnantes cadunt. et inclinata jam res oppidanorum esset, ni maturassent auxilium ferre socii in altera ripa jam victoria potiti. denique coadunatis viribus castra irrumpunt, pretorem, qui paulo altiorem tumulum (überg. perleih ) frustra ceperat, romana vi resistentem obtruncant. legionem am rand: ›de hac ibi perdita legione adhuc perleich nominatur‹. mit kleinerer, aber gleichzeitiger schrift:                 ›indicat hic collis romanam nomine cladem                     martia quo legio tota simul periit.                 subdidit hunc rome prepes victoria petro ,                     hoc sibimet templum qui modo constituit‹. divinam (überg. martiam ), ut ne nuncius cladis superesset, funditus delent. Verres solus tribunus militum amne transmisso in proximis paludibus se occultans am rand: ›hic quia in paludibus adjacentibus latuit, lacui uerisse huc usque nomen dedit‹. honestam mortem subterfugit. nec multo post sicilie proconsul immani avaricia turpem mortem promeruit. nam cum se magistratu abdicaret judicio civium damnatus est.‹ Das selbe bruchstück, nur ohne die übergeschriebenen worte und ohne das am rand hinzugefügte, findet sich in Goldasts rerum suev. script. aliquot veteres (Ulm 1727 fol.) p. 3 unter der rubrik: › Velleii Galli fragmentum de victoria Suevorum contra Romanos‹. (vgl. Haupts zeitschr. 10, 291.) auch wird ›dea Cisa ‹ und › Cisara ‹ geschrieben; statt Caccus › Cacus ‹, die übrigen namen stimmen. noch finde ich für loco parum amplo die bessere lesart ›apto‹. die parenthese ›sed quae apud barb. reverentia‹ fehlt, und am schluß der satz: ›nam – damnatus est‹. Ich würde glauben, daß Goldast alles aus Wolfg. Lazius reip. rom. libr. XII. Francof. 1598 p. 52 hergenommen habe, wenn nicht in diesem abdruck wieder einige abweichungen vorkämen; die überschrift lautet: ›Velleii excerpta ex gallica historia‹, es wird gelesen › Cisara ‹ aber › Cizę ‹; ›Habbino, Caccus, amplo‹, geschlossen mit promeruit. Lazius sagt: ›quam nos historiam in pervetusto codice membran. literis antiquissimis scriptam reperimus‹, es wäre der sechste bisher bekannt gewordne, und die abschriften musten sich im 11. 12 jh. ziemlich verbreiten. die dem Goldast vorgelegene mag unter ihnen die älteste gewesen sein. 244 Eine oder die andere scheint dem Otto von Freisingen und dem verfasser der fortsetzer der Auersberger chronik vorgelegen zu haben. Jener versucht aber die sage an den Quintil. Varus (statt an Verres) zu knüpfen, er fügt, nachdem er dessen niederlage erzählt hat, (chron. 3, 4) hinzu: ›tradunt Augustenses hanc caedem ibi factam, ostenduntque in argumentum collem ex ossibus mortuorum compactum, quem in vulgari perleich (Mone anz. 7, 526), eo quod legio ibi perierit, usque hodie vocant, vicumque ex nomine Vari appellatum monstrant.‹ Den bericht des auersberger chronisten, obgleich er das ältere bruchstück beinahe wörtlich aufnimmt, achte ich hier zu wiederholen darum für nöthig, weil die randglossen eigenthümlich in den text verwebt und auf gefundene steininschriften bezogen werden chron. Conradi ursperg. Argent. 1532 p. 308. ed. 1609 p. 225. . De Augusta Vindelicorum vel Rhetiae. sicut ex scriptis veterum colligitur haec civitas tria nomina accepit. Germanorum quippe gentes primum considentes in partibus Rhetiae, quae nunc est pars Sueviae, non longe ab alpibus in planitie loco tamen munito propter concursum duorum rapidorum fluminum hanc urbem construxerunt, et non muris sed fossatis eam firmaverunt, et ex nomine deae Zizae , quam religiosissime colebant, Zizerim eam nominabant. hujus quoque deae templum ex lignis barbarico ritu constructum, etiam postquam Romani eam incolere coeperunt, inviolatum permansit. at vetustate collapsum nomen colli servavit, in quo postmodum in lapide exsculpti hi versus sunt reperti: quem maie polluerat cultura nefaria dudum gallus monticulum hunc tibi Ziza tulit. unde usque in praesens ab incolis idem monticulus Zizenberg nominatur. apud hanc urbem Romani deleti sunt magna caede. nam Titus Annius praetor ad arcendas barbarorum excursiones cum exercitu in kal. Augusti eam circundedit, ipseque ad meridianam oppidi partem, quae sola patebat, castra sua cum legione Martia operosissime communivit. ad occidentem vero ultra fluvium, ubi Suevis aut barbaris aditus patebat, Avar Bogudis regis filius cum omni equitatu et auxilio macedonico consedit. igitur quinquagesimo nono die, quam eo ventum est, cum is dies deae Zizę apud barboros celeberrimus esset, ludum et lasciviam magis quam formidinem cives ostentarunt. tunc etiam immanis barbarorum multitudo, quae de partibus Sueviae illuc convenerat, de proximis silvis repente erumpens ex improviso castra irrupit et Avaris exercitum delevit. ipsum quoque Avar regio habitu indutum vivum comprehendentes crudeliter in modum pecoris mactaverunt. a quo in loco, ubi mactatus est, vicus usque hodie appellatus est Criechesaveron , in quo hi versus reperti sunt: his nomen terris Bogudis dat regia proles Graecus Avar , pecudis de Suevis more litatus. oppidani vero non minori fortuna sed majori virtute praetorem 245 in auxilium sociis properantem invadunt, quibus Romani haud segniter resistunt. in quo conflictu duo principes oppidanorum Habino et Caccus in primis pugnantes cadunt, et inclinata jam res esset oppidanorum, ni maturassent auxilium ferre Suevi in altera ripa victoria jam potiti. de nominibus autem illorum principum interfectorum exstant adhuc loca denominata, nam rustici de Habinone vocant monticulum Habinoberg , in quo hi versus reperti sunt: praefectus Habino se victum atque sepultum     perpetuo montis nomine notificat. a Cacco vero dicunt Gegginen denominari. denique coadunatis Suevis et oppidanis castra irrumpunt, et praetorem, qui paulo altiorem tumulum frustra ceperat, romana vi resistentem obtruncant, legionemque divinam, ut nec nuncius cladis superesset, funditus delent. de hac perdita legione adhuc perlaich , quasi perdita legio, nominatur, ubi postmodum hi versus sunt reperti: indicat hic collis romanam nomine cladem, martia quo legio tota simul periit. solus Verres tribunus militum amne transmisso in proximis paludibus se occultans honestam mortem subterfugit, lacui Vernse hucusque nomen dedit. versus: das nomen lacui Verres quo tu latuisti. hic tamen non multo post Siciliae proconsul effectus turpem mortem promeruit. nam cum se magistratu abdicaret judicio civium damnatus est. propter hunc Verrem tradunt Augustenses hanc caedem fuisse eandem, quam sub Augusto factam quidam describunt, sed Varum illum nominant his verbis: ea tempestate Varus , romano more, superbe et avare erga subditos se gerens a Germanis deletus est. Auch einzelne spätere schriftsteller gedenken der überlieferung. Küchlin, ein geistlicher, dichtete um 1373–1391 für Peter Egen den jungen, bürgermeister zu Augsburg, der sein haus mit vorstellungen daraus bemalen lassen wollte, eine geschichte der stadt cod. monac. lat. 61; wieder Schmellers mittheilung. . darin heißt es cap. 2. fol 99 von den schwaben: sie bawten einen tempel groß darein zu eren Zise der abgöttin, die sie nach heidnischen sitten anbetten zu denselben zeiten. die stat ward genennt auch Zisaris nach der abgöttin, das war der pris. der tempel als lang stůnd unversert, bis im von alter was der val beschert, und da er von alter abgieng der berg namen von im empfieng, daruf gestanden was das werck, und haist noch hüt der Zisenberck . 246 vgl. Kellers fastn. sp. s. 1361. Sigism. Meisterlin in seiner vom achten cap. des ersten buchs an gedruckten Augsburger chronik Augsb. 1522 fol.; Meisterlin schrieb sie im j. 1456, und starb um 1484. handelt cap. 5. 6 des zweiten buchs von dieser Cisa . im ungedruckten cap. 4 des ersten bezieht er sich unverkennbar auf Küchlin, und cap. 7 am ende wiederum: ›das er auch melt von der göttin Cisa , die auch genent wird Cizais , das sy geert habend nach jrem sitten, die doch aus Asia warend; dawider seind die andern, die von Cysa schreibent, die sprechent, das sy die Vindelici habend nach schwebischen sitten angebettet. von der göttin wirst du hernach mer haben ob got wil (buch 2. cap. 5. 6)‹. Nachtrag: Über die abgöttin Zisa vgl. die geschichte vom urspr. der stadt Augsburg in Kellers fastn. sp. s. 1361. ebenso fabelhaft wie die meldung von der Augsburger Zisa klingt folgende aus Ladislaus Suntheims Chronica. cod. Stuttg. hist. fol. 250: Die selb zeit saß ain haidnischer hertzog von Swaben da auf dem slos Hillomondt ob Vertica (Kempten) der stat gelegen mit namen Esnerius , der wonet noch seinen haidnischen sitten auf Hillomondt , zu dem komen die vertriben waren aus Vertica und in der gegent darumb und patten in das er sie durch sein götin Zysa genannt, mit veld begabet und aufnam. . . . . Da sprach hertzog Esnerius : ›wann ir mir swerdt pei den göttern Edelpoll und Hercules und pei meiner göttin Zisa , so will ich euch veldt geben‹ u. s. w. Unheilbare widersprüche jenes fragments liegen am tage. Bogud, ein punischer schiffshauptmann, der im j. 494 Roms, also 260 vor Chr. lebte Niebuhrs röm. gesch. 3, 677. , ist hier in einen macedonischen könig umgewandelt, und Avar sein sohn soll dem 200 jahre später auftretenden (ciceronischen) Verres, oder gar dem noch jüngeren Varus gleichzeitig sein. doch kommen Bogudes und Varus auch als zeitgenossen des Pompejus vor bei Dio Cassius 41, 42. welcher Titus Annius unter dem praetor gemeint wird, errathe ich nicht; ein gleichnamiger consul findet sich im j. 601 und 626 der stadt, 123, 158 j. vor Chr. Vellejus Paterculus kann dergleichen nicht verfaßt haben G. Jo. Vossius de hist. lat. 1, 24. . Aber all der unsinn, den sie enthält, hebt den werth der merkwürdigen überlieferung für uns nicht auf. schon der reinere, lateinische stil thut dar, daß sie nicht erst im zwölften jh. niedergeschrieben sein kann; Lazius und Velser Marci Velseri rer. augustanar. libri 8. 1594 fol. p. 45. sind geneigt, sie in das carolingische zeitalter zu setzen, zugleich scheint sie von einem ausländer, dem die Deutschen heiden und barbaren waren, abgefaßt. durch die glossen wird die örtliche anknüpfung der ganzen tradition an Augsburg und die umgegend befestigt, und nicht bloß die lateinischen verse, auch die deutschen formen werthaha, cizûnberc, habino, habinonberc scheinen über das 12 jh. hinaus zu reichen. Habino (Hepino), Habinolf ist urkundlicher ahd. mannsname; ein Cacus kenne ich nicht, sprachgemäßer schiene Cagan, Cacan, worauf der verglichene ortsnamen Geginen leitet. einzelne der angeführten benennungen haben sich bis heute erhalten. Perlach heißt fortwährend die anhöhe mitten in der stadt, nächst dem rathhaus, auf welcher im j. 1064 das stift und die kirche s.  Peter gegründet wurde; die verse: subdidit hunc (collem) Romae praepes victoria Petro sind also später gedichtet? der name perleih , den die sage auf periens oder perdita legio zieht, gemahnt an das ahd. eikileihi, aigilaihi (phalanx) gl. ker. 124. Diut. 1, 223; 247 leih ist auch in andern zusammensetzungen vieldeutig Henisch p. 293 erklärt berlach zu Augsburg: ab ursis publica cavea ibi altis, wie in andern städten, z. b. Bern geschah. auf dem Perlachthurm war ein bild des heiligen Michaels angebracht, das am Michaelsfeste bei jedem glockenschlag zum vorschein kam; früher soll daselbst ein hölzerner tempel der Isis (s.  244 ) gestanden haben. Fischarts geschichtkl. 30 b : ›der amazonischen Augspurger japetisch fraw Eysen ‹. . Zisenberg und Havenenberg sind heute verschollen, die dörfer Pfersen (Verisse) MB. 33 b 108 a. 1343 und Kriegshaber desto bekannter. auf welche weise die richtigere alte form Criechesaveron immerhin zu erklären sei, es leuchtet hervor, daß die benennung des ortes Criahhes (graeci) avarâ (imago, vgl. oben s.  86 . 95 , sonst auch avaro proles) den Graecus Avar erst erzeugt hat, wie Habinonberc den helden Habino . des Auersberger chronisten angabe, die lateinischen verse seien an allen diesen orten eingehauen gewesen, ist zu verwerfen. Es ergibt sich, daß die überlieferung, nach ihrer weise, gegründetes und erdichtetes mengte; das merkwürdigste was sie enthält ist aber die nachricht von einer suevischen göttin. Cisa scheint ältere, bessere schreibung, Ciza weniger deutbar. aus der göttin namen läßt sich indessen Cisara , als benennung der stadt, schwerlich herleiten, wenn es rein deutsche formation sein soll, denn nie werden ortsnamen auf solche weise aus weiblichen oder männlichen eigennamen gebildet. annehmlicher schiene Cisara = Cisae ara , nach dem altar und tempel der gottheit; die späteren schreiber entstellten Cisaram in Zizarim, Zizerim? Cisa wird von den Sueven aufs eifrigste (religiosissime) verehrt, ihr jahrestag ist ein hauptfest, dem spiel und der freude geweiht; dieser tag wird genau als der neunundfünfzigste vom ersten august an beschrieben: er fiel also auf den 28. sept. zu dieser zeit konnte ein fest der gottheit begangen werden, die das gedeihen der eben eingebrachten ernte verliehen hatte. den 29 sept. feierten die Christen einen ihrer hehrsten tage, des heil. Michael, der oft einen heidnischen gott des kriegs und siegs vertreten muste. bemerkenswerth scheint, daß die Sachsen ihr großes siegsfest etwa in die nemliche zeit, den beginn des october legten (Widukind p. 423. 424). von dem nächsten sonntag nach Michaelistag rechnete man im mittelalter die heilige gemeinwoche an (Scheffers Haltaus s. 141. 142). na der hilligen meinweken weisth. 3, 240. in der überlieferten, sicher echten zeitbestimmung finde ich die glaubwürdigkeit der sage bestätigt. Wer ist nun Cisa? man wird zunächst an des Tacitus suevische Isis (s.  213 ) denken, deren name nicht einmal fern von Cisa, Zisa zu liegen scheint, wenn man den bloßen abgang des anlauts erwägt, den bei dem Römer die ähnlichkeit der bekannten Isis verursachen konnte. Wäre aber auch Zisa grundverschieden von Isis, so läßt sie sich mit desto größerm recht unserm Zio an die seite stellen, in welchem wiederum ein echt schwäbischer 248 gott hervorleuchtete (s.  160 ), ja neben dem behaupteten fem. Ziu (s.  168 ) galt vielleicht die nebenform Zisâ , so daß sich ihr Zisûnberg dem Ziewesberg, Zisberg des gottes genau vergliche Nachtrag: Mit Cisa in zusammenhang könnte stehen ein ort Cise in Graubünden. Bergmanns Vorarlberg s. 43. und swester Zeise . Bamb. ver. 10, 143. 144. Zaissenperig , Zeislperg . archiv I. 5, 74. 48. mit Cisara scheint verwandt der ort Cisuris (Zitgers) in Rhaetien. Pertz 6, 748 a . de Zeizurisperga , Zeiszarisperga , Zeizarispergan , Heizserisperga , Zeizanesperge . notizenbl. 6, 116. 143. 138. 165. 259. wie steht es endlich um Desenberg , das Lambert Tesenberg nennt? Pertz 7, 178. vgl. andere namen. Mone anz. 6, 235 und Disibodo, Disibodenberg, Disenberg. weisth. 2, 168. . soll ich für diese vermutung einen grund anführen, der gar nicht ohne schein ist? die mnl. benennung des dritten wochentags lautete seltsam Disendach (s.  104 ), das offenbar aus Tisendach verderbt unmittelbar auf Tise  = Zisa führt. es wird darauf ankommen sie durch künftige forschungen zu bestätigen hier im Rieß zwischen Lech und Wertach, mitten unter Sueven, zu einer zeit, die noch römischem anbau in dieser gegend vorausgegangen sein soll, darf keine slavische göttin gesucht werden; und nicht einmal etwas sicheres weiß die slavische mythologie von einer Ziza, angeblich Ceres mammosa (böhm. cic, cec, poln. cyc mamma), zu deren stütze eben unsere Cisa misbraucht werden müste. s. Hanusch 278. Eher ließe sich an den mhd. namen des zeisigs denken, diu zîse , ein kleiniu zîse . Ms. 1, 191 b Wh. 275, 30, der kaum aus cicindela (leuchtwurm, Graff 5, 711) entsprang; doch erhellt kein bezug der göttin auf die vogelgestalt, obwol kleine vögel, spechte und meisen für heilig galten. , doch daß drei gottheiten den Sueven überwiesen sind, Zio, Zisa und Isis, steht schon jetzt fest. Die untersuchung wendet sich endlich zu den göttinnen der nordischen glaubenslehre, von denen auch im übrigen Deutschland unzweideutige spuren vorhanden sind. Zuerst treten uns Frigg , Ođins gemahlin, und Freyja , Freys schwester entgegen, beide nach ihren ähnlichen namen verwechselbar und oft verwechselt. ich will sehen, ob eine strengere etymologie sie scheiden und auseinander halten kann. Leichter scheint der name Freyja : er ist ohne zweifel moviert aus dem männlichen Freyr (gramm. 3, 335). da nun Freyr in dem goth. fráuja erkannt wurde (s.  173 ), läßt Freyja ein goth. fráujô, gen. fráujôns erwarten, sowol mit der allgemeinen bedeutung von domina, herrin, als in der besonderen eines eigennamens Fráujô . der begrif von herrin geht uns bei Ulfilas ab. desto häufiger drücken ihn die ahd. denkmäler aus durch fruwâ , frôwâ und mhd. haben sich frouwe , frou , nhd. frau allgemein erhalten, während das männliche frô völlig erloschen ist. ihrem sinn nach stehen frouwe und frau vollkommen dem herre, herr zur seite und werden gleich diesem in der anrede und sonst verwendet wie uns frô , fehlt jetzt das altfranz. dame (dominus); dame (domina) ist geblieben, wie unser frau . span. haftet don und doña , ital. nur donna . den männlichen begrif drückt die roman. sprache durch zwei andere wörter aus, jenes sire , sieur (s.  22 ), dann durch seigneur , signore , señor, d. h. senior, woraus ital. signora , span. señora moviert werden, aber kein franz. fem. . unsere minnesänger streiten über den vorzug der namen frouwe (domina) und wîp (femina) Walth. 48. 49. 57. Amgb. 45 b 46 a Ms. 2, 182 b 216 a Docen misc. 2, 278. 279. frouwe unde wîp. Parz. 302, 7. Nachtrag: Frouwe heizt von tugenden ein wîp . Ulr. v. Lichtenst. 3, 17: als ein vrou ir werden lîp tiuret sô, daz sie ein wîp geheizen mac mit reinen siten, der mac ein man vil gerne biten.   Kolocz. 129. , wîp bezieht sich mehr auf das geschlecht, frau auf die würde; noch heute ist uns frau edler als weib, doch bezeichnet auch das franz. femme manches, was in unserm 249 frau liegt. bemerkenswerth scheint, daß die dichter den zusammenhang des wortes frau mit froh und freude (s.  174 ) hervorheben, vgl. Frîdank 106, 5–8. Tit. 15, 35. Gerade umgekehrt haben die ags. und alts. sprache, welchen beiden das masc. freá, fraho ungleich geläufiger war, als der ahd. frouwo, kein fem. daneben entwickelt. die mnl. mundart kennt vrauwe , vrouwe als anrede und titel (Huyd. op St. 1, 52. 356. Rein. 297. 731. 803. 1365. 1655. 2129. 2288. 2510. 2532. 2557. 2564 u. s. w.) seltner in andern fällen (Rein. 2291); das nnl. vrouw hat seine bedeutung ausgedehnt noch über die grenze des nhd. frau . Allein diesen dialecten scheint der weibliche eigenname zu gebrechen, im gegensatz zum altn., welcher Freyja fast nur als namen der göttin besitzt und kein freyja = hera. doch steht hûsfreyja (hausfrau) Sæm. 212 b und Snorri weiß noch, daß freyja ein tignarnafn und von der göttin abgeleitet ist wie von Fráujô fraujô, von Freyja freyja, soll nach einem liede Frauenlobs Ettm. s. 112 von einem fränk. könig Wippeo der name wîp stammen. hallt hier ein mythischer Wippo, Vibba (anh. stammt. v. Mercia) nach? die deutung ist so falsch wie die eddische des wortes vif aus vefa, obschon die frau wesentlich eine webende, friedewebende war; man müste zwei wurzeln viban und veiban nebeneinander annehmen. Merkwürdig ist auch der altn. eigenname Vefreyja (fornald. sög. 2, 459. 3, 250. 594). , vornehme frauen, rîkiskonur sind freyjur . Sn. 29. Yngl. saga. c. 13. die lesarten frûr, fruvor sind hier verwerflich, denn die isl. form frû ist offenbar aus dem dän. frue , schwed. fru , und dieses aus Deutschland eingedrungen. die göttin würde schwed. Fröa , dän. Fröe heißen, ich bin ihnen nirgends begegnet, das schwed. volkslied von Thors hammer nennt Freyja Froijenborg (das dän. Fridlefsborg), ein anderes dän. hat schon Fru . Saxo geschweigt der göttin, wie ihres vaters, überall, er würde sie wol auch Fröa nennen. In dem Merseburger gedicht hat sich nunmehr auch Frûâ  = Frôwâ , im eigennamen, als göttin dargeboten die gründe, warum hier frûa nicht als titel genommen werden darf, sind in der zeitschr. f. d. a. 2, 189 auseinandergesetzt. übrigens erscheint mir das  u in der hs. deutlich, sonst würde Wackernagels vorschlag Friia  = Frija, Friga, Frîa zu setzen, annehmlich sein, auch T. 93, 3 begegnet friiu. für die auslegung sind Frûa und Frîa gleich willkommen und passend. . Von Freyja , gen. Freyju wird Frigg , gen. Friggjar, genau gesondert, tochter des Fiörgvin, gattin des Ođinn; in Vafþrudnismâl und dem eingang von Grimnismâl treten Ođinn und Frigg deutlich als ehleute auf, da auch Hroptr und Svâfnir namen Ođins sind, so drücken Hroptr ok Frigg , Svâfnir ok Frigg Sæm. 91 b 93 a dasselbe verhältnis aus. Saxo gramm. p. 13 hat richtig Frigga , Othini conjux. in formeln erscheinen beide göttinnen nebeneinander: ›svâ hialpi ther hollar vættir, Frigg ok Freyja , ok fleiri gođ, sem þû feldir mer fâr af höndom!‹ Sæm. 240 b . bei Baldrs leichenbrand erscheinen Frigg und Freyja nebeneinander Sn. 66. 250 vgl. Sn. 37. jenes dän. volkslied (4, 295) hat ebenso › Frigge , Fru og Thor‹. Die altn. sprache pflegt GG zu haben wo die ags. CG, die ahd. CC oder KK, d. h. wenn nach G oder K ableitendes I im spiel ist, z. b. altn. egg (acies) ags. ecg, ahd. ekki; altn. bryggja (pons) ags. brycge, ahd. prukkâ; altn. hryggr (dorsum), ags. hrycg, ahd. hrukki. folglich ags. Fricg , ahd. Frikka , Frikkia , abstehend von Frouwâ , noch mehr als Frigg von Freyja. Aus verwechselung beider wesen erklärt sich, wie Adam von Bremen, oder seine quelle, dazu gelangte den Freyr statt Frô zu nennen Fricco (oben s.  176 ); für Freyja würde er gesagt haben Fricca . Fricco, Friccho, Friccolf sind gangbare ahd. eigennamen. Ferner scheint jetzt erklärbar, was sonst unerklärlich wäre, warum der sechste wochentag, dies Veneris, altn. genannt wird nicht bloß Freyju dagr, sondern auch Frîa dagr, ahd. niemals Frouwûntac, sondern Frîa tac, Frîge tac, nhd. Frei tag, ags. Frige däg (f. Friegedäg)? vgl. oben s.  102 . 104 . faröisch Frujggjadeâ (Lyngbye 532). Unter den angeführten formen hat die ags. keinen anstoß, in dem ahd. und altn. namen befremdet die abwesenheit der gutturale. Aufschluß gewährt, wie ich glaube, die wichtigste stelle des Paulus Diac. 1, 8, worin Wodans gemahlin Frea heißt, womit nur Frigg, nicht Freyja kann gemeint sein, wie denn auch Saxo gramm., mit ausdrücklicher beziehung auf Paulus, sich der form Frig bedient (Paulo teste auctore Frig dea) die ags. chronisten s. 116 nehmen Frea aus Paulus. zu dieser muß vor allem die frea des liutprandischen gesetzes 6, 40 und 67 gehalten werden, es bedeutet uxor, domina, nicht libera, ingenua. Paulus, die Frea dem Wodan als gemahlin beilegend, verwechselt sie folglich mit der nord. Frigg. der wechsel geschieht aber häufig, z. b. wenn fornald. sög. 2, 25. 26 ein heita â Freyja u. â Hött (Ođinn) vorkommt, so sollte hier wiederum Frigg dem Ođinn zur seite stehn, wie im prolog des Grîmnismâl Nachtrag: In einem schwedischen, aber nicht alten volkslied bei Arvidss. 3, 250 heißt es: Fröja du berömde fru, till hopa bind oss ungetu! bei Bellmann öfter Fröja = Venus z. b. 3, 129. 132, 135. mnl. vraei pulcher. vrî = vrô pass. 299, 74. . . Dies langob. Frea stimmt zu dem ahd. Frîa , ich halte es für identisch mit Frigg , ja für die urform des namens; mit Freyja und dem ags. masc. freá hat es weniger zu schaffen. wie sich ein altn. brû (pons) zu bryggia verhält, wird sich frî verhalten zu frigg. das langob. Frea ist = Frëa, Fria, Frija, Frîa. zu seiner wurzel leiten die wörter goth. freis, frijis (liber), ahd. frî, goth. frijôn (amare) ahd. frîôn, und vorzüglich darf das alts. neutr. frî (mulier) Hel. 9, 21. 13, 16. 171, 21. 172, 1., das ags. freo (mulier) Cædm. 29, 28 freolíc cven (pulchra femina) Beov. 1275. freolîcu meovle cod. exon. 479. 2. freolîc vîf Beov. 1222. freolîc fæmne Cædm. 12, 12. 54, 28 vgl. mhd. wîplîch wîp. Parz. 10, 17. MS. 1, 50 a 202 a 2, 42 b 182 b 258 a . wîbîn wîp MsH. 1, 359 b , ähnlich ϑηλύτεραι γυναῖκες Od. 11, 386. 434. 15, 422. Hesiod scut. 4. angeschlagen werden. da nun frî (liber) und frech, altn. frekr (protervus, impudens), frî (liber) frî (mulier 251 formosa) und altn. fridr (formosus) fridr (pax) verwandt scheinen, so zeigen schon die adj. formen den übergang der substantivischen man dürfte Venus mit goth. qinô, qêns vergleichen, wie venire mit qiman; das wallis. gwen entspräche einem Gvenus f. Venus. irisch dia beine freitag von bean , ben (frau) = Venus = ags. cven . . Was ich auseinandergesetzt habe lehrt, daß formen und sogar bedeutungen beider namen nahe zusammenstoßen. Freyja sagt aus die frohe, erfreuende, liebe, gnädige göttin, Frigg die freie, schöne, liebenswürdige; an jene schließt sich der allgemeine begrif von frau (herrin), an diese der von frî (weib). Holda von hold (lieb), Berhta von berht (leuchtend schön) gleichen beiden. jenes schwed. lied nennt Froyenborg: die schöne sonne (den väna solen). Desto begreiflicher wird die mischung der mythen sein. Saxo p. 13 erzählt, wie Frigga , um gold für ihren schmuck zu erlangen, ehliche treue verletzt habe; ausführlicher und mit sehr abweichenden umständen scheint die sage von Freyja (Sn. 356) dasselbe abenteuer. indessen haftet auch bei anderm anlaß auf Frigg schuld des ehbruchs (Sæm. 63. Yngl. saga cap. 3). Sn. 81 ist vom valshamr der Freyja , Sn. 113. 119 von dem der Frigg die rede, für jenen streitet Sæm. 70. Darum schwankt die benennung des wochentags. der ahd. Frîa tac ist deutlich ein altn. Friggjar dagr, der altn. Freyju dagr wäre ein ahd. Frouwûn tac. darum schwanken die benennungen eines gestirns und einiger pflanzen. Orions gürtel, sonst auch Jacobsstab und spindel (colus ἠλακάτη) genannt, heißt unter dem schwed. volk Friggerock (colus Friggae) Ihre p. 663. oder Frejerock Finn Magnusen 361 a . , wie schon s.  224 angemerkt wurde, oder Fröjas rock Wieselgren. 383. orchis odoratissima, satyrium albidum, eine pflanze aus welcher liebestränke gekocht werden, ist Friggjargras , sonst auch hionagras (herba conjugalis). Die spätere christliche ansicht ersetzt die heidnische göttin durch Maria . der gemeine mann auf Seeland benennt jenes gestirn Mariärok , Marirok . mehrere arten des farrenkrauts, adiantum, polypodium, asplenium heißen frauenhaar, jungfrauenhaar, Mariengras , capillus Veneris , isl. Freyjuhâr , dän. Fruehaar , Venusstraa , Venusgräs , norweg. Murigras u. s. w. sollten auch hier nord. namen aus lateinischen entsprungen sein, sie zeigen, wie man Venus durch Frigg, Freyja und Maria übersetzte. Und auf Maria gieng nicht nur der begrif höchster schönheit über (frîo scôniôsta, idiso scôniôst. Hel. 61, 13. 62, 1), sie hieß auch in vorragendem sinn frau , domina , donna . vgl. unten frauachüeli engl. ladycow Marienkälblein. sie läßt in den kindermärchen nähen und spinnen wie Holda und Berhta, und Holdas schnee scheint mit Marien schnee gleichviel (s.  222 ). Bei so naher berührung beider namen stehe ich an, auf welchen die wichtige und unablehnbare übereinkunft einiger 252 götternamen in den urverwandten sprachen zu beziehen sei. vorerst gewährt eine altböhm. glosse Prije für Afrodite, und hinzugehalten jenes goth. frijôn amare, das ahd. friudil, mhd. vriedel, slav. prijatel, böhm. přjtel, poln. przyiaciel, muß entweder Freyja die göttin der liebe und fruchtbarkeit, oder Frigg die göttliche mutter und vorsteherin der ehe gemeint sein. auch im sanskrit ist prî amare, prijas ein freund, Ramâprija der Lakschmi lieb = lotus, Jamaprija dem Jama lieb = ficus indica, prija in götternamen gatte und gattin Pott forsch. 2, 424–427. prithivî aber die erde, und mâtâ Prithvî Terra mater, von der frucht und gedeihen abhängt (vgl. auch welsch pridd terra Bopp gloss. 223 b ); das wort, zunächst dem adj. prithus (πλατύς, latus) verwandt, wie die erde die breite und weite genannt wird, scheint mir dennoch anzuklingen an Fria, Frigg und fridu. Frigg , Fiörgins tochter (s.  143 ), als des höchsten gottes gemahlin in einigen ags. stammtafeln heißt es Vôden et Freálâf ejus uxor , also Frigg = Freálâf (ahd. Frôleip?) was zu jenem Fridlefsborg des dän. liedes (s.  249 ) stimmt; nach andern ist Freálâf Vôdens vater. da nun auch ein Friđleifr, Friđvulf angeführt wird, bestätigt sich von neuem die berührung des wortes friđ mit dem namen der göttin. , hat den rang vor allen übrigen göttinnen, sie weiß der menschen schicksal (Sæm. 63 b . Sn. 23. 64), wird von Ođinn um rath gefragt Sæm. 31 a , nimmt eide ab, dienerinnen vollziehen ihr geheiß, sie steht den ehen vor und wird von kinderlosen angefleht (fornald. sög. 1, 117). daher jenes hionagras = Friggjargras . Man erinnere sich der ledigen mädchen, die vor den pflug der göttin gespannt wurden (s.  218 ), deren gebote sie noch getrotzt hatten. In einigen theilen des nördlichen Englands, in Yorkshire, zumal Hallamshire zeigen gebräuche des volks überreste des Fricgcultus. in der gegend von Dent halten zu gewissen jahrszeiten, vorzüglich im herbst die landleute einen umgang und führen vermummt alte tänze auf, was sie den riesentanz heißen: den vornehmsten riesen nennen sie Woden und seine frau Frigga , die haupthandlung des schauspiels besteht darin, daß zwei schwerter um den hals eines knaben geschwungen und geschlagen werden, ohne ihn zu verletzen mittheilung von John M. Kemble, aus dem mund eines ›old Yorkshireman‹. das schwert beziehe ich auf die alte anwendung dieser waffe bei hochzeiten. vgl. RA. 426. 427. 431, besonders p. 167. 168 die altfries. sitte, vgl. Heimreichs nordfries. chron. 1, 53. 54. noch im 18 jh. trugen in Schwaben die brautführer große schwerter mit flatterndem band vor der braut her. merkwürdig stimmt der ehstnische brauch (anhang s. abergl. M. 13 ). . Noch bemerkenswerther ist aber die deutliche spur der göttin in Niedersachsen, wo sie unter dem volk fru Freke heißt Eccard de orig. Germ. p. 398: ›celebratur in plebe saxonica fru Freke , cui eadem munia tribuuntur, quae superiores Saxones Holdae suae adscribunt‹. fru Freke ist nunmehr von Ad. Kuhn wieder aufgefunden, nemlich in der Ukermark, wo sie Fruike heißt, und an fru Harke der Mittelmark, fru Gode der Prignitz stößt. , und in den rollen auftritt, die wir s.  221 . 253 222 . der frau Holle überwiesen: zugleich die triftigste bestätigung der göttlichen natur dieser letzteren. Den namen des altwestphälischen stiftes Freckenhorst , Frickenhorst leitet zwar die legende von einem hirten Frickio ab, dem nachts ein licht an der stelle erschien (wie zu Hildesheim nächtlicher schnee fiel, vgl. oben s.  222 ), wo die kirche erbaut werden sollte; jener name weist auf einen heiligen hain der Frecka oder des Fricko , dessen stätte das christenthum vielleicht suchte sich anzueignen. vgl. Fræcinghyrst Kemble urk. 1, 248. 2, 265. Ein Vrekeleve , Fricksleben liegt unweit Magdeburg Nachtrag: Über die etymologie der namen Freya und Frigg s. kl. schr. 3, 118. 127. Stor Frigge geht in einer norweg. sage mit dem elbischen vieh. Asb. Huldr. 1, 201. vgl. 206. vrouw Vreke erscheint nach Coremans 114. 115. 158 auch in Belgien, 126 nennt er einen Vrekeberg . Frekenleve Pertz 8, 766. Fricconhorst (a. 1090) Erhard s. 131. in Haupts zeitschr. 5, 373 schreibt Kuhn Fuik statt Fruike, und das könnte den wirbelwind bedeuten, altn. fiuka . . Freyja ist nach oder neben Frigg die geehrteste göttin, ja ihr cultus scheint noch verbreiteter und bedeutender gewesen zu sein, sie heißt ›agætuz af Asynjum‹ Sn. 28, und ›blôtgyđja‹ Yngl. saga cap. 4, der häufige opfer gebracht werden. Heiđrekr opfert ihr einen eber, wie sonst dem Freyr, und ehrte sie vor allen göttern Hervararsaga ed. verel. p. 138. ed. 1785 p. 124; in der ausg. der fornald. sög. 1, 463 ist die stelle als unbestätigte variante in die note verwiesen. . Sie war einem manne (keinem gott, keinem As wenigstens) namens Ođr vermählt, der sie aber verließ und den sie, thränen vergießend, in der weiten welt, unter fremden völkern, aufsuchte. ihren namen Sŷr (Sn. 37), der etwa goth. Saúrs lautete, weist uns Wilh. Müller eben in des Saxo gramm. (s. 125) Syritha , die den Othar sucht, auf. Freyjas thränen waren golden, das gold heißt nach ihnen, sie selbst grâtfagr (schön im weinen) Sn. 37. 119. 133; in den kindermärchen werden perlen und blumen geweint oder gelacht und frau Holla begabt mit solchen thränen. Nach den ältesten zeugnissen erscheint sie aber auch kriegerisch, auf einem mit zwei katzen bespannten wagen (wie Thôrr mit zwei böcken fährt) Freyja hat einen wagen wie Nerthus (Freys mutter?), wie Holda und Freyr selbst, Wuotan und Donar, vgl. s.  86 . 88 . 208 . 209 . 211 . 228 ; nur großen erhabnen gottheiten gebührt der königliche wagen. zieht sie zur kampfstätte, ›rîđr til vîgs‹ und theilt sich mit Ođinn in die erschlagnen (oben s.  111 , vgl. Sæm. 42 a Sn. 28. 57). sie wird genannt ›eigandi valfalls‹ (quae sortitur caesos in pugna) Sn. 119, valfreyja Nialssaga p. 118. und oberhaupt aller valkyrien; damit scheint merkwürdig einerlei, daß außer Wuotan auch Holda oder Berhta die ungetauften sterbenden kinder d. h. als heidnische göttinnen die heidnischen seelen in ihr heer aufnehmen. Freyjas wohnung heißt Fôlkvângr oder Fôlkvângar , das gefilde, auf dem sich schaaren des (gestorbnen?) volks versammeln; hierdurch gewinnt die beziehung der heiligen Gertrud , deren minne getrunken wird, auf Frowa neuen schein, bei Gertrud sollen die seelen der abgeschiednen die erste nacht geherbergt werden (oben s.  50 ). Der Freyja saal ist Sessrymnir, der sitzräumige, die menge des volks aufnehmende: sterbende frauen glauben nach dem tod in ihre gesellschaft zu gelangen. Thôrgerđr (Egilssaga p. 603) weigert sich irdischer nahrung, sie denkt bald bei Freyja 254 zu speisen; ›ok engan (nâttverđ) mun ek fyrr enn at Freyju ‹. Ihr behagen aber auch liebeslieder und liebende sollen sie anrufen: ›henni lîkađi vel mansöngr, â hana er gott at heita til âsta‹. Sn. 29. Daß ihr die katze , wie dem Wuotan der wolf, heilig war, erklärt uns vielleicht, warum diese für das thier der nachtfrauen und hexen gilt, und donneraas , wetteraas genannt wird. geht eine braut bei gutem wetter zur trauung, so heißt es, ›die hat die katze gut gefüttert‹, das thier der liebesgöttin nicht beleidigt. dunkel ist mir der sinn einer redensart bei Walther 82, 17; weder rîtest gerner eine guldîn katze , ald einen wunderlîchen Gêrhart Atzen? In Westfalen aber wurde die wiesel froie genannt (Reinh. clxxii ), das wol frau, fräulein (froiken) bedeutet, wie dies geisterhafte thier anderwärts mühmlein , fräulein , donna , donnola hieß, was sicher mit mythen zusammenhängt, die doch zunächst auf unsere göttin und ihren cultus weisen. den Griechen war Galinthias in wiesel oder katze (γαλέη) gewandelt (Ovid. metam. 9, 306) Nachtrag: Freya erscheint bei Oegirs gastmal mit ihrem bruder Freyr Sæm. 59, weder dessen Gerđr, noch ihr Ođr. doch heißt sie Sæm. 5 b Ođs mey und vielleicht sind Hnoss und Gersemi (s.  738 ) ihre mit Ođr erzeugten kinder. wenn sie Sn. 354 Ođins friđla heißt, so scheint sie mit Frigg verwechselt (s.  251 ). oder ist Ođinn hier Mars und Freyja Venus? über die verschiedenheit, jedoch ursprüngliche einheit der beiden göttinnen s. kl. schr. 5, 421 ff. 425. war Ođr der vanische name Ođins? kl. schr. 5, 426. 427. ihrem beinamen Sŷr werden die norweg. pflanzen Siurguld (Syrgull?) anthemis und Sirildrot ihre benennung verdanken. F. Magnusen lex. myth. s. 361. aber Saxo's Syritha , Siritha ist wol eher Sigriđr. vgl. bei Saxo 329 Sygrutha. GDS. 526. der Freya saal heißt Sessrŷmnir , Sessvarnir . Sn. 28 und da ihr die katze heilig war, darf man vielleicht unter ihre oder Holdas wohnungen auch die Kitzkammer auf dem Meisner rechnen (s. anm. 692 ) vgl. das katzenfüttern (s.  919 ). . In so weit solche vergleichungen zulässig sind, würde Frigg mit Here oder Juno, zumal der pronuba, Jupiters gemahlin, Freyja mit Venus im Tanhäuser, wie er in der Schweiz gesungen wird (Aufseß anz. 1832, 240. 242. Uhland volksl. s. 771). steht für das gewöhnliche frau Venus gerade frau Frene , nemlich nach Stald. 1, 395 hat das adj. frei dort auch die nebenform frein . der frauenname Vreneli ist aus Hebel bekannt. Vrene kann Verena die märterin oder Veronica sein vgl. Vrêne Ben. 328. , aber auch der nach Osiris suchenden Isis, auf einer linie stehen. Freyr und Freyja gemahnen an Liber und Libera (Dionysus und Proserpina oder auch Demeter, an sonne und mond). Maria konnte die göttermutter ersetzen und die göttin der schönheit, wörtlich stimmt Frigg mehr zu Libera, Adams von Bremen Fricco , als gott der liebe, dem namen nach zu Liber, im begrif zu Freyr. Die angeführte stelle des Paulus Diac. ist eins der glänzendsten, unablehnbarsten zeugnisse für die einstimmung nordischer und deutscher mythologie. ein schriftsteller aus Carl des großen zeit meldet uns, daß die Langobarden Wodans gemahlin Frea nennen, wie sie in der edda Frigg heißt. weder hat er dies geschöpft aus nordischer überlieferung, noch viel weniger ist seine nachricht, durch Saxos vermittelung, quelle des nord. glaubens geworden. Aber auch für Freyja besitzen wir ein wichtiges äußeres zeugnis. nach der edda war ihr ein kostbares halsband eigen, Brîsînga men (Brisingorum monile) genannt, sie heißt ›eigandi Brîsîngamens ‹ Sn. 37. 119. wie sie das geschmeide von zwergen erworben, wie es ihr von Loki hinterlistig geraubt wurde, führt eine eigne erzählung aus. Sn. 354–357. Loki heißt darum den dichtern Brîsîngs þiofr (Thorl. obs. 6, 41. 63); ein verlornes eddalied enthielt, wie Heimdallr mit Loki um diesen schmuck 255 gestritten. Sn. 105. Als Freyja in wut schnaubt, springt ihr das halsband von der brust (stauk þat it micla men Brîsînga) Sæm. 71 b . Thôrr, der zur wiedererlangung des hammers in Freyjas gewand gekleidet wird, unterläßt nicht, ihr berühmtes halsband anzulegen: ›hafi hann it mikla men Brîsîngar! ‹ Sæm. 72. Von diesem schmuck weiß nun offenbar auch der ags. dichter des Beovulf 2399, er nennt ihn Brosinga mene , ohne bezug auf die göttin, ich möchte Brîsînga mene lesen und das wort überhaupt aus der wurzel mhd. brîsen, breis (nodare, nodis constringere, gr. κεντεῖν, durchstechen) herleiten: die halskette war aus durchbohrten gelenken geschlungen. doch vgl. cap.  XX . brising Johannisfeuer. vielleicht hießen die schmiedenden zwerge Brîsîngar? Das geschmeide hängt so genau mit der mythe von Freyja zusammen, daß seine erwähnung in der ags. poesie mit sicherheit auf die verbreitung der sage selbst unter dem sächsischen volksstamm schließen läßt; und wenn die Gothen Fráujô göttlich verehrten, werden sie auch ein Breisiggê mani gekannt haben gerade wie sich aus Freyja der allgemeine begrif freyja frouwâ ergab, gereicht auch das tragen des halsbandes zur bezeichnung einer schönen frau oder jungfrau. menglöđ, (monili laeta) ist Sæm. 97 a femina, Menglöd Sæm. 108 a 111 a wiederum eigennamen (oben s.  226 ); menskögul steht 222 a von Brynhildr. frauen werden überhaupt nach ihrem schmuck an gold und edelgestein benannt (Sn. 128) Nachtrag: Mani , men ist urverwandt mit lat. monile. dor. μάνος, μάννος. pers. μανιάκης, μανίακον. skr. mani Pott 1, 89. wie menglöđ die freude der frau über ihr halsband ausdrückt, so nennen die Schweizerinnen noch heute ihr gürtelband ›die freude ‹. Stald. 2, 515. 516. . . vgl. cap.  XX Iarđar men das rasenstück der altn. rechtssprache. Man muß es bedeutend finden, daß an einer stelle des evangeliums, wo bloß das ἅγιον, sacrum genannt wird (Matth. 7, 6), der alts. dichter ein hêlag halsmeni setzt, Hel. 52, 7; ihn beschlich (wie schon ein andermal oben. s.  122 ) der gedanke an das heidnische alterthum, hier des halsbandes. indessen nennt er bloß die schweine, nicht die hunde, und es ist möglich, daß er sich halsmeni als erweiterung zu merigrioton dachte. Die wichtigkeit dieser sage von der göttin halsschmuck steigt aber noch, wenn wir griechische mythen hinzuhalten. Brîsînga men ist nichts anders als Afrodites ὅρμος (hymn. in Ven. 88) und die kette wiederum ihr gürtel, der κεστὸς ἱμὰς ποικίλος, den sie am busen trägt, dessen zauber alle götter und sterbliche bewältigt. von ihrem hals (ἀπὸ στήϑεσφιν) löst und leiht sie ihn der Here, die den Zeus damit reizen will, das wird in einem uralter göttersage vollen liede (Il. 14, 214–218) erzählt. wie den ἱμάς Here und Afrodite wechselsweise tragen, schreibt die nordische fabel das geschmeide bald der Frigg, bald der Freyja zu, denn jenes gold der Frigga bei Saxo fällt mit Brîsînga men zusammen. Dazu tritt eine andere ähnlichkeit. Freyja besitzt nach derselben erzählung ein schönes und so starkes gemach, daß, wenn die thür verschlossen war, niemand ohne ihren willen hineinkommen konnte (hun âtti ser eina skemmu, er var bæđi fögr ok sterk, svâ at þat segja menn, ef hurđin var læst, at eingi mâtti komast î skemmuna ân vilja Freyja. Sn. 354). mit welcher list Loki dennoch eindrang, 256 und ihr das halsband raubte, wird berichtet als fliege kroch er durch ein gebohrtes loch und stach die schlafende göttin als ein floh, daß sie den schmuck ablegte; ein zug den noch kindermärchen bewahren. vgl. die stechende fliege beim schmieden: Sn. 131. . Homer meldet es nicht, wol aber weiß er Il. 14, 165–168 von Heres ϑάλαμος,                               τόν οἱ φίλος υἱὸς ἔτευξεν Ἥφαιστος, πυκινὰς δὲ ϑύρας σταϑμοῖσιν ἐπῆρσε κληῖδι κρυπτῆ, τὴν δ'οὐ ϑεὸς ἄλλος ἀνῷγεν was stimmt genauer zu jenem unnahbaren gemach der Freyja, zumal des ἱμάς gleich darauf gedacht wird? Hefäst, der seiner mutter das kunstreiche zimmer baute, halte ich zu den zwergen, die der Freyja das halsband schmiedeten. Die identität der Frigg und Freyja mit Here und Afrodite muß nach diesem mythus wirklich einleuchten. Auch darin zeigt sich wieder vermengung der Frigg und Freyja, daß eine göttin Follâ , die das Merseburger denkmal unsrer deutschen mythologie vindiciert, ihm zu folge schwester der Frûâ, die altn. Fulla hingegen dienerin der Frigg, obgleich in rang und reihe unter den Asinnen selbst aufgezählt ist (Sn. 36. 37) liest man Frîa für Frûa, so stände ihr Folla wie im nordischen näher, gleichviel als göttliche dienerin oder schwester. doch auch neben Frouwa kann, bei dem schwanken der göttinnen. Folla bestehn. . was ihr amt, ihr geschäft sei, drückt schon der name aus, sie rechtfertigt die aufnahme jener Abundia und dame Habonde in die deutsche mythologie, und entspricht dem männlichen gott der fülle Pilnitis , Pilnitus , den Letten und Preußen verehrten. Wie frau Herke (s.  A210 ) verlieh sie den sterblichen segen und überfluß, ihr war der göttermutter kiste (eski) anvertraut, aus der ihnen gaben gespendet wurden. Vielleicht, daß man sich Fullâ und Follâ zugleich als vollmond (goth. fulliþs, litth. Pilnatis masc.) dachte, wie Orion auf Freyja oder Frigg bezogen wurde, und im Merseburger gedicht folgen gleich nachher Sunnâ mit einer schwester Sindgund , deren name wiederum an den lauf eines gestirns erinnert. Sôl steht in der reihe der Asinnen, Sindgund = altn. Sinngunnr? ist der edda unbekannt. Im cap.  XXII von den gestirnen werde ich auf diese gottheiten zurückkommen Nachtrag: Über Fulla , Sunna und Sindgund s. kl. schr. 2, 17 ff. GDS. 86. 102. Fulla trug ein goldhalsband, denn das gold hieß höfuđband Fullu. Sn. 128. Sôl ist tochter des Mundilföri (s.  586 ), frau des Glenr (al. Glornir) Sn. 12. 126, nach fornald. sög. 2, 7 aber des Dagr . fru Sole, fru Soletopp kommt in volksspielen vor. Arvidsson 3, 389. 432. Skađi , tochter des Þiazi, gemahlin Niörds, mutter Freys (gen. Skađa. Sn. 82. kl. schr. 3, 407), hernach gemahlin Ođins, mutter Sæmîngs. Yngl. c. 9. . Aus haftenden eigennamen, selbst abstracten wörtern, seltner aus zurückgebliebnen mythen läßt sich entnehmen, daß noch andere göttinnen des Nordens früher auch in den übrigen theilen Deutschlands verbreitet waren. Freys geliebte und nachherige gattin hieß Gerđr , sie stammte aus riesischem geschlecht, wird aber doch Sn. 79 den Asinnen beigezählt; ihre schönheit schildert die edda durch einen höchst anmuthigen zug: als Freyr vom himmel schaute, sah er sie in ein haus gehn und die thür schließen, da leuchtete von ihren armen luft und wasser (Sæm. 81. Sn. 39); die werbung um sie wurde ihm erschwert und nur durch geschicklichkeit seines treuen dieners 257 Skirnir zu stand gebracht. die namensform Gerđr , gen. Gerđar, acc. Gerđi (Sæm. 117 b ) weist auf ein goth. Gardi oder Gardja, gen. Gardjôs, acc. Gardja und ahd. Gart oder Garta, das in den zusammensetzungen Hildigart, Irmingart, Liutkart u. a. oft vorkommt, nicht mehr einfach. die lat. formen Hildegardis, Liudgardis wahren das i der endung besser, auf welchem auch der altn. umlaut in Gerđr, Thôrgerđr, Valgerđr, Hrîmgerđr beruht. die bedeutung scheint cingens, muniens, lat. Ginxia, wie Juno hieß Nachtrag: Sn. 119 heißt Gerđr Ođins frau oder geliebte, nebenbuhlerin der Frigg. vgl. auch Thôrgerđr hörgabrûđr. merkwürdig ist der name Frögertha bei Saxo gramm. lib. 6, die aus heldengeschlecht stammt. ähnlich, wenn auch nicht so wirksam wie Gerđrs strahlende schönheit, wird anderer frauen glanz geschildert in Asb. Huldr. 1, 47: saa deilig at det skinnede af hende. Garg. 76 b : rosenblüsame wängelin, die auch den umbwebenden luft mit ihrem gegenschein als ein regenbogen klärer erleuterten. Wirnt die welt: ir schoene gap sô liehten schîn und alsô wunneclichen glast, daz derselbe pallast von ir libe erliuhtet wart. . Das goth. sibja , ahd. sippia , sippa , ags. sib , gen. sibbe bedeuten friede, freundschaft, verwandtschaft; ich folgere daraus eine gottheit Sibja , Sippia , Sib , der altn. Sif , gen. Sifjar, Thôrs gemahlin entsprechend, denn auch der altn. pl. sifjar drückt aus cognatio, sifi amicus (ahd. sippio, sippo), sift genus, cognatio. diesem wortsinn nach scheint Sif , gleich Frigg und Freyja, göttin der schönheit und liebe; wie eigenschaften des Ođinn und Thôrr zusammenstimmen, haben auch ihre frauen Frigg und Sif gemeinsame bedeutung. Sif heißt in der edda die schönhaarige it hârfagra gođ, und das gold Sifjar haddr (Sifae peplum), weil ihr Loki das haar abschnitt und hernach ein neues, schöneres aus gold geschmiedet wurde (Sn. 119. 130). auch ein kraut, polytrichum aureum, führt den namen haddr Sifjar . Die erklärer sehen hierin die vom feuer verbrannte wieder aufwachsende goldne frucht der erde und halten Sif zu Ceres, zu der ξανϑὴ Δημήτηρ (Il. 5, 500), womit überein käme, daß die altslav. Siva Ceres, dea frumenti glossiert (Hankas glossen 5 a 6 a. b ); allein S scheint in dem wort das slav. shivjete = SH und V = W, was von dem deutschen F, B, P abführt. Thôrs mutter, nicht seine frau ist die erde, doch Sn. 220 findet sich das bloße Sif für erde. entscheiden müsten nähere sagen von Sif, die unsrer mythologie gänzlich abgehn. nirgend wird bei uns das geheimnisvolle verhältnis des saatkorns zu Demeter, durch deren tiefe trauer um die tochter hungersnoth unter den menschen auszubrechen droht (hymn. in Cer. 305–315), noch ähnliches erzählt. Die goth. sprache unterscheidet fein zwischen sunja (veritas) und sunjô (defensio, probatio veritatis), im ahd. recht bedeutet sunna , sunnis excusatio und impedimentum. auch das altn. recht hat dieses syn , gen. synjar für excusatio, defensio, negatio, impedimentum, aber die edda stellt zugleich eine personificierte Syn auf, sie war den Heiden göttin der gerechtigkeit und wahrheit, sie schützte den angeklagten (Sn. 38). Mit ihr in gleicher reihe steht Vör , gen. Varar , göttin der treue und des abgeschlossenen vertrags, eine dea foederis (Sn. 37. 38), wie auch die Römer Tutela heiligten. der ausdruck ›vigja saman Varar hendi ‹, consecrare Tutelae manu (Sæm. 74 b ) stimmt zu den stellen über des Wunsches hände (s.  118 ). so gut neben der abstraction wunsch ein lebendig erhöhter Wunsch, konnte auch neben ahd. wara foedus eine göttin Wara statt finden, neben sunia eine Suniâ Nachtrag: Über Syn und Vör vgl. Finn Magn. lex. 359. 358, dann auch die composita Hervör , Gunnvör , ahd. Cundwara , Hasalwara (Graff 1, 907), ags. Freávaru. Beov. 4048. Es hätte auch noch der altn. göttin Ilmr f. gedacht werden müssen. ilmr , suavis odor ist sonst männlich. . 258 Auf solche weise steigert sich unsere sage zu einer heidnischen Sagâ , Wuotans tochter; gleich der Muse, Zeus tochter, unterrichtet sie die menschen in jener göttlichen kunst, die Wuotan selbst erfunden hatte. ich habe in einer eignen abhandlung (kl. schr. 1, 83–112) aufgestellt, daß frou Aventiure des mittelalters davon übrig sei. Nanna Baldrs gemahlin würde goth. Nanþô , ahd. Nandâ , ags. Nôđe , die kühne, mutige heißen (s.  183 ), aber die weiblichen einfachen namen sind verschollen, Procop 1, 8 hat das goth. Θευδενάνϑα (altn. Thiođnanna) Nachtrag: Nanna ist nach der edda Neps dôttir. Sn. 31. 66 und Nepr war Ođins sohn Sn. 211. nach Saxo ist sie tochter des Gevar (Kepaheri) s. anm. 564 . Sæm 116 a erwähnt eine andere Nanna Nökkva dôttir. ist der name der valkyrien nönnor Herjans. Sæm. 4 b mit Nanna verwandt? . Solche schlüsse von ersterbenden wörtern auf erstorbene gottheiten lassen sich noch vermehren; es ist nicht unnütz sie zu versuchen, weil sie den blick für neue forschungen schärfen. zu beweisen erheben kann sie, daß aus der sage oder sonsther übereinstimmung der mythen aufgedeckt wird fast scheint es, daß mhd. dichter ein höheres weibliches wesen frô Fuoge oder Gefuoge kennen, das an bildender kraft dem männlichen Wunsch gleich stände, eine personificierte compages oder ἁρμονία. die hauptstellen weist mir Lachmann in Er. 7534–40: (vgl. zum Iwein s. 400). sô hete des meisters sin geprüevet ditz gereite mit grôzer wîsheite; er gap dem helfenbeine und dâ bî dem gesteine sîn gevellige stat, als in diu Gevuoge bat. (vgl. Er. 1246: als in mîn wâre schulde bat). Parz. 121, 11 wer in den zwein landen wirt (gut geräth), Gefuoge ein wunder an im birt, den hat Gefuoge wunderbar geboren, er ist ihr kind, schoßkind. Und umgekehrt Walth. 64, 38: frô Unfuoge , ir habt gesiget.   65, 25; swer Ungefuoge swîgen hieze und sie abe den bürgen stieze! wiewol die partikeln ge-, un- schon auf jüngere, kältere allegorie deuten. auch wäre die schwache form besser, ahd. Fuogâ, gen. Fuogûn, wie N. Cap. 135 hîfuogûn, sotigenam Nachtrag: Fuoge und Unfuoge sind noch durch folgende stellen zu belegen. er was aller tugende vol, die in diu Vuoge lerte. pass. 165, 2. diu Füegel , Füeglerin . Ls. 1, 200. 208. wann kompt Hans Fug , so sehe und lug. Garg. 236 b . daz in Unfuoge niht erslüege. Walth. 82, 8. Unfuoge den palas vlôch. Parz. 809, 19. nu lât der Unfuoge ir strît. Parz. 171, 16. vgl. fügen (s. anm. 76 ). ganz unpersönlich ist zuht unde fuoge. Gregor. 1070. ungevuoge. Er. 9517. 6527. swelch fürsten sô von lande varn, daz zimt ouch irn fuogen sô, daz si sint irs heiles vrô . Ernst 1800. . . Bei den göttern habe ich mit Oegir und Loki geschlossen, ihnen verwandte göttinnen sollen auch hier zuletzt erscheinen. Der altn. Gefjon entsprach, so viel wir wissen, kein weibliches, sondern ein männliches wesen der alten Sachsen Geban , Geofon (s.  198 ). Nach Sn. 1 pflügt sie mit vier riesenochsen Seeland aus dem schwedischen boden heraus, so daß ein see entspringt, dessen einbiegung genau zu dem vorragenden ufer Seeland sich fügt. Sie wird als jungfrau dargestellt, der alle jungfräulich sterbenden mädchen dienen. Sn. 36. unter anrufung ihres namens wurden eide abgelegt: sver ek viđ Gefjon (F. Magnusen lex. 386) Nachtrag: Gefjon erscheint in Lokasenna. vgl. auch anm. 2245 . heißt hör gefn lini datrix? Sæm. 192 a oder gehört es zu Gefn , Gefjon? . Gefn , ein name der Freyja (Sn. 37 u. Vigaglum s. cap. 27) gemahnt an Gefjon. Gattin des meergottes Oegir war Rân , beide erzeugten neun töchter, die in der edda namentlich aufgeführt und Rânar oder 259 Oegis dætr genannt werden Sæm. 79 b 144 a 153 b 180. Sn. 124. 129. 185. Eyrbygg. saga p. 274 und index s. v. Rân. Egilssaga p. 616. . ertrinkende menschen fallen der Rân anheim, und schon daraus folgt ihre göttlichkeit, fara til Rânar heißt zur see ertrinken (fornald. sög. 2, 78). sitja at Rânar (fornm. sög. 6, 376) ertrunken sein. die ertrunknen zog sie in einem netz an sich, raubte sie, und daher erklärt sich ihr name: rân (neutr.) ist rapina, ræna rapere, spoliare Nachtrag: Snöriz ramliga Rân or hendi giâlfr dŷr konûngs. Sæm. 153 b . miök hefir Rân ryskt um mik. Egilssaga s. 616. Rân leiht ihr netz dem Loki, um damit den Andvari zu fangen. Sæm. 180. fornald. s. 1, 152. gerade so ziehen die wassergeister seelen an sich (s.  706 ). Ran heißt später hafsfruu . hafsfruu, som råder öfver alla hvilka omkomma þå sjön. sv. folks. 1, 126. blef sjötagen och kom till hafsfruu . a. o. 1, 132. ez ist ein geloub der alten wîp, swer in dem wazzer verliust den lîp , daz der sî von got vertriben .   Karajan über Teichner 41. . Auf die nachweisung dieses sonst seltnen wortes rahanen (spoliare) Hildebr. lied 57 stütze ich, daß es auch in andern gegenden Deutschlands ein subst. rahan (rapina, spolium) und eine göttin Rahana (vgl. Tanfana, Hluodana) gegeben haben könne, wie einen Uogi = Oegir die trad. patav. p. 60. 62 gewähren den mannsnamen Raan, Rhaan (? Rahan). die ahd. Rahana steht auf sehr schwachen füßen. . Wie von Oegir (durch Forniot und Logi) auf Loki, darf von Rân auf Hel übergegangen werden, die geradezu tochter des Loki und gleich ihm graunvolle gottheit ist. Rân empfängt die zu wasser, Hel die auf dem lande gestorbnen seelen, Freyja die in der schlacht gefallnen. Noch unzweifelhafter als Frigg und Freyja oder irgend eine der andern nachgewiesenen göttinnen erscheint unter den übrigen Deutschen die altn. Hel , gen. Heljar: goth. Halja , gen. Haljôs, ahd. Hellia , Hella , gen. Hellia, Hella, ags. Hell , gen. Helle, nur daß der persönliche begrif schwand und sich in den localen von halja, hellia, hell, unterwelt und ort der strafe auflöste. ursprünglich ist Hellia weder tod noch ein böses wesen, sie tödtet und verfolgt nicht, sie nimmt die seelen der abgeschiednen in empfang und hält sie unerbittlich fest. die räumliche vorstellung entfaltete sich wie aus Oegir die von œgir oceanus, aus Geban die von geban mare entsprungen war; die bekehrten Heiden wandten sie ungestört an auf die christliche unterwelt, den aufenthalt der verdammten, alle deutschen völker thaten es, von den zuerst getauften Gothen an bis auf die Nordmannen, weil jener raumbegrif schon im heidenthum vorhanden, vielleicht auch, weil der kirche die gemeinschaft der unseligen mit einer heidnischen, teuflischen gottheit unaufstößig war gar nicht verwandt mit hel ist das altn. hella petra, hellir antrum, wie das goth. hallus petra lehrt (von hillan sonare, weil der fels widerhallt): eher darf unser höle antrum, ahd. holî, häufiger im neutr. hol verglichen werden, wofür die goth. form hul zu gewarten wäre, wie das fem. hulundi caverna vorkommt, denn die höle deckt, wie die unterwelt (beide also von hilan celare). die vocale in höle (= huli) und hölle (= halja) weichen aber von einander. . so erklärt sich hellia aus Hellia noch leichter als ôstara aus Ostara. Nach der edda war Hel Lokis und einer riesin tochter, schwester des wolfes Fenrir und einer ungeheuren schlange. Sie ist halb schwarz und halb menschenfarbig ( blâ hâlf en hâlf međ 260 hörundar lit) Sn. 33, nach art der elsterfarbigen leute des mittelalters; in andern stellen wird bloß ihre schwarze farbe verglichen: blâr sem Hel . Nialss. cap. 117. fornm. sög. 3, 188. vgl. Heljarskinn von der leichenfarbe der haut. Landnâmab. 2, 19. Nialss. cap. 96. fornald. sög. 2, 59. 60 auch die alten stellten Demeter, als zürnende erdgöttin schwarz dar (Pausan. 8, 42. O. Müllers Eumeniden 168 vgl. archaeol s. 509 die schwarze Demeter zu Phigalia), ja zuweilen ihre der unterwelt verfallene tochter, Persephone, die schöne jungfrau: Proserpina furva (Censorin. de die natal. c. 17). der schwarzen Aphrodite (Melanis) erwähnt Pausanias 2, 2. 8, 6. 9, 27 und Athenaeus (buch 13); bekannt ist die ephesische schwarze Diana, und daß im mittelalter schwarze Marienbilder geschnitzt und gemalt wurden, die heil. jungfrau erscheint dann als trauernde erd oder nachtgöttin: solche bilder zu Loretto, Neapel, Einsiedeln, Würzburg (Altd. W. 2, 209. 286), Öttingen (Goethes briefw. mit einem kinde 2, 184), Puy (Büschings nachr. 2, 312–333), Marseille und anderwärts. Bedeutsam zumal scheint, daß auch die im Tartarus hausende Erinnys oder Furia schwarz und halbweiß halbschwarz gebildet wird. . der tod ist schwarz und finster. Ihre wohnung ist tief im dunkel der erde, abwärts unter einer wurzel des Yggdrasill, in Niflheim, das innerste heißt darum Niflhel , da liegt ihr hof (rann) und ihre säle. Sæm. 6 b 44 a 94 a Sn. 4. Ihre schüssel heißt hûngr , ihr messer sultr , gleichbedeutige namen, ihre unersättliche gier auszudrücken. Die todten fahren zu ihr nieder, fara til Heljar , eigentlich nur die in krankheiten und vor alter gestorbnen, nicht die im kampf gefallnen, Valhalla einnehmenden. abgezogner sind schon die redensarten î hel slâ, drepa, berja î hel , in die hölle schlagen, zur unterwelt senden, tödten; î helju vera, in der unterwelt, todt sein. fornald. sög. 1, 233. hieraus ist den neunord. dialecten ein ganz abstractes und entstelltes, schwed. ihjäl , dän. ihiel , d. h. zu tod entsprungen altschwed. besser ihæl d. i ihäl (Fred. af Normandie 1299. 1356. 1400. 1414); schon eine variante zu Östgötalagen p. 8 gibt ihiæll f. ihæl. man faßte den sinn des ausdrucks nicht mehr. . den begrif der unterwelt geben diese neueren sprachen nur durch eine zusammensetzung, schwed. helvete , dän. helvede, d. i. altn. helvîti (supplicium infernale), ahd. hellawîzi , mhd. hellewîze . von einem der in den letzten zügen liegt heißt es altn. liggja milli heims oc heljar, er befindet sich schon auf dem wege von der welt zur hölle. Die unbarmherzigkeit der eddischen Hel wird ausdrücklich hervorgehoben, was sie einmal hat, gibt sie nie zurück: haldi Hel þvî er hefir . Sn. 68; hefir nu Hel . Sæm. 257 a ; gleich dem wolf der thierfabel (Reinhart xxxvi ), wie sie wölfischer natur und herkunft ist; umgekehrt wird dem wolf ein höllischer rachen (guttur infernale) beigelegt Nachtrag: Slôu î hel . Vilk. s. 515. î hel drepa. Sæm 78 a . bita fyl til hälia , ein pferd tod beifsen. Östgotal. 213. höfut þitt leysto heljo or . Sæm. 181 a . persönlich erscheint Hel in Sæm. 188 b : er þik Hel hafi! Egilssaga s. 643: Niörva nipt (Hel) â nesi stendr . das fara til Heljar ist auch deutsch: (vgl. s.  668 ). Adam vuor zuo der helle und sîne afterkumen alle. kschr. 9225. ze helle varn . warn. 2447. 3220. 3310. ze helle varn die hellevart . Barl. 323, 28. faren zuo der hell = sterben. Seb. Brant narr. 57, 9. ze helle varn. ring 55 d , 27. nu var du in die hell hinab, das ist din haus! a. o. 55 d , 30. ir muost nu reuschen in die hell. a. o. 55 d , 20. ich wolte mich versloffen hân zuo der helle (Helle). troj. kr. 23352. von der hell wider komen  = aus dem todtenreich. Seb. Brant narr. p. m. 207. in der hell ist ein frau ân liebe. fastn. 558, 13. geht das auf Hellia oder auf eine in die unterwelt gekommene menschliche frau? die helle spricht , antwortet dem teufel. anegenge 39, 23. dô sprach diu Helle. Grieshaber 2, 147. 148. bairische sagen von der Held theilt Panzer beitr. 1, 60. 275. 297 mit. merkwürdig steht im Hel. 103, 9: an thene suarton hel. (vgl. unten s.  668 .) . Zwei eddische lieder schildern den weg zur unterwelt, Helreid Brynhildar und Vegtamsqviđa, in dieser scheint Ođins ritt auf Sleipnir wegen Baldr den voraus darzustellen, welchen Sn. 65. 67 Hermôđr hernach auf demselben rosse unternimmt. die züge des gedichts sind aber ergreifender, und das gespräch zwischen Vegtamr Ođinn nennt sich Vegtamr (gnarus viae), sohn des Valtamr (assuetus caedibus), wie sonst gângtamr (itineri assuetus) Sæm. 265 b vom rosse gesagt wird, Ođinn aber Gângrâđr oder Gângleri heißt. Vegtamr gemahnt an den heiligen priester und sänger Wechtam bei Hunibald. und der vala, die von sich sagt: 261 var ek snifin sniofi, ok slegin regni, ok drifin döggo, daud var ek leingi, gehört zu dem erhabensten, was die edda darbietet. diese vala muß in genauem verhältnis zu Hel selbst stehn. Saxo gramm. p. 43 gebraucht für Hel ganz passend das lat. Proserpina , er läßt sie Balders tod ansagen. Nach dän. volksglauben soll Hel , als dreibeiniges pferd umgehend, pest und seuche verkündigen; ich werde im verfolg davon handeln. ursprünglich war es nichts als das pferd , auf welchem die göttin durchs land zog, die ihr heimgefallnen todten in empfang zu nehmen; es wird ihr auch ein wagen beigelegt, mit dem sie einher fuhr. Eine stelle in Beovulf zeigt, wie noch die Angelsachsen ganz den alten begrif des wortes kannten. von dem verscheidenden Grendel heisst es 1698: feorh âlegde, hæđene sâvle (vitam deposuit, animam gentilem), þær hine Hel onfêng , die altheidnische göttin nahm ihn in empfang. Auch das deutsche mittelalter hegte noch vorstellungen von einer gefräßigen, hungrigen, unersättlichen Hölle, von einem Orcus esuriens , d. h. dem menschenfressenden ogre. ›diu Helle ferslindet al daz ter lebet. sine wirdet niomer sat ‹. N. Cap. 72. ›diu Helle und der arge wân werdent niemer sat ‹. welsch. gast. und noch persönlicher lautet, daß ihr ein gaffender, gähnender rachen zugeschrieben wird, gleich dem wolf: bilder in der hs. des Cædmon stellen sie durch einen bloßen aufgesperrten mund dar. der tobende wuoterîch der was der Hellen gelîch, diu daz abgrunde begenit mit ir munde unde den himel zuo der erden. unde ir doch niht ne mac werden. daz si imer werde vol; si ist das ungesatlîche hol, daz weder nu noch nie ne sprah: ›diz ist des ih niht ne mac‹. Lampr. Alex. 6671–80. Häufig ist in den alten gedichten von dem abgrund und den thüren der hölle die rede, vgl. helligruoba, hellagrunt, helliporta u. s. w. gramm. 2, 458. der abgrunde tunc, der tiefen helle tunc. Mart. 88 b 99 c . Zunächst liegen hierbei zwar biblische stellen unter, namentlich von unersättlichkeit der hölle, prov. Salom. 27, 20. 30, 16 (vgl. Freidank lxxiv ), vom aufgethan sein, Hiob 26, 6 und vom öfnen ihres mundes, Esaias 5, 14. inzwischen haben alle diese das masc. ἅδης oder infernus, wozu auch die vorstellung des lat. orcus stimmt, es ist schon zu beachten; daß die deutsche sprache, 262 ihrer eigenthümlichkeit nach, ein weibliches wort gebrauchen muste. die ideen von thüre, abgrund, öfnen des gähnenden schlundes, stärke und unbezwinglichkeit (fortis tanquam orcus. Petron. cap. 62) scheinen aber bei dem begrif einer unterwelt so natürlich und nothwendig, daß sie bei verschiednen völkern immer auf ähnliche weise wiederkehren werden Nachtrag: Sic erimus cuncti postquam nos auferet orcus . Petron. cap. 34. rapacis Orci aula divitem manet herum. Horat. od. II. 18, 30. at vobis male sit, malae tenebrae orci quae omnia bella devoratis. Catull 3, 13. versperre uns vor der helle munt . Karajan 44, 1. der hellisch rachen steht offen. H. Sachs I. 3, 343 c . diu Helle gar ûf tet ir munt . Albr. v. Halberst. 171 b . nu kan daz verfluochte loch nieman erfullen noch, der wirt ist sô gitic. Martina 160, 17. (vgl. daz verworhte hol . das. 172, 41). doch MsH. 3, 233 b heißt es: davon sô ist diu helle vol . O. V. 23, 265. then tôd then habet funtan thiu hella ioh firsluntan. hat Otfrid dies 1 Cor. 15, 55 nachgebildet: der tod ist verschlungen in den sieg; tod, wo ist dein stachel, helle, wo ist dein sieg? bemerkenswerth ist hier die gothische übersetzung der stelle: ufsaggqiþs varþ dauþus in sigis, hvar ist gazds þeins dauþu? hvar ist sigis þeins, halja? auch nach christlicher vorstellung erscheint der tod verschlungen, aber die meisten handschriften des griech. textes haben hier beidemal ϑάνατος , die vulgata beidemal mors , wo Ulfilas zwischen dauþus und halja scheidet und Otfrid die hölle den tod finden und verschlingen läßt. den heiden war halja oder hel aufnehmerin, aufenthalt der todten, also die todten verschlingend, aber den tod verschlang sie nicht. doch ist nicht zu vergessen, daß eine griech. hs. ἅδη für ϑάνατε hat. Massmann 63 bb , wie Matth. 11, 23. Luc. 10, 15. 16, 23 ἅδης, infernus im ags. durch helle übersetzt wird. so wird auch im irischen das erste mors jener Corintherstelle durch bais, das zweite durch uaimh, höle, grab gegeben, gal. durch bais und uaigh, grab. das serb. smrti und pakle, wie das litt. smertie und pékla schmeckt nach dem deutschen tod und hölle. vgl. auch Höfers ztschr. 1, 122. Westerg. bei Bouterwek Cædmon 2, 160 s. v. hel . (vgl. unten s.  668 ) stellt skr. kâla zeit, tod, todesgöttin und kâlî todesgöttin mit hel zusammen. . Das wesentliche ist die vorstellung einer weiblichen, hungrigen, nie zurückgebenden gottheit in Südholland, an der Maas einfluß ins meer, findet sich ein ort Helvoetsluis . ich weiß nicht, ob ältere urkundliche formen die in diesem namen liegende idee von Höllenfuß, fuß der Hölle bestätigen. die Römer haben hier Helium: inter Helium ac Flevum, ita appellantur ostia, in quae effusus Rhenus ab septentrione in lacus, ab occidente in amnem Mosam se spargit, medio inter haec ore modicum nomine suo custodiens alveum. Plin. 4, 29. auch Tac. 2, 6 sagt: immenso ore . vgl. oben s.  198 über Oegisdyr Nachtrag: Über Hellevôt s. anm. 2078 . zu Helvoetsluis , dem römischen Helium , an der Rheinmündung paßt die bemerkung: Huglâci ossa in Rheni fluminis insula, ubi in oceanum prorumpit , reservata sunt. Haupts ztschr. 5, 10. . . Je höher in unser alterthum hinaufzudringen aber vergönnt sein wird, desto weniger höllisch und desto göttlicher kann Halja erscheinen. Dafür bürgt ganz besonders ihre gemeinschaft mit der indischen Bhavani, die gleich Nerthus und Holda herumfährt und badet (s.  234 ) und daneben Kâlî oder Mahakâlî , die große schwarze göttin heißt. in der unterwelt soll sie über die seelen gericht halten, dies amt, der eintreffende name und die schwarze farbe (kâla niger, vgl. auch câligo und κελαινός) machen sie der Halja äußerst ähnlich. Halja ist eine der ältesten und geläufigsten vorstellungen des heidenthums. 263 Cap. XIV. Götterverhältnisse. Nachdem gesammelt worden ist was sich über die einzelnen gottheiten unsrer vorzeit noch auffinden ließ, versuche ich es ihre natur im allgemeinen zu betrachten, wobei jedoch verstattet sein wird auf die fremde und zumal griechische mythologie größere rücksicht zu nehmen, als in andern abschnitten dieses werks geschah; nur so können für ganz los schwebende fäden anknüpfungspuncte erlangt werden. Alle völker legten ihren göttern menschliche, bloß ausnahmsweise thierische gestalt bei; hierauf beruht sowol die erscheinung, menschwerdung, das zwiefache geschlecht, die vermählung der götter mit menschen, als die vergötterung, d. h. aufnahme einzelner menschen in den kreis der götter. es folgt weiter, daß götter erzeugt und geboren werden, schmerz und leid erfahren, dem schlaf, der krankheit, ja dem tode verfallen, daß sie gleich menschen sprache reden, leidenschaften empfinden, geschäfte verrichten, gekleidet, gewafnet sind, wohnen und geräth besitzen. nur darin findet ein unterschied statt, daß für diese eigenschaften und zustände noch ein höheres maß eintritt als das menschliche ist, daß alle vorzüge der götter vollkommner und anhaltender, alle ihre übel geringer oder flüchtiger sind. Das scheint mir ein grundzug in dem glauben der Heiden, daß sie den göttern keine unbeschränkte, unbedingte fortdauer zugestanden, obgleich ein weit über das menschliche hinausreichendes lebensziel. alles was geboren wurde muß auch sterben, und wie die allmacht der götter durch ein noch über ihnen stehendes verhängnis hemmung erfährt, unterliegt auch ihr ungemessnes walten zuletzt einem ende. dies zeigt sich nicht nur in einzelnen erscheinungen des götterlebens, sondern in der allgemeinen vorstellung eines unvermeidlich nahenden untergangs, den die edda sehr bestimmt ausspricht, die griechische lehre im hintergrunde hat: es kommt die zeit, in welcher einmal Zeus herschaft ihr ziel erreicht. diese auch in der meinung der stoiker atque omnes pariter deos perdet mors aliqua et chaos. Seneca in Hercule 1014. festgehaltne ansicht bricht aber nur dann und wann, besonders in der sage von Prometheus, welche s.  203 dem altn. ragnaröckr verglichen wurde, hervor. Nach der herschenden betrachtungsweise gelten die götter für unsterblich und ewig . sie heißen ϑεοὶ αἰέν ἐόντες Il. 2, 290. 494; αἰειγενέται Il. 2, 400; ἀϑάνατοι, Il. 2, 814; ἀϑάνατος Ζεύς Il. 14, 264 434; darum auch μάκαρες Il. 1, 339. 599 im gegensatz zu den sterblichen menschen. besonders gebührt ihnen der name ἄμβροτοι immortales, den menschen βροτοί mortales; man erklärt ἄμβροτος aus dem sanskr. amrita immortalis, einer verneinung von mrita mortalis (vgl. pers. merd, homo mortalis) und in der that haben amrita und das dem ἄμβροτος nah liegende ἀμβρόσιος bezug auf eine nahrung, durch deren genuß götter ihre unsterblichkeit sichern. der erde frucht berühren sie nicht, von der die βροτοί leben, οἳ ἀρούρης καρπὸν ἔδουσιν Il. 6, 142. bei βροτός schlägt aber auch an βρότος, das sterbliche, dicke blut, während in den adern der götter ἰχώρ rinnt (Il. 5, 340. 416), ein leichter, dünner saft, wonach sie ἄβροτοι = ἄμβροτοι genannt scheinen. Wie amrita, der unsterblichkeitstrank, aus milchreinem wasser, kräutersaft, flüssigem golde und aufgelösten edelsteinen Cleopatra ließ kostbare perlen in ihren wein schmelzen, und es soll noch jetzt gebrauch indischer fürsten sein. vgl. Sueton Calig. 37. bereitet wurde, erzählt die indische sage ausführlich; keine griechische nachricht meldet uns der ambrosia bestandtheile, sie war aber eine ἀμβροσιὴ τροφή und außer ihr gab es ein göttliches getränk, γλυκὺ νέκταρ Il. 1, 598, rother farbe (Il. 19, 38), dessen benennung von νη und κτᾶσϑαι, besser von νέκ-ταρ necem avertens geleitet wird. da wo menschen brot und wein, genießen götter ambrosia und nectar (Od. 5, 195) und daher rührt:                           ἄμβροτον αἷμα ϑεοῖο ἰχώρ, οἷός πέρ τε ῥέει μακάρεσσι ϑεοῖσιν· οὐ γὰρ σῖτον ἔδουσ', οὐ πίνουσ' αἴϑοπα οἶνον· τούνεκ' ἀναίμονές εἰσι καὶ ἀϑάνατοι καλέονται   Il. 5, 339. sie haben kein zähes αἷμα (vgl. seim, altn. seimr), sind nach dem indischen glauben schweißlos, und dies ἀναίμων kommt jener deutung von ἄβροτος gelegen. die adjectiva ἄβροτος, ἄμβροτος, ἀμβρόσιος, νεκτάρεος werden von der nahrung auf andere göttliche dinge übertragen beide, nectar und ambrosia haben, wie der heilige gral des mittelalters, wunderkraft, dem leichnam in die nase gegossen hindern sie verwesung (Il. 19, 38) und wehren hunger ab (Il. 19, 347. 353). Nachtrag: Die heidnische vorstellung von der macht der götter erkennen wir besonders daraus, daß dieselben als wunderer aufgefaßt und erst in christlicher zeit zu zauberern herabgedrückt wurden vgl. s.  860 . GDS. 770. dagegen galten die riesen schon den heiden vorherschend für dumm s.  435 . 437 . 438 . Die langlebigkeit der götter (longaevi, lanclîbon. N. Cap. 144) hängt von einfacher speise und sorgenfreier seele ab (s.  266 . 269 ). so meint auch Terent. Andr. 5, 5: ego vitam deorum propterea sempiternam esse arbitror, quod voluptates eorum propriae sunt. ähnlich leiten die zwerge die länge und gesundheit ihres lebens von ihrer redlichkeit und mäßigkeit her (s.  379 ). amrita (Somadeva 1, 127) erklärt Bopp gloss. 17 a aus a priv. und mrita mortuus, also immortalis und cibus immortalitatem afferens, daselbst 269 a ἀ-μβροσία aus ἀ-μροσία, βροτός f. μροτός. verschiedene sagen über bereitung des amrita theilt Rhode relig. bildung der Hindus 1, 230 mit. durch butterung des oceans entsteht er nach Holtzmann 3, 146–150, sowie ambrosia beim keltern des weins. K. F. Hermann gottesd. alth. s. 304. tauben tragen dem Zeus ambrosia zu. Od. 12, 63. vgl. Athenaeus 4, 317. 321. 325. der göttin Kalypso wird ambrosia und nektar gereicht, während Odysseus neben ihr irdische speise genießt. Od. 5, 199. mœren essen die süße götterspeise des honigs (s.  344 ). auch die rosse der götter empfangen an der krippe ambrosia und nectar. Platons Phaedr. 247. doch essen die götter nach Athenaeus 1, 434 weißes ἄλφιτον, das ihnen Hermes in Lesbos kauft. ambrosisch wird auch der duft genannt, der die göttliche gestalt umgibt. (s. anm. 832 ) und Plaut. pseud. III. 2, 52 sagt davon: ibi odos demissis pedibus in coelum volat: eum odorem coenat Juppiter cotidie. Woraus nectar gemacht wird, beschreibt Athenaeus 1, 147. 148. vgl. 166. ζωρότερον νέκταρ. Lucian. Saturn. 7. purpureo bibit ore nectar. Horat. carm. III. 3, 12. nectar wird im ahd. überwäge durch stanch , stenche . Graff 6, 696, oder in glossen auch durch seim , und unser honigseim, wenn seim zu αἷμα gehört, zeigt noch die verbindung von honig und blut (s.  387 . 752 ); man erwäge die verjüngende, heilende kraft des bluts wie des honigs. der Saelden honicseim . Engelh. 5138. der speichel der götter ist kräftig bei blut und meth (s.  752 ), beim ölbrauen: hann lagđi fyri dregg hrâka sinn. fornald. sög. 2, 26. Kvâsir wird aus speichel geschaffen. so kommt Lakschmi aus dem milchmeer. Holtzm. 1, 130, wie Aphrodite aus dem schaum, und Sri aus milch und butter. Holtzm. 3, 150. . Es ist klar, die götter waren nicht ihrem wesen nach unsterblich, sie erwarben und sicherten sich diese eigenschaft erst durch enthaltsamkeit von speise und trank der menschen und den genuß himmlischer nahrung. Darum wird auch die vorstellung des todes weder immer noch geradezu von ihnen ferngehalten, Kronos tödtete seine neugebornen kinder, ohne zweifel bevor ihnen nectar und ambrosia gereicht waren wie menschliche kinder nur ausgesetzt werden dürfen, ehe milch und honig ihre lippe benetzt hat, vgl. RA. s. 458. 459. Zeus als er seinen sohn den ihm Leto gebar, zuerst in der götterversamlung empfängt, reicht ihm aus goldner schale nectar, er erkannte ihn dadurch als sein kind. , nur der heimlich erzogene Zeus konnte vor ihm erhalten bleiben. Auf andere weise ist die sterblichkeit einzelner götter dadurch 265 ausgedrückt, daß sie der unterwelt, deren begrif an den tod grenzt, anheim fallen, wie Persephone. Wenn aber bei den Griechen der glaube an die ewigkeit der götter vorwaltet und nur seltne mahnungen ihres untergangs eintreten, so scheint umgedreht unsern vorfahren der gedanke an die unsterblichkeit der götter zurückzuweichen. niemals heißen sie in der edda eylifir oder ôdauđligir, und ihr tod wird unverholen ausgesprochen: þâ er regin deyja Sæm. 37 a oder noch häufiger regin riufaz (solvuntur) Sæm. 36 b 40 a 108 b . in einer der schönsten und ältesten mythen ist Balders tod, das verbrennen seiner leiche und seine einkehr in die unterwelt, wie Proserpinas, geschildert; Ođins künftiger fall wird Völusþâ 9 a erwähnt, Ođins bani Sn. 73, Thorr fällt nach Sn. 73 todt zur erde; Hrûngnir, ein riese, droht alle götter zu erschlagen (drepa guđ öll) Sn. 107. Allein auch merkwürdige spuren jener durch besondre speisen und getränke gesteigerten lebensdauer lassen sich daneben aufweisen. während die in Valhöll aufgenommnen einherjar sich an eines ebers gesottnem fleische sättigen, wird nie gesagt, daß die asen an solcher speise theil genommen hätten (Sæm. 36. 42. Sn. 42), ja ausdrücklich heißt es, daß Ođinn keiner speise bedarf (önga vist þarf hann) und bloß wein trinkt (vîn er honum bæđi dryckr ok matr), mit der ihm vorgesetzten kost nährt er seine beiden wölfe Geri und Freki. viđ vîn eitt vâpngöfugr Ođinn æ lifir (vino solo armipotens semper vivit) Sæm. 42 b , æ lifir kann übertragen werden semper vescitur, nufritur oder immortalitatem nanciscitur, und dann wäre wieder in den genuß des weins der grund seiner unsterblichkeit gelegt. offenbar verhält sich dieser wein der nordischen götter zum bier und öl (ölr, ale) der menschen, wie das nectar der griechischen götter zum wein der sterblichen. andere stellen nehmen es mit den ausdrücken weniger genau wie auch Homer den Ganymed οἰνοχοεύειν läßt Il. 20, 234. ja es heißt νέκταρ ἐῳνοχόει 4, 3 von Hebe. , Sæm. 59 wird bei Oegir den göttern öl vorgesetzt, vgl. öl giöra 68 b ; Heimdall trinkt froh den guten meth 41 b ; verđar nema oc sumbl (cibum capere et symposium) 52 läßt die art und weise dieser nahrung unbestimmt, es wird den göttern oft geradezu irdische speise beigelegt Zeus geht zum schmaus (κατὰ δαῖτα) bei den Aethiopen (Il. 1, 423), ὅταν πρὸς δαῖτα καὶ ἐπὶ ϑοίνην ἴωσι. Platons Phaedr. 247, wie Thôrr bei den Norwegern; auch als braut verkleidet weigert er sich nicht den gerichten der riesen (Sæm. 73 b ), so wie die asen auf ihrer reise einen ochsen kochten (Sn. 80). . Sollte aber nicht der kostbare, aus dem blute des göttlichen Qvâsirs und honig gemischte Ođhrœris dreckr zu amrita und ambrosia gehalten werden dürfen? im sanskr. wird sudha nectar von amrita ambrosia unterschieden. überall erscheint ein adler im spiel dabei. garuda heißt sudhâhara, amritâharana nectardieb, ambrosiadieb (Pott forsch. 2, 451), Ođinn entführt ođhroerir und Zeus den ihm nectarschenkenden Ganymed in adlergestalt (s. cap.  XXXV u. XXX . Angang und Dichtkunst). zwerge und riesen 266 setzen sich erst in dessen besitz, wie amrita in gewalt der riesen gerieth, zuletzt aber bemächtigen sich beider die götter. Ođhrœrisdreckr verleiht dichtergabe und schon dadurch unsterblichkeit, ihn werden Ođinn und Saga, der dichtkunst göttin, froh und ewig (um alla daga) aus goldschalen getrunken haben (Sæm. 41 a ). Man muß hinzunehmen, daß der weise Qvâsir (vgl. slav. kvas convivium, potus) beim bundesschluß der Asen und Vanen aus ihrem speichel (hraki) erschaffen worden war, die läuterung seines blutes zu göttertrank scheint ein uralter, tiefgreifender mythus. Außer diesem getränk wird aber auch noch eine besondere göttliche speise angeführt, Idun verwahrt äpfel , durch deren genuß die alternden götter sich verjüngen (er gođin skulo âbîta, þâ er þau eldaz, oc verđa þâ allir ûngir) Sn. 30 a ; das gemahnt an die äpfel des paradieses und der Hesperiden, an die gehüteten goldäpfel des kindermärchens (no. 57), an die äpfel der Fortunatus und Merlinssage, von deren essen oder anbiß leben, tod und verwandlung abhängen, wie sonst von dem trunk aus heiligem wasser. Nach dieser eddischen vorstellung haben zwar die götter ein mittel sich in ewiger frische und jugend zu erhalten, dennoch aber werden sie als der einwirkung des alters unterworfen gedacht, wie überhaupt alte und junge götter nebeneinander bestehn, namentlich gilt Ođinn und Wuotan überall für einen bärtigen greis (vgl. der alte gott s.  17 ), Thôrr für einen kraftvollen mann, Balder für einen blühenden jüngling. die götter werden hârir ok gamlir Sn. 81. dem Freyr wird ›at tannfê‹ beim zahnen geschenkt, er also aufwachsend gedacht. So erscheinen auch Uranos und Kronos als greise, Zeus (wie Donar) und Poseidon als männer, Apollo, Hermes, Ares in blühender jugend. Wachsthum und alter, steigen und abnahme einer kraft schließen an sich schon den strengen begrif ewiger, unwandelbarer und unsterblicher wesen aus, und die sterblichkeit, das noch so lange aufgehaltne ende der so gedachten götter ist etwas nothwendiges Nachtrag: Auch der glaube der Griechen an die unsterblichkeit ihrer götter war nicht ohne ausnahme. so sollte in Kreta ein grab stehen mit der inschrift, daß Zeus todt sei und nicht mehr donnere: ὡς οὐκέτι βροντήσειεν ἄν ὁ Ζεὺς, τεϑνεὼς πάλαι. Lucian. Jup. tragoed. 45. vgl. s.  375 . Friggas tod meldet Saxo ed. M. 44. der todte Baldr erscheint nicht mehr unter den göttern. Sæm. 63 b . später fällt Freyr gegen Surtr, Tŷr gegen Garmr, Thor gegen miđgarđsormr, Ođinn wird vom wolf verschlungen und Loki und Heimdall fällen einander. herz. Julius 302. 303. 870 (im nachtbüchlein) 883 spricht vom ›gehört haben, unser herr gott wäre gestorben‹ (der papst?) Ođinn und Saga trinken . Sæm. 41 a , Heimdall trinkt meth. 41 b und immer heißt es froh : drecka glöđ . 41 a . dreckr glađr . 41 b . (s.  269 ). Thor ißt und trinkt ungeheuer. Sæm. 73 b . Sn. 86, auch in einer norweg. sage von der hochzeit, zu der er geladen war. . Benennungen, welche die macht und allmacht der waltenden götter ausdrücken, wurden s.  17 . 18 verzeichnet. der altn. dichtung ist ginregin Sæm. 28 a 50 a 51 a 52 b ginheilög gođ 1 a eigen, es gehört zu gîna, ahd. kînan hiare und bedeutet numina ampla, late dominantia, vgl. ags. ginne grund Beov. 3101. Jud. 131, 2. ginne rîce Cædm. 15, 8. ginfäst firmissimus Cædm. 176, 29. ginfästen god (terrae dominus) Cædm. 211, 10. gârsecges gin (oceani amplitudo) Cædm. 205, 3. Schön bezeichnet das homerische ῥεῖα (= ῥᾳδίως, goth. raþizô) die macht der götter, alles was sie thun und vornehmen wird ihnen leicht, ihr leben verfließt mühlos, die sterblichen menschen sind mühselig und beladen. ϑεοὶ ῥεῖα ζώοντες Il. 6, 138. Od. 4, 805. 5, 122. als Aphrodite ihren liebling Alexander der gefahr des kampfs entziehen will, heißt es: τὸν δ' ἐξήρπαξ' Ἀφροδίτη ῥεῖα μάλ' ὥστε ϑεός . Il. 3, 381; dieselben worte werden auf Apollo bezogen, als er den Hector vor Achilles 267 entrückt, Il. 20, 443. Apollo wirft die von den Griechen mühsam gebaute mauer um, ῥεῖα μάλα, wie ein spielender knabe sandhaufen, Il. 15, 362. mit bloßem hauch (πνοιῆ), ein wenig blasend (ἦκα μάλα ψύξασα) wendet Athene Hector's geworfnen speer von Achilles ab, Il. 20, 440. auch Berhta bläst an (s.  229 ) und die elbe hauchen (cap.  XVII ). Menschensöhne wachsen langsam und allmälich auf, götter erlangen gleich nach der geburt völlige größe und stärke. Kaum hatte Themis dem neugebornen Apollo nectar und ambrosia (ἀμβροσίην ἐρατεινήν) dargereicht, so sprang er, κατέβρως ἄμβροτον, alsbald aus den windeln, saß zwischen die göttinnen nieder, begann zu reden und ungeschoren über das land zu wandeln (hymn. in Ap. Del. 123–133). Nicht anders Vali, der von Rindr dem Ođinn geborne: erst eine nacht alt (einnættr), ungewaschen und ungekämmt, macht er sich auf, um Baldrs tod an Höđr zu rächen (Sæm. 6 b 95 b ). hier ist das zusammentreffen von ἀκερσεκόμης mit dem eddischen ne höfuđ kembr nicht zu übersehn. Hermes, frühmorgens geboren, spielt schon zu mittag die laute und treibt abends rinder weg (hymn. in Merc. 17 ff.). Auch Zeus, der oft noch als kind unter den Kureten dargestellt wird, wuchs schnell heran (καρπαλίμως μένος καὶ φαίδιμα γυῖα ηὔξετο τοῖο ἄνακτος) und besaß in den ersten jahren kraft genug, um es mit Kronos aufzunehmen (Hes. theog. 492). Ein andres beispiel aus der nord. mythologie bietet Magni dar, Thôrs sohn mit der riesin Iarnsaxa: erst drei nächte alt (þrînættr) warf er des riesen Hrungnir ungeheuern fuß, unser dessen schwere Thôrr zu boden lag, von seinem vater ab und sagte, diesen riesen würde er mit der faust todtgeschlagen haben (Sn. 110) Nachtrag: Vom gotte heißt es: ῥηϊδίως ἐϑέλων. Od. 16, 198. ῥηϊδίον ϑεοῖσι. Od. 16, 211. von Circe: ῥεῖα παρεξελϑοῦσα. Od. 10, 573. Zeus vollbringt das schwerste: οὐδὲν ἀσϑμαίνων μένει. Aesch. Eumen. 651. nach Sn. formâli 12 hat der zwölfjährige Thor seine volle stärke erreicht und vermag 10 bärenhäute auf einmal aufzuheben. Wäinämöinen geht den tag nach seiner geburt zur schmiede und schmiedet sich ein pferd. Die gestalt der götter ist der menschlichen ähnlich (s.  86 ), nur ungeheurer und oft noch über das riesenhafte hinaus. als Ares durch Athenes steinwurf zu boden gefällt wird, deckt sein leib sieben hufen landes (ἑπτά δ' ἐπέσχε πέλεϑρα πεσών. Il. 21, 407), ein maß, das Od. 11, 575 überbietend auf den titanen Tityos anwendet. Here, feierlichen eid leistend, hält mit der einen hand die erde, mit der andern das meer gefaßt (Il. 14, 272); ein schrei aus Poseidons brust gestoßen erschallt als wenn neun oder zehntausend krieger gegeneinander kämpfen (Il. 14, 147), dasselbe gilt von dem brüllenden Ares (Il. 5, 859), Here begnügt sich mit Stentors stimme, die nur funfzig männern gleichkommt (Il. 5, 786). Hierzu lassen sich züge der edda halten, die vorzugsweise Thôrr angehn: er verzehrt auf der hochzeit einen ochsen, acht lachse und trinkt drei kufen meth (Sæm. 73 b ); ein andermal leert er durch ein horn, dessen ende in das meer reicht, einen guten theil desselben, hebt die das ganze erdreich umschließende schlange einen fuß in die höhe und schlägt mit seinem hammer drei tiefe thäler in das felsgebirge (Sn. 59. 60). Darin stimmt aber die deutsche mythologie zu der griechischen, daß sie ihren göttern niemals die ungestalt mehrfacher häupter , arme und füße beilegt; bloß einigen 268 helden und thieren werden sie verliehen, wie unter den griechischen riesen ἑκατόγχειρες erscheinen. Desto üblicher sind solche formen in der indischen und in der slavischen götterlehre, Wischnu wird vierarmig, Brahma vierhäuptig, Svantovit vierhäuptig, Porevit fünfhäuptig, Rugevit mit sieben gesichtern dargestellt. doch soll auch Hecate dreihäuptig, wie der römische Janus zweigesichtig, ein lacedämonischer Apollo vierarmig gewesen sein O. Müllers archaeol. s. 515. . Khuvera der indische gott des reichthums wird häßlich mit drei beinen und acht zähnen gebildet. Einzelnen nordischen göttern ist umgekehrt kein überfluß, sondern mangel an gliedern eigen: Ođinn einäugig, Tŷr einhändig, Höđr blind, vielleicht wurde auch Logi oder Loki lahm oder hinkend dargestellt, gleich Hefäst oder dem teufel. Nur Hel hat eine schreckende, schwarz und weiße gestalt, alle übrigen götter und göttinnen, Loki nicht ausgenommen, müssen in schöner, edler bildung gedacht werden Nachtrag: Got ist noch liehter denne der tac,             der antlitzes sich bewac (annahm)             nâch menschen antlitze . Parz. 119, 19. ein zeichen der indischen götter ist es, daß sie keinen schatten werfen, nicht mit den augen blinzen, schweben ohne die erde zu berühren, ohne staub und schweiß sind (ihre gewänder staublos) und ihre kränze nicht welken . Holtzmann 3, 13. 19 vgl. Bopps Nalus s. 31. selbst menschen, die in einen tempel des Zeus gehn, werfen keinen schatten. Meiners gesch. d. rel. 1, 427. Ođinn erscheint als mikli mađr, herđimikill fornm. sög. 2, 180. 181. gott hat einen bart . bien font a dieu barbe de fuerre . Méon 1, 310. faire barbe de paille à dieu. dict. comique 1, 86. 87. finn. gottes bart schauen , in seiner nähe sein. Kal. 27, 200. Vischnu heißt tschaturbhudscha, vierhändig. Bopps gloss. 118 a . Siva dreiäugig. ebenda s. 160. 161. auch Zeus wurde zuweilen mit drei augen dargestellt. Pausan. II. 24, 4. Artemis dreihäuptig. Athenaeus 2, 152. die deutsche mythologie kennt solche ungestalt der götter nicht, nur ein Conradus Driheuptel . MB. 29 b , 85 (a. 1254) kommt vor. Yama , der indische tod, ist schwarz und heißt kâla , niger. Bopps gloss. 71 b . Vischnu heißt in einer menschwerdung Krischna , ater, niger, violaceus, das Bopp 83 a zu tscherni stellt, so daß Tschernibog, der schwarze gott, dem Krischna entspräche. Von der schönheit der götter war schon s.  22 . die rede, die der göttinnen wird schon dadurch bezeugt, daß riesen und zwerge ihnen nachtrachten. þrymr will Freyja, þiassi Iđun. die zwerge fordern Freyjas höchste gunst. . Im homerischen epos ist diese auch von der griechischen kunst festgehaltene ideale menschengestalt für götter und zumal göttinnen durch ständige beinamen bezeichnet, welchen unsre minder ausgebildete poesie nur einige zur seite zu stellen hat, und doch wird die einstimmung bedeutsam. einzelne epitheta dienen abwechselnd für mehrere gottheiten, die meisten sind characteristisch auf bestimmte eingeschränkt. Here heißt λευκώλενος oder βοῶπις (jenes wird auch von Helena Il. 3, 121, dieses von einer Nereide gebraucht Il. 18, 40), Athene γλαυκῶπις oder φΰκομος (welches wiederum von Here gilt), Thetis ἀργυρόπεζα, Iris ἀελλόπος, ποδήνεμος, χρυσόπτερος, Eos ῥοδοδάκτυλος, Demeter ξανϑή Il. 5, 500 und καλλιπλόκαμος 14, 326, gerade wie Sif hârfögr (s.  257 ), was auf die gelbe farbe des wogenden getraides geht. und weil das meer dunkle wogen schlägt, führt Poseidon den namen κυανοχαίτης Il. 14, 390. 15, 174. 20, 144. auch Zeus könnte so heißen, oder κυανόφρυς (ein gegensatz zu Baldr brâhvîtr, s.  184 ), weil ihm ἀμβρόσιαι χαῖται zustehn (Il. 1, 528), haare und locken des Wunsches (s.  118 ) und weil er mit dunkeln brauen winkt. Dies gewährende winken oder nicken mit brauen (νεύειν, κατανεύειν κυανέησιν ἐπ' ὀφρύσι, II. 1, 527. 17, 209) oder haupt ist Zeus rechtes kennzeichen: κεφαλῆ κατανεύσομαι, ἀϑανάτοισι μέγιστον τέκμωρ, Il. 1, 524. aber durch zurückziehen des haupts schlägt er ab (ἀνανεύει). Thôrr wenn er unwillig zürnt, läßt die brauen über die augen fallen (sîga brŷnnar ofan fyrir augun) Sn. 50, macht finstere brauen und schüttelt den bart. unverkennbar wird beiden göttern, Zeus und Donar, dieselbe gebärde zugeschrieben, gnade oder zorn darzulegen. sie sind die finsterschauenden gottheiten, denen der rächende donner zu gebot steht, für Donar ist es s.  147 nachgewiesen, von Zeus gilt der graunvolle seitenblick (δεινὰ δ' ὑπόδρα ἰδών Il. 15, 13), er ist vor allen der μέγ' ὀχϑήσας (Il. 1, 517. 4, 30), und nach ihm Poseidon (Il. 8, 208. 15, 184), 269 der dunkelgelockte. den Zeus aber zeichnen die leuchtenden augen aus (τρέπεν ὄσσε φαεινώ Il. 13, 3. 7. 14, 236. 16, 645), wie sie sonst nur seiner mutigen tochter zustehn (Il. 21, 415), Aphrodite hat ὄμματα μαρμαίροντα (Il. 3, 397) Nachtrag: Numen , ursprünglich νεῦμα , nutus bedeutet den wink der gottheit und die gottheit selbst, wie denn nach Festus (ed. O. Müller) 173, 17 numen quasi nutus dei ac potestas dicitur. auch Athene winkt mit den brauen: ἐπ' ὀφύσι νεῦσε. Od. 16, 164. (frau Minne) diu winket mir nû, daz ich mit ir gê. Walth. 47, 10. über das fallen lassen der brauen hat Egilssaga s. 305. 306 eine merkwürdige stelle. les sorcils abessier. Aspr. 45 b . sa (si a) les sorcils levez. Pariser auszug s. 104. daß Thor seinen bart schüttelt, bezeugt auch Sæm. 70 a . Von zorn, haß und rache der götter war oben s.  15 . 16 die rede. sie rächen frevel, prahlerei, vermessenheit. den neid, φϑόνος der götter hat Lehrs in den Königsb. abh. IV. 1, 135 ff. besprochen. vgl. ϑέλγειν (s. anm. 836 ). τῶν τινος φϑονερῶν δαιμόνων μηχανὴ γέγονε. Procop. 2, 358. τῆς τύχης ὁ φϑόνος. Procop. 2, 178. ἐπήρεια δαίμονος bezeichnet die kränkende handlung des dämons. Lucian. pro lapsu in salut. 1. Loki ist schadenfroh gedacht, als er Balders tod veranlaßt. so hohnlacht der teufel. der tiuvel des lachet. Diut. 3, 52. smutz der tiuvel, welch ein rât! Helbl. 5, 89. des mac der tiuvel lachen. Helbl. 15, 448. vgl. das lachen der geister (s.  789 ). . Um das haupt griechischer gottheiten erscheint auf abbildungen ein strahlenkranz und nimbus O. Müllers archaeol. s. 481. , auf indogriechischen münzen pflegt der Mithras einen kreisförmigen nimbus mit spitzen strahlen zu zeigen gött. anz. 1838, 229. , andere darstellungen entbehren der strahlen. dem Mao (deus Lunus) steht hinter den schultern ein halbmond; auch Aesculap hatte strahlen ums haupt. Seit welchem jahrhundert wurde der heiligenschein , die aureola, um häupter der christlichen heiligen angenommen? man muß zugleich die kronen und binden der könige erwägen. Ammian. Marc. 16, 12 gedenkt des Chnodomarius, cujus vertici flammeus torulus aptabatur. N. Cap. 63 verdeutscht die honorati capitis radios des Sol auratus durch houbetskîmo , die abbildung des sonnenhauptes mit flammen ist höchst natürlich. altn. finde ich den ausdruck rôđa für caput radiatum sancti, ich glaube daß es das ahd. ruota ist, weil auch virga in den begrif von flagellum, radius, altn. geisli übergeht. Die vergleichung der götter mit strahlenden gestirnen muste zunächst auf solchen nimbus leiten, und blonde locken leuchten wie strahlen. Tac. Germ. 45 erwähnt bei der untergehenden sonne gerade die formas deorum und radios capitis . Um Thôrs haupt wurde, wenigstens späterhin, ein kranz von sternen angenommen (Stephanii not. ad Saxon. gramm. p. 139). aus Carl des großen mund soll, einer im Galien restoré erzählten sage nach, ein strahl gegangen sein, der sein haupt beleuchtete dieser strahl aus Carls munde gleicht dem, der in den mund seiner geliebten scheint und gold darin beleuchtet (s. cap.  XVI Menni). . Wichtiger scheint, daß unter den Prilwitzer bildern einzelne slavische götzen, namentlich Perun, Podaga, Nemis solche hauptstrahlen führen, auch bei Hagenow fig. 6. 12 findet sich ein bestrahlter kopf, ja die bestrahlte rune R, wo sie Radegast anzeigen soll. Drückten die strahlen ursprünglich den höchsten begrif göttlicher, leuchtender schönheit aus? im homerischen epos ist nichts was darauf hinwiese Nachtrag: Die radii capitis kommen an einem bild der not. dign. orient. s. 53 und s. 116 vor. Forcellini s. v. radiatus. ztschr. d. hess. ver. 3, 366. 367. ἀστραπήν εἶδεν ἐκλάμψασαν ἀπὸ τοῦ παιδός, nämlich Aesculaps, dessen vater Apollo war. Pausan. II. 26, 4. dô quam unser vrove zu ime und gotlîche schîne gingen ûz irme antlitze (aus Mariens). d. myst. 1, 219. . Zu jener sorgenfreiheit und dem leichten blut der götter gehört, daß sie froh sind und lachen . darum heißen sie blîđ regin (s.  22 ), wie man froh im sinn von gnädig auf götter und könige angewandt findet Andreas und Elene s. xxxvii . und der freude funken von göttern zu menschen getragen wird. fráuja klingt an froh (s.  174 ). teitir vâro ist Sæm. 2 a von den asen und dreckr glađr hinn gôđa miöđ 41 b von Heimdall gesagt. auch ›in svâso guđ‹ Sæm. 33 a , schließt sich an. dadurch gewinnen die s.  14 . 15 . beigebrachten stellen über 270 den frohen, wohlgemuten gott an wichtigkeit, es sind heidnische vorstellungen, die sich noch in der poesie verstecken. Wenn Zeus in göttlicher ruhe auf dem Olymp sitzt und zu den menschen niederschaut, wird er froh bewegt (ὁρόων φρένα τέρψομαι Il. 20, 23), das herz lacht ihm im leibe ἐγέλασσε δέ οἱ φίλον ἦτορ Il. 21, 389, das ist ganz das eddische hlô honum hugr î briosti, hlô Hlôrriđa hugr î briosti (Sæm. 74 b ), neue bestätigung gründlicher gemeinschaft zwischen Zeus und Thôrr. es wird aber auch auf helden angewandt: hlô þâ Atla hugr î briosti (Sæm. 238 b ), hlô þâ Brynhildr af öllum hug (Sæm. 220 a ). alts. hugi ward frômôd. Hel. 109, 7; ags. môd âhlôh. Andr. 454; noch im Rudlieb 2, 174. 203. 3, 17 wird dem redenden könig subridere beigelegt; Nib. 423, 2 von Brunhild: mit smielinden munde si über ahsel sah. im gedicht von Gid häufig: sonrisose de la boca und alegre era Helbl. 7, 518: diu wârheit des erlachet . . ϑυμὸς ἰάνϑη Il. 23, 600, vgl. ϑυμὸν ἴαινον, hymn. in Cer. 435. Here halb unmutig lacht mit lippen, nicht brauen: ἐγέλασσε χείλεσιν, οὐδὲ μέτωπον ἐπ' ὀφρύσι κυανέησιν ἰάνϑη· Il. 15, 102. Zeus aber blitze entsendend fühlt freude und heißt τερπικέραυνος Il. 2, 781. 8, 2. 773. 20, 144, wie Artemis ἰοχέαιρα 6, 428. 21, 480. Od. 11, 198, die pfeilfrohe. Über Hefästs hinken entspringt in der götterversammlung ἄσβεστος γέλως Il. 1, 599, helles lachen, aber sanftes lächeln (μειδᾶν) ist dem Zeus, der Here und Aphrodite eigen. Wie Aphrodites schönheit durch φιλομμειδής bezeichnet wird (Il. 4, 10. 5, 375), so Freyjas umgekehrt durch grâtfögr Nachtrag: Die homerischen götter sind sorgenfrei , αὐτοὶ δὲ τ' ἀκηδέες εἰσίν. Il. 24, 526. sie sind selig und heiter und freuen sich ihrer eignen herlichkeit. Zeus sitzt auf dem Olymp κυδεϊ γαίων, τερπικέραυνος , hinabschauend auf die dampfenden opfer der geretteten menschen. auch Ares und Briareus ist κύδεϊ γαίων, seiner kraft froh. gott fühlt keinen schmerz, εἴπερ ϑεὸς γάρ ἐστιν, οὐκ αἰσϑήσεται. Aristoph. frösche. 634. so heißt auch Gripir glađr konôngr. Sæm. 172 b . die götter lachen: γέλως δ' ἐπ' αὐτῶ τοῖς ϑεοῖς ἐκίνηϑη. Babr. 56, 5. risus Jovis = vernantis coeli temperies. Marc. Cap. (s. 632). subrisit crudele pater (Gradivus) cristisque micantem quassavit galeam. Claudian. in Eutrop. 2, 109. Callaecia risit floribus . Claudian. laus Serenae 71. quacunque per herbam reptares, fluxere rosae ibid. 89. riserunt floribus amnes. Claudian Fl. Mall. 273. vgl. das rosen lachen, ringe lachen und niesen. nicht nur Zeus, Here und Aphrodite, auch der Athene ist das μειδᾶν eigen. Od. 13, 287. . Ferner zu betrachten ist die art und weise, wie sich götter in bewegung setzen und den augen der sterblichen sichtbar werden. Wir finden ihnen gang und schritt beigelegt, nur einen viel mächtigeren, schnelleren. der gewöhnliche ausdruck ist βῆ, βῆ ἴμεν, βῆ ἰέναι (Il. 1, 44. 2, 14. 14, 188. 24, 347), βεβήκει (1, 221), ἔβη (14, 224), βάτην (5, 778), βήτην (14, 281), ποσὶ προβιβάς (13, 18), προσεβήσετο (2, 48. 14, 292), κατεβήσετο (13, 17), ἀπεβήσετο (2, 35) und in der edda gengr Sæm. 9 a , gêk 100 a gêngo 70 a 71 b gengêngo 1 a 5 a oder fôr 31 a 31 b 53 a 75 a , welches fara nichts anders als ire, proficisci ausdrückt, ja Ođinn hieß Gângrâđr oder Gângleri (Sæm. 32. Sn. 24) d. i. der wandernde (s.  260 ); ags. dichter verwenden gevât oder sîđôde von dem gen himmel zurückgehenden gott (Andr. 118. 225. 977. El. 94. 95). Wie gewaltig aber der göttergang von dem gewöhnlichen abweicht, lehrt Poseidons beispiel, der in drei schritten ungeheure fernen zurücklegt (Il. 13, 20) oder des indischen Wischnu, von dem in drei schritten erde, luft und himmel durchmessen werden. Aus solcher schnelle folgt sodann das plötzliche erscheinen und verschwinden der götter, unsre alte sprache mag sich dafür des ausdrucks hvaírban, ahd. huerban, ags. hveorfan (verti, ferri, rotari) bedient haben: hvearf him tô heofenum hâlig dryhten heißt es Cædm. 271 16, 8 und Ođinn hvarf þâ (verschwand da) Sæm. 47. Homer gebraucht, es zu bezeichnen, entweder das verbum ἀΐσσω (impetu feror) oder die adverbia καρπαλίμως (gleichsam ἁρπαλίμως, raptim) und κραιπνῶς (raptim). so wird ἀΐξασα auf Athene und Here bezogen (Od. 1, 102. Il. 2, 167. 4, 74. 19, 114. 22, 187) und καρπαλίμως erscheint Thetis, der traum, Athene, Here (Il. 1, 359. 2, 17. 168. 5, 868. 19, 115. Od. 2, 406),κραιπνά, κραιπνῶς Poseidon und Here (Il. 13, 18. 14, 292); selbst Zeus, wenn er sich vom thron erhebt auf die erde zu schauen, στῆ ἀναΐξας (Il. 15, 6). plötzlich stehen auch Holda und Berhta vor dem fenster (s.  227 ). nicht viel anders verstehe ich das Sæm. 53 a von Thôrr und Tŷr gebrauchte: fôro driugom (ibant tractim, raptim, ἐλκηδόν), denn driugr ist von driuga, goth. driugan = trahere, woher auch goth. draúhts, ahd. truht turba, agmen, altn. draugr larva, phantasma, ahd. gitroc fallacia, weil das gespenst schnell in der luft erscheint und verschwindet. es ist dies zugleich das rauschen und tosen, wodurch gang und herannahen des gottes bezeichnet sind, jener vôma und ômi, nach welchem Wuotan benannt war (s.  119 ). Die schnelligkeit niederfahrender götter wird sonst dem fallen des sternschnuppens, dem fluge des vogels verglichen (Il. 4, 75. 15, 93. 237), weshalb sie auch oft die gestalt eines vogels annehmen, wie Tharapita, der ossilische gott fliegt (s.  62 ). Athene entfliegt als ἅρπη (Il. 19, 350), als ὄρνις (Od. 1, 320) oder φήνη (Od. 3, 372), sitzt als schwalbe (ἔζετ' ἀναΐξασα) an des hauses μέλαϑρον (Od. 22, 239). Dies vertauschen menschlicher gestalt mit der eines vogels, wenn die götter weggehn und nicht länger ihr wunderbares wesen zu verbergen haben, stimmt genau zu Odins entfliegen als falk, nachdem er sich als Gestr mit Heiđreckr unterhalten und entzweit hatte: vîđbrast î vals lîki (fornald. sög. 1, 487), hat sich aber auch in manchen sagen vom teufel erhalten, der beim entfernen den leib eines rabens oder einer fliege annimmt (exit tanquam corvus, egressus est in muscae similitudine). Anderemal aber, und dieser zug ist noch schöner, lassen die götter den menschen, dem sie als seines gleichen erschienen waren weggehend und plötzlich ihres göttlichen wuchses gewahren, ferse, wade, nacken, schulter verrathen den gott. Als sich Poseidon entfernt, heißt es von Ajas (Il. 13, 71): ἴχνια γὰρ μετόπισϑε ποδῶν ἠδὲ κνημάων ῥεῖ' ἔγνων ἀπιόντος · ἀρίγνωτοι δὲ ϑεοί περ. von Venus und Aeneas bei Virgil 1, 402: dixit, et avertens rosea cervice refulsit et vera incessu patuit dea. ille ubi matrem agnovit, tali fugientem est voce secutus. so erkennt Alexander (Il. 3, 396)                               ϑεᾶς περικαλλέα δειρήν, στήϑεά ϑ' ἱμερόεντα καὶ ὄμματα μαρμαίροντα· und in altn. sage erblickt Hallbiörn aus dem schlaf erwachend die schulter einer schwindenden traumerscheinung; þykist siâ â herđar honum (fornm. sög. 3, 103), wie es auch in Olafs des heil. 272 sage cap. 199 (ed. holm.) heißt, wo fornm. sög. 5, 38 steht: siâ svip mannsins er â brutt gekk; vgl. os humerosque deo similis (Aen. 1, 589). auch das haftet in unsern teufelsgeschichten, bei des bösen feindes abgang wird plötzlich sein pferdefuß sichtbar, die ἴχνια des alten gottes. Wie jener incessus Venus kenntlich machte, so wird Heres und Athenes gang (ἴϑμα) dem scheuer tauben verglichen (Il. 5, 778). das schweben der götter durch ungemeßne weiten muste aber überhaupt wie ein flug erscheinen, zumal ihrem verschwinden ausdrücklich die annahme der vogelgestalt untergelegt wurde. Daher begreift sich von selbst, warum zwei einzelnen gottheiten, Hermes und Athene, eigenthümliche sohlen (πέδιλα) beigelegt sind, durch deren schwungkraft sie windschnell über wasser und land getragen werden (Il. 24, 341. Od. 1, 97. 5, 45); es heißt ausdrücklich, daß Hermes damit geflogen sei (πέτετο Il. 24, 345. Od. 5, 49) und die bildende kunst stellt sie als flügelschuhe dar, wie sie dem Hermes späterhin auch kopfflügel verlieh O. Müllers archaeol. s. 559. . Diese flügelsohlen dürfen also mit vollem fug dem federhemd (fiađrhamr) an die seite gesetzt werden, das Freyja besaß und auf Thôrs bitte dem Loki zum flug nach Iötunheim leihen muste (Sæm. 70 a. b ); wie aber Freyja und Frigg sonst verwechselt werden (s.  251 ), so erzählen andere sagen, daß Loki mit dem valsham Friggjar ausgeflogen sei (Sn. 113). auf diese falken oder schwanenhemder werde ich noch bei anderm anlaß zurückkommen, ihre einstimmung zu den griech. pedilen (fesseln) ist unverkennbar, und da hier Loki von den göttern zu den riesen als bote gesandt wird, berührt er sich sogar mit Hermes, wie Freyjas federhemd an Athenes sohlen gemahnt. Sn. 132. 137. Loki âtti skûa, er hann rann â lopt ok lög . Leicht geschah, daß dem mythus das anlegen des hamr und der sohle in die annahme wirklicher vogelgestalt übergieng, Geirröđr fängt jenen fliegenden Loki als leiblichen vogel (Sn. 113) und Athene entfliegt als schwalbe Nachtrag: Für das sichtbar werden der götter hat Homer einen bestimmten ausdruck: χαλεποὶ δὲ ϑεοὶ φαίνεσϑαι ἐναργεῖς . Il. 20, 131. ϑεοὶ ϑαίνονται ἐναργεῖς . Od. 7, 201. 16, 161. ἐναργὴς ἦλϑε. Od. 3 , 420. auch Lucian. Sat. 10: ἐναργὴς συγγενόμενος. götter können erscheinen oder verschwinden wie sie wollen , ohne äußeres mittel, zwerge und menschen brauchen zum unsichtbar werden den tarnhut oder ein wunderkraut. niemand sieht sie wider ihren willen. τίς ἂν ϑεὸν οὐκ ἐϑέλοντα ὀφϑαλμοῖσιν ἴδοιτ' ἢ ἔνϑ', ἢ ἔνϑα κιόντα; Od. 10, 573. wie der gott in der ferne hört : κλύει δὲ καὶ πρόσωϑεν ὢν ϑεός. Aesch. Eum. 287. 375 und got und sîn muoter sehent vom himel dur die steine. MS. 2, 12 a , so dringen götter und geister in bewachte, verschlossene gemächer unbemerkt und ungehindert ein. Holtzmann 3, 11. 98. frau Venus geht durch ganze mûren (s.  377 ). vgl. die Minne, die durch der kemenâten ganze want zuführt. Frib. Trist. 796. Thomas geht durch beschlossene thür. pass. 248, 26. 27. Athenes botin εἰσῆλϑε παρὰ κλῆιδος ἱμάντα. Od. 4, 802. παρὰ κληῖδα λιάσϑη. Od. 4, 838. Loki schlüpft durch die bora . Sn. 356. auch teufel und hexen gelangen durch das schlüsselloch ins zimmer. Beispiele des verschwindens s.  794 , des plötzlichen erscheinens s.  331 . Ođin, Höner, Loki im färöischen liede angerufen erscheinen augenblicklich und hilfreich. Das plötzliche erscheinen wird altn. nicht nur durch das verbum hverfa : þâ hvarf Fiölnir. Völsungas. cap. 17, sondern auch durch das substantiv svipr subita apparentia. fornald. sög. 1, 402. Sæm. 157 a ausgedrückt. der engel von himele sleif . Servat. 399. dô sih der rouh ûf bouch, der engel al damit flouch. Maria 158, 2. er fuor in die lüfte hin, die wolken in bedacten. urstende 116, 75. vgl. rîđa lopt ok lög. s.  895 . der menschlîch schîn nicht bleib lang, er fuor dahin . Ls. 3, 263. Homer gebraucht ἀναΐσσειν auch von Ares und Aphrodite, ἀναΐξαντε Od. 8, 361 und neben καρπαλίμως und κραιπνά auch αἶψα . Il. 7, 272. wenn Ovid. met. 2, 785 von Minerva sagt: haud plura locuta fugit et impressa tellurem repulit hasta, so bezeichnet das heften des speers in den boden die leichtigkeit des sich erhebens. windschnell erscheinen die götter. ἡ δ' ἀνέμου ὡς πνοιὴ ἐπέσσυτο Od. 6, 20 (von Athene). sic effata rapit coeli per inania cursum diva potens unoque Padum translapsa volatu castra sui rectoris adit. Claudian. in Eutr. 1, 375. geflügelt erscheint Eros . Athenaeus 5, 29. geflügelte engel, pennati pueri (s.  418 ). Vischnu fährt auf Garuda. Bopps gloss. 102 a . Indra und Dharma erscheinen als geier und taube. Somadeva 1, 70. Holtzm. ind. sag. 1, 81. Athene, die Od. 13, 222 die gestalt eines jünglings, darauf 13, 288 eines mädchens annimmt, erscheint am liebsten als vogel. ὄρνις δ'ὣς ἀνοπαῖς διέπτατο Od. 1, 320 (dunkle stelle). sie und Apollo setzen sich zusammen auf die buche und schauen froh den menschen als geier zu. Il. 7, 58. wie sie als schwalbe auf dem rauchbalken unter den kämpfenden sitzt und von da (ὑψόϑεν ἐξ ὀροφῆς) die aegis hebt. Od. 22, 297, so sitzt auch Louhi als lerche am fenster der schmiede. (s. anm. 850 ). auch der adler im traum ἔξετ' ἐπὶ προύχοντι μελάϑρω Od. 19, 544. vgl. den geier, der kaum genannt zur thür hereinschaut. Meinert Kuhl. 165. Bellona entfliegt als vogel . Claudian. in Eutr. 2, 230, Gestr d. i. Ođin als valr und wird in den schwanz gehauen. fornald. sög. 1, 487. 488. Athene στῆ δὲ κατ' ἀντίϑυρον κλισίης . Od. 16, 159. si mache sich schoen und gê herfür als ein götinne zuo der tür . Renner 12227. die gottheit erscheint dicht vor den füßen . Pind. Ol. 1, 119. die gestalt der unerkannten göttin reicht , als sie in die thüre tritt, bis oben an das gebälk , (μελάϑρου κῦρε κάρη). daran wird sie plötzlich erkannt. hymn. in Aphrod. 174. in Cererem 189. einem erscheint im traum der geist einer frau: sîđan hvarf hun â brott. Olafr vaknađi ok þôttist siâ svip konunnar. Laxd. 122. sîđan vaknađi Heđinn ok sâ svipinn af Göndul. fornald. sög. 1, 402. vgl. svipr einn var þar. Sæm. 157 a . Duft und glanz verbreiten sich von der gottheit. Schimmelpfeng 100. 101. hymn. in Cererem 276–281 (s. anm. 814 ), wolgeruch erfüllt des Zeus haus. Athenaeus 3, 503. ähnlich erfüllt bei den Hebräern eine wolke das haus des herrn. 1 Kön. 8, 10, ein nebel. 2 chron. 5, 13, die herrlichkeit des herrn erfüllt das haus. 1 Kön. 8, 11. comarum gratus odor (der Venus). Claudian. de nupt. odor suavitatis herscht im himmel, der wie speise nährt. Greg. tur. 7, 1. so geht von den leichen der heiligen lieblicher geruch aus z. b. Servatius (s.  687 ). vgl. die unter dem fußtritt der götter sprießenden blumen (s.  274 ). götter lassen spuren ihrer hände und füße im harten stein zurück, ja die hufe ihrer rosse (s. anm. 1701 ). götter erscheinen in menschlicher gestalt und verhüllung , Ođin oft als einäugiger greis, bettler, bauer, dem Hrolf als Hrani bôndi (Hrani auch ein heldenname in Hervararsaga, bei Saxo Rani). . Die mächtigen götter hätten sich ohne flügel und sohlen allenthalben hin in bewegung gesetzt, dem naiven alterthum war es damit nicht genug: weil das menschliche geschlecht wagen und pferde brauchte, können ihrer auch die götter nicht entrathen; hierbei läßt sich ein merkbarer unterschied zwischen griechischer und deutscher mythologie aufdecken. Allen hohen griechischen gottheiten wird ein wagengespann zugeschrieben, wie auch könige und helden von wagen in der schlacht kämpfen. des donnergottes ὄχημα war schon durch die naturerscheinung selbst nahe gelegt und von höchstem alter muß auch die vorstellung des sonnenwagens sein, welchen Helios lenkt. Heres wagen, wie sie die rosse daran schirrt, ihn mit Athene besteigt und lenkt, schildert Il. 5, 720–776 prächtig; ebenso werden Demeter und Kora zu wagen sitzend vorgestellt. Hermes fährt, 273 gleich dem nord. Thôrr, mit widdern O. Müllers archaeol. p. 563. . auch die Okeaniden erscheinen im wagen (Aeschyl. Prom. 135). Niemals aber werden Zeus, Apollo, Hermes oder die übrigen ältesten götter zu pferde reitend gedacht, erst Dionysos, der einer andern ordnung angehört, reitet auf einem panther, wie Silen auf dem esel, und göttlichen helden, wie Perseus, Theseus, vor allen den Dioskuren sind rosse verliehen. Okeanus reitet auf einem geflügelten ros (Prom. 395). der anmerkung werth scheint, daß die neugriech. sage sogar den Charon reitend vorstellt. In der deutschen mythologie ist das reiten der götter viel allgemeiner. nach dem Merseburger liede reiten Wuotan und Phol zu walde, was sehr wohl mit dem ausdrucke faran besteht; denn es ist weder annehmbar, daß Wuotan zu wagen gefahren, Balder geritten, noch daß Balder auf einspännigem wagen gefahren sei. noch von Hartmann v. Aue wird gott reitend gedacht (s.  15 ). In der edda reiten Ođinn, der sich selbst seinen Sleipnir sattelt (Sæm. 93 a ), Baldr, Hermôđr; Sæm. 44 a und Sn. 18 sind noch zehn andere rosse genannt, auf welchen die Asen täglich zu gericht reiten, darunter ist Gulltoppr Heimdalls (Sn. 30. 66), der übrigen eigner lassen sich nicht nachweisen, weil aber der Asen zwölf waren, und nur eilf pferde angegeben sind, folgt, daß jeder beritten war, Thôrr ausgenommen, der allzeit fahrend oder gehend aufgeführt ist (s.  138 ) und den erbeuteten Gullfaxi Hrungnirs seinem sohne Magni schenkt (Sn. 110). Ođins pferd setzt über sieben ellen hohen zaun (fornm. sög. 10, 56. 175). Selbst göttliche frauen bedienen sich der pferde, die valkyrien reiten durch luft und wasser, gleich Ođinn (Sn. 107), Freyja und Hyndla auf eber und wolf (Sæm. 113 b ), wie zauberinnen und hexen auf wolf, bock und katze reitend vorgestellt werden. der Nacht wurde ein pferd Hrîmfaxi, wie dem Tag Skînfaxi beigelegt. Daneben geschieht freilich auch der wagen meldung, zumal für göttinnen (s.  88 ). der Nerthus heiliger wagen war mit kühen, der Freyja mit katzen bespannt, Holda und Berhta erscheinen gewöhnlich auf wagen fahrend, die sie herstellen lassen, noch in unsern kindermärchen nahen die feen auf wagen durch die luft, und Brynhildr fährt im wagen zur unterwelt (Sæm. 227). Des gothischen götterbilds auf einem wagen ist s.  88 gedacht, unter den göttern wird ausdrücklich Freyr im wagen fahrend dargestellt und Thôrs wagen war mit böcken bespannt, über Wuotans wagen ist s.  125 zu vergleichen Nachtrag: Die indischen gottheiten fahren auf wagen wie die griechischen, so Indra, Agni, Varuna u. s. w. Nalus s. 15. 16. am wagen des ind. tagsgottes Sûryas sind sieben rosse. Kuhn rec. d. Rigv. 99. 100. Râtri nacht, Usa aurora fahren mit kühen. Plat. Phaedr. 246. 247 spricht von den ἵπποι καὶ ἡνίοχοι ϑεῶν und ϑεῶν ὀχήματα . 246 Ζεύς ἐλαύνων πτηνὸν ἅρμα . der Selene wird zugerufen: ποτ' ὠκεανὸν τρέπε πώλους . Theocr. 2, 163. ἀστέρες, εὐκήλοιο κατ' ἄντυγα Νυκτὸς ὀπαδοί. 2, 166. die deutschen götter fahren zuweilen auf sternenwagen, oder die sterne selber fahren auf wagen s.  125 und 603 . vgl. auch die wagenumzüge s.  280 . auch die sonne fährt auf wagen: Sôl varp hendi inni hoegri um himiniódŷr. Sæm. 1 b . wer ist Vagnarunni Egillss. 610, Ođin oder Thor? aber das reiten überwiegt. dagegen Loki sagt der Frigg: ec þvî rêđ, er þû rîđa sêrat sîđan Baldr at sölum . Sæm. 63 b . sogar die thiere in der thierfabel reiten z. b. Renart 10277. 10280. 10460. 10920. . Erwägt man, daß auch den ältesten königen, vorzüglich den fränkischen, wagen gebühren und ihres reitens zu pferde nicht erwähnt wird; so scheint den göttern ursprünglich nur das wagengespann angemessen und ihr ausreiten erst allmählig in der roheren vorstellung späterer zeiten eingeführt. von helden wurde es auf götter übertragen, es muß gleichwohl frühe genug geschehen 274 sein, da man der sage von Sleipnir und Balders rosse oder fohlen bedeutendes alter zutrauen darf. Auch die Slaven legten ihrem gotte Svantovit wesentlich ein reitros bei. Einzelne gottheiten bedienten sich des schifs , wie die sagen von der Isis und Athene schif und von Freys Skîđblađnir, dem besten aller schiffe (Sæm. 45 b ), zeigen. Wie sich aber die götter auf der erde, durch die luft und im wasser bewegen mochten, ihr gang und schritt, ihr reiten und fahren pflegt als so heftig dargestellt zu werden, daß ein lautes geräusch dadurch verursacht und der schall der elemente daraus erklärt wird, Zeus oder Thôrs fahren erregt den donner in den wolken, unter Poseidons füßen zittern gebirge und wälder (Il. 13, 18); als sich Apollon niederläßt von des Olympos gipfeln, erklingen ihm pfeile und bogen auf der schulter (Il. 1, 44), δεινὴ δὲ κλαγγὴ γένετ' ἀργυρέοιο βιοῖο (1, 49). Dieser aufregung der natur gedenken ebenso die eddischen lieder, in den ags. und ahd. denkmälern haben sich bei dem untergang der heidnischen vorstellungen keine überreste davon erhalten: framm reiđ Ođinn, foldvegr dundi (Sæm. 94 a ); biörg brotnođo, brann iörđ loga, ôk Ođins son (73 a ); flô Loki, fiađrhamr dundi (70 a 71 a ); iörd bifaz, enn allir for sciâlfa garđar Gymis (als Skirnir geritten kam, 83 a ). Der zorn und das zucken gebundner götter brachte gleich schauerliche wirkungen hervor (s.  203 ). Auf der andern seite werden auch freudige und segensreiche naturerfolge aus dem unmittelbaren einfluß der götter geleitet. Wo ihre füße wandelten, sprießen blumen, auf der stelle, wo Zeus Here in seine arme schloß, grünten dichte kräuter und gewächse, glänzender thau trof nieder (Il. 14, 346–351). so schüttelten, wenn valkyrien durch die luft ritten, ihrer rosse mähnen fruchtbaren thau in tiefe thäler herab (Sæm. 145 b ) oder er fällt allnächtlich aus Hrîmfaxis gebisse (Sæm. 32 b ) Nachtrag: Als Athene sich zu Diomedes auf den streitwagen setzt, dröhnt die achse von der schwere: δεινὴν γὰρ ἄγεν ϑεὸν ἄνδρα τ' ἄριστον. Il. 5, 888 [recte 839]. wenn Ceres das haupt bewegt, schüttert das getraide auf dem felde: annuit his capitisque sui pulcherrima motu concussit gravidis oneratos messibus agros. Ovid. met. 8, 780. . Davon findet sich kaum eine spur in unsrer mythologie, was in der griechischen so oft vorkommt, daß die götter, um unbemerkt zu bleiben, einen nebel über sich und ihre schützlinge, die des feindes augen entzogen werden sollen, ausgießen (Il. 3, 381. 5, 776. 18, 205. 21, 549. 597). es heißt ἠέρι καλύπτειν, ἠέρα χεῖν, ἀχλὺν, νέφος στέφειν und im gegensatz ἀχλὺν σκεδάζειν, den nebel zerstreuen, verjagen. Man müste denn wieder anschlagen, daß jene valkyrien, die gleich den serbischen vilen, geliebte helden im kampfe hegen und schirmen, wolken und hagel in der luft hervorbringen konnten, oder die tarnkappen und helidhelme hinzuhalten, deren wirkung dem nebel gleich kam. Übrigens ergreifen, wie die griechischen götter vor Ilion, auch die nordischen partei für oder gegen einzelne helden. in der schlacht von Brâvîk mengte sich Ođinn unter die streiter und nahm die gestalt eines wagenführers Brûni an (Saxo gramm. p. 146. fornald. sög. 1, 380). nach Grimnismâl war Geirröđr schützling (fôstri) Ođins, Agnarr der Frigg, und beide götter rathschlagten zusammen über sie 275 (Sæm. 39); Völs. saga cap. 42 gibt Ođinn an, wie Ionakrs söhne zu tödten seien. Auch die griechischen götter pflegten, wenn sie rathend oder schützend nahe traten, in der gestalt eines menschlichen kriegers, herolds oder greises aufzutreten, oder sich nur ihrem helden selbst, nicht den übrigen zu erkennen zu geben. sie stehen dann vor , bei oder hinter ihm (παρά Il. 2, 279. ἐγγύϑι Od. 1, 120. ἀγχοῦ Il. 2, 172. 3, 129. 4, 92. 5, 123. πρόσϑεν 4, 129. ὄπιϑεν 1, 197); Athene leitet an der hand durch die schlacht und wehrt pfeile ab (4, 542); dem Achill wirft sie die furchtbare aegis um (18, 204); Aphrodite schützt Aeneas durch ihren vorgehaltnen schleier (5, 315); andere helden werden mitten aus dem kampf durch schirmende götter entrückt (s.  266 ). Venus wird nur dem Hippomenes sichtbar. Ovid. met. 10, 650. Bald erscheinen sie traulich (Od. 7, 201 ff.) bald schreckend: χαλεποὶ δὲ ϑεοὶ φαίνεσϑαι ἐναργεῖς (Il. 20, 131) Nachtrag: In nebel oder wolken erscheinen die götter. der herr erscheint dem Moses in einer wolkenseule. 5 Mos. 31, 15. diva dimovit nebulam juvenique apparuit ingens . Claudianus in Eutrop. 1, 390. (Tritonia) cava circumdata nube . Ov. met. 5, 251. so kommt die merminne: mit eime dunste , als ein wint. Lanz. 181 und in der sage von Fosete entschwindet der gott in einer caligo tenebrosa (Pertz 2, 410). eine wolke läßt sich nieder und der engel tritt aus ihr. Girard de Viane s. 153. Von göttern und dämonen gilt ϑέλγειν , blenden, teuschen, triegen (vgl. s.  384 von elben und anm. 822 ). ἀλλά με δαίμων ϑέλγει . Od. 16, 195. von Hermes: ἀνδρῶν ὄμματα ϑέλγει . Il. 24, 343. Od. 5, 47. 24, 3. von Poseidon: ϑέλξας ὄσσε φαεινὰ. Il. 13, 435. von Athene: τοὺς δὲ Παλλὰς Ἀϑηναίη ϑέλξει καὶ μητίετα Ζεύς. Od. 16, 298. ϑεὰ . . ϑέλγει . Od. 1, 57. aber auch von Circe und den Sirenen. Passow s. v. ϑέλγω. Here hält die hand über ihren schützling, ὑπερχειρία. Paus. III. 13, 6. die erscheinende gottheit faßt am haar: στῆ δ' ὄπιϑεν, ξανϑῆς δὲ κόμης ἕλε Πηλείωνα. Il. 1, 197 oder am ohr: Κρόνος . . . προσελϑὼν ὄπισϑεν καὶ τοῦ ωτός μου λαβόμενος. Lucian. Saturn. 11. . Il. 14, 286 ff. wird erzählt, wie Ὕπνος als singvogel auf den ästen einer tanne des Idagebirgs sitzend den höchsten aller götter überwältigt, andere stellen zeigen, daß die götter jede nacht in ihr bette giengen und gleich den menschen der gabe des schlafs theilhaft wurden (Il. 1, 609. 2, 2. 24, 677). Noch weniger kann bezweifelt werden, daß auch die nordischen götter nächtlich schliefen, Thôrr auf seinen reisen sucht das nachtlager (Sn. 50); nur vom Heimdall heißt es, daß er weniger schlaf als ein vogel bedürfe (Sn. 30). Auch aus dieser gewalt des schlafs folgt wieder die vorhin behauptete des todes über die götter, der Tod galt für des Schlafes bruder. Außerdem erlagen die götter den krankheiten . Freyr war von liebe siech und seine große hugsôtt erregte das mitleid aller götter. Ođinn, Niörđr, Freyr erliegen nach Yngl. 10. 11. 12. krankheiten (sôttdauđir). Aphrodite und Ares empfangen wunden (Il. 5, 330. 858), die aber schnell geheilt werden. Merkwürdig ist eine sage von dem lieben gott, der erkrankt, um sich herzustellen aus dem himmel zur erde herabsteigt und nach Arras kommt; da werden sänger und gaukler entboten ihn zu erheitern, und einer weiß es so geschickt zu machen, daß gott in lachen ausbrechend von aller krankheit sich genesen fühlt de la venue de dieu à Arras. in Jubinal nouveau recueil de contes 2, 377. 378. . das kann uralt sein, denn nicht anders werden im kindermärchen kranke königstöchter durch bettler und spielleute, in der edda die über den tod ihres vaters trauernde göttin Skađi durch Lokis gaukelkünste zum lachen gebracht (Sn. 82). Jambe erheiterte die traurige Demeter und bewegte sie, πολλὰ παρασκώπτουσα, μειδῆσαι γελάσαι τε, καὶ ἵλαον σχεῖν ϑυμόν (hymn. in Cer. 203) Nachtrag: Nach dem griechischen glauben schlafen die götter. Athenaeus 2, 470; doch skr. deus = liber a somno . Bopps gl. 26 a . ein kranker gott, der vom weihrauchopfer gesund wird, kommt auch im walach. märchen s. 228 vor, und andrerseits sind die götter dem spiel und scherz hold: φιλοπαίγμονες γὰρ καὶ οἱ ϑεοί . Plato Cret. ed. bip. 3, 276. der götter pauken erschallen vom himmel und blumen regnen. Nalus s. 181. 238 (vgl. ahd. der himmel hängt voll geigen). möcht es doch gott im himmel gelüsten (die musik zu hören). Melander 2, no. 449. got mohte wol lachen (über tatermenlin) Renn. 11526. dazu vergl. man die folgenden auf menschen ausgeübten wirkungen: als Salome erkrankt ist, kommen aus ›Kriechen, zwêne spilman , die konden generen die siechen mit irem senften spil' des konden si gar vil‹. Morolf. 1625. da hab ich meine geige bei mir, mit der mach ich kranke gesund und das regenwetter frölich. Göthe 11, 11. schellenklang benimmt sorge. Trist. 398, 24. 39. 411, 9. vogelsang erfreut den tôtriuwesaere. Iwein. 610. gesang von Aucassin heilt schwere krankheit. Méon 1, 380. zu der erheiterung der trauernden Skađi und Demeter halte man Wigal. 8475: sehs videlaere, die wolden im sîne swaere mit ir videlen vertrîben, und Creuzers symb. 4, 466. Athenaeus 5, 334. es war litt. sitte, die braut zum lachen zu bringen. Nesselm. s. v. prajůkinu. n. preuß. prov. bl. 4, 312. eine königstochter, der eine gräte im halse steckt, wird zum lachen gebracht. Méon 3, 1 ff. Die götter spenden gern lohn, sie sind datores, largitores, wie zumal Gibika (s. 114). vgl. borggeba (s. anm. 702 ) ôtigeba (s. 741) sie heißen ârgefnar, ölgefnar , annonae, cerevisiae largitores. Höstlöng II, 2. 11. (Thorlac. sp. 6, 34. 42. 50. 68). . Vor allem wichtig sind zusammentreffende nachrichten unseres und des griechischen alterthums über die sprache der götter. stellen der Ilias und der Odyssee sondern nemlich bei einzelnen namen göttliche und menschliche zunge: 276 ὃν Βριάρεων καλέουσι ϑεοί, ἄνδρες δέ τε πάντες Αἰγαίων'.   Il. 1, 403. τὴν ἦτοι ἄνδρες Βατίειαν κικλήσκουσιν, ἀϑάνατοι δέ τε σῆμα πολυσκάρϑμοιο Μυρίνης.   2, 813. χαλκίδα κικλήσκουσι ϑεοί, ἄνδρες δε κύμινδιν.   14, 291. ὅν Ξάνϑον καλέουσι ϑεοί, ἄνδρες δὲ Σκάμανδρον.   20, 74 vielleicht ist auch αἰετός und περκνός hinzuzunehmen aus 24, 316, nicht die bloße ἐπίκλησις in 7, 138. 18, 487 (Od. 5, 273). 22, 29. 22, 506. obschon in der letzten stelle dem Ἀστυάναξ gerade Σκαμάνδριος (6, 402) zur seite steht, wie dem Ξάνϑος Σκάμανδρος. . μῶλυ δέ μιν καλέουσι ϑεοί.   Od. 10, 305. ein ganzes lied der edda, Alvismâl, legt es darauf an, nicht bloß die sprache der götter und menschen, sondern auch der Vanen, elbe, zwerge, riesen und unterirdischen, nicht sowol in einigen eigennamen und seltnen wörtern, als vielmehr in einer reihe der geläufigsten begriffe zu vergleichen. dabei fällt schon auf, daß zwar gođ und æsir gleichbedeutend genommen, dagegen gođ und ginregin geschieden werden. überhaupt sind in 13 strophen 78 ausdrücke angegeben, erwägt man sie, so zeigt sich bald, daß ihre abweichung aus dem umfang der deutschen sprache selbst entspringt, unmöglich von überbleibseln und einflüßen etwa finnischer, celtischer und slavischer sprachen hergeleitet werden kann. es sind gleichbedeutige oder dichterische benennungen, die sich nach maßgabe der alliteration unter sechs oder acht redende classen vertheilen, ohne daß dabei irgend analogien des einartigen, prosaischen und poetischen vorwalten. ich will es an dem beispiel der wolkennamen erläutern, die strophe lautet: scŷ heitir međ mönnom en scûrvân međ gođom, kalla vindflot Vanir, ûrvân iötnar, âlfar veđrmegin kalla î heljo hiâlm huliz. hier ist alles deutsch und noch lange nicht der vorrath unsrer zunge erschöpft, geschweige irgend etwas einer fremden entnommen. den einzigen einfachen ausdruck liefert skŷ, der noch bis auf heute in den nordischen dialecten gilt und sich mit skuggi umbra, ags. scuva, scua, ahd. scuwo berührt. das übrige sind lauter verständliche passende umschreibungen. scûrvân pluviae exspectatio von skûr imber, nhd. schauer, ûrvân ganz dasselbe, von ûr pluvia, wozu man den begrif des sanskr. abhra nubes, d. i. aquam gerens Bopp gloss. sanskr. 16 a 209 a . halte. vindflot scheint navigium venti, weil die winde auf den wolken durch die luft schiffen. veđrmegin ist genau das umgestellte ahd. maganwetar, turbo, endlich hiâlmrhuliz das sonst gebräuchliche hulizhiâlmr, alts. helithhelm, d. h. tarnhelm, grîma, larve, gleich nebel und wolke einhüllend. ohne zweifel hätte außer diesen sechs benennungen die deutsche sprache noch manche andere für den begrif von nubes dargeboten, z. b. nifl, ahd. nebal, lat. nebula, gr. νεφέλη; goth. milhma, schwed. moln, dän. mulm; 277 sanskr. mêgha, gr. ὁμίχλη, ὀμίχλη, slav. megla; ahd. wolchan, ags. volcen, das sich zum slav. oblak wie miluk, milch zu slav. mleko verhält; altn. þoka nebula, dän. taage; mnl. swerk nubes, alts. gisuerc caligo, nimbus, ags. hođma nubes Beov. 4911. Auf gleiche weise steht es um die zwölf übrigen, in Alvismâl angeschlagnen vorstellungen. da wo einfache wörter, wie sôl und sunna, mâni und skîn, iörđ und fold neben einander genannt sind, darf versucht werden, sie auf verschiedne mundarten zu beziehen; bei den umschreibungen aber ist an sich kein grund (die mythologie müste ihn erst an hand geben), sie vorzugsweise göttern oder menschen, riesen oder zwergen beizulegen. das ganze gedicht führt uns eine willkommne reihe schöner synonyme vor, doch über urverhältnisse unsrer sprache gewährt es keinen aufschluß. Jenen unterschied griechischer wörter nach götter und menschensprache zu begreifen, hat sich schon Plato im Cratylus abgemüht. daß eigennamen abweichen, wie Βριάρεως und Αἰγαίων gemahnt an die doppelformen Hlêr und Oegir (s.  199 ), Ymir und Örgelmir, welche letztere Sn. 6 den Hrîmþursen zuschreibt; nach Sæm. 89 a scheint Iđunn ein elbisches wort, doch nur unter diesem namen kennen wir die göttin. Auch Xanthus und Skamander, Batieia und Myrina mochten dialectisch dasselbe ausdrücken. anziehender sind die beiden vögelnamen χαλκίς und κύμινδις, (vgl. Plin. 10, 10) αἰετός und περκνός neben einander. χαλκίς soll einen raubvogel, habicht oder eule bedeuten, dawider sträubt sich das ὄρνις λιγυρά, und daß der mythus einen süß und metallisch in schlaf singenden vogel, gleich der nachtigall, fordert. περκνός ist dunkelfärbig, was zum adler stimmt, an des donnergottes Perkun vogel zu denken, wäre gewagt. dichterische umschreibungen finden sich in diesen griechischen wörtern keine. Das scheint uns hier das wichtigste, daß griechischer und deutscher volksglaube verdunkelte oder von der üblichen benennung abstehende wörter einstimmig zurückleiten auf einen unterschied göttlicher und menschlicher sprache. die griech. scholiasten nehmen an, der mit den musen verkehrende dichter sei in die göttlichen wörter eingeweiht ὧς μουσοτραφὴς καὶ τάς παρὰ ϑεοῖς ἐπίσταται λέξεις, οἶδε τὴν τῶν ϑεῶν διάλεκτον, οἶδε τὰ τῶν ϑεῶν (ὀνόματα), ὡς ὑπὸ μουσῶν καταπνεόμενος. ϑέλων ὁ ποιητὴς δεῖξαι ὅτι μουσόληπτός ἐστιν, οὐ μόνον τὰ τῶν ἀνϑρώπων ὀνόματα ἐπαγγέλλεται εἰδέναι, ἀλλ' ὥσπερ καὶ οἱ ϑεοὶ λέγουσι. , und wo er zweierlei benennung finde, lege er die bessere, wolklingendere, ältere (τὸ κρεῖττον, εὔφρωνον, προγενέστερον ὄνομα) den göttern, die geringere, spätere (τὸ ἔλαττον, μεταγενέστερον) den menschen bei. aber die vier oder fünf homerischen beispiele entscheiden noch weniger als die zahlreicheren des nordischen lieds. Offenbar stand die ansicht fest, daß die götter, zwar eines und desselben volks mit den sterblichen, an alterthum und würde den lebenden menschen so voraus seien, daß sie sich noch mancher seitdem verschollenen oder 278 veränderten wörter bedienten. wie das geschlecht der königsahnen auf göttlichen stamm zurückgeführt wurde, ließ man auch die göttersprache eines schlags mit der menschlichen sein, nur daß in richtigem gefühl einzelne edlere unter den menschen allmälich verschwundne wörter jener überwiesen blieben. Alvismâl geht, wie gesagt, weiter, indem es zugleich noch andern wesen, außer den göttern, bestimmte wörter vorbehält; was ich s.  180 über untrennbarkeit der Vanen von deutschem ursprung behauptete, hat sich durch die gegenwärtige untersuchung bestätigt. Daß aber irgend ein anderes volk, außer Griechen und Deutschen, eine besondere göttersprache annahm, ist mir unbekannt und diese einstimmung desto bedeutsamer. wenn Ovid. met. 11, 640 sagt: hunc Icelon superi, mortale Phobetora vulgus nominat, ist das den Griechen nachgeahmt, wie schon die namen zeigen Nachtrag: Über die götter und menschensprache reden Athenaeus 1, 335. Lobeck Aglaoph. 854. 858–867. Heyne bemerkt zu der angeführten stelle Il. 1,403: quae antiquiorem sermonemet servatas inde appellationes arguere videntur. die Inder haben wie die altn. sprache viele ausdrücke für wolke. Bopps gloss. 16 a . 209 a . 136 b . 158 b , aber sie nehmen keine besondere göttersprache an. doch ist Somadeva 1, 59. 64 von vier sprachen die rede, von sanskrit, prakrit, volksdialect und dämonensprache . die griechischen beispiele lassen sich noch vermehren. Πλαγκτὰς δ' ἤτοι τάς γε ϑεοὶ μάκαρες καλέουσιν. Od. 12, 61. ϑνητοὶ Ἔρωτα , ἀϑάνατοι δὲ Πτέρωτα. Platons Phaedr. 252. τὴν δ' Ἀφροδίτην κικλήσκουσι ϑεοί τε καὶ ἄνερες. Hesiod. theog. 197. Die in Alvismâl den menschen und göttern beigelegten ausdrücke kann man übrigens auch als wörter verschiedener germanischer sprachen auffassen, so daß Menn die Skandinavier, Gođar die Gothen bedeuteten und z. b. sôl in der that das nordische, sunna das altgothische wort wäre. GDS. s. 768. kl. schr. 3, 221. . Bloß ihre schrift (dêvanâgarî, götterschrift) führen die Inder, wie das geheimnis der runen unsre vorfahren (s.  124 ) auf einen göttlichen ursprung hin und der gebrauch des zeichens darf mit dem des lautes selbst zusammenhängen; warum sollte den göttern neben dem ersten zeichen nicht auch der reinste, älteste ausdruck beigemessen werden? ἔπεα πτερόεντα stehen bei Homer helden und menschen wie göttern zu, sonst möchte man sie eigentlich auf die leichtigkeit beziehen, mit welcher die götter der rede mächtig sind. Gleich der sprache haben die götter nun auch gebräuche mit den menschen gemein. Sie lieben gesang und spiel, erfreuen sich an jagd, krieg und mahlzeiten, die göttinnen an pflügen, weben, spinnen; beide halten sich diener und boten . Zeus läßt alle übrigen götter zur versammlung (ἀγορή) entbieten (Il. 8, 2. 20, 4), wie sich die asen zum þîng einfinden (Sæm. 93 a ), auf die rökstôla und beim Yggdrasill (Sæm. 1 b 2 a 44 a ) um zu berathen und zu richten. Hebe, die jugend, ist mundschenkin der götter und Heres dienerin (Il. 5, 722), wie Fulla der Frigg (Sn. 36); auch Ganymed ist mundschenk, beim gastmal der asen Beyla (Sæm. 67 a ), Skirnir Freys schuhknecht (Sæm. 81) und bote; Sæm. 59 heißen Beyggvir und Beyla seine dienstleute. diese dienste thun ihrer eignen göttlichen natur keinen abbruch. Außer Hermes leistet Iris den griechischen göttern botschaft Nachtrag: Die nordischen götter sind fast alle verheirathet , unter den griechischen ist Here die einzige wahre ehfrau . Götter im kampf mit helden unterliegen und fliehen zuweilen , so Ares bei Homer. Ares und Aphrodite werden auch verwundet . ebenso werden Othin und Thor und Balder im streit mit Hother (Saxo ed. M. 118) besiegt, ja Balder heißt 119 ridiculus fuga . aber von verwundung ist keine rede und von Balder wird Saxo 113 ausdrücklich bemerkt: sacram corporis ejus firmitatem ne ferro quidem cedere. . Unter den göttern selbst besteht ein verschiedner rang . Drei söhne des Kronos haben unter sich die welt aufgetheilt, dem Zeus ist der himmel, Poseidon das meer, Hades die hölle zugefallen, gemeinschaftlich soll ihnen die erde sein (Il. 15, 193). diese drei ragen über alle andern, wie in dem nordischen glauben Hâr, Iafnhâr und Thriđi, welche trilogie s.  134 besprochen worden ist. Nicht gleich damit stehen Wuotan, Donar und Ziu, schon deshalb, weil beide letztere nicht als brüder, sondern söhne Wuotans auftreten, obwol sie für die drei mächtigsten götter gelten. Neben dieser trilogie macht sich bei den Griechen wie im Norden eine zwölfzahl bemerklich (s.  21 ), in deren geschloßnen kreis einige andere nicht gehören. Hiermit aber fällt ein gegensatz zwischen 279 alten und neuen göttern keineswegs zusammen, nicht nur Ođinn und seine asen, sondern auch Zeus und seine genossen scheinen als neulinge Aeschyl. Prom. 439 ϑεοῖσι τοῖς νέοις, 955 νέον νέοι κρατεῖτε, 960 τοὺς νέους ϑεοὺς. Eumen. 156. 748. 799 οἱ νεώτεροι ϑεοί. vgl. Otfr. Müller s. 181. ältere naturgottheiten zu verdrängen Nachtrag: Ohne Brahma, Vischnu und Siva nahmen die Inder dreizehn geringere götter an. Bopps gloss. 160 a . jene waren jüngere götter, die an die stelle der mehr elementarischen traten. Kuhn rec. d. Rigv. s. 101. Holtzm. ind. sagen 3, 126. vgl. got ein junger tôr (s. anm. 36 ). junger Zeus, alter Kronos. Athen. 1, 473. cot crôni , deus recens. Graff 4, 299. das neue jahr (s.  630 ). GDS. 765. . Allen einzelnen griechischen und nordischen gottheiten sind ämter und verrichtungen überwiesen, die ihre gewalt bestimmen und auf ihre bildliche darstellung bedeutsam einwirken. Sn. 27–29 werden diese ämter so angegeben, daß es jedesmal heißt: ›hann ræđr fvrir‹ und ›â hann skal heita til, er gott at heita til‹. Da nun überreste des griechischen oder deutschen heidenthums im mittelalter an christlichen heiligen hafteten, auf die man die abergläubische beschützung einzelner stände oder heilung einzelner krankheiten übertrug, so leuchtet ein, daß eine sorgfältige zusammenstellung dieser schutzheiligen nach den ämtern, die ihnen obliegen und derentwegen sie gut anzurufen sind vgl. Haupts zeitschrift für d. a. 1, 143. 144. , unserm alterthum vorschub thun würde. Auch die thiere, die jedem vergötterten heiligen, wie vielen göttern, gewidmet sind, müsten angegeben werden. Welche wohnstätten jedem gotte zustehn, ist besonders in Grimnismâl angezeigt; wie den deutschen waren den griechischen zumal berge geheiligt, Sigtŷsberg, Himinbiörg u. a. m. der Olympos war Zeus eigentliches haus (Διὸς δῶμα), zu dem auch die übrigen götter sich versammelten (Il. 1, 494), auf dem höchsten gipfel des gebirgs pflegte er abseits (ἄτερ ἄλλων Il. 1, 498. 5, 753) zu sitzen, wie er gern allein rathschlägt (ἀπάνευϑε ϑεῶν Il. 8, 10). einen andern sitz hatte Zeus auf dem Ida (Il. 11, 183. 336), von dem herab er das treiben der menschen schaute, wie Ođinn von Hliđsciâlf. Poseidon saß auf einer höhe des samischen waldgebirges (Il. 13, 12). Vallhöll und Bilskirnir, Ođins und Thôrs wohnungen zeichnen sich durch ihre ungeheure größe aus; jener werden 540 thüren, aus deren jeder zugleich 800 einherien gehn können, beigelegt, dem Bilskirnir ebenfalls 540 golfe Nachtrag: Berghöhen sind auch der malaiischen götter wohnort. Ausland 1857, 604 a . πέτρα – δαιμόνων ἀναστροφή (aufenthalt). Aesch. Eumen. 23. der Olymp wird geschildert Od. 6, 42–46. in die felsgrotten haben die götter und menschen verschiedenen eingang, jene durchs mittagsthor, diese durchs mitternachtsthor. Od. 13, 110–112. die nordischen götter wohnen in Asgard . Hreiđmarr Sæm. 182 b ruft den asen zu: haldit heim heđan d. i. schert euch heim von hier! sie haben verschiedene wohnstätten, aber nah beisammen. vgl. die Donarseiche in der nähe des Wuotansberges (s.  141 ). þar (î Baldurshage) voru mörg gođ . fornald. sög. 2, 63. so haben auch die indischen götter besondere wohnungen. urbs Kuvêri , mons Kuvêri sedes. Bopps gloss. 19 b . 85 b . Διὸς αὐλή. Lucian pseudolog. 19. bedeutsam heißt es altn.: hefir ser um gerva sali. Sæm. 40 b . 41 b . 42 a . die götter sitzen auf thron oder stuhl (s.  113 ), von dem gnädig und schützend herabzuschauen sie angerufen werden. Ζεὺς δὲ γεννήτωρ ἴδοι . Aesch. suppl. 206. ἐπίδοι δ' Ἄρτεμις ἁγνά. a. o. 1031. lîta vinar augom ( anm. 59 . 110 ). die götterhäuser werden durch thore bezeichnet. Haupts zeitschr. 2, 535. . Fassen wir noch das verhältnis der götter und menschen zusammen, so ergeben sich allseitige bezüge. wie den erschafnen ein kindliches gefühl seiner abhängigkeit von dem schöpfer durchdringt, dessen gnade gebete und opfer anflehen, freut auch die gottheit sich ihrer schöpfung und trägt um sie väterliche sorge. des menschen sehnsucht steht nach dem himmel, die götter aber richten ihr auge über die erde, das thun der sterblichen zu bewachen und zu lenken. Zwar untereinander verkehren die seeligen götter in ihren himmlischen wohnungen, wo feste und gelage nach irdischer weise ergehn; doch mehr zieht es sie zu den menschen hin, deren schicksale ihre regste theilnahme gewidmet ist. unwahr sagt Mart. Cap. 2, 9: ipsi dicuntur dii, et caelites alias perhibentur . . . nec admodum eos mortalium curarum vota sollicitant 280 ἀπαϑεῖςque perhibentur. nicht genug, daß sie ihren willen durch zeichen und boten kundthun, sie entschließen sich, selbst niederzusteigen und den menschen zu erscheinen. für diese erscheinung hat die indische mythologie einen eignen ausdruck: avatâra , d. i. descensus Bopp gloss. sanscr. 21 a . . Hierher gehören zuerst die feierlichen wagenumzüge frieden und fruchtbarkeit oder krieg und unheil ankündigender gottheiten, meistentheils zu gewisser jahrszeit sich wiederholend und mit festen der völker verbunden; nach dem untergang des heidenthums ziehen nur noch weise mütterliche frauen umher, reiten helden durch fluren oder lüfte. Seltner und ohne regelmäßigen wechsel erfolgen die wanderungen einzelner, zweier oder dreier götter durch die welt zur prüfung des menschengeschlechts, zur bestrafung wahrgenommner frevel. so erschienen Mercur und Ođinn auf erden, oder Heimdall, um die drei stände zu gründen, Thôrr suchte hochzeiten heim; Ođinn, Hœnir, Loki zogen in gesellschaft; die legende des mittelalters läßt gott vater einkehren oder den heiland mit Petrus, oder bloß drei engel (wie das serbische lied bei Vuk 4 no. 3). Am häufigsten aber sind einzelne erscheinungen der götter, die angerufen oder unangerufen in allen nöthen ihren schützlingen plötzlich beistand leisten; davon ist das griechische epos ganz erfüllt. Athene, Poseidon, Ares, Aphrodite mischen sich unter die streitenden warnend, rathend, bedeckend, und gleich oft erscheinen in christlichen sagen Maria und die heiligen des himmels. auch der litth. Perkunos wandelt auf erden Nachtrag: Oft sind die götter mit einem goldnen stabe versehen, mit welchen sie berühren und verwandeln. χρυσείῃ ῥάβδῳ ἐπεμάσσατ' Ἀϑήνῃ. Od. 16, 172. ῥάβδω ἐπεμάσσατ' Ἀϑήνη. Od. 13, 429. ῥάβδῳ πεπληγυῖα. Od. 16, 456. Circe schlägt mit dem stab. Od. 10, 238. vgl. Hermes stab und die wünschelrute (s.  815 ) mit anderen wünschel dingen. der ind. Schiwa hat einen wunderbaren bogen, ebenso Indra nach den veden. Apollos bogen sendet pest. vgl. Ođins speer s.  121 . so führen in den deutschen märchen die feen, hexen und zauberer einen verwandelnden stab (s.  907 ). Die götter werden von den menschen als ihre väter , die göttinnen als ihre mütter betrachtet (s.  18 . 120 . 210 ). sie freuen sich der menschen, ἀνδράσι τερπόμενοι . Il. 7, 61. ihre hilfreiche nähe bezeichnet das homerische ἀμφιβαίνω: ὃς Χρύσην ἀμφιβέβηκας. Il. 1, 37. ὃς Ἴσμαρον ἀμφιβεβήκει. Od. 9, 198. sie fahren gern zu den menschen hernieder. vgl. Mos. II. 3, 8, κατέβην, descendi, hvearf (oben s.  270 ). sie halten ihre wagen an und steigen zur erde herab. Holtzmann 3, 8. Nalus s. 15. praesentes caelicolae nennt Catull. 64, 383. dem ind. avatâra vergleicht sich ϑεοῦ ἐπιδημία (ankunft). Lucian. conviv. 7. götter sind nicht allgegenwärtig, sondern oft an einem orte abwesend . sie verreisen . Athenaeus 2, 470. Jupiter sagt in Ovid. metam. 1, 212: summo delabor olympo, et deus humana lustro sub imagine terras. im faröischen lied erscheinen Ođin, Hoenir, Loki alsbald . (›einem erscheinen‹ wird auch ausgedrückt durch einem unter die augen sehn . Ettm. Orendel s. 73. 45. 83. 102). die stelle: die liute wânden er waere got vom himmel (Griesh. 2, 48) setzt glauben an gottes erscheinung voraus. vgl. anm. 84 . so ritestu heim als waer got do . Dancrotsh. namenb. 128. und obgleich gott aus dem himmel herabstiege und ihm solches zu thun gebiete, wolle ers doch nicht thun. Thurneisser 2, 48. die straße war auf pfingsten mit teppichen behangen: als ochter god selve comen soude . Lanc. 31321. gott (oder sein bild) gefällt sich an einer stelle der erde, wo man ihn hochhält: got möhte lieber niht gestên ûf der erde an deheiner stat. Helbl. 15, 584. hier wohnt der liebe gott ( anm. 70 ). die rückkehr gottes wird ausgedrückt: do vuor got ze himele in deme gesuneclicheme bilde. Diemer 7, 19. vgl. ego in coelum migro . Plaut. Amph. V. 2, 13. Götter senden boten , engel zu den menschen, die griechischen Hermes, Iris u. a. diese geleiten menschen ( anm. 2267 ) und erkunden und berichten das wesen und treiben auf der welt nach einem schönen serbischen lied von Gavrai. merkwürdig ist im prolog zu Plaut. Rudens arcturus, der nachts am himmel glänzt, tags aber auf der erde wandelt, als bote Jupiters aufgefaßt. götter heben den menschen kinder (s. gevatter tod) und kommen zur hochzeit, gattenwahl. Holtzmann 3, 8. so hebt auch noch Maria ein kind. wend. märch. 16. sie weihen und segnen die menschen durch händeauflegung: vigit ocr saman Varar hendi! Sæm. 74 b Apollon und Tervigant, ir beider got, hât sîne hant den zwein geleit ûf daz houbet , daz si helfe unberoubet und gelückes solden sîn, mit götlîcher helfe schîn geschach daz ir. Türl. Wh. 112 a . so segnet der priester und der vater. Götter walten über schlafenden : aus dem schlafenden Adam nimmt gott eine rippe und schaft daraus Eva. Athene läßt Penelope in schlaf sinken und schaft die schlafende größer und schöner. Od. 18, 188. das glück naht sich schlafenden, die götter richten den gefallenen held auf. Il. 7, 272. ihre unscheinbare gabe (Berhtas, Hollas, Rübezahls) verwandelt sich: das laub in gold , um so passender als der göttliche hain Glasir goldnes laub hat. . Doch die niedersteigenden werden nicht immer sichtbar ; man kann den wagen der gottheit vorbeifahren hören, ohne sie leiblich zu erblicken, und gleich geistern schweben die seeligen götter menschlichem auge unbemerkt vorüber, bis diesem erst der hemmende nebel abgenommen ist. Athene faßt den Achilles am haar, nur von ihm, von allen andern nicht gesehn (Il. 1, 197), um dem Diomedes die mitstreitenden götter zu vergegenwärtigen, sagt sie 5, 127: ἀχλὺν δ' αὖ τοι ἀπ' ὀφϑαλμῶν ἕλον, ἢ πρὶν ἐπῆεν, ὄφρ' εὖ γιγνώσκης ἠμὲν ϑεὸν ἠδὲ καὶ ἄνδρα. Gerade so vermag Biarco bei Saxo gramm. s. 37 den auf weißem rosse reitenden, den Schweden helfenden Othin nicht zu erschauen, bis er einer geistersichtigen frau durch den ring des eingestemmten arms blickt; ein mittel das auch sonst elbische wesen den blöden augen des menschen sichtbar macht. Noch auf eine andere weise verbargen aber die leiblich erscheinenden ihre göttliche natur, indem sie die gestalt eines bekannten menschen oder eines thiers annahmen. Poseidon trat ins heer wie Kalchas gestaltet (Il. 13, 45), Hermes geleitete den Priamus als myrmidonischer krieger (24, 397), Athene den Telemach als Mentor. nicht anders erschien Othin als wagenlenker Bruno (s.  274 ) oder als einäugiger 281 alter. Verwandlungen der götter in thiere legt der deutsche mythus jedesmal eine bestimmte absicht unter, die aus der besonderheit des thiers hervorgeht, z. b. Ođinn nimmt die gestalt einer schlange an, um durch ein gebohrtes loch zu schliefen (Sn. 86), eines adlers um eilends zu entfliegen (Sn. 86), Loki die einer fliege um zu stechen (Sn. 131) oder durch ein schlüsselloch zu kriechen (Sn. 356); allgemeinere pläne werden niemals dadurch erreicht. Auch wenn Athene als vogel entfliegt (s.  271 ), soll das göttlichkeit ihrer natur und schnelligkeit des weggangs ausdrücken. doch der schwan oder stier, in den sich Zeus wandelte, läßt sich nur aus der voraussetzung erklären, daß auch Leda und Io oder Europa, um die er werben wollte, als schwanjungfrau und kuh gedacht wurden. hier war die thiergestalt durch den mythus selbst bedingt, und die eigeburt der Dioskuren begreift sich dann am leichtesten Nachtrag: Sich verwandeln heißt den lîp verkêren . Barl. 250, 22. sich kêrte zeinem tiere 250, 28. Ođinn viđbrast î vals lîki, als Heiđrekr mit Tyrfîng auf ihn einhaut. fornald. sög. 1, 487. Loki wandelt sich in eine stute und zeugt mit Svađilfari den Sleipnir. Sn. 47. falsk Loki î lax lîki. Sæm. 68 b . Sn. 69. Heimđallr ok Loki î sela lîkjum. Sn. 105. Loki setzt sich als vogel ins fenster . Sn. 113. vgl. Athene als schwalbe auf dem dachbalken (s.  272 ). Louhi setzt sich als lerche (leivonen) ins fenster (ikkuna). Kal. 27, 182. 185. 188. 205. 215. (vgl. die schwalbe im fenster. Egilss. s. 420.) oder als taube (kyyhky) auf die schwelle (kynnys) 27, 225. 228. 232. Berhta erscheint am fenster , reicht durchs fenster (s.  227 ). die schlange schaut durchs fenster ein. Firmenich 2, 156. Louhi, als sie dem Sampo nacheilt, nimmt adlergestalt an. denique ut (Jupiter) ad Trojae tecta volarit avis . Propertius III. 30, 30. Jupiter cycnus et candidorum procreator ovorum . Arnobius 1, 136. (s.  555 . 405 ). in den märchen holen bär , adler , delfin sich königstöchter. . In den asiatischen sagen, dünkt mich, sind die erscheinungen der gottheit vergleichungsweise tief und rein aufgefaßt, nirgends gründlicher als in den indischen. der herabgestiegne gott verharrt zum heil des menschengeschlechts eine zeitlang in irdischer gestalt. da wo die lehre von der seelenwanderung sich ausbildete, waren auch leiber der thiere für den avatâra geschickt, und von Vischnus zehn auf einander folgenden incarnationen sind die ersten thierisch, dann die übrigen eigentliche menschwerdungen Nachtrag: Götter werden auch zur strafe als menschen geboren. wegen des von Djau begangnen kuhdiebstahls werden alle vasugötter verflucht als menschen geboren zu werden. acht davon kehren gleich nach der geburt in die götterwelt zurück, der neunte als eigentlicher urheber des diebstahls muß ein ganzes menschenleben durchlaufen. Holtzmann ind. sagen 3, 102. 106. . Solcher vorstellungen entschlägt sich aber die griechische wie die deutsche mythologie, in welchen beiden die götterfabel zu sinnlich trieb, als daß sie jenen wandlungen den ernst und die dauer eines avatâra beigelegt hätte, obschon die annahme einer incarnation mit der, daß die helden leiblich von den göttern abstammen, an sich zusammenhängt. Ich glaube in allen diesen erörterungen, die sich noch auf manche andere puncte ausdehnen ließen, eine reihe entscheidender ähnlichkeiten zwischen der deutschen und griechischen mythologie vorgelegt zu haben. Wie im verhältnis griechischer zu der deutschen sprache geht daraus weder entlehnung noch willkür, sondern unbewuste urverwandtschaft hervor, neben welcher bedeutende abweichungen bestehn und sogar nothwendig sind. wer wollte aber das überraschend zusammentreffende in den annahmen von der unsterblichkeit, der götterspeise, dem übernächtigen wachsthum, der gestalt, dem wandern und verwandeln, den beinamen, dem zorn und frohmut, der plötzlichkeit des erscheinens und erkennbarkeit des verschwindens, dem gebrauch der wagen und rosse, den naturerscheinungen, krankheiten, der sprache, den dienern und boten, ämtern und sitzen verkennen oder entkräften? Schließlich schwebt mir auch noch darin eine analogie vor, daß aus lebendigen götternamen, wie Tŷr, Freyr, Baldr, Bragi, Zeus die abstracten begriffe tŷr, fráuja, baldor, bragi, deus erwuchsen, oder nahe daran grenzten Nachtrag: Lebendige götternamen werden vielfach zu abstracten begriffen auch im indischen. so bedeutet Indra: in fine compositorum princeps, dominus. Bopp 40 a und Šrî wird andern namen vorgesetzt, reverentiae causa z. b. Šrîganêša, Šrîmahabhârata. Bopp 357 a . ein âs kann im altn. für den andern genannt werden, so Egilss. 455 in dem spruch: nioti bauga sem Bragi auga, wo Bragi für Ođinn steht. auch Freya und Nanna werden zu den abstracten wörtern freya und nanna (s.  183 ). baldr brynþîngs, baldr fetilstînga. fornm. sög. 6, 257. 12, 151. enn norđri niörđr . a. o. 6, 267. geir niörđr  = heros. Sæm. 266 b . die verstärkung durch gotes (s.  16 ) gehört auch hieher. . 282 Cap. XV. Helden. Zwischen gott und dem menschen besteht eine stufe, auf der sich beide einander vermitteln, das göttliche wesen den irdischen dingen näher gerückt, die menschliche kraft verklärt erscheint. Je älter das epos, desto nothwendiger sind ihm leiblich auftretende götter; ohne helden, in denen noch göttlicher funke sprüht, oder die seiner theilhaft werden, kann auch das jüngere nicht auskommen. Heldenthum darf in nicht anders gesetzt werden, als in kampf und sieg: held ist ein mensch, der gegen das böse streitend unsterbliche thaten verrichtet und zu göttlicher ehre gelangt. wie im standesverhältnis der edle zwischen dem könig und freien, so steht der held zwischen gott und dem menschen. aus den edlen gehen könige, aus den helden götter hervor. ἥρως ἐστὶ ἐξ ἀνϑρώπου τι καὶ ϑεοῦ σύνϑετον ὃ μήτε ἄνϑρωπός ἐστὶν, μήτε ϑεὸς, καὶ συναμφότερός ἐστί (Lucian. in dial. mortuor. 3), doch so daß das menschliche vorwalte: ita tamen ut plus ab homine habeat, sagt Servius zu Aen. 1, 200. der held unterliegt leiden, wunden, dem tode, von welchem nach der vorstellung des alterthums selbst die götter nicht frei blieben (s.  264 ). in dem helden erreicht der mensch die hälfte der gottheit, er wird halbgott , semideus: ἡμιϑέων γένος ἀνδρῶν Il. 12, 23; ἀνδρῶν ἡρώων ϑεῖον γένος, οἳ καλέονται ἡμίϑεοι . Hes. ἔργ. 159. Jornandes wendet semidei auf die anses an (oben s.  21 ), wie Saxo gramm. p. 39 den Balder für einen semideum , arcano superum semine procreatum ausgibt. in altn. denkmälern begegnet sonst weder hâlfgođ noch hâlfâs ähnlich sind hâlftrōll, hâlfrisi und ahd. halþdurinc, halþwalah, halþteni (altn. hâlfdan) gegenüber altdurinc, altwalah. , N. Cap. 141 verdeutscht hemithei heroesque halbkota unde erdkota . Verschieden sind die helden von dämonischen wesen, wie engeln, elben, riesen, welche zwar die kluft zwischen gott und menschen erfüllen, aber keinen menschlichen ursprung haben. boten der götter waren im heidenthum selbst götter zweifeln könnte man höchstens bei Skîrnir , Freys boten und diener; doch scheint er mehr leuchtender engel als held. , der jüdischchristliche engel ist ein dämon. eher läßt sich der held dem christlichen heiligen vergleichen, der durch geistigen kampf und leiden eine stelle im himmel verdient Nachtrag: Über halbgötter, große götter, dämonen vgl. Böckhs Manetho s. 488. semidei, heroes. Arnobius 2, 75. der held hat übermenschliche stärke, altn. hann er eigi einhamr . fornm. sög. 3, 205. 207, einhamr oder einhama bezeichnet die bloß menschliche stärke. auffallend ist die verherrlichung menschlicher helden bei den Usipetern und Tenchtherern, die dem Caesar b. g. 4, 7 sagen: sese unis Suevis concedere, quibus ne dii quidem immortales pares esse possint . . Fast aus allen benennungen, die ihnen beigelegt werden, geht auch diese menschheit der helden hervor. die lat. sprache hat 283 für den bestimmten begrif eines göttlichen, verklärten helden den gr. ausdruck heros beibehalten, so nah ihr eignes vir  = goth. vair, altn. ver hiermit wäre selbst das auf Thôrr angewandte veorr (s.  156 ), insofern es für viörr stände, zu vergleichen. , ags. ver, ahd. wer, lett. wihrs, litth. wyras, im sinne von vir fortis (Tac. Germ. 3) an das skr. vîra , heros, reicht. zu heros, ἥρως, das ursprünglich den bloßen kämpfer bedeutet, vergleicht man allzuviel: herus, Ἥρη, Ἡρακλῆς, selbst Ἄρης und ἀρετή = virtus, so daß auch goth. áirus, altn. âr, âri nuntius, minister anschlagen, oder das digamma berührung mit dem vorhergehenden vîra scheinbar machen könnte. Deutlicher ist unser held fortbildung des einfachen altn. halr, ags. häle vir, schon Vopiscus führt den namen Halidegastes (wie Leudogastes) an, und ein goth. haliþs , ahd. halid , helid (nach den eigennamen Helidperaht, Helidcrim, Helidgund, Helidniu, Helidberga die stadt Heldburg in Thüringen heißt schon in alten urk. Helidiberga MB. 28 a , 33. ), ist sicher zu vermuten, obgleich unsre denkmäler erst seit dem 12 jh. helit pl. helide gewähren; das mhd. helet , helt, pl. helde erscheint desto öfter. von dem ags. häleđ bemerke ich, daß es seinen pl. sowol häleđas als häleđ (z. b. Beov. 103) bildet, letzteres alterthümlich nach dem goth. mênôþs, woraus auch ein goth. pl. haliþs, ahd. pl. helid neben helidâ zu folgern wäre, den der mhd. pl. held Wh. 44, 20 bestätigt, Alts. finde ich nur den pl. helidôs, helithôs, im Hel. drückt helithcunni, helithocunni geradezu genus humanum aus. mnl. helet , pl. helde. das altn. höldr, pi. höldar (Sæm. 114 b 115 a Sn. 171) fordert ein älteres höluđr (wie mânuđr = goth. mênôþs), es scheint nichts als miles, vir zu bezeichnen und höldborit in der erstangeführten stelle weniger als hersborit, die höldar sind freie bauern, bûendr. das dän. helt , schwed. hjelte (altschwed. hälad) zeigen unorg. t statt d, vielleicht sind sie mehr auf die deutsche als altn. form zurückzuleiten. will man in halr und haliþs das verbum haljan occulere, defendere, tueri hervorheben, so ergibt sich der übergang von tutor auf vir und miles leicht; selbst das lat. celer liegt nicht weit ab von celo. Außer diesem hauptausdruck, dessen erörterung hier nicht ausgewichen werden durfte, kommen noch einige andere in betracht. N., der auffallend heleda meidet, hat Cap. 141 noch: heroes, taz chît hertinga alde chueniga . hertinga gemahnt an die ags. heardingas Elene 25. 130, sei darunter ein bestimmter stamm oder allgemein helden zu verstehn, und man könnte sich die herleitung von herti, heard gefallen lassen, viri duri, fortes, exercitati, hartunga ist N. ps. 9, 1 exercitatio. da aber ein goth. heldenstamm Azdingi, Astingi, zugleich ein altn. Haddîngjar vorkommt und goth. zd, altn. dd, ags. rd, ahd. rt einander begegnen, so hat es mehr für sich, in der überlieferung des goth. wortes einen wegfall des h anzunehmen und die formen hazdiggs, haddîngr, hearding, 284 hartinc einander gleichzustellen auch das polypt. Irminon 170 b hat den eigennamen Ardingus f. Hardingus. . wenn nun das altn. haddr haarlocke bedeutet (vgl. s.  257 ) dürfte in haddîngr , hazdiggs u. s. w. der für den freien mann und helden passende sinn von crinitus, capillatus, cincinnatus angetroffen werden, und es wäre merkwürdig, daß im zehnten jh. noch die bedeutung heros fortgelebt hätte. Nicht geringeren werth hat uns der andre ausdruck chuenig , wobei kaum an chuning rex, wie N. stets schreibt, zu denken ist, jenes aber scheint = chuonig entweder von chuoni audax, fortis (wie fizusig von fizus callidus) oder dessen noch unaufgehellter wurzel Graff 4, 447 stellt chuoni neben chuninc und chunni unter die allverschlingende wurzel chan; wie aber kruoni, ags. grêne viridis von kruoan, ags. grôvan, so mag chuoni, ags. cêne von einem verschollnen chuoan, ags. côvan (pollere, vigere?) stammen. zu leiten. Unmittelbar an den begrif des helden grenzen ferner das ahd. dëgan (miles, minister); wîgant (pugil); chamfio , chempho (pugil), ags. cempa, altn. kappi; altn. hetja (bellator), vielleicht zu hatr odium, bellum gehörig; altn. skati , besser skađi , ags. sceađa, scađa, eigentlich nocivus, dann praedator, latro und aus dieser im alterthum ehrenden bedeutung in die von heros übertretend, noch im mittelalter blieb landscado, landschade eigenname edler geschlechter. daß heri (exercitus), goth. harjis auch miles ausdrückte, lehren ahd. glossen (Graff 4, 983) und die mit heri zusammengesetzten einzelnen mannsnamen. vgl. cap.  XXV einheri. eigen entfaltete sich auch das ahd. wrecchio , hrecchio, reccho aus dem begriffe exsul, profugus, advena, wie er im ags. vrecca, alts. wrekio vorherscht, zu dem eines fern von seiner heimat kämpfenden helden, und das mhd. recke , altn. reckr ist bloß held im allgemeinen einige slavische ausdrücke für held sind merkwürdig: russ. vitjaz , serb. vitez ; russ. bogatyr , poln. bohater , böhm. bohatyr , was weder mit bog deus, noch bogat dives verwandt, sondern dem pers. behâdir , türk. bahadyr , mongol. bagatur , ungr. bátor , mantschu batura gleicht u. aus b'adra munter, froh zu leiten ist. Schott in Ermans zeitschr. 4, 531. . Ähnliche bezüge anderer wörter werden sich aufweisen lassen, es ist festzuhalten, daß die allereinfachsten benennungen des manns und des menschen überhaupt für den begrif des helden sich eigneten; wie uns noch heute mann , reichte das altn. halr , das ahd. gomo (d. i. homo), altn. gumi zu der vorstellung heros aus. Diut. 2, 314 b glossiert gomo heros und in der edda sind gumnar was skatnar Nachtrag: Zu vir , ahd. wer gehört wol skyth. οἰόρ , finn. uros Kalev. 13, 64. 21, 275. 290 vgl. serb. urosch. anm. 916 GDS. 236. Augustin. civ. Dei 10, 21. K. F. Hermann gottesd. alterth. s. 69. für das mnl. helet kommt auch hêlt vor. Stoke 3, 4. Notkers hertinga , die ags. heardingas El. 25. 130 erinnern an böhm. hrdina held, poln. hardzina vgl. böhm. hrdý superbus, poln. hardy, russ. gordji, franz. hardi, deutsch hart, herti. Haddîngjar heißen des Arngrîmr eilfter und zwölfter sohn. fornald. sög. 1, 415–417. GDS. 448. 477. himelischer degen gebraucht die Kl. 1672, degenîn für heldin Renner 12291. zu wîgant halte man den bei Karajan häufigen eigennamen Weriant. Jesus der gotes wîgant. Mos. 68, 10. kämpe wird auch von einem riesen gesagt (s.  435 ). die Angelsachsen haben außer cempa noch oretta heros, pugil. bedeutet das altn. hetja (bellator) nicht eigentlich ringer, fechter? vgl. ahd. hezosun palaestritae. Graff 4, 1073. GDS. 578. Zum ahd. wrecchio exsul, profugus, advena stimmt am besten die schilderung der insignes in Tac. Germ. cap. 31: Nulli domus aut ager aut aliqua cura, prout ad quemque venere, aluntur, prodigi alieni, contemptores sui. ἀνὴρ ἄριστος heißt held Diomedes Il. 5, 839. rôgbirtîngar , in pugna lucentes werden helden im Haraldamâl 16 genannt. serb. heißt der held junak und junaschtro virtus, heldentum. so auch mhd. die mîne jungelinge (meine helden) fundgr. 2, 91 vgl. Nib. 1621, 2 und ein nordischer heldenstamm heißt Ynglîngar (s.  287 ). neben dem ir. trean heros begegnet faolchu in derselben bedeutung, eigentlich wilder wolf, falke. welsch gwalch falke und held vgl. serb. urosch (s.  306 ). . Was ist nun die ursache dieser erhebung und steigerung menschlicher natur? anfangs immer, so viel ich sehe, ein verhältnis leiblicher verwandtschaft zwischen einem gott und dem geschlecht der menschen. die helden sind epigonen der götter, ihr geschlecht rührt von den göttern her: ættir guma er frâ gođom kômo. Sæm. 114 a . Eine fülle von belegen gewährt uns die griechische mythologie; dadurch daß alle helden unmittelbar oder mittelbar von 285 göttern und göttinnen mit menschen erzeugt wurden, knüpfen sich die ältesten königsgeschlechter an den himmel. offenbar gehn aber die meisten dieser zeugungen von Zeus aus, der an die spitze der götter wie der menschen tritt und auf den sich jeder glanz der ahnen zurückleitet. So zeugte er mit Leda Castor und Pollux, die nach ihm Dioscuren heißen, mit Alcmene Heracles, mit Danae Perseus, mit Io Epaphus, mit Niobe Pelasgus, mit Europa Minos und Sarpedon; andere helden gehen erst durch ihre voreltern auf ihn zurück: Agamemnon war sohn des Atreus, dieser des Pelops, dieser des Tantalus, dieser dann des Zeus; Ajax stammte von Telamon, dieser von Aeacus, dieser von Zeus und Aegina ab. Nächst Zeus scheinen die meisten helden von Ares, Hermes und Poseidon auszulaufen: Meleager, Diomedes und Cycnus waren Ares söhne, Autolycus und Cephalus Hermes söhne, Theseus war des Aegeus, Nestor des Neleus sohn, beide aber Aegeus mit Aethra, Neleus mit Tyro von Poseidon gezeugt. Achilles war des Peleus und der Thetis sohn, Aeneas des Anchises und der Venus bei den Römern knüpften sich Romulus und Remus durch Silvia an Mars und durch Amulius an Venus, Romulus aber wurde gen himmel entrückt. die spätere apotheose der kaiser unterscheidet sich von der echten heldenschaft fast wie canonisation von dem alten begrif der heiligen; doch selbst der vergötterte Augustus galt ja der sage nach für einen sohn des Apollo, den der gott in drachengestalt mit Atia erzeugt hatte. Suetons Octav. 94. . Diese beispiele reichen zum maßstab für die verhältnisse einheimischer heldensage Nachtrag: Das geschlecht der helden rührt von den göttern her, so heißt Sigurđr ormr î auga ausdrücklich: Ođins aettar . fornald. sög. 1, 258. der skythische Idanthyrsus hält den Zeus für seinen ahnen. Herod. 4, 126. Zeus ehrt den Menelaos als eidam, gemahl der Helena, γαμβρὸς Διός. Od. 4, 569. helden sind freunde der götter , wie denn Zeus beide kämpfer liebt, Hector und Ajax. Il. 7, 280. so gibt es freunde des Ares und einen Freys vinr. helden können das geschlecht der götter mehren. Sæm. 218 b . Jupiters kinder werden aufgezählt in Barl. 251, 37 ff. noch Alexander wird von Jupiter Ammon oder dem Nectanebus mit Olympias erzeugt. Galli se omnes ab Dite patre prognatos praedicant: idque ab druidibus proditum dicunt. Caesar 6, 18. Dietrich stammt von einem geist, Otnit von Elberich, Högni von einem alb und Merlin vom teufel ab. . Tacitus stellt nach alten liedern an die spitze unseres volks als urahnherrn den Tuisco , der kein held, vielmehr selbst ein gott ist, da er ihn ausdrücklich deum terra editum nennt. Gleichwie nun Gaea aus sich selbst den Uranos und Pontos gebar, d. h. dem schoße der erde himmel und wasser entstiegen, so scheint auch Tuisco von dem worte tiv, in welchem ursprünglich der begrif des himmels erkannt wurde (s.  161 ), zu leiten und Tuisco, d. i. Tvisco konnte leicht aus der volleren form Tivisco hervorgehen. Tvisco mag entweder coelestis oder wirklich abstammung von einem andern göttlichen wesen Tiv, das wir noch später unter den göttern auftreten sehn, ausdrücken, Tiv und Tivisco sind und bezeichnen gewissermaßen dasselbe. dem sinn und der stellung nach ist also Tvisco Uranos, dem namen nach Zeus, den die gr. sage erst durch Kronos von Uranos herstammen läßt, ungefähr wie Tiv oder Zio bei uns als Wuotans sohn erscheint und ein andrer sohn Donar den haupttheil des amts übernimmt, das die Griechen dem Zeus beilegten. Auch Donar war der Erde und Wuotans sohn, so wie Gaea das große waldgebirg (οὔρεα μακρά: Hesiod. theog. 129. goth. faírgunja mikila) zeugte, Donar selbst aber berg und faírguneis hieß (s.  140 . 143 .), οὐρανός mit οὖρος, ὄρος, die vorstellung deus mit der von ans (s.  20 . 156 ) zusammenhängt. Gaea, Tellus, Terra kehren in unsern göttinnen Fiörgyn, Iörđ und 286 Rindr wieder (s.  207 ); so kreuzen sich hier die namen der götter und göttinnen, doch in ähnlicher richtung. Des erdgebornen Tvisco sohn war Mannus , und kein name kann deutscher klingen, obschon ihn die nordische mythologie so wenig als Tvisco (altn. Tŷski?) überliefert. ohne zweifel hat diesem worte im alterthum ein tieferer sinn beigewohnt, durch anfügung des ableitenden -isk entspringt, wie aus Tiv Tivisco, aus mann mannisko  = homo, denkendes, seiner bewustes wesen (vgl. s.  48 ); beide formen, die einfache und abgeleitete, bieten (wie tiv und tivisko) denselben sinn dar. man darf das skr. Manus und manushja hinzuhalten. Mannus aber ist der erste held, des gottes sohn und aller menschen vater. selbst bis zu dem späteren mittelalter scheinen noch überlieferungen von diesem stammvater des gesamten deutschen volks durchgedrungen, in einem gedichte meister Frauenlobs (Ettm. s. 112), demselben, das auch des mythischen königs Wippo gedenkt (s.  248 ), heißt es Mennor der êrste was genant, dem diutische rede got tet bekant; dies ist nicht aus Tacitus unmittelbar geschöpft, da der eigenname bei aller ähnlichkeit abweicht Nachtrag: Wie nach germanischer überlieferung Tuisco ein terra editus war, wohnte nach einer annahme der Indianer das menschengeschlecht vorher innerhalb der erde . Klemm 2, 159. Tuiscos sohn Mannus kennt die nordische mythologie zwar nicht, doch stellt sie dem Gođheimr Mannheimr gegenüber. GDS. 768. vgl. Vestmanland, Södermanland. Rask zu Älfr. periplus 70. 71. auch stellt Snorris formali 12 einen Munon oder Mennon an die spitze der geschlechter. mit des Priamus tochter Trôan zeugt er einen sohn Trôr = Thôr, von dem Loritha = Hlôriđa abstammt. vgl. fornald sög. 2, 13. GDS. 195. die Indianer haben einen ersten menschen und schöpfer Mannitu , Manitu . Klemm. 2, 155. 157. Über den stammythus von Mannus und seinen drei söhnen s. GDS. 824 ff. . Wie von Tvisco und Mannus alle Deutschen, so stammen von Mannus drei oder nach abweichender auffassung fünf söhnen die drei, fünf oder sieben hauptäste des volks her. aus den von den Römern mitgetheilten namen der völker lassen sich die der ahnherrn folgern. Der dreifachen eintheilung aller Germanen in Ingaevones, Iscaevones und Herminones liegen die heldennamen Ingo , Isco und Hermino unter, deren jeder noch festere anknüpfung gestattet. Ing oder Ingo , Inguio hat sich im andenken der sächsischen und nordischen stämme zulängst erhalten. ahd. runenalphabete schreiben Inc , ags. Ing , im runenlied scheint noch etwas von seiner sage nachzuklingen: Ing väs ærest mid Eástdenum geseven secgum, ođ he sîđđan eást ofer væg gevât. væn äfter ran. þus Heardingas þone häle nemdon. erst hielt sich Ing bei den Ostdänen (vgl. Beov. 779. 1225. 1650) auf, dann zog er gen osten über meer Cædm. 88, 8 von dem aus Noahs arche gelassnen raben: gevât ofer vonne væg sîgan. , sein wagen rollte nach. der wagen ist bedeutsames kennzeichen der alten götter, aber auch der helden und könige, daß er hier bei der meerfahrt besonders hervorgehoben wird, scheint einen uns verdunkelten zug der sage zu bezeichnen Nachtrag: Ingo hieß ursprünglich Ango nach Mannhardts zeitschr. 3, 143. 144. er ist der heros der Ingaevonen, wozu auch die Sachsen und früher die Cherusker gehörten, also auch die Angeln, Angern, Engern, (GDS. 831. 629. 630) deren namen von dem seinigen vielleicht abgeleitet ist. . Zu dem östlichen wohnsitze Ings stimmt auffallend die merkwürdige im Islendîngabôk (Isl. sög. 1, 19) von den Ynglingen gelieferte stammtafel. daselbst steht oben an ein Yngvi Tyrkja konûngr, auf welchen unmittelbar 287 göttliche wesen Niörđr, Freyr, Fiölnir (ein beiname Ođins), Svegdir u. s. w. folgen. gerade so hieß Ođinn Tyrkja konûngr (Sn. 368) von seinem aufenthalt in Byzanz (s.  135 ). Ynglînga saga hingegen beginnt den stamm erst mit Niörđr, nach welchem Freyr, Fiölnir und die übrigen genannt werden; bei Freyr aber, zu dem jener wagen besonders stimmte, ist angegeben, dass er mit anderm namen Yngvi oder Yngvifreyr (oben s.  175 ) und nach ihm das ganze geschlecht Ynglîngar heiße wie in den altn. stammtafeln Yngvi, Niörđr, Freyr folgen in den altschwedischen bei Geijer (häfder 118. 121. 475) Inge , Neorch , Fro . für Neorch steht auch Neroch , beides entstellt aus Neorth. Gieng aber aus der folge Ingvi und Freyr der verbundne Ingvifreyr (umgestellt freá Ingvina s.  175 ) hervor, oder aus ihm erst jene genealogische folge? in skâldskaparmâl bei Sn. 211 a heißt Yngvifreyr sohn Ođins, und nach der aufzählung der zwölf oder dreizehn asen Sn. 211 b läßt sich nicht zweifeln, daß Yngvifreyr für gleichviel mit dem einfachen Freyr galt. . richtiger wäre Ingîngar oder Ingvîngar , wie die ahd. und ags. schreibung lehrt, auch eine menge mit Ing oder Ingo zusammengesetzter uralter namen bestätigt: Inguiomêrus (Ingimârus, Ingumâr, asp. Hincmarus) Inguram, Ingimund, Ingiburc, Inginolt u. s. w. selbst Saxo gramm. schreibt Ingo, Ingimarus. aus der fortbildung Ingil in Ingelwin, Ingelberga und dem nord. Ingellus kann Ynglîngar für Inglîngar herrühren, wenn es nicht bloße verwechslung mit ŷnglîngr (juvenis), ahd. jungilinc, ags. geongling war, von der hier ganz abliegenden (?) wurzel ûngr, junc, geong. Das wichtigste aber ist, daß jene genealogie Ingvi vor Niörđr setzt, so daß er Freys großvater wäre, während die andere fassung ihn mit Freyr gleichsam wiedergeboren werden läßt und mit Freys namen selbst verschmelzt, wovon eine spur auch in dem ags. freá Ingvina (s.  175 ) steckt. dies Ingvina scheint gen. pl. von Ingvine (ahd. Inguwini) und dominus Ingvinorum braucht nicht nothwendig auf den gott bezogen zu werden, jeder held könnte so heißen. Mit gutem fug aber scheint Ingvi, Inguio eines geschlechtes oberster ahn, das den namen Ingvîngar  = Ynglîngar führt. Was nun die nord. stammsage nicht höher hinauf zu bringen vermag, als zu Ingvi, hat uns Tacitus willkommen ergänzt, Inguio ist ihm des Mannus, dieser des Tvisco sohn, und die Ingaevones sind eins von beiden, entweder ahd. Inguion (sg. Inguio) oder Ingwini nach maßgabe jenes ags. Ingvine. Fortgesetzt lautete dann die reihe der götter und helden: Tvisco , Mannus , Ingvio , Nerthus , Fravio (oder wie im römischen munde das goth. Fráuja verändert worden wäre). des erdensohnes Tvisco mutter wiederholt sich nach zwei zwischengliedern in Nerthus, dem gott oder helden, wie ein nord. Ingui bald vor, bald nach Niörđr steht, und jene gen osten verlegten Vanir, denen Niörđr und sein sohn Freyr hauptsächlich beigezählt wurden (s.  180 . 181 ), hätten anspruch darauf, mit den Ingaevonen für einen und denselben stamm zu gelten, so sehr auch ihre deutschheit 288 durch die verknüpfung mit Mannus und Tvisco gerechtfertigt scheint. Diese bande ziehen sich aber noch fester. jenes ags. lied berichtete, Ing habe seinen namen unter den Heardingen geführt, von ihnen empfangen. die Heardingas sind entweder helden und männer überhaupt, wie s.  283 gezeigt wurde, oder ein besonderes volk. Hartung ist noch unserm heldenbuch könig der Reußen. wahrscheinlich ein und derselbe mit Hartnît oder Hertnît von Reußen; im Alphart einer der wölfingischen helden Hernit = Harding in der schwed. Dietrichssage (Iduna 10, 253, 254. 284). . dunkel bleiben uns Hartunc und sein vater Immunc (Rudlieb 17, 8). Heardingas scheinen ein den Dänen und Schweden östlich gelegnes volk, unter welchen Ing eine zeitlang gelebt haben soll; diesen aufenthalt erläutert sowol der türkische könig Yngui als der russische Hartung. Daß dem Hartunc, Hearding die altn. form Haddîngr entspreche ist dargethan worden. während nun der dänische heldenstamm auf Ođinn zurückgeleitet schon in der dritten abstammung zu Frôđi gelangt, nach Ođinn Skiöldr, Friđleifr, Frôđi folgen, lautet bei Saxo gramm. die reihe Humbl, Dan, Lother, Skiold, Gram, Hading, Frotho. Hading aber steht für Hadding , wie selbst aus der schreibung ›duo Haddingi‹ (Saxo s. 93), d. h. die in der edda öfter genannten Haddîngjar, hervorgeht; von ihm heißt es s. 12: ›orientalium robore debellato Suetiam reversus‹, welche orientales wiederum Rutheni sind; überaus merkwürdig aber ist, daß diesem dänischen könig und seiner frau Regnilda von Saxo s. 17. 18 ein lied in den mund gelegt wird, das in der edda (Sn. 27. 28) Niörđr und Skađi singen richtig hat nun auch Wh. Müller (Haupts zeitschr. 3, 48. 49) nachgewiesen, daß Skađis wahl des verdeckten bräutigams, von dem bloß die füße sichtbar waren (Sn. 82), zu der eligendi mariti libertas curiosiore corporum attrectatione, aber um einen eingeheilten ring zu fühlen, bei Saxo stimmt; Skađi und Ragnhild fallen nothwendig zusammen. . Hadding darf demnach für identisch mit Niörđr, d. h. für eine wiedergeburt des gottes genommen werden, die sich auch darin bestätigt, daß Friđleifr  = Freálâf den wir bereits oben (s.  181 ) dem einfachen Freá gleichsetzten, in demselben stamm erscheint, genau wie Freyr ein sohn des Niörđr ist, und Saxo meldet ausdrücklich s. 16, Hadding habe ein Fröblôt, opfer zu Freys ehre gestiftet. Ob in Frôđi (ahd. Fruoto, mhd. Fruote), dem sich verdreifachenden helden der dänischen sage, dessen herschaft friedlich und seelig gepriesen wird, nochmals Freyr gesucht werden könne, bleibt dahin gestellt. An dem tacitischen gotthelden haftet also noch deutlich ein nordischer gott, und die aufgewiesnen gelenke müssen, wenn ich mich nicht teusche, der lesart Nerthus das siegel aufdrücken. Will man in die reihe des geschlechts die göttin nicht einlassen, an dessen urbeginn schon eine Terra mater stand, so liegt es wenigstens nahe anzunehmen, daß ihren namen einzelne völker auf den gott oder helden übertrugen, der eins der folgenden glieder des stamms bildete. 289 Wahrscheinlich schlagen hier noch andere nordische mythen ein, lichter die in das tiefe dunkel unsrer vorzeit streifen, ohne sie ganz erleuchten zu können, oft nur in räthselhaftem schimmer sich verlieren. Das formâli der edda s. 15 nennt Ođinn vater des Yngvi und bringt ihn an die spitze der Ynglîngar: man sieht sich von neuem befugt Ođinn und Mannus oder Tvisco gleichzusetzen. ja in solchem zusammenhang, bei dem wechsel der glieder, wäre fast Ođinn = Niörđr zu ertragen, was eine handschrift darbietet. Weiter reicht aber die erzählung frâ Fornioti ok han ættmönnum (fornald. sög. 2, 12): zu oberst steht Burri , wie der könig von Tyrkland, und auf ihn folgen Burr, Ođinn, Freyr, Niörđr, Freyr, Fiölnir , mithin ein doppelter Freyr , der erste an Yngvis stelle, d. h. jener Yngvifreyr, aber auch ein mehrfacher Ođinn . Fiölnir ist Ođins name (Sæm. 10 a 46 b 184 a Sn. 3). Burri und Burr , zwei sich ganz nah liegende namen (wie Folkvaldi und Folkvaldr), in andrer reihe Burri und Bors genannt, scheinen deutlich die Sn. 7. 8 als vorfahren der drei brüder Ođinn, Vili, Ve (s.  135 ) aufgeführten Buri und Börr . Buri ist nun aber der von der kuh aus den steinen geleckte erste mann oder mensch, also der êristporo, ein ahd. Poro , goth. Baúra ; Börr könnte ahd. Paru , goth. Barus heißen, oder welche form man sonst annehmen will, immer rührt sie aus der in einer stammsage zusehends passende wurzel baíran, welche erstgeborne, ersterschafne menschen verkündet auch im Rigsmâl 105 a wird Burr das erste, Barn das zweite und Iođ (vgl. ags. eáden) das dritte kind von Fađir und Môđir genannt. . doch kann man auch an Byr wunschwind denken s.  119 . Sollten nicht Buri , Börr , Ođinn parallel sein den nur mit andern namen genannten Tvisco , Mannus , Inguio? dem Inguio stehen zwei brüder zur seite, Iscio und Hermino, wie dem Ođinn Vili und Ve, es würde sich erklären, warum der edda die namen Tŷski und Mađr mangeln, da sie durch Buri und Börr vertreten sind, und noch manches andere begreiflich werden. Tvisco heißt terra editus wie Buri aus dem stein hervorgeht; finden wir Ođinn an der spitze der Ynglîngar wie Inguio an der Ingaevonen, so darf darin bestätigung des satzes gesucht werden, daß Sachsen und Cherusker, bei denen vorzugsweise Wôdan gefeiert war, eben den kern der Ingaevonen bildeten. Hier mögen götter und halbgötter vielfach zusammenrinnen, stets aber scheint die eigentliche hauptgottheit, Wuotan, unter ihnen aufzutauchen. Ich fahre fort Tacitus auszulegen. In der vermutung, des Inguio oder Ingo bruder könne nur Iscio , Isco , nicht Istio, Isto geheißen haben, bestärkt mich alles. Darauf daß einzelne hss. des Tacitus wirklich Iscaevones lesen, soll weniger gewicht liegen: genauer wird nachzusehen sein, ob ST in Istaevones bei Plinius überall sicher ist, und selbst dies könnte noch nicht zwingen dem SC zu entsagen, Iscaevo war vielleicht schon bei den Römern der verderbnis in istaevo ausgesetzt, wie Vistula neben dem richtigeren 290 Viscula durchdrang. unabweisbar aber scheint in einer nicht aus Tacitus aufgenommnen überlieferung des mittelalters, bei Nennius Escio und Hisicion bei Nennius § 17 nehmen Stevenson und Sanmarte (s.  39 . 40 ) gerade die schlechteste lesart Hisitio auf. , in einem gälischen gedicht des 11 jh. Isiocon nachgewiesen von Leo in der zeitschr. f. d. alt. 2, 534. Nachtrag: Hat Dlugoss in seiner hist. polon. aus Nennius geschöpft? jb. d. Berl. spr. ges. 8, 20. vgl. Pertz 10, 314. . Soll alles nicht gelten, so reden innere gründe: wir haben in Tuisco und Mannisco eben der form isc ihr recht angethan, und Tuisto, das gleichfalls geschrieben vorkommt, widerstrebt jeder deutung. zu beiden aber stimmt in derselben stammsage der dritte name Isco . Statt des Tvisco und Mannus reicht die nordische fabel zwei andere benennungen dar, während sie Inguio in Ingvi beibehielt; sollte sich nicht auch Iscio nachweisen lassen? ich meine ihm in dem eddischen Askr auf der spur zu sein, welcher name wiederum von dem ersterschafnen menschen gebraucht wird (Sæm. 3. Sn. 10) und einen eschbaum bedeutet. seltsam scheint schon, daß wir in den runennamen diesem ask (die deutung mag den baum im sinn haben oder nicht) neben inc, ziu, er, lauter helden und göttern begegnen; unter den altn. namen der erde Sn. 220 b findet sich Eskja . aber auch der vocalwechsel in beiden namensformen Iscio und Askr gilt geradeso in der ableitungssilbe - isk und - ask . Hier mag ein verwegner einfall sich luft machen. in unsrer sprache wird das abstammungsverhältnis hauptsächlich durch zwei ableitungssilben ausgedrückt, ING und ISK. manning bezeichnet den von man stammenden sohn, mannisko fast dasselbe. ich sage nicht, daß die göttlichen vorfahren aus der grammatischen form genommen, noch weniger, daß die grammatische form aus den heldennamen entsprungen sei. ich lasse den tiefen zusammenhang beider unerklärt und zeige ihn bloß an. Wenn aber die proximi oceano wohnenden Ingaevones Sachsenstämme waren, die noch heute der ableitung -ing zugethan sind, so darf angemerkt werden, daß Asciburg ein heiliger sitz der Iscaevonen, die proximi Rheno hausten, am Rhein lag vgl. Askitûn (Ascha bei Amberg), Askiprunno (Eschborn bei Frankfurt), Askipah (Eschbach, Eschenbach) in mehrern gegenden, Ascarîh mannsname Nachtrag: Auch Ascafnaburg vom flüßchen Ascafa = Ascaha wird von Eckehardus uraug. gedeutet Askenburg , ab Ascanio conditore und ist ein castellum antiquissimum Pertz 8, 259. 758. vgl. über Asc und Ascanius s.  474 . . . Von Askr und dem bezug des namens auf den baum soll im XIX  cap. gehandelt werden; zu den Iscaevonen gehört aber noch, daß auch die Angelsachsen einen helden Oesc , folglich Oescingas kennen. Zeuß s. 73 gibt der lesart Istaevones den vorzug, er stellt sie zu den Astingi, Azdingi, die ich s.  283 für Hazdingi genommen und den altn. Haddîngjar, ags. Heardingas, ahd. Hertingâ verglichen habe. die annahme Istaevones = Izdaevones fordert, daß das goth. zd. = ags. rd, ahd. rt damals noch unter rheinischen Deutschen gegolten habe; ich kenne bisher weder ein ahd. Artingâ, Ertingâ noch ein altn. Addîngar, Eddîngar. Der stammheld würde 291 nach dieser, auf jeden fall sinnreichen und ferner zu prüfenden vermutung Istio  = Isdio , Izdvio, ahd. Erlo, altn. Eddi heißen, wozu der berühmte ausdruck edda proavia stimmte, dessen goth. form izdô, ahd. ertâ wäre. Izdo, Izdio proavus erschiene an sich ein treffender name für den stammherrn. Den wechsel zwischen i und a hätten beide deutungsversuche Iscaevones = Askingâ und Istaevones = Artingâ miteinander gemein. Länger noch als seine brüder wird uns des Mannus dritter sohn beschäftigen. Erminos nachkommenschaft vervollständigt den cyclus der drei großen hauptstämme Deutschlands: Ingaevones, Iscaevones, Herminones . ihre ordnung scheint gleichgiltig, und ist bei Tacitus bloß von der örtlichen lage entnommen; der einstimmige vocalanlaut läßt auf ein alliterierendes nebeneinanderstehn der drei stammhelden in deutschen liedern schließen. Die aspiration, von den Römern in Herminones wie in Hermunduri zugefügt, ist dem deutschen worte eigentlich fremd, wird aber auch von lat. schriftstellern des mittelalters in eigennamen, die mit Irmin zusammengesetzt sind, häufig beibehalten. im namen des historischen Arminius läßt sie Tacitus weg. Wie bei Inguio und Iscio muß für den namen des helden die sonst erweisbare schwache form Irmino Pertz 1, 200. 310. 2, 290. 463. 481; der abbas Irmino aus Carl des gr. zeit ist jetzt bekannt genug; auch der weibliche name Iarmin begegnet in urkunden. , Ermino , goth. Aírmana angesetzt werden: die ableitung Herminones und selbst die entstellungen Hisicion, Armenon und Negno bei Nennius bezeugen sie Nachtrag: Im alten lied auf Patricius 19 ed. Leo s. 32. 33 steht Eirimoin (Erimon). Heremon b. Diefenb. celt. 2 b , 387. 389. 391. . vielleicht ist sogar das stark gebildete Irman, Irmin, Armin davon zu unterscheiden. Weit häufiger als das einfache wort sind aber eine menge von zusammensetzungen mit irman-, irmin-, nicht bloß für eigennamen, sondern auch für andere sinnliche und abstracte ausdrücke: goth. Ermanaricus (Aírmanareiks), ahd. Irmanrîh, ags. Eormenrîc, altn. Iörmunrekr, wo das u zu dem volksnamen Hermundurus stimmt; ahd. Irmandegan, Irmandeo, Irmanperaht, Irmanfrit, Irminolt, Irmandrût, Irmangart, Irmansuint u. s. w. aufmerksamkeit verdienen die benennungen einiger thiere und pflanzen, das altn. Iörmungandr ist eine schlange, Iörmunrekr ein stier, das ags. Eormenvyrt und Eormenleáf soll eine malve sein, ich finde auch geormenvyrt, geormenleáf geschrieben. belege für irmangot, irmandiot, ags. irminthiod, irminman, irmansûl u. a. m. sind schon s.  97 . 98 gegeben. einer villa Irmenlô , d. h. eines waldes (in illa silva scaras sexaginta) gedenkt eine urk. von 855 in Bondams charterboek p. 32. silva Irminlô Lacombl. 1, 31. In diesen zusammensetzungen, besonders den zuletzt genannten scheint irman nur allgemeinen, verstärkenden sinn zu haben und sich nicht bestimmt auf einen gott oder held zu beziehen (vgl. Woeste mittheil. s. 44); es gleicht andern wörtern, namentlich got und diot, regin und megin, die wir ganz ähnlich verwendet 292 sehn. wohnte ihm jener bezug bei, so würde statt Eormenleáf Eormenes leáf gesagt sein, wie Forneotes folme, Wuotanes wec. Irmandeo ist also ungefähr was Gotadeo, Irmanrîh, was Diotrîh, und wie irmangot den großen gott, irmandiot das große volk, iörmungrund die große, weite erde, so kann auch irmansûl nichts anders als die große seule aussagen sollen, gerade diesen sinn faßte Rudolf in der übersetzung universalis columna (s.  97 ) auf. Das mag sein, nichts hindert aber, daß Irmino oder Irmin in früheren jahrhunderten persönliche bedeutung hatten, sahen wir doch neben Zeus und Tŷr die abstractionen deus und das präfix tŷ-, tîr- (s.  162 ) vgl. s.  281 . wurde aus Sæteresdäg später Saturday, Saterdach (s.  104 ), so darf Eritac auf Erestac (s.  167 ), Eormenleáf auf Eormenes leáf, Irmansûl auf Irmanessûl zurückführen; auch Donnerbühel für Donnersbühel (s.  142 ), Woenlet für Woenslet (s.  132 ) begegneten und wir sagen Frankfurt statt Frankenfurt. jemehr der sinn des namens verblich, desto leichter wurde auch die genitivische form entbehrt; der ahd. ausdruck godes hûs ist sinnlicher, der goth. guþhus abstracter, doch beide gelten, wie alts. regano giscapu und regangiscapu, metodo giscapu und metodgiscapu nebeneinander. jenes geormen = eormen mahnt an Germanus (gramm. 1, 11). Freilich unterscheidet Tacitus jenen Hermino , der ihm in Herminones steckt, von Arminius, den die Römer bekämpften; doch das bekannte auf diesen bezogne canitur adhuc barbaras apud gentes gieng leicht schon aus misverstand der kunde hervor, die von deutschen liedern auf den mythischen helden zu der Römer ohr gedrungen war. Gesetzt irmansûl drückte wörtlich nur eine große seule aus, dem volk, das sie verehrte, muß sie ein göttliches bild, also auf einen bestimmten gott bezüglich gewesen sein. um diesen aufzufinden hätte man nur zwischen zwei wegen zu wählen, entweder war er eine der drei großen gottheiten Wôdan, Thonar, Tiu, oder ein von ihnen unterschiednes wesen. Doch hier ist vor allem die schon s.  91 ausgehobne stelle Widukinds, des Sachsen selbst, zu erwägen; sie sagt, daß ein heidnischer gott gefeiert worden sei, dessen name an Mars , seulenbild an Hercules , örtliche aufstellung an die sonne oder Apollo gemahne. dann aber wird fortgefahren: ›ex hoc apparet aestimationem illorum utcumque probabilem, qui Saxones originem duxisse putant de Graecis, quia Hirmin vel Hermes graece Mars dicitur, quo vocabulo ad laudem vel ad vituperationem usque hodie etiam ignorantes utimur‹. Hieraus folgt, der gott, dem die Sachsen nach dem sieg über die Thüringer opferten, hieß Hirmin , Irmin , und noch im 10 jh. wurde mit diesem namen ein hervorragender, verwegner mann, lobend oder tadelnd belegt etwa wie wir heute sagen: das ist ein rechter teufel , oder in Niedersachsen hamer (s.  151 ). auch das praefix irmin - verstärkt nach der guten und übeln seite, wie irmingod, irminthiod könnte es geheißen haben irminthiob = meginthiob, reginthiob. . Apollo 293 wird von dem mönch verglichen, weil der altar ad orientalem portam gebaut war, und Hercules, weil dessen seule an die des einheimischen gottes erinnerte, es muß also kein anderes idol gemeint sein, als eben die irminsûl , (s.  95 –98) und dieser name eigentlich Irmines, Irmanes, Hirmines sûl lauten. an der Unstrut hatten die Sachsen ihrem Irmin eine seule aufgerichtet, wie sie in der heimat thaten. Verworren scheint das verhältnis zwischen Hirmin, Hermes und Mars, aus welchem Widukind sogar eine bestätigung der sage vom ursprung der Sachsen aus Alexanders heer (Widuk. 1, 2. Ssp. 3, 45) abnimmt. man muß erwägen, daß auch bei Wôdan mitunter Mars statt Mercurius übersetzt (s.  99 . 111 ) und das aussehn des römischen Mars (s.  110 ) angenommen wurde, dann aber wie leicht hier Irmin, Hirmin auf Hermes führte und Ares auf Mars, da Irminsûl selbst mit Eresburg zusammenhängt (s.  96 ). was der Corveier annalist (oben s.  92 ) unterscheidet, die beiden idole des Ares und des Hermes, mengt Widukind. Doch welcher hat nun auf Irmin anspruch, Mars oder Mercur? ich habe mich s.  163 mehr für jenen bestimmt, wie auch Müllenhoff bei Haupt 7, 384 Irmin gleich Ziu setzt, man könnte an die s.  169 entwickelte benennung des kriegsgottes Eru, Heru denken und Irman, Erman in Ir-man, Er-man zerlegen wollen; nach den formen Irmin, Eormen, Ermun, Iörmun hat dies wenig wahrscheinlichkeit, der name ist abgeleitet, aber einfach, nicht zusammengesetzt; niemals erscheint neben Ertag, dies Martis, die form Ermintac, Irminestac. Für Mercur hingegen stritte die zufällige der gr. aspirata entspricht bekanntlich deutsches S, kein H: ὁ, ἡ = sa, sô; ἑπτά sibun; ἅλς salz. , dennoch auffallende einstimmung des namens Irmansûl, Hirmensûl mit Ἑρμῆς und ἕρμα = pfahl, seule (s.  98 ), und daß gerade des Hermes bild oder haupt auf solchen hermen errichtet wurde, wie noch unser mittelalter die irmenseule auf Mercur bezieht (s.  96 ). Die Sachsen scheinen in Hirmin einen kriegerisch dargestellten Wôdan verehrt zu haben. Hat diese ansicht grund, so läßt sich zwar Wôdan in die alte heldenreihe einschalten, es ist aber die frage, ob nicht Irmin als wiedergeburt, als sohn des gottes zu betrachten, oder gar von dem gotte Irmin ein stammheld Irmino zu unterscheiden sei, wie bei Tacitus von Arminius Hermino? so wird von thiod, regin der name Thiodo, Regino gebildet. Zwischen Ing und Ingo, Isc und Isco wäre das schwerer durchzuführen, ich glaube aber sonst einen grundsatz aufstellen zu dürfen, der hier entscheidet: so oft volksstämme nach einem ihrer berühmten ahnen den namen empfangen, ist dieser ein vergötterter mensch, ein halbgott, niemals ein reingöttliches wesen. es gibt Ingaevones, Iscaevones, Herminones, Oescingas, Scilfingas, Ynglîngar (d. i. Ingîngar), Völsûngar, 294 Skiöldûngar, Niflûngar die patronymische ableitung ist nicht nothwendig, auch die Gáutôs, Gevissi, Suâpâ nennen sich nach Gâuts, Gevis, Suâp göttlichen helden. wie es Herakliden, Pelopiden gab, keine Vôdeningas, Thunoringas, wol aber einen Vôdening und Kroniden. den namen Vôdeningas hätten gewis die Angelsachsen geführt, an deren spitze überall Vôden auftritt, wenn es sitte gewesen wäre nach dem gott selbst zu heißen. die völker entstammen dem gott, allein durch vermittlung eines halbgotts, nach diesem nennen sie sich. ein volksname nach dem höchsten gott wäre frevelhafter stolz gewesen und menschlichem gemüte fremd. Da Niedersachsen, vorzüglich Westfalen ein hauptsitz des Irmincultus war, so dürfen sich wol neben Widukinds zeugnis von Hirmin einige spuren seines in diesem deutschen landstrich noch immer nicht ganz erloschnen namens stellen. Strodtmann verzeichnet die osnabrückischen redensarten: ›he ment, use herre gott heet Herm ‹ (sei gütig, zürne nicht); ›use herr gott heet nich Herm , he heet leve herre, un weet wal to te gripen‹; darin scheint leise sehnsucht nach der milden herschaft des alten heidnischen gottes unverhalten im gegensatz zu dem strenge richtenden und strafenden christlichen gott. Im sächsischen Hessen (an der Diemel), im Paderbornischen, Ravensbergischen, Münsterschen, im bisthum Minden und herzogthum Westfalen Rommels Hessen 1. anm. s. 66. Westphalia (Minden 1830) I. 4, 52. in Schumanns musical. zeitung von 1836 steht auch die singweise. lebt unter dem volke folgender reim: Hermen , sla dermen, sla pipen, sla trummen, de kaiser wil kummen met hamer un stangen variante: mit stangen und prangen, oder: mit hamer un tangen. prangen sind gleichfalls stäbe. wil Hermen uphangen. Hermen wird hier gleichsam aufgefordert kriegerisches spiel anzustimmen, saiten, pfeifen, trommeln erschallen zu lassen; der feind nahe mit hämmern und stangen und wolle Hermen aufhängen Nachtrag: Nach einer mittheilung aus dem Jülicher land wird Herme als nicht gar starkes schimpfwort von einem starken, aber tölpelhaften menschen gebraucht. doch sagt man dort auch: ›er arbeitet wie 'n Herme ‹, so rüstig, und die sage weiß manches von der riesenkraft des Hermen zu erzählen. vgl. den starken Hermel . KM. 3, 161. Herman, Hermanbock. Maaler 218 b . Firmenich 1, 363 b : einem weiß machen, daß unser Herrgott Herm heiße. Lyra Osnabr. 104: du menst wual, use hergott si'n aulen Joost Hierm . sehr merkwürdig heißt es schon in Lindners Katziporus 1558. O 3 b von einem stolzen adlichen, der toll und voll heimkam: da macht er sich ganz mausig, als wer er allein da, vermeint auch, unser hergott hieß Herman . über den reim: Hermen, sla dermen, der an den ähnlichen: ›Hamer, sla bamer, sla busseman doet‹ (s.  151 ) erinnert, vgl. Woeste s. 34. 43. Firmenich 1, 258. 313. 360. . Nicht unmöglich, daß sich in diesen durch lange tradition der jahrhunderte gegangenen, entstellten worten überreste eines liedes erhalten haben, das zu der zeit erscholl als Carl die Irmenseule zerstörte. auf den älteren Arminius und die Römer lassen sie sich weniger deuten man versuchte natürlich diese auslegung, einige setzen Hermann f. Hermen, andere geben einen zweiten erzählenden vers dazu, der aber kaum im munde des volks haftet: un Hermen slaug dermen, slaug pipen, slaug trummen, de fürsten sind kammen met all eren mannen, hebt Varus uphangen. . Das schlagen und die stangen erinnern an die sommerausträge. In der hessischen Werragegend liegt ein dorf namens Ermschwerd, das in älteren urkunden Ermeswerder, Armeswerd der gleiche vocalwechsel in dem ortsnamen Ermensulen (urk. von 1298 in Barings clavis dipl. p. 493 no. 15), ein westfälisches dorf, das heute Armenseul heißt. , 295 Ermeneswerde Dronke trad. fuld. s. 123, Ermeneswerethe (vita Meinwerci a. 1022. Leibn. 1, 551) heißt = Irmineswerid, insula Irmini, wie andere götter ihre auen haben. diese auslegung scheint durch mehr solcher ortsnamen gesichert. Leibnitz scr. 1, 9, Eccard Fr. or. 1, 883 und de orig. Germ. 397 geben Irmineswagen für das gestirn arctus, plaustrum coeleste an, ich bin des belegs noch nicht habhaft geworden, dieser wagen würde dem Wuotanswagen, Donnerswagen, selbst dem Ingswagen zur seite stehn. Erst jüngere ags. und verschiedentlich altengl. quellen, indem sie vier große England durchschneidende wege anführen, nennen darunter Ermingestrete , von süden nach norden der insel IIII cheminii Watlingestrete, Fosse, Hickenildestrete, Ermingestrete (Thorpe anc. laws p. 192), vgl. Heinrich von Huntingdon (wo Erningestreet), Robert of Glocester. Oxf. 1724 p. 299 (auch Erningestr. nach dem vorigen). Ranulph. Highden polychr. ed. oxon. p. 196. John Lelands itinerary. Oxf. 1744. 6, 108–140. Gibson in app. chron. sax. p. 47. Camdens Britannia ed. Gibson. Lond. 1753 p.  lxxix . auf der carte zu Lappenbergs gesch. v. England ist die richtung der vier wege eingetragen. . man darf aber die reinags. form Eormenstræt oder Eormenesstræt mutmaßen, da eine andere der vier straßen Vœtlingastræt bereits in der ags. chronik (Ingr. 190. Thorpes anal. p.» 38), in dem friedensschluß zwischen Alfred und Guthrun (Thorpe p. 66) und bei Kemble 2, 250 (a. 944) andlang Waetlinga straet vorkommt. Lye hat Irmingstræt neben Irmingsul , beide unbelegt. das vermutete Eormenstræt würde auf ein ahd. Irmanstrâza, Eormenestræt auf Irmanesstrâza und die bedeutungen via publica oder via Irmani leiten. Nicht zu übersehen für den fortgang der untersuchung ist nun, daß eine der vier landstraßen, Vætlingastræt zugleich an den himmel versetzt wird und ganz mythisches ansehn gewinnt. ein völlig bestimmter weg von Dover nach Cardigan sich erstreckend bildet am himmel die milchstraße , d. h. wird vom wagen irgend eines heidnischen gottes befahren. Chaucer (house of fame 2, 427) jene himmelsgegend beschreibend sagt: lo there (quod he), cast up thine eye, se yondir, lo, the galaxie, the whiche men clepe the milky way, for it is white, and some parfay, ycallin it han Watlingestrete , that onis was brente with the hete, whan that the sunn is sonne the rede, which that hite Phaeton wolde lede algate his fathirs carte and gie. im complaint of Scotland p. 90 wird von dem comet gesagt: it aperis oft in the quhyt circle, callit circulus lacteus, the quhilk the marynalis callis Vatlantstreit . im Virgil des Douglas p. 85: 296 of every sterne the twynkling notis he, that in the still hevin move cours we se, Arthurys house and Hyades betaikning rane, Watlingestrete , the Horne and the Charlewane, the feirs Orion with his goldin glave. Vætlinga ist ein deutlicher gen. pl., wer die Vætlingas waren, auf welche weise sie einer irdischen und himlischen straße namen gaben, wissen wir nicht. Chaucer der es vielleicht noch hätte erzählen können spielt lieber auf den griech. mythus an. Phaëthon auch eines gottes sohn, als er sich vermaß des vaters sonnenwagen zu lenken, versengte einen streif am himmel und das ist der weg den wir die milchstraße nennen. Nach der gewöhnlicheren vorstellung war es Here, die durch ihre am himmel versprützte milch, zornig über den ihrer brust untergelegten Hermes oder Heracles einen weißglänzenden kreis bildete. Sicher auch bei andern völkern ließen phantasie und sage die namen irdischer und himmlischer straßen untereinander laufen ich beschränke mich auf kurze anführung anderer benennungen der milchstraße . arabisch heißt sie tarik al thibn (via straminis); syrisch schevil tevno (via paleae); neuhebräisch netibat theben (semita paleae); pers. rah kah keshan (via stramen trahentis); copt. pimoit ende pitoh (via straminis); äthiop. hasare zamanegade (stipula viae); arab. auch derb ettübenin (pfad der heckerlingträger); türk. saman ughrisi (paleam rapiens, paleae fur); armen. hartacol oder hartacogh (paleae fur); alle diese namen laufen auf verzettelte spreu hinaus: ein flüchtiger dieb hat sie fallen lassen. Einfacher ist das arab. madscherra (tractus), nahr al madscherra (flumen tractus), und die römische vorstellung von dem weg der götter oder zu den göttern : auch irokesisch weg der seelen , türk. hadjiler juli (weg der waller), jeder pilger nach Mecca und Medina heißt hadji, hadschi. hieran schließt sich der im mitttelalter übliche, christliche name galaxias via sancti Jacobi , schon im catholicon des Joh. von Genua (13 jh.): camino de Santiago, chemin de saint Jaques, Jacobsstraße , slov. zesta v' Rim (weg nach Rom) von den pilgerfahrten nach Gallizien oder Rom, die zum himmel führten. auch der Jacobsweg oder pilgrimweg war zugleich auf erden und am himmel, bei Lacomblet nennen die urk. 184. 185 (a. 1051) einen Jacobswech neben der via regia. Altn. vetrarbraut (winterweg). Welsh caer Gwydion (oben s.  124 ) und Arianrod (silberstraße? was an Argentoratum rührt). Finnisch linnunrata (vogelweg), litth. paukszcziû kielês , vielleicht weil seelen und geister in gestalt der vögel ziehen; ungr. hadakuttya (via belli) weil die Ungern aus Asien einwandernd dieser constellation folgten Nachtrag: Fremde bezeichnungen der milchstraße sind noch folgende. Indianern heißt sie der aschenweg . Klemm 2, 161. auch nach walachischen märchen s. 285. 381 entsteht sie aus verzetteltem stroh, das die heilige Vinire (Venus) dem h. Petrus gestohlen hat. sie heißt bask. ceruco esnebidea, von eznea milch, also bloß via lactea. τὰς εἰς οὐρανὸν ψυχῶν νομιζομένας ὁδούς . Lucian. encom. Demosth. 50. lett. putnu zelsch , vogelbahn. Bergm. 66. vgl. πόρος οἰωνῶν aether. Aesch. Prometh. 281. lett. außerdem: deewa jahsta , gottes gürtel. Bergm. 115. (oder regenbogen? s.  611 .) arianrod wird auch ausgelegt als corona septentrionalis, ist buchstäblich aber silberkreis. die vielen ungrischen namen verzeichnet Wolfs zeitschr. 2, 162. 163. . Vroneldenstraet (s.  236 ) und Pharaildis fügen sich bedeutsam zu frau Holda und Herodias , deren schweifen durch die luft einen namen der milchstraße leicht erklärt, umsomehr als auch Wuotan , der mit Holda nächtlich jagt, in der welschen benennung caer Gwydion erscheint. selbst daß Diana dieser jagd, Juno der milchstraße angehören, stimmt, und götter oder geister ziehen auf dem himmlischen weg wie in der himmlischen jagd Nachtrag: Weitere deutsche benennungen der milchstraße sind: ostfries. dat melkpath und wenn sie besonders hell ist, harmswîth . Ehrentraut fries. arch. 2, 73. auf galaxia scheint man Gallicia bezogen zu haben, weshalb im eingang des Turpin Carl dem gr. die Jacobsstraße erscheint, die aus Frankreich nach Gallicien zieht. der weg uf Rom heißt sie in der Schweiz. Stutz 1, 106. westfäl. mülenweg ( anm. 2372 ), aber auch wiärstrate , wetterstraße. Woeste s. 41, wie in Jütland veirveien . Molbech dial. lex. 646, daneben arken . Molb. a. o. 18. dem altn. vetrarbraut , winterweg entspricht schwed. vintergatan . vgl. gothl. kaldgotu . Almqv. 432, wenn dies nicht Karlsweg heißen soll. vgl. Karlswagen. meint Otfr. I. 5, 5 mit sunnûnpad , sterrôno strâza , wega wolkôno die milchstraße? vgl. den wolkenpfad Somadeva 2, 153. 157. 58. 61. reise nach Himavan 1, 106. heerstraße (gasse), nämlich des wütenden heeres heißt sie in Meiers schwäb. sag. 137. 139. herstraß Mone 8, 495. oberpfälz. hyrstrauß . heerweg . Bergmann 115. 118. 124. helweg (s.  669 ). für die mythologie besonders wichtig sind: frauen Hulden straße, vron Hilden straet und Pharaildis sidus. s.  235 –237. dann galaxa, in duutsche die Brunelstraet . naturk. von broeder Thomas (Glarisses Gheraert s. 278). . . Einen merkwürdigen beleg dafür bietet die einheimische überlieferung dar; durch sie werden wir Irmin, von dem wir uns fast entfernt zu haben scheinen, wieder erreichen. Widukind von Corvei ist der erste, der aus alten liedern die schöne durchweg epische erzählung vom sieg der Sachsen über die Thüringer gibt man vgl. die abweichende gleichfalls alte darstellung aus hochd. gegend in Goldast script. rer. suev. p. 1–3, wo Schwaben die stelle der Sachsen einnehmen. den Widukind schreibt die Auersberger chronik aus, ed. Argent. 1609. p. 146–148. Eckehard bei Pertz 8, 176–178. , die früher Ruodolf (Pertz 2, 674) bloß 297 berührt. Irmenfried könig der Thüringer bedrängt von Dieterich könig der Franken rief die Sachsen zu hilfe: sie erschienen und fochten tapfer. er aber in seinen gesinnungen wankend gemacht unterhandelte insgeheim friede mit den Franken und beide völker wollten sich nun gegen der Sachsen furchtbares heer vereinen. doch des verraths inne werdend kamen die Sachsen zuvor, von dem alten Hathugât angeführt drangen sie in die burg der Thüringer und erschlugen alle; die Franken standen still und priesen den kriegsruhm der Sachsen. Irmenfried entfloh, dann trüglich gelockt kehrte er in Dieterichs lager zurück. In diesem lager weilte Iring Irmenfrieds rathgeber, durch dessen kluge anschläge ihm vormals große dienste geleistet worden waren. Als Irmenfried vor Dieterich kniete, stand Iring dabei und erschlug, von Dieterich gewonnen, seinen eignen herrn. Nach dieser unthat verwies ihn der Frankenkönig aus seinen augen, Iring aber sagte: ›eh ich gehe, will ich meinen herrn rächen‹, zog sein schwert, erstach Dietrich, legte seines herrn leib über den des Franken, auf dass der im leben besiegte im tod überwände, bahnte sich weg mit dem schwert (›viam ferro faciens‹) und entrann. ›mirari tamen non possumus‹, fügt Widukind hinzu, ›in tantum famam praevaluisse, ut Iringi nomine , quem ita vocitant, lacteus coeli circulus usque in praesens sit notatus‹. oder nach der Auersberger chronik: ›famam in tantum praevaluisse ut lacteus coeli circulus Iringis nomine Iringesstrâza usque in praesens sit vocatus‹. (sit notatus bei Pertz 8, 178.) Zur bestätigung liefern ags. glossen von Junius gesammelt (symb. 372) ›via secta: Iringes uuec ‹. daher entlehnt ist › Iringes veg , via secta‹ bei Somner und Lye. vgl. via sexta iringesuuec Haupts zeitschr. 5, 195. ungedruckte glossen der amplonianischen bibl. zu Erfurt ( 10 / 11  jh. bl. 14 a ) haben ›via secta: Iuuåringes uueg ‹, welches Iuwaring sehr bemerkenswerth zu der noch späteren form Euring in Euringsstraß bei Aventin 102 b 103 a stimmt. Im Nibelungenlied 1285. 1965–2009 erscheinen diese helden wieder, es sind die nemlichen, aber verschieden gefaßt, der hochd. recension bei Goldast verwandter wie schon ausgeführt ist deutsch. heldens. p. 117. : Irnvrit von Düringen und Irinc von Tenemarke, jener landgraf, dieser markgraf, beide dienstmannen Etzels. das lied von der klage fügt hinzu, in des reiches acht seien sie gefallen und nach Hunenland geflohen; worin sich eine spur der verweisung zeigt, die Dieterich über Iring ausgesprochen. nach den gedichten des 13 jh. ist aber Irinc nicht rathgeber, noch weniger verräther und mörder Irnvrits: beide sind verbundne freunde, beide erliegen dem unwiderstehlichen Hagene und Volker. 298 Zu allem diesem kommt, daß die Vilk. saga cap. 360, während sie Irnfrieds geschweigt, Irungs letzten kampf mit Hogni berichtet und ihn an einer steinmauer niedersinken läßt, die zur erinnerung an den helden bis heute › Irûngs veggr ‹ heiße. der nord. bearbeiter verwechselte vegr (via) mit veggr (murus), seine deutsche quelle muß gehabt haben Iringes vec , mit bezug auf das ›weg bahnen‹ bei Widukind. Jetzt erst sind schlüße, die wir ziehen wollen, vorbereitet: die deutsche sage wuste von einem Iringes wec auf der erde und an dem himmel , wie die ags. von einer doppelten Vætlingastræt, oder wie der weg nach Rom und S. Jacob zugleich an das firmament gestellt wird. solche vorstellungen von weg und wagen sind, wissen wir, heidnisch und verkündigen göttersagen. Der thüringische Irnvrit früher Irmanfrit ist füglich derselbe mit Irman , Irmin (vgl. Sigfrit, Sigmunt, Sigi) und die Hermunduri  = Irmanduri hängen deutlich zusammen mit den Duringen (Thüringern), so daß Irman in thüringischer tradition vorzüglich bedeutsam wird. redete sie von einem Irmines wec , so fügte sich alles. Sie redet aber, an drei, vier stellen, von einem Iringes wec . die namen Irinc und Irmin haben (außer der im alten lied hier gewis wirksamen alliteration) nichts gemein, jenem gebührt î oder iu nach dem öftern übertritt aus der vierten in die fünfte vocallautreihe (wie hîrât und hiurât, nhd. heirat und heurat, oder tîr und tđr, oben s.  162 ) Iurinc (erweitert in Iuwarinc, wie das ahd. possess. iu in iuwar); gerade so wechseln im 16. 17 jh. Eiring und Euring . Hiring für Iring lesen einige hss., wie Hirmin für Irmin, doch Heuring für Euring habe ich nicht gefunden, es könnte an ein sächs. hevenring gemahnen, da der regenbogen himmelring heißt. auch ein alter ags. name des Orion Eburđrung , Ebirđring scheint irgendwie anzuklingen, besonders an jenes Iuwaring . , sie allein können sich nicht vertreten haben. Entweder hat nun die sage der beiden freunde in einander übergegriffen und Irmines weg auf Iring übertragen, oder Iring (auch als eigenname ziemlich häufig, z. b. trad. fuld. 1, 79) ist für sich selbst ein verdunkelter halbgott, der gleich Irmin, seinen eignen weg und wagen hatte. nur scheint Irmins verehrung tiefer begründet, wie schon das bild der Irmansûl zeigt. den ortsnamen Iringes purc lese ich MB. 7, 47. 157. 138. 231. Iringisperc 29, 58. Bis hieher aufgespart habe ich einiger nordischen überlieferungen zu erwähnen, die offenbar auf die irdische heldenstraße in bezug stehen. Es war althergebracht, daß ein neuer könig, wenn er das reich übernahm, auf der großen heerstraße durch das land ziehen und dem volk seine freiheiten bestätigen muste (RA. 237. 238). in altschwed. gesetzen heißt das › Eriksgatu ridha‹, den Erichsweg reiten noch im 15. 16 jh. galt der ehrwürdige brauch : ›statuta provincialium generose confirmavit et sigillavit in equitatu, qui dicitur Eriksgata ‹. diarium vazstenense ad a. 1441 (ed. Benzel, Ups. 1721) p. 86. ›rex Christoferus Sueciae et Daciae equitatum fecit qui dicitur Eriksgata secundum leges patriae‹. ibid. ad a. 1442. auch Gustav Wasa ritt seine Eriksgata. . Schweden zählt eine menge von königen 299 des namens Erik (altn. Eirîkr), sie sind aber alle schon historisch und auf keinen derselben läßt sich die sitte der Eriksgata zurückführen. Mit dem königsnamen Erik muß sich den Schweden schon frühzeitig die idee eines gottes oder vergötterten königs verknüpft haben, die von Rimbert, einem schüler Ansgars, geschriebene vita Anskarii hat darüber eine merkwürdige stelle (Pertz 2, 711). als um das jahr 860 dem könig Olef das christenthum angemutet ward, gab ein heidnischgesinnter vor, ›se in conventu deorum , qui ipsam terram possidere credebantur et ab eis missum, ut haec regi et populis nunciaret: »vos, inquam für inquimus, wie sonst inquit für inquiunt. , nos vobis propitios diu habuistis, et terram incolatus vestri cum multa abundantia nostro adjutorio in pace et prosperitate longo tempore tenuistis, vos quoque nobis sacrificia et vota debita persolvistis, grataque nobis vestra fuerunt obsequia. at nunc et sacrificia solita subtrahitis et vota spontanea segnius offertis was der einzelne mensch opfert (votum), gegenüber dem öffentlich und gemeinsam dargebrachten (sacrificium), vgl. oben s.  47 . et quod magis nobis displicet, alienum deum super nos intro ducitis. si itaque nos vobis propitios habere vultis, sacrificia omissa augete et vota majora persolvite, alterius quoque dei culturam, qui contraria nobis docet, ne apud vos recipiatis et ejus servitio ne intendatis. porro, si etiam plures deos habere desideratis, et nos vobis non sufficimus, Ericum , quondam regem vestrum, nos unanimes in collegium nostrum asciscimus so wird könig Hâkon in die gesellschaft der götter aufgenommen, Hermôđr und Bragi gehen ihm entgegen: ›siti Hâkon međ heiđin gođ‹. (Hâkonarmâl). , ut sit unus de numero deorum .« ich habe die ganze stelle, weil sie vortreflich die stimmung der heidnischen partei und die schon verbreitete lauheit für das heidenthum ausdrückt, hergeschrieben: die heidenpriester dachten ihrer götterschaar einen frischen helden zuzugesellen Dahlmann mutmaßt auf den upsalischen Erik († 804). . Hierdurch scheinen jüngere Eriche vom anspruch an die Eriksgata ausgeschlossen; wahrscheinlich mischten sich, wenigstens bei Rimbert, schon damals überlieferungen von einem göttlichen Erik ein. Welcher gott oder gottheld aber in Erik stecke, das kann jetzt nicht länger zweifelhaft bleiben. ich hatte früher an Er (Mars) gedacht, weil einigemal für Ertag die form Erctag angetroffen wird (s.  103 ), doch der kurze vocal in Er, der lange in Irinc, Eirîkr mahnen schon ab. statt Eriksgata begegnet auch Riksgata , und damit sind wir entschieden auf Rîgr , den irdischen namen des gottes Heimdallr gewiesen, der nach der edda die grünen wege (grœnar brautir) der erde wandelt, die drei menschengeschlechter zu erzeugen. in den grünen irdischen wegen sind die weißen, leuchtenden des himmels abgespiegelt altd. blätter 1, 372. 373. . Was aber schon s.  194 aufgestellt wurde, daß die altn. form Rîgr durch kürzung 300 und verdichtung aus Irîngr entsprang, erreicht nunmehr aufschluß und fast sicherheit. Heimdallr wohnt in Himinbiörg an der bebenden rast, dem regenbogen, d. h. der brücke oder dem weg, auf welchem die götter vom himmel zur erde niedersteigen. der regenbogen ist der himlische ring, wie die milchstraße der himlische weg, Heimdallr dieses weges hüter, Heimdallr ist Rîgr  = Iring , auf erden wandelnd und an den himmel versetzt, nun fassen wir, warum bei den völkern manigfaltige sage von Eriksgata, Iringeswec, Iringesstrâza haftet, und bald auf die eine bald auf die andere erscheinung des himmels übertragen ist. Iring grenzt durch Iuivaring an Eburđrung den alten namen für Orion Nachtrag: Wie Juuåringes weg und Euringsstraß neben Iringes weg vorkommen, so heißt in älteren urkunden das schloß Eurasburg Iringesburg (Schm. 1, 96). Irinc ist Nib. 1968, 2 ein jüngling, 1971. 1989 markgraf und Hâwartes man, nach der Klage 201. 210 ze Lütringe geborn. über den sinn des wortes vgl. 606. 961. kl. schr. 3, 234. wie ich bereits in der Irmenstraße. 1815 s. 49, hält Finn Magnusen in seiner vorrede zu Rîgsmâl s. 151 den Ericus des Ansgar, sowie den Bericht des Jornandes zu Rîgr , ebenso die Eriksgata . vgl. den teufelsnamen gammel Erich (s.  826 ). daß Erich ein vergötterter König war, geht aus dem der ausgehobenen stelle der vita Anskarii folgenden satze deutlich hervor: nam et templum in honore supradicti regis dudum defuncti statuerunt et ipsi tanquam deo vota et sacrificia offerre coeperunt. . Wenn aber unsere heldensage Irmenfrit d. i. Irmin zu Iring gesellt, Irminsstraße und Iringsstraße wechseln, muß auch in der göttersage manche berührung zwischen Irmin = Ođinn und Iring = Heimdallr eingetreten sein, Heimdallr war Ođins sohn und die welsche milchstraße heißt geradezu nach Gwydion d. i. Voden. von der Irminsûl theilten sich vier wege durch das land, Eriksgata wurde nach vier richtungen gezogen; solche vier straßen kennt auch die englische überlieferung, doch nur einer verleiht sie den namen Ermingestret, dem übrigen andere mythische. Für beide, Irmin und Iring, scheint sowol die göttliche persönlichkeit als der übergang in die heldennatur nachgewiesen. Nachdem ich die uralte trilogie der deutschen volksstämme ausgelegt habe, sollen einige vermutungen über die siebentheilige unterscheidung vorgetragen werden. die fünftheilige bei Plinius scheint minder begründet, seine Vindili sind des Tacitus Vandilii, seine Peucini auf keinen stammherrn zurückführbar. Tacitus aber fügt jenen dreien noch vier weitere hauptvölker hinzu, die Marsi, Gambrivii, Suevi und Vandilii, wobei weder alliteration noch schwache form als zeichen der ableitung obwaltet. Die Marsi, ein uralter bald erloschner stamm zwischen Rhein und Weser, bei dem sich das Tanfanaheiligthum befand, leiten auf einen helden Marso , den man nicht mit dem römischen Mars (Martis) noch Marsus (der Circe sohn, nach welchem gleichfalls ein italisches volk benannt wurde, Gellius 16, 11. Plin. 7, 2 und Augustin in ps. 57) vermischen darf. auch die Marsigni = Marsingi, ein suevisches volk, erkennen jenen namen und ursprung. der eigenname Marso begegnet bei Mabillon no. 18, in einer urkunde von 692, auch im polypt. Irminonis p. 158 a 163 b , sonst aber selten. Mersi burg und Marse burg Pertz 8, 537. 540 darf verglichen werden, einige andere oben s.  167 angegebne namen leiden zweifel, ich weiß nicht ob die mhd. an sich dunkle redensart hierher gehört: zuo zallen marsen varn. Ms. 1, 25 a , was bedeuten könnte: zu allen teufeln fahren, sich allen gefahren aussetzen. vgl. einen marsen man Grane 2865. der wurzel verwandt schiene das goth. marzjan (impedire, offendere), das aber ahd. zu merrian, merran wird. 301 Den namen Gambrivii überweise ich der wurzel gambar, kambar strenuus, aus dem sich auch die benennung der langobardischen stammmutter Gambara herleitet. es darf ebenwol einen helden Gambaro gegeben haben. auch der wald Gambreta für Gabreta ist zu erwägen. Gambaras beide söhne heißen Ibor  = ahd. Epur, ags. Eofor, altn. Iöfur, d. i. eber (aper) heid, und Ajo . alle drei namen scheinen bei Saxo gramm. verderbt. Ob neben den Suevi, ahd. Suâpâ ein eponymus Suevo , Suâpo anzunehmen und vielleicht eine alte bergsage auf ihn zu beziehen ist? Plinius 4, 13 setzt ins land der gens Ingaevonum, quae est prima Germaniae, den Sevo mons immensus bis zum sinus codanus, und nach ihm sagt Solinus 22, 1: mons Sevo ipse ingens . . . initium Germaniae facit, hunc Inguaeones tenent, woraus aber Isidor orig. 10, 2 macht: dicti autem Suevi putantur a monte Suevo , qui ab ortu initium Germaniae facit. offenbar hiernach heißt es im Annolied 284 von den einwandernden Swâben: si sluogen iri gecelte ane dem berge Suebo (so l. m. für Suedo), dannin wurdin si geheizin Suâbo kaiserchr. 285: sîn gecelt hiez er slahen dô ûf einin berc der heizit Swero , von dem berge Swero sint sie alle geheizen Swâbo. man bessere Swevo Nachtrag: Suevi a monte Suevo . chr. salern. b. Peiiz 5, 512. a Suevio monte. Haupts zeitschr. 4, 493. GDS. 323. . . in den niederd. psalmen 57, 17 wird mons coagulatus verdeutscht berg sueuot , was sich vielleicht aus der sage von dem lebirmere erläutert. wichtiger scheint, daß Sæm. 164. 168 die Sefa fiöll gerade in den Helgaliedern genannt werden, deren eines auch von Swafa land, könig Svaf nir und der valkyrie Svava singt. nach s pflegt aber v verschiedentlich auszufallen, und die lesarten Sevo, Suevo können sich ausgleichen. Suâpo gäbe dann ein gegenstück zu Etzel und Faírguns (s.  140 . 143 )? kaum darf der ags. Sveppa, eher Sväfdäg hierher genommen werden. Die Vandilii des Tacitus und Vindilii des Plinius verhalten sich wie Arminius und Irmin, Angrivarii und Ingriones; beide formen gehören zu winden und wenden, aus welchen mehrfache mythische bezüge fließen. Wuotan hieß in verschiednen namen der wandelnde, wandernde (s.  135 ). Es bleibt gewagt, auf solche unterlagen der volksnamen Marsi, Gambrivii, Suevi und Vandilii zu bauen. Tacitus knüpft sie zwar an Mannus, nennt aber die helden nicht selbst, geschweige daß er sonst von ihnen näheres berichtete. Desto ausdrücklicher und bestimmter lauten seine meldungen von einem andern berühmten heros: fuisse apud eos et Herculem memorant, primumque omnium virorum fortium ituri in proelia canunt. Germ. 3. bei den opfern, nachdem zuerst des Mercurius erwähnt ist, heißt es cap. 9 alsogleich: Herculem ac Martem concessis animalibus placant, er steht mit absicht sogar vor dem Mars. als des oceans an der küste der Friesen gedacht ist, fügt cap. 34 hinzu: et superesse adhuc Herculis columnas fama 302 vulgavit, sive adiit Hercules , seu quidquid ubique magnificum est, in claritatem ejus referre consensimus. nec defuit audentia Druso Germanico, sed obstitit oceanus in se simul atque in Herculem inquiri. mox nemo tentavit, sanctiusque ac reverentius visum de actis deorum credere quam scire. die ann. 2, 12 nennen uns eine silva Herculi sacra, zwischen Weser und Elbe im Cheruskerlande, castra Herculis setzt die peutingerische tafel unweit Noviomagus (Nimwegen). Dies alles ist bedeutsam und zielt auf einen halbgott, der nicht unbedächtig dem römischen gleichgestellt ist. Hercules, dessen thaten in weitentlegnen ländern vollbracht wurden, soll auch Germanien besucht haben, und den gaditanischen seulen am einen ende Europas stehen ähnliche auf dessen andrer seite im friesischen ocean gegenüber. des Hercules preis erschallt zuerst im deutschen schlachtgesang und ihm fallen, wie den höchsten göttern opfer, ihm ist ein wald geheiligt. Von seulen scheint aber noch Widukind zu wissen, indem er bei Hirmin eine effigies columnarum nennt, nicht columnae. war für die irmansûl der pl. irmansûlî (s.  95 ) genauer, hatte das bild mehrere seulen? Dachte der Römer unter Hermin und Herminones an Herakles und Hercules, in dessen namen die wurzel Ἥρα, Hera deutlich vorlag? behielt Tacitus die aspiration darum für Herminones und Hermunduri bei, nicht für Arminius? lautannäherung der beiden namen des römischen und deutschen helden darf doch vorausgesetzt werden. zwar die lage von Herculis silva und columnae fügt sich nicht recht den Herminonen, gewis aber muß eines solchen helden cultus viel verbreiteter gewesen und nicht auf den stamm zu beschränken sein, dem er den namen verlieh. In dem deutschen Irman, Irmin scheint der aspirierte anlaut richtig zu fehlen, wie in Arminius, in Cherusci ist er unentbehrlich, weshalb auch die römische schreibung kein Herusci bietet. Will man sich unter Hercules einen der großen götter selbst vergegenwärtigen, so scheinen Mercur und Mars auszuschließen, von welchen er cap. 9 unterschieden wird, d. h. Wuotan und Zio. Donar d. h. Jupiter für ihn zu halten, wie Zeuß s. 25 thut, sehe ich keinen andern grund als den, daß der nord. Thorr, gleich Hercules, zahllose heldenthaten verrichtet, die aber auch Irmin beigelegt werden dürfen, und Irmin und der donnergott haben sonst keine gemeinschaft. doch ist für Hercules = Donar vielleicht die s.  134 beigebrachte ags. stelle zu erwägen. auch war Herakles sohn des Zeus und feind der riesen. Hercules schien mir früherhin dem Sahsnôt, Seaxneát, welchen die entsagungsformel neben Thunar und Wôden hochstellt, vergleichbar, um des Hercules Saxanus willen, dessen beiname aus saxum = sahs gedeutet werden könnte. doch die inschriften, auf welchen dieser Hercules Saxanus angetroffen wird, reichen über Deutschland hinaus und fallen mehr dem römischen cultus zu. unser Sahsnôt ist mit besserm fug dem Zio überwiesen worden (s.  169 ), auf welchen Hercules nicht anzuwenden bleibt. 303 Irmins ansprüche sind, dünkt mich jetzt, begründeter, wie Hercules des Jupiter mag er Wôdans sohn, und in schlachtliedern, in denen, die Tacitus von Arminius deutete, wird er gemeint sein, wenn sie schon auch auf Mars passen (s.  171 ) Nachtrag: Über die castra Herculis bei Noviomagus Ammian. Marc. 18, 2. bei den riesigen gebeinen Hugleichs an der Rheinmündung (Haupts zeitschr. 5, 10) könnte man sogar an die Herculis columna, die dort stand, denken (s.  anm. 966 ). über Hercules Saxanus Mannhardt germ. mythen s. 230 und über die inschriften vgl. myth. 1 s. 203. Herculi in Petra . Gruter 49, 2. πεδίον λιϑῶδες an der Rhone Preller 2, 147. Wolframs Wh. 357, 25. 386, 6. 437, 20. . Schwerer hält es eine ansicht über Ulysses zu fassen: ceterum et Ulixem quidam opinantur longo illo et fabuloso errore in hunc oceanum delatum adisse Germaniae terras, Asciburgiumque, quod in ripa Rheni situm hodieque incolitur ab illo constitutum nominatumque; aram quin etiam Ulixi consecratam adjecto Laertae patris nomine eodem loco olim repertam. Tac. Germ. cap. 3. man hat in Odysseus Ođinn, in Asciburg Asburg gesehn, wenn aber Wuotan auf Mercur den gott führte, kann es hier nicht den helden meinen, und Askiburg noch weniger auf die nordische form der asen, die in dieser gegend ansen geheißen hätten, bezogen werden. ich will hier eine andre mutmaßung wagen. war Ulixes nach Tac. stifter von Asciburg , so ist nichts einfacher als bei ihm selbst an Isco , Escio , Asko zu denken (s.  290 ), hätte Isco die Römer auf Ul-ixes gebracht, wie sicher wäre sc in Iscaevones. Mannus des Isco vater könnte auf Laertes geführt haben, insofern λαός und λᾶος mit einer schöpfung des ersten mannes (der origo gentis war) aus stein und fels (s. cap.  XIX .) verknüpft wurden, Asko erwuchs gerade so aus dem baum, δρῦς und πέτρη stehn sinnvoll im mythus zusammen. wie liut aus liotan mag λαός aus einer wurzel mit λᾶος, λᾶας kommen. Die interpretatio romana gieng eher analogien des begrifs nach, als des lauts, darum will ich auch bei Castor und Pollux nicht an die brüder Hadu und Phol (Baldr) denken. Nachtrag: Ulixes = Loki. Sn. 78. zu Laertes , dessen namen Pott 1, 222 als volksschützer erklärt, vergleiche des Ptolemaeus Λακιβούργιον. . Am allerschwersten sind aber gerade diese beiden zu deuten, die stelle wurde schon s.  53 mitgetheilt und eine beziehung von alx auf den ort des cultus dieser göttlichen helden versucht; ich gestehe, daß sie noch nicht genügt. heldenbrüder hat unser alterthum genug aufzuweisen, doch keine zwillinge mit einem an Alci , wenn dieser pl. von Alcus statthaft ist, gemahnenden namen. es fällt mir ein, daß unter Odins namen Iâlkr (Sæm. 46 b 47 b ) erscheint, im vermländischen dialect aber jolk einen knaben bezeichnet Almqvist svensk språklära. Stockh. 1840. s. 385 a . . das liegt uns näher als der samogitische Algir (angelus est summorum deorum, Lasicz p. 47), wozu die wörterbücher bloß alga (lohn) darreichen. Völlig unsicher ist die vergleichung der slavischen selbst noch der auskunft bedürftigen götter Lel und Polel litth. ist lele pupa, akies lele pupilla, leilas schmetterling. Nachtrag: Wie Castor und Pollux erscheinen auch in deutschen sagen zwei jünglinge, engel, heilige, in der schlacht, oder wehren dem feuer (s. anm. 9 ). duo juvenes candidis circumamicti stolis , animam a corpore segregantes, vacuum ferentes per aërem. Jonas Bobb. in vita Burgundofarae (Mabillon 2, 421). vgl. s.  698 . duo juvenes in albis , die dem feuer wehren, erwähnt annal. Saxo s. 558. chronogr. Saxo bei Leibnitz 122 aus Einh. ann. Pertz 1, 348. man gedenke auch des engels, der das schwert wischt, in Roths predigten s. 76 und des würgengels. litthauische sagen nennen einen riesen Alcis. kurl. sendungen 1, 46. 47. Jalg eđa Jalkr . Sn. 3. Jalkr soll nach Magnusen senex eviratus sein. . Nach allen diesen proben bei Tacitus darf man auf eine ziemlich ausgebildete heroologie aller deutschen völker schließen, und wenn uns die alteinheimische quelle zugänglich geblieben wäre, würde sich eine viel genauere einsicht in ihr wesen und ihren zusammenhang schöpfen lassen. So aber sind uns viele jahrhunderte 304 später nur bei einzelnen stämmen, namentlich Gothen, Langobarden, Burgunden, vorzüglich jedoch Angelsachsen und Scandinaven dürre geschlechtsreihen bewahrt worden, welche zwar die anknüpfung der späteren könige an die alten götter und helden, nicht aber das lebendige verhältnis der mythen überschauen lassen. doch könnten wir zufrieden sein, wenn sich auch bei den Franken und den übrigen völkern des innern Deutschlands dergleichen genealogien erhalten hätten. Die wichtigsten scheinen die angelsächsischen und der anhang liefert sie ausführlich. alle geschlechter gehn von Vôden , wie die meisten griechischen von Zeus aus, es war ein stolzes gefühl in dem höchsten aller götter entsprossen zu sein. unter den söhnen ragen Saxneát und Bäldäg hervor, denen selbst noch göttlichkeit zustand; aber manche andere namen haben anspruch auf uraltes heldenthum, z. b. Sigegeát und Vôdelgeát ahd. Wuotilgôz (zeitschr. f. d. alt. 1, 577) vgl. wüeteln oben s.  109 Wodelbier s.  129 Nachtrag: Merkwürdig ist im pass. 64, 41 ein wuotegôz (l. wüetelgôz. Haupts Neidhart s. 117) unreiner = Wuotilgôz. vgl. wüetgusz oder groz wasser. weisth. 3, 702. in wuetgussen , eisgussen und groszen stürmen. a. o. 3, 704. vgl. oben s.  136 und Wuetes , Wüetens . Schm. 4, 203. GDS. 440. 774. 775. . , beide dem goth. Gáut vergleichbar, Freávine , Vuscfreá , Sæfugel , Sigefugel und Vesterfalcna ; viele sind uns verdunkelt. ein bloßes appellativ scheint Câsere , das in andern ags. denkmälern für cyning gebraucht wird Boeth. 38, 1 heißt Agamemnon câsere und Ulysses cyning; in einer urk. bei Kemble 2, 304 Eádred cyning and câsere. und nach analogie des röm. caesar die natur eines eigennamens gewonnen hat. Alle diese genealogien geben aber bloß namen der söhne und enkel des gottes, niemals die ihrer mütter und großmütter, und die sage, welche wie bei den Griechen das verhältnis zu beleben hätte, entgeht uns gerade. Gehaltiger werden, neben den genealogien, einige nordische überlieferungen. Völsungasaga hebt damit an, daß Ođinn vater des Sigi war, doch das nähere über diese verwandtschaft bleibt vorenthalten; Rerir , des Sigi sohn steht in unmittelbarer hut der höchsten gottheiten. Ein andermal wird umgekehrt Sn. 84–86 berichtet, wie Ođinn unter dem namen Bölverkr (ahd. Palowurcho?) dem riesen Baugi diente, um zu dem göttertrank zu gelangen, welchen dessen bruder Suttûngr durch seine tochter Gunnlöđ hüten ließ: zwischen ihr und dem gott entspann sich ein liebesabenteuer, auf das auch Sæm. 12 b 23 a b 24 a dunkel angespielt ist, nirgends aber geschieht meldung, welche helden in den drei nächten, die Ođinn mit der riesentochter zubrachte, erzeugt wurden. Gunnlöđ gehört zum geschlecht der riesen, nicht der menschen, was ebenfalls von Gerđr gilt, um die Freyr buhlte, vielleicht von andern, die nicht unter die âsynjor gerechnet werden. Auch bei den Griechen konnte aus dem bund zwischen göttern und titanentöchtern ein held, ja gott (vgl. Tŷr 172 ) entsprießen. Nur Saxo p. 66, keine andere quelle nennt uns einen norwegischen könig und held Frogerus , ut quidam ferunt, Othino patre natus, dem die götter verliehen hatten im kampf unüberwindlich zu sein, außer wenn 305 ihm der gegner den staub unter den füßen greifen könne ein zeichen der überwindung? wie der besiegte diesen staub darreichte (RA. 111. 112). , was der dänische könig Frotho durch hinterlist zuwege brachte. sollte dieser Froger der ags. Freođegâr, Fređegâr in der genealogie von Wessex sein, dessen vater, Brond, großvater Bäldäg, urgroßvater Vôden war? die altn. stammtafel scheint Friođegar mit Frođi, seinem gegner zu mengen noch mehr liegt der ags. name Frôdheri ab (Beda, 2, 9 § 113). . Nach dem formâli der edda p. 15 und Yngl. saga c. 9 führte Norwegen sein ältestes königsgeschlecht auf Sæmîngr zurück, den Ođinn mit Skađi früher Niörđs gattin zeugte, andere schreiben Semîngr , was pacificator bedeutet und wieder auf jenen Friđgeir leiten würde. Skađi war des iötunn Thiassi tochter, und in Sigurđardrâpa heißt Sigurđr Lađaiarl ›afsprîngr Thiassa‹ (Th. progenies). Herrauđssaga cap. 1 läßt den Hrîngr von Gauti , diesen von Ođinn stammen, Gautr oder Gauti (wie Ing und Ingo, Irmin und Irmino), goth. Gáuts, ahd. Kôz, ags. Geát, beiname, sohn oder ahne Ođins kann seine göttlichkeit nicht verleugnen (vgl. s.  304 ); auch Godvulf, sein sohn, von einigen mit jenem Folcvalda vermengt, scheint mythisch. auf Gáuts leiteten ihr geschlecht die Gáutôs (Kôzâ, Γαυτοί), d. h. andere als die Guþans (Tac. Gothones, Γότϑοι) aber ihnen doch zugewandt, weil eben die gothische genealogie oben an mit jenem Gáuts beginnt. Ferner heißt Sigrlami Ođins sohn (fornald. sög. 1, 413. 414). Wer aber ist Bous (gen. Boi) Othini ex Rinda filius bei Saxo gramm. 46? etwa Biar , Biaf, Beav = Biovulf (s.  306 )? Saxo 122 nennt uns auch einen von Thôrr gezeugten held: Haldanus Biarggrammus apud Sueones magni Thor filius existimatur außer ihm weiß ich keinen andern. Nachtrag: Sigi heißt Sn. 211 a Ođins sohn. daselbst wird ebenfalls als Ođins sohn Hildôlfr genannt, der auch Sæm. 75 b als Harbarđs herr vorkommt, ahd. Hiltwolf. Sigrlami heißt Ođins sohn. fornald. sög. 1, 413 und dessen sohn Svafrlami . Nefr oder Nepr ist Ođins sohn. Sn. 211 a und Nanna Neps dôttir. Sn. 31. 66, ebenfalls Sn. 211 a wird Saemîngr als sohn Ođins aufgeführt, Semîngr in Hervararsaga. fornald. sög. 1, 416. vgl. Sâmr , Sâmsey . Rask. afh. 1, 108. der name des Gautr , der sohn oder ahne Ođins ist, hängt mit giezen zusammen s.  19 . 86 . 118 . 136 . 304 . über Gautr Sn. 195. Ođinn heißt Hergautr . Egilss. s. 624. alda gautr . Sæm. 95 b . 93 b . vgl. Caozespah, Caozesprunno. Haupts zeitschr. 7, 530. . Ein andrer Ođinsson Skiöldr ist der Dänen berühmter stammheld, von dem sich alle Skiöldûngar herleiten (Sn. 146), vielleicht stand er noch näher den einwohnern von Schonen, da er fornm. sög. 5, 239 ausdrücklich Skânunga gođ heißt (oben s.  133 ), wahrscheinlich göttlich verehrt wurde. bei Saxo gramm. tritt er nicht an die spitze, sondern folgt erst nach Humblus, Dan Dan , nach Saxos vorstellung der eigentliche ahnherr der Dänen, wird in Rîgsmâl Danr genannt, und mit Danpr zusammengestelt (Sæm. 106 b ). und Lother; Skiold selbst zeugt einen sohn Gram Gramr ist sonst eigenname eines schwerts, das appellativ gramr bedeutet aber könig. , von welchem dann Hadding und Frotho stammen, aber die ags. genealogie stellt ihren Scild mit Sceáf zusammen und macht merkwürdigerweise beide zu Ođins vorfahren. Von Sceáf stammt Sceldva , von diesem in den folgenden gliedern Beav , Tœtva , Geát und endlich erst nach noch einigen andern Vôden ab. hierzu stimmt die altn. fassung dieser geschlechtsreihe, und man darf auch in der erst mit Gáuts anhebenden goth. genealogie voraus einen Skáufs, Skildva, Táitva 306 mutmaßen, welchen die ahd. namen Scoup, Scilto, Zeizo entsprächen. keiner zieht aber mehr an, als des Sceldva sohn, den Angelsachsen Beav , den Scandinaven Biar , Biaf genannt, in dem lebendigen ags. epos aber Beovulf ; diese bedeutsame dichtung hat es zwar mit einem jüngeren, zweiten Beovulf zu thun, in dem sich seines ahnen name wiederholt, doch des alten Beovulf gedenkt glücklicherweise der eingang des liedes und nennt seinen vater Scild (goth. Skildus, zu Skiöldr stimmend) Scêfing, d. i. sohn des Sceáf . Beav ist aus Beov entstellt, Beov kürzung von Beovulf , der vollständige name allein scheint weitere blicke zu gestatten. Beovulf drückt aus bienenwolf (ahd. Piawolf? ) und das ist eine benennung des spechts , eines buntgefiederten vogels, der den bienen nachstellt, von dem das alterthum vielerlei zu erzählen weiß sollte in der oberdeutschen benennung des turdus oder oriolus galbula Birolf , Pirolf, bruder Pirolf (Frisch 1, 161) Biewolf (oder Biterolf) liegen? die Serben nennen ihn Urosch , und merkwürdig ist das wieder ein heldenname. vgl. finn. uros s. 283. . wunderbar läßt nun der classische mythus (oben s.  170 . 206 ) diesen Picus von Saturnus stammen, indem er ihn entweder mit Zeus gleichsetzt, welchem ein Hermes nachfolgt, oder zum fütterer der söhne des Mars und vater des Faunus macht. wir sehen Picus (Picumnus) in das geschlecht von Kronos, Zeus, Hermes, Ares, den altböhmischen Stračec = picus in das von Sitivrat, Kirt und Radigost verflochten, wie Beovulf in das von Geát und Vôden . im einzelnen weicht die gliederung ab, das ganze stimmt um so sichrer und unbedenklicher zusammen. gerade wie Saturns spur von den Slaven zu den Sachsen und nach England zu verfolgen war, den Normannen fremder blieb, scheint auch die von dem göttlichen vogel in Stračec und Beovulf diesen gang zu nehmen und nach Scandinavien nicht eigentlich zu gelangen. die inneren Deutschen lagen der römischen fabel näher, ohne daß irgend entlehnung statt gefunden zu haben braucht. Den starken haft dieses heldenkreises verbürgt aber noch anderes. Sceáf (d. i. manipulus frumenti) hat seinen namen davon, daß er als knabe auf einer korngarbe im nachen schlafend umborvesende? Beov. 92. dem lande zugeführt wird, das er zu beschirmen ausersehn war; ähnlicher sage von dem schlafenden jüngling, den ein schwan im schif dem bedrängten lande herangeleitet, ist die niederrheinische, niederländische dichtung des mittelalters voll, und dieser schwanritter wird aus dem paradiese, von dem grabe her nahend, als Helias geschildert, dessen göttliche herkunft außer zweifel steht. Helias, Gerhart oder Loherangrin des 13 jh. sind einem Scôf oder Scoup des siebenten, achten identisch, so abweichend die übrige einkleidung mag gewesen sein, das lied von Beovulf scheint auf Scild zu übertragen, was eigentlich von Sceáf seinem vater gilt. Die schöne sage vom schwan ruht auf dem wunderbaren ursprung der schwanbrüder, den ich mit dem der Welfen zusammenhalte, 307 beides aber scheinen uralte stammsagen der Franken und Schwaben, wozu uns die eigennamen meistens abgehn. wären sie erhalten, so würde sich wiederum manche anknüpfung der helden an die götter ergeben auf dem schiffe, das Sceáf und den schwanritter herangeführt hatte, kehren sie zuletzt wieder weg, doch den grund entdeckt uns bloß die jüngere fabel: nach ihrer herkunft war verboten zu fragen (Parz. 825, 19. Conr. schwanr. 1144. 1173). . Zu Sceldva oder Skiöldr gehört sichtbar noch der name Schiltunc im Tirol und Parzival zeitschr. für d. alt. 1, 7. , so wie Schilbunc Nib. 88, 3 auf ein geschlecht der Scilpungâ weist, die den ags. Scilfingas , altn. Scilfîngar entsprechen, und als deren stammher Skelfir, Scilfe, Scilpi anzusehn ist. dieser Skelfir wird fornald. sög. 2, 9 zum vater Skiölds gemacht, wonach Skilfînga und Skiöldûnga ætt zusammenfallen. entweder ist hier Scelf mit Scêf verwechselt, oder Scêf in Scelf zu ändern, wogegen doch die häufige form Sceáf und ihre auslegung streitet Nachtrag: Die berichte der ags. chroniken von Sceáf verzeichnet Thorpe (Beóv.) s. 4. auch Beaflor fährt allein in dem schif, ein strohbund unterm haupt (Mai 35, 39), langt an (51. 53), fährt im schif wieder ab (152). das schif kehrt heim (180, 39). auch Horn kommt im schif und läßt es mit gruß heimfahren. eine polnische sage geht von Piast: qui primus appulerit in navicula, dominus vester erit. Procosius s. 47. wie die schwankinder den schwanring, können die Welfen den wolfgürtel oder hundebalg ablegen. Klemm 2, 157 hat eine merkwürdige sage von schönen kindern, die die hundehaut abstreifen. Skilpunt bei Karajan salzb. urk. wird Skilpunc zu lesen sein. Ođin heißt Skilfîngr . Sæm. 47. entsprang das f und b in Scilfing, Scilbunc aus dem v in scildva? goth. skildus hat den gen. pl. skildivê. . Wie die Skiöldûngar von Skiöldr rühren die Giukûngar her von Giuki  = Gibika , Kipicho , mit dem sich der burgundische stamm eröfnet; wo nicht gott selbst (s.  114 ) ist er göttlicher, nahe auf Wuotan zurückführender held. noch die Gibichensteine bezeugen ihn, und gerade den beiden in diesem geschlecht hervorragenden frauen werden Grimhildensteine, Brunhildensteine zuerkannt Brunehildestein, lectulus Brunihilde, Kriemhiltenstein, Criemildespil (heldensage s. 155); Krimhilte graben (weisth. 1, 48); in loco Grimhiltaperg nominato (Juvavia s. 137); de Crimhilteperc. MB. 7, 498. . frau Uote aber erscheint als des stammes ahnmutter Haupts zeitschr. 1, 21. . Nicht wie es sollte beachtet ist, daß in der lex Burg. Gislahari um ein ganzes glied dem Gundahari voraussteht, während unser epos Gîselhere zum jüngern bruder Guntheres macht, in der edda sein name völlig schwindet. das gesetz führt keine brüder auf, und Giselher der junge hat bloß den namen des ahnen. Gêrnôt (von gêr = gáis) und Gîselher scheinen identisch (vgl. gramm. 2, 46). kaum aber ist der nord. Guttormr verdreht aus Godomar, man begegnet ihm außerhalb der sage, z. b. Landn. 1, 18. 20 und die schreibung Guđormr (Guntwurm) räth ihn mit Gunthere zu vergleichen, bei Saxo gramm. erscheinen mehrere Guthormi Nachtrag: Kl. schr. 3, 197. zu den in Haupts zeitschr. 1, 573 ff. aufgezählten Gibichensteinen und der Gebichesborse weisth. 3, 344 (borse Graff 3, 215) gehört noch Gevekenhorst . Möser 8, 337. Dorow freckenh. 222 (Möser 8, 334 falsch Givetenhorst) und ags. Gificancumb . Kemble no. 641 (a. 984). in den Nib., die den burg. Gibeche nicht kennen, kommt 1283, 4. 1292, 2 an Etzels hof ein andrer fürste oder künec Gibeke vor. die lex. Burg. 3 hat: apud regiae memoriae auctores nostros id est Gibicam, Godomarem, Gislaharium, Gundaharium. Greg. turon 2, 28: Gundeuchus rex Burgundionum. huic fuere quatuor filii. Gundobaldus, Godegisilus, Chilpericus et Godomarus. . Auch Hagano , der einäugige, und vom hagan benannte (spinosus, Waltharius 1421) ist ›mehr als heroisch‹ Lachmanns critik der sage von den Nibelungen s. 22. . Noch tiefer einschlagende wurzel muß man den Welisungen zugestehn, deren name auf einen verschollnen göttlichen Valis (vgl. den altn. Vali s.  135 ) leitet; aus der bloßen fortdauer des ahd. Welisunc folgt uralte verbreitung der Völsûngasaga selbst Nachtrag: Die verbreitung der Völsûngasaga unter den Ags. bezeugt Välses eafera. Beov. 1787. Välsing . Beov. 1747. die Völsungen haben das schlangenauge (s. anm. 966 ). die sage vom Säufritz erzählt Bader no. 435. . Wie sie von Wuotan beginnend auf Sigi , Sigimunt , Sigifrit , Sintarfizilo weiter geht, wurde vorhin s.  304 berührt und ist anderwärts abgehandelt Haupts zeitschr. 1, 2–6. . an Sigfrit reiht sich Helfrich 308 (Chilpericus, altn. Hialprekr). für Sigfrit aber wird im ags. Beovulf merkwürdig Sigemund gesetzt, und Sigmundr ist zugleich beiname Ođins nach der Kopenhagner ausg. der edda Sæm. 2, 889 soll Sigemon , nach Finn Magn. lex. 643 Segemon ein name des celtischen Mars gewesen sein. wohl nach der inschrift bei Gruter LVIII. 5: Marti Segomoni sacrum . . . in civitate Sequanorum, u. II. 2: diis deabus omnibus Veturius L. L. Securius (al. Segomanus ) pro se quisque Nachtrag: Mars segumon , vincius . Stälin 1, 112. nach Glück 150 im nom. segomo . de Wal. no. 246. (1847). es ist doch nicht etwa gleich ἡγεμών dux? . . Auf Siegfried fällt in den liedern so großer glanz, daß man weit ausholen darf; seine ganze natur hat deutliche spuren des übermenschlichen an sich: er wird von Regino einem alb erzogen, von Brunhild einer walkyrie geliebt, von Grîpir dem weisen mann über sein schicksal belehrt, er trägt den unsichtbarmachenden helm, ist nur an einer stelle des leibs, wie Achill an der ferse verwundbar, und erwirbt den reichen hort der Nibelunge. die erlegung des drachen Fâfnir gemahnt an Πύϑων fast wörtlich, übergang des th in f (wie ϑήρ und φήρ) zugegeben; das verhalten unseres â zu griech ῡ wird mehr beispiele haben (fnâsu, blâsu = πνεύω, φλύω). , den Apollo besiegte, und wie Python das delfische orakel hütete, weissagt der sterbende Fâfnir dem nord. Sigurđr wird der beiname sveinn (schwed. sven, dän. svend) gegeben, wie ihn schon Fâfnir anredet › sveinn ok sveinn! ‹ und aus den überschriften der cap. 142. 144 der Vilk. saga erhellt. denselben held meint also der Sivard snarensvend (puer fortis) des dän. volksliedes, der auf Grani mit in Askereia (s. cap.  XXXI ) reitet, und Svend Felding oder Fälling der dän. volkssage (Thiele, 2, 64–67. Müllers sagabibl. 2, 417–419). er trank aus einem horn, das ihm elbische wesen darreichten, und gewann dadurch zwölf männer stärke. schwed. lieder nennen ihn Sven Färling oder Sven Fotling (Arvidsson 1, 129. 415). . man erwäge Lođfâfnir Sæm. 24. 30. Sinfiötli an dem zug, daß er als knabe schlangen in den teig knetet, läßt sich zu Hercules stellen, der in der wiege durch schlangen geprüft ward. Durch Siegfried knüpfen die fränkischen Welisunge sich an die burgundischen Gibichunge, und Nibelunge heißen sodann beide. Unter den Gothenhelden ziehen Ovida und Cnivida bei Jornandes cap. 22 an, vielleicht dem ags. Offa und Cnebba der mercischen stammreihe vergleichbar, doch weit bedeutsamer ist der große gothische stamm der Amaler oder Amalunge, dessen namen in der genealogie bei Jornandes öfter verderbt scheinen. ihr aller haupt war Gapt, wofür ich Gaut (Gáuts) bessere und so bezug auf das göttliche geschäft des gießens und messens erlange (s.  19 . 118 ); er war gott oder gottes sohn (s.  136 ) und ist auch als Geát , Vôdelgeát und Sigegeát in das sächsische geschlecht eingetragen (s.  304 ). in dieser gothischen genealogie bestärken die schwachen formen Amala, Isarna, Ostrogotha, Ansila das bei Tuisco, Inguio, Iscio, Irmino beobachtete, auszuzeichnen aber sind Amala , nach dem der größte zweig des volks genannt wird, Ermanaricus und Theodericus . Ermanaricus reiht sich an Irmino und die Herminonen, wie überhaupt ein näheres band statt findet zwischen Gothen und Sachsen (Ingaevonen und Herminonen) als gegensatz zu 309 den Franken (Iscaevonen), der sich noch in den späteren epen kund gibt. Unter den Amalungen treten viele zusammensetzungen mit vulf auf, was an die Wülfinge, ihren nebenast erinnert; wenn es nicht zu kühn ist, möchte ich selbst Isarna (goth. Eisarna) auf Isangrim beziehen. zumal bemerkenswerth scheinen mir Achiulfs vier söhne: Ansila, Ediulf, Vuldulf und Hermenrich, von letzterem war eben die rede und Ansila ist der göttliche; hier liegt an Ediulf und Vuldulf . ich finde nemlich, daß Jornandes cap. 54 auch den Scyren zwei helden Edica und Vulf zuschreibt, und dem rugischen Odoacer ein vater Eticho , ein bruder Aonulf beigelegt werden; in der sage vom ursprung der Welfen kehren immer die eigennamen Isenbart , Irmentrud , Welf und Etico wieder. welf ist nun eigentlich catulus (huelf, altn. hvelpr) und von wolf verschieden, nach der naturgeschichte werden mehrere starke und tapfere thiere blind zur welt geboren, die langobardische und schwäbische stammsage spielt mit ausgesetzten hunden und wölfen; da Odoacer , Otacher , was bisher noch unerklärt blieb, in andern fassungen Sipicho, altn. Bicki heißt, dies aber canis bedeutet, so mutmaße ich in Edica, Eticho, Ediulf, Odacar einen ähnlichen sinn, der uns wahrscheinlich aufschluß über die fabel von den blinden Schwaben und Hessen gewährt: ihre abstammung geht auf die blinden Welfen zurück. in der genealogie wird Ediulf als bruder des Ermenrich dargestellt, in den jüngern sagen ist Bicki rathgeber des Iörmunrekr, das Hildebrandslied bietet allzuwenig über Otacher. Auch Vuldulf (vielleicht Vuldrulf) wird einen ruhmvollen, leuchtenden wolf aussagen Nachtrag: Ođinn selbst heißt helblindi und Helblindi ist name eines wolfs (s.  204 ). Beaflor soll einen wolf geboren haben. Mai 132, 9. vgl. die sage von den 12 neugebornen kindern namens Wolf bei Müllenhoff s. 523 und die von den blinden hunden. Plin. 8. 40. . Wie aber alle übrigen Welsungen Siegfried, so verdunkelte Dieterich alle Amelungen, und wo sie beide das epos einander gegenüberstellt, steht in eigner kraft unbesiegt und unnahbar ein jeder. Dietrichs göttliche heldenart tritt aus vielen zügen hervor, z. b. seinem feuerathem, darin, daß er als Dietrichbern oder Bernhard statt Wuotan oder Frô (s.  177 ) an der spitze des wilden heeres aufzieht. jener feuerhauch stimmt eher zu Donar, den man noch in einem andern punct vergleichen kann: Dietrich wird mit einem pfeil in der stirne verwundet und ein stück bleibt stecken, eben davon heißt er der unsterbliche Simon Keza chron. Hungaror. 1, 11. 12. Heinr. von Müglein (bei Kovachich p. 8) vgl. deutsche heldens. s. 164. ; nicht anders haftete in Thôrs haupt die hälfte von Hrûngnirs hein (steinkeil); da ihn Grôas zauber nicht lösen konnte, findet er sich noch jetzt darin und niemand soll mit dergleichen steinen werfen, weil sich dann das stück an des gottes stirne rührt (Sn. 109–111) daher der spruch: seint losnar hein î höfđi Thôrs. . wahrscheinlich wurde dieser hornähnliche stein auf bildern dargestellt und erhöhte das göttliche aussehn. ich denke an Jupiter Ammons widderhörner. Noch im 10. 11 jh. blühte in Norddeutschland das berühmte geschlecht der Billinge , Billunge , dessen mythischen grund und 310 zusammenhang wir nicht mehr durchschauen. der erste historisch sichere Billing starb 967, man nennt einen über hundert jahre älteren Wedekinds Hermann herzog von Sachsen. Lüneb. 1817 s. 60. vgl. den miles Billinc, comes Billingus in urk. von 961. 968 in Höfers zeitschrift 2, 339. 344, und die ahd. form Billungus in Zeuß trad. wizenb. p. 274. 287. 305. . im cod. exon. 320, 7 heißt es: Billing veold Vernum, er gehört also der stammsage der Weriner an, die den Angeln nah verwandt waren. bei Whalley in England lag Billinga hæđ (heide), ein thor in London heißt noch heute Billingsgate. ein ahd. eigenname lautete Billunc (Ried no. 14. 21. 23 a. 808. 821. 822). erwägt man, daß in der edda ein zwerg Billîngr (Sæm. 3 a 23 a ) vorkommt, Rol. 175, 1 ein held Pillunc , und im Renner 14126. 14647 Billunc und Nîdunc verbunden werden, so gewinnt der name ein bedeutenderes ansehn Nachtrag: Pillunc MB. 9, 10 (a. 769). Hermann Billing . Helmold 1, 10. Billing in der Sassenchronik vgl. Förstemann 1, 258. 2, 225. Oda die großmutter Heinrichs I und urgroßmutter Ottos I war tochter eines edlen Franken Billung und der Aeda (Pertz 6, 306). tome Billingishůge. gl. zum Ssp. 3, 29. vgl. regulus Obotritorum nomine Billug . Helmold 1, 13. was heißt bei der Hätzlerin 180, 37: pillungs ein wênic verrenket? . Billinc setzt ein einfaches bil oder bili (lenitas, placiditas) voraus, mit dem die ahd. eigennamen Pilidrût, Pilihilt, Pilikart; Pilihelm gebildet wurden, wobei der im Trist. 9374. 10062. 17787. 18027 beinahe personificierte Billich (die aequitas) und die altn. göttin Bil (Sn. 39) anzuschlagen wäre; LL in Billung ließe sich aus Biliung erklären. gerade wie Ođinn Bileygr (mitibus oculis) und Baleygr (trucibus oculis) Sæm. 46 b heißt, steht bei Saxo gramm. 130 ein Bilvisus (aequus) dem Bölvisus (iniquus) gegenüber. Außer den bisher erörterten helden, welche der größern stammsage ganzer völker anheimfallen und davon gewicht und dauer empfangen, gibt es noch eine zahl mehr vereinzelter; ich kann hier nur einige ausheben. Es ist uns ein ziemlich rohes, sicher auf uraltem epischem grunde ruhendes gedicht übrig von könig Orendel oder Erentel , den der anhang des heldenbuchs sogar den ersten aller helden, die geboren wurden, nennt. auf der meerfahrt leidet er schifbruch, wird bei einem fischermeister Eisen der auch in einer bearbeitung des liedes von könig Oswald vorzukommen scheint. geborgen, erwirbt den ungenähten rock des herrn und nachher frau Breide , aller weiber schönste; könig Eigel von Trier hieß sein vater. das ganze gewebe der fabel mahnt an die Odyssee, der schifbrüchige hält sich an die diele, gräbt sich ein loch, hält ein laub vor; selbst der ungenähte rock kann Inos binde, der fischer dem sauhirt verglichen werden, die tempelherrn der frau Breide wären Penelopes freier, und oft werden engel, gleich Zeus boten entsendet. doch wendet sich vieles anders, mehr nach deutscher weise, und es treten umstände hinzu, wie das legen des nackten schwerts zwischen die neuvermählten, wovon die griech. sage nichts kennt. Den eigennamen weisen schon ahd. urkunden: Orendil Meichelb. 61, Orentil trad. fuld. 2, 24. 2, 109 (Schannat 308); Orendil ein bairischer graf (a. 843 in Eccard Fr. or. 2, 367); ein dorf Orendelsal (heute Orendensall) liegt im Hohenlohischen s. Haupts zeitschr. 7, 558. Aber die edda hat einen andern mythus, den 311 vorhin schon bei dem stein in Thôrs haupt zu erwähnen anlaß war. eben ist Grôa geschäftig ihren zauber auszusprechen, als zum lohn für nahende heilung ihr Thôrr die frohe kunde bringen will, daß er aus dem Norden von Iötunheim kommend im korb auf dem rücken ihren mann den kühnen Örvandill getragen habe, der nun bald heimkehren müsse; zum wahrzeichen fügt er hinzu, Örvandils zehe sei aus dem korb vorgestanden und erfroren, weshalb er sie abgebrochen, an den himmel geworfen und daraus einen stern erschaffen habe, der Örvandilstâ heißt. vor freude über diese botschaft vergaß aber Grôa ihres spruches, und der stein wurde nun im haupte des gottes niemals los. Sn. 110. 111. Grôa, die grünende ist gleichviel mit Breide = Berhta (s.  226 ) der leuchtenden, nur wird hier ein andrer theil der fabel erzählt: Örvandill scheint nochmals ausgezogen zu sein und auf diesem abenteuer die von dem gott, dessen verhältnis zu Örvandill wir nicht genau erfahren, an den himmel versetzte fußzehe eingebüßt zu haben. Auf den namen des glänzenden gestirns bezieht sich ohne zweifel, daß in ags. glossen. earendel jubar ausdrückt und ein gedicht an jungfrau Maria im cod. exon. 7, 20 folgende stelle darbietet: eala Earendel , engla beorhtast, ofer middangeard monnum sended and sôđfästa sunnan leoma torht ofer tunglas, þu tîda gehvane of sylfum þe symle inlîhtes, d. i. o jubar, angelorum splendidissime, super orbem terrarum hominibus misse, radie vere solis, supra stellas lucide, qui omni tempore ex te ipso luces. Unter dem heidnischen namen dieses gestirns wird hier Maria oder Christus angeredet. ich bin nur unschlüssig wie das wort genau zu schreiben und auszulegen sei; ahd. ôrentil führt auf ags. eárendel und beide forderten dann altn. aurvendill, eyrvendill; geht man aber von altn. örvendill aus, so schiene ags. earendel, ahd. erentil vorzuziehen. im zweiten theil der composition liegt sicher entil = wentil woher hat Matthesius (bei Frisch 2, 439 a ): Pan sei der Heiden Wendel und obrister sackpfeifer? soll Wendel auf die verwandlungen des flöteblasenden halbgottes gehn? in hexenprocessen ist Wendel ein name des teufels. Mones anz. 8, 124. . der erste würde entweder ôra, eáre (auris) oder altn. ör, gen. örvar (sagitta) enthalten. da in einer fabel bei Saxo gramm. p. 48 ein Horvendilus filius Gervendili vorkommt und ahd. der eigenname Kêrwentil (Schm. 2, 334) und Gêrentil (trad. fuld. 2, 106), geir (hasta) aber besser zu ör stimmt als zu eyra (auris), so darf die letzte erklärung auf beifall rechnen so legt auch Uhland (über Thor s. 47 ff.) aus, in Grôa sieht er wachsthum der saat, in Örvandill aufschießen des keims. selbst die sage bei Saxo nimmt er hinzu. ; einsicht in die vollständige sage würde die ursache des namens aufklären. Mir scheint auch 312 Orentils vater zu beachten, Eigil ist ein gleich alter dunkler name, den z. b. ein fuldischer abt († 822) führte (Pertz 1, 95. 356. 2, 366. trad. fuld. 1, 77. 78. 122). in der Rhein und Moselgegend finden sich die seltsamen Eigelsteine (weisth. 2, 744) die falsche schreibung Eichelstein hat falsche sagen gezeugt. Mones anz. 7, 368. Nachtrag: In Eiglsperge . MB. 28, 2, 173 (Passauer urbar.). juxta portam quae de Eigeles (in Cöln). Lacomblet 318. a. 1134. . ags. begegnen die ortnamen Aegles burg (Ailesburg), Aegles ford (Ailesford), Aegles þorp; ich werde hernach noch einmal auf Eigil zurückkommen. Vielleicht war Orentil begleiter des donnergottes auf den zügen gegen die riesen. Sollte die sage von Orentils irfahrten so alt bei uns sein, daß in Orentil und Eigil von Trier jener Ulysses und Laertes zu suchen wäre, den Tacitus an unsern Rhein setzt (s.  303 )? die eigennamen verrathen nichts gemeinschaftliches kaum wage ich zu bemerken, daß einige den vielgewandten Ulysses zum vater des Pan (jenes Wendel) machen. . Gefeierte helden waren Wieland und Wittich auch das noch ungedruckte mnl. gedicht de kinderen van Limburg erwähnt noch Wilant , Wedege und Mimminc . , ihre reiche sage steht an alter und verbreitung keiner andern nach. Vidigoia (Vidugáuja) schon den Gothen besungen, ahd. Witugouwo neben Witicho , mhd. Witegouwe und Witege , ags. Vudga , nach beiden formen silvicola, vom goth. vidus, ahd. witu, ags. vudu (lignum, silva), läßt auf einen menschliche natur überschreitenden waldgott schließen. frau Wâchilt, ein merminne, ist seine ahnmutter und er entflieht zu ihr in den see. An des ganzen stammes spitze wird könig Vilkinus gestellt, wie die lat. endung anzeigt, nach Vulcanus benannt, gott oder halbgott, der wol andern deutschen namen führte und mit dem meerweib den riesenhaften Vadi zeugt, ags. Vada (cod. exon. 323, 1), ahd. Wato , ich denke davon geheißen, daß er, ein andrer Christophorus, sein kind auf der schulter, über den neun ellen tiefen Grœnasund (zwischen Seeland, Falster und Moen) watete ; identisch ist ihm der dänische held Wate in Gudrun, nach Helsingen wird der ags. Vada gesetzt. sein hatte noch die altengl. dichtung manche jetzt verschollne kunde, Chaucer nennt uns Wades boot Guingelot, ein northumbrischer ort heißt Wades gap (chasma): Wätlingestrêt würde sich mit ihm nur dann berühren, wenn eine schreibung Wädling zu rechtfertigen stände. Jener sohn aber, den Vadi durchs meer zu kunstreich schmiedenden zwergen in die lehre getragen, war Wielant , ags. Veland , Velond , altn. Völundr , in der Vilk. saga Velint , aller schmiede meister, und einer schwanjungfrau (Hervör alvitr) vermählt. eigner des bootes, das die engl. überlieferung Waden beilegt, scheint eigentlich Wieland ; Vilk. saga cap. 20 wird erzählt, wie er aus einem baumstamm einen nachen zimmerte und über meer schifte. an den fußsehnen gelähmt schmiedete er sich ein flügelkleid und entrann durch die lüfte. bei allem anlaß wird seine kunstfertigkeit gepriesen und jedes kostbare geschmeide auf seinen namen bezogen 313 (Vilk. saga cap. 24). Witeche, den Wieland mit Baduhilt gezeugt hatte, führte nach dem vater zange und hammer im wappen, noch im mittelalter dauerte sein andenken unter den schmieden, deren werkstätten Wielands häuser hießen juxta domum Welandi fabri. ch. a. 1262 in Langs reg. 3, 181. vgl. Haupts zeitschr. 2, 248; ich finde auch Witigo faber. MB. 7, 122. , vielleicht war sein bild vor ihnen aufgestellt oder angemahlt; altn. überträgt Völundar hûs das lat. labyrinth; eine menge ähnlicher bezüge müssen vor alters gangbar gewesen sein, wie die ortsnamen Welantes gruoba MB. 13, 59; Wielantes heim MB. 28 a , 93 (a. 889); Wielantis dorf MB. 29, 54 (a. 1246); Wielantes tanna MB. 28 b . 188. 471 (a. 1280); Wielandes brunne MB. 31, 41 (a. 817) lehren. die vervielfältigung solcher ortsnamen in langen jahrhunderten gestattet nicht sie von menschlichen bewohnern herzuleiten. dän. ist Velands urt, isl. Velants urt name des baldrians, nach Stald. 2, 450 Wieland beere daphne cneorum. wahrscheinlich gieng in der sage Wielands kunstfertigkeit auf Wittich und Wate über, dem gleichfalls das boot, und nach dem Gudrunlied heilkunst zugeschrieben wird. Sæm. 270 a sind bœkur ofnar völundom stragula artificiose contexta, und jeder künstler könnte völundr oder wielant heißen. ein köstliches kriegsgewand (hrägel, ahd. hregil) heißt Beov. 904 Velandes geveorc. Älfred übersetzt Boeth. 2, 7 fidelis ossa Fabricii: þäs vîsan goldsmiđes bân Velondes (metrisch: Velandes bân), offenbar gemahnte ihn der in Fabricius liegende sinn von faber an die ähnliche bedeutung des deutschen namens, Veland ist kunstfertiger schmid überhaupt. nemlich in dem eigennamen selbst scheint das altn. vél = viel (ars, τέχνη, ahd. list) enthalten, gramm. 1, 462, smidvélar sind artes fabriles; die ags. form lautet vîl oder besser vil, engl. wile, franz. guile, ein ahd. wiol, wiel (mit gebrochnem vocal) hat sich nicht erhalten, es muß aber auch ein verbum wielan, ags. vëlan (fabrefacere) vorausgesetzt werden, dessen part. wielant unsern eigennamen bildet und sich wie wîgant, werdant, druoant u. s. w. verhält; Graff 2, 234 begeht den fehler Wielant unter der wurzel lant anzuführen, der es so wenig als heilant angehört. für die altn. form Völundr scheint das altfranz. Galans (heldens. 42) zu zeugen, da Veland eher auf Guilans leiten könnte; vielleicht ist gar das altn. vala (nympha) verwandt? ein ahd. eigenname Wieldrûd scheint ganz für weise frauen gerecht. Die entwicklung einer innern bedeutsamkeit des heldennamens empfängt aber überraschenden halt durch eine unverkennbare analogie der griech. fabeln von Hephästus, Erichthonius und Daedalus. wie Veland der Beadohild (Völundr der Böđvildr) gewalt anthut, stellt Hephäst der Athene nach, als sie bei ihm waffen machen lassen will; beide Hephäst und Völundr werden zur strafe gelähmt und auch Erichthonius ist lahm, der darum das wagenviergespann, wie Völundr boot und flügel erfindet. mit Erichthonius fällt der spätere Erechtheus und dessen nachkomme Daedalus zusammen, 314 der vielfache künste, einen reigen und bauwerke ausersann, mit dessen flügeln Icarus sein sohn aus den wolken niederstürzte. Δαίδαλος reduplicierend wie παίπαλος, παιπαλόεις tortus, arduus, παιπάλλειν torquere, vgl. λαῖλαψ, μαῖμαξ u. a. m. aber ist δαίδαλος, δαιδάλεος kunstreich geschmückt, δαίδαλμα (wie ἄγαλμα) ein kunstwerk und δαιδάλλειν was jenes verlorne wielan. Da aus dem ursprünglichen sinn von list = scientia der von calliditas und fraus sich entfaltet und vél beides bedeutet, so kann es nicht befremden, daß aus dem kunstbegabten gott und heros ein lahmer, betriegerischer teufel hervorgeht (s.  200 ), die ganze reihe Wate, Wielant, Wittich sind heroen aber auch geisterhafte wesen und halbgötter Nachtrag: Die heldens. s. 288 unterscheidet zwei söhne Wielands und brüder: Wittich und Wittich von der aue . vgl. den lat. Silvanus , waldgott zweiten rangs. Silvani lucus extra murum est avius crebro salicto oppletus. Plaut. aulul. IV. 6, 8. Ist für Vilkinus besser Viltinus zu lesen? Haupts zeitschr. 6, 446. Wate hält Schott einl. zu Gudr. LVI zu Wuotan. nach Wieland ist noch der Wielandstein . Schwabs alp. s. 136 ff benannt, nach Galans ein ort in der Bourgogne pratum Galandi , heute Préjelan . Garnier pagi burg. s. 83. dän. Velantsurt heißt auch velamsrot , vendelsrot . Dybeck 1845, 49. 50. über Wielets kinder vgl. Schmeller s. v. Sæm. 1 a hat: valföđur vél framtelja, patris artem (? mysterium) enarrare. Eine weitere ähnlichkeit Wielands und Hephästs zeigt sich darin, daß beide als herren der schmiedenden zwerge erscheinen (s.  390 ). Hephästs kunstwerke sind wie die Wielands berühmt. ἔργον Ἡφαίστοιο. Od. 4, 617. 15, 116. οὓς Ἥφαιστος ἔτευξε. Od. 7, 92. . Vilkinasaga führt noch einen andern schmid auf, Mîmir , bei welchem nicht nur Velint seine kunst erlernt, sondern auch Sigfrit (wiederum ein schmiedelehrling) auferzogen wird. Den nemlichen Mîme weiß die spätere dichtung von Biterolf gelegentlich zu nennen ( Mîme der alte, heldensage s. 146–148); ein ahd. Mîmi wird noch tiefer in sprache und sage verwachsen gewesen sein, Mîmilo (MB. 28, 87. 89 a. 983. 985) ist das diminutivum, Mîmâ , Mîmidrût , Mîmihilt sind frauennamen (trad. fuld. 489. cod. lauresh. 211), der alte name von Münster in Westfalen war Mîmi gardiford, Mîmi gerneford (indices zu Pertz 1. 2) vgl. Mîmi gerdeford b. Richthofen 335; westfälisch Minden hieß ursprünglich Mîmidun (Pertz 1, 368), Memleben an der Unstrut Mîmi leba.; die menge dieser eigennamen geben ein mythisches wesen kund, dem noch Memerolt (Morolt 111) verwandt sein mag. Aber die ältere nordische überlieferung nennt es nicht weniger in mehrfachem abweichendem verhältnis. einmal verflicht Saxo p. 40 P. E. Müllers ausg. p. 114, wonach ich die lesart Mimringus beseitigt habe, dem dän. liede von Mimering tand zum trotz. einen Mimingus ›silvarum satyrus‹, der schwert und geschmeide besitzt, in den mythus von Balder und Hother, wodurch, wie mich dünkt, jenes vidigáuja von neuem beleuchtet wird. noch höher stellt aber die edda selbst ihren Mîmir : er hat einen brunnen, in welchem weisheit und kluger sinn verborgen liegt, jeden morgen ihn trinkend ist er der weiseste, klügste mann, wobei man wieder an jenen Wielandes brunnen erinnert wird. Ođinn kam hin zu Mîmisbrunnr und begehrte eines tranks, nicht eher empfieng er ihn, bis er sein auge zum pfand setzte und in dem brunnen verbarg (Sæm. 4 a Sn. 17). dies ist ursache von Ođins einäugigkeit (s.  121 ). Nach Yngl. saga cap. 4 sandten die Asen Mîmir , ihren weisesten mann, zu den Vanen, die ihm das haupt abhieben und den Asen zurück gaben. über das haupt sprach Ođinn seinen zauber, so daß es nie verweste und immer noch reden führte; Ođinn hielt gespräche mit ihm, so oft er raths bedurfte, vgl. Yngl. saga cap. 7 und Sæm. 8 a 195 b . Wen Völuspâ unter Mîmis synir (Sæm. 8 a ) versteht, weiß ich nicht recht; Mîmameidr (Sæm. 315 109 a ) setzt Mîmi (gen. Mîma ) voraus, und kann von Mîmir unterschieden sein (vgl. Bragr und Bragi s.  194 . 195 ). Mîmir ist kein Ase, aber ein erhabnes wesen, mit dem die Asen umgehen, dessen sie sich bedienen, inbegrif der weisheit, vielleicht älterer naturgott; spätere fabeln würdigten ihn zum waldgeist und klugen schmid herab. seine gemeinschaft mit helden ist geeignet göttlichen schein auf diese zu werfen. das schwed. volkslied hat Mimes å noch nicht vergessen (Arvidsson 2, 316. 317), ein Mimes sjö liegt in Konga härad und Tingås socken in Småland, den die sage von neckar (nixen) bewohnen läßt (daselbst s. 319). Vielleicht gebührt einigen der angeführten formen kurzes i, das im ags. mimor, meomor, gemimor (memoriter notus) mimerian (memoria tenere), nnd. mimeren (phantasieren) brem. wb. 3, 161 und jenem Memerolt, Memleben nicht zu verkennen ist, so daß man ein meima, máim, mimum ansetzen dürfte. die analogie des lat. memor und gr. μιμέομαι gestattet aber den riesen und centaur Μίμας zu vergleichen, d. i. jenen waldgeist Nachtrag: Mime der alte Bit. 138 hat wol kurzes i, nicht langes î und gehört nicht hieher. Karajan im verbrüd. von S. Peter hat Mimilo und Mimistein . zu Mîmigerneford (vgl. Ledebur Bructerer s. 328), das vielleicht mit einem adj. mîmigern zusammengesetzt ist, und Mîmidun (Mîmidomensis = Mindensis. Lappenberg no. 25. Mimende an der Weser. Schraders dyn. 104) gesellt sich noch ein dritter westfälischer ort Mime gersen, heute Memsen im Hoyaschen. Lappenberg no. 48. außerdem ist Mimme lage ein osnabrückischer ort. Mimirberh . Pertz 8, 776 ist vielleicht Mimisberh. die ortsnamen Memelnbrun, -born, Memelborn, Memilsdorf. Henneb. urk. 2, no. 153. 156. 169. 1, 166. 125 und Memelenbrun (Melborn bei Eisenach). thür. zeitschr. 4, 210 gemahnen an den altn. Mîmisbrunnr . mit Mimingus silvarum satyrus stimmt der schwertname En. 5694 überein. vgl. Mumminc. upstandinge 137. (Muma steht auch Thidrekss. 65). zu erwägen bleiben Söckmîmir . Sæm. 46 b . Hoddmîmir . Sæm. 37, der î holti wohnt. Mîmsvinr , Mîmisvinr . Egilss. 641. Mîmis haupte vergleicht sich Virgils weissagendes haupt. MSH. 4, 246. ein ehernes haupt, tête d'airain, weissagt Val. et Ourson cap. 25, in dessen nl. übersetzung cap. 23 een spinnenhoofd aus einer tête daraigne f. d'airain entstanden sein mag. häupter reden öfter in kirchen. Finn Magn. eddalaere 2, 264. . Völundr hatte nach der edda (Sæm. 133) noch zwei brüder Slagfiđr und Egill, alle drei waren synir Finnakonûngs, eines finnischen königs, während in der aus Deutschland nach dem Norden verpflanzten sage Vilkinus ein könig von Vilkinaland heißt. oder darf Finna für den gen. von Finni gelten und zu jenem Finn Folcvaldansunu (s.  181 ) gehalten werden? Slagfiđr könnte = Slagfinnr scheinen, wird aber besser Slagfiöđr erklärt (s. cap.  XVI Walachuriun). Alle drei brüder heirateten valkyrien und Egill , der uns hier eigens anzieht, die Ölrûn (Aliorûna). auch Vilk. saga cap. 27 heißt Velints jüngerer bruder Eigill : ›ok þenna kalla menn Ölrûnar Eigil ‹ Peringskjöld übersetzt: Egillus sagittarius, Rafn: Egil den träffende, das ist aber bloß aus dem inhalt der sage gerathen. pfeil heißt nicht öl sondern ör; hingegen Orentil, Eigils sohn, scheint nach dem pfeil benannt. , sonst wird der braut nirgends erwähnt, die form Eigill stimmt zum ahd. Eigil (s.  312 ) und weicht vom altn. Egill, dat. Agli ab, von Eigil würde der dat. auch Eigli lauten. Eigill war nun ein berühmter bogenschütze, auf Nidungs geheiß schoß er dem eignen söhnlein einen apfel vom haupt, und antwortete dem fragenden könig, die beiden andern pfeile seien ihm zugedacht gewesen, wenn der erste das kind getroffen hätte. Von solch kühnem bogenschuß muß unser frühstes alterthum erfüllt gewesen sein, an vielen stellen und immer eigenthümlich taucht die sage auf. da Vilkinasaga im 13 jh. nach dem Norden eingeführt wurde, war Eigils geschichte gewis schon vor dieser zeit in Niederdeutschland verbreitet. aber im 12 jh. wuste sie Saxo gramm. in Dänemark auf Toko und könig Harald Gormssohn bezogen, mit dem bei Eigill mangelnden zusatz, daß sich Toko nach dem schuß im seesturm heldenmüthig erwies. dieses Pâlnatôki thaten erzählen auch die Isländer, namentlich Iomsvîkînga saga, doch des bogenschußes geschweigend, obgleich sie 316 überein mit Saxo melden, daß Harald zuletzt durch Tôkis pfeil fiel. des königs tod von des schützen hand ist geschichtlich (a. 992), der apfelschuß mythisch und dem vortrag des ereignisses bloß angewachsen aus älterer überlieferung, die im laufe des 10. 11 jh. vorausgesetzt werden muß. In der norwegischen sage von Olaf dem heiligen († 1030) knüpft sie sich anders an: Olaf wollte einen heidnischen mann, Eindriđi, bekehren und versuchte sich mit ihm in leibeskünsten, erst schwimmen, dann schießen; nach einigen gelungnen schüssen verlangte der könig, Eindriđis knabe solle ans ziel gestellt und ihm eine schreibtafel vom haupt geschossen werden, ohne das kind zu schädigen. Eindriđi erklärte sich willig, aber jeden schaden zu rächen bereit. den ersten pfeil schnellte Olaf und traf dicht neben die tafel, Eindriđi auf bitte seiner mutter und schwester weigerte sich des schußes (fornm. sög. 2, 272). gerade so maß sich könig Haraldr Sigurđarson († 1066) mit einem bogenschützen Hemîngr und befahl ihm eine haselnuß von seines Biörn haupte zu schießen; Hemingr vollführte den schuß (Müllers sagabibl. 3, 359. thâttr af Hemingi cap. 6 ed. reykjav. s. 55). Diese sage wurde viel später auf einen Hemming Wolf oder von Wulfen zu Wewelsflet (in der holsteinischen Wilstermarsch, da wo die Elbe sich ins meer gießt) übertragen. Hemming Wolf hatte 1472 partei genommen für grafen Gerhard, und könig Christian ihn landes verwiesen. die volkssage läßt diesen wie Harald handeln, Hemming wie Toko; ein altes gemählde der Wewelsfleter kirche stellt den schützen mit abgespanntem bogen auf einer wiese dar, in der ferne einen knaben den apfel auf dem kopf, mitten durch den apfel geht ein pfeil, den zweiten hält der schütze im mund, zwischen ihm und dem knaben steht ein wolf, vielleicht ausdrückend, daß Hemming nach der kecken antwort für vogelfrei erklärt wurde schleswigholst. prov. berichte 1798 bd. 2. s. 39 ff. Müllenhof schlswh. sagen no. 66. . Höchst gelegen wuchs aber der mythus auf dem freigewordnen Schweizerboden empor: von Geßler gedrängt soll Wilhelm Tell im j. 1307 den alten meisterschuß abgelegt und die mutige rede geführt haben; doch die zeugnisse der chronisten beginnen erst gegen das 16 jh. hin verdächtig ist mir die echtheit der verse, angeblich Heinrichs von Hünenberg von 1315, die Carl Zay in seinem buch über Goldau, Zürich 1807 s. 41 bekannt macht: dum pater in puerum telum crudele coruscat     Tellius ex jussu, saeve tyranne, tuo, pomum non natum figit fatalis arundo:     altera mox ultrix te, periture, petet. Heinrich von Hünenberg ist derselbe, von dem den Schweizern ein warnender zettel vor der schlacht bei Morgarten mit einem pfeil zugeschossen wurde (Joh. Müller 2, 37), er war also selbst bogner. Justinger und Johann von Winterthur geschweigen Tells; Melchior Ruß († 1499) und Petermann Etterlin (vollendete 1507) haben die sage zuerst schriftlich aufgenommen. , kurz vor Saxos erster ausgabe (1514). der unhistorische 317 charakter des begegnisses kann nicht im geringsten bezweifelt werden. die mythische unterlage der fabel von Tell ergibt sich aus einer oberrheinischen, der ältesten aufzeichnung der tellischen unmittelbar vorausgehenden sage des 15 jh. im malleus malef. pars 2 cap. 16 de sagittariis maleficis: fertur de ipse ( Punchero ), quod quidam de optimatibus cum artis sue experientiam certam capere voluisset, eidem proprium filium parvulum ad metam posuit , et pro signo super birretum pueri denarium , sibique mandavit, ut denarium sine birreto per sagittam amoveret . cum autem maleficus id se facturum, sed cum difficultate assereret libentius abstinere, ne per diabolum seduceretur in sui interitum; verbis tamen principis inductus sagittam unam collari suo circa collum immisit et alteram balistae supponens denarium a birreto pueri sine omni nocumento excussit . quo viso dum ille maleficum interrogasset, cur sagittam collari imposuisset? respondit, ›si deceptus per diabolum puerum occidissem, cum me mori necesse fuisset, subito cum sagitta altera vos transfixissem , ut vel sic mortem meam vindicassem‹. dieser schuß müste etwa um 1420 gefallen, die sage in der mitte des 15 jh. umgegangen sein. Außer den angeführten deutschen und nordischen erzählungen läßt sich noch eine altenglische in dem northumbrischen liede von den drei wildschützen Adam Bell, Clym und William of Cloudesle aufweisen; der letzte, dessen vorname, wie der zuname des ersten Bell an Tell gemahnt, erbietet sich vor dem könig, seinem siebenjährigen sohn einen apfel aufs haupt zu legen und 120 schritte weit herab zu schießen. der vom bogen schnellende pfeil spaltete den apfel. Ich vermute, daß schon den Angelsachsen Aegels bogenkünste bekannt waren, und wenn wir Vada, Veland und Vudga weit hinauf in unsre heidnische zeit setzen dürfen, mag auch Aegel gleiche ansprüche haben. Der ganze mythus gibt eine tiefliegende weit verbreitete wurzel kund. Es stimmt auch theilweise, was Eustathius zu Il. 12, 207 meldet, daß Sarpedon, ein aus Zeus geschlecht stammender heros als kind hingestellt, und ein ring von seiner brust, ohne ihn zu verletzen, geschossen wurde: eine that die den erwerb des lycischen königreichs zur folge hatte im morgenland mögen ähnliche sagen leben. in einer handschrift der Casseler bibl. eine reise in die Türkei enthaltend sah ich einen schützen abgebildet, der nach einem kinde zielt, auf dessen kopfe ein apfel liegt. Nachtrag: Über Tell vgl. Böhmers reg. s. 197 und Sinner im Solothurner wb. 1845 s. 198. Th. Platter 87 (um 1532) nennt ihn Wilhelm Täll. im Garg. 180 b heißt er Willielm Dell, während Rabelais 1, 23 ihn nicht erwähnt. ein bild von Tell steht in Schwarzenbergs memorial 116 a . wie von Tell seinem sohne, wird in andern sagen vom sohn der apfel von des vaters kopf geschossen. Castréns reise 103. In Bonn kommt noch heute der eigenname Schützeichel vor. Simrocks edda s. 396. Noch mancher einzelner helden wäre zu gedenken, wie des starken Poppo . Haupts ztschr. 3, 239. vgl. 8, 347. und Hugleichs . Haupts ztschr. 5, 10. oder auch der heldenstämme: stirps Immidingorum (sächsisch) et Erbonum (bairisch). Pertz 8, 226. . Mit diesen beispielen einzelner helden, brocken von dem reich besetzten tische unsers alterthums, will ich einhalten, da noch allgemeinere betrachtungen anzustellen sind. Es wurde oben davon ausgegangen, daß in dem heldenthum eine erhebung und erläuterung der menschlichen natur zur göttlichen enthalten sei, ursprünglich aber auf der verwandtschaft eines gottes mit dem menschlichen geschlecht beruhe. da nun das zeugen ein wiederholen, und der sohn ein abbild des vaters ist (weshalb in unsrer sprache tiefsinnig avarâ bild, avaro kind ausdrücken); 318 so darf in jedem helden gewissermaßen eine incarnation des gottes und eine rückkehr wenigstens einzelner eigenschaften, die den gott auszeichnen, angenommen werden. in diesem sinn erscheint der held als ein sublimat des menschen überhaupt, der nach dem ebenbilde gottes erschaffen ihm auch gleichen muß. Weil aber die götter unter einander selbst schon sich erneuern, d. h. ihre vielheit aus der ersten kraft eines einzigen ausgestrahlt ist (s.  136 ), so folgt, daß der ursprung der heroen mit dem des polytheismus überhaupt große analogie haben und es im besondern falle schwer halten müsse, den vollbürtigen von dem halbbürtigen gott zu unterscheiden. Sind die helden von einer seite betrachtet vergötterte menschen, so dürfen sie zum widerspiel auch als vermenschte götter angesehn werden und es geht auf eins hinaus zu behaupten, der vom gott erzeugte sohn und enkel habe halbgöttliche natur erlangt, oder der in ihm wiedergeborne gott nur einen theil seiner alten macht behauptet. Wir sind befugt in einzelnen helden einen niederschlag alter götter und eine nur im weiteren kreise fortgesetzte ausbreitung des göttlichen urgrundes, der sich bereits in mehrere götter gespaltet hatte, anzunehmen Nachtrag: Der gott steht an der spitze des geschlechts schon deshalb, weil er für den vater und großvater der menschen gilt. doch bleibt der unterschied zwischen göttern und menschen gewaltig. darum lehnt bei Saxo ed. M. 117 die (irdische) Nanna Balders werbung ab: nuptiis deum mortali sociari non posse , quod ingens naturae discrimen copulae commercium tollat etc. supernis terrestria non jugari . . Diese ansicht läßt sich aus dem griechischen wie dem deutschen volksglauben, die keiner strengen lehre von emanation und avatâra nachhängen, um so leichter beweisen, als sich gerade deshalb in ihnen die sinnliche fülle des heldenthums desto reicher entfaltete. Während die indischen heroen zuletzt wieder in den gott aufgehen, z. b. Krischna zu Vischnu wird, bleibt in den deutschen oder griechischen helden eine unauflösbare menschliche schlacke zurück, die sie eben den historischen bestandtheilen näher bringt. unsere heldensage hat längst kein bewustsein einer incarnation übrig, vielfach aber das einer apotheose der menschlichen, gottentsprungnen tugend. Herakles kann niemals mit Zeus zusammen fallen, und doch erinnern seine thaten an die des göttlichen vaters. Theseus hat züge, die ihn und Herakles, andere, die ihn und Apollo vergleichen lassen. Hermes wurde von Zeus mit Maja, Amphion mit Antiope erzeugt, und beiden brüdern, dem vollbürtigen und halbbürtigen ist einiges gemeinschaftlich. In der deutschen heldensage, dünkt mich, werden noch häufiger nachklänge der göttlichen natur aufzuweisen sein; die griechischen götter standen ungefährdet, neben ihnen entfalteten sich heroen. Seit aber den deutschen gottheiten das christenthum entgegentrat, blieb für entweichende gestalten des heidnischen glaubens ein doppelter ausweg, entweder in bösartige teuflische wesen überzugehn oder sich in gutartige, menschlich erfaßte zu verringern. Alle griechischen heroen gehören der blüthe des heidenthums; wenigstens ein theil der deutschen könnte als nothgedrungne verflüchtigung und schwächere reproduction der alten götter erscheinen, wie sie sich nach dem untergang der heidnischen lehre hervorthun muste. Hierher lenkte die christliche ansicht des 319 mittelalters ein, welche unvermögend der alten götter gottheit fortgelten zu lassen, da wo sie sie nicht in teufel, doch in halbgötter umschuf. in der edda sind die æsir noch wirkliche götter, auch Jornandes nimmt cap. 6: ›mortuum (Taunasem regem) Gothi inter numina populi sui coluerunt‹, mag dieser Taunasis gothisch oder getisch sein, gothische götter an, faßt aber die anses nur als siegende, zu halbgöttern erhobne Gothenhelden, und nach derselben auffassungsweise sind auch bei Saxo Balder (in dem herakleische züge bemerkbar werden, vgl. oben s.  187 ), Hother, ja selbst Othin zu bloßen helden herabgesunken bei dem ags. Ethelwerd p. 833 liest man: ›Hengest et Horsa, hi nepotes fuere Woddan regis barbarorum, quem post infanda dignitate ut deum honorantes , sacrificium obtulerunt pagani victoriae causa sive virtutis, ut humanitas saepius credit hoc quod videt‹. Wilhelms von Malmesbury ähnliche worte sind oben s.  106 ausgezogen; auch er sagt › deum esse delirantes ‹. Albericus tr. font. 1, 23 (nach dem j. 274) drückt sich so aus: ›in hac generatione decima ab incarnatione domini regnasse invenitur quidam Mercurius , in Gottlandia insula, quae est inter Daciam et Russiam extra romanum imperium, a quo Mercurio, qui Woden dictus est, descendit genealogia Anglorum et multorum aliorum.‹ Nicht viel anders stellt Snorri in der Yngl. saga und form. 13. 14 Ođin als einen aus Asien hergekommenen höfđingi und hermađr vor, der sich durch seine klugheit die verehrung der völker zuwege gebracht; auch Saxo p. 12 bekennt eine ähnliche meinung; ›ea tempestate cum Othinus quidam , Europa tota, falso divinitatis titulo censeretur‹ u. s. w. vgl. auch seine äußerungen p. 45. Welche andere idee konnten damals rechtgläubige Christen von dem falschen gott ihrer voreltern fassen? sie musten der abgötterei geflissentlich betrug oder übermut unterschieben, und waren zu begreifen unfähig, daß dem heidenthum etwas ganz anderes zum grund liegt, als ein historischer wahn. es hat so wenig einen wirklichen mensch und könig Ođin (geschweige zwei oder drei) gegeben als einen wirklichen Jupiter oder Mercur. Aber die verwandtschaft der heldennatur mit der göttlichen unterscheidet sich genau von einer aus menschlichem stolz und trug entsprungnen vergötterung . Jene Heiden, wenn sie hauptsächlich ihrer innern kraft vertrauten (s.  5 . 6 ), wie die homerischen helden πεποιϑότες βιῄφι (Il. 12, 256), waren noch fern davon sich selbst zu göttern aufzuwerfen. Ähnlich den sagen von Nebucadnezar (er wolte selbe sîn ein got. Parz. 102, 7. Barl. 60. 35), von Kosroes (Maßmann zu Eracl. s. 502), dem griech. Salmoneus (vgl. N. Cap. 146) und dem byzantinischen Eraclius war die unseres mittelalters von Imelôt aus wüester Babilônie, der ›wolde selve wesen got‹ (Rother 2568) = Nibelôt ze Barîse ›der machet himele guldîn, selber wolt er got sîn‹ (Bit. 299), gerade wie Salmoneus den blitz und donner des Zeus nachahmte. Imelôt und Nibelôt scheinen hier eins, wie sonst Imelunge und Nibelunge (heldens. 162) und ich weiß nicht, welcher gedanke an einen Nibelunc oder Amelunc dabei obwaltete Nachtrag: Saxo nennt den Othin, Thor u. s. w. bloß opinative , nicht naturaliter deos. Saxo ed. M. 118, den Balder einen semideus (vgl. s.  282 ), wozu P. Er. Müller om Saxo s. 54 bemerkt: Odin hat weder vor, noch nach Christus gelebt. dagegen ist Conrad im troj. kr. 858–911 der ansicht: si wâren liute, als ir nu sît, wan daz ir krefteclich gewalt was michel unde manicvalt von kriutern und von steinen  . . . ouch lepten gnuoge bî der zît die zouberaere wâren und wunder in den jâren mit gougelwîse worhten. wie die alten götter zu zauberern erniedrigt wurden, ist s.  860 ausgeführt. Der beispiele von vergötterung der menschen gibt es außer den oben angeführten noch viele. daz kint waere mit den goten ein got (unter die götter aufgenommen). pass. 298, 27. den Sigelôt beten die Heiden für einen gott an. Rol. 198, 21. Ipomidon will selbst ein gott sein. Tit. 3057. 4147. 4160. er wolde got hien erde sîn. Diemer 139, 24. als er iz waere got 131, 22. mîn wirde gelîch den goten steic. Turl. Wh. 66 a . Maerl. 2, 326 sagt von Caligula: wart hi so sot, dat hi wilde wesen god ende hi seide openbare dat hi Jupiters broeder ware. vgl. 2, 333. Grambaut, roi de Bavière, se nommoit dieu en terre , und nennt seine burg paradis . belle Helène p. m. 23. Bei Mongolen waltet cultus der vorfahren , vergötterung der herscher . Klemm 3, 194. 195. damit verbindet sich heiligen und reliquienverehrung. . . Diese capitis deminutio der götter näherte sie den helden, während den helden die eigentliche vergötterung abgeschnitten wurde; wie sehr musten in dem nebel der sage sich nun beide mengen! Jedesmal gleichwol, wo sich leibliche abstammung des helden von den göttern ergiebt, ist sein heldenthum älter und schon heidnisches ursprungs. Unter den helden selbst treten wiedergeburten ein, von denen im verfolg näher berichtet werden soll, die eine gewisse ähnlichkeit mit den incarnationen der götter zeigen. Wie der gott in den held, erfrischt sich der ältere held in einen jüngeren. 320 Riesenhafte wesen, bald göttern, bald helden sich verbindend, führen zwischen beiden manigfache berührungen herbei. Wir haben gesehn, wie in die geschlechtsreihe von Inguio bald Ođinn, bald Niörđr und Freyr geflochten werden; Niörđr und Hadding scheinen identisch wie Heimdall und Rigr, in Niörđr und Heimdall ist der gott, in Hadding und Rigr der held hervorgehoben. Irmin mag mit Wuotan und Zio zusammenhängen, gleichwie Ares und Herakles an einander rühren und Odysseus dem Hermes gleicht. Baldr ist göttlich, Bäldäg heldlich gefaßt. In Siegfried klingen Baldr und Freyr, vielleicht auch Ođinn, in Dietrich Thôrr und Freyr nach. Ecke schwebt zwischen der natur des riesen und helden. Noch Carl und Roland sind in einzelnen zügen als wiedergeburten Wuotans und Donars oder Siegfrieds und Dietrichs zu betrachten. Bei Geát, Sceáf, Sceldva, weil uns die sagen fehlen, ist es schwierig ihr göttliches wesen von dem heldenartigen zu scheiden. Ein merkmal der sonderung finde ich darin, daß die namen der götter in sich bedeutsam, d. h. ursprünglich auf ihr inneres wesen selbst zu beziehen sind ungefähr wie in der thierfabel die namen ihrer träger. ; den namen der halbgötter oder helden kann diese bedeutsamkeit schon oft fehlen, wenn sie aus der menschlichen art mit übernommen wurden. in der regel scheinen götternamen einfach, heldennamen oft zusammengesetzt oder sichtbar abgeleitet. Donar ist darum ein urgott, kein vergötterter mensch: seine benennung drückt zugleich seinen character aus. derselbe grund entscheidet gegen jene ansicht, daß Wuotan aus der schaar der menschen sich in die der götter eingedrungen habe. Halbgötter haben für das volk etwas vertrauliches voraus: mitten unter uns entsprossen, in unsere gesellschaft eingelassen sind sie es, an die sich verehrung, gebete, schwüre am liebsten wenden: sie vermitteln und erleichtern uns den umgang mit dem höheren gott. wie es dem Römer nahe lag mehercle! mecastor! ecastor! edepol! zu schwören, schwuren noch die Christen des mittelalters häufiger bei besonderen heiligen als bei gott selbst. Wir vermissen nachrichten über die art und weise, wie sich der heroencultus verschieden von dem eigentlichen götterdienst bei unsern vorfahren gestaltet hatte; sogar die altnord. quellen enthalten darüber nichts. Die griechischen heldenopfer wichen ab von den götteropfern, dem gott wurde bloß eingeweide und fett der thiere dargebracht, der aufsteigende geruch genügte; dem vergötterten held das fleisch und blut selbst zum genuß. So sättigen sich die in Vallhöll aufgenommnen einherjar an Sæhrîmnir des ebers gesottnem fleische und trinken mit den asen; nicht wird gesagt, daß asen auch an der speise theil gehabt hätten. Sæm. 36. 42. Sn. 42 vgl. oben s.  264 . Läßt sich daraus verschiedenheit der opfer folgern, die göttern und halbgöttern geschahen? 321 Sonst ist in den übrigen verhältnissen manche analogie zu denen der götter wahrzunehmen. Ihre gestalt ist ebenso ungeheuer. Wie Ares sieben hufen deckte war auch des Herakles leib riesenhaft gebildet. dem göttlichen Sigurđr, wenn er ein vollgewachsnes kornfeld durchschritt, reichte der thauschuh döggskôr, schwed. doppsko, schuh der schwertscheide, die gewöhnlich den thau streift; so hieß Alamannen der gelähmte, das thauige gras rührende fuß toudregil. Es liegt in diesem ritt durch das korn etwas hochmythisches, an einen gott gemahnendes. seines sieben spannen hohen schwertes an die aufrecht stehenden ähren (Völs. saga cap. 22. Vilk. saga cap. 166); ein haar aus seines rosses schweif war sieben ellen lang (Nornag. saga cap. 8). Was wir bei deutschen göttern kaum zu bemerken hatten, mehrhändigkeit , trift bei einem alten helden ein. Vudga und Hâma, Witege und Heime werden immer zusammen genannt. Heimo soll eigentlich, wie sein vater (den aber andre überlieferungen Adelgêr, Madelgêr nennen), Studas geheißen, erst nach erlegung des wurmes Heima heimo scheint ursprünglich wurm, es bezeichnet sonst grille, cicada (Reinh. cxxv ), wofür sich das heutige heimchen (würmchen) mehr eignet. auch ein berühmter kerlingischer held hieß Heimo (Reinh. cciv ). Wiederum findet sich, daß Madelgêr , im Morolt 3921 ein zwerg, sohn einer meerminne, Rol. 58, 17 ein schmied ist. , dessen namen angenommen haben (Vilk. saga cap. 17). ihm werden ausdrücklich drei hände und vier elnbogen oder zwei hände mit drei elnbogen beigelegt (heldensage 257. Roseng. p.  xx vgl. lxxiv ), sie sind keine steigerung (heldens. 391), in ihrem wegbleiben liegt eine schwächung der ursage. auch Asprian erscheint vierhändig (Roseng. p.  xii ). Starkađr ein berühmter göttlicher held des Nordens hat drei paar arme , Thor schneidet ihm vier hände ab (Saxo gramm. p. 103), Hervararsaga (Rafn p. 412. 513) verleiht ihm acht Hände und das vermögen mit vier schwertern auf einmal zu fechten, vgl. âtta handa , fornald. sög. 1, 412. 3, 37. in dem schwed. ursprünglich heidnischen volkslied von Alf kommt ein held Torgnejer (wie donner brüllend?) vor, ›han hade otta händer ‹ (Arvidss. 1, 12) in den weissagungung der nordfriesischen Hertje (a. 1400) wird die überlieferung solcher misgestalt auf die zukunft gewandt: wehe den minschen, de den leven, wen de lüde 4 arme kriegen und 2 par schö över de vöte dragen und 2 höde up den kop hebben! Heimreichs chronik Tondern 1819. 2, 341. es läßt sich auch bloß auf die kleidertracht beziehen. . solche häufung der gliedmaßen ist auch zeichen der riesennatur und einige der genannten helden streifen in diese über; in den serbischen liedern finde ich einen dreihäuptigen helden Balatschko (Vuk 2 no. 6 z. 608). auch Pégam im krainischen lied hat drei köpfe (tri glave). Wie bei den göttern zeigt sich bei den helden mangel an gliedern : Ođinn ist einäugig, Tŷr einhändig, Loki (?= Hephäst) lahm, Höđr blind, Viđar stumm goth. háihs, hanfs, halts, blinds, dumbs. , nicht anders Hagano einäugig, Walthari einhändig, Gunthari und Wielant lahm, der blinden und stummen helden gibt es viele. Aber das scheint 322 heldenmäßig, daß die kindheit und erste jugend ein fehler verunstalte und aus solchem dunkel hernach plötzlich die leuchtende erscheinung, gleichsam die zurückgehaltne kraft vortrete. hierher darf schon die blindgeburt der welfe und die volksmäßige der Hessen und Schwaben (s.  309 ) gerechnet werden. bei Saxo gramm. p. 63 ist Uffo stumm, Vermund sein vater blind, ihm entspricht im ags. stamm von Mercia ein zwiefacher Offa und beide sind lahm, stumm, blind. nach der vita Offae primi, Varmundi filii, war er schön von gestalt, blieb aber blind bis zum siebenten, stumm bis zum dreißigsten jahr: als dem alten Varmund kriegsgefahr drohte, hob Offa in der versammlung auf einmal zu reden an. nach der vita Offae secundi diese merkwürdigen vitae Offae primi et secundi sind gedruckt hinter Watts Matth. Paris. p. 8. 9. hieß der held anfangs Vinered (so ist Pineredus zu bessern) und war lahm, blind, taub, nachdem er seine vollen sinne erlangte, wurde er Offa secundus genannt. Gerade so hatten nach Sæm. 142 a Hiörvarđr und Sigurlinn einen großen, schönen sohn gezeugt, aber ›hann var þögull, ecki nafn festiz viđ hann‹. erst als ihn eine valkyrie mit dem namen Helgi begrüßte, begann er zu reden und ließ sich den namen gefallen. auch Starkađr war in der jugend þögull (fornald. sög. 3, 36) und Halfdan galt für dumm (Saxo p. 134); eben so spät entwickelte sich Dietleibs heldenmut (Vilk. saga cap. 91) oder des Ilja in den russischen sagen. unsre kindermärchen fassen den character als äscherling , aschenbrodel , askefis auf: der heldenjüngling lebt unthätig und verachtet am küchenheerd oder im stall, aus deren schmutz er hernach bei dem rechten anlaß hervortritt. ich entsinne mich dieses in unsern sagen äußerst beliebten zugs nicht aus der griech. mythologie. Ungeborne , d. h. aus dem mutterleib geschnittne kinder pflegen helden zu werden. so bekanntlich der persische Rustem nach Ferdusi, wie Tristan nach der alten erzählung bei Eilhart, oder der russische held Dobrunä Nikititsch und der schottische Makduf. näher liegt uns aber Völsûngr , der ungeboren schon redete und gelobte, den man aus der mutter schnitt, der sie noch küste, eh sie starb (Völs. saga cap. 2. 5). eine dunkle stelle in Fâfnismâl (Sæm. 187 a ) scheint auch den Sigurđr als ôborinn zu bezeichnen; sollte in einer gleich schwierigen (Beov. 92) das s.  306 anders gefaßte umbor vesende für unborvesende zu nehmen sein und ausdrücken, daß Sceaf für ungeboren galt? einen Uni hinn ôborni erwähnt Landnâmab. 4, 4, eine Ulfrûn in ôborna 1, 10, wie auch weise frauen, wahrsagerinnen aus mutterleib geschnitten werden Heimreichs nordfries. chr. 2, 341. . unser mittelalter weiß von dem ungebornen helden Hoyer (Beneckes Wigalois s. 452); in Hessen hieß Reinhart von Dalwig der ungeborne , er wurde nach dem kaiserschnitt in dem bauche frischgeschlachteter schweine zur reife gebracht zeitschrift für hess. gesch. 1, 97. . schon aus dem 323 zehnten jh. meldet Eckhart von s. Gallen: infans excisus et arvinae porci recens erutae, ubi incutesceret, involutus, bonae indolis cum in brevi apparuisset, baptizatur et Purchardus nominatur (Pertz 2, 120), der nachherige abt zu s. Gallen, Burcardus ingenitus . einen Gebehardus, ex defunctae matris Dietpurgae utero excisus nennt das chron. petershus. p. 302 mit dem beisatz: de talibus excisis literae testantur, quod, si vita comes fuerit, felices in mundo habeantur. an sie kann nicht der gewöhnliche maßstab gelegt werden, ihr seltsames auftreten in der welt läßt eine geheimnißvolle, höhere bestimmung ahnen. Nicht unähnlich ist der griech. mythus von Metis und Tritogeneia, aus Zeus stirne wird die jungfräuliche göttin geboren. Die ausdrucksweise, Hlöđr sei mit helm und schwert geboren worden (oben s.  61 ), erklärt Hervararsaga s. 490 so, daß die dem helden beigelegten waffen und thiere zur zeit seiner geburt geschmiedet und geboren seien. ein aus mutterleib bewafnet gebornes kind kennen auch Schröters finn. runen s. 3. es erinnert aber auch an den aberglauben von den glückskindern, die mit helm und haube auf die welt kommen (s. cap.  XXVIII ). Bei den göttern wurde angeführt (s. 267 ), wie Baldrs bruder kaum geboren, erst eine nacht alt, ungewaschen und ungekämmt, zur rache schritt. das erinnert an die kinder, welche liten Kerstin nach langer schwangerschaft gebiert. der neugeborne sohn steht alsbald auf und kämmt sein haar und die neugeborne tochter kann sogleich seide nähen; nach einer andern fassung bringt sie zwei söhne zur welt, deren einer die gelben locken kämmt, der andre das schwert zieht, beide zu schneller rache gerüstet (svenska fornsånger 2, 254. 256). kämmen oder nichtkämmen scheint hier derselbe zug. das neugeborne kind spricht. norske eventyr 1, 139. Wie die geburt geliebter könige dem volk durch freudige, ihr tod durch schreckende naturereignisse verkündigt wird, gilt das auch von helden. ihre milde befestigte glück und frieden im land. unter Frôđi von Dänemark war ein seliges zeitalter, im jahr von Hakons erwählung brüteten die vögel zweimal, trugen die bäume zweimal, worüber schöne lieder seiner sage (cap. 24) nachzulesen sind. die nacht, in welcher Helgi geboren ward, schrien die adler und strömten heilige wasser von den gebirgen (Sæm. 149 a ). Sigurds gang und auftreten war heftig, gleich dem eines gottes, als er sich Brynhilds burg zuerst nahte heißt es: iörđ dûsađi ok opphiminn (Sæm. 241 b ) und wie von göttern (s.  270 ) von der lachenden Brynhild: hlô, bœr allr dundi (Sæm. 208 a ). in vielen thaten und bewegungen der helden waltet göttliche kraft. Dietrichs feuerathem kann an Donar gemahnen, aber auch bloß an einen drachen: ob sîn âtem gæbe fiur als eines wilden trachen (Parz. 137, 18). Weit verbreitetes zeichen der heldenschaft ist, daß sie von thieren gesäugt, von vögeln gefüttert werden. eine hindin reicht dem ausgesetzten Sigurd ihre milch (Vilk. saga 142), eine 324 wölfin läßt den jungen Dieterich, der davon Wolfdieterich genannt wird, neben ihren vier blinden welfen, an sich saugen, gleich Romulus und Remus. wie auf den ursprung der Römer scheint auf den der Gothen und Schwaben diese gemeinschaft mit den welfen angewandt (s.  309 ); aber auch der specht , jener Bienenwolf, trug des Mars söhnen speise zu und wir haben die Schwaben als besondere verehrer des Zio (s.  165 ) kennen gelernt. Den serbischen held Milosch Kobilitsch säugte eine stute (kobila), Vuk 2, 101; fällt dadurch licht auf die ahd. schelte merihûnsun, zâgûnsun (RA. 643)? ein böser nebensinn fand sich gerade so beim lat. lupa fils de truie. Garin 2, 229. . Doch nicht bloß den säuglingen erscheinen gottgesandte thiere, auch in noth und gefahr gesellen sich schwäne, raben, wölfe, hirsche, bären, löwen den helden, um ihnen hilfe zu leisten, und so muß der ursprung thierischer gestalten in den wappen und helmzeichen der helden vielfach gedeutet werden. er kann aber auch aus andern verhältnissen folgen, z. b. aus dem vermögen einzelner helden sich in schwan oder wolf zu wandeln. Der schwanflügel , das schwanhemd bezeichnet eine andere übernatürliche eigenschaft, worin die helden wieder den göttern gleichen (s.  271 ), die gabe des fliegens. wie sich Wieland den schwanenflügel anbindet hat auch der griech. Perseus flügelschuhe , talares Ov. met. 4, 667. 730 und der serbische Relja heißt krilat (geflügelt), er besitzt krilo und okrilje (flügel und flugschirm). Vuk 2, 88. 90. 100. ein haftendes stück des flügels, an frauen der schwanfuß, verräth die höhere natur. Das übermenschliche wesen der helden leuchtet aus ihren augen (luminum vibratus, oculorum micatus. Saxo gramm. 23): ormr î auga . der goldzähne ist s.  194 gedacht; in märchen werden söhne mit dem stern auf der stirne geboren (KM. 96. Straparola 4, 3). ein goldstern fällt auf die stirne (pentam. 3, 10). an haupt und helm der Dioskuren leuchtete stern oder flamme, das kann auf das strahlenhaupt (s.  269 ), oder auf gestirne, die an den himmel gesetzt wurden, sich beziehen. Zuweilen entstellen den heldenleib thierische ähnlichkeiten, wie Siegfried die hornene, andre die schuppige haut; helden mit igelborsten sind in den märchen. ohne zweifel beruht die uns nicht vollständig überlieferte sage von den fränkischen Merovingen auf etwas der art. als Clodio Faramunds sohn mit der königin am gestade saß, sich von der sommerschwüle zu kühlen, stieg ein ungeheuer (meerschwein?) aus den wogen, ergrif und überwältigte die badende königin. sie gebar darauf einen sohn, seltsames ansehens, weshalb er Merovig und seine nachkommen, auf die das kennzeichen über gieng, Merovinge heißen Fredegars epitome (Bouquet 2, 396) und Conradus ursperg. Arg. 1609 p. 92. dagegen Müllenhoff in Haupts zeitschr. 6, 432. . Theophanes meldet ausdrücklich, die Merovinge werden κριστάται und τριχοραχάται genannt, weil allen königen dieses 325 geschlechts borsten, wie schweinen, auf dem rückgrat (ῥάχις) wachsen. da weiß noch Rol. 273, 29, wo freilich unter den Heiden aufgeführt werden di helde von Meres ; vil gewis sît ir des, daz niht kuoners mac sîn: an dem rucke tragent si borsten sam swîn . die herleitung des namens ist völlig unbekannt. ich weiß nicht, ob man in ihm einen bezug finden könnte auf den ebercultus des Frô, der unter Franken vorzüglich verbreitet gewesen wäre? auch Lampr. Alex. 5368 hat: sin hût was ime bevangen al mit swînes bursten Nachtrag: Die Griechen fordern schönheit der gestalt für helden wie götter. Luciani Charidemus 6. 7. von Karl heißt es: anges resemble du ciel ius devolé. Aspr. 21 a . helden theilen mit den göttern die größe der gestalt. so berichtet die sage von Huglâcus: quem equus a duodecimo anno portare non potuit. cujus ossa in Rheni fluminis insula, ubi in oceanum prorumpit, reservata sunt et de longinquo venientibus pro miraculo ostenduntur (s. anm. 906 ). mehrhändigkeit wird öfter erwähnt. alte menschen mit vier händen , vier füßen und zwei gesichtern . Plato symp. 189 oder mit vier ohren . a. o. 190. ἓξ γὰρ χεῖρες ἑκάστω ἀπ' ὤμων ἀΐσσοντο. Orph. arg. 519. menschen mit acht zehen, sechs händen. Megenberg 490, 2. 30. vgl. götter und riesen (s.  436 ). nach dem durch drei hände und drei oder vier elnbogen (Germ. 4, 17) ausgezeichneten Heime ist vielleicht der Heimenstein benannt, von dem eine volkssage geht. G. Schwab Alb s. 161–165. eine sage von › so Heyne, so‹ , der einen schatz heben hilft, bei Heinr. v. Herford. Potth. s. 93. vgl. Brisingamen s.  254 . eine gestalt mit drei köpfen ist auf dem Gallehuser 1734 gefundnen horn abgebildet (bei Henneberg taf. 2). am meisten den göttern verwandt erscheinen die helden, denen eine wiedergeburt zu theil wird (s.  318 ). mit dieser vorstellung mag es zusammenhängen, daß in kindern und nachkommen sich die namen der vorfahren wiederholen. GDS. 441. Helgi und Svava sind aber wirklich endrbornir . Sæm. 148. 169. 159 b noch MS. 1, 97 b heißt es: sturbe ich nâch ir minne und wurde ich danne lebende , sô wurbe ich aber umbe daz wîp. dagegen meint MS. 1, 69 b : sô bin ich doch ûf anders niht geborn . zu den ungebornen gehörte nach Solinus auch Scipio, der darum erst Caesar hieß. Maerl. 1, 401. vgl. das lied von Mimmering tand: Danske V. 1, 100. Karna, der sonnensohn, war mit angewachsnen ohrringen und panzer geboren. Holtzmann 2, 123. 129. 136. wart ie man mit wâfen geborn . Krone 10534. vgl. mit der geige geborn. zu den naturerscheinungen bei des helden geburt ist auch das gewitter bei der Alexanders zu rechnen. Pseudocallisth. p. m. 12. Alcmene versucht den Hercules mit schlangen, die er in der wiege liegend tödtet, wie Sigmund den Sinfjötli mit dem kneten des teigs, worin schlangen sind. Völs. saga cap. 7. Kullervo drei nächte alt zerreißt seine binden. Castrén 2, 45. in den sv. folks. 1, 139. 140 redet das neugeborne kind und geht alsbald. von der stärke des erwachsenen helden gibt es zahllose beispiele. so reißt er die eiche aus, an die er gebunden war. sv. forns. 1, 44. Danske Vis. 1, 13. und Beovulf hat in seiner hand die stärke von dreißigen . Beov. 756. sie essen und trinken ungeheuer gleich Thor (s. anm. 819 ), so Hammer grå sv. forns. 1, 61. 62. vgl. die riesenbraut a. o. 1, 71. 72. Syv. 49. Das heldengeschlecht hat leuchtende, göttliche augen, schlangenaugen : ormr î auga , wie auch die könige. Saxo ed. M. s. 70. der Aslög sohn (Sigurđs und Brynhilden enkel) heißt Sigurdr ormr î auga , gen. Sigurđar orms î auga. fornald. sög. 1, 267. 273. 2, 10. 14. fornm. 1, 115. seine stiefbrüder sagen: eigi er oss î augum ormr ne frânir snâkar . fornald. 1, 268. (vgl. onn frânn. Heimskr. 7, 238. Sæm. hafn. 2, 13). Sigurđr Ođins aettar, þeim er ormr î auga . fornald. 1, 258. Aslög weissagt von ihrem ungebornen sohn: enn â þeim sveini mun vera þat mark, at svâ mun þikkja, sem ormr liggi um auga sveininum; das ist aber falsche deutung, denn nicht die gewundenen brauen sind gemeint, sondern der innere blick ( î auga). fornald. sög. 1, 257. auch Sæm. 187 a heißt Sigurđr inn frâneygi sveinn . brann Brynhildi eldr or augom . Sæm. 215 b . âmun (minaces) eru augu ormi þeim enum frâna (dem Völundr). Sæm. 156 a . hvöss eru augu i Hagals þŷju (dem verkleideten Helgi). Sæm. 158 b man sagt noch bei uns: dem leuchtet was großes aus den augen heraus. GDS. 126. 127. In anderen heldengeschlechtern gibt es andere zeichen. in Gudr. 143, 4. 147, 2. 153, 4 hat Hagen ein goldenes kreuz an der brust. ein rothes kreuz findet sich zwischen Wolfdietrichs schultern. Hugd. 139. 189. ebenso haben Valentin und Namelos ein kreuz zwischen den schultern , dem sich das lindenblatt zwischen der herte Siegfrieds vergleicht, wo er wie Achill an der ferse verwundbar ist. Nibel. 845, 3. 4. die schwanenkinder haben eine goldkette um den hals , die reali di Franza ein niello auf der rechten schulter. Reali 6, 17. p. m. 344. vgl. das wolfszagelchen zwischen den schulterblättern (s. anm. 2735 ). von Sigurd dem fränkischen held heißt es Vilk. saga cap. 319: hans horund var svâ hart sem sigg villigaltar . vielleicht bezeichnet sigg die borstige haut, und die sage von den borstigen Merowingen Thorpe sieht die Merowinge in den nordalbingischen Maurungani und den ags. Myrgingas. ad cod. exon. s. 511. könnten aber diese Myrgingas nicht die von Mercia sein? scheint damit in verbindung. cap. 146 wird erzählt, daß Sigurds haut wie horn erhärtete. auch des wilden Hagenen haut erhärtet von dem getrunknen blut eines ungeheuers. Gudr. 101, jedoch ist sicher der ursprüngliche sinn, daß er dadurch bloß kräfte gewinnt. Ein hohes, wenn auch nicht übernatürliches alter erreicht auch Hermanaricus, der 110 jahr alt wird. Jorn. cap. 24. bei Plaut. mil. glor. IV. 2, 86 heißt es: meri bellatores gignuntur, quas hic praegnates fecit, et pueri annos octingentos vivunt. nur die götter gewähren güter , die heroen übel . Babr. 63. . Ein hauptmerkmal helden zu erkennen ist ferner, daß ihnen kluge pferde eigen sind, mit denen sie rede führen. in einem der folgenden capitel wird näher ausgeführt werden, wie das heidenthum in den rossen etwas heiliges und göttliches sah und ihnen oft bewustsein und theilnahme an dem schicksal der menschen beilegte. den helden aber sind sie zum fahren oder reiten unentbehrlich und ein nothwendiger verkehr zwischen beiden findet statt, wie er schon daraus hervorgeht, daß den pferden eigennamen zugelegt werden. Achills rührende unterredung mit Xanthos und Balios (Il. 19, 400–421) findet ihr volles gegenstück in der schönen kerlingischen sage von Bajard ; auch Wilhelms gespräch mit Puzzât (58, 21–59, 8), im franz. urtexte mit Baucent (Garin 2, 230. 231), Begons mit Baucent (das. s. 230) ist zu vergleichen. in der edda redet Skîrnir mit seinem pferd (Sæm. 82 b ); Gođrûn, nach Sigurđs ermordung mit Grani (Sæm. 231 b ): hnipnađi Grani þâ, drap î gras höfđi, wol mochte Grani trauern, weil auf ihm der held, seit er es aus Hialpreks stall zog (Sæm. 180), stets gesessen, durch die flamme geritten war (Sæm. 202 a ) und den großen schatz fortgeführt hatte. die schwed. und dän. volkslieder führen ein kluges pferd Black ein, mit dem gespräch gehalten wird (sv. vis. 2, 194. sv. forns. 2, 257. danske vis. 1, 323). In den dichtungen von Artus sind die pferde weniger anziehend geschildert; desto naiver in den serbischen, wenn Mila das ros beschlägt (Vuk 1, 5) oder Marko kurz vor seinem tod mit dem treuen Scharatz redet (2, 243 ff. Danitza 1, 109). auch in den neugriech. liedern führt Liakos gespräch mit seinem pferd (Fauriel 1, 138) und ähnliche stehn in den litthauischen dainos (Rhesa s. 224). bekannt ist des persischen Rustem gefeites ros Nachtrag: Mit seinem klugen hengste hält auch der starke Franz gespräch. Müllenhoff s. 422. wie mit dem pferde redet der held auch mit seinem schwerte . sv. forns. 1, 65. Klage 847 ff. Wigal. 6514. Drachenk. 161 a . Vilkinas. s. 54. 160. 161. der sterbende held will sein schwert vernichten , so der serbische Marko und Roland. Conr. Rol. 237, 3. . Werden viele helden in der blüte ihres lebens dahin geraft, wie Achilles oder Siegfried, so erreichen andere ein hohes alter , über die grenze des menschlichen hinaus. unsre einheimische sage verleiht dem Hildebrand nestorische jahre bei ungeschwächter kraft, dem nordischen Starkađr wird ein langes durch mehrere menschengeschlechter gehendes leben beigemessen; Gođmundr, göttlich verehrt, soll fast fünfhundert jahre erreicht haben (fornald. 326 sög. 1, 411. 442). in den überlieferten genealogien wird den urahnen hohes alter, wie schon in der heiligen schrift zugelegt. Snaerr hinn gamli der von Kâri und Jökull entsprossne, soll 300 jahre erreicht haben, gleich viele Hâlfdan gamli (fornald sög. 2, 8). Das mhd. gedicht von Dietrichs ahnen (1869–2506) giebt dem Dietwart und Sigeher jedem 400 jahre lebenszeit, dem Wolfdieterich 503, dem Hugdieterich 450, dem Dietmar 340 jahre, erst Dietrich von Bern erreicht nur das menschliche ziel, Otnit, Sigehers sohn war jung erlegen ohne zweifel sind dies unerdichtete sagen, die weit hinauf sich verlieren, so entstellt und verschoben sie auch seien. Sigeher (ahd. Siguhari) ist deutlich der altn. Sigarr , nach dem die Siglîngar oder Siklîngar benannt sind, Sigehers tochter heißt Sigelint , Sigars tochter Signŷ , diese beiden Sigelint und Signŷ sind identisch. Hugdieterich , der im frauenkleid um Hildeburg wirbt, fällt zusammen mit Hagbarđr (schwed. Habor, dän. Hafbur), dem geradeso die werbung um Signŷ (schwed. Signil, dän. Signild) gelingt, obgleich hier die geschichte tragisch endet und die namen abweichen: doch weisen hug und hag, die beide einer wurzel sind, auf einander hin. auch Sigeminne , die gemahlin Wolfdietrichs, der im heldenbuch Hugdietrichs sohn ist, erinnert an Signŷ. Das ganze stück von Hugdieterich im heldenbuch ist ungemein lieblich und sicher uralt. . der serbische Marko wird dreihundert jahr alt, fast wie die riesen der vorzeit. Dagegen kürzt oder schwächt sich das leben der helden in der verbindung mit übermenschlichen frauen und göttinnen. beispiele wird hernach die abhandlung der walkyrien liefern; für die griech. ansicht findet sich eine merkwürdige stelle im hymn. Vener. 190, Anchises, nachdem er Afrodite umarmt hatte, trägt sorge hinfällig (ἀμενηνός) unter den menschen zu leben:                         ἐπεὶ οὐ βιοϑάλμιος ἀνὴρ γίγνεται, ὅστε ϑεαῖς εὐνάζεται ἀϑανάτησι die göttin verhehlt nicht, daß ihm nun schnell das alter nahen, und rühme er sich ihrer gunst, Zeus blitzstrahl ihn lähmen werde. auf ähnlichen vorstellungen ruht die sage von Staufenberger und der meerfei. Auch darin ist das verhältnis der helden dem der götter sehr ähnlich, daß ihnen wie diesen bestimmte örtliche sitze und wohnungen angewiesen werden. gern aber scheinen solche den namen stein zu führen: Gibichenstein, Brunhildenstein, Kriemhildenstein, Eigelstein, Waskenstein, was auf heilige, von menschen unbewohnte felsen und uralten, festwurzelnden dienst deutet. seltner findet man burg oder sal (Iringes burc, Orendelsal), einigemal aue und brunnen , öfter weg oder straße auf helden bezogen; da nun mit dem begrif des heerwegs der einer öffentlich aufgerichteten seule zusammenhängt, und nach ihr die wege auslaufen, so scheinen die Herculis columnae, die Irmansuli vergleichbar den Rolandseulen , denen wir gerade in Norddeutschland, wo das heidenthum länger gewaltet hatte, begegnen. wie könig Carl in einigen sagen, zumal in der vom wütenden heer, Wuotans stelle einnimmt, mag auch Roland, der edelste held seines hofes, der sich fast ganz zu ihm 327 wie Donar zu Wuotan verhält, den göttlichen überwinder der riesen vertreten. der Äthelstânseulen wurde s.  98 gedacht. es ist bemerkenswerth, während in Scandinavien sonst nichts den Irmenseulen verglichen werden kann, daß zu Skeningen, einer ostgötländischen stadt, auf dem markt, wo auch die Rolandseulen stehn, das bild eines riesen oder helden aufgestellt war, den das volk Thore lång (Thuro longus) nannte und wobei vor zeiten abgötterei getrieben wurde Olaus Magnus 14, 15. Stjernhöök de jure Sveon. vet. p. 326. Broocmans beskrifn. öfver Östergötland. Norrköping 1760 1, 190. . dies bild scheint viel eher auf den heidnischen gott als auf einen held oder könig zurückzuführen. vermutlich war auch die seule auf dem markt zu Bavais in Hennegau, von der sieben straßen ausliefen und die einem könige Bavo zu ehren errichtet sein soll, von gleicher bedeutung Nachtrag: Wo der gott, teufel, held sitzt , bleibt eine spur im stein . sie lassen spuren ihrer hände und füße, ja der hufe ihrer rosse im stein zurück ( anm. 1701 ). ons heren spronc. Maerl. 2, 116. der stein bleibt naß von des helden thränen: hiute ist der stein naz dâ Karl uffe sâz: Ksrchr. 14937. . Nach weiteinschlagendem volksglauben, den das XXXII . cap. von der entrückung näher untersucht, sind manche helden von den felsen und burgen herab, auf welchen sie vormals hausten, in klüfte und hölen der berge oder in unterirdische brunnen versunken, wo sie ein nur selten nachlassender schlummer befangen hält, aus dem sie in zeiten der noth hervorgehn und dem lande rettung bringen werden. Daß auch hier neben Wuotan, Armin, Dieterich und Siegfried spätere helden wie Carl, Friedrich Rothbart und selbst Tell genannt sind, verbürgt uns den mythischen schimmer, der sich an diese gesetzt hat. Es war nordischer brauch, daß alte, der welt abgestorbne, mit dem neuen lauf der dinge unzufriedne helden sich in einen hügel verschlossen; so geht Herlaugr mit zwölf männern in den haugr (Egilssaga p. 7) und nicht anders zieht Eticho der Welf von zwölf edelleuten begleitet in einen berg des Scherenzerwaldes, wo ihn niemand wieder finden konnte (deutsche sagen no. 518). Siegfried, Carl und Friedrich, wie könig Artur bei den Briten, harren mit ihrem heer in bergen. Zum schluß sei bemerkt, daß die heldensage gleich der göttersage liebt in trilogien auszugehn. wie daher Ođinn, Vili, Ve oder Hâr, Iafnhâr und Thriđi nebeneinander stehn, treten unzähligemal drei heldenbrüder zusammen auf, und wiederum begegnet dann gewöhnlich, daß dem dritten die größte kraft des gelingens zugeschrieben wird. so in der skythischen sage von den drei brüdern Leipoxais, Arpoxais und Kolaxais (Herod. 4, 5): goldpflug, joch und schwert waren vom himmel gefallen, als sie der älteste und zweite sohn greifen wollte, brannte das gold, der jüngste aber trug sie davon. dasselbe geschieht in vielen märchen. 328 Cap. XVI. Weise Frauen. Das verhältnis der frauen und männer zu den göttern ist sehr verschieden, weil nur männer berühmte geschlechter bilden, mit frauen das geschlecht stirbt. die stammsage enthält nichts als heldennamen; alle königstöchter bleiben darin ungenannt oder verschwinden wieder, sobald sie als gemahlinnen aufgeführt worden sind. eben deshalb erscheinen vergötterte söhne, nicht vergötterte töchter, ja aus der ehe unsterblicher mit sterblichen wurden fast immer söhne geboren. Den helden, die wir im vorhergehenden cap. als eine mischung himmlischer und irdischer natur betrachtet haben, lassen sich also keine frauen zur seite setzen. denn die spindel begründet keinen anspruch auf unsterblichkeit wie das schwert. sehr bezeichnend legten die Angelsachsen der frau und dem knecht, den im kampf unthätigen, im haus thätigen, das geschäft des friedewebens bei. männern ziemte die heldenarbeit. Was die frauen aber hier einbüßen wird ihnen auf anderm wege reichlich erstattet. für jene besonderheit einzelner heldenrollen, die in der sage oft unwirksam untergeht, sind ihnen allgemeine ämter mit vielbedeutigem, dauerndem einfluß überwiesen. eine ganze reihe anmutiger oder furchtbarer halbgöttinnen vermittelt den menschen die gottheit: ihr ansehn ist offenbar größer, ihr cultus eingreifender, als die verehrung der heroen. es gibt keine eigentlichen heldinnen, doch was unter den frauen den helden entgegentritt, scheint noch erhöhter und geistiger. Brunhild ragt über Siegfried, die schwanjungfrau über den held hinaus, dem sie sich verbindet Nachtrag: Helena ist schon als tochter des Zeus und der Leda, als halbschwester der Dioscuren göttlicher art; sie wird aber auch ihrer schönheit wegen, wie die brüder der tapferkeit halber, vergöttert. Lucian. 9, 274. so sagt Flore 2272 von der todtgeglaubten Blancheflur: iuch het got ze einer gotinne gemacht in himelrîche harte wünneclîche. gegenüber den harten männern, haben die frauen auch den vorzug, daß sie gütig und erbarmend sind, selbst riesinnen und teufelinnen (s. anm. 1346 ). . Auch andere mythologien lassen wahrnehmen, daß im zweiten rang der götter weibliche wesen vorwalten, während der erste fast den männlichen behalten bleibt, jene göttlichen helden aber nur im dritten stehn. Ich habe schon s.  207 die längere dauer der überlieferung von einigen göttinnen mit daraus erklärt, daß sie bleibendere lieblichere eindrücke in dem gemüte des volks zurückließ. Nichts wird bei solchen untersuchungen schwerer sein, als zwischen göttinnen und halbgöttinnen zu unterscheiden. eines jeden gottes gemahlin muß zugleich für wirkliche göttin gelten; allein es gibt auch unverehelichte göttinnen, z. b. Hel. Halbgöttin ist die sich weder als gemahlin, noch tochter eines gottes erweisen läßt, und in abhängigem verhältnis zu höheren gottheiten steht. 329 Ein solcher schluß taugt jedoch nicht überall für unvollständig erhaltene mythologien; eben weil halbgöttinnen höher stehen als halbgötter, sind diese leichter, jene schwieriger gegen die classe der großen götter abzugrenzen. Die grenze kann sich dadurch verrücken, daß einzelne volksstämme göttliche wesen geringeren ranges, deren cultus bei ihnen überhand nahm, zu höherem rang erhoben, welches freilich auch bei dem heldendienst, obwol seltner, eintreten mag. Geschäft und bestimmung der halbgöttinnen ist nun im allgemeinen so zu bezeichnen, daß sie den oberen göttern dienen , den menschen verkündigen . Es ist ein bedeutsamer zug unseres heidenthums, daß zu diesem amt frauen und nicht männer auserlesen werden. die jüdische und christliche ansicht bildet hier einen gegensatz: propheten weissagen, engel, erscheinende heilige verkündigen, und richten gottes befehle aus; die griechischen und deutschen götter bedienen sich männlicher und weiblicher boten. Nach deutscher ansicht scheinen aussprüche des schicksals im munde der frauen größere heiligkeit zu erlangen, weissagung und zauber in gutem wie bösem sinn sind vorzugsweise gabe der frauen, und vielleicht hängt damit noch zusammen, daß die sprache tugenden und laster durch frauen allegorisiert. Wenn es in der natur des menschen überhaupt gelegen ist, dem weiblichen geschlecht eine höhere scheu und ehrfurcht zu beweisen, so war sie den deutschen völkern von jeher besonders eingeprägt. männer verdienen durch ihre thaten, frauen durch ihre weisheit vergötterung: fatidicae augescente superstitione deae (s.  78 ) Nachtrag: Weissagung und zauber sind vorzugsweise gabe der frauen (s.  78 ). darum gibt es auch mehr hexen als hexenmeister. wenn man ein man verbrent, so brent man wol zehen frawen . Keisersb. omeis 46 b . eine frau zu Geppingen weissagt die ausbrechende feuersbrunst. Joh. Nider († 1440) im formic. 2, 1. . Diese schon bei Tacitus hervorgehobne germanische frauenverehrung wird in unsern alten volksrechten, zumal dem alamannischen und bairischen, durch eine verdoppelte composition bedeutsam ausgedrückt (RA. 404): die wehrlose empfängt damit schutz und heiligung, ja sie soll dieses vorzugs verlustig gehn, sobald sie zu des mannes waffen greift. frauencultus erscheint aber nicht bloß in den minneliedern unseres mittelalters allenthalben, sondern auch in einer merkwürdigen formel des ritterthums, wie sie volkslieder und höfische gedichte enthalten: ›durch aller frouwen êre ‹. Wolfdiet. 104. Morolt 855. 888. 2834. Morolf 1542. Ecke 105. 117. 174. Roseng. 2037. MsH. 3, 200 a ; ›durch reiner frouwen êre ‹. Ecke 112; durch willen aller frouwen , ein held ruf dem andern zu: ›nu beite, durch willen aller meide! ‹ Rab. 922. 924; ›durch willen schœner wîbe ‹. Ecke 61; ›durch ander maget êre ‹, Gudr. 4863; ›durch elliu wîp ‹ Parz. 136, 16; › êre an mir elliu wîp! ‹ Erec 957. › êret an mir elliu wîp! ‹ sagt Parz. 88, 27 eine frau, um der erhörung ihrer bitte gewis zu sein; › allen meiden tuot ez ze êren ‹ Gudr. 1214, 3; › êre und minne elliu wîp! ‹ Trist. 5032 wird beim schwertgeben geboten; ›tuon allez daz frouwen wille sî‹. Bit. 7132. ›als liep iu alle frouwen sîn‹. Laurin 984. ihre verehrung wird der göttlichen gleichgestellt: 330 › êret got und diu wîp! ‹ Iw. 6054; ›durch got und durch der wîbe lon‹. Wh. 381, 21; ›wart sô mit riterschaft getân, dês got sol danken und diu wîp ‹. Wh. 370, 5; ›dienen got und alle frouwen êren ‹. Ms. 2, 99 b ; von Parzivâl wird sogar gesagt: ›er getrûwete wîben baz dan gote ‹. Parz. 370, 18. Diese redensarten, dieser glaube steigen in weit höheres alter hinauf, schon O. I. 5. 13: ›dô sprah er êrlîcho ubaral, sô man zi frowûn skal‹ und V. 8, 58: ›ni sît irboigan wîbe‹; weiber soll man nicht schelten. Etzels hofhalt. 92. 93; ›sprich wîben übel mit nihte‹ heißt es im gedicht von der stete ampten 286. Die frau ist ja ihrem namen nach göttin, vgl. was s.  248 . 249 über den sinn der worte frau und weib gesagt wurde Nachtrag: Die frauenverehrung wird noch durch folgende wendungen ausgedrückt. ich waen, got niht sô guotes hât als ein guot wîp. frauend. 1, 6. darum: êret elliu wîp. Maurit. 1480. wir sulin êren dise wif. Roth. 4630. êrt altôs vrouwen ende joncfrouwen. Rose 2051. er êret alle megede. MsH. 2, 4 b . dor alre vrowen ere. Lanc. 43844. Walew. 8787. 9000. durch aller frouwen êre. Maurit. 1450. Roseng. 149. durch aller frewlein ere. Uhland 1, 298. in alre vrouwen ere. Walew. 3839. umb aller weiber ehr willen. Simplic. 315. durch elliu guoten wîp. frauend. 427, 16. man sol nimmer frowen übel sprechen. Kol. 97. van vrowen comt ons alle ere. Walew. 3813. als grund wird wol angeführt: wir wurden von frowen geborn und manger bet gewert. Otn. cod. dresd. 167. daz wir von den lieben frolîn fîn alsamen komen sîn. M. Beheim 275, 19. wir sîn von in zer werlte komen. Renn. 12268. . Aber noch mehr, der held, wenn er in kampfes nöthen die geliebte frau (ahd. trûtin, trûtinna, mhd. triutinne) ansah , ihrer gedachte , ihren namen nannte , erhöhte dadurch seine stärke, und war des siegs gewis. man dürfte hierher selbst den ausspruch des Tacitus nehmen: memoriae proditur quasdam acies inclinatas jam et labantes a feminis restitutas constantia precum et objectu pectorum. aus den gedichten des 13 jh. will ich bloß die hauptstellen hersetzen: und als er dar zuo an sach die schœnen frowen Erîten, daz half im vaste strîten.   Er. 933. swenne mich der muot iwer ermant , sô ist sigesælic mîn hant: wand iwer guote minne die sterkent mîne sinne, daz mir den vil langen tac niht wider gewesen mac.   Er. 8867. diu dâ gegenwurtic saz , diu gehalf ir manne baz. ob im dehein zwîvel geschach, swenn er si danne wider an sach , ir schœne gap im niwe kraft sô daz er unzagehaft sîne sterke wider gewan und vaht als ein geruowet man.   Er. 9171. der gedanc an sîn schœne wîp der kreftigete im den lîp.   Er. 9229. swenne im diu muoze geschach daz er die maget reht ersach , daz gap ir gesellen Gâwâne manlich ellen.   Parz. 409, 13. 410, 5. nu sach er daz si umb in was in sorgen, alrêst er niuwe kraft enpfant.   Lohengr. s. 54. 55. den Heiden minne nie verdrôz, des was sîn herze in strôte grôz.   Parz. 740, 7. ern welle an minne denken , 331 sone mager niht entwenken.   Parz. 740. 15. wes sûmest du dich, Parzivâl daz du an die kiuschen liehtgemâl niht denkest , ich mein dîn wîp, wiltu behalten hie den lîp?   Parz. 742, 27. der getoufte nam an kreften zuo, er dâht , des was im niht ze fruo, an sîn wîp die küniginne, unt an ir werden minne.   Parz. 743, 23. swâ ich sider kom in nôt, ze hant so ich an si dâhte , ir minne helfe brâhte.   Parz. 768, 27. müede was ir bêder lîp, niuwan daz sie dâhten an diu wîp sie wæren bêdesamt gelegen.   altd. bl. 1, 340. im carmen de Phyllide et Flora heißt es 31, 4: ›ille me commemorat inter ipsas caedes‹, der geliebte nennt im kampf meinen namen, um siegreich daraus hervorzugehen noch Philander von Sittewald 2, 727. soldatenl. s. 241 gedenkt des brauchs, bei gefahren ›sich in der liebsten gnad und huld zu befehlen‹. . das klingt recht heidnisch, da die götter augenblicklich beistanden, sobald ihr name genannt wurde. Snorri sagt Yngl. saga cap. 2 von Ođinn: svâ var oc um hans menn, hvar sem þeir urđu î nauđum staddir â siâ eđa â landi, þâ kölludu þeir â nafn hans, oc þôttiz iafnan fâ af þvî frô. Als den âsen Hrûngnir unerträglich wurde, þâ nefna þeir Thôr, þvî næst kom Thôrr î höllina. Sn. 108. Kraka, ein halbgöttliches wesen ermahnte den Erich: si suprema necessitatis violentia postularet, nominis sui nuncupatione remedium celerius esse quaerendum, affirmans se divina partim virtute subnixam et quasi consortem coelitum insitam numinis gestare potentiam. Saxo gramm. p. 72. So nimmt die valkyrie sich ihres erkornen helden an, wenn er ihren namen ausruft, sie ist seine schutzgöttin geworden und gleichsam von den göttern entsandt ihm beistand zu bringen Nachtrag: Der held weiht sich zum ritter einer frau, sie will ihn zum ritter haben. ich wil in zeime ritter hân. Parz. 352, 24. den ritter dienstes biten. 368, 17. dîns ritters. 353, 29. mîn ritter und der dîn . 358, 2. Schionatulander muß der Sigune ›dienen unter schiltlîchem dache‹. Tit. 71, 4. er war ›in ir helfe erboren‹ 72, 4. dies verhältniss heißt dort ihre gesellschaft 73, 1. do versuocht ich'n, ob er kunde sîn ein friunt , daz wart vil balde schîn. er gap durch mich sîn harnas enwec . . . mange âventiure suohter blôz .   Parz. 27, 13. die ritter tragen wapen und kleinod, besonders gern ermel, mouwe, stauche, stücke vom ermel, durch die frauen. die frau ist schirm, schild und geleite des ritters, dessen schwert in ihrer hand ist. Parz. 370. 371. ›ich wil in strîte bî iu sîn ‹ sagt Obilôte zu Gawan. Parz. 371, 14. der geliebten des siegers müssen sich die gefangnen ergeben. Parz. 394, 16. 395, 30. 396, 3. die geliebte ist also auch kriegerin wie Freya und schildfrau s.  351 . der ermel , welchen der ritter als zeichen an seinem schilde trägt, hat der jungfrau bloßen arm gerührt. Parz. 375, 16. vgl. 390, 20. Erec 2292 ff. En. 12035 ff. (322, 32 ff.). ein hemde, das der geliebten bloßen leib berührte, ist des ritterlichen halsberges dach. Parz. 101, 10. vgl. es gibt dir gleich, naizwan, ain kraft, wen du im an den rock rüerest. Keisersb. spinnerin f. 3 d . die bloßen arme zeigt die geliebte. Hätzlerin. 185. das anschauen der geliebten stärkt. Lanc. 8107. die frouwen begunder ansehen, der schoene gap im solhe maht. Wigal. 7560. Schionatulander stärkt sich im kampf und siegt dadurch, daß er an Sigune denkt, wie sie sich ihm in voller schönheit nackt zeigte, und sie gewährte ihm eben das nacktzeigen , um ihn dadurch in gefahren zu sichern. Tit. 1247–50. 1497. 2502. 4104. 4717. sed in cordibus milites depingunt nostras facies , cum serico in palliis colore et in clipeis .   carm. bur. 148 b . Sifrit gedâht an daz küssen , daz ver Krîmhilt im hâte getân, dâ von der degen küene ein niuwe kraft gewan. Roseng. 1866. nu sich an die frouwen und gedenke an frou Herchen. a. o. 1912. in dirre nôt gedâhte er der schoenen megde Larîen. Wigal. 6424. wis muotic unde balt, gedenke an reiner wîbe blic , der gruoz man ie mit dienste galt. Winsbecke 20, 2. man sol vor êrste an got gedenken in der nôt, dar nâch gedenke an die süezen mündel rôt und an ir edeln minne, diu verjagt den tôt. Kolm. ms. 73, 37. 42, 46. wer beim anblick des rings an die geliebte denkt, wird stark. Horn 573. 609. 883. 1505. une dame à qui vous estes bien obligé, dans tous les combats de barrière et toutes les courses de bague, elle vous a souhaité d'en emporter l'honneur. rom. com. de Scarron s. 82. vgl. wörterb. s. v. andacht . Daß die götter sofort zum beistand erschienen, wenn ihr name genannt wurde, bezeugt auch Sn. 47: kölluđu â þôr oc iafnskiôtt kom hann . Vagnoftus erscheint auf nennung plötzlich . Saxo s. 45. (sogar ente und ameise, an die gedacht wird, stehn plötzlich da. sv. folkv. 1, 76. 77). so werden auch die geliebten zum beistand im kampfe angerufen, die geliebte fee Phiolede von Darifant. Haupts zeitschr. 2, 182. 183: ›dîn scône helphet mich vorwâr!‹ Wolfram 8, 31: ›dîn wîplich güete neme mîn wâr und sî mîn schilt hiut hin und her!‹ denn ›bî werdem man sô wachent wîbes güete ‹. Ms. 1, 190 a . vgl. das wachen der Saelde (in convivio sibi amator talos cum jacit, scortum invocat . Plaut. captivi I. 1, 4). auch rufen die frauen dem kämpfer zu, oder wünschen: the little strength that I have , I would it were with you! Skakesp. as you like it. 1, 2. frauenschönheit spaltet felsen. von ir schoene müese ein fels erkrachen. MsH. 3, 173 a . sie heilt kranke: der sieche muose bî in genesen. Dietr. drachenk. 350 b . sol daz ein siecher ane sehn, vor fröide wurde er schier gesunt. a. o. 310 b . ir smieren und ir lachen und solde ein sieche daz ansehn, dem müeste sorge swachen. a. o. 70 a . die flucht zu frauen rettet. hie sal die zuht vore gân, nu he under den vrowin ist komin. Roth. 4626. vgl. 4589. frauentritte verletzen die blumen nicht. ich waen swelhe trat diu künegîn, daz si niht verlôs ir liehten schîn. Türl. Wh. 97 b 152 a . . Die bestimmung solcher frauen war also sterblichen menschen heil oder unheil, sieg oder tod anzusagen und zu bereiten. am längsten, wie wir sahen, hat der volksglaube ihren bezug auf kampf und sieg festgehalten. Wie bei den helden beruht ihr wesen selbst auf menschlicher natur, und sie scheinen meistentheils aus königs und heldengeschlecht hervorgegangen, vermutlich ist auch bei ihnen einmischung göttlicher ahnen vorauszusetzen. Um aber ihr geschäft zu bewerkstelligen musten ihnen weisheit und übernatürliche kräfte zu gebot stehn: ihre weisheit erspäht, ja sie lenkt und ordnet verflechtungen unseres schicksals, warnt vor gefahr und räth in schwieriger lage. bei der geburt des menschen erscheinen sie weissagend und begabend, in kampfes nöthen hilfreich und sieg verleihend. darum heißen sie kluge, weise frauen , 332 altn. spâkonor (vgl. spâkr, ahd. spâhi, prudens), schott. spae wife , mhd. wîsiu wîp . Nib. 1473, 3. 1483, 4 Nachtrag: Sîn pflâgen wîse frouwen . Gudr. 23, 3. selige fräulein heißen sie in Steubs Tirol s. 319. . Ich schicke aber einen älteren ausdruck voraus, der mir ganz den eben entwickelten sinn zu gewähren, und in seiner allgemeinheit sämtliche, hernach näher abzuhandelnde besondere wesen zu umfassen scheint. das ahd. itis pl. itisî, alts. ides, pl. idisî, ags. ides, pl. idesa bedeutet femina überhaupt und kann von jungfrauen oder frauen, armen oder reichen gelten freolicu meovle = ides. cod. exon. 479, 2. veras und idesa oder eorlas und idesa stehn sich gegenüber. daselbst 176, 5. 432, 2. . gleich dem gr. νύμφη scheint es jedoch schon in frühster zeit vorzugsweise auf übermenschliche wesen angewandt, die geringer als göttinnen, höher als irdische frauen angesehn gerade den mittelrang einnehmen, von welchem hier die rede ist. Tacitus meldet uns, ein berühmtes schlachtfeld an der Weser habe bei den Cheruskern Idisia viso (so bessere ich aus Idistaviso) geheißen, d. i. nympharum pratum, frauenwiese; einerlei ob die stätte schon vor dem kampf mit den Römern diesen namen führte oder ihn erst nachher überkam (s. Haupts zeitschr. 9, 248). hier war einmal oder zum andernmal unter leitung dieser hehren frauen gesiegt worden. in voller thätigkeit stellt uns das Merseburger lied die idisî dar: sumâ hapt heptidun, sumâ heri lezidun, sumâ clûbôdun umbi cuniowidi, einige hefteten haft, d. i. thaten (dem kampfe) einhalt, wie es Renner 20132 heißt: dez muoz ich heften einen haft an dirre materie ân mînen danc, wan ich fürhte, sie werde ze lanc. andere hielten das heer auf (goth. hari latidêdun), noch andere pflückten nach ketten oder kränzen, d. i. nach bindenden, fesselnden pflanzen und reisern, aus welchen sie hemmende binden oder kränze dem sieger zu winden gedachten. ihr geschäft war also, wie es auch die anwendung des zauberspruchs fordert, hier ein hemmendes, aufhaltendes; merkwürdig stimmen dazu die Sæm. 45 a nebeneinander angeführten eigennamen zweier nord. valkyrien Hlöck = ahd. Hlancha, d. i. catena und Herfiötr = ahd. Herifezzara, exercitum vinciens. sicher stand es auch in ihrer gewalt zu lösen und zu fördern, wie zu binden und zu hemmen. Mit itis zusammengesetzt sind die frauennamen Itispuruc (Meichelbeck no. 162), Itisburg (trad. fuld. Schannat 181), Idisburg (Lacombl. no. 87) und Itislant (Graff 1, 159), die wie Hiltipurc, Sigipurc, Sigilant (MB. 14, 362) sich für solche frauen unsrer vorzeit eignen der örtliche begrif stößt hier an den persönlichen, man darf also Magadaburg zu Idisaburg, Idisoburg und Islant zu Itisland, Itisolant halten. das fränkische Dispargum scheint aber kein Idisberg sondern Tiesberg, fanum Martis (Herm. Müller sal. gesetz s. 33. 34). Nachtrag: Das ahd. itis (kl. schr. 2, 4 ff.) hat sich noch im mhd. erhalten. im Wigamur 1564 ff. heißt eine jungfrau îdîs (gedr. steht eydes): wîs 1654.: prîs 1690. 1972. sie hat eine linde mit einem jungbrunnen. Itisburg . Dronke 4, 22. Idislind. trad. wizenb., wofür Dislith. Pertz 2, 389. andere Dis bei Förstemann 1, 335. ist Gifaidis ebenda 1, 451 Giafdîs? Curtius in Kuhns zeitschr. 3, 153 stellt zu itis ἀϑήνη, wo aber das s fehlt. lieber möchte ich in itis die leuchtende erkennen, von indh lucere, êdha , êdhas lignum. (kl. schr. 5, 435). Ags. ides  = freolicu meovle. cod. exon. 479, 2. meovle und mavi kommen hier gleichfalls in betracht. vgl. Meuenloch . Panzer beitr. 1, no. 85. kl. schr. 3, 108. . 333 Aber viel reichere aufschlüsse über ihr wesen gewinnen wir aus den nordischen quellen, es ist bisher verkannt worden, daß dem ahd. itis, ags. ides das altn. dîs pl. dîsir entspricht; ein beispiel ähnlicher aphaeresis war s.  193 Rîgr für Iring, und Sangrim, Singrim für Isangrim, Isingrim (Reinh. CCVIII). alle zweifel schwinden sobald man das eddische dîs Skiöldûnga Sæm. 169 a 209 a mit dem ags. ides Scildinga Beov. 2337 vergleicht. Auch die nordischen dîsir sind bald gütige, schirmende, bald feindliche, hindernde wesen, vgl. Sæm. 185 a 195 a 254 b 273 a . ein beispiel der letzteren art liefert die geschichte von Thiđrandi, den dîsir umbrachten, thann er sagt at dîsir vaegi, quem deas interfecisse dicunt (Nialssaga cap. 97); die umständliche erzählung (fornm. sög. 2, 195) nennt sie bloß konur (frauen). spâdîsir (nymphae vaticinantes) Völsung. saga cap. 19 sind nichts anders als was spâkonur ; die redensart: ›ecki eru allar dîsir dauđar enn‹ (Alfs saga cap. 15) sagt ganz allgemein: noch sind nicht alle guten geister ausgestorben. ›yđr munu dauđar dîsir allar‹ (euch sind alle geister todt) fornald. sög. 2, 47. Das volk aber verehrte sie und brachte ihnen opfer: öfter ist die rede von dîsablôt . Egilssaga cap. 44 p. 205. Vigagl. saga cap. 6 p. 30; blôta kumla dîsir (deabus tumulatis sacrificare) Egilss. p. 207. aus dieser stelle folgt ein zusammenhang der dîsir mit gespenstern, d. h. abgeschiednen geistern, deren wiedererscheinen vorbedeutet: › konor hugđak dauđar koma î nôtt‹ (Sæm. 254 a ), todte frauen, d. h. dîsir. Herjans dîs (Sæm. 213 b ) ist nympha Odini, eine in Valhöll wohnende, zu Ođins gebot stehende jungfrau; dîs Skiöldûnga (Sæm. 169 a 209 a ), aus dem geschlecht der Skiöldunga abstammende göttliche jungfrau, wird sowol Sigrûn als Brynhild genannt, vgl. ags. ides Scyldinga und ides Helrninga Beov. 1234. aber selbst Freyja heißt Vanadîs (nympha Vanorum) Sn. 37 und Skađi, eine andere göttin, öndurdîs (die in holzschuhen gehende) Sn. 28, was gleichviel ist mit öndur guđ . mehrere weibliche eigennamen sind mit dîs zusammengesetzt: Thôrdîs, Hiördîs, Asdîs, Vigdîs, Halldîs, Freydîs und sie zeigen das beträchtliche alter der einsilbigen form dîs, welche auch in der edda stets auf D alliteriert, ahd. hätte man Donaritis etc. zu gewarten. dem ursprünglichen idis könnte der name der göttin Idunn verwandt scheinen Nachtrag: Die altn. dîsir erscheinen wie parzen. vildu svâ dîsir (sic parcae voluere) Höstl. (Thorl. 6, 6). tâlar dîsir standa þer â tvœr hliđar ok vilja þik sâran siâ . Sæm. 185 a . weitere belege des dîsiropfers sind: blêtuđ dîsir . Egilss. 207. dîsablôt a. o. 205. var at dîsa blôti , reiđ hesti um dîsar salinn , Yngl. 33. vom selbstmörder heißt es: heingdi sîk î dîsarsal . Hervarars. s. 454. fôr ser î dîsar sal a. o. 527. iodđîs . Sn. 202. auch Grendels mutter heißt ides . Beov. 2518. 2701. Über Vanadis und ihre identität mit der thrakischen mondgöttin Bendis s. kl. schr. 5, 424. 430 ff. . Wenn, wie ich annehme, schon zu Tacitus zeit der ausdruck idis gangbar war, so meldet er uns andere mehr besondere benennungen als bloße eigennamen, denen gleichwol noch ein gewisser allgemeiner sinn zustehen mag. bereits im fünften cap. als der zusammenhang zwischen wahrsagerinnen und dem priesteramt gewiesen wurde, habe ich die zeugnisse über Veleda , Ganna und Aurinia beigebracht. Veleda scheint fast appellativ, und dem nord. Vala, Völva (s.  80 ) oder gar dem masc. Völundr (s.  313 ), vielleicht auch der benennung der valkyrien verwandt ich finde Walade ricus in den trad. corb. p. 364. §. 213; ein wildes weib heißt Wolfdieterich 514 ›die wilde waldin ‹, 735 ›diu übel walledein ‹. das scheint aber verderbt aus vâlandinne. . Sie 334 wohnt auf einem thurm , wie Jetha (s.  79 ) und Brynhildr (Völs. saga cap. 24). eingegangene verträge wurden in ihrer gegenwart geheiligt; sie weissagte nicht bloß, sie hatte unter dem volk geschäfte zu schlichten und auszuführen. Sæm. 4 b 5 a wird die Vala , nach der das berühmte lied Völuspâ genannt ist, auch Heiđr und Gullveig geheißen, und wie mit -heid unsre frauennamen Adalheid, Alpheid u. s. w. gebildet sind, will Finn Magnusen p. 416 b Veleda aus Valaheid, was sich aber nirgend anbietet, herleiten Nachtrag: Die halle Brynhilds, zu der man geht um sich träume deuten zu lassen, steht auf dem berg . Völs. cap. 25. vgl. hyfjaberg s.  962 . Laxd. 328 spricht von völu leiđi , divinatricis tumulus. eine alte fee ist schon fünfzig jahre nicht aus ihrem thurm gegangen. Perrault p. m. 3. an Veleda und das goth. Waladamarca bei Jornand. c. 48 erinnert das weissagende pferdehaupt Falada im märchen und Velentin. in Haupts zeitschr. 4, 437 wechseln volantinne und valantinne . die völur ziehen umher: ek fôr î skôg völvu lîki . fornald. sög. 1, 135. þu var völvan . 1, 139. Sæm. 154 b . andere weissagerinnen erwähnt Nialss. s. 194. 199: Sæunn kerlîng , hon var frôđ at mörgu ok framsŷn , en þâ var hon gömul miök. sie will das unkraut weggeschaft haben, weil damit ein brand entzündet werden werde, wie auch eintrift. fornm. sög. 4, 46: vîsindakona , sû er sagđi fyrir örlög manna ok lîf. vgl. s.  338 . . Sehr anziehend ist die von ihr gegebne schilderung: wohin im lande diese vala velspâ (fatidica) kam, übte sie zauber, man glaubte, daß sie umherziehe und in die häuser einkehre . dies ›til hûsa koma‹ gemahnt an das › drepa â vett sem völur ‹ (pulsare aedes sicut fatidicae) Sæm. 63 a , wie auch anderwärts von weissagenden, begeisternden und heilbringenden frauen angenommen wurde, daß sie durch das land führen und an die häuser der menschen klopften, die sie beglücken wollten. Ganna (s. 78 ) würde sich sichrer erklären lassen, wäre uns die eigentliche bedeutung der wurzel ginnan erschlossen; ein mhd. ginnen ist secare, das altn. ginna allicere, seducere, und Sæm. 21 a wird gewarnt, den schmeichlerischen worten der vala zu trauen (›völo vilmæli trûi engi mađr‹); wie ags. dichter ähnliche ausdrücke von der Vyrd gebrauchen, werden wir hernach sehn. Dem Drusus, als er die Weser überschritten hatte und sich der Elbe näherte, trat im lande der Cherusker eine übermenschliche frau: γυνή τις μείζων ἢ κατὰ ἀνϑρώπου φύσιν entgegen, wehrte ihm weiter vorzudringen und weissagte sein nahendes ende (Cass. Dio 55, 1). species barbarae mulieris , humana amplior, victorem tendere ultra, sermone latino, prohibuit (Sueton. in Claudio l) ähnliche sage von Alexander Severus: mulier druias eunti exclamavit gallico sermone: vadas, nec victoriam speres, nec te militi tuo credas. Ael. Lampridius in Alex. Severo cap. 60. Auch den Attila soll beim Lechübergang eine runenjungfrau durch dreimaliges ›zurück Attila!‹ verscheucht haben. Pauls von Stetten erl. aus der gesch. Augsburgs s. 25. Noch wichtiger ist die einstimmung einer altn. tradition bei Saxo gramm. s. 15: Hadingum (jenen mythischen Hartung) obvia femina hac voce compellat: seu pede rura teras, seu ponto carbasa tendas, infestos patiere deos, totumque per orbem propositis inimica tuis elementa videbis. . vielleicht giengen davon deutsche volkssagen, die den Römern bekannt wurden. einheimische weise frauen standen wie helden in der noth des vaterlandes auf und schreckten durch ihr erscheinen den feind. Vor Veleda soll Aurinia in Deutschland berühmt gewesen sein (s.  78 ); ali mag unter den händen der schreiber sich leicht in au verderbt haben, runa in rinia: so hätten wir Aliruna , wofür freilich Tacitus schon Alioruna schreiben durfte. aber die oft wahrgenommene einstimmung mit Jornandes cap. 24 ist auch 335 unverkennbar, der, zur erklärung des ursprungs der Hunen, von Filimer dem gothischen könig berichtet: 'repperit in populo suo quasdam magas mulieres , quas patrio sermone aliorumnas (al. alyrumnas, aliorunas, aliuruncas) is ipse cognominat, easque habens suspectas de medio sui proturbat, longeque ab exercitu suo fugatas in solitudine coegit errare. quas silvestres homines, quos faunos ficarios vocant, per eremum vagantes dum vidissent, et earum se complexibus in coitu miscuisent, genus hoc ferocissimum edidere‹. Mit - rûn , - rûna , werden viele frauennamen gebildet (gramm. 2, 517), ahd. urkunden bieten, wiewol sparsam, auch Alarûn , Alerûna MB. 3, 416 (a. 1140); Gosprecht der Alraunyn sun MB. 27, 80 (a. 1309). niemals las ich Elirûn, was man nach jenem ali- erwarten sollte auf den sinn von -rûn wirft einiges licht, daß ags. auch burgrûna oder burgrûnan für parcae und furiae vorkommt (Lye s. v. und gl. epinal. 617). . bedeutsam aber steht der altn. name Ölrûn Sæm. 133. 134 gerade einer weisen frau zu, und alrûna (Graff 2, 523), heutzutag alraun , ist aus der bedeutung eines weissagenden teuflischen geistes endlich in die der wurzel (mandragora), aus welcher man ihn schneidet, übergegangen. wir wenden uns zu andern benennungen, für welche die quelle der überlieferung reicher fließt Nachtrag: Wackernagel in Haupts zeitschr. 2, 539 will alio runas = halio runas = hellirûna. eine höle der Alraun (s. unten s.  1005 ) kennt Panzer beitr. 1, 78–80. mandragora alruna . Mone anz. 8, 397. . Von den drei schicksalsgöttinnen enthält die edda einen abgeschlossnen tiefsinnigen mythus. sie heißen gemeinschaftlich nornir , einzeln aber Urđr , Verđandi , Skuld . Sæm. 4 a Sn. 18. der ausdruck norn (parca) hat sich bisher in keinem andern dialect aufgefunden Nürnberg (mons noricus) hat nichts damit zu schaffen, ist auch keine sehr alte stadt (in Böhmers regest. zuerst a. 1050 no. 1607, vgl. MB. 29,102). Im felde bei Dauernheim unweit Nidda liegt ein brunnen, genannt Nörnborn , Nornborn , und die quelle soll nur fließen, wann es krieg gibt. ich wünschte aber diesen namen durch eine ältere urk. verbürgt. man hat den ags. gen. pl. neorxena, der nur in neorxena vong = paradisus begegnet, verglichen, aber die verkürzung wäre unerhört und selbst der nom. sg. neorxe oder neorxu im widerspruch mit norn, nirgends ist auch ein bezug der parzen auf das paradies. ließe sich norn auf niosan (sternutare) ziehen, dessen part. ahd. noran , mhd. norn lautete, wegen der weissagenden kraft des niesens? (s. cap.  XXXV ) doch scheint in diesem verbum die besondere bedeutung älter als die allgemeine, und schon die altn. form hniosa widerstrebt. , gehört jedoch ohne zweifel echtdeutscher wurzel an, und ist wie dorn, korn, horn u. s. w. gebildet, ahd. würde man norn, pl. nornî gesagt haben; auch die schwed. und dän. sprache kennen ihn nicht mehr Nachtrag: Meiner auflösung des altn. norn in goth. navairns, todesgöttin (kl. schr. 3, 113) widerspricht Müllenhoff in Haupts zeitschr. 9, 255. ihre verehrer könnten die Nahanarvali oder Navarnahali, goth. Navarnêhaleis, altn. Nornahalir sein. GDS. 715. 806. vielleicht ist zu erwägen das schwed. verbum nyrna warnen, belehren. sv. folkv. 1, 182, 183. färöisch steht nodn f. norn, wie kodn, hodn, badn für korn, horn, barn. nodnar = nornir. Lyngbye 132. Nodnagjest = Nornagestr. Lyngb. 474. An zusamnrenhang Nürnbergs mit norn ist um so weniger zu denken, als auch geschrieben wird Nüern berc MSH. 3, 296 b Nüeren berc. Walth. 84, 17. Nornborn mag aus Norden entstellt sein, wie auch sonst in Oberdeutschland Norndorf, Nornberg für Nordendorf, Nordenberg steht. vgl. fries. Non . Ehrentr. fries. arch. 2, 82. Nurnhari . Karajan 83, 6. . In den drei eigennamen sind die formen abstracter verba unmöglich zu verkennen: Urđr ist aus dem pluralablaut von verđa (varđ, urđum) entnommen, Verđandi ist das fem. part. praes. des nemlichen worts, Skuld das part. praet. von skula, d. h. dem wort, mit welchem die mangelnden flexionen des futurums umschrieben werden. es ist also sehr passend das gewordne, werdende und werdensollende, oder vergangenheit, gegenwart und zukunft bezeichnet und jede der drei parzen in einer dieser richtungen aufgestellt › fatum dicunt esse quicquid dii effantur. fatum igitur dictum a fando i. e. loquendo. tria autem fata finguntur in colo, in fuso, digitisque fila ex lana torquentibus, propter trina tempora: praeteritum , quod in fuso jam netum atque involutum est, praesens quod inter digitos nentis trabitur, futurum in lana quae colo implicata est, et quod adhuc per digitos nentis ad fusum tanquam praesens ad praeteritum trajiciendum est‹. Isidori etym. 8, 11 §. 92, eine hinlänglich im mittelalter verbreitete stelle (vgl. gl. Jun. 398), aber kein beweis für entlehnung der deutschen ansicht aus der classischen. §. 93 fügt Isidor hinzu: ›quas (parcas) tres esse voluerunt, unam quae vitam hominis ordiatur, alteram quae conlexat, tertiam quae rumpat‹. . zugleich thun uns 336 die namen dar, daß die lehre von den nornen ursprünglich unter allen deutschen völkern einheimisch war. eine goth. Vaúrþs, Vaírþandei, Skulds, eine ahd. Wurt, Werdandi, Scult u. s. w. müssen als persönliche wesen bekannt gewesen sein, wir vermögen die persönlichkeit der ersten norn deutlich aus alts. und ags. poesien zu beweisen. ›thiu Wurdh is at handun‹ heißt es Hel. 146, 2, wie ›dôd is at hendi‹ 92, 2: parce, tod stehen so nahe, daß sie den ihnen verfallnen menschen mit der hand greifen können mhd. ›er hât den tôt an der hant‹. Reinh. 1480. 1806. Nib. 1480, 4. Morolt 29 b . Dietr. 29 a . pf. Chuonrât 3860. Karl 52 a . ; wir würden heute ebenso sinnlich sagen; ›stehen ihm bevor‹, ›sind vor handen‹. ›thiu Wurth nâhida thuo‹, nahte sich da Hel. 163, 16. › Wurth ina benam‹. Hel. 66, 18. 111, 4: die todesgöttin nahm ihn weg. lebloser klingt der ausdruck des Hild. liedes 48 › wêwurt skihit‹, oder vielleicht getrennt ›wê! wurt skihit‹, weil ›geschehen‹ mehr von unsinnlichen dingen gesagt wird. auch eine ahd. glosse hat wurt fatum (Graff 1, 992). desto lebendiger sind ags. redensarten: ›me þât Vyrd mit D, nicht Th, obgleich veorđan, vearđ geschrieben wird, aber der plur. nimmt D an, vurdon; eine bestätigung der vorgetragnen ableitung. ebenso ahd. Wurt, weil werdan, wurtum. geväf‹ (parca hoc mihi texuit) cod. exon. 355; › Vyrd oft neređ« unfægne eorl, þonne his ellen deáh‹ (parca saepe servat virum, donec virtus ejus viget, ellan taoc. Hild.). Beov. 1139; ›him väs Vyrd ungemete neah ›deáđ ungemete neah‹. Reov. 5453. , se þone gomelan grêtan sceolde, sêcean sâvlehord, sundur gedælan lîf viđ lîce‹. Beov. 4836, ›svâ him Vyrd ne gescrâf‹ (ita ei fatum non ordinavit, decrevit) Beov. 5145 El. 1047 vgl. Boeth. ed. Rawl. p. 151; ›ealle Vyrd forsveop so lese ich für ›forsveof‹ der ausgaben, vgl. forsvâpen Cædm. 25, 9. ‹ (alle riß die parze fort) Beov. 5624; hie seo Vyrd besvâc, forlêolc and forlærde (eos parca decepit, allexit, seduxit) Andr. 613; us seo Vyrd sceđeđ (nos fatum laedit) Andr. 1561. unsinnlicher sind die stellen im Cædm., doch heißt 61, 12 die Vyrd ›välgrim‹, schlachtgierig, grausam. der Vyrd wird demnach beigelegt: gretan (excitare, ahd. cruozan), scrîfan (ordinare, ahd. scrîpan) vgl. anm. zu Elene s. 161 über eine ähnliche anwendung des mhd. schrîben , und Klausen in der zeitschr. für alterth. 1840 s. 226 über die römische vorstellung schriftlichen aufzeichnens bei den parzen. N. Cap. 50. 55 verdeutscht parca durch brievara , die aufzeichnende. Tertullian de anima cap. 39 meldet, am letzten tage der ersten woche eines neugebornen kindes habe man die fata Scribunda angefleht. Fleming 479 nennt die drei parzen des verhängnis schreiberinnen . , vefan (texere, ahd. wepan), besvîcan 337 (decipere, ahd. pisuîchan), forlæcan (fallere, ahd. farleichan), forlæran (seducere, male informare) sceđan (nocere), sie erscheint mächtig, oft aber grausam und kriegerisch. Nicht so läßt sich die persönliche verwendung der beiden andern namen erweisen, obgleich der dritte altn. Skuld , ahd. Scult , ags. Scyld als abstractes fem. skuld, scult, scyld, mit der bedeutung von debitum, delictum überaus häufig fortgebraucht wurde fornald. sög. 1, 32 Skuld , tochter eines âlfkona. auch bei Saxo gramm. p. 31 Sculda n. pr. . Eine einzige benennung, nachdem das christenthum die heidnische vorstellung verdrängt hatte, genügte, und bald erlosch auch sie, um neueren ausdrücken wie schicksal, verhängnis und ähnlichen, die weit unbequemer und schwerfälliger sind, als die alten einfachen wörter, platz zu machen. Am längsten scheint die englische und vorzüglich schottische mundart den ausdruck gehegt zu haben; bekannt sind die › weirdsisters ‹ in Shakspeares Macbeth, die er aus Holinshed entnahm; auch in Douglas Virgil 80, 48 stehen sie, und der complaynt of Scotland (geschrieben 1548) gedenkt unter mehrern fabelhaften erzählungen der ›of the thre weïrdsystirs ‹ (Leydens ausg. Edinb. 1801 p. 99); in Warners Albions England (zuerst gedruckt 1616) heißen sie ›the weirdelves ‹, es sind wol die drei parzen der alten gemeint. eigenthümlicher scheint ›the weïrd lady of the woods ‹, welche um rath befragt, aus ihrer höle weissagt, in Percys reliques 3, 220–222 vgl. Jamieson s. v. weird (weerd, weard). Chaucer gebraucht schon fatal sustrin statt weirdsysters (Troilus 3, 733. leg. of good women 2619). in engl. wörterbüchern findet man wayward sisters durch parzen und furien erklärt, und wardsisters hätte kein bedenken, aber wayward bedeutet wunderlich, mürrisch und lautete sonst waywarden , worin warden an das dän. vorren, vorn (gramm. 2, 675) erinnert. welche ags. form liegt wol zum grund? . Selbst im Norden muß Urđr bedeutsamer als die beiden andern gewesen sein, denn der brunnen an der heiligen esche heißt nach ihr Urđarbrunnr dieser brunnen ist hervorzuheben, denn auch die fahrenden frauen und feen des mittelalters erscheinen gewöhnlich an brunnen, wie die musen und sanggöttinnen an brunnen hausen, und selbst einzelne göttinnen namentlich Holda brunnen und quellen lieben (s. 222). Es ist überhaupt oft schwer zu sagen, wem frau Holda mehr gleiche, einer alten göttin oder weisen frau. und neben dem brunnen steht der saal, aus welchem die drei nornen kommen; auch wird vornehmlich das › Urđar orđ ‹ (Sæm. 112 a ) genannt, und einmal ›grimmar urđir ‹ (dira fata) abstract gebraucht. Sæm. 216 b . Diese drei jungfrauen bestimmen jedem menschen seine lebenszeit ( skapa mönnum aldr; skôp î ârdaga) Sn. 18. Sæm. 181 a , ich habe schon (RA. 750) den technischen bezug des ausdrucks skapa auf das richtende, urtheilende amt der nornen dargethan vgl. ags. vyrda gesceaft Cædm. 224, 6. vyrda gesceapu Cod. exon. 420, 25. alts. wurdhgiscapu (decreta fati) Hel. 113, 7 und den ahd. ausdruck scephentâ (parca), mhd. schepfe (Ottoc. 119 b ) und schepfer ; der dichter, auch ein vates, hieß ahd. scuof , alts. scôp , nach derselben wurzel. Das ags. wort metten stelle ich zusammen mit metod (schöpfer) oben s.  18 . im Boeth. p. 101 (Rawlinson) heisst es nach der variante: ›þâ graman mettena ‹, die grausamen parzen, metodo giscapu Hel. 66, 19. 67, 11 entsprechen jenen vyrda gesceapu und der gen. pl. metodo, vyrda lehrt, daß nicht von einem schöpfer, sondern von mehrern die rede sei. Vintler nennt sie › diernen , die dem menschen erteilen ‹. , denen eben darum dômr und 338 qvidr (Sæm. 273 b ) beigelegt wird. liotar nornir skôpo oss lânga þrâ (dirae parcae creaverunt nobis longum moerorem) Sæm. 217 a ; › nornir heita þær er nauđ skapa ‹. skâldskaparmâl p. 212 a . gleichbezeichnend ›nornir vîsa ‹ Sæm. 88 b , sie weisen das urtheil und sind weise . darum wird ihnen, wie den urtheilern, ein stul beigelegt: › â norna stôli sat ek niu daga‹, Sæm. 127 a . Jedem neugebornen kinde nahen sie, und fällen über es ihr urtheil; als Helgi geboren war, heißt es Sæm. 149: nôtt var î bœ, nornir qvâmo, þœr er öđlingi aldr um skôpo : þann bâđo fylki frœgstan verđa, ok Buđlûnga beztan þyckja. snero pœr af afli örlögþâtto , þâ er borgir braut î Brâlundi: pœr um greiddo gullinsîmo , ok und mânasal miđjan festo . þœr austr ok vestr enda fâlo , þar âtti lofđûngr land â milli: brâ nipt Nera â norđrvega einni festi . ey bađ hon halda. in dieser merkwürdigen stelle ist gesagt, daß nachts in die burg tretende nornen dem helden die schicksalsfäden drehten und das goldne seil ( pâttr  = dâht, docht = sîmi ) mitten am himmel ausbreiteten; eine norn barg ein ende des fadens gen osten, die andere gen westen, die dritte festigte gegen norden. diese dritte wird genannt ›schwester des Neri ‹ vgl. ›nipt Nara ‹ Egilssaga p. 440. . nach dem dreifachen geschäft ist ihre nicht ausdrücklich benannte dreizahl zu entnehmen. alles gebiet zwischen dem östlichen und westlichen ende des seils sollte dem jungen helden zufallen; that die dritte norn dieser gabe eintrag, indem sie ein ewighaltendes band gegen norden hin warf? Nachtrag: Wie die drei nordischen nornen haben auch zwei deutsche truden Muß und Kann ihre namen von abstracten verben. Panzer beitr. 1, 88. ahd. wurt fortuna gl. hrab 964 a , woneben zu erwägen ist giwurt . Graff 1, 993, ungiwurt a. o. 1, 994, vielleicht auch goth. gavairþi n. ags. seo vyrd gevearđ . Cædm. 168, 3. hie Vyrd forsveop. Beov. 949. zu cod. exon. 355: ›me þät Vyrd geväf‹ halte man Beov. 1387 vîgspêda geviofu (s.  344 ). in der Kormakssaga s. 267 kommt Urđr at brunni . vgl. Urdar lokur. Sæm. 98 a . Urđr öđlinga. Sæm. 214 b wie dîs Skiöldunga. die nornen richten, urtheilen d. h. skapa . ömlig norn skôp oss i ârdaga . Sæm. 181 a . färöisch: tea heava mear nodnar skapt . Lyngbye 132. steffara parca. Graff 6, 662 = sceffara . scepfarun parcae. gl. schlettst. 6, 457. sceppen smenschen leven. Limb. 3, 1275. Vintler LIV spricht von gachschepfen . Pfeiffers Germ. 1, 238. vgl. finn. luonnotar virgo creatrix, zumal ferri, von luon creo, facio. kolme neittä luonnotarta, tres sunt virgines naturae creatrices. den nornen wird verschiedenes geschlecht zugewiesen. sundrbornar miök hugg ek at nornir sê, eigođ þaer aett saman, sumar ero âs kungar, sunrar âl fkungar, sumar doetr Dvalins.   Sæm. 188 a Das scheint gerade characteristisch in nornen und feensagen, daß was vorausgehende begabungen günstiges verheißen, durch eine nachfolgende zum theil wieder vereitelt wird. Nornagestssaga cap. 11 heißt es: im land fuhren › völvur ‹, die man › spâkonur ‹ nannte, umher, die weissagten den menschen ihr geschick (›spâđu mönnum aldr‹ oder ›örlög‹). die leute entboten sie zu sich ins haus, bewirteten und beschenkten sie. Einst kamen sie auch zu Nornagests vater, das kind lag in der wiege, über ihm 339 brannten zwei kerzen. nachdem die zwei ersten weiber es begabt und ihm glückseligkeit vor andern seines geschlechts versichert hatten, erhob sich zornig die dritte oder jüngste norn (›hin ŷngsta nornin ‹), die man im gedränge von ihrem sitz geworfen hatte, daß sie zur erde gefallen war, und rief: ›ich schaffe, daß das kind nicht länger leben soll, als die neben ihm angezündete kerze brennt‹! schnell grif die älteste völva nach der kerze, löschte und gab sie der mutter vermahnend, sie nicht eher wieder anzustecken, als an des kindes letztem lebenstag, welches davon den namen Nornengast empfieng. hier ist völva , spâkona und norn vollkommen gleichbedeutig, wie wir vorhin (s.  334 ) sahen, daß die völur durchs land zogen und an die häuser klopften ich habe anderwärts ausgeführt, wie die wandernde einkehrende Muse, frau Aventiure, eine begeisternde, weissagende norn ist, und bis in alle züge zu der alten vorstellung stimmt s. kl. schr. 1, 102. , thun es auch die nornir . den beiden ersten nornen wird wohlwollende, der dritten üble gesinnung zugeschrieben. diese dritte, folglich Skuld , heißt ›die jüngste‹, sie wurden also von verschiednem alter, und Urđr als älteste angenommen. Ähnliche erzählungen von fahrenden, begabenden zauberfrauen waren im ganzen mittelalter verbreite Nigellus Wirekere im speculum stultorum (gedichtet um 1200) erzählt ein märchen (exemplum): ibant tres hominum curas relevare sorores ,     quas nos fatales dicimus esse deas . sie ziehen durchs land , um was die natur versäumt hatte wieder gut zu machen. zwei von den schwestern, zu weichherzig und vorschnell, wollen gleich auf den ersten schein eingreifen und helfen, werden aber von der dritten verständigern, welche sie domina nennen und als höhere macht verehren, zurückgehalten. Erst stoßen sie auf eine schöne, edle jungfrau, der alle güter zu gebot stehn und die dennoch klagt; ihr wird nicht geholfen, da sie sich selbst helfen kann. dann finden sie im wald eine sittsame jungfrau zu bett liegen, weil schwere füße und hüften sie am gehen hindern; auch sie erlangt den beistand der göttinnen nicht, an geist und leib treflich ausgestattet muß sie ihr übel geduldig tragen. Zuletzt treffen die schwestern unweit einer stadt eine arme, rohe bauerdirne: exiit in bivium, ventrem purgare puella     rustica, nil reverens inverecunda deas, vestibus elatis retro nimiumque rejectis     poplite deflexo crure resedit humi, una manus foenum, panis tenet altera frustum; diese wird, als die beiden ersten schwestern sich abwenden, auf ermahnung der dritten, von den göttinnen mit glücksgütern überschüttet: haec mea multotiens genitrix narrare solebat,     cujus me certe non meminisse pudet. Nachtrag: Über nornen , völvur , spâkonur , blâkâpur vgl. Maurer 284. tha thriu wüfer . Ehrentraut fries. arch. 2, 82. die drei heilräthinnen . Panzer beitr. 1, 56. 57. 59. 283. slavisch drei rojenice oder sujenice . Valjavec 76–91. böhm. sudice richterinnen (s.  362 ). nornir nâgönglar , nauđgönglar . Sæm. 187 b . vgl. ed. hafn. s. 173. merkwürdig die töfranorn (s. 862 ). nornen fahren über land. konur þaer fôru yfir land, er völvur voru kallađar, ok sögđu mönnum forlög sîn, ârferđ ok ađra hluti, þâ er menn vildu vîsir verđa. þessi sveit kom til Virvils bônda, var völ vunni þar vel fagnat. fornm. sög. 3, 212. völvan arma . a. o. 3, 214. nornen, parzen, feen treten zur wiege des neugebornen und begaben. so noch frau Saelde im Erec 9900. eine weissagende › gammal gumma ‹ erscheint bei geburt des königssohnes. sv. folk.s. 1, 195. drei ›mör‹ (jungfrauen) lassen sich von dem mädchen baden und begaben es hernach. sv. folks. 1, 130. (im entsprechenden deutschen märchen sind es drei haulemännchen). . Die edda lehrt ausdrücklich, daß es gute und böse (gôđar ok illar, grimmar, liotar), und, obgleich sie ihrer nur drei namhaft macht, noch mehrere gebe: einige nornen stammen von göttern, andere von elben, andere von zwergen. Sn. 18. 19. Sæm. 187. 188. warum werden den nornen hunde beigelegt? grey norna (Sæm. 273 a ). 340 Man sieht es, in dieser ganzen vorstellung sind sache und personen genau getrennt. das schicksal selbst heißt örlög oder auch nauđr (necessitas) aldr (aevum); die nornen haben es zu verwalten, zu erspähen, zu verhängen und auszusprechen Nachtrag: Saeva Necessitas             clavos trabales et cuneos manu             gestans ahenea.   Horat. od. I. 35, 18.                 si figit adamantinos             summis vorticibus dira Nccessitas             clavos .   Horat. od. III. 24, 5. diu grimme Nôt. Erec. 837. merkja â nagli Nauđ . Sæm. 194 b . runar ristnar: â Nornar nagli . Sæm. 196 a . ( clavo , nicht ungue). vgl. Simplic. 1, 475 (Keller): wann die noth zu thür und fenstern einreitet. . Den übrigen dialecten wohnte auch hier der nämliche ausdruck bei: ahd. urlac , ags. orläg , mhd. urlouc (gramm. 2, 7. 87. 789. 790), alts. orlag , orlegi , aldarlagu (Hel. 103, 8. 113, 11. 125, 15 von legan (constituere), wie ags. lage, altn. lög (lex), also urgesetz; die formen urlouc und urliuge sind bedeutsam in die wurzel liugan, louc (celare) umgestellt. und erst nachdem man die heidnischen göttinnen ausgestoßen hatte, verwirrten sich die wortbegriffe, das persönliche wurt , wurđ , vyrd fieng an in die bedeutung von urlac überzugehen. Wie norn zu örlög , verhält sich parca zu fatum (von fari, gleich jenem qviđr von qveđa), αἶσα, μοῖρα zu ἀνάγκη (naudr) oder εἱμαρμένη. seit aber die parcae in der einbildung des volks verschwunden waren, bildete die romanische sprache (nach einem umgekehrten hergang, als dem eben bei uns nachgewiesnen) aus dem sächlichen wort ein neues persönliches, aus fatum ein ital. fata , span. hada , prov. fada (Rayn. s. v.), franz. fée vgl. nata, née; amata, aimée; lata, lée. einige mhd. dichter sagen feie (Hartm. Wolfr.), sîne feie Haupts zeitschr. 2, 182. 183, andere feine (Gotfr. Conr.). . ich weiß nicht, ob vom celtischen glauben nachhallende weibliche wesen, oder einwirkung germanischer nornen dazu nöthigten. diese feen, ursprünglich von verkündigung des schicksals benannt, sind aber bald überhaupt geisterhafte frauen geworden, ganz was unsere idisî und völur waren altfranz. dichtungen nennen sie, außer fées, auch divesses (Marie de Fr. 2, 385), duesses (Méon 4, 158. 165), duesse und fée (Wolf lais 51); puceles bien eurées (Méon 3, 418) franches puceles senées (3, 419); sapaudes (weise frauen, von sapere?) Marie de Fr. 2, 385. allen wird bezaubernde schönheit zugeschrieben: ›pus bela que fada ‹. Ferabras 2767. vgl. 16434. Die alterthümer des feencultus hellt ein buch Heinrich Schreibers (die feen in Europa, Freiburg 1842) vielfach auf. häuser, schlösser und berge der feen gemahnen an die thürme der weisen frauen, an den Venus- und Hollaberg und an die riesenhäuser. irisch ist siabrog , sighbrog ein feenhaus und dann die gemeinschaft der feen. . wie sehr frühe die benennung in Italien gangbar war, bezeugen Ausonius, der im gryphus ternarii numeri: ›tres Charites, tria Fata ‹ aufführt, und Procop, der (de bello goth. 1, 25 ed. bonn. 2, 122) eines römischen gehäuses am forum gedenkt, welches τὰ τρία φᾶτα (oben s.  336 ) hieß, mit der bemerkung: οὕτω γὰρ Ῥωμαῖοι τὰς μοῖρας νενομίκασι καλεῖν hiernach leite ich fata nicht von φάτις (sage) oder φατός, obschon das lat. verbum selbst mit φημί verwandt ist; vgl. Ducange s. v. Fadus und Lobecks Aglaoph. 816. Auch fatuus und fatua rühren an. . damals also noch neutrum. allenthalben aber bei nornen, moeren, parzen und feen die dreizahl Lersch in den Bonner jb. 1843. 2, 129–131 sondert die drei parzen und die drei fata, weil auf den bildwerken ihre attribute abweichen, den römischen parzen jenes aufzeichnen (schreiben s.  336 ), den griech. moeren das weben zustehe, die tria fata einfach als frauen mit füllhörnern dargestellt werden. Doch weist in dem feenglauben fast alles auf gemeinschaft mit unsern idisen und nornen hin, und hinter der dichtungen fülle bleiben die bilder zurück. Nachtrag: Den feen nähert sich unter den griechischen mythischen wesen Kalypso am meisten, die göttin und nymphe ist. so heißt auch mhd. die göttin Venus diu feine diu ist entslâfen. MS. 2, 198 a und wiederum die fee öfter göttin . götinne = fee. Haupts zeitschr. 2, 183. der götinne land. Frib. Trist. 4458. von der götinne hende. 4503. Petron kennt schon einen persönlichen, aber männlichen fatus . malus fatus (illum perdidit) c. 42. hoc mihi dicit fatus meus . c. 77. über das haus der tria fata am römischen forum vgl. Gregorovius gesch. d. stadt Rom. 1, 371–373. im Engadin heißen sie nicht nur feas , fedas , sondern auch nymphas und dialas . sie helfen korn aufladen, bringen in silbergefäß speise und trank, drei dialas kommen zu den spinnerinnen. Schreibers taschenb. 4, 306. 307. . 341 Von den romanischen feen geht eine menge sagen, die mit dem deutschen volksglauben zusammentreffen. Folquet de Romans singt: aissim fadero tres serors en aquella ora qu'ieu sui natz que totz temps fos enamoratz. Guilhdei. Poitou: assi fuy de nueitz fadatz sob'run puegau (so wurde ich nachts auf einem berge begabt); Marcabrus:                     gentil fada vos adastret, quan fas nada duna beutat esmerada; tre fate gehn vorüber, lachen und begaben (pentam. 1, 10. 4, 4); die ersten fate begaben, die letzte verwünscht (pentam. 2, 8); Pervonto baut drei schlafenden fate eine laube und wird dann beschenkt (pentam. 1, 3); tre fate wohnen unten in einer felsenschlucht und begaben hinabsteigende kinder (pentam. 2, 3. 3, 10); fate erscheinen bei neugebornen, und legen sie an ihre brust (pentam. 5, 5); los siete castillos de las siete fadas nennt Cervantes (don Quixote 4, 50); › siete fadas me fadaron en brazos de una ama mia‹ rom. de la infantina; es gibt sieben feen im land, man bittet sie zu pathen und bereitet ihnen ehrensitze am tisch: als schon sechse platz genommen hatten, war die siebente vergessen worden, die nun erscheint, und während jene günstig begaben, ihre verwünschung murmelt (la belle au bois dormant); im deutschen kindermärchen (Dornröschen) sind es zwölf weise frauen , die dreizehnte hatte man übersehen. Auch in dem berühmten wald Brezeliande, an der fontaine de Barendon, zeigen sich weißgekleidete dames faées und begaben ein kind, eine aber ist neidisch und schenkt ihm unheil (San Marte Arthursage s. 157. 158. 160). bei Olgers geburt erscheinen sechs weise frauen und begaben. die letzte heißt Morgue . In den kindern von Limburg (Mones anzeiger 1835, 169), als Ectrites auf einer wiese an einem brunnen und lindenbaum einschläft, nahen ihm drei fahrende frauen und weissagen. Der altfranz. roman de Guillaume au court nez schildert, wie dem auf einem nachen entschlafnen Renoart drei feen nahen und ihn wegführen. Bei Buchard von Worms heißen sie noch drei schwestern oder parzen , denen im hause der tisch mit drei tellern und drei messern gedeckt wird, vgl. das ›praeparare mensas cum lapidibus vel epulis in domo‹. bei nächtlicher weile kommen die fatuae zu den kindern, waschen und legen sie an das feuer Nachtrag: Über die tria fata s. Horkels abhandl. s. 298 ff. vgl. die drei jungfrauen im Friedr. v. Schwaben. dagegen erscheinen zwölf weiße jungfrauen bei Müllenhoff s. 348. die feen sind gleich den elbinnen s.  371 von unübertrefflicher schönheit. schoener danne ein veine. Trist. 17481. plus blanche que fée . Orange 5, 3059. plus bele que fée , ne lerine. a. o. 5,4725. pus bela que fada . Ferab. 2767. de biauté resanbloit fée . Marie 1, 100. sie halten mahlzeiten, wie die hexen (s.  874 ). nach einem alten gedichte (?) s. 104. 105 weissagen drei feen bei Auberons geburt, des sohnes von Julius Caesar und Morgue, zu denen dann eine vierte kommt s. 106 (in der prosa s. 32). die fate begaben das neugeborne kind, als die letzte hinzueilt, verrenkt sie sich unglücklicher weise den fuß (sbotatose lo pede) und stößt nun einen fluch aus. pentam. 2, 8. . In den meisten erzählungen erscheinen drei feen, wie drei nornen oder drei parzen; einigemal sieben und 342 dreizehn ; aber auch einzeln, gleich jener weirdlady of the wood, und mit besondern eigennamen treten sie auf la fata im Guerino meschino p. m. 223. 234–238; Morganda fatata , fata Morgana , Morghe la fee (nouv. Renart 4810); diu frouwe de la rosche bîse (vom schwarzen felsen), die gesach nieman, er schiede dan vrô, rîche unde wîse. Ben. 144. MsH. 1, 118 a . In Monniers culte des esprits dans la Séquanie wird einer fée Arie aus Franchecomté gedacht, welche bei ländlichen festen, namentlich den ernten erscheint und die fleißigen spinnerinnen belohnt; guten kindern läßt sie das obst von den bäumen fallen und theilt ihnen zu weihnachten nüsse und kuchen aus, ganz wie Holda und Berhta. ich halte sie für identisch der welschen Arianrod , einer tochter des Don, schwester des Gwydion (Wuotan) bei Croker 3, 195; in ihrem namen liegt arian (argentum), sie ist also die leuchtende, und mit ihm wird auch die milchstraße benannt. Ein in der zweiten hälfte des 13 jh. gedichtetes jeu des Adam de la Halle aus Arras (abgedr. im théâtre français au moyen âge. Paris 1839 s. 55 ff.) enthält genauere nachricht von dame Morgue et sa compaignie . es sind schöne frauen (beles dames parées), die zu bestimmter jahrszeit nachts in einem hause einkehren, wo ihnen speisen auf einen tisch gestellt werden; menschen, die das mit ansehn, dürfen kein wort reden. außer Morgue la sage erscheinen (s. 76. 77) noch zwei feen, Arsile und Maglore und diese letzte gewahrt beim niedersitzen, daß man ihr kein messer hingelegt hat, während die andern ihre schönen messer rühmen. zürnend ruft Maglore: ›suije li pire? peu me prisa qui estavli ni avisa, que toute seule à coutel faille‹. Arsile sucht sie zu beschwichtigen und sagt, es gebührt sich, daß wir denen, die diese stätte so schön anrichteten, ein geschenk machen. Morgue begabt den einen mit reichthum, Argile mit der kunst des dichtens, Maglore: de mi certes naront il nient: bien doivent falir à don bel puisque jai fali à coutel, honni soit qui riens leur donra! weil aber Morgue auf einer gabe besteht, verleiht Maglore dem einen gesellen kahles haupt und dem andern unheilvolle reise: ains comperront chier le coutel, qu'il ouvlierent chi à metre. Vor tagesanbruch entfernen sich sodann die feen auf eine wiese, ihren sammelplatz, denn sie vermeiden es bei tag den blicken der menschen sichtbar zu werden. Man sieht hier recht deutlich das genaue zusammentreffen dieser drei feen mit den drei nornen; der herausgeber des gedichts versteht coutel unrichtig von einem der fee gebreiteten teppich, die stelle bei Burcard von Worms hebt allen zweifel. wäre Maglore aus Mandaglore, Mandagloire, wie sonst die mandragora heißt, verderbt, so ließe sich Alrûne, Ölrûn nah vergleichen. Morgue ist entstellt aus Morgan, welches auf bretagnisch soviel als meerfrau (von mor meer und gwen splendens femina) bedeutet. man wäre fast versucht Morgan zu dem unerklärlichen norn zu halten, wie altn. morni für morgni steht; doch die norn hat weder mit dem morgen noch dem meer zu schaffen Nachtrag: Fata Morgana heißt im Lanc. 7185 Fêmurgân diu riche, Er. 5155. 5229 Fâmorgân , Iwein 3422 Feimurgân . Er. 1932 Marguel ein feine ist dasselbe, denn es entspricht dem franz. Morgain la fée. Lanz. 13654. 19472. 23264 heißt sie: Morguein de elwinne, Tit. 4376 Femurga die kluoge; doch Wolfram faßt das wort als einen landesnamen ( anm. 2132 ). dagegen heißt es Trist. 397, 14: gotinne , ûz Avelûn der feinen lant. Er. 1930 der wert Avalôn , frz. l'ile d'Avalon. ob dies auf alten celtischen glauben zurückgeht? Michelet 2, 15 erwähnt heilige jungfrauen , die den Celten schönes wetter oder schifbruch verliehen. . . Aus der französischen überlieferung Heinrich Schreiber a. a. o. s. 11. 12. 16. 17. Michelet 2, 17. erhellt ein naher zusammenhang der feen mit deutschen riesenjungfrauen, die feen tragen ungeheure felsblöcke auf dem haupt und in der schürze, während sie mit freier hand ihre spindel drehen; als eine fee, welch? den bau vollführte, zu ende war, rief sie ihren schwestern zu,. mit dem herantragen aufzuhören, diese obgleich zwei meilen weit entfernt, hörten den ruf und ließen die steine fallen, die sich tief in die erde senkten; spannen aber die feen nicht, so trugen sie vier steine auf einmal. sie waren gutmütig und nahmen sich besonders der 343 kinder an, deren schicksal sie verkündigten. in die häuser der nachbarn stiegen sie durch den rauchfang ein und aus, daher kam es, daß sich einst die unvorsichtigste unter ihnen verbrannte und ein lautes klaggeschrei ausstieß, auf welches alle feen der gegend zusammenliefen. Täuschen ließen sie sich nicht, denn als ein mann seiner frauen kleider anzog und des kindes pflegte, sagte die eintretende fee sogleich: ›non, tu n'es point la belle d'hier au soir, tu ne files, ni ne vogues, ni ton fuseau n'enveloppes‹. um ihn zu strafen, genügte es ihr die auf dem heerd kochenden äpfel in erbsen zu verwandeln. Solcher erzählungen gibt es manche, niemals begegnet, so viel ich weiß, in romanischen oder deutschen volkssagen die nordische vorstellung vom drehen und festigen des seils , noch die griechische vom spinnen und abschneiden des lebensfadens . nur ein dichter des mittelalters, Marner, hat sie 2, 173 b : zwô schepfer flâhten mir ein seil dâ bî diu dritte saz; diu zebrachz : daz was mîn unheil. das scheint aber nach der römischen ansicht vom abbrechen des fadens (s.  336 ). Nach Ottokar wird von dem schepfen alles gelingen, in gutem und bösem, auferlegt. ›banun festan‹ im Hild. lied läßt sich kaum aus dem festigen eines todesfadens deuten. Vergleicht man den nordischen und griechischen mythus, so ist jeder in unabhängiger eigenthümlichkeit gestaltet. Bei Homer ist es die personificierte Αἶσα αἶσα scheint mir das ahd. êra, nhd. ehre, wofür ein goth. áiza, áisa zu gewarten ist (vgl. áistan, aestimare). êra ist honor, decus, dignitas, was sich schickt und gebührt, was jedes theil ist. κατ' αἶσαν, ex dignitate, jedem seine ehre. taugt diese etymologie, so begreift sich, warum frau Ere personificiert wurde Nachtrag: Αἶσα scheint verwandt mit ἴσος ἔϊσος und εἴδεναι. ἴσος ist ›gleich vertheilt‹. κατὰ ἴσα ex aequo, κατ' αἶσαν convenienter, aeque. . , welche dem neugebornen seinen faden spinnt,                                                 ἅσσα οἱ Αἶσα γεινομένῳ ἐπένησε λίνῳ, ὅτε μιν τέκε μήτηρ.   Il. 20, 127. aber Od. 7, 197 sind ihr noch (zwei) spinnerinnen beigesellt:             ἅσσα οἱ Αἶσα Κατακλῶϑές τε βαρεῖται γεινομένῳ νήσαντο λίνῳ, ὅτε μιν τέκε μήτηρ. Hesiod (ἀσπ. 258) läßt bei den kämpfenden drei göttinnen stehn: Κλωϑώ, Λάχεσις, Ἄτροπος, letztere klein von gestalt, doch die älteste und erhabenste aller. wol aber nennt er ϑεογ. 218 Κλωϑώ τε Λάχεσίν τε καὶ Ἄτροπον, αἵτε βροτοῖσιν γεινομένοισι διδοῦσιν ἔχειν ἀγαϑόν τε κακόν τε· und fast mit den nemlichen worten v. 905. Die ausführlichste vorstellung gibt Plato (de republ. 617 Steph. 508 Bekk.): drei μοῖραι sind töchter der Ἀνάγκη, auf deren knien die spindel (ἄτρακτος) gedreht wird; sie sitzen weißgekleidet, gekränzt, und singen das schicksal, Lachesis τὰ γεγονότα, Klotho τὰ ὄντα, Atropos τὰ μέλλοντα, also wie bei den nornen der bezug auf vergangenheit, gegenwart, zukunft, was jedoch die griech. eigennamen selbst nicht 344 ausdrücken. Κλωϑώ (gebildet wie Αὐξώ, Θαλλώ, Λητώ, Μορμώ, Γοργώ) spinnt (von κλώδω, ich spinne, zwirne), Lachesis lost, entscheidet (von λαχεῖν), Atropos, die unabwendbare, schneidet den faden. nicht zu übersehn, daß Hesiod die letzte, Atropos, als mächtigste hervorhebt, während bei uns Wurt, die älteste, größten eindruck hinterläßt. lateinische schriftsteller legen die ämter der parzen anders aus, Apulejus (de mundo p. 280): Clotho praesentis temporis habet curam, quia quod torquetur in digitis, momenti praesentis indicat spatia; Atropos praeteriti fatum est, quia quod in fuso perfectum est, praeteriti temporis habet speciem; Lachesis futuri , quod etiam illis quae futura sunt finem suum deus dederit. Isidors meinung ist schon s.  335 ausgehoben der hymn. in Mercur. 550–561 nennt noch besondere μοῖραι, wiederum in dreizahl, geflügelte jungfrauen am Parnassus hausend, die häupter mit weißem mehl bestreut und weissagend, wenn sie frische götterspeise (ἡδεῖαν ἐδώδην) des honigs gegessen haben. sie heißen sonst ϑριαί. . Bedeutsame ähnlichkeit mit Nornagestssaga hat eine von Meleager, bei dessen geburt drei mören weissagen: Atropos bestimmt ihm so lange zu leben, als das auf dem heerde brennende scheit nicht verbrannt sei. Althaea, seine mutter, zieht es aus dem feuer Apollodor I. 8, 2. . Spätere deutsche märchen verwandeln hier nornen oder parzen in den tod (kinderm. no. 44). ein anderes von den drei spinnerinnen (no. 14) schildert sie als häßliche alte weiber, und kennt ihre hilfreiche, nicht mehr ihre weissagende erscheinung, sie wollen zur hochzeit geladen und basen genannt sein. anderwärts weissagen drei alte weiber , ohne daß sie spinnen Altd. w. 1, 107. 108. 109. 110. norske eventyr no. 13. Rob. Chambers s. 54. 55. Müllenhoffs schlswh. s. s. 410. Pentamer. 4, 4. . eine volkssage (deutsche sag. no. 9) führt zwei jungfrauen in einer berghöhle spinnend ein, unter ihrem tisch ist der böse (ich denke die dritte norn) festgebunden; wiederum wird von dem hantbaum erzählt, auf dem zu mitternacht eine spinnende frau sitzt Jul. Schmidt Reichenfels p. 140. . Nicht zu übersehen ist der eine webende norn bezeichnende ags. ausdruck ›Vyrd geväf ‹ (s.  336 ), und wenn es Beov. 1386 heißt: ac him dryhten forgeaf vîgspêda geviofu (dominus ipsi largitus est successuum bellicorum texturas), so ist das eine ganz heidnische redensart und nur gott an der vyrd stelle gesetzt. Blickers von Steinach reinen sinn schildernd drückt sich Gottfried (Trist. 4698) aus: ich wæne, daz in feinen ze wunder haben gespunnen und haben in in ir brunnen geliutert und gereinet. Saxo gramm. p. 102 bedient sich der lat. wörter parca und nympha , schildert aber unverkennbar nornen: ›mos erat antiquis super futuris liberorum eventibus parcarum oracula consultare. quo ritu Fridlevus Olavi filii fortunam exploraturus, nuncupatis 345 solenniter votis, deorum aedes precabundus accedit, ubi introspecto sacello sie hatten also einen tempel , in dem man ihr orakel befragte. ternas sedes totidem nymphis occupari cognoscit. quarum prima indulgentioris animi liberalem puero formam, uberemque humani favoris copiam erogabat. eidem secunda beneficii loco liberalitatis excellentiam condonavit. tertia vero protervioris ingenii invidentiorisque studii femina sororum indulgentiorem aspernata consensum, ideoque earum donis officere cupiens, futuris pueri moribus parsimoniae crimen affixit‹. hier heißen sie schwestern, wie ich in altn. quellen sonst nicht gefunden habe, und die dritte nymphe ist wiederum die bösgesinnte, das geschenk der beiden ersten verringernde. abweichend ist nur, daß die nornen nicht dem neugebornen nahen, sondern der vater ihre wohnung, ihren tempel aufsucht die lettische Laima legt dem kind bei der geburt das laken unter und ordnet sein glück. auch bei andern anlässen des lebens heißt es: ›taip Laima leme‹, so hat es Laima gefügt, ohne zweifel ist Laima mit lemti (ordinare, disponere) genau verwandt; sie lauft barfuß über die berge. (vgl. cap.  XVII Wassergeister). auch einer Dehkla (säugemutter, von deht säugen) wird gedacht. dreizahl der parzen, und fadenspinnen ist den Letten unbekannt. vgl. Stenders gramm. p. 264. Rhesas dainos p. 272. 309. 310. aber die Litthauer kennen Werpeja (die spinnerin). im ausland 1839 no. 278 steht eine schöne litthauische sage: die deiwes walditojes waren sieben göttinnen, die erste spann das leben der menschen aus einem rocken, den ihr der höchste gott gegeben hatte, die zweite zettelte den faden, die dritte wob, die vierte erzählte märchen, um die arbeitenden zum unterbrechen zu locken, denn ließen sie vom werk, so verdarb das gewebe, die fünfte ermahnte sie zum fleiß, und bereitete dem leben länge, die sechste schnitt den faden ab, die siebente wusch das gewand und gab es dem obersten gott, es wurde dem menschen zum todtenhemd. unter den sieben spinnen und weben nur drei. Nachtrag: Bekker liest Od. 7, 197 so:                 ἅσσα οἱ αἶσα κατὰ κλῶϑές τε βαρεῖαι γεινομένῳ νήσαντο λίνῳ, indem er κατά zu νήσαντο zieht. ἡ Μοῖρα καὶ τὸ ἐξ ἀρχῆς οὕτως ἐπικεκλῶσϑαι . Lucian dial. mort. 19. vgl. ἐπικλώϑω von göttern und dämonen ( anm. 2236 ). Atropos wurde auf der sonne, Clotho auf dem mond, Lachesis auf der erde gedacht. Plutarch 4, 1157. eine schöne beschreibung der drei parzen (parca, die sparsame, schonende? Pott bei Kuhn 5, 250) gibt Catull 62, 302–321 mit dem immer dazwischen klingenden verse: currite ducentes subtemina, currite fusi! vgl. noch 381–385. nubila nascenti seu mihi parca fuit.   Ov. Trist. V. 3, 14. scilicet hanc legem nentes fatalia parcae stamina bis genito bis cecinere tibi.   V. 3, 25. o duram Lachesin , quae tam grave sidus habenti fila dedit vitae non breviora meae.   V. 10, 45. atque utinam primis animam me ponere cunis jussisset quaevis de tribus una soror!   Propert. III. 4, 28. tres parcae aurea pensa torquentes.   Petron. cap. 29. vgl. aurea volvebant bona fata colis.   Sidon. Apoll. daz het im vrowe Chlôtô sô erteilet. ouch was vil gefuoc vrô Lachesis daran.   Turl. Krone 7. auch serbische lieder singen vom goldnen faden (zlatna shitza), der sich vom himmel windet und um einen menschen schlingt. Vuk 1, 54 (Wesely s. 68). 1, 57. 58. Von spinnenden, webenden frauen ist die deutsche sage voll. ›kleit daz ein wildiu feine span ‹ Troj. kr. 2895. ein feine worhte den mantel. altd. bl. 2, 231. die feen weben mäntel auch in Charlem. s. 105. 106. paile que fist fere une fée . Auberi 37. in der höhle sitzt eine alte , welche spinnt. Kuhn westfäl. s. 1, 72. Asbiörnsen 1, 194. vgl. die alte weberin. Rhesa dainos 198. gelücke span im kleider an . Frauenl. 115, 15. gewöhnlich treten diese frauen in der dreizahl auf. tres nymphae auch noch bei Saxo s. 43 (M. 123). drei puppen . Firmen. 2, 34. die drei docken . H. Sachs I. 4, 457 d . die drei Marien . Kindh. Jesu b. Hahn 68. Uhlands volksl. s. 756. lb. 1582. 332. die drei Marien schützen gegen feuer. Panzer beitr. 1, 67. die drei spinnenden Marien . Uhlands volksl. s. 744. drei alte weiber auf dreibeinigem pferd. Müllenhoff s. 342. die tras feyes . Alsatia 1853 s. 172. 173. drei spinnende mädchen . Rhesa dainos s. 304. besonders reich an sagen von den drei frauen sind Panzers beiträge, zumal hebt sich hervor ihre weiße und schwarze kleidung. (Panzer 1, 2. 11. 14. 16. 18. 25. 28. 35. 36. 38. 46. 48). sie spannen ein seil (die wäsche zu trocknen) 1, 1. 9. 11. 17. 25. 59. 129. anm. s. 271 ff. 278. sie singen bei des kindes geburt. 1, 11 und werden am Sunwendtage sichtbar. 1, 38. 39. 75. 84. bei Lohndorf in Oberfranken sah ein bursche einmal drei schloßfräulein gehn, zwei hatten kreuzrocken mit neun vollgesponnenen spindeln, die dritte einen stühlesrocken mit neun leeren. da sagten jene zu dieser: ›hättest du deine spindeln doch nur übersponnen, wenn auch nicht vollgesponnen, so wärest du nicht verloren!‹ Panzer beitr. 2, 136. eine schöne mährische sage erzählt von drei jungfrauen, die mit sensen gehen und die leute niedermachen, die dritte hinkt , kann nicht nachkommen und wird von den andern verlacht. im zorn entdeckt sie den menschen heilkräuter. Kulda (d'Elv) 110. . Das weben der nornen und die spindel der feen weist uns auf häusliche , mütterliche gottheiten, und schon vorhin wurde bemerkt, daß ihr plötzliches erscheinen, ihr verweilen an brunnen und quellen mit den vorstellungen des alterthums von frau Holda, Berhta und ähnlichen göttinnen zusammentrift, die sich des spinnens befleißen, säuglinge und kinder begaben Holda und Berhta sind nicht selten in Maria übergegangen, ich darf auch in den drei Marien eines schweizerischen kinderreims die heidnischen nornen oder idisi erkennen: rite, rite rösli, ze Bade stot e schlößli, ze Bade stot e güldi hus, es lüeged drei Mareie drus. die eint spinnt side, die ander schnätzelt chride, die drit schnit haberstrau. bhüet mer gott mis chindli au! schnätzeln heißt wol drehen? die siebente zeile lautet andermale: di dritte schneidt den faden . vgl. Vonbun s. 66. Firmenich 2, 665 b . Mannhardt s. 388 392. das kinderlied im wunderborn s. 70. 71 hat drei spinnende tocken (d. h. nymphen, feen). . bei den Celten namentlich mögen die fatae in den begrif der matres und matronae Lersch a. a. o. 124–127. 346 auslaufen, wie wir ihn bei Deutschen mehr auf göttliche als halbgöttliche wesen angewandt finden. von dieser seite liegt in den feen etwas höheres als in unsern idesen und nornen, die dafür kriegerischer erscheinen. Da jedoch die fatae mit dem fatum, dem ausspruch des schicksals oder der weissagung eng verbunden sind, so bewährt sich auch die verwandtschaft der feen mit den nornen. Kein geschick aber bewegte den sinn des altherthums lebhafter als der ausgang der schlachten und kriege; bedeutsam drückt jenes urlac, urlouc nicht allein fatum, sondern auch bellum aus (Graff 2, 96. gramm. 2, 790), und die idisi fördern oder hindern den kampf. von diesem ihrem amt ist noch näher zu handeln. Schon Jul. Caesar (de bello gall. 1, 50) berichtet die germanische sitte: ›ut matresfamilias eorum sortibus et vaticinationibus declararent, utrum proelium committi ex usu esset, nec ne‹. hausfrauen pflagen der weissagung, vielleicht besonders dazu erwählte frauen von höherem, göttlichen ansehen wie Veleda. Man entsinne sich, welchen göttern hauptsächlich an dem ausgang des kampfs gelegen war: Ođinn und Freyja zogen alle in der schlacht gefallenen an sich, Ođinn nahm sie in seine himlische wohnung auf (s.  111 . 253 ). diese hofnung, nach dem tod göttlicher gemeinschaft theilhaftig zu werden, durchdrang den glauben der Heiden. Nun bedeutet altn. valr , ags. väl , ahd. wal niederlage der leichen auf dem schlachtfeld, inbegrif der erschlagenen: den val in empfang nehmen, holen nannte man kiosa , kiesen, überhaupt scheint dies verbum technisch zu stehen von der annahme jedes einem höheren wesen geschehnen opfers hauptstelle Sæm. 141 a . vgl. gramm. 4, 608 und ags. vig curon Cædm. 193, 9, mhd. sige kiesen Iw. 7069. sig erkiesen Wh. 355, 15. vgl. den tôt kiesen. . dem Ođinn, der die siges kür hat (oben s.  110 ), dienen aber in Valhöll jungfrauen, und sie entsendet er in jede schlacht, um die erschlagnen zu kiesen. Sn. 39. › kiosa er liđnir ero‹ Sæm. 164 b ; ›vildi þik kiosa ‹ Sæm. 254 a . Hiervon heißt eine solche halbgöttliche jungfrau valkyrja , und es ist wieder eine der erwünschtesten einstimmungen, daß die ags. sprache den gleichen ausdruck välcyrie (välcyrge, välcyrre) zur verdeutschung lat. wörter wie bellona, erinnys, Alecto, Tisiphone beibehalten hat, ja für parca und venefica verwendet. ms. cotton. Vitell. A. 15 hat eine glosse › välcyrigean eágan, gorgoneus‹. das soll die griech. vorstellung in eine ags. übertragen, flößten die augen der välcyrigean schauer ein wie die häupter der Gorgonen? ganz sicher folgere ich eine ahd. walachuriâ (walachurrâ); valakusjô wäre die goth. form. am schlusse der langobard. geschlechtsreihe begegnet ein mannsname Walcausus von valr , wal selbst könnte die wurzel in velja, valjan (eligere) gesucht werden, so daß es an sich schon den begrif von wählen und kiesen enthalten hätte, der auf die strages angewandt, und später verdunkelt, durch ein anderes verbum nochmals ausgedrückt worden wäre? Tit. 105, 4 heißt es merkwürdig: ›Sigûn diu sigehaft ûf dem wal , da man welt magede kiusche und ir süeze‹. nur Dietr. 91 b und Rab. 530. 635. 811. 850. 923 begegnet welrecke , das in bezug zu der walküre stehn könnte? . 347 Gleichbedeutend mit valkyrjur ist das altn. valmeyjar (schlachtmädchen), vielleicht das heutige norw. valdöger , nach Hallager 140 b schutzgeist. noch werden sie genannt skialdmeyjar , hialmmeyjar , weil sie gerüstet unter schild und helm ausziehen (vera und hialmi, Sæm. 151 a 192 b ); nonnor Herjans (Sæm. 4 b ). in der edda heißt die valkyrja: hvît 168 b , hvît und hialmi (alba sub galea) 145 b , biört 174 b , sôlbiört 167 b , biartlituđ 142 a , hialmvitr 157 a , gullvariđ 167 b , margullin mær 145 a , alvitr 164 a , lauter beinamen, die schönheit und goldnen helmschmuck ausdrücken. Helm und schild steht diesen helmfrauen und schildfrauen gleich den helden zu, sie fahren in schildes amt, unter schildlichem dache, Sæm. 250 b werden skialdmeyjar aldrstamar, junge schildmädchen an Atlis hofe genannt. die sage von den Amazonen (Herod. 4, 110–117. Jornand. cap. 6. 7. 8. Paul Diac. 1, 15) scheint auf ähnlichen, doch verschiednen vorstellungen zu beruhen. suđrœn (australis) wird eine valkyrie genannt Sæm. 167 b wol im sinne von biört, sôlbiört? auch Sæm. 151 b dîsir suđrœnar mit Ođinn fahren Frigg, die valkyrjur und die raben im wagen. Sn. 60. ich finde für valkyrja auch den namen skörûngr , der entweder von skar superbia oder skari agmen zu leiten ist. Brynhildr heißt Völs. saga cap. 24 ›mestr skörûngr ‹ Nachtrag: Hun var vitr kona ok vinsael ok skörûngr mikill. fornm. sög. 3, 90. hon var skorûngr mikill, virago insignis. Nialss. cap. 96. auch Glaumvör wird skörûngr genannt. Völs. saga cap. 33 (kl. schr. 3, 407). Vilk. cap. 212 skarûngr . Vilk. cap. 129 heißt skarûngr held. vgl. skör f. barba, scabellum, commissura. skar m. fungus, insolentia. ahd. scara acies, agmen. scaraman, scario. . Nachtrag: Wie Ođinn die valkyrien , entsendet Jupiter die Victoria. Augustin. C. D. 4, 17 (s.  362 ). ihr name ist ahd. noch nicht nachgewiesen, doch hat Schannat vind. 1, 72 (a. 1119) Walkarie femina serva. zu den skialdmeyar schildmädchen vgl. schildknecht; sie sollen dem Ođinn den schild wie der knecht dem herrn reichen und bewahren. solche helm und schild bewachende jungfrauen kommen in mnl. Lanc. 16913 vgl. 16678. 17038 vor. ihr anderer name hialmmeyar wird noch erläutert durch hild und hialmi . Sæm. 228 a . hialm geta ok oskmey verđa. Sæm. 242 a . die Valkyre heißt folkvitr . Sæm. 192 a . megetlîchiu wîp helfen Karl siegen. Kschr. 14950 ff. die megede suln dir dîne êre widergewinnen. 14954. der megede sigenunft. 15029. Aurelian führte im triumph zehn gefangne gothische amazonen auf. Vopiscus in Aurel. 34. Lampr. Alex. 6320 nennt die amazonen urlouges wîp . Paul. Diaconus gedenkt eines kampfes des Lamissio und der amazonen um den flußübergang. amazonen und cynoscephali nennt Adam. brem. 4. 19. vgl. P. Diac. 1, 15. hunthoubito bei Graff. die Krone 17469 kennt ›der meide lant‹. . Besonders zieht eine andere benennung an: ôskmeyjar (wunschmädchen), Sæm. 212 Völs. saga cap. 2, ich denke, weil sie in Ođins diensten stehen, und Ođinn Oski , Wunsc heißt. Hierzu tritt noch etwas anderes, eine bestätigung meiner ansicht, daß Wuotan den namen Wunsc führte, liegt in seiner identität mit Mercur , denn Mercur trägt den zauberstab (caduceus), der sich der wünschelruthe , ahd. wunsciligerta vergleicht. aus einer näheren betrachtung beider stäbe, die ich später anstellen werde, soll sich diese analogie bestimmter ergeben: sind aber Wuotan und Wunsc , Ođinn und Oski zusammenfallend, so läßt sich vermuten, daß der dorn oder schlafdorn, welchen Ođinn in das kleid der valkyrja Brynhildr steckte (Sæm. 192 a ), wieder ein wunschdorn war? es wirft licht auf das wesen der Brunhild und Chrimhild, daß nach ihnen felsensteine benannt werden und einer spilstein , Chriemhilde spil (s.  307 ) heißt, was nicht sowol aus spil (ludus) als aus spille (spindel, fusus) deutung empfängt. denn andere steine führen den namen kunkel und in französ. feensagen quenouille à la bonne dame Heinr. Schreiber s. 20. 21. , Dornröschen stach sich den finger an der spindel und fiel in todesschlaf, wie Brunhild vom wunschdorn; die spindel ist wesentliches kennzeichen aller weisen frauen des alterthums bei Deutschen, Celten und Griechen mir gefällt auch die zurückführung des namens Nehaea und Nehalennia (oben s.  213 ) auf nere, neza (spinnen), wie sie Schreiber s. 65–67 vorträgt. . die walküre ist ein wunschkint , Wunsches kint (s.  115 . 117 ) Nachtrag: Wo steht von dem kleid , in das Ođinn der Brunhild den dorn steckte? Sæm. 194 a heißt es nur: stack hana svefnþorni, Völs. saga c. 20: stack mik svefnþorni, Sæm. 228 b : lauk hann mik skiöldom ok hvîtom. über die spindelsteine vgl. Michelet 1, 461. . 348 Der noch spät fortdauernde name wünschelweib soll hernach aufgewiesen, hier aber aus der dichtung von dem Staufenberger ein wesen beigebracht werden, welches den zusammenhang der walküren mit den feen außer zweifel setzt. dem ritter zeigt sich eine jungfrau mit weißem gewand (jenes hvît und biört) auf einem stein sitzend (z. 224); sie hat seiner von jugend her in gefahr und krieg gehütet und war unsichtbar um ihn (332–364); jetzt wird sie seine geliebte und ist bei ihm, so oft er nach ihr wünscht (›swenne du einest wünschest nâch mir, sô bin ich endelîchen bî dir‹ z. 474). sie bewegt sich, durch übermenschliche kraft, schnell wohin ihr gelüstet (›wâr ich wil, dâ bin ich, den wunsch hât mir got gegeben‹, z. 497). Staufenberger, nachdem er sich ihr in liebe verbunden hat, darf alles, nur kein ehlich weib nehmen, sonst stirbt er in drei tagen. ›er wünschte nâch der frouwen sîn, bî im sô war diu schœne fîn‹. als er sich doch zu einer andern heirat entschließt, stößt sie ihren fuß durch die bühne , und er muß sterben (z. 1016. 1066). Dieser merkwürdigen sage zufolge wäre wunschweib , wünschelweib die, deren gegenwart der geliebte herbeiwünschen kann, so oft er sich nach ihr sehnt, gleichsam ihren namen nennt (s.  331 ); das ist keine falsche und doch eine spätere deutung statt der ursprünglichen, auf den gott des wunsches und den göttlichen Wunsch bezognen. Die altnordische sage wird uns die natur dieser frauen näher aufschließen. In Valhöll hatten die ôskmeyjar oder valkyrjur das geschäft, göttern und einherien das trinkhorn zu reichen und den tisch zu versorgen. Hieraus ergibt sich ihr besonderes verhältnis zu Freyja , die gleich ihnen ›wal kieset‹, Valfreyja heißt (s.  253 ) auch in einem faröischen lied Valvfrygv (Finn Magn. lex. p. 805). , und beim gelag der Asen (at gildi Asa) einschenkt. Sn. 108. Ebenso aber bietet Göndul , die auf einem stôl î riođrinu (im niuriute) saß, dem nahenden aus einem horn zu trinken an (fornald. sög. 1, 398. 400) und dazu treffen wieder die vollen züge der jüngeren volkssage: dem grafen von Oldenburg bot eine schön gekleidete bekränzte jungfrau aus dem Osenberg in silbernem horn , weissagungen aussprechend, einen trunk (deutsche sagen no. 541). Svend Fälling trank aus dem horn, das ihm elbfrauen darreichten, und dabei wurde etwas auf das pferd verschüttet, wie in der vorausgehenden sage (Thiele 2, 67). ich habe ausgeführt, daß Svend Fälling mit Siegfried identisch ist (s.  308 ), dessen verhältnis zu der valkyrie Brunhild sich in jener sage offenbart. In einem schwed. volkslied bei Arvidsson 2, 301 reichen drei bergjungfrauen silberkannen mit ihren weißen händen . einstimmende norwegische überlieferungen hat Faye s. 26. 28. 29. 30; andere dänische Thiele 1, 49. 55. 3, 44 Nachtrag: Brynhildr oder Sigrdrîfa füllt einen becher (fyldi eitt ker) und bringt es dem Sigurd. Sæm. 194 b . Völs. saga cap. 20. von einer weißen frau mit silberbecher erzählt Matth. Koch reise durch Östreich s. 262. eine jungfrau reicht das horn und wird niedergehauen. Wieselgren 455. unterirdische reichen solchen trank . Müllenhoff s. 576. auch ein jätte reicht ein solches horn , dessen tropfen dem pferd haut und haar wegnehmen. Runa 1844, 88. . 349 Noch bedeutsamer ist der valkyrien amt im krieg. nicht nur ›kiosa val‹, ›kiosa feigđ‹ die empfangnahme der seelen im augenblick des sterbens durch Ođinn und Freyja, oder deren boten die valkyrien, scheint mir ein so tiefgewurzelter zug unseres heidenthums, daß man ihn wol noch in christlichen traditionen wiederfinden darf. dahin gehört der streit, den engel und teufel um die seele anheben, wie er in der von Schmeller aufgefundnen dichtung Muspilli, Georg 1235. 1244. 6082–86 und Méon 1, 239. 4, 114. 115 geschildert wird; eine merkwürdige stelle aus Morolt werde ich cap.  XVII angeben. will man diese vorstellung aus der epistel Judae 9 oder dem apocryphischen liber Enoch herleiten? , auch das ›râđa vîgum‹ oder ›sigri‹, also ausschlaggeben über kampf und sieg wird in ihre hand gelegt. Sn. 39. sie heißen ›görvar at rîđa grund‹, ›görvar at rîđa til gođþiođar‹. Sæm. 4 b . In ihrem wesen ist unwiderstehliche sehnsucht nach diesem kriegerischen geschäft begründet: daher in der edda ihre eigenthümlichste leidenschaft ausgedrückt wird durch das verbum ›þrâ‹ (desiderant) Sæm. 88 b ›prâđo‹ (desiderabant) oder ›fŷstoz‹ (cupiebant) Sæm. 134 a , ihr eignes sehnen, trachten und wünschen dreht sich in jenen wunsch nach ihnen um. Gewöhnlich reiten neun valkyrjur zusammen aus (Sæm. 142. 162), ihre lanzen, helme und schilder glänzen (Sæm. 151 a ). diese neunzahl ist auch in der sage von Thiđrandi (s.  333 ), dem erst neun dîsir in weißem, dann neun andere in schwarzem gewand erscheinen. Sæm. 44. 45, und daraus Sn. 39 werden ihrer dreizehn genannt: Hrist, Mist, Skeggöld, Skögul, Hildr, Thrûđr, Hlöck, Herfiötr, Göll, Geirahöđ (al. Geirölul), Randgrîđ, Râdgrîđ, Reginleif ; Sæm. 4 b aber nur sechs : Skuld, Skögul, Gunnr, Hildr, Göndul, Geirskögul ungedruckte stellen der skâlda liefern 29 oder 30 namen (Finn Magn. lex. p. 803). . die prosa Sn. 39 hebt drei , als eigentlich walkiesende, siegbeherschende hervor: Guđr, Rota und Skuld , ›norn en ŷngzta‹. das berühmte schlachtwebelied der Nialssaga nennt folgende: Hildr, Hiörþrimul, Sangrîđr (l. Rangrîđr), Svipul, Gunnr, Göndul ; Hâkonarmâl: Göndol, Skögol, Geirskögol ; Krâkumâl (ed. Rafn p. 121) Hlöck und Hildr . Unter diesen namen haben einige schon jetzt für unsere untersuchung außerordentlichen werth, und keiner der übrigen wird bei fortgesetzter forschung aus den augen zu lassen sein Nachtrag: Die neunzahl der valkyrien wird auch durch Sæm. 228 a bezeugt, wo deren eine von âtta systra spricht. auffallend ist, daß Granmar ein held valkyrja in Asgard wird und als frau mit dem Sinfiötli neun wölfe zeugt. Sæm. 154 b . fornald. sög. 1, 139. (vgl. ags vylpen, wulpin, bellona). . Einmal Skuld ; es geht daraus die gemeinschaft der nornen und valkyrien, zugleich aber ihre verschiedenheit hervor. eine dîs kann beides, norn und valkyrja sein, die verrichtungen sind gesondert, gewöhnlich auch die personen. Die nornen haben das fatum auszusprechen, sie sitzen auf ihren stühlen oder sie wandern im land unter den sterblichen und festigen ihre faden. niemals heißt es, daß sie reiten. Die valkyrien aber reiten in den krieg, bringen des kampfs entscheidung und geleiten die gefallenen gen himmel, ihr reiten gleicht dem der helden und götter (s.  272 . 325 ), ihrer rosse geschieht erwähnung: skalf Mistar marr (tremuit Mistae equus) Sæm. 156 a ; mar gullin mær (aureo equo vecta virgo) Sæm. 350 145 a ; wenn sich die rosse der valkyrien schütteln, trieft von den mähnen thau in die thäler und fruchtbarer hagel auf die bäume (Sæm. 145 a. b ), wozu man die ›destillationes in comis et collis equorum‹ der weißen frauen halte (s.  238 ); eine ähnliche naturerscheinung könnte der name Mist, welcher sonst nebel bedeutet, anzeigen. Bloß Skuld , die jüngste norn (vgl. s.  335 ) kann auch valkyrja sein: dachte man sich Urđr und Verđandi allzubejahrt, oder allzuwürdig für die arbeit des kriegs? taugte das schneiden, abbrechen des fadens (wenn sich diese idee im Norden beweisen läßt) mehr für die waffengeübte jungfrau? Zwei andere valkyrien, Hlöck und Herfiötr sind schon oben (s.  332 ) für die benennung der idisî in anspruch genommen und als hemmerinnen des kampfes gedeutet worden. auch in Kormakssaga kommt Hlökk (gen. Hlakkar) für bellona vor. Hildr , Gunnr , Thrûđr sind deshalb genauer zu betrachten, weil ihre persönlichkeit auch noch in andern deutschen sprachen durchbricht, also das dasein einzelner walachurien das ihrer ganzen gesellschaft außer zweifel setzt. schon das altn. Hildr und Gunnr (= Guđr) abstrahieren sich in hildr und gunnr (pugna, proelium); aus bellona wird bellum. › hildr hefir þû oss verit‹ (bellona nobis fuisti) Sæm. 164 b . umgekehrt steht neben dem ags. hild und gûđ noch ein persönliches Hild und Gûđ : ›gif mec Hild nime‹. Beov. 899. 2962; › Gûđ nimeđ‹ Beov. 5069, Gûđ fornam Beov. 2240; wie sonst ›gif mec deáđ nimeđ‹ Beov. 889, vîg ealle fornam Beov. 2154, gûđdeáđ fornam Beov. 4494, Vyrd fornam Beov. 2411, alts. Wurd farnimid Hel. 111, 11; oder ›svylt fornam‹ Beov. 2872 oder wie (oben s.  336 ) › Vyrd forsveop‹; vgl. › Hilde grâp‹ Beov. 5009. Und wie noch andre heil oder unheil bringende wesen bald beschwichtigt, bald erweckt werden, heißt es bezeichnend: Hildi vekja (bellonam excitare) Sæm. 160 a . 246 a , sonst auch vîg vekja (bellum excitare) Sæm. 105 a ; gleich Ođinn (s.  122 ) werden die valkyrjen von adlern und raben , die sich auf der wahlstätte niederlassen Andr. und El. s. xxvi . xxvii , vgl. Luc. 17, 37: ὕπου τὸ σῶμα, ἐκεῖ συναχϑήσονται καὶ οἱ ἀετοί. , begleitet, und krieg führen ist dichterisch ausgedrückt: ala gögl gunna systra (aves alere sororum belli) Sæm. 160 a . Die ahd. formen lauteten Hiltia und Gundia (Gûdea), beide bietet, freilich schon in abstracter bedeutung, das Hild. lied 6. 60; zusammengesetzte eigennamen haben -hilt, -gunt die trad. fuld. bei Schannat no. 443 überliefern uns den für eine walküre angemessenen namen Themarhilt (von dëmar, crepusculum). . die sage von Hildr , die nachts auf den wal geht und durch ihren zauber die gefallnen wieder ins leben weckt, hat sich in der edda (Sn. 164. 165) und in der altd. dichtung von Gûdrûn erhalten, wo sie Hilde heißt deutsche heldensage p. 327 ff. vgl. oben s. 236 über frau Hilde und Hildburg. . Thrûđr endlich, das wiederum zum appellativ þrûđr (virgo) wird, und in vielen ahd. frauennamen vorkommt 351 (z. b. Alpdrûd, Wolchandrûd, Himildrûd, Plîddrût, Plihdrût (Plectrud), Kêrdrûd, Mîmidrûd, Sigidiûd, die leicht an geisterhafte wesen gemahnen), hat die allgemeine bedeutung von hexe, zauberin, unholde angenommen Gerdrut, Gerdraut halten einige leute für einen unchristlichen namen. frau Trude . (kinderm. 43). . Hans Sachs braucht mehrmals ›alte trute ‹ f. hexe, und mit den worten: ›schweig, die drut kommt!‹ stillt man lermende kinder Flögel gesch. des groteskekom. p. 23. , so daß sie hier ganz frau Holla oder Berhta (s.  223 . 229 ) vertritt und desto füglicher die alte valkyrie sein kann. Einer ags. waldjungfrau namens Dhryđ gedenkt die vita Offae secundi (oben s.  322 ): sie stammt aus Frankreich, wurde ihrer übelthaten wegen zum tode verurtheilt, in ein schif ausgesetzt und nach Mercia verschlagen. da ersah Offa die wunderschöne jungfrau und heiratete sie, bald aber verübte sie neue missethaten. sie heißt 9 a Drida, 9 b Petronilla, 15 b Qvendrida (d. i. cven Thryđ), vgl. Kembles vorrede zu Beov. s.  xxxv . xxxvi . auch Bäckström 1, 220 Nachtrag: Die valkyrien reiten durch die luft (s.  533 ) wie Venus (s.  743 ), was später auf hexen angewandt wurde (s.  897 . 910 . 911 ). zwölf frauen im wald auf rothen pferden . fornm. sög. 3, 135. nach dem ausdruck Hlackr för scheint Hlöck das amt zu haben, die im kampf gefallnen dem Odin oder der Freyja zuzuführen. Egilssaga s. 226. ist Göndull zu gand gehörig? nach gl. edd. tom. 1 soll göndull nodulus bedeuten, also Göndler, Ođins beiname Sæm. 46 b , wäre tricas nectens. die Rota der prosa Sn. 39 heißt bei Saxo M. 316 Rotho . der ahd. frauenname Hilticomâ (cod. fuld. no. 153. a. 798) ad pugnam veniens weist eine valkyrie. vgl. Hruodicoma a. o. no. 172. altn. Hildr und hialmi . Sæm. 228 a ags. hilde vôman . cod. exon. 250, 32. 282, 15. Thrûđr ist sonst auch name einer tochter Thôrs. Heilahtrûd. trad. fuld. 2, 46. trute . pass. K. 395, 77. frau Trutte . Praet. weltb. 1, 23. die drut s.  385 . . Außer den angeführten valkyrien muß es aber manche andere gegeben haben, und die zweite abtheilung der Sæmundaredda nennt einige als geliebten und gemahlinnen edler helden. so sind Svava , Sigrlinn , Kâra , Sigrûn , Sigrdrîfa , und heißen ausdrücklich valkyrien (Sæm. 142 b 145 b 157. 169. 194). zugleich erhellt, daß sie menschlicher abkunft und königstöchter waren, Svava des Eylimi, Sigrlinn des Svafnir, Sigrûn des Högni, Kâra des Hâlfdan, Sigrdrîfa des Buđli; Svava liebte den Helgi Hiörvarđssohn, Sigrlinn den Hiörvarđr, Sigrûn den Helgi Hundîngsbani, Kâra den Helgi Haddîngskađi, Sigrdrîfa oder mit anderm namen Brynhildr den Sigurđr. Grîmhîldr (die helmjungfrau, s.  198 ) vor allen aber Brynhildr , Prunhilt , deren name schon die panzergekleidete Hildr anzeigt, ist übermenschlich: ihr unnahbarer saal steht auf einem berg, gleich dem der Veleda und Jetha (s.  78 . 79 ); es war eine schildburg (skialdborg), wo sie selbst vom zauber bewältigt unter dem schilde schlief, bis sie Sigurđr löste. dann weissagte sie ihm (Sæm. 194 b ) und nochmals vor ihrem tod weissagte sie (Sæm. 224. 226 b ). ihr saal war mit wabernder lohe umschlungen (oc var um sal hennar vafrlogi) Sn. 139 Nachtrag: Kann man noch auf Brunhild die walkyrie ziehen, da es Biter. 12617 von ihr heißt: ir wâret in iur alten site komen, des ir pflâget ê, daz ir sô gerne sehet strit? Brynhildr ist ›mestr skörûngr ‹ (s. anm. 1028 ). sie heißt hin rîka, hin fagra, hin mikilláta. Vilk. saga s. 30 und ihre burg Sêgard . in den Nib. wohnt sie auf der burg Isenstein an der see , wird des tiufels wîp oder brût oder ungehiurez wîp genannt (417, 4. 426, 4). sie trägt brünne und schild (407, 4), wirft den stein im lauf und schießt den ger, sie hat übermäßige stärke 425, 1. 509, 3, 517, 3 und bindet den Gunther in der brautnacht zusammen. gerade wie der der Menglöđ (ahd. Maniklata, d. i. monili laetabunda) einer andern valkyrie: salr er slûnginn er vîsom vafrloga (Sæm. 110 a vgl. 107 a. b ). vor dieser Menglöđ knien, sitzen und singen neun jungfrauen, ihnen allen wird geopfert (Sæm. 111 a ). vgl. cap.  XXXVI . Vebiörg skialdmœr tritt fornald. sög. 1, 384 auf. auch vrô Babehilt , die Dietrich am brunnen schlafend (wie Sigurd Brynhild) antrift, von der er sich heilende salben geben und sein geschick weissagen läßt (Ecke 151–160) muß den nornen oder valkyrien beigezählt werden. Ihren liebhabern verliehen die valkyrien, wie dem Staufenberger seine geliebte (s.  348 ), sieg und schutz im kampf 352 (›Sigrûn hlîfđi honom opt sîđan î orrostom‹. Sæm. 142 b ), technisch gilt von ihnen verja (tueri) Sæm. 134 a , der helden schiffe bergen sie (Svava, Sæm. 145 a. b , Sigrûn, Sæm. 153 b ). auch jene Hildr war königs Högni (Hagene) tochter, und Heđins verlobte. Noch bis in spätere volkslieder ist die erinnerung an solche schildjungfrauen hinabgedrungen, bei Arvidsson 1, 189 erlöst Kerstin sköldmö mit ihren 8000 jungfrauen den verlobten aus der gefangenschaft, andre mal ist es eine schwester, die ihren bruder befreit, womit keine leibliche schwester, sondern wieder eine valkyrie gemeint wird, da diese höheren wesen überall schwestern heißen und sich ihren schützlingen verbrüdern (Arvidsson 2, 120–122. Nyerup 4, 38. 39). Aber die frauen in den gedichten unsers mittelalters, deren anblick zum siege stärkt, deren name nur ausgesprochen zu werden braucht, um sie, so schnell ein wunsch geschehen und sich erfüllen kann, herbeizuführen, sind offenbar solche schildfrauen Nachtrag: Auch Fenja und Menja gleichen den schildjungfrauen , denn es heißt von ihnen im Grottasöngr str. 13: î folk stigum , brutum skiöldu . . . . veittum gôđum Gothormi liđ . Clarine schlägt ihren geliebten Valentin zum ritter. Staphorst 241. sie verbrüdern sich ihren schützlingen, so auch stolts Signild (Arvidsson 2, 128–130). vgl. das selige fräulein , das einen bauer heiratet. Steubs Tirol 319. die valkyrien haben auch schwanhemder. Sæm. 228 a : lêt hami vâra hugfullr konûngr âtta systra und eik borit . cod. exon. 443, 10. 26: vunian under âctreo . im Grottas. str. 11. vârum leikur, vetr niu alnar fyrir iörđ neđan . kleider der wunschfrau liegen im eichbaum . Lisch 5, 84. 85. . Ođinn nahm also in seine valkyrienschaar sterbliche jungfrauen aus königlichem geschlecht auf, vergötterte frauen den vergötterten helden zur seite stehend; doch glaube ich nicht, daß alle valkyrien dieser herkunft waren, sondern die ältesten und berühmtesten, gleich den nornen, von göttern und elben stammten. Bemerkenswerth ist auch, daß Kâra und ihr Helgi für eine wiedergeburt der Svava und des älteren Helgi angesehen wurden (Sæm. 148 b . 169). In Völundarqviđa erscheinen drei andere valkyrien nebeneinander: Hlađguđr svanhvît , Hervör alvitr und Ölrûn , die beiden ersten töchter könig Löđvers, die dritte Kiârs: sie verbanden sich mit Slagfiđr, Völundr und Egill, lebten sieben jahre bei ihnen und entflohen dann, ›at vitja vîga‹, um ihr altes kriegsgewerbe wieder zu treiben. Überhaupt, scheint es, schlug die verbindung dieser halbgöttinnen mit helden für beide theile nachtheilig aus; die helden fanden frühen tod oder anderes unheil, wie auch Staufenbergers beispiel lehrt; ›Sigrûn varđ skammlîf‹ lebte nur kurz (Sæm. 169 a ): vielleicht darf angenommen werden, daß die erhebung zur valkyrie unter der bedingung des jungfräulichen standes (was wieder an die Amazonen gemahnt) erfolgte Pompon. Mela 3, 8: ›oraculi numinis gallici antistites perpetua virginitate sanctae numero novem esse traduntur. Gallicenas vocant, putantque ingeniis singularibus praeditas maria ac ventos concitare, seque in quae velint animalia vertere, sanare quae apud alios insanabilia sunt, scire ventura et praedicare sed non nisi deditas navigantibus, et in id tantum, ut se consulerent. profectas‹. Die ähnlichkeit dieser neun wahrsagenden gallicenae ist unverkennbar. einige lesen Galli Cenas, andere Barrigenas, vgl. Tzschucke not. crit. p. 159–163. . wenigstens als Ođinn auf Sigrdrîfa zürnte, die seinen schützling im kampf hatte unterliegen lassen merkwürdig, gegen Ođins willen, der also umgangen werden konnte. das schicksal stand über dem gott. , bestimmte er, daß sie nun vermählt werden sollte (qvađ hana giptaz scyldo) Sæm. 194 a . Hlađguđr, Hervör und Ölrûn waren von den männern mit gewalt und 353 wider ihren willen entführt worden wir sahen s. 336 weise frauen der schrift kundig und schreibend dargestellt; auf gleichem grund wird beruhen, daß valkyrien sticken und malen . von Brynhild heißt es Völs. saga cap. 24: ›hun sat î einni skemmu viđ meyjar sînar, hun kunni meira hagleik enn ađrar konur, hun lagđi sinn borđa međ gulli ok saumađi â þau stôrmerki, er Sigurđr hafđi giört‹: und auf dieser kammer kommt Sigurđ zu ihr. dazu bemerke ich den anfang eines schwed. lieds: Sven Färling han rider till jungfruns gård, som stickade på silket det hvita, und dieser held ist gerade mit Sigurđ identisch. Nachtrag: Brynhild verbindet sich erst eidlich dem jungen Agnar und verhilft ihm zum sieg gegen den alten Hialmgunnar. Sæm. 194. vgl. 174 b 228 a (Völs. saga cap. 20), wo es heißt: › eiđa seldak ‹ und ›gaf ec ungom sigr‹. Brynhildr wählte sich dann Sigurd: svâ er ek kaus mer til manns. Völs. saga cap. 25. die verbindung dieser halbgöttinnen mit helden schlug meist für beide theile unglücklich aus, wie denn oft auch ausgemacht wird, daß der gatte nicht nach ihrem namen fragen soll, sonst müssen sie scheiden. so die elbin oder Melusine oder der schwanritter. so auch die göttin Ganga, die sich dem Santanu vermählte und die mit ihm erzeugten kinder alsbald in den strom warf. Holtzmann ind. sagen 3, 95. 99. über die verbindung eines helden mit der geisterhaften vila s. GDS. 130. 131. . Alle diese frauennamen sind bezeichnend. von Ölrûn war s.  335 die rede. Hlađguđr ist wörtlich bellona stragis, Hervör geht gleich dem ähnlichen Gunnvör auf heer und schlacht, das beiwort alvitr auf die weissagungsgabe und svanhvît auf die schwangestalt. Saxo gramm. 22. 23 nennt eine andere Svanhvita , die wiederum valkyrienhaft erscheint, geistersichtig ist, und dem Regner zum eingang ihres bundes ein schwert darreicht. Jenen Slagfiđr (s.  315 ) erkläre ich lieber nicht Slagfinnr, obwohl er ein sohn des Finnakonûngr heißt, sondern Slagfiöđr  = alatus, pennatus, was besser zu Svanhvît seiner geliebten stimmt, und durch den ahd. ausdruck slagifëdara (penna) bestärkt wird. Wie wenig man nornen und valkyrien völlig von einander trennen darf, lehrt auch die sage dieser drei letztgenannten jungfrauen. zu geschweigen daß auch bei den valkyrien, wie bei den nornen, dreizahl und schwesterliches beisammensein vorherscht, daß Hervör den beinamen alvitr (omniscia) führt, der sich mehr für eine norn, als für eine valkyrie schickt; heißt es von allen dreien, daß sie am seestrand saßen und köstlichen flachs spannen , ja von derselben alvitr, die wiederholentlich › ûnga ‹, wie Skuld in andern stellen genannt ist, daß sie › örlög drŷgja ‹, schicksal treiben wollte (Sæm. 133 a 134 a ). die entscheidung in der schlacht ist ein theil des schicksals, man dachte sich nicht bloß die nornen spinnend und webend , sondern auch die valkyrien. dies wird durch die furchtbarerhebende dichtung im 158 cap. der Nialssaga am sichersten erläutert. Dörruđr sieht durch einen felsenspalt singende frauen an einem gewebe sitzen, wobei ihnen menschenhäupter zum gewicht, därme zum garn und wift, schwerter zur spule, pfeile zum kamm dienen: in ihrem schauerlichen gesang bezeichnen sie sich selbst als valkyrien , ihr gewebe als das für den zuschauenden Dörruđr so darf man wenigstens: ›vindum, vindum vef Darrađar ‹ verstehen, wenn auch der name und die ganze volkssage erst aus einem ›vef darrađar‹ (telam jaculi) entsprungen wäre, vgl. ags. deoređ (jaculum). bekantlich enthält Sturlûngasaga eine sehr ähnliche erzählung. . zuletzt zerreißen sie ihre arbeit, besteigen ihre pferde, und sechs reiten gen süden, sechs gen norden. Hierzu halte man die webende Vyrd des ags. dichters (s.  344 ). Die theilung der jungfrauen in zwei nach verschiedner seite reitende haufen ist den hintereinander aufziehenden neun schwarz und neun weißgekleideten ähnlich (s.  349 ). 354 Ich habe nornen und μοῖραι zusammengestellt, gleich treffend lassen sich valkyrien und κῆρες (ohne alle wörtliche gemeinschaft, die hier wol nur scheinbar wäre) nebeneinander setzen: auch die κήρ erscheint auf der walstatt in blutigem gewande, verwundete pflegend, todte fortziehend; schon dem neugebornen wird eine κήρ zugetheilt; Achill hatte zwei κῆρες, zwischen welchen er wählen durfte, und zwei legt Zeus in die wagschale, über Achills oder Hectors tod zu entscheiden Il. 8, 70. 9, 411. 18, 535–540. 22, 210. 23, 79. 24, 82. . Hesiod (scut. 249–254) läßt die dunkeln, weißzähnigen κῆρες um fallende krieger streiten, jede schlägt ihre klauen um den verwundeten, begierig sein blut zu trinken; gerade wie er den moeren klauen und blutgier beilegt (s.  343 ), wodurch sich von neuem die identität der nornen und valkyrien bestätigt. die klauen der moeren und keren, die flügel der thrien deuten auf vogelgestalt . Die spätere ansicht hebt in den keren das unheilvolle hervor. Nun ist aber eine neue seite der valkyrien zu erörtern. es heißt von ihnen, daß sie durch luft und wasser ziehen, ›rîđa lopt ok lög‹. Sæm. 142 b 159 b ; die gabe zu fliegen und zu schwimmen ist ihnen eigen, mit andern worten: sie können den leib eines schwans annehmen, und weilen gern am seeufer, der schwan aber galt für einen weissagenden vogel es schwant mir = es ahnt mir. die bezeichnung auf den vogel scheint unleugbar, da man in ganz gleichem sinn auch sagt: ›es wachsen mir schwansfedern ‹ (so schon in Zesens Simson). vgl. das eddische ›svanfiađrar drô‹. . In Völundarqviđa wird gesagt: drei frauen saßen am strand, spannen flachs und hatten neben sich ihre âlptarhamir , ihre schwanhemde, um augenblicklich wieder als schwäne fortfliegen zu können. ›meyjar flugo ‹ und ›settuz at hvîlaz â sævarströnd‹; eine unter ihnen hat sogar den beinamen svanhvît (schwanweiß) und trägt schwanfedern (svanfiađrar drô). Jene Kâra , worin nach der edda Svava wiedergeboren ward, tritt in Hrômundarsaga (fornald. sög. 2, 375. 376) als zauberin mit schwanhemd (fiölkŷngiskona î álftarham) auf und schwebt singend über den helden Rafn hat die lesart Lara vorgezogen. . Helgi hatte durch ihren beistand immer gesiegt, es geschah aber, daß er in einem kampf mit dem schwert zu hoch in die luft fuhr und seiner geliebten den fuß abhieb: da fiel sie zu boden, sein glück war zerronnen. Fridlevus, bei Saxo gramm. p. 100 vernimmt nachts aus der luft ›sonum trium olorum superne clangentium‹, die ihm weissagen und einen gürtel mit runen herabfallen lassen. Brynhildr gleicht dem schwan auf der welle (fornald sög. 1, 186); das gleichnis verräth uns noch, daß sie wirklich die gabe hatte sich in den vogel zu wandeln. manche erzählungen von schwanfrauen leben noch unter dem nord. volk. Ein jüngling sah drei schwäne sich am strand niederlassen, ihr weißes vogelhemd ins gras legen und sich in schöne jungfrauen wandeln, dann im wasser baden, das 355 hemd wieder nehmen und in schwangestalt fortfliegen. er lauerte ihnen ein andermal auf und entwandte der jüngsten das hemd, da fiel sie vor ihm auf die knie und flehte darum; er aber führte sie mit sich heim und heiratete sie. als sieben jahre verstrichen waren, zeigte er ihr das bisher verborgen gehaltne hemd: kaum hatte sie es in der hand, so entflog sie als schwan durch das ofne fenster, und der trauernde gatte starb kurz hernach. Afzelius 2, 143–145. umgekehrt verläßt der schwanheld seine gattin, sobald die untersagte frage geschieht. Ein bauer hatte einen acker, auf welchem ihm alles, was er ausstellte, jedes jahr in der Johannisnacht niedergetreten wurde. er ließ zwei jahre hintereinander seine beiden ältesten söhne auf dem acker wachen, sie hörten mitternachts ein brausen in der luft und fielen davon in tiefen schlaf. als das nächste jahr der dritte sohn wachte, sah er drei jungfrauen geflogen kommen, die ihre flügel von sich legten und nun den acker auf und ab tanzten. er sprang auf, holte die flügel und legte sie unter den stein, auf dem er saß. nachdem sich die jungfrauen müde getanzt hatten, kamen sie zu ihm und baten um ihre flügel, er erklärte, wenn eine bleiben und sich ihm vermählen wolle, sollten die beiden andern die flügel zurück erhalten. von hier an nimmt das märchen andere wendung, die in den mythus von den schwanfrauen weniger eingreift, doch ist bemerkenswerth, daß eine der jungfrauen dem geliebten mit einem goldbecher in der hand einen trunk wasser reicht, gerade wie sonst die elbinnen und wunschweiber erscheinen (s. 348. 271). Molbech no. 49. Diese lieblichen schwanjungfrauen kannte deutsche überlieferung sicher schon lange. in kühler flut badend legen sie am ufer den schwanring oder das schwanhemd ab: wer es raubt, hat sie in seiner gewalt Musäus volksmärchen band 3: der geraubte schleier. . obgleich es nicht ausdrücklich gesagt wird, die drei weissagenden meerweiber , denen Hagne das gewand weggenommen hatte, sind eben solche; es heißt (Nib. 1476, 1) wieder gleichnisweise: sie swebten sam die vogele vor ihm ûf der fluot. zwar nennt unser lied nur zwei frauen ( wîsiu wîp ), Hadburc und Sigelint nach dieser Sigelint, denke ich, heißt eine pflanze; sumerl. 22, 28 vgl. 23, 19 steht cigelinta fel draconis, 53, 48 cigelinde . Graff 6, 145 hat sigeline . man sehe Sigel, Siglander b. Schm. 3, 214. (das dänische sogar nur eine), aber die eine hebt zu weissagen an, und der frauen gewand wird 1478, 3 als ›wunderlich‹ bezeichnet. Dem mythus von Völundr begegnen wir in einer altdeutschen dichtung, welche statt der schwäne tauben setzt: drei tauben fliegen zu einer quelle, als sie die erde berühren, werden sie jungfrauen, Wielant entwendet ihnen die kleider und erstattet sie nicht eher, bis sich eine derselben bereit erklärt, ihn zum manne zu nehmen. In andern gleichverbreiteten erzählungen werfen jünglinge hemd, ring oder kette über, die sie in schwäne 356 verwandeln kinderm. no. 49. deutsche sagen 2, 292. 295. Adalb. Kuhn s. 164 die schwanenkette. . kann die wiederannahme menschlicher gestalt nicht vollständig erfolgen, so behält der held einen schwanflügel bei: einen beweis des hohen alters dieser dichtung liefert ihr zusammenhang mit der heldensage von Scoup oder Sceáf (s.  306 ); selbst in spätere genealogien hat sie sich fortgepflanzt vgl. deutsche sagen no. 540 ›die Schwanringe zu Plesse‹, die schwanflügel und ring im wappen führen. eine urk. von 1441 (Wolfs Nörten no. 48) nennt einen Johannes Swaneflügel , decretorum doctor decanus ecclesiae majoris hildesemensis. in einer flugschrift von 1617 die redensart: ›dem erdichten namen ring und larve abziehen‹. . Zumal wichtig, weil sie das genaue verhältnis dieser schwanfrauen zu den walküren deutlich erkennen läßt, ist eine darstellung altd. bl. 1, 128: in einem wilden wald sah ein jagender edelmann eine nakte jungfrau im fluß baden, schlich hinzu und nahm ihr die goldne kette an der hand weg; da konnte sie nicht entfliehen. mit dieser kette war besondere kraft verbunden: ›dor ümme werden sülche frowen wünschelwybere genant‹. er heiratete sie und sie gebar auf einmal sieben kinder, alle hatten goldringe um die hälse, d. h. gleich ihrer mutter das vermögen schwangestalt anzunehmen. die schwankinder sind also wunschkinder . In Gudrun naht der weissagende engel als ein schwimmender wilder vogel, d. h. als schwan über die meersflut, im Lohengrin geleitet ein redender schwan den held im schif; der ags. poesie war es geläufig das meer selbst svanrâd (iter olorum) zu benennen, und alpiz, älfet berührt sich mit dem namen des geisterhaften alp, älf Nachtrag: Valkyrien sind gewissermaßen auf die welt gestoßne götter , nach indischer weise. sie bleiben sieben jahre, dann fliegen sie fort nach der schlacht: at vitja vîga , visere proelia. Sæm. 133. so die prosa, das lied hat örlög drŷgja (s.  353 ). die wîsiu wîp in den Nib. heißen auch merwîp Nib. 1528, 1. diu wilden merwîp 1514, 3. 1520, 3 und Hagen neigt ihnen , als sie geweissagt haben. . Man erzählt von einem schwan , der auf dem see eines hohlen berges schwimmend im schnabel einen ring halte: wenn er ihn fallen lasse, gehe die erde unter Gottschalks sagen. Halle 1814 p. 227. . auch auf dem Urđarbrunnr werden zwei schwäne unterhalten (Sn. 20); eine andere sage von einem weissagenden schwan theilt Kuhn s. 67 aus der Mittelmark mit. auf einen verwandelten schwanjüngling zielt der bekannte westfälische kinderreim: swane, swane, pek up de nesen, wannehr bistu krieger wesen? ein andrer, aus Achen, lautet: krune krane (kranich), wiße schwane, we wel met noh Engeland fahre? auch in den ags. genealogien scheint der name Sæfugel einen schwanhelden anzuzeigen. An schwanjungfrauen darf die spinnende Berhta, und gansfüßige das pentagramm war pythagoreisches, aber auch druidisches symbol; da es alpfuß, alpkreuz, drutenfuß heißt und ähnlichkeit mit zwei gans oder schwanfüßen hat, so berühren sich in diesem zeichen wiederum halbgöttliche und elbische wesen; die valkyria Thrud steht der schwanjungfrau nah, Staufenbergers geliebte hatte wieder einen solchen fuss. königin gemahnen die schöne in Haupts ztschr. 2, 350 herausgegebene dichtung von der guten frau lehrt sehr willkommen, wie noch auf andere weise dies feenhafte wesen an die kerlingische heldensage geknüpft wurde. offenbar sind die beiden an einem tag auf paske flourie gebornen, zusammen in liebe auferzognen kinder (77–87) identisch mit Flore und Blancheflur , denn auch das sind keine eigennamen, sondern in märchenweise ersonnene, die zu dem sinn des namens ihrer tochter Berhta , d. i. der weißen stimmen. diese wird Pepins gemahlin und gebiert Charlemagne , im Garin le Loherain heißt Pipins gemahlin Blanchefleur (von Moriane), in jenem gedicht aber die ungenannte tochter des grafen Ruprecht von Barria d. i. Berry mit bloßem appellativ diu guote frouwe (162. 1130), diu guote (1575), la bone dame (3022). vgl. bonadea, bonasocia (oben s.  235 ). ihr gemahl, der an des letzten kinderlosen (merowingischen) königs stelle tritt, Karelman (3020), ihr selbst kann nur Berte gebühren, was schon aus des vaters namen Ruodbert folgt. beider kinder sind Pippîn der kleine und Karle der mêrre. in der mitte liegen hier ganz andere begebenheiten als die von Flore und Blanchefleur erzählten, wo nicht anmutigere doch reicher entfaltete; deutlich aber gewahren wir, wie an das neu auferblühte kerlingische geschlecht ältere heidnische sage von der schwanfrau, von der guten frau (s.  209 ), von der milden frau (s.  232 ), von der bona socia (s.  235 ) und der bonne dame (s.  238 ) ansetzte. vgl. Sommers vorr. zu Flore XXVI. XXVII. XXXII. (s. 232). konnten jene weissagenden 357 gallicenae beliebige thiergestalten annehmen; so mag auch den Celten frühe schon verwandlung in schwäne bekannt gewesen sein, und man darf in franz. feensagen, was sie verschweigen, ergänzen; Méon 3, 412: en la fontaine se baignoient trois puceles preuz et senées , qui de biaute sembloient fées : lor robes a tout lor chemises orent desoz un arbre mises du bout de la fontaine en haut. puceles senées 3, 419. bien eurées 418. la plus mestre 413. 415. die hemde werden geraubt und die jungfrauen aufgehalten. im lai du Desire erblickt der ritter eine schwanjungfrau ohne schleier (sans guimple) im wald. der weißgekleideten feen schleier gleicht den schwanhemden. Wir sehn die wünschelfrauen auf weihern und seen des tiefen waldes erscheinen, sie sind zugleich waldfrauen, und auch an diese eigenschaft knüpfen sich weitere betrachtungen, der alte heilige wald scheint ihr lieblingsaufenthalt; da in hainen, auf bäumen götter thronten, werden die weisen frauen ihres gefolges und geleites denselben raum gesucht haben. wohnten die goth. aliorunen nicht im wald unter waldgeistern? lag der Veleda thurm nicht auf einem felsen, also des waldes? Völundarquiđa hebt an mit den worten: meyjar flugo sunnan Myrkviđ igögnom, sie flogen von süden durch den schwarzen wald zum seegestade, nachdem sie da sieben jahre geweilt hatten, erwachte ihr heimweh: meyjar fŷstoz â myrkvan viđ , nicht länger widerstanden sie und kehrten zurück in den schwarzen wald. fast alle schwanjungfrauen werden im walde 358 angetroffen. die sieben jahre stimmen zu denen der s.  355 angeführten schwedischen sage im walach. märchen 201 wird drei badenden waldfrauen die krone weggenommen. . Wie Sigrûn , Sigrdrîfa , Sigrlinn namen der valkyrien sind, noch in unserm epos eine der weisen weiber Sigelint heißt, glaube ich, daß ahd. siguwîp , ags. sigevîf , altn. sigrvîf allgemeine bezeichnung aller weisen frauen war, und kann dafür einen mir von Kemble mitgetheilten ags. zauberspruch beibringen: sitte ge sigevîf , sîgađ tô eorđan! næfre ge vilde (l. ville) tô vuda fleogan! beo ge svâ gemyndige mînes gôdes, svâ biđ mannagehvylc metes and êđeles sedete bellonae, descendite ad terram, nolite in silvam volare! tam memores estote fortunae meae, quam est hominum quilibet cibi atque patriae. . gleich nornen, unter versprechung von gaben, werden sie ins haus geladet. Hierzu soll nun noch eine stelle des Saxo erwogen werden, worin er unverkennbar von valkyrien redet, obgleich, seiner weise nach, diese einheimische benennung meidend. in der bei ihm überhaupt so abweichenden geschichte des Hother und Baldr heißt es pag. 39: Hotherus inter venandum errore nebulae perductus in quoddam silvestrium virginum conclave incidit, a quibus proprio nomine salutatus, quaenam essent, perquirit. illae suis ductibus auspiciisque maxime bellorum fortunam gubernari testantur: saepe enim se nemini conspicuas praeliis interesse, clandestinisque subsidiis optatos amicis praebere successus : quippe conciliare prospera, adversa infligere posse pro libitu memorabant. Nachdem sie ihm rathschläge ertheilt, verschwinden die jungfrauen und ihr haus (aedes, conclave) vor Hothers augen Nachtrag: Die hütte der waldfrauen Saxo s. 39 verschwindet mit ihnen und Hother befindet sich plötzlich unter freiem himmel wie in hexensagen s.  896 . Gangleri heyrđi dyni mikla hvern veg frâ sèr oc leit ût â hliđ sèr: oc þâ er hann sèz meirr um, þâ stendr hann ûti â slêttum velli , sèr þâ önga hölt oc önga borg. Sn. 77. das heißt Sn. 2 sionhverfingar . . Späterhin p. 42: at Hotherus extrema locorum devia pervagatus insuetumque mortalibus nemus emensus, ignotis forte virginibus habitatum reperit specum : easdem esse constabat, quae eum insecabili veste quondam donaverant. sie berathen ihn jetzt aufs neue, und heißen nymphae gleich hernach treten aber drei andere nymphen auf, die dem Baldr mit schlangengeifer zauberhafte speise bereiten, p. 43. einer femina silvestris et immanis gedenkt Saxo auch p. 125. . Dies scheint nicht jüngere, entstellte ansicht, daß man sich die in Ođins himmlischer gesellschaft wohnenden, durch luft und flut ziehenden schlachtjungfrauen zugleich in waldeshölen hausend dachte; also durfte sie Saxo silvestres nennen, und ihr gemach, ihre höle in den wald setzen. Unsere ältere sprache bietet in diesem sinn noch einige ausdrücke dar, in denen ich die vorstellung weiser waldfrauen wiederfinde, nicht bloß elbischer waldgeister. sie heißen wildiu wîp und die traditiones fuldenses gedenken p. 544 eines ortes ›ad domum wildero wîbo ‹. Burcard von Worms p. 198 d nennt agrestes feminas , 359 quas silvaticas vocant, et quando voluerint ostendunt se suis amatoribus et cum eis dicunt se oblectasse, et item quando voluerint abscondunt se et evanescunt. dies ›quando voluerint‹ mag wieder den begrif des wünschellebens ausdrücken. meister Alexander, ein dichter des 13 jh. singt (str. 139 p. 143 b ): ›nû gênt si vür in über gras in wilder wîbe wæte‹. ›von einem wilden wîbe ist Wate arzet‹, hat er die heilkunst gelernt (Gudr. 2117). ›daz wilde fröuwelin ‹ Ecke 189. den gl. mons. 335 ist wildaz wîp lamia, und 333 wildiu wîp ululae, d. h. leichenvögel, todansagende frauen, die noch späterhin klagefrauen , klagemütter genannt werden und der weissagenden Berhta (s.  232 ) gleichen. in hainen, auf bäumen erschienen weißgekleidete dominae , matronae , puellae (s.  238 . 239 ) unterscheidbar von den mehr elbischen baumfrauen und dryaden, deren leben an das eines baumes gebunden ist. Die vicentinischen Deutschen verehren eine waldfrau , hauptsächlich zur zeit der zwölften: von den frauen wird für sie flachs am rocken gesponnen und zur sühne ins feuer geworfen deutsche sagen n. 150. : sie ist der Holda und Berhta vollkommen ähnlich. Wie beim getraideernten dem Wuotan und der frau Gaue drei büschel auf dem acker stehen bleiben, so läßt man noch heute im Frankenwalde drei hände voll flachs für die holzweibel auf dem felde liegen (Jul. Schmidt Reichenfels s. 147), ein überrest älterer, höherer verehrung. In der Wetterau zwischen Leidhecken und Dauernheim liegt der hohe berg, darauf ein stein › der welle fra gestoil ‹ (der wilden frau gestül), im gestein sind die glieder sitzender menschen abgedrückt. die wilden leute , meint das volk, hausten da, ›wei di schtan noch mell warn‹, als die steine noch weich waren; nachher wurden sie verfolgt, der mann entfloh, frau und kind blieben zu Dauernheim bis an ihren tod in gewahrsam. Volkslieder lassen den jäger im wald ein schwarzbraunes mädchen aufjagen und anreden: › wohin du wildes thier? ‹ (wunderhorn 2, 154), seiner mutter ist die braut unwillkommen, wie in der sage von den schwankindern. Lieblicher dargestellt wird es in der spanischen romanze de la infantina (silva p. 259): ein jäger steht unter hoher eiche: en una rama mas alta viera estar una infantina , cabellos de su cabeza todo aquel roble cobrian: › siete fadas me fadaron en brazos de una ama mia, que andasse los siete años sola en esta montina‹. aber der ritter will erst seiner mutter rath einholen und diese versagt ihre einwilligung. Als Wolfdieterich nachts im wald an einem feuer sitzt, naht sich die rauhe Els , das rauhe weib , und entführt den helden in ihr land Troje , vgl. Ecke 81; und Elsentroje deutsche heldensage, 198. 211. , sie ist eine königin und wohnt auf hohem felsen: zuletzt legt sie im jungbrunnen badend ihr rauhes gewand ab und heißt frau Sigeminne , ›die schönste über 360 alle lande‹ im Wolfdietr. (Dresdn. hs. 290–297) gehn zwölf göttinnen auf einen berg , holen den helden zu sich und pflegen sein, die schönste will ihn zum manne. diese wesen sind mehr weise frauen als elbinnen. . Synonym mit wildaz wîp geben die glossen hölzmuoja (lamia und ulula), die im wald klagende, muhende; holzfrowe (lamia) altd. bl. 2, 195, holzrûna (gl. mons. 335. Doc. 219 b ) von gleicher bedeutung, aber an jenes goth. aliorumna, ags. burgrûne und die altn. Sigrûn erinnernd wie die χάριτες und feen spinnen und weben , thun es auch die wilden weiber: ›mit wilder wîbe henden geworht‹ (Ulr. Lanz. 4826); πέπλος ὃν χάριτες κάμον αὐταί (Il. 5, 338) Nachtrag: Webende najaden erwähnt Od. 13, 107. quellnymphen, Zeus töchter, werden von Odysseus und auf Ithaka verehrt. 13, 356. 17, 240, ein theil vom opfer ihnen bei seite gelegt. 14, 435. βωμὸς νυμφάων. Od. 17, 210. . Nachtrag: Holzwîp . Otnit cod. dresdn. 277 vgl. dryas, hamadryas s.  544 . schreien wie ein holzweib. Uhland volksl. 1, 149. schrê als ein wildez wîp owê . Lanz. 7892. der wilden frau born und gestühl . wetterauische sagen 282. wilde fräulein . Wolfs zeitschr. 2, 59. daz wilde vrouwelîn . Ecke 172. die wilden häuser , der wilde tisch , den nach der volkssage die wilden leute oft besuchen, liegen im Schlüchterner wald. Buchonia IV. 2, 94. 95. willemännches haus und tisch bei Brückenau. Panzer beitr. 1, 186. vgl. daz wilde getwerc (s.  370 ). die waldfrauen heißen auch dirnweibel ( anm. 716 ), welche äpfel im korb tragen, wie die matronae und Nehalennien. den holzfräule läßt man in Franken beim flachsrupfen ein büschel stehn, in zopf geflochten, wie den nymphen ein theil des opfers bei seite gelegt wird ( anm. 1070 ), und spricht einen reim dazu. Panzer beitr. 2, 160. 161. witte wîwer in der waldhöhle. Kuhn westf. sag. 1, 123. das rauhe weib erscheint zu mitternacht im walde. Wolfd. 307. 308 (Haupts zeitschr. 4). auch Fasolts und Eckes mutter war ein rauhes weib (s.  399 ). von andern waldgöttern war s.  312 die rede. Zanders Tanh. s. 7. 17 spricht von waldschälklein Cupido. ist Widukind , ein sehr ungewöhnlicher name, soviel wie waldkind? vgl. Widukindes speckia. Lünzel 22. 25. . Eine allgemeine benennung solcher wesen muß schon im hohen alterthum menni , minni gewesen sein; sie gehört zu man (homo) und zu dem altn. man (virgo), kommt aber nur in zusammensetzungen vor. merimanni (neutr.) pl. merimanniu, verdeutscht sirena oder scylla (reda umbe diu tier, Hoffm. fundgr. 19, 18) meriminni gl. Doc. 225 a mons. 333. den dichtern des 13 jh. ist merminne gleichviel mit merwîp , merfrouwe , aber auch mit wildes wîp . ›diu wîse merminne ‹. Diut. 1, 38. ›gottinne oder merminne , die sterben niht enmohten‹. Eneit. 8860. im Wîgamûr tritt ein wildez wîp auf (112. 200. 227 ff.), das in einem holen stein des meers wohnt, und abwechselnd merwîp (168. 338) merfrouwe (134) merminne (350) heißt. ags. merewîf Beov. 3037. mnl. maerminne . die wîsiu wîp der Nib. werden merwîp genannt (1475, 1. 1479, 1); sie weissagen und warnen, schon daß sie eigennamen führen, stellt sie den nord. valkyrien an die seite: Hadburc und Siglint . den der dritten verschweigt das lied (s.  355 ), von Hagne wird sie angeredet: ›aller wîseste wîp!‹ (1483, 4). Wittichs ahnfrau (s.  312 ) heißt ›frouwe Wâchilt ‹, gleichsam Hilde der wogen, ist ein merminne und wahrsagt dem held (Râb. 964–974). auch Morolt hat eine merminne zur muhme, die im berg Elsabê haust und über zwerge herrscht; ihr name kommt nicht vor, wol aber der ihres sohnes Madelgêr, und wiederum empfängt Morolt ihren weisen rath (Mor. 40 b 41 a ). die merminne in Ulrichs Lanzelet (z. 196 ff.) heißt wis (z. 5751. 6182) und hat 10000 unverheiratete frauen unter sich (›dern keiniu bekande man noch mannes gezoc‹), sie hausen auf einem berg am meer, in ewig blühendem lande. im Apollonius erscheint eine hilfreiche merminne als königin des meers (z. 5160. 5294); hier lag dem dichter eine sirene, im sinn der alten, vor, allein meriminne muß in Deutschland bekannt gewesen sein, bevor man von sirenen hörte. der dän. name lautet maremind (danske viser 1, 118. 125). Die nord. sage hat uns ein ganz entsprechendes männliches wesen aufbewahrt, den schweigsamen, weissagenden marmennill (al. marmendill, marbendill), der aus dem meer gefischt wird und wieder hinein gelassen sein will. Hâlfssaga c. 7 (fornald. sög. 2, 31–33) und Isl. sög. 1, 63 (Landn. 2, 5) marmennill gleicht überaus dem griech. Proteus, der sich auch erst sträubt zu weissagen. Od. 4, 385 ff. vielleicht giengen von unserm Baldander und Vilanders (s.  172 ) Proteusähnliche sagen Nachtrag: Proteus sträubt sich zu weissagen auch bei Virg. Georg. 4, 388–452, ebenso Vertumnus . Ovid. met. 14, 642 ff. Propert. IV, 2. . . nach ihm heißt die koralle › marmennils smîđi ‹, er hat 361 sie im wasser kunstreich geschmiedet. Späterhin wurde in Deutschland der ausdruck › merfei ‹ gebraucht, jene geliebte Staufenbergers, die er im wald angetroffen hatte, die schöne Melusine (eine vielleicht noch gallische überlieferung) sind gerade das feenhafte wesen, welches man früher merimenni nannte doch steht schon merfeine Diut. 1, 38. wazzerfeine (Oberl. s. v.), ja merfêîn Ms. 2, 63 a . . Gleich der merminne gab es aber auch eine waltminne , mit welchem ausdruck alte glossen wiederum lamia übertragen (Diut. 3, 276). Sigeminne , entweder die getaufte Rauchels und Wolfdieterichs geliebte (s.  359 ), oder Hugdieterichs gemahlin deutsche heldensage p. 185. 200. 201. , darf mit vollem recht als waltminne oder merminne betrachtet werden eine Leidner pergamenths. des 13 jh. enthält folgende sage von Carl dem großen: Aquisgrani dicitur Ays, et dicitur eo, quod Karolus tenebat ibi quandam mulierem fatatam , sive quandam fatam , que alio nomine nimpha vel dea vel adriades (l. dryas ) appellatur, et ad hanc consuetudinem habebat et eam cognoscebat, et ita erat, quod ipso accedente ad eam vivebat ipsa, ipso Karolo recedente moriebatur. contigit, dum quadam vice ad ipsam accessisset et cum ea delectaretur, radius solis intravit os ejus, et tunc Karolus vidit granum auri lingue ejus affixum, quod fecit abscindi, et contingenti (l. in continenti) mortua est, nec postea revixit. Das goldkorn, an dem der zauber hieng, soll offenbar den namen der stadt deuten; die spätere überlieferung (Petrarcha epist. fam. 1, 3. Aretins sage von Carl d. gr. s. 89) hat dafür einen ring, den erzbischof Turpin aus dem munde des leichnams wegnimmt und in einen see bei Achen warf; dieser see zog nun den könig an, so daß er die stadt zu seinem liebsten aufenthalt wählte. des feenhaften wesens der jungfrau wird nicht weiter gedacht. Es war ein auf den Frankenkönig angewandter, allmälich entstellter volksglaube von der verbindung einer wilden frau oder meerminne mit einem christlichen helden; nicht viel anders sahen wir vorhin (s.  357 ) Carls ahnmutter Berhta zu einer guten frau, d. h. fee gemacht. . Vilk. saga cap. 17 finde ich sækona von der frau gebraucht, die Vilkinus im walde traf und mit der er den Vadi zeugte. Saxo gramm. p. 125 erwähnt ein tugurium silvestris immanisqm feminae Nachtrag: Ez ne sint merminne niet. En. 240, 4. ein wîse merminne . Lanz. 193. 5767. 3585. 6195. als êne merminne singhen. Rose 7896. die gefangne meerfrau weissagt untergang des lands, soweit man sie landeinwärts schleppe. Firmenich 1, 23. Müllenhoff s. 338. königin Dagmar läßt sich von einer havfru weissagen . D. V. 2, 83–85. (dabei die formel: vedst du det, saa vedst du mer). die mermaid von Padstow in Cornwall, durch einen schuß erbittert, verflucht den hafen, der auch versandet. ( anm. 1218 ). aus Melusine macht das volk mère Lusine. dänische lieder haben maremind und marequinde . waltminne lamia gl. florian fundgr. 1, 396. waltminna echo (s.  374 ) lamia. Graff 2, 774. widuminna . Cassel ortsn. s. 22. . Aus dieser zeugnisse zusammenstellung geht zur genüge hervor, daß man sich unter wildaz wîp und menni , minni ein höheres, übermenschliches wesen dachte, wie es der nordischen norn und valkyrie an die seite gesetzt werden kann. aber die namen stehn in unserer sparsamen überlieferung allzu nakt, feinere unterscheidungen müssen uns entgehn und die grenze der götter, halbgötter, elbe und riesen lauft in mehr als einer linie durcheinander. Gleich den nornen und valkyrien (s.  343 . 347 . 353 ) spinnen und weben Holda, Berhta, Freyja, die göttinnen, und wie sich später ergeben wird, auch riesinnen. Unter den gestalten der griech. und deutschen mythologie wurden νύμφαι und idisî, μοῖραι und nornir, κῆρες und valkyrior einander an die seite gesetzt.; es ließen sich aber auch noch einzelne namen, wie Νίκη oder Victoria einer Sigrûn oder Sigrdrîfa, 362 Ἔρις und Ἐνυώ oder Bellona einer Hildr und Gunnr vergleichen. Eris wird (gleich der Iris) von Zeus als botin entsandt (Il. 11, 3). wie Skögul oder Göndul von Ođinn; ich finde diese griech. frauen oft im geleite einzelner götter, Il. 5, 333 geht die πτολίπορϑος Ἐνυώ mit Athene, 5, 592 die πότνι' Ἐνυώ mit Ares 4, 440. 5, 518 die Ἔρις ἄμοτον μεμαυῖα mit Ares, dem auch Δεῖμος und Φόβος folgen (s.  172 ). Nah verwandt sind endlich die Chariten, und eine eigne Charis des siegs wurde angenommen. unsern waldfrauen stehen einzelne arten der nymphen noch näher, zumal die, welche Theocrit 5, 17 τὰς λιμνάδας νυμώας nennt, oder die ihm 13, 44 νύμφαι ἀκοίμητοι, δειναὶ ϑεαὶ ἀγροιώταις heißen. Die anmutige sage von den schwanfrauen scheint zwar Griechen und Römern zu entgehen, während sie Deutschen mit Celten gemein ist; doch eine spur haftet in der sage von Zeus und Leda (s.  281 ) und in dem weissagenden gesang des schwans, wie auch im indischen Nalus der goldgeschmückte schwan (hansa = anser, gans) menschliche sprache anstimmt (Bopps ausg. s. 6. 7). Die Slaven entwickeln keine vorstellung von den schicksalsgöttinnen das böhm. sudice übersetzt parca, besagt aber nichts als richterin; die Russen bedienen sich sogar des wortes parka. allenfalls wären die ichoplezi in Hankas glossen 21 a zu erwähnen, deren drei sein sollen, wie die sirenen und meerweiber. . Der serbischen mythologie eigenthümlich ist die schöne dichtung von der vile , einem halb feenhaften, halb elbischen wesen, dessen name sogar dem der vala gleicht. an das verhältnis der valkyrie zu dem menschlichen helden erinnert die verbrüderung der vile mit Marko (Vuk 2, 98. 2, 232. Danitza für 1826 p. 108), so wie daß die vilen einzeln auftreten, eigennamen führen und weissagen. Anderes aber nähert sie mehr den deutschen elbinnen des folgenden capitels: sie wohnen auf bergen, lieben gesang und reigen (ir. elfenm. lxxxii ), erheben sich in die lüfte und schießen auf menschen tödlich verwundende pfeile. ›ustrijelila ga vila‹, die vila hat ihn mit dem pfeil erschossen. ihr rufen im wald gleicht dem geräusche des hackenden spechts, die sprache benennt es ›kliktati‹. der vile verfällt das kind, welches die mutter mit unvorsichtiger rede (djavo je odnijo!) dem teufel übergab (Vuk no. 394), wie es sonst der wolf oder bär abholt. vile te odnele! (vilae te auferant) ist ein fluch (Vuks sprichw. s. 36); ›kad dot'u vile k otschim‹ (quando vilae ante oculos veniunt) bezeichnet den augenblick äußerster noth und gefahr (daselbst s. 117). die vila reitet einen siebenjährigen hirsch und zäumt ihn mit schlangen, wie nordische zauberinnen Nachtrag: Die vila baut sich eine burg auf die wolken, ihre tochter Munja spielt mit beiden brüdern, den Donnern. Vuk nov. ed. 1, 151. 152. sie sitzt auf eschen und steinen, lieder singend. sie redet mit dem hirsch im wald. sie begabt und ist ärztin (s.  961 ). a. o. 151. 149 note. no. 114. 158. die vila gleicht auch dem teufel . sie hält gleich ihm nächtliche reigen auf dem berg (Vuk s. v. vrzino kolo), lehrt schüler wolken führen und wetter machen und behält sich den letzten. am meisten gemahnen die vilen an weiße frauen (s.  808 ). ihr rufen gleicht dem › kliktati ‹ des hackenden spechts. vgl. litth. ulbauja wolungĕ, der holzhacker (specht) winselt und MS. 2, 94 b : ir klokent als umbe ein fûlen boum ein speht. . 363 Cap. XVII. Wichte und Elbe. Von den vergötterten und halbgöttlichen naturen scheidet sich eine ganze reihe anderer wesen hauptsächlich darin, daß sie, während jene von den menschen ausgehen oder menschlichen umgang suchen, eine gesonderte gesellschaft, man könnte sagen, ein eignes reich für sich bilden, und nur durch zufall oder drang der umstände bewogen werden, mit menschen zu verkehren. etwas übermenschliches, was sie den göttern nähert, ist ihnen beigemischt, sie besitzen kraft dem menschen zu schaden und zu helfen; zugleich aber scheuen sie sich vor diesem, weil sie ihm leiblich nicht gewachsen sind. entweder erscheinen sie weit unter menschlichem wachsthum, oder ungestalt. fast allen freilich auch göttern (s. 271 ), göttinnen (s.  222 ) und weisen frauen (s.  348 . 403 ). ist das vermögen eigen sich unsichtbar zu machen. Auch hier sind die weiblichen wesen allgemeiner und edler gehalten und ihre eigenschaften gleichen denen der göttinnen und weisen frauen; die männlichen geister scheiden sich bestimmter ab, von göttern wie von helden die celtische für dieses capitel besonders reich fließende überlieferung schöpfe ich aus folgenden schriften: fairy legends and traditions of the south of Ireland (by Crofton Croker ) Lond. 1825. zweite aufl. part. 1. 2. 3. Lond. 1828. the fairy mythology (by Tho. Keigthley ) vol. 1. 2. Lond. 1828. Barzas-Breiz, chants populaires de la Bretagne, par Th. de la Villemarqué . 2e ed. 2 vol. Paris 1840. . Die beiden allgemeinsten benennungen sind in der überschrift angegeben; wir würden uns heute des ausdrucks geister zu bedienen haben. geist ahd. keist , ags. gâst , alts. gêst (wurzel gramm. 2, 46); goth. ahma , ahd. âtum f. ahadum, verwandt dem goth. aha (mens) ahjan (meminisse, cogitare) wie man (homo), manniska und manni , minni zu munan, minnen gehören (s.  48 . 286 . 360 ). aber ist, wie das gr. δαίμων, hier zu weit, indem es sich auch auf die im vorigen cap. abgehandelten halbgöttinnen ausdehnen ließe. genauer träfe das lat. genius Nachtrag: Augustin C. D. 8, 14 theilt die beseelten wesen in drei klassen: tripertita divisio animalium in deos, homines, daemones . dii excelsissimum locum tenent, homines infimum, daemones medium . nam deorum sedes in coelo, hominum in terra, in aëre daemonum. die vettar haben größere macht über die natur als der mensch, aber keine unsterbliche seele, worüber sie trauern (s.  427 ). Fries. bot. udfl. 1, 109. das goth. aggilus , ahd. engil ist kein passender allgemeiner ausdruck für jene mittelwesen, es bezeichnet ja den christlichen begrif. Iw. 1391 gebraucht geist für daemon, nämlich: ein unsihtiger geist. das lat. genius heißt zeugungskräftig. Gerhard etr. götter s. 15. 52. ein allgemeiner name ist auch ungethüm . Schweinichen 1, 261. 262. geister sind auch ungeheuer (s.  762 ). die übelen ungehiuren . Ges. Abent. 3, 61. 70. 76. elbische ungehiure . 3, 75. wahrscheinlich ist auch das schwed. rå allgemein zu nehmen: sjörå, tomtrå, skogrå oder skogsrå, råand. Runa 1844, 70. vgl. âs ( anm. 79 und 1246 ). neugr. στιχεῖον. Fauriel disc. prél. LXXXII. das soll wol στοιχεῖον, element sein vgl. 2, 77 τὰ στοιχεῖον τοῦ ποταμοῦ. . Der ausdruck wiht scheint in mehrfacher hinsicht merkwürdig, des wechselnden geschlechts und der daraus entwickelten abstracten bedeutungen wegen. das goth. vaíhts ist weiblich, gen. vaíhtáis, und Ulfilas braucht es fast nicht in concretem sinn; Luc. I, 1 überträgt es ihm πρᾶγμα, viel häufiger, mit der negation verbunden, οὐδέν (gramm. 3, 8. 734). dadurch wird aber nicht ausgeschlossen, daß sonst bei den Gothen vaíhts einen weiblich gedachten geist bezeichnet haben könne, und 1 Thess. 5, 22 ist 364 der satz ἀπὸ παντὸς εἴδους πονηροῦ ἀπέχεσϑε verdeutscht: af allamma vaíhtê ubilâizô afhabáiþ izvis, wo die vulg. gibt: ab omni specie mala abstinete vos; der gebrauchte pl. vaíhteis ubilôs führt schon auf die vorstellung von geistern. keiner der übrigen dialecte, die das wort ebenwol zur stärkung und festigung der negation verwenden, ja endlich die eigentliche, einfache negationspartikel dadurch absorbiert werden lassen, büßt die lebendige bedeutung ein; alle ahd. denkmäler schwanken zwischen neutr. und masc, jenes goth. fem. ist ihnen fremd. O. hat ein neutr. wiht , mit dem collectiven pl. wihtir wie thiu diufilir III. 14, 53 neben ther diufal III. 14, 108. , zugleich einen andern neutralen pl. wihti , der den sg. wihti fordert, vgl. armu wihtir IV. 6, 23. armu wihti II. 16, 117. krumbu wihti III. 9, 5; der sinn ist: arme, krumme geschöpfe, so daß wiht (abzuleiten von wîhan facere, creare) überhaupt gleichbedeutend mit wesen, creatur, persona erscheint und auf menschen oder geister gehen kann. ›in demo mere sint wunderlîchiu wihtir , diu heizent sirenae‹ (Hoffm. fundgr. 19, 17). mhd. bald neutral: unreinez wiht . Diut. 1, 13. Athis H. 28. trügehaftez wiht . Barl. 376, 11. der tumbe wiht fragm. 42 a . vil tumbez wiht . Barl. 11, 21; bald männlich: bœser wiht . Barl. 220, 15; unrehter bœsewiht Ms. 2, 147 a Geo. 3508. kleiner wiht . altd. bl. 1, 254. der wiht . Geo. 3513. 3536: oft das genus unkenntlich: bœse wiht . Trist. 8417. helle wiht . Geo. 3531, in jedem fall aber sowol von menschen, als geistern gültig. geisterhafte wichte sind die minuti dii der Römer (Plautus Casina II. 5, 24). nhd. setzen wir wicht männlich und bezeichnen dadurch geringschätzig ein elendes, verächtliches wesen, kerl, oft mit beigefügter bestimmung: elender wicht, bösewicht. Tritt die verkleinerungsform hinzu, also eine steigerung des begrifs der kleinheit, so wird es nur von geistern gebraucht: wichtlein , wichtelmann in Hessen ist wichtelmänner der gangbare ausdruck, außer an der Diemel (im sächsischen Hessen), wo gehört wird gute holden . ; mhd. diu wihtel . Ms. 1, 157 a swer weiz und doch niht wizzen wil,     der slæt sich mit sîn selbes hant,     des wîsheit aht ich zeime spil ,     daz man diu wihtel hât genannt:     er lât uns schouwen wunders vil     der ir dâ waltet. aus dieser stelle geht hervor, daß es im 13 jh. eine art von puppenspiel gab, in dem man geisterhafte wesen vor den augen der zuschauer erscheinen ließ. der ir waltet, heißt der die figuren in bewegung setzende spieler. zur vollen bestätigung gereicht das wachtelmäre z. 140: ›rihtet zuo mit den snüeren die tatermanne!‹ über das wihtelspil noch eine stelle in Haupts zeitschr. 2, 60: ›spilt mit dem wihtelîn ûf dem tisch umb guoten wîn‹. ; bœsez wihtel (elfenm. cxviii ); kleinez wihtelîn . Ls. 1, 378. 380. Wolfdietr. 788. 799; ahd. wihtelîn (penates), wihtelen vel helbe (elbe) lemures, daemones (gl. florian.). Hel. 31, 20. 92, 2 sind dernea wihti (occulti genii) trügerische, dämonische wesen, wie thie derno 164, 19 den 365 teufel selbst bezeichnet; lêtha wihti Hel. 76, 15; wrêda wihti 76, 1. In Niedersachsen sagt man wicht ganz in gutem sinn von kleinen kindern, im Münsterland gilt ›dat wicht ‹ vorzüglich von mädchen, nach Strodtm. 285 das osnabr. wicht im sg. nur von mädchen, der pl. wichter von knaben und mädchen. unschuldige wichte hat Sastrow 1, 351. Das mnl. neutrum wicht steht wie das hochdeutsche: quade wicht , clene wicht (kind) Huyd. op St. 3, 6. 370; arem wiht Rein. 1027; nicht anders das nnl. wicht , pl. wichteren : arm wicht, aardig wicht, gutmütig gemeint. Die ags. sprache stimmt mit der goth. in dem weiblichen geschlecht überein: viht , gen. vihte, nom. pl. vihta; später vuht , vuhte, vuhta; seo viht cod. exon. 418, 8. 419, 3. 5, 420; 4, 10. die bedeutung sowol concret: yfel viht (phantasma) leás viht (diabolus) Cædm. 310, 16, sæviht (animal marinum) Beda 1, 1; als völlig abstract: ding, sache. engl. wight , im sinn des nhd. wicht. Im altn. vætt oder vættr , welche gleichfalls weiblich sind, hat sich der begrif eines daemonischen, geistigen wesens rein erhalten (Sæm. 145 a ), allar vættir (genii quicunque) Sæm. 93 b , hollar vættir (genii benigni) Sæm. 240 b , ragvættir oder meinvættir (genii noxii) Biörn nimmt ein masc. (fem.?) meinvættr und ein neutr. meinvætti an; mein ist zwar noxa, malum, aber doch erinnere ich an das zendische mainjus , (daemon), agramainjus (daemon malus). , landvættir (genii tutelares) fornm. sög. 3, 105. Isl. sög. 1, 198 u. s. w. auf den Färöern sagt man: ›feâr tû têar til mainvittis! ‹ (fahr zum teufel). Lyngbye p. 548. dän. ist vette ein weiblicher geist, eine waldnymphe, meinvette ein böser geist (Thiele 3, 98). die schwedische sprache besitzt außer vätt (genius) und dem gleichbedeutigen neutr. vättr ein nach der deutschen gebildetes wikt (Ihre p. 1075). allen diesen mundarten mangelt auch die abstraction nicht. Dieser übergang der bedeutung wicht auf der einen seite in die von ding, sache, auf der andern in die von teufel stimmt zu mehrern erscheinungen der sprache. wir reden auch mit › ding ‹ kleine kinder an, und der unke wird im märchen (no. 105) zugerufen: › ding , iß brocken‹! wicht, ding, wint, teufel, vâlant (gramm. 3, 734. 736) helfen alle die verneinung steigern. altfranz. males choses (mali genii) Ren. 30085; mlat. bonae res (boni genii) Vinc. bellov. III. 3, 27 Nachtrag: Die Victovali oder Victohali sind goth. Vaíhtêhaleis und altn. Vaettahalir, von vict, ahd. wiht, abzuleiten und mit den Nahanarvali ( anm. 988 ) dasselbe volk. GDS. 715. Sollte vaihts von vaian, wehen stammen und soviel wie nichtiger hauch sein? iht übels (ie wiht) in Haupts ztschr. 8, 178 ist halb abstract wie das goth. vaíhteis ubilôs. ganz concret aber: eines boesen wichtes art. Lanz. 3693. vgl. 1633. diz ungehiure wiht . Ges. Abent. 2, 129. dat vule wicht . Rein. 3660. dat dein proper suverlec wechtken (mädchen). Verwijs s. 33. altengl. wight wesen, frau. s. Nares glossary s. v. illar vaettir . fornm. sög. 4, 27. ill vaettr ok örm! fornald. sög. 1, 487. rög vaettr! Sæm. 67 b 68 a . ôvaettr malus daemon, unwesen. landvaettir sind des Saxo gr. 161 dii loci praesides . dii vettrarne . Dybeck 1845. s. 98. uppâ vegnar vaettir , ex improviso. Biörn s. v. veginn (erschlagen). die norweg. govejter (gute wichter) und daher den benachbarten Lappen zugekommenen guvitter entsprechen unsern guten wichten und guten holden . s.  221 . 377 . 403 . de guden holden . Gefken beil. 99. 124. 129. in einer beschreibung des Riesengebirgs aus dem 15. jh. steht ›umb des weckirchen oder bergmönlins willen‹. Mones anz. 7, 425. gehört dieser name zu wicht, wie auch arweggers (s.  376 ), das so viel wie arge wichte heißen könnte? weckerlein ist sonst ein hundename und stammt von wacker, munter ( anm. 38 ). wichtelîn ( anm. 1087 ) bedeutet vielleicht geradezu puppe, tocke. spelen mit den docken. upstandinge 1129. bleierne holder zwerglin . Gargantua 253 a . ich kan wunder an der snüere. MS. 1, 89 a . vgl. nhd. etwas am schnürchen haben. eine wichtelstube kennt Sommer s. 24, ein wichtelenloch Panzer beitr. 1, 42. gleichbedeutend wird das ding  = der alp gebraucht in Prætor. weltb. 1, 27, so wie bones coses für boni genii. Alex. 289, 24 und für etwas, wicht mlat. creatura steht. Ducange s. v. Altn. kynd f., pl. kyndir , ist genus, ens. Sæm. 1 a 6 a 118 a . kynsl , kynstr res insolita. dazu schwed. kyner creaturae. Runa 1844, 74. wie kynsl wird altn. skrymsl monstrum. Vilk. saga s. 35, skrîmsl fornm. sög. 4, 56. 57 gebraucht. nach Ihre ist skrymsl latebra, dän. skrämsel terriculamentum vgl. nnl. schrôm terror, altn. skraumr blatero, Skrymir (s.  448 ). mit diesem worte verwandt scheint das mhd. kunder , welches geschöpf, wesen, ding, aber auch seltsames, ungeheures bedeutet. waz chunders? Wackern. lb. 506, 30 vgl. 675, 39. 676, 28. 907, 7. 909, 17. solhez kunder ich vernam. MSH. 3, 195 b . tiuvels kunter . Rol. 223, 22. der tiuvel und allez sîn kunder. Tit. 2668. du verteiltez kunder. Ges. Abent. 3, 25. bestia de funde sô sprichet man dem kunder. Tit. 2737. verswinden sam ein kunder , daz der boese geist fuort in dem rôre. Tit. 2408. ein vremdez kunder . MSH. 3, 171 a . ein seltsæne kunder. Walth. 29, 5. ein trügelîchez kunder. 38, 9. diu œden kunder. MSH. 3, 213 a . das scheußlich kunter! Oberlin 846 b . aber auch ›hêrlichiu kunder‹. Gudr. 112, 4. daz starke kunder. Dietr. 1115. einer slahte kunder, daz was ein merwunder. Wigam. 119. maneger slahte kunder nâch dem merwunder. Wh. 400, 28. ein iegelîche kunder. Haupts zeitschr. 7, 236. aller slahte chundir. Mar. 154, 8. allez daz chunder. Mar. 175, 40. aller slahte kunterlich . Servat. 1954. gelwez kunder. Tit. 4625. kunder daz ûf dem velde vrizzet gras (schaf). Helmbr. 145. kleiniu kunder. Er. 7146. der krebez izzet gern diu kunterlîn im wazzer. Renner 19669. ein kleinez kunterlîn . Kater freier 32 (?) vgl. eine von Pez script. 3 im gloss. zu Ottocar ausgezogene stelle, wo chunder insect erklärt wird. ahd. Chunteres frumere. cod. Lauresh. 211. mnl. conder . Brandaen 33. 1667. dem boesen unkunder . Dietr. 9859. Apoll. 10763. Frib. Trist. 5301. dies ist gebildet wie altn. ôvaettr . vgl. auch ags. tudor progenies und untydras monstra. Beov. 221. . Bestimmtere färbung hat schon das ahd. mhd. wort alp (genius); ags. älf , altn. âlfr ; die goth. form albs steht zu vermuten Albila ein Gothe. Procop ed. bonn. 2, 187. Vestralpus (s.  382 ). . vielleicht galt neben dem masc. ein ahd. neutr. alp , pl. elpir, wie sich ein mhd. pl. diu elber beweisen lässt; und aus dem mhd. dat. fem. elbe (MS. 1, 50 b ) muß wol ein nom. diu elbe , ahd. alpia , elpia, goth. albi , gen. albjôs gefolgert werden, weil sonst keine motion stattfände. nach einer geläufigeren motion sagte man ohne zweifel ahd. elpinna , mhd. elbinne , und Albrecht von Halberstadt wählte diese noch durch Wikrams umarbeitung 366 erscheinende form Wikram 1, 9. 6, 9 (ed. 1631 p. 11 a 199 b ); die erste stelle lesen alle von mir verglichnen drucke (1545 p. 3 a ) fehlerhaft: ›auch viel ewinnen und freyen‹, im reim: zweyen. Albrecht setzte wol: ›vil elbinnen und feien ‹, denn aus freien wüste ich höchstens eine sehr gewagte anspielung auf Frigg und Frea (s.  250 ) herauszubringen, und froie = fräulein, wie Reinhart clxxii die wiesel heißt, will hier nicht passen. ; ags. elfen , gen. elfenne. des nom. pl. masc. bin ich nur im altn. sicher, wo er âlfar lautet, also ein goth. albôs, ahd. alpâ, mhd. albe, ags. älfas fordern würde; auf ein ahd. elpî (goth. albeis) führt hingegen der mhd. pl. elbe (Amgb. 2 b , wenn dieser nicht von jenem fem. elbe herrührt) und der ags. nom. pl. ylfe Beov. 223 gen. pl. ylfa das ags. Y genommen wie in yldra, ahd. eldiro; ylfet, ahd. elpiz; yrfe, ahd. erpi. da inzwischen Y auch umgelautetes O sein kann, z. b. orf, yrfe (pecus) oder umgelautetes U, z. b. vulf, vylfen; will ich ein mhd. ulf , pl. ülve nicht unbemerkt lassen, das mit alp ziemlich gleichbedeutig scheint und dem ags. ylf verwandt sein könnte: ›von dem ülven entbunden werden‹. MS. 1, 81 a ; › ülfheit ein suht ob allen sühten‹. MS. 2, 135 a , ›der sich ülfet in der jugent‹. Helbl. 2, 426. vgl. das hernach angeführte ölp bei H. Sachs. Shakespeare nennt verschiedentlich neben den elves und goblins ähnliche wesen ouphes (Nares s. v.) für die identität beider formen ließe sich anführen, daß ein schwed. volkslied bei Arwidsson 2, 278 Ulfver , das andre Elfver (2, 276) liest. . die engl. formen elf , pl. elves , die schwedischen elf , pl. elfvar (masc. elfvor fem.), die dän. elv , pl. elve sind ganz in der regel; bei der dän. zusammensetzung ellefolk , ellekoner , elleskudt , ellevild ist assimilation eingetreten. nhd. dauert alp mit der bedeutung eines nachtgeistes fort, daneben haben schriftsteller des vorigen jh. die unserer mundart ungerechte englische form elf eingeführt; früher findet man nur den richtigen pl. elbe oder elben Besold. s. v. elbe ; Ettners hebamme p. 910 alpen oder elben . . H. Sachs gebraucht ölp ›du ölp, du dölp!‹ (I. 5, 525 b ) und ölperisch (IV. 3, 95 c ); vgl. ölpern und ölpetrütsch , alberdrütsch, drelpetrütsch bei Schm. 1, 48. elpentrötsch und tölpentrötsch, trilpentrisch bei Schmid (schwäb. wb. 162). in Hersfeld hilpentritsch. man denkt sich darunter einen linkischen einfältigen menschen, dem die elbe etwas angethan haben, was sonst auch bloß elbisch heißt (fundgr. 365). elvesce wehte , elbische wichte, liest man gl. Jun. 340 Nachtrag: Ahd. faunos alp . Haupts zeitschr. 10, 369. neben mhd. abp: dô kom si rehte als ein alp ûf mich geslichen. Mauritius 1414 auch alf . sô tum ein alf (: half juvit). pass. 277, 69. dô enwas ouch jener nie sô alf (: half) 367, 6. der unwîse alf . 302, 90. ein helfelôser alf . 387, 19. der tumme âlf . 482, 12. der tôrehte alf . 684, 40. vgl. den eigennamen Olfalf bei Karajan 110, 40. Aus dem mhd. dat. fem. elbe MS. 1, 50 b darf wol kein nom. diu elbe gefolgert werden, weil nach Pfeiffer s. 75 die heidelberger handschrift: von den elben liest. Alban heißt der zwerg im Orendel, Elblîn n. pr. Diutisca 2, 107. Alber ist ein berggeist. Schm. 1, 47. zu dem eben angeführten Olfalf stellt sich Roseng. XIII: ein rehter olf , das dem mhd. ulf, pl. ülve nahe kommt, während doch die consonanz in alp elbe völlig davon abweicht. hierin stimmt wieder mit dem alp der ausdruck ›du ölp , du dölp‹ bei H. Sachs I. 5, 525 b überein. vgl. Olben berg. hess. zeitschr. 1, 245. dem hochd. pla entspricht mnl. alf (s.  384 ). der pl. lautet alven bei br. Gheraert v. 719. met alven ende elvinnen hor. belg. 6, 44. dagegen bei Maerl. elven , den elven bevelen. Clarisse zu Gheraert s. 219. mnl. gibt es außerdem ein neutr., wovon der pl. elver lautet. vgl. die ortsnamen Elversele und vom fem. elvinne Elvinnenberg . ein großes schif wird elfschuite genannt (ch. a. 1253. Böhmers reg. s. 26 no. 190), vielleicht vom strom der Elbe? ags. ælfinni bedeutet nymphae. dûn ælfinni oreades, vudu æl finne dryades, væter ælfinne hamadryades, sacælfinne najades, feldælfinne maides. Haupts zeitschr. 5, 199. die dän. assimilation ellen für elven kommt auch außerhalb der zusammensetzung vor, z. b. ellen leger med hannom, mente captus est. Wormius mon. dan. s. 19. dän. ellevild  = norweg. huldrin. Asbiörns. 1, 46. 48. 105. indtagen af huldren. 1, 99. zu ölpetrütsch u. s. w. halte man elpendrötsch . Gräter Id. und Herm. 1814. s. 102. oberhess. die ilmedredsche . fastn. 350 älpetrüll . vgl. trötsch? Mone anz. 6, 229. Das adjectivum heißt elbisch: in elbischer anschowe, pass. 97, 15. ein elbische ungehiure. Ges. Ab. 3, 75. ein elbischez âs. 3, 60. elbischer gebaere. 3, 68. ich sihe wol daz du elbisch bist. 3, 75. . Über die natur der elbe ziehe ich vor allen andern die altn. quellen zu rath. es ist schon s.  21 angemerkt, daß die ältere edda verschiedentlich æsir und âlfar zusammenstellt, gleichsam als den inbegrif höherer wesen, und daß geradeso auch die ags. ês und ylfe nebeneinander stehen. hierdurch scheint den elben nähere göttlichkeit als den menschen eingeräumt. einigemal treten als drittes glied die vanir zu (Sæm. 83 b ), d. h. ein von den æsir verschiedner, allein durch heirat und verträge mit ihnen in bestimmtes verhältniß getretener volksstamm. Hrafnagaldr beginnt mit den worten: ›alföđr orkar, âlfar skilja, vanir vita‹ (Sæm. 88 a ): allvater, d. h. der âs, hat macht, âlfar verstehen, vanir wissen. Alvismâl zählt die abweichende benennung auf, welche gestirnen, elementen und gewächsen in verschiednen sprachen zukommt (oben 367 s.  276 ): hierbei werden æsir , âlfar und vanir berücksichtigt, außerdem aber gođ , menn , ginregin , iötnar , dvergar und bewohner der unterwelt ( hel ). das merkwürdigste für uns dabei ist, daß âlfar und dvergar gesondert stehen. ebenso unterschieden sind âlfar und dvergar Sæm. 8 b ; dvergar und döckâlfar Sæm. 92 b ; dreierlei arten der nornir: âskungar, âlfkungar und dœtr Dvalins' (Sæm. 188 a ) d. h. von ansen, elben und zwergen herstammende; auch die mhd. dichter unterscheiden noch elbe und getwerc , wie man aus Wikrams Albrecht 6, 9 ersieht der norwegische volksglaube hält alfer und dverge gesondert. Faye p. 49. . verwandt gleichwol scheinen âlfar und dvergar schon deshalb, weil unter den zwergseigennamen (Sæm. 2. 3) ein Alfr und Vindâlfr vorkommen. Loki, zwar sonst âs geheißen (Sn. 23), eigentlich aber nur zu den asen gezählt, und iötischer abstammung (Sn. 32), empfängt dennoch die anrede âlfr (Sæm. 110 b ), ja Völundr, ein göttlicher held heißt › âlfa liođi‹ (alforum socius) ›vîsi âlfa ‹ (alforum princeps) Sæm. 135 a. b . ich erkläre das nicht historisch (aus einer finnischen abkunft), sondern mythisch: auch nach deutscher sage ist Wielant könig Elberichs gesell und mit ihm schmid im berge Gloggensachsen (sonst Göugelsahs, Caucasus?). wir sehen also das wort âlfr eingeschränkt und ausgedehnt. Was ist aber die eigentliche bedeutung des wortes albs , alp  = genius? man wird freilich versucht, das lat. albus zu vergleichen, wofür die Sabiner nach Festus alpus sagten; noch mehr fügt sich ἀλφός (vitiligo) dem gesetz der lautverschiebung. albs mag also ursprünglich einen lichten, weißen, guten geist die benennung des schneebedeckten hochgebirgs ( alpes ) Nachtrag: Für die Alpen kommt im Ma. vor: elbon alpibus. Diut. 2, 350 b . uber elve trans alpes. Rolher 470. über albe kêren. Servat 1075. zer wilden albe klûsen. Parz. 190, 22. gên den wilden alben . Barl. 194, 40. und des klaren stromes ( Albis , Elbe) schließt sich an, das altn. elf , elfa, schwed. elf , dän. elv  = fluvius sind appellative; der geisterhafte, elbische schwan ahd. alpiz, mhd. elbez (s.  354 ) kann aus der farbe wie aus dem wasseraufenthalt erklärt werden; auch slav. labud von Labe. , und namentlich wo âlfar und dvergar einander gegenüber stehn, jenes die weißen, dieses die schwarzen bezeichnen. hiermit stimmt genau die hohe schönheit und der glanz der âlfar. Da sich aber beiderlei wesen, wie die folgende untersuchung lehrt, vielfach mischten und vertraten, half man durch zusammensetzung und nannte die eigentlichen âlfar liosâlfar vielleicht liegt auch in vanir der begrif von weiße und helle; man erwäge das altn. vænn (pulcher) und ir. ban (albus), ben , bean (femina) lat. Venus , goth. qinô, ags. cven. dazu kommt, daß das ir. banshi , bansighe ein elbisches meist weiblich gedachtes wesen, eine fee ausdrückt. es wird daneben bloß sia , sighe gesagt, worunter eigentlich das zwielicht, die zeit der geister verstanden werden soll Nachtrag: Welsh gwion elf, fairy. über banshi , benshi s. Hones daybook 2, 1019. Obrien s. v, sithbhrog ( anm. 722 ). beansighe . Leo Malb. gl. 37. sighe a. o. 35. daher stammt die benennung eines elbischen wesens in Dorsetshire, Worcestershire, Devonshire, Somersetshire pixy (pl. pixies), pexy , pixhy , von dem viele sagen gehen. vgl. Jamieson 2, 182 paikie. suppl. 219 pixie. es heißt auch colepixy , dem man bei der obsternte ein paar äpfel am baum hangen läßt, die in Somerset pixhyhording (the fairies horde) genannt werden. Barnes s. v. colepexy . picsyridden ist alpgeritten, pixyled wird von einem einsamen verirrten wanderer gebraucht, den die pixies irre leiten. . . Jene dökâlfar (genii obscuri) fordern einen gegensatz, der in den eddischen liedern nicht ausgesprochen ist, wol aber in Snorris prosa. ›in Alfheim‹, sagt er s. 21, ›wohnt das volk der liosâlfar (lichtelbe), unten in der erde wohnen die döckâlfar (dunkelelbe), beide einander ungleich in aussehen und kräften, liosâlfar 368 leuchtender als sonne, döckâlfar schwärzer als pech. liosâlfar bewohnen des himmels dritten raum. Sn. 22. Synonym mit döckâlfar scheint auf den ersten blick der in den liedern gar nicht vorkommende name svartâlfar (schwarzelbe) Thorlac. spec. 7 p. 160 hat für liosâlfar auch hvîtâlfar (weißelbe); aus den quellen kenne ich es nicht. und diesen stellt Snorri ganz offenbar die dvergar gleich: seine dvergar hausen in Svartâlfaheim (Sn. 34. 130. 136). einmal widerstreitet das der in den liedern stattfindenden sonderung der âlfar und dvergar , dann aber namentlich der verschiedenheit, welche Sæm. 92 b 188 a zwischen döckâlfar und dvergar angenommen wurde. ich mag die dichtersprache, die uns sonst überall bestimmte auskunft über den alten glauben ertheilt, hier nicht als allgemein und unbestimmt beseitigen. nicht zu übersehen sind auch dabei die nâir , d. h. die todbleichen oder todten gespenster neben den dvergar (Sæm. 92 b ), obschon unter diesen selbst wieder der eigenname Nâr und Nâinn vorkommt. Man findet in dem gegensatz der lichten und schwarzen elbe den dualismus, der auch in andern mythologien zwischen guten und bösen, freundlichen und feindlichen, himlischen und höllischen geistern, zwischen engeln des lichts und der finsternis aufgestellt wird. Sollten aber nicht drei arten nordischer genien anzunehmen sein: liosâlfar , döckâlfar , svartâlfar? ich erkläre damit freilich Snorris satz ›döckâlfar eru svartari en bik‹ für irreleitend. döckr vgl. ahd. tunchal, mhd. tunkel, nhd. dunkel, nl. donker. scheint mir weniger das entschieden schwarze, als das trübe, finstere; nicht niger, sondern obscurus, fuscus, aquilus. altn. scheint iarpr , ags. eorp fuscus von zwergen gebraucht. Haupts zeitschr. 3, 152 verwandt ist der frauenname Irpa (s.  80 ). dann bliebe die gleichstellung der zwerge und schwarzelbe gültig, aber auch jener alteddische unterschied zwischen zwergen und dunkelelben gerechtfertigt. Dieser trilogie gebricht es an entscheidender bestätigung; einiges wird sich zu ihren gunsten anführen lassen. Einmal scheint die pommersche volkssage wirklich weiße , braune und schwarze unterirdische abzusondern E. M. Arndts märchen und jugenderinnerungen, Berl. 1818 s. 159. in Philipps von Steinau volkssagen, Zeitz 1838 s. 291–293 wo dieselben überlieferungen mitgetheilt werden, sind nur weiße und schwarze zwerge (keine braune) geschieden. ; anderwärts begnügt sich der volksglaube zwerge in grauer kleidung, grauen oder braunen nebelkappen anzunehmen; die schottische überlieferung zumal hat solche brownies , braunfarbige geister, d. h. eher döckâlfar als svartâlfar Nachtrag: Der unterschied zwischen âlfar und dvergar tritt auch Sæm. 28 a hervor: for âlfom Dvalinn, Dâinn dvergom . unter Alfheimr versteht Rask afh. 1, 86. 88 den südlichsten theil Norwegens, unter den dvergar die Lappen. 1, 87. Loki, der auch âlfr heißt, wird von Ođinn nach Svartâlfaheim zu Andvari oder Andþvari gesandt (Sn. 136); so leitet Plutarch 4, 1156 die daemonen aus des Kronos dienern her, die idäischen Dactylen, Korybanten und Trophoniaden. merkwürdig wird Olafr digri Geirstađâlfr genannt, weil er im grabhügel zu Geirstöd sitzt. fornm. sög. 4, 27. 10, 212. das wort albs , alps stammt wie das lat. albus nach Kuhn in Haupts zeitschr. 5, 490 vom skr. ribhus ab. vgl. thie wîzun man = engel. O. V. 20, 9. wenn die weißen männel erschienen sind. Weise com. probe 322. dagegen erscheint Vischnu in schwarzer zwerg gestalt. Meghaduta 58, oder auch als brauner hirtenknabe a. o. 15. Zwerge werden erschaffen aus den schwarzen knochen, or blâm leggjom. Sæm. 2 b . auswandernde zwerge sind entweder weiß oder schwarz bei Panzer beitr. 1, 14. doch für die annahme einer trilogie dieser genien scheint noch zu streiten, daß auch für die von hexen gezauberten elbe der unterschied zwischen schwarzen , weißen und rothen gilt, wo dann roth gleich braun, aber freilich nicht döckr wäre. auch die den elben gleichstehenden würme in den segensformeln sind beständig weiße , schwarze , rothe und eine engl. formel nennt fairies white , red , black . Hones yearb. 1534. schwarze, braune, weiße pferde kommen im feenzug vor. minstrelsy 199. . Dann aber muß ich noch einen namen anführen, der für solche geister genommen keinen großen umfang zu haben scheint, ich treffe ihn nicht über das Vogtland und einen theil des östlichen Thüringens hinaus an. dort heißen die kleinen zumal 369 mit der Berchta umziehenden elbischen wesen die heimchen (oben s.  228 . 229 ) und die benennung gilt für feiner und edler als querxe oder erdmännchen (Börner s. 52). schwerlich ist sie aus einer ähnlichkeit mit den zirpenden grillen, die auch heimchen, ahd. heimili (Graff 4, 953) genannt werden, noch weniger aus heim (domus) zu deuten, da diese wichte keine hausgeister (domestici) sind; auch scheint die schreibung heinchen (Variscia 2, 101) richtiger, man möchte sie mit dem namen des todes freund Hein und dem niedersächs. heinen kleed (todtenkleid, Strodtmann s. 84) verknüpfen Nachtrag: Das heinen kleed hat wol nichts mit freund Hein zu schaffen, sondern bedeutet ein hünen kleed (s.  433 ), vgl. auch die hünnerskes und vielleicht auch die haunken, aunken im westf. sgönaunken. . die vorstellung abgeschiedner geister, die im wütenden heer und geleite alter götter erscheinen und ein eignes leben forttreiben, könnte jene eddischen nâir bestätigen, ihnen die bleiche farbe, die graue, braune, schwarze den gröber gedachten sonst aber ähnlichen zwergen gebühren. so vermute ich. In einem auf echt deutsche sage gegründeten heldenlied, in dem von Morolt, erscheinen geradezu drei geisterscharen, welche der im kampf gefallnen und ihrer seelen wahrnehmen: die weiße , bleiche , schwarze (s. 28 b ), was erklärt wird: engel, aus der unterwelt kommende verwandte der streiter, und teufel. eine solche kriegerische rolle spielen freilich die nordischen âlfar niemals, nicht sie, sondern valkyrien haben es mit dem kampf zu thun; aber die überlieferung mag längst verworren sein, und die ämter vermischen streit der elbengeschlechter um den leichnam (ir. elfenm. 68). . an sich gleichen liosâlfar und svartâlfar hinreichend den christlichen engeln und teufeln , die bleiche schar › ûz der helle ‹ sind die › niđri î iörđu ‹ wohnenden döckâlfar , ja das, was im Alvîsmâl nicht ausdrücklich benannt, allein mit den worten › î heljo ‹ bezeichnet wird. nun kann ich es auch so fassen: liosâlfar wohnen im himmel , döckâlfar (und näir?) in hel , der heidnischen hölle, svartâlfar in Svartâlfaheim , was niemals gleichbedeutig mit hel (hölle) gebraucht ist Nachtrag: Andvari, der zwerg, wohnt in Svartâlfaheim . Sn. 136. nach Sn. 16 wohnen einige zwerge in der erde (î moldu), andere in den steinen (î steinum). . Seelen verstorbner menschen sind die dunkeln elbe, wie der jüngere dichter glaubte, oder hat man döckâlfar und nâir von einander zu sondern? beider aufenthalt in den regionen der unterwelt, wie der lichten in denen des himmels: von allen andern erzählt die edda weniger, als von den schwarzen, mit den menschen öfter verkehrenden. svartâlfar werden in menge genannt, liosâlfar oder döckâlfar unsicher. Festgehalten werden muß die identität der svartâlfar und dvergar . Dvergr , goth. dvaírgs? ags. dveorg , ahd. tuerc , mhd. tverc , nnd. zwerg in der Lausitz und dem östlichen Thüringen querx , im Thüringerwald querlich . querch hat Jac. von Königshofen p. 89. in Niedersachsen einigemal twârm f. twarg. entspricht dem lat. nanus, gr. νάννος; zwerg, puppe, ital. nano, span. enano, portug. anão, prov. nan, nant, franz. nain, auch mnl. naen Ferg. 2243. 2246. 2253. 2282. 3146. 3150 und nane Ferg. 3086. 3097; oder gr. πυγμαῖος; neben jenen 370 männlichen formen erscheint gewöhnlich die ahd. mhd. neutrale gituerc ; getwerc Nib. 98, 1. 335, 3. Ms. 2, 15 a . Wigal. 6080. 6591. Trist. 14242. 14515. daz wilde getwerc . Ecke 81. 82. Wh. 57, 25. männlich gebraucht steht getwerc bei Eilhart 2881. 2887. altd. bl. 1, 253. 256. 258: der twerk in Hoffm. fundgr. 237. darf ϑεουργός (übernatürliche dinge verrichtend, was sonst mhd. wunderære heißt) dazu gehalten werden? dem begrif nach vergleichen sich die idaeischen dactyle der alten, cabiren und πάταικοι. in der edda sind alle oder die meisten dvergar kunstfertige schmiede (Sn. 34. 48. 130. 354). daher scheint sich ihr schwarzes, rußiges aussehen (wie der cyclopen) am einfachsten zu erklären. ihre schmiede liegt in hölen und bergen: Svartâlfaheimr wird also in eine gebirgige gegend zu setzen sein, nicht in den abgrund der hölle. Auch unsere deutschen volkssagen erwähnen allenthalben das schmieden der zwerge in den gebirgen. ›von golde wirkent si diu spœhen werc‹ meldet der Wartburger krieg von dem getwerge Sinnels in Palakers, wogegen den elben und elbinnen lieber das geschäft des webens beigelegt wird. Stehen also die zwerge den schmiedenden helden und göttern (Wielant und Vulcan) nahe, so schließen sich die elbe an den dienst der feen und guten frauen in Bretagne entspricht unserm elb der korr , pl. korred , unsern elbinnen die korrigan , und auch sie wird feenhaft geschildert: sie sitzt am brunnen, die haare kämmend, wer sie dabei überrascht, soll sie gleich heiraten oder nach drei tagen sterben (Villemarqué 1, 17). welsh ist cawr ein riese Nachtrag: Der korr zwerg, korrik zwerglein ist schwarz und häßlich, mit tiefliegenden augen und vom alter bedeckter stimme. Schreibers abh. von streitkeilen s. 80. welsch. gwarchell a puny dwarf, gwion elf, fairy, gwyll fairy, hag. litth. karlà , karlèle . serb. maljenitza , manjo der kleine, starmali der alte kleine, kepetz . . Nachtrag: Für dvergr hat Sæm. 49 a durgr . ndrsächs. twarg , westf. twiark , ndrrhein. querge . Firmen. 1, 511, oberlausitz. querx . Firmen. 2, 264. gituerg nanus vel pomilio. gl. schlettst. 29, 43. ein wildez getwerc . Er. 7395. daz getwergelîn . Er. 1096. daz tzwerk . Keller erzähl. 632, 3. wildiu getwerc . Goldemar 5, 1. Sigen. 21, 9. Ecke 81, 5. eine urk. von 1137 unterschreibt zuletzt: Mirabilis nanus de Arizberg nepos imperatoris Heinrici (IV oder V?) MB. 4, 405. hieß er wuntertwerc? (ein Mirabilis bei Minden a. 1245. 1282. Wigands wetzl. beitr. 1, 148. 152. Henricus Mirabilis herzog von Braunschweig († 1322). erdmännchen spinnen abergl. 993 , aber ihre hauptkunst ist doch das schmieden . darum heißen sie hagir dvergar. Sæm. 114 a . knockers sind die schwarzen kleinen bergmännlein, die pochen (knock) helfen und sich aufs finden der erze verstehn. Hones yearb. 1533. der donnerkeil wurde auch als alpgeschoß aufgefaßt vgl. Albdonar (s.  156 ). als schmiede mit mützen und hammer , gemahnen die zwerge an Vulcan, der mit hut und hammer dargestellt wird. Arnobius 6, 12. vgl. Lateranus ( anm. 1286 ). zwerge wurden am kleid der frau angebracht, dvergar â öxlum . Sæm. 102 b . . Hat die gegebene vorstellung einiges für sich, so begreift man leicht, wie sie der spätere volksglaube verändern und verwirren konnte, seit ihm die unheidnischen begriffe christlicher engel und teufel zugeführt wurden. teuflische eigenheiten haben im grund alle elbe, selbst die lichten, z. b. ihre lust menschen zu necken; aber teufel sind darum auch die schwarzen nicht, sondern oft gutmütige wesen. Es scheint sogar, daß man gerade den schwarzelben, d. h. den berggeistern, die in manigfalte beziehung zu den menschen traten, eine bestimmte verehrung , eine art von cultus erwies, dessen spuren noch in später zeit fortdauern. das wichtigste zeugnis hierfür findet sich in der Kormakssaga p. 216. 218. mit dem blut eines erlegten stiers soll (gleich dem altar eines gottes) der hügel der elbe geröthet und aus dem fleisch des thiers den elben ein mahl zugerichtet werden: ›hôll einn er heđan skamt î brott, er âlfar bûa î ; građûng þann, er Kormakr drap, skaltu fâ, ok riođa blôđ građûngsins â hôlinn utan, en gera alfum veizlu af slâtrinu, ok mun þer batna‹. ein wirkliches âlfablôt . Damit verbinde ich den abergläubischen gebrauch, engeln speise zu kochen und hinzustellen (abergl. no.  896 ). ebenso wird hausschmieden und kobolden der tisch gedeckt und ein topf speise hingesetzt (deutsche sagen no. 37. 38. 71); der domina Abundia essen und trinken (oben s.  237 ); den unterirdischen in ihre höle, beim vorübergehen, 371 geld oder brot gelegt (Neocorus 1, 262. 560) auch dem altpreußischen und litth. parstuk (däumling) speise hingestellt, vgl. Lasicz 54. lett. behrstuhki soll kinderpuppe bedeuten. Bergm. 145. . Wie nach göttern sind einige pflanzen auch nach elben benannt: alpranke , alpfranke, alfsranke, alpkraut (lonicera periclymen., solanum dulcam.), was sonst geißblatt, in Dänmark troldbär, in Schweden trullbär heißt. dveorges dvosle ist bei Lye pulegium, Mones quellen 322 a schreiben dvostle; dvergeriis heißt nach Molbechs dial. lex. s. 86 das spartium scoparium. âlfrek aber nannte man eine latrina, wörtlich genios fugans (Eyrb. saga cap. 4) Nachtrag: Die verehrung der elbe bezeugt auch das in einem hause dargebrachte âlfablôt . fornm. sög. 4, 187. 12, 84. ein schwarzes Lamm, eine schwarze katze wird den huldren geopfert. Asbiörn. Huldr. 1, 159. man legt den pixies des Dartmoors einen büschel gras oder ein paar nadeln in ihre höhle. Athenaeum. no. 991. die nach den elben benannte alpranke heißt auch ags. älfþone , ahd. albdona , gleichsam das tuch der elbe, das sie ausbreiten? (vgl. 1017 ). alfrank amara dulcis. Mones anz. 6, 448. andere nach ihnen benannte kräuter sind elfbläster und elfnäfver . Dybecks runa 1847, 31. . Während der mensch langsam heranwächst, erst nach dem funfzehnten jahr seine volle gestalt erreicht und dann siebenzig jahr lebt, der riese hingegen steinalt werden kann, ist der zwerg schon im dritten jahr seines lebens ausgewachsen und im siebenten jahr ein greis Ludwig der Baier schreibt 1347 dem markgrafen Carl von Mähren höhnisch: recollige, quia nondum venit hora, ut pigmei de Judea (l. India) statura cubica evolantes fortitudine gnauica (l. gnanica, d. i. nanica) terras gygantium detrahere debeant in ruinas, et ut pigmei, id est homines bicubitales, qui in anno tercio crescunt ad perfectam quantitatem et in septimo anno senescunt et moriuntur, imperent gygantibus. Pelzels Carl IV. 1 urk. s. 40. vgl. Böhmers font. 1, 227. 2, 570. Doch diese vorstellung scheint mir nicht recht deutsch, je mehr die zwerge elbisch gedacht sind, wird ihnen und zumal den elbinnen, gleich den griech. oreaden, ein halbgöttliches hohes alter beigelegt; man vgl. hernach die von dem wechselkind angeführten sagen. Laurin war, nach den gedichten, über 400 jahre alt. ; der elbkönig wird gewöhnlich als weißbärtiger alter geschildert. Nachrichten über die erschaffung der zwerge wird cap.  XIX zusammenstellen; doch scheinen sie sich bloß auf die irdische gestalt der schwarzen, nicht der lichten elbe zu beziehen. Hauptzüge der elbischen natur scheinen folgende. Der leib des menschen hält mitte zwischen dem des riesen und des albs; so weit der riese über die menschliche größe hinaus ragt, so weit steht der alb unter ihr. Alle elbe werden klein und winzig gedacht, die lichten aber wolgebildet, ebenmäßig, die schwarzen häßlich und misgestalt. jene strahlen von zierlicher schönheit und tragen leuchtendes gewand; das ags. älfsciene Cædm. 109, 23. 165, 11, schön wie elbe, leuchtend wie engel, altn. ›friđ sem âlfkona ‹, drückt den gipfel weiblicher schönheit aus. Rudlieb XVII, 27 ruft ein gefangner zwerg seine frau aus der höle herbei, alsobald erscheint sie: ›parva, nimis pulchra , sed et auro vesteque compta‹. ›þat er kunnigt î öllum fornum frâsögnum um þat fôlk, er âlfar hêtu, at þat var miklu frîđara enn önnur mankind‹. fornald. sög. 1, 387. die engl. elves sind fein und schmächtig, Falstaff nennt den Henry (first part 1, 4): ›you starveling, you elfskin! ‹ (elbhaut) der dänische volksglaube schildert die ellekone jung und verführerisch von vorn anzuschauen, hinten aber hohl wie einen teigtrog (Thiele 1, 118); das erinnert an frau Werlt in mhd. gedichten. . Der widrigen farbe der zwerge tritt noch ein 372 übelgebauter leib, höcker und grobe tracht hinzu; seitdem man elbe und zwerge mengte, geht auch die anmutige bildung der elbe oft auf die zwerge über, doch bleibt ihnen zuweilen ausdrücklich die schwarze oder graue farbe: › svart î synen‹ (s.  378 ); ›ein kleines schwarzes männchen‹ (kinderm. no. 92). ›ein kleines graues männchen‹ (Büschings wöch. nachr. 1, 98). Ihre größe selbst wird verschiedentlich bestimmt, bald erreichen sie das wachsthum eines vierjährigen kindes ob ahd. pusilîn von einem zwerg gelte wie Graff 3, 352 annimmt vgl. schwed. pyssling , oder bloß von einem kinde wie das lat. pusus, pusio, steht dahin. das mittelalter dachte sich die christlichen engel in dieser kleinheit der elbe und zwerge: ›ein iegelich engel schînet alsô gestalter als ein kint in jâren vieren in der jugende‹ Tit. 5895 (Hahn). ›junclîche gemâlet als ein kint daz dâ vünf jâr alt ist‹ Berth. 184. den heranreitenden Laurin halten die helden für den engel Michael. Von Elberich heißt es im Otnit: ›in eines kindes mâze bistu vier jâr alt‹ (Ettm. Ortnit 24: ›nu bist in kindes mâze des vierten jâres alt‹) und von Antilois in Ulrichs Alexander: ›er was kleine und niht grôz in der mâze als diu kint, wen sie in vier jâren sint‹. , bald erscheinen sie weit kleiner, nach spannen oder daumen gemessen. ›kûme drîer spannen lanc , gar eislich getân ‹ (elfenm. cxvi ); zwei spannen lang (deutsche sag. no. 42); ein wihtel ›reht als ein dûmelle lanc‹ (altd. bl. 2, 151); ›ein kleinez weglin (l. wihtlîn) dûmeln lanc ‹ (Ls. 1, 378). in einem dän. lied der kleinste trold nicht größer als eine ameise (D. V. 1, 176). daher däumling (petit poucet) in den märchen zwergartige gestalt bezeichnet, der δάκτυλος Ἰδαῖος von δάκτυλος, πυγμαῖος von πυγμή (faust), das altpreuß. parstuck , perstuck (zwerg) vom litth. pirsztas (finger) slav. perst, prst und eine böhm. benennung des zwergs pjdimuz'jk (spannenmännlein) von pjd' (spanne) zu leiten ist wenn es in einer bei Jungmann 4, 652 angezognen stelle heißt: ›mezi pjdimuz'jky kraluge trpasljk‹ (unter den däumlingen herscht der zwerg), so muß trpasljk mehr sein als pjdimuz'jk. sollte mit diesem trp- (slowak. krpec, krpatec) das nhd. knirps, knips, krips, gribs (s. unten) das von kleinwüchsigen (nicht gerade zwergen) gilt, zusammenhängen? finn. peukalo däumling (Kalew. 13, 67); mies pieni, pikku mies kleiner mann von drei fingern (13, 63. 68. 24, 144). – Für zwerg wird mhd. gesagt: ‹der kurze man ‹. Wigal. 6593. 6685. 6710; ›der wênige man ‹ Er. 7442. Ulr. Alex. (bei Wackern. bas. hs. p. 29 b ) im gegensatz zu dem micheln man, d. i. riesen. ein alter zwergname war auch › churzibolt ‹ Pertz 2, 104, was sonst einen kurzen rock bedeutet. Hoffm. gl. 36, 13. Roth. 4576. vgl. das urkinde (nanus) gramm. 2, 789. . im sanskrit ist bâlakhilja geniorum genus pollicis magnitudinem aequans, ihrer sechzigtausend wurden aus dem haar des Brahma hervorgebracht (Bopps gloss. skr. p. 122 a , ed. 2. p. 238 b ) bâla, auch bâlaka bedeutet puer, parvulus, ilja verstehe ich nicht. Von der unform zwergischer füße , welche denen der gänse oder enten gleichen sollen (wie die der königin Berhta s.  232 , oder der schwanjungfrauen s.  356 ), gehen besondere erzählungen deutsche sagen no. 149; ich theile sie hier in getreuerer aufzeichnung mit, wie ich sie hrn. Hieron. Hagebuch aus Aarau verdanke. Vo de härdmändlene uf der Ramsflue. Hinder der Ärlisbacher egg, zwüschenem dörfle Hard und dem alte Lorenzekapällele, stoht im ene thäle so ganz eleigge e grüsle verträite flue. se sägere dRamsflue. uf der hindere site isch se hohl, und dhöle het numme e chline igang. Do sind denn emol, me weiß nid äxact i wele johrgänge, so rarige mändle gsi, die sind i die höhle us und i gange, hand ganz e so es eiges läbe gefüehrt, und en apartige hushaltig, und sind ganz bsunderig derhär cho, so wärklich gestaltet, und mit eim wort, es isch halt kei mönsch usene cho, wer se denn au seige, wohär se cho seige und was se tribe: ämel gekochet händ se nüt, und würzle und beeri ggässe. unde a der flue vorbi lauft es bächle, und i dem bächle händ die mändle im summer badet, wie tüble , aber eis vonene het immer wacht gha, und het pfiffe, wenn öpper derhär cho isch, uf em fueßwäg: denn sind se ame gsprunge, was gisch was hesch, der bärg uf, daß ene kei haas noh cho wer, und wie der schwick in ehre höhle gschloffe . dernäbe händ se kem mönsch nüt zleid tho, im gägetheil, gfelligkäite, wenn se händ chönne. Einisch het der Hardpur es füederle riswälle glade, und wil er elei gsi isch, het ers au fast nid möge. E sones mandle gsehts vo der flue obenabe und chunt der durab zhöpperle über driese, und hilft dem pur, was es het möge. wo se do der bindbaum wänd ufe thue, so isch das mandle ufem wage gsi und het grichtet, und der pur het überunde azoge a de bindchneble. do het das mandle sseil nid rächt ume gliret, und wo der pur azieht, schnellt der baum los und trift smandle ane finger und hets würst blessiert; do foht der pur a jommere und seit ›o heie, o heie, wenns nunenau mer begegnet wer!‹ do seit das mandle ›abba, das macht nüt, sälben tho, sälben gha‹ schwäb. ›sell thaun, sell haun‹. Schmid p. 628. schöner ausgedrückt im mhd. ›selbe tæte, selbe habe‹. MS. 1, 10 b . 89 a . . mit dene worte springts vom wage nabe, het es chrütle abbroche, hets verschaflet und uf das bluetig fingerle gleit, und das het alles ewäg puzt. do springts wider ufe wage, und het zum pur gseit, er soll sseil nume wider ume ge. Mängisch, wenn rächtschafne lüt durn tag gheuet oder bunde händ und se sind nit fertig worde bis zobe, und shet öppe welle cho rägne, so sind die härdmandle cho, und händ geschaffet und gewärnet druf ine, bis alles im schärme gsi isch. oder wenns durt dnacht isch, cho wättere, händ se sheu und schorn, wo dusse gläge isch, de lüte zum tenn zue träit, und am morge het halt alles groß auge gmacht. und se händ nid gwüsst, wers tho het. den händ erst no die mandle kei dank begehrt, numenau, daß me se gern hät. Amenim winter, wenn alles stei und bei gfrore gsi isch, sind die mandle is oberst hus cho zArlispach: se händ shalt gar guet chönnen mit dene lüte, wo dert gwohnt händ, und sind ame durt dnacht ufem ofe gläge, und am morge vor tag händ se se wieder drus gmacht. was aber gar gspässig gsi isch, si händ ehre füeßle nie vüre glo, händ es charlachroths mäntele träit, vom hals bis ufe bode nabe . jetzt hets im dorf so gwunderige meitle und buebe gha, die sind einisch znacht vor das hus go gen äsche streue, daß se gsäche, was die härdmänndle für füeßle hebe. und was händse gfunde? sisch frile wunderle: änte und geißfüeß sind in der äsche abdrückt gsi. Aber vo sälber stund a isch keis mandle meh cho, und se sind au nümme uf der Ramsflue bliebe, i dkräche händ se se verschloffe , tief id geißflue hindere, und händ keis zeiche me von ene ge, und chöme nümme, so lang dlüt eso boshaft sind Nachtrag: Der spruch in der schweizer zwergsage: › sälben tho, sälben gha ‹ (vgl. s.  859 ) begegnet auch sonst: norweg. ›sjöl gjort, sjöl ha‹. Asbiörn. Huldr. 1, 11, vorarlb. selb to, selb ho. Vonbun s. 10. salthon, saltglitten. Wolfs zeitschr. 2, 58. und die geißfüße daselbst mahnen an die klauen der satyri, wie denn auch zwerge im wald mit scharfen klauen laufen. Dietr. drachenk. 140 a . wie schädlich die neugier auf das verhältniss der zwerge und menschen einwirkt, lehrt noch folgende erzählung. ein schäfer bei Wonsgehäu entdeckte, daß sein hund von zwei zwergen in einer höhle satt gefüttert wurde. sie gaben ihm ein tischtuch , das er nur ausbreiten konnte, um sich dann die speise zu wünschen, welche er wollte. als er aber dies geheimniß seinem neugierigen weibe verrieth, hatte das tuch seine kraft verloren und der zwerglesbrunn bei Wonsgehäu lief neun tage mit blut , weil die zwerge einander umbrachten. Panzer beitr. 2, 101. . . 373 man wird auch an die blatevüeze (Rother 1871. Ernst 3828) erinnert. vgl. Haupts zeitschr. 7, 289. Das mnl. gedicht von Brandaen, keine andere bearbeitung der legende, enthält einen sehr merkwürdigen zug Blommaerts oudvlaemsche gedichten 1, 118 b . 2, 26 a . Brandan begegnete in der see einem daumlangen mann, der auf einem blatt schwamm , mit der rechten ein näpfchen, mit der linken hand einen griffel haltend: den griffel steckte er in die see und ließ davon wasser in den napf triefen, war der napf voll, so goß er ihn aus und füllte dann von neuem; ihm sei auferlegt die see zu messen 374 bis an den jüngsten tag Nachtrag: Die engel sind klein und schön wie elbe und zwerge. engel heißen geonge men . Cædm. 146, 28. frauenschöne wird den engeln verglichen von Walth. 57, 8. frauend. 2, 22. Hartm. erstes büchl. 1469. Parzival truoc âne flügel engels mâl. Parz. 308, 2 pennati pueri begleiten schon die Venus. Claudian. epith. Palladii 10. engel umfliegen den thurm. Pertz 6, 451 a . . so werden auch die zwerge das schöne volk genannt s. weiter unten s.  374 oder westf. sgönaunken . Kuhn westf. sag. 1, 63. Alberich reitet als ein gotes engel vor dem her. Ortnit 358. die kleinen briute (zwerginnen) vrouwen also diu bilde getân (d. h. bildschön). Alex. und Antiloie (Haupts zeitschr. 5, 425. 426), vgl. divitior forma, quales audire solemus Naides et Dryades mediis incedere silvis.   Ov. met. 6, 452. dagegen ist Hogni, dessen vater ein alb ist, bleich und fahl wie bast und asche . Vilk. sage cap. 150, wie denn auch die wechselbälge häßlich sind (s.  387 ). dernea wihti heißen sie (s.  364 ), schwarz ist auch der rothmützige zwerg. Runa 3, 25. zwerge sind breitstirnig und langhändig . Dybeck 1845. s. 94, grôze arme, kurziu bein het er nâch der getwerge site. Wigal. 6590. auch die blatevüeze im Rother a. o. scheinen zu den zwergen zu gehören, indem sie den riesen kostbares gewand bringen. die zwerge reichen den menschen bis ans knie, wie die menschen den riesen. die kniewes hôhen, die dô sint eins kniewes hôch. Dietr. drachenk. 299 a . 175 a. b . 343 b . Dietr. und ges. 568. 570. oft erreichen sie nur daumshöhe vgl. lat. pollex, poln. paluch, böhm. palec, altn. þûmlûngr (neben schwed. pyssling: alla min fru mors pysslingar . sv. folks. 1, 217. 218. altn. pysslîngr fasciculus), litth. nyksztélis däumling und zaunkönig. kl. schr. 2, 432. 433. wichtig ist, daß in indischen sagen die seele als daumgroßes männchen aus dem leib des sterbenden geht. Holtzmann ind. sag. 1, 65. das altpreuß. barzdukkai leitet übrigens Ruhig nicht vom litth. pirsztas finger, sondern von barzda bart ab, wie denn die unterirdischen oft mit langem bart erscheinen. für zwerg wird mhd. gesagt: der kleine mann . Ernst 4067. der wênige man . Er. 7422 (nicht 7442). Eilh. Trist. 2874. der wênige gast . Er. 2102. wênigez mennel . Frib. Trist. 5294. ein gar wêniger man mit einer güldîn krône. Ecke 202. ein wênic twirgelîn . Alex. 2955. der kurze kleine . Dietr. drachenk. 43 b . der wunderkleine . Altsw. 91. der kleine recke . Dietr. drachenk. 68 a . serb. starmali d. h. der alte kleine. eine abweichende bezeichnung des zwerges hat Ren. 4857: le puant nain, wie der knecht und fremde. der elbkönig sitzt unter einem großen schwamm. ir. märch. 2, 4. und wer einen erdschwamm bei sich trägt, wird schmal und leicht wie elbe. 2, 75. dem auf einem blatt schwimmenden däumling im mnl. Braudæn vergleicht sich das mädchen, das auf den blättern der wasserlilie über den wellen schwebt. Müllenhoff s. 340. vgl. nökkeblomster (s.  405 ). . Dieser däumling auf dem blatt schwimmend erinnert an uralte, indische mythen Brahma, auf lotos sitzend, schwimmt sinnend durch die meeresabgründe. Vischnu, wenn nach Brahmas tode gewässer alle welten decken, sitzt in gestalt eines urkleinen kindes auf einem blatt der pipala (des feigenbaums) und schwimmt an der zehe seines rechten fußes saugend auf dem milchmeer (asiat. res. 1, 345). . Die âlfar bilden ein volk , wie die edda ausdrücklich sagt (Sn. 21), und wie im Alvîsmâl âlfar, helbûar (wenn ich dies wort gebrauchen darf) und dvergar den menschen, riesen, göttern, asen und vanen als besondere classe, und mit ihren eignen sprachen, zur seite stehn. daher auch das stille volk , the good people (s.  377 ) huldu fôlk und in der Lausitz ludki , die leutchen (wend. volksl. 2, 268), von lud (volk) ahd. liut, böhm. lid; welsh › y teulu ‹ (die familie), › y tylwyth têg ‹ (die schöne familie), das kleine schöne volk, vgl. Owen s. v. tylwyth und Diefenbachs celtica II, 102. Ob man daraus ein historisches, in bestimmter gegend gelegnes reich folgern darf, lasse ich hier unentschieden. dvergmâl (sermo nanorum) ist der altn. ausdruck für das echo: sehr bezeichnend, weil ihr ruf und geschrei in den bergen widerhallt, dem gegen den berg hin lautredenden menschen der zwerg gleichsam antwortet. Herrauđssaga cap. 11. p. 50: ›Sigurđr stilti svâ hâtt hörpuna, at dvergmâl qvađ î höllunni‹, er spielte so hoch auf der harfe, daß es im saal widerhallte. die helden führten laute streiche: › dvörgamâl sang uj qvörjun hamri‹, echo sang in jedem felsen (Lyngbye p. 464. 470); sie hieben stark, › dvörgamâl sang uj fjödlun‹ echo sang in den bergen (das. 468). altn. › qveđr viđ î klettunum‹ (reboant rupes). sollte vielleicht græti âlfa (ploratus nanorum) im dunkeln eingang des Hamdismâl (Sæm. 269 a ) etwas ähnliches meinen? aber auch in unserer einheimischen heldenpoesie mag die nemliche vorstellung gehaftet haben: dem fehten allez nâch erhal, dô beide berg und ouch diu tal gâben ir slegen stimme .   Ecke ed. Hagen 161. daz dâ beide berg und tal vor ihr slegen wilde wider einander allez hal.   (das. 171.) hier heißt es nicht bloß, die berge hallten von den schwertschlägen der helden wider, sondern sie gaben stimme und antwort von sich, d. h. die in ihnen hausenden zwerge irisch heißt das echo weniger schön, aber ähnlich muc alla schwein des felsens. . Diesem volk der elbe oder zwerge steht ein könig vor. zwar aus nord. sage kenne ich kein beispiel für die âlfar und dvergar; doch Huldra ist königin des huldrefolk (s.  225 ), Berchta der heinchen (s.  228 ), auch englische überlieferungen reden von einer elfqueen Chaucer C. T. 6442 (the fairy queen. Percy 3, 207 ff.); ich denke, weil auch in gallischen die vorstellung weiblicher feen (fairys) überwog. die altfranz. fabel von Huon de Bordeaux kennt 375 einen roi Oberon, d. i. Auberon für Alberon, also schon dem namen zufolge einen alb : das königreich der feen (royaume de la féerie) ist sein eigen. unser gedicht von Orendel führt einen zwerg namens Alban auf. im Otnit spielt künec Alberîch, Elberich , ›dem manec berg und tal‹ unterthan ist, eine bedeutende rolle; das Nib. lied macht ihn nicht zu einem könig, nur zu einem dienstmann der könige Schilbung und Nibelung. ein ungenannter zwergkönig erscheint im gedicht von Ecke 80; anderwärts könig Goldemâr (deutsche heldens. p. 174. Haupts zeitschr. 6, 522. 523), könig Sinnels und Laûrîn (MS. 2, 15 a ). Er. 2086 ›der getwerge künec Bîleî ‹. auch die deutschen volkssagen geben dem zwergvolk einen könig (no. 152); könig der erdmännchen (Km. 3, 167). Gübich (Gibika s. 114) ist in den Harzsagen ein zwergkönig. Heiling ist fürst der zwerge (no. 151) merkwürdig ist ein in mehrern zwergssagen wiederkehrender klageruf: ›der könig ist todt! Urban ist todt! die alte mutter Pumpe ist todt‹ (Büschings wöch. nachr. 1, 99 101); die alte schumpe ist todt! (sage von Bonikau) mhd. schumpfe fragm. 36 c ; vgl. Banges thür. chron. 49 a : da sagt man abermals › könig Knoblauch ist todt‹! Nimmt man hinzu, daß es in Sachsen heißt: ›de gaue fra ist nu al dot!‹ mit deutlichem bezug auf die mütterliche göttin (s.  209 ) und daß auch im Norden das ähnliche ›nu eru dauđar allar dîsir‹! gilt (s.  333 ); so scheint dadurch von uralters her der schmerz über den tod eines höheren wesens sich luft zu machen Nachtrag: Der klageruf: › Urban ist todt!‹ klingt an den vorarlbergischen: › Urhans ist todt‹ (vgl. Urian, urteufel s.  826 und der teufel ist todt s.  845 ). Vonbun. s. 4 (2. aufl. s. 2 und 7). Frommann mundart. 2, 565. Kilian ist todt! Winklers edelmann 377. die Salome ist gestorben. Panzer beitr. 2, 40. Eisch, Pingel, Pippe Kong, Pilatje, Vatte, Kind ist dot. Müllenhoff no. 398–401. Habel ist todt. Preusker 1, 57. nu är Plagg död. Runa 1844. s. 44. nû er Ulli dauđr. fornm. sög. 1, 211. Ol. Tryggv. saga cap. 53. in einer cornischen sage wird eine engelschöne zwergenfrau vom kleinen volk in der Lelant kirche bei S. Ives begraben unter dem ruf: Our queen is dead! man vergleiche: Zeus ist todt , donnert nicht mehr, ist in Creta begraben. Lucian. Jupiter tragoed. 45. . . Alle diese sind könige schwarzer elbe, nur den Oberon halte ich für einen lichten alb. Es scheint daß menschliche helden, indem sie sich das oberhaupt der elbe unterwerfen, zugleich die herschaft über die geister erwerben: in solcher meinung kann Völundr vîsi âlfa (s.  367 ) heißen und gleichen anspruch hatte nach Elberichs besiegung Siegfried Nachtrag: Berge und wälder geben echo, ahd. galm. Diut. 2, 327 a . mhd. gal und hal . deutsche myst. 2, 286. widergalm. Tit. 391. die stimme gap hinwidere mit gelîchem galme der walt. Iw. 618. sie antworten. conscia ter sonuit rupes . Claudian. in Pr. et Olybr. 125. responsat Athos, Hæmusque remugit . Claudian. in Eutr. 2, 162. daz in dâvon antworte der berc unde ouch der tan. Nibel. 883, 3. wie man in den wald ruft, ruft es wieder heraus. vgl. daz rief ich gerner in ein walt . Wigal. 102. in hole berge rufen. Wetterawia 180. ein gellendiu fluo. Lanz. 7127. si schrei, daz ir der walt entsprach . Bon. 49, 71. nu huop der wênige man von jâmer alsô grôzen schal, daz im der berc entgegenhal .   Er. 7423. nüchterner ist der ausdruck: dô antwurte im sîn dôn. Reinh. 880, dagegen lebendiger: dvergmâli qvađ î hverjum hamri. fornald. sög. 3, 629. dvergmalenn . Alex. saga 35. 67. ags. vudumaer heißt echo und nympha silvestris. ein holzmann ruft aus dem walde. Megenberg 16, 20. nach Böclers abergl. gebr. der Esthen s. 146 sind namen des echos: schielauge, waldes antwort , elbensohns rufen . nach Possart s. 163. 164 bildet der neckische waldelb mets halias das echo (s. anm. 1194 ). echo ist die waldstimme des Faunus, Picus (vgl. specht und Vile). Klausen s. 844. 1141. ähnlich fassen es die Mongolen auf. Petersb. bull. 1858. col. 70. nach den irischen märchen und sagen 1, 292 heißt das echo übrigens nicht muc alla, sondern macalla und alla bair . gal. mactalla sohn des felsens. Ahlw. Oisian 3, 336. Wie die altn. sage Huldra als zwergkönigin kennt, erscheint in schwedischen sagen eine schöne frau als herrin der zwerge. auch ein könig ist nicht unbekannt vgl. den bergkong (s.  386 ). in England ist die queen of fairies . minstrelsy 2, 193. 200 wol bekannt und eine schöne beschreibung der queen Mab (kind, puppe?) findet sich in Romeo 1, 4. vgl. die fairies in the merry wives of Windsor 5, 4. dazu kommt noch Morguein de elvinne . Lanc. 19472. 23264. 23396. 23515. 32457. Im deutschen glauben überwiegen die könige . im Sörlaþâttr ist Alfrigg ein bruder oder genoß des Dvalinn, neben welchem Sn. 16 Alþiofr steht. fornald. sög. 1, 391. vgl. in deme Elperîchislohe . Baur no. 633. (a. 1332). der getwerge künec Bîleî hat einen bruder Brîans . Er. 2086. Grigoras und Glecidolân herren über der twerge lant. Er. 2109. ein andrer heißt Antilois: gewis (bas. hss. s. 29 b ). über den namen des zwergkönigs Luarîn , Luaran s. Haupts ztschr. 7, 531. Laurin . Baur no. 655. im roman des 7 sages ein Laurins (Keller Dyocletian. einl. s. 23–29). zu Gibich vgl. Gebhart . Müllenhoff s. 307. König Piper oder Pippe kong. a. o. s. 287. 291. 292. dann noch der zwerg beim Scherfenberger. DS. no. 29. der könig der erdmännchen Worblestrüksken . Firmen. 1, 408–410. von einem got der twerge redet Albr. v. Halberstadt. fragm. 25. . In den altnordischen quellen sind eine menge für die mythologische forschung wichtiger zwergnamen überliefert (hauptstelle Sæm. 2 b 3 a ). ich hebe die reimenden formen Vitr und Litr , Fili und Kili , Fialarr und Galarr , Skirvir und Virvir , Anar und Onar , Finnr und Ginnr so wie die ablautenden Bivor und Bavor heraus. Nâr und Nâinn bedeuten offenbar dasselbe (mortuus) wie Thrâr und Thrâinn (contumax oder rancidus?). zu Nâinn stimmt Dâinn (wiederum mortuus); zu Oinn (timidus) Moinn ; Dvalinn , Durinn , Thorinn , Fundinn zeigen wenigstens den gleichen participialen ausgang. Alfr , Gandâlfr und Vindâlfr setzen den zusammenhang der zwerge und elben außer zweifel. zweimal kommt Ai vor, es scheint wie Sæm. 100 a , avus zu bedeuten, Finnr , Billîngr gleichen den s.  309 . 315 erörterten heldennamen. Nŷr und Niđi , Nŷr und Nŷrâđr beziehen sich auf phasen des mondlichts; einzelne andere namen sollen im verfolg angegeben werden. Sæm. 45 b Sn. 48. 130 heißen alle zwerge Ivalda synir, dieser Ivaldi scheint dem elbischen Ivaldr , vater der Iđunn, Sæm. 89 a identisch, wie anderwärts Folkvaldr und Folkvaldi (ags. Folcvealda), Dômvaldr und Dômvaldi = Domaldi wechseln. Ivaldr entspricht dem dän. Evald, nhd. Ewald, einem in älteren 376 urkunden seltnen namen; bekannt sind die beiden heiligen Ewalde (niger et albus), die zu Pipins zeiten im j. 695 gemartert und in Cöln begraben wurden (Pertz 6, 274), aber aus England stammten. Beda 5, 10 schreibt Hewald und die ags. übersetzung Heávold Nachtrag: Die zwergnamen Dâinn (mortuus) und Nâinn (mortuus) legen die frage nahe, ob nicht die elbe die geister der verstorbenen, seelen seien, sowie skr. Indras pitâ Marutâm, vater der winde = todten ist. Kuhn in Haupts zeitschr. 5, 488. 489. vom zwerg Alvîs heißt es: hvî ertu fölr um nasar , vartu î nôtt međ nâ? Sæm. 48 a . Sæm. 28 a heißt Dvalinn âlfr, Dâinn dvergr. Dvalinn sopiens, Durinn somnifer. Andvari , des Oinn sohn Sæm. 181 a , bedeutet vielleicht cautus ( anm. 1152 ). Finnr erinnert an den Finn der norrländischen sage (s.  856 ) und den vater Finn b. Müllenhoff s. 300 vielleicht steht Bivor mit dem zwerg Bibunc in Dietr. drachenk. in zusammenhang. Deutsche zwergnamen sind: Meizelîn . Dietr. drachenk. 196 a . Äschenzelt . ring 233. 239. Hans Donnerstag . Müllenhoff s. 578. Rohrinda und Muggastutz . Vonbun s. 2 und 7 vgl. Stutzamutza , Großrinda . Wolfs zeitschr. 2, 60. 183. . Von den wohnungen der lichtelbe im himmel wissen die volkssagen nichts mehr; desto häufiger schildern sie die der zwerge in den schluchten und hölen des gebirges. daher die ags. benennungen bergälfen, dunälfen, muntälfen . altn. ›bŷ ec for iörđ neđan, â ec undr steini stađ‹. Sæm. 48 a . ›dvergr sat undir steininum ‹. Yngl. saga cap. 15. ›dvergar bûa î iördu oc î steinum ‹. Sn. 15. Elbenstein ist der name eines adlichen geschlechts s. Elwenstein weisth. 1, 4. in den Niederlanden nennt das volk die hügel, welche graburnen enthalten, alfenbergen (belg. mus. 5, 64). schätze stecken in den gräbern wie bei den elben, und gleich diesen sind die todten unterirdische. darum heißen die zwerge auch erdmännlein , erdmanneken , in der Schweiz härdmändle , sonst auch unterirdische , dän. underjordiske den namen arweggers , womit KM. 2, 163. 164 die erdmännchen herausgerufen werden, verstehe ich noch nicht. kaum klingt das altn. ârvakr an. im preuß. Samland ›de underhördschkes ‹. ihre sagen hat Reusch no. 48–59 sorgfältig gesammelt. den Lüneburger Wenden hießen die unterirdischen geister görzoni (bergmännlein, von gora, berg) und man zeigt noch die berge, wo sie gehaust haben sollen. sie pflegten von den menschen backgeräthe zu leihen, und deuteten das unsichtbar an, dann stellte man es ihnen hinaus vor die thüre. abends brachten sie es zurück, an das fenster klopfend und ein brot aus dankbarkeit hinzulegend. (Juglers wörterbuch). Auch die ehstnische mythologie hat ihre unterirdischen ( ma allused , unter der erde). . über fluh und tobel springen sie und ermüden nicht vom steigen der jähen wände: ›den wilden getwergen wære ze stîgen dâ genuoc‹ heißt es Wh. 57, 25 von einer felsengegend andere belege sind gesammelt ir. elfenm. lxxvi . ›den berc büten wildiu getwerc ‹ Sigenot 118. . den dänischen volksglauben von dem biergmand , biergfolk , biergtrold stellt Molbechs dialectlex. s. 35. 36 zusammen. die frau des biergmand heißt biergekone . Alle solche überlieferungen von den erdmännchen und berggeistern stimmen überein. in die ritzen und spalten der berge schlüpfend oder schliefend sliefen gilt von ihnen wie vom fuchs (Reinh. xxxi ); unser subst. schlucht steht für sluft (wie beschwichtigen, lucht, kracht f. wiften, luft, kraft), schlupfwinkel. scheinen sie plötzlich zu verschwinden, und eben so plötzlich (wie der schwick) kommen sie aus dem erdboden hervor; überall, wo sie hausen, zeigt man solche zwergslöcher , querlichslöcher . auch die lausitzischen ludki kommen aus unterirdischen gängen, wie mäuselöchern, zum vorschein; ein bretagnisches volkslied nennt die grotte der korred (Villemarqué 1, 36). in diesen höhlen treiben sie ihr wesen, sammeln schätze und schmieden köstliche waffen; ihre könige bauen sich prächtige gemächer unter der erde aus, Elberich, Laurin wohnen in solchen wunderbaren 377 bergen, menschen und helden werden zuweilen hinuntergelockt, begabt, entlassen oder festgehalten Nachtrag: Über die arweggers s. KM. 3 3, 195. Die zwerge wohnen in felslöchern. stynja (ingemiscunt) dvergar fyrir steins durum . Sæm. 8 b . Dvalinn stôđ î steins dyrum . Hervarars. s. 414. der zwerg hält sich gern in der thür, um hineinzuschlüpfen, wenn ihm gefahr droht. die zwergshöle heißt altn. gauri . Vilkinas. cap. 16. (the Pixies' house oder hole in Devonshire. Athenaeum no. 988. 991). die zwerge nannte man veggbergs vîsir . Sæm. 9 a . schwed. bergrå , bergrået. Runa 3, 50. iordbyggar a. o. 1845, 95. di sma undar jårdi . a. o. 60. höjbiergs gubbe vgl. tomtegubbe (s.  414 ), godgubbe. norweg. houboer bergwohner. so auch in Deutschland wohnen wildiu getwerc im berg neben riesen. Haupts zeitschr. 6, 521. ›der hort Niblunges der was gar getragen ûz eime holn berge .‹ Nib. 90, 1. ein wildez getwerc wird ›vor eime holen berge ‹ betroffen. Er. 7396. si kument vor den berc und sehent spiln diu getwerc . Dietr. drachenk. 252 b . vgl. 213 a . twerge wohnen im Höberg . ring 211. daemon subterraneus truculentus bergteufel , mitis bergmenlein , kobel , guttel . oder daemon metallicus bergmenlein , wegen dessen man eine ›fundige zech‹ liegen lässt. Georg Agricola de re metallica libri XII. Basileae 1657. s. 704 b . gân ûf manegen hôhen rûhen berc , dâ weder katze noch getwerc möhte über sîn geklummen. troj. kr. 6185. die bezeichnung böhlersmännchen im böhlersloch (Bechstein 3, 129) kommt wol von bühel collis vgl. ahd. puhiles perc. Graff 3, 42 und den namen Böhler. wendisch ludkowa gora . volksl. 2, 268 a . in montanis (Prasiorum) pygmaei traduntur. Plin. 6, 19. man zeigt die twargeslöcker oder wüllekeslöcker , wulwekerslöcker , wünnerkesgätter . Kulin westf. s. 1, 63. auch wohnen sie in grabhügeln . Lisch 11, 366 oder in steinhaufen (stenrös) und unter den häusern der menschen und scheunen . Fries udfl. 109. diese bewohnen im sommer auch die courriquels der Bretagne, die im winter am heerde schlafen. aber sie können nicht leiden, daß die menschen über ihren wohnungen ställe bauen , weil der mist des viehs hinabläuft und sie verunreinigt. Müllenhoff s. 575. 297. Kuhn no. 329. 363 und s.  323 . Asbiörnsen 1, 150. 151. Dybeck 1845 s. 99 Zwei jungfrauen erschienen einem pflügenden bauern und baten ihn aufzuhören, sie wollten backen und von seinem ackern falle ihnen sand in den teig. er bat dafür um ein stück kuchen und fand ihn nachher auf dem pfluge liegen. Landau wüste örter s. 138. ebenso belohnen fairies in Worcestershire feldarbeiter, die ihnen helfen, mit speis und trank. Athenaeum. . weit verbreitet ist die bezeichnung der unterirdischen. dat unnerersch , das ünnereersche , auf Silt önnererske . Müllenhoff s. 438. 293. 337. de unnerärschen bei Usedom. beim brunnengraben kam man auf ihren schornstein und fand ein ganzes haus voll. Kuhn in jb. der berl. ges. 5, 247. erdmännel und erdweibel . Panzer beitr. 1, 71. litth. kaukas erdmännchen, kaukaras berggott. vgl. semmes deewini erdgötter. Bergmann 145. auf Föhr und Amrum önnerbänkissen , im dän. Schleswig unnervœstöi , unnerborstöi , unnersboestöi (töi = zeug). Müllenhoff s. 279. 281. 337. im innern der erde bewohnen die elbe, wie z. b. Laurin einen rosengarten, in welchem blumenbrechen bestraft wird. minstrelsy 2, 188. 192. . Dieterich von Bern ward am ende seines lebens von einem zwerg abgeholt (deutsche heldens. p. 300); nach dem lied von der klage 2167 weiß man nicht, ›ob er sich verslüffe in löcher der steinwende ‹ vgl. deutsche sagen, no. 383 von Theoderichs seele, wie sie in den abgrund des Vulcans geführt wird. . wahrscheinlich meint die sage, er sei, gleich dem Tanhäuser und dem getreuen Eckhart, in den berg gerathen, in welchem frau Venus hause. von diesem frau Venusberg wird erst seit dem 15. 16 jh. erzählt, man möchte wissen, welche ältere vorstellungen ihm zum grund liegen: ist frau Venus an die stelle einer unterirdischen elbkönigin, oder einer göttin, wie frau Holda, Frikka getreten? Heinrich von Morunge singt von seiner geliebten Ms. 1, 55 a : und dunket mich, wie si gê zuo mir dur ganse mûren , ir trôst und ir helfe lâzent mich niht trûren; swenne si wil, sô vüeret sie mich hinnen mit ir wîzen hant hôhe über die zinnen , ich wæne sie ist ein Vênus hêre. er vergleicht sie also der Venus oder Holda, die mit elbischer kraft durch mauern dringe und über zinnen weg entführe (s. cap.  XXXI Tannhäuser und Nachtrag: Venus heißt feine ( anm. 1011 ), een broosche eluinne . Matth. de Gastelein const van Rhetoriken. Ghendt 1555. s. 205. si vert unsihtic als ein geist , si hât niht ruowe naht noch tac. vgl. die in den lüften swebende Minne ( anm. 2547 ). ). Wenn also ein hessisches kindermärchen (no. 13) im wald drei haulemännerchen erscheinen läßt, so sind das diener der Holle, elbe in ihrem gefolg, und vorzüglich bemerkenswerth scheint ihre dreiheit und daß sie begaben : es ist selten, männliche wesen die stelle der weissagenden frauen einnehmen zu sehn. anderwärts erscheinen eher die erdfräulein, bei Hebel (ausg. 5, s. 268) sagt Eveli zu der waldfrau: ›gott dank der, und wenn du s'erdmännlis frau bisch, willi di nit förche‹ als Hadding winters zu abend aß, streckte plötzlich eine erdfrau am heerd den kopf aus dem boden und reichte frisches kraut dar. Saxo p. 16 nennt sie cicutarum gerula und läßt sie den Hadding ins unterirdische land führen, wo wiesen mit gras stehen, wie in unsern kindermärchen, wenn frau Hollas unterirdisches reich geschildert wird. die grasfrau gleicht einem erdweibchen. . An frau Holda gemahnt noch eine andere beziehung: ›die guten holden ‹ (s.  221 ) › guedeholden ‹ penates (Teutonista), holdichen , holdeken , holderchen scheint ganz gleichbedeutig mit ›die guten elbe‹; holdo , holde ist dem wort nach ein freundliches, günstig gesinntes wesen, und auf Island wird liuflîngar (lieblinge) und huldufôlk , huldumenn (s.  225 ) für âlfar gebraucht. die dän. benennung hyldemänd führt auf den falschen nebenbegrif von hyld (sambucus, hollunder), wonach frau Holda als hyldemoer oder hyldeqvind , d. h. eine an diesen baum geknüpfte dryas erscheint (Thiele 1, 132), doch ihr zusammenhang mit den huldre geht nichts desto weniger daraus hervor. Von dieser seite her sind die elbe gutmütig und hilfreich: sie heißen, wie schon s.  374 steht, das stille volk (deutsche sagen no. 30. 31), the good people , die guten nachbarn , die 378 friedlichen leute (schott. daoine shi, ir. daoine maith, welsh dynion mad). bleiben sie in ihrem stillen treiben ungestört, so halten sie friede mit den menschen, und erweisen ihnen, wo sie können, dienste durch schmieden, weben und backen. oft haben sie den leuten von ihrem neubacknen brot oder kuchen mitgetheilt (Mones anz. 7, 475). Sie bedürfen auch ihrerseits des rathes und beistands der menschen in gewisser lage; dahin sind besonders drei fälle zu rechnen. einmal holen sie frauen und hebammen, um kreißenden zwerginnen hilfe zu gewähren Ranzau, Alvensleben, Hahn. (deutsche sagen no. 41. 68. 69). Müllenh. schlholst. sag. no. 443. 444. Asbiörn norw. s. 1, 18. irische sagen und märchen, 1, 245–250. Mones anz. 7, 475. vgl. Thiele 1, 36. Eine schwedische sage hat Hülphers samlingen om Jämtland. Westeras 1775 p. 210. ›år 1660, då jag tillika med min hustru var gången til fäboderne, som ligga ¾ mil ifrån Ragunda prästegård, och der sent om qvällen suttit och talt en stund, kom en liten man ingående genom dören, och bad min hustru, det ville hon hjelpa hans hustru , som då låg och qvaldes med barn . karlen var eljest liten til växten, svart i synen , och med gamla grå kläder försedd. Jag och min hustru sutto en stund och undrade på denne mannen, emedan vi understodo, at han var et troll , och hört berättas, det sådane, af bondfolk vettar kallade, sig altid i fäbodarne uppehålla, sedan folket om hösten sig derifrån begifvit. Men som han 4 à 5 gånger sin begäran påyrkade, och man derhos betänkte, hvad skada bondfolket berätta sig ibland af vettarne lidit, då de antingen svurit på dem, eller eljest vist dem med vrånga ord til helvetet; ty fattade jag då til det rådet, at jag läste öfver min hustru någre böner, välsignade henne, och bad henne i guds namn följa med honom. Hon tog så i hastighet någre gamla linkläder med sig, och fölgde honom åt, men jag blef qvar sittande. Sedan har hon mig vid återkomsten berättat, at då hon gått med mannen utom porten, tykte hon sig liksom föras udi vädret en stund, och kom så uti en stuga, hvarest bredevid var en liten mörk kammare, das hans hustru låg och våndades med barn i en säng, min hustru har så stigit til henne, och efter en liten stund hjelpt henne, då hon födde barnet, och det met lika åtbörder, som andra menniskor pläga hafva. Karlen har sedan tilbudit henne mat, men som hon dertil nekade, ty tackade han henne och fölgde henne åt, hvarefter hon åter likasom farit i vädret, och kom efter en stund til porten igen vid passklockan 10. Emedlertid voro en hoper gamla silfverskedar lagde på en hylla i stugan, och fann min hustru dem, då hon andra dagen stökade i vråarne: kunnandes förstå, at de af vettret voro dit lagde. At så i sanning är skedt vitnar jag med mitt namns undersättande. Ragunda d. 12 april 1671. Pet. Rahm.‹ Der finnische volksglaube nimmt an, daß in den kirchen unter dem altar kleine misgestalte wesen hausen, und nennt sie kirkonwäki (kirchenvolk,), wenn ihre hausfrauen in schwerer kindesnoth liegen, können sie erlöst werden, sobald eine Christin sie besucht und ihre hand auflegt. einen solchen dienst belohnen sie reichlich mit gold und silber. Mnemosyne, Abo 1821 s. 313. ; dann verständige männer zur theilung eines schatzes , zur schlichtung eines streites vorr. XXX . Neocorus 1, 542. kinderm. 2, 43. 3,172. 225. Nib. 92, 3. Bit. 7819. vgl. deutsche heldens. p. 78. ; drittens leihen sie einen saal für ihre hochzeit Hoia (deutsche sagen no 35). Bonikau (Elisabeth von Orleans. Straßb. 1789. p. 133. Leipzig 1820. p. 386). Büschings wöchentl. nachr. 1, 98 vgl. 101. ; immer aber belohnen sie durch geschenkte kleinode, die dem haus und den nachkommen des menschen glück bringen. Ihnen selbst wohnt mancherlei 379 kenntnis verborgner heilkräfte der pflanzen und steine bei Zu Mykleby wohnte Swen, der gieng einen sonntagsmorgen aus auf die jagd und bei Tyfweholan gewahrte er auf dem berg einen großen bock mit einem ring um den hals, in demselben augenblick rief es aus dem berg: ›sieh, der mann schießt unsern ringbock!‹ ›nein‹, rief eine andere stimme, ›das läßt er wol bleiben, er hat sich heute nicht gewaschen‹ (d. h. in der kirche nicht mit weihwasser besprengt). Als Swen das hörte, ließ er auf der stelle sein eigen wasser, wusch sich eilends und schoß den ringbock. Da entstand heftiges schreien und lärmen im berg und einer sprach: ›sieh, der mann nahm sein hängebecken und wusch sich, aber ich will ihn schon bezahlen‹. ein anderer antwortete: ›das wirst du wol bleiben lassen, der weiße bock steht ihm bei‹. Darauf erscholl mächtiges geräusch und eine menge von trollen erfüllte rings den wald. Swen warf sich zur erde und kroch unter einen haufen wurzeln, da fiel ihm ein was der troll gesagt hatte, der weiße bock stehe ihm bei, denn so nannte er verächtlich die kirche. Swen that nun das gelübde, wenn ihm gott aus der gefahr helfe, wolle er den ring des bocks nach Mykleby, das horn nach Torp, die haut nach Langeland in die kirche geben. Als er unbeschädigt heimgelangt war, erfüllte er alles: der ring bildet bis zum jahr 1732 den ring an der Myklebyer kirchthür, und ist von unbekanntem metall, wie aus eisenerz, das bockshorn verwahrte man in der Torpkirche, das fell in der Langelandkirche. s. 373 das verwundete härdmändle. zwei schwedische sagen liefert Ödmanns Bohuslän s. 191. 224. Biörn Mårtensson gieng mit einem schützen auf den hohen waldberg Örnekulla, wild zu jagen, da fanden sie einen schlafenden bergschmied (bergsmed); der jäger befahl dem schützen, ihn fest zu nehmen, der sich aber weigerte: ›bittet gott, daß er euch behüte, der bergschmied wird euch den berg hinab werfen‹! Der jäger war aber so vermessen, daß er hingieng und den schlafenden mit macht ergrif. der bergschmied that einen schrei, und bat, man möge ihn los lassen, er habe frau und sieben kleine kinder, er wolle auch alles schmieden, was man verlange, man solle nur eisen und stahl auf die bergklippe legen , und werde dann die arbeit bald gefertigt an demselben platz liegen finden. Biörn fragte, für wen er schmiede? er antwortete: ›für meine gesellen‹. Da ihn Biörn nicht frei lassen wollte, sagte er: ›hätte ich meine nebelkappe ( uddehat , s.  383 ), solltest du mich nicht wegführen, läßt du mich aber nicht frei, so wird keiner deiner nachkommen zu dem ansehn gelangen, in welchem du stehst, sondern allzeit abnehmen!‹ welches hernach auch eintraf. Biörn gab den bergschmied nicht frei, und ließ ihn zu Bohus gefangen setzen, am dritten tag aber war er aus dem gefängnis entschwunden. . Rudlieb XVII, 18 gibt der gefangne zwerg allen vorwurf der hinterlist mit folgender rede zurück: absit ut inter nos unquam regnaverit haec fraus; non tam longaevi tunc essemus neque sani . Inter vos nemo loquitur nisi corde doloso, hinc nec ad aetatem maturam pervenietis: pro cujusque fide sunt ejus tempora vitae. non aliter loquimur nisi sicut corde tenemus, neque cibos varios edimus morbos generantes, longius incolumes hinc nos durabimus ac vos. also schon im 10 jh. klagt der zwerg über die treulosigkeit des menschengeschlechts und leitet mit daraus das kurze menschliche alter her, während die zwerge, weil sie redlich seien und einfache speisen essen, lang und gesund leben. mit den geheimen kräften der natur näher vertraut wissen sie die schädliche nahrung 380 sichrer zu meiden. durch diese merkwürdige stelle wird die ansicht von der zwerge langlebigkeit gerechtfertigt, und das meiden menschlicher, den tod herbeiführender nahrung stimmt zu dem s.  265 entwickelten unterschied zwischen göttern und menschen Nachtrag: De guden holden stehn im gegensatz zu den kroden duvels ( anm. 628 ). mîn wâre holdo , verus genius. N. Cap. 81. ist aus holderchen die bezeichnung ülleken , ülken (balt. stud. 12 b , 184) und üllerkens (Temme pomm. sagen 256) entstellt arwerggers erklärt sich vielleicht aus Firmenich 1, 363 arwegget = arbeit und heißt arbeiter . vgl. weckerchen, wulwecker. ? liuflîngr  = huldumađr . aefintŷri 105. norweg. huldrefolk . Asbiörns. 1, 77. huldefolk auf den Faröern. Athenaeum no. 991. sie sind beiderlei geschlechts, doch ist mehr von weiblichen die rede. die einzelne heißt hulder Asb. 1, 70, der männliche huldrekall (= karl) Asb. 1, 151. hyllfru , hylmocr deutet Dybeck 1845, 56 aus dem hollunderbaum, hyld. Die gutmütigkeit der zwerge wird noch durch andere namen ausgedrückt. auch norweg. heißt der zwerg grande nachbar und eine schöne sage von dem unterirdischen nachbar erzählt Asbiörns. 1, 150. 151. gehören hierher die › goede kinder ‹ bei br. Geraert 718? ein guoter und ein pilwîz finden sich zusammen. Hagen Ges. Abent. 3, 70. (der guotaere ist name eines mhd. dichters). lit. heißen sie balti źmones die ehrlichen leute. Nesselmann 319 b . Wie sie den menschen von ihrem brot oder kuchen mittheilen, beim weben, waschen und backen helfen und in der müle dienen (Panzer beitr. 1, 155), so benutzen sie hinwiederum der menschen wohnungen, einrichtungen und geräthe. ebenso die pixies im Devonshire. Athenaeum no. 991. sie ziehen winters in die sommerhütten der menschen . Asbiörns. 1, 77. 88. sie können in einem backofen ihre frucht dreschen und heißen deshalb backofentrescherlein . Garg. 41 a . einmal sah man die strazeln zu sechst im backofen dreschen , ein ander mal sogar ihrer vierzehn darin arbeiten. Schönwerth 2, 300. 299. sie holen verständige männer zur theilung eines schatzes, zur schlichtung eines streites. vorr. XXVI . Contes indiens 2, 8. Somadeva 1, 19. Berl. jb. 2, 265. Erfurter kindermärchen 26. Asbiörns. s. 52. 53. Cavallius no. 8. walach. märch. s. 202. KM. no. 92. 133. 193. 197. vgl. th. 3. 3. aufl. s. 167. 168. 216. 400. (vgl. den thieren das aas vertheilen . Schönwerth 2, 220. Nicolov. 34. societas leonina. Reinh. CCLXII.) sie gewähren einer freundlichen dienstmagd den anblick ihres hochzeitszuges und beschenken sie. Müllenhoff s. 326. 327. vgl. über die hochzeiten der zwerge. altd. bl. 1, 255. 256. Naubert 1, 92. 93. Göthe 1, 196. Hafbur geht in den berg und läßt sich von der ältesten elbtochter (elvens datter) seinen traum deuten. danske v. 3, 4. sie scheuen der menschen hinterlist. denn wenn man ein messer von der tafel der unterirdischen nimmt , kann sie nicht verschwinden. Lisch 9, 371. der waldmann oder schrat will, ähnlich dem zwerg im Rudlieb, den gast nicht in seinem hause leiden, der warm und kalt aus einem munde bläst. Boner 91. Stricker 18 (altd. w. 3, 225). wenn die zwerge einerseits schwach erscheinen, wie denn das zwerglein Hildebrands schweren schild nicht tragen kann. Dietr. und ges. 354. 491. 593, ein wichtel sogar schwer an einer ähre trägt . Panzer beitr. 1, 181. vgl. die schwedische sage s.  423 , so kann andrerseits die huldre hufeisen brechen Asbiörns. 1, 81 und haut eine tanne und trägt sie auf der schulter heim a. o. 1, 91. auch gibt es im feenlande keine krankheit . minstrelsy 2, 193, womit die langlebigkeit stimmt, deren sich der zwerg Rudlieb XVII. 18 rühmt. vgl. Ammian 27, 4 über langlebige agrestes in Thrakien. . Indem sich die zwerge so, und noch auf andere weise, zuweilen dem menschlichen geschlecht nähern, scheinen sie doch überhaupt vor ihm zurückzuweichen und machen den eindruck eines unterdrückten, bedrängten volkstamms, der im begrif steht, die alte heimat den neuen mächtigeren ankömmlingen zu überlassen. ihrem character ist etwas scheues , und zugleich heidnisches eingeprägt, das sie dem umgang mit Christen entfremdet. sie grollen der menschlichen treulosigkeit, das soll wol ursprünglich heißen, dem abfall vom heidenthum. Laurin wird in den gedichten des mittelalters ausdrücklich als ein heide dargestellt. es ist den zwergen innerlich zuwider, wenn kirchen gebaut werden, glockengeläute (oben s.  4 ) stört sie in ihrer alten heimlichkeit; auch das reuten der wälder, den ackerbau und neue pochwerke im gebirg hassen sie nähere ausführung in den ir. elfenm. xciv . xcv . vgl. Thiele 1, 42. 2, 2. Faye p. 17. 18. Heinchen durch weidende heerden und läutende glocken , die den schafen anhiengen, vertrieben. Variscia 2, 101. Hessische sagen von den wichtelmännerchen KM. no. 39, denen ich folgende beifüge. An der Schwalm bei Uttershausen liegt der Dosenberg, dicht am ufer gehn zwei löcher hervor, die waren von alters aus und eingänge der wichtelmänner . Zu dem großvater des bauern Tobi in Singlis kam öfter ein wichtelmännchen freundlich auf den acker. eines tags, als der bauer korn schnitt, fragte es, ob er in der künftigen nacht für reichen goldlohn fuhren durch den fluß übernehmen wolle? der bauer sagte zu. abends brachte der wichtel einen sack voll waizen als handgeld in des bauern haus, nun wurden vier pferde angeschirrt, und der bauer fuhr zum Dosenberg. aus den löchern lud der wichtel schwere unsichtbare lasten auf den wagen, die der bauer durchs wasser auf das andere ufer brachte; so fuhr er hin und wieder von abends zehn bis morgens vier uhr, daß die pferde endlich ermüdeten. Da sprach der wichtel : ›es ist genug, nun sollst du auch sehn, was du gefahren hast‹! er hieß den bauer über die rechte schulter blicken , da sah der bauer, wie das weite feld voll von wichtelmännerchen war . Darauf sagte der wichtel : ›seit tausend jahren haben wir im Dosenberge gehaust, jetzt ist unsere zeit um, wir müssen in ein ander land: im berg aber bleibt so viel geld zurück, daß die ganze gegend genug daran hätte‹. dann lud er dem Tobi seinen wagen voll geld und schied. Der bauer brachte mühsam den schatz nach haus und war ein reicher mann geworden: seine nachkommen sind noch vermögende leute, die wichtelmänner aber für immer aus dem land verschwunden. Der Dosenberg hat oben eine glatze, auf welcher nichts zu wachsen vermag: die stelle ist von den wichteln, die sich darauf herum getummelt , verzaubert. Alle sieben jahre, gemeinlich freitags, zeigt sich darüber eine hohe blaue flamme , die auf der erde, über dem umfang eines grossen kessels brennt. die leute nennen es das geldfeuer , man hat es mit den füßen weggestrichen, denn es hält keine glut, und nun einen schatz zu heben gedacht, aber vergeblich; der teufel weiß immer durch neues gaukelwerk doch irgend ein wörtlein den leuten von der leber weg zu sprengen. Endlich noch eine niedersächsische erzählung aus der Allergegend: tau Offensen bin kloster Wienhusen was en groten buern, Hövermann nenne he sick, die harre ok en schip up der Aller. eins dages komt 2 lüe tau jüm un segget, he schölle se over dat water schippen. tweimal fäuert hei over de Aller, jedesmal na den groten rume, den se Allerô heiten dauet, dat is ne grote unminschliche wische lang un breit, dat manse kums afkiken kann. ans de buer taun tweitenmale over efäuert is, segt ein von den twarmen to öme: ›wut du nu ne summegeldes hebben, oder wut du na koptal betalt sin?‹ ›ick will leiver ne summe geldes nemen‹, sä de buer. Do nimt de eine von den lütjen lüen sinen haut af un settet den dem schipper up: ›du herrst dik doch beter estan, wenn du na koptal efodert herrst‹, segt de twarm, un de buer de vorher nichts nich seien harre un den et so lichte in schipp vorkomen was, ans of he nichts inne herre, süt de ganze Allerô von luter lütjen minschen krimmeln un wimmeln . Dat sind de twarme west, dei wier trökken sind. Von der tit heft Hövermanns noch immer vull geld ehat, dat se nich kennen dêen, averst nu sind se sau ein nan annern ut estorven un de hof is verkoft. ›wann ist denn das gewesen‹? ›vor olen tien, ans de twarme noch sau in der welt wesen sind, nu gift et er wol keine mehr, vor drüttig, virzig jaren.‹ . Bretagnische sage berichtet: einer hatte 381 in dem zwergloch einen schatz gehoben und dann vorsichtig seine haustenne mit asche und glühenden kohlen bedeckt; als nun mitternachts die zwerge nahten, ihr gut zurückzuholen, verbrannten sie sich die füße so heftig, daß sie ein lautes klaggeschrei erhuben (vgl. oben s.  343 ) und eilends entflohen, doch alles geschirr zerbrachen (Villemarqué 1, 42) Nachtrag: Die vor dem menschengeschlecht zurückweichenden zwerge machen gleich den Thursen, Jötnar und Hunen (s. unten) den eindruck eines unterdrückten volksstamms. in Devonshire und Cornwall werden die pixies für die alten einwohner des landes gehalten. in Deutschland gleichen sie den Wenden (die elbe den Celten?), in Scandinavien den Lappen. die zwerge sind heiden . ob getouften noch getwergen der bêder künec wart ich nie. Bit. 4156. die unterirdischen fürchten nicht den Wode, wenn er sich nicht gewaschen hat. vgl. Müllenhoff no. 500 ( anm. 1142 ). sie vertragen nicht glockenläuten . Firmen. 2, 264 b und ziehen fort. sie lassen beim auszug eine kuh als geschenk zurück. Dybeck 1845, 98. die unterirdischen fahren über . Müllenhoff s. 575. wichtel setzen über die Werra. Sommer s. 24. drei wichtel werden übergefahren. Panzer beitr. 1, 116. vgl. die überfahrt der seelen s.  694 . wie der bauer aus der Allergegend die wiese von übergefahrenen zwergen wimmeln sieht, nachdem ihm einer derselben seinen hut aufgesetzt, so heißt es in den altd. bl. 1, 256: als die helkleider abgezogen werden, ›do gesach he der getwerge mê wen tûsunt ‹. als einmal die bäuerin beim waschen schmalz ausließ und ein wichtel sich die hand verbrannte, blieben sie aus. die ülleken holen wasser und lassen den krug stehn. balt. stud. 12 b , 184. . Aus solcher abhängigkeit von dem menschen, umgekehrt aus geister überlegenheit der elbe in andern stücken, folgt nun ein feindseliges verhältnis zwischen beiden. die menschen achten der elbe nicht, die elbe schaden den menschen und necken sie. Uralter glaube war es, daß von den elben gefährliche pfeile aus der luft herabgeschossen werden: hier sind also lichtelbe gemeint; auch schweigen die zwergsagen davon, in der ags. formel wird êsagescot und ylfagescot neben einander gestellt, die elbe scheinen mit ähnlichen waffen, wie die götter selbst, ausgerüstet pfeile der serbischen vile (s. 362 ). norwegisch ist äliskudt elbgeschossen und gilt von krankem vieh. Sommerfelt Saltdalens prästegield p. 119. schott. elfshot . ; der göttliche donnerkeil heißt auch albschoß (s.  149 . 156 ) und in Schottland elfarrow , elfflint , elfbolt ein harter, spitzer keil, von dem man glaubt, daß ihn die geister entsendet haben; rasen, den der wetterstrahl aus dem boden schneidet, sollen sie herausheben irische elfenmärchen xlv . xlvi . cii . . ich habe schon s.  156 gefolgert, daß irgend ein näherer bezug der elbe zu dem donnergott dagewesen sein muß, der uns jetzt entgeht: sind ihm seine keile von elben geschmiedet worden, so führt das wieder auf schwarzelbe. Ihre berührung , ihr anhauch kann menschen und thieren krankheit oder den tod verursachen das. cii . ; wen ihr schlag trift, der ist verloren oder untüchtig (danske viser 1, 238). dvergslagen heißt in Norwegen gelähmtes vieh, dem sie es angethan haben (Hallager p. 20): der benennung elbentrötsch für blödsinnige geistesschwache menschen, die ihre rächende hand berührt hat, wurde s.  366 gedacht. Wer von den elben verführt ist, heißt dän. ellevild , und dies ellevildelse wird in bezug auf frauen so geschildert: 382 ›at elven legede med dem‹. Als wehende blasende wesen erschienen sie von jeher schon in der sprache: wie von spirare spiritus ist unser geist von dem alten stamm gîsan (flari, cum impetu ferri) herzuleiten; altn. bedeutet gustr flatus, und ein zwerg heißt Gustr (Sæm. 181 b ) norweg. alvgust , eine krankheit durch anhauch der elbe entspringend (Hallager 4 b ). ; andere zwerge Austri , Vestri , Norđri , Suđri (Sæm. 2 b . Sn. 9. 15. 16) bezeichnen die vier hauptwinde, Vindâlfr , noch ein zwergsname, erklärt sich selbst in altfranz. sage heißt ein alb Zephyr ; ein deutscher hausgeist Blaserle (Mones anzeiger 1834. p. 260). . Gleich dem anhauch hat der bloße blick der elbe bezaubernde kraft: das nennt unsere alte sprache intsehan (torve intueri, gramm. 2, 810) mhd. entsehen : ›ich hân in gesegent, er was entsehen ‹ (Eracl. 3239) ›von der elbe wirt entsehen vil maneger man‹. MS. 1, 50 b Nachtrag: Östgöthl. skot, trollskot albschuß ist eine viehkrankheit, auch elfbläster Dybeck 1845, 51. vgl. åbgust, alveld, alvskot. Aasen. auch ihre bloße berührung ist schädlich. die blödsinnigen elbentrötsche (s.  366 ) sind gleich den cerriti , larvati, male sani, aut Cereris ira, aut larvarum incursatione animo vexati. Nonius 1, 213. Lobeck Aglaoph. 241. Creuzer symb. 1, 169 (3. aufl.). kranke in Irland heißen › fairy struck ‹. Auch der zwergname Andvari kann ventus lenis, aura tenuis gedeutet werden wie andvar  n., doch überträgt es Biörn durch pervigil ( anm. 1130 ). mit den zwergnamen Vestri und Vindâlfr halte man zusammen Vestralpus Alamannorum rex. Amm. Marcell. 16, 12. 18, 2, das doch eher westar-alp zu sein als für westar-halp zu stehen scheint trotz ags. vesthealf, altn. vestrâlfa occidens. Erasm. Atberus wb. von 1540 bemerkt: mephitis, der gestank und fauler dampff, der auß den sümpffen oder schwefelichten wassern kompt, in nemoribus gravior est ex densitate sylvarum. in der Dreyeich spricht man ›der alp feist also‹. Wie ihr anhauch, bezaubert der elbe blick: eft ik sî entsên . Val. und Nam. 238 a . byn yk nu untzen? Haupts zeitschr. 5, 390. . Das volk schreibt den elben die astlöcher im holz zu. so geht in Småland die sage von der stammmutter eines namhaften geschlechts, die elbjungfrau war, durch ein astloch der wand mit den sonnenstrahlen in ein haus kam und von dem sohn geheiratet wurde. sie gebar ihm vier kinder und verschwand an einem heiteren tage auf dieselbe weise, wie sie gekommen war. Afzelius 2, 145. Thiele 2, 18. aber man glaubt nicht nur, daß sie selbst hindurch kriechen, sondern auch, daß wer hindurch schaue, erlange ihm sonst verborgne dinge zu sehn; ein gleiches geschieht, wenn man durch die öfnung blickt, die der pfeil eines elbs durch die haut eines thiers geschossen hat. jenes astloch heißt auf schottisch elfbore , nach Jamieson: a hole in a piece of wood, out of which a knot has droppen or been driven; viewed as the operation of the fairies. man sagt auch auwisbore , jütisch ausbor (Molbechs dial. lex. s. 22. 94). wird auf dem hügel, wo elbe hausen, folgender reim 15mal ausgesprochen: ällkuon, ällkuon, est du her inn, saa ska du herud paa 15 iegepinn! (elbfrau bist du hier innen, so sollst du heraus durch 15 eichenastlöcher, egepind); so muß die elbin heraus kommen (Molbech dial. 99) Nachtrag: Die elben dringen überall hin. der âlfr kommt ins haus ›at luktum dyrum öllum ‹. fornald. sög. 1, 313. sie nahen leise, unvermerkt: › se geit op elben tehnen , auf elbenzehen‹ sagt man im magdeburgischen. . Schon dem namen und noch mehr dem begrif nach berühren sich die elbe mit den geisterhaften, aus wiederholter verwandlung ihrer gestalt hervorgehenden schmetterlingen. eine ahd. glosse (Graff 1, 243) sagt: brucus, locusta quae nondum volavit, quam vulgo albam vocant. der alp soll oft als schmetterling erscheinen und in den hexenprocessen heißen elbe bald die kriechenden raupen, bald die puppen, bald die entfliegenden insecten. auch die benennung der guten holden und der bösen dinger theilen sie mit den geistern selbst. Über schwerfällige menschen erhebt diese leichten, luftigen geister das göttliche (s.  270 ) vermögen, zu verschwinden oder 383 unsichtbar zu werden ›hujus tempore principis (Heinrici ducis Karinthiae) in montanis suae ditionis gens gnana in cavernis montium habitavit, cum hominibus vescebantur, ludebant, bibebant, choreas ducebant sed invisibiliter . literas scribebant, rempublicam inter se gerebant, legem habentes et principem, fidem catholicam profitentes, domicilia hominum latenter intrantes, hominibus consedentes et arridentes. . . . . principe subducto nihil de eis amplius est auditum. dicitur quod gemmas gestant , quae eos reddunt invisibiles , quia deformitatem et parvitatem corporum erubescunt‹. anon. leobiens. ad a. 1335 (Pez 1, 940 a ). . kaum erscheinen sie, so sind sie wieder unsern augen entrückt. nur wer den ring trägt vermag Elberich zu erblicken. Ortn. 2, 68. 70. 86. 3, 27. für die lichten elbe versteht es sich von selbst, aber auch den schwarzen ist diese eigenschaft unentzogen. gewöhnlich wird die unsichtbarkeit der zwerge in ein bestimmtes stück ihrer kleidung, einen hut oder mantel gesetzt, durch deren zufälliges ablegen oder abwerfen sie plötzlich sichtbar werden. die zwergsagen erzählen von nebelkappen (deutsche sagen no. 152. 153. 155), von grauen röcken und rothen kappen (Thiele 1, 122. 135), von scharlachmänteln (vorhin s.  373 ) Ol. Wormius vorrede zu Claussöns dän. übers. des Snorre. Kbh. 1633: ›derfor sigis de (dverger) at hafve hätte paa, huormid de kunde giöre sig usynlig‹. andere zeugnisse sind schon gesammelt ir. elfenm. lxxiv . lxxv . ein schretel trägt ein rôtez keppel an (nicht auf). das cxvi . Rollenhagens bergmännlein tragen weiße hemdlein und spitzige kappen . Froschmeuseler xx . v b . Haugis, der kerlingische zauberer, heißt ›lerres (latro) o le noir chaperon ‹. . frühere jahrhunderte bedienen sich der ausdrücke helkappe , helkeplein , helkleit (altd. bl. 1, 256), nebelkappe (MS. 2, 156 a . 2, 258 b Morolt 2922. 3932) und tarnkappe . Nib. 98, 3. 336, 1. 442, 2, 1060, 2 muß unter tarnkappe (oder dem bloßen kappe 335, 1) Alberîchs und nachher Sigfrits nicht die kopfbedeckung allein verstanden werden, sondern ein ganzer mantel, denn es steht 337, 1 auch tarnhût , die bergende haut, und des schretels rôtez keppel ist bei H. Sachs. 1, 280 b ein mantel scharlach rot des zwergleins (vgl. s.  373 ); außer der unsichtbarkeit verleiht sie höhere leibesstärke und zugleich herschaft über das volk und den hort der zwerge. Anderwärts dachte man sich nur die mütze: in einer norw. volkssage bei Faye p. 30 heißt sie uddehat (spitzer hut?), und ein hildesheimischer hausgeist führt von dem filzhut, den er trug, den namen Hôdeken . vermutlich haben das ahd. helothelm (latibulum) gl. Hrab. 969 a , alts. helithhelm Hel. 164, 29, ags. heolođhelm cod. exon. 362, 31, häleđhelm Cædm. 29, 2, altn. hialmr huliz (ein eddischer name für wolke) Sæm. 50 a fornm. sög. 2, 141 von Eyvindr dem zauberer: ›giörđi þeim hulidshialm' , machte ihnen nebel, finsternis. hulinhialmr , fornald. sög. 3, 219; kuflshöttr das. 1, 9. 2. 90. s. Rafns index s. v. dulgerfi. , ags. grîmhelm Cædm. 188, 27. 198, 20. Beov. 666 ähnliche bedeutung, obgleich schon in dem einfachen helm und grîme (s.  197 ) der begrif von hülle und larve steckt. helm gehört zu helan, wie huot zu huotan (tegere). Ohne zweifel trugen auch andere höhere wesen, außer den elben und zwergen, das unsichtbarmachende gewand. vor allem erinnere ich an Ođins gekrempten hut (s.  121 ), 384 an Mercurs petasus , an den hut des Wunsches, der noch in unsern märchen wünschelhut genannt wird eine wichtige verstärkung der gründe für Wuotans und Mercurs identität, vgl. s.  347 über die wünschelgerte. , und an des Pluto oder Orcus helm (Αἴδος κυνέη Il. 5, 845. Hesiod. scut. 227). Die zwerge können in einer besonderen, jetzt verdunkelten, beziehung zu Ođinn gestanden haben, wie die huttragenden patäken, kabiren und Dioskuren zu Jupiter Nachtrag: Sie haben das vermögen, unsichtbar zu werden. N. Boeth. 42 daz analutte des sih pergenten trugetievels. Iw. 1391 ein unsihtiger geist . gewöhnlich wird ihre unsichtbarkeit durch ihre kopfbedeckung bewirkt. diese heißt nebelkappe . in mîner nebelkappen . Frauenl. 447, 18. nebelkappe . Ettner maulaffe. 534. 542. Altswert 18, 30. helekäppel . Winsb. 26, 5. Winsbekin 17, 5 und die im helekäppel gethanen heimlichen schnitte heißen käppelsnite . Winsbekin 17. 18. nachtraben und nebelkäpel . Katzmair s. 23. 28 (a. 1397). sie tragen auch wol ein feuerrothes tschöple . Vonbun s. 1, ein unterirdischer heißt auch Rothbart . Müllenhoff s. 438. huldrehat (Asbiörns. 1, 158. 159) macht unsichtbar a. o. 1, 70, wie der diebeshelm . dieser hut wird auch hvarfshatt genannt, wonach die ihn tragenden knaben selbst varfvar heißen. Haupts zeitschr. 4, 510. 511 (vgl. hverfr þessi âlfr svâ sem skuggi. Vilk. saga cap. 150). auch die courriquets der Bretagne tragen gewaltige runde hüte . ein zuruf an die zwerge lautet: ›ziehet abe iuwer helinkleit! ‹ altd. bl. 1, 256. gleich den deutschen zwergen tragen auf antiken bildern die kleinen korybanten hüte auf dem kopf. Pausan. 3. 24, 4. nicht nur des Orcus helm , sondern auch sein kleid war bekannt, denn den Römern hieß die anemone Ὄρκι τούνικα . Diosc. 2, 207. Dagegen werden die zwerge den menschen sichtbar , die sich mit ihrer salbe die augen bestrichen haben. so lehrt die sage von der amme, die sich das eine auge mit der salbe schmierte und nun die unterirdischen sah; diese reißen ihr das auge aus. Asbiörns. 1, 24, 25. Müllenhoff s. 298. Dybeck 1845, 94. In den gedichten der tafelrunde wird den zwergen eine geisel beigelegt, mit welcher sie hauen . Lanz. 428. 436. Er. 53. 96. Iw. 4925. Parz. 401, 16. aber auch Albrich truoc: eine geisel swaere von golde an sîner hant, siben knöpfe swaere hiengen vor daran, dâ mit er umb die hende den schilt dem küenen man sluoc sô bitterlîchen.   Nibel 463. 464. nach Possarts Estl. s. 176 führen die riesen peitschen, an deren enden mühlsteine befestigt sind. . Aus dieser fähigkeit ihre gestalt zu bergen und aus ihrer neckischen natur überhaupt geht nun vielfacher trug und täuschung hervor (vgl. anm. 836 ), denen der mensch im verkehr mit den elben und zwergen ausgesetzt ist. ›der alp triuget ‹ heißt es fundgr. 327, 18; ›den triuget , weizgot, nicht der alp ‹ Diut. 2, 34; Silvester 5199. ›die mag triegen wol der alp ‹. Suchenwirt xxxi , 12; ›ein getroc daz mich in dem slâfe triuget ‹ Ben. 429; ›dich triegen die elbin ‹ (l. elbe: selbe) altd. bl. 1, 261; › elbe triegent ‹. Amgb. 2 b ; ›diu elber triegent ‹. Herbort 5 b ; ›in bedûhte daz in trüge ein alp ‹. ir. elfenm. lvii . › alfs ghedroch ‹ Elegast 51. 775. Rein. 5367 vgl. horae belg. 6, 218. 219. › alfsche droch ‹ Reinaert (prosa lxxii a ). gitroc , getroc , âgetroc , abegetroc , bezeichnet in der älteren sprache vorzugsweise teuflische, von bösen geistern ausgehende täuschung (gramm. 2, 709. 740. 741) daz analutte des sih pergenten trugetieveles ‹. N. Bth. 44. gidrog phantasma O. III. 8, 24. gedrog Hel. 89, 22. tievels getroc Karl 62 a . ›ne dragu ic ênic drugi thing‹. Hel. 8, 10. Elberich heißt Ortn. 3, 27. 5, 105 ›ein trügewîz ‹, vgl. nachher bilwîz. . und in diesem sinn gelten auch von den elben andere nachtheilige benennungen: elbischez getwâs , elbischez âs , elbischez ungehiure , wie der teufel selbst getwâs (fantasma) und ungeheuer heißt. ganz in gleicher bedeutung wird von der krankhaften beklemmung schlafender und träumender gesagt: ›der teufel hat dich geschüttelt, geritten ‹, ›hînaht rîtert (schüttelt) dich satanas‹ (fundgr. 1, 170); oder der nachtmar ich kann dies wort weder ahd. noch mhd. aufweisen. Lye gibt das ags. mœre fæcce incubus, ephialtes, wo ich fæcce nicht verstehe. nahverwandt ist poln. mora , böhm. můra alp und abendschmetterling, sphinx. in der Mark: der alb oder die mahre , vgl. Adalb. Kuhn s. 374. engl. nightmare , franz. cauchemare , cochemar , auch chaucheville , chauchi vieilli (mém. des antiq. 4, 399; J. J. Champollion Figeac patois p. 125): ital. pesaruole , span. pesadilla , altfranz. appesart : von caucher (calcare) und pesar (drücken, lasten). , der alp: ›dich hat geriten der mar ‹; ›ein alp zoumet dich‹. Und wie frau Holle gespinst oder haare verwirrt (s.  223 ), selbst verworrene haare trägt im kindermärchen 3, 44 läßt sich Holle ihre furchtbaren haare, die ein jahr lang nicht gekämmt waren, auskämmen. ein mädchen, das sie begabt, kämmt aus seinen locken perlen und edelsteine. , ein struppiges haar Hollenzopf hess. Hollezaul (= zagel) Hollezopp , Schmidt westerw. idiot. 341; bei Adelung steht höllenzopf . plica polonica, poln. koltun, böhm. koltaun. heißt; wickelt der nachtalb, nachtmar, haar der menschen, mähne und schweif der pferde in knoten oder kaut sie durch: alpzopf , drutenzopf , wichtelzopf , weichselzopf (wovon nachher noch) in 385 Niedersachsen mahrenlocke ; elfklatte (brem. wb. 1, 302), dän. marelok , engl. elflocks (Nares s. v.), elvish krots , das verbum elf bedeutet bei Shakspeare die haare verfilzen: ›elf al my hair in knots‹. Lear 2, 3. hierher gehören die › comae equorum diligenter tricatae ‹, wenn die weißen frauen ihren nächtlichen umzug halten (oben s.  237 ), an deren spitze Abundia steht. Auch der litthauische alb aitwaras genannt, verfilzt die haare: aitwars jo plaukus suzindo, suwele (hat ihm die haare zusammengezogen). Lasicz 51 hat aitwaros , incubus qui post sepes habitat (von twora sepes und ais pone). Einige niedersächs. gegenden zwischen Elbe und Weser geben dem wichtelzopf den namen selkensteert (brem. wb. 4, 749), sellentost (Hufelands journal 11, 43), was ich verstehe: zopf des hausgeistes, des gesellchens Ogonczyk Zakrzewski geschichte des weichselzopfs. Wien 1830, bemerkt p. 18 daß auch seine heilung unter abergläubischen gebräuchen geschieht. in Podlachien wird der alpzopf feierlich, um ostern, abgeschnitten und begraben. bei Krakau in der gegend von Skawina wird er theilweise mit geglühter scheere beschnitten, ein stück kupfergeld hineingebunden und in die trümmer einer alten burg, in welcher böse geister hausen, geworfen; wer es thut darf sich aber nicht umsehen und eilt so geschwind als möglich nach hause. Abergläubische formeln zur heilung der plica aus einer altböhm. hs. von 1325 sind von Zakrzewski p. 20 mitgetheilt. . in Thüringen saellocke (Praetorius weltbeschr. 1, 40. 293) Nachtrag: Vom trug der zwerge, die kündic wie die füchse, endelîch d. h. hurtig. Dietr. drachenk. 17, endelîch und kec . a. o. 346 b sind, ist die alte dichtung voll. bedrogan habbind sie dernea wihti . Hel. 92, 2. du trügehaftez wiht . Barl. 378, 35. uns triege der alp . Hagen Ges. Abent. 3, 60. elfsyhedroch . Beatrijs 736. elfsghedrochte . Maerl. (Clarisse zu Gherarts s. 219). Walewein 5012. enhôrde ghi noit segghen van alfsgedrochte . hor. belg. 6, 44. 45. von geistern ausgehende täuschung heißt auch getrucnisse . Herb. 12833. ungihiure drugidinc . Diemer 118, 25. 121, 3. gehört zu dem dasselbe bezeichnenden abegetroc das mnl. avondtronke? belg. mus. 2, 116. im anh. beschwör. XLII hat ein alb augen wie ein teigtrog . das wort getwâs (fantasma) ist wol eher aus ags. dvaes stultus ( anm. 2347 ), als aus slav. dusha (s.  689 ) zu erklären. die beklemmung im schlafe bewirkt der alp oder der mar (s.  1041 ). mich drucket heint der alp. Haupts zeitschr. 8, 514. kom rehte als ein alp ûf mich geslichen. Maurit. 1414. die trud drückt . Dietr. russ. märch. no. 16, vgl. frau Trude (s.  351 ). der incubus heißt ferner stendel . Stald. 2, 397. rätzel oder schrätzel . Praetor. weltb. 1, 14. 23. (s.  396 ). fries. werden diese beklemmenden elbe genannt woelrîder . Ehrentr. 1, 386. 2, 16. ndrd. waalrüter . Krüger 71 b . Kuhn nordd. sag. no. 338. 358. s. 419. vgl. Walschrant im mnl. Brandaen. engl. ist hagrod , hagridden vom alp geritten. W. Barnes. vgl. picsyridden ( anm. 1101 ). Auch die pixies im Dartmoor verwirren, wie die courriquets in der Bretagne, die mähnen der pferde und diese haarknoten heißen › pixy seats ‹. Athenaeum no. 991. poln. ćma , böhm. tma , finn. painajainen , der drücker. Ganander 65. Schröter 50. Der weichselzopf hat noch folgende namen: oberhess. Hollekopp , in Gießen morlocke , außerdem mahrklatte , mahrflechte, judenzopf . ein kind: hatte ein siechez houbet des hatten sich verloubet di hârlocke alle garewe.   Diut. 1, 453. auch der Sibilla (antfahs) wird haar beigelegt: verworren als eines pherdes mane . En. 2701. den hollenzopf kennen skandinavische sagen nicht, dafür verleihen sie den huldren einen schwanz . von dieser haarverfilzung handelt Cas. Cichocki de historia et natura plicae polonicae. Berol. 1845, der noch die bezeichnung gwozdziec angibt, was eigentlich nagelstechen, reißen bedeutet. . In der edda werden weder âlfar noch dvergar reitend vorgestellt, in unsern gedichten des mittelalters hingegen kommen Elberich und Laurin geritten . Heinrich von Ofterdingen legt diesen ein ros ›als ein geiz ‹, Ulrichs Alexander dem zwergkönig Antilois eins von rehes größe zu Wackernagels Basler hss. s. 28. , und altd. bl. 2, 151 reitet der wihtel geradezu auf weißem reh . Antilois ist reichgekleidet, an seinem zaum erklingen schellen, er zürnt auf Alexander, der ihm seinen blumengarten verdorben hat, wie Laurin auf Dietrich und Wittich. Auch in den welschen sagen heißt es bei Crofton Croker 3, 306: ›they were very diminutive persons riding four abreast, and mounted upon small white horses, not bigger than dogs ‹ Nachtrag: Zwerge reiten . diu phert diu si riten wâren gelîche grôz den schâfen . Haupts zeitschr. 5, 426. vgl. altd. bl. 1, 256. twerge setzen sich auf ein reh . ring s. 211. 231. auch die fairies reiten . minstrelsy 2, 199. im Dartmoor reiten die pixies nachts auf dem vieh. Athenaeum no. 991. 989. pojke mit rother mütze reitet auf weißer gans . Runa 1844, 60, wie die pygmaeen auf rebhünern reiten. Athen. 3, 440. Schon im alterthum hielt man zwerge und hunde . Athen. 4, 427, wie später im mittelalter zwerge und narren. riesen, könige und helden haben zwerge in ihrem dienst und geleit, so hat Siegfried den Elberich, im Er. 10. 53. 95. 995. 1030 hat ein ritter ein getwerc bei sich reiten, das mit der geisel schlägt. es heißt Maledicur und wird hernach mit schlägen gezüchtigt. 1066. Elegast geht stehlen mit Carl dem gr. im Wigalois kommt eine jungfrau geritten, hinter der ein gezwerg steht, das seine hände auf ihre achseln legt und lieder singt. 1721–36. ein getwerc hat daselbst des sittichs und pferdes zu hüten. 2574. 3191. 3258. 3287. 3969. 4033. kleine schwarze geister sitzen auf dem schlepp einer prächtig geschmückten frau, kichernd, klatschend, tanzend. Cæsar heisterb. 5, 7 ( anm. 2428 ). . Alle zwerge und elbe sind diebisch . unter den eddischen zwergnamen findet sich Alþiofr (Sæm. 2 b ); Alpris , richtiger Alfrîkr dvergr (Vilk. saga cap. 16. 40) heißt ›hinn mikli stelari‹, und im Titurel 27, 288 (Hahn 4105) ein berüchtigter dieb, der die eier unter den vögeln wegstielt, Elbegast (verderbt Elegast, Algast). in den niederdeutschen volkssagen stellen sie zumal den erbsenfeldern nach deutsche sagen no. 152. 155, denen ich hier zwei von hrn. Schambach mitgetheilte zufüge. die erste aus Jühnde bei Göttingen. Vor nich langer tid gaf et to Jüne noch twarge. düse plegten up et feld to gan un den lüen de arften weg to stelen, wat se üm sau lichter konnen, da se unsichtbar wören dor ene kappe, dei se uppen koppe harren. sau wören nu ok de twarge enen manne ümmer up sin grat arftenstücke egan, un richteden öne velen schâen darup an. düt duerde sau lange, bet hei up den infal kam, de twarge to fengen. hei tog alsau an hellen middage en sel rings üm dat feld. as nu de twarge unner den sel dorkrupen wollen, fellen önen de kappen af, se seiten nu alle in blaten köppen un wören sichtbar. De twarge, dei sau efongen wören, geiwen öne vele gaue wore, dat he dat sel wegnömen mögde, un versproken ene mette geld davor to gewen, hei solle mant vor sunnenupgange weer an düse stêe komen. En ander man segde öne awer, hei mögde nich gegen sunnenupgang, sundern schon üm twölwe hengan, denn da wöre de dag ok schon anegan. Düt dê he, un richtig wören de twarge da met ener mette geld. Davon heiten de lüe, dei dei mette geld ekregen harren, Mettens. – Die andere sage ist aus Dorste, amts Osterode. En buere harre arften buten stan, dei wören öne ümmer utefreten. da word den bueren esegt, hei solle hengan un slaen met wêenrauen (weidenruten) drupe rüm, sau sleugde gewis einen de kappe af. Da geng he ok hen met sinnen ganzen lüen, un funk ok einen twarg, dei sîe tau öne, wenn hei öne wier las lan wolle, sau wolle öne enn wagen vul geld gewen, hei möste awer vor sunnenupgange komen. Da leit ne de buere las, un de twarg sîe, wo sine hüle wöre. Do ging de buere henn un fraug enn, wunnir dat denn die sunne upginge? dei sîe tau öne, dei ginge glocke twölwe up. da spanne ok sinen wagen an un tug hen. Asse vor de hülen kam, do juchen se drinne un sungen: dat ist gaut, dat de büerken dat nich weit, dat de sunne üm twölwe up geit! Asse sek awer melle, wesden se öne en afgefillet perd, dat solle mêe nömen, wîer können se öne nits gewen. Da was de buere argerlich, awer hei wolle doch fleisch vor sine hunne mêe nömen, da haude en grat stücke af un laud et upen wagen. Asser mêe na hus kam, da was alles et schire gold. da wollet andere noch nae langen, awer da was hüle un perd verswunnen, Die merkwürdige bestellung vor sonnenaufgang scheint noch aus der eddischen tagscheu des zwerggeschlechts erklärbar (Sæm. 51 b ), es meidet die sonne und hat in seinen höhlen andres licht und andere zeit, als die menschen. in den nordischen sagen kehrt der zug wieder, den trold solange in ein gespräch zu verwickeln, bis die sonne aufgegangen ist: sieht er sich nun um und erblickt die sonne, so springt er entzwei (Asbiörnsen und Moe s. 186). . andere diebstäle der zwerge sind elfenm. xcii . 386 xciii gesammelt und von ihrem verlangen nach kindern und blühenden jungfrauen ist s.  civ . cv . gehandelt. zwergkönige entführen jungfrauen in ihre berge: Laurin die schöne Similt (Sindhilt?), Goldemâr oder Volmar eines königs tochter (deutsche heldens. 174. Haupts zeitschr. 6, 522. 523); das schwed. volkslied ›den bergtagna ‹ erzählt von einer jungfrau, die acht jahre lang bei dem bergkönig zubringt, sieben söhne und eine tochter mit ihm erzeugt, ehe sie die ihrigen wiedersieht aber auch zwerginnen verheirathen sich mit menschen; Ödman (Bahuslän p. 78. 79 vgl. Afzelius 2, 157) berichtet ganz ernsthaft und die eigennamen anführend: Reors föräldrar i Hogen i Lurssockn, som bodde i Fuglekärr i Svarteborgssockn; hvars farfar var en skött, ok bodde vid et berg, ther fick han se mitt på dagen sitjande en vacker piga på en sten , ther med at fånga henne, kastade han stål emellan berget ok henne , hvarpå hennes far gasmade eller log in i berget, ok öpnade bergets dörr, tilfrågandes honom, om han vill ha hans dotter? hvilket han med ja besvarade, ok efter hon var helt naken , tog han sina kläder ok hölgde öfver henne, ok lät christna henne. vid afträdet sade hennes far til honom: ›när tu skalt ha bröllup, skalt tu laga til 12 tunnor öl ok baka en hop bröd ok kiött efter 4 stutar, ok kiöra til jordhögen eller berget , ther jag håller til, ok när brudskänken skall utdelas, skall jag väl ge min‹; hvilket ok skedde. ty när de andre gåfvo, lyfte han up tacket ok kastade en så stor penningeposse ther igenom , at bänken så när gådt af, ok sade thervid: ›ther är min skänk‹! ok sade ytterligare: ›när tu skal ha tin hemmagifta, skaltu kiöra med 4 hästar hit til berget ok få tin andel‹. Tå han sedermera efter hans begäran kom tit, fik han kopparkättlar then ene större än then andre, tils then yttersta störste kättelen blef upfyld med andra mindre. item brandcreatur, som voro hielmeta, af hvilken färg ok creaturslag, som äro stora ok frodiga, the än ha qvar på rik, i Tanums gäll beläget. Thenne mannen Reors far i Foglekärsten benämd, aflade en hop barn med thenna sin således från berget afhämtade hustru, bland hvilka var nämnemannen Reor på Hogen; så har ok Ola Stenson i stora Rijk varit Reors systerson, hvilken i förledit år med döden afgik. . Folgende sage aus Dorste bei 387 Osterode trägt, wie man sehn wird, auf zwerge über, was im kindermärchen no. 46 von einem hexenmeister erzählt wird: et was enmal en mäken int holt nan arberen egan, da keimen de twarge un neiment mêe. da se na örer hülen keimen, da verleifde sek de eine twarg in se un da solle se öne ok frien, awer iest (erst) wollen de twarge de andern twarge taur hochtit bidden, underdes solle dat mäken in huse alles reine maken un taur hochtit anreien. Awer dat mäken, dat wolle den twarg nich frien, da wollet weglopen, awer dat set nich glik merken, tug et sin teug ut un tug dat ne strawisch an, un da sach et ne tunne vul hunig, da krup et rinder (hinein), und da sach et ok ne tunne vul feddern, un da krup et ok rinder, un da et wedder ruter kam, was et gans vul feddern, und da leip et weg un steig upn hoagen boam. Da keimen de twarge derbunder (darunter) vorbi, un da set seichen meinen se, et wöre en vugel, da reipen set an un sêen: ›wohen, woher du schöäne feddervugel?‹ ›ek kome ut der twarges hüle .‹ ›wat maket de schöäne junge brût?‹ ›dei steit metn bessen un keret dat hus.‹ ›juchhei! sau wil wie ok hen.‹ und da se hen keimen, sêen se taur brut ›gûen morgen‹, un sêen noch mehr dertau; awer da se nich antwure, sleuchten ser hinder de aren, un da fell se hen gewis sind die zwerge echt und alt in dieser erzählung, die noch aus kinderm. 3, 75 vervollständigt werden kann, wo vor den heimkehrenden zwergen erst füchse und bären an dem fitchersvogel vorübergehn und ihn fragen. die honigtonne im zwerghaus ist hier ein faß mit blut , beide aber entsprechen überraschend den gefäßen, welche die zwerge Fialar und Galar mit Kvâsis kostbarem blut und honig gefüllt aufbewahrten. Sn. 83. 84. Nachtrag: Wie die deutschen zwerge den erbsen , stellen die pixies in Devonshire den rüben nach. Athenæum no. 991. für den namen des diebischen Elbegast kommt auch die entstellte form Erbagast vor: ich beschwöre dich bei deinem meister Erbagast, der aller diebe meister ist. ztschr. f. thüring. gesch. 1, 188. mit den diebischen zwergen kann man Hermes vergleichen, der als neugebornes kind bereits ochsen stiehlt. hymn. in Mercur. zwerg Elberich überwältigt eine königin und zeugt mit ihr den Otnit . ein alb zeugt den Hogni . Vilk. saga cap. 150. die sage des schwed. volksliedes ›den bergtagna ‹ erzählt auch Dybeck 1845 s. 94: besonders gern rauben sich die zwerge menschliche bräute und verlieben sich in göttinnen . vgl. die sage von Freya. das märchen vom fitchersvogel hat auch Pröhle märch. f. d. jugend no. 7, wo er fledervogel heißt. vgl. Schambach s. 303. 369. der zug, daß Snewitchen in die zwerghütte kommt, sie verlassen, aber die tische gedeckt, die betten gemacht findet, und hernach die sieben zwerge heimkehren (KM. no. 53) stimmt merkwürdig zu herzog Ernst, der in die leere burg der schnabelichten leute gelangt. als sie zurückkehren, sieht der wirt an der speise, daß gäste dagewesen sind, gleichwie die zwerge fragen: wer hat mit meiner gabel gegessen? Ernst 2091–3145. diese kranichmenschen erscheinen auch sonst in zwergsagen. sind sie aus Plinius und Solinus? Plin. 4, 11. Gerania , ubi pygmæorum gens fuisse proditur, Cattuzos (al. Cattucos) barbari vocant, creduntque a gruibus fugatos . vgl. Plin. 7, 2. Haupts ztschr. 7, 294. 295. schon Il. 3, 6 heißt es von den kranichen: ἀνρδάσι πυγμαίοισι φόνον καὶ κῆρα φέρουσαι. über zwerge und kraniche spricht Hecatæus in fragm. hist. gr. 1, 18. die Finnen wähnten, daß die wandernden vögel winters im zwergland wohnen. daher bedeutet lintukotolainen (einer bei den vögeln wohnend) den zwerg. Renvall s. v. lintu. vgl. den zwergnamen lindukodonmies d. h. vogelbauermann. die fahrt des flüchtigen h. Ernst in jenes land kann erinnern an Babr. 26, 10: φεύγωμεν εἰς τὰ Πυγμαίων. der zug der nordischen sage, daß der zwerg bei sonnenaufgang verschwindet , kommt auch in den erzählungen von den pixies in Devonshire vor. Athenaeum. no. 991. in schwed. sagen wird riesen diese tagesscheu beigelegt. runa 3, 24. sv. folks. 1, 187. 191. . Wolgestalte kinder der menschen entwenden sie aus der wiege und legen ihre eignen häßlichen oder gar sich selbst an deren stelle. Diese untergeschobnen geschöpfe heißen cambiones ( abergl. E. anh.), ahd. wihselinga N. ps. 17, 46. cant. deuteron. 5, nhd. wechselbälge , schw. bytingar , dän. bittinger , nhd. auch kielkröpfe , dickköpfe von ihren dicken hälsen und köpfen; erzählungen stehen bei Thiele 1, 47. 3, 1. Faye p. 20. ir. elfenm. xli – xlv . cv . deutsche sagen no. 81. 82. 87–90 dresd. saml. no. 15 von des müllers sun. Ein thörichter müller bittet ein mädchen ihn der liebe süssigkeit zu lehren. sie läßt ihn die ganze nacht honig lecken, er leert einen großen topf aus, bekommt leibweh und bildet sich nun ein schwanger zu sein. Sie beschickt einen haufen alter weiber, ihm in seinen kindesnöthen beizustehen. ›da fragt er war sein kind wer komen? sie sprachen: hastu nit vernommen? ez was ain rehter wislonbalk , und tett als ein guoter schalk : da er erst von deinem leib kam, da fuor ez pald hin und entran hin uff zuo dem fürst empor. Der müller sprach: pald hin uff daz spor! vachent ez! pringent ez mir herab‹! Sie bringen ihm eine schwalbe in verdecktem topfe. Hier noch eine hessische volkssage: eine frau schnitt korn am Dosenberg; zur seite lag ihr kleines kind. ein wichtelweib kam geschlichen, nahm das menschenkind und legte ihr eignes an die stelle. Als die frau nach ihrem lieben säugling sah, gafte ihr ein häßlicher dickkopf in die augen. Sie schrie laut auf und schrie so heftig zeter, daß die diebin endlich wieder kam mit dem kind; aber nicht eher gab sies zurück, bis die frau den wichtelbalg an ihre brust gelegt und einmal mit edler menschenmilch gesäugt hatte. . Schon im gedicht von Zeno 388 (bei Bruns p. 27 ff.) ist es der teufel , der das geraubte kind ersetzt. zweck des wechsels scheint, daß die elbe bemüht sind ihre art durch das entwendete menschliche kind größer zu ziehen, welches sie nun bei sich zu behalten meinen und wofür sie ihr eignes kind hingeben. Gegen die austauschung sichert, daß man einen schlüssel, oder eins von des vaters kleidern, oder stahl und nähnadeln in die wiege lege (deutsch. abergl. no. 484 . 744 . schwed. 118 ) den Finnen heißt der wechselbalg luoti : monstrum nec non infans matre dormiente a magis suppositus, quales putant esse infantem rachitide laborantem (Renvall). eine bretagnische sage von der korrigan , die ein kind wechselt, hat Villemarqué 1, 25. . Eine der bedeutendsten einstimmungen, die ich überhaupt kenne, findet statt in bezug auf die art und weise, wie man sich den wechselbalg vom halse schaffen kann. In Hessen als der wichtelmann wasser in eierschalen über feuer kochen sieht, ruft er aus: ›nun bin ich so alt wie der Westerwald und habe doch nicht in eierschalen kochen sehn‹. (KM. no. 39.) In Dänemark wird dem wechselbalg ein mit haut und haar gefülltes schwein vorgesetzt: ›nun hab ich dreimal jungen wald auf Tisö gesehn und niemals dergleichen‹. (Thiele 1, 48.) Vor dem irischen werden auch eierschalen gesotten, bis er sagt: ›ich bin 1500 jahre auf der welt und nimmer sah ich das‹. (elfenm. s. 38.) vor dem schottischen legt die mutter 24 eierschalen auf den heerd und lauscht was er sagen werde, er sagt: sieben jahr war ich alt bevor ich zur amme kam, und vier jahr lebte ich seitdem, nimmer sah ich so viel milchpfannen‹. (Scotts minstrelsy 2, 174.) Nach dem bretagnischen volkslied (Villemarqué 1, 29) sieht er die mutter in einer eierschale für zehn hausknechte kochen und bricht in die worte aus: ›ich habe das ei vor der weißen henne gesehn und die eichel vor der eiche , gesehn die eichel und den zweig, die eiche im wald Brezal, und nimmer solches‹. diese sage vom wechselbalg wird auch auf frau Gaudens hündlein angewandt s. cap.  XXXI . Villemarqué 1, 32 führt hierzu noch eine welsche sage und aus Gottfried von Monmouth eine stelle an, wo die bretagnische und welsche formel für das hohe alter bereits Merlin dem wilden in den mund gelegt wird. ein alter wald wird immer dabei genannt. Es kam in allen jenen sagen darauf an, den wechselbalg zum selbstgeständnis seines alters, folglich der vertauschung durch ein seltsames vornehmen zu bringen. Solche überlieferungen müssen 389 von frühster zeit an in Europa weit verbreitet gewesen sein; offenbar nahm man an, daß den elben und den korred eine ganz andre lebensdauer zustehe als dem menschlichen geschlecht Nachtrag: Das von zwergen untergeschobne geschöpf heißt altn. skiptûngr Vilk. saga 167. 187. isl. umskiptîngr , kominn af âlfum . Finn. Joh. hist. eccl. Islandiae 2, 369. Helsing: byting (östgöt. möling) skepnad af mördade barn. Almqv. 394 b . in Småland illhere , barn bortbytt af trollen, litet, vanskapligt, elakt barn. Alinqv. 351. mhd. wehselbalc . Germ. 4, 29. wehselkalp . Keller 468, 32. wechselkind . bergreien s. 64. a fairy changeling in Devonshire und Cornwall. Athenaeum. no. 989. der name kielkropf ist ahd. chelchropf in der bedeutung von struma. Graff 4, 598. so wird auch heute noch in einigen gegenden kielkropf genannt, was sonst grobs , grübs heißt, sowol am apfel als im hals, und auch von kleinen kindern gebraucht. Reinwald id. 1, 54. 78. 2, 69. auch butzigel , Adamsbuts kommt dafür vor. a. o. 1, 18 (s.  418 . 419 ). vgl. kribs, gribs (s.  372 ). Luthers tischr. 1568. s. 216 b . 217 a heißt es: weil er im kropf kielt , Schm. 2, 290 kielkopf . der schott. sithich stielt kinder und legt einen wechselbalg an die stelle. Armstrong s. v. (Leo malb. gl. 1, 37). im litth. vertauscht die Laume kinder, daher der wechselbalg litth. Lauměs apmainytas heißt. böhm. podwržnec . wendisch přemeńk . man peitsche ihn mit zweigen der hängebirke, so wird er wieder abgeholt. volksl. 2, 267 b . 268 a . ähnliches hauen des wechselbalgs mit der holzpeitsche bei Sommer s. 43. vgl. Praetor. weltb. 1, 365. anmuthiger ist die überlieferung, daß die zwerge es gern haben, daß eine menschliche mutter ihr zwergkind an die brust lege , die dann reich dafür belohnt wird. Firmenich 1, 274 b . der anm. 1171 angezogene schwank von des müllers sun kehrt wieder in dem mhd. gedicht von des muniches not. Haupts ztschr. 5, 434 ff. andere wechselbalgs- und kielkropfssagen stehen bei Müllenhoff s. 312. 313. 315. DS. 81. 82. Ehrentraut fries. arch. 2, 7.8. Die seltsame weise, den wechselbalg zum selbstgeständniß seines alters, folglich der vertauschung zu bringen, wird durch zahlreiche sagen belegt. als vor dem kind eines unterirdischen in einem hühnerdopp ein brau gemacht und das bier dann in den dopp eines gänseeis gegossen war, ruft es aus: ›ik bün so oelt as de Behmer woelt unn heff in myn läebn so'n bro nich seen‹. Müllenhoff no. 425, 1. (as Behmer golt . Lisch jahrb. 9, 371), ähnlich bei Müllenhoff no. 425, 2. die schwed. sage bei Dybeck 1845 s. 78. 1847 s. 38. Tiroler sagen bei Steub s. 318. 319. Thaler in Wolfs ztschr. 1, 290. Pröhle s. 48. eine littauische bei Schleicher. Wiener ber. 11, 105. so viel jahre als die tanne nadeln hat. Vonbun 6. ›ich habe die eiche im wald Brezal gesehn‹ scheint alt, denn schon im Roman de Rou heißt es vom wald von Breceliande: vis la forest, è vis la terre. zu Iwein s. 263. daß die elbe ein hohes alter erreichten, wird auch sonst bezeugt, so war Elberich älter als 500 jahr. Ortnit 241. . Alle elbe haben unwiderstehlichen hang zu musik und tanz . man sieht sie nachts im mondschein auf den wiesen ihre reigen führen und erkennt morgens die spur im thau: dän. älledands , schwed. älfdands , engl. fairy rings , fairy green . die erscheinung tanzender berggeister auf den matten zeigt den menschen ein gesegnetes jahr an (deutsche sagen no. 298). ein östreich. volkslied (Schottky p. 102): ›und duärt drobn afm beargl, da dânzn zwoa zweargl , de dänzn so rar‹. in Laurins berg, in frau Venus berg rauscht fröhliche, verführerische musik, tänze werden darin getreten (Laurin 24); im Ortnit Ettm. 2, 17 ist ein smalez pfat getreten mit kleinen füezen. der elbinnen gesänge locken jünglinge auf den berg und es ist um sie geschehen (svenska fornsänger 2, 305. danske viser 1, 235-240) volkssage vom Hanebierg in den antiqvariske annaler 1, 331. 332. . dies spiel heißt elffrus lek , elfvelek . das gewöhnliche fornyrdalag führt bei den isländischen dichtern den namen liuflîngslag (carmen genii) Olafsen s. 56; in Norwegen heißt eine solche süße musik huldreslât (oben s.  225 ); ein ungedrucktes mhd. gedicht (cod. pal. 341, 357 a ) enthält die merkwürdige stelle: da saßen fideler ›und videlten alle den albleich ‹, ein andres (altd. bl. 2, 93) redet von ›seiten spil und des wihtels schal ‹, es muß eine süße, entzückende weise gewesen sein, deren erfindung man den elben beimaß vgl. ir. elfenm. lxxxi – lxxxiii und oben s.  364 das wihtelspil; Ihre s. v. älfdans, Arndt reise nach Schweden 3, 16. . Finn Magnusen bezieht den namen des zwergs Haugspori (Sæm. 2 b ) auf die dem gras eingedrückten spuren eines bei nächtlicher weile über die hügel streifenden albs. Auch in einem liede bei Villemarqué 1, 39 tanzen sich die zwerge außer athem Nachtrag: Die elbe meiden die sonne (s. 386 ), sie versinken in die erde, oder sehen wie blumen aus, oder wandeln sich in eller , espen , weidenzweige . pflanzen, die im haufen oder kreis wachsen, z. b. die schwed. hvitsippan eignet man ihnen zu. Fries bot. udfl. 1, 109. so redet auch die feenkönigin aus einem busch dörner oder getreides. minstrelsy 2, 193. der elbe freudenzeit aber ist die nacht , weshalb sie in Vorarlberg das nachtvolk genannt werden. Steub s. 82, zumal die Johannisnacht. minstrelsy 2, 195. dann stellen sie lustigen tanz an, den elfdans . Dybeck 1845, 51. so tanzen die elbinnen mit gesang bei Müllenhoff s. 341. sie hüten sich dabei das kraut Tarald zu berühren. Dybeck 1845, 60. wer die elbe tanzen sieht, darf sie nicht anreden. they are fairies; he that speaks to them, shall die I'll wink and couch. no man their works must eye. merry wives of Windsor 5, 5. wenn die unterirdischen auf dem berg tanzen, entstehn kreise im gras. Reusch zusatz zu no. 72. ebenso tanzen die hoiemännlein, die ihren namen von hoien , huien d. i. laut schreien führen, ringe ins gras. Leoprechting 32. 34. 107. 113. 118. 129. Schönwerth 2, 342. diese grünen kreise werden in Devonshire › fairy rings ‹ genannt und als wohnungen der pixies betrachtet. Athenaeum no. 991. die Sesleria coerulea heißt elfgräs . Fries bot. udfl. 1, 109, die perlmuschel dän. elveskiäl . Nemn. 2, 682. die elbe lieben den aufenthalt an brunnen gleich frau Holda und den feen (s.  341 ). der elvinnen fonteine . Lanc. 345. 899. 1346. 1394. der elvinnen born . 870. 1254. . Diese liebe der elbe zu den tönen und tänzen knüpft ihr geschlecht an höhere wesen, vorzüglich an halbgöttinnen und göttinnen. Auf (der Isis) schif erschallt nächtlicher freudengesang, und das volk zieht seine reigen darum her (s.  214 ). in frau Holdas wohnung, in frau Venus berg ist gesang und tanz. celtische überlieferungen stellen die feen tanzend vor (mém. de l'acad. celt. 5, 108); diese feen stehen in der mitte zwischen elbinnen und weisen frauen gleich den serbischen vilen, die am berg und wiesen ihren tanz halten (s.  362 ). . von den griech. bergfrauen heißt es im hymn. in Ven. 260: δηρὸν μὲν ζώουσι καὶ ἄμβροτον εἶδαρ ἔδουσι, καί τε μετ' ἀϑανάτοισι καλὸν χορὸν ἐῤῥώσαντο . Kein wunder, daß auch den klugen elben und zwergen die gabe der weissagung zugeschrieben wird. Andvari der zwerg erscheint 390 ganz so in der edda (Sæm. 181 a ) und noch mehr Alvîs; zwerg Eugel (niederdeutsch Ögel) weissagt dem Siegfried (hürn. Sîfr. 46, 4. 162, 1) wie Grîpir in der edda, dessen vater Eylimi heißt; im altfranz. Tristran ist der nains (nanus) Frocin ein devins (divinator) und er deutet die sterne bei der geburt von kindern (z. 318–326. 632). Wo zwerge in sagen und märchen einzeln neben menschen auftreten, sind sie kluge rathgeber und hilfreich, leicht aber auch erzürnt und beleidigt. diesen character haben Elberich und Oberon; in einem schweizerischen kindermärchen (no. 165) erscheint ›e chlis isigs mandle ‹ (kleines eisgraues männlein), ›e chlis mutzigs mandle ‹ (kleines kurzes m.) in einem ›isige chläidle‹ und lenkt die ereignisse; annahendes unheil oder den tod verkündigen elbe den menschen voraus (ir. elfenm. lxxxvi ). In dieser hinsicht ist auch nicht ohne bedeutung, daß elbe und zwerge das von frau Holda und Frikka begünstigte spinnen und weben treiben. die fliegenden spinneweben im herbst hält der volksglaube für ein gespinnst von elben und zwergen; von den Christen wurde es Marienfaden, Mariensommer genannt, weil man sich auch Maria spinnend und webend dachte. schwed. bedeutet dverg außer nanus auch araneus, dvergsnät (zwergsnetz) ein spinneweb auch bretagn. korr beides, spinne und zwerg. . Die altn. saga von Samson hinn fagri erwähnt cap. 17 eines wunderbaren mantels (skickja), den elbinnen gewebt hatten (sem âlfkonurnar höfđu ofit). Auf einem von geistern bewohnten hügel hört man nachts die elbin (das mag hier troldkone bedeuten) spinnen und ihr spinnrad schnurren, erzählt Thiele 3, 25. Melusine die fee heißt in einem mnl. gedicht alvinne (Mones nl. volkslit. p. 75). Die männlichen zwerge hingegen schmieden kleinode und waffen (oben s.  367 . 370 ), wie schon ir. elfenm. lxxxviii umständlicher dargethan ist hier noch eine sage aus Ödmans Bahuslän p. 79: thessutan har man åtskillige berättelser ok sagor om smedar , rå i högar som bärg, såsom här i Fossumstorp högar, hvarest man hördt, at the smidt liksom i en annan smidja om aftonen efter solenes nedergång , ok eljest mitt på höga middagen. För 80 år sedan gik Olas fadar i Surtung, benämd Ola Simunsson, här i fössamlingen från Slångevald hafvandes med sig en hund, hvilken tå han blef varse mitt på dagen bärgsmannen , som tå smidde på en stor sten , skiälde han på honom, hvar på bärgsmeden , som hade en liusgrå råk ok blåvulen hatt , begynte at snårka åt hunden, som tillika med husbonden funno rådeligast, at lemna honom i fred. Thet gifvas ok ännu ibland gemene man små crucifixer af metall, som gemenlingen halles före vara i fordna tider smidde i bärg , hvilka the oförstandige bruka at hänga på boskap, som hastigt fådt ondt ute på marken, eller som säges blifvit väderslagne , hvarigenom tro them bli helbregda. af sådana bärgsmiden har jag ok nyligen kommit öfver ett, som ännu är î förvar, ok på ofvannämde sätt gik i lån at bota siukdommar. . Daß man den zwergen rohes eisen bringt und den andern morgen um geringen lohn vor der höle geschmiedet findet, ist ein uralter zug; der scholiast des Apollon. rhod. (Argon. 4, 761) erläutert die ἄκμονες Ἡφαίστοιο durch eine sage von den vulkanischen inseln um Sicilien aus Pytheas reisebericht: τὸ δὲ παλαιὸν ἐλέγετο τὸν βουλόμενον ἀργὸν σίδηρον ἀποφέρειν καὶ ἐπὶ 391 τὴν αὔριον ἐλϑόντα λαμβάνειν ἢ ξίφος ἢ εἴ τι ἄλλο ἤϑελε κατασκευάσαι, καταβαλόντα μισϑόν Nachtrag: Die zwerge verleihen den wunsch . ein mann quam an einen berch, dar gref hie einen cleinen dwerch, uf dat hie leiße lofen balde den dwerch, hie gafem wunsche walde drier hande . cod. guelferb. fab. 109. die zwerge sind kluge rathgeber , so Antilois dem Alexander, und sehr geschickt. ein kluger zwerg Pacolet im Cleomades und Valentin macht ein hölzernes pferd, auf dem man durch die luft reitet (wie Wieland und Daedalus). er ist doch nicht mit Pakulls verwandt? manec spaehez werc ez worht ein wildez twerc der listig Pranzopil. Wigam. 2585. Dâinsleifr ist der name eines von einem zwerge gefertigten schwertes . Sn. 164. auch Elberich trug von der esse die ringe . Ortnit 176. Wigal. 6077 sagt von einem harnasch : er wart von einem wîbe verstoln einem getwerge alrêrst ûz einem berge, dâ ez in mit listen gar het geworht wol drîzec jâr . die westfäl. schönaunken schmieden pflugeisen und brandröste in dreifußgestalt. Kuhn westf. s. 1, 66, vgl. die sage bei Firmenich 1, 274 a . der held der Wielandsage (HS. s. 323) erscheint als Hefäst oder als schmiedender zwerg (s.  367 ). . Was ich über die natur und eigenheiten der elbe zusammengestellt habe wird sich durch betrachtung einzelner elbischer wesen, die noch unter besondern namen vorkommen, bestätigen. Unter ihnen will ich einem genius, der in den nord. mythen gar nicht auftritt, die erste stelle anweisen; er scheint dennoch von hohem alter. mhd. gedichte erwähnen seiner verschiedentlich: si wolten daz kein pilwiz si dâ schüzze durch diu knie.   Wh. 324, 8. er solde sîn ein guoter und ein pilewis geheizen, davon ist daz in reizen die übeln ungehiure.   Rüediger von zwein gesellen (cod. regimont.) 15 b . dâ kom ich an bulwechsperg gangen dâ schôz mich der bulwechs , dâ schôz mich die bulwechsin , dâ schôz mich als ir ingesind.   cod. vindob. 2817. 71 a von schrabaz pilwihten .   Titur. 27, 299. (Hahn 4116.) sein part het manchen pilbiszoten .   Casp. von der Rön. heldenb. 156 b . hieraus ist es schwer, den echten namen zu gewinnen. Wolfram reimt pilwiz (var. pilbiz, bilwiz, bilwitz) auf biz (morsus) mit kurzem vocal in der letzten silbe, das scheint auf pilwiht hinzudeuten, so wie bilbis in einem gedicht, das sonst pilbeis geschrieben hätte, es darf also nicht an das alts. balowîso, noch unmittelbar an jenen gegensatz von bilwîs und balwîs (s.  310 ) gedacht werden. die wechselnde form verräth, daß man das wort schon im 13. 14 jh. nicht mehr verstand; späterhin wurde es noch auf andere weise entstellt, bulwechs gemahnt an einen ganz abliegenden ausdruck balwahs (hebes) fundgr. 1, 343, wo palwasse: vahse, wie mhd. öfter wahs (acutus) für was, ahd. huas, ags. hväs, altn. hvass. das ahd. palohuas ist also übelscharf = stumpf, altn. bölhvass? wie palotât übelthat. die spätere form bülwächs belegt Schm. 4, 15. . Ein beichtbuch aus der ersten hälfte des 15 jh. (Hoffmanns monatschr. 753) hat pelewysen synonym mit hexen und in gleichem sinn braucht des Colerus hausbuch (Mainz 1656) p. 403 bihlweisen ; mehrere belege für die form pilbis liefert Schm. 4, 188. Willkommen ist das westphäl. nnl. belewitten im Teutonista, es wird von Schuiren gleichgesetzt den ausdrücken guede holden und witte vrouwen (penates). Kilian hat belewitte (lamia), hierher gehört eine stelle aus Gisb. Voetius de miraculis (disput. tom. 2,1018): ›de illis, quos nostrates appellant beeldwit et blinde belien , a quibus nocturna visa videri atque ex iis arcana revelari putant‹. belwit ist also penas, ein freundlichgesinnter hausgeist, ein guote holde (oben s.  221 ), wie es bei 392 Ruediger heißt ›ein guoter und ein pilewiz ‹. Der ags. sprache ist ein adj. eigen bilvit , bilevit Cædm. 53, 4, 279, 23, das mansuetus, simplex erklärt wird, genauer aequus, justus bedeuten könnte. bilevit fäder heißt gott, (Andr. 1996) Boeth. metr. 20, 510. 538, und so wird er auch cod. exon. 259, 6 angeredet; bilvitra breost (bonorum, aequorum pectus) cod. exon. 343, 23. die schreibung bilehvit (Beda 5, 2, 13 wo es simplex übersetzt) würde auf hvît (albus) führen; was sollte dann aber bil bedeuten? ich ziehe das beglaubigtere bilevit vor, und nehme vit für scius, bilvit , ahd. pilawiz , pilwiz? für aequum das einfache bil scheint an sich schon aequitas, jus, und mythisch genug (oben s.  310 ). mhd. billich (aequus) Diut. 3, 38. fundg. II. 56, 27. 61. 23. 66, 19. Reinh. 354 Iw. 1630. 5244. 5730. 6842. Ls. 2, 329. billîchen (jure) Nib. 450, 2. dor billich (aequitas) Trist. 6429. 9374. 10062. 13772. 18027; ahd. kenne ich billih nur aus W. lxv , 27, wo die Leidner hs. bilithlich . in der that, da sich die begriffe aequus, aequalis, similis berühren, ist bilidi, piladi aequalitas, similitudo, altn. likneski (imago). Auch im celtischen heißt bil gut, mild und Leo (malb. gl. 38) versucht bilwiz aus bilbheith, bilbhith zu deuten. sciens, aequus, bonus, obgleich ein adj. vit, wiz sonst, so viel ich weiß, mangelt, und das altn. vitr (gen. vitrs) noch ein ableitendes R zufügt. Sind diese etymologien haltbar, so ist bilwiz ein guter genius, aber elbischer natur, er hauset in bergen , sein geschoß wird, wie das des albs (s.  381 ) gefürchtet, er verwirrt und verfilzt, gleich dem alp die haare (s.  384 ). zumal merkwürdig ist die von Schm. 4, 188 beigebrachte stelle: ›so man ain kind oder ain gewand opfert zu aim pilbispawm ‹, d. h. einem baum, den man von dem pilwiz bewohnt glaubt, wie waldgeister und elbe in den bäumen stecken. Börners sagen aus dem Orlagau s. 59. 62 nennen eine hexe Bilbze . auf die verwandlung des ausdrucks bilwiz , bilwis in bilwiht mochte man leicht gerathen, da auch sonst S und H, S und HT (lios, lioth; gramm. 1, 138) ST und HT (forest, foreht; gramm. 4, 416) tauschen, die zusammensetzung bilwiht aber einen passenden sinn gewährte (guter wicht). gl. blas. 87 a liefern wihsilstein (penas), ja die heutige zwischen weichselzopf , wichselzopf und wichtelzopf ( bichtelzopf ) schwankende benennung der plica (s.  384 ) bestätigt den übergang der formen bilweichs , bilwechs und bilwicht ; ohne zweifel kommt auch bilweichszopf, bilwizzopf vor poln. heißt die plica, außer koltun, auch noch wiesczzyce (Linde 6, 227) und der volksglaube schreibt sie dem zauber einer wieszczka , d. h. weisen frau, weissagerin, hexe zu. dieses wieszczyce stimmt zu weichselzopf auf dem - wiz , - weis in bilwiz. Ließe sich ein compositum bialowieszczka (weiße zauberin, weiße fee) nachweisen (ich finde es aber nirgends, auch nicht bei andern Slaven); so würde starke vermutung für die herkunft unseres bilwiz aus dem slavischen erwachsen, vorläufig scheint mir seine deutschheit durch die abwesenheit jener slav. zusammensetzung, so wie durch das ags. bilvit, nl. belwitte gesichert: übrigens stammt unser wiz aus wizan, das poln. wieszcz aus wiedziéc', und verwandtschaft beider wörter erklärt sich auch ohne entlehnungen. unverwandt scheint mir das sloven. paglaviz zwerg und der litthauische Pilvitus (Lasicz 54) oder Pilwite (Narbutt 1, 52), gott oder göttin des reichthums. . In den jüngsten jahrhunderten hat der volksglaube, die alte, edlere bedeutung dieses geisterhaften wesens verlierend, gerade wie 393 bei alb, Holla und Berhta, nur die feindselige seite seiner natur festgehalten: es erscheint als plagendes, schreckendes, haar und bart wirrendes, getraide zerschneidendes gespenst, meist in weiblicher gestalt, als böse zauberin und hexe. schon Martin von Ambergs beichtspiegel deutet das pilbis durch teufel und Kilian belewitte durch lamia, strix. die überlieferung haftet vornehmlich im östlichen Deutschland, in Baiern, Franken, Vogtland, Schlesien. Hans Sachs gebraucht bilbitzen vom verwickeln der haarzöpfe, pilmitz von verworrenen haarlocken: ›ir har verbilbitzt , zapfet und stroblet, als ob sie hab der rab gezoblet‹. I. 5, 309 b . II. 2, 100 d ; › pilmitzen , zoten und fasen‹. III. 3, 12 a . Im ackermann von Böhmen cap. 6 steht pilwis gleichbedeutig mit hexe. ›zauberer pielweiser , wahrsager‹, Böhmes beitr. zum schles. recht 6, 69. ›ao. 1529 (zu Schweidnitz) ein pielweiß lebendig begraben‹. Hoffmanns monatsschrift s. 247. ›1582 (zu Sagan) zwo ehrbare frauen für pilweißen und huren gescholten‹ (das. 702). ›du pileweißin! ‹ A. Gryphius p. 828. ›las de deine bilbezzodn auskampln‹ sagt die zornige mutter zum kinde (Schm. 1, 168), ›i den bilmezschedl (struppigen kopf) get nix nei‹. pilmeskind , eine schelte wie teufelskind (Delling bair. idiot. 1, 78). in Thüringen an der Saale sagt man bulmuz von ungewaschnen, ungekämmten kindern; bilbezschnitt , bilwezschnitt , bilfezschnitt , pilmasschnid (Jos. Rank. Böhmerwald s. 274) bezeichnet aber einen durchschnitt im getraidefeld, den man als werk eines geistes, einer hexe oder des teufels betrachtet. Dieser glaube geht auch in ein hohes alter hinauf. schon die lex. bajuvar. 12 (13), 8: ›si quis messes alterius initiaverit maleficis artibus et inventus fuerit, cum duodecim solidis componat, quod aranscarti goth. asans (messis) ahd. aran , arn. dicunt‹. ein solcher übelthäter hieß wol damals piliwiz , pilawiz? Mederer bemerkt zu der stelle p. 202. 203: ein ehrlicher landmann erzählte mir von dem sogenannten bilmerschnitt , bilberschnitt folgendes: ›der böse mensch, der seinem nachbar auf die gottloseste weise schaden will, geht mitternachts, ganz nacket, an den fuß eine sichel gebunden und zauberformeln hersagend, mitten durch den eben reifenden getraideacker hin. von dem theil des feldes, den er mit seiner sichel durchschnitten hat, fliegen alle körner in seine scheune, in seinen kasten‹. Hier wird alles einem von menschen geübten zauber beigemessen ist auf diese zauberei schon eine stelle der kaiserchronik 2130–2137 bezüglich? diu muoter heizit Rachel, diu hât in gelêret: swenne sie in hiez sniden gân, sîn hant incom nie dâr an , sîn sichil sneit schiere mêr dan andere viere; wil er durch einin berc varn, der stêt immer mêr ingegen im ûf getân. . 394 Auch Julius Schmidt (Reichenfels p. 119) berichtet aus dem Vogtland: der glaube an die bilsen oder bilverschnitter ist ziemlich verbreitet, ja es mag gewisse leute geben, die welche zu sein meinen: diese gehen dann am Johannis, mitunter am Walpurgistage vor sonnenaufgang in das feld, schneiden mit kleinen an die großen zehen gebundnen sicheln die halme ab, wobei sie quer durch den acker treten. solche leute sollen kleine dreieckige hüte (bilsenschnitterhütchen) aufhaben; grüßt sie jemand in dem gang, so müßen sie heuer sterben. die bilsenschnitter glauben nun die hälfte des ertrags von dem felde, wo sie geschnitten haben, zu bekommen; bei manchen leuten hat man nach ihrem tode kleine sichelförmige instrumente gefunden. wenn der eigenthümer des ackers stoppeln der geschnittenen halme antrift, und in den rauch hängt, so muß der bilsenschnitter nach und nach vertrocknen Nachtrag: Über den bilwiz noch folgendes. er heißt pilwiz . Mone anz. 7, 423. billwiz , unholden. schleiertuch s. 244. Cuonrad de pilwisa . ch. a. 1112. MB. 29 a , 232. weiter abweichend bilweisz . Gefken beil. 112. etliche glaben daz kleine kind zu pilweissen verwandelt sind. Mich. Beham (Mones anz. 4, 451). vgl. ungetaufte kinder (s.  765 ). niederhess. heißt es: er sitzt hinterm ofen und hütet die biwitzerchen . hess. jahrb. 1854. s. 252 (al. kiwitzerchen). berlewitz (s.  889 ). an Walpurgs abende, wan de pülewesen ausfahren. Gryphius Dornr. s. 93. sprechen, ich wer gar eine büleweesse . das. s. 90. sie han dich verbrant, als wenn du ein püleweesser werst. das. s. 52. vgl. palause (s.  898 ). in Geldern sagt man: Billewits wiens goed is dat? auch Pillewits , Prillewits . im lekenspiegel des Jan Deckers (von Antwerpen, gedichtet 1330) heißt es, als von den 15 zeichen des jüngsten gerichts die rede ist (IV. 9, 19 de Vries 2, 265. vgl. gloss. s. 374): opten derden dach twaren selen hem die vische baren op dat water van der zee, of si hadden herden wee, ende merminnen ende beelwiten ende so briesschen ende criten, dat dat anxtelie gescal toten hemel climmen sal. vgl. zu beelwiten die › witten belden ‹. Gefken beil. 157. die bilwitze haben das ›hâr vervilzet‹ Barl. 384, 361. (Wolfram legt der Cundrie und ihrem bruder Malcreâtiure solche haare und rauhe haut bei. Parz. 313, 17. 25). sie zaubern. zauberer, waydeler, pilwitten , schwarzkünstler nennt das gesetz des hochmeisters Conr. v. Jungingen neben einander. Jacobson quellen des cath. kirchenr. urk. s. 285. den bilmerschnitt , der auch biberschnitt heißt und am ostertag oder pfingsttag ausgeführt wird, bespricht auch Panzer beitr. 1, 240. durchschnitt wird er genannt bei Leoprechting s. 19. vgl. Sommers sagen s. 171. Clementis recogn. 2, 9 (ed. Gersd. s. 44). . Zufolge einer mittheilung aus Thüringen kann man den bilmes oder binsenschneider , wie er auch heißt, auf doppelte weise verderben. entweder setze man sich auf trinitatis oder Johannis, wenn die sonne am höchsten steht, mit einem spiegel vor der brust auf einen holunderstrauch, und schaue nach allen enden um, so kann man den binsenschneider wol entdecken; jedoch mit großer gefahr: denn wenn der aufpassende eher vom binsenschneider gesehen wird, als er ihn erblickt, so muß er sterben und der binsenschneider bleibt leben, er müste sich denn zufällig selbst in dem spiegel, den jener vor der brust hat, erschauen, in welchem fall er auch noch in diesem jahr sein leben verliert. Oder, man trage ähren, die der binsenschneider geschnitten hat, stillschweigend in ein neuausgeworfenes grab, die ähren dürfen aber nicht mit bloßer hand angefaßt werden: würde nur das geringste dabei gesprochen oder käme ein tropfen schweiß aus der hand mit ins grab, so muß, sobald die ähren verfaulen, derjenige sterben, welcher sie hineinwarf. Was hier menschlichen zauberern, wird anderwärts dem teufel beigelegt (abergl. no.  523 ) oder elbischen gespenstern, die sich schon an ihren kleinen hüten kundgeben. sie heißen bald bilgenschneider , bald pilver oder hilpertsschnitter , bald führen sie ganz abweichende benennungen. Alberus gibt den mit Huldas heer fahrenden weibern sicheln an die hand (oben s.  223 ). Nach Schm. 1, 151 heißt es an einigen orten bockschnitt , weil das gespenst auf einem bock durchs getraidefeld reisen soll, wobei an Dietrich mit dem eber (s.  177 ) erinnert werden kann. Der osnabrückische volksglaube läßt die tremsemutter im korn umgehen: sie wird von den kindern gefürchtet. im Braunschweigischen heißt sie kornwif , wenn die kinder kornblumen suchen, wagen sie sich nicht zuweit ins grüne feld und erzählen sich vom kornweib, das die kleinen raube. in der Altmark und mark Brandenburg wird sie genannt roggenmöhme und man schweigt schreiende kinder mit den worten: ›halts maul, sonst kommt roggenmöhme mit ihren schwarzen langen 395 zitzen und schleppt dich hinweg!‹ vgl. deutsche sagen no. 89. Kuhn s. 373. Temme sagen p. 80. 82 der Altmark. die badische volkssage macht daraus ein rochertweibele und eine verwünschte gräfin von Eberstein, die in einem wald namens Rockert umgehe (Mones anzeiger 3, 145). andere erzählen: ›mit ihren schwarzen eisernen zitzen‹, was an die eiserne Berhta erinnert; noch andere nennen sie rockenmör , weil sie, gleich Holla und Berhta, den faulen mägden, die in den zwölfen ihren rocken nicht abgesponnen haben, allerlei possen spielt. kinder, die sie an ihre schwarze brust legt, können leicht sterben. Ist nicht auch die bairische preinscheuhe ein solches getraidegespenst? im Schräckengast, Ingolst. 1598 finden sich p. 73 › preinscheuhen und meerwunder‹ p. 89 ›wilde larvenschopper und preinscheuhen ‹ nebeneinander. prein, brein, eigentlich brei (puls) bedeutet auch körnertragende pflanzen wie haber, hirse, panicum, plantago (Schm. 1, 256. 257) und breinscheuhe wäre der geist, den das volk in haber und hirsenfeldern fürchtet? Unverkennbar durch alle diese zusammenstellungen ist die verwandtschaft der bilwiße mit göttlichen und elbischen wesen unseres heidenthums. Sie verfilzen das haar wie frau Holla, frau Berhta und der alb, sie tragen den kleinen hut und führen das geschoß der elbe, sie sind zuletzt gleich Holla und Bertha, zu einer kinderscheuche herabgesunken. ursprünglich ›gute holden‹, gesellige wolthätige wesen haben sie sich allmälich in unholde, teuflische gespenster, zauberer und hexen verkehrt. Ja hinter diesen elbischen können hier noch höhere göttliche wesen stecken. die Römer verehrten einen Robigo , der den brand im korn hinderte, vielleicht wenn er zürnte hervorbrachte. das umgehen des bilwiß , der Roggenmuhme im getraide hatte anfangs eine wohlthätige ursache: wie der name mutter , muhme , mör lehrt, ist sie eine mütterliche, spindel und acker schützende göttin. Fro wird auf seinem eber durch die fluren geritten sein und sie ergiebig gemacht haben, ja sogar das gleichnis von dem durchs korn reitenden Siegfried (s.  321 ) möchte ich auf eines gottes umritt zurückführen, und nun erst glaube ich zu verstehen, warum der wetterauische landmann bei dem wallen der kornähren im winde noch heute zu sagen pflegt, daß der eber im korn gehe . es gilt von dem gott, der die saaten fruchtbar macht. So führt uns zu den alten göttern die untersuchung der dem volk länger bekannt gebliebenen elbe. ihre berührung mit Holla und Berhta ist auch darum merkwürdig, weil alle diese wesen, dem eddischen glauben fremd, eine eigenthümliche entwickelung oder wendung der heidnischen religion im innern Deutschland erkennen lassen auch die Slaven haben einen feldgeist , der durch das getraide zieht. Boxhorn resp. moscov. pars 1. p. . .: daemonem quoque meridianum Moscovitae metuunt et colunt. ille enim, dum jam maturae resecantur fruges, habitu viduae lugentis ruri obambulat , operariisque uni vel pluribus, nisi protinus viso spectro in terram proni concidant, brachia frangit et crura. neque tamen contra hanc plagam remedio destituuntur. habent enim in vicina silva arbores religione patrum cultas: harum cortice vulneri superimposito illud non tantum sanant facile, sed et dolorem loripedi eximunt. Den Wenden heißt jene getraidefrau pschipolnitza , sie schleicht in der mittagsstunde als geschleierte frau umher. versteht ein Wende, wenn er sich stundenlang mit ihr über flachs und flachsbereitung unterredet, ihr allemal dabei zu widersprechen, oder dabei das vaterunser rückwärts ohne anstoß zu beten, so ist er geborgen (lausitz. monatsschr. 1797. p. 744). Die Böhmen nennen sie baba (alte frau) oder polednice , poludnice (meridiana), die Polen dziewanna , dziewica , von der noch mehrmals die rede sein wird. vgl. cap.  XXXVI . Auch hier greifen deutlich götter in die geister und gespenster. Nachtrag: Die roggenmuhme heißt auch kornengel , der kinder raubt. Sommer s. 26. 170. rubigo frumenti wird Pertz 8, 368 aurugo , Haupts ztschr. 5, 201 wintbrant genannt. hieß der römische korngott Robigo oder Robigus? die Griechen kannten Apollo ἐρυσίβιος, mehlthau abwehrend, von ἐρυσίβη, mehlthau, robigo. ein westflandr. kornsegen wendet sich gegen den korneber, der duivels swyntje genannt wird. Haupts zeitschr. 7, 532. auch den Slaven ist ein ähnlicher feldgeist bekannt, eine getreidefrau , die mittags umhergeht. sie heißt in wend. volksl. 2, 268 připolnica , přepolnica von polnjo mittag und trägt eine sichel (vgl. s.  972 ). Hanusch s. 360. 362. oder sie wird wie bei den Polen džiwica genannt. wend. volksl. 2, 268. . 396 An die behaarten, struppigen elbe oder bilwiße reiht sich zunächst ein geist, der in ahd. sprachdenkmälern scrat oder scrato , in gleichzeitigen lateinischen pilosus genannt wird. die gl. mons. 333 haben scratun (pilosi), gl. herrad. 200 b waltschrate (satyrus) sumerlat. 10, 66 srate (lares mali); ebenso mhd. scrâz Reinh. 597 (des alten fragments) ›ein wilder waltschrat ‹ Barl. 251, 11. Aw. 3, 226. Ulr. Lanz. 437 ›von dem schraze ‹ = zwerge. ›sie ist villîhte ein schrat , ein geist von helle‹. Albr. Titur. 1, 190 (Hahn 180). Daß ein kleiner, elbischer geist verstanden werde, folgt aus dem dim. schretel , das gleichbedeutend mit wihtel in der artigen fabel gebraucht ist, von welcher unsere irischen elfenm. cxiv – xix einen auszug lieferten, die seitdem in Mones untersuchung der heldensage ganz abgedruckt erschien, und wozu auch jetzt die echte norwegische sage bei Asbjörnsen und Moe no. 26 an den tag gekommen ist (einer der auffallendsten belege für die zähe dauer solcher stoffe in der volksüberlieferung): das schretel mit dem namen wazzerbern entsprechen dem trold mit dem hvidbiörn vollkommen. Vintler denkt sich unter schrättlin einen windleichten geist, von der größe eines kinds. der vocab. von 1482 hat schretlin (penates), Dasypodius nachtschrettele (ephialtes); spätere schreiben schrättele , schrättel , schrettele , schrötle , vgl. Stald. 2, 350. Schmid schwäb. wb. 478. in den sette comm. ist schrata oder schretele ein schmetterling (Schm. 3, 519). einen Thidericus Scratman nennt eine urk. von 1244 (Spilcker 2, 84). in Niederhessen heißt eine gegend der Schratweg (wochenbl. 1833, 952. 984. 1023). Auch andern deutschen dialecten scheint das wort bekannt: ags. scritta , engl. scrat (hermaphroditus) schon Ssp. 1, 4 altvile und dverge nebeneinander, vgl. RA. 410. , altn. skratti (malus genius, gigas); ein meeresfelsen heißt skrattaskar (geniorum scopulus) fornm. sög. 2, 142; diese formen zu jenen hochd. gehalten vermist man lautverschiebung. in der that gewähren andere hochd. formen ihr Z statt T: scraz gl. fuld. 14; screza (larvae, lares mali) gl. lindenbr. 996 b ; srezze vel strate (nicht screzzol scraito) sumerl. 10, 66; ›unreiner schrâz ‹ altd. w. 3, 170 (:vrâz) aus schrawaz verkürzt? Gudr. 448 schrawaz oder merwunder; schrabaz . Albr. Tit. 27, 299 (neben pilwiht); schrawatzen und merwunder. Casp. v. d. Rön Wolfdieter. 195. Wolfd. und Saben. 496. . auch oberdeutsche wörterbücher des 16 jh. stellen schretzel und alp zusammen, Höfer 3, 114 hat ›der schretz ‹, Schm. 3, 522 der schretzel , das schretzlein . 397 nach Mich. Beham 8. 9 (Mone anz. 4, 450. 451) hat jegliches haus ein schrezlein , wer es hegt, dem gibt es gut und ehre, es reitet und fährt auf dem vieh, richtet an der Brechtnacht seinen tisch u. s. w. Muchar röm. Noricum 2, 37 und Gastein 147 erwähnt eines launigen berggeistes schranel . . Wichtig ist die einstimmung slavischer wörter. altböhm. scret (daemon) Hankas zbjrka 6 b ; screti , scretti (penates intimi et secretales) das. 16 b ; böhm. skřet , škřjtek (penas, idolum), poln. skrzot skrzitek ; sloven. shkrát , shkrátiz , shkrátelj (bergmännchen). dem serb. und russ. dialect scheint der ausdruck unbekannt. Ich weiß der deutschen form keine genügende wurzel das altn. skratti soll auch terror bedeuten. schwed. skratta, dän. skratte ist laut lachen. erlaubt die ags. form scritta das gr. σκίρτος, einen hüpfenden, springenden kobold oder satyr (von σκιρτάω, hüpfe) zu vergleichen? Lobecks Aglaoph. 1311. , im slav. wäre skrŷti (celare, occulere) zu erwägen. Gehen wir dem begrif nach, so scheint schrat ein wilder, rauher, zottiger waldgeist, dem lat. faun und gr. satyr, auch dem römischen silvanus (Liv. 2, 7) vergleichbar; schrätlein , synonym mit wichtel und alp, hausgeist, bergmännlein. immer kommt aber nur das männliche geschlecht vor, nie das weibliche; es mangelt also, wie bei den faunen, der verschönernde gegensatz, welcher in den elbinnen und bilwissinnen da ist. einiger beziehung halben lassen sich allerdings die am schluß des XVI  cap. abgehandelten wilden weiber und waldminnen den schraten zur seite setzen. Die griech. dichtung kennt dryaden (in ags. glossen verdeutscht vuduälfenne ) und bergnymfen (δρυάδες, νύμφαι, ὀρεσκῷοι), deren leben mit dem eines baums eng verwachsen ist (hauptstelle: hymn. in Ven. 257–272) Nachtrag: Ahd. scratin faunos. Haupts zeitschr. 5, 330. gl. schlettst. 6, 222. Graff 6, 577. scraten larvas. Diut. 2, 351 a . die fabel vom schretel und wasserbär steht auch in Haupts zeitschr. 6, 174 und kehrt in der schleswigschen sage vom wassermann und dem bären wieder. Müllenhoff s. 257. an die stelle des schretels tritt in Oberfranken das holzfräulein , das in Berneck beim müller übernachtend fragte: hastu deinen großen Katzaus noch? und meinte den bären . er verhehlte es, und als das holzfräulein in die mühle ging, ward es vom bären zerrissen. neben schretel kommt die form srete vor. Mones anz. 7, 423. vgl. srezze vel srate. der schrättlig . Vonbun s. 26. 27. dschrättli hand agsoga, wenn am kind die brustwarzen entzündet oder verhärtet sind. Tobler 259 a . schrätel drücken gleich dem alp. Gefken cat. s. 55. schrata , schratel schmetterling. Schm. cimbr. wb. 167. Frommann 4, 53. s. Pereinschrat . Rauch 2, 72. Schratental und Schrazental neben einander. 2, 22. ebenso läßt sich neben dem nachgewiesenen eigenamen Scratman auch ein servus nomine Scrazmann anführen. Dronke trad. fuld. s. 19. vgl. schratelemannl , Anobium pertinax, todtenuhr in Kärnthen. Frommann 4, 53. schratzenlöcher . Panzer beitr. 1, 111. in Schrazeswank . MB. 35 a , 109. Graff 6, 575 hat waltscrechel faune, silvestres homines, und Schm. 3, 509 unterscheidet von schratt , schrättel ein oberpfälzisches schrahel , schrächel , das er zu schrah, schroh klein, mager stellt. zu erwägen ist auch scherzen , schrezen blöken. Schm. 3, 405. dem schrächel wird das verwirren der pferdemähnen beigelegt. anderen ursprungs scheint schrawaz . Rudbertus schrawaz . MB. 28 b , 138 (a. 1210). Rubcrtus shorawaz . MB. 29 b , 273 (a. 1218). schwed. ist skratt fatuus und cachinnus, finn. kratti genius thesauri. altn. ist skrati soviel wie iötunn. Sn. 209 b . skrattavardi . Laxd. 152. im dän. lied von Guncelin heißt es: og hjelp nu moder Skrat! Nyerups udvalg 2, 180. sv. forns. 1, 73. über den dem engl. scrat hermaphroditus verwandten altvil vgl. Haupts zeitschr. 6, 400 und anm. 1246 . bei den Esten heißt der waldgeist mets halias waldelb, der neckisch ist und das echo bildet. Possarts s. 163. 164, vgl. die finn. Hiisi , Kullervo (s.  458 ). irisch geilt wilder mann, waldmann vgl. welsch gwyllt wild. Dagegen ist der poln. böhm. waldgeist boruta urspr. weiblich, die föhre bewohnend, hamadryas, dryas, wie in der griechischen dichtung. schon Homer kennt die berg und quellnymfen . Od. 6, 123. 124 und die nymfen , Zeus töchter, welche die ziegen erregen. Od. 9, 154. die hamadryaden sind personificierte bäume. Athen. 1, 307. Floridis velut enitens myrtus Asia ramulis, quos Hamadryades deae ludicrum sibi roscido nutriunt humore . Catull. 59, 21. schöne sagen von der nymfe des baums bei Charon (fragm. hist. gr. 1, 35), andre in Ov. met. 8, 771. über die waldfrauen in Ov. met. 8, 746 ff. spricht Albr. von Halberstadt 280 b . 281 a umständlicher. . Auch darin unterscheiden sich die schrate von den elben, daß sie kein volk bilden, und einzeln auftreten. Auf dem Fichtelberg haust ein waldgeist, der Katzenveit genannt, mit dem man die kinder schweigt: ›schweig oder der Katzenveit kommt!‹ ähnliche wesen, voll zwergischer und koboldischer laune, darf man in dem Gübich des Harzes, in dem Rübezal des Riesengebirges erkennen. der letztere scheint aber slavisches ursprungs, böhm. Rybecal , Rybrcol . in Mähren läuft die sage von dem seehirten , einem schadenfrohen geist, der in gestalt eines hirten, die peitsche in der hand, reisende in einen moorbruch verlockt sagen aus der vorzeit Mährens. Brünn 1817 s. 136–171. Nachtrag: Die schrate treten einzeln auf, und edler gefaßt werden diese waldgeister zu helden und halbgöttern (s.  312 . 359 ). Der Katzenveit des Fichtelgebirgs erinnert an den oberfränkischen Katzaus (s. anm. 1194 ). Rubezagel , Rübezahl kommt als eigenname schon 1230 vor. Zeuss herk. der Baiern s. XXXV. vgl. Mones anz. 6, 231. ein Hermannus Rubezagil bei Dronke trad. fuld. s. 63. Riebenzahl in einer hs. des 15. jh. Mone arch. 1838, 425. Riebenzagel . Praetor. alectr. 178. 179. Rübezal . Opitz 2, 280. 281. 20 morgen ackers im Rübenzagil . Widder Pfalz 1, 379. vgl. sau zagil . Hasin zal . Arnsburger urk. 410. 426. strît zagel n. pr. Lang reg. 5, 107 (a. 1166). . Die glosse bei Hanka 7 b 11 a hal vilcodlac faunus, vilcodlaci fauni ficarii, incubi, dusii; neuböhm. form wäre wlkodlak , wolfhaarig; den Serben ist vukodlak der vampyr (Vuk s. v.). Es wird nicht auffallen und gewährt neue berührung zwischen elben, bilwissen und schraten, daß in Polen dem skrzot dieselbe verfilzung der haare zugeschrieben und nach seinem namen, so wie in 398 Böhmen skřjtek , benannt wird auch koltun heißt der weichselzopf, und koltki sind wiederum polnische, russische hausgeister. ; in einigen gegenden Deutschlands schrötleinzopf . Schon frühe dachte man sich in Europa dämonische wesen als pilosi . die vulgata hat Jesaias 13, 21 ›et pilosi saltabunt ibi‹, wo die LXX: δαιμόνια ἐκεῖ ὀρχήσονται, vgl. 34, 14 Luther übersetzt feldteufel ; das hebr. sagnir bezeichnet haarige bockartige wesen. Radevicus frising. 2, 13 ahmt die ganze stelle des propheten nach: ›ululae, upupae, bubones toto anno in tectis funebria personantes lugubri voce aures omnium repleverunt. pilosi quos satyros vocant in domibus plerunque auditi‹. und nochmals 2, 24: ›in aedibus tuis lugubri voce respondeant ululae, saltent pilosi ‹. . Isid. etym. 8 cap. ult. (und daraus gl. Jun. 399): pilosi qui graece panitae, latine incubi nominantur, – hos daemones Galli dusios nuncupant ›daemones quos duscios Galli nuncupant‹. Augustin de civ. dei c. 23. noch heute lebt in der Bretagne die benennung duz , diminut. duzik (Villemarqué 1, 42). . quem autem vulgo incubonem vocant, hunc Rornani faunum dicunt. Burcard von Worms (anh. abergl. C. p. 195 d ) gedenkt des abergläubischen brauchs, den hausgeistern in keller und scheune spielsachen, schuhe, bogen und pfeile hinzulegen so wird dem jüdel (ich meine güetel? was sonst guote holde) spielwerk hingelegt. (abergl. no.  62 vgl. unten die hausgeister). , und auch diese genien heißen satyri vel pilosi . Der mönch von s. Gallen erzählt im leben Carls des großen (Pertz 2, 741) von einem pilosus , der das haus eines schmiedes besuchte, sich nachts mit hammer und amboß belustigte und die flasche in eines reichen keller füllte. vgl. ir. elfenm. cxi . cxii . Also ein spielender, fröhlicher, tanzender, launiger hausgeist, rauh und haarig anzusehen, wie die Heidelberger fabel sagt, ›eislich getân‹, und mit dem rothen käppchen der zwerge ausgestattet, gern in küche und keller sein wesen treibend. ein bild ganz vornen im cod. pal. 324 scheint ihn darzustellen. Nur nehme ich an, daß man in älterer zeit dem schrat oder waldschrat eine ernstere, größere gestalt, und erst später dem schrettel die heitere, kleinere beilegte. das scheint auch aus der altn. bedeutung von skratti gigas, riese hervorzugehn. Diese waldgeister müssen noch im 6. 7 jh. eines eignen cultus theilhaftig geworden sein: bäume und tempel waren ihnen heilig. beweisende stellen sind schon s.  58 . 68 dafür angeführt: ›arbores daemoni dedicatae‹, und unter den Warasken, einem den Baiern verwandten stamm, › agrestium fana, quos vulgus faunos vocat‹. In Eckeharts Waltharius kommen merkwürdige äußerungen vor. Ekevrid aus Sachsen redet ihn mit der bitteren schelte an (761): dic (ait), an corpus vegetet tractabile temet, sive per aërias fallas, maledicte , figuras? sa ltibus assuetus faunus mihi quippe videris. 399 Walthari entgegnet hohnlachend (765): celtica lingua probat, te ex illa gente creatum, cui natura dedit reliquas ludendo praeire; at si te propius venientem dextera nostra attingat, post Saxonibus memorare valebis, te nunc in Vosago fauni fantasma videre. du magst einmal den Sachsen, deinen landsleuten, von dem schrat erzählen, der dir im Wasgau erschienen ist. Als nun Ekevrid seinen speer vergeblich geworfen, ruft Walthari: haec tibi silvanus transponit munera faunus , einen solchen wurf sendet jetzt der waltschrat zurück der dialog ist dunkel, und ich habe meine jetzige auffassung in der ausg. s. 86 zu rechtfertigen gesucht. . Hier heißt der faun fantasma , phantom, ahd. giscîn T. 81 (Matth. 14, 21), sonst auch scînleih (monstrum) gl. hrab. 969 b . Jun. 214. ags. scînlâc (portentum) oder gitroc (s.  384 ). phantasma vagabundum (vita Lebuini, Pertz 2, 361); › fantasma vult nos pessundare‹ (Hroswitha im Dulcicius); › fantasia quod in libris gentilium faunus solet appellari‹. Mabillon analect. 3, 352. ein municipium oder oppidum mons fauni in Ivonis carnot. epist. 172, vgl. die in der anmerkung dazu (ed. Paris. 1642 p. 240 b ) beigebrachte urkunde, wo monsfaunum . Und gerade so in altfranz. gedichten: › fantosme nous va faunoiant ‹. Méon 4, 138. › fantosme , qui me desvoie, demaine‹. das. 4, 140. 4, 402. eine aus Girart de Rossillon in Mones archiv 1835. 210 mitgetheilte stelle meldet von einem berg: ›en ce mont ha moult de grans secrez, trop y a de fantomes ‹. Solche fauni ficarii und silvestres homines sind es, zu welchen Jornandes die goth. aliorunen sich gesellen läßt (s.  335 ). sie streifen aber auch in das gebiet halbgöttlicher helden über: Miming, silvarum satyrus , Witugouwo (silvicola) scheinen zugleich kunstreiche, schmiedende schrate und helden (s.  312 . 313 . 314 ). mit dem satyrhaften Völundr verbindet sich eine valkyrie, wie mit den faunen die aliorunen. wilde weiber , waltminne (s.  358 . 361 ) und wilde man (Wigamur 203) berühren einander. Wigal. 6286 wildez wîp , und 6602 von dem zwerge Karriöz: sîn muoter was ein wildez wîp, dâ von was sîn kurzer lîp aller rûch unde stark , sîn gebein was âne mark nach dem geslehte der muoter sîn, deste sterker muoser sîn. im Wolfdieterich wird ein solcher wilder mann waltluoder , im Laurin 173. 183 waltman genannt. Die altn. mythologie kennt wilde waldfrauen unter dem namen îviđjur (Sæm. 88 a . 119 b ) und iarnwiđjur (Sn. 13). von der îviđja steht zu eingang des Hrafnagaldrs der dunkele ausspruch ›elr îviđja‹, alit, auget, parit, gignit dryas; îviđja ist abgeleitet von einem wald oder hain îviđr , dessen 400 Völuspa l a erwähnung thut: ›nio man ek heima, nio îviđi‹; ebenso iarnviđja von iarnviđr (eisenwald) Afzelius 2, 145. 147 nennt schwed. löfjerskor laub- oder waldjungfrauen, die er mit Laufey (s. 204 ) vergleicht, von denen das volk aber wenig zu erzählen weiß. Nachtrag: Garg. 119 b spricht hinter einander von werwölfen, pilosen , geiszmännchen , dusen , trutten, garausz und bitebawen. über die dusii vgl. Hattemer 1, 230. 231. dazu kommt das jüdel , dem spielsachen hingelegt werden. vgl. Sommers sagen 170. 25. er macht wol ein schein, als ob er heisz der gütle . H. Sachs 1, 444 b . ein güttel (? götze). Wolfdietr. in Hagens heldenb. s. 236. bergmendlein , cobele , gütlein . Mathesius 1562, 296 b . diese waldgeister werden übersetzt durch das lat. faunus , dessen laute stimme die Römer oft zu vernehmen glaubten. saepe faunorum voces exauditae . Cic. de N. D. 2, 2. nam fauni vocem equidem nunquam audivi. tibi, si audisse te dicis, credam, etsi faunus onmino quid sit, nescio. ibid. 3, 7. . . . et faunos esse loquuntur quorum noctivago strepitu ludoque jocanti affirmant volgo taciturna silentia rumpi, chordarumque sonos fieri, dulceisque querelas, tibia quas fundit digitis pulsata canentum.   Lucret. 4, 582 ff. visi etiam audire vocem ingentem ex summi cacuminis luco . Liv. 1, 31. silentio proximae noctis ex silva Arsia ingentem editam vocem, Silvani vocem eam creditam. Liv. 2, 7. über Faunus und Silvanus Klausen s. 844 ff. 1141. so nennt Hroswitha (Pertz 6, 310) die waldstelle, wo das kloster Gandersheim erbaut wird, silvestrem locum faunis monstrisque repletum. Lye hat vudevâsan (oder vudevasan?) satyri, fauni, sicarii, Wright 60 a vudevâsan ficarii (richtig) vel invii, altengl. a woodwose satyrus ( vâsa ist sonst coenum, lutum, engl. ooze, altn. veisa) vgl. ein wudewiht lamia in einem Lüneburger glossar des 15. jh. mnl. heißt der faun volencel Diut. 2, 214 von vole, pullus equinus, weil man ihm einen pferdefuß oder pferdsgestalt beilegte? vgl. nahtvole ( anm. 2637 ). dagegen sind fauni nachtschmetterlinge nach Du Mérils art. über die KM. s. 40. der faun heißt auch fantasma . die fantasima beschwören . Bocc. decamer. 7, 1. fantoen . Maerl. 2, 365. andre namen sind: waltman . Iw. 598. 622. auch Bon. 91 hat waltman , wo Striker waltschrat . walttôre . 440. waltgeselle , waltgenôz , waltgast . Krone 9266. 9276. wilder man . Krone 9255. wilde leute . Bader no. 9261. 346. mit ihnen sind oft verbunden die wilden weiber, wildez wîp . Krone 9340. waldminchen . Colshorn s. 92. vgl. wildeweibsbild , wildeweibszehnte , eine felsenhöhe bei Birstein. Landau Kurhessen s. 615. Pfister s. 271. holzweibelsteine in Schlesien. Mosch s. 4. des wilden mannes frau heißt fangga . Zingerle 2, 111 vgl. 2, 51. Wolfs zeitschr. 2, 58. fanggenlöcher . Zingerle 2, 53. im Vorarlberg feng , fenggi , fenggamäntschi . Vonbun s. 1–6. Wolfs zeitschr. 2, 50. vgl. Finz ( anm. 1204 ). der altn. name der waldfrauen îviđr könnte malus, perversus, dolôsus sein vgl. goth. invinds und alts. inwid, ahd. inwittêr dolosus, îviđgiarn. Sæm. 138 a . syrjän. vörsa silvae genius, von vör silva. . Diese altn. îviđjur und iarnviđjur kann ich nicht gehörig aufklären, deutlicher gestaltet sich in dem heutigen volksglauben des südöstlichen Deutschlands die sage von den wilden leuten , waldleuten , holzleuten , moosleuten , die als ein zusammen hausendes zwergartiges volk betrachtet werden, obgleich sie auch einzeln auftreten und dann zumal die weiblichen sich jenen höheren wesen anschließen, von welchen s.  358 die rede war. Sie sind klein von gestalt, doch etwas größer als elbe, grau und ältlich, haarig und in moos gekleidet; ›ouch wâren ime diu ôren als eime walttôren vermieset ‹. Iw. 440. oft werden bloß holzweibel , seltener die männer genannt, diese sollen nicht so gutartig sein und tiefer in den wäldern wohnen, grüne kleider mit rothem aufschlag und dreieckige schwarze hüte tragen. H. Sachs 1, 407 a führt holzmänner und holzfrauen an, und hat 1, 348 c die klage der wilden holzleute über die ungetrewen welt. Schmidts Reichenfels s. 140–148 berichtet die voigtländische überlieferung, Börner s. 188–242 die aus dem Orlagau, ich entnehme daher das characteristische. die holzweibel nahen sich den holzhauern und bitten um etwas essen, holen es auch wol aus den töpfen weg, doch ersetzen sie das genommene oder geliehne auf andere art, nicht selten durch gute rathschläge. zuweilen helfen sie den menschen in der küchenarbeit und beim waschen, äußern aber immer große furcht vor dem wilden jäger der sie verfolge. An der Saale wird von einer buschgroßmutter und ihren moosfräulein erzählt, das gemahnt an eine königin der elbinnen, wo nicht an die weirdlady of the woods (s.  337 ). Gern erscheinen die waldweibchen, wenn die leute brot backen, und bitten ihnen auch einen laib mit zu backen, so groß wie einen halben mühlstein, der dann an eine bezeichnete stelle hingelegt werden solle; das brot erstatten sie hernach zurück, oder sie bringen auch von ihrem eignen gebäck, das sie den ackerleuten in die furche oder auf den pflug legen, dem der es verschmäht heftig zürnend. Andere mal zeigt sich das waldweibchen mit zerbrochnem schubkärrchen und bittet um ausbesserung des rades; dann lohnt es, wie Berhta mit dem abfall der späne, die sich in gold wandeln, oder es schenkt strickenden einen zwirnknäuel, der sich nie ganz abwindet. So oft ein mensch ein bäumchen auf dem stamme driebt (dreht), daß der bast losspringt, muß ein waldweibchen sterben. Eine bauersfrau, die mitleidig einem schreienden waldkinde die brust gereicht hatte, beschenkte die hinzutretende mutter mit der rinde, worauf das kind gebettet war; die bäuerin brach einen splitter ab und warf ihn zu ihrer holzbürde, daheim fand sie daß er von gold war Nachtrag: Von den altn. îviđjur und iarnviđjur zwar ist wenig bekannt, von dem ihnen verwandten skôgsrå aber glaubte man, er lebe in bäumen, und wenn man ihn schädige, so erfolge krankheit. Fries. udfl. 1, 109. er stirbt mit dem baum ab. vgl. waltminne (s.  361 ), hamadryas. der skogråt hat einen langen schwanz. Dybeck runa 4, 88, skogeroa und sjögeroa rühmen sich ihrer thaten und reichthümer. Dybeck 4, 29. 40. die holzweiber in Deutschland klagen und schreien (s.  360 . 950 ): ir schreiet wie ein holzweib. Uhland volksl. 149. die holzfrau ist rauh und wild, mit mies verwachsen. H. Sachs 1, 273. das Finzweibl an der Finz (in Baiern) ist gefleckt und trägt einen breitkrempigen hut. Panzer beitr. 1, 22 (Fenggi zu s. 403). Fasolts und Ecken mutter ist ein rauhes weib . Ecke 231. die holzweibel spinnen, bis ›lichel‹ herauskommt. Mosch s. 4. sie fürchten den wilden jäger , wie die unterirdischen vor Wode fliehen. Müllenhoff s. 372. 373. der wilde mann reitet auf einem hirsch. ring 32 b , 34. der wilde jäger verfolgt das moosweibla oder die lohjungfer (s.  775 ), die wilden männer die seligen fräulein. Steubs Tirol s. 319. in Etzels hofhaltung verfolgt der wunderer frau Sælde (s.  787 ) und in Ecke 161–179 (ed. Hagen 213–238. 333) Fasolt das wilde fräulein. Die menschen dagegen stehen zu ihnen oft in freundlichem verhältniss. beim heuen und schneiden recht man ein wenig zusammen und läßt es liegen, denn ›das gehört dem holzfräule ‹. wenn beim ausschöpfen am rande der schüssel tropfen hängen bleiben, soll man sie nicht abstreichen, sie gehören dem moosfräule . als ein holzfräule gefangen war, kam das männchen gelaufen und rief: ›es holzfräule soll alles sagen, nur nicht zu was man das tropfwasser (traufwasser) brauchen kann‹. Panzer beitr. 2, 161. dankbar ruft ein waldweibchen aus: ›bauernblut, du bist gut‹. Börner s. 231. der buschgroßmutter an der Saale entspricht der estnische waldesvater , baumwirt . Böcler 146. . 401 Auch die holzweibchen sind gleich den zwergen unzufrieden mit dem heutigen weltlauft, zu den s.  380 angegebnen ursachen treten aber noch einige eigenthümliche hinzu: es sei keine gute zeit mehr, seit die leute die klöße in den topf, das brot in den ofen zählten, oder seit sie das brot pipten und kümmel hinein büken. daher geben sie die lehre: schäl keinen baum, erzähl keinen traum, pip kein brot (back keinen kümmel ins brot), so hilft dir gott aus aller noth! und ein waldweibchen, das von neubackenem brot gekostet hatte, lief fort nach dem walde lautkreischend: sie haben mir gebacken kümmelbrot, das bringt diesem hause große noth! und bald nahm der wolstand des bauern ab, bis er ganz verarmte. ›das brot pipen‹ heißt die fingerspitze in den laib drücken, wie an den meisten orten gebräuchlich ist. wahrscheinlich konnten die waldweibel kein gepiptes brot wegnehmen und darum war ihnen das zeichen verhaßt, aus gleichem grunde suchten sie das zählen zu hindern; ob ihnen die würze des kümmels als bloße neuerung misfiel oder einen anderen bezug hat, weiß ich nicht, der reim lautet also: kümmelbrot unser tod! oder kümmelbrot macht angst und noth; Waldmännchen, die in einer mühle dienste gethan und lange geholfen hatten, wurden dadurch verscheucht, daß ihnen die müllersleute kleider und schuhe hinlegten (Jul. Schmidt s. 146) hierzu stimmt auffallend was Reusch s. 53. 55 aus dem preußischen Samlande meldet: einem wirte zu Lapöhnen erwiesen die unterirdischen viel gutes, und es that ihm leid, daß sie so schlechte kleider hatten, er bat seine frau ihnen neue röckchen hinzulegen. zwar nahmen sie die neuen anzüge, riefen aber dabei: ›ausgelohnt, ausgelohnt!‹ und zogen alle ab. ein andermal hatten sie einem armen schmied geholfen und immer des nachts töpfchen, pfännchen, kesselchen, tellerchen blank geschmiedet, die meisterin stellte ihnen eine milch hin, über die sie gleich wölfen herfielen und alles bis zur nagelprobe auslöffelten, dann reinigten sie das geschirr und giengen zur arbeit. als der schmied bald durch sie reich geworden war, nähte die frau jedem ein schönes rothes röckchen und käppchen und legte sie hin. ›ausgelohnt, ausgelohnt!‹ riefen die unterirdischen, schlüpften schnell in den neuen staat und zogen ab, ohne das bereitliegende eisen zu verarbeiten oder wiederzukommen. Und eine sage von dem Seewenweiher bei Rippoldsau im Schwarzwald: (Mones anz. 6, 175) ein seemännlein kam gern zu den leuten des Seewenhofs, schafte den ganzen tag bei ihnen und kehrte erst abends in den see zurück, man pflegte ihm frühstück und mittagessen besonders aufzutischen. wenn bei austheilung der arbeiten der spruch unterblieb: ›nicht zu wenig und nicht zu viel!‹ zürnte es und warf alles untereinander. obgleich seine kleider alt und abgetragen waren, hielt es doch stets den Seewenbauer ab ihm andere anzuschaffen; als dies endlich doch geschehn war und eines abends dem seemännlein der neue rock dargereicht wurde, sprach es: ›wenn man ausbezahlt wird, muß man gehn, von morgen an komme ich nicht mehr zu euch!‹ und aller entschuldigungen des bauern ungeachtet ließ es sich nimmermehr blicken. Jos. Rank Böhmerw. s. 217 erzählt hübsch von einem waschweiberl , dem die hausleute schuhe machen lassen wollten, aber es reichte sein füßchen zum maße nicht dar; man streute mehl auf den fußboden und nahm das maß nach des weibchens tritten. als die schuhe fertig und ihm auf die bank gestellt waren, hub es an zu schluchzen, streifte die hemdermelchen wieder vor, entschürzte das kleidchen, stürzte laut klagend davon und wurde nie wieder gesehn. nemlich zur zeit, da das weiberl ins haus gekommen war, hatte es die hemdermel zurückgestreift und das kleid geschürzt, damit es alle dienstarbeit desto leichter thun könne. ähnliche geschichten erzählt Chambers s. 33 vom brownie . Auch dem ersten märchen von den wichtelmännerchen (KM. no. 39) liegt die nemliche vorstellung zum grund. Es ist ein gemeinschaftlicher zug, für wichtel, unterirdische, seegeister und waldmänner geltend, hauptsächlich aber für männliche, den menschen dienst leistende. Nachtrag: Zwerge und holzweibchen wollen kein kümmelbrot . Firmenich 2, 264 b . ein holzfräule bei Wonsgehei sagte zur bäuerin: reiß nicht aus ein fruchtbaren baum und erzähl keinen nüchternen traum und back kein freitagsbrot , so hilft dir gott aus aller noth!   Panzer beitr. 2, 161. daß die waldmännchen und zwerge nach ihrer auslohnung insbesondere durch gold oder kleider dem menschen dienst zu leisten aufhören, kommt in vielen sagen vor. so wuschen die wichtele bei Zürgesheim im bairischen Schwaben den leuten hingelegte wäsche und buken ihnen brot. als man ihnen, weil sie nackt giengen, geld hinlegte, sagten sie weinend: ›nun sind wir ausgelohnt und müssen schlenkern ‹. vgl. n. preuß. prov. bl. 8, 229. Bader no. 99. Vonbun s. 6 (neue ausg. s. 11–15). Panzer beitr. 1, 40. 42. 48. 156. 2, 160. ähnliches wird erzählt vom bergmännlein . Steub Tirol s. 82. fenggamäntschi . Vonbun s. 3. nork . Steub Tirol s. 318. futtermännchen . Börner s. 243. 246. Hob . Hone tablebook 2, 658. yearbook 1533. ein pixy in Devonshire, das einer frau beim waschen hilft, verschwindet, als es mit rock und mütze beschenkt wird. mitdreschende pixies, von einem bauern mit neuen kleidern beschenkt, tanzen fröhlich in der scheune und laufen erst davon, als andere bauern auf sie schießen, mit dem sange: ›Now the pixies' work is done, ›We take our clothes and off we run‹. Athenäum no. 991. . 402 Es ist, als ob durch annahme der kleider die geister fürchteten, das zwischen ihnen und den menschen bestehende verhältnis plötzlich abzubrechen. wir werden hernach sehn, daß die eigentlichen hausgeister nach andern grundsätzen verfuhren und sich sogar kleider bestellten. Je mehr die waldleute zusammen in haufen leben, desto ähnlicher sind sie den elben, wichteln und zwergen; je mehr sie einzeln erscheinen, desto größere berührung haben die frauen mit weisen frauen, selbst göttinnen, die männer mit riesenmäßigen faunen und waldungeheuern, wie wir an Katzenveit, Gübich und Rübezahl (s.  397 ) sahen. Der wilde mann mit dem entwurzelten tannenbaum in der hand, wie er bei dem wappen mehrerer fürsten in Niederdeutschland vorkommt, stellt auch einen solchen faun dar; es wäre der nachforschung werth, wann er zuerst angegeben wird. auch Grinkenschmied im berg (D. S. 1, 232) heißt ›der wilde man ‹. In den romanischen märchen hat ein altrömischer gott ganz die natur eines waldgeistes angenommen, aus dem Orcus vgl. abergl. A anh. › Orcum invocare‹, neben Neptun und Diana und abergl. G anh. bei Vintler: ›ich hab den orken gesehen‹. Beov. 224 orcneas pl. von orcne. ist ein ital. orco geworden, neapol. huorco , franz. ogre (oben s.  261 ): er wird schwarz , behaart und borstig , doch mehr in großer als kleiner gestalt geschildert, fast riesenmäßig; im wald verirrte kinder stoßen auf seine wohnung, zuweilen erscheint er gutmütig und begabend, oft rettet und schützt seine frau (orca, ogresse) pentamerone 1, 1. 1, 5. 2, 3. 3, 10. 4, 8, und die orca 2, 1. 2, 7. 4, 6. 5, 4. . Deutsche märchen übertragen seine rolle dem teufel , der auch unmittelbarer aus dem alten gott der unterwelt hervorgeht. von dem unsichtbarmachenden helm ist dem orco nichts übrig geblieben, dagegen wird ihm characteristisch dämonische feinheit des geruches beigelegt, er spürt, gleich seeungeheuern, die annäherung menschliches fleisches: ›je sens la chair fraiche‹, ›ich rieche, rieche menschenfleisch‹, ›ich wittere, wittere menschenfleisch‹, ›i schmöke ne Crist‹, ›I smell the blood‹, ›jeg lugter det paa min höire haand‹, ›her lugter saa kristen mands been‹ Perraults petit poucet; kinderm. 1, 152. 179. 2, 350. 3, 410. Musaeus 1, 21. danske viser 1, 220. norske folkeeventyr s. 35. , gerade wie schon die meerminne 403 im Morolt 3924 sagt: ›ich smacke diutsche iserngewant‹ Nachtrag: Der huorco sitzt auf einem baumstumpf . pentam. 1, 1. Ariostos schilderung des orco und seiner frau im Orl. fur. XVII. 29–65 ist ziemlich langweilig. er ist blind (wird nicht geblendet) und hat eine herde wie Polyphem, ißt aber nur männer, keine frauen. die ogres haben im bett kronen auf. petit poucet p. m. 162. 163. Aulnoy p. m. 358. 539. mit ihm hängt zusammen der name des tirolischen waldgeistes nork , nörkele , lork , orco . Steub Tirol. s. 318. 319. 472. Rhät. 131. vgl. norg pumilio in Bern. Frommann 3, 439. norggen , lorggen , nörggin , nörklein . Wolfs zeitschr. 1, 289. 290. 2, 183. 184. Laurin wird zugerufen: ›her Nürggel unterm tach‹! ring. 52 b , 2. auch der fmn. Hiisi ist Orcus (hölle), riese und waldmann. Die schwed. skogsnerte , skogsnufva ist nach Fries udfl. 110 vornen eine schöne jungfrau, hinten hohl (ihålig). so wird auch Runa 1844, 44. 45 und Wieselgren 460 die skogssnua beschrieben. . Doch Pulci im Morgante 5, 38 hat auch einen uom foresto . Das goth. neutr. skôhsl , womit Ulfilas δαιμόνιον Matth. 8, 31. Luc. 8, 27 (hier am rand beigeschrieben, der text hat unhulþô) 1 Cor. 10, 20. 21 überträgt, möchte ich aus einem goth. skôhs (gen. skôhis) oder lieber skôgs (skôgis, das H kann bloß durch die verbindung SL entsprungen sein) erklären. skôgs entspräche dem altn. skôgr (silva); in allen unsern goth. fragmenten bietet sich niemals der begrif von wald dar, außer vidus (s.  312 ) darf dafür auch jenes skôgs vermutet werden. noch in Schweden gilt die dialectische benennung skogsnerte , skogsnufva Linnaei gothlandske resa p. 312. Faye s. 42. , in snerte scheint snert gracilis, in snufva der begrif anhelans gelegen Torkel Knutson legte 1298 an der Newa eine festung gegen die Russen an, welche Landskrona hieß. eine alte volkssage meldet, man habe im walde an dem strom ein beständiges klopfen gehört, wie eines steinhauers. zuletzt faßte sich ein bauer das herz vorzudringen, da fand er einen waldgeist an einem steine hauen, der auf die frage: was das bedeute? antwortete: ›dieser stein soll die grenze sein zwischen dem lande der Schweden und Moscoviter‹! Forsells statistik von Schweden s. 1. . Ist nun skôhsl waldgeist ein ahd. skuoh und skuohisal sind freilich noch gewagter; unser nhd. scheusal (monstrum), wenn es von scheuen (sciuhan) herstammt, hat ganz andern vocallaut, es kann aber auch verderbt sein, ich kenne aus älterer sprache nur die in der anm. 689 mitgetheilte form schusel . doch hat vocab. 1482 scheuhe (larva). , so kann damit, wie mit δαιμόνιον, die idee eines höheren halbgöttlichen oder selbst göttlichen wesens verbunden sein. Erinnert man sich an die heiligen, unverletzbaren, von geistern bewohnten bäume (cap.  XXI . schwed. abergl. no.  110 , dän. no.  162 ), an den germanischen waldcultus überhaupt (s.  54 bis 58 . 97 . 98 ); so wird begreiflich, warum vorzugsweise waldgeister statt der elbischen natur menschliche und göttliche annehmen. Auch die waldgeister zeigen diese doppelte seite. Weise frauen, valkyrien erscheinen als schwäne auf der flut, sie gehen über in weissagende meerweiber und meerminnen (s.  360 ). selbst Nerthus und frau Holla baden im see oder weiher, in Hollas wohnung gelangt man durch den brunnen (kinderm. no. 24. 79). Der allgemeinen benennung holde , guoter holde (genius, bonus genius) steht daher auch ein wazzerholde (s.  220 ) und brunnenholde (s.  222 ) zur seite, dem allgemeineren minni ein meriminni und marmennill (s.  360 ). Andere, an sich selbst verständliche namen sind: mhd. wildiu merkint , wildiu merwunder Gudr. 109, 4. 112, 3. wildez merwîp Osw. 653. 673; nhd. meerwunder , wassermann (slav. vodnik ), seejungfer , meerweib , altn. haffru , æskona , hafgŷgr , margŷgr , dän. havmand , bröndmand (brunnenmann) Molbech dial. s. 58; schwed. hafsman , hafsfru , besonders auch strömkarl (stromgeist, mann). wendisch wodny muz (wassermann). die vorstellung eines wasserkönigs erhellt aus waterconink bei Melis 404 Stoke 2, 96. einzelne elbe oder zwerge werden als wassergeister dargestellt: Andvari , Oins sohn, bewohnte in hechtsgestalt einen fors (Sæm. 180. 181) und Alfrikr hauste nach Vilk. saga cap. 34 in einem fluß Nachtrag: Ein merminne . Tit. 5268. mareminne . Clarisse zu br. Gher. s. 222. nach Nennius heißt potamogeton natans seeholde . vgl. custos fontium ( anm. 1478 ) und die hollen bei Kuhn westf. s. 1, 200. τὸ στοιχεῖον τοῦ ποταμοῦ. Fauriel 2, 77. andere namen sind: wilder wazzerman . Krone 9237. daz merwîp , das einen schneidenden speer nach dem helden wirft. Roseng. XXII. sjörä . Dybeck 4, 29. 41. über die hafsfru (s. anm. 801 ). . Ein solcher wassergeist hieß eigentlich ahd. nihhus , nichus (gen. nichuses), welches ausdrucks sich die glossatoren zur verdeutschung von crocodilus bedienen, gl. mons. 332, 412. Jun. 270. wirceb. 978 b ; der physiologus braucht ihn neutral: daz nikhus . Diut. 3, 25. Hoffm. fundgr. 23. später sagte man niches (gl. Jun. 270). ags. finde ich mit verwandlung des S in R das männl. nicor , pl. niceras , Beov. 838. 1144. 2854, es werden ungeheuere geister verstanden, die im meer hausen, vgl. nicorhûs Beov. 2822. diese ags. form ist auch die mnl. nicker , pl. nickers (horae belg. p. 119), Reinaert prosa MIIIII b › nickers ende wichteren‹, necker (Neptunus) Diut. 2, 224 b ›heft mi die necker bracht hier?‹ (hat mich der teufel hierher gebracht?) Mones nl. volkslit. s. 140. nnl. hat nikker die bedeutung von böser geist, teufel, ›alle nikkers uit de hel‹; eben so gilt das engl. ›old nick ‹. Bei uns dauert die S form, und der echte begrif des wassergeistes fort, eines männlichen nix und eines weiblichen nixe , d. h. niks, nikse; doch hört man auch nickel und nickelmann . mhd. verwendet Conrad wazzernixe gleichbedeutig mit sirene: ›heiz uns leiten ûz dem bade der vertânen wazzernixen daz uns ir gedœne iht schade‹. Ms. 2, 200 b Gryphius (mihi 743) hat einen reim: ›die wasserlüß auf erden mag nicht so schöne werden‹, es scheint ein name für wasserfrau oder nixe. In Ziskas östr. volksm. 54 beschenkt eine gütige wassernix , wie frau Holla, die kinder mit wunschsachen. . Das altn. nikr (gen. niks?) soll jetzt nur hippopotamus bezeichnen; das schwed. näk , nek , das dän. nök , nok , nocke , aanycke (Molbechs dial. s. 4) drücken ganz unfern wassergeist aus, immer aber einen männlichen. an die dän. form zunächst schließt sich ein mittellat. nocca , spectrum marinum in stagnis et fluviis, das finn. näkki , esthn. nek (wassergeist) scheinen nach der schwedischen. Man zieht das viel ältere neha nehalennia (s.  213 . 347 ) hierher, ich glaube ohne grund: das lat. organ hatte nicht ursache H für G zu setzen, wo es in deutschen wörtern H verwendet (Vahalis, Naharvali), dürfen wir keine tenuis gebrauchen; sodann deuten die bilder der Nehalennia schwerlich auf eine flußgöttin. Richtiger mag es sein, den wassergeist in einem namen Ođins wieder zu finden, der verschiedentlich als Neptun aufgefaßt wurde (s.  123 ) und oft im kahn als schiffer und ferge vorkommt. im ags. Andreas wird ausführlich geschildert, wie gott selbst in der gestalt eines göttlichen schiffers über see geleitet; nach der legenda aurea ist es nur ein engel. Ođinn heißt nach Sn. 3 Nikarr oder Hnikarr und Nikuz oder Hnikuđr . Sæm. 46 a b steht Hnikarr , Hnikuđr ; 91 a 184 a b Hnikarr . Nikarr entspräche dem ags. Nicor , 405 Nikuz dem ahd. Nichus . die variante ist merkwürdig, und Snorri muß sie aus quellen geschöpft haben, die von der doppelform wusten, den vortritt der aspiration veranlaßte vielleicht das metrum. scharfsinnig bemerkt Finn Magnusen p. 438, daß Ođinn, wo er als Hnikarr auftrete, ein meergeist und wellenbesänftigend erscheine. Sonst aber werden in keiner edda nickar, wie âlfar oder dvergar, genannt. von den verwandlungen des nickur gilt der altn. ausdruck nykrat eđa finngâlkat. Sn. 317 Nachtrag: Nikhus neutr. Diut 3, 25. Karajan 80, 4. nykus auch im wend. volksliede 2, 267 a . nichessa lymphae. N. Cap. 52. nickers . br. Gheraert 719. v. d. Bergh hält s. 180 nikker für niger : zoo zwart als een nikker. dies könnte aber vom späteren teufel übernommen sein. neckers . Gefken beil. 151. 168. nickel mann. Haupts zeitschr. 5, 378. man vergleiche auch das altn. Nöckvi . Sæm. 116 a . den vermutheten zusammenhang des flußnamens Neckar mit nicor , nechar bestätigt die anm. 1238 angeführte sage. estn. vessi halljas , finn. weden haldia , aquae dominus. Possart s. 163. vgl. Ahto ( anm. 610 ). die sirene, die bei Conrad wassernixe heißt, wird auch schmeichlerin genannt, böhm. lichoples (s.  362 ) und ochechule (Jungmann 2, 903), wochechule von lichotiti, ochechulati schmeicheln. brunnennixen sind die schwed. källråden . sv. folks. 1, 123. eine schöne schlesische sage von der wasserlisse findet sich bei Firmenich 2, 334 ff. steht dies für wazzerdieze? Lusch in des Gryphius dornrose ist Liese, Elisabeth. . Wie von göttern haben pflanzen und steine vom nix den namen. die nymphaea (νυμφαία von νύμφη) heißt nhd. nixblume , seeblume, seelilie, schwed. näckblad , dän. nökkeblomster , nökkerose ; die conferva rupestris dän. nökkeskäg (nixbart); die haliotis, eine muschel schwed. näcköra (nixohr); der tufstein, tophus, schwed. näckebröd , brot des wassergeistes. finn. näkinkenka (mya margaritifera), näkin waltikka (typha angustifolia); den Lausitzer Wenden heißen die blüten oder samenkapseln einiger schilfe wodneho muz'ä (des wassermanns) porsty, potacz'ky, lohszy. die wasserlilie wird bei uns auch genannt wassermännlein und mummel , mümmelchen  = müemel, mühmchen, wassermuhme, wie im alten lied die merminne ausdrücklich Morolts › liebe muome ‹ angeredet, und noch heute in Westfalen watermöme ein geisterhaftes wesen ist; Nib. 1479, 3 sagt Siglint, das eine meerweib, von Hadburc dem andern: durch der wæte liebe hät mîn muome dir gelogen, diese meerfrauen sind als schwanjungfrauen einander verschwistert und verwandt (s.  355 ) auch Oswald 673. 679 wird ein ›ander merwîp‹ dem ersten zur seite gesetzt. mehrere von nixen bewohnte seen heißen mummelsee (deutsche sagen no. 59. 331. Mones anz. 3, 92) sonst auch z. b. in der schaumburgischen Paschenburg meumkeloch . hiernach deutet sich der name eines flüßchens Mümling im Odenwald, obwol urkunden Mimling schreiben. Man läßt seegeister in bestimmten weihern und flüssen hausen, z. b. in der Saale, der Donau, der Elbe die Elbjungfer und das Saalweiblein (deutsche sagen no. 60), der flußgeist in der Oder (das. no. 62). , wie auch die Römer bärtige flußgötter für einzelne flüsse annahmen; vielleicht hängt der name des Neckars (Nicarus) mit unserm nicor , nechar , unmittelbar zusammen Nachtrag: Die nymphaea heißt gall. baditis , ags. eádocce , engl. water dock , bair. docke , wasserdockelein (tocke, puppe, puella). vgl. seeblatt s.  545 . schwed. näckrosblad . über näckrosor Dybeck 1845, 64. 66. necken har sin boning bland neckroserne , och uppstigande på dess blad ännu stundom î månskensnatten med sitt strängaspel tjuser åhöraren. Fries bot. udfl. 1, 108. die wasserjungfrau sitzt auf blättern der wasserlilie . Müllenhoff s. 340. eine nixbitten (bütten) wiese liegt bei Betziesdorf. hess. zcitschr. 1, 245. syrjän. ist kulj genius aquae, kuljciurj digitus genii in aqua habitantis. Die meerweiber weissagen, wenn auch nicht immer ohne trug, wie aus dem angeführten vers der Nib. hervorgeht. königin Dagmar läßt sich von einer havfru weissagen, wobei die formel gebraucht wird: ›vedst du det, saa vedst du mer‹. D. V. 2, 83. 84. 85. die watermöm läßt in Meklenburg ihre weissagende stimme aus dem wasser erschallen. Lisch 5, 78. ein tod weissagendes gespenst zeigt sich am Donaustrudel. ann. altahenses a. 1045. (Giesebrecht s. 75). vgl. die wahrsagenden meerfrauen s.  361 . . Biörn gibt auch nennir als einen altn. ausdruck für hippopotamus an, das wort scheint dem namen der göttin Nanna (s.  258 ) verwandt Muchar Norikum 2, 37 und Gastein p. 145 erwähnt eines alpengeistes Donanadel ; steht hier nadel für nandel? ein druckf. für madel (mädchen) ist kaum anzunehmen. . Dieser nennir oder nikur soll als schönes, apfelgraues ros am meeresstrand erscheinen und daran zu erkennen sein, daß seine hufe verkehrt stehen; besteigt es einer, so stürzt es sich mit seinem raub in die flut. Man kann es aber auf gewisse weise 406 fangen, zähmen und eine zeit lang zur arbeit abrichten landnâmabôk 2, 10 (Islend. sög. 1, 74). Olafsens reise igiennem Island 1, 55. sv. vis. 3, 128. . Zu Morland in Bahus warf ihm ein verständiger mann einen künstlichen zaum über, daß es nicht entlaufen konnte, und pflügte nun alle seine äcker mit ihm: als zufällig der zaum aufgieng, sprang der neck wie ein feuer in den see und zog die egge mit sich hinunter P. Kalms westgöta och bahusländska resa 1742. p. 200. . Ganz ähnlich berichten deutsche sagen, einen aus dem meerpful entstiegnen großen schwarzen gaul habe ein pflüger vorgespannt, er sei frisch und gewaltig vorgegangen und habe pflug und pflüger in den abgrund gezogen Letzners dasselsche chronik 5, 13. . Aus einem sumpfloch, die taufe genannt, bei Scheuen in Niedersachsen steigt zu gewisser zeit ein wilder stier und begattet sich mit den kühen der heerde Harrys sagen s. 79. . Wenn sturm und gewitter aufsteigen, pflegt ein großes pferd mit ungeheueren hufen auf dem wasser zu erscheinen (Faye p. 55). nach dem norweg. volksglauben zeigt sich, so oft menschen in der see untergehen, ein söedrouen (seegeist) in gestalt eines kopflosen alten mannes (Sommerfelt Saltdalens prästegjeld. Trondhjem 1827 s. 119). im schottischen hochland ist ein pferdgestalteter wassergeist unter dem namen waterkelpje bekannt Nachtrag: In pferdegestalt erscheint der schottische kelpie, dessen nähe sich ankündet durch sein nicker (neighing). er zieht die menschen ins wasser und zerschmettert die schiffe. auch als stier steigt er auf und heißt dann waterbull . ähnlich ist der watershelly . die Dänen haben einen wassergeist Damhest . Athenäum nr. 997. die nixe erscheint als prächtig gesatteltes füllen und läßt kinder aufsteigen. Possarts Estland s. 163. jener stier oder dieses ros , das aus dem meer steigt und menschen entführt, gleicht es nicht dem Zeus, der sich als stier der Europa naht und sie in die flut trägt? vgl. Lucians darstellung. ed. bip. 2, 123. die watermöm sucht ins wasser zu ziehen und wickelt schilf und rohr um der badenden füße. Lisch 5, 78. die merminne raubt den Lanzelet seiner mutter. Lanz. 181. vgl. Sommer s. 173. . Die wassergeister haben manches mit berggeistern gemein, aber auch ihr eigenthümliches. Gleich dem schrat, treten die männlichen lieber einzeln, als in gesellschaft auf. Gewöhnlich wird der wassermann schon ältlich und langbärtig vorgestellt, wie der römische halbgott, aus dessen urne der fluß quillt; oft erscheint er mehrhäuptig (vgl. s.  321 ) Faye p. 51. In einem dän. volkslied hebt der nökke seinen bart in die höhe (vgl. svenska visor 3, 127. 133), er trägt grünen hut , und wenn er den mund bleckt, sieht man seine grünen zähne (deutsche sag. no. 52). zuweilen hat er die gestalt eines rauhhaarigen wilden knaben , zuweilen die eines gelblockigen , mit rother mütze auf dem haupt auf diese kleinheit geht der volksreim: › nix in der grube , du bist ein böser bube; wasch dir deine beinchen mit rothen ziegelsteinchen!‹ . Dem finnischen näkki werden eiserne zähne beigelegt am ufer auf dem grase wird ein mädchen von einem hübschen knaben, den ein schöner bauergürtel umgibt, angehalten und gezwungen, ihm ein wenig den kopf zu kratzen. sie thuts und ist unterdessen unvermerkt durch einen gurt an ihn gefesselt, aber das reiben schläfert ihn ein. Mittlerweile kommt eine frau hinzu, geht näher und fragt das mädchen, was es da mache? das mädchen erzählt und löst sich unter dem gespräch aus dem gurt. des knaben schlaf war fester geworden, und der mund stand ihm ziemlich weit offen. da ruft die näher stehende frau auf einmal aus: ha das ist ja ein neck , sieh seine fischzähne! alsogleich verschwand der neck. (etwas über die Ehsten s. 51). . Nixen erscheinen, gleich romanischen feen und unsern weisen frauen, in der sonne sitzend, ihre langen haare kämmend (sv. vis. 3, 148), oder auch mit dem 407 obertheil des leibs, der von hoher schönheit ist, aus wellen tauchend. den untertheil soll, wie bei sirenen ein fischartiger schwanz bilden; doch diese vorstellung ist unwesentlich und wol nicht echt deutsch, denn niemals treten geschwänzte nixe auf wol aber nixe, die oben menschlich, unten wie pferde gebildet sind; ein wassergeist hat den namen von seinen aufgeschlitzten ohren (deutsche sagen no. 63). , und auch die nixen, wenn sie ans land unter menschen gehen, sind gleich menschlichen jungfrauen gestaltet und gekleidet, nur an dem nassen kleidersaum , dem nassen zipfel der schürze erkennbar in Olaf des heiligen saga (fornm. sög. 4, 56. 5, 162) wird eine margŷgr geschildert als schönes weib, vom gürtel an in einen fisch ausgehend, mit ihrem süßen gesang männer einschläfernd, offenbar nach dem muster der römischen sirene. Hübsche nixensagen stehn bei Jul. Schmidt (Reichenfels) s. 150 (wo der name docken  = puppen) und 151. Auch zu wasserfrauen, die in geburtswehn liegen, werden menschen abgeholt, wie zu zwerginnen (s.  378 ). ›Man redete über D. M. L. tisch von den spectris und von wechselkindern, da hatte die fraw doctorin, seine hausfraw, eine historien erzelet, wie eine wehemutter an einem orte vom teufel were weggeführt worden zu einer sechswöcherin, mit welcher der teufel hatte zu thun gehabt, die in einem loche im wasser in der Mulda gewohnt , und hette ihr das wasser gar nichts geschadet, sondern sie were in dem loche gesessen wie in einer schönen stuben.‹ tischreden 1571. 440 b . . Hierdurch berühren sie sich wieder mit den schwanjungfrauen, deren schwanfuß merkbar wird, und wie diesen schleier und kleider weggenommen werden, setzt auch sie das vorenthalten der handschuhe beim tanz in verlegenheit (deutsche sagen no. 58. 60). Der wendische wassermann erscheint in linnenem kittel, dessen unterer saum naß ist; wenn er getraide aufkaufend über den marktpreis bezahlt, so folgt theuerung, kauft er aber wohlfeiler als andere, so fallen die preise (lausitz. monatschr. 1797 s. 750). Die Russen nennen ihre weiblichen flußgeister rusalki : schöne jungfrauen mit grünem oder bekränztem haar, auf der wiese am wasser sich kämmend und im see oder fluß badend. sie erscheinen zumal am pfingsttage, in der pfingstwoche, und das volk pflegt dann unter tanz und gesang ihnen zu ehre kränze zu flechten und ins wasser zu werfen. dieser brauch hängt mit dem deutschen flußcultus auf Johannistag zusammen. die pfingstwoche selbst hieß den Russen rusaldnoju und böhm. rusadla , sogar walachisch rusalie über die rusalky hat Schafarik im časopis česk. mus. 7, 259 eine ausführlichere abhandlung geliefert. . Tanz , gesang und musik sind, wie der elbe (s.  389 ), auch die freude aller wassergeister. gleich der sirene zieht die nixe durch ihren gesang zulauschende jünglinge an sich und hinab in die tiefe. so wurde Hylas von den nymphen ins wasser gezogen (Apollod. 1. 9, 19. Apollon. rhod. 1, 131). Abends steigen die jungfern aus dem see , um an dem tanz der menschen theil zu nehmen und ihre geliebten zu besuchen Hebel gründet sich wol auf volksüberlieferung, wenn er s. 281 die jungfere usem see mitternachts durch die felder wandeln läßt, wahrscheinlich um sie wie die roggenmuhme fruchtbar zu machen. Andere sage von den meerweiblein in Mones anz. 8, 178 und Bechsteins thür. sagen 3, 236. . In Schweden erzählt 408 man von der lockenden, bezaubernden weise des strömkarl : der strömkarlslag soll eilf variationen haben, von welchen man aber nur zehen tanzen darf, die eilfte gehört dem nachtgeist und seinem heer; wollte man sie aufspielen, so fiengen tische und bänke, kannen und becher, greise und großmütter, blinde und lahme, selbst die kinder in der wiege an zu tanzen Arndts reise nach Schweden 4, 241; von ähnlichen tänzen meldet Herraudssaga cap. 11. p. 49–52. . Dieser spielende strömkarl hält sich gern bei mühlen und wasserfällen auf (vgl. Andvari s. 404). davon heißt er in Norwegen fossegrim (fos, schwed. und altn. fors, wasserfall). es ist schon s.  42 als überrest heidnischer opfer angeführt worden, daß man diesem dämonischen wesen ein schwarzes lamm darbrachte und von ihm dafür in der musik unterrichtet wurde. auch der fossegrim lockt in stillen, dunkeln abenden die menschen durch seine musik, und lehrt geige oder anderes saitenspiel den, der ihm donnerstagabends mit abgewandtem haupt ein weißes böcklein opfert und in einen nordwärts (oben s.  28 ) strömenden wasserfall wirft. ist das opfer mager, so bringt es der lehrling nicht weiter, als zum stimmen der geige, ists aber fett, so greift der fossegrim über des spielmanns rechte hand, und führt sie so lange hin und her, bis das blut aus allen fingerspitzen springt, dann ist der lehrling in seiner kunst vollendet und kann spielen, daß die bäume tanzen und die wasser in ihrem fall still stehen Faye p. 57. vgl. Thiele 1, 135 vom kirkegrim . Nachtrag: Der wassermann ist langbärtig . so hat daz merwunder einen bart lanc, grüenfar und ungeschaffen . Wigam. 177. sein leib ist ›in mies gewunden ‹. Gudr. 113, 3. das meerweib kämmt sich. Müllenhoff s. 338. dies haarkämmen der nixen ist auch finnisch. Kal. 22, 307 ff. die nixe hat nur ein nasenloch . Sommer s. 41. der waternix trägt rothe kappe . Haupts zeitschr. 4, 393, blaue hose, rothen strumpf . Hoffmann schles. lied. s. 8. der nixen schönheit leuchtet aus der schilderung der wasserlüss bei Gryphius 743, der wasserlisse bei Firmenich 2, 334 hervor. die nixen haben nasse schürze . Sommer s. 40. 45. wend. volksl. 2, 267 a . die nixe tanzt in geflicktem kleid . Sommer s. 44. beim tanz läßt die seejungfer einen schwanz erblicken. runa 4, 73. wie sie zum tanz erscheinen, wird oft erzählt. Panzer 2, no. 192. 196. 198. 204. 208. An das opfer für den fossegrim, der graugekleidet ist und eine rothe mütze trägt. Runa 1844, 76, erinnert der brauch, dem nickelmann alljährlich einen schwarzen hahn in die Bode zu werfen. Haupts zeitschr. 5, 378; an das spiel desselben am wasserfall gemahnt Ahto, der sich der ins wasser fallenden harfe Wäinämöinens bemächtigt. Kal. 23, 183. Obgleich das christenthum solche opfer untersagt und die alten wassergeister als teuflische wesen darstellt, so behält das volk doch eine gewisse scheu und verehrung bei und hat noch nicht allen glauben an ihre macht und ihren einfluß aufgegeben: es sind ihm unselige wesen, die aber einmal der erlösung theilhaftig werden können. Dahin gehört die rührende sage, daß der strömkarl oder neck für seinen unterricht in der musik sich nicht bloß opfern, sondern auch die auferstehung und erlösung versprechen läßt Ödmans Bahuslän p. 80: om spelemän i högar ok forsar har man ok åtskilliga sagor; för 15 år tilbacka har man här uti högen under Gärun i Tanums gäll belägit hört spela som the bäste musicanter. Then som har viol ok vill lära spela, blir i ögnableket lärd, allenast han lofvar upståndelse ; en som ej lofte thet fick höra huru the i högen slogo sonder sina violer ok greto bitterliga . . Zwei knaben spielten am strom, der neck saß und schlug seine harfe, die kinder riefen ihm zu: ›was sitzest du neck hier und spielst? du wirst doch nicht selig!‹ da fieng der neck bitterlich zu weinen an, warf die harfe weg und sank in die tiefe. Als die knaben nach haus kamen, erzählten sie ihrem vater, der ein priester war, was sich zugetragen hatte. der vater sagte: ›ihr habt euch an dem neck versündigt, geht zurück, tröstet ihn und 409 sagt ihm die erlösung zu ‹. Da sie zum strom zurückkehrten, saß der neck am ufer, trauerte und weinte. die kinder sagten: ›weine nicht so, du neck, unser vater hat gesagt, daß auch dein erlöser lebt‹; da nahm der neck froh seine harfe und spielte lieblich bis lange nach sonnenuntergang sv. visor 3, 128. ir elfenm. p. 24. 200–202 ähnliche irische, schottische, dänische überlieferungen, vgl. auch Thiele 4, 14. Holbergs julestue sc. 12: nisser og underjorske folk, drive store fester bort med klagen og hylen, eftersom de ingen del har derudi. . Ich wüste nicht daß irgendwo in unsern sagen so bedeutsam ausgedrückt wäre, wie bedürftig des christlichen glaubens die Heiden sind, und wie mild er ihnen nahen soll. Auf unseeligkeit und verdammung der nixe scheinen sich vorzüglich die mitleidigen oder harten beiwörter zu beziehen, die ihnen gegeben werden › vertâne wassernixe‹ (s. 404 ); ›den fula , stygga necken‹ sv. vis. 3, 147; ›den usle havfrue, usle maremind‹ ›den arme mareviv‹, ›du fule og lede spaaqvinde!‹ danske viser 1, 110. 119. 125. Holbergs Melampus 3, 7 führt den dän. volksglauben an: ›naar en fisker ligger hos sin fiskerinde paa söen, saa föder hun en havfrue ‹. . Außer dem freiwilligen opfer für unterweisung in seiner kunst forderte der nix aber auch die darbringung grausamer und gezwungner , deren andenken in fast allen überlieferungen des volks fortdauert. Man pflegt sich noch jetzt, wenn menschen im fluß ertrinken, auszudrücken: ›der flußgeist fordere sein jährliches opfer ‹, gewöhnlich ›ein unschuldiges kind ‹ deutsche sagen no. 61. 62. Faye p. 51. die Saale fordert jährlich ihr opfer auf Walburgis oder Johannis, und an diesen tagen meidet das volk den fluß. . Dies weist auf wirkliche, dem nichus in uralter heidnischer zeit gebrachte menschenopfer hin. Dem Diemelnix wirft man alljährlich brot und früchte hinab Nachtrag: Über die flußopfer vgl. s. 496 . nixe fordern Johannis ihr opfer. Sommer s. 39. de Leine fret alle jar teine. de Rume un de Leine slucket alle jar teine. Schambach spr. s. 87. die Lahn ›muß alle jahr einen haben‹ heißt es zu Gießen. la rivière de Drome a tous les ans cheval ou homme. Pluquet contes popul. s. 116. In der Pfalz sagt man vom Neckar : wenn das wasser reißt, hebt sich eine hand aus dem strom und zieht ihr opfer weg. der Neckargeist verlangt in der johannisnacht eine lebendige seele, drei tage und nächte findet man den ertrunknen nicht, erst in der vierten nacht taucht er aus dem grund, um den hals einen blauen ring. Nadler s. 126. in Cöln sagt man: sanct Johann wel hann 14 dude mann , siben de klemme, siben de schwemme (klimmen wird von handwerkern, die auf gerüsten stehen, gebraucht). vgl. die › putei qui rapere dicuntur per vim spiritus nocentis‹. Tertull. de baptismo (Rudorff 15, 215). . Überhaupt geht durch die wassergeistsagen ein zug von grausamkeit und blutdurst , der bei dämonen der berge, wälder und häuser nicht leicht vorkommt. Nicht allein menschen, deren der nix gewaltig wird, tödtet er, sondern er übt auch blutige rache an seinen leuten, die ans land gestiegen sind, mit den menschen umgehen und wieder zurückkehren. Funfzehn jahre lang hatte ein mädchen bei der meerfrau (i haffruns gård) zugebracht und in dieser zeit keine sonne gesehen. endlich dringt ihr bruder hinab und führt die geliebte schwester glücklich wieder zur oberwelt, sieben jahre wartete die hafsfru auf ihre rückkehr, dann ergriff sie ihren stab, schlug ins wasser, daß es hoch aufbrauste und rief: hade jag trott att du varit så falsk, så skulle jag knackt dig din tiufvehals! (Arvidsson 2, 320–323). Wenn sich die seejungfern beim tanz verspätet haben, wenn die entführte christin dem nix ein kind gebiert, wenn des wassermanns kind seinem rufe zu spät gehorcht, so sieht man einen blutstrahl aus der tiefe des gewässers 410 emporschießen zum zeichen der vollbrachten unthat deutsche sagen no. 49. 58. 59. 60. 304. 306. 318, 1; ich theile hier noch eine westfälische sage mit, deren aufzeichnung ich herrn Seitz aus Osnabrück verdanke: dönken von den smett uppn Darmssen . Dichte bei Braumske liggt en lütken see, de Darmssen; do stönd vörr aulen tiën en klauster ane. de miönke åber in den klauster liabeden nig nå goddes willen: drumme gönk et unner. Nig lange nå hiar hörden de buren in der nauberskup, in Epe, olle nachte en kloppen un liarmen bi den Darmssen, osse wenn me upn ambold slêt, und wecke lüe seigen wott midden up den Darmssen. se sgeppeden drup to; då was et n smett, de bet ant lîf inn water seit , mitn hâmer in de fûst, dåmit weis he jümmer up denn ambold, un bedudde de buren, dat se em wot to smien bringen sollen. Sit der tit brochten em de lüe ut der burskup jümmer isen to smien, un ninminske hadde so goe plogisen osse de Eper. Ens wol Koatman to Epe rêt (ried, schilf) ut den Darmssen hâlen, do feind he n lütk kînd annen öwer, dat was ruw upn ganssen liwe auch bei Casp. von der Rön p. 224. 225 heißt das meerwunder ›der rauhe , der rauche ‹. vgl. vorhin s.  398 . 406 . . Do sgreggede de smett : › nimm mi meinen süennen nig weg! ‹ åber Koatman neim dat kînd inn back full, und löp dermit nå huse. Sit der tit was de smett nig mehr to sehn or to hören. Koatman fårde (futterte) den ruwwen up, un de wörd sin beste un flitigste knecht. Osse he åber twintig jår ault wör, sia he to sinen buren: ›bûr, ik mot von ju gaun, min vâr het mi ropen ‹. ›dat spit mi je‹, sia de bûr, ›gift et denn gar nin middel, dat du bi mi bliwen kannst?‹ ›ik will es (mal) sehn‹, sia dat wâterkind , ›gåt erst es (mal) no Braumske un hâlt mi en niggen djangen (degen); mer ji mjöt do förr giebn wot de kaupmann hebben will, un jau niks afhanneln ‹. De bûr gönk no Braumske un kofde en djangn, hannelde åber doch wot af. Nu göngen se to haupe non Darmssen, do sia de ruwwe : ›nu passt upp, wenn ik int water slåe un et kümmt blôt , dann mot ik weg, kümmt mjalke , dann darf ich bi ju bliwwen‹. He slög int water, då kwamm kene mjalke un auk kên blôd. gans iargerlik sprak de ruwwe : ›ji hebt mi wot wis maket un wot afhannelt, dorümme kümmt kên blôd un kene mjalke. spöt ju, un kaupet in Braumske en ännern djangn‹. De bûr göng weg un kweim wir; åber erst dat drüdde mal bråchte he en djangen, wå he niks an awwehannelt hadde. Osse de ruwwe då mit int water slög, do was et so raut osse blôd , de ruwwe störtede sik in den Darmssen, un niminske hef en wier sehn. Das zeichen der aufsteigenden milch oder des bluts wird auch in einer volkssage gegeben, die aus den wasserjungfern weißgeschleierte nonnen macht. Mones anz. 3, 93. . gewöhnlich war daneben ein anderes günstiges zeichen (ein strahl milch, ein teller mit einem apfel) verabredet, das dann ausbleibt. Und hier darf wiederum Grendel herangenommen werden, den wir s.  201 zu dem bösen gott Loki hielten, welcher doch selbst schon mit Oegir verwandt erschien. Grendel ist grausam und blutdürstig: wenn er nachts aus seinem moor steigt und in die halle der schlafenden helden gelangt, ergreift er einen und trinkt das blut aus dem andern (1478). seine mutter heißt merevîf (3037), brimvylf (seewölfin, 3197) und grundvyrgen (3036), was ganz dasselbe bedeutet (von vearg lupus ist vyrgen lupa abgeleitet). Ihr beider, Grendels und seiner mutter, wasserhaus wird 3027 ff. fast so geschildert, wie man sich des nord. Oegirs wohnung zu denken hat, in der die götter bewirtet wurden: wände halten inwendig das wasser ab und es brennt bleiches licht (3033) vgl. das haus des delfins in Musäus märchen von den drei schwestern. . 411 mehr als ein zug führt also auf höhere wesen, über bloße wassergeister hinaus. Nachtrag: Der zug in der anm. 1239 mitgetheilten sage, daß man nichts abhandeln darf, kehrt auch in einer sage bei Reusch preuß. prov. bl. 23, 124 wieder. beim kauf des opferthieres darf man nichts abhandeln . Athen. 3, 102. den fisch aper muß man um jeden preis kaufen. Athen. 3, 117. 118. emi lienem vituli, quanti indicatus sit, jubent magi, nulla pretii cunctatione . Plin. 28, 13. der schlag aufs wasser erinnert an den nix, der mit einer ruthe aufs wasser schlägt , das sich dann aufthut und den weg in sein haus öfnet. Sommer s. 41. 92. das blut erscheint auf dem wasser. a. o. s. 46. 174, ein apfel als günstiges zeichen. Hoffmann schles. lieder s. 4. Grendel kommt nachts gegangen wie der râkschasi noctu iens heißt. Bopps gloss. 188 a . 198 b . Daß ertrinkende menschen von dem nix an sich gezogen werden hat auch eine mildere, und gleichfalls heidnische wendung. wir haben s.  259 gesehen, daß ertrunkene zur göttin Rân fahren ; der spätere volksglaube läßt sie in die behausung des nix oder der nixe aufgenommen werden. Nicht der flußgeist tödtet die im element des wassers untergegangenen menschen, gütig und erbarmend trägt er sie in seine wohnung und herbergt ihre seelen wahrscheinlich gab es auch sagen von hilfreichen, rettenden flußgöttern, wie bei den Griechen und Römern von Thetis, Ino Leucothea (Od. 5, 333–353), Albunea, Matuta. . Der ausdruck rân scheint ursprünglich eine allgemeinere bedeutung gehabt zu haben: ›mæla rân ok regin ‹ hieß einem alles übel, alle bösen geister anwünschen; mir ist eingefallen, ob nicht das sonst unerklärliche schwed. rå , das einige aus rå angulus oder aus einer kürzung von rådande deuten, in der zusammensetzung sjörå (nix) skogsrå (schrat), tomtrå (hausgeist) aus diesem rân entsprungen sein könne, da die nord. sprache das N so gern apocopiert? auch frau Wâchilt (s.  360 ) ist rettende, aufnehmende wasserfrau. Wie Hel und Rân hält der wassermann die seelen der im wasser umgekommnen bei sich fest ; nach dem naiven ausdruck einer sage (no. 52) ›unter umgekehrten töpfen‹, die nun ein ihn besuchender bauer stülpt: augenblicklich steigen alle seelen durch das wasser in die höhe. Von ertrunknen sagt man: ›der nix hat sie an sich gezogen‹, oder ›hat sie gesogen‹, weil leichen, wenn sie im wasser gefunden werden, rothe nasen zu haben pflegen dän. ›nökken har taget ham‹, ›nökken har suet dem‹. Tullins skrifter 2, 13. . ›Juxta pontem Mosellae quidam puerulus naviculam excidens submersus est. quod videns quidam juvenis vestibus abjectis aquae insilivit et inventum extrahere volens, maligno spiritu retrahente , quem Neptunum vocant, semel et secundo perdidit; tertio cum nomen apostoli invocasset, mortuum recepit.‹ miracula s. Matthiae cap. 43. Pez thes. anecd. 2, 3, pag. 26. Rollenhagen im froschmeuseler (Nn. II b ): ›das er elend im wasser wer gestorben, da die seel mit dem leib verdorben, oder beim geist blieb, der immer frech den ersofnen die hels abbrech .‹ Der schwed. volksglaube nimmt an, ertrunkne menschen, deren leichen nicht an den tag kommen, seien in die wohnung der hafsfru eingezogen (sv. vis. 3, 148). Nach deutschen märchen (no. 79) gerathen kinder, die in den brunnen fallen, in die gewalt der wassernixe ; gleich frau Holla gibt sie ihnen wirren flachs zu spinnen. Faye p. 51 führt einen norwegischen segen an, den man auf dem wasser gegen den nix aussprechen solle: 412 nyk, nyk, naal i vatn! jomfru Maria kastet staal i vatn: du säk, äk flyt! sink du , ich gehe fort! so ruft Brynhildr zuletzt der riesin zu: › seykstu gygjar kyn!‹ Sæm. 229 b . ein ähnlicher für badende wird schwed. abergl. no. 71 mitgetheilt, stahl hemmt einwirkende gewalt der geister (oben s.  386 ). Dumpfer, dem todesächzen ähnlicher ruf des nix soll ertrinken weissagen (Faye p. 51). Überhaupt legen schon sehr alte aufzeichnungen den wassergeistern wehklagende stimmen und gespräche bei, die an weihern und seen erschallen: entweder erzählen sie sich ihre vereitelten anschläge, oder wie sie vor den Christen das land räumen müssen. Gregor. turon. de glor. confess. cap. 31 gedenkt aus seiner jugend eines vorgangs (›apud Arvernos gestum‹). ein frühe zu walde ziehender mann läßt sich seine morgenkost vorher segnen, eh er sie zu sich nimmt: cumque ad amnem adhuc antelucanum venisset, imposito plaustro cum bobus, in ponte qui super navem locatus erat, alterum transmeare coepit in littus. verum ubi in medium amnis devenit, audivit vocem dicentis › merge, merge, ne moreris ‹. cui respondens vox alia ait: ›sine tua etiam admonitione quae proclamas fecissem, si res sacra meis conatibus non obstaret; nam scias eum eulogiis sacerdotis esse munitum, ideo ei nocere non possum‹. Nachtrag: Rå ist neutr., man sagt rået , auch råand . rådrottning . sv. folks. 1, 233. 74 ( anm. 1084 ). die vom wassermann unter umgekehrten töpfen festgehaltenen seelen kommen auch im KM. no. 100 und bei Müllenhoff s. 577 vor. Neptunius , Neptenius wird auch durch altvil wiedergegeben. Homeyer rechtsb. 14 ( anm. 1189 ). die wassergeister klagen oder deuten sonst ihre nähe an. die sjömor jammert . Dybeck 1845, 98. vgl. gigantes gemunt sub aquis . Hiob 26, 5. ἡνίκ' ἔμελλον τὸν ποταμὸν διαβαίνειν, τὸ δαιμόνιόν τε καὶ τὸ εἰωϑὸς σημαῖόν μοι γίγνεσϑαι ἐγένετο. Plato Phaedr. 242. eine der aus Gregor v. Tours ausgehobenen sage ähnliche überlieferung gewährt Schönwerth 2, 187. In der vita Godehardi hildesiensis (erstes viertel des XI jh.) cap. 4 (Leibn. 1, 492) heißt es: erat etiam in orientali parte civitatis nostrae (Hildeneshem) palus horrifica et circummanentibus omnino plurali formidine invisa, eo quod ibi, ut opinabantur, tam meridiano quam et nocturno tempore illusiones quasdam horribiles vel audirent vel viderent, quae (sc. palus) a fonte salsuginis quae ibidem in medio bulliebat, Sulza dicitur. qua ille (Godehardus) spectata, et illusione etiam phantastica , qua bruta plebs terrebatur, audita, eandem paludem secundo sui adventus anno cum cruce et reliquiis sanctorum invasit et habitationem suam ibidem aptavit, et in medio periculo oratorium in honorem s. Bartholomaei apostoli fundavit, quo sequenti anno consummato et dedicato, omne daemonum phantasma (vgl. s.  399 ) exinde funditus exstirpavit et eundem locum omnibus commorantibus vel advenientibus gratum et sine qualibet tentatione habitabilem reddidit. Die dritte stelle ist fortsetzung der s.  89 aus der vita s. Galli mitgetheilten (Pertz 2, 7): volvente deinceps cursu temporis electus dei Gallus retia lymphae laxabat in silentio noctis, sed inter ea audivit demonem de culmine montis pari suo clamantem, qui erat in abditis maris . quo respondente ›adsum‹, montanus econtra, ›surge‹ inquit ›in adjutorium mihi. ecce peregrini venerunt, qui me de templo ejecerunt (nam deos conterebant, quos incolae isti colebant, insuper et eos ad se convertebant), veni, veni, adjuva nos expellere eos de terris‹. marinus demon respondit: ›en unus eorum est in pelago, cui nunquam nocere potero, 413 volui enim retia sua ledere, sed me victum proba lugere: signo orationis est semper clausus. nec umquam somno oppressus‹. electus vero Gallus haec audiens munivit se undique signaculo Christi, dixitque ad eos ›in nomine Jesu Christi praecipio vobis, ut de locis istis recedatis, nec aliquem hic ledere presumatis!‹ et cum festinatione ad littus rediit, atque abbati suo quae audierat recitavit man vergleiche die von zwei leuten des heil. Olaf belauschten gespräche der trölle (fornm. sög. 1, 185–188). . quod vir dei Columbanus audiens, convocavit fratres in ecclesiam, solitum signum tangens . o mira dementia diaboli! voces servorum dei praeripuit vox fantasmatica , cum hejulatus atque ululatus dirae vocis audiebatur per culmina . Man lese noch die 2, 9 folgende erzählung von den beiden nackt am ufer stehenden, steinwerfenden seefrauen . Überall treten hier die bekehrer den heidnischen dämonen, als etwas wirklichem, mit kreuz und segensformel entgegen; dem glockenrühren weicht das klaggeheul der geister. götter und geister werden nicht unterschieden, der aus dem tempel geworfne gott, dessen bildseule zerbrochen wurde, sinnt als alb oder nix auf rache. merkwürdig, daß auch berg und wassergeister als genossen (pares) dargestellt sind; in späteren volkssagen scheint ihre verwandtschaft untereinander vielfach begründet. Wir haben genien der berge, wälder und flüsse betrachtet; es ist übrig die zahlreiche, vielnamige schar der freundlichen, vertraulichen hausgeister zu mustern. Von allen stehen sie dem menschen am nächsten, weil sie sich zu ihm selbst gesellen und ihre wohnung unter seinem eignen dach oder m seinem gehöfte aufschlagen. Hervorzuheben an den hausgeistern ist wiederum, daß es lauter männliche sind, nie weibliche; es scheint etwas geschlechtsloses in ihrem begrif gelegen, wo sich weibliche wesen den koboldischen nähern, sind es herabgesunkne alte göttinnen Holla , Berhta , Werra , Stempe . weiblich sind die griech. Μορμώ und Λαμία, die röm. Lamia, Mania, Maniola. auch die Polen haben eine weibliche Omacmica : ›aniculae vetant pueros edere in tenebris, ne spectrum hoc devorent, quod eos insatiabiles reddat.‹ Linde s. v. ›omacac‹ (belasten). ahd. âgenggun lamias Graff. 1, 132. . Was den Römern lar zu lar gehört larva (gespenst, dämon), wie zu arare arvum, arvus. der monachus sangall. nennt den pilosus (s.  398 ) larva . hieß, lar familiaris (man sehe den prolog zu Plautus Aulularia) und penas , wird in unserer alten sprache hûsing oder stetigot (genius loci) genannt, vgl. hûsinga (penates) N. Cap. 51. Cap. 142 verdeutscht N. lares durch ingoumen (hiusero alde burgo), die wörtliche bedeutung von ingoumo 414 wäre hüter des inneren hauses. Cap. 50 braucht er ingesîde für penates, d. i. ingesinde, hausgesinde, eine form die noch mhd. gilt: daz liebe, heilige ingesîde Rol. 115, 1. 226, 18. Auch das span. duende , duendecillo (kobold) scheint aus domus herleitbar, dueño ist hauseigenthümer (dominus, verschieden von don s.  248 ) und duendo häuslich, eingezogen. altn. bedeutet tôft, schwed. tomt, area, domus vacua und der hausgeist führt den namen schwed. tomtekarl , tomtegubbe (der alte im gehöfte), tomtrå , tomtebiss , som styr i källrars rike (Hallman s. 73) norweg. tomtevätte , toftvätte . ein anderer altn. name ist skûrgođ s.  93 . Man kann ihnen einen besondern bezug auf den heerd des hauses zuschreiben, unter dem sie öfter hervorkommen (s.  377 ) und wo gleichsam die thür zu ihrer unterirdischen wohnung zu sein scheint; sie sind eigentlich heerdgötter . Hin und wieder in Deutschland begegnet auch der name gesell (oben s.  385 selle, selke), gutgesell , nachbar , lieber nachbar , in den Niederlanden goede kind (horae belg. 119), in England good fellow , in Dänmark god dreng , kiäre granne , vgl. bona socia s.  235 . 239 und guote holde (s.  221 ). das engl. puck ließe sich zwar dem ir. phuka , welsh pwcca Crokers fairy legends 3, 230– 232. 262. , vielleicht aber mit mehr fug dem dän. pog (junge) vergleichen, welches nichts als das schwed. pojke , altn. pûki (puer) ist und aus dem finn. poica (filius) herstammt; auch in Niederdeutschland braucht man pook von einem im wuchs zurück gebliebenen, schwächlichen menschen (br. wb. 3, 349). Heimreichs nordfries. chron. 2, 348 hat hus puke . Nachtrag: Die penates waren götter des hausvorrats, penus. die lares hießen etrusk. lases . Gerh. etr. götter s. 15. 16. Fortuna Lasa ibid. eine sage vom lar familiaris steht bei Plinius 36, 70. gab es ein goth. lôs domus und bedeutete Luarin soviel wie hausgeist? lares und penates ahd. hûsgota oder herdgota . Graff 4, 151. die hausgeister heißen auch husknechtken (Müllenhoff s. 318), hauspuken , russ. domovoj , tomtar . Dybeck 4, 26. finn. tonttu . Castren 167. über das span. duende , duendecillo vgl. Diez wb. 485. couroit comme un lutin par toute sa demeure . Lafontaine 5, 6. ein genius loci ist auch Agathodaemon . Gerhard in acad. ber. 1847. s. 203. 204. vgl. die bona socia, die guten holden, die bona dea , bona fortuna und den bonus eventus , den die landleute verehrten. Ammian. Marc. 582. 583. der puk haust in kellern. Mone schausp. 2, 80. 86. niss puk , niss pug . Müllenhoff s. 318. 325. nise buk , niske puks a. o. s. 321. 324. mnd. pûk : strûk. upstand. 1305: buk. 1445. lett. puhkis drache, kobold. Bergmann 152. vgl. die pixies . Seit dem 13 jh. (aus früheren gebrechen uns vielleicht nur belege) bis auf heute gilt die benennung kobold . eine urk. von 1250 in Böhmers cod. francof. 1, 83 hat einen Heinricus dictus Coboldus . schon vor 1250 kommt coboldus in der zeitschr. d. hess. vereins 3, 64 vor. Conrad von Würzburg MS. 2, 206 a : ›mir ist ein lôser hoveschalk als ein kobolt von buhse‹ und der Mîsnære Amgb. 48 a : ›wê den kobolden , die alsus erstummen! mir ist ein holzîn bischof vil lieber dan ein stummer herre‹, die begriffe kobold , zwerg , däumling , puppe und götze gehen vielfach in einander über (vgl. oben s.  86 über malik). Es scheint, man schnitzte damals aus buchsbaumholz kleine hausgeister und stellte sie zum scherz in dem zimmer auf, wie noch jetzt hölzernen nußknackern oder anderm bloßem spielzeug die gestalt eines zwergs oder götzen gegeben wird; doch könnte der gebrauch mit einer altheidnischen verehrung kleiner laren, denen im innersten der wohnung ein platz angewiesen wurde, zusammenhängen; der ernst wandelte sich in scherz, und die christliche ansicht duldete die beibehaltung des alten brauchs man sollte dem alter und der gestalt des geräthes, das, längst als bloßer zierrat, auf wandschränke und tische gesetzt wird, nachspüren; daraus und aus althergebrachten formen des backwerks lassen sich einige folgerungen gewinnen für die sitte des heidenthums, götzen zu schnitzen oder zu teigen (vgl. s.  12 . 87 . 93 . 94 .); teig begreift jede weiche masse, thon, wachs oder mehl. . man wird auch aus lumpen und fetzen puppen 415 gebunden und hingestellt haben. Den stummen hölzernen kobold bestätigt der vom Mîsnære gleich darauf genannte hölzerne bischof vgl. über papa salignus, Reinh. p. xciv . . In dem öfter angeführten gedichte Rüedigers heißt es 17 d der königsb. hs. 'in koboldes sprâche'. Altd. w. 2, 55 ›einen kobolt von wahse machen‹. Hoffm. fundgruben haben im glossar 386 aus einem vocabul. des 14 jh. opold für kopold. Hugo von Trimberg gedenkt verschiedentlich der kobolde: 5064 ›und lêrn einander goukelspil, unter des mantel er kobolte mache, der manic man tougen mit im lache‹; 5576 ›der mâle ein andern kobolt dar, der ungezzen bî im sitze‹; 10277 ›einer siht den andern an als kobolt hern taterman‹; 10843 ›ir (der Heiden) abgot, als ich gelesen hân, daz wâren kobolt und taterman ‹; 11527 ›got möhte wol lachen, solte ez sîn, wan sîne tatermennelîn (so auch Roths bruchstück s. 65) sô wunderlich ûf erden leben‹. gaukler bringen kobolde unter ihrem mantel hervor, kobolde werden an die wand gemalt, die heidengötter waren nichts als kobolde und tatermänner, sich einander ansehen wie kobold und tatermann; überall erscheint hier der kobold als winziger, trügerischer hausgeist. Bei schriftstellern des 17 jh. finde ich die bemerkenswerthe redensart ›lachen als ein kobold ‹. Ettners unwürd. doct. p. 340 und anhang p. 53; ›lachst du doch, als wenn du dich ausschütten wolltest, wie ein kobolt ‹. Reimdich p. 149. entweder soll das heißen, mit aufgesperrtem maule lachen, wie ein geschnitzter kobold, den man vermutlich so darstellte, oder überhaupt sehr heftig lachen, daß einem davon der leib schüttert ›hlahtar kiscutitaz ‹ K. 24 a ; ›er lachte daß er schütterte ‹; N. Cap. 33 sagt: ›taz lahter scutta sia‹, Petronius cap. 24 ›risu dissolvebat ilia sua‹: Reinardus 3, 1929 ›cachinus viscera fissurus‹, und noch heute: vor lachen bersten, sich krumm, bucklig, kurz und klein, zu stücken lachen, sich zu einem hölzlin lachen (Gryphius p. m. 877), vor lachen braun oder dumm werden; einen schübel voll lachen; vor lachen vergehen, sterben, mhd. ›man swindet under lachen‹. Ben. 330. Auch ein bretagnisches lied bei Villemarqué 1, 39 hat dies laute lachen der korred Nachtrag: Dem lachen wie ein kobold gleicht das laughing like pixies . andere derbe ausdrücke für heftiges gelächter sind: sich vor lachen auschütten. Felsenb. 4, 108. er lachte, daß er die schuhe hätte verschütten mögen. Ettner unw. doct. 129. er lachte, daß er hotzelte . Elis. von Orleans 483. Phil. von Sittewald 2, 608. sich schäckig lachen. caval. im irrgarten d. liebe 308. sich ascherfarbig darüber lachen. reim dich 54. sich zu bloß lachen. sich putzig lachen. Fuchsmundi 215. sich einen buckel anlachen. Nesselm. 42 a . schübel voll lachen. Stald. 2, 352. eine scholle lachen. Corrodi docter 265. Stald. 2, 347. scholliges gelächter. Corrodi docter 152. . . ›lachen wie ein hampelmann ‹. Deutschfranzos s. 274. ›ho, ho, ho! the lowd laugh of Robin goodfellow‹. anecdotes and traditions ed. by W am J. Thoms. Lond. 1839 p. 115. in dem gedicht von Zeno 867. 1027 drückt skraken dieses teuflische lachen aus (brem. wb. 4, 686 schrachtern). Schweinichen 1, 260 wird von einem hell und laut lachenden poltergeist erzählt; es kann eine fröhliche oder höhnische lache sein. Auch in den Niederlanden begegnet schon frühe der name koubout (pl. coubouten, horae belg. 1, 119); nnl. kabout , in Belgien kabot , kabotermanneken Schayes sur les usages et traditions des Belges. Louvain 1834 p. 230. ; die nordischen dialecte haben ihn nicht. 416 Es ist ein fremdes wort und wol aus dem gr. κόβαλος (schalk), lat. cobalus Lobeck Aglaoph. 1308–1328. entsprungen, T hinzugefügt, weil unsere sprache für ungeheuere, geisterhafte wesen die formen OLT liebt. die franz. hat aus cobalus, das auch mittellat. gobelinus lautet, gobelin gebildet und daher ist das engl. goblin , verstärkt in hobgoblin . Hankas altböhm. glossen geben 79 a gitulius (getulius, gaetulius) durch kobolt , unmittelbar darauf aplinus (l. alpinus d. i. alphinus, der narr im schachspiel) durch tatrman : hier sehen wir kobolt und tatrman zusammen gerade wie im Renner kobolt und tatrman einander anschauend; darum heißt es auch im cod. pal. 341, 126 c ›einen taterman mâlen‹ und im wahtelmære 140 (vgl. oben s.  410 ) ›rihtet zuo mit den snüeren die tatermanne ‹ dieses taterman aus dem engl. tatter (lumpen) zu erklären hat einigen anschein, allein doch gegen sich, daß die hochd. form zaterman begehren würde (vgl. ahd. zata, zatar Graff 5, 632. 633 mit ags. tättera, panniculus). Jener glossator mag sich unter gaetulius einen africanischen wilden, unter alpinus einen Tartar (mhd. tater, tateler) oder lieber einen narren der kobold hat im character unverkennbare ähnlichkeit mit dem witzigen hofnarren; ich finde es daher bedeutsam, daß einem bei Schweinichen 1, 260–262 geschilderten ausdrücklich ein narrenkolbe beigelegt wird. das engl. hobgoblin ist so viel als clowngoblin (Nares s. v. hob). denken; das wort taterman begegnet auch in andern altböhm. denkmälern und bedeutet puppe, götze (Jungmann 3, 554 b ); den übrigen slavischen dialecten fremd, scheint es aus der deutschen sprache entlehnt Hanusch slav. myth. 299 hält den taterman (zuweilen komme auch hasterman vor) für einen wassergeist. . seinen eigentlichen sinn würde uns erst vollere einsicht in die geschichte des puppenspiels aufschließen: vielleicht darf an das ungr. tatos (gaukler) gedacht werden. Nachtrag: Der name Kobold ist vereinzelt schon vor dem 13. jahrh. nachzuweisen. Koboltesdorp kommt nach Falke trad. corb. s. 46 schon ad a. 946 vor. Adalpertus chobolt, kobolt . MB. 27, 36. 42 (a. 1185). Lodovicus caboldus a. 1221. Lisch mekl. urk. 3, 71. Lodewicus Cabolt a. 1257 a. o. 1, 112. ch. a. 1272 Johannes et Henricus fratres de Kaboldisdhorpe . Lisch Hahn 1, 42. Johannes et Henricus Caboldus fratres a. 1273. 1277. a. o. 1, 47. 49. 76. Johannes Kabolt . a. 1271. 1289–1298. Lisch mekl. urk. 1, 147. 210. Sifridus cabolt . Seibertz 382 (a. 1278). ›in koboldes sprâche‹ bedeutet soviel wie mit kleiner stimme. Hagen Ges. Abent. 3, 78. ein verborgner sagt bei Enenkel (Rauch 1, 316): ich rede in chowolcz wîse. Lessing 1, 292. der kobold müste mirs eingeblasen haben. Luther hat kobold. Es. 34, 14. cobel , der schwarze teufel, die teufelshure. Mathesius 1562, 154 b . Gobelinus eigenname. Mones heldens. 13. 15. Hob ein hausgeist. Hones tablebook 3, 657 (vgl. anm. 1258 ). gehört hierher auch der klabautermann , klütermann . Müllenhoff s. 320, ein schifgeist, der auch kalfater , klabater mann heißt. Temme pomm. sag. no. 253, belg. kaboterman? nl. coubouten br. Gheraert 719. wie vom kobold heißt es: mâlet einen taterman . jungeling 545. mit tattermann wird in Tirol der molch, auch eine vogelscheuche (so auch im Hohenlohischen), ein furchtsamer mensch und der kobold bezeichnet, von tattern, zittern, laufen abgeleitet. Frommann 2, 327. tattaman . almer 2, 11 = tartar. Leoprechting s. 177 denkt an tattern, schrecken. tattermann , ein schreckbild, wird zu Gratz in Steier vorabends vor sonnenwende als puppe umgetragen und mit brennenden besen angezündet, zum andenken ans ausgerottete heidenthum. Aber mehrere hss. und der alte druck des Renners gewähren nicht einmal taterman, vielmehr katerman (den vers 10843 liest cod. francof. 164 b kobülde unde katirman ), was nicht gerade zu verwerfen ist und wenigstens eine richtige nebenauffassung darbietet. katerman von kater (cattus) abgeleitet, wäre mit heinzelman , hinzelman , hinzemännchen , dem namen eines hausgeistes deutsche sagen no. 75; die erzählung ist um 100 jahre jünger, als die abfassung des Reineke. Hinzelmann läßt in der bettstatt ein grüblein zurück, als ob eine katze da gelegen wäre. früher schon melden Luthers tischreden (ed. 1571 p. 441 a ) ähnliches von einem geist Heinzlin . , mit Hinze , dem kater im Reineke, und jenem waldgeist Katzenveit (s.  397 ) zu vergleichen. der gestiefelte kater im märchen spielt ganz die rolle eines gutartigen, hilfreichen kobolds; auch ein anderer heißt stiefel (deutsche sagen no. 77), weil er einen großen stiefel trägt, durch den stiefel werden, wie ich glaube, gefeite schuhe der älteren sage angedeutet, mit denen es möglich war schneller auf der erde und vielleicht durch die lüfte zu wandeln; 417 man denke an die meilenstiefeln der märchen und an des Hermes geflügelte schuhe . Den namen Heinze hat im froschmeuseler ein berggeist. Heinze ist verkleinerung von Heinrich, wie man in Niederdeutschland einen andern poltergeist mit dem diminutiv von Joachim Chimke nennt (vgl. br. wb. 5, 379 dat gimken ): die erzählung von Chimmeken (um das j. 1327) findet sich in Kantzows Pomerania 1, 333. Noch verbreiteter scheint die gleichartige, ebenfalls niederdeutsche benennung Wolterken . Sam. Meiger in der panurgia lamiarum (Hamb. 1587. 4) bok 3 cap. 2 handelt ›van den laribus domesticis edder husknechtkens, de men ok Wolterken unde Chimken an etliken örden nömet‹. dieser Wolterken erwähnt auch Arnkiel (cimbr. heidenth. 1, 49), in den Niederlanden heißen sie Wouters , Wouterken ; Tuinman 2, 201 hat das sprichwort: ›t is een wilde wouter ‹, denkt aber dabei unrichtig an wout (silva); Wouter, Wolter, ist nichts als der dem hausgeist beigelegte menschliche eigenname Walther. Es stimmt ganz zu der vertraulichkeit des verkehrs zwischen menschen und diesen geistern, daß ihnen, außer den üblichen appellativen, auch noch gewisse nomina propria, die diminutivform von Heinrich , Joachim und Walther , gegeben werden. Nicht anders nehme ich Robin und Nissen in der gewöhnlichen benennung des englischen und dänischen kobolds Robin good fellow und Nissen god dreng . Robin ist die französischenglische form des mannsnamens Robert, d. i. des ahd. Hruodperaht, mhd. Ruotperht, nhd. Ruprecht, Rupert, Ruppert und Robin fellow der nemliche hausgeist, den wir in Deutschland knecht Ruprecht nennen und zu weihnachten den kindern erscheinen lassen, der aber in den lustspielen des 16. 17 jh. zu einem bloßen Rüpel oder Rüppel , d. h. allgemeinen lustigen narren wird Ayrers fastnachtsspiele 73 d bestätigen, daß der eigenname Ruprecht die koseform Rupel annimmt. einige dialecte verwenden Rüpel , Riepel wieder zur benennung des katers; in hexenacten heißt ein junger kleiner teufel Rubel . nach dem Leipziger avanturier 1, 22. 23. erscheint knecht Ruprecht rauch gekleidet, den sack auf dem rücken, die rute in der hand. . in England scheint Robin good fellow sich mit dem wildschützen Robin Hood zu mengen, da Hood an Hödeken (s.  383 ) gemahnt; ich glaube, diese ableitung aus einem koboldischen, unter dem volk allgemein bekannten wesen ist vorzüglicher als die versuchte historische aus einem sächsischen messepriester Rubertus oder dem englischen Robertus knight, einem der mörder des Thomas von Canterbury. Nisse , Nissen (in Dänmark und Norwegen gangbar) muß man aus Niels , Nielsen , d. h. Nicolaus, Niclas neben dem familiennamen Nielsen ist in Dänmark die form Nissen üblich, und kann nur dasselbe bedeuten, nicht kobold oder nix. erklären, nicht aus dem hd. appellativ des wassergeistes nix, dän. nök, nok (s.  404 ), dem jenes Nisse unverwandt ist; auch lautet die schwed. form Nilson . Eine bestätigung finde ich in der sitte, dem Niclaus , Claus oder Clobes dieselbe rolle anzuweisen, welche Ruprecht in andern gegenden spielt, auf letztern 418 möchte ich schon Ofterdingens worte MS. 2, 2 b beziehen: › Rupreht mîn knecht muoz iuwer hâr gelîch den tôren schern‹. ein hausgeist Rüdy (Rudolf) in Mones anz. 3, 365 Nachtrag: In Cöln heißen hausgeister heizemänncher . Firmenich 1, 467. knecht Heinz bei Fischart spiel. 367 und knecht Heinrich. der kater wird nicht nur Hinze, sondern auch Heinz , Henz genannt und der stiefelknecht auch stiefelhenz , an den hilfreichen gestiefelten kater des märchens erinnernd. die katze trägt über nacht mäuse, korn und geld zu; nach dem dritten dienst wird man sie nicht wieder los. Müllenhoff s. 207. einen dienstbaren kater kann man nicht los werden. Temme pomm. sag. s. 318. die moosleute und hauskobolde haben etwas von der natur der affen an sich, die auch zu hausdiensten abgerichtet werden. vgl. Felsenburg 1, 240. auch die Letten kennen einen wunderbaren kater Runzis oder Runkis , der seinem herrn getraide zuträgt. Bergmann s. 152. vgl. die hausgeister Hans . Pluquet contes popul. 12 und Hänschen . Sommer s. 33. 34. 171. den guten Johann . Müllenhoff s. 323. über die Wolterkens vgl. Müllenhoff s. 318. knecht Ruprecht heißt im holstein. Roppert . Müllenhoff s. 319. Robin Hood wird von Kuhn mit Wuotan und knecht Ruprecht verglichen. Haupts zeitschr. 5, 482. 483. von den nisken , dem nis , nispuk , neßkuk berichtet. Müllenhoff s. 318. 319. für den hausgeist, wie für den teufel, kommt der name Stepchen vor. Sommer s. 33. 171. endlich noch Billy blind . minstrelsy 2, 399. . Andere benennungen sind vom geräusch hergenommen, das diese geister in häusern verursachen, man hört sie leise springen, an den wänden klopfen, auf treppen und boden poltern oder rumpeln. span. trasgo (kobold) und trasguear (poltern), franz. soterai , sotret (springer) mém. de l'acad. celt. 4, 91; ekerken (eichhörnchen) deutsche sagen no. 78; poltergeist , rumpelgeist , im kindermärchen (no. 55) rumpelstilz , bei Fischart rumpelstilt stilt , stilz das alte stalt in zusammensetzungen? gramm. 2, 527. Was das märchen von dem bergmännlein Rumpelstilt , und wie sein name errathen werden muß, erzählt, berichten andere sagen von Eisenhütel oder Hopfenhütel (die einen hut von eisen oder mit hopfenlaub umkränzt tragen), Kletkes alm. v. volksm. 67, oder von dem zwerg Holzrührlein , Bonneführlein (Harrys 1, 18), und wir werden hernach in riesensagen denselben zug treffen. ; ein bestimmter kobold heißt klopfer (deutsche sagen no. 76), vielleicht ist auch in dieser beziehung hämmerlein , hemerlein (oben s.  151 ) auf teuflische hausgeister angewendet worden. niederl. bullmann , bullermann , bullerkater , von bullen, bullern (poltern). flandr. boldergeest und daher ›bi holder te bolder‹, nhd. ›holter die polter‹. pophart , bei Fischart jenem rumpelstilt identisch, ist von popeln, popern (schnell und schwach anklopfen, pochen) Stald. 1, 204. Schm. 1, 292. 323. abzuleiten; ein hauskobold in Schwaben hieß der poppele ; an andern orten popel , pöpel , popelmann , popanz , gewöhnlich mit dem nebensinn eines vermumten kinderschreckenden gespenstes, selten von lustigen freundlichen kobolden gebraucht. pöpel ist sonst was sich puppt, vermumt, einhüllt, im Hennebergischen heißt nach Reinwald 2, 78 eine dunkle wolke pöpel, es ist der begrif von larve und tarnkappe (s.  276 . 277 ). man hört auch mit beziehung auf Holda Hollepöpel und Hollepeter . Ähnliche formübergänge erscheinen in den namen mumhart (schon Caesarius heisterb. 7, 46 ›mummart momordit me‹), mummel , mummelmann , mummanz für mumhans, wie popanz f. pophans, denn man sagte auch blindhans, grobhans, karsthans, scharrhans u. s. w. , die vollkommen denselben begrif ausdrücken, mummen, mummeln bedeutet einen dumpfen laut von sich geben; oder darf man an mumel , muomel , den namen des wassergeistes s.  405 denken? dann schiene vermummen (verkleiden), mummerei (larva) eher nachahmung des gespenstes, als das gespenst von der verkleidung benannt Nachtrag: Das klopfen , pochen der geister kommt vor. Göthe 15, 131. klopferle pocht beim nahenden tode eines aus dem geschlecht, bei dem er haust. G. Schwabs alb. s. 227. was für ein poltergeist handtieret durch die lichten zimmer? Günther 969. plagegeist . Musaeus 4, 53. rumpelgeist . S. Frank chron. 212 b . ez rumpelt staete für sich dar. wasserbär 112. bozen oder mumantz in hirsengarten. reimdich 145. alpabutz alpendämon. Vonbun s. 46–48. die mutter spricht: ›nit gang hinusz, der mummel (auch ›der man‹) ist dusz‹. denn das kind vörcht den mummel (man). Keisersb. bilgr. 166 c . sich vermummen und verbutzen . H. Sachs I. 5, 534 c . wie von Rumpelstilt , muß auch von Knirfiker , Gebhart , Tepentiren (Müllenhoff s. 306–308), Titteli Ture (sv. folkv. 1, 171), der name errathen werden. andere namen sind: Kugerl (Zingerle 2, 278) und Stutzlawutzla (Wolfs zeitschr. 2, 183). . Schon im 12. 13 jh. sagte butze dasselbe aus, was mummart und poppart: der ortsname Puziprunnun , Puciprunnen MB. 6, 60. 62. 9, 420 (12 jh.), wenn nicht darunter puzi puteus gemeint ist, könnte einen brunnen bedeuten, in dem ein solcher hausgeist sein wesen hatte. ›ein ungehiurer butze ‹ Martina 116 c 224 a ; ›si sehent mich nicht mêr an in butzen wîs‹ Walth. 28, 37; ›in butzenwise 419 gehn‹, Oberlin s. v.; ›den butzen vorht er kleine, als man dô seit von kinden‹ Albr. Tit. X, 144 (Hahn 1275); butzengriul Walth. 140, 2. MsH. 3, 451 a ; ›geloub ich daz, sô bîz mich butze ‹. Hätzlerin 287 a , was zu jenem mummart momordit me stimmt; ›ein kinderbutze ‹ Ls. 1, 617; ›forht ich solchen bützel ‹ Ls. 1, 380, wo von einem wihtel die rede ist. schrecken mit dem butzen , den butzen (die larve) abzerren; butzen antlüt, butzen kleider bei Kaisersperg larva (Oberlin 209). winterbutz hat Brant im narrensch. 129 (winterbutte die plattd. übersetzung 140 b ). mir unverständlich ist der butzenhänsel weisth. 1, 691. Noch heute fast in ganz Deutschland: der butz kommt um die kinder zu schweigen. in der Normandie: schweig, der gobelin wird dich fressen! , der butzemann , butzelmann , im Elsaß auch butzmummel , was butz oder mummel allein. buz , Jägers Ulm s. 522. butzenmann , Fischarts bienkorb 194 a . butz Garg. 231 a . butzemann Simpl. 2, 248. in Baiern fasnachtbutz , buzmann , buzibercht , mit jenem Berchta oder Bercht (s.  226 . 231 ) zusammengestellt; der butzwinkel (schlupfwinkel), butzlfinster , stockfinster, so daß die erscheinung des geistes gefürchtet wird; ›der putz würde uns über berg und thäler tragen‹ (Schm. 1, 229. 230); der butz , der wanderer auf abwege führt (Muchar Gastein p. 145). in Schwaben butzenmaukler (von maucheln, heimlichthun), butzenbrecht , butzenraule , butzenrolle , rollputz , butzenbell , (weil der geist mit rollen und schellen rasselt und klingelt) (Schmid 111). im Hanauischen hört ich die interjection katzabutzarola! und katzebutz führt wieder auf verbindung der katze mit dem kobold (s.  416 ). in der Schweiz bootzi , bozi (St. 1, 204). mehrere vorstellungen greifen dabei ineinander, bald erscheint ein ungeheurer, kinder fortschleppender butz , bald ein winziger bützel , daher man auch bützel , butzigel verächtlich von kleinen, ungestalten geschöpfen sagen hört. auf gleiche weise gilt niederd. but von kurzen, dicken kindern, butten, verbutten heißt im wuchs zurückbleiben, verknorzen, der popanz aber führt den namen butte , butke , budde , buddeke ; ›dat di de butke nig bit‹ sagt man spöttisch zu kindern, die sich im dunkeln fürchten (brem. wb. 1, 173, 175), und der wassergeist in den kindermärchen no. 19 butt oder buttje gehört gewis hierher, die benennung ist nur auf einen stumpfköpfigen fisch, den rhombus oder passer marinus übertragen worden hier berühren sich weissagender, begabender hausgeist und wassergeist. das märchen vom butt hat ähnlichkeit mit dem altfranzös. von Merlin, der ein elbischer geist und zauberer, die wünsche des köhlers hintereinander erfüllt, bis er zuletzt den unverschämten wieder in die anfängliche armut zurückfallen läßt (Méon. nouv. rec. 2, 242–252, Jubinal 1, 128–135). . wahrscheinlich auch buttemann , buttmann ; häufiger die verkürzte form buman (br. wb. 1, 153). nnl. bytebauw (f. buttebauw), das ich dem nd. buba (br. wb. 1, 152) vergleiche. das dän. bussemand , bussegroll , bussetrold (Molbech s. 60) scheint nach dem deutschen Nachtrag: Der butzenhänsel soll in der offenstehenden wasserruns aus und einwandern, wie auch andere gespenster durch den stadtgraben ziehen. Müllenhoff s. 191. Buzemannes heißt ein ort in Franken. MB. 25, 110. 111. Putzmans a. o. 25, 218. 387. Lutbertus qui budde dicitur. Gerhardus dictus budde . Sudendorf s. 69. 70. 89 (a. 1268). butzenantlitz (larve) Anshelm 1, 408. Garg. 122 b . butzenkleider Anshelm 3, 411. heißt putzen , butzen eigentlich sich verlarven? schweiz. ist auch böögg , bögk , bröög larve, schreckbild. Stald. 1, 202. 230. böggenweise ist fastnachtspiel. Schreibers taschenb. 1840, 230. bögglman . Lazarillo Augsb. 1617 s. 5 (?). bröög scheint zu bruogo, ags. bröga terror, terriculamentum zu gehören (s. anm. 1272 ). . Es ist schwer die abstammung dieses butze , butte 420 anzugeben; ich möchte ein verlornes goth. biuta (tundo, pulso), báut, butum, ahd. piuzu, pôz, puzum annehmen, wovon das ahd. anapôz (incus), das mhd. bôzen (pulsare) gebiuze (pochen, lärmen) vgl. Lachmann zu Nib. 1823, 2. fragm. 40, 186; butze bezeichnet einen pochenden, klopfenden geist, stimmt also ganz zu dem begrif von mumhart und pophart weil das ungeheure zugleich das widerwärtige, unreine enthält, wird nicht befremden, daß butze und popel beide mucus, unflat ausdrücken (Oberlin 210. Schm. 1, 291). ebenso schweiz. böög (St. 1, 203). , vielleicht steht auch ein bôzhart oder buzhart nachzuweisen. Wie aber butzenhänsel gilt auch hanselmann für spiritus famil. (Phil. v. Sittew. 5, 328 ed. lugd.) und das ähnliche hampelmann für kobold, puppe und mannequin (= männeke, männchen). bair. hämpel , haimpel teufel und einfaltspinsel (Schm. 2, 197) östr. henparl (Höfer 2, 46). Das franz. follet , ital. foletto ist verkleinerung von fol , fou, das wie follis (blasebalg) von einem veralteten follere (sich hin und her bewegen) abgeleitet werden mag und wieder auf die berührung des hausgeistes mit dem narren führt Ratherius ed. Ballerini p. 314: ›merito ergo follis latiali rusticitate vocaris, quoniam veritate vacuus‹. Wilhelm. metens. ep. 3: › follem me rustico verbo appellasti‹. . lutin , auch luton , vielleicht vom lat. luctus, ein wehklagender, trauerkündender geist? litth. bildukkas , bildunas , bildziuks (poltergeist) von bildenti (poltern, rasseln); grozdunas von gródzia (es poltert); sloven. strashnik , serb. straschilo , böhm. strašidlo , poln. straszydlo von strašiti (terrere); böhm. bubák (poltergeist), stärker ist das poln. dzieciojad kinderfresser dem lat. manducus ähnlich. irische hausgeister heißen Cluricaune (elfenm. s. 85–114) und Leprechaun , Logheriman (Keightley 2, 179) Nachtrag: Über das franz. follet vgl. Diefenb. celt. 1, 182. der folet schenkt dem bauern, der ihn gefangen hat, drei wünsche, damit er ihn nicht den leute zeige. Marie de France fables s. 140. le farfadet de Poissy kommt aus dem kamin zu den frauen, die sich ihre hüften zeigen, und zeigt seinen hintern. reveille-matin p. m. 342. Malabron le luiton . Gaufrey s. 169. altfrz. rabat lutin. mnl. rebas gl. zum lekensp. s. 569. in Bretagne ist Poulpikan neckischer geist, der als der mann der fee dargestellt wird und sich bei druidischen denkmälern findet. lett. kehms , kehmis , kobold, gespenst. auch lulkis . Bergm. 145. ist götze Uhland volksl. 754 ein kobold? . Doch genug der namen, sicher wären manche andere anzuführen: es ist zeit das wesen und die verrichtungen dieser hausgeister selbst zu betrachten. In gestalt, aussehen und tracht kommen sie den elben und zwergen gleich, die sage legt ihnen gern rothes haar oder rothen bart bei, der spitze rothe hut mangelt selten. Hütchen (Hodeke, Hoidike), der hildesheimische kobold, Hopfenhütel , Eisenhütel führen davon ihren namen. ein pilz mit breitem deckel heißt dän. nissehat (koboldshut). den norwegischen Nissen stellt man sich klein wie ein kind vor, aber stark, graugekleidet mit rother pechhaube und ein blaues licht vgl. das blaue licht des schwarzen männchens (kinderm. no. 116). bei nacht tragend J. N. Wilse beskrivelse over Spydeberg. Christiana 1779 p. 418. . Sie können sich also nach gefallen den menschen sichtbar oder unsichtbar machen. Ihrer gefeiten schuhe oder stiefel wurde s.  416 gedacht; damit ist es ihnen leicht, die beschwerlichsten wege in größter schnelle zurückzulegen: Hütchens rennpfad zog sich gerade über gebirge und wälder hin (deutsche sagen 1, 100), ähnliches drückt der schratweg 421 (s.  396 ) aus so wird von einem chemin de fées (mém. celt. 4, 240), von einem tröllaskeid (curriculum gigantum) Laxd. saga 66 geredet. . Mit dieser fußausstattung und schnelligkeit verbindet sich hin und wieder thierische gestalt und benennung: Heinze, Heinzelmann, polterkater, katermann, stiefelkater, eichhörnchen; ihrem schleichen und treiben im haus gleicht die nächtliche unruhe polternder katzen hexen und feen nehmen oft katzengestalt an, und katzen sind besonders verdächtige zauberhafte thiere. . Sie wohnen gern in stall , scheune oder keller des menschen, dem sie sich zugesellen, zuweilen auch in einem dem hause nah stehenden baum (schwed. boträ ). von solchem baum darf man keinen ast abbrechen, sonst entweicht der zürnende kobold und mit ihm alles glück aus dem haus; er kann auch nicht leiden daß donnerstags abend im hof gehauen oder gesponnen werde ( schwed. abergl. no. 110 ) übereinstimmend Wilse a. a. o.: tomtegubben skal have sin til hold unde gamle träer ved stuehuset ( boeträer ) og derfor har man ej tordet fälde disse gandske. auf diesen zusammenhang der hausgeister mit dem baumcultus soll noch im verfolg zurückgekommen werden. . In den hausgeschäften erzeigen sie sich freundlich und zuthätig, vorzüglich in küche und stall . Jener zwergkönig Goldemar (s.  375 . 386 ) soll vertraulich bei Neveling von Hardenberg auf dem Hardenstein an der Ruhr gelebt und oft mit ihm in einem bett geschlafen haben. er spielte lieblich auf der harfe und verthat viel geld bei den würfeln; den Neveling pflegte er schwager zu nennen und ihn oft zu warnen, er redete mit allen leuten und machte die geistlichen schamroth durch entdeckung ihrer heimlichen sünden. seine hände waren mager, wie eines frosches, kalt und weich anzugreifen, er ließ sich fühlen, aber keiner konnte ihn sehn . nach einem aufenthalt von drei jahren zog er, ohne jemand zu beleidigen, weg. Andere nennen ihn aber könig Vollmar und die von ihm bewohnte kammer soll noch heute Vollmars kammer heißen, er muste einen platz am tische und einen für sein pferd im stall haben, speisen, haber und heu wurden verzehrt, aber vom menschen und pferde sah man nichts als den schatten . Als ihm ein neugieriger asche und erbsen gestreut hatte, um ihn fallen zu machen und seine fußstapfen zu erschauen, kam er ihm beim feueranzünden an den hals und hieb ihn zu stücken, die er an einen spieß steckte und briet, haupt und beine aber begann er zu kochen. sobald die gerichte fertig waren, wurden sie auf Vollmars kammer getragen und man hörte sie unter freudengeschrei verzehren. Nach dieser zeit wurde könig Vollmar nicht länger gespürt. über seiner kammerthür fand man geschrieben, künftig solle das haus so unglücklich werden, als es bisher glücklich gewesen sei, die versplitterten güter würden erst dann wieder zusammenkommen, wann drei Hardenberge von Hardenstein aufeinmal lebten. bratspieß und rost wurden lange aufbewahrt, 1651 im lothringischen krieg kamen sie abhanden, doch der topf findet sich noch in der küche 422 eingemauert von Steinen westfäl. gesch. s. 777–79. . Die weissagung des abziehenden hausgeists ist besonders alterthümlich und die grausamkeit des erzürnten vollends heidnisch. Sam. Meiger sagt von den wolterkens : ›se vinden sik gemeinichlich in den hüseren, dar ein god vörrad van allen dingen is. dar schölen se sik bedensthaftigen anstellen, waschen in der köken up, böten vür, schüren de vate, schrapen de perde im stalle, voderen dat quik, dat it vet u. glat herin geit, theen water und dragent dem vehe vör. men kan se des nachtes hören de ledderen edder treppen up u. dal stigen, lachen, wen se den megeden efte knechte de decken aftheen, se richten to, houwen in, jegen dat geste kamen schölen man sagt, es zeige gäste an, wenn sich die katze den bart putzt. , smiten de ware in dem huse umme, de den morgen gemeinliken darna verkoft wert‹. Der kobold ist also ein diensamer, fleißiger geist, der seine freude daran hat, den knechten und mägden in der hausarbeit beizuspringen und insgeheim einen theil derselben zu verrichten. er striegelt die pferde, kämmt ihre mähnen aus wie die weiße frau (Berhta), von deren wachskerzen in die mähne gefallne tropfen frühmorgens den nächtlichen besuch anzeigen (deutsche sagen no. 122). in Wales glaubt das volk, den geißen würden freitag nachts von den elben die bärte ausgekämmt (Groker 3, 204). , gibt dem vieh futter vor daher der name futtermännchen (zuweilen mit Petermännchen vermischt); oft hat er aber ein lieblingspferd, das er besonders pflegt; er nimmt den andern das heu aus der krippe weg und trägt es jenem zu. Faye p. 44. , zieht aus dem brunnen wasser und tränkt, mistet den stall. den mägden macht er feuer ein, spült die schüsseln aus, spaltet und trägt holz, kehrt und fegt. sein dasein bringt glück und gedeihen ins haus, sein abgang entzieht sie. er gleicht den hilfreichen erdmännlein, die in der feldarbeit beistehen (s.  372 ). Aber zugleich führt er aufsicht, daß alles im haushalt ordentlich hergehe; faules und fahrlässiges gesinde hat von ihm (wie von Holla und Berhta s.  223 . 226 ) zu leiden, er zieht den trägen die decke vom bett ab, bläst ihnen das licht aus, dreht der besten kuh den hals zu, stößt schlampigen melkmägden den kübel um, daß die milch verschüttet und spottet ihrer durch höhnisches gelächter; seine gutmütigkeit wandelt sich in neckerei und schadenfreude, er wird zum quälgeist und plagegeist . der Agemund im Reinardus 4, 859–920 scheint mir nichts als ein vom dichter entstellter und übertriebner hausdämon, der die magd im schlaf, melken und buttern stört die schilderung seiner gestalt (pferdemähne, habichtsschnabel, katzenschwanz, ziegenbart, ochsenhörner und hahnfuß) wird nicht ganz hinzu erfunden sein. Nachtrag: Hödeke heult! d. h. es stürmt. hildesh. stiftsfehde s. 48. 91. nach Falke trad. corb. 135 ist die ganze fabel von Hödeke erdichtet . Hütchen ist ein kleines rothes männchen, mit funkelnden augen. Sommer s. 26. 171, in langem grünem kleid s. 29. 30. die voigtländische sage geht von einem kobold Pumphut , der sich vor langen zeiten in der gegend von Pausa umtrieb, immer als mülknappe fleißig arbeitete, aber viele neckische streiche verübte. Bechstein in Nieritz volkskal. 1846. s. 78–80. dieser Pumphut kommt auch in Westfalen vor. Kuhn westf. sag. 2, 279 und seiner gedenkt bereits die insel Felsenburg. Nordh. 1746. 2, 366–370. im Münsterland unterscheidet man timphüte und langhüte . jene sind klein, runzlicht, eisgrau, altmodisch mit dreieckigem hut. die andern sind lang, hager, mit schlapphut. der timphut bringt bestimmten segen, der langhut verhütet unglück. sie wohnen meist im speicher oder in wüster bodenkammer, wo sie einen knarrenden haspel langsam abdrehen. bei feuersbrünsten hat man sie aus den flammen schreiten und einen feldweg einschlagen sehen. hierhin gehört wol der name des hausgeistes Dalkopp . neue pr. prov. bl. 1, 394. auch sonst wohnen sie in einer ecke hinterm ofen . Müllenhoff s. 335, unterm dachbalken a. o. s. 337, in gibellöchern oder gibelluken , wo man ihnen ein bret hinstellt, um sie heranzuziehen. a. o. s. 332. 322. 321. Haupt lausitz. s. 1, 56 ff. der kobold sitzt auf dem heerd , fliegt zum schornstein aus und theilt sich mit dem bauer in die stube. Sommer s. 27. 29. geister im keller, über den fässern erwähnt Simplic. 2, 264. 265 (vgl. Abundia s. 237. 884. 885). der kobold holt und trägt seinem herrn zu, kann aber nur ein gewisses maß herbeibringen und ändert, wenn mehr gefordert wird, den herrn. Sommer s. 27 (s.  424 ). er trägt seinem herrn die milch fremder kühe zu, wie der drache und der schwedische bare (s.  912 ) und der teufel. so streift er ins teuflische, hexische. er hilft beim melken, leckt verschüttete milchtropfen auf. Müllenhoff s. 325. kobolde striegeln und füttern das vieh und haben darunter ihre lieblingsthiere. Sommer s. 36. 37. darum heißen sie futtermännchen . Börner Orlagau s. 241. 243. bieresel ein hausgeist bei Kuhn nordd. s. no. 225 vgl. das. s. 423. 521. sie reden mit feiner stimme , mit kleiner stimme, in koboldes sprache. Müllenhoff s. 335. Hagen Ges. Abent. 3, 78. jedoch vgl. 3, 79 mit grôzer stimme er dô schrei. wie man von könig Vollmar nichts als den schatten sah, so ist auch der gute Johann wie ein schatten . Müllenhoff s. 323. sie zeigen sich oft in gestalt von kröten . Müllenhoff s. 355. 330, auch als kater oder katze ( anm. 1264 ). der alban. hausgeist vittore wird als kleine schlange gedacht. Hahns lieder 136. eine gute schilderung des kobolds bei Firmenich 2, 237. 238. an Agemund , den hausdämon im Reinardus, erinnert das kraut agermund . Garg. 88 b . . Dienstboten, die sich gut mit ihm stehen, setzen von den speisen ein besonderes näpfchen bei seite, was wol noch auf kleine opfer deutet, die ihm im alterthum gebracht wurden (s.  370 ). wahrscheinlich führte davon ein schweizerischer kobold den namen 423 Napfhans . oft geschieht es aber nur an festtagen oder einmal wöchentlich. der geist ist genügsam und nimmt mit einer schaale grütze, einem stück kuchen, einem glase bier vorlieb, die ihm alsdann hingestellt werden; an solchen abenden hat er nicht gern, daß innerhalb oder außerhalb der thür eine lärmmachende arbeit vorgenommen werde. man nennt das in Norwegen ›at holde qvelvart‹ (qvellsvart), abendruhe halten. wer ihn sich geneigt wünscht, gibt ihm gute worte: › kiäre granne , giör det‹! (lieber nachbar thu das), und er antwortet in gleichem ton. er soll zuweilen seine vorliebe zu dem hausherrn so weit treiben, daß er aus der scheune oder dem stall anderer bauern heu und stroh entwendet und es jenem zuträgt Nachtrag: Weil der hausgeist οἰκουρός, agathodaemon ist s.  570 . 571 , so setzt man ihm milch, honig und zucker auf die bank, wie der unke. Schweinichen 1, 261. in den schleswigholsteinischen sagen verlangen sie immer brei oder grütze und ein stück butter hinein. dem kobold wird der tisch gedeckt . Sommer s. 32. dem Napfhans ist der lat. Lateranus ähnlich. Arnobius 4, 6: Lateranus deus est focorum et genius adjectusque hoc nomine, quod ex laterculis ab hominibus crudis caminorum istud exaedificetur genus . . . per humani generis coquinas currit inspiciens et explorans quibusnam lignorum generibus suis ardor in foculis excitetur, habitudinem fictilis contribuit vasculis , ne flammarum dissiliant vi victa, curat ut ad sensum palati suis cum jocunditatibus veniant rerum incorruptarum sapores, et an rite pulmenta condita sint, praegustatoris fungitur atque experitur officio. nach Hartung 2, 109 ist es Vulcanus , caminorum deus. dem Vulcan legt auch Varro in fragm. s 265 ed. Bip. das schützen der töpfe bei. Vulcanum necdum novae lagenae ollarum frangantur ter precatur (vgl. oben s.  370 ). . Der Nissen liebt den mondschein, und zu winterszeit sieht man ihn munter über den hof springen, oder im schlitten fahren. auch versteht er sich auf tanz und musik, und man erzählt von ihm, was von dem schwed. strömkarl (s.  408 ), daß er für ein graues schaf die leute im geigenspiel unterrichtet wenn nicht Wilse (a. a. o. 419) Nissen und nöcken vermischt; doch war auch Goldemar , der deutsche kobold, musikkundig (ir. elfenm. lxxxiii ). Wilse und Faye p. 43–45 geben die beste nachricht von dem norweg. Nissen, Thiele I, 134. 135 von dem dänischen. . Es genügt dem hausgeist an geringem lohn: einen hut, eine rothe kappe, einen bunten rock mit klingenden schellen hält er sich aus. hut und kappe hat er mit den zwergen gemein (s.  383 ), darum auch das vermögen sich unsichtbar zu machen. schon Petronius sat. cap. 38 bestätigt es aus dem römischen volksglauben: ›sed quomodo dicunt, ego nihil scivi, sed audivi, quomodo incuboni pileam rapuisset, et thesaurum invenit‹. die hausgeister hüten schätze und Nib. 399 wird Siegfried herr des hortes, sobald er dem Alberich die tarnkappe angewann. Auch in Calderons dama duende wird dem kleinen kobold ein großer hut beigelegt: ›era un frayle tamañito y tenia un cucurucho tamaño ‹. Der schwed. tomte i gården sieht aus wie ein jähriges kind, hat aber ein altes verständiges gesicht, unter rother mütze. er zeigt sich mittags (s. cap.  XXXVI daemon meridianus) im sommer und herbst, langsam und keuchend schleppt er einen strohhalm oder eine ähre ( anm. 1143 ) als der bauer lachte und fragte: was hilft es mich, ob du mir das oder nichts trägst? entwich er verdrossen aus dem hof und gieng zum nachbarn. darauf wich aller segen von dem, der ihn verachtet hatte, und wandte sich zum andern. Der bauer, welcher den fleißigen tomte ehrte und auf den kleinsten halm achtete, wurde reich, und reinlichkeit und ordnung herschte in seinem haushalt. Manche Christen glauben noch an solche hausgeister und stellen ihnen jährlich ein opfer an, oder wie sie es nennen, geben ihnen lohn. es geschieht auf julmorgen und besteht in grauem tuch, tabak und einer schaufel erde . Afzelius 2, 169. Ein pück diente dreißig jahre lang den mönchen eines 424 meklenburgischen klosters, in küche, stall und sonst. er zeigte sich durchaus gutmütig und bedung sich: tunicam de diversis coloribus et tintinnabulis plenam die sage (nach einer aufzeichnung von 1559) steht in Ern. Joach. Westphals specimen documentorum ineditorum. Rost 1726. p. 156–166. . In Schottland hauste ein kobold Shellycoat (Schellenrock) und wir sahen (s.  385 ), daß auch die zwerge des mittelalters schellen liebten. die schellen am kleide des narren bezeugen nochmals seine verwandtschaft mit dem lustigen, klugen kobold (fol, follet) Nachtrag: Ein kobold erscheint als mönch . Sommer s. 35. 172. 173. mit dem Shellycoat vgl. Schellenmoriz bei Sommer 153. 154. die hausgeister verlangen nur geringen lohn. so in der schönen sage von einem dienenden daemon, der dem herrn den steigbügel hält, ihn durch das furt leitet und seiner kranken frau löwenmilch holt, zuletzt beim entlassen nur fünf schillinge fordert und sie zurückgiebt, daß dafür einer armen kirche eine glocke gekauft werde. merkwürdig ist dabei seine äußerung: magna est mihi consolatio esse cum filiis hominum. Caesar. heisterb. 5, 36. zum cucurucho tamaño des spanischen kobolds bemerke man, daß schon in der lingua rustica tammana f. tammagna vorkommt. Niebuhr in abh. der Berl. acad. 1822, 257. . Er führt gern lustige streiche aus, und wenn es ihm gelungen ist, möchte er sich krumm lachen vor ergötzen: daher jenes koboldische lachen (s.  415 ) und kichern . aber auch, wenn er schmollt und einem übel will, den er in noth und verlegenheit gebracht hat, erschallt ein spöttisches gelächter aus vollem hals Walt. Scott, minstrelsy i , civ gedenkt eines nordenglischen Brag oder Barguest : ›he usually ended his mischievous frolics with a horselaugh ‹. vgl. Hones tablebook 2, 656. . Als getreuer knecht hält er es mit dem hausherrn, dem er einmal zugethan ist, aus in freud und leid. seine anhänglichkeit erscheint aber oft lästig, und man kann ihn nicht wieder los werden. Ein bauer zündete die scheune an, um den darin hausenden kobold zu verbrennen; als sie in vollen flammen steht, sitzt der geist hinten auf dem karrn, in welchem das gut geflüchtet wurde (deutsche sag. no. 72) ganz ähnliche sagen hat Kuhn no. 103, Thiele 1, 136 und das irische märchen vom cluricaun (s. 92 und 213 der übers.). hübsch ist auch ein polnisches von Iskrzycki in Wóycickis klechdy 1, 198: zu einem edelmann kam ein unbekannter mensch, der sich Iskrzycki (d. i. funke, feuerstein) nannte, und bot seine dienste an. der vertrag wurde aufgesetzt und war schon unterschrieben, als der herr gewahrte, daß Iskrzycki pferdefüße hatte, und darum kündigte er ihm wieder auf. der diener aber bestand auf seinem recht und erklärte, den dienst auch wider den willen des herrn antreten zu wollen. Von dieser zeit an hauste er unsichtbar am ofen und verrichtete alles aufgetragne, nach und nach gewöhnte man sich an ihn, endlich doch drang die frau in ihren mann auszuziehen und er pachtete sich ein andres landgut. Die leute ziehen aus dem schloß und schon ist die größte strecke des wegs zurückgelegt, als auf dem schlechten knüppeldamm der wagen umzuwerfen droht und die frau vor angst laut schreit. da ruft es plötzlich hinten vom wagen: fürchtet euch nicht, Iskrzycki ist bei euch! (nie bój się, pani; Iskrzycki z wami!) jetzt merkte die herschaft, daß sie ihn sich nicht vom hals schaffen könnten, kehrten also nach dem alten haus zurück und lebten einträchtig mit dem diener, bis der vertrag ganz abgelaufen war. Der alraun oder das galgenmännchen (deutsche sage no. 83. 84) ist kein eigentlicher kobold, sondern ein aus einer wurzel geschnitztes halbteuflisches wesen von ganz kleiner gestalt, so daß es in einem glas verwahrt werden kann; es muß, wie ein götze, gebadet und gepflegt werden. darin aber gleicht es dem hausgeist, daß es auch nicht von seinem besitzer weicht, und selbst weggeworfen immer wieder zurückkehrt, es sei denn, daß es wohlfeiler erkauft werde, als es erstanden ist. der letzte käufer hat es zu behalten. Simpliciss. 2, 184. 203. vgl. Schm. 3, 96. 97. Nachtrag: Das allerürken ist eine kleine im koffer verschlossene puppe, die glück bringt. Müllenhoff s. 209. vgl. der hat an oaraunl im leibe. KM. 183 (s. unten s. 1007 ). wie dem Jesusbild das hemdchen gewaschen wird. Sommer s. 38. 173, so muß das heckmännchen alle jahre um gewisse zeit neu angeputzt werden. 10 ehen s. 235. wächserne und thöricht angeputzte figuren, so man glücksmännchen heißet. das. 357. vgl. den glückespfennig . prediger märchen 16, 17. man erinnere sich auch des bekannten ducatenkackers und der puppe bei Straparola (5, 21). KM 3 3, 287. 291. die Mönöloke ist eine in teufels namen bekleidete wachspuppe. Müllenhoff s. 209. vgl. die dragedukke , eine schachtel, aus der man so viel geld herausnehmen kann als man will. Hausgeister kann man kaufen und verkaufen, der dritte käufer aber muß ihn behalten. Müllenhoff s. 322. man kauft einen armen und einen reichen kobold. Sommer s. 33. solche geister machte man in Esthland aus werg, lumpen und tannenrinde und ließ sie dann vom teufel beleben. Possarts Esthland s. 162, was genauer beschrieben wird in den Dorp. verhandl. I. 2, 89. so bilden die schamanen den Samojeden einen fetisch aus pelzen. Suomi 1846. s. 37–39. . In Mones anzeiger 1835, 312 steht von einem kleinen schwarzen männlein , das mit einer lade gekauft wurde, als man sie öfnete, hüpfte es heraus und wischte hintern 425 ofen, alle bemühungen es zu vertreiben waren vergebens, es lebte aber mit den hausleuten vertraut und zeigte sich ihnen zuweilen, niemals den fremden. seine schwarze gestalt erinnert an die nordischen zwerge wie an den teufel. Andere recht gute koboldssagen finden sich in Adalb. Kuhns samlung s. 42. 55. 84. 107. 159. 191–193. 372 Nachtrag: Um dem futtermännchen zu entgehn , führte ein mann sich ein neues haus auf, sieht aber am letzten tag vor dem auszug futtermännchen am bache sein grau gewand ins wasser tauchen: da wisch ich und wasch ich mein röckchen aus, morgen beziehen wir ein neues haus. Börner Orlagau s. 246. vgl. Müllenhoff s. 335. wer den kobold hat , darf sich nicht kämmen , noch waschen . Sommer s. 171. Müllenhoff s. 209, wie beim teufel (s.  850 ). der daemon will auf des ritters sattel sitzen, in einer falte seines mantels . Caes. heisterb. 10, 11. vgl.  833 . . Es gibt auch kobolde, die gleich den nixen oder waldgeistern in keines menschen dienst stehen, sondern unabhängig leben; wird ein solcher gefangen, so bietet er geschenke an oder weissagt, um wieder in freiheit gesetzt zu werden. Von dieser art ist der butt im kindermärchen (s.  419 ) und der folet bei Marie de Fr. 2, 140, welcher drei wünsche (oremens) gewährt. ebenso thut der gefangne marmennill (s.  360 ) oder die meerfrau. Feindselige poltergeister , plagegeister , quälgeister , die ein haus besessen haben, unterscheiden sich von den freundlichen, gutmütigen dadurch, daß sie gewöhnlich eine ganze bande bilden, die den hauseigenthümer durch nächtliches poltern und pochen in seiner ruhe stört und auf vorübergehende vom dach herab steine wirft . Eine franz. comödie des 16 jh. ›les esprits‹ comedies facecieuses de Pierre de l'Arivey, champenois. Lyon 1597. Rouen 1611 p. 242 ff. stellt kobolde vor, die in einem hause poltern, bei nacht singen und spielen, bei tag ziegeln auf vorübergehende werfen ; feuer macht ihnen freude, wenn der hausherr ausspeit, toben und lermen sie heftig legenda aurea cap. 177: ›hujus Ludovici tempore, anno domini 856, ut in quadam chronica habetur, in parochia maguntina malignus spiritus parietes domorum quasi malleis pulsando , et manifeste loquendo et discordias seminando adeo hominis infestabat, ut quocumque intrasset, statim illa domus exureretur . presbyteris autem letanias agentibus et aquam benedictam spargentibus inimicus lapides jactabat et multos cruentabat. tandem aliquando conquiescens confessus est, se, quando aqua spargebatur, sub capa talis sacerdotis quasi familiaris sui latuisse, accusans eum quod cum filia procuratoris in peccatum lapsus fuerit.‹ . Auch bei Gervas. tilber. cap. 18 werfen die folleti mit steinen , und solchen steinwürfen werden wir schon in alten teufelssagen begegnen; überhaupt erscheinen in dieser beziehung die poltergeister mehr teuflisch und gespenstisch, als elbisch: es ist eine der christlichen ansicht angemessene verfinsterung und entstellung ihrer ursprünglichen natur Nachtrag: Ganze scharen und familien von puken poltern und rumoren im hause. Müllenhoff s. 335. Grendel kann die freude und den gesang der menschen im hause nicht hören und stört es nun. Beov. 171. 230. kobolde, die feuergeister sind, kennt Sommer s. 171. cacodaemones in arce. Rozmital 15. 37. die anm. 1295 angezogene spukgeschichte der legenda aurea, die sich unweit Bingen bei Capmunti (Kembden) zugetragen haben soll, stammt aus Ruodolfi Fuldensis ann. a. 858 bei Pertz, 1, 372, wo noch genaueres angegeben ist. . So erklärt es sich endlich, daß der alte trauliche und getreue hausfreund des heidenthums allmälich zum schreckbild und gespötte der kinder herabgesunken ist; ein loos, das er mit göttinnen und göttern der vorzeit theilt. wie mit Holle und Berhte droht man mit der Lamia, der Omacmica, dem manducus und kobold (s.  413 . 419 ): ›le gobelin vous mangera, le gobelin vous attrapera!‹ Nicht mehr als kleines bützel, sondern als fürchterlicher butzemann und katzenveit, in maske (strohbart) oder berußten antlitzes scheucht er (gleich der roggenmuhme, s.  394 ); es ist bemerkenswerth, daß zu weihnachten knecht Rupert , knecht Nicolas , wenigstens in einigen 426 gegenden, nicht für sich auftreten, sondern neben dem eigentlich bescherenden Christkind, oder neben frau Berhta: während diese ihre gaben austheilen, erscheinen sie mit ruthe und sack und der drohung, ungehorsame kinder zu schlagen, ins wasser zu tragen, ihnen die augen auszublasen (rockenphilos. 6, 353). Ihre possen, ihre rauheit ist folie des milden höheren wesens, von dem die gaben ausgehen; sie sind dem fest so nothwendig wie dem alten lustspiel der hanswurst. ich kann mir wol denken, daß schon im heidenthum der gottheit, deren erscheinung glück und heil verkündigte, ein lustiger alb oder zwerg, als diener Heinrich und Ruprecht sind alte, volksmäßige dienernamen, wie heutzutage Hans und Claus . zur seite stand, und ihre segnungen dem gemeinen haufen versinnlichte; sehr dafür spricht die nordfränkische benennung Hullepöpel (Popowitsch 522), Hollepeter (Schm. 2, 174), die bairische Semper , von dem man sagt, er schneide unartigen kindern den bauch auf und lege kieselsteine ein (Schm. 3, 12. 250), was genau nach Holla und Berhta klingt (s.  226 ) in Deutschböhmen, bei Eger Zember (Popowitsch 523); übrigens ist dabei der lausitzische götze Sompar (oben s.  57 ) zu erwägen. ; man erwäge den treuen Eckart, der Holla geleitet. In christlicher zeit mochte man zuerst dem Christkind oder der mutter gottes, bei ihrer gabenspende, einen heiligen zugesellen, der aber unvermerkt wieder in den alten kobold, und in einen vergröberten, ausartete. die weihnachtsspiele lassen bald den heiland mit Petrus, seinem gewöhnlichen begleiter, oder auch noch mit Niclas, bald aber Maria mit Gabriel oder dem alten Joseph auftreten, der in einen bauer verkleidet knecht Ruprechts rolle übernimmt. Nicolaus wiederum hat sich in einen knecht Clobes und Rupert verwandelt; in der regel erscheint zwar auch Niclas als heiliger bischof, als freundliches wesen von dem kinderschreckenden knecht geschieden, aber die vorstellung wird gemengt und Clobes vertritt für sich den knecht (Tobler 105 b 106 a ); der östreich. Grampus (Höfer 1, 313. Schm. 2, 110) Krämpus , Krambas ist vielleicht aus Hieronymus zu deuten, ich weiß nicht sicher wie der schweizerische Schmutzli? (Stald. 2, 337) etwa bloß nach dem schmutzigen, rußigen aussehn? Statt Grampus in Steier auch Bärthel (an Berhta mahnend, oder Bartholomäus?), Schmutzbartel ›er weiß wo Barthel most holt‹ könne trotz andern deutungen auf einen im keller gut bekannten hausgeist gehn. und Klaubauf , rasselnd, polternd, nüsse werfend (Denis lesefr. 1, 131) Nachtrag: Über den manducus O. Müller Etr. 2, 101. vgl. s.  905 . quid si aliquo ad ludos me pro manduco locem? quia pol clare crepito dentibus . Plaut. Rud. II. 6, 52. hierher gehören auch die schemen . als dakten sich die schemen (es steht schamm ) ê, dô si diu kint schrakten mit . jüngl. 698. sind schemen larven? vgl. schönbart f. schembart. ahd. scema, larva, persona, hagebart. Schm. 3, 362. Graff 6, 495. über Ruprecht s. Kuhn in Haupts zeitschr. 5, 473. von den sogenandten Rupperten , die sich ›bunt und rauch untereinander anziehen‹ oder ›einen rauchen pelz‹. 3 erzn. 369. knecht Ruprecht (oder Krampus, Klaubauf, meister Strohbart) ist des heiligen Nicolaus knecht . Ziska östr. volksm. 49. 110. Hollepeter . Wolfs zeitschr. 2, 194. dich müez der Semper (teufel) machen gsunt! ring 14 d , 5. ihm entspricht der alte Grumbus mit der ruthe. Firmenich 2, 45, und im Kuhländchen Fiele Gig (fidele geige?), der in Schlegels mus. 4, 119 beschrieben wird. wallon. hanscroufe , valet de S. Nicolas d. h. Hans Buckel, croufe bosse. Grandgagn. 1, 271. wie Niclas einen knecht, hat Gargantua einen drôle im gefolge. mém. celtiq. 5, 393. 394. russ. heißt unser knecht Ruprecht byka . Gretsch s. 109, lett. bubbulis . an seinen steirischen namen Klaubauf erinnert der winterklaub . Wolkenst. s. 67. mit rußigem antlitz tritt auch der phallophorus auf. Athen. 5, 254. wenn Petrus, der als Ruprechts stellvertreter aufgefaßt werden könnte, mit Christus wandert, erscheint es immer als gutmütiger tropf. Wie den waldfrauen (s.  359 ), wird auch den unterirdischen geopfert. Müllenhoff s. 281. so stellen auch die Osseten an festtagen einen theil der speisen in ein einsames zimmer, damit der hausgeist davon esse und sind sehr unglücklich, wenn ers nicht thut, freuen sich aber allemal, wenn etwas von den speisen fehlt. Kohl Südrußl. 1, 295. der Römer nahm bei der abreise vom familiaris abschied: etiam nunc saluto te, familiaris , priusquam eo. Plaut. mil. gl. IV. 8, 29. . Hierbei sind ferner von gewicht die schwedischen jullekar , dänischen juleleger , unbezweifelt heidnischen ursprungs, in welchen zur weihnachtszeit Christus und einzelne heilige dargestellt werden, knecht Ruprecht aber durch einen julbock , julebuk , d. i. einen in bocksgestalt verlarvten knecht vertreten wird man lese Holbergs julestue und sehe julvätten nach in Finn Magn. lexicon. s. 326. note. . Die verflechtung des hanswursts, narren, Klobes und Rüpels, des 427 julbocks, ja zuletzt des teufels in das rohe volksdrama unseres mittelalters zeigt, wie wesentlich diesem früher die wichtel und tatermänner, wie unausrottbar die elbischen figuren und larven des heidenthums waren. den ernst ihrer tragödie erheiterten die Griechen durch satyrspiele, in denen z. b. Proteus, unserm meergeist (s.  360 ) vergleichbar, eine hauptrolle spielte man schreckte kinder mit rußigen cyclopen, und nach Gallimachus (hymn. in Dian. 66–71) jagte selbst unartigen mädchen der götter Hermes, wie unser Ruprecht in ruß geschwärzt, furcht ein: ἀλλ' ὅτε κουράων τις ἀπειϑέα μητέρι τεύχοι, μήτηρ μὴν κύκλωπας ἑῇ ἐπὶ παιδὶ καλιστρεῖ Ἄργην ἤ Στερόπην ὁ δὲ δώματος ἐκ μυχάτοιο ἔρχεται Ἑρμείης, σποδιῇ κεχρημένος αἰϑῇ, αὐτίκα τὴν κούρην μορμύσσεται. ἡ δὲ τεκούσης δύνει ἔσω κόλπους ϑεμένη ἐπὶ φάεσι χεῖρας. . So bricht einigemal noch auf andere weise ein früheres verband durch zwischen göttern, weisen frauen und genien. der pfeilsendende alb ist diener oder gehülfe des hohen donnergottes, der kunstreiche zwerg hat die donnerkeile geschmiedet; sie tragen göttliche helme der unsichtbarkeit, des hausgeistes füße sind noch mit wunderbarem geschühe versehen; wassergeister können die gestalt von fischen und seerossen, hausgeister die von katzen annehmen. Dem weinenden nix wie dem lachenden kobold ist das geheimnis zauberhafter töne kund und sie enthüllen es auch dem opfernden menschen. von altem genien und dämonencultus zeugen opfer , die den geistern der berge, des waldes, der seen, des hauses gebracht wurden. kobolde geleiteten vermutlich die erscheinung einzelner gottheiten unter den menschen, Wuotans und der Holda, welche beiden götter sich auch mit den wassergeistern und schwanjungfrauen berühren. Voraussicht des künftigen, weissagende gabe war den meisten genien eigen; ihre unversiegliche heiterkeit steht zwischen der götter erhabenheit und dem ernst der sterblichen. zu den menschen fühlen sie sich hingezogen und von ihnen zurückgestoßen. der untergang des heidenthums muste vieles in dem hergebrachten verhältnis ändern: die geister erschienen fürchterlicher, gespensterhaft, als diener und boten des teufels bruder Rausch (friar Rush) ein leibhafter kobold, wird geradezu aus der hölle unter die mönche abgesandt, sein name ist von ruß fuligo zu leiten (wie man für kohlrausch früher kolruß schrieb). . einige nehmen wilderes, riesenmäßiges aussehen an, zumal die waldgeister. Grendels natur streift an riesen und götter. Die wilden frauen und nixen aber treten in den kreis weissagender schwanjungfrauen über, deren art menschlich ist, die das trinkhorn darreichenden elbinnen in den kreis der valkyrien, und auch darin bewährt sich an den weiblichen wesen eine allgemeine schönheit, die sie über das mehr im einzelnen wirksame besondere der männlichen geister erhebt. in den wichteln, zwergen, kobolden, zumal dem kinderscheuchenden knecht Ruprecht zeigt sich eine althergebrachte komische kraft. 428 Durch das ganze wesen der elbe, nixe und kobolde geht ein leiser grundzug von unbefriedigung und trostlosigkeit: sie wissen ihre herrlichen gaben nicht recht geltend zu machen, und bedürfen immer der anlehnung an die menschen. Nicht nur streben sie, ihr geschlecht durch heirat mit menschen zu erfrischen, sie haben auch zu ihren angelegenheiten des rathes und beistandes der menschen vonnöthen. obgleich geheimer heilkräfte der steine und kräuter in höherm grade als die menschen kundig (s.  379 ), rufen sie dennoch zu ihren kranken, und kreißenden frauen menschliche hilfe (s.  378 . 407 ), leihen von den menschen back und braugeräthe (s.  376 ), feiern selbst ihre hochzeiten und feste in sälen der menschen. daher auch ihr zweifel, ob sie der erlösung theilhaftig werden können, und der unverhaltne schmerz, wenn verneinende antwort erfolgt. 429 Cap. XVIII. Riesen. Das verhältnis, in welchem die riesen zu den zwergen und menschen stehn, wurde schon s.  371 angegeben. so weit an leiblicher größe und stärke der mensch dem alb oder zwerg überlegen ist, bleibt er hinter dem riesen zurück; dagegen hat das geschlecht der elbe und zwerge aufgeweckteren geist, feineren sinn als das der menschen, und wiederum sind darin die riesen tief gestellt unter die menschen. Die rohe, derbe riesennatur trotzt auf das gefühl ihrer sinnlichen gewalt und kraft, der schlaue, scheue zwerg ist sich seiner geistigen überlegenheit bewust. Dem menschen ist eine glückliche mitte beschieden worden, die ihn der unbändigkeit des riesen, wie der list der zwerge überhebt, und er steht als sieger zwischen beiden. Der riese begeht und leidet unrecht, weil er in seiner ungeschlachtheit alles geringschätzt, selbst an den göttern sich vergreift alle spuren göttlicher veredlung fehlen den titanen. O. Müllers proleg. 373. ; dem verschlagnen zwerg, welcher gut und böse unterscheidet, gebricht der wahre mut freier und unabhängiger handlung. In der schöpfung ist der riese, als das sinnliche element, vorangegangen und hernach erst das geistige der elbischen natur gefolgt, zuletzt durch das menschengeschlecht ein gleichgewicht hergestellt worden. die abstufung mindert und schwächt sich aber in häufigen verbindungen der riesen oder zwerge mit den menschen, und zum deutlichen beweis, wie sich die dichtung des alterthums von starren gegensätzen fern hält: auch den frühsten riesen wird sinn und klugheit beigelegt Nachtrag: In gewisser weise stehen menschen, elbe, riesen zu einander wie menschen, engel, teufel. die riesen sind von allen die ältesten geschöpfe und gehören dem steinalter an ( anm. 1339 ). hier muß der satz weiter ausgeführt werden, daß die riesen und titanen die alten naturgötter sind. . Auf der einen seite sehen wir zwischen riesen und helden ein nahes band der brüderschaft oder dienstabhängigkeit geknüpft, auf der andern verlieren sich riesen in die vorstellung von schraten und waldgeistern. Es gibt eine reihe alter benennungen, die dem begrif unseres heutigen riese entsprechen bloße umschreibungen (gegensatz zu den s.  372 angeführten) sind: der grôze man Er. 5380. der michel man Er. 5475. der michel knabe Iw. 5056. . Die älteste und allgemeinste nordische lautet iötunn , pl. iötnar (nicht jötunn, jötnar); ihr zur seite steht ein ags. eoten (pl. eotenas Beov. 223. eotena cyn Beov. 836. eotonisc 5953) oder eten (Lye s. v.) altengl. etin , ettin (Nares s. v.) schott. ettyn , eyttyn (Jamieson s. v.); ein alts. etan , eten läßt sich mit sicherheit folgern aus dem 430 urkundlichen ortsnamen Etanasfeld, Etenesfeld (campus gigantis) Wigands archiv I, 4, 85. Möser no. 2. 13. 18. 19. noch mehr, das wort muß selbst in späterer, bis auf die neueste zeit fortgelebt haben, denn ich finde das fem. eteninne (riesin) wenigstens in kindermärchen beibehalten. Laurenberg Johann Laurenberg (ein Rostoker) gb. 1590 † 1658. die erste ausg. seines gedichts erschien 1652. (ed. Lappenberg s. 26) hat ›de olde eteninne ‹, und ein anderes Rostoker buch aus dem beginn des 18 jh. Ern. Joach. Westphal de consuetudine ex sacco et libro. Rost 1726. 8. p. 224. 225; das hier gegebne verzeichnis alter weibergeschichten wird ausgeschrieben in Joh. Pet. Schmidt fastelabendssamlungen. Rostock (1742) 4. resp. 1752 p. 22, wo aber fehlerhaft steht ›von der Arden Inn ‹, statt bei Westphal ›von der alten Eten Inne ‹. ›die alte eteninne ‹; ich möchte wissen, woher Adelung s. v. mummel nimmt, daß man in Westphalen ein fürchterliches weib, mit dem kinder geschreckt werden, etheninne heiße? gewis ist es richtig. Das sächs. etan gestattet ein ahd. ëzan , ëzzan , ein goth. ïtans zu mutmaßen, die wurzel ist zu suchen in dem altn. eta, ags. etan, ahd. ezzan, goth. ïtan, die bedeutung: edo (gen. edonis), manducus, πολυφάγος, fresser. ein ags. gedicht im cod. exon. 425, 26 sagt: ›ic mesan mäg meahtelîcor and efn etan ealdum þyrie‹ (ich kann mächtiger kauen und essen als ein alter riese). Nun fragt sich aber, ob noch ein anderes, der ableitung N entbehrendes wort hierhergenommen werden darf, das altn. iotr für iötr, wie miolk für miölk (gramm. 1, 451. 482). , ags. eot , welches in der zusammensetzung Forniotr, Forneot (s.  199 ) und in dem volksnamen Jotar (Juti) übrig ist? dafür scheint eine unterdrückung des N in dem schwed. jätte (gigas) dän. jette pl. jetter zu streiten, und man wäre berechtigt, iötnar = iotar (goth. ïtanôs, ïtôs?) setzend, den namen Jotar, Jotland aus älteren riesenhaften einwohnern, die von nachrückenden Deutschen verdrängt wurden, zu erklären Beda 1, 15 hat Juti, die ags. version aber fälschlich Geátas (altn. Gautar); besser steht 4, 16 Eotaland f. Jutorum terra und in der ags. chronik (Ingr. p. 14) Iotum (Iutis) Iutnacynn (Iutorum gens). . dann ließe sich ein alts. et, etes, ein ahd. ez, ezes, mit der bedeutung riese erwarten sollte die pfälzische Jettha (s. 79 ) entstellt sein aus Eta, Eza? dieser Jettenbühel bei Heidelberg erinnert doch an den bairischen Jettenberg (mon. boica 2, 219. a. 1317), und den berg Jetten in Reinbotes Georg 1717, wo unrichtig Setten gedruckt steht. auch in Hessen bei Willingshausen ein Jettenberg (Wh. Grimm über die runen s. 271). . Vielleicht galt neben iötunn ein altn. iötull , ahd. ezal (edax) im zerstörten Weißenstein bei Werda unweit Marburg hauste nach der volkssage ein riese namens Essel (ezzal?). und die wiese an der stelle, wo der riese beim untergang der burg die goldne thür derselben in die Lahn versenkte, heißt noch jetzt der Esselswerd . ; daraus erklärt sich der heutige norwegische ausdruck für riese: jötul , jutul (Hallager 52. Faye 7) isidor. glossen deuten den gallischen volksnamen ambro durch devorator, wozu die ahd. übersetzung manezo (menschenfresser) stimmt (Graff 1, 528), das bekannte mhd. manezze . Nachtrag: Bloße umschreibungen des wortes riese sind: der grôze man . Ernst 469. 4288. der michel man . Lanz. 7705. der michel , der grôze . altd. bl. 2, 149. das riesenland heißt unkundigez lant . Roth. 625 neben der riesin lande . 761 (iötunheim. s.  439 ), das volk selber unkundigiu diet . 630. die alte riesenbenennung altn. iötunn , ags. eoten wird belegt durch das dim. Etenca (?). gehören die Etionas f. Oxionas germ. c. 46 hierher? Haupts zeitschr. 9, 256. hethenesberg , hedenesberg , hettesnasmont , etenasberg . chart. sithiense 158. 80. 160. 162 sind doch nicht heidenberg oder hätenberg? Graff 1, 370 hat Entinesbure (vgl. s.  434 ). Etenesleba . Dronke 233 a . Leo vorles. über d. gesch. d. deutschen volks 1, 112 führt das wort ebenfalls auf die wurzel altn. eta, ags. etan zurück. vgl. mannaeta (s. anm. 1313 nach Zeus s. 147. 151 könnte Ambro deutsch sein. ) und anm. 1410 ), den riesennamen Wolfesmage ( anm. 1416 ) und daß zum riesen gesagt wird: dû ungaeber frâz! Dietr. drach. 238 b . skr. kravjâd . Bopp gramm. § 572. finn. turilas, tursas, turras edax , gluto und gigas. weitere bestätigung bringen zwei andere finnische ausdrücke, nämlich syöjätär , riesin, femina vorax, von syön edo und juojotar , femina bibax, von juon bibo. Schiefner finn. w. 606. 608. Schafarik 1, 141 hält iötun, jätte zu - geta in Massageta, Thussagete. vgl. anm. 1419 . Thorlacius sp. 6. s. 24 hält iotar , iötnar und risar für eins, Rask dagegen unterscheidet Jötunheimar (jätternes land) und Jótland (jydernes land), ebenso Jötunn (gigas) und Jóti (Jüte). afh. 1, 77. 78. GDS. 736. Rask afh. 1, 85 hält die iötnar für Finnen , genauer für Kvaener, und Jötunheimar soll etwa Hâlogaland sein. 1, 86. in einer note zu Sæm. 33 stellt er die iötnar den Eistir gleich. schwed. jätte och jättesa . Cavallius 25. 467. Jettha und Jettenberg steht vielleicht für Jeccha und Jechenberg, wie aus Jechelburg Jethelburg ward. Jeteneburg , Getenburg kommt in urk. des 13. jh. bei Wippermann no. 41 und 60 vor. Jettenbach auf dem Hundsrück. Höfer urk. s. 37. Das kauen des riesen heißt nicht mesan, sondern mêsan , ahd. muosan. . 431 Auch eine andere benennung gemahnt wieder an eines volkes namen. das altn. þurs scheint von iötunn nicht wesentlich verschieden; Sn. 6 wird Ymir stammvater aller hrîmþurse genannt, Sæm. 118 a führen sich alle iötnar auf ihn zurück. in einzelnen liedern oder verbindungen hat das eine oder das andere appellativ den vorzug; so heißen bei der dialectaufzählung im Alvîsmâl die riesen immer iötnar, nie þursar, und für Iötunheimr, Iötnaheimr ist kein Thursaheimr gebräuchlich; aber Thrymr, obschon in Iötnaheim wohnend, wird dennoch þursa drôttinn (Sæm. 70. 71) und nicht iötna drôttinn genannt, er ruft aber die iötnar auf (73 a ) und heißt iötunn (74 a ). Sæm. 85 b sind iötnar und hrîmþursar hintereinander aufgerufen, es muß also zwischen beiden ein feiner unterschied liegen, den ich hier in dem vorgesetzten hrîm suche: nur hrîmþursar, keine hrîmiötnar kommen vor; eine erklärung dieses hrîmþurs soll hernach versucht werden. Statt þurs begegnet häufig, zumal in jüngeren sprachdenkmälern, die assimilierte form puss , vorzüglich in dem pl. þussar, hrîmþussar; ein dämonisches wesen späterer sagen heißt Thusselin (Müllers sagab. 1, 367. 368), ja die dän. sprache hat in ihrem tosse (plumper riese, tölpel), ein volkslied gibt tossegrefve , eben diese assimilation festgehalten dän. fos, fossen, altn. fors. , ein norwegischer dämon führt den namen tussel . das altn. þurs ist, wie mancher göttername, zugleich benennung eines runbuchstabs, der bei den Angelsachsen þorn heißt, vgl. ›þurs rîsta‹ Sæm. 86 a ; merkwürdige abweichung, da der ags. sprache jener ausdruck gar nicht fehlt, nicht nur Beov. 846 liest man þyrs , auch in dem menologium bei Hickes (gramm. ags. p. 207): › þyrs sceal on fenne gevunjan‹; und anderwärts überträgt þyrs , pl. þyrsas, das lat. cyclops, orcus. die schon angezogne stelle des cod. exon. 425, 28 hat assimiliertes þyrre , wie irre f. irse. auch ein engl. thurst dauert in hobthurst (waldgeist) fort, ähnlich dem hobgoblin (s.  416 ). Ahd. sollte stehen durs , pl. dursâ, oder duris , gen. durises, welches letztere in einer glosse für das lat. dis, ditis vorkommt (Schm. 1, 458), und eine andre mehr niederdeutsche glosse liefert thuris orcus (das franz. ogre), doch schreibt N. ps. 17, 32 turs (daemonium) pl. tursa, und mhd. gilt turse , gen. tursen (Aw. 3, 179), vielleicht türse , türsen, wie Maßm. denkm. 109 türsen : kürsen; selbst türste , gen. türsten (Ms. 2, 205 a ), dagegen in Albr. Tit. 24, 47 ›spil von einem dürsen ‹ (Hahn 3254 tursen ), aus welcher stelle sich ergibt, daß man zum zeitvertreib spiele von dem türse, wie von dem wihtel (s.  364 ) aufführte: auf eine bekannte fabel bezieht sich Ls. 3, 564: ›des kunt der dürsch u. sprichet schuo!‹ hier herscht die bedeutung von satyr und wilder mann (s.  399 ) vor. Das lat. gedicht vom kloster Wilten in Tirol, welches die sage von dem riesen Haimo erzählt, nennt einen andern riesen Thyrsis , macht also einen eigennamen daraus: 432 forte habitabat in his alius truculentior oris cyclops, qui dictus nomine Thyrsis erat, Thyrsis erat dictus, seveldia rura colebat Mones untersuchung s. 288. 289. . In dem ortsnamen Tursinriut , Tursenriut (urk. von 1218. 1219 in Langs reg. 2, 88. 94) ist der ausdruck unverkennbar, ich denke auch in dem älteren Tuzzinwanc bei Neugart, das für Tussinwanc , Tursinwanc (campus gigantis) steht und das heutige Dussnang ist. nicht viel gewagter scheint es Strabos Θουσνέλϑα (7, 1 Tzsch. 2, 328) durch Thurshilda, Thusshilda, Thursinhilda vgl. Pharaildis, Verelde s. 236 ; Grimild f. Grimhild. auszulegen, obschon ich keine altn. Thurshildr nachweisen kann. in der Schweiz ist dürst noch heute der wilde jäger (St. 1, 329), auf der salzburgischen alp ein nachtgeist dusel (Muchars Gastein p. 145), in Niederdeutschland dros oder drost teufel, tölpel, riese brem. wb. 1, 257. Richey s. v. druus, Schütze s. v. drost, Strodtmann s. v. droost: ›dat di de droost sla!‹ in der Altmark: ›det di de druse hal!‹ anderwärts ›de drôs in de helle‹. zu erwägen bleibt indessen das hochd. druos, truos, pest, beule. . ob Thorsholt , Thosholt , ein oldenburgischer ortsname hierher gehört, weiß ich nicht. Gothisch hätte das wort zu lauten þaúrs plur. þaúrsôs (þaúrsis, þaúrsjôs? þaúrsus, þaúrsjus? þaúrsja, þaúrsjans?) und diese formen geben uns die herleitung des namens an hand. das goth. þaúrsus bedeutet siccus, þaúrsjan sitire, þaúrstei sitis; aus þaúrsus, þaúrsis wird ahd. durri f. dursi (wie aus airzis, irri = irsi), in dem subst. durst haftet S, wie in unserm durs, und in dem altn. þurs neben þurr (aridus). þaúrs , þurs , durs drücken also aus entw. weingierig, durstig oder trunken, und das schickt sich freilich zu dem entwickelten sinn von ïtans, iötunn. beide riesenappellative bezeichnen unmäßige gier nach speise und trank, ganz wie sie sich im homerischen cyclopen kund gibt. auch Herakles wird als edax und bibax vorgestellt, z. b. in Euripides Alceste, der altn. riese Suttûngr (Sæm. 23. Sn. 84) scheint aber für Suptûngr zu stehn (Finn Magn. p. 738) und ein subst. supt = sopi haustus vorauszusetzen. Wie nun die Jüten, ein deutscher stamm, den namen der älteren, verdrängten einwohner behielten ein öfter vorkommender fall, die Baiern z. b., ein deutsches volk, heißen nach den celtischen Bojen. , und dies die eigentlichen Iötnar oder Itanôs waren; so können auch die þursar, die dursâ, in ihrer mythischen gestalt, mit einem abgelegnen, in früher vorzeit nach Italien eingewanderten stamm zusammenhängen. ich habe schon s.  21 auf mögliche berührung der þaúrsôs mit den Τυρσηνοί, Τυῤῥηνοί, Tusci, Etrusci gewiesen; das lautverschiebungsgesetz trift genau zu, und selbst alle assimilationen, die versetzung des R finden sich wieder. Niebuhr hält Tyrrhener und Etrusker von einander, wie ich glaube, mit unrecht; außer aller berührung liegt der beim bacchischen aufzug getragne ϑύρσος. Nachtrag: Altn. þyrja þiođ Sæm. 82 b scheint nicht torridorum gens zu bedeuten, sondern für þursa, þyrsa zu stehn. mit dem dän. tosse vgl. dysse troll. sv. forns. 1, 92. 98. ags. heißt Grendel þyrs . Beov. 846. wie die altn. runenbenennung þurs der ags. þorn entspricht, so kommt ein altn. riesenname Böl þorn Sæm. 28 a . Sn. 7 vor. (wäre es Bâlþorn, feuerdorn?) auffallend wird Sæm. 48 a von Alvis, der doch ein zwerg ist, gesagt: þursa lîki þycci mer â þer vera. ahd. durisis Ditis. Haupts zeitschr. 5, 329 b . gl. schlettst. 6, 169. mære von eime tursen KM. 3 3, 275. in Thüringen der thürschemann . Bechsteins märch. 63. nhd. der torsch. in den östreich. geschlechtern von Lichtenfels, Tiernstein, Rauheneck, Rauhenstein ist der beiname türse (Heiligenkr. 1, 32. 46. 127. 279. 2, 14. 26) im 12.–15. jh. zu hause, lat. turso . frauen hießen tursin . s. Lebers buch. Türselmûl ist bauernname. MsH. 3, 293 b . in thurislôun . Falke trad. corb. 100. 101. 354. Saracho s. 7. no. 81. ed. Wigand 281. 284. 420. tursenouwe u. s. w. Mones anz. 6, 231. Thyrsentritt östlich vonr Lechthal. Steub Rhät 143. Tirschentritt , Dirschentritt . Gümbel bair. alpe s. 217. 247. Dursgesesz . Landau wüste örter in Hessen s. 377. Tursinriut heißt heute Tirschengereith , Tirschenreit , Schmellers geburtsort in der Oberpfalz. Schm. 1, 458. Türschenwald im Salzachthal. Matth. Koch 221. Türstwinkel , weisth. 4, 129. Renvall gibt finn. tursas , turras , turrisas , turri alles für riese, auch turilas homo edax, vorax. finn. meritursas . Schröter s. 135. Petersen s. 42. GDS. 122. 123. Dionys. halic. 1, 21 meint, die Τυῤῥηνοί hießen so, weil sie hohe thürme τύρσεις aufführten. das stimmt zu den riesenbauten (s.  443 ). 433 Erscheint doch in einer dritten riesenbenennung ebenfalls ein volksname. Niederdeutschland, vorzüglich Westfalen, gebraucht hüne gleichbedeutig mit riese; in allen volksüberlieferungen der Wesergegend herscht jenes wort, es erstreckt sich bis nach Gröningerland und Drenthe; riesenhügel, riesengräber heißen hünebedde , hunebedden , bett gilt dort von grab, der ruhestätte todter. ›grot as en hüne ‹ bezeichnet riesenmäßigen wuchs. Schürens Teutonista verbindet rese und huyne . auch hochd. schriftsteller des 16. 17 jh. haben, wiewol seltner, heune ; Mathesius: ›Goliath der große heune ‹; vocab. von 1482 schreibt hewne . heunisch braucht Hans Sachs 1, 453 a für böse (wie entisch). Der ausdruck ist aber schon mhd. Herbort 1381: ›grôz alsam ein hûne : mit starkem gelûne‹; Trist. 4034: ›an geliden und an geliune gewahsen als ein hiune ‹ Wolfdietr. 661 steht für riese hœne : schœne, aber an der stelle des alten verseinschnittes; früher wird also hiune gelesen worden sein. . In ahd. denkmälern kann ich diese bedeutung nicht nachweisen; allein mhd. bezeichnet, ohne allen nebensinn leiblicher größe, zugleich Hiune (gen. -en) einen Unger, in den Nib. einen unterthan Etzels (1110, 4. 1123, 4. 1271, 3. 1824, 3. 1829, 1. 1831, 1. 1832, 1), was in lat. schriften des MA. Hunnus , richtiger Hunus Chunus heißt. diesem Hiune würde ein ahd. Hûnio entsprechen; ich treffe nur die starke form an: Hûn , pl. Hûnî, gen. Hûnio, Hûneo im Hild. lied ›Hûneo truhtin‹ und ›altêr Hûn‹; Diut. 2, 182 Hûnî (Pannonii); 2, 353 b Hûni f. Hûn (Hunus); 2, 370 Hûnî (Vandali). , mit welchem viele ortsnamen zusammengesetzt sind, z. b. Hûniofeld, ein fuldisches städtchen, heute Hünfeld, so wie männliche eigennamen z. b. Hûnolt, Hûnperht (Humprecht), Hûnrât, Althûn, Folchûn u. s. w. Das ags. Hûna cyning (Beda 1, 13) fordert einen sg. Hûn; dem altn. nom. pl. Hûnar soll ein schwachformiger sg. Hûni gebühren (gl. edd. hafn. 2, 881). Offenbar sind nun diese Hûni nach ort und zeit ein höchst schwankender begrif, bald dachte man sich Pannonier, bald Avaren, bald Wandalen und Slaven unter ihnen, immer ein volk, das durch nachbarschaft und krieg mit Deutschland in vielfache berührung kam. das Hiunenlant des 13 jh. (Nib. 1106, 3. 1122, 3) kann unmöglich das Hûnaland sein, welches die eddischen lieder für Sigurds heimat ansehen (deutsche heldens. 6. 9). Als die mannsnamen Hûnrât, Hûnperht zuerst entsprangen, war wol noch kein gedanke an ein ausländisches, pannonisches oder wendisches volk, aber es mag schon in frühster zeit kunde und sage von einem uralten, mythischen stamm umgegangen sein, der den namen Hûnî führte und den man in irgend einer unsicheren gegend wohnen ließ, etwa wie Iötnar und Thursar. Meine mutmaßung geht also dahin, daß der begrif von riese, den wir in Hûn freilich erst seit dem 13 jh. nachweisen können, lange vorher müsse darin gelegen haben: durch solch einen nebensinn scheint auch erst jenem von Hadubrant ausgerufnen ›alter Hûn‹ bedeutsamkeit verliehen. Gotfried, als er hiune für riese setzt, wuste sicher, daß Hiune damals 434 auch einen Unger bezeichnete; ebenso wenig schließt die bestimmtheit des volks, das ahd. glossen durch Hûnî übersetzen, zu jener zeit das bestehen einer mythischen bedeutung des namens aus. sie kann hier und da lebhafter oder schwächer gewesen sein: das altn. hûnar ist nie synonym mit jötnar u. þursar. die wurzel lasse ich hier unangerührt, (vgl. s.  438 ), nur sei bemerkt, daß ein eddischer name des bären hûnn lautet (Sn. 179. 222 a ), nach Biörn hûn und hûnbiörn catulus ursinus Nachtrag: Über die Hunenbetten und Hunen s. Janssen Drentsche oudheden s. 167–184 vgl. GDS. 475. soll die westfäl. bezeichnung › hennekleid ‹ todtenkleid soviel wie hünenkleid sein oder das hingangskleid, hinfahrtskleid, letzte reisekleid bedeuten, wie in einigen westfäl. gegenden wol das letzte abendmahl die 'hennekost' genannt ward? ›als ein hiune gelidet‹. troj. kr. 29562. häufig wird der ausdruck hiune in Joh. von Soests Margareta von Limburg (Mones anz. 1834, 218) gebraucht. Ortleip der hiune Ls. 3, 401. der groten hunen (gigantum) b. d. kön. 112. seltsam sind die hühnen bei Firmenich 1, 325 zwerge, unterirdische, die kurzes leben haben und kinder rauben, freilich wie die hünen im berg wohnen. vgl. die hünnerskes . Kuhn westf. sagen s. 1, 63. 64. wie das altn. hûnar nie synonym mit jötnar und þursar ist, so werden die heunen als jüngeres geschlecht hinter die riesen gesetzt. Baaders sagen no. 387. GDS. 475. . Ein ags. ausdruck für riese ist ent , pl. entas, Älfred im Orosius p. 48 überträgt Hercules gigas durch ›Ercol se ent ‹. die dichter setzen das wort gern, wenn von alten bauten und arbeiten die rede ist: › enta geveorc, enta ærgeveorc, eald enta geveorc‹ Beov. 3356. 5431. 5554. cod. exon. 291, 24. 476, 2; › entisc helm‹ Beov. 5955. auch die gl. des Lipsius geben eintisc avitus, was aus der urzeit der riesen herrührt. hiermit stimmt das ahd. entisc antiquus nicht in der lautverstufung, es scheint dabei an das lat. wort gedacht, vielleicht auch an den begrif von enti; daneben kommt antrisc antiquus vor (Graff 1, 387) und ich möchte dazu am liebsten das eddische ›inn aldni iötunn ‹ (grandaevus gigas) Sæm. 23 a 46 b 84 b 189 b vergleichen. In der bairischen volkssprache erscheint ein verstärkendes praefix enz , enzio (Schm. 1, 88), was aber aus dem gen. von end, ent (Schm. 1, 77) erwachsen könnte? oder darf selbst dieses ent - mit dem begrif von ungeheuer, riesenhaft, als ausnahme von der lautverschiebung, hierher genommen werden? man sagt enterisch (Schmeller 1, 77) und enzerisch für ungeheuer, seltsam. Und war der Enzenberc MS. 2, 10 b ein riesenberg? gemeint ist der heutige Inselberg unweit Schmalkalden; urkunden schreiben indessen Emiseberc, was man von dem darauf entspringenden bach Emisa, Emse herleitet. spätere formen sind Enzelberg, Einzelberg, Einselberg. gehören hierher die eigennamen Anzo , Enzo , Enzinchint (Pez thes. III. 3, 689 c ) Enzawîp (Meichelb. 1233. 1305) Enzeman (Ben. 325)? Wenn Hûni an Wenden und Slaven gemahnten, wird es gestattet sein entas und die alten Antes zusammenzuhalten, doch die Inder, welche Mone (im anz. 1836, 1. 2) heran zieht, mögen aus dem spiel bleiben, da schon ahd. antisc, entisc (antiquus) von indisc (indicus) unterschieden ist (Graff 1, 385. 386) Nachtrag: Der ags. ausdruck für riese ent kommt noch vor: gelŷfdon on deáde entas . ags. homil. 1, 366. on enta hlâve. Kemble 4, 49. on entan hlev. Kemble 5, 265. Entinesburc verzeichnet Graff 1, 370. Enzinsperig . MB. 2, 197. Anzinvar . hess. zeitschr. 1, 246, wie Ruozelmannes var. Mone anz. 1836, 300. ad giganteam viam, entisken wec . Wiener sitz. ber. 4, 141. von enten swarz unde grâ kan ich nit vil sagen. KM. 3 3, 275. . Die ags. dichter bedienen sich zugleich des gr. lat. seltsam, daß die lat. sprache kein eignes wort für den begrif riese hat, und das gr. gigas, titan, cyclops borgen muß; gleichwol besitzt Italien eigene volkssagen von campanischen riesen. und romanischen appellativs gigant , pl. gigantas Beov. 225. giganta cyn Beov. 3379. gigant mäcg Cædm. 76, 36, vgl. ital. span. gigante , provenz. jayan (Ferab. 4232), altfranz. gaiant (Ogier 8092. 8101), franz. géant , engl. giant . auch ahd. gigant (O. IV. 12, 61). mhd. gigante die mâren . Diut. 3, 60 die biblische ansicht des mittelalters führte die giganten auf Cain , wenigstens auf vermischung mit Cains geschlecht zurück: gigantes , quales propter iracundiam dei per filios Seth de filiabus Cain narrat scriptura procreatos. Pertz 2, 755. genes. 6, 4 heißt es: gigantes autem erant super terram in diebus illis. postquam enim ingressi sunt filii dei ad filias hominum, illaeque genuerunt, isti sunt potentes a seculo viri famosi. Dieselbe ansicht findet sich bei Cædm. 76. 77, auch Beov. 213 wird Grendels abkunft aus Caines cynne geleitet, an welchem gott Abels ermordung rächte: alle untydras (gegensatz von tudor proles, also ungezüchte), eotenas , ylfe , orcneas und gottbekämpfenden gigantas entsprangen daher. das schließt sich zum theil an heidnische cosmogonische vorstellungen. mnl. gigant . Unverwandt 435 hiermit scheint mir das gewöhnlich verglichene altn. nur für riesinnen giltige, und des NT ermangelnde fem. gŷgr , gen. gŷgjar (Sæm. 39. Sn. 06. 68); noch im schwed. volkslied ›den leda gijger ‹ (Arvidsson 2, 302). den übrigen deutschen dialecten gebricht es, würde aber ins goth. übersetzt lauten giugi oder giugja : ich bringe es zu der wurzel giugan und vergleiche die gr. 2, 50 no. 536 angeführten wörter Nachtrag: Mercurius wird se gygand genannt (s.  124 ). die ghîgante . Rose 5135. gigante 5182. Biörn schreibt gîgr , Aasen 152 b für gygr auch jygger, gyvr (vgl. ze Gîvers anm. 2461 ). giögra Faye 6. der riese heißt kämpe . Müllenhoff s. 267. 277. Otos und Ephialtes, keine cyclopen, aber giganten, sind Poseidons söhne, auch Polyphem der cyclop ist sein sohn. nach Diut. 3, 59 und Parz. und Tit. (s.  575 ) stammten ungeheuer von weibern, die verbotene kräuter genossen haben. . Dem ahd. risi (O. IV. 12, 61) oder riso (N. ps. 32, 16), mhd. rise , mnd. rese (En. 7096), nhd. riese , altn. risi , (in der ältern edda nur Grôttas. 12) schwed. rese , dän. rise , mnl. rese und rose (Huyd. op St. 3, 33. 306), nnl. reus , würde ein goth. vrisa entsprechen, wie aus der alts. form wriso zu entnehmen ist, die ich mit sicherheit aus dem adj. wrisilîc (giganteus) Hel. 42, 5 folgere. die Angelsachsen scheinen kein analoges vrisa gehabt zu haben, weil sie überall þyrs oder gigant brauchen Mone im anz. 8, 133 nimmt wrise für frise und macht daraus Friese und Perser. . die wurzel von vrisa ist mir unbekannt, zu reisan surgere gehört es nicht und der ahd. riso ist darum kein elatus, superbus, excelsus. Auch lubbe , lübbe scheint in niedersächsischen gegenden gleichviel mit plumper riese, auf dem Corneliusberg bei Helmstedt werden lübbensteine gezeigt, nach dem brem. wb. 3, 92 bedeutet lubbe einen ungeschickten faulen menschen, es ist das engl. lubber , lobber (tölpel), bei Michel Beham (Mones anz. 1835, 450 b ) lüpel , vgl. altn. lubbi (hirsutus). hierzu kommt eine merkwürdige urkunde des bischofs Gebhard von Halberstadt, der noch j. 1462 über heidnische verehrung eines wesens klagt, das man den guden lubben nenne, und dem man auf einem berge bei Schochwitz in der grafschaft Mansfeld thierknochen darbringe. nicht nur haben sich solche uralte knochenanhäufungen dort an dem Lupberge vorgefunden (man vgl. den Augsburger perleich s.  244 ), sondern auch an der kirche des nahgelegnen Müllersdorf das eingemauerte bild eines götzen, welches der sage nach von dem Lupberge dahin gebracht worden sein soll neue mitth. des thür. sächs. vereins 3, 130–136. 5, 2. 110–132. 6, 37. 38. die abbildung enthält aber nichts riesenhaftes, eher eine göttin, auf einem wolfe stehend. doch bemerke ich, daß am Montblanc ein riesengrab la tombe du bon homme , de la bonne femme heißt, was sich mit dem begrif eines heiligen, verehrten mannes mengt (oben s.  73 ). man vergleiche auch godgubbe (s.  139 ) von Thôrr, godmor (s.  357 ). Nachtrag: Steht Hrisberg für Wrisberg? Lüntzel Hildesh. 23. risenkint . Laurin 2053. 2509. 2604 wie enzenkint, menschenkind. Einen Lubbesstein erwähnt auch Müllenhoff no. 363 s. 272. Lüppertsgrab . Vilmar in der hess. zeitschr. 4, 79. Lüppenhart , Lüppental . Mones anz. 6, 229. die Lupbode . Pröhle Unterharz s. 212. vgl. lüppe gift (s.  963 ). andere altn. ausdrücke sind: leifi gigas, ôleifi humanus. rumr vir immanis, gigas. was ist trigene gigantes? Graff 5, 512. . 436 Außer jenem gŷgr gelten noch einige altn. bloß für riesinnen gangbare ausdrücke: skass (neutr.) Sæm. 144 b . 154 b skessa (fem.); grîđr (fem.) mella (fem.); gîfr (fem.) Sæm. 143 b norw. jyvri (Hallag. 53) oder gyvri , gurri , djurre (Faye 7. 9. 10. 12). dieses gîfr mag frech, trotzig, gierig bedeuten. Tröll (neutr.) gen. trölls (Sæm. 6 a ) schwed. troll , dän. trold wird zwar häufig von riesen gebraucht, ist aber ein allgemeinerer ausdruck, der auch von andern geistern und zauberhaften wesen vorkommt, und dem sinne nach unserm ungeheuer, ungethüm entspricht. die dänischen volkssagen und lieder verstehen trold ganz gewöhnlich von elbischen wesen. die form führt auf ein goth. trallu . gehört hierher Renner 1365 der gebûre ein getralle (:alle)? Nachtrag: Gîfr oreas Sæm. 143 b ( anm. 1329 ). andere für riesinnen gebrauchte ausdrücke sind: fâla Sæm. 143 b (vgl. s.  829 ), hâla 143 b 144 a . Sn. 113 ist Grîđr name einer gygr, ihr stab heißt Grîđarvölr. Sn. 114. Tröll ist ein ungeheuer und ein riese. ertu tröll . Vatnsd. 292. þu þykki mer tröll . Isl. sög. 2, 365. hâlftroll Nialss. c. 106. 120. tröllaskog . Landn. 5, 5. tröllaskeiđ curriculum gigantum ( anm. 245 ). färöisch tröllabotn riesenland. Trollrygr , Trollagrof . Werlauff grenzb. 16. 22. 35. troll hatte M. Beham in Dänemark und Norwegen gehört. Mones anz. 4, 450. Das wort ist nun aber auch auf deutschem boden altheimisch. vor diesem trolle . Ortn. 338, 2. er schlug den trollen . ldrb. 1582. 150. ein voller troll . das. 215. wintertrolle . Mones anz. 6, 236. exsurge sede, tu trolgast , cito recede heißt es in einem vers des 14. jh. Haupts zeitschr. 5, 463. einen drulgast laden. weisth. 1, 552. de Drulshaghene . Erhard s. 144 (a. 1118). betrullet . Titur. 5215. (kl. schr. 4, 336). woher aber stammt das franz. drôle , früher draule? es ist eher ein kobold wie die mnl. drollen . belg. mus. 2, 116. Kilian s. v. vgl. den drôle des Gargantua ( anm. 1300 ). Litth. heißt ein riese milźinas , milźinis , lett. milsis , milsenis , es ist aber gewagt, damit deutsche ortsnamen Milize (trad. fuld. 2, 40), Milsenburg, Melsungen zu vergleichen. das slovakische obor , böhm. obr , altpoln. obrzym psalter der königin Margareta. Wien 1834. p. 17 b : obrzim : das - im wie in oyczim, pielgrzym. , poln. olbrzym ist den Südslaven fremd und scheint nichts als Avarus , Abarus. Nestor nennt die Avaren Obri (ed. Schlözer 2, 112. 117). der graecus Avar in der sage von Zisa (s.  242 ) ist wieder ein riese. da nun die Avari im mittelalter = Chuni sind, so entspringt die benennung hûn genau wie obor aus dem volksnamen Hun und Avar Schafarik erklärt obor aus jenem celtischen ambro (s.  430 ); dann hätte der Pole ąbr beibehalten. . Tschud bezeichnet den Slaven einen Finnen und riesen, und das russ. ispolin (riese) könnte noch auf die gens Spalorum bei Jornandes deuten. vgl. Schafarik 1, 286. 310. so hängen riesenbenennungen zusammen mit alten volksnamen: feindliche, kriegerische nachbarn vergrößerte der volksglaube zu unmenschlichen riesen, wie er schwächere, unterdrückte in zwerge verkleinerte. das sanscr. râkschasas kann weder mit unserm riese, noch mit ahd. recchio, mhd. recke, einer benennung menschlicher helden, verglichen werden Nachtrag: Mylžinum kalnaj riesenberge, mylžynum kapaj riesengräber. kurl. send. 1, 46. 47. das böhm. obor heißt im wend. volksl. 2, 268 a hobr . über den riesennamen Volot , Velet , Weletabus , Wilz vgl.  anm. 2698 . den Griechen hausten die giganten in Thrakien. Pausan. 1, 25. vgl. die Arimaspen und Cyclopen und die indischen Râkschasas (s.  459 ). den Hebräern galten als riesenvölker die Refaiten, Enakiten, Nefilim. Bertheau gesch. d. Israel. s. 142. 143. 144. . Eigennamen altn. riesen und riesinnen sind in menge aufbewahrt; einzelne scheinen bedeutsam, z. b. Hrûngnir gemahnt an das goth. hrugga (virga, stange) und das nhd. runge (brem. wb. 3, 558); Herbort 1385: ›grôz alsam ein runge‹. In mhd. dichtungen gehen riesennamen gern auf -olt aus, Witolt , Fasolt , Memerolt u. a. m. Eine große, menschliches maß weit überragende gestalt wird allen riesen beigelegt, sie stehen gleich bergen und hohen bäumen, starr und unbeholfen. nach dem neugriech. volksglauben waren sie groß wie pappeln, und konnten sich, wenn sie niederfielen, nicht wieder aufrichten; die einäugigkeit der griech. cyclopen finde ich unsern riesen niemals zugeschrieben. sie sind aber gleich ihnen Briareus oder Aegaeon ist hundertarmig (ἑκατόγχειρος Il. 1, 402) und funfzighäuptig ; Geryon dreihäuptig , sechshändig ; Kottus, Gyges und Briareus haben nach Hesiods theog. 150 hundert arme und funfzig häupter . dem riesen der jüdischen sage wird nur ein finger mehr an beiden händen und füßen zugeschrieben: vir fuit excelsus, qui senos in manibus pedibusque habebat digitos, i. e. viginti quatuor (statt der menschlichen zwanzig). II. Sam. 21, 20. Bertheau Israel. s. 143. altfranz. gedichte geben dem saracenischen riesen vier arme, zwei nasen, zwei kinne . Ogier 9817. 437 und den alten göttern (s.  267 ) oft mit mehrern händen und häuptern ausgestattet. gilt diese eigenschaft von helden, so sind riesenmäßige gemeint, wie Heimo, Starkađr, Asperian (s.  321 ). aber ausdrücklich heißt ein þurs þrîhöfđuđr (Sæm. 85 b ) und gerade so nennt das mhd. wahtelmære einen drîhouptigen tursen (Maßm. denkm. 109), gewis eine merkwürdige einstimmung. Sæm. 35 a erscheint ein sechshäuptiger riesensohn und 56 a wird die vielhäuptige schaar bei den riesen bezeichnet, Sæm. 53 gar eine riesin mit 900 häuptern . der Brana vater hat drei (unsichtbare) häupter (fornald sög. 3, 574), ebenda heißt es: ›þa fell margr tvîhöfđađr iötunn‹. ein trold mit 12 häuptern und dann mit 5, 10, 15 kommt in norske event. no. 3 und 24 vor. auch in Schottland kannte man die erzählung ›of the reyde eyttyn vith the thre heydis ‹,vom rothen riesen mit den drei häuptern (complaynt p. 98) und Lindsays dreme (ed. 1592. p. 225, gedenken der ›history of reid etin ‹. das märchen von red etin wi' three heads ist nun vollständig zu lesen bei Chambers popular rhymes, fireside stories and amusements of Scotland. Edinburgh 1842. p. 56–58, doch erklärt es nicht, ob in dem namen die rothe farbe auf haut, haar oder tracht bezieht. schwarze leibfarbe, wie sonst zwergen (s.  368 ) und dem teufel, wird riesen nicht beigelegt, die halbschwarze Hel (s.  259 ) war riesischer abkunft. Hrûngnir, ein eddischer riese, hat ein haupt von stein . Sæm. 76 b Sn. 109; ein andrer riese heißt Iarnhaus (eisenschädel) fornald sög. 3, 578. Meist aber scheinen die riesen wolgebildet und von vollkommnem wuchs; riesentöchter sind der höchsten schönheit fähig, z. b. Gerđr, von deren glänzenden armen, als sie die hausthüre schließt, luft und wasser widerleuchten. Sæm. 82 a Sn. 39 Nachtrag: Die größe der riesengestalt wird auf verschiedene weise ausgedrückt. bei den Griechen bedeckt Tityos, sohn der erde, neun hufen. Od. 11, 577 und Otos und Ephialtes sind im neunten jahre ἐννεαπήχεις und ἐννεόργυιοι 11, 307 (vgl. Ἐνιαυτὸς τετράπηχυς die vier jahrszeiten ausdrückend. Athen. 2, 263). Dante inf. 31, 58–66 bestimmt dichterisch das größenmaß des Nimrod auf 90 palmen d. h. 54 pariser fuß, wie auch die neun orgyien des Ephialtes 54 fuß betragen sollen. cyclopen hôch sam die tanboume . Kschr. 357. ir reicht in (den riesen) kûme an die knie , sie tragent klâfterlangen bart . Dietr. und ges. 621. Ovid. met. 13, 764 sagt von Polyphem: jam rigidos pectis rastris , Polypheme, capillos, jam licet hirsutam tibi falce recidere barbam. Die riesen sind mehrhäuptig . so berichten die sagen vom dreihäuptigen , sechshäuptigen , neunhäuptigen trold. Asbjörnsen s. 102. 103. 104. ein siebenköpfiger riese wird genannt bei Firmenich 1, 333 a . ein riese heißt negenkopp (neunkopf). Müllenhoff s. 450. vgl. die dreiköpfige wilde frau in Fr. Arnims märch. 1, no. 8 und Conradus Driheuptel . MB. 29 a , 85 (254). poln. dzięwiqsił, böhm. dewĕsil, dewĕtsil (neunkräftig) bedeutet riese. die sage von Heimo steht in Mones unters. s. 288 ff. vgl. Steub Rhät. s. 143. die italienischen schriftsteller des 16. jh. bezeichnen die riesen häufig als quatromani . riesen mit dreizehn ellenbogen in Fischarts Garg. Bilfinger heißen in Schwaben geschlechter mit zwölf fingern und zwölf zehen. cum sex digitis nati. Hattemer 1, 305 a . vgl. sextus homini digitus agnatus inutilis. Plin. 11, 52. auch die einäugigkeit scheint unsern riesen nicht ganz fremd. in einem norweg. märchen haben sogar drei trolde zusammen nur ein auge mitten in der stirne, das sie einander leihen. jäleträet. 74. 75. vgl. KM. no. 130. (dies leihen wird auch von nachtigall und blindschleiche erzählt. KM. erste ausg. no. 6.) von Polyphem sagt Ov. met. 13, 850: unum est in medio lumen mihi fronte, sed instar ingentis clypei. solche einäugige hießen den Griechen kyklopes , den Römern coclites . coclites qui altero lumine orbi nascuntur. Plin. XI. 37, 35. decem coclites , ques montibus summis rhipaeis fodere. Ennius b. Varro 7, 71 (O. Müller s. 148). vgl. goth. haihs, μονόφϑαλμος, coecus. Haupts zeitschr. 6, 11. Ein schwanz wird der riesin Hrîmgerđr beigelegt. Sæm. 144 a . Auch die riesen, wie die zwerge sind zuweilen schwarz gedacht. þrâinn svarti þurs. Islend. sög. 1, 207. vgl. Svarthöfdi. ein anderer schwarzer riese kommt Dybeck 4, 41, ein aschgrauer 4, 25 vor. Wie Hrûngnirs haupt und schild von stein war, wird Hymis haus (schädel) steinhart genannt: Sæm. 56 b . Thors frau, eine riesin, heißt Jarnsaxa . das riesenalter ist das steinalter ( anm. 1305 ). . In den riesen überhaupt waltet volle, ungebändigte naturkraft, die jene überschreitung des leiblichen maßes, trotzigen übermut, also misbrauch des sinnlichen und geistigen vermögens zur folge hat, und zuletzt ihrer eignen last erliegt. daher heißt der iötunn in der edda skrautgiarn (fastosus) Sæm. 117 b ; sa inn âmâttki (praepotens) Sæm. 41 b 82 b ; storûđgi (magnanimus) Sæm. 76 b ; prûngmôđgi (superbus) Sæm. 77 a ; hardrâđr (saevus) Sæm. 54 a ; die erklärung der namen iötunn und þurs bestätigt sich in poetischen beiwörtern und schilderungen: kostmôđr iötunn (cibo gravatus) Sæm. 56 b ; › ölr (ebrius) ertu Geirröđr, hefir þû ofdrüccit‹ (nimium potavisti) Sæm. 47 a Nachtrag: Der unbändige übermut des riesen mag auch ausgedrückt werden durch das beiwort naddgöfgi . Sæm. 98 b . risenmaezic, der werlte widersaezic . Bit. 7837. die gr. Λαπίϑαι sind großprahler und den Kentauren verwandt. . Hieraus leitet sich nun leicht ab, daß den riesen dummheit beigemessen wird, gegenüber den verständigen menschen und 438 schlauen zwergen. es heißt altn. ›ginna alla sem þussa ‹ (decipere omnes ut thursos) Nialssaga p. 263. dumm in der alten sprache ist sowol mutus als hebes, und altn. wird dumbr für gigas gebraucht, nahverwandt scheint dem dumbi die form þumbi (hebes, inconcinnus). merkwürdig lautet eine formel des eilften jh.: › tumbo saz in berke mit tumbemo kinde in arme, tumb hiez der berc, tumb hiez daz kint, der heilego tumbo versegene tisa wunda!‹ das scheint auf einen trägen bergriesen zu zielen, wir werden sehn, daß in spätern volkssagen die riesen dumme dutten genannt sind, in der benennung lubbe , lübbe wurde gleichfalls die unbeholfne, plumpe natur nachgewiesen, und wo wir heutzutage den teufel dumm nennen ist ein alter riese gemeint die bekannte fabel von dem teufel, den ein bauer bei der ackerbestellung anführt, erzählt der dänische mythus von einem trold (Thiele 4, 122). s. cap.  XXXIII . Nachtrag: Die merkwürdige formel des 11. jh. › tumbo saz in berke mit tumbemo kinde in arme, tumb hiez der berc ‹ u. s. w. erinnert an Marcellus burd. s. 29 (kl. schr. 2, 129. 147. 148): stupidus in monte sedebat . vgl. den Affenberg, Giegenberg, Gauchsberg (s.  597 ), Schalksberg. merkwürdig heißt auch der iötunn âtrunnr apa simiarum cognatus. Sæm. 55 a . das eismeer wird Dumbshaf genannt. altn. heißt nach Biörn auch stumr gigas (? stumm) vgl. gŷgr, giugi s.  435 . fornm. sög. 1, 304 heißen die heidnischen götzenbilder blindir , daufir , dumbir , dauđir . . Dennoch ist in den liedern auch ein den riesen günstiger zug. sie stellen ein untergegangnes oder untergehendes geschlecht dar, dem mit der kraft auch die unschuld und weisheit des alterthums, mehr eine objective und anerschafne, als selbsterworbne vernunft beiwohnt. Diese halbwehmütige auffassung herscht vorzüglich in einem der schönsten eddischen gedichte, in Hŷmisqviđa. Hŷmi altn. ist hûm crepusculum, hûma vesperascere, hŷma dormiturire, Hŷmir der träge, schläfrige? ahd. Hiumi? wie, wenn das mhd. hiune (s.  434 ) aus einem ahd. hiumi entspränge? da sich M oft in N verdünnt, ahd. sliumi, sniumi (celer) mhd. sliune, sliunic, nhd. schleunig. daraus erklärt sich, warum keine spur des namens hiune im altn., dann müste aber auch alle wesentliche berührung mit dem volksnamen Hûn aufgegeben werden. heißt forn iötunn (der alte) 54 a , wie Πολύφαμος bei Theocr. 11, 9 ἀρχαῖος, und ein andrer riese, von dem götter stammen, gerade den eigennamen Forniotr , Forneot führt (s.  199 ), aldinn iötunn wurde schon s.  434 angeführt; es heißt auch hundvîss (multiscius) 52 b , wie sonst Lodinn (Sæm. 145 a ), Geirröđr (Sn. 113) und Starkađr (fornald. sög. 3, 15. 32) hund (centum) verstärkt die bedeutungen: hundmargr (permultus) hundgamall (steinalt). . Oegir wird Sæm. 79 genannt fiölkunnigr (vielkundig) und barnteitr (froh wie ein kind) 52 a ; Thrymr sitzt da, und legt seinen hunden goldbänder an, streicht die mähnen seiner rosse. Sæm. 70 b . auch der riesen treue ist berühmt, trölltryggr Egilss. p. 610 (fidus instar gigantis), wie der leute der vorzeit; faröisch › trur sum trödlir ‹, treu wie riesen (Lyngbye s. 496) diese treue erscheint auch an dem heiligen Christoph , dem riesen der christlichen legende, und an Ferabras , dem der kerlingischen. . Ein anderes lied beruht auf dem gespräch, das Ođinn selbst mit einem verständigen riesen über gegenstände des alterthums (â fornom stöfum) zu führen begehrt: Vafþrûđnir heißt wiederum ›inn alsvinni iötunn‹ 30 a 35 b ; Örgelmir und Bergelmir ›sa inn frôđi iötunn‹. Sæm. 35 a. b. ; Fenja und Menja sind framvîsar (Grôttas. 1, 13). Wenn den riesen das verbum ›þreyja‹ Sæm. 88 a eigenthümlich beigelegt wird, das sonst exspectare, 439 desiderare ausdrückt, so mag darin dumpfes brüten, halbtrunkne behaglichkeit und beharrlichkeit liegen Nachtrag: Über Förniotr s. GDS. 737. hin aldna (sc. gŷgr) Sæm. 5 b . riesennamen sind Örgemlir (der uralte), prûđgemlir , Berggemlir (var. -gelmir). die vala war von den alten riesen in weisheit unterrichtet worden: ec man iötna âr ofborna , þâ er forđom mik froedda höfđo, sagt die vala Sæm. 1 a . die riesentreue ist bekannt. eotena treove . Beov. 2137. gerade so heißt Wäinämöinen der alte ( wanha ) und treue ( waka ), auch totinen (verus). Kalev. 3, 107. vgl. gott: der alte, treue (oben s.  17 ). der riese Polyphem weidet schafe, auch die nordischen riesen versehen hirtenamt. sat þâr â haugi oc slô hörpu gŷgjar hirđir, glađr Egdir .   Sæm. 6 a . auch Gymir ist herdenbesitzer und hat einen hirten. Sæm. 82 b . Thrymr streicht die mähnen seiner rosse, wie es chron. Trudonis bei Chapeaville 2, 174 heißt: manu comam equi delinire. die riesen wissen nichts von brot und feuer . Fr. Arnims märchen 1, no. 8, auch die finnischen entbehren des letzteren. über das finn. epos s. 39 (kl. schr. 2, 98). doch nach Dybeck 4, 42. 38 haben sie silber und gold, ja sie brennen gold. das. 4, 33. ihre pferde tragen eisenringe im ohr. das. 4, 37. 43. Sie bringen nicht nur unglück , sondern auch glück über menschengeschlechter. Dybeck 4, 36 und fruchtbarkeit . das. 4, 45. besonders gilt die riesin , des riesen frau, schwester oder mutter, für mitleidig und den helden hilfreich (s.  459 . 460 . 842 ). altd. w. 3, 179. walach. märch. s. 167. . Ein solches wesen ist in seiner ruhe gutmütig und plump ungeordnet, inconcinnus; mhd. gilt von riesen ungevüege . Nib. 456, 1, Iw. 444. 5051, 6717. der ungevüege knabe. Er. 5552, knabe wie oben s.  429 der michel knabe. ; aufgereizt aber wild, tückisch und heftig. diesen riesenzorn nennt die nord. sage iötunmôđr , der sich dem âsmođr, dem zorn der götter trotzig widersetzt, vera î iötunmôđi. Sn. 150 b . Wenn die riesen von wut entbrennen, so schleudern sie felsen, reiben flamme aus steinen (Roth. 1048), drücken wasser aus steinen (kinderm. no. 20. Asbjörnsen Möe no. 6), entwurzeln bäume (kinderm. no. 90), flechten tannen wie weiden (kinderm. no. 166) und stampfen mit dem fuß bis ans knie in die erde (Roth. 943. Vilk. saga cap. 60): in diesem zustand werden sie von den helden, denen sie dienstbar sind, in fesseln gelegt, und nur im krieg gegen den feind losgelassen. so Witolt oder Witolf. Roth. 760. Vilk. saga cap. 50. Ein nordischer riese, dessen sage wir nur unvollständig kennen, hieß Beli (der brüllende) und Freyr schlug ihn, in abgang seines schwertes, mit der faust todt, davon führte er den namen bani Belja. Sn. 41. 74. Zu den göttern und menschen stehen sie bald freundlich, bald feindlich. Iötunheimr liegt fern von Asaheimr , doch finden gegenseitige besuche statt. In diesem verhältnis machen die riesen einigemal jenen eindruck älterer naturgötter, die einem jüngeren, überlegnen göttergeschlecht weichen musten, weshalb mit fug in einzelnen riesen (z. b. Ecke, Fasolt) ein götterniederschlag zu erblicken ist. Anderemal tritt ihre widerspenstigkeit hervor, sie stellen sich den göttern feindlich entgegen, wie die himmelstürmenden titanen, und werden von den göttern, gleich teufeln in die hölle gestürzt. Doch einzelne götter sind mit riesinnen vermählt: Niörđr und Skađi, tochter des Thiassi, Thôrr mit Iarnsaxa, Freyr mit der schönen Gerđr, tochter des Gŷmir. Gunnlöđ eine riesin ist Ođinns geliebte. Gefiun, die asin, zeugt söhne mit einem riesen; Börr heiratet Besla, Bölþorns des riesen tochter. Loki, der unter den asen wohnt, ist sohn des riesen Farbauti, Angrbođa, eine riesin, seine frau. Mit Oegir dem iötunn verkehren die götter und werden von ihm zu gaste geladen. Aber auch riesen streben nach asinnen, Thrymr nach Freyja, Thiassi raubt Iđunn. Hrûngnir will Freya oder Sif. Sn. 107. Starkađr ist dienstmann nordischer könige; in Rothers heer kämpfen die riesen Aspriân (Asbiörn) und Witolt. Unter den asen ist Thôrr der größte riesenfeind , er schlägt ihnen, wie Jupiter , donnerwunden gerippe einer blitzerschlagenen riesin in einer sacristei aufgehangen. Widegrens Ostergötland 4, 527. , sein hammer hat vielen die häupter zermalmt; wenn Thôr nicht wäre, sagt ein nordisches sprichwort, so würden die riesen überhand nehmen schwed. ›vore ej thordön till, lade troll verlden öde‹. : er 440 besiegt Hrûngnir, Hymir, Thrymr, Geirröđr, und lange nicht alle sagen sind in der edda verzeichnet Nachtrag: Eine jüngere nordische sage unterscheidet zwischen Jötunheimr, wo Geirröđr, und Risaland, wo Gođmundr herscht. fornm. sög. 3, 183. die riesen erscheinen oft als ältere naturgötter, so sind die iötnar  = götter . Sæm. 93 a . das serb. divovi riesen (Vuks vorr. z. 1. th. d. neuen ausg.) bedeutet entweder die göttlichen (vgl. s.  161 ) oder die wilden . vgl. divlij ferus. wenn in den kindermärchen no. 5. 81. 82 der schneider oder fuhrmann und spielhansel in den himmel dringen (Wolfs zeitschr. 2, 2–7), so kann das an die himmelstürmenden titanen erinnern. vgl. über die engel und riesen s.  477 . Die riesen verbinden sich in liebe mit göttern und helden. so ist Polyphem Poseidons sohn. Od. 1, 71 ff. Hrîmgerđr die riesin will eine nacht beim helden schlafen. Sæm. 144 a wie in den märchen die hexe und Marpalie im Wolfd. Freyr ist von liebe zu der riesin Gerđr entzündet, Ođinn verbindet sich mit der riesin Gunnlöd, Gefion die asynja zeugt mit einem riesen söhne (in ochsengestalt) Sn. 1. doch schärfer ist der gegensatz zwischen göttern und riesen. daß ohne Thors feindschaft gegen die riesen dieselben überhand nehmen würden, drückt die Edda noch deutlicher aus als der schwedische spruch: mikill mundi æt iötna ef allir lifđi, vætr mundi manna und Miđgarđi.   Sæm. 77 b vgl. Thors pjäska ett qvinno troll baktill ihåligt, som tros fly för blixten in i ett hus, der åskan då står ned. Almqvist 464 a . (pjäska ein schmutziges weib). âsgrûi terror asarum heißt umgekehrt der riese. . auch der heil. Olaf verfolgt das riesengeschlecht auf das heftigste, heidnische und christliche helden stimmen in diesem amt zusammen. In der heldensage unterliegen Sigenôt, Ecke und Fasolt Dietrichs menschlicher stärke, andere riesen sind aber auch Dietrichs gesellen, namentlich Wittich und Heime, wie Asperian Rothers. die könige Niblunc und Schilbunc hatten zwölf starke riesen zu freunden (Nib. 95) d. h. zu dienstmannen, wie die nord. könige öfters zwölf berserker. Aber gleich den urwäldern und ungeheuern thieren der vorzeit werden die riesen allmälich von der erde ausgerottet und für alle helden wechseln riesenkämpfe mit drachenkämpfen auch in der britannischen sage (seltner schon der kerlingischen) sind die helden unaufhörliche riesenbezwinger. Schiene das kindermärchen von Jack the giantkiller nicht welsches ursprungs, so könnte dieser held an Thôrs thaten gemahnen, er ist mit einer nebelkappe, mit flügelschuhen und einem alleszerschneidenden schwert, wie der gott mit dem unwiderstehlichen hammer, ausgerüstet. . König Frôđi hatte zwei gefangne riesenjungfrauen, Fenja und Menja zu malmägden: sie musten ihm auf der müle Grôtti gold und friede malen, nicht länger gestattete er ihnen ruhe und schlaf, als der gauch schwieg oder sie ein lied sangen. Hier überrascht ein zeugnis für das ehmalige vorhandensein dieses mythus auch in Deutschland, aus den bloßen eigennamen schöpfe ich es. Managold , Manigold ist ein häufig begegnender mannsname, der sich aus mani, altn. men = monile erklärt; seltner erscheint Fanigold , Fenegold , von fani, altn. fen palus, das gold bezeichnend, das im sumpf verborgen liegt. eine trad. patav. aus der ersten hälfte des 12 jh. (MB. 28 b p. 90. 91) liefert beide namen Manegolt und Fenegolt aus derselben gegend. man darf schließen, den Baiern war ehmals bekannt, welche bewandtnis es um das Fanigold und Manigold hatte, das von Fania und Mania gemalen wurde Nachtrag: Managolt Pistor. 497. Managold Neug. 77. 355. über den mythus vgl. Kuhn in Haupts zeitschr. 6, 134. mit Fenja und Menja, die malen, bis der gauch schreit, vergleiche die malmägde und den hahnkrat. gr. epigr. 2, 56. . Ymir, oder nach der riesen sprache Örgelmir, war der ersterschafne , und aus seines leibs ungeheurer masse wurde hernach erde, wasser, berg und wald erzeugt. Ymir selbst entsprang aus geschmolznem reif oder thau (hrîm), davon heißen alle riesen hrîmþursar , reifriesen (Sn. 6, Sæm. 85 a. b. ); hrîmkaldr (reifkalt) ist beiwort für iötunn oder þurs (Sæm. 33 b 90 a ), sie triefen noch von thauendem reif, ihr bart (kinnskôgr, kinnwald) ist gefroren (Sæm. 53 b ); Hrîmnir , Hrîmgrîmr , Hrîmgerđr sind riesische eigennamen (Sæm. 85 a 86 a 114. 145). da hrîm zugleich fuligo bedeutet, darf vielleicht Ymir mit dem dunkeln mhd. om, ome (rubigo) zusammengehalten werden (gramm. 3, 733). nahe liegt aber auch die ableitung vom ymja, umđi (stridere), so daß Ymir der tosende, rauschende wäre, womit eine erklärung von Örgelmir stimmen könnte (vgl. cap.  XIX ) Nachtrag: Fornald. sög. 1, 469 heißt es: austan at Ymis dyrum. von Ullr wird gesagt: Ullr reiđ Ymesver enn Ođinn Sleipni. gehörte das pferd sonst dem Ymir? Frosti ist gleich Jökull ein riesenname. Rask afh. 1, 95. estn. kühna isa , wana Pakkana . Böcler 148. wenn Ymir von ymja stridere stammt, so wird goth. iumjô turba, rauschende menge dazu gehören. der lärm, das heftige schreien der riesen ist auch mhd. bekannt. s. Dietr. und ges. 391–394. 458. 470. ob sie daher mit brüllenden ochsen verglichen wurden? Rask afh. 1, 88 leitet den namen des riesen Herkir und der riesin Herkja von finn. härkä ochse ab. es gab auch einen deutschen riesen Harga . Wolfs zeitschr. 2, 256. vgl. Herka s.  210 ( anm. 1355 ). Die riesen gehören zu den nachtwesen. die indischen wenigstens werden in der dämmerung stärker und in der nacht doppelt so stark als die helden. Holtzmann ind. sag. 2, 152. eine schleswigsche riesin ist die schwarze Greet . Müllenhoff s. 157. 269. 273. 275, dagegen eine königin Margareta. das. s. 342. 14. 18. . 441 Nach riesen, wie nach göttern, führen kräuter und gestirne den namen. þursaskegg (fucus filiformis) riesenbart; norw. tussegras (paris quadrifolia); Brönugras (satyrium), was sonst Friggjargras (s.  251 ), weil es eine riesin Brana ihrem schützling Hâlfdân als zaubermittel schenkte (fornald. sög. 3, 576); Forneotes folme (s.  199 ); Thiassis augen warf Ođinn, Örvandils fußzehe Thôrr als leuchtende gestirne gen himmel. Sn. 82. 83. 111. Gleich den zwergen erscheinen die riesen diebisch . zwei eddische lieder drehen sich um wiedererlangung eines von den riesen geraubten hammers und kessels. Die riesen bilden ein gesondertes volk, das sich wol wieder in stämme zertheilte. vgl. Bask afhand. 1, 88. Thrymr heißt › þursa drôttinn ‹ Sæm. 70–74; › þursa þiođ ‹ wird 107 a genannt, als ihr gewöhnlicher aufenthalt aber iötunheimr bezeichnet. noch das gedicht von Rother 767 gibt ein riesenlant an. auf der grenze des riesengebietes lagen griottûna garđar (Sn. 108. 109). die vorhergehende untersuchung lehrt, daß sich die meisten benennungen der riesen an alte völkernamen schlossen. Man dachte sich die riesen auf felsen und bergen hausend; ihre ganze natur hängt mit dem steinreich zusammen, sie sind entweder belebte steinmassen, oder versteinerte, früher lebendige geschöpfe. Hrûngnir hatte ein steinernes, dreieckiges herz, sein haupt und schild waren von stein. Sn. 109. ein andrer riese hieß Vagnhöfđi (wagenhaupt) Sn. 211 a , bei Saxo gramm. 9. 10. frau Hütt eine versteinerte riesenkönigin (deutsche sagen no. 233). Hierher gehören erst folgende benennungen: bergrisi Sn. 18. 26. 30. 45. 47. 66. Grôttas. 10. 24. Egilss. 22 hâlfbergrisi , hâlfrisi , hâlftröll (Egilss. s. 22. Nialssaga s. 164) bei gemischter abkunft. gramm. 2, 633. ; bergbûi (fornald. sög. 1, 412); hraunbûi (saxicola) Sæm. 57 b 145 a ; hraunhvalr 57 b ; þussin af biargi (fornald. sög. 2, 29); bergdanir (gigantes) Sæm. 54 b ; bergrisa brûđr , mœr bergrisa , Grôttas. 10. 24 vgl. das griech. ὀρειάς, wobei leicht der begrif der riesin übergehn kann in den der elbin. Thrymheimr liegt auf bergen. Sn. 27. es ist nicht zu übersehn, daß noch in unserm heldenbuch Dietrich die riesen bergrinder und waldbauern schilt, vgl. bercrinder Laurin 2625, waltgebûren Laurin 534. 2624. Sigenôt 97. walthunde Sigenôt 13. 114. waldes diebe 120. waldes tôre, waldes affe. Wolfd. 467. 991 (s. oben s.  399 u. Nachtrag: Auch den Griechen hausten die riesen auf felsen und bergen . Od. 9, 113. 114. sie sind belebte steinmassen oder bestehen zum theil aus stein, oder sie werden versteinert. so hat der riese bei Müllenhoff s. 442 ein steinherz. Hrîmgerđr vom tag überrascht steht nun î steins lîki . Sæm. 145 b . vgl. die schwedischen sagen in Haupts zeitschr. 4, 503. 504. Bader no. 486. Hati iötunn sat â bergi . Sæm. 143 a ( anm. 1346 ). die gŷgr wohnt in felshölen (hellir). der zu Hel fahrenden Brynhildr ruft eine gŷgr zu: skaltu î gögnum gânga eigi grioti studda garđa mîna! Brynhildr antwortet: bregđu eigi mer brûđr or steini . Sæm. 227 (s. unten s.  456 ). finna þeir î helli nockvorum, hvar gŷgr sat , hon nefndiz Thöck . Sn. 68. die riesenhöle liegt im wilden berg. Trist. 419, 10–20. die riesenbezeichnung bergbûi kommt auch Landn. 4, 12. Sæm. 52 a vor. vgl. berges gnôz . Er. 8043. Hobergsgubbe (s.  444 ). finn. ist kallio rupes = goth. hallus, altn. hallr; kaleva gigas. finn. wird der riese auch genannt vuoren väki , kraft des bergs. dem angeführten þussin af biargi entspricht Tössebergsklätten , ein ort in Värmeland. Rask afh. 1, 91. 92. merkwürdig ist die bezeichnung bergrinder für riesen, denn ochsen sind söhne der Gefjon und eines iötunn. Sn. 1. ein riese heißt kuhtod . Müllenhoff no. 328. vgl. Herkir und Herkja ( anm. 1353 ). Sn. 13 erscheinen riesen als wölfe . ). Rieseneigennamen weisen auf stein und metall, z. b. Iarnsaxa (die eisensteinige) Iarnhaus (eisenschädel); vielleicht darf man die noch jetzt fortlebende zusammensetzung steinalt (gramm. 2, 555) aus dem hohen alter der riesen erklären, das dem der berge und felsen nahe kommt. ›gîfur rata‹ (gigantes pedes illudunt saxis) sagt man im Norden. 442 Steine und felsen sind des riesengeschlechts waffen ; es gebraucht nur steinkeulen, steinschilde, keine schwerter. Hrûngnis waffe heißt hein ; als sie geworfen in der luft mit Thôrs hammer zusammenfuhr, brach sie und ein theil fiel zu boden : davon kommen alle ›heinberg‹ (schleifsteinfelsen) her. Sn. 108. 109. Spätere sagen legen den riesen stahlstangen , von 24 ellen, zu. Roth. 687. 1662. hürn. Sîfr. 62, 2. 68, 2. Sigenôt (Laßb.) 14 (Hag.) 69. 75. Iwein 5022 ( ruote 5058. kolbe 6682. 6726). Trist. 15980. 16146; îsenstange Nib. 460, 1. dem Pandurus und Bitias (Aen. 9, 672) verleiht Veldek riesennatur und îserne kolven (En. 7089); kolben stähelîn führt das riesige heer könig Gorhands. Wh. 35, 21. 395, 24. 396, 13; eine staalstang riese Langben (danske viser 1, 29). ausdrücklich heißt es Er. 5384 ›wâfens wâren si blôz‹, d. i. ritterlicher waffen, sie führten › kolben swære, grôze unde lange‹ auch dem Goliath wird I. Sam. 17, 7 II. Sam. 21, 19 ein hastile (speerschaft) beigelegt quasi liciatorium texentium (wie ein weberbaum). . Wahrscheinlich aber wurde unter ›eald sveord eotonisc‹ ein steinernes verstanden, obwol Beov. 5953 ein metallnes, goldverziertes auch so heißt; selbst der ›entisc helm ‹ Beov. 5955 mag ein steinerner sein. Vielleicht hängt damit zusammen, daß kein eisenschwert auf die riesen einschneidet: bloß mit dem schwertknopf mögen sie erschlagen werden (Ecke 178) oder mit der faust (s.  439 ) Nachtrag: Die riesin wirft mit stein, der riese trägt eine steinkrone. Braunschw. märch. s. 64. eisen greift die riesen nicht an. tröll, er þik bîta eigi iarn . Isl. sög. 2, 364. sie können nur mit gold erlegt werden, daher windet Skiold gold um seine keule. Saxo 8. auch den Grendel versehrt kein eisernes schwert: þone synscađan ænig ofer eorđan îrenna cyst, gûđbilla nân grêtan nolde . Beov. 1596 ff. Arnliotr in Hervararsaga hat meilenstiefel , wie der ogre im petit poucet. diese meilenstiefel bezeichnen die schnelligkeit, mit welcher der riese läuft. daher Diut. 1, 403: hine fuor der herre îlende alse ein rise duot, der zuo loufe sînen muot ebene hât gesetzet. . Bauten der vorzeit, von seltsamer structur, die lange jahrhunderte überdauert haben und die das heutige geschlecht nicht mehr unternimmt, pflegt das volk den riesen oder dem teufel zuzuschreiben (vgl. anm. 243 ). burg an berge, hô holmklibu, wrisilîc giwerc gilt Hel. 42, 5 von einer felsenburg (risônburg N. Bth. 173), ein Wrisberg , nach dem ein niedersächsisches geschlecht den namen führt, lag bei dem dorf Petze. das sind die › enta geveorc ‹ der ags. gedichte (s.  434 ); efne svâ vide svâ vegas tô lâgon enta ærgeveorc innan burgum, stræte stânfâge. Andr. 2466; stapulas storme bedrifene eald enta geveorc . Andr. 2986. Annolied 151 von Semiramis: die alten Babilônie stiphti si van cigelin den alten die die gigandi branten. Karlmeinet 35: we dise burg stichte? ein rise in den alten zîden . In den altfranzös. gedichten sind es entweder gaiant (riesen) oder paian (heiden), welche mauern und thürme bauen, z. b. Gerars de Viane 1745: les fors tors , ke sont dantiquitey, ke paian firent par lor grant poestey. vgl. Mones unters. 242. 244. 247. 250. Was aus ungeheuern mauern zusammengefügt war, nannten die Griechen cyclopische mauern , die heutigen Griechen aber denken sich die Hellenen als hünen der vorzeit und schreiben ihnen die gewaltigen bauten zu vgl. Niebuhrs röm. gesch. I, 192. 193. eine alte mauer heißt neugriech. τὸ ἑλληνικό (Ulrichs reise 1, 182). . Da nun auch alte heerstraßen mit felsen gebaut waren (strâta 443 felison gifuogid, Hel. 164, 27), kamen sie auf rechnung der riesen: iotna vegar (viae gigantum) Sæm. 23 b ; ›usque ad giganteam viam: entisken wec ‹ MB. 4, 22 (um 1130). das volk in Baiern und Salzburg nennt einen solchen weg, der ihm uralt und nicht geheuer ist, enterisch (Schm. 4, 44); des tröllaskeid wurde s.  421 gedacht, tröllahlađ ist septum gigantum. Bemerkenswerth sind einige stellen aus Fergût 1576: die roke was swert ende eiselike, want wîlen êr ên gigant , hie hieu hare ane den enen cant ên padelkîn tote in den top, daer en mach ghên paert op, ên man mochter opgaen te voet. und 1628 ff. wird die eherne bildseule eines dorpers unter diesem dorper grôt ist man wieder versucht sich den alten donnergott zu denken, denn es heißt: › hi hilt van stale enen hamer in sine hant ‹. beschrieben, die vor dem eingang einer thür stand: het dede maken ên gigant , die daer wilen woende int lant Nachtrag: Alte seltsame bauten werden den riesen oder den heiden zugeschrieben. enta burg , risôn burg . Elene 31 s. XXII. eine riesenbaute wird auch Tristans minnenhöle genannt. Tristr. 419, 18. vgl. etenes bi old dayn had wrought it, das erdhaus, wo Tristan und Isolde lagen. Tristrem 3, 17. Hünenwälle zeigt man zwischen Etteln und Alfen im Paderbornischen. die Morgenländer legen alte bauten dem volke Âd bei. Hammers rosenöl 1, 36, keltische sagen dem Finn . all die weiten › cairns ‹ und bemerkenswerthen gipfel, wie der Michael's Mount in Cornwall, und die Tors im Dartmoor sind von riesen erbaut. ein κυκλῶπων ἔργον , ἀργῶν λίϑων, deren kleinsten ein joch maulthiere nicht verrückt, erwähnt Pausan. II. 25, 7. Tyrrhener bauen thürme ( anm. 1321 ). in den altfranzös. gedichten sind die erbauer riesen oder heidnische Sarrasins oder berühmte männer der vorzeit. la roche au jaiant . Guitecl. 1. 90. 158. un jaiant le ferma qui Fortibiaus ot nom. Renaus 177, 7. Sarrasins bauen. Garin in Mones HS. 219. 251. el mur Sarrazinor . Albigeois 6835. el palais montent que firent Sarrasin . Garin 1, 88. la tor est forte de luevre as Sarrasins . das. 2, 199. croute que firent Sarasins . Garin 1, 57. 59. as grans fenestres que firent Sarasins . mort de Garin s. 146. Cain baut einen thurm . Ogier 6644. 6666. roche Cayn . Garin 1, 93. 94. auch auf Julius Caesar und Constantin werden solche riesenbauten zurückgeführt. Garin bei Paris 2, 53. chron. fontan. bei Pertz 2, 284. vgl. das werk des Julius Caesar bei Thietmar 6, 39. Eine sage von dem großen kessel , den die riesen in zwanzig jahren stillschweigends gruben, erzählt Halbertsma tongvallen s. 54. 55. steinhaufen in den wäldern nennt der Finne hiiden pesät riesennester, lager. Kurl. send. 1, 47. ein riesenbette schon Il. 2, 782. Jenem ehernen dorper gleicht das erzbild, das mit einer stahlstange auf einer brücke steht und den eingang wehrt. Dietr. drachenk. 57 a . 61 a b . Hildebrand sagt: ich klag ez dem der ûf der brücken stât . 62 a . alle fürchten sich vor dem ungeheuren. 68 b . 74 b . 75 a . der aller groeste viez (: liez), daz in der tiuvel würge, er was grôz unt dâbî lanc, sîn muot was ungetriuwe; er sî lebende oder tôt, er ist ein rehter boesewiht. 83 a b . (über viez gramm. 1, 187). . Riesenberge , riesenhügel , hünenbette können so heißen weil die volkssage dahin eines riesen grab versetzt, oder eine ähnlichkeit des felsens mit der riesengestalt annimmt, oder davon ausgeht, daß der riese den berg oder hügel an diese stelle gebracht habe. Von der letzten art hatten wir eben ein beispiel: die edda erklärt alle heinfelsen aus dem zur erde gefallnen theil einer riesenkeule , die von glattem wetzstein gefertigt war. In diesen volkssagen herscht anmutige mannigfaltigkeit, die mir näherer kunde werth scheint, weil dadurch die lebendige vorstellung von dem wesen der riesen gut bezeichnet wird. Eine auf der insel Hven umgehende sage macht Grimild und Hvenild zu zwei riesinnen und schwestern, die auf Seeland wohnen. Hvenild will stücke von Seeland nach Schonen tragen und gelangt mit einigen, die sie in ihre schürze nimmt, glücklich hinüber; als sie aber das nächstemal ein allzugroßes fortschleppt, bricht das schürzband mitten in der see, sie verliert ihre ganze last, und so entsteht da die insel Hven Sjöborgs nomenklatur p. 84. . Fast dasselbe meldet eine jütische sage von dem ursprung der kleinen insel Worsöekalv (Thiele 3, 66). Abweichende umstände gewähren pommersche überlieferungen: einen riesen auf Rügen verdrießts, daß er immer durch das meer nach Pommern waten muß; er will einen damm hinüber zum festen land bauen, bindet eine schürze um, und füllt sie mit erde. als er mit der tracht bis über Rodenkirchen gekommen ist, reißt ein loch in die schürze , und aus der erde, die herausfällt, werden die neun berge bei Rambin. er stopft das loch zu, und geht weiter. bis Gustow 444 gekommen, reißt wieder ein loch und dreizehn kleine berge fallen heraus, mit der noch übrigen erde gelangt er ans meer und gießt sie hinein: da wird der Prosnitzer hacken und die halbinsel Drigge. aber es bleibt immer ein schmaler raum zwischen Rügen und Pommern und der riese ärgert sich darüber so sehr, daß er von einem schlagfluß hinstürzt und stirbt: so ist denn sein damm nie fertig geworden E. M. Arndt märchen 1, 156. . Umgekehrt will sich ein riesenmädchen von Pommern aus eine brücke nach Rügen machen; ›damit ich übers wässerchen gehn kann, ohne mir meine pantöffelchen zu netzen‹. sie nahm eine schürze voll sand ans ufer eilend. aber die schürze hatte ein loch . hinter Sagard lief ein theil der ladung aus und bildete einen kleinen berg namens Dubberworth. ›ach‹ sagte das hünenmädchen, ›nun wird die mutter schelten‹, hielt die hand unter und lief was sie konnte. die mutter schaute über den wald: ›unartiges kind, was treibst du, komm nur, du sollst die ruthe haben!‹ da erschrak die tochter, ließ die schürze vollends gleiten, aller sand ward umher verschüttet und bildete die dürren hügel bei Litzow Lothars volkssagen Leipz. 1820. s. 65. Temmes pomm. sagen no. 190. 191. vgl. Bartholds Pommern 1, 580, wo Dobberwort geschrieben und aus dem poln. wor (sack) erklärt ist. . In Källasocken bei Vî liegt ein ungeheurer stein, genannt Zechiels stein, von einer riesin oder meerfrau. sie wohnte auf der burg Edha in Högbysocken, ihre schwester unweit Skäggenäs in Småland. beide wollten eine brücke über den Sund bauen, die småländische riesin hatte Skäggenäs eine viertelmeile weit in die see zusammengetragen, Zechiel steine in ihre schürze gesammelt, da schoß ein mann mit dem schaft nach ihr, daß sie sich ermattet niedersetzen muste auf einen fels, an dem noch ihre spur eingedrückt steht. sie erhob sich aber von neuem und gieng bis nach Pesnässocken, da begann Thor zu donnern (då hafver gogubben begynt at åka), daß die riesin heftig erschrak und todt niederfiel, in dem augenblick warf sie ihre steinlast aus der schürze untereinander zu boden , davon rühren dort die großen zwei oder drei mann hohen felsblöcke. das riesengeschlecht ließ sie bei diesen felsen begraben. (Ahlqvists Öland 2, 98. 99.) Die furcht der riesen vor Thor ist so groß, daß wenn sie donnern hören, sie sich in felsenklüfte und unter bäume verbergen; ein gothländischer högbergsgubbe , den ein bauer, um ihn sich freundlich zu erhalten, zur kindtaufe laden ließ, sagte ab, so gern er das mahl mitgenommen hätte, weil er vom boten vernahm, daß außer Christus, Petrus und Maria auch Thor erscheinen werde; den letzten scheute er. (Nyerups morskabsläsning s. 243.) Ein riese in Fladsöe war feindlich gesinnt gegen einen in Nestved wohnenden. er nahm seinen ranzen, füllte ihn am ufer mit sand und dachte ganz Nestved zu verschütten. unterwegs aber lief der sand durch ein loch im sack aus, so daß eine reihe sandbänke davon zwischen Fladsöe und Nestved entstand. erst als der riese zu der stelle kam, wo 445 vordem Husvald lag, merkte er, daß das meiste verschüttet war, und ärgerlich warf er das übrige gegen Nestved, wo man noch eine einzelne sandbank gewahrt (Thiele 1, 79). Zu Sonnerup war ein andrer riese, namens Lars Krands, den ein dortiger bauer beleidigt hatte. er ging zum strand, füllte seinen handschuh mit sand und trug ihn zu des bauern hof, wo er ihn ausschüttete, so daß der ganze hof zugedeckt wurde; was durch die fünf fingerlöcher im handschuh gelaufen war, bildete fünf hügel (Thiele 1, 33). In den Niederlanden wird der hügel von Hillegersberg durch den sand hervorgebracht, der einer riesin durch › een schortekleed ‹ fällt Westendorps mythologie p. 187. . Solche erzählungen sind aber nicht bloß unter dem deutschen volksstamm verbreitet, sie gehen auch bei Finnen, Celten und Griechen im schwang. In Tawastoland bei Päjände, in Hattulasocken liegen steinfelsen, welche ehedem von riesentöchtern in der schürze getragen , und in die höhe geworfen sein sollen Gananders finn. myth. p. 29. 30. . Französische überlieferungen setzen die heilige jungfrau oder feen (s.  342 ) an die stelle der riesinnen. Notre dame de Cléry, als es ihr in der kirche von Mezières nicht gefiel, beschloß den sitz ihrer anbetung zu verlegen, nahm erde in ihre schürze , und trug sie, verfolgt von Judas, auf eine benachbarte anhöhe; um aber dem verfolger auszuweichen, faßte sie einen theil der erde wieder auf , und legte ihn nicht weit davon an einer andern stelle nieder: an beiden stätten wurden bethäuser gebaut mém. de l'acad. celt. 2, 218. . In der Charentegegend, im bezirk Cognac und der gemeinde Saintfront am Neyflüßchen liegt ein ungeheurer stein; man erzählt die heil. jungfrau habe ihn dahin auf ihrem kopf, und zugleich vier pfeiler in ihrer schürze getragen: als sie aber über den Ney ging, entfiel ihr ein pfeiler in den sumpf von Saintfort mém. des antiquaires 7, 31. . Nach einer griech. sage wollte Athene zur befestigung der Acropolis einen berg von Pallene herbeiholen, ließ ihn aber unterwegs , erschrocken über die verkündigung einer krähe, hinfallen , und da blieb er (der Lykabettos) liegen Antigoni Carystii hist. mirab. cap. 12. Lips. 1791 p. 22: τῇ δὲ Ἀϑηνᾷ, φερούση τὸ ὄρος, ὃ νῦν καλεῖται Λυκαβηττὸς, κορώνην φησὶν ἀπαντῆσαι καὶ ἐιπεῖν, ὅτι Ἐριχϑόνιος ἐν φανερῷ· τὴν δὲ ἀκούσασαν ῥίψαι τὸ ὄρος, ὅπου νῦν ἐστι· τῇ δὲ κορώνῃ διὰ τὴν κακαγγελίαν εἰπεῖν, ὡς εἰς ἀκρόπολιν οὐ ϑέμις αὐτῆ ἔσται ἀφικέσϑαι. . als gott der herr ob der erde schwebte und steine säte, rissen ihm über Montenegro die säcke und der ganze vorrath fiel nieder. Vuks Montenegro 5. Gleich der göttin, gleich den riesen lädt sich der teufel solche lasten auf. in Oberhessen wurde mir folgendes erzählt: zwischen Goßfelden und Wetter lag vormals ein jetzt ausgestorbnes dorf Elbringhausen; die bauern lebten darin so üppig, daß der teufel gewalt über sie bekam, und sie aus ihrer guten erde auf einen 446 sandigen boden, den die austretende Lahn jährlich überschwemmt, zu versetzen beschloß. er nahm also das ganze dorf in seine kötze, und trug es durch die lüfte dahin, wo jetzt Sarenau steht: er fing an, die einzelnen häuser zu langen und der reihe nach aufzustellen. unversehns stürzte ihm die kötze um , und der ganze plunder fiel durcheinander zur erde; daher rührt, daß zu Sarenau die sechs ersten häuser in gerader gasse stehn, alle übrigen untereinander. Bei Saalfeld in Thüringen liegt das dorf Langenschade, nur 54 häuser zählt es und ist doch eine kleine stunde lang, weil sie einzeln in einer reihe liegen. der teufel flog, häuser in einer schürze tragend durch die luft; ein loch der schürze ließ unvermerkt eins nach dem andern herausfallen. als es der teufel rückwärts blickend gewahrte, rief er aus: ›das ist schade!‹ Nachtrag: Der gotländische högbergsgubbe wird seinen namen vom Hoberg auf Gotland führen. Molb. tidskr. 4, 189. granitblöcke heißen in der estn. sage Kalewes jungfrauen schürzsteine : Kallewi neitsi pölle kiwwid. Possart s. 177. was vom riesen, gilt auch vom teufel. der teufel , so erzählt der Appenzeller und der Schwarzwälder, flog einst mit einem sack voll hütten über das land. da nun der sack zufällig einen riß bekam, fiel bald hier, bald dahin eine hütte heraus und blieb bis zur jetzigen stunde auf der alten stelle. Schreibers taschenb. 1841. s. 158. Weit umgehend ist die artige fabel vom pflügenden ackermann , den eine riesentochter aufnimmt, und in ihrer schürze dem vater heimträgt . am schönsten in der elsassischen sage von burg Nideck: Im waldschloß dort am wasserfall sinn d'ritter rise gsinn; ä mol kummts fräule hrab ins thal, unn geht spaziere drinn. sie thut bis schier noch Haslach gehn, vorm wald im ackerfeld do blibt sie voll verwundrung stehn unn sieht, wies feld wurd bestellt. sie luegt dem ding ä wil so zu; der pflui , die ros , die lütt ischer ebs neus ; sie geht derzu unn denkt ›die nimm i mitt‹. Drno huurt sie an de bode hin unn spreit ihr fürti uß , fangt alles mit der hand, thuts niin, unn lauft gar froh noch hus. sie springt de felswei nuf ganz frisch dort wo der berg jetzt isch so gäh, unn me so krattle muß in dhöh macht sie nur eine schritt. Der ritter sitzt just noch am tisch: ›min kind, was bringste mit? dfreud luegt der zu de auge nuß; se krom nur geschwind din fürti uß; was hest so zawelichs drin?‹ ›o vatter, spieldings gar ze nett. i ha noch nie ebs schöns so ghett‹, unn stelltem alles hin. Unn uf de tisch stellt sie den pflui , dbure unn ihri ros , lauft drum herum unn lacht derzu, ihr freud isch gar ze groß. ›Ja kind, diß isch ken spieldings nitt, do hest ebs schöns gemacht‹ saht der herr ritter glich und lacht, ›geh nimms nur widder mit! die bure sorje uns für brot, 447 sunseh sterbe mir de hungertod; trah alles widder furt‹! sfräule krint, der vatter schilt: ›ä bur mir nitt als spieldings gilt, i liid net daß me murrt. pack alles sachte widder iin unn trahs ans nämli plätzel hin, wo des genumme hest. baut nit der bur sin ackerfeld se fehlts bi uns an brot unn geld in unserm felsennest‹. Ähnliche erzählungen vom Harz und aus dem Odenwald stehen deutsch. sag. no. 319. 324. In Hessen wird die riesentochter auf den Hippersberg (zwischen Kölbe, Wehrda und Goßfelden) verlegt: ihr vater schilt sie heftig aus und setzt den pflüger, mit lobsprüchen, wieder in freiheit. Zu Dittersdorf unweit Blankenburg (zwischen Rudolstadt und Saalfeld) geht dieselbe geschichte um. am eingang des Schwarzwaldes auf der Hünenkoppe wohnte eine hünin mit ihrer tochter. die tochter fand auf dem gemeindeberg einen feldflügenden bauer , that ihn mit pflug und ochsen in ihre schürze und trug der mutter ›den kleinen kerl mit seinen kätzchen ‹ hin. zornig befahl die mutter, mann, thiere und pflug augenblicklich wieder an ort und stelle zurück zu tragen: ›sie gehören zu einem volke, das den hünen großen schaden zufügen kann‹. bald darauf verließen beide die gegend L. A. Walthers einl. in die thür. schwarzb. gesch. (Rudolst.) 1788 p. 52. . Als der Grüngrund und die umgegend noch von riesen bewohnt waren, stießen ihrer zwei auf einen gewöhnlichen menschen. ›was ist das für ein erdwurm? ‹ fragte der eine, doch der andere erwiederte: ›diese erdwürmer werden uns noch auffressen!‹ Mones anzeiger 8, 64. Solche äußerungen scheinen alterthümlicher, als der grund des elsassischen riesen, und stimmen zu einer finnischen volkssage. In Kemisocken wohnten riesen; vor zwanzig jahren zu Gananders zeit (finn. myth. p. 30). lebte in Rouwwanjemi eine alte frau namens Caisa, die erzählte: eine riesenjungfrau (kalewan tyttären) nahm in ihren schoß pferd, pflüger und pflug (bewosen ja kyntäjän ja auran), trug sie ihrer mutter hin und fragte: ›was für ein käfer (sontiainen) mag das sein, mutter, den ich da fand in der erde wühlen?‹ die mutter sprach ›thus weg, mein kind, wir müssen fort aus diesem land, und sie werden hier wohnen‹. Den ackerbauenden menschen muß das alte riesengeschlecht weichen, der ackerbau ist ihm, gleich den zwergen (s.  380 ), verhaßt. Die unschuldige derbheit der riesen, welchen der mensch ein winziges thierchen, ein im koth wühlender käfer erscheint, aber doch heimlich vor ihm bangt, kann nicht glücklicher geschildert werden, als in diesen wenigen zügen. Ich glaube, daß die überlieferung noch in vielen anderen gegenden zu haus ist Nachtrag: Die fleischesser weichen den kornsäern , die jäger den bauern. Klemm 2, 25. die riesen betrachten sich als die alten herrn des landes, wohnen in der burg , hoch über den bauern . Haltrich 198. auf der insel Usedom heißt es nach Kuhn (jahrb. d. berl. ges. f. d. spr. 5, 246): en risenmäken hätt auk mål enen knecht met twei ossen unnen håken in äre schörte packt, wil är dat lütte wörm durt hätt. ähnliche sagen von den erdwürmern , den vertreibern der riesen, finden sich in mehreren schwedischen gegenden. Dybeck 1842. 2, 3. 4, 40. 1844. s. 105. 1845. s. 15. 97. 1847. s. 34. Rääf Osterg. 38. in Södermanland. Haupts zeitschr. 4, 506. in Schleswig. Müllenhoff s. 279. in der Mark. Haupts zeitschr. 4, 392. in Westfalen. Firmenich 1, 322. in Süddeutschland. Bader no. 375. 387. Panzer 2, 65. vgl. walach. märch. s. 283. . 448 Nicht weniger häufig und naiv ist die sage von dem wandernden riesen den unterwegs ein steinchen im schuh drückt: er schüttelt ihn endlich aus, und ein hügel oder fels bleibt da liegen. Die Braunschweiger anzeigen von 1759 berichten s. 1636: ›ein bauer sagte mir einmal, da ich in seiner begleitung vor einem hügel, der am Elme lag, vorbeireisete: herre, hie sagen die leute habe ein hüne seinen schuh reine gemacht , daher sei der hügel entstanden‹. In dem buch: die kluge trödelfrau, von E. J. C. P. N. 1682 p. 14 wird eines großen steins im wald erwähnt und gesagt: ›es were einsten ein großer riese vorbei gegangen, den hätte in dem schuhe ein steinlein gedrückt, und als er den schuh aufgebunden sei dieser stein herausgefallen‹. So geht noch heute die sage von einem kahlen felsen bei Goslar, den habe der große Christoph mit sich im schuh getragen und zuletzt am drücken vermerkt, habe den schuh ausgezogen und umgekehrt , da sei der stein an die stelle gefallen, wo er noch liegt. solche steine heißen auch brockensteine . Am Solling bei Uslar liegen ein paar große feldsteine, 16 bis 20 schuh lang, 6–8 dick: vor undenklichen jahren giengen zwei riesen über das land, der eine sprach zum andern ›es drückt mich etwas im schuh, es müssen wol grandkörnchen sein‹. damit zog er den schuh ab und schüttelte die steine heraus . Im thale über Ilfeld, hart an der Bähr, liegt ein großer felsblock, den einst ein riese aus dem schuh schüttete , weil ihn das sandkorn drückte. Auch diesem mythus traue ich weite verbreitung zu, man weiß ihn sogar von einem bloßen menschenschlag zu erzählen: die westfälischen Sauerländer sind brave, tüchtige leute. einer soll einmal nach Cöln gegangen sein, und vor dem thor angelangt seinen reisegefährten ersucht haben, einen augenblick zu warten, er wolle im schuh nachsehn, was ihn die ganze zeit so gedrückt habe. der andere aber sprach ›ei nun warte vollends, bis wir zur herberge kommen‹. der Sauerländer ließ es geschehn und beide wanderten durch die langen straßen. auf dem markt wurde ihm doch der druck zu arg, er zog den schuh ab, und warf einen groben stein heraus , der lange zeit daselbst zum wahrzeichen gelegen hat. Eine norwegische volkssage theilt Hammerich (om Ragnaroksmythen s. 93) mit: einem jutel war etwas ins auge gekommen, das ihn stach. er suchte es mit dem finger heraus zu grübeln, der war aber zu vierschrötig, da nahm er eine korngarbe und brachte es damit glücklich zu stande. es war ein tannzapfe, den drückte der riese zwischen den fingern: ›wer sollte geglaubt haben‹, sagte er, ›daß ein so kleines ding so weh thun könnte‹ Nachtrag: Sagen vom riesen, der den schuh ausklopft , oder den sand aus den holsken schüttet , stehn in der zeitschr. d. Osnabr. ver. 3, 230. 235. Firmenich 1, 274 a . der riese hat drei körner im schuh . Hones daybook 2, 1025. ähnliche holländische sagen in Halbertsmas tongvallen s. 55. 56. . Die edda meldet wunderbares von dem riesen Skrŷmir vgl. faröisch Skrujmsli , Lyngbye p. 480. altn. skraumr blatero, plauderer. ; in dem däumling seines handschuhs hatte Thôrr, der gott, eine nachtlang geherbergt. Skrŷmir entschläft unter einer eiche und schnarcht; als Thôrr mit dem hammer auf sein haupt schlägt, erwacht er und fragt ob ein blatt laub auf ihn herabgefallen sei? der riese 449 legt sich unter eine andre eiche schlafen und schnarcht, daß es davon im walde rauscht; Thôrr schlägt härter und tiefer auf den riesen, › fiel mir eine eichel ins gesicht? ‹ ruft der erwachende. zum drittenmal entschläft Skrŷmir und Thôrr wiederholt den schlag noch tiefer; der riese wacht auf, streicht sich über die wange und spricht: ›über mir im baum müssen vögel sitzen? als ich erwachte, däuchte mir, ihr mist falle von den zweigen auf mein haupt‹. Sn. 51–53. Die züge sind echtriesenmäßig, und in ganz andrer gegend anzutreffen. nach einer böhmischen sage schläft Scharmak der riese an einem thurm, den seine feinde untergraben, daß er über ihm zusammenstürzt; er rüttelt sich auf und ruft: ›hier ist übel ruhen, die vögel beschmeißen einem den kopf .‹ nachher schleppen drei eine große glocke auf den eichbaum, unter dem Scharmak schläft, und so stark schnarcht, daß sich die blätter rühren; die glocke wird abgeschnitten und prasselt auf den riesen herab, er wacht nicht einmal auf. Ein deutsches kindermärchen (1, 307) hat vollkommen ähnliches; in einem andern werden mühlsteine auf den riesen im brunnen hinabgeworfen und er ruft: ›jagt die hüner weg, die da oben im sand kratzen und mir körner in die augen schmeißen! ‹ (2, 29) vgl. die sage vom riesen Audsch in Hammers rosenöl 1, 114. . Einer riesin (gŷgr) Hyrrokin (igne fumata) gedenkt die edda Sn. 66 bei Baldrs leichenfeier, nichts vermochte das schif Hrînghorn, worauf die leiche lag, in bewegung zu setzen; da wurde zu den riesen gesandt, und Hyrrokin kam auf einem wolf, den sie mit einer schlange zäumte, geritten; kaum trat sie zu dem nachen und berührte ihn (mit dem fuße), so fuhr feuer aus den stangen und das land bebte. Auch in einer norweg. volkssage (bei Faye s. 14) finde ich, daß eine riesin (djurre) mit dem bloßen stoß ihres fußes ans ufer ein schif in die heftigste bewegung brachte. Rabelais Rabelais entnahm seinen stof aus einem älteren buch, das schon im 15 jh. gedruckt und im 16 öfter aufgelegt wurde: les chroniques admirables du puissant roi Gargantua s. l. et a. (gothique) 8; Lyon. 1532.4; la plaisante et joyeuse histoire du grand Gargantua. Valence 1547. 8. zuletzl als volksbuch: la vie du fameux Gargantua, le plus terrible géant, qui ait amais paru sur la terre. vgl. notice sur les chroniques de Gargantua par l'auteur des nouv. rech. bibl. Paris 1834. und Fischart haben die fabel von Gargantua verherrlicht. ursprünglich war es eine alte, etwa schon celtische, riesensage, deren echte, einfache gestalt sich vielleicht jetzt noch aus haftenden volksüberlieferungen gewinnen ließe ein anfang gemacht ist in den traditions de l'ancien duché de Retz sur Gargantua (mém. de l'acad. celt. 5, 392–95) und in volkssagen aus dem Greyersland (Alpenrosen 1824 p. 57 . 58). aus letztern entlehne ich was oben steht. . Gargantua, ein ungeheurer fresser und säufer, dem, wie dem heil. Christoph, schon zehn ammen gegeben werden musten, steht mit jedem fuß auf einem hohen berg und trinkt, sich niederbeugend, den dazwischen herlaufenden fluß aus Nachtrag: Unweit Duclair (an der Seine, gegen die Normandie hin) liegt la chaire de Gargantua . l'être mysterieux qui l'occupait pendant la nuit devait être un géant, que les peuples ont personifié sous le nom de Gargantua. revue archéol. XIV année. s. 214. über Gargantua vgl. auch Bosquet s. 177. 182. 193. 194. mit seinem sitz vgl. man die teufelskanzeln und ihre sagen. . Das weiß wieder auch 450 eine westfälische Wesersage: am Solling, unweit dem Eberstein liegt der Hünenbrink, ein freier kegelförmiger berg. wenn der hüne, der hier vorzeiten hauste, sich morgens das gesicht waschen wollte, blieb er mit einem fuße auf seinem berg stehn , mit dem andern schritt er eine halbe stunde weit hinüber zum Eichholz, und schöpfte aus dem durch das thal fließenden bach . that ihm der hals weh vom bücken oder drohte zu brechen, so streckte er seinen arm aus und grif über den Burgberg nach Lobach, Negenborn und Holenberg sich zur stütze. Oft wird von zwei riesengenossen oder nachbarn erzählt, die auf neben einander liegenden bergen oder zu beiden seiten eines stroms hausen und verkehren. In Ostergötland bei Tumbo in Ydrehärad war eine jätte namens Tumme ; wollte er mit seinem stallbruder Oden in Hersmåla, eine halbe meile davon reden, so ging er auf einen nahen hügel Högatoft, von dem man ganz Ydre übersah (Widegrens Ostergötland 2, 397). der erste beider namen scheint das altn. þumbi (stultus, inconcinnus, vgl. s.  438 ), aber der andere ist der des höchsten gottes und wurde etwa von der spätern sage aus verachtung hierher gezogen? Nach deutschen volkssagen werfen sich solche riesen steinhämmer und äxte zu (DS. no. 20), was an des donnergottes hammer gemahnt. Zwei hünen wohnten der eine auf dem Eberstein, der andere auf Homburg, sie hatten zusammen nur eine axt, mit welcher sie ihr holz spalteten. wollte der Ebersteiner hüne an die arbeit gehn, so rief er herüber nach der Homburg, die anderthalb stunden fern lag; sogleich warf der Homburger hüne die axt herüber . ebenso geschah es umgekehrt, wenn sich die axt auf dem Ebersteine fand. Dasselbe erzählt eine gleichfalls westfälische überlieferung von den hünen am Hünenkeller und an der Porta, die sich ihr einziges beil zuwarfen Redekers westfälische sagen no. 36. . Die hünen des Brunsbergs und Wiltbergs zwischen Godelheim und Amelunxen warfen sich große kugeln , als bälle, über die Weser (deutsche sagen no. 16). Nachbarn waren auch der riese auf dem Weißenstein und Remberg (in Oberhessen), sie hatten einen backofen beide gemeinschaftlich, der mitten im felde lag, wenn sie nun teig kneteten, warfen sie einander steine zu , auf dies zeichen sollte holz zum ofenheizen von des nachbars burg gebracht werden. einmal geschahs, daß beide zu gleicher zeit warfen und die steine in der luft zusammenfuhren wie Hrûngnis hein und Thôrs hainmer (s. 442 ). , die liegen noch heutiges tags mitten im feld oberhalb Michelbach, jedwedem steht eine große riesenhand eingedrückt. ein andres zeichen gab der riese damit, daß er sich am leib kratzte : es war so laut, daß man es jenseits deutlich hörte. Die drei uralten capellen bei Sachsenheim, Oberwittighausen und Grünfeldhausen wurden von den riesen erbaut, welche die großen, schweren steine in schürzen heran trugen. als das erste kirchlein fertig war, warf der riese 451 seinen hammer durch die luft: wo er niederfalle, solle der zweite bau beginnen. der hammer fiel zwei stunden weit zu boden und daselbst wurde nun das zweite kirchlein errichtet, nach dessen vollendung der riese abermals warf, und auf dem wieder zwei stunden weit entlegenen platz, wo der hammer niederfiel, die dritte capelle baute. in der bei Sachsenheim wird eine große rippe des baumeisters aufbewahrt Mones anzeiger 8, 63. . Folgende sagen stammen aus Westfalen: oberhalb Nettelstädt am berge liegt der Hünenbrink: hier haben vorzeiten hünen gewohnt, welche mit ihres gleichen auf dem Stell (eine stunde weiter) gute gemeinschaft hielten. wenn die einen buken, und die andern wollten ein brot mit gar haben, so warfen sie es nur herüber Nachtrag: Riesen werfen mit hämmern gegen einander. Müllenhoff no. 586. Panzer s. 104. 114. Firmenich 1, 302. Rääf s. 38. hünen kegeln . balt. stud. XII. 1, 115. riesen kegeln wie die helden im berg (s.  796 ), Thôrr (s.  139 ) und der teufel (s.  796 ). riesen backen brot nach einer westfälischen sage. bei Firmenich 1, 302. 372. sie werfen sich tabackspfeifen zu und klopfen die asche aus. das. 1, 273. man wirft steine oder käse gegen den riesen. KM. no. 20. Dybeck 4, 46. Gavallius 1, 3. 9. vgl. die sage aus der insel Usedom, von A. Kuhn mitgetheilt in dem jb. d. berl. ges. f. d. spr. 5, 246. ein gebundner riese soll erst wieder los werden, wenn er eine kuhhaut von haaren rein gepflückt haben wird, wobei er aber nur ein haar alle hundert jahre ausziehen darf. Wieselgren 459. . Auch zu Hilverdingsen, an der südseite des schwarzen sees wohnte ein hüne, an der nordseite zu Hille ein andrer, und beide pflegten ihr brot zusammen zu backen . eines morgens glaubt der Hilverdingser hüne zu hören, daß sein nachbar den backtrog ausgeräumt habe und fertig sei; hurtig erhebt er sich vom lager, nimmt seinen teig und springt über den see. allein der nachbar hatte sich nur am bein gekratzt : das war das geräusch gewesen. In Altehüffen hausten hünen, denen nur ein einziges messer zu gebot stand. mitten im dorfe ist ein stamm gewesen, darin hat das messer gesteckt; wer es brauchte, holte es da, und brachte es wieder an seinen ort. die stelle, wo der baum gestanden, wird noch gezeigt. Diese hünen, die man auch dutten nannte, sind gar einfältige leute gewesen, und von ihnen schreibt sich das sprichwort her ›Altehüffen dumme dutten ‹. Als die gegend umher immer mehr angebaut wurde, gefiel es den hünen nicht mehr unter den neuen ankömmlingen und sie zogen sich zurück. damals haben auch die dutten zu Altehüffen den entschluß gefaßt auszuziehen. sie wollten aber hin, und den eingang in den himmel suchen. wie es ihnen unterwegs gegangen, das ist nicht bekannt geworden, zum spott wird ihnen nachgesagt, sie wären endlich auf ihrem zuge an ein großes, stilles helles wasser gekommen, worin sich die klare luft spiegelte: da hätten sie geglaubt sich in den himmel zu stürzen, wären hineingesprungen und ertrunken die vier letzten sagen bei Redeker no. 37. 38. 39. 40. dutten sind stulti, was das beigefügte adj. noch verstärkt. im Teutonist dod geck, vgl. Richthofen s. v. dud und oben s.  438 über tumbo. ähnliche sagen, nur mit verwischung alles riesenhaften, hat man auf der Rhön von den tollen dittissern (Bechstein s. 86–91). . Unverkennbar geht aus so merkwürdiger einstimmung ich wüste nicht, daß ein andrer strich in Deutschland reicher an riesensagen wäre, als Westfalen und Hessen. vgl. auch Kuhns märkische sagen no. 22. 47. 107. 132. 141. 149. 158. 202. Temmes pommersche sagen no. 175–184. 187. hervor, daß die riesen volkartig zusammenhielten und auf bergen im land angesessen waren, daß sie aber dem menschengeschlecht, welches man als ein nachrückendes volk betrachten kann, allmälich wichen. 452 Ihre steinwaffen wandelt die sage in holzbeile und messer, ihr kriegsgeschäft in die friedliche handthierung des brotbackens. Ein alter brauch war, schwerte oder messer in einen mitten im hof stehenden baum einzustecken (fornald. sög. 1, 120. 121), an dem einhauen des beils in den stock erprobte man des mannes stärke (RA. 97). Das springen in den blauen see ist märchenhaft und wird sonst in andern fabeln vorgetragen (kinderm. 1, 343. 3, 112). Was aber aufmerksamkeit verdient, schwedische volkssagen lassen den göttlichen riesenfeind selbst, der ja donnerkeile schleudert und hämmer wirft, mit steinen wie mit bällen spielen. Einst stieß Thor, als er bei Linneryd in Småland mit seinem diener (altn. Thiâlfi) vorübergieng, auf einen riesen, der ihn nicht erkannte, und fieng ein gespräch an: ›wohin führt dein weg?‹ ›ich will nach dem himmel und Thor bekämpfen, dessen blitz mir meinen stall angezündet hat.‹ ›du vermissest dich zuviel, bist du doch nicht einmal so stark, daß du diesen kleinen stein auf den großen heben könntest!‹ Mit aller kraft faßte der riese den stein, vermochte ihn aber nicht vom boden zu heben, solche schwere hatte ihm Thor verliehen. darauf versuchte es Thors diener und hob den stein leicht wie einen handschuh. Nun erkannte der riese den gott und schlug auf ihn so heftig ein, daß er in die knie sank, Thor aber schwang seinen hammer und erlegte den riesen. Dieser sagen von geworfnen steinen, hämmern und dem harten fels eingeprägten riesenfingern sind allerwärts in Deutschland so viele, daß ich nur einzelne auslesen kann, die den ton aller übrigen angeben. Trümmer einer burg bei Homberg in Niederhessen zeigen die wohnung einer riesin an; zwei stunden seitwärts neben dem dorf Gombet liegt ein stein , den sie in einem wurf von Homberg dahin schleuderte , und die finger ihrer hand sieht man dem stein eingedrückt. Den Scharfenstein bei Gudensberg hat ein riese im zorn hingeworfen . Am Tyrifjordensstrand bei Buru in Norwegen liegt ein großer stein , den ein jutul im streit mit einem andern quer über die bucht geworfen haben soll: in dem stein stehen deutliche spuren seiner finger (Faye p. 15). Eine stunde weit von Dieren im Meißnischen liegen ein quarzblock und ein granitstein ; jenen warf der riese von Wantewitz gegen den von Zadel, diesen der riese von Zadel gegen den Wantewitzer; doch beide fehlten, und die steine fielen weit vom ziel nieder Preusker in Kruses deutsch. alterth. III. 3, 37. . Ebenso warfen zwei kämpfer zu Refnäs und Asnäs ungeheure steine gegen einander, der eine stein heißt sortensteen , der andere blak , und in letzterm stehn noch die finger des werfenden (Thiele 1, 47). Ein gewisser schieferstein heißt nach Hallager 53 a in Norwegen jyvrikling , weil ihn die riesin (jyvri) mit butter überschmiert haben soll, und man noch die spur ihrer finger darauf sieht. Zwei riesen zu Nestved versuchten sich im steinschleudern , der eine warf nach Riislövkirche, doch der stein erreichte sie nicht; von dem andern 453 wurde mit solcher gewalt geworfen, daß der stein über den Steinwald wegfuhr und noch jetzt an der landstraße von Nestved nach Ringsted zu sehen ist (Thiele 1, 80 vgl. 176). Im wald bei Palsgaard liegt ein ungeheurer stein, ein jette warf ihn dahin, weil ihm die hoffrau zu Palsgaard, um die er buhlte, abschlägige antwort ertheilt hatte. andere erzählen, ein jettemädchen habe den stein aus Fühnen in ihrem strumpfband herüber geschleudert (Thiele 3, 65. 66. vgl. 42). Feindliche riesen, wenn einer in verfolgung des andern begriffen ist, springen schnelles laufs über dörfer weg, und ritzen die große zehe an der thurmspitze, daß das blut in bogen sprützt und eine lache bildet (deutsche sag. no. 325), was merkwürdig anklingt an Wäinämoinen rune 3. beim sprung vom steilen fels läßt ihr fuß, oder der huf ihres rosses spuren im stein (das. no. 318. 319). Auch des auf steinen ausruhenden , an felsen sich anlehnenden riesen gestalt prägt sich der harten oberfläche ein, z. b. Starcathers bei Saxo gr. 111 Herod. 4, 82: ἴχνος Ἡρακλέος φαίνουσι ἐν πέτρῃ ἐνεόν, τὸ οἶκε μὲν βήματι ἀνδρὸς, ἔστι δὲ τὸ μέγαϑος δίπηχυ, παρὰ τὸν Τύρην ποταμόν. in Scythien. . Als schmiede , gleich den cyclopen, werden in unserer volkssage die riesen nicht geschildert, und das schmieden der waffen bleibt den zwergen vorbehalten. Nur in der heldensage schmiedet der riese Aspriân schuhe (Roth. 2029), und Vade, der riese, läßt seinen sohn Velint erst bei Mîmir, dann bei zwergen schmieden lernen. Allein smiđr bedeutet in der altn. sprache nicht faber, sondern überhaupt künstler, und namentlich baumeister : als kunstreiche baumeister stellen sich die riesen, die urheber jener colossalen bauten des alterthums (s.  442 ) wesentlich dar. An den neun riesensäulen bei Miltenberg sieht das volk noch die handgriffe der riesen, die damit vorhatten eine brücke über den Main zu bauen (deutsche sag. no. 19). Die bedeutsamste erzählung steht in der edda selbst. ein iötunn war zu den asen gekommen, hatte sich für einen schmied ausgegeben und anheischig gemacht, in frist von anderthalb jahren eine feste burg zu bauen, wenn man ihm Freyja und dazu sonne und mond bewilligen wolle. Nachdem die götter zu rath gegangen waren, entschlossen sie sich auf das anerbieten einzugehen, wenn der riese den bau in einem winter , ganz allein ohne mannes hülfe, zu vollführen unternehme: sei den ersten sommertag etwas an der burg unfertig, so werde er aller seiner ansprüche verlustig. Auf welche weise der schmied den bau, bloß mit seinem starken pferd Svađilfari , beinahe vollbrachte, durch Loki aber gehindert und von Thôrr erschlagen wurde, meldet Sn. 46. 47. Dieser mythus ist nun, nach jener wunderbaren fluctuation, die in echten volksüberlieferungen oft wahrgenommen wird, 454 neugestaltet in andern zeiten und gegenden fortlebend. Ein deutsches märchen setzt den teufel an die stelle des riesen , wie in einer ganzen reihe von sagen der teufel, nicht anders als der ältere riese, bauten ausführt und steine schleudert: der teufel soll einem bauer ein haus bauen und dafür seine seele erlangen; aber ehe der hahn kräht , muß er vollenden , sonst ist der bauer frei, der teufel verfallen. Schon naht sich das werk dem ende, eine einzige ziegel bleibt noch aufzudecken, da ahmt der bauer den hahnekrat nach, plötzlich erkrähen alle hähne in der runde, und der menschenfeind verliert die wette. Alterthümlicher lautet eine norrländische sage aus Zetterströms samlung mitgetheilt im dritten heft der Iduna. zweite aufl. Stokh. 1816. p. 60. 61. man findet sie jetzt auch mit ähnlichen andern in Afzelius sagohäfder 3, 83–86. : König Olaf von Norwegen gieng in tiefen gedanken zwischen berg und thal; er hatte im sinn eine kirche zu bauen, deren gleichen sich nicht finden sollte, allein er sah, daß er den bau nicht zu stand bringen könnte ohne sein reich sehr zu beschweren. In dieser kümmernis begegnete ihm ein mann, seltsames ansehens, und fragte, worüber er so nachdenksam wäre? Olaf offenbarte ihm sein vorhaben, und der riese (troll) erbot sich binnen gewisser zeit ganz allein den bau zu vollbringen. zum lohn bedung er sich sonne und mond , oder den heil. Olaf selbst . Olaf gieng darauf ein, entwarf aber einen solchen plan zu der kirche, dessen ausführung ihn unmöglich däuchte: die kirche sollte so groß sein, daß sieben priester auf einmal darin predigen könnten, ohne einander zu stören, die pfeiler und zierrate, auswendig und inwendig, sollten aus hartem flins gearbeitet werden u. s. w. Bald stand eine solche fertig da, bloß dach und spitze fehlten. Neubekümmert über den eingegangenen handel wandelte Olaf wieder durch berg und thal; auf einmal hörte er in einem berg ein kind weinen und eine riesenfrau (jätteqvinna) es mit diesen worten stillen: ›zifs, zifs! die interjection nehme ich aus H. Sachs IV. 3, 36; der schwed. text hat: tyst, tyst! morgen kommt Wind und Wetter dein vater heim und bringt mit sich sonne und mond, oder den heil. Olaf selbst!‹ Olaf, froh über diese entdeckung fast ebenso, und mit gleichem erfolg, kommt in kinderm. 55 der name Rumpelstilz heraus, vgl. 3, 98 und vorhin s.  418 . (denn mit des bösen geistes namen vernichtet man seine macht) kehrte nach haus; alles war fertig, die spitze eben aufgesetzt. Da rief Olaf: › Vind och Veder! du har satt spiran sneder!‹ Wind und Wetter, du hast die spitze schief gesetzt! , sogleich fiel der riese, mit erschrecklichem krach, von dem kamm der kirche herab und zerbrach in viele stücke, welches lauter flinssteine waren. Nach abweichenden erzählungen hieß der jätte Bläster und Olaf rief: Bläster! sätt spiran väster! oder er hieß Slätt , und Olaf soll gerufen haben: Slätt! sätt spiran rätt! Bläster, setze die spitze nach westen! Slätt, setze die spitze recht! 455 In Norwegen selbst geht die nemliche sage um, der riese heißt aber Skalle , und zu Nidarös erbaute er die prächtige kirche; in Schonen von dem riesen Finn , der die kirche zu Lund erbaut und durch den heil. Laurentius in stein verwandelt wird Finn. Magnusen lex myth. 351. 352. Nachtrag: Ähnliche bausagen finden sich bei Müllenhoff no. 410. 412. Faye s. 13. eine bairische sage vom riesenbau , wobei auch der hammer geschleudert wird, steht im oberbair. arch. 5, 316. 317. ein pferd führt gleich Svadilfari bausteine. Haltrich 29. vgl. den alten Bayard am Cölner dom. . Von einer andern seite berührt sich aber mit der eddischen fabel folgende überlieferung aus Kurland. In dem dserwenschen Kintegesinde liegen alte mauersteine in bedeutender länge und breite sich erstreckend und das volk erzählt: vor der pest (d. h. vor undenklichen jahren) wohnte in der gegend von Hasenpot ein starker mann (riese) mit namen Kinte. er konnte ungeheure steinmassen hauen und glätten, und selbst die größten blöcke führte er mit einer einzigen weißen stute zusammen. sein wohnhaus baute er auf felsen, seine felder zäunte er mit steinwällen. Einmal hatte er streit mit einem libauschen kaufmann: um sich an ihm zu rächen lud er einen stein von zwölf fudern, spannte seine weiße stute vor, und fuhr nach Libau in der absicht, den fels vor des kaufmanns thür zu wälzen. Bei der stadt angelangt durfte er aber nicht über die brücke, man fürchtete, sie würde unter der last brechen, und verlangte, er solle den stein aus dem stadtgebiet wegschaffen. Voll verdruß that es der starke mann, und warf den stein an dem weg ab, der über Battenhof nach Grobin führt. Da liegt er noch bis auf heute, vorbeifahrende Letten zeigen und staunen ihn an mitgetheilt von Watson in den jahresverhandl. der kurl. gesellsch. 2, 311. 312. . Des Kinte weiße stute gleicht dem Svađilfari des nord. schmieds; die störung des riesen in seinem bau erfolgt auf andre weise. König Olaf bestand noch manches abenteuer mit riesen und riesinnen. Als er in Hornsherred den hohen strandhügeln, wo eine riesin wohnte, vorbeisegelte, rief sie ihn an: S. Olaf med dit röde skiäg, du seiler for när ved min kjelderväg! Olaf zürnte, und statt das schif durch die klippen zu lenken, drehte ers gegen den berg antwortend: hör du kjerling med rok og med teen, her skal du sidde og blive en steen! kaum hatte er ausgeredet, so barst der berg, die riesin wurde in einen stein verwandelt und man sieht sie noch an der östlichen bergmauer mit rocken und spindel sitzen; an der entgegengesetzten mauer entsprang eine heilige quelle danske viser 2, 12. 13. Thiele 1, 32. vgl. Faye 118. 119. . Nach einer schwed. erzählung wollte Olaf durch Värmeland über den Vänersee nach Nerike segeln, der troll rief entgegen: kong Olaf med dit pipuga skägg, du seglar för när min badstuguvägg! Olaf versetzte: du troll med din råk och ten 456 skal bli i sten, och aldrig mer göra skeppare men! die riesin wurde zu stein , der könig errichtete ein kreuz zu Dalkykirche in Elfdals herred Fernows Värmeland p. 223. . den dän. reim führt man auch folgendermaßen an: hör du Oluf rodeskjäg, hvi seiler du igjennem vor stueväg? und: stat du der og bliv til steen, og ingen dannemand mere til meen Nyerups karakteristik af Christian 4. p. 17. . Die norweg. sage selbst lautet so: das gebirge Hornelen auf Bremanger hieng vormals mit Maröe zusammen, wird aber jetzt durch einen sund davon getrennt. S. Olaf kam daher gesegelt und gebot den klippen sich zu sondern, damit er hindurch fahren könne. es geschah; doch augenblicklich sprang eine riesin aus dem berg und schrie: sig du mand met det hvide skäg hvi splitter du saa min klippeväg? Olaf entgegnete: stat trold nu evig der i steen, saa gjör du ei nogen mand meer meen. so geschahs und das steinbild steht noch auf der felsenmauer (Faye 124). Olafs rother bart (wie unsrer helden könige Otto und Friedrich) gemahnt an den des riesenfeindes Thôrr (s.  147 ); pipuga skägg scheint gleichviel mit pipskägg , keilförmiger, spitzer bart, was Ihre anführt, der norweg. reim hat den weißen bart (die barbe fleurie des Charlemagne). solche abweichungen, und die varianten kellermauer, badstubenmauer, klippenmauer verbürgen der tradition ihre volksmäßigkeit Nachtrag: Die riesinnen spinnen gleich den feen, auch riesen spinnen. Firmenich 1, 323. in der Olafssaga kämpft Olaf auch mit der margŷgr , deren hand er als siegszeichen mitführt. fornm. sög. 4, 56–58. der rothbärtige Olaf heißt auch Ôlafr liôsiarpr â hâr . fornm. sög. 4, 38. sein pipuga skägg kann auch durch dän. pipskiäg erster bart erklärt werden. . es wird nicht befremden, wenn ich ein noch älteres vorbild der ganzen überlieferung in der edda selbst nachweise. Als Brynhildr mit ihrem geschmückten wagen den ›helveg‹ fuhr, kam sie an einer gŷgr wohnung vorüber; die riesin trat ihr mit den worten entgegen: skaltu î gögnom gânga eigi grioti studda garđa mina!   Sæm. 228 a und nun entspinnt sich eine wechselrede, die von Brynhildr mit dem ausruf geschlossen wird seykstu gŷgjärkyn.   (vgl. oben s. 412 ) das haus der riesin ist aus steinen kunstreich gefügt; die späteren reime reden von keller und badstube, die riesin erscheint als hausfrau mit rocken und spindel . recht und heiligkeit des hausfriedens werden gekränkt, wenn fremde hindurchfahren. Mit rocken und spindel werden die riesinnen auch anderwärts, gleich elbinnen, geschildert: tolv troldqvinder de stode for hannem med rok og ten (D. V. 1, 94) die celtische fee trägt ungeheure steine an ihrer spindel und spinnt unterwegs damit fort. Keightley 2, 286. vgl. oben. s.  342 . . 457 Dicht an Romsdalshorn in Norwegen liegt ein berg, Troldtinder genannt, dessen vorragende zacken von riesen herrühren, welche Olaf in steine verwandelte , als sie ihn hindern wollten in Romsdal das christenthum zu predigen Faye 124 nach Schönings reise 2, 128. Sanct Olafs saga på svenske rim ed. Hadorph. p. 37: ›ell troll, som draap X män, hun giordit i stena , och stander än; flere troll han och bortdref, sidan folckit i frijd blef‹. Gewisse runde, topfförmige löcher, die man in bergen findet, sind nach dem norweg. volksglauben von riesen gebildet. sie heißen jättegryter , troldgryter , aber auch S. Oles gryter . (Hallager 53 b .) . Nach Sæm. 145 b scheint es, daß die riesen, gleich den zwergen, das tageslicht zu scheuen haben, und vom anbrechenden tag überrascht in steine verwandelt werden. ›dagr er nû‹, ruft Atli der Hrîmgerđr zu, ›hafnar mark þyckir hlœgligt vera, þars þû î steins lîki stendr ‹. Seltsame, menschähnliche gestalten, die sich am tropfstein, flins und sinter im kleinen, an basalt und granitfelsen im großen bilden, haben eine menge solcher vorstellungen von versteinerten riesen erzeugt und genährt. kreise der steinringe erklärt dann der mythus aus tänzen der riesen Stonehenge, ags. Stânhenge (steingehänge) bei Salisbury, auf welsch Choirgaur, lat. chorea gigantum , nach Giraldus cambrensis cap. 18 ein von den riesen aus Africa nach Hibernien gebrachter steinhaufen (abgebildet in Palgraves hist. of the Anglosaxons p. 50) vgl. Diefenbachs celtica II, 101. ›geboren von Africa‹ heißt auch Gurmun im Tristan 5887. ; an viele felsen heften sich sagen versteinerter brautleute und tanzender gäste. die alte und volksmäßige gebirgsterminologie bedient sich überall der benennungen einzelner theile des leibs, und den bergen wird haupt, hals, rücken, achsel, bein, fuß beigelegt (RA. 541). Hier treten auch mehrfache berührungen und verschiebungen der sage von zwergen, schraten und wassergeistern mit den riesen ein, wie schon der allgemeinere ausdruck troll in nordischer überlieferung anzeigt. bergwohnende zwerge unterliegen gleich den riesen der verwandlung in steine, wie sie ja aus stein entsprungen sind (s.  441 ). Rosmer havmand (meermann) springt oder fliegt , wie es sehr bezeichnend heißt, in stein danske viser 1, 223 ›han sprang saa vildt i bjerget om, og blev til flintesten sorte‹. 1, 228 ›han blev til en kampesteen graa‹. 1, 233 ›saa flöj han bort i röden flint , og blev saa borte med alle‹. 1, 185 von einer bösen stiefmutter: ›hun sprang bort i flintesteen ‹. Aber auch H. Sachs sagt III. 3, 31 a . 426. ›vor zorn zu einem stein springen ‹; das. 53 b ›vor sorg zu eim stein springen ‹; IV. 3, 97 d ›vor leid wol zu eim stein möcht springen ‹. Heftig erschütternde gemütsbewegungen machen das leben erstarren und verkehren es in kalten stein. vgl. cap.  XXXII die bergentrückten helden, und Nachtrag: Statt der angeführten worte der danske viser 1, 223 haben die Kämpe viser 155: sprang til flintesten lede og sorte . norske ev. 1, 37. 2, 28 (n. ausg. 162. 272) heißt es: flyve i flint , vor zorn. norvv. lapp. gedģom ich werde zu stein d. h. still, erstaunt. wurde ich danne zuo eime steine . Herb. 8362. vgl. ille vir in medio fiat amore lapis . Propert. II. 10, 48. umgekehrt: in haeten sîne grôzen liste ûz eime herten steine getragen. Mor. 1562. es gibt manche schwedische sagen von riesen, die durch den strahl der aufgehenden sonne in stein gewandelt werden. Haupts zeitschr. 4, 503. 504. Cavallius 27. norske event. 162. der mächtige könig Watzmann gilt für einen versteinerten riesen. Panzer beitr. 1, 246. frau Hütt wird versteinert, weil sie sich mit brosamen gerieben. DS. no. 233. menschen versinken, weil sie semmel mit füßen getreten. Giesebrecht balt. stud. 12, 126. zumal brautleute werden vielfach in steine verwandelt. DS. no. 229. Müllenhoff s. 108. 109. 595. Giesebrecht balt. stud. 12, 114. 115. 126. solche brautsteine kennt auch die norwegische sage bei Faye s. 4. ja wir finden sie in Frankreich wieder in der noce pétrifiée . Michelet 2, 17 und sogar im walach. märch. 117. auch wurden einmal schäfer, hund und schafe von frau Wolle in stein verwandelt, weil ihr der schäfer die bitte um brot abgeschlagen. Sommer s. 11. ähnlich ist die walachische sage von der alten, ihrem sohn und den schafen bei Schott 114. 115, die auch bei den Serben vorkommt. Vuks wb. s. 15 a . Heinr. v. Herford ad a. 1009 erzählt nach Wilhelmus malmesb. (nach Vincent. 25, 10) von leuten eines sächsischen dorfes, welche das weihnachtsfest durch sang und tanz auf dem kirchhofe stören und vom priester zum tanze das ganze jahr hindurch verurtheilt werden. sie sinken allmählich bis an die hüfte in die erde, bis sie nach ablauf des jahres vom kölnischen erzbischof erlöst werden: der ort wird in einigen handschriften Colovize genannt. dies sind doch wol die tanzenden zu Colbeke mit den gesetzten steinen. DS. no. 232. eine fassung der sage aus dem 15. jh. findet sich in den altd. bl. 1. 54. 55. . . Auf der andern seite mengt sich der begrif des riesen mehrfach mit dem des ihm sonst entgegengesetzten helden. in unsern kindermärchen nimmt der starke Hans ganz riesenmäßige natur an und auch der schmiedende Siegfried , den die gedichte des mittelalters als reinen held aufstellen, streift dann in die riesenart, gleich Wielant , der von riesen abstammt. leise schon Siegfried, 458 noch deutlicher jener starke Hans erhalten außerdem einen anstrich eulenspiegelischer oder rübezalischer laune (s.  402 ), die in den finnischen riesensagen von Kalewa , Hisi und besonders Soini ergötzlich waltet. vgl. Kalewala rune 19. Dieser Soini oder Kullervo führte den beinamen kalki (schalk) und zerriß schon als dreitägiges kind seine windeln; an einen karelischen schmied verkauft, sollte er dessen kind warten, grub ihm aber die augen aus, tödtete es und verbrannte die wiege. als ihm darauf sein herr befahl die felder einzuzäunen, nahm er ganze tannen und fichten, die er mit schlangen durchflocht; nun sollte er die heerde weiden, die hausfrau hatte ihm aber in das brot einen stein gebacken, worüber Soini so ergrimmte, daß er bären und wölfe heranrief, die der frau die schenkel zerrissen und die heerde würgten. Auch die Ehsten erzählen von einem riesensohne (Kallewepoeg) der mit hölzernem pflug grasreiche länder furchte, und daß seit der zeit kein halm auf ihnen wachse Nachtrag: Der starke Hans wird auch der starke Hannel oder vielleicht Hermel genannt. Siegthal s. 106. der finn. Hiisi , gen. Hiiden, Hiidenpoika ist wilder waldmann und riese. Salmelainen 1, 242. der lappl. Hiidda , Hiita ist eine böse gottheit. vgl. Suomi 1844. s. 30. die estn. sage von Kallewepoeg steht ausführlicher in Possarts Estland s. 174. 175. vom finn. Kalevampoika erzählt Lönrot, der 60–70 riesensagen gesammelt hat, in Kruses urgesch. s. 177 folgendes: bei Åbo im meer liegt ein großer stein, den Kalevampoika auf die erste gebaute kirche schleuderte . K. wollte selbst dahin, einer aber gieng ihm mit einem sack zerrissener schuhe entgegen und auf Kalevampoikas frage: ›wie weit ist es noch bis zur kirche?‹ antwortete jener: ›so weit daß ich alle schuhe, die du hier siehst, unterwegs zerrissen habe‹. da nahm K. den stein und schleuderte nach der gegend, aber der stein fiel ins meer, ohne sein ziel zu erreichen. . Diese verschlagenheit der finnischen riesen sticht ab von dem plumpen aber treuherzigen wesen der deutschen und nordischen. Vorzüglich aber läßt sich keine scharfe grenze ziehen zwischen riesen und den wilden, rauhen waldgeistern , die s.  396 –402 abgehandelt wurden. im walde der Bingenheimer mark (vgl. oben s.  359 ) sieht man die steinsitze der wilden leute , die da vorzeiten hausten, und ihre handgriffe an den steinen (deutsche sag. no. 166). Im Gasteiner thal, erzählt Muchar s. 137, wohnten bei menschengedenken noch wilde männer , deren geschlecht seitdem ausstarb. einer der letzteren versicherte, er habe den Sallesenwald am Stubnerkogel neunmal ›mair werden‹ (absterben und wieder aufgrünen) sehen : es gedenke ihm, wie der Bocksteinkogl im Kötschachthal die größe eines kranawetvogls, das mächtige Schareck die eines semmelweckens gehabt. Jene männer besaßen riesenstärke: eine pflugschar über das ganze thal zu werfen war ihnen leichter wurf. einst lehnte ein solcher mann seinen stock an das reiterbauernhaus, und das ganze haus bebte. Sie wohnten in einer unzugänglichen höle am linken Acheufer zu eingang der Klamm; vor ihrer höle standen apfelbäume, mit den äpfeln warfen sie scherzhaft auf vorbeiziehende wanderer, man sieht noch überreste ihres hausraths. sie waren den thalbewohnern mehr hold als feindlich, und stellten ihnen oft butter und milch in menge vor die hausthüren. Dieser letzte zug stimmt eher zum wesen der zwerge und elbe als der riesen. Und wie den elben die urbarmachung des landes, das ausreuten ihrer wälder ein greuel ist, der sie zum fortwandern nöthigte; so betrachteten auch die riesen die wälder als ihr eigenthum, in dem sie den menschen frei zu handthieren ungern gestatteten. Als ein bauernsohn eine bärtige fichte niederzuhauen begann, erschien alsbald ein großer, dicker trold und drohte: ›wenn du in meinem wald haust, schlage ich dich todt!‹ (Asbjörnsen Möe no. 6.) hierauf ist das dän. volkslied von Eline af Villenskov gegründet 459 (D. V. 1, 175). Nicht weniger hassen die riesen, wie die zwerge (s.  380 ), das glockenläuten; so in einer schwedischen sage vom alten riesen im berg (Afzelius 3, 88), und darum schleudern sie felsen gegen die glockenthürme. auch Gargantua trägt die glocken aus den kirchen fort. In vielen der vorgetragnen sagen wechseln riese und teufel , zumal da wo ihre plumpheit unterliegt. eine menge andrer beziehungen zwischen beiden sind ganz dieselben. der teufel wird als mehrhäuptig geschildert gleich dem riesen, aber auch dem drachen und höllenhund. wohin die hand des teufels greift oder sein fuß tritt, drücken sich selbst dem härtesten stein unvertilgbare spuren ein. die vom Olymp verjagten titanen gleichen den aus dem himmel gestoßnen, in teufel verwandelten engeln. die wohnstätte der riesen wird, wie die heidnische und teuflische überhaupt (s.  28 ), im norden angenommen: Freyr schaut vom himmel nach Iötunheim (î Iötunheima) Sæm. 81 und erblickt die schöne riesin, dies wird bei Snorri 39 ausgedrückt: Freyr leit î norđrætt . im dän. volkslied von dem hammerdiebstal heißt Thôrr Tord (Donner) af Hafsgaard (Seeburg), der riese, von dem Loke den hammer wieder herbeischaffen soll, wohnt in Nordenfjeld ; das schwed. volkslied setzt unbestimmt trolltrams gård einen wünschen ›nordan till fjälls‹ (Arvidsson 2, 163) heißt einen verwünschen (ins pfefferland). . In die riesenart greift aber ganz ein, was s.  402 über den menschenfressenden huorco oder ogre mitgetheilt wurde. gleich ihm gelüstet es den steinschleudernden cyclopen in der Odyssee nach dem fleisch der menschen; und wiederum ist ein tartarischer riese Depêghöz (scheitelauge) von Diez: der neuentdeckte oghuzische cyclop verglichen mit dem homerischen. Halle und Berlin 1815. zwischen Polyphem , der sich mit egge kämmt, mit sichel schiert (Ov. metam. 13, 764), und Gargantua in der mitte stehend. als kind saugt er alle ammen aus, die ihm ihre brust reichen; dem erwachsnen müssen die Oghuzier täglich zwei menschen und 500 schafe liefern. Bissat der held brennt ihm mit einem geglühten messer das auge aus. der blinde riese setzt sich vor die thüre und fühlt jeden hinausgehenden bock an. ein pfeil, auf seine brust abgeschossen, drang nicht durch, er ruft ›was quält mich hier eine fliege?‹ die Lappländer melden von einem riesen Stalo , der einäugig war und in eisernem gewand umhergieng. man fürchtete ihn als menschenfresser und gab ihm den beinamen jitjatja. Nilsson, 4, 32. Auch im indischen Mahabharata wird Hidimbas ein riese (râkschasa Tevetats wiedergeburt (Reinhart cclxxxi ) eine râkschasî, riesin, kein thier. ) als menschenfresser, misgestalt und rothbärtig vorgestellt: menschenfleisch wittert er von weitem stark wirkt menschengeruch wahrhaft, erquickt weidlich die nase mir‹. Ardschunas reise von Bopp p. 18. ebenso in unsern märchen (oben s.  402 ). beiwörter dieser indischen dämone drücken aus, daß sie zu nacht umwandeln (Bopps gloss. 91. 97). und befiehlt Hidimba, seiner schwester, es 460 herbeizuholen, die sich, wie in den kindermärchen die frau oder tochter des ungeheuers, des schlafenden helden erbarmend annimmt Nachtrag: Altn. iötunn sâ er Brûsi hêti, hann var mikit tröll ok mannaeta . fornm. sög. 3, 214. ahd. manezzo, mhd. manezze (s.  430 ); ags. monaeta, engl. maneater. litt. heißt der riese vyrĕde d. i. viros edens. Die Polyphemsage ist weit verbreitet. so sticht Sindbad auf seiner dritten reise einem riesen, der menschen frißt, das auge aus. vgl. die sage von Eigill. Nilsson 4, 33. Müllers sagenbibl. 2, 612. der zug der oghuzischen cyclopensage ›was quält mich hier eine fliege?‹ begegnet auch im Ring s. 241: ich waen mich hab ein fleug gestochen. ähnliche erzählungen kennt Konrad von Würzburg MS. 2, 205 a . altd. w. 3, 178. eigenthümlich roh ist sie in der Leipziger hs. gestaltet. altd. bl. 1, 122–127. statt des riesen tritt in späteren märchen ein mörder (Mones anz. 1837, 399. 400) oder räuber auf. walach. märch. s. 167. 168. 169 (im 13. jh. lassen die dichter 12 schacher beim turs einkehren, der ihrer 11 auffrißt . MSH. 2, 331 b ). über die mitleidige riesenmutter vgl. s.  842 . . Von solcher grausamen blutgier wissen die deutschen riesensagen nichts; selbst der nord. iötunn wird nirgends als menschenfresser vorgestellt, wie der griechische und morgenländische riese, unsere riesen sind um ein gutes theil treuherziger, der menschenbildung an gestalt und sinnesart näher: ihre wildheit übt sich am liebsten in mächtigen steinwürfen, bergversetzungen und ungeheuern bauten. Saxo gramm. p. 10. 11 legt der riesin Harthgrepa die gabe bei sich klein und dann wieder groß zu machen . das ist ein zug, den märchen vom ogre oder dem teufel, volkssagen von der haulemutter (Harrys 2, 10) berichten Nachtrag: Ein aus der erde steigender riese wird immer größer und größer , sinkt dann aber wieder kleiner und kleiner in die erde zurück. Müllenhoff s. 266. riesen nehmen oft adlergestalt an (s.  526 ), so Hraesvelgr, Suttûngr, Thiazi. Sn. 80. 81. riesen werden als wölfe geboren. Sn. 13. die sage von der fliehenden riesin geht in die thiersage über. Haupts zeitschr. 4, 502. 503. . In lebendiger volkssage hat sich die eigenheit der einheimischen riesennatur am echtesten fortgepflanzt; die riesen der dichter sind weit weniger anziehend, und zumal in den aus romanischer poesie entlehnten fabeln immer nur mit allgemeinen zügen geschildert. Harpin, ein riese im Iwein fordert eines ritters tochter, hängt ihm die söhne auf und verheert das land (4464. 4500) ein rise ›hagel al der lande‹. Bit. 6482. : als er getödtet wird, fällt er wie ein baum zu boden (5074) zu bemerken ist, daß sein gebein vor dem burgthor aufbewahrt wird (5881), wie Fischart Garg. 41 a ›sagt man von riesen und haunen, zeigt ihr gebein in den kirchen, unter den ratsheusern‹. So hängt in der kirche das gerippe der vom blitzerschlagnen riesin (s.  439 ), der heidenjungfrau tropfende rippe (deutsche sag. 140) und ihr gelblockiges haar (das. no. 317); man bewahrt im schloß den riesenknochen (das. no. 324). zu Alpirsbach im Schwarzwalde hängt ein solches riesengebein vor dem thor, zu Arnstadt in der liebfrauenkirche die riesenribbe Bechstein 3, 129. vgl. Jerichow und Werben bei Ad. Kuhn no. 56. Hörner eines riesenrinds in der vorhalle des tempels angenagelt (Niebuhr röm. gesch. 1, 407). . noch unbedeutender erscheinen zwei riesen 6588 ff. Auch im Tristan ist die beschreibung des riesen Urgân (15923) wenig mehr belebt, er verlangt zins von rindern und schafen; seine abgehaune hand will er wieder anheilen (16114) häufig sind die romanischen riesen pförtner und brückenwächter, vgl. den dorper im Fergût (oben s.  443 ) aber auch Nib. 45, 74. 458, 1 rise portenœre . . Schon bessere farbe haben die riesen in den gedichten aus dem kreis der heldensage. Kuperân (Cüpriân, heldens. 171) im hürn. Sîfrit herscht über tausend riesen, er hält eine geraubte königstochter eingeschlossen. Lebendig treten im Rother Aspriân, Grimme und Widolt auf, der letztere liegt gleich einem löwen an der lanne und wird zum kampf losgelassen (744. 2744. 4079); in die stahlstange, welche zwei gewöhnliche männer nicht zu heben vermögen, beißt er, daß feuer daraus fährt (650. 4653. 4674), er schlägt damit als ein schneller 461 donner (2734); er rauscht, daß die erde bebt (5051), sein halsberg klingt wenn er über die sträuche springt (4201); er wirft einen über vier mann hin, daß seine füße die erde nicht berühren (1718), schmeißt einen löwen an die mauer (1144. 1153), reibt feuer aus mülsteinen (1040), geht in dem melme (646. 678) bis an das bein (935), welcher zug auch Vilk. saga cap. 60 aufbehalten und morgenländisch ist (Hammers rosenöl 1, 36). Aspriân tritt den verwundeten in den mund (4275). Gute riesenzüge liefert auch Sigenôt, wenn der schlafende athmet, biegen sich die baumäste (60) dasselbe kennzeichen Vilk. saga cap. 176 und in einem serbischen lied. , er rauft bäume aus in dem tann (73. 74), bereitet pfundige schübel (wieken) von leinen zu binden der wunden (113), nimmt den held unter die uchsen und trägt ihn fort (110. 158. Hag. 9 Laßb.). Eine riesin im Wolfdiet. trägt held und ros , gleich dem eichhorn springend, 72 meilen übers gebirg in ihre riesenklause; die riesin im volkslied (Aw. 1, 161) mann und pferd auf einen meilenhohen berg, wo zwei gesotten liegen und einer am spieß (also doch spur von androphagen): sie bietet dem held ihre tochter an, und als er entrinnt, schlägt sie mit einer keule, daß alle blumen und blätter des waldes zittern. Rütze, des riesen Welle schwester im heldenbuch nimmt einen baum für eine stange, mit wurzeln und ästen, daß zwei wagen sie nicht gefahren hätten; ein anderes weib ›von wilder art‹ geht über alle bäume und bedarf zweier rindeshäute zu ihrer beschuhung. Wolfd. 1513. Riese Langbein (danske vis. 1, 26) schläft im wald und wird von den helden aufgeweckt Nachtrag: In der höfischen dichtung hat sich hie und da ein echter zug volksthümlicher riesensage erhalten. daß z. b. Tristan die hand des riesen mitnimmt (16195) ist wie im Beovulf, der Grendels hand mitbringt. daß ferner der alte riesenvater die helden auf einen berg trägt (Daniel bei Bartsch XXVIII), kommt nicht nur in den gedichten der deutschen heldensage, wie bemerkt, vor, sondern ähnlich auch in der volkssage. Müllenhoff s. 266. im Goldemar tragen die riesen im gebirge Trûtmunt lange stangen . Haupts zeitschr. 6, 521. Runze schwingt einen baum über die achsel. Wolfd. 510. ein riese heißt Boumgarte . Wolfd. 493, 3. Asperian wird der riesen spileman genannt. Roth. 2161. im Lancelot 17247 ff. wird am riesen bemerkt das › ogen verkeren, tanden criselen, hoft queken ‹. Ein riesenpaar im Ecke 7 (Hagen 5. 8) heißt vrô Hilte und her Grîme . vgl. Vilk. saga cap. 16 Grîmr und Hildr. in Dietrichs drachenk. sind bemerkenswerth die riesennamen: Glockenbôs , Fidelnstôs , Rûmedenwalt , Schelledenwalt , Bitterbûch , Bitterkrût , Hôhermuot , Klingelbolt . Grandengrûs 118 b Grandgrûs 126 b scheint romanisch, wie Grandgosier (großkehle) im Gargantua. Wolfesmage erinnert an den knechtsnamen Wolvesdarm Helbl. 1, 372 und den sanskritischen Urkodara wolfsbauch (Hitzig 308). nordische riesennamen sind: Ruth i Skut , Rolf i Topp , Hand i Handöl , Elling und Staff . Dybeck 1845, 97. 99. s. 462. Der zusammenhang der riesen und götter ist anm. 1350 besprochen. . In überlieferungen des norwegischen und schwedischen volks wird noch manche unbekannte und ungesammelte riesensage Hülphers 3, 47 erwähnt in Herjedal ›löjlige berättelser om fordna jättar ‹, ohne darauf einzugehen. fortleben, und auch bei uns in Deutschland einiges aus mündlicher erzählung zu gewinnen sein, aus büchern weniger. Der Thurgauer Eishere (d. i. Egisheri, terribilis) bei dem mönch von S. Gallen (Pertz 2, 756) ist ein riesenmäßiger held, kein riese etwas andres ist, daß Siegfried der held in der rohgewordnen volkssage zum riesen herab sinkt (Whs. heldensage s. 301. 316), wie sogar der göttliche Oden (s. 129) oder Thôrr zum teufel und tölpel. einer spätern vorstellung (altd. bl. 1, 122) ist riese oder recke gleichviel. . Von opfern, die riesen, wie freundlichen elben und hausgeistern, gebracht worden wären, von einem riesencultus kaum spuren. doch finde ich Kormakssaga 242 blôtrisi , riese dem man opfert, und der buttergeschmierte stein (s.  452 ) wurde vielleicht nicht von der riesin, sondern für sie bestrichen, denn das alterthum pflegte heilige steine und bilder mit öl oder fett zu salben (vgl. s.  51 ). bei jener verehrung des guten lubben (s.  435 ) ist die riesennatur noch nicht sicher ausgemacht. In beschwörungen wird Fasolt, der riese des sturms angerufen: er kann dann aber 462 für einen halbgott gelten, gleich Thorgerđr und Irpa, die im Norden angebetet. wurden. Der nachgewiesne zusammenhang mehrerer riesenappellative mit alten völkernamen ist dem anschluß einzelner heldennamen an historische gestalten ähnlich. mythische züge verwachsen geheimnisvoll mit geschichtlichen, und wie Dietrich und Carl den früheren held oder gott vertreten Ungern und Avaren den alten riesenbegrif. man darf es damit nur nicht übertreiben und muß auch der innern durchsichtigkeit der namen iötunn und þurs Schafarik slov. star. 1, 258 sieht darin nichts als Geta und Thyrsus; im volksnamen Thussagetae würden sogar beide zusammen erscheinen. ihr recht lassen. 463 Cap. XIX. Schöpfung. Jetzt erst nach abhandlung der götter, helden, elbe und riesen wird es auf die cosmogonische ansicht des alterthums einzugehn gestattet sein. ich darf aber die nordischen vorstellungen zum grunde legen, da uns mehr als eine spur verräth, daß sie auch unter den übrigen stämmen galten. Vor erschaffung des himmels und der erde war eine ungeheure kluft, gap (hiatus, gaffen), mit verstärktem ausdruck gap ginnûnga (kluft der klüfte) genannt zum begrif des griech. χάος stimmend χάος von χαίνω = ahd. gînan, altn. gina = lat. hiare, vgl. ahd. ginunga hiatus. man braucht aber nicht gap ginûnga zu lesen, da auch altn. ginna, dem jetzt nur der sinn von allicere zusteht, früher den von findere, secare gehabt haben wird, wie er noch im ahd. inginnan, mhd. enginnen vorliegt (vgl. oben s.  334 ): Otfried III. 7, 27 sagt vom gerstenkorn: thoh findu ih melo thâr inne, inthiu ih es biginne (es spalte, öfne). inkinnan aperire (Graff 4, 209) ingunnen sectus N. Ar. 95; mhd. sîn herze wart ime engunnen (fissum) fundgr. 2, 268; enginnen (secare) En. 2792. 5722; engunnen (secuerunt) En. 1178. nahverwandt ist ingeinan (fissiculare) N. Cap. 136. aus dem sinnlichen spalten muß das abgezogne anheben, anfangen im goth. duginnan, ahd. inkinnan und pikinnan folgen. übrigens gemahnt gîna hiare, gin hiatus an gin (amplus) und ginregin (s.  266 ). seltsam, daß Festus bei inchoare auf chaos geräth, wie beginnen zu gînan führt. cohus , wovon andere incohare = inchoare leiten, ist nichts anders als chaos . Festus s. v. cohum Nachtrag: Neben dem ahd. gînan kommt auch ahd. chînan hiscere Graff 4, 450, goth. keinan vor. ags. cîne rima. kînent werden . (s.  623 ), zekein sagt Wernher v. Niederrh. 11, 18. Schelling nimmt chaos für den römischen Janus  = hianus, nach Festus s. v. chaos. die sinnliche bedeutung der wurzel steckt auch noch im ausdruck: ingunnen werden, secari. N. Arist. 95. sîti ingunnen , gespalten. Diemer 97, 26. mnl. ontginnen , secare. Fergût 3461. 3565. vgl. Haupts zeitschr. 8, 18–20. das ags. hat noch ein besonderes wort, dvolma , für hiatus, chaos. . . denn wie χάος zugleich abgrund und finsternis scheint auch ginnûngagap die nebelwelt zu bezeichnen, aus deren schoß alle dinge sich erhoben. daß man die bergende, deckende hel gerade als niflhel mit gaffendem, gähnendem rachen dachte ist s.  259 . 261 gewiesen. Doch in der öde dieses raums stehn die beiden ende sich entgegen, muspell (feuer) das südliche, nifl (nebel) das nördliche: von Muspellsheim geht licht und wärme, von Niflheim dunkel und grimme kälte aus. in der mitte lag ein brunnen Hvergelmir , welchem zwölf ströme, elivâgar genannt, entflossen. als sie so weit ab von ihrer quelle kamen, daß der in ihnen enthaltne feuertropfe härtete, gleich dem aus der flamme sprühenden sinter, wurden sie zu starrendem eis. angerührt von der milden luft (des südens) begann es zu schmelzen und zu triefen: durch die kraft dessen, der die hitze sandte, belebten sich die tropfen und ein mann wuchs daraus, Ymir , bei den Hrimpursen Örgelmir genannt, ein riese und bösartig. Ymir entschlief und fiel in schweiß, da wuchs unter seiner linken hand mann und frau, und sein fuß zeugte mit dem andern 464 einen sechshäuptigen sohn; daher sind die geschlechter der riesen entsprungen. Das eis trof aber fort, und eine kuh entstand Auđumbla , aus deren euter vier dem Ymir nahrung gewährende milchströme flossen. diese kuh nun leckte die salzigen eissteine, und am abend des ersten tags kam eines mannes hervor, am zweiten tage des mannes haupt, am dritten der ganze mann; er war schön, groß, stark und hieß Buri , sein sohn Börr (s.  289 ). nach der zendischen lehre gieng aus des urstiers Kajomer hüfte der erste mensch hervor. Börr nahm Bestla , des riesen Bölþorn tochter, und zeugte mit ihr drei söhne, Ođinn , Vili , Ve (s.  135 ), von denen der riese Ymir erschlagen wurde. Als er zu boden sank, lief eine solche menge blut aus seinen wunden, daß alle riesen darin ertranken, nur ein einziger, Bergelmir Ymir = Orgelmir zeugte Thrûđgelmir , dieser Bergelmir . mit seiner frau entkam in einem lûdr (Sæm. 35 b Sn. 8), und von ihnen stammt das (jüngere) riesengeschlecht was lûdr bedeute ist nicht ausgemacht, es steht sonst für culeus, tuba, hier soll es ein mühlkasten sein. ahd. bezeichnet lûdara (fem.) eine wiege (Graff 2, 201) neben pannus, involucrum (windel) und das würde treflich passen, weil auch in andern sinflutsagen das gerettete kind in der wiege liegt. freilich Snorri redet nicht von einem riesenkind, sondern von einem erwachsnen riesen, der mit seiner frau im lûdr sitzt; das kann spätere abänderung sein. Nachtrag: Für den begrif schöpfung , prima creatio, hat die ags. sprache das wort frumsceaft . gott heißt frumsceafta freá . Cädm. 195, 9. κτίσις wird durch goth. gaskafts wiedergegeben. über schöpfen, bilden, bilde giezen vgl. s.  19 . wære ich nie gebildet (erschaffen). Tit. 3283. das geschöpf heißt biblisch ahd. hanttåt . N. ps. 18, 2. mhd. hantgetât . Nach Haug ist Ymir pers. Gajômars. gött. anz. 1853 s. 1960. an die fußgeburt erinnert ein altfranz. gedicht. Fanuel , den seine mutter aus blumenduft erzeugt hatte, berührt mit dem messer, das eben einen apfel geschnitten hatte, seine hüfte , die nun schwanger wird und die heil. Anne gebiert. vgl. Brahmas schöpfung s.  473 . Ukko jumala reibt die hände, drückt sie ans linke knie und schaft drei mädchen. Kalevala 9, 39–44. Die riesen gehn den asen voraus (s.  439 . 440 ). die vala singt: ek man iötna âr of borna . Sæm. 1 a . Saxo s. 35 unterscheidet dreierlei mathematici 1.  gigantes 2.  magi  = asen und 3.  homines (vgl. 860). Auch im ind. ist die kuh die mutter der welt , und man darf sie nicht erschlagen, Holtzmann ind. sagen 1, 65. von den schaffenden söhnen Börs heißt es Sæm. 1 b : biođum ypto orbes extulerunt, sie erhoben die himmelskugeln (unten s.  584 ). . Börs söhne schleiften Ymirs leichnam mitten in ginnûngagap und schufen aus seinem blute die see und das wasser, aus dem fleisch die erde, aus den knochen die berge, aus den zähnen und zerbrochnen knochen die felsen und klippen. dann nahmen sie seinen schädel und machten daraus den himmel, und die aus Muspellheim los umher fahrenden funken festigten sie an den himmel, daß davon alles erleuchtet würde. die erde war rund und von tiefem meer umgeben die erde dachte sich wenigstens Snorri rund , er sagt s. 9: ›hon er krînglôtt utan, ok þar utan um liggr hinn diupi siâr‹; so auch im Lucidarius: ›dise welt ist sinwel und umbeflozzen mit dem wendelmer, darin swebt die erde als daz tutter in dem wizen des eiies ist‹, vgl. Berthold s. 287 und Wackern. Basler hss. s. 20. Diese schöpfung des himmels und der erde aus den theilen des eies wird Kalewala rune 1 dichterisch geschildert Nachtrag: Auch die indische sage nimmt eine schöpfung aus dem ei an, himmel und erde sind eischalen. Somadeva 1, 10. man vergl. die geburt der Dioscuren und Helenas aus dem ei. . , dessen strand die riesen bewohnen sollten; um aber die inwendige erde gegen sie zu schützen, wurde Miđgarđ eine burg aus Ymirs brauen gebaut. des riesen hirn in die luft geworfen bildete die wolken. Sn. 8. 9. Etwas abweichend heißt es Sæm. 45 b (vgl. 33 b ); or Ymis holdi var iörđ um scöput, enn or sveita sær, biörg or beinom , bađmr or hâri , enn or hausi himinn, enn or hans brâm gerđo blîđ regin miđgarđ manna sonom, enn or hans heila voro þau in harđmôđgo skŷ öll um scöput. 465 hier werden die zähne nicht verwendet, dafür aber ist die erschaffung des baumwuchses aus des riesen haar angegeben. Nachdem dies vollbracht war, giengen Börs söhne zum meerstrand, und fanden zwei bäume , aus welchen sie zwei menschen erschufen, Askr und Embla . Ođinn gab ihnen seele und leben, Vili witz und gefühl, Ve antlitz, sprache, gehör und gesicht. Sn. 10. genauer lautet es Sæm. 3 b : unz þrîr komo or þvî liđi öflgir ok âstgir æsir at sûsi. fundo â landi litt megandi Ask ok Emblo örlöglausa: önd þau ne âtto, öd þau ne höfđo, lâ ne læti, ne lito gôđa. önd gaf Ođinn, ôđ gaf Hœnir, lâ gaf Lođr ok litu gôđa. in dieser darstellung heißen die drei asen Ođinn, Hœnir, Lodr (s.  200 ) statt Ođinn, Vili, Ve (s.  135 ); sie kommen zum sause (ad aestum, παρὰ ϑῖνα πολυφλοίσβοιο ϑαλάσσης) und finden Askr und Embla unmächtig und thatenlos. da verlieh ihnen Ođinn den geist, Hœnir vernunft, Lođr blut und farbe Nachtrag: Askr und Embla sind unter den namen Es und Imlja bei den jeniseischen Ostjaken bekannt. Castrén reise in Sibirien. die unterscheidung von önd , ôđr und lâ ok litr findet sich ähnlich bei Plutarch 4, 1154: geist, seele, leib. . Von erschaffung der zwerge reden zwei nicht völlig übereinstimmende stellen. Sn. 15 erzählt, als die götter auf ihren stülen saßen und richteten, gedachten sie daran, daß zwerge im staub und in der erde lebendig geworden seien gleich maden im fleisch Nachtrag: In den augen der riesen erscheinen die menschen wie zwerge . daher schelten sie die menschen erdwurm und die riesentochter hält den bauer für einen wurm oder käfer (s.  447 ). wie in der Edda die zwerge aus maden , so werden in Ovid. metam. 7, 642 menschen aus ameisen erschaffen. vgl. die belebung der bienen (s.  579 ). wie feuer durch reiben des holzes, werden thiere durch reiben der stoffe hervorgebracht ( anm. 2744 ). Hiisi schaft ein elg aus verschiedenen stoffen. Kalev. 7, 32 ff. . die zwerge wurden erschaffen und empfiengen leben zuerst in Ymirs fleische . nach dem beschluß der götter erhielten diese maden jetzt verstand und gestalt der menschen, blieben aber in der erde und in den steinen wohnen. Sæm. 2 hingegen heißt es, die heiligen götter rathschlagten auf ihren stülen, wer das volk der zwerge aus Brîmirs fleisch und den schwarzen beinen schaffen sollte. da entsprang Môtsognir , der vornehmste aller zwerge, und nach ihm Durinn , diese beiden bildeten eine menge menschähnlicher zwerge aus der erde. Fassen wir alle diese nachrichten zusammen, so fällt vorerst in die augen, daß eigentlich nur menschen und zwerge als erschaffen , riesen und götter hingegen gleichsam als von selbst aus dem chaos gegangen dargestellt werden. zu zeugung der menschen und zwerge wirkte schon die bildende thätigkeit der götter; riesen und götter traten aber ohne das mittel einer solchen bildung unter bloßem einfluß der natürlichen wärme und des leckens einer kuh hervor. riesen und götter entspringen aus einigung des feuers mit dem wasser, so jedoch, daß erst das in eis verwandelte element durch wiederbelebung seiner flüssigkeit zu zeugen taugend wird. der riese und die kuh triefen aus dem frost, Buri enthebt sich langsam in drei tagen aus der thauenden eismasse. Diese tropfende entstehung erinnert an andere züge des alterthums, Ođinn hatte einen goldring Draupnir (der triefende) genannt, aus dem alle neun nächte acht gleichschwere ringe troffen (Sæm. 84 a 466 Sn. 66). Sæm. 195 b wird von einem hausi Heiđdraupnis (cranio stillantis) undeutlich gesprochen; die steirische volkssage gedenkt einer riesenrippe, von der alljährlich ein tropfen abfällt (D. S. no. 140) ohne zweifel gründet sich der bekannte eigenname Ribbentrop auf eine ähnliche überlieferung. . auch Eva trieft gleichsam aus Adams rippe. mit dem ursprung der riesen aus eis und reif darf auch die sage vom schneekind (im modus Liebinc) und der in unsern märchen verbreitete bezug des schnees und bluts auf die geburt eines ersehnten kindes zusammengehalten werden. alles scheint mit heidnischen vorstellungen von der schöpfung verwandt. vgl. cap.  XXX . Auch den ausdruck eitrdropi Sæm. 35 a , eitrqvikja Sn. 5, qvikudropi Sn. 6 muß ich auszeichnen; es ist der belebende, befeuerte tropfen, wie das feuer den beinamen des lebendigen hat, eitr, ahd. eitar, ags. âtor gehört zum ahd. eit, ags. âd ignis, und die abgeleitete bedeutung venenum (gift, φάρμακον) scheint für jene composita unangemessen. Es entspricht der s. 263 vorgetragnen ansicht von einem anfang und ende der götter, daß ihnen in diesem system der schöpfung kein urbeginn beigemessen wird; der gott erscheint in ginnûngagap nachdem ihm bereits ein riese vorausgegangen ist. Zwar bedient sich Snorri 6 eines bemerkenswerthen ausdruckes: ›svâ at qviknađi međ krapti þess er til sendi hitann‹, die belebung wird zurück geführt auf die kraft dessen, der die hitze zusandte, gleichsam auf einen älteren, ewigen gott, der schon in dem chaos waltete. dieser ausspruch wäre bedeutsamer, wenn er sich in Völuspâ oder einem der eddalieder selbst darböte, so scheint er mir nichts als ein behelf des Snorri, mit dem von der ursache jener einwirkenden wärme rechenschaft gegeben werden sollte, und den oben s.  19 . 20 angeführten formeln vergleichbar man könnte annehmen, daß bevor die asen erschienen regin und ginregin walteten und von ihnen diese kraft der wärme ausgegangen sei. das müste aber die edda entschieden aussprechen. . Buri, der aus dem eis aufgethaut hervorgeht, um die unbeholfne, böse natur des schon früher da gewesenen riesen wieder einzuschränken, zeigt sich ganz als ahn und vorbild der helden, die bestimmt sind das geschlecht der riesen zu vernichten. von ihm stammen alle asen und Ođinn erst als enkel ab. Nicht zu verkennen ist auch die verschiedne art und weise, in welcher riesen, götter und menschen ihr geschlecht fortpflanzen. nur ein einziger riese war aus dem eis entsprungen, er muß aus sich selbst kinder zeugen, so daß seine hände und füße untereinander dies geschäft vollbringen, wie auch sonst hände und füße als sich verwandt und verbunden angesehn werden vgl. Haupts zeitschr. 3, 156. 157. auch Brahma schaft aus seinem arm einen menschen (Polier 1, 168). . daß Ymir dabei in schlaf fällt gleicht dem schlafe Adams während Eva aus seiner rippe geschaffen wurde; Eva ist also in Adam selbst entsprossen, und nun setzen beide ihr geschlecht zusammen fort. Wie 467 Buri den Börr zeugte wird uns nicht berichtet, Börr aber verband sich einer riesentochter, die ihm drei söhne gebar, aus denen nun alle übrigen asen erwuchsen. Anders verhielt es sich mit den menschen, die nicht einzeln wie riese und gott, sondern gleich zu zweien, mann und frau erschaffen wurden und sich dann unter einander fortpflanzten. Während die ungeheure masse des riesenleibs den göttern stof darbot, um aus seinen verschiednen theilen die gesamte welt zu schaffen, und die zwerge im fleisch des riesen als würmer wimmelten, stammen die menschen aus zwei bäumen am meeresufer, welchen die götter hauch und völliges leben verliehen. sie haben also keinen unmittelbaren zusammenhang mit den riesen. In den asen erscheint eine edle, gelungne zweite hervorbringung gegenüber der ersten halbmisrathnen riesischen. an den riesen war ein übermaß des plumpen leibes aufgewandt; bei den asen gelangten leib und seele zu vollem gleichgewicht, und neben unendlicher stärke und schönheit entfaltete sich durchdringender, schöpferischer geist. den menschen steht ein schwächeres, doch gefüges maß beider eigenschaften zu, die zwerge als beschluß der schöpfung machen den gegensatz zu den riesen, bei ihnen überwiegt der geist den schmächtigen leib. im gegensatz dazu läßt das heldenbuch zuerst die zwerge, dann die riesen, zuletzt die menschen werden. Da die riesen im eis der ströme entsprungen sind, die sich aus dem brunnen Hvergelmir ergossen; so darf für die namen Örgelmir, Thruđgelmir, Bergelmir eine berührung mit jenem angenommen werden. gelmir leite ich von gialla (stridere) ab und vergleiche das ahd. galm (stridor, sonitus). Hvergelmir bedeutet also einen rauschenden kessel; dieser begrif des tosens, tobens scheint auch in den riesennamen enthalten und die erklärung von Ymir aus ymja (s.  440 ) dadurch bestätigt zu werden. die lesart Örgemlir würde zwar zu dem für die riesennatur entwickelten begrif des hohen alters (s.  434 ) stimmen, aber jenen bezug zwischen den riesen und dem kessel des chaos verwischen. So weit die nordische vorstellung; wir wollen nun ihren allgemeineren bestand rechtfertigen. Obschon dem namen ginnûngagap kein ahd. oder ags. ausdruck zur seite steht, so könnte es nichts destoweniger in folgenden versen des Wessobrunner gebets beschrieben sein: dat gafregin ih mit firahim firiwizzo meista, dat ero ni was noh ûfhimil, noh paum nohheinig noh pereg ni was, noh sunnâ ni scein [noh sterno ni cleiz], noh mâno ni liuhta noh der mareosêo. dô dâr niwiht ni was enteo ni wenteo, enti dô was der eino almahtîco cot. zwar die letzte zeile klingt vollkommen christlich, und auch in den vorausgehenden ist nichts dem christlichen glauben unmittelbar 468 widerstrebendes; doch die nebeneinanderstellung von erde und himmel, baum und berg, sonne (und stern), mond und meer, wobei auch die alterthümlichen formen ero (terra), ûfhimil (coelum), mareosêo (mare, goth. marisáivs) anzuschlagen sind, klingen eddisch: vara sandr ne sær, ne svalar unnir, iörđ fanz æva ne upphiminn, gap var ginnûnga, enn gras hvergi. sôl þat ne vissi hvar hon sali âtti, stiörnor þat ne visso hvar þær stađi âtto, mâni þat ne vissi hvat hann megins âtti. die worte niwiht ni was enteo ni wenteo umschreiben ganz den begrif von ginnûngagap zu vergleichen ist auch Otfr. II 1, 3: ›êr sê ioh himil wurti, ioh erda ouh sô herti‹ und die schilderung des chaos bei Cædmon 7. 8 und besonders der ausdruck heolstersceado 7, 11; doch widerstrebt wenig oder nichts der biblischen lehre. vgl. Aristoph. aves 693. 694. . Diese heidnischen bezüge verstärken sich, seitdem aus ahd. und alts. liedern der technische ausdruck muspilli  = altn. muspell nachgewiesen worden ist; an genauem zusammenhang zwischen nifl , Niflheim und den in unser epos verwachsnen Nibelungen (s.  308 ) läßt sich ohnehin nicht zweifeln. waren aber diese beiden pole des alten chaos in der vorstellung aller deutschen stämme begründet, so wird auch die von der schöpfung überhaupt weit verbreitet gewesen sein. Es ist dargethan worden, daß die altdeutsche ansicht von riesen, göttern, menschen und zwergen genau zu der nordischen stimmt; ich kann jetzt auch jene seltsame eddische beziehung des riesenleibs auf die weltschöpfung, wiewol in umgedrehtem verhältnis, weiter nachweisen. Vier der zeit und dem ort nach einander fern liegende denkmale (denen sich künftig vielleicht noch andere zugesellen werden) überliefern uns merkwürdige kunde von erschaffung des ersten menschen. wie nun die edda den zerstückten ausgeweideten leib des riesen auf erde und himmel anwendet, wird hier umgekehrt die ganze welt gebraucht, um den leib des menschen zu schaffen. Die älteste fassung findet sich in dem rituale ecclesiae dunelmensis (London 1839), dem ein schreiber des 10 jh. folgende stelle p. 192 eingeschaltet hat: octo pondera de quibus factus est Adam. pondus limi, inde factus (sic) est caro ; pondus ignis, inde rubens est sanguis et calidus; pondus salis, inde sunt salsae lacrimae ; pondus roris, unde factus est sudor ; pondus floris, inde est varietas oculorum ; pondus nubis, inde est instabilitas mentium ; pondus venti, inde est anhela frigida ; pondus gratiae, inde est sensus hominis. auch die ags. interlinearversion ist der mittheilung werth: ähte pundo, of þæm âvorden is Adam. pund lâmes, of þon âvorden is flaesc; pund fîres, of þon reád is blôd and hât; pund saltes, of þon sindon salto tehero; pund þeáves, of þon âvorden is svât; pund blôstmes, of þon is fâgung êgena; pund volcnes, of 469 þon is onstydfullnisse þohta; pund vindes, of þon is orođ cald; pund gefe, of þon is þoht monnes. Gleichfalls ist einer hs. des Emsigerrechts (Richthofen s. 211) hinzugefügt: god scôp thene êresta meneska, thet was Adam, fon achta wendem: thet bênete fon tha stêne, thet flâsk fon there erthe, thet blôd fon tha wetere, tha herta fon tha winde, thene thochta fon tha wolken, thene suêt fon tha dawe, tha lokkar fon tha gerse, tha âgene fon there sunna, and tha blêrem on thene helga ôm, and tha scôp he Eva fon sîne ribbe, Adames liana. der schrift nach fällt diese aufzeichnung erst in das 15 jh., angenommen aber, daß sie schon aus einer älteren hs. des Emsigerrechts übertragen wurde, so gehört dieses selbst dem 14 jh. Die dritte stelle ist in einem gedicht des 12 jh. über die vier evangelien (Diemer 320, 6–20. vgl. anm. zu 95, 18. 27 und 320. 6) enthalten: got mit sîner gewalt der wrchet zeichen vil manecvalt, der worhte den mennischen einen ûzzen von aht teilen, von dem leime gab er ime daz fleisch , der tow becêchenit den sweihc , von dem steine gab er im daz pein , des nist zwîvil nehein von den wrcen gab er ime di âdren von dem grase gab er ime daz hâr , von dem mere gab er ime daz plůt , von den wolchen daz můt , dů habet er ime begunnen der ougen von der sunnen. er verlêh ime sînen âtem, daz wir ime den behilten unte sînen gesîn, daz wir ime imer wuocherente sîn. Zuletzt führe ich eine stelle aus des Gotfried von Viterbo pantheon an, das 1187 vollendet wurde (Pistorii scriptor. 2, 53): cum legimus Adam de limo terrae formatum, intelligendum est ex quatuor elementis. mundus enim iste major ex quatuor elementis constat, igne, aere, aqua et terra. humanum quoque corpus dicitur microcosmos, id est minor mundus. habet namque ex terra carnem , ex aqua humores, ex aere flatum, ex igne calorem. caput autem ejus est rotundum sicut coelum, in quo duo sunt oculi , tanquam duo luminaria in coelo micant. venter ejus tanquam mare continent omnes liquores. pectus et pulmo emittit voces et quasi coelestes resonat harmonias. pedes tanquam terra sustinent corpus universum. ex igni coelesti habet visum, e superiore aere habet auditum, ex inferiori habet olfactum, ex aqua gustum, ex terra habet lactum. in duritie participat cum lapidibus, in ossibus vigorem habet cum arboribus, in capillis et unguibus decorem 470 habet cum graminibus et floribus. sensus habet cum brutis animalibus. ecce talis est hominis substantia corporea. Gotfried, zu Bamberg erzogen und deutscher könige capellan, mochte die lehre von den acht theilen in Deutschland vernommen haben; er trägt nur einiges daraus vor, was er mit seinem übrigen system von den vier elementen vereinbaren konnte; er vergleicht mehr einzelne leibestheile mit natürlichen gegenständen, als daß er jene aus diesen erschaffen behauptete. Keine der vier aufzeichnungen hängt unmittelbar mit der andern zusammen, wie die besonderheiten jeder darthun; alle aber beruhen auf gemeinschaftlichem grund, was schon aus den octo ponderibus, achta wendem und aht teilen hervorgeht, nach welchen diese verhältnisse angegeben sind. Im einzelnen zeigen sich bedeutende abweichungen, und überall wird anders geordnet. Nur drei stücke gehn durch die drei ersten berichte, daß zum fleisch leim (oder erde), zum schweiß thau, zum mut wolken genommen wurden. dann aber stimmen der mhd. und fries. text mehr zusammen, beide lassen bein aus stein, haar (locken) aus gras, auge aus sonne, meer (wasser) aus blut entspringen, wovon im ags. nichts vorkommt. eigenthümlich dem mhd. gedicht ist die ableitung der adern aus kräutern (würzen), dem ags. aufzeichner die des bluts aus feuer, der thränen aus salz, der buntheit des auges aus blumen bunte augen sind oculi varii , prov. vairs huelhs (Rayn. s. v. var), altfranz. vairs iex (Roquef. s. v.). man sagt ahd. bluomfêh (blumenbunt), Graff 3, 426: gevêhet nâh tien bluomon. , des kalten athems aus wind, des sinnes aus gnade, was nach der beigefügten übersetzung zwar unzweifelhaft, aber doch ein fehler scheint, weil aus lauter sinnlichen gegenständen erschaffen wurde; oder soll die meinung sein, daß der menschliche sinn erst durch gottes gnade seine bestimmung empfange? passend sind die thränen dem salz (salsae lacrimae), sonderbar die bunten augen den blumen gleichgestellt, obschon es auch sonst gewöhnlich ist bei der geöfneten blume an das auge zu denken. die schöpfung der herzen aus dem wind findet sich bloß in der fries. angabe, welche auch allein hinzufügt, daß gott dieser mischung der acht stoffe zuletzt den heiligen athem eingeblasen und aus Adams rippe seine genossin Eva erschaffen habe hier ist nun auch die fünfte aufzeichnung aus einer Pariser hs. des 15 jh. wie sie Paulin Paris mss. français de la bibl. du roi 4, 207 zieht: Adam fu formé ou champ damacien, et fu fait si comme nous trouvons de huit parties de choses , du limon de la terre, de la mer , du soleil , des nues , du vent , des pierres , du saint esprit et de la clarté du monde . de la terre fu la char , de la mer fu le sang , du soleil furent les yeulx , des nues furent les pensées , du vent furent les allaines , des pierres furent les oz , du saint esprit fu la vie , la clarté du monde signifie Crist et sa créance. saichez que se il y a en l'omme plus de limon de la terre, il sera paresceux en toutes manières, et se il y a plus de la mer, il sera sage, et se il y a plus de soleil, il sera beau, et se il y a plus de nues, il sera pensis, et se il y a plus du vent, il sera ireux, et se il y a plus de pierre, il sera dur, avar et larron, et se il y a plus de saint esprit, il sera gracieux, et se il y a plus de la clarté du monde, il sera beaux et amez. Diese acht stücke weichen wieder von den übrigen angaben ab. doch stimmen erde, meer, wolke, wind, stein, sonne; der heil. geist und die weltklarheit treten eigenthümlich zu. adern, haar, thränen, augenbuntheit mangeln. das champ damacien ist der ager plasmationis Adae, qui dicitur ager damascenus , vgl. Fel. Fabri evagator. 2, 341. Nachtrag: Die erschaffung des ersten menschen wird auch im Saturn und Salomon (Thorpes anal. s. 95. ed. Kemble s. 180) im ausdruck verschieden, in der sache einstimmend geschildert, wo es heißt: ›foldan pund‹ wird ›fläsc, fyres pund: blôd, vindes pund: aeđung, volcnes pund: môdes unstađelfästnes, gyfe pund: fat and geþang, blôstnena pund: eágena missenlîcnist, deaves pund: svât, sealtes pund: tearas‹. hier wird das blut aus dem feuer, dagegen im Emsigerrecht vom wasser gemacht, wie umgekehrt in der Edda wasser aus dem blut. die acht theile waren auch den Indern bekannt ( anm. 1445 ). das fries. hêli, altn. heili cerebrum gleicht dem lat. coelum, gr. κοίλη κοιλία. GDS. 681. Gotfrieds von Viterbo vergleich des hauptes mit dem himmel und der augen mit den himmelslichtern kehrt bei Walther 54, 27 wieder: ir houbet ist sô wünnenrîch als ez mîn himel welle sîn, dâ liuhtent zwêne sternen abe. auch MS. 2, 189 b werden die augen sterne genannt. vgl. himmel und gaume . Haupts zeitschr. 5, 541. die thräne heißt mhd. mers trân, wâges trân. gramm. 1, 170. die edda deutet im Grôttasaungr den geschmack des meers aus dem salzmalen. die thräne beißt wie das salz; δάκρυ lacrima stammt von dak beißen. etym. magn. 564, 45 heißt es: Εὐφορίων δὲ βύνην τὴν ϑάλασσαν λέγει. οἷον, – πολύτροφα δάκρυα βύνης – τοὺς ἅλας βουλόμενος εἰπεῖν. Βύνη = Ἰνώ. GDS. 300. . 471 Hält man alle ansätze zu den vorhin aus der edda gezognen, so ist ihre ähnlichkeit oder gleichheit gar nicht zu verkennen; blut, meer oder wasser, fleisch und erde, bein und stein, haar und baum oder gras verhalten sich hier ebenso. zumal wichtig scheint mir das zusammentreffen des gehirns und der wolken mit den gedanken und wolken. denn das hirn bildet den sitz des denkens und wie wolken über den himmel, lassen wir sie noch heute durch die gedanken ziehen, umwölkte stirn heißt uns eine nachdenkliche, schwermütige, tiefsinnende, Grimnismâl 45 b wird den wolken das epithet der hartmütigen ertheilt. echt eddisch bleibt die beziehung des schädels auf den himmel, der augbrauen auf eine burg, wie aber hätten burg und himmel stof zu erschaffung des leibs hergegeben? Desto mehr fällt auf, daß die edda des treffenden verhältnisses der sonne zum auge entbehrt, da sonne, mond und sterne (abergl. 614 ) ganz gewöhnlich für augen gelten, das alterthum scheint in ihnen auch zungen gesehn zu haben, wie beides im XXII  cap. zu erörtern ist; sind also die einzelnen aufzählungen unvollständig, so mag es überhaupt solcher bezüge noch manche andre gegeben haben. warf Thôrr eine zehe als gestirn an den himmel, so können auch zungen sterne dargestellt haben. Hauptunterschied zwischen der nordischen vorstellung und allen übrigen liegt, wie schon erwähnt, darin, daß jene den microcosmus auf den macrocosmus anwendet, diese aber umgekehrt das weltgebäude einfluß auf die bildung des menschen äußern lassen. dort ist die ganze natur der auseinandergefallne urmensch, hier wird der mensch aus natürlichen elementen zusammengesetzt. Jene betrachtungsweise scheint für das kindliche alterthum natürlicher, es ist angemessen die sonne aus dem auge eines riesen, die berge aus seinem gebein, das gesträuch aus seinem haar zu erklären; eine menge fortlebender volkssagen erläutern uns die entstehung örtlicher seen und sümpfe aus dem strömenden blut, seltsamer felsen aus den knochen und beinen eines riesen, und in ähnlichem sinn wurde das wallende getraide dem haar der Sif oder Ceres verglichen. Gezwungner ist es schon, daß sonne, gebirge, bäume beitragen sollen das menschliche auge, gebein und haar hervorzubringen. Gleichwol heißt auch unser auge sonnenhaft und unser leib dem staub verwandt, schon die Heiden konnten sich zu einer umdrehung jener cosmogonischen ansicht bewogen finden, um so mehr aber sagte sie den Christen zu, da die bibel den ersterschafnen menschen geradezu aus leim ›die leimînen ‹ sind Geo. 3409 die menschen, wie man sagt e luto, ex meliori luto ficti. oder erde entstehen läßt, ohne weiteres über die bildung der einzelnen 472 bestandtheile des leibs zu sagen. Kein kirchenvater scheint die annahme von den acht theilen des ersten menschen zu kennen, ich wage nicht zu entscheiden, ob sie schon im heidenthum geläufig war und neben der eddischen vorstellung haftete, oder erst aus dem zusammenstoß dieser mit der christlichen lehre entsprang und als weitere ausbildung des dogma von Adam zu betrachten ist. wurde Adam aus dem leim gedeutet, so lag es nah, bestimmter hinzuzufügen, daß bloß das fleisch der erde, die knochen den steinen, das haar dem gras entnommen worden sei. Fast unbiblisch, lenkt auch der dichter der mhd. genesis (fundgr. 2, 15) ein in ähnliche ausführungen: ›duo got zeinitzen stucchen den man ze samene wolte rucchen, duo nam er, sôsich wâne, einen leim zâhe, dâ er wolte, daz daz lit zesamene solte, streich des unterzuisken, daz si zesamene mohten haften. denselben letten tet er ze âdaren, uber ieglich lit er zôch den selben leim zâch, daz si vasto chlebeten, zesamene sich habeten. ûz hertem leime tet er daz gebeine, ûz prôder erde hiez er das fleisk werden, ûz letten deme zâhen machet er die âdare. duo er in allen zesamene gevuocte, duo bestreich er in mit einer slôte , diu selbe slôte wart ze dere hûte. duo er daz pilede êrlich gelegete fure sich, duo stuont er ime werde obe derselben erde. sînen geist er in in blies, michelen sin er ime firliez, die âdere alle wurden pluotes folle, ze fleiske wart diu erde , ze peine der leim herte , die âdere pugen sich swâ zesamene gie daz lit‹. Dieser unterschied zwischen leim, lette, erde und slôte (schlamm) hat heidnischen beischmack; der dichter wagte nicht sich ganz von der schöpfung, wie sie die kirche darstellte, zu entfernen, aber jene zusammensetzung des menschen aus verschiednen stoffen scheint ihm noch bekannt. spuren davon sind auch sonst in der volkspoesie die riesen bilden einen menschen aus leim (leir) Sn. 109. Ilmarinen der finnische gott schmiedet sich eine gattin aus gold . rune 20. Pintosmauto wird aus zucker, gewürz und wolriechendem wasser gebacken, gesponnen gold bildet sein haar, perlen seine zähne, saphire seine augen, rubin seine lippen (pentam 5, 3). ein serbisches lied (Vuk no. 110) läßt zwei schwestern sich einen bruder aus weißer und rother seide drehen, ihm den leib aus buchsbaum, augen aus edelsteinen, brauen aus meeregeln, zähne aus perlen fertigen; zuletzt stecken sie ihm honig und zucker in den mund: ›iß das und sprich nun!‹ (to nam jedi, pa nam probesjedi!) Auch der mythus von Pygmalion gründet sich auf belebung eines bildwerks Nachtrag: Ein estn. lied bei Herder p. m. 112 singt von dem, der sich ein weib aus holz bildete, ihr das gesicht vergoldete, die schultern versilberte. Die ägyptische vorstellung von der entstehung des urmenschen nähert sich sehr der biblischen: Ptah oder Neph werden bildlich dargestellt ›turning the clay for the human creation‹. Wilkinson the Egyptians. s. 85. . . Bedeutsam schließen sich griechische und vorzüglich asiatische mythen von der schöpfung an die nordische und wie ich glaube früher allgemein deutsche ansicht von dem hervorgehn der welt aus bestandtheilen des menschlichen leibs: sie muß darum uralt sein. Noch heute besteht in Indien die sage, daß Brahmâ von den andern göttern erschlagen und dann der himmel aus seinem schädel gebildet wurde; gewisse analogie damit hat auch die griech. vorstellung von Atlas, dessen haupt den gewölbten himmel trägt. Nach dem gedicht eines orphikers werden Zeus leib als die erde, seine knochen als das gebirge, seine augen als sonne und 473 mond ὄμματα δ' ἥλιος τε καὶ ἀντιόωσα σελήνη. Eusebius προπαρσασκ. εὐαγγ. 3, 9. Lobeck de microc. et macroc. s. 4. aufgefaßt. Cochinchinesische überlieferungen melden, Buddha habe die welt aus dem leib des riesen Banio geschaffen, aus dem schädel den himmel, aus den augen sonne und mond, aus dem fleisch die erde, aus den knochen felsen und berge, aus den haaren pflanzen und gewächse. ähnliche macrocosmen begegnen auf Japan und Ceylon, kalmukische gedichte schildern, wie aus verwandlung einer bergriesin die erde, aus ihrem blut das meer hervorgetreten sei Finn Magn. lex. 877. 878. Nachtrag: Eine andere indische schöpfungssage in Somadeva 1, 10 ist zu anm. 1426 mitgetheilt. nach der persischen lehre werden erst himmel und feuer, dann gebirge, dann pflanzen, dann thiere geschaffen. aus des urstiers hörnern entstehen die früchte, aus seinem blut die trauben u. s. w. Görres 1, 232. 233. weit mehr als die gewöhnliche griechische vorstellung von Atlas stimmt die schilderung Ovids metam. 4, 657 mit der deutschen schöpfungsmythe überein. darnach wird Atlas in ein gebirge verwandelt, aus seinen haaren entsteht der wald, aus schultern und armen berge, aus dem haupt der gipfel, aus den knochen steine. . Nun dreht aber auch schon die indische lehre diesen macrocosmus um, und läßt die sonne in das auge, die pflanzen in das haar, die steine in die knochen, das wasser in das blut des erschafnen menschen eingehn, in ihm also die ganze welt sich widerspiegeln. Nach einer chaldäischen cosmogonie befahl Belus, als er die finsternis durchschnitten, himmel und erde gesondert hatte, sein eignes haupt abzuschlagen, und das blut in die erde rinnen zu lassen; hieraus entsprang der vernünftige mensch. Hesiods vorstellung ist, daß Pandora von Hephäst aus erde mit wasser gemengt gebildet wurde und ihr dann Hermes die sprache verlieh (ἔργα 61–79). Die menge der bildenden stoffe wird zuerst auf blut und erde, endlich im alten testament auf bloße erde zurückgeführt. Allein noch andre einstimmungen fordern aufmerksamkeit. Wie Ymir aus seiner hand mann und frau, aus seinem fuß einen riesensohn erzeugte, wird von dem indischen Manus gemeldet, Brahma habe die vier stämme der menschen, und zwar aus seinem munde den ersten brahman (priester), aus dem arm den ersten kschatrija (krieger), aus der hüfte den ersten vish (kaufmann und ackerer) e femoribus natus = ûravja, ûrudscha Bopp gloss. 54 a . , aus dem fuß den ersten sûdra (knecht und handwerker) hervorgebracht (Humboldt Kawispr. 1, 80). Sicher würde auch die eddische überlieferung, wenn sie ausführlicher bewahrt wäre, einen rangunterschied zwischen den aus Ymirs hand oder fuß erzeugten kindern geltend machen; die fußgeburt zeigt eine geringere an. Selbst ein caraibischer mythus läßt Luguo, den himmel, auf die erde steigen und die stammeltern der menschen aus seinem nabel und schenkel, in welchen er einen schnitt gemacht hatte, hervorgehn Majers mythol. taschenbuch 2, 4. . Wer entsinnt sich nicht bei diesen wunderbaren geburten der aus Zeus stirne gebornen Athene (τριτογένεια), des aus seiner hüfte gebornen Dionysus (μηροῤῥαφής)? wie dieser διμήτωρ hieß, scheint die unerklärte sage der neun mütter Heimdalls (s.  193 ) auf gleichen anlässen zu beruhen Nachtrag: Nach der älteren indischen sage zog der große geist, mahân âtmâ den ersten menschen aus dem wasser hervor. auch Prometheus bildet menschen aus erde und wasser . Luciani Prom. 13, nach Horat. od. 1, 16 fügt er dem ›limus‹ alle möglichen bestandtheile hinzu vgl. Babr. 66. den Grönländern wurde der erste mann aus erde geschaffen, aus seinem daumen aber die erste frau. Klemm 2, 313, wie Eva aus Adams rippe . so ward Dakschus aus Brahmas zehe gezogen ( anm. 1425 ). die acht theile (s.  470 ) kommen auch im Rigveda vor. Kuhn bei Höfer 1, 288. . Von solchen älteren, vorausgegangnen götter und riesenschöpfungen sondert die edda, und wie der verfolg ausweisen 474 wird, auch der indische glaube, die erschaffung des ersten menschenpaars ab. Wie bei Adam und Eva in der heiligen schrift wird in der edda ein stof angenommen, den gott belebte, aber ein einfacher, kein zusammengesetzter. trê bedeutet holz oder baum, askr die esche (fraxinus), bezüge von Askr zum Isco der heldensage wurden schon s.  290 verhandelt. stände neben Askr dem mann Eskja die frau, so wäre die gleichung völliger, und beide verhielten sich wie Meschia und Meschiane des persischen mythus, mann und frau, die gerade so aus pflanzen erwuchsen. in der edda heißen sie aber Askr und Embla , embla, emla bezeichnet ein geschäftiges weib, ahd. emila, vgl. fiuremila focaria, aschenputtel (Graff 1, 252), von amr, ambr, aml, ambl (labor assiduus), woher auch der heldenname Amala (s.  308 ) zu leiten ist. Askr anlangend scheint es doch bemerkenswerth, daß die sage den ersten könig der Sachsen Aschanes (Askanius) aus den Harzfelsen mitten im wald bei einem springbrunnen hervorwachsen läßt. da die Sachsen selbst nach dem sahs d. i. stein, saxum heißen, ein göttlicher held den namen Sahsnôt führt (s.  169 ), andere überlieferungen das wort Germani aus germinare leiten, weil die Deutschen auf den bäumen gewachsen sein sollen D. S. no. 408. Aventin 18 b , man vgl. den wahrscheinlich alten volksscherz von dem ursprung der Schwaben, Franken und Baiern bei Schm. 3, 524. ; so ist hier möglichkeit eines vielseitig eindringenden zusammenhangs. der geogr. Ravennas meldet, die Sachsen seien aus ihrem alten wohnsitz nach Britannien cum principe suo, nomine Anchis gezogen. das kann Hengist sein oder noch lieber Oesc , dessen sohn, den ich mit Askr verglichen habe in der gemein und gelehrtjüdischen sprache bezeichnet Aschkenas Deutschland und den Deutschen. der name steht Gen. 10, 3 u. Jer. 51, 27; wie früh dessen unrichtige anwendung aufkam, weiß auch J. D. Michaelis spicil. geogr. Hebr. 1, 59 nicht; es muß aber schon geschehn sein im 15 jh. wo nicht früher, und die rabbiner mögen doch dabei rücksicht genommen haben auf eine ihnen zu ohr gekommne ableitung der Deutschen von einem stammherrn Askanius , oder dem trojanischen. . Unverkennbar bestanden uralte sagen, welche die ersten menschen, die ahnherrn einzelner stämme des deutschen volks aus bäumen oder felsen erwachsen ließen, d. h. die abkunft belebter wesen aus dem halbwachen reich der pflanzen und steine zu fassen trachteten. selbst unser leut (populus) ahd. hut hat zur wurzel liotan (crescere, pullulare), alts. liud, liodan doch pŏpulus steht ab von pōpulus (pappel). , und die heiligkeit der wälder und gebirge unsrer vorzeit erhöht sich durch dieses verhältnis. Hieran schließt aber die einstimmende gr. vorstellungsweise. einem der sein geschlecht aufzählen kann, wird es mit der wendung abgefragt, Od. 19, 163: οὐ γὰρ ἀπὸ δρυός ἐσσι παλαιφάτου, οὐδ' ἀπὸ πέτρης, du stammst weder von der altbesprochnen eiche noch von dem 475 felsen her einen solchen e quercu aut saxo natum, der seinen vater nicht zu nennen weiß, bezeichnet unsere volkssprache durch die redensart: ›sein vater ist auf dem apfelbaum oder nußbaum ertrunken‹. ›aus keinem eichenstock entsprossen sein‹. Etners unw. doct. 585. ›min gof ist au nüd abbem nossbom aba choh‹ Tobler 337 b der es irrig auf den weihnachtsbaum bezieht. , und darüber muste es märchen geben, die sich kinder traulich erzählten (ὀαριζέμεναι ἀπὸ δρυὸς, ἀπὸ πέτρης, Il. 22, 126. ἀλλὰ τίη μοι ταῦτα περὶ δρῦν ἢ περὶ πέτρην; Hes. theog. 35). bedeutsam stimmt zu dem mythus von Askr die hesiodische meldung, das dritte eherne geschlecht sei von Zeus aus eschen (ἐκ μελιᾶν) erschaffen worden (op. 147), und wenn dabei an die starken eschenschäfte der helden gedacht ist, darf sie auch Isco oder Ask geschwungen haben. man erinnert sich der waldfrauen und feen, welche wie die gr. meliaden und dryaden ihre lebenskraft an bestimmte eschen oder eichen gebunden wusten und ungleich dem baumerschafnen menschen von dem stof ihres ursprungs noch nicht völlig frei geworden waren. Die erschaffung aus steinen ist aber in der sage von Deukalion überliefert, den nach der sinflut Hermes steine rückwärts werfen hieß: alle die er warf wandelten sich in männer, alle die Pyrrha sein weib warf wurden zu weibern. wie in der edda folgt auf die große flut eine neue schöpfung, nur daß sie hier durch die geretteten selbst ausgeführt erscheint wie Deucalion und Pyrrha das geschlecht der menschen, schaffen Adam und Eva nach einem mythus der Reinhartssage, dessen quelle ich noch nicht ausfündig machen kann, das der thiere durch ruthenschlag in das meer. Adam aber schaft die guten, Eva die bösen thiere: nach der Parsensage schaffen Ormuzd und Ahriman sich gegenüber. . auch unter den Juden muß eine mythische erschaffung aus steinen bekannt gewesen sein, weil es Matth. 3, 9 heißt ὅτι δύναται ὁ ϑεὸς ἐκ τῶν λίϑων τούτων ἐγεῖραι τέκνα τῷ Ἀβραάμ Nachtrag: Analogien zwischen mensch und baum in der sprache führt Potts zählmeth. s. 234–236 auf. Askr wie andere männliche baumnamen drückt mann aus, weibliche hinwiederum frau. Sn. 158. 157. Askr und Embla lauten an wie Adam und Eva, ostj. Es und Imlja ( anm. 1428 ). Ganz dem pflanzenreich entnommen ist der ausdruck liutstam , volk. Otfr. III. 12, 7. pflanzen und steine gelten nicht für todt, sie reden: δρυὸς καὶ πέτρας ἀκούειν. Plat. Phaedr. 275. aus bäumen und steinen oder schlamm entstehen die menschen. o  saxis nimirum et robore nati. Stat. Theb. 4, 339. qui rupto robore nati compositive luto nullos habuere parentes. Juven. 6, 12 (vgl. die leiminen anm. 1437 ). aus fichten werden menschen bei Nonnus (Reinhold Köhler. Halle 1853 s. 24). jâ werdent solich leut von bômen nit geborn. Wolkenst. 61. sîner spiezgenôze sweimet einer von dem obersten birboume . Ben. 419. weist du, wo die leut komen her? ja freilich, sol ich das nicht wissen, sie werden jung von baumen gerissen. Ayrer fastn. 160 d aus keiner haselstaude entsprungen. Schelmufsky 1, 51. sein vater ist aufm nußbaum ersoffen und seine mutter hat in der schürze (im sieb) das wasser hinaufgetragen. Brückner Henneberg 17. ein kind wird auf eine esche ausgesetzt, wo es gefunden wird. Marie de Fr. 1, 150–154. im finn. märchen heißt ein findling puuhaara d. i. baumast. vgl. das märchen von Fundevogel oben auf dem baume. KM. no. 51. Nach der griechischen sage waren erst bloß götter, die erde starrend von wäldern, Prometheus schaft menschen. Lucians Prometh. 12. vgl. die Prometheussagen in Schützes erstem excurs zu Aeschylus Prometheus. doch läßt daneben auch Zeus dem Aeacus auf seiner einsamen insel menschen aus der erde hervorgehn. Pausan. II. 29, 2. das werfen der steine , die sich in menschen wandelten, schildert Ovid. met. 1, 411, die steine werden ossa parentis genannt das. 1, 383. 393, wie bei Aeschylus und Sophocles die steine knochen der erde heißen. dies steinwerfen oder säen gemahnt an manasêþs für λαός und κόσμος (s.  662 ). die nach dem sahs benannten Sachsen heißen in der sage des Eisenacher rechtbuchs bei Ortloff s. 700. 701 Kieselinge , petrioli . vgl. kisila irquiken zi manne. O. I. 23, 47. riesen entspringen aus stein und springen wieder in stein (s.  441 . 457 ). eine, die slug ich aus eime steine . fundgr. 2, 315. nun sihet man wol, dasz er nicht aus einem stein entsprungen ist. Galmy 230. dasz ich aus keinem stein gesprungen . Schade pasq. 76, 87. mancher bildet ihme ein, er sei aus einem diamant , der bauer aber aus einem kieselstein entsprungen. Ettners hebamme 15. gemacht aus kislingplut (eselripp). fastn. 680, 26. 32. über andere sagen vom ursprung der völker s. GDS. 780. . Undeutlich wird in der edda die schöpfung der zwerge beschrieben, einer nachricht zufolge sollen sie in des urriesen fleisch als gewürm entsprungen und dann von den göttern mit verstand und menschlicher gestalt begabt worden sein; doch die ältere meldung läßt sie aus eines andern riesen Brîmir fleisch und knochen erschaffen werden. alles dies gilt nur von den schwarzen elben, und ist nicht auf die lichten auszudehnen, über deren ursprung also nichts erhellt. auch andere mythologien lassen ohne auskunft. Wichtig und anziehend ist es, die abstufung oder folge der einzelnen schöpfungen ins auge zu fassen. Daß in der edda anfangs die riesen, dann die götter vortreten, nun aber nach dazwischen liegender sinflut erst die menschen und zwerge geschaffen werden, scheint überraschend einer theologischen durch das mittelalter tief verbreiteten ansicht zu begegnen, die, während das alte testament mit dem werk der sechs tage beginnt, dasein folglich schöpfung der engel und abfall der teufel vorausgehn und 476 darauf himmel, erde, menschen und alle übrigen geschöpfe hervorgebracht werden läßt vgl. die dichterischen fassungen bei Cædmon und fundgr. 2, 11. 12; es versteht sich, daß ihnen kirchlich gebilligte oder gelittene annahmen unterliegen. die heilige schrift sieht beim vortrag der schöpfung nur auf das menschengeschlecht, und läßt engel und riesen, die im fortgang der erzählungen auftreten, ganz dahin gestellt. . später tritt zwar auch eine vertilgende flut ein, auf welche aber keine neue schöpfung zu folgen braucht, da ein frommer rest des menschengeschlechts geborgen ist, der die erde von neuem bevölkert. der muhamedanische eblis (durch aphäresis aus dieblis, diabolus) ist zwar abtrünniger geist, aber erst nach Adam erschaffen und aus dem paradies gestoßen. Unsere deutschen riesen gleichen sowol den widerspenstigen teufeln als den sündhaften menschen, die das wasser hinnimmt; hier war die rettung einem patriarch, dort einem riesen zugedacht, der nun neben den menschen seine art fortpflanzt. Cosmogonische bruchstücke gewährt uns eine im anhang unseres heldenbuchs gehaftete nachricht: es werden drei schöpfungen hintereinander angesetzt, so daß die der zwerge vorangeht, dann erst riesen und zuletzt menschen entstehn, die klugen zwerge habe gott zum bau des wüsten lands und gebirgs werden lassen, die riesen zu bekämpfung der wilden thiere, die helden um den zwergen gegen die untreuen riesen beizustehn; diese beziehung und abhängigkeit der geschlechter von einander ist beachtenswerth, über die art und weise der erschaffungen verlautet nichts. Als späteren schöpferischen act, scheint es mir, läßt sich endlich das dreifache ordnen der stände auffassen, welche Heimđallr gründet das mittelalter leitet aus Sem den ursprung der freien, aus Japhet und Cham den der ritter und eigenleute her. Wackernagels bas. hss. 2. 20. dessen vielleicht noch eine spur bis in jüngere überlieferungen hinab reicht (s.  194 ) seitdem bin ich in Wolfg. Menzels mythol. forschungen 1, 40 auf eine muhamedanische sage gestoßen: Eva gebar viel kinder und ihrer großen zahl sich schämend. als sie einmal von gott überrascht wurde, versteckte sie einige davon. nun rief gott die kinder zu sich und theilte alle würden und güter der erde unter sie aus. die aber versteckt waren bekamen nichts, und von ihnen stammen die bettler und fakirs ab. Leider wird keine quelle angegeben, doch die einstimmung mit dem deutschen schauspiel des 16 jh. ist ganz unleugbar und macht mir das angenommene verhältnis zu der altnord. fabel zweifelhaft. daß die versteckten kinder nicht herbeigerufen werden weicht von allen deutschen berichten. . Auch das hebe ich hervor, daß in der edda mann und frau (Askr und Emla) gleichzeitig entstehn, in der bibel aber zwei momente geschieden werden, da Adams erschaffung vorangeht, Evas erst nachher auf andere weise vorgenommen wird der rabbinische mythus nimmt Lilith als erste frau an, die gleich Adam aus der erde geschaffen war. . Wiederum läßt Hesiods darstellung die den göttern selbst abstammenden männer schon vorhanden sein, als Pandora das erste weib, allbegabt, schön und trügerisch, aus erde und flut (s.  472 ) geschaffen wurde. Es ist schwer in die ansicht der hesiodischen 477 dichtungen genau einzudringen. der theogonie zufolge entsteigen dem chaos erst Gäa die riesin, dann Erebus (dem Niflheim vergleichbar) und die Nacht; aber Gäa zeugte aus sich selbst den Uranus, meer und gebirge, mit Uranus andere kinder, zujüngst Kronus, der Zeus vater und aller götter ahn war. wie in der edda Buri und Börr vor Ođinn, treten auch hier Uranus und Kronus vor Zeus ein; mit Zeus und Ođinn hebt das eigentliche göttergeschlecht an, und die brudertrilogie wird durch Poseidon und Hades wie durch Vili und Ve erfüllt. Die feindschaft der götter und titanen ist sodann die der asen und riesen; doch daß die titanen vom himmel gedrängt werden (theog. 813) gleicht ebensosehr dem sturz der widerspenstigen engel in die tiefe des abgrunds. außer dem riesischen element kann also den titanen noch ein dämonisches zugegeben werden. Wenn die ἔργα bekanntlich fünf geschlechter nach einander annehmen, so muß die schöpfung nothwendig einigemal wiederholt worden sein, worüber uns weder das gedicht noch Plato (Cratyl. 397. 398 Steph.) genügende auskunft gewähren. das erste goldne geschlecht ist das der seligen dämone, das zweite silberne der schwächeren göttlichen, das dritte eherne der eschentsprossenen krieger, das vierte der heroen, das fünfte eiserne der jetztlebenden menschen. schon weil dem vierten geschlecht die metallbezeichnung der übrigen mangelt, scheint die angabe unvollkommen. am dunkelsten bleibt das zweite, auch von Plato übergangne, der nur von dämonen, heroen und menschen handelt; rechtfertigt der schmächtige wuchs dieser kurzlebenden höheren wesen eine analogie zu den wichten und elben unsrer mythologie? unter dem dritten geschlecht scheinen riesen oder doch riesenmäßige streiter geschildert, die den gerechten helden des vierten geschlechts gegenüberstehn. man möchte diese nach mosaischem sprachgebrauch söhne der elohim, jene söhne der menschen nennen; ihr ursprung aus der esche gestattet sie aber auch neben den ersterschaffnen menschen der edda zu stellen. treffender würde die einstimmung sein, dürfte man dem dritten geschlecht den namen des steinernen zueignen, den des ehernen und die schöpfung aus der esche auf das vierte anwenden; den riesen war die steinwaffe gemäß. Doch Apollodor theilt uns (I. 7, 3) die nachricht mit, in der großen flut, aus welcher Deukalion und Pyrrha gerettet wurden, habe Zeus das eherne geschlecht tilgen wollen, was sich zu dem nordischen untergang der riesen fügt. der erschaffung von Askr und Emla stehn die steinwürfe des griech. mythus parallel, und auch das heldengeschlecht könnte steinerschaffen heißen Nachtrag: Nach Plato conviv. 190 B. gab es anfangs drei geschlechter: ἄρρεν, ϑῆλυ, ἀνδρόγυνον, die von sonne, erde und mond stammen. wichtig ist Gen. 6, 2, wonach die kinder gottes (die menschen) sich mit den töchtern der menschen (riesentöchtern) mischen. sehr merkwürdig leitet die volkssage die zwerge und unterirdischen aus gefallnen engeln her. ir. elfenm. XIII, die guten leute sind ungeboren, aus dem himmel geworfen. ir. märch. 2, 73. ebenso die norwegischen huldren . Asb. 1, 29. Thiele 2, 175. Finn. Joh. hist. eccl. Isl. 2, 368 sagt von den alfen : quidam enim a deo immediate et sine parentum interventu ut spiritus quosdam creatos esse volunt, quidam vero ab Adamo, sed antequam Eva condita fuit prognatos perhibent. nach einer nordfriesischen sage wandelt Christus einmal auf erden und segnet die fünf schönen kinder einer frau, verwünscht die von der mutter versteckten fünf häßlichen . aus letzteren stammen die unterirdischen . Müllenhoff s. 279. diese sage ist auch isländisch. s. Finn Magnusen lex. 842 b . eddalären 3, 329. 330. Faye vorr. XXV. der riese heißt auch vâlandes barn . Trist. 401, 7. auch der teufel will schaffen ( anm. 2571 ). im indischen soll Visvakarma gleich Hefäst auf Brahmas geheiß ein weib bilden. Somadeva 1, 173. Über die zeitalter und die verschiedenen geschlechter vgl. Babrius prolog und die bildseule anm. 2043 . Ovid. met. 1, 89–127 nimmt vier zeitalter an, ein goldenes, silbernes, ehernes und eisernes. GDS. 1–5. im saturnischen alter giengen die erdgebornen menschen nackend und unbesorgt, lebten von baumfrucht und redeten mit den thieren. Plato Politicus 272. . Es wird sich gebühren hier noch auf die sinflutsage einen blick zu werfen, ihre verbreitung unter den verschiedensten völkern der erde gewährt über die natur dieser mythen den wichtigsten aufschluß Ulf. verdeutscht κατακλυσμός durch midjasveipáins und sveipan wird wol was κλύζειν bedeutet haben, schwemmen, spülen, vgl. ags. svâpan verrere. ahd. heißt diluvium unmezfluot oder sinfluot (wie sinwâki, gurges, mhd. sinwæge), schlechter ist das ahd. mhd. sintvluot, falsch das nhd. sündflut. . 478 Aus vermischung der söhne gottes mit den töchtern der menschen entsprangen räuber und gewaltthätige; da reuete es Jehova die menschen gemacht zu haben und er beschloß alles auf erden auszutilgen. nur Noah fand gnade vor seinen augen und er hieß ihn einen großen kasten bauen und mit seinem haushalt hineingehn. darauf begann es zu regnen, bis das gewässer funfzehn ellen über die höchsten berge gestiegen, und alles was fleisch und athem hatte untergegangen war, aber der kasten fuhr auf den fluten. Da wehrte Jehova dem regen, die ströme verliefen sich und der Noahs kasten kam hernieder auf dem gebirge Ararat . Noah aber ließ zuerst einen raben, dann eine taube ausfliegen und da sie nicht fand wo ihr fuß ruhen konnte, kehrte sie um in den kasten, und nach sieben tagen ließ er noch eine taube fliegen, die kam zurück und trug ein ölblatt im munde, und wieder nach sieben tagen ließ er eine taube fliegen, die gar nicht zurückkehrte schiffer lassen vögel ausfliegen. Plinius 6, 22. drei raben fliegen als wegweiser. Landnâma 1, 2. . da gieng Noah heraus auf die trockne erde und brachte dem herrn ein reines opfer, und Jehova schloß einen bund mit den menschen und setzte seinen bogen in die wolken zum zeichen des bundes. Dieser schönen geschloßnen darstellung des A. T. gegenüber erscheint der eddische bericht roh und unausgebildet. nicht vom himmel strömt die sinflut nieder, sie erwächst aus dem blut des erschlagnen riesen, dessen leib stof zu erschaffung aller dinge und des menschengeschlechts selbst gibt. übermut und frevel der vernichteten riesen gleichen dem der elohimsöhne, die sich mit menschensöhnen vermengt hatten; Noahs arche (kibwtóV) gleicht dem Bergelmis lûđr. doch die epischen züge wie des landens auf dem berg, der ausfliegenden tauben, des opfers und regenbogens, würden sicher nicht mangeln, wenn hier entlehnung stattgefunden hätte. In der assyrischen überlieferung Buttmann über den mythos der sündflut p. 21. kündigt die regengüsse Kronos dem Sisuthros an, der nun ein schif baut und mit leuten und thieren besteigt. drei tage nach dem aufhörenden regen werden vögel entsandt, zweimal kamen sie zurückgeflogen, das zweitemal mit schlamm an ihren füßen, zum drittenmal blieben sie aus. zuerst stieg Sisuthros aus mit weib, tochter und steuermann, sie beteten, opferten und verschwanden plötzlich; als die übrigen ans land giengen, erscholl eine stimme aus der luft, daß der fromme Sisuthros zu den göttern aufgenommen sei; sie aber setzten das menschliche geschlecht fort. das fahrzeug bis in späte zeiten lag auf Armeniens gebirge vgl. Annolied 308 ff., wo die Baiern aus Armenien abgeleitet werden. . Münzen der stadt Apamea in Phrygien stellen einen auf der flut schwimmenden kasten dar, worin ein 479 mann und eine frau zu sehen sind; auf dem kasten sitzt ein vogel, ein andrer fliegt heran, einen zweig in den füßen haltend. dicht dabei steht dasselbe menschenpaar mit aufgehobner rechte auf dem festen lande. neben dem kasten erscheinen die buchstaben ΝΩ (Noah) und dies Apamea unterscheidet sich durch den beinamen κιβωτός alles dies bei Buttmann s. 24–27. . Nach griechischer sage hatte Zeus beschlossen das menschliche geschlecht zu tilgen; auf Prometheus angabe zimmerte Deukalion einen kasten, der ihn und Pyrrha sein weib aufnahm. Zeus sandte so mächtigen regen, daß Hellas überschwemmt wurde und die menschen umkamen. Neun tage und nächte schwebte Deukalion auf den fluten, dann landete er am Parnaß und brachte Zeus opfer; wie darauf er und seine frau durch steinwurf ein neues geschlecht schufen wurde vorhin erzählt. Plutarch fügt hinzu, mit einer aus dem kasten entlaßnen taube habe Deukalion sturm, wenn sie zurückflog, heitere, wenn sie wegblieb, ausgekundschaftet. Lucian (de dea syria cap. 12. 13) nennt ihn Δευκαλίωνα τὸν Σκύϑεα; hat sich das ergeben aus Σισύϑεα СΚΥΘΕΑ aus СΙСΥΘΕΑ nach Buttmanns scharfsinniger mutmaßung, der nun weiter geht und den Sisythes, Sisuthros für Sesothris, Sothis und Seth hält, den Noah für Dionysos und symbol des wassers. , so kann es schon lange in der sage selbst geändert gewesen sein. Einige griechische stämme hatten eine eigenthümliche sage von einer alten überschwemmung, deren helden sie Ogyges oder Ogygos nannten Buttmann s. 45 ff., er vergleicht Okeanos und Ogenos. . Allen diesen berichten gebricht aber epische ausführlichkeit merkwürdig ist, daß in einem schönen gleichnis, also ohne namen und örter Homer eine art sinflut schildert, Il. 16, 384. ὡς δ' ὑπὸ λαίλαπι πᾶσα κελαινὴ βέβριϑε χϑών ἤματ' ὀπωρινῷ, ὅτε λαβρότατον χέει ὕδωρ Ζεύς, ὅτε δή ῥ' ἄνδρεσσι κοτεσσάμενος χαλεπήνῃ, οἳ βίῃ εἰν ἀγορῇ σκολιὰς κρίνωσι ϑέμιστας, ἐκ δὲ δίκην ἐλάσωσι, ϑεῶν ὄπιν ουκ ἀλέγοντες. . Desto reichere entfaltet die erzählung des indischen Mahâbhârata Bopp die sündflut. Berlin 1829. . könig Manus stand büßend am ufer eines flusses, als er die stimme eines fischleins vernahm, das um rettung flehte. er grif es mit der hand und legte es in ein gefäß, aber der fisch begann zu wachsen und verlangte an andere stelle. Manus warf ihn in einen großen see, doch der fisch wuchs immer größer und wollte zur Gangâ, des meeres gattin gebracht sein. bald konnte er sich auch da nicht länger regen und Manus muste ihn zum meer tragen, aber ins meer geworfen verkündete der fisch das herannahen einer schrecklichen flut, Manus solle ein schif bauen, mit den sieben weisen hineinsteigen und den samen aller dinge verwahren, gehörnt wolle er ihm alsdann erscheinen. Manus that wie ihm geheißen war und fuhr in dem schif, der ungeheure fisch erschien und ließ das schif an sein horn seilen, dann zog er es 480 lange jahre durch die meeresfluten, bis sie zum gipfel des Himāwân gelangten, da befahl der fisch das schif zu festigen und die stelle, wo es angebunden wurde heißt noch heute Naubandhanam (schifsbindung). darauf redete der fisch: ich bin Brahmâ, der geschöpfe herr, höheres als ich gibt es nicht, in fischgestalt habe ich euch befreit: Manus aber soll nun alle geschöpfe, götter, asuren und menschen schaffen und alle welten, bewegliches und unbewegtes. dies alles geschah auf solche weise. Im Bhâgavatam wird statt des Manus Satjavratas (oben s.  206 ), statt des Brahmâ Vischnus genannt, und der hergang philosophisch ausgeschmückt. Gleich dem deutschen läßt also der indische mythus die sinflut der eigentlichen schöpfung vorausgehn, während bei Moses Adam lange vor Noah lebt und auf die flut keine neue erschaffung folgt. die sieben rischis im schiffe, wie Bopp bemerkt, sind mehr göttlicher als menschlicher natur, söhne Brahmâs von älterer herkunft, als die von Manus erschafnen niederen götter und als deren feinde die asuren (sonst auch daitjas und dânavas = titanen oder riesen). Von hohem gewicht für uns aber ist, daß Manus (nach dem manuschjas homo genannt wird) als schöpfer auftritt, und wir in Mannus (wonach manna und manniskja homo) gerade den Bör und dessen schaffende söhne anerkennen (s.  289 ). Askr und Emla sind nichts als reproduction der selben schöpfungsidee, die sich mit Deukalion und Pyrrha oder Adam und Eva vergleicht. Ich darf nicht verschweigen, daß der eingang des indischen gedichts, wie Brahmâ sich von Manus als fisch fangen läßt und ihm nun das zukünftige offenbart, noch in unserm heutigen kindermärchen haftet von dem kleinen, allmächtigen butt oder hecht, der einen fischer aus dem geringsten stand allmälig zu der höchsten würde erhebt und erst dann wieder in die erste armut zurück versetzt, als er, von den rathschlägen seiner ehrgeizigen frau angereizt, endlich gott selbst gleich zu werden begehrt. das verleihen der auf einander folgenden würden ist gewissermaßen ein erschaffen der verschiednen stände vgl. den gefangnen weissagenden marmennil (s.  360 ). . Noch eine sinflutsage vom ursprung der Litthauer verdient angeführt zu werden dzieje starožytne narodu litewskiego, przez Th. Narbutta. Wilno 1835. 1, 2. . Als Pramžimas der höchste gott aus einem fenster seines himlischen hauses (wie Wuotan s.  112 . 113 ) über die welt schaute und lauter krieg und unrecht unter den menschen gewahrte, sandte er zwei riesen Wandů und Wejas (wasser und wind) auf die sündige erde, die zwanzig nächte und tage hindurch alles verwüsteten. von neuem niederschauend, während er gerade himlische nüsse aß, warf Pramžimas eine schale hinunter, die auf den gipfel des höchsten berges niederfiel, zu dem sich thiere und einige menschenpaare geflüchtet hatten. alle stiegen 481 in die nußschale, die nun auf der alles bedeckenden flut umherschwamm. gott aber richtete sein antlitz zum drittenmal auf die erde und ließ den sturm sich legen und die gewässer wieder abfließen. da theilten sich die geretteten menschen aus, und nur ein paar blieb in jener gegend, von dem die Litthauer abstammen. sie waren aber schon alt und härmten sich, da sandte ihnen gott zum tröster (linxmine) den regenbogen, welcher ihnen den rath gab, über die gebeine der erde zu springen: neunmal sprangen sie, und neun paare entsprangen, der neun litthauischen stämme ahnen. Diese darstellung gemahnt an den ursprung der menschen aus Deukalions und Pyrrhas steinwürfen, der regenbogen an die heil. schrift, nur daß er hier persönlich eingeführt wird, und die menschen wie Hermes (der götterbote) den Deukalion anweist, was sie zu thun haben. allzukühn wäre es vielleicht die nußschale auf jenen nußbaum (s.  475 ) zu beziehen, mit dem man undeutlich eine unbekannte abkunft ausdrückt. Nicht alle angeführten sagen schildern allgemeine die ganze erde verwüstende überschwemmungen; die aus welcher Deukalion gerettet wurde hatte bloß Griechenland betroffen, und solcher berichte von kleineren fluten gibt es eine menge. Philemon und Baucis in Phrygien, wo die Noahsage haftete (s.  478 ), die den wandernden göttern herberge gewährt hatten, flohen gewarnt aufs gebirge und sahen sich als die flut über das land stieg geborgen (Ovid. met. 8, 620); sie wurden in bäume verwandelt, wie Askr und Emla bäume waren. Nach einer welschen volkssage war da, wo jetzt in Brecknockshire ein großer see liegt, vor zeiten eine große stadt. der könig sandte seine boten zu den sündhaften leuten, sie zu erforschen, sie achteten seiner nicht, und versagten ihm herberge. da trat er in eine elende hütte, worin bloß ein weinendes kind in der wiege vgl. oben s. 464 lûdara. lag, übernachtete, und beim weggehn fiel ihm sein einer handschuh in die wiege. Nicht lange hatte er die stadt hinter sich liegen, so vernahm er geräusch und wehklagen; er beschloß umzukehren und den verlornen handschuh zu suchen, aber die stadt war verschwunden und gewässer deckte die ganze ebne, mitten auf den wogen schwamm ihm aber eine wiege entgegen, in der kind und handschuh lagen. dies kind nahm er mit zum könig, der es als den einzigen aus der versunknen stadt übrig gebliebnen menschen auferziehen hieß Edw. Davies british mythology 146. 147. . vgl. am schlusse des cap.  XXXII die sage von Dold . Eine andere ältere erzählung schließt sich näher den vorher mitgetheilten an und wird schon in den britischen triaden gefunden: als der see von Llion ausbrach und ganz Britannien überschwemmte, ertranken alle menschen ausgenommen Dwyvan und Dwyvach , die in einem nakten (segellosen) schif entkamen und hernach das land wieder bevölkerten. dieses schif heißt auch das von Nevydd nâv neivion 482 und es hatte ein männchen und weibchen aller geschöpfe in sich aufgenommen; wiederum wird berichtet, die ochsen des Hu Gadarn hätten aus dem Llionsee den avanc (bieber) ans land gezogen und seitdem sei er nicht mehr geborsten Davies a. a. o. 95. 129. Villemarqué contes bretons 2, 294. Mabinogion 2, 341. 381. . Noch engeres umfangs sind unsere deutschen sagen von dem am Thunersee zu Ralligen einkehrenden zwerg (no. 45), fast nahe kommend dem mythus von Philemon; Arendsee (no. 111), wo auch nur mann und frau gerettet werden; Seeburg (no. 131); Frauensee (no. 239). eine dänische volksüberlieferung hat Thiele 1, 227. Frischer anmutiger züge voll ist das serbische lied von den drei engeln, die gott auf die sündhafte welt sendet, und dem ursprung des Plattensee (balatino jezero). Vuk 4, 8–13 (zweiter ausg. 1. no. 207) einziges beispiel einer flutsage bei Slaven, unter denen sich überhaupt gar keine cosmogonische vorstellungen fortgepflanzt zu haben scheinen. . Deutschen heidnischen anstrich haben aber vornemlich die seen und lachen, welche aus dem strömenden blut der riesen (deutsche sag. no. 325) hervorgegangen sind, wie die vertilgende sinflut aus dem blute Ymirs. Es scheint mir unmöglich, die vielheit aller dichtungen von der großen flut und von erschaffung des menschengeschlechts auf die mosaische urkunde zurückzuführen, aus der sie nur verwildert und entstellt sein sollten; das verbieten schon die eigenthümlichen vorzüge, mängel und abweichungen fast einer jeden. ich habe diesen sagenkreis lange nicht erschöpft Nachtrag: Παλαιοὶ λόγοι von sinfluten (κατακλυσμοῖς) werden erwähnt von Plato de leg. 3, 677. die form sinvluot kommt noch im Mauritius 692 vor, neben sinfluot anegenge 22, 17. 24, 13 auch schon sintvluot 25, 18. sintwaege 23, 54. sintgewaege 25, 7. Luther hat noch sindflut für sündflut. durch die flut wird das riesengeschlecht vertilgt. Beov. 3377–84. als sie verläuft, werden drei raben ausgelassen s.  954 , womit man auch die verse der Völuspâ beim fallen der wasser vergleichen kann: falla forsar, flŷgr örn yfir , sâ er â fialli fiska veiđir.   Sæm. 9 b . auch bei der americanischen sinflutsage kommt die rettung in ein schif und die aussendung von tieren, des bibers und der ratte vor. Klemm 2, 156. Deukalions sinflut schildert Athen. 1, 409 und Ovid im ersten buch der metamorphosen. vgl. Selig Cassels Deukalion s. 223. 246. Lucians sage erwähnt auch, daß alle wilden tiere in Deukalions arche aufgenommen werden und friedlich zusammenwohnen. Lucian. de saltatione cap. 39. die indische sinflutserzählung leitet Félix Nève de l'origine de la tradition indienne du déluge. Paris 1849. aus der heiligen schrift. dem wachsenden fisch dieser indischen sage gleicht Jörmungandr, der in die see geworfen so ungeheuer wächst. Sn. 32 und die wachsende schlange, die ins meer getragen sein will. Klemm 2, 162. Manus selbst bedeutet mann, mensch. Kuhns rec. d. Rigveda s. 107. über den anderen indischen bericht von Satjavratas s. Polier mythologie des Indous 1, 244–247. Deutsche sagen von einer großen flut überliefert Vonbun s. 14–16 (vgl. s.  820 . 821 ). noch heute besteht der volksglaube, daß zerstörendes wasser aus bergen brechen werde. Panzer beitr. 1, 276. 277. wie aus der riesenzehe der deutschen sage, strömt aus Wäinämöinens zehe die flut. rune 3. die zwergsage aus der Rheingegend bei Firmenich 2, 49 scheint nach der sage vom Thunersee (DS. no. 45) umgearbeitet. der zwerg erinnert an den engel, der die hand mit dem tuch über die stadt erhebt. Greg. tur. 10, 24. , auch auf den inseln des östlichen archipels, in Tonga und Neuseeland, unter den Caraiben und Mexicanern thun sich überraschend ähnliche und doch verschiedne nachrichten von der erschaffung, dem ersten menschenpaar, von flut und rettung und dem brudermord hervor Wh. von Humboldt Kawisprache 1, 240. 3, 449. Majers myth. taschenb. 2, 5. 131. . 483 Cap. XX. Elemente. Von den göttern, halbgöttern und heroen, der ganzen schar freundlicher oder feindlicher wesen, die dem menschen geistig oder leiblich überlegen zwischen ihm und der gottheit eine mitte ausfüllen, ab richtet sich unser blick auf einfache erscheinungen der natur, welche von jeher in ihrer stillen größe unmittelbare gewalt über das menschliche gemüt ausüben. diese alldurchdringenden, alles in sich aufnehmenden, der schöpfung aller andern dinge vorausgehenden, überall wieder vortretenden urstoffe müssen schon an sich, ohne daß sie in nähere beziehung zu göttlichen wesen gesetzt werden, heilig sein. ein solcher bezug bleibt in keiner mythologie aus, er kann aber nicht hindern, daß den elementen eine gewissermaßen davon unabhängige eigenthümliche verehrung zugewendet werde. Auf der andern seite erwächst aus dem grund und boden dieses elementardienstes niemals die eigentliche religion eines volkes; der glaube selbst entspringt in einer geheimnisreichen fülle übersinnlicher ideen, die mit jenen stoffen nichts gemein hat, sondern sie sich unterwirft. Allein der glaube duldet heilighaltung der elemente in seinem geleit, er mischt sie mit sich, und sie kann sogar, wenn er untergeht oder vergröbert wird, unter dem volke fortwährend und länger anhalten. Der gemeine haufen läßt seine großen gottheiten fahren und beharrt doch noch eine zeitlang in dem cultus vertraulicher hausgötter; auch ihnen entsagt er, und behält seine scheu vor den elementen. Die geschichte des heidnischen und christlichen glaubens lehrt, wie lange nach untergang jenes und befestigung dieses eine menge abergläubischer gebräuche fortdauerten, ja heute fortdauern, die mit verehrung der elemente zusammenhängen. es ist der letzte, kaum austilgbare heidnische überrest; nach dem zerfall der götter treten die nakten stoffe wieder vor, mit denen sich das wesen jener geheimnisvoll vermählt hatte Nachtrag: Vor den neuen göttern bestand ein alter naturdienst (s.  279 ), auf den wol Caesars Sol Luna Vulcanus zu beziehen sind, wie denn die riesen ältere naturgewalten bedeuten, feuer, luft, wasser, sonne, mond, tag und nacht. vgl. Plato Cratyl. 397. 408. noch weit später wird in der warnung 2243 ff. ein naturcultus ausgesprochen, ein anbeten des vogelsangs, der blumen und des grases. alle mythologien beziehen einzelne götter auf die elemente, nach der indischen ist Indra gott der luft, Varuna der des wassers. den Griechen war Zeus so viel wie der aether, aer. die Perser beteten die elemente an, nicht menschenartige götter. Herod. 1, 131. die Inder nahmen fünf elemente an: feuer, wasser, erde, aether (akasa) und wind (vaja). die Chinesen sahen im metall ein eignes element. Galen verzeichnet vier : warm, kalt, trocken, naß. (könnte man diese eigenschaften beziehen auf feuer, erde, luft, wasser?) wie die vier elemente in einander greifen, wird MS. 1, 87 a . geschildert. auch H. Sachs 1, 255 kennt die vier elemente. erde und wazzer nider swebet, viur und luft ze berge strebet. Freid. 109. 24. vgl. Renn. 6115. in allen vier elementen leben tiere: swaz gêt, vliuzet, swebet. MS. 2, 183 a . man klagte den elementen, der erde, dem feuer, sein leid. s.  534 . . In solchem sinn habe ich mich bereits oben (s.  82 –84) über einen naturcultus unserer vorfahren erklärt, den frühe zeugnisse beglaubigen, die man verkehrterweise gegen götter des heidenthums zu gebrauchen pflegt. die götter standen und fielen aus andern ursachen. Das lautere, rinnende, quellende und versiegende wasser, das leuchtende, erweckte und erlöschende feuer, die nicht dem auge, aber ohr und gefühl vernehmbare luft, die nährende erde, 484 aus welcher alles wächst und in welche alles gewachsene aufgelöst wird, erscheinen dem menschlichen geschlecht von früher zeit an heilig und ehrwürdig; gebräuche, geschäfte und ereignisse des lebens empfangen erst durch sie ihre feierliche weihe. weil sie in unablässig reger thätigkeit und kraft auf die gesamte natur einwirken, widmet ihnen der kindliche mensch verehrung, ohne daß nothwendig ein besonderer gott dazwischen tritt, der aber oft noch damit verknüpft erscheint. auch heute weckt die herrlichkeit und macht dieser urstoffe unsere bewunderung; wie hätte sich das alterthum seines anstaunens und anbetens erwehren können? solch ein cultus ist einfacher, freier und würdiger als das dumpfe niederknien vor bildern und götzen. Alle elemente sind reinigend, heilend, sühnend, der beweis durch gottesurtheile beruht hauptsächlich auf ihnen; der mensch aber muste sich ihrer in der lautersten gestalt, zur gelegensten zeit versichern. Wir wollen sie der reihe nach erwägen. I. Wasser. goth. vatô , altn. vatn , ahd. wazar , alts. watar , ags. väter , dän. vand, slav. voda, litth. wandů, lett. uhdens, gr. ὕδωρ; dem lat. aqua entspricht goth. ahva , ahd. aha , ags. eá , altn. â , aber die bedeutung ist fluvius. goth. vêgs , ahd. wâc ist fluctus, flut. stellen, die ergeben, daß Alamannen und Franken flüsse und quellen verehrten, sind s.  82 und im anhang beigebracht wenn ich mich der burchardischen samlung hier, und bei andrer gelegenheit, für den deutschen aberglauben bediene, überlege ich wol, daß sie in den meisten fällen (nicht überall) aus concilien schöpft, die nicht in Germanien, sondern in Gallien, Italien, Spanien gehalten wurden. Erwägt man inzwischen, daß bis zum 8. 9 jh. deutsche völker sich durch alle diese länder ergossen hatten, daß die ags. und langob. gesetze, der capitularien zu geschweigen, gleich jenen concilienschlüssen gegen wasser, baum und steincultus eifern, daß ihn Agathias und Gregor von Tours ausdrücklich Alamannen und Franken zur last legen; so ergeben sich diese superstitionen als etwas gemeinschaftliches für italische, gallische, germanische völkerschaften, wovon sich weder die eine noch die andere ausschließen läßt. Man hat aus Agathias und Gregor erweisen wollen, unsere vorfahren hätten bloßen naturdienst, keine götter gehabt. für gleich uncritisch würde ich halten, wenn man, gewissermaßen umgekehrt, Agathias und Gregor verdächtigen wollte, ihre behauptungen aus kirchenverboten hergenommen zu haben, die ursprünglich Deutschland gar nichts angiengen. In die weltlichen gesetze scheinen solche verbote erst durch die capitularien gerathen; die ältern volksrechte hatten keine buße für abgötterei, nur die ags. dômas des Vihtræd cap. 13 setzen sie auf deofolgild im allgemeinen. . das volk betete am ufer des flußes, am rand der quelle, zündete lichter an, stellte opfergaben hin. es heißt: fontibus venerationem exhibere, ad fontanas adorare, (vgl. leg. Liutpr. 6, 30), ad fontes votum facere, reddere, exsolvere, orare ad fontes, offerre ad fontes, munus deferre, ad fontes luminaria facere, candelam deferre. dies letzte geschah wol nur, oder hauptsächlich abends und nachts, wo die widerscheinende flamme in der flut den schauer der anbetung 485 erhöhen muste weihnachten schaut man mit lichtern in den brunnen . . Auch die Sachsen waren fonticolae, in den ags. gesetzen werden vyllas und flôtväter als gegenstände der verehrung genannt. außer der stelle beim Cnut heißt es im poenitentiale Ecgberti 2, 22: gif hvilc man his ælmessan gehâte ođđe bringe tô hvilcon vylle ; 4, 19 gif hvâ his väccan ät ænigum vylle häbbe (vigilias suas ad aliquem fontem habeat); die canones Edgari § 16 verbieten vilveorđunga (quellverehrung); ob man aus der s.  84 angezognen altn. sage, die der vötn erwähnt, auf wirklichen wassercultus in Scandinavien schließen darf, weiß ich nicht: fast scheint die stelle einer lat. ausländischen nachgeahmt. an sich selbst ist die heilighaltung des wassers unbezweifelbar. ein eddisches lied hat gleich im beginn die merkwürdigen worte: ›hnigo heilög vötn af himinfiöllom‹. Den Sclavenen legt schon Procop. (b. goth. 3, 14) verehrung des wassers bei: σέβουσι ποταμούς und noch Helmold sagt von den Slaven zu Faldera 1, 47 : lucorum et fontium ceterorumque superstitionum multiplex error apud eos habetur Nachtrag: Den hainen und quellen brachte man opfer. blôtađi lundin. Landn. 3,17. blôtađi forsin . das. 5, 5 (s.  492 ). und Sæm. 44 a . heißt es: heilög vötn hlôa (tepent, calent). die Hessen opferten › lignis et fontibus ‹. Pertz 3, 343. den Christen wurde von den Samländern und Preußen der zugang zu den hainen und quellen verwehrt, um dieselben vor entweihung zu schützen (Pertz 9, 375. vgl. Helmold 1, 1). gebet, opfer und gericht wurde an der quelle gehalten. RA. 799. porro in medio noctis silentio illas (feminas) ad fontes aquarum in orientem affluentes juxta hortum domus egressas Herwardus percepit. quas statim secutus est, ubi eas eminus colloquentes audivit, nescio a quo custode fontium responsa et interrogantes et expectantes. gesta Herwardi Saxonis aus d. j. 1068 (Wrights essays 1, 244. 2, 91. 108. Michel chroniques anglonormandes 2, 70). in einem englischen lied heißt es: I the wel woke , ich wachte am brunnen. Wrights essays 1, 245. das ist die ceremony of waking the well . in die Bode am Harz opfert man noch jetzt dem flußgott ein schwarzes huhn  (?) eh man mit der ersten fuhr getraides vom feld fährt, wirft man drei ähren in ein rinnendes wasser , und hat man keins, so wirft man die drei ähren ins ofenfeuer , bevor die fuhr in den stadel kommt. brennt im ofen kein feuer, so macht man zuvor eins. das ist bairischer brauch. Panzer beitr. 2, 213. nach Hartliebs buch aller verboten kunst (s.  487 ) brennt man kerzen vor dem aus drei fließenden brunnen vor sonnenaufgang geschöpften wasser und › legt dem wasser ere an sam gott selber ‹. ähnliche ehrfurcht hegten die Römer vor den gewässern. flumini Rheno pro salute s. de Wal. no. 232. genio loci et Rheno pro salute das. no. 233. deus Rheni no. 234. man grüßte das bad beim aus und eingehen mit entblößtem haupt und stellte weihgeschenke an wasser und quellen. Rudorffs zeitschr. 15, 216. auch werden ministri fontis genannt das. 15, 217. . Vorzugsweise verehrte man den ort, wo das wunderbare element aus dem schoß der erde hervorspringt; quelle heißt in der alten sprache ursprinc , aber auch prunno von prinnan (ardere), wie sôt , ein anderes wort für brunne, von siodan (fervere) und welle (fluctus) von wallan (fervere) kommt, sual (subfrigidus) von suëlan (ardere) vgl. gramm. 2, 29. 34. sprudel gehört zu sprühen; in solchen wörtern vermählen sich wasser und feuer. . Oft schon wird das erste vortreten der quelle göttlicher einwirkung oder einem wunder beigemessen; Wuotan, Balder und Carl der große ließen ihrem durstenden heer den labebrunnen aus der erde fließen (s.  187 ). andere quellen hat ein schlag mit dem stab oder des rosses huf dem felsen entlockt die helikonische rosquelle (ἱπποκρήνη) schlug Pegasus: novi fontis Dura medusaei quem praepetis ungula rupit. Ov. metam. 5, 257–64. gerade so kommt die goldader im berge durch hufschlag an den tag. Rhea schlug in Arkadien quelle mit dem stab: ἀντανύσασα ϑεὰ μέγαν ὑψόϑι πῆχυν πλῆξεν ὄρος σκήπτρῳ· τὸ δέ οἱ δίχα πουλὺ διέστη, ἐκ δ' ἔχεεν μέγα χεῦμα   Callimach. h. Jov. 28. , der heilige senkt einen ast in den boden und das wasser sprudelt. Noch weiter aber sind die annahmen verbreitet, daß das wasser heiliger bäche und ströme von göttern und höheren wesen aus schalen oder urnen ursprünglich ausgegossen, daß brunne und quell von dabei liegenden schlangen oder drachen gehütet werde Nachtrag: Wie prunno von prinnan (ardere) stammt, sprachen die Römer von torrens aqua d. i. æstuans, rapida von torrere brennen, glühen. subita et ex abdito vasti amnis eruptio aras habet. Seneca ep. 41. vgl. die ganze stelle in Rudorffs zeitschr. 15, 214. vom heiligen Furseus († 650) heißt es: fixit baculum suum in terram et mox bullivit fons magnus. acta Bened. s. 321. der göttliche steuermann im friesischen Asegabuch wirft beim landen ein beil in den rasen, aus welchem ein brunne entspringt. Richthofen 440. der huf des rosses scharrt eine quelle ( anm. 1700 ). dem stierhaupt des Acheloos entströmen bäche. Soph. Trachin. 14. ein brunne entspringt aus dem eselskinnbacken . b. d. richter 15, 19. dô spranc ein brunne sâ ze stete ûz der dürren molten. Servatius 1382, nachdem der dürstende heilige ›ein kreuz gethan‹. auch entspringt eine quelle da, wo eine jungfrau niederfällt. Panzer beitr. 1, 198. wasser wird von der riesin gepisst . Sn. 1848. 1, 286. die finnen kennen drei flüsse, die aus thränen gebildet sind. Kalev. 31, 190. heilquellen entspringen aus des schlafenden riesen schweiß . Kalewipoeg 3, 87. 89. schön geschildert ist Tiberinus bei Claudian. in Prob. et Olybr. 209–265. Rhenus projecta torpuit urna . Claudian. in Rufin. 1, 133. die nimfe hält in der rechten ein marmorgeschirr , woraus der quell des bächleins geronnen kommt. Opitz 2, 262. sie gießt den Zacken. das. 263. Opitz gebraucht den ausdruck › springkammer der flüsse‹ ebend., wie bei Hebel s. 12. 38 die Wiese als wickelkind im verborgnen stüblein des felsens liegt, wohin kein auge dringt, im kristallzimmer und in silberner wiege . in Stabburags quelle und grotte (kirchsp. Selburg) sieht das volk eine spinnende jungfrau, welche den bräuten schleier webt. Kruses urgesch. s. 51. 169. 171. ahd. bedeutet klingâ , chlinkâ torrens und nympha. vgl. oben nixe, tocke. anm. 1228 . . Wasser, zu heiliger zeit, mitternachts vor sonnenaufgang, in feierlicher stille geschöpft, führt noch späterhin den namen heilawâc , heilwâc , heilwæge . die erste form, mit haftendem compositionsvocal nach langer silbe, zeugt für das alter des ausdrucks, dessen bedeutung ihn gegen änderung sicherte. MS. 2. 149 b : ›man seit von heilawâge uns vil, wie heil, wie guot ez sî, wie gar vollekomen 486 der êren spil, wie gar sîn kraft verheilet swaz wundes an dem man versêret ist‹. Martina 116: ›got, du fröude flüzzic heilawâc ‹, und in ähnlichem sinn 248. 283. mit anwendung auf Christus und das kreuz Mar. 224: ›der boum ist gemeizzen, dâ daz heilwæge von bechumet, daz aller werlte gefrumet‹. allgemeinere anführungen ›ein heilwâge ‹ Diut. 1, 352 und noch in Anshelms Berner chronik 1, 308 › heilwag ‹ unter andern segen und zaubermitteln. zuletzt bei Phil. v. Sittewald (Strarsb. 1677) 1, 483: ›das fließend brunnwasser, so man in der heil. weihnacht, so lang die glock zwölfe schlägt, samlet, und heilwag genannt wird, ist gut wider nabelwehe‹ (abergl. 804 ). In diesem heilawâc zeigt sich uralte mischung heidnischer bräuche mit christlichen. das volk glaubt, bis auf unsere tage, zu weihnachten oder ostern nachts um XII, oder zwischen XI und XII, wandle sich brunnenwasser in wein (abergl. 54 . 792 zelm ehen eines weibes. Leipz. 1735 s. 235. ), Wieselgren s. 412, diese annahme leitet sich auf die vorstellung zurück, daß die erste manifestation der gottheit des heilandes bei der hochzeit zu Cana, wo er wasser in wein verwandelte , geschehen sei; weihnachten aber begieng man epiphanie oder theophanie (s.  233 ), geburt und taufe, und verband damit die erinnerung an jenes wunder: dafür galt der besondere ausdruck bethphania Christi erste erscheinung war seine geburt, die zweite seine taufe (lichtmesse), die dritte jene canische hochzeit: ›tertia apparitio fuit postea similiter eodem die anno revoluto cum esset 30 annorum et 13 dierum, sive quando manifestavit se esse deum per mutationem aquae in vinum , quod fuit primum miraculum apertum, quod dominus fecit in Cana Galilaeae, vel simpliciter primum quod fecit. et haec apparitio dicitur bethphania a βήτω, quod est domus, et φάνειν, quod est apparitio, quia ista apparitio facta fuit in domo in nuptiis. de his tribus apparitionibus fit solemnitas in hac die‹. Durantis ration. div. offic. 6, 16. Die kirche vereinigte drei erscheinungen in eines festes feier. . Schon Chrysostomus predigte im jahr 387 auf epiphaniastag zu Antiochien, daß man an diesem fest mitternachts wasser schöpfe und jahrelang als ein immer frisches, unverderbliches (ohne zweifel zu wunderthätigem gebrauch) aufhebe tom.2 (ed. Montfauc. Par. 1718) p. 369: διά τοι τοῦτο καὶ μεσονυκτίῳ κατὰ τὴν ἑορτὴν ταύτην ἅπαντες ὑδρευσάμενοι οἴκαδε τὰ νάματα ἀποτίϑενται , καὶ εἰς ἐνιαυτὸν ὁλόκληρον φυλάττουσιν, ἅτε δὴ σήμερον ἁγιασϑέντων τῶν ὑδάτων· καὶ τὸ σημεῖον γίνεται ἐναργὲς οὐ διαφϑειρομένης τῆς τῶν ὑδάτων ἐκείνων φύσεως τῷ μήκει τοῦ χρόνου, ἀλλ' εἰς ἐνιαυτὸν ὁλόκληρον καὶ δύο καὶ τρία πολλάκις ἔτη τοῦ σήμερον ἀντληϑέντος ἀκεραίου καὶ νεαροῦ μένοντος, καὶ μετὰ τοσοῦτον χρόνον τοῖς ἄρτι τῶν πηγῶν ἐξαρπασϑεῖσιν ὕδασιν ἁμιλλωμένου. . abergläubische Christen nahmen also zweierlei an, heiligung des wassers in der mitternacht des tauftages und verwandlung in wein zur zeit der bethphanie; solches wasser nannten die Deutschen heilawâc auch heilawîn? Frauenlob MS. 2, 213 b von dem › heilwîn tragenden garten‹. altd. bl. 2, 294. , und legten ihm hohe kräfte zu, es sollte krankheiten, wunden heilen und nicht verderben Nachtrag: Bei der wiederherstellung des Capitols heißt es von den Vestalinnen: aqua vivis e fontibus amnibusque hausta perluere. Tac. hist. 4, 53. brunnen, die der heilige dem boden entlockt, wie Servatius durch sein gebet, haben heilkraft. die mit deheinen sêren wâren gebunden, genâde die funden ze demselben urspringe.   Serv. 1390. man suchte solchen heilquell mit binsen, aus welchen ein funke schlug. ir. märch. 2, 76. 77. der aberglaube, wasser wandle sich in heiliger zeit in wein , kommt auch im norden vor. Wieselgren 412. quellen, aus denen heilige schöpfen, geben wein statt wassers. Müllenhoff s. 102. 103. wein wird auch bei Bader no. 338 aus einem brunnen geschöpft. der quell verliert seine heilkraft , nachdem ein gottloser sein krankes pferd darin gebadet hatte. Müllenhoff no. 126. ebenso, nachdem eine edelfrau ihr blindes hündchen darin gewaschen. n. preuß. prov. bl. 2, 44. dagegen werden quellen dadurch heilig, daß sich göttinnen in ihnen badeten . so die quellen, worin Sîtâ gebadet. Meghadûta im eingang. Wer aus der quelle Reveillon in der Normandie getrunken hat, muß in diese heimat zurückkehren . Bosquet 202. . 487 Vielleicht wurde schon in Syrien ein altheidnisches wasserschöpfen durch jene deutungen verschleiert. In Deutschland weisen andere umstände unversteckt auf heidnische heiligkeit des wassers, das aber nicht zur mitternachtsstunde, sondern frühmorgens vor sonnenaufgang geschöpft werden muste, stromabwärts und stillschweigends (abergl. 89 . 775 ), gewöhnlich am ersten ostertage (775. 776), auf den jene auslegungen weniger gerecht sind: dieses wasser verdirbt nicht, verjüngt, heilt ausschläge, kräftigt das junge vieh Jul. Schmidt Reichenfels p. 121. auch in Cassel hörte ich baden im druselwasser als heilsam rühmen, es müsse aber mit dem lauf, nicht gegen den lauf geschöpft werden. wahrscheinlich ist die rechte zeit dazu Walburgis oder Johannis. . Zauberwasser, zu unchristlicher weissagung diensam, soll sonntags , vor sonnenaufgang , an drei fließenden brunnen , in ein glas gesammelt werden; und vor dem glas wird, wie vor einem göttlichen wesen, eine kerze angezündet (anh. abergl. H. c. 55–57) der gebrauch könnte, wie anderes von Hartlieb angeführte, dem classischen alterthum gehören. auch bei der γαστρομαντεία, der wahrsagung aus einem wasserangefüllten, bauchigen gefäß (γάστρη) kommt die fackel und der unbefleckte knabe vor. Potters archaeol. 1, 764. Fabricii hibliogr. antiq. ed. 3. p. 600. . Hierher nehme ich auch eine s.  47 . 48 berührte hessische volkssitte: am zweiten ostertag wandeln jünglinge und jungfrauen zum holen stein des gebirges, schöpfen wasser in der kühlen quelle, das sie in krügen heimtragen , und werfen blumen zum opfer hin. Wahrscheinlich war dieser wassercultus zugleich celtisch: im wasser des felsenbrunnens Karnant wird ein zerbrochnes schwert wieder ganz , aber ›du muost des urspringes hân underm velse, ê in beschin der tac ‹.   Parz. 254, 6. Tit. 5456. 5732 das härten und ergänzen der schwerter im wasser (sverđ herđa Sæm. 136 b ) war sicher auch deutscher glaube. Vilkinasaga cap. 40 s. 100 meldet: als zwerg Alberich den Nagelring geschmiedet hatte, suchte er in neun königreichen, ehe er das wasser fand, worin das schwert gehärtet werden könne; endlich gelangte er zum wasser Treya , und da ward es gehärtet. hierzu stimmt Eckenlied str. 81. nur ist es noch genauer: ›dannoch was ez niht vollebrâht, dô fuortenz zwei wildiu getwere wol durch niun künecrîche, biz daz si kâmen zuo der Drâl , diu dâ ze Troige rinnet, daz swert daz was sô liehtgemâl: si hartenz in der Drâle , des wart ez alsô fîn‹. Wer aber zweifelt noch an wirklichen deutschen liedern, die der Vilk. saga unter liegen? . merkwürdige gebräuche schildern, auf welche weise sich am ersten maimorgen junge mädchen (der pyrenäengegend) in dem quellwasser weissagen . An die eigenthümlichkeit der gesundbrunnen braucht hier nicht nothwendig gedacht zu werden; es ist die allgemeine kraft des erfrischenden, stärkenden, neubelebenden elements ein mensch von der otter gebissen stirbt nicht, wenn er eher als die otter, über das nächste wasser springt . Lenz schlangenkunde p. 208. . viele örter in Deutschland heißen Heilbrunn, Heilborn, Heiligenbrunn, von der verjüngenden wirkung ihrer quellen oder den wunderbaren heilungen, die sich dabei zugetragen. Heilbronn am Neckar 488 wird in den ältesten urkunden Heilacprunno genannt Böhmers reg. Karolor. nr. 740 (a. 841); Ecc. Fr. orient. 2, 893. der Necker vliuzet für Heilicbrunnen. MS. 2. 68 b . . aber einzelne quellen und brunnen können vorzugsweise in ansehn gestanden haben. berühmt sind der altn. Mîmisbrunnr und Urđrbrunnr (s.  337 ) der Sn. 17 brunnr miöc heilagr genannt wird. ein dän. volkslied (1, 318) gedenkt der Maribokilde , durch deren lauteres wasser stücke eines zerhauenen leibs wieder zusammengefügt werden. schwed. lieder nennen Ingemos källa (vis. 1, 244. 245). des altfries. brunnens, aus welchem stillschweigends geschöpft werden muste, ist s.  190 . 191 erwähnt Nachtrag: Heiliges wasser darf nur in gefäßen geschöpft werden, die nicht stehn, sondern hängen oder getragen werden und nicht die erde berühren , vielmehr beim stellen umfallen und alles verschütten. (so darf die ausgezogne pflanze, der ausgefallene zahn des knaben die erde nicht berühren s.  548 .) solches gefäß, futile , ward im Ceres- und Vestadienst gebraucht. Servius ad Aen. 11, 339. schol. Cruquii ad Horat. a. poet. 231. Forcellini s. v. solcher gefäße bedienten sich auch die Schotten bei the well of Airth, an dem zeugenverhöre stattfanden. Hones daybook 2, 686. 867. auch sind wendische erzgefäße, die nicht stehen können , an verschiedenen orten gefunden. balt. stud. 11, 31. 33. 37. 12, 37. beim opfer durften die Letten die schale nicht mit der hand, nur mit den zähnen berühren. Haupts zeitschr. 1. 145. die warmen quellen zu Thermopylae nannte man χύτρους (ollas). Herod. 7, 176 vgl. olla Vulcani. Helicbrunno MB. 28 a , 93. heilicprunno das. 11, 109. heiligbrunno das. 29 a , 96. Helicbruno chart. sithiense s. 113. Helicbrunno ein bach in d. Niederlanden. Waitz sal. ges. 55. über Heilbronn Rudorfß zeitschr. 15, 226 (vgl. die nobiles fontes das. 15, 218). Helgi at Helgavatni . Landn. 2, 2. Helgavatn . Urđarvatn das. 3, 2. 3. andere wahrscheinlich heilige brunnen sind der Pholesbrunno s.  187 , der Gôzesbrunno ( anm. 913 ). ein schwed. lied nennt die Helge Thors källa in Småland, aus der man in der heiligen donnerstagsnacht wasser schöpft, welches blindheit heilt. andere heilige quellen zählt Müllenhoff s. 595 auf. Maria wird genannt ›alles heils ein lûter bach ‹, oder › heiles bach ‹. Altswert 98, 23. 73. hatte der engel das wasser des teiches Bethesda bewegt, so ward der erste, der darnach hineinstieg, gesund. ev. Joh. 5, 4. Flüsse wurden über gräber und schätze geleitet ( anm. 636 ). . An solchen quellen wurden opfer gebracht; des heilsamen einflusses der warmbrunnen und sauerbrunnen auf die gesundheit wird man von undenklicher zeit her gewahr gewesen sein, wie die aquae mattiacae schon unter den Römern oder jene aquae calidae bei Luxueil (s.  67 ) lehren. wenn die Wetterauer einen krug sauerbrunnen anbrechen, gießen sie jedesmal den ersten tropfen auf den boden, man sagt um den staub abzuschütten, weil die krüge offen stehn, es kann aber auch als libation angesehn werden, die dem geist des brunnens galt legten Heiden die wunderkraft einer quelle ihren wald oder wassergeistern zu, so übertrugen Christen das nachher auf ihre heiligen. ein beispiel nehme ich aus den miraculis s. Agili, die im 12 jh. niedergeschrieben wurden: an dem bach des heiligen Agilus geschahen wunderbare heilungen. sed interim quorundam vesaniae occurrere libet, qui in digito dei nequaquam haec fieri aestimantes, daemoniacae , pro nefas, attribuunt potestati . cumque miracula diffiteri nequeunt, id solum in causam calumniae adsumunt, quod in agresti fiunt loco , ubi nullus dei cultus, ubi nullae sanctorum memoriae. o prudentiam! verentur homines sublimi ingenio, ne ad ludibrium mortalium a faunis , nymphis vel satyris , ceterisve ruris numinibus res geratur ejusmodi. nam ut de fabulis taceam, apud quos historiagraphorum veterum seu modernorum legitur daemones visum coecis, mentem amentibus, manus debilibus, gressum claudicantibus restaurasse? (acta Bened. sec. 2. p. 333.) Das schwedische volk schreibt die kraft einiger heilquellen weißen schlangen zu. 1809 strömten tausende aus Halland und Vestergötland zu dem wunderthätigen Helsjö (einem kleinen see unweit Rampegärde); man erzählte sich, kinder am strande das vieh hütend hätten dieses jahr über oft eine schöne jungfrau am ufer sitzen sehen, sie hielt in ihrer hand eine schlange und wies sie ihnen. nur alle hundert jahre erscheint diese wasserjungfrau mit der schlange. Bexells Halland 2, 320. 3, 303. Zu einer quelle, genannt s. Olafskiälla , kam viel volks aus Norwegen und Halland, warf opferpfennige hinein und trieb andern aberglauben. Ödmans Bahuslän p. 169. In der christlichen zeit läßt man heilquellen nahe bei gräbern heiliger männer entspringen. Bexell a. a. o. 3, 69: heilquellen unter des heiligen leichnam. Flodoard. remens. 2, 3. Mit den warmen bädern zu Achen scheint mir jene wasserjungfrau , in deren mythus Carl der große gezogen wurde (s.  361 ), verbunden werden zu müssen. . Gleich den gesundbrunnen achtete man die salzquellen für heilig, worüber in einem späteren capitel die nachrichten des alterthums zusammengestellt werden sollen. Das mittelalter unterhielt die vorstellung von einem jungbrunnen gleichbedeutig das ahd. quecprunno , mhd. quecprunne Parz. 613, 9 fragm. 18, 267. : wer darin badet, heilt von krankheiten und wird davor bewahrt; Rauchels 489 legt darin ihre haut ab und wandelt sich in die schöne Sigeminne (s.  361 ); ein solcher brunne hat zuweilen auch die kraft, das geschlecht der badenden zu verändern vgl. die im mus. f. altd. lit. 1. 260–63 aus Montevilla, dem Titurel und H. Sachs angeführten stellen. Nachtrag: Aus einem verjüngenden brunnen wird im mai vor sonnenaufgang getrunken. Tit. 6053. andere jungbrunnen im gedicht von Abor. Haupts zeitschr. 5, 6. 7 und Wigamur 1611 bis 1615 an einer linde. mnl. joochtborre jugendborn. horae belg. 6, 223. der adler verjüngt sich in einem brunnen › chöckprunnen ‹. Karajan 32, 12. 98, 5. vgl. Griesh. pred. 1, 29. . In einer quelle bei Nogent badeten abends vor Johannis männer und frauen (anh. abergl. L, 33 .); Holbergs lustspiel ›kildereisen‹ gründet sich auf die sitte des Kopenhagner volks, › s. Hans aften ‹ nach einer benachbarten quelle zu wallfahrten, und sich in ihrem wasser zu heilen und zu stärken. die Östergötländer reisten nach altem brauch mittsommernachts abend zu Lagmans bergekälla bei Skeninge und tranken den brunnen (Broocman 1, 187. 2, 676). in manchen gegenden Deutschlands wird zu pfingsten irgend ein lauterer brunnen besucht und sein wasser aus eigenthümlich geformten krüglein getrunken. Wichtiger ist die einstimmende beschreibung Petrarchas von einem noch zu seiner zeit hergebrachten bade cölnischer frauen in dem Rhein: sie verdient ausführlich eingeschaltet zu werden Franc. Petrarchae de reb. familiar. epistolae lib. I ep. 4: Aquis digressum, sed prius, unde ortum oppidi nomen putant, aquis bajano more tepentibus ablutum excepit Agrippina Colonia, quae ad sinistrum Rheni latus sita est. lacus et situ et flumine clarus et populo. mirum in terra barbarica quanta civilitas. quae urbis species, quae virorum gravitas, quae munditiae matronarum. Forte Johannis baptistae vigilia erat duro illuc applicui, et jam ad occidentem sol vergebat: confestim amicorum monitu (nam et ibi amicos prius mihi fama pepererat quam meritum) ab hospitio traducor ad fluvium insigne spectaculum visurus. nec fallebar. omnis enim ripa praeclaro et ingenti mulierum agmine tegebatur . obstupui, dii boni, quae forma, quae facies, quis habitus! amare potuisset quisquis eo non praeoccupatum animum attulisset. In loco paullum altiore constiteram, unde in ea, quae gerebantur, intenderem. incredibilis sine offensione concursus erat, vicissimque alacres, pars herbis odoriferis incinctae, reductisque post cubitum manicis, candidas in gurgite manus ac brachia lavabant , nescio quid blandum peregrino murmure colloquentes . Vix nunquam clarius intellexi, quod Ciceroni placet, et veteri proverbio dici solet: inter linguas incognitas omnes propemodum surdos ac mutos esse. unum mihi solatium gravissimorum interpretum non deerat. nam et hoc inter cuncta mirabere, coelum illud spiritus pierios alere. Itaque dum miratur Juvenalis quod                     Gallia causidicos docuit facunda Britannos miretur itidem: doctos quod argutos aluit Germania vates. at, ne me auctore fallaris, scito ibi nullum Maronem esse, Nasones plurimos, ut dicas verum fuisse praesagium, quod in fine libri metamorphoseos multum vel posteritatis gratiae vel ingenio suo fidens ponit. siquidem qua romana potentia, seu verius qua romanum nomen domito orbe se porrigit, plausibiliter nunc faventis populi ore perlegitur. His ego comitibus, ubi quid audiendum seu respondendum incidit, pro lingua et pro auribus usus sum. Unum igitur ex eo numero admirans et ignarus rerum percunctatus vergiliano illo versiculo         quid vult concursus ad amnem, quidve petunt animae? responsum accepi: pervetustum gentis ritum esse , vulgo persuasum, praesertim femineo, omnem totius anni calamitatem imminentem fluviali illius diei ablutione purgari et deinceps laetiora succedere, itaque lustrationem esse annuam , inexhaustoque semper studio cultam colendamque. Ad haec ego subridens ›o nimium felices‹ inquam › Rheni accolae, quoniam ille miserias purgat, nostras quidem nec Padus unquam valuit purgare nec Tiberis . vos vestra mala Britannis Rheno vectore transmittitis; nos nostra libenter Afris atque Illyriis mitteremus, sed nobis (ut intelligi datur) pigriora sunt flumina‹. commoto risu sero tandem inde discessimus. Die spiritus pierii, welche damals den gast zum Rhein führten, sind verschollen. erst 1388 kam die Cölner universität auf; lange vorher lebten in dieser stadt gelehrtere geistliche. Unter Maro und Naso versteht er wol handschriften Virgils und Ovids? Petrarchs brief ist von 1330 und an den cardinal Colonna. schon Kaisersberg (omeiß 35 c ) führt ihn an. , weil sie deutlich lehrt, daß dieser 490 cultus nicht bloß in einzelnen quellen, sondern in Deutschlands größtem flusse statt fand. Aus des Italieners unbekanntschaft mit dem hergang sollte man folgern, daß er in dem lande, von welchem alle kirchlichen gebräuche ausgiengen, fremd, also überhaupt unchristlich und heidnisch gewesen sei. vielleicht aber hatte Petrarch keine genaue kunde aller sitten seines vaterlands; aus späterer zeit wenigstens läßt sich die lustration am Johannistag auch dort nachweisen. des Benedict de Falco descrizione de luoghi antiqui die Napoli (Nap. 1580) enthält die angabe: ›in una parte populosa della citta giace la chiesa consegrata a S. Giovan battista, chiamata S. Giovan a mare. era un antica usanza , hoggi non al tutto lasciata, chel la vigilia di S. Giovane , verso la sera e'l securo del di, tutti huomini e donne andare al mare, e nudi lavarsi : persuasi purgarsi de loro peccati, alla focchia degli antichi, che peccando andavano al Tevere lavarsi‹. Und lange vor Petrarch, zu Augustins zeit herschte der gebrauch in Libyen, dieser kirchenvater eifert dagegen und nennt ihn heidnisch: ›natali Johannis de solemnitate superstitiosa pagana Christiani ad mare veniebant , et se baptizabant‹ (opp. Paris 1683 tom. 5 p. 903); und anderwärts: ›ne ullus in festivitate s. Johannis in fontibus aut paludibus aut in fluminibus , nocturnis aut matutinis horis se lavare praesumat, quia haec infelix consuetudo adhuc de Paganorum observatione remansit‹. (append. zu tom. 5. p. 462.) Allgemein gebilligt von der kirche war sie sicher nicht, aber geduldet konnte sie doch hin und wieder sein, als nicht unpassende erinnerung an den täufer im Jordan, und wenn sie früher heidnisch gewesen, auf ihn gedeutet. Weite ausbreitung mochte sie leicht gewinnen, nicht nur als christliche feier, sondern auch als heidnische: Johannistag bezeichnete unsern vorfahren die festliche jahresmitte, wo sich die sonne wendet, und vielfache bräuche konnten damit verbunden sein. ich gestehe, wenn Petrarch das flußbaden an einem kleinen deutschen ort wahrgenommen hätte, würde ich eher auf echt germanischen brauch schließen; in Cöln, der heiligen, ihrer heilthümer wegen berühmten stadt vermute ich eine erst durch christliche überlieferung eingeführte gewohnheit in Polen und Schlesien, vielleicht auch in einem theile Rußlands werden am zweiten ostertage mädchen, welche die frühmette verschlafen, von den burschen gewaltsam mit wasser begossen und mit birkenruthen geschlagen; oft reißt man sie bei nacht aus den betten, schleppt sie in einen fluß oder röhrtrog , in eine wassergefüllte krippe , und läßt sie das bad aushalten. Die Schlesier nennen das schmagostern (selbst Estors oberhess. idiot. kennt schmakustern: auf ostern die rute geben) Nachtrag: Stieler s. 1402 erwähnt folgenden osterbrauch. habent Borussi verbum schmakostern quod significat obviam quarto post tres dies paschales oriente die venientes virgis caedere, sicut juventus nostra facit quarto post ferias natalitias die et kindelen vocant in memoriam innocentium puerorum. schmack Borussis ferulam notat. und in der that ist es richtiger den namen von smagać peitschen herzuleiten s. Weinhold bei Aufrecht und Kuhn 1, 255, als von smigust abspülung. schmackostern heißen die zu ostern mit bunten bändern geschmückten ruthen. jahrb. d. berl. ges. f. d. spr. 10, 228. 229. in Mähren heißt es schmeckostern . Kulda (d'Elv.) 114. Weinhold schles. wb. 85 unterscheidet schmagoster und dyngus . ; der poln. name ist smić (abschwemmen) böhm. smyti, smeywati; smigust bedeutet also abspülung; die Polen gebrauchen auch dyngować und von dem wasserguß dyngus , man besprengt sich gegenseitig mit wasser, vgl. Hanusch s. 197, und die jahrszeit scheint nicht bloß ostern sondern auch Johannis. In der russischen landschaft Archangelsk baden am 23 juni die leute im fluß und streuen kupalnitza (ranunculus acris) Karamsin 1, 73. 74. Überall der glaube an die heiligkeit des osterbades, wie des Johannisbades. Nachtrag: Von den quellwallfahrten im norden berichtet weiteres Wieselgren 389. 411. nach einem spanischen liede brach man auf Johannismorgen blumen am Guadalquivir . Hones daybook 1, 851. zu Warschau werfen am 24. juni die mädchen rosenkränze in die Weichsel und sehen bald mit wehmuth, bald mit freude, wie sie von den wogen hingerissen mit dem strome schwimmen, was nach bestimmten anzeichen gedeutet wird. dies erinnert an den von Petrarca geschilderten Johannisbrauch der Cölnerinnen, den auch Braun im 23. heft der rhein. jahrb. aus dem christenthum herleitet. Petrarca soll erst 1356 nach Deutschland gekommen sein s. schweiz. arch. 4, 87, doch ist sein jene schilderung enthaltender brief von 1330. 1327 sah er Laura bei Avignon und unternahm nachher, noch als jüngling die reise. wen aber versteht er unter den spiritus pierii der rheinischen stadt? Albertus magnus lebte und lehrte zu Cöln, er starb 1280. auch sein schüler Thomas von Aquino lehrte hier eine zeitlang. Duns Scotus kam 1308 nach Cöln und starb da. meister Eckhart († vor 1329) war zu Cöln und Tauler, sein schüler. . 491 Es gibt seen und brunnen, deren wasser zu bestimmter zeit versiegt oder emporsteigt : aus beiden erscheinungen wird unheil geweissagt, sterbfall, krieg und annahende theuerung. Wenn des landesfürsten tod bevorsteht, soll der fluß in seinem lauf einhalten und gleichsam trauer zu erkennen geben (deutsche sag. no. 110); versiegt der brunne, so stirbt bald darauf der herr des geschlechts (das. no. 103). Eine auslaufende oder trocknende quelle, welche theuerung ansagt, pflegt zu heißen hungerquelle , hungerbrunnen (Stald. 2, 63). zu Wössingen bei Durlach ist ein hungerbrunnen , der reichlich fließen soll, wenn unfruchtbares jahr erfolgt, alsdann auch kleine fische hervorbringt Mones anz. 3, 221. 340, wo eine abführende auslegung des namens erzwungen wird. anderwärts heißen diese quellen schändlebach (schadenbringend), ein solcher wurde mir auf der flur bei Cassel angezeigt; Simpliciss. 5, 14 gedenkt des schändlibach bei Oberneheim, der bloß lauft, wenn ein unglück übers land kommt. auch wenn der Lutterborn unweit Herbershausen (Helperhusen) bei Göttingen lauft, so gibt es theure zeiten; baut aber in die helperhüsche müle die spinne, und ins rad die schwalbe, so sind gute zeiten. . solch eine hungerquelle fand sich bei Halle an der Saale; wenn die bauern zur stadt giengen schauten sie danach, und lief sie aus, so sagten sie: ›heuer wird es theuer‹. ähnliches erzählt man von brunnen bei Rosia im Sienesischen, und bei Chateaudun im Orleanischen. da man den Hunger personificierte, lassen sich ihm leicht einwirkungen auf die quellen beilegen. eines ähnlichen Nornborn wurde s.  335 gedacht. Von dem see Glomazi in dem slavischen Elbland füge ich Dietmars von Merseburg bericht ein (1, 3): Glomazi al. Glomuzi, Zlumici; es ist die heutige Lommatscher pflege. est fons non plus ab Albi quam duo miliaria positus, qui unam de se paludem generans, mira, ut incolae pro vero asserunt oculisque approbatum est a multis, saepe operatur. cum bona pax indigenis profutura suumque haec terra non mentitur fructum, tritico et avena ac glandine refertus , laetos vicinorum ad se crebro confluentium efficit animos. quando autem saeva belli tempestas ingruerit, sanguine et cinere certum futuri exitus indicium praemonstrat. hunc omnis incola plus quam ecclesias, spe quamvis dubia, veneratur et timet capit. a. 794 (Pertz 3, 74): experimento didicimus, in anno, quo illa valida famis irrepsit, ebullire vacuas annonas (leere getreidehülsen), a daemonibus devoratas. . Aber ohne rücksicht auf bestimmte brunnen wird aus dem bloßen wassermessen theure oder wolfeile zeit, abnahme oder zunahme der güter erforscht, je nachdem das 492 in ein gefäß gegoßne wasser steigt oder fällt ( abergl. F , 43 und no. 953 aus Praetors saturnalien p. 407). das scheint mir ein gebrauch des hohen alterthums. Saxo gramm. p. 320 meldet, des rügischen gottes Svantovit bildseule habe in der rechten hand ein horn gehalten: quod sacerdos sacrorum ejus peritus annuatim mero perfundere consueverat, ex ipso liquoris habitu sequentis anni copias prospecturus  . . . . . postero die populo prae foribus excubante detractum simulacro poculum curiosius speculatus, si quid ex inditi liquoris mensura substractum fuisset, ad sequentis anni inopiam pertinere putabat. si nihil ex consuetae foecunditatis habitu diminutum vidisset, ventura agrorum ubertatis tempora praedicabat. der wein wurde ausgeschüttet und dem horn wasser eingegossen Nachtrag: Quellen versiegen bei bevorstehendem unglück in normandischen sagen. Bosquet 201. heilquelle und salzquelle versiegt , seit man geld dafür fordert. Athen. 1, 288. ein landmann starb nach kaltem trunk aus einer quelle an der auszehrung. alsbald hörte das brünnlein zu fließen auf. Haupts zeitschr. 3, 361. hervorbrechende brunnen werden als vorzeichen der theurung betrachtet. das. 3, 361. aus dem steigen und fallen des wassers im Tilsgraben weissagen die einwohner gute oder schlechte ernten. Harrys no. 2. vgl. Müllenhoff s. 104. wenn die flur von Wartha im Werragrund sechs jahre hindurch unüberschwemmt bleibt, so, sagt man, kann der bauer im siebenten jahr auf silber speisen. (wenn der biber seine burg hoch aufbaut, läuft auch das wasser in dem jahr hoch auf. Döbels pract. 1, 36 b ). die hungerbrunnen heißen in Steier auch hungerlaken . Wolfs zeitschr. 2, 43. ihr anderer name schändlebach kommt weisth. 1, 760 als schantbach vor. vgl. der schanden bechelîn . Frauenlob s. 186. in den verschiedenen jahrhunderten mußte der Nil eine verschiedene höhe von 22, 16, 14, 12 ellen erreichen, um ein gutes jahr zu geben. Herod. 2, 13. Strabo s. 788. Plin. 5, 10. Parthey Plut. über Isis und Os. s. 243. . Ohne zweifel standen strudel und wasserfälle in vorzüglicher heilighaltung, man glaubte, daß sie ein höheres wesen, ein flußgeist errege. noch jetzt gehn vom Donaustrudel und andern besondere sagen. Plutarch im Caesar cap. 19 und Clemens alex. (stromat. 1, 305) versichern, daß die weissagerinnen der Deutschen die wirbel der flüsse beobachteten und an ihrem drehen und rauschen die zukunft forschten. die nord. benennung eines solchen vortex lautet fors , dän. fos und Isl. sög. 1, 226 erwähnen ausdrücklich: ›blôtađi forsin ‹. der sage von dem flußgeist fossegrim ist s. . 408 gedacht: in solch einem fors hauste der zwerg Andvari (Sæm. 180. fornald. sög. 1, 152). zumal aber scheinen dem strudel (δῖνος) thieropfer zu gebühren, wie dem fossegrim der schwarze bock, und die s.  38 . 82 aus Agathias angeführten stellen von pferden, welche die Alamannen den strömen und schluchten darbrachten, gehören zusammen. Il. 21, 131 vom Skamander: ᾧ δὴ δηϑὰ πολεῖς ἱερεύετε ταύρους, ζωοὺς δ' ἐν δίνησι καϑίετε μώνυχας ἵππους. und Pausan. VIII. 7, 2: τὸ δὲ ἀρχαῖον καϑίεσαν ἐς τὴν Δεινὴν (ein gewässer in Argolis, verwandt mit δῖνος) τῷ Ποσειδῶνι ἵππους οἱ Ἀργεῖοι κεκοσμημένους χαλινοῖς. Horat. carm. 3, 13: o fons Bandusiae, non sine floribus cras donaberis haedo Nachtrag : Strudel heißt ahd. suarb , suirbil vortex. Graff 6. 897. sualm vorago in aqua. Graff 6, 873. huerbo Graff 4, 1237. gr. χάρυβδις. Pott bei Kuhn 5, 255. serb. kolovrat vortex (eigentlich drehrad) und buk , ort, wo der wasserfall brüllt (bukati mugire). aitwinde vel storm gurges. eedewinde vortex. vocab. ms. vratisl. aitveinda gurges. Diefenbach 271 b . finn. korvalle tulinen kosken pyhän wirran pyörtehelle, er gieng zum feurigen wasserfall (schwed. eldfors), zu der heiligen flut wirbel . Kalev. 1, 177. vgl. 6, 92. 7, 785. 794. 798. 17, 101. 314. 22, 10. 26, 198. der wasserfall heißt ahd. wazarchlinga nympha. Graff 4, 504. wazardiezo nympha das. 5, 237. wazzerdurh? uenster? cataracta. Trier. ps. 41, 11. Windb. ps. 41, 11. laufen . Stald. 1, 444. neben δῖνος besteht δίνη . die angeführte stelle aus Plutarchs Caesar hat: ποταμῶν δίναις καὶ ῥευμάτων ἐλιγμοῖς καὶ ψόφοις . Il. 21, 130: ποταμὸς ἀργυροδίνης . dem Homer erscheinen die gießbäche wie rennende rosse. Il. 16, 392: χαράδραι ῥέουσαι ἐξ ὀρέων ἐπὶ κάρ. den strudel erregt unten ein wesen . Leoprechting 106. auch Loki haust in Franângrsfors . Sæm. 68. Sn. 69. am Donaustrudel verkündet ein gespenst den tod. ann. altahens. a. 1045. vgl. die weiber in den Nibelungen. . Es ist hinlänglich bekannt, daß schon vor dem christenthum und vor einführung der taufe, eine heiligung des neugebornen kindes durch wasser unter den nordischen Heiden galt; man nannte das vatni ausa , mit wasser begießen. vermutlich fand auch dieser ritus unter den übrigen Germanen statt, und vielleicht legte man dem dazu gebrauchten wasser, wie unter den Christen dem taufwasser , eine besondere kraft bei ( schwed. abergl. 116 ). auffallend ist die ehstnische gewohnheit, das taufwasser an den wänden in die höhe zu schütten ( abergl. M, 47 ), um dem täufling ehre und würden zu wege zu bringen. Weit verbreitet war eine seltsame, abergläubische verwendung des aufgefangnen mülradwassers , das von den schaufeln abspringt. schon Hartlieb erwähnt dieses gebrauchs ( abergl. H, c. 60 .) und der 493 volksglaube bestätigt ihn (no. 471. 766). den Serben heißt solches wasser omaja , d. i. abprall, von omanuti, omahnuti (abprallen). Vuk, unter dem wort, bemerkt, daß es frauen in der frühe des Georgitages (23 apr.), um sich darin zu baden, zumal von der kleinen bachmühle (kaschitschara), auffangen. einige tragen es den abend zuvor nach haus und streuen allerhand abgebrochne grüne kräuter hinein: sie glauben alles böse und schädliche werde von ihrem leib abprallen, wie das wasser vom mülrad (Vuk. s. v. Djurdjev dan). Nicht unähnlich, obwohl gerade umgekehrt, ist die warnung nach frühem waschen das wasser nicht abzuschleudern , weil damit das glück verschleudert werde (abergl. no.  21 ). Gleich den bächen und flüssen (s.  551 ) ließ der kindliche glaube des alterthums auch den regen aus schalen der himlischen götter entsendet werden und noch den reitenden hexen schreibt man krüge zu, aus denen sie sturm und hagel über die fluren schütten, statt des regens und thaus, der ehemals daraus niedertrof die Peruaner glauben an eine regengöttin , die mit einem wasserkrug in den wolken sitzt, um ihn zu rechter zeit auszugießen; säumt sie, so schlägt ihr bruder mit donner und blitz den krug entzwei. Garcilaso de la Vega historiae Incarum peruanorum 11, 27. vgl. Talvj characteristik der volkslieder s. 126. . War der himmel verschlossen, das feld in dürre schmachtend, so hieng zwar die verleihung des regens zunächst von der gottheit ab, von Donar, oder Maria und Elias, die darum angefleht wurden (s.  143 –146) ich trage hier noch aus Antons vers. über die Slaven 1, 73 den inhalt eines walachischen liedes nach, das die kinder singen, wenn dem getreide bei der dürre gefahr droht: Papaluga (vater . . .) steig in den himmel, öfne seine thüren und sende von oben regen herab, daß der roggen gut wachse! . Man bediente sich aber noch eines eignen zaubers, der unausbleiblich regenwasser schafte, die götter gewissermaßen nöthigte es zu gewähren. ein junges mädchen wurde ganz entkleidet , nachdem bilsenkraut (ahd. pilisa, hyoscyamus) mit dem kleinen finger der rechten hand ausgerissen an die kleine zehe seines rechten fußes gebunden war, von den andern jungfrauen feierlich zum nächsten fluß geführt und mit der flut besprengt . Dieser uns durch Burchard von Worms ( abergl. C , p. 201 b ) berichtete, also vielleicht noch im 11 jh. am Rhein oder in Hessen geltende brauch erscheint bedeutsamer, da er, mit characteristischer verschiedenheit, die alle unmittelbare entlehnung ausschließt, noch heute unter Serben und Neugriechen lebt. Die serbische sitte beschreibt Vuk u. d. w. dodole. dodola heißt das mädchen, welches nakt ausgezogen , aber mit gras, kräutern und blumen dergestalt umwunden wird, daß von der haut und selbst dem gesichte gar nichts zu sehen ist soll durch das verhüllen bloß die sittsamkeit des entkleideten mädchens geschont werden? oder hat es noch einen andern grund? wir werden sehen, daß die darstellungen des frühlings und sommers genau dasselbe laubumhüllen beobachteten. . im geleite andrer jungfrauen zieht nun 494 dodola von haus zu hause, vor jedem bilden sie einen reigen, dodola steht in der mitte und tanzt allein. nun tritt die hausfrau vor und schüttet eine mulde wasser über das immer fort tanzende und sich umdrehende mädchen aus, die begleiterinnen singen lieder und schalten jeder zeile den ausruf ›oj dodo, oj dodo le!‹ ein. das zweite dieser regenlieder (pjesme dodolske) in Vuks saml. no. 86–88 (184–188 der zweiten ausg.) lautet: zu gott flehet unsre doda,     oj dodo oj dodo le! daß thauregen sich ergieße,     oj dodo oj dodo le! daß naß werden alle ackrer,     oj dodo oj dodo le! alle ackrer, alle graber,     oj dodo oj dodo le! selbst im hause alle knechte,     oj dodo oj dodo le! man ist sicher, daß unmittelbar regen erfolge. In Griechenland, wenn es vierzehn bis zwanzig tage lang nicht geregnet hat, beobachten die einwohner in dörfern und kleinen städten folgendes. die kinder wählen unter sich eines von acht bis zehn jahren, gewöhnlich ein armes waisenkind, das sie nakt ausziehen und mit kräutern und blumen des feldes von kopf bis zu den füßen anputzen und verhüllen. dies kind heißt πυρπηροῦνα. dann ziehen die andern kinder damit im dorfe herum, singen ein lied, die hausfrau muß einen eimer wasser über das haupt der πυρπηροῦνα ausgießen und den kindern einen para (½ pfenning) reichen. das neugriech. lied findet sich in Theod. Kinds τραγῷδια τῆς νέας Ἑλλάδος Leipz. 1833 p. 13. Passow. no. 311–313. s. 627. Warum das regenmädchen dodola (in der schmeichelform doda ) und πυρπηροῦνα genannt wird, weiß weder die slavische noch die griechische sprache zu deuten Kind führt s. 86. 87 abweichende formen an, alle erklärungen scheinen mir gezwungen. beide namen, der griech. und serbische haben volksmäßige reduplication. ; wahrscheinlich hätte uns auch Burchard eine verdunkelte deutsche benennung melden können. Aber der sinn der handlung ist klar. wie aus dem eimer das wasser auf die dodola, soll regen vom himmel auf die erde niederströmen: es ist die geheimnisvolle, echtsymbolische beziehung des mittels auf den zweck; gerade so sollte der absprang vom mülrad das übel absprengen, oder die lustration im fluß alle künftigen krankheiten abwaschen. Ohne dabei eines mädchens oder kindes zu erwähnen, läßt die celtische überlieferung den in großer dürre ersehnten regen durch wasserausgießen hervorrufen. die jäger gehen zum brunnen von Barenton im wald Breziliande, schöpfen daraus wasser mit ihren hörnern und gießen es auf die brunnensteine , alsbald steigt regen empor und erquickt das land roman de Rou v. 11514 (die stelle ausgehoben in den anm. zu Iwein s. 262. 263). . Der gebrauch, unter hinzutritt kirchlicher feierlichkeiten dauert noch heute fort. angeführt von geistlichen unter gesang und glockenläuten ziehen die einwohner in procession zu der quelle, fünf große fahnen werden vorausgetragen und der vorsteher der gemeinde 495 taucht seinen fuß kreuzweis in das wasser des brunnens von Barenton, nun ist man des regens sicher, ehe der zug wieder heim gelangt revue de Paris tome 41 p. 47–58. Villemarqué fügt hinzu, daß die kinder stecknadeln in den brunnen zu werfen pflegen und dabei ausrufen: ris donc, fontaine de Berendon, et je te donnerai une épingle! durch das geschenk soll die brunnenfee freundlich gemacht werden. man vgl. das ›libamina lacui exhibere‹ s.  496 . . statt des kindes wird bloß der fuß des maire benetzt, oder nur ein wenig wasser ausgegossen, das dann in massen vom himmel fallen soll. durch das geringe opfer wird die große gabe herbeigeführt. In Spanien leitete man bei anhaltender hitze ein in trauer gehülltes bild der heil. jungfrau (imagen cubierta de luto) feierlich durch die dörfer, regen zu erflehen Don Quixote 1, 52 (Ideler 2, 435). auch an andern orten war es üblich, in zeit des wassermangels, die leichname der heiligen umzutragen. Flodoard. rem. 4, 41. , wie bei der Lütticher procession (s.  145 ), wozu schon die von Petron geschilderte stimmt (s.  146 ); es ist dabei nur das symbolische ausgießen des wassers vergessen. Unter den kräutern aber, womit jenes kind umwunden wurde, fanden sich vermutlich zauberkräftige; die verwendung der bilse ist mir sonst unbekannt. Der dodola und pyrperuna identisch scheint endlich der bairische wasservogel . den knecht, der pfingstmontags am spätesten ausgetrieben hat wie das verschlafene mädchen ostern gebadet wird (vorhin s.  490 ). , führen die übrigen bursche in den nächsten wald und binden ihn um und um mit laub, zweigen oder schilf ein , dann durchreiten sie im triumf das dorf, und alles was junge beine hat, folgt dem zug zum teich oder bach, wo der wasservogel vom pferd herab feierlich ins wasser geworfen wird (Schm. 1, 320). Ebenso wählen in Östreich die dorfjungen einen pfingstkönig, kleiden ihn mit grünen zweigen, schwärzen ihm das angesicht und werfen ihn in den bach . (Denis lesefr. 1, 130.) Das votis vocare imbrem ist hierbei ganz weggefallen und durch eine bloße pfingstlustbarkeit mit dem faulsten knecht abergl. 342 , die faule magd wird beim heimtragen des ersten grases mit wasser begossen. ersetzt; ich zweifle aber nicht, daß jener zweck im hintergrund der sitte liegt Nachtrag: Die griechischen regengöttinnen sind die Horen, die das wolkentor des Olympos hüten, öfnen und schließen und durch regen oder heitre die früchte gedeihen machen. die Hora hat einen becher , den sie am brunnen wäscht. Theocr. 1, 150. auch opferte man dem Zeus und der Here, wenn regen mangelt. Pausan. II. 25, 8. auf einem bilde wird Ge dargestellt, wie sie den Zeus um regen anfleht. Paus. 1, 24. litth. ist diewaitis der donnergott, dewaite szwenta die heilige göttin, regengöttin. der reif heißt estn. die nebelmutter. Böcler 147. der thau wird noch im 13. jh. in Deutschland wie ein gütiges wesen geehrt. Parz. 748, 28: geêrt sî luft unde tou daz hiute morgen uf mich reis. der thau trieft von den mähnen der luftrosse, des Hrîmfaxi Sæm. 32 b , vom valkyrienros Sæm. 145 b . (vgl. s.  533 ). den von Burchard von Worms berichteten brauch führt auch Mone gesch. des heident. 2, 417 aus Martin rélig. des Gaules an. die serbische und nach Schott auch walachische sitte des umwindens gleicht dem einwinden der hyperboräischen weihgeschenke in waizenähren, die zwei jungfrauen trugen. Herod. 4, 33. Creuzer 2, 117. wurden die mädchen selbst umwunden? ob mit den dabei erwähnten περφερέες der name des neugriechischen regenmädchens πορπηροῦνα zusammenhängt? vgl. GDS. 865. in der neuen ausgabe von Vuks wb. heißt der tanz und das regenlied prporysche und der choragus dabei prpatz . wenn der priester mit einem eichenzweig die quelle berührt, steigt aus ihr die regenwolke. Pausan. VIII. 38, 3, wie der gemeindevorsteher seinen fuß in den brunnen von Barenton taucht. gleich dem bairischen wasservogel werden in Algier, um wasser zu bekommen, bei anhaltender dürre einige Marabouts in den fluß geworfen. GDS. 54. kl. schr. 2, 445 ff. . Unter den göttinnen wird die badende Nerthus und Holda zunächst auf wassercultus zu beziehen sein, Holda wohnt in brunnen (s.  222 . 403 ); dann gehören hierher schwanjungfrauen, meerminnen (s.  360 ), wasserholden, brunnenholden (s.  222 ), wassermuhmen und nixen. Ihnen allen können einzelne flüsse, bäche, weiher, quellen geweiht und zum aufenthalt angewiesen sein; im meer walteten Oegir (s.  196 ) und Rân (s.  258 . 411 ), die wellen heißen ihre töchter; dadurch empfängt die verehrung des elements einen besondern character. Von dieser an sich natürlichen aber nicht wesentlichen vereinigung des einfachen, rohen wassercultus mit dem glauben an höhere wesen will ich noch einiges anführen. 496 Wie man beim überschiffen des stroms, beim überschreiten der brücke die gewalt des da hausenden dämons scheut (s.  411 ); so ist es nach schwed. volksglauben (no. 40) rathsam, daß man im finstern über ein wasser gehend dreimal speie , und damit aller bösen einwirkung zuvorkomme ausspeien ist den geistern zuwider (oben s.  425 ). . Auch beim brunnenschöpfen wird vorsicht beobachtet. Neugriechen zu Mykono, bevor sie schöpfen, grüßen dreimal , um den Teloni (brunnengeist) zu ehren Villoison in Maltebrun annales de voy. 2, 180. Artemidor oneirocrit. 2, 27 (Reiff 1, 189) nimmt brunnennymphen an: νύμφαι τε γάρ εἰσιν ἐν τῷ φρέατι. Fauriel 2, 80: τὸ στοχειὸν τοῦ ποταμοῦ. . vom gestolnen ins wasser werfen (abergl. 836 ) heißt dem wassergeist opfern. Die vita S. Sulpicii bituricensis († 644) erzählt (acta Bened. sec. 2. p. 172): ›gurges quidam erat in Virisionensium situs agello (Vierzon, in Biturigibus), aquarum mole copiosus, utpote daemonibus consecratus : et si aliquis causa qualibet ingrederetur eundem, repente funibus daemoniacis circumplexus amittebat crudeliter vitam‹. Merkwürdiger für den wassercultus selbst zeugt des Greg. tur. erzählung vom see bei dem berg Helanus (de gloria confess. cap. 2): ›mons erat in gabalitano territorio (Gevaudan) cognomento Helanus, lacum habens magnum. ad quem certo tempore multitudo rusticorum, quasi libamina lacui illi exhibens , linteamina projiciebat ac pannos qui ad usum vestimenti virilis praebentur: nonnulli ianae vellera, plurimi etiam formas casei formages, woraus fromages. ac cerae vel panis, diversasque species unusquisque juxta vires suas quae dinumerare perlongum puto. veniebant autem cum plaustris potum cibumque deferentes, mactantes animalia et per triduum epulantes . quarta autem die cum discedere deberent, anticipabat eos tempestas cum tonitruo et coruscatione valida; et in tantum imber ingens cum lapidum violentia descendebat, ut vix se quisquam eorum putaret evadere. sic fiebat per singulos annos , et involvebatur insipiens populus in errore‹. Hier tritt kein gott und kein geist auf, die jährlichen opfer werden dem see unmittelbar gebracht; am schlusse des fests erfolgt sturm und gewitter . Gervasius tilberiensis (bei Leibnitz 1, 982) erzählt von einem see auf dem berge Cavagum in Catalonien; ›in cujus summitate lacus est aquam continens subnigram et in fundo imperscrutabilem. illic mansio fertur esse daemonum ad modum palatii dilatata et janua clausa; facies tamen ipsius mansionis sicut ipsorum daemonum vulgaribus est incognita ac invisibilis. in lacum si quis aliquam lapideam aut aliam solidam projecerit materiam, statim tanquam offensis daemonibus, tempestas erumpit diese aufregung des sturms durch steinwurf in den see oder brunnen ist deutscher, celtischer und finnischer volksglaube, wie die angeführten beispiele lehren. der wassergeist rächt die entweihung der heiligen flut. Hierher gehört die sage vom Mummelsee (deutsche sag. no. 59. Simplic. 5, 9), vom Pilatussee (Lothars volkss. 232. Dobenek 2, 118. Gutslaff p. 288. Mone anz. 4, 423), vom see Camarina in Sicilien (Camarinam movere) und besonders von den brunnen zu Berenton im wald Breziliande, Iwein 553–672, wo aber brunnenwasser auf den brunnenstein gegossen den sturm erregt: vgl. vorhin s.  494 und die von Beneke p. 269 aus Pontus angeführte stelle. auch der lapis manalis zauberte regen. O. Müller Etr. 2, 97. ‹. Darauf 497 die geschichte eines mädchens, das von den wassergeistern entführt und sieben jahr im see gehalten wird. Ihre tiefe zu ermessen leiden die seen nicht. nachdem die messer bereits neun zwirnnetz garn mit einem senkel in den Mummelsee herabgelassen, ohne boden zu finden, begann das floß, worin sie saßen, plötzlich zu sinken und in schneller flucht ans land musten sie ihr heil suchen. Simplic. 5, 10. Einer fuhr mit einem kahn auf die mitte des Titisees und warf an fast endloser schnur das senkblei aus. da rief es aus der flut in fürchterlichem tone: ›missest du mich, so fresse ich dich‹! nun voll schrecken ließ der mann von seinem unternehmen ab, seitdem hat niemand gewagt die tiefe des sees zu ergründen (Mones anz. 8, 536). Ähnliches erzählt Thiele 3, 73 von Huntsöe, als man die tiefe ermessen wollte und ein pflugeisen am seil hinab ließ, erscholl eine stimme der geister von unten herauf: ›i maale vore vägge, vi skal maale jeres lägge!‹ erschrocken zog man wieder herauf, fand aber statt des eisens einen alten pferdeschädel am seil. Nach ehstnischer sitte wirft die neue ehefrau in den brunnen des hauses ein geschenk; diesem volksstamm scheint der wassercultus vorzüglich eigen. es gibt eine umständliche nachricht von der heiligen Wöhhanda , einem bache in Liefland. sie entspringt bei Ihnegerve, einem dorfe des bezirks Odenpä, in Ehstland und ergießt sich, nach ihrer vereinigung mit der Medda, in den Peipus. sie liegt in einem heiligen hain , in dessen umkreis niemand einen baum zu hauen oder eine ruthe zu brechen wagt: wer es thut, stirbt also fort in dem jahr. bach und quellbrunn werden rein gehalten und jährlich gesäubert; wird etwas in den quell oder den kleinen see, welchen er durchfließt, geworfen, so entsteht unwetter Nachtrag: Den alcyonischen see wollte Nero mit seilen ermessen . Pausan. II. 37, 5. die von Thiele 3, 73 berichtete sage von der messung der tiefe ist auch schwedisch. Runa 1844, 33. der Wettern ruft: › mät min längd!‹ Wieselgren 459. über den ehstn. wassercultus vgl. Kreutzwalds vorr. zu Kalewipoeg XII und Kreutzwald und Neus myth. lieder 113, wo 114 auch das heraufziehen eines bockschädels vorkommt. . Als im jahr 1641 Hans Ohm auf Sommerpahl, ein ausländischer, durch die Schweden ins land gekommener gutsbesitzer in dem bach eine müle baute und einige jahre unfruchtbare witterung anhielt, maßen es alle Ehsten der entweihung des heiligen baches bei, der keine hemmung in sich leide, sie überfielen die müle, brannten sie nieder und zerstörten alle grundpfäle im wasser. Ohm erhub klage und erlangte der bauern verurtheilung, um sich aber neuer und schwerer verfolgung zu entziehen, veranlaßte er den pastor Gutslaff, gleichfalls einen Deutschen, in einer besondern schrift kurzer bericht und unterricht von der falsch heilig genandten bäche in Liefland Wöhhanda. daraus die unchristliche abbrennunge der sommerpahlschen mühlen geschehen ist. aus christlichem eifer wegen des unchristlichen und heidnischen aberglaubens gegeben von Joh. Gutslaff , pomer. pastorn zu Urbs in Liefland. Dorpt 1644. 407 ss. in 8. (ohne zueign. und vorr.). auszug bei Kellgren in Suomi 9, 79–92. diesen aberglauben zu bekämpfen. man erfährt dadurch 498 gewis nur die gehässigen züge des heidnischen cultus. Auf die frage, wie von brunnen, bächen und seen gutes und böses wetter abhängen könnte? versetzten die Ehsten: ›es ist unser alter glaube, die alten haben uns also gelehret (s. 25. 258), schon mehr mülen seien an diesem bache abgebrannt (s. 278), er vertrage keine stauung‹. ehstnisch heiße er ›pöha jögge‹, lettisch ›schwäti ubbe‹, d. i. heiliger bach. man vermöge durch ihn das wetter zu stellen und habe, bedürfe man regens , nur etwas hineingeworfen (s. 25). als einmal drei ochsen im see ertranken, sei schnee und frost entstanden (s. 26). zuweilen steige › ein kerl mit blauem und gelbem strumpfe ‹ aus dem bach hervor, also der geist des baches. Eine andere ehstnische sage gedenkt des sees Eim , der sein bett veränderte. wilde böse menschen wohnten an seinem ufer, sie mähten die wiesen nicht, die er wässerte, besäten die äcker nicht, die er fruchtbar machte, sondern raubten und mordeten, daß die klare flut durch das blut der erschlagenen getrübt wurde. Da trauerte der see; eines abends berief er seine fische alle und hob sich mit ihnen in die lüfte. Als die räuber das tosen vernahmen, riefen sie: ›der Eim ist aufgestiegen, laßt uns seine fische und schätze sammeln‹. aber die fische waren mit gezogen und nichts fand sich in dem grund als schlangen, molche und kröten, die stiegen heraus und wohnten bei dem räubergeschlecht. Aber der Eim stieg immer höher und eilte einer weißen wolke gleich, durch die luft; die jäger in den wäldern sprachen: ›welch ein dunkles wetter zieht über uns?‹, die hirten: ›welcher weiße schwan fliegt in der höhe?‹ die ganze nacht schwebte er unter den sternen, am morgen erblickten ihn die schnitter, wie er sich senkte, und aus dem weißen schwan ein weißes schif, und aus dem schiffe ein dunkler wolkenzug ward. und es sprach aus den gewässern: ›hebe dich von dannen mit der ernte, ich will wohnen bei dir‹. Da hießen sie ihn willkommen, wenn er ihre äcker und wiesen bethauen wolle, er senkte sich nieder und breitete im neuen lager sich aus nach allen enden. Sie ordneten sein bett, zogen dämme, pflanzten junge bäume ans ufer, seine wellen zu kühlen. Da machte er die ganze gegend fruchtbar, das gefilde grünte und sie tanzten um ihn, daß der alte jugendlich froh ward Fr. Thiersch im taschenbuch für liebe und freundschaft 1809 p. 179. Sollte Eim nicht der Embach (mutterbach, von emma mutter, vgl. öim schwiegermutter) bei Dorpat sein, dessen entstehung in folgender sage berichtet wird? Als gott erde und himmel erschaffen hatte, wollte er den thieren einen könig verleihen, der sie in ordnung halte, und befahl ihnen zu dessen empfang einen tiefen, breiten bach zu graben, an dessen ufern er sich ergehen könne; die ausgegrabene erde sollte einen berg, wo der könig wohne, bilden. alle thiere stellten sich zur arbeit, der hase maß ab und der schwanz des ihm nachspringenden fuchses bezeichnete den lauf des Embachs; nach völliger ausgrabung des flußbettes goß gott aus seiner goldenen schale wasser hinein (verhandl. der esthn. gesellschaft. Dorpat 1840. 1, 40–42). beide sagen erzählen das ordnen des bettes auf verschiedene weise. . 499 Römer und Griechen personificierten ihre flüsse in männliche wesen; ein bärtiger greis gießt aus seiner urne die strömende quelle (s.  485 . 493 ). herlich stellt Homer den elementarischen streit zwischen wasser und feuer in dem kampfe des Skamander und Hephäst dar, und der fluß, ein gott, heißt ἄναξ. Od. 5, 445. 451. auch der indische Ganges ist eine hehre gottheit. kleineren bächen oder brunnen standen nymphen vor die Römer scheinen den cultus ihrer flüsse und bäche sehr ausgebildet zu haben, wie die menge der den flußgöttern errichteten denkmale beweist. ich verweise hier noch auf Tacitus ann. 1, 79 wo: ›sacra et lucos et aras patriis amnibus dicare‹. . in unserer sprache sind die meisten flußnamen weiblich (gramm. 3, 384–86), es werden also auch weibliche flußgeister gewaltet haben. zwölf oder achtzehn ströme der unterwelt verzeichnet mit namen Sæm. 43 b . Sn. 4. ich hebe Leiptr hervor, bei deren klarem wasser, wie bei Styx und Acheron, geschworen wurde. Sæm 165 a : ›at eno liosa Leiptrar vatni‹. Niemals ist in einheimischer überlieferung von einem dämon des Rheins die rede, doch eddisch heißt die Rîn (fem.) svinn, âskunna (prudens, a diis oriunda. Sæm. 248 a ). in des Rheines schoß liegen schätze und gold. Die Gothen bestatteten Alarich, ihren geliebten könig, unter dem bette eines flusses bei Consentia (Cosenza), den sie abgegraben und dann wieder über den leichnam geleitet hatten (Jornandes cap. 30); die Franken beim überschreiten eines flusses brachten ihm opfer (s.  37 ). Wo aber grünes land von dem heiligen wasser der flüsse umschlungen wird, da bilden sich auen , und diese sind, wie wir vielfach gesehn haben, vorzugsweise zur wohnung der götter geeignet, vgl. Wunsches ouwe (s.  116 ), Pholes ouwa (s.  186 ) Gallus Ohems chronik von Reichenau (aus dem schluß des 15 jh., in Schönhuths Reichenau. Freiburg 1836 p, V.): ›man hält die insel bis auf den heutigen tag ehrlich und heilig , darin wird kein ungetauftes kind, sondern daraus getragen und bei einem bildhäuslein (genannt das chindlibild) begraben‹. . gleich ehrwürdig waren die von der reinen meerflut umspülten inseln , Fosetesland (s.  190 ) und der Nerthus eiland (s.  208 ). In dem meer selbst hausten Oegir (s.  196 ) und Rân (s.  258 ), die wellen heißen ihre töchter; die edda nennt neun wellen und zählt ihre namen auf (Sn. 124. vgl. die räthsel der Hervararsaga s.  478 . 479 ). mich gemahnt das an die nona unda im Waltharius 1343 und an den fluctus decumanus. es muß noch einen andern gott des meers gegeben haben, Geban (s.  198 vgl. s.  258 ). nach der edda liegt in dem tiefen meer ein ungeheurer wurm, miđgarđsormr, der sich in den schwanz beißt und die ganze erde umspannt. auf die unermeßlichkeit des oceans (goth. marisáiv ) gehen die ahd. namen endilmeri und wendilmeri (Graff 2, 829), vgl. enteo und wenleo (s.  467 ), entil und wentil (s.  311 ). einen ags. 500 ausdruck gârsecg habe ich (zeitsch. f. d. a. 1, 578) zu erklären gesucht. wie die flut keinen missethäter in sich duldet, ist ›daz mer so reine, daz ez keine bôsheit mac gelîden‹. Wiener merfart 392 Nachtrag: Dem fluß wird geopfert (s. 36 und 409 ), ein renntier . Castréns reise 342. beim waten durch lauteres wasser wird ein gebet gesprochen. Hesiod. ἔργα 735. beim flußübergang wird das auspicium angestellt. Rudorff 25, 218, wasserproben im Rhein, RA. 935. vgl. die Fontinalia . Rudorff 15, 221. der fluß oder see wird oft persönlich gedacht. so leiht man in irischen märchen 1, 86. 87–89. 2, 144–152 den see aus und trägt ihn in einem zipfeltuch weg. der fluß hat dreimal laut gelachet . Fleming 373. es gibt einen mythus von dem berg oder waldgeist, der die flüße versteubt . Praetor. Katzenveit s. 102–106. vgl. die stiebende brugge . Habsb. urbar 94, 4 = teufelsbrücke. beim nahenden frühling heißt es in Dänemark von einem gott oder genius: kaster en varm steen i vandet. Finn Magnusen lex. 958. ist darunter Thor verstanden? Seltsam wird MB. 13, 18. 42 ein Adalbero filius Danubii genannt, 13, 96 Alberus filius Danubii , 13, 95 Gozwinus de Danubio , Albertus et Engelbertus de Danubio . persönlich erscheinen auch Neckar , Lahn , Leine ( anm. 1238 ). vgl. auch Hebels personification des flußes Wiese . Mit dem begrif ouwe vergleiche man das ags. holm , mare profundum, während das altn. hôlmr insula, alts. sogar holm collis bedeutet. auch die Celten kannten heilige inseln . Mone heidenth. 2, 377–380. Das meer , goth. marei fem., alts. marî fem., ahd. meri m. u. n., hat etwas göttliches. εἰς ἅλα δῖαν begegnet Od. 11, 2 und oft. lett. bedeutet deewa uppe gottes fluß das weltmeer. Bergmann 66. ihm brachte man opfer: nostri quidem duces mare ingredientes immolare hostiam fluctibus consueverunt. Cic. de Nat. D. 3, 20. Homer legt dem meer einen rücken (νώτος) bei. das braucht nicht auf tiergestalt zu gehen, denn schon ahd. sind die ausdrücke: mers buosen , meres barm . Graff 3, 154. es ist den menschen gram: daz wilde mer ist mir gram . En.7659. das wasser gram , das böse mer. Diocl. 7336. de sture sê. Partonop. 95, 27. es ist wild, tobt und wütet: saevum mare. Tac. hist. 4, 52. über den wilden sê . MS. 1, 72 b . daz wilde mer . troj. kr. 6922. Livl. reimchr. 3827. 3926. Griesh. 2, 31. des wilden mers fluot troj. kr. 6839. des wilden wâges fluot. Gerh. 3966. (des wâges fluot. Gerh. 5267. 5899. des wâges trân. 6453. des wilden meres grunt. Livl. reimchr. 3648. daz tobende mer. troj. kr. 5907. daz wilde tobende mer. troj. kr. 6856. der tobende wilde sê. das. 24996. daz wüetunde mer. Servat. 3260. Wigands wetzl. beitr. 2, 224. mer betéc . Ogier 2816. prov. mar betada . Rayn. s. v. bis an das wütende meer. weisth. 2, 191. de ruskende see. Uhl. volksl. 200. 201. ϑάλασσα πολύφλοισβος bei Homer. nhd. die tosende , brausende see. das wallende mer. H. Sachs 1, 455 d . das grundgewelle . Schwabs Bodensee s. 300. das wibende wabende wasser. Garg. 111 a . im Kulmer recht steht: die gewaltige see, Cädm. 7, 2 sid väter. das. meer heißt fries. auch salt , skr. lavanâmbhas mare salsum, welsch hallfor salt sea, ir. muir salmhar , ags. sealt väter Cädm. 13, 6. warum das meer salzig ist, erzählt Sn. 147. das meer ist rein , es leidet kein blut . Anno 227. 228, wie das schif keinen todten leichnam leidet. pass. f. 379 b . es stillt sich, sobald Jonas hineingeworfen. Grieshaber 2, 33. Wirkliche eigennamen des meers sind Oegir (s.  196 ), womit man das ags. väter egesa und Tit. 2567 ›diu freise der wilden unde‹ zusammenhalte, dann Gŷmir (vgl. gymis leođ qveđa. Yngl. s. cap. 36), Brîmir , das mit brim zusammenhängt, und Geofen (s.  198 ). eigentümliche bezeichnungen des meeres sind: wendilmeri , endilmeri , lebermeri . Graff 2, 820. ags. vendelsae ist bei Alfred das schwarze meer, nur ein teil des mittelländischen. daz tiefe wentelmere . Diut. 3, 48. wendelsê . Tundal. 42 a , 4 und oft im Morolt. wendelzee . Bergh nl. volksr. s. 146. lebermer Wh. 141, 20. Tit. 5448. 6005. Amûr 1730. fundgr. 2, 4. Haupts zeitschr. 7, 276. 294. Wigalois s. v. in dem rôten lebermer . Barl. 262, 16. labermer . Ernst 3210. leversê Walew. 5955. leverzee v. d. Bergh 103. 127. zu diesem ausdruck vergleiche die meerlunge πλεύμων ϑαλάττιος bei Pytheas. Finn Magnusen leitet diese lunge aus dem zerschnittenen Ymir. gârsecg vgl. myth. 1. aufl. vorr. XXVII. Haupts zeitschr. 1. 578. Dahlmann forsch. 1, 414 deutet gars-ecg erdrand, ecke, Kemble gl. s. v. secg meint: homo jaculo armatus! statt gârsecg im periplus schreibt Rask garsege und erklärt nichts. vgl. Cädm. 8, 1. 195, 24. 199, 27. 205, 3. Beov. 97. 1024. altn. lagastafr ist zugleich meer, wie saat. Sæm. 50 b . 51 b . Gudr. 1126. 1128 hat daz vinstermer . endlich Dumbshaf , Dauđahaf . fornald. s. 2, 4. Das meer dringt an und weicht zurück, hat ebbe und flut . über ebbe vgl. gramm. 3, 384 und kl. schr. 3, 158. über die angeblich gleichbedeutigen friesisch-sächsischen bezeichnungen malina und liduna vgl. gramm. 3, 384 anm. altn. bedeuten kôlga und ôlga aestus maris. er saman qvômo kôlgo systir (fluctus undantes) ok kilir lângir. Sæm. 153 a . ebbe und flut heißen gr. ἄμπωτις und ῥαχία. Pausan. 1, 3. ir. contraiht und robart . Zeuss 833. des meeres wellen werden oft als belebte wesen aufgefaßt: dâ nâmen ez die unden , diu eine ez der andern gap unde truogenz verre sô hinab.   pass. 313, 73. drei sturzwellen sind drei hexen und werden verwundet . Müllenhoff s. 225. auch die wasserhose ist eine hexe. Müllenhoff das. zu den neun wellen vgl. Passow s. v. τρικυμία, πεντακυμία. ἐν τρικυμίαις φερομένω. Procop 1, 318. erst bei der neunten welle im sturm sinkt das schif. Wright 1, 290 nach Leo Allatius. die neunte welle kommt auch in den ir. sagen und märchen 1, 86. vor. altn. heißt skafl unda decumana, wol nur maxima von skefla acervare. . II. Feuer. gleich dem wasser gilt das feuer benennungen gr. 3. 352; eddische Sæm. 50 b Sn. 187. 188. für ein lebendiges wesen, und jener benennung quecprunno (s.  488 ) entspricht quecfiur , daz quecke fiwer. Parz. 71, 13; serb. vatra shiva (Vuk 1, xlvi ) ogan shivi (Vuk 3, 8. 20). τὸ πῦρ ϑηρίου ἔμψυχον bei Aegyptern, Herod. 3, 16; ignis animal . Cic. de N. D. 3, 14, also ein fressendes, hungriges, nimmersattes thier, vorax flamma, frekr (avidus) Sæm. 50 b , bitar fiur. Hel. 78, 22. bitar logna. 79, 20. grâdag logna. 130, 23. grin endi grâdag. 133, 11. eld unfuodi (insatiabilis) 78, 23; es leckt mit der zunge, frißt um sich, weidet , νέμεται Il. 23, 177; das land wird von ihm abgeweidet πυρὶ χϑὼν νέμεται Il. 2, 780; altn. lêztu eld eta iöfra bygdir. Sæm. 142 a ; es ist rastlos, ἀκάματον πῦρ Il. 23, 52. Anrede bezeichnet lebendige dinge: ›heitr ertu hripuđr!‹ (heiß bist du feuer) Sæm. 40 a . Schon den Persern war es ein gott, und das ind. Agni = ignis wird für einen gott angesehn. Nach der edda ist das feuer bruder des winds und des meers, darum selbst belebt und göttlich. Sn. 126. Das volk vergleicht dieses element einem von haus zu haus fliegenden hahn: ›ich will dir einen rothen hahn aufs dach setzen‹ ist drohung des mordbrenners. ›ein roten han aufs stadel setzen‹. H. Sachs IV. 3, 86 d . rôter schîn Gudr. 786, 2. Einer uralten, heidnischen benennung des weltfeuers, altn. muspell , ahd. alts. muspilli , mudspelli , mutspelli , wurde schon s.  463 gedacht. die hier einschlagenden mythischen bezüge können erst im verfolg entfaltet werden, des namens sinn scheint so viel als ligni perditor, wie auch das feuer sonst bani viđar , grand viđar (Sn. 126), her alls viđar (Sæm. 228 b ) heißt. ein andrer schwieriger ausdruck eikin fur findet sich Sæm. 83 b . von vafrlogi (waberlohe), wobei man sich des mhd. ausdrucks ›daz bibende fiwer‹ (Tund. 54, 58) entsinnt, zu handeln, verspare ich gleichfalls. vgl. cap.  XXXI . irwisch Nachtrag: Das feuer ist ein lebendiges wesen. mit dem quecfiur vergleiche man queckiu lieht . Ernst 2389. man tödtet es: trucidare ignem. Lucret. 6, 146. man weckt es: äled veccan . Cädm. 175, 26. baelfŷra maest veccan . Beov. 6281. es ist wild vgl. wildes feuer (s. 501 . 149 ) Logi villieldr . Sn. 60. das wildfeuer . Uhl. volksl. s. 813. Hans Wildsfewer . MB. 25, 375. ein wildez viur sluoc in daz dach. troj. kr. 11317. daz wilde fiur spranc ûz den vlinsen herte. das. 12555. daz grimme wilde fiuwer. Rab. 659. daz starke wilde fiuwer . Rab. 698. daz wilde fiuwer ûz den swerten spranc. Rab. 412. daz grimme fiur als ein loup ûz den huofîsen stoup. Dietr. 9325. daz fiuwer vlouc freislich ûz helmen und ûz ringen. das. 8787. das feuer ist ein fressendes, verzehrendes thier. strudende (verheerendes) fŷr. Cädm. 154, 15. die flamme macht schlafen . Simplic. 2, 293. 294. brond (glêđ) sceal fretan . Beov. 6024. 6223. in pabulum ignis, in fuatar des fiures. Diut. 1, 496 a . dem viure geben ze mazze (zur speise). fundgr. 2, 131. das feuer ist gleich der hölle und dem geize unersättlich . Freid. 69, 5. das feuer spricht nie: ›es ist genug! ‹ prov. Salom. 30, 16. eld von alan bedeutet ignis pastus , die genährte, ruhige flamme. vgl. ἐκ δὲ ϑυμάτων Ἥφαιστος οὐκ ἔλαμπε. Soph. Antig. 1007. das feuer leckt: litth. ugnis laizdo pro stoga, das feuer leckt am dach. vgl. zunge, zungal s.  583 . sieben entzündungen oder sieben zungen des feuers. Colebrook essays 1, 190. es greift und stiehlt: fŷres feng . Beov. 3525. se fŷr beođ peof . Ine 43, wie Loki und der teufel. das feuer spielt : leikr hâr hiti. Sæm. 9 b . leiki yfir logi! Sæm. 68 b . leikr yfir lindar vâđi . das. 192 a . lâcende lig. El. 579. 1111. lar (das feuer) super turrim saliit . Abbo de b. par. 1, 548. es fliegt auf wie ein rother hahn (s.  558 ). den rothen hahn zum giebel ausjagen. Schottel 1116 b . der rothe hahn kräht aus dem dach. Firmenich 1, 292 b . der gelbe hahn . das. 1, 208 a . vgl. blâcan fŷres ignis pallidi. Cädm. 231, 13. feuer glänzt gold samig. Holtzmann ind. sag. 3, 194. faces aureas quatiunt comas . Catull. 59, 92. es wandert: feuer, nigram viam habens . Bopp gl. 83 a . Holtzmann ind. sag. 3, 194. in der edda ist das feuer bruder des winds und des meers, so heißt skr. pâvaka ignis d. i. reiniger von pû ( anm. 1603 ). Bopp vocal. 205. vergl. gramm. 126 n. ausg. 213. 216 und pavana wind von derselben wurzel. Bopp vergl. gramm. 124. und das feuer wird geradezu vajusakhi, genosse des winds genannt. das feuer fließt: daz viur vlôz . Livl. reimchr. 5956. holst. bedeutet warmer regen eine feuersbrunst. Schütze 4, 340. altn. hripuđr feuer. Sæm. 40 a scheint von hripa perfluere zu stammen. Es gab eine zeit, wo man noch nichts vom feuer weiß , wie denn die riesen kein feuer haben ( anm. 1346 ). fiure was in tiure. Gudr. 104, 1. jener zeit gedenkt noch Kalevala 16, 247. 248 (Castrén 1, 195) und unser kindermärchen. das feuer gehörte den göttern und wurde von Prometheus gestohlen und den menschen gegeben. nach dem finnischen liede wird es geschaffen, ein adler schlägt den Wäinämöinen das feuer an. Petersb. auszug 3. nach andern überlieferungen hat es ein kleiner vogel (rebló, troglodyte) vom himmel geholt. Pluquet s. 44. Bosquet 220. der feuerlosen zeit steht im dän. arildtid gegenüber, von arild feuerstätte, ild feuer vgl. schwed. äril focus, westg . arell, helsing. areld . . Ein eigentlicher feuerdienst scheint von beschränkterem umfang, als die verehrung des wassers; nur in der stelle des ags. verbots (s.  84 ) finde ich des feuers , nicht in den übrigen gedacht. auch mag ein theil des ihm gewidmeten cultus in dem der leuchtenden und wärmenden sonne begriffen sein, wie schon Jul. Caesar (oben s.  85 ) sol und Vulcanus , und die edda, beide als das höchste preisend, feuer und sonne , nebeneinander nennt; › eldr er beztr med ŷta sonum ok sôlar sŷn‹. Sæm. 18 b ; feuer ist das beste für die menschen (nach Pindar wasser das beste). Die observatio pagana in foco ( abergl. B , 17) beziehe ich auf die flamme des heerds 501 oder ofens; wo heerdfeuer brennt, schlägt kein gewitter ein (abergl. 126 ), wo es prasselt, da entsteht streit (no. 322. 534). man halte die norwegische deutung (s.  201 ) dazu; so lange ein kind ungetauft ist, soll man das feuer nicht löschen ( schwed. abergl. 22 .) vgl. kasta eld , taga i elden (das. 24 . 25 . 54 . 68 . 107 ). Die Ehsten werfen in das feuer, wie ins wasser, geschenke ( abergl. 11 ); sie opfern der flamme ein huhn (no.  82 ), sie zu beschwichtigen. Man scheint woltätiges und feindseliges feuer unterschieden zu haben, zu jenem rechneten die Griechen das schwefelfeuer, da sie den schwefel ϑεῖον (göttlichen rauch) nennen (Il. 8, 135. Od. 22, 481. 493); in altfranz. gedichten finde ich oft die verwünschungsformel: mal feu arde! Tristr. 3791. maus feus et male flambe m'arde! Méon 3, 227. 297. Ren. 19998. dies böse feuer stellt der nord. Loki dar, und wie Loki oder der teufel los wird, sagt man auch von dem entstehenden feuer, daß es los werde , ausbreche , auskomme (gleichsam aus haft und fessel): ›worde vür los‹ urk. in Sartorius hanse s. 27, der gewöhnliche feuerruf in Niederdeutschland war › für los ‹!; altn. ›einn neisti (funke) vard laus‹. Beschwörungsformeln behandeln das feuer als ein höheres, feindliches wesen, dem man mit aller gewalt entgegentreten muß. Tacitus ann. 13, 57 berichtet, wie die Ubier aus der erde geschlagnes feuer dämpften: residentibus flammis propius suggressi ictu fustium aliisque verberibus ut feras (vorhin s.  500 .) absterrebant, postremo tegmina corpore direpta injiciunt, quanto magis profana et usu polluta , tanto magis oppressura ignes. So pflegt man schätze, auf welchen feuer glüht, mit einem schon auf bloßem leibe getragnen kleidungsstücke zu bewerfen, oder auch erde, aber schon mit dem fuß betretene auf die flammen zu werfen. Rupertus tuitiennis de incendio oppidi tuitii (a. 1128) meldet, daß man ein altartuch (corporale) mitten in die flamme, um sie zu ersticken, gestoßen, diese das tuch zurückgeschleudert habe. das weiße tuch blieb unversehrt, war aber von rothem streif durchzogen. ähnlich war das werfen der kleider in den see (s.  496 ). Ausbrechenden erdfeuers (iarđeldr) gedenken die isl. sagen verschiedentlich: abends sah man einen großen, feindseligen mann auf eisernem kahn ans land rudern und unter der stallthür graben: nachts kam da erdfeuer aus und verzehrte alle wohnungen. Landn. 2, 5; ›iarđeldr rann ofan‹. daselbst 4, 12 Nachtrag: Das feuer ist heilig . ignis sacer bedeutet den blitz. Amm. Marc. 23, 5. vgl. igne felici . Grotefend umbr. 7, 5. das feuer heißt ein opferesser . Holtzmann ind. sag. 1, 24. 26, viermal bei Bopp gl. 401 b . eldr sâ er aldri sloknađi , man nannte es vigđan eld . Landn. ed. nov. s. 336. Da das feuer oft als feindselige macht auftrat, ward es zur verwünschung gebraucht, oder beschworen. weitere französische verwünschungsformeln sind: male flambe t'arde! Ren. 20762. feu arde son musel! Berte 116. vgl. Holland zu Yvain s. 222. der feuerruf in Ostgotland war: kumbär eldär lös . Östg. lag 229. Feuersegen theilt Mone anz. 7, 422. 427 mit. der brand wird besprochen mit den worten: brand stand als dem dode sein rechte hand! Wolfs zeitschr. 1, 337. wer das feuer besprechen kann, hinter dem springt es her , während er es bespricht, und er muß hurtig davon laufen (Meiningen). Haupts zeitschr. 3, 363. Remigius jägt das feuer in die flucht und schließt es ein . Flodoardus 1, 12. weiße engel löschen das feuer. ( anm. 9 und s.  303 .) das feuer wird durch schon getragne kleidungsstücke unterdrückt, dagegen fällt in einer Lütticher sage das erdfeuer leute an, die neue, ungewaschne kittel tragen, und wird mit stricken, ruthen, stöcken gegeißelt. Wolf ndrl. s. no. 407. ausbrechendem helleviur , das nicht vertreten werden kann, muß ein geschmückter ritter geopfert werden. Ksrchr. 1138. 1141. 1160–1172. 1229. er will auf seinem pferde das feuer versprechen und stürzet den hals. der Gausenmacher, schauspiel. Leipz. 1701. s. 152. 156 und die vorrede dazu. von einer feuerlöschung mit dem pferd ist auch die rede. Thür. zeitschr. 2, 505. um ein feuer zu löschen, wird eine sechswöchnerin, deren füße die erde nicht berühren dürfen, zum feuer getragen und muß unter kauderwelschen sprüchen ein neugebacknes brot in die flammen werfen (Östreich). über feuerlöschen und viehaustreiben s. Tettau und Temme preuß. sag. 263. es gab leute, die ein feuer vorbrennen sehen, dann muß der von ihnen bezeichnete balken herausgenommen oder das feuer mit einem pfropfen in eine eiche gebannt werden. Müllenhoff s. 570. bei Ossian heißt es: eichen ausziehen, dasz das feuer daraus springt . Feuer springen aus der erde wie wasser. Pausan. II. 34, 2. ein michel vûwer sich truoc ûf (? ûz) der erden munde . pass. 359, 58. als viurîn urspringe dâ waeren ensprungen. Lanz. 2590. feuerbrennende berge sieht man wol auf siegeln des 14. jh. MsH. 4, 280 a vgl. Pyrmont , Brennenberg . Auf dem helm geschlagnes feuer kann man mit einem › schoube ‹ fangen. Er. 9206. eier löschen feuer: holt lescid van eia , wâdi ne brennid. ovorum autem tantam vim esse dicunt, ut lignum eis perfusum non ardeat, ac ne vestis quidem contacta aduratur. gl. argentor. Diut. 2, 194 a . feuer wird mit milch , kamelmilch gelöscht. Ferabr. 3348. . Für undiensam zu heiligem geschäft galt feuer, das eine zeitlang unter menschen gebracht worden war, sich von brand zu brand fortgepflanzt hatte; wie heilwasser frisch an der quelle geschöpft werden muste, kam es darauf an statt der profanen, gleichsam abgenutzten flamme eine neue zu verwenden. diese hieß das wilde feuer , gegenüber dem zahmen, wie ein hausthier eingewohnten; so im kampf der helden ›des fiurs ûz den ringen hiuwen si genuoc‹. Nib. 2215, 1; ›ûz ir helmen daz wilde fiwer von den slegen vuor entwer‹. altd. bl. 1, 339; ›daz fiur wilde 502 wadelende drûze vlouc‹. Lanz. 5306; ›si sluogen ûf einander, daz wilde fiur erschein‹. Etzels hofh. 168 Nachtrag: Bei den Indern gab es dreierlei feuer: gewöhnliches , himmlisches und geriebenes . Holtzmann ind. sag. 3, 112. bei Oegir war › lŷsigull fyrir eldsliôs ‹. Sæm. 59. aus helmen und schwertern kommt feuer und licht. ob in des fiures zerinnet, daz kunnen sie wol suochen in helmspange . Tit. 3222. bei den Asen leuchtet das schwert . Sn. 79. das schwert leuchtet im dunkel . Landn. 1, 5. sîn swert hiez si in bar nenren sunder sîn gewant . . . daz erz mit im naeme sô'r in die helle quaeme in die vinsternisse, daz er im gewisse damite liuhten solde.   En. 2858. bei Virgil zieht Aeneas auch das schwert (6, 260. 291), aber nicht um zu leuchten, sondern um zu schlagen. zuch hervor dîn swert, dû tragez in dîner hand bar unde liuhte dir dâ mite. En. 3172, wozu nichts ähnliches bei Virgil. flinteld wird über das vieh geschlagen. Dybeck runa 1844, 7. die beim behauen des balkens fliegenden funken künden brand des hauses an, in das der balken kommt. Müllenhoff s. 570. . Zwar das aus dem stein geschlagne oder geschürfte feuer hätte allen anspruch darauf ein neues und frisches zu heißen, doch diese weise schien entweder zu gewöhnlich (flammam concussis ex more lapidibus elicere, vita Severini cap. 14), oder die erzeugung aus holz wurde für althergebrachter und geheiligter angesehen. entsprang zufällig unter der hand des zimmermanns beim einschlagen des nagels in die zusammengefügten balken des neuen hauses solch ein wildes feuer, so ist das vorbedeutsam und gefährlich (abergl. 411 . 500 . 707 ). Hauptsächlich aber gab es eine feierliche weckung der flamme aus holzreibung, wofür von alters her der name notfeuer bekannt ist, dessen gebräuche sich fast unzweifelhaft auf heidnische opfer zurückleiten lassen. Schon der indiculus superstit. 15 redet ›de igne fricato de ligno id est nodfyr ‹; das capitulare Carlomanni von 742 § 5 (Pertz 3, 17) verbietet ›illos sacrilegos ignes quos niedfyr vocant‹ unkundige schreiber machten daraus metfratres, die capitularia spuria Benedicti 1, 2 (Pertz IV. 2, 46) haben nedfratres. . Die zubereitung des notfeuers wird verschiedentlich beschrieben: ich halte es der mühe werth, alle solche erzählungen hier zu sammeln. Lindenbrog im glossar zu den capitularien sagt: rusticani homines in multis Germaniae locis, et festo quidem .s. Johannis baptistae die palum sepi extrahunt, extracto funem circumligant, illumque huc illuc ducunt, donec ignem concipiat: quem stipula lignisque aridioribus aggestis curate fovent, ac cineres collectos supra olera spargunt, hoc medio erucas abigi posse inani superstitione credentes. eum ergo ignem nodfeur et nodfyr , quasi necessarium ignem vocant. Joh. Reiskius rector der schule zu Wolfenbüttel, vgl. Gericken Schottelius illustratus. Lp. 1718 p. 66. Eccard Fr. or. 1, 425. untersuchung des notfeuers. Frankf. u. Leipz. 1696. 8. p. 51: ›wenn nun sich etwan unter dem großen und kleinen vieh eine böse seuche hat herfürgethan und die heerde dadurch bereit großen schaden erlitten, werden die bauren schlüssig, ein nothfür oder nothfeuer anzumachen. auf bestimmten tag muß in keinem hause noch auf dem heerde sich einzige flamme finden . aus jedem hause muß etwas von stroh und wasser und buschholz herzugebracht werden, darauf wird ein starker eichenpfahl in die erde feste geschlagen und ein loch durch diesen geboret, in dasselbe wird eine hölzerne winde eingestecket, mit wagenpech und theer wolgeschmieret, auch solange umgedrehet, bis es nach heftiger hitze und nothzwang feuer geben kann. solches wird sofort mit materialien aufgefasset, durch stroh, heide und buschholz gemehret, bis es zu einem vollen nothfeuer ausschläget, dieses aber muß in die länge zwischen wänden oder zäunen sich etwas ausbreiten, und das viehe nebenst denen pferden mit stecken und peitschen drei oder zweimal 503 hindurch gejaget werden. Andere schlagen anderswo zwei durchborete pfäle , stecken in die löcher eine walle oder winde nebst alten, fettbeschmierten lumpen . andere gebrauchen einen härnen oder gemeinen dichten strick, suchen neunerlei holz zusammen, und halten so lange mit gewaltsamer bewegung an, bis feuer herabfalle. vielleicht mögen noch mehr arten bei dieses feuers generation oder anzündung sich finden, alle dennoch werden bloß auf die cur des viehes eingerichtet. Nach drei oder zweimaligem durchgang wird das viehe zu stalle oder ins feld getrieben, und der zusammengebrachte holzhaufen wieder zerstöret, jedoch solchergestalt an etlichen orten, daß jedweder hausvater einen brand mit sich tragen, in der wäsch oder spültonne ablöschen und solchen in die krippe, worin das vieh gefüttert wird, auf einige zeit beilegen lasse. die zum nothzwang des feuers eingeschlagnen pfäle und das zur winde gebrauchte holz wird bisweilen zu feuermaterialien mitgezogen, bisweilen verwahrlich beigelegt, wenn zuvor mit dem viehe die dreimalige jagd durch die flamme ist vollführt worden‹. Marburger untersuchungsacten vom j. 1605 enthalten, man solle ein neues wagenrad mit noch ungebrauchter achse nehmen und solange umtreiben, bis es feuer gebe, dann davon eins zwischen den pforten machen und alles rindvieh hindurch treiben; ehe aber das feuer entzündet wird, muß jeder burger sein feuer rein auslöschen und sich hernach wieder brand von jenem holen zeitschr. des hss. vereins 2, 281. . Kuhns märkische sagen s. 369 melden, in vielen gegenden der Mark hersche bei gewissen gelegenheiten die sitte ein nothfeuer anzumachen, namentlich geschehe es, wenn man kranke schweine habe. zwei pfähle von trocknem holz werden vor sonnenaufgang unter feierlichem schweigen in die erde gegraben, und hanfene stricke um sie herum so lange hin und her gezogen, bis sich das holz entzündet; darauf wird das feuer mit laub und reisern genährt und man jagt die kranken thiere hindurch. an einigen orten bringt man das feuer durch reibung eines alten wagenrades hervor. Folgende schilderung ist die neuste und aus Hohenhameln, im hildesheimschen amt Baldenberg mitgetheilt: in vielen orten Niedersachsens, zumal des gebirges, herscht die gewonheit, um viehseuchen vorzubeugen, das sogenannte wilde feuer zu bereiten, durch welches dann zuerst die schweine , dann die kühe , zuletzt die gänse getrieben werden von schafen ist keine rede; wenn vielleicht auch hahn und hüner durch die kohlen musten, so erklärte sich ein noch unerklärtes sprichwort (Reinh. xciv ). . das dabei hergebrachte verfahren ist dieses. bauermeister und gemeinde versammeln sich, jedem einwohner wird angesagt, alles feuer in seinem hause so völlig zu löschen , daß auch nicht ein funke im ganzen dorfe brennen bleibt. dann wandert jung und alt an einen holweg, gewöhnlich gegen abend, die weiber linnen, die männer holz und werg tragend. zwei eichne pfäle werden anderthalb fuß von einander in die erde getrieben, jeder pfal hat 504 eine gegeneinander über stehende vertiefung, in welche ein armdicker querstock passt. die vertiefungen sind mit linnen gefüllt und der querstock wird nun so fest als möglich eingedrängt, stricke halten die pfäle oben zusammen. den runden, glatten querstock umwindet ein seil , dessen lange zu beiden seiten bleibende enden von mehrern leuten gefaßt werden. diese ziehen nun den querstock auf das schnellste hin und her, so daß durch die reibung das linnen in den vertiefungen sich entzündet. die funken des linnens werden alsbald in weg oder heede gefangen und so lange im kreise herumgeschleudert , bis die helle lohe daraus schlägt, an sie wird stroh gebracht, und mit der strohflamme das im holweg schichtenweise geordnete reisholz angezündet. Ist dies holz in vollen brand gerathen und hat es beinahe ausgebrannt, so eilt das volk zu den hinten wartenden heerden und treibt sie mit gewalt, eine nach der andern durch die glut. Sobald alles vieh hindurch ist, fallen die jungen leute mutwillig über asche und kohlen her, einander bestreuend und schwärzend; die am meisten bestreut und geschwärzt erscheinen, ziehen als sieger hinter dem vieh ins dorf ein, und waschen sich lange nicht ab wird nicht auch ein brand oder licht zur feueraustheilung im dorfe mit nach haus genommen? . Falls nach langer reibung das linnen nicht fangen will, vermutet man, daß noch irgendwo feuer im dorfe sei, und das element abhalte, sich in reibung zu offenbaren: dann erfolgt strenge hausdurchsuchung, das angetroffene feuer wird gelöscht und der hauseigenthümer gestraft oder gescholten. Das wilde feuer muß aber unerläßlich durch reibung hervorgebracht, darf nicht mit stahl und stein geschlagen werden. Einige ortschaften bereiten es nicht jährlich, um der viehseuche vorzubeugen, sondern erst bei deren wirklichem ausbruch. Diesen genauen angaben entgeht dennoch mancher kleine umstand, auf dessen beachtung wenigstens in andern gegenden gesehen wird. So müssen im Halberstädtischen die stricke der holzwalze von zwei keuschen knaben gezogen werden Büschings wöchentliche nachr. 4, 64, wie auch ein keuscher jüngling gegen den rothlauf feuer schlagen soll (abergl. 710 ). . Im nördlichen Deutschland ist das notfeuer länger und häufiger in gebrauch geblieben vgl. Conring epist. ad Baluz. xiii . Gericken Schottelius p. 70. Dähnert s. v. noodfür. , doch auch dem südlichen nicht unbekannt. Schmeller und Stalder geschweigen seiner, im Appenzeller land besteht noch das kinderspiel, daß sie ein seil auf einem stücke holz so lange reiben, bis es feuer fängt , das nennen sie › de tüfel häle ‹, den teufel entmannen, ihm seine kraft rauben Zellweger gesch. von Appenzell. Trogen 1830. 1, 63, welcher bemerkt, daß man mit der asche des solchergestalt erzeugten feuers die felder bestreue, um sie vor ungeziefer zu schützen. . nach Tobler 252 b heißt aber bei knaben › de tüfel häla ‹, ein spitzes holz von einer schnur umschlungen in einem holzgrübchen schnell drehen, daß es feuer fängt. die 505 benennung könnte wieder auf Loki, den teufel und feuergott, anspielen (s.  200 . 201 ). Nicol. Gryse (in einer nachher beigebrachten stelle) redet von einem sägen des feuers aus dem holze, wie anderwärts eines symbolischen entzweisägens der alten frau meldung geschieht. in der practica des Berthol. Carrichter, leibarztes Maximilian des II wird (wie ich entnehme aus Wolfg. Hildebrand von der zauberei, Lp. 1631 p. 226) ein zauberbad beschrieben, das nicht an gemeinem (stahlgeschlagnem) feuer gekocht werden darf; es heißt: geh zu einem apfelbaum, da der donner eingeschlagen hat , aus dessen holz lass dir eine säge machen, mit dieser sägen soltu auf einer hölzen schwelle , darüber viel volks geht, so lange sägen , bis es sich anzündet. dann mach holz aus birkenschwämmen und zünd es bei diesem feuer an, mit dem du das bad zurichtest, und laß es bei leibe nicht ausgehn Nachtrag: Miedes hasenmelker s. 43 enthält eine schilderung des wilden feuers . das notfeuer müssen zwei brüder, oder wenigstens zwei mit demselben taufnamen reiben. (Fischers) buch vom aberglauben. Lpz. 1791. s. 177. mehreres neue über das notfeuer ist gesammelt von Colshorn 231. 232 und 350. 351. der meklenburgische brauch wird von Lisch 6 b , 127, der brauch der mährischen hirten von Kulda (d'Elv.) 123. 124 geschildert. der riese reibt feuer aus steinen. Rother 1041 (nach zwei lesarten). das im rechenbuch der stadt Frankfurt a. 1374 zweimal erwähnte, in der Johannisnacht vorgenommene notten führt auf die angegebene wurzel hniudan zurück. . Nôtfiur läßt sich aus nôt (necessitas) herleiten, sei es, weil das feuer gleichsam genöthigt wird zu erscheinen oder das vieh die glut zu betreten, oder seine bereitung in zeiten der noth, der seuche erfolgt. nichts desto weniger will ich eine andere erklärung versuchen, notfiur, nodfiur dürfte stehen für ein älteres hnotfiur , hnodfiur , von der wurzel hniudan, ahd. hniotan, altn. hniođa, quassare, terere, tundere ahd. pihniutit (excutit) gl. ker. 251. hnotôt (quassat) das. 229. hnutten (vibrare) das. 282; N. hat fnotôn (quassare) ps. 109, 6. Bth. 230; vgl. nieten (stoßen). altn. lebt hniođa in hnođ (tudes, malleus) hnođa (depsere) hnuđla (subigere). man dürfte hnôtfiur und hnotfiur (hnutfiur) schreiben, je nachdem der ablaut des sg. oder pl. dabei waltete. vielleicht wäre nicht einmal auf dem H zu bestehen, sondern das ahd. niuwan, altn. nûa (terere, fricare) zu erwägen, aus dem sich durch ableitung ein subst. nôt entwickelt hätte. ja man könnte weiter zu der annahme fortgehn, daß nôt, náuþs, nauđr (necessitas) ursprünglich den begrif von drang und druck enthalte? (vgl. Graff 2, 1032. 4, 1125.) ; es wäre ein durch gewaltsames stoßen, reiben, schütteln gelocktes. Gerade so heißt es in Schweden vrideld oder gnideld von vrida (torquere, circumagere) ags. vrîđan, ahd. rîdan, mhd. rîden, und von gnida (fricare) ahd. knîtan, ags. gnîdan (conterere, fricare, depsere). Bereitet wurde es in Schweden wie bei uns, durch heftiges aneinanderreiben zweier hölzer, in einzelnen gegenden noch gegen den schluß des vorigen jh.; bisweilen nahm man äste von neunerlei holz dazu Ihre de superstit. p. 98 und im glossar s. v. wredeld. Finn. Magn. tidskr. for nord. oldk. 2, 294 nach Westerdahl. vgl. bjäraan, ein zaubergeräth cap.  XXXIV . . der von gnideld aufsteigende rauch galt für heilbringend, obstbäume und netze damit geräuchert wurden fruchtbar und fiengen viele fische. von diesem räuchern mit vriden eld , vom austreiben des viehs über solchen rauch vgl. schwed. abergl. no.  89 . 108 . Man sieht, des notfeuers anwendung muß unter den Heiden weit manigfaltiger gewesen sein: in Deutschland zeigt sich nur ein rest davon im gebrauch für das erkrankte vieh. doch die abergläubische gewohnheit der mädchen, feuer von neunerlei holz 506 zu entzünden (no. 955), bestätigt uns einen ausgedehnteren begrif des alten notfeuers Nachtrag: Die schwedischen berichte über das reibfeuer , gnideld lauten so: genom gnideld tagen i en ekestike från ett snöre, som så länge dragits fram och ater i en husdörr till dess det blifvit antändt och derefter 3 gånger ansyls förd omkring personen, samt med ett serdeles formulär signad, berökas och botas sjuka kreatur. dann: för samma ändamal borras hål uti en ek, hvaruti genom en pinne eld gnides , dermed antändes 9 slags träđ , öfver hvilken kreaturen böra gå. vgl. anm. 2721 . . In Nordengland glaubt das volk, ein engel fälle einen baum (strikes a tree) und davon werde das notfeuer erlangt; rieb man es nur aus windfälligem holz? oder hat hier strike (streichen) andern sinn als den von fällen? Bedeutsamer sind die schottischen und irischen hergänge, die ich gern in den worten der mittheilungen selbst gebe. Folgenden danke ich der güte von miss Austin, er stammt aus der insel Mull an der westküste Schottlands, und aus dem j. 1767. In consequence of a disease among the black cattle the people agreed to perform an incantation, though they esteemed it a wicked thing. they carried to the top of Carnmoor a wheel and nine spindles of oakwood . they extinguished every fire in every house within sight of the hill; the wheel was then turned from east to west over the nine spindles long enough to produce fire by friction. if the fire were not produced before noon, the incantation lost its effect. they failed for several days running. they attributed this failure to the obstinacy of one householder, who would not let his fires be put out for what he considered so wrong a purpose. however by bribing his servants they contrived to have them extinguished and on that morning raised their fire. they then sacrificed a heifer , cutting in pieces and burning, while yet alive, the diseased part. they then lighted their own hearths from the pile and ended by feasting on the remains. words of incantation were repeated by an old man from Morven, who came over as master of the ceremonies, and who continued speaking all the time the fire was being raised. this man was living a beggar at Bellochroy. asked to repeat the spell, he said, the sin of repeating it once had brought him to beggary, and that he dared not say those words again. the whole country believed him accursed Nachtrag: Kühe oder kälber werden auch sonst geopfert, um die heerde gegen seuche zu schützen. när kalfvorne mycket bordö, skall man våldsamt fatta en vid hufvudet framsläppa honom ifrån kjötten och honom verkeligen halshugga öfver fähusträskeln (Rääf). eine lebendige kuh wird gegen die seuche in die erde gegraben. Wieselgren 409, ein stück der heerde unter die stallthür (s.  956 ). vgl. Wolfs märch. s. 327, wo der kopf einer kuh abgeschnitten und auf den söller gelegt wird (s.  994 ). mit der erzählung aus Northamptonshire (s.  507 ) vergleiche die ähnliche sage aus Cornwall in Hones daybook 1, 853. . In dem schottischen hochland (namentlich in Caithness) bedient man sich heute des notfeuers meist als eines mittels wider übernatürliche durch zauber hervorgebrachte viehkrankheiten ich entlehne die bereitung aus James Logan: the scottish Gaël or celtic manners as preserved among the Highlanders. Lond. 1831. 2, 64, der aber hier fast wörtlich Jamiesons supplement to the scotish dict. s. v. neidfyre ausschreibt. . To defeat the sorceries, certain persons who have the power to do so are sent for to raise the needfire . upon any small river, lake, or island, a circular booth of stone or turf is erected, on which a couple , or rafter of a birchtree , is placed, and the roof covered over. In the centre is set a perpendicular post , fixed by a wooden pin to the couple, the lower end being placed in an oblong groove on the floor; and another pole is placed horizontally , between the upright post and the leg of the couple, into both which, the ends, being tapered, are inserted. this horizontal timber is called the auger (bohrer), being provided with four short 507 arms, or spokes, by which it can be turned round. as many men as can be collected are then set to work, having first divested themselves of all kinds of metal , and two at a time continue to turn the pole by means of the levers, while others keep driving wedges under the upright post so as to press it against the auger, which by the friction soon becomes ignited. from this the need-fire is instantly procured, and all other fires being immediately quenched , those that are rekindled both in dwellinghouse and offices are accounted sacred , and the cattle are successively mad to smell them. Noch mag Martins eigenthümliche beschreibung descr. of the western islands. p. 113. raum finden: the inhabitants here did also make use of a fire called tinegin , i. e. a forced fire, or fire of necessity von tin, irisch teine (feuer) und egin: ir. eigin, eigean (vis, violentia); dies scheint für die alte erklärung von nothfeuer zu sprechen, wenn es nicht gerade aus dem engl. needfire übersetzt ist. , which they used as an antidote against the plague or murrain in cattle; and it was performd thus: all the fires in the parish were extinguishd , and then eightyone (9 × 9) married men being thought the necessary number for effecting this design, took two great planks of wood, and nine of 'em were employd by turns, who by their repeated efforts rubbd one of the planks against the other until the heat thereof producd fire; and from this forcd fire each family is supplyd with new fire , which is no sooner kindled than a pol full of water is quickly set on it , and afterwards sprinkled upon the people infected with the plague or upon the cattle that have the murrain. and this they all say they find successfull by experience: it was practisd on the mainland, opposite to the south of Skie, within these thirty years. Wie hier auf dem reibfeuer wasser gekocht , und dieses mit gleicher wirkung gesprengt wird, so erzählt Eccard (Fr. or. 1, 425), er habe eines pfingstmorgens pferdehirten feuer aus holz reiben und dabei ihren kohl kochen sehen, in der meinung, daß sie durch dessen genuß das jahr über frei vom fieber bleiben würden. Eine merkwürdige erzählung aus Northamptonshire, schon aus dem gegenwärtigen jh., bestätigt jenes opfer der jungen kuh auf Mull und zeigt, daß selbst in England abergläubische tödtungen eines kalbs vorgenommen wurden, um dadurch die ganze heerde gegen die seuche zu schützen: miss C— and her cousin walking saw a fire in a field and a croud round it. they said ›what is the matter?‹ › killing a calf .‹ ›what for?‹ ›to stop the murrain‹. they went away as quickly as possible. on speaking to the clergyman he made enquiries. the people did not like to talk of the affair, but it appeared that when there is a disease among the cows or the calves are born sickly, they sacrifice (i. e. kill and burn) one ›for good luck‹. Ohne zweifel war das notfeuer andern völkern außer den germanischen und celtischen, heilig. Die Krihks in Nordamerika 508 begehen ein jährliches erntefest, das mit dreitägiger strenger faste anhebt, während welcher in allen häusern die feuer gelöscht werden. am vierten morgen zündet der oberpriester durch zusammenreiben zweier trockner holzstücke neues, reines feuer an, das in alle wohnungen vertheilt wird , nun erst tragen die weiber das frische getraide und die neuen früchte vom erntefeld heim Fr. Majer mythol. taschenb. 1811 p. 110. . die Araber haben zum feuerreiben zwei hölzer March und Aphar , jenes ist männlich, dieses weiblich. Chinesen sagen, kaiser Sui habe zuerst holz mit holz gerieben. die unbequeme reibung wird als heilige beibehalten. Inder und Perser drehen ein rohr in dürrem holze. Kannes urk. 454. 455 Nachtrag: Das notfeuer oder wilde feuer heißt skr. reibfeuer, wobei ein männliches und ein weibliches holz an einander gerieben werden. Böhtling 1, 522. vgl. 1, 404. nach Kuhns rec. d. Rigv. s. 98 wird es aus der arani (premna spinosa) gerieben . Holtzmann ind. sag. 3, 122. ist das die aihvatundi? nach Webers ind. stud. 2, 4 entsteht das reibfeuer aus Pranava dem bogen, dem pfeil des selbst (der lotusblume). arab. heißen die alterthümlichen feuerreibhölzer zend das männliche, obere und zendet das weibliche, untergelegte, gehölte. das schlagen von stahl an stein gilt für barbarisch. Rückerts Hariri 1, 648. 649. finn. helavalkja ist ignis non ex silice, sed ex lignis duobus vi confricatis elicitus. auch kitkanvalkja , reibfeuer. Renvall 1, 64. . Noch anziehender ist es aber, die einstimmung altrömischer und griechischer sitte zu vergleichen. excerpte aus Festus (O. Müll. 106, 2) sagen: › ignis Vestae si quando interstinctus esset, virgines verberibus afficiebantur a pontifice, quibus mos erat, tabulam felicis materiae tam diu terebrare , quousque exceptum ignem cribro aeneo virgo in aedem ferret‹. Das zufällig erloschene , heilige feuer der göttin durfte nicht anders angefacht werden, als durch frische erzeugung des reinen elements. ein brett, von auserlesnem holze heiliger bäume, wurde solange gebohrt, d. h. eine walze in ihm umgedreht, bis funken entsprangen. das tragen des feuers im sieb gemahnt an ein ähnliches tragen des wassers im sieb, wovon später bescheid gegeben werden soll. Nach Plutarch im Numa 9 gewann man neues feuer nicht durch reiben, sondern auffangen der sonnenstrahlen in bestimmten thönernen gefäßen. Die Griechen verehrten Hestia als reine heerdflamme selbst nec tu aliud Vestam quam vivam intellige flammam . Ovid. fast. 6, 295. . Aber Lemnos das eiland, auf welches Zeus den himmlischen feuergott Hephästos herabgeworfen hatte nach der finnischen mythe fällt das von den göttern erzeugte feuer in knäueln herab zur see, wird von einem lachs verschlungen und hernach von den menschen im gefangnen fisch gefunden. runen p. 6–22. , hegte eigenthümlichen feuercultus. neun tage im jahr wurde alles feuer gelöscht , bis aus Delos her ein schif neues vom heiligen heerde Apollos brachte: einige tage treibt es auf dem meer, ohne landen zu können, sobald es eingelaufen ist, wird jedem feuer zum häuslichen gebrauch mitgetheilt, und dann ein neues leben begonnen. Das alte feuer war nicht mehr heilig genug; indem seiner die menschen eine weile ganz entbehrten, sollten sie die wolthat des elements recht erkennen lernen Philostrat. heroic. p. 740, Welckers trilogie p. 247. 248. Nachtrag: Ein ewiges feuer wurde bei Israeliten unterhalten III Mos. 6, 12. 13 und noch heute bei Persern und Guebern, wie bei den alten Parsen. ein ewiges feuer brannte auf dem altar der Minerva Polias in Athen. Pausan. I. 26, 7 und im tempel des Pan in Arcadien. Pausan. VIII. 37, 8. berühmte orakel bewahrten immer brennende feuer, wie das zu Delphi, dessen priester zur kriegszeit das heilige feuer nach Platää trugen. Plutarch Numa cap. 9 vgl. Valckenaer zu Herodot 6, 108. ebenso wurden die feuer von Delos nach Lemnos gebracht. Welcker Aeschyl. trilog. s. 247 ff. bekannt ist das ewige feuer der Hestia, Vesta. die colonien brachten ihr heiliges feuer mit aus der mutterstadt; erlosch es zufällig, so durfte es nur dort wieder angezündet werden. Larcher zu Herodot 1, no. 360. Wachsmuth hell. alterth. I. 1, 102. II. 2, 118. Münter rel. d. Carthager s. 49. ewiges feuer unterhielten auch die Samogiten. Lasicz 56. über die ewige lampe im Mariencultus s. Langes abh. von der ewigen lampe. verm. schriften Lpz. 1832. s. 191–204. . Auch der heiligen Brigida in Irland († 518 oder 521) wurde, gleich der Vesta, bei Kildare ewiges feuer unterhalten, ein geflochtner zaun umgab es, welchem männer nicht nahen durften; es anzublasen war nur mit bälgen gestattet, nicht mit dem munde acta sanctor. calend. febr. p. 112 b . . seine erzeugung ist nicht angegeben. 509 Alle diese bedeutenden einstimmungen, und die gebräuche des notfeuers selbst weisen auf hohes alterthum zurück. das rad scheint bild der sonne, von welcher licht und feuer ausgehn, ich vermute daß ihm neun speichen beigelegt wurden, die fries. gesetze kennen noch ›thet niugenspetze fial‹, jene neun eichenen spindeln, durch deren drehung in der nabe das feuer gerieben wurde, bedeuten die aus der nabe hervorgehenden neun speichen, und die heilige neunzahl wird auch in dem neunerlei holz, in den neun und einundachtzig drehenden männern angetroffen. man darf nicht zweifeln, das in feuer gesetzte rad bildete den kern und mittelpunct der heiligen, reinigenden opferflamme. Unsere weisthümer (2, 615. 616. 693. 697) geben noch kunde von einer merkwürdigen sitte: an dem großen jahrgerichtstag wird ein wagenrad , das sechs wochen und drei tage in wasser (oder mistpfuhl) gesteckt hatte, in ein vor den gerichtsmännern entzündetes feuer gelegt, und das gastmal währt bis die nabe , die man weder drehen noch stochern darf, ganz zu asche verzehrt ist. ich halte das für den überrest eines heidnischen opfermals und beziehe das rad auf die erzeugung des feuers, von welcher freilich nichts mehr gemeldet wird. jedenfalls ergibt sich daraus die verwendung des wagenrads bei feierlichen flammen. Wenn die meisten der angeführten berichte das notfeuer auf den ausbruch einer viehseuche einschränken, so enthalten doch einige darunter ausdrücklich, daß es zu wiederkehrenden jahrstagen , namentlich auf Johannis hervorgebracht, und das vieh durch die flammen getrieben wurde, um es im voraus gegen künftige krankheiten zu sichern. Nicolaus Gryse (Rostock 1593 LIII a ) meldet geradezu als einen brauch des Johannistags: ›jegen den avend warmede men sik bi s. Johannis lod und nodfüre , dat men ut dem holte sagede, solkes für stickede men nicht an in gades, sondern in s. Johannis namen, löp und rönde durch dat für, dref dat vehe dardorch , und is tusent frouden vul gewesen, wen man de nacht mit groten sünden, schanden unde schaden heft to gebracht.‹ Solch jährliche wiederkehr bestätigt uns aber der lemnische cultus, vorzüglich der celtische Hyde merkt auch von den Guebern an, daß sie alljährlich ein feuer entzündeten. . in den großen volksversammlungen der jahresfeste wurde das notfeuer entzündet. den celtischen völkern fallen diese in den eingang mais und novembers; der hehrste tag ist der maitag, ich finde meist den ersten mai, aber auch den zweiten und dritten dafür bestimmt. dieser tag heißt irisch und galisch la bealtine oder beiltine , andere schreiben beltein , entstellt belton , beltim , beltam . lá ist tag, teine, tine feuer und beal, beil wird für den namen eines gottes genommen, der nicht unmittelbar mit dem asiatischen Belus Bel , Bal. Isid. etym. 8, 23. zusammenfällt, sondern ein den Celten eigenthümliches höheres lichtwesen bezeichnet. 510 den irischen Beul , Beil , galischen Beal nennt der welsche dialect Beli , seinen altceltischen namen Belenus , Belinus überliefern Ausonius, Tertullian und mehrfache inschriften (Forcellini s. v.). Den heutigen brauch selbst schildert uns Armstrong s. v. bealtainn folgendermaßen: in some parts of the Highlands the young folks of a hamlet meet in the moors on the first of may. they cut a table in the green sod, of a round figure, by cutting a trench in the ground of such circumference as to hold the whole company. they then kindle a fire and dress a repast of eggs and milk in the consistence of a custard. they knead a cake of oatmeal, which is toasted at the embers against a stone. After the custard is eaten up, they divide the cake in so many portions, as similar as possible to one another in size and shape, as there are persons in the company. they daub one of these portions with charcoal until it is perfectly black. they then put all the bits of the cake into a bonnet, and every one, blind fold, draws out a portion. the bonnetholder is entitled to the last bit. whoever draws the black bit is the devoted person, who is to be sacrificed to Baal, whose favour they mean to implore in rendering the year productive . the devoted person is compelled to leap three times over the flames . Hier läßt sich die gottesdienstliche beziehung gar nicht verkennen, man sieht an dem dreimaligen laufen durch die flamme, daß es hauptsächlich auf einen menschen abgesehn war, der den gott versöhnen und gnädig machen sollte, daß aber später viehopfer an dessen stelle traten und endlich von der leiblichen darbringung nur ein springen über das feuer für menschen und vieh übrig blieb. der heiligen reibung wird hier nicht gedacht, doch wie sie zu jenem die seuche abwehrenden notfeuer gefordert war, muß sie ursprünglich bei dem großen jahrsfest noch viel mehr im schwang gewesen sein. Frühste erwähnung des beiltine hat man bei dem irischen erzbischof von Cashel Cormac († 908) gefunden. es wurden zwei feuer nebeneinander gemacht, zwischen welchen unverletzt hindurchzugehn menschen und vieh heilsam ist. daher sagt man eine große gefahr zu bezeichnen: ›itir dha theinne beil‹ (zwischen zwei feuern) O'Flaherty in den transact. of irish acad. tome 14 p. 100. 122. 123. . daß priester dem opfer streng vorstanden versichert Usher (trias thaumat. p. 125) ausdrücklich, indem er sich auf Evinus bezieht: lege etiam severissima cavebatur, ut omnes ignes per universas regiones ista nocte exstinguerentur, et nulli liceat ignem reaccendere nisi prius Temoriae (Tighmora, aus Ossian bekannt) a magis rogus sacrificiorum exstrueretur , et quicunque hanc legem in aliquo transgrederetur non alia mulcta quam capitis supplicio commissi delicti poenam luebat vgl. die nachrichten in Mones gesch. des heidenth. 2, 485. . Leo (malb. gl. 1, 35) hat sinnreich einen unterschied zwischen Beal , Bael dem gott des krieges, und Sighe oder Sithich , dem gott 511 des friedens, vorgeschlagen, ja Bellovesus und Sigovesus bei Livius 5, 34 aus diesem gegensatz als diener (vesus = galisch uis, uais, minister) des Beal und Sighe dargestellt, und Sighe zu dem stillen, friedlichen volk der elbe gehalten, welche sighe heißen (oben s.  367 ): dem Beal sei maifeuer ( bealtine ) gebracht worden, dem Sighe novemberfeuer, samhtheine (friedensfeuer). Auch in Wales zündete man feuer an beiden tagen, den 1 mai und 1 nov., beide hießen coelcerth Nachtrag: Tolands history of the druids (ausg. in Hones yearbook 876 ff.) nimmt drei bealtines im jahr an, am 1. mai, mittsommerabend und 1. november. beltan wurde vom ersten mai und november gebraucht nach Villemarqué bardes bretons s. 386. 387. GDS. 108. über Bel vgl. Dieffenbach celt. 1, 185. Stokes 349. Jamieson (daybook 2, 659). der große, der kleine Bel . Meier schwäb. sag. 297. über Beltaine , Belton eve s. Stewart pop. superstit. 258 ff. Brands pop. antiq. 1, 337. Stokes 349. Michelet 1, 452 ff. ir. sagen und märch. 1, 275. 276. 2, 479. das maifeuer heißt auch koelkerz , coelcerth nach Villemarqué bardes bretons 232. 385–387, doch wird das wort von ihm nicht gedeutet. sonst ist coel omen, fides und certh signum. ein armorikanisches volkslied redet von acht feuern und dem vaterfeuer (hauptfeuer), das im mai entzündet wurde. Villemarqué barzas breiz 1, 8. nach Hones daybook 2, 659. 866 fällt das hauptfeuer auf Johannis . sambhuinn bedeutet den ersten november (Obrien: samhainn allerheiligen zeit). das druid. novemberfeuer hieß auch tlachdgha , tine tlachdgha. Obrien s. v. Oconnor proleg. 1, 24 hat folgende schilderung der heiligen feuer. duos ignes splendentes faciebant druidae cum incantationibus magnis supra eis, et ducebant greges , quos cogebant transire per eos ignes . vgl. Obrien s. v. bealtine . wie in Deutschland ( anm. 1575 ) wurden auch in Irland pferdeköpfe ins maifeuer geworfen. Hones daybook 2, 595. . Noch zaudere ich in alle folgerungen einzugehn, gewis aber muß Beal für ein göttliches wesen gehalten werden, dessen verehrung wahrscheinlich über die celtischen völker hinaus sich erstreckte. s.  188 habe ich ihm den deutschen Phol verglichen, und es gewinnt für unsere untersuchung vorzüglichen werth, daß in rheinischen gegenden ein Pfultag , Pulletag genannt ist, der gerade auf den zweiten mai fällt weisth. 2, 8. 3, 748. . bekanntlich war auch unsern vorfahren der beginn des maimonats hohe festzeit, die vielfach begangen wurde, auf die man noch heute die versamlung der hexen, d. h. vor alters der weisen frauen und feen ansetzt. An diesem tag loderten, wer möchte es leugnen? heidnische opfer, Pholtag berührt sich mit Bealteine in England richtet man allgemein am ersten mai einen sogenannten maypole auf, wobei zwar an pole, pfal, palus ags. pol gedacht werden kann; doch dürften Pol, Phol anschlagen. und Baldag ist dazu die sächsische form für Paltar (s.  189 ). Wurden seit der bekehrung die deutschen maifeuer auf ostern und Johannis verlegt, um sie christlichem cultus näher zubringen? oder ist, da auch sonnenwende tief im heidenthum wurzelte, bloß osternzeit stellvertreterin für das alte maifeuer? denn julzeit oder weihnachten könnte schon den deutschen Heiden für den celtischen november gegolten haben. Wie man diese zeit auch ermittele, die nachfolgenden untersuchungen sollen darthun, daß sowol dem notfeuer als dem celtischen bealtine andere feuer fast in ganz Europa zur seite stehn. Nicht unwichtig ist es wahrzunehmen, daß sie im nördlichen Deutschland auf ostern , im südlichen auf Johannis stattfinden. dort bezeichnen sie des frühjahrs eintritt, hier die mitte des sommers (sonnenwende); es lauft wieder auf den alten unterschied zwischen sächsischem und fränkischem volk hinaus. Ganz Niedersachsen, Westphalen und Niederhessen, Geldern, Holland, Friesland, Jütland, Seeland kennt osterfeuer; am Rhein, in Franken, Thüringen, Schwaben, Baiern, Östreich, Schlesien gelten Johannisfeuer. doch mögen einige gegenden beiden huldigen, z. b. Dänemark und Kärnten. Osterfeuer . in allen städten, flecken und dörfern des landes wird gegen abend des ersten (zuweilen dritten) ostertags auf bergen und hügeln ein großes feuer aus stroh, wasen und holz unter 512 zulauf und frohlocken des volks, nicht allein der jugend, sondern auch vieler erwachsenen jährlich angezündet. an der Weser, zumal im Schaumburgischen pflegt man ein theerfaß auf einer strohumwundnen tanne zu befestigen, und es in der nacht zu entzünden. knechte, mägde und wer dazu kommt tanzen jubelnd und singend um die flamme, hüte werden geschwenkt, tücher in das feuer geworfen. alle gebirge im umkreis leuchten, und es ist ein erhebender, kaum mit etwas anderm zu vergleichender anblick, von einem der höheren puncte viele meilen ringsum das land zu überschauen und nach allen seiten hin auf einmal eine große menge solcher feuerbrände, stärker oder schwächer, gen himmel lodern zu sehn. an einigen orten zog man mit weißen stäben feierlich auf den berg, stimmte wechselsweise sich an den händen fassend christliche osterlieder an, und schlug beim halleluja die stäbe zusammen. von den bränden trug man gern mit nach haus Joh. Timeus vom osterfeuer. Hamb. 1590, wieder abgedr. hinter Reiske vom nothfeuer; Letzners historia S. Bonifacii. Hildesh. 1602. 4. cap. 12; Leukfeld antiq. gandersh. p. 4. 5; Eberh. Baring beschr. der (Lauensteiner) Saala 1744. 2, 96; hamb. mag. 26, 302 (1762); hannöv. mag. 1766 p. 216; Rathlefs Diepholz. Bremen 1767 3, 36–42. (Pratjes) Bremen und Verden 1, 165. Bragur VI, 1, 35. geldersche volksalmanak voor 1835 s. 19. In Dänemark heißt das osterfeuer paaskeblus , paaskeblust ; ob es in Schweden gebräuchlich ist, weiß ich nicht, Olaus Magnus 15, 5 behauptet scandinavische Johannisfeuer. auffallender, daß selbst in England keine spur von Osterfeuer; aber aus Kärnten berichtet sie Sartoris reise 2, 350. . Sicher entgehen uns noch manche genauere umstände über die art und weise der osterfeuer in verschiedenen gegenden. merkwürdig ist, daß zu Bräunrode am Harz, eh in der abenddämmerung des ersten ostertags die feuer angezündet werden, alt und jung aus diesem dorf und aus Greifenhagen in die zunächst gelegnen waldungen zieht und daselbst die eichhörnchen aufsucht. diese pflegen sie durch werfen mit steinen und knütteln so lange zu verfolgen, bis die thiere endlich ermattet, lebendig oder todt in ihre hände fallen. das soll schon althergebracht sein Rosenkranz neue zeitschrift f. gesch. der germ. völk. I. 2, 7. . Für diese ignes paschales kenne ich kein zeugnis über das 16 jh. hinauf: sie müssen aber weit älter sein, schon des gegensatzes zu den Johannisfeuern halber, welche in den norden Deutschlands nicht eindringen konnten, weil man hier an den osterfeuern festhielt. da nun die Johannisfeuer, wie sich hernach zeigen wird, mit der christlichen kirche eher zusammenhängen als die osterfeuer, ist es nicht ungereimt, diese noch auf den cultus der heidnischen Ostara (s.  241 ) zu beziehen, welche mehr sächsische und anglische, als eine im übrigen Deutschland verehrte gottheit gewesen zu sein scheint. ihren namen und ihre feuer, die vielleicht in maianfang fielen, verlegte man, nach bekehrung der Sachsen, auf das christliche fest Letzner a. a. o. sagt, nachdem Bonifacius zwischen Brunstein und Wibbrechtshausen den heidnischen götzen Reto (er könnte an Bedas Rheda erinnern) gestürzt, habe das volk auf diesem Retberg ›am ostertage, mit der sonnen untergang, noch bei menschen gedenken, das osterfeuer gehalten, welches die alten bocksthorn geheißen‹. am rande ist wieder sein gewährsmann der verlorne Conradus Fontanus (oben s.  158 ). Wie das osterfeuer selbst zu der benennung bocksdorn kommen soll, ist schwer einzusehen: so heißt sonst eine staude oder pflanze, die τραγάκανϑα, unser heutiges tragant. wurde bocksdorn in die osterflamme geworfen? wie in das Johannisfeuer bestimmte kräuter. . Aus der osterkerze, die an demselben 513 tag in der kirche entzündet wurde, lassen sich die gebirgsfeuer des volks schwerlich ableiten: zwar Bonifacius ep. 87 (Würdtw.) nennt sie ignis paschalis merkwürdig, daß einige behaupteten, die osterkerze sei durch brennspiegel oder chrystalle angesteckt worden (Serrarius ad epist. Bonif. p. 343). , und solcher osterlichter geschieht noch im 16 jh. meldung Franz Wessels beschreibung des päbstlichen gottesdienstes. Stralsund, herausg. von Zober 1837 p. 10. . Im Hildesheimischen wird noch jetzt gründonnerstags die lampe und auf ostertag an dem mit einem stahl geschlagnen osterfeuer entzündet. zu diesem feuer bringen die leute eichene kreuze oder hölzer mit querstöcken getragen, brennen sie an und heben sie durchs ganze jahr auf. dieses feuer unterscheidet aber das volk von dem wilden feuer, das durch holzreiben entzündet wird. Einer feuer und scheiterweihe auf osterabend gedenkt Jäger (Ulm s. 521). Fast überall hat in dem letzten jahrhundert mattheit der regierungen dem volk die osterfeuer genommen ›untersuchungssache wegen des am 9. apr. 1833 auf dem Kogelnberge bei Volkmarsen verbotwidrig gebrannten osterfeuer‹. niederhess. wochenbl. 1834 s. 2229 a . die älteren verbote wandten das unchristliche, die jüngeren den holzverderb vor. auch die siegesfeuer blieben bald untersagt. Nachtrag: Über die osterfeuer vgl. Woeste s. 288. dat osterfür anboiten . Joh. v. Scheppau osterpredigten s. 8. das ostermaenluchten in der Wilstermarsch s. Müllenhoff s. 168. aber auch um Abensberg in Niederbaiern war es sonst brauch am osterfest den ostermann zu verbrennen. ein bursch zündete nach dem gottesdienst in der kirche ein licht an, lief damit aufs feld hinaus und steckte den ströhernen ostermann in brand. ein paderb. edict. von 1781 stellt das osterfeuer ab. Wigands Pad. und Gorv. 3, 281. 1, 317. statt des namens bocksthorn (s. anm. 1563 ) heißt es in Grotens gesch. v. Northeim. 1723. s. 7 ›auf diesem berge ist noch bey menschen andenken das bockshorn gehalten‹. die verfolgung der eichhörnchen zu ostern im Harze (s.  512 ) gemahnt an das Igorlied (Hanka s. 68), wo ein eichhorn als steuer von jedem hof erhoben wird. Mit den osterfeuern verwandt sind die Walburgsfeuer . Müllenhoff s. 168. in Rügen fand am 1. maiabend das › molkentoverschen bernen ‹ (s.  897 ) mit feuerblasen statt. vgl. Osnabr. verein 3, 229. auf dem Hundsrück dürfen die jungen knechte und knaben auf Walburgisabend holz im wald hauen . weisth. 2, 168. . Johannisfeuer beste abh. ist: Franc. Const. de Khautz de ritu ignis in natali s. Joannis bapt. accensi. Vindob. 1759. 8. . in unsrer alten sprache wird die festlichste jahrszeit, wo die sonne ihren gipfel erlangt hat und nun wieder herabsinken muß, sunewende  = sunnewende (solstitium) genannt, gewöhnlich in der pluralform, weil dieser hohe stand der sonne mehrere tage anhält: ›ze einen sunewenden‹ Nib. 32, 4; ›zen næhsten sunewenden‹ Nib. 1424, 4. Wigal. 1717; ›vor disen sunewenden‹ Nib. 678, 3. 694, 3; ›ze sunewenden‹. Trist. 5987 (die rechte lesart erhellt aus Grootes varianten); ›an sunewenden âbent‹ Nib. 1754, 1; ›nâch sunewenden‹ Iw. 2941 alle guten hss. geben nicht sunnewende sondern sunewende, was sich freilich nur aus sunwende (wie suntac) erklärt. es heißt auch › zu sungihten ‹. Scheffers Haltaus p. 109. 110. giht entspricht hier dem goth. gahts (gressus) und läßt ein ahd. sunnagaht vermuten. . Da hiermit Johannistag (24 juni) ›sant Johans sunewenden tac‹ Ls. 2, 708 zusammentrift, heißen jene feuer in oberdeutschen urk. des 14. 15 jh. sunwentfeuer , sunbentfewr Hahn monum. 2, 693. Sutners berichtigungen. München 1797 p. 107. (a. 1401). , und noch jetzt unter dem östreich. und bair. volk sunäwetsfoir , sunwentsfeuer . H. Sachs 1, 423 d : ›auch schürn 514 die bubn sunwentfeuer ‹. In dieser zeit hielt das alterthum große volksversamlungen: ›die nativitatis s. Johannis baptistae in conventu populi maximo ‹ (a. 860) Pertz 2, 386; im j. 801 feierte Carl der große das fest zu Eporedia (Ivrea) Pertz 1, 190. 223; Ludwig der fromme hielt 824 und 831 reichsversamlungen auf diesen tag. Die beschreibungen der Johannis stimmen zu denen der osterfeuer; einiges abweichende wird sich ergeben. zu Gernsheim (im Mainzischen) wird das entzündete feuer von dem pfarrer gesegnet, und solange es brennt, gesungen und gebetet; erlischt aber die flamme, so springen die kinder über die glimmenden kohlen : ehmals thaten es auch die erwachsnen. wie aus neunerlei blumen ein kranz gewunden wurde beschreibt abergl. 848 . Reiske a. a. o. p. 77sagt: ›das feuer wird unter freiem himmel angemacht, vom jungen und gemeinen volke darüber gesprungen , allerhand kraut darein geworfen : gleich ihm möge alles ihr unglück in feuer und rauch aufgehn. An etlichen orten steckt man nachts aus den kammern laternen an und bekleidet sie mit klaprosen oder klatschen, damit ein heller glanz entstehe‹. Zu Nürnberg betteln die buben holzscheiter zusammen, fahren sie an den bleicherweiher beim spittelthor, zünden sie an, und wenn das holz brennt, springen sie darüber . man erhält dadurch gesundheit aufs ganze jahr (vgl. abergl. 918 ). sie laden auch vorübergehende zum sprunge ein, die einige kreuzer für die erlaubnis geben. Auch im Fuldischen betteln die knaben holz und geschenke, das holz verbrennen sie abends. beim einsammeln wird gesungen: ›da kommen wir her gegangen mit spießen und mit stangen und wollen die eier langen. feuerrothe blümelein, an der erde springt der wein, gebt ihr uns der eier ein zum Johannisfeuer , der haber ist gar theuer. haberje, haberju! fri fre frid! gebt uns doch ein schiet! (scheit)‹. j. v. u. f. Deutschl. 1790. 1, 313. ähnliche reime theilt Schm. 3, 262 aus Franken und Baiern mit. Im östreich. Donauländchen zündet man Johannisabend feuer auf der anhöhe, bursche und dirnen springen über die flammen unter jubel und gesang der zuschauenden (Reil s. 41). Am Johannisabende wurde allenthalben lustig über die sonnenwendefeuer gesprungen , und dabei muste meth sein, erinnert sich Denis aus seiner jugend (lesefr. 1, 130). Zu Ebingen in Schwaben kochte man erbsen am entzündeten feuer, welche aufbewahrt und bei quetschungen und wunden heilsam erachtet wurden (Schmid schwäb. id. 167); vgl. das kochen beim notfeuer (s.  507 ). Greg. Strigenitius (geb. 1548 † 1603) in einer auf Johannis gehaltnen predigt, die Ecc. fr. or. I, 425 anführt, bemerkt, das volk (in Meißen oder Thüringen) tanze und singe um die Johannisfeuer : einer habe ein pferdehaupt in die flamme geworfen , und dadurch die hexen zwingen wollen, von dem feuer für sich zu holen. Seb. Frank im weltbuch 51«: ›an s. Johanstag machen sie ein simet [?] feuer , tragen auch diesen tag sundere krenz auf, weiß nicht aus was aberglauben, von beifuß und eisenkraut gemacht, und hat schier ein jeder ein blau kraut, rittersporn genant, in der hand: 515 welches dadurch in das feuer sihet , dem thut dis ganz jahr kein aug weh; wer vom feur heim zu haus weg wil gehn, der wirft dis sein kraut in das feur , sprechende, ›es geh hinweg und werd verbrennt mit disem kraut al mein unglück‹‹ am 20 jun. 1653 erließ der rath zu Nürnberg folgendes mandat: Demnach bißhero die erfahrung bezeugt, daß alter heidnischer böser gewohnheit nach jährlichen an dem Johannestag auf dem land, sowol in städten als dörfern von jungen leuten geld und holz gesamlet und darauf das sogenant sonnenwendt oder zimmetsfeuer angezündet, dabei gezecht und getrunken, um solch feuer gedanzet, darüber gesprungen, mit anzündung gewisser kräuter und blumen , und steckung der brand aus solchem feuer in die felder , und sonsten in vielerleiweg allerhand abergläubische werk getrieben worden – als hat ein E. E. rath der stadt Nürnberg nicht unterlassen sollen noch können, solche und andere ungeschicklichkeiten, abergläubische und heidnische werk und gefährliche feur bei bevorstehenden Joh. tag abzustellen (neuer lit. anz. 1807. p. 318). . gerade so sollten an demselben Johannistag die fluten des wassers alles unheil mit sich fort schwemmen (s.  489 ). In frühern zeiten nahm aber auch die feine welt an diesen freudenfeuern theil, fürsten und könige. des Petr. Herp ann. francof. erzählen ad a. 1489 (Senkenb. sel. 2, 22:) ›in vigilia s. Joh. bapt. rogus ingens fuit factus ante domum consulum in foro (francofurtensi), fueruntque multa vexilla depicta posita in struem lignorum et vexillum regis in supremo positum, et circa ligna rami virentes positi, fuitque magna chorea dominorum , rege inspiciente‹. Zu Augsburg zündete 1497, in kaiser Maximilians gegenwart, die schöne Susanna Neithard das Johannisfeuer mit einer fackel , und machte dann zuerst den reigen um die flamme an Philipps hand Gasseri ann. august. ad a. 1497, Schm. 3, 261, vgl. Rankes roman. u. germ. völk. 1, 102. . In einer Münchner urk. von 1401 wird berechnet: ›umb gras und knechten, die dy pänk ab dem haws auf den margt trugen an der sunbentnacht, da herzog Stephan und sein gemachel und das frawel auf dem margt tanzten mit den purgerinen bei dem sunbentfwr ‹ Sutners berichtigungen p. 107. . im j. 1578 ließ der herzog von Liegnitz Johannisabends ein freudenfeuer auf dem Gredisberg halten, wie herr Gotsch auf dem Kynast , wobei jener selbst mit seinem hof zugegen war (Schweinichen 2, 347). Ausführlicher ist die beschreibung des Johannisfeuers im jahr 1823 zu Konz, einem lothringischen, aber deutschen dorf an der Mosel, unweit Sierk und Thionville. jedwedes haus liefert ein gebund stroh auf den gipfel des Strombergs, wo sich gegen abend männer und bursche versammeln: frauen und mädchen sind beim Burbacher brunnen aufgestellt. nun wird ein mächtiges rad dergestalt mit stroh bewunden , daß gar kein holz mehr zu sehen ist, und durch die mitte eine starke, zu beiden seiten drei fuß vorstehende stange gesteckt, welche die lenker des rads erfassen; aus dem übrigen stroh bindet man eine menge kleiner fackeln. auf ein vom maire zu Sierk (der nach altem brauch dafür einen korb 516 kirschen empfängt) gegebnes zeichen erfolgt mit einer fackel die anzündung des rads, das nun schnell in bewegung gesetzt wird. jubelgeschrei erhebt sich, alle schwingen fackeln in die luft, ein theil der männer bleibt oben, ein theil folgt dem rollenden bergab zur Mosel geleiteten feuerrad . oft erlischt es vorher; gelangt es brennend in die flut, so weissagt man daraus gesegnete weinernte , und die Konzer haben das recht von den umliegenden weinbergen ein fuder weißen weins zu erheben. während das rad vor den frauen und mädchen vorüber lauft, brechen sie in freudengeschrei aus, die männer auf dem berg antworten; auch die einwohner benachbarter dörfer haben sich am ufer des flusses eingefunden, und mischen ihre stimmen in den allgemeinen jubel mém. des antiquaires de Fr. 5, 383–386. . Ebenso sollen jährlich zu Trier die metzger ein feuerrad vom gipfel des Paulsbergs in die Mosel hinabgelassen haben zur erinnerung an den einsiedler Paulus, welcher um die mitte des 7 jh. von dem Gebennaberg bei Trier den götzen Apollo in die Mosel gestürzt habe, meint der verf. des aufsatzes über Konz p. 387. 388. Wenn hierfür Trithem de viris illustr. ord. s. Bened. 4, 201 gewähr leisten soll, so finde ich wenigstens p. 142 der opp. pia et spirit. Mogunt. 1605 nur, daß Paulus Trier gegenüber auf dem Cebenna wohnte, dieser nach ihm mons Pauli benannt wurde; von Apoll und dem feuerrad kein wort. ob die Cölner ausg. des buchs de vir. illustr. Ben. von 1576 mehr enthält, bezweifle ich, denn auch das compendium annal. de orig. Francor. unter Clodoveus (Dagoberts sohn) sagt nichts mehr und nichts weniger, desgl. die acta sanctor. unterm 8 febr. p. 170, die acta Bened. sec. 2. p. 268–275 und Browers annal. trev. lib. 7. p. 416 (Colon. 1626). Nachtrag: Das solstitium hieß bei den Griechen τροπὴ ἠελίοιο. Od. 15, 404. ἀμφὶ ϑερινὰς τροπάς. Procop. b. goth. 2, 13. ἀμφὶ τροπὰς χειμερινάς. das. 3, 27. die bairischen urkunden haben sunwenden , sunbenden , die alemannischen sungihten . ze sungihten . weisth. 1, 293. 304. 316. 317. 318. ze singeht . 1, 325. nach sungehten . 1, 669. ze sungiden . 1, 322. 323. zu sungihte 1, 708. zu singihten 1, 745. singihttag 1, 727. sungehttag 1, 669. singehtag namenbüchl. s. 114. sungiht solstitium ist auch ags. und kommt im menologium zum 24. juni vor. Schilter zu Königsh. s. 458 hat die ganze stelle. drî tage vor sunegihten . Lanz. 7051. vgl. bettegâht N. Cap. 46. kirchgiht kirchgang (Oberlin). Vor der sunnewenden . Bamb. reht. ed. Zöpfl 154. hiute ist der ahte tac nâch sunewenden , dâ sol daz jârzît enden.   Iw. 2940. aus sunwent wird summit , simmet . Leoprechting 182. in dieser zeit hielt man versamlungen und feste. ze einen sunewenden dâ Sîfrit ritters namen gewan. Nib. 32, 4. vor disen sunewenden besuchen Siegfried und Kriemhilt Worms. Nib. 670, 3. 694, 3. Siegfried wird bei der hochzeit zu Johannis erschlagen, denn auf diese zeit darf man schließen, auch wenn sie nicht ausgedrückt ist. die hochzeit im Heunenlande soll stattfinden ›zen naehsten sunewenden ‹. Nib. 1424, 4 und die helden kommen zur hochzeit bei Etzel › an sunewenden âbent ‹. Nib. 1754, 1. auf Johannis machen die Züricher ihre schiffahrt mit dem warmen brei nach Straßburg und begrüßen den tag. glückh. schiff v. 194 ff. über sunwendfeuer Panzer beitr. 1, 210 ff., summit, simmetfeuer . Leoprechting 182. simentfeuer . H. Sachs 1, 423 d . sommerfeuer . Albertini narrenhatz 100. S. Johannisfürle . Germ. 1, 442. ein guter spruch beim sonwendfeuer steht bei Firmenich 2, 703. feuiahupfa z Johanne . Schuegraf der wäldler s. 31. bursch und mädchen springen immer zusammen, paarweise, über das feuer. Leoprechting 183. man stößt andere mutwillig hinein und breitet den rock auf die kolen. gesch. v. Gaustall (Bamberger ver. 8, 112). wie in Meißen und Thüringen ins Johannisfeuer, werden in Irland ins maifeuer pferdeköpfe geworfen. Hones daybook 2, 595. gemeine frauen, freie töchter, tanzten zu Wien am sonnwendfeuer. Schlagers Wiener skizzen 1, 270. 5, 352. zu Johannis werden in Tirol und Ungarn feuerscheiben geschlagen. Wolfs zeitschr. 1, 286. 287. 270. 271. in Österreich Duller s. 46. 47, vgl. die freudenfeuer der schweizer hirten in den posternächten . Stalder 1, 209. 210. verbote der sunwendfeuer verzeichnet Kallenbück pantaid. 98 b . 104 a . auch im j. 1850 wurden sie in Österreich untersagt, trotz Göthe 31, 179: Johannisfeuer sei unverwehrt, die freude nie verloren! . Die sitte der Johannisfeuer und räder in Frankreich bezeugen schon schriftsteller des 12 und 13 jh., Joh. Beleth, ein Pariser theolog, der um 1162 eine summa de divinis officiis schrieb, und Wilh. Durantis, geb. unweit Beziers in Languedoc um 1237, gest. 1296, der bekannte verf. des rationale divinor. offic. geschrieben 1286; vgl. lib. 8 pars 2 cap. 3 de epacta. . in jener summa (gedr. zu Dillingen 1572) cap. 137. fol. 256 und daraus entlehnt im rationale lib. 7 cap. 14 heißt es: ›feruntur quoque (in festo Johannis bapt.) brandae seu faces ardentes , et fiunt ignes , qui significant sanctum Johannem; qui fuit lumen et lucerna ardens praecedens et praecursor verae lucis . . .; rota in quibusdam locis volvitur , ad significandum, quod sicut sol ad altiora sui circuli pervenit, nec altius potest progredi, sed tunc sol descendit in circulo, sic et fama Johannis, qui putabatur Christus, descendit, secundum quod ipse testimonium perhibet dicens: me oportet minui, illum autem crescere‹. Weit älter ist das freilich unbestimmte zeugnis des Eligius: ›nullus in festivitate s. Johannis vel quibuslibet sanctorum solemnitatibus solstitia  (?) aut vallationes vel saltationes aut casaulas aut cantica diabolica exerceat‹ die kaiserchronik (cod. pal. 361, 1 b ) von der feier des sonntags: swenne in kom der sunnintac sô vlîzete sich Rôme al diu stat, wie si den got mohten geêren, die allirwisisten hêrren vuorten einiz al umbe die stat daz was geschaffen same ein rat mit brinnenden liehten . ô wie grôze sie den got zierten! . 517 In großen städten, Paris, Metz und vielen andern, wurde der scheiterhaufen noch im 15. 16. 17 jh. auf öffentlichem platz vor dem rathhaus errichtet, mit laub, blumen geschmückt, und von dem maire selbst angezündet mém. de l'acad. celt. 2, 77. 78. 3, 447. . Viele südliche gegenden haben die gewohnheit heute beibehalten. Zu Aix, zu Marseille, werden auf Johannistag alle straßen und plätze gereinigt, das landvolk trägt frühmorgens blumen in die stadt, jedermann kauft sich davon, alle häuser sind mit kräutern geschmückt, denen heilsame kraft, wenn sie vor sonnenaufgang gebrochen wurden, beigelegt wird: ›aco soun dherbas de san Jean‹. einige dieser kräuter wirft man in die flamme , und die jungen leute springen darüber , vorbeigehende werden mit zundern und versteckten schlangenfeuern geneckt, oder mit wasser aus den fenstern besprützt und beschüttet. in den dörfern reitet man auf eseln und mäulern, angebrannte tannenzweige in der hand tragend Millin voy. dans le mich. 3, 28. 341–345. . An vielen orten schleppt man von den ausgeglühten bränden und kohlen mit nach haus: es sollen heilsame, ja zauberhafte wirkungen davon abhängen (franz. abergl. 27 . 30 . 34 ). In Poitou springen sie dreimal um das feuer , einen nußzweig in der hand (mém. des antiq. 8, 451). hausväter streifen mit einem büschel wollkraut (bouillon blanc) und einem nußbaumlaubast durch die flamme, beide werden nachher über die thüre des viehstalls befestigt ; während die jugend tanzt und singt, legen sich greise von der kohle in ihre holzschuhe als schutzmittel gegen unzählige übel (das. 4, 110). Im département des hautes pyrénées wird am 1 mai von jeder gemeinde der höchste und schlankste baum ausgesucht, auf bergen eine fichte oder tanne, in ebenen eine pappel; nachdem alle äste abgehauen sind, schlägt man eine anzahl fußlanger keile hinein und bewahrt ihn bis zum 23 juni auf. unterdessen spaltet er sich rautenförmig wo die keile eingeschlagen sind, und wird nun auf einen berg oder hügel gewälzt und getragen. alsdann ertheilt ihm der priester den segen, man rammelt ihn in die erde und setzt ihn in flammen (das. 5, 387). Der Johannisfeuer in England gedenkt Strutt the sports and pastimes of the people of England by Joseph Strutt. new edit. by William Hone. Lond. 1830. p. 359. : sie währten bis zu mitternacht (nach midsummer eve), oft bis zu hankrat, die jugend tanzte um die flamme bekränzt mit motherwort (mutterkraut) und vervaine (verbena), veilchen in den händen. In Dänemark sagt man sanct Hans aftens blus , aber auch gadeild (gassenfeuer), 518 weil sie auf öffentlicher straße, plätzen und hügeln entzündet werden. man wähnte, daß in dieser nacht alle giftkräuter aus der erde hervorkämen, und mied den aufenthalt im gras; doch heilsame kräuter (chamemaelum und bardanum) wurden in den häusern aufgestellt. einige versetzen diese straßenfeuer auf Walburgisabend Molbech dialect. lex. 150. Lyngbye nord. tidskr. for oldk. 2, 352–59. Finn. Magn. lex. myth. 1091–94. Arndts reise durch Schweden 3, 72. 73. . Auch Norwegen kennt den brauch: s. Hans aften brändes der baal ved alle griner (angehegten landwegen), hvilket skal fordrive ondt fra kreaturerne. Sommerfelds Saltdalen p. 121. merkwürdig aber sind die von Hallager s. 13 angeführten benennungen brandskat (für das auf den feldern verbrannte holz) und brising (für das gezündete feuer); letzteres erinnert an das leuchtende halsband der Freyja (s.  254 . 255 ) und könnte von der flamme auf den schmuck, wie von dem schmuck auf die flamme übertragen sein. Italien kannte ohne zweifel in mehrern gegenden Johannisfeuer; zu Orvieto nahm man sie von dem verbot andrer feuer aus statuta urbevetana a. 1491. 3, 51: quicunque sine licentia officialis fecerit ignem in aliqua festivitate de nocte in civitate, in xl sol. denarior. puniatur, excepta festivitate s. Johannis bapt. de mense junii, et qui in illa nocte furatus fuerit vel abstulerit ligna vel tabulas alterius in lib. lx . den. puniatur. . die italienischen schiffer entzünden auf den schiffen im meer Johannisfeuer. Fel. Fabri evagat. 1, 170. Für Spanien mag eine stelle aus dem romance de Guarinos (silva p. 113) vielleicht zeugen: vanse dias, vienen dias, venido era el de sant Juan , donde Christianos y Moros hazen gran solenidad: los Christianos echan juncia , y los Moros arrayhan , los Judios echan eneas , por la fiesta mas honrar. hier ist des feuers geschwiegen bestimmter redet davon um das j. 1510 Martinus de Arles, canonicus von Pampeluna, in seiner abhandl. de superstitionibus (tract. tractatuum ed. lugd. 1544. 9, 133): cum in die s. Johannis propter jucunditatem multa pie aguntur a fidelibus, puta pulsatio campanarum et ignes jucunditatis , similiter summo mane exeunt ad colligendas herbas odoriferas et optimas et medicinales ex sua natura et ex plenitudine virtutum propter tempus . . . . . quidam ignes accendunt in compitis viarum, in agris, ne inde sortilegae et maleficae illa nocte transitum faciant, ut ego propriis oculis vidi. alii herbas collectas in die s. Joannis incendentes contra fulgura, tonitrua et tempestates credunt suis fumigationibus arcere daemones et tempestates. , aber gesagt, daß die Christen binsen , die Mohren myrten, die Juden schilf streuen; und das werfen von blumen und kraut in die flamme scheint der feierlichkeit wesentlich, vgl. beifuß, eisenkraut, rittersporn (s.  514 ), wollkraut und nußlaub (s.  517 ). daher die samlung solcher Johanniskräuter in Deutschland (abergl. 157 . 189 . 190 ) und der s.  Hans urter in Dänemark (abergl. 126 ) wie in Frankreich (abergl. 4 ). Nach Casp. Zeumer de igne in festo s. Johannis accendi solito, Jenae 1699, wurde an diesem tag das kraut ἄλιδμα (?) sorgsam gesucht und über den thüren aufgehängt . 519 In Griechenland entzünden abends vor Johannis die weiber ein feuer und rufen darüber springend aus: ich lasse meine sünden. In Serbien hält man dafür, das fest sei so hehr, daß die sonne dreimal vor ehrfurcht still stehe wie sie auf ostern dreimal springen soll (s. 241 ). . den vorabend binden die hirten birkenrinde zu fackeln und umschreiten mit den brennenden zuerst schafhürden und ochsenzäune, dann steigen sie auf die berge und lassen sie verbrennen (Vuk s. v. Ivan dan.). Auch andere slavische länder kennen ähnliches. in Sartoris reise durch Kärnten 3, 349. 350 findet sich das rollen des Johannis feuerrads genau beschrieben. Johannistag oder sonnenwende selbst heißt den Slovenen kres , den Croaten kresz , d. i. feuerschlag, von kresati (ignem elicere) poln. krzesać , und wie der irische mai minabealtine (feuermonat) der sloven. juni kresnik. bei dem kres geschahen nächtliche freudensprünge , einer anzündung durch reiben finde ich nicht gedacht. Polen und Böhmen nennen das Johannisfeuer sobotka , d. i. kleiner sonnabend im gegensatz zu dem großen sobota (ostersonnabend); in Böhmen führte man die kühe darüber um sie gegen hexerei zu schützen; die Russen kupalo , was man von einem erntegott Kupalo erklärt: jünglinge und mädchen blumenbekränzt und mit heiligem kraut umgürtet versammelten sich am 24 juni, zündeten feuer an , sprangen und führten die heerde darüber , wobei sie lieder zu des gottes preise sangen. sie glaubten dadurch ihr vieh vor den leschien (waldgeistern) zu schützen. zuweilen soll unter tanz und gesang ein weißer hahn im feuer verbrannt worden sein. noch jetzt hat die heilige, deren fest der griech. ritus an diesem tage begeht, den beinamen kupalnitza , und selbst brennende holzhaufen werden so genannt, nach Karamsin die auf Johannistag ausgestreute blume Karamsin 1, 73. 81. 284. Götze russ. volksl. s. 230–232. Dobrowsky stellt Kupalo den gott in abrede und leitet das fest von kupa (heuhaufen), Hanusch s. 201 von kupel, kaupel, kupadlo (bad, schwemme), weil die sonne nach slav. vorstellung aus dem bade steige, oder bei dem fest wasserbegießungen üblich gewesen seien. . Auch zu den Litthauern wird der brand gedrungen sein, ich treffe bei ihnen kupóles als benennung des Johanniskrauts. Tettau und Temme berichten p. 277, daß in Preußen und Litthauen am Johannisabend auf allen höhen, soweit das auge reicht, feuer flammen. am folgenden morgen treibt man das vieh über die brandstellen auf die weide, das hilft gegen viehsterben, zauberei und milchbenehmung, aber auch gegen hagelschlag und gewitter. die bursche, welche es angezündet haben, gehen von haus zu haus und sammeln milch ein. auch steckt man an jenem abende große kletten und beifuß (d. i. kupóles) über das thor oder die hecke, wodurch das vieh zu gehen pflegt. Wir übersehen jetzt, daß diese feuer seit undenklicher zeit durch fast ganz Europa reichen. bei ihnen könnte es noch viel zweifelhafter scheinen, als bei der wasserlustration (s.  486 . 490 ), 520 ob sie heidnischen oder christlichen ursprungs waren. die kirche hatte sie schon sehr frühe sich angeeignet, und, wie Beleth und Durantis darthun, auf Johannes gedeutet; einigen theil nahm die geistlichkeit an der feier, obschon diese nie ganz in ihre hände übergieng, sondern wesentlich von der weltlichen obrigkeit und dem volke selbst geleitet wurde Nachtrag: Über die englischen bonefires . Hones dayb. 1, 827. 846. 851. 852. Brand 1, 299 ff. wie die in Frankreich vom Johannisfeuer heimgebrachten kohlen schützt in England die burning, live coal überhaupt gegen zauber. Hones yearb. 1553. der norweg. ausdruck brising für Johannisfeuer könnte erklärt werden durch bris flamma, brisa flammare (Aasen) vgl. brasa knistern, brasseln, prasseln. auch in Schweden loderten mittsommerfeuer , von neunerlei holz gezündet, dazu wurden sträuße von neunerlei blumen gepflückt. Runa 1844 s. 22. Wieselgren 411. in Spanien sammelte man bei anbruch des Johannistages verbenen und zündete feuer an, über die man sprang. handbook of Spain. Lond. 1845. 1, 270 b . ein Johannisfeuer in Portugal wird geschildert im jb. d. Berl. sprachges. 8, 373. die Letten nennen Johannisleute solche, die Johanniskraut (hypericum und raggana kauli, hexenknochen) bringen und lieder singen. Stender gramm. s. 50. wb. 85 a . am Johannismorgen wird ein blumenkranz oder weißdorn über die thüren gehängt. Fr. Michel races maudites 2, 147. auch in Estland wird Johannisfeuer angezündet und ein bündel wolriechender kräuter gesammelt. die jungen mädchen legen sie unter das kopfkissen und dann wird der traum bedeutsam. Possarts Estl. s. 172. (in Finnland heißt das frühlingsfest hela und das feuer helavalkja ( anm. 1547 ). auf dem Zobtenberg in Schlesien von Sobota (sabbat) feierten die Slaven ihre sobotky (Schafarik 2, 407 der übersetzung). er heißt auch mons Slesie, mons czobothus vgl. Dietmar bei Pertz 5, 855. in Mähren gibt es auch Johannisfeuer. Kulda (bei d'Elv) 111. 112. von einem feste nach der sommersonnenwende redet Plato de legibus 12, 945. . Paciaudi de cultu s. Johannis baptistae. Romae 1755. dissert 8 cap. 1. 2. müht sich zu zeigen, daß die Johannisfeuer nichts mit weit älteren heidnischen feuern zu schaffen haben und aus dem geist des christlichen gottesdienstes hervor gegangen seien. V Mos. 18, 10 und II paralip. 28. 4 wird des heidnischen gebrauchs erwähnt, söhne und töchter durch ein feuer gehn zu lassen. Theodoret, bischof zu Cyrus († 458) bemerkt, in beziehung darauf, zu IV Reg. 16, 3: εἶδον γὰρ ἔν τισι πόλεσιν ἅπαξ τοῦ ἔτους ἐν ταῖς πλατείαις ἁπτομένας πυρὰς kaì ταύτας τινὰς ὑπεραλλομένους καὶ πηδῶντας οὐ μόνον παῖδας ἀλλὰ καὶ ἄνδρας . τὰ δέ γε βρέφη παρὰ τῶν μητέρων παραφερόμενα διὰ τῆς φλογός . ἐδόκει δὲ τοῦτο ἀποτροπιασμὸς εἶναι καὶ κάϑαρσις opp. ed. Sirmond, Par. 1642. 1, 352. . er sagt nur ›alljährlich‹, ohne angabe des tags, der uns zeigen würde, ob die sitte von Rom aus nach Syrien verpflanzt war. am 21 april, dem tage seiner stiftung, feierte Rom die palilien , ein uraltes hirtenfest, zu ehren der Pales, einer mütterlichen gottheit, die an Ceres und Vesta erinnert da Pales auch männlich vorkommt, so erinnert er an den slav. hirtengott, russ. Volos , böhm. Weles . . diese zeit fällt nicht mit der sonnenwende, wol aber mit der des osterfeuers zusammen; der ritus selbst, das springen über die flamme, das treiben des viehs durch die glut ist ganz wie bei dem Johannisfeuer und notfeuer. aus Ovids schilderung im vierten buch der fasti führe ich nur einige zeilen an: 727.    certe ego transilui positas ter in ordine flammas. 781. moxque per ardentes stipulae crepitantis acervos     trajicias celeri strenua membra pede. 795. pars quoque, quum saxis pastores saxa feribant,     scintillam subito prosiluisse ferunt; prima quidem periit; stipulis excepta secunda est,     hoc argumentum flamma palilis habet. 805. per flammas saluisse pecus, saluisse colonos ;     quod fit natali nunc quoque, Roma, tuo Nachtrag: Zu der schilderung der palilien bei Ovid halte man Tibull. II. 5, 87: at madidus Bacclro sua festa Palilia pastor concinet: a stabulis tunc procul este lupi. ille levis stipulae solemnis potus acervos accendet, flammas transilietque sacras . . die flamme war von den hirten aus stein geschlagen, und in strohhalmen aufgefangen worden; indem sie durch dieses feuer sprangen, glaubten sie sich zu sühnen, zu reinigen, und ihre heerde vor allem übel zu bewahren. Daß kinder von den müttern in die glut gelegt worden seien, wird hier nicht erzählt; man weiß, daß Ceres den säugling Demophoon oder Triptolem, um ihm unsterblichkeit anzueignen, wie Thetis den Achilles, ins feuer legte vgl. das abergläubische ›filium in fornacem ponere , pro sanitate febrium‹ und ›ponere infantem juxta ignem ‹ ( abergl. B 10, 14 u. p. 200 a ). . Dieser 521 feuercultus scheint in Canaan, Syrien, Griechenland und Rom eigenthümlich verbreitet, ohne daß man befugt wäre, ihn irgendwo für entlehnt und übertragen zu halten. Es ist daher schwer zu bestimmen, aus welcher quelle später die Christen schöpften, um ihn auf ihr oster und Johannisfest anzuwenden, oder bei noch andern veranlassungen. schon der canon 65 des concils vom j. 680 enthält ein verbot dieser abergläubischen feuer zur zeit der neumonde : τὰς ἐν ταῖς νουμηνίαις ὑπὸ τινῶν πρὸ τῶν οἰκείων ἐργαστηρίων ἢ οἴκων ἀναπτομένας πυρκαιὰς, ἃς καὶ ὑπεράλλεσϑαί τινες, κατὰ τὸ ἔϑος ἀρχαῖον , ἐπιχειροῦσιν, ἀπὸ παρόντος καταργηϑῆναι προστάττομεν. damals wurde untersagt was man hernach wenigstens am Johannistag duldete, und auf gewisse weise mit kirchlichen einrichtungen verband. Wäre nun auch das beinahe allgemein in Europa verbreitete Johannisfeuer , gleich dem Johannisbad, zunächst von der kirche ausgegangen, und hätte sie es in Italien unmittelbar von den römischen palilien her überkommen; so folgt noch nicht, daß unsere osterfeuer im nördlichen Deutschland eine bloße modification der Johannisfeuer sind. diese dürfen geradezu aus feuern des einheimischen heidenthums hergeleitet werden, dafür spricht die verschiedenheit des festtags, vielleicht auch ihre rohere form, bei ihnen herschte noch bis in die jüngste zeit größerer ernst und allgemeinere theilnahme, die Johannisfeuer waren zierlicher, anmutiger, endlich aber bloß auf kinder und gemeines volk eingeschränkt, während früher fürsten und adel sie besuchten. dem osterfeuer ist berg und hügel wesentlich, das sonnwendfeuer wurde häufig auf märkten und in straßen angezündet. des springens durch das feuer, der blumen und kränze, finde ich bei jenem kaum gedacht; der feuerreibung nur einigemal beim Johannisbrand, niemals bei dem österlichen, und doch ist gerade dies kennzeichen echtheidnisch und, wie für das notfeuer in Norddeutschland, für das dortige osterfeuer sicher anzunehmen. es mangeln uns nur von dem letzten alle nachrichten. die celtischen belfeuer, und falls die geäußerte mutmaßung stich hält, die pholtage stehen fast in der mitte zwischen ostern und Johannis, doch wenn jene spät eintreten ihnen näher. auch ist allen dreien, und wol allen öffentlichen feuern des alterthums das rad gemein, wie allen alten osterfeuern das anreiben. Ich darf nicht unerwähnt lassen, daß verschiedentlich zu der dem sommer entgegen stehenden winterzeit, auf weihnachten und in den fasten, wie auf ostern und Johannis, feuer angezündet wurden. dem julfeier entspricht das galische samhtheine (s.  511 ) des ersten novembers. In Frankreich ist noch heute die souche de noel (d. i. dies natalis, provenz. natal) oder das trefué üblich (franz. abergl. 1 . 28 ) vgl. das trefoir Brands pop. antiq. 1, 468. in Marseille zündete man den calendeau oder caligneau , einen großen eichenen klotz, mit wein und öl sprengend; dem hausvater gebührte die flamme anzustecken (Millin 3, 336). in Dauphine hieß er chalendal , 522 der weihnachtsabend entzündet und mit wein begossen wurde, er galt für heilig und man muste ihn ruhig ausbrennen lassen (Champollion-Figeac p. 124). weihnachtszeit hieß chalendes , provenz. calendas (Raynouard 1, 292), weil neujahr auf den 25 dec. begann. Für Deutschland weise ich gleiche sitte bereits aus dem 12 jh. nach. in einer urk. von 1184 (Kindl. münst. beitr. II urk. 34) heißt es von dem pfarrer zu Ahlen im Münsterland: et arborem in nativitate domini ad festivum ignem suum adducendam esse dicebat. des gehauenen weihnachtsblockes gedenken die weisthümer (2, 264. 302). vom engl. yuleclog s. abergl. 1109 , der scandinavische julblok ist bekannt; die Letten nennen weihnachtsabend blukku wakkars, klotzabend, vom umhertragen und verbrennen des klotzes (blukkis). Seb. Frank (weltbuch 51 a ) gibt folgende fastnachts gebräuche aus Frankenland an: ›an andern orten ziehen sie ein feurinen pflug , mit einem meisterlichen darauf gemachten feuer angezündet, biß er zu trümmern felt (vgl. oben s.  218 ). item, sie flechten ein wagenrad voller strow, tragen es auf einen hohen, gehen berg, haben darauf, so sie vor kelte mögen bleiben, den ganzen tag ein guten mut, mit vilerlei kurzweil, singen, springen, danzen, geradigkeit, und anderer abenteur. Umb die vesperzeit zinden sie das rad an und lassen es mit vollem lauf in das thal laufen , das gleich an zu sehen ist, als ob die sunn von dem himmel lief.‹ dieses scheibentreiben auf fasten erwähnt Schm. 1, 544; der tag heißt funkentag , im Rheingau hallfeuer , in Frankreich: la fête des brandons franz. abergl. 16 . mém. des antiquaires 1, 236. 4, 371. . Vermutlich kommen auch bei der weinlese hin und wieder solche freudenfeuer vor. Im Voigtland sieht man Walpurgisabends (was also ganz zum bealteine stimmt) auf den meisten bergen feuer , und kinder mit brennenden besen (Jul. Schmidt Reichenf. 118). Endlich entzünden die Serben ein scheit frisches eichenholzes, badnjak , zu weihnachten und begießen es mit wein. der an solchem feuer gebackne und ausgetheilte kuchen (Vuks Montenegro 105) gemahnt an den galischen brauch (s. 510 ). den Slaven hieß die wintersonnenwende koleda , poln. kolęda, russ. koljada, was dem lat. calendae und jenem franz. chalendes entspricht man versucht auch andere herleitungen (Hanusch 192. 193). , spiele und tänze wurden gehalten, gebrannter feuer geschieht keine meldung. auch in Niederdeutschland hatte sich kaland als ein ausdruck für fest und schmaus verbreitet, kalandgilden, kalandbrüder werden genannt, doch ohne einschränkung auf die weihnachtszeit, und keine feuer kommen dabei in betracht Nachtrag: Zu den weihnachtfseuern bemerke man die sitte, den angebrannten weihnachtsklotz aufzubewahren. Gefken cat. 56. dem lett. blukku wakkars , klotzabend d. i. weihnachtsabend. Bergm. 150, entspricht das litth. kalledos weihnachten von kalada block, klotz. andere feuer sind das fastnachtsfeuer Stalder 1, 356 und das in Oberschwaben am ersten fastensonntag vorgenommene scheibenschlagen , das nordfriesische biikenbrennen am 22. febr. s. Müllenhoff s. 167. . Wäre im mittelalter eine vermischung der beiden Johannes, des täufers und des evangelisten, vorgegangen, so möchte ich die eigentlich nur letzteren betreffende sitte der Johannesminne (oben s.  49 ) mit dem Johannisfeuer in berührung setzen. Es ist dabei allerdings von keinem feuer die rede, aber dem altnord. minnetrinken 523 waren feuer wesentlich; die Sueven bei ihrer bierkufe (s.  45 ) brannten auch wol feuer? in der saga Hâkonar gôđa cap. 16 wird gesagt: › eldar scyldo vera â midjo gôlfi î hofino, oc þar katlar yfir, oc scyldi full of eld bera ‹, und sollte man die becher rings um das feuer tragen. Sehr merkwürdig scheint mir das in einem theile Schwedens und Norwegens fortübliche › dricka eldborgs skål ‹ (schwed. abergl. 122 . 123 ). zwei große lichter werden zur lichtmesse aufgestellt, jedes glied des hauses sitzt der reihe nach zwischen ihnen nieder und thut aus hölzernem becher einen trunk. nach dem trinken wird die schale rückwärts über das haupt geworfen, stellt sie sich niederfallend um, so stirbt der werfende; steht sie recht auf, so bleibt er am leben bei anderm anlaß ähnliches rückwärtswerfen des ausgeleerten glases (abergl. 514 . 707 ). . Frühmorgens hat schon die frau feuer in den backofen gemacht und versammelt nun in einem halbkreis vor dem ofenloch ihr gesinde; alle biegen die knie , essen einen bissen kuchen und trinken eldborgsskål , was von kuchen und getränke übrig ist wird in die flamme geworfen . Unverkennbare spur heidnischer feuerverehrung, auf das christliche fest der kerzenweihe, welches die meiste ähnlichkeit damit gewährte, verlegt. Das nhd. ofen , mhd. oven , ahd. ovan , altn. ôn entspricht dem goth. aúhns , altschwed. omn , ofn , ogn , neuschwed. ugn , dän. on ; alle bedeuten fornax, d. h. das im behälter eingeschloßne feuer (vgl. focus, fuoco, feu), ursprünglich aber war es des feuers name selbst, slav. ogan , ogen , böhm. ohen , litth. ugnis , lett. ugguns , lat. ignis , sanskr. agni , der gott des feuers. Wie nun das schwed. volk vor dem ugnshol niederkniet , so ist in deutschen märchen und sagen der zug, vor dem ofen zu knien , und ihn anzubeten , erhalten; unglückliche, verfolgte wenden sich zum ofen und klagen ihr leid , enthüllen ihm ein geheimnis, das sie der welt nicht anvertrauen haus und kinderm. 2, 20. 3, 221. deutsche sagen no. 513. im kinderspiel der reim: › lieber ofen ich bete dich an , hast du eine frau, hätt ich einen mann!‹ In dem lustspiel ›der ehrlichen frau Schlampampe leben und tod‹ Leipz. 1696 und 1750 heißt es act. 3. sc. 8: ›komm, wir wollen hingehen und vor den ofen knien . vielleicht erhören die götter unser gebet‹. Ein im j. 1558 beraubter, der stillschweigen gelobt hatte, erzählte im wirthshaus seine geschichte dem kachelofen . Rommels hess. gesch. 4. anm. p. 420. Joh. Müller Schweizergesch. 2, 92 (a. 1333). ›Nota est in elegiis Tibulli Januae personificatio, cui amantes dolores suos narrant, quam orant, quam increpant; erat enim daemoniaca quaedam vis januarum ex opinione veterum‹. Dissens Tib. 1, clxxviiii . vgl. Hartungs rel. der Röm. 2, 218 ff. . was sonst abgeschmackt scheinen würde, erklärt sich: es ist die vom uralten feuercultus übrig gebliebne, unverstandne form und formel. Auf ähnliche weise wird der mütterlichen erde oder einem stein, einer pflanze, einer eiche oder dem rohr (Morolt 1438) geklagt und gebeichtet. diese personification des ofens hängt zusammen mit vorstellungen des mittelalters von dem orcus und der hölle, als orten des feuers. vgl. Erebi 524 fornax (Walthar. 867) und was oben s.  212 über Fornax gesagt wurde. Das leuchtende element gestattete ein fest in die nacht zu verlängern, feuer waren von jeher ausdruck von freudenbezeugung. wenn der cultus in freudenfeuer übergieng, ignes jocunditatis , feux de joie , engl. bonfires ; konnten diese auch, ohne bezug auf göttliche verehrung, bei andern frohen anlässen, namentlich dem einzug des königs oder siegers vorkommen. so ließ man dem könig einen fackelwagen folgen, hernach den wagen anzünden, wie beim Johannesfest pflug und räder (RA. 265). › faculis et faustis acclamationibus, ut prioribus regibus assueverant, obviam ei (non) procedebant.‹ Lamb. schafn. ad a. 1077. Von dem, was wir jetzt illumination , d. h. erleuchtung der straßen und baumgänge, nennen, gibt es wahrscheinlich ältere beispiele, als die ich anführen kann. ›von kleinen kerzen manec schoup geleit ûf ölboume loup‹ Parz. 82, 25. Detmar (ed. Grautoff 1, 301) beim einzug kaiser Carls (IV) in Lübeck: ›des nachtes weren die luchten bernde ut allen husen unde was so licht in der nacht als in dem dage‹. Auch die kirche geleitete mit fackelzügen: ›cui (abbati) intranti per noctis tenebras adhibent faces et lampadas‹. Chapeaville 2, 5 32 (12 jh.) ›Hirimannus dux susceptus est ab archiepiscopo manuque deducitur ad ecclesiam accensis luminaribus, cunctisque sonantibus campanis‹. Dietm. merseb. 2, 18. ›taceo coronas tam luminoso fulgore a luminaribus pendentes‹. vita Joann. gorziens. (vor 984) b. Mabillon act. Ben. sec. 5. p. 395 Nachtrag: Ältere beispiele von illuminationen sind folgende: Johann. Chrys. orat. in reditum Flaviani cap. 4: ὅπερ οὐν ἐποιήσατε στεφανώσαντες τὴν ἀγορὰν καὶ λύχνους ἅψαντες . Gregorius Naz. Athanasii narrans reditum Alexandriam orat. 21 s. 391: ἐῶ λέγειν . . . πᾶσαν φωτὶ καταστραπτομένην πόλιν . Choricii Gazaei orationes ed. Boissonade Par. 1846 s. 101: σκεύεσι δὲ φωτὸς εἰργασμένοις εὐφημοῦμεν τούς εὐεργέτας. splendida fuit illuminatio . mos is fuit veterum diebus laetis ac festis. ann. worm. 1251 (Böhm. font. 2, 168): regem incensis candelis et campanis pulsatis singulis diebus festivis denunciare. lichterbäume wurden bei processionen getragen. Lünzel stiftsfehde 135. 136. 279. vil liehtes gap dâ manec rone . Türl. Wh. 99 b . vgl. Sæm. 22 b . med brennandom liosom oc bornom viđi . die ksrchr. 91 erwähnt brinnende olvaz . nur von glockenläuten redet Walth. 28, 14: ir werdent hôh enpfangen, ir sît wol wert daz wir die gloggen gen iu liuten . . III. Luft. die begriffe luft , wind , wetter berühren sich; auch oft in den ausdrücken luft nehme ich unter die wurzel liuban no. 530. deren urbedeutung noch dunkel ist, vgl. kliuban, kluft; skiuban, skuft. . alle sind wiederum als ein bewegtes, lebendiges wesen gedacht, wir haben gesehn, wie die wörter animus , spiritus , geist (s.  363 . 382 ) auf genien gedeutet werden: auch das slav. duch ist hauch, athem, geist. Wuotan selbst war uns der alles durchdringende (s.  109 ), er ist gleich Vischnu der feine, das weltall füllende äther. aber auch geringere geister gehören diesem element an. Gustr , Zephyr , Blaser (s.  382 ), Bläster , Wind und Wetter (s.  454 ) eigennamen von zwergen, elben, riesen. in der litth. sage stehn die beiden riesen Wandů (wasser) und Wejas (wind) nebeneinander (s.  480 ). dem ahd. wetar , alts. wedar , ags. veder (tempestas) entspricht das slav. veter , vjetar (aer, ventus); dem goth. vinds , ahd. wint das lat. ventus . die in Alvismâl (Sæm. 50 a ) dem winde beigelegten namen erklären sich leicht aus der eigenschaft des wehens und stürmens: œpir , ejulans der heulende, vgl. alts. wôp, ahd. wuof ejulatus; gneggiođr (strepens, gleichsam hinniens); dynfari (cum sonitu iens). Die personification bricht also schon in appellativen durch, in den mythischen vorstellungen selbst ist sie auf das mannigfaltigste ausgesprochen. 525 Holzschnitte und bilder (des Sachsenspiegels) pflegen, halbsymbolisch, die winde als blasende gesichter und häupter aufzufassen, wahrscheinlich von sehr früher zeit an, man wird dadurch des wehenden Johannishauptes erinnert, das die Herodias in den leeren räumen des himmels herumtreibt (s.  236 ). Die winde der vier hauptseiten treten als vier zwerge auf: ›undir hvert horn settu þeir dverg‹ Sn. 9. (s.  382 ) darum sind auch ôstrôni , westrôni , sundrôni , nordrôni männliche substantiva: die goth. formen würden lauten áustrôneis u. s. w. ; nach griech. darstellung als riesen und brüder : Zephyrus , Hesperus Boreas , Notus (Hes. theog. 371), auch des Boreas söhne Zetes und Calais sind geflügelte winde (Apollonius Argon. 1, 219). Aeolus (αἰόλος schnell, wandelbar, schimmernd, bunt), ursprünglich held und könig, wurde zum göttlichen beherscher und lenker der winde (ταμίης ἀνέμων s.  76 ) erhoben. Nach russischer volksüberlieferung sind die vier winde söhne einer mutter russ. volksmärchen. Leipz. 1831 p. 119. , das altruss. Igorlied redet den wind mit ›herr‹ an, und die winde heißen Stribogs enkel ›vjetrje vjetrilo gospodine‹. Hankas ausg. p. 12. 36. , dessen göttliche natur sein name (bog) kund gibt. Ebenso wird in märchen, und von morgenländischen dichtern der wind redend und handelnd eingeführt: ›der wind, das himmlische kind! ‹ z. b. Nalus p. 180 (Bopps 2 ausg.) KM. no. 15. 88. Die altn. stammsage macht Forniotr, den göttlichen urriesen (s.  199 ) zum vater des Kâri (stridens), › der über die winde herscht ‹ Kâri zeugt Iökul (glacies), Iökul Snœr (nix) den könig, dessen kinder, ein sohn Thorri , und drei töchter Fönn , Drîfa , Miöll heißen, lauter personificierte benennungen einzelner erscheinungen von schnee und eis (Sn. 358. fornald. sög. 2, 3. 17). Kâri ist aber bruder des Hlêr (s.  200 ) und Logi (s.  199 ), des wassers und feuers, wodurch die nahe verwandtschaft der luft mit den beiden andern elementen ausgedrückt wird. wie im alten Norden blâs kâri! wird vom schwed. schiffervolk gerufen: blås kajsa! statt des gottes eine göttin Afzelius 1, 30. wind und feuer wehen und sprühen, ja das feuer heißt der rothe wind : ›von ir zweier swerte gie der fiurrôte wint ‹. Nib. 2212, 4. in diesem sinn steht einer höheren gottheit, dem Niörđr, die herschaft zugleich über wasser, wind und feuer zu (s.  180 ) und Loptr (aereus) ist auch name des Loki (s.  204 ). bemerkenswerth scheint Cædm. 181, 13: › lyfthelme beþeaht‹ galea aerea tectus Nachtrag: Der wind heißt skr. anila = ἄνεμος, auch pavana reiniger, wie das feuer pâvaka von pû ( anm. 1527 ). ähnlich ist finn. tuuli ventus, tuli ignis. vgl. des fiuwers wint . Gudr. 499, 2. viwerrôter wint . Nib. 1999, 2. ahd. kommt suëp aer vor. Graff 6, 856, altn. svif motus repentinus, vibratio. wie Wuotan der alles durchdringende äther, bedeutet Zeus soviel wie aër . ἀὴρ ὃν ἄν τις ὀνομάσειε καὶ Δία. fragm. Philemonis bei Meineke 4, 32 (bei Euripides steht aether für Zeus.) auch lateinisch gilt Jupiter für aër. Valcken. ad Herod. 2, 13. vgl. plurimus Jupiter michil luft . gi. sletst. 6, 467. nach Servius zu Aen. 1, 51 nahm man Juno für die luft . die Griechen opfern dem Boreas. Xenoph. anabas. (Koch 92). die Scythen ehren den ἄνεμος göttlich, als ursache des lebens, wie das schwert als die des todes. Lucian. Toxaris 38. GDS. 222. 459. den Finnen heißt die μαλακία weg des Wäinämöinen, Väinämöisen tie oder kulku , der gott ist daher gegangen, nun ist es hehr und still. er heißt auch Suvantolainen , von suvanto, locus ubi aqua quiescit. im nordischen ist Andvari ein zwerg, aber auch ventus lenis, contrarius. vgl. Bifliđi , Ôskabyr s.  123 . 529 , Wüetelgôz s.  304 , þoden ( anm. 336 ). im Ma. ›habent Paulus und Johannes dâ ze himele weteres gewalt‹. Ksrchr. 10948. sie heißen die wetterherren , und ihr tag (26. juni) die hagelfeier. Scheffers Haltaus 111. Waltwint wird durch auster gegeben. Mones anz. 8, 409, weil er vom walde herkommt, die winde haben einen wohnort: Vindheim vîđan byggja. Sæm. 10 a r. Wint , Wintpôz , Wintesbal? sind eigennamen. Graff 1, 624. wind ist der windhund. Kuhn in Haupts zeitschr. 6, 131, wie Donner, Sturm hundenamen sind. der wind wird geehrt. Tit. 2, 2: des solt der luft sîn gêret von spers krache. Helmbr. 461: er neie gegen dem winde , der da wâte von Gotlinde. MS. 1, 6 b : stâ bî, lâ mich den wint anwaejen, der kumt von mînes herzen küneginnen. viele ausdrücke bezeugen die persönliche auffassung des windes. wir sagen noch: der wind geht , steht still . spiritus ubi vult spirat, der wint waeje als er welle . Barl. 257, 11. vlôch waer die wint ghebôt. Maerl. b. Kästner 18 b . winde reiten . Ahlw. zu Oisian 2, 278. der wind führt heran: quel vent vos guie? Ren. 2127. 3728. quel vent vos maine? 2675. quel vent vos mene et quel oré . 2654. d. h. woher kommt ihr? vgl. welcher teufel , kukuk führt euch her? s.  846 . die winde sind wild . Trist. 2415. Greg. 646. 754. Renn. 22962. erzürnet sind die lüfte . Dietr. und ges. 393. die lüfte solden zürnen (über den hohen bau der türme). Servat. 84. die luft dröhnt, murmelt, grunzt : grunzet fone ungewitere. N. Cap. 58. grôt wint ende gesoech . Lanc. 3899. die winde begunden swegelen (pfeifen). Servat. 3233. vgl. up dem windes hor ne. weisth. 3, 231. Über Fönn , Drîfa , Miöll s. GDS. 685. . Wenn noch in unserer heutigen sprache eine art des sturmwinds (ahd. wîwint Graff 1, 624) genannt wird windsbraut (venti conjux) und schon in der älteren so hieß ahd. wintes brût O. V. 19, 27. windis prût gl. Hrab. 975 b Jun. 230. Diut. 2, 182. gl. florent. 982 a 983 b 984 b ; mhd. windes brût (gramm. 2, 606) Tit. 3733; ›swinder danne windes brût‹ Ms. 2, 131 a ; ›lief spilnde als ein windes brût durch daz gras‹. fragm. 19 a ; ›alsam in rôre diu windes brût‹ Reinfried 159 b ; ›varn mit hurt als ein windes prût‹ 526 frauend. 92, 13; so scheinen nur die eigennamen verloren Orithyia von Boreas entführt (Ovid. met. 6, 710) konnte Albrecht mit gutem fug windesbrût nennen. . die verderbten formen wintsprout, wintspraut (Suchenw. 41, 804) windbrauß (bei späteren, z. b. Matthesius) windsprauch (Schm. 4, 110) sind aus dem bestreben hervorgegangen, dem unverständlichen mythischen begrif eine andere deutung unterzulegen. Man nennt sie eine frau, welche das tuch von der bleiche in die höhe reißt und dann mit ihm herabfällt. Mone anz. 8, 278. so heißt in den Niederlanden der wirbelwind barende frauw . Wolf no. 518–520. Nachtrag: Von der windsbraut heißt es: mit einer windes briute wurden si getwungen. Servat. 2302. in nam ein windes brût. Servat. 2844. flugen vaster dan ein windes brût. Engelh. 4771. daz diu windes brût gelît. Haupts zeitschr. 7, 381. gelîch der windesbriute. Troj. kr. 33571. es erhub sich eine windsbraut, die man nennet nordost. Apostelgesch. 27, 14 (vulg. ventus typhonicus). ein windsbraut hat mich weggeweht. Hoffm. gesellsch. 107. alte glossen haben nimphus, nimpha , sturmwind (Graff 1, 625), man scheint nimbus damit zu mengen, oder ist es verwandt? in Frankreich spricht man vom winseln der Melusine (s.  361 ), die in Böhmen nach Popowitsch für eine göttin des windes gilt, der man mehl aufs fenster stellt für ihre kinder ( anm. 1621 ). vgl. das winseln der Vile und das weinen der est. tuuleema windesmutter . Böcler 146. 147. kommt der schweiz. harein Stalder 2, 21 vom ahd. harên clamare Graff 4, 578 oder von charôn queri Graff 5, 465? andere ausdrücke für windsbraut sind windgelle venti pellex (snêgelle). Haupts zeitschr. 6, 290. Rocholz 2, 408. bair. windgäsperl , schwäb. windgäspele . Leoprechting 101. 120, in Baiern mitunter windschbrach , brausz . Panzer beitr. 2, 209. saukegel . Rocholz 2, 187. alt sind noch: wanda f. turbo. Graff 1, 761. altn. roka turbo. weitere ahd. bezeichnungen sind: ungistuomi strepitus, ungestüm vehementia aëris ( abergl. H. cap. 77). ungewitiri tempestas, procella. Graff 1, 630. arapeit tempestas, procella. Graff 1, 407. heifti tempestas. windb. 308. 313. unst procella tempestas, ags. ûst . treip agebat (nubila ventus). Graff 5, 482. vgl. altn. drîfa tempestas nivium, drîfa örva nimbus sagittarum. als winters vorboten galten: twer und sûrin bîse . MS. 2, 193«. ungünstiger wind hieß mhd. twer oder twere (gramm. 3, 390) und altn. Andþvari , Andvari soll dasselbe bedeuten und ist zugleich zwergname. vgl. von luftes geduere . himelrîche 292 (Haupts zeitschr. 8, 153). die winde sluogen in entwer . Haupts zeitschr. 7, 378. 379. der sturmwind heißt im pass. und Jeroschin flâge . windes vlâgen . Marienleg. 84, 21. 87, 8. die wint ene vlaghe brachte. Rose 13151. Maerl. 3, 189. nnl. vlaag . gothländ. flagä , vindflagä . Almqvist 422 b . rotten und sturmwinde. Luthers briefe 5, 155. slav. heißt es vichr , poln. wicher, böhm. wichr; litth. ummaras und wĕsulas windwirbel, eilung. (zum mundartl. eilung, mnl. ylinge. Wessels bibel s. 7. vgl. altn. êl , jel nimbus.) die Griechen hatten ἄελλα, ϑύελλα, λαῖλαψ, die Italiener nennen den sturm fortuna di mare. . Diese windsbraut ist ein wirbelwind, bei dem unsere mythologie die höchsten götter ins spiel bringt. selbst Wuotans wütendes heer was ist es anderes als eine deutung des durch die luft heulenden sturmwindes? das ahd. ziu , turbines, wurde s.  168 . 236 auf Zio zurückgeführt, die sturmwolke hieß maganwetar (s.  276 ). aber der wirbelwind scheint auch mit Phol in bezug gesetzt (s.  189 . 236 ) und mit einer höhnenden benennung des teufels (schweinezagel, säuzagel, sûstert), dem man das aufregen des wirbels beimaß (abergl. 522 ) zwei poln. sagen bei Woycicki 1, 81 und 89: kreist der wirbelwind (wicher) und fegt den flugsand, so tanzt der böse geist; man werfe ein neues scharfes messer mitten hinein, das wundet ihn. Ein zaubrer steckte ein neues scharfes messer in die schwelle und verwünschte seinen diener, dem er zürnte, sieben jahre auf dem schnellen sturmwind durch die welt zu jagen. da hob der wirbel den burschen, der heu auf einer wiese häufelte und riß ihn fort in die lüfte. Das messerwerfen kennt auch der deutsche aberglaube durchgängig (no. 554). , ebenwol den hexen (abergl. 554 ). es war darum ganz natürlich, daß man auch höhere weibliche wesen des alterthums als urheberinnen des wirbelwinds ansah, die kreisende, tanzende Herodias und frau Hilde , frau Holde (s.  237 ). er ist ein fahrendes weib (Kilian 693), die celtische sage läßt ihn von feen aufgeregt werden, irisch heißt er sigh gaoite (OBrien), sighgaoithe (Croker III, xxi ); im wirbelwind stehlen elbische geister (Stewart s. 122). Auch nach dem schwed. volksglauben kündigt sich die skogsrå (waldfrau) durch einen scharfen, die bäume bis zum brechen schüttelnden wirbelwind an. den Slaven ist polednice (oben s.  396 ) ein weiblicher dämon, der im staub des wirbelwinds auffliegt (Jungmanns s. v.). Nach einer märkischen sage bei Kuhn no. 167 war die windsbraut ein edelfräulein, welches die jagd über alles liebte und die saaten des landmanns verheerte, dafür ist sie nun verwünscht mit dem sturm in alle ewigkeit dahinzufahren; das gemahnt wieder an Diana und die jagende Holda Nachtrag: Zio ist gleich Mars und Indras, dem gott der winde und seelen, der mit den Maruts, den sturmgeistern, die riesen der finsterniss bekämpft. Haupts zeitschr. 5, 488. 489. 6, 131. Wuotan, der gott der wilden jagd, zieht gleich dem sturm durch die ofnen thüren s.  767 . 772 . 776 . Hodeke heult ( anm. 1285 ). die windsbraut und der teufel heißen sûstert s.  832 oder hammer s.  835 . vgl. saukegel . Rocholz 2, 187. windsau in Baiern. Zingerle Oswalt 83 ( αἰγίς sturmwind). auch frau Fiuk oder Frick kommt als windgöttin vor. Haupts zeitschr. 5, 376. 6, 131. vgl. die fahrende mutter . Wolfs nl. sagen no. 518. in einem dorfe bei Passau sagt man für wirbelwind mueml , ›mueml ist drin‹ (mueml sonst auch krölc), auch schratl . Schmeller 3, 519. 522. der sturmwind hat händenu bin ich sturmwinden alrêrst in die hant gevarn. Trist: . 8848. . Außer solchen weit verbreiteten vorstellungen scheint auch noch eine besondere über des winds ursprung fast durch ganz Europa zu reichen. zufolge der edda heißt Hræsvelgr ein riese , der in adlergestalt den arnar ham nehmen die riesen öfter an sich: Thiazi (Sn. 80. 82) Suttûngr (Sn. 86). an des himmels ende sitzt: von seinen flügeln 527 kommt aller wind über die menschen (Sæm. 35 b ). Snorri bestimmt es noch genauer: er sitzt an der nordseite des himmels, und wenn er die flügel schwingt (beinir flug), erheben sich unter ihnen die winde (Sn. 22). und in der formel des trygdamâl (Grâgâs 2, 170) heißt es: ›svâ vîđa sem valr flŷgr vârlângan dag, oc standi byrr undir bâda vœngi ‹, so weit der habicht einen sommerlangen tag fliegt, wenn ihm günstiger wind unter beiden schwingen steht. Leichte sturmdrohende wolken nennt man auf Island klôsîgi (Biörn schreibt klôsegi) d. i. klauensenkung, nach Gunnar Pauli, weil der adler durch niedersenkung der einen klaue sturm verursache (Finn Magn. p. 452) auch den tag dachte man sich als einen vogel, der seine klauen in die wolken schlägt. . auch nach indischem glauben kommt sturmwind von Garudas flügeln Somadeva 2, 102. des flugs bewegung regt den wind. Nun soll man auch auf den shetländischen inseln den sturmwind in der gestalt eines großen adlers beschwören Walter Scotts pirate. Edinb. 1822. . Es wird ferner berichtet, Carl der große habe zu Achen im gipfel des palastes einen ehernen adler aufgestellt, zwischen welchem und dem wind irgend ein bezug eintrat; Richerus erzählt 3, 71 (Pertz 5, 622) den einfall der Welschen im j. 978: ›aeneam aquilam , quae in vertice palatii a Karolo magno acsi volans fixa erat hierbei übersehe man nicht, daß auch in Ođins saal an der westlichen thür ein wolf und darüber ein adler hieng (drûpir örn yfir) Sæm. 41 b und daß die Sachsen nach erfochtnem sieg über das thor einen adler setzten (oben s.  91 ). , in vulturnum converterunt. nam Germani eam in favonium (oberdeutsch föhn) converterant, subtiliter significantes Gallos suo equitatu quandoque posse devinci‹. der sinn scheint, die Franzosen drehten den kopf des adlers nach südost, die Deutschen nach westen, damit anzuzeigen, dass sie gleich dem sturm in das land ziehen (reiten, das will equitatus sagen) könnten, wohin des vogels kopf gerichtet sei. Dietmar von Merseburg 3, 6 (Pertz 5, 761) drückt sich so aus: post haec autem imperator ordinavit expeditionem suam adversus Lotharium regem Karelingorum, qui in Aquisgrani palatium et sedem regiam nostrum semper respicientem dominium valido exercitu praesumpsit invadere sibique versa aquila designare. haec stat in orientali parte domus, morisque fuit omnium hunc locum possidentium ad sua eam vertere regna . diese angabe scheint ungenauer als bei Richerus, denn nicht in das eigne reich, sondern das fremde, abhängige richtete man des adlers haupt. vgl. Jahrb. d. Rheinlande. V. VI. 73. Aber noch im 12. jh. kannte man in Deutschland den zusammenhang des windes mit dem adler, Veldek singt MS. 1, 21 a : ›jârlanc ist reht, daz der ar winke dem vil süezen winde ‹. heuer soll uns der adler milden wind zuführen. Wie viele gangbare vorstellungen des mittelalters sind uns verloren, da unter allen dichtern, die unzähligemal von luft, wind und 528 sturm reden, nur ein einziger auf diesen mythus anspielt. Aber nicht bloß aquila und aquilo Festus: › aquilo ventus a vehementissimo volatu ad instar aquilae appellatur‹, vgl. bei Hesychius ἀκιρὸς ὁ βορρᾶς. , vultur und vulturnus weisen auf einander, auch ἄνεμος und ἀετός, von der wurzel ἄω, ἄημι Wackernagel über ablaut p. 30. Eustathius zur Il. 87, 15 Rom. . nach Horapollo 2, 15 stellt ein sperber mit ausgebreiteten schwingen den wind vor. adler, habicht, geier, sperber sind hier identische raubvögel. der indische vogel garuda ist zugleich der wind. auch das A. T. denkt sich die winde gefitticht, ohne den vogel anzugeben, II. Sam. 22, 11 schwebte auf den flügeln der winde ; ps. 18, 11. 104, 3 volavit super pennas ventorum . N. verdeutscht: übertloug die vettacha dero windo, und Martina 7 c heißt es mit bezug auf den biblischen redegebrauch: ›der ûf der winde vedern saz‹. der von Herbort 17091 gebrauchte ausdruck ›der wint liez ouch dare gân‹ ergibt, daß ihn der dichter sich entweder fliegend oder reitend dachte Nachtrag: Hieß ein wind vorwitz? do kam ein wint geflogen dar, der ist virwitz genant, in hânt die meide wol erkant unde ouch die vrouwen über alle lant.   Renn. 84. sân kumt her virwitz gerant und loeset den meiden ûf diu bant .   Renn. 268 Vgl. gr. λυσίζωνος, ζώνην λύειν. Catull 59, 53 tibi (Hymenaee) vhgines zonula solvunt sinus. 65, 28 zonam solvere virgineam. . vgl. Simpl. 1, 568: der fürwitz , so jungfern theuer machet. Beov. 464. 3966. 5565: hine fyrvit bräc . Turl. Wh. 128 a : vurwitz segens ( anm. 699 ). Hebel 157: 's stichts der wunderwitz . Uhland volksl. 636: fürwitz , der krämer. ahd. heißt firiwizi auch portentum, mirificum. Graff 1, 1099. man saget mir von kinde, daz keme uns von dem winde. erlösung 2440. Wie im norden der sturmriese Hræsvelgr bekannt war, heißt in Kl. Grooths Quickborn der sturm de grote und de lütge windkerl . vgl. gott füget den wind. Rabenschl. 619. der gotes geist daz (? saz) ûf des luftes vederen . aneg. Hahn. 4, 72. Αἴολος φίλος ἀϑανάτοισι ϑεοῖσι . Od. 10, 2. κεῖνον γὰρ ταμίην ἀνέμων ποίησε Κρωνίων. 10, 21. bei Virgil sitzt er in einer felsenhöle und wird von Juno um wind gebeten. Aen. 1, 52. 64. vgl. KM. no. 89: weh, weh, windchen! Adler wurden auf dachgiebeln oder zeltspitzen häufiger angebracht. le grant tref Karlemaine font contremont lever, par desor le pomel font l'aigle d'or poser, par devers Montauban en fist le chief torner.   Renaus 151, 2–4. ein goldadler oben auf der burg. Auberi 73. auf dem zelt oben ein guldin ar. En. 9160. über den einfall der Welschen im jahre 978 vgl. Giesebrechts Otto 2 s. 48. Kalevala tom. 2, 12 (gesang 17, 341. ed. 1): du min örn min sköna fogel vänd åt annat håll ditt hufvud, tillslut dina skarpa ögon. goldnen adler auf dem dach erwähnt auch Athenäus 2, 259, wobei zu bemerken ist, daß gr. ἀετός zugleich adler und giebel heißt. Auch bask. egoa südwind ist verwandt mit egoa, egaa, egala, ala. Pott 2, 190. Göthe singt: die winde schwangen leise flügel. Wettergewölk wird auch mit einer ausgebreiteten baumwurzel verglichen und windwurzel genannt, die sturmwind ankündet. Schmidt von Werneuchen. 131. . Den Finnen ist kokko (kotka) der adler, aber ein lied, das den nordsturm schildert, beginnt: ›kam der adler her aus Turja, senkt von Lappmark sich ein vogel‹ und schließt: ›unterm flügel hundert männer, tausende auf schweifes spitze, zehn in jeder spule stehn‹ finnische runen. Ups. 1819 p. 58–60. . Und in einem neugriech. volkslied ruft der sperber (wie bei Horapollo) die winde an, sich zu beschwichtigen: ›ἀπὸ τὰ τρίκορφα βουνὰ ἱεράκι ἔσυρε λαλιά· πάψετ', ἀέρες, πάψετε ἀπόψε κ'άλλην μιὰν βραδιά Fauriel 2, 236. Wh. Müller 2, 100. ‹. die winde stehn unter des vogels befehl und gehorchen ihm. in einem andern liede bestellt die mutter ihrem schlafenden sohn drei hüter, die sonne in den bergen, den adler (ἀετός) auf der ebene, den frischen herrn Boreas auf dem meer: die sonne geht unter, der adler schläft ein und Boreas geht zu seiner (eignen) mutter Fauriel 2, 432. Wh. Müller 2, 120. ; nach der ganzen zusammenstellung muß hier unter dem adler der süße, sanfte wind, unter Boreas der frische nordwind verstanden werden. Hræsvelgr (ahd. Hrêosuelah?) bedeutet leichenverschlinger, fleischesser, skr. kravijâda, was auf raubvögel, die vom aas zehren, geht, aber auch auf die luftreinigenden winde und stürme bezogen werden darf. sie tilgen die ausdünstung der unbegraben liegenden leichen. Ist darin der wahn begründet, wenn sich einer aufhänge , daß dann sturmwind entstehe, windestosen einen menschen verkünde, der sich aufgehängt hat? abergl. 343 . 1013 . Kirchhofers schweiz. spr. 327. Cl. Brentano Libussa p. 432. Sartoris reise in Kärnten 2, 164. Leoprechting 102. der raubgierige vogel nahet hastig, um sich des todten zu bemächtigen, der ihm verfallen unbeerdigt am baum schwebt? Oder tobt die luft, weil sie den selbstmörder nicht in sich duldet? Neujahrsturm soll pest ankündigen (abergl. 330 . 910 ), im voraus leichengeruch verbreitend. 529 Den sturmwind (gleich dem feuer) stellt sich das volk vor als ein gefräßiges, hungriges wesen (folglich als riesen, nach dem begrif von iötunn s.  430 ) und sucht ihn durch in die luft geschüttetes mehl zu beschwichtigen abergl. 282 . Praetorius weltbeschr. 1, 429: zu Bamberg, als starker wind wütete , faßte ein altes weib ihren mehlsack, schüttete ihn aus dem fenster in die luft, und sprach dazu die worte: ›lege dich, lieber wind, bring das deinem kind‹! Sie wollte damit den hunger des winds, als eines fräßigen löwen oder grimmigen wolfs stillen. . ich halte dies für uralten aberglauben, und ihn setzt jetzt das norweg. märchen bei Asbjörnsen no. 7 ins licht von dem nordwind , der dreimal einem kerl das mehl wegnimmt, ihn aber hernach dafür durch kostbare geschenke begütigt. der nordwind erscheint hier ganz als ein grober gutmütiger riese Nachtrag: Den wind füttert man mit lumpen, werch, die man ihm entgegen wirft. Leoprechting 102. auch in Österreich opfert man (nach Popowitsch s. v. wind) dem sturm aus dem dachfenster in einer brotschaufel mehl und sagt dabei: nimm hin, mein lieber wind, trag heim deinem weib und kind und komm nimmer! statt dem winde zu essen zu geben , sagt eine frau: ›ich wollte den hund lieber erstechen‹ und wirft das messer in den hof (s.  526 ). vgl. Matth. Koch reise in Tirol. s. 87. 88. die winde wurden als mehlfressende hunde gedacht. Haupts zeitschr. 5, 373. 376. 6, 131. vgl. Hodekens heulen ( anm. 1607 ). beim seesturm erscheint eine taube , fliegt dreimal ums schif, einer streckt seine hand aus: de cauda ejus tres tulit pennas , quas mari intinguens tempestatem compescuit. Venant. Fortun. vita Radegundis. acta Bened. sec. 1. p. 332. auch die ϑύελλα Od. 20, 63. 66 entführt, wie der norw. nordwind. den schädlichen winden ran. 845. Virg. Aen. 3, 117. für günstigen wind wird ein bock opferte man schwarze lämmer , den günstigen weiße . Aristoph. an den mast gehängt. Hones yearb. 1553. über irischen windcultus vgl. Conan 111–115. . Die erregung des wirbelwindes , wie wir sahen (s.  526 ), wurde göttlichen, halbgöttlichen und teuflischen wesen zugeschrieben. in Norwegen heißt es, wenn unwetter und wirbel toben, ›der riese rührt die kessel‹. Faye p. 7. In den beiden wettersegen (anh. beschwör.  V .) werden Mermeut und Fasolt als böse geister und urheber der stürme angerufen. Fasolt ist der aus unserer heldensage bekannte riese, Eckes bruder, welcher selbst gott der fluten und wellen war (s.  198 ). beide brüder haben verwandte bestimmung, sie gebieten dem grausenhaften meer und dem wetter. Die auskunft jener beschwörungsformel über Fasolt scheint mir von wichtigkeit und wieder ein schlagender beweis für die identität des Ecke und Oegir: denn wie Hlêr und Kâri, sind auch Ecke und Fasolt brüder und riesen; wie Hlêr dem meer, Kâri den winden, so gebietet Ecke dem gewässer, Fasolt dem sturm. der wind heißt den nord. dichtern Forniots sonr, Oegis brôđir Forniots sefar = meer und wind. Sæm. 90 b . . Da nun Hlêr bei einem andern volk Oegir, d. i. Uogi, Ecke hieß, kann auch Kâri Fasolt geheißen haben. Fasolt muß schon darum ein altes wort sein, weil es sich schwer erklärt; gehört es zum ahd. fasa, fasôn? (Graff 3, 705.) altn. ist fas superbia, arrogantia, der name scheint riesenhaften übermut auszudrücken. Mermeut , was sonst nirgends vorkommt, könnte aussagen: im meer tosend, murrend? Schm. 2, 552. 653 hat maudern, mutern, murmurare. Diese halbgötter und riesen verhalten sich zu Donar, dem höchsten lenker der wolken und wetter, wie Äolus oder Boreas zu Zeus. Von Zeus gieng der günstige, erwünschte wind aus. Διὸς οὖρος Od. 5, 176. Wuotan (der alldurchdringende s.  524 ) schaft den wunschwind, ôskabyrr (s.  123 . 124 ). auf welcher vorstellung beruht, daß Wolfram im Parz. 753, 7 die Juno ›segels luft‹ geben läßt? auch Parz. 750, 7. 766, 4: Juno fuocte daz weter, segelweter . den im korn säuselnden fruchtbaren wind schreibt man Frô und seinem eber zu (s.  176 . 177 ). ein altn. name Ođins war Viđrir 530 (der wetterer) ›at þeir sögđu han veđrum râđa‹ (fornm. sög. 10, 171). den Slaven galt Pogoda für einen solchen gott, noch heute bezeichnet das poln. pogoda, böhm. pohoda gutes, dem getraide zuträgliches wetter. Typhon , nach ägyptischer sage bezeichnete den südwind, Hes. theog. 301. 862. Die Letten nahmen einen gott der winde und stürme Okkupeernis an, und glaubten, daß diese von seiner stirne den himmel herab zur erde kommen okka, sonst auka, sturm; peere stirne. Stenders gramm. 266. . In einer altn. saga (fornald. sög. 3, 122) tritt riese Grîmnir auf, dessen vater und bruder Grîmôlfr und Grîmarr heißen, eine art Polyphem, welcher sturm und guten wind erregen kann; es ist dabei wieder an Ođinn (s.  124 ) zu denken. Halbgöttliche, in eignen tempeln und durch blutige opfer verehrte wesen waren die riesentöchter Thorgerđr und Irpa (oben s.  80 ). skâldskaparmâl 154 heißt Thorgerđr Hölgabrûđr , d. i. tochter des königs Hölgi, anderwärts hörgabrûđr oder hörgatröll (fornald. sög. 2, 131), sponsa divum, immanissima gigas, was an jenes windsbraut erinnert. beide schwestern sandten, wenn sie darum angefleht wurden, unwetter , sturm und hagel . fornm. sög. 11, 134–137. Außer ihnen werden in altn. sage noch andere frauen genannt, die unwetter und nebel schaffen, z. b. Heiđi und Hamglöm (fornald. sög. 2, 72) Ingibiörg (das. 3, 442 vgl. s. 276 . 383 hulizhialmr. Nachtrag: Göttliche, halbgöttliche und teuflische wesen erregen den wind ( anm. 356 ). gott füeget den wint. Rabenschl. 619. auch in den serbischen liedern wird gott um wind angerufen. Vuk II. 561, 1089. I. 369. no. 511, 370. no. 513, 322. no. 455. Christus wird um wind angerufen. sv. vis. 2, 167. die im sturm angerufenen heiligen heißen wazzerheilige . Marienleg. s. 85. Paulus und Johannes, zwei martyrer, hânt da ze himele weteres gewalt . Ksrchr. Diem. 335, 1. name eines wetterriesen scheint Scrâwunc . Haupts zeitschr. 6, 290. Fasolt jagt im gebirge ein weib. Ecke 167 wie auch Wuotan. vgl. mein sohn Windheim . Wolfs zeitschr. 1, 311. wenn es Roth. 4226 heißt: der wint von Aspriâne dôz, ist das noch bedeutsam? die lute sprochen, es wer kein naturlich wind , sie meinten, es were kein tufel in der helle blebn, sie weren alle huszegewest und wolden uns vortobe . Stolle 170. vgl. anm. 1603 : quel vent vos guie? ochsen wühlen mit ihren hörnern den sturmwind im sandhügel auf. Thiele 2, 257. Müllenhoff s. 128. Zu Wuotan ôskabyrr vgl. anm. 371 . altn. byr , dän. bör ist günstiger wind. niederdeutsche schifferausdrücke sind bö , ein rasch aufsteigender und vorübergehender windstoß, böiges wetter, donner , regen , hagelbö . slav. bourja procella. Miklos s. 6. serb. bura, russ. buran sturmwind vgl. βορέας. Boreas hilft den Griechen. Herod. 7, 189. Darf man zum altn. namen Ođins Viđrir das ags. hviđa hveođa aura lenis, hveođrian murmurare stellen? das slav. pogoda heißt litth. pagada , günstiger wind und günstiges wetter. Der nebel heißt altn. kerlîngar vella nebula humi repens. . Was man ursprünglich göttern, halbgöttern und riesen beilegte, die hervorbringung von wind, sturm und hagel (vis daemonum concitans procellas. Beda hist. eccl. 1, 17) wurde späterhin menschlichen zauberern zugeschrieben. Schon die lex Visigoth. VI. 2, 3 verordnet gegen die ›malefici et immissores tempestatum , qui quibusdam incantationibus grandinem in vineas messesque mittere perhibentur‹. Carl der große im capit. von 789 cap. 64 (Pertz 3, 64) ›ut nec cauculatores et incantatores, nec tempestarii vel obligatores non fiant, et ubicunque sunt emendentur vel damnentur‹. bald nach des königs tod, zu anfang der regierung Ludwig des frommen, schrieb bischof Agobard († 840) contra insulsam vulgi opinionem de grandine et tonitruis. aus dieser schrift ziehe ich, nach Baluzes ausg. der werke Agobards, einige stellen. 1, 145. in his regionibus pene omnes homines, nobiles et ignobiles, urbani et rustici, senes et juvenes, putant grandines et tonitrua hominum libitu posse fieri. dicunt enim, mox ut audierint tonitrua et viderint fulgura: › aura levatitia est‹. interrogati vero, quid sit aura levatitia? alii cum verecundia, parum remordente conscientia, alii autem confidenter, ut imperitorum moris esse solet, confirmant incantationibus hominum, qui dicuntur tempestarii , esse levatam , et ideo dici levatitiam auram . 531 1, 146. plerosque autem vidimus et audivimus tanta dementia obrutos, tanta stultitia alienatos, ut credant et dicant, quandam esse regionem, quae dicatur Magonia , ex qua naves veniant in nubibus, in quibus fruges quae grandinibus decidunt et tempestatibus pereunt, vehantur in eandem regionem , ipsis videlicet nautis aëreis dantibus pretia tempestariis , et accipientibus frumenta vel ceteras fruges. Ex his item tam profunda stultitia excoecatis, ut hoc posse fieri credant, vidimus plures in quodam conventu hominum exhibere vinctos quatuor homines, tres viros et unam feminam, quasi qui de ipsis navibus ceciderint : quos scilicet per aliquot dies in vinculis detentos tandem collecto conventu hominum exhibuerunt, ut dixi, in nostra praesentia, tanquam lapidandos. sed tamen vincente veritate post multam ratiocinationem ipsi qui eos exhibuerant secundum propheticum illud confusi sunt, sicut confunditur fur quando deprehenditur. 1, 153. nam et hoc quidam dicunt, nosse se tales tempestarios , qui dispersam grandinem et late per regionem decidentem faciant unum in locum fluminis aut silvae infructuosae, aut super unam , ut ajunt, cupam , sub qua ipse lateat, defluere. frequenter certe audivimus a multis dici quod talia nossent certis in locis facta, sed necdum audivimus, ut aliquis se haec vidisse testaretur. 1, 158. qui mox ut audiunt tonitrua vel cum levi flatu venti dicunt › levatitia aura est‹, et maledicunt dicentes: ›maledicta lingua illa et arefiat et jam praecisa esse debebat, quae hoc facit!‹ 1, 159. nostris quoque temporibus videmus aliquando collectis messibus et vindemiis propter siccitatem agricolas seminare non posse. quare non obtinetis apud tempestarios vestros, ut mittant auras levatitias , quibus terra inrigetur, et postea seminare possitis? 1, 161. isti autem, contra quos sermo est, ostendunt nobis homunculos, a sanctitate, justitia et sapientia alienos, a fide et veritate nudos, odibiles etiam proximis, a quibus dicunt vehementissimos imbres, sonantia aquae tonitrua et levatitias auras posse fieri. 1, 162. in tantum malum istud jam adolevit, ut in plerisque locis sint homines misserrimi, qui dicant, se non equidem nosse immittere tempestates, sed nosse tamen defendere a tempestate habitatores loci. his habent statutum, quantum de frugibus suis donent , et appellant hoc canonicum . Viele sind säumig in zehnten und almosen, canonicum autem, quem dicunt, suis defensoribus (a quibus se defendi credunt a tempestate) nullo praedicante, nullo admonente vel exhortante sponte persolvunt , diabolo inliciente. denique in talibus ex parte magnam spem habent vitae suae, quasi per illos vivant Nachtrag: Mit den angeführten verordnungen der lex Visigoth. vergleiche den indic. superstit. bei Pertz 3, 20 de tempestatibus et cornibus et cocleis und Seneca's stelle über hagelhüter (χαλαζοφύλακες) in Wolfs nl. sagen s. 693. ἐν Γέταις χαλαζᾶν heißt es von Zeus bei Lucian 7, 51. . Es lag nah, ziehende hagelwolken einem über den himmel fahrenden schif zu vergleichen; unsere götter sind ja mit wagen und schiffen ausgestattet, und s.  276 sahen wir daß schon die edda der wolke den namen vindflot beilegt. Wenn aber die wettermacher durch ihre beschwörung das luftschif herbeiriefen oder 532 heranzogen, sind sie mehr diener und gehilfen, als urheber des sturms. der eigentliche herr des wetters nimmt das niedergehagelte getraide zu sich ins schif und lohnt den zauberern, die man seine priester nennen könnte. das christliche volk sagte: die zauberer verhandeln das getraide dem luftschiffer, der es wegführt. Welches mythische land steckt aber in Magonia? man weiß nicht, ob Agobard in Deutschland oder Gallien geboren war, sein fränkisches oder burgundisches geschlecht zeigt schon der name; eben so wenig ist bekannt, ob er die abhandlung zu Lion oder früher an einem andern orte niederschrieb. aber die benennung Magonia selbst scheint auf eine gegend zu führen, wo lat. sprache herschte, wenn man dabei an magus, und an ein zauberland denken darf. Späterhin finde ich dieses nebelschiffes nicht gedacht außer bei H. Sachs, der II. 4, 89 c in dem schwank von den Lappenhäusern erzählt, sie hätten aus federn und stroh ein schif gebaut und es auf den berg getragen, um, wenn der nebel falle , darin abzufahren. Fischart redet Garg. 96 a ganz abgebrochen von des Philoxenos (des gastfreundes oder Zeus?) nebelschifs segel , in einer stelle, der nichts bei Rabelais entspricht. Im späteren mittelalter gieng eine sage von windverkaufenden einwohnern Vinlands um, die ich aus des Glanvil oder Bartholomaeus anglicus gegen 1360 abgefaßtem werk de proprietatibus rerum 15, 172 mittheile: gens (Vinlandiae) est barbara, agrestis et saeva, magicis artibus occupata. unde et navigantibus per eorum litora vel apud eos propter venti defectum moram contrahentibus ventum venalem offerunt atque vendunt. globum enim de tilo faciunt et diversos nodos in eo connectentes usque ad tres nodos vel plures de globo extrahi praecipiunt, secundum quod voluerint ventum habere fortiorem dieser globus gleicht dem lat. turbo : kreisel, knäuel, wirbel, zu zauber dienend: ›citum retro solve turbinem‹. Horat. epod. 17, 7. . quibus propter eorum incrudelitatem illudentes daemones aërem concitant et ventum majorem vel minorem excitant, secundum quod plures nodos de filo extrahunt vel pauciores, et quandoque in tantum commovent ventum, quod miseri talibus fidem adhibentes justo judicio submerguntur. Dieses wind verkaufens in Wilandia (wie er es nennt) erwähnt auch Seb. Frank im weltbuch 60 a , ohne art und weise anzugeben. Unter Vinland ist ein theil der von Norwegern und Isländern frühe schon besuchten grönländischen küste zu verstehn, welche in altn. sagen bald Vinland, bald Vindland heißt fornm. sög. 2, 246. Isl. sög. 1, 9. 100. 151. vgl. Torfaeus hist. Vinlandiae antiquae. Hafn. 1705. ; mit der letztern form mag die fabelhafte windbereitung selbst zusammenhängen, deren sowol altn. denkmäler, als Adam von Bremen de situ Daniae p. 159 (ed. helmst. 1670). geschweigen. Wol aber erzählen andere das nemliche von den Finnen (Ol. Magnus 3, 15); 533 es scheint mir eine allgemein im Norden verbreitete überlieferung die Ehsten glauben, der wind könne hervorgebracht und verändert werden. nach der gegend, woher man ihn wünscht, hänge man eine schlange oder richte man ein beil auf und suche ihn durch pfeifen heranzulocken. Von ungefähr sah ein prediger bauern bei drei steinen großes gepränge halten, sie aßen, tranken und tanzten nach dem schalle ländlicher instrumente. als man sich nach der absicht des festes erkundigte, wurde geantwortet, mittelst dieser steine könne trocknes oder feuchtes wetter hervorgebracht werden; trocknes wenn man sie aufrecht stelle, feuchtes, wenn man sie der länge nach lege (über die Ehsten p. 48). s.  493 . 496 . Nachtrag: Die stelle des Bartholomaeus anglicus kommt auch in Haupts zeitschr. 4, 494. 495 vor, wo Wackernagel Winlandia als Finlandia auffaßt, und allerdings machen Finnen auch nach fornm. sög. 4, 44 fiölkŷngveđr . in einem lappischen epos hat eine jungfrau dreierlei zauberhafte knoten ; als sie den ersten löst, bläst der wind in die segel und treibt das schif, dann den zweiten und den dritten, und es entsteht starker sturm und schifbruch. vgl. Klemm 3, 100. ganz ähnliche windknoten weiß ein weib an der Schlei und eine hexe auf Föhr zu machen. Müllenhoff s. 222. 225. vgl. den schifferaberglauben vom wind in Temmes pomm. sagen 347. 348 und die Hollen bei Gefken catal. s. 55. Gervas. tilb. s. 972. ed. Leibn. (Liebrecht s. 21) erzählt de vento chirothecae archiepiscopi arelatensis incluso et valli ventis imperviae illato . . Die nordischen sagen nennen zauberisch hervorgebrachtes wetter görnîngaveđr . Ogautan hatte (gleich Aeolus) einen wetterbalg (veđrbelgr), wenn er ihn schüttelte, brach sturm und wind aus (fornald. sög. 2, 412); ebenso Möndull (das. 3, 338). Eirîkr, ein schwed. könig, Ragnar Lodbroks sohn, führte den beinamen veđrhattr (ventosi pilei): wohin er seinen hut kehrte , daher wehte erwünschter wind (Saxo gramm. 175. Ol. Magnus 3, 13. Gejer häfder 582). noch unser kindermärchen (no. 71) weiß von einem, der durch schiefes oder gerades setzen seines huts das wetter lenken kann. In der edda steht der ausdruck vindhiâlmr (Sæm. 168 b ), was mich an den ahd. eigennamen Windhelm (trad. fuld. 2, 167) erinnert Nachtrag: Den ἀσκός des Aeolus Od. 10, 19 kennt auch Ovid. met. 14, 224: Aeolon Hippotaden, cohibentem carcere ventos, bovis inclusos tergo und 14, 230: dempsisse ligamina ventis. in einer mütze sitzen acht wirbelwinde. Schiefner finn. m. s. 611. vgl. das verkehren und rechtssetzen der mütze bei Sommer s. 30. 31. und Hütchen , Hodeke . . Schön ist die eddische vorstellung, daß sieben und zwanzig valkyrien durch die luft reiten, und wenn sich ihre rosse schütteln, aus den mähnen thau in die tiefen thäler, hagel auf die hohen bäume niedertrieft: ein zeichen fruchtbaren jahres (Sæm. 145). so fällt jeden tag morgenthau auf die erde aus dem schäumenden gebiß des rosses Hrîmfaxi (thaumähne) Sn. 11. altn. meldropi, ags. meledeáv, ahd. militou gl. Jun. 224. mhd. miltou Ms. 2, 124 a führen sich auf mel (lupatum equi) zurück, vgl. anm. zu Elene s. 164, wo mel aus midl, mittul geleitet ist, und oben s.  350 . Das alterthum bezog alle naturerscheinungen auf höhere wesen. eine dunkle regenwolke nennt das volk in Baiern › anel (die großmutter) mit der laugen‹ (Schm. 1, 63), in Böhmen leichte wolken babky (großmütter). von aufsteigendem bergnebel sagen die Ehsten: ›der alte (gott) löscht das feuer‹; unser volk mißt ihn wenigstens thieren bei: ›der hase kocht, der fuchs badet, braut‹ (Reinh. ccxcvi ). wenn am meerufer in den dünsten gebilde aufsteigen, nennen es die Italiener fata morgana (s.  342 ) Nachtrag: Der hagel heißt ind. marutphala frucht der Maruts. Haupts zeitschr. 5. 489. altn. wird er steinôđi in saxa saeviens. Egilssaga 600, ahd. wie es scheint scrâwunc genannt. Haupts zeitschr. 6, 290. über den mehlthau vgl. Schmeller 2, 567. nach Jungmann 1, 56 b sind baby wolken, die sich gleich bergen thürmen. unser volk mißt aufsteigenden bergnebel nicht nur thieren bei, sondern am Kifhäuser sagt man: hoho, kaiser Friedrich brauet , es wird schlackicht wetter werden! Praetor. alectr. s. 69. 70. . Schneegestöber erklärten sich die Scythen aus fliegenden federn, (Herod. 4, 31), unser volk sieht in den flocken bettfedern der göttin (s.  222 ). jene schneefrauen Fönn, Drîfa, Miöll (s.  525 ) mögen auch eine seite der Holda berühren. lettische räthsel ›putns skreen, spahrni pîll‹, ›putns skreen, spalwas putt‹ vogel fliegt, flügel triefen; vogel fliegt, federn stieben. Stenders gramm. 260. deuten regenwolke und schneewolke . Lawinen nimmt der schweiz. volksglaube für reißende thiere, denen man (wie dem feuer) einhalt thun könne Nachtrag: Bei den Griechen gießt Zeus den schnee . Il. 12, 280. 281. ἔνιφεν ὁ Ζεὺς. Babr. 45, 1. die tôren sprechent (im winter) snîa snî! Walth. 76, 1. . 534 IV. Erde von der göttin, und ihren benennungen, ist bereits geredet: Nerthus (s.  208 ), Erda (s.  207 ), Faírguni ( 143 . 212 ). Erce ( 210 ), Hludana (s.  212 ), und andere, in welchen sich die begriffe der alten von Terra, Gäa, Ops, Rhea, Cybele, Ceres wiederholen. s.  253 wurde die indische Prithivî der Freyja verglichen, und zwischen Freyr und Niörđr, (Nerthus) besteht das engste band. Aber auch das bloße element für sich, die molte (pulvis) s.  207 , wurde heilig gehalten: sie ist die χϑὼν πολυβότειρα, aus der nährenden schoß steigen früchte und bäume hervor, in ihn werden die leichen begraben, in staub und asche kehren die verwesten, verbrannten zurück irstantent fon themo fûlen legare, ûz fon theru asgu , fon theru falawisgu , fon themo irdisgen herde . O. V. 20, 25–28. . sterben hieß ›zur erde fallen‹, ›til iarđar, til moldar hnîga‹, ›die erde küssen‹, noch schöner altn. î môđurætt falla (Nialss. cap. 45) in maternum genus cadere, in den schoß der mutter , der terra mater , zurückfallen an einigen orten hat man alte gräber entdeckt, in welchen die leichen weder der länge nach noch sitzend, sondern mit händen, haupt und beinen zusammengedrückt, fast in viereckigen behältern lagen. herr Friedr. Troyon aus der franz. Schweiz, welcher viele gräber der vorzeit sorgsam untersucht und beobachtet hat, theilte mir seine ansicht mit, daß diese auffallende behandlung der todten leiber vielleicht den menschen wieder in dieselbe lage versetzen solle, die er vor der geburt im schoß der mutter eingenommen habe. so wäre die rückkehr in die mütterliche erde zugleich anzeichen der künftigen neuen geburt und auferstehung des embryons. . man sagte auch iarđar megin kiosa (vim telluris eligere, i. e. invocare) Sæm. 27 b , und wie nach griech. ansicht, die fallenden riesen, sobald sie den grund berührten, neue kraft empfiengen, heißt es in der edda aukinn iarđar megni (auctus vi telluris) 118 b . 119 a die Serben schwören und betheuern: tako mit zemlje! ita mihi terrae auxilium sit, ita terra me adjuvet! ein galischer spruch (angeführt von Armstrong s. v. coibhi) besagt: ›ged is fagus clach do'n làr, is faigse na sin cobhair choibhi‹. so nah der stein dem grund ist, ist näher noch des coibhi (priesters, oben s.  75 ) hilfe. das scheint zugleich den bereiten beistand der erde wie des priesters auszudrücken. . die erde küste auch wer lange aus der heimat gewesen war beim wiederbetreten derselben, in altfranz. gedichten ist baiser la terre ein zeichen der demut. Berte p. 35. 43. 58. Renart 14835. gleich der reinen flut, die den missethäter ausstößt, trägt ihn auch die erde nicht: ›uns solt diu erde nicht tragen‹. Troj. 491. der erde (wie dem feuer und ofen s.  523 ) sagte, vertraute man ein geheimnis Nachtrag: Skr. dharâ , gr. χώρα . Bopp vergl. gramm. s. 304, ir. tir , lat. terra , das nach Pott 1, 270 zu torrere gehört und die trockne bedeutet. ein anderer skr. ausdruck ist kscham . Bopp gloss. 92 a . altn. hauđr n. terra. Sæm. 120 a . 126 b . 127 b . goth. grundus gehört zu grindan wie malm zu malan. scholle grund. Phil. v. Sittew. 601. Auf das äußere der erde beziehen sich ausdrücke wie daz preita wasal Musp. 63, sîd folde Cædm. 154, 5, on rûmre foldan. exon. 468, 25. breite erde, εὐρεῖα χϑών. Wh. 60, 28. altd. bl. 1, 388. Eracl. 2153. ûf der scibligen (runden) erde. Diemer 214, 23. ûf dei moltigen erde. Mar. 157, 39. diu vinster erde. Tit. 5120. in der rôten erde. Karaj. 93, 10. um ein wenig rothe erde. Simpl. 1, 575. eorde ealgrêne . Cædm. 13, 3. guds gröna jord. sv. folks. 1, 126. heißt terra viva bei Marcellus no. 24 grasbewachsene? (vgl. viva flamma s.  508 ). aber die erde heißt auch die liebe erde. Schweinichen 1, 104. diu süeze erde. Wernher v. Ndrrh. 35, 9. hin forna fold. Sæm. 55 b . sicht wie die heilig erd (schwarz) H. Sachs V, 368 b . vgl. ἀπὸ γᾶς ἁγίας . Athen. 3, 494. guds gröna jord s. oben. die erde heißt gottes boden . volksb. v. Hürn. Siegfried, pol. maulaffe. s.  231 , Weisens com. probe 39. nhd. schäme dich in gottes erdboden hinein. sterben heißt auch zegrunde gân vgl. daz ich bezîte werde dir gelîch . Wh. 60, 28. sich aus dem staube machen. Zwar nimmt die erde das flüssige auf: fold scal viđ flôđi taka. Sæm. 27 b , aber ›bluot benimet der erde den magetuom ‹. Mos. 10, 28. dannoch was diu erde ein maget . Parz. 464, 13. die erde trägt ruchlose verbrecher nicht: jâ solte mich diu erde umbe dis mort niht entragen . Ecke 143. mich wundert daz mich diu erde geruochet tragen . Greg. 2511. den diu erde niht solde tragen . Wackern. lb. 588, 3. Strickers klage 38. vgl. daz iuch diu erde niht verslant . warn. 3203. terre, car ouvrez , si recois moi chaitis! Garin 2, 263. heald þu nu hrûse! Beov. 4489. die hexe soll nicht die bloße erde berühren (s.  899 ), heiliges wasser darf nicht den grund berühren (s.  487 ). dem heiligen dagegen beut die erde sich zum sitze dar: diu erde niht endolte , daz er büge sîn gebeine, si bôt sich her engeine , daz er als ûf einem stuole saz. Servatius 1592. vom erdbeben ist s.  681 die rede. der erde vertraute man ein geheimnis. Lother und Maller 36. 37, si klagten sô senlîche, daz in daz ertrîche möhte gantwürtet hân. Mai 44, 21, oder man klagte dem steine . Lisch meklenb. jahrb. 5, 100. Müllenhoff s. 37, oder erzählte der todten mauer . Arnims märchen 1, 70. Hier war von gold , silber , eisen zu reden. den Finnen ist das eisen (rauta, lapp. route) bruder des wassers und feuers . Kalev. 4, 29 und wird aus milch der jungfrauen geboren. flüssiges gold und milch finden sich in amrita (s. 264 ). es heißt Frôđa miöl . Egilss. s. 450, ôgnarliomi Sæm. 152 a oceani lumen, munnfylli , munntal iötna. Sn. 83 vgl. morgenstund hat gold im mund , doch leitet F. Magnusen jene ausdrücke von mund = hand ab. gold unter die zunge einer stummen gelegt verschaft ihr die sprache. fornm. sög. 3, 117–119. gold wird im thau gehärtet. Tit. 3698 (Tigrisgold. Tit. 4348). über drachen , greifengold s.  817 . 819 . . Zumal hat die mit gras bewachsene erde, der rasen heilige kraft, solches gras hieß im sanskrit khusa , besonders aber durva , und das ags. turf , altn. torf , ahd. zurba entspricht: heilige erde und durvahalme. Sakuntala (Hirzel p. 51. 127). ich habe auch das berühmte chrene crud der lex salica durch reines kraut erklärt und chrenechruda (dat.) jactare aus dem röm. puram herbam tollere gedeutet, wie Hel. 73, 7 hrêncurni , in einer ahd. glosse 535 reincurnes frumenti, mhd. daz reine gras Iw. 6446 gesagt ist, und Wh. 24, 28 gras und der melm verbunden werden; der inhalt des gesetzes gibt, daß erde , staub aus den vier winkeln aufgenommen und über den nächsten verwandten mit der hand geworfen werden muste. es war ein heidnischer feierlicher rechtsbrauch, den die christlichen capitularien vertilgten. gegen jene wortauslegung hat jedoch nunmehr Leo eine celtische (cruinneach collectus, criadh terra) geltend gemacht zeitschr. f. d. alterth 2, 163 ff. malb. gl. 2, 149. 150. , und das gewicht seiner gründe darf ich nicht verkennen, obgleich für einen im text selbst aufgenommenen ausdruck die deutsche etymologie offenbar größeren anspruch hat, als bei den glossen. die mythische verwendung dieser erde besteht, wie man auch die worte fasse. In der altn. rechtssprache bietet sich uns eine andere nicht minder wichtige benennung dar, das rasenstück heißt iarđmen , iarđar men ; men aber ist eigentlich monile, ahd. mani, meni, ags. mene, wie wir es oben bei Brîsînga men, dem halsband der Freyja kennen lernten. iarđar men muß aber früher Iarđar men gewesen sein, halsband der Erda, und der grüne rasen wird sehr dichterisch für den schmuck der göttin angesehen. das feierliche ›gânga undir Iarđar men ‹ (RA. 118. 119) empfängt hierdurch seinen wahren sinn. Eidesablage erfolgte auch bei andern völkern, z. b. Ungern (RA. 120) und Slaven (Böhmes beitr. 5, 141), indem sich der schwörende erde oder rasen aufs haupt legte Nachtrag: Für das skr. khusa schreibt Bopp gloss. 78 a . 86 b kuša . reincurni ist auch verzeichnet in Haupts zeitschr. 5, 364. reinegras alga. Sumerl. 54. sich erde oder rasen aufs haupt legen, sichert gegen zauber. Panzer beitr. 1, 240. 241. Kuhn nord. s. s. 378. . Die sitte, daß besiegte, zum zeichen ihrer unterwerfung, erde und wasser darreichten, erstreckt sich in hohes alterthum: wenn die Perser krieg ansagten, so ließen sie durch einen herold beide elemente von den völkern, deren land sie überziehen wollten, fordern Brissonius de regno Pers. 3, 66–71. Herod. 4, 127. 5, 18. Curtius III. 10, 108. Aristot. rhet. II. 22, 37. auch Judith 2, 7 ἑτοιμάζειν γῆν καὶ ὕδωρ (cod. alex. ed. Augusti). , was wieder an die römische pura gemahnt. Noch unsere landsknechte des 16 jh. warfen, in die schlacht gehend, eine erdscholle , gleich dem chrenechruda werfenden, zum zeichen aller lossagung von dem leben Bartholds Frundsberg p. 58. 59. im mittelalter bei einweihung einer nonne, zum zeichen daß sie allem irdischen besitz entsage, warfen die anverwandten erde über den arm der jungfrau, vgl. svenska visor 1, 176: det voro så många grefvar båld, som hade deraf stor harm, der de nu kastade den svarta mull allt öfver skön Valborgs arm . . Auch den Griechen war ergreifung der scholle zeichen von landbesitznahme und zumal bei auswanderungen. Euphamos sitzt auf der Argo vordertheil, Triton in menschlicher gestalt erscheinend reicht ihm eine erdscholle dar als gastgeschenk. Euphamos nimmt die zeichenhafte erde (βώλακα δαιμονίαν), und gibt sie seinen leuten aufzuheben, diese aber lassen 536 sie ins meer fallen, wo sie aufgelöst wird. wäre sie bewahrt und im Tainaros niedergelegt worden, so würden des Euphamos nachkommen das ihm bestimmte land (Cyrene) im vierten grad erworben haben. jetzt erwarben sie es erst im siebzehnten Pindar Pyth. 4, 21–44. O. Müllers Orchom. 352. proleg. 142 ff. Dorier 1, 85. 2, 535. Nachtrag: Die auswandernden nahmen erde wie feuer mit ( anm. 1551 ) vgl. das erde streuen in der altsächsischen sage. þôrhaddr var hofgođi i þrândheimi, hann fŷstist til Islands ok tôk âđr ofan hofit ok hafđi međ ser hofs moldina ok sûlurnar. Landn. 4, 6. . In einer mitgetheilten ags. formel werden vier stücke rasen ausgeschnitten, mit öl, honig, hefe, der milch von allem vieh beträuft und von jeglichem baum, der auf dem land gewachsen ist, harte bäume ausgenommen bloß von weichholz, nicht hartholz. RA. 506. , von jedem kraut, das darauf gewachsen ist, klette ausgenommen, dazu gethan, und dann erst wird der segen darüber gesprochen. Unter samen mengt man erde von drei erbäckern (abergl. 477 ); auf den eingesenkten sarg werden drei erdschollen geworfen (das. 699); mit dem ausgeschnittnen rasen , auf welchen fußstapfen stehen, kann zauber geübt werden (524. 556) Nachtrag: Demeter liegt bei Jasion auf der dreibrache , dem fruchtbarsten saatland: μίγη φιλότητι καὶ εὐνῇ νειῷ ἔνι τριπόλῳ. Od. 5, 127 vgl. Hes. theog. 971. νειὸς τρίπολος auch Il. 18, 541. ahd. driska . GDS. 53. 61. 62. . Heilige berge und hügel gab es in menge; doch scheint dabei kein elementarischer cultus zu walten: man verehrte sie wegen der gottheit, die darauf ihren sitz hatte, vgl. Wuotans und Donners berge. Wenn bei Agathias, ohne solchen bezug, λόφοι und φάραγγες (hügel und schluchten) als gegenstände des cultus genannt werden (s.  82 ); so kann die beobachtung unvollständig, und ein wasser oder feuercultus an den berg geknüpft gewesen sein. Unter den Gothen, welchen faírguni berg bedeutet (s.  143 ), dürfte man am ersten reine bergverehrung suchen, wenn der vorgetragene zusammenhang dieses ausdrucks mit dem götternamen seine richtigkeit hat. Dietmar von Merseburg (Pertz 5, 855) gibt ein beispiel von slavischem bergcultus: posita autem est haec (civitas, nemlich Nemzi, Nimptsch) in pago silensi, vocabulo hoc a quodam monte , nimis excelso et grandi, olim sibi indito: et hic ob qualitatem suam et quantitatem, cum execranda gentilitas ibi veneraretur, ab incolis omnibus nimis honorabatur . es soll nach den auslegern der schlesische Zobtenberg sein Nachtrag: Ein mons sanctus bei Jugenheim wird in einer urk. von 1264 genannt vgl. sveta gora mons Athos. ein ὄρος ἱερόν der Geten hieß Κωγαίωνον. Strabo 7, 298. ein heiliger berg lag in Pontus. Xen. anab. IV. 7, 11. die großvater benannten berge sind in Haupts zeitschr. 1, 26 besprochen. die Wenden nennen zwei sich nah liegende berge der Lausitz čorny boh und bjeły boh . wend. volksl. 2, 285. die Osseten beten die höchsten gebirge (brakabseli, schönen berge) an. Kohl Südrußl. 1, 296. . Hin und wieder standen einzelne steine und felsen , oder mehrere nebeneinander, zuweilen kreisförmig geordnete in verehrung (anh. ›vota ad lapides ‹, besonders aber › lapides in ruinosis et silvestribus locis venerari‹, ags. stânveorđung , bringan tô stâne . Thorpe p. 380. 396). Dieser steindienst zeichnet eigenthümlich den celtischen glauben aus vgl. Armstrong s. v. carn und clachbrath; Obrien s. v. carn; H. Schreibers feen s. 17. über die menhir und pierres fites, s. 21 über die pierres branlantes. der spindelsteine wurde s.  345 erwähnt. , weniger den deutschen, doch begegnet auch bei uns das abergläubische schlüpfen durch hole steine , wie durch hole bäume (cap.  XXXVI ). hölungen, die nicht von menschenhand künstlich gemacht waren, galten für heilig. solche holystones und holedstones hängt man in England im stall den pferden zu häupten, ein schutz gegen krankheit, auch an betthimmel oder 537 an das hausthor wider behexung. einige sollen durch den stich einer natter gehölt sein (adderstones). in Deutschland waren heilige steine entweder mahlsteine der gerichte oder opfersteine: eide wurden abgelegt ›at ursvölum unnar steini ‹, ›at enom hvîta helga steini ‹. Sæm. 165 a . 237 b . heilög fiöll Sæm. 189 b : Helgafell Landn. 2, 12. vgl. besonders Eyrbygg. saga cap. 4. vier heilige steine werden zur reinigung der entweihten flut hinabgesenkt (oben s.  71 ). eine menge von steinen, die der riese oder teufel geworfen hat, denen der eindruck seiner hand, seines fußstapfens geblieben ist, werden in der volkssage ausgezeichnet, doch ohne daß ihnen eine heilige bedeutung dadurch verliehen wäre Nachtrag: Die merkwürdige stelle über den felscultus in Landnama 2, 12 lautet: hann (Thorôlfr) hafđi svâ mikinn âtrûnađ â fialli þvî, er stôđ î nesinu, er hann kalladi Helgafell , at þângat skyldi engi mađr ôþveginn lîta , ok svâ var þar mikil friđhelgi , at þar skyldi engu granda î fiallinu, hvarki fê ne mönnum, nema sialft gengi brott. þat var trûa þeirra þorôlfs fraenda, at þeir dœi allir î fiallit (al. codex: þâ þeir dœi, mundi þeir î fiallit hverfa allir) und 2, 16 höfđu mikinn âtrûnâđ â hôlana – trûđu þeir þvî, at þeir dœi î hôlana (hôll tumulus, colliculus). vgl. das sterben , verschwinden in den berg . der Isländer Kodran im Vatnsdal hatte zu Gilja einen stein, dem er, wie seine vorfahren opferte. sie wähnten, es wohne darin der ârmađr , von dem fruchtbare jahre kämen. Kristnisaga cap. 2. steine weissagen . norske ev. no. 30. steine, die man wascht , salbt und ehrt , erwähnt F. Magn. lex. s. 961. bei widrigem wind waschen die seeleute einen blauen stein und erhalten günstigen. auch schwören sie eide darauf. Hones yearb. 1553. man kniet nackt vor dem heiligen stein. Hones daybook 1, 825. 2, 1035. wie man durch hole steine kroch (s.  975 ), gieng man auch in hole steine zum opfer (s.  47 ). vgl. die Gibichensteine, die näpfchensteine, mit gruben und löchern. Giesebrecht balt. stud. 12, 114. 128. de his quae faciunt super petras heißt das 7. cap. indic. superst. über celtischen steindienst s. Michelet 2, 16. 17. In den schwed. sagen und formeln heißt der stein immer jordfast sten d. h. in der erde fest stehender. Runa 1844, 22. â iarđföstom steini stôđ ec innan dyra. Sæm. 99 a . till en jordfasten sten. sv. folks. 1, 217. sv. äfventyr 1, 282. 284. 288. 305. ags. eardfäst. aber es ist auch vom wahsenden bühel. Lanz. 5132 die rede und auf das slov. räthsel: kaj raste bres korenja? was wächst ohne wurzel? lautet die lösung: kamén , und unterschieden wird der walgende und der vaste ligende stein. Leyser 129, 35. usque ad wagoden stein. Mon. Zoll. no. 1, wagonden stein no. 12. gnappstein Stalder 2, 519, dän. rokkestene , wackelsteine, engl. rockingstone . Schreiber feen 21. solche steine sollen durch ihr bewegen donner und regen herbeiführen . antiqv. ann. 3, 27. vgl. den etrusk. lapis manalis. O. Müller 2, 340. steine sind oft grenzzeichen: zu dem grawen stein. weisth. 1, 242. an dem blauen stein. 2, 661. . Wie riesen und menschen versteinert werden (s.  457 ) und dann gleichsam ein nachgefühl ihres vorigen zustandes behaupten, wird felsen und steinen noch mitleid und theilnahme an menschlichen zuständen beigelegt. Snorri 68 bemerkt, man sehe die steine ausschlagen, wenn sie aus frost in wärme kommen, so erkläre sich, wie felsen und steine um Baldr geweint hätten. noch heute sagen wir allgemein von herbem leid: ›das sollte einen stein am weg erbarmen, ein steinern herz rühren‹ diese ausdrucksweise ist ohne zweifel sehr alt, hier mhd. belege: ez erbarmet einem steine . Hartm. erst. büchl. 1752: waer sîn herze steinen , swer si weinen sæhe, ze weinen im geschæhe. Herb. 68 d ; ir klage mohte erbarmen einen stein . Herb. 89 b ; erbarmen ein steinhertez herze . Flore 1498; ir jâmer daz moht einen vels erbarmen. Lohengr. s. 16; ez moht ein stein beweinet hân dise barmunge. Dietr. 48 a . man merke wol, die steine weinten nicht von selbst, sondern erst zu mitgefühl erregt durch weinen und klage der unglücklichen menschen, die gleichsam in ihre ohren drangen. auch bei Holberg heißt es (ellefte juni 4, 2): hörte jeg en sukken og hylen, som en steen maatte gräde ved . auch Ovid. sagt (met. 9, 303): moturaque duras verba queror silices . Lucas 19, 40: οἱ λίϑοι κεκράξονται. . bemerkt sei die mhd. redensart: ›einen stein mit riemen twingcn, daz man im an der âder lâze bluot‹ MsH. 2, 235 b , wol hergenommen von den adern, die durch einige steine laufen Nachtrag: Riesen und menschen werden in stein verwandelt (s.  457 ), steine haben menschliche sinne und gefühle. zwar gelten die steine für taub und todt vgl. die ausdrücke steintaub, steintodt, O. IV. 7, 4 nennt sie unthrâtê (pigri) und es heißt: stille sam die steine Karl 92 b . 94 a , aber Luc. 19, 40: lapides clamant und der stein hält fest . Müllenhoff s. 142. 143. die pierres de minuit bewegen sich um mitternacht vgl. die drehsteine im ir. märch. 2, 37–44. der stein dreht sich in der Christnacht um. Harrys 1 no. 34. vgl. Heusinger s. 20, oder beim läuten. Dybeck 4, 43. man klagt den steinen wie der erde (s.  534 ) und dem feuer (s.   523 ), gleichsam den elementargöttern. der stein, dem geklagt wird, wandelt seine farbe, der weiße wird roth , der rothe wird blau . Wächter statistik s. 13. 156. si klagten daz sich die mûrsteine mohten klieben herdan. Klage 977. vgl. si ruoften daz diu erde unter in sich mehte haben ûf getân. 1073. stahel, vlins und stein sih muosen von dem jâmer klieben . Türl. Wh. 3 b . klage diu flinse het gespalten . Tit. 3765. von ir schoene müeste ein vels erkrachen . MsH. 3, 173 a . daz klagen einen harten stein sich erbarmen taete, ob erz vernomen haete. Ges. Abent. 3, 580. ez meht erbarmen einen stein. MS. 2, 143 b . einen kieselstein erbarmen, der 20 klafter unter der erde läge. Weise sittenl. 109. daß es einen stein in der erde hätte erbarmen mögen. Lisch jahrb. 17, 213. 215. unw. doct. 627. hiute ist der stein naz, dâ Karl uffe saz, vil heize weinunde. Ksrchr. 14937. steine erweichen sich in der sage von Hoyer. Wigal. s. 57–59. 452. balt. stud. XI. 2, 191. keinen falschen läßt der stein auf sich sitzen: ûf der Eren (? êren) steine sitzen. Lanz. 5178 ff. . Am schluß dieses cap. stelle ich die höheren götter zusammen, die zunächst in den vier elementen walten. wasser, brunnen, regen, meer stehn unter Wuotan (Nichus), Donar, Uogi, Holda; feuer blitz unter Donar, Loki; luft, wind unter Wuotan, Frô; erde unter Nerthus und vielen andern, s.  534 genannten.     Jacob Grimm Deutsche Mythologie II. Band     Drei Lilien Verlag Wiesbaden (1992) (Nachdruck der 4. Aufl. von 1875-78)   Dahlmann dem Freunde 1835 Jacob Grimm.   Cap. XXI. Bäume und Thiere. Da nach der ansicht des heidenthums die ganze natur für lebendig galt am beziehungsvollsten drückt es der eddische mythus von Baldr aus: dem geliebten gott alle drohende gefahr abzuwenden, nahm Frigg eide von wasser, feuer, erde, steinen, gewächsen, thieren, vögeln, gewürmen, ja von den persönlich gedachten seuchen, daß sie seiner schonen wollten; einem einzigen strauch erließ sie den schwur, weil er zu jung war. Sn. 64. Um den todten Baldr weinen hernach alle geschöpfe, menschen, thiere, pflanzen, steine. Sn. 68. Der alts. dichter des Hel. nennt die stumme natur das › unquethandi ‹ und er drückt sich 168, 32 so aus: that thar waldandes dôd unquethandes sô filo antkennian scolda, that is endagon ertha bivôda, hrisidun thia bôhun bergos , harda stênos clubun, felisos after them felde. zwar sind diese naturereignisse biblisch (Matth. 27, 51. 52), doch möglicherweise schwebte dem verfasser (wie s.  122 . 255 ) eine heidnische vorstellung in gedanken, hier die klage um Balder der um den heiland ähnlich. Herbort läßt alles den Hector bejammern: hätten, sagt er 68 a , steine, zinnen, kalk und sand witz und sinn, würden sie auch geklagt haben. Ebenso tief in der menschlichen natur gegründet ist, daß der unglückselige sein leid den felsen, bäumen und wäldern klage; das ist schön ausgesprochen in dem lied Ms. 1, 3 b und alle, denen hier geklagt worden war, erbieten sich zu hilfe. , den thieren sprache und verständnis menschlicher rede, den pflanzen empfindung zugegeben Nachtrag: Wie nach Freidank 10, 7 engel unsterblich sind, von menschen nur die seele unsterblich, der leib aber sterblich ist, von thieren leib und geist sterblich sind, so legt Berthold s. 364 dem steine wesen, der pflanze wesen und leben, dem thier empfindung bei. nach Schelling schläft das leben im stein, schlummert in der pflanze, träumt im thier, wacht im menschen. baum und stein gehen nicht, wie das thier, daher skr. aga und naga (non iens) = baum und berg. Bopps glossar 2 a . 189 a . ähnlich wird im Ma. ›ligendez und lebendez‹ unterschieden. Diemer 89, 24. N. Boeth. 164 nennt boume und chriuter, diu fone saffe lebent, dagegen unlebende: lapides, metalla. estn. heißen die thiere ellajat lebende, die pflanze kaswjas das lebende. Nicht nur die wilden vögel betrübt die menschliche klage. Walther 124, 30 und fische und thiere helfen klagen Ges. Abent. 1, 8, sondern ›elliu geschefede‹, mai, sommerwonne, heide, klee, wald, sonne, Venus. MS. 1, 3 b . gi bom, gras, lof unde krût, helpet mi skrigen over lût! Marienklage 386. blumen und gras grämen sich über die unthat und trauern. Petersb. ausz. von Kalevala s. 25 und verdorren, in volksliedern. bluomen brehent und smierent . MS. 1, 44 b . dô daz spil ergangen was, dô lachten bluomen und gras. Ges. Abent. 1, 464. die boum begunden krachen, die rôsen sêre lachen. Hagen Ges. Abent. 1, 464. die blumen streiten auf der heide. dô sach ich bluomen strîten wider den grüenen klê , weder ir lenger waere. Walth. 114, 28. dû bist kurzer, ich bin langer, alsô strîtens ûf dem anger bluomen unde klê . 51, 35. vil maniger hande bluomen kîp . MS. 1, 35 b . bluomen kriegent umb ir schîn. Lohengr. s. 154. bluomen lachent durch daz gras, der kurzer, dirre lenger was. Dietr. drachenk. 1067. vgl. kl. schr. 2, 157. sie haben ihre regel (altd. w. 1), ihre vorzüge, bedeutung und sprache. vgl. die blumenspiele ( anm. 2331 ). Bei den Indern und Hellenen war der baumcultus sehr ausgebildet. die Hindus vermählen bäume, besonders mango, tamarindenbäume, sträuche wie rosen und jasmin, teiche, steine unter großer feierlichkeit mit einander. Sleemann rambles and recollections. Woycicki, deutsche übers. s. 144. 145. von der griech. baumverehrung handelt Bötticher. die Deutschen wecken die bäume wie das korn. Zingerle 691. bäumchen schlaf nicht , frau Holle kommt. bäumchen wach auf , neujahr ist da! Sommer 162. 182. der wald schläft neujahrs. Ph. Dieffenbachs wetterauer s. s. 274. vgl. P. Gerhardts lied: nun ruhen alle wälder. baumwipfel bewegen sich und tragen botschaft. Wolfs zeitschr. 2, 161. die birken wissens noch. Gellert 3, 388. bäume blühen bei frohem ereignis, dorren bei bevorstehendem todesfall. Sueton. Galba 1. wie die römischen kaiser, hatten auch die Griechen familienbäume. Völsungs baum, barnstockr, stand in der halle Völs. cap. 2. vgl. unser wort: stammbaum . , unter allen geschöpfen aber vielfacher wechsel und übergang der gestalten geglaubt wurde; so folgt von selbst, daß einzelnen ein höherer werth beigelegt, ja dieser bis zur göttlichen verehrung gesteigert werden konnte. götter und menschen wandelten sich in bäume, pflanzen oder thiere, geister und elemente nahmen thierformen an; es lag nahe den cultus, dessen sie theilhaft waren, der abgeänderten besonderheit ihrer erscheinung nicht zu entziehen. unter diesen gesichtspunct gebracht hat eine verehrung der bäume oder thiere nichts befremdliches. roh geworden ist sie nur dann, wenn im bewustsein der menschen das höhere wesen hinter der angenommenen form schwand und diese nun allein es zu vertreten hatte. Von göttlich verehrten gewächsen und geschöpfen zu unterscheiden sind aber solche, die heilig und hoch gehalten wurden, weil sie in näherem bezug zu göttern oder geistern standen. dahin gehören zum opfer dienende pflanzen oder thiere, bäume, unter denen höhere wesen wohnen, thiere, welche sie begleiten. Beiderlei arten lassen sich kaum trennen, weil ungenaue, unvollständige nachrichten nicht zu erkennen geben, welche gemeint sei. 540 In wie hohem ansehn Wälder und Bäume bei den heidnischen Deutschen standen hat schon das vierte cap. gezeigt. einzelnen gottheiten, vielleicht allen, waren haine, in dem hain vermutlich noch besondere bäume geweiht. ein solcher hain durfte nicht von profanen betreten, ein solcher baum nicht seines laubes, seiner zweige beraubt und nie umgehauen werden sacrum nemus, nemus castum bei Tacitus. Ovid. amor. III. 1, 1: stat vetus et multos incaedua silva per annos,     credibile est illi numen inesse loco: fons sacer in medio, speluncaque pumice pendens,     et latere ex omni dulce queruntur aves. Lucan. phars. 3, 399: lucus erat longo nunquam violatus ab aevo. So der semnonische wald, das nemus der Nerthus, das slavische lucus Zutibure, der preussische hain Romowe. Bei den Ehsten gilt für ruchlos, im heiligen hain auch nur ein blatt abzubrechen: so weit sein schatten reicht (ut umbra pertingit. RA 57. 105) nehmen sie nicht einmal eine erdbeere weg; manche begraben heimlich ihre todten dahin (Petri Ehstland 2, 120). solche wälder nennen sie hio und davon heißt die insel Dagö ehstn. Hiomah , weil neben dem hof Hiohof nahe ein geweihter wald liegt. (Thom. Hiärn.) . Auch einzelnen dämonen, elben, wald und hausgeistern sind bäume geheiligt (s.  421 ). Nähere schilderungen, wenn sie auf uns gekommen wären, würden manches wissenswerthe von der hegung und unterhaltung heiliger wälder, von den darin begangnen opfern und festen mittheilen. Im indiculus paganiarum heißt es ›de sacris silvarum, quae nimidas vocant‹. der deutsche ausdruck scheint mir unverderbt, darum nicht leichter verständlich: es ist ein plur. masc. vom sg. nimid wie helid (heros) gimeinid (communio) frumid pl. frumidas (ags. frymdas, primitiae), barid (clamor, das ich aus Tac. baritus folgere). , wir müsten von sämtlichen bedeutungen unterrichtet sein, deren das einfache verbum neman vor alters fähig war, um den sinn des wortes zu treffen. ist das deutsche nimu, wie es allen anschein hat, einerlei mit νέμω, so mag sich auch nimid dem gr. νέμος und lat. nemus vergleichen: weidetrift, wald mark, sacrum silvae könnte nimid heidnischer ausdruck sein für opfer? abnemen heißt im 13 jh. mactare, schlachten (vom vieh gebraucht) Berthold p. 46 wie wir noch beute abthun , abschneiden sagen, Ulf. ufsneiþan ; Schmids schwäb. wb. 405 abnehmen , geflügel abschlachten. diese bedeutung wird nicht in der partikel liegen, nur im worte selbst beruhen: niman, neman wäre also schneiden, schlachten, theilen. nimidas wären im heil. hain, unter bäumen geschlachtete opfer? vgl. was im text über den langobard. opferbaum gesagt wird. Celtische etymologien scheinen für diesen offenbar sächsischen indiculus weniger gerecht. schon Adelung (Mithrid. 2, 65. 77) verglich Nemetes und nemet (templum), naomh ist ir. sanctus, neamh (gen. nimhe) coelum, neimheadh geweihtes, der kirche gehöriges land. (s.  55 ). urkunden von 1086 und 1150 geben einen ortsnamen Nimodon , Nimeden (Mösers osnabr. gesch. urk. no. 34. 56. 8, 57 84), diese analogie kann weiter leiten Nachtrag: Zu nimid stellt sich vernemet fanum ingens. Venant. Fort. 1, 9. Diefenb. celt. 1, 83. 84. vernemet; silva quae vocatur nemet . Glück s. 17. δρυνέμετος. Strabo 567. GDS. 497. Zeuß d. Deutschen s. 220 leitet nemet von neamch coelum und sieht darin ein sub divo, also einen gegensatz von wald. ein vocab. optim. s 47 a übersetzt silva wilder walt, nemus schoener walt, lucus dicker walt, saltus hoher walt. . Unter einzelnen heiligen bäumen hat gewis eine zeitlang nach der bekehrung das volk fortgefahren lichter anzuzünden und kleine opfer darzubringen, wie es sie noch heute bekränzt, und reigen darunter 541 führt (s.  47 ). das hieß in den kirchlichen verboten: ›vota ad arbores facere aut ibi candelam seu quodlibet munus deferre, arborem colere, votum ad arborem persolvere, arbores daemonibus consecratas colere, et in tanta veneratione habere, ut vulgus nec ramum nec surculum audeat amputare ‹. das ist das ags. treovveorđung (cultus arborum), das altn. blôta lundinn . Landn. 3, 17. Die acta Bened. sec. 2. p. 841 berichten: ›adest quoque ibi (zu Lutosas, heute Leuze) non ignoti miraculi fagus, subter quam luminaria saepe cum accensa absque hominum accessu videmus, divini aliquid fore suspicamur‹. so nutzte die kirche den aberglauben für ihre wunder: an der stelle des baums wurde ein kloster gestiftet. Von den heutigen Ehsten wird in Rosenplänters beitr. 9, 12 erzählt: noch vor einigen jahren opferten sie im kirchspiel Harjel in der Georg, Johannis und Michaelisnacht unter einigen bäumen , d. h. sie schlachteten ein schwarzes huhn nach dem aberglauben der lausitzischen Wenden gibt es wälder, die jährlich ein menschenopfer fordern (gleich den flüssen, oben s.  409 ): es muß ein mensch darin sein leben lassen, hohla dyrbi kojz'de ljeto jeneho cz'loweka mjecz'. (lausitz mon. schr. 1797 p. 748.) . Von der heiligen eiche des donnergottes wurde s.  58 . 59 . 142 . 153 berichtet, und gramm. 2, 997 der ahd. ausdruck scaldeih (ilex) den ags. pflanzennamen scaldhyfel, scaldþyfel und dem auch oben s.  77 angeführten scaldo verglichen. das alles ist noch unsicher und bedarf näheren aufschlusses. Bei den Langobarden kommt die verehrung des sogenannten blutbaums oder heiligen baums vor (oben s.  90 ). genaueres davon meldet die vita sancti Barbati in den actis sanctor. vom 19 febr. p. 139. Der heilige (geb. um 602, † um 683) lebte zu Benevent, unter den königen Grimoald und Romuald, das langobardische volk war getauft, hieng aber noch an abergläubischen gebräuchen: quin etiam non longe a Beneventi moenibus devotissime sacrilegam colebant arborem , in qua suspenso corio cuncti qui aderant terga vertentes arbori celerius equitabant, calcaribus cruentantes equos, ut unus alterum posset praeire, atque in eodem cursu retroversis manibus in corium jaculabantur . sicque particulam modicam ex eo comedendam superstitiose accipiebant. et quia stulta illic persolvebant vota , ab actione illa nomen loco illi, sicut hactenus dicitur, votum imposuerunt. Barbatus predigt vergebens dawider: illi ferina coecati dementia nil aliud nisi sessorum meditantes usus, optimum esse fatebantur cultum legis majorum suorum , quos nominatim bellicosissimos asserebant. Als Romuald nach Neapel zieht, repente beatissimus Barbatus securim accipiens et ad votum pergens suis manibus nefandam arborem , in qua per tot temporis spatia Langobardi exiliaie sacrilegium perficiebant, defossa humo a radicibus incidit ac desuper terrae congeriem fecit, ut nec indicium ex ea quis postea valuerit reperire eine andere vita Barbati (das. p. 112) erzählt folgendergestalt: nam quid despicabilius credendum est, quam ex mortuis animalibus non carnem sed corium accipere ad esum comestionis, ut pravo errori subjecti Longobardi fecerunt? qui suarum festa solennitatum equis praecurrentibus unus altero praecedente, sicut mos erat gentilium , arbori ludificae procul non satis Benevento vota sua solvebant . Suspensa itaque putredo corii in hanc arborem divam equorum sessores versis post tergum brachiis ignominiam corii certabant lanceolis vibrare. cumque lanceolis esse vibrata pellis mortua cerneretur, veluti pro remedio animae ex hac illusionc corii partis mediae factam recisionem gustabant. ecce quali ridiculo vanae mentis homines errori subjacebant pestifero. . Diese nachricht vom 542 niederhauen des baums klingt prahlerisch und unwahrscheinlich, die beschreibung des heidnischen gebrauchs mag aber getreu sein. ich habe s.  145 gewiesen, daß von Osseten und Circassiern stangen mit thierhäuten zu ehren göttlicher wesen aufgerichtet wurden, nach Jornandes bei den Gothen dem Mars › exuviae truncis suspensae ‹ (oben s.  62 ), daß überhaupt thiere an opferbäumen hiengen (s.  61 . 63 ); vermutlich war auch dieser baum einem gotte durch opfer heilig d. h. durch votivopfer einzelner oben s. 299 ; votum nicht bloß das gelübde, auch die oblatio rei votivae. votare puerum bei Pertz 2, 93 was sonst offere. , der ganze ort hieß davon ›ad votum‹. Welche bedeutung der speerwurf durch die hängende haut hatte, ist noch nicht klar; auch im Norden pflegte man durch aufgehängte rohe ochsenhäute zu schießen (fornm. sög. 3, 18. 4, 61), es war zeichen von kunst oder stärke. daß es rückwärts geschah, erhöhte die schwierigkeit, und ist alterthümlich so muste das beste haupt hinterrücks angerührt werden, RA. 396; so wird abgewandtes haupts geopfert (s.  408 ), rückwärts über das haupt geworfen (s.  523 ). . warum das herausgeworfene stückchen haut genossen wurde? ist schwer zu sagen; sollte dadurch verstattete theilnahme an dem opfer (s.  38 ) zu erkennen gegeben werden? Nachtrag: Die Lappen schießen mit verbundnen augen nach der aufgehängten bärenhaut. Klemm 3, 14. Dybecks runa 4, 92. die Indianer hängen dem herrn des lebens eine bisonhaut an einer hohen stange auf und zerschneiden sie darnach in kleine stücke. Klemm 2, 164. ebenso wird eine hirschhaut aufgehangen. Klemm 2, 179. solche opferfelle hängen auch auf die Tungusen, Ostiaken, Buräten, Tscherkessen. Klemm 3, 106. 125. 114. 4, 91. das goldene vlies des widders wird aufgehangen. Preller 2, 211. Nicht bloß bäume unter welchen geopfert, an welchen haupt oder haut des geschlachteten thiers aufgehangen wurde, galten für heilige; auch stämme, die auf opferthieren erwuchsen . die satzweide auf dem todten füllen oder kalb soll nicht versehrt werden (abergl. 838 ); sind das nicht völlig des Adam von Bremen › arbores ex morte vel tabo immolatorum divinae? ‹ (oben s.  61 ) eine scholie zu Adams von Bremen hist. eccl. (Pertz scr. 7, 379) ist der anführung werth: prope illud templum (upsaliense) est arbor maxima , late ramos extendens, aestate et hieme semper virens: cuius illa generis sit, nemo scit, ibi etiam est fons, ubi sacrificia Faganorum solent exerceri et homo vivus immergi, qui dum immergitur (al. invenitur), ratum erit votum populi. sinken im wasser war gutes zeichen, wie beim gottesurtheil (BA. 924 vgl. cap.  XXXIV . hexenbad). . Unter den geheiligten bäumen (im späteren mittelalter sind sie gewöhnlich frau angeredet) steht oben an die eiche (s.  58 –62), eine eiche oder buche ist die arbor frugifera beim loosen (Tac. Germ. 10). Nächst der eiche war die esche heilig, wie schon der mythus von erschaffung des menschen lehrt; von der esche Yggdrasill wird in cap.  XXV zu handeln sein. der wolf, dessen begegnung sieg verheißt, steht unter eschästen. ›the common people believe, that tis very dangerous to break a bough from the ask , 543 to this very day‹. Rob. Plots Staffordshire s. 207. eine abart der esche ist rountree , rowantree, den man für zauberhaft hält. (Brockett p. 177) esculus Jovi sacra. Plin. l6, 4. . (vgl. cap.  XXXVII rönn.) Auch mit frau Hasel führen unsre volkslieder gespräche, und das alte gericht wie noch heute saatfelder zu hegen dienten haseln . RA. 810. nach Östgötalag (bygdab. 30) soll in gemeinem wald jeder hauen dürfen, ohne buße, außer eichen und haseln , die haben friede, d. h. können nicht gefällt werden. abergl. 972 wird gesagt, daß eiche und hasel widerwillen gegeneinander haben und sich nicht vertragen, sowenig als hagen und schlehe (weißdorn und schwarzdorn). Auch der hollunder (sambucus) ahd. holantar genoß ausgezeichneter verehrung, holan für sich bedeutet schon einen baum oder eine staude (ags. cneovholen, ruscus). in Niedersachsen heißt die sambucus nigra ellorn , ellhorn ags. ellen . die canones editi sub Eadgaro rege reden cap. 16 (Thorpe p. 390) von der zauberei die getrieben werde ›on ellenum and eác on ođrum mislîcum treovum‹ (in sambucis et in aliis variis arboribus). : Arnkiel erzählt 1, 179 unverdächtig: ›also haben unsere vorfahren den ellhorn auch heilig gehalten, wo sie aber denselben unterhauen (die äste stutzen) musten, haben sie vorher pflegen dis gebet zu thun: » frau Ellhorn , gib mir was von deinem holz, dann will ich dir von meinem auch was geben, wann es wächst im walde«. welches theils mit gebeugten knieen, entblößtem haupte und gefaltenen händen zu thun gewohnt, so ich in meinen jungen jahren zum öftern beides gehört und gesehen‹. Dazu halte man, was von den hollunderstangen (abergl. 866 ), vom pflanzen des hollunders vor ställen (das. 169 ), vom gießen des wassers unter den hollunder (das. 864 ) und der hollundermutter (dän. abergl. 162 ) geradeso gemeldet wird Puschkait, der gott, wohnt unter dem hollunder , die Letten legten ihm brod und bier neben den baum. Thom. Hiärn p. 43. . Der wacholder spielt in dem märchen von machandelboom eine große rolle; im gedicht von des spiegels abenteuer bl. 38 folgende dunkle äußerung: fraw Weckolter ich sich, daz du ir meiner untreuen geliebten swester bist, du kund ouch falsche list, dô du daz kind verstalt. in Südermannland war ein knecht eben im begrif einen schönen, schattenreichen wacholder abzuhauen, als eine stimme erscholl: ›hau den wacholder nicht!‹ er kehrte sich nicht an die warnung und wollte von neuem hauen, da rief es noch einmal: ›ich sage dir hau den baum nicht ab!‹ erschrocken entfernte sich jetzt der knecht Loccenius antiq. sueog. 1, 3 soll dies erzählen; in der ausg. von 1647 steht es nicht, vielleicht in einer späteren. Afzelius 2, 147 hat die sage mit dem zusatz, daß auf den zweiten hieb blut aus der wurzel floß und nun der hauende mann heimkehrte und bald zu siechen begann. . Etwas ähnliches liegt dem kindermärchen no. 128 zum 544 grund, nur daß er eine scherzhafte wendung empfangen hat; dem holzhauenden ruft eine stimme aus dem baum entgegen: ›wer haspelholz haut, der stirbt‹. Unter solch einem baum, der Klinta tall (Klinta fichte) in Westmanland, hauste eine hafsfru und zwar der fichte rå (s.  411 ); man sah schneeweißes vieh aus dem see über die wiesen zu dem baum treiben, niemand wagte seine äste anzurühren. Einzelnen eiben, waldgeistern und hausgeistern sind dergleichen bäume heilig, man nennt sie schwed. boträd , dän. boeträ (oben s.  421 ). unter der linde im heldenbuch haben die zwerge gern ihr wesen und fallen die helden in zauberschlaf. ihrer blüte süßer duft betäubt. D. Heldenb. 1871. 3, 14. 15. 135. Nachtrag: Eine schöne sage erzählt von einem heiligen eichbaum , dessen abfallende blätter die leute nicht anrührten. als er abgehauen und in asche verbrannt wird, erscheint in der asche ein hund und nöthigt die leute alle asche zu sammeln und auf den platz zu tragen, wo der baum stand. Firmenich 1, 358. die eiche kommt als klagbaum vor bei Megenberg. Haupts zeitschr. 4, 255. der heiligen eiche sagte man botschaft. Livius 3, 25. ihr alter flößte ehrfurcht ein: so lange eich und erde steht. weisth. 2, 225. so lang der baum im grund steht und die eichel darauf. 3, 799. j'ai vu le gland et la gaule. barzas breiz 1, 28. 32. über eiche und buche s. Dybeck 1845, 78. 79. vgl. τὴν παλαιὰν φηγόν . Sophocl. Trachin. 171. af fornum þolli , ex antiqua pinu. Sn. 1848. 1, 308, aber af eikirotu 310. Heilig war auch die esche . fraxinus quem imperiti sacrum vocant. Kemble 5, 103. a. 854. sie ist den schlangen feindlich. Panzer beitr. 1, 251. 252. Plin. 16, 14. vgl. askr Yggdrasill und anm. zu 664. Es gab einen spruch, der einer abgeschnittenen haselrute die kraft verlieh, abwesende zu prügeln. im atharvaveda hat ein açvatthazweig kraft zur vernichtung der feinde. vgl. den haselstab als wünschelrute (s.  814 ). Hasalwara ist n. pr. cod. lauresh. 809. lett. lasda, lagsda, litth. lazda ist corylus, baculus. Lazdona avellanarum deus. Gefährlich ist es da zu bauen, wo ein hollunder gestanden hat. Praetor. weltb. 1, 16. im Herpin wird die böse Weckholterin erwähnt. Hagen Ges. Abent. 3, XI. vom rönn , der heilig ist heißt es bei Dybeck 1844, 9: rönnen sade till mannen: ›hugg mig ej, då blöder jag.‹ Wieselgren 378. vgl. die preußische sage. Tettau und Temme s. 259. und die finn. clopua , lebensbaum, arbor non caedenda in pratis. wacholder heißt serb. borovitza von bor föhre, lett. paëgle, weil unter der tanne wachsend. auch die tall darf man nicht hauen; wer es thut, sieht beim umdrehen sein haus brennen. Dybeck 4, 26. 44. ebenso nicht den hagedorn. Nilsson 6, 4. Hat man deutsche sagen von geistern, die in der erle hausen? Göthes erlkönig scheint nach dem franz. aulne , aune , erle und daemon gebildet zu sein. Kalis fährt aus Nala in den Vibhitaka, der hernach für unheimlich gilt. Bopps Nalus s. 153. Holtzm. ind. sag. 3, 72. die Inder bringen dem feigenbaum opfer dar, die von krähen, sperlingen, kranichen verzehrt werden. darum heißen diese opferfresser. . Zumal aber werden den elben nicht bloß einzelne bäume beigelegt, sondern ganze baumgärten und haine , an deren pflege sie freude haben, wie Laurins durch einen seidenfaden gehegter rosengarten zeigt. in Schweden heißen diese gärten elfträdgårdar . Das leben der griech. dryaden wird ags. glossiert: vuduelfenne , waldelbinnen. und hamadryaden ist an bäume gebunden , mit dem verwelken und absterben der bäume nehmen sie ab und hören sie selbst auf; jede verletzung der äste und zweige empfinden sie als wunden, und gewaltsames umhauen macht ihnen plötzlich ein ende ›non sine hamadryadis fato cadit arborea trabs‹. Auson. . naht sich das frevelnde beil, so ertönt ihr wehvoller ruf. Eine schöne sage erzählt Ovid (met. 8, 742 ff.) von Erisichthon: ille etiam cereale nemus violasse securi dicitur et lucos ferro ternerasse vetustos. stabat in his ingens annoso robore quercus , saepe sub hac dryades festas duxere choreas. – contremuit, gemitumque dedit deoia quercus et pariter frondes pariter pallescere glandes coepere, ac longi pallorem ducere rami. Haut einer die erle , so blutet und weint sie, und hebt zu reden an (Meinerts kuhländch. 122). ein östr. märchen (Ziska 38–42) erzählt von der stolzen föhre , worin eine fee sitzt, welcher zwerge dienen, die unschuldige begabt, schuldige neckt. ein serbisches lied (Vuk no. 296) vom mädchen in der fichte , deren rinde der knabe mit goldnem und silbernem horn spaltet. zaubersprüche bannen in frau Fichte das kalte fieber Nachtrag: Wie das mädchen in der fichte , sollen nach Lasicz 46 die götter zwischen baum und rinde wohnen. vgl. zwischen holz und rinde kriechen (s.  908 ). Iw. 1208 sam daz holz under der rinden alsam sît ir verborgen. altengl. Iw. 741 als the bark hilles the tre. altfranz. Iw. s. 146 li fuz qui est coverz de lescorce qui sor lui nest (nait). eine heilige eiche wächst aus dem mund eines erschlagenen königs . Harrys 1 no. 55. . Dieser glaube an geisterbewohnte bäume war nicht weniger unter Celten einheimisch. Sulpicius Severus (aus dem beginn des 5 jh.) meldet im leben des heil. Martinus ed. Amsterd. 1665 p. 457: dum in vico quodam templum antiquissimum diruisset, et arborem pinum , quae fano erat proxima, esset aggressus excidere, tum vero antistes illius luci ceteraque gentilium turba coepit obsistere. et cum iidem illi, dum templum evertitur, imperante domino quievissent, succidi arborem non patiebantur . ille eos sedulo commonere, nihil esse religionis in stipite, deum potius cui 545 serviret ipse, sequerentur. arborem illam exscindi oportere, quia esset daemoni dedicata u. s. w. Nachtrag: Beim gebrauch von zweigen ist gelegen erstens an dem neuen schoß, dem sommerlatte (s.  814 ), zweitens daran daß sie gegen osten stehn: â bađmi viđar þeim er lûta austr limar . Sæm. 195 a . Blumen wurden angerufen: es sten dri rosen in jenem dal, die růfent , jungfrau, an . Uhland volksl. 87. o sanctas gentes, quibus haec nascuntur in hortis numina! Juvenal. sat. 15, 10. . Von der heiligkeit einzelner pflanzen oder blumen wäre viel zu schreiben. entweder sind sie bestimmten göttern geweiht und nach ihnen benannt (vgl. Donners bart s.  152 . Baldrs brâ s.  184 . Forneotes folme s.  199 . Lokkes havre s.  200 . Freyju hâr, Friggjar gras s.  251 ) oder aus der verwandlung bedrängter, sterbender menschen entsprungen. fast alle solche gewächse haben kraft zu heilen oder zu schaden, sie müssen aber freilich gebrochen und gesammelt werden; das capitel von der zauberei wird beispiele liefern. gleich schützenden, heiligen thieren werden sie als zeichen in das wappen der länder, städte und helden gesetzt. So scheint den nordwestlichen Deutschen, namentlich Friesen und Seeländern von uralter zeit her das seeblatt (die nymphaea, nenuphar) gegenstand der verehrung. die Holländer nennen es plompe , die Friesen pompe , genau gesprochen heißen die breiten, auf der see schwimmenden blätter pompebledden , die weißen, inwendig goldgelben, duftenden blumen swanneblommen (flores cygnei), was an den s.  404 beigebrachten namen nixblume , näckblad , muhme und mummel (d. i. schwanjungfrau) erinnert. Die Friesen setzen sieben seeblätter (zeven plompenbladen) in ihren schild und glaubten unter diesem zeichen zu siegen J. H. Halbertsma liet buddhisme en zijn stichter. Deventer 1843 s. 3. 10, der hinzufügt, daß das volk noch heute im brechen und tragen der plompen sehr vorsichtig ist: wer diese blume in der hand haltend fällt, bekommt die fallende sucht. plomben, nhd. plumpfen, altn. pompa bedeutet hinfallen, hinstürzen. butterpumps = ovary of the yellow waterlily nach W. Barnes vgl. litt. pumpa, slav. pupa kropf. nach Mart. Hamconii Frisia, Franekarâe 1620 p. 7 soll Friso das zeichen der sieben seeblätter eingeführt haben: insigne Frisonis, ut Gappidus refert, septem fuerunt rubra nympheae herbae folia, in tribus argenteis constitutae trabibus per scutum caeruleum oblique ductis. Gappidus war angeblich ein geistlicher zu Stavorn im anfang des 10 jh., ist aber sonst völlig unbekannt. vgl. v. d. Bergh volksoverlev. s. 33. 41. 110. Andere beziehen die eintheilung Frieslands in sieben seelande auf die sieben blätter des wappens; man weiß nicht genau, wann diese siebentheilung des landes zuerst entsprang. s. de vrije Vries 4, 137. ; das weiß schon unser Gudrunlied 1373, worin dem Herwîc von Sewen oder Sêlanden eine wolkenblaue fahne beigelegt wird: › sêbleter swebent dar inne‹. diese seeblume ist der heilige lotus des alten Aegyptens, der auch in Indien verehrt wird und vor dem sich Tibetaner und Nepaleser neigen, er wird in tempeln aufgestellt, Brahma und Vischnu schwimmen auf seinem blatt, und gerade ein mnl. gedicht erwähnt noch des auf dem blatt schwimmenden däumlings (oben s.  373 ). Noch reichlicher wird von heiligen Thieren , die sich inniger an menschliche verhältnisse schließen, als die stumme natur, zu melden sein, ihr cultus aber auf zwei oder drei hauptursachen zurückgebracht werden dürfen. entweder standen sie in bezug zu einzelnen göttern, gewissermaßen in deren dienst , und so gehört der eber zu Fro, der wolf und rabe zu Wuotan; oder es liegen 546 verwandlungen göttlicher wesen in thiergestalt zum grunde, derentwegen nun die ganze gattung in höherer ehre bleibt. so können einigemal bär, stier, kuh, schlange zu nehmen und uralte incarnationen vorauszusetzen sein, bis zu deren vollständiger kunde unsere mythologie längst nicht mehr aufsteigt. Nah an solche niederlassung des gottes in das thier grenzt die zur strafe erfolgende herabsetzung des menschen in ein thier , die alte lehre von der seelenwandrung, worin man eine dritte ursache der thierheiligung erblicken kann, obwol sie keinen eigentlichen cultus begründet. diese mythen, z. b. von dem kukuk, specht, der nachtigall u. s. w. gewähren eine fülle von schönen sagen, die oft in den heldencultus eingreift Nachtrag: Die thiere gelten gewöhnlich für sprachlos. stumbez tier. Iw. 7767. stomme bêste. Lanc. 18849. 32919. daz unsprechende vihe. warnung 2704. vgl. muta animalia, dän. umälende beest, altn. ômâla. der lewe zeict im unsprechenden gruoz. Iw. 3870. sie sind unwissend: tier vil ungewizzen. Er. 5843. aber sie bezeigen nicht nur theilnahme wie die pflanzen und steine ( anm. 1654 ), im drange der noth reden sie auch, gleich stummen kindern. so Bileams esel vgl. armentaque vulgo ausa loqui. Claudian. in Eutrop. 2, 43. attonito pecudes pastore locutos. ebend. 1, 3. auch ochsen reden. Panzer beitr. 1. no. 255. Nork 12, 377. rind und esel unterreden sich im bretagn. volksm. 87. 88 jährlich nur eine stunde, zu weihnachten zwischen 11 und 12 uhr. n. pr. prov. bl. 5, 468. Bosquet s. 221. thiere sind geistersichtig , so sieht Bileams eselin den engel mit dem schwert. 4 Mos. 22, 23–33. die hunde sehn die göttin, pferde und hunde sind geistersichtig s.  555 . Panzer beitr. 1, 118. ja nach Athen. 3, 454 waren alle vögel früher menschen . . Unter allen thieren nenne ich zuerst die pferde , das edelste, klügste, vertrauteste hausthier, mit dem der held freundliche gespräche führt (s.  325 ), das seinen kummer mitfühlt und sich seiner siege miterfreut. Wie helden nach dem pferd heißen (Hengest, Hors), so erhält es auch vielfache eigennamen; in der nord. mythologie ist beinahe jedem gott sein besonderes, mit wunderkräften ausgestattetes pferd zugewiesen. Ođins ros hieß Sleipnir (s.  128 ), es war gleich riesen und helden achtfüßig altes räthsel in Hervararsaga von Ođinn und Sleipnir: wer sind die zwei zusammen zu ding gehen den? sie haben drei augen, zehn füße und einen schweif. Das ist ganz die ausdrucksweise unsers alterthums, wenn es z. b. in den weisthümern heißt, die amtleute sollen siebenthalb mund zu gericht kommen, so bedeutet das drei männer zu pferde mit einem hund. . Sæm 44 a Sn. 18 werden die übrigen pferde der asen aufgezählt, ohne angabe, welchen sie zustanden. mehrere benennungen sind mit faxi (jubatus, comatus, ahd. vahso) gebildet, z. b. Skinfaxi (Sæm. 32. Sn. 11) Gullfaxi (Sn. 107. 110) Hrîmfaxi (Sæm. 32. 91. Sn. 11) Freyfaxi (Vatnsd. 140. 141). Gullfaxi (das goldmähnige) gehörte dem riesen Hrûngnir, Skinfaxi (das glanzmähnige) war das ros des Tags, Hrîmfaxi (das thaumähnige vgl. oben s.  533 ) der Nacht. Faxi ist aber auch für sich schon name von pferden, z. b. fornald. sög. 2, 168. 508. Arvakr (der frühwache) Alsviđr (der allkluge) rosse des sonnenwagens (Sæm. 45. Sn. 12); auf Arvakrs ohr, auf Alsvinns huf standen runen geschrieben. runen ›â Sleipnis tönnom‹ Sæm. 196 a , wie auf des bären tatze und des wolfs klauen erinnert an die deutsche thierfabel (Reinh. cclxiii ). mit unrecht, glaube ich, zieht Rafn fornalu. sög. 1, 169 die lesart höfđi vor. . Svađilfari hieß das pferd des bauenden riesen (Sn. 46). Auch die heldensage überliefert uns viele namen berühmter rosse (s.  325 ). Bajart wird klug geschildert (wie Alsviđr), er soll noch im Ardennerwald leben, wo man ihn alljährlich auf Johannistag wiehern hört (quatre fils Aimon, 180 c ). die spur von Schimmings hufeisen steht im fels eingedrückt. Vilk. saga cap. 37 Nachtrag: Vgl. Ferd. Wachters art. pferde in der hall. encycl. und das schöne serb. hochzeitslied (Vuk ed. nov. 1, 15 no. 23. Wesely s. 55). Sleipnir wird von Loki, also von einem gotte, mit Svađilfari erzeugt, und von ihm stammt Sigurđs Grani ab s. Völs. c. 13 und Grani hat ›mans vid‹. fär. qväd. 156. ein kluges, treues pferd kennt das walach. märch. no. 17, ein rathendes pferd sv. sag. 1, 164. auch in deutschen, noch mehr in ungarischen märchen begegnen helfende, redende, kluge pferde. ungr. tatos s. Ispolyi. vgl. s.  325 . Skinfaxe ist in einer norweg. sage name einer kuh. Asb. Huldr. 1, 202. . Jenes Freyfaxi der Vatnsdælasaga war im besitz eines mannes namens Brandr, von dem man sagte, daß er es göttlich 547 verehrte (at hann hefđi âtrûnađ â Faxa) und der darum Faxabrandr hieß. Hrafnkell, dessen ungedruckte saga mir nur aus Müllers bibl. 1, 103 bekannt ist, hatte auch ein solches pferd Freyfaxi (Freirfara druckf.), und es zum halben theil an Freyr geschenkt, zugleich das gelübde gethan, den mann umzubringen, der es gegen seinen willen reiten würde. ich kann die stelle aus Joh. Erici de philippia apud priscos borcales, Lips. 1755 p. 122 mittheilen: Hrafnkell âtti þann grip î eigo sinni, er hânom þôtti betri enn annar, þat var hestr bleikalôttr at lit, er kann kalladi Freyfaxa , hann gaf Frey vin sînom (oben s.  76 . 175 ) þenna hest hâlfann . â þessom hesti hafđi hann svâ mikla elsko, at hann strengdi þess heit, a hann skyldi þeim manni at bana verđa, er þeim hesti riđi ân hans vilja. Brands âtrûnađr bezog sich ohne zweifel eben darauf, daß das ros dem gott geheiligt und gelobt war. Ein merkwürdiges zeugnis dafür bietet Olafs Tr. sonar saga ed. skalh. 1698. 1690. 2, 190 cap. 49; fornm. sög. 2, 189 ist dies cap. weggeblieben, steht aber fornm. sög. 10, 312. : dem könig war verkündet worden, daß die Trændir (Drontheimer) sich wieder zu der verehrung Freys, dessen bildseule noch bei ihnen stehe, gewendet hätten. auf des königs geheiß dieses bild zu zerbrechen versetzten sie: ›ei munum ver briota lîkneski Freys , þvîat ver höfum leingi hönum þionat, ok hefr oss vel dûgat‹. Olafr berief sie zu einer versamlung und entschloß sich den götzen selbst zu zerstören, er schifte zu der küste hin, wo der tempel (hof) errichtet war; als er landete, weideten da des gottes pferde (þâ sâu hans menn stôđhross nokr viđ vegin, er þeir sögđu at hann Freyr ætti). der könig bestieg den hengst und ließ seine hofleute die stuten nehmen, so ritten sie zu dem tempel, Olaf trat vom pferd, gieng hinein, warf die götzen (gođin) um es standen also noch andere bilder außer Freys. , nahm aber Freys bild mit sich weg. Als die Trændir ihre götzen geschändet, Freys bild fortgeführt fanden, merkten sie wol, daß es der könig gethan hätte, und giengen zur versamlung. der könig ließ das bild im þing aufstellen und fragte das volk: kennt ihr diesen mann? es ist Freyr unser gott, antworteten sie. wie hat er euch seine macht erwiesen? er hat oft mit uns geredet, das zukünftige geweissagt, frieden und fruchtbarkeit verliehen (veitti oss âr oc friđ). der teufel redete mit euch, sagte der könig, nahm eine axt und rief dem bild zu: hilf dir jetzt und wehre dich, wenn du kannst. Da Freyr fortwährend schwieg, hieb ihm Olafr beide hände ab, und predigte darauf dem volk, wie diese abgötterei aufgekommen sei. Die ganze erzählung trägt späteres gepräge an sich, ist aber doch aus der nord. tradition hervorgegangen und bestätigt uns, daß dem Freyr pferde geheiligt wurden, die man in dem geweihten umkreis seiner tempel unterhielt . Vermutlich hatten auch die tempel andrer götter solche pferde? die thiere, welche Wilibrort in Fosetes heiligthum weidend antraf (s.  190 ), waren 548 schwerlich pferde, weil er sie sonst nicht zur speise hätte schlachten lassen; aber sitte, den göttern geweihtes vieh aufzuziehen, wird dadurch nichtsdestoweniger bezeugt. Einzelne thiere, scheint es, wurden außerdem von besonderen verehrern des gottes unterhalten. Diese zucht reiner und geweihter rosse diente zu heiligen gebräuchen, namentlich zu opfern, weissagungen und für den umzug der götterwagen. Ihre mähnen wurden sorgsam genährt, gepflegt und geschmückt, wie die benennung Faxi anzeigt; vermutlich wand oder flocht man gold, silber und bänder in die locken ( Gullfaxi , Skinfaxi ); mön glôar (juba splendet) Sæm. 92 a , lŷsir mön af mari (lucet juba ex equo) Sæm. 32 b , wie das lat. jubar an juba erinnert, weil die mähne strahlt, das licht haarartige strahlen wirft einzelne haare aus der mähne oder dem schweif heiliger pferde wurden aufbewahrt. Franz Wessel s. 14 erzählt, daß die Johanniter in städten und dörfern, wo sie predigten, einen schönen hengst umreiten ließen, dem opferte das volk ›afgehowen woppen‹ (haferrispen); konnte einer aus des pferdes schwanze ein haar bekommen, so pries er sich glücklich und nähte es mitten in das seihetuch, dann war die milch gegen zauber gesichert. . Gulltopr , Silfrintoppr hießen rosse, deren schweif (toppr) mit gold oder silber bewunden war. Sn. 44. Gyllir und Gler (golden, glänzend) Sn. 44 können sie davon oder auch von dem goldnen beschlag ihrer hufe, von vergoldung des zaums und sattels genannt sein. Unter allen farben galt die weiße für die edelste, auch könige zogen auf weißen rossen ein und belehnten auf weißen rossen sitzend. des weißen pferdes gedenken die weisthümer oft (z. b. 3, 342. 857); wenn eine erbschaft ledig liegt, so soll der vogt auf einem weißen fohlen sitzen, einen mann vor, den andern hinter sich setzen und einen davon auf das erbe herablassen (3, 831 vgl. 2, 541). das fohlen galt für noch edler und reiner, als ein ros der zahn eines fohlen, scheint es, wurde umgehängt und als schutzmittel getragen. ein mhd. dichter sagt: ›gevater unde fülizant an grôzen nœten sint ze swach‹, MS. 2, 160 b helfen nur für kleine schmerzen. kinder, die man auf schwarzem fohlen reiten läßt, zahnen leicht. abergl. 428 . nach Eracl. 1320. 1485 scheinen fülzene die geschobnen ersten zähne des fohlen, die das pferd später durch andre ersetzt Nachtrag: Helbl. 15, 293 sagt: ein hengest der noch nie gras an fulzande enbeiz. Fülizan kommt vor. ring 49 b , 38. 49 d 31. fülizant heißt serb. xdrebetjak i. e. zub. die fohlzähne behält das pferd bis ins dritte jahr, dann schiebt es die pferdezähne, dentes equini, quos nonnisi trimis caballis natura concedit. Pertz 8, 214. jouenes polains, quatre dens ot jetés. Ogier 2412. dentes equi qui primi cadunt, alligati, facilem dentionem praestant. Forcellini s. v. dentio. collo igitur molli dentes nectentur equini, qui primi fuerint pullo crescente caduci.   Serenus sam. 1040. auch vom knabenzahn meint man: pueri qui primus ceciderit dens, ut terram non attingat, inclusus in armillam et assidue in brachio habitus. Plin. 28, 4. GDS. 154. . Nachtrag: Die Nôtt reitet auf Hrîmfaxi , Dagr auf Skinfaxi . krauses haar am pferd galt den Indern für ein glückszeichen. Bopps gl. 34 a . Das ros, welches könige im asvamêdha darbringen, muß weiß sein. weiße rosse zu reiten ist ein vorzug der götter, könige und helden. Pindar. Pyth. 4, 117: λευκίππων πατέρων. ein hengst mit drei weißen füßen und zwei gläsernen augen kennt ein weisthum 2, 618. . Tacitus (Germ. 9. 10), nachdem er gesagt hat ›lucos ac nemora consecrant‹, fügt hinzu: ›proprium gentis, equorum quoque praesagia ac monitus experiri. publice aluntur, iisdem nemoribus ac lucis, candidi et nullo mortali opere contacti , quos pressos sacro curru sacerdos ac rex vel princeps civitatis comitantur, hinnitusque ac fremitus observant. nec ulli auspicio major fides non solum apud plebem, sed apud proceres, apud sacerdotes: se enim ministros deorum, illos conscios putant‹, diese heiligen thiere sind mitwisser der götter und können deren rathschläge offenbaren. Noch der indiculus paganiarum cap. xiii redet de auguriis equorum , ohne sie näher zu schildern; pferdegewieher ist heilbringendes 549 zeichen (abergl. no.  239 ) was der athem des schweins verunreinigt hat, stellt der des pferds wieder her (abergl. 820 . schwed. 92 ), das pferd ist ein reines thier einer gebährenden hilft, daß das pferd aus ihrer schürze fresse (abergl. 337 ). . kriegern galt das wiehern (ahd. hueiôn, mhd. weien, mnl. neien, altn. hneggja, schwed. gnägga) ein vorzeichen des siegs, und wenn sich die rosse ihrer freudigen, mutweckenden stimme enthielten, der niederlage; ein beispiel gewährt die flandr. reimchronik ed. Kausler 7152. bekannt ist die persische königswahl nach dem gewieher des hengsts. Herod. 3, 84. In dem norweg. märchen Grimsborken (Asb. og Moe no. 38) wird ein fohlen von zwölf stuten aufgesäugt und kluger rede theilhaftig Nachtrag: Dem schwed. gnägga wiehern entspricht Sæm. 144 a gneggja, ags. hnägan, engl. neigh. das dän. vrindske ist unser brenschen , wrenschen , frenschen . vgl. wrene hengst l. sal. s. XXVIII. skr. vrinh barrire. Bopp 32 b . norweg. dän. humra bedeutet leise wiehern vgl. hummel, summen. Lanz. 474 ez begunde sîn ros weien , trâsen unde schreien. Garg. 240 b rihelen und hinnewihelen. 77 b : hinnewiheln. ob mit wihelen das prov. evelhier. Ferabr. 3613 und der pferdename Valentin it. Vegliantino zusammenhängt? Gudr. 1395, 2 heißt es: ›man hôrte ein ros ergrînen‹, als der kampf beginnt. Bellona spumantium ad bella equorum hinnitu aures arrigens. Pertz 2, 169. . Und wie in Mîmirs abgehauenem haupte seine klugheit fortdauerte (s.  314 ), scheint das heidenthum mit abgeschnittenen, aufgerichteten pferdehäuptern vielfachen zauber getrieben zu haben. in einem kindermärchen (no. 89) wird des treuen Falada haupt über das thor genagelt und die königstochter führt mit ihm gespräch. dieses abschneidens und aufstellens der pferdehäupter habe ich schon s.  38 erwähnt als einer uralten deutschen sitte. Plin. 19, 10 gedenkt als eines mittels gegen die raupen: si palo imponantur in hortis ossa capitis ex equino genere . In Scandinavien steckte man pferdehäupter auf stangen und richtete den mit hölzern aufgesperrten, gähnenden rachen auch wolfshäupter wurden so mit haselstäben gesperrt und aufgehangen . Isengrim 645. 647. 648. Reinardus 3, 293. 312. Reinhart einleitung s.  lxix . nach der gegend, woher der angefeindete mann, dem man schaden wollte, kommen muste. das hieß neidstange . Saxo gramm. p. 75: immolati diis equi abscissum caput conto excipiens subjectis stipitibus distentos faucium rictus aperuit , sperans se primos Erici conatus atrocis spectaculi formidine frustraturum. arbitrabatur enim ineptas barbarorum mentes oblatae cervicis terriculamento cessuras; et jam Ericus obvium illis iter agebat. qui prospecto eminus capite obscoenitatis apparatum intelligens, silere socios cautiusque se gerere jubet, nec quemquam temere praecipitare sermonem, ne incauto effamine ullum maleficiis instruerent locum, adjiciens si sermone opus incideret verba se pro omnibus habiturum. jamque medius illos amnis secreverat, cum magi, ut Ericum pontis aditu deturbarent, contum, quo equi caput refixerant , fluvio citimum locant. ille nihilominus pontem intrepide aggressus ›in latorem‹ inquit ›gestaminis sui fortuna recidat, nos melior consequatur eventus. male maleficis cedat, infaustae molis gerulum onus obruat, nobis potiora tribuant omina sospitatem!‹ Nec secus quam optabatur evenit: continuo namque excussa cervice ruens ferentem stipes oppressit. Egilssaga p. 389: Egill tôk î hönd ser heslis staung , ok geck â bergsnaus nockura, þâ er vissi til lands inn. þâ tôk hann hrosshöfuđ ok setti up â staungina . siđan veitti hann formâla ok mælti sva: 550 ›her set ek upp niđstaung ok snŷ ek þessu nîđi â hönd Eirîki konûngi ok Gunnhildi drôttnîngu‹. hann sneri hrosshöfđinu inn â land . Andere mal wurde ein menschenhaupt (aus holz) geschnitzt, auf eine stange befestigt, diese aber in die brust eines geschlachteten pferdes gesteckt vgl. abergl. 838 das setzen der weide in das maul des todten füllens. . Vatnsd. p. 142: Iökul skar karls höfut â sûlu endann ok risti â rûnar med öllum þeim formâla sem fyrr var sagdr, sîđan drap Iökull mer eina, ok opunđu hana hia briostinu, færđu â sûluna , ok lêtu horfa heim â Borg Nachtrag: Vedrebbe un teschio d'asino in su un palo , il quale quando col muso volto vedesse verso Firenze u. s. w. decam. 7, 1. auch ist zu erinnern an die drehung der adler auf dem dach (s.  527 ) und die drehung der taube auf dem grab (s.  950 ). . Es ist aller beachtung werth, daß bis auf den heutigen tag in einem theile Niedersachsens (Lüneburg, Holstein, Meklenburg) die bauernhäuser auf dem giebel geschnitzte pferdeköpfe haben: man sieht es als bloße auszierung des dachgebälks an, die sitte mag aber weit hinauf reichen und mit dem heidnischen glauben zusammenhängen, daß durch die auswärts schauenden häupter von den häusern unheil abgehalten werde etwa, wie man den kopf des adlers auf dem hause drehte und damit den wind zu richten wähnte (s.  527 ). aus der heidnischen sitte des thierhauptaufsteckens deuten sich uralte ortsnamen in Deutschland und Frankreich, z. b. Berhaupten , Tierhaupten , Roshaupten (Schm. 2, 223). ad locum qui nuncupatur caput caballinum (Pertz 2, 278). ad locum qui vocatur caput equi (vita s. Magni, bei Canisius lect. ant. 1, 667), bei Goldast (scr. rer. alem. I. 2, 198) mit dem zusatz: et idcirco vocatus est ille locus caput equi, quia omnes venatores reliquerant ibi suos caballos ed pedestres ibant ad venandum. offenbar eine falsche, spätere deutung, wie denn überhaupt dieses leben des heil. Magnus (Magnoald, Mangold) mehrfach interpoliert ist, vgl. Mabillon acta Bened. sec. 2. p. 505. . nach den jb. des mekl. vereins 2, 118 sind die pferdeköpfe an jedem giebel (kühlende) des dachs kreuzweise angenagelt, eine erinnerung an die heiligen rosse der alten. Heinr. Schreiber (taschenb. f. 1840 s. 240 ff.) hat diese gegen einander springenden pferde auch auf den giebeln der älteren häuser im romanischen Rhätien (nicht in der deutschen Schweiz, aber in Tirol. Zingerle sitten s. 55) wahrgenommen; offenbar zu voreilig erklärt er sie für ein celtisches symbol, denn wollte man sagen in Niedersachsen sei dieser brauch von früheren Celten her übrig, so verlöre die critik allen halt. mir scheint die sitte und der pferdecultus überhaupt auf gleiche weise Celten, Deutschen und Slaven eigen, welche einzelnen stämme unter diesen völkern ihm zumeist ergeben waren, wird sich künftigen forschungen allmälich enthüllen Nachtrag: Über die pferdeköpfe am giebel s. Müllenhoff s. 239. Panzer beitr. 2, 180. 448. 449. sie schützen die balken des dachs gegen wind und wetter. litt. heißen sie žirges dachreiter von źirgas ros, pferd. Nesselm. 549, auch ragai geweih, hörner. 426. vgl. lat. capreoli, tigna ad firmandum und ags. Heort, Heorot, name des hauses im Beovulf. . Praetorius (weltbeschr. 2, 162. 163) erzählt, die undeutschen leute (Wenden) pflegten zur abwehrung und tilgung der viehseuchen um ihre ställe herum häupter von tollen pferden und kühen auf zaunstaken zu stecken; auch ihren pferden, welche nachts vom mahr oder leeton matt und müde geritten würden, einen pferdekopf unter das futter in die krippe zu legen, das hemme die macht des geistes über das thier. Wahrscheinlich meint das abergläubische vergraben des todtenkopfs im stall (no. 815) den eines pferdes vgl. fornald. sög. 2, 168. 300 was von dem hrosshaus des Faxi erzählt wird. (vgl. cap.  XXXVIII 551 nachtmar). in Holland hängt man einen pferdekopf über schweinställe (Westendorp p. 518), in Meklenburg wird er dem siechen unters kopfkissen gelegt (jb. 2, 128). Auch das werfen des pferdehaupts in die Johannisflamme (s.  514 ) sollte zauberhaft wirken wozu haben die mönche im kloster ein caput caballinum? Reinardus 3, 2032. 2153. bei Burcard Waldis 4, 2 die redensart ›aus einem todten roskopf gespunnen‹, heißt das gezaubert? . Schon des Praetorius nachricht zeigt, daß die Slaven im pferdecultus mit den Deutschen übereinstimmten. es fehlt aber nicht an merkwürdigeren älteren zeugnissen. Dietmar von Merseburg (6, 17 p. 812) meldet von den Luitizern d. h. Wilzen: terram cum tremore infodiunt, quo sortibus emissis rerum certitudinem dubiarum perquirant. quibus finitis cespite viridi eas operientes, equum , qui maximus inter alios habetur, et ut sacer ab his veneratur, super fixas in terram duorum cuspides hastilium inter se transmissorum supplici obsequio ducunt , et praemissis sortibus, quibus id explicavere prius, per hunc quasi divinum denuo augurantur ; et si in duabus his rebus par omen apparel, factis completur; sin autem, a tristibus populis hoc prorsus omittitur. Die vita beati Ottonis episcopi bambergensis, verfaßt von einem gleichzeitigen ungenannten (bei Canisius III. 2, 70) erzählt lib. 2 cap. 22 umständlicher von den Pommern, welche Otto im j. 1124 bekehrte: habebant caballum mirae magnitudinis , et pinguem, nigri coloris , et acrem valde. iste toto anni tempore vacabat, tantaeque fuit sanctitatis , ut nullum dignaretur sessorem; habuitque unum de quatuor sacerdotibus templorum custodem diligentissimum. Quando ergo itinere terrestri contra hostes aut praedatum ire cogitabant, eventum rei hoc modo solebant praediscere. hastae novem disponebantur humo, spatio unius cubiti ab invicem separatae. strato ergo caballo atque frenato sacerdos, ad quem pertinebat custodia illius, tentum freno per jacentes hastas transversum ducebat ter atque reducebat . quod si pedibus inoffensis hastisque indisturbatis equus transibat, signum habuere prosperitatis, et securi pergebant, sin autem, quiescebant. Hiernach wurde durch neun ellenweit von einander liegende speere, nach Dietmars älterer meldung über die spitzen zweier verschränkter speere das heilige ros geleitet; es kann aber bei den Lutizern damit verschieden gehalten worden sein als bei den Pommern. Saxo gramm. p. 321 erzählt die sache von den rügischen Slaven wieder anders; praeterea peculiarem albi coloris equum titulo possidebat (numen), cujus jubae aut caudae pilos convellere nefarium ducebatur. hunc soli sacerdoti pascendi insidendique jus erat, ne divini animalis usus quo frequentior hoc vilior haberetur. In hoc equo, opinione Rugiae, Svantovitus (id simulacro vocabulum erat) adversum sacrorum suorum hostes bella gerere credebatur. cujus rei praecipuum argumentum exstabat, quod is nocturno tempore stabulo insistens adeo plerumque mane sudore ac luto respersus 552 videbatur wie das vom nachtgeist gerittene pferd frühmorgens staubig und schweißig dasteht (s.  550 u. anm. 1692 ). , tanquam ab exercitatione veniendo magnorum itinerum spacia percurrisset. Auspicia quoque per eundem equum hujusmodi sumebantur. cum bellum adversum atiquam provinciam suscipi placuisset, ante fanum triplex hastarum ordo ministrorum opera disponi solebat, in quorum quolibet binae e traverso junctae , conversis in terram cuspidibus figebantur, aequali spaciorum magnitudine ordines disparante. ad quos equus ductandae expeditionis tempore solenni precatione praemissa a sacerdote e vestibulo cum loramentis productus, si propositos ordines ante dextro quam laevo pede transcenderet, faustum gerendi belli omen accipiebatur. sin laevum vel semel dextro praetulisset , petendae provinciae propositum mutabatur. Diese schilderung ist noch genauer, das heilige hier der gottheit selbst, die es zu nacht besteigt, beigelegte ros wird dreimal über zwei gekreuzt eingesteckte, also über sechs speere geführt, und muß jedesmal, wenn die bedeutung glücklich sein soll, mit dem rechten fuß zuerst vorschreiten: hat es nur in einer reihe den linken vor dem rechten erhoben, so steht unheil bevor. die farbe des rosses wird weiß , wie bei Tacitus, nicht schwarz , wie bei dem lebensbeschreiber Ottos angegeben. Nach der chronica augustensis ad a. 1068 (bei Freher 1, 349) hatte der Halberstädter bischof Burcard (der Buko, welchen noch das heutige kinderspiel kennt) den Lutizern ihr heiliges pferd weggenommen und war selbst darauf nach Sachsen heim geritten: Burcardus halberstatensis episcopus Luiticiorum provinciam ingressus incendit, vastavit, avectoque equo, quem pro deo in Rheda nicht ›in rheda‹ (Wedekinds noten 1, 173). Rhetra, ein hauptort des slav. heidenthums, nach Adam von Bremen im lande der Retharier, wo des Redigost tempel steht; Dietmar gibt der Lutizerstadt, im grau Riedera selbst den namen Riedegost. colebant , super eum sedens in Saxoniam rediit. Darf man nun folgende vorstellung fassen: Dietmar und der Augsburger annalist meinen des Radigast zu Rhetra, Saxo und der autor der vita Ottonis des Svatovit zu Arkona heiliges pferd? jedem dieser götter Svjatovit oder Svantevit hat man vermengt mit dem heil. Vitus, sanctus Vitus, vgl. acta sanctor. 15 jun. p. 1018; unmöglich aber kann man aus Vitus den gott Svantevit entspringen lassen. waren rosse geweiht und vielleicht noch andern. So mögen auch in Deutschland mehrern gottheiten rosse geheiligt und weissagungen unter ähnlichen gebräuchen damit gepflogen worden sein, namentlich dem Frouwo (s.  546 . 547 ) und Wuotan (s.  128 . 129 ). Einige nachrichten von der verehrung heiliger pferde in Ditmarsen scheinen bedenklich. Der Rieswold oder Riesumwold an der grenze zwischen Norder und Süderditmarsen soll, der sage nach, ein heiliger wald gewesen sein, worin menschenopfer statt fanden, und weiße , den göttern geweihte pferde genährt wurden Falks samlung von abhandlungen. 5, 103. Tondern 1828. . 553 das ist nichts als unbefugte anwendung der tacitischen stelle auf eine bestimmte gegend. Eigenthümlicher klingt was Bolten 1, 262 dem verdächtigen Carsten nacherzählt, bei Windbergen habe ein dem Hesus (!) geheiligter hain gestanden, noch heute genannt Hese oder Heseholt bei diesem Hesewald entsinnt man sich übrigens der silva Heisi , Hese an der Ruhr in Westfalen (Lacombl. no. 6. 17. 64. 260) und der silva caesia des Tacitus. . in dem hain seien dem gott zwei weiße pferde , ein junges und ein altes, gefüttert worden, welche niemand besteigen durfte, aus deren gewieher und springen gute oder böse zeichen entnommen wurden. einige reden von zehn oder zwanzig rossen. ein priester des gottes steckte stäbe in die erde, führte das gezäumte ros heran, und ließ es durch gewisse gänge langsam über die stäbe springen . Joh. Aldolfi d. i. Neocorus, auf den sich dabei bezogen wird, hat nichts von allem dem. auch das verbot des besteigens stimmt zu jenen rossen der Slaven. Für die heidnischen Liven aber läßt sich die slavische gewohnheit beglaubigen. das chronicon livonicum vetus meldet ad a. 1192 (bei Gruber p. 7): colligitur populus, voluntas deorum de immolatione (fratris Theoderici, cisterciensis) sorte inquiritur. ponitur lancea, calcat equus; pedem vitae deputatum (d. i. den rechten) nutu dei praeponit. orat frater ore, manu benedicit. ariolus deum Christianorum equi dorso insidere et pedem equi ad praeponendum movere asserit, et ob hoc equi dorsum tergendum, quo deus elabatur. quo facto, dum equus vitae pedem praeponit, ut prius, frater Theodoricus vitae reservatur. Hier traf heidnisches und christliches wunder zusammen. Auch altpreußisch war dieser cultus: Prussorum aliqui equos nigros , quidam albi coloris , propter deos suos non audebant aliqualiter equitare. (Dusburg. 3, 5) daß die Ehsten dem pferd weissagende kraft zuschreiben lehrt abergl. no.  35 . Nachtrag: Die Buräten weihen dem hirtengott Sulbundu ein pferd, auf dem er nachts reitet und das man morgens im schweiße sieht. Klemm 3, 115. die von geistern oder nachtfrauen gerittenen pferde haben stegreif, strick, wolle in der seite und sind mit wachs beträuft . Kaisersb. om 42 d . 43 a . Kalmücken weihen ebenfalls dem gott ein pferd und lassen es frei laufen. Ledebour 2, 49. Das pferd scharrt das gold, so des Rammelsbergs, und die quelle, wie Pegasus. vgl. Panzer beitr. 1, 38. 39. 163. 186. 201. hufschlag göttlicher pferde in stein nahmen auch die Römer an. ergo et illud in silice, quod hodie apparet apud Regillum, tanquam vestigium ungulae Castoris equi esse credis. Cic. d. Nat. Deor. 3, 5. ein weißes heiliges pferd wandelt über das wasser, ohne sich die füße zu benetzen. Polier 2, 618. . Der pferdeopfer und des davon unzertrennlichen pferdefleischessens geschah schon s.  38 –40 erwähnung; Strabo berichtet, daß die Veneter dem Diomed ein weißes pferd opferten (V. 1, 9. Siebenk. 2, 111. Casaub. 215. Kramer 1, 339). Die Inder bringen mit feierlicher zurüstung große pferdeopfer. Merkwürdig scheint, was von den Kalmüken erzählt wird. bei ihnen sieht man eine menge aufgestellter gerüste mit pferdehäuten und köpfen , überbleibsel gebrachter opfer. die richtung des pferdekopfs nach osten oder westen bestimmt, ob das opfer einem guten oder bösen geist gebracht wurde Ledebour reise nach dem Altai. Berlin 1830. 2. 54. 55. . es gemahnt einmal an jenes opfermäßige aufstecken der pferdehäupter in Deutschland in bestimmter richtung, das nach einführung des christenthums für boshaften zauber galt, dann an die pira equinis sellis constructa bei Jornandes und das σῆμα der scythischen könige bei Herodot (RA. 676) sanskr. heißt das pferd Srîbhâtri , bruder der Srî (Lakschmi), weil es gleich ihr (u. Afrodite) aus den meereswellen kam. Pott 2, 407. um so nachhaltiger ist die gleichstellung des rosses und schiffes. Nachtrag: Ašva ist das vornehmste opferthier, ašvamêdha ist pferdeopfer. Böhtling 1, 520. 524. des pferdekopfes bedeutung geht noch aus manchen gebräuchen hervor. so wird auf dem pferdekopf gespielt s.  708 . 877 . 896 , ein pferdehaupt ins Johannisfeuer geworfen s.  514 , beim maifest gebraucht s. Hones dayb. 2, 595, zu weihnachten auf eine stange gesteckt und vorgebunden. Haupts zeitschr. 5, 472. 474. ein abgeschlagener pferdekopf wirkt im märchen wunder s. Müllenhoff s. 422, dient öfter zur brücke. ebenda s. 34. 146. 544. dazu das angenagelte pferdehaupt im märchen von Falada und die hölzernen pferdeköpfe auf dem dachgiebel s.  549 . 550 . GDS. 151. . 554 Von heilighaltung der rinder weiß ich weniger mitzutheilen, wiewol sie schon darum nicht zu bezweifeln ist, weil rinder geopfert wurden, stiere den fränkischen königswagen zogen (RA. 262). noch im spätern mittelalter behielten die kriegswagen rinder bei: capto ducis (lovaniensis) vexillo, dicto gallice standart, opere plumario a regina Angliae ei misso, quod fastu superbiae quadriga boum ferebat Chapeaville 2, 69 (a. 1129). eines mit vier weißen ochsen bespannten wagens in Lothringen gedenkt Scheffers Haltaus s. 251. Nach Plutarchs bekannter meldung im Marius (cap. 23) schwuren die Cimbern über einem ehernen stier , woraus man das stierhaupt im meklenburgischen wappen herleitet. (Mascov 1, 13). Zu Hvîtabær verehrten die leute ein rind (fornald. sög. 1, 253), zu Upsal eine kuh (das. 1, 254. 260. 266. 270. 272) Nachtrag: Heiliger rinder der Artemis erwähnt Plutarchs Lucullus p. m. 606. Hârekr hält im wald ein blôtnaut . fornm. sög. 3, 132. über das stierhaupt im meklenburgischen wappen vgl. Lisch mekl. jahrb. 10, 15 ff. . Während von den pferden der hengst mehr als die stute verehrt wird, scheint unter den rindern die kuh den vorzug zu haben. kühe waren vor der Nerthus wagen. die edda gedenkt einer kuh namens Auđhumla , welche bei dem ersten menschengeschlecht eine große rolle spielt (s.  464 ), sicher für ein heiliges thier galt. Jenem glauben an pferde (s.  547 ) steht ein ›âtrûnađr â kû‹ zur seite. könig Eysteinn von Schweden glaubte an eine kuh, die Sîbilja hieß: ›hun var svâ miök blôtin, at menn mâttu eigi standast lât hennar‹, sie wurde mit in die schlacht geführt (fornald. sög. 1, 254. 260). könig Ögvaldr führte eine solche heilige kuh überall mit sich, zu wasser und zu land, und trank beständig ihre milch (fornm. sög. 2, 138. 10, 302) was bedeutet die schwarze kuh in folgenden redensarten? ›die schwarze kuh drückt ihn‹ (Hüpels livländ. idiot. 131), ›die schwarze kuh hat ihn getreten‹ (Etners apoth. 514). ›van onser goeden blaren coe , van miere blaren coe ‹ ist hor. belg. 6, 97. 101 (vgl. 223) die rede, von der blauen kuh ir. elfenm. cxx . schlachten der schwarzen kuh bringt gefahr (abergl. 887 ). unter den benennungen des regenbogens findet sich das sloven. mavra , schwarze kuh. . Wie die mähnen der pferde schmückte man die hörner der kühe mit gold: gullhyrndar kŷr (Sæm. 73 a 141 a ) noch heute ziert der alpenhirt die hörner des rinds mit bändern und blumen. den opferrindern wird diese ausstattung nicht gemangelt haben. Das sanskr. gaus (bos und vacca), thema gô, acc. gâm, pers. ghau, gho, entspricht dem lett. gohw , ahd. chuo , ags. cû , altn. kŷr . noch wichtiger ist, daß gô zugleich terra und plaga bedeutet (Bopp gramm. § 123 gloss. p. 108 b ), wodurch es sich an das gr. γᾶ, γῆ schließt. hierzu das auftreten jener Auđhumla in der nord. schöpfungsgeschichte genommen, läßt sich vielleicht rinta (die erde) und Rindr (s.  208 ) zu rind armentum halten, welches freilich in der alten form HR fordert (Graff 4, 1171) und nl. rund, ags. hryđer, hrođer lautet; wer weiß ob nicht auch rinde (cortex) ursprünglich aspiriert war? Εὐρώπη, der name eines theils der 555 erde wird zugleich erde (die weite εὐρεῖα) ausdrücken, und s.  281 vermutete ich, daß Europa , mit der Zeus als stier buhlte, selbst als kuh , gleich der Io, gedacht worden sein mag; nicht die erde hat von ihr, vielmehr sie nach der erde den namen. Über die verehrung der kühe und rinder bei Indern, Aegyptern und Römern verweise ich auf A. W. Schlegels gelehrte abhandlung ind. bibl. 2, 288–295. . auch die Israeliten brachten das brandopfer einer rothen kuh (goth. kalbô), auf welche noch kein joch gekommen war. Mos. IV, 19. Nachtrag: Stiere wühlen sturmwind auf. ein stierkalb wird auferzogen, um den drachen zu bekämpfen. DS. 142. Müllenhoff s. 238. Thiele 1, 125. Nandini ist aller kühe beste. ein mensch, der ihre milch getrunken hat, bleibt 10000 jahre jung. Holtzmann ind. sag. 3, 99. 100. ›Die schwarze kuh drückt ihn, hat ihn getreten‹ bedeutet: ›er fühlt mangel, schwere sorge‹. so trat ihn auch die schwarze kuh . ambraser lieder 147. stor blaa stud . norske event. 1, 111. vgl. ungr. er ist noch nicht auf die ferse der schwarzen kuh getreten. Wolfs zeitschr. 1, 271. 272. Neben dem kuhnamen Auđhumla kommen auch bezeichnungen des ochsen vor, wie freyr, iörmunrekr, reginn. Sn. 221 a . (ed. hafn. 587). Eber und bock waren heilige opferthiere (s.  41 . 42 ), der eber doppelt benannt heißt er abd. epur , ags. eofor und ahd. pêr , ags. bâr, (goth. báis?). dem Freyr (s.  176 ), böcke und ziegen dem Thôrr (s.  153 ) gewidmet, wie noch jetzt bock und ziege für teufelsgethier gelten wie gott (Wuotan) den wolf schuf (s. 122 ), brachte der teufel (Donar?) die geiß hervor. an einigen orten ißt man die geißfüße nicht (Tobler s. 214). . Auf jenen göttlichen eber glaube ich noch das alte lied beziehen zu dürfen, aus dem uns Notker (der so selten vor fremder gelehrsamkeit dazu kommt was er vaterländisches wuste aufzuzeichnen) eine stelle behalten hat: imo sint fuoze fuodermâze, imo sint burste ebenhô forste, unde zene sîne zuelifelnîge, seine borsten ragen hoch wie der wald, seine hauer sind zwölf ellen lang. Einen grund der heilighaltung des ebers findet man darin, daß er die erde aufwühlt, und die menschen von ihm das pflügen gelernt haben. Auch die Slaven scheinen solche eber verehrt zu haben: ›testatur idem antiquitas, errore delusa vario, si quando his saeva, longae rebellionis asperitas immineat, ut e mari praedicto (nahe bei Riedergost) aper magnus et candido dente e spumis lucescente exeat , seque in volutabro delectatum terribili quassatione multis ostendat‹. Ditm. merseb. p. 812 Nachtrag: Ein uralter böser göltr , den das volk verehrte. fornm. sög. 4, 57. 58. vgl. eburdrung s.  606 . Wackernagel deutet in Haupts zeitschr. 6, 280 die von Notker bewahrten verse anders, doch vgl. den in der schwedischen volkssage umgehenden grunzenden eber mit dem messer im rücken (Haupts zeitschr. 4, 506. 507) und die dän. volkssage von Lîmfiorden (Thiele 1, 131): eine zauberin brachte ein schwein zur welt, das wuchs so hoch, daß seine borsten über die wälder reichten , (Notk. burste ebenhô forste ) und wühlte so tief in die erde , daß das meer sich in den graben goß vgl. schweingraben s.  855 . ein wühlendes schwarzes schwein kündet den untergang der stadt an. Müllenhoff s. 105. eine malb. glosse nennt den eber diramni erdwühler. Leo 1, 75. GDS. s. 57. mit der eberschilderung in Ovid met. 8, 284 ff. vgl. Albr. von Halberstadt s. 269, wo die zähne einer eln lanc sind (Notk. zene sîne zuelif elnîge ), was bei Ovid nicht vorkommt. dente minax heißt er Rudl. 16, 90. Vischnu in einer incarnation erscheint als eber auf dem meer. Ein weißer bock gilt im pferdestall für heilsam. Leoprechting 226. . Nur hausthiere waren opferbar, obgleich nicht alle, namentlich der hund nicht, der sich sonst oft zu dem herrn wie das pferd verhält; er ist treu und klug, daneben aber liegt etwas unedles, unreines in ihm, weshalb mit seinem namen gescholten wird. bemerkenswerth scheint, daß hunde geistersichtig sind (abergl. 1111 ) und den nahenden gott, wenn er noch menschlichem auge verborgen bleibt, erkennen. als Grîmnir bei Geirröđr eintrat, war ›eingi hundr svâ ôlmr, at â hann mundi hlaupa‹, der könig ließ den schwarzgemantelten fangen, ›er eigi vildo hundar ârâđa‹. Sæm. 39. 40. auch wenn Hel umgeht, merken sie die hunde . dazu stimmt genau der griech. glaube, niemand erschaut die nahende Athene, selbst nicht Telemachos, nur Odysseus und die hunde, Od. 16, 160: οὐδ' ἄρα Τηλέμαχος ἴδεν ἀντίον, οὐδ' ἐνόησεν, οὐ γάρ πω πάντεσσι ϑεοὶ φαίνονται ἐναργεῖς, 556 ἀλλ' Ὀδυσεύς τε κύνες τε ἴδον , καί ῥ' οὐχ ὑλάοντο in einem dän. volkslied 1, 207. 209 bellen sie das gespenst an. bellen oder nichtbellen ist hier einerlei. κνυζηϑμῶ δ' ἑτέρωσε διὰ σταϑμοῖο φόβηϑεν. geheul der hunde ist vorbedeutsam (abergl. 493 ) und zeigt feuer an. dem Ođinn werden hunde beigelegt, Viđris grey Sæm. 151 a , auch den nornen (s.  339 ): norna grey . Sæm. 273 a . worauf gründet sich aber die sage des frühen mittelalters von dem h. Petrus und dem hund? der ags. Saturn und Salomon (bei Kemble s. 186) fragen: ›saga me hvilc man êrost være viđ hund sprecende?‹ und die antwort ist: ›ic þe secge, sanctus Petrus‹. Nialssaga cap. 158 p. 275 wird eine formel mitgetheilt, die aus der gewalt der wassergeister rette: ›runnit hefr hundr þinn , Petr postoli, til Rôms tysvar, ok mundi renna it þriđja sinn, ef þu leyfdir‹ Nachtrag: Der hund kommt als opferthier vor s.  39 . 43 . Kuhns westf. s. 2, 138. er ist das thier der Hekate. Klausens Aen. 1137. der hund erkennt den Odysseus in der verkleidung. hündinnen wittern den Faunus: ab ea cane quae femina sit ex primipara genita Faunos cerni. Plin. 8, 40, 62. ein hund mit vier augen (nellisilm) d. h. flecken über den augen, ist allein teufelssichtig. estn. verh. 2, 90. der hund bellt vor dem unheimlichen stein. Dybeck 4, 25. hunde werden unsinnig, wenn man ihnen die knochen des osterlamms gibt. Keisersb. omeiß. 52 a . Der hund des Petrus kommt in der sage von Simon und Petrus vor. ags. homil. s. 372. 374. pass. H. 175. . Unter den wilden waldthieren gab es einige, die der mensch mit scheu betrachtete, denen er ehrerbietung bezeigte: vor allen bär , wolf und fuchs . ich habe dargethan, daß diesen dreien, nach weit und frühe in Europa verbreiteter sitte, ehrende namen beigelegt wurden Reinh. p. lv . ccvii . 446; überraschend ist die in Victor Hugos notre dame de Paris 2, 272, nach einem buch, oder mündlicher überlieferung mitgetheilte nachricht, daß die zigeuner den fuchs piedbleu , courcur des bois , den wolf piedgris , pieddoré , den bären vieux oder grandpère nennen. , und daß unsern ahnen der bär für den könig der thiere galt das. s. xlviii ff. ccxcv . . Eine urk. von 1290 (Langs reg. 4, 467) liefert den beinamen ›Chuonrat der heiligbär ‹, wozu man den eigennamen Ha lecbern (trad. corb. Wig. § 268) und altn. Hallbiörn , den älteren manns und frauennamen altn. Asbiörn , ags. Osbeorn , ahd. Anspero und altn. Asbirna , ahd. Anspirin (im Walth. Ospirn) und Ospirinberg MB. 28. 2, 123 halte; damals scheint noch unter dem volk sage von der heiligkeit des thiers im gang gewesen. Biörn war ein beiname des Thôrr, und nach der welschen sage wurde könig Artus als bär und gott dargestellt, was man nicht erst aus einer ähnlichkeit des namens mit ἄρκτος zu leiten hat: der bär am himmel spielt eine große rolle. ein eddischer beiname des bären war Vetrliđi (Sn. 179. 222) hiemem sustinens, weil er über winter schläft und der winter biarnarnôtt hieß, der eigenname gieng auf menschen über, fornm. sög. 2, 202 ein Vetrliđi skâld und 3, 107 ein Vetrliđi , in welchem sich der name seines vaters Asbiörn erneuerte auch das necrolog. augiense verzeichnel, ilcu namen Weturlit (bei Mone 98 b ). , den mythus von dem weißen bär und dem wichtel habe ich s.  396 nachgewiesen. Es ist nicht zu übersehen, daß einzelne thierfabeln in menschliche mythen verwandelt werden oder umgekehrt, z. b. die rolle des bären oder fuchses auf einen riesen oder den teufel übergeht. so findet sich die ehstnische erzählung von dem mann der mit dem bären rüben und 557 haber auf dem acker baut (Reinhart cclxxxviii ) anderwärts von dem teufel. dies in einanderstreifen des thiermärchens und der übrigen traditionen ist neue gewähr für die epische natur jenes. Zwei wölfe, Geri und Freki , waren dem Ođinn heilig, ihnen gab er zu fressen was ihm von speise vorgesetzt wurde (Sn. 4), sie waren gleichsam des gottes hunde (Viđris grey). ich möchte wissen, woher H. Sachs den bedeutenden zug entnommen hat, daß gott der herr der wölfe, als seiner jagdhunde sich bediene 1, 499 a ed. 1558: ›die wolf er im erwelen gund und het sie bei ihm für jagdhund‹. ? Ein sohn des Loki, Fenrisûlfr , tritt in wolfgestalt unter den göttern auf; überhaupt kennt unser alterthum keine häufigere verwandlung als die der menschen in werwölfe . Bär und wolf sind sehr oft in wappen aufgenommen, mit ihnen ist eine menge von menschlichen eigennamen zusammengesetzt; keins von beiden findet statt bei dem fuchs . Daher sich auch kaum mit dem fuchs mythische vorstellungen verknüpfen; einige spuren sind Reinh. ccxcvi gewiesen Klaproth hat aus japanischen büchern, daß man in Japan den fuchs (inari) als schutzgott verehrt: in vielen häusern, zumal geringerer leute, sind ihm kleine tempel gewidmet. sie fragen ihn in schwierigen dingen um rath , und stellen ihm abends reis oder bohnen hin. fehlt morgens etwas daran, so glauben sie, der fuchs habe es verzehrt und ziehen gute vorbedeutung daraus; das gegentheil ist ein übles zeichen. (nouv. annales des voyages. décembre 1833 p. 398.) Sie halten ihn für einen kami, d. h. für die seele eines verstorbnen guten menschen (das.). , im kindermärchen (no. 38) werden ihm neun schwänze beigelegt, wie dem Sleipnir acht füße, oder helden und göttern vier arme. Der Freyja wagen war mit zwei katzen (tveimr köttum) bespannt (s.  254 ); da altn. fres nicht bloß kater sondern auch bär bedeutet, hat man neulich gar nicht uneben behauptet, köttum könne aus fressum entsprungen, und ein bärengespann der göttin gemeint sein, wie Cybeles wagen löwen zogen (s.  211 ). vom stiefelkater s.  416 . 421 , das norweg. märchen in den folkeeventyr no. 29. katze und wiesel gelten für kluge zauberkundige thiere, die man zu schonen ursach hat (abergl. 292 ) Nachtrag: Ein ähnlicher name wie Vetrliđi ist Sumarlidi. fornm. sög. 3, 205. vgl. gramm. 2, 505. andere poetische bärennamen hat Sn. 175. 221. z. b. iorekr equos fugans. den Samojeden und Ostjaken ist der bär ein gott. Castréns reise 235. 342, auch der finnische ohto wird im himmel geboren, in goldner wiege zur erde gebracht. ›auf des bären schultern steigen‹ heißt gen himmel fahren. sein schaum ist kräftig und soll gesammelt werden. Kalevala 13, 236. 254. wie Ođin zwei wölfe, hat der finnische Pahonew große spürhunde im dienst. Salmel. 1, 193. Hirsche sind nach schottischem glauben geistersichtig. Arvids. Ossian 1, 238. Felis aurea pro deo colitur. Plin. 4. 29, 35. die katze ist giftig nach Berthold von Regensb. 303. Unander nimmt zu fres unser vielfraß . der biber, der sich häuser baut, war nach einer sage bei Klemm 2, 159 ehemals mensch. . Mit den vögeln lebte das alterthum noch vertrauter, und wegen ihrer größeren behendigkeit schienen sie geisterhafter als vierfüßige thiere. ich führe hier mehrere beispiele an, daß man die wilden vögel fütterte. Dietmar von Merseb. erzählt von Mahtildis, Otto I mutter (Pertz 5, 740): ›non solum pauperibus verum etiam avibus victum subministrabat‹, und ebenso heißt es in der vita Mahtild. (Pertz 6, 294): ›nec etiam oblita est volucrum aestivo tempore in arboribus resonantium, praecipiens ministris sub arbores proicere micas panis‹. In Norwegen setzte man julabends den sperlingen kornbüschel aus: juleaften at sette trende kornbaand paa stöer under aaben himmel ved laden og fäehuset til spurrens föde, at de näste aar ikke skal giöre skade paa ageren Hiorthöi Gulbrands dalen. Kb. 1785. 1, 130, es war ein den vögeln 558 gebrachtes opfer, damit sie den fluren nicht schadeten. man entsinnt sich dabei des vermächtnisses für die vögel auf Walthers von der vogelweide grabstein, dessen namen schon pascua avium ausdrückt. Götter und göttinnen pflegen sich in vögel zu verwandeln, aber auch den riesen war diese gabe eigen. Tarapita, der ehstnische gott, fliegt von einer stätte zu der andern (s.  62 ), die griechische vorstellung hat geflügelte götter, die jüdische geflügelte engel, die altdeutsche jungfrau mit schwanflügeln . Nordische götter und riesen legen ein adlerkleid, arnarham an (s.  526 ), göttinnen ein falkenkleid, valsham (s.  251 ). Der wind wird als riese und adler dargestellt (s.  527 ), und heilige adler schreien auf den bergen: örn gôl arla, arar gullo. Sæm. 142 a 149 a . Wolfram denkt sich die erde als einen vogel , wenn er sagt Wh. 308, 27: sô diu erde ir gevidere rêrt unde si der meie lêrt ir mûze alsus volrecken Nachtrag: Ein vogel verlangt, daß man ihm opfere s.  560 . vgl. den lettischen vögelcultus. anm. 231 . Giesebrecht balt. stud. 12, 128. 139. das servitium consuetum in blado et volatilibus, ch. a. 1311. MB. 30 b , 61 braucht nicht auf ein opfer bezogen zu werden, sondern läßt sich als bloße abgabe in getraide und hünern deuten. Ein engel wird als vogel gesandt. Gudrun und sv. vis. 1, 232. 234. 235. wie der wind als adler dargestellt wird, so macht der aar luft und schatten s.  948 , vielleicht auch der hahn das wetter vgl. den wetterhahn. . Von opferdiensamen hausvögeln, namentlich dem hahn und der gans, sind mir wenig mythische bezüge bekannt. Das feuer wird als rother hahn geschildert (s.  500 ), H. Sachs sagt: ›den roten han aufs stadel setzen‹. ein dänisches sprichwort: ›den röde hane galer over taget‹ (der rothe hahn kräht auf dem dach, d. h. die flamme prasselt). rothe hähne musten vorzugsweise gezinst (vielleicht, früher geopfert) werden (RA. 376). Völuspâ 54 wird Fialarr aufgeführt, › fagurrauđr hani‹, im walde singend, goldkammiger hahn erweckt die helden, dunkelfarbiger kräht in der unterwelt. bedeutsam krähen im dän. lied (1, 212) der rothe hahn und der schwarze hahn hintereinander; ein anderes lied (1, 208) fügt noch einen weißen dritten hinzu. Vîđofnir, ein andrer eddischer hahn sitzt auf Mîmameiđr (Sæm. 109 a ); Finn Magnusen (lex. myth. 824. 1090) vergleicht ihm den hahn, der auf maibäume gesteckt zu werden pflegt. Die Wenden errichteten kreuzbäume, brachten aber, heimlich noch heidnisch gesinnt, zu oberst auf der stange einen wetterhahn an annalen der churbr. hannöv. lande 8 jahrg. p. 284. einige beziehen den hahn auf Petrus verleugnung. . In einem märchen (no. 108) sitzt Hansmeinigels hahn auf einem baum des waldes. Ich weiß nicht, wann die goldnen hähne auf kirchthürmen eingeführt wurden, bloße wetterfahnen sollten sie ursprünglich kaum sein. Guibertus in vita sua, lib. 1, cap. 22, gedenkt eines gallus super turri ; im beginn des 12 jh. herschte also die sitte in Frankreich, aber schon zwei jahrhunderte vorher im südlichen Deutschland. Eckehard erzählt vom einbruch der Ungern: duo ex illis accendunt campanarium , cujus cacuminis gallum aureum putantes, deumque loci sic vocatum , non esse nisi carioris metalli materia fusum, lancea dum unus, ut eum revellat, se validus protendit, in atrium de alto cecidit et periit (Pertz 2, 105). den Ungern erscheint 559 dieser hahn als gottheit des orts, worin vielleicht noch das zusammentreffen der namen des heiligen Gallus mit dem des vogels bestärkte; sie verlassen sogar aus scheu vor ihm hernach das kloster: monasterio, eo quod Gallus, deus ejus, ignipotens sit, tandem omisso (ibid. 106) alles sagenhaft; denn vom einbruch der Ungern ins kloster Herzfeld (Hirutfeld) an der Lippe wird in der vita s. Idae ähnlich erzählt, sie seien auf den nolarius gestiegen, aber die glocken loszumachen unvermögend gewesen und nun plötzlich geflohen, aliquid ibi esse divalis numinis suspicali sunt (Pertz 2, 573). hier kommt der hahn nicht in betracht, die glocken thun es allein. . Tit. 407: › ûz golde ein ar gerœtet, gefiuret unde gefunkelt ûf ieglich kriuze gelœtet‹. Zwar ist der hahn symbol der wachsamkeit, und dem wächter, damit er alles überschaue, gebührt der höchste standpunkt Münsters sinnbilder der alten Christen p. 55. Da Gregor der große gallus durch praedicator auslegt (opp. Paris 1705. 1, 959. 061) und auch den speculator auf den praedicator bezieht, so könnte er in folgender stelle an den hahn gedacht haben, obgleich er ihn nicht nennt: speculator semper in altitudine stat, ut quidquid venturum sit longe prospiciat (ibid. 1, 1283). ; möglich aber wäre, daß die bekehrer einen heidnischen brauch, hähne auf gipfeln heiliger bäume zu befestigen, schonend ihnen auch eine stelle auf kirchthürmen einräumten, und dem zeichen hernach nur allgemeinere deutung unterlegten Nachtrag: Dem angeführten dänischen sprichwort entspricht das niederdeutsche: de raude han kreide ut den dack. Firm. 1, 292 b . hankrat kündet den tag. ἐπεὶ δ'ἀλέκτωρ ἡμέραν ἐσάλπισε. Luciani Ocypus. 114. eine märchenformel lautet: lou gal canté, e foughé jhour. dict. languedoc. 224. cokkes crewe ande hit was daie. sevin sages 2536. thaz huan gikundit dages kunftî. O. IV. 18, 34. dô krât der han, ez was tac. Altsw. 67, 3. skal ek fyrivestan vindhialms brûar âđr salgofnir sigrþiođ veki . Sæm. 166. hankrat scheucht die geister: ferunt vagantes daemonas laetos tenebris noctium gallo canente exterritos sparsim timere et cedere.   Prudentii hymnus ad galli cantum. 10. rother und grauer hahn krähen dem geist. minstrelsy 3, 48, auch weißer und grauer . ebenda 2, 468. Eine schwarze henne wird den bergmännlein geopfert s.  843 . 844 . ein schwarzer, hinkend geborner hahn erlöst ein bezaubertes schloß. Müllenhoff s. 351. aus dem hahnenei wird ein lindwurm. Leoprechting 78. wer dem hahn von den längsten schwanzfedern die rechte auszieht, kann jedes schloß öfnen, das er damit berührt, unsichtbar hineingehn und alles gewahren. Luciani sonmium 28. 29. ein hahn mit weißen federn wird zertheilt und um den weinberg getragen, gegen den wind. Paus. II. 34, 3. heilige hähne erwähnt Athen. 3, 445. Der hahn auf dem thurm wird schon von den mystikern 1, 199 auf den heiligen geist gedeutet. arabisch heißt er abul-jak-sân, vater der wachsamkeit. Fel. Faber evagat. 2, 219 meint: Christiani crucem cum gallo ex institutione prima habent in culminibus suarum ecclesiarum. dagegen haben die Sarazenen: lunam cornutam vel supinam, quia gallus erecto collo et cauda stans speciem habet supinae lunae. . An der spitze des wilden gevögels steht der adler als könig , und ist des Zeus bote. In unsern thierfabeln scheint der rabe die rolle beider, des wolfs und fuchses zu übernehmen, er besitzt die freßgier jenes neben der klugheit dieses. Gleich den zwei wölfen sind auch zwei raben, Huginn und Muninn , Ođins beständige begleiter (s.  122 ); ihre namen drücken denkkraft und erinnerung aus: sie tragen ihm nachricht von allen ereignissen zu in einem slovenischen märchen besitzt jemand einen raben ( vrána ), der allwissend ( védesh ) war und ihm, wenn er heimkehrte, alles erzählte. Murkos sloven. deutsches wb. Grätz 1833. p. 696. . man vergleiche den klugen sperling (spörr) des nord. königs Dag. (Yngl. saga 21), der ihm aus allen ländern nachricht zuträgt und dessen tod er durch heerzug rächt. verschiedentlich scheinen diese odinischen vögel in den sagen erwähnt, z. b. Olaf Tryggv. cap. 28 bezeugen schreiende raben, daß Ođinn das dargebrachte opfer annimmt. zwei raben fliegen mit einem mann den ganzen tag. Nialss. 119. ebenso geleiten den heil. Gregor drei fliegende raben (Paul. Diac. 1, 26). In den schönen mythus von könig Oswald greift der rabe , dem sein gefieder mit gold bewunden wird (vgl. den falken Ms. 1, 38 b ) wesentlich ein; er hat nichts von der bösen teuflischen natur, die hernach diesem vogel beigelegt wird. Characteristisch ist auch, daß der von Noah aus der arche gesandte rabe, von welchem es gen. 8, 7 bloß heißt καὶ ἐξελϑὼν οὐκ ἀνέστρεψε, in der deutschen wiedererzählung sich auf einem as niederläßt. Cædm. 87, 11. Diut. 3, 60. König Artus, den wir vorhin als bären fanden, soll in einen raben verwandelt 560 worden sein: ›que anda hasta ahora convertido en cuervo , y le esperan en su reyno por momentos‹. don Quixote 1, 49. In volksliedern versehen vögel gewöhnlich botendienst, sie bringen kunde von dem was vorgegangen ist und werden mit meldungen entsendet. böhm. sagt man: etwas vom vogel erfahren (dowěděti se po ptačku) Nachtrag: Der adler ist bei den Ostjaken heilig. Klemm 3, 122. den Indern ist Garuda könig der vögel. Holtzmann ind. sag. 3, 137. aquila, angla = Jovis ministra. Grotefend inscr. umbr. 6, 8. der habicht war dem Apoll heilig. Schwartz s. 16. 17. Od. 15, 526, wo er κίκρος heißt, sonst ἱέραξ, der auch den Aegyptern als heiliger vogel galt. GDS. 51. über die sperber und wanneweher anm. 1735 . Wie Huginn und Muninn stehen im ags. hyge und myne formelhaft zusammen. vorr. zu Andr. XXXIX. raben folgen dem helden: Haraldi ver fylgđum sîz or eggi komun. läsebog 112 a . zwei raben sind schutzgeister. Gesser Chan 278. gleich dem adler kommt auch der rabe in der fahne vor s.  931 , dieser verhält sich zu jenem etwa wie der wolf zum bären (oder löwen). über den raben vgl. noch Schwartz s. 42. 43. . In den sagen reden vögel untereinander von dem geschick der menschen und weissagen. raben verkündigen dem blinden das mittel, wodurch er wieder zu seinen augen gelangt (KM. no. 107), hausvögel besprechen sich von dem bevorstehenden untergang der burg (deutsche sag. 1, 202). Ein weiser vogel (fugl frôđhugađr) wird in der Helgaqviđa (Sæm. 140. 141) redend und weissagend eingeführt und er fordert, wenn er mehr aussagen solle, von dem menschen opfer und tempel . nach einer deutschen sage erwirbt sich der mensch das verständnis der vögelsprache durch den genuß einer weißen schlange (KM. no. 17). Sigurđr versteht sie, sobald des drachen Fafnir herzblut von den fingerspitzen auf seine zunge kommt: es sind schwalben (igđor), die ihm rathschlag ertheilen (Sæm. 190. 191). Schwalben zu tödten bringt unheil, nach abergl. 378 verursacht es vierwochenlangen regen; ihre nester an den häusern wagt niemand auszustoßen. aus Saxos (p. 327) bericht von der eichnen bildseule des Rugivit darf man schließen, daß die Slaven ruhig daran die schwalben nisten ließen Nachtrag: Die schwalbe heißt ahd. sualawâ, ags. svealeve. altn. svala, engl. swallow, schwed. svala, dän. svale, lapp. svalfo. ob goth. svalvo oder hruzda? dakisch crusta, lith. kregźde, gr. χελιδών, lat. hirundo, für χεριδών χριδών. lett. besdeliga. slav. lastovice, vlastovice, serb. lasta und lastavitza. finn. pääsky, est. päästlenne, ungr. fetske. alban. delenduse, walach. rendurea. die schwalbe reißt, ὡς Ἀϑηναία, dem κολοιός die erste gestohlne feder aus. Babr. 72, 16. in der prosa (Cor. 188) ist es aber die eule (γλαύξ). die nätherin der Maria, die den zwirnkläuel stahl, wurde in eine schwalbe verwandelt, der weiße flecken an der schwalbe bezeichnet den kläuel. Wieselgren 478. Iđunn wird, wie Procne, nach einer lesart in eine schwalbe verwandelt, doch ist die gewöhnliche lesart hnot (nufs). die schwalbenjungen werden blind geboren. Dybeck 1845, 67; erblindet ihnen ein junges, so holen sie ein kraut, legen es auf und stellen das auge her. davon rührt der name chelidonium. Dioscor. 2, 211. so auch Megenberg bei schellwurz ( anm. 2918 ). . Die mythische eigenheit des schwans bekundet die sage von den schwanfrauen (s.  354 ) und von des sterbenden thiers gesang Nachtrag: Der schwan heißt ahd. alpiz, mhd. elbez, ags. ylfet, sl. labud. gal. eala, ealadh, ir. ala und eala, welsch alarch, eleirch. ulfa þytr mer þôtti illr vera hiâ söngvi svana . Sn. 27. ylfete song . cod. exon. 307, 6. über den schwan und seinen gesang vgl. s.  362 . Schwartz s. 43. 44. 46. finn. heißt der schwan (joutsen) heiliger vogel, pyhä linu. Kalev. 8, 73. . Auch der storch galt für unverletzbar, gleich den schwalben ist er frühlingsbote; sein dichterischer name muß ins heidenthum zurückreichen, widerstrebt aber noch den deutungen. die ahd. glossen geben odebero (Graff 3, 155) udebero (sumerl. 12, 16) otivaro , odebore (fundgr. 1, 386) odeboro (gl. Troß); mhd. adebar (nur Diut. 3, 453); mnd. edebere (Bruns beitr. 47) adebar (Reinke 1777. 2207); mnl. odevare , hodevare (Rein. 2316. Clignett 191); nnl. ôyevâr ; nnd. êber , äbêr, atjebar; im ags. und nord. nichts ähnliches. bero oder boro ist träger, aber das erste wort, solange man der quantität des vocals unsicher bleibt, läßt sich schwer erklären, zwischen glückbringer (von ôt opes) und kindbringer wäre die wahl, doch das letzte stimmt zu dem noch allgemein herschenden volksglauben, daß der storch die neugebornen kinder zutrage. neben dem alts. partic. ôdan genitus, ags. eáden, altn. auđinn müste sich ein subst. ôd, eád (proles) erweisen und alles wäre in ordnung. der prosaische ausdruck ahd. storah , ags. storc , altn. storkr mag gleich alt sein. nach fries. volksglauben treten wandlungen des storchs in mensch und des menschen in storch ein. ein lied Wolframs 5, 21 versichert, der storch schade den saaten nicht Nachtrag: Der storch heißt in den schlettst. gl. 36, 33 odoboro . Altswert 71 hat otfer , ötdifer . in Niederdeutschland wird er genannt: ådebar langbên, hålebåt langbên, knepper (klapperer) langbên, in Groningen aiber , eiber , in Geldern heiluiver , uiver , sonst auch heilebaot , albaor . Simrock no. 335. 336, heilebate . hor. belg. 7, 27 a . den storch heilbott und otterwehr nennen. froschmeus. Ji VII b . ist es vielleicht auf addjabaira eiträger oder auf addjêbaura eigeborner zu deuten? kl. schr. 3, 147. 164. Outzen s. 1. 2 macht aus adebar frühlingsbote. Estn. name des storchs ist tone kurg, finn. nälkäkurki, hungerreiher? litth. gandras. lett. swehts putns, heiliger vogel und melnsprahklis, schwarzarsch. poln. bocian, böhm. bočan der schwarze storch, poln. czapla, böhm. čáp der weiße storch. dieser letzte heißt auch böhm. bohdal, gottgegeben, dieudonné, in Mähren bogdal, bokdal. vgl. εὐσεβέστατον ζῶον. Aesop. Fur. 76. Babr. 13, 7. Jorn. c. 42 nennt die störche candidae aves. slav. kommt auch dem deutschen wort entsprechend str‘k’. Mikl. s. 87, russ. sterch’, serb. šhtrk vor. ein storch weissagt den untergang der stadt. Jornand. c. 42. Procop 1, 330, rettet seinen vater. Babr. 13. 8. störche sind menschen nach dem spinrockenevang. samst. 16. in auffallender übereinstimmung mit dem angeführten liede Wolframs 5, 21 sagt der storch bei Babr. 13, 5: οὐ σπόρον καταφϑείρω. . Altlat. völkern war der specht heilig, er galt für den vogel des Mars, Ἄρεος ὄρνις; den Sabinern weissagte ein auf hölzerner seule (ἐπὶ κιόνος ξυλίνου) stehender specht im hain bei Matiena 561 (oder Matiera Dion. hal. 1, 14. Reiske p. 40), einst hatte er sie den weg geführt, ὥρμηνται οἱ Πικεντῖνοι δρυοκολάπτου τὴν ὁδὸν ἡγεσαμένου (Strabo V p. 240). für Romulus und Remus, als der wölfin milch nicht genügte, trug er andere nahrung herbei (Ovid. fast. 3, 37. 54 vgl. Niebuhr 1, 245). Nach Virg. Aen. 7, 189. Ovid. metam. 14, 321 war Picus sohn des Saturn, vater des Faunus wenn in der Schweiz der schwarzspecht merzafülli (merzfohlen) heißt (Stald. 2, 199. Tobler 316 a ), erklärt sich das am einfachsten aus dem picus martius; fülli könnte aber auch vögeli sein, also merzvogel oder Martinsvogel, worüber mehr im cap. von dem angang. , und wurde in den vogel verwandelt. Wie unsere dichtung von Beovulf (bienenwolf, d. i. specht) diesem Picus verwandt scheine ist s.  306 angedeutet. In Norwegen heißt der rothhaubichte schwarzspecht Gertrudsvogel und ein märchen bei Asbiörnsen und Moe (no. 2) erläutert seinen ursprung: als unser herrgott mit Petrus auf der erde wandelte, kamen sie zu einer frau, welche saß und buk, sie hieß Gertrud und trug eine rothe haube auf dem kopf. müde und hungrig von dem langen weg bat sie unser herr um ein stück kuchen. sie nahm ein wenig teig und setzte ihn auf, er wuchs so hoch, daß er die ganze pfanne füllte. da meinte sie, der kuchen sei für ein almosen zu groß, nahm weniger teig und begann zu backen, doch auch dieser kuchen erlangte dieselbe größe und sie weigerte ihn wiederum zu geben, nahm zum drittenmal noch weniger teig und da der kuchen dennoch ebenso groß aufschoß, sagte Gertrud, ›ihr müßt ohne almosen gehn, all mein gebäck wird zu groß für euch.‹ Da zürnte unser herr und sprach: ›weil du mir nichts gönnst, sollst du zur strafe ein kleiner vogel werden, dein dürres futter zwischen holz und rinde suchen und nicht öfter trinken, als wann es regnet‹. kaum waren diese worte ausgesprochen, so wandelte die frau sich in den Gertrudsvogel und flog den küchenschornstein hinaus, und noch heute sieht man sie mit ihrer rothen haube, ganz schwarz am übrigen leib, weil die ofenröhre sie schwärzte; beständig hackt sie in die baumrinde nach futter und pfeift gegen das regenwetter, denn sie dürstet immer und hoft zu trinken Gertrud wurde s. 50 . 253 mit Freyja verglichen, und dieser könnte der vogel, wenn schon hier als verwandelter mensch dargestellt, heilig gewesen sein. . Der grünspecht heißt auch gießvogel , östr. gißvogel (Stelzhamers lieder s. 19. 177), goißvogel (Höfer 1, 306), niederd. gütvogel , gietvogel , gütfugel (Ehrentr. 1, 345.) engl. rainbird , rainfowl , weil sein geuß! gieß! giet! lautender ruf regenguß verkünden soll. von ihm ist eine merkwürdige sage verbreitet. als gott der herr, bei erschaffung der welt, durch die thiere einen großen brunnen (teich) graben ließ, enthielt sich dieser vogel aller arbeit, aus furcht sein schönes gefieder (seine gelben füße) zu besudeln. da bestimmte gott, er solle nun auch bis in ewigkeit aus keinem brunnen (teiche) saufen: deshalb sieht man ihn immer nur aus holen steinen oder wagenspuren, in denen sich regenwasser gesammelt hat, mühsam picken. wenn 562 aber lange kein regen fiel und trockne zeit ist, dürstet ihn heftig und ununterbrochen hört man ihn sein ängstliches giet! schreien, und der liebe gott erbarmt sich und gießt regen. (Reusch in den preuß. provinz. bl. 26, 536 aus dem Samland.) Fählmann theilt in den Dorpater verhandl. 1, 42 einen esthnischen mythus mit: gott ließ den Embach graben (oben s.  498 ) und stellte alle thiere ans werk; der pfingstvogel aber flog unthätig von ast zu ast und pfif sein lied. da fragte ihn der herr: hast du sonst nichts zu thun, als dich zu zieren? ›die arbeit‹, antwortete der vogel, ›ist schmutzig, ich kann meinen goldgelben rock, meine silbernen hosen nicht preisgeben‹. ›du kleidernarr‹, rief der herr, ›von nun an sollst du schwarze hosen tragen und deinen durst nie aus dem bach löschen, sondern die tropfen von den blättern trinken und sollst dein lied nur anstimmen, wenn alle andern geschöpfe vor dem nahenden sich verkriechen.‹ Offenbar ist der norweg. Gertrudsvogel , der durstig den regen anpfeift, identisch, und andere erzählungen werden den gießvogel aus der verwandlung eines eiteln, trägen menschen deuten. Zuweilen wird unter gießvogel , gießer , wasservogel , pfingstvogel , regenpfeifer nicht der specht verstanden, sondern eine schnepfe (Höfer 1, 306. 341), deren ruf wiederum auf gewitter deutet (s.  153 ) oder der brachvogel (numenius arquata), franz. pluvier (pluviarius), böhm. koliha , poln. kulig , kullik , niederd. regenwolp , waterwolp (brem. wb. 5, 286). In unsern thierfabeln bleibt sonst der specht ohne rolle, nur in einer alles zusammenhangs entbehrenden erzählung (Reinh. 419) wird er mit dem wolf sich unterredend aufgeführt. Die Wotjaken erzeigen dem baumhackenden specht göttliche ehre, damit er ihren wäldern nicht schade Rytschkows reise durch das russ. reich, übers. v. Hase. Riga 1774 p. 124. . den Serben heißt das geschrei des baumhackenden spechts (zhunja) krain. zuna, poln. böhm. zluwa. böhm. auch wlha, sonst wolga. klitschi, kliknuti, kliktati, gleich dem der vila (oben s.  362 ). baumklopfende spechte zeigen den weg zum fluß (Igorlied 79); die alte sage vom specht und der springwurzel wird in cap.  XXXII erörterung finden Nachtrag: Auch Ovid. met. 14, 314 kennt eine bildseule ›gerens in vertice Picum ‹. über Picus Klausen s. 844. 845. 1141. picus und pica gehören wol zu ποικίλος, buntspecht, oder hängen picus und s-pecht zusammen? gr. πελεκᾶς, specht, eigentlich baumhackel von πελεκάω hacke, πέλεκυς beil. so hat Stald. 1, 263 tannbicker picus martius und litth. wolungē holzhacker heißt der grünspecht. auch litth. genys und serb. shunja sind bezeichnungen des spechtes. der bienenspecht heißt lett. dsennis. dsilna. russ. djatel, poln dzięcioł, böhm. datel specht scheint zu dziécię djtĕ kind gehörig, vielleicht weil er als kindhüter gedacht wurde, wie Picus für Romulus sorgte. für das schweiz. merzafülli kommt im henneberg. auch kurzweg merz vor: der merz hackt dich. Haupts zeitschr. 3, 360. für kliktati, das geschrei des baumhackenden spechts, das auch vom ruf der vila gebraucht wird s.  362 , gilt auch totrkati, pulsare in arbore, ut picus facit. litth. ulbauja wolungē, der specht winselt, klagt. Ukko erschuf den konkelo grünspecht. Peterson 12. Renvall s. v. die spechte sind schatzvögel s.  812 . 813 . nach Kuhn hängt der specht mit dem feuer zusammen. was heißt: hân ich iu den speht erschozzen? Haupts zeitschr. 6, 501. . Die elster (pica) ist ein dem specht (picus) nahstehender vogel. ihr altn. name lautet skađi , nach Biörn masc., schwed. skata , dän. skade was mit der abstracten bedeutung damnum zusammengenommen werden darf, ahd. scado; zu eingang der Völsunga saga begegnet ein mann namens Skađi , welchen F. Magnusen (lex. 699) für die göttin Skađi erklärt. In der flandrischen thiersage hieß die elster ›ver Ave‹, frau Ave. In Poitou dauert noch eine spur des elstercultus fort, auf den gipfel eines hohen baums wird ein strauß von heide und lorbeer der elster zu ehren angebunden, weil sie den einwohnern durch ihr geschrei den nahenden wolf anzeigt: porter la crêpe à la pie. (mém. des antiq. 8, 451.) In altböhmischen liedern ist der sperber (krahui, krahug) ein heiliger vogel und wird im götterhain gehegt (königinh. hs. 72. 563 80. 160). auf den ästen der eiche, die aus dem grabe des erschlagenen sprießt, sitzen heilige sperber, und verkünden geschehnen mord Nachtrag: Der sperber heißt böhm. krahug, krahulec, krahuljk falco nisus, poln. krogulec. Linde 1134 b . ungr. karoly, karvoly. ahd. wannoweho , wannunwuchel loaficus Graff 1, 643, bei Ziemann wannewechel lautet auffallend überein mit lett. wehja wannags sperber, heiliger habicht, denn lith. ist wanagas habicht, wanagelis kleiner habicht. Garg. 279 b hat den ausruf: ir wannenwäher! ein kleiner raubvogel heißt in Schwaben wannenwäher . man läßt ihn gern in häusern nisten und hängt kleine wannen aus, in die er baue, woher der name. man glaubt das haus vor dem einschlagenden blitz sicher, an welchem diese vögel nisten. Mone 7, 429. Frisch 2, 422 hat wanneweihe accipiter tinnunculus und andere formen. liegt in weihe, wîo, wîho milvus der heilige vogel? vgl. wîvo. milvos laedere capitale est nach Leo von Rozmital 40 in England. GDS. 50. Die eule weissagt s.  950 . sie war den Griechen heilig, als nächtlicher siegesvogel der Athene vogel. auch die Indianer verehrten sie. Klemm 2, 164. vgl. auch das esth. tharapila s. 62 ohreule. runen zeichnete man: â nefi uglo Sæm. 196 a wie â arnar nefi. ebenda. über strix στρίγξ s.  873 . . Keinem andern vogel wird aber allgemeiner die gabe der weissagung beigelegt als dem kukuk goths. gáuks? ahd. gouh (Hoffm. 5. 6) ags. geác, altn. gaukr, mhd. gouch MS. 2, 132 b , daneben reduplicierend (wie cuculus) gucgouch MS. 1, 132 a , guggouch MS. 1, 166 a , nhd. gukuk, kukuk, oberdeutsch guggauch, gutzgouch. , dessen laute, gemessene stimme im neubelaubten hain erschallt. Den beginn des lenzes drückt im altdeutschen recht die formel aus ›wann der gauch guket ‹ (RA. 36), wie nach Hesiods hauslehren der rufende kukuk die zeit des fallenden saatregens verkündet. Zwei alte lieder schildern des frühlings und winters wettstreit über den kukuk, und der hirten klage um ihn: der frühling preist, die tarda hiems schilt den vogel, hirten stellen ihn als geraubt oder ersäuft dar, merkwürdig ist die zeile: tempus adest veris, cuculus modo rumpe soporem beide eclogen in Dornavii amphitheatrum 456. 457, wo sie dem Beda zugelegt sind, ein gleiches geschieht bei Leyser p. 207, nach welchem sie zuerst in der frankf. ausg. der ovidischen amatorien von 1610 p. 190 gedruckt worden sein sollen. indessen theilt Oudin (de scrip. eccles. 2, 327. 328. ed. lips. 1722) den conflictus veris et hiemis mit unter dem namen des Milo sancti Amandi elnonensis monachus (aus der ersten hälfte des 9 jh.) und das zweite gedicht de morte cuculi findet sich in Mabillons anal. 1, 369 als Alcuini versus de cuculo. Immerhin fallen beide in das 8 oder 9 jh.; in corruption der penultima von cuculus stimmen sie zu Reinardus 3, 528. den conflictus haben auch Hoffm. horae belg. 6, 236 wieder aufgenommen. . Er kündigt durch seinen ruf die lieblichste zeit des jahres an, daß er den menschen weissage wird hier nicht gesagt. das jahr verkünden (jahr bieten) schreibt auch der ags. cod. exon 146, 27 diesem vogel zu: › geácas gear budon‹, cuculi annum nuntiavere. Noch jetzt aber dauert der volksglaube, wer im frühling zum erstenmal das schreien des kukuks vernehme, könne von ihm die zahl seiner übrigen lebensjahre erfragen (abergl. 197 . schwed. 119 . dän. 128 . 146 ). in der schweiz rufen die kinder › gugger , wie lang lebi no?‹ in Niedersachsen: kukuk vam häven, wo lange sall ik leven? und dann gibt man acht und zählt: wie vielmal der vogel nach der anfrage ruft, soviel jahre sind dem fragenden übrig zu leben (Schütze holst. idiot. 2, 363). In andern gegenden Aegid. Albertini narrenhatz, Augsb. 1617 p. 95: inmassen jencm allen weib beschehen, welche einen guguck fragte, wie vil jar sie noch zu leben hette? der guguck fieng an fünfmal guguck zu singen, da vermainte sie daß sie noch fünf jar zu leben hette u. s. w. aus schimpf und ernst c. 391. lautet der spruch: kukuk , beckenknecht, sag mir recht, wie viel jahr ich leben soll? auch neugriechisch: κοῦκο μου, κοῦκάκι μου, κι ἀργυροκουκάκι μου, πόσους χρόνους ϑὲ νὰ ζήσω; 564 der vogel, wird erzählt, sei ein verwünschter becker oder müllerknecht, und trage darum fahles, mehlbestaubtes gefieder. in theurer zeit habe er armen leuten von ihrem teig gestolen, und wenn gott den teig im ofen segnete, ihn herausgezogen, bezupft und jedesmal dabei gerufen ›gukuk!‹ (ei sieh!), darum strafte ihn gott der herr und verwandelte ihn in einen raubvogel, der unaufhörlich dieses geschrei wiederholt vgl. Praetorius weltbeschr. 1, 656. 2, 491. . Gewis wurde die sage, die uralt sein mag und der vom specht (s.  561 ) gleicht, früher ganz anders erzählt. vgl. cap.  XXII Plejaden. mit jener theuerung kann zusammenhängen, daß des kukuks ruf, wenn er noch nach Johannis vernommen wird, theuerung bedeute (abergl. 228 ). In Schweden weissagt er ledigen mädchen, wie viel jahre sie unverheiratet bleiben sollen: gök , gök , sitt på quist säg mig vist, hur många år jag ogift går? ruft er öfter als zehnmal, so sprechen sie, er sitze ›på galen quist ‹, auf einem närrischen (verzauberten) zweige, und achten seiner prophezeiungen nicht. Auch soll auf die himmelsgegend viel ankommen, aus welcher man den kukuk zuerst hört. man muß im frühling genau acht geben: hört man ihn von norden (d. h. der unglücklichen seite), so wird man des jahrs trauer haben, von osten und westen bedeutet sein ruf glück, von süden her ist er der butterausrufer: › östergök är tröstegök, vestergök är bästagök, norrgök är sorggök, sörgök är smörgök‹ Arndts reise durch Schweden 4, 5–7. die schnepfe heißt schwed. horsgjök , altn. hrossagoukr (rossekukuk) und auch sie hat die gabe des weissagens (oben s.  153 ). . In Goethes frühlingsorakel verkündet der prophetische vogel einem verliebten paar nahende hochzeit und zahl der kinder. Auffallend genug, daß unsere liederdichter des 13 jh. den kukuk nicht wahrsagend einführen, die sache war ohne zweifel damals allgemein bekannt, denn auch im Renner heißt es 11340 daz weiz der gouch , der im für wâr hât gegutzet hundert jâr . Caesarius heisterbac. 5, 17: narravit nobis anno praeterito (? 1221) Theobaldus abbas eberbacensis, quod quidam conversus, cum nescio quo tenderet et avem, quae cuculus dicitur a voce nomen habens, crebrius cantantem audiret, vices interruptionis numeravit, et viginti duas inveniens, easque quasi pro omine accipiens pro annis totidem vices easdem sibi computavit : ›eia‹ inquit ›certe viginti duobus annis adhuc vivam, ut quid tanto tempore mortificem me in ordine? redibo ad seculum, et seculo deditus viginti annis fruar deliciis ejus, duobus annis, qui supersunt, poenitebo‹. Im couronnemens Renart vernimmt der fuchs des vogels stimme und legt ihm die frage vor: 565 a cest mot Renart le cucu entent, si jeta un faus ris, ›jou te conjur‹, fait il ›de cris, 215   cucus, que me dies le voir, quans ans jai à vivre? savoir le veil‹ hier scheint eine zeile zu mangeln, worin gesagt ist, daß der vogel seinen schrei beginne, en preu cucu, als kluger kukuk, fugl frôđhugađr. , cucu, en preu cucu, et deus cucu, et trois cucu, quatre cucu, et cinc cucu, 220   et sis cucu, et set cucu, et uit cucu, et nuef cucu, et dis cucu, onze cucu, duze cucu, treize cucu. atant se taist, que plus ne fu 225   li oisiaus illuec, ains s'envolle; erfreut bringt Renart seiner frau die nachricht, daß ihm der vogel noch ›treize ans d'aé‹ zugesprochen habe Nachtrag: Der kukuk weckt, wenn er seinen eignen namen ausruft, freude. darum heißt er finn. ilokäki freudenkukuk. Kalev. 14, 226, munaiset käkeni. ebenda 5, 196. 197 (wie im schwed. tröstegök ), jedoch auch kummerkukuk . Castréns reise 292. sechs goldkukuke, kuus on kullaista käkeä. Kalev. 14, 31. die sonne steigt auf wie ein goldner kukuk 27, 265. finn. käki, lapp. jäkä, syrjän. kök. skr. kôkila. Pott zählmeth. 229. bemerkenswerth ist noch der ausruf heidaguguk! schulmeisterswahl 50. 51. 83. unerklärt ist die ahd. bezeichnung fols für kukuk. Graff 3, 517. über den kukuk s. Reusch n. preuß. prov. bl. 5, 321–343, über den gucker s. Leoprechting s. 79. Ein lied des frühlings mit dem kukuk und des winters mit der eule führt Shakespeare am schluß von Loves labour's lost an. er ist der hüter des sommers: svylce geác mônađ geomran reorde singeđ sumers veard, sorge beodeđ . Er weissagt ledigen mädchen vgl. Runa 1844 s. 10. waz der kukuk hiure sanc. Mones schausp. 131. . Vielleicht ist der kukuk unter dem zîtvogel gemeint, von dem es Ms. 1, 88 a heißt: ›diu vröide vlogzet gelîch dem zîtvogel in dein neste‹. wenigstens führt mich darauf eine stelle des Plinius, die überhaupt hieher gehört, im aequinoctium vernum soll der landmann alle verspäteten arbeiten schnell vornehmen: ›dum sciat inde natam exprobrationem foedam putantium vites per imitationem cantus alitis temporarii , quem cuculum vocant. dedecus enim habetur opprobriumque meritum, falcem ab illa volucre in vite deprehendi, ut ob id petulantiae sales etiam cum primo vere ludantur‹. Die freude über des kukuks ersten ruf drückt ein schweizerischer spruch (Tobler 245 b ) so aus: wenn der gugger chond gegugga ond s merzaföli lacht, denn wötti gad goh lo, 'swit î koh möcht, man wähnt, daß er nie vor dem dritten april und nie nach Johannis rufe: am dretta abarella moß der gugger grüena haer sbhcnella; er könne aber nicht rufen, eh er ein vogelei gefressen habe. hat man, wenn sein ruf zuerst erschallt, geld im sack, so reicht man das ganze jahr gut aus, hat man aber keins im sack, so mangelt es das ganze jahr (abergl. 374 ), und war man nüchtern, muß man das ganze jahr hungern. wenn der kukuk dreimal satt kirschen gegessen hat, hört er auf zu singen. weil des kukuks ruf um Johannis verstummt, nimmt der volksglaube an, daß er sich nach dieser zeit in einen habicht wandle . Reusch n. pr. prov. bl. 5, 338. 339. Den Polen heißt der vogel 'ze'zula, den Böhmen žežhule (beidemal fem.). in der altpoln. chronik des Prokosz kronika polska przez Prokosza. Warsz. 1825 und lateinisch chronicon slavosarmaticum Procosii. Varsav. 1827; angeblich aus dem 10 jh. Ein so hohes alter kommt ihr nicht zu, aber Dobrowsky (wien. jb. 32, 77–80) geht zu weit, wenn er sie ganz für erdichtung ausgiebt; es liegen ihr auf jeden fall alte überlieferungen zum grunde. , p. 113 der lat. 566 ausg., findet sich folgende merkwürdige erzählung von dem cultus des slav. gottes Zywie: divinitati Zywie fanum exstructum erat in monte ab ejusdem nomine Zywiec dicto, ubi primis diebus mensis maji innumerus populus pie conveniens precabatur ab ea, quae vitae zywy lebendig, zywie das leben erhalten, nähren. auctor habebatur, longam et prosperam valetudinem. Praecipue tamen ei litabatur ab iis, qui primum cantum cuculi audivissent , ominantes superstitiose, tot annos se victuros , quoties vocem repetiisset. Opinabantur enim supremum hunc universi moderatorem transfigurari in cuculum , ut ipsis annuntiaret vitae tempora: unde crimini ducebatur, capitalique poena a magistratibus afficiebatur qui cuculum occidisset. Hier ist der weissagende vogel ein verwandelter gott , wie er in jenem sächsischen reim kukuk › vam häven ‹ hieß. Den serbischen haiduken bedeutet es unheil, wenn die kukavitza früh erscheint und aus dem schwarzen walde ruft; aber glück, wenn sie aus grünem walde schreit (Vuk s. v.). Im eddischen Grottasang wird den malmägden nicht länger ruhe und schlaf gestattet, als während der kukuk schweigt (enn gaukrinn þagđi). Er kann glück und unglück weissagen; man soll sich gegen ihn (wie gegen andere zaubervögel, eule und elster) mit worten und fragen hüten, daß man sich nicht verstricke Arndt a. a. o. 3, 18. . Ihn ohne ursach zu tödten bringt gefahr, sein anhang könnte es rächen. Er vermag die menschen zu necken ; zu bethören , das nennt der schwedische aberglaube dåra , der dänische gante . In einem mhd. gedicht (fragm. 38 b ): peterlîn und louch hât begucket mit der gouch . Sein erscheinen ist oft böser vorbedeutung. Paulus Diac. 6, 55 meldet von dem langobardischen könig Hildeprand: cui dum contum, sicut moris est, traderent, in ejus conti summitate cuculus avis volitando veniens insedit . tunc aliquibus prudentibus hoc portento visum est significari ejus principatum inutilem fore. Nachtrag: Zitefogel ist n. propr. Mones anz. 3, 13. der bauern zeitvogel ist der rabe. Kalenberger p. m. 284. 287. vom kukuk singt das volk in Wiltshire: The cuckoo's a fine bird, she sings as she flies, she brings us good tidings and tells us no lies. She sucks the small bird's eggs to make her voice clear; and the more she sings: ›Cuckoo!‹ the summer draws near. The cuckoo comes in april , stays the month of may, sings a song at midsummer, and then a goes away. ein ukrain. lied vom kukuk bei Bodenstedt 57. nach einem deutschen liede des 16. jahrh. hat sich der kukuk zu tod gefallen von einer hohen weide. wie den Polen, war der kukuk auch den Neuseeländern ein gott (catua). Klemm 4, 371. Wie jene slavische allernährende lebensgottheit gestalt des kukuks an sich nimmt, hat sich auch der griech. Zeus in ihn verwandelt , als er zuerst der Here naht. Der göttin sitzendes bild zeigt einen kukuk auf dem stab , ein die hochzeitsprocession des Zeus und der Here vorstellendes basrelief läßt auf des Zeus (wie auf jenes langobardischen königs) zepter einen kukuk sitzen Welcker zu Schwenk 269. 270; sonst sitzt da ein adler . Kann die gestalt des kukuks und adlers nicht deutlich geschieden werden, so nennt auch noch heute das volk in Baiern den preußischen adler scherzweise gukezer (Schm. 2, 27). ; 567 dieser vogel ist also in die vorstellung der heiligsten ehefeier verflochten, man begreift, warum er verheiratung und ehesegen weissagt. Der berg aber, auf welchem Zeus und Here zusammenkamen, früher Θρόναξ (von ϑρόνος, sitz des donnerers? vgl. oben s.  152 ) oder Θόρναξ geheißen, erhielt nachher den namen ὄρος κοκκύγιον Pausanias II. 36, 2. . Kukuksberge haben wir nun auch in Deutschland, z. b. unweit Kreuznach liegt ein Gauchsberg (Widders Pfalz 4, 36), ebenso bei Durlach und Weinsberg (Mones anz. 6, 350), in der Schweiz ein Guggisberg (Joh. Müller, 1, 347. 2, 82 Tschachtlan p. 2), Göckerliberg (Km. no. 95); die benennung würde sich ganz natürlich aus dem rufen des vogels, das vom berg her vernommen wird, erklären, wenn nicht auch noch andere überlieferungen damit zusammenhiengen. Freidank 82, 8 und fast ebenso Bonerius 65, 55 wîsiu wort unt tumbiu werc diu habent die von Gouchesberc ; hier werden die leute vom Gauchsberg als weise redend aber einfältig handelnd dargestellt, Gauchsberg ist gleichviel mit Narrenberg daher auch ein andermal dafür gesetzt wird Affenberc (Docens misc. 2, 187), Affenberc und Narrental MsH. 3. 200 b ; Affental das. 213 a , Winsbeke 45, 7. und Renner 16469. Apenberg und Narrenberg in der plattd. Narragonia 77 b , 137 b ; Eselsberc Diut. 2, 77. Thiere, welchen schon die alte sprache dummheit beimißt, sind ochs, esel, affe, bock, gans, gauch und heher. viđ ôsvinna apa Sæm. 25 b . âttrunnr apa Sæm. 55 b . N. ps. 57, 11 hat ruoh (stultus) d. i. hruoh, ags. hrôc (graculus, gramm. 3, 361). . schon im zehnten jh. hat gouh die nebenbedeutung von narr (N. ps. 48, 11. 93, 8. urheizkouh N. Bth. 175, kriegsnarr), und so überall im dreizehnten (Walth. 22, 31. Trist. 8631. 18215), obgleich gewöhnlich noch ein adj. oder ein gen. pl. beigefügt steht: ich tumber gouch MS. 1, 65 a tumber denn ein gouch Troj. 8126 tumber gouch Barl. 319, 25 gouch unwîse Barl. 228, 32 sinnelôser gouch 319, 38. der treit gouches houbet MsH. 3, 468 g , rehter witze ein gouch MS. 2, 124 b , der mære ein göichelîn Ben. 209, wo auch das augmentativ gouchgouolt. Altn. gaukr zugleich arrogans morio. H. Sachs verwendet einigemal Gauchberg weit häufiger Schalksberg , in der redensart ›in den schalksperg hawen‹ I. 5, 524 a . III. 3, 28 d . 54 b . IV. 3, 20 d . 31 c . 40 a , deren ursprung ich nicht kenne. in Franken wächst Schalksberger wein. Henricus dictus de Scalkesbergh . Spilker 2, 148 (a. 1268). in gleichem sinn, II. 4, 110 d (Kempten II. 4, 220 a ) ausz. von Göz 1, 52. Dennoch mag bei Gauchsberg ursprünglich an den vogel selbst in einer uns jetzt verdunkelten ominosen bedeutung gedacht worden sein wen nach anderer auslegung verlangt, der findet sie reichlich in Mones anz. 6, 350 ff.: Gouchsberg ist Kaukasus, wie Elberich geist des Albordsch, diabolus der pers. div. Nachtrag: Auf den zeptern der ägyptischen götter sitzt der kukuphakopf . Bunsen 1, 435. vgl. das bild 315. 591 mit dem kukuphazepter, Pindar. Pyth. 1, 10 ἀνὰ σκάπτῳ Διός und die var. der Edda hafn. 2, 202 Gûngnis ugla. die tafeln zu Pertz scr. 8 zeigen auf dem zepter der deutschen könige Heinrich IV. und V. einen vogel sitzend . nach Lanc. 30791 ist ein adler auf Arturs zepter. er ist der vogel der ehe und der fruchtbarkeit, deshalb werden ihm zehn weiber zugeschrieben. Firmenich 2, 243 a . für Notkers ruoh ps. 57, 11 hat Graff 4, 1150, wie auch Hattemer kouh . ein Gauchsperk in Tirol. urbar. august. a. 1316. MB. 34 b 360. Gögeleberg . Panzer beitr. 1, 28. Gogglesberg . Steub Rhätien. 47. der Schweizername Guggenbühler setzt Guggenbühel voraus. Giegenberg in der hohen Rhön und bei Hersfeld. hess. zeitschr. 1, 245. vgl. Tumbo saz in berge = Stupidus in monte sedebat = riese. Henn von Narrenberg . Seb. Brant p. m. 131. ein Affenberg unweit Nürnberg. Ettn. unw. doct. 698. Affenberg heißt ein hügel auf afrikanischem boden Gibraltar gegenüber. ausland 1857, 1191 a . über affenberg, schalksberg s. kl. schr. 2, 147. gen dem affental ûzwaten. Hadamar 444, 4. der affen zît . fragm. 14 a . . Der kukuk steht auch sonst in üblem ruf, er gilt für einen ehbrecher, der seine eier in fremde nester lege, weshalb den Römern cuculus gleichviel mit moechus war (Plautus, schlußscene 568 der Asinaria, zweimal) und in unserer sprache vor alters gouch , göuchelîn unechtes kind, bastard ausdrückt (Nib. 810, 1. Aw. 1, 46). in der schweiz heißt gugsch ein ungebetener nebenbuhler bei der liebsten. Ja er erscheint als teuflisches thier oder als teufel selbst in den allgemein hergebrachten redensarten: daß weiß der kukuk! des kukuks werden, der kukuk hat ihn hergebracht, und ähnlichen, wo überall, mit gleicher bedeutung, teufel gesetzt werden könnte. Dies scheint mir auf alte, heidnische traditionen hinzuweisen, denen allmälich erst der teuflische anstrich gegeben wurde; dahin zähle ich auch die in Niedersachsen verbreitete formel ›der kukuk und sein küster ‹. unter diesem küster wird, nach brem. wb. 2, 858, der wiedhopf gemeint, ein vogel, der gleichfalls durch verwandlung seine gestalt erhalten haben soll. näher vermag ich die fabel vom kukuk und wiedhopf nicht anzugeben, singt dieser jenem vor? nach Döbel I 1, 68 ist der wiedehopf des kukuks lakai, weil er im frühjahr mit ihm kommt und im herbst mit ihm geht Nachtrag: Der kukuk gilt für einen geizhals , der im frühling, wenn das laub ausbricht, sich daran nicht satt zu essen getraut, weil er fürchtet, daß ihm nicht genug bleibe. sô der gouch daz êrste loup gesiht, sô getar er sichs gesaten niht, er vürht es im zerinne.   Freid. 88, 3. ausführlicher im welschen gast 114 a . vgl. Freid. LXXXVII. Skr. heißt der kukuk: ab alio nutritus . Bopps gl. 209 b . gothl. gaukpigä , en fågel som tros ligga ut gökens ägg. Almqv. 425 b . er frißt der graßmücke eier und legt ihr seine ins nest. Freidanc 143, 21. 144, 1–10. diese annahme ist in der naturgeschichte begründet. Döbel 1, 60. Schuberts lehrb. p. m. 315. Eckermanns gespr. mit Göthe 3, 211–215. wenn er ausgewachsen ist, soll er seine (pfleg)eltern verschlucken; ebenda 208, und winters wird er ein raubvogel. schon in älteren redensarten erscheint er als teufel: kukuk hiure unde vert! Helbl. 4, 800. des wirt guot rât, kukuk! 8, 1234. die dienende stellung beim kukuk nimmt statt des wiedehopfs der drehhals ein, finn. käen piika, cuculi ancilla, nach Renvall jynx torquilla, nach Juslen curruca. der drehhals soll nach Nemnich s. v. jynx dem kukuk 14 tage voraus gehn. schwed. göktyta, welsch gwas y gog, diener des kukuks. Rohrdommel und wiedehopf waren vormals kuhhirten. Lisch meklenb. j. 5, 77. der kibitz , kivit , der im märchen vom machandelboom vorkommt, heißt bei Stalder 1, 448 giritz . im giritzeried fliegen verwandelte jungfrauen. sagen vom lapwing in Nares glossary s. v. Polytrichum comm. heißt finn. käen petkel (cuculi securis), gauchheil, das nicht bei Graff steht und sonst auch hünerdarm, morsus gallinae genannt wird, heißt mnl. guychelhoyl . Mone 6, 448. . Von dem kibitz gehen ähnliche sagen und redensarten. Der schaum auf weiden, den die cicada spumaria hervorbringt, heißt kukuksspeichel , schweiz. guggerspeu , engl. cuckowspit, cuckoospittle, dän. giögespyt , anderwärts hexenspeichel, norweg. troldkiäringspye sommersprossen, bairisch gugkerschegken , kukuksflecken. Schm. 2, 27, vgl. Höfer 1, 337. , also auch hier berührung des vogels mit zauberischem wesen, man entsinnt sich dabei des vogelspeichels (fugls hrâki), der nach Sn. 34 mit zum band Gleipnir gebraucht wurde. Einige pflanzennamen versichern uns seiner mythischen natur. acetosa: ahd. gouchesampfera , schweiz. guggersauer , ags. geâcessûre , dän. giögemad , giögesyre , man glaubte, daß er sie gern fresse; nhd. kukuksbrot , gauchlauch , franz. pain de coucou , panis cuculi. wiesenkresse: kukuksblume , gauchblume , flos cuculi. anagallis: gauchheil u. s. w. guckgauchdorn Fischart geschichtskl. 269 a . Den Slaven hat der vogel, den sie stets weiblich vorstellen, nichts böses, nichts teuflisches. zezhulice klagt auf der eiche über des frühlings vergänglichkeit (königinh. hs. 174). Die serbische kukavitza war eine jungfrau, welche ihres bruders tod so lange beweinte, bis sie in den vogel verwandelt wurde; ›sinja kukavitza‹ (die graue) Vuk 3, 66; drei frauen in kukavitzen gewandelt, Vuk 1, no. 321. auch in kleinrussischen liedern vogel der trauer und schwermut, und russische volkssagen lassen wiederum ein junges mädchen durch eine zauberin verwandelt werden (Götzes serb. lieder s. 212). Von den kleinen vögeln wurde der schwalbe schon s.  560 gedacht. an frau nachtigall erinnern die minnesänger oft, aber der mythus, daß sie ihre todtgebornen kinder lebendig singe, scheint nicht deutschen ursprungs. lerche und galander werden in der thiersage öfter aufgetreten sein, als wir jetzt wissen, vom zaunkönig , ags. vrenna, engl. wren, gehn schöne märchen. doch 569 sind noch zwei vöglein anzuführen, die mir vor alters in hoher heiligkeit gestanden zu haben scheinen: rothkelchen und meise. Dem rothkelchen (engl. little Robin redbreast) soll niemand sein nest stören, sonst schlägt das wetter ins haus; den blitz zieht das nest des rothschwänzchens heran. letzteres heißt in der Schweiz husrötheli , plagt oder nimmt man es aus, so geben die kühe rothe milch (Tobler 281). waren sie dem Donar heilig, dem rothbärtigen? und geht darauf die rothe farbe der kehle und des schweifs? man sagt, das rothkelchen trage blumen und blätter auf das gesicht eines erschlagenen, den es im walde finde. that es das im dienste eines gottes, der nicht litt, daß man ihm schaden zufüge? Von der kleinen meise ahd. meisâ, ags. mâse, nnl. mêze, franz. mesange, altfranz. mesenge, engl. titmouse (s. titmose). , die er gevatterin nennt, muß sogar Reinhart sich überlisten lassen. in welchem ansehn dieses waldvöglein stand lehren die weisthümer, welche auf seinen fang die höchste buße setzen: item si quis sibilando vel alio modo volucrem illum ceperit, qui vulgo meise nuncupatur, banni reus erit. jura archiep. trever. in Lacombl. arch. 326; si quis auceps hanc silvam intraverit, pro nullo genere volucrum componet, nisi capiat meisam que dicitur banmeisa , et pro illa componat 60 sol. tanquam pro cervo. ibid. 367; wer da sehet ein bermeisen , der sal geben ein koppechte hennen und zwelf hunkeln und sechzig schilling pfenning und einen helbeling. Dreieicher wildbann (weisth. 1, 499); wer eine kolmeise fienge mit limen ader mit slagegarn, der sal unserme herrn geben eine falbe henne mit sieben hünkeln. (Rheingauer w. 1, 535); wer ein sterzmeise fahet, der ist umb leib u. guet und in unsers herrn ungnad. Creuznacher w. (2, 153.) Der grund dieser gesetze entgeht uns, offenbar achtete man den vogel für heilig und unverletzlich. dazu stimmt aber vollkommen, daß noch die heutigen Letten dies von ihnen sihle litth. z'yle, z'yléle; poln. sikora, böhm. sykora, russ. zinika, slov. seniza, serb. sjenitza. vielleicht ist der lett. name von sinnaht, der litth. von z'ynoti scire zu leiten, und die volle form wäre sinnele, z'ynle, der kluge wissende vogel? auch der heher heißt lett. sihls. den schwedischen Lappen bezeichnet taitne nicht bloß specht, sondern auch abergläubische weissagung, tajetet ist verstellen. erwäge ich das, so scheint unser specht einem verlornen stamme spihan, spah, spâhun angehörig, wovon spëhôn explorare u. spâhi sapiens, prudens. genannte vöglein für weissagend und glückbringend halten, und selbst ein wahrsager ihnen sihlnecks heißt mag. der lett. lit. gesellsch. Mitau 1838. 6, 151. . auch die span. benennung der meise cid (d. i. herr) oder cid paxaro (herr sperling) ist zu erwägen. meise, zaunkönig und specht (bienenwolf) mengen sich im volksglauben, es gilt dem allerkleinsten, zierlichsten vogel Nachtrag: Die den Syrern heilige taube heißt skr. kapôta und prîtu. gr. περιστερά. lat. columba, palumba, slav. golub. litth. karwélis, balandis, vgl. s.  690 . 691 . 950 . kl. schr. 5, 445 ff. fremd redende frauen wurden nach Herod. 2. 57 tauben genannt. Die singenden vögel hießen wol: waltsinger . Geo. 5849 und ihrer freude und noth wurde gedacht s.  626 . 629 . die nachtigall galt für einen boten der Maria. Leoprechting 79. von der lerche heißt es: some say, the lark and loathed toad change eyes. Romeo 3, 5. der zaunkönig , litth. nyksztélis däumling und zaunkönig, welsch dryw, druid und zaunkönig, frz. roitelet, heißt petite poulette au bon dieu. Bosquet 220. 221. das gestörte rothkehlchen bringt das wetter ins haus. Bosquet 221. das rothkehlchen trägt blätter auf das gesicht eines erschlagenen. Hones yearbook 64. über das rotschwänzl Leoprechting 80. Das meislin hat einen besondern engel. Kaisersb. brosäml. 19 c . die jagd auf die baummeise wird schwer bestraft. weisth. 1, 465. das finn. tiainen , estn. tihhane ist hilfreich und versteht bierbrau. Schiefner finn. märchen. 614. Kantel. 1, 110. Eine sage vom weißen sperling überliefert Rommels hess. gesch. 4, 710 aus Winkelmanns chron. s. 585. Über den eisvogel s. Gefken beil. 113. . Schlangen scheinen durch die schönheit ihrer form, die gefahr ihres bisses vor andern thieren scheu und ehrfurcht zu gebieten; eine menge sagen erzählt von vertauschung der gestalt zwischen menschen und schlangen: hierin liegt fast untriegliches zeichen 570 des cultus. wesen, die aus menschlicher in thierische bildung übergegangen sind und den umständen nach in jene zurückkehren können, ist das heidenthum heilig zu halten geneigt, es verehrte gütige, wolthätige schlangen, während in der christlichen ansicht der begrif böser und teuflischer schlangen vorwaltet. Dieselbe vita Barbati, der wir kunde des langobardischen baumcultus verdanken (s.  541 ), meldet zugleich von einer schlangenverehrung: bis vero diebus quamvis sacra baptismatis unda Langobardi abluerentur, tamen priscum gentilitatis ritum tenentes, sive bestiali mente degebant, bestiae simulachro , quae vulgo vipera nominatur, flectebant colla , quae debite suo debebant flectere creatori . . . . . . . . practerea Romuald ejusque sodales, prisco coecati errore, palam se solum deum colere fatebantur, et in abditis viperae simulachrum ad suam perniciem adorabant . Barbatus in des königs abwesenheit ersucht Theodorada, Romualds gemahlin, ihm das schlangenbild zu verschaffen. illaque respondit: ›si hoc perpetravero, pater, veraciter scio me morituram‹. er läßt aber nicht ab und bewegt sie endlich; sobald das bild in seinen händen ist, schmelzt er es ein und übergibt die masse goldschmieden, um schüssel und kelch daraus zu fertigen wie aus dem gold der schwanringe näpfe geschmiedet werden, und das gold dem schmiede wächst, das er über behält. . Aus diesen goldgefäßen wird dem könig nach seiner heimkehr das christliche sacrament gereicht, und Barbatus gesteht ihm, daß das kirchengeräth aus dem eingeschmolznen bild geschmiedet sei. repente unus ex circumstantibus ait: ›si mea uxor talia pepetrasset, nullo interposito momento abscinderem caput ejus‹. Aus der andern vita gehört noch diese stelle hierher: quin etiam viperam auri metallo formatam summi pro magnitudine dei supplici devotione venerari videbantur. unde usque hodie, sicut pro voto arboris votum , ita et locus ille census , devotiones gedruckt steht: locus ille census devotionis, ubi viperae reddebantur. ubi viperae reddebantur, dignoscitur appellari. Über votum habe ich mich s.  542 erklärt, census drückt das goth. gild , gilstr , ahd. këlt , këlstar aus (oben s.  31 und RA. 358). beide wörter votum und census zeugen nicht wenig für die echtheit und das alter der lebensbeschreibung. Hier haben wir nun ein merkwürdiges beispiel eines aus gold geschmiedeten götzenbilds und wiederum das bestreben des bekehrers, den heiligen stof beizubehalten, aber in christliche form umzugestalten. Welches höhere wesen die Langobarden sich unter der schlange vorstellten? ist kaum sicher zu bestimmen, nicht die alles umschlingende weltschlange, den midgarđsormr, iörmungandr der nordischen mythologie, denn keine spur verräth, daß dieser im Norden selbst, geschweige anderswo, bildlich dargestellt und verehrt wurde. Ofnir und Svâfnir sind altn. schlangeneigennamen und Ođins beinamen (vgl. s.  119 ), unter dem summus deus der Langobarden wäre also an Wuotan zu denken? doch die 571 eigenthümlichen verhältnisse ihres schlangencultus entgehn uns gänzlich. Wenn der ausdruck vipera, wie ich nicht zweifle, mit bedacht gewählt ist, kann nur eine kleinere schlangenart (coluber berus), ahd. natara , ags. nädre , altn. nađra (aber goth. nadrs, altn. nađr auch masc.) verstanden werden, wiewol das simulacrum, aus dessen gold sich schüssel und kelch schmieden ließen, falls es nicht wuchs, auf bedeutendere größe hinweist. Die langobardische sage erzählt aber sonst noch von schlangen, und gerade von kleinen. im heldenbuch wird der kampf eines feuerspeienden thierleins am Gartensee (lago di Garda) mit einem löwen und Wolfdieterich, denen beiden es zu schaffen macht, geschildert: nun hörent durch ein wunder, wie das tierlein ist genant: es heißt zu welsch ein zunder , zu teusch ein saribant , in Sittenland nach eren ist es ein vipper genant, und weiter folgt, daß immer nur zwei solcher vipern leben, indem die jungen bald nach der geburt ihre eltern auffressen. dies stimmt nahe zu den angaben im physiologus (Diut. 3, 29. 30. Hoffm. fundgr. 28). zunder weiß ich aus keiner italienischen mundart zu erklären, saribant ist das mhd. serpant Trist. 8994. Sittenland halte ich für Walliserland, dessen hauptstadt Sitten, hier konnte leicht das romanische vipera im gebrauch bleiben (graubündn. vipra, vivra). Im Jura heißt eine geflügelte unsterbliche schlange mit diamantnem auge vouivre (vipera). mém. des antiq. 6, 217. diese schlange heißt in der Schweiz stollenwurm (Wyß reise ins Berner oberland s. 422), im Salzburgischen birgstutze (Schmeller 1, 196). Nachtrag: Von verwandlung in schlangen erzählen viele märchen. die von der schlange abgestreifte haut heißt senectus serpentium oder serpentis bei Plinius und Marcellus no. 46 (kl. schr. 2, 134. 150). womit übereinstimmt das altn. ellibelgr von elli senectus z. b. at kasta ellibelgnum = vernare. eine schöne sage von der schlange steht bei Klemm 2,162. 163, sie lebt ewig, ebenda 2, 154. Geheimnißvoll ist ihr erscheinen, wie ihr verschwinden, des slangen sluf . Freid. 128, 7. im skr. heißt die schlange die schleichende, windendgehende, auf der brust gehende, uraga. Bopp 52 b . vgl. Genes. 3, 14. das indische schlangenopfer dauert jahre lang und nöthigt alle schlangen herbeizukommen und sich ins feuer zu stürzen. Holtzmann 3, 172. 173. 186. 188. eine heilige schlange war im Parthenon zu Athen der göttin, der alle tage ein honigkuchen dargebracht ward. Herod. 8, 41. auch den Römern waren die angues heilig. Klausen s. 1014. einen caduceus mit schlangenbild erwähnt Plin. 29, 54 (Sillig). schlangenbilder finden sich auf den Stuttgarter todtenbäumen. eine schlange auf dem helm hieß ezidemôn . Beneke s. v. ezidemon daz edel kunder. Tit. 3311. Lohengr. s. 12, wo auch von seiner friedelinne die rede ist. der name ist zu erklären aus agathodaemon, der ägyptischen wunderschlange kneph. Gerhard in acad. ber. 1847. s. 203. neben saribant und serpant kommt im Parz. 50, 5. 68, 8. ein sarapandratest , schlangenkopf vor. wie Ofnir und Svâfnir sowol altn. schlangeneigennamen, als auch Ođins beinamen sind, so ist auch Hermes dem agathodämon nah verwandt. Gerhard a. o. 204. auch haben göttliche, von Ođinn stammende helden die schlange im auge s.  324 . Schlangen lecken dem schlafenden Melampus die ohren , und beim erwachen versteht er die stimme der vorbeifliegenden vögel, und von nun aller thiere, die dem menschen zukunft verkünden. auch der weissagenden Cassandra und dem Helenus wurden die ohren von schlangen ausgeleckt. Von hausschlangen und unken mhd. unk , unkes . MS. 2, 209 b . 206 a : von kupfer scheidet man daz golt mit eines unken eschen (cinere); darum hieß ein alchymist unkenbrenner (Felix Malleolus de nohilitate et rusticitate cap. 30). Unter unke wird eigentlich die rana portentosa, oft aber auch schlange allgemein verstanden. das volk nennt sie (gleich der wiesel) schmeichelnd mümelein , müemel . Schm. 2, 576. gehen noch jetzt viel überlieferungen. Auf wiesen und weiden, auch in häusern kommen schlangen zu einsamen kindern, saufen mit ihnen milch aus der schüssel, tragen goldkronen , die sie beim milchtrinken vom haupt auf die erde niedersetzen, und manchmal beim weggehn vergessen; sie bewachen die kinder in der wiege und den größeren weisen sie schätze: sie zu tödten bringt unglück . jedes dorf weiß von eignen schlangen. so wird in Schwaben erzählt. hessische sagen sind kinderm. no. 105 gesammelt, eine östreichische steht in Ziskas volksmärchen (Wien 1822 p. 51), fast alle haben bis auf die wiederkehrende formel: ›ding, iß auch brocken!‹; ›friß auch mocken, nicht lauter schlappes!‹ Mones anz. 8, 530; ›friß auch brocken, nicht lauter brühe!‹ daselbst 6, 175. den zug des milchtrinkens und der goldkrone . Überraschen nun die eltern die schlange bei dem kind und tödten sie, so beginnt des kind abzunehmen und bald zu sterben (Temmes pomm. sagen no. 257). Einmal war einer schlafenden schwangern frau die schlange in 572 den ofnen mund gekrochen, als sie kindes genas, lag diesem die schlange fest um den hals und muste durch ein milchbad losgebracht werden; sie wich aber nicht von des kindes seite, lag bei ihm im bett und fraß aus seiner schüssel ohne ihm ein leid zu thun (Mones anz. 8, 530). Noch andere berichte erwähnen einer haus und hof anfüllenden menge von schlangen, deren könig sich durch eine schimmernde krone auf dem haupt auszeichnete. wenn er den hof verließ, begleiteten ihn alle übrigen, im stall, wo er wohnte, hausten sie so zahlreich, daß die fütternden mägde sie oft armvollweis aus der krippe nahmen. sie waren aber dem vieh und den leuten befreundet; als ein neuer hofbauer ihren könig erschoß, wichen sie alle und mit ihnen schwand segen und reichthum von dem gut (daselbst 6, 174) ähnliche sage vom schlangenkönig aus Lübbenau im lausitzischen Spreewald (Büschings wöch. nachr. 3, 342) bei Reusch no. 74. . Hierher gehört auch die schlangenkönigin (deutsche sagen no. 220) und eine merkwürdige erzählung in den gestis Romanorum bei Keller s. 152. zu einem viehmädchen in Immeneich kam jeden morgen und abend zur melkzeit eine große schlange in den stall, auf dem kopf trug sie eine große krone. allemal gab ihr das mädchen warme kuhmilch zu saufen . als es wegen eines verdrusses plötzlich aus dem haus gekommen war, und die neue viehmagd das erstemal melken wollte, fand sie auf dem melkstuhl die goldkrone liegen, in der geschrieben stand: ›aus dankbarkeit‹. Sie brachte die krone der herschaft, welche sie dem abgekommenen mädchen gab, für das sie bestimmt war, und seitdem ist die schlange nicht wieder gesehen worden. Mones anz. 8, 537. das atternkrönlein macht jeden der es trägt unsichtbar (Schm. 2, 388) und dazu steinreich. Man erzählt auch in einigen gegenden, jedes haus habe zwei schlangen, ein männchen und weibchen, die sich aber nicht eher sehen lassen, als bis der hausvater oder die hausmutter stirbt, und dann ein gleiches loos erfahren. Dieser zug und noch andere, wie das hinstellen der milch, nähern die hausschlangen dem begrif guter hilfreicher hausgeister. Nachtrag: Die hausschlange nannten die Griechen οἰκουρὸς ὄφις , genius loci. Gerhard acad. ber. 1847, 203. der albanesische vittore ist ein als kleine schlange gedachter hausgeist. Hahns lieder 136. die samog. giuoitos , schwarze schlangen, werden als hausgötter genährt und verehrt. Lasicz 51. 55. 56. Den zug des milchtrinkens haben auch die schlangensagen bei Vonbun s. 24, Bader no. 98. 106. (über die mocken s. 571 anm. 25. Schmeller 2, 549. Stalder 2, 212. Diut. 2, 84). man gab der schlange zu trinken. Athen. 4, 364. einer aus der brust milch saugenden schlange erwähnt Lucian. Alex. 7, wie in der angeführten pommerschen sage die schlange in den ofnen mund einer schwangern frau gekrochen war. als sie kindes genas, lag diesem die schlange fest um den hals. damit vergl. Vopisci Aurelianus c. 4: pueri ejus pelvem serpentem plerumque cinxisse neque unquam occidi potuisse. postremo ipsam matrem, quae hoc viderat, serpentem quasi familiarem occidere noluisse, und Spartiani Severus 1: dormienti in stabulo serpens caput cinxit et sine noxa, expergefactis et acclamantibus familiaribus, abiit. Weitere sagen vom schlangenkrönli erzählen Vonbun 24. 25. Woeste 50, vom schlangenkönig Müllenhoff s. 355. Panzer 1, 183. im skr. ist Vâsukis rex serpentum. Bopps gloss. 158 a . Holtzmann 3, 143. 145. 196. 197. 157. 163. wie die ormar einen könig wählen, berichtet eine schwedische sage. Dybeck 1845. s. 100. ein schlangenkönig hat 12 häupter. wer sie abhaut und bei sich trägt, siegt überall . Reusch no. 74 und zusätze. wird ein orm zum kampf gefordert, so findet er sich ein. Dybeck 1845. s. 95. 96. eine natter bringt einen stein im mund getragen. gesta Rom. ed. Keller s. 68. 152. vgl. schlangenstein, unkenstein s.  1020 . eine schlange mit einem edelstein auf dem kopf liegt unter der hasel, woran eine mistel gefunden wird s.  1010 . die vouivre trägt nur ein auge mitten in der stirne, welches ein karfunkel ist. wenn sie am brunnen trinken will, legt sie es ab und in diesem augenblick kann man den edelstein rauben; die vouivre bleibt dann blind . die vouivre durchfliegt die luft, wie ein glühendes eisen. mém. des antiq. 6, 217. ähnliches steht bei Bosquet s. 204. 206. 209. des montags nach S. Peters tach, so aller wurmichleiche ze wazzer gât. urk. von 1286 in Gemeiners Regensb. chron. 1, 423. auch Fâfnir skreiđ til vatz . Sn. 138. Völs. cap. 18. schlangen liegen gern an quellen. ausland 1857. s. 832 b . die esche aber ist der schlange feind. Panzer 1, 251. 351. Die schlange erscheint als ein heilbringendes, unverletzliches thier, und vollkommen für den heidnischen cultus geeignet. den stab des Asklepios umwand die schlange, und an heilbrunnen lagen schlangen (s.  488 ). Ihrem Potrimpos unterhielten die alten Preußen eine große schlange und die priester hüteten sie sorgsam, sie lag unter getraideähren und wurde mit milch genährt Voigt gesch. Preußens 1, 584. . Den Letten heißen die schlangen milchmütter (peena mahtes); sie standen unter dem schutz einer höheren göttin Brehkina (die schreiende) genannt, welche den eintretenden zuschrie, man solle ihre peena mahtes ungestört im hause lassen mag. der lett. gesellsch. 6, 144. . es wird ihnen milch in näpfen hingestellt. Auch die Litthauer verehrten schlangen , 573 hegten sie im haus, und brachten ihnen opfer Seb. Frankes weltbuch 55 b . Mones heidenth. 1, 98. Adam. brem. de situ Daniae cap. 24. von den Litthauern: dracones adorant cum volucribus , quibus etiam vivos litant homines, quos a mercatoribus emunt, diligenter omnino probatos, ne maculam in corpore habeant. . ägyptischen schlangendienst bezeugte Herodot 2, 74. Nullus locus sine genio, qui per anguem plerumque ostenditur. Serv. ad. Aen. 5, 85. Man brachte schlangen als zauber in schwertern und auf helmen an: liggr međ eggjo ormr dreyrfâđr, enn â valbösto verpr nađr hala.   Sæm. 142 b . aus dem haft (helz, hialt) des schwerts, nahm man an, renne der ormr oder yrmlîngr in die spitze und wieder zurück (Kormakssaga s. 82. 84. Vilk. saga s. 101). Vitege hieß ›mit dem slangen ‹ von seinem helmzeichen (heldensage p. 48). die helme erhielten dadurch festigkeit, die klingen kraft. Nicht unähnlich scheint, daß fuhrleute in ihre peitsche otterzungen flechten (abergl. 174 ) Nachtrag: Von der heilkraft der schlange spricht schon Mos. 4. 21, 9: wenn jemanden eine schlange biß, so sah er die eherne schlange und blieb leben. geifer fließt aus dem munde dreier schlangen (colubrae) in das bereitete heilende und stärkende gericht. Saxo ed. Müller s. 123. 193 (in zwei verschiedenen sagen). zwei sind schwarz, eine weiß. der genuß der weißen schlange gibt verständnis der thiersprache. s.  193 . DS. 2 no. 132. KM. 3 3, 27. vgl. s.  820 und anm. 1771 . 1774 . dagegen heißt es Sæm. 69: vom eitrorm trieft gift. die schlangen werden genöthigt mit ihren ›cleinen munden‹ das gift wieder einzusaugen. pass. 310, 20. eine keltische sage vom anguinum (ovum) aus schlangengeifer berichtet Plinius 29. 3, 12. Über die zauberei mit schlangen vgl. Spalding abh. d. Berl. academie. über die schlange als brücke und den ausdruck brückenschweif, brûarspordr vgl. 817 . 610 . Gleich der schlange ist die kröte (gramm. 3, 364) ein giftiges zauberthier. sie trägt einen stein im kopf (s.  1020 ). sie sitzt auf schwämmen und pilzen. der schwamm heißt deswegen krötenstul , engl. toadstool , nnl. paddestoel , nd. paddenstol , ein pilz wird weißkrötling genannt. östr. namen sind außer krot hepping, braitling, nöting, brotze, auke. Höfer 2, 47. 175. in Baiern heißt das männchen braste, broz, bratz. Schmeller 1, 274, das weibchen höppin, heppin, auch muml. heppin wird auch verächtlich zu weibsleuten gesagt a. o. 2, 221. man spricht von wetterkröte, donnerkröte, blitzkröte. . Die schlange kriecht oder ringelt sich auf dem boden, stehn ihr flügel zu gebot, so heißt sie drache , was ein undeutsches, aus dem lat. draco, gr. δράκων stammendes, schon früh eingeführtes wort ist, ahd. traccho , ags. draca , altn. dreki . die Sæm. edda hat nur einmal dreki, im jüngern Sôlarl. 127 b , sonst steht dafür ormr , ags. vyrm , ahd. wurm , goth. vaúrms , welches allgemeiner auch die schlange mitbegreift. Als geflügelte schlange (serpens alatus) erscheint zumal die von Beovulf bestandne: nihtes fleogeđ 4541, sie fliegt nachts aus und heißt darum uhtsceađa 4536, nocturnus hostis, aggressor. lyftsceađa (aereus hostis) cod. exon. 329, 24. auch der drache, welcher Krimhild auf dem drachenstein gefangen hält, kommt durch die luft gefahren oder geflogen. Doch der andere, den Siegfried vom schmid ausgesandt früher tödtete, lag im wald bei einer linde, unfliegend, dies war der eddische Fâfnir , ein mensch, der wurmgestalt an sich genommen hatte, von ihm braucht die edda skrîda (repere, schreiten) Sæm. 186. Sn. 138; es ist der vyrm oder draca, den nach Beov. 1765. 1779 Siegemund und Fitela schlugen. Nib. 101, 2. 842, 2 heißt er lintrache , lintdrache , im Siegfriedslied 8, 2 lintwurm , welcher ausdruck auch Mar. 148, 28. En. 2947. Troj. 25199 zu lesen, und nicht aus linde (tilia), wie die spätere sage es misverstand, sondern aus dem ahd. lint zu erklären ist. mit diesem lint (goth. linþs, ags. liđ, altn. linn?) sind viele frauennamen gebildet (gramm. 2, 505) z. b. Sigilint, altn. Sigrlinn (oben s.  355 ), und es könnte den begrif von glanz oder schönheit enthalten, wie es für frauen oder schlangen gerecht ist, die abgeleitete altn. schwache form linni (masc.) bedeutet wiederum coluber, serpens. der häufige ortsname Limburg = Lintburg ist richtiger auf schlange als auf linde zu beziehen. Von den drachen war nun die herschende vorstellung des alterthums: sie liegen auf dem gold und leuchten davon, das gold 574 selbst hieß dichterisch wurmbett , altn. ormbeđr odcr ormbeđselđr, wurmbettsfeuer, und daran knüpft sich weiter, daß sie schätze bewachen und nachts durch die lüfte tragen. jener wurm, den Sigemund erlegte, heißt hordes hyrde Beov. 1767; den andern, mit welchem Beovulf kämpfte, bezeichnet das epithet: se hord beveotode 4420. Fafnir, ein alter riese, lag als wurm, mit dem Oegishialm über ererbtem gold (Sæm. 188 b 189 b ), es heißt ›î lŷngvi‹ (von lŷng, heide) und der ort wird als Gnîtaheiđi bezeichnet; davon findet sich auch sonst der name lŷngvi , lŷngormr , heidewurm für drache. lŷngormr wird Vols. saga c. 17 von dreki unterschieden, jenes ist ein kleiner, dieses ein großer wurm. gleichviel mit lŷngvi mag also das ahd. heimo , alts. hêma , ags. hâma sein, wovon ich s.  321 redete; Vilk. saga c. 17 s. 31 heißt heima ausdrücklich allra orrna skemstr (omnium vermium minimus), da er aber giftig ist, darf er nicht die unschuldige cicade (ahd. muhheimo) bezeichnen. noch heute setzt der volksglaube glühende schätze auf einsame heiden, wo sie von drachen gehütet werden. hæden gold Beov. kann beides ausdrücken aurum tesquorum oder ethnicorum, denn die drachen galten gleich den riesen für alt und hochbejahrt, vgl. eald uhtsceađa Beov. 4536; vintrum frôd 4548; þreo hund vintra heold on hrusan 4550, zugleich aber sind sie geizig, neidisch, giftig und flammenspeiend: nîđdraca Beov. 4540, âttorsceađa 5673, fŷre befongen 4541; ongan glêdum spîvan 4619; deorcum nihtum rîcsian 4417. von Fâfnir wird Sæm. 186 gesagt: screiđ af gulli blês eitri, hristi sik ok barđi höfđi ok sporđi, schüttelte sich und schlug mit haupt und schwanz; daß die begriffe eit (feuer) und eiter (gift) einander berühren wurde s.  466 bemerkt. Hierzu halte man die schilderungen mhd. dichter, der trache hat seine heimwist in einem tal, wirft rauch, flamme und wind aus dem rachen (Trist. 8944. 8974); er hat fittiche und flügel, speit feuer und eiter (Troj. 9764. 9817) Nachtrag: Δράκων stammt von δέρκω, wie ὄφις von dem verlornen ὄπτω. ›scharf als ein lindwurm sehen‹ heißt es im Soester Daniel s. 141. gal. dearc ist lacerta. die drachen sind den schlangen verwandt, daher die multitudo serpentium cum magno dracone. Greg. tur. 10, 1. vgl. die schlangenbeschwörung und den alten drachen in Lucians philops. c. 12. einen drachencultus hatten die Esten. Adam. brem. (Pertz 9, 374). drachen wurden auf bronzekesseln abgebildet. Lisch meklenb. j. 7, 35–38. 14, 326–330, von Giesebrecht gedeutet. balt. stud. 11, 50. 51. der drache heißt altn. ormr inn frâni . Sæm. 173 b . 189 b , mhd. tievels bote . Wigal. 5080, tievels trût 6443 (vielmehr die riesin 6453). der hvitorm haust unter den wurzeln der eiche. Dybeck 1845. s. 78. am liebsten aber liegen sie auf dem gold , weshalb das gold linnar logi heißt. Sæm. 181 a . ein geldzutragender drache erscheint als hausgeist s.  422 . das feuerspeien des drachen scheint auf einer verwechselung der verwandten begriffe feuer und gift zu beruhen s. Müllenhoff in Haupts zeitschr. 7, 428. eine welsche drachensage findet man in Peredur. Villemarqué contes 2, 193. wie schlangen und kröten tragen auch die würme steine , aber im bauch und so viele, man möchte einen halben thurm davon bauen. Dietr. u. ges. 300. der drache lebt 90 jahr als wurm in der erde, dann 90 jahr in der linde, dann 90 jahr in der wüste. van den Bergh s. 73. diese entwicklung ist offenbar nach dem wandel der raupe und des schmetterlings gedacht. . Amt der helden war es nun, wie die riesen so die gewissermaßen damit identischen drachen die analogie bewährt sich auch darin, daß gleich dem riesengebein (s.  460 ) der besiegte drache über das stadtthor befestigt wurde, z. b. Pulci 4, 76. auf der welt auszutilgen, Thôrr selbst bekämpfte den ungeheuren miđgarđsorm, und Siegmund, Siegfried, Beovulf stehen als tapferste drachenüberwinder da; ihnen gesellt sich eine menge anderer, wie sie nach zeit und ort allenthalben aus dem schoße lebensvoller sage erstehen. Frotho, ein andrer Siegfried, überwältigt einen giftigen auf schätzen ruhenden drachen. Saxo gramm. s. 20. Der schönen Thora Borgarhiörtr wurde ein kleiner lŷngormr geschenkt, den sie in ein kästchen, gold unter ihn legte: wie er wuchs, wuchs auch das gold, so daß die kiste zu eng wurde und der wurm sich im kreis um die kiste legte; bald war kein raum mehr in dem zimmer, er legte sich um das zimmer und nahm den schwanz in den mund, niemand ließ er in das gemach als den der ihm futter 575 brachte, und zu jeder mahlzeit bedurfte er einen ochsen. nun wurde bekannt gemacht, wer ihn erlege, solle die jungfrau zur braut und soviel gold, als unter dem drachen lag, zur aussteuer empfangen. Diesen drachen überwand Ragnar Lodbrock (fornald. sög. 1, 237. 238). auffallend gemahnt der steigende wachsthum des wurms an den des fisches s.  479 . Außer dem goldeshort aber, den die helden als beute davon tragen, entspringen noch andere vortheile: der genuß des drachenherzens bringt kunde der thiersprache zuwege und das bestreichen mit dem blut härtet die haut gegen alle verletzung. tief greift beides in Siegfrieds sage sie erinnert Albrecht im Titurel 3313–17 an eine ähnliche von Rodolz, vgl. Parz. 518, 18 und Diut. 3, 59. ein Nachtrag: Verhaßt ist der drache. leiđari enn manni hverjom enn frâni ormr med fîrom. Sæm. 85 a . dazu die note: vermes, in Speculo regali, vocantur leiđendi , odia, quasi res detestabiles. daher bekämpft sie der held. Apis kommt nach Argos und tödtet die drachenbrut . Aeschyl. suppl. 262–267. es gibt mittel sich gegen ihn zu schützen und ihn zu tödten. bläsvorm auf Mors ist ein giftspeiender wurm: er kann durch sieben kirchmauern blasen, aber nicht durch gestrickte strümpfe. Molbech dial. lex. 43. för att en orm med säkerhet skall kunna dödas, ritas först kring honom en ring med arsgammal hasselkjäpp , innan han slås. Rääf. in drachenblut gehärtet wird der panzer: gehert in traken bluote. Ecke 24. ganz al umbe den rant schilt gemachet von gold und drachenbluot. Wigam. 2105. swert gehert in drachenbluot. drachenk. 11. auch von Alexander heißt es: gebeizet was sîn brunie in eines wurmes bluote , hurnen was siu veste.   Diemer 209. Massm. 1300 ff. ein andres in drachenblut gehärtetes schwert. DV. 1, 265. Sigurđr versteht, nachdem er Fafnirs herz gegessen hat, die sprache der vögel . auch Gudrun hatte noch davon gegessen und verstand sie. Sæm. 211. vgl. quin et inesse serpenti remedia multa creduntur – ut possint avium sermones intelligi. Plin. 29, 4. vgl. anm. 1770 . . Fast allem diesem begegnen die ansichten anderer völker. Wie die Römer gigas, so entlehnten sie auch draco von den Griechen, da für den begrif weder serpens noch vermis (wie bei uns slango und wurm) ausreichten. δράκων leitet sich aber ab von δέρκειν blicken, leuchten, sprühen, φάος δέδορκε gilt vom leuchtenden licht, daher möchte ich die versuchte deutung unseres lint und linni bestätigen. Ein grabender fuchs stieß endlich auf die höle eines goldhütenden drachen, ad draconis speluncam ultimam, custodiebat qui thesauros abditos. Phaedr. 4, 19. Die sage von den goldhegenden greifen schließt sich aber an, da sie gleich den drachen geflügelte ungeheuer sind. Altslav. bezeichnen zmij (masc.) und zmija (fem.) schlange, jenes mehr den drachen, dieses die natter. böhm. ist zmek der feurige, geldhütende drache, zmije die natter; serb. zmaj drache, zmija natter. glimmer, den der zmaj von sich abschüttelt, heißt otresine zmajeve (abschüttelung des lindwurms) Vuk s. 534. alles führt wieder auf glanz, gold und feuer. das litth. smakas scheint den Slaven entliehen, ob das ags. snaca coluber verwandt sei? fragt sich. Nach Jungmann ist zmek außer drache auch ein geist, der sich in gestalt eines nassen vogels zmokly ist benetzt, zmoknuti benetzen; ›mokrý gako zmok‹ triefend wie ein erdgeist. , meist eines hünleins darstellt und den leuten geld zuträgt; abergl. 143 heißt es, man dürfe erdhünchen oder hausotter nicht schädigen; Schm. 1, 104 erklärt erdhünlein von einem runden, hellen schein, in dessen mitte etwas dunkles liegt. vgl. geuhuon Helbl. 8, 858. Das finnische mammelainen beschreibt Renvall: femina maligna, matrix serpentis, divitiarum subterranearum custos. Hier wird der hort einer weiblichen schlange überwiesen, während in unsern deutschen, und auch den slavischen sagen characteristisch der böse, teuflische drache den schatz hütet, die otter oder unke mehr die rolle eines gutmütigen hausgeistes spielt also auch hier fährt das weibliche wesen besser als das männliche. , und wie der drache aus einem menschen gewandelt war, erscheint sie als kronetragende 576 jungfrau mit schlangenschweif (d. sagen no. 13) oder als fee. aber die goldkrone wird ihr so wenig erlassen, als dem drachen der bezug aufs gold, und der böhm. zmek ist zugleich drache und otter. sage vom otterkönig in Bechsteins Franken s. 290 Nachtrag: Auch den Serben ist smuk serpentis genus, böhm. smykati serpere. altn. smiuga . syriän. zmej schlange. Gabelentz s. 8. auch die fische verdienen beachtung. Athen. 3, 30. 35. 36 redet von einem ἰερός ἰχϑῦς . fische waren thiere der Artemis und Hecate nach Athen. 3, 194, heringe der Berhta s.  226 . . Bei so mannigfachen berührungen muß das von den Langobarden gefeierte wesen zweifelhaft dahin gestellt und nur das darf angenommen werden, daß sie ihm eine heilsame, gütige natur beilegten. Ich vermag spuren von käfercultus aufzudecken. Es gibt zwei alte allgemeinere benennungen. ahd. chevor , cheviro , mhd. kever , kevere, nhd. käfer , nnl. kever , ags. ceafor , engl. chafer ; man hat ohne fug das lat. caper (= ags. häfer, altn. hafr) verglichen, wurzel scheint das ags. ceaf, caf alacer, weil der käfer ein rühriges, munteres thier, noch jetzt heißt in Schwaben käfermäßig agilis, vivax (gramm. 2, 571. 1013). die Angelsachsen haben ceafortûn, cafertûn für atrium, vestibulum, gleichsam scarabaeorum oppidum, weil da käfer schwirren Helbling von ungestalter kleidung redend wirft 1, 177 die frage auf, wo rücken und bauch eines in solcher cheverpeunt steckenden bleibe? den weiten mantel nennt er käfergarten, in dessen falten sich käfer fangen. dies keverpiunt stimmt zum ags. ceafortûn . ? Der andere ausdruck ahd. wibil , webil , mhd. wibel , nhd. webel , wiebel , ags. vifel , vefel , engl. weevil stimmt zum litth. wabalas , wabalis , lett. wabbols , und ich führe ihn auf weben, im sinn von leben und weben, vigere, moveri zurück, wiebeln wird mit kriebeln verbunden und gilt von dem gewimmel der käfer slav. namen sind böhm. chraust, poln. chraszcz; böhm. brauk bruk, wol nach bruchus, βροῦκος. . Den Aegyptern war der käfer (scarabaeus, κάνϑαρος, κάραβος) geheiligt, ein bild des innersten lebens und geheimnisvoller selbsterzeugung. sie glaubten, er gehe aus küglein hervor, die er zusammen balle und im mist vergrabe Nachtrag: Der käfer heißt schon aegypt. cheper. ahd. chwâtchever (kothkäfer), scarabaeus. Graff 4, 378. sunchever , brucus. N. 104, 34. westerw. mai kleber , ravensb. eckern schäfer . ags. cynges cafertûn , aula regia. Alfr. hom. 122. Keverlingeburg und Sceverlingeburg s. Haupts zeitschr. 7, 559. predium chäverloch (lôh?). MB. 8, 405. 500 (a. 1160). hodie keferloh . 8, 516. ags. ceaforleâh . Kemble no. 570. 1088. vgl. ahd. muggistat. Graff 2, 654. bremgarten, bremstall. Schmeller 1, 258. bregarten ist nach Höfer, 1, 113 küchengarten. pregarten ein ort in Steier. Rauch 2, 191. der andre ausdruck wibel kommt vor in den adj. wibelval , wibelvar bleich. Herb. 6880. 12867. welsch heißt gwibedin musca, gwiblo fliegen, schwärmen. κάνϑαρος κόπρου σφαῖραν ποιήσας. Aesop. Fur. 223. Aelian. hist. anim. 10, 15. Arist. hist. anim. 5, 19 (vgl. Lucian 8, 428). cod. exon. 426, 11 heißt es: is þäs gores sunu gonge hrädra, þone ve vifel vordum nemnađ. ebenso sollen bienen aus fäulniss s.  579 , fliegen aus der faulenden zunge des teufels entstehen. walach. märch. 285. auch chuleih , scarabaeus, roskäfer, kielecke oder schröter (Schmeller 2, 269) scheint aus chuoleih entstanden und sich auf einen aberglauben vom ursprung des käfers (aus kuhmist?) zu beziehen. gramm. 2, 503. vgl. scînleih, monstrum. . Die altn. sprache bietet uns keinen prosaischen, sondern gleich den dichterischen ausdruck iötunox , iötunoxi (riesenochs); wie jenem riesenmädchen pflüger, pflugrind und pflug kriebelnde käfer schienen (s.  447 ), finn. sontiainen , sondiainen (mistkäfer, von sonda fimus), kann umgedreht der wirkliche käfer die vorstellung eines iötunox erregen. das kleine dem großen thier zu vergleichen war natürlich. Unsern größten käfer, den stattlichen horntragenden schröter nannten die Römer lucanus (Nigidius bei Plin. 11, 28), ich sollte meinen, damit hänge das bekannte luca bos , lucanus oder lucana bos zusammen, das vom gehörnten thier auf das gezähnte, den elephant, übertragen wurde (Varro 7, 39. 40. O. Müll. p. 135). der käfer aber heißt uns hirsch (franz. cerf volant), wol auch ochs und bock, die sämtlich hörner tragen, poln. ielonek (hirschlein), altslav. elenetz, böhm. rohač (corniger), östreich. hörnler, schwed. horntroll . lat. war taurus zugleich scarabaeus terrester 577 (Plin. 30, 5. 12), was den lucanus bos oder cervus wieder bestätigt. das weibchen führt böhm. auch den namen babka (großmutter). Einen bedeutsameren lernten wir s.  153 kennen: donnerguegi , donnerpuppe , in unverkennbarem bezug auf Donar, dessen heiligen baum der käfer am liebsten bewohnt, und damit scheint der in Scandinavien verbreitete ausdruck, westergötl. torbagge , schwed. tortyfvel , norweg. tordivel , jütländ. torr , torre , für käfer überhaupt zu stimmen. Zwar ist keine isl. geschweige altn. form, welche Thôrr darböte, aufzuzeigen, doch tor kann sich wie in torsdag (s.  104 ) und tordön (s.  138 ) verhalten; bagge bedeutet nach Ihre s. 122 juvenis, puer, des gottes diener, was sich später in dyfvel = diefvul, teufel wandelte. Afzelius (sagohäfder 1, 12. 13) versichert, dem Thor sei der torbagge heilig gewesen, seine larve heiße in Norrland mulloxe (erdochse, jenes schweiz. donnerpuppe? vgl. iötunoxi) und wer einen auf dem rücken (ofvältes) liegenden mistkäfer , der sich selbst nicht zu helfen vermag, wieder auf die füße legt , soll nach norrländischem volksglauben damit sieben sünden sühnen. Das klingt sehr alterthümlich, und ich verwerfe die vorgetragene deutung von tordyfvel nicht vorschnell, so falsch sie scheint. denn das ags. tordvifel ist offenbar aus tord stercus (engl. turd) und jenem vifel zusammengefügt, auch dem dän. skarnbasse, skarntorre, mistkäfer analog, folglich verlangen tordyfvel, torbasse dieselbe deutung, obgleich allen nord. mundarten das einfache tord und vivel gebricht. die isländische hat tordivel in torfdifill , gleichsam torfteufel (von torf gleba) umgeändert. auch das nnl. tor , torre käfer, drektorre mistkäfer muß erwogen werden Nachtrag: Der lucanus cervus (vgl. Herm. Müllers Griechenth. 446) heißt finn. tammihärkä eichochs, serb. jelen , cervus volans, engl. stag beetle, stag fly, frz. escarbot, schweiz. gueger cerambix, holzbock , feuerbock . Stald. 1, 445, auf dem Harz feuerkäfer . hier wickeln sie ihn in moos, daß die hörner vorragen und schlagen mit verbundenen augen der reihe nach auf ihn los, wie sonst beim hahnschlagen. wer ihn trift, nimmt ihn mit heim (und hat dann glück oder irgend eine ehre davon?). schon altn. heißt er torđŷfill . Droplaug. saga s. 10. tio synder sägas förlåtas den, som vänder om en på rygg liggande tordyfvel . Runa 1844. s. 8. vgl. die irische sage vom daol . Conan 124 und Schiefner über tarwas s. 4. 5 das finn. turila , turilas bezeichnet ein gefräßiges, die frucht und das gras schädigendes insect, Renvall weiß nicht, ob melolontha oder gryllus migratorius. das wort gilt auch sonst von riesen vgl. unser heimo. jeder, der den wern , die erd- oder maulwurfsgrille sieht, soll vom pferde steigen und sie umbringen, weil sie die wurzeln des getraides abfrißt. wer einen wern umbringt, dem ist der bauer einen laib brot schuldig. das ags. eorđceaforas , tauri i. e. terrestres scarabaei, ist wol nach der angeführten stelle des Plinius gebildet. . Wer hat aber selbst zappelnde käfer rücklings liegen sehn und nicht mitleidig umgestülpt? dem schröter, den es mit donner und feuer in bezug setzt, mag auch das deutsche volk besondre ehre angethan haben. Gleich andern heiligen frühlingsboten (schwalbe und storch) holte man den ersten maikäfer maikäfer klingt (wie maiblume) zu allgemein, und nicht volksmäßig. auch kein lat. name ist überliefert. μηλολόνϑη bezeichnet den maikäfer oder goldkäfer; die knaben banden sie zum spiel an faden (Aristoph. wolken 763), wie bei uns. das ital. scarafaggio ist aus scarafone (scarabaeus) gebildet, das franz. hanneton diminutiv des veralteten hanne pferd, welches vielleicht dem schröter (wetterauisch petz gaul ), franz. cerf volant, dän. eeghiort , schwed. ekhjort d. i. eichhirsch gebührte. das meklenb. eksäwer = eichkäfer, wird wie das einfache sever , säver , sebber (Schütze holst. id. 4, 91) auf den maikäfer bezogen, in anderen niedersächs. gegenden hört man maisävel , maisäbel . säver , zäver (brem. wb. 4, 592. 5, 310) mag nichts als käfer sein, mit übergang des k in z, s; Chytraeus nomencl. saxon. hat zever und goldzever  = goldkäfer, oder lässt sich das hochd. ziefer (gegen die s.  33 vorgetragene ableitung) vergleichen? auf dem westerwald ist pöwitz , köwitz maikäfer, in Ravensberg povömmel mistkäfer (s. Kuhn westf. sagen 2, 188); hier klingt fast das ehstn. poua käfer, maikäfer an. Wie die namen des hirschkäfers, maikäfers, mistkäfers, goldkäfers, scheinen auch die spuren eines alten käfercultus bald in dem einen, bald dem andern zusammenzufließen. Im pentam. 3, 5 wird ein hilfreicher scarafone (scarabeus) aufgeführt Nachtrag: Ungr. cserebogár der maikäfer, wörtlich eichenkäfer, eichenwurm. poln. chrabąszcz, chrząszcz, böhm. magowy chraust. russ. sipl', altsl. sipl. Dobrowsky inst. 271. prov. bertals, bertaus. Mahn s. 59. finn. lehtimato, blattwurm, melolontha, schwed. löfmatk, osnabr. eckettiewe Lyra 23, auch eikschawe. münsterl. eckertiefe , ravensb. eckernschäfer . märk. pomm. zebrehnke . schweiz. bugareje . Stalder 1, 239. wallon. balowe , abalowe , biese a balowe , hanneton von baloier voltiger und bizer ahd. pisôn. pisewurm oestrum. finn. ist urolainen ein großer käfer uros vir, heros, serb. urosch picus und heros. sie haben wie menschen einen spiegel bei sich. so singen in der Wetterau die kinder, wenn sie den maikäfer in der hand halten: mennche, weibche, weis mer emol dein spigelche! (die ausgespannten flügel?). die elben sind käfer, puppen, schmetterlinge, geister und holden vgl. 1027. 1107. 1109. der kobold sitzt als käfer oder hummel in der schachtel. Sommer 33. 34. 171. 172. Panzer 2, 173. Rochholz 2, 238. 239. dän. skrukke trold ist ebenfalls ein insect, jedoch ein flügelloses. von einer fee , die mit einem lieblich summenden käfer (scarafone) spielt, erzählt pentam. 3, 5. . feierlich aus dem walde ein, es 578 wird beglaubigt, daß dies noch im 17 jh. in schleswigschen gegenden von den spinnenden mädchen geschah eine alte beschreibung des maygraven festes von Ulr. Petersen (in Falcks neuem staatsb. mag. bd. 1. Schlesw. 1832 s. 655) drückt sich darüber so aus: ›ein sonderbarer aufzug der vormaligen schleswigschen spinnradsamazonen einen cantharidem oder mit grünen zweigen maykäfer einzuholen, wobei denn hiesiges rathhaus mit grünem busche ausgezieret.‹ das fest war noch zwischen 1630–1640. . Oberdeutsche volkssagen berichten: unerwachsne mädchen begaben sich sonntags in einen wüsten bergthurm, fanden die stiege mit sand bestreut und kamen zu einer früher nie gesehnen schönen stube, worin ein bett mit einem umhang stand. als sie diesen zurückschlugen, wimmelte das bett von goldkäfern und hüpfte von selbst auf und nieder. voll erstaunen sahen die mädchen eine weile zu, plötzlich überfiel sie schrecken, daß sie aus der stube und die stiege hinabflohen, während ihnen geheul und gepolter nachtönte. (Mones anz. 7, 477.) Auf dem schloßberg bei Wolfartsweiler sah ein kleines mädchen einen dreifüßigen kupferhafen stehn, der funkelneu und voll wimmelnder roskäfer war. sie sagte das gleich darauf ihren eltern, die wol merkten daß die käfer ein schatz seien und mit ihr auf den berg eilten, allein weder den hafen noch die käfer mehr fanden (daselbst 8, 305). Hier erscheinen die käfer als heilige, das gold bewachende, selbst goldne thiere. In Schweden nennen sie den kleinen goldkäfer (skalkräk) jungfrau Mariens schlüsselmagd (jungfru Marie nyckelpiga) Dybeck runa 1844. s. 10; im frühjahr lassen ihn die mädchen auf der hand umkriechen und sagen: ›hon märker mig brudhandskar‹ (er bezeichnet mir die brauthandschuhe), fliegt er weg, so achten sie nach welcher seite hin, denn von da kommt der bräutigam. Der käfer scheint also bote der liebesgöttin; aber auch die zahl der schwarzen puncte auf seinen flügeln kommt in betracht: sind ihrer mehr als sieben, so wird das korn im jahr theuer, sind ihrer weniger, so ist eine reiche ernte zu erwarten Afzelius 3, 112. 113. . Diese kleine coccinella septempunctata wird fast in allen unsern dialecten mythisch benannt: nhd. gotteskühlein , gotteskalb, herrgotteskalb, herrgottsthierchen, herrgotsvöglein , Marienvöglein, Marienkäfer , Marienkälblein; engl. ladycow , ladybird, ladyfly; dän. Marihöne ; böhm. krawka , krawicka sommerkälblein. in Oberdeutschland versteht man den kleinen goldkäfer (chrysomela vulg.) unter frauachüeli (Tobler 204 b ), der liebe froue henje (Alb. Schott Deutsche in Piemont 297), im gegensatz zu herrachüeli , der coccinella (Tobler 265 a ), doch mag die benennung zwischen beiden käfern schwanken. Nach den übergängen bei andern pflanzen oder sternnamen scheint Maria für Freyja eingetreten, und 579 Marihöne war vor alters Freyjuhœna , was noch wörtlich in Frauenhenne, Frauenkühlein liegt. und nur im franz. (wo die gemeinschaft mit der deutschen ansicht mehr durchdrang) finde ich bête à dieu , vache à dieu ; span. und ital. nichts ähnliches. Auf allen fall muß das kinderlied: › Marienkäferchen flieg aus! dein häuschen brennt, dein mütterchen flennt, dein väterchen sitzt auf der schwelle; flieg im himmel aus der hölle!‹ alt sein, da auch in England gesungen wird: › ladybird , ladybird, fly away home, your house is on fire, your children will burn!‹ Die kinder setzen auch bei uns Marienkäferchen oder einen sonnenkäfer auf den finger und fragen ihn wie den kukuk: › sunnekieken (sonnenküchlein, junges) ik frage di, wo lange schall ik leven?‹ ›een jaar, twee jaar‹ u. s. w., bis der käfer entfliegt, dessen heimat in der sonne oder im himmel ist. In der Schweiz halten die kinder den goldkäfer auf der hand und sprechen: ›cheferli, cheferli flüg us, i getter milech ond brocka ond e silberigs löffeli dezue‹. hier wird dem käfer, wie der schlange, milch und brocken geboten. der käfer muß dem alterthum für einen boten und vertrauten des gottes gegolten haben Nachtrag: Die coccinella heißt ind. Indragôpa , Indras hirt. Bopp 40 a . Schiefner über tarwas s. 5. finn. heißt er lenninkäinen , was sonst auch für den schönen helden Lemminkäinen steht. god'lmightys cow , coccinella septempunctata. Barnes. sünnenkind . Schütze 4, 225. östr. sonnenkalbel . goldwivil cicindela. Diut. 2, 94. böhm. slunéčko (sunnelîn), slunečnice coccinella, auch linka , poln. stonka . serb. babe und mara (Maria). die mädchen setzen ihn auf den finger mit einem spruch. Vuk s. 9 b . litt. děwo jautis gottes ochse, herrgottsvöglein. ähnlich heißt der Johanniswurm liebe gotts lammje nach Alb. Schott, die libelle unser lieben frauen rössel und gadespferd , gottespferd. Schütze 2, 6, aber auch teufelspferd (s.  860 ), teufelsnadel , teufelshaarnadel . Stalder 1, 276. augenschießer d. h. augenstecher 1, 119. finn. tuonen koira mortis canis. böhm. hadj klawa schlangenhaupt. Der schmetterling heißt gal. eunan-dé , gottesvogel, ir. gal. dealan-dé und gal. teine-dé , beides gottesfeuer, ir. anaman-dé , anima dei vgl. schwed. käringsjäl , anima anus. Ihre 2, 529 (vgl. s.  691 . 692 ). arm. balafen , malafen , melven . balafennik doué , petit papillon de dieu. ein schmetterlingslied im hannöv. Wendlande klingt an das lied vom Marienkäferchen an: bottervågel sött di, våder unn moder röpt di, mul unn nese blött di! oder: midschonke, midschonke , sött di, mul unn nese blött di! in einem lübischen kinderliede heißt der schmetterling ketelböter , kesselflicker. Firmenich 3, 480. . Endlich die biene , das einzige zähmbare, unter den menschen wohnende insect, dessen verständige lebensart ihnen vorleuchtet, läßt alte mythische bezüge erwarten. die biene soll noch aus dem goldnen zeitalter, aus dem verlornen paradies (cap.  XXX ) übrig geblieben sein, nirgend wird ihre tugend und reinheit schöner ausgesprochen als in dem serbischen lied vom reichen Gavan, wo gott drei heilige engel zur prüfung der menschen auserwählend sie vom himmel in die welt gehn heißt, ›wie die biene auf die blume‹, kao ptschela po tzvetu (Vuk 1, 128 ed. 2). der lautere, süße honig, den die bienen aus allen blüten saugen, ist hauptbestandtheil des göttertrankes (s.  265 ), die ἡδεῖα ἐδωδή der götter. hymn. in Merc. 560, heiliger honig die erste speise, die des eingebornen kindes lippe berührt (RA. 457). wie nun mit Ođrœrisdreckr gabe der dichtkunst genau verbunden ist, wird sie dem schlafenden Pindar durch bienen zugetragen: μέλισσαι αὐτῷ καϑεύδοντι προσεπέτοντό τε καὶ ἔπλασσον πρὸς τὰ χείλη τοῦ κηροῦ· ἀρχὴ μὲν Πινδάρῳ ποιεῖν ᾴσματα ἐγένετο τοιαύτη. (Pausan. IX. 23, 2.) darum heißen sie auch musarum volucres (Varro de re rust. 3, 16). ein kindermärchen (no. 62) weiß von der bienenkönigin, die sich auf den mund ihres günstlings setzt sedere in ore infantis tum etiam Platonis, suavitatem illam praedulcis eloquii portendentes. Plin. 11, 17. ; an wen sie im schlafe fliegt, der gilt für ein glückskind. Es liegt nahe diese geschäftigen geflügelten wesen dem stillen volk der elbe oder zwerge an die seite zu setzen, das gleich ihnen einer königin gehorcht. aus verwesendem fleisch des urriesen giengen als maden die zwerge hervor; gerade so sollen die bienen aus der fäulnis eines stierleibs entsprungen sein: apes nascuntur ex bubulo corpore putrefacto (Varro 2, 5), amissas reparari 580 ventribus bubulis recentibus cum fimo obrutis (Plin. 11, 20) vgl. Virg. Georg. 4, 284–558 Ov. met. 15, 364. auf solches verhältnis hat man die gleichheit zwischen apis biene und Apis stier bezogen, wiewohl diesem langes a, jenem kurzes gebührt. wichtiger für uns scheint der berühmte fund eines goldnen stierhaupts unter vielen hundert goldnen bienen im grabe des fränkischen königs Childerich zu Doornik abgebildet in Eccards Fr. or. 1, 39. 40. . Die naturgeschichte lehrt, daß wolken von bienen auf den süßen saft der esche fallen, und von dem heiligen Yggdrasil läßt die edda thau triefen, der honigsfall heißt und die bienen nährt. Sn. 20 ceram ex floribus, melliginem e lacrimis arborum, quae glutinum pariunt, salicis, ulmi, arundinis succo. . Yngl. saga cap. 14 meldet von könig Fiölnir (in der altschwed. chron. Siolm) Yngvifreys sohn, in ein faß meth gefallen sei er ertrunken, wie bei Saxo könig Hunding in süßen meth fällt und der griech. mythus den Glaukos in einem honigkrug, den leuchtenden im süßen, ertrinken läßt. Nach einer schweizerischen alpensage waren im goldnen zeitalter bäche und seen milcherfüllt, ein hirte schlug mit dem nachen um und ertrank; seinen lange gesuchten leichnam brachte, als man butterte, der schäumende rahm zum vorschein, und er ward in eine höle begraben, welche die bienen mit honigwaben groß wie stadtthore durchwirkt hatten mém. de l'acad. celtique 5, 202. . bienen weben einen tempel aus wachs und federn. Schwenks gr. myth. s. 129. Herm. Müllers Griechenth. 455 und nach unserm kinderm. no. 107. s. 130. 131 ein schloß aus wachs und honig. das gemahnt an das schöne bild im Lohengrin s. 191 von Heinrich des zweiten grabstätte im dom zu Bamberg: sus lit er dâ in siner stift, dier het erbouwen, als diu bin ir wift ûz maneger blüete würket, daz man honcseim nennet. In den sprachen wird die arbeitende biene weiblich vorgestellt, ahd. pia, lat. apis, gr. μέλισσα, litth. bitte, im gegensatz zu dem männlichen fucus, ahd. treno, litth. tranas; aber auch das oberhaupt der bienen ist ein könig, weiser, mhd. wîsel, ahd. wîso, dux, bei Plinius rex apium, litth. bittinis, mlat. chosdrus (Ducange s. v.) doch ags. beomôdor, bienmutter, böhm. matka. das gr. ἐσσήν soll ursprünglich bienenkönig bezeichnet haben und gieng hernach in den begrif eines königs oder priesters über, so wie μέλισσα priesterin, zumal der Demeter und Artemis ausdrückte. Ja götter und göttinnen selbst werden durch das heilige thier dargestellt, Zeus (Aristaeus) als biene, Vischnu als blaue biene. eine römische Mellona (Arnob. 4, 131) oder Mellonia (August. de civ. dei 4, 24) war bienengöttin; den Litthauern hieß sie Austheia, neben Bybylus, einem bienengott. männlich gedacht war auch 581 der lett. Uhsinsch, d. i. der gehoste in bezug auf die mit wachs bedeckten bienenschenkel waxen thighs. midsummernights dream 3, 1. . Von diesen größtentheils ausländischen vorstellungen gelten schlüsse auf das verschollne deutsche alterthum; die sage vom Bienenwolf (s.  306 . 561 ) und das mythische verhältnis des spechts (litth. melleta) zur biene müste uns genauer bekannt sein Nachtrag: Die bienen wohnen unter den menschen, darum wird den bienenkörben leid und freude des hauses angesagt. Am. Bosquet 217, zumal des hausvaters tod, wenn nicht nach münsterl. glauben binnen jahresfrist alle stöcke abzehren und versiechen sollen. so auch in Berkshire, Wiltshire und Surrey. sie weissagen den menschen s.  951 . eine hummel in der schachtel kündet den frühling an. Panzer 2, 173. apes furtivae gedeihen nicht. Plin. 19. 7, 37. Bosq. 217. ihre wohnung wird sorgsam bereitet: istud vas (zum aufnehmen der bienen) lacte et bona herba linivimus. acta Bened. sec. 2. s. 133. die bienen stammen aus dem goldnen zeitalter. Leo malb. gl. 1, 119. Skr. heißt sie madhupa , mel bibens, madhukara , mel parans, madhulih , mel lambens. Abrah. a. S. Clara nennt sie das mettsiederl . Schmeller 1, 165. (kl. schr. 2, 369). ἀνϑηδών , blumenesserin. aber sie trinkt auch wasser nach einer formel der weisth. vgl. die bin netzen. Fischarts gesch. kl. 87 a . schön ist der name pinisûga thymus = heide, erica. finn. mehiläiskanerva clinopodium vulg. eine bienenkönigin setzt sich auf den mund ihres günstlings auch in den sv. folks. 1, 78. Wunderbar ist ihr ursprung. diu pîe ist maget , wird âne hîleichiu dinc geborn. predigten hrsg. v. Kelle. 40. ein buch ›der veldtbau‹. getruckt zu Straßburg. 1556. buch 15 cap. 1 erzählt nach Varro r. r. 2, 5, wie die bienen aus dem faulenden fleische eines todten stieres entstehn. Miklosich bringt b'tschela apis mit byk, taurus unter boukati mugire (die summende biene?). nach den gl. salom. entstehen wespen aus faulem fleisch der esel, drohnen aus dem der maulthiere, hornissen aus dem der pferde, bienen aus dem der kälber . vgl. Diut. 2, 194. ἵππος ἐῤῥιμμένος σφηκῶν γένεσίς ἐστι. Lessing 9, 146 aus Aelian. 1, 28. bienen entstehen aus dem aas des von Simson erschlagnen löwen. b. d. richter 14, 8. eine sage von der zeugung der horniss und biene bei Schröter s. 136. Peterson s. 55. im walach. märchen 284 wird die weiße biene schwarz. Wie der biene im deutschen wift und wabe beigelegt wird, von weben, so im litt. prisuti d. h. annähen , z. b. bittes daug prisúwo, die bienen haben viel angenäht. die bienen bauen . ἔνϑα τιϑαιβώσσουσι μέλισσαι. Od. 13, 106. sie bauen ein wachsschloß. Stier volksm. 24. in der kirchmauer zu Folsbach war ein hummelnest eingehauen, weil die leute so fleißig steine dazu gefahren, wie die hummel honig zusammenträgt. Panzer beitr. 2, 173. einer warf im Elsass die geraubte hostie auf ein ährenfeld, sie blieb hangen an drei halmen, und bienen kamen geflogen, und bauten ihren waben darum. man errichtete darüber eine capelle, zu den drei ähren genannt. vgl. Haupts zeitschr. 7, 533. predigermärchen 10, 12. Boyes Rodolphi de H. s. 257. auch Caesarius heisterb. 9, 8 erzählt, wie bienen eine capelle über einer hostie wirken. In Virgils Georg. 4, 68. 75. 106 heißt das oberhaupt der bienen rex, 4, 4. 88 dux, ductor. einen fürsten hânt bîen. MS. 1, 84 a . volgheden alse haren coninc doen die bien. Maerl. 3, 343. alsam diu bin zuo den karn mit fröiden vallent, ob ir rehter wîsel (var. wîset ) drinne sî. MS. 2, 3 a . flandr. koning der bien. Haupts zeitschr. 7, 533. henneberg. der hädherr , der weisel. Brückner. tscherkess. heißt er pscheh fürst. Klemm 4, 18. die Samogiten hatten einen besondern gott der bienen Babilos und eine göttin Austheia . Lasicz 48. dagegen heißt es in der vita s. Galli (Pertz 2, 7): in modum parvissimae matris apis . vgl. mater aviorum s.  1037 . bienenmutter . Haltrich 121. Ihr honig ist nicht überall süß: τὸ γὰρ μέλι ἐν ἅπασι τοῖς Τραπεζοῦντος χωρίοις πικρὸν γίνεται. Procop 2, 464. μέλι ποντικὸν πικρόν ἐστι καὶ ἀηδές. Dio Chrysost. or. 9 (ed. Reiske 1, 289. 290). Der teufel erscheint als fliege , wie Loki s.  834 . Spinnen sind den zwergen verwandt s.  390 . wie die biene aus allen kräutern süßes, saugt die spinne aus allem gift. sonst ist aber auch die spinne guter vorbedeutung, so kriecht die hilfreiche zauberin als spinne an die decke und fällt als frau wieder herab. Arnims märchen 1, 52. 57. vgl. die glücksspinne s.  951 . spinnwebe an der decke flatternd bedeutet glück und hochzeit. Lisch 5, 88. vgl. das weissagende spinnenhaupt zu s.  314 . schließlich erwäge man die sage von Minerva und Arachne. . 582 Cap. XXII. Himmel und Gestirne. Vielseitig greifen die erscheinungen des himmels in den heidnischen glauben ein: nicht nur ist die wohnung der götter und der ihnen näher stehenden geister im himmel, und sie vermengen sich mit den sternen, sondern auch irdische wesen, nach ihrer auflösung, werden dahin erhoben, ausgezeichnete helden und riesen leuchten als gestirne. vom himmel steigen die götter herab zur erde nieder, am himmel fahren sie her, und durch den himmel beschauen sie unsichtbar das treiben der menschen. Wie sich alle pflanzen nach dem himmlischen licht kehren, alle seelen zum himmel wenden, so steigt der rauch des opfers und das gebet der menschen in die höhe. Der himmel deckt die erde und das wort stammt aus der wurzel hima (tego, involvo, vestio gramm. 2, 55) litth. dangus (coelum) dengiu (tego). ahd. himilezi laquear. . den Gothen und alten Nordländern ist die form himins , himinn , allen übrigen Deutschen himil gemein; schwed. norw. dän. wieder himmel . eigenthümlich dem sächsischen volk sind daneben zwei andere ausdrücke, alts. hëbhan , hëvan , ags. hëofon , engl. heaven , noch jetzt in Niedersachsen und Westfalen heben , heven , haven , häwen . ich habe die grenze zu ermitteln gesucht, bis zu welcher sich diese benennung erstreckt (gramm, I, xiv ). unter den Friesen war sie nicht gangbar, denn noch die heutige west und nordfriesische volkssprache kennt nur himmel himel , lapekoer fen Gabe scroar. Dimter 1834 p. 101. 103. hemmel , Hansens geizhalz. Sonderburg 1833 p. 148. himel , friesche wetten 348. himul , As. 274. . auch die niederländische mundart hat sie nicht; sie findet sich aber in Westfalen, Niedersachsen, bis nach Holstein und über die Elbe hinaus in Meklenburg und Pommern. Den Angelsachsen und heutigen Engländern mangelt sogar der ausdruck himel völlig; die Altsachsen gleich den jetzigen Niedersachsen und Westfalen verwenden himil und hëvan abwechselnd, wie es scheint so, daß hëvan mehr den sichtbaren, himil den übersinnlichen himmel bezeichnet. Albr. von Halberst. (ed. 1545, 145 b ) braucht hëben (: nëben) für den ort. Reinolt von der Lippe häuft beide wörter: › himel und hëben von vreuden muz irkrachen‹. man sagt: ›de heven steit nümmer to‹, ›wenn de heven 583 fallt, liggwi dor all unner'‹, ›de sterren an dem häven ‹, in Westfalen bedeutet › hebenscheer ‹ umzognen himmel ohne regen, ja heben drückt wolke aus sanskr. nabas, slav. nebo (coelum) gr. νέφος, lat. nubes, nebula; ir. neamh, welsch. nêv, armor. nef. lett. debbes (coelum) debbeß (nubes). litth. dangus, von dengiu tego. . bei hävenhüne (s.  130 ), bei kukuk vam häven (s.  563 ) herscht der sinnliche begrif, dagegen würde man kaum anders sagen als: ›in den himel komen‹, oder himelrîk . Diese unterscheidung mag sich gleichwol erst später festgesetzt haben, und wie das ags. hëofon ganz abstract steht, wechselt auch der dichter des Hel. ab zwischen himilrîki 149, 8 und hëbanrîki 143, 24, himilfader 145, 12 und hëbancuning 143, 20. himil hat auch ursprünglich, und überall im hochd., zugleich die sinnliche bedeutung, daher uphimil Hel. 88, 15, wie uphcofon Cædm. 270, 24. wurzel von hëbhan, hëvan, hëofon scheint ein verlornes goth. hiba, haf, das ich dem lat. capio vergleiche, also: der fassende, allumfassende himmel, altn. vîđfeđmir , der weitumfahende himmelberge sind hohe, in die wolken reichende, oft als eigennamen: himinfiöll Sæm. 148 a Yngl. saga cap. 39; Himinbiörg Sæm. 41. 92 b ein göttlicher wohnsitz; Himilînberg (mons coelius), auf dem geister hausen (Pertz 2, 10); Himilesberg in Hessen (Kuchenbecker anal. 11, 137. Arnsb. urk. 118); Himmelsberg in Vestgötland und (angeblich der heimdalische) in Halland. Himelberc frauendienst 199, 10. . Ein andrer sächs. ausdruck läßt sich dem begrif des gr. αἰϑήρ an die seite setzen, während himil und hëvan dem οὐρανός entsprechen: alts. radur , ags. rodor . Cædm. bietet dar rodor 183, 19. 207, 8. uprodor 179, 10. 182, 15. 205, 2; rodortungol 100, 21. rodorbeorht 239, 10. In den späteren dialecten fehlt dieses wort, dessen wurzel ( rad ) noch im dunkel liegt, völlig. ich möchte altn. röđull (sol) hinzuhalten, das nichts mit rauđr (ruber) zu thun hat. Daraus daß bei ags. dichtern gleichbedeutig gesagt werden kann vuldres gim und heofones gim (Beov. 4142. Andr. 1269), heofonbeorht, rodorbeorht, vuldor beorht, heofontorht, svegl torht, vuldor torht, wäre fast für vuldor die ursprüngliche bedeutung coelum zu folgern, was auch den ahd. eigennamen Woldar hilt beleuchtet; ebenso für svegel (aether, coelum), vgl. svegles begong Beov. 1713. under svegle (sub coelo) Beov. 2149. sveglrâd (coeli currus) cod. exon. 355, 47; alts. suigli . Hervorzuheben ist das ags. sceldbyrig Cædm. 283, 23, das man nicht refugium oder sheltering city übersetzen darf, es bedeutet schildburg, aula clypeis tecta, und ist ein entschlüpfender heidnischer ausdruck, wie in der edda Valhöll › skiöldum þökt, lagt gyltum skiöldum , svâ sem spânþak‹ heißt (Sn. 2), mit goldnen schilden, wie mit schindeln gedeckt (s.  585 u. Nachtrag: Himmel stammt von hima, tego. ohne ableitungssilbe erscheint der stamm im altschwed. himirike. Bopp gl. 168 b dagegen leitet es von kam, splendere ab; dies bedeutet aber 65 b amare, was eher den ursprünglichen sinn von hegen, decken haben könnte. auch ahd. himil schon heißt laquear, lacunar. ags. scôp heofon tô hrôfe . hrôf ist laquear. sô himil thekit thaz lant. O. II. 7, 4. mit dem himel was ich bedacht . Tragemund. man sagt noch: der himmel ist meine decke , die erde mein bett. oder: der himmel ist mein hut , wie er altn. foldar hattr genannt wird. der himmel ist ein gewölbe, daher: under heofones hvealf . Beov. 1146. der himmel kann einbrechen: ich wände der himel waere enzwei (beim donnern). Dietr. drachenk. 122 a . 143 a . über den vergleich des himmels mit dem wölbenden, deckenden gaumen s. Haupts zeitschr. 6, 541. eine abweichende anschauung liegt im altn. ausdruck: und himinskautom. Sæm. 173 b . norweg. hibnaleite , himnaleite ist horizont, wofür auch der deutsche ausdruck kimming vorkommt. Nach dem tode kann man in den himmel (nicht heven) kommen, aber sonne, mond und sterne stehn in Niedersachsen am heven (nicht himmel). hevenscher , laufende wolken. brem. ndrs. wb. 4, 645. heven scheint mehr aether, was hernach alts. radur, ags. rodor ist. der himmel heißt östr. blolandl , das blaue ländchen, ahd. auch ûflîh , olympus, supernum. Graff 1, 172. Mit dem alts. radur , ags. rodor ( norđrodor . cod. exon. 178, 33) ist schwerlich verwandt skr. rôdas, coelum et terra. Bopp 295 b . bedeutet das vielleicht verwandte âlfröđull m. Sæm. 37 den mond? zu dem ags. ausdruck sceldbyrig halte man das ebenfalls von Cädmon 182, 22 gebrauchte dägscealdes hleo, des tagschildes (?) dach. .). Eddische benennungen Sæm. 49 b . Sn. 177; alle männlich, einige unverkennbar auf personification gegründet. der himmel wird als mann, die weibliche erde umfassend, gedacht; in die reihe der götter ist er aber, gleich Οὐρανός, nicht aufgenommen, 584 während die Erde unter den göttinnen steht. himmel bezeichnet uns den bloßen raum und aufenthalt der götter. Auf jenes räthselhafte wesen Mimir (s.  314 ) bezüglich sind zwei dichterische namen des himmels hreggmîmir (der regengießende, von hregg imber) und vetmîmir (der anfeuchtende? vgl. væta humor). Für den begrif des gestirns (sidus) ist unserer älteren sprache, außer staírnô , stërno , stëorra , stiarna (gramm. 3, 392) und ahd. himilzeichan (hymn. 4, 2), der sinnliche ausdruck ahd. himilzungâ Diut. 1, 526 b gl. Doc. 249. alts. himiltungal Hel. 18, 2, ags. heofontungol , rodortungol , altn. himintûngl eigen. ags. steht auch das einfache tungol mit gleichem sinn, und ebenso bietet eine goth. glosse zu Gal. 4, 3 tuggl astrum; altn. bezeichnet tûngl den mond. dies neutr. tungal, tungol, tûngl ist von tunga (lingua) abzuleiten, wie das unabgeleitete ahd. himilzungâ (Graff 5, 682) zeigt: der mond und einige planeten in ihrer theilweisen erleuchtung erscheinen sichel oder zungförmig und wol mag dabei eine cosmogonische vorstellung eine versetzung der zunge an himmel; oder ist das glimmern, die zuckende bewegung der gestirne gleichsam ein züngeln? dazu stimmt nicht das ruhige mondlicht, noch die ahd. form ohne L. obwalten; ich kenne aus andern sprachen nichts ähnliches. Allen gestirnen werden bestimmte stätten, plätze und stüle beigelegt, auf denen sie sitz und wohnung nehmen; sie haben ihr gestell und gerüste (sterrôno girusti O. I. 17, 10). zumal gilt das von der sonne, die jeden tag zu ihrem sitz, oder sessel niedergeht (s. cap.  XXIII ), aber auch den übrigen sternen wird ein solcher stul (Km. 25) und sedelgang zugeschrieben. N. Bth. 210. 223 sagt, daß Bootes ›trâgo ze sedele gange‹ und ›tiu zeichen negânt nicht in sedel ‹. Da die begriffe stul und tisch sich verknüpfen, könnten auch den sternen tische zustehn, oder sie, was dasselbe ist, für tische des himmels angesehn werden, wobei ich nicht an den ägyptischen sonnentisch, sondern näher an das › biođum yppa‹, sidera extollere der Völuspâ (Sæm. 1 b ) denke, die schaffenden Börs synir richteten gleichsam die tische des firmaments auf, biođr ist das goth. biuds, ahd. piot (oben s.  31 . 55 ). wie den ruhenden gestirnen stüle und tische , wurden den wandelnden, gleich allen göttern, rosse und wagen beigelegt der wagen gehört wirklich zu weg , carpentum zu carpere (viam); der himmelswagen ist auch der des höchsten gottes. Otfr. I. 5, 5 sagt vom verkündenden engel: floug er sunnûn pad , sterrôno stráza , wega wolkôno . auch den Indern ist wolkenpfad  = himmel. Somadeva 1, 17. 2, 157. Nachtrag: Skr. târâ f., zend. s'târ , gr. ἀστήρ , lat. stella aus sterna wird von Bopp vocal. 179 als der am himmel ausgestreute, von Benfey 1, 661 als der strahlenwerfende von stri gedeutet. Pott 1, 127 vergleicht mit sidus das litt. swidus, leuchtend und σίδηρος. doch scheint es eher zu sīdo, consīdo zu gehören, wie vielleicht auch stella und stern mit stehn zusammenhängt vgl. stalbaum und ›er (got) sitzet ûf den himel steln ‹: zeln (:weln). MSH. 2, 236 b (MS. 2, 166 b ). der stern heißt auch vermländ. tungel . Almqv. 391 a . Helsingl. 403 a , angermanländ. ist tongel måne. Almqv. 307 b . zunge bedeutet in mehreren sprachen flamme, die ja auch leckt. irisch heißen die sterne rinn , welches wort dem gal. roinn, spitze entspricht. liehtvaz wird das gestirn in den fundgr. 1, 145 genannt. Das ahd. girusti der sterne stimmt zum ags. hyrste gerûn, rodores tungel. Cædm. 132, 7. ›jeder stern saß auf seinem besondern stühlchen‹. KM. 31, 138. du förchst, wanns tonnert, ein tron werd vom himmel fallen. Garg. 181 b . die λαμπρὰ τραπέζα τοῦ ἡλίου erwähnt Aesop. 350. die sonne hat ein zelt: undir röđuls tialdi . Hervar. saga s. 438. die sterne werden als söhne und töchter aufgefaßt. da möhten jungiu sünnelîn wahsen ûz sîm liehten schîn. Wh. 254, 5 (s.  586 ). eina dôttur berr âlfröđull. Sæm. 37 a . in den lett. liedern heißen sterne śaules meitas , sonnenmädchen und deewa dêli , gottessöhne. Büttner no. 15. 18. 1842. . Die beiden hauptsterne sind sonne und mond , über deren geschlecht und benennung ich mich gramm. 3, 349. 350 geäußert habe, die sonne, als das größere gestirn, heißt einem mhd. dichter ›daz mêrere lieht ‹ (fundgr. 2, 12). Es ist der anführung werth, daß unter den eddischen namen des mondes einige noch in oberdeutschen volksmundarten fortleben. die zwerge heißen den mond skin (jubar), nicht anders die östlichen Franken schein (Reinwald henneb. id. 2, 159) gerade so neugriech. φεγγάρι (glanz), welches ausdrucks auffallende einstimmung zum altn. fengari (Sn. 177) ich sonst schon angemerkt habe. . in der unterwelt führt der mond den namen 585 hverfandi hvel , drehendes rad, in Steiermark (zumal dem Brucker kreis) gmoarat (Sartori Steiermark p. 82), wenn ich dies rota communis übersetzen darf; es könnte auch gemeiner, allen menschen zustehender rath, d. i. vorrath ausdrücken? daß man die sonne einem feuerrad verglich und das ihr entflammende element in gestalt eines rades darstellte, ist s.  515 . 516 ausgeführt. Tit. 2983 spricht vom sonnenrad . in der edda heißt die sonne ausdrücklich fagrahvel (das schöne, lichte rad) Sæm. 50 a Sn. 177. 223. die nord. rune für S wird sôl , die ags. ahd. sigil , sugil benannt, wofür ich (zu Andr. s. 96) segil , sagil , sahil mutmaße und nun auch das goth. sáuil , griech. ἥλιος vergleichen darf. aber der das sonnenzeichen ☉ führende goth. buchstab HV zeigt offenbar die gestalt des rades, welchem die gleichanlautende goth. benennung hvil  = ags. hveol , altn. hvël zugetraut werden muß; aus hvel entwickelte sich das isl. hiol , schwed. dän. hjul , altschwed. hiughl , aus ags. hveol , hveohl das engl. wheel , nnl. wiel und mit übergang in den labiallaut das fries. fial (Richth. 737). bei so vielfältigen abweichungen wagt man schon, das altn. jol , schwed. dän. jul , die benennung der wintersonnenwende heranzuziehen und auch ihr den begrif des rades zu eignen; die trennung beider formen müste aber sehr alt sein, falls der goth. monatsname jiuleis  = november verwandt wäre das nord. H. fällt im anlaut zuweilen ab, wie man gerade für das lallen der kinder isl. hiula und jula braucht. wirklich zeigt uns der saterländischfries. dialect jule, jole (rota). merkwürdig, daß man zu weihnachten in einigen schleswigschen gegenden ein rad ins dorf rollte, das hieß: at trillejuul i by . Outzen s. v. jöl s. 145. . hvel und hveol scheinen einer wurzel mit goth. hveila , ahd. huîla , der sich drehenden zeit (vgl. goth. hveilahvaírbs, ahd. huîlhuerbîc, volubilis). Auch einer andern sinnlichen vergleichung der sonne scheint hohes alter zuzustehn, sie galt dem kriegerischen sinn der vorzeit für einen runden, leuchtenden schild , und wir sahen vorhin (s.  583 ), daß der himmel selbst eine schildburg bildete. Notker, der cap. 71 in seinem text die worte vorfand: sinistra clypeum coruscantem praeferebat (Apollo) verdeutscht: ›an dero winsterûn truog er einen rôten skilt‹ und fügt dann die eigne bemerkung hinzu: ›wanda selbiu diu sunna einemo skilte gelîh ist‹. in dem deutschen recht und der deutschen poesie blinken die rothen schilde . aber noch Opitz 2, 286 nennt die sonne ›den schönen himmelsschild ‹. Unter allen die älteste und verbreiteteste vorstellung, welche man mit der sonne und den übrigen gestirnen verband, mag gleichwol die des auges gewesen sein. die cosmogonien der vorzeit ließen sie aus augen erschaffen werden. Den Parsen war die sonne auge des Ahurômazdâo (Ormuzd), den Aegyptiern rechtes auge des demiurgen, den Griechen auge des Zeus, unsern vorfahren auge Wuotans, und nach einer fabel der edda muste Ođinn sein eines auge dem Mîmir zu pfand setzen oder in dessen brunnen 586 bergen und darum wird er einäugig dargestellt. Ovid met. 13, 851 legt dem cyclops die worte in den mund: unum est in media lumen mihi fronte, sed instar ingentis clipei quid? non haec omnia magno sol videt e coelo? soli tamen unicus orbis . gleich dem riesen hat der gott (Wuotan, der himmel) nur ein auge, das ein rad und ein schild ist. ags. beácen godes Beov. 1135, die sonne, das große himmelszeichen den Serben heißt die tiefste stelle im see oko (auge). Vuks Montenegro 62. . mit diesem auge überschaut die gottheit die gesamte welt und nichts kann der spähenden verborgen bleiben, sie durchdringt alles wenn Il. 14, 344 gesagt wird:     οὐδ' ἄν νῶϊ διαδράκοι Ἠέλιός περ, οὖτε καὶ ὀξύτατον πέλεται φάος εἰσοράασϑαι, so gleicht das dem liede Wolframs 8, 28: obe der sunnen drî mit blicke wæren sin möhten zwischen si geliuhten. ; alle gestirne blicken auf die menschen hernieder πρέσβιστον ἄστρων νυκτὸς ὀφϑαλμός. Aesch. sept. c. Th. 300. . Die altn. dichter gestatten aber nicht nur sonne, mond und sterne augen des himmels, sondern auch, nach jener umdrehung des macrocosmus, das menschliche auge die sonne, den mond oder das gestirn des schädels, der stirne, brauen und wimpern zu nennen; ja das auge darf ein schild der stirne heißen, was jenen namen der sonne bestätigt. die sonne ist den altn. dichtern › gimsteinn himins‹ (gemma coeli) und ebenso den ags. ›heofones gim ‹ Beov. 4142. ›vuldres gim ‹ Andr. 1289 Nachtrag: Die sonne heißt der werlde schîn . MS. 1, 54 a . der hêrschein . Frommann mundarten 4, 98. 113 (doch s. anm. 1885 ). se äđela gleám . cod. exon. 178, 31. beorht beácen godes . Beov. 1134. skînandi gođ . Sæm. 45 a . 195 b . Die sonne wird als rad dargestellt in der Kaiserchr. 80. daz rat der sunnen. myst. 2, 180. heáđosigel , sol e mari progrediens. cod. exon. 486, 17. von drei sonnen spricht die Nialssaga c. 131 am schluß: til þess er þriar sôlir eru af himni. Nach O. Müller stammen sol und ἥλιος von einer gemeinschaftlichen grundform Savelios. s. Schmidts zeitschr. 2, 124 (kl. schr. 3, 120). etrusk. usil , sabin. ausel . Bopp vergl. gr. 42, 1318. 1319 leitet zend. hvare sonne und skr. sûra , sûrja sonne von svar, svarga himmel. ist Sûrjas gleich ἥλιος (aus σΓήλιος) und sol? (vorr. XLI . GDS. 301.) man könnte bei goth. sáuil auch an sáuls columna denken (kl. schr. 3, 120). Hvel , hveol ist auch das spinnrad, wie denn finn. die sonne gottes spindel Kalev. 32. 20 heißt (ihr gewöhnlicher name ist finn. päivä sol und dies, aber auch aurinko). vgl. das gestirn Freyjas spindel und Tertullians pectines solis. GDS. 107. vor der sonne steht ein schild . Sæm. 45 a . 195 b . wenn er niederfällt, entzündet er berge und wasser. Svalr heitir, hann stendr sôlo for, sciöldr scînanda gođi: biörg oc brim ec veit at brenna scolo, ef hann fellr î frâ. Ennius bei Varro 7, 73 nennt die sonne caeli clipeus und diese vorstellung ist auch slavisch. Hanusch 256. über die sonne als auge vgl. Kuhn bei Höfer 1, 150. Passow s. v. ὄμμα und ὀφϑαλμός. li solaus qui tout aguete. Rose 1550. auf das im brunnen geborgene sonnenauge mögen sich die namen Sunnebrunno bei Düsseldorf. Lacombl. 1 no. 68 (a. 874), Sonnenbrunne . Mone anz. 6, 227. Sunnebrunnen , Sonneborn im Gothaischen. Dronke trad. fuld. s. 42. 61. Sunneborn . Landau Hessengau 181. Somborn bei Gelnhausen. Sunnobrunnon . Werden reg. 236 und auch ougenbrunne 6, 230 beziehen. vgl. Förstemann 2, 1336. dem ags. vuldres , heofones gim cod. exon. 174, 30 entspricht skr. diei dominus, diei gemma für sol. Bopp 27 a . andere ags. bezeichnungen sind: folca friđcandel . Cædm. 153, 15. heofoncandel . 181, 34. rodores candel . Beov. 3143. voruldcandel . 3926. vyncandel . cod. exon. 174, 31. . Wie aber die sonne als bloßes auge, wurde sie auch als volles gesicht und antlitz des niederschauenden gottes dargestellt und so bildet man sie noch heute ab. schon Otfried drückt sich von der beim tode des heilands verfinsterten sonne aus (IV. 33, 5): in ni liaz si nuzzi thaz scônaz annuzzi , ni liaz in scînan thuruh thaz ira gisiuni blîdaz. In der edda treten sonne und mond als geschwister und kinder eines mythischen Mundilföri auf. Noch andere völker außer den Litthauern und Arabern (gramm. 3, 351) stellen, gleich uns, den mond männlich, die sonne weiblich vor. so ist der mexican. Meztli (luna) ein mann; der grönländ. mond Anningat verfolgt Mallina , die sonne, seine schwester. in einem ital. märchen (pentam. 5, 5) sind die geschwister Sole und Luna kinder der Talia (bei Perrault heißen sie Jour und Aurore). Den Slaven ist der mond männlich, der stern weiblich, die sonne neutral, daher z. b. in einem serb. lied (Vuk 1, 134) gott die sonne (suntze) sein kind (tschedo) nennt, und der mond (mesetz) ihr bruder, der stern (zvezda) ihre schwester heißt. sterne sich als kinder oder junge sonnen zu denken liegt nicht fern. Wolfram sagt Wh. 254, 5: ›jungiu sünnelîn möhten wahsen‹. 587 Das volk pflegte sich bis auf die spätere zeit, von sonne und mond redend, gern auszudrücken › frau sonne ‹, › herr mond ‹ frau Sunne (Görres meisterl. 184). daher altfranz. Solaus , ohne artikel. Bekker zu Ferabras p. 163. . Aventin 19 b : frauw Sonne geht zu rast und gnaden. auf dem land zwischen Inn und Salzach heißt es ›der hêr Mân ‹ ganz einfach für mond (Schm. 2, 230. 582). Gesner im Mithridates Tur. 1555 p. 28: audio veteres Germanos Lunum quoque deum coluisse et appellasse hermon , id est dominum Lunum, quod forte parum animadvertentes aliqui ad Hermann i. e. Mercurium transtulerunt, die letzte vermutung schlägt fehl. Hulderic. Eyben de titulo nobilis, Helmst. 1677. 4 p. 136: qua etiam ratione in veteri idololatrico luna non domina, dominus appellatur: bis gottwillkommen neuer mon, holder herr , mach mir meines geldes mehr er beruft sich dabei auf Dynkelspuhl tract. 1. praec. 1. p. 29. ist dies Nicolaus Dinkelspuel bei Jöcher? . So auch bei Nicolaus Magni de Gawe ( abergl. E 10): vetulam novi, quae credidit solem esse deam , vocans eam sanctam dominam ; und noch früher bei Eligius ( abergl. A ) nullus dominos solem aut lunam vocet vgl. s. 525 die anrede herr für den wind, und dobropan (s.  108 ). . In diesen anreden haftet die letzte spur einer heidnischen verehrung; vielleicht auch im sonnenlehn (RA. 278)? des neigens vor der sonne habe ich s.  26 , des fluchs ›der sunnen haz varn‹ s.  16 gedacht, wo sie einer gottheit gleichgestellt ist man will den namen der altmärkischen stadt Salzwedel, Soltwedel auf einen heidnischen sonnendienst zurück leiten (Ledebur allg. arch. 14, 370. Temme Altmark s. 29), da doch die erste silbe offenbar salz ausdrückt; wedel soll nachher beim mond erklärt werden. . ähnliches kniebeugen und hutabziehen geschah vor dem neumond ( abergl. E 11). beim eidschwur pflegt man die finger gegen die sonne zu recken (weisth. 3, 349) und schon Tacitus meldet ann. 13, 55 von Bojocalus: › solem respiciens , et cetera sidera vocans quasi coram interrogabat, velletne intueri inane solum‹ Nachtrag: Den Letten sind sonne und mond schwester und bruder. Bergm. 120. in Dalekarlien heißt der mond ungkarsol . Almqv. 261 (oder ist das nicht lappisch: sonne des junkare?). goth. mêna , ahd. mano , ags. mona , altn. mani überall männlich. kärnt. monet . Lexer kärnt. wb. aber auch diu maenin beglimet. v. gelouben 118 (glîmo, gleimo. Graff 4, 289). diu maeninne . MF. 122, 4. diu mâninne . Diemer 341, 22. 343, 11. 342, 27. der sun und diu maeninne . Karajan 47, 8. der sunne, diu maeninne . Kaiserchr. 85. 90. mhd. diu sunne . Haupt 8, 544. Diemer 384, 6. bei Rollenhagen: der harte mond, die liebe sonn. dagegen nannten die Angevins le soleil seigneur et la lune dame . Bodin rech. sur l'Anjou 1, 86. so scheint auch in der Kaiserschr. 3754 der hêrre sich auf sonne zu beziehen, jedoch im widerspruch mit s. 3756. der freischütz kniet gegen sonne , mond und gott . Baader III, 21. the worshippd sun , die verehrte, heilige sonne. Romeo 1, 1. man betete gegen die sonne. n. pr. prov. bl. 1, 300 und begrüßt sie s.  614 . 625 . zumal die aufgehende: ὁ δὲ εἰστήκει μέχρι ἕως ἐγένετο καὶ ἥλιος ἀνέσχεν. ἔπειτα ᾤχετ' ἀπιὼν προσευξάμενος τῷ ηλίῳ. Plato conviv. 220. ein sonnenfest wurde in Dauphiné gefeiert. Champollion dialect. s. 11. über den tartarischen sonnendienst. Kurd Schlözer 32. 33. bei den Tungusen muß der beschuldigte mit einem messer gegen die sonne treten, gegen sie fechten und ausrufen: ›bin ich schuldig, so lasse die sonne die krankheit wie dies messer in meinen eingeweiden wüten!‹ Klemm 3, 68. serb. tako mi suntza! Ranke s. 59. noch sagen wir bei warmem sonnenschein: die sonne meint es gut mit uns. Felsenb. 4, 241. Der mond heißt skr. nis'apati , noctis dominus, oder naxtrês'a , târâpati , stellarum dominus. poln. ksieęđźyc , herr der nacht. er ist hirt der sterne s. anm. 1857 . den mond ruft man gegen zorn an: heiptom scal mâna kveđia . Sæm. 27 b , und bittet ihn um reichthum. vgl. mit dem angeführten deutschen spruch den schwedischen bei Wieselgren 431 und in Dybecks runa 1844. s. 125 und den monjochtroger. Wolfs zeitschr. 2, 60. um den schädlichen einfluß des mondes abzuwehren, ruft man ihm in Bretagne zu: tu nous trouves bien, laisse-nous bien! Wenn er aufgeht, knien sie nieder und beten ein pater und ave. Cambry 3, 35. . Für das höhere alterthum darf das göttliche wesen der gestirne, zumal der sonne und des monds keinem zweifel unterliegen. nicht nur jene sinnlichen ausdrücke von antlitz, auge, zunge, rad, schild, tisch und wagen führen auf lebendige personification; wir sahen auch daß Caesar Sol , Vulcanus und Luna bedeutsam neben einander stellte (s.  85 vgl. s.  500 ). da Sôl in der edda unter den asinnen aufgezählt erscheint (Sn. 39) und sie schwester des Mâni ist (Sn. 12), hat dieser anspruch auf gleichen rang. Sæm. 1 b heißt aber Sôl sinni Mâna, gefährte des monds, sinni ist das goth. gasinþja, ahd. kasindeo, sindo, und im Merseburger lied wird der göttlichen Sunnâ statt des begleitenden bruders merkwürdig eine schwester Sindgund , deren namen wiederum das geleit vgl. sunnagahts , sungiht (solis iter) obens. 513 und sunnan siđfät (iter) Cædm. 182, 25. 588 ausdrückt, gegeben (oben s.  256 ); vielleicht war sie ein morgen oder abendstern? Man müste wissen, wie die frühere und verborgne vorzeit zwischen sâuil und sunnô dem geschlecht und der mythischen anwendung nach unterschied; war sáuil, sagil gleich dem lat. sol, gr. ἥλιος männlich, so dürften Sunnâ und Sindgund als weibliche monde gedacht werden, wie Luna und Σελήνη, doch das altn. sôl erscheint altn. nur weiblich, sunne schwankt noch im mhd. auffallend zwischen männlichem und weiblichem genus (gramm. 3, 350) Nachtrag: Götter werden auf sonne und mond bezogen. Bacchus ist sol, Ceres luna. Macrob. sat. 1, 18. Virg. Geo. 1, 5. nach Finn Magnusen ist Freyr sol, Freya luna und sind vier namen der Freya: Mardöll, Horn, Gefn, Sŷr oder Siofn, Lofn, Vör, Syn vier mondphasen. lex. mythol. 357. 359. auch Christus wird oft dem sol, Maria der luna verglichen. der nhd. spruch: ›die sonne scheint, der mond greint ‹ ist alt. mnl. seder dat die maen grên . Potter 2, 104. mhd. diu sunne beschînet, diu maenin beglîmet . v. gelouben 118 (s. anm. 1811 ). . Wie es auch hierum stehe, auf die göttlichkeit der sonne darf ich ferner beziehen, daß sie gleich den andern göttern (s.  15 . 23 . 300 . 301 ) als froh , lieb und gnädig dargestellt wird. O. IV. 33, 6 nennt ihr ›gisiuni blîdaz , thes sih ioh worolt frewita‹, und ein gedicht des 13 jh. (zeitschr. f. d. a. 1, 493. 494) drückt sich so aus: wol dir frouwe Sunne du bist al der werlt wunne! sô ir die Sunnen vrô sehet schœnes tages ir ir jehet. der êren ir der sunnen jehet, swenn ir si in liehtem schîne sehet. im folgenden cap. werde ich noch andere belege anzuführen haben. Die persönliche natur der sonne und des monds zeigt sich außerdem in einer fast durch die ganze welt verbreiteten vorstellung. beide in ihrem unablässigen, unaufhaltsamen lauf durch den raum des himmels scheinen zu fliehen und einem verfolger zu weichen. zwei wölfe sind es, die ihnen nachstellen, Sköll fährt hinter der sonne, Hati hinter dem mond her; sie stammen aus einem riesengeschlecht, und Mânagarmr (mondhund) der mächtigste unter ihnen, wie es scheint, nur ein andrer name für Hati, wird einmal den mond erreichen und verschlingen . wie ausgebreitet diese überlieferung herschte ist schon s.  202 . 203 dargethan worden aus Fischarts Garg. 130 b trage ich nach: ›sah den wolf des mons ‹. Rabelais 1, 11 hat: la lune des loups . in alten kalendern werden die finsternisse so dargestellt, daß zwei drachen sonne und mond im rachen haben. Mones untersuch. s. 183. . Eine nebensonne (vädersol) heißt schwed. solvarg , solulf (sonnenwolf). Ihre dial lex. 165. Nichts war den Heiden fürchterlicher als die nahende verfinsterung der sonne oder des monds, womit sie zerstörung aller dinge und weltuntergang in verbindung brachten; sie wähnten, das ungeheuer habe schon einen theil des leuchtenden gestirns in seinen rachen gefaßt und suchten es durch lauten zuruf wegzuschrecken. Daher eifert Eligius ( abergl. A ): nullus, si quando luna obscuratur , vociferare praesumat, dieses geschrei › vince luna! ‹ das wäre ahd. karih mâno! goth. jiukái mêna! aber auch später wird nie so etwas angeführt. meint der indicul. paganiar. cap. 21 de lunae defectione, und 589 Burchard ( abergl. G. 193 b ) durch das clamoribus aut auxilio splendorem lunae deficientis restaurare . in den nord. denkmälern, die doch das drohende verschlingen am ausführlichsten erzählen, geschieht des geschreis keine meldung: vielleicht war es unter Celten und Römern gebräuchlicher als unter Deutschen. S. Maximus von Turin, kirchenvater des 5 jh., predigt in einer homilia de defectu lunae: cum ante dies plerosque de vestrae avaritiae cupiditate pulsaverim, ipsa die circa vesperam tanta vociferatio populi exstitit, ut irreligiositas ejus penetraret ad coelum. quod cum requirerem, quid sibi clamor hic velit, dixerunt mihi, quod laboranti lunae vestra vociferatio subveniret, et defectum ejus suis clamoribus adjuvaret laborare die stelle hebt Ducange 6, 1618 s. v. vinceluna aus; im abdruck der homilia Maximi taurin. ›de defectu lunae‹ bei Mabillon mus. ital tom. I. pars 2. p. 19. 20 steht sie nicht. . verwendet auch Juvenal G, 442 jam nemo tubas, nemo aera fatiget, una laboranti poterit succurrere lunae vgl. Tac. annal. 1, 28 und Boeth. de consol. 4 metr. 5: ›lassant crebris pulsibus aëra‹. . Mit sicherheit darf ich annehmen, daß ähnliche abergläubische vorstellungen und gebräuche bei finsternissen unter alten und neuen völkern bloß bei Griechen und Slaven bin ich ihnen nicht begegnet. vorkommen. Der indische glaube ist, eine schlange fresse sonne und mond, wann sie verfinstert werden (Bopps glossar 148 a ) oder ein daemon (râhus) schlinge sie (Bopps Nalas s. 153. 272. Somadeva 2, 15. 187). noch heute halten die Hindus dafür, ein riese greife dann die gestirne an und wolle sie verschlingen (Broughton popular poetry of the Hindoos p. 131). die Chinesen nennen die sonnenfinsternis shischi (solis devoratio), die mondsfinsterniss jueschi (lunae devoratio) und beziehen beide auf einen nachstellenden drachen. fast bei allen völkerschaften des nördlichen Asiens gilt diese meinung, die Tchuwaschen bedienen sich des ausdrucks wubur sijat (daemon comedit). (Guil. Schott de lingua Tschuwaschorum p. 5.) die europäischen Finnen glauben ähnliches, bei den Ehsten heißt es: ›sonne, mond, wird gefressen‹, und vorzeiten suchte man das durch beschwörende formeln zu hindern. (Thom. Hiärn. Mitau 1794 s. 39.) Die Litthauer lassen einen daemon (Tiknis oder Tiklis) den wagen der sonne anfallen, dann entspringt finsternis und allen geschöpfen bangt, daß die liebe sonne unterliege; es ist lange verhindert worden, muß aber doch am weltende erfolgen (Narbutt 1, 127. 142). Bei mondfinsternissen tragen die Grönländer kisten und kessel auf die hausdächer und beginnen heftig darauf zu schlagen (Cranz Grönland 3, 294). Ein reisender Engländer erzählt von den africanischen Mauren: als die sonnenfinsternis ihren höchsten grad erreicht hatte, sahen wir das volk wie unsinnig hin und her laufen, und flinten nach der sonne abfeuern, um das ungeheuer zu schrecken, welches das gestirn des tages ihrer meinung nach verzehren wollte . 590 in den ebenen und auf den höhen von Tripolis ertönte todesgesang (ein geschrei ›wulliali wu!‹) und so längs der ganzen küste. die weiber schlugen kupfergeräth aneinander und machten damit einen lerm , der stundenweit gehört wurde morgenblatt 1817 p. 159 a . vgl. Niebuhrs beschr. Arab. 119. 120. Nachtrag: Sonne und mond werden nach Pohjola geraubt . die gefangene sonne wird mit Perkuns hammer befreit. n. preus. prov. bl. 1, 299. kl. schr. 2, 84. 98. vgl. donec auferetur luna. Ps. 72, 7. der dämon Râhus bedroht bei der verfinsterung sonne und mond. Kuhn in Höfers zeitschr. 1, 149. Holtzmann ind. sagen 3, 151. ein drache will den mond verschlingen. a. 1225. Caes. heisterb. 3, 35 (b. Kaufmann s. 55). das schwed. solulf ist dän. solulv . Molb. dial. s. 533. aber auch aus zorn oder kummer verliert die sonne ihren schein. Sunna irbalg sih thrâto suslîchero dâto ni liaz si sehan woroltthiot thaz ira frônisga lioht. hintarquam in thrâti thera armalîchun dâti.   O. IV 33, 1. ioh harto thaz irforahta   O. IV 33, 14. sonnenfinsterniß entsteht bei großem jammer, wie z. b. bei Christi tod, beim tode des von Meran: ez moht diu liehte sunne ir schîn dâ von verlorn hân.   Wigal. 8068. stelle d. Hraban. Maurus b. Wh. Müller s. 159. 160. eine schöne beschreibung einer sonnenfinsterniss giebt Pindar fr. 74. Böckh, 84 Bergk. von abergläubischen gebräuchen bei der sonnenfinsterniß von 989 sagt Thietmar merseb. 4, 10: sed cunctis persuadeo christicolis, ut veraciter credant, hoc non aliqua malarum incantatione mulierum vel esu fieri, vel huic aliquo modo seculariter adjuvari posse . Der dem mond feindliche daemon heißt den Finnen capeet . die capeen fraßen am mond, wenn eine finsternis war. Hiärn s. 37. 39. Juslen hat capet eclipsis lunae. Renvall s. v. kavet , gen. kapeen, pl. kapeet hat bloß die bedeutung daemon und genius vgl. Peterson s. 31. Renvall s. v. kuumet mondschein und genius myth. lunae inimicus . man vergleiche das deducere lunam et sidera ( anm. 2715 ), wobei auch erwähnt wird: et faceret, si non aera repulsa sonent. Tibull. 1. 8, 22. aera verberent . Martial. 12, 57. cum aeris crepitu , qualis in defectu lunae silenti nocte cieri solet. Liv. 26, 5. vgl. Plutarch 4, 1155. Bei mondfinsternissen schießen die Osseten auf den mond, sie glauben, daß ein böses in der luft fliegendes ungeheuer sie verursache, und feuern solange darauf los, bis die finsterniss aufhört. Kohl Südrussl. 1, 305. vgl. die legende in Caesar heisterb. hom. 3, 35 (Mainzer zeitschr. 1, 233). . Nach einem mongolischen mythus wollten die götter den Aracho für seine unthaten strafen, er hatte sich aber so gut versteckt, daß niemand seinen schlupfwinkel ausfindig machen konnte. man fragte daher die sonne , sie gab unbefriedigende antwort, als man den mond fragte, entdeckte er Arachos aufenthalt. Aracho wurde nun hervorgezogen und gezüchtigt; zur rache dafür verfolgt er sonne und mond , und so oft er mit der einen oder dem andern in handgemenge geräth, entstehen verfinsterungen . um die himmelslichter aus ihrer noth zu retten wird mit musikalischen und andern instrumenten lermendes getöse gemacht , wodurch sich Aracho zurückschrecken läßt Benj. Bergmanns nomad. streifereien 3, 41. Nach Georgii alphab. tibetan. p. 189 sind es ungeheuer namens Tracehn, oben wie menschen, unten wie schlangen gestaltet, die sonne und mond nachstellend ihre verfinsterung veranlassen. . Ein merkwürdiger zug ist auch hier die nachfrage bei sonne und mond , welche die welt überschauen, denen nichts verheimlicht werden kann. Castrén myt. 62. ebenso wird in unsern deutschen märchen von dem suchenden gefragt bei sonne , mond und sternen (KM. no. 25. 88 vgl. 3, 218. 219), bald erscheinen sie hilfreich und mitleidig, bald aber grausam und menschenfressend. (Vuk no. 10). In den serbischen liedern unterhalten sich mond und morgenstern (danitza) von den begebenheiten der menschen (Vuk 3, 3). Während einer verfinsterung der sonne (ich weiß nicht, ob auch des monds) pflegt man die brunnen zu verdecken, weil sonst ihr wasser unrein werden würde (abergl. 589 ). Darf eine spur von heidnischem mondcultus darin gesucht werden, daß man zur grenzbezeichnung auf felsen und steine das bild des monds einhauen ließ? RA. 542 ist die alamannische urkunde von 1155 angegeben, welche diesen brauch sogar auf könig Dagobert zurückleitet. noch in westfälischen urkunden des 17 jh. finde ich halfmond schnadsteine vertheidigung der burg Wulften. Wien 1766. beilagen s. 71. 72. 162. , falls hier der ausdruck halfmond nicht etwas anders aussagt. In Baiern gibt es einen Mondsee, ahd. Mâninsêo (lunae lacus), in Östreich einen Mânhart (lunae silva, bei Ptolemaeus ἡ Λοῦνα ὕλη) sollte Manhart aus Maginhart entspringen? Helbl. 13, 190 hat Meinhartsberc . , ihnen beiden dürfen mythische bezüge zugetraut werden. Da sich nach dem mondwechsel, der augenfällige wochen (s.  105 ) darbietet, die zeit leichter als nach der sonne berechnen läßt, so scheinen unsere ahnen neben dem sonnenjahr für den gemeinen gebrauch ein mondjahr gekannt zu haben, dessen 591 dreizehn monate den zwölfen des sonnenjahrs entsprachen. Die wiederkehrende periode von 28–29 tagen hieß darum mênôþs , mânôd von mêna, mâno. aus gleichem grund war es natürlich nach nächten zu zählen, nicht nach tagen: ›nec dierum numerum sed noctium computant, sic constituunt, sic condicunt, nox ducere diem videtur‹. (Germ. c. 11). etwa wie man auch das jahr nach dem winter nannte, der sich zum sommer gleich der nacht zum tag verhält. Alle fristen wurden nach sieben nächten, vierzehn nächten, monaten und wintern anberaumt. Hiervon hängt nun weiter ab, daß die erscheinungen des mondes entschiednen einfluß auf bedeutende unternehmungen hatten. das ist es was Jornandes cap. 11 lunae commoda incommoda que nennt. zwar alle arbeiten und verrichtungen waren durch tag und sonnenzeit bedingt, sowol der krieger (RA. 297) als der knechte (das. 353), vorzüglich auch der gerichte (das. 814–816). Sollte hingegen neues und wichtiges gepflogen werden, so richtete man sich nach dem mond; das hat nicht den sinn, daß die berathung bei nacht gehalten, die handlung bei nacht begonnen wurde, sondern es geschah an tagen, deren nächte günstiges mondlicht hatten; ›coeunt, nisi quid fortuitum et subitum inciderit, certis diebus, quum aut inchoatur luna aut impletur . nam agendis rebus hoc auspicatissimum initium credunt.‹ Tac. Germ. 11. eine nox illunis ist Tac. ann. 1, 50 zum fest gewählt. Der mond gewährt nun zwei bestimmte vierzehntäglich eintretende erscheinungen, die in der angeführten stelle bezeichnet sind: er beginnt seinen lauf, oder er hat die fülle seines lichts erreicht. von jenem punct an nimmt er unaufhörlich zu, von diesem an unaufhörlich ab. alle in der mitte liegenden gestalten sind für die sinnliche wahrnehmung minder verlässig. Unsichtbarkeit des monds ist nur in der einen nacht zwischen dem verschwinden des letzten und dem aufgehn des ersten viertels, im neumond (der conjunction von sonne und mond); ebenso besteht der vollmond nur von dem augenblick an, wo die reine kugelgestalt sich aus der des gewachsnen ersten viertels entwickelt, bis zu dem zeitpunkt, in welchem sie wieder aufhört. Die gemeine ansicht rechnet aber jene nox illunis schon zu dem neuen licht und umgekehrt läßt sie die abnahme gleich mit dem vollmond beginnen. Gothisch hieß das πανσέληνον fulliþs m. oder fulliþ n. (gen. pl. fulliþê), woraus man auch niujiþs für die νουμηνία folgern darf; seltsam aber wird diese Col. 2, 16 durch fulliþs übertragen, was mir ein bloßes versehn und nicht daraus erklärbar scheint, daß den Gothen der vollmond festlicher gewesen wäre. Auch ags. muß dieser fylleđ genannt worden sein, wie aus dem monatsnamen vinterfylliđ folgt, der nach Beda (de temp. rat. 13) ab hieme et plenilunio so hieß. doch die späteren quellen geben nive môna und full môna . vielleicht galt ein ahd. niuwid und fullid? zu belegen sind nur die neutra niumâni und 592 folmâni niuwer mâno N. ps. 80, 4. foller mâno ps. 88, 38. vol und wan (leer) werden Cap. 107. 108 gebraucht, und Cap. 147 hornaht , halbscaftig und fol ; vgl. Hel. 111, 8 wanod ohtho wahsid . , Graff 2, 222 führt außerdem niwilune auf; mhd. daz niumœne und volmœne , letzteres steht Trist. 9464. 11086. 11513 Nachtrag: Der mondwechsel heißt des mânen wandelkere. Parz. 470, 7. des mânen wandel. Parz. 491, 5. des mânen wandeltac. Parz. 483, 15. die zeit des mondscheins wird ausgedrückt durch: sô den mânen sîn zît in der naht herfür gît. Er. 1773. bei blickendem monde. Ph. v. Sittew. sold. leben p. m. 125. neumond nennen wir die conjunction von sonne und mond, die Griechen aber rechneten die νουμηνία vom erblicken der neumondsichel in der dämmerung, also das neue licht nach der conjunction. K. Fr. Hermann gottesd. alterth. s. 226. vollmond wird zum ›afbräken maan‹ gerechnet. Goldschmidt oldenb. volksmed. 144. ahd. mânôtfengida neomenia, calendae Graff 3, 415 vgl. fengari s. 584 . anafang mânôdis N. 80, 5. mhd. ein niuwer mâne hât nâch wunsche sich gestalt, er hât gevangen harte werdeclîche. MS. 2, 99 a . welsch blaennewydd erstes neu. die begrüßung des neumonds lautet bei den Esthen: mond, werde alt, ich bleibe jung! Böcler Ehsten 143. alsam ein voller mâne . MS. 2, 83 a . höifylde plenilunium. Molbech dial. lex. nova luna est cornuta unde plena rotunda est. N. Boeth. 171. von den hörnern des mondes kam man zur mondskuh . Pott 2, 252. Die fehmformel RA. 51 hat: helen und hoden vor sunne, vor mane, vor alle westermane . was bedeutet dies letzte wort? die sonne wird im osten, der mond im westen stehend gedacht. vgl. östen for sol, og vesten for maane . Asbjörnsen og Moe 2, 6 ff. . Altn. finden wir für beide perioden die neutra nŷ ok niđ , formelhaft alliterierend; nŷ stimmt zu novilunium, und bedeutet das neue licht, niđ das niedergehende, abnehmende, von dem verlornen stamm niđa, nađ, dem auch die partikel niđr (deorsum) und nâđ (quies, ahd. ginâđa) angehört. nŷ ist also das beginnende erste viertel bis zur fülle, niđ die zeit, wo die fülle anhebt zu schwinden bis zum erlöschen des lichts im letzten viertel, beide nŷ und niđ stoßen an der grenze zusammen, zwischen den spitzesten zünglein des wachsenden und schwindenden scheins. vorzugsweise verstand man aber niđ von dem ruhenden mondlicht (interlunium) und niđamyrkr bezeichnet völlige dunkelheit (luna silens). Beide schufen gütige götter den menschen zur jahrzählung: › nŷ ok niđ skôpo nŷt regin öldum at ârtali‹, Sæm. 34 a nach Alvîsmal nennen die âlfar darum den mond ârtali (ahd. jârzalo?) Sæm. 49 b . , › Mâni stŷrir göngu tûngls oc ræđr nŷjum oc niđum ‹, Sn. 12, Mâni lenkt des mondes lauf und waltet über die neumonde und vollmonde. wahrscheinlich tritt auch hier personification ins spiel, denn Nŷji und Niđi sind nach Völuspâ 11 (Sæm. 2 b ) zwerge, d. h. himmlische geister, die mit jenen mondsveränderungen nŷ ok niđ , wir wissen nicht näher wie, zusammenhängen man halte zu niđ ok nŷ das gr. ἕνη καὶ νέα. . man sagt ›þat gengr eptir nŷum ok niđum‹, res alternatur, et subit lunae vices. altschwed. gesetze haben die formel › ny oc niđar ‹ für allzeit, unter jedem mondwechsel, Gutalagh p. 108. ›i ny ok niđa ‹ Sudh. bygn. 32. Upl. vidh. 28, 1. Vestg. thiuv. 22, 1, hier scheint im zweiten wort das neutr. aufgegeben und ein persönliches masc. eingetreten. neuschwed. › ny och nedan ‹, dän. › ny og næ ‹, ›det gaaer efter nye og næe ‹, ›hverken i nye eller næ ‹, d. i. niemals, ›naar nyet tändes‹, quando nova luna incenditur, altdän. sagte man für næ noch ned , need . jenem niđamyrkr entspricht aber ein schwed. nedmörk  = stockfinster. Der nord. sprachgebrauch weicht insofern von dem hochdeutschen ab, daß er die gänzliche verdunklung durch niđ ausdrückt, während wir sie mit neumond (d. i. nŷ) bezeichnen; uns steht neumond dem vollmond gegenüber, den Scandinaven niđ dem nŷ, und jedes derselben gilt für die hälfte des mondlaufs. seitdem die angabe des ersten und letzten viertels üblich ward, dienen vollmond und neumond bloß für die dazwischen liegende fülle und leere, jetzt hat man auch schwed. fullmåne, dän. fuldmaane als gegensatz zu nymåne, nymaane eingeführt, wodurch das alte ned, næ entbehrlich und ny etwas anders bestimmt wird spätere isländische benennungen sind: blanŷ (schwarzes neu, interlunium) prîm (nova luna) auch nŷqveikt tûngl; hâlfvaxid tûngl (erstes viertel); fûllt tûngl (plenilunium); hâlfþrotid tûngl (letztes viertel). auch hier sind die alten namen unnütz geworden, blânŷ vertritt niđ und prim nŷ. . Obschon ahd. sprachdenkmale kein neutrum niuwi N. Cap. 100 steht mânen niwi (fem.). darbieten, so kann eine solche dem nord. nŷ ähnliche form bestanden haben, da das Mülhauser statut aus dem 13 jh. (Grasshof s. 252) einem fremden, wenn er sich in der stadt niederlassen will, sich zu versuchen gestattet ›ein nuwe und ein wedil, daz sint vier wochin‹, Mart. von Amberg beichtspiegel ›das vol und das neu ‹ und noch Dasypodius ›das newe , interlunium‹ auch Tobler 331 b ›das neu , der wachsende mond‹ angibt. für den abnehmenden hat dieser letztere 404 b › nid si gehender‹, was an niđ erinnert, sonst auch der schwined mo, ahd. diu suînenta mânin N. ps. 88, 38, und im gegensatz diu folla Nachtrag: Taga blod emellan ny och nedan . folks. 1, 111. das schwed. nedmörk ist gr. νὺξ σκοτομήνιος . Od. 14, 457. aberglaube von ned und ny, nedaxel und nytändning. Rääf 110. 116. in Dalekarlien heißt der neumond åväxand . Almqv. 262 b , der halbe mond in der edda inn skarđi mâni . Sæm. 134 b , wie denn Perkuns den mond durchhaut . Rhesa 92. 192. das nord. ny heißt mhd. daz niu . Diemer 341, 22 also si (diu mâninne) an daz niu gât und iewederen halben ein horn hât. 343, 12 da si an daz nû gie. 342, 27. diu mâninne gât niht ze sedele an deme niu noch an deme wedele . dagegen Diemer 341, 21 diu mâninne chrump wirt unde chleine . wie im angeführten Mülhauser statut heißt es in einem Salfelder (Walch 1, 14): wer da mit uns hierinne in der stat sitzet nuwe unde wedil und kouft und verkouft. neu und völle des monds. Ettner unw. doct. 435. so hat Luna zwei angesicht, das ein gen New und Abnew gricht. Thurneisser archidoxen 147. von neu bis zum wedel . Gotthelf erz. 4, 14. vollmond, bruch oder vollschein. franz. Simpl. 2, 301. wachsen und abnehmen heißt wahsen unde swînen . Barl. 241, 24. mnl. wassen ende wanen . Rose 4638. vgl. anm. 1824 . einen indischen mythus vom schwindenden und wachsenden mond hat Holtzmann ind. sag. 1, 5–8. KM. 3 3, 401. dem veränderlichen mond kann die mutter kein kleid zuschneiden . KM. 3 3, 347. Plutarch in conviv. sept. sap. Aesop. Furia 396. Corais 325. Garg. 135 b . . Allein es ist noch ein andrer weit verbreiteter und vermutlich alter ausdruck beizubringen, der schwankend für die wechselnden phasen des mondlichts, meistens für plenilunium, zuweilen aber auch für interlunium gebraucht wird: mhd. wedel : ›im was unkunt des mânen wedel ‹ Martina 181 c , nhd. wadel , wädel aber mehr unter dem volk und bei den jägern, als in der schriftsprache. Pictorius 480, Stald. 2, 456, Tobler 441 b haben wedel , wädel vollmond, wädeln vollmond werden, wann seine hörner zusammenstoßen, d. h. die runde sich ausfüllt. Keiserspergs postille 138 b : ›ietz so ist er nüw, ietz fol, ietz alt, ietz die erst qvart, ietz die ander qvart, ietz ist es wedel ‹, hier werden vollmond und wedel aber unsicher unterschieden, deutlich in einer andern stelle Keiserspergs (Oberlin 1957) vom merz: ›wan es ist sein wedel , sein volmon‹. Dasypodius ›plenilunium, der volmon, wädel ‹ s. v. luna hat er aber: ›plenilunium vollmon oder bruch ‹, ebenso s. v. bruch ; das bedeutet abbruch, defectus und bestätigt, daß wir vom vollmond an die abnahme rechnen. s. wörterbuch 2, 408. Nach Muchars Norikum 2, 36 heißt der auf- und abnehmende mond der gesunde und der kranke mann . . in Deutschböhmen ist wädel für vollmond gemeinüblich, andere merkwürdige belege gewährt Schm. 4, 22. Aber auch in Niederdeutschland ist das wort bekannt, Böhmers Kantzow s. 266 schreibt wadel hier heißt es nach Tacitus: ›setzte keinen tag an anders wan uff den newen mon oder uff den vollen mon, dan nach dem wadel hielten sie es vnglucklich‹. wadel begreift also beide phasen des neuen und vollen monds, scheint aber die des ersten und letzten viertels auszuschließen. , das brem. wb. 5, 166 waal vollmond (wie aal f. adel, sumpf); Kilian: waedel , senium lunae. nach der ausdrucksweise abergl. 973 sollte man wädel für eine allgemeine benennung des monds halten, sei er wachsend oder abnehmend, weil dem bösen wädel nothwendig ein guter, im geschäft günstiger entgegensteht. wadel , wedel bedeutet nun das wedelnde, hin und her bewegte und gilt vom 594 schweif der thiere, flabrum, flabellum, cauda, es wird entweder wie zungâ, tûngl auf die spitze des strahlenden lichts zu beziehen oder der mond das am himmel schweifende gestirn sein. zu dieser letzten auslegung fügt sich eine stelle des ags. gedichts von der Finnesburger schlacht z. 14: ›nu scîneđ þes môna vađol under volcnum‹, der unter den wolken wandelnde mond, vađol für das adj. vagus, vagabundus genommen. Wahrscheinlich wurde schon das ahd. wadal auf den mond angewandt, als adj. vagus (Graff 1, 776) oder als subst. flabellum (Graff 1, 662). Da nun dieses subst. nicht bloß flabellum, sondern auch fasciculus bedeutet, so ließe sich die benennung endlich mit dem bündel reisholz verknüpfen, welches eine nachher vorzutragende sage in die flecken des vollmonds versetzt Nachtrag: Hängt wedel mit skr. vidhu , luna zusammen? Bopp 321 b . wedel steht in den anm. 1830 angeführten wendungen dem neumond gegenüber. hölter im wadel gehouwen. Haupts zeitschr. 3, 90. ein loch im schedel gehackt im bösen wedel. Uhland s. 658. Arnbras. 152. über wedel, guten und bösen wedel und wedeln s. Liliencron in Haupts zeitschr. 6, 368. 363. 364. Kuhns zeitschr. 2, 131. wadal hysopes, fasciculus hysopi. Diut. 1, 494 a . . Litth. jáunas menů novilunium, pilnatis plenilunium, puspilis (erstes v.), pusdylis (letztes v.), delczia (luna decrescens) d. h. der stumpfe, abgeschliffene, tarpijos (interlunium) von tarp (inter), puspilis bedeutet halbvoll, pusdylis halbstumpf und gehört zu delczia abstumpfung, abnahme; ich finde auch menůu tusczias (der leere, ledige mond). die sichelgestalt des halbmonds heißt litth. dalgakynos . lett. jauns mehnes novilunium, pilna mehnes plenilunium, mehnes punte luna accrescens, wezza mehnes wezza mehnes der alte mond. in einer schottischen ballade: ›I saw the new moon late yestreen wi' the ould moon in her arm‹. Jamieson 1, 159. Percy 1, 78. Halliwell p. 167.168. , luna senescens. Finn. uusikuu novilunium, täysikuu plenilunium, ylikuu luna accrescens, alakuu decrescens, gebildet mit uusi novus, täysi plenus, yli superus, ala inferus, wodurch die erklärung des altn. niđ bestätigt wird. Die Serben unterscheiden von mijena (novilunium) mladina (luna accrescens, das erste viertel), puna (plenilunium), uschtap (luna decrescens). sloven. mlaj , mlad (junges licht, novilunium), polna (plenilunium), ship (plenilunium, wol auch luna decrescens von shipati kneipen, abbrechen; poln. now , böhm. nowy (novilunium) poln. pelnia , böhm. auplnek (plenilunium). Auch hier ist wieder wahrzunehmen, daß unter roheren stämmen mehrfache, lebendigere ausdrücke der naturerscheinungen bestehen, unter den gebildeten aber abstracte, einförmige an deren stelle treten. ohne zweifel besaß die deutsche sprache in ihren verschiednen zweigen vor alters noch andere benennungen als niđ und wadel . Tacitus sagt bloß daß die Germanen ihre versamlungen zur zeit des neuen oder vollen monds hielten, nicht ob diese beiden perioden für alle unternehmungen ohne unterschied gleich günstig erachtet wurden. Vermutlich eigneten gewisse dinge sich für den neumond, andere für den vollmond, der neumond regte durch seine frische, der vollmond durch seine fülle an der neumond war alten völkern besonders heilig, so den Griechen die ἕνη καὶ νέα, was auch allein ἕνη = sanskr. amâ (neumond) ausdrückte. des Odysseus rückkehr wurde zu dieser zeit erwartet, Od. 14, 162: τοῦ μὲν φϑίνοντος μηνός, τοῦ δ'ἱσταμένοιο. auf neumond nach frühlingsnachtgleiche ist Râmâs geburt angesetzt (Schlegel zu Râmâj. I. 19, 2). wahrscheinlich zündete man bealteine m diesem frühlingsneumond. . 595 Caesar 1, 50 hinterbringt uns den ausspruch weiser frauen zu Ariovists zeit: ›non esse fas Germanos superare, si ante novam lunam proelio contendissent‹. den ausgang der schlacht vermutete man, wenigstens in diesem besondern fall, nur dann günstig, wenn sie im neumond gefochten werde. Soviel ich aus den späteren überresten des deutschen aberglaubens, mit denen der schottische bei Chambers 35 b . 36 a zu vergleichen, schließe ist der neumond , der auch vorzugsweise ›holder herr‹ genannt wurde (s.  587 ), für eigentliche beginne eine heilbringende zeit. ehen sollen in ihm geschlossen, häuser in ihm auferbaut werden. ›novam lunam observasti pro domo facienda aut conjugiis sociandis‹ ( abergl. C 193 b ), letzteres ganz so im ehstn. abergl. no.  1 . bei neumond soll man in ein neues haus ziehen (abergl. 429 ), nicht bei abnehmendem ( 498 ); im neumond geld zählen ( 223 ), er mehrt den vorrath (vgl. s.  587 ), dagegen schadet, wenn er in leeren beutel scheint ( 107 ). Überall herscht die vorstellung, daß geld, eheglück und haussegen, gleich dem licht des himmels wachsen und zunehmen werden. Nicht anders geschieht haar und nägelschnitt im neumond (franz. abergl. no. 5, Schütze holst. id. 3, 68) damit sie wieder nachwachsen; vieh wird im zunehmenden licht entwöhnt (no.  757 ), im schwindenden würde es abmagern; nach litth. abergl. no.  11 sollen mädchen in abnehmendem, knaben in vollem licht entwöhnt werden, wahrscheinlich um jenen schlanke, zierliche, diesen aber starke gestalt zu verschaffen. Heilsame kräuter, reiner thau sind im neumond zu sammeln: ›tou an des mânen niwi gelesen‹, N. Cap. 100 (vgl. 25), weil sie dann frisch und lauter sind. Wenn es no.  764 heißt, daß trauungen im vollmond erfolgen sollen, 238 , daß man im zunehmenden oder vollen mond neue wohnung beziehen müsse, so scheint dann vollmond fülle des wachsenden lichts, ohne nebenbegrif der beginnenden abnahme zu bedeuten. Galt das liefern der schlacht im neumond als regel, so muß dabei das wachsen und steigen des siegs, nicht das abnehmen, erliegen des feindes ins auge gefaßt worden sein zum neumond sprechen die Ehsten: sei gegrüßet mond, daß du alt werdest und ich jung bleibe! Thom. Hiärne s. 40. . Bei vollmond (im gegensatz zu neumond) d. h. bei abnehmendem licht sind geschäfte zu verrichten, die trennung oder auflösung, fällen oder erlegen beabsichtigen. so würde z. b. eine ehe geschieden, ein haus abgebrochen, eine seuche vertrieben werden müssen im abnehmenden mond, falls ich recht vermute. Hierher gehört die vorschrift holz im wald zu fällen wenn wadel ist, gleichsam damit das gefällte holz trockne. in einem Straßb. 1511 bei Hupfuff gedruckten calender: ›es ist gut holz anheben 596 abzuhauen mit des mondes wedel‹. so wird noch in vielen neueren forstbüchern gelehrt, der vollmond heißt darum holzwadel : bei zunehmendem mond (im bösen wädel) soll man kein holz schlagen (abergl. no.  973 ). Keisersperg menschl. baum Straßb. 1521. 19: ›es ist alwegen im wedel baum abzuhauwen und gewild zu schießen‹ in Demerara wächst ein dem mahagoni ähnlicher baum walala genannt; fällt man ihn im neumond, so ist sein holz hart und schwerspaltig, im vollmond aber weich und leichtspaltig. schneidet man bambusbretter im neumond, so dauern sie zehn jahre, im vollmond, so faulen sie binnen einem jahr. . gras im neulicht nicht zu mähen, sondern im vollmond (litth. abergl. 7 ), damit das heu schnell dürre? auch schätze sind im vollmond zu heben. Wenn man bei wachsendem mond federn in ein bett füllt, so haften sie nicht (no.  372 . 914 ); auch dies geschäft fordert abnehmendes licht, gleichsam um die gerupften federn vollends zu ertödten und zur rast zu bringen. Würfe man bei wachsendem monde gräben auf, so würden sie bald wieder zuwachsen, gräbt man sie aber bei abnehmendem, so werden sie immer tiefer und größer. aderlaß bei schwindendem monde macht, daß das blut abwärts dringt und die beine beschwert (Tobler 404 b ), man nehme ihn also bei wachsendem oder steigendem licht vor. Vuk s. v. mijena erzählt, daß Serbinnen im neumond kein hemd waschen, die ganze leinwand, behaupten sie, würde sich im wasser vermonden (omijeniti), d. i. aufbauschen und schnell zerreißen; man könnte auch dafür, daß im abnehmenden mond wäsche zu halten sei, den grund geltend machen, gleich dem schwindenden licht solle flecken und unreinheit weggenommen werden Nachtrag: Das umgekehrte von dem, was Caesar b. Gall. 1, 50 von den Germanen meldet, erzählt Pausan. I. 28, 4 von den Lacedaemoniern, die nur im vollmond gestritten hätten. im neumond trägt man silber und gold hervor. abergl. G. v. 108. quaedam faciunda in agris potius crescente luna, quam senescente: quaedam contra, quae metas, ut frumenta et caeduam silvam. ego ista etiam, inquit Agrasius, non solum in ovibus tondendis, sed in meo capillo a patre acceptum servo, ni decrescente luna tondens calvus fiam. Varro RR. 1, 37. das mondlicht macht faul und reif, holz bei mondschein gehauen verfault leichter. Athen. 3, 7. die würmer kommen in unrecht gehauenes holz: hölzer die man nit zu rechter zeit des mons und monat gehauen hat. Petr. mihi (?) 108 b . si (die faßbinder) howent raif (schlechte reife) an dem niwen mân. teufelsnetz 11127. holunder im abgehenden oder wachsenden mond schneiden. Gotthelf schuldbauer 14. je nach dem mondschein tritt mehrung oder minderung der speise ein. Bopps gloss. 122 b . Ohne das mondlicht sind kräuter ohne geruch und geschmack Holtzmann ind. sag. 1, 6. 8. N. Cap. 25: tes mânen tou ist anagenne unde sâmo saphes unde marges. trinkt man aus einem krug, in den der mond scheint, so wird man mondsüchtig. Stelzhamer 47. . Ich habe versucht hinter abergläubischen gebräuchen einen sinn zu entdecken, der vielleicht nahe an ihre ursprüngliche bedeutung trift. solche analogien zwischen absicht und mittel waren wenigstens dem alterthum überall nicht fremd; das heilige wasser schwemmt alles unheil mit sich fort (s.  489 ), der absprang sprengt alle krankheit ab (s.  492 .) So stellt sich der leidende gegen den abnehmenden mond und fleht: wie du abnimmst mögen meine schmerzen abnehmen (no. 245), es kann aber auch, in andrer wendung, dem neumond zugerufen werden: du magst zunehmen, mein übel mag abnehmen! (no. 492.) Das kehren des antlitzes gegen das gestirn halte ich für eine spur heidnischer mondsverehrung wer dem mond im spiel den rücken zukehrt hat unglück (no. 801). der seemann aber hütet sich im schlaf sein gesicht dem vollmond zuzuwenden, er würde mit blindheit geschlagen werden. . Diese art des aberglaubens ist längst schon in die engeren schranken des ackerbaus und der viehzucht zurückgewiesen; wir würden sie deutlicher erkennen, wenn uns ihre anwendung auf das öffentliche leben aus dem alterthum gemeldet wäre. auf opfer, loose, kriegführung wird damals die beachtung der mondwechsel manigfach eingeflossen haben. Manches erscheint verwirrt, weil 597 wir nicht alle umstände überschauen, manches wird auch nach den völkern verschieden gewesen sein. Des hausvaters tod im abnehmenden mond gilt nach deutschem abergl. ( 856 ) für ein unheil, man wähnt, daß nun das ganze geschlecht abnehmen werde; die ehstnische ansicht ( 41 ) hält sterbfälle im neumond für unglückbringend, etwa weil noch mehrere folgen? Früchte, die über der erde wachsen, sind in zunehmendem, die unter der erde , in abnehmendem licht zu säen (Jul. Schmidt p. 122); bei Westendorp. p. 129 aber: dat boven den grond wast, by afnemende maan, dat onder den grond wast, by toenemende maan te zaaien. Gutslaf (Wöhhanda s. 49 vgl. das erratum) bemerkt, wenn der mond in der faulzeit (im dritten viertel, kus se kuh mäal) stehe, solle man keine wintersaat säen. Der satz in des Eligius predigt ( abergl. A ): nec luna nova quisquam timeat aliquid operis arripere, ist unverständlich, solange man nicht weiß, welche art von verrichtungen darunter gemeint wird. Die flecken und schattigen vertiefungen im licht des vollmonds haben bei mehren völkern seltsame aber ähnliche mythische vorstellungen hervorgebracht. dem indischen volksglauben erscheinen sie wie ein hase , nemlich Chandras, der gott des monds, trägt einen hasen (sasa) und der mond heißt darum sasin oder sasânka (hasenmahl, flecken) Schlegels ind. bibl. 1, 217. nach Bopps gloss. 346 a ist ein sanskr. name des monds lepore praeditus . leporem gerens . . Auch nach mongolischer lehre zeigen die mondschatten eines hasen gestalt Bergmanns streifereien 3, 40. 204. Majers myth. wb. 1, 540. . Bokdo Dschagdschamuni (andere nennen ihn Schigemuni), der oberste regent des himmels, hatte sich einst in einen hasen verwandelt, bloß um einem verhungernden wandersmann zur speise zu dienen; zu ehren dieser tugendhaften handlung setzte Churmusta, den die Mongolen als mächtigen tängäri verehren, die figur eines hasen in den mond. Folgendes erzählen die einwohner von Ceilon: während Buddha, der große gott, als einsiedler auf erden weilte, verirrte er sich eines tags im wald. nach langem umherwandern begegnete er einem hasen , der ihn anredete: ›kann ich dir nicht helfen, schlag den pfad zur rechten hand ein, ich will dich aus der wildnis geleiten‹. ›dank dir‹, versetzte Buddha, ›aber ich bin arm und hungrig, ich vermag deine gefälligkeit nicht zu belohnen‹. ›bist du hungrig‹, sagte der hase, ›so zünde ein feuer ein, tödte, brat und iß mich‹. Buddha machte feuer; gleich hüpfte der hase hinein. Nun bewies Buddha seine göttliche kraft, riß das thier aus den flammen und versetzte es in den mond. seitdem ist in dem mond immer ein hase zu sehn Douce illustr. of Shakspeare 1, 16 aus dem mund eines französischen reisenden, dem auf Ceilon die einwohner oft sein fernrohr abgefordert hatten, um damit den hasen im mond zu betrachten. . Der phantasie des Grönländers sind diese flecken spuren der finger Malinas, womit sie den schönen rennthierpelz des Anninga berührte (Majers myth. taschenb. 1811 p. 15). 598 Eine altn. fabel erzählt: Mâni (der mond) nahm zwei kinder, Bil und Hiuki von der erde weg, als sie eben aus dem brunnen Byrgir wasser schöpften und den eimer Sægr an der stange Simul auf ihren achseln trugen. Diese kinder gehn hinter dem Mâni her, wie man noch von der erde aus sehen kann (svâ sem siâ mâ af iörđu). Sn. 12. Daß hierunter nicht die phasen des monds sondern seine flecken verstanden wurden, folgt schon aus dem bilde selbst. der mondwechsel kann nicht die vorstellung zweier kinder mit dem wassereimer auf ihren schultern erzeugen. dazu kommt, daß das schwedische volk bis auf heute zwei leute, die einen großen eimer auf der stange zusammen tragen, in den mondsflecken erblickt Dalin 1, 158: men ännu fins den meningen bland vår almoge. Ling eddornas sinnebildslära 1, 78: ännu säger allmänheten i Södraswerge, att månens fläckar äro tvenne varelser, som bära en bryggså (brückeneimer). . Bil war vermutlich ein mädchen, Hiuki ein knabe, und jene mag mit der Sn. 39 neben Sôl genannten âsynja dieselbe sein; hier wird zwar Bîl geschrieben, aber ohne zureichenden grund; das neutr. bil bedeutet momentum, interstitium, und ein ähnlicher begrif würde für irgend eine erscheinung des monds schicklich sein (vgl. s.  310 über ahd. pil). Was uns das wichtigste scheint, aus dieser heidnischen einbildung vom kinderstehlenden mondsmann , welche auch außerhalb dem Norden in ganz Deutschland und vielleicht weiter im schwang gewesen sein wird, hat sich hernach eine christliche modification ergeben. Man erzählt, der mann im mond sei ein holzdieb , der am heiligen sonntag unter der kirche waldfrevel verübt habe und nun zur strafe in den mond verwünscht worden sei: da erscheint er mit axt auf dem rücken und reisholzbündel (dornwelle) an der hand . ganz deutlich hat sich die wasserstange des heidnischen märchens in den axtstiel, der getragene eimer in den dornbusch umgewandelt; die idee des diebstals wurde beibehalten, vorzüglich aber heilighaltung des christlichen feiertags eingeschärft; der mann leidet weniger strafe darum, weil er brennholz gehauen, als daß er es sonntags gethan hat nach einer westfälischen sage verdornte der mann am sonntag die kirche, und wurde darum mit dem busch in den mond versetzt. . die untergeschobne geschichte stützt sich auf iv Mos. 15, 32–36, wo von einem mann erzählt ist, der am sabbat holz gelesen und den die israelitische gemeinde zu tod steinigte, alles ohne erwähnung des monds und seiner flecken. Wann diese fabel in Deutschland zuerst erschien vermag ich nicht nachzuweisen, jetzt ist sie fast allgemein herschend ein schönes lied davon hat Hebel gedichtet, ausg. p. 86–89: ›me het em gsait der Dieterle ‹, wobei Schm. 2, 583 fragt: ist hier Dieterich von Bern auf classische weise in den himmel versetzt? man müste nur erst versichert sein, daß der dichter den namen aus der tradition empfieng. ; wäre die benennung des vollmonds wadel , wedel im sinn von reiserbündel im Hennebergischen bedeutet wadel reisig, gebundne reiswelle, zumal von tannenzweigen, wadeln reisholz machen (Reinwald 2, 137), was freilich auch daher rühren kann, daß man im vollmond holz haut. , 599 selbst aus ihr zu erklären (s.  594 ), so gebührt ihr schon ein hohes alter. Tobler in Appenz. sprachsch. 20 b erzählt folgender gestalt: ›an arma ma het alawil am sonnti holz ufglesa. do hedem der liebe gott dwahl gloh, öb er lieber wött ider sonn verbrenna oder im mo verfrüra (andre sagen: inn kaita mo ihi, oder i dhöll abi,) do willer lieber inn mo ihi. dromm siedma no ietz an ma im mo inna, wenns wedel ist. er hed a püscheli uffem rogga.‹ Kuhns märk. sagen no. 27. 104. 130 liefern drei verschiedene erzählungen, nach der einen soll ein besenbinder am sonntag reiser gebunden oder eine spinnerin gesponnen, nach der andern ein mann mist gebreitet, nach der dritten kohlstauden gestolen haben und die gestalt mit dem reisbündel, der spindel, mistgabel und kohlstaude die mondflecken bilden. Das erste mir bekannte zeugnis liefert Fischart Garg. 130 b : ›sah im mon ein männlin, das holz gestohlen hett ‹, und noch bestimmter sagt Praetorius weltbeschr. 1, 447: die abergläubischen leute gaben vor, die schwarzen flecken im mondlicht seien der mann, der am sabbat holz gelesen und darüber ist gesteinigt worden. Die holländische volkssage läßt den mann gemüse stehlen, mit dem ›bundel moes‹ auf den schultern zeigt er sich im mond (Westendorp p. 129). Ziemlich alt scheint die englische überlieferung. Chaucer im testament of Creseide 260–64 schildert den mond als lady Cynthia: her gite was gray and ful of spottis blake, and on her brest a chorle paintid ful even bering a bush of thornis on his bake whiche for his theft might clime no ner the heven, der dornbuschträger wird seines diebstahls wegen nicht in den himmel gelassen und muß im mond bleiben. Ritsons ancient songs (Lond. 1790) p. 35 enthalten ›a song upon the man in the moon‹, welcher beginnt: mon in the mone stond and strit, on is bot forke is burthen he bereth , hit is muche wonder, that he na doun slyt, for doutelesse he valle, he shoddreht and shereth, when the forst freseth, muche chele he byd, the thornes beth kene, is hattren to tereth . auf einer traggabel schleppt er, zitternd vor kälte, eine last dörner, die ihm das gewand zerreißen, er hat sie gehauen und ist vom flurhüter gepfändet worden; das schwere, oft unverständliche lied stellt ihn als faulen alten dar, der bald stille steht, bald fortschreitet (strit) und dazu betrunken ist: der sonntagsentweihung wird nicht gedacht. Shakspeare redet einigemal von dem mann im mond, seinem hund und seinem dornbusch: tempest 2, 2. I was the man in th' moon, when time was . . . . I have seen thee in her, and I do adore thee, my mistreß shewd me thee and thy dog and thy bush . midsummern. 3, 1: one must come in with a bush of thorns and a lanthorn and say he come to present the person of moonshine. auch bei Gryphius bindet der den mond vorstellende schauspieler einen busch um den leib vgl. das irische elfenmärchen no. 20. . 600 Zwei andere abweichende deutungen der mondsflecken haben gleichfalls biblische anknüpfung. Einmal soll es Isaac sein, der ein bündel holz selbst zu seiner opferung auf den berg Moria trägt Praetorius weltbeschr. 1, 447. . dann aber Kain, mit einer bürde dornen auf den schultern , um gott dem herrn die geringste gabe seines feldes darzubringen auf die bekehrten Heiden scheint die sage von dem ersten brudermörder vorzüglich tiefen eindruck gemacht zu haben; sie denken sich ihn als einen bösen riesen, vgl. Beov. 213 ff. und oben s.  434 . . hierfür zeugt schon Dante, parad. 2, 50:                 che sono i segni bui di questo corpo, che laggiuso in terra fan di Cain favoleggiare altrui? und inferno 20, 126: Caino e le spine . Landino sagt zu dieser stelle: ›cioè la luna, nella quale i volgari vedendo una certa ombra, credono che sia Caino, c'habbia in spalla una forcata di pruni ‹. ein andrer commentator: ›accomodandosi alla favola del volgo, che sieno quelle macchie Caino, che inalzi una forcata di spine ‹. Alle diese auslegungen treffen darin überein, daß sie eine menschengestalt in den mondsflecken annehmen, die etwas auf der schulter trägt, sei es den hasen, die stange mit dem eimer, die axt mit den dornen oder die bloße dornenlast das dem nord. mythus wesentliche wasser fehlt in der sage vom mann mit dem dornbusch, findet sich aber wieder in einer krainerischen (s. l. statt kramerischen), welche Brentanos Libussa s. 431 anführt: der mann im monde heißt Kotar und macht ihn durch wassergießen wachsen. . aus dem holzdieb und brudermörder werden die mondsflecken, aus dem spreudieb (s.  296 ) die streifen der milchstrasse gedeutet. Es muß noch andere überlieferungen gegeben haben. ein niederländ. dichter des 14 jh. redet von den dunkeln streifen, welche stehen recht int midden van der mane, dat men in duitsche heet ludergheer ; an einer andern stelle heißt es lendegher van Wyn avondstonden 1, 306. Bilderdijk verklarende gestachtlijst der naamworden 2, 198 hat ludegeer , ludegaar und deutet, sicher falsch, luikenaar (leodiensis). übrigens berichtet er die bekannte fabel: 't mannetjen in de maan, dat gezegd werd een doornbosch op zijn rug te hebben, en om dat hy't gestolen had, niet hooger ten hemel te mogen opklimmen, maar daar ingebannen te zijn. das letzte wie bei Chaucer. (leudegher?) und Willems (messager de Gand 1, 195) liest nach einer hs. von 1351 ›dat men in dietsch heet lodegeer ‹; mir ist keine dieser formen verständlich, vielleicht liegt der eigenname Ludgêr (ahd. Liutkêr) Leodegarius im spiel und eine jetzt verschollene sage des mittelalters. Eine schöne geistliche, gewis nicht von ihm ersonnene deutung überliefert uns Berthold 145: der mond sei Maria Magdalena, die flecken seien ihre reuig vergossenen zähren Nachtrag: Die mondsflecken erscheinen nicht nur wie ein hase, sondern auch wie ein hirsch . Hitzig Philist. 283. nach einer grönländischen sage fuhr die schwester Sonne ihrem verfolgenden bruder Mond mit rußigen händen über das gesicht, woher die mondflecken stammen. Klemm 2, 314. nach neuseeländischer anschauung gleichen dieselben einer sitzenden frau, welche Gnatuh zupft. a. o. 4, 360. Die Rantumer halten den mann im mond für einen riesen, der zur zeit der flut gebückt, zur zeit der ebbe aufrecht steht. Müllenhoff s. 360, sonst erscheint er auch in diesen gegenden als ein schaf- oder kohldieb no. 483 wie in Holland. vgl. die walachische sage bei Friedr. Müller no. 229 und die westfälische bei Woeste 40. in der Ukermark trägt er ein gebund erbsenstroh. Haupts zeitschr. 4, 390. und sprechend die laien, es sitz ain man mit ainer dornpürd in dem monen. Megenberg 65, 22. Ettners med. maulaffe 156 redet von einem bündel holz, um den mond anzufeuern. Burno, nom d'un voleur, que les gens de la campagne prétendent être dans la lune. Grandgagnage 1, 86. nach Schott haut in der altchinesischen überlieferung ein mann im monde beständig mit einer axt in den riesenbaum kuei, dessen spalten sich aber gleich wieder schließen; er büßt für seine sünden, die er als anachoret begieng. In Wallenhausen (in Schwaben) pflegte man sonst am pfingstmontag das dornbüschele auszureiten. drei buben ritten nach dem ziel, die beiden ersten erhielten preise, dem dritten aber wurde ein dornbüschel auf den rücken gebunden. in Baiern lassen die schnitter ähren stehn, tanzen herum und singen: o heiliga sanct Mäha , bescher ma a annasch gahr meha, so vil körntla, so vil hörntla, so vil ährla, so vil gute gährla, so vil köppla, so vil schöckla, schopp dich städala, schopp dich städala, o heiliga sanct Mäha! die gebundnen halme stellen des h. Mäha städala (stadel) vor, das stopften , füllten sie mit ähren. doch muß bemerkt werden, daß in Baiern sonst der mond mâ , nicht mäha, heißt. Panzer beitr. 2, 217 ( anm. 390 ). Der anm. 1850 erwähnte Kotar war ein von der göttin Triglava geliebter hirte und wurde von ihr in den mond gesetzt. finn. ist kuutar mond. Kalev. 22, 270. 26, 296 oder mondjungfrau, von kuu mond, est. ku , morduin. ko . kuumet heißt der verfolger des monds. Peterson s. 31. 33. der mann im monde heißt ludergheer im bruder Gheraert ed. Clarisse s. 132. vgl. den Sachsenhelden Liudegêr im Nib. lied und Gödekes Reinfried 90. . Geringeren einfluß aber auf abergläubische vorstellungen und gebräuche als der mond hat die sonne . zauberkräftige kräuter 601 müssen, wo nicht bei mondschein, wenigstens vor sonnenaufgang gebrochen werden (s.  517 ), heilbringende wasser vor sonnenaufgang geschöpft (s.  487 ). Die aufsteigende sonne verscheucht allen zauber, und zwingt die geister in ihre unterirdische wohnung. Zweimal des jahrs wendet die sonne ihren lauf, im sommer um zu sinken, im winter um zu steigen. diese sonnwenden begieng das heiligthum feierlichst, von dem sommerlichen fest sind noch jetzt die Johannisfeuer übrig (s.  513  ff.). Je höher in Norden hinauf, desto stärkeren eindruck muste jedes solstitium hervorbringen, zur zeit des sommerlichen herscht fast beständiger tag, zu der zeit des winterlichen beständige nacht. Schon Procop (ed. bonn. 2, 206) beschreibt es, wie nach ihren 35 tagen nacht die Thuliten berggipfel erklimmen und die nahende sonne erspähen. dann feiern sie ihr heiligstes fest Nachtrag: Zu Ostern tanzt die sonne s. 241 . nach indischem glauben tanzt die sonne und die Inder grüßen sie tanzend, ihren tanz nachahmend. Lucian. de saltatione cap. 17. . Tacitus meldet (cap. 45), über die Suionen hinaufwärts lasse die untergegangene sonne so lichten glanz hinter sich, daß er bis zum morgen die sterne bleiche. sonum insuper audiri, formas deorum et radios capitis aspici , persuasio adjicit. Diese stelle hätte ich cap. 6 für das dasein germanischer götter geltend gemacht, wenn mir nicht glaublich schiene, daß dergleichen nachrichten zu den Römern weniger aus Deutschland selbst gedrungen, als durch allgemeinere reisesagen unter ihnen verbreitet waren. Strabo 3, 1 (Tsch. 1, 368) führt aus Posidonius eine sehr ähnliche erzählung von dem rauschen der untergehenden sonne in dem meer zwischen Spanien und Africa an: μείζω δύνειν τὸν ἥλιον ἐν τῇ παρωκεανίτιδι μετὰ ψόφου παραπλησίως, ὡσανεὶ σίζοντος τοῦ πελάγους κατὰ σβέσιν αὐτοῦ διὰ τὸ ἐμπίπτειν εἰς τὸν βυϑόν. aber auch unter den Deutschen kann schon damals die meinung verbreitet gewesen sein; die strahlenden häupter , gleichsam ein heiligenschein, wurden s.  269 erörtert, im folgenden cap. will ich diesen wunderbaren klang der auf und untergehenden sonne weiter besprechen. Merkwürdig ist auch in dem alten ags. zwiegespräch zwischen Saturn und Salomon (Thorpes anal. p. 100) die deutung der abend und morgenröthe; ›saga me forhvan byđ seo sunne reád on œfen? ‹ ›ic þe secge, forþon heo locađ on helle.‹ ›saga me, hvî scîneđ heo svâ reáde on morgene? ‹ ›ic þe secge, forþon hyre tvynađ hväđer heo mäg þe ne mäg þisne middaneard eondscînan svâ hyre beboden is.‹ abends ist sie roth, weil sie zur hölle blickt, morgens in der ungewisheit, ob sie ihren lauf vollführen möge. Nicht bloß von sonne und mond, auch von den übrigen sternen hatte das heidnische alterthum vielfache kunde und sage. Jornandes äußerung (cap. 11) ist doch merkwürdig, daß den Gothen schon zu Syllas zeit unter Dicenaeus außer den planeten und himmelszeichen 344 sterne, die von aufgang nach untergang rennen, bekannt gewesen seien. wie wenige wissen wir heute mit deutschen namen zu nennen! 602 Der volksglaube denkt sich die gestirne in beziehung auf den einzelnen menschen hold oder feindlich swem die sternen werdent gram, dem wirt der mâne lîhte alsam.   Frid. 108, 3. . welche constellation ihm bei der geburt leuchtete, die nimmt ihn sein ganzes leben hindurch unter ihren schutz; das heißt: unter einem guten, glücklichen stern geboren werden. aus dieser richtung und diesem einverständnis waltender gestirne wird das schicksal geweissagt. Umgekehrt doch schwerlich aus heimischer quelle, wird Renner 10984 gesagt, jeder stern habe einen engel, der ihn an die stätte weise, da er hingehen solle. Es ist fromme gewohnheit abends beim schlafengehen die leuchtenden gestirne zu grüßen (abergl. 112 ), oder wenn der abendstern aufgeht ein gebet zu verrichten (neugriechische sitte). Nach der edda waren alle gestirne feuerfunken aus Muspellsheim, die in dem luftraum herumflogen, bis ihnen die götter sitz und gang anwiesen. Sn. 9. Sæm. 1. Entzündete dünste, welche bei gestirntem himmel, feurigen faden gleich, schnell durch die luft niederfallen, lat. trajectio stellae, stella transvolans, ital. stella cadente, franz. étoile filante, span. estrella vaga, schwed. stjernfall, dän. stiernskud, was die Griechen διάγειν (überführen, trajicere) nennen, werden bei uns von dem volk einem reinigen des sternlichts zugeschrieben: sie gleichen dem feuerfunken, den man von einem geputzten licht niederwirft. schon Wolfram sagt Wh. 322, 18 dehein sterne ist sô lieht, ern fürbe sich etswenne n. liest ›sûbere sich‹. schon ahd. furban (mundare, expiare). . daher noch heute: die sterne putzen, schneutzen sich, im subst. sternputze , sternschnuppe . Diese fallenden sterne sind vorbedeutsam bei den Griechen (Reinh. fuchs p. lxxii ); in einem gedicht von Béranger; ›mon enfant, un mortel expire, son étoile tombe à l'instant‹. , wer sie erblickt, soll ein gebet sprechen (abergl. 595 ); dem armen mädchen fallen geldstücke damit herunter (KM. no. 153), ja was man wünscht, während die schnuppe sinkt, wird erfüllt (Tobler 408 b ). Schön vereinigt der litth. mythus die fallenden sterne mit der sage vom schicksal: die werpeja (spinnerin) beginnt den faden der neugebornen menschen am himmel zu spinnen und jeder faden endet in einen stern. naht nun der tod des menschen, so reißt sein faden und der stern fällt erbleichend nieder. Narbutt 1, 71. Der comet heißt schweifstern , haarstern , bei Aventin 74 b 119 b pfauenschwanz (Schm. 1, 327). sein schweif bei Detmar 1, 242 schinschove , von schof strohbündel, sein erscheinen kündet gefahrvolle ereignisse, zumal königs tod (Greg. tur. 4, 9): ›man siht an der zît einen sterren, sam einen pfawen zagel wît, sô müezen siben sachen in der werlt ergân‹, MsH. 3, 468 h Nachtrag: Von den sternen gilt glimmern, flimmern, funkeln. sternen glast . MS. 2, 5 b . ein sternen blic . Parz. 103, 28. von morgensternen heißt es ûfbresten . swenne der morgensterne ie früeje ûf brast . MS. 2, 5 b . an der sterren brunste . Diut. 1, 352. sterre enbran und schein 1, 351 vgl. N. Cap. 97. das untergehen, niederfahren der gestirne heißt gr. ᾄσσειν, ἀΐσσειν z. b. Eurip. Iphig. Aul. 9. In Ungarn sind schon 280 einheimische sternnamen gesammelt. Wolfs zeitschr. 2, 160. magyar. myth. 582. mehrere sternnamen bei Ossian. Ahlwardt 2, 265. 277. 3, 257. Arfvidss. 1, 149. 206. armenische findet man in Dulaurier chronologie arménienne. 1859. 1, 180. 181. Man rief die sterne an, so den hesperus. Bion 11. sie waren götterboten, wie der arctur im prolog z. Plaut. Rudens. sie richten den liebenden botschaft aus. Vuk no. 137. Die sterne sind hold oder feindlich . quaeritis et caelo Phoenicum inventa sereno, quae sit stella homini commoda quaeque mala   Prop. III. 21, 3. von sterndeutung ist. auch MS. 1, 189 b die rede. prov. hieß astrucs (astrosus), heureux und malastrucs , malheureux. ihr sterne ist in der brunst , dieweil ihre sterne schon versauset . Phil. v. Sittew. s. 614. sterne nehmen an der geburt (s.  717 ) und am tode (s. 602 ) antheil. sie werden von engeln bedient. Tommaseo 1, 233. wegen des Atreus unthat änderte gott den umlauf aller gestirne. Plato im politicus s. 269. 271. Die sterne bilden die heerde des mondes. der mond weidet sie. Spee p. m. 163. 210. 227. im serbischen liede (Vuk no. 200) heißt es: od sestritze svezde preodnitza, schto preodi preko vedra neba kao pastir pred belim outzama. welcher stern ist da unter preodnitza (percurrens) gemeint, ›der durch den himmel wandelt, wie der hirte vor den weißen lämmern?‹ vgl. no. 362: osu se nebo zvezdama i rabno polje outzama d. h. besät sich der himmel mit sternen und das weite feld mit lämmern. auch pentam. 3, 5 (s. 310): quanno esce la luna a pascere de rosata le galinelle (siebengestirn). Über die sternschnuppen s. Humboldt Kosmos I, 393. sie heißen sternfürwe Mone 8, 497. östr. stearnraispn (räuspern), stearnschnaitzn (schneutzen). Stelzh. 135–144. engl. starshoot . gal. dreug , dreag . der stern fällt vom himmel dem mädchen in schoß. Müllenhoff s. 409. vgl. non cadere in terram stellas et sidera cernis? Lucret. 2, 209. die sternschnuppen sind vorboten von krieg und sterben. Klemm 2, 161. das volkslied sagt: es flogen drei sterne wol über den Rhein, einer witwe starben drei töchterlein.   Simrock no. 68. Der comet heißt altn. halastiarna . ir. boidrealt , von bod cauda und realt stella. skr. dhûmakêtu , fumi vexillum. die Inder nennen den schweif elefantenzahn, die Chinesen besen. Kosmos 1, 106. Procop 1, 167 nennt den stern ξιφίας, schwertstern, πωγωνίας , bartstern. sein erscheinen kündet unglück an. daher heißt er die erschreckliche zornrute gottes. Lucae chron. 249. et nunquam caelo spectatum impune cometen. Claudian b. get 243 (vgl. crine vago 247). . 603 Die überlieferung unseres heidenthums von einzelnen gestirnen ist größtentheils verschollen und selbst die namen sind durch gelehrtastronomische benennungen fast verdrängt worden: nur wenige haben sich in altn. sage, oder unter dem gemeinen volk erhalten können. Ob die planeten nach den großen göttern genannt waren, wissen wir nicht; es ist keine spur davon anzutreffen, selbst nicht im Norden. planetarische tagnamen scheinen, wiewohl sehr frühe, aus der fremde eingeführt (s.  101  ff). An sich ist es kaum denkbar, daß die Heiden, wenn sie einzelne fixsterne durch eigenthümliche benennungen hervorhoben, nicht auch die wandelsterne, deren erscheinung und wechsel weit mehr ins auge fiel, hätten unterscheiden und benennen sollen. Die abendliche und morgenliche Venus heißt abendstern , morgenstern , ahd. âpantsterno , tagasterno , wie im lat. vesper und lucifer in einem alten kirchenlied wird dem Lucifer ein wagen beigelegt: currus jam poscit phosphorus (reita giu fergôt tagastern) hymn. 2, 3. . tunkelsterne Ms. 1, 38 b scheint vesperugo, der in der dämmerung aufleuchtende abendstern, vgl. gramm. 2, 526. ahd. uhtosterno morgenstern N. Bth. 223 von uhtâ, goth. uhtvô crepusculum. gl. trev. 22 b haben stelbôm hesperus, das ist stellbaum, die stange des vogelstellers? doch gilt Rol. 240, 27 ›die urmâren stalboume ‹ von den sternen überhaupt, und da allem gestirn stul und gestell beigelegt wird (s.  584 ), so darf man stelboum, stalboum mit diesem allgemeinen begrif verbinden. mythischer gemeint ist vielleicht der name nahtfare für abendstern (Heumanni opusc. 453. 460), wie sonst die nachts ausfahrende weise frau oder hexe heißt. Den Angelsachsen hieß der abendstern svâna steorra (bubulcorum stella), weil die hirten, sobald er aufgieng, heimtrieben. übrigens wird O. iv . 9, 24 Christus der sonne, die apostel den eilf tagesternen verglichen; hier sind dagasterron nicht sowohl luciferi als die himmelszeichen. Für den polarstern gibt es keine einheimische namen Nachtrag: Den Griechen heißt Mercur Στίλβων , Jupiter Φαέϑων , Saturn Φαίνων , Venus Φωσφόρος , Lucifer und Mars Πυρόεις . also fünf planeten gaben sie namen. vgl. Cic. de nat. deor. 2, 20. so hieß der dritte wochentag Πυρόεις, der vierte Στίλβων. der abendstern hieß auch tierstern ›darumb daz die wilden tier dan herfür gent auz iren walden und holern‹. Oberl. 1639. ähnlich ist der litth. name žwerinné von žwĕris wild, böhm. zwjřetnice wildstern, abendstern. vgl. das angeführte ags. svâna steorra. ein andrer böhmischer ausdruck temnice für abendstern ist gleich dem mhd. tunkelsterne. welsch gweno abendstern, Venus. die Litthauer kennen auch wakaninne abendstern, auszrinne morgenstern und bezeichnen mit zwerinné mazoji Mars und zwerinné dideji Saturn. der morgenstern, der lichte tagesterre . Albrecht v. H. (Haupts zeitschr. 11, 366) heißt serb. danitza , böhm. dennice , russ. dennitza . nach lucifer gebildet ist der ausdruck ›der bringetag ‹. Scherfers grobian 75. der morgensterne, swenne er ûf gât und in des luftes trüebe lât. Iw. 627. der morgenstern frolockt reht, ob er brinne. Hätzl. 3 a . ik forneme des morgensternes slach . upstand. 750. bald sagen die leute, der teufel habe den morgenstern gefangen genommen und dahero sei es kalt und böse wetter. Gutslaf wöhhanda s. 265. Der polarstern hieß altn. hiarastiarna . ahd. leitesterre . Graff 6, 723, mhd. leitesterne Trist. 13660 Leytgestirn in der Wetterau (Höfers d. urk. 60. Schmidt gesch. d. großh. Hessen 1, 241) heißt im cod. Lauresh. 3128–3130. 249. 250. 252 Leitkestre, Leitcastre, Leizcastro, hat also mit dem stern nichts zu schaffen. , mersterne stella maris Griesh. 2, 13. cathlinn der flut bei Oisian 2, 334. bei O. V. 17, 31 Polônan then stetigon, nom. Polôni? vgl. polunoci (?) septentriones. Graff 3, 334. lapp. tjuold palus und stella polaris, weil er fest wie ein pfal steht. americ. ichka chagatha , stern der nicht geht. Klemm 2, 161. . Zweier gestirne ursprung wird in der edda gemeldet, aber niemand weiß jetzt, welche constellation darunter gemeint ist. die sage von Orvandilstâ und das ags. Earendel , ahd. Orentil wurde s.  311 angeführt; vielleicht meinte dies helle licht den morgenstern. Dann hatten die asen den riesen Thiassi getödtet und musten ihn seiner tochter Skađi büßen. Ođinn nahm des Thiassi augen und warf sie an den himmel, wo sie zwei sterne bildeten. Sn. 82. 83. diese augu Thiassa mögen zwei dicht nebeneinander stehende sterne sein, an licht und größe gleich, etwa die zwillinge? zugleich bestätigt sich hier jener zusammenhang der sterne mit den augen , und die gen himmel versetzte zehe ist den zungen und dem bezug der leibsglieder auf den macrocosmus (s.  471 ) völlig angemessen Nachtrag: Nach Sæm. 76 a warf Thôrr , nicht Ođinn, des Thiassi augen an den himmel. Theodosius wurde in einen stern verwandelt. Claudian. de 3 cons. Hon. 172. 4 cons. 428. Johannis haupt wurde an den himmel versetzt s.  236 , so auch des Râhu haupt. Holtzmann ind. sag. 3, 151. . Von der milchstraße und ihrer beziehung auf Irmim habe ich s.  295 –297 gehandelt. 604 Unter allen fixsternen unseres himmels treten in der anschauung des volks drei hervor: ursa major, Orion und die Plejaden. für sie sämtlich gibt es auch noch einheimische namen, ich werde zugleich die slavischen, litthauischen und finnischen benennungen anführen, da diese völker geradeso dieselben sterne auszeichnen. Der große bär hieß wohl schon vor der bekehrung unsern vorfahren wagen ; ein name, der ihnen unentlehnt mit unverwandten völkern gemein war, darum dauert er noch bis heute als der volksmäßige fort; man erzählt mitternachts zwölf uhr drehe sich der himmelswagen mit großem geräusch um. vgl. 621 . in der Schweiz der aberglaube (Tobler 264 a ): wenn der herrawaga nieder steht, so gibts wolfeil brot, steht er hoch, theures. O. V. 17, 29 setzt den pl. waganô gistelli, weil er den großen und kleinen wagen zugleich ausdrücken will, letztern (die ursa minor) nennt Berthold das wegelîn ich hân den glanzen himelwagen und daz gestirne besehen. Troj. 10062. übrigens kann es mehrere himelwagen geben, wie es viele götter mit wagen gibt. so sagt auch Cervantes in einem Liede der gitanilla (p. m. 11): si en el cielo hay estrellas, que lucientes carros forman. . ›des wagenes gerihte‹ Wackern. lb. 772, 26. das bild gründet sich auf lebendige betrachtung der constellation, deren drehung überall vier räder und eine abstehende deichsel (temo) erkennen läßt, weshalb auch die Angelsachsen zuweilen bloß þîsl setzen, vœnes þîsla Boeth. Rawlins. 192 b . belege sind s.  125 , und gründe angegeben für die vermutung, daß Wuotans, des höchsten gottes wagen, gemeint sei. zwar bezieht eine altschwed. chronik den schwed. namen karlwagen auf Thôrr, der seinen wagen besteigend die sieben sterne in der hand halte (Thor statt naken som ett barn, siu stjernor i handen och Karlewagn), und ich will dies nicht entschieden leugnen; doch werden gerade wuotanische sagen auf den fränkischen Karl angewandt (s.  140 ). Wenn gl. Jun. 188 Arturus wagan verdeutscht wird (gl. Hrab. 951 b aber arctus: wagan in himile ), so erklärt sich das aus naher berührung jenes sterns mit dem schwanz des großen bären, wie sie schon der name ἀρκτοῦρος zeigt ἀρκτοφύλαξ wagenhüter; von ihm erzählt die griech. fabel mancherlei. Arcturus steht im zeichen des Bootes und wird zuweilen für Bootes selbst genommen. eine ahd. glosse Diut. 1, 167 a scheint Bootes durch stuffala Graff 6, 662 zu übersetzen, was unerhört ist. hat man an stuphila, stipula, stoppel zu denken? . Übrigens haben niederländische städte (Antwerpen und Groningen) die sterne des großen oder kleinen bären auf ihren siegeln messager de Gand :3, 339. , und in England malt man das siebengestirn auf das bild der weinhäuser. Den Griechen waren beide benennungen geläufig, ἄρκτος (ursa) und ἅμαξα, den Römern ursa und plaustrum , daneben noch septentrio (von trio, pflugochs) oder septentriones . Franz. char , 605 charriot , ital. span. carro . Poln. woz (plaustrum) woz niebicski (himmelwagen), böhm. wos und daneben ogka (deichsel, sonst og, wog) für Bootes; den illyrischen Slaven kola , pl. von kolo, rad, also räder, d. h. wagen, ich finde aber auch kola rodina und rodokola in der zu Ofen 1831 gedruckten bosnischen bibel 3, 154. 223. roda heißt bei Vuk storch und davon wird adj. rodin gebildet, aber was soll das? roda scheint wiederum rota, rad. , worin mir der beisatz rodina und rodo undeutlich ist; litth. gryźulio rats , gryzdo rats , von ratas (rota), das erste, von Mielcke unerklärte wort muß den begrif wagen oder himmel enthalten die litth. bibel, Königsb. 1810 hat Hiob 9, 9 gryźo wczimmas , gryzdas, grizulas ist deichsel und wezimmas wagen. ; lett. ratti , d. h. räder; ehstn. wankri tähhed , d. i. wagensterne, von wanker (currus); ungr. göntzöl szekere , von szeker (currus), das erste wort erklärt aber die Hungaria in parabolis p. 48 aus einem mythischen Göntzöl, welcher ihr erster wagner gewesen sei. Im finnischen epos ragen päiwä (sonne), kuu (mond) und otawa , was Castrén durch karlavagnen gibt, hervor, werden persönlich, göttlich gedacht und oft neben einander genannt. die plejaden heißen seulainen . Niemals, weder in altd. sprachdenkmälern, noch bei Slaven, Litthauern, Finnen die von dem thier (ursa) herrührende benennung, obschon gerade diese völker den bär in sage und vielleicht in cultus auszeichneten (s.  556 ). Den carro menor heißen die spanischen hirten bocina (hiefhorn) Don Quixote 1, 20 (ed. Ideler 1, 232 vgl. 5, 261). . die Isländer aber fiosakonur â lopti (melkweiber am himmel). Biörn s. v. Finn Magnusen dag. tid. 104. 105 Nachtrag: Skr. rxâs pl. die glänzenden (die sieben weisen), rxas sg. der glänzende = ἄρκτος. aus den sieben weisen wird Indras wagen gemacht. vielleicht hieß das sternbild auch vâhanam wagen. Kuhn bei Höfer 1, 159. 161. Holtzmann ind. sag. 1, 30. der große bär stellt den britischen Arthur dar (verwechselt mit Arctur) und die leier ist seine harfe. Davies mythol. s. 187. alle gestirne fahren auf wagen: luna rotigerae vagationis. Kemble 5, 195 (a. 931). Charles vain . K. Henry first part. 2, 1. der morgenstern ist dalme uffgangen, der wagen ist ob dem hus! Keisersb. brösaml. 70 c . der himelswagen schon die deichsel rückwärts drehet. Scherfers grobian. ed. 1708 s. 72. ein altbelgisches räthsel fragt nach dem, der auf der Roodestraat nachts im wagen ohne pferde umgehn soll und morgens erscheint: Bruno heeft een' koets ghemaekt Op vier wielen, zonder peerden. Bruno heeft een' koets ghemaekt, Die alleen naer Brussel gaet. es ist der wagen am himmel gemeint. Annales d. l. société d'émulation d. l. Flandre occidentale. 1842. 4, 368. bei Claudian de b. getico 247 heißt er geticum plaustrum . Alanus ab Insulis († 1202) im Anticlaudianus läßt einen himmelswagen von allegorischen frauen fertigen. Cramers gesch. d. erziehung. s. 204. Festus s. v. septentriones , septem boves juncti. Varro 7, 74 boves et temo . Ovid. met. 10, 447. ex Ponto IV. 10, 39: plaustrum . gl. sletst. 1, 2. Virgilias sibinstirne . 6, 392. 479. Majae, Pliadas sibinstirnes ir. griogchan a constellation. gal. grigirean Charles wain, sonst crann, crahnarain ( anm. 1880 ) griglean , griglean meanmnach , plejaden. grioglachan siebengestirn. ir. camcheachta pflug, pflugschar, siebensterne des wagens. finn. otava oder otavainen ursa major unterscheidet sich von vähä otava ursa minor, doch gehört otava wol nicht zu ohto (ursus). Kalev. 28, 393. 394 werden die namen otavainen und seitsentähtinen (siebengestirn) nebeneinander als synonym gesetzt, und beiden wird achsel und schulter beigelegt. lapp. sarw bedeutet alces und ursa major, wagen. auch ostiak. heißt dies sternbild los , elenthier (Klemm 3, 128), das kopf und schwanz hat. grönl. wird es tukto , rennthier genannt. Klemm 2, 314. Fabricius 504 b . american. ichka schachpo soll ein hermelin sein mit höle, kopf. füßen und schwanz. Klemm 2, 161. Die Araber nennen zwei sterne im schwanz des bären mizar und benetnasch , den dritten, der die deichsel des wagens bildet, alioth , die vier übrigen bilden die achse. . Von dem kleinen kaum sichtbaren stern über dem mittelsten in der deichsel des wagens gehn aber noch besondere sagen. er heißt fuhrmann , knecht , in Niederdeutschland dümeke (däumchen, däumlein, zwerg), osnabr. dümke , meklenb. duming , in Holstein: › Hans Dümken, Hans Dümkt sitt opm wagn‹. man erzählt: ein fuhrmann fuhr einmal unsern heiland, der versprach ihm zum lohn das himmelreich; der fuhrmann aber sagte, er wolle lieber in ewigkeit fahren von aufgang bis zu niedergang (wie der wilde jäger in ewigkeit zu jagen wünscht). sein begehren wurde erfüllt, der wagen steht am himmel und der oberste von den drei deichselsternen, der sogenannte reiter ist der fuhrmann. anders bei Müllenhoff schlesw. holst. sagen no. 484. wahrscheinlich fabelten schon die Heiden ähnliches von einem lenker des Wuotanswagens. Joh. Praetorius de suspecta poli declinatione. Lips. 1675 p. 35: ›qui hanc stellam non praeteriissent, etiamsi minor quam Alcor , das knechtgen , der dümeke , das reuterlein , knechtfink fuisset‹, und derselbe vom diebsdaumen p. 140: ›fabula de pollicari auriga , dümeke , fuhrman ‹. die einstimmende morgenländische 606 vorstellung von dem fuhrmann in diesem sternbild ergibt sich aus Niebuhrs Arabien, und der ungrische Göntzöl scheint ihm ganz verwandt; auch die griech. sage läßt Zeus den Erichthonius , einen wagenlenker (ἡνίοχος) oder wagenerfinder unter die sterne versetzen; nur steht er nicht in dem großen bär sondern in der milchstraße zwischen Perseus und den zwillingen. das böhm. formánek , wozatag (auriga) oder bowozny bedeuten nach Jungm. 1, 550. 3, 401 Arcturus, Bootes und Erichthonius und nach 3, 14 palečky u wozu däumlinge am wagen. doch sloven. soll hervor (Murko 85. Jarnik 229 b ) und burovsh den fuhrmann und polarstern bezeichnen. Das band hellglänzender sterne, welches die Griechen zu dem bild des Orion unsere mhd. dichter behalten Oriôn bei. MS. 1, 37 a . den Römern hieß es Iugula nach Varro und Festus. es ist dunkel, warum. veranlaßte, führte mehrere deutsche benennungen, deren grund uns jetzt nicht immer klar ist. Einmal heißen die drei nebeneinander gereihten, den gürtel Orions bildenden sterne in Scandinavien Friggjarrockr , Friggerok (oben s.  224 . 251 ), nach einer umdeutung auf Maria zugleich Mariärok , Marirok (bei Peter Syv in den danske digtek. middelald. 1, 102), Marriteen ; hier ist deutlicher zusammenhang des sternbilds mit heidnischer götterlehre. dieselben drei sterne führen unter dem volk in Oberdeutschland bis auf heute den namen der drei mader , weil sie drei auf der wiese neben einander stehenden mädern gleichen. eine einfache benennung, wie die des wagens, in der kindlichen phantasie eines hirtenvolks entsprungen. Ahd. glossen nennen den Orion pfluoc (aratrum), in rheinischen gegenden heißt er auch rechen (rastrum), er ist ein geräth der ackerer und mäder. das schottische pleuch (engl. plough) soll den wagen ausdrücken. Ags., vielleicht mehr alts., glossen übertragen Orion durch eburđring , eburđrung , ebirdring , ebirthiring (gl. Jun. 369. 371) in der letzten stelle unrichtig eburdnung, aber ein beweis für das alter der hs., da im 8. 9 jh. der zug des r sich dem n nähert. , reinags. würde stehen eoforđryng, eforđring; der sinn muß sein eberhaufe, denn đryng ist ags. ein dichter, gedrängter haufe, turba vgl. ags. đrang , engl. throng , mittelalt. drungus . ; warum man in der sterngruppe einen trupp wilder eber sah, und welche sterne des Orion ihn bildeten? weiß ich nicht. die griech. sage von dem wilden jäger kann dabei aus dem spiel bleiben, schon weil weder sie, noch das griech. gestirn gejagte thiere hervorhebt; die eber des deutschen bildes mögen ganz andern bezug haben und etwa bloß auf einfacher vergleichung beruhen. ahd. glossen geben uns kein epurdrunc , oben s.  298 wurde es aber an Iuwaring und Iring gehalten. Das spätere mittelalter nennt jene drei mäder oder den nord. Mariarocken Jacobsstab , böhm. Jahubahůl ; gleich der heidnischen Irminstraße (s.  296 ) wurde die heidnische spindel übertragen auf den heiligen apostel, der nun mit seinem 607 stab auf der alten himmelsbahn einherzieht; auch Petersstab wird gesagt. Den Ehsten heißt Orion warda tähhed , sterne des speers, von wardas, spieß, vielleicht auch stab, an Jacobsstab gemahnend. Den Litthauern szenpjuwis , heugestirn?, von szen foenum (Nesselmann 515), wie szenpjutis august bezeichnet, weil das gestirn zur heuernte aufgeht? wahrscheinlich auch in bezug auf die drei heumäher? denn gerade so geben mehrere slavische völker den namen kosi , d. i. sensen, böhm. kosy (Jungm. 2, 136), poln. kosy (Linde 1092 a ) sloven. koszi (Murko 142) mäher. Andere slav. benennungen des Orion sind shtupka (bosn. bibel 3, 154), wofür aber gelesen werden muß shtapka , bei Vuk shtaka , krücke, bischofsstab, nach unserm stäbchen, krain. pálize , stäbe, bei Stulli babini sctapi , altweiberstäbe; und kruźilice Dobrowskys Slavin p. 425; das poln. kruźlic ist krüglein. Hankas altböhm. glossen haben 66, 857 kruzlyk circulea, 99, 164 krusslyk lix, was ich nicht verstehe. wäre es krücke? , vielleicht die kreisenden (vagantes)? von kruźiti (vagari) Nachtrag: Der gürtel des orion hieß lat. jugula , jugulae : nec Jugulae, neque Vesperugo, neque Vergiliae occidunt. Plaut. A I. 1, 119. aber auch ensis und ensifer . Forcellini s. v. ensis. vgl. nitidumque Orionis ensem . Ov. met. 13, 294. in Westgötl. Friggeräkken, Jacobs staf . altn. fiskikallar . F. Magn. dag. tid. 105. Orion constellatio a rusticis vocatur baculus S. Petri , a quibusdam vero tres Mariae . gl. augiens. b. Mone 8, 397. im schleswig. Morirok und Peripik . Müllenhoff no. 484. finn. Kalevan miekka , Kalevae ensis, auch Väinämöisen miekka oder vikate (sense). Schiefner zu Castrén s. 329. Orion wird lapp. niall , nialla genannt, das sonst taberna, repositorium heißt. grönländ. heißt der gürtel desselben sicktut , die verwilderten, weil sie beim seehundfang verirrt, hinaufgenommen und unter die sterne versetzt wurden. Klemm 2, 314. vgl. die lappische sage vom siebengestirn. . Zwischen den schultern des stiers ist eine dicht mit sternen besäte stelle sichtbar, in welcher wiederum sieben (eigentlich sechs) größere zu erkennen sind; davon heißt sie siebengestirn , ahd. thaz sibunstirri O. V. 17, 29. Diut. 1, 520 a gl. Jun. 188 (wo es mit den hyaden verwechselt wird, die nicht weit davon, im haupte des stiers stehn). Außer dieser bloß zählenden benennung gibt es andere lebendigere. griech. Πλειάδες, jon. Πληϊάδες, sieben töchter des Atlas und der Pleïone, welche Zeus an den himmel erhob (Il. 18, 486. Od. 5, 272), gleich jenem nord. Thiassi und Örvandill, aus dem riesengeschlecht; einige deuten sie aber aus πελειάς (wilde taube) was sonst πέλεια heißt. röm. Vergiliae , wovon Festus eine ungenügende erklärung liefert ein deutscher dichter schreibt virîlie. Amgb. 42 b . . Zumeist verbreitet unter dem volk in Deutschland, fast in ganz Europa, ist das bild einer henne mit sieben küchlein , was schon an jene sieben tauben vgl. pentam. 4, 8 li sette palommielle, sieben verwandelte kinder. der griech. sage erinnert. neugriech. πούλια (Fauriel 2, 277). die klucke , kluckerin , kluckhenne , bruthenne mit den hünlein ; dän. aftenhöne (abendhenne) aftenhönne (dansk. digtek. middelald. 1. 102); engl. the hen with her chickens ; franz. la poussinière , in Lothringen poucherosse oder covrosse (couveuse, bruthenne, qui conduit des poussins) mém. des antiq. 4, 376. 6, 121. 129. ; graubündn. cluotschas oder cluschas die klucken; ital. gallinelle : böhm. slepices kuřátky (henne mit den küchlein); ungr. fiastik , fiastyuk von tik, tyuk gallina und fiazom pario. Das gestirn der gluckhenne scheint mir in unser alterthum verwachsen. die kindermärchen haben den besondern zug, daß nüsse oder eier geschenkt werden, aus welchen goldkleid, silberkleid und glucke mit sieben (oder zwölf) küchlein hervorgehen, wodurch sonne, mond und siebengestirn dargestellt werden. K. M. no. 88 (2, 13). auch in der einleitung 608 zum pentamerone kommt aus der wundernuß eine voccola co dudece polecine . das ungr. märchen bei Gaal s. 381 hat goldene henne mit sechs küchlein , was siebengestirn meint. die jungfrau, ihren verlornen geliebten suchend, muß sich durch die kostbarkeiten der drei nüsse eingang bei ihm verschaffen; es waren drei gewänder, worauf sonne, mond und siebengestirne gewirkt standen (vgl. Wigal. 812), gaben der Sonne, des Monds und Siebengestirns, die der wandernden unterwegs zu theil wurden. aus dem dritten kleid machte überlieferung zuletzt die gluckhenne selbst. Schatzgräber graben nach der kostbaren glucke mit den küchlein vgl. den versunkenen hort cap.  XXXII . henne mit 12 hünkeln war auch irdische buße (weisth. 1, 465. 499). ich weiß nicht, ob die nuß an Iduns huot zu denken erlaubt; was aber sonne, mond und glucke bei uns, sind bei den Finnen noch viel deutlicher päiwä, kuu, otawa d. h. sonne, mond, bär. Die Spanier nennen das siebengestirn las siete cabrillas (sieben zicklein) Don Quixote 2, 41 (Idel. 4, 83 vgl. 6, 242). ; die Polen baby (alte weiber), Russen baba (altes weib) Linde 1, 38 a . Serb. vlaschitzi (Vuk 78) vlaschnitzi (bosn. bibel, Ofen 1831, 3, 154. 223); sloven. vlastovze (die schwalben?), doch erklärt Jarnik 229 b ›die ramstäbe‹, was ich nicht verstehe. auch der altböhm. name sczyetnycze pleiades (Hankas glossen 58 b ) = štětnice ist dunkel, die borstigen? von štětina seta? sloven. gostosćvsi , gostoshirzi , die dichtgesäten? die letzte benennung hängt zusammen mit der litth. und finnischen ansicht, das gestirn ist ein sieb , das eine menge löcher hat oder einen haufen korn aussiebt: litth. sëtas , lett. setinsch , ehst. sööl oder söggel , finn. seula , seulainen . warum sagt Suchenwirt 4, 326 daz her daz tailt sich in daz lant gleich recht als ain sibenstirn? dicht ausgestreut? Nachtrag: Von den 7 Plejaden sind nur sechs sichtbar. Humboldt Kosmos 3, 65. quae septem dici, sex tamen esse solent. Ovid. fast. 4, 171. sie tragen wie tauben dem Zeus ambrosia zu, eine aber geht immer in den Plankten verloren und Zeus ergänzt sie. Athen. 4, 325. 326. ags. gl. pliadas sifunsterri . Öhler 359. das siebengestirn heißt l'estoille poussinière . Rabelais 1, 53. las couzigneiros . dict. languedoc. 127. ungr. außer fiastik auch heteveny . in serbischen märchen s. 15 und 87 erscheint ein mädchen mit der goldnen henne und den küchlein vgl. Vuk no. 10. das walach. märchen erzählt von einer goldnen gluckhenne mit fünf küchlein. Schott s. 242 Das verlorne schäflein wird gesucht bei morgenstern, abendstern, mond und sonne. litth. bei Rhesa s. 290–292. vgl. s.  590 . zur sonne kommen und sie fragen. hymn. in Cererem 64. . syrjän. vojkodzjun plejades, wörtlich nachtgestirn. die litth. und finnische ansicht des gestirns als eines siebes erinnert an Luciani Timon 3, wo die bebende erde mit einem geschüttelten sieb verglichen wird. das siebengestirn heißt norw. lapp. nieidgierreg , von nieid virgo und gierreg samling af en rets besiddere, schwed. lapp. aber suttjenes råuko (Lindahl 406. 443 b ) d. h. pelz im frost. der himmel erbarmte sich eines von seinem herrn in strenger kälte aus dem haus gejagten knechts, und deckte ihn mit diesem gestirn. nach F. Magnusen dagens tider s. 103 tjokka herz (Lindahl hat das nicht unter tsåkke). grönl. kellukturset d. i. hunde die einen bären hetzen. Klemm 2, 314. Fabricius 188 a . vgl. welsch y twr tewdws , der dichte haufen d. h. plejaden, und eburdrung (s.  606 ). von den Indianern wird das siebengestirn verehrt. Klemm 2, 112. 153. 173. an den litth. namen der böcklein artojis su jáuczeis (pflüger mit den ochsen) erinnert das serb. volujara , ein stern, den die pflüger kennen, und sobald er aufgeht, suchen sie die ochsen, von vol ochse? Die cassiopeja heißt litth. jostandis , wol von josta, gürtel. Hyades ags. raedgastran. Lye: the five stars in the head of taurus. raedgaesnan. gl. epin. redgaesrum. gl. Oehl. s. 336. Die leier heißt böhm. hausličky na nebi, geigen am himmel. Vom ursprung der plejaden wird erzählt: Christus gieng an einem beckerladen vorüber, wo frisches brot duftete und sandte seine jünger hin, ein brot zu erbitten. der becker schlug es ab, doch von ferne stand die beckersfrau mit ihren sechs töchtern und gab das brot heimlich. dafür sind sie als siebengestirn an den himmel versetzt, der becker aber ist zum kukuk geworden (s.  563 beckerknecht) und so lange er frühjahrs ruft, von Tiburtii bis Johannis, ist das siebengestirn am himmel sichtbar. hierzu halte man die norweg. sage von dem Gertrudsvogel (s.  561 ). Vielleicht lassen sich noch volksmäßige namen andrer sterne nachweisen kymrische und galische bibeln behalten Hiob 9, 9 die lat. namen der vulgata bei: woraus nicht folgt daß es diesen sprachen an eignen sternnamen mangle. Armstrong führt das galische crannarain (brotschieber) für die plejaden, und dragblod (feuerschweif) für den kleinen bär an. . Litth. heißen die böcklein artojis su jáuczeis (pflüger mit den ochsen), die capella neszcja walgio (essenträgerin). Hankas altböhm. gl. geben 58 b hrusa für den Aldebaran, przyczek für den Arcturus. Auch benennungen der Hyaden und der 609 Cassiopea wären zu erwarten. Mehrere werden aber oft verwechselt, die Plejaden mit den Hyaden oder mit Orion, selbst mit dem wagen und mit Arctur Keisersperg postil 206: ›der meerstern, oder der wagen, oder die henn mit den hünlin , wie ir es heißen‹. Grobianus 1572 bl. 93 b : ›wo der wagen steht und wo die gluck mit hünkeln geht‹. mehrere schriftsteller erklären dümke, düming ungenau durch siebengestirn. auch wenn Tobler 370 b sagt: ›drei sterne des siebengestirns heißen die rosse , neben ihnen stehe ein kleines sternlein, das sei der fuhrmann ‹, so scheint das vielmehr auf die wagendeichsel zu beziehen. ; was durch bloße glossen bewährt ist, kann nicht für sicher gelten. So betrachte ich nicht als ausgemacht, daß die angeführten namen pflug und eburdrung wirklich dem sternbild Orion zukommen. die irish fairy tales 2, 123 haben plough eher für den wagen, als für Orion, und wer weiß, ob unter dem haufen eber nicht die Ὑάδες (von ὗς) und die lat. Suculae gemeint werden? Noch unsicherer und schlüpfriger ist es die sternbilder und namen des Orients zu vergleichen, denen schon eine sehr verschiedne anschauung des himmels zum grunde liegt. Hiob. 9, 9 werden drei gestirne genannt עשׁ (asch) כּימָה (kimeh) כְּסִיל (ksil), woraus die LXX machen πλειάδες, ἕσπερος und ἀρκτοῦρος, die vulg. arcturus, Orion und hyades, Luther den wagen am himmel, Orion und die glucke. Hiob 38, 31 kimeh und ksil, in den LXX πλειάδες und Ὠρίων, in der vulg. pleiades und arcturus, Diut. 1, 520 siebenstirni und wagan, bei Luther siebenstern und Orion; Jesaias 13, 10 ksil, in den LXX Ὠρίων, vulg. durch splendor umschrieben, Luther Orion; Amos 5, 8 kimeh und ksil, in den LXX umgangen, in der vulg. arcturus und Orion, bei Luth. die glucke und Orion. Michaelis stellte über die bedeutung dieser sterne seine 86 fragen, und Niebuhr erhielt von arabischen Juden die verschiedenste auskunft beschr. von Arabien p. 114. hier findet man p. 112–116 noch andere arab. sternnamen gesammelt. : zuletzt ergab sich als das wahrscheinlichste: asch sei das arabische sternbild om en nâsch , kimeh (chima) das arab. torîje , ksîl das arab. sheil (sihhêl) und sie entsprechen dem wagen, den plejaden, dem sirius. Sieht man auf den wörtlichen sinn, so drückt nâsch , das einige Araber auch in asch verändern, aus feretrum, bahre Bocharti hierorz. ed. Rosenmüller 2, 680. , ein mit wagen nahverwandter begrif; kimeh , kima , scheint einen haufen sterne zu bezeichnen, was etwa auch in jener benennung sieb liegt; ksil ist thöricht, gottlos, ein frevelnder riese, folglich Orion. Ihrem ursprung nach kann man überhaupt zwei arten von sternbildern annehmen. die eine gebraucht mehrere sterne, um sie in die gestalt eines dings, eines thiers oder menschen einzuschließen; die sterne geben dann grund, gleichsam knochen her, um welche die volle von der einbildungskraft erschaute figur gezogen wird. so bilden drei nebeneinander erscheinende sterne den Jacobsstab, einen rocken oder gürtel; sieben sterne fügen sich in 610 den umriß eines bären, wieder andere in den eines riesen Orion. Die zweite art ist, wie mich dünkt, einfacher, kühner und älter: in einzelnen sternen wird ein ganzer mensch ersehn, ohne rücksicht auf eigenthümliche gestalt, welche in der ferne ohnehin verschwindet; rückte uns der kleine punct näher, so würde sie sich von selbst entfalten. so sind die nemlichen drei sterne drei mähende männer; die sieben sterne der plejaden eine henne mit ihren jungen; zwei sterne, die in gleicher entfernung zu beiden seiten um einen mattschimmernden sternhaufen stehn, nach altgriech. vorstellung, zwei esel an der krippe. hierbei erscheint die phantasie viel freier und ungezwungner, jene umrisse fordern schon mehr abstraction, doch muß auch für sie Buttmans treffende bemerkung entstehung der sternbilder auf der griech. sfäre (abh. der berl. academie 1826 p. 19–63). gelten, daß man nicht damit anhob, die vollständige gestalt am himmel zu entwerfen, daß es genügte ein stück davon herauszufinden: das übrige blieb unbestimmt oder wurde später willkürlich ergänzt. Auf diese weise ist der bär vielleicht zuerst an den drei sternen des schwanzes gefunden worden, die vier andern gaben dann den leib her. unser wagen gewährt die vereinigung beider arten: die deichsel entstand, gleich jenem schwanz, durch umriß, die vier räder waren aber in einzelnen sternen bestimmt. Wichtig ist die einstimmung, daß die griech. götter menschen in sterne versetzen, wie es Thôrr und Ođinn thun (s.  311 . 603 ) Nachtrag: Das sternbild des bären wird aus kopf, rücken und schwanz des thiers gefunden. ein stern in kindes gestalt. pass. 24, 30 ff. vgl. die sonne als spindel s. anm. 1806 . am allernächsten lag die bildung der sterne aus leuchtenden augen s.  469 . 471 , so in der sage von Thiassi und der neuseeländischen. Klemm 4, 354. 355. 388. Das nordlicht aurora borealis heißt heerbrand , heerschein Frommann 4, 114. (s. anm. 1806 ). schwed. norrsken , dän. nordlys , gal. firchlis , na fir chlise , the merry dancers. welsch y goleuny gogleddol . finn. des fuchses feuer. vgl. gesta rom. cap. 78 und note z. Kellers sept sages CCXX. . Die erscheinung des regenbogens am himmel erzeugte mehrfache mythische vorstellungen. den gewölbten bogen nimmt die edda für eine himmliche brücke , über welche die götter wandeln: sie heißt daher Asbrû (Sæm. 44 a ), gewöhnlich Bifröst (das wäre ahd. piparasta), die bebende zitternde strecke, denn röst, goth. ahd. rasta drückt eine bestimmte ferne aus, unser stunde oder meile; sie ist die beste aller brücken (Sæm. 46 a ), aus drei farben stark gezimmert, aber doch wird sie dereinst beim weltuntergang, wenn Muspells söhne darüber fahren, zusammenbrechen (Sn. 14. 72). der schweif dieser brücke brûarspordr , wie wir noch jetzt der brücke einen kopf zuschreiben (tête de pont), gleich als hätte sich ein thier über den fluß gelegt, kopf und schwanz auf beide ufer stützend. aber auch der name spordr (eigentl. cauda piscis) ist nicht zu übersehn, wie röst, rasta ein gewisses stadium, so drückt das goth. spaúrds , ahd. spurt den zwischenraum aus, ganz im abstracten sinn unseres mal. daher fragm. theot. 15, 19 dhrim spurtim (tribus vicibus) was auch rastôm heißen dürfte. Meinen die rûnar â brûarsporđi Sæm. 196 a den regenbogen? reicht an Himinbiörg, Heimdalls wohnung (Sn. 21) und Heimdallr ist zum wächter der brücke gesetzt: er hütet sie oft werden sonst riesen zu brückenhütern bestellt (s.  460 ) Môđguđr die jungfrau hütet giallarbrû (Sn. 67). vor hrîmthursen und bergriesen, damit diese nicht über die brücke in den himmel dringen (Sn. 18. 30). Die ganze ansicht stimmt zu den wagen, auf welchen die 611 götter am himmel fahren und den straßen, die sich durch ihn hinziehen vgl. oben s.  299 . 300 . Das christenthum verbreitete die vorstellung des A. T., zufolge welcher der himmlische bogen ein zeichen des bundes, den gott mit den menschen nach dem regen der großen wasserflut geschlossen hatte, war: ahd. reganpogo , ags. scûrboga Cædm. 93, 5. Indessen haften noch abergläubische überlieferungen. das volk wähnt, an der stelle, wo der regenbogen aufsteht, sei eine goldne schüssel , oder liege ein schatz verborgen; aus dem regenbogen fallen goldmünzen oder pfennige nieder. gefundne goldbleche heißen regenbogenschüsselein , patellae Iridis, die sonne verzettle sie im regenbogen. In Baiern nennt man den regenbogen himmelring , sonnenring , jene münzen himmelringschüsseln (Schm. 2, 196. 3, 109), vgl. oben s.  298 . Die Römer meinten, der aufstehende bogen trinke wasser aus der erde: ›bibit arcus, pluet hodie‹. Plaut. curcul. 1, 2; ›purpureus pluvias cur bibit arcus aquas?‹ Propert. III. 5, 32. Tibull. I. 4, 44. Virg. Georg. 1, 380. Ov. met. 1, 271. Auf den regenbogen darf man nicht mit fingern deuten Braunschweiger anzeigen 1754 p. 1063. , so wenig als auf gestirne. zimmern oder bauen auf dem regenbogen bezeichnet eitle, vergängliche unternehmen (anm. zu Freidank p. 319. 320 und Klage 1095, spiegel 161, 6), setzen auf den regenbogen (Bit. 2016) einen großer gefahr preisgeben? ›behûsen unebene ûf regenbogen ‹ (Tit. Hahn 4061) ungleich sitzen? bei Hans Sachs II. 287 a wird einer vom regenbogen herab gestoßen. auf dem regenbogen läßt das finnische lied eine jungfrau sitzen und goldnes gewand weben. rune 3. sollten ähnliches nicht schon die Heiden von der piparasta gesagt und geglaubt haben? sehr merkwürdig ist folgende übereinkunft mit den Chinesen: ›tunc et etiamnum viget superstito, qua iridem orientalem digito monstrare nefas esse credunt; qui hanc monstraverit, huic subito ulcus in manu futurum. iridem habebant Sinae pro signo libidinis effrenatae quae regnat‹ Chi-king ex lat. P. Lacharme interpr. Jul. Mohl, p. 242. . Die Slaven nennen den regenbogen altsl. duga , serb. russ. duga , nebeskja duga , böhm. duha , d. h. eigentlich daube (tabula, wie an fässern), also bogen; in Serbien sagt man, alles männliche, das unter dem regenbogen durchgehe, wandle sich in weibliches, und was von weiblichem geschlecht durchgehe, wandle sich in männliches (Vuk s. v.) abergl. 167 derselbe umgekehrte einfluß der constellation auf beide geschlechter. . Ein paar slovenische benennungen liefert Murko: mávra , mávriza , was sonst eine schwärzlich gestreifte kuh bedeutet, und boshji stolez , das göttliche stühlchen, gerade wie der regenbogen auch ein stuhl der welschen göttin Ceridwen heißt (Davies brit. myth. 204) vgl. oben s.  113 die vorstellung von dem stuhl gottes. Lett. warrawihksne , dem sinn nach: die mächtige buche? Litth. Laumês josta , gürtel der Lauma oder Laima (oben s.  345 ), außerdem 612 dangaus josta (himmelsgürtel) kilpinnis dangaus (himmelsbogen), ůrorykszte (wetterruthe); bedeutsamer ist die s.  481 angezogne sage aus dem polnischen Litthauen, welche den regenbogen als boten nach der flut und als ratgeber erscheinen läßt. finn. taiwancaari (arcus coelestis). In einigen gegenden Lothringens courroie de S. Lienard , couronne de S. Bernard . Nach esthn. abergl. no.  65 ist der regenbogen des donnergotts sichel, eine besonders merkwürdige vorstellungsart. Den Griechen war die ἶρις, wie im A. T., zeichen der götter (Il. 11, 27), zugleich eine halbgöttin Ἶρις, die vom himmel als botin entsendet wird. Die Inder erkannten den farbigen bogen des himmels ihrem gotte Indras zu. Auch nach unserm volksglauben werden die seelen der gerechten von ihren schutzengeln über den regenbogen in den himmel geführt (Ziska östr. volksm. 49. 110). Aber jene eddische lehre, daß vor dem weltuntergang Bifröst brechen werde, finde ich noch in dem glauben unsers mittelalters, eine reihe von jahren vor dem jüngsten gericht werde der regenbogen nicht mehr erscheinen; ›ouch hôrt ich sagen, daz man sîn (des regenpogen) nieht ensehe drîzich jâr vor deme suontage‹. Diut. 3, 61. Hugo von Trimberg nimmt 40 jahre an: sô man den regenbogen siht, sô enzaget diu werlt niht dan darnâch über vierzec jâr.   Renn. 19837. unter den zeichen, die die kirche von dem nahen des jüngsten tages angibt, findet sich dieses nicht Nachtrag: Über die benennungen des regenbogens s. Pott in Aufrecht und Kuhns zeitschr. 2, 414 ff. Altn. Âsbrû ist alts. Osnabrugga . Massmann Egsterst. 34. Zeus s. 11. regenbogenbrücke . Firmenich 2, 45. ir. gal. blogha braoin . Carraigth. 54. der altn. ausdruck brûarspordr für ihren schweif findet noch aufklärung durch die mhd. sporten , caudae vulpium. Grieshaber 1, 125. 2, 42. der regenbogen wird regenbote genannt in fornm. sög. 9, 518: grârr regenbođi Hnikars stôđ â grimmum Göndlar hinni þegna. er heißt lat. arcus caelestis: caelestis arcus in fruticem innixus. Plin. 24, 13. deutlicher 12, 24: tradunt in quocunque frutice curvetur arcus caelestis, eandem quae sit aspalathi suavitatem odoris existere, sed si in aspalatho inenarrabilem quandam. 17, 5: terrae odor – in quo loco arcus coelestis dejecerit capita sua. nach anderem aberglauben liegt, wo der regenbogen aufsteht, ein schatz verborgen. Panzer 1, 29. Duller s. 35 führt wettermaal aus der grafschaft Guttenstein an, was ich sonst nicht finde. regenboum iris. gl. Schlettst. 39, 320. finn. außer taivaankaari , himmelsboge, vesikaari , wasserboge, Ukonkaari , sateenkaari , regenboge. bei den Grönländern ist der regenbogen der kleidersaum eines gottes. Klemm 2; 327. dem russ. serb. duga entspricht zwar poln. daga, aber nicht im sinn von iris, die die Polen tęcza nennen. lett. heißt er auch deewa johsta . Bergmann s. 124 und litth. dangaus szlota , himmels besen. die himelblüe , der regenbogen. Schmeller 2, 196 vgl. Iris, nach der der regenbogen wie die blume heißt (Perunika) anm. 2951 . skr. Indri telum . Bopp 40 a . ein fest wird von den Tartaren angestellt, wenn der regenbogen erscheint. Kurd Schlözer s. 11. Die Pohjantochter sitzt auf dem luftbogen (ilman wempele), auf dem himmelsbogen (taiwon kaari) und webt (Kalev. rune 3 eingangs). ebenso sitzt da die sonne (Päivätär) und der mond (Kuutar), um dem singenden Wäinämöinen zuzuhören. 22, 71 und weben dabei aus gold. die spindel fällt ihnen darüber aus den händen. 26, 296. Ammian Marcell. lib. XX am schluß sagt: et quoniam est signum permutationis aurae . . . igitur apud poetas legimus saepe, Irim de caelo mitti , cum praesentium rerum verti necesse sit status. . 613 Cap. XXIII. Tag und Nacht. Lebendigere vorstellungen des alterthums von dem tag und der nacht greifen in die von den gestirnen, beide sind heilige, göttliche wesen, den göttern nah verwandt. die edda läßt den tag erst aus der nacht erzeugt werden. Nörvi ein iötunn hatte eine tochter namens Nôtt , schwarz und dunkel, wie ihr geschlecht (svört oc döck sem hon âtti ætt til) diese stelle ist s. 437 nicht erwogen; daß die Nacht und die Halja schwarz sind, versteht sich von selbst, und es kann daraus noch kein schluß für die riesen überhaupt gezogen werden. bemerkenswerth auch die verbindung › svört ok döck ‹, vgl. 368 . offenbar spielen hier riesen und zwerggenealogien ineinander über. ; mehrere männer wurden ihr zu theil, Naglfari, dann Anar (Onar) vgl. Haupts zeitschr. 3, 144. ein zwerg, mit dem sie eine tochter Iörđ zeugte, die hernach Ođins gemahlin und Thôrs mutter wurde. ihr letzter mann war asischer lichter abkunft und hieß Dellîngr, dem sie einen sohn Dagr , licht und schön wie sein väterliches geschlecht, gebar. Da nahm Allvater die Nacht und ihren sohn Tag , setzte sie an den himmel, und gab jedem ein ros und einen wagen, mit welchem sie in gemessner zeit die erde umfahren sollten. die rosse hießen das thaumähnige und glanzmähnige (s.  546 ). Im namen Dellîngr, assimiliert aus Deglîngr , liegt auch der des sohns Dagr , und weil -ling gerade abstammung ausdrückt, muß entweder schon ein früherer ahne Dagr angenommen werden, oder die reihefolge hat sich, wie oft in alten genealogien, umgedreht. Für das wort dags, dagr, tac habe ich gramm. 2, 44 eine wurzel gesucht und muß noch immer die vergleichung des lat. dies abweisen, da lautverschiebung fehlt, der deutsche ausdruck g entwickelt und sein a in o ( uo ) ablautet, doch vergleiche kleinere schriften 3, 117. Dagegen ließ sich an dem lat. dies , und allem was ihm in andern sprachen gleicht, das ineinandergreifen der begriffe tag, himmel, gott nicht verkennen (s. 3, 117). Wie tag und Donar beide von der Nacht abstammen, so fallen Dies und Deus (Zeus) der nemlichen wurzel zu; selbst Donar, ags. Thunor wird man versucht, dem tusk. Tina zu vergleichen, da der begrif des tags, wie wir sehn werden, den des schalls mit sich führt: dann 614 brauchte Tina nicht für Dina zu stehn, sondern würde zum lat. tonus und tonitrus gehören. Deus ist unser Tiv, Ziu, denn die einzelnen götter ziehen wechselseitig gleiche namen an sich; auch dieses Ziu bestätigt, wie fern hier unser Tag steht; selbst für coelum besitzen wir nur abliegende wörter (s.  582 . 583 ). Die ind. und lat. sprache hat aus der wurzel div manigfache namen für götter, tag und himmel gewonnen, die griech. für götter und himmel, nicht für tag, die litth. für gott und tag, nicht himmel, die slav. nur für tag, weder für gott noch himmel, endlich unsere nur für einen gott, weder für himmel noch tag. auch hier zeigt sich eine vorzügliche berührung des sanskrit mit dem latein, in deren reichthum sich die übrigen sprachen auf verschiedne weise theilten. das gr. ἦμαρ und ἡμέρα halte ich für nahbeschlechtet dem deutschen himins, himil, und auch Ἡμέρα ist eine tagesgöttin. Ebenso einstimmend in den verglichnen sprachen zeigt sich der name der nacht: goth. nahts , ahd. naht , ags. niht , altn. nôtt (f. nâtt), lat. nox, noctis, gr. νύξ, νυκτός, litth. naktis , lett. nakts , altslav. noschti , poln. böhm. noc (spr. notz) sloven. nozh , serb. notj , sanskr. nakta , besonders in zusammensetzungen, der gewöhnliche ausdruck ist nis' oder nis'â (beide weiblich). man hat vielfache etymologien vorgebracht, keine befriedigende Pott 1, 160 deutet nis'â niederlegen, Benfey 2, 369 nakta nichtwachen, anderes hat er 2, 57. . da der tag der leuchtende heißt, sollte in nacht der entgegengesetzte begrif des dunklen liegen? doch lichtlos ist nur die vom mond unerhellte nacht. unsrer sprache ist ein uraltes anomales verbum nahan eigen, aus dessen prät. nahta zu dem goth. ganah und binah entgehn uns die pluralformen, ich hatte erst ganahum, binahum, dann aber genauhum aufgestellt, weil 1 Cor. 10, 23 binaúht ist und verschiedentlich ganaúha αὐτάρκεια vorkommt. das u (und vor h aú) verhält sich wie in skal, skulum, man, munum, und ahd. mac, mugum, obschon ahd. maht (vis) statt findet. das goth. mag, magum bestätigt aber den vorrang des a und so wird auch nahts (nox) ein älteres nah, nahum, nahta, fordern, wenn gleich schon Ulfilas nah, naúhum, naúhta gesagt hätte. das subst. nahts, wie aus magan mahta, aus lisan lista das subst. mahts und lists hervorzugehn scheint. goth. ganahan, ahd. kinahan bedeutet nun sufficere, folglich wäre nahts die genügende, friedliche ruhige, zugleich aber vermögende und starke, ἄρκια, was mir den sinn ganz zu treffen scheint. es kommt dazu, daß das ahd. duruhnaht nicht allein pernox, totam noctem durans bedeutet, sondern gewöhnlich perfectus, consummatus, vollkräftig, mhd. durnehte, durnehtec, wobei man gar nicht mehr an nacht dachte. woher weiß Stieler 1322 sein › durchnacht nox illunis‹? jenes nid (s.  592 ), der nacht gipfel Nachtrag: Skr. dah , urere, ardere in Bopps gl. 165 scheint die wurzel von lat. dies, wie goth. dags, das die uralte media behauptet hat. kl. schr. 3, 117. tac bedeutet auch noch mhd. hitze, brand: manec blat ir dâ wac für der heizen sunnen tac .   MS. 2, 84 a . über die herkunft von ἦμαρ und ἡμέρα denkt Bopp vgl. gr. 505 anders. an Dagr gemahnen Baldäg, Svipdäg. von Dags sohn Dellîngr heißt es fornald. sög. 1, 468–470: uti fyri Dellîngs dyrum = unter freiem himmel. die edda läßt den tag erst aus der nacht erzeugt werden vgl. nox ducere diem videtur . Tac. Germ. 11. Bopp 198 b und Pott 1, 160 deuten nišâ von ši liegen, also niederliegen und naktam, während des liegens. Benfey 2, 57 scheidet die wurzeln nakt und niš, zur letztern lat. niger rechnend. doch scheinen niš und nakt einer wurzel. unsre nacht führe ich auch GDS. 905 auf nahan zurück. ein andres skr. wort radschani mag mit goth. riqis, ir. reag, ags. racu (s.  679 ) verwandt sein. ir. oidhche , aidche . Zeuss 257. gal. oiche nox. finn. yö , est. ö , ungr. éj , lapp. ija , ja . bask. gaüa , gauba , arratsa , zaroa . die griechische sprache hat für das letzte drittel der nacht den besondern ausdruck νυκτὸς ἀμολγός (s.  959 ). . Beide, tag und nacht, sind hehre wesen. der tag heißt der heilige, wie den Griechen ἱερὸν ἦμαρ. ›sam mir der heilic tac! ‹ Ls. 2, 311 wie ›sâ mir daz heilige lieht! ‹ Roth. 11 b . ›die lieben 615 tage ‹ Ms. 1, 165 a . ›der liebe tag ‹. Simplic. 1, 5. Beide werden darum grüßend angeredet: ›heill Dagr , heilir Dags synir , heil Nôtt ok nipt! ôreiđom augom lîtit ockr þinnig ok gefit sitjondom sigur!‹, sie sollen mit gnädigen augen auf die menschen niederschaun und sieg verleihen. Sæm. 194 a . Auch Martins von Amberg beichtspiegel erwähnt noch das anbeten des tags. ›diu edele naht‹ Ms. 2, 196 b ; ›diu heilige naht‹. Gerh. 3541; ›sam mir diu heilic naht hînt!‹ Helbl. 2, 1384. 8, 606. frau Naht. MsH. 3, 428 a Nachtrag: Tag und nacht sind heilig. ἠώς δῖα. Od. 9, 151. 306. mit got und dem heiligen tag . Haupts zeitschr. 7, 536. 537. so mir der heilige dach! (?) 107, 46. 109, 19. so mir got und dat heilge licht! 254, 19. so mir dat heilige licht! 57, 1. 105, 30. summer der dach, der uns allen geve licht! 14, 50. 119, 1. god ind der gode dach. 7, 41. 21, 40. 65, 55. so mir der gode dach, so uch der gode dach. 33, 39 ff. 219, 62 ff. durch den guden dach. 196, 3. 212, 63. durch den guden dach, der uns allen gevet licht. 69, 21. sô mir der guote tac! Ges. Abent. 3, 227. als mir helf der guote tac. ebenda 3, 243. dor dere van den goden dage. Lanc. 44948. bi gode ende bi den goeden dage. Walew. 155. Reinaert aus seiner höle kommend: quedde den schonen dach . Rein. 2382. saint Jourdhuy. théâtre franc. 2, 47. qui parati sunt diei maledicere. MB. 26, 9 (n. 1256). vgl. wê geschehe dir tac, daz du mich lâst bî liebe langer blîben niht! Walth. 88, 16. zu den eben aufgeführten betheuerungsformeln gehört auch die nhd.: ›so wahr und gewis als der tag am himmel steht‹ ahd. theist giwis io sô dag . O. V. 12, 33. mhd. ich weiz ez wârez als den tac . Trist. 6646. daz ist wâr sô der tac . Diemer 78, 8. . Nach jener nord. vorstellung fahren Nacht und Tag, gleich andern göttern in wagen, aber auch die sonne hat ihren wagen, dem mond wird, meines wissens, keiner zugeschrieben. Nacht und Tag spannen jeder nur ein pferd vor, die Sonne hat zwei pferde. man dachte sich folglich den tag als etwas von der sonne unabhängiges, so wie der mond gerade die dunkle nacht erleuchtet. wahrscheinlich ließ man den wagen des Tags dem der Sonne vorausgehen d. h. tag oder morgen sind da vor der sonne , die sonne unterstützt sie gleichsam; unz daz diu sunne ir liehtez schînen bôt dem morgen über berge. Nib. 1564, 2. , hinter der Nacht den Mond folgen. Nicht bedeutungslos mag der wechsel des geschlechts sein, dem männlichen Tag zur seite steht die weibliche Sonne, der weiblichen Nacht der männliche Mond. Der griech. mythus verleiht dem Helios und der Selene wagen, keine den gottheiten des tags und der nacht; doch gebraucht Äschylus in den Persern 386 vom tag λευκόπωλος ἡμέρα er läßt ihn mit weißen rossen reiten . Das räthsel bei Reinmar von Zweter Ms. 2, 136 läßt den wagen des jahrs von sieben weißen und sieben schwarzen rossen gezogen werden (den tagen und nächten der woche). auch hier bricht die vorstellung fahrender und reitender gottheiten des heidenthums durch. noch ein in Mones anz. 6, 459 beigebrachter segen beginnt: ›grüeß dich gott du heiliger sonntag , ich sich dich dort herkommen reiten! ‹ das ist allerdings der heidnische gott Tag , wie er auf Scinfahso (altn. Skinfaxi Sn. 11) mit der leuchtenden mähne einher reitet; wer aber an den lichten gott Paltar (s.  183 ) auf seinem fohlen dächte, würde auch nicht gerade fehlschlagen. von der personification des tags soll gleich hernach noch weiteres vorkommen; jene formel verdient alle aufmerksamkeit Nachtrag: Der tag erscheint als ein persönliches, von der sonne unabhängiges wesen. awake the god of day . Hamlet 1, 1. hoer tag, den nieman bergen kan. spiegel hinter Altsw. 191. quasi senex tabescit dies. Plaut. Stich. V. 1, 8. vgl. bei Plautus die redensart diem comburere (verjubeln, durchbringen). mit molten den tag austragen . Burc. Waldis 272 b . eya tach, weres du veile. Haupts zeitschr. 1, 27. herre, wâ is der tach? En. 297, 18. ez was hôhe ûf der tach. 300, 13. waz wîzet mir der tach, daz er niene wil komen? 335, 14. alt und junge wânden, daz von im der ander tac erschine. Parz. 228, 5. Utschaisravas, das himmlische tagespferd, taucht aus dem ocean hervor. Holtzmann ind. sag. 3, 138–140. hunc utinam nitidi Solis praenuntius ortum afferet admisso Lucifer albus equo .   Ov. Trist. III. 5, 55. ἁνίκα πέρ τε ποτ' ὠρανὸν ἔτρεχον ἵπποι Ἀῶ τὰν ῥοδόπαχυν ἀπ' Ὠκεανοῖο φέροισαι .   Theocr. 2, 174. die leuchtende mähne des tags stimmt zu der alten vorstellung, daß die strahlen des lichts haare seien. Claudian. in Prob. et Olybr. 3 redet die sonne an: sparge diem meliore coma crinemque repexi blandius elato surgant temone jugales, efflantes roseum frenis spumantibus ignem. vgl. auch den ausdruck Donnerstagspferd. . Gleichwol wird von unsern dichtern tagesanbruch durch aufgang der sonne, vorzüglich gern nachtsanbruch durch ihren untergang ausgedrückt; nicht beginn und ende der nacht durch den mond, dessen auf und niedergang nur selten damit zusammentrift. Die ältesten formeln will ich hier mittheilen. Die sonne geht auf, steigt: goth. sunna urrinniþ Marc. 4, 6. 16, 2. ahd. arrinnit ; daranâh irran diu sunna N. ps. 103, 22; mhd. si was ûf errunnen . Mar. 189. altn. þâ rann dagr upp. Ol. helg. cap. 220. rinnan bedeutet eigentlich laufen und fließen, 616 hier zeigt sich entschiedne analogie des altröm. sprachgebrauchs, der ebenso manare von der aufsteigenden sonne verwendet: diei principium mane , quod tum manat dies ab oriente . Varro 6, 4 (O. Müller p. 74). manare solem antiqui dicebant, cum solis orientis radii splendorem jacere coepissent. (Festus s. v.). urreisan (surgere) sagt Ulfilas nicht von der sonne. Spanisch wird der aufgehenden sonne ein stechen (apuntar) beigelegt: yxie el sol, dios, que fermoso apuntaba . Cid. 461; quando viniere la mañana, que apuntare el sol. Cid. 2190. Nach dem aufgang ist die sonne erwacht und ›mit wachender sonnen‹ (weisth. 2. 169. 173. 183) heißt so viel als bei hellem tag, ›wenn der sonnenschein auf ist ‹ (weisth. 2, 250). ags. ›hâdor heofonleoma com blîcan ‹ Andr. 838 Nachtrag: Die sonne geht auf: er sôl rann up . fornm. sög. 8, 114. sôl rann upp . sv. folks. 1, 154. 240. Vilk. s. 310. rinnet ûfe der sunne. Diemer 5, 28. errinnet 362, 26. der sunne von dir ist ûz gerunnen . MS. 1, 28 a . litth. utžteka sáule, die sonne rinnt auf. v. tekéti laufen, fließen. so rinnt und zerrinnt auch das licht vgl. des tages in zeran. Wigam. 3840. morne da diu sunne ûfgât und sich über alle berge lât. Dietr. drachenk. 345 b . swâ si vor dem berge ûfgât . MS. 1, 193 b . vgl. mnl. baren, ontpluken ( anm. 1919 ). ê diu sunne ûfstige . Dietr. drachenk. 150 a . die sunne sticht hervor . Soester fehde b. Emmingh. 664. die sonne begonste rîsen . Rein. 1323. li solauz est levez et li jorz essauciez. Guitecl. 1, 241. des morgens do de sunne wart . Valent. und Namel. 243 b . wan dei sunne anquam . Soester fehde b. Emmingh. 673. bricht an . 627. 682. diu sunne ûftrat . Mar. leg. 175, 47. 60. de sonne baven de bane quam . Val. und Namel. 257 b . diu sunne was ûf hô . frauend. 340, 29. bi wachender sunnen. Keyserrecht. Endemann s. 26. . Die sonne sinkt, fällt: goth. gasagq sáuil Marc. 1, 32. sagq sunnô Luc. 4, 40. dissigqái (occidat) Eph. 4, 26; ahd. sunnâ pifeal (ruit) pisluac (occidit) gl. Ker. 254. Diut. 1, 274 a nhd. niederschlagen, zu boden schlagen (intrans.). ; mhd. sîget , diu sunne sîget hin Trist. 2402. diu sunne was ze tal gesigen Wh. 447, 8. nu begund diu sunne sîgen Aw. 1, 41; altn. sôlarfall , sôlsetr ; denne sunna kisaz , cum sol occumberet Diut. 1, 492 a . engl. sunset . der letzte ausdruck sagt. daß sie sich niedersetzt, es wird ihr daher sitz oder stul beigelegt, in welchen sie sich nach beendigter fahrt begibt. ihr untergang heißt ahd. sedalkanc hymn. 18, 1. ags. setelgong die altn. und ags. sprache unterscheidet zwischen zwei abendzeiten einer früheren (aptan, æfen) und späteren (qveld, cvild), jene ist vespera, diese conticinium. at qveldi (Sæm. 20 a 73 b ) heißt am vollen abend, wo schon nacht angebrochen, nächtliche stille eingetreten ist. ich leite cvild , qveld von cvellan, qvelja (necare, occidere) und es bedeutet sonst interitus, occisio, nex, was man aus dem untergang des tages (wie cadere mit caedere verwandt ist), noch besser aus der todesstille der nacht deuten kann. vgl. das engl. the dead of night, deadtime of night, die stockstille, todstille, schweigende nacht, das conticinium, ags. cvildtid. Wenn chuiltiwerch in einer urk. von 817 arbeit des späten abends bedeutet, die den mägden nicht aufgelegt werden soll, so entsprach auch ein ahd. chuilt dem ags. cvild, altn. qveld und qvöld. Cædm. 188, 11 schlage ich zu lesen vor: cvildrôfn eodon on lâdra lâst, (belluae) vesperi famosae ibant in vestigia malorum. , setlrâd Cædm. 184, 19; ›ođđät sunne gevât tô setc glîdan ‹ Andr. 1305; ›ođđät beorht gevât sunne svegeltorht tô sete glidan ‹, Andr. 1248; sedal ira kât (occasum suum graditur) hymn. 14, 2. alts. sêg sunne tô sedle Hel. 86, 12. sunne ward an sedle Hel. 89, 10. geng thar âband tuo, sunna ti sedle Hel. 105, 6. scrêd wester dag, sunne te sedle Hel. 137, 20. sô thuo gisêgid warth sedle nâhor hêdra sunna mid hebantunglon. Hel. 170, 1; dän. for vesten gaaer solen til säde . Dv. 1, 90; den gegensatz bildet: ›sôl er î austri ‹ Vilk. saga s. 58. 59, sonne geht auf. Westen (occasus) steht dem Osten (oriens) gegenüber, und da das ahd. kibil den pol, Nordkibel, Suntkibel den Nordpol, Südpol bezeichnen (N. Bth. 208), so hat eine in den weisth. überlieferte formel auf hohes alter anspruch: ›bis die sonne unter den Westergibel geht‹ (1, 836); ›bis 617 die sonne an den Westergibel schint‹ (2, 195); ›so lange dat die sonne in den Westergevel schint‹ (2, 159); in der ersten dieser drei stellen wird die seltsame erklärung beigefügt: ›bis um 12 uhr‹ bei grenzbestimmungen ist Westergibel auch örtlich (weisth. 1, 464. 465. 485. 498. 550. 556). . Ovids axe sub hesperio (met. 4, 214) gibt Albrecht: in den liehten westernangen . bedeutend scheint mir die übereinkunft der altn. Grâgâs 1, 26: fara til lögbergs, at sôl sê â giâhamri enum vestra (giâhamarr ist chasmatis rupes occidentalis), ich werde hiervon bei anderem anlaß weiter zu handeln haben, man vgl. noch in Landnâma bôk 215 die ausdrücke: sôl î austri ok vestri . mhd. diu sunne gie ze sedele . Diut. 3, 57, als diu sunne in ir gesedel solde gân. Morolt 38 a , was ist das aber für ein ort, der in demselben gedicht 14 b hinzugenannt wird; ze Geilât , dâ diu sunne ir gesedel hât? die hauptstadt von Indien? (man sehe anm. 1913 ) Gleichviel mit sedal wäre kadam , mhd. gaden (cubiculum) Mor. 15 a , wenn nicht ze gnâden gelesen werden muß. Die sonne war wegemüd, begierig nach ruhe: dô hete diu müede sunne ihr liehten blic hinz ir gelesen. Parz. 32, 24, sie geht in ihr bett und schlafgemach. dän. solen ganger til senge . Dv. 1, 107. solen gik til hvile . Dv. 1, 170; mhd. diu sunne gerte lâzen sich zuo reste. Ernst 1326, diu sunne dô ze reste gie. Ecke (Hag.) 110, nu wolte diu sunne ze reste u. ouch ze gemache nider gân. Dietr. 14 d ; Opitz 2, 286: ›muß doch zu rüste gehen, so oft es abend wird, der schöne himmelsschild.‹ altengl. until the sun was gon to rest . Iwan 3612. Unser heutiges subst. gnade , mhd. genâde, ahd. kinâda bedeutet eigentlich neigung, senkung herablassung, ruhe (s.  592 ), daraus erklärt sich die redensart: diu sunne gienc ze gnâden (dat. pl.) Mor. 37 a . Wolfdietr. 1402; schon Agricola verstand es (sprichw. 737) nicht vollkommen, wenn er sagt: ›es werete biß die sonne wolt zu gnaden gen, d. i. undergehn und der welt ire gnade u. schein versagen (!) und zu ruhe gehen‹. Aventin (ed. 1580 p. 19 b ) macht davon eine anwendung sogar auf unser frühstes heidenthum, die sonne sei als königin des himmels verehrt worden: ›dorft keiner sagen sie gienge unter, must sprechen, sie gieng zu röst u. gnaden , wie dann noch etwan das närrisch gemein volk meint‹. bloß die letzten worte sind zu beachten; der aberglaube kann weit hinaufreichen, daß es frömmer sei, hier wie in andern fällen den geraden ausdruck zu meiden und einen alten, halbverständlichen euphemistisch zu brauchen. Auch Vuk 775 hat darüber merkenswerthes; man solle sagen smirilo se suntze (die sonne ist zu ruhe, conquievit), nicht aber zadje (sie ist hingegangen) oder sjede (sie sitzt); denn sagt man zadje, so spricht sie ›zaschao pa no izischao‹ (hingegangen, nicht ausgegangen) Kopitar sagt mir, zaschao pa ne izischao! sei mehr imprecatorisch: daß du hineingehest (vielleicht, dich verirrest) u. nicht heraus kommest! mögest du dich setzen u. nicht aufstehn. ; 618 sagt man sjede, so spricht sie ›sjeo pa ne ustao‹ (gesessen nicht aufgestanden); sagt man smirise, so spricht sie ›smirjose i ti‹ (zur ruhe auch dir oder du?) die neugriechischen lieder sagen: ὁ ἥλιος ἐβασίλευε, ἐβασίλεψε (Fauriel 1, 56. 2, 300. 432) d. h. sie hat geherscht, herscht nicht mehr am himmel, ist untergegangen: ebenso heißt es vom untergehenden mond (2, 176). Hiermit verbinde ich noch den eddischen spruch von besondrer heiligkeit der untergehenden sonne: ›engi skal gumna î gögn vega sîđskînandi systor Mana‹ Sæm. 184 b , keiner kämpfe, wenn die sonne niederscheint Nachtrag: Er sach die sonne sinken . Lanc. 16237. diu sunne under sanc . pass. 36, 40. die sonne sanc , soe ghinc onder , also soe dicke hevet ghedaen. Walew. 6110. sô der sunne hinder gegât . MS. 2, 192 b . ndrd. die sonne ist hintergegangen  (?) von der sunnen ûfgange und zuogange . Griesh. 2, 23. hinz diu sunne zuo gie . Grieshaber 122. dô diu sunne nidergie . Nib. 556, 1. diu sunne was ze tal gesigen . Wh. 447, 9. ouch sîget diu sunne sêre gegen der âbentzîte. Trist. 2512. alse die sonne dalen began. Lanc. 16506. alse hi di sonne dalen sach. Maerl. 3, 197. ê sich diu sun geneiget . MSH. 3. 212 a . zu dal di sunne was genigen . Diut. 1, 351. des âbendes dô sich undersluoc diu sunne mit ir glaste. pass. 267, 51. diu sunne ie zů ze tale schôz . Albrecht v. H. (Haupts zeitschr. 11, 365.) der sunne ze âbent verscein . Rol. 107, 23. Ksrchr. 7407. biz daz die sunne iren schîn verluset . Keyserr. Endem. s. 210. metter sonnenscede (discessu). Limborch 8, 206. über coucher, collocare, solsatire . RA. 817. einz vif soleil cochant . Aspr. 39 b . und sôlar siot . Sæm. 179 b . untaz siu sizzit . fragm. 29, 14. e die sonne gesäße . weisth. 2, 453. bis die sonne gesitzt . 2, 490. in sedil gân , obire. Diut. 2, 319 a . (Sunne) gevîted on vestrodor . cod. exon. 350, 23. vest onhylde svegelbeorht hinne setlgonges fûs. 174, 32. bis die sonne wider der forste gibel schinet. weisth. 3, 498. norw. solen begyndte at helde mod aasranden . Asb. Huldr. 1, 1. solen stod i aaskanten . 1, 27. vergl. hierzu und zu giâhamarr Finn Magnusen dagens tider s. 15 und Bopps gloss. 25 b . Asta nomen occidentalis montis , ultra quem solem occidere credunt. dann bedeutet dieser name sonnenuntergang und untergang überhaupt. der tag sinkt hinter den besten berg Ast . Kuruinge 563. 1718. 2393. Holtzmann ind. sag. 3, 183. 184 Potts zählmethode 264 leitet asta sonnenuntergang von as dejicere, ponere. diu sunne an daz gebirge gie. Ecke 110. ἔτι εἶναι ἥλιον ἐπὶ τοῖς ὄρεσι καὶ οὔπω δεδυκέναι. Plato Phaedo 116. ichn geloube niemer mê daz sunne von Mycêne gê. Trist. 8283. (Mycenae in Argolis. Sickler p. m. 283. 284.) in einem felsthal der Schweiz scheint die sonne jährlich zu bestimmter stunde durch ein loch der bergwand und beleuchtet einen kirchthurm. vgl. die in die Belsener kirche scheinende sonne. Meier schwäb. sag. 297. dô diu sunne ze gaden solde gân. Morolt 1402. de sunne geit to gade . brem. wb. 1, 474. ἥλιος κοιμᾶται . Wieselgren 414. de sunne woll to bedde . Firmenich 1, 329 a . mnl. die sonne vaert henen thaerre rusten waert. Maerl. 3, 124. umb jede abendzeit, ehe die sonne zu hause kömpt. Brehme B. 1 a . moidla, geit hoim, die sun geit no ; kriegt koene koen tanzer, wos steit ihr den do? eh die sonne zu genaden get. weisth. 1, 744. 2, 492. e die sunne under zu genaden gienge. 3, 510. bedeutet das goth. remisol , rimisauil die ruhesonne? Haupts zeitschr. 6, 540. quant li solaus ganchi (wankte). mort de Garin 144. merkwürdig heißt es Walewein 8725: doe begonste die sonne gaen te gode van den avonde saen. vgl. estn. pääw lähhäb loja, die sonne geht zum schöpfer = d. s. geht unter. der abendschein der sonne wird mhd. ausgedrückt: diu sunne zâbunde schein . Karl 3525. . Lye bringt eine ags. redensart bei: ær sun go to glade, und übersetzt: priusquam sol vergat ad occasum, lapsum. dann wäre zu schreiben glâd, und wirklich wird glîdan (labi) von der wandelnden sonne gesagt: heofones gim glâd ofer grundas. Beov. 4140. allein gongan tô glâde befremdet; vielleicht darf man ein ags. subst. gläde annehmen mit der doppelten bedeutung splendor und gaudium. nicht nur das altn. glađr, auch das ahd. klat drückt aus einmal splendidus, dann hilaris, wie diese begriffe in einander übergehn vgl. z. b. unser heiter (serenus und hilaris). . klat gilt von sternen, augen, strahlen (Graff 4, 288). O. II. 1, 13 êr wurti sunna so glat (eh sie so leuchtend würde). ein mhd. dichter sagt (warnung 2037): sô ir die sunnen vrô sehet, schœnes tages ir ir jeht, des dankt ir ir, und gote niht. (s. oben s.  588 .) in der Schweiz finde ich den merkwürdigen eigennamen Sunnenfroh (Anshelm 3, 89. 286). nun reichen aber auch die vorstellungen freude, wonne, ruhe, gemach aneinander, folglich glanz, wonne. die untergehende sonne strahlt in erhöhtem glanz, sie geht zu ihrer wonne ein, das könnte gongan tô gläde sagen wollen. altn. habe ich nur ein einzigesmal gelesen sôlarglađi (occasus) fornald. sög. 1, 518. Ihres dialectlex. p. 57 a 165 a lehrt, daß in Vestgötland gladas vom untergehen der sonne gilt: solen gladas , glaas (sol occidit) soleglanding , solglädjen (occasus), das kann bedeuten: die untergehende sonne freut sich oder glänzt. Hiernach lege ich aus, was Stald. 1, 463. 2, 520 anführt: die sonne geht vergoldet , für geht unter, d. i. glänzt vor freude. ›sunne zgold gange‹ Km. n o  165. auch in einem liede (Eschenburgs denkm. 240) heißt es: ›de sunne ging to golde ‹, und öfter in den weisthümern: ›so die sun für gold gat‹ (1, 197); ›als die sonne in golt get‹ (1, 501). Weil aber die aufgehende den gleichen schein des lichts darbietet, so läßt sich nunmehr deuten, warum dieser das volk an feierlichen tagen freudensprünge und tanz beilegt (s.  241 ); die sonne heißt ›der paschen spielmann‹ (Haupts zeitschr. 1, 547). ja auch dabei möchte ich noch nicht stehen bleiben, sondern aus einem tiefen zusammenhang der begriffe des lichts und schalls, der farbe und des tons (gramm. 2, 86. 87) jenes geräusch , jenen klang verstehen, welchen man der auf und 619 untergehenden sonne zuschrieb (s.  601 ). Genauer beschreibt es eine strophe in Albrechts Titurel: darnâch kund sich diu sunne wol an ir zirkel rîden (drehen): der süeze ein überwunne, ich wæn die süeze nieman möht erlîden mit dône dô diu sunn ir zirkel ruorte; seitenklanc und vogelsanc ist alsam glîch der golt gên kupfer fuorte. die süßen töne der aufgehenden sonne übertreffen saitenklang und vogelgesang wie gold das kupfer. Wer denkt hier nicht an die uralte überlieferung von der Memnonsseule , die beim aufgang der sonne einen laut ertönen ließ, gleich als springe eine saite, nach einigen beim aufgang einen fröhlichen, beim untergang der sonne einen traurigen Pausan. 1, 42. Philostr. vit. Apoll. 6, 4. heroic. 4. Plin. 36, 11. Tac. ann. 2, 61. Juvenal. 15, 5. . Wir werden hernach noch andere vorstellungen des anbrechenden tags, der einbrechenden nacht auf licht und ton zurückführen können Nachtrag: Auch altn. glađr ist nitens und laetus und wir sagen ›vor freude strahlen ‹. so heißt nun auch die leuchtende sonne Glens beđja guđblîđ (gottfroh). Edd. Snorr. hafn. 1, 330. der name Sunnenfroh oder Sunnenfrö . Mohr reg. von Fraubrunnen no. 381 (a. 1429) kann bedeuten ›froh wie die sonne‹, aber auch ›der sonne froh‹ wie Boner 66, 42. in einem schwedischen lied wird eine jungfrau Solfagr (Arfv. 1, 177), var. Solfot (180) genannt. at glädja sig, occidere. svenska äfvent. 342. der sonnenbogen geht abends zur freude: illalla ilohon . Kal. 27, 277. nach Hagens Germ. 2, 689 hat die sonne ein goldnes bette, liegt, schläft auf gold. als di sonne in golt geit . arnsb. urk. no. 824 (a. 1355). gieng die sonn im gold . Günther 783. de sunne ging to golde. Ges. Abent. 2, 319. singt als die sonne fast zu golde wolde gehn . Scherfer 195. Die sonne steigt aus dem meer und prasselt dabei. Ossian 3, 131. 2, 278. auch das bild der zolota baba (aurea anus) gibt gleich der Memnonssäule (Lucian philops. 33) einen klang von sich. Hanusch s. 167. . Wohin aber wendet sich die abendsonne zur ruhe, wo ist ihr gemach gelegen? nach dem ältesten ausdruck taucht sie ins meer, in den kühlen wogen ihre glut zu löschen. Im ags. Blh. (Rawl. 193 a ) ›and þeáh monnum þynceđ, thät hio on mere gange, under sœ svîfe, þonne hio on setl glîdeđ‹. So sagten auch die alten von der sonne und den gestirnen δῦναι und mergere , occasus, interitus vel solis in occanum mersio . Festus untergehn im see ist zugleich pfandsetzen des göttlichen auges im brunnen. hier auch noch eine zierliche formel Wolframs, Parz. 32, 24: ›dô hete diu müede sunne ir liehten blic hinz ir gelesen‹. . Boeth. 4 metr. 5 von Bootes: cur mergat seras aequore flammas und metr. 6: nec cetera cernens sidera mergi cupit oceano tingere flammas , was N. 223 verdeutscht: alliu zeichen sehende in sedel gân niomer sih ne gerôt kebadôn in demo merewazere . ›sol petit oceanum ‹ Rudlieb 4, 9. Der ausdruck liegt aber allen bewohnern der seeküste zu nahe, als daß er entlehnt zu sein brauchte, altn. hieß es: sôl gengr î œgi , z. b. fornm. sög. 2, 302. mhd. der sê , dâ diu sunne ûf gêt ze reste . MS. 2, 66 b . Und wie andere göttinnen nach ihrem zug durch das land im see gebadet werden (Nerthus s.  208 . Holda s.  222 ), bezeugt das eben die göttlichkeit der Sonne, daß sie zu bade geht , eine auch bei den Slaven allgemein verbreitete vorstellung: abends sinkt die sonne ins bad sich zu reinigen, morgens entsteigt sie rein in frischer pracht dem bade. das meer galt für der sonne mutter, der sie nachts in die arme sinke Hanusch, slav. myth. s. 201, der damit das wasserbegießen beim Kupalofest verbindet, und diesen namen von kupel, kąpiel herleitet. . Einwohnern des inneren lands säumte ein wald den horizont, davon hieß es: sôl gengr til viđar (Biörn s. v. vidr), solen går 620 under vide (Ihre s. v.) ehstn. pääw katsub metsa ladwa, die sonne geht am wipfel des waldes. . doch die ags. redensart: ›hâdor sägl vuldortorht gevât under vâđu scrîđan‹ Andr. 1456 scheint etwas anders, das ahd. weidi (vgl. anm. s. 116). Wir sagen: die sonne geht hinter die berge ; dazu stimmt wol das ags. ›sunne gevât under niflan näs ‹ (sub terrae crepidinem) Andr. 1306 (vgl. El. 831 under neolum nässe); ein dän. volkslied: solen gik til iorde Dv. 1, 170, nieder zur erde; Ecke (Hagen) 129: diu sunne ûz dem himel gie. auch: die sonne ist hinunter , mhd. der sunne (hier männlich) hinder gegât . MS. 2, 192 b Gudr. 1164, 2: ›der sunne schîn gelac verborgen hinter den wolken ze Gustrâte verre‹ verstehe ich so wenig als Geilâte (s.  617 ), doch beide scheinen dasselbe. Nachtrag: Oannes (die sonne) taucht sich allabendlich ins meer. Hitzig Philist. 218. ἦμος δ' ἠέλιος μετενίσσετο βουλύτονδε .   Od. 9, 58. Il. 16, 779. Ἠέλιος μὲν ἔπειτα νέον προσέβαλλεν ἀρούρας ἐξ ἀκαλαρρείταο βαϑυῤῥόου Ὠκεανοῖο οὐρανὸν εἰσανιών.   Il. 7, 421. Od. 19, 433. Ἠέλιος δ' ἀνόρουσε, λιπὼν περικαλλέα λίμνην οὐρανὸν ἐς πολύχαλκον.   Od. 3, 1. occiduo lota profundo sidera mergi . N. 221. sage me, for hvâm scîne seo sunne svâ reáde on ärne morgen? ic þe secge, for þam de heo kymđ up of þaere sæ . altd. bl. 1, 190. nu gengr sol î egi. Alex. saga s. 163. die sonne badet nachts. Haupts zeitschr. 4, 389. neue pr. prov. bl. 1, 298. dô begundez werden naht und sleich diu sunne nâch ir aht umbe daz nordenmere , als ê.   Geo. 6001. weil die sonne niedertunkt . Schmidt v. Wern. 184. Aber die sonne gieng auch in den wald: neuschwed. solen går i skogen . sol gått i skog . folks. 1, 155. när sol gick i skog . Cavallius 1, 96. siþan sol är undi viþi , hinter die bäume. Östg. 175 (jedoch erklärt F. Magn. lex. s. v. landvîdi das wort vide, viþi anders). nå nu ned, du sol, i granskog. Kalevala Castr. 2, 57. kule (kulki) päiwä kuusikolle! Kalev. 19, 386. 412. vgl. hinter die häuser entwich, nicht hinter den berg uns die sonne. Göthes eleg. was heißt weisth. 3, 791: bis die sonne uf den peinapfel kommt? den tannapfel vergoldet? Unz sich der tac ûfmachte . v. d. Hagen Ges. Abent. 2, 367. der tac der sleich in balde zuo . MS. 1, 171 b . der tag der schleicht wie ein dieb. Hätzl. 23 a . der tac nâhen begunde nâch sînem alten vunde. Türl. W. 125 a . die dach quam die niet onstont . Maerl. 2, 236, also der tag schreitet immer fort, er steht nicht still. der tag sagt: ich fahr dahin und laß dich hie. Uhand 169. der tac wil niht erwinden Wolfr. 8, 18. der morgen nicht erwinden wil, den tac nieman erwenden (avertere) kan. MS. 1, 90 b . dô der tac erschein . Parz. 128, 13. 129, 15. dô der tac vol erschein . Er. 623. der tac sich schouwen liez. Livl. 3299. dô der morgen sich ûf liez und si sîn entsuoben. pass. 30, 79. sich der tac entslôz . urstende 118, 61. der tac sich ûz den wolken bôt. Türl. Wh. 67 a . dô si gesâhen den morgen mit sîme liehte ûfstrîchen , die vinstre naht entwîchen von des sunnen morgenrôt. pass. 36, 51. der tac lûhte schitere (dünn). Serv. 3237. dager var ljus . sv. folks. 1, 129. la nuis sen va et li jors esclari . Garins 2, 203. der tac sich anzündet . Hätzl. 36 a . dat hi den dach sach baren . Walewein 384. die men scone baren sach. Karel 1, 376. 2, 1306. 2, 594. dat menne (den dach) baren sach. Karel 2, 3579. der tac sich hete erbart . Eracl. 4674. sach verbaren den sconen dach. Lanc. 44532. 45350. auch ontpluken: ontplôc haer herte als die dach . Karel 1, 1166. (gieng ihr das herz auf wie der tag.) Walew. 3320. 7762. vgl. sîn herte verlichte als die dach. Walew. 9448. ontspranc die dach. Karel. 2, 593. die dach uten hemele spranc . Walewein 6777. 4885. frz. le jour jaillit. möcht der tag hersprießen . Hofm. gesellsch. 59. lett. deena plaukst , der tag sprießt. der tag rührt: dag rînit . O. I. 11, 49. naht rînit . O. III. 20, 15. lioht rînit . O. I. 15, 19. II. 1, 47. der tag ist reich, gewaltig. guotes ist er niht rîche(r) wan als des liehtes der tac. cod. vind. 428. no. 212. reicher dan der tac. Uhl. 1, 196. andere ausdrücke für den tagesanbruch sind: die nacht die weicht . lb. 1582. 42. niht forđ gevât . cod. exon. 412, 12. diu naht gemachlich ende nam. frauend. 485, 11. uns ist diu naht von hinnen . Wolfr. lied. 8, 16. unz uns diu naht gerûmet . Hahns Stricker 10, 35. so lange bis die schmiede pinken und der tag sich wieder vorzeiget . Ettners vade et occide Gain s. 9. schön heißt es in den Nib. 1564, 2: unz daz diu sunne ir liehtez schînen bôt dem morgen über berge. als der morgenrôt der vinstern erde lieht erbôt. Mar. 169, 28. unz der ander morgenrôt der werlde daz lieht bôt. Servat. 1839. ouch schein nu schiere der morgenrôt, den diu sunne sante durch vreude vür, daz er vreudenrîche kür vogeln und bloumen brâhte. Turl. Wh. 69 a . einfachere wendungen sind: dô begundez liuhten vome tage. Parz. 588, 8. gein tage die vogele sungen. Mai 46, 16. für das gewahren des tagesanbruchs sagte man: nû kius ich den tac. Walth. 89, 18. kôs den morgen lieht. 88, 12. den morgenblic erkôs . Wolfr. lied. 3, 1. als man sich des tages entstê . Wigal. 5544. . Nun wollen wir andere formeln betrachten, welche den anbruch des tags oder der nacht ohne beziehung auf die sonne ausdrücken. Vor allem merkwürdig ist, daß man sich den tag in thiers gestalt dachte, das gegen morgen an dem himmel vorrückt. Wolfram hebt ein schönes wächterlied mit den worten an: › sîne klâwen durch die wolken sint geslagen , er stîget ûf mit grôzer kraft, ich sih in grâwen den tac‹: und im dritten theil von Wh. (cass. 317 a ) heißt es: ›daz diu wolken wâren grâ und der tac sîne clâ hete geslagen durch die naht ‹ auch ein weisthum (3, 90) hat: ›de sunne uppe dem hogesten gewest clawendich‹. . Ist ein vogel gemeint oder ein vierfüßiges thier? denn beiden gibt unsere sprache klauen. ags. findet sich der eigenname Däghrefn (Beov. 4998) was ahd. Takahraban wäre, und Beov. 3599 wird der tagesanbruch durch die worte geschildert: hräfn blâca heofones vynne bliđheort bodode (niger corvus coeli gaudium laeto corde nuntiavit) vgl. volucris dies . Hor. m. od. 28, O. iv . od. 13, 10. . jene sturmregende klauensenkung (s.  527 ) ließe einen adler, die überraschende gleichheit eines morgenländischen bilds aber den könig der thiere, bei uns den bären vermuten die Araber nennen den ersten morgenschimmer schweif des wolfs . Rückerts Hariri 1, 215. . Ali Dschelebi schildert in seinem humajunnameh (Diez p. 153) den beginn des tags mit folgenden schwülstigen, aber ohne zweifel überlieferte vorstellungen wiedergebenden worten: ›als der falke des nestes des firmaments die nachtvögel der flatternden sterne von der wiese des himmels zerstreut hatte, und vor dem anblick der klauen des löwen des tags das reh der bisamduftenden nacht vom felde des daseins in die wüste des nichtseins entflohen war‹. die nacht, ein schüchternes reh, entweicht vor dem starken, mächtigen thiere des tags; gewis ein schönes, lebendiges bild. Auch in einem andern liede läßt Wolfram den tag mit unwiderstehlicher gewalt vordringen Nachtrag: Der tag gleicht einem wiehernden rosse: velox Aurorae nuntius Aether qui fugat hinnitu stellas .   Claudian. IV. cons. Hon. 561. er spaltet die wolken: der tac die wolken spielt . MS. 2, 167 a . so theilt mit ihrem flügelschlag die krähe die nacht, so daß licht durchdringt. Klemm 2, 164. dem ihr vergleichbaren ags. Däghrefn gesellen sich die ahd. namen Daghuelp , gleichsam der junge tag, und Dagulf zu. Förstemann 1, 328. . Der tag wird aber auch menschlich gebildet, in gestalt eines schönen jünglings, der gleich Wuotans raben als bote den tag 621 verkündet: ›dâg byđ dryhtnes sond ‹ heißt es im runenlied. hierbei ist dann die bildung der namen Bal däg , Svip däg und ähnlicher für götter und heroen zu erwägen. dieser götterbote stellt sich am gipfel des berges noch auf die zehen , wie das thier auf die klaue, um schnell ins land zu schauen: ›jocund day stands tiptoe on the misty mountain tops‹, Romeo 3, 5, gewis ein volksmäßiges bild, das auch Hebel von der sonntagsfrühe gebraucht: ›und lisli uf de zeche goht und heiter uf de berge stoht de sunntig‹. er steigt und dringt eilends, unaufhaltsam vor: ›der tac stîgende wart‹, Trist. 8942; ›der tac begund herdringen ‹. Wolfd. 124. ags. þâ väs morgen leoht scofen and scynded (praecipitatus et festinatus, geschoben und geschundet) Beov. 1828. darum heißt er unsern dichtern der rîche (gewaltige), wie gott selbst (s.  17 ): rîche also der tac MS. 1, 163 a , rîche muotes alsam der tac Wigal. 5222, der tac wil gerîchen (siegen, walten, herschen) MS. 1, 27 b 2, 23 b , er ist nicht zurückzuhalten und vertreibt die nacht: unpersönlich heißt es: ›thô iz zi dage want ‹ Otfr. III. 8, 21, aber: der tac wil niht erwinden MS. 1, 147 b , morge fruo, als der tac erstarket Eracl. 587, dô die naht der tac vertreip . Frauend. 47. 58. Er stürzt sie vom thron und nimmt ihn selbst ein: ›ez taget, diu naht muoz ab ir trône , den sie ze Kriechen hielt mit ganzer vrône, der tac wil in besitzen ‹. MS. 1, 2 b ; vgl. jenes βασιλεύειν von der sonne Nachtrag: Der tag ist schön. franz. beau comme le jour , plus beau que le jour . ils croissoient comme le jour. d'Aulnoi cab. des f. 243. wachsen als der tac. S. Uolr. 328. sô der morgen enstât . Herb. 8482. dô der tac werden began. En. 11280. die naht lêt ende, het waert dach. Karel 2, 1305 (vgl. die nacht lêt, die hem verwies. Florîs 1934). der tag ist vorhanden . Simpl. 1, 528. dô gienc ûf der tac. Wh. 71, 20. 225, 13. der tac gêt ûf . frauend. 367, 31. der tac begunde ûfgân . Roth. 1589. 2809. Wigal. 7838. Er. 4109. unze iz beginne ûfgân . Diemer 174, 5. nu schier gienc ûf des tages schîn. Türl. Wh. 134. diu naht entweich dem liehten tage, wander schône ûfgie . Wigal. 5784. es giengen nicht 14 tage ins land . Schelmufsky. vgl. s. 633 a . der tac gât von Kriechen. MSH. 3, 426 a . diu naht gie hin , der tac herzuo . pass. 47, 89. oder: d. n. g. h. der morgen her . 329, 53. oder: d. n. g. h., der morgen quam . 307, 68. diu naht ergienc, der tac quam. Herb. 7883. der morgin quam und diu naht abe nam. Athis A. 163. la nuit sen va et la jornee vint . Garins 2, 158. als in dô der tac kam . Er. 7112. dô kam ûf in der liehte tac. Renner 21906. als diu trüebe naht zergie und sich der morgen schowen lie, der mit geliuhte wol ûfquam . pass. 29, 20. der tag kommt einem auf den hals (geschwind). Döbel 1, 37 a . an trat der ôstertac. pass. 262, 16. als der suntac an gelief . pass. 243, 1. dô der ander morgen ûf ran . Servat. 3410. der tac geflozzen kam . troj. kr. 29651. der tac kommt stolken . Hätzl. 26 b . der tac kam einher walken . 28 a . êr die mane sinke neder ende op weder rise die dach. Karel 2, 1194. dô dranc ûf der tac. roseng. 627. der liehte morgen begunde ûf dringen . troj. kr. 11870. biz ûf gedranc der helle tac. 10183. biz ûf gedranc der klâre tac 10176. der tac mit kraft al durch diu venster dranc . Wolfr. lied. 3, 12. dô der morgen her dranc . Ls. 3, 260. der morgenstern ûf dranc . 2 koufm. 783. dô siben tage vordrungen . Kolocz. 162. des tages wîze ôstern durch diu wolken dranc. Wigal. 10861. vom aufkommenden, empordringenden, steigenden tag heißt es: des morgens dô der tac ûf was . fragm. 41 c . nu was wol ûf der tac. En. 7252. nu was ez hôch ûf den tac. Parz. 704, 30. Eracl. 3416. ez wâs hohe ûf den tac. En. 11146. dô was ez verre ûf den tac. En. 10334. . Einigemal scheint es, als sei der tag, denke man ihn in gestalt eines menschen oder thiers, angebunden und zu anbrechen gehindert: ligata, fune ligata dies (Reinh. lxiv ), er kann nur langsam nahen, weil ihn die bande hemmen. ›ein nacht doch nicht gepunden ist an einen stekchen , hoer ich sagen‹. Suchenw. 22, 30. gehört hierher aus Fergût 1534: ›quam die dach ghestrict in die sale‹? in einem ungrischen märchen (Mailath 1, 137) werden mitternacht und morgendämmerung angebunden , daß sie nicht weiter können und nun bei den leuten nicht anlangen. Stier volksm. s. 3. 5. ein mhd. gedicht stellt den tag als feil und käuflich dar (z. f. d. a. 1, 27), wie einen knecht, den das seil fesselt? Die romanischen sprachen (nicht unsere) pflegen den anbruch des tags durch ein wort zu bezeichnen, das stechen bedeutet, franz. poindre , span. puntar , apuntar (welches auch von der sonne gilt, vorhin s.  616 ), ital. spuntare . à la pointe du jour, mit tagesanbruch. das läßt sich freilich von dem ersten vordringen, gleichsam spitze darbieten verstehen, vielleicht aber auch auf den reitenden tag , der sein pferd spornt , beziehen, oder auf ein thierisches rennen und traben, poindre. Reinh. s. xxxix Nachtrag: Der tag ist oft am anbruch gehindert. waz hân ich dem tage getân, wer hât in geirret? En. 1384. H. Sachs III. 3, 68 a (ed. 1561) 48 d (ed. 1588) sagt von einem tagdieb: wilt den tag in der multer umbtragen? (multer, trog, ahd. muoltra d. h. im trog festgebunden?). es gibt einen schlüssel zum tag . Sv. vis. 2, 214. vlaemsche lied. s. 173. der schlüssel von dem tag wird in den fluß geworfen. Uhl. 171. het ich den tag in meinem schrein, so müst er mein gefangner sein. Uhland 169. vgl. des tags antwort. die sonne wird in einer schlinge gefangen , so daß sie den weg nicht fortsetzen kann und erlöst werden muß. Klemm 2, 156. Dem romanischen poindre , stechen nähert sich der ausdruck in Wirzburg: der tag spitzt sich schon. Herm. Müllers Griechenth. 44. illyr. zora puca , der tag bricht an, schießt. mit à la pointe du jour vergl. matineret a punta d'alba . Mila y Funtals. 159. ahd. strîza jubar (sub ortu). Graff 6, 760. lucis diei spiculum in oriente conspiciens. Kemble no. 581 s. 106. der tac die wolken spielt . MS. 2, 167 a (s. anm. 1918 ). . Noch bedeutsamer und eingreifender sind aber die redensarten, welche mit tagesanbruch, mit morgenröthe wiederum die idee einer erschütterung , eines geräusches verbinden, das den schwingen des nahenden tagboten beigemessen werden darf, aber uns sogar zu dem höchsten gott führt, dessen walten die luft erschüttert. Wuotan als Wuomo, Vôma gedacht ist ein schauern der natur 622 (s.  119 . 120 ), wie es sich auch beim anbruch des tages erzeigt, wo frisches wehen durch die wolken dringt. beziehungsvoll sind die ags. ausdrücke dägvôma Cædm. 199, 26. cod. exon. 175, 4 dägrêdvôma Andr. 125, 8 cod. exon. 179, 24 morgensvêg Beov. 257, dyne on dägrêd Cædm. 289, 27. ær dägrêde þät se dyne becom Cædm. 294, 4; vgl. einl. z. Andr. und El. xxx . xxxi ., auch an Donar wurde vorhin (s.  613 ) gemahnt. Hieraus nehme ich nun jenen klang, den das licht der auf und niedergehenden sonne von sich gibt. diesen sinn wage ich einer altfranz. formel, die bloß in kerlingischen dichtungen vorkommt, unterzulegen: Gerard de Viane 1241 ›lou matin par son l'aube esclarcie‹; cod. reg. 7183, 3 a ›un matin par son l'aube , quant el fu aparue‹; das. 5 a ›un matin par son l'aube , quant li jor esclaira‹; das. 161 c ›au matin par son l'aube , si con chante li gaus‹ (gallus); cod. 7535, 69 c ›a matin par son l'aube ‹; folgende beispiele sind aus Charlemagne (herausg. von Michel) 239 ›al matin sun la (?) lalbe ‹; 248. 468. 727 ›al matin par sun lalbe ‹; 564 ›le matin par sun lalbe ‹. hieß das ursprünglich nicht per sonum (sonitum) albae? freilich später scheint man es anders zu nehmen, son = summum, summitas, franz. sommet, Michel im gloss. zu Charlem. 133 bringt eine stelle bei, wo geschrieben steht ›par som laube‹, und anderwärts heißt es: par son leve (oben auf dem wasser), en sun cel pin (oben auf dieser tanne) Charlem. 594. 760, en son (oben auf) Renart 2617; und im provenz. Ferabras 182 lo mati sus en lalba, 3484 lo matinet sus lalba, im ital. Buovo (p. m. 84. 99. 155): una mattina su l'alba, d. i. sur l'aube, was doch einen gezwungnen sinn gibt; man müste es fassen: morgens als die alba auf dem gipfel des berges stand? Die Engländer verwenden ein verbum peep , welches sonst gucken, hervorschauen bedeutet, für den anbruch des tags, the peep of day; ›the sun began to peep ‹ heißt es in einem schott. lied (minstrelsy 2, 430); auf gleiche weise die Dänen pipe frem : ›hist piper solen frem, giv gud en lyksom dag!‹ sagt Thom. Kingo, ein dichter des 17 jh. (Nyerup danske digtekunsts middelalder 1, 235.) beide sprachen unterscheiden davon engl. pipe, dän. pibe = pfeifen. Wie aber in jenem ›par son‹ der schall zu einem hervortreten wurde, scheint gerade auch die alte bedeutung des pfeifens späterhin verwischt zu werden, und ein unterschied zwischen peep und pipe, dän. pipe und pibe zu entstehn, der anfangs nicht vorhanden war. unser Gryphius (p. m. 740) sagt daher richtig: ›der mond pfeift sein licht auf‹. es ist das bei der naturerscheinung zusammenbrechende rauschen und leuchten. Nicht unähnlich ist › skreik of day‹ in Hunters Hallamshire glossary p. 81, was doch dem engl. shriek, schrei gleichkommt, und das nnl. kriek , krieken van den dag, plattd. de krik vam dage, die morgendämmerung, gleichsam das schrillen des tags, wie das zirpende, schrillende thierchen kriek, krikel, krekel (cicada) heißt. Das überraschende eintreffen beider bedeutungen bietet aber das goth. 623 svigla (αὐλός) ahd. suëkala (fistula) neben dem ags. svëgel (lux, aether) alts. suigli (lux). Selbst unser anbrechen verkündigt getöse und erschütterung. mhd. sâ dô der ander tac ûf brach , Frauend. 53. 109 vgl. Bon. 48, 68; aus Ls. 3, 259 muß ich ausheben: ›do brach der tac dâ herfür , diu naht von dem tac wart kînent (sich spaltend? vgl. oben s.  463 ), diu sunne wart wol schînent‹. in der guten frau steht zweimal 1539. 2451: ›dô der tac durch daz tach lûhte unde brach ‹. ûf brach könnte man auch von brehen leiten? doch sagen wir heute anbrechen, anbruch. ; engl. the break of day, wie sonst the rush (das rauschen), the blush (das blinken) of day. span. el alva rompe . altspan. ›apriessa cantan los gallos e quieren quebrar albores.‹ Cid. 235; ›ya quiebran los albores, e vinie la mañana.‹ Cid. 460; ›trocida es la noche, ya quiebran los albores.‹ Cid. 3558; altfranz. ›l'aube crieve ‹ Ren. 1186. ›ja estoit l'aube crevee ‹ Ren. 1175. ›tantost con l'aube se creva ‹ Ren. 16057; prov. ›can lalba fo crevada ‹ Ferabr. 3977. Dieses romper, quebrar, crevar (lat. crepare) ist das dem sonnenaufgang vorausgehende zittern und erschüttern der luft, von einer empfindlichen kühle begleitet; im lat. crepusculum liegt derselbe sinn. Die Spanier sagen auch: et alva se rie (lacht) und die Araber: der morgen niest Rückerts Hariri 1, 357. In den novelas der Maria de Zayas 1, 3 beginnt ein lied: si se rie el alva, und anderwärts sagt sie: quando el alva muestra su alegre risa ; vgl. oben 415 über das schütternde lachen. ital. heißt ›fare ridere una botta‹ sehr bezeichnend ein faß so schütteln, daß es überläuft. Nachtrag: Der tagesanbruch ist mit geräusch verbunden, zumal mit luftbewegung. ich waen ez tagen welle, sich hebet ein küeler wint . Nib. 2059, 2. diu luft sich gein dem tage ziuhet , diu naht im schier entfliuhet. Türl. Wh. 65 a . man halte zu aurora und ἡ αὔριον (ἡμέρα) morgen das wort aura, αὔρα luft. das ags. morgensvêg kann mit svëgel (s.  623 ) zusammenhangen. sôl ek sâ driupa dynheimum î, solem vidi mergi in oceano? mundo sonoro? Sæm. 125 b . die Hätzlerin 30 a spricht vom gewimmer des tages. far an eirich gu fuai mear a' grien o stuaidh nan ceann glas d. h. ubi oritur sonore sol a fluctibus capitum glaucorum. Tighmora 7, 422. skr. ravi bedeutet sol, rava sonus, ru sonare. Die alba , lux prima, geht der morgenröthe voraus. Niebuhr 2, 300. sie ist der Matuta, Leucothea gleich. Burguy glossaire 350 a erklärt par son vor l'aube als par dessus, tout à la pointe. ital. sull' alba . Auch in unserm anbrechen liegt der begriff des getöses. daz der tac ûf prach . Diemer 175, 7. de dach up brak . Haupts zeitschr. 5, 399. Detm. 1, 50. dô der tac ûf brach . Livl. reimchr. 4274. 9560. 10553. 11042. 11912. der morgen ane brach . 4491. der tac ûf brach . pass. 377, 73. Servat. 2600. 2082. Diemer 175, 6. als der morgen ûf brach . pass. 208, 45. dô sich ûf brach der morgen. 223, 75. diu naht nû schiet, des tages schîn nâch gewonheit durch diu wolken brach . Türl. Wh. 66 b . der tac ze liehte brach . Dietr. drachenk. 220 b . der tag bricht zu den fenstern herein . Felsenb. 3, 458. ich sihe den morgensterne ûf brehen . MS. 1, 90 b . vgl. litt. brěkszti , dämmern, tagen. erupit cras . Walthar. 402. l'aube creva . Méon 1, 291. la guete cuida que l'aube fust crevce . das. 1, 195. das geräusch beim tagesanbruch wird aber auch aus dem gesang der erwachenden vögel erklärt. der tac wil uns erschellen . Ges. Abent. 1, 305. der süeze schal kunt in den tac. Mai 93, 33. biz sie erschracte der vogel sanc . 93, 32. Zum span. ›el alva se rie ‹ halte man turn. v. Nantes 42, 4: diu sunne in dem himmel smieret . crepusculum scheint ein crepus vorauszusetzen und zu crepare, crepitus zu gehören, wie auch ψέφος finsterniss und ψόφος geräusch mit einander verwandt sind. vgl. Benfey 1, 617 ff. Bopp gl. 91. . Doch den begrif der dämmerung und alte dafür zu gebot stehende ausdrücke erörtere ich hier näher. Die allerfrühste morgendämmerung, eigentlich noch die ihr vorausgehende letzte nachtzeit drückt das goth. uhtvô Marc. 1, 35 für ἔννυχον aus, ahd. uhtâ nach Ns. schreibung uohta , alts. uhta , ags. uhte (gewöhnlich steht ›on uhtan‹ Cædm. 20, 26. 289, 31. 294, 2. cod. exon. 443, 24. 459, 17. 460, 14. on uhtan mid ærdäge Beov. 251), altn. ôtta (nach Biörn von 3–6 uhr nachts). die wurzel noch unaufgehellt, vermuthlich heißt nach uhtâ auch das schweizerische Uchtland und westfälische Uchte. Nah daran stößt das ags. ærdäg (primum tempus) Beov. 251. 2623. 5880. altn. ârdagi (vgl. ârdegis, mane), kein ahd. êrtac oder êrtago kenne ich. Nun folgt der begrif von diluculum, wofür altn. dagsbrûn , dagsbiarmi , dagsbirta , von brûn ora, margo, gleichsam supercilium, biarmi, birta lux; ahd. aber tagarôd , tagarôt (Graff 2, 486. 487), ags. dägrêd Cædm. 289, 27. 294, 4, mnd. dagerât En. 1408, mnl. dagheraet (Huyd. op St. 2, 496), eine zusammensetzung deren zweiter theil nicht bestimmt auf rôt (ruber) hinzuleiten und vielleicht jenem rodur, rödull (coelum vgl. s.  583 ) verwandt ist. auch das genus schwankt zwischen masc. und fem. vgl. indessen ahd. morganrôt, morganrôto und morganrôtâ (Graff 2, 486); mhd. ûfgênder morgenrôt (oder morgen rôt?) Walth. 4, 6; daz morgenrôt Trist. 8285. 9462. . es scheint 624 mythisches und persönliches hindurch, denn N. Cap. 102 verdeutscht Leucothea (die weiße, leuchtende göttin, eine Perahta) ›der tagerod ‹ und geht auf die personificirung ein: ›ube der tagerod sina facchelun inzundet habe‹. und in urk. begegnet der mannsname Dagharot (Falke trad. corb. p. 5), auch ein ortsname Wirin tagaroth (Höfers zeitschr. 2, 170). wenn ahd. glossen crepusculum durch tagarôd übersetzen, so beruht das auf unkenntnis des lat. sprachgebrauchs, es ist nothwendig nur diluculum, aurora. ein altfranz. frauenname ist Brunmatin Ren. 15666. 15712. 16441 = morgendämmerung. altn. findet sich kein dagsrod, wol aber sôlarrod aurora (fornm. sög. 8, 346). Man sagte mnl. auch dachgrake , dagherake (fem.) und graken vom grauen des tags. dies grauen ist von der farbe hergenommen, wenn sich die schwärze der nacht in grau erhellt: mhd. der grâwe tac, daz grâwe lieht MS. 2, 49 a , der tac wil grâwen Wolfr. 4, 11; ›si kôs den alten jungen grâwen grîsen (tac)‹, ›junc unde grâ der morgen ûf gât‹. MsH. 3, 427 b Nachtrag: Uhtvô hält Bopps gl. 53 b zu uschas von usch brennen, wie ahtau zu aschtâu. das wort heißt noch deutschböhm. die ucht . uhtibita orgia. gl. schlettst. 6, 436 wird von Wackernagel als dämmerungsbitte erklärt. Haupts zeitschr. 5, 324. diluculo wird ahd. übersetzt durch: in demo unterluchelinge . Windb. ps. 260. fruo unterluchelingen . das. 206. dagendeme . ps. trev. 206. an demo dalithe . das. 260. piliothe . Diut. 1, 530 a . falowendi , faloendi crepusculum. Graff 3, 496. 497 zu falo, fulvus, pallidus. prima luce, in der urnichden . hor. belg. 7, 36 b . ags. gilt auch vôma dafür s.  622 . außerdem glommung , dägrîm crepusculum. (darf man hierzu halten: as de dach griemelde? Fromman 4, 265.) altn. byrtîng . mit dem altn. dagsbrûn hängt der franz. frauenname Brunmatin , gleichsam Aurora, zusammen. wb. 2, 325. auch wol Brumatin. Méon 3, 447 (zu bessern). mnd. dageringe diluculum. Detm. 1, 178. 2, 546. Die personification des tagarôd wird auch angezeigt durch die mannesnamen Daghared trad. corb. 226 und Dagrim das. 394. altn. findet sich doch neben sôlarrod auch: međ dagrœđom . Sæm. 24 a . fem. ist das wort bei Gotfr. Hagen 65: an der dageroit . aber es überwiegt auch beim morgenroth das masc. unz der ander morgenrôt der werlde daz lieht bôt. Servat. 1839. Mar. 169, 28. ouch schein nu schiere der morgenrôt, den diu sunne sante durch vreude vür, daz er vreuden rîche kür vogeln und bluomen brâhte. Turl. Wh. 69 a . aber die rotbrünstige morgenröt. H. Sachs in d. Wittenb. nachtigal. Der tag graut vgl. es graut mir. des tages blic was dennoch grâ. Parz. 800, 1. ἡμέρα ἀμφὶ τὸ λυκαυγὲς αὐτό, dies circa ipsum diluculum est. Luciani somn. 33. arab. dhenebu-ssirhan , der wolfsschweif, der den himmel überfahrende erste falbe morgenschimmer, der wieder schwindet und tiefere finsterniss hinterläßt. Rückerts Hariri 1, 215. . Auf die aurora folgt nun der volle morgen, goth. maúrgins , ahd. morkan , alts. morgan , altn. morgun , eigentlich αὔριον. ich vermute einen mit anbruch und brechen des tags verwandten begrif, weil das goth. gamaúrgjan schneiden und kürzen (jenes ginnen, secare) ausdrückt Nachtrag: Bedeutet das dunkle wort morgen gar frühstücken, denn finn. ist murkina jentaculum zeit des stückens. auch der morgen steigt gleich dem tage ( anm. 39 ), er ist hoch, daher der eigenname Dietreich der Hochmorgen . Rauch 1, 413. gr. steht neben αὔριον ὄρϑρος morgen, frühe. βαϑὺς ὄρϑρος. Arist. Vesp. 216. Plato Criton 43. Prot. 310. evang. Luc. 24, 1. . Dem aufsteigenden tag stehn nun benennungen des sinkenden gegenüber. für ὀψέ und ὀψία hat Ulfilas andanahti , die zeit gegen nacht, doch auch sciþu (serum), wie den Neugriechen der abend das langsame, späte τὸ βράδυ, der morgen das rasche, frühe τὸ ταχύ, also wiederum das kurze ist (vgl. gemaúrgjan). das ahd. âpant , alts. âband , ags. æfen , altn. aptan berührt sich mit aba, aftar, aptr, wodurch die fallende, rückgängige bewegung bezeichnet wird. das ahd. dëmar , nhd. dämmerung gilt vorzugsweise von crepusculum, und gehört zum ags. dim (obscurus), litth. tamsus, slav. temni. ags. æfenrîm , æfenglom crepusculum. zumal wichtig wird uns, daß jenem ahd. Tagarôd auch ein persönlicher Apantrôd in einem riesen der heldensage zur seite steht, Abentrôt ist Eckes und Fasolts bruder, die wir beide als erscheinungen des meers und der luft kennen lernten (s.  197 . 529 ). war der tag ein göttlicher jüngling, so kann die dämmerung des morgens und des abends als riesenhafter Tagarôd und Apantrôd erfaßt worden sein mhd. der âbentrôt . Walth. 30, 15; ›dô diu âbentrôt wîten ir lieht der erden bôt‹. Uolrich 1488. Nachtrag: Der begriff der fallenden bewegung im ausdrucke abend wird bestätigt durch: diu sunne begunde senken und aben tegelich. Heinz. v. K. ritt. und pf. 5. ags. cvild conticinium, altn. qveld . vgl. goth. anaqal quies. altn. hûm crepusculum, ags. glôm . für das altn. röckur crepusculum (s.  679 ) hat das schwed. skymming , dän. skumring , nd. schemmer , schummerlicht . vgl. böhm. sumrak, russ. sumrak und den namen Simrock. altn. skoera dämmerung. Ol. helg. s. ed. christ. 47, 25. diu tunkle , abendämmerung. Osw. 2013. 2071. ahd. tunchali . Graff 5, 435. schwed. tysmörk , dän. tusmörke crepusculum (s.  679 ). vesperzît, sô diu sunne schate gît . Mar. 158, 7 vgl. δύσετό τ'ἠέλιος, σκιόωντό τε πᾶσαι ἀγυιαί. Od. 11, 12. 15, 185. die dämmerung heißt auch eulenflucht , auch bloß eule . Firmenich 1, 268. si bran ûf schône sam der âbentrôt. MS. 1, 34 a . altn. qvöldrođi aurora vespertina. âbentrôt, der kündet lûter mære . Walth, 30, 15. abendroth gut wetter bot, oder abendroth bringt gut morgenbrot, oder der morgen grau, der abend roth ist ein guter wetterbot. Simrock spr. 20. 19. 7099. dagegen εὐάγγελος μὲν, ὥσπερ ἡ παροιμία, ἕως γένοιτο μητρὸς εὐφρόνης πάρα. Aesch. Agam. 264. . Den Römern und Griechen war Aurora und Ἠώς göttin. diese wird höchst lebendig geschildert. sie ersteigt aus dem bett (ἐκ λεχέων, wie unsre sonne zu bette geht, s.  617 ) des Tithonos, ihres gemahls (Od. 5, 1), heißt die frühgeborne (ἠριγένεια), rosenfingrige (ῥοδοδάκτυλος, Il. 1, 477): ihre röthlichen finger greifen in die wolken gleich jenen klauen des tags (s.  620 ); auch 625 χρυσόϑρονος wird sie genannt, wie Here und Artemis. Die Slaven scheinen, statt der göttin, einen gott der morgenröthe gehabt zu haben, Jutribog Nachtrag: Skr. ušas aurora, dual. ušâsâ vgl. Bopp gl. 53 b . lat. aurora f. ausosa. gr. ἠώς, ἕως, dor. ἀώς, äol. αὔως. vgl. Ostara s.  241 . morgenröte wird im skr. ausgedrückt durch: die jungfrauen (narîr). gött. anz. 1847 s. 1482. bei Theocr. 2, 147 führen rosse die göttin heran (s. anm. 1899 ). constiteram exorientem auroram forte salutans . Cic. de Nat. D. 1, 28 (vgl. Creuzer s. 126). über den slav. Iutribog als morgengott vgl. myth. 1. ausg. s. 349 anm. . Hier aber darf eine andre slavische und ungrische vorstellung, weil sie zu uns übergreift, nicht verschwiegen bleiben. ungrisch heißt die morgenröthe hajnal (esthnisch haggo) und die dortigen tagewächter rufen sich zu: hajnal vagyon szep piros, hajnal , hajnal vagyon! d. i. aurora est (erumpit) pulchra purpurea, aurora, aurora est! dieser name heynal , eynal ist auch den Polen geläufig und man ruft aus: heynal świta! aurora lucet! (Linde 1, 623). Nun meldet Ditmar von Merseburg unterm jahr 1017 (7, 50 p. 858): ›audivi de quodam baculo, in cujus summitate manus erat, unum in se ferreum tenens circulum, quod cum pastore illius villae Silivellun (j. Selben unweit Merseburg), in quo (l. qua) is fuerat, per omnes domos has singulariter ductus, in primo introitu a portitore suo sic salutaretur: vigila Hennil , vigila!, sic enim rustica vocabatur lingua, et epulantes ibi delicate de ejusdem se tueri custodia stulti autumabant.‹ und noch aus Adalb. Kuhns märk. sagen s. 330 entnehme ich: ›ein alter förster aus Seeben bei Salzwedel erzählte, daß man an diesen orten früher die gewohnheit gehabt habe an einem bestimmten tage des jahrs einen baum aus dem gemeindewalde zu holen, im dorfe aufzurichten und darum tanzend zu rufen: Hennil , Hennil wache!‹ stammt das aus Ditmar her? und sollte Hennil wache! Hennil vigila schon im eilften jh. aus dem ungr. Hajnal vagyon (denn vagyon bedeutet est) misverstanden worden sein? aber der dorfwächter oder hirt, der mit dem stab, woran hand und reif angebracht worden war, wahrscheinlich an gewissem tag im jahr, zu allen häusern trat und jene worte rief, scheint damit doch ein göttliches wesen zu meinen. ein slowackisches lied bei Kollar (zpiewanky p. 247. vgl. 447) lautet: Hainal switá, giž den biely, stawagte welky i maly, dosti sme giž dluho spali, morgenröthe leuchtet, schon ist der tag hell, steht auf groß und klein, lange haben wir geschlafen. böhmische schriftsteller wollen jenen Hajnal , Heynal , Hennil einem serbischen, böhmischen hirtengott Honidlo gleichsetzen Jungmann 1, 670. 724. Hanusch, s. 369. 370. ; ich weiß aber nicht, wie es um diesen stehe, honidlo ist seiner bildung nach neutrum und ein werkzeug, es würde poln. gonidlo lauten und ganz verschieden von eynal, heynal sein Nachtrag: Woher das märkische: › Hennil, Hennil, wache! ‹ stamme, ist noch nicht aufgeklärt. zu bemerken ist, daß man vom starken Hennel wie vom starken Hans erzählt, und daß honidlo nach den wend. volksl. 2, 270 a gerade einen hirtenstab bedeutet. ähnlich wie jener hirte beim Ditmar von Merseburg, trat der römische fetialis, wenn er den krieg anzukündigen hatte, in das heiligthum und rief, indem er die schilde und lanze des bildnisses schwang, aus: Mars vigila! Hartung 2, 168. Servius ad Aen. 8, 3. Auch in Deutschland und Frankreich kündete der wächter, der vrône wehter (MSH. 3, 428 b ), den tag mit seinem horne an. seine lieder hießen tagelieder , aubades . la gaite corne, qui les chalemiaus tint. Garin 1, 219. les gaites cornent desor le mur anti. Garin 2, 117. 158. la guete cuida que laube fust crevee, il tret le jor et huche et crie . Méon 1, 195. et la guete ert desus la porte devant le jor corne et fretele . Méon 1, 200. der wahtaere diu tageliet sô lûte erhaben hât. Walth. 89. 35. vgl. Lachm. zu Walther s. 202. den tac man kündet dur diu horn . MS. 2, 190 b . diu naht was ergangen, man seite ez wolde tagen. Nib. 980, 1. wahter hüet hôh enbor. MS. 1, 90 b . er erschelt ein horn an der stunt, dâmit tet er den liuten kunt des tages kunft gewalticlich. Ls. 3, 311. der wächter ruft: ich sich in her gân , der mich wol erfröuwen mac, hergât der liehte schoene tac. Ls. 3, 311. smerghens alse die wachter blies. Florîs 1935. der uns den tag herblies . ldrb. 1582. 28. anblies . 238. der wechter blost den tag an. Keisersp. brösaml. 25 d . ›das übrige bläst der wächter‹. Elisab. v. Orl. 502. der thürmer oder hausmann bläst den tag ab und er kömmt von sich selber. 3 erzn. s. 443. der wechter ob dem kasten . bergreien. 128. Führen die wächter eine keule, die morgenstern hieß? vgl. Hollbergs ellefte Juni 5, 9. nach Frisch 1, 670 ist er a. 1347 erfunden. . Wir sahen, daß die aufgehende sonne freudig ertönte (s.  618 ), die rauschende morgenröthe lachte (s.  623 ); hierzu stimmt eine vielfach wiederholte vorstellung, der tag bringe wonne , die nacht trauer . ›froh wie der tag‹ heißt es, und Shakespeare sagt › jocund day‹ 626 (s.  621 ); Reinolt von der Lippe: ›er verblîde als der dag‹, MS. 2, 192 von dem scheidenden tag: ›der tac sîn wunne verlât‹. Zumal aber drücken die vögel ihre freude über den nahenden tag aus. ›gäst inne sväf oþ þat hräfn blâca heofenes vynne blîđheort bodôde‹. Beov. 3598, die himmelswonne die der frohe rabe verkündigt ist der anbrechende tag. ich bin so froh, wie die habichte, wenn sie thaubenetzt den tag anbrechen sehn, ›dögglitir dagsbrûn siâ ‹. Sæm. 167 b ; ›nu verđr hann svâ feginn, sem fugl degi ‹, Vilk. saga cap. 39 p. 94; ›Horn was as fain o fight, as is the foule of the light , when it ginneth dawe‹, Horn and Rimen. 64 p. 307; ›ich warte der frouwen mîn reht als des tages diu kleinen vogellîn ‹ MS. 1, 51 a ; ›fröit sich min gemüete sam diu kleinen vogellîn , sô si sehent den morgenschîn ‹. MS. 2, 102 b . Eine menge epischer formeln schildert darum den anbrechenden tag durch geschrei der hähne (hankrât) oder nachtigallen. Biarkamâl im anfang: ›dagr er upp kominn, dynja hana fiađrar, der hähne federn rauschen. à la mañana, quando los gallos cantaran‹, Cid. 317. ›li coc cantoient, pres fu del esclairier‹. ›l'aube est percie, sesclere la jornee, cil oisellon chantent en la ramee‹. ›biz des morgens vruo, daz diu nahtigal rief‹ En. 12545 Nachtrag: Der tag ist schön und freudig . der tac schoen und grîse sîn lieht beginnet mêren. troj. kr. 9173. daz lieht mit vreuden ûf trat. pass. 329, 54. dagegen sagt Schmidt von Wern. 253 vom abendroth: das abendroth im westen welkt (erbleicht). der morgenstern ist des tages bote ( anm. 1936 ). daz im der tagesterre vruo kunte den tac . Ksrchr. 7885. ἀστὴρ ἀγγέλλων φάος. Od. 13, 94. Die vögel freuen sich über sein kommen. ἡνίκα ὄρνιϑες ᾄσωσι πρῶτοι. Charonis fragm. 34 b . ὁ ὄρνις τὴν ἕω καλῶν. Athenaeus 4, 36. daz cleine süeze vogellîn kan dingen ûf den morgenschîn und sich des tages fröuwen muoz. troj. kr. 20309. nam diu naht ein ende, die vogel des niht wolden durch iemans freuden swende verswîgen, wan sie sungen als si solden. Tit. 5364. noch süezer denne dem voglîn morgens vrône. Frauenl. Ettm. s. 27. de voghel den dach smorghens groette als hine sach. Rose 7832. (vgl. dcn kleinen vogellîn tröumet ûf esten . MS. 2, 166 b .) Der hankrât kündet den tag an. ἐξέργεσϑαι ἤδη ἀλεκτρυόνων ᾀδόντων. Plato conv. 223. der han hât zwir gekraet, ez nâhet gên dem morgen. MS. 2, 152 a . as de hanens den dag inkreggeden. Lyra s. 114. . Die nacht wird vorgestellt als schnell und unversehens einbrechend, überfallend, ϑοὴ νύξ (Il. 10, 394), denn sie fährt ja mit rossen, sie fällt oder sinkt vom himmel nieder, la nuit tombe , la nuit tombante , à la tombée de la nuit, sie bricht ein , während der tag anbricht, sie rückt auf einmal nahe , sie überfällt . Matth. 14, 15, wo die vulg. hat: hora jam praeteriit schreibt Luther deutsch: die nacht fällt daher , schon in der alten sprache gilt von nacht und abend das verbum ana gân oder fallan : âband unsih ana geit , ther dag ist sînes sindes, O. V. 10, 8; in ane gâenda naht, N. Bth. 31: der âbent begunde ane gân , Mar. 171; schiere viel dô diu naht an , Roth. 2653; do diu naht ane gie , Er. 3108; unz daz der âbent ane gie , Er. 172; uns gêt diu naht vaste zuo , Karl 39 a ; unz der âbent ane gie , Flore 3468. Ls. 1, 314. Wigal. 1927. 6693; als der âbent ane gêt , Wigal. 4763; biz daz der âbent ane lac . Ls. 1, 243; diu naht diu gât mich an , Wolfd. 1174; diu naht gêt uns vaste zuo , livl. chron. 5078. Ebenso aber auch sîgen : dô der âbent zuo seic , Diut. 3, 68; alsô iz zuo deme âbande seic , das. 3, 70; nû seig ouch der âbent zuo , frauend. 95, 20; diu naht begunde zuo sîgen , Rab. 102; begunde sîgen an , Rab. 367; do diu naht zuo seic , Dietr. 62 b ; diu naht sîget an , Ecke 106; der âbent seic ie nâher, Gudr. 878, 1; ze tal diu sunne was genigen u. der âbent zuo gesigen , Diut 351; diu naht begunde sîgen an. Mor. 1620. 3963 beidemal steht segen; wäre es sigen an (vincere), so ließe sich kaum der dativ dem tage entbehren. ; diu tageweide diu wil hin, der âbent sîget vaste zuo , Amgb. 2 a ; der tach is ouch an unsgewant, uns sîget der âvent in die hant , Ssp. vorr. 193; in der sinkenden 627 nacht, Cornelius relegatus, Magd. 1605 F. 5 a ; in sinklichter nacht, Schoch stud. D 4 a ; und noch heute: bis in die sinkende nacht schön sagt Goethe: der abend wiegte schon die erde, und an den bergen hieng die nacht. . gleichviel ist: nû der âbent, diu naht zuo geflôz , Troj. 13676. 10499. ags. ›æfen coni sigeltorht svungen ‹ (kam glänzend geschwungen) Andr. 1246. Dies einbrechen und niedersinken erfolgt aber auch leise und heimlich, wie eines diebes: diu naht begunde slîchen an , Dietr. 68 b ; nû was diu naht geslichen gar über daz gevilde, Christoph 413; do nû diu naht her sleich und diu vinster in begreif , das. 376; sô thiu naht bifêng , Hel. 129, 16. do begreif in die nacht, Flörsheimer chron. b. Münch 3, 188; wie mich die nacht begrif , Simplic. 1, 18. hett mich die nacht schon begriffen , Götz v. Berl. p. m. 164. mhd. steht von der nacht ›ez benemen‹, gleichsam das licht, oder den sieg: unz inz diu naht benam , Gudr. 879, 1; ne hete iz in diu naht benomen , Diut. 3, 81 (vgl. gramm. 4, 334). Hroswitha sagt in fides et spes: ›dies abiit, nox incumbit ‹. Offenbar ist in vielen diesen zügen die nacht aufgefaßt als feindliche, böse gewalt , im gegensatz zu dem gütigen wesen des tags, der in gemächlicher ruhe langsam über die berge emporsteigt; so schnell daher die nacht niederfällt, so allmälich endet sie: ›diu naht gemechlich ende nam‹. frauend. 206, 21. ›die nacht ist keines menschen freund‹ heißt es im sprüchwort, wie von einem dämon Nachtrag: Das schnelle hereinbrechen der nacht, ihr fallen oder sinken wird durch zahlreiche wendungen belegt. ez taget lanc und nahtet drât . Teichner 70. als die nacht mit aller gewalt herein brach. 3 klügste leute. 146. die nacht bricht ein, während der tag anbricht, wie schon Pott 1, 236 bemerkt. doch sagt Göthe im Faust 126: die nacht bricht an , ja und wir wollen fort. cum nox inrueret . Greg. tur. 10, 24. wie die nacht herbrach . Katzip. CI b biß das der abend hereindrang . Fischarts gl. schif 1131. aus allen winkeln und ecken dringt die nacht hervor . Göthe. dô viel sîn gaeher âbent an . Trist. 314. diu naht nu sêre zuo gâht . Türl. Wh. 26 a . die nacht rückt mit gewalt ein . Maulaffe 569. die nacht rasche quam. Haupts zeitschr. 5, 388. es schießt in den abend (et schütt in den abend). Schütze 4, 33. die nacht kam uns auf den hals . ungr. Simpl. 65. kommt uns die nacht auf den hals . Ettners apoth. 877. die nacht stößt an . weisth. 1, 305. it was avent, de nacht anstoet. Reineke 4, 1. niht becom (supervenit). Beov. 230. vgl. εἰς ὅκεν ἔλϑη δείελος ὀψὲ δύων, σκιάση δ'ἐρίβωλον ἄρουραν. Il. 21, 231. ἤδη γὰρ καὶ ἐπήλυϑε δείελον ἦμαρ . Od. 17, 606. as de avent int lant kem. Müllenhoff s. 201. trat de nacht an . weisth. 3, 87. die nacht betritt ihn. 3, 457. vgl. wan sie die nacht betrift . 3, 785 und bis die dämmerung eintrat . Felsenb. 4, 63. 2, 599. hereintritt . 4, 144. die naht hinzuo geschreit . troj. kr. 10119. nâhet in diu naht. Nib. 1756, 1. en hadde die nacht niet ane gegaen . Karel 2, 934. do diu naht (der âbent) ane gie . Lanz. 3210. Flore 3497. Diemer 27, 4. frauend. 342, 30. Iw. 3904. gieng der abend her . Götz v. Berlich. 82. hie mite gienc der âbent hin und diu naht heran lief . pass. 47, 84. diu vinstere naht her ouch swanc als si in ir loufe lief . pass. 36, 41. als diu naht hin gelief . pass. 81, 86. diu naht kumt dâher gerant . Dietr. drachenk. 336 b . Ferner gilt von der nacht das sîgen : der âbent was zuo gesigen . Diut. 1, 351. ist diu naht herzuo gesigen . troj. kr. 11718. diu naht sîget zuo . Dietr. drachenk. 154 a . uns sîget balde zuo diu naht. Lanz. 709. diu naht begunde sîgen an . Morolt 1620. 3963. diu naht sîget an . Dietr. drachenk. 327 b . diu naht vast ûf uns neiget . Hätzl. 192, 112. aber auch: dô der tac hin seic , diu naht herzuo steic . Dietr. 9695. biz der dach nider begunde sigen inde die nacht upstigen . Karlmeinet s. 18. li jours va à declin , si aproche la nuit. Berte 54. li jors sen va et la nuis asseri . Garins 2, 157. la nuiz va aprochant , si declina le jor. Guitecl. 2, 169. nu begund diu sunne sîgen und der âbentsterne stîgen nâch der alten gewonheit. 2 koufm. 180. ez begunde sîgen der tac. Er. 221. à la brune , à la chute du jour. ähnlich sind die wendungen: der tac was iezuo hin getreten . pass. 27, 7. der tag gieng zu dem abend. Uhland 1, 246. vgl. dagr var â sinnum , der tag neigte zu abend. Sæm. 104 b . gleichviel ist: der tac hiemit ein ende nam , diu vinster naht mit trüebe kam. passion. 19, 3. der tac sleich hin und kam diu naht. Freib. Trist. 4705. ja swant der tac und wuohs diu naht. Heinz v. Konst. ritt. und pf. 7. vgl. lat. adulta nocte. dô der tac verswant . g. frau. 2013. 2427. ndrd. he lett dagen und swinen , schemmern und dagen. Strodtmann 200. 238. brem. wb. 4, 634. dô der tac zerstoeret wart von der vinsternisse grôz und diu naht herzuo geflôz . troj. kr. 10489. der tac gefluze hin. troj. kr. 8519. dô der tac was ergân . Diemer 149, 25. als der tac was gelegen . Ernst 4679. dô der tac lie sînen schîn . troj. kr. 11095. der tac sin wunne verlât . MS. 2, 192 b . der tac sîn lieht verlât . MS. 2, 496 b . der tac lât sînen glast . troj. kr. 8480. do des tages lieht verswein . Baii. 368, 3. siđđan aefenleoht under heofenes hâdor beholen veorđeđ. Beov. 821. der tac gieng mit freuden hin . dô diu naht ir trüeben schîn über al die werlt gespreite. Gerh. 4931. aefenscîma forđ gevât. Cædm. 147, 30. der tac begerte urloubes mit liuhte . Tit. 3743. Diu naht begrîfet . Tit. 3752. Dietr. drachenk. 97 a . Heinr. Trist. 4650. die nacht hevet mi hier begrepen . Maerl. 3, 157. unz si begreif diu naht. Wolfd. 302, 1. unz daz si dâ diu naht begreif . Mai 39, 5. die nacht kompt geslichen . ld. 1582. 53. die nacht deckt, breitet ihren mantel. þâ com äfter niht on lâst däge, lagustreámas vreáh . Cædm. 147, 32. ja waene diu naht welle uns nicht wern mêr. Nib. 1787, 2. die nacht war für augen . 3 kl. leute 147. der abend war vor der thür . pol. maulaffe. 171. der abend all bereit vor der hand . Schweinichen 1, 87. dô man des âbindis intsuob . Athis C*, 153. Die nacht galt für häßlich und feindlich . Benfey 2, 224. das gr. δείλη abend, δείελος abendlich wird mit δειλός furchtsam und δείδω verwandt sein. vgl. νὺξ ὀλοή . Od. 11, 19. mhd. nahteise horror noctis. fundgr. 1, 181 und Shakespeare's grimlooked night. das litt. › naktis ne brolis , die nacht ist keines menschen freund‹ kommt schon in Scherer s. gall. hss. 34 a vor: die nacht niemand ze freunde hat und bei H. Sachs 1, 233 c : ›die nacht ist niemand freund‹; aber andrerseits heißt es: la nuit porte avis vgl. etwas beschlafen. . Beide tag und nacht stehen im streit miteinander. die nacht herscht erst, wenn der tag seinen kampf aufgegeben hat: ›unz der tac liez sînen strît ‹ Parz. 423, 15. ›der tac nam ein ende, diu naht den sige gewan‹. Wolfd. 2025. ›dô der tac verquam , und diu naht daz lieht nam‹. En. 7866. ›nu begunde ouch strûchen der tac, daz sîn schîn vil nâch gelac , unt daz man durch diu wolken sach des man der naht ze boten jach, manegen stern der balde gienc, wand er der naht herberge vienc. nâch der naht baniere kom sie selbe schiere.‹ Parz 638, 1–8. in dieser anmutigen beschreibung gehn die abendsterne als ansagende, fahnentragende herolde der nacht selbst voraus, wie umgekehrt der morgenstern des tages bote war Lucifer interea praeco scandebat olympo. Walthar. 1188. Lucifer ducebat diem. Aen. 2, 801. sanskr. heißt der abend radschanîmukha , mund der nacht, was an der Hella mund gemahnt, und ebenso der morgen ahamukha , mund des tages. Bopp. gloss. 27 a . 284 b . . Vorhin s. 619 ist ein sonnenaufgang aus Titurel entlehnt worden, auch die unmittelbar vorher gegebne schilderung des erliegenden tags verdient hier zu stehn: dô diu naht zuo slîchen durch nieman wolte lâzen, und ir der tac entwîchen muoste, er fuor sâ wester hin die strâzen , alsô daz man die erd in sach verslinden , 628 unz er ir möht empfliehen, dô kunder sich von ôrîent ûf winden. die erde verschlingt den weichenden tag Nachtrag: ›Diu naht den sig gewan ‹ auch im Roseng. 1119. der tac vertreip diu vinster naht. frauend. 344, 31. diu naht den tac het verswant . frauend. 271, 25. eine ausführliche schilderung des sieges der nacht, deren dunkles banner an allen hohen burgen aufgesteckt wird, steht im Ls. 3, 307. . Bei den älteren dichtern finde ich mehr die vorstellung der dunkelheit . νύξ ὀρφναίη die finstere, bei Homer. ›thô warth âband cuman, naht mid neflu ‹. Hel. 170, 25. ›die finstere ragende nacht‹. Schreckensgast Ingolst. 1590 p. 114; ›die eitele und finstere nacht‹. Kornmanns mons Ven. 329; › nipende niht‹. Beov. 1088. 1291, vgl. genip (caligo); › scaduhelm ‹ Beov. 1293; › nihthelm gesvearc deorc ofer dryhtguman‹. Beov. 3576; › nihthelm tô glâd‹, Andr. 123. El. 78; als einer göttin wird ihr ganz im sinn unsres alterthums ein schreckender, schauerlicher helm , gleichsam finstere nebelkappe beigelegt, › niht helmade ‹ (die nacht setzte den helm auf) heißt es Andr. 1306. fast noch schöner ist der schwarzen nacht auge , κελαινῆς νυκτὸς ὄμμα bei Äschylus (Pers. 428) für dichte dunkelheit, jenem leuchtenden auge der nacht, dem mond (s.  585 ) entgegengesetzt bilder, die uns jetzt geläufig sind vom auslöschen der lichter des tags habe ich bei den alten dichtern nicht gelesen; aber die nacht brennt auch ihre kerzen. Shakespeare bezeichnet das ende der nacht durch ›nights candles are burnt‹. Romeo 3, 5. Nachtrag: Die vorstellung der dunkelheit der nacht überwiegt. ἀλλ' ἤτοι νῦν μὲν πειϑώμεϑα νυκτὶ μελαίνη. Od. 12, 291. alts. thiustri naht. Hel. 133, 4. 142, 20. 150, 2. 163, 30. de dustere nacht. Haupts zeitschr. 5, 393. in dero nahtfinstri bechlepfet. N. Cap. 13. diu vinster naht. frauend. 339, 30. als die finster nacht eintrat. H. Sachs II. 4, 98 a . diu tôtvinster naht. Lanz. 6538. diu swarze naht. Herb. 7964. in der gaunersprache heißt die nacht: schwarz . diu trüebe naht. Wh. 2, 10. schweiz. kidige nacht = stockfinstere. Stald. 2, 98 (kiden, laut tönen, durchdringen). bei eitler nacht. Abele gerichtsh. 1, 391. Uhland volksl. 683. (Ambras. ldrb. 1582. 377.) on vanre niht, pallida nocte. Beov. 1398. niht van under volcnum. Beov. 1295. vgl. alts. wanum undac wolcnum. Hel. 19, 20. morgan wanum. Hel. 21, 1. nihthelma genipu. cod. exon. 160, 12. sceaduhelma gesceapu scrîđan cvômon. Beov. 1293. altn. grîma , larva heißt auch conticinium, quando omnia quasi obvelata caligine videntur. in voller nacht (pleine nuit). Schweinichen 3, 59. 87. 234. dic geschlagene nacht. Matthesius pred. von Luth. s. 27. in die geschlagene nacht hinein. Philand. 2, 83 d. h. stille, schweigende nacht. beloken nacht. Rein. 2271 (? illunis). nuit close . Babou 219. schon weicht die tiefe nacht. Göthe 12, 242. nox succincta Sidon. Apoll. epist. 3, 3 = die tiefe nacht. ἀλλ' ὅτε δὴ – ἦμος δὲ τρίχα νυκτὸς ἐήν, μετὰ δ'ἄστρα βεβήκει. Od. 12, 312. 14, 483. vgl. die sieben theile der nacht. Fernows Dante 2, 229. die nacht ist lang, νὺξ μακρή . Od. 11, 373. lat. heißt sie oft intempesta nox , die nicht zu geschäft taugt. dum se intempesta nox praecipitur . Cato de moribus. vgl. das altn. beiwort niol . Sæm. 51 a (? ags. neol, neovol prona). aber sie heißt auch εὐφρόνη , die wolwollende, labende? Hesiod. op. 562. ahd. kistillandi naht. Diut. 1, 251. dô was diu süeze naht für (praeteriit). Lanz. 1115. über modranect vgl. Hattemer 1, 334. der nachtstunde kommt die entscheidung zu s.  716 . . Alle dichterischen bilder, die ich zusammengestellt habe, lassen keinen zweifel, daß in ältester vorzeit Tag und Nacht lebendig und göttlich auftraten. aber schon sehr früh muß unter den Deutschen diese vorstellungsweise geschwächt worden sein, seit sie dem namen des tags entsagten, der seine gemeinschaft mit den göttern in sich trug. Daß man nach nächten, nicht tagen rechnete beruht freilich auf beachtung der mondzeit (s.  591 ), hat aber vielleicht noch einen andern grund, vermöge dessen auch nach wintern, nicht sommern gezählt wurde. Die Heiden pflegten ihre heiligen feste in die nacht zu verlegen oder zu erstrecken, namentlich die feier der sonnenwende zu mittsommer und mittwinter, wie das Johannis und weihnachtsfeier lehrt; auch die osterfeuer und maifeuer bezeugen festnächte. die Angelsachsen feierten eine härfestniht (altn. haustnôtt, haustgrîma), die Scandinaven eine hökunôtt (F. Magn. lex. 1021). Beda de temp. rat. cap. 13 bewahrt eine merkwürdige kunde, deren volles verständnis uns aber abgeht: ›incipiebant annum (antiqui Anglorum populi) ab octavo cal. Jan. die, ubi nunc natale domini celebramus. et ipsam noctem, nunc nobis sacrosanctani, tunc gentili vocabulo modranecht Afzelius 1, 4. 13 redet unbefugt von modernatt , die in keinem nordischen denkmal begründet ist und bloss aus Beda entlehnt wird. (môdra niht) i. e. matrum noctem appellabant ob causam, ut suspicamur, ceremoniarum quas in ea pervigiles agebant‹. wer waren diese mütter? 629 Cap. XXIV. Sommer und Winter. Ungleich frischer und erkennbarer hat sich die persönlichkeit der jahrszeiten, welche wie tag und nacht von nähe oder ferne der sonne abhängen, erhalten. ihr langsamer wechsel erfolgt feierlich, während der häufige des tags und der nacht bald das andenken an die alten götter verwischte. Tag und nacht gleichen dem sommer und winter auch darin, daß den anbruch des tags (s.  626 ) und den eintritt des sommers die vögel mit freudigem gesang begrüßen, nachts und winters aber still trauern. daher die eddischen kenningar gleđi fugla (laetitia volucrum) für sommer, sût ok strîđ fugla (dolor et angor avium) für winter. dies naturgefühl spricht sich in den liedern unsrer minnesänger unzähligemal aus Nachtrag: Der winter heißt vögeltödtend, οἰωνοκτόνος. Aesch. Agam. 563 oder der vogele nôt. MSH. 1, 53 b . ein mnl. gedicht (Karel 2, 133) sagt: so dat si ten naesten meye metten voglen gescreye porren moghen (beim vogelsang ausziehen). wie der meie vögelin vroene (froh, hehr) macht. MS. 1, 31 b . . Das alterthum scheint anfänglich nur zwei zeiten im jahr, dann aber drei, endlich vier unterschieden zu haben. davon zeugen schon die namen. unser jahr, goth. jêr , ahd. jâr , mnl. jaer , alts. gêr , ags. gear , engl. year , altn. âr ist deutlich das poln. iar , iaro , böhm. gar , garo , die frühling bezeichnen dem poln. iar scheint ἔαρ zu gleichen, doch dieses nimmt man für Ϝέαρ, Ϝέσαρ, das lat. vêr für verer, veser, dem das litth. wasara (aestas) und skr. vasanta nah stehn. Benfey 1, 309. auch die slav. wesna, wiosna ( anm. 1950 ) mag dazu gehören, kaum der altn. vâsađr, der den herben winter bedeutet. . ebenso ist das slav. leto , lato , ljeto , eigentlich sommer, und wie mir scheint unserm lenz , ahd. lenzo , lengiz , mhd. lenze , lengez , ags. lencten , lengten verwandt, allmälich auf das ganze jahr erstreckt worden. beide also, jâr und leto, drücken die warme zeit (frühjahr oder sommer) aus und nach ihnen rechneten südliche völker, nördliche nach wintern. Ulfilas verdeutscht ἔτος durch jêr , ἐνιαυτός durch aþn Gal. 4, 10 oder ataþni Joh. 18, 13; in den goth. eigennamen Athanagildus, Athanaricus (Aþnagilds, Aþnareiks) haftet noch das sonst in unsrer sprache verschollne wort, dessen wurzel an ἔτος gemahnt, vielleicht an das slav. god, godina, welches Russen und Serben annus bedeutet, während poln. god, böhm. hod, hodine allgemeiner zeit ausdrückt. das verhältnis zwischen ἔτος und ἐνιαυτός bleibt unsicher, denn nach Od. 1, 16 ἔτος ἦλϑε περιπλομένων 630 ἐνιαυτῶν sind die ἐνιαυτοί abschnitte des jahrs, aber nach andern angaben soll ein ἐνιαυτός drei ἔτη enthalten. in ἐνιαυτός liegt das einfache ἔτος = lat. annus für amnus nach Bopps gloss skr. 16 b ; Benfey 1, 310 deutet ἐνιαυτός aus skr. amâvat, nemlich ἔνη = amâ, neumond. Nachtrag: Sl. iar ist nach Mikl. 110 = jêr, annus. zend. yâre annus Pott 2, 557. Bopp vgl. gr. s. 568. Kuhn zeitschr. 2, 269 hält zu jêr ὥρα, hora . nach Bekker monatsber. 1860 s. 161 ist ἔαρ = Γέαρ = ver. man stellt auch ἔαρ zu ἦρι frühe, wie frühling. Kuhn nimmt ver f. ves, skr. vasantas frühling. vgl. vasas tag, vâsara tag, vasta tagslicht. skr. vatsara annus. Bopp gl. 306 b . finn. vuosi annus, est. aast , vgl. lat. aestas. Kalev. 1, 248 scheinen vuosi jahr und kesä sommer gleichviel. skr. samâ annus, nach Bopp fem. von sama, similis. GDS. 72 ff. der lenz heißt auch langsi , lanxi , lanzig . Stalder 2, 156. somer ende lentin . Rose 7326. . Dem jahr wird ein kreis, ring (orbis, circulus) beigelegt: jâres umbihring , jârhring , umbihuurft ; mhd. jâres umbeganc, umberinc, umbevart, umbetrit; und die wiederkehr oder erneuerung dieses kreises veranlaßte schon im hohen alterthum feierliche feste. Eligius predigte: ›nullus in kal. jan. nefanda aut ridiculosa, vetulos aut cervulos aut joticos faciat, neque mensas super noctem componat neque strenas aut bibitiones superfluas exerceat‹. das mag celtischer und römischer brauch gewesen sein, die strenae ineunte anno werden von Sueton (Cal. 42. Aug. 57) erwähnt, und bekannt ist das aguilanneuf, ein freudenschrei, zum pflücken der heiligen mistel auffordernd. dergleichen scheint in Deutschland unerhört, bemerkenswerth sind aber die neujahrslieder und wünsche, wie sie noch das buch der Clara Hätzlerin aus dem 14 jh. mittheilt (57 b 77 a , zumal 196–201 der ausg. von Haltaus): das jahr wird hier als neugebornes kind , neugeborner gott dargestellt, der die wünsche der sterblichen erfülle; das muß zunächst auf weihnachten und die geburt des heilands bezogen werden, an den orten, wo man neujahr mit diesem tag begann. es mögen sich aber noch heidnische sitten darunter gemengt haben, und ich übersehe nicht, daß das bloße adj. neu , ohne beifügung von jar oder kind in diesen liedern gebraucht steht, wie in der bezeichnung des neulichts bei dem mond (nŷ, niuwi s.  592 ) Nachtrag: Der zeitwechsel, jahreswechsel wird ausgedrückt durch: diu zît hät sich verwandelôt . MS. 1, 78 b . vgl. in der zîte jâren . Mai 107, 18. Den Aegyptern schift das jahr herum . dagegen im deutschen: unz umb kam daz jâr. Otnit 899. ein umbegêndez jâr. Trist. Frib. 1079. ein mând in des jâres trit . pass. 162, 58. das rollende jahr, the rolling year. Der freudenschrei bei neujahr heißt nach Michelet 2, 17: guy-na-né , ma guillanneu , gui-gne-leu . vgl. 1009 . damit vergleiche man: drei hiefen zum neuen jahr! Schm. 2, 156. glückseligs neues jahr, drei hiefen zum neuen jar! Frisch 1, 452 c aus Besold. das neujahr wird ausgedrückt durch: sô sich daz jâr geniuwet hât (im frühjahr). warnung 2291. oder: wann daz jar auzchumpt . Gesta Rom. Keller 99. do das jar auskom . weisth. 3, 650. aber auch die alte kurze bezeichnung wird gebraucht: gen disem saeligen guoten newen. Ad. Keller altd. ged. s. 10. wunsch ich dir ain vil gůt jâr zů disem new . Wolkenst. s. 167 und die persönliche: des günn dir alles der newgeborn . Hätzl. 196 b . vom schluss des jahres sagt Göthe wahlv. 2, 3: das jahr klingt ab . . Den begrif des ganzen jahrs (vgl. das räthsel s.  615 ) finde ich sonst kaum persönlich hervorgehoben, außer in betheuerungen, segen und verwünschungen. ›sam mir daz heilec jar! ‹ Ls. 1, 287. Haupts zeitschr. 7, 104. die beiden folgenden meinen aber wieder das anhebende, neue: ›ein sœlec jâr gang dich an!‹ Ls. 3, 111. und ›daz dich ein veigez jâr müez ane komen!‹ Ls. 1, 317. ags. ođ þät ođer com gear in geardas. Beov. 2260 Nachtrag: Auch der begrif des ganzen jahres wird hie und da persönlich hervorgehoben, so in den wünschen: got gebe uns wunneclîche jâr. Reinh. nach v. 2248 (hs. P. K.). guot jâr gange si an. Kistener (?) 1188. vgl. übeljâr, malanno (971). dô das jar auskom . weisth. 3, 650. ehe ein jahr in das land kommt . 3 erzn. 266. ehe zwei jahre ins land gehn . pol. maulaffe 8. daz vünfte jâr in gie . Trist. 151, 27. that jâr furdor skrêd . Hel. 13, 23. (vgl. ags. forđ gevât dägrîmes vorn (numeri dierum multitudo) Cædm. 60, 1 vgl. dägrîmes vorn. 80, 20. 156, 51). le bonhomme l'année . mém. de l'ac. celt. 4, 429. Ἐνιαυτός tritt in der bacchica pompa als riese mit vier ellnbogen (τετράπηχυς) und das horn der Amalthea tragend auf. Athen. 5, 198. (Schw. 2, 263). . Aber bereits in frühster zeit sonderten sich hälften des jahrs, wofür uns die ags. und altn. sprache den ausdruck missere , misseri darbietet und die ags. gedichte scheinen vorzugsweise darnach zu rechnen. es heißt missera vorn Cædm. 71, 10; fela missera Cædm. 180, 23. Beov. 306; hund missera Beov. 2996. 3536 = 50 winter 4413; misserum frôd, missarum frôd Cædm. 104, 30. 141, 16 (wie sonst gearum, dägrîme, fyrndagum frôd, gramm. 1, 750). in der edda lese ich nur 212 a. b ›ein misseri‹ (per unum annum) und ›sams misseris‹ (eodem anno), aber auch die Grâgâs hat misseri (semestrium). die ableitung dieses wortes ist nicht leicht, man sollte darin die begriffe halb (medius, dimidius) und jahr erwarten, doch der kurze vocal der penultima widerstreitet dem altn. âr und dem ags. gear; auch scheint es masc. (einn 631 misseri, nicht eitt misseri) und das altn. misæri (misjahr, annonae caritas, neutr.) ist ganz etwas anderes. warum wäre auch hier das d des ags. midde (goth. midja, ahd. mitti) in ss übergetreten? doch ist einzugestehn, daß im verhältnis des lat. medius zum goth. midja schon störung der lautverschiebung kund wird, misseri könnte aus so hohem alter übernommen und fortgeführt worden sein, daß es jene verwandtschaften scheinbar verleugnend, dennoch bekennen müste, und das miss sich verhielte wie im gr. μέσος, μέσσος, vgl. sanskr. madhjas und βυσσός = βυϑός. Ahd. denkmäler gewähren kein misseri, missiri, die verlornen heldenlieder mögen es gekannt haben, weil noch spätere fassungen nach semestern rechnen; wenn es im Hild. heißt: ›ih wallôta sumaro enti wintro sehstic ur lante‹, so sind nur 60 misseri (30 sommer und 30 winter) gemeint, die den 30 ganzen jahren des jüngeren volkslieds entsprechen; ja man dürfte mutmaßen, daß Nib. 1082, und 1327, 2 die dreizehn und sieben jahre, welche Chriemhild allzu alt machen, im älteren epos von semestern gemeint sind. aber im Norden, wo der winter überwog, zählte man nach wintern als ganzen jahren, und tôlf vetra gamall bezeichnet einen zwölfjährigen. Daß ahd. und noch mhd. sommer und winter die wesentliche jahrseintheilung abgeben, folgre ich selbst aus den üblichen adverbien sumerlanc und winterlanc woneben kein lengezlanc noch herbestlanc gehört wird; den altn. sumarlângr, vetrlângr steht auch ein haustlângr zur seite. Das griech. jahr hat nur drei theile ἔαρ, ϑέρος, χειμών und da fehlt der herbst. unsre beiden großen jahresfeste sommer und wintersonnenwende schieden zwei theile , die erntefeier am schluß sept. oder das einholen des sommers kann den dritten oder vierten theil begründen. von der zweitheilung zeugen auch die ags. ausdrücke midsumor und midvinter , altn. miđsumar , miđvetr , welche jenen gipfel der sonnenwende ausdrückten, und denen kein midhearfest zur seite stand; ein ags. midlencten (engl. midlent ) begegnet, und gleicht etwa unserm mitfasten . Wie verhielt sich zu midsumor und midvinter das missere? auch der tag (von 24 stunden) zerfiel in zwei hälften, ags. dôgor , altn. dægr genannt, jede von 12 stunden und dôgor verhält sich zu däg, wie missere zu gear. den ahd. denkmälern mangelt neben tac ein tuogar, aber ein goth. dôgr neben dags schließe ich aus fidurdôgs und ahtáudôgs bei Ulfilas Nachtrag: Auch im Hel. 14, 10 bedeutet: ›sô filu wintro endi sumaro ‹ soviel wie das ags. fela missera. dagegen sagt Zacharias Hel. 5, 1. 2, er sei ›tuêntig wintro‹ alt gewesen, als er Elisabeth heiratete, und nun ›antsibunta wintro‹ (70 w.) mit ihr vermählt; er war 90 jahr alt, wintar drückt also hier das ganze jahr aus. das ags. midvinter, altn. miđvetr kommt auch mnl. als medewinter Lanc. 13879, middewinter 23907 vor. eine computation von sumor und lencten s. Andr. und El. p. XXIV. Leo rectilud. 212. 213. das altn. doegr heißt schwed. dygn . Gudrun sagt Sæm. 232 b : fôr ek af fialli fimm doegr taliđ . vgl. Finn Magn. dagens tider s. 28. die heiligkeit von mittsommer und mittwinter , Johannistag, sunnwende (s.  513 ) und jul spricht für die zweitheilung. in der Johannisnacht wird auf dem acker und dem grasgarten, unter dem goldapfelbaum gewacht. Molbech no. 49. norske eventyr no. 52. KM. no. 57. . Nachdem Tacitus gesagt hat, daß die Germanen bloß getraide bauen, weder wiesen noch gärten hegen, fügt er hinzu: unde annum quoque ipsum non in totidem digerunt species: hiems , et ver , et aestas intellectum ac vocabula habent; auctumni perindo nomen ac bona ignorantur. Deutlich wird hier auctumnus auf obst und nachheu (grummet) bezogen, der kornschnitt in den sommer, die aussaat in den frühling verlegt. Erwägt man aber, daß das nördliche Deutschland noch jetzt, bei gemildertem clima, getraide erst im august und september, wenn schon die sonne 632 niedriger steht, einerntet, und daß august zwar der eigentliche erntemonat ahd. aranmânôt, von aran (messis) goth. asans ; die Altsachsen sagten bewôd oder beo . Hel. 78, 14. 79, 14; nln. bouw , bouwd . , september der herbstmonat, zuweilen aber september die augstin, october der herbstmonat genannt ist; so kann jene ansicht schon in ältester zeit nicht allgemein gültig gewesen sein. Auch scheint das ahd. herpist , herbist , ags. hearfest nicht gerade jünger als andere sehr alte wörter. Richtiger ist also das vorhin entwickelte verhältnis, daß je weiter nach Norden hin in Europa überhaupt zwei jahrszeiten, sommer und winter , vortreten, je weiter nach Süden drei, vier oder fünf die Spanier unterscheiden das frühjahr in primaverà und verano (den großen frühling) vgl. Don Quixote 2, 53 und Ideler 6, 305. auf verano folgt estio , franz. été, beide männlich, das ital. esta, estate bleibt wie aestas weiblich. unterschieden werden können. Auch für mythische bezüge gelten nur jene zwei, obwol sie zuweilen durch frühling und winter, oder durch frühling und herbst ausgedrückt werden auch der slavischen volksanschauung treten zwei hauptzeiten, sommer und winter vor, sommer und jahr heißen leto , d. h. das alte jahr wird mit dem winter abgethan, das neue mit dem sommer begonnen, dieses leto ist (gleich unserm jahr) neutrum, folglich unpersönlich. den winter nennen die Slaven zima (fem.). sollen nun zwischenzeiten ausgedrückt werden, so sagen sie für frühling podleti , für herbst podzim . Allein es sind außer garo , iaro andere benennungen gangbar geworden: russ. böhm. wesna , poln. wiosna ; sloven. vigred (egrediens, in Deutschkärnten der auswärt ), mlado leto (junger sommer), mladletje , pomland , spomlad , sprot letje (von sprot, gegen) alle zur bezeichnung des frühlings, vorzüglich fühlten die Südslaven das bedürfnis frühling und sommer zu trennen. Der herbst heißt serb. jesen , sloven. je ∫ en, auch predsima . zima muß uralt sein, litth. ziema , gr. χειμών, lat. hiems , skr. hêmanta . Unser frühling oder frühjahr ist erst in den letzten jahrhunderten nach printemps oder primavera gebildet und weder ahd. noch mhd.; man sagt auch spätling , spätjahr für herbst, über auswärts und einwärts vgl. Schm. 1, 117. 4, 161. Nachtrag: Über den zusammenhang der taciteischen drei jahreszeiten mit Wodans drei umzügen s. Kuhn in Haupts zeitschr. 5, 493. für die dreiheit von jahrszeiten scheint zu sprechen, daß häufig auch nur drei gerichtstage im jahr angegeben werden, und noch mehr, daß man drei große opfer brachte, im herbst (î môti vetrs) til ârs, im winter til grôđrar, im sommer til sigrs. Yngl. sag. cap. 8. tribus temporibus anni. Lacomblet no. 186 (a. 1051). in zwei und sechs zeiten zerfällt das jahr nach Pott 1, 66 bei den Zigeunern. gleich den Spaniern kannten die Perser zwei frühlinge, denn Fasli im Gülistan spricht vom schah frühling, schah sommer, schah herbst, schah winter und schah neujahr (newrus) = merz, der den frühling wieder einführt. altn. haust , schwed. höst ist aus zusammenziehung von herbist, härfest zu erklären vgl. gramm. 2, 368. Auch oberhess. heißt der frühling auswarts . Vilmar hess. zeitschr. 4, 52. . Neben dem goth. vintrus (hiems) ist ein ganz ähnliches masc. sumrus anzunehmen, wiewol ϑέρος Marc. 13, 28 (und vermutlich auch Matth. 24, 32. Luc. 21, 30) durch asans (erntezeit) übertragen wurde. die declination folgt aus dem ahd. sumar  = sumaru (weil goth. sumrs nach erster ein ahd. somar nach sich zöge) und aus dem dat. des ags. sumor , der sumera, nicht sumere lautet. das altn. neutrum sumar neben dem masc. vetr , ahd. wintar , ags. vinter scheint unorganisch, sicher war es früher männlich. die gramm. 2, 55 vermutete wurzel führt auf saat und ernte. In der edda sind beide wesen nun gleich genealogisch eingeführt. Sumar ist ein sohn des Svâsuđr (Sæm. 34 b Sn. 23. 127), welcher name von svâs (carus, proprius, domesticus), goth svês, ahd. suâs herstammt: dieser ist ein seeliger, freundlicher mann, nach dem alles frohe und liebliche heißt (svâslegt, blîtt). Der vater des Vetr hingegen führt den namen Vindlôni oder Vindsvalr (der windbringende, windkühle) und dessen vater hieß Vâsađr (Sæm. 34 b Sn. 23. 127), der feuchte, nasse: ein grimmiges, kaltbrüstiges geschlecht. Beide stellen sich aber, wie zu erwarten ist, 633 als riesen dar, Svâsuđr und Sumar von guter, freundlicher, Vâsađr , Vindsvalr , Vetr von böser art, so daß sich auch hier wieder die doppelte natur der riesen (s.  438 ) einleuchtend erweist. skâldskaparmâl verzeichnet sie unter den alten iötnar: 209 b Somr (al. Sômir) ok Svâsuđr , 210 a Vinđsvalr und Viđarr (l. Vetr). Noch jetzt sind uns Sommer und Winter häufige eigennamen, und vermutlich waren sie es von anfang an, eben weil sie sich mit ausdrücken urverwandter sprachen nicht berühren. schon eine urk. bei Neugart no. 373 (a. 958) führt uns zwei brüder Wintar und Sumar auf. den eigennamen Wintarolf mit der augmentativform, hat Graff 1, 631. Nun will ich aber die deutlichen spuren ihres persönlichen verhältnisses, wie sie sich in redensarten des volks und in dichterischen wendungen lange erhalten haben, aufdecken. Wir sagen täglich: der Sommer , der Winter ist vor der thür, tritt ein, kehrt ein. H. Sachs IV. 3, 21 a ›bis daß der Sommer einhertritt‹ alse die Somer quam int lant. Reinaert 2451; alse de Sommer quême int lant. Reineke 2311. dô here de Summer trat. Wiggert 2, 48. . Mhd. wird jener gewöhnlich lieb, dieser leid genannt: ›der liebe Sumer urloup genam‹ Ben. 344. ›urloup nam der Winder ‹ Ben. 362. beiden gefolg und dienerschaft zugeschrieben: › Sumer , dîne holden von den huoben sint gevarn‹ Ben. 304. › Sumer dîn gesinde ‹ Ben. 406. ›mîn sanc süle des Winters wâpen tragen‹ MS. 1, 178 b . › Winder ist mit sînen vriunden komen‹ Ben. 414, offenbar sind sie mit ihren leuten aufgezogen, weil sie sich verjagen und bekriegen wollen. ›der leide Winder hât den Sumer hin verjaget‹ Ben. 381. ›er (der Winter ) ist dir gehaz, er enweiz niht umbe waz, selten er des ie vergaz, swenne er dînen stuol besaz , er enructe in vür baz, sin gewalt wol tûsend ellen vür den dînen gât‹. MsH. 3, 258 a Ben. 303. › Winter ohne artikel, also unappellativisch (vgl. s.  587 Solaus). hât ez hie gerûmet‹ Ben. 437. Weil aber der sommer mit dem mai beginnt, steht auch ein Mai als repräsentant des Sommers da, ganz auf gleiche weise in lebendiger persönlichkeit. alle bekommen den beinamen herr: ›min herre Winter!‹ MsH. 3, 267 a ; › her Meie!‹ 3, 443 b ; › her Meige!‹ Walth. 46, 30. der Mai hält seinen einzug. ›sô der Meige în gât ‹ meist. Alex. 144 b . ›sô der vil süeze Meige în gât ‹ Trist. 537; ›Meige ist komen in diu lant‹ Ms. 1, 13 b ; ›der Meie sîn ingesinde hât‹ Ms. 1, 14 b ; ›der Meie ist in diu lant‹ Ben. 364. ›des Meien tür ist ûf getân ‹. MsH. 3, 296 a ; ›der Mei ist in den landen hie‹ 3, 230 a ; ›sô der Meie sînen krâme schouwen lât unde în gât mit vil manigem liehten mâle‹. 30, 30 b ; ›vil maneger hande varwe hât in sînem krâme der Meige‹. MS. 1, 59 a ›der Meie hât brieve für gesant, daß sie künden in diu lant sîne kunft den vruoten‹. Ben. 433, gleich einem könige, der nach langer abwesenheit siegreich heimzieht, kündigt er seine ankunft voraus durch briefe an. ›da ist der Meie und al sîn kraft. er und sîn geselleschafl diu (s. l.) ringent 634 manige swære. Meie hat im (dem Winter) angesiget‹. Ben. 449. ›ich lobe dich Meie dîner kraft, du tuost Sumer sigehaft‹. MS. 2, 57 a ; ›ob der Meige ze velde lac‹. Ls. 1, 199. ›sô der Meige alrêrst în gât ‹ Frauend. 14. ›der Mei hât sîn gezelt bestelt‹ MsH. 3, 303 b ; ›des Meien schilt ‹ 3, 307 a ; › Sumer der hât sîn gezelt nu gerihtet überal‹ Ms. 2, 57 a ; ›des Meien waldenære kündet an die sumerzît‹. MsH. 3, 230 b ; ›die (waldes ougenweide) hat der Meie für gesant, daz si künden in diu lant sîn kunft‹. 3, 227 b ; ›der Meie vüeret den walt an sîner hende ‹ MS. 2, 81 b , es werden ihm hände beigelegt (wie dem Wunsch s.  118 ). er wird von den menschen mit dank und neigen, gleich einem durchs land fahrenden gott (Freyr s.  176 ) oder einziehenden könig, verehrt, er hat gleich diesen seine straße : ›des Meigen strâze ‹ Ben. 42; ›ûf des Meien strâzen ‹ MS. 23 a ; › Meie ich wil dir nîgen ‹ Ben. 398. › êrent den Meien ‹. Ben. 184. MsH. 1, 147 a. b . ›der Meie habe des danc!‹ Ben. 434 gramm. 4, 725 sind die wiederkehrenden ausdrücke: ›des Meigen êre , des Meigen güete , des Sumers güete ‹ zusammen gestellt, sie scheinen auf alten cultus (êra s. 24) zu weisen. hier noch belege: des süezen Meigen güete MsH, 1. 52 a ; des Meigen güete MsH. 1, 60 a 305 a 3, 222 b ; des Sumers güete . MsH. 1, 61 a . 194 a . 348 b . merkwürdig: ›got gebe daz der herbest sîn êre volbringe‹. MS. 2, 180 a . . Mai und Sommer legen ihr grünlaubiges kleid an: ›der Meie ist ûf sîn grüenez zwî gesezzen‹. MS. 2, 75 a . dem Mai wird geklagt, er gebietet seinen blumen. MS. 1, 3 b ; ›des Meigen vriunt, der grüene wase, der het ûz bluomen angeleit sô wüneclîche sumerkleit‹. Trist. 562; ›der Sumer sneit sîn kleit‹. Ben. 159. ›der Meie sendet dem walde kleider‹. Ben. 436. ›der Sumer gab diu selben kleit Abrelle maz, der Meie sneit‹. MS. 2, 94 b ; ›diu (kleider) het gegeben in der Meie zeiner niuwen wât‹. MsH. 3, 286 b ; › Mei hât enprozzen berg und tal‹ 3, 188 b ; › Sumer hât gesendet ûz sîn wunne, der Meie spreit ûf diu lant sin wât‹. 2, 291 a hiernach ist ›des Meigen wât , kleit ‹ MS. 2, 105 a 106 a 107 a eine dichterische umschreibung des laubes , und › boten des Sumeres ‹ MS. 1, 97 b der blumen. . der blüenden heide voget ist mit gewalt ûf uns gezoget, hœrt wier mit winde broget ûf walt und im gevilde. MsH. 1, 193 a Nachtrag: Der frühling wird bezeichnet durch: ez was in der zîte aller bluomen ursprinc . Flore 5529. sô die bluomen enspringent. 153. von den bluomen wie sie sprungen. 821. vgl. flos in vere novo . Pertz 5, 735. aber persönlichere auffassung zeigen die beiwörter: der lange frühling. Ernst Meier schwäb. märch. s. 303. vil lieber Sumer, der liebe Sumer. MS. 1, 167 b . MSH. 3, 212 a , diu liebe sumerzît. MS. 2, 108 a . diu liebe sumerwunne. Dietr. 381. saelige sumerzît. MS. 2, 108 b . (nhd. die liebe zeit.) sogar der heilige sumer. myst. 1, 312, 2. dagegen der leidig winter. MSH. 3, 215 b . die felle winter. Rose 53. 62. Beide kommen und gehen. ira yvers, si revenra estez. Orange 2, 75. alts. skrêd the wintar ford . Hel. 6, 13. hiems saeva transiit . carm. bur. 193. swanne der winter abe gienc unde der summer ane vienc. Alex. 5094. nnl. die winter ginc in hant . Maerl. 2, 8. wie: binnen dien ginc die nacht in hant. Lanc. 46927. als die winter inginc . Lanc. 36044. geht der winter daher . Götz von Berlich. 246. der vorder Winterklaub herwider hat gehauset sich auf seinen alten sitz . Wolkenst. 67. nu ist der leide winter hie! Ben. 396. der sumer ist komen in diu lant. MS. 2, 83 a . pis kumt der sumer hêre . Otnit (v. d. Rön) 29. unz uffen sant Urbans tac danne gat der sumer in . h. Martina bl. 250. si jehent, der sumer der sî hie . MS. 1, 67 b . es geet ein frischer freier sommer da herein . bergreien 71. ver redit optatum . carm. bur. 178. der sommer lauft bald weck . Wallenst. briefe. 128. 129. 131. der allerliebste sommer, der sommer fert uns aber hin . bergreien 97. Für den Sommer tritt der Mai ein, wie denn maigesüsz die sommerweide bedeutet. Stalder 293. als der Meie in gât . warnung 1887. an sand Philippentage (1. mai), sô der Meie alrêrst in gât . frauend. 63, 13. an dem vierden tage ingêndes meien. ch. a. 1254. schw. geschichtsfr. 1, 186. alse die mey in quam entie april orlof nam . Lanc. 23434. abril issic , mais intrava . Mahn s. 250. der Mai der kömt gegangen . Fleming 434. dâ hât uns der Meie sînen krâm erloubet, ze suochen swaz wir sîner varwe geruochen. MS. 2, 167 a . des meien blic . Tit. 32, 2. dô man des liehten Meigen spil mit sîner blüete komen sach. Troj. 6889. Meie, die heide grüeze . MS. 2, 167 b . der Meie hât die heide geêret . MS. 2, 52 a . der winder twanc die heide, nu grüenet si im ze leide . Ben. 453. die heide verdecket ir scham mit bluomen. MSH. 3, 249 b von blumenblättern, darauf der May sein dolden henget, spricht Suchenw. 46, 28. des liehten Meien schar (die blumen) stât bekleit in purpurvar . MSH. 3, 195 b . des Meien künne heißen die blumen. MS. 2, 22 a . auch das › sumergeraete ‹. MS. 1, 194 b . uf Walpurgen tag XV gebunt meigerten . weisth. 3, 497. ›giezent nur den Meien under ougen!‹ MS. 2, 74 b singt ein mädchen, was vielleicht bedeutet: ›setzet mir den kranz auf.‹ Mai, dein gezelt gefellt mir wol. Wolkenst. 116. der fürst der schönsten zeit, der lenz schlägt weit und breit sein buntes lager auf . Fleming 459. ich lobe dich Meie dîner kraft . MS. 2, 57 a . des Meies virtuit . Uhland 1, 178. gên wir zuo des Meien hôchgezîte , der ist mit aller sîner krefte komen. Walth. 46, 22 (s. Lachmanns irrige ansicht in d. anm. z. Nibel. s. 6). ähnlich: in der sumerlîchen maht . Parz. 493, 6. der sumer mit sîner kraft . MS. 1, 37 a . des Meien kraft sie brâhte dar, der was der mâlaere. Blicker 79. der winter twinget mit sîner kraft . MS. 1, 37 b . vgl. des aberellen kraft. Haupts zeitschr. 6, 353 und so von allen monaten. zu der macht gesellt sich die güte. des Meien güete und kraft . Muscatbl. in altd. mus. 2, 189. ze veld und ûf der heide lac der Mai mit sîner güete . Hätzl. 131, 6. Suchenw. 46, 15. des Meigen güete . Hätzl. 159, 584. Troj. 16213. (vgl. thera zîti guati anm. 2037 .) der Meie hete dô gevröut mit der liehten künfte sîn diu wilden waltvogelîn. Partenopier 45, 18. sumer, du hâst manege güete . Lachm. Walth. XVII, 7. der sommer bringt wonne. si jehent, der sumer der sî hie, diu wunne , diu sî komen. MS. 1, 67 b . heia summerwunne , swer uns dîn erbunne! MS. 2, 63 a . sît die sumerwunne alrêrst begunde nâhen. MS. 2, 74 b . er ist komen wider mit gewalde, den der Meige hât vertriben; sumerwunne ist im entrunnen balde, der ist vor im niht beliben. frauend. 507. sumerwunne , nîg dem süezen Meigen. MS. 2, 22 b . der sumerwunne güete . Flore 165. zur somerwunne . Baur no. 718. Der deutsche Sommer oder Mai gleicht dem aus der verbannung heimkehrenden nordischen gotte Freyr (s.  176 –177), wie denn den Römern Maja , Flora und Aprilis göttinnen sind. so wird das plötzliche erblühen eines baumes dem niederlassen des gottes auf ihm beigelegt: seht ir den boum, der dâ stât, der loubes vil und bluomen hât, ein got hât sich dâ nider gelân , ân den môhte ez niht ergân, ez ist binamen Tervigant.   Geo. 2162 ff. der dichter der warnung singt: nu minnet bluomen unde gras, niht in, der sîn meister was, wîp unt vogelgesanc unt die liehten tage lanc, der sache iegelîche nemt ze einem himelrîche .   Haupts zeitschr. 1, 495. und noch bestimmter: einer anbetet daz vogelsanc unt die liehten tage lanc, darzuo bluomen unde gras, daz ie des vihes spîse was: diu rinder vrezzent den got .   a. o. 1, 500. Das grüne laub ist das kleid des Maien und Sommers. quoique le bois reprenne sa robe d'été . Villemarqué bardes bretons 215. sumerkleit hât er ir gesniten. MS. 2, 47 b . der Sumer wil rîchen manigen boum mit loubes wât . MS. 2, 83 a . heide und anger habent sich bereitet mit der schoensten wât, die in der Meie hât gesant. MS. 2, 83 a . herbest, der des Meien wât vellet von den rîsen. MS. 2, 105 a . vil rîcher wât , die Meie hât. MS. 1, 192 a . sich hâte gevazzet der walt und schoeniu kleit gein dem sumer angeleit. Mauritius 1684. in meigeschem walde. Tit. 143, 1. solutis ver nivibus viridem monti reparavit amictum . Glaudian b. get. 168. . Vorzüglich aber muss man auf den gegensatz achten. Im gefolg des Winters ziehen Reif und Schnee , wiederum personificationen, und alte riesen (s.  440 ). sie künden dem Sommer krieg an: ›dir hât widerseit beidiu Rîf und Snê ‹. Ben. 398. ›der Meie lôste bluomen ûz Rîfen bande ‹. Ben. 437. ›manegen tac stark in sînen (des Winters) banden lac diu heide‹. uns was verirt der wunne hirt von des argen Winters nît. MsH. 1, 192 a . der Winter und sîne knechte , daz ist der rîfe und der wint. Hartm. erstes büchl. 834. MsH. 3, 232 a und wie der Sommer belaubt, entlaubt der Winter: › über diu ôren ›walt hât ôren, velt hât gesiht‹. MS. 2, 131 a ; ›velt hât ôren, walt hât ougen‹. MS. 2, 135 b b. er dem wald sîn kleider brach‹ (a. s. o.); ›dâ das niuwe loup ê was entsprungen, des hâstu nu 635 gevüllet dinen sac ‹ 2, 386 b , einem feinde oder räuber gleich, der den sack mit beute füllt (saccage). ›bluomen unde loup was des Rîfen erster roup, den er in die secke schoup , er enspielt in noch enkloup‹. Ben. 304. doch ›sunder Rîfen danc (dem riesen zum trotz) allez grüene in fröiden lît‹ MS. 1, 34 b ; unbesungen ist der walt, daz ist allez von des Rîfen ›ungenâden komen‹. Ben. 275. Wizlau ruft in einem liede: › Winder dich vorhôte, der Sumer komt ze môte!‹ (zieht dir entgegen.) Amgb. 29 a und Walther 39, 9: ›weizgot, er (der Winter) lât ouch dem Meien den strît‹; umgekehrt: ›der Sumer sînen strît dem Winder lât‹. warnung 2386. Das wichtigste ist, daß sich in einem liede Nitharts, Ben. 384. dieser dichter liefert uns vorzugsweise belebte bilder von Sommer und Winter. sogar der mythische name des reifriesen bewahrt hat: er heißt Aucholf , ganz mit der ableitung olf gebildet, die gleich dem olt für ungeheure, geisterhafte wesen dient gramm. 2, 334–340. vgl. Nahtolf, Biterolf, Egisgrîmolt (s.  197 ) Fasolt (s.  529 ), Mimerolt (s.  314 ), kobolt (s.  414 ). ; die wurzel áuka, ahd. ouhhu drückt aus augeo, es kann also in Oucholf die bedeutung des übergroßen, riesenmäßigen liegen ein mhd. dichter schildert den kampf zwischen Mai und Herbst in einer artigen erzählung (fragm. 29), die aber von dem mythischen gebiet abliegt, vgl. MS. 2, 105. mehr dahin gehört H. Sachsens gedicht 1, 420. 421. ein mnl. spel van den winter ende sommer steht gedr. in Hoffm. hor. belg. 6, 125–146. Notker Cap. 67 nennt herbest unde lenzo zwêne genôza. Nachtrag: Der Winter erscheint als gewaltthätiger, feindlicher krieger. ›des argen Winters nît ‹ wird beklagt MS. 1, 192 a . der arge Winter twanc . ebenda. der Winter bant oder twanc die heide. MS. 2, 78 a . 78 b . nu ist der blüenden heide voget (der Winter) mit gewalt ûf uns gezoget, hoert wier mit winde broget . MS. 1, 193 a . des leiden Winters überlast , der sî verwâzen und sîn roup . MS. 2, 20 b . der Winter hat ein ingesinde . Haupts zeitschr. 4, 311. des Winters wâfen tragen. MsH. 1, 328 a . aber auch der Mai ist gerüstet und bekämpft den Winter. mein ros schrait gên des Maien schilt . Wolkenst. 115. diu sunne dringet liehtem Meien dur den grüenen schilt , der von loube schaten birt den kleinen vogellîn. MsH. 1, 150 b . seinen kampf mit dem Winter führt besonders das streitlied zwischen Sommer und Winter in Uhlands volksl. s. 23 ff. aus. schon im ags. heißt es: þâ väs Vinter scacen , fäger foldan bearm. Beov. 2266. (doch s. anm. 2009 ). brumalis est ferita rabies . archipoeta s. 76. Winder, wie ist nu dîn kraft worden gar unsigehaft, sît der Meie sînen schaft hât ûf dir verstochen. MSH. 3, 195 b . fuort mich durch des Meien her , der mit ritterlicher wer den Winter hat erslagen . Hätzl. 131, 51. winder ist nider valt . Wiggert 37. hin sont wir den Winter jagen . Conr. v. Ammenh. extr. W. s. 51. wol hin, her Winter, ir müezt ie ze rûme in bergen . Frauenl. 369, 16. der sumerwünne den strît lân. Flore 150. den Aucholf hält Haupt zu Neidh. 45, 12. vgl. s.  150 für oukolf in der bedeutung von krotolf. doch mag man auch das goth. auhjôn tumultuari heranziehen. die eigennamen Maibôm und Meienrîs (Closener 68) weisen auf alte bräuche zurück, der inselname Meigenouwe , j. Meinau, vielleicht auf eine alte stätte der lenzfeier. . Sommer und Winter stehn im kampf gegeneinander gerade wie Tag und Nacht (s.  627 ); Sommer und Tag erfreuen, Nacht und Winter betrüben die welt auch die fries. gesetze stellen nacht und winter zusammen: ›si illa tenebrosa nebula et frigidissima hiems in hortos et in sepes descendit‹. Richth. 46 (huersâ thiu thiustera nacht and thi nêdkalda winter ur tha tûner hleth). . Die ankunft des Sommers, des Mais, oder wie wir jetzt sagen des Frühlings, wurde nun vor alters festlich begangen. das hieß im mittelalter: die zît empfâhen . MS. 1, 200 a 2, 78 b Ben. 453; die zît mit sange begên . misc. 2, 198; den Sumer empfâhen MSH. 3, 207 a 211 a 232 a ; › Sumer wis empfangen von mir hundert tûsent stunt‹. Ben. 328; ›vrouwen und man empfiengen den Meien ‹. MSH. 3, 185 b ; ›dâ wart der Mei empfangen wol‹. MSH. 3, 218 b 219 a ; ›den Meigen enpfâhen und tanzen‹. MSH. 1,47 b ; ›nû wolûf grüezen wir den süezen!‹ MSH. 1, 60 b ; ›ich wil den Sumer grüezen ‹ 3, 446 b ; ›helfent grüezen mir den Meien ‹. MS. 1, 202 b ; si (diu vogellîn) wellent alle grüezen nu den Meien . MS. 2, 84 b . ›willekome her Meige! ‹ MS. 1, 57 b ; ›sît willekome her meie! ‹ MS. 1, 59 a ; ›sô wol dir lieber Sumer daz dû komen bist!‹ MSH. 2. 316 b . noch ein lied in Eschenburgs denkm. 458 hat den roiensang ›willkommen Maie! ‹ Nachtrag: Ein schönes mailied hat der Wolkensteiner no. 63. s. 173. liet, dâ si mite enpfâhen den Meigen . MS. 2, 167 a . der empfang des frühlings heißt altn. þâ fagna þeir sumri . Maurer 2, 232. alle die vogel froelîche den Sumer singende enphânt . MS. 1, 21 a . entphâhen die wuniglîchen zît. Diut. 2, 92. ontfaet den mei met bloemen, hi is so schone ghedaen! Uhl. volksl. 178. sleust uns auf die tür und lest den Sumer herein. fastn. sp. s. 1103 ir sült den Sumer grüezen und al sîn ingesinde! MSH. 3, 202 a . Meie, bis uns willekomen! MS. 1, 194 b . wis willekomen , wunneclîcher Meie! MS. 1, 196 a . Unterschieden werden Mai und Sommer : sint willekomen frô Sumerzît , sint willekomen der Meie . MS. 1, 59 a . ich klage dir Meie , ich klage dir Sumerwunne , MS. 1, 3 b . In den Meien riden war wirkliche sitte. Soester fehde s. 660. die Mistelgauer bei Baireuth sandten boten nach Nürnberg, um den frühling zu holen. man gab ihnen in einer schachtel einen hummel ( anm. 1786 . 1792 ) mit, den sie bei neugieriger öffnung derselben fliegen ließen. da riefen sie ihm nach ›na Mistelgau‹, und nun gabs dort nach langem regen schön wetter. Panzer beitr. 2, 173. vgl. Herodot. 7, 162, wo einem lande der frühling aus dem jahr genommen wird. Das eintreten des Sommers erfolgte aber nicht auf einen bestimmten tag des jahrs, sondern wurde nach zufälligen zeichen wahrgenommen, aufblühenden blumen oder anlangenden vögeln. 636 das hieß den Sommer finden: ›ich hân den Sumer vunden ‹. MSH. 3, 202 b . Wer ›den êrsten vîol ‹ florum prima ver nuntiantium viola alba. Plin. 21, 11, 38. schaute, zeigte es an; das ganze dorf lief hinzu, die bauern steckten die blume auf eine stange und tanzten darum. auch hiervon hat Nîthart lebendige lieder gedichtet, MSH. 3, 298 a 299 a. b ; vgl. 202 a (den êrsten vîol schouwen). dieselbe feier beschreibt H. Sachs IV. 3, 49 ff.; um die erste sommerblume wird getanzt und gesungen. ›den ersten bluomen vlehten ‹ MS. 1, 41 b Nachtrag: Die ankunft des sommers wurde nach aufblühenden blumen oder anlangenden vögeln wahrgenommen. der sumer ist komen schône über mer , hât uns ze lande brâht ein wunniclîchez her . MSH. 3, 226 a , wie denn skr. der frühling kusumâkara florum multitudinem habens, heißt. dô man die sumerwunne bî der vogel reise erkande, dô lôste der Mei die bluomen ûz den tiefen banden. MSH. 3, 229 b . der sumer ist mit süezem sange schône erwecket . MSH. 3, 241 b . doch kam ich ûf ein heide, diu was liehter bluomen vol, dâran möht man schouwen wol, ob der Mai ze velde lac. Ls. 1, 199. Nîthart führte die herzogin mit pfeifern und fiedlern dahin, wo er seinen hut auf den viol gestürzt hatte, › kniet nider und hebt ûf den huot, ir lât den sumer schînen ‹. MSH. 3, 202 b . s'ersti veigerl brock î dir zliab. Firmenich 2, 798. die ersten blumen als frühlingsboten sucht Voss auf. Göthe 33, 148. man aß die erste butterblume und die erste hvitsippa . Dybeck 1845, 68. 69. vgl. die drei ersten kornblüten . abergl. 695 . 1018 . tussilago wird sommerthürlein , merzblume genannt, weil sie gleich nach schmelzendem schnee sprießt, auch filius ante patrem, filia ante matrem. Nemnich 1515. nnl. zomerzoetjes galanthus nivalis. auch der klee heißt sommerblume , visumarus (kl. schr. 2, 156). . Daß man auch den ersten maikäfer feierlich einholte wurde s.  577 dargethan, und noch heute wurzelt unverwüstlich unter den knaben die lust auf diese käfer jagd zu machen und mit ihnen zu spielen. Ebenso wird die erste schwalbe , der erste storch als frühlingsbote (ἄγγελος ἔαρος) begrüßt und empfangen. der schwalbe rückkehr feierten schon Griechen und Römer. Athenaeus 8, 15 p. 360 theilt χελιδόνισμα mit Ilgen. opusc. philol. 1, 165. Zells ferienschr. 1, 53. 88. Schneidewins delectus 2, 465. 466. , das auf Rhodos die kinder absangen, eine schwalbe herumtragend und eßwaren sammelnd. Noch heute lebt der gebrauch in Griechenland. am ersten merz lauft die jugend zusammen, durchzieht alle straßen und singt ein liebliches frühlingslied: die sänger tragen eine aus holz geschnitzte schwalbe , die auf einem cylinder stehend dabei umgedreht wird Fauriel 2, 256. disc. prélim. xxviii ; vollständiger bei Theod. Kind p. 12. . › hirundine prima ‹ sagt Horat. epist. I. 7, 13. Daß man auch bei uns schon im mittelalter auf die erste schwalbe achtete, lehrt die abergläubische gewohnheit ( abergl. G und no.  217 ) bei ihrer erblickung kohlen aus der erde zu graben. das schwedische landvolk bewillkommt sie mit dreimaligem jubelruf Westerdahl p. 55. . Beide schwalbe und storch gelten für heilige, unverletzliche thiere. Wer den Griechen die einkehr des storchs zuerst ansagte empfieng botenlohn. Noch im vorigen jahrhundert waren die thürmer mancher städte Deutschlands angewiesen, den nahenden frühlingsherold anzublasen, wofür ihnen ein ehrentrunk aus dem rathskeller verabreicht wurde alpenrosen. Bern 1817 p. 49. vgl. Hebels lied der storch. . Ein epigramm von Joach. Olearius beginnt: ver laetum rediit, rediitque ciconia grata , aspera dum pulso frigore cessat hiems Rostock 1610, vgl. Joh. Praetorii storchs und schwalbenwinterquartier. Francf. 1676 p. 185. . auch der kukuk kann als ansager des frühlings betrachtet werden (s.  563 ), wie ihn das altengl. lied auffordert: sumer in icumen in, lhude sing cucu! vgl. Hones daybook 1, 739 Nachtrag: Das chelidonium heißt daher, weil es mit ankunft der schwalben sprießt und bei ihrem abzug verdorrt. Dioscor. 2, 211. in einem frühlingsgedicht in Lucians tragopodagra 43–53 (ed. Bip. 10, 4) sind blüte , schwalbe und nachtigall die boten des lenzes. den ersten bauer im pflug, die erste schwalbe im flug. abergl. 1086 . usque ad adventum hirundineum vel ciconinum . Sidon. Apollin. 2, 14. ciconia redeuntis anni jugiter nuntiatrix , ejiciens tristitiam hiemis, laetitiam verni temporis introducens, magnum pietatis tradit exemplum. Cassiodor. var. 2, 14. maienbule , sommergeck. wb. 2, 506 s. v. bühl vgl. kunden vogel rehte schouwen, sô lobten sie ze frouwen für die liehten sumerzît . MS. 1, 84 a . . Diese sommerverkündigung durch gesänge der jugend findet noch jetzt oder fand wenigstens in den letzten jahrhunderten in 637 deutschen und slavischen ländern fast allgemein statt und deutet auf uralten grund. was die minnesinger noch in zierlichen wendungen von dem alten stuhl und einzug, der straße, güte und ehre des königlichen oder göttlichen Sommers ahnen lassen, das wird in den haftenden sitten des volks, die auf die hauptsache gehn, roh und naiv vervollständigt und erläutert. die gebräuche und lieder sind manigfalt am fleißigsten wiewol sehr zerstreut und unordentlich hat sie gesammelt Christ. Heinr. Schmid zu Gießen: im journal von und für D. 1787. 1, 186–189. 480–485. 1788. 1, 566–571. 2, 409–411. 1790. 1, 310–314. 1791, 1002: in der deutschen monatschrift 1798 2, 58–67: dabei werden eine menge älterer und neuerer schriftsteller zur bewährung angegeben. Auch ist noch ein früherer aufsatz im journal von und für D. 1784. 1, 282 zu vergleichen. Einzelnes findet sich in Krünitz encyclop. 58, 681 ff., Gräters Idunna 1812 p. 41, in Büschings wöch. nachr. 1, 183–186. 3, 166 und an anderen orten, die ich, wo es darauf ankommt, weiter anführe. Die heiden frühsten abhandlungen sind von Paul Christ. Hilscher de ritu dominicae laetare, quem vulgo appellant den tod austreiben. Lips. 1690 (deutsch 1710) und Joh. Casp. Zeumer de dominica laetare. Jena 1706. . Oft wird bloß ein kranz, eine puppe, ein thier im korb herumgetragen und von haus zu haus die gabe eingefordert es ist heilsam den sommerkindern den sommer abzukaufen . abergl. 1097 . . Hier tragen kinder einen hahn , dort eine krähe oder einen fuchs umher Reinhart einleit. p. ccxix . einer umgetragnen krähe (statt der schwalbe) gedenkt auch Athenaeus a. a. o. , wie man in Polen zur zeit der colęda d. h. neujahrs einen ausgestopften wolf geschenke sammelnd umträgt (Linde s. v. kolęda). das sind keine wanderthiere, und ich lasse unentschieden, mit welchem fug sie die schwalbe oder den storch vertreten, oder ob sie überhaupt etwas anders bedeuten sollen. des angehenden sommers ist nur in einigen worten und wendungen des lieds oder gar nicht gedacht. Oft aber bildet die einsamlung der gaben nur den schluß einer vorausgehenden sinnvolleren handlung, woran auch jünglinge und jungfrauen theil nehmen. Ein vermumter Sommer und Winter , jener in epheu oder singrün , dieser in stroh oder moos gekleidet, treten auf und kämpfen solange mit einander, bis der Sommer siegt . dann wird dem zu boden geworfnen Winter seine hülle abgerissen, zerstreut, und ein sommerlicher kranz oder zweig umhergetragen. Hier ist also wieder die uralte idee eines kriegs oder streits zwischen beiden jahrsgewalten, aus dem der Sommer siegreich hervorgeht, in dem der Winter unterliegt: das volk gibt gleichsam den zuschauenden chorus ab und bricht in den preis des überwinders aus. Die eben geschilderte sitte lebt hauptsächlich in gegenden des mittleren Rheins, jenseits in der Pfalz, diesseits zwischen Neckar und Main, im Odenwald. Aus den gesungenen liedern theile ich bloß die beziehungsvollen stellen mit: trarira, der Sommer der ist da ; wir wollen hinaus in garten und wollen des Sommers warten. 638 wir wollen hinter die hecken und wollen den Sommer wecken . der Winter hats verloren , der Winter liegt gefangen , und wer nicht dazu kommt den schlagen wir mit stangen. anderwärts: jajaja, der Sommertag für Sommer? vgl. Baltag (s. 183 . 189 ) für Baltar, und Tag s.  615 . ist da, er kratzt dem Winter die augen aus und jagt die bauern zur stube hinaus. oder: stab aus! dem Winter gehn die augen aus auch › stam aus ‹ oder › sta maus ‹, und › heib aus, treib aus ‹, dem Winter ist ein aug aus. stabaus vielleicht staubaus  = auf und davon (Schm. 3, 602). vgl. Zingerle 2. 147. , veilchen, rosenblumen , holen wir den Sommer , schicken den Winter übern Rhein , bringt uns guten kühlen wein. auch: violen und die blumen bringen uns den Sommer , der Sommer ist so keck und wirft den Winter in den dreck . oder: stab aus, stab aus, blas dem Winter die augen aus! Solche gesänge sind sicher durch lange jahrhunderte gegangen; was ich vorhin aus unsern dichtern des 13 jh. angeführt habe, setzt sie ihrem wesentlichen inhalt nach voraus. alles ist ganz heidnisch gedacht und gefaßt: der herbeigeholte, aus seinem schlaf geweckte, tapfere Sommer, der überwundne, in den koth niedergeworfne, in bande gelegte, mit stäben geschlagne, geblendete, ausgetriebne Winter sind halbgötter oder riesen des alterthums. Der veilchen wird erwähnt in deutlichem bezug auf den empfang des Sommers. An einigen orten ziehen die kinder mit weißen, geschälten stäben , hölzernen gabeln und degen aus, entweder in der absicht dem Sommer zu helfen und mit auf den feind loszuschlagen, oder es können auch die stabträger des Winters gefolge oder ingesinde darstellen sollen, weil nach altem gebrauch besiegte und gefangne mit weißen stäben entlassen werden (RA. 134). Einer aus dem haufen der knaben, ein erwachsner an ihrer spitze in stroh gehüllt stellt den Winter, ein andrer mit epheu verziert den Sommer vor. erst kämpfen beide mit ihren holzstangen, bald werden sie handgemein und ringen so lange bis der Winter niederliegt und ihm das strohkleid abgezogen wird . unter dem kampf singen die übrigen: stab aus, stab aus, stecht dem Winter die augen aus! das ist völlig das rauba birahanen, hrusti giwinnan, caesos spoliare 639 armis der heldenzeit; das grausame augausstechen tritt noch tiefer in das alterthum zurück die mhd. lieder stimmen: der Meie hât sînen schaft ûf den Winter verstochen . MSH. 3, 195 b ; Mai hat den Winter erslagen . Hätzlerin 131, 58; vehten wil der Winter kalt gegen dem lieben Sumer. MSH. 3, 423 a . . das wecken des Sommers ist wie das wecken der Sælde. Nach beendigtem kampf, wenn der Winter in der flucht ist, wird an einigen orten gesungen: so treiben wir den Winter aus durch unsre stadt zum thor hinaus, hin und wieder die ganze handlung zusammengedrängt in das geschrei: Sommer rein, Winter naus! Jemehr man sich über den Odenwald zurück dem innern Franken, dem Spessart und der Rhön nähert, pflegen schon jene worte zu lauten: stab aus, stab aus, stecht dem Tod die augen aus! und so heißt es: wir haben den Tod hinausgetrieben, den lieben Sommer bringen wir wieder, den Sommer und den Meien mit blümlein mancherleien. Der Tod tritt an die stelle des Winters ; man kann sagen, weil im winter die natur schlummert und ausgestorben scheint; vielleicht hat aber auch frühe schon ein heidnischer name des Winters der christlichen vorstellung von dem Tod weichen müssen. In tief fränkischen liedern, z. b. dem Nürnberger, wird nun aber des Sommers gar geschwiegen und der gedanke des ausgetriebnen Todes desto stärker hervorgehoben Seb. Frankes weltbuch 51» schildert den fränkischen fastnachtsbrauch so: ›halten auch ir vier ein leilach bei den vier zipfeln und ein ströinen angemachten butzen in hosen und wammes mit einer larven, wie ein todten man, schwingen si in mit den vier zipfeln auf in die höhe und entpfahen in wider in das leilach. das treiben sie durch die ganz stadt. Zů mitterfasten machen si an etlichen orten ein stroinen man oder butzen , angethan und zůgericht wie ein tod , den tragen die versamleten jungen in die nahend gelegnen dörfer . diese werden von etlichen schon empfangen und mit dürren hutzlen, milch und erbiß gelabet und gespeist. von den andern, die es für ein anzeichen zukünftigs tods halten, übel empfangen, und von ihren hofstatten getriben mit scheltworten und etwan mit streichen‹. . landmädchen von sieben bis achtzehn jahren in ihrem größten putz durchziehen dort die straßen der ganzen stadt und vorstadt; auf oder unter dem linken arm tragen sie einen kleinen ofnen sarg, aus welchem ein leichentuch herabhängt, unter dem tuch liegt eine puppe . ärmere kinder tragen nichts als eine offene schachtel, worin ein grüner buchenzweig liegt mit in die höhe gerichtetem stiel, woran ein apfel statt des kopfs steckt. ihr eintöniges lied beginnt. heut ist mitfasten, wir tragen den Tod ins wasser , wol ist das. 640 unter anderm: wir tragen den Tod ins wasser , tragen ihn nein und wieder raus hierdurch scheint angedeutet, daß die gottheit des Todes bei der wassertauche nicht vernichtet, sondern ihr nur die unzufriedenheit des volks fühlbar gemacht werden soll. der grausame Tod hat das jahr über manche opfer geholt, jetzt. wollen sich die menschen gleichsam an ihm rächen . Dies greift in die oben s.  16 angedeutete idee: wenn ein gott den erwartungen nicht entsprochen hat, so wird ihm gedroht, sein bild ins wasser getaucht. So warfen die Frankländer beim miswachs des weins s. Urbans bild, weil er keinen wein geschaft hat (Fischarts Garg. 11) in den bach oder in den koth (Seb. Frank 51 b ). oder in den wassertrog , selbst schon, wenn keine reiche weinlese erwartet wird (Agricolas sprichw. no. 498. Gräters Idunna 1812 p. 87). Nicht anders warfen die Baiern den heil. Leonhard bei seinem feierlichen umzug mitunter in den bach (Schm. 2, 473). Bekannt ist, wie die Neapolitaner noch heutzutag mit ihrem san Gennaro verfahren, oder die schiffer im sturm s. Jacobs bild mishandeln, anderer beispiele zu geschweigen. , tragen ihn vor des biedermanns haus. wollt ihr uns kein schmalz nicht geben, lassen wir euch den Tod nicht sehen. der Tod der hat ein panser an . Ähnliche gebräuche und lieder herschten im übrigen Franken, in Thüringen, Meißen, Vogtland, Schlesien und Lausitz. der eingang des lieds wechselt: nun treiben wir den Tod aus Luther hat das lied auf die austreibung des pabsts parodiert. journ. v. u. f. D. 1787. 2 192. 193. , den alten weibern in das haus! oder: hinters alte hirtenhaus ›dem alten Juden in seinen bauch. dem jungen in den rücke, das ist sein ungelücke, treiben ihn über berg und tiefe thal, daß er nicht wiederkommen soll, treiben ihn über die heide, das thun wir den schäfern zu leide. wir giengen durch den grünen wald, da sungen die vogel jung und alt.‹ Den alten Juden will Finn Magnusen (edda 2. 135) für einen iötunn gehalten haben. . hernach: hätten wir den Tod nicht ausgetrieben wär er das jahr noch inne geblieben J. F. Herrl über einige in der gegend von Erfurt gefundne alterthümer 1787 p. 28 hat die zeile: ›wir tragen den Krodo ins wasser‹, gesteht aber nachher (journ. v. u. f. D. 1787. 483. 484), dies bedenkliche wort als eigenmächtige vermutung in den text aufgenommen zu haben. Um so verdächtiger ist in Hellbachs nachtrag zum archiv von und für Schwarzburg, Hildburgh. 1789. p. 52 folgende strophe: ›wir tragen den alten thor hinaus, hinters alte hirtenhaus, wir haben nun den sommer gewonnen und Krodes macht ist weggekommen‹. alle ausdrücke der letzten zeile verrathen erdichtung. . Gewöhnlich wurde eine puppe , ein ströhernes oder hölzernes bild herumgetragen, ins wasser , in einen tümpfel geworfen oder verbrannt ; war die figur weiblich, so trug sie ein knabe, war sie männlich, trug sie ein mädchen. Man stritt darum, wo sie gemacht und gebunden werden sollte, aus welchem haus sie hervorgebracht wurde, in dem starb das jahr über niemand. Die den Tod weggeworfen hatten, liefen schnell davon, aus furcht, daß er sich wieder aufraffe, und hinter ihnen her komme; begegnete den heimkehrenden vieh, so schlugen sie es mit stäben, im 641 glauben, daß es dadurch fruchtbar werde. In Schlesien wurde häufig ein bloßer tannenbaum mit strohketten , gleichsam gefesselt, umhergeschleppt. Hin und wieder trug ein starker mann, mitten unter kindern, einen maienbaum zu Leipzig war das fest im 17 jh. so herabgewürdigt, daß man die strohpuppe durch huren umtragen und ins wasser werfen ließ. . In der Altmark haben die Wendendörfer bei Salzwedel, zumal Seeben (wo auch noch jenes Hennil galt, s.  625 ) folgenden brauch bewahrt: knechte und mägde binden auf pfingsten von tannenzweigen , stroh und heu eine große puppe , der sie so viel als möglich menschliche gestalt geben. reich mit feldblumen bekränzt wird die puppe aufrecht sitzend auf der bunten kuh (wovon nachher) befestigt und ihr zuletzt eine aus ellernholz geschnitzte pfeife in den mund gesteckt. so führt man sie ins dorf, wo alle häuser ein und ausgang sperren und jeder die kuh aus seinem hof wegjagt, solange bis die puppe herabfällt oder in stücke geht Ad. Kuhn märk. sagen s. 310. 317. . Aus der Schweiz theilt uns Tobler 425. 426 ein volksspiel in reimen mit, die schwäbische herkunft verrathen, und ein kampflied zwischen Sommer und Winter enthalten. den Sommer stellt ein mann im bloßen hemd dar, in der einen hand einen mit bändern und früchten geschmückten baum, in der andern einen vielfach gespaltnen knüttel haltend. der Winter trägt warme kleider und einen gleichen knüttel, beide schlagen einander auf die schultern, daß es laut patscht, jeder rühmt sich und schilt den andern. zuletzt weicht der Winter und erkennt sich für besiegt. solches wettstreits gedenkt auch Schm. 3, 248 aus Baiern: der Winter ist in pelz gehüllt, der Sommer führt einen grünen zweig in der hand und der streit endet damit, daß der Sommer den Winter zur thür hinaus wirft. In Östreich finde ich den gebrauch nicht erwähnt, doch scheint er in Steier und dem angrenzenden kärntnischen gebirg bekannt: die bursche theilen sich in zwei haufen, einer trägt winterkleider und schneeballen, der andere grüne sommerhüte, gabeln und sensen. nachdem sie sich vor den häusern eine weile gestritten haben, singen sie zuletzt vereint den preis des siegenden sommers Sartori neueste Reise durch Östreich. Wien 1811. 2, 348. das steirische streitlied findet man abgedr. in Büschings wöch. nachr. 1. 226–228. . es geschieht im merz oder auf Mariä lichtmesse Nachtrag: Schwartz de Apoll. 33 vergleicht Apolls kampf mit dem drachen dem zwischen Sommer und Winter . im liede bei Wiggert s. 37 heißt es: winder ist nidervalt . winder du bist swer sam ein blî, sumer du kanst den winder stillen . im nl. streitlied zwischen Sommer und Winter (hor. belg. 6, 125–146) erscheint Venus und versöhnt sie als brüder. merkwürdig aber wird im schluss behauptet, der winter habe müssen erschlagen werden. das drückt den ausgang des älteren liedes aus. andere volksthümliche sommerlieder theilt Firmenich 2, 15. 34 mit. über den sommergewinn in Eisenach s. Wolfs zeitschr. f. myth. 3, 157 und Hones daybook 1, 339. vgl. den mai, den maijungen holen bei Lyncker s. 35. 36. den strohernen winter nagelt man auf ein rad , zündet es an und läßt es bergab laufen . ebenda 1, 340. die in Franken den tod austragenden mädchen heißen todtenmägdlein . Schm. 1, 464. in Jever kennt man das: meiboem setten. Strackerjan s. 75 Die waldlust unseres volkes, die sich zumal in der sommerfeier geltend macht, wird bezeugt durch folgende stellen. ze walde gie. kindh. Jesu 101, 12. auf der wiese vor dem walde werden tänze aufgeführt. reigen vür den walt an eine wise lange. MS. 2, 55 b . ze holze loufen, reigen. MS. 2, 56 a . daz dir ze walde stât der fuoz (zum tanz im walde). Winsbekin 29, 4 (anders bei Haupt s. 78). Massm. Eracl. s. 609. wir suln vor disem fürholz ligen durch der bluomen smac und der kleinen vogel gesanc. Wigam. 2472. ich wil vor disem walde ein hôchzît machen und herladen und bitten frouwen unde ritter stolz an diz grüene fürholz . Wigam. 2477. vor dem walde in eime tal dâ sach man swenze blicken, die megde wurfen ouch den bal. MS. 2, 56 b . vil schône ze walde, an dem werde hebent sich die tenze. MS. 2,57 b . . . Einige der angegebnen landschaften haben im letzten jahrhundert das alte fest dieser sommerverkündigung durch besiegung Winters untergehen lassen, einige noch gegenwärtig erhalten. Frühere jahrhunderte mögen es in andern deutschen strichen gesehn haben, in welchen es selbst nicht historisch nachzuweisen ist, wahrscheinlich entgehn mir auch einzelne nachrichten. In Süddeutschland, Schwaben, Schweiz, Baiern, Östreich, Steier sind die gesänge noch länger und förmlicher, doch die sitte selbst 642 weniger naiv und lebendig. in Niederhessen, Niedersachsen, Westfalen, Niederland, Friesland, also da, wo die osterfeuer im schwang blieben, habe ich die sommerankündigung fast gar nicht ermitteln können; dafür werden wir in Norddeutschland den mairitt und das maigrafenfest viel feierlicher entfaltet finden. ob die sommerankündigung sich über die Pfalz hinaus in das Triersche, Lothringische, nach Frankreich erstreckte, weiß ich nicht sicher C. H. Schmid hat freilich im journ. v. u. f. D. 1790, 314. 315 ein verzeichnis der länder und örter aufgestellt, wo Winter oder Tod ausgetragen werde, darin sind auch niedersächsische, meklenburgische, ja friesische gegenden namhaft gemacht. bewährung dafür mangelt aber, und andere ähnliche gebräuche, denen ganz die individualität des hier abgehandelten fehlt, werden damit vermischt. Aug. Pfeiffer (gb. zu Lauenstein 1640 gest. zu Lübeck 1698) in den evang. erquickungsstunden Leipz. 1098 p.   gedenkt des Sommer und Winterstreits, aber ohne den ort zu bestimmen, und er wohnte lange in Schlesien und Leipzig. Henr. Lubbert (prediger in Bohlendorf bei Lübeck, gb. 1640 gest. 1703) schildert in seinem fastnachtsteufel p. 6 einen merzaufzug, keinen mailichen, hebt aber die wesentlichen züge nicht genug hervor. ich setze die stelle (aus Joh. Pet. Schmidts fastelab. p. 132) her, weil sie das gewis nicht unwirksame eifern der geistlichen gegen die lustbarkeiten des volks fast so charakteristisch zeigt, wie die s.  214  ff. eingeschaltete, um 500 jahr ältere, declamation. ›im vorigen jahr dominica quinquagesima (vier wochen vor laetare) bat ich abermalen einen jeden öffentlich, man möchte doch einmal solches heidnische wesen einstellen. aber ich muste leider erfahren, daß es die gottlosen weltkinder noch ärger als zuvor machten. Da giengen nicht allein die kinder, lange mit grünem laub bewundene stecken tragend in den häusern herümb, und sungen allerhand liederliche possen, sondern sonderlich die knechte , unter welchen einer mit einem grünen weiberrock behangen war, giengen in zweien parteien mit einem dudelsack durchs dorf von haus zu haus, sungen, soffen, tanzeten und raseten in den häusern als unsinnige; nachhin thaten sie sich zusammen, soffen, tanzeten, lermeten etliche nächte durch und durch, daß man kaum davor schlafen kunte. Bei solchem gottlosen nachttanze funden sich auch einige leichtfertige mägde, und wohnten dem verfluchten handel bei.‹ . Klar ist, daß weder die protestantische noch die catholische ansicht auf die längere fortdauer oder das frühere erlöschen der sitte einfloß. Allerdings fällt auf, daß sie sich am regsten gerade durch die mitte Deutschlands zieht und hinten an slavische länder lehnt, die ihr gleichfalls huldigen; daraus darf aber nicht gefolgert werden, daß sie slavischen ursprungs war und von Slaven bis über den Rhein hin eingeführt wurde. Wir müssen erst diese slavischen gebräuche näher betrachten. In Böhmen ziehen die kinder mit einem strohmann , der den Tod vorstellen soll, ans ende des dorfs, und vorbrennen ihn, dazu singen sie: giz nesem Smrt ze wsy, nowe Leto do wsy; witey Leto libezue, obiljéko zelene! d. h. schon tragen wir den Tod aus dem dorf, den neuen Sommer in das dorf; willkommen lieblicher Sommer, grünes getraidelein! Anderwärts singt man: 643 Smrt plyne po wodě, nowe Leto k nám gede, der Tod schwimmt auf dem wasser, der neue Sommer fährt zu uns Čelakowsky slowanské narodni pisně. Prag. 1822 s. 209, wo noch andere reime angeführt sind. . oder: Smrt gsme wám zanesly, nowe Leto přinesly, den Tod haben wir euch fortgetragen, den neuen Sommer gebracht; in Mähren aber: nesem, nesem Mařenu , wir tragen, tragen Marena. Andere Slaven singen: wyneseme, wyneseme Mamuriendu ; wyniesli sme Murienu se wsi, přineslisme Mag nowy do wsi, wir wollen Mamurienda austragen; wir haben Muriena aus dem dorf und den jungen Mai ins dorf getragen J. Kollár zpiewanky. 1, 4. 400. . Zu Bielsk in Podlachien ersäufen sie auf todtensonntag einen aus hanf oder halm geflochtnen götzen , nachdem er durch die stadt getragen ist, in einem nahen sumpf oder weiher und singen dazu mit klagender stimme: Smierć wieie się po plotu, szukaiąc klopotu, der Tod weht am zaun, den strudel suchend. dann laufen sie eilends heim, und wer dabei fällt, muß das jahr über sterben Hanusch slav. myth. 413, Jungmann s. v. Marana, der den polnischen reim folgendermaßen böhmisch ausdrückt: Smrt wěge po plotu, šukagjc klopotu. vgl. ein mährisches lied. Kulda bei d'Elv 107. 108. 109. . Die Sorben in der Oberlausitz fertigen das bild aus stroh und hadern ; die die letzte leiche gehabt, muß das hemde, die letzte braut aber den schleier und die übrigen lumpen dazu hergeben Indicul. superstit. 27. de simulacris de pannis factis , 28, quae per campos portant. Die Ehsten pflegen auf neujahr einen götzen von stroh in gestalt eines mannes zu machen, dem sie den namen metziko und die kraft beilegen, das vieh vor wilden thieren zu bewahren und ihre grenze zu hüten. alle aus dem dorf begleiten und setzen ihn auf den nächsten baum. Thom. Hiärn. s. 40. ; das scheusal wird auf eine hohe stange gesteckt und von der größten, stärksten dirne, in vollem lauf, fortgetragen. dabei singen alle: lecz hore, lecz hore! jatabate woko pan dele, pan dele! d. i. flieg hoch, flieg hoch, drehe dich um, fall nieder, fall nieder! Alle werfen mit steinen und stecken nach ihm, wer den Tod trift, stirbt das jahr über nicht. so wird das bild zum dorfe hinaus an ein wasser getragen und darin ersäuft. oft bringen sie auch den Tod bis zur grenze des nächsten dorfs und werfen ihn hinüber , 644 jeder bricht sich ein grünes zweiglein, daß er auf dem heimweg fröhliches mutes trägt, bei erreichung des dorfs aber wieder von sich wirft. zuweilen lauft ihnen die jugend des benachbarten dorfs, über dessen grenze sie den Tod gebracht hatten, nach, und wirft ihn zurück , weil ihn niemand dulden will; hierum gerathen sie leicht in wortwechsel und schläge lausitz. mag. von 1770 p. 84. 85 aus einer hs. des Abrah. Frencel. . An andern lausitzischen orten sind bloß frauen mit dieser todaustreibung beschäftigt, und leiden dabei keine männer. alle gehn des tags in trauerschleiern und binden eine puppe aus stroh , der sie ein weißes hemd überziehen, in die eine hand einen besen, in die andere eine sense geben. diese puppe tragen sie singend und von steinwerfenden buben verfolgt, zur grenze des nächsten orts, wo sie sie zerreißen . darauf hauen sie im wald einen schönen baum, hängen das hemd daran, und tragen ihn heim unter gesängen Christ. Arnolds anhang zu Alex. Rossens unterschiedenem gottesdienst. Heidelb. 1674. pag. 135. . Dieser baum ist ohne zweifel sinnbild des eingeführten Sommers statt des ausgetragnen Todes. Solch ein geschmückter baum wird auch sonst von knaben, nachdem sie den Tod fortgeschafft haben, im dorf herumgetragen und dabei sammeln sie gaben ein. Anderwärts tragen sie die puppe herum, geschenke fordernd. Hin und wieder lassen sie den strohmann den leuten in die fenster gucken (wie Berhta ins fenster schaut, s.  227 ): in einem solchen haus wird der Tod das jahr über jemand abholen, doch kann man sich mit geld lösen, und die vorbedeutung zeitig abwenden. In Königshain bei Görlitz zog das ganze dorf, jung und alt, mit strohfackeln auf einen nahen berg, der todtenstein genannt, wo sonst ein götzenbild gestanden haben soll, zündeten oben die fackeln an und kehrten singend heim, unter beständiger wiederholung der worte: den Tod haben wir ausgetrieben, den Sommer bringen wir wieder Antons erster versuch über die alten Slaven p. 73. 74. . Also nicht überall stellte man sich unter diesem ausgetriebnen götzenbild den abstracten Winter oder Tod vor; zuweilen ist es noch die heidnische , dem christenthum weichende gottheit , welche das volk, in halber trauer, unter angestimmten klageliedern, von sich ausstößt. Dlugosz hist. Polon. lib. 2 ad a. 965. Matth. de Mechovia chron. Polon. II. 1, 22. Mart. Cronier lib. 3 ad a. 965. Mart. Hanke de Silesiorum hominibus p. 122. 123. und nach ihm andere berichten, auf könig Miecislaus geheiß seien alle götzen im land zerbrochen und verbrannt worden, zur erinnerung daran pflege man in mehrern polnischen örtern jährlich einmal bilder der Marzana und Ziewonia an stangen befestigt oder auf schleifen, traurige lieder singend, feierlich zum sumpf oder fluß zu führen und zu ersäufen auch der russische Wladimir, nach seiner bekehrung, befiehlt Peruns bild an einen pferdeschweif zu binden, zu schlagen und in den Dnieper zu werfen . Als man hernach den Nowgoroder Perun ebenso in den Wolchow geworfen hatte, begann dieser im strom über die undankbarkeit des volkes laut zu jammern. ; 645 gleichsam die letzte ihnen erwiesne huldigung. Dlugosz erklärung der Marzana durch erntegöttin scheint falsch, annehmlicher Frencels und Schaffariks todesgöttin; ich leite den namen vom poln. marznać, böhm. mrznauti, russ. merznut' frieren ab, und stelle ihr als wintergöttin die sommergöttin Wiosna , böhm. Wesna gegenüber. merkwürdig heißt es in der Königinhofer hs. s. 72: ›i iedinu družu nám imiét' po puti z Wesny po Moranu ‹, eine gattin sollen wir haben auf der fahrt von der Wesna bis zur Morana, von sommer bis zu winter = jederzeit. Das werfen oder tauchen des götterbilds in die flut braucht aber nicht gerade aus verachtung von den Christen geschehen, sondern kann schon im heidnischen cultus selbst begründet gewesen sein, da der gegensatz zwischen winter und sommer und die erhebung dieses das sinken jenes zur folge haben muste die indische Kâli wurde am siebenten tag nach dem merzneumond feierlich umgetragen und dann in den Ganges geworfen, am 13 mai trugen die römischen vestalinnen binsgeflochtne puppen zum sublicius pons und warfen sie in die Tiber, Ovid. fast. 5, 620: tum quoque priscorum virgo simulacra virorum     mittere roboreo scirpea ponte solet. . Tag des Todaustragens war die quarta dominica quadragesimae, d. h. der sonntag laetare , oder mittfasten , halbfasten, auf welchen es gerade auch in Polen (w nieziele środopostna), Böhmen, Schlesien und der Lausitz fällt. die Böhmen nennen den tag smrtedlna , samrtná neděle, die Sorben ßmerdniza , todtensonntag, er geht ostern drei wochen voraus, wird also fast immer im merz eintreten. einige verlegen ihn eine woche früher, auf oculi, andere (zumal in Böhmen) eine woche später auf judica, ja ein böhm. lied spricht von mag nowy (neuem mai). auch in der Rhein und Maingegend ist aber laetare tag der feier und heißt dort. sommertag . Diese übereinkunft in der zeit des festes ist unabweisbar. den alten Slaven, welche ihr neues jahr im merz begannen, bezeichnete sie den anfang des jahrs, zugleich des sommerhalbjahrs, folglich ihres leto. den Deutschen die ankunft des sommers oder frühjahrs, im merz kehrt ihnen storch und schwalbe heim, blüht das erste veilchen. Allein die Slaven kennen keinen kampf ihres unpersönlichen leto mit dem Smrt , sondern dieser abgehende, ausgetriebene gott hat dabei die hauptrolle. unsern ahnen war eben der beiden riesen streit das wesentliche des festes, und nur der verlierende Winter gleicht jenem Smrt , der siegreiche Sommer steht ungleich lebendiger da. Außer dieser bedeutenden ungleichheit der slavischen feier mit der deutschen, wie sie am Rhein und Neckar statt hat, wäre auch schwer zu begreifen, wie sich eine slavische volkssitte bis in den Odenwald und in die überrheinische Pfalz hätte verbreiten sollen, so erklärlich sie an dem oberen Main, im 646 Fuldischen, in Thüringen und Meißen sein würde. Noch entscheidender ist jedoch die wahrnehmung, daß sie auch nicht allen Slaven, sondern eben nur den Schlesiern, Lausitzern und Böhmen, mit bedeutender abweichung der Polen, hingegen gar nicht den Südslaven bekannt war, wahrscheinlich auch nicht den in Pommern, Meklenburg und Lüneburg ansäßigen. Wie den Baiern, Tirolern geht sie den Krainern, Steiermärkern, Slovaken ab; ebenso den Pommern und Niedersachsen jenes holsteinische umgehn (omgaan) mit dem fuchs (s.  637 ) soll nach Schütze 3, 165 im sommer, also nicht. auf lätare geschehn sein, und das gesungne lied hat keinen ausdrücklichen bezug auf sommer und winter. . Unter Slaven und Deutschen hat sie nur ein mittler strich des landes, ohne zweifel aus gleicher ursache, bewahrt. Ich leugne nicht, daß sie im höheren alterthum allen slavischen stämmen, wie allen deutschen gemein gewesen sein könne, ja für Deutschland ist es mir beinahe unzweifelhaft, einmal weil Nitharts und anderer ältere lieder schon für Östreich zeugen, dann aber, weil in Scandinavien, England und stellenweise in Norddeutschland die sitte des Mairitts erscheint, die sich vollkommen dem rheinischen sommertag im merz identificiert. Olaus Magnus 15, 4 meldet: die Schweden und Gothen haben einen brauch, daß in den stätten die obrigkeit den ersten tag meiens zwei geschwader reuter von starken jungen gesellen und männern versammeln läßt, nicht anders als wolt man zu einer gewaltigen schlacht ziehen. das ein geschwader hat einen rittmeister, welcher unter dem namen des Winters mit vil pelzen und gefütterten kleidern angethan und mit einem winterspieß bewapnet ist: der reitet hoffertiglich hin und wieder, wirft schneeballen und eisschemel von sich, als wollte er die kelte erlängern, macht sich ganz unnütz. hergegen hat das ander geschwader auch einen rittmeister, den heißt man den Blumengraven , der ist von grünem gezweig, laub und blumen , bekleidet, auch mit andern sommerkleidern angethan und nicht fast werhaft, reitet mitsampt dem winterhauptmann in die stadt ein, doch ein jeder an seinem besondern ort und ordnung, halten alsdann ein offentlich stechen und turnier, in dem der Sommer den Winter überwindt und zuboden rennet. Der Winter und sein gefolge werfen um sich mit asche und funken, das sommerliche gesinde wehrt sich mit birkenmaien und ausgeschlagnen lindenruten; endlich wird dem Sommer von dem umstehenden volk der sieg zugesprochen. Hier ist gar keine anspielung auf den Tod, alles wird nach deutscher weise bloß zwischen Sommer und Winter abgethan, nur hat sich der einfache aufzug unserer landleute mehr in ein turnierartiges gepränge des reicheren stadtlebens verwandelt; dafür nimmt sich dieses führen des Mais in die stadt (›hisset kommer Sivard Snarensvend [s.  308 ], han förer os sommer ‹ oder › och bär oss sommer i by ‹. DV. 1, 14. Sv. forns. 1,44 › bära maj i by ‹ 647 Dybeck runa 2, 67 und schonisch › före somma i by ‹) reinlicher, stattlicher aus, als der ärmliche aufzug bettelnder kinder, und ist in der that eine höchst poetische, das gemüt ergreifende vorstellung. Solcher maispiele gedenken altschwedische und dänische chroniken, stadtordnungen und urkunden öfter als einmal. Adel und könig nahmen nicht selten theil daran, es war eine große allgemeine volkslustbarkeit. der majgrefve (maigraf) zog blumenbekränzt unter mächtigem geleit durch straßen und dörfer, gastmale und reihentanz folgten. In Dänemark begann der zug auf Walburgistag, man nannte es: den Sommer in das land reiten , at ride Sommer i bye, die jungen männer ritten voran, dann der maigraf (floriger), mit zwei kränzen, über jede schulter, das übrige gefolge nur mit einem kranz; in dem ort wurden lieder gesungen, alle jungfrauen bilden einen kreis um den maigrafen und er wählt sich eine darunter zur majînde , indem er den kranz auf sie wirft. des Winters und seines streits mit dem Mai gedenken die schonischen und dänischen feste nicht mehr. in manchen städten hatten sich förmliche majgrevegilde gebildet Ihre s. v. majgrefve. skråordning for Knutsgillet i Lund a 1586 § 123–127 in Brings monum. scånensia p. 207–210 und für Malmö ebendas. p. 211. Er. Tegel historia Gustavi I. 1, 119. Nyerup danske digtek. 1, 246. 2, 130. 143. Thiele 1, 145–158. vgl. 200; von der seeländischen sitte handelt Molbechs hist. tidskrift 1840 1, 203. der maigreven in Ribe gedenkt Terpager in Ripis cimbricis p. 723 und in Wildas gildewesen p. 285 geschieht des Aalburger maigreven aus einem statut des 15 jh. erwähnung. vgl. Molbech dial. lex. s. 533. . Wie aber das maifeuer in Dänemark gadeild (gassenfeuer), so hieß auch der anführer des Maifestes gadebasse (gassenbär) und das ihm zugesellte mädchen gadelam (gassenlamm) oder gadinde ; gadebasse und gadinde sind also gleichviel mit maigreve und maigrevinde Molbechs dial. lex. s. 150, 151, wo s. 152 die ableitung des gade aus altn. gata, gasse zweifelhaft gemacht wird. Molbech hat s. 359 auch ein midsommerslam . . merkwürdig ist die schilderung in Mundelstrups spec. gentilismi etiamnum superstitis, Hafn. 1684: qui ex junioribus rusticis contum stipulis accensis flammatum efficacius versus sidera tollere potuerit, praeses (gadebasse) incondito omnium clamore declaratur, nec non eodem tempore sua cuique ex rusticis puellis, quae tunc temporis vernacula appellantur gadelam, distribuitur, et quae praesidi adjicitur titulum hunc gadinde merebitur. hinc excipiunt convivia per universum illud tempus, quod inter arationem et foenisecium intercedit, quavis die dominica celebrari sueta, gadelamsgilder dicta, in quibus proceriorem circum arborem in antecessum humo immissam variisque corollis ac signis ornatam, corybantum more ad tympanorum stridentes sonitus bene poti saliunt. Dieses maireiten , diese maigrafen waren nun auch in Niederdeutschland althergebracht; das scheint eben die ursache, warum dort jenes mitteldeutsche sommerankündigen auf laetare nicht im schwang gieng. in nördlichen gegenden konnte das erst mit 648 anfang mais einkehrende frühjahr nicht schon im merz gefeiert werden. Vielleicht war auch die maifeier in älterer zeit allgemeiner in Deutschland, oder greift die unterscheidung bereits in den wechsel der merz und maiversamlungen des volks vgl. RA. 821–826 über die gerichtszeit. ? Des maigreven zu Greifswalde im j. 1528, auf ersten mai, erwähnt Sastrow in seiner lebensbeschreibung 1, 65. 66 beiläufig, einer den schülern zu Pasewalk gestatteten maigräfenfahrt ein kirchenvisitationsrecess von 1563 haltische studien 6, 137. ; genauere nachrichten über die fortdauer des mairitts zu Hildesheim, wo der schöne brauch erst im 18 jh. erlosch, sind neulich gesammelt worden Kokens und Lüntzels miltheilungen 2, 45–61. . Sobald der maigreve, gegen pfingsten, erwählt war, hatten die holzerben in der Ilse aus sieben dörfern den maiwagen zu hauen: alles gehauene buschwerk muß aufgeladen, im walde dürfen nicht mehr als vier pferde vorgespannt werden. ein feierlicher zug aus der stadt holt den wagen ab, burgermeister und rath empfängt von den holzerben den maikranz und übergibt ihn dem maigreven. der wagen enthält 60–70 bunde mai, welche dem maigreven zukommen und dann weiter ausgetheilt werden. klöster und kirchen empfangen große bunde, auf alle thürme wird davon gesteckt, der boden der kirche ist mit geschornem buchsbaum und feldblumen bestreut. der maigreve bewirthet alle holzerben, muß ihnen aber nothwendig krebse vorsetzen. Überall ist hier nur von dem einholen des maiwagens aus dem wald in die stadt unter feierlichem geleite des maigrafen , nicht mehr die rede von dem kampf, den er gegen den winter zu bestehn hat. Wie sollte dieser kampf in älterer zeit gemangelt haben? gewis war er da, und erst allmälich ließ ihn die sitte weg. ja sie wurde noch genügsamer: in holsteinischen kirchspielen begeht man den anfang des mais so, daß man einen bursch und ein mädchen mit laub und blumen bekränzt und unter musik in ein wirtshaus geleitet, wo gezecht und getanzt wird: sie heißen maigrev und maigrön d. i. maigräfin (Schütze 3, 72). Das schleswigsche maygravenfest (festum frondicomans) beschreibt die schon s.  577 angezogne abhandlung Ulr. Petersens er sagt: ›das andenken dieses uralten doch unnützen mayfestes ist endlich und zuletzt auf das stadtvieh oder kühe vererbet , welches annoch nach a. 1670 alle jahr am 1 mai mit einem grünen kranz von buchenlaub umb den hals beleget und also gezieret wieder nach hause getrieben ward, davor der kuhhirte sein accidens zu erwarten hatte.‹ . In Schwaben gehen die kinder mit sonnenaufgang in den wald, knaben seidne tücher an stäben, mädchen bänder an zweigen tragend; ihr führer ist maikönig , der sich eine königin wählen darf. in Gelderland pflanzte man maiabends bäume auf, die geschmückt und gleich weihnachtsbäumen mit kerzen behangen werden. dann folgte gesang und reihentanz geldersche volksalmanak voor 1835 s. 10–28. das gesungne lied haben Hoffm. horae belg. 2, 178–180. vgl. ie wil den mei gaen houwen voor mijns liefs veinsterkyn Uhland volksl. 178. . Noch jetzt läßt man 649 sich im übrigen Deutschland zu pfingsten maibüsche in die häuser tragen: man holt sie nicht selbst, noch geht man ihnen entgegen hat der maitrank , den man am Niederrhein und in Westfalen aus wein und bestimmten (heiligen?) kräutern mischt, bezug auf alten opferbrauch? namentlich darf darin kein waldmeister (asperula) fehlen. . Auch England hatte bis in das 16. 17 jh. ähnliche maygames oder mayings . am ersten maitag zogen kurz nach mitternacht knaben und mädchen, jünglinge und jungfrauen, mit musik und hornbläsern, in einen nahen wald, wo sie äste von den bäumen brachen und sie mit sträußen und blumenkränzen schmückten. dann kehrten sie heim und pflanzten bei sonnenaufgang diese maibüsche in thüren und fenster der häuser. Vor allem aber brachten sie aus dem wald einen großen gehauenen maibaum, maiepole oder maipoll genannt, mit nach haus: zwanzig oder vierzig joche ochsen , jeder ochs mit einem blumenstrauß zwischen den hörnern, zogen ihn ; dieser baum wurde im dorf aufgerichtet und um ihn herum getanzt. den vorsitz über das ganze fest führte ein eigens erwählter lord of the may , dem dann noch eine lady of the may beigegeben wurde nähere beschreibung bei Jos. Strutt., ed. London 1830. p. 351–356. Haupts zeitschr. 5, 477. . Auch in England ward ein kampf zwischen sommer und winter aufgeführt. Hones daybook 1, 359 und der maipole ist ganz der niedersächsische maiwagen, der lord of the may der maigraf in den ags. gedichten keine auf den kampf des Winters und Sommers gehende stellen. ›þâ väs vinter scacen‹ Beov. 2200 heißt bloß, da war der winter vergangen, ›el ibierno es exido‹. Cid 1627. . Ohne zweifel kennen auch einzelne gegenden Frankreichs ähnliche maifeste. Champollion (rech. sur les patois p. 183) führt aus dem Isèredepartement an: › maïe , fête que les enfans célèbrent aux premiers jours du mois de mai, en parant un d'entre eux et lui donnant le titre de roi ‹. einen rechtsstreit über das jus eundi prima die mensis maji ad majum colligendum in nemora bewahrt eine urk. von 1762. Guérard cart. de N. D. 2, 117 Nachtrag: Neben dem Mai tritt die maibraut auf. Kuhns sagen s. 384. 513, auch bühli , fastenbühli genannt. Stald. 1, 240. das brautpaar wird gesucht. Sommer s. 151 vgl. 180. in Schweden heißt sie midsummarsbrud . Wieselgr. 410. Dirk Potter der minnen loep 1, 30. 31. Antonius de Arena, ein dichter der Provence († 1644) de villa de Soleriis (Souliers). Londini 1758 berichtet: Cum igitur nunc se offerat hilarissimus mensis Maïus , quo tempore omnes populi voluptati et gaudio, laetitiae et omni solatio indulgere solent, ut inquit gloss. et ibi doctores in l. unica. C. de mayauma , lib. XI. tunc enim apparent herbae frondesque virentes et garritus avium corda hominum laetificantes, Bononiae , et in nostra Provencia , ac hîc Avenione in viis reginas pro solatio faciunt, quas viri coguntur osculari . Item in dicto mense Maïo amasii in signum amoris et solatii causa amicarum altissimas arbores plantare solent, quas Maïos appellant vgl. Forcellini s. v. majuma. Zu Lons le Saunier und Saint Amour wird das schönste mädchen zur nymphe du printemps auserlesen, geschmückt, bekränzt und im triumph umgetragen, wobei man geschenke sammelt und dazu singt: étrennez notre épousée! voici le mois, le joli mois de mai , étrennez notre épousée en bonne étrenne! voici le mois, le joli mois de mai, qu'on vous amène . in Bresse geht die mit bändern und blumen geschmückte maikönigin oder maibraut von einem jüngling geleitet voran, ein blühender maibaum wird vorausgetragen. das lied lautet: voici venir le joli mois , l'alouette plante le Mai, voici venir le joli mois, I'alouette l'a planté. le coq prend sa volée et la volaille chante. s. Monnier culte des esprits dans la Sequanie. auch in Lothringen heißt er joli mâ . In Italien wurden tänze zur frühlingsfeier aufgeführt. Dönniges Heinr. VII. 191. vgl. die schilderung des maifestes in Machiavelli st. fior. 1, 109. 149. in kriegsläuften oder sterbzeiten gelobten altitalische stämme ein ver sacrum d. h. alles im frühjahr geborne und erzeugte. Niebuhr 1, 102. die serbische pfingstkönigin heißt kralitza . Vuk s. v. kralitze. . In den franz. und deutschen erzählenden gedichten des mittelalters werden die großen hofhaltungen der könige auf pfingsten und in die blühende maizeit gelegt, Rein. 41 ff. Iw. 33 ff. und Artus heißt bei Wolfram ›der meienbære man‹, Parz. 281, 16. vgl. pfingestlîcher küniges name Ms. 2, 128 a . Es sind also überhaupt vier verschiedene weisen des sommerempfangs, die wir können gelernt haben. in Schweden und Gothland kampf des Winters und Sommers, feierlicher einzug des letztern. in Schonen, Dänmark, Niedersachsen und England bloßer mairitt oder einholung des maiwagens. am Rhein bloßer kampf zwischen Winter und Sommer, ohne wassertauche verschieden ist also, wenn vor alters alljährlich um lichtmesse (2 febr.) von den Frankfurter knaben und mädchen ein ausgestopftes kleid in den Main geworfen und dazu gesungen wurde; ›Reuker Uder schlug sein mutter, schlug ihr arm und bein entzwei, daß sie mordio schrei‹. Lersners chron. p. 492. das lied lasse ich unerklärt. , ohne den 650 pomp des einreitens. bei Franken, Thüringern, Meißnern, Schlesiern, Böhmen bloßes austragen des winterlichen Tods, ohne kampf und feierliche einführung des Sommers wiewol der gegensatz des Sommers in den böhmischen und lausitzischen liedern oder gebräuchen einigemal deutlich hervorbricht. . Die erste und zweite feier fällt in den mai, die dritte und vierte in den merz. an beiden ersten nimmt das ganze volk theil, in ungeschwächter freude; an beiden letzten nur der geringe, arme stand. Die erste und dritte weise halten aber noch die volle idee des aufzugs, den wettstreit der jahrsgewalten fest, Während die zweite und vierte des gegensatzes entbehren. dem mairitt geht der Winter, dem todaustragen der Sommer ab, dort ist die feier zu fröhlich, hier zu traurig geworden. In allen drei ersten weisen wird aber das gefeierte höhere wesen durch lebendige personen, in der vierten durch eine puppe repräsentirt, doch gleich dieser sind jene fantastisch ausgeputzt. Nun kann sich ein blick noch nach andern seiten hin aufthun. Des kampfs zwischen Vetr und Sumar geschweigen altn. überlieferungen Finn Magnusen, überall geneigt den mythen naturerscheinungen unterzulegen, findet den gegensatz zwischen sommer und winter mehr als einmal in der edda versteckt: in Fiölsvinnsmâl und Harbardsliod (th. 2, 135. 3, 44 seiner edda), in der sage von Oller und Othin bei Saxo (th. 1, 190. lex. 765), in der von Thiassi (lex. 887), weil Ođinn des getödteten riesen augen gen himmel setze (s.  603 ), dem Winter aber die augen ausgestochen werden sollen (s.  638 ); gründlicher scheint mir Uhland (über Thor s. 117. 120) den Thiassi als sturmadler, die geraubte Idunn als das sommergrün (gleichsam ingrün) zu betrachten, doch das wesen dieser göttin liegt uns verschleiert. , wie manches andern, das unter dem volk fortlebte. die älteste mir bekannte spur eines wettkampfes der jahrszeiten unter uns ist jener conflictus hiemis et veris, der sich um den kukuk dreht (s.  563 ). Die idee des einziehenden , heilbringenden, alles neubelebenden sommergottes ist ganz im geist unseres frühsten alterthums: ebenso zieht Nerthus in das land (s.  208 ), Freyr (s.  176 ), Isis (s.  214 ), Hulda (s.  222 ), Berhta (s.  226 ), Fricg (s.  252 ), und andere gottheiten mehr, deren wagen, deren schif das freudige volk jubelnd einholt, wie den wagen des Mai, welchem von alters her, über die bloße personificierung hinaus, êre und strâze (s.  634 ) beigelegt wurde: es muß im heidenthum ein wirklicher dienst für ihn bestanden haben. Alle diese götter und göttinnen erschienen zu bestimmten zeiten des jahrs, eigenthümliche gaben verleihend; der vergötterte Sommer oder Mai darf mit einer der höchsten gottheiten, von denen die gabe der fruchtbarkeit abhängt, völlig zusammenfallen, mit Frô , Wuotan , Nerthus . denkt man aber dabei an göttinnen, so muß außer Nerthus vorzüglich Ostara in betracht kommen. zu dem s.  211 von ihr gesagten kann ich jetzt noch einiges bedeutsame fügen. die 651 heidnische osterfeier berührt sich vielfach mit dem maifest und frühlingsempfang, wie zumal die angezündeten freudenfeuer darthun. nun scheinen unterm volk lange zeiten hindurch sogenannte osterspiele gehaftet zu haben, die selbst die kirche dulden muste, ich meine besonders die sitte der ostereier und des ostermärchens , das die prediger von der kanzel, an christliche erinnerungen geknüpft, zu erzählen pflegten, das volk zu erheitern. ›mînes herzen ôsterspil ‹ oder › ôstertac ‹ ist den mhd. dichtern schmeichelwort für die geliebte, um die höchste wonne und freude auszudrücken (Ms. 2, 52 b 37 b Iw. 8120. Frib. Trist. 804), Conr. Troj. 19802 läßt aus der schönen auge den ›ôsterlichen tac mit lebender wunne spiln‹. Noch später gab es dramatische vorstellungen, unter dem namen ôsterspil (Wackern. lb. 1014, 30). eine hauptstelle gewährt aber das sommer und tanzlied des hern Goeli Ms. 2, 57 a (Haupts Neidh. XXV): zur zeit als auen und werder grünen, treten Fridebolt und seine gesellen mit langen schwertern auf und erbieten sich zum ôsterspil , das ein von zwölfen aufgeführter schwerttanz gewesen zu sein scheint, wobei ein tänzer vortreten und den Sommer vorstellen mochte, der den Winter aus dem land schlug: Fridebolt setze ûf den huot wolgefriunt, und gang ez vor, bint daz ôstersahs zer linken sînet, bis dur Künzen hôchgemuot, leite uns vür daz Tinkûftor, lâ den tanz al ûf den wasen rîten! das anbinden des ôstersahs , des ostermessers, läßt auf beibehalten eines besondern, alterthümlich geformten schwertes schließen; wie die osterfladen , ôsterstuopha (RA. 298) und ostermane in mondform (brem. wb.) ein backwerk, von heidnischen aussehen, andeuten. Das schwert kann der Ostara , wie sonst der Fricka (s.  252 ) zu ehren geschwungen worden sein. doch ist nicht Ôstersahs wie Beiersahs zu fassen? s. Haupts Neidh. XXV. 17. anm. Darf nun Ostara der slav. frühlingsgöttin Wesna , dem litth. wasara (aestas), lett. wassara und dem lat. ver , gr. ἔαρ, nach der s.  629 erörterten form an die seite gestellt werden? freilich mangelt eine gegenüberstehende, der Marzana entsprechende göttin. aber schon sehr frühe muß bei unsern vorfahren die auffassung des widerstreits durch zwei männliche wesen, durch die riesen Sommer und Winter überwogen haben. Griechen und Römern war die sache auch nicht fremd; in einer äsopischen fabel (Cor. 422. Fur. 380) hadern χειμών und ἔαρ untereinander Creuzer symb. 2, 429. 494 macht (nach Hermanns namendeutung) aus dem riesen Briareus einen kämpfenden winterunhold . . Das ver der Römer begann schon mit dem 7 febr., die erste schwalbe traf ihnen ein den 26 febr., während sie bei uns gegen ende merz, in Schweden anfangs mai ankommt Tiedemanns zoologie 3, 624. . 652 die florealien wurden vom 28 apr. bis zum 1 mai begangen, es waren gesänge, tänze, spiele, man trug blumen und kränze auf dem haupt, ein gegensatz des Winters scheint aber nicht dabei vorgestellt worden zu sein. Ich bin nicht unterrichtet, welche frühlingsgebräuche bis auf heute sich in Italien erhalten haben. Polyd. Vergilius (aus Urbino in Umbrien) erzählt (de invent. rer. 5, 2): est consuetudinis, ut juventus promiscui sexus laetabunda cal. maji exeat in agros , et cantitans inde virides reportet arborum ramos , eosque ante domorum fores ponat, et denique unusquisque eo die aliquid viridis ramusculi vel herbae ferat, quod non fecisse poena est, praesertim apud Italos, ut madefiat. also auch wassertauche, ein solches maifest kann dort kein einholen des frühlings sein, der früher im merz erscheint. Viel merkwürdiger ist der italienische und spanische gebrauch, zu mittfasten, auf jene dominica laetare eine puppe zu binden, welche das älteste weib im dorfe vorstellt, von dem volk, zumal den kindern hinausgeführt und mitten entzwei gesägt wird. das heißt segare la vecchia . In Barcelona laufen an diesem tag die knaben zu dreißig oder vierzig durch alle straßen, einige mit sägen, andere mit scheitern, andere mit tüchern in welche man ihnen geschenke legt. sie singen in einem liede, daß sie die allerälteste frau der stadt suchen, um sie, zu ehren der mittfasten durch den leib entzwei zu sägen ; sie thun endlich, als hätten sie die alte gefunden, und beginnen etwas entzweizusägen und hernach zu verbrennen Alex. Laborde itineraire de l'Espagne 1, 57. 58. vgl. Doblados briep. Hones dayb. 1, 369. . Die nemliche gewohnheit findet sich aber auch bei den Südslaven. In der fastenzeit erzählen die Croaten ihren kindern, um die mittagsstunde zersäge man außen vor den thoren ein altes weib Antons versuch über die Slaven 2, 66. ; und in Krain heißt es wiederum, zu mittfasten werde ein altes weib aus dem dorf geführt und mitten durchsägt Linhardts gesch. von Krain 2, 274. . Die Nordslaven nennen es bábu rezati , das altmütterchen sägen, d. h. mittfasten feiern (Jungm. 1, 56). Dies zersägen und verbrennen der alten frau (wie des teufels s.  504 ) scheint nun offenbar identisch mit dem austragen und ersäufen des Tods, und wenn unter ihm der Winter, ein riese verstanden wurde, könnten sich romanische und südslavische völker die hiems, die zima, als göttin oder altes weib (slav. baba) gedacht haben doch ital. inverno, span. invierno männlich. ? Dazu kommt, daß auch in meißnischen, schlesischen dörfern das ausgetragne strohbild zuweilen die gestalt einer alten frau hat (s.  640 ) und darunter jene Marzana (s.  644 ) gemeint sein könnte? Es sollte mich nicht wundern, wenn in bairischen, tirolischen, schweizerischen gegenden ein ähnliches durchsägen der alten frau in Schwaben und der Schweiz hat man aus frônfasten (d. i. den quatembern. Scheffers Haltaus p. 53) eine frau Faste , gleichsam eine personification der fastenzeit gemacht (Stald. 1, 394. Hebel s. v.). sollte jenes entzweischneiden der Mittfaste ein zertheilen der fastenzeit bezeichnen? ich glaube nicht. Was bedeutet die redensart und der gebrauch, dessen ein aufsatz über den cath. aberglauben des 16 jh. (Förstemanns urk. buch des augsb. reichstags von 1530. Halle 1833 d. 101) gedenkt: › der Fasten den hals brechen ‹? Nachtrag: Vier frone vasten . Meinauer naturl. s. 8. in der fronfasten . in den fronfasten . Keiserb. om. 42 c . 43 a . ließ man zu der zeit eine vermummte frau umgehn? Er. Alberus fab. 39 sagt von einer unordentlich gekleideten: sie gieng gleichwie ein fassenacht . die liebe frau fastnacht und den jungherrn von fronfasten . bienenk. 49 b . 653 nachgewiesen würde. Die schottischen Hochländer pflegen auf weihnachten die alte frau ins feuer zu werfen Stewarts popular superstitions p. 236 ff. . Aber auch in Niederdeutschland zeigt sich noch eine andere, nicht weniger zu beachtende, annäherung. oben s.  158 ist der Hildesheimer gewohnheit meldung geschehn, auf sonnabend nach laetare den sieg des christenthums über die heidnischen götter durch ein niederwerfen hölzerner klötze darzustellen. Schon die einstimmende zeit dieser feierlichkeit muß darauf leiten sie jener altpolnischen, und dann auch dem todaustragen an die seite zu setzen; man braucht gar nicht einmal die verdrängung der alten götter mit der vertreibung des Winters in berührung zu bringen. In des Geo. Torquatus (ungedruckten) annal. magdeb. et halberst. part. 3. libr. 1 cap. 9 wird erzählt, daß man zu Halberstadt, wie dort zu Hildesheim, alljährlich auf dem markt einen klotz hingestellt und ihm den kopf abgeworfen habe. einen besondern namen, wie der Hildesheimer Jupiter, führt der klotz nicht; es ist nicht unwahrscheinlich, daß in der richtung dieser beiden städte auch noch an andern orten gleiche sitte herschte. Zu Halberstadt dauerte sie bis auf den markgrafen Johan Albrecht; die älteste nachricht davon gibt der sogenannte pirnische mönch Joh. Lindner (Tilianus, † um 1530) in seinem onomasticon: ›an die stet des abgotstempel, der czu Halberstadt czurüddet, wart auch in gots und sant Steffans ehr ein thumkirche erbawet, des czum gedechtnis sollen daselbst die tumherren jung und alt auf montag letare alle jar einen holzern kegel an stat des abgots aufseczen und darnach allesamb werfen; auch soll der tumprobest in offentlicher procession herlichen soleniteten einen barz (l. baren ) bei im lassen furen, so nicht, wirt im sein gewonliche presenz czu reichen geweigirt; auch tragt im ein knabe nach in der procession unterm arme ein schwert in der scheiden.‹ Das umführen des bären und verabreichen eines bärenbrots ist ein im mittelalter verbreiteter gebrauch, der auch in Mainz (weisth. 1, 533) und Straßburg (Schilter gloss. 102) galt. Diese niedersächsische abwerfung, jene polnische abdankung der alten götter hängt also nicht nothwendig mit dem einbringen des sommers zusammen, so passend es sein würde, das eingeführte christenthum dem milderwärmenden sommer zu vergleichen. ich finde in dem polnischen gebrauch wenigstens keinen solchen bezug ausgesprochen. Dagegen war den Polen die vorstellung des eingebrachten sommers sonst nicht unbekannt. Eine cracauische sage enthält, daß Lel und Polel , zwei göttliche wesen des 654 heidenthums, sich auf dem felde umjagen, und den Sommer bringen ; von ihnen komme der fliegende sommer her hall. allg. lz. 1807 no. 256. p. 807. . man müste die ganze überlieferung genauer kennen, um ihr die rechte stelle anzuweisen. Lel und Polel werden gewöhnlich mit Castor und Pollux verglichen (Linde I. 2, 1250 b ), denen sie wenigstens darin ähnlich sind, daß ihre namen, schon in alten volksliedern, eine bloße interjection abgeben poln. lelum, polelum; serb. lele, leljo, lelja (Vuk s. v.) walach. lerum (vgl. lirumlarum, verba effutitia). Bedenklich scheint es mir, sie für söhne der Lada zu erklären, wie Castor und Pollux söhne der Leda sind. vgl. oben s.  303 . , wie den Römern jene halbgötter eine betheuerung. Fliegenden sommer , flugsommer , sommerflug , graswebe nennen wir die weißen faden, womit im beginn des frühlings, zumal des herbstes die felder bedeckt sind; das frühlingsgewebe heißt auch mädchensommer , Mariengarn, Marienfaden (s.  390 ), das herbstgewebe nachsommer, herbstgarn, alteweibersommer , doch gewöhnlich werden beide arten ohne unterschied mit einem oder dem andern namen belegt. niederd. slammetje (brem. wb. 4, 799) das schleppmädchen?; engl. gossamer (gottes schlepp, schleifendes kleid), auch bloß samar , simar (schlepp). schwed. dvärgsnät (zwergnetz) vgl. s.  390 .; böhm. wlácka (die egge, weil die faden den grund wie eine egge durchstreifen?); poln. lato swieto marćinskie, d. h. Mariensommer. der heiligen jungfrau name scheint auch hier zum ersatz oder zur verdrängung heidnischer begriffe gewählt, und man sieht ein, wie die Slaven das gespinst von einem ihrer götter über die erde gebreitet glauben konnten. Zugleich aber heißt das herbstliche poln. babie lato , alter weiber sommer, böhm. babské leto , oder bloß babj , wobei man sich wieder jenes gegensatzes des alten weibs zum sommer (s.  652 ) erinnere. im winter herscht die alte, im sommer der gott Nachtrag: Geht auf den fliegenden sommer , spinneweppe daz sumers zît im gras ûf grüenen wisen lît.   Albr. v. Halb. 124 b . ein ags. räthsel im cod. exon. 417. 418? auf drei Marien (vgl. anm. 1024 ) wird nach einem italienischen sprichwort das frühlingsgewebe zurückgeführt: ›ve' quant' hanno filato questa notte le tre Marie! ‹ vgl. im indiculus 19: de petendo (? pendulo) quod boni vocant sanctae Mariae. Nemnich s. v. fila divae virginis. Mättchensommer soll Matthiassommer sein, weil er auf Matthiastag erscheint. doch heißt es: de metten hebbt spunnen. Müllenhoff s. 583. Metje aber ist Mathilde vgl. brem. wb. so kommt denn auch Gobelinus de Rodenberg dictus Mechtildesumer vor. Seibertz 2, 286 (a. 1338). aus Matthidia in des Clemens recogn. macht die Ksrchr. 1245 Mehthild. im ind. wird der fliegende sommer maruddhvaġa , Mâruts fahne genannt. Haupts zeitschr. 5, 490. . sollten sich auf das in der luft fliegende gewebe vielleicht die worte des s.  643 angeführten wendischen gesangs deuten lassen? Ich hoffe alter und bedeutsamkeit der vorstellungen von Sommer und Winter gewiesen zu haben, und möchte nur noch eins näher ausführen. Das einkleiden der beiden vorkämpfer in laub und blumen , in stroh und moos , ihre wahrscheinlich geführten wechselreden, der zuschauende begleitende chor zeigen uns die ersten rohen behelfe dramatischer kunst, und von solchen aufzügen müste die geschichte des deutschen schauspiels beginnen. die laubhülle vertritt den kleiderschmuck und die larven späterer zeit. schon oben s.  493 . 494 beim feierlichen umgang nach dem regen sahen wir solches laubkleid. Die volkssitte bietet eine menge abänderungen dar, hier hat sie ein stück, dort ein anderes des älteren ganzen bewahrt. In der niederhessischen grafschaft Ziegenhain, bei Willingshausen, wird ein knabe über und über mit laub bedeckt , grüne zweige sind ihm an den leib gebunden: andere 655 knaben haben ihn am seil und lassen ihn als bären tanzen, dafür wird eine gabe gereicht; die mädchen tragen einen bügel mit blumen und bändern ausgeziert. merkwürdig, daß auch bei jenem kegelabwerfen zu Halberstadt (s.  653 ) ein bär und knabe mit schwert (vgl. oben s.  252 ) in procession erschien, Vildifer, ein held in bärenhaut verkleidet, wird von einem spielmann herumgeführt und tanzt zur harfe Vilk. saga cap. 120. 121; nicht zu übersehn, daß ihm der spielmann den namen › vitrleo ‹ (kluger löwe) beilegt, was offenbar › vitrbiörn ‹ heißen sollte. denn ein bär hat zwölf männer verstand (Reinh. p. 445), der volksmäßige wird mit dem gelehrten thierkönig verwechselt. . sicher eine uralte dramatische vorstellung, die wir besser beurtheilen könnten, wäre das mnl. gedicht von bere Wislau horae belg. 1, 51. Mone nl. volkslit. s. 35. 36. vgl. Wenezlan altd. bl. 1, 333. Wislau ist das slav. Weslav, Waslav (Wenzel). erhalten, der name Vildifer scheint sich auf ein alts. Wildefor zu gründen, das aus ahd. Wildpero durch misverstand entsprang (pero ursus mit pêr aper verwechselnd), da hier nur ein tanzender bär, kein eber gemeint sein kann. der bär aber stimmt deutlich mit dem gadebasse des dän. maifestes (s.  647 ). Schmid (schwäb. wb. 518 b ) gedenkt des Augsburger wasservogels : ein junge, von kopf bis auf die füße mit schilfrohr umflochten , wird zur pfingstzeit von zwei andern, die birkenzweige in händen halten, durch die stadt geführt. wieder eine feier im mai, nicht im merz. daß dieser wasservogel in den bach oder fluß getaucht werden soll, zeigt sein name; ob aber hier der Sommer statt des Winters stehe, ob der schilfknabe den winter, ein andrer laubknabe vielleicht den Sommer bedeute, oder der verkleidete regen erwirken solle? lasse ich unentschieden. Auch thüringische bräuche weisen auf die pfingstzeit: dort wählen sich die dörfer am dritten festtag den grünen mann oder lattichkönig ; ein junger bauer wird in den wald geleitet, in grüne büsche und zweige gehüllt , auf ein pferd gesetzt und jubelnd zurückgeführt. im dorf steht die gemeinde versammelt: der schulze muß dreimal rathen, wer in der grünen hülle verborgen sei? fehlt er, so hat er sich mit bier zu lösen reichsanz. 1706 no. 90. p. 947. der hirt, der den 1 mai am frühsten auf die alpe treibt, hat für das ganze jahr ein vorrecht erlangt. . Anderwärts wird schon am ersten pfingsttage der knecht, der sein vieh am spätesten zur weide treibt, in tannen und birkenzweige gehüllt und unter lautem geschrei › pfingstschläfer, pfingstschläfer! ‹ durch das dorf gepeitscht. abends folgen bierzechen und tänze. Im Erzgebirge klatscht der am ersten pfingsttag zuerst austreibende hirte mit der peitsche, der zuletzt erscheinende wird verlacht und › pfingstlümmel ‹ gescholten: so auch in jedem haus, der zuletzt im bette angetroffene. Das verschlafen der hehren festlichen zeit (vgl. s.  490 . 495 ) und die damit verbundne strafe, den butzen zu agieren, der ins wasser getaucht wird, scheint mir nur nebensache, welche man, nachdem die hauptfeier untergegangen war, zulängst aufrecht hielt Nachtrag: In England wird am 1. mai das hobbyhorse umgeführt, dabei auch ein bär. Haupts zeitschr. 5, 474. vgl. den erbesbär. Sommer s. 155. 156. pingsterbloemen , pinksterblomen heißen die feierlich umziehenden zu Jever. Strackerjan s. 76 und in Westfalen. Firmen. 1, 359. der pfingstschläfer wird pfingstlümmel gescholten auch in Mones schausp. 2, 371, in Schlesien rauchfihs . Berl. jahrb. 10, 224. in Russland wird der langschläfer auf palmsonntag mit ruten gestraft. Kohls Russland 2, 186. über taudragil s. GDS. 509. . 656 Sorgfältige kunde von den märkischen pfingstbräuchen hat uns neulich Kuhn s. 314–29 verschaft. in der Mittelmark werden die häuser mit maien geschmückt, in der Altmark ziehen knechte, pferdehirten und ochsenjungen auf den höfen um und tragen den bauern maikronen aus blumen und birkenzweigen gefertigt zu, die man an den häusern aufhieng und bis zum folgenden jahr hängen ließ. am pfingstmorgen werden kühe und pferde zuerst auf die brachweide ausgetrieben und es gilt, der erste dort zu sein. dem thier, das zuerst auf der weide anlangt, wird ein maienbusch an den schwanz gebunden und dieser busch heißt dausleipe dieser ausdruck davon hergenommen, daß der angebundne maibusch herab bis auf das thauige gras reichen muß, rechtfertigt meine deutung des alamann. taudragil (RA. 94. 630), vgl. anm. 1957 . , wessen thier aber zuletzt eintrift, das wird mit tannenreis, allerlei grün und feldbumen ausgeputzt, und heißt die bunte kuh oder das bunte pferd , der dazu gehörige junge der pingstkääm oder pingstkäärel . In Havelberg wurde die erste kuh abends beim heimtreiben mit der blumenkrone geschmückt und die letzte bekam die thauschleife , jetzt geschieht nur dieses an einigen orten wird auf dem kopfe des geschmückten pferds ein mit den schönsten blumen reich umwundner dreispaltiger stock angebracht; der pferdejunge, der es besteigt, erhält außer vielen kränzen eine aus binsen geflochtne kopfmütze aufs haupt und er muß, während der zug langsam fortschreitet, strengen ernst behaupten. kann ihn einer zum lachen reizen, so hat er verloren. Kuhn s. 328. . einige altmärkische dörfer nennen den jungen, dessen pferd zuerst auf die weide kommt, thauschlepper , und der sein pferd zuletzt austreibende wird zum bunten jungen gemacht, d. h. vom kopf bis zu den füßen mit feldblumen behangen , mittags führen sie dann den bunten jungen im dorfe von hof zu hof und der thauschlepper spricht die reime. Anderwärts wird eine mit blumen und bändern geschmückte stange, die bammel oder der pingskääm geheißen, umgetragen, doch gewöhnlich bezeichnet letzteres den mit auftretenden in laub und blumen gehüllten knaben. zuweilen führen ihn zwei andere, welche hundebrösel heißen. in einigen theilen der Mittelmark heißt der verhüllte knabe das kaudernest . Am Drömling ziehen die jungen mit dem pingstkääm , die mädchen mit der maibraut um und sammeln gaben. Noch ausgebildeter ist der gebrauch in einigen dörfern auf der südseite des Drömlings. am weißen sonntag (14 tage vor ostern) ziehn die hirtenjungen mit weißen stöcken (oben s.  638 ) zur weide und stecken mit diesen einen fleck ab, auf den dann niemand bis zum pfingstfest sein vieh treiben darf beim ausstecken dieser brachweide müssen an einigen orten die neuen jungen (die zum ersten mal hüten) knochen herbeischaffen, womit die äste einer aufgerichteten tanne besteckt werden. die spitze des baumes ziert ein pferdeschädel und der baum heißt der knochengalgen (Kuhn s. 323. 324). offenbarer überrest eines heidnischen opferbrauchs, man vgl. das aufrichten der thiere an bäumen s.  43 . 62 . 63 , zumal der pferdehäupter s.  38 . 39 ; auch der knochenberg des guten Lubbe kommt in betracht (s.  435 ). . nachdem dies geschehen ist, nennen nun die 657 kleinern den größern ihre braut diesem nennen der bräute gleicht das lehnausrufen auf Walburgisabend in Hessen, am Niederrhein, an der Ahr und der Eifel. zeitschr. f. hess. gesch. 2, 272–77. Dieffenbachs Wetterau s. 234. Ernst Weyden das Ahrthal, Bonn 1839 s. 216. Wer erinnert sich hier nicht des altn. heit strengja zur julzeit? wobei die helden auch ihre geliebten wählten, z. b. Sæm. 146 a heißt es: Heđinn strengdi heit til Svavo. , und keiner darf den namen verrathen bis auf pfingsten, wo die abgesteckte weide wieder frei wird und jeder die namen der bräute sagen kann. am zweiten pfingsttage wird einer von den jungen verkleidet , und zwar so daß ihm zwei weiberröcke umgegeben werden, deren einen sie ihm über den kopf nehmen und zubinden, dann hüllen sie ihn in maien , hängen ihm blumenkränze um den hals und setzen ihm eine blumenkrone aufs haupt. dieser heißt der füstge mai (der zugerüstete, bereite mai) und mit ihm wird vor alle häuser gezogen, zu gleicher zeit aber führen die mädchen die maibraut um, die ganz bebändert ist, so daß ihr hinten das brautband zur erde herab hängt, auf dem kopfe trägt sie einen großen blumenstrauß und singt nun reime so lange bis ihr eine gabe verabreicht wird. Andere dörfer halten auf den zweiten pfingsttag wettrennen zu pferde nach einem ausgesteckten kranz. wer diesen beidemale herunterreißt wird gekrönt und jubelnd als maikönig ins dorf geführt. Eine im 13 jh. verfaßte schrift des Aegidius aureae vallis religiosus erzählt den niederländischen brauch eine pfingstkönigin zu wählen, zur zeit des bischof Albero von Lüttich († 1155): sacerdotes ceteraeque ecclesiasticae personae cum universo populo in solemnitatibus paschae et pentecostes aliquam ex sacerdotum concubinis purpuratam ac diademate renitentem in eminentiori solio constitutam et cortinis velatam reginam creabant , et coram ea assistentes in choreis tympanis et aliis musicalibus instrumentis tota die psallebant, et quasi idolatrae effecti ipsam tanquam idolum colebant . Chapeaville 2, 98. In Holland pflegen noch heute zur pfingstzeit arme weiber ein mädchen auf einem kleinen wagen sitzend umzuführen und geld zu betteln. dies mädchen mit blumen und bändern geziert, heißt pinxterbloem und gemahnt an die umziehende alte göttin. pinxterbloem ist auch name der um dieselbe zeit blühenden iris pseudacorus, und die schwertlilie ist, wie nach der Iris, noch sonst nach göttern benannt (perunika s. 153). Den zaterdag vor pfingsten gehn frühmorgens die knaben aus und wecken mit großem geschrei und lerm die faulen schläfer, denen sie ein gebund nesseln an die thür hängen. sowol der tag als der verschlafene heißt luilap oder luilak (faulenzer). wecken galt auch vom sommer (s.  638 ). Aus allem geht hervor, daß der eintritt des sommers dem alterthum eine heilige zeit war, die durch opfer, feste und tänze bewillkommt wurde, das leben des volks manigfach regelte und erheiterte. von den osterfeuern, die mit den maifeuern nah 658 zusammenhängen, ist berichtet, der feierlichen versamlungen in der mainacht soll noch im cap. von den hexen nähere meldung geschehn. bräute wurden um diese zeit erkoren und ausgerufen, dienste gewechselt und gemietete häuser bezogen. Hiermit schließt die abhandlung des sommers und winters, d. h. der mythischen bezüge, welche die beiden hälften des jahrs gewähren. Auf erörterung der zwölf sonnenmonate oder dreizehn mondsmonate auf alte mondjahre deutet die benennung des mondes ârtali (s.  592 ). kann ich jetzt nicht eingehn, sie würden übermäßig raum kosten und ich verspreche sie anderswo nachzuholen. nur das sei gesagt, daß auch ein guter theil unsrer monatsnamen mit den gottheiten des heidenthums in verbindung steht, wie aus der gleichstellung des Mai mit dem sommer folgt und in bezug auf Hrede (merz) und Eastre (april) schon s.  240 bemerkt wurde. Phol , der seinen Pholtag hatte (s.  511 ), scheint auch einen Pholmânôt (mai und september) zu beherschen, vgl. Diut. 1, 409. 432 und Scheffers Haltaus 36. die wochentage mögen unsre vorfahren nach römischem muster geordnet und genannt haben (s.  105 ); die namen der genannten drei monate sind von lateinischem einfluß unabhängig Martius bezieht sich auf Mars und in Aprilis muß eine frühlingsgottheit, vergleichbar der Ostara, stecken, Majus gehört zu Maja, einer göttermutter. gerade diese drei monate hinter einander schließen sich im lat. calender, wie bei uns, an gottheiten. . merkwürdig ist bei Deutschen und Slaven die anwendung eines namens auf zwei nacheinander folgende monate, so daß z. b. bei den Angelsachsen von einem ærra und äftera geola, ærra und äftera lîđa oder bei uns von einem großen und kleinen horn (jan. und febr.) die rede ist, ja neben dem ougest erscheint eine ougstin, neben dem gott eine göttin; ich traue selbst sprüchen, die sich unter dem volk von einzelnen monaten fortgepflanzt haben, mythischen gehalt zu, so heißt es von dem februar: ›die spörkelsin hat sieben kittel an, immer einen länger als den andern, die schüttelt sie‹, d. h. erregt wind damit. sporkel wird bekanntlich zurückgeführt auf die römischen spurcalien. 659 Cap. XXV. Zeit und Welt. Im vorigen cap. haben wir mythen erwogen, die sich auf den wechsel der zeit, auf erscheinungen des jahrs beziehen. unsere sprache gibt mehrfache übergänge aus dem begriffe der zeit in den des raums an hand. Ulfilas verdeutscht χρόνος, καιρός und ὥρα abwechselnd durch mêl , hveila , þeihs , dergestalt daß mêl gewöhnlich χρόνος oder καιρός, selten ὥρα, hveila meistens ὥρα, seltner χρόνος und καιρός, jenes also lieber den längeren, dieses den kürzeren zeitabschnitt auszudrücken hat. mêl , ahd. mâl , ags. mæl , altn. mâl , eigentlich zeichen, maß wird sowol auf gemessene schrift oder rede als auf das zeitmaß angewandt, hveila hingegen, ahd. huîla , mhd. wîle , ags. hvîl , (oben s.  585 ) bedeutet ruhe, es ist ein bloßer zeitbegrif, während mêl vom raum auf die zeit übertragen wurde. þeihs (neutr. gen. þeihsis) begegnet nur zweimal, Rom. 13, 11 vitandans þata þeihs, þatei mêl ist, εἰδότες τὸν καιρόν, ὅτι ὥρα und 1 Thess. 5, 1 bi þô þeihsa jah mêla, περὶ τῶν χρόνων καὶ τῶν καιρῶν; da in beiden stellen mêl daneben steht und für καιρός, þeihs aber für χρονός gesetzt wird, so leuchtet ein, daß sich letzteres noch mehr als mêl für den größeren, volleren begrif eigne und genauer zu ordnen sei: þeihs χρόνος, mêl καιρός, hveila ὥρα. þeihs leite ich von þeihan (crescere, proficere, succedere), wie veihs gen. veihsis (propugnaculum) von veihan (pugnare), so daß es profectus, successus, die vorschreitende, fortrückende zeit ausdrückt und dem ahd. dîhsmo, dêhsmo (profectus), wahrscheinlich auch dem ahd. dîhsila (temo), ags. þîsl, nhd. deichsel nahe liegt, man darf ein goth. þeihslo, þeihsla (temo) vermuten, das geräth scheint eben davon geheißen, daß an ihm der wagen vorschreitet und fortgezogen wird. scharfsichtig vergleicht Schm. 4, 294 têmo mit tempus, an der himmlischen deichsel (s.  604 ) gewahrt sich das vorrücken der nächtlichen zeit (Varro 7, 72–75) und þeihsla ist ein maß wie das allgemeinere þeihs. wäre auch die berührung der lat. wörter noch zweifelhaft, die der beiden goth. kann es kaum sein. Da nun aber dem goth. þeihs in unsern übrigen dialecten nichts entspricht, umgekehrt das ahd. zît , ags. tîd , altn. tîđ der goth. sprache fremd schiene, so liegt es, bei übereinkunft des begrifs, nahe zu mutmaßen, daß diese letzten formen auf einer 660 vermischung des goth. þeihan (crescere) und teihan (nuntiare) beruhen, folglich das ags. tîd für þîd, das ahd. zît für dît stehe; dazu ist das ahd. zît, wie þeihs, meistens neutral, das weibliche zît, ags. tîd würde ein goth. þeihaþs begehren. aus goth. þeihs hätte freilich ahd. dîhs oder dîh (wie aus veihs wîh) werden müssen, daß aber hier noch andere ableitungen walteten, zeigt uns das altn. tîmi (tempus, hora), wozu ich jenes ahd. dîhsmo, folglich ein goth. þeihsma halte. nach diesem allem würde sich das lat. tempus (und têmo?) richtig stellen zu goth. þeihsma ahd. dîhsmo in dîhan, dîhsmo blieb D, in zît entartete es. gerade so wurde aus goth. þvahan erst organisches ahd. duahan, dann aber tuahan, nhd. zwagen; aus alts. thuingan erst ahd. duingan, hernach tuingan; nhd. zwingen. um eine stufe weniger verrückt sind ahd. zi für goth. du, nhd. zwerg für altn. dvergr, mhd. twerc. Nachtrag: Wîle, stunde . Graff 4, 1224, zît , wîle , stunde . Uolrich 1554, stund , weil , zeit . Wolkenst. 161 werden neben einander genannt. nhd. zeit und weile wird mir lang. auch mit einem zahlwort kommt wîle vor: unz drîe wîle kômen hin. Servat. 2652. wie den alten χρόνος ein gott war und bei Tommaseo 3, 15 Καιρός ein alter greis heißt, erscheint auch diu wîle persönlich vgl. wîlsaelde s.  720 . 715 . der wîle nîgen . MSH. 1, 358 a . undanc der wîle sagen . Kl. 274. gêrt sî diu wîle und dirre tac! Parz. 801, 10. saelic wîle, saelic zît. MSH. 1, 296 a . vgl. ags. sael felicitas und tempus opportunum. gistuant thera zîti guati , instabat tempus. O. IV. 9, 1. vgl. die güete des sommers s.  634 . vor allem wird der zeit ein gehen, kommen, schreiten, herannahen, heranrücken, bevorstehen und eintreten beigelegt. skr. amasa zeit, von am gehen. Bopp vgl. gr. s. 491. 492. lit. amźis, armor. amzer , kymr. amser , ir. am . lat. seculum stammt von sec gehen, skr. sać aus sak, sequi (oder von secare? vgl. Pott 2, 588). ahd. dîhsmo , das mit goth. þeihs zusammengestellt ist, bedeutet processus, successus, fortgang. Graff 5, 111. mnl. heißt tiden ire. lekensp. 622. gramm. 1, 978. diu wîle hete sich vergangen . Osw. 3443. die tît ghinc vort . Maerl. 2, 364. þâ seo tîd gevât ofer tiber sceacan . Cædm. 9, 1. thô ward thiu tîd cuman . Hel. 3, 14. 23. 24. 25, 22. ein paar stunden kommen ins land . C. F. Weise lustsp. 3, 198. es giengen nicht drei tage ins land . Iucundiss. 36. ehe zwei jahre ins land gehen. pol. maulaffe. 4. thiu tîd was ginâhit . Hel. 121, 21. nâhtun sih thio hôhun gizîti. O. IV. 8, 1. zît wart gireisôt . O. I. 4, 11. swie sich diu zît huop . Tit. 88, 4. die tît, die nooit noch ghelach . Rose 353. weil jetzt die zeit beigeneigt . Eichst. hexenpr. 85. thio zîti sih bibrâhtun . O. III. 4, 1. thô sih thiu zît bibrâhta . O. IV. 1, 7. dô sik de tîd brâchte. Sachsenchron. 205. dô sik brâchten dusent und twehundert jâr. das. 226. forđ baeron tîd (es steht baero). Cædm. 8, 31. nie sich diu zît alsô getruoc . Trist. 13, 34. sik hadde de tîd gedragen . Sachsenchron. 213. nhd. was die künftigen zeiten mit sich brächten . irrg. d. liebe. 248. die zeit bringts . . Gleich hveila enthält auch das ahd. stulla und stunt , stunta , ags. altn. stund die vorstellung der ruhe und gehört zu stilli (quietus), standan (stare), umgedreht ist das lat. momentum (f. movimentum) von dem bewegen hergenommen zahladverbia der wiederholung drückt unsre sprache sowol durch stunt als mâl , aber auch durch andere raumbegriffe aus (gramm. 3, 230). . kürzeste zeitdauer pflegen wir durch augenblick zu bezeichnen, Ulf. überträgt Luc. 4, 5 ἐν στιγμῇ χρόνου in stika mêlis, im stich der zeit, in ictu temporis, 1 Cor. 15, 52 ἐν ῥιπῇ ὀφϑαλμοῦ in brahva áugins, brahv ist blick, blitz, micatus, ags. tvincel, und von braíhvan (micare, lucere) ahd. prëhan, mhd. brëhen vom mhd. brëhen ist außer dem inf. Ms. 1, 47 a 185 a Gudr. 1356, 2 nur das part. präs. sicher: ougebrehender klê Ms. 1, 3 b brehender schîn 2, 231 a , denn das prät. brach Ms. 2, 52 a Bon. 48. 68 könnte aus brechen gedeutet werden, vgl. tagesanbruch (s.  623 ), doch mögen beide verba selbst verwandt sein. ahd. erscheint das part. prät. in prëhanougi (lippus), einer zusammensetzung, die wie zoranougi (gramm. 2, 693) gebildet ist. das goth. brahv verbürgt uns nun die vollständigen formen braíhva, brahv, brêhvum (wie saíhva, sahv, sêhvum). doch statt des adj. braíhts (splendidus) zeigt sich schon die goth. umstellung baírhts, ahd. peraht, ags. beorht, altn. biartr; unsre Perahta hieß aber noch später Prehta, Brehte (s.  230 . 232 ) und auch in andern eigennamen z. B. Albrecht und Albert schwanken beide formen. abzuleiten. ags. on beorhtmhvîle , von bearthm ictus oculi, on eágan beorhtm . Beda 2, 13; altn. î augabragđi (vgl. Sæm. 11 b 14 a 19 b . ahd. in slago dero brâwo N. ps. 2, 12, im schlag der augbraue, vgl. slegiprâwa palpebra (Graff 3, 316), ›antequam supercilium superius inferiori jungi possit‹. Caesar. heisterb. 12, 5; ›mînre wîlen dan ein oucbrâ zuo der andern muge geslahen‹. Grieshaber s. 274; ›als ein oucbrâ mac ûf und zuo gegên‹. Berth. 239; ›ê ich die hant umbkêrte oder zuo geslüege die (vielleicht besser diu) brâ‹. Er. 5172; ›alsô schier sô ein brâwe den andern slahen mac‹. fundgr. 1, 199 darf man brâwe, ahd. prâwa, altn. brâ aus brëhen leiten? die im text angeführte formel könnte den grund dazu aufschließen. dann stände ahd. prâwa für prâha und goth. wäre brêhva zu erwarten? aber dem sanskr. bhrû, gr. ὀφρύς gienge die lebendigkeit des deutschen worts ab. Nachtrag: Stunde steht früher mehrfach für zeit: jâ gie in diu stunde mit grôzer kurzwîle hin. Nib. 740, 4. nâch des merzen stunden . Gudr. 1217, 3. das alts. weroltstunda aber bedeutet mundus. Hel. 76, 5. 159, 11. der augenblick wird auch mnl. bezeichnet durch ›en stic ‹. Rose 1952 und durch die wendungen: biz man geruorte die brâ. Servat. 342. biz ein brâ die andern ruorte. das. 3459. alsô schiere diu ober brâ die nideren gerüeret. Haupts zeitschr. 2, 213. . 661 Lange dauer der zeit drücken uns wiederum verschiedne wörter aus. goth. áivs (masc.) ahd. êwa (fem.), gr. αἰών, lat. aevum , mit übergang in den begrif von seculum, altfranz. aé (oben s.  565 ), das alts. eo (masc.) bezeichnet bloß statutum, lex, wie jenes goth. mêl scriptura und tempus. goth. alþs (fem.) bald αἰών (Eph. 2, 2. I Tim. 1, 17. II Tim. 4, 10) bald βίος oder γενέα; altn. öld ; ahd. mit weiterer ableitung altar (aevum, aetas), doch dauert auch das einfache wort in der zusammensetzung wëralt (assim. worolt, mhd. werlt , nhd. welt, ags. vërold , engl. world , fries. wrald , altn. vërald , vëröld , schwed. werld , dän. verd ); die geläufigkeit des worts hat seine vielfache entstellung herbeigeführt als es verdunkelt war suchte man andre deutungen. Maerlant im beginn des sp. hist. ›die de werelt êrst werrelt hiet, hine was al in dole niet. Adam die werelt al verwerrede ‹. wenn ich nicht irre, sind auch mhd. dichter, z. b. Renner 2293, auf diese ableitung von werren (impedire, intricare) gerathen. gleich falsch hat man an wern, währen, durare oder ein vorgebliches werlen (sich im kreis drehen) gedacht. werô alt (virorum aetas) könnte allerdings als gegensatz zu einem vorausgegangenen risônô alt (gigantum aetas) aufgefaßt werden. , die goth. bei Ulf. abgehende form würde vaíralþs oder vaírê alþs (virorum aetas, hominum aetas) lauten, aetas, zeit gehen über in den räumlichen gedanken von mundus, gerade wie seculum, siècle gleichbedeutig werden mit mundus, monde. Wir sahen s.  477 , daß die gr. mythologie ein goldnes , silbernes , ehernes und eisernes zeitalter unterscheidet, und diese weit verbreitete vorstellungsweise unser mittelalter, das sonst die Welt gleich dem Tod personificiert, vereint die verschiednen weltalter in einer bildseule , deren haupt golden, die arme silbern, die brust ehern und eisern, die füße irden waren, Ms. 2, 175 b ; eine andere fassung gibt dem bilde goldnes haupt, silberne brust und arme, ehernen bauch, stählerne hüfte, eiserne beine, irdene füße. Ms. 2, 225 a ; eine dritte goldnes haupt, silberne arme, eherne brust, kupfernen bauch, stählerne hüfte, irdene füße. Amgb. 27 b . diese aus Daniel 2, 31–43 entnommne zusammensetzung erinnert doch an alte götzenbilder, die von verschiednem metall geschmiedet waren, aber auch an Hrûngnir mit dem steinherzen und an Möckrkâlfi, der aus lehm gebildet und dem einer stute herz eingesetzt war. Sn. 109. Hugo im Renner 13754 redet von einer stählernen, diamantnen, kupfernen, hölzernen und ströhernen welt. scheint auch dem Norden nicht fremd geblieben. Snorri 15 nennt gullaldr die zeit, in welcher die götter alles ihr geräthe aus gold schmiedeten, und läßt sie erst durch ankunft der riesinnen aus Iötunheim unterbrochen werden. hätte er dieses goldalter der classischen ansicht abgeborgt, so würde er auch die übrigen metalle in der nord. sage nachzuweisen bemüht gewesen sein man darf bei goldalter an Frôđi denken, der gold und frieden malen ließ. finnisch: zu Ukkos zeit wurde gold in den mülen gemalen, von den eichen trof honig, in den flüssen floß milch (vgl. oben s.  580 ). Ganander 98. . aus Völuspâ (Sæm. 8 a ) ist aber zu ersehn, daß weiter von einer skeggöld (vgl. s.  349 ), skâlmöld , vindöld und vargöld , die dem weltuntergang vorausgehn sollen, geredet wird. Ulfilas, um κόσμος zu verdeutschen, wechselt und oft unmittelbar hintereinander mit den beiden ausdrücken faírhvus und 662 manasêþs ; sie müssen eins wie das andere den Gothen geläufig gewesen sein. manasêþs stets mit einfachem N, wie auch in manamaúrþrja, manariggvs, manags, manáuli und nicht anders im ahd. manahoupit, manaluomi, manac, vgl. mhd. sunewende (s.  513 ). den grund dieser erscheinung wird die grammatik erörtern. bedeutet virorum satus (menschensaat) und wird dann wieder für λαός und κόσμος verwendet, kommt also mit dem entwickelten begrif von weralt ganz überein. faírhvus halte ich für nahverwandt dem ahd. fërah, ags. feorh, mhd. vërch, so daß es wiederum ausdrückte: lebenszeit, jenes aevum; auch gehört dazu der ahd. pl. firahî (homines); faírhvus wäre coetus hominum viventium, dann der raum, in dem sie leben. abseits liegt faírguni (erde, berg) Nachtrag: Voss Luise p. m. 220 leitet gar nicht übel die welt oder werlt von werlen, umdrehen ab. die Welt wird öfter angeredet von Walther 37, 24. 38, 13. 122, 7. die weltalter heißen skr. juga , deren beide letzten und verderbten sind Dvâparas und Kalis . Bopp. Damaj. s. 266. statt des weltalters werden die darin lebenden menschen selber golden genannt. Lucian. Saturn. 8. 20 (ed. bip. 3, 386). vgl. unser Schlaraffenland. GDS. 1. 2. ähnlich bedeutet der plur. von lôka mundus im skr. homines und ahd. ags. wird, dem mittilgart entsprechend, den ferah, feorh ein mid vorgesetzt, also: ahd. midfiri , mittiverihi , ags. midfeorve . manasêþs mag entsprechen dem edd. alda ve iarđar . Sæm. 23 b populorum habitaculum, terra ab hominibus inhabitata (F. Magnus. s. 255 note), dem entgegen steht ûtve  = ûtgarđar, gigantum habitacula. häufig wird auch das gal. siol semen für leute, menschen gebraucht. . Wie κόσμος eigentlich die geordnete, im maß gehaltene, mundus die reine, geschmückte, glänzende welt aussagt, und in den fries. gesetzen 126, 26 ›thi skêne wrald‹ gesagt wird; so ist auch den Slaven svjet , svet , swiat erst licht, glanz, helle, dann welt, das ofne, öffentliche etwas ans licht geben, der welt mittheilen, serb. na svijet izdati. , gleichsam alles was die sonne bescheint und erleuchtet, was ›unter der sonne‹ nach diesem › sub sole ‹ im prediger Salom. 1, 3. 2, 22 scheint der lettische name pasaule gebildet. › under disem wolken ‹ Rol. 9, 31. ist. auch im walach. bezeichnet lume , im ungr. világ beides licht und welt. von der slav. sprache entlehnt ist das litth. swietas , altpr. switai , welt. gleich dem lat. mundus geht das slav. svjet über in den begrif von seculum, vjek (Dobrowsky inst. 149). Die älteren Slaven gebrauchten aber für welt mir und ves'mir (Dobr. 24. 149). mir bedeutet sonst friede, ruhe, und scheint verwandt mit mira, mera, maß, ordnung? Den Finnen heißt die welt maa'ilma , den Ehsten ma ilm , von ilma leerer luftraum und maa erde, den Lappen ilbme . Altn. heimr , mundus, domus, verwandt mit himinn, himil (s.  582 ), wie das lat. mundus auf beides welt und himmel geht; heimskrîngla , orbis terrarum. Ulf. gibt οἰκουμένη Luc. 2, 1. 4, 5. Rom. 10, 18 durch midjungards , dem das ags. middangeard (Cædm. 9, 3. 177, 29. Beov. 150. 1496) ahd. mittingart Is. 340. 385. 386. 408. fragm. theot. 17, 6. mittigart fragm. theot. 17, 3. 20, 20. 25, 9. mittiligart gl. Jun. 216. T. 16, 1. mittilgart T. 155, 1. 178, 2. 179, 1. alts. middilgard entspricht; altn. miđgarđr Sæm. 1 b 45 b 77 b 90 a 114 b 115 b Sn. 9. 10. 13. 45. 61; noch ein schwed. volkslied 1, 140 hat medjegård . altengl. middilerd , medilearth , wie das gr. μεσογαία. Fischart setzt Garg. 66 a mittelkreiß . wir sahen (s.  464 ), daß miđgarđr nach der nordischen vorstellung aus Ymirs brauen erschaffen und den menschen zur wohnung bestimmt wurde. Die ganze, gewis uralte, zusammensetzung ist darum so merkwürdig, weil sie unsern frühsten sprachdenkmälern gemäß und zugleich genau eddisch ist. Außerdem heißt aber auch, in ähnlicher einstimmung, die welt altn. Oegisheimr Sæm. 124 b 125 a , mhd. mergarte Annolied 444. Rol. 106, 14. Kaiserchr. 501. 6633. 663 Karl. 38 b , d. i. die vom ocean, vom meer umflossene, vgl. goth. marisáivs (ocean) und ahd. merikerti (aetherium) jenes finnische ilma? nach Festus war mundus sowol coelum als terra, mare, aer. Diut. 1, 250. Endlich ahd. woroltring O. II. 2, 13. III. 26, 37. IV. 7, 11. V. 1, 33. 19, 1. erdring O. I. 11, 47. mhd. erdrinc Mar. 198. 199. orbis terrarum Graff 4, 1163. Nach der edda windet sich eine ungeheure schlange , der miđgarđs ormr , um den erdkreis, umgiörđ allra landa; offenbar das weltmeer. Als Alexander, der sage zufolge, von greifen hoch in die lüfte getragen wurde, schien ihm das meer gleich einer schlange sich um die erde zu flechten. Jene, allen göttern verhaßte (sû er gođ fia. Sæm. 55 a ) weltschlange war aber kind des Loki, bruder des Fenrisûlfr und der Hel; sie hieß Iörmungandr (Sn. 32), die große, göttliche (vgl. s.  291 ) und sperrt, gleich der Hel, ihren rachen (Sn. 63) Nachtrag: Skr. lôka mundus von lôč lucere? vgl. lat. locus, lit. laukas campus. disa scônûn werlt übersetzt bei N. Bth. 147 das lat. pulcrum mundum. drei welten gab es auch nach altindischem glauben: himmel, erde, hölle. Holtzmann ind. sag. 3, 121. madhjama lôka , medius mundus = terra, quippe quae inter coelum et infernum . Bopps gloss. 256 b . auch kurzweg Madhjama wird sie genannt. Pott 2, 354. so auch theilten die Griechen die welt in οὐρανός, γαῖα, τάρταρος. Hesiod. theog. 720. vgl. zu 672. ist altn. heimr terra, himinn coelum, heimir infernus? heimr bildet einen gegensatz zu hel. Sæm. 94 b . liggja î milli heims ok heljar. fornm. sög. 3, 128 bedeutet: bewustlos sein. O. V. 25, 95. 103. stellt neben einander: in erdu joh in himile , in abgrunde ouh hiar nidare. unterschieden von midjungards die erde ist das goth. miþgards , medium in miþgardavaddjus, μεσότοιχον. Ephes. 2, 14. this myddelerde . Alisaunder s. 1. iz thisu worolt lêrta in mittemo iro ringe . O. IV. 19, 7. ertrinc . Diemer 118, 23. 121, 1. der irdiske ring . Mar. 191, 16. die erde heißt diu gruntveste . Rother 3651. ahd. cruntfesti fundamentum. Graff 3, 718. daz bû (die welt) vergieng. Wolkenstein. 180. im mittelpunkt der welt liegt ein alter stein , darunter die meßkette. Temme Altmark. s. 33. vgl. den nabelstein s.  673 . andere ausdrücke sind: der maere meregarte . Karajan 22, 15. der irdiske gibel . Mar. 156, 40. daz irdiske tal. das. 174, 34. Der weltschlange soll Thôrr das haupt mit hammerwurf abgeschlagen haben. Sn. 63. Fischart gesch. kl. 31 b noch sagt: als Atlas die erdkugel auff die ander achsel wolt abwechseln, zu sehn was der groß visch thet, darauff die welt stehn soll. vgl. Leviathan s.  834 . . Aus allem erhellt, daß sich die vorstellungen zeit, zeitalter, welt, erdkreis, erde, licht, luft, wasser manigfach mischen; ring in erdring weist auf die kugelgestalt der erde und auf planetarische drehung. manasêþs , faírhvus und wëralt zeigen auf räume und zeiten hin, die von menschen erfüllt werden wie wir heute welt und erde oft gleichbedeutig brauchen, geschieht es auch bei den mhd. dichtern. beginn der zeit wird abwechselnd ausgedrückt: ›von anegenges zît, daz sich diu werlt erhuop und muoter ir kint getruoc‹. Rol. 285, 12; ›sît diu werlt êrste wart‹. Ulr. Trist. 3699; ›sît disiu erde geleget wart‹. Rol. 187, 7; ›sît diu erde alrêrst begunde bern‹. Karl 70 b . . Insofern welt den begrif von seculum und leben enthält, heißt sie schon dem alts. dichter bedeutsam ein traum: liudio drôm Hel. 17, 17. 104, 7. 109, 20. manno drôm 23, 7. 103, 4; ags. gumdreám Beov. 4933; la vida es sueño. ihre vergänglichkeit und mühsal hat noch andere benennungen eingegeben: ›diz ellende wuoftal ‹ tod. gehugde 983, nhd. ›dies jammerthal ‹, ›dies angsthaus ‹ Nachtrag: Die welt heißt auch der vrône sal . Diemer 297, 6, was sonst himmel bedeutet. der sal 326, 7 scheint aber tempel zu sein. dagegen auch wieder: diz jâmertal . Renn. 896. diz âmertal . Griesh. pred. 2, 101. in ditze chlagelîche tal . Mar. 148, 2. 198, 33. dieses jammer und kummerthal . Schweinichen 1, 17. varen ûz disem ellende . Griesh. 2, 15. ûz disem ubelen wôftale . Diemer 301, 2. in disem angsthause . 3 erzn. 270. von dirre snoeden werlt . Frib. Trist. 33. . Von ihrer unermeßnen, räumlichen ausdehnung hergenommen ist der ausdruck ›thius brêde werold ‹ Hel. 50, 1, 131, 21; mhd. › diu breite werlt ‹ Mar. 161; nhd. die weite, breite welt . ebenso sagt man: ›thiz lant breitâ ‹. O. II. 2, 18; daz breite gevilde. Mar. 34. Wigal. 2269; diu breite erde Roth. 4857. Wh. 60, 29. Geo. 4770, εὐρεῖα χϑών. das gemahnt an den s.  184 besprochnen namen der wohnung Balders breida blik , worin zugleich der begrif der weite und des lichten glanzes enthalten scheint. merkwürdig ist hier ein sprachgebrauch der bergleute: blickgold, blicksilber heißt ihnen das reine, auf dem treibeheerd blickende metall, und ›der breite blick ‹, wenn es in ergiebiger fülle zu tage kommt stellen aus Matthesius predigten: ›diser Cyrus hat nun ein silbern reich, darin das wort gottes, welchs wie silber im fewer durchleutert, zu breitem plick gepredigt ist‹. 84 a . (Christus) ›hat seine apostel in die gantze welt außgesendet, das sie das euangelion zu breitem plick (wie jr bergkleut redet) predigen sollen‹. 91 b ›sonst hat es (das blei) seine eigne stöcke, wie zu Goßlar, da der gantze Ramelßberg zu breitem plick fast gantz bley ist‹. 101 a . . die schöne, glänzende welt ist gleichsam ein breiter blick. 664 Insofern welt oder heim bloß im allgemeinen aufenthaltsort bezeichnen, sind verschiedne welten denkbar. Völuspâ (Sæm. 1 a ) nimmt neun welten und neun firmamente (iviđir) an, vgl. Sæm. 36 b 49 a , wie auch neun himmel (Sn. 222 b ) gelten neun chöre der engel. fundgr. 1, 101. pass. 339. 341. niu fylkîngar engla. fornald. sög. 3, 663; vgl. damit die neun höllenstrafen (Wackernagel bas. hss. 24 b ). Nachtrag: Es gibt mehrere himmel. nach Diut. 3, 41 erst zehn , aber seit Lucifers fall nur neun . auch die Finnen nehmen neun himmel , taivahan yheksän an. Kal. 10, 190. 28, 308. 309. vor froeide zuo den himeln (ad coelos) springen. MS. 2, 47 a . . Von diesen welten, die nicht aufenthalt des lebendigen menschengeschlechts sind, fordern nähere untersuchung: die flammenwelt, die todtenwelt und das paradies, alle aber stehn mit der oberwelt, d. h. der menschbewohnten in gewisser verbindung, und es finden übergänge statt aus einer in die andere. Die altn. lehre nimmt einen weltbaum askr Yggdrasils an, der himmel, erde und hölle verknüpft, der größte, heiligste aller bäume. es ist eine esche (askr), deren äste durch die ganze welt treiben und über den himmel hinaus reichen. drei wurzeln breiten sich nach drei enden aus, die eine schlägt nach den asen, in den himmel, die andere nach den hrîmþursen, die dritte nach der unterwelt. unter jeder wurzel quillt ein wunderbarer brunne, nemlich bei der himmlischen wurzel Urđarbrunnr (s.  337 ), bei der riesischen Mîmisbrunnr , bei der höllischen Hvergelmir d. i. der rauschende oder der alte kessel, olla stridens (s. 467 ). alle diese brunnen sind heilig: am Urđarbrunnen halten die asen und nornen ihr gericht, des riesenbrunnen hütet ein weiser mann namens Mîmir (s.  314 ), ich weiß nicht ob selbst altkluger riese oder held? aber fast ein halbgöttliches wesen. jeden tag schöpfen die nornen wasser aus ihrem brunnen und begießen damit der esche äste: so heilig ist das wasser , daß es allen dingen, die in den brunnen kommen, eiweiße farbe mittheilt; von dem baum trieft bienennährender thau, das nennt man hunângsfall (honigfall). Auf den ästen, an den wurzeln des baums sitzen und springen thiere: ein adler, ein eichhorn, vier hirsche, schlangen, sämtlich mit eigennamen ausgestattet. die der hirsche stehn sonst auch zwergen zu, besonders Dâinn und Dvalinn . Niđhöggr (male pungens caedens) heißt die schlange, sie liegt unten bei Hvergelmir und nagt die wurzel. zwischen ihr und dem oben sitzenden adler sucht Ratatöskr in dem wort liegt rata (elabi, permeare) goth. vratôn , und vielleicht taska, pl. töskur, pera: peram permeans? Wolfram sagt Parz. 651, 13 › wenken als ein eichorn ‹. Noch der heutigen volksanschauung von wäldern tritt das eichorn wesentlich hervor, vgl. RA. 497. und oben s.  512 das einfangen der eichhörner auf ostern, vielleicht zu altheidnischem brauch. , das auf und nieder laufende eichhorn, zwist zu stiften. des adlers name bleibt ungenannt, er ist ein kluger, vielwissender vogel, inmitten seiner augen sitzt ein habicht, Veđrfölnir des adlers freund, denn haukr î horni (habicht im winkel) bedeutet einen verborgnen rathgeber. . 665 In dieser ganzen vorstellung ist uraltes gepräge, aber lange nicht vollständig scheint sie uns entfaltet. wir erfahren etwas von feindlichem verhältnis zwischen adler und schlange und daß es durch Ratatöskr unterhalten wird, nichts von der bestimmung des habichts und der hirsche. Versuchte deutungen des Yggdrasil gehen mich nichts an; ich habe hier, bevor ich meine eigne ansicht mittheile, zwei sehr verschiedenartige ähnlichkeiten anzuführen. Bei dem eddischen baum ist schon von andern an den kreuzesbaum gedacht worden, der im mittelalter vielfache betrachtungen und sagen erweckt hat. nun stellt ein lied des Wartburger kriegs (MsH. 3, 181 b ) folgendes räthsel: ein edel boum gewahsen ist in eime garten, der ist gemacht mit hôher list; sîn wurzel kan der helle grunt erlangen, sîn tolde (für: zol der) rüeret an den trôn dâ der süeze got bescheidet vriunde lôn, sîn este breit hânt al die werlt bevangen : der boum an ganzer zierde stât und ist geloubet schœne, dar ufe sitzent vogelîn süezes sanges wîse nâch ir stimme fîn, nâch maniger kunst sô haltents ir gedœne. das wird treffend auf das kreuz und den niedergang in die hölle gedeutet; schon O sagt V. 1, 19 ff. thes krûzes horn thar obana thaz zeigôt ûf in himila , thie arma joh thio henti thie zeigônt woroltenti , ther selbo mittilo boum ther scowôt thesan woroltfloum , .   .   .   .   .   .   .   .   .   theiz innan erdu stentit , mit thiu ist thar bizeinit, theiz imo ist al gimeinit in erdu joh im himile inti in abgrunte ouh hiar nidare. Rührt auch das von Schilter zu dieser stelle beigebrachte cap. 18 de divinis officiis nicht von Alcuin, sondern einem späteren her, immer konnte Otfried daher seine vorstellung entnommen haben hatte Lafontaine Virgils stelle in gedanken, oder folgt er eigner eingebung? wenn er von einer eiche sagt: celui, de qui la tête au ciel était voisine et dont les pieds touchaient à l'empire des morts. ; es heißt: ›nam ipsa crux magnum in se mysterium continet, cujus positio talis est, ut superior pars coelos petat , inferior terrae inhaereat , fixa infernorum ima contingat , latitudo autem ejus partes mundi appetat.‹ Ich kann unmöglich glauben, daß der mythus von Yggdrasil, in seiner ganzen reicheren gestalt, aus dieser kirchlichen vorstellung von dem kreuz hervorgegangen sei; eher möchte statthaft sein zu mutmaßen, schwebende heidnische traditionen von dem weltbaum seien in Deutschland, Frankreich oder England bald nach der bekehrung auf einen gegenstand des christlichen glaubens angewandt worden, wie man heidnische tempel und örter in christliche umänderte. Diese vermutung würde fallen, wenn sich dieselbe auslegung der kreuzhölzer aus älteren africanischen oder orientalischen kirchenvätern nachweisen ließe, woran ich aber zweifle. auf die dem nord. adler und eichhorn 666 ähnlichen vögel, mit welchen das gedicht im 13 jh. den baum ausstattet, soll kein gewicht gelegt sein. Fast aber verwundert es, daß von Virgil gerade der esche so hohes aufsteigen in die luft, als sie in der erde wurzelt, beigelegt wird. Georg. 2, 291: aesculus in primis, quae quantum vortice ad auras aetherias , tantum radice in tartara tendit , wonach Plinius 16, 31 bemerkt, si Virgilio credimus esculus quantum corpore eminet tantum radice descendit vielleicht enthält auch des Hrabanus Maurus carmen in laudem sanctae crucis, das mir jetzt nicht zur hand ist, dergleichen. , die nordische fabel ist also tief aus der natur gegriffen, vgl. was s.  580 über die bienen an dieser esche gesagt wurde. Eine andere noch seltsamere einstimmung führt uns zu morgenländischen überlieferungen. im arabischen Calila und Dimna wird das menschengeschlecht einem manne verglichen, der einen elefanten fliehend sich in tiefem brunnen birgt: oben hält er sich mit der hand an dem zweig eines strauchs, unten stellt er die füße auf schmalen rasen. in dieser angstvollen stellung sieht er zwei mäuse , eine schwarze und eine weiße die wurzel des strauchs benagen, tief unter seinen füßen einen schrecklichen drachen den schlund aufsperren, oben am rand den elefanten harren, aus der wand vier wurmhäupter ragen, die den rasen untergraben; zugleich aber trieft aus einem aste der staude honigseim , den fängt er gierig mit seinem munde auf Calila et Dimna, ed. Silvestre de Sacy. mém. hist. p. 28. 29. ed. Knatchbull p. 80. 81, vgl. mit der etwas abweichenden ausführung in den exempeln der alten weisen p. m. 22. . Hieraus wird ein tadel des leichtsinns gezogen wenn der mensch in größter bedrängnis doch nicht dem reiz eins kleinen genusses zu widerstehn vermöge. Die fabel ist nun nicht nur durch die hebräische, lateinische und griechische übertragung des ganzen buchs frühe und weit verbreitet worden auch im Orient, vgl. divan des Dschelaleddin, in Hammers pers. redek. p. 183. , sondern hat auch noch andere wege eingeschlagen. Joh. Damascenus nahm sie (um 740) in seinen Βαρλάαμ καὶ Ἰωάσαφ zuerst herausgegebeu in Boissonades anecd. graec. tom. 4. Paris 1832 p. 1–365. auf, welcher bald durch eine lat. bearbeitung allgemein bekannt wurde historia duorum Christi militum (opera, Basil. 1575 p. 815–902) und besonders gedruckt Antv. s. a. (wo das beispiel p. 107.) nach einer andern version bei Surins 7. 858 ff. die parabel p. 889. . nach ihm dichtete unser Rudolf seinen Barlaam und Josaphat, worin das beispiel s. 116. 117 zu lesen ist; abgesondert Stricker (Ls. 1, 253). Eine so ansprechende überlieferung konnte unbedenklich sehr früh im mittelalter auch nach Scandinavien gelangen, falls nur die ähnlichkeit selbst größer wäre, um den schluß auf unmittelbaren zusammenhang beider mythen zu rechtfertigen. Mir scheint gerade die ferne berührung beider das wichtige, eine nahe hat keineswegs stattgefunden. Die altn. fabel ist viel bedeutsamer und gründlicher, 667 die morgenländische aus einem uns verlornen ganzen losgerissen, wahrscheinlich entstellt. sogar die hauptidee des weltbaums mangelt ihr beinahe, nur das zutreffen einzelner nebenumstände überrascht, des triefenden honigs (vgl. anm. 2044 ), des wurzelnagens und der vier thiere. Liegt aber in diesen begegnungen des eddischen mythus sowol mit alten ansichten des orients als mit der art und weise, wie die Christen den heidnischen glauben an die lehre vom kreuz zu knüpfen trachteten, etwas wahres; so thue ich noch einen schritt weiter. mir scheint auch die im deutschen alterthum tief gegründete vorstellung von der Irmenseule , jener altissima, universalis columna, quasis sustinens omnia (s.  95 . 97 ) dem weltbaum Yggdrasil nah verwandt. wie sich dessen wurzeln und äste nach drei enden breiteten (standa â þria vega), liefen auch von der Irmenseule drei oder vier große straßen aus (s.  295 . 300 ), und je weiter man spürt wird sich der zusammenhang dieser heidnischen ideen fruchtbarer entfalten lassen. die seulen des Hercules (s.  302 ), des Bavo in Hennegau, die Thor und Rolandsseulen (s.  326 ) hatten vielleicht keine andere bestimmung als von ihrem mittelpunct aus himmlischirdische richtung der weltgegenden vorzuzeichnen und der heilige Yggdrasil diente zu einer sehr analogen welttheilung. das könnte selbst auf die alte landmessung eingeflossen sein und dem römischen cardo, der von dem decumanus kreuzweise durchschnitten wird, verglichen werden. Für den eschbaum sind auch beziehungen auf Asciburg (s.  290 ) und den stammvater Askr (s.  474 ) einzuräumen. eine andre eschbaumsage bleibt für cap.  xxxii zurück Nachtrag: Der weltbaum heißt askr Yggdrasill . Sæm. 3 b , aber Yggdrasills askr . das. 8 a . 44 a . 45 b . 89 a . vgl. die eschensage s. 802. ein anderer name desselben miotviđr kyndiz (accenditur). Sæm. 8 a . miotviđ maeran fyrir mold neđan . das. 1 a wird ausgelegt durch: arborem centralem, denn miöt soll nach Magnusen medium sein. Rask liest aber myotviđr, die andern ausleger miötuđr. berührt sich miötuđr der baum mit miotuđr gott s.  19 ? it aldna trê heißt er Sæm. 8 a und vielleicht bezeichnet auch der ausdruck aldurnari , seculum servans. Sæm. 9 b diesen weltbaum. wenn die schlange an dieser esche wurzel nagt, ist sie ihr feindlich. so läßt nun auch der deutsche volksglaube feindschaft zwischen der esche und schlange bestehen. Panzer beitr. 1, 251. 252. 351. 352. eine etwas verdächtige sage erzählt von dem uralten drudenbaum auf dem gipfel des Harbergs bei Plankstellen in Franken, daß seine blätter zu zeiten goldne tropfen fallen ließen, milch aus seinen wurzeln flösse und ein von einem drachen bewachter schatz unter ihm läge. auf dem baume säße ein großer schwarzer vogel, der wenn man den schatz heben wollte, seine flügel zusammenschlüge und sturm erregte. (?) Ähnlich der aus O. im text angeführten stelle ist die andere O. IV. 27, 19: tho zeintun woroltenti sînes selben henti , thaz houbit himilisga munt, thie fuazi ouh thesan erdgrunt thaz was sîn al in wâra umbikirg in fiara obana joh nidana. doch von vögeln hat O. nichts. die sage vom kreuzesholz führt sie ebenfalls nicht an, wohl aber den brunnen und die schlange. nach ihr schaute Seth zur thür des paradieses und sah einen brunnen , der sich in die vier flüsse Physon, Euphrat, Gion und Tigris theilte. an der quelle des Euphrat stand ein dürrer baum, um den sich eine große schlange wand, die wurzel des baums lief tief in die hölle, auf dem gipfel lag ein neugebornes kind in windeln gewunden. die schlange ist die am verbotnen apfelbaum des paradieses, gemahnt aber an Niđhöggr, die vier flüsse oder brunnen gleichen den drei brunnen, das kind im wipfel dem adler und die wurzeln beider bäume reichen in die hölle . das kreuzesholz wird aber erst aus drei apfelkernen von diesem baum, die in drei bäume aufwachsen, gezogen. Wo ist die sage vom kreuzesholz entsprungen, und konnten heidnische züge in sie aufgenommen sein? die leg. aurea cap. 64 ist sehr kurz. Zu der morgenländischen überlieferung von der an der wurzel des brunnenstrauchs nagenden maus muß man den indischen mythus von dem schmalen grashalm halten, der über einem abgrund hängt und von einer maus unablässig benagt wird. Holtzmann ind. sag. 3, 114. jene weitverbreitete fabel ist auch gemalt worden. Mone 8, 279. vgl. Benfey pantsch. 1, 80. 2, 528. Liebrecht über Barlaam s. 330. 331. Niflheimr , wo Nîđhöggr und andere (Sæm. 44 b Sn. 22 genannte) schlangen, um den brunnen Hvergelmir, hausen, ist der todesgöttin Hel (s.  259 ) goth. Halja grausenhafter wohnort (Sæm. 94 a bezeichnet ›or heljo ‹ Sæm. 49. 50. 51. ›î heljo ‹ klar das räumliche, unpersönliche), dunkel und schwarz wie sie selbst: darum Nebelheim, kaltes schattenland, aufenthalt der abgeschiednen ein todter wird niflfarinn genannt (Sæm. 249 a ). der Nibelunge stammvater hieß wol Nebel (fornald. sög. 2, 9. 11 Næfill f. Nefill): ein der unterwelt und frühem tod verfallnes heldengeschlecht. Nibelunge: geister des todtenreichs. Lachm. zu den Nib. 342. , nicht aber ort der qual und strafe, nach christlicher ansicht, die sich selbst nur allmälich entwickelte (s.  260 ). Ulfilas gibt halja bloß für das gr. ᾅδης her (Matth. 11, 23. Luc. 10, 15. 16, 23. 1 Cor. 15, 55) wo die vulg. infernus hat; wo aber der text γέεννα, die vulg. gehenna, bleibt auch ein goth. gaíaínna (Matth. 5, 29. 30. 10, 28); dieser letzten vorstellung entsprach kein goth. wort. der ahd. übersetzer T. gibt infernus durch hella (Matth. 11, 23), gehenna bekanntlich entspringt aus gehenna das franz. gehene, gêne, d. h. supplice, jetzt aber mit ganz gemildertem sinn. durch hellafiur (Matth. 5, 29. 30) oder hellawîzi (Matth. 10, 28) und nur filium gehennae hella sun (23, 15); richtiger die 668 neulich aufgefundene ältere verdeutschung quâlu sunu . bei dem ›niđar steig zi helliu ‹ (descendit ad inferna) des glaubensbekenntnisses dachte man sich nicht die wohnung der gepeinigten, strafe leidenden. von einem kranken heißt es Hel. 72, 4 ›fûsid an helsîd ‹, nahe zu sterben, zur reise in die unterwelt gerüstet, ohne allen nebengedanken der pein oder strafe. Daß die ags. gedichte noch den altpersönlichen begrif von Hel kannten, ist s.  261 gelehrt worden, hier füge ich auch eine andere stelle aus Beov. 357 bei: Helle gemundon, metođ ne cuđon (Helam venerabantur, deum verum ignorabant Pagani). Vom 4 bis 10 jh. war also halja , hella unterwelt, todtenreich, der begrif von qual und peinigung wurde durch ein anderes wort, oder wenigstens eine zusammensetzung ausgedrückt; und dazu stimmt vollkommen, daß noch bei Widekind von Corvei (1, 23) sächsische dichter, einen sieg der Sachsen über die Franken besingend, wahrscheinlich kein anderes wort als hella vom aufenthaltsort der todten brauchten: ›ut a mimis declamaretur, ubi tantus ille infernus esset, qui tantam multitudinem caesorum capere posset‹ die trad. corbeiens. p. 465 604 geben den förmlichen hexameter: tantus ubi infernus, caesos qui devoret omnes? diese überfüllung der unterwelt durch die todten erinnert mich an Calderons fanatischen einfall, der leere des himmels besorgt, weil sich alles zu Luther in die höllenherberge dränge: que vive dios, que ha de tener en cielo pocos que aposentar, si considero que estan ya aposentados con Lutero.                             (sitio de Breda. jorn. primera.) ? Ein andres lat. lied auf bischof Heriger von Mainz, das im 10 jh. verfaßt sein mag lat. ged. des X. XI jh. s. 335, vgl. 344. , schildert wie einer in die unterwelt entrückt wurde und erzählte, ›totum esse infernum accinctum densis undique silvis‹, womit deutlich nicht der strafort sondern die wohnung der todten gemeint ist. noch in einem gedicht des 12 jh. (Diut. 3, 104) sagt Jacob: ›sô muoz ich iemer cholen, unze ich sô vare ze der helle ‹, d. h. bis ich sterbe. Im 13 jh. hatte sich für helle bereits die heutige bedeutung festgesetzt: aufenthalt der verdammten , z. b. Iw. 1472 heißt ›got versperre dir die helle‹, er nehme dich in den himmel auf, nicht, er bewahre dich vor dem tod, da diese worte schon an einen todten gerichtet werden Nachtrag: Gehenna soll jammerthal ausdrücken, den pl. gehennae gebraucht Arnob. 2, 14. arab. iahennem , pers. gehinnom . auch die Türken behalten im koran gehenna bei (dschehenne), in ihr hauset der eblis d. i. diabolus. Ἅδης, ἁΐδης deutet man ἀϊδής unsichtbar, der unsichtbare gott. Hades wurde persönlich gedacht: ὦναξ Ἀΐδη. Soph. Trachin. 1085, auch das hebr. שְׁאֹל ,שְׁאוֺל bei Gesenius 731 b . Lucian de luctu 2. 3 schildert den Hades als unterirdischen, finstern, weiten abgrund, den furchtbare ströme, Cocytus und Pyriphlegethontes, umgeben, und zu welchem man durch den Acherusischen sumpf überschiffen muß. Nach Dietrich in Haupts zeitschr. 7, 305 ist Niflhel auch qualort. bloßer aufenthaltsort der todten ist die höll noch in Fischarts Garg. 202 a : das (wie dort geschriben steht) ›ein so weite hölle find man kaum, da all die toden hetten raum‹. hat er das aus der angeführten stelle Widukinds? Sterben heißt zur hölle fahren. daher die nordischen ausdrücke helreiđ z. b. Brynhildar und fara til Heljar (vgl. 260 ). ganz räumlich aber klingt es: si ist in der helle begraben . Ksrchr. 2530. . Die hölle wird als herberge , gasthaus , als Valhöll dargestellt, wo die sterbenden noch denselben abend einkehren (s.  120 ): ›ver skulum â Valhöll gista î qveld ‹ fornald. sög. 1, 106; ›viđ munum î aptan Ođinn gista ‹ 1, 423; merkwürdig Abbo 1, 555 (Pertz 2, 789): ›plebs inimica deo pransura Plutonis in urna ‹. wol ist auch gesagt worden: heut abend werden wir in nobishaus einkehren! des heilands worte σήμερον μετ' ἐμοῦ ἔση ἐν τῷ παραδείσῳ Luc. 23, 43 haben heute nicht heut abend Nachtrag: Leonidas bei Thermopylae läßt seine leute frühstücken, denn das abendmahl werden sie im todtenreiche einnehmen: hodie apud inferos coenabimus. þôrgerđr segir hâtt: engan hefi ec nâttverđ haft ok engan mun ek fyrr enn at Freyju (a. 945). Egilssaga s. 603. lifiđ heilir herra, ek man hiâ Ođni gista . fornald. sög. 2, 366. vgl. die stelle aus Saxo gramm. anm. 2129 (kl. schr. 5, 354 ff.). . In gewissen gegenden, auf dem land, unter dem volk, behielt helle zuweilen seinen alten sinn bei. z. b. in Westfalen gibt es noch heute 669 viele gemeine fahrwege, welche den namen hellweg führen, was gleichviel mit heerweg ist, ursprünglich aber todtenweg, den breiten weg, auf dem die leiche gefahren wird, bezeichnet. den ältesten beleg entnehme ich aus einer urk. bei Ritz 1, 19 vom j. 890: › helvius sive strata publica‹. spätere stellen finden sich weisth. 3, 87. 106. Troß urk. zur feme s. 61 und bei Joh. von Soest (Fichards arch. 1, 89) auch in Niederhessen: hellweg hei Wettesingen und Oberlistingen (wochenbl. 1833. 952. 984. 1023. 1138); hölleweg bei Calden (das. 1833. 951. 982. 1022.); höllepfad bei Nothfelden (daselbst 923). . oberdeutsche fluren liefern dafür zuweilen die benennung todtenweg Mones anz. 1838 s. 225. 316. . Nach der altn. dichtung reiten oder fahren die verstorbnen zur unterwelt, fara til heljar oder til Heljar , zur todesgöttin: nachdem Brynhildr verbrennt ist, fährt sie auf einem geschmückten wagen zur Hel, ›ôk međ reiđinni â helveg ‹, das ganze lied führt den namen helreiđ . Sæm. 227. Bei Freidank 105, 9. 151, 12 bezeichnet aber ›zer helle varn‹ und ›drî strâze zer helle gânt‹ 66, 5 den christlichen begrif. Übrigens muste die vorstellung hellweg von selbst auch die eines hellwagen (s.  261 ) herbeiführen, wie Wuotans weg und wagen (s.  125 ) sich begegnen. ja der große bär heißt nicht bloß himelwagen, herrenwagen, sondern in den Niederlanden hellewagen (Wolfs Wodana i, iii. iv ); ein Wolframus dictus hellewagen MB. 25, 123 (a. 1314) Nachtrag: De olde helweg . urk. v. 1518 in Wigands corv. güterb. 229. hellewege . helleknochen . das. 241. Brückner leitet das henneberg. hälweg, hälwehr f. landwehr, grenze aus häl f. hagel. herweg bedeutet auch milchstraße. Woeste 41. Hans Helwagen . MB. 25, 314 (a. 1469). 316. 384. . Anfangs behielten die Altsachsen, eben weil ihnen ihr hellia noch zu heidnisch vorkam, gern das biblische infern gen. infernes bei, z. b. Hel. 44, 21, ja sie kürzten es in ein bloßes fern Hel. 27, 7. 103, 16. 104, 15. 164, 12 und jener von Widekind angezogne dichter könnte wirklich infern statt hellia gesagt haben ein ort Infernisi bei Erhard s. 140 (a. 1113) gal. ifrinn , ir. ifearn , welsch yfern , uffern . . Die heidnische hellia lag tief unten nach Norden hin; als Hermôđr zu Baldr gesandt wurde, ritt er neun nächte lang durch dunkle , tiefe thäler (dökva dala ok diupa), das sind die von den dunkelelben bewohnten örter (s.  368 ), und gelangte zu dem flusse Giöll (strepens), über den eine mit leuchtendem gold gedeckte brücke leitet; der brücke hütet eine jungfrau, Môđguđr genannt, sie sagte ihm, daß tags zuvor fünf fylki todter männer ein fylki beträgt 50 (RA. 207), also Baldr war in begleitung von 250 hinabgeritten, welche zahl eine hs. verdoppelt: ›reid Baldr hêr međ 500 manna‹. über die brücke gekommen wären, und daß der ›helvegr‹ von dieser brücke an immer noch tiefer und nördlicher ziehe: ›niđr ok norđr liggr helvegr ‹. Das verstehe ich von der eigentlichen halle und wohnung der göttin, wo sie selbst anzutreffen ist, denn die ganze region war schon ihr reich. diese halle umgeben große gitter (helgrindr) Sn. 33. 67. der saal heißt Eliuđnir (al Elvîđnir), die schwelle fallanda forad (al. das gitter fallanda forad, die schwelle þolmôđnir), der vorhang blîkjandi böl (Sn. 33). vermutlich ist eine thür der unterwelt gemeint (nicht der Valhöll, welche 540 670 ungeheure thore hat), wenn Sæm. 226 a fornald. sög. 1, 204 Brynhildr dem Sigurd darum in den tod folgen will, daß ihm die thür nicht auf die ferse falle: eine übliche formel bei dem eingang in verschloßne höhlen die altfranz. dichtung von den quatre fils Aïmon (cod. 7183 fol. 126 b ) läßt den Richart, als er aufgehängt werden soll, ein gebet verrichten, worin erzählt wird, wie der heiland alle seelen aus der hölle zurückgeführt habe bis auf ein weib, das sich damit aufhielt an der thür noch die hölle zu schelten, und nun bis zum jüngsten tag daselbst stehn bleiben muß: alle wurden erlöst, ne mes que une dame, qui dist une raison: ›hai enfer‹, dist ele, ›con vos remanez solz, noirs, hisdoz et obscurs, et laiz et tenebrox!‹ a l'entrer de la porte , si con lisant trovon. jusquau terme i sera, que jugerois le mont. dieser seltsamen sage quelle ist mir unbekannt. . Das reich der Hel aber führt den namen Niflheimr oder Niflhel , nebelwelt, nebelhölle ›diu inre helle , wo nebel und finster ‹. im Lucidarius zehn namen der hölle; stagnum ignis, terra tenebrosa , terra oblivionis, swarziu ginunge u. s. w. Mones anz. 1834, 313. vgl. die ausdrücke des alts. dichters: hêt endi thiustri , suart sinnahti . Hel. 65, 12; an dalon thiustron , an themo alloro ferrosten ferne , 65, 9; under ferndalu , 33, 16; diap dôdes dalu, 157, 22. , es ist die neunte welt (der lage nach) und war lange zeiten vor der erde erschaffen (oben s.  463 ): mitten in ihm liegt jener brunne Hvergelmir , und aus diesem rinnen zwölf flüsse, unter welchen Giöll zunächst an der göttin wohnung reicht. Sn. 4. Hieraus folgt klar was ich sagte: wenn Hvergelmir die mitte des Niflheimr bildet, wenn Giöll und die übrigen ströme lauter höllische sind, so kann die herschaft der Hel nicht erst an den helgrindum beginnen, sondern muß sich über jene dunkeln, tiefen thäler, die dichten wälder des lat. lieds, ausdehnen. Doch habe ich auch nichts wider folgende vorstellung: diese dunkeln thäler sind, gleich den finstern Erebos der Griechen, ein durchgangsort, um des Aides, der Halja wohnung zu erreichen. Wie aus dem persönlichen Hades, dem römischen Orcus (ursprünglich uragus, urgus, und noch im mittelalter einem persönlich gedachten ungeheuer, vgl. s.  261 . 402 ), wurde aus unsrer Halja, der göttin, allmälich die räumliche vorstellung eines aufenthalts der todten entwickelt. anfangs dachte man sich die verstorbenen bei ihr, hernach in ihr wohnend. In den zugängen hausten, schwebten die dunkelelbe Nachtrag: Die hellia liegt tief. bei der wurzel eines paradiesesbaumes schaut Seth in die hölle und sieht seines bruders Abel seele . Merkwürdig ist, daß Brynhild bei ihrem helreiđ durch die hallen einer riesin fährt. Sæm. 227. diu tiefe helle. MS. 2. 184 b . Haupts zeitschr. 2, 79. statt der hölle heißt auch wohl der tod tief. an thene diapun dôd . Hel. 136, 1 und umgekehrt ›in der bitteron hella‹. Grieshaber 2, 33. 44. 65. 76. 97. 108. 122, diu helle diust ein bitter hol . MSH. 3, 468 c , wie sonst der tôt bitter heißt. Die griechische unterwelt hatte eine öfnung, durch welche Pluto hinabstieg, als er Proserpina raubte. Pausan. II. 36, 7, wie Dionysus die Semele durch den alkyonischen see aus der unterwelt entführte. das. II. 37, 5. die deutsche hat ebenfalls ein thor, das durch ein gitter verschlossen ist. fyr nâgrindr neđan. Sæm. 68 a . 86 a . hnigin er helgrind . Hervarars. s. 347, wenn sich der grabhügel öfnet. alts. helliporta . Hel. 97, 17. thiu helliporta . O. III. 12, 35. antheftid fan helldoron . Hel. 71, 9. de doir vanner hellen mot aupen wesen. Slennerhinke im eingang. eine Höllthorspitze liegt im Salzburgischen. Matth. Koch reise. 315. der helle invart ist ein loch, zu dem alle gestorbnen menschen einfuhren. En. 2906–15. dringet in daz helletor . Haupts zeitschr. 2, 69. diu riuwe stêt für der helle tor. warn. 316. . Niflheimr , die Nebelwelt, war also ein unterirdischer, von ewiger nacht bedeckter kalter raum, welchen zwölf rauschende wasser durchströmen, leuchtendes gold, d. i. feuer, nur stellweise matt erhellte. die ströme zumal Giöll , gemahnen an Lethe und Styx , bei dessen heiligem wasser geschworen wurde. mit Hvergelmir läßt sich die brabantische Helleborne , aus der Hellebeke entspringt, vergleichen ; mehrere örter führen den namen Helleput Wolfs Wodana 1, V und 35. . Helvoetsluis wurde s.  262 angeführt, der name Hellevoet soll noch 671 heute in den Niederlanden auf schildern (uithangborden) vorkommen Nachtrag: Ahd. hellistroum rudens, torrens inferni. Graff 6, 754. höllhaken hieß ein strudel am Rhein. Fischarts glückh. schif. 429. Hellevôt ist n. pr. im Soester Daniel s. 173. . So traurig und freudenleer Niflheimr gedacht werden muß gerade so sinken alle griech. helden in des Hades haus unter die erde. schwer aber ist es von diesem den Tartarus , der noch tiefer im abgrund liegt, zu sondern; in ihm sitzen die gebändigten riesen gefangen. er bezeichnet also, wenigstens später den theil der unterwelt, in dem die bösen zu ihrer strafe hausen, was mit der christlichen hölle stimmt. an die nordische esche, deren wurzel in Niflheim hinabreicht, gemahnt aber, daß die wurzeln der erde und des meers von oben herab in den Tartaros wachsen. Hes. theog. 728. zu vgl. ist auch Ovids beschreibung der unterwelt (met. 4, 432 ff.), wo: ›Styx nebulas exhalat iners‹ dem begrif von Niflheim begegnet. , ist doch von strafen und qualen seiner bewohner nie die rede; eigentlich sind es auch nicht böse menschen, die nach ihrem leben dahin versetzt werden, sondern alle und jede, selbst die edelsten und treflichsten, wie das beispiel der Brynhild und des Baldr lehren noch Cædmon schildert das vîtehûs (haus der strafe) deop, dreáma leás, sinnihte beseald. merkwürdige bilder gibt ein denkmal des 11 jh. (z. f. d. a. 3, 445): swevilstank, genibele , tôdes scategruobe , wallente stredema u. s. w. . Ausgenommen scheinen bloß die im kampf fallenden helden, welche Ođinn zu sich nach Vallhöll nimmt. Hiermit in widerspruch steht eine andere. ich glaube spätere, bei Sn. 4 vorgetragene ansicht: allvater, der höchste gott, hat allen menschen unsterbliche seele verliehen, obgleich ihr leichnam in der erde fault oder zu asche verbrannt wird; alle guten menschen (rêtt siđađir) kommen zu ihm nach Gimill oder Vingôlf, alle bösen (vândir) nach Niflheimr oder in die hölle , vgl. Sn. 21. 75, welche stellen noch hernach zu besprechen sind. Das ist schon christliche idee, oder eine ihr höchst ähnliche. An die stelle der altheidnischen bleichen und düstern hölle setzten die Christen einen mit flammen und pech erfüllten pfuhl, worin die seelen der verdammten ewig brennen, zugleich pechschwarz und gluterhellt. gehenna wird erklärt hellafiuri , mhd. hellefiwer Parz. 116. 18; da wo der dichter des Heliand diese schwarze und brennende hölle lebhaft schildern will, wandelt er das alte fem. in ein masc.: an thene hêtan hel 76, 22. an thene suartan hel 103, 9. Erebi fornax . Walther 867. Ja bei O. und andern ahd. schriftstellern wird geradezu bëh (pix) für hölle gesetzt citate in meiner ausg. der hymn. p. 51. hinzuzufügen Muspilli 5, wo Schm. die zeile des Walafrid anführt: ›at secum infelix piceo spatiatur averno ‹. Eugenius in Dracont. p. m. 30: ›ut possim picei poenam vitare barathri ‹. , ›in dem beche ‹, warnung 547 und Wernher v. Niederrh. 40, 10; ›diu pechwelle ‹ anegenge 28, 19; eine weit in Europa verbreitete vorstellung; noch heute nennen die Neugriechen die hölle πίσσα, ein sprichwort des Alex. Negri lautet: ἔχει πίσσαν καὶ παράδεισον, hölle und himmel nebeneinander setzend. Diese pechhölle mögen Slaven den Griechen zugebracht haben, das altslav. peklo bedeutete pech und hölle (Dobr. instit. 294) und so ist böhm. peklo hölle, poln. pieklo , serb. pakao , sloven. pekel , dem geschlecht 672 nach entw. neutral oder männlich. Litth. péklà (fem.) altpreuß. pickullis (im catechism. p. 10 ist pickullien der acc.), und der teufel selbst heißt litth. pyculas , altpreuß. pickuls (vgl. Rausch s. 484). von den Slaven borgten die Ungern ihr pokol (hölle) wie von Griechen und Römern unsre vorfahren gaíaínna und infern. auch das smela (hölle) der lüneburgischen Wenden scheint zu dem böhm. smola, smůla harz, pech gehörig. mit der heiße des siedenden pechs war zugleich unausstehlicher geruch verbunden; Reineke 5918: ›it stank dâr alse dat helsche pek ‹. vgl. überhaupt En. 2845. 3130 Nachtrag: Christlich offenbar sind folgende anschauungen. minne hât ûf erde hûs, ze himel ist reine für got ir geleite, minne ist allenthalben wan ze helle . Tit. 51. helleviur . Kchr. 1138. daz winster viur . MSH. 1, 298 b . ich hân fiwer und vinster ze der zeswen unt ze der winster . tod. gehugede. 661. der helle fiwerstôt . warnung 72. in der helle brinnen und brâten . Grieshaber 2, 76. 108. 123. mit dem höllenfeuer zusammenhängend scheint jedoch die heidnische vorstellung, daß aus den geöfneten grabhügeln feuer schlägt, überhaupt das haugaeldr . fornald. sög. 1, 437. vom hellevrost dagegen ist die rede in tod. gehugede 902. hölle ist in der volkssprache nichts als finsteres loch, ecke, winkel. der schneider wirft lappen in die hölle , der lehrling springt aus der hölle (hinter dem kasten) hervor und sucht die thür. pol. maulaffe 4. kroch nach der hölle . das. 6. geh hintern ofen in die hell . H. Sachs. 1. 5, 495 b . Die christliche hölle hat einen pech und schwefelpfuhl. bech unde swebel . Diemer 313, 9. von deme bechen . das. 303, 22. die swarzen pechvelle (l. pechwelle). todes gehugede. 686. behwelle . Diemer 298, 29. 303, 27. die bechwelligen bache . todes geh. 899. mit bechwelliger hitze. das. 929. im märchen von frau Holle (no. 24) stehn sich das goldthor und pechthor entgegen, wie himmel und hölle. in dem swebel . warnung 260. in den swebel sêwen baden. Servat. 3541. diu helle stinchet wirs danne der fûle hunt. Karaj. 31, 8. infer le puant . Thib. de Nav. 150. puafine . Gaufrey s. XXX. die vorstellung von dem höllischen gestank mag von dem giftigen qualm entsprungen sein, der aus abgründen der erde steigt. . Seit der bekehrung zum christenthum hängt also an dem begrif der hölle zugleich der von strafe und pein. kvöllheimr (mundus supplicii) im sôlarl. 53 (Sæm. 127 a ) ist unverkennbar christliche idee. das ahd. hellawîzi , alts. helliwîti Hel. 44, 17. ags. hellevîte drückt aus supplicium inferni, vgl. Graff 1, 1117 über wîzi , mhd. wîze MsH. 2, 105 b ; danach bildete sich das isl. helvîti , schwed. helvete , dän. helvede , was ganz einfach hölle bezeichnet; von den Schweden empfiengen die getauften Finnen ihr helwetti (orcus), die Lappen ihr helvete , von den Baiern die Slovenen in Krain und Steier ihr vize (purgatorium), die kirche hatte zweierlei feuer unterschieden, ein höllisches, und reinigendes (fegefeuer) im mittelzustand zwischen hölle und himmel die Ehsten sagen von einem im fegfeuer: ta on kahha ilma wahhel, er ist zwischen zwei welten . . Gleichwol behielt aber auch die christliche vorstellung bei, daß die hölle tief im abgrund der erde , die menschenwelt also über der hölle liege. die hölle heißt darum abyssus (Ducange s. v.) und ›a coelo usque in abyssum‹ steht einander entgegen. aus diesem abyssus , span. abismo , franz. abîme ist das mhd. âbîs , (altd. bl. 1, 295: ›in âbisses grunde‹ MsH. 3, 167) und später obis , nobis (en âbis, en obis, in abyssum) zu erklären. alts. helligrund Hel. 44, 22; in afgrunde gân. Roth. 2334. ir verdienet daz afgrunde . Roth. 1970. ›varen ter helle in den donkren kelre ‹. Florîs 1257 was bedeutet eggrunt, eekgrunt? ›daz iuwer sêle kumen ûzer eggrunde ‹. cod. pal. 349, 19 d . . Ags. se neovla grund (imus abyssus) Cædm. 267, 1. 270, 16; þät neovle genip (profunda caligo) Cædm. 271, 7. 275, 31. diesem ags. neovel, nivel (profundus) verwandt sein mag ein ausdruck des fries. asegaboks (Richth. 130, 10) ›thiu niuent hille‹, wo ein mnl. text gibt ›de grundlose helle‹. Dem in die höhe aufsteigenden himmel steht die zu boden sinkende hölle entgegen: ›der himel allez ûf gêt, diu helle sîget allez ze tal ‹. warnung 3375. 3381 Nachtrag: Die griechische ansicht setzt den tartarus nicht in den schoß der erde, sondern in ungeheuern abstand von der erde. ein eherner amboß (χάλκεος ἄκμων) fällt neun tage und nächte aus dem himmel und gelangt erst am zehnten auf die erde; dann hat er nochmals neun tage und nächte zu fallen, eh er am zehnten in den tartarus kommt. Hes. theog. 722–725. Hefäst dagegen fällt einen tag vom himmel auf die erde. Il. 1, 592. der lat. name avernus ist griech. ἄορνος, ohne vögel, wo kein vogel haust vgl. Lucret. 6, 739: quia sunt avibus contraria cunctis etc. ags. heißt die hölle scräf , spelunca. Cædm. 212, 10. âbis . Roths dicht. s. 10. 23. ›daz abgrunde ‹ kommt auch Roth. 4434 vor. in der helle grunde verbrunne ê ich. MS. 1, 56 a . an grund grimmaro helliun. Hel. 164, 5. der fürste ûz helle abgründe . Walth. 3, 12. de hellgrunt . MB. 5, 138. der bodengrunt der helle. MS. 2, 147 b . dagegen heißt sie russ. bezdna d. h. ohne boden. vgl. der erde volmünde (fullamunt). gute frau 2022. der erden bunder (altn. pundari). Haupts zeitschr. 2, 131. . Es scheint, man dachte sich im grund der erde, gleichsam als decke und gitter der unterwelt, einen stein, der in mhd. gedichten dillestein (von dille, diele tabula, pluteus, ahd. dil, dili, altn. þil, þili) genannt ist: ›grüebe ich ûf den dillestein ‹. schmiede 673 33; ›des hœhe vür der himele dach und durch der helle bodem vert‹. das. 1252; ›vür der himele dach dû blickest und durch der helle dillestein ‹ MS. 2, 199 b ; ›wan ez kumt des tiuvels schrei, dâ von wir sîn erschrecket: der dillestein der ist enzwei, die tôten sint ûf gewecket ‹. Dietr. drachenk. cod. pal. 226 a . Hierbei erinnere ich mich des ὀμφαλός zu Delphi, eines netzumwundnen kegelsteins (Gerhard Metroon s. 29) und noch lebhafter des lapis manalis (Festus s. v.), der die grube des etruskischen mundus schloß und alljährlich an drei heiligen tagen abgenommen wurde, damit die seelen hinauf zur oberwelt steigen könnten (Festus s. v. mundus). nicht bloß diese grube in der erde, auch der himmel hieß mundus vgl. O. Müllers Etrusker 2, 96. 97. den Finnen ist manala locus subterraneus, ubi versantur mortui, sepulcrum, orcus, was sich von maa (terra, mundus) leitet, also nur zufällig mit jenem manalis berührt. , wie Niflheimr dennoch heimr, d. h. eine welt war. Jener höllenthür (s.  669 . 670 ) gleicht der descensus Averni , die fauces grave olentis Averni , die atri janua Ditis, wie sie von Virgil (Aen. 6, 126. 201) geschildert ist (vgl. Veldecks En. 2878. 2907. der helle învart); auch slavische märchen kennen den eingang in die unterwelt bei einer tiefen grube (Hanusch s. 412) Nachtrag: Über den delphischen nabel als erdcentrum s. Pott zählmeth. 267. Zeus ermittelt den nabel durch ausgesandte adler oder raben. auch den Iren galt ein stein als nabel der erde . Lappenberg im art. Irland (allg. encycl. d. wissenschaften) 49 b . ein stein in hellesgrunt kommt Uhland volksl. 1, 8 vor. der dillestein ist der stein, den kein hund überbal, kein wind überwehte, kein regen übersprehte. das. s. 7. über d'hellplatta springen. Vonbun s. 65. dillestein bedeutet bodenstein. . Vom mund oder rachen der hölle wurde s.  261 geredet, Hel gähnt gleich ihrem bruder Fenrir und jeder abgrund ist gaffend walach. iad (hiatus), iadul , hölle. , os gehennae , Beda 363, 17 heißt ein flammenspeiender brunne (puteus) wie der abend mund der nacht. , einer ags. glosse (Mone 887) bedeutet mûđ (d. i. os) orcus. dieselbe glossensamlung verzeichnet 742 seáđ (d. i. puteus, barathrum) für hölle, und 2180 cvis tartarus, 1284 cvishusle , wofür ohne zweifel zu lesen cvissusle . cvis kann ich durch nichts deuten, als das altn. qvis (calumnia), susl scheint tormentum, supplicium, die wörterbücher haben keinen grund, ihm den sinn von sulphur (ags. svefel) beizulegen; ›susle geinnod‹ Cædm. 3, 28 verstehe ich: supplicio clausum. Die vorstellung des brunnens stimmt besonders zu der fabel im Reinhart, wo dieser in den brunnen gefallen ist und den wolf in den eimer lockt. er gibt vor da unten im paradis zu sitzen, in welches aber nur zu gelangen sei, daß man ›einen tuk in die helle ‹ thue. der brunne führt leicht auf die vorstellung des bads: ze helle baden MsH. 2, 254 a . es kann auch in feuer und schwefel gebadet werden Nachtrag: In der unterwelt ist strom und wasser . sâ hon þar vađa þraunga strauma menn meinsvara. Sæm. 7 b . Vađgelmi vađa. das. 181 a . in der helle baden . Engelh. 6050. ze helle baden . MSH. 2, 259 a . 260 b . in den swebelsêwen baden . Servat. 3541. sele besoufet in hellepîne. MS. 2, 150 b . die hölle ist ein brunne, ein hellepuzze , obene enge, nidene wît. Wernh. v. N. 41, 5. dâ diu unerfulte butze des abgrundes ûz diezen . todes geh. 896. hellesôt MSH. 3, 463 b stimmt zu der angeführten ags. glosse seâđ f. hölle. Hellekessel ist ein eigenname zu Bonn. Susl im ags. cvissusle scheint das altn. sŷsla negotium, cura, labor, das in supplicium übergeht, wie verk in verkr dolor. vgl. suslbona , höllenfeind. Cædm. 305, 1. . Christlichheidnische vorstellungen von den strafen der unseligen vermischt finden sich im eddischen sôlarliođ (Sæm. 128. 129). Schlangen, nattern, drachen wohnen in der christlichen hölle (Cædm. 270. 271) wie an des Hvergelmir wurzel (s.  664 ). auffallend wird in dem gedicht von Oswald (Haupts zeitschr. 2, 125) eine verstorbne heidin als wölfin dargestellt, der die teufel schwefel und pech in den hals gießen. Dante, in seinem purgatorio und inferno, mengt was ihm mittelalter und classische 674 literatur überlieferten. man lese den schluß des Cædmon, fundgr. 202, und im Barlaam 310 Rudolfs kurze aber dichterische schilderung der hölle hier mag zusammengestellt sein, welche lebende in die unterwelt gelangten und wieder zurückkehrten: bei den Griechen Orfeus, Eurydice aufsuchend; Odysseus; Aeneas. im Norden Hermôđr nach Baldr entsandt und Hadding (Saxo gramm. p. 16). sage des mittelalters von Brandanus und Tundalus; die sage von Tanhäuser und was ihr gleicht ist in einem folgenden cap. darzustellen. mönchische träume und gesichter von fürsten, die ihre vorfahren in der hölle erblicken, sind D. S. no. 461. 527. 530. 554 gesammelt, auch die vision von dem leeren stul im Annolied 724 (vgl. mit Tundalus 65, 7) ist verwandt. Nachtrag: Die hölle heißt ags. vyrmsele und vyrmum bevunden. Judith 134, 49. 57. þaer biđ fŷr and vyrm . Cædm. 212, 9. ûz diseme wurmgarten . Diemer 295, 25. außerdem lebt in der unterwelt der höllenhund s.  832 . 833 ( anm. 2119 ). es gab höllenstrafen auch für heidnische helden. Sigurđr, Fafnisbani, muß einen ofen anzünden , Starkađr ›hefir öklaeld ‹. fornm. sög. 3, 200. vgl. S. Patricks purgatory, an essay on the legends of purgatory, hell and paradise by Thom. Wright. XI und 192. . Daß die heidnische, im Norden liegende Nebelwelt nicht von feuer erfüllt war, folgt am deutlichsten aus einer ihr entgegengesetzten südlichen flammenwelt (s.  463 ), welche in der edda Muspell oder Muspellsheimr genannt wird. sie ist licht und heiß, glühend und brennend Muspellsheimr ist weder himmel, noch sind Muspellssöhne gleichviel mit den im himmel wohnenden lichtelben (s.  368 ); nachdem Surtr himmel und erde verbrannt hat, liegt über diesem himmel ein zweiter, namens Andlângr , über ihm ein dritter himmel, namens Viđblâinn , und darin wohnen jetzt allein lichtelbe , sagt Snorri 22. , nur eingeborne können es in ihr aushalten, daher keine menschen aus unsrer welt in sie übergehen, wie in die kalte, nördliche. Ihrer hütet ein gott namens Surtr , träger des leuchtenden schwerts. Ein überraschender beweis für das vorhandensein altnordischer vorstellungen in dem übrigen Deutschland liegt wieder in jenem namen. nicht allein der sächsische Heliand hat 79, 24 mudspelli , 133, 4 mutspelli , auch ein hochdeutsches, wahrscheinlich in Baiern verfaßtes gedicht z. 62 muspilli (dat. muspille). zugleich welch erwünschte bestätigung des alters der edda, und ihrer grundlage, aus sächsischen, bairischen handschriften des neunten, achten jh. Sonst überall ist der ausdruck erloschen, weder Isländer, noch die übrigen Scandinaven verstehen ihn; bei den Angelsachsen hat er sich noch nicht entdecken lassen, alle späteren hoch und niederdeutschen sprachdenkmäler kennen ihn nicht weiter. sicher ein uraltes, heidnisches wort unter den bei Nemnich verzeichneten vielen benennungen des rohrdommels (ahd. horotumbil, onocrotalus, ardea stellaris) findet sich auch muspel, was auf moos und moor bezug haben und unverwandt sein mag. . Welchen sinn es im allgemeinen habe, wurde schon s.  500 ausgesprochen, kaum einen andern als des feuers, der flamme. jene stellen des Hel. besagen: › mudspelles megin obar man ferid‹, die gewalt des feuers fährt über die menschen; › mutspelli cumit an thiustrea naht, al sô thiof ferid darno mid is dâdiun‹, das feuer kommt in der dunkeln nacht heimlich und plötzlich wie ein dieb geschlichen (Matth. 24, 43. II Petri 3, 10); und der ahd. dichter sagt: ›dâr ni mac denne mâk andremo helfan vora demo muspille , denna daz preitâ wasal‹ (Graff 1, 1063) ›allaz varprennit so lese ich statt varprinnit, weil sich wasal anders nicht deuten läßt. , 675 enti viur enti luft allaz arfurpit‹, da kann kein freund dem andern helfen vor dem feuer, wenn der breite glutregen alles verbrennt, feuer und luft alles reinigen. Es muß ein compositum sein, dessen zweiter theil spilli , spelli , spell sich etwa dem altn. spiöll (corruptio) spilla (corrumpere) ags. spillan (perdere) engl. spill, ahd. spildan, alts. spildian (perdere) vergleichen ließe ahd. ld = altn. ll . vgl. wildi, kold mit villr, gull; warum aber dann nicht muspildi im ahd. und alts. gedicht? ; altn. bedeutet mannspiöll clades hominum, læspiöll (Nialss. cap. 158) vielleicht bellum? was aber in mud , mu (mû?) stecke, ist zu rathen, entweder der begrif von erde, land, oder von holz, baum: im letzten fall ist mudspelli poetische umschreibung des feuers, das holzverderbende, baumverzehrende darf es heißen, wie sonst eddisch bani viđar (percussor, inimicus ligni) grand viđar (perditio ligni) Sn. 126; die lex alam. 96, 1 gibt medela , medula im sinn von lancwitu, lancwit (gramm. 3, 455), die lex Rothar. 305 modula , wie es scheint für quercus, robur (Graff 2, 707), altn. ist meiđr (vielleicht meyđr? wie seiđr f. seyđr) arbor, litth. medis arbor, lignum. im ersten falle wäre es landverderb, weltverheerung, aber ich kenne noch weniger ein deutsches wort für land, erde was jenem mud oder mu gliche. man ist befugt, darin eine altverdunkelte, entstellte form zu finden; finnisch ist maa terra solum wer diese deutungen verwerfen, vielleicht das alts. mudspelli für muthspelli, oris elocmium oder mûtspelli mutationis nuntius (wie ich gramm. 2, 525 vorschlug) nehmen wollte, hätte schon gegen sich, daß der bair. dichter weder mundspelli noch mûzspelli setzt, und ebenso wenig ein altn. munnspiall oder mûtspiall erscheint; und wie ließe sich damit der altn. begrif von heimr vereinbaren? zu geschweigen, daß kein christlicher ausdruck für weltende und jüngstes gericht auf solche vorstellungen führt. Nachtrag: Leo in Haupts zeitschr. 3, 226 hat ein gal. mudspuil mutatio, das ich nicht in den mir zugänglichen gal. wörterbüchern finde. er macht es erst aus muth mutare und spuill spolium. doch das alts. mudspelles megin (wie iarđar megin) führt auf einen sinnlichen begriff. für den von holz, baum spricht Sæm. 9 b geisar eimi viđ aldurnara, die flamme wütet gegen aldurnari d. h. Yggdrasil? anm. 2064 . lappl. heißt muora , muorra arbor. dagegen ist syrjänisch, permisch mu land, votjakkisch muzjern . Rask afh. 1, 39. außer maa scheint finnisch auch moa , mua vorhanden. Castrén syrjän. gr. s. 149. . Surtr (gen. Surtar, dat. Surti Sæm. 9 a ) ist der schwarzbraune, von der glut gebräunte, verwandt mit svartr (niger) und doch verschieden davon Surtr möchte sich zur Svartr verhalten, wie ein goth. name Svartus zum adj. svarts. bei Procop de b. goth. 2, 15. 4, 25 der herulische eigenname Σουορτούας, Svartva? in der ags. genealogie von Deira ein Svearta und Sverting, vgl. Beov. 2406 und hernach ›sveart racu‹. ; es kommt noch sonst als eigenname vor, z. b. fornald. sög. 2, 114. Islend. sög. 1, 66. 88. 106. 151. 206, merkwürdig Surtr enn hvîti , das. 1, 212. Man wird aber auch gesagt haben Surti , gen. Surta; weil in beiden edden das compositum Surtalogi begegnet, Sæm. 37 b Sn. 22. 76. 90. Eine gewisse harzige, verkohlte erde heißt im Norden noch heute Surtarbrandr (Biörn s. v. F. Magn. lex. 730) Surti titio, diese benennung verkündigt, gleich den pflanzennamen nach göttern, ein höheres wesen. vulcanische felsenhöhlen in Island heißen Surtarhellir (F. Magn. a. a. o. 729) und landnâmabôk 3, 10 (isl. sög. 1, 151) gedenkt eines Thôrvaldr, der zu des iötunn Surtr höle ein auf ihn gedichtetes lied brachte: ›þâ fôr hann upp til hellisins Surts , oc fœrđi þar drâpu þâ, er hann hafđi ort um iötuninn î hellinum ‹; 676 auch Sn. 209 b 210 a werden Surtr und Svartr unter den riesennamen aufgeführt. nirgends in beiden edden erscheint Surtr als ein gott, er tritt gleich andern riesen nur als feind und bekämpfer der götter auf. Völuspâ 48 (Sæm. 8 a ) heißt das feuer Surta sefi (Surti amicus) und 52 (Sæm. 8 b ) steht: › Surtr fer sunnan međ sviga leifi, skîn af sverđi sôl valtîva‹ d. i. Surtus tendit ab austro cum vimine gigas, splendet e gladio (ejus) sol deorum, leifi ist deutlich wieder ein riesenname (Sn. 209 a ), valtîva kann nur gen. pl. sein (vgl. Sæm. 10 a 52 a ) und zu sôl gehören, nicht als gen. sg. von valtîvi (was nicht vorkommt, oben s.  161 ) zu sverđi; was svigi, sonst gedrehtes band, flechte? hier bedeute weiß ich nicht, man sollte denken, daß darunter auch das geschwungne schwert verstanden sei; ausdrücklich also wird Surtr riese, nicht gott genannt. Sn. 5 sagt: sâ er Surtr nefndr, er þar sitr â landzenda til landvarnar, hann hefir loganda sverđ (Surtus vocatur, qui sedet in fine regionis, i. e. Muspellsheims, ad eam tuendam, ensemque gestat ardentem) Nachtrag: Surtr ist riese, nicht gott. Surtr oc in svâso gođ . Sæm. 33 a . Surtr ok aesir . das. 188 a . Surta sefi. Sæm. 8 a soll ignis sein. im domesdaybook kommt der name Sortebrand vor. mit Surtr vgl. slav. tschort , čert , czart , diabolus s.  830 . Muspellz synir hafa einir ser fylkîng, er sû biört miöc. Sn. 72. das feld, wo sie mit den göttern kämpfen, heißt Vîgrîđr . Sæm. 33 a . Sn. 72, aber auch Oskopnir . Sæm. 188 a . . Beide verfasser, des Heljand und des ahd. gedichts, Christen, aber noch etwas in heidnische poesie eingeweiht, lassen muspilli bei untergang der welt, bei annäherung des jüngsten gerichts eintreten: dann wird die erde und alles, was sie enthält, von dem feuer verzehrt werden. gerade so schildert auch die edda das weltende: Surtr erhebt sich samt den muspellssöhnen, überzieht alle götter mit krieg und besiegt sie, die ganze welt vergeht von seinem feuer. Sn. 5. 73. Wann er mit seinem leuchtenden schwert von Süden herfährt, wanken die felsen der berge, die riesinnen fliehen, die menschen gehen den todtenweg, der himmel spaltet sich. Sæm. 8 b ; die Asen kämpfen mit Surtr und seinem heer auf einem holm, namens Oskopnir (oben s.  119 ), alle erliegen und die welt geht unter Nachtrag: Die welt geht durch feuer unter. die Inder sprachen ›von der strafenden flamme des jüngsten tages‹. Holtzmann ind. sag. 2, 90. verheerend wie der jüngste tag. das. 2, 86. 99. ein ionischer tanz hieß: κόσμου ἐκπύρωσις . Athenaeus 5, 283. auch in Rom wahrsagte einer: ignem de coelo lapsurum finem que mundi affore. Capitolini Marc. Anton. 13. auch die Kelten glaubten das ende der welt durch feuer und wasser: ἐπικρατήσειν δέ ποτε καὶ πῦρ καὶ ὕδωρ . Strabo 4, 45. 198. gal. brath , ultimum orbis incendium. gu là bhrath , in aeternum, unquam. vgl. Ossian 3, 433. ags. ođ baeles cyme, bis zur ankunft des feuers d. h. weltuntergang. cod. exon. 200, 28. unz an die stunde dô allez sol verbrinnen . Karajan 50, 15. schwäb. wenn einmal der jüngste tag kommt und die welt verbrennt. mad. Justitia s. 26. grôßer schal, als al diu werlt dâ brunne . Wigal. 7262. din jâmertac wil schiere komen und brennet dich darumbe iedoch. Walth. 67, 19. . Den Surtr nennt bloß die edda; unsere ahd. poesie scheint aber züge von ihm in die kirchliche vorstellung vom Antichrist (ahd. Antichristo) zu weben (s.  144 ), die sich ursprünglich auf das eilfte cap. der apocalypse gründet und hernach in jüdischchristlichen ideen weiter ausgebildet worden ist. den namen haben beide briefe des Johannes (I. 2, 18. 4, 3. II. 7); nicht die offenbarung, in welcher er unter dem vielhäuptigen thier gemeint wird. zu seiner zeit sollen zwei weissagende zeugen vom himmel auf die erde gesandt, aber von ihm besiegt und getödtet werden, auch ihre namen fehlen; daß es Elias und Enoch sind, folgt schon aus der ihnen beigelegten macht, den regen zu verschließen, ist auch von den kirchenvätern ausdrücklich anerkannt Justinus martyr dial. cum Tryph. ed. Sylh. p. 208; Tertullian de anima cap. 50., de resurrect. carn. cap. 58; Hippolytus im λόγος περὶ τῆς συντελείας τοῦ κόσμου καὶ περὶ τοῦ ἀντιχρίστου; Dorotheus tyrius de vita prophet. cap. 18; Ambrosius in apocal. cap. 11: Augustin. de civ. dei 20, 29: Gegor. magn. in moral. 15, 18. man sehe auch die in Hoffm. fundgr. 2, 102 ff. und in Kauslers anl. denkm. 1, 486 angeführte literatur. aus späterer zeit sind zu vgl. N. ps. 58, 7. 73, 10; Burcard. wormat. 20, 93–97; Otto frising. 8. 1–8; discip. de tempore im sermo 10. . 677 unbeerdigt liegen ihre leichen in der straße: nach diesem sieg erreicht die gewalt des Antichrists ihren gipfel, er steigt endlich auf den ölberg, um gen himmel zu fahren, da erscheint Michael der engel, und spaltet ihm das haupt berichte des 12. 13 jh. vom Antichrist findet man im hortus deliciarum der Herrat von Landsberg (bei Engelhard p. 48); im cod. vind. 653, 121. 122; fundgr. 1, 195. 196. 2, 106–134; Martina 191 ff.; Wackernag. bas. hss. 22 a ; vgl. auch einl. zu Freidank lxxi. lxxii . . Unser altbairischer dichter hatte nun durch gelehrte männer (weroltrehtwîsê) kunde von dieser erzählung genommen, es schweben ihm aber auch noch bilder des heidnischen weltuntergangs vor, wenn muspilli herannaht. darum hebt er die flammen heraus und läßt von dem zur erde triefenden blute des todwunden Elias alle berge entzündet werden; in keiner einzigen christlichen tradition begegnet dieser zug. der himmel glüht in lohe (suilizôt lougiû) die erde brennt (prinnit mittilagart) und jenes: ›dar ni mac denne mâk andremo helfan vora demo muspille ‹, zwar begründet in Marc. 13, 12. Luc. 21, 16, klingt wie das eddische brœđr muno berjaz ok at bönom verđa, muno systrûngar sifjum spilla, man ecki mađr öđrum þyrma.   Sæm. 7 b 8 a . es heißt ›mâno fallit‹, wie dort: sôl tekr sortna, hverfa af himni heiđar stiörnur. auch Sn. 71: þâ drepaz brœđr fyrir âgirni sakar, oc engi þyrmir föđr eđa syn î manndrâpum oc sifjasliti keinen stärkern grund kenne ich für die annahme, daß Völuspâ auf unsre heilige schrift zurückweise, als das zusammentreffen dieses eddischen zugs mit dem biblischen; wenn das übrige nicht abwiche! . Noch ein mhd. dichter des 12 jh. (fundgr. 194): sô ist danne niht triuwe diu frowe der diuwe, noch der man dem wîbe: si lebent alle mit nîde: sô hazzet der vater den sun u. s. w. Welches heidnische wesen den Baiern und den Alamannen Antichristo vertrat, möchte man wissen, dem nord. Surtr muß es ähnlich gewesen sein. Antichristo erscheint als teuflischer heuchler, Surtr wird als widersacher der Asen, als ein riese geschildert, dessen feuer die welt verzehrt. alle muspellssynir bilden leuchtende heerschaaren, sie und Surtr bewirken durch ihren kampf eine höhere weltordnung, während der Antichrist nur vorübergehend siegt und zuletzt von einer mächtigeren gewalt gestürzt wird Nachtrag: Über den Antichrist vgl. Grieshaber pred. s. 150. 151. ich wêne nu ist anticrist den heiden cumen ze helfe. gr. Rud. 14, 9. deable antecris . Méon 3, 250. l'ame emporteirent Pilate et anticris . Aspr. 9 b . die verwandtschaft des Muspilli mit der Edda schlägt Müllenhoff in Haupts zeitschr. 11, 391 nicht so hoch an. . Was der ganzen vergleichung neue stärke verleiht ist die s.  44 –145 erörterte, aus andern gründen gewisse, verwandtschaft zwischen Donar und Elias . dem achten jh. konnte Elias noch über den jüdischen prophet hinaus als göttlicher held, als gottheit erscheinen. In der edda kämpfen alle Asen, Ođinn , Thôrr , Freyr und Tŷr , mit vereinten kräften, wider die flammensöhne und deren verbündete, ziehen aber gleich Elias und Enoch den kürzern, Elias hat einleuchtende ähnlichkeit mit Thôr (oder Donar.) 678 Michael mit dem besieger des Garmr oder Fenrisûlfr, ich behaupte nicht, daß auch Enoch einem bestimmten heidnischen gott vergleichbar sei, es wäre möglich. Surtr mit dem leuchtenden schwert kann an den engel gemahnen, der des paradises hütet, findet aber auch in der sage von Elias und Enoch sein gegenstück, wenigstens läßt die legende von Brandan (bei Bruns s. 187) neben diesen beiden einen engel mit feurigem schwerte stehn die mnl. gedichte bei Blommaert 1, 105 a 2, 12 a geben bloß einen ›out man‹ statt Enoch, erwähnen aber den cherubin › med enen swerde vierîn ‹. . Eine ags., von Wheloc zu Beda p. 495 ausgezogne homilie de temporibus Antichristi (oben s.  134 ) enthält merkwürdige äußerungen. der übermütige Antecrist , heißt es darin, streitet nicht nur wider gott und gottes knechte, er stellt sich auch höher als alle heidnischen götter: ›he âhefđ hine silfne ofer ealle þâ þe hæþene men cvædon þät godas beon sceoldon, on hæþene vîsan. svylc svâ väs Erculus sa ent, and Apollinis , þe hi mærne god lêton, Dhôr eác and Eovđen, þe hæþene men heriađ sviđe. ofer ealle þäs he hine ænne up âhefđ, forđan he læt, þät he âna sî strengra þonne hî ealle ‹. Wozu sagt das alles der prediger? hatte auch in sächsischen liedern man die ankunft des Antichrists mit heidnischen überlieferungen zusammengehalten, und seinen, wie des Surtr, sieg über Vođen und Thunor anerkannt? die unsächsischen formen Eovđen und Dhôr deuten auf dänischen, nordischen einfluß. Eine entscheidende beziehung gewährt aber der ags. Salomon und Saturn (Kemble s. 148) in dem großen kampf zwischen gott und dem Antichrist, heißt es, daß der Donner mit einer feurigen axt losschlage (dresche): ›se Thunor hit þrysceđ mid þære fŷrenan äcxe ‹, dabei wird unverkennbar Thôrs Miölnir, die torrida chalybs (s.  149 . 150 ) verstanden, und der zusammenfluß heidnischer vorstellungen mit denen vom Antichrist keinem zweifel unterliegen. auch der teufel heißt malleus, hammer (cap.  XXXIII ). Wer geneigt ist die eigenthümlichkeit unserer vorzeit insgemein auf römische und christliche überlieferung zurückzuführen, könnte den anklang beider schilderungen des weltuntergangs leicht zu der behauptung misbrauchen, selbst die eddische lehre sei erst aus jenen traditionen von dem Antichrist hervorgegangen. das würde ich für ganz verkehrt halten. die nordische erzählung ist einfach, und im zusammenhang mit dem übrigen inhalt der edda; der mythus vom Antichrist verworren, ja künstlich in einander gefügt. beide hauptgestalten, Surtr und der Antichrist haben völlig abweichenden character. wie hätte man im Norden eine menge bedeutsamer nebenvorstellungen, gerade die von muspell, hinzuerdacht, wie ein hochdeutscher nach zeit und ort wiederum unabhängiger dichter eben sie anschlagen lassen? Was die edda von Surtr und seinem kampf mit den Asen meldet ist schluß einer ausführlicheren vorstellung von dem ende 679 der welt es ist beachtenswerth, daß weissagerinnen es verkünden: Vala , Hyndla , und noch später meldete Thiota (s.  78 ) consummationis seculi diem. , dessen eintritt aldar rök (Sæm. 36 a ) aldar lag , aldar rof (Sæm. 37 b 167 a ) rof , ruptura, wie man sagt regin riufaz , dii rumpuntur, die welt vergeht. gewöhnlich aber ragna rök (Sæm. 7 a 38 b 96 b 166 b ) oder ragna rökr (Sæm. 65 a Sn. 30. 36. 70. 88. 165) heißt, d. i. dämmerung, verfinsterung der zeit und der waltenden götter (oben s.  22 ). rök und rökr bedeutet dunkelheit, rök rökra Sæm. 113 a in gesteigertem ausdruck die größte finsternis; Biörn erklärt röckur (neutr.) crepusculum und röckva vesperascere. nahe liegt das goth. rigis σκότος, riqizeins σκοτεινός, riqizjan σκοτίζεσϑαι, doch ist hier ableitendes -is zugetreten, und auch der wurzelvocal entfernt sich von dem nord. ö, das umgelautetes a sein muß, so daß rök = raku wäre. dies wird durch das jütische rag nebula, noch mehr das ags. racu bestätigt: ›þonne sveart racu stîgan onginneđ‹ Cædm. 81, 34 ist zu übersetzen: cum atra caligo surgere incipit. rökstôlar (Sæm. b vgl. oben s.  113 ) sind die nebelstüle, worauf die götter in den wolken sitzen. zu diesem rök, racu nehme ich den s.  628 beigebrachten nhd. ausdruck ›die finstere ragende nacht‹, der sich kaum aus ragen (starren, rigere) deuten läßt pers. soll rache vapor bedeuten, darf das sanskr. radschani (nox) verglichen werden? auch an das slav. rok tempus, annus, terminus, fatum, litth. rakus wäre zu denken, dessen abstracte bedeutung aus einer älteren sinnlichen entsprungen sein könnte und ganz an die s.  659 entwickelten begriffe von zeit und welt sich anschließt. mit rauch (fumus) altn. reykr kann weder rök, rökr noch riqis verwandt sein. ungenau ist es, wenn dänische schriftsteller sich der form ragnarok bedienen, da altn. rök in ihrem dialect rag (wie sök sag) zu lauten hätte; ahd. würde ragnarök auszudrücken sein reginorahha oder rah, rahhu, je nachdem es fem. oder neutr. wäre. der schwed. und dän. sprache ist zwar der ausdruck ragnarök erloschen, doch besitzen beide einen andern für crepusculum, schwed. thysmörker , dän. tusmörke , der sich vielleicht aus þuss, purs erklärt und ein altn. þursmyrkr riesendämmerung vermuten läßt, was zu der riesennatur der Surtr stimmen würde. . ragnarök ist also götternacht, welche über alle, auch die höchsten wesen (s.  263 ) herannaht Nachtrag: Wie aldar rök , ragna rökr wird þiođa rök . Sæm. 28 b . tîva rök . 36 a. b . fîra rök . 49 a . forn rök . 63 a gebraucht. ags. racu ist = skr. radschani, nacht (s. anm. 1896 ). zu dieser götterdämmerung zieht O. Schade in seiner sechsten thesis den spruch: ›es ist noch nicht aller tage abend ‹. . Alsdann brechen die bis dahin in bann und zwang gehaltnen bösen wesen los und streiten wider die götter: ein wolf verschlingt die sonne, ein andrer den mond (s.  588 ), die sterne fallen vom himmel, die erde bebt, die ungeheure weltschlange, iörmungandr, ergriffen von riesenwuth (iötunmôđr s.  439 ) hebt sich aus dem gewässer ans land, Fenrisûlfr wird los (s.  202 ), Naglfar flott, ein aus den nägeln todter menschen gefertigtes schif dadurch soll die ungeheure ferne und das langsame zustandekommen des weltendes ausgedrückt sein: bis ein solches schif aus schmalen nägelschnitzen der leichen zusammengesetzt wird, verstreicht lange lange zeit, und sie leidet noch durch die warnende vorschrift aufschub, allen todten die nägel vor der bestattung oder verbrennung zu schneiden. vgl. Finn Magnusen lex. 520. 820. Ähnlich ist die vorstellung des bergs der ewigkeit, dem alle hundert jahre ein vogel nur ein sandkorn zuträgt. . Loki führt die hrîmthursen und das gefolge der Hel (Heljar sinnar) herbei, die ganze höllische und wölfische sippschaft hat sich versammelt. 680 Aber größte gefahr naht den göttern aus jener flammenwelt: Surtr und sein leuchtendes heer reitet über Bifröst, den regenbogen (s.  610 ), mit solcher macht heran, daß er zusammenbricht. Die einzelnen kämpfe sind so vertheilt: Ođinn gegen Fenrisûlfr, Thôrr gegen Iörmungandr, Freyr gegen Surtr, Tŷr gegen Garmr Garmr , der größte, ungeheuerste aller hunde (Sæm. 46 a ), ohne zweifel, wie Κέρβερος, nur verwandelter riese, scheint gleich diesem in der unterwelt einheimisch; als Ođinn nach Niflhel fährt, ›mœtti hann hvelpi þeim er or heljo kom‹ (Sæm. 94 a ). er bellt lange, er liegt gebunden und bellt ›for Gnŷpahellir ‹ (Sæm. 7 a 8 a ). der 'höllenhund christlicher sage steht dem nord. wolfe näher (s. folg. anm.). , Heimdall gegen Loki; überall unterliegen die alten götter, obgleich auch Garmr und Loki fallen, Fenrisûlfr durch Vîđar getödtet wird Viđars sieg über den wolf , in dessen rachen er mit einem mythisch geschuhten fuß tritt (Sn. 73), gleicht der schilderung christl. traditionen von bekämpfung des höllenhunds , vgl. fundgr. 1, 178. 179. . Daß Loki und sein geschlecht den flammensöhnen verbündet auftritt, folgt aus seiner eignen natur, er selbst ist ein gott des feuers (s.  200 ). Nach dem weltbrand , dem Surtalogi , erhebt sich eine neue, seligere erde aus dem meer, mit verjüngten göttern, die wiederum Aesir heißen. Sæm. 10. Ein schluß, der unbestreitbare ähnlichkeit hat mit dem jüngsten gericht ahd. antitago , suonotac , suonotago , tuomistac , tuomtac , stuatago (goth. stáuadags?); mhd. endetac , süenetac , tuomtac ; alts. the lazto dag , dômdag , dômesdag , ags. dômdäg , engl. doomsday, altn. dômsdagr. und dem neuen Jerusalem der Christen. str. 65 der Völuspâ, die des regindômr ausdrücklich erwähnt, hat man, weil sie in einigen hss. mangelt, für eingeschoben erklärt, die interpolation kann aber nicht nach dem bloßen inhalt ermessen, sie müste auch durch formelle gründe unumstößlich erwiesen werden. selbst wenn sie statt fand, wird damit nicht das heidenthum des mythus noch das alter der dichtung überhaupt verdächtigt. Denn wie unter frühbekehrten stämmen der heidnische glaube nicht auf einen schlag vertilgt wurde in Leydens complaint p. 98 wird gerade eine fabel von dem wolf und dem weltende , ›the tayl of the volfe of the varldis end‹ genannt, die noch zur zeit des 15 jh. in Schottland und anderwärts (oben s.  203 ) umgieng. lesenswerth ist eine freie isländ. bearbeitung des vaticinium Merlini, die gegen schluß des 12 jh. verfaßt sein soll und worin altn. vorstellungen vom weltende einfließen (F. Magn. lex. 658. 659). , können auch einzelne christliche lehren schon zu völkern vorgedrungen sein, die noch Heiden blieben; umgekehrt hafteten einzelne heidnische vorstellungsweisen fort unter den Christen. man erwäge, wie der dichter des Hel. s. 131. 132. 133 das nahen des jüngsten tags zwar nach den evangelien schildert, aber dabei die ausdrücke gebanes strôm und mudspelli untermengt. selbst die personification des jüngsten tages (›verit stuatago in lant‹, wie ›muspilli kumit‹) hat heidnischen beischmack. Es mögen noch andere überlieferungen von dem weltuntergang bestanden haben, die uns in ihrem zusammenhang nicht erhalten worden sind. dahin zähle ich die s.  356 angeführte 681 volkssage von dem ring, den ein schwan aus seinem munde fallen läßt, was ganz alterthümlich gemahnt und vielleicht an die vorstellung von dem weltring (s.  663 ) rührt. Dem untergang der welt durch feuer , welchen Heiden und Christen II Petri 3, 12; vgl. Freidank 179, 4. als zukünftig erwarten, entgegen steht der durch wasser , den die geschichte beider als vergangen schildert. Gleich der sinflut (s.  477 –482) soll auch der weltbrand nicht für immer zerstören, sondern reinigen und eine neue, bessere weltordnung nach sich ziehen Nachtrag: Die sterne fallen vom himmel ( anm. 2129 ), der regenbogen bricht zusammen. Atlas hielt mit seinen schultern das gewölbe des himmels , der einfallen muß, wann sie zurückgezogen werden. quid si nunc coelum ruat? Terent. heaut. IV. 2. (die Kelten) ἔφασαν δεδιέναι μήποτε ὁ οὐρανὸς αὐτοῖς ἐμπέσοι . Arrian. anabas. 1, 4. GDS. 459. 460. der deutsche volksglaube erzählt vom vöglein (zeisig), das schlafend sein kläulein über den kopf hält, ihn zu schützen, wenn nachts der himmel einfalle . Das schif Naglfar hängt zusammen mit Naglfari, dem gemahl der Nôtt. Sn. 11. es kommt so langsam zu stande, wie der eisenfels vergeht, an welchem alle 100 jahr die frau mit dem schleier streift. vgl. die kuhhaut , die der riese rein pflückt. (s. anm. 1383 ). Auch nach ags. glauben ward der hellehund bekämpft: sî he toren of hellehundes tôđum. Kemble no. 715. a. 1006. hellehunt . MS. 2, 147 b . (s. anm. 2094 . 2514 . 2520 ). Das jüngste gericht der Christen gleicht des Minos gericht in der unterwelt. Lucian Jup. confut. 18. und dem seelengericht der Mongolen. Bergmann 3, 35. vgl. die Michaelswage s.  717 . Ags. vorstellungen vom weltuntergang bewahrt der cod. exon. 445. . Die kirchliche überlieferung des mittelalters (auf grundlage von Matth. 24. Marc. 13. Luc. 21) nimmt funfzehn zeichen an, die den jüngsten tag ankünden sollen Thomas Aquinas († 1274) in librum 4 sententiar. Petri Lomb. dist. 48. qu. 1. art. 4 (Thomae opp. Venet. 13, 442). Asegabôk (Richth. 130. 131). Haupts zeitschr. 1, 117. 3, 523. Hoffm. fundgr. 1, 196. 197. 2, 127. Amgb. 39. Wackernagel bas. hss. 22 b . Maßm. denkm. 6. Berceo († 1268) de los signos que aparecerán ante del juicio, in Sanchez coleccion 2, 273. Thomas, Asegabôk und Berceo beziehen sich auf Hieronymus, in dessen werken eine solche zusammenstellung der funfzehn zeichen nirgends vorkommt. Rol. 289. 290 und Karl 89 a bei Rolands tod ähnliche zeichen. ; unter ihnen mangelt der ungeheure winter, fimbulvëtr , jenes windalter s.  661 , (Haupts zeitschr. 7, 309), das nach beiden edden (Sæm. 36 b Sn. 71) dem ragnarökr vorausgeht und sicher echtdeutsche vorstellung ist man erwäge: Sæm. 119 a ›þađan koma sniofar ok snarir vindar ‹ und die poetischen schilderungen des winters bei ags. dichtern: Andr. 1256–63. Beov. 2258. ; dafür werden verfinsterung der sonne , des mondes (s.  202 . 203 ) und erdbeben ausgemalt, das auch vor der götter dämmerung erfolgt: ›griotbiörg gnata , himinn klofnar, gnŷr allr Iötunheimr‹ (Sæm. 8 b ); der sonst gewöhnliche altn. ausdruck ist landskiâlfti (Sn. 50) und ›iörd skâlf ‹. ›landit skâlf, sem â þræđi lêki‹ fornald. sög. 1, 424. 503 ›lönd öll skulfu ‹ Sn. 66; ›fold fôr skiâlfandi ‹. Sn. 148. . Ulfilas gibt σεισμός durch das fem. reirô , er sagt ›aírþa reiráida‹, alts. ›ertha bivôda ‹ Hel. 168, 23, ahd. ›erda bibinôta ‹ O. IV. 34, 1; im subst. heißt es erdpipa, erdbibunga, erdgiruornessi. Reinardus 1, 780 wird zusammengestellt: ›nec tremor est terrae , judiciive dies ‹; und in serbischen liedern: ›ili grmi, il se zemlja trese? ‹ donnerts oder bebt die erde? (Vuk 2, 1. 2, 105). Doch ist erdbeben, wie sinflut, öfter als ein vergangnes ereignis dargestellt, dem manigfalte ursachen untergelegt werden. die griech. fabel leitet es her von eingeschloßnen cyclopen oder titanen (Ovid. met. 12, 521), die nordische aus den zuckungen des gefesselten Loki, wenn gifttropfen auf sein antlitz niederfallen (Sæm. 69. Sn. 70) oder aus Fâfnirs gang zum wasser (fornald. sög. 1, 159. 160). Auch bei dem tod einzelner helden bebt die erde, z. b. Heimirs (fornald. sög. 1, 232) oder des riesen (Vilk. saga cap. 176). bei Rolands tod erfolgt blitz, donner und erdbeben (Rol. 240, 22). Den Indern entsteht erdbeben, wenn einer der 682 acht elefanten, die den erdball tragen, seiner last müde, einmal das haupt schüttelt Schlegels ind. bibl. heft 2. . Die Japaner sagen, wenn die erde bebt: ›es ist wieder ein wallfisch unter unserm lande fortgekrochen‹; die Otaheiter: ›gott schüttelt die erde‹ Zimmermanns taschenb. f. reisen. jahrg. 9. abth. 2. Adelungs Mithrid. 1, 634. , die Letten: ›Drebkuls schlägt die erde, daß sie zittert‹, gerade wie die Griechen ihren Poseidon Ἐννοσίγαιος, Ἐννοσίδας nennen Nachtrag: Ein gedicht des archipoeta von den funfzehn zeichen steht in Haupts zeitschr. 3, 523–25. die zeichen weichen oft in den verschiedenen schilderungen ab s. Sommer das. 3, 525–530. Wiedeburg s. 139. lekensp. Deckers 2, 264. Diemer s. 283–287. Grieshaber s. 152. Mones schausp. 1, 315 ff. MSH. 3, 96 b . das zwölfte zeichen in jenem lateinischen gedichte ist: fixae coeli penitus stellae sunt casurae , so auch bei Grieshaber 152; im Asegabook das dreizehnte: sa fallath alle tha stera fon tha himule. vgl. Sæm. 9 b : hverfa af himni heiđur stiörnur . unter dem volk galten noch andere vorzeichen: wenn es dreizehn schlägt und die hühner anfangen zu krähen, so kommt der jüngste tag. Haupts zeitschr. 3, 367. Die erde bebte, altn. iörd dûsađi . Sæm. 241 b . bei den Griechen verursacht Poseidon (Herodot 7, 129) oder sonst ein gott dasselbe: τὴν πόλιν τοῦ ϑεοῦ σείσαντος. Pausan. 1. 29, 7, sonst auch Typhoeus. Ovid. met. 5, 356. über die ursache spricht Agathias 5, 8. litt. Drebkullys ist gott des erdbebens (Nesselmann s. 154 und 208), von drebeti beben und kulti schlagen. eine neuseeländ. sage vom erdbeben erzählt Klemm 4, 359. die erde wird von einer schildkröte getragen. Klemm 2, 164. . Den himmel dachten sich unsere ahnen nicht bloß als die decke der erde (s.  582 ), sondern auch als ein himmelreich, als der götter und der von ihnen aufgenommnen seligen menschen wohnung. in ihn führt die brücke des himmlischen bogens (s.  610 ) und die milchstraße (s.  295 ). Hier aber muß vorausgesetzt werden was schon cap.  xix über die schöpfung der welt, altn. ansicht zufolge, mitgetheilt wurde. Nachdem die götter himmel und erde geordnet, Ask und Embla erschaffen, Miđgarđ dem menschengeschlecht zum aufenthalt angewiesen hatten, richteten sie sich selbst eine wohnung im mittelpunct der welt ein, welche Asgarđr hieß, in deren ungeheuerm umfang nun aber eine menge besonderer stätten unterschieden werden. Keiner unter den einzelnen räumen ist berühmter als die odinische Valhöll (ahd. Walahalla?), deren name sichtbaren bezug hat auf des gottes eigne benennung Valföđr und auf die valkyrien (s.  346  ff.) vermutlich gehört auch Valaskiâlf , der silbergedeckte saal, in diese reihe (Sæm. 41 a Sn. 21), womit man Hliđskiâlf (s.  112 ) vergleiche. skiâlf drückt die zitternde bewegung der luftstätte aus, wie bif in Bifröst. das ahd. walaêht des êwigin lîbes Is. 73, 4 scheint nicht bloß possessio vitae aeternae, sondern ein absichtlich gewählter verstärkter ausdruck. . in diese wohnung, die auch den namen Ođins salir führt (Sæm. 148 b ), haben ihm die kriegsjungfrauen alle von beginn der welt im valr, auf der wahlstätte gefallnen helden (die vâpnbitnir, Yngl. cap. 10) zugeführt, er nimmt sie zu kindern an, sie heißen ôskasynir (Sn. 24) angewünschte, adoptierte got setzet si in sîne schôz. Ls. 3, 92. und zugleich söhne des Wunsches (s.  119 ). Ihr anderer name ist einherjar , d. i. egregii, divi, wie Ođinn selbst Herjan und Herjaföđr genannt wird und heri den kämpfenden held bedeutet (s.  284 ). nicht zu übersehn, daß selbst Thôrr einheri heißt (Sæm. 68 a ) gleichsam mitgenoß von Valhöll. da sich noch das ahd. nom. pr. Einheri findet (z. b. Meichelbeck no. 241. 476. Schannat 137), so folgere ich früheres vorhandensein des mythischen terminus, obgleich nicht sicher, weil die form aus Eginheri, Aganheri, wie Einhart aus Eginhart, Reinhart aus Reginhart entsprungen sein könnte. Valhöll ist mit schilden gedeckt (Sn. 2) und zählt 540 thüren, deren jegliche auf einmal 800 einherien, also 432,000, durchgang gestattet (Sæm. 43 a ); mitten darin steht Ljerađr , Lærâđr ein 683 mächtiger baum, von dessen laub die ziege Heiđrûn abbricht. aus der ziege euter (wie aus Amaltheas horn nektar) fließt täglich ein gefäß voll meth, der alle einherien genugsam nährt. Eikþyrnir der hirsch beißt von des baumes ästen, aus des hirsches hörnern trieft unaufhörlich wasser hinab in Hvergelmir und bildet die ströme der unterwelt (s.  463 vgl. 465 ). Diesen seligen aufenthalt ersehnten sich alle tapferen männer nach ihrem tod; einem übelthäter, einem feigen war er verschlossen ein gleich nachher angeführtes gedicht des 13 jh. hat schon unverkennbaren bezug auf das märchen vom spielmann oder spielhansel , der aus dem himmel abgewiesen wird, weil er ein schlechtes leben gelebt und keine thaten verrichtet hat. : ›mun sâ mađr braut rekinn ur Valhöllu ok þâr aldrei koma‹. Nialss. cap. 89. Einen helden auf tod und leben bekämpfen heißt ihn nach Walhalla weisen (vîsa til Valhallar) fornald. sög. 1, 424; sagen und preislieder schildern den empfang seliger helden in Walhalla, als Helgi dort anlangt, bietet ihm Ođinn an mit ihm zu herschen (Sæm. 166 b ); sobald Helgi diese mitherschaft erworben hat, übt er sie auch aus, indem er dem von ihm erschlagnen Hundîngr knechtsgeschäfte auferlegt. man nahm also auch im künftigen leben diese fortdauer des unterschiedes der stände an. bei Eyrîks ankunft läßt Ođinn die bänke ordnen, die becher bereiten und wein auftragen (bruchst. des lieds Sn. 97), Sigmund und Sinfiötli werden ihm entgegengesandt (Müllers sagabibl. 2, 375). berühmt ist Hâkonarmâl, das auf Hâkons empfang in Valhöll gedichtete. Aber schon die irdische königshalle, worin, wie in der himmlischen die helden zechen, führt den gleichen namen Valhöll (Sæm. 244 a 246 a bei Atli). aufenthalt und wonne der götter und menschen spiegeln sich nothwendig in einander ab (vgl. s.  279 . 326 ) Nachtrag: Die valkyrien führen in den himmel, wie die Horen die wolken als thor des Olympos öfnen. ähnlich holen die engel sterbende helden ab. la vos atendent li anges en chantant, contre vos ames vont grant joie menant. Asprem. 22 b . lame emporterent li ange en chantant. das. 28 a . In Blekingen heißt eine klippe Valhall , in Westgotland an zwei orten Valhall, Vâhlehall; es sind die hügel, von welchen sich lebensmüde alte herabstürzten in einen darunter fließenden bach oder see , in welchem sie gewaschen wurden. dieses wasser führt den namen Odenskälla . indem sie der gott in empfang nahm, wusch oder badete er sie vorher. vgl. Geijer 1, 115 ( anm. 2163 ). Nach Valhöll kommen die tapferen männer. sâ var âtrûnađr heiđinna manna, at allir þeir er af sârum andadisk, skyldu fara til Valhallar . Fagrsk. s. 27. der knecht kommt nicht nach Valhöll außer im geleite des herrn. fornald. sög. 3, 8. in Valhöll ist vapnaþîng , daher verschaft ein sohn seinem vater waffen dahin, indem er sie mitbegräbt. Nialss. c. 80. þû vart valkyrja at alföđur, mundo einherjar allir beriaz um sakar þînar . Sæm. 154 b . als Hâkon heidnisch gestorben und begraben war, fanden sich seine freunde um den hügel ein und wiesen ihn, nach heidnischer weise, hin zu Valhöll: maelto þeir svâ fyrir grepti hans, sem heiđinna manna var siđr til, oc vîsođo honom til Valhallar . Hâkonarsaga cap. 32. Inde vota nuncupat (Ringo) adjicitque precem , uti Haraldus eo vectore (equo suo) usus fati consortes ad tartara antecederet atque apud praestitem Orci Plutonem sociis hostibusque placidas expeteret sedes . Saxo gramm. 147. vgl. das gebet des Waltharius 1167: hos in coelesti mihi praestet sede videri. Valhöll heißt auch hâ höll , celsa aula, doch nur der dat. hâva höllo kommt vor Sæm. 24 b . 30 b . Sn. 3. Hropts sigtoptir Sæm. 10 a . . Die indische mythologie kennt einen himmel der helden , die griechische weist ihnen ein elysium im seligen westende, auf inseln des okeanos an; man darf mit voller sicherheit behaupten, daß der glaube an Walhalla nicht bloß unserm Norden eigen war, er muß allen deutschen völkern gemein gewesen sein. eine vita Idae (bei Pertz 2, 571) bedient sich des ausdrucks ›coelorum palatinae sedes ‹, es wird ein hof, eine hofhaltung gleich der königlichen pfalz vorausgesetzt, wo die seligen wohnen. noch bedeutsamer heißt dem ags. dichter der himmel eine schildburg , die wie Valhöll mit goldschilden gedeckt war (s.  583 ). in der vita Wulframi wird dem Friesenkönig Radbot ein goldglänzendes haus gewiesen, das ihm nach dem tode bereitet sei (D. S. no. 447. v. d. Bergh overlev. 93), etwa wie es Ms. 2, 229 b geschildert ist: in himelrich ein hûs stât, ein guldîn wec darîn gât, die siule die sint mermelîn, die zieret unser trehtîn mit edelem gesteine. 684 Ein gedicht des 13 jh. (die warnung 2706–2798) spricht es aus, daß das himmelreich nur von den helden, die gekämpft haben und ›nâch urliuges nôt‹ narben an sich tragen, nicht von einem unnützen spielmann erworben werde: die herren vermezzen ze gemache sint gesezzen unt ruowent immer mêre nâch verendetem sêre, versperret ist ir burctor, belîben müezen dâ vor die den strît niht envâhten unt der flühte gedâhten. – swâ sô helde suln belîben ir herren ir müezet vehten, welt ir mit guoten knehten den selben gmach niezen Nachtrag: Die seelen der im kampf erschlagnen kschatrijas gelangen in Indras himmel und heißen dessen gäste. Bopp Nalas 264, den kriegern, die im kampf fallen, ist des himmels thür aufgethan. Holtzmann ind. sag. 2, 65. vgl. en infer vont li bel cevalier qui sont morts as tornois et as rices guerres. Aucassin b. Méon 1, 355. Auch ags., ahd. und mhd. ausdrücke weisen auf eine himmelsburg. godes ealdorburg , dei palatium. cod. exon. 441, 8. rodera ceaster , coelorum urbs. das. 441, 10. eine ausführliche beschreibung der › himilisge gotes burg ‹ (Haupts zeitschr. 3, 443. 444) sagt: diu burg ist gestiftet mit aller tiuride meist ediler geist gimmon , der himel meregriezon , der burge fundamenta, die porte ioh die mure daz sint die tiuren steina der gotes furst helido . ein ähnliches gold und lichtstrahlendes haus kommt in einer vision bei Gregor tur. 7, 1 vor. ir erbe solde sîn der himelhof . Ludw. d. fromme. 2478. . Aber unzertrennlich von der heidnischen vorstellung wird es auch gewesen sein, daß in Walhalla der becher kreise und das fröhliche trinkgelag der helden ewig währe kräftig drückt diesen sinn eine bekannte grabschrift aus: wiek düvel wiek, wiek wit van mi, ik scher mi nig en har um di, ik bin en meklenburgsch edelman: wat geit di düvel min sûpen an? ik sûp mit min herr Jesu Christ, wenn du düvel ewig dörsten müst, un drink mit en fort kolle schal , wenn du sittst in de höllequal. das ist nicht bloßer schimpf, sondern unverdrossener ernst der helden, die mit Wuotan saufen und jagen wollen. vgl. Lisch mekl. jahrb. 9, 447. . Hierfür lassen sich noch einige andere benennungen geltend machen. Glađsheimr heißt nach Sæm. 41 a die stätte, auf welcher Valhöll erbaut ist, in Glađsheim findet sich allvaters hochsitz (Sn. 14); ein andres daneben den göttinnen errichtetes haus führt den namen Vingôlf , er scheint aber auch gleichbedeutig mit Valhöll gebraucht zu werden, ein dichter singt: ›vildac glađr î Vingôlf fylgja ok međ einherjum öl drecka‹. dies vingôlf drückt aus amica aula und gerade nennen die ags. dichter den ort, wo die helden mit dem könig trinken, wiederum vinburg , vinsele , goldburg , goldsele (vorr. zu Andr. und El. xxxvii. xxxviii ). Gladsheimr, gladheimr kann sowol frohe als glänzende wohnung bedeuten; selbst heute ist es uns geläufig den himmel unter freudensaal , freudenthal , im gegensatz zu dem jammerthal der erde (s.  663 ) zu verstehn. ich weiß nicht, ob sich die alte benennung mons gaudii , mendelberc (oben s.  141 ) auf den himmel bezog, doch viel später noch wurde ein freudenvoller, seliger aufenthalt durch sældenberc (Diut. 2, 35) wonnenberg und freudenberg bezeichnet: ›die nacht zum freudenberge reiten‹ heißt es in einer urk. von 1445 (Arnoldis misc. 102); ›du meins herzen freudensal ‹ wird die geliebte, wie sonst mein himmel 685 genannt (fundgr. 1, 335), ja in der gaunersprache steht freudenberg, wonnenberg für geliebte. freudenthal , freudenberg , freudengarten sind häufig ortsbenennungen solch ein wonneland ist auch in der celtischen sage gegründet, die fee Morgan (s.  342 ) geleitet dahin; Parz. 56, 18 lese ich: den fuort ein feie, hiez Murgan, in Ter de la schoye Nachtrag: Die vorgeschlagene lesart in Parz. 56, 18 wird nur gerechtfertigt durch die hs. d. auch steht Parz. 496, 8: berc ze Fâmorgân , 585, 14 ze Fâmurgâne und Türl. Wh. 24 a . Fâmorgân hiez daz lant vgl. 37 a . De glasenburg upriden. Uhland volksl. s. 16. der gläserne berg kommt in vielen sagen und märchen vor. Müllenhoff s. 386. 387. Ehrentraut fries. arch. 2, 162. Sommers märchen 99 ff. Bechsteins sag. s. 67. Der glasburg verwandt ist die wolkenburg. mons Wolkinburg . Caes. heist. 2, 318. vgl. Böhm. cod. francof. 247 (a. 1290). Lacomblet arch. 2, 11. 19. weisth. 2, 713. Vila baut eine burg auf die wolke mit drei thoren. Vuks neue ausg. s. 151. in Kalev. 2, 25 heißt es: tuulehenko teen tupani , in die luft zimmer bauen. vgl. das luftschloß auf dem regenbogen. s.  611 . . auch an die nord. benennung glêrhiminn (coelum vitreum) ein paradis, wohin alte helden reiten (Iarlmagus saga p. m. 320. 322) ist zu erinnern; die sagen und lieder kennen irdische glasberge und glasburgen als aufenthalt der helden und weiser frauen, Brynild wohnt im glatten unersteigbaren glarbjerg (D. V. 1, 132), im Wolfdietrich (cod. Dresd. 289) erscheinen vier glasberge . vgl. was s.  698 über den litth. und poln. glassberg in der unterwelt beigebracht ist. ein glashaus in der luft (château en l'air) kommt schon im altfranz. Tristan ed. Michel 2, 103 (vgl. 1, 222} vor. Nachtrag: Der himmel heißt der himelische sal . tod. gehugde 942. der vrône sal . Diemer 301, 3. der freuden sal besitzen. Tit. 5788. vgl. freudental besitzen. Tit. 3773 im gegensatz zu riuwental das. 3774. eine burg heißt auch wol freuden zil . Wigal. 9238. 11615. hverfa â munvega (freudenwege) = sterben. Egilss. 622. Der auf fröhliches gelage mit Christus im himmel hoffende meklenburgische edelmann stammt nach einer andern sage aus Pommern. n. preuß. prov. bl. 3, 477. vgl. im samint in drinchit er den wîn. Diemer 103, 5. s'aurai mon chief em paradis flori , ou toz jors a joie , feste e deli . Aspr. 18 a . ἐν μακάρων νήσοις πίνειν μετὰ τῶν ἡρώων , ἐν τῷ Ἠλυσίῳ λειμῶνι κατακείμενος. Luciani Jup. confut. 17. . Wir wollen sehn, was von diesen heidnischen vorstellungen in den christlichen haften blieb, oder damit zusammentraf. Den namen Valhöll, Walahalla scheint man gemieden zu haben, vinsele könnte wol vom himmel gesagt sein, ich finde es bloß von irdischer wohnung (Cædm. 270, 21. Beov. 1383. 1536. 1907). dagegen brauchen noch unsere späteren, selbst geistlichen dichter unanstößig den ausdruck freudensal für himmel, da die himmlische freude auch christlich ist. ›stîgen ze himel ûf der sælden berc ‹ Wackern. bas. hss. s. 5. Das christenthum kennt einen doppelten ort der wonne, einen vergangnen und künftigen. dieser ist ein aufenthalt der seligen bei gott, jenen verscherzte der ersten menschen sünde, und er wird als ein garten Eden dargestellt. Beide übertragen die lxx παράδεισος (wonach das paradisus der vulg.), was ein pers. wort sein soll, ursprünglich garten, thiergarten, park aussagend, wie das armen. bardez (hortus) bestätigt. In der einzigen stelle die wir bei Ulfilas nachsehen können II Cor. 12, 4, stehet vaggs , ahd. wanc (campus amoenus, hortus). ahd. übersetzer behalten entweder paradîsi bei (fragm. theot. 41, 21), oder gebrauchen wunnigarto (gl. Jun. 189. 217. hymn. 21, 6) wunno garto N. ps. 37, 5, vgl. thaz wunnisama feld O. II. 6, 11; after paradîses wunnen Diut. 3, 51. mhd. ›der wunne garte ‹ Fuozesbr. 126, 27; ›der wollüste garte‹ MsH. 3, 463 a ; ahd. zartgarto N. ps. 95, 10. die benennung wunnigarto könnte noch an vingôlf , vinsele klingen, da sich wunna = wunia, goth. vinja, und wini (amicus) nah berühren. Seltsam ist der ags. ausdruck neorxenavong , neorxnavong Cædm. 11, 6. 13, 26. 14, 12. 115, 23, von welchem ich gramm. 1, 268. 2, 267. 3, 726 gehandelt habe: es scheint feld der ruhe die ῥηΐστη βιοτή. Od. 4, 565. , darum auch der wonne, und vergleicht sich dem goth. vaggs , alts. hebenwang (Hel. 28, 21. 176, 1); an die altn. nornen ist kein gedanke (s.  335 ), um so weniger als auch in altn. dichtungen der himmel niemals nornavângr heißt. Neben hebenwang braucht der alts. dichter ôdashêm 96, 20. ôpôdashêm 28, 20. 85, 21. domus beatitudinis, wo hêm an heimr in glađsheimr, wie garto in wunnigarto an âsgarđr erinnert. ûpôdashêm ist wie 686 ûphimil gebildet und gleichfalls heidnisch. Allen Slaven heißt das paradis raï , serb. raj , poln. ray , böhm. rag , wohin auch das litth. rojus gehört, woneben rojaus sódas (paradisgarten) und darzas (garten) gesagt wird. rai aus paradisus (span. parayso) wäre fast zu starke kürzung; nach Anton (versuch über die Slaven 1, 35) soll auch das arab. arai paradis bedeuten Nachtrag: Skr. dêšas , land. zend. paradaêshas , schönstes land. Benfey 1, 438. τὸν παράδεισον  = hortum. Luciani somnium 21. Procop 1, 382 braucht παράδεισος vom garten des vandalischen königs. vgl. 434. ir. parrathas . altsl. poroda . das irdische paradies ist der rosengarten vgl. die darstellung einer Pommersf. hs. (Haupts zeitschr. 5, 369). Roseng. 1028. Titur. 6044. ein andrer ausdruck ist: saltus wunnilô . Lacombl. no. 65 (855) vgl. lustwald. Weinhold in Haupls zeitschr. 6, 461 verbindet neorxena doch wieder mit norna . Das slav. rai paradis will Miklos. 73 aus rad" froh, gern, wie nai aus nad" ableiten. böhm. raghrad , sonst rajgrad , paradiesgarten, später hradiště (burg), von rundem wall umgebner platz, worin die alten Slaven feste und spiele hielten und lieder sangen. ebenso die gralhöfe , grale . Herodot 3, 26 nennt Ὄασις μακάρων νῆσος, eine grüne insel im sand. Ein land, da milch und honig fließt. exod. 3. 8. Mar. 160, 17, wie im schlaraffenland, das auch schon den Griechen bekannt war. Athen. 2, 526–533. vgl. milch, honig und blut als götterspeise und dichtertrank s.  264 . anm. 1017 . mellis lacus et flumina lactis erupisse solo. Claudian. Stilich. 1, 85. . Wie Valhöll ist das griech. elysium, ἠλύσιον πεδίον, Plutarch 4, 1156. Lucian de luctu 7, kein allgemeiner aufenthalt aller verstorbnen, nur auserwählter helden; auch den Griechen hieng höchste seligkeit ab von tapferkeit des kriegers. Und nicht einmal alle helden gelangten dahin, Menelaos als Zeus eidam, Od. 4, 561; andere, sogar berühmtere hausen im Aïdes, Hades. Achilles wandelt auf der blumenwiese , dem ἀσφοδελὸς λειμών der unterwelt, wohin die seelen der erschlagnen freier Hermes geleitet. Od. 11, 539. 24, 13. Lucian de luctu 5. philops. 24. Von dieser aue der seligen weiß nicht weniger unsre einheimische dichtung und sage. kinder, die in brunnen fallen, gelangen durch grüne wiesen ins haus der freundlichen frau Holla. Flore 24. 22: ›swer im selber den tôt tuot, den geriuwet diu vart, und ist im ouch verspart diu wise , dâr dû komen wilt, an der Blancheflûr spilt mit andern genuogen, die sich niht ersluogen‹. selbstmörder bleiben ausgeschlossen von solchem ort der seligkeit. Florîs 1107 ›int ghebloide velt , ten paradise‹; 1248 ›waenstu dan comen int ghebloide velt , daer int paradis?‹; 1205 ›ic sal varen int ghebloide velt , daer Blancefloeren siele jeghen die mine gadert ende leset bloemekine‹. der franz. Flores hat in den entsprechenden stellen camp flori (altd. bl. 1, 373) die mnl. dichtung Beatrîs 1037 setzt das jüngste gericht ›int soete dal , daer god die werelt doemen sal‹. , in Bekkers ausg. v. Flore 786. 931. 1026. Aber unsere älteren, vermutlich schon die heidnischen dichter dachten sich den himmel, wie die erde, als ein grünes gefilde : ›teglîdid grôni wang ‹ (die erde) Hel. 131, 1; himilrîki, grôni godes wang 94, 24; grôni wang paradise gelîc 96, 15. the grôneo wang heißt es auch von Aegypten 23, 4. Cædm. 32, 29: ›brâde sind on vorulde grêne geardas ‹. Hâkônarmâl 13: ›rîđa ver nu sculom grœna heima gođa‹, d. i. in den himmel. in vielen deutschen gegenden ist noch heute paradis , goldne aue örtliche benennung. auch bei Virgil Aen. 6, 638 hat viretum den begrif des paradises: devenere locos lactos et amoena vireta fortunatorum nemorum sedesque beatas. Das paradis ist ein verlornes, und ein künftiges der neugrün aus der flut steigenden erde: dem Iđavöllr , in dessen grase die götter goldtafeln (zum spiel) finden (Sæm. 9 b 10 a ), steht schon jener alte Iđavöllr in welchem die asen Asgarđ stifteten (Sn. 14), gegenüber, dem verjüngten reiche der zukunft ein dahin geschwundnes goldnes zeitalter, worin milch und honig flossen begreiflich schließen sich an das verlorne und künftige paradis manigfache sagen von einem irdischen in fernen weltgegenden gelegnen, bis zu welchem einzelne reisende vordrangen; so wird von Alexander berichtet, daß er auf seinem indischen zuge auch in das paradis gelangt sei. zwar nicht die edden, nur jüngere isl. sagen melden von Odâinsakr , immortalitatis ager, einem lande, wo niemand erkranke noch sterbe, vgl. dâinn mortuus, morti obnoxius (oben s.  375 ); man verlegte es nach Hervararsaga (fornald. sög. 1, 411. 513) in das reich eines göttlich gefeierten königs Gođmundr (vgl. Gođormr s.  133 ); nach der saga Ereks vîđförla (fornald. sög. 3, 519. 661. 666. 670) lag es im osten nicht weit von Indien. sollte dieser Erekr hinn viđförli der held eines verlornen mhd. gedichts Erek der wallære sein? der benennung Odâinsakr könnte aber eine ältere heidnische Ođinsakr = Vallhöll zum grunde liegen, vgl. das schwed. Odensåker s.  131 . Nachtrag: Ἠλύσια sind orte, wohin der blitz (die sonne) geschlagen hat. Benfey 1, 457. ἐν τῷ Ἠλυσίῳ λειμῶν . Jup. confut. 17. vgl. Plutarch. 4, 1154. ahd. sunnafelt , elysium. Graff 3, 516. sunnofeld helisios campos. gl. schlettst. 6, 271. ags. heofenfeld coelestis campus s. s.  193 . Hefenfeld locus in agro northumbrensi. ἀσφοδελός , röm. albucus , bespricht Dioscor. 2, 199. mit ihm stimmt Theophrast, dagegen beschreibt die pflanze Galen ganz anders s. Sprengel zu Diosc. 2, 481. Wie von den kindern in unsern märchen, die durch den brunnen hinab auf frau Hollas wiese fallen, heißt es von Psyche, vom hohen felsen springend: paulatim per devexa excelsae vallis subditae florentis cespitis gremio leniter delabitur und sie findet sich dann in einem himmlischen hain . Apulejus lib. 4 in fine. den gärten der Hesperiden gleicht die insula pomorum , quae fortunata vocatur. v. Merlini s. 393. vgl. den heiligen apfelwald . Barzas breiz 1, 56. 57. 90 und sicut fortunatorum memorant insulas , quo cuncti, qui aetatem egerunt caste suam, conveniant . Plaut. Trin. II. 4, 148. ἐν μακάρων νήσοις ἡρώων . Lucian. Demosth. enc. 50. Jup. conf. 17. champ flory , la tanra diex son jugement quand il viendra jugier la gent. altfranz. Marienleben in Laßberg Zoller s. 74. an der maten (prato beatorum). Flore 2326. grêne vongas . cod. exon. 482, 21. þes vang grêna . 426, 34. þone grênan vong ofgifan. 130, 34. noch H. Sachs III. 3, 83 d sagt das grüne thal für paradis. welsch gwynfa paradis, eigentlich weißes glückliches land. Die gestorbnen sollen nach Helgafell kommen. Eyrb. cap. 4. vgl. die sage vom irdischen paradies, das hohe berge beschließen. todes gehugd. 970–976. der gođborinn Gođmundr (Sæm. 153 b ) im fernen paradiesesreich heißt in der Völs. saga Granmar vgl.Granmars synir. Sæm. 155 b . . 687 Für diesen neuen himmel reicht uns aber die edda noch einen eigenthümlichen ausdruck, und zwar nur im dativ › â gimli ‹ dar (Sæm. 10 b Sn. 4, 21. 75), wofür ich den nom. gimill (nicht gimlir) ansetze, so daß mit fortgeschobnem H in G gimill gleich bedeutend der sonst in altn. mundart fehlenden form himill , ahd. alts. himil wäre vgl. Hŷmir und Gŷmir. das scheint auch die nebeneinanderstellung ›â gimli, â himni‹ Sn. 75 auszudrücken. Gimill aber ist von der odinischen Valhöll bestimmt unterschieden und eröfnet sich erst, wann ragnarökr eingetreten ist und die asen im kampf mit den muspellssöhnen gefallen sind. dann nemlich scheint sich ein theil der asen zu erneuen oder zu verjüngen. Baldr und Höđr , die schon lange vor der götterdämmerung die unterwelt betreten hatten, Hænir , der den Vanen als geisel gegeben worden war, sind in Völuspâ (Sæm. 10 b ) als neu auftauchende gottheiten genannt; sie drei waren in den streit mit Surtr nicht verflochten. Sn. 76 gibt hingegen Vîđar und Vali an, die von Surtalogi unverletzt auf Iđavöllr das alte Asgarđ erneuern, zu ihnen geselle sich Môđi und Magni , aus der unterwelt Baldr und Höđr, des Hœnir ist hier geschwiegen. Vîđar und Vali sind die beiden rächer , jener rächte Ođins tod an Fenrisûlfr, dieser Baldrs tod an Höđr (hefniâss Baldrs dôlgr Hađar. Sn. 106). sie beide und Baldr, der schuldlose, reine lichtgott sind Ođinssöhne; als Thôrs und einer gŷgr söhne treten aber Môđi und Magni auf, die von nun an das zeichen seiner gewalt, den zermalmenden Miöllnir führen. Unverkennbar zeigt diese darstellung, daß Ođinn und Thôrr, die hauptgötter des alten Asgarđ, nicht wieder erscheinen, sondern in ihren söhnen verjüngt werden. Baldr bedeutet den eintritt einer milden frühlingszeit (s.  511 ) Nachtrag: Vîđarr wäre ahd. Wîtheri . Graff 4, 986, doch besser ist Viđarr , Witheri vgl. Sæm. 42 a : hrîs, gras, viđ. ein spruch von ihm lautet: Vîđar , er guđ enn î Görđum, hann er lîka î Grindarskörđum. . Wie nun Valhöll bloß waffentodte männer (vâpndauđa vera) aufgenommen hatte, andere gestorbne in Fôlkvângr bei Freyja (s.  253 ), die jungfrauen bei Gefjon (Sn. 36) versammelt wurden, so empfängt nunmehr Gimill ohne unterschied alle gerechten, guten menschen, Hel alle bösen, strafbaren; während die alte Hel, als gegensatz zu Valhöll, die übrigen nicht im kampf gebliebnen männer herbergte, ohne daß sie darum für sündige, strafbare galten. Am schwierigsten bleibt hierbei die eigentliche bewandtnis, die es um Surtr hat, auf den ich zurückkommen muß. daß er 688 nicht als gott, sondern als riese der feuerwelt dargestellt wird, ist s.  676 gezeigt; er findet sich ebenso wenig ›â gimli‹ unter den verjüngten göttern (Sæm. 10 a Sn. 76) genannt, wo der ort dazu gewesen wäre. in einer einzigen hs. (Sn. 75. var. 3) scheint interpoliert: ›â Gimli međr Surti ‹ und hierauf hauptsächlich stützt Finn Magnusen seine annahme, daß Surtr ein hoher lichtgott sei, unter dessen herschaft, entgegengesetzt der odinischen, das neue weltreich stehe. er ist ihm jener mächtigere , von dessen kraft schon bei der schöpfung die wärme ausgieng (s.  466 ), der von der vala verkündigte starke (öflugr) oder reiche , der alles lenken wird (sâ er öllu ræđr, Sæm. 10 b ) der auch von Hyndla voraus gesehne mächtige , dessen namen sie nicht auszusprechen wagt (þâ kemr annarr enn mâttkari, þô þori ec eigi þann at nefna. Sæm. 119 a ) vgl. den strengra der ags. homilie (s.  678 ); warum aber hätte sie Surtr zu nennen gescheut, dessen Sæm. 8 a. b . 9 a 33 a nicht geschwiegen wird und dem in der letzten stelle die milden, gütigen götter (in svâso gođ) gerade entgegenstehn? Surtrs einschreiten, im geleite des losgewordnen Loki, muß doch als ein feindliches (riesisches oder teuflisches) aufgefaßt werden, wohin selbst sein name (der schwarze) weist. Der unausgesprochne gott kann dem ἄγνωστος ϑεός (actor. 17, 23) verglichen werden, zumal dem wort, das Ođinn der leiche seines sohnes Baldr, als sie den scheiterhaufen bestieg, ins ohr raunte: ein geheimnis, auf welches in zwei stellen Sæm. 38 a und Hervar. saga s. 487 angespielt wird, wie auch eine etruskische nymphe des höchsten gottes namen einem stier ins ohr rief O. Müllers Etr. 2, 83, womit die sage des mittelalters von Silvester zusammengehalten werden muß (Conrads gedicht, vorrede s.  xx ). . es ist schon vorhin (s.  680 ) aufgestellt worden, daß dem heidenthum, wie den Juden die verheißung des messias, ahnungen eines kommenden, mächtigeren gottes mögen vorgeschwebt haben Martin Hammerich om Ragnaroksmythen, Kbh. 1836 führt ansprechend aus, daß in der götterdämmerung und dem neuen himmelreich ein geistiger monotheismus ausgedrückt werde und der herschenden odinischen vielgötterei, freilich noch nicht durchdringend, entgegen trete. indessen sind auch ›â gimli‹ verjüngte götter, wenn schon wenigere als in Asgard aufgeführt, und ihre ordnung unter jenen mächtigen einzigen erhellt durch nichts. noch minder halte ich den verfasser für befugt, diesen neuen gott fimbuliŷr zu nennen, mit einem ausdruck, den die ganze edda nur ein einzigesmal hat (Sæm. 9 b ) und der doch auf Ođinn zu gehn scheint. Andere wagen eine vergleichung des wortes fimbul (das in weise des vorgesetzten irman, wie in fimbulfambi, fimbulþulr, fimbulvetr, fimbulliođ, den begrif tŷr erhöht) mit dem ags. fîfel (s.  198 ), was ich auch bezweifle, weil fîfill in der altn. sprache selbst vorkommt und von Biörn als ein pflanzenname aufgeführt wird. . Untergang und erneuerung der welt folgen sich in kreisendem lauf und die durchdringung der begriffe zeit und raum, welt und schöpfung, wovon ich ausgieng, ist erwiesen worden. Wie aber die zeitlichen erscheinungen des tages und jahres wurden auch die räumlichen der welt und des weltendes (Halja, Hades, Surtr) persönlich aufgefaßt. 689 Cap. XXVI. Seelen. Die lebende, belebende seele ist den sprachen ein sanftes weibliches wesen: goth. sáivala , verwandt mit sáivs (mare), wogende, flutende kraft, ahd. sêola , sêla , mhd. sêle , ags. sâvl , engl. soul , altn. sâl , schwed. dän. själ , und daher finn. siclu ; gr. ψυχή, lat. ital. anima , franz. âme , altfranz. zuweilen arme , span. alma , serb. russ. duscha , sloven. dusha , böhm. duše , poln. dusza , litth. duszia , lett. dwehsele . davon unterscheiden sie alle den männlichen athem und geist, spiritus, ἄνεμος den fühlbarer aus und eingehenden; oft liegen sich beide benennungen ganz nahe, wie im lat. animus und anima , im slav. duch, du und duscha insofern seele leben und lebenskraft bedeutet, steht dafür das neutrum ahd. ferah , mhd. verch , ags. feorh , altn. fiör ; wir sahen aber s.  661 , wie aus vita und βίος der inbegrif alles lebenden, die welt, goth. faírhvus entspringt. . Aber auch in den mythen zeigt sich dies band. die aus des leibes fessel gelöste seele gleicht jenen luftigen, geisterhaften wesen des xvii  cap. (vgl. s.  363 . 524 ). sie schwebt mit derselben leichtigkeit, erscheint und verschwindet, oft nimmt sie bestimmte gestalten an, in denen sie eine zeitlang zu verharren genöthigt ist Nachtrag: Ψυχή und νοῦς (anima und mens) sind zu unterscheiden. Plutarch 4, 1154. außer dem weiblichen worte seele kommt auch das neutrum ferah mit ähnlicher bedeutung vor. ahd. ferah anima. Graff 3, 682 (aber smala firihi vulgus. das. 683). that ferah was af them folke. Hel. 169, 28 d. h. die seele war aus dem kreis der menschen entwichen. pers. ferver geister, seelen, zend. fravashajô . Benfey monatsn. 63. 64. 151. der weiblichen seele stehn die männlichen ahma , âtum , geist spiritus (s.  382 ) gegenüber. doch auch die animae sind wie die animi winde , ἄνεμοι, wie slav. duch und duscha von dunuti spirare stammen. daher animam exhalare. Ovid. met. 6, 247. animam ebullire. Petron. 62. 42. den geist aufgeben spiritum reddere. Albr. v. H. 123 b . der âdem zuo den luften fuore. Ksrchron. 13400. es herschte furcht, daß die ausfahrende seele zur sturmzeit vom winde zerweht werde. Plato im Phaedr. s. 77. die seele fährt, schlieft aus. stirp lîp, sêle var! Herb. 14040. diu sêl waer im entsliffen . Tundal. 44, 31. diu sêl sich ûz den liden zôch als der sliufet ûz dem gwande. Servat. 3464. sô sih diu sêle enbindet von mennesklîcher zarge. Mar. 153, 5. (fundgr. 2, 153). nu breche got ir sêlen bant! steht auf einem grabstein. Wackernagel W. von Klingen s. 22. wenn mir die sel fleuszt von des leibes drauch. Wolkenst. 263. von mir wolde diu sêle sîn endrunnen . MS. 2, 52 a . dren (tribus) genk dei seile ut den munt . Soester fehde s. 625. die seele geht durch die gaffende wunde, κατ' οὐταμένην ὠτειλήν . Il. 14, 518. vgl. 17, 86. ψυχὴ λέλοιπε . Od. 14, 134. is seola was gisendid an suothan weg. Hel. 169, 27. auffallender ist: than im that lîf scrîđi (abiret), thiu seola bisunki (mergeretur, elaberetur). Hel. 169, 21. vgl. Karajan 32, 15 vom adler: im sunkit sîn gevidere (? erneut sich). Die seelen fahren über das wasser wie die elbe, auch die indischen elbe sind todte, skr. marut . Kuhn in Haupts zeitschr. 5, 488. 489 (vgl. oben s.  375 ). die litth. wélĕs fem. sind manes, welůkas gespenster. Nesselmann 61. 62 ( anm. 2340 . 2463 ). . Zwei anmutige vorstellungen sind es, welche die entweichende seele als blume aufblühen, als vogel auffliegen lassen. beide hängen zusammen mit der verwandlung in pflanzen und thiere überhaupt, und gründen sich auf die lehre von der seelenwandrung, der das frühe alterthum huldigte. in diesem sinn wurde unsterblichkeit angenommen, daß die seele blieb, sich aber einen neuen leib gefallen lassen muste. Den übergang in die blume kann ich nur folgern. Ein kind trägt eine knospe heim, die ihm der engel im wald geschenkt hat: als die rose erblüht, ist das kind todt (kinderlegenden no. 3). rosenknospe ist die seele des gestorbnen jünglings. Rhesas dainos s. 307. Nach dem lied von Runzifal wächst aus leichen gefallner Heiden ein schwarzdorn (hagen), neben dem haupt gebliebner Christen eine weiße blume . Karl 118 b . Aus dem grabe hingerichteter sprießen weiße lilien zum zeichen ihrer unschuld, aus dem des mädchens drei lilien (Uhland volksl. 241), die kein andrer als der geliebte brechen soll, aus den hügeln liebender 690 winden sich blumensträuche, deren äste sich verflechten. auch in schwed. liedern wachsen lilien und linden aus gräbern. sv. vis. 1, 101. 118. Im lied von fair Margaret und sweet William: out of her brest there sprang a rose and out of his a briar ; they grew till they grew unto the churchtop, and there they tyed in a true lovers knot Percy 3, 123. variante bei Bob. Jamieson 1, 33. 34. . in der sage von Tristan halte ich schon für spätere änderung, daß rose und rebe , die sich über ihrem grab zusammenwinden, erst darauf gepflanzt werden. Ein serb. volkslied läßt aus dem leichnam des jünglings einen grünen tannenbaum (zelen bor), aus dem der jungfrau eine rothe rose (rumena ruschitza) wachsen (Vuk 1 no. 137), so daß sich auch in den blumen das geschlecht forterhält darum gehört der rebe auf Tristans grab, diu rôse auf Isotens, wie im volksbuch und bei Eilhart; Ulrich und Heinrich verwechseln die pflanzen. ; um den tannenbaum windet sich die rose, wie um den strauß die seide. Alle diese beispiele sehen die blume nur symbolisch an, oder als nachwirkung der innersten gesinnung des todten: die aufgehende rose gleicht dem aufgehenden geist des kindes, der leichnam muß erst begraben liegen, bevor die erde, wie aus dem samen ein neues gewächs aufsteigen läßt. vgl. cap.  XXXVII . Ursprünglich mag aber die idee eines unmittelbaren schnellen übertritts der seele in die gestalt der blume zum grund liegen, wie aus bloßen blutstropfen, die nur kleinen theil des lebens enthalten, eine blume entspringt, im blut hat die seele sitz, mit seinem verströmen flieht sie hin. Griechische fabeln berichten, wie der leib verfolgter, gemordeter menschen, zumal frauen, alsobald die gestalt einer blume, staude, eines baums annahm (s.  544 ), ohne daß verwesender oder verbrennlicher stof zurückblieb, ja das leben, selbst die sprache kann haften während die umgestaltung erfolgt. so wandeln sich Daphne und Syrinx, als sie der nachstellung Apolls und Pans nicht entrinnen können, in laurus und schilf; solange spricht die sich verwandelnde frau, als ihr die harte rinde noch nicht zum mund gestiegen ist. Vintler erzählt, die wegewarte (ahd. wegawartâ, wegapreitâ), plantago, sei eine frau gewesen, die ihres bulen am wege wartete; keine ursache der verwandlung gibt er an, vgl. Km. no. 160 Nachtrag: Es giebt dreierlei seelen ; der engel, menschen, thiere nach Dietm. v. Merseburg (Pertz 5, 739). sonderbarer weise werden aber auch einem menschen drei seelen zugesprochen, von denen zwei mit dem leib verloren gehen, die dritte bleibt: bustoque superstes evolat . Claudian. de IV cons. Honor. 228–235. die seelen (ψυχαί) gehn in die unterwelt, die leiber (αὐτούς, wie selb = mîn lîp ) werden beute der vögel und hunde. Il. 1, 4. 5. von liebenden meint man: ihre seelen vermählen sich . diese vorstellung muß alt sein, denn schon H. v. Veldeke sagt: wir sîn ein lîp und ein geist . En. 6533 und noch bestimmter Heinr. v. Morungen: iuwer sêle ist mîner sêle frowe . MS. 1, 57 b . vgl. ich wolte nit, daz mîn sêle ûz des besten menschen munde füere . Berth. 298. über den seelencultus s.  761 . • Von der seele heißt es Rol. 228, 21: von im fuor ein glast sam ein brinnender louc. Mariens seele geht leuchtend aus dem leib. Haupts zeitschr. 5, 545. die seelen sind beim scheiden aus dem leib siebenmal weißer als schnee . myst. 1, 136, 21. ez mügen wol zwô sêle sîn, den ist ir wîze her geleit, und klagent ein ander ir arbeit. Ls. 2, 270. im lett. lied nennen die todten sich raschani , schöne. Büttner no. 89 (vgl. den begrif von selig ). wenn sich die seele vom leibe trennt, entsteht wolgeruch . Wh. 69, 12–15. blumen wachsen auf den gräbern von jungfrauen. Athen. 5, 495, lilien aus todten. Zappert s. 29. 31. auf den gräbern liebender erheben sich zwei bäume : det växte tvenne träd uppå deras graf, det ena tager, det andra i famn. Arvidss. 2, 11. reben wachsen aus dem mund der todten. Tit. 5790. fünf roseblumen sprießen aus dem haupt des todten. Maerl. 2, 308. sîn tiost doch valte den edeln môr, daz er die bluomen mit bluote begôz: die gote des valles sêre verdrôz , daz der minnaere sus belac, und waen daz vür den selben tac nâch der âventiure sage daz selbe velt niht wan rôsen trage . sô grôz wart al der gote klage .   Türl. Wh. 36 a . blutstropfen wandeln sich in gelbe blümchen, wie aus des Ajax blut ein kraut sprießt. konst en letterb. 1843 s. 76 b . mannabod (sambucus ebulus) bei Kalmar wuchs aus dem blut erschlagner helden. Fries bot. udfl. 1, 110. Die wegewarte heißt auch wegetritt , Hänsel am weg , feldblume auf der wegscheide . Meinert kuhl. s. 6. wegeluoge heliotropium. Mone 8, 401. . Nicht anders gilt die seele der kindlichen fantasie des volks für einen vogel , der aus des sterbenden munde geflogen kommt. darum sind in alten grabsteinen häufig tauben eingehauen, die der christliche glaube noch näher auf den geist bezieht Servati Lupi vita s. Wigberhti cap. 11: verum hora exitus ejus – circumstantibus fratribus, visa est avis quaedam specie pulcherrima supra ejus corpusculum ter advolasse , nusquamque postea comparuisse. weniger die seele selbst, als ein sie geleitender geist. . Ein schif versinkt, vom meeresufer gewahrt man der untergegangnen seelen 691 in gestalt weißer tauben aus der flut gen himmel steigen Maerlant 2, 217, aus latein. quelle. . die romanische legende von der gemarterten Eulalia sagt: ›in figure de colomb volat a ciel‹. Aus dem machandelbom (KM. 47) fliegt das geschlachtete brüderchen als vogel . im räthsel von dem grünen und dürren baum, auf deren jeglichem ein vöglein sitzt, wird ausgelegt: ›ir (der Christen) sêle zen vogelen sî gezalt‹. Ms. 2, 248 b . In der unterwelt fliegen versengte vögel , die seelen waren (sviđnir fuglar er sâlir voro) gleich fliegenschwärmen (Sæm. 127 a ). Nach ansicht der heidnischen Böhmen schwebte die seele als vogel aus des sterbenden munde so lange irr auf den bäumen herum, bis der leichnam verbrannt war: dann erlangte sie ruhe. Finnen und Litthauer nennen die milchstraße den weg der vögel (s.  296 ) d. i. der seelen. Vor Mahomed glaubten die alten Araber, aus dem blut eines ermordeten werde ein klagender vogel, der um das grab fliege, bis für den todten rache genommen sei. Nach einer polnischen volkssage wandelt sich jedes glied aus dem geschlechte Herburt, sobald es stirbt, in einen adler . die erstgebornen töchter des hauses Pileck wandelten sich, wenn sie unverheiratet starben, in tauben , die verheirateten aber in eulen , und durch ihren biß kündeten sie jedem gliede des geschlechts seinen tod vorher (Woycickis klechdy 1, 16). Als der räuber Madej unter einem apfelbaum beichtete und seiner sünden entbunden wurde, flog ein apfel nach dem andern in weiße taube verwandelt in die luft. es waren die seelen der von ihm ermordeten, nur ein apfel blieb übrig, die seele seines vaters, weil er dessen mord verhehlt hatte; als er endlich auch diese schwere schuld bekannte, flog der letzte apfel in graue taube verwandelt den übrigen nach (daselbst 1, 180). das stimmt zu den irrenden vögeln der böhm. sage. in einem podolischen volkslied sprießt auf dem grabhügel ein eichbäumchen und ein schneeweißes täublein sitzt darauf na téj mogile wyrósł ci dąbeczek, na niéj bieluchny siada gołąbeczek. . (daselbst 1, 209). Beispiele von verwandlungen in vögel sind oben s.  561 . 563 . 568 bei specht und kukuk gegeben. die griech. mythologie ist reich an andern Nachtrag: Auf langobardischen gräbern waren stangen mit tauben errichtet. Paul. Diac. 5, 34. (kl. schr. 5, 447). sêle alsam ein tûbe gestalt. pass. 391, 37. seelen entfliegen als tauben . Schönwerth 3, 37. Zappert s. 83. h. Ludwig 60, 25. Baader IV, 32. det kommo två dufvar af himmelen ned, när de foro upp, så voro de tre. sv. vis. 1, 312. 315. 373. a sennrin bleib ich ewiglich und wann ich stirb, wird ich a schwalbn . almer 1, 58. seelen fliegen als raben um. Michelet 2, 15. sie schwärmen als kleine enten . Klemm 2, 165. nachteulen erheben sich aus dem gehirn des ermordeten. das. 4, 220. die sage von Madej steht genauer in d. wend. volksl. 2, 319 vgl. walach. märch. no. 15. in aegyptischer hieroglyphe ist der sperber mit menschenkopf ein bild der seele. Bunsen dingbilder 126. Nach der trennung vom leib schwebt jede seele eine zeitlang zwischen erde und mond . Plutarch 4, 1154. . Auch der griech. volksansicht erschien die seele als geflügeltes wesen, ψυχὴ πνεῦμα καὶ ζωΰφιον πτηνόν ψυχὴ δ' ἐκ σώματος ἔπτη. batrach. 207. ψηχὴ δὲ μελέων ἐξέπτη . 211. ἐκ μελέων ϑυμὸς πτάτο Il. 23, 880. , sagt Hesych, aber schmetterling , und das ist noch treffender als vogel, weil sich das insect aus der larve, wie die seele aus dem leichnam, entwickelt. ψυχή heißt daher schmetterling. Eine in Spanien gefundne röm. grabschrift hat die worte: M. Porcius M. haeredibus mando etiam 692 cinere ut meo volitet ebrius papilio zuerst in Ambrosio de Morales antiguidades de las ciudades de España. Alcala 1575. fol. 31 b , daraus bei Gruter und in Spons miscell. erud. antiq. p. 8. . baskisch arima seele (vgl. arme, alme s.  689 ), astoaren arima (eselsseele) schmetterling. Wir werden diesen schmetterlingen noch als irwischen (ziebold, vesha), und im cap. von den hexen als elbischen wesen begegnen Nachtrag: Die seele ist geflügelt . Platons Phaedr. 246. 247. 248 und verliert und gewinnt ihre flügel wieder. das. 248. 249. vgl. Gerhards Eros tab. 1 und 5. ψυχὴ δ' ἐκ ῥεϑέων πραμένη Ἄιδόσδε βεβήκει. Il. 16, 856. 22, 361. ψυχὴ δ' ἠύτ' ὄνειρος ἀποπταμένη πεπότηται. Od. 11, 222. vom sterbenden Demosthenes sagt Luciani encom. Demosth. c. 50: ἐπέπτη (evolavit). Die puppe, der schmetterling heißt ὁ νεκύδαλος . schwed. käringsjäl anima anus = sommervogel. Ihre 2, 529. ir. heißt der schmetterling anamandé anima dei. vgl. den faun als nachtschmetterling anm. 1203 . wenn ein nachtfalter um das licht flattert, sagen die Litthauerinnen, daß jemand sterbe und die seele von hinnen gehe. n. preuß. prov. bl. 5, 160. . Aus entzückten, schlafenden menschen entlauft die seele in gestalt einer schlange , wiesel , maus (cap.  XXXIV Nachtrag: Die seele lauft als maus , katze , wiesel , schlange , schmetterling aus dem schlafenden. Jama zieht die seele als einen däumling aus dem leib des sterbenden, der erbleichend niedersinkt, und wenn der däumling zurückkehrt, glaubt er geschlafen zu haben. Holtzmann ind. sag. 1, 65. die seele schlüpft als kleines kind aus dem munde. Gefken beil. s. 6. 15 und tafel 11. 12. man nahm auch in Deutschland an, aus einem sterbenden könne das herz in einen andern lebenden fahren und sich ihm gesellen, so daß er doppelten mut bekommt. so scheint Eggen herz in Fasolts, Diethers in Dietrich gefahren. Ecke 197. 198, beidemal also in bruders leib. vgl. den herzwechsel zwischen geliebten. Wigal. 4439. 8813. MSH. 1, 166 b , die seelenvermählung anm. 2147 . anders ist das tauschen der gestalt, das skipta litum oc hömum anm. 2735 . über die damit zusammenhängende seelenwanderung , die Pythagoras annahm, vgl. Plat. Phaedr. 248. 249. Phaedo s. 82. Ovid. met. 15, 156 ff. O'Kearney 133. 160. götter werden zur strafe als menschen wiedergeboren ( anm. 851 ), menschen hinwiederum in thiere verwandelt, die ihrer sinnesart entsprechen, so bei Circe. RA. s. XIV. Claudianus in Ruf. 2, 482 ff. Thorir hjörtr wird verfolgt und von einem hund gejagt; durch einen wurfspieß des jägers erlegt, stürzt er zu boden, aber ein hirsch springt aus seinem leib , den nun der hund von neuem verfolgt und nach hartem kampfe tödtet. Maurer bekehrung 1, 295. 296. auch thiere haben viele seelen gehabt, so Lucians hahn. Die guten seelen schweben eine zeitlang auf der wiese des Hades . Plutarch 4, 1154. die seele nährt sich auf dem feld, der wiese der wahrheit , ἀληϑείας πεδίον, λειμών. Platons Phaedr. 248 (sie schaut, im gefolge gottes, συμπορευϑεῖσα ϑεῷ, die wahrheit. das. 248). die seele setzt sich aufs grüne gras . Feifalik Musp. s. 5. ›er will sterben‹ wird auch wol ausgedrückt durch: ›er ist am abflattern‹. seelen verstorbner hängen an einem schwachen halm über einem abgrund . Holtzmann ind. sag. 3, 174. ein mittel, das ihr die seele bis auf die spitze der zunge getrieben. Rommel 4, 771. vulgo dicitur, quod triginta animae super acumen acus possunt sedere . Chmel notizenbl. 6, 386 aus Nicol. v. Siegen chron. (a. 1489) ed. Wegele 1855 s. 344. wie viel seelen auf einem nagel sitzen . Wigands arch. 4, 321. ). Von den irwischen wird ein folgendes cap. handeln; gleichbedeutig damit finde ich wiesenhüpfer , wiesenhüpferin , z. b. in dem 1688 gedruckten mägdelob p. 46; die erklärung, weil sie auf sumpfigen wiesen hüpfen ist ganz passend, vielleicht aber zu eng. Hans Sachs denkt nicht an irlichter, wenn er sich mehrmals der formel bedient: ›mit im schirmen (fechten) daß die seel in dem gras umbhupfen ‹ III. 3, 13 a . IV. 3, 28 a , ›und schmitz ihn in ein fiderling, daß sein seel muß im gras umbhupfen ‹ IV. 3, 51 b , er will nichts sagen, als daß ihm die seele ausfährt, daß er stirbt. Wieder also der volksglaube, daß die seele des sterbenden (als vogel oder schmetterling) auf der wiese flattre, d. h. der wiese der unterwelt , von welcher ich s.  686 redete die weder selig noch verdammt sind, kommen auf die grüne wiese . Heinses Ardinghello 1, 96. . gerade so lassen die Böhmen die seele auf bäumen fliegen (königinh. hs. p. 88. 106), darum tanzen und weben seelen und elbe nachts auf den wiesen. Seltsam, daß schon ein minnesänger die seele des trunknen, gleichsam entzückten hüpfen läßt: ›mîn sêle ûf eime rippe stât, wâfen, diu von dem wîne darûf gehüppet hât‹. Ms. 2, 105 b vgl. Helbl. 1, 354: › vrou Sêle , tretet ûf ein rippe ‹. als Renart im brunneneimer sitzt (s.  673 ) und Ysengrin bethören will, macht er ihm weiß, daß er hier im paradis hause, und jede seele, wenn sie sich vom leib trenne, auf der eimerstange niedersitzen müsse: sei sie nun reuig, so dürfe sie hinabsteigen, und alles böse bleibe oben zurück. Renart 6804–13. . so hüpfen der ertrunknen seelen aus den töpfen in die höhe (s.  411 ). Fallende sternschnuppen gelten für die seelen sterbender (s.  602 ) und viele menschen und helden, ja einzelne glieder ihres leibs wurden als sterne an den himmel gesetzt (cap.  xxii ). Das sind die einfachsten, wenn man will rohesten vorstellungen von dem wesen der seele, denen ich hohes alter beimesse. Mehr ausgebildet, tiefer in alten mythen wurzelnd ist die meinung von einer überfahrt der seelen in das gebiet der unterwelt durch ein wasser , welches das reich der lebenden menschen von dem der todten trennt. Die nordische erzählung von Baldrs tod hat den merkwürdigen zug, daß die Asen seine leiche auf ein schif brachten , in dem schif den scheiterhaufen errichteten, anzündeten und so der flutenden see überließen . Sn. 66 wie feste wurzel dieser gebrauch im Norden gefaßt hatte, darf man daraus entnehmen, daß leichen auch im schif begraben wurden, ohne zweifel, damit sie auf ihrer reise in die unterwelt da, wo sie an ein wasser kommen würden, das fahrzeug zur hand hätten. ›Hâkon konûngr tôk þar skip öll , er âtt höfđo Eirîks synir, ôk lêt draga â land upp; þar lêt Hâkon leggja Egil Ullserk î skip , oc međ hânom alla þâ menn, er af þeirra liđi höfđo fallit, lêt bera þar at iörđ oc griot . Hâkon konungr lêt oc fleiri skip uppsetja, oc bera â valinn.‹ saga H. gôđa cap. 27. ›Unnr var lögđ î skip î haugînum ‹ Laxd. p. 16. ›Asmundr var heygđr ok î skip lagđr , þræll hans lagđr î annan stafn skipsins ‹. Islend. sög. 1, 66. ›Geirmundr heygđr ok lagđr î skip þar ûtî skôginn fra garđi‹. das. 1, 97. Wahrscheinlich legte man vornehme leichen erst in eine kiste und setzte diese ins schif, dann erfolgte bestattung im hügel. Gudrun sagt: › knör mun ek kaupa ok kisto steinđa‹. Sæm. 264 b . In alten grabhügeln des innern Deutschlands sind, meines wissens, nie schiffe gefunden worden. . Nicht anders wird der leichnam 693 des vergötterten helden Scild (s.  305 ) geschmückt auf das schif getragen , das schif von dem meer weggetrieben , niemand weiß wohin. Beov. 55–105. Sigmundr trägt des Sinfiötli, seines geliebten sohnes leichnam, am seeufer hält ein mann mit kleinem nachen, und erbietet sich zur überfahrt; Sigmundr legt den todten ins schif , da war es voll geladen, der unbekannte stößt ab vom ufer und fährt mit der leiche dahin. Sæm. 170. 171. fornald sög. 1, 142. Frothos gesetz unterschied nach den ständen: centurionis vel satrapae corpus rogo propria nave constructo funerandum constituit; dena autem gubernatorum corpora unius puppis igne consumi praecepit; ducem quempiam aut regem interfectum proprio injectum navigio concremari. s. 87. Der todte Iarlmâgus wird von seiner witwe auf einem schif in ein heiliges land gebracht (Iarlm. saga cap. 45). Eine schwedische volkssage (Afzelius 1, 4) weiß von einem goldnen schif , das in Runemad beim schlüsselberge versenkt liege, auf diesem schif soll Ođin die erschlagnen von Bråvalla nach Valhall geführt haben. Im altfranz. roman Lancelot du lac, ed. 1591 p. 147 verfügt die demoiselle d'Escalot, wie es mit ihrem leichnam gehalten werden solle: le pria, que son corps fût mis en une nef , richement equippée, que l'on laisseroit aller au gré du vent sans conduite cento novelle antiche 81: la damigella di Scalot; die ›navicella sanza vela, sanza remi e sanza neuno sopra sagliente‹ wird nach Camalot, an den hof des re Artu geführt. . auch im roman von Gawan führt ein schwan einen nachen, worin ein todter ritter liegt. Kellers Romvart 670. Herschte der glaube, daß die leiche, preisgegeben dem heiligen meer und den winden von selbst einlaufen würde in das menschlicher führung unnahbare land des todes? Hier werden die leichname übergeschift, in andern sagen bloß die von dem leib entbundnen seelen; es ist wieder der vorhin angemerkte unterschied (s.  690 ). ja der alte lebensmüde Flosi soll sich nach Nialssaga cap. 160 in ein schlechtes schif gelegt und den meereswogen überlassen haben: ›bar â skip ok lêt î haf, ok hefir til þess skips aldri spurt sîđan‹. Nach dem griechischen glauben fährt Charon die seelen in einem schmalen, zweirudrigen boot, über den Styx, Acheron oder Cocytus in das reich der unterwelt. er empfängt dafür ein fährgeld τὰ πορϑμία und darum legte man den todten einen obolos 694 (die δανάκα) in den mund Diodor 1, 90. Eurip. Alc. 253. 441. Aen. 6, 298. zu Hermione in Argolis, von wo es nicht weit zur unterwelt geglaubt wurde, gab man den todten kein geld mit. Strabo 8, 373. dergleichen münzen finden sich oft in allen gräbern vor. K. Fr. Hermann antiq. s. 198. . Diese sitte dem leichnam eine kleine münze in den mund zu legen kommt auch unter Deutschen vor, vgl. abergl. no.  207 , wo ihr ein späterer falscher grund untergeschoben ist: ursprünglich sollte das geld nichts anders sein als jenes naulum. In stürmischer nacht weckt eine mönchsgestalt einen schlaftrunknen schiffer, legt ihm fährlohn in die hand und verlangt über den strom gebracht zu werden. erst steigen sechs mönche in den nachen, kaum aber ist er gelöst und auf der flut, als ihn plötzlich eine menge schwarzer und weißer herren füllt und der fährmann fast keinen raum für sich behält. mit mühe rudert er hinüber, die ladung steigt und das fahrzeug wird von jähem sturm zurückgeworfen an die stelle der abfahrt, wo schon wieder neue reisende harren, welche den kahn einnehmen, und deren vorderster mit eiskalten fingern dem schiffer den fährgroschen in die hand drückt. die rückfahrt des schifs erfolgt auf dieselbe gewaltsame weise neue volksmärchen der Deutschen. Leipz. 1792. 3, 45–47. . Ähnliches, minder vollständig, wird erzählt von mönchen, die nachts bei Speier über den Rhein fahren D. S. no. 275, älteste quelle dafür ist ein bericht von Geo. Sabinus (gb. 1508 † 1560). Melander joc. no. 664. . In beiden geschichten ersieht man keinen zweck des überschiffens: es scheinen uralte heidnische erinnerungen, die um nicht ganz zu erlöschen sich veränderten Nachtrag: Die seelen werden empfangen und angezogen von Wuotan, Frouwa, Rân und Hel, von den wassergeistern, von engeln und elben, von dem teufel (s.  836 . 850 ). bei den orten Valhall liegt oft auch Odenskälla ( anm. 2129 ), gleich als ob Oden vor der aufnahme die seelen in der reinen flut bade, wie bei den Griechen die seelen in den flüssen der unterwelt gereinigt wurden und in der Lethe vergessenheitstrank empfiengen. Oden som kom upp ur Odenskammare eller Asnekåfve, som ligger i Asnesjö (fordom Odensjö ) at välja de slagne på Bråvallahed och föra dem på ett gullskepp (Rääf). vgl. die sage von Haki Ynglingas. c. 27. ein scheiterhaufen wird im schif errichtet. Saxo gr. (ed. Müller) s. 235. vgl. die schifshügel , die man über den todten aufwarf. Worsaae vorzeit s. 81. 87. ein todtenschif auch in Beovulf 34 ff., ein schwanschif mit der leiche. Kellers Romv. 670. Jacobs leichnam fährt in einem segel- und steuerlosen schif über meer. pass. 220, 41 ff. Maerl. 2, 341. 342, wo der ausdruck zu bemerken: si bevalen gode te sine stierman . nach dem volksglauben in Friesland schiffen die seelen auf eierschalen über. man zerbricht alle gegessenen eier , weil bei der überfahrt zauberinnen in ihnen die seelen quälen. Halbertsma gemahnt hierbei mündlich an die nägelschnitze (s.  679 . 953 ) und an die schuhriemenschnitze. Sn. 73. das zerbrechen der eierschalen ist noch jetzt gebot des aberglaubens. ein engel führt ein schif voll seelen. Dante purg. 2, 40 ff. der schiffer Tempulagy fährt die seelen über den see. Klemm 2, 165. über den etr. Charun . Gerhard s. 17 und das fährgeld. Lucian de luctu 10. Böckh. inscr. 2, 103 b . 104 a . GDS. 681. alte seehelden dachte man sich in einem goldenen schiffe begraben. Müllenhoff no. 501. Todten wird geld unter die zunge gelegt, drei körner unter des todten Adams zunge. man findet in deutschen gerippen wirklich münzen im munde des schädels. Mainzer zeitschr. 1, 342. 343. Lindenschmitt todtenlager s. 16. 51. haec stygias referant munera ad undas et calidos numerent igne trientes . Liudpr. antop. 2, 26. auch wurden den todten grüne äpfel in die hände gegeben. Vuk. no. 137. . Procop de bello goth. 4, 20 (ed. bonn. 2, 567) von der insel Brittia redend meldet eine sage, die er selbst öfters aus dem mund der einwohner vernommen hatte. Sie glauben, daß die seelen verstorbner menschen nach jener insel übergefahren werden. am ufer des festen landes wohnen unter fränkischer oberherschaft, aber von alters her aller abgaben entbunden, fischer und ackerleute denen es obliegt die seelen überzuschiffen τὰ μὲν ἄλλα Φράγγων κατήκοοι ὄντες, φόρου μέντοι ἀπαγωγὴν οὐδεπώποτε παρασχόμενοι, ὑφειμένου αὐτοῖς ἐκ παλαιοῦ τούδε τοῦ ἄχϑους, ὑπουργίας τινὸς, ὥς φασιν, ἕνεκα. λέγουσιν οἱ ταύτῃ ἄνϑρωποι εκ περιτροπῆς ἐπικεῖσϑαι τὰς τῶν ψυχῶν παραπομπάς σφίσι. über die stelle Procops und eine andere bei Tzetzes ist Welcker im rhein. mus. 1, 238 ff. nachzusehn. man vergleiche eine stelle aus Plutarch de defectu oracul. cap. 18. (ed. Reiske 7, 652): ὁ δὲ Δημήτριος ἔφη τῶν περὶ τὴν Βρεττανίαν νήσων εἶναι πολλὰς ἐρήμους σποράδας, ὧν ἐνίας δαιμόνων καὶ ἡρώων ὀνομάζεσϑαι, πλεῦσαι δὲ αὐτὸς ἱστορίας καὶ ϑέας ἕνεκα, πομπῆ τοῦ βασιλέως, εἰς τὴν ἔγγιστα κειμένην τῶν ἐρήμων, ἔχουσαν οὐ πολλοὺς ἐποικοῦντας, ἱερούς δὲ καὶ ἀσύλους πάντας ὑπὸ τῶν Βρεττανῶν ὄντας . ἀφικομένου δ' αὐτοῦ νεωστὶ, σύγχυσιν μεγάλην περὶ τὸν δέρα καὶ διοσημείας πολλὰς γενέσϑαι, καὶ πνεύματα καταρραγῆναι καὶ πεσεῖν πρηστῆρας. ἐπεὶ δ' ἐλώφησε, λέγειν τοὺς νησιώτας, ὅτι τῶν κρεισσόνων τινὸς ἔκλειψις γέγονεν. ὡς γὰρ λύχνος ἀναπτόμενος φᾶναι δεινὸν οὐδὲν ἔχει, σβεννύμενος δὲ πολλοῖς λυπηρός ἐστιν, οὕτως αἱ μεγάλαι ψυχαὶ τὰς μὲν ἀναλάμψεις εὐμενεῖς καὶ ἀλύπους ἔχουσιν, αἱ δὲ σβέσεις αὐτῶν καὶ φϑοραὶ πολλάκις μὲν, ὡς νυνί, πνεύματα καὶ ζάλας τρέπουσι, πολλάκις δὲ λοιμικοῖς πάϑεσιν ἀέρα φαρμάττουσιν. ἐκεῖ μέντοι μίαν εἶναι νῆσον, ἐν ᾗ τὸν Κρόνον κατεῖρχϑαι φρουρούμενον ὑπὸ τοῦ Βριάρεω καϑεὺδοντα. δεσμὸν γὰρ αὐτῷ τὸν ὕπνον μεμηχανῆσϑαι, πολλοὺς δὲ περὶ αὐτὸν εἶναι δαίμονας ὀπαδοὺς καὶ ϑεράποντας. Dieser schlafende Kronos auf dem heiligen, fernen eiland mit seinem gefolge von dienern gleicht einem bergentrückten Wuotan. vgl. Humboldt bei Herm. Müller s. 440. 441. Welkers kl. schr. 2, 177. . das amt geht 695 der reihe nach um. welchen es in jedweder nacht zukommt, die legen sich bei einbrechender dämmerung schlafen. mitternachts hören sie an ihre thüre pochen und mit dumpfer stimme rufen. Augenblicklich erheben sie sich, gehen zum ufer, und erblicken dort leere nachen , fremde, nicht ihre eigne, besteigen sie, greifen das ruder und fahren. dann merken sie den nachen gedrängt voll geladen , so daß der rand kaum fingerbreit über dem wasser steht. Sie sehen jedoch niemand, und landen schon nach einer stunde, während sie sonst mit ihrem eignen fahrzeug nacht und tag dazu bedürfen. In Brittia angelangt, entlädt der nachen sich alsogleich und wird so leicht, daß er nur ganz unten die flut berührt. weder bei der fahrt noch beim aussteigen sehen sie irgendwen, hören aber eine stimme jedem einzelnen namen und vaterland laut abfragen. schiffen frauen über, so geben diese ihrer gatten namen an. Brittia liegt dem Procop 2, 559 nicht weiter als 200 stadien oder 5 deutsche meilen von der küste, zwischen Britannia und Thule, der Rheinmündung gegenüber, drei völker, Angeln, Friesen und Britten wohnen auf ihr. unter Britannien versteht er die westliche küste des gallischen festlandes (?), deren eines ende noch jetzt Bretagne heißt, die sich aber im 6 jh. weiter über die spätere normandische und flandrischfriesische gegend bis zur mündung der Schelde und des Rheins hin ausdehnte; Brittia ist ihm Großbritannien, Thule Scandinavien. An welcher stelle die todtenüberfahrt, ob sie längs der ganzen gallischen küste statt hatte? lasse ich unentschieden. nach Villemarqué (barzas brciz 1, 136) war sie an Armorikas fernster spitze, bei Raz, wo eine bucht der seelen (baie des ames, boé ann anavo) liegt. In Bretagne, am flusse Treguier in der gemeinde Plouguel soll auf den heutigen tag die sitte herschen, die leichname in einem nachen nach dem kirchhof über einen kleinen arm des meers, passage de l'enfer genannt, zu schiffen , statt sie den kürzeren landweg dahin zu tragen; und in ganz Armorica glaubt das volk überdem, die seelen der verstorbnen begeben sich im augenblick ihrer trennung zu dem pfarrer von Braspar, dessen hund sie nach Großbritannien geleite; in der luft hört man die räder des wagens knarren, der mit seelen überladen ist , ein weißes tuch deckt ihn, er heißt carr an ancou , carrikel an ancou , seelenwagen mém. de l'acad. celt. 3, 141. . Lauter volksmäßige abweichungen. es war den Christen nicht mehr gestattet, ihre leichen nach der insel überzufahren: 696 wenigstens bringen sie sie noch zu wasser nach dem kirchhof und lassen, in ihrer tradition, die überfahrt statt im schif durch die luft (wie beim wütenden heer) auf einem wagen vor sich gehn. Nähere forschungen müsten lehren, ob sich in der Normandie, in Flandern und Friesland ähnliche sagen erhalten haben? mir fällt dabei wieder jenes Helium und Helvoet (s.  262 . 670 ) ein. Procops nachricht wiederholt im 12 jh. Tzetzes zum Lycoph. 1204, aber schon früher, im beginn des fünften wuste Claudian (in Rufinum 1, 123–133) daß jene gallischen ufer ein sammelplatz der wandernden seelen seien: est locus, extremum qua pandit Gallia littus, oceani praetentus aquis, ubi fertur Ulixes sanguine libato populum movisse silentem. illic umbrarum tenui stridore volantum flebilis auditur questus. simulacra coloni pallida, defunctasque vident migrare figuras . von der gegend liege Britannien, das land der Senonen und der Rhein nicht fern. dies leise rauschen der fliegenden seelen stimmt fast zu dem luftwagen der Bretagner. Die britischen barden lassen die seelen, um in die unterwelt zu gelangen, durch den weiher der angst und der gebeine , durch das thal des todes in das meer schiffen, an dessen gestade sich der mund des höllenabgrundes öfnet Owens wb. 2, 214. Villemarqué 1, 135. Nachtrag: Zu Procops bericht über die fahrt der todten nach der insel Brittia vgl. Werlauffs Procop s. 7, welcher selbst s. 10 ff. Brittia für Jütland nimmt, Britannien für Großbritannien , Thule für Scandinavien . en passant le lac de l'angoisse elle vit une bande de morts, vêtus de blanc, dans de petites barques . Villemarqué barz. breiz. 1, 169. . Ein nordengl. lied, das man sonst bei der leichenwache sang, nennt ›the bridge of dread, no brader than a thread ‹ (die angstbrücke nicht breiter als ein drath), über welche die seele in der unterwelt zu schreiten hat. (J. Thoms anecd. and trad. s. 89. 90). diese brücke erwähnt auch die legende von Tundalus (Hahns ausg. s. 49. 50). die seele muß eine gestolne kuh darüber treiben die enge brücke liegt zwischen purgatorium und paradis, auch held Owain muste darüber (W. Scotts minstr. 2, 360. 361). merkwürdige einstimmung (wie oben s.  476 ) gewährt eine muhamedanische tradition, welche Sale in seiner einleitung zum Koran (ed. 1801 p. 120) anführt: alle seelen müssen mitten in der hölle über eine brücke, die dünner als ein haar, schärfer als die scheide eines schwerts und zu beiden seiten mit dörnern und spitzem gesträuch besetzt ist. auch die Juden reden von der drathschmalen höllenbrücke, über die aber bloß die ungläubigen zu wandeln haben (Eisenmenger 2, 258); vgl. J. Thoms a. a. o s. 91. Nach Herbelot wähnen die Muhamedaner, daß sie vor dem jüngsten gericht eine stange von glühendem eisen, die über eine grundlose tiefe gelegt ist, betreten werden, jedem gläubigen legen sich alsdann seine guten werke unter die füße. . Gleichen sinn zu haben mit der reise der seelen zu schif über den strom oder das gewässer der unterwelt scheint es, wenn sie die brücke des stroms überschreiten . Merkwürdig sind die worte der brückenhüterin zu Hermôđr: ›unter dir einem (lebendigen) tönt meine brücke mehr, als unter den fünf haufen todter männer , die gestern darüber ritten‹. Sn. 67. Ich finde darin die größte ähnlichkeit mit dem sachten getrippel der fortziehenden zwerge über 697 die brücke , mit ihrer überschiffung in dem nachen (s.  228 . 380 ), und die verwandtschaft der seelen mit den elbischen wesen zeigt sich auf das deutlichste. Als die zwerge aus dem Voigtland zogen, setzten sie eine ganze nacht hindurch über die Elster (Jul. Schmidt p. 143. 148). bei ihrem abzug vom Harz war man übereingekommen, daß sie über eine schmale brücke bei Neuhof gehen und jeder in ein aufgestelltes gefäß einen zoll werfen, aber kein landeseinwohner zugegen sein sollte. neugierige standen unter der brücke und hörten stundenlang ihr getrappel , als gienge eine heerde schafe darüber (deutsche sagen no. 152. 153). Auch der geldzoll gemahnt an das fährgeld der seelen. Und zu allem dem halte man nun die fabel von dem nachts im kahn überschiffenden alb (deutsche sag. no. 80). Jene drathschmale angstbrücke ist aber wieder eine verwandte idee und berührt sich noch mit der eisernen schwertbrücke, über welche die aus schlafenden menschen gegangne seele schreitet Nachtrag: Von einer über das fegefeuer führenden scharfen brücke und den seelen , die schwarz hinein und weiß wieder heraus fliegen, erzählt Walewein 4958. 5825. 5840. (v. d. Bergh 102. 103). over de lankbrugge fard = er stirbt. Narragonia 123 b . vgl. die schwertbrücke s.  905 . die engel führen über die regenbogenbrücke . die arabische seelenbrücke heißt Sirát . Rückerts Hariri 1, 229. auch die Chinesen haben eine seelenbrücke . Maltebrun précis 3, 527. altirische sagen darüber liefert O'Donovan s. 440. 441. die von der seele in der Tundaluslegende über die brücke getriebne kuh erinnert an die rothe kuh , welche vor der großen schlacht am Nortorfer hollunder über eine gewisse brücke geführt wird. Müllenhoff no. 509. Nach grönländischem glauben muß die seele über einen abgrund, wo sich ein schmales eisglattes rad dreht . Klemm 2, 317, das ans rad im Wigalois s. 250 ff. mahnt. . Genaue untersuchung der vielfachen leichengebräuche bei europäischen völkern, die ich hier nicht beabsichtige, würde noch mehr aufschlüsse über die altheidnischen vorstellungen vom wesen der seele und ihrem schicksal nach dem tode gewähren. So wurde den leichen, außer dem fährgeld und dem schif, auch ein besondrer todtenschuh , altn. helskô , zum antritt der langen wanderung mitgegeben und an die füße gebunden. in der Gisla Surssonarsaga heißt es: þat er tîđska at binda mönnum helskô, sem menn skulo â gânga til Valhallar, ok mun ek Vesteini þat giöra vgl. Müllers sagabibl. 1, 171. . W. Scott (minstrelsy 2, 357) führt einen aberglauben aus Yorkshire an: ›they are of beliefe, that once in their lives it is good to give a pair of new shoes to a poor man, for as much, as after this life they are to pass barefoote through a great launde, full of thornes and furzen , except by the meryte of the almes aforesaid they have redemed the forfeyte; for at the edge of the launde an oulde man shall meet them with the same shoes that were given by the partie when he was lyving, and after he hath shodde them, dismisseth them to go through thick and thin, without scratch or scalle.‹ das land, wodurch die seele wandern muß, heißt auch whinny moor (der pfriemen sumpf, whin ist gleichviel mit furz, ginster, pfrieme). Thoms a. a. o. 89. Im Hennebergischen und vielleicht an andern orten nennt man noch jetzt die dem verstorbnen erwiesne letzte ehre den todtenschuh (Reinwald 1, 165) ohne daß der gebrauch selbst fortdauerte, ja das leichenmal wird so geheißen. recht heidnisch klingt und dem kriegerischen sinn des alterthums angemessen, was Burkard von Worms p. 195 c berichtet: quod quidam faciunt homini occiso cum sepelitur. dant ei in manum unguentum quoddam, quasi illo unguento post mortem vulnus sanari possit, et sic cum unguento sepeliunt die Litthauer begraben oder verbrennen luchs und bärenklauen mit dem todten, im wahn daß seine seele einen steilen berg erklettern müsse, auf welchem der göttliche richter (Kriwe Kriweito) sitze: den reichen wird es schwerer empor zu klimmen als den armen, die von hab und gut unbelastet sind, falls sie keine sünde beschwert. arme sünder führt ein wind leicht wie eine feder hinan, reichen zerfleischt ein drache Wizunas, der unter dem berg hauset, die glieder, dann werden sie von sturmwinden empor getragen (Woycicki klechdy 2, 134. 135, Narbutt 1, 284). der steile berg heißt den Litthauern Anafielas , den Polen szklanna gora (gläserner berg), sie glauben, daß die verdammten seelen ihn zur strafe ersteigen müssen und wenn sie den fuß auf den gipfel setzen, ausgleiten und herabstürzen. Diesen glasberg kennen zwar noch unsre deutschen märchen und lieder, doch nicht mehr deutlich als einen aufenthalt der seeligen, obgleich das mädchen, das ein hünkelbein mitnimmt, um es (wie die bärenklaue) in den glasberg zu stecken und zuletzt seinen kleinen finger abschneidet, um ihn endlich zu erklimmen oder aufzuschließen, angesehn werden darf, als suche es seine verlornen brüder in der unterwelt auf (KM. no. 25). . in gleicher 698 absicht wurden mit den leichen knechte , pferde und hunde verbrannt, deren sie sich im künftigen leben bedienen könnten. könig Ring ließ den könig Harald in einem großen hügel beisetzen, das pferd tödten, auf dem er in Bråvallaschlacht geritten hatte und den sattel mit begraben, daß er nach Walhalla reiten könne. Man glaubte, abfahren der leiche auf einem nicht hergebrachten wege (d. h. auf anderm als dem hellwege s.  669 ) schade der seele der verstorbnen. Ledeburs archiv 5, 369 Nachtrag: Über den todtenschuh s. Müllers sagabibl. 2, 171. Mannhardts zeitschr. 4, 421. vgl. Vîđars schuh. Sn. 31. 73. säl ä den, i denne heimen fatike gjeve sko , han tar inkje barfött gange in kvasse tynnermo (al. paa kvasse keklebro ). norweg. draumkväe. 36. eine frau geht um, bis ihr schuh, den man zu verbrennen vergessen hat, aufgefunden und ins feuer geworfen wird. Lucian philops. 27. vgl. indic. superstit. de ligneis pedibus vel manibus pagano ritu. Wie bei den Litthauern und Polen haben auch bei den Schwarzfußindianern die seelen einen steilen berg zu erklimmen. Klemm 2, 166. 167. . In den dichtungen des mittelalters wird verschiedentlich ein streit der engel und teufel um die ausfahrende seele geschildert; beide wollen sie in empfang nehmen. an der engel spitze steht ein erzengel, gewöhnlich Michael , der, wie wir cap.  XXVIII sehn werden, auch die seelen zu wägen beauftragt ist; zuweilen wird er Cherubim genannt. ›vor dem tievel nam der sêle war der erzengel Kerubîn ‹. Wh. 49, 10. lâzâ lâzâ tengeln! dâ wart von den engeln manec sêle empfangen ê der strît was zegangen. daz weinete manec amie: von wolken wart nie snîe alsô dicke sunder zal beidiu ûf bergen und ze tal, als engel unde tievel flugen, die dô ze widerstrîte zugen die sêle her und widere, d' einen ûf, die ander nidere.   Geo. 1234. der engelfürste Michahêl . empfienc des marcgrâven sêl und manec engel liehtgevar, die kâmen mit gesange dar und fuorten in vrœliche inz schœne himmelrîche.   Geo. 6082. vgl. Diut. 1, 470. im Brandan (bei Bruns s. 192. 193) heißt es: ›de duvele streden umme de sêle mit sunte Michaêle ‹; vgl. fundgr. 1, 92. 699 gebt mir eine gâbe, daz des küniges sêle von sante Michahêle hiute gecondwieret sî.   gute frau 2674; Michael ist in Mercurs oder der Walchure amt getreten. er heißt in einer urkunde des 13 jh. (MB. 7, 371) praepositus paradisi et princeps animarum. Eine noch wichtigere stelle, worauf ich schon s.  369 gewiesen habe, findet sich Morolt 28 a. b , hier treten drei schaaren, die schwarze , weiße und bleiche auf: ›den strît mahtu gerne schouwen, dens umb die sêle suln hân‹. Auch die älteren franz. dichter beschreiben ähnliches, vgl. Méon 1, 239. 4, 114. 115. 3, 284. Und schon im 8. 9 jh. gleich zu eingang des bruchstücks von Muspilli: wanta sâr sô sih diu sêla in den sind arhevit enti sî den lîhhamun likkan lâzit, sô quimit ein heri fona himilzungalon daz andar fona pehhe; dar pâgant siu umpi . ich habe s. 349 gezweifelt ob dieser ›pâc umpi dia sêla‹ zwischen dem heer des himmels und der hölle aus christlicher überlieferung stamme. zwar der brief Judae v. 9 erzählt von einem zank des erzengels Michael und der teufel um den leichnam Mose die stelle soll sich gründen auf ein verlornes Buch ›ἀνάβασις Moyses‹ genannt, vgl. Hugo Grotius ad S. Judae ep. 9 und Fahricii cod. pseudepigr. V. T. p. 839. , und daraus scheint wenigstens jener christliche vorkämpfer, Michael, herzuleiten. eifersucht und streit über die theilung der seelen kann aber auch schon als heidnische vorstellung angenommen werden, da sich im Norden Ođinn, Thôrr und Freyja, jedes gewisse theile der gefallnen aneigneten. Freyja ist s.  50 und 253 mit Gertrud zusammengestellt worden: etliche sprechen, wenn sich die seele von dem leichnam scheide, sei sie die erste nacht bei sanct Gerdraut , die zweite bei sanct Michael , die dritte da, wo sie hin verdient habe ( abergl. F. 24). da nun Michael im weltkampf den Antichrist erlegt (s.  676 ), mit Surtr aber Ođinn und Thôrr streiten, so lassen sich Gerdrut und Michael füglich in Frowa, Wuotan (oder Donar) zurückübersetzen. auch s.  164 wurde mons sancti Michaelis auf Wuotan oder Zio gedeutet Nachtrag: Anima de corpore exivit et paradisi januam introivit. v. Mathild. cap. 16. 18. bei leichen werden gebete an s. Michael gerichtet: di reinen guzzen ir gebet sente Michahêle zu drôste sînre sêle. Diut. 1, 426. Michael ist › trôst allir sêlen‹ Roth. 4438. Michael bringt die seelen in Abrahams barm. Haupts zeitschr. 3, 522. vgl. Pfeiffers Wigalois s. 340. Statt Michaels erscheinen auch andere engel. venerunt duo juvenes candidis circumamicti stolis animam a corpore segregantes, vacuum ferentes per aerem. Jonas Bobb. in vita Burgundofarae. (Mabillon 2, 421) vgl. s. 303. got sante eine engellische schar , die nâmen dô der sêlen war; si empfiengen an der selben stunde iegelîches sêle von sînem munde unde vuorten wirdecliche si in daz êwige himelrîche.   Oswalt 3097. 3455. aus jedem sterbenden alten nehmen die engel die seele als ein kind ( anm. 2270 ). ir engel vil wol wisten, war ir sêle solten komen. kl. 922. die engel freuen sich, wenn Christen, die teufel, wenn Heiden im kampfe fallen, weil sie deren seelen holen. Türl. Wh. 22 b . 23 a . zwei jünglinge (engel) und zwei schwarze teufel sitzen am bett des todten. Grieshaber 1, 93. engel und teufel nehmen der schächer seele. Mones schausp. 2, 321. 322. Die seele herbergt zuerst bei S. Gerdrud , dann fährt sie über das lebermeer . Gryse Ee 1111 b . vgl. Gefken catal. s. 54. . Nach einem irischen märchen führen die geister des stillen volks am kreuzweg drei nächte langen heftigen streit, auf welchem kirchhof eine menschliche leiche begraben werden solle irische elfenmärchen p. 68. . wie also die elbe und zwerge lebende kinder und jungfrauen stehlen (s.  386 –388), scheint ihnen auch an den leichen und seelen der menschen gelegen. seelen ertrunkner hält der wassermann in seinem haus (s.  411 ). Dies alles leitet zu einer näheren betrachtung der vorstellungen von dem tod. 700 Cap. XXVII. Tod. Dem alterthum war der tod kein tödtendes wesen, bloß ein in die unterwelt abholendes, geleitendes. seuche, schwert tödteten, der Tod trat als bote einer gottheit auf, ihr die abgeschiedne seele zuzuführen. sterben wird durch seine erscheinung angekündigt, nicht verursacht. so hat in jenem märchen der todesengel dem kind die blumenknospe gegeben: wenn sie erblüht sei, wolle er wiederkommen. Hierzu stimmt die jüdische, vom christenthum beibehaltne vorstellung. des armen mannes seele wird von engeln gottes abgeholt und in Abrahams schoß getragen, Luc. 16, 22; wie sich der dichter des Hel. 103, 5 ausdrückt: godes engilôs andfengon is ferh, endi lêddon ine an Abrahâmes barm es ist eine schöne vorstellung, daß die sterbenden auf gottes, kinder auf des vaters schoß zurückkehren, von dem sie bei der geburt ausgegangen waren. das wuste aber schon unser heidenthum, dem neugeborne und angenommne kinder schoßkinder, wunschkinder heißen (RA. 455. 464) und sterben hingehen zu Wuotan, zu Wunsch bedeutete (vgl. oben s.  119 . 120 ). sterben war also den Heiden wie den Christen: zu gott fahren, in gottes ruhe und frieden eingehn, metod seon Beov. 2360, fêran on freán være (in des herrn ruhe) Beov. 52. ebenso ist begraben werden: in den schoß der mutter fallen (s.  534 ), mutter und vater nehmen ihre kinder wieder auf. . als gegensatz malt er das schicksal des reichen mannes weiter aus 103, 9: lêtha wihti bisenkidun is sêola an thene suarton hel, teufel versenkten seine seele in die schwarze hölle. in einer predigt bei Leyser 126 heißt es: ›wane ir ne wizzit niht, zu welicher zît der bote unsers herren gotis zu ture clopfe. welich ist der bote? daz ist der Tôt‹; 161: ›nu quam ouch der gemeine bote , der nieman ledic lât, wie lange im maniger vorgât, daz ist der gewisse tôt‹. ›dô der Tôt im sîn zuokunft enbôt, sô daz er in geleite ‹. Greg. 20. Nicht wesentlich wich davon die ältere heidnische ansicht ab. Halja , Hel , die todesgöttin, bringt nicht um, sie empfängt den todten menschen in ihrem haus und hält ihn darin unerbittlich fest. tödten heißt ihr einen zusenden. weder erscheint Hel die ihr verfallnen seelen abzuholen nur im traumgesicht tritt sie auf: postera nocte eidem Proserpina per quietem adstare aspecta postridie ejus complexu usuram denunciat. nec inane somnii praesagium fuit. Saxo gramm. p. 43. , noch entsendet sie boten nach ihnen. die lange, dunkle reise anzutreten bleibt den todten selbst 701 überlassen: schuh, schif, fährgeld, diener, pferde und kleider nehmen sie aus ihrer heimath mit auf den helweg. einige reiten, andere fahren, ganze haufen seelen rotten sich zusammen, kein geleitsmann kommt ihnen entgegen. Es waren noch andere götter, die sich der seelen bemächtigten. Rân, die meeresgöttin, zieht alle in ihrem gebiet ertrunknen leichen mit einem netz an sich (s.  259 ). überhaupt scheinen wassergeister gern seelen festzuhalten, selbst frau Holle, zu deren wohnung ertrinkende gelangen (s.  222 . 686 ), hat mit Hel gewisse ähnlichkeit Nachtrag: Der tod als bote der gottheit heißt der heilig tod . H. Sachs I. 5, 528 d . 1, 447 b . der tod empfängt, holt ab, geleitet. sân in der tôt entphienc Uolr. 1253. er hât den tôt an der hant s.  707 . her moste haven den tôt. Haupts zeitschr. 2, 183. du kannst dir den tod davon holen. ›mit dem tode abgehen‹ wird noch gebraucht, doch häufiger ohne den artikel. mit tode abgegangen ist. Mohr reg. II. no. 234 (a. 1365). MB. 25, 392. 453 (a. 1480). vgl. mit tod verscheiden . H. Sachs (Göz 2, 16. 19). mit tôde vallen . Nib. 2219, 3. aber wieder: si beliben mit dem grimmen tôde . das. 1555, 3. er brâht ir vil manegen dahin, dâ er iemer wesen solde. Gudr. 889, 4. vgl. sine kumt niht herwidere. Gudr. 928, 2. der tôt der hât die unzuht, daz er nieman deheine fluht zuo sînen friunden haben lât. klage 1581. Das sterben ist ein fortgehen. der gestorbne heißt alts. gifaran Hel. 169, 27. altn. framgenginn (dahingegangen). Sæm. 83 a . he gevât  = er starb. homil. 1, 330. häfde forđsîđod , wäre fortgegangen. Beov. 3105. than im that lîf scriđi . Hel. 169, 20. gr. ὀίχεσϑαι , von hinnen gehn. ὀιχόμενος  = ϑανών. moriebatur towita vel hinazôh . gl. sletst. 8, 35. skr. prêta mortuus, qui abiit, exiit. Bopp 37 b . das sterben heißt ûz varn . w. gast 5436. (er is daust , drauzen d. h. todt. Stelzhamer 166. 175). vervarn . Walth. 23, 23. MS. 2, 138 b . forđfêrde obiit. ags. chronologie. er ist an die vart , diu uns nâch in allen ist vil unverspart. Walth. 108, 6. hinavart , discessus e vita, entgegen dem hierwist, hierbleiben im Ludwigsliede. ich red daz ûf mîn hinvart . MSH. 3, 298 b . er swuor ûf sîn hinvart . das. 301 a . bis auf mein hinefart . bergreien 127. die leste fart farn . Suchenw. XXXIV, 105. zuo der langen vart . Lanz. 1949. up mine langhe vaert . Reinh. 2213. altn. löng gânga . Sæm. 222 b . on longne veg . cod. exon. 173, 24. longum et irrevocabile iter , longinquum iter . Pertz 2, 733. zuo der langen hervart . Ksrchr. 6304. des tôdes hervart . Mar. leg. 54, 14. ins große heer fahren, zur großen armee abgehen s. s.  706 . vgl. οἱ πλείονες , plures = mortui, quia ii majore numero sunt quam vivi. qui nunc abierunt in communem locum . Pl. Casina. prol. 19. verscheiden . Renn. 21093. nhd. drauf gehen. freude lân . Parz. 119, 15. swenn er dise freude lât . w. gast 4908. lâtaz . Islend. sög. 2, 166. 174. afgeben gadulingo gimang. Hel. 17, 17. manno drôm ageben . 103, 4. forlêt manno drôm. 23, 7. vgl. sôhte im erlo gimang endi manno drôm. 23, 33. die werlt er begab . Diut. 3, 89. 67. daz leben begibt den lîp. Maria 23. de hac umbratili vita discedere . trad. fuld. 2, 65. von zîte gân . Staufenb. 661. aer he on veg hvurfe gamol of geardum. Beov. 526. hvearf mondreámum from. das. 3433. geendode eorđan dreámas. ags. chronol. lîfvynna brecan . Beov. 157. migrare de corpore. Pertz 1, 355. sterben heißt auch bleiben. blivet doot . Maerl. 3, 325. biliban mortuus. T. 135, 24. O. III. 23, 55. Graff 2, 47. nhd. geblieben . ferner wird es durch untergehn bezeichnet: οἱ ὀλωλότες und zum staube fahren, χϑόνα δῦναι . Il. 6, 411. varen onder moude . Maerl. 3, 61. voer ter moude . das. 3, 152. til iarđar hnîga . Alfskongs s. cap. 13. vgl. bêt ter moude! Lanc. 44032. manger la terre, mordre la poussière. die Griechen nannten die todten δημητρείους , gleichsam die zur erde heimgekehrten. Plutarch 4, 1154. heimvarn . w. gast 5440. nhd. zu seinen vätern gehn, versammelt werden. visit at antiquos avos . Erm. Nigell. 2, 86. fara til heljar  = mori (s.  669 ). gen Tôtenheim faren . Braut 55, 6. fara î dîsar sal . fornald. sög. 1, 527. vgl. heingja sik î dîsar sal. ebendas. 1, 454. fara î lios annat . Sæm. 262 a . sokien lioht ôdar . Hel. 17, 17. de hac luce transire . l. Burg. 14, 3. estn. ilma minnema , in die andre welt gehn. vgl. μηκέτι ὄντα ἐν φάει. Soph. Philoct. 415. an fridu faran , thar êr mîna fordron dêdun. Hel. 14, 22. vgl. unser ruhen in frieden. sterben ist nun auch ein entschlafen und die augen schließen. den langen slâf slâfen . Kolocz 285. daz in der lange slâf gevie. ring. 246. vgl. ûf einem strô ligen . MS. 1, 25 a . Die verstorbnen gehn zu gott. dryhten sêcean . Beov. 373. nhd. er ist bei gott , er steht vor gott  = er ist gestorben. si sîn vor gotes ougen . Trist. 18668. fore meotudes cneovum . cod. exon. 164, 19. gottes mund und bart schauen . Kalev. s. 34. gote hete geboten über in . Ges. Abent. 1, 298. wenn der grim tôt über in gebiut . Ls. 3, 124. gott kam mit seinen gnaden . Schweinichen 2, 167. 184. 252. Andere eigenthümliche verschiedenartige bezeichnungen sind: er hât im den namen (das leben) benomen. Nib. 1507, 4. virwandelen disen lîp . Ksrchr. 6318. des lebenes ferwandelen . Diut. 2, 290. den lîp, daz leben verwandeln . cod. vind. 428. no. 154. 'tgelach moeten betalen . Maerl. 2, 238. er ist verschlissen . Vict. Jacobi 88. estn. den athem niederlegen . leben heißt: der sêle walden . Ben. beitr. 86. dagegen sterben: he is tor selen gedegen . Michelsen Lub. oberh. 42. seeltagen . Haupts zeitschr. 3, 91. nhd. todes verbleichen . Häufig ist beim tod der ausdruck spalten . sîn houbet ime endriu spielt, enniuniu sich sîn zunge vielt. Reinh. 2243. sîn houbet gar zespielt . Lampr. Alex. 6922. daz herze ir in dem lîbe spielt . herzmaere 520. hans hoved brâst udi ni stykker . Dv. 1, 157. nhd. das herz bricht im tode, springt vor harm. . Schon anders steht es um die nach Valhöll bestimmten seelen. Ođinn entsendet die valkyrien , alle im kampf gefallnen helden zu empfangen und in seinen himmel zu geleiten (s.  346 ): wunschjungfrauen holen seine wunschsöhne, ›þœr kiosa feigđ â menn‹. Sn. 39. herrlich wird im Hâkonarmal ihr geleit und der empfang der helden dargestellt. aber diese botinnen nehmen sich schon der lebenden helden an und beschirmen sie bis zum tod: sie sind schutzengel , todesengel . wie schön, daß der gütige gott, bevor er sie ruft, seinen auserwählten einen geleitenden geist zur verherlichung ihrer irdischen bahn verliehen hat. Ich erkenne berührung zwischen valkyrien und Hermes , der den stab des wunsches trägt (s.  347 ) und seelen zur unterwelt geleitet (ψυχαγωγός, ψυχοπομπός, νεκροπομπός). jene jungfrauen sind Ođins boten, wie Hermes götterbote, ja Hermes ist Ođinn selbst, dem die seelen gehören. also auch aus dem verhältnis des gottes zu den todten erhellt die identität zwischen Wuotan und Mercur . ein unterschied zeigt sich darin, daß Hermes, wie der etrusc. Charun (O. Müller 2, 100), zum Hades geleitet, so viel ich weiß nicht ins elysium; umgekehrt holen die valkyrien ab nach Valhöll, nicht zur Hel. auch die eigenschaft des schutzgeistes mangelt dem Hermes. Diese idee schützender geister äußert sich mehr in dem personificierten Thanatos des griechischen volksglaubens. er wird dargestellt als genius, der nachdenksam hand an wange hält, oder den fuß auf die psyche stellt, gleich als habe er sie in besitz genommen. oft kreuzt er seine hände über der ausgelöschten fackel. zuweilen erscheint er schwarz (wie Hel s.  260 ) oder schwarzgeflügelt (atris alis): τὸν δὲ πεσόντα εἶλε μέλας ϑάνατος , ψυχὴ δ' ἐκ σώματος ἔπτη (batrach. 207) nach dieser stelle sollte man glauben, der Tod habe nur den leichnam des gefallnen an sich genommen, die seele sei in unterwelt entflogen, denn es heißt von ihr 235 ἀϊδός δε βεβήκει. und ἀλεύατο κῆρα μέλαιναν (das. 85). Gewöhnlich aber wird der scheidende, abschiednehmende todte zu pferd dargestellt, das ein genius führt : die offenstehende thür bezeichnet die ausreise, wie wir noch jetzt, wenn einer stirbt, thür oder fenster aufmachen (abergl. 664 ). symbolisch kann die bloße thür , der bloße pferdekopf das 702 abführen der seele ausdrücken O. Müllers archäol. 2 ausg. p. 604. 696. wegen des pferdekopfs vgl. Boeckh corp. inscr. no. 800, marm. oxon. p. 2. no. 63. 67. R. Rochette monum. inéd. I, 126. Pausanias VII. 25, 7. Gerhard antike bildw. s. 407. . Der römische todesgenius scheint durch thüranklopfen sein nahen oder die stunde des abschieds zu verkündigen Horat. carm. I. 4, 13: pallida mors aequo pulsat pede pauperum tabernas regumque turres. ; nächtliches klopfen und pochen ist geisterhaft und vorbedeutung des sterbens Nachtrag: Der ind. Jama ist nach Bopp Nalas s. 201. 264 gott der gerechtigkeit, des todes und der unterwelt und heißt in der letzten eigenschaft Kâla , der schwarze. Bopps gloss. 74 b . ihm ist gleichzustellen der pers. Dschemschit , zend. Jimô . Jama sendet seine boten , die in seine öde wohnung führen. Kuruinge 1296. 1360. 1643. Holtzmann ind. sag. 2, 101. vgl. die todesengel . rosenöl 1, 56. 57, die todesengel und würgengel s.  989 . wie die Tartaren den todesengel abwehren, erzählt Kurd Schlözer s. 32. 33. Hermes treibt mit seiner rute die seelen der freier auf die asphodeloswiese. Od. 24, 1–14. 99–101. wie Hermes zu den männern, wird Iris zu den frauen gesendet. der tod führt die menschen aus ihren häusern und gebäuden . so hinterläßt der sterbende Protesilaos der witwe ein halbfertiges haus , δόμος ἡμιτελής . Il. 2, 701. Apollon und Artemis kommen und tödten die alten leute mit lindem geschoss , ἀγανοῖς βελέεσσι . Od. 15, 410. 411. Φοῖβος Ἀπόλλων οἱς ἀγανοῖς βελέεσσιν ἐποιχόμενος κατέπεφνε. Od. 3, 280. τὴν βάλ' Ἄρτεμις ἰοχέαιρα . Od. 15, 478. αἴδε μοι ὣς μαλακὸν ϑάνατον πόροι Ἄρτεμις ἁγνή. Od. 18, 202. 20, 60. 61. 80. Charon fährt übers wasser, wie auch der teufel mit einem ruder in der hand dargestellt wird. Woeste s. 49. vallen in des Tôdes wâge . warn. 1650. ûf des Tôdes wâge sweben. das. 3318. Der tod wird von gott gesendet. got der sende an mînen leiden man den Tôt! MS. 1, 81 a . sîn wîp diu schrîet wâfen ûf den Tôt , er sî entslâfen , daz ern niht welle bestân. Teichner 75. dô ergreif in der Tôt, dô er im sîn zuokunft enbôt , sô daz er in geleite . Greg. 20. er klopft an. bereite, ze ûftuonne deme klopphaere . Uolr. 1329. auch bei Berno: ut pulsanti posset aperire. er erscheint jung. der jüngelinc , der geheizen ist Tôt. Ls. 2, 373. Die lappische Jabmen akka , uxor, vel avia mortis, sitzt in unterirdischer höle und wurde als göttliches wesen geehrt. Lindahl lex. 82 b . ich selbe sol hin in daz hol . Frauenl. 114, 8. des todes höle (s.  711 höle des gevatter tod ). . Weiblich, gleich der Halja, wie man aus dem genus von mors folgern sollte, bilden römische kunstwerke den Tod nie, sicher dachte ihn sich das volk ursprünglich nicht anders; die slavische smrt (dasselbe wort) ist überall weiblich, das litth. smertis wird männlich und weiblich gebraucht, das lett. nahwe nur weiblich. die slav. Morena , Marana (Mořena, Marzana), welche s.  643 . 644 geschildert wurde, scheint nahe an smrt und mors zu reichen. Diese benennungen klingen an deutsche. schmerz haben wir in dem gemilderten sinne von pein, ursprünglich war es wol nur todespein, wie qual zu quellan, ags. cvellan, engl. kill gehört bedeutung der herbsten ausdrücke mindert langer gebrauch; ein beispiel war s.  667 das franz. gêne. ; nur der ahd. mhd. und ags. dialect kennen das starke verbum smërzan, smërzen, smeortan (dolere). das ahd smerza ist weiblich, das mhd. smerze männlich, stets unpersönlich. nahwe stimmt zum goth. masc. náus , pl. naveis, funus (vgl. altn. nâr , nâinn , s.  375 ), wie auch ϑάνατος leiche bedeuten kann goth. leik (corpus, caro), leiche , leichnam (cadaver); ahd. hrêo , ags. hræv , mhd. rê (cadaver, funus), goth. hráiv (wovon hraívadubô, klagtaube) = lat. corpus . . das gr. wort hat aber gleiche wurzel mit dem goth. dáuþus , ahd. tôd (früher tôdu) masc., alts. dôd , dôđ , ags. deáđ , altn. dauđr , überall männlich, nur im mnl. dôt hat sich das weibliche genus erhalten, das die goth. form gleichfalls vertrüge. die goth. wurzel lautet diva, dáu (morior), was sich zu ϑνήσκω, ἔϑανον, ϑάνατος wie das goth. Tiv zum slav. dan verhält (s.  162 ). das altn. dauđi finde ich nur für den zustand (z. b. Sæm. 231 b ), nie für die person, letztere aber drückt schon das goth. dáuþus 1 Cor. 15, 55 aus Nachtrag: Mit mors vgl. zend. merethyu . Bopp vgl. gr. 46. schmerz erklärt Benfey 2, 39 anders. ein nord. ausdruck für todt ist dâinn (s.  375 ). vgl. finn. Tuoni mors, Pluto. Tuonen koira , libellula. Tuonela orcus. preuß. gallas mors (? litth. galas finis). est. surm mors, finn. surma . ungr. halál , finn. kuolema , wotjak. kulem , lapp. jabmen . Der Tod ist der bruder des Schlafs , der auch personificiert wird, die todten schlafen. von der todten vala heißt es: sefrattu fyrri. Sæm. 95 b . κοιμήσατο χάλκεον ὕπνος . Il. 11, 241. wie der schlaf sandmann , heißt der tod estnisch erdmann, sandmann, liwa annus Sandhannes, liwa peter Sandpeter. vgl. Alfred Maury du personnage de la mort. rev. archéolog. 4 e année s. 305–339. . Der verwandtschaft der wörter entsprechen auch ähnliche vorstellungen. die hauptsächlichsten unserer alten dichter scheinen folgende. Wie alle geister urplötzlich nahen oben s. 270 . Reinhart s. liii. cxxx ; gleich der Nacht, dem Winter und jüngsten Tag bricht der Tod ein. , so der Tod; kaum genannt oder gerufen ist er da. ›hie nâhet der Tôt manigem manne‹. Roth. 277 b ; ›daz in nâhent der Tôt‹. Nib. 2106, 4; ›do nâhte im der Tôt‹. Nib. 2002, 3; ›Mors praesens ‹ Walthar. 191; ›der Tôt gêt dir vaste zuo‹. Karl. 69 b . er steht gleichsam im hintergrund und harrt des rufes oder winkes (Freidank 177, 17. ›dem Tôde winken‹ Renn. 9540). er ist wie das fatum, die wurt nah und 703 zur hand (s.  336 ). ähnlich dem verfolgenden kobold oder irwisch hockt er den leuten auf dem hals: ›der Tôt mir sitzet ûf dem kragen ‹, Kolocz. 174. › stêt vor der tür ‹, Diut. 2, 153. eine sage bei Reusch (no. 36) läßt den Tod vor der thür sitzen und warten daß sie aufgehe, er nimmt also die ausgehende seele in empfang. Lebensmüde, unglückliche rufen ihn herbei, sein ausbleiben beklagend: › Tôt , nu nim dîn teil an mir‹! Wh. 61, 2. › Tôt , daz du mich nu kanst sparn!‹ Wh. 61, 12. › wâ nô Tôt , du nim mich hin!‹ Ecke 145 wie Er. 5832 die raubthiere herangerufen werden: › wâ nû hungerigiu tier , bêde wolf und ber, iwer einez kume her und ezze uns beide!‹ ; › Mort , qar me pren, si me delivre!‹ Ren. 9995; › Mors , cur tam sera venis?‹ Rudl. 7, 58; ›ô wê Tôt dazt ie sô lange mîn verbære!‹ MsH. 1, 89 a ; ›por ce requier à dieu la mort‹. Méon nouv. rec. 2, 241. bekannt ist die aesopische fabel γέρων καὶ ϑάνατος. sterben wollen heißt auch den Tod suchen Straparola 4, 5 erzählt von einem jüngling, der neugierig auszog um den Tod aufzufinden. und nach dem Tod senden , ihn holen lassen: ›jâ wænet des der degen, ich habe gesant nâch Tôde : ich wils noch lenger pflegen‹. Nib. 486, 5. von einem trägen diener wird gesagt, er sei gut nach dem Tod zu schicken , d. i. er gehe so langsam, daß man noch aussicht auf längeres leben behalte. dies sprichwort muß weit verbreitet gewesen sein: ›en lui avon bon mesagier por querre la Mort et cerchier, que il revendroit moult à tart‹. Ren. 5885; ›du werst ein bot gar guot zuo schicken nach dem Todt, du kommst nit bald‹. H. Sachs 1, 478 c ; ›werst gut nach dem Tod zu schicken‹. H. Sachs IV. 3, 43 d . Fischart geschichtkl. 84 a ; ›du är god att skicka efter Döden‹ Hallman p. 94; ›bon à aller chercher la mort‹ Pluquet contes p. 2; böhm. ›to dobré gest pro Smrt posjlati‹ Jungmann 4, 193 a . Sollte dieser träge diener zusammenhängen mit Gânglati und Gânglöt dem knecht und der magd der alten Hel? Sn. 33. Der Tod nimmt die seele und führt sie weg. › hina fuartanan Tôd‹. O. 1. 21, 1. ›do quam der Tôt und nam in hin ‹. Lohengr. 186. ›er begrîfet ‹ Gregor. 413. Diut. 3, 53. ergreif Greg. 19, ein ausdruck, der auch von dem überfallenden, bewältigenden Schlaf, des Todes bruder, gebraucht wird: ›der Slâf in begreif ‹ pf. Chuonr. 7076. er dringt in sein haus, dessen thür geöfnet steht: ›gegen im het der Tôt sînes hûses tür entlochen ‹. Bit. 12053. ›der Tôt weiz manige sâze, swâ er wil dem menschen schaden und in heim ze hûs laden ‹. Türh. Wh. 2281. ›dô in der Tôt heim nam in sîn gezimmer ‹, ›brâht heim in sîn gemiure ‹. Lohengr. 143. 150. das sind schon abweichungen von der ursprünglichen idee, die ihm keine eigne wohnung zuschreibt, oder steht er hier der Hel gleich? Wahrscheinlich trägt er wie alle boten (RA. 135) und wie Hermes, der seelengeleitende, einen stab , zum zeichen einer reise 704 oder der ihm verliehnen gewalt. mit diesem stab, mit dieser ruthe (des wunsches) berührt er, was ihm verfallen ist: ›la Mort de sa verge le toucha ‹. Méon 4, 107 danse Macabre p. m. 55 führt der Tod trois verges . . Dem Tod wird eine wol geebnete und im bau erhaltne straße zugeschrieben, auf der die todten mit ihm wandern. ›des Tôdes pfat wart gebenet ‹, Turl. Wh. 22 a 23 b . ›dâ moht erbouwen der Tôt sîn strâze ‹. Bit. 10654. ›nu seht, wie der Tôt umbe sich mit kreften hât gebouwen ‹. kl. 829. Wie ein behilflicher, geschäftiger diener schmiert er dem menschen, welchen er abholt, zu der großen reise, vorher die schuhe ; in Burgund drückt man die ankunft des Todes aus durch die phrase: ›quan la Mor venré graisse no bote ‹, quand la Mort viendra graisser nos bottes (noei borguignon p. 249) Nachtrag: Der Tod schleicht heran. mors obrepit . Pl. pseud. II. 3, 20. mors imminet et tacito clam venit illa pede. Tib. I. 10, 34. da kam der Tôt als ein diep und stal dem reinen wîbe daz leben ûz ir lîbe. Wigal. 8032. der Tôt kumt geslichen als ein diep. Cato 397. (mutspelli also thiof ferit. Hel. 133, 4). der Tôt erslîchet . warn. 3109. der tôt hât mich erslichen . Hugdietr. Fromm. 5. er ist mir na geslichen , der mich kan machen bla . Muskatbl. 18, 36. der Tôt slîcht vaste herein. Stephans stofl. 174. daz euch nicht ubersleiche der Tôt mit seim gereusch. Wolkenst. 31. mnl. êrt die Dôt belope . Maerl. 3, 191. dir ist vil nâhe der Tôt. Ksrchr. 5084. 11298. vgl. ags. nealaecan anm. 2200 . swie mir der Tôt ûf dem rücken waere. MS. 2, 46 b . Der Tod wird von lebensmüden herbeigewünscht: er rief nâch dem tôde. Ksrchr. 1724. Tôt kum und toete mich! Dioclet. 4732. nun kum Tôt! Hartm. 1. büchl. 292. kum dot! Mar. kl. hinter Arnold 28. dot kum! das. 440. vgl. ἐλϑέτω μόρος . Aesch. suppl. 804. o Jama komm, erlöse mich. Holtzm. Kur. 723. kom Tôt, brich mir daz herz enzwei. Hagen Ges. Abent. 1, 301. wê dir Tôt, kum her und nim uns alle hin! Mai 150, 12. 155, 4. 162, 4. 164, 13. 178, 27. recipe me ad te, mors, amicum et benevolum. Plaut. Cistellaria III. 9. nu kum , vil grimmeclîcher tôt und rihte gote von uns beiden! MS. 1, 17 b . kum ein kleines tödelein und für mich balde von hinnen! bergreien 84. wo bist so lang du grimmer tod, komb! H. Sachs III. 1, 227 c . o  mors , cur mihi sera venis? Prop. III. 4, 34. vgl. Sophocles Philoct. 796. riep om die dôt, dat si quame . Lanc. 35711. dat se den dôd beide schulden unde baden, dat he niht ensûmede , wen dat he quême , unde ön dat levend to hand neme . Everh. gandersh. 487 a . weiz got her Tôt , ir müezet her! Apollon. 235. nim mich Tôt, brich Tôt mîn herze! altd. bl. 1, 288. 289. ôwê Tôt, wes mîdest du? Ls. 1,99. wê Tôt, zwiu sparst du mich? Mai 43, 10. wê Tôt, waz sparst du mich? W. v. Rheinau 190 a . eia Tôt, mohtes du mich getoeten! Stephans stofl. 181. wallan daeđ, wela daeđ, þat þu me nelt fordemen. king Leir 160, 20. he dex, la mort m'envoie! Guitecl. 2, 148. Tôt, nu öuge dich! Hagen Ges. Abent. 300. Man kieset , holt den Tod. gramm. 4, 608. Nib. 1362, 4. Der Tod erscheint und warnt, er läßt sich wol die erstenmale abfinden und wegweisen , aber nicht beim drittenmal. ähnliche sage wie bei Straparola 4, 5 ist die von Pikollos . Hanusch s. 218. der Tod › siht an ‹, wendet den blick auf einen. warn. 28. er winkt oder deutet . Ruß Adam 1421. Der Tod nimmt den menschen hinweg, wie Hild und Gund (s.  349 . 350 ). diu (kint) füeret hin des Tôdes wint . warn. 1648. daz in der Tôt hât hin genomen . Ulr. Trist. 20. daz in genomen hât der Tôt. Frib. Trist. 32. Secundillen het der Tôt genomen . Parz. 822, 20. der tôt hât mich begriffen . Hugdietr. Öchsle 10. ê iz der Tôt begrîfe . Diemer 348, 9. do ergreif den vater ouch der Tôt. Gregor. 19. begrîft iuch dâ der Tôt. das. 413. Den hât der Tôt verzimmert . Suchenw. 16, 167. des Tôdes zimmer . das. 19, 17. vgl. diap dôdes dalu ( anm. 2078 ). tôdes muor . Türl. Wh. 16 a . Der Tod verschlingt wie der teufel in seinen rachen. daher: vallen in des Tôdes giel . Karl 72 a . si liefen dem Tôd in den rachen . theiln. der Serben (?) s. 23 (a. 1685) vgl. ir welt in gewissen tôt . Wigal. 6061. in den tôt rîten. das. 6153. nhd. den in den tod gehn. . Ganz heidnischer zug, dünkt mich, ist, daß er zu pferd erscheint, wie die valkyrien reiten; er holt zu pferd ab, setzt die todten auf sein pferd . in einem weitverbreiteten volkslied naht der ferngestorbne und begrabne bräutigam mitternachts und führt seine geliebte mit sich ›der mond scheint hell, die todten reiten schnell ‹. Bürgers leben p. 37. WH. 2, 20. ›t maantje schijnt zo hel, mijn paardtjes lope zo snel‹. KM. 3, 77. ›månan skiner, dödman rider ‹. sv. vis. 1, liii . u. schon › rîda menn dauđir ‹. Sæm. 166 b . 167 a . norweg. ›manen skjine, döman grine, värte du ikkje räd?‹ man vgl. das neugr. lied bei Wh. Müller 2, 64 und Vuk 1 no. 404. . vielleicht soll jener pferdekopf (s.  701 ) mehr des Todes als des todten pferd bezeichnen? Der Hel und ihrem boten wird gleich andern göttern ein pferd zugestanden haben; das bestätigen noch redensarten und meinungen, die hin und wieder bei dem volk haften. Wer von schwerer krankheit genesen ist pflegt zu sagen: ›jeg gav Döden en skiäppe havre ‹ (Thiele 1, 138), er hat dem Tod für sein ros einen scheffel haber geopfert und ihn damit besänftigt. wie die Heiden dem Wuotan (s.  128 ), der frau Gaue (s. 209 ), die Slaven ihrem Svantevit und Radegast (s. 552 ) die rosse futterten. Von einem schwer und polternd auftretenden heißt es gleichfalls in Dänemark: ›han gaaer som en helhest ‹ (dansk ordb. 2, 545 a ). von diesem helhest erzählt man noch andere dinge, es soll dreibeinig auf dem kirchhof umgehn und den Tod herbeiführen. nach einer volkssage wird auf jedem kirchhof, ehe er menschliche leichen empfängt, ein lebendes pferd begraben: dies sei das umwandelnde todtenpferd (Thiele 1, 137); ursprünglich war es nichts anders als die umreitende todesgöttin. Arnkiel 1, 55 führt den schleswigischen aberglauben an, daß in pestzeiten die Hel er schreibt › der Hell‹; wie Plattdeutsche, wenn sie hochdeutsch reden wollen, den artikel verwirren, sie sagen auch der Pest f. die Pest. auf dreibeinigem pferde umreite und menschen würge; wenn dann bei nächtlicher weile hunde bellen und heulen (weil hunde geistersichtig sind) heiße es: ›die Hell ist bei den hunden ‹, wenn die seuche aufhöre: › die Hell ist verjagt ‹, wenn ein todkranker genese: ›er hat sich mit der Hell abgefunden ‹. 705 hier ist, wie in andern fällen, der begrif des Todes mit der personificierten seuche zusammengeflossen. In gedichten unsers MA. wird niemals dieses umreiten des Todes geschildert, wol aber daß er die seelen auf sein ros lädt . Bei beschreibung einer schlacht heißt es: ›seht, ob der Tôt dâ iht sîn soumer lüede? jâ er was unmüezec gar‹, Lohengr. 71. ›daz ich des Tôdes vuoder mit in lüed und vazzet ‹. Ottocar 448 a . Die Neugriechen haben den alten fergen Χάρων in einen todesboten Χάρος umgewandelt, den man mit seiner schwarzen schaar über das gebirge ziehen sieht, er selbst reitet , vor ihm her gehen die jünglinge, hinter ihm folgen die greise, die zarten kinder sind an seinen sattel gereiht τὰ τρυφερὰ παιδόπουλα 'σ τὴν σελλ' ἀῤῥαδιασμένα. Fauriel 2, 228. Wh. Müller 2, 8. vgl. Kind 1849. s. 14. . Der Lübecker todtentanz (Bruns 334. 352) läßt den Tod auf einem löwen reiten, und so stellt ihn auch ein bild dar (Douce p. 160). Mortis habenae . Abbo de bellis paris. 1, 187. 322 Nachtrag: Der Tod reitet, wie der verstorbne bräutigam zu pferd seine geliebte mit sich führt. Haupt altd. bl. 1, 177. Müllenhoff no. 224. schon Sæm. 168 b heißt es: mâl er mer at rîđa rođnar brautir , âđr salgofnir sigrþiođ veki (ehe der hahn kräht). vgl. des Tôdes wîp . Engelh. 3402 anm. ich gezime dir wol ze wîbe . Er. 5896. wie die schleswigische Hel (Müllenhoff no. 335) reitet auch Wode und der wilde jäger auf dreibeinigem pferde . Wode fängt die unterirdischen, knüpft sie mit den haaren zusammen und läßt sie von jeder seite des pferdes herabhängen. Müllenhoff s. 373. Auf böotischen grabsteinen steht der verstorbne neben dem pferde, mit dem beisatz: ἥρως χαιρε. K. Fr. Hermanns gottesd. alterth. § 16, 20. Charon reiht die kinder an seinen sattel. vgl. GDS. 140. 141. . Die todten gehn, wie gefangne, in Todes banden ; auch nach der indischen vorstellung führt er sie gebunden fort Bopps sündflut p. 37. 50. buhez santez Nonn p. 205 sagt der Tod: ›j'attire tout dans mes liens à mon gîte‹. . ›ei, waz nû dem Tôde geschicket wart an sîn seil ‹. Lohengr. 115. ›maneger quam an des Tôdes seil ‹. das. 123. ›in Tôdes sil stigen ‹. Ls. 3; 440. ›zuo dem Tôde wart geseilet ‹. Geo. 2585. ›wê dir Tôt! dîn slôz und dîn gebende bindet und besliuzet !‹ Wigal. 7793. ›der Tôt hât mich gevangen ‹. Karl 81 b . Greg. 50. Jemehr die alte gottheit der unterwelt zurück und der Tod eigenmächtig auf trat, muste sich eine herbere auffassung seines wesens oder mischung mit andern göttern ergeben. aus dem stillen boten, der nur strenge seines amtes wartet, wird er ein gewinnsüchtiger, gieriger feind, der für seine rechnung handelt, den sterblichen fallen stellt. Schon O. V. 23, 260 legt ihm listiges besuîchan (decipere) bei, Conrad strik und netzegarn Troj. 12178, was an jenes netz der Rân (s.  259 . 701 ) gemahnt. Noch heutzutage ist für ihn das bild eines voglers oder fischers hergebracht, der dem menschen schlingen legt oder nach ihm angelt. ›do kam der Tôt als ein diep und stal dem reinen wîbe daz leben ûz ir lîbe‹. Wigal 8033 lebensdieb, leuteschlächter, namen des Todes. . Er übt aber auch ofne gewalt, er suochet , roubet Nib. 2161, 3, 2163, 1; fällt nieder: › bifalta sie‹ O. III. 18, 34; ›mich hât der Tôt gevangen ‹. Greg. 50. jaget Roth. 2750; bekrellet (faßt mit krallen?) fundgr. 196, 20, das ist auch biblisch, ps. 91, 3–6 erscheint er als jäger mit stricken und pfeilen ; sein botenstab hat sich in einen speer verkehrt, den er wirft, in einen pfeil , den er vom bogen entsendet. bemerkenswerth Renn. 24508: ›wirt dem des Tôdes sper gesandt‹; Freid. 177, 24: ›der Tôt gât her, der widerseit uns an dem sper ‹, diese lesart ziehe ich der aufgenommnen ›âne sper‹ vor. Ođinn hat einen speer Gûngnir (s.  121 ) dessen schwung oder wurf tödtete. der litth. Smertis 706 erscheint als krieger mit schwert und spieß auf einem wagen fahrend, d. h. in göttlicher gestalt. Es ergibt sich demnach für den Tod die idee seines förmlichen kampfes und ringens mit dem menschen, den er überwältigt und erlegt. ›mit dem Tôde vehten ‹ MS. 2, 82 b ; ›der Tôt wil mit mir ringen ‹, Stoufenb. 1126; ›do ranc er mit dem Tôde‹ Nib. 939, 2; ›alsô der Tôt hie mit ime rank ‹. Ecke 184; wir benennen noch jetzt so die agonie des sterbenden, ohne etwas persönliches dabei zu denken. In einem neugr. lied ringt , auf glattem marmor, ein kecker jüngling mit Charos, von morgen bis zu mittag: zur abendstunde wirft ihn der Tod nieder. ein andermal wandelt sich Charos in eine schwarze schwalbe und schießt einer jungfrau den pfeil ins herz Wh. Müller 2, 4. 6. vgl. Tommaseo canti popolari 3, 301 ff. . vielleicht darf eine zweifelhafte stelle Beov. 3484 auf den Tod gezogen werden, er heißt da ein tödter, der mit feurigem pfeilbogen schießt: › bona , se þe of flânbogan fŷrenum sceoteđ‹; vgl. das serb. krvnik (blutvergießer) oben s.  18 . Brun von Schonebeke läßt den Tod eine viersträngige geisel schwingen. Auch unsere mhd. dichter verleihen dem Tod pfeil und streitaxt; ›des Tôdes strâle het si gar versniten‹. Tit. 3770. ›wâ snîdet des Tôdes barte ‹ Wh. 3, 220 (cod. cass.) die isernporte eines meistergesangs aus dem 14 jh. Hagens mus. 2, 188. ist wol îsernbarte? hier verheißt der Tod, wenn ihm sein gegner obsiege, tausendjährige frist unsern dichtern ist auch der gedanke nicht fremd, daß der Tod seinen anspruch auf den menschen gerichtlich verfolge , ›do begunde der Tôt einen grâven beclagen und mit gewalte twingen ze nôtigen dingen‹. Iw. 5625 ff. der graf heißt ›der verlorne, wander muose im ze suone geben beide sîn gesunt u. sîn leben‹. Ebenso ist Iw. 7161 die rede von dem › gelten vür des Tôdes schelten ‹. vielleicht gehört hierher Nib. 2017, 5 ›der Tôt hât ûf si gesworn ‹. Im ackermann aus Böhmen ist hingegen der Tod ein beklagter und der ehemann, dem er seine frau geraubt hat, kläger. ähnliche rechtshändel fängt der Teufel an. ›nu kume vil grimmeclicher Tôt und rihte gote von uns beiden!‹ Ms. 1, 17. bemerkenswerth ist auch ›mit des Tôdes hantveste übersigelet ‹. Wh. 391, 27. der indische gott des todes heißt Jama und ist ein herr des rechts. Nachtrag: Der Tod nimmt gefangen. Jama erscheint mit einem strick und führt den aus des sterbenden leib gezognen däumling daran gebunden weg. Holtzmann ind. sag. 1, 64, 65. Rochholz 1, 89. ob mich der Tôt enbindet . Wh. 68, 22. der Tod schlägt sein netz über uns. Steph. stofl. 174. in des Tôdes vallen beklemmet. Mart. 11 b . kâmen zuo des Tôdes valle . Livl. 1808. in des Tôdes lâge . Kl. 1356. der Tôt im daz leben stal . Ottoc. 86 a . die in het der Tôt verstolen . Wigal. 9213. in het vil nâch der bitter Tôt mit sîner kraft gezücket hin . Wigal. 5956. sîn leben het gezücket der Tôt. das. 5129. der Tôt zücket : niderbücket . Wolkenst. 31. unz si der Tôt ersnellet . Haupts zeitschr. 7, 331. der Tôt hât mich ergangen . Ecke 58. do nu der Tôt her drang . h. Ludw. 60, 17. thaz tôd uns sus giangti , sus nâher uns gifiangi . O. III. 24. 14 d. h. so in die enge triebe und nah käme. der Tod rauscht her behend. B. Waldis 149 a , der Tod rauscht durch die hecken her. das. 163 a . der tod als sieger steht über den sterbenden, niederliegenden: des Tôt gestêt uber in selben . pfaffenleben 33. vgl. Dietr. 1669 (daz er nider seic ûf daz gras) die sîne stuonden über in . die sterbenden sind dem Tode verfallen , werden seine leute . daher nhd: ein mann des Todes, ein kind des Todes. sonst war er ein mann des Todes. 10 ehen s. 226. vgl. Dôdis vuoter werden. fundgr. 2, 108. des Tôdes spil . Wigal. 10743. den Tôt laben (mit festungswerken). Wigal. 10743. Der sterbende ringt mit dem Tode. Sanders s. 44. mit dem grimmen Tôde ranc . Servat. 1771. mit dem Tôde hât sînen geranc . warnung 174. auch der teufel ringt: mit wem die tievel haben gerungen . Renn. 10727. überwunden sich dem Tôde ergeben . Wigal. 7662. Der Tod ist bewaffnet. er heißt ags. vîga välgîfre. cod. exon. 231, 8. vîga nealaeceđ. cod. exon. 164, 4. deađ nealaecte , stôp stalgongum strong and hređe. das. 170, 17. wir ligend auf des Todes spiez . ring 253. er schießt pfeile gleich dem neugr. Charos. Kindt 1849 s. 17. vgl. ags. välpîlum todespfeilen. cod. exon. 171, 15. välstraelum . das. 179, 11. ûf in sleif des Tôdes hagel . g. schm. 158. in hât benomen des Tôdes schûr . Wh. 256, 6. der Tod tritt als ein jäger auf. MSH. 3, 177 a . endlich wird der Tod einem dorn verglichen: darinne der tôt als ein dorn in dem meien blüete . Wigal. 7628. Der Tod erhebt rechtlichen anspruch auf den menschen. galt der dôt haer scout (solvit morti debitum) Maerl. 1, 430. nhd. die schuld der natur abtragen. . In solchem krieg und streit muß der tod aber als anführer eines großen , sich ohne unterlaß stärkenden heers erscheinen. es wird ihm gefolge und gesinde beigelegt: ›der Tôt der suochte sêre dâ sîn gesinde was‹. Nib. 2161, 3. schon den Griechen heißen die todten οἱ πλέονες und ἐς πλεόνων ἱκέσϑαι bedeutete was ἐς Ἅιδου in die wohnung des großen haufens, zur großen schaar gelangen. im ackermann von Böhmen wird der Tod genannt › hauptmann vom berge ‹, etwa weil er, wie im griech. liede (s.  705 ) mit seinem heerzug das gebirge deckt? ›in des Tôdes schar varn ‹. Wh. v. Orl. 2113. ›ist an die vart ‹ (obiit) Walth. 108, 6; noch heute: ›er ist zum großen heer gegangen‹. Wiewol nicht mitkämpfend, scheinen die todten ein heerzeichen (fahne oder speer) zu tragen, das er den sterbenden gleichsam anheftet, womit er 707 sie berührt, seinem heer einverleibt vgl. einem des Todes muoder (mieder) sniden. Titur. . so verstehe ich ›des Tôdes zeichen tragen ‹ Nib. 928, 3. 2006, 1: es kann aber auch den nebenbegrif enthalten, todeswunde empfangen haben, die dann für sein zeichen und wapen gilt. darum heißt es Nib. 939, 3 ›des Tôdes zeichen ie ze sêre sneit ‹, wo eine hs. wâfen darbietet, wie auch sonst gesagt wird ›eines wâfen tragen ‹. Parz. 130, 4, Freidank 74, 18. Wigal. 7797, ja, ›des tôdes wâpen tragen‹ Wh. 17, 16. ›Tristandes zeichen vüeren ‹ Heinr. Trist. 2972 bedeutet: gleich ihm verwundet sein. Schon Alfred Boeth. p. 16 (Rawl.) gebraucht ›Deáđes tâcnung ‹ und man darf sogar des Zio zeichen (tâcen) s.  166 , Ođins speer s.  121 erwägen merkwürdig spricht in jenem meistergesang (mus. 2, 187) der Tod: ›und sîst hereit, wenn ich dir mîne boten (die krankheiten) send, die dir die zeichen geben ‹, die dich als den meinigen stempeln. der Tod, ursprünglich selbst bote, entsendet geringere boten. hierher auch das KM. no. 177. Schon in der altfranz. chanson des Saxons 2, 134. ›la Morz le semont sovent et menu‹, durch ohnmachten. Nachtrag: Der Tod hat ein heer: der Tôt fuort in die gemeinen vart . Ottoc. 86 a . der Tôt gebiutet sîne hervart . Barl. 397, 32. sein zeichen ist die bleiche varwe: des Tôdes zeichen in liehter varwe . Nib. 928, 3. 2006, 1. des Tôdes zeichen wirt schîn in swarzgelber varwe. warn. 128 ( anm. 518 ). des Tôdes gilwe . MS. 2, 166 b . die veigen sind zu erkennen. belg. mus. 5, 113. dagegen heißt es Wigal. 6151: an ein sper man im dô bant einen samet der was rôt ; daz bezeichent daz er in den tôt des tages riten solde. Sterbenden schneidet Proserpina haar ab und weiht dadurch zum orcus: nondum illi flavum Proserpina vertice crinem abstulerat stygioque caput damnaverat orco .   Aen. 4, 698. Iris wird zur Dido geschickt: devolat et supra caput astitit: hunc (crinem) ego Diti sacrum jussa fero, teque isto corpore solvo. sic ait, et dextra crinem secat , omnis et una dilapsus calor atque in ventos vita recessit.   das. 4, 702 ff. . An die idee der botschaft und des großen haufens schlossen sich nun noch andere, wahrscheinlich weit hinauf reichende. boten zu sein pflegten im alterthum fiedler und spielleute: es lag nahe, den Tod mit seinem gesinde einen reihen aufführen zu lassen, er wirbt sich, durch pfeifen und geigen, nachfolger. eigentlich eine heitere, die härte des sterbens mildernde vorstellung: abgeschiedne seelen treten alsbald ein in tanz und fest. Schon die Römer behaupteten gesang und tanz im elysischen gefilde Virg. Aen. 6, 644 pars pedibus plaudunt choreas et carmina dicunt. Tibull I. 3, 59. hic choreae cantusque vigent. und es stimmt zu der ähnlichkeit seliger geister mit musik und tanzliebenden elben (s.  389 ). unsere dichter des 13 jh. reden indessen noch nie vom todtentanz , der seit dem 15. 16 zu den populärsten vorstellungen gehört. in der häufigen redensart ›er hât den Tôt an der hant ‹. Nib. 1480, 4, 1920, 4. 1958, 4. Wigal. 2453. 4700. Alph. 286. 345. 359 scheint nicht anfassen zum tanz gemeint, bloß zum wegführen: dôd is at hendi (s.  336 ). Da des lebens vergänglichkeit schon in der h. schrift dem gras und heu verglichen wird, konnte man leicht in dem Tod einen mäder oder schnitter sehn, der menschen wie blumen und halme niederhaut. messer , sichel , sense sind ihm in dieser beziehung beigelegt. ›ist ein schnitter, heißt der Tod, hat gewalt vom höchsten gott, heut wetzt er das messer, es schneidt schon viel besser; hüte dich schönes blümelein!‹ worte eines kirchenlieds. ältere dichter geben ihm nie diese werkzeuge; wol aber wird das bild des ausgetragnen Todes zuweilen mit einer sense ausgestattet (s.  644 ). es könnte auch späterhin die harpe des griech. Kronos O. Müllers archäol. p. 599. eingewirkt haben, vgl. falcitenens bei Radevicus 2, 11. ›einen den blumen gesellen, ins gras beißen lassen‹ Lohengr. 138 gilt auch von andern siegern als dem Tod. er jätet die pflanzen aus: ›in 708 lebens garten der Tôt nu jat ‹. Turl. Wh. 23 b . Umgekehrt heißt der Tod, gleich dem teufel, ein sämann , der seinen namen als unkraut unter die leute ausstreut: ›dô der Tôt sînen sâmen under si gesæte‹. Wh. 361, 16. ›er ier durch in des Tôdes furch ‹ Ulr. Trist. 3270 will bloß sagen: er versetzte ihm tödliche wunde Nachtrag: Der Tod mäht , lett. nahwe płavj. Bergm. 69. des Todes sichel . Wolkenst. 278. er ist ein sensenmann . Schahnameh v. Görres 1, 105. 106. vgl. die drei jungfrauen, die mit ihren sensen die leute niedermaehen. Kulda b. d'Elv. 110. . Eh ich einige andere vorstellungen erläutere muß ich die beinamen und benennungen des Todes in unserer alten poesie aufzählen. Gewöhnlich heißt er der grimme , Roth. 2750. Nib. 1360, 4. 1555, 3. Mar. 218. Flore 1931. Troj. 2317. 2325. 10885. Ls. 3, 124 der grimme tôt , name eines messers, Wolfd. 1313, merkwürdig, da der Hel messer sultr hieß (s.  260 ), von svelta (esurire), das im goth. sviltan den begrif hat von mori. ; der ferchgrimme , Morolt 4059, eine glücklich verwandte zusammensetzung, da es der Tod auf ferch und leben abgesehn hat; der grimmige , Roth. 517. Reinh. 360. 1248. Berthold 303; der bittere (πικρὸς ϑάνατος), amara nach Isidor sogar ›mors dicta quod sit amara ‹. Mors, Rudl. 1, 110. Unibos 117, 4. Diut. 3, 89. Mar. 206. Alex. (Lampr.) 820. 1097. 3999. 4782. gr. Ruod. C b , 15, Wh. 253, 28. Wigal. 1113; der bitterlîche , Troj. 3521. 22637; der sûre , Parz. 643, 24; der scharfe , ›ein scharpher bote‹ Freid. 21, 6; der irre , Amgb. 29 a bei Wizlau, also wol ërre , mit dem sinn der zornige?; der gemeine (qui omnes manet) En. 2081. Lauter epitheta entnommen von seiner unvermeidlichkeit, grausamkeit, herbheit, nichts persönliches über seine gestalt verrathend. niemals findet sich der schwarze, der bleiche, nach dem lat. mors atra, mors pallida, Otto II hieß › pallida mors Saracenorum‹ (cod. lauresh. 1, 132). Renner 23978. 80 lese ich ›der gelwe tôt‹, in beiden fällen ist nicht das aussehn des Todes, sondern des getödteten gemeint; auch Walth. 124, 38 wenn er von der welt sagt, sie sei ›innân swarzer varwe vinster sam der tôt‹, versteht darunter den aufenthalt der todten, die hölle, nicht die gestalt des Todes. › lieber Tôt‹ wird er in einem liede angeredet (Hagens mus. 2, 187); ›der heilig Tod‹ nennt ihn H. Sachs I. 5, 528 d , › her Tôt! ‹ auch bloß in der anrede, Apollonius 295 und oft im ackermann aus Böhmen Nachtrag: Gewöhnlich heißt der Tod der grimme . Diemer 87, 9. 14. Servat. 1771. 1792. Hahns Stricker 11. der Tôt in mit grimme suochte. Diut. 1, 407. der grimme tôt war der name eines schwertes. MSH. 3, 236 a . der grimmige tôt . Diemer 73, 24. 173, 27. warnung 2750. vil grimmeclîcher tôt. Hagen Ges. Abent. 1, 300. der arge tôt. Ernst 1954. der übel tod, der bitter . ring 6 d , 12. 54 b , 26. franz. male mort. ez ist niht wirsers danne der tôt. Er. 7935. der leide dôt. Haupts zeitschr. 2, 197 (wie der teufel). die felle Dôt. Maerl. 2, 133. der gewisse Tôt. Helbl. 1, 109. Wigal. 6061. 6132. er was des gewissen Tôdes . Diemer 218, 14. gewis sam der Tôt. Lanz. 5881. jâ weistu rehte alsam den Tôt. Flore 3756. ich weiz ez wârez als den Tôt. Trist. 119. 17751. 19147. Ulr. Trist. 1964. der gemeine Tôt. Hahn 78, 20. 91, 48. Greg. 3769. Schwabensp. s. 179. der gemeinlîche tôt, Kl. 534, ϑάνατος ὁμοῖος . Od. 3, 236. qui omnes manet vgl. etr. Mantus , von manere. Gerhard s. 17. 56. . Wichtiger für die untersuchung wird, daß im Reinardus 3, 2162 eine knöcherne geige ›ossea ut dominus Blicero ‹ heißt, worunter nichts anders als der Tod kann gemeint sein, bezeichne das den bleichen oder den bleckenden, oder, was ich vorziehe, sei es der eigenname Blîdger , Blicker mit bloßer andeutung jener begriffe. ein knöcherner pferdekopf wird hier dem wolf, als spielerfahrnem (joculandi gnarus) spöttisch zur geige gereicht, beinern wie ein todtengerippe . Nun ließe sich jenes s.  551 unerklärte caput caballinum in der that als symbol des Todes (s.  704 ) und des todtenrosses (s.  701 ) deuten. wie die klostergeistlichen zur 709 erinnerung an das sterben menschliche todtenköpfe im gemach aufstellten, mochten sie auch pferdeschädel innerhalb der mauern aufhängen? einem ältern heidnischen brauch war wiederum christliche betrachtung untergelegt? Hat dies grund, so begreift sich, warum den flandrischen dichter das pferdehaupt auf den Tod leitete, ja es könnte sein, daß fanatische bildner den Tod auf ihm statt einer geige oder pfeife spielen ließen in Niederhessen ein ort Todenpfeife . Rommel 5, 375. Remigius dämonol. 145 läßt in hexenversammlungen auf einem todten roskopf statt der cither spielen und diese analogie entscheidet fast. auch bei Philand. von Sittew. (p. m. 174) ein Tod mit der leier. ? Auf alle fälle lehrt dominus Blicero , daß in der mitte des 12 jh. die vorstellung des Todes durch ein gerippe gäng und gäbe war. eine frühere spur kenne ich nicht, halte es aber für sehr möglich sie aufzufinden. man weiß, daß bereits den Römern fleischlose, verschrumpfte larven oder skelette zur bezeichnung des Todes dienten O. Müllers archäol. 696. 697. Lessing 8, 251. 252. . Auf grabsteinen des MA. werden schon frühe leichen als ganze oder halbe gerippe dargestellt sein Nachtrag: Dominus Blicero heißt bei Coremans 109 Bleker . daß euch der blickars reut! Garg. 134 b . der blaße menschenfraß . Fleming s. 142. nhd. der knöchler, der knochenmann. der Tod wurde grausig dargestellt. an sînem schilde was der Tôt gemâlt vil grûsenlîche . Wigal. 2998. vgl. des Tôdes schildgemaele . Tit. 2689. und die Harii (s.  792 ) und die todtenkopfhusaren. auf dem grab bei Kumae erscheinen die skelette in tanzender stellung. Olfers in den abh. der acad. 1830. s. 15. 19–22. . dichter des 13 jh. schildern die Welt (oben s.  661 ) als ein vornen schöngebildetes weib; dessen rücken von schlangen und nattern erfüllt wird das gedicht ist vor dem Wigalois abgedruckt. . auch dieser gedanke mag ein höheres alter haben; nahe verwandt ist ihm die dichtung von drei lebenden und drei todten königen Staphorst I. 4, 263. Bragur 1, 369. altfranz. les trois mors et les trois vis. Roquefort 2, 780. catal. de la Vallière p. 285. 286. vgl. Douce p. 31 ff. und catalogue of manuscripts in the british museum vol. 1. Lond. 1834 p. 22. (cod. arundel. no. 83 sec.  xiv ) samt der abbildung auf pl. 7. . Diese bald allgemein herschende vorstellungsweise des Todes steht den antiken abbildungen wie der altheidnischen ansicht schrof entgegen. den lieblich gestalteten, dem schlafe gleichen genius, den kindlichen todesengel hat ein gräßliches, der wirklichkeit im grabe verwesener leichname abgesehenes bild verdrängt; und doch zeigt sich hier die wirkung der alles ergreifenden, alles besänftigenden poesie. die älteren vorstellungen des wegführenden , anfallenden , tanzenden Todes auf solche larven angewandt haben eine fülle echt volksmäßiger, naiver und humoristischer bildwerke hervorgebracht; ja ihr reichthum ist von den künstlern noch lange nicht erschöpft. ohne den rippenhaften Tod, welcher tracht und gebärde der lebenden nachäfft wie in der fabel die thiere der menschen. und gegen das blühende leben grell absticht, gienge der reiz und die eigenthümlichkeit dieser erfindungen verloren. Weniger ergötzend müssen processionen, schauspiele gewesen sein, welche zur zeit des 15 jh., und vielleicht früher, in Frankreich für solche darstellungen üblich waren: damals entsprang dort eine besondere benennung des todtentanzes : chorea Machabaeorum , franz. la danse Macabre neuste schriften über den todtentanz: Peignot recherches sur les danses des morts. Dijon et Paris 1826. Francis Douce the dance of death. Lond. 1833. der letztere leitet Macabre von dem heil. Macarius , dem in einer vision drei todtengerippe erscheinen. ich begreife nicht, wie daraus chorea Machabaeorum, was in den ältesten zeugnissen geschrieben steht, geworden wäre, vgl. Carpentier s. v. (a. 1424. 1453). es müste sich aus den alten gemälden ergeben, daß man die sieben, zugleich gemarterten helden des A. T. als hauptpersonen einflocht. vielleicht ist es noch richtiger macabre aus dem arab. magabir, magabaragh (todtenhof, cimeterium) zu deuten. vgl. über diese darstellungen Michel. hist. de France 4, 409–412 (Paris 1840). . 710 Eine andere weit jünger als Blicker scheinende, jetzt aber allgemein bekannte benennung des Todes ist freund Hein oder Hain ; ich kann sie nicht einmal bis zur mitte des vorigen jahrhunderts hinaufführen Musaeus (volksm. I, 16), Claudius, Gotter bedienen sich ihrer. nach der vorrede J. R. Schellenbergs zu freund Heins erscheinungen, Winterthur 1785 wäre Claudius' Asmus seit 1775 erfinder des namens, was ich sehr bezweifle; verbreitet hat er ihn. . an sich sieht sie alt und passend genug aus, wäre auch mancher deutung fähig. nach vielfacher berührung zwischen Tod, riese und andern geistern könnte einmal der name Heine (s.  417 ) vom kobold hergenommen sein und der beisatz freund entspräche dem gesell, nachbar, holde jener elbischen wesen, die unter der benennung Heimchen , Heinchen vorkommen (s.  228 . 380 ) und an den begrif abgeschiedner seelen streifen. man erwäge den niederd. ausdruck heinenkleed für todtenkleid (oben s.  369 ). weil aber auch hünenkleed geschrieben wird, so ist man auf heun, hüne, riese (s.  433 ) geleitet und selbst Hein ließe sich aus Heimo (s.  321 ) oder Hagano (s.  344 ) erklären. Eine voigtländische sage vom gotte Hain (Jul. Schmidt s. 150) oder die thüringische von einem alten haingott (Rosenkranz neue zeitschr. I. 3, 27), weil beide völlig unsicher sind, mag ich nicht auf den ungewissen freund Hein anwenden. noch geringere rücksicht verdient eine benennung des mortuariums hainrecht Mittermaiers privatrecht § 77 no. 27. , die wahrscheinlich aus heimrecht, heimfall entspringt. Kaisersberg nennt den Tod holzmeier . er schrieb ein buoch de arbore humana (Straßb. 1521 fol.) ›darin geschicklich und in gottes lob zu lernen ist, des holtzmeyers , des dotz, frölich zu warten‹. 118 b ferner: ›also heißet der tod ein dorffmeyer oder ein holtzmeyer , vnd billich hat der tod den namen, wan der tod des holtzmeyers eigenschaft an im hat, als ir horen werden, wil got. die erst eigenschaft des dorfmeiers ist communitas, er ist ein gemeine person allen denen die in dem dorf sein, er sol sich inen allen gleich erzögen. also der holzmeyer ist auch gemein allen baumen, er ubersicht keinem baum, er hawet sie alle ab‹ die frühern lat. ausg. 1514, 115 b. c und 1519, 105 b. c haben in klammern ›der dorfmeyger und der holzmeyger‹. . Der Tod wird hier als förster, forstmeister aufgefasst, dem es zusteht alle bäume des waldes zu fällen. An einigen orten soll der todtengräber holzmeier genannt werden. Im deutschen schlemmer, einem drama des 16 jh., heißt der Tod der bleiche Streckefuß oder Streckebein , auch Gryphius 711 (kirchhofsged. 36) nennt ihn Streckfuß , weil er sterbenden die glieder streckt, löst (λυσιμελής), schon in dem mehrangeführten meistergesang des 14 jh. ›er hat kein ru, er hab gestrecket mir das fell ‹ (mus. 2, 188). Christ. Weise (drei erzn. 314) hat Bleckezahn und Streckebein ; anderwärts finde ich Dürrbein , Klapperbein , namen des skeletts. die beziehung von kupferbickel (ackermann p. 34) bleibt unklar Nachtrag: Freund Hain läßt sich nicht so leicht breit schlagen. Hans Wurst doktor nolens volens. Frankf. und Leipz. 1779 s. 39. und hier erwies Freund Hayn dem küster diesen liebesdienst (des küsters frau stirbt im wochenbett). Kindleben, Wilibald Schluterius. Halle 1779 s. 114. J. Paul gebraucht den ausdruck im Q. Fixlein s. 170 und Lessing 12, 505 im J. 1778. aber schon in Egenolfs sprichw. bl. 321 b (sawr sehen) steht: er sieht saur, er sieht wie Henn der teufel. die übrigen redensarten sind aus Seb. Frank entlehnt; diese ist der egenolfschen samlung eigenthümlich. vgl. Heintze Pik, de dood. v. d. Bergh 155. Der Tod streckt die glieder. als sie der Tôt gestracte . Ernst 3011. ϑάνατος τανηλεγής , langausstreckend. Od. 3, 238. 11, 171 ff. an deme streckefoisze (ort). Arnsb. urk. no. 493 a. 1319. Bleckezahn kommt auch bei Fleming s. 425 vor. . Es ist übrig einiger ausgebildeteren mythen zu gedenken, die sich von dem Tod erhalten haben, und gewis hohes alters sind. H. Sachs (1, 102 b ) bedient sich vom nahenden Tode des ausdrucks, er zucke dem menschen das stüllein , er stoße ihm den stul um, daß er zu boden stürzen muß. er nimmt ihm sitz und stelle unter den lebenden; ich vermute davon eine ausführlichere erzählung. Noch gewöhnlicher heißt es in gleichem sinn; der Tod hat ihm das licht ausgeblasen (wie Berhta augenlichter ausbläst, s.  229 ), weil die begriffe licht, leben, aufenthalt unter lebenden übereintreffen Wh. 416, 14 bî liehter stumen dâ verlasch manegem Sarrazin sîn licht , Lohengr. 133 er sluoc in, daz im muose daz licht erlischen . . Die lebenskraft war gebunden an ein licht, an eine kerze, an ein scheit, mit deren verzehren der tod erfolgt (s.  339 . 344 ). Hier hängt nun die idee des Todes tief zusammen mit der von dem fatum. der genius senkt die fackel , dreht sie um, und das licht des lebens ist erloschen. schon dem neugebornen kind hat die norn ein licht gezündet , woran sein lebensfaden gebunden ist; vielleicht bezieht sich darauf noch das kerzenentzünden bei geburtstagsbescherungen im kinderspiel ›stirbt der fuchs so gilt der balg‹ (KM. 2, xviii ) wird ein brennendes holz herumgereicht, dessen erlöschen entscheidet. ? Wir besitzen ein treflich ausgedachtes märchen von dem gevatter Tod (KM. no. 44), dessen schluß eine unterirdische höle darstellt, worin tausend und tausend lichter in unübersehbarer reihe brennen. das sind die leben der menschen, einige noch in großen kerzen leuchtend, andere schon zu kleinen endchen heruntergebrannt; aber auch eine lange kerze kann umfallen oder umgestülpt werden. Vorher geht, daß der Tod einem armen mann zu gevatter gestanden und seinen pathen mit der gabe beschenkt hat, ihn wenn er sich kranken nahe leiblich zu erblicken, und aus seiner stellung zu entnehmen, ob der sieche genese oder nicht wie der sich zu oder abwendende blick des vogels charadrius über leben oder tod entscheidet. Freidank einl. lxxxvi , wo eine strophe des Titurel 5154. 5155 und der altfranz. bestiaire (Roquef. s. v. caladrio) unangeführt sind. . Der pathe wird arzt und gelangt zu ehren und reichthum: wenn der Tod an des kranken haupt steht, so ist er ihm verfallen, steht er zu seinen füßen, so kommt der kranke davon. einigemal dreht der arzt den kranken um, und überlistet den Tod, zuletzt aber rächt sich der Tod und läßt seines pathen licht unversehens umfallen vielleicht stieß jener umgeworfne stuhl zugleich das licht um? . In dieser ganzen 712 fabel erscheint der Tod freundlich, vertraulich und schonend, erst wenn äußerste noth da ist, vollstreckt er sein amt, daher auch seine gevatterschaft heißt der Tod auch bruder des menschen, wie sonst des schlafs? › bruoder tôt ‹ Ben. 262 ist fratris mors. zu dem menschen, die sichtbar der alterthümlichen einkehr der nornen im hause des neugebornen und deren begabung (s.  338 . 341 ) entspricht, wie in andern kindermärchen feen zu pathen gebeten werden die halbgöttlichen nornen und feen schützen und beschenken wie christliche pathen. . das erlöschende licht gleicht der kerze und dem scheit, an welche Nornagests und Meleagers leben geknüpft ist (s.  339 . 344 ). Also ein uralter, heidnisch-deutscher mythus, bei dem man sich bis in spätere zeit den Tod nicht als geripp dachte, sondern als einen menschlich oder göttlich gebildeten. Es darf nicht verwundern, daß die sage mit vielfachen abweichungen vorkommt, welch KM. 3, 72 noch unvollständig angeführt sind: nach einigen stellt der Tod seinem pathen einen ring zu, mit dem er krankheiten beurtheilt Ettners unwürd. doctor p. 190. . Schon Hugo von Trimberg erzählt am schluß seines werks ›von dem Tôde wie er ein kint huop ‹, hat aber dürftige auffassung (ed. bamb. 23665–722): der Tod verspricht seinem gevatter, ehe er ihn abhole, seine boten zu senden (wie in dem meistergesang s.  706 ), diese sind ohrenklingen, augenfließen, zahnschmerz, hautschrumpfen, bartergrauen. die gevatterschaft allein verbürgt den zusammenhang mit dem späteren märchen. auffallend ist der anklang des ahd. toto (gevatter, pathe) mhd. tote (Parz. 461, 10. Wh. 7, 21) an tôt (mors), wiewol die quantität der vocale beide wörter genau scheidet und erst ein ablautsverhältnis sie wieder vereinigen müste; aus dem wortspiel erwuchs die sage nicht vgl. oben s. 80 über die verwandtschaft zwischen got und gode . Nachtrag: Dem ausdruck des H. Sachs ähnlich, doch nicht so bildlich, ist die wendung: der tôt uns zucke daz leben. Renner 20389. Hagen Ges. Abent. 1, 299. Über das lebenslicht s. Wackernagel in Haupts zeitschr. 6, 280–284. das leben ist unstaete, wan ez erleschet der Tôt als ein lieht . altd. bl. 2, 122. der teufel (d. h. hier der tod) soll holen, sobald ein wachslicht niederbrennt . Müllenhoff s. 180. über die fackel des Eros, dessen anderes attribut, gleich dem des todes, der bogen ist, und sein verhältniss zu Psyche s. Gerhards Eros s. 5. 15. 32. KM. 3 3, 70. Der Tod ist gevatter. vgl. auch Phil. von Sittew. 2, 673. 674. so wird der hobergsgubbe , der bergmann zu gevatter geladen. s.  157 . Müllenhoff s. 289. bei der gevatterschaft wird auf das stehen zu kopf oder zu füßen geachtet: koppvadder , stertvadder . Schütze 4, 194. 195. die slav. sage von der gevatterin Smrt in Wolfs zeitschr. 1, 262. 263 vgl. mit dem deutschen märchen von dem gevatter Tod . KM. no. 44 und anm. Über den tod oder leben bringenden blick des vogels charadrius s. Plutarch. sympos. V. 7, 2. physiol. b. Karajan s. 104. . Gleich ausgezeichnet, aber heiterer, ist das märchen vom Tod und dem Spielhansel (no. 82. vgl. 3, 135–148), der jenen auf einen baum festbannt, so daß sieben jahre lang niemand in der welt stirbt. hierzu hat Welcker aus Pherekydes nachgewiesen anhang zu Schwenck p. 323. 324. , wie Zeus dem Sisyphos den Tod auf den hals schickt, der ihn mit starken banden fesselt, und wie nun niemand sterben kann; Hades kommt selbst, macht den Tod frei und überliefert ihm den Sisyphos. Die deutsche fabel verwebt den Teufel in die geschichte. Seit der Teufel in den besitz der hölle gesetzt war, muste er neben den Tod treten, wie die alliteration › tod und teufel! ‹ beide zusammenstellt. auch den Litthauern und Letten wandelte sich Welnas , Wels , ihr ursprünglicher todesgott, in den Teufel. Der christlichen ansicht gemäß empfiengen engel die seelen der frommen, teufel die der gottlosen (s.  698 ), der abholende Tod spaltete sich also in eine doppelte gewalt, je nachdem er dem engel oder dem teufel glich. als englischer bote steht er dem christlichen Michael 713 zunächst, dessen amt es war, seelen zu empfangen (Morolt 2660. 2715), vgl. s.  698 . Von uralten leuten, die noch fortleben, pflegt man zu sagen ›der Tod hat vergessen sie abzuholen‹. klage 122 heißt es: ›der Tôt het ir minne , die dâ sterben solden‹, wuste sich ihrer wol zu erinnern, oder, wie Lachm. auslegt, begehrte ihrer zu seinem gesinde (vgl. oben s.  706 ). Meine ausführungen werden nicht zweifelhaft lassen, daß der heidnische Tod in eine zweite ordnung der götter gehört; weshalb er sich auch vorzüglich berührt mit den halbgöttlichen valkyrien und nornen: er hängt ab von Ođinn und Hel; unter den griech. göttern stehn ihm zunächst Hermes und Hades, Persephone samt Charon dem fährmann. sein wesen ist aber auch dem der elbe, hausgeister und genien nicht unverwandt. Wie er sich mit einer zeitgottheit des jahres, dem Winter, mengte, erörtert cap.  xxiv ; darum mag er einigemal an Kronos gemahnen. In unserm heldenbuch kommt der Tod als ein abgott vor, dem der Heide Belligan vor andern göttern dient, und dessen bild Wolfdietrich zerbricht. ich weiß dies sonst nicht bestimmt anzuknüpfen: es wird ein teuflisches wesen verstanden sein. In den finnischen liedern werden häufig Manala und Tuonela neben einander genannt und doch geschieden. jenes ist die unterwelt (von maa erde), dieses das todtenreich, Tuon (= ϑάνατος) der Tod, die Halja. nach Kalewala rune 6–9 scheint Tuonela fluß der unterwelt, auf dem heilige schwäne schwimmen Nachtrag: Über das märchen von dem Tod und dem Spielhansel s. vorr. XXXI . der litth. Welnas heißt bei Lasicz 48 vielona deus animarum. neben dem finn. Tuoni wird noch ein todtengott Kalma genannt. Schotts Kullervo s. 218. 235. . 714 Cap. XXVIII. Schicksal und Heil. Hier soll eine genauere betrachtung alterthümlicher ansichten von glück und schicksal eingefügt werden, als sie sich im sechzehnten cap. vornehmen ließ, wo der halbgöttlichen lenkerinnen menschliches geschickes gedacht wurde. auch greift das eigentliche fatum in die vorstellungen von geburt, vorzüglich aber von tod, welche eben erst auseinander gesetzt worden sind: ein mensch, über den naher unausweichlicher tod verhängt ist, heißt in der alten sprache feig ahd. feigi , mhd. veige , alts. fêgi Hel. 72, 4, ags. fæge Beov. 5946, altn. feigr ; die alte bedeutung des worts hat sich in Niedersachsen zulängst bewahrt; ›dar is en veege inn huse‹ (wird bald einer sterben); ›en veeg minsche, dat balde sterven werd‹; ›he is nau nig veege ‹ heißt es von solchen, die gerade eintreten, wann von ihnen geredet wird. auch nnl. een veeg man (ein greis auf der grube), een veege teken (todeszeichen), veeg mithin debilis, periculis expositus. nhd. hat feig den sinn von furchtsam, verzagt, im tode verzweifelnd, elend, ungefähr wie das lat. fatalis im franz. fatal den von unglücklich, widrig. so darf das litth. paikas (schlecht) verglichen werden Nachtrag: Feige ist goth. dauþublis ἐπιϑανάτιος vgl. altn. dauđ yfli morticinium. faeges forđsîđ, moribundi decessus. cod. exon. 182, 34. vyrd ne meahte in faegum leng feor gehealdan. das. 165, 18. die vêge dôt. Karel 2, 733. veige eben todt. Kl. 536. 539. 1304. sît lie man bî den veigen vil der pfaffen ûf dem sande. Gudr. 915, 4. si was ze früeje leider veige . Flore 2163. dâ vielen die veigen . Ksrchr. 4909. 7078. dâ gelâgen die veigen . das. 5247. 7803. die veghe es, hie moet ter moude. Walew. 3876. ni sî man nihein sô feigi (kein sterblicher). O. I. 11, 10. dâ was der veige vunden. Trist. 403, 8 (da hatte ihn der todesstreich getroffen). vgl. 401, 18 der veige rise. ir sît veige gewesen. Wien. merfart 410. 438. unz der man niht veige enist, sô erneret in vil kleiner list. Iw. 1299. . . Unsere vorfahren scheinen, gleich andern Heiden, einen unterschied gekannt zu haben zwischen schicksal und glück. ihre götter verleihen heil und seeligkeit, vor allen ist Wuotan geber und verleiher jegliches gutes, schöpfer und urheber des lebens und sieges (s.  110 . 114 ). Aber auch er, samt den übrigen gottheiten, war nicht im anfang der schöpfung, sondern ist aus dieser selbst erst hervorgegangen (s.  464 ), er vermag nichts gegen eine höhere weltordnung, die weder ihn, noch den siegverleihenden Zeus Τρώεσσι βούλεται νίκην (Il. 7, 21. 16, 121), wie dem Zeus überhaupt βουλή (wille, rath) beigelegt wird (ἡμῖν βούλεται 17, 331); einigemal auch νόος (17, 176) oder νόημα (17, 409) d. i. entschluß. seine große gewalt versinnlicht die goldkette (σειρά Il. 8, 19–28), aber nachher anzuführende stellen zeigen, daß er die entscheidung des schicksals der wagschale überlassen muste. von einem allgemeinen verderben ausnimmt (s.  263 . 264 ). einzelnes entscheidet sich wider seinen willen, Balders unheil vermochten weder Ođinn noch die Asen abzuwenden; ein andres beispiel der übergewalt des schicksals s.  352 . Ragnarök, der weltuntergang, reicht über die macht der götter weit hinaus. Diese urbestimmung und nothwendigkeit aller werdenden, bestehenden und vergehenden dinge hieß mit einer pluralform altn. scöp , alts. giscapu , ags. gesceapu ; ein ahd. scaf , kiscaf in gleichem 715 sinn habe ich nicht angemerkt, obwol der sg. vorhanden ist und wie der altn. sg. skap indoles, consilium ausdrückt (Graff 6, 450). die spätere isländische sprache verwendet das masc. skapnađr , die dän. skiebne (altn. skepna, forma, indoles). verstärkt wird jener begrif alts. durch praefixe: wurdigiscapu Hel. 103, 7. reganogiscapu (oben s.  22 ), decreta fati, superorum, wobei die heidnischen vorstellungen regin und wurd deutlich vorherschen. Der altn. pl. neutr. lög (statuta) gilt nicht vom schicksal, wol aber verbunden mit der partikel ör (für or) örlög , welches in den übrigen dialecten zum sg. wird, ahd. urlac (neutr.? die stellen bei Graff 2, 96. 97 entscheiden nicht, bei N. ist urlag masc, pl. urlaga), alts. orlag , ags. orläg , und urfestsetzung bezeichnet, weil aber den Heiden der ausgang des kriegs wichtigster moment des geschickes war, frühe in den begrif von bellum übertrat, Hel. 132, 3 scheint urlagi bellum von jenem orleg , orlag fatum unterschieden, eigentlich sind beide dasselbe. auch ahd. urteil urteili , ags. ordæl gehn von dem begrif des richtspruchs über in den des kampfes. Das alts. compositum aldarlagu (vitae decretum) Hel. 125, 15 hat noch die alte pluralform. aldr , aldar ist eigentlich aevum (s.  661 ), hveila , ahd. huîla tempus, zugleich aber vitae tempus, daher auch diese ausdrücke in den Begrif des fatums einfließen, vgl. ags. gesceaphvîl Beov. 52, alts. orlaghuîla Hel. 103. 8, ahd. huîlsâlida wîlsâlda (fortuna) N. Cap. 20. 23. 25. 53. 77. mhd. wîlsælde kaiserchr. 1757 Massmann 3, G69. Geo. 61 a ; ›diu wîle mîn und ich müez got bevolhen sîn‹. Bit. 3 b . . auch auđna , schwed. öde ist altn. das schicksal und auđinn fato concessus: auđna raeđr hvörs manns lîfi. fornald. sög. 1, 95. die nhd., erst spät eingeführten benennungen schicksal (von schicken aptare, vgl. geschickt aptus), verhängnis , fügung kommen den alten weder an kraft noch einfachheit bei. Jenem scapu und lagu entsprechen die verbalausdrücke schaffen und legen , welche technisch von den anordnungen des schicksals gelten (s.  337 . 340 ). ›ist tha kinde eskepen ‹ (ist es dem kinde geschaffen) heißt es in dem altfries. recht 49, 10. man sagte aber auch altn. ætla (destinare), einem etwas zudenken , ahd. ahtôn (vielleicht auch ahtilôn), mhd. ahten und beslahten (weil ahte und slahte sich nahe stehn) Nachtrag: Über dem höchsten gotte waltet das schicksal: ὑπὲρ δὲ τῆς κεφαλῆς τοῦ Διός εἰσιν Ὧραι καὶ Μοῖραι. Pausan. 1. 40, 3. von diesem gelten folgende ausdrücke: altn. sköp lêt hon vaxa. Sæm. 249 b . alts. giscapu mahtig gimanôdun . Hel. 10, 18. thiu berhtun giscapu gimanôdun . 11, 17. reganogiscapu gimanôdun . 103, 3. vgl. torhtlico tîdi gimanôdun . 3, 11. dän. den kranke skjebne . DV. 1, 123. vgl. den kranke lykke 1, 195. Altn. örlög , ahd. urlac heißt mhd urliuge , urlouc . gramm. 2, 790. voru nû endut þau âlög . Hervarars. s. 488. Ferner auch im ags. das compositum orleghvîl . Beov. 4849. 5817. im mhd. wîlsaelde . diu wîlsaelde ie muoz irgân. Ksrchr. 3493. 3535. vgl. 3122. 3125. 3130. Lanz. 1602. fundgr. 1, 398. ein ubel wîlsaelde . Ksrchr. 1757. ähnlich das einfache mhd. wort: wîle . so hab diu wîle undanc! Bit. 11933. sîn wîle und sîn tac. Ksrchr. 3557. wîle und stunde walzent alumbe. das. 3660. wîle und stunde. das. 3587. nhd. deine stunde hat geschlagen. . Das schicksal hat es hauptsächlich mit beginn und schluß des menschlichen lebens zu thun. zu dem neugebornen und dem sterbenden tritt die Wurd, und vorhin angeführte benennungen des schicksals werden von den dichtern meistentheils für eins oder das andre dieser ereignisse verwendet, z. b. Beov. 51 tô gesceaphvîle (zur beschafnen zeit) sterben; Hel. 103, 7: thô quâmun wurdegiscapu themu ôdagan man, orlaghuîle, that he thit licht farlêt. Aber schon die geburtsstunde entscheidet über des lebens verlauf und ausgang. ›qualem Nascentia attulit talis erit‹. ›Parcae, dum aliquis nascitur , valent eum designare ad hoc 716 quod volunt‹. (abergl. A . C . 198 c .) Wie die eintretenden nornen oder feen begraben , wie sie schaffen , danach fügt sich der ganze lebenslauf des neugebornen wir sagen noch heute: zu glücklicher, guter stunde geboren werden. ahd. mit heilu er giboran ward. O. Sal. 44. im altspan. Cid häufig: el que en buen ora nascio, el que en buen punto nascio. aus diesem begrif der guten stunde des beginns (à la bonne heure) hat sich der franz. ausdruck bonheur (masc.) für glück insgemein erzeugt. ähnlich ist für den erwerb der ritterschaft das altspan. el que en buen ora cinxo espada. . Es ist abweichung von dieser ältesten ansicht, wenn die bestimmung des schicksals in die hände der götter gelegt wird, aber auch eine sehr alte. Gewis setzte frühe schon vieler menschen glaube den höchsten gott an die spitze aller weltordnung und ließ jene weisen frauen nur seine befehle verkünden. im schoße der götter ruht die zukunft, ϑεῶν ἐν γούνασι κεῖται, damit berührt sich auch das kniesetzen und schoßnehmen von seite der väterlichen oder mütterlichen gottheit (s.  534 . 700 ). Wenn über den göttern selbst eine noch höhere gewalt des beginns und endes aller dinge gedacht werden konnte, so galt doch ihr ansehn und einfluß unter den menschen für unbegrenzt und unermeßlich, alle menschlichen angelegenheiten standen unzweifelhaft unter ihrer leitung Nachtrag: Die geburts und schicksalsstunde wird bei nacht bestimmt. nôtt var î boe, nornir qvâmo, þar er auđlîngi aldr umskôpo. Sæm. 149 a a. diu mir wart bescheiden von den nahtweiden , dô si êrste wart geborn. Krone 4840. Schon in alter zeit wird das schicksal in die hand der götter gelegt: Ζεὺς δ'αὐτός νέμει ὄλβον Ὀλύμπιος ἀνϑρώποισιν ἐσϑλοῖς' ἠδὲ κακοῖσιν, ὅπως ἐϑέλῃσιν, ἑκάστῳ.   Od. 6, 188. κακὴ Διὸς αἶσα .   Od. 9. 52. ἀνέρος ᾧ τε Κρονίων ὄλβον ἐπικλώσῃ γαμέοντι τε γινομένῳ τε.   Od. 4, 207. οὔ μοι τοιοῦτον ἐπέκλωσαν ϑεοὶ ὄλβον .   Od. 3, 208. ὣς γάρ οἱ ἐπέκλωσεν τά γε δαίμων .   Od. 16, 64. in den drei letzten stellen wird ἐπικλώϑω (ich spinne zu) gebraucht, wie sonst von den parzen. . Gautrekssaga meldet (fornald. sög. 3, 32), Hrosshârsgrani d. h. Grani, Siđgrani, der bärtige, Ođins beiname (s.  121 ). habe um mitternacht seinen pflegesohn Starkađr geweckt und im boot mit sich auf eine insel geführt. hier saßen in einem wald eilf männer zu gericht, der zwölfte stuhl war leer; ihn nahm Hrosshârsgrani ein und wurde von allen als Ođinn begrüßt. Ođinn sprach, die richter sollen Starkađrs schicksal bestimmen (dômendr skyldi dœma örlug St.). da hub Thôr an, welcher der mutter des jünglings zürnte: ich schaffe ihm, daß er weder sohn noch tochter haben und seinen stamm enden soll. Ođinn sprach: ich schaffe ihm, daß er drei mannesalter leben soll vgl. Saxo gramm. p. 103. . Thôr: in jedem alter soll er ein ›nîđingsverk‹ thun. Ođinn: ich schaffe ihm, er soll die besten waffen und kleider haben. Thôr: er soll weder land noch grund haben. Ođinn: ich gebe ihm, daß er viel geld und gut habe. Thôr: ich lege ihm, in jedem kampf soll er schwere wunden empfangen. Ođinn: ich gebe ihm die gabe der dichtkunst. Thôr: was er dichtet soll er nicht behalten können. Ođinn: das schaff ich ihm, daß er den edelsten und besten männern werth erscheine. Thôr: dem volk soll er verhaßt sein. Da sprachen die richter alles dem Starkađr zu, was bestimmt war, das gericht hatte ein ende und Hrosshârsgrani mit seinem zögling gieng zum boot. Thôr spielt hier ganz die rolle der feindlichen fee (s.  341 –343), er sucht jede gabe durch üble zuthat zu mindern. nicht 717 dem neugebornen, vielmehr anwachsenden knaben, in seiner gegenwart, wird das schicksal geschaffen. Nach der gr. sage entschied Zeus nicht immer unmittelbar, sondern bediente sich zweier schalen , in welchen er die geschicke wog : so zwischen Troern und Achäern, zwischen Achilles und Hector: καὶ τότε δὴ χρύσεια πατὴρ ἐπίταινε τάλαντα· ἐν δ' ἐτίϑει δύο κῆρε τανηλεγέος ϑανάτοιο, Τρώων ϑ' ἱπποδάμων καὶ Ἀχαιῶν χαλκοχιτώνων. ἕλκε δὲ μέσσα λαβών· ῥέπε δ' αἴσιμον ἠμαρ Ἀχαιῶν Il. 8, 69. 22, 209; vgl. 16, 658. 19,223. ebenso zwischen Aeneas und Turnus Aen. 12, 723: Jupiter ipse duas aequato examine lances sustinet, et fata imponit diversa duorum , quem damnet labor et quo vergat pondere letum. ich führe das darum näher an, weil auch die christliche legende dem seelengeleitenden erzengel Michael schalen beilegt, worin die guten und bösen thaten sterbender gegeneinander abgewogen und nach dem befund die schicksale der seelen bestimmt werden vgl. D. S. no. 479. belege sammelt Zapperts vita Acotanti. Wien 1839 s. 79. 88. Nachtrag: Die wägung der schicksale, die in der Ilias Zeus vollzieht, nennt Welcker cycl. 2, 189 seelenwägung, wie sie die christliche legende S. Michael zuschreibt. Sant Michel richtet ûf sîn wâge und henket sich der vâlant dran, doch schaffet er niht, der swarze man, wan sîn slecken ist umbsus.   Conr. v. Dankrotsh. namenb. 118. Berthold s. 17. . die anwendung der wagschale auf handlungen und sünden liegt nahe; auch im (apocryphen) vierten buch Esrae 3, 44 heißt es: ›nunc ergo pondera in statera nostras iniquitates‹, und 4, 36: ›quoniam in statera ponderavit seculum‹. Jomsvîkîngasaga cap. 42 (fornm. sög. 11, 128. 129) beschreibt zauberhafte glücks oder wunschschalen des Hâkon iarl: sîđan tekr iarl skâlir gâđar þær er hann âtti, þær voro gervar af brendu silfri ok gylldar allar, en þar fylgđo 2 met , annat af gulli en annat af silfri; â hvârotveggja metino var gert sem væri lîkneskja, ok hêto þat hlotar, en þat voro reyndar hlutir, sem mönnum var tîtt at hafa, ok fylgđi pesso nâttûra mikil, ok til þess alls, er iarli þôtti skipta, þâ hafđi hann þessa hluti. iarl var þvî vanr at leggja hluti þessa î skâlirnar, ok kvađ â hvat hvâr skyldi merkja fyrir honum, ok âvalt er vel gêngo hlutir, ok sâ kom upp, er hann vildi, þâ var sâ ôkyrr hlutrinn î skâlinni, er þat merkđi at hann vildi at yrđi, ok breysti sâ hlutrinn nokkot svâ î skâlinni, at glam varđ af. Ich finde nicht, daß in unserm ältesten heidenthum das fatum aus den gestirnen bei der geburt beurtheilt wurde. diese weissagung (s.  602 ) scheint erst dem späteren MA. bekannt. Radulphus ardens (ein aquitanischer geistlicher des 11 jh.) sagt in seinen homilien (Antverp. 1576. p. 41 b ): cavete, fratres, ab eis qui mentiuntur, quod quando quisque nascitur, stella sua secum nascitur, qua fatum ejus constituitur , sumentes in erroris sui argumentum, quod hic in scriptura sacra (beim stern der magier) dicitur ›stella ejus‹. Ein beispiel liefert Klinsors sternschauung auf der Wartburg. auch die wünschelfrau schaut in das gestirn . altd. bl. 1, 129 Nachtrag: Die gestirne haben einfluß zumal auf die geburt. tam grave sidus habenti. Ov. Trist. V. 10, 45. vonarstiarna flaug. þâ var ec foeddr, burt frâ briosti mer. hâtt at hun flô, hvergi settiz, svâ hun maetti hvîld hafa. Sæm. 126 b . weil ihr sterne in der brunst ist, oder schon versauset . Phil. v. Sittew. soldatenl. p. m. 149. Sonstige zeichen in der natur bei der zeugung und geburt eines kindes werden in der vorr. XXXIII . XXXIV erwähnt. . 718 Einzelnen menschen, wie ganzen geschlechtern und völkern war also dauer und heil im voraus angeordnet nicht selten an den besitz gewisser sachen gebunden: ein hort zieht das ganze geschlecht der Nibelunge ins verderben, die gabe, das kleinod der zwerge (s.  378 ) bedingt den glückstand einzelner familien. . aber die aussprüche der nornen und götter lagen gehüllt in dunkel, welches sich nur vor den blicken weiser männer und frauen entdeckte (s.  331 ) es ist beachtenswerth, daß nach altn. ansicht nicht allen göttern, sondern nur den höchsten kenntnis des schicksals beiwohnte, wie auch bei den Griechen nur Zeus und die er zu vertrauten machte, darum wusten. von Frigg steht Sæm. 63 b at öll örlög viti, þôtt hun sialfgi segi, sie wisse alle geschicke, sage sie aber nicht. auch sagt Ođinn Sæm. 62 b , daß Gefjon das schicksal der welt (aldar örlög) gleich ihm selbst kenne. Unter den menschen erspähen einzelne helden und priester die geheimnisse der zukunft, vorzüglich wird Gripir genannt (s.  77 ); frauen und priesterinnen wohnte die gabe der weissagung bei. . das volk glaubte an vorherbestimmung der geschicke, wie an gewisheit des todes. Den altn. fatalismus bezeugen folgende stellen. › lagt er alt for ‹. Sæm. 175 b . ›era međ löstom lögđ æfi þer‹. das. ›siâ mun gipt lagiđ â grams æfi‹. 179 b . ›munat sköpom vinna‹. 179 b . ›eino dœgri mer var aldr um skapađr or allt lîf um lagit ‹. 83 a . ›var þer þat skapat ‹. 164 b . ›þat verđr hverr at vinna er ætlat er‹. ›þat man verđa fram atkoma, sem ætlat er ‹. ›ecki man mer þat stođa, ef mer er dauđinn ætlađr ‹. ›koma man til mîn feigđin hvar sem ek em staddr, ef mer verđr þeß auđit ‹. Nialss. p. 10. 23. 62. 103. So in schwed. und dän. volksliedern: ›detta var mig spådt uti min barndorn‹. Arvidss. 2, 271; ›hver skal nyde skiebnen sin‹. DV. 1, 193. Nicht anders bei mhd. dichtern: ›swaz sich sol füegen , wer mac daz understên?‹ Nib. 1618, 1; ›swaz geschehen sol , daz füeget sich‹. Frauend.; ›dâ sterbent wan die veigen ‹. Nib. 149, 2; ›ez sterbent niuwan die veigen die lægen doch dâ heime tôt‹. Wigal. 10201; ›di veigen fielen dar nider‹. Lampr. 2031; ›hinnerstirbet niman wan di veigen ‹. pf. Chuonr. 8403; ›then veigen mac nieman behuoten, thiu erthe ne mag in niht ûf gehaven, scol er tha werthen geslagen, er sturve thoh thaheime‹. fr. belli 42 b ; ›swie ringe er ist der veige man, in mac ros noch enkan niht vürbaz getragen‹. Karl 72 b Rol. 207, 24; ›die veigen muosen ligen tôt‹. livl. chron. 59 b ; ›der veigen mac keiner genesen‹. das. 78 a ; ›ich ensterbe niht vor mînem tac ‹, Herb. 53 d ; ›nieman sterben sol wan zu sînem gesatten zil ‹. Ulr. Trist. 2308; ›daz aver scol werden daz nemac nieman erwenden ‹. Diut. 3, 71; ›gemach erwenden niht enkan swaz dem man geschehen sol ‹. Troj. 58 c ; ›daz muose wesen , daz geschach‹. Orl. 11167; ›swaz geschehen sol daz geschiht ‹ Freid. 132 b Ms. 1, 66 a 71 b ; ›daz solt eht sîn , nu ist ez geschehen‹. Ms. 1. 74 a . 80 a ; ›ez geschiht swaz geschehen sol ‹. Orl. 14312; ›ez geschiht nilit wan daz sol geschehen ‹. Lanz. 6934; ›ez ergât doch niht wan als ez sol ‹. Trist. 6776; ›tot avenra qanque doit avenir ‹. 719 Ogier 7805; ›bin ich genislich , sô genise ich‹. a. Heinr. 190; ›swaz ich getuon, bin ich genislich , ich genise wol , bin ich dem valle ergeben, son hilfet mich min woltuon nicht ein hâr‹. Ms. 2, 129 a ; ›ez muose sîn und ez was mir beschaffen ‹. Ms. 2, 134 b ; ›diu maget was iu beschaffen ‹. Wigal. 1002; ›ez was im beslaht ‹. Eracl. 2394; ›swaz ist geschaffen , daz muoz geschehen‹. MsH. 3, 434 b ; ›nu mir daz was in teile ‹. En. 11231; ›ez was enteile uns getân ‹. Herb. 18418; ›ez ist mich angeborn ‹. Herb. 6 c . beschaffen , geschaffen und beslaht sind identisch und dem altn. skapat und ætlat , und diese gleichheit der worte zeigt noch den zusammenhang mit der heidnischen lehre. selbst heute herscht unter dem gemeinen mann häufig die fatalistische ansicht (Jul. Schmidt p. 91. 163). ›es müste mir sein gemacht gewesen›. sieben ehen eines weibes s. 211. ›fatum in vulgari dicitur: das ist mir bescheert , ego autem addo: das bescheren und verdienen laufent mit einander‹. sermones disc. de tempore, sermo 21; ›was bescheert ist entläuft nicht‹. Schweinichen 3, 249 ähnliches glauben die Litthauer und Letten, ihr fatum heißt likkimas , liktens , von likt (legen, ordnen). sie sagen ›tai buwo jo likkims‹, ›tas jau bija winnam liktz‹, das war ihm bestimmt, geordnet. Nachtrag: In der nothwendigkeit des schicksals liegt etwas grausames und neidisches . die glücklichsten und besten menschen verderben zuletzt: sît sturbens jâmerliche von zweier edelen frouwen nît. Nib. 6, 4. wie liebe mit leide ze jungest lônen kan . 17, 3. als ie diu liebe leide ze atterjungiste gît . 2315. æ koma mein eptir munuđ. Sæm. 129 a . vgl. die ansichten von der welt lohn und Lehrs vom neid s. 149. An den besitz kostbarer sachen ist zuletzt unheil und verderben geknüpft. das herrliche schwert tödtet in der sage von Tyrfîng. vgl. das unglücksschwert s.  170 . so war das sejanische pferd ein unglückspferd . Gellius 3, 9. Lehrs vom neide s. 154. dahin gehören auch der Nibelungen hort , der alraun und der galgenmann (s.  424 ). auch der bund mit göttinnen und feen macht unglücklich (s.  326 ). Den nordischen fatalismus belegen noch die stellen: ingen man är starkare än sitt öde . sv. folks. 1, 228. vestergötl. und schon. heißt es: det var hanom ödt . GDS. 125. 126. Mhd. dichter sagen: dat sîn sal dat moet sîn . Karel 2, 1561. daz geschach und muose sîn . Türl. Wh. 29 a . wan ez solt et sîn . Parz. 42, 6. ez muoz alsô wesen . Nib. 1482, 1. swaz geschehen sol daz geschiht. urstende 104, 48. Helmbr. 1683. alts. that it scolda giwerthan sô, bethiu ni mahtun si is bemîthan. Hel. 150, 19. it scolda giwerthan sô. Hel. 152, 4. tot avenra ce quen doit avenir . Garin 2, 201. Ags. näs ic faege þâ git. Beov. 4289, ich war noch nicht dem tode bestimmt. ez sterbent wan die veigen , die doch vil lîhte heime dâ muosen sterben. Tit. 1799. nieman sterben mac unz im kumt sîn lester tac . Kl. 103. nieman ersterben mac , ê im kumt sîn endestac . Lanz. 1613. Ego vero nihil impossibile arbitror, sed utcunque fata decreverunt ita cuncta mortalibus evenire. Apulejus p. m. 87. mir geschiht niht, wan mir geschaffen ist, ez muoz nû sîn. MSH. 3, 80. ist ez dir beschaffen . Helmbr. 1297. muoz ez wesen und ist dir beschaffen . Laber s. 200. sei uns mit heil beschaffen . Wolkenst. 178. beschaffens glück. Ambras. lied. s. 224. 225. 227. mir ist niht beaht . Flore 1184. diu ist dir erahtôt (zugedacht). Grieshaber 2, 18. dem si rehte erahtôt ist. das. 2, 19. ih ward giboran zi thiu. O. IV. 21, 30. wer zuo drîn helbling ist geborn. Diut. 1, 325. ze drîn scherphen geborn. Renn. 15886. dur sanc bin ich geborn. MS. 1, 53 a . er wart zer fluht nie geborn . Wh. 463, 19. ich wart in dîne helfe erborn . Tit. 72, 4. Christianchen ist nicht für mich geboren . Gellert 3, 168. nhd. es ist mir angeboren . til lykke lagt . DV. 3, 5. dän. er det saa laget , saa faaer det saa blive. ez gêt keinem anders dan im wirt ûfgeleit . Mich. Beham vom unglauben 4. swaz dir enteile is getân, des enwirt dir niht benomen. En. 82, 6. 87, 21. 117, 1. deme si beschert was, ê si wurde geborn. En. 3993. nieman gelouben sol an daz wort, ›ez ist ime beschert ‹. Germania 3, 233 a . dem galgen beschert . Renn. 16815. êst iu beschert , und enmac niht anders sîn. Flore 4588. was mir von gott bescheret ist, mag mir kein mensch nicht weren. Uhl. volksl. 136. uns wirdet cnuogiz kespirre ioh peskerit . N. Arist. beskerit unde beskîbet . N. Arist. 94. waz ist uns beiden beschert und bescheiden . Herb. 14054. nhd. es ist mir beschieden , verhängt , bestimmt , geschickt . lith. lemtas bestimmt, angeordnet. was einem geordnet sei, dem entrinne man nicht. Gotthelf erz. 1, 292. es sei so geordnet und was sein muß, muß sein. das. 1, 284. zugeschrempt (bestimmt). Keisersb. von koufleuten 89 b . geistl. lewe 50 c . es ist mir sus gewant . Parz. 11, 8. Alterthümlicher sind folgende wendungen: οὐ γὰρ πως καταδυσόμεϑ' ἀχνύμενοί περ εἰς Ἀίδαο δόμους, πρὶν μόρσιμον ἦμαρ ἐπέλϑῃ .   Od. 10,174. μοῖραν δ'οὔτινά φημι πεφυγμένον ἔμμεναι ἀνδρῶν.   Il. 6, 488. ags. gæ þâ vyrd svâ hio scel . Beov. 905. alts. sô habed im wurdgiscapu , metod qimarcod (vorgezeichnet). Hel. 4, 13. vgl. 18, 10. 45, 14. . An sich nun schlossen die gaben des schicksals jegliches irdische glück ein. allmälich aber fing man an, was außer der geburt und dem tod im menschlichen leben heil oder unheilbringend schien, besonderen wesen zuzuschreiben, wie Griechen und Römer neben μοῖρα und fatum eine eigenthümliche Τύχη und Fortuna behaupteten. Müllenhoff macht in der Nordalbingia s. 11 (vgl. schleswholst. sagen XLIV) den ortsnamen Welanao aus Ansgar (Pertz 2, 687. 699) geltend für einen alts. gott Welo , ags. Vela , der mir auch schon s.  135 vorgeschwebt hatte: ein älterer gott des glücks oder heils statt der späteren göttin, Sâlida, Sælde. lieber noch als Welanaha möchte ich auslegen Welanowa, wozu auch das jüngere Welnau stimmt, der ort lag auf der rechten Elbseite unweit Itzehoe, und der fluß Stör scheint die aue gebildet zu haben, Welanowa gliche der Wunschesouwa und Pholesouwa (s.  499 ). es kommt alles darauf an die persönlichkeit des Welo erst anderwärts festzustellen, was aus Hel. angeführt ist reicht nicht aus, denn auch welanowa für glücksinsel genommen (Atterboms lycksalighetens ö) widerstrebt nicht der alten anschauungsweise, Reichenau (augia dives) enthält denselben begrif und in der nähe von Welnau erhob sich Glückstadt. Im ags. velan bevunden (gramm. 4, 752) herscht doch eine sächliche , obwol mythische bedeutung von vela vor: gott selbst sitzt velan bevunden, Adam und Eva stehn mid velan bevunden, Cædm. 42, 2. 27, 19, d. h. in pracht, seligkeit gehüllt. das gold velan bevunden macht den gegensatz zu dem gold galdre bevunden, der zauberkraft gegenüber wird eine heilige göttliche angenommen, und dies vela scheint 720 allerdings an Vela , wie der ganz verwandte begrif wunsch an Wunsch zu reichen. Die altn. sprache unterscheidet ein fem. heill (felicitas) von dem neutr. heil (omen), ebenso steht das ags. fem. hælu (salus) von dem neutr. hæl (omen), das ahd. fem. heilî (salus) von heil (omen). das mhd. neutr. heil vereinigt beide bedeutungen. personificationen dieses begrifs kenne ich kaum, es müste denn eine mir unklare stelle in Ottoc. 683 b darauf beruhen, wo als gemeines sprichwort angegeben ist: ›chum hail hauenstain!‹ Ms. 2, 130 b : ›waz ob iuwer heil eime andern kumet an sîn seil‹. schon O. II. 18, 7 ›thaz heil ni gifâhit iuwih‹ Nachtrag: Der personification der begriffe heil und glück zunächst stehen folgende redensarten: kum glück und schlag mit haufen drein! Docen misc. 1, 279. ein garten den glück und heil buwet . Mohr reg. v. Frauenbr. no. 386. a. 1434. heil, walde iz! Diut. 1, 353. des helfe mir gelücke! Nib. 1094, 4. mine helpe god ende goet geval . Walew. 286. ans mi god ende goed geval . Karel 2, 3609. vgl. mîn heil, nu linge! Altsw. 14, 31. 96, 4. Silvio volgete grôz heil. En. 13138. die wîle sîn heil vor gienc . En. 7251. das glück, was einem andern zugienge , erhaschen. unw. dr. 358. wems glück wol pfeifet , der mag wol lustig tanzen. Docen misc. 1, 282. wann in gott und das glück grüßet. Simpl. 1, 536. daz in daz heil verfluochet . Hartm. 1. büchl. 782. Unpersönlich sind: si liezen die vart an ein heil . En. 3297. waere daz an mînem heile. MS. 1, 193 b . vart iuwer strâze mit guotem heile! Iw. 832. ze heile komen . MS. 1, 75 a . heiles vurt waten . Suchenw. XXXIII, 35. guotes mannes heil . Haupts zeitschr. 2, 179. ich trowe mînem heile. Nib. 2102, 4. mîme heile ich gar verteile . MS. 1, 83 a . du maht mîn heil erwenden . Walth. 60, 18. ich dankes mîme heile. Nib. 1938, 4. vgl. mîn saelde sî verwâzen . Mai 174, 4. mîn saelde ich verfluoche . Flore 1182. ich ziuhe ez ûf die saelde mîn. Lanz. 3162. doch zürn ich an die saelde mîn. das. 4300. nhd. seinem glück danken. das war mein , dein glück. eigenthümlicher sind: wünschet daz mir ein heil gevalle . Walth. 115, 5. vgl. mnl. gheval glück. Huyd. s. v. auch bei Veldeke 1, 21 a : daz si mêre mîn geval . des heiles slüzzel in verspart freude. altd. bl. 2, 236. verlorn het er daz heil. Alex. 3389. wünschen heiles vunt . altd. bl. 1, 339. heile bruoder, fröiden vunt . Dietr. drachenk. 303 b . heiles vunt . MS. 2, 190 a . MSH. 1, 357 b . Mai 64, 10. Haupts zeitschr. 7, 117. der Saelden vunt . MSH. 1, 359 ra . glückes vunt . MSH. 1, 351 b . 356 b . nhd. ein glücksfund. glück, heil und saelde werden neben einander genannt. doch sô was gelücke und Sîfrides heil . Nib. 569, 2. heili joh sâlida . O. Ludw. 5. man saget von glucke und von sâlden . Herb. 6770. so möht ime gelücke heil und saelde und êre ûfrîsen . Walth. 29, 31. gelücke iuch müeze saelden wern. Parz. 431, 15. gelücke wird von heil unterschieden. Herb. 3238. 15465. vgl. τύχη, μοῖρα, εἱμαρμένη . Lucian 3, 276. dea Fortuna . Pl. pseud. II. 3, 13. Es gibt ein weißes oder schwarzes geschick, ein helles oder dunkles : thiu berhtun giscapu . Hel. 11, 16. 23, 17. þâ beorhtan gescäft . Cædm. 273, 20. eia glücke, eia heil, nu hâst du mir daz swarze teil allenlhalben zuo gekart, mir sint die wîzen wege verspart, dâ ich wîlen ane ginc.   Herb. 15465–69. Frommann s. 321 denkt dabei an die lichte und dunkle mondscheibe und scheint die glückscheibe überhaupt von der mondkugel zu leiten. vgl. lett. ak mannu baltu deenu! mein weißer tag. Bergm. 76. vgl. s.  953 . . Desto gewöhnlicher kommt bei den dichtern des 13 jh. sælde (fortuna), als ein weibliches wesen vor, das ist nicht etwa den romanischen schriften nachgeahmt: schon das ahd. sâlida erscheint in gleicher beziehung und die s.  715 angeführte zusammensetzung huîlsâlida drückte dasselbe verstärkt aus. O. I. 26, 4 von der taufe Christi im wasser redend bedient sich der merkwürdigen, durch keinen geistlichen schriftsteller in ihm angeregten phrase: ›sîd wachêta allên mannon thiu Sâlida in thên undon‹. wachen setzt leben voraus. noch deutlicher geht die personification aus den 4 jhh. jüngeren dichtern hervor. ›unser Sælde wachet ‹. Parz. 550, 10; ›mîn sorge slâfet, sô dîn Sælde wachet ‹. Tit. 31, 3; ›zaller zît des Sælde wachet ‹. Ms. 1, 16 b ; ›unser Sælde diu wil wachen ‹. Trist. 9430; ›des noch sîn Sælde wachet ‹. Ernst. 5114; ›ir Sælde wachet ‹. Amgb. 35 a ; ›daz mir Sælde wache ‹. das. 43 a ; ›ich waen sin Sælde slâfe ‹. das. 44 a ; ›sô ist im al diu Sælde ertaget ‹. Trist. 9792; ›diu Sælde ist dir betaget ‹. Wartb. kr. jen. 21; ›diu Sælde was mit im betaget ‹. Dietr. 5 a 27 a ; ›iuwer Sælde wirt erwecket ‹. Lohengr. 19. nicht zu übersehn in diesen mhd. belegen das possessiv so auch: ›des sî mîn Sælde gein iu bote‹. Parz. 416, 4; ›des sol mîn Sælde pfant sîn‹. Frauend. 23; ›lât dirz dîn Sælde wol gezemen‹. Ms. 2, 252 a . oder der gen., die Sælde eignet sich bestimmten menschen, schirmt und beglückt sie, wacht für sie, während sie schlafen , wie man sagt: das glück ist mir im schlaf gekommen. Eine so gangbare redensart braucht nicht immer zu personificieren: ›daz im sîn heil niht slief‹. Troj. 9473; ›dâ wachet schande und slæft daz heil‹. zauberb. 1113; ›Tristans gelücke dâ niht slief‹. Heinr. Tr. 2396. ja sie wurde auf ähnliche begriffe erstreckt: des ›wachet sîn êre und ouch sîn lop‹. Amgb. 47 a ; ›ir milte wachet‹. Amgb. 12 b ; ›ir genade mir muoz wachen‹. Ms. 1, 33 a ; ›ich wæne an ir ist genâde entslâfen, daz ich ir leider niht erwecken kan‹. Ms. 1, 48 a ; ›du (minne) bist gegen mir hart entslâfen‹. Ms. 1, 60 a ; ›mîn schade wachet‹. Ben. 121; ›dîn kraft mit ellen dô niht slief‹. Parz. 85, 24; noch heute sagen wir: ›der verrath schläft nicht‹; obgleich einige solcher reden persönlich gemeint sein können. Die heidnische färbung dieses wachen und wecken von der Sælde folgre ich zumal aus dem s.  350 721 beigebrachten analogen vekja Hildi, welche nicht bloß erweckt wurde, sondern die helden selbst weckte (Sn. 164). Vielleicht ist › vilbiörg scal vaka ‹ Sæm. 46 a , eben so gemeint, man mag deuten jucunda salus, oder ein nom. pr. annehmen. Frôđi läßt Fenja und Menja (oben s.  440 ) gold, frieden und glück (gull, friđ oc sælu) malen und gestattet ihnen nur kurze nächtliche ruhe: sie wachen , um glück zu malen , wie hernach unheil (salz) für Mŷsîngr. Sn. 146. 147 Nachtrag: Die wachende Saelde wird noch öfter genannt, als angeführt ist. sô wolt mîn Saelde wachen . Helbl. 1, 1049. des muoz sîn Saelde erwachen . MSH. 3, 173 a . waent ir daz mîn Saelde iht wache . Hagen Ges. Abent. 1, 44. mîn Saeld erwachet . Ls. 2, 509. swer si nu solde schouwen, des Saelde was niht entslâfen . Türl. Wh. 46 a . aber es steht auch: hadde mi mîn gheluc ghewaect . Margr. v. Limb. 1, 1226. unser unglück wacht . Günther 1014. mein glück schläft zwar stark. Günther 212. (vgl. den kranke lykke . DV. 1, 195. den kranke skjebne . das. 1, 123.) mnl. die Aventure wacht (s.  759 ). erwachet sein planet . chron. b. Senkenb. 3, 459. fortunam ejus in malis tantum civilibus vigilasse . Amm. Marc. 14, 10. vgl. at vos Salus servassit . Plaut. Cist. IV. 2, 76. auch die Laima ( anm. 2275 ) schläft und erwacht . Büttner no. 761. man lockt das glück: sê, gelücke, sê . Walth. 90, 18. Ähnliche wendungen sind: mîn weinender schade wachet . MSH. 1, 102 a . skade vaker . Aasen ordspr. 210. schlafendes leid erwecken . Oedip. auf Col. 510. altn. vekja Nauđ . Sæm. 194 b . (var.) wie vekja vîg . das. 105 a . vreude diu ist erwachet , diu ie verborgen lac. MS. 2, 99 a . vgl. wach auf fried! fastn. 39, 1. bî werden man sô wachent wîbes güete . MS. 1, 190 a . ir güete und bescheidenheit ist gen mir entslâfen . MS. 1, 26 b . ir genâde mir muoz wachen . MS. 1, 33 a . wil ir diu ( minne ) ze herzen nâhen wachen . MSH. 1, 316 b . Die Nemesis, die rache schläft, erwacht. ein ort, wo eine gewisse gefahr wachte . Serb. und Kroat. 10. . Das ist aber lange nicht die einzige anwendung dieser personification. Saelde heißt frau , sie erscheint, begegnet, neigt sich ihren günstlingen mit dem antlitz, hört sie an (wie ein gott erhört), lacht ihnen zu, grüßt sie, ist hold und bereit, aber auch gram; wen sie nicht mag, vergißt sie, den meidet und flieht sie, dem entrinnt dies entrinnen und fliehen vergleicht sich dem altn. hverfa (evanescere): heillir horfnar (felicitates evanitae) Sæm. 93 a . ›swi ime di Sâlden volgen , werdent si ime verbolgen, si ne kêren zornlîche wider‹. Al. 6189. sie, dem kehrt sie den rücken zu, es wird ihr thür und weg beigelegt. wiederum sagt schon O. II. 7, 20 ›thiu Sâlida in thar gaganta ‹ (eis occurrit). Walther singt 55, 35: › frô Sælde teilet umbe sich und kêret mir den rügge zuo , si stêt ungerne gegen mir , sin ruochet mich niht an gesehen ‹; mîn frou Sælde , wie si mîn vergaz! Walth. 43, 5: › vrô Sælde hât in an sich genomen, wil dîn pflegen‹. Ecke 10. 160; ›ob vrouwe Sælde mînes heiles welle ruochen‹. Ben. 425; ›die wîle es mîn Sælde ruochte‹. Parz. 689, 20; ›hæte mir diu Sælde ir ôre baz geneiget ‹. MS. 2, 220 b ; ›dô was mir Sælde entrunnen ‹. Parz. 689, 8; › Sælde was sîn geleite ‹. Wigal. 8389, › frou Sælde ir was bereit ‹ Er. 3459 und vielleicht darf das folgende: ›diu gotes hövescheit ob mîner frowen swebte‹ hinzugenommen werden, weil auch die walküren über den helden schweben, welchen sie beistehn; ›got wîse mich der Sælden wege ‹ Parz. 8, 16; ›den vuoz setzen in der Sælden pfat ‹. Ben. 306; › frowe Sælde muoz in ûf ir strâze wisen‹. Tit. 5218; ›der Sælden stic ‹. Karl 19 b ; ›über frô Sælden stec gân‹. fragm. 46 a ; ›tuo mir ûf der Sælden tür! ‹ Ms. 1, 36 a ; ›der Sælden porte ‹ a. Heinr. 243, 33; ›der Sælden tür besliezen‹ MsH. 3, 336 a ; ›setzen zuo der Sælden tür ‹ zauberbecher 1150; ›den begiuzet Sælden vluot ‹. MsH. 3, 205 a ; ›Sælde und ir gesinde walt ir‹. Ms. 1, 88 b ; ›diu Sælde folget sînen vanen‹. Lampr. 2089; ›mir enwil diu Sælde ninder folgen einen fuoz‹. Ben. 367; ›mir ist diu Sælde gram ‹. Gregor 2390. ›diu Sælde was ime gram ‹. Diut. 1, 10. Athis D. 84. ›diu Sælde vliuhet von mir‹ Greg. 1526; ›diu Sælde hât mich verlân ‹. Karl 95 a ; ›diu Sælde hât si (eam) besezzen ‹. Wigal. 884; ›diu Sælde het ir gesworn ‹. Wigal. 941; ›diu Sælde het zuo im gesworn zeim stæten ingesinde‹. Lanz. 1561; der Sælden spil . Wigal. 8761. 9271. 9386. ›diu gespil der Sælden ‹. Wigal. 10532; ›swes diu Sælde ze gesellen gert‹. Wigal. 945; ›im gab diu Sælde ir hantgift ‹. Silv. 534; ›diu Sælde vlôz im in den munt‹. Silv. 722 1024; ›ez rîse ûf dich der Sælden tuft ‹. Silv. 1389. ›sô grüenet dîner Sælden rîs ‹ MsH. 2, 258 a . › frouwe Sælde lachet mir‹. Ernst 4334; ›daz dir frô Sælde lache und al dîn heil bewache ‹. Silv. 2565; › Fortûne wolt im dô niht mê genædeclîchen lachen ‹. Troj. 5754; ›sô decket uns der Sælden huot ‹ Winsbekin 45, 7, ein wünschelhut, ›daz iuch frouwe Sælde müeze behüllen ‹ (fovere). Lohengr. 101; behüllen scheint ganz eigentlich bekleiden, wie auch Walther 43, 1. 7 frô Sælde kleiden und schrôten läßt, sie schneidet kummer zu und hohen mut; und gewis noch in ähnlichen wendungen, die wir aus den heutigen entnehmen: das glück ist ihm hold, kehrt bei ihm ein, verfolgt ihn u. s. w. auch hier findet sich schon bei den alten dichtern das unbestimmte neutrum: ›gelücke hât den nuwen (nacken, rücken) mir gekêret‹ LS. 1, 238; ›hât den nuwen noch gegen mir endecket; enblecket gên mir sînen zan; het zer rechten hende griffen‹. LS. 3, 539; ›dô kêrte von im unde vlôch gelücke‹. Troj. 5750. Wir sagen: ›mein glück blühet, wächst‹, gleich als sei es gebunden an einen baum, ein kraut ›mein glücke das blühete mir‹. Schweinichen 1, 170; ›gelücke wahset mit ge-nuht‹. Troj. 5686; ›uns ist niht wol erschozen gelücke‹. Troj. 12438; ›got wil uns sælde lâzen wahsen‹. Lohengr. 66. der spruch: ›das glück kommt von ungefähr wol über neunzig stauden her‹ Simplic. 2, 158 drückt sehr gut die plötzliche begegnung und überraschung, den zufall des glücks aus, worauf sich selbst der name τύχη (von τυχεῖν, τυγχάνειν) und fortuna (von fors) gründet. wahrscheinlich sind manche jener redensarten von den alten zu uns gekommen oder wir haben sie mit ihnen gemein Nachtrag: Der ver Saelde (Hagen Ges. Abent. 1, 409) ähnlich wartet die glücksgöttin lange vor der thür und wird nicht eingelassen. Dio Cassius 64, 1. mir ist verspart der Saelden tor . Walth. 20, 31. der Saelden tor entsliezen. Dietr. drachenk. 179 a . vgl. Saelden tor in Haupts zeitschr. 2, 535 und traum (unten s.  959 ). ähnlich heißt es: sliuz mir uf der vröuden tor . MSH. 1, 356 a . gein dem süezen Meien stênt offen fröiden tor . MS. 2, 108 a . der fröiden tor ist zuo getân. MS. 2, 198 b . zu weiten pforten zog die freude bei ihr ein. Gotthelf 2, 203. so zieht das glück bei dir zu allen thoren ein . Fabricius haustafel (V. f. hamb. gesch. 4, 486). der genâden tor . Haupts zeitschr. 4, 526. Exulatum abiit salus . Plaut. Merc. III. 4, 6. 4, 7. des solt in (eis) Saelde wîchen . Albr. Tit. 2344. diu Saelde mir entwîche . MS. 2, 20 a . vgl. da unse heil von uns trat . pass. 40, 80. altn. heill er horfin . Völs. cap. 11. la Fortune passa . elle part à ces mots. Lafontaine 5, 11. dagegen: zuo gienc daz unheil ( anm. 2277 ). Saelde von uns vonit . Athis F, 20. Saelde wont im bî und vont . Heinr. krone 56 d . dar Saelden ane genge. Haupt 4, 525. daß dich daz gelücke angê . Diocl. 4376. 8759. alles glück wehete dich an . unw. doct. 617. das glück naht dem am brunnenrand schlafenden . Babr. 49, 2. beschaffens glück kompt über nacht . Ambras. 247. vgl. entslâfen zwischen zwein gelücken . altd. bl. 2, 175. an Saelden wunsches arm entslâfen . Tit. 1248. ipsa, si vellet, Salus his circumfusa, ut vulgo loquimur , eos salvare non posset. Liutpr. legatio 13. er was ûf der Saelden wege . Ernst 1843. got wîse mich der Saelden wege . Parz. 8, 16. vgl. sô verst ûf gelückes ban . MS. 1, 88 b . hôhe getrat ze Saelden. Mar. 164, 30. ich kan sî (die Saelde) wol erjagen . sine welle sich mir mê versagen , dan sî sich deheime versagte , der sî ze rehte jagte . Greg. 1529. ir Saelde diu sach sie an . Mar. 187, 20. nhd. das glück lächelte ihr. vgl. τὴν τύχην προσμειδιῶσαν. Luciani asinus 47. Fortuna arridet. ich muoz ir (der Saelden) gruoz verdienen. Greg. 1527. gott und das glück grüßet. Simpl. 1, 536. daz mich vrô Saelde erkande . MS. 2, 99 a . sô volgt dir Saelde nâch . MSH. 3, 224 b . mîn fro Saelde , wie sie mîn vergâz. Walth. 43, 5. einer gelücke erslîchet , daz der ander niht wol kan erloufen . MSH. 3, 297 a . das glück erschleichen . Fischarts gesch. kl. 95 b . Uhland volksl. 584. Ambras. 102. das glück will herzhaftig angesprenget sein. polit. stockf. s. 240. gelücke ist uns verswunden . altd. bl. 2, 150. wie in gelücke flôch . Ottoc. 713 a . vrou Saelde kêret mir den nac . Frauenl. 447, 22. fortuna malefida . Rudl. 1, 11. fortuna vetus . das. 1, 66. vrou Saelde ist wilder dan ein rêch. MSH. 2, 315 a . vgl. gelücke lief entwerhes . Troj. 12598. Saelde wird pflücke . Kolocz 100. daz wiltwilde gelücke springt . MS. 2, 147 b . in der Saelden huote varn. MS. 1, 88 a . wîsen ûz vrou Saelden huote . MSH. 1, 339 a . vgl. cum fortuna ludere , vom glück begünstigt werden, sein spielgenoß sein. Pertz 2, 79. der Saelden stabe , dâ sult ir iuch an stiuren . MSH. 3, 462 a . sitzen ûf der Saelden kür . MSH. 1, 93 a (MS. 1, 36 a ). daz iuch vrô Saelde lâze widerkêren . Troj. 9359. wie dich diu Saelde fuorte . Haupts zeitschr. 4, 524. diu Saelde mich an sich nam , si riet mir. Wigam. 4119. den ir Saelde daz geriet . Wh. 451, 4. daz sie diu Saelde tuon hiez . Eracl. 54. dar (wohin) sîn Saelde hât erdâht . Parz. 827, 17. diu Saelde ir mit flîze pflac . Wigal. 8950. vrou Saelde ir stiure gap sîner ammen, diu sîn phlac dô er in der wiegen lac. Er. 9898. von der Saelden gebe . altd. bl. 2, 218. nû het diu vrowe Saelikheit allen wîs an in geleit ir vil staetigez marc . Greg. 1063. der Saelden gundes teil . krone 4883. Er sitzet in Saelden vogelhûse . Renn. 19512. kaeme ich ûf der Saelden stuol . Dietr. drachenk. 179 b . gesetzet ûf der Saelden stuol . Partenopier 93. der Saelden dach . MS. 1, 191 b . daz uns decke dîner Saelden van . MSH. 1, 339 b . entsliezen ûf der Saelden schrîn . Dietr. drachenk. 94 b . aller Saelden grunt . das. 105 a . 303 b . der Saelden seil . das. 239 b . 257 a . der Saelden vaz . Hagen Ges. Abent. 1, 461. sich daz dîn muot iht trunken gê von des gelückes stoufe . Frauenl. 116, 19. von gold ein Saelde vingerlîn . Lanz. 4940. daz golt der Saelden . Tit. 4914. 5028. Saeldenberc . Mone 1, 346. 7, 319. der Saelden zwîc ( anm. 2755 ). ein zwî daran diu Saelde blüejet . Haupts zeitschr. 4, 527. sîn Saelde blüete . Wh. 463, 9. ez grüenet mîner Saelden rîs . Winsbekin 6, 4. wo sein glücksgrasl graint . Stelzhamer 36. gelücke ist wîten hie gesât . Dietr. drachenk. 187 a . schön heißt es auch: das glück abblaten . fastn. sp. 1143, gleichsam die blume des glücks abbrechen. glück bringt rosen . ldrb. 1582. 225. grozmechtig krutkörb voll glück . fastn. sp. 884, 24. vgl. gelück in einem kreben (korb) finden. Hätzl. 85 b der Saelden stücke . Parz. 734, 24. hâter darzuo der Saelden swert . altd. bl. 2, 229. der Saelden slac . Iw. 4141. vgl. ne nos Fortuna sinistro cum pede prosternat. gesta Witigowonis 477. sie kunte sich durchaus nicht in ir glück finden, das sie doch bald in die fäuste bisse . Schoch stud. D 3 b . der Saeldeu swanz hât dich umbevangen. Haupts zeitschr. 4, 520. der Saelden tou sîn herze hât genetzet. MSH. 3. 173 b . seligkeit thauet herab . Göthe 14, 74. vgl. alles heils ein lûter bach . Altsw. 98, 23. es schneiet das glück bei uns in großen flocken. Phil. von Sittew. 2, 665. Merkwürdig ist der plural saelden , der an heillir anm. 2251 erinnert: thên sâlidon intfallan. O. II. 4, 89. er mohte sînen saelden immer sagen danc. Nib. 300, 2. waerez an den saelden mîn. Reinh. 436. In Tirol zieht im 16. jahrh. eine frau Selga an der spitze des nächtlichen heers. Germania 2, 438, die aber vielleicht die selige, holde und nicht unsere Saelde ist. man vgl. die indische göttin des heils und glücks Sri . Holtzmann 3, 150, die ἀγαϑὴ Τύχη , die bona Fortuna . Gerhard in den acad. ber. 1847. s. 203. 204. . In der sage vom Wunderer (Etzels hofh. 208) wird frau Sælde als königstochter mit drei wunderbaren eigenschaften vorgestellt, 1. eines menschen gedanken zu wissen, 2. helden gegen wunden im kampf zu segnen, 3. sich, wohin sie gedenkt, zu versetzen (das. 24–26). Wer erkennt darin nicht den nachhall einer altheidnischen walküre? Für entlehnt halte ich die überaus verbreitete vorstellung des glücks auf einem sich wälzenden rade (κύλινδρος) verschieden ist also das rad, welches Krodo und Vischnu in der hand tragen (s.  206 ). , welches der Fors, Tyche und Nemesis beigelegt wurde O. Müllers archäol. 607. . ›versatur celeri Fors levis orbe rotae ‹. Tibull. 1. 5, 70; › stans in orbe dea‹. Ovid. ep. ex Ponto II. 3, 56; › Fortunae rotam pertimescebat‹. Cic. in Pison. 10; › rota Fortunae ‹. Tacit. de orat. cap. 23; ›assumptus in amplissimum Fortunae fastigium versabiles ejus motus expertus est, qui ludunt mortalitatem, nunc evehentes quosdam in sidera, nunc ad Cocyti profunda mergentes ‹. Amm. Marc. 14, 11; › Fortunae volucris rota adversa prosperis semper alternans‹. Amm. Marc. 31, 1; › Fortunae te regendum dedisti, dominae moribus oportet obtemperes, tu vero volventis rotae impetum retinere conaris? si 723 manere incipit, Fors esse desistit‹. Boeth. de consol. II. pr. 1. Notk. cap. 45; › rotam volubili orbe versamus (sagt Fortuna selbst), infima summis, summa infimis mutare gaudemus. ascende si placet, sed ea lege, uti ne cum ludicri mei ratio poscet, descendere injuriam putes‹. ibid. II. pr. 2. Dabei scheint eine doppelte vorstellung zu walten, einmal daß die göttin selbst auf dem drehenden rade schon das bloße drehen des rads (daz sueibônta rad, N. Bth. 47) kann, ohne zwischenkunft der göttin, auf die veränderlichkeit des schicksals führen. Als Cyrus einen gefangnen könig aufmerksam die auf und abgehenden speichen der räder betrachten sah und nach der ursache fragte, antwortete dieser, er gedenke dabei der unbeständigkeit des lebens πῶς τὰ κάτω ἂνω γίνονται καὶ τὰ ἂνω κάτω. (Cedrenus ed. paris. 142). stehe oder sitze auch pentam. 5, 9 eine ›vecchia seduta ncoppa na rota ‹ als Fortuna. , also unstät vorüber eile, dann daß sie die begünstigten auf das rad, die unglücklichen herabsteigen lasse: jene schweben oben, diese unten. In den gedichten unseres MA. wird oft im allgemeinen von dem rad oder der scheibe des glücks und der Sælde geredet: › orbita Fortunae ducit utroque rotam ‹. Reinhard. 1, 1494. wo aber die bessere variante: › orbita Fortunae ducit utramque viam‹. ›volubilis Fortunae rota ‹. Rodulfus chron. Trudonis p. 381. › rota Fortunae ‹. Radevicus 1, 40; ›swaz ie geschiht daz stât an glückes rade ‹. Freid. 110, 17; ›daz im der sælekeit rat mit willen umbe lief‹. Troj. 9471; ›jâ walzet ir (der Sælde) gelückes rat vil stæteclich ûf und nider, her und hin, dan und wider loufet ez‹. Troj. 2349; ›im dienet daz gelückes rat , daz im nâch êren umbe lief‹. Troj. 7229: › gelückes rat louft uns die sumer und die winder‹. Lohengr. 119; › mîn schîbe gât ze wunsche‹. Ben. 353; ›dem gêt sîn schîbe enzelt‹. Ben. 360; ›wol gie ir schîbe ‹. Lohengr. 146; ›gie für sich‹. das. 189; ›si vuoren ûf gelückes rade ‹. Flore 844; › Sælde diu ist sinewel und walzet umb als ein rat ‹. übel wîp 241; ›der Sælden schîben trîben‹. Amis 2053; › entschîben ‹. Ulr. Trist. 708. Häufig ist aber auch jenes auf und absteigens gedacht; ›sô stîge ich ûf und ninder abe‹. Parz. 9, 22; ›gelücke ist rehte als ein bal , swer stîget der sol vürhten val‹. Freid. 115, 27; ›sô hangen ich an dem rades teile, dâ maneger hanget âne trôst‹. Ben. 88; ›ê daz der Sælden schîbe mich hin verdrücke gar zuo der verzalten schar‹. Ben. 91; ›si wâren hôhe gar gestigen uf des . . . . gelückes rat , nû müezens leider von der stat aber nider rücken‹. Flore 6148, ›swer hiute sitzet ûf dem rade der sîget morgen drunder‹. Troj. 18395; ›er ist komen ûf gelückes rat , daz muoz im immer stille stân‹. Geo. 193; › gelückes rat , wenne sol ich mîne stat ûf dir vinden?‹ Ben. 306; ›swebe oben an der Sælichkeit rade ‹. zauberb. 1860; ›got werfe in von gelückes rat ‹. Kolocz. 74; › gelückes rait geit up ind neder, ein velt, der ander stiget weder‹. Hagens cöln. chr. 1770; › gelückes rat nu rîde (torqueat vertat) in ûf die hœhe‹. Tit. 5218; › gelücke dîn rat nu rîde‹. Tit. 5275. › Fortûna diu ist sô getân, ir schîbe lâzet si umbe gân, umbe loufet ir rat , dicke vellet der 724 da vaste saz‹. Lampr. Alex. 3066 man vgl. die stelle über die roe de la Fortune im jeu d'Adan. (théâtre français au moyeu âge p. 82). . Weiter ausgebildet stellt diese ansicht vier oder zwölf männer zugleich auf das glücksrad in beständigem wechsel: › gelückes rat treit vier man, der eine stîget ûf, der ander stîget abe, der dritte ist obe, der vierde der ist under‹. Ms. 2, 221 a ; Wigal. p. 41 wird erzählt, daß sich jemand in seinem haus ein solches rad aus gold habe gießen lassen und immer glückseelig gewesen sei (wie Frode mit seiner glücksmüle, die gleichfalls gedreht wurde): ›ein rat enmitten ûf dem sal, daz gie ûf und ze tal, da wâren bilde gegozzen an, iegelîchez geschaffen als ein man. hie sigen diu mit dem rade nider, sô stigen diu ander ûf wider. daz was des gelückes rat nach diesem rad, das Wigalois auf dem helm führte (1862–66), hieß es der ritter mit dem rad , schon bei Gildas von Banchor miles quadrigae; nicht nach dem abenteuer, das er mit einem ehernen rad zu bestehn hatte (s. 252–254 des gedichts). ‹. Im Renart le nouvel 7941–8011 erhebt Fortune den fuchs oben auf ihr rad und verheißt ihm es nicht zu drehen. Hierher auch die sage von den zwölf landsknechten oder Johannesen auf dem glücksrad (deutsche sag. no. 209. 337). Blind, mit verbundnen augen, wird Sælde nie dargestellt ebenso wenig heißt sie glesîn , nach der lat. Fortuna vitrea ; nur Gotfrid von Straßb. Ms. 2, 45 b hat ›daz glesin glücke ‹ und heute ist uns der spruch: ›glück und glas wie bald bricht das‹ geläufig. Nachtrag: Über das glücksrad s. Wackernagel in Haupts zeitschr. 6, 134 ff. auch dem Amor wird ein rad beigelegt: vorsor in Amoris rota miser. Plautus Cistell. II. 1, 4. Fortunae sinistrorsum sibi rotam volvere sentit. Pertz 8, 235. vgl. das bild im eingang der carm. burana . s. 1. volubilis rota transeuntis mundi. Kemble no. 761 (a. 1038). rota fatalis bei Hemmerlin. Reber s. 236. videns fortunam, ut solet, ludicra rota reciprocare. Eckehardi casus S. Galli (Pertz 2, 88). das bloße drehen des rads bedeutet die veränderlichkeit des schicksals. Fauriel poésie prov. 3, 509. serb. märch. no. 42. s. 198. Meghadûta ed. Schütz s. 41. str. 107 und daselbst s. 109 die stelle aus Plutarch. Gelücke ist sinewel . Wh. 246, 28. der liute heil ist ungewegen und sinwel . Bit. 12440. das glück steigt auf und sinkt herab, gleich wie ein rad in schnellem gange . Meghadûta 108. daz rat der frô Fortûne . Turlins krone 7. Marîe, du heiles und gelückes rat . Haupts zeitschr. 4, 523. dat rat van avonturen . Rein. ed. Will. 6183. mir get der Saelden schîbe . Engelh. 4400. dô unser schîbe ensamt gie. warn. 3048. wil mir der Saelden schîbe gân als si dicke hât getân. Dietr. drachenk. 12. gelückes rat umbe trîben. Troj. 13322. als sich kêret des gelückes rat . pass. 32, 62. in bezôch der werlde gelückes rat . pass. 356, 15. si vuoren ûf gelückes rade . Flore 845. vgl. auf gelukes choken varen. Suchenw. 27, 115. ich lige iemer under glückes rade . MS. 2, 194 a . ic was te hoghe gheseten op dat rat der aventuren . Margr. v. Limb. 1, 185. Woldemares schive in groten lucken hadde lopen. Detm. 1, 99. gelückes balle . Tit. 2368. unglücke daz gê si an, darzuo der laster schîbe müeze in allen gên in hant. Dietr. drachenk. 143 b . Auch blind heißt die Saelde: sprich niht, Saelde sî blint , des si niht ist. Cato 442. sia (fortunam) mâletôn plinda . N. Boeth. 42. die avonture ist blind. Rose 5067. die augen sind ihr verbunden. das. 5858. N. Boeth. 43 verdeutscht: deprehendisti coeci numinis ambiguos vultus: nû bechennest tû daz analutte des sich pergenten trugetieveles. Neben Gotfrids von Strafsburg › glesîn glücke ‹ ist zu erwähnen die fortuna vitrea des archipoeta p. m. 237. . Viel bedeutsamer als dieses rad, das die ältere Sâlida wol noch nicht hatte (einen ganzen wagen ihr beizulegen wäre heidnischer), scheint mir, daß sie kinder annimmt , ihre lieblinge für ihre söhne erklärt. ›ich bin ouch in frô Sælden schôz geleit ‹ fragm. 45 b . ein schoßkind des glückes , ein glückskind sein, dem glück im schoße sitzen bezeichnet vorgegangne adoption (goth. frastisibja, Rom. 9, 4). vgl. RA. 160. 463. 464. solch ein auserwählter heißt ›der Sælden barn ‹. Barl. 37, 36. 191, 38. Engelh. 5070. ›Artûs der Sælden kint ‹. zauberbecher 1433; › Sælden kint hât Sælden stift‹. das. 1038; ›Maria der Sælden kint ‹. Wartb. kr. jen. 56; ›ir sît gezelt gelücke ze ingesinde , dem heile ze liebem kinde ‹. Warnung 2596; ›sie ist Sælden sundertriutel (liebling), in der würzegarten kan si brechen ir rôsen‹. Ms. 1, 88 a . Wie nun Wuotan die stelle der begrabenden norn (s.  716 ), so vertritt er auch die der Sælde, er selbst ist alles heiles spender; er nimmt kinder in seinen schoß auf (s.  682 . 700 ), darum ist völlig identisch mit Sælden barn ›des Wunsches barn , an dem der Wunsch was volle varn‹. Orl. 3767; ein glückskind hat ›des Wunsches segen ‹. Lanz. 5504. andere belege sind s.  114 . 117 . 118 nachzulesen ich finde auch Seldenbot ( Sælden bote ) als eigenname (weisth. 3, 277. 278). . Sâlida kann hiernach als ein bloßer ausfluß des Wuotan betrachtet werden Nachtrag: Der Saelden kint . Freid. 134, 2. Gabriel nennt Maria ›der Saelden kint ‹. MSH. 3, 180 a . frou Saelde und Heil , ir kint. krone 15827. 23094. vgl. gott mitten im schoße sitzen . 3 kl. leute 159. mignon . Lafontaine 5, 5. frou Saelde ir stiure gap sîner ammen. diu sîn phlac, dô er in der wiegen lac . Er. 9898. Der Saelden bote . Pantal. 172. Seldenbut . urk. v. Hannover. des sî mîn Saelde gein im bote . Parz. 416, 4. wie Saelden bote wird auch gesagt: Triuwen bote . Engelh. 6332. Eren bote . frauend. 487, 13. 479, 28. der Eren holde . Athis C. 82. der Eren holde . Er. 9962. der Eren kneht . Engelh. 4152. der Saelden holde . Lanz. 1996. der Saelden hûsgenôz . Wh. 3, 125 a . der Saelden schol . Er. 2401. der Unsaelden kneht . Hartm. 2. büchl. 626. der fürste selden herre . heldenb. 1590. 110 b (öfter). . 725 Glückskind war Fortunat, dem in einem bretagnischen wald Fortuna (vgl. Felicia MsH. 2, 10 b und unten cap.  XXXII ) erscheint und ein gefeites seckel schenkt, der auch das wünschhütlein (souhaitant chapeau), den tarnhut, durch dessen aufsetzen man augenblicklich an fernen ort verschwinden kann, erwirbt. offenbar ein hut des Wunsches oder Wuotans (s.  384 ), ein federhut πέτασος, vgl. πέτομαι und πτερόν. Hermes des gebers alles guten, aller sælde. merkwürdig MsH. 3, 466 a : ›sô decket uns der Sælden huot , daz uns dehein weter selwen mac‹. Den immer vollen seckel halte ich zum füllhorn der göttin: ›mundanam cornucopiam Fortuna gestans‹ Amm. Marc. 22, 9; ›formatum Fortunae habitum cum divite cornu ‹, Prudentius libr. 1 contra Symm., zum horn der Amalthea, oder Svantovits (s.  492 ), ja zu dem κέρας σωτηρίας Luc. 1, 69. An die wünschelruthe aber erinnert die synonyme benennung ›alles heiles ein wünschelrîs ‹ Troj. 2216; ›des Wunsches bluome ‹. Barl. 274, 25. Tief wurzelt in unsrer mythologie die vorstellung der wünscheldinge , ich will sie näher betrachten. es gibt göttern zuständige aber auch menschen verliehne sachen, von denen eine fülle glückes und heiles abhängt, die höchste gabe des wunsches liegt in ihnen, darum scheint jener althergebrachte name zutreffend. bedeutsam heißt im sanskrit der wunsch manoratha , rad des sinnes, mutes; erschließt es uns den begrif des göttlichen wunsches von einer neuen seite? der Wunsch dreht das rad der gedanken. In der edda werden die wünscheldinge als künstliches zwerggeschmeide dargestellt und unter götter vertheilt. Ođinn besaß den speer Gûngnir , dessen wurf sieg verleiht, Thôrr den hammer Miölnir , der als donnerkeil niederschmetterte, weihte und von selbst in die hand zurückkehrte . solch ein schwert, das von selbst sich schwang (er siâlft vegiz) Sæm. 82 a Sn. 40, hatte auch Freyr, sein name ist unüberliefert. der knüppel aus dem sack in unsern märchen ist die vergröberte sage; in Œgis halle waren bierkrüge oder becher, die sich selbst aufsetzten (siâlft barsc þar öl) Sæm. 48; Wolfdieterich (cod. dresd. 296. 297) kam zu göttinnen, auf deren tisch die semmel selber gieng und der wein sich selbst einschenkte ; den Griechen heißen solche geräthe αὐτόματοι Il. 18, 376. Œgishialmr muß ursprünglich dem Œgir, einem der noch mit Ođinn zusammen fällt, eigen gewesen sein, wie Zeus und Athene, die höchsten götter, Aegis schütteln; dann aber gieng er auf helden über. aus dem wunderhelm erwuchsen helothelm , grîmhelm , tarnkappe , wunschmantel (KM. no. 122), wunschhut , die zwergen, helden, glückskindern das vermögen gewähren unsichtbar zu wandeln, schnell durch die luft zu schweben. Der Freyja und Frigg gebührte Brîsînga men , das gleich dem ἱμάς der Venus und Juno sehnsucht (ἵμερος) erregte (s.  255 ) und dem schwert, speer und hammer der götter zur seite steht (s.  737 ). Am schleier oder haupttuch der Sif wuchs goldnes haar, wie auf dem erdboden 726 getraide; der eigenname mangelt. Skîđblađnir wird bald als schif, bald als hut geschildert, die beide sich falten und breiten ließen, darin zu fahren oder sturm zu erregen; wünschelschiffe in den norske event. 1, 18. 142. sv. folkv. 1, 142. 143. hieran grenzen flügelsohlen und meilenstiefel . auch Gullinbursti , Freys eber führt durch luft und wasser. Von Ođins ringe Draupnir troffen andre ebenschwere; die wundergabe von Fullas ring (Fullo fingrgull Sn. 68) ist nicht angegeben, vielleicht machte er unsichtbar, gleich dem der Aventiure (s.  759 ). Draupnir gemahnt an den brutpfennig (DS. no. 86) oder heckethaler der jüngern zeit; dem, der das vogelherz gegessen hatte, lag jeden morgen ein goldstück unterm kopfkissen. Damit verbinden sich wunschseckel und wünschelruthe , welche den hort öfnet, aber auch zu nähren scheint (s. cap.  XXXI ). ähnlich ist die wunderblume und springwurzel . ein vogelnest macht unsichtbar (DS. no. 85. Haupts zeitschr. 3, 361. Mones anz. 8, 539). Frôđis wünschelmüle Grôtti malte alles was der malende laut wünschte (Sn. 146), gold und salz; daran schließt sich das glücksrad , dessen vorstellung entlehnt sein mag (s.  722 ), ohne unserm alterthum fremd gewesen zu sein; des manoratha wurde vorhin erwähnt. auch die brittische sage hatte ihr glücksrad anders aufgefaßt (s.  724 ). Solch eine müle, solch ein rad dürfen vor allem götterspeise malen. Die götter besitzen den unsterblichkeitstrank , der menschen gabe des dichtens verleiht, götter jung erhält. Iduns äpfel verjüngen, wie äpfel in der Völsûnga saga schwanger, in der von Snewitchen schlafend machen, in Fortunatussage hörner geben und nehmen. Jener wunschmantel wird zum wunschtuch , das gebreitet alle gewünschten speisen aufstellt: solch ein tuch lassen die dän. und schwed. lieder von ackerwolle ( ageruld DV. 1, 265. 300. åkerull sv. vis. 2, 199) weben, einer grasart mit wolliger blume (eriophorum polystachium); dies wünscheltuch begegnet auch norske eventyr 1, 44. 274, es wird aus dem ohr einer stute gezogen, s.  112 . andere wünscheltücher müssen stillschweigend gesponnen oder der hanf dazu muß in einer tagesfrist gerupft, geröstet, gebrecht, gehechelt, gesponnen und gewoben werden. Die Serben erzählen von einer wunderkuh, aus deren ohr garn gesponnen, die hernach geschlachtet und begraben wird, auf deren grab wunder geschehn. einer wünschelkuh Kâmaduh oder Kâmadhenu gedenkt die indische mythe (Pott 2, 421. Somadeva 1, 198). eines wünschelbocks , der geld schaft, das norweg. märchen 1, 45, eines esels pentam. 1, 1. der machandelbom im märchen ist ein wunschbaum , und von einem solchen schüttelt sich Aschputtel alle prächtigen kleider; Indern heißt er kalpa vriksha (baum der wünsche) oder Manorathadajaka (wunschgebend) Somadeva 2, 84. wie die kleider der sonne und des monds ist die goldglucke mit den sieben hennen (s.  607 ) in der nuß enthalten. Fortuna trug ein füllhorn (s.  725 ). der ziege Amaltheia horn gewährte den nymphen, die Zeus gepflegt hatten, alles was sie wünschten; nach einer andern sage besaß 727 die nymphe Amaltheia ein stierhorn, welches speise und trank , wie man nur wünschte, in fülle gab. Wer sich einem gastmal der feen, erzählt die schottische überlieferung, nähern, ihnen trinkbecher oder trinkhorn wegnehmen und durch einen fließenden strom unverschüttet tragen kann, für den wird es ein füllhorn des glücks (a cornucopia of good fortune) sein; bricht es entzwei, so schwindet alles heil. Rob. Chambers p. 32. 33. wir wissen, daß die weisen frauen und elbinnen trinkhörner entgegenbringen (s.  348 ), daß kleinode der elben (wie jener schmiedenden zwerge) menschlichen geschlechtern glück bereiten: schwert , ring und becher (s.  378 ), daß der schwan in Loherangrîns geschlecht schwert , horn und fingerlein ließ (Parz. 826. 19). Oberons horn , der zu den elben gehört, war ein wünschhorn und erregte zauberhaften tanz. andere wunder wirken die harfen der götter und helden (s.  756 ). Außer dem horn gewährt die elbische gabe auch heilbringendes brot . hieran reihen sich die schönen mythen von dem ölkrüglein , das nie versiegt, von dem süßen brei , der überquillt, von dem garn , das sich nicht zu ende haspeln läßt. Ein wunderbecher war aber auch Dschemschids becher und der berühmte Gral (greal, Ducange s. v. gradalus, graletus, grasala, grassale, grassellus), nährend und heilkräftig, den die romanische sage mit christlicher verband, wie des Longinus speer und die blutende lanze an einen heidnischen wunschspeer mahnt; nägel des kreuzes werden zu siegbringendem zaum verarbeitet (El. xxii ), holz des kreuzes und zahllose reliquien wunderthätig angewandt vgl. cap.  XXXVI ), ringe und edelsteine hielt man an reliquien, um deren kraft in sie übergehn zu lassen; edelsteine sind in gewissem sinn wunschsteine , den Indern war Diwjaratna ein solcher (Pott 2, 421) und machte seinen eigner aller wünsche theilhaftig. Nicht berühmter sein kann der Gral in den gedichten von der tafelrunde als es Sampo im finnischen epos ist. Ilmarinen der gott hat ihn in Pohjola geschmiedet, und glücklich war es in dem lande zu leben, das ihn besaß, alle felder standen voll saaten und früchte; die götter suchten ihn aber wieder zu gewinnen (gerade wie Ođhrœrir s.  752 ) und der raub gelang Wäinämöinen und Ilmarinen; doch Louhi, Pohjolas herrin, folgte ihnen in adlergestalt , wie Suttung dem Ođinn, und erreichte die flüchtlinge auf dem meer. Als Louhi nach Sampo greift, Wäinämöinen mit dem steuer auf ihre finger schlägt, fällt Sampo ins meer und zerbricht; bloß der deckel (kirjokannen 23, 393 vgl. 11, 361) bleibt in Louhis hand, mit dem sie nach Pohjola zurückfliegt: seitdem herscht dort elend und hungersnoth. stücke des Sampo findet Wäinämöinen am seestrand, läßt sie säen und es wachsen daraus bäume, worunter eine hohe die sonne verdunkelnde eiche. Das zusammentreffen dieses Sampo mit dem nord. unsterblichkeitstrank überrascht, und die von dem höchsten gott am meeresufer aufgenommnen stücke, aus welchen bäume sprießen, vergleichen sich den von drei asen am strand gefundnen Askr und Embla (s.  474 . Sæm 3 b ). 728 der name Sampo , sicher ein uralter, heiliger, gemahnt an die mongolische sage vom baum Asambubararcha, dessen ins wasser fallende früchte den laut sambu von sich geben (Majers myth. wb. 1, 565), tibetanisch heißt sangpa geläutert, heilig. Wir entnehmen aus allen diesen beispielen, die noch nicht einmal vollständig sind, wie in der hülle sinnlicher vorstellungen von speer, hammer, hut, helm, mantel, horn, becher, spange, ring, schif, rad, baum, rute, blume, tuch, speise, trank, die geistigen, von sieg, glück, friede, genesung, fruchtbarkeit, reichthum, tugend und dichtkunst verborgen liegen. Wo aber mehrere einzelne eigenschaften, wie im Sampo und Gral, zusammenflossen, da steigerte sich der begrif und die heiligkeit eines solchen gegenstandes Nachtrag: Eine sage von frau Fortuna , die eine art Venus ist, steht in den altd. bl. 1, 297. mit Fortunatus vgl. Faustus . der wunschhut wird vom fingernagel geschnitzt. Schiefner über Kalewipoeg s. 146. 154, wie Naglfar (s.  679 ). über die wunderbare tuchbereitung s. Rommel 2, 342 aus den ann. erfurt. b. Menken 3. oft wird ein gürtel erwähnt, der stärke verleiht ( anm. 476 ), zwölf mannekraft gibt. Laurin 1966. 2441 oder den hunger stillt. Ferabras 2752. 2800. altn. hûngurband , nhd. schmachtrieme . Saxo ed. Müller 114 gedenkt einer armilla possessoris opes augere solita, das. 122 einer insecabilis vestis , das. 118 einer tunica ferrum spernens . vgl. den wachsenden mantel im Lanz. 5812. den ungenähten rock , das κρήδεμνον der Ino. Od. 5, das breostnet broden . Beov. 3095, die brottasche im Wigal. 4469 ff. 5843 f. Discordia macht sich durch einen ring unsichtbar Troj. 1303. 1324. ähnlicher zauber steckt im fingerlein mit der nachtigall. Morolt 1305. vgl. den ring des Gyges. Plato resp. 359. 360. Siebenmeilenstiefel , bottes de sept lieues bei Perrault 167. Aulnoy 367. Columban hat einen wünschelstab s.  815 . Der Amalthea (Athen. 4, 345. 371) und der Fortuna gebührt ein füllhorn . Fortuna cum cornu pomis ficis aut frugibus pleno. Arnobius 6, 25. vgl. nam haec allata cornucopiae est, ubi inest quicquid volo . Plaut. Pseud. II. 3, 5. so hat schon O. I. 10, 5 ein horn heiles , Wolkenst. s. 61 ein Saeldenhorn . vgl. Gifhorn . sonderbar ist die redensart: sich auf die ochsenhörner d. h. seulen des reichthums setzen. pentam. Liebr. 2, 112. Um ein wünschelnetz zu fertigen, wird ein kleines boot verbrannt, in die asche lein gesät, der in zwei tagen aufschießt, gerauft, bereitet, gebrecht wird in zwei tagen, gesponnen, genäht und geknüttet auch in zwei tagen. Kalev. 26, 188 vgl. Schröter s. 19. wünschwürfel kennt H. Sachs II. 4, 114 c . über den siegstein s.  1020 . Indras immer treffender speer , der von selbst in die hand zurückkehrt , aber als er ihn andern geliehen hat, wieder in seine hand (Holtzmann ind. sag. 2, 137. 138. 155), und der spieß, der von selbst zurückfliegt (Ov. met. 7, 684) gleicht Thors hammer. ein sieg verleihendes schwert bei Saxo ed. Müller 115, ein von selbst sich schwingendes auch in Dybeck II, 28, l'arc qui ne faut . altfrz. Trist. 1716. 1745. Mit dem skr. manoratha , rad des sinnes darf man vielleicht das rad im Wigalois zusammenhalten. vgl. das rad und den handschuh der Saelde. Krone 22855 ff. 23093 ff. Ähnlich dem Skîđblađnir , der navis plicatilis (s.  179 ) ist im Lanz. 4898–4911 ein zelt , das sich falten läßt und leicht von einer jungfrau getragen werden kann. Bei den Aethiopen: est locus apparatis epulis semper refertus, et quia ut libet vesci volentibus licet, ἡλίου τράπεζαν appellant, et quae passim apposita sunt, affirmant innasci subinde divinitus. Pomp. Mela 3, 9. vgl. τράπεζα τοῦ ἡλίου. Herod. 3, 17. 18. die erde selbst soll den tisch nächtlich mit speisen besetzen. vgl. die stadt, in der der segen wohnen sollte . Gellert 1, 194. vor dem gral fand man jederlei speise und trank bereit. Parz. 238, 10–17. 239, l ff. (der gral leidet kein ungeziefer in Salvaterra. Tit. 5198. der name Graalanz schon im 11. jh. Irmino 496). ein wunschbaum trägt gewänder, schmuck u. s. w., auch wein. Megadhûta. ed. Schütz s. 25. 27, wie im märchen der baum, von dem das kind kleider schüttelt. Die indische wünschelkuh heißt Kâmaduh , die wunschmelkige . Bopps gloss. 70 b . Weber 5, 442. Hirzels Sakunt. 153 nennt Nandini , die alle wünsche erfüllende glückskuh. man gedenke auch noch des goldscheißenden esels, peau d'âne, und der goldeier legenden henne im märchen. über den streit um wünscheldinge s. vorr. s.  XXVI . . Wir sehen aus dem prolog zu Grimnismâl, Sæm. 39, daß Ođinn und Frigg, die höchste väterliche und mütterliche gottheit des alterthums, auch noch besondern günstlingen ihren schutz angedeihen lassen: Ođinn zieht als ein alter mann den Geirröđr, Frigg als eine alte frau den Agnar auf, die edda gebraucht hier föstra , als pflegkind erziehen. Ja Frigg hatte nach Sn. 38 eine eigne dienerin, selbst ein göttliches wesen, die sie zum schutz (til gætslu) solcher männer in allen gefahren bestellte; diese personificierte Tutela hieß Hlîn (s.  736 ), gleichsam das lager, die κλίνη, ahd. hlîna recubitus gl. Ker. 273, auf dem einer ruht (von der wurzel hleina, hláin, gr. κλίνω, lat. clino). harmr Hlînar heißt es Sæm. 9 a und man sagte im sprichwort ›sâ er forđaz hleinir ‹, wer sich in nöthen retten will, lehnt sich an. Hlîn (goth. Hleins?) schützt und birgt, das goth. hláins bedeutet einen berg, das ahd. hlinaperga, linaperga fulcrum, reclinatorium. Das volk hält für glückskinder die um ihr häuptlein eine haut gewunden mit auf die welt bringen. diese haut heißt glückshaube , wehmutterhäublein , und wird sorgsam aufgehoben oder in band vernäht dem kind umgehängt KM. no. 29 vgl. 3, 39 Ettners hebamme p. 534. journal v. u. f. D. 1788. 1, 574. ital. nascer vestito  = avventurato, franz. né coiffé , poln. w czepku urodzil (Haupts zeitschr. 1, 137). den Serben heißt die haube koschulitza , hemdlein, und ein mit ihr gebornes kind vidovit : es geht zu den Vilen und weiß mehr als andre leute. in Holland sagt man › met den helm geboren zin‹ (vgl. s.  323 ), solche kinder haben die gabe gespenster zu sehen. ein ham (ovum) worin ein füllen zur welt kam, hängt man in einen hohen baum. Westendorp p. 518. Vom glückshelm heißt es: ›ab eo tegmine obstetrices et delirae aniculae infantibus bona ex colore rubicundo, vel mala ex nigricante praesagire solent. magno vendunt hujusmodi pileos infantiles credulis advocatis, qui hinc se adjuvari putant‹. das ist aus einer älteren stelle des Aelius Lampridius im Anton. Diadum. cap. 4 genommen: ›solent pueri pileo insigniri naturali , quod obstetrices rapiunt ed advocatis credulis vendunt, siquidem causidici hoc juvari dicuntur‹. . Fischart Garg. 229 b nennt sie kinderpelglin , den Isländern aber führt sie den namen fylgja (fem.) und sie wähnen, in ihr habe der schutzgeist oder ein theil der seele des kinds seinen sitz : die hebammen hüten sich sie zu schädigen und graben sie unter die schwelle ein, über welche die 729 mutter gehn muß. wer diese haut sorglos wegwirft oder verbrennt, entzieht dem kind seinen schutzgeist edda Sæm. hafniens. 2, 653. Nachtrag: Über die glückskinder und deren glückshauben s. Röszler 2, XCV. XCVI und 337. KM. 3 3, 57. wir bringen allesamen ein rot wammesch uff erden (pellem secundinam), das můß darnach der man under die stegen vergraben. Keisersp. wannenkremer 109 d . ags. heißt die glückshaube heafela , hafela s. zu Andreas s. 127. 128. mhd. hüetelîn , batwât . Haupts zeitschr. 1, 136. 137. kindbälgel . Mone 8, 495. westerhûfe im gedicht vom ritterpreis. westerhuot . Karaj. 27, 6. vgl. das in kirchen bewahrte westerwât N. Cap. 83 und das heilkräftige taufhemd. Dresden. Wolfdietr. 160. 161. 162. stera, vaselborse , pellicula in qua puer in utero matris involvitur. Hoffm. hor. belg. 7, 19 b . mit Glückshelm vgl. den eigennamen Barnhelm . membranulae ad modum retis dispositae, in quibus quandoque nascuntur pueri et vocantur in vulgari (bohemico) wodienie . de his membranis famant vetulae: si recipiuntur IX vel ad minus V et habeantur cum filo aureo et sericeo in ecclesia per novem dies illo tempore, quo horae canonicae dicuntur per nonam, et ferantur per aliquem ad judicem vel ad judicium, ille obtinet causam suam . s. Jungmann s. v. oděnj. litt. namai kudikio , kindshaus. Nesselmann 414. altn. Hlöđr wird mit helm und schwert geboren (s.  323 ). GDS. 121. . ein solcher schutzgeist heißt fylgja (weil er dem menschen folgt), zuweilen forynja (der ihm vorausgeht, F. Magn. lex. 379), öfter hamîngja (felicitas) von hamr, induviae, ja dieses hamr für sich scheint das nemliche zu bedeuten: › hamr Atla‹, genius Atlii, Sæm. 253 b . nach Ihre (de superstit. p. 24. 25) bezeichnet das schwed. hamn einen genius, der jedem menschen folgt (s.  730 ). Der wesentliche begrif eines schutzengels ist das angeborensein , dadurch unterscheidet er sich von dem hausgeist (genius familiaris), der sich einem einzelnen menschen ergibt, aber nicht von der geburt an. regula Benedicti cap. 7: ›ab angelis nobis deputatis cottidie die noctuque domino factori nostro opera nostra nuntiantur‹. Berthold predigt (p. 209): ›als daz kint lebende wirt an sîner muoter lîbe, sö giuzet im der engel die sêle în , der almehtige got giuzet dem kinde die sêle mit dem engel în ‹; und Bernardus (sermo 12 in psalm. qui habitat): ›quoties gravissinia cernitur urgere tentatio et tribulatio vehemens imminere, invoca custodem tuum , doctorem tuum, adjutorem tuum. in opportunitatibus, in tribulatione, in quovis diversorio, in quovis angulo angelo tuo reverentiam habe. tu ne audeas illo praesente , quod vidente me non auderes‹. ich will noch eine stelle aus N. Cap. 137 herschreiben: ›allên menniskôn wirdet sunderig unde gemeine huotâre gesezzet. ten heizent si ouh flihtâre (pflichter), wanda er alles werches fliget. ten gemeinen betônt tie liute sament, unde âne daz iogelîh len sînen. fone diu heizet er genius , wanda er genitis sâr gegeben wirt ze flihte. tiser huotâre unde diser getriwo bruoder behuotet iro sêlâ unde iro sinna allero. wanda er ouch tougene gedancha gote chundet, pediu mag er ioh angelus heizen‹ die lat. worte lauten: et generalis omnium praesul, et specialis singulis mortalibus genius admovetur, quem etiam praestitem , quod praesit gerundis omnibus, vocaverunt. nam et populi genio, quum generalis poscitur, supplicant, et unusquisque gubernatori proprio dependit obsequium, ideoque genius dicitur, quoniam quum quis hominum genitus fuerit, mox eidem copulatur . hic tutelator, fidissimusque germanus animos omnium mentesque custodit. et quoniam cogitationum arcana superae annuntiat potestati, etiam angelus poterit nuncupari. vgl. Porphyrius in vita Plotini p. 14. Plutarch in vita Antonini p. 430. . Diese, wie man sieht, von der kirche zum theil beibehaltne lehre scheint sich mit jenem gröberen einheimischen aberglauben von schutz und folgegeistern gemengt zu haben. Caesar heisterb. 8, 44 nimmt einen guten und bösen engel jedes menschen an, der ihm heil oder unheil zu schaffen suche. in gewissem betracht waren auch die valkyrien schutzgeister der helden (s.  331 . 348 ) und eine zeit hindurch an sie gebunden. von den erschlagenen heißt es (klage 922): › ir engel vil wol wisten war ir sêle solten komen‹. Dieser engel gedenken noch andere stellen: ›sie redeten, daz ir engel muose lachen‹ (sich darüber freute). wartb. kr. jen. 38; ›ein wîser 730 (? wîzer) engel bî dir gât , der dînen tiuvel sô von dir gescheiden hât‹. das. 47; ›teile dîn pater noster mite dînem engel ‹ das. 23; ›ein engel, der dîn hât gepflegen ‹. das. 62; ›ich wil gelouben, daz den list dîn engel finde ‹. Lohengr. p. 3; ›in was ir engel bî‹. Geo. 343; ›daz der engel dîn dîner êren hüete!‹ MsH. 3, 230 b ; › zuo im was geweten ein engel , daz im niht geschach‹. Geo. 3205; ›als im sîn engel gab die lêre‹. Kolocz. 148; ›daz iuch mîn engel grüeze!‹ das. 102 und anderwärts: ›daz iuwer mîn engel walte!‹ schöne ausdrücke für: ich, im innersten meiner seele vgl. H. Sachsens gedicht ›die engels hut‹ und ›den lockigen knaben‹ in Hebels karfunkel. Nachtrag: Jeder mensch hat einen eignen, sundern engel , aber auch einige thiere haben ihn. Keisersp. brosäml. 19 c . übereinstimmend mit Caesar. heisterb. sagt das pass. 337, 46: daz einer iegelichen menscheit zwêne engel sint bescheiden: einen guoten , einen leiden iegelich mensche bî im hât. dagegen heißt es: gleich bei der geburt gesellt zu jedem mann sich ein dämon, der ihn an der hand durchs leben führt, ein guter dämon : denn dasz böse dämonen sind, die auch gerechten schaden thun, das wähne nicht. halt fest am glauben. gut in allem ist der gott.   Menander. jeder mensch hat sein licht am himmel . Haupts zeitschr. 4, 390. vgl. oben s.  602 . dô sprach der engel wolgetân : ›ich was ie mit dir, unt woldest nie gevolgen mir, von ubele ich dich chêrte, daz beste ich dich lêrte‹. Tund. 46, 60. ich bin der engel , der dîn pfliget . Ges. Abent. 2, 255. wil du dînem engel schenken (wîn). Grieshaber 2, 50. angelus domini te semper praecedat, comitetur ac subsequatur. vita Mahthild. c. 20. O. V. 4, 40 sagt der engel zu den frauen: jâ birun wir in wâra iu eigenê giburâ  = eure diener. der engel heißt wîsaere . Helbl. 7, 249. 331 und ist eine unsichtbare stimme 7, 263. 293. 355. dû hâst gehôrt ein stimme, die sîn engel sprach . pass. 158, 79. (der werlde vluot) manigen hin verdrücket, ob in dar ûz niht zücket sîn engil mit voller kraft. pass. 337, 41. der engel freut sich über seinen schützling. MSH. 3, 174 b . die Heiden meinen von den Christen, in jedem alten stecke ein junger, aus dem munde des sterbenden nehmen die engel ein kind . Ottoc. 440 b . 441 a . Engel werden immer männlich gedacht. eine frau und jungfrau erscheinen: ob ez von himele waeren zwêne engele , des enweiz ich niht. Frib. Trist. zweier freunde schutzengel sind auch gesellen. Renn. 18902 ff. über englische schutzgeister s. Stewart pop. superst. 4. 16. 17, indische s. Somadeva 2, 117. Hermes ist ein begleiter πομπαῖος der menschen. Aesch. Eumen. 91. . Nialssaga cap. 101 läßt sich ein Heide taufen, erst aber zusichern, daß der h. Michael (der seelenempfänger s.  712 . 713 ) durch die taufe sein fylgju engill werde. Nialssaga cap. 23 wird der fylgja Gunnars gedacht. Ein dem tode naher schaut vorher seinen engel: ›þû mant vera feigr mađr, oc munt þu sêđ hafa fylgju þîna ‹. Nialss. cap. 41. ganz folgerichtig, da durch des menschen tod das band zwischen ihm und seiner fylgja gelöst wird. Auch soll dann die fylgja einem andern erscheinen und sich diesem anbieten: Helgi ahnte seinen tod (grunađi um feigđ sîna), als seinem bruder ein zauberweib auf dem wolf abends erschienen war und folge entboten hatte: bauđ fylgđ sîna, fylgjo beiddi (Sæm. 14 a 147 a ). wer seine fylgja schaut, den verläßt, von dem geht sie. Nach norw. volksglauben zeigt sich die fölgie gern in gestalt eines thiers, das zur sinnesart des menschen stimmt, dem sie angehört. Faye p. 77. wäre damit eine bevorstehende seelenwandrung angedeutet? vgl. s.  688 . Es gab fylgien die sich, gleich den zwergen, an einzelne geschlechter hielten: kynfylgjor , ættarfylgjor , und auch das ist wichtig, weil es die berührung dieser geister mit elben und zwergen lehrt, die gleich der weißen frau, der ahnmutter Berhta (s.  232 ) dann sich zeigen, wann ein sterbefall im geschlecht bevorsteht. Hamîngjor , die schon Sæm. 37 b 93 b vorkommen, stehn unserer personificierten sælde nahe: auch hamîngja bedeutet fortuna, felicitas, hernach aber ein beglückendes, begabendes wesen, das zwischen parze, schutzgeist und freundlichem hausgeist die mitte hält, vgl. Laxd. saga p. 441. hamîngjor horfnar, heillir horfnar (Sæm. 93 a. b ) sind die von dem menschen entronnenen, gewichnen. Gleich der fylgja und hamîngja ist auch die altn. landvætt (s.  365 ) ein weibliches wesen, aber nicht eines einzelnen menschen oder geschlechts, sondern des ganzen landes schutzgeist. in Ulfliots gesetz war verordnet, von jedem schiffe das haupt abzunehmen, ehe man ins angesicht des landes (î landssŷn) komme, damit nicht die landvættir durch das gähnende haupt erschreckt würden: sigla eigi at landi međ gapandi höfđum ne gînandi triônu, svâ at landvættir fældist vid fornm. sög. 3, 105. Isl. sög. 1, 198. 199. beim gaffenden, gähnenden schif fällt mir die Gepanta (navis tardius vecta) des Jornandes cap. 17 ein. Nachtrag: Die fylgja Biarkis erscheint als bär und streitet, während er schlummert. als er aufwacht und selbst kämpft, ist der bär verschwunden. Petersen hedenold 1, 210. 213. von einem solchen bären ist ebenfalls die rede in den fornald. sög. 1, 102. 105. auch Nialss. cap. 23 ist ein biarndŷr Gunnars fylgja. wie die schwäne engel, sind auch die raben den heiden gewissermassen nachfolgende schutzgeister: Haraldi ver fylgdom. oben s.  559 . über gefa nafn ok fylgja lâta s. GDS. 153. 154. hamîngja bedeutet glück. fornm. sög. 4, 44. gæfa ok hamîngja . das. 4, 26. î hamîngiu tauti , im sausen des glücks. Biörn s. v. taut. ef hamîngja fylgir . fornm. sög. 7, 280. fylgjor hans höfđo vitjađ Heđins. Sæm. 147 a . dem Glûmr träumt von einer großen frau, die ihm begegnet, er schließt daraus auf den tod seines schwiegervaters Vîgfûs: ok mundi kona sîa hans hamîngja vera, er fiöllum hærra geck. bald darauf folgt die todesbotschaft. ›ok hans hamîngja mun leita ser þângat stađfestu, sem ek em‹. die hamîngja des sterbenden sucht sich nun eine neue stätte bei einem andern. Vîgagl. s. cap. 9. hieraus folgt, daß fylgja und hamîngja eins sind. die hamîngja erscheint hier als dîs, die über die berge ragt . Ganz ähnlich ist das engl. fetch . ›I had seen her fetch ‹. Hones daybook 2, 1016. 1017. 1011. 1013. in einigen gegenden Schottlands fye f. fetch. das. 1019. auch see his double . das. 1012. northr. waff , wiff , schott. wraith , cumberl. swarth . das. 1019. 1020. ir. taise . Conan 105. vgl. Wilhelm Meister, wo einer sich selbst sitzen sieht , dann die weiße frau und die banshi . . 731 Den Slaven reichen die begriffe glück, zufall, schicksal an einander, doch wesen den parzen und nornen vergleichbar entbehrt ihre mythologie (s.  362 ). für glück haben die Serben sretja , die Slovenen frezha und personificieren wiederum: dobra Sretja (bona Fortuna) ist ihre ἀγαϑὴ Τύχη, ihre frô Sælde ein übler irthum hat sich ihretwegen eingeschlichen. in Antons versuch 1, 50 wird eine dalmatische göttin Dobra Frichia aufgeführt, nach ihm von Karamsin (original 1, 85. übers. 1, 69) und wer weiß von andern. dies beruht auf einem druckfehler der verdeutschung von Fortis viaggio in Dalmazia. Venez. 1774; der ital. text hat 1, 74 ganz richtig Dobrasrichia . ich warne also, die falsche Frichia unserer fru Frecke (s.  252 ) zu vergleichen. . Mehr entspricht die lettische Laima (s.  345 ) der parze oder möre: sie heißt mahmina, d. i. mutter, göttin. Aber auch die säugende Dehkla (s.  345 ) verleiht durch die dargereichte milch heil und geschick: kà Dehkla noleek, tà noteek (wie D. verfügt, so geschieht) magaz. der lett. gesellsch. Mitau 1838. 6, 144. Nachtrag: Das slav. dobra sretja . Vuk 3 , 444. sretja glück. Vuk 788 stimmt merkwürdig zum skr. S'ri . Bopp 356 b . sretja wird vom usud (schicksal) gegeben. ich bin dein glück , deines bruders glück . serb. märch. no. 13. Die lettische Laima . Nesselmann 351 ist verschieden von Laume . das. 353, auch litth. heißt sie Laima = gr. Λαιμώ, lat. Lamia (s.  413 . anm. 2250 .). Laima lĕme sauluzês dienate. Rhesa dainos s. 10. Bopp gl. 296 a vergleicht Lakschmi , abundantiae et felicitatis dea. Auch Jungmann 1, 342 hat die falsche dobra Frikia . . Die schicksalsgöttin hat sowol gutes als böses in ihrer hand, es bedarf keiner eignen vorstellung des unglücks. unsere älteren dichter pflegen aber auch dieses mehr oder weniger persönlich aufzufassen und es gelten die von der Sælde angegebnen redensarten. › Unsælde hât ûf mich gesworn‹. Gregor 2394 (wie der Tôt, s.  706 ); › Unsælde hât mich bedâht‹. Troj. 17105; ›der Unsælden kint‹. Iw. 4449; ›dîn heil sîn ungelücke begonde erwecken harte‹. gold. schm. 1306; ›über in het gesworn sînes lîbes unheil ‹. klage 1240; › Unsælde sî mir ûf getan!‹ Rab. 896; ›wie in diu Unsælde verriete‹. Dietr. 38 b ; ›der Unsælden vart varn‹ Doc. misc. 2, 163; ›sô wirt unheil von mir gejaget‹. Herrn. Dam. 42, › ungelücke , waz ir (also anrede) mir leides tuot!‹ Lampr. Alex. 3065. Eigenthümlich wird das unheil einem über den weg schreitenden, bellenden hunde verglichen: › unheil mir über den wec schreit gelîch einem hunde‹. Hartm. erstes büchl. 1671; ›wen nâch gelücke grôz unheil an bellet‹ (? billet, oder vellet, velt?) Ls. 1, 239. ein mnl. dichter schreibt ihm ein netz zu: ›al hêft dat ongheval nu mi aldus onder tnet ghevaen?‹ Rein. 6180. Näherer angabe werth sind zwei besondere dichtungen: ein armer ritter sitzt im wald spärliche kost verzehrend, da erblickt er über sich auf dem baum ein ungeheures wesen, das ihm zuruft ›ich bin dîn ungelücke ‹. er ladet es zum mitessen ein, kaum aber ist es herabgestiegen, so packt ers fest und schließt es in einen ›eicher‹ (holen eichbaum?) von nun schlägt ihm alles zu glück an und er macht kein hehl aus der begebenheit. einer seiner neider, um ihn wieder ins elend zu stürzen, geht in den wald, und entbindet das unglück ; statt aber sich von ihm forttragen zu lassen, hockt es auf des verräthers eignem hals, völlig in koboldischer weise. Ls. 2, 575. Von dieser fabel weiß auch H. Sachs III. 2, 72 c : das unglück soll an einen eichenpfal mit ketten und stricken verknüpft werden, daß es nirgend mehr einkehren könne, ein mensch sei denn 732 so thöricht es wieder zu lösen. Reinmars erzählung mag hier ganz (aus Ms. 2, 134 b ) folgen: ez was ein gar unsælic man in einer stat gesezzen, dar inne er nie dehein heil gewan, der dâhte, ich wil versuochen, wie mîn gelüke in fremden landen sî dô im der reise ze muote wart, Unsælde wart sîn geverte, diu huob sich mit im ûf die vart; er lief gegen einem walde, er wânde er wære Unsælden worden vrî, er sprach: › Unsælde , nu bin ich dir entrunnen‹. ›nein‹ sprach Unsælde , ›ich hân den sig gewunnen, swaz du geliefe , daz selbe ich rande, ûf dînem halse was mîn gemach ‹ post equitem sedet atra Cura. Horat. carm. 3, 1. . der man dâ zuo im selbe sprach: › sôst niht sô guot, ich enkêre wider ze lande! ‹ Das ist ganz die geschichte von dem hausgeist, der mit auszieht und dessen man sich nicht entledigen kann (oben s.  424 ), die personificierte Unsælde hat des lebendigeren kobolds stelle eingenommen. auch der plur. kommt vor. ›ganc zallen onselden hin!‹ in einem niederrh. gedicht von Wilhelm (F. A. Reuß s. 13). das erinnert an ›zuo zallen marsen varn‹ (s.  300 Nachtrag: Das unglück geht und kommt. chumet ein unheil . Karajan 5, 2. 19, 15. zuo gienc in beiden das unheil . Diut. 2, 51. vgl. daz leit gieng ire zuo. das. 2, 50. hie trat mîn ungelücke für. Parz. 688, 29. unglück wechst über nacht und hat ser ein breiten fuß. Mathesius 1562, 279 a . schwed. quick som en olycka . nhd. das unglück kommt nicht allein, nulla calamitas sola. das unglück was mit gewalt da. Herbenstein 330. t'ongeval dat es mi bi. Karel 1, 699. onspoet comt gheresen. Rose 8780. unheil unsir râmit. Athis F, 21. er fragte, wo mich das unglück gehabt hätte, dasz ich so blutig aussähe. reis. avant. 1748 s. 107. unheil habe, der iz haben wil. En. 12859. si hat des ungelucks jeger mit seinen henden umbfangen gar. Kellers erz. 157, 10. sie reitet ungelücke . Beham in d. Wien. forsch. s. 47 a . unfal reitet mich. Ambras. lied. 92, 9: vgl. den auf dem rücken sitzenden tod ( anm. 2190 ) was euch unfal geit. Murner 2832. Unfalo im Theuerdank. ungevelle . Flore 6152. unheil mich fuorte an sînen zöumen. Engelh. 5502. riet mir mîn unheil . Er. 4794. undanc begunde er sagen sîme grôzen unheile . kl. 403. L. sin ungelücke schalt. Lanz. 1951. mîn Unsælde Nib. 2258, 1. Unsælde sî verwâzen! Helmbr. 838. Unseldenbrunne . Mones anz. 6, 228. Unsælde ist heiles vîent. Flore 6158. unglück steht vor der thür und blüht. Frommann 4, 142. ungelückes zwîc . cod. pal. 355, 116 a . ungelückes winde . MS. 1, 84 b . thut ein ungelück sich aufdrehen. H. Sachs III. 3, 8 a . das erwähnte einschließen des unglücks in einen ›eicher‹ gleicht dem einpfählen der pest und der gespenster. Müllenhoff s. 196. so wird auch der teufel in die buche verkeilt. Bechsteins märch. 42. si haben unglück in der kisten. fastn. sp. 510, 8. ). 733 Cap. XXIX. Personificationen. Hier ist es gelegen von der mythischen personification das nähere beizubringen. Alle gegenstände sind entweder unsern sinnen wahrnehmbar oder bloß in vorstellungen gegründet. eine haupteigenschaft der sinnlichen ist aber ins auge (εἰς ὦπα, πρὸς ὦπα) zu fallen, wofür uns ehmals der schöne ausdruck äugen, ahd. ougan, goth. áugjan, erscheinen, sich zeigen (gramm. 1, 226) zu gebot stand. form und gestalt dieses erscheinens hieß goth. siuns , altn. sŷn, ahd. gisiuni, die von saíhva, wie species von specio, visus von video, εἶδος vom verlornen εἴδω zu leiten sind und das gesehene, gegenwärtige bezeichnen auch das mhd. schîn finde ich so gebraucht: disen ritter oder sînen schîn. Parz. 18. 13; sante Martins gewer oder sîn schîn. fragm. 28 b ; wîp, man oder tieres schîn. Diut. 2. 94; sîn wesen und sîn schîn. Er. 10047 (vgl. 10049 schein); der menschlich schîn. Ls. 3, 263. ; vaíhts , dessen sich Ulfilas gleichfalls für εἶδος bedient (s.  364 ), ist auf veiha (facio s.  54 ) zurückzuführen. noch üblicher waren zusammensetzungen: goth. anádugi , andvaírþi , ahd. antwerti, goth. andavleizn , ags. andvlite, ahd. anasiuni , anasiht , gisiht , die gebildet wie das gr. πρόσωπον bald aspectus, obtutus, bald den engeren begrif von facies, vultus, frons (goth. vlits von vleita) ausdrücken, weil der anblick vor allem auf gesicht und antlitz gerichtet wird. so dunkler abkunft das lat. persona kaum aus πρόσωπον, wie Proserpina aus Περσεφόνη, wo sich gerade die laute umgekehrt verhalten. wie wenn die hergebrachte ableitung aus persŏnare zu vertheidigen und berührung zwischen sonus und siuns statthaft wäre? es gilt vielfache analogie zwischen schall und schein (vgl. selbst jenes romanische par son s.  622 ) und übergang aus kurzem in langen vocal (persōna); zufällig würde πρόσωπον beides bestätigen (ὄψ stimme und auge, ὄψις visio, ὤψ auge, gesicht, ὠπή blick); die grammatische bildung aber wäre wie in Perenna, Pertunda. Pervinca. scheint, entspricht es ihnen in der anwendung, nur daß siuns und πρόσωπον auf jeden anblick, vlits und persona mehr auf die menschliche bildung zu gehn pflegen Nachtrag: Dem gr. πρόσωπον gleicht das goth. ludja . Matth. 6, 17. vgl. Gal. 4, 19. für das mhd. schîn = εἶδος dienen noch folgende zwei stellen als belege: des lewen schîn . Bon. 67, 42. sînen schîn (sein bild). Lanz. 4926. Durch die personification entspringen nicht sogleich eigennamen, denn diese leiden keinen artikel (gramm. 4, 405. 395), wol aber jene: der Wunsch, diu Sælde, der Hunger. . Freieste persönlichkeit steht den göttern und geistern zu, die plötzlich ihre gestalt zeigen oder bergen, erscheinen und verschwinden können (s. cap.  xxx ). dem menschen mangelt diese gabe, der nur langsam nahen und sich entfernen kann und in seinem leib, außer wenn zauber dazwischen tritt, beharren muß; 734 er ist darum im strengsten sinne person, seine selbstheit wird in der alten sprache durch den ausdruck lîp (gramm. 4, 296) hervorgehoben. Rede und ofne stirn unterscheidet ihn aber von den thieren, welchen nur stimme und προτομή, kein eigentliches πρόσωπον oder antlitz gebührt. Noch unpersönlicher sind die stummen, im boden festgebannten pflanzen. Beide jedoch, thiere und pflanzen, haben mit dem menschen unterscheidung des geschlechts und vermögen der fortzeugung gemein, beiden wird von der sprache natürliches und nur, wo dieses verborgen bleibt, grammatisches genus überwiesen. Sie schreitet noch weiter, indem sie es selbst todten werkzeugen und unsichtbaren, unsinnlichen dingen einräumt. Poesie und fabeln beginnen nun zu personificieren , d. h. göttern, geistern und menschen allein zukommende persönlichkeit auf thiere, pflanzen, sachen oder zustände, denen die sprache genus verleiht, zu erstrecken. Alle diese sehen wir bei Aesop mit menschlicher rede begabt und neben göttern und menschen handelnd auftreten, nicht bloß bäume und sträuche (wie im märchen bohne und strohhalm), sondern auch geräthe wie topf und feile (χύτρη, ῥίνη), tage und jahrszeiten (ἑορτή, ὑστέρα, χειμών, ἔαρ), ja bloße leidenschaften, wie liebe oder scham (ἔρως, αἰσχύνη). unser naives alterthum liebt es solche belebung durch die gebräuche der anrede und verwandtschaft hervorzuheben: pferd, schif, schwert werden von dem helden feierlich angeredet (gramm. 3, 331. 434. 441); dergleichen wesen empfangen den titel herr oder frau (3, 346); wie zwischen thieren gevatterschaft und brüderschaft eintritt (Reinh. s. xxvii ), ist in der edda alr (die ahle) bruder des knifr (kneifs) genannt (Sn. 133). hierher ziehe ich auch die anwendung der begriffe vater und mutter auf sachen (gramm. 4, 723). Was in sprache und sage tief verwachsen ist kann der mythologie niemals fremd geblieben sein, es muß auf ihrem grund und boden eigenthümliche nahrung gesogen haben, und jene grammatische, dichterische allbelebung darf sogar in einer mythischen prosopopöie ihren ursprung suchen. Da alle einzelnen götter und göttlichen eigenschaften auf der idee eines elements, eines gestirns, einer naturerscheinung, einer kraft und tugend, einer kunst und fertigkeit, eines heils oder unheils beruhen, die sich als gegenstände heiliger anbetung geltend gemacht haben; so erlangen auch ihnen verwandte, an sich unpersönliche und abgezogne vorstellungen auf vergötterung anspruch. thieren, pflanzen, sternen, die sich auf besondere götter beziehen oder aus verwandlung entstanden sind, wird eine bestimmte persönlichkeit gebühren. Man könnte sagen, die götter des heidenthums seien überhaupt hervorgegangen aus den verschiednen personificationen, die der sinnesart und entwicklung jedes volks zunächst gelegen haben; nur daß den einzelnen gestalten durch vereinigung mehrerer eigenschaften und lang fortgetragne überlieferung höheres ansehn bereitet werden muste. 735 Dabei ergibt sich aber für das geschlecht ein bedeutsamer unterschied: starke, heftige kräfte und wirkungen werden vorzugsweise auf götter , milde und liebliche auf göttinnen angewandt, wodurch sich schon im allgemeinen das höhere walten jener, das geringere dieser entscheidet. dies zurücktreten und ihre anmut hat aber, wie schon einigemal gesagt worden ist, den stand der heidnischen göttinnen länger geschützt, während die strenge gewalt der götter verfolgt wurde. In allen reichen treten beide geschlechter neben einander auf, damit aus ihrer verbindung nach menschlichem begrif neue zeugungen und verwandtschaften hervorgehn können. Da wo keine personification entschieden gedacht wird, pflegt unsere sprache das unentwickelte, unentfaltete neutrum zu gebrauchen. Von den elementen finden wir luft und feuer mehr auf götter, wasser und erde mehr auf göttinnen bezogen, Wuotan erscheint als alldurchdringende luft, als himmel und erde durchziehendes rauschen, wie in den worten wuot (s.  109 ) und vôma (s.  119 . 120 vgl. s.  621 . 622 ) ermittelt ist; vielleicht darf selbst wehen mit waten, beben mit Biflindi (s.  123 ) in verbindung gebracht werden. der windsturm des wütenden heers erlangt dadurch seinen eigenthümlichen bezug. Günstiger wind (s.  529 ) hieng von Wuotan und Zeus ab, Ođinn witterte und hieß Viđrir (s.  529 ). Die lufterschütterung durch donner wird überall auf den höchsten gott zurück geleitet, den unser alterthum als Donar , Wuotans sohn, besonders darstellt, aber Zeus und Jupiter wieder mit dem vater identificieren; Thrymr scheint mit Thôrr identisch (s.  151 ). Loptr (s.  204 . 525 ) ist ein andrer ausfluß des Ođinn. Zio und vielleicht Phol als sturmwinde (turbines) müssen auf gleiche weise angesehn werden (s.  526 ). Unter den göttinnen kommt in betracht die welche für windsbraut und wirbelwind gelten kann, Holda , die mit im wütenden heer ziehende, und Herodias (s.  526 ); man erwäge, daß auch Holda und Maria gewalt über schnee und regen zusteht (s.  222 . 533 . 145 ). erst Wikram 251 a läßt eine frau luft, so wie H. Sachs aer, ignis, aqua als fräulein vorkommen. Wenn zwerge, riesen und riesinnen wind, wetter und sturm erregen (s.  525 . 529 . 530 ), treten sie als diener des höchsten gottes auf. auch Kâri stellte die luft dar. Loki und Logi (s.  200 ) sind feuergötter, wol war es auch aúhns, ovan, der uns das bloße element ausdrückt (s.  523 ). Hludana die göttin (s.  212 ) könnte ihm zur seite stehn. den blitzstral schleudert Donar gleich dem slavischen Perun, doch Grom , den donner stellen die Slaven als jüngling, Munja , den blitz, als jungfrau dar (s.  148 ). das göttliche feuer empfängt anrede (s.  500 ) und heißt bani viđar (holzmörder). vielleicht darf Balder und Phol als gottheit des lichtes aufgefaßt werden (s.  188 . 509 . 511 ) und von andrer seite Ostara (s.  241 ). Mist (nebula) wurde als valkyrie genommen (s.  349 ). 736 Hlêr (s. 199 ) und Oegir (s.  196 . 258 ) sind götter der flut, Rân ist göttin (s.  258 ); Geban und Gefjon (s.  198 . 258 ) schwanken zwischen beiden geschlechtern. das fem. ahva (s.  484 ) und die weiblichen flußnamen (s.  499 ) führen auf wassergöttinnen, wozu auch das vorherschen der nixen oder meerminnen (s.  403 . 404 ) und die weichheit des elements stimmt, doch ist Ođinn als Hnikar (s.  404 ) aufgeführt worden. Schnee und Reif sind männlich aufgefaßt (s.  634 ), aber die nord. Drîfa (der lockere triebschnee) als tochter des Snior (Yngl. saga 16). Die Erde muste wie Terra und Tellus weiblich gedacht werden, damit sie der männliche Himmel als braut umfahen könne; auch Rinda ist göttin und Nerthus (s.  207 . 208 ), die aber in den männlichen Niörđr über schwankt. Aus der unbestimmtheit des goth. faírguni entfaltete sich ein männliches Fiörgynn (s.  143 ) und weibliches Fiörgyn (s.  212 ); jenem entspricht Perkunas (Faírguneis) und daß götter sonst nach gebirgen heißen, vgl. ans (s.  20 ) und Etzel (s.  141 . 142 ). auch Hamar , der felsstein (s.  151 ) leidet bezug darauf. Der cap. iv nachgewiesne waldcultus muste unmittelbar die vergötterung heiliger bäume heranführen und die meisten bäume werden weiblich gedacht; wir sahen s.  542 . 543 . 544 , daß noch der jüngeren volksanschauung frau Hasel , frau Elhorn , frau Wachholder , frau Fichte für belebt galten. Sn. 38 werden unter den asinnen Hlîn und Gnâ als dienerinnen der Frigg genannt, Hlöck Sn. 39 unter den valkyrien, diese drei namen sollen, wie Biörn angibt, zugleich bäume bezeichnen, Hlîn scheint das nhd. leinbaum, leinahorn, lenne (acer) der ableitung s.  728 zum trotz. vgl. ags. hlîn . Sn. 128 ist noch allgemeiner ausgedrückt, warum alle weiblichen baumnamen auf frauen angewandt werden dürfen, nemlich selja bedeute sowol procuratrix als salix. Zio scheint wie Zeus ursprünglich himmel und tag (s.  160 . 161 . 613 ) zu bezeichnen, doch unsre mythologie ist seines verhältnisses zur erde uneingedenk (s.  583 ). sie personificiert aber noch den Tag (s.  613 ) und läßt ihn von der Nacht geboren werden. allein abend und morgen, Apantrod , Tagarod (s.  624 ) erscheinen männlich litth. bei L.isicz 47 Berlea dea vespertina, Breksta dea tenebrarum. schön wird im Tristan Isot der Sonne, ihre mutter der Morgenröthe verglichen. . Desto auffallender ist, daß die sonne , das große licht des tages (s.  584 ) weiblich, der mond männlich vorgestellt werden, zumal die sonne heftig, der mond mild leuchtet; so hohes alter dieser ansicht gebührt (s.  587 ), läßt dennoch die zusammenstellung des goth. sáuil , ags. segil mit dem lat. sol, gr. ἥλιος ahnen, daß auch bei uns in früherer zeit ein dem verhältnis der classischen sprachen analoges bestand (s.  585 ) und erst allmälich davon abgewichen wurde. noch im mhd. schwankt das genus von sunne, wie umgekehrt ein lat. Lunus neben Luna vorkommt. nicht anders ist das goth. staírnô, altn. stiarna gleich 737 stella weiblich, das ahd. sterno, alts. sterro, ags. steorra gleich ἀστήρ männlich, und beides rechtfertigt sich durch die personificationen einzelner gestirne. Sommer und Winter treten bei uns männlich auf (s.  632 ), die lat. aestas und hiems weiblich, wozu man das gr. masc. χειμών; das slav. fem. zima halte. außer Hrede und Eástre sind alle monatsnamen männlich, und zumal der Mai vertritt den Sommer. dagegen zeigt das unbestimmte neutrum jahr die abwesenheit mythischer prosopopöie Nachtrag : Von den personificierten elementen ist nachzutragen der slav. Pogoda (s.  530 ) vgl. Byr. Ignis , Aqua , Aer , Veritas in scherz und ernst. 1522 und 1550, cap. 4. 1555, cap. 354. H. Sachs I, 255. in der Yngl. s. c. 22 kommen Frosti , Logi und Skiâlf (tremor) vor. vom schnee heißt es: es ist über nacht ein neuer nachbar eingetroffen (s.  440 . 634 ). Hrîm and Forst , hâre hildstapan lucon leoda gesetu. Andr. 1258. vorr. s.  XXXV . Die Esten verehren die kälte ( külm ) als ein höheres wesen. Peterson s. 46. finn. Hyytö gelu, auch Hyytämömen . der finn. Ärjämöinen ist der zornige genius strenger kälte. mhd. Rîfe (s.  634 ). Wurde die Heide persönlich gedacht? sie schämt sich, erröthet bei Walther 42, 21. der Weg wird gesegnet, ihm wird geneigt ( anm. 102 ). der name der asin Hlîn kehrt auch im ags. hlîn . cod. exon. 437, 17 als name eines baumes wieder. Nach Reinbots allegorie erzeugen der Sunne und diu Rôse den Georg, der Rôsenkint heißt. über Nŷji und Niđi s. oben s.  592 . zu den ags. weiblichen monatsnamen Hrede und Eástre stellen sich die römischen Maja , Flora , Aprilis neben den männlichen monaten Majus, Aprilis. . Seltner scheint sie für bloßes geräthe statthaft, eine ausnahme muß schon bei dem schwert zugestanden werden. Wie dieses eigennamen und lebendigen acc. empfieng (gramm. 3, 441), der anrede theilhaft wurde (z. b. klage 847. Wigal. 6514) und gleich den altn. helden und dem feuer bani (occisor) hieß (z. b. Hialmars bani, fornald. sög. 1, 522), schlange und natter in grif und spitze des schwerts hausen (s.  573 ); so fügt sich hierzu die vergötterung des kriegschwertes (s.  169 . 170 ), auf welches ich nicht das unpersönliche neutr. swert, sondern das masc. haírus, heru, cheru bezogen habe (s.  168 ), dem die götternamen Eor , Ἄρης und Sahsnôt begegnen: aus dem namen des göttlichen ahnherrn giengen die volksbenennungen Cherusker, Sachsen hervor, vgl. Suardones mit Sveordveras im cod. exon. 322, 13. Gegenüber dem schwert, das männer zierte, steht aber der frauenschmuck, von dem die alte sprache ähnliche bezeichnungen entnahm, und es ist bedeutsam, daß wie durch das schwert ein hoher gott durch ihr halsgeschmeide die schönste göttin hervorgehoben wird, nach der alle weiber frauen heißen (s.  248 . 254 . 255 ). in unserm ältesten recht bildete das schwert wesentlichen theil des heergewätes außer ihm pferd und schif , das köstlichste der fahrenden habe im alterthum. mearas und mâđmas stellen die ags. gedichte neben einander, aus mâđm bildete sich der begrif des goth. máiþms kostbares geschenk, während im mhd. meiden die sinnliche bedeutung des rosses haftete, in der formel ›schif und geschirr‹, obschon sie später den wagen, das landschif, und dessen ausrüstung bezeichnet, kann ursprünglich das seeschif gemeint sein, welches altn. und ags. dichter seepferd in manigfaltigem ausdruck benennen (Andr. und El. s.  xxxiv. xxxv ); noch im franz. Simplic. 3. 46 finde ich ›das hölzerne wasserpferd tummeln‹ = schiffen. Wie nahe grenzt die vorstellung dämonischer seerosse (s.  405 ). , das halsband der frauengerade (RA. 567 ff.), und da schon in der lex Angl. et Werin. 7, 3 der ausdruck vorkommt: ›ornamenta muliebria quod rhedo dicunt‹, so fragt es sich, ob nicht eine ganz andre auslegung der ags. göttin Rheda statthaft sei als die s.  240 versucht wurde? Ostara, Eástre war göttin des aufsteigenden lichtes, Hrede vielleicht die der frauenschönheit, ein andrer name für Frouwa, Freyja, oder personification des halsgeschmeides die personificationen Hamar u. Heru , als waffen der höchsten götter, gegenüber der fräulichen spindel und halsspange , unterstützen sich wechselsweise (vgl. anm. 527 ). der hammer blieb teuflisch (cap.  XXXIII ) und im aberglauben (cap.  XXXVII ); doch das schwert ließen sich die männer nicht verunehren. die Inder personificierten das opfermesser u. redeten es an (Gött. anz. 1831. s. 1762). ; 738 zu der wurzel mag das ahd. hrat, ags. hräd, altn. hrađr velox, celer gehören, da sich begriffe des raschen und schönen oft verknüpfen. nicht zu übersehn ist der ausdruck radelêve für gerade (RA. 567), ahd. radoleiba (Graff 3, 855) genauer hrataleipa, wobei man denken darf an das ags. sveorda lâfe, homera lâfe (Beov. 5868. 5654), also auch an einen vorstehenden gen., so daß Hredan, Hredean lâfe ursprünglich den schmuck, die hinterlassenschaft der göttin, in welche sich nachher alle frauen theilten, bezeichnet hätte. dieser auslegung kommt eben noch manches andere zur hilfe. nicht nur kann bei den nord. skalden die frau überhaupt durch jeden schmuck, den sie trägt, benannt werden; sondern Freyja selbst, deren brust das kostbare Brîsînga men (goth. Breisiggê mani?) ziert (s.  254 ), wie die erdmutter das iarđar men, den erdrasen trug (s.  535 ), zeugte eine ihr ganz identische göttliche tochter, deren namen wiederum in den des schmuckes und zierrats übergeht. nach Sn. 37 hieß sie Hnoss , und war so schön, daß alles schmucke und köstliche hnossir genannt wurde, hnossir velga Sæm. 233 b bedeutet frauengeschmeide auswählen, schenken. hnoss ist entweder von hnođa glomus, nodus (wie hlass von hlađa, sess von sitja) abzuleiten, oder einer ahd. form hnust, nust, nusc (Graff 2, 1006. 1007) an seite zu stellen; in beiden stellen berührt es sich offenbar mit bris (compages, nodus) oder nusta (ansula), nuskil (fibula), steht also jenem Brîsînga oder Brîsînga men der mutter überraschend gleich. allein anderwärts sehen wir der Freyja außer Hnoss noch eine andre tochter Gersimi beigelegt (Sn. 212. Yngl. saga cap. 13), worin nochmals dieselbe vorstellung erkennbar ist, ja dieser name geht, wie jenes rhedo, in die alten rechtsbräuche ein. gersemi (fem.) bedeutet kostbaren schmuck, cimelium (gloss. zu Grâgâs s. 26), dann auch arrha und mulcta pactitia, Östgötalag giptab. 18 hat gärsimi, Vestgötalag p. 140 görsimar, die dän. volksrechte giörsum, giorsum; selbst die ags. rechtsurkunden wiederholen den ausdruck gärsuman, gersuman niman, gersumam capere im sinne von thesaurum, cimelium (Spelmann p. 263 a Ducange 3, 513), bei den dichtern habe ich ihn nicht getroffen. da ags. -sum dem ahd. -sam entspricht (gramm. 2, 574), mutmaße ich die ahd. form karosemi und erkläre sie aus karo paratus, karosemi würde bedeutet haben was wîpgarawi mundus muliebris (Graff 4, 242) und wir hätten für die gerade des deutschen rechts drei gleichbedeutende benennungen kennen gelernt: rhedo, hnoss, gersemi, welche sämtlich als Hreda , Hnoss , Gersemi persönlich gedacht und vergöttert wurden. Hierbei fällt mir noch ein, daß in der dichtung von Oswald, welche reich an mythischen bezügen ist (man erwäge Tragemund und den fast odinischen raben), eine jungfrau Spange (z. f. d. a. 2, 96. 97. 105, ver Spange 103, vor Spange 115 wie ver Hilde, ver 739 Gaue Ettmüllers text gibt das fehlerhafte sinnlose Pange. ) erscheint, deutliche personification des begriffes spange (armilla), der sich für die schöne königstochter vorzüglich schickt. Solche göttinnen des weiblichen schmucks und hausgeräths dürfen auch unter den bei Lasicz s. 48. 49 angeführten litthauischen gemutmaßt werden. Nâdala , die schmiegsame (s.  204 ) erscheint wenigstens als ahd. eigenname bei Irmino 187 a , man erwäge die s.  734 berührte persönliche fassung von alr und knîfr. Hlöck wurde s.  332 vgl. 349 aus hlancha catena gedeutet Nachtrag: Persönlich wird oft das schwert , das beißende, aufgefaßt. skr. asiputrî culter = tochter des schwerts. vgl. altn. sultr (s.  740 ). KM. 3 3, 223. altn. alr (subula) heißt bruder des zwergs oder des knîfr. Sn. 133. bedeutet im Beov. 2581: helm ne gemunde byrnan sîde soviel wie: der helm vergaß die brünne? über rhedo s. GDS. 606. merkwürdig ist ebenfalls im Beov. 903 Hrädlan lâf von einem kriegsgewand, doch 4378 [Hre]đles lâfe. vgl. das hergewäte. RA. 568. das schif wird beim landen wie ein lebendes wesen angeredet (s.  1028 ). Brîsînga men erhält bestätigung durch das alts. Throtmanni monile gutturis, das name der stadt Dortmund ist, und Holtesmeni monile silvae. trad. corb. no. 321, das später Holtesminne das. 384 hieß, das heutige Holzminden. Zur altn. Hnoss ist vielleicht der ahd. frauenname Neosta zu halten. Förstemann 1, 960. altn. kvenna hnoss , mentha. Manngersimar gewährt auch die Thidr. saga s. 153. was heißt mnl. want haer met gersemen doeken? Rose 11001. wäre gärs-uma anzunehmen? gramm. 2, 151. Die jungfrau Spange wird erläutert durch: auđspaung ûngri, feminae juvenculae. Kormakssaga s. 186. vgl. mouwe jungfrau und ermel, fessel (kl. schr. 5, 441 ff.). erenberga hemd und Eremberga, schiltvezzel schildknappe. Oswalt 3225. wie Hreda , Hnoss , Gersemi , Menja (s.  255 ) und die römische Carna , dea cardinis in Ovid. fast. 6, 101–168. sind auch die männlichen götternamen Loki und Grentil zu erklären. mit den göttinnen des weiblichen schmucks wurden schöne sterbliche weiber verglichen: hodda Sif , hodda Freyja , hrînga Hlîn . Kormaks. s. 26 ist gleich mulier annulis ornata. auf derselben stufe wie die von Lasicz s. 48. 49 angeführten göttinnen für nüsse, bienen, teig u. s. w. stehen die Puta, Peta, Patellana, Viabilia, Orbona, Ossilago, Mellonia bei Arnobius 4, 7. 8 und die getraidegöttinnen bei Augustinus de Civ. D. 4, 8 (rhein. jb. 8, 184) und viele andere bei ebendemselben. vgl. robigo, rubigo (s.  395 ). . Lateinische, romanische und deutsche dichtungen des mittelalters, so viel ich sehe bereits im 12 jh., führen den würfel als ein dämonisches wesen persönlich auf; cod. monac. ol. benedictobur. 160 a fol. 94 enthält folgende stelle: cum sero esset una gens lusorum, venit Decius in medio eorum et dixit ›fraus vobis! nolite cessare ludere, pro dolore enim vestro missus sum ad vos‹; fol. 97 b wird der secta Decii , d. h. der würfelspieler nochmals erwähnt. andere belege liefert Ducange s. v. Decius  = talus, taxillus, mit der richtigen worterklärung aus dem franz. dé, altfranz. dez, prov. dat, datz, ital. span. dado = lat. datus vgl. lé, lez, ital. lato, span. lado, lat. latus; né, nez, it. nato, span. nado, lat. natus; pré, prez, prov. pratz, it. prato, span. prado, lat. pratum. , weil man dare im spiel für edere, jacere gebrauchte. derselbe Münchner cod. bietet aber fol. 95 b den gleichmerkwürdigen ausdruck dar: ›nil hic expavescimus preter Hashardi minas‹, des würfels drohen, und das auch mhd. dichtern bekannte hasehart die stellen in der z. f. d. a. 1, 577 gesammelt, denen noch beizufügen ist: ›spil geteilet ûf bret ald an hasehart‹ g. frau 1093; ›den hasehart werfen‹ Taulers predigten im cod. argent. A, 89. kann doch nur aus dem franz. hasart, hasard verständlich werden, dessen eigner ursprung dunkel ist, dessen allgemeinere bedeutung noch leichter an personification streift. allem diesem kommt hinzu, daß auch nach dem indischen mythus Dvâpara , ein dämon, in die würfel dringt und daß die würfel in gestalt von vögeln nahen Bopps Nalus s. 38. 39. 50. Nachtrag: Man grüßte den würfel und neigte ihm . jüngl. 389. über Decius s. Méon 4, 486. 487. Hazart geta arriere main. Ren. 18599. Hasars . myst. de Jubinal 2, 388. 389. Dvâpara et Kali sunt nomina tertiae et quartae mundi aetatis et daemones harum aetatum. Nalus s. 213. vgl. Holtzmann 3, 23. 29 (vorr. XI). berühmt war das würfelspiel des Juzischthira und Sakuni und das des Nala und Puschkara. Holtzmann ind. sag. 2, 1–11. 3, 23. 29. her Pfenninc. MS. 2, 148 a . . Kaum erwächst aus örtlichen begriffen eine vergötterung; umgekehrt kann die vorstellung der gottheit auf den raum übertragen werden. so gieng aus der heidnischen Hali, Hel die christliche hölle hervor. ein andres beispiel gewährt vielleicht die altn. Laufey (s.  204 ) und mit der idee des waldes und haines fließen göttervorstellungen zusammen. Viel ein weiteres feld öfnet sich den personificationen unsinnlicher abstracter gegenstände; entschieden aber sehen wir auf ihm die weiblichen den männlichen vorherschen. Die wichtigsten beispiele der letzteren scheinen mir folgende. Donar wird zugleich als vater und großvater dargestellt (s.  138 . 139 ), auch den Lappen ist Aija, den Finnen Ukko sowol großvater als donner. Wunsch , Oski , ein name Wuotans (s.  119 ) bezeichnet ungefähr was die weiblichen vorstellungen Sâlida, Fruma, 740 Χάρις ausdrücken, auch der gr. πόϑος (wunsch und sehnsucht) erscheint zuweilen als Πόϑος. schlagen meine deutungen von Gibika (s.  114 ), Gáuts (s.  19 . 304 . 308 ), Sigi (s.  22 . 307 ) nicht fehl, so wäre es leicht auch ihnen analoge weibliche wesen an die seite zu stellen. alle diese namen standen dem höchsten gott zu, der durch schöpferische gaben beseligt, andere dem nahverwandten hehren kriegsgott: Wîg (pugna, s.  168 vgl. Graff 1, 740) und Hadu (s.  172 . 184 ), denen sich viele weibliche wie Hilta u. s. w. vergleichen bruoder Zornli , Ergerli (s. 227 ). Hans Sachs I. 5, 538 d . stellt den Hederlein als Zenkleins bruder auf, in bärenhaut. . mit Yggr (s.  172 ) habe ich den römischen Pallor und Pavor zusammengehalten, Omi, Vôma deuten sich besser elementarisch. An Wîg und Hadu grenzt eher Tod , Dáupus (s.  702 ), der wiederum aus männlicher personification in weibliche übertritt, daß beide todt und hunger unmittelbar verwandt sind, zeigt unsre sprache, das goth. svults bedeutet mors, das altn. sultr fames, wie λιμός hunger, λοιμός wegraffende seuche, und die personificationen tauchen überall auf: hûngr heißt der Hel schüssel, sultr ihr messer (Sn. 33), Herbout im Renart 23362 und rom. de la rose 18097 die einbrechende hungersnoth, welchen ausdruck ich von dem ahd. namen Heribalt herleite, der Hunger fährt wie ein gewaltiger krieger durch die welt: ferid unmet grôt Hungar hêtigrim obar helido barn. Hel. 132, 8; der Hunger gie überal, breite sich in diewerlt wîte. Diut. 3, 101. die römische Fames ist weiblich, und ihre personification aus Ov. met. 8, 800 zu erkennen. Unsicher bleibt noch die s.  310 gewagte vergleichung eines mhd. Billich mit der eddischen Bil oder Bîl, deren wesen selbst unaufgehellt ist; aber daß die geschlechter wechseln, geht am sichersten aus dem neben einander auftreten identischer götter und göttinnen hervor, die sich eltern, kinder oder geschwister sind, wie Niörđr und Nerthus, Freyr und Freyja, Liber und Libera. auch Berhta ward zu Berhtolt (s.  231 ) Nachtrag: Persönlich erscheint der sieg in der ags. wendung: Sigor eft âhvearf äsctîr vera . Cædm. 124, 25. ähnlich sind: deme Orloge den hals breken. Detmar 2, 555. Hederlein Zenkleins bruder. H. Sachs 1. 5, 538 d . der Rewel beißt. Luther 9, 472 b . der Zorn tritt. Pantal. 86. über Φόβος und ähnliche personificationen s. oben s.  172 . goth. snau ana ins Hatis . ἔφϑασεν ἐπ' αὐτοὺς ἡ ὀργή. 1. Thessal. 2, 16. an dem hât Haz bî Nîde ein kint. MS. 1, 75 a . kâmen ûf des Nîdes trift. Pantal. 754. der Neid ist wie Φϑόνος ein dämon, für dessen abwendung es eine gebetsformel gab. Lehrs vom neide 144 ff. finn. Kati genius invidiae. nhd. der Neid schaut aus ihm, der helle Neid guckt aus ihm. vielleicht gehört auch hieher ahd. Inwiz m. dagegen haben die Römer eine weibliche Invidia . altn. Topi oc Opi , Tiösull oc Ôþoli vaxi þer târ međ trega. Sæm. 85 a . der gott des reichthums πλοῦτος ist blind, skr. Kuvêra ist häßlich, mit drei beinen und acht zähnen. Bopp 78 a . Rîcheit . Er. 1584. Hunger , se þeodsceađa hreov rîcsode. Andr. 1116. vgl. nhd. der Hunger herscht. der Hunger ist der beste koch. Freid. 124, 17. der Hunger was ir beider koch. Wigam. 1070. Honghers cameriere. Rose 4356. der Hunger koch, der Mangel küchenmeister. Simplic. 25. nhd. hier ist Schmalhans küchenmeister. bald legt sich Schmalhans in das zimmer. Günther 1050. vgl. her Bigenot von Darbion , her Dünnehabe . MS. 2, 179 a . do lag er ûf daz hungertuoch . fragm. 22 a . am hungertuch neen. H. Sachs II. 2, 80 c und öfter (Göz 1, 192. 2, 52). der Hunger spilt. Suchenw. 18, 125. dâ vât Frost und Durst den Hunger in daz hâr und ziehent gar oft in al dur daz hûs. MS. 2, 189 a . il est Herbot (affamé). Trist. 3938. ther Scado fliehê in gâhe! O. II. 24, 37. schlaf und tod heifsen beide Sandmann ( anm. 2185 ), was doch nicht etwa Sendbote ist? vgl. dô sant er in den slâf an. anegenge 15, 47. doch heißt jener auch Pechmann . Schmeller s. v. und Hermänn . wend. volksl. 2, 269 a . Schlaf, ein bruder des Todes, erscheint als vogel (s.  275 ) und zwar auf der tanne sitzend s. Klausen s. 30, so wie die als vogel auf der birke sitzende sonne einschläfert. Kalev. rune 3. ein heiliger spricht zum Schlaf: com, quaet knecht , com hare dan! Maerl. 3, 197. der Schlaf schaut zum fenster ein. Kanteletar 2 no. 175. er geht leise um die hütten und plötzlich hat er einen. Hebel s. 223. den Schlaf nicht austragen d. h. die ruhe nicht mitnehmen. Höfer 3, 89. deus Risus . Apulejus p. m. 105. 111. Selphart . Wackern. lb. 902. Renner 270. Virwitz anm. 1614 . . Der aus sittlichen begriffen hervorgegangnen göttinnen und göttlichen frauen ist eine viel grössere schaar (s.  329 ). Unter vielfacher gestalt steht dem vater und großvater die göttermutter zur seite, frau Uote ist stammmutter aller heldengeschlechter (zeitschr. f. d. a. 1, 21). Holda die holde, Berhta die glänzende, Frouwa , Freyja die schöne oder frohe, Sippia , Sif die freundliche (s.  257 ). Folla , Fulla , Abundia , fülle des segens spendend, eher als fülle des monds bezeichnend; den Römern war Copia mit dem füllhorn heilig: aurea fruges Italiae pleno defundit Copia cornu. Horat. epist. I. 12, 28; divesque meo bona Copia cornu est. Ovid. met. 9, 85. Snotra die weise, artige Sn. 38; das adj. lebt in der sprache, goth. snutrs, ags. snotor, altn. snotr, prudens, callidus, eigentlich emunctae naris, ahd. form wäre snozar, wofür aber auch noch snotar zu gelten scheint (Graff 6, 845). jede kluge, verständige frau kann snotra genannt werden. Drei asinnen als schützende, 741 hülende wesen, im sinn der römischen Tutela , werden Sn. 38 angeführt: Vör , ahd. zu vermuten Wara , die wahrende, gewahrende, welcher nichts verborgen bleibt; Syn , die des thüreingangs hütet, womit ich das goth. sunja veritas, sunjôns (nicht sunjô, wie s.  257 irrig steht) defensio und das aus unserm ältesten recht bekannte sunnis excusatio zusammenstelle, so daß die bedeutung abwehr, vertheidigung zu sein scheint; Hlîn , die von Frigg allen in gefahr schwebenden männern zum schutz gesetzt ist, von hlîna tueri, fovere Snorri bestätigt die drei göttinnen aus ebensoviel sprüchen: ›kona verđr vör þess er hon verđr vîs‹, wessen eine frau weis wird das wird sie auch gewahr; › syn er fyrir sett‹, abwehr ist vorgeschoben, wenn einer die schuld leugnet, vgl. fornm. sög. 9, 5: hann setti þar syn fyri ok bauđ skirslur; ›sâ er forđaz hleinir ‹, wer sich rettet lehnt sich (an die schutzgöttin). von hlîna, κλίνειν, inclinare, goth. hleina ist hleina, anlehnen, goth. hláinjan zu leiten. das goth. hláius bedeutet collis, der bergende hügel? ich sehe nicht, wie damit der für hlîn behauptete begrif eines (? bergenden) baums (s.  736 ) zu vereinen steht. . Auch Hali , Halja ist eine bergende, hehlende, in den schoß der unterwelt aufnehmende, ursprünglich gütige gottheit. Nach den wiederkehrenden redensarten: ›was im thiu fruma gibidig‹ Hel. 110, 2. 130, 13; ›thiu fruma ist hiar irougit‹ O. 1. 15, 32; ›thaz in thiu fruma queman was‹ O. I. 16, 17; ›sô quimit thir fruma in henti‹ O. I. 18, 42; ›nu uns thiu fruma irreimti‹ O. II. 14, 120; sollte man glauben, daß diesem fruma (lucrum, utilitas) ein früheres persönliches Fruma unterläge, zumal das alts. gibidig, gibidi, ags. gifeđe (datus, concessus) von höheren gaben des geschicks zu stehen pflegt: tir gifeđe (gloria concessa) Jud. 136, 5; eád gifeđe (opes concessae) der ahd. frauenname Otikepa, ags. Eádgifu = opes largiens könnte die lat. göttin Ops übertragen. . ähnlich jenem ›thiu fruma uns irreimta‹ heißt es ›thên thiu sâlida gireim‹ O. I. 3, 17, girîman ist wieder ein höheres zu theil werden, und O. III. 9, 11. 12 werden verbunden: ›fruma thana fuarta, sâlida inti heilî‹. sâlida kommt gleich der fruma in henti, zu handen. von den unbezweifelbaren personificationen der Sâlida wurde s.  720  ff. gehandelt. Auf eine siegverleihende walküre würde der ahd. name Sigukepa gerecht sein, wie die nord. Victoria oder Νίκη Sigrdrîfa (s.  361 ) heißt, drîfa die treibende, und Drîfa war mit fug einer göttin des schneesturms beigelegt, weil pfeile und geschoße im drang der schlacht gleich schneeflocken fliegen ac veluti Boreae sub tempore nix glomerata spargitur, haud aliter saevas jecere sagittas.   Walth. 188. von beidenthalben flouch daz scoz alsô dicke sô der snê.   Alex. 2886 (3235). daz geschoz als diu snîe gie und die wurfe under daz her.   Wigal. 10978. , Holda die flocken, Wuotan die pfeile entsendet. Bellona war uns Hiltia und Kundia (s.  350 ). 742 Außer diesen göttlichen oder doch höheren wesen, von denen glanz, licht, schutz und rettung, fülle der gaben, namentlich des siegs ausgieng, gab es noch andere, die als personificationen einzelner tugenden gedacht wurden; wie sich die gottheit leiblich in besondere gewalten spaltete, erschienen auch ihre geistigen eigenschaften gleichsam in strahlen vertheilt, um dem menschengeschlecht vorzuleuchten. ehre, liebe, treue, milde, scham, mäßigkeit, erbarmen nehmen aber wiederum die gestalt von göttinnen an sich, weil das volk von altersher gewohnt war alles holde und schöne auf frauen zu übertragen Nachtrag: Eigenschaften der götter werden allmälich als besondere wesen gedacht und personificiert vgl. Lehrs über den neid s. 152, besonders als weibliche. die Copia wurde dargestellt als: simulacrum aeneum, cornu copiae fortunae retinens. Marcellini comitis chron. p. m. 51. die Sorge ist nachbarin. γείτονες καρδίας μέριμναι . Aesch. septem 271. vgl. ist zwîvel herzen nâchgebûr. die Nôt trennt, Nauđr skildi. kl. schr. 3, 112. 113. si vâhten als den liuten touc, die es diu grimme Nôt bat. Er. 837. vgl. als in mîn wâriu sculde bat. Er. 1246. der Rât zeugt mit der Scham , Treue und Wahrheit . Helbl. 7, 50. eine menge solcher personificationen (Fides, Patientia, Humilitas, Superbia, Luxuria, Sobrietas u. s. w.) hat schon Prudentius (um 400), namentlich in der psychomachia, mit vielfacher, epischer ausschmückung. vgl. Arnobius 4, 1: Pietas, Concordia, Salus, Honor, Virtus, Felicitas, Victoria, Pax, Aequitas. im zend. gab es zwei weibliche genien Haurvatât und Ameretât (ganzheit und unsterblichkeit), häufig im dualis ausgedrückt. Bopps vrgl. gramm. s. 238–240. die Welt wird häufig personificirt (s.  661 . 709 ) und auch frau Spothilt genannt. gramm. 2, 499. O. III. 9, 11 heißt es: sô wer sô nan biruarta, er fruma thana fuarta , wie man sagt: die braut davon führen. frum und êre . Haupts zeitschr. 7, 343. 349. schön legt Cervantes D. Quij. 1. cap. 11 der hofnung bei, daß sie den saum ihres kleides zeige: la esperanza muestra la orilla de su vestido. Die ahd. Otikepa , MB. 13, 44. 46. 51 Otegebe , Outgebe vgl. mit Borggabe ( anm. 703 ). Wenn wir nhd. sagen: er ist die güte, die tugend selbst , beruht das auch auf personification. franz. vous êtes la bonté même . avec la biauté fu largesce sa suer et honors sa cousine . Guitecl. 1, 116. . Es wird angenommen, daß jenen weisen frauen des heidenthums gleich (s.  329 . 348 ) die tugenden sich ihre günstlinge auserlesen und mit ihnen hausen und verkehren. erzürnt oder verletzt sie ein frevel, so brechen sie auf und kehren in die himmlische wohnung , aus der sie abstammen, zurück . auch hierin sind sie den schwanfrauen ähnlich, die nach langem verweilen unter den menschen plötzlich in ihre bessere heimat entfliegen (s.  357 ). Solche vorstellungen müssen hoch hinauf reichen und weit verbreitet sein. Hesiod ἔργα 198–200 meldet, daß Αἰδώς und Νέμεσις (Scham und Scheu) in weißes gewand sich hüllend (mit dem schwanhemde angethan) von den menschen hinweg zu den ewigen göttern gegangen seien. so pflegen wir noch heute zu sagen: Wahrheit und Treu sind aus dem land gezogen ; ein chronist des 14 jh. schreibt: ›tunc enim pax in exilium migravit ‹. (Böhmers fontes 1, 2.) Kl. 1575: ›ja enwil mîn vrowe Ere belîben in dem rîche , sîd alsô jæmerlîche die êre tragende sint gelegen. wer solt si denne widerwegen, swenn ir geswîchet diu kraft? des het gar die meisterschaft mîn lieber vater Rüedegêr. vrowe Ere diu wirt nimmer mêr mit solchem wunsche getragen als er sie truoc bî sînen tagen‹. der held, dem sich frau Ehre angeschlossen hatte, verstand sich darauf ihr das gegengewicht zu halten, sie zu stützen und aufrecht zu tragen; durch seinen tod wird auch ihre kraft gebrochen: ihres bleibens ist nicht länger. Nithart 135 gedenkt eines weiblichen wesens Vrômuot auf eine weise, die lebendige person ausschließt, es muß dabei etwas mythisches im hinterhalte liegen. Hiltrât und andre jungfrauen mehr sollen sich zum tanze sammeln, mit ihnen soll Frômuot fahren, ›diu ist ir aller wîsel‹. sie brachten ihr geleite, sie kam zur frühlingszeit ins land gezogen, aber nachher wird sie vermist, sie ist aus Österreich entronnen , wahrscheinlich weil man sie nicht in ehren gehalten hatte. der dichter schließt das lied mit dem ausruf: könnte man sie wieder gewinnen, man sollte sie auf händen tragen! wie gefeierte wesen (könige, bräute) empor gehoben und herum getragen werden; an ein solches umtragen läßt auch die stelle von Rüdiger denken. In dem andern liede heißt es, Frômuot fahre traurig von land zu lande, fröhliche menschen aufzusuchen; wer ist nun seiner freude, seines glücks so sicher, daß er ihr boten senden dürfe? wol keiner als fürst Friderich, an dessen hof möge sie einkehren. Freude 743 und frohsinn sind aus dem reich gewichen, frômüete, ahd. frawamuati, alts. frômôd (Hel. 35, 1) bedeuten frohsinnig, Frômuot erscheint aber auch als weiblicher eigenname (Graff 2, 699), den auch Sigeminnes dienstfrau in Wolfd. 673. 675–77. 719 trägt, und die personification kann ihren alten grund haben die altd. bl. 1, 371 vermutete lesart ›vrou Muot‹ findet sich wirklich MsH. 3. 218 b , falls den varianten 768 b vollständiges recht geschah. doch weiß ich den einfachen weiblichen namen Muot bisher nicht aufzuweisen. . In einem gedicht aus dem beginn des 15 jh. (z. f. d. a. 1, 424) sagt frau Gerechtigkeit mit ihren gefährtinnen: ›nu werde ich in ein ander lant virtriben und gar virstoßen‹, ›wir han genommen alle die flucht und werden uß dem lande virjagit ‹. Helbl. 7, 61 läßt Wârheit und Triuwe aus dem lande fahren, eigenthümlich ist aber was er von der Wârheit weiter erzählt, wie sie in einen pfaffen gefahren sei, sich in seine wange geschmiegt, zuletzt aber bei öfnung seines mundes ihn wieder verlassen habe 7, 65–102. 7, 751 werden untugenden aufgefordert in den richter zu sliefen. beide tugenden und untugenden kehren also gleich dem daemon in menschen ein und weichen wieder von ihnen. Solche vorstellungen lagen aber nah und schon ältere dichter lassen namentlich die Minne in das herz des menschen einkehren, es besetzen, z. b. Ms. 1, 26 b : ›ach süeze Minne , füege dich in ihr herze und gib ir minnen muot!‹ Nicht zu übersehen ist Ms. 2, 260 a die naive frage der tochter an die mutter: ›nu sage mir ob diu Minne lebe und hie bî uns ûf erde sî, ald ob uns in den lüften swebe? ‹ sie weiß also von höheren wesen, die sie sich in der luft hausend denkt, wie die heidnischen walküren in der luft fuhren. der mutter antwort redet von Venus : ›si vert unsihtic als ein geist , si en hât niht ruowe naht noch tac‹, vgl. s.  377 . Gute frau 576: ›dô kam vrou Sælde und Ere , die wurden sîne geverten, die in sît dicke ernerten von aller slahte swære‹; 611: ›im enschatte ouch niht sêre, daz vrou Sælde und vrou Ere sich sîn unterwunden, dô sin ûf der strâze vunden. vrou Sælde lôste im diu pfant, dar nâch versatzte si ze hant vrou Ere aber vürbaz‹. Dietr. 49: ›des hete diu Ere zuo im fluht, durch daz er ir sô schône pflac‹. 105: ›daz er die Ere het ze hûs‹. Ms. 2, 174 a : › vrô Ere kumt mit im gerant‹. Wartb. kr. cod. jen. 112: › ver Triuwe nam an sich die Scham , sam tete diu Zuht , diu Kiusche , Milte und Ere alsam, si jâhen daz ir aller vriedel wære der vürste dâ ûz Düringe lant‹; aus den vorhergehenden strophen erhellt, daß frau Treue die fünf andern frauen anführt und leitet Nachtrag: Den personificationen werden hände und füße beigelegt, sie wohnen, kommen und gehen. so haben die Athener zwei gottheiten Πειϑώ und Ἀναγκαίη und auf Andros wohnen Πενίη und Ἀμηχανίη . Herodot 8, 111. Ἀλήϑεια ist allein in die wüste geflohen . Babrius 127. Aesop. 364. Nemesis heißt auch Adrastea die unentfliehbare. exulatum abiit Salus. Plaut. merc. III. 4, 6. terras Astraea reliquit. Ov. met. 1, 150. fugēre Pudor Verumque Fidesque . das. 1, 129. paulatim deinde ad superos Astraea recessit hac comite atque duae pariter fugēre sorores. Juvenal. 6, 19. die Tugend geht weg und führt das Glück mit sich. Procop. vol. 2, 407. Aller Freuden füeze kêren in den hellegrunt. warn. 1206. gewunnen si der Fröiden stap . Dietr. drachenk. 200 b . diu mac mir wol ze Froeiden hûse geschragen (var. mich wol ze Fr. h. geladen). MS. 1, 9 a . vgl. Froeiden tor ( anm. 2252 ). Krutschina der kummer springt aus dem ofen. Dietr. russ. märch. no. 9. Die auf händen getragene Fromuot erinnert an die levatio imperatoris et novae nuptae . RA. 433. Fromutloh , cum feris ibi nutritis, also ein thiergarten. Dronke trad. fuld. s. 63. Haupt im Neidh. 135 sieht in Fromuot bloß Frohsinn . Gherechticheit , die sware was, vlo tachterst. Rose 5143. vgl. Frauenlobs gedicht von der Gerechtigkeit . Haupts zeitschr. 6, 29. Minne, Trouwe es ghevloen . Rose 5141. diu Triwe ist erslagen. tôdes gehugde 268. Treu ein wildbret. Schweinichen 1, 13. ver Triuwe, ver Wârheit . Helbl. 7, 38. der Triuwen klûse . Engelh. 6295. der Triuwen bote . das. 6332. in Triuwen pflege . Winsbekin 8, 8. vgl. der Zühte sal . das. 8, 7. die h. Getruwe und Kümmernis . Mone 7, 581–584. nieman wil die Warheit herbergen. Müllenhoff no. 210. Pax terras ingreditur habitu venusto . archipoeta IX. 29, 3. . Ungeschickt ist es von Otfried, der IV. 29 Karitas im sinn einer heidnischen norn die tunica des heilands die tunica inconsutilis (giscafôta sia mit filu kleinên fadumon joh unginâtên redinon kleinêro garno), nach dem Orendellied von Maria gesponnen, von Helena gewirkt. wo entsprang dieser mythus? schon Gregor. tur. mirac. 1, 8 kennt die tunica Christi non consuta. hatte spinnen 744 und weben lassen, daß er ihr V. 23, 125 fridu und reht, zwei unweibliche vorstellungen zu schwestern gibt: die lateinischen Caritas , Pax und Justitia würden das mit der parzen füglicher versehn, ihnen eine deutsche Sippa und Rehtî entsprochen haben: besser weiß sich N. Cap. 133 zu helfen, wenn er Concordia, Fides, Pudicitia durch Gemeinmuoti , Triwa , Chiuski verdeutscht. Mit diesen beispielen zeige ich, wie geläufig schon im 9. 10 jh. solche personificationen waren; nicht erst von mhd. dichtern brauchen sie erfunden oder eingeführt zu sein. Schon das ahd. minna (s.  48 ) konnte nicht allein caritas sondern auch amor und cupido bedeuten, es gibt keinen anstoss, daß bei Veldek Lavinia und Eneas die Venus als Minne anreden (En. 10083. 10948), bei Hartmann, Wolfram, Walther tritt frou Minne leibhaft auf (Iw. 1537. 1638. Parz. 288, 4. 30. 291–295. Walth. 14, 10. 40, 26. 55, 16) und Hartmann, der überhaupt gern gespräche knüpft, redet mit ihr Iw. 2971 ff., was in der guten frau 328. 346. 380 nachahmung findet. frowe Mâze erscheint bei Walth. 46, 33; frou Witze Parz. 288, 14. 295, 8; für frou Sælde sind s.  720 . 721 für frou Ere s.  742 . 743 beispiele mitgetheilt. Gotfried und Conrad bringen solche personificationen sparsamer an, doch schneidet Trist. 10929 diu Mâze ein gewand und 10900 geht die schöne stelle von Isotens gestalt vorher: ›als si diu Minne dræte ir selber zeime vederspil, dem Wunsche zeinem endezil, dâ für er niemer komen kan‹, Venus hatte sie sich zum spielwerk geschaffen, der Wunsch selbst konnte sie nicht übertreffen. Trist. 4807 diu gotinne Minne Parz. 291, 17 auch einmal frou Liebe neben frou Minne. frou Ere häufig bei Frauenlob: ›dâ hât vrou Ere ir wünschelruot‹ 41, 18; › vroun Eren diener‹ 134, 18; › vroun Eren bote‹ 194, 8; sie schliefst ›unwîp‹ aus ihrer burg (vesten) aus, 274, 18; › vroun Eren straze‹ 384, 9. 385, 11 Nachtrag: Der Eren bote und Eren holde (s.  724 ). frouwen Eren amîs . Frib. Trist. 61. daz Ere sîn geverte sî. Turl. Wh. 125 b . frô Ere und ir kint. MS. 2, 151 b . an Eren strâze gestîgen. pass. 47, 80. Ere ûz pfade gedringen. Ben. 450. in der Eren tor komen. das. 551, 26. sin lop was in der Eren tor . frauend. 81, 14. sitzen ûf der Eren banke . gr. Rud. 11, 20. saz ûf der Eren steine . Lanz. 5178. vgl. Er. 1198. Wigal. 1475. der Eren büne hât überdaht. Engelh. 230. der Eren dach, kranz . Rauch 1, 319. verzieret nû der Eren sal . Walther 24, 3. ûz frou Eren kamer varn. MS. 2, 151 a . der Eren tisch . Suchenw. 4, 152. der Eren pflüege . Amgb. 2 a . in der Eren forste . gold. schm. 1874. vgl. in der Sorgen forste . Engelh. 1941. der Eren krône treit. Roseng. 908. treit der Eren schilt . das. 914. der Eren zwî . Haupts zeitschr. 4, 546. er ist der Eren wirt . MS. 2, 59 a . mantel , da frou Ere hât ir brüste mit bedecket. Amgb. 18 b . ver Ere . Wapenmartîn. 6. 55. Vrô Minne MS. 1, 16 a . nu sage mir, ob diu Minne lebe und hie bî uns ûf erde si, od ob uns in den lüften swebe? Winsbekin 34, 8. der Minnen bode . Partenop. 80. 84. 86. 101. der Minnen kraft . Ulr. v. Lichtenst. 35, 15. diu Minne stiez ûf in ir krefte rîs . Parz. 290, 30. der Minnen stricke . MS. 1, 61 a . Minne und Wîsheit . Flore 3740 ff. frau Minne erscheint als der liebe schulmeisterin , mit einer rute (einem tosten) in der hand, zwein jungfrauen und gibt der einen streiche. Hätzl. 165. eine frau erscheint als hofmeisterin der Minne. das. 159 a . sollte Lichtensteins zug als königin Venus durch das land mit mythischem brauch zusammenhängen? vgl. s.  214 . Vrou Mate is ên edel vorstinne. Potter 1, 1870. Mâz aller tugende vrouwe. Pantal. 120. Maezicheit bint ûf die spen (bindet die brüste zurück, gebt nicht dem kind zu viel zu saugen?) Suchenw. XL, 144. Zuht , Mâze , Bescheidenheit . Mai 176, 13. Zucht und Schame stânt an der porte und huotent. Haupts zeitschr. 2, 229. ze hant begreif sie diu Scham . anegenge 17, 31. 18, 22. diu Riuwe was sîn frouwe. Parz. 80, 8. der Riwe tor. das. 649, 28. diu Vuoge , Füegel (s.  258 ). Geo. 5716 ff. wird eine wunderburg geschildert, der die Tugent pflag und deren acht allegorisch benannte kammern die Sælde gemalt hatte. . Im 14. 15 jh. nehmen diese vorstellungen überhand und arten in bloße allegorien aus, d. h. die fräulichen tugenden werden nicht mehr einzeln in andere dichtungen zur verstärkung des eindrucks an rechter stelle, aufgeführt, sondern zum gewebe der ganzen fabel, mindestens umständlicher einleitungen und anfänge verwandt. Und doch ist nicht zu miskennen, daß in dergleichen fast allgemein hergebrachten eingängen, die noch Hans Sachs außerordentlich liebt. zuweilen sinnige und glückliche gedanken walten, denen auch ihre mythische bedeutsamkeit gelassen werden muß. allmälich waren alle poetischen behelfe so abgenutzt, die dichtkunst aller einheimischen hebel so entblößt, daß ihr kein andres mittel übrig blieb; unsere mythologie wird darauf zu achten und in einzelnen zügen nachzuckende gestalten selbst der heidnischen zeit zu erkennen haben. Wenn der dichter sich in waldes einöde verirrt und am rauschenden brunnen auf ein klagendes frauenbild stößt, die ihm rath und bescheid ertheilt, was ist sie anders als eine erscheinende wünschelfrau oder walküre, die dem helden am waldquell begegnet und einen bund mit ihm 745 schließt? auch das, daß oft noch zwerge oder riesen als diener dieser wilden frauen dazwischen treten und auf engem pfad zu ihrem aufenthalt geleiten, scheint unerdichtet und im früheren alterthum begründet. Aus vielen beispielen seien hier nur einige ausgehoben. Ms. 2, 136 b : ›ich kam geriten ûf ein velt vür einen grüenen walt, dâ vant ich ein vil schœn gezelt, dar under saz diu Triuwe , si wand ir hende, si bôt ir leit, si schrê vil lûte . . . mîn schar ist worden al ze kleine‹, cod. berol. 284 fol. 57. 58: im grünen walde an einer steinwand hauset die Tugend , auf einem hohen felsen, daneben frau Ere , ihre schwester; bei der Ere finden sich Treue , Milde , Demut , Mannheit , Warheit und Stäte und klagen den tod eines grafen von Holland. Ls. 1, 375 ein liebliches märchen: den dichter weckt eines maimorgens ein heftiger schrei aus dem schlaf, er springt auf, geht in den wald und klimmt über jähe felsen, bis er oben in wonnigliches blumenreiches thal gelangt und im dichtverwachsnen hain ein kleines wichtel ersieht, das ihn ausschilt und für die seiner frau zertretnen rosen (wie Laurin) pfänden will. doch läßt es sich hernach beschwichtigen und erzählt ihm, daß hier auf einer unersteigbaren feste frau Ehre mit fünf jungfrauen ihres gesindes wohne, welche Adeltrût , Schamigunt, Zuhtliebe , Tugenthilt und Mâzeburc (die alten Hiltia, Gundia, Drût s.  350 ) heißen. Ls. 3, 83: eine frau verirrt sich auf einer betfahrt in dem waldgebirge und findet ein blaues häuslein, in dem eine blaugekleidete uralte frau sitzt, von der sie freundlich empfangen wird. das mütterchen nennt sich die alte Minne und trägt noch die farbe der treue, jetzt sei es aus der welt verdrängt. dann wandert die pilgerin zu dem zelt der jungen Minne , die gleich ihrer gespielin der Wankelmut (welcher name an jene Frohmut gemahnt) gewürfelt gekleidet und geschäftig ist, männer und frauen in ein buch zu schreiben (wie die parze und wurd s.  336 ) und den neuen weltbrauch verkündet. zuletzt erklärt die alte Minne, einst hoffe sie wieder unter den leuten zu erscheinen um die falsche Minne vor ofnem gericht zu belangen. MsH. 3, 437 a stellt ein lied dar, wie frau Ere zu gericht sitzt, Treue , Milde und Mannheit zur rechten, Scham , Zucht und Maße zur linken. P. Suchenwirt XXIV: der dichter gelangt auf engem pfade in einen großen wald, wo ein hohes gebirg auf zu den wolken stieg: bei einer höle begegnet ihm ein zwerg, von dem er auskunft über ein gericht erhält, dem in dieser gegend frau Stäte und Gerechtigkeit vorsitzen werden. er verfolgt den weg und nahet dem gestühl, vor welchem er die klagende Minne , gefolgt von Maße , Zucht , Scham und Bescheidenheit erscheinen sieht und ihren handel vortragen und entscheiden hört; des lauschenden aber gewahrt frau Minne . H. Sachs I, 273 b : zur maizeit tief im wald, auf hohem verwachsnem stein begegnet dem dichter ein rauhes holzweib, das ihn zum thurm der frau Mildigkeit geleitet und ihn dessen gemächer beschauen läßt, zuletzt aber vor die hohe frau selbst führt, 746 von welcher er beschenkt wird. Die felsenwohnung im waldgebirg scheint allen diesen erzählungen beinahe wesentlich, es sind die burgtrümmer in denen die weiße frau erscheint, es ist der thurm der Veleda, Menglöđ, Brunhild (s.  78 ). Lassen sich die gefährtinnen oder gespielinnen, von welchen frau Ehre, gleichsam die höchste tugend von den niederen geleitet wird, zurückführen auf ein gefolge von priesterinnen und dienenden jungfrauen aus der heidnischen zeit? auf walküren und botinnen einer göttin? sogar namentlich kann frau Era , Aiza (s.  343 ) hoch hinauf reichen und in jener erzählung Suchenwirts XXIV, 68 ertönt die bedeutsame lehre ›êre all frouwen fîn!‹ (s.  329 ) Nachtrag: Der ganze roman de la Rose ist auf allegorien gegründet. mythische bedeutsamkeit zeigt sich oft in solchen schilderungen. Die jungfrau erscheint zu Ostern früh vor sonnenaufgang am brunnen in den blumen. Hätzl. 160 a . der erscheinenden frau kommt man nur alle zehn jahre nah. das. 143. 376. im wilden tann unter einer linde wäscht die schöne frau ihre hände. das. 143 b . ein zwerg im wald führt zu den drei parzen . H. Sachs V. 333 b . wie der zwerg führt die wilde frau um. das. 1, 272 c. d . bei den trobadors lockt ein vogel den dichter durch einen gesang in den wald, wo er drei jungfrauen findet, die ein trauerlied singen. Diez leben d. troub. s. 145. frau Wildecheit führt den dichter an ihrem zaume auf einen plan an einem bach, wo frau Gerechtigkeit , Barmherzigkeit u. s. w. sitzen und urtheilen. Conrads klage d. kunst. sonst sagt Conrad: wilde aventiure (im schwanritter). der dichter ergreift seinen stecken und gelangt auf einen schönen blumenplan, wo ihm die Minnenkönigin erscheint (Hagens grundriß s. 438) oder an einen waldbrunnen zu einem schönen kinde (das. s. 442). ähnlich ist die schilderung bei Helbling 7, 28 ff. der dichter kommt morgens in eine wilde felsgegend, findet zwei klagende, händeringende , weiß geschleierte frauen, die Freude und Ritterschaft . sie sinken in ohnmacht, er hilft ihnen auf, sie wollen aber nicht wieder unter die menschen , seit die herzogin von Kärnten todt ist, und fortan in der wilde leben. Ls. 2, 269. der dichter trift auf grünem plan Manheit , Minne und frau Ehre , die ohnmächtig zur erde gesunken ist. sie klagen um den grafen Wernher von Honberg. ähnlich ist MSH. 3, 171–173 der traum von sieben trauernden frauen: Treue, Scham, Zucht, Keusche, Milde, Ehre und Erbarmkeit , die den Düringer und Henneberger klagen. vgl. die siben übelen wîbe Vrâzheit, Unkiusche, Grîtekeit, Zorn, Nît, Trâcheit, Hoffart . Diut. 1, 294–296. die um den tod der helden und könige klagenden frauen gemahnen an die klagefrauen und klagemütter (s.  359 ), an die mit der welt unzufriednen holzweibchen (s.  401 ). in des Euripides Rhesus klagt zuletzt die muse des fürsten tod, in der Od. 24, 60–62 treten die neun musen um Achilles leichnam und betrauern sein ende Der einsame thurm als wohnort dieser wesen kommt auch sonst vor, so turris Alethiae beim archipoeta. vgl. Mens bona , si qua dea es, tua me in sacraria dono. Prop. IV. 24, 19. . Als gegensatz treten auch untugenden personificiert auf, doch viel sparsamer und schwächer, weil unser alterthum insgemein auf keinen dualismus ausgeht und für alle höheren wesen die vorstellung des guten überwiegt. auch erscheinen bösartige dämone lieber männlich gedacht, wie zorn, haß, neid, obschon im lat. ira und invidia weiblich sind, odium neutral gehalten wird, wie bei uns das laster allgemein gegenüber der weiblichen tugend. mir fällt auf, daß sich keine personification des christlichen begrifs der sünde bei mhd. dichtern findet, da doch das wort selbst jener heidnischen Sunja (s.  257 ) verwandt sein könnte, insofern aus apologie und negation fehler und sünde hervorgeht; die vorstellung der schreienden sünden, der todsünden ist biblisch. auch keine schuld (causa, debitum, crimen) tritt in person auf und ihre uralte rolle (s.  336 ) scheint ganz vergessen; eher wird die Schande (dedecus) zur personification neigen. Kaum aber werden unêre, unmilde, unstæte persönlich aufgeführt, bloß Untriuwe begegnet bei Frauenlob 253, 5. 14; frou Unfuoge wurde anm. 797 nachgewiesen, enthält aber vielleicht die Gefuoge ursprünglich einen sinnlichen begrif, so fällt auch jene nicht in die reihe der untugenden, sondern bezeichnet wie Unsælde (s.  731 ) die abwesenheit eines zustandes. In der bible Guiot (Méon 2, 344) stehn den drei jungfrauen Charité , Vérité und Droiture drei häßliche alte Traïson , Ypocrisie und Simonie entgegen; die tugend wird immer schön und göttlich, das laster häßlich und teuflisch dargestellt Nachtrag: Diu Schande vert al über daz lant. MSH. 3, 448 b . sô hât diu Schande von ir vluht. Kolocz. 129. swa vrô Ere wol gevert, daz ist vrô Schanden leit. MS. 2, 172. ver Schande . Renn. 12231. in Schanden hol verklûset. MS. 2, 147 b . Unêre laden in daz hûs. übel wîp. 815. Untriuwen bant . Wigal. 10043. Unminne . MS. 1, 102 a . Ungenâde hât mich enpfangen ze ingesinde. MS. 2, 51 b . Unbill stößt auf die thür. Fischart bei Vilmar s. 4. diu Werre s.  227 . Wendelmuot s.  247 . vgl. frowe Armuot muose entwîchen, von ir hûse si flôch. Er. 1578. frau Armut . Fleming 75. ez het diu grôze Armuot zuo im gehûset in den glet, diu Armuot mit jâmer lît. Wigal. 5691. sît mich diu Armuot alsô jaget. pass. 352, 89. das uns schon reit frau Armut . H. Sachs 1. 5, 523 d . vgl. reit mich groß Ungedult . das. 524 c . frau Elend . Hätzl. 157. 158. es gibt ein franz. volksbuch von dem bonhomme Misère . Missewende von ir sprach, daz ir teil dâ niht enwaere. MS. 1, 84 a . Missevende , diu im niht genâhen mac. das. 1, 85 a . we wer wil nu Sorgen walten? diu was mîn sinde nu vil manegen tac. MS. 1, 163 b . . Von hohem alter ist die personification des ausgehenden gerüchtes. es lag nahe, daß man es sich als göttlichen boten dachte, der durch die lüfte entsandt wurde, um allem geschehenden zu lauschen und davon kunde den höchsten göttern zu tragen, die alles wissen müssen. Den Griechen hieß Ὄσσα (der schall, laut) Διὸς ἄγγελος Il. 2, 93; ὄσσα ἐκ Διὸς Od. 2, 282, Ὄσσα δ'ἄρ ἄγγελος ὦκα κατὰ πτόλιν ᾤχετο πάντη.   Od. 24, 413. ein andrer ausdruck ist Φήμη, dor. Φάμα, der nach Pausan. I. 17, 1 wie dem Ἔλεος, der Αἰδώς und Ὁρμή ein altar in Athen errichtet war; das wort ist mit φηί, φῆμις wie das lat. fama mit fari und famen (in effamen) verwandt, ich hätte lust das ags. 747 bême tuba dazu zu nehmen und diese schreibung der gewöhnlichen bŷme vorzuziehen. Da sonst in der edda dieser Fama nichts entspräche, darf ihr vielleicht die göttin Gnâ verglichen werden, nach Sn. 38 entsendet sie Frigg ›at eirindum sînum‹ in alle welttheile, sie reitet durch luft und meer auf einem pferd namens Hôfvarpnir (hufwerfend), weder fliegen noch fahren will sie, sondern durch die luft gehn, und von allem hochfahrenden gebraucht man den ausdruck gnæfa: auch Gotfried stellt in einem liede gnaben neben fliegen, fliezen, traben und kriechen. Hôfvarpnir kann geflügelt gewesen sein wie Pegasus, vgl. die altböhm. glosse der mater verb. 215: kridlatec (alatus) Pegasus equus Neptuni, qui fama interpretatur. , den Griechen und Römern war aber Fama selbst geflügelt und dies scheint mir aus der vorstellung eines vogels zu entspringen, der als göttlicher bote nachrichten trug: ›ex ipsa caede volucrem nuntium mittere‹ Cic. pro Roscio 36 bezeichnet nichts als die schnellste meldung, vgl. Pertz 2, 578 ›subito venit nuntius pennigero volatu‹. In unsern volksliedern thun vögel botendienste (s.  559 ) und Ođinn hat sich zwei raben zu eignen boten erwählt; ihr amt durfte aber auch göttlichen wesen zweiten ranges übertragen werden, wie Zeus Iris und Ossa sendet und der begrif der engel unmittelbar aus dem der boten entstanden ist. Virgils berühmte schilderung der anfangs kleinen, dann aber schnell zu ungeheurer größe wachsenden Fama (Aen. 4, 173–187) mit zahllosen federn, augen, ohren und münden scheint fast aus dem bilde eines flück werdenden vogels entsprungen, wenigstens drückt sich der s. Galler mönch bei Pertz 2, 742 so aus: ›cum fama de minima meisa (oben s.  569 ) super aquilarum magnitudinem excresceret‹ und es heißt ›daz mære do vedere gewan , wîten fuor ez ze gazzen‹ Mar. 144; ›alsus flouk Morgânes tôt (d. h. die kunde davon) als ob er flücke wære‹. Trist. 5483: ›ein bœse mære wirt gar schiere vlücke ‹. Renn. 18210. Veldeck aber, wo man nachahmung der virgilischen stelle erwartet hätte, sagt bloß: ›dô daz mære ûf brach ‹, › ûz quam ‹, › ûz spranc ‹ En. 1903. 1916. 1997 ohne ihm flügel zu leihen, wiewol er es wachsen läßt: ›daz mæere wahsen began‹ 9185. 12575, vgl. Geo. 521 ›diu mære in der stunde (illico) wuohsen ‹. Diese vorstellung des fluges genügt den meisten übrigen dichtern: ›leidiu niumâre , diu nu fliegent in diu lant ‹. pf. Chuonr. 7544: ›daz mære flouc dô wîten‹ Mar. 45; ›dô daz mære chom geflogen ‹. Mar. 214; ›dô flugen disiu mære von lande ze lande‹. Nib. 1362, 2; ›dô flugen diu mære von schare baz ze schar‹. Nib. 1530, 1; ›ob diz mære iht verre flüge?‹ Wh. 170, 20; ›diu mære flugen über daz velt‹. Wigal. 2930; ›sô daz mære ie verrer vliuget , sô man ie mer geliuget‹. Freid. 136, 3; › mære vliegent in diu lant‹. Karl 116 a ›die æchtesal vlouc uber al‹, ›ir echte vlouc in die lant‹. Kaiserchr. 6406. 6479. ; auch mnl. dichter lassen die niemare (fem.) fliegen: ›niemare 748 ghevloghen ‹ Florîs 358, oft aber, wie Veldeck in jener stelle, einem aufgejagten wilde gleich laufen oder springen : ›die niemare liep ‹ Florîs 173; ›die niemare sal lopen ‹ das. 1295; und hierzu stimmt das dän. ›det springer nu saa vide‹ DV. 1, 63, vielleicht das ags. › blæd vîde sprang ‹ Beov. 36, wenn hier blæd (sonst flatus, ahd. plât) für fama genommen werden darf. in einer oben s.  63 ausgehobnen stelle wird fama gehend und ›gressus suos retorquens‹ gedacht. So lebendig nun diese auffassungen sind, liegt ihnen doch keine personification zum grunde, wie schon das unbestimmte neutrum mære , ahd. mâri zu erkennen gibt; das ahd. mârida, goth. mêriþa (usiddja mêriþa is, ἐξῆλϑε ἡ ἀκοὴ αὐτοῦ Marc. 1, 28) würde sich ihr eher gefügt haben, mhd. war aber mærde außer gebrauch, lat. wurde unbedenklich fama beibehalten, z. b. bei Helmold 1, 65: ›interim volat haec fama per universam Saxoniam‹. Hartmann personificiert Er. 2515 frowe Melde , ein dän. dichter des 17 jh. Tybo nennt sie dichterischer Fygomby (aestuans per terram, von fyge, altn. fiuka) und gibt ihr einen fiedreham . Nyerup digtek. 2, 185. Ovid met. 12, 30 ff. legt der Fama ein haus mit zahllosen zugängen bei und dies ahmt Conrad Troj. 179 c 180 a umständlich nach, stellt aber einen männlichen Liumet , ahd. hliumunt, nhd. leumund auf (gramm. 2, 343. Graff 4, 1100), der mit seinem gesinde gefiedert ist und ausfliegt, und mehr die auflauschende fama bezeichnet, vgl. goth. hliuma auris und Liumending für Favor N. Cap. 51. solchen männlichen wesen mag der lat. rumor an die seite gesetzt werden, von welchem es Isengr. 13 heißt: › Rumor per saltus et arva tonans‹; oder der altn. qvittr: ›sâ kvîttr flô î bygđum‹. fornm. sög. 9, 237 Nachtrag: Φήμη ϑεός . Hesiod. opera 761. 762, die Φάμα trägt die gerüchte zu Zeus thron. Theocr. 7, 93. eine lat. formel lautet: scit Fama , scit cura deûm. Forcellini s. v. scio. Fama que nigrantes succincta pavoribus alas . Claudian. b. get. 201. volat fama caesaris velut velox equus. archipoeta IX. 30, 1. gerücht ist dem Indianer der gesang eines vorbei geflognen vogels . Klemm 2, 132. das gerücht ist also eine art angang. vgl. s.  945 . daneben gilt: fama emanavit . Cic. Verr. 2. 1, 1. manat tota urbe rumor. Liv. 2, 49. ähnlich im deutschen: daz maere wît erbrach . pass. 285, 20. 71, 41. daz maere was erschollen . Mai 228, 22. daz maere ist ûz erschollen. Lanz. 9195. von dem uns disiu maere erschellent . Ecke 18. daz maere erschal in diu lant überal, ez enwart niht alsô begraben . Kolocz. 85. daz maere ûz schal, ûz quam . Herb. 14372. 14374. dese mare ute schôt . Maerl. 2, 203. 3, 340. alse die máre dus ût sprang . Haupts zeitschr. 1, 108. daz maere breitte sich. Herb. 502. 1320. 17037. daz maere wart breit . das. 2460. 13708. daz maere nû wîten began. Türl. Wh. 28 a . die mare ghinc harentare. Maerl. 3, 190. Kästn. 2, 1768. daz maere wîten kreis . Servat. 1856. die niemare liep . Walewein 9513. 11067. Lanc. 35489. nymare lôpt . Lanc. 26165. doe liep die niemare dor al dit lant. das. 25380. die niemare liep int lant. das. 47053. die mare liep verre ende sere. Maerl. 3, 193. es komen neue maer gerant . Wolkenst. 63. daz maere wîten umme trat . pass. 221, 93. daz maere sich umme truoc . das. 169, 32. ähnlich heißt es: word is gone . minstrelsy 3, 92. dat word lep . Detm. 2, 348. 358. 392. sprang þät vord . homil. 384. dat ruchte lep . Detm. 2, 378. 391. nhd. das gerücht geht, sti erschollen. Viel schiere vlouc daz maere . Ksrchr. 957. 8415. sîn maere vlouc wîten in diu lant. pass. 204, 42. von ir flouc sîn maere . Trist. 7292. daz maere vlouc dahin. Troj. 13389. echiere vlouc ein maer erschollen . Turl. krone 68. dô flouc daz maere über mer. Herb. 13704. harte snel und balt flouc daz maere ze Rôme. Pilat. 398. diu starken maere wîten vlugen . Servat. 459. diu maere vor in heim flugen . das. 2393. dô flugen diu maere von hûse ze hûse. Wigal. 34, 3. vgl. der scal flouc in diu lant. Rol. 215, 7. des vlouc sîn lop über velt. Haupts zeitschr. 6, 497. daz wort von uns fliuget über lant. herzmaere 169. altn. sû fregn flŷgr . auffallender ist die wendung: diu maere man dô vuorte in ander künege lant. Nib. 28, 3. Statt des maere tritt die Melde ein: frou Melde . frauend. 47, 29. Ksrchr. 17524. Melde kumt, diu selten ie gelac. MS. 2, 167 a . Melde , diu nie gelac. MSH. 1, 166 a . Melde , de noch nie enlac. Karlm. 159, 43. drî jâr sô lac diu Melde . Tit. 824. vermârt in Melde . Lanz. 3346. Melde brach aus. Schweinichen 2, 262. der wilde liumet was vür geflogen. Troj. 24664. nu flouc dirre liumt gelîche über al daz künecrîche. Walth. v. Rh. 136, 43. rumor  = maere. Rudl. 1, 128. 2, 80. 121. 173. im prolog von k. Henry IV, 2. part, tritt rumour auf. endlich erinnert Hel. 175, 8: › quidi managa bigunnun wahsan ‹ an das wachsen des maere. . 749 Cap. XXX. Dichtkunst. Maere bedeutet aber nicht allein fama sondern auch fabula und hier bieten sich andere noch anziehendere personificationen dar. Wir gewahren, daß wesen, anstalt und fülle der poesie wie der sprache selbst in hohes alterthum reichen, daß mittel und vorzüge beider allmälich schwinden und auf anderm wege ersetzt werden müssen. die alte dichtkunst war ein heiliges, zu den göttern unmittelbar in bezug stehendes, mit weissagung und zauber zusammen hängendes geschäft. Bevor die namen dichter (Ducange s. v. dictator) und poet uns aus der fremde zugeführt wurden, gebrach es nicht an einheimischen schöneren. anfangs scheinen gedicht und vortrag ungetrennt, der sänger (ahd. sangari, mhd. senger und singer) ist zugleich dichter, es wird nicht gefragt, wer das lied gemacht habe. Ulfilas nennt den ᾄδων liuþareis (ahd. liodari?) und würde ihn vielleicht vom saggvareis (praecentor) unterscheiden. auch ἀοιδός stammt von ἀείδω, wie οἶδα von εἴδω, das digamma, erkennbar aus video und goth. váit, ist abgefallen, folglich muß ein früheres ἀϝείδω und αϝοιδός angenommen werden, sänger und göttlicher seher (μάντις, lat. vates) sind dasselbe; ich halte hinzu das goth. inveita (adoro s.  24 ), aus dem begrif des lobpreisens und feierlichen singens kann der des ehrens und anbetens hervorgehn. den Slaven heißt slava gloria, slaviti venerari, slavik der lobsingende, jubelnde vogel, wie ἀηδάν zu ἀείδω gehört, unser nahtigala zu galan canere. bezeichnet ἀοιδός einen sehenden, wissenden sänger, dichter, weissager, warum hätte nicht ein goth. inváits, falls es ein solches wort gab, ähnliches dürfen ausdrücken? Soll nun die kraft des schaffens und erfindens, wie in ποιητής d. h. faber (und auch unser smid galt vom fertiger des lieds, altn. liođasmiđr) hervorgehoben werden, so diente dafür das ahd. scuof , alts. ags. scôp (s.  338 ), das zugleich an den höchsten schöpfer aller dinge und an die schaffende norn erinnert. in altn. sprache kenne ich kein solches skôpr Biörn gibt ein neutr. skop (ironia, jocus) skoplegr (ridiculus, fast σκωπτικός), wodurch man an dem langen vocal jenes ags. scôp irre werden könnte, das doch Beov. 179. 987. 2126 einen edlen, ernsten dichter bezeichnet, obgleich sonst auch einen comicus, scenicus. das ahd. salmscôf ist psalmista und die schreibung scof, scoffes (neben scaffan scuofi) bei Isidor widerlegt nicht den langen vocal, da in diesem denkmal blomo, blostar f. bluomo, bluostar vorkommt. doch würde erst ein ahd. uo in scuof, das ich nicht nachweisen kann, allen zweifel tilgen. die glosse scof nubilar vel poesis scheint zwei unverwandte wörter, die sich quantitativ sondern, zu verknüpfen: scop tugurium, nhd. schoppen und scôph poesis. . dafür gewährt sie ein neutrales 750 skâld , das ich nur unsicher im ahd. nachzuweisen suche (s.  77 . 541 ) und dessen ursprung dunkel bleibt altn. ist skâlda, schwed. skålla, dän. skolde, nnl. schouden glabrare, wozu das franz. eschauder, échauder, mlat. excaldare (Ducange s. v.) die haare abbrühen stimmt. skâld wäre also depilis, glaber (auch engl. scald), kahlkopf, entweder greis, alter sänger, oder weil sich dichter das haar schoren? selbst scaldeih könnte eine unbelaubte eiche bezeichnen. . skâldskapr ist poesis, wie das ags. scôpcräft . Die romanische dichtkunst des mittelalters entnimmt ihre technische benennung vom prov. trobar, it. trovare, franz. trouver da keine lat. wurzel vorhanden ist, darf man das deutsche treffen, altn. drepa, das eigentlich schlagen, berühren, in antreffen aber auch finden ist, vergleichen. die goth. form könnte drupan gewesen sein, wie treten trudan lautete, und so verständigte sich das roman. o. finden, erfinden, und der trobaire , trovatore , trouvere ist erfinderisch, wie der scuof schöpferisch. Eigenthümlich steht das ags. gid, gidd (cantus, oratio) Beov. 2124. 3446. 4205. 4212. 4304. 4888, giedd cod. exon. 380, 25; giddian (canere, fari) Cædm. 127, 6. cod. exon 236, 8. Beov. 1253; gidda (poeta, orator) vgl. gidda snotor El. 419, giedda snotor cod. exon. 45, 2. 293, 20. Leo hat es in dem ir. hat cit, git (carmen dictum) nachgewiesen malb. gl. s. 49, vgl. ir. ceat canere, carmine celebrare: die frage ist, ob ungeachtet dieser celtischen verwandtschaft der ausdruck auch in andern deutschen dialecten zu finden sei. man dürfte ans altn. geđ (mens, animus) ahd. ket, keti, keti, ketti (Graff 4, 144) denken und die gemination der lingualis wie im ags. bed, bedd, ahd. petti (goth. badi) oder im ags. biddan, ahd. pittan (goth. bidjan) fassen. die bedeutung wäre gedächtnis, erinnerung; geđspeki Sæm. 33 b ist die von dichtkunst unzertrennliche weisheit der alten zeit. tadelhaft scheint die ags. schreibung gyd, gyddian; in giedda ist der vocal gebrochen. . Berühmt ist das celtische bard, ir. bard pl. baird, welsh bardh, schon Festus: › bardus gallice cantor, qui virorum fortium laudes canit‹; Lucan. phars. 1, 447: ›plurima securi fudistis carmina bardi ‹; bardaea oder bardala (Ducange s. v.) hieß die lerche, gleich ἀηδών, nahtigala und slavik sängerin. kein denkmal überweist der deutschen sprache oder sitte solche barden Nachtrag: Über den zusammenhang des begriffs des dichtens mit dem des webens , spinnens , schnürens , bindens , heftens s. kl. schr. 3, 128. 129. deilen unde snoren . Sassenchr. s. 3. die leier schnüren bei Spee 299. dicbten wird auch durch füegen und richten ausgedrückt. Haupts zeitschr. 6,497. richtere . Roth. 4853 und am schluss. berihten . Freid. 1, 3. eines mezzen . Dietr. 190. wirken . Herb. 641. daz liet ich anhefte ûf dîne gnâde volle. Mar. 148, 5. der diz maere anschreip . Bit. 2006. mnl. ontbinden heißt übersetzen. Maerl. 3, 73. 3, 48. in dietsce wort ontbinden . das. 3, 352. in dietsch onbende . das. 3, 228 in dietsche ontbinden . Rose 29. Walew. 6. vgl. onband beadorûne. Beov. 996. der dichter heißt schmid , liederschmid. Rigv. 94, 1: huncce hymnum Agni venerabili, currum veluti faber , paramus mente. Bopps gloss. 260 b . Zum ahd. scuof , alts. ags. scôp vgl. scophsanc , poesis. Graff 6, 253. schopfpůch. Karajan 86, 6. in den schopfbuochen . Ernst 103. vgl. Lachmann über singen s. 12. marrêr scopf Israhel, egregius psaltes Israhelis. Diut. 1, 512 a . Zum altn. skâldskapr ist zu erwähnen ahd. scaldo sacer. Graff 6, 484. vgl. gramm. 2, 997. Holtzmann Nibel. 170. nnl. schouden heißt mnl. scouden . Der romanischen ausdrucksweise entspricht poesis findinge . Diut. 2, 227 b . daz vander (dichtete er). Helmbr. 959. die vinden conste ende maken vêrse . Franc. 1919. de makere , die de rime vant . das. 1943. er vant dise rede. Mone 1839. s. 53. Das ags. gidda poeta findet sich auch in anderen arischen sprachen. skr. gad dicere, loqui, gai canere, gatha , gîta cantus, litth. giedóti singen, giesme sang, lett. dseedaht , dseesma , slav. gudu cano fidibus. Dobrowsky s. 102. Über das celtische bard s. Diefenbach celt. 1, 189. bardi vates druidae. Strabo s. 197. bretagn. bardal alauda. ir. searthon a chiefbard. . Gesang, spiel und tanz erfreuen (τέρπουσιν) der menschen herz, sind die zierde des mahls (ἀναϑήματα δαιτός Od. 1, 152. 21, 430), kummer stillend und bezaubernd (βροτῶν ϑελκτήρια Od. 1, 337). selbst der kranke gott stieg vom himmel herab und ließ sich durch die lieder der sänger erheitern (s.  275 ). Die dichtkunst heißt darum die frohe kunst , gesang die freude und wonne . bekannt ist das gai saber der trobadore, und joculator , joglar, 751 jongleur aus jocus, joc, jeu spiel, scherz abzuleiten. aber schon den Angelsachsen war lied und spiel gleo (gaudium, engl. glee) vynn (wonne) oder dreám (jubilum): ›scôp hvîlum sang hâdor on Heorote, þa vas häleđa dreám‹. Beov. 987; ›gidd and gleo‹ Beov. 4205 werden verbunden, der gesang ist healgamen (aulae gaudium), die harfe heißt gamenvudu, gleobeám (freudenholz, freudenbaum), spielen und singen ›gomenvudu grêtan‹ (grüßen, rühren, erregen) Beov. 2123. 4210; ›gleobeám grêtan‹ cod. exon. 42, 9; ›hearpan grêtan‹ cod. exon. 296, 11; ›hearpan vynne grêtan‹ cod. exon. 296, 11; ›hearpan vynne grêtan‹ Beov. 4209; außer grêtan wird vrecan (d. i. ciere, excitare) verwandt: ›gid vrecan‹ (cantum excitare) Beov. 2123. 4304. 4888; ›gid âvrecan‹ (lied erwecken) Beov. 3445. 4212; ›vordgid vrecan‹ Beov. 6338; ›geomorgidd vrecan‹ Andr. 1548. gleoman , gligman ist spielmann, gleocräft die fröhliche kunst, lied und spiel. im Wigal. s. 312 geigen sechs fiedler allen kummer vom herzen. wer sie doch stets zu gebot hätte! und fornald. sög. 1, 315 heißt es: leika hörpu ok segja sögur svâ at gaman þaetti at. Ich will eine merkwürdige einstimmung der finnischen poesie anführen. zwar heißt das lied runo, der dichter runolainen , runoan dichten und singen, der gesang laulu, der sänger laulaja , laulan ich singe; in den epen aber finde ich ilo (gaudium) vom gesang und teen iloa (gaudium cieo) vom singen gebraucht ›tehessä isän iloa‹ Kalew. 22, 236. 29, 227 der vater (d. i. der gott Wäinämöinen) machte, weckte freude = sang; ›io käwi ilo ilolle‹ 22, 215 freude kam zur freude = erscholl gesang. Nachtrag: Von der wirkung des sanges heißt es: þaer väs häleđa dreám . Beov. 987. huop ein liet an und wart frô . Hartm. 2. büchl. 554. einen frölich geigen . Wigal. s. 312. vgl. 332. häufig ist im ags. der ausdruck: giedd vrecan . cod. exon. 441, 18. sôđ gied vrecan . das. 306, 2. 314, 17. þät gyd âvräc . das. 316, 20. þe þis gied vräce . das. 285, 25. vgl. vröude wecken . Türl. Wh. 116 b . . Was so hohe bedeutung hat kann nicht unter den menschen selbst entsprungen sein, muß als himmlische gabe angesehn werden. dichten und singen ist von den göttern eingegeben, der sänger gottbegeistert: ϑέσπις ἀοιδή Od. 1, 328. 8, 498, ἀοιδή ϑεσπεσίη Il. 2, 600, ϑέσπις ἀοιδός Od. 17, 385, ὅ κεν τέρπῃσιν ἀείδων. die obersten götter zeigen sich als bewahrer und pfleger der göttlichen kunst, bei den Griechen Zeus und Apollo, bei uns Wuotan und Bragr, bei den Finnen Wäinämöinen. Saga war Wuotans tochter (s.  258 ) wie die Muse des Zeus; der Freyja gefiel minnesang: ›henni lîkađi vel mansöngr‹. Sn. 29. Die edda liefert einen reichhaltigen mythus von der dichtkunst ursprung Sn. 82–87, auf welchen ältere anspielungen schon in Hâvamal Sæm. 12. 23. 24 anzutreffen sind. Einst schlossen die Aesir und Vanir frieden und bezeichneten ihn so, daß sie von beiden seiten an ein gefäß traten und darin ihren speichel hrâki, vielleicht besser hraki, ist eigentlich auswurf des rachens, ahd. hracho, wie ags. hraca beides guttur und tussis, sputum ausdrückt, vgl. ahd. hrachisôn screare, franz. cracher, serb. rakati. fallen ließen, wie sonst sühne und bund durch blutmischung geweiht wurde (RA. 193. 194); der heilige speichel steht hier dem blute gleich und wird sogar in blut gewandelt, wie der verfolg ausweist. 752 das friedenszeichen (griđamark) sollte nicht verloren gehn und die götter schufen aus dem speichel einen mann namens Kvâsir , das weiseste, verständigste aller wesen die schöpfung aus speichel und blut gemahnt an den schnee und das blut in märchen, wann die mutter sich kinder wünscht, an das schneekind im modus Liebinc, und an den ursprung der riesen aus reif und eis (s.  440 . 465 ). auch Aphrodites zeugung aus meerschaum gehört dahin. . dieser Kvâsir zog weit durch die welt und lehrte die menschen weisheit (frœđi, ahd. fruotî). als er auch zur wohnung zweier zwerge Fialar und Galar (ahd. Filheri, Kalheri?) kam, erschlugen ihn diese und ließen sein blut in zwei gefäße und einen kessel rinnen, welcher Ođhrœrir, die gefäße Sôn und Bođn genannt wurden. die zwerge mengten aber das blut mit honig und daraus wurde ein kostbarer meth inn dŷri miöđr, ein technischer auch Sæm. 23 b 28 a wiederkehrender ausdruck. , der jedem, wer davon kostete, die gabe der dichtkunst und weisheit verlieh: er wurde skâld oder frœđamađr (weiser mann). eine spur dieser bluthonigtonne bei den zwergen ist s.  387 aufgezeigt. Fialar und Galar suchten den mord zu hehlen und gaben vor, Kvâsir sei in der fülle seiner weisheit erstickt; es verlautete aber schnell, daß sie im besitz seines blutes waren. bei einem handel, den sie mit dem riesen Suttûngr hatten, wurden sie genöthigt, den theuren meth diesem als wergeld für die tödtung seines vaters herauszugeben. Suttûngr verwahrte ihn sorgsam in Hnitbiörg und setzte ihm Gunnlöđ, seine schöne tochter zur hüterin. Die götter musten alles aufbieten sich in den wiederbesitz des heiligen blutes zu setzen. Ođinn selbst kam vom himmel auf die erde, er sah neun knechte heu mähen und fragte, ob sie ihre sicheln gewetzt haben wollten? als sie es bejahten, zog er einen wetzstein hein, ags. hân, engl. hone, schwed. hen, sanskr. s'âna. aus dem gürtel und wetzte; weil die sicheln nun schärfer schnitten, feilschten die mäher um den stein, Ođinn warf ihn in die luft, und indem ihn jeder fangen wollte schnitten sie einander mit den sicheln die hälse ab gemahnt an dr Faust, der sieben trunkenbolde so bethörte, daß sie sich gegenseitig die nasen abschnitten. . Ođinn kehrte nachts bei einem andern riesen, dem bruder Suttungs, namens Baugi, ein, der ihm verdrießlich erzählte, daß heute seine neun knechte umgekommen seien und er jetzt keine arbeiter habe. Ođinn nannte sich Bölverkr und war erbötig neun männer arbeit zu übernehmen, wofür er sich nichts bedung, als einen trunk aus Suttungs meth Ođinn tritt hier auf in der weise des starken Hans (Km. 90) oder Siegfrieds beim schmid. . der meth, sagte Baugi, gehöre seinem bruder, doch wolle er bei diesem versuchen den trunk zu erlangen. Bölverkr verrichtete nun im sommer die neunmännerarbeit und forderte im winter seinen lohn. beide fuhren darauf zu Suttung, der aber 753 jeden tropfen meths weigerte. Bölverkr meinte, hier müsse list versucht werden, was auch Baugi sich gefallen ließ. Da zog Bölverkr einen bohrer namens Rati dessen auch Sæm. 236 gedacht ist, offenbar von rata permeare; terebrare, goth. vratôn, so daß er auf goth. Vrata heißen würde. hervor und verlangte, daß Baugi damit den berg durchbohre, welches dieser dem anschein nach that; Bölverkr blies aber in das gebohrte loch und die spähne flogen ihm entgegen, woraus er entnahm daß Baugi mit trug umgehe. er ließ ihn also zum andern mal bohren und blies, da flogen die spähne hinein. Jetzt wandelte sich Bölverkr in einen wurm und schlof durch das gebohrte loch, Baugi stach mit dem bohrer nach, fehlte ihn aber. Bölverkr brachte im berg bei Gunnlöđ drei nächte zu und sie gelobte ihm drei trünke des meths: im ersten trunk trank er Ođhrœrir leer, im andern Bođn, im dritten Sôn, und so hatte er allen meth. Da nahm er adlergestalt an und entflog auf das schnellste, Suttung folgte als zweiter adler nach. Die Aesir sahen Ođinn geflogen kommen und setzten gefäße im hof von Asgarđ aus, da spie Ođinn von Suttung gedrängt den meth in die gefäße, der also wieder zu speichel wurde, was er anfangs gewesen war hinzugefügt wird: en honum var þa svâ nær komit at Suttûngr mundi nâ honum, at hann sendi aptr suman miöđinn , ok var þess ecki gætt: hafđi þat hverr er vildi, ok köllum ver þat skâldfîfla lut (malorum poetarum partem) oder wie eine andre hs. gibt: en sumum rœpti hann aptr , hafa þat skâldfîfl, ok heitir arnar leir (habent id mali poetae et dicitur aquilae lutum), weil Ođinn als adler flog. Bevor Athanasia bei Mart. Capella der Philologia das immortalitatis poculum reicht, leniter dextera cordis ejus pulsum pectusque pertractat, ac nescio qua intima plenitudine distentum magno cum turgore respiciens, ›nisi haec‹, inquit, ›quibus plenum pectus geris, coactissima egestione vomueris forasque diffuderis, immortalitatis sedem nullatenus obtinebis‹. at illa omni nisu magnaque vi quicquid intra pectus senserat, evomebat . Tunc vero illa nausea ac vomitio laborata in omnigenum copias convertitur litterarum . . . . . . sed cum talia virgo undanter evomeret, puellae quam plures, quarum artes aliae, aliae dictae sunt disciplinae, subinde quae virgo ex ore diffuderat, colligebant , in suum unaquseque illarum necessarium usum facultatemque corripiens. Was für die unsterblichkeit noch zu grob schien wird hier von der gottesbraut ausgespien grundlage menschlicher wissenschaft. vgl. Aelian var. hist. 13, 22. . Den meth aber gab Ođinn den Asen und den menschen die dichten können, daraus erklären sich wechselnde benennungen der dichtkunst: sie heißt Kvâsis blôđ (Kv. sanguis), dverga drecka , fylli (nanorum potus, satietas), Ođhrœris , Bođnar , Sônar laug (O. B. S. aqua), Hnitbiarga laug (Hn. aqua), Suttûngs miöđr (S. mulsum), Ođins fengr, fundr, dryckr (Odini praeda, inventio, potus), Ođins giöf (Odini donum), dryckr Asanna (Asarum potus). Unter diesen namen sind einige gar werth näherer beleuchtung. Bođn wird ausgelegt oblatio, Sôn reconciliatio, beide können wenigstens als sich die zwerge ihrer zuerst bedienen einen solchen sinn noch nicht haben. bei bođn wäre leicht an das ags. byden, ahd. putin (Graff 3, 87) zu denken: sôn stimmt allerdings 754 zum ahd. suona (emendatio), nicht zum goth. sáun (lytrum). Sæm. 118 b 234 a steht Sônar dreyri im sinn von sühnungsblut, sônar dreyri (vgl. sônar göltr s.  41 ). deutsamer und wichtiger ist die benennung des kessels, der wir auch Sæm. 23 b 28 a 88 a , in der letzten stelle mit richtiger schreibung begegnen. um das wort auszulegen muß ich anführen, daß ein goth. adj. vôþs dulcis dem ahd. wuodi, alts. wôthi, ags. vêde entspricht, das bald von der süßigkeit des geruchs bald des tons gilt, ags. ›svêg þäs vêđan sanges‹, sonus dulcis cantilenae. aber noch mehr, das ags. subst. vôđ (m.) ist carmen, facundia: vôđa vynsumast, carmen jucundissimum, cod. exon. 358, 9; vôđa vlitegast, carmen pulcherrimum El. 748; vôđ vera, prophetia virorum Cædm. 254, 23; vôđbora (carmen ferens) bald poeta cod. exon. 295, 19. 489, 17, bald orator, propheta 19, 18. 346, 21; vitgena vôđsong cantus prophetarum cod. exon 4, 1; vôđcräft poesis cod. exon. 234, 30. 360, 7 jenem scôpcräft und gleocräft gleichbedeutend; vynlicu vôđgiefu, jocundum poeseos donum cod. exon. 414, 10, auf die frohe kunst wie auf Ođins gabe bezüglich. mag nun in vôđ selbst die vorstellung des süßen, sanften liegen, oder diese erst in dem abgeleiteten adj. sich entfalten, welches richtiger scheint, da vôđ in einigen stellen des cod. exon. 118, 4. 125, 31. 156, 8 auch einen lauten schall, clamor ohne allen bezug auf ein lied bezeichnet; klar ist, daß ihm das altn. ôđr (masc.) entspricht, welches sowohl poema als ingenium, facundia ausdrückt. in jener bedeutung begegnet es bloß zufällig dem lat. oda, gr. ᾠδή (verkürzt aus ἀοιδή) wie schon das abweichende genus erkennen läßt. merkwürdig wird Sæm. 3 b bei erschaffung von Askr und Embla gesagt, daß ihnen Hœnir den mangelnden ôđ verliehen habe, was ich s.  465 vernunft übersetzte: richtiger wäre vielleicht rede, gabe der rede? hier wie überall wird die altn. mundart zu vergleichen dadurch unsicher, daß sie in und auslautend d mit đ vermengt hat. wie dem auch sei, Ođhrœrir scheint deutlich poesin ciens, dulcem artem excitans, was überraschend zu jenem ags. gid vrecan oder dem finn. teen iloa stimmt, hrœra, ahd. hruoran, mhd. rüeren ist tangere, ciere, und der kessel würde ahd. Wuodhruori, ags. Vôđhrêre geheißen haben. Ođr , Freyjas gemahl (Sæm. 5 b Sn. 37), den sie in der weiten welt aufsuchte und mit goldnen thränen beweinte, könnte personification der dichtkunst sein die in der vorigen note hervorgehobne schwierigkeit hält mich ab zu untersuchen, ob Ođr mit Ođinn verwandt sei; ags. scheiden sich Vôden und vôd (rabies) von vôđ (poesis) vgl. oben s.  109 . , war Ođr eins mit Kvâsir , der die welt durchzog und von den zwergen ermordet wurde? Ođhrœrir enthielt also den süßen trank göttlicher dichtkunst, der unsterblichkeit verlieh, und aus dem bestreben der götter, namentlich Ođins sich ihn wieder zu verschaffen, nachdem er in die hände der zwerge und riesen gerathen war, ergibt sich seine 755 identität mit amrita, ambrosia und nectar (s.  264 . 265 ); der göttliche ichor ist dem lauteren speichel der Asen und Vanen ähnlich. Die reine noch aus dem paradies verbliebne biene ancient laws of Wales 1, 739: der bienen ursprung ist aus dem paradies, um die sünde der menschen verließen sie es und gott gab ihnen seinen segen; darum kann die messe nicht gesungen werden ohne wachs. Leoprechting Lechrain s. 80. trägt honig des gesanges dem schlafenden in den mund (s.  579 ) Nachtrag: Der dichter und wahrsager ist νυμφόληπτος , von den musen, nymphen ergriffen, lat. lymphatus. Sæm. 57 b hat den ausdruck gođmâlugr gottbegeistert. Gylfi gaf einni farandi konu at launum skemtûnar sinnar . . . en sû kona var ein af Asa aett ; hon er nefnd Gefiun . Sn. 1. gandharva ist ein name der geister, die in Indras himmel wohnend musik treiben. Bopp 100 b . gott schickt drei engel als spielleute in die welt, wie denn bilder mit geigenden engeln beliebt waren. nhd. der himmel hängt voll geigen. Kvâsir Sn. 69 ist = anhelitus creber. Biörn s. v. qvâsir. Ođins speichel macht das bier gähren (s.  857 ). der speichel , der blutstropfe spricht. KM. anm. zu no. 56. Lisch mecklenb. jb. 5, 82. die gespuckte thür antwortet. Müllenhoff s. 399. vgl. fugls hrâki (s.  568 ). über blut und schnee s. Dybeck 1845 s. 69: som blod på snö . das ganze mittelalter trug sich mit einer scherzhaft gewendeten fabel von einem kind, das aus schnee oder eis hervorgieng; schon im 10. jh. hatte man den modus Liebinc , ein altfranz. gedicht dieses inhalts steht bei Méon 3, 215, ein mhd. Ls. 3, 513 und Haupts zeitschr. 7, 377; in scherz und ernst cap. 251 (1550, 183) heißt das kind eisschmarre (eisbissen) vgl. Burc. Waldis 4, 71 und Weisens erznarren s. 23. Franciscus macht sich frau und kind aus schnee. Pfeiffer myst. 1, 215. Jeder, der vom dŷri miöđr , von dem mit Kvâsirs blut gemischten honig, trank, wurde skâld . so bittet der dichter nur um einen trahen aus dem brunnen der Kamênen. Trist. 123, 38. Ođinn gewann den Ođhrœrir von Suttung, von dem er verfolgt wurde, wie Wäinämöinen, als er Sampo erbeutet, von Louhi als adler verfolgt ward. Ođinn selbst sagt im Hâvamâl 23 b : Ođhroerir er nu uppkominn â alda ves iarđar und 24 a heißt es von ihm: Suttûng svikinn hann lêt sumbli frâ ok graetta Gunnlöđu. der trank hat auch die namen: Yggs full . Egilss. 656. Yggjar miöđr . 657. Viđris full . 665. Viđris þŷfi . 608. zu arnar leir vgl. leirskâld ein dreckpoet, dän. skarnspoet . Olafsens preisschrift s. 5. gleich dem meth wird die seele des spielhansl unter die spieler vertheilt. Zu vôđbora stellt sich sôđbora vates. das goth. veitvôds testis scheint wegen des d unverwandt, aber d und þ schwanken. Ođhroerir übersetzt Finn Magnusen: ingenii excitator, nach Biörn ist hræri obturaculum lebetis. über das verhältniss von Ođr zu Ođinn s. anm. 787 . Ođinn gibt dem Starkarđr die gabe des dichtens. Apes Platonis infantuli mel labiis inferebant. Joa. Sarisber. de nug. cur. 1, 13. als der heilige Ambrosius in der wiege lag, setzte sich ein bienenschwarm an seinen mund . dem hirten Komatas träufelte die Muse nectar in den mund, und die bienen trugen blumenseim dazu. Theocr. 7, 60–89. wen die Musen bei der geburt ansehen , der hat süße rede in seiner gewalt. Hesiod. theog. 81–84. den dichter hauchen die götter an. Ovid. met. I. 2–4. . Es zieht mich an noch andere sagen zusammenzustellen, wie großen dichtern die eingebung des liedes über nacht im schlafe gekommen sei, was von Pindar wird auch von Homer und Aeschylus in andrer weise erzählt. Vor Homer soll Helena erschienen sein: λέγουσι δέ τινες καὶ τῶν Ὁμηριδῶν ὡς ἐπιστᾶσα (Ἑλένη) τῆς νυκτὸς Ὁμήρῳ προσέταξε ποιεῖν περὶ τῶν στρατευσαμένων ἐπὶ Τροίαν, βουλομένη τὸν ἐκείνων ϑάνατον ζηλωτότερον ἢ τὸν βίον τῶν ἄλλων καταστῆσαι. καὶ μέρος μέν τι διὰ τὴν Ὁμήρου τέχνην, μάλιστα δὲ διά ταύτην οὕτως ἐπαφρόδιτον καὶ παρὰ πᾶσιν ὀνομαστὴν αὐτοῦ γενέσϑαι τὴν ποίησιν. Isocrates Ἑλ. ἐγκώμιον (oratt. att. ed. Bekker 2, 245). Dem Aeschylus offenbarte sich Dionysus: ἔφη δὲ Αἰσχύλος μειράκιον ὢν καϑεύδειν ἐν ἀγρῷ φυλάσσων σταφυλὰς καὶ οἱ Διόνυσον ἐπιστᾶντα κελεῦσαι τραγῳδίαν ποιεῖν. ὡς δὲ ἦν ἡμέρα (πείϑεσϑαι γάρ ἐϑέλειν) ῥᾶστα ἤδη πειρώμενος ποιεῖν. οὗτος μὲν ταῦτα ἔλεγεν. Pausanias 1. 21, 2. ῥᾶστα, wie es von den göttern ῥεῖα heißt (s.  266 ). Aeschylus hütete des weinbergs, deutsche hirten weideten schafe oder rinder, als die gabe Wuotans ihnen nahte. Hallbiörn wünschte das lob Thorleifs eines verstorbnen sängers zu dichten und vermochte es lange nicht, bis ihm bei nächtlicher weile Thorleif erschien, die zunge löste, und verschwindend noch an der schulter sichtbar wurde (s.  271 ). fornm. sög. 3, 102. Der heidnische mythus fand auch auf christliche dichter seine anwendung. ein armer hirte vernimmt im schlaf eine stimme, die ihn auffordert ungesäumt die heilige schrift in sächsischer sprache zu dichten; des sanges vorher unkundig verstand ers von diesem augenblicke an und vollzog den auftrag. opusc. Hincmari remensis. Par. 1615 p. 643. Ausführlicher meldet ähnliches von dem berühmten ags. dichter Cædmon Beda hist. eccl. 4, 24 frau Aventiure s. 28. 29. . allen diesen dichtern gelingt frühmorgens beim erwachen das vorher ungeübte geschäft Nachtrag: Dem Hesiodus, als er lämmer weidete, reichen die Musen einen lorbeerzweig und damit die gabe des gesanges. theog. 22–30. nach Lucians rhet. praec. 4 pflückt er als hirte blätter auf dem Helicon und wird plötzlich dichter . die Musen erscheinen in der frühe: mirabar, quidnam misissent mane Camenae , ante meum stantes sole rubente torum, natalis nostrae signum misere puellae, et manibus faustos ter crepuere sonos.   Prop. IV. 9, 1. vgl. die sage von dem kalmückischen dichter. Klemm 3, 209. 210 und die gesichte armer hirten vom kirchenbau ( anm. 248 ). GDS. 821. . Aber nicht allein das dichten selbst geht von den göttern aus, sie ersinnen auch die werkzeuge , auf welchen zu dem liede gespielt wird. Apoll, der bei Homer die phorminx spielt, soll nach Callimachus die lyra mit sieben saiten bezogen haben; erfindung der lyra wird jedoch dem Hermes beigelegt, der sie Apoll schenkte. 756 dies ist für uns bedeutsam, da Wuotan auf Hermes und Apoll bezogen werden darf, so daß jener überwiegt. das erfinderische ist ein zeichen Mercurs, und kaum zweifle ich, daß in unserm alterthum wie Wuotan schrift und maß so auch irgend ein den gesang begleitendes spielwerkzeug erfunden haben werde. Darin bestärkt die fünfsaitige harfe (kantelo) der Finnen, deren erfindung ihrem höchsten gott Wäinämöinen gehört, und er vertritt überall unsern Wuotan. zuerst bildete er kantelo aus eines hechts gräten und als sie ins meer gefallen war zum zweiten mal aus birkenholz, ihre schrauben aus eichenast, ihre saiten aus eines mächtigen hengstes schweif. So hatte auch Hermes die chelys ( schildkröte ) ausgenommen und mit saiten bezogen (hymn. in Merc. 24 ff.). Schwed. und schottische volkslieder erzählen wie ein spielmann aus dem brustbein einer ersäuften jungfrau eine harfe, aus ihren fingern die schrauben, aus ihren goldgelben haaren die saiten machte und der harfenschlag die mörderin tödtete. sv. folkvisor 1, 81. Scotts minstr. 3, 81. Ein kindermärchen no. 28 läßt aus dem knochen eines erschlagnen eine hirtenpfeife werden, die so oft sie geblasen wird die begangne unthat aussagt; ähnliches steht in einer schweizerischen sage von einer flöte (Haupts zeitschr. 3, 36). Die gewalt des spiels und gesangs wurde daraus erklärt, daß man den werkzeugen übernatürlichen ursprung beimaß und sicher brachte das höhere alterthum götter dabei in rechnung. Wenn Wäinämöinen seine harfe rührt, lauscht ihm die ganze natur, alle vierfüßigen thiere des waldes laufen herzu, alle vögel kommen geflogen, alle fische im wasser fließen heran, aus des gottes augen dringen thränen der wonne auf die brust, von der brust auf die knie, von den knien zu den füßen, netzen ihm fünf mäntel und acht röcke. seine thränen wandeln sich in perlen des meeres. Kalewala rune 22. 29. Solche thränen vergießt Freyja (grâtfögr s. 270), die gesangliebende, dem Ođr vermählte; im kindermärchen haben glückliche jungfrauen die gabe rosen zu lachen, perlen zu weinen, Auch der strömkarl bricht in weinen aus, wenn er zur harfe singt (s.  408 ). Wie aber die gesamte natur, belebte und unbelebte, ihr mitgefühl an den klagen der menschen bezeigt (s.  537 ), so wird erzählt, daß bei dem bezaubernden albleich (s.  389 ) der strom sein rauschen einhielt, die fische in der flut schnalzten, die vögel des waldes zwitscherten. Nächst den göttern scheinen elbe und wassergeister in die geheimnisse der musik eingeweiht und der sanglehrende Hnikarr berührt sich mit Ođinn selbst (s.  404 ). Von den göttern gieng sodann die gabe des lieds auf einzelne helden über, und die wirkung ihres gesangs wird in gleicher weise geschildert. zwei helden der deutschen sage ragen als sänger vor, Horant Herrant, ags. Heorrenda, altn. Hiarrandi, vgl. gramm. 1, 352. z. f. d. a. 2, 4. , von welchem es Gudr. 388. 389 heißt, daß er alle 757 menschen, gesunde wie kranke durch seine lieder fesselte, und diu tier in dem walde ir weide liezen stên, die würme die dâ solten in dem grase gên, die vische die dâ solten in dem wâge vliezen, die liezen ir geverte. des Hiarrandahliođ gedenkt saga Herrauđs ok Bosa (fornald. sög. 3, 323) neben dem entzückenden gŷgjar. slagr (harfenschlag der riesin). Den Nibelungen fiedelte held Volkêr (Folhheri) 1772: under die türe des hûses saz er ûf den stein küener videlære wart noch nie dehein: dô klungen sîne seiten, daz al daz hûs erdôz, sîn ellen zuo der fuoge diu wârn beidiu grôz, süezer unde senfter gîgen er began: do entswebete er an den betten vil manegen sorgenden man. In der griech. mythologie haben Orpheus und Amphion des sanges gewalt. Amphion sang, daß seiner leier die steine folgten und sich zur mauer fügten. dem Orpheus giengen felsen und bäume nach und die wilden thiere wurden ihm zahm; selbst die Argo lockte er vom land in die flut und schläferte drachen ein (entswebete). da gleich ihm Hermôđr den gang in die unterwelt thut, und gerade um Balder alle wesen weinen, sollte man meinen, auch Hermôđr könne durch gesang und spiel auf sie gewirkt haben, wovon uns aber nichts überliefert ist Nachtrag: Die erfindung der fünfseitigen harfe (kantelo) der Finnen erzählt das erste lied im Kanteletar. Kalev. 29 schildert, wie sich Wäinämöinen eine harfe aus verschiednen sachen macht. Kullervo fertigt ein horn aus kuhbein, eine pfeife aus ochsenhorn, eine flöte aus kalbsfuß. Kalevala. Castr. 2, 58. Wenn Wäinämöinen spielt, kommen die vögel in haufen dazu geflogen. Kalev. 29, 217 und der adler vergißt die jungen im nest. das. 29, 221. wenn Wipunen singt, steht die sonne still ihn zu hören, der mond ihm zu lauschen, der Karlwagen sich zu belehren, die wellen, wogen und fluten stehn still. Kalev. 10, 449–57. vgl. Petersb. auszug s. 11. auch im deutschen volkslied steht das wasser still, um dem minnegespräch zu lauschen. Uhland 1, 223. 224. den ene begyndte en vise at qväde, saa faart over alle qvinder, striden ström den stiltes derved, som förre vor vant at rinde.   DV. 1, 235. ein lied macht tisch und bank tanzen . fornald. sög. 3, 222. KM. no. 111. sv. fornvis. 1, 73. Stolts Karin macht durch ihren gesang schlafen und aufwachen . sv. vis. 1, 389 und tanzen . das. 394. 396. beispiele von der macht des gesangs über vögel und thiere. DV. 1, 282. sv. vis. 1, 33. über Orpheus s. Horat. carm. I. 12, 7 ff. vgl. die spanische romanze vom conde Arnaldos . . War nun die dichtkunst den menschen mit den göttern gemein, von göttern erfunden und übertragen worden, so folgt nothwendig, daß sie dem alterthum auch für ein amt und geschäft der priester galt und die begriffe von priester, weissager und dichter an einander rührten. hierbei lege ich einiges gewicht auf das vorkommen des ags. namens bregovine (s.  76 . 195 ), der einen diener und freund des dichtergottes anzuzeigen scheint, wie wir noch heute den sänger einen freund oder günstling der Musen nennen. In ländern und zeiten, die der dichtkunst hold waren, darf man auch den sängern, namentlich den höfischen eigenthümliche tracht, gleich den priestern, zutrauen; hier sind zumal die nachrichten belehrend, welche uns die welschen gesetze über stellung und vorrecht der barden am königshofe liefern, alle nordischen sagen bezeugen, in welcher ehre die skalden gehalten wurden. den dichtern des mittelalters widerfuhr an romanischen und deutschen fürstenhöfen ähnliche auszeichnung, und eine genaue untersuchung dieses anziehenden gegenstandes könnte noch in den jüngeren gebräuchen vieles hervorheben, was schon in der ältesten zeit seinen grund hat Niebuhr in der vorrede zu Merobaudes sagt: quem morem coronandorum poetarum cum poesi ipsa, cui semper aliquis honos mansit, etiam rudibus, quae secuta sunt, saeculis perdurasse arbitror. wozu aber von Römern herleiten, was schon der eignen vorzeit in brauch gewesen sein mag, da könige, richter, priester, helden und sänger kranz und binde trugen und selbst die volkssänger sich ihren könig wählten. au pui où on corone les biaus dis. cour. Renars 1677. Nachtrag: Dichter versammeln sich, wie bei opfern und zum zauber, auf bergen , so noch auf der Wartburg. au pui où on corone les biaus dis. couron. Renart 1676. trägt der dichter kränze und blumen, weil er ursprünglich freund der götter und priester war? die jeux floraux setzen sangespreise in blumen an: violeta, aiglantina, flor dal gauch (solsequium). noch die rederijkers benennen ihre kammern nach blumen . war das schon druidischer, bardischer brauch? . Zu beachten sind äußerungen mhd. dichter, worin die kunst des gesangs nicht als angelernt, sondern angeboren, d. h. von gott eingegeben, dargestellt wird, wie schon Od. 22, 347: αὐτοδίδακτος δ'εἰμί, ϑεὸς δέ μοι ἐν φρεσὶν οἴμας παντοίας ἐνέφυσε . Heinrich von Morunge 1, 53 a sagt: ›wan ich durch sanc bin ze der werlte geborn‹, gesang ist ihm auferlegt, seine bestimmung. Walth. 26, 4 in bezug auf gott: ›sît ich von dir beide wort hân unde wîse‹. im Wartb. kr. jen. 102: ›gab iu got sinne und sanges site‹. noch die späteren meistersänger drücken sich darüber aus: ›es trieb der heilig geist also zwölf männer froh, die fiengen an zu dichten‹. warum sollten heidnische dichter nicht ebenso ihre gabe auf Wuotans meth zurück geführt haben? Auch die wettgesänge scheinen aus der einfachsten natur der poesie selbst hervorgegangen. Wie weise männer des alterthums ihr wissen einander abfragten, helden die kraft ihrer waffen aneinander prüften, sangen auch hirten und dichter um den preis des liedes. Ođinn wollte die weisheit (orđspeki) des klugen riesen; Vingþôrr die des klugen zwergs erkunden, der blinde gast d. i. Ođinn selbst, zu dessen blindheit die der alten sänger stimmt. der augen verlust stärkt die kraft des gedächtnisses, er befähigt und nöthigt zu singen. die des königs Heiđrekr; da werden lieder gesungen und räthsel vorgelegt, Vafþrûđnir bedingt ausdrücklich ›höfdi veđja viđ scolom höllo î, gestr, um geđspeki‹ Sæm. 33 b . ums haupt soll gewettet werden wie sonst beim streit künstlicher schmiede oder schachspieler. Auch in dem krieg der sänger auf Wartburg wird das leben eingesetzt: ›nu wirt gesungen âne vride . . . stempfel muoz ob uns nu beiden stân alhie mit sînem swerte breit, er rihte ab unser eime in roubes site dem man valles jehe!‹ als räuber mit dem schwert soll der erliegende gerichtet werden. nicht der geschichte, der sage fällt diese begebenheit anheim, aber sie lehrt uns, mit welchem ernst man die dichtkunst gewohnt war anzusehn. Hier sei auch des weit verbreiteten mythus gedacht von dem dichter, der sein eigenthum gefährdet sieht, weil das gedächtniß eines andern sich seiner lieder bemächtigt hat. was zwischen Virgil und Bathyll ergieng wird verändert von Arnoldo Daniello und einem jongleur (Diez leben der tr. s. 352) berichtet, aber schon von dem indischen Kalidasa, dessen gedicht vier brahmanen auswendig gelernt hatten. Dieser Kalidasa und Valmiki galten für incarnationen Brahmas selbst; was konnte das ansehen der dichter fester stellen, als daß sie ein avatâra des erhabnen gottes gewesen sein sollen? Mit den göttern theilen göttinnen, mit helden und priestern weise frauen macht und einfluß. unter den asinnen wird Saga 759 Sn. 36 gleich nach Frigg, Sn. 212 neben Sôl genannt, ihr aufenthalt heißt Sökqvabeckr , der sinkende bach, eine große, geräumige stätte. auch Sagones (nes Sago) Sæm. 154 b scheint von ihr den namen zu haben. Söcqvabeckr wird Sæm. 41 a als ein ort geschildert, wo kalte wogen rauschen, da sollen Ođinn und Saga alltäglich froh aus goldnen schalen trinken. Das ist der unsterblichkeit, zugleich der dichtkunst trank. Saga muß entweder als gemahlin oder tochter Ođins aufgefaßt werden, in einem wie dem andern fall ist sie ihm als gott der dichtkunst identisch. den Griechen war die Musa tochter des Zeus, oft aber wurden drei oder neun Musen angenommen, die sich weisen frauen, nornen und schöpferinnen gleichen und an quellen oder brunnen hausen altböhm. glossen bei Hanka 55 b wodna musa (Jungm. 5, 147), ist das wasserfrau, quellfrau? . Die kühle flut eignet sich für schwanfrauen, des Wunsches töchter. Saga kann nicht anders sein als sage und erzählung, das personificierte, göttlich gedachte mære (s.  747 ). Unsere dichter des 13 jh. personificieren die âventiure und lassen eine frau Aventiure gleich der norn über land zu der hütte des sängers ziehen, wo sie anklopfen und einlaß begehren belege sammelt eine schon s. 258 angezogene abhandlung. es ist ihnen aus Ulrichs von Türheim Wh. 192 c ein gespräch des dichters mit frau Aventiure beizufügen. . noch heute erzählt man wie das märlein von haus zu hause wandert, wenn die reihe des erzählens von einem an den andern gelangt. Suchenwirt no. XXV stellt eine erscheinung der frau Aventiure im wald auf blühender aue dar, sie war als frau Ehren bote durch das land zu königen und fürsten gewandert und stattet bericht ab; einen goldnen ring an den finger steckend verschwindet sie. Zu bemerken finde ich noch, daß mnl. dichter die aventure persönlich im sinn der mhd. frau Sælde verwenden; ›die Aventure wacht‹ Maerl. 2, 14; ›dat rat van Aventuren ‹ Rein. 6183, ganz wie diu Sælde wachet, Saelden rat (s.  721 . 722 ). ich wüste nicht, daß ihnen dabei romanische gedichte zum vorbild dienten Nachtrag: Die altn. Saga erinnert an die gr. Φήμη, von der Hesiod opera 762 bemerkt: ϑεός νύ τίς ἐστι καὶ αὐτὴ. sie verkehrt mit Ođinn, wie Fama dem Zeus die gerüchte zuträgt ( anm. 2305 ), Musa heißt sängerîn . Barl. 252, 7. ladete musas, daz wâren sengêren (: eren) Herb. 17865, dagegen musê . das. 17876. Aventiure schließt sich an die bona fortuna (bonne aventure), bona dea, den bonus eventus an. Plin. 36, 5. Varro RR. 1, 1. vrouwe Aventure. Lanc. 18838. in der Rose ist die göttin Aventure  = Fortuna 5634, die ein rad hat. das. 3933. 4719. 5629. 5864. t'hûs der Aventuren . das. 5786. 5810. 5839. jonste de Avonture. Stoke 1, 39. maer d'Aventure was hem gram . Maerl. 3, 104. den stouten es hout d' Aventure . das. 2, 46 wie: audaces fortuna juvat. alse di die Aventure es hout . das. 2, 93. der Aventuren vrient . ebendas. . Jenes wechselnde erzählen und umgehn des märchens oder der sage war schon römischer, griechischer brauch, wie aus Ovids met. buch IV zu ersehen ist, wo die Minyaden unter dem weben und spinnen sich durch erzählungen die zeit kürzen, 39: ›utile opus manuum vario sermone levemus, per que vices aliquid, quod tempora longa videri non sinat, in medium vacuas referamus ad aures‹. dicta probant, primamque jubent narrare sorores. dann 167: desierat, mediumque fuit breve tempus, et orsa est dicere Leuconoe, vocem tenuere sorores. 274: poscitur Alcithoe, postquam siluere sorores. es war aber des Bacchus feiertag, der priester hatte geheißen ihn zu begehn; immunes operum dominas famulasque suorum, und der 760 gott rächte sich, indem er das gewebe in ein geflecht von reben und epheu, die Minyaden in eulen und fledermäuse wandelte. gesangs der webenden frauen erwähnt auch Agathias s. 29. So scheinen Holda und Berhta oft dem spinnen zu zürnen, das ihren heiligen tag entweiht (s.  224 . 227 ), da sie sonst diese arbeit fördern und belohnen. Auch die nornen kehren mit den spindeln ein und beim spinnen wird gesungen; die weisen frauen und göttermütter unseres alterthums dürfen als lehrerinnen des gesangs, der sage und spindel betrachtet werden. 761 Cap. XXXI. Gespenster. Das xxvi cap. hat die seelen im zustande ihrer trennung von dem leib und ihrer überfahrt nach einem andern aufenthalt betrachtet: das sind die beruhigten, in die unterwelt oder den himmel aufgenommnen seelen. fortan stehn sie nur in einer allgemeineren verbindung mit der erde und den lebenden; ihr andenken wird durch feste, wahrscheinlich wurde es im alterthum auch durch opfer gefeiert zwischen dem christlichen allerseelentag (2 nov.), an dem das volk kirchhöfe besucht und gräber bekränzt, und den römischen drei festtagen, an welchen sich die unterwelt öfnete ( mundus patet ) und die manes emporstiegen (Creuzer 2, 865. O. Müller Etrusk. 2, 97), erscheint zusammenhang. am 2 nov. setzen die Ehsten nachts den verstorbnen speisen auf, und freuen sich, wenn morgens etwas davon verzehrt ist. im Fellinschen bei Dorpat werden die abgeschiednen seelen in der badstube empfangen, und eine nach der andern gebadet. Hupels nachr. p. 144. vgl. Possarts Estland s. 172. 173. gerade, wie man engeln und hausgeistern speise hinstellt (s.  370 ). . Hiervon unterscheiden sich solche geister, die nicht oder nicht vollkommen der seeligkeit und ruhe theilhaft geworden sind, sondern zwischen himmel und erde schweben, zuweilen aber an die alte stätte ihrer heimat zurückkehren. diese erscheinenden, wiederkommenden umgehenden seelen nennen wir gespenster. Jene ruhigen, seligen geister des verstorbnen benennt der römische sprachgebrauch manes , die unheimlichen, quälenden erscheinungen hingegen lemures oder larvae ; obwol der ausdruck schwankt und auch manes gespenstige wesen bezeichnen, lemures allgemein genommen werden kann Creuzers symb. 2, 850–866. . larva verräth berührung mit lar (s.  413 ) und die freundlichen, gütigen lares wurden häufig als manes, als seelen abgeschiedner vorfahren gedacht. Auch in unserm deutschen volksglauben läßt sich übergang der seelen in gutmütige hausgeister oder kobolde nachweisen ich beschränke mich hier auf eine hessische volkssage. Kurt , ein pächter zu Hachborn, wich auch nach seinem tode nicht von dem gehöfte und mischte sich als guter geist in die feldarbeiten. in der scheune half er dem knecht die garben vom gerüste werfen, wenn der knecht eine geworfen hatte, warf Kurt die andere, als einmal ein fremder knecht hinauf gestiegen war, half er jedoch nicht, und auf den ruf ›Kurt wirf!‹ ergrif er den knecht und warf ihn die tenne herab, daß er seine beine brach. , noch häufiger hängen quälgeister und gespenster zusammen Isengrim verwandelt sich in Agemund (s.  422 ). Nachtrag: Mone 6, 467 werden lebende, schwebende , zweifelhaftige und todte leute unterschieden. seelen, die im Hades keine ruhe finden und zurückkehren, um das grab wandern, erwähnt Platons Phaedo s. 81. Die verstorbnen wurden verehrt. sanctos sibi fingunt quoslibet mortuos . concil. liptin. feste wurden ihnen gefeiert, so das pers. ferverfest . Benfey monatsn. 151, die russischen leichen- und seelenfeste. Lasicz 58. für die seelen wird gebetet. Benfey monatsn. 168. 169 vgl. die seelmessen. Nib. 1221, 2. Den nahverwandten (nicht den fernen) vorfahren opferten die Inder speise und trank . Bopps gloss. s. 143 b note. 198 a . 79 b . vgl. Weber zu Malavik. 103. eins dieser opfer hieß udakakarman , wässerleinspende für die todten. Böhtling und Roth wb. 1, 908. χοὴν χεῖσϑαι πᾶσιν νεκύεσσιν , mehl, wein, wasser ward den todten in eine grube geschüttet. Od. 10, 517–520. 11, 25–29. die seelen trinken gierig das opferblut und erlangen erst dadurch besinnung. Od. 11, 50. 89. 96. 98. 148. 153. 228. 390. die schatten leben von solchen spenden. Lucian de luctu 9. litth. wéles fem. bedeutet die gestalten der verstorbnen. Mielcke 1, 321, und der samogit. gottheit Vielona wurden besondere kuchen dargebracht: cum mortui pascuntur. Lasicz 48. 50. den seelen wird speise und trank aufs grab gesetzt. pass. 166, 84–93. Über manes , Mania s. Gerhards etr. g. 16. in sede Manium = im schoß der erde. Plin. 33, 1. über lares s. Lessing 8, 251. domesticus lar , hamingia . Saxo gr. 74. . 762 Für die ruhigen geister oder ihren zustand besitzt unsre sprache den schönen ausdruck ahd. hiuri laetus, mitis, ags. heoru Beov. 2744, altn. hŷr, mhd. gehiure , nhd. geheuer , wir sagen: es ist geheuer = ruhig, selig, friedlich. den gegensatz drückt aus ahd. unhiuri , dirus, saevus, alts. unhiuri , ags. unheoru Beov. 1967. unhiore Beov. 4822. unhŷre Beov. 4236. Cædm. 138, 5. altn. ôhŷr ; mhd. ungehiure , nhd. ungeheuer : es ist ungeheuer, es ist nicht richtig. beide wörter gehn aber weiter, gott heißt hiuri, der teufel unhiuri, ungeheuer ist allgemein monstrum, portentum. die goth. form wäre hiuris , was mit haúri pruna, altn. hyr ignis nahverwandt scheint, also das leuchtende, glänzende bezeichnet; wenn eine ahd. glosse bei Graff 4, 1014 richtig ist, kann auch das unverneinende hiuri dirus, nemlich feurig in schreckhaftem sinn, wie wir ihn gleich hernach bei den irlichtern finden werden, bezeichnen. nahe an hiuri und unhiuri grenzt der sinn von hold und unhold, holdo und unholdo (s.  220 . 377 ), was aber lieber auf geister und dämone als auf seelen zu beziehen ist, doch überträgt N. manes durch unholdon ; auch hier scheint holdo und unholdo zuweilen gleichbedeutig. Das ahd. fem. kispanst hieß eigentlich eingebung (suggestio, von spanan suggerere), da aber in den beichtformeln viel von teuflischer eingebung und verlockung geredet wurde von des teufels gespenste (Oberlins bîhtebuoch 36). , gewöhnte man sich an die bedeutung von geisterhaftem, täuschendem trug. Boner 94, 54 setzt ›diu gespenst ‹ (warum nicht gespanst?) für fantom, geistererscheinung. das neutrum steht im mære vom schretel und wazzerber 92 ganz mit jener verknüpfung: ›des tiuvels valant und sîn gespenste ‹; schon früher verbindet Herbort 3500 gespenste und getwâs. Keisersperg (omeiß 39) hat des teufels gespenst (praestigium), erst in den letzten jahrhunderten wurde der ausdruck recht gewöhnlich, einige schrieben gespengst Frisch 2, 302 a , dem aber das lat. spectrum verwandt scheint. . Wir sagen auch spuk ; das ist ein nd. wort, dem ich zuerst in dem chron. saxon. bei Eccard. p. 1391 begegne, wo spôkne steht; Detmar 1, 136 hat spuk , 2, 206 vorspok praesagium. heute spôk , nnl. spook , spookzel , schwed. spöke , dän. spökenis a. 1618, spögelse (spectrum) spög (jocus); wofür also ein mhd. spuoch , nhd. spuch erwartet werden sollte, aber nirgends vorkommt. gespüc hat allerdings Berthold cod. pal. 35 fol. 27 b Nachtrag: Geheuer wird auch durch › dicht ‹ ausgedrückt. abergl. 768 . nu bin ich ungehiure . Wigal. 5831. ich fragte den wirt ob nicht ein ungeheuer in seinem stall gehe. Simplic. K. 1028. dasz es in dem hause unrein sei. Nürnberger 11. wie von Notker manes durch unholdon , wird es im ags. durch hellvaran  = habitantes tartarum übertragen. Griech. ist εἴδωλιν gespenst. Herod. 5, 92. quae hic monstra fiunt. Plaut. Most. II. 2, 74, daher mostellum f. monstrellum, was sich zeigt, erscheint. vgl. anm. 2751 und scheme, larve, schatte s.  873 . ein gespenste vil unrein. pass. 99, 15. geist und gespenst . H. Sachs I. 3 , 249 d . I. 5, 532 c . 534 b . gespenste . Schweinichen I, 261. 320. halbgespenst . Göthe 57, 14. gespeist . Stald. 2, 381. Mone 8, 407. Spuken heißt auch wafeln . Kosegarten bei Höfer 1, 377. ags. vafian , altn. vafra , vofra , vofa , mhd. waberen . altn. vofa spectrum, ags. väfersyne spectaculum, ahd. wabarsiuni spectaculum. Graff 6, 129. kl. schr. 5, 437. Die todten liegen › heilir î haugi ‹. Hervar. s. 442. svâ lâti âss þik heilan î haugi! das. s. 437. die verstorbnen erscheinen nachts oder in der morgendämmerung in den kirchen und verrichten gottesdienstliche gebräuche, trauung, beerdigung u. s. w. ihr erscheinen zeigt einen bevorstehenden todesfall an. mehrere solcher sagen überliefert Dietmar (Pertz 5, 737. 738) mit dem spruche: ut dies vivis, sic nox est concessa defunctis. vgl. die sage in den altd. bl. 1, 160, eine norw. sage bei Asbiörnsen Huldreev. 1, 122. Schellings gedicht: die letzten worte des pfarrers zu Drottning. dem Wolfdietrich, als er nachts auf der bahre liegt, erscheinen alle geister der von ihm getödteten und fechten mit ihm. Wolfd. 2328–34. vgl. Ecke 23. abweichend Dresd. Wolfd. 327–330. dazu die sage von der wüsten kirche mit dem sarg. altd. bl. 1, 158. KM. 2 no. 4. dem cavalier im irrgarten der liebe erscheinen zuletzt die geister aller seiner geliebten s. 610. von diesen erscheinungen gilt der ausdruck: sich melden , sich anmelden . Schm. 2, 570. Schönleithner 16. vgl. wb. s. v. sich anzeigen . . Bezeichnender ist das altn. fem. aptragânga (Laxd. saga p. 224), gleichsam anima rediens, dän. gienfärd , gienganger , franz. revenant , Saxo gramm. 91 sagt redivivus ; vgl. die redensart: es geht um (es spukt); at hann gengi eigi dauđr. fornald. sög. 2, 346. niedersächs. dwetern , auf dem Harz walten für umgehn (Harrys volkss. 2, 46). Das eigentliche altn. wort ist draugr (fornm. sög. 3, 200), Ođinn heißt drauga drôttinn (Yngl. saga cap. 7), der grabhügel 763 draughûs (Sæm. 169 a ). Diese benennuug hat sich in Schweden und Dänmark verloren, dauert aber im norweg. drou , droug (Hallager 20 c ). draugr scheint gleicher wurzel mit dem ahd. gitroc , mhd. getroc , d. i. trugerscheinung, trugbild, fantom, welches von elbischen, teuflischen wesen gilt (s.  384 ), aber ein verbum driuga, triegen (fallere) ahd. triokan, trôc geht der nord. sprache ab das buchstäblich entsprechende ags. dreogan, dreáh bedeutet nie fallere, sondern agere, patrare, tolerare, und dazu stimmt das altn. driugr (frequens). . Die edda bietet auch das analoge svik (fallacia, fraus) im sinn einer gespenstigen gaukelei dar. Sæm. 166 b 167 a . Nichts anders bedeuten die s.  399 angegebnen ausdrüke giscîn , und scînleih , sie können sich auf gespenster wie auf waldgeister beziehen Nachtrag: Zum altn. aptragânga halte aptrgöngr reditus. Eyrb. 174. 314. gonger wiedergänger. Müllenhoff s. 183. es geht um heißt bair. es weizt dort. Panzer beitr. 1, 98. Schm. 4, 205. 206, hess. es wandert , in der Wetterau es wannert vgl. wanken. Reineke 934. nnl. waren , rondwaren . vgl. es läßt da niemand ruhn. in der kammer lessets noch heut niemand ruhen. Bange thür. chron. 27 b . Mit dem altn. draugr ist das zend. drucs daemon unverwandt. Bopp vergl. gramm. s. 46. . Die glossen liefern manche alte wörter für das lat. larva. schon die florent. 982 b talamasga und eine spätere mnl. samlung Diut. 2, 220 talmasge ; auch Kilian hat talmasche larva, talmaschen larvam induere, es ist das altfranz. talmache und tamasche bei Roquefort, der es masque, faux visage erklärt, talmache de vaisseau heißt ein am schif angebrachtes bild Ducange s. v. talamasca , πέτμα, delusio imaginaria, dazu wird angeführt Hincmar in capit. ad presb. dioec. cap. 14. Regino 1, 213 und Burchardus wormat. 2, 161 wo es heißt: larvas daemonum, quas vulgo talamascas dicunt ante se ferri consentiat. geschöpft aus dem concil. namnetensi cap. 10 vgl. Schmeller 2, 640. . andere glossen geben flathe , und scrat , scraz (s.  396 ). mummel ist larve und kobold (s.  418 ). alles was nicht geheuer und schreckhaft drohend ist, monstrum, prodigium, portentum, praestigium erreicht auch den begrif eines gespensts. getwâs (s.  384 ) Herbort 842. 12856, ›ein bôse getwâs ‹ vom gelouben 530; mnl. ghedwaes hor. belg. 6, 249 a stimmt zu dem litth. dwase (gespenst). Martina 10 liest man: daz geschrudel . Stald. 2, 27. 59. 64 hat das nachthuri , das ghüdi , altn. ist vofa spectrum, von vofa ingruere, imminere; der draugr heißt auch dôlgr (feind) fornald. sög. 2, 368. fornm. sög. 3, 200 und dazu darf etwa das upländische dödöljor manes defunctorum (Ihre dial. lex. 32 b ) gehören, wenn nicht zu dylja (celare), schwed. dölja Nachtrag: Für larva, monstrum steht auch bloß dala . Graff 5, 397. talmasche . de Klerk 2, 3474. das finn. talma limus, talmasca mucedo in lingua aegroti, lautet bloß zufällig ähnlich. Ags. dvimeru spectra, lemures, larvae nocturnae, gedvimor praestigiator, gedvomeres nebulonis, gedvomere necromantia. Haupts zeitschr. 9, 514 b . 515 a . daz getwâs . Herb. 12856 stimmt besser, als zum litth. dwase, zum ags. dvaes stultus, denn mhd. getwâs stultus kommt auch vor. Eilh. Trist. 7144. 7200. 7300. altn. skrâveifa spectrum von veifa vapor, skrâ obliquus? Vampyre sind zurückkehrende, blutsaugende todte, wie auch die Erinnyen leichenblut saugen. Aeschyl. eumen. 174. vgl. die sage vom braunen mann. ir. märch. 2, 15. . Merkwürdig ist nun, daß schon die altn. draugar von feuer umgeben dargestellt werden: ›hauga eldar brenna‹. fornald. sög. 1, 434; ›lupu upp hauga eldarnir‹. das. 1, 518. Loka daun (s.  200 ) ist der isländ. name einer feurigen dunsterscheinung. Noch jetzt ist in ganz Deutschland volksglaube, daß seelen, die der himmlischen ruhe nicht theilhaftig geworden sind, in feuriger gestalt in der Lausitz heißt feuermann was sich bei nachtzeiten um die wipfel der waldbäume schwingt, ignis lambens, laus. monatsschr. 1797 p. 749. bei nächtlicher weile, gleich irrendem gevögel (s.  691 ), auf feld und wiesen schweifen, vgl. wiesenhüpfer s.  692 . den wandersmann, der sie für dorflichter nimmt, leiten sie ab vom rechten weg, bald sich entfernend, bald wieder nähernd: wie kobolde hocken sie auf (abergl. 611 ) und schlagen über dem 764 menschen ihre flügel zusammen (deutsche sag. no. 276); sie führen in sümpfe, auf falsche, irre spur, hirrligspor (St. 2. 45), gerade wie der butz (s.  419 ). der wanderer sucht wenigstens mit einem fuß im wagengeleise zu bleiben und setzt dann sicher seinen weg fort, denn die irwische haben nur macht auf fußsteigen. Nach Villemarqué barzasbreiz 1, 100 ist der geist ein kind mit einem feuerbrand in der hand, den es wie entflammtes rad umdreht, bald scheint es ein krankes pferd, das dem hirten, der es in den stall führen will, seinen brand an den kopf schleudert, bald eine blökende verirrte ziege, die sich nach sonnenuntergang am weiher zeigt und den reisenden ins wasser lockt und dann neckend weiter springt. Auch in Etners unwürd. doctor s. 747 werden ›feuermänner und springende ziegen‹ zusammengestellt. Diese erscheinung hat eine menge namen. der gewöhnlichste ist irlicht oder irwisch von der ähnlichkeit brennender strohwische, am Rhein auch heerwisch , östr. feuriger mann , fuchtelmann (Höfer 1, 251) von fuchteln, hin und her bewegen, eigentlich die flammende klinge solche feurige dünste setzen sich auch auf den mast der schiffe , Marienleg. 87, 96, die spieße der krieger . jenes nannten die alten nach den Dioskuren, Plin. 2, 37. den neueren heißt es feu de s. Elme. für die flammenspeere habe ich alte zeugnisse: ›signa militum arsere‹, ›pila militum arsere‹ Tac. ann. 12, 64. 15, 7; ›duae puerorum lanceae emissis flammis lumen euntibus praebuerunt, ibantque fulgurantes hastae‹. Greg. tur. mirac. Mart. 1, 10. ein jüngeres beispiel in Zeillers miscell. Nürnb. 1661 s. 143. 144. deutsche sag. no. 279. bezug auf seelen ist hier nirgends, es sind vielmehr günstige vorzeichen des siegs, wie cap.  xxxv gezeigt werden soll. wohl aber gelten die fliegenden sterne für seelen (s.  602 ), selbst den Grönländern (Majers myth. lex. 2, 240) und Mongolen (Bergmann 3, 42). . bei Pictorius p. 524 zeusler , von zeuseln, züseln, mit feuer tändeln, sonst auch zünsler , zündler , bei Fischart zunselgespenst (Garg. 231) vgl. Höfer s. v. zinserl. Niederd. gloiniger (glühender) man , tückebold , tukkebode , nicht von tücke, bosheit, sondern von tuk (hastige bewegung, Reinh. p. 109) oder zucken, hin und herfahren, vgl. das hd. ziebold (schmetterling). westfäl. smalgenfür , was ich kaum verstehe. allgemeiner bekannt sind dwerlicht (wirbelnde flamme), elflicht , dwellicht (von dwelen, dwalen, irre gehn), nnl. dwaallicht , droglicht (wieder: triegendes) drogfackel , auch in Nassau druckfackel Kehrein Nassau 31. 32; dän. lygtemand (leuchtemann), blaasmand (feuermann, Molbech dial. 39) und vättelys (geisterlicht), schwed. lyseld und lyktgubbe ; engl. mit dem bezug auf menschennamen, der auch bei hausgeistern gilt (s.  417 ) Will with a wisp (strohwisch), Jack in a lanthorn . lat. ignis fatuus (ann. corbei. a. 1034), franz. feu follet (follis s.  420 ), fifollet (Pluquet contes p. 13), farfadet , sauterai , nach den mém. des ant. 4, 406 auch, mir unverständlich, quela . sloven. vesha (schmetterling, hexe), shkopnik , shkopnjak (strohmann, von shkopa mhd. schoup), smotava (von smota, error), slep ogeni (blindes feuer); böhm. swétylko (lichtlein), bludićka (von blud error), poln. blędnica ; lausitz. bludnc swieczke . Auch unsrer alten sprache weiß ich die 765 namen nicht, es müste denn irregane und girregar in einer königsb. hs. (grundr. 345) hierher gehören? aber Ls. 2, 314 ist Irreganc name eines fahrenden schülers, was in Haupts zeitschr. 1, 438 auch irrefogel heißt vgl. Schm. 3, 588; Tit. 576 ›ein irregengel vor allem valsche‹. Nahe berührung mit wichten und elben zeigen vättelys und elflicht , das scheinen die ältesten ausdrücke. Sindri (scintilla) ein eddischer zwergname Sæm. 7 b erinnert an den kobold Iskrzycki (s.  424 ). Man erzählt von einem irwisch , der gefangen wurde, und den bald darauf eine menge anderer zurückzufordern kamen. hier erscheinen sie als ein zusammen haltendes elbisches volk Ad. Kuhn (vorr. zu den märk. sagen s.  ix ) will alle kobolde für ursprüngliche feuergottheiten, das feuer des hausheerdes für den grund ihrer verehrung halten. beide, kobolde und irwische, heißen follet (s.  420 . 425 ) und gleich feurigen drachen (s.  574 ) tragen die kobolde geld oder korn zu, aber auch die otter ist koboldisch (s.  575 ) und die dominae tragen zu (s.  237 ) wie die teufel. Nachtrag: Von den irwischen heißt es in der insel Felsenb. 3, 232: diese flammen steigen aus dem gottesacker empor, die todten rufen mich zu sich in ihre ruhe. sie sehnen sich nach meiner gesellschaft. altn. hrælios ignis fatuus, leichenlicht, licht auf gräbern, hrævarlios , hrævareldr . vafrlogi , wabernde flamme, zeigt sich um gräber und schätze in gräbern (s.  500 . 811 ). vgl. Sigurds und Skirnis marr, er mic um myrqvan beri vîsan vafrloga . Sæm. 82 a . der irrwisch heißt das irreding (gespenste). Schelmufsky 1, 151, der feuermann . pomm. sage in d. balt. stud. XI. 1, 74, brünniger mann . Stalder 1, 235, laufende fackel . Ettners unw. doctor s. 747, ags. dvâsliht . mnl. dwaesfier . Verwijs s. 15, lochtermane . Müllenhoff s. 246, wend. bludnik . wend. volksl. 2, 266 b . litth. baltwykszlė, lett. leeks ugguns falsches feuer, lapp. tjolonjes . Lindahl 475 b . vgl. KM. 3 3, 196. zu girregar vgl. Beham Wien 377, 21. einen girrengarren enborrichten, einen teuflischen schragen mit langem kragen. Hagen Ges. Abent. 3, 82. der koboldsname Iskrzycki stammt von slav. iskra scintilla. auch in Haupts zeitschr. 4, 394 erscheinen die lüchtemännchen wie kobolde. in der Wetterau heißt feurig gehn soviel wie als irlicht umgehn. . Früher hatten diese irlichter ohne zweifel eine weitere bedeutung, heute wird sie hauptsächlich auf zwei arten unseliger geister eingeschränkt, auf die seelen ungetaufter kinder braunschw. anz. 1760. no. 86, 35. Praetorii weltbesch. 1, 262. 269. lausitz. monatsschr. 1797 p. 747. schon im anegenge 180 a 190 b : ›wâ mit diu armen chindelîn daz fiwer haben geschoufet, diu dâ ungetoufet ân ir schulde scheident von hinne‹; doch hier wird das fegefeuer gemeint sein. und solcher menschen, die bei ihren lebzeiten am ackerfeld frevelten , die heiligkeit der grenze nicht achteten ungerechte siebner . Mösers patr. phant. 3, 309. › fürig marcher ‹ in Hebels gedicht die irlichter. Moncs anz. 1835, 408. 1838, 223. Westendorp p. 511. . Ungerechte landmesser (schwed. skjälvrängare) sieht man mit langer feuerstange in den furchen auf und ab schweben und gleichsam das vermessene nachmessen; wer seinem nachbar abgepflügt, wer den stein verrückt hat, den trift der fluch umzugehn als irwisch. beim pflügen zweifelhafter schnate hört man daher unter dem volk die redensart: ›ik mag nüt spüken gan‹, vgl. deutsche sag. no. 284. 285. Thiele 1, 58 Nachtrag: Die ungetauften kinder kommen ins feuer . anegenge 2, 13 ff. 11, 75 ff. 12, 12. sie kommen in nobiskratten . Stald. 2, 240. sie dürfen nicht auf der heiligen insel begraben werden (s.  499 ). vile si dâ vunden lûterlicher kinde vor der helle an einem ende, dâ die muder wâren mite tôt. En. 99, 12. dagegen: ôsten (ab oriente) schulen diu westirbarn in daz himilrîche varn. Karaj. 28, 12. ungetaufte kinder werden pilweisse (s.  393 ), wie unzeitige kinder elbe werden (s.  898 ). ungetaufte kinder werden weiße létiches . Bosquet 214 und kaukas . Nesselmann 187 b . . Fruchtbarer für unsere untersuchung wird eine andre art gespenster, die gleich den irlichtern auf ungetaufte kinder bezogen werden, aber nicht als einzelne feuer an dem erdboden her schweifen, sondern in ganzen haufen doch kommen auch einzelne brausende geister vor, z. b. jungfer Eli im Davert (deutsche sag. no. 121). den namen brausende geister gewährt Plitts nachr. von Wetter p. 42. mit schrecklichem tosen durch wald und lüfte fahren. das ist die weitverbreitete sage von dem wütenden heer , der wütenden jagd , welche in hohes alterthum hinaufreicht, und sich bald mit göttern bald mit helden verwebt. auf allen seiten blickt hier zusammenhang mit dem heidenthum durch. Die Christen hatten dem glauben an die götter ihrer vorfahren nicht so schnell noch so völlig entsagt, daß ihnen jene heidnischen gestalten mit einem mal aus dem gedächtnis entfallen 766 wären. sie wiesen den zum theil hartnäckig festgehaltnen nur eine andere stelle, weiter im hintergrund, an. der alte gott verlor sein zutrauliches wesen, seine nahen züge, und gieng in den begrif einer finsteren, schreckenden gewalt über, welcher immer noch gewisse einwirkung verblieb. den menschen und ihrem dienste gleichsam abgestorben irrte und schwebte er in den lüften, teuflisch und gespenstig. Es ist schon s. 110 zusammenhang zwischen dem wütenden heer und Wuotan behauptet worden, dem namen wie der sache nach verknüpft sich ihm dieser gott. ein ungedrucktes gedicht des Rüdiger von Munir enthält unter andern beschwörungsformeln auch die ›bî Wuotunges her ‹. Wuotunc und Wuotan waren namen gleicher bedeutung. Wuotan, der gott des krieges und sieges, zieht an der spitze dieser lufterscheinung; der meklenburgische landmann, wenn er ihr getöse vernimmt, drückt sich noch heute aus: ›de Wode tüt ‹ Adelung s. v. wüthen; › Wode jaget‹ (s.  129 ). ebenso in Pommern und Holstein. Wuotan erscheint reitend, fahrend, jagend, wie in nordischen sagen, in seinem geleit valkyrien und einherien; der aufzug gleicht einem heer. Völlige sicherheit über die identität dieses jagenden Wode mit dem heidnischen gott empfängt man durch einstimmige scandinavische volkssagen und redensarten. die naturerscheinung des heulenden windes wird Ođins, wie die des donners Thôrs wagen beigelegt. bei nächtlichem lärm, wie von pferden und wagen, heißt es in Schweden › Oden far förbi ‹ Loccenii antiq. sveog. cap. 3. Geijer Sv. häfd. 1, 268. . in Schonen wird ein vielleicht von seevögeln an november und decemberabenden verursachtes geräusch › Odens jagt ‹ genannt Nilsson skandinavisk fauna 2, 106. . In Baiern sagt man das nachtgejaid oder das nachtgelait (proccssio nocturna) Schm. 2, 264. 514; in Deutschböhmen nachtgoid (= gespenst) Ranks Böhmerwald s. 46. 78. 83. 91. In Thüringen, Hessen, Franken, Schwaben ist der ausdruck ›das wütende heer ‹ hergebracht, er muß hoch hinauf reichen, schon der dichter der urstende aus dem 12 jh. (Hahn 105, 35) sagt ›daz wuetunde her ‹ von den juden, die den heiland überfielen, und Rol. 204, 16 heißt Pharaons vom meer verschlungnes heer ›sîn wôtigez her ‹, bei Stricker 73 b ›daz wüetunde her ‹; Reinfr. von Braunschweig 4 b ›daz wüetende her ‹; Michael Beheim 176, 5 redet von ›schreien und wufen, als ob es wer das wutend her ‹; das gedicht von Heinr. dem löwen (Maßm. denkm. s. 132) sagt: ›da qwam er under daz wöden her , da die bösen geiste ir wonung han‹. Geiler von Keisersperg predigte über das wütede oder wütische heer omeiß 36 ff. seine schilderung verdient hier eine stelle: ›und die die also laufen, die laufen allermeist in den fronfasten und voruß in der fronfasten vor weihenachten , das ist die heiligest zeit. und lauft ietlicher als er ist in seinem cleid, ein hauer als ein bauer, ein ritter als ein ritter und laufen also an einem seil und tregt einer das krös vor im, der ander den kopf in der hand und lauft einer voruß , der schreiet: ›flühe ab dem weg, das dir gott das leben geb!‹ also redt der gemein man darvon. ich weiß nüt darvon.‹ . H. Sachs 767 I, 346 hat ein eignes gedicht vom wütenden heer , eine mansfeldische sage davon erzählen Agricola und Eiering. Nicht zu übersehen, daß (nach Keisersperg) alle eines gewaltsamen todes (›e denn das inen got hat ufgesetzt‹), (nach abergl. 660 ) alle ungetauft sterbenden kinder ins wütende heer zu Holda (s.  223 ) Berhta und Abundia (s.  238 ) kommen, wie sie irwische werden (s.  765 ): der christliche gott hat sie sich nicht angeeignet, darum verfallen sie dem alten heidnischen. das scheint mir wenigstens der ursprüngliche ideengang Nachtrag: Die lat. furia stammt von furere, ahd. purjan. wb. 2, 534. sie heißt ahd. helliwinna . Graff 1, 881, hellwüterin . Schade pasq. 100, 9. 103, 25. 113, 79 ff. mit bezug auf Wuotan und wüten , tosen, furere. uns ist der tiuvel nâhen bî oder daz wüetende her . Mauritius 1559. erst hub sich ein scharmutzeln wie in eim wilden heer. Ambras. lied. s. 151. Uhland 1, 657. das wilde heer heißt die wilde fahrt . Wolfs zeitschr. 1, 292. 293. in Vorarlberg das nachtvolk oder wuethas . Vonbun s. 83, in Steier das wilde gjaid . Wolfs zeitschr. 2, 32. 33, bair. das gjoad , wilde gjoad . Panzer 1, 9. 16. 29. 37. 63. 85. 85. 133. der wilde jäger mit dem wüthis heer . Gotthelf erz. 1, 221. Wudes , Wodesheer in der Eifel. Wolfs zeitschr. 1, 316. Firmenich 3, 244 b . joejagd , jöjagd . Osnabr. mitth. 3, 238–240. . Während sich der gemeine mann hier noch lange Wuotan dachte oder ihn passend in ein verwandtes verbum versteckte; war es ganz in der ordnung, daß gebildetere frühe schon an seine stelle den teufel setzten. ›si bliesen unde gullen, vreisliche si hullen, sô daz diu helle wagete, alse der tuvel dâ jagete ‹ sagt Veldeck En. 3239. Caesarius heisterb. 12, 20 erzählt von einer eitlen frau, die sich in schönen, neuen schuhen hatte begraben lassen, deren seele dafür von dem › infernalis venator ‹ gejagt wurde: ›ex remoto vox quasi venatoris terribiliter buccinantis, nec non et latratus canum venaticorum praecedentium audiuntur‹ Joach. Camerarii horae subsec. cent. 2. cap. 100 p. 390: ceterum negari non potest diabolum varia ludibria cum alias tum praesertim in venatione leporum saepenumero exercere, cum nonnunquam appareant tripedes claudicantes et igneis oculis , illisque praeter morem dependentibus villis, atque venatores insequentes abducere student vel ad praecipitia vel ad paludosa aliaque periculosa loca. imo visa sunt phantasmata et in terra et in nubibus integras venationes cum canibus, retibus, clamoribus raucis tamen, aliisque instrumentis venaticis instituere praeferentia formas hominum longe ante defunctorum. . Rol. 204, 6: ›der tiuwel hât ûz gesant sîn geswarme und sîn her ‹; ›der tiuvel und sîn her ‹. Renn. 2249. 2870. Das volk in Baiern läßt den teufel auf aschermittwoch das holzweiblein jagen (abergl. 914 b ). An den teufel schließt sich die vorstellung eines ungeheuern riesen , der sowol ihn als Wuotan vertreten kann, und diese ansicht herscht in der Schweiz. die wilde jagd heißt dort dürstengejeg (von dürst, durs s.  431 ), das volk hört den dürst in den sommernächten am Jura jagen und die hunde mit seinem hoho anfrischen: unvorsichtige, die ihm nicht aus dem wege weichen, überrumpelt er Ildef. v. Arx Buchsgau. p. 230. Stald. 1, 208. . Schm. 1, 458 führt eine alte glosse an, welche mit duris (gen. durisis) das lat. Dis, Ditis widergibt, einen unterirdischen, höllischen gott meint. In Niedersachsen und Westfalen wird aber dieser wilde jäger auf die bestimmte, halbhistorische person eines jägermeisters bezogen. die auslegung schwankt. westfälische überlieferungen nennen ihn Hackelbärend , Hackelbernd , Hackelberg , Hackelblock . Hackelbärend war ein jäger, der auch sonntags auf die jagd zog, dieser entheiligung wegen wurde er nach seinem tode (wie der mann im mond s.  598 ) in die luft verwiesen, wo er mit seinem hunde, ohne sich auszuruhen, tag und nacht jagen muß. nach 768 einigen jagt er nur in den zwölf nächten, von weihnachten zu den heiligen drei königen, nach andern immer, wann der sturmwind heult , weshalb ihn einige den joljäger (von jolen, heulen oder julzeit?) nennen Weddigens westfäl. mag. bd. 3. no. 18. . Auf einem umzuge ließ Hackelberg zu Isenstädt (bisthum Minden) in Fehrmanns scheune, einen seiner hunde zurück . das ganze jahr lag der hund da, jeder versuch und alle gewalt ihn wegzubringen war vergebens. als aber das folgende jahr Hackelberg mit seiner wilden hetze wieder vorüberfuhr, sprang der hund plötzlich auf und rannte dem heer bellend und klaffend nach Redekers westfäl. sagen no. 48. . Zwei bursche giengen abends von Bergkirchen durch den wald ihre bräute zu besuchen. da hörten sie über sich in der luft wildes hundegebell und eine stimme dazwischen rufen ›hoto, hoto!‹ das war Hackelblock , der wilde jäger, mit seiner jagd. einer der bursche erdreistete sich ihm nachzusprechen ›hoto, hoto!‹ da nahte Hackelblock mit seinen hunden und hetzte die ganze meute über den verwegenen. von dem unglücklichen ist hernach auch nicht eine spur gefunden worden Redekers westfäl. sagen no. 47. . So in Westfalen. Nach niedersächsischer sage war Hans von Hackelnberg oberjägermeister des herzogs von Braunschweig, und ein gewaltiger weidmann, er soll 1521 gestorben, nach andern in diesem jahre geboren und erst 1581 gestorben sein. Landau jagd 190. drei stunden von Goslar, im garten eines wirtshauses, genannt der Klepperkrug, liegt sein grabstein. eines nachts, in schwerem traum , däuchte ihn, er kämpfe mit einem furchtbaren eber , und unterliege ihm zuletzt. wirklich traf er bald hierauf das thier und erlegte es nach hartem kampf; in der siegesfreude stieß er mit dem fuß nach dem eber und rief: ›hau nun, wenn du kannst!‹ er hatte aber so heftig gestoßen, daß des ebers scharfer zahn durch den stiefel drang und Hackelnbergs fuß verletzte Siguvđr iarl drap Melbrigđa Tönn, ok bâtt höfut huns viđ slagôlar ser oc laust kykqva vöđva sînom â tönnina, er skađi or höfđino, kom þar î blâstr î fötinn, oc feck hann af þvi bana. Har. saga ens hârf. cap. 22. Gundarich, Thassilos sohn stirbt an einer wunde, die ihm ein eber in die wade versetzte. MB. 13, 504. 505. vgl. am schluß des cap. Orions schicksal. . anfangs achtete er die wunde wenig, aber der fuß hub an zu schwellen, daß der stiefel vom bein geschnitten werden muste und ein schneller tod eintrat. Nach andern liegt er zu Wülperode unweit Hornburg begraben Otmars volkssagen 249. 250. . Hackelnberg ›fatscht‹ in sturm und regen, mit wagen, pferden und hunden durch den Thüringerwald, den Harz, am liebsten durch den Hackel (einen wald zwischen Halberstadt, Gröningen und Derenburg, vgl. Praetorius weltb. 1, 88). am todbette wollte er nichts vom himmel wissen und auf des predigers ermahnen versetzte er: ›unserm herrn gott möge der himmel bleiben, wenn ihm nur seine jagd bliebe‹, worauf der prediger aussprach: 769 ›so jage bis an den jüngsten tag!‹ was nun bis heute in erfüllung geht gleich Dümekes wunsch, der ewig fahren wollte (s.  605 ). . kleinlautes hundegebell oder gekliffe (gegiffe) kündigt ihn in der luft an, eine nachteule fliegt ihm voraus, vom volk die Tutosel (tutursel) genannt. wanderer, denen er aufstößt, werfen sich still auf den bauch und lassen ihn vorüber ziehen, sie hören hundegebell und den weidruf ›huhu!‹ Tutosel soll eine nonne gewesen sein, die sich nach ihrem tod dem Hackelnberg gesellte und ihr › uhu! ‹ mit seinem › huhuh! ‹ vermischte Otmar 241. deutsche sagen no. 311. vgl. goth. þiutan (ululare) þuthaúrn (tuba). . Die Altmärker versetzen einen wilden jäger namens Hakkeberg in den Drömling, und lassen ihn nachts mit pferden und hunden vom Harze herab in den Drömling jagen. (Temme s. 37). Ad. Kuhn no. 17 nennt ihn Hackenberg und Hackelberg , er soll auch sonntags gejagt und alle bauern seiner gemeinde mitzugehn gezwungen haben, eines tags aber kamen plötzlich zwei reiter ihm an die seite gesprengt, die ihn aufforderten mit zu ziehen der eine sah wild und grimmig aus, seinem pferde sprühte feuer aus nase und maul, der reiter zur linken sah ruhiger und milder aus, Hackelberg aber wandte sich zu dem wilden, der mit ihm fortsprengte und in dessen gesellschaft er bis zum jüngsten tag jagen muß. Andere sagen von dem wilden jäger verzeichnet Ad. Kuhn no. 63. 175, ohne eigennamen. Wieder nach andern hauste Hackelberg im Sölling, unweit Uslar, er hatte gottselig gelebt, aber so sehr am weidwerk gehangen, daß er auf dem todbett gott flehte, für sein theil himmelreich ihn bis zum jüngsten tag am Sölling jagen zu lassen. sein wunsch wurde ihm verhängt, und man hört oft in diesem wald zu nacht hundsgebell und greuliches hornblasen. sein grab liegt auch im Sölling, die richtung der steine wird genau beschrieben, neben ihm ruhen zwei schwarze hunde Kirchhofs wendunmut no. 283. p. 342. deutsche sag. no. 171. nach den braunschw. anz. 1747 p. 1940 liegt der wilde jäger Hackelnberg im Steinfelde, unter einem stein, worauf ein maulesel und jagdhund gehauen sind. . Endlich aber melden Ad. Kuhns sagen no. 205, Temme Altmark s. 106 von einem heidereiter Bären , dessen kirchhof in der Ukermark auf der heide bei Grimnitz gezeigt wird, und Bärens traum vom stumpfschwanz (eber), dessen haupt ihn tödtet, weist unverkennbar auf Hackelberend . Schon die unvereinbare verschiedenheit örtlicher anknüpfung zeigt daß überall hier, den grabsteinen zum trotz, ein mythisches wesen gemeint wird, ein in so verschiedner gegend auftauchender name muß mehr sein als historisch. ich bin geneigt, die westfälische form Hackelberend für die älteste, echteste zu erklären. das ahd. hahhul, altn. hökull (masc.) und hekla (fem.), ags. hacele (fem.) bedeutet gewand, mantel, kutte, rüstung ahd. missahahul (casula) gl. sgall. 203. missehachil gl. herrad. 185 b messgewand. Graff 4, 797. , hakolberand also 770 im alts. dialect einen gerüsteten, geharnischten mann, vgl. alts. wâpanberand (armiger), ags. äseberend, gârberend, helmberend, sveordberend (gramm. 2, 589). Nun aber erinnere ich an Ođins kleidung (s.  121 ), der gott erscheint in breitgekremptem hut, blauem, fleckichtem mantel ( hekla blâ, flekkôtt): hakolberand ist unverkennbar ein alts. beiname des heidnischen gottes, des Wôdan , den man allmälich in Hakkelberg, Hakkenberg, Hakkelblok entstellte. aus Hakelberndes wald könnte sich die benennung des waldes Hackel verkürzt haben. des halberstädtischen saltus Hakel finde ich zuerst in dem (bedenklichen) chron. corbeiense ad a. 936 (bei Falke p. 708) erwähnt, fern davon, dicht bei Höxter im gau Auga war ein Hacules thorp (Wigands corv. güterb. s. 94 Saracho 197. trad. corb. 385) und später eine Hakel breite; auch in Niederhessen bei Volkmarsen ein Hackels berg, bei Merzhausen (amts Witzenhausen) ein Hackel berg. läßt sich hakel = wald beweisen, so muß in berand die beziehung eines höheren wesens gesucht werden, was uns vielleicht nachher gelingt, ich werde cap.  XXXIII Hakol in dem altn. Hekla für berg, also waldgebirg nachweisen. in jedem fall gewinnen wir hier nicht nur ein wichtiges zeugnis für den Wuotancultus mehr, sondern auch neue bestätigung der vom wütenden heer gegebnen deutung; zugleich leuchtet ein, warum sich die volkssage vom Hackelberg vorzüglich in Niedersachsen und Westfalen (wo das heidenthum länger haftete), nicht aber in Süddeutschland Mones anz. 4, 309 hat die sage vom wilden jäger Habsberg im Wiesenthal, wie er durch den wald bei Hägelberg ziehe, das scheint wieder Hakelberg. Graff 4, 797 gibt einen ort Hachil stat. erhielt Nachtrag: ›Als im der tiuvel jagete nâch ‹ sagt auch die Livl. rmchr. 7274. der teufel heißt weideman . merwunder 2, 22, der wilde jäger andrerseits in der Altmark helljeger . Haupts zeitschr. 4, 391. hört ihr den wilden jäger? er zieht grad über uns hin. wie die hunde bellen, wau wau! die peitschen knallen! die jäger jauchzen hollaho! Göthes Götz 8, 149. vgl. 42, 175. merkwürdig sagt schon Fischart im lob der laute s. 100: heckelbergisch geschrei, büffen und blasen des jägerhorns. vgl. anm. 2371 und Hachelberg im Reinhartswald. Landau jagd s. 190. eine abweichende sage vom Hackelberg hat Kuhn aufgefaßt in Haupts zeitschr. 5, 379 (vgl. oben s.  121 ). kann sich darauf ein in der kirche zu Diesdorf im Magdeburgischen eingemauertes steinbild beziehen, das einen mann darstellt, den in sein linkes bein eine sau zu verwunden scheint? thüring. mitth. VI. 2, 13 und tafel 7 no. 5. etwas weicht ab die sage von der einäugigen bache, deren haupt auf der schüssel den jägermeister verwundet, daß er sterben muß. Winklers edelm. 371. der mythus erinnert an die griech. Adonisage und die ir. sage von Diarmuid na mban. s. 193. H. D. Müller (myth. der gr. stämme II. 1, 113) vergleicht ihn dem griechischen von Actäon. träume vom eber . Rudl. 16, 90. Waltharius 623. ein eber verwundet die sonne in ihrer höle. Rudbeck ausgehoben bei Tenzel und Männling s. 205. Hackelberg muß ewig jagen. alhie der lîb, diu sêle dort sol jagen mit Harren (dem hund) êwiclîchen. Laber 568. vom jäger bis an den jüngsten tag . Firmenich 1, 344. Müllenhoff s. 584. in einer westfälischen volkssage nach einer mündlichen mittheilung Kuhns rufen riesen den Hakelberg um beistand an, worauf er sturm erregt und eine müle an den milchweg versetzt, der nun mülenweg genannt wird. in Catalonien heißt es: el viento del cazador . Wolfs zeitschr. 4, 191. Bei Frommann 3, 271 sind Holla und Hackelbernd in der wilden jagd vereint, wenn nicht Waldbrühl die namen aus der mythologie gestohlen hat. 3, 273 wird dazu das kölnische Geckenbehrnden gehalten. Tutosel stammt von tuten boare. Diut. 2, 203 b , τυτώ ἠ γλαύξ a sono tu tu. Lobeck rhemat. 320. . Diese beziehung des wilden jägers auf Wodan setzen meklenburgische sagen völlig ins klare. Oft bellen die hunde der luft in finsterer nacht auf den heiden, in gehölzen, an kreuzwegen. der landmann kennt ihren führer den Wod und bedauert den wanderer, der seine heimat noch nicht erreichte; denn oft ist Wod boshaft, selten mildthätig. nur wer mitten im wege bleibt, dem thut der rauhe jäger nichts, darum ruft er auch den reisenden zu: ›midden in den weg!‹ Ein bauer kam einst trunken in der nacht von der stadt, sein weg führt ihn durch einen wald, da hört er die wilde jagd und das getümmel der hunde und den zuruf des jägers in hoher luft. › midden in den weg! midden in den weg!‹ ruft eine stimme, allein er achtet ihrer nicht. Plötzlich stürzt aus den wolken nahe vor ihm hin ein langer mann auf einem schimmel . ›hast kräfte?‹ spricht er, ›wir wollen uns beide versuchen, hier die kette, faße sie an, wer kann am stärksten ziehen?‹ der bauer faßte beherzt die schwere kette und hoch auf schwang sich der wilde jäger. der bauer hatte sie um eine nahe eiche geschlungen und vergeblich zerrte der jäger. ›hast gewis das ende um die eiche 771 geschlungen?‹ fragte der herabsteigende Wod . ›nein‹, versetzte der bauer, ›sieh so halt ichs in meinen händen‹. ›nun so bist du mein in den wolken‹ rief der jäger und schwang sich empor. wieder schürzte schnell der bauer die kette um die eiche und es gelang dem Wod nicht. ›hast doch die kette um die eiche geschlagen!‹ sprach der niederstürzende Wod . ›nein‹, erwiderte der bauer, der sich eiligst losgewickelt hatte, ›sieh so halt ich sie in meinen händen‹. ›und wärst du schwerer als blei, so must du hinauf zu mir in die wolken!‹ blitzschnell ritt er aufwärts, aber der bauer half sich auf die alte weise. die hunde bollen, die wagen rollten, die rosse wieherten dort oben, die eiche krachte an den wurzeln und schien sich zu drehen. dem bauer bangte, aber die eiche stand. ›hast brav gezogen‹, sprach der jäger, › mein wurden schon viele männer , du bist der erste der mir widerstand! ich werde dirs lohnen‹. Laut gieng die jagd an: hallo, holla! wol! wol! der bauer schlich seines weges, da stürzt aus ungesehenen höhen ein hirsch ächzend vor ihn hin, und Wod ist da, springt vom weißen rosse und zerlegt das wild. ›blut sollst du haben und ein hintertheil dazu!‹ ›herr‹, sagt der bauer, ›dein knecht hat nicht eimer noch topf‹. ›zieh den stiefel aus!‹ ruft Wod. er thats. ›nun wandre mit blut und fleisch zu weib und kind!‹ Die angst erleichterte anfangs die last, aber allmälich ward sie schwerer und schwerer, kaum vermochte er sie zu tragen. mit krummem rücken, von schweiße triefend erreichte er endlich seine hütte und siehe da, der stiefel war voll gold und das hinterstück ein lederner beutel voll silber Lisch meklenb. jb. 5, 78–80. . Hier erscheint nicht der menschliche jägermeister, sondern der leibhafte gott auf seinem schimmel, schon viele sind in seinen wolkenhimmel aufgenommen. das füllen des stiefels mit gold klingt alterthümlich (RA. 673). Es war einmal eine reiche vornehme frau, die hieß frau Gauden ; so heftig liebte sie die jagd, daß sie das sündliche wort sprach ›dürfe sie immerfort jagen, wolle sie nie zum himmel ein‹. frau Gauden hatte vier und zwanzig töchter, die gleiches verlangen trugen. Als nun einmal mutter und töchter in wilder freude durch wälder und felder jagten und wieder das ruchlose wort: ›die jagd ist besser als der himmel!‹ von ihren lippen erscholl, siehe, da wandeln sich plötzlich vor den augen der mutter die kleider der töchter in zotten, die arme in beine und vier und zwanzig hündinnen umklaffen den jagdwagen der mutter, vier übernehmen den dienst der rosse, die übrigen umkreisen den wagen und fort geht der wilde zug zu den wolken hinauf, um dort zwischen himmel und erde, wie sie gewünscht hatten, unaufhörlich zu jagen, von einem tage zum andern, von einem jahr zum andern. Längst schon sind sie des wilden treibens überdrüssig und beklagen den frevelhaften wunsch, aber sie müssen die folge ihrer schuld tragen, bis die stunde der erlösung kommt. kommen wird sie 772 einmal, doch wann? weiß niemand. In den twölven (denn zu andrer zeit können wir menschenkinder sie nicht wahrnehmen) lenkt frau Gauden ihren jagdzug zu den wohnungen der leute; am liebsten fährt sie christnachts oder altjahrsnacht über die straßen des dorfs, und wo sie eine hausthür offen findet, da sendet sie eine hündin hinein. ein kleiner hund wedelt nun am andern morgen die bewohner des hauses an, er fügt niemandem ein anderes leid zu, als daß er durch sein gewinsel die nächtliche ruhe stört. beschwichtigen läßt er sich nicht, auch nicht verjagen. tödtet man ihn, so verwandelt er sich am tage in einen stein, der weggeworfen durch unmittelbare gewalt ins haus zurückkehrt und nachts wieder zum hunde wird. dieser hund wimmert und winselt nun das ganze jahr hindurch, bringt krankheit und sterben über menschen und vieh, und feuersgefahr über das haus: erst mit wiederkehr der twölven kehrt des hauses ruhe zurück. Jeder achtet darum in den twölven sorgsam, daß zur abend und nachtzeit die große hausthür wol verschlossen gehalten werde; wer es unvorsichtig versäumt, trägt selbst die schuld, wenn frau Gauden bei ihnen einkehrt. So geschah dies auch einmal den großeltern jetziger hauswirtsleute zu Bresegardt. die waren noch obenein so thöricht, das hündlein zu tödten, aber dafür war auch von stund an kein ›säg und täg‹ (segen und gedeihen), bis zuletzt das haus in flammen untergieng. Glücklicher daran waren die, welche der frau Gauden einen dienst erwiesen. es begegnet ihr zuweilen, daß sie in der dunkelheit der nacht des weges verfehlt und auf einen kreuzweg geräth. kreuzwege sind aber der guten frau ein stein des anstoßes, und so oft sie sich auf einen solchen verirrt, zerbricht ihr etwas an ihrem wagen , das sie selbst nicht wieder herzustellen vermag. In solcher verlegenheit kam sie auch einmal, als stattliche frau gekleidet einem knechte zu Boeck vor sein bett, weckte ihn auf und bat ihn flehentlich um hilfe in ihrer noth. der knecht ließ sich erbitten, folgte ihr zum kreuzwege und fand da, daß das eine rad von ihrem wagen abgelaufen war. er machte nun das fuhrwerk wieder gangbar und zum dank für seine mühe befahl sie ihm, die sämmtlichen häuflein in seine tasche zu sammeln, die ihre begleiterinnen beim verweilen auf dem kreuzweg zurück gelassen hatten, wir können nicht sagen, ob als zeichen großer angst oder guter verdauung. der knecht unwillig über solch ein anmuten ließ sich doch einigermaßen beschwichtigen durch die versicherung, daß das geschenk so werthlos, wie er wol meine, für ihn nicht sein werde, und nahm wenn auch ungläubig doch neugierig einige häuflein mit sich. und siehe, zu seinem nicht geringen erstaunen begann das mitgenommne mit tagesanbruch zu glänzen wie blankes gold und war auch wirklich gold. da war es ihm leid nicht alles mitgenommen zu haben, denn bei tage war keine spur mehr davon auf dem kreuzweg anzutreffen. Ein andermal beschenkte frau Gauden einen mann zu Conow, der eine neue deichsel in ihren wagen setzte, und noch 773 ein andermal eine frau zu Göhren, die ihr den hölzernen stecken in die deichsel schnitt, über welchem die wage hängt. beide erhielten für ihre mühe, daß die von der deichsel und dem wagenhalter abgefallnen späne sich in schieres, prächtiges gold verwandelten. Insonderheit liebt frau Gauden kleine kinder und beschenkt sie mit allerlei guten gaben, darum singen die kinder auch, wenn sie fru Gauden spielen: fru Gauden hett mi'n lämmken geven darmitt sall ik in freuden leven. Doch hat sie sich allmälich aus der gegend weggewendet, was so zusammenhängt. fahrlässige leute zu Semmerin hatten in einer Silvesternacht ihre hausthür sperrweit offen gelassen. dafür fanden sie am neujahrsmorgen ein schwarzes hündlein auf ihrem feuerheerde liegend, das in nächster nacht mit unausstehlichem gewinsel den leuten die ohren voll schrie. da war guter rath theuer, was anzufangen um den ungebetenen gast los zu werden. Und wirklich gab eine kluge frau an und gebot, es solle das sämmtliche hausbier durch einen ›eierdopp‹ gebraut werden. gesagt gethan. eine eierschale ward ins zapfloch des braukübels gesteckt, und kaum, daß das ›wörp‹ (angegorne bier) hindurch gelaufen war, da erhob sich frau Gaudens hündlein und redete mit vernehmlicher klarer stimme: ›ik bün so olt as Böhmen gold, äwerst dat heff ik min leder nicht truht, wenn man't bier dörchn eierdopp bruht‹, und als es das gesagt hatte verschwand es und seither hat niemand weder frau Gauden noch ihre hündlein gesehn Lisch mecklenb. jb. 8, 202–205. auch in der Prignitz kennt man die sage von frau Gode (Ad. Kuhn no. 217). Nachtrag: Der wilde jäger reitet auf einem schimmel durch die luft. Sommer s. 7. vgl. schimmelreiter s. 160. das füllen des stiefels mit gold kommt auch in einem hess. märchen vor. hess. zeitschr. 4, 117. vgl. Garg. 241 a . die schuhe werden mit gold gefüllt. Roth. 21 b . ein schuh voll geld. Panzer s. 13. Der wilde jäger heißt Goi . Kuhn westf. sag. 1, 8. in der Schweiz wird der dürst auch gäuthier genannt. Stalder 2, 517. sollte darin Goden anklingen? frau Gaudens wagen und hund gemahnt an die nl. sage vom hund beim höllenwagen. Wolf s. 527. . Diese sage klingt an viele andere uralte an. frau Gauden gleicht einmal den auch in den zwölfen umziehenden frau Holda und Berhta , die gerade so an ihrem wagen ausbessern lassen und dafür mit gold beschenken, zuletzt aber das land verlassen (s.  222 . 228 . 229 ). dann ist sie namentlich frau Gaue , frau Gode , frau Wode (s.  209 ), die aus einer männlichen gottheit fro Woden (s.  128 . 129 ) hervorgegangen scheint, welches entschieden durch ihre identität mit Wodan , dem wilden jäger bestätigt wird. selbst der ein jahr lang im haus bleibende hund Hakelbergs (s.  768 ) wie frau Gaudens stimmt dazu vollkommen. die verwunderung, die er über scheinbar verkehrte handlungen der menschen ausspricht und wodurch er sich, wie andere geisterhafte elbische wesen zum reden und weggehn bewegen läßt, ist ganz wie in den s.  388 mitgetheilten sagen. Dennoch scheint der übergang des wilden jägers in göttinnen nicht bloß willkürlich und zufällig, sondern auch noch durch andere erzählungen begründet. E. M. Arndt märchen und jugenderinnerungen 1, 401–404. erzählt die sage von dem wilden jäger ohne namen folgendergestalt: in Sachsen lebte vor langen zeiten ein 774 großer, reicher fürst dem jagd über alles gieng und der jeden waldfrevel an seinen unterthanen auf das härteste strafte. einem knaben, der eine weide geschält hatte, um sich eine schalmei zu machen, ließ er den leib aufschneiden und sein gedärme um den baum treiben RA. 519. 520. 690. ; einen bauer, der auf einen hirsch geschossen hatte, ließ er auf den hirsch festschmieden. Zuletzt brach er selbst seinen hals auf der jagd, indem er gegen eine buche anrannte, und nun hat er im grab keine ruhe, sondern muß jede nacht im walde jagen. er reitet auf einem schimmel , dessen nüstern funken sprühen , gerüstet und peitschknallend, ein schwarm zahlloser hunde folgt; sein ruf lautet › wod, wod, hoho, hallo! ‹ › hoho, woit gut! ‹ AW. 3, 144. 145. wod und woit scheint mir auf Wôdan, Wuotan anzuspielen, weil die ausrufe gern götternamen enthalten. er hält sich in wäldern, auf öder heide, und meidet ordentliche straßen; trift er zufällig in einen kreuzweg, so stürzt er mit dem pferd zusammen, und raft sich erst jenseits wieder auf; er jagt und verfolgt alles unheimliche gesindel, diebe, räuber, mörder und hexen. Eine niedersächs. sage von dem Tilsgraben oder teufelsloch zwischen Dahlum und Bokenem (bei Harrys 1, 6) meldet, der wilde ritter Tils habe so sehr am waidwerk gehangen, daß er auch der feiertage nicht achtete und eines Christsonntages sich vermaß: heute müsse er ein wild erlegen und solle seine burg darüber untergehn. abends aber krähte der hahn, daß die burg noch heute versinken werde, und bald darauf versank sie mit allem was darin war. ein taucher, der in die tiefe des sees gelangte, sah vor einem steintische den ritter Tils sitzen, alt und grau, sein weißer bart war durch den tisch gewachsen . Am Harz braust die wilde jagd den Eichelberg vorüber mit hoho und hundegeklaf. Als ein kecker zimmermann sein hoho hinterdrein rief, fiel ein schwarzer klumpen durch den schornstein auf den heerd, daß funken und brände den leuten um die köpfe stoben. eine große pferdelende lag auf dem heerd und jener zimmermann war todt. Der wilde jäger reitet auf schwarzem kopflosem pferde , eine hetzpeitsche in der einen, ein hifhorn in der andern hand; das gesicht sitzt ihm im nacken und zwischen dem blasen ruft er hoho! hoho! vor und hinter ihm sind weiber, jäger und hunde in menge. Einigemal soll er aber auch gütig erscheinen und verirrte im wald mit trank und speise laben (Harrys 2, 6). Im mittlern Deutschland heißt diese geisterhafte erscheinung bloß der wilde jäger , oder es werden noch andere neuere namen angeknüpft. Bei Wallrod, unweit Schlüchtern im Hanauischen, sieht man im walde große zertrümmerte basaltklippen emporstehen, vor zeiten war da des wilden mannes haus und noch heute schaut man ihn in grauer riesiger gestalt durch den wald über heide und feld, unter krachen und gebrause, seine runde machen (vgl. s.  359 . 775 399 ). Jenes bairische jagen des holzweibleins enthält eine thüringische sage deutlicher. der wilde jäger stellt den moosleuten , den holzweibchen . nach diese moosleute und holzweibel gehören zu den waldgeistern (s.  400 ) und bilden einen übergang auf die zwerge; das meiste von ihnen weiß die voigtländische sage. sie gleichen dreijährigen kindern und verkehren freundlich mit den menschen, die von ihnen geschenke erhalten. oft helfen sie heu machen, füttern das vieh und setzen sich mit zu tische, gezählte sachen dürfen sie nicht nehmen, bei der flachsernte pflegt der landmann drei hände voll flachs für die holzweibel in dem felde liegen zu lassen (vgl. oben s.  370 . 491 ) und beim baumfällen während der zeit, in welcher der schall des abgesägten, niederfallenden baums gehört wird, drei kreuze in einem zwickel auf den stamm zu hauen . in die mitte dieser kreuze setzen sich die holzweibel und haben dann ruhe vor dem wilden jäger , der auf allen seinen wegen dem kreuz ausweicht (vgl. deutsche sagen no. 47). nach voigtländischer überlieferung soll aber der wilde jäger selbst die gestalt eines kleinen graulich bemoosten mannes besitzen und sich in einem engen, stundelangen thale umgetrieben haben (Jul. Schmidt 140). Im Riesengebirg soll der nachtgeist die rüttelweibchen vor sich her treiben, die bloß unter einem baum, bei dessen niederhauen ›gott walts‹ (nicht aber ›walts gott‹) ausgesprochen wurde, vor ihm schutz finden (deutsche sagen no. 270). , er bleibt unsichtbar, aber man hört ihn toben in der luft, daß es ›knistert und knastert‹. einen bauer aus Arntschgereute bei Saalfeld trieb sein vorwitz, als er schall und hundegebell im wald vernahm, mitzuhelfen und das geschrei der jäger nachzuahmen: am andern morgen fand er vor der thüre seines pferdestalls das viertel eines grünen moosweibchens aufgehängt, gleichsam zum lohn seiner jagd deutsche sagen no. 48. Jul. Schmidt p. 143; vgl. no. 301, wo der zwerg dem jäger eine gemse vor die thür hängt. . Dixerunt majores nostri, tempore meliotis et probioris aevi, concubinas sacerdotum in aëre a daemonibus non aliter quam feras sylvestres a canibus venaticis agitari atque tandem discerptas inveniri: quod si hominum quispiam haec audiens venationem suo clamore adjuverit , illi partem vel membrum concubinae dissectum ad januam domus mane a daemonibus suspensum. Bebelii facetiae Tub. 1555. s. 11 a die holzweiblein werden hier durch die pfaffenfrauen vertreten, das kann aber in der volkssage schon des 13 jh. geschehen sein. Den grund, warum der luftjäger das holzweiblein verfolgt, verschweigt die deutsche überlieferung man sehe unten die sage aus Boccaccio und von Grönjette. ; bei dem oberdeutschen volk spielen diese wilden weiber in den zwölf nächten und in den fasten eine entschiedne rolle, sie gehören zu dem heidnischen gespensterspuk. Selbst unter den vicontinischen und veronesischen Deutschen wagts, um die angegebne zeit, der kühnste jäger nicht die wildbahn zu besuchen, aus furcht vor dem wilden mann und der waldfrau . kein hirte treibt dann vieh aus, die heerden werden im stall getränkt und kinder langen das wasser in irdnen gefäßen aus der nächsten quelle. der waldfrau aber spinnen die weiber ein stück haar (flachs) am rocken und werfen es ihr zum sühnopfer ins feuer Hormayrs Tirol 1. 141. . Bis in die Ardennen aber reicht die sage von der wilden 776 jagd , Wolf in den niederl. sagen no. 516. 517 vgl. mit s.  706 hebt mit recht hervor, daß dabei gewöhnlich eber gejagt werden, und ein holzhacker, der an der jagd theil genommen hatte, vierzehn tage lang eberfleisch einsalzen konnte, was an den eber der einherien (s.  265 . 320 ), an die caro aprina und den eberbraten in der Walthersage (Waltharius s. 105) gemahnt, und Hackelbergs traum geht auf den eber (s.  768 ) Nachtrag: Ein mann stellte sich im wald, wodurch der wilde jäger zog, unter einen baum. da hieb ihm einer aus dem gefolge mit dem beil in den rücken, mit den worten: ›in diesen baum will ich mein beil hauen ‹. der mann hatte nun einen buckel und wartete, bis das jahr umlief, dann wartete er des heers unter dem baum. da kam derselbe wieder aus dem zug und sagte: ›jetzt will ich mein beil wieder aus dem baum nehmen‹. fortan war der mann des buckels wieder ledig. Kuhn nordd. s. no. 69. vgl. das anblasen der Berhta s.  229 . hexensage bei Sommer s. 56. Schambach s. 179. 359. Vonbun s. 29 das schnärzerli (2. ausg. s. 36). Wolfs d. sag. no. 348. 349. Panzer 1, 17. 63. Der wilde jäger reitet ohne kopf im Fichtelgebirge. Frommann 2, 554, so auch der wölenjäger , jolenjäger . Osnabr. mitth. 3, 238–240. ähnlich der wilde jäger in der Wetterau. Firmenich 2, 101. er geht ohne kopf mittags zwischen 11 und 12 uhr im gehölz. Sommer s. 7. an einer stelle hält der wilde jäger an und füttert pferde und hunde. Sommer s. 9. In Tirol jagt er das Salgfräulein . Wolfs zeitschr. 2, 60. 35. er hetzt die lohjungfer . Sommer s. 7. 167. so jagt der riese Fasolt das wilde weibchen . Eckenlied 167. 173. . Das volk fürchtet verkehr mit den mächtigen geistern, und wer diese scheu bricht, hat es hart zu büßen. Schlimmer als der saalfeldische bauer fuhr der westfälische (s.  768 ) oder der schneider im Münsterland über dessen haus die wilde jagd brauste. als er des jägers spottend sein › huhu, klifklaf! ‹ dazwischen rief, kam ein pferdefuß durch das fenster und schlug ihn vom tisch herab: ›willstu mit mir jagen, sollstu mit mir knagen!‹ erscholl eine fürchterliche stimme aus der luft (D. S. no. 309). Zu Delligsen bei Alfeld (im hildesheimischen) erzählte ein mädchen: mine mutter vertelle, dat de helljäger dorch de luft ejaget herre un jimmer eraupen ha ha! tejif tejaf, tejaf! de knechte tau Hohne utn ganzen dörpe keimen eins avens to hope un brochten alle de hunne utn dörpe mit, umme dat se den helljäger wat brüen wollen. da kumte ok dorch de luft en ejaget, un wie hei ropt ha ha! sau raupt de knechte ok ha ha! un wie de hunne inr luft jilpert, sau jilpert un bleft de hunne utn dörpe ok alle, do smitt de helljäger ön wat herunner un schriet: ›wil ji mit jagen, so könn ji ok mit gnagen!‹ ans se den annern morgen tau seien dauet, wat ön de helljäger henne smetten herre, da istn olen perschinken. Auch die östreich. volkssage in Ziskas märchen s. 37 berichtet von dem verwegnen, der sich ein stück wildbraten ausbat, als das wilde gjoad vorüberzog, und nicht anders die niederländische bei Wolf no. 259. Dagegen hat eine westpreußische bei Tettau und Temme no. 260, auf dem Bullerberge im walde Skrzynka des Stargarder kreises treibe der wilde jäger auf Bartholomaeusnacht sein wesen und habe dem oberförster den schenkel eines menschen aus der luft in den wagen geschleudert, mit den worten: ›da hast du auch etwas von unsrer jagd!‹ Eine meißnische volkssage nennt das gespenst Hans Jagenteufel , und stellt ihn dar wie einen gestiefelten und gespornten mann, der in langem grauem rock , ein hiefhorn über dem rücken, aber ohne kopf , auf einem grauschimmel durch den wald reitet (D. S. no. 309). Man erzählt auch von einem wilden jäger, geheißen Mansberg , ich weiß nicht aus welcher gegend. Schwäbische sagen von dem jagen des Elbendrötsch Gräters Iduna 1813 p. 88. 1814 p. 102; vgl. elbentrötsch oben s.  381 . , von dem Muotes heer Wagners madame Justitia p. 22. Schmids wb. 391; ›stürmet wia s'Muthesheer ‹, ›seia verschrocka, wia wenn s'Muathesheer anen vorheizoga wär.‹ Nefflens vetter aus Schwaben, Stuttg. 1837 s. 154. 253. ist es aus Wuotes hör (Schm. 4, 202) verändert? wie potz und kotz (s.  13 ). oder muot (ira) = wuot? vgl. Fromuot (s.  742 ). möchte ich ausführlicher kennen; eines badischen wilden 777 jägers, junker Marten , schloß stand am dorfe Singen bei der Pfinz, und in einer capelle auf dem weg nach Königsbach wird sein grabstein gewiesen. nachts erscheint er mit seinen hunden den leuten im Bahnwald (Mones anz. 3, 363). Johann Hübner reitet einäugig auf schwarzem rosse zu mitternacht . D. S. no. 128. andere süddeutsche sagen berichten keine eigennamen, sondern begnügen sich an der spitze des wilden heers einen weißen mann auf einem schimmel vorreiten zu lassen (Mones anz. 7, 370. 8, 306); ein alter burgherr reitet auf dem schimmel , der in den wiesen weidend gesehn wird (das. 3, 259) ganz wie Oden sein pferd weidet (s.  129 ). Aber schon Michel Beheim (geb. 1416) dichtete einen meistergesang von Eberhart grafen zu Wirtenberg, der im wald einen ›schnellen saus und ungefügen braus‹ vernahm und ein gespenst erblickte, das ihm die ursache seiner verdammung erzählte. bei seinen lebzeiten war es ein herr, der nie jagens satt wurde und zuletzt an gott die bitte richtete, ihn bis zum jüngsten tag jagen zu lassen ; gott willfahrte und so jagt er schon fünfthalbhundert jahre einem hirsche nach, ohne ihn je zu erreichen; sein antlitz war wie schwamm verrunzelt von der Hagens u. s. w. sammlung u. s. w. 1, 43. 44. . das ist nichts als variation der niedersächs. Hackelbergssage Nachtrag: Häuser mit zwei eingängen in gerade entgegengesetzter richtung, so daß eine thüre auf der vorderseite , die andre auf der hinterseite des hauses ist, sind dem durchzug des wütenden heers ausgesetzt (meiningisch). Haupts zeitschr. 3, 366. vgl. die ofne hausthüre s.  772 , das sitzen über der thür s.  789 . Der ruf des helljägers : › wil ji mit jagen ‹ ist auch franz.: › part en la chasse! ‹ Bosquet 69. der angeführten westpreußischen sage gleicht die samländische bei Reusch no. 73. In Schwaben heißt die wilde jagd auch das mutige heer . Schwab schwäb. alp s. 312. anführer des Muthesheers ist der Linkenbold, der auf dem Harz Leinbold heiße. das. es liegt dort ein Linkenboldslöchle . übrigens wird die wilde jagd in einem schwäbischen gedicht von 1486, anfangend: ›Got mercurius‹, das wilde wůtißher genannt. in Thüringen zieht eine frau Motte um. In Ottobeuern vernahm man zu weihnachten liebliche musik . wer das fenster öfnete, um danach zu horchen und den heerzug Wuetes zu schauen, dem schwoll der kopf riesenhaft an und er konnte ihn nicht zurück ins fenster ziehen. den vollen lieblichen genuß hatten ungestraft die in der verschloßnen stube bleibenden. der zug gieng durch den fronweg den Guggenberg hinauf oder ins teufels loch im Buschel, wo ein schatz liegt und vom pudel bewacht wird. von dieser lieblichen musik des nachtvolks s. auch Vonbun s. 35. . Im 16 jh. (und warum nicht früher?) stellte man aber auch in Schwaben ein gespenst namens Berchtold an die spitze des wütenden heers , dachte sich ihn weiß gekleidet auf weißem pferde sitzend, weiße hunde am strick leitend, ein horn am hals tragend historie Peter Leuen des andern Kalenbergers von Achilles Jason Widman (aus schwäbisch Hall) Nürnb. 1560. wieder abgedr. in Hagens narrenbuch p. 353. Peter Leu spielt hier p. 394 bauersleuten einen betrug, indem er sich in Berchtold verkleidet. . Diesem Berchtold sind wir schon s.  231 begegnet. er war die männliche gestaltung der weißgekleideten Berhta , die auch Prechtölterli heißt. Gräters Iduna. 1814. s. 102. Hier öfnet sich ein neuer gesichtspunkt. so gut Wuotan, oder ein andrer gott, können auch heidnische göttinnen das wütende heer anführen, der wilde jäger geht in die waldfrau, Wodan in frau Gaude über. Von Perchtha kennt man im Orlagau liebliche sagen. die kleinen über welche sie gebietet sind menschenkinder, welche noch ehe sie getauft waren , verstarben und ihr dadurch zu eigen verfielen (s.  765 . 767 ). von diesen weinenden kindern ist sie umgeben (wie frau Gaude von ihren töchtern) und läßt sich mit ihnen im nachen übersetzen (s.  228 . 229 ). Einer jungen frau war das einzige kind gestorben, sie weinte über alle maßen und konnte sich nicht zufrieden stellen. jede nacht lief sie hinaus auf das grab und jammerte, daß es die steine hätte erbarmen mögen. in der nacht vor dem dreikönigsfeste sah sie Perchtha nicht weit von ihr vorüberziehen, da gewahrte sie, den andern kindern 778 hinterdrein, ein kleines mit einem ganz durchnäßten hemdchen angethan, das in der hand einen krug mit wasser trug und matt geworden den übrigen nicht folgen konnte; ängstlich blieb es vor einem zaun stehn, den Perchta überschritt und die andern kindern überkletterten. die mutter erkannte in diesem augenblick ihr kind, eilte hinzu und hob es über den zaun. während sie es so in den armen hielt, sprach das kind: ›ach wie warm sind mutterhände! aber weine nicht so sehr, du weinst mir meinen krug sonst gar zu schwer und voll, da sieh, ich habe mir mein ganzes hemdchen schon damit beschüttet.‹ von jener nacht an, wird zu Wilhelmsdorf erzählt, hörte die mutter zu weinen auf (Börner s. 142. 143). Zu Bodelwitz erzählen sie etwas anders, das kind habe gesagt: ›ach wie warm ist mutterarm‹ und der bitte ›mutter weine nicht so sehr‹ die worte beigefügt: ›ich muß ja jede zähre die du weinst in meinen krug sammeln.‹ da weinte sich die mutter noch einmal herzlich aus (Börner 152). Die sage vom naßgeweinten todtenhemdchen geht als märchen um (KM. 109. Reusch no. 32. Thom. Gantipr. p. 501, vgl. Wolfs Wodana s. 153) und nach dem dän. volkslied von Aage und Else füllen die geweinten thränen den sarg mit blut; hier tritt aber der bedeutsame zug hinzu, daß die kinder in Perhtas geleit fahren. das krüglein kann mit den thränenkrügen, die in gräbern gefunden werden, in verbindung stehn Virg. Aen. 6, 427: infantum animae flentes in limine primo, quos dulcis vitae exsortes et ab ubere raptos abstulit atra dies et funere mersit acerbo. In der einleitung des pentamerone beruht die wiederbelebung eines todten darauf, daß ein an seinem grabe hängender krug voll geweint werde. Nachtrag: Die ungetauften kinder sind zugleich die unterirdischen und moosleute, welche Wode verfolgt und fängt. vgl. s.  400 und Müllenhoff s. 373. Dem ausruf des kindes: ›ach wie warm sind mutterhände!‹ vergleichen sich die rufe des kindes der zigeunermutter: ›ist nichts so weich als mutters schooß‹ und ›ist nichts so süß als mutters liebe.‹ Müllenhoff no. 331. litth. motinôs rankos szwelnos , mutterhände sanft. Mielcke 1, 284. Kraszewski Litwa 1, 389. die gestorbne mutter kommt in deutschen märchen nachts zurück ihre kinder zu stillen. KM. 3 3, 21. vgl. Melusine. Simr. s. 80. Müllenhoff no. 195–197. hvert fell blôđugt â briost grami. Sæm. 167 b . eine andere stelle in der Laxd. saga s. 328. Das wilde heer läßt sich, gleich den zwergen, vom fährmann übersetzen . dabei wird der letzte zurückbleibende mit einem strohseil geschürzt. Panzer 1, 164. . Außer Berahta kommen Holda, Diana und Herodias in betracht. Berahta und Holda erscheinen, gleich frau Gaude (s.  772 ), in den zwölften, zwischen weihnachten und neujahr. Joh. Herolt, ein dominicaner, der zu anfang des 15 jh. die sermones discipuli de tempore et de sanctis verfaßte, sagt in sermo 11 (in die nativitatis): sunt quidam, qui in his duodecim noctibus subsequentibus multas vanitates exercent, qui deam, quam quidam Dianam vocant, in vulgari ›die frawen unhold ‹, dicunt cum suo exercitu ambulare . solch ein nächtliches herumschweifen sagen auch die s.  230  ff. von Diana , Herodias und Abundia angezogenen stellen aus zu Diana stimmt die poln. Dziewanna , Dziewina (Linde 1, 599 b ) Dziewica ; von einer oberlausnitzischen Dziwitza hat Liebusch folgende sage: sie war eine schöne junge knenje oder edelfrau, die mit der zylba (einem geschoß) bewaffnet in den wäldern umher streift: die schönsten jagdhunde begleiteten sie und schreckten wild und menschen auf, die sich zur mittagsstunde im dichten wald fanden. Noch jetzt redet man einen, der über den mittag allein im tannenwalde bleibt, scherzend an: fürchtest du nicht, daß Dziwitza zu dir kommen wird? sie jagt aber auch in mondhellen nächten. . Es ist ganz die neben dem vicentinischen wilden mann auftretende waldfrau , der das volk noch gaben darbringt. Und wie im Salzburgischen der Berhtacultus zum freudenfest des volks (s.  231 ) geworden ist, hat sich auch im Entlibuch eine vom volk selbst dargestellte 779 Posterlijagd , donnerstag vor weihnachten, als sitte eingeführt. unter dem Posterli gleichbedeutig mit frau Faste (s. 652 . 653 ) nach dem slavischen post = faste, jejunium? denkt man sich ein gespenst in gestalt einer alten frau oder einer ziege (vgl. s.  764 ). abends versammeln sich die jungen bursche des dorfs und ziehen unter lautem geschrei und getöse an einander geschlagner bleche, geblasener alphörner, geläuteter kuhglocken und ziegenschellen, knallender geißeln über berg und thal in ein anderes dorf, dessen jünglinge sie mit gleichem lärm empfangen. einer im haufen stellt das Posterli vor oder es wird in puppengestalt auf einem schlitten nachgeschleift und in einer ecke des fremden dorfes stehn gelassen; dann stillt sich der lärm und alle kehren heim (Stald. 1, 208). An andern orten der Schweiz spukt in der fronfastnacht mittwoch vor weihnachten die Sträggele und plagt die mädchen, wenn sie ihr tagwerk nicht gesponnen haben (Stald. 2, 405). das Posterli und die Sträggele gleichen also aufs haar der frau Berhta und Holda vgl. das nächtliche ausreiten der schottischen elbkönigin (W. Scotts minstr. 2, 149. 161) oder der feen (Keihtley 1, 166). . Zu Neubrunn (im Würzburgischen) zog das wütende heer immer durch drei häuser, in welchen drei thüren gerade hintereinander waren, vornen die hausthür, mitten die küchenthür, hinten die hofthür, und wo sich drei thüren in gerader richtung finden, da zieht, es mag sein wo es nur will, das wütende heer durch. ist man auf straße oder hof, wenn es zieht, so muß man den kopf zwischen die speichen eines wagenrads stecken, dann zieht es vorüber, sonst würde es einem den hals umdrehen. in Maßfeld erzählen alte leute, es sei den Zinkenstill herab über die kreuzstraße bei der Reumeser brücke, über die berge nach Dreißigacker gezogen. viele bekräftigen mit allen schwüren es gesehn zu haben. (Bechsteins fränk. sagen no. 137). In Thüringen zieht das wütende heer im geleite der frau Holla (D. S. no. 7). Zu Eisleben und im ganzen Mansfelder land fuhr es alle jahr auf fastnacht donnerstag vorüber, das volk versammelte sich und sah der ankunft des heers entgegen, nicht anders als sollte ein mächtiger könig einziehen. vor dem haufen trat ein alter mann einher mit weißem stabe, der treue Eckhart , der die leute aus dem wege weichen, einige auch heim gehen hieß: sie würden sonst schaden nehmen. hinter ihm kamen etliche geritten, etliche gegangen, man sah darunter neulich verstorbne menschen. einer ritt auf zweibeinigem pferde auf dreibeinigem die Hel (s. 704 ). , einer lag auf ein rad gebunden, das sich von selbst bewegte, andere liefen kopflos , oder trugen ihre schenkel auf den achseln . ein trunkner bauer, der dem heer nicht ausweichen wollte, wurde ergriffen und auf einen hohen felsen gesetzt, wo er tagelang harren muste, bis man ihm wieder herunter helfen konnte Agricola spr. 667. Eyering 1, 781–786. die kopflosen gestalten, die zwei oder dreibeinigen, feuerglühenden thiere in vielen geistersagen; auch in der Wetterau tobt ein kopfloser wilder jäger (Dieffenbachs Wetterau s. 280), in Pommern ein kopfloser schimmelreiter (Temme no. 140). . In dieser 780 darstellung macht frau Holda an der spitze ihres geisterheers vollkommen den eindruck einer im land umziehenden heidnischen göttin: das volk lauft zusammen und geht ihr entgegen, wie dem Freyr (s.  176 ), der Nerthus (s.  208 ). Eckhart mit dem weißen stab versieht das amt eines herold , eines kämmerlings , der ihr den weg aufräumt. ihr lebendiges gefolge hat sich verkehrt in gespenster Nachtrag: De la danza aérea á que están condenadas las Herodiadas por la muerte del bautista. Wolfs zeitschr. 4, 191. in der Walachei jagt Dina (Sina) = Diana mit großem gefolge in den wolken und man sieht im gras, wo sie getanzt hat. sie kann lahm, taub, blind machen und ist besonders mächtig zur pfingstzeit. walach. märch. 296. . Eckhart, der getreue , eine gestalt aus dem kreise altdeutscher helden (heldensage 144. 190, vogt der Harlunge, vielleicht richtiger Eckewart , Kriemhildes kämmerer Nib. 1338, 3) greift in die göttersage über. nach anhang oder vorrede des heldenbuchs soll er bei dem Venusberg sitzen und die leute warnen, wie er sie vor dem wütenden heere warnt; um so weniger läßt sich auch hier sein geschäft noch die bedeutung des Venusbergs verkennen. Eckhart zieht vor dem wütenden heer mit Holda , wie er an dem berg der Venus bis zum jüngsten tag zu weilen verwünscht ist: die identität der Holda und Venus liegt außer zweifel. dieser berg (nach einigen der Hoselberg , Horselberg bei Eisenach) ist frau Hollen hofhaltung, erst im 15. 16 jh. scheint man aus ihr frau Venus zu machen vgl. oben s. 377 . Venusberg in dem niederl. volksbuch Margareta van Limburg cap. 56. 82. 84 und in der Mörin. Keisersperg (omeiß 36) läßt die hexen in frau Fenusberg faren. solcher Venusberge muß es in verschiedenen gegenden manche gegeben haben, besonders in Schwaben. einer lag bei Waldsee, ein andrer bei Ufhausen unweit Freiburg, in welchen der Schnewburger (wie Tanhäuser) einkehrt. H. Schreibers tb. 1839 s. 348. ohne zweifel hat schon das mnl. gedicht von Marg. von Limburg (a. 1357) gleich dem späteren volksbuch und Johans von Soest bearbeitung (Mones anz. 4, 168) den Venusberg , dessen ältestes vorkommen mithin dem 14 jh. beizulegen ist. eine Dresdn. hs. des 15 jh. (Hagens grundr. 336) enthält ein noch ungedrucktes, wahrscheinlich noch im 14 jh. verfaßtes gedicht vom Venusberg . Johan von Soest dichtete 1470, Hermann von Sachsenheim 1453, vor ihnen nennt schon Joh. Nider († 1440) im formicarius den Venusberg . Joh. Herolt (s.  778 ) redet von Diana und frau Unhold , nah verwandt ist der berg, in dem Felicia und Juno hausen (s.  802 . 803 ). Vielleicht hatte man in Italien ähnliche sagen, denn Paracelsus meldet (Straßb. 1016. 2, 291 c ): so ist auch nicht minder, daß mit diesen pygmaeis ist der Venusberg in Italia besetzt gewesen, dann Venus selbst ist ein nympha gewesen, und der Venusberg ist ihrem reich vergleicht worden. aber dieselbig ist auch abgestorben, darumb ist auch ihr reich mit ihr vergangen und hat aufgehört. dann wo hört man mehr von ihnen sagen, wie vor alten zeiten, da der Dannhauser und andere mehr sind darinnen gewesen? und ist solches von ihm kein fabelgedicht, sondern ein warhaftig geschicht. und in den chirurg. schriften (Straßb. 1618. s. 332 b ): etlich die seiend hoch daran, practicieren heimlich und verborgen nigromanciam, als campisirer, die kommen aus dem Venusberg und haben ihr kunst getauft im Veltliner und haben mit dem bruder Eckart mettin betet und mit dem Danhäuser ein blutwurst gessen. Afzelius 2, 141 erzählt von einem bräutigam, der 40 jahre bei den elben war. alle sagen versetzen Venus und Holda in elbberge. , in unterirdischen hölen hauset sie, stattlich und prächtig gleich zwergkönigen; einzelne menschen finden sich noch bei ihr ein und leben da in wonne. man erzählt von dem edlen Tanhäuser , der hinab gegangen war, ihre wunder zu 781 schauen deutsche sagen no. 170. Wie der pabst dem Tanhäuser durch den dürren stecken die hofnung abschneidet, sagt auch nach schwed. tradition der priester dem spielenden neck: ›eh wird dieser rohrstab den ich in der hand halte, grünen und blühen, als du erlösung erlangst‹; trauernd wirft der neck die harfe hin und weint. der priester aber reitet fort, und bald beginnt sein stab in laub und blüte auszuschlagen, da kehrt er um, dem neck das wunder zu verkünden, der nun die ganze nacht über frohe weisen spielt. Afzelius 2, 156. Dieser mythus von Tanhäuser klingt aber an viele andere, vorzüglich celtische. Tanhäuser bringt lange jahre bei Holda im berge zu, Tamlane bei der feenkönigin, Thomas of Ercildon bei der fairy queen (W. Scotts minstr. 2, 193. 3, 181–183), Ogier 200 jahre bei fata Morgana in Avalon: sie hatte ihm einen kranz aufs haupt gedrückt, der ihn alles vergessen machte. die sage ist dennoch deutsch und wird in Schweden von der elbkönigstochter berichtet (oben s.  386 und Afzelius 2, 141), im kindermärchen von frau Fortuna (altd. bl. 1, 297). So bleibt auch Odysseus bei Calypso und Circe, wer aber möchte mit Mone (anz. 5,168) aus den gr. sagen von Ulysses und Orpheus die von Tanhäuser herleiten? ; eine der anziehendsten sagen des mittelalters, in welcher die sehnsucht nach dem alten heidenthum und die härte der christlichen geistlichkeit rührend geschildert sind. Eckhart , vielleicht ein heidnischer priester, ist hofmann und begleiter der göttin, wenn sie zu bestimmter zeit des jahres ausfährt. ich könnte ihn auch mit seinem κηρύκειον zum psychopomp des reitenden todtenheers (vgl. den in der luft knarrenden seelenwagen s.  695 ) machen; er geleitet aber nicht die scheidenden, vielmehr die wiederkehrenden todten Nachtrag: Ein Eckehart kommt auch Dietr. 9791 vor. über den Venusberg s. Simrock Amelungenlied 2, 315 ff. schon Altswert 82 sagt: dirre berc was fro Venus vgl. 80, 9. 83, 7. Hans Sachs nennt den Venusberg III. 3, 3 b a. 1517. 6 b a. 1518. 18 b a. 1550. in einem hexenprocess von 1620 heißt es: auf Venesberg oder paradies faren. Mone 7, 426. ein Venusberg liegt bei Reichmannsdorf im meiningischen amt Gräfenthal, unweit Saalfeld. nach einem mnl. gedicht von Limb. 3, 1250. 1316 wohnt Venus im wald . Den Horselberg schildert schon Eob. Hessus bucol. idyll. 5 zu beginn des 16. jh.: aspicis aërio sublatum vertice montem, qua levis occidui deflectitur aura Favoni, horrisonum latio vicinus nomine dicit, qui Nessum bibit undosum Verarimque propinquum. isthoc ante duas messes cum saepe venirem, ignarus nemorum vidi discurrere larvas saxa per et montes tanquam nocturna vagantes terriculamenta et pueros terrere paventes, quas lamias dicunt, quibus est exemptile lumen , quas vigiles ajunt extra sua limina lyncas esse, domi talpas , nec quenquam cernere nec se. vgl. Victor Perillus ged. vom Hörselberg a. 1592 (jb. d. Berl. spr. ges. 2, 352. 358). Banges thür. chron. 1599 s. 57. 58 nennt ihn Haselberg und Hörselberg . Lieder vom Tanhäuser bei Uhland no. 297 und in Mones anz. 5, 169–174. ein lied vom Danhäuser erwähnt Fel. Faber 3, 221. . Da auch Dieterichs von Bern , zu dessen helden Eckhart gehört, theilnahme an der wilden jagd zu beweisen steht, so wäre er hier der zweite einheimische held. die Lausitzer nennen nun den wilden jäger Berndietrich , Dietrich Bernhard oder Diterbenada ; oft haben alte Wenden seine jagd gehört und wissen zu erzählen von unschmackhaften braten, die er dabei austheilt Joh. Hortzschansky von sitten u. gebr. der Wenden dritte abth. (Dessau und Görl. 1782) 3, 258. laus. monatsschr. 1797 p. 749. Liebusch skythika s. 287. . auch im Orlagau ist Berndietrich des wilden jägers name (Börner s. 213. 216. 236) und seine hunde treiben die waldweibchen auf. ja auf dem Harz am Bodekessel über der Rostrappe steht der wilde jäger versteinert, ›er heiße Bernhart ‹ gab ein knabe an, und der vater der über das Bodethal zu ros gesprungnen Brunhild wird vom volk ›der von Bären ‹ (von Bern) genannt; dies gewinnt dadurch an bedeutsamkeit, daß auch Gibicho (s.  114 ) auf dasselbe gebirge versetzt wird (z. f. d. a. 1, 575). Von Fichte aber, dessen heimat die Lausitz war, leitet sich die meldung her, dort heiße knecht Ruprecht (s.  417 ) Dietrich von Bern deutsche heldensage p. 40. Beide auslegungen lassen sich verbinden. knecht Ruprecht erscheint neben frau Berhta , als diener und begleiter (s.  425 . 426 ), zuweilen statt ihrer, und wie sie als ein schreck der kinder. es kommt dazu, daß beide Ruprecht und Berhta weihnachten auftreten; doch was am meisten entscheidet ist, daß in Meklenburg Wode , wie in Schwaben Berhta, durch den flachs am spinnrocken fährt, und Wode , wie Ruprecht 782 und Niclas, den kindern gutes oder böses beschert Frankes alt und neu Meklenb. 1, 57. In Schlesien schweigt man die kinder mit dem nachtjäger . deutsche sagen no. 270. . Dietrich von Bern ist also, gleich dem treuen Eckhart, berechtigt in Wuotans, Holdas oder Berhtas geleit zu erscheinen, oder ihre stelle einzunehmen. Auch wird bei andrer veranlassung Dietrich der feuerathmende übermenschlich dargestellt nach den gedichten des MA. auf gespenstigem feuersprühendem rosse in die hölle oder in die wüste abgeholt, wo er bis an den jüngsten tag mit dem gewürme streiten soll (d. heldensage 38–40). das stimmt zu der altmärkischen sage von Hackelberg (s.  769 ) und in der zusammensetzung Hackelberend scheint der zweite theil deutlich auf Berend, Bernhart und Dietrichbern geleitet zu haben, wie auch Hackelbergs und Berends traum (s.  769 ) identisch war. Vielleicht endlich wäre der niederländ. Derk met den beer (s.  177 ) hier zu erwägen, ohne daß ich den beinamen aus einem misverstandnen Dietrich von Bern herführe Nachtrag: Dietrich von Bern erscheint bei Heinrichs 6. tod auf einem pferd, reitet durch die Mosel und verschwindet. HS. s. 49. Dyterbernat , Dyterbenada , Dykebernak , Dykebjadnat heißt der wilde jäger in den wend. volksl. 2, 267 b . in einer sage 2, 185 gleicht er dem vom teufel geholten Theodericus veronensis. Diter Bernhard bei Dasent Theophilus 80. brandadern (unfruchtbare flecke) in den fluren heißen bei den Wenden Dyterbernatowy puć , D. weg. dagegen gibts nach Panzer 1, 67 ein fruchtbar jahr , wenn das wilde gjai geht, und wo der Rodensteiner durchs korn fährt, steht es höher . Wolf s. 20. das wilde heer zieht durch die scheune . Panzer 1, 133. . Wir haben das wilde heer in zwei hauptbeziehungen kennen gelernt, als nächtliche jagd männlicher, als feierlichen umzug weiblicher gottheiten, beide, den letzteren zumal, an gewisse jahrszeiten gebunden. der bestimmtere sinn des ausdrucks ›heer‹ läßt schon eine dritte bedeutung erwarten: es zieht als kriegsheer und weissagt anbrechenden krieg. Wuotan (der alte heervater , s.  682 ), Hackelbernd , Berhtolt , auf weißem schlachtrosse , gewafnet und gespornt, erscheinen noch als oberste lenker des kriegs , den sie gleichsam dem menschengeschlecht verstatten. Es gibt mehr als eine sage von verwünschten bergen, in deren innerm von zeit zu zeit waffenklang, trommeln und pfeifen hörbar werden; ein altes geister und götterheer ist darein verschlossen, das sich zu seinem ausbruch rüstet. Keine schönere, vollständigere sage kenne ich in dieser beziehung als von dem niederhessischen Odenberg , und dazu liegt er unmittelbar in der nähe von Gudensberg , d. h. Wuotansberg, aber unterschieden davon, so daß man Odenberg nicht aus der altn. form Ođinn deuten darf: der name mag von ôd (felicitas) vielleicht von ôdi (desertus) geleitet werden. Das volk knüpft diesen Odenberg längst nicht mehr an die heidnische gottheit, sondern an den heldenkönig Carl, ja an kaiser Carl 5 zu Broterode wird eine ›fann (fahne) von Karles quintes ‹ gezeigt und daran das blutgericht des orts geknüpft, was das mhd. Karles reht oder lôt ist. Bechstein thür. sag. 2, 95. . Seiner händel mit landgraf Philipp wegen hat Carl der fünfte bleibenden eindruck in Hessen zurückgelassen, › Karle Quintes ‹ mit seinen soldaten haust im Odenberg, und wie die Schwäbin ihrem kind mit der eisernen Berhta droht (s.  230 ): ›schweig, oder die Prechtölterli kommt!‹ die Baierin: ›schweig, Prechte kommt und schneidet dir den bauch auf!‹ schweigt es die Hessin, in diesem landstrich, durch den zuruf ›du, der Quinte kommt!‹ Früher meinte man aber Carl den großen , wie schon 783 die den annalisten bekannte sage von dem durstigen heer beweist (s.  96 . 127 ); ein niederschlag noch älterer heidnischer mythen. Carl war mit seinem heer in die gebirge der Gudensberger landschaft gerückt, siegreich, wie einige erzählen, nach andern fliehend, von morgen her (aus Westfalen). die krieger schmachteten vor durst, der könig saß auf schneeweißem schimmel ; da trat das pferd mit dem huf auf den boden und schlug einen stein vom felsen, aus der öfnung sprudelte die quelle mächtig (s.  187 . 485 ). das ganze heer wurde getränkt. diese quelle heißt Glisborn , ihrer kühlen, klaren flut mißt das landvolk größere reinigungskraft bei als gewöhnlichem wasser, und aus umliegenden dörfern gehen die weiber dahin ihr leinen zu waschen. der stein mit dem huftritt, in die Gudensberger kirchhofmauer eingesetzt, ist noch heute zu sehn. Nachher schlug könig Carl eine große schlacht am fuße des Odenbergs. das strömende blut riß tiefe furchen in den boden (oft sind sie zugedämmt worden, der regen spült sie immer wieder auf), die fluten ›wulchen‹ zusammen und ergossen sich bis Bessa hinab; Carl erfocht den sieg: abends that sich der fels auf, nahm ihn und das ermattete kriegsvolk ein und schloß seine wände . in diesem Odenberg ruht der könig von seinen heldenthaten aus. er hat verheißen alle sieben oder alle hundert jahre hervorzukommen; tritt eine solche zeit ein, so vernimmt man waffen durch die lüfte rasseln, pferdegewieher und hufschlag , der zug geht an den Glisborn, wo die rosse getränkt werden, und verfolgt dann seinen lauf, bis er, nach vollbrachter runde endlich wieder in den berg zurückkehrt. Einmal giengen leute am Odenberg und vernahmen trommelschlag, ohne etwas zu sehn. da hieß sie ein weiser mann nach einander durch den ring schauen, den er mit seinem in die seite gebognen arm bildete: alsbald erblickten sie eine menge kriegsvolk, in waffenübungen begriffen, den Odenberg aus und eingehn ich verdanke diese und andere, getreu aus dem munde des volks verzeichnete sagen der freundschaftlichen mittheilung eines kurhessischen artillerieofficiers, herrn Pfister. . An jenem schauen durch den arm erkennt man recht die uralte sage. Saxo gramm. meldet s. 37 daß Biarco nicht vermochte den Othin , der auf weißem rosse reitend, mit weißem schilde bedeckt, dem feindlichen heer der Schweden beistand, zu erschauen. da redet Biarco zu Ruta: at nunc ille ubi sit qui vulgo dicitur Othin armipotens, uno semper contentus ocello? dic mihi, Ruta, precor, usquam si conspicis illum? Ruta antwortet: adde oculum propius, et nostras prospice chelas , ante sacraturas victrici lumina signo, si vis praesentem tuto cognoscere Martem da hier Othin nicht zu bezweifeln ist, so fällt auf, daß ihn Saxo Mars nennt. das dient die uralte berührung zwischen Wuotan und Zio (s.  162 ) zu bestätigen. . 784 Biarco: si potero horrendum Friggae spectare maritum , quantumcunque albo clypeo sit tectus et album flectat equum , Lethra nequaquam sospes abibit. fas est belligeram bello prosternere divam. das schauen durch den eingestemmten arm (chela, χηλή) macht geistersichtig altd. blätter 1, 290. , wie sonst das über die rechte schulter (oben s.  380 , abergl. 996 ) oder zwischen durch die ohren des pferdes . Das hat die hessische volkssage bewahrt. So deutlich sie übrigens den Wuotan zeichnet, scheint sie zuweilen auf Donar überzugehn, denn man hört auch von einem rothen reiter mit rothwollnem reiherbusche auf rothem rosse erzählen, der an bestimmten jahrstagen den waldsaum des Odenbergs im galopp umreite: es sei der geist von Carolus quintus . diese beschreibung würde eher auf Friedrich Rothbart, der im Kifhäuser haust, und den rothhaarigen Donar passen Nachtrag: Schon im j. 1096 beim kreuzzug gab man vor, Carl sei wiederauferwacht: Karolus resuscitatus. Pertz 8, 215. vgl. den kaiser im Guckenberg bei Gemünd. Bader no. 434 und den Karlsberg zu Nürnberg das. no. 481. . Ähnlich diesem Odenberger heer ist der auszug des Rothenthalers im Aargau Wyß reise ins Berner Oberland 2, 420. , des Rodensteiners nach dem Schnellerts deutsche sagen no. 169. Schnellerts = haus des Schnellert, Snelhart. ein ungeheurer geist heißt Snellaart in Margr. van Lünb. 7 b . , des grauen mannes über den Rockenstul bei Geisa im Fuldischen Bechsteins fränk. sagen 1, 68. , anderer in andern gegenden, vgl. Mones anz. 3, 259. 8, 306; als das heer über Wolfartsweiler zog, rief einer herab; ›wenn du beschädigt wirst, verbind dich mit rothem garn!‹ (8, 307.) Nach Heimreichs nordfries. chron. 2, 93 sah man im j. 1637 vor Tondern kriegsheere in der luft aufziehen und mit einander bei hellem wetter streiten Guicciardini hist. d'Italia. 1583 p. 22: risuonava per tutto la fama, essere nel territorio d'Arezzo passati visibilmente molti di per l'aria infiniti huomini armati , sopra grossissimi cavalli e con terribile strepito di suoni di trombe e di tamburi . vgl. die dän. sage vom ausziehenden Klintekönig oder Ellekönig . Thiele 1, 98. 3, 55. Selbst kinder mit spieß und fahne ziehend weissagen krieg (abergl. 106 ). . Eine irische volkssage berichtet von O'Donoghue dem alten herscher, der jährlich am ersten mai, auf milchweißem pferde sitzend, aus dem gewässer eines sees steigt, sein reich zu besuchen. In einer augustnacht aber zeigt sich ein graf von Kildare gerüstet auf prächtigem streitros und mustert die schatten seiner krieger (elfenm. 192. 193. 233). An jenen duris, dürst (s.  431 . 767 ) gemahnt auffallend ein finnischer Turisas , gott des krieges und zugleich riesenhaft (turras, turrisas, tursas = riese), der hoch in den wolken, wann ein krieg bevorsteht, seine trommel rühren läßt. Den Letten sind johdi oder murgi gespenster, seelen verstorbner; wenn ein nordlicht flackert sagen sie: johdi kaujahs (geister schlagen sich), karru lauschu dwehseles kaujahs ( gefallner krieger seelen schlagen sich ) Stenders lett. gramm. 1783 p. 262. 266. Bergmann s. 145. . hier wird der gespenstertumult auf die leuchtende, wie bei den Deutschen auf die tönende naturerscheinung 785 bezogen; es erinnert auch an den krieg, den unsere landsknechte selbst im himmel erheben, noch mehr an die altn. benennung Hiađnînga veđr eđa èl (Hedaningorum tempestas vel procella) für krieg und schlacht, Sn. 163. die helden waren in langem kampfe gefallen, da gieng Hildur, die valkyrja, nachts auf die wahlstätte, weckte sie wieder auf und ließ sie von neuem kämpfen, und so sollen sie alle tage bis zu weltuntergang am tag streiten und die nacht todt liegen. dies scheint mir unter allen das älteste vorbild eines in den wolken streitenden heers, aus dem man, wie die namen veđr und èl zeigen, die naturerscheinung deutete. In Thüringen geht eine volkssage von einer zwischen Croaten und Schweden gelieferten schlacht, an deren jahrstag abends eilf uhr alle begrabnen soldaten erwachen und nun von neuem zu streiten beginnen , bis die glocke eins schlägt, dann versinken sie in den erdboden und liegen ein jahr über ganz still und ruhig (Bechstein 4, 231) Nachtrag: Über Schnellerts s. Panzer 1, 194 und den ewigen jäger von Winendael . kunst en letterblad 1841 s. 68. Reiffenberg renseign. 214. ein auszug eines wagens mit drei rädern und dem langnasigen fuhrmann wird in der sage von der mönchsüberfahrt bei Speier geschildert. Melander 1 no. 664 (oben s.  792 ). copiae eques tres werden bei Worms a. 1098 gesehen. das. 2 no. 59. in der luft ziehende heerscharen a. 1096. Pertz 8, 214. vgl. Dionys. halic. 10, 2. auch sah man in den wolken mehr oben schreiten zwei große heer. H. Sachs III. 1, 227 a . . Aber den romanischen völkern ist die überlieferung vom luftheer nicht weniger bekannt und einzelnes trift mit der deutschen genau zusammen. In Frankreich führt ein solches luftgebilde kämpfender geister die benennung Hellequin , Hielekin (Bosquet 70–77), in Spanien exercito antiguo d. h. die große menge der todten (oben s.  706 ). he geit int olde heer  = er stirbt. Narragonia 84 b . dem alten haufen zuschicken. Keisersb. pred. über Brant. p. m. 432. . Guilielm. alvernus († 1248) p. 1037: ›de equitibus vero nocturnis, qui vulgari gallicano Hellequin , et vulgari hispanico exercitus antiquus vocantur, nondum tibi satisfeci, quia nondum declarare intendo, qui sint; nec tamen certum est eos malignos spiritus esse, loquar igitur tibi de his in sequentibus‹. p. 1065: ›de substantiis apparentibus in similitudine equitantium et bellatorum , et in similitudine exercituum innumerabilium , interdum autem et paucorum equitum ‹. p. 1067; ›narratur quoque, quod quidam videns hujusmodi exercitum (auf der wegscheide) terrore percussus a via publica declinavit in agrum contiguum , ubi quasi in refugio, transeunte juxta illum toto illo exercitu , illaesus permansit et nihil mali passus est ab illis. propter quod opinio inolevit apud multos, agros gaudere protectione creatoris propter utilitatem hominum, et hac de causa non esse accessum malignis spiritibus ad eos, neque potestatem nocendi propter hanc causam hominibus existentibus in eis. Gens autem idolatrarum tutelam istam et defensionem, si eam vel crederet vel audiret, numinibus arvorum illam attribueret. opinor autem, quod Cererem deam , quae agris praeest, hujusmodi hominem protexisse crederent, exercitumque illum intra fines regnumque Cereris nemini posse nocere‹. p. 1073: ›nec te removeat aut conturbet ullatenus vulgaris illa Hispanorum nominatio, qua malignos spiritus, qui in armis ludere ac pugnare videri consueverunt, exercitum antiquum nominant, magis 786 enim anilis et delirantium vetularum nominatio est quam veritatis‹. Radulfus de Presles ad libr. 15 cap. 23 de civ. dei: ›la mesgnée de Hellequin , de dame Habonde (s.  237 ), et des esperis quils appellent fées‹. Ducange s. v. im jeu d'Adan hört man die maisnie Hielekin unter schellengeklingen heranziehen, die drei feen (s.  341 ) im gefolge, ein ›sires Hellequins ‹ wird genannt. Reiffenberg renseign. s. 94. Vincent. bellov. lib. 30 cap. 118 und nach ihm Keisersperg (omeiß 37 d 38 b ) berichten von einem gewissen Natalis , Alle quinti , Karoli quinti , der gestorben wieder erschien und auf die frage nach dem wütenden heer verkündete, es habe aufgehört seit Carolus quintus seine buße geleistet. hier wird dem wütenden heer der name Caroliquinti oder nach andern Allequinti beigelegt, was offenbar mit jenem Hellequin und dem hessischen Karlequinte im Odenberg (s.  782 ) zusammenhängt. Gleichwol scheint es falsche deutung des älteren Hellequin, dessen mesnie (gefolge) in den gedichten des 13 jh. z. b. im Richard sans peur, im roman de Fauvel, vgl. Jubinal contes 1, 284. Michel théâtre fr. p. 73–76. außer Guil. alvernus verschiedentlich erwähnt wird, der also nicht den franz. könig Carl 5 aus der zweiten hälfte des 14 jh. meinen kann. daß man auch in Frankreich mit dem wütenden heer Carl den großen in verbindung brachte, zeigt ein burgund. gedicht des 17 jh., nach welchem Charlemagne auf seinem pferd an der spitze der lufterscheinung reitet, und Roland die fahne trägt journal des savans 1832 p. 496. . wie aber wenn Hellequin aus dem deutschen helle (unterwelt) oder der diminution hellekin, persönlich und männlich aufgefaßt, zu verstehn wäre Kauslers chronik von Flandern hat 8049 ten Hallekine , einen ortsnamen, zur kleinen hölle. ? Zu Tours sagt man chasse briguet (briguet ist jagdhund) und le carosse du roi Hugon mém. des antiq. 8, 458. noei borguiguons p. 237. Thuanus lib. 24 p. 1104. , der nachts um die stadtmauer reitet und alle, die ihm begegnen, schlägt oder wegraft. des königs Hugo Capet wagen vertritt auch hier einen heidnischen götterwagen; in Poitou heißt es la chassegallerie . Im walde von Fontainebleau soll › le grand veneur ‹ jagen. In den britischen wäldern rauschte schon zu des Gervasius tilberiensis zeit könig Artus nächtliche jagd (ot. imp. 2, 12): ›narrantibus nemorum custodibus, quos forestarios vulgus nominat, se alternis diebus circa horam meridianam et in primo noctium conticinio sub plenilunio luna lucente saepissime videre militum copiam venantium et canum et cornuum strepitum , qui sciscitantibus se de societate et familia Arturi esse affirmant‹. im complaynt of Scotland heißt es p. 97. 98: › Arthour knycht he raid on nycht vith gyldin spur and candillycht‹. Der elbkönigin und feen wurde schon vorhin gedacht (s.  779 ). Shakespeare (merry wiv. of Winds. 4, 4. 5, 5) gedenkt eines › Herne the hunter ‹, der mitternachts um eine alte eiche wandert. 787 Boccaccio (decam. 5, 8) hat die geschichte eines gespenstes, das seine geliebte, die ihm treuloser weise den tod bereitet hatte, jeden freitag nackend durch den wald jagt und von seinen hunden zerfleischen läßt: so oft sie erlegt wird, steht sie wieder auf und die grausame jagd beginnt von neuem. Die fabel soll, nach Manni, aus Helinand genommen sein; sie könnte aufschluß über die verfolgung des holzweibchens durch den wilden jäger (s.  775 ) geben, wenn man auch die motive des novellisten, wie billig, erst auf den einfachen grund einer volkssage zurückzuführen hätte. Im gedicht von Etzels hofhaltung erscheint der Wunderer fast als ein solcher wilder mann und jäger, der mit seinen hunden frau Sælde hetzt und aufzufressen droht, wie der jäger das flüchtige holzweiblein (s.  775 ) oder der infernalis venator die abgeschiedne seele Nachtrag: An Shakespeares Herne the hunter erinnert Horne the hunter , der mit dem teufel den eber bei Bromsgrove in Worcestershire jagt, auch Harry-ca-nab heißt. Athenaeum. Die geschichte von dem frau Saelde hetzenden Wunderer steht in Kellers erz. s. 6. vgl. fastn. sp. 547. schimpf und ernst. 1522, 229. 1550, 268. . viel bedeutender ist eine sage des Eckenlieds. Fasolt jagt mit hunden ein wildes fräulein im wald, gerade wie der wilde jäger das holzweiblein in Laßbergs ausg. 161 bis 201, in Hagens 213–254 vgl. 333. dies wird für die auffassung Fasolts wichtig, der ein sturmriese war (s.  439 . 529 ) und hier gleich Wuotan im wilden heer aufzieht. Unversteckter liegen die bezüge der nord. auf deutsche sagen. den Dänen ist Waldemar , ihr berühmter, geliebter könig, zum wilden jäger geworden. die seeländische fabel läßt ihn, gleich Carl dem großen (s.  361 ), durch einen zauberring zu einer jungfrau und nach deren tod zu einer waldgegend heftig hingezogen werden. er wohnt im Gurrewald und jagt da nacht und tag auf dieser jagd übt er grausamkeiten gegen die bauern, auch jagt er eine meerfrau (Thiele 1, 46. 52). , ganz wie Hackelberg äußert er die vermeßnen worte: ›gott möge sein himmelreich behalten , wenn ich nur in Gurre immerdar jagen kann!‹ Nun reitet er jede nacht von Burre nach Gurre; wenn das volk sein hohorufen und peitschenknallen von weitem hört, stellt es sich seitwärts unter die bäume. voran im zug laufen kohlschwarze hunde, denen glühende zungen aus dem hals hängen, dann erscheint Wolmar , auf weißem pferde , zuweilen sein eignes haupt unter dem linken arm tragend (vgl. abergl. 605 ). stößt er auf leute, besonders alte, so gibt er ihnen hunde zu halten. er fährt einen bestimmten jagdweg, alle thüren und schlösser springen vor ihm auf, seine straße heißt Wolmarsstraße , Voldemarsvej antiqvariske annaler 1, 15. , wobei man sich der Irmingstræt und Eriksgata (s. 295–300) erinnern wird. Denen die ihm die hunde gehalten haben schenkt er scheinbar geringe sachen, welche sich hernach in gold verwandeln. für hufeisen gibt er ducaten (Thiele 1, 89–95). diese sagen gemahnen zugleich an Carl den großen, Hackelberg und frau Holla oder Perhta. vgl. Müllenhoff schlesw. holst. sag. no. 485. 486. Auf der insel Möen hegt ein wald namens Grünewald. in ihm jagt der Grönjette jede nacht zu pferd, das haupt unter dem 788 linken arm , einen spieß in der rechten, eine meute hunde um sich herum. Zur erntezeit legen ihm bauern ein gebund haber für sein pferd hin , daß er des nachts nicht ihre saaten niedertrete; an diesem einen zug wird Wuotan (s.  128 ) noch näher trift was Thiele p. 192 meldet: in alten tagen herschte auf der insel Möen der aberglaube, wenn man einerntete, die letzte gebundne habergarbe hin auf den acker zu werfen mit den worten: ›das ist für den jöde von Upsala, das soll er haben julabends für sein pferd! ‹ thaten das die leute nicht, so starb ihr vieh. Der jötunn von Upsala bezeichnet, in christlichem euphemismus, Ođinn oder Wodan, dessen götterbild zu Upsala aufgestellt ist. vielleicht entsprang die redensart zu einer zeit, als Dänmark schon bekehrt, Schweden noch heidnisch war. vielleicht auch Frey (s.  176 ) erkennbar. jette heißt er hier, wie in der Schweiz durst (s.  784 ). Grön erkläre ich nicht durch die grüne farbe der jägerkleidung, lieber durch das altn. grön (barba), Grönjette = altn. graniötunn, der bärtige riese, und Grani (barbatus) ist Ođins name (s.  716 ). Grönjette läßt auch die bauern seine hunde halten. er jagt nach der meerfrau (wie der wilde jäger nach der holzfrau); ein bauer sah ihn zurückkehren, wie er die meerfrau todt quer über seinem pferd liegen hatte: ›sieben jahr jagte ich ihr nach, auf Falster hab ich sie nun erlegt‹. dem bauer schenkte er das band, woran er die hunde gehalten hatte; solange das band in seinem besitz blieb, nahm er zu an reichthum (Thiele 1, 95–97). Auf Fühnen jagt Palnejäger , d. i. der altn. Pâlnatôki (fornm. sög. 11, 49–99. Thiele 1, 110), ein vielberühmter held (oben s.  315 ). In einigen dänischen gegenden wird statt Wolmer nur gesagt ›den flyvende jäger ‹ (der fliegende jäger) oder ›den flyvende Markolfus ‹, in der gegend von Kallundborg hat das volk einem jüngern könig die jagd übertragen: Christian der zweite reitet auf weißem pferd mit schwarzen hunden (Thiele 1, 187). Im Schleswigischen jagt könig Abel : in eo loco, ubi sepultus est – venatoris cornu inflantis vocem et sonum exaudiri, multi fide digni referunt et affirmant usque adeo similem, ut venatorem ibi venari quis diceret, idque saepe a vigilibus, qui Gottorpii nocte vigilare solent, audiri: sed et Abelem multis nostra aetate apparuisse et visum esse constans omnium est rumor, ore et corpore atrum, equo pusillo vectum , comitatum canibus tribus venaticis, qui et saepe specie ignea et ardere visi sunt. Cypraei ann. episc. slesvic. p. 267. vgl. Thiele 2, 63. 142. Dahlmann dän. gesch. 1, 408. Müllenhoff no. 487. 488. Schwedische überlieferungen vom wilden jäger sind mir nicht vollständig bekannt, ich folgere sie aber schon nach dem, was s.  488 von dem strömkarlslag gesagt wurde, dessen eilfte variation dem nachtgeist und seinem heer gehört, und der neck berührte sich gerade mit dem elbischen Tanhäuser (s.  780 ). Auch dauert in Schweden noch der echte bezug der naturerscheinung auf den gott (oben s.  766 ). Man erzählt von zwei leidenschaftlichen jägern, Nielus Hög und Jennus Maar (Arwidsson 2, 71). 789 Reichen gehalt hat eine norwegische sage. Seelen, die nicht so viel gutes thun daß sie den himmel, nicht so viel böses daß sie die hölle verdienen, trunkenbolde, spötter, feine betrieger, sollen zur strafe bis an das ende der welt umreiten . An der spitze des zugs fahrt Gurorysse oder Reisarova mit ihrem langen schwanz, woran man sie vor den übrigen kennt; nach ihr folgt eine ganze menge beiderlei geschlechts. von vornen angesehen haben reiter und pferde stattliche gestalt, von hinten sieht man nichts als Guros langen schwanz . die rosse sind kohlschwarz, mit glühenden augen, sie werden mit feurigen stangen und eisernen zäumen gelenkt, von ferne vernimmt man den lärm des haufens. sie reiten über wasser wie über land, kaum berühren ihre hufe die oberfläche des wassers. wo sie den sattel auf ein dach werfen , in dem haus muß flugs ein mensch sterben; wo sie schlägerei, mord und trinkgelag erwarten, da kommen sie und setzen sich über die thür quia Mors secus introitum delectationis posita est. regula Benedicti cap. 7. . solange noch keine unthat begangen wird, halten sie sich ruhig, erfolgt sie aber, so lachen sie laut auf vgl. das › manes ridere videns‹ im Waltharius 1040. und rasseln mit ihren eisenstangen. Ihr zug hat statt um jul, wenn große trinkgelage gehalten werden. hört man ihn nahen, so muß man aus dem weg weichen oder sich platt auf den boden werfen wie oben s. 769 , in allen volkssagen wird dies zu thun angerathen, z. b. Bechsteins thür. sag. 4, 234; fränk. sag. 1, 57. es ist die auch beim wehen heißer winde in Italien beobachtete vorsicht. und schlafend anstellen, denn es gibt beispiele, daß der zug lebende menschen mit sich schleppt. ein rechtschaffener mensch, der jene vorsicht gebraucht, hat nichts zu fürchten, als daß jeder aus dem haufen auf ihn speit: ist der zug vorbei, so muß er wieder ausspeien, sonst würde er schaden nehmen. In einigen gegenden heißt dieser gespenstige aufzug aaskereia , aaskerej , aaskereida , an andern hoskelreia ; jenes verderbt aus âsgardreida , âsgardreid , der asgardische zug, die fahrt der seelen gen himmel oder auf die fahrt der götter, der valkyrien, welche die erde heimsuchen; vielleicht ist es noch einfacher aus åska (blitz) und reid (donner) zu verstehn? dann würde es sich mehr auf Thors erscheinung beschränken. zuweilen sieht man den zug nicht, hört ihn bloß sausend durch die lüfte fahren. wer in den drei julnächten seine stallthüren nicht bekreuzt, der findet am morgen seine pferde schweißtriefend (s.  550 . 551 ) und halbgeplatzt, weil sie mitgenommen waren (Faye 70–72). Guro scheint was sonst gurri , d. i. altn. gîfr (riesin, s.  436 ); gurri ist aber auch huldra (Faye 10) und diese wird als schönes weib mit häßlichem schwanz geschildert (Faye 25. 39). Huldra darf unserer Holda schon deshalb verglichen werden, weil sie ungetaufte kinder mit sich führt. Guro als anführerin des wütenden 790 heers entspricht völlig den übrigen bisher entwickelten vorstellungen sollte der wald Gurre in Waldemars sage, wie der wald Hakel, aus der person entsprungen sein? man erwäge Halja und hölle. in Schmidts fastelabendsaml. p. 76 werden zusammengestellt ›der Woor , die Goor , der wilde jäger ‹. Nachtrag: Auf der stelle, wo Onsjö liegt, war ehedem eine burg (herregård), deren eigner eines sonntags auf die jagd gieng , im geleite seiner hunde, und sich wein aus der kirche verschaft hatte, um damit seine büchse zu laden und desto sichrer zu treffen. aber beim ersten schuß, den er damit that, versank seine burg. Runa 1844, 33. hier ist offenbar Oden selbst der jäger. Im zuge der Gurorysserova , was soviel wie Gudrun rosseschwanz bedeutet (Landstad s. 121. 131. 132), reitet auch Sigurd Snaresvend auf Grani mit. Faye 62. die mitglieder des zuges setzen sich über die thür. ähnliches gilt von den teufeln, die sich vor lîthiuser legen, wo gezecht, gespielt, gemordet wird. Berthold s. 357, und von dem teufel, der beim tanz sitzt. H. Sachs 1, 342 a. b . ›setz nur die seel auft überthür‹ heißt es bei H. Sachs III. 1, 261. sein seel setz er uff über thür, lats mit dem teufel beißen. Simplic. pilgram 3, 85. bezeichnungen des gespenstigen aufzugs im norden sind: oskereia , haaskaalreia , juleskreia , skreia . Asbiörnsen og Moe in den Univ. annaler s. 7. 41. 42. julaskrei'i , julaskreid'i , oskerei , oskorrei , aalgarei , jolareiae . Aasen pröver 27. 28. 31. vgl. Thorsreia s. 138 und husprei , hesprei donner. lapp. julheer . Klemm 3, 90. . Überschauen wir nun die gesammte reihe der deutschen und nordischen sagen vom wütenden heer, so drängen sich folgende betrachtungen hervor. der mythus zeigt uns götter und göttinnen des heidenthums. unter den göttern Wuotan und vielleicht auch Fro , wenn ich auf ihn den Berhtolt auslegen darf. Wuotan erscheint noch in seinen beinamen des gemantelten und des bärtigen , die man hernach misverstand und in eigennamen umschuf. bei Saxo gramm. p. 37 heißt Othin : › albo clypeo tectus et album (s. l. statt altum) flectens equum ‹. Sleipnir war ein grauschimmel (Sn. 47), was man apfelgrau (pommelée, ags. äppelfealo) nannte, zwischen frô Wôdan und frôwa Gôde schwanken wort und sinn. Heeranführende göttin, statt des gottes, ist Holda , seine gemahlin; ich überzeuge mich immer fester, daß Holda nichts anders sein kann, als der milden, gütigen Fricka beiname. vgl. Sommers thür. sagen 165. 166. Berhta , die leuchtende, fällt wiederum mit ihr zusammen, oder wenn es auf Frouwa anwendbar ist, berührt sich mit ihr, wie die nord. Freyja mit Frigg. Merkwürdig, daß die norweg. sage weder Frigg noch Freyja, sondern auch Huldra nennt. Die den luftwagen des gottes umgebenden hunde können Wuotans geheul anstimmende wölfe gewesen sein. Eine unbeglaubigte nordische Wassenberg s. 72. Creuzers symb. 2, 98; ich fürchte Rudbeck hat die Adonissage (s.  792 ) kühn auf Oden gedeutet. überlieferung läßt Ođinn , gleich Hakelbernd, durch einen eber verwunden und diese verwundung scheint völlig sagenhaft (s.  768 . 769 ); als der eber dem schlafenden gott das blut aussog, fielen tropfen auf die erde, aus denen im folgenden frühjahr blumen wurden. Diese gottheiten stellen sich auf doppelte weise dar. entweder, menschlichen augen sichtbar, zu heiliger jahrszeit, in das land einziehend, heil und segen mit sich führend, gaben und opfer des entgegen strömenden volks in empfang nehmend. oder unsichtig durch die lüfte schwebend, in wolkengebilden, im gebraus und heulen des windes vernehmbar (s.  526 ), krieg , jagd oder kegelspiel , die hauptgeschäfte der alten helden treibend: ein aufzug der weniger an bestimmte zeit gebunden mehr die naturerscheinung erklärt. vgl. Haupts zeitschr. 6, 129. 131. Beide züge halte ich, ihrer idee nach für gleich alt, und sie greifen bei dem mythus von dem wilden heer manigfach in einander. die vorstellungen von der milchstraße haben uns gezeigt, wie wagen und wege der götter sowol am himmel als auf der erde gehn. Seit dem christenthum muste eine verwandlung der fabel eintreten. statt des götterzugs erschien nunmehr ein grausenhaftes 791 gespensterheer mit finstern, teuflischen zuthaten entstellt. Vermutlich hatten schon die Heiden angenommen, daß in dem zuge der gottheiten die geister seeliger helden mitfahren; die Christen versetzten jetzt in das heer ungetaufte kinder, trunkenbolde, selbstmörder (vgl. s.  686 ), die in gräßlicher zerstümmelung auftreten. Aus der holden ward eine unholde, nur noch von vorne schöne, hinten geschwänzte göttin vgl. frau Welt in Conrads gedicht s. 196 ff. . was ihrem alten bilde nicht ganz entzogen werden konnte, wurde als verführerisch und sündhaft aufgefaßt: so erzeugte sich die sage vom Venusberg. Auch die alten opfer ließ das volk nicht völlig fahren, es beschränkte sich auf die habergarbe für des gottes ros, wie es den Tod (den gleichfalls jagenden, s.  705 ) mit einem scheffel haber abfindet (s.  704 ). Als helden wiedergeboren behaupteten götter ihren reinen, ursprünglichen character ungetrübt. So sehen wir diesem umzug bedeutsam Dietrich , Ekhart , Artus , Carl , Waldemar , Palnatoke , ja könig Christian einverleibt, ohne daß ihrem ansehen unter dem volk das geringste entrissen wird. Daneben macht sich aber auch eine andere ansicht geltend, welche die götter in teufel , wie göttinnen in unholde und hexen verkehrt: der teufel konnte hier leicht aus dem älteren riesen entspringen. Letzte niedersetzung der fabel war, daß sie sich an einzelne jäger und jagdliebhaber der jüngeren zeit heftete, wie Hackelberg , den heidereiter Bären , junker Marten , Mansberg den burgherrn o. a. diese sehen beinahe wie historische personen aus, näher betrachtet werden sie sich immer in mythische auflösen. die gewissenhaftigkeit, mit der das volk Hakelbernds grabstätte nachzuweisen sucht, scheint mir einen heidnischen cultus, dem auch steindenkmäler gewidmet waren, anzudeuten. Der ähnliche gang, den die geschichte des mythus im Norden wie in Deutschland genommen hat, verbürgt uns von neuem den zusammenhang des heidnischen glaubens hier und dort. Sachsen, Westfalen, Meklenburg, Hessen haben noch einzelne züge mit dem Norden gemein, die Süddeutschland weniger festhielt. Zugleich bricht berührung mit celtischer sage durch, während ich keine mit slavischer entdecke, es müste denn der nachts umreitende Svantovit (s.  551 ) hierher gehören. Noch ist eine mit griechischer fabel unerwähnt geblieben, aus der sich das hohe alter der vorstellung eines riesen und jägers zu ergeben scheint. Orion war den Griechen ein riesenhafter (πελώριος) jäger, der noch in der unterwelt , auf der Asfodeloswiese das wild verfolgt (Od. 11, 572) und ein leuchtendes gestirn bildet. Homer nennt Orions jagdhund (Il. 22, 29), den man am himmel unter ihm erblickt, vor ihm sind die pleiaden (eine kütte wilder tauben, Od. 12, 62) auf der flucht, selbst die große bärin scheint nach ihm hinzuschauen (Od. 5, 274) O. Müller über Orion (rhein. mus. f. philol. 2, 12). . Ob auch unsere vorfahren das 792 nemliche gestirn mit dem mythus von der wilden jagd in beziehung brachten? ich habe es s.  606 zweifelhaft hin gestellt. einmal könnte man den ags. namen eberhaufen damit verbinden, dann aber anschlagen, daß die drei den gürtel bildenden sterne spinnrocken der Fricka heißen, die als Holda dem wütenden heer vorangeht, und gerade bei seiner erscheinung auf weihnachten der spinnerinnen wahrnimmt. wo Fricka das gestirn benennt, hebt sich ihre spindel hervor, wo ihm Wuotan oder ein riesenheld den namen verleiht, kann die gruppe gejagter eber ausgezeichnet sein? Die griech. fabel entfaltet sich noch reicher. Orion wird geblendet und von Kedalion, einem wunderbaren kinde, das auf seinen schultern sitzt, zu neuem lichte geleitet. dem blinden riesen ließe sich der kopflose wilde jäger jeder missethäter, dessen verbrechen vor seinem tod nicht herauskommt, muß mit dem kopf unter dem arm umgehn (abergl. 605 ). soll auch das blenden oder erblinden geisterhaftes irren ausdrücken? vergleichen? Noch mehr fällt mir der zug auf, daß Artemis aus der erde einen scorpion hervorgehn läßt, der Orion in den knöchel sticht und durch diesen stich tödtet Aratus phaenom. 637. Ovid. fast. 5, 541. Lucan. phars. 9, 832. auch Adonis stirbt vom eber verwundet. Nestor (Jos. Müller 101) meldet, daß dem Oleg geweissagt war von seinem pferde zu sterben; er ließ es füttern, wollte es aber nicht wieder sehen. als er nach fünf jahren danach fragte, sagte man ihm, es sei todt. da lachte Oleg der wahrsager und gieng in den stall, wo das gerippe und der schädel des pferdes lag, als er auf den schädel trat, fuhr eine schlange daraus hervor und stach ihn in den fuß; daran erkrankte und starb er Nachtrag: Ganz ähnliches, wie von Oleg, wird von Örvarodd erzählt. fornald. sög. 2, 168. 169. 300. vgl. eine siebenbürgische sage in Haltrichs progr. s. 73. . : wenn sich das zeichen des scorpions am himmel erhebt, sinkt Orion unter. das gemahnt an Hackelberend, dessen fuß , vom hauer des ebers gestochen , seinen tod verursacht (s.  768 . 790 ). Orion geht zur sommersonnenwende auf, zur wintersonnenwende unter, in den winternächten strahlt er, wo auch das wütende heer erscheint. windsturm begleitet ihn (nimbosus Orion. Aen. 1, 535). er hat die gabe empfangen auf dem meer zu wandeln (Apollod. I. 4, 3), wie die rosse der aaskareia über die flut ziehen. Orions verhältnis zu Artemis gleicht dem des Wuotan zu Holda nicht, da beide, Wuotan und Holda, nie zusammen im heer auftreten; für sich betrachtet hat aber Holda entschiedne ähnlichkeit mit Artemis oder Diana (s.  221 ) noch mehr mit der nächtlichen jagdgöttin Hecate , in deren nähe hunde winseln , wie bei frau Gauden, die gleich der Hel von hunden gewittert wird (s.  555 ), der man auf das trivium (ahd. driwikki) kreuzwege, scheidewege sind der frau Gauden zuwider, nach Festus s. v. pilae et effigies wurden diese den laren auf solchen wegen aufgehängt. ärmliche speisen hinstellt (wie der Berhta und wilden frau s.  359 ) vgl. Theocr. 2, 15 und Virg. Aen. 4, 609: nocturnis Hecate triviis ululata per urbes. Lucian (im φιλοψευδής cap. 22. 24) berichtet, wie dem Eucrates eine solche Ἑκάτη im wald erschien, und die klaffenden hunde mangeln nicht dabei Nachtrag: Über das zusammenfallen der Holda mit Fricka s. kl. schr. 5, 416 ff. Auch die Gallier opferten der Artemis . Arrian. de venatione c. 23. 32. Hecate triviorum praeses. Athenaeus 3, 196. man nahm eine krume mit aus scheu vor den wegscheiden . das. 2, 83, für Hecates hunde. das. 7, 499. Ἑκάτης δεῖπνον bedeutet das brot, das man auf den dreiweg legte. Lucian. dial. mort. 1 und 22 (anm. zu Lucian 2, 397). feros Hecatae perdomuisse canes . Tibull. 1. 2, 54. . Tacitus Germ. 43 schildert die Harii, ein nordöstliches deutsches volk mit folgenden worten: truces insitae feritati arte ac 793 tempore lenocinantur. nigra scuta, tincta corpora, atras ad proelia noctes legunt, ipsaque formidine atque umbra feralis exercitus terrorem inferunt, nullo hostium sustinente novum ac velut infernum aspectum Nachtrag: Die schreckende tracht der Harier (GDS. 714) mahnt an die todtenkopfreiter. zu anfang des 30j. kriegs gab es bairische reiter, die unüberwindlich genannt wurden, mit schwarzen pferden, schwarzer kleidung und am schwarzen helm einen weißen todtenkopf. ihr anführer hieß Kronberger und das glück blieb ihnen treu, bis sie im merz 1631 vom schwedischen general Baner in Meklenburg gänzlich geschlagen wurden. Friedrich der große hatte ein regiment todtenhopfhusaren. in neuester zeit denke man an die Lützowsche freischar, die schwarzen jäger, die braunschweigschen husaren. kommt in den ritterzeiten das wappen mit todtenkopf vor? Wigal. 80, 14 sagt: an sînem schilde was der Tôt gemâlt vil grusenlîche ( anm. 2212 ). man gedenke auch des schreckenden namen der legio fulminatrix, κεραυνοβόλος. auch bei geheimen bünden wird der todtenkopf als symbol gebraucht. in den apotheken sind die giftbüchsen damit bezeichnet. . war dies todtenheer oder höllenheer römische vorstellung oder schon in der nachricht von jenem deutschen volk mitüberliefert? Eines luftheers (s.  784 ) gedenkt auch Plinius 2, 57: armorum crepitus et tubae sonitus auditos e coelo cimbricis bellis accepimus, crebroque et prius et postea; tertio vero consulatu Marii ab Amerinis et Tudertibus spectata arma coelestia ab ortu occasuque inter se concurrentia , pulsis quae ab occasu erant. 794 Cap. XXXII. Entrückung. Unserer mythologie vorzüglich eigen ist die idee der entrückung, wie sie sich zwar schon auf den inhalt des vorausgehenden cap. erstreckt, aber einen noch weiteren umfang hat. Verwünschen bedeutet einen fluch oder bann aussprechen, maledicere, diris devovere, was goth. fraqviþan , ahd. farivâzan , mhd. verwâzen heißt; da ich verwünschen in der älteren sprache noch nicht finde, erkläre ich es bloß aus dem gegensatz von wünschen (fausta apprecari) und enthalte mich darin bezug auf den wunsch (die fülle des heils und segens) zu vermuten beachtenswerth ist der altfranz. gegensatz zwischen souhait (wunsch) und dehait (verwünschung); beide ausdrücke fehlen den andern roman. zungen und wurzeln im ahd. heiz. altn. heit (votura). . Von verwandlungen unterscheiden verwünschungen sich darin, daß sie nicht umgestalten, vielmehr die natürliche form der dinge festbannen und nur in andre lage versetzen; wiewol der sprachgebrauch auch das verwandelte verwünscht nennt. ferner, das verwandelte beharrt, bis zum zeitpunkt seiner erlösung, in der neuen gestalt, in welche es umgeschaffen wurde, allen augen sichtbar, z. b. der stein oder baum, in den ein mensch verwandelt ist; bei dem verwünschten aber, nach dem begrif, den ich ihm hier gebe, scheint mir wesentlich, daß es unsern sinnen entrückt werde, und bloß zuweilen, in seiner vorigen form, erscheine. Anders ausgedrückt: das verwandelte bleibt leiblich, das verwünschte verliert sich und kann nur bedingungsweise wieder leibhaft werden, wie es in dem belieben unsichtbarer geister steht, gröbere sinnliche gestalten anzunehmen. verschwinden frau Sælde verswant . Etzels hofh. 210. ist also sich freiwillig entrücken, ein vermögen der götter (s.  270 ) und geister, zuweilen auch der helden, die im besitz einer larve (grîma) oder eines hehlenden helms sind; entrückte menschen sind geisterähnliche, und noch eine bezeichnung dafür ist: sie schlafen , nur von zeit zu zeit erwachen sie berühmt ist die sage von den siebenschläfern (Greg. tur. mirac. 1, 95. Paul. Diac. 1, 3) und von Endymion , der im berge Latmos ewigen schlaf hält; vgl. Plinius 7, 52: puerum aestu et itinere fessum in specu septem et quinquaginta dormisse annis, rerum faciem mutationemque mirantem, velut postero experrectum die; hinc pari numero dierum senio ingruente, ut tamen in septimum et quinquagesimum atque centesimum vitae duraret annum; und die deutsche sage von den drei bergmännern. Schäfer schliefen sieben jahre oder siebenmalsieben jahre in hölen (Mones anz. 7, 54). Nachtrag: Verwünschen ist auch exsecrari, detestari, abominari. alts. farwâtan devovere, ahd. farwâzan recusare, withar huâzan recusare Graff 1, 1087. wie abominari von omen, stammt farhuâtan von hvât omen ( anm. 2751 ). für das frz. souhait, das nach Génin récr. 1, 201 aus sonhait abzuleiten ist, wie couvent aus convent, Coutances aus Constantia u. s. w., steht auch ahait bei Thib. de N. und bloßes hait glück, wunsch. als wurzel könnte übrigens statt des ahd. heiz, altn. heit auch das bret. het , gal. aiteas lust, freude, wonne betrachtet werden. de sohait , de dehait . Guitecl. 1, 169. Verschwinden und wieder erscheinen ist ἀφανῆ γενέσϑαι und φανερὸν γενέσϑαι . Plato resp. 360. häufig ist der ausdruck: unter der hand verschwinden, wegkommen. vgl. den handschlag bei verzauberungen (s.  857 ). thaz thu hiar irwunti mir untar theru henti . O. I. 22, 44. verswant den luten under den handen . Grieshaber sprachd. 26. der tag war mir unter den händen verschwunden . Felsenburg 1, 158. die zeit war ihnen unter den händen verschwunden . caval. im irrgarten. 287. daß mir dieser tag unvermerkt unter den händen vergieng . das. 253. es lief mir die zeit unter den händen weg . Schweinichen 3, 79. ze hant verswant der kleine. Ortnit 141, 4. vile schiere her verswant von sînen ougen zehant , daz her enweste, war her bequam. En. 2621. vor iren ougen er virswant. Haupts zeitschr. 5, 533. verswant vor sînen ougen . Krone 29606. vor ir ougen verswant. Nib. 609. und als er das gesagt hatte, verschwand er vor ihren augen und sahen ihn nimmer. Tobias 12, 21. vgl. kaum gesehen verschwand er wieder. Somadeva 1, 84. der engel sâ vor im verswant. Wh. 49, 27. dô der tiuvel hin verswant. Barl. 3027. dô der winder gar verswant. frauend. 409, 17. solde ein wîp vor leide sîn verswunden. MS. 1, 81 a . der hirz vorswant. myst. 1, 233. in den wint gâhes verswunden. Mar. 159, 7. daz verswant mit der luft . pass. 369, 91. der engel mit der rede verswant. Haupts zeitschr. 8, 171. der teufel sagt: ich muoz verswinden . MSH. 3, 174 a . von hinnan stêt min begirde ›got müeze dich in huote lân!‹ alsus swein diu gezierde. Diut. 2, 251. 252. sant Servace dô verswein . Servat. 3317. dô was er hin . Gerh. 187. › war ist der künec komen? ‹ Nib. 610, 3. vgl. ›wo ist er plötzlich hingegangen?‹ Somad. 1, 120. voer ute haren ogen . Karel 2, 990. de duvel voer dane alse ên rôc te scouwene ane. Maerl. 2, 237. Varindwand . n. pr. ring 33 b , 30. 36 c , 28. 36. von hinnen gehn = ahd. huerban , altn. hverfa. Ođinn hvarf þâ. Sæm. 47. oc nu hverfur þessi alfur sô sem skuggi . Vilk. c. 150. brottu horfinn . das. flô þâ burt . fornald. sög. 1, 488. vgl. seykvaz versinken. Sæm. 10 b . 229 b . entrückte schlafen , wie Kronos s.  695 . Gawan schläft auf dem tisch der Gralshalle ein und erwacht morgens in einem moos. Keller Romvart 660. dem verschwinden geht oft ein donner voran. ein › grôzer slac ‹ geschieht beim verschwinden. Heinr. und Kun. 4215. Erfurter märchen 84. 160. es that einen rassler und alles war fort und versunken. Panzer 1, 30. Gangleri hört einen donner und Vallhöll ist verschwunden, er steht auf dem feld. Sn. 77. . 795 Entrückbar sind aber nicht allein personen, sondern auch sachen. verschwindende und wiederkehrende personen fallen ganz mit dem begrif zusammen, den das vorige cap. von gespenstern aufgestellt hat, und genau wie dort seelen verstorbner menschen sich mit helden und göttern identificierten, stoßen wir auch hier wieder auf die nemlichen helden und götter. geschwundne götter mengen sich mit entrückten helden. Entrückung pflegt unser volksglaube gern so zu fassen, daß er die verwünschten gegenstände in berge versetzt , gleichsam die erde , zu deren aufnahme, sich öfnen läßt ungeduldige sehnsucht nach entrückung geben wir durch die redensarten zu erkennen: ich möchte in die erde schliefen , aus der haut fahren . was auch am schlusse des liedes von der klage heißt: ›sich versliefen und ûz der hiute triefen in löcher der steinwende‹; gleichsam sich vertropfen. O. IV, 26, 43: ruafet thesên bergon , bittet sie sie fallên ubar iuih . joh bittet ouh thie buhila , thaz sie iuih thekên obana, ir biginnet thanne innan erda sliafan joh suintet filu thrâto. Hel. 166, 3: than gi sô gerna sind, that in hier bihlidan hôha bergôs , diopo bidelban . dicse sprache ist freilich biblisch (Luc. 23, 30), aber die empfindung vieler völker wird in solchen dingen zusammenstimmen. Nib. 867, 2: mir trommte wie obe dir ze tal vielen zwêne berge . Jenes aus der haut fahren, wie die sich wandelnde schlange, erfolgt auch vor freude und zorn, altfranz. ›a poi n' ist de sa pel ‹ (wenig fehlte, so wäre er aus der haut geschloffen) Ogier 6688; nnl. ›het is om uit zijn vel te springen ‹; ›ich meinte, das weib müste aus der haut fahren ‹ Elis. von Orleans (ed. Schütz) s. 223; ›vor freuden aus der haut fahren ‹ Ettn. unw. doct. 856. Ähnlich ist das springen in stein , wovon s.  457 gehandelt wurde, schon Alb. von Halb. 143 b ›ward im sprung zu einem stein.‹ . Hierbei können mehrere vorstellungen geschäftig sein. die mütterliche erde birgt in ihren schoß die todten, und seelenwelt ist eine unterirdische; elbe und zwerge werden in bergen wohnend gedacht, nicht sowol tief in der erde, als in bergen und felsen , die sich auf der oberfläche der erde erheben. volksmäßige verwünschungsformeln pflegen aber auf das manigfaltigste den tiefsten abgrund auszudrücken ›hunderttausend klafter tief in die erde‹ verwünschen; ›so tief als ein hase in zwei jahren laufen kann!‹ (s.  149 ): ›so tief, daß kein hahn nach dir kräht! ‹ und dergleichen mehr. was ist der letzten formel sinn? daß der versunkene nicht mehr den durchdringenden hahnruf in nächtlicher stille vernehmen, oder daß man oben auf der erde den krat des mitversunknen hausthiers aus der unterirdischen wohnung nicht mehr hören könne? auch KM. 2, 32 heißt es von königstöchtern: ›se versünken alle drei so deip unner de eere, dat kien haan mer danach krehete .‹ ›so kreet doch kein han nach mir‹, ›kein han fort da nach krehen thut‹. H. Sachs III. 2, 178 b . 213 c . . In der schwed. sprache bedeutet bergtagen (in den berg weggenommen) versunken, bergtagning entrückung (sv. visor 1, 1. Afzelius 1, 28. 33). bei Asbiörnsen und Moe no. 38 indtageni bierget; Faye führt s. 35. 36 merkwürdige beispiele dieses indtages i höie og fjelde an. altn. gânga inn î fiallit Nialss. cap. 14. 135 Nachtrag: Gyges der hirte tritt in einen bei sturm und erdbeben erfolgten erdspalt und findet in einem ehernen pferd eine riesenleiche, der er den ring von der hand zieht. Plato respubl. s. 369. entrückung wird durch folgende ausdrücke herbeigewünscht: in te ruunt montes mali. Plaut. Epid. I. 1, 78. κατὰ τῆς γῆς δῦναι ηὐχόμην. Lucian 3, 156. 5, 202. χανεῖν μοι τὴν γῆν ηὐχόμην. das. 9, 68. 8, 18. Oedipus wird von der erde verschlungen. Oed. Col. 1662. 1752. vgl. wie der schwick schliefen (s.  373 ). die lufte mich verslunden . Haupts zeitschr. 5, 540. λᾶαν ἔϑηκε . Il. 2, 319. λέϑος ἐξ ἀνϑρώπου γεγονέναι . Lucian. imag. 1. der werde zeinem steine! MS. 1, 6 a . hon (Gođrun) var buin til at sprînga af harmi. Sæm. 211. dune hetest ditz gesprochen, dû waerst benamen zebrochen . Iw. 153. nhd. vor wuth, zorn bersten (s.  457 ). das ist um aus der haut zu fahren, zu springen. er wolte aus der haut fahren. Salinde 13. . Nun begreift es sich, warum frau Holda , frau Venus mit ihrem gesinde in bergen hausen : sie sind dahin entrückt bis die zeit ihres 796 umzugs unter den menschen naht. so wohnen Wodan und könig Carl im Odenberg . Einzelnen menschen gelingt zutritt in solche berge; Tannhäuser verweilte jahrelang bei frau Venus. Ein schmied suchte in den hecken des Odenbergs nach einem weißdorn zum hammerstiel, plötzlich entdeckte er ein vorher nie wahrgenommnes loch in dem steingefälle, trat hinein und stand in einer neuen wunderwelt. starke männer kegelten da mit eisernen kugeln, der schmied schaute ihnen zu; sie forderten ihn auf mitzuspielen, was er ablehnte, ›die eisenkugeln wären seinen händen zu schwer‹. die männer blieben aber freundlich und sagten, er solle sich ein geschenk wählen. der schmied bat um eine der kugeln, trug sie heim und legte sie unter sein eisengeräth. als er sie nun später verschmieden wollte und rothgeglüht hatte, zersprang sie auf dem amboß in stücke und jedes stück war eitel gold dies kegelschieben gleicht dem schallenden donner (s.  139 ). ›die engel schieben kegel‹ sagt man in Norddeutschland, wenn es donnert. . So oft er wieder auf den Odenberg kam, fand er die öfnung nimmer, jenesmal hatte er eben den tag getroffen, an welchem der berg den menschen offen steht, für sonntagskinder soll er es an gewissen tagen des jahrs. sie erblicken einen alten langbärtigen mann (wie Carl im roman. epos immer den beinamen führt: à la barbe florie, aber auch Ođinn Lângbarđr , Harbarđr , Sîđskeggr hieß), der einen metallbecher in der hand hält. inwendig in dem berg werden sie beschenkt, wie im Kifhäuser. Bei Fränkischgemünden im Guckenberg kein Gouchsberg noch Kaukasas (s.  567 ), eher berg des altvaters Guogo (guggäni z. f. d. a. 1, 23) oder des käfers (guegi s.  152 ). Meichelb. 1182 ad Guoginhûsun; trad. fuld. 2, 33 in Guogeleibu. ist vor zeiten ein kaiser mit seinem ganzen heere versunken, er wird aber, wenn sein bart dreimal um den tisch , woran er sitzt, gewachsen ist , mit seinen leuten wieder heraus kommen. einst traf ein armer bube, der in der gegend wecke zum verkauf trug, auf dem berge einen alten mann, dem er klagte, daß er wenig verkaufen könne. ›ich will dir wol einen ort zeigen‹, sagte der mann, ›wo du deine wecke täglich anbringen kannst, aber du darfst es niemand offenbaren‹. hierauf führte er den buben in den berg, wo ein reges leben und treiben war, viele leute kauften da oder verkauften, der kaiser selbst saß an einem tisch, um den der bart zweimal herumgewachsen war. Täglich brachte nun der bube seine wecke dahin und wurde in uraltem gelde bezahlt, das man endlich in seinem orte nicht mehr annehmen wollte: man drang in ihn zu sagen, wie er dazu gekommen sei, worauf er den ganzen verlauf der sache entdeckte. Als der bube am nächsten tag in den berg gehn wollte, konnte er denselben nicht einmal ersehn, geschweige den eingang finden (Mones anz. 4, 409 und daher Bechsteins fränk. sag. s. 103). Auch zwischen Nürnberg und Fürt liegt kaiser Carls berg , aus dem in früherer zeit oft gesang erscholl, und von 797 dem ein ähnliches brottragen erzählt wird; der beckerjunge sah in einem gewölbe geharnischte männer sitzen (Mones anz. 5, 174). In Westfalen, zwischen Lübbecke und Holzhausen, oberhalb des dorfes Mehnen an der Weser liegt ein hügel die Babilonie in mhd. gedichten mehrmals ›diu wüeste Babilône ‹. genannt, in dem Wedekind (Weking) versunken sitzt und harrt bis seine zeit kommt; begünstigte finden den eingang und werden beschenkt entlassen (Redekers westf. sagen no. 21). Einen älteren mythus gewährt das chron. ursbergense ad a. 1223 (Pertz 8, 261): in pago wormaciensi videbantur per aliquot dies non modica et armata multitudo equitum euntium et redeuntium, et quasi ad placitum colloquium nunc hic nunc illic turbas facere, circa nonam vero horam cuidam monti, quo et exiisse videbantur , se reddere. Tandem quidam de incolis regionis illius non sine magno timore hujusmodi tam prodigiosae concioni crucis signaculo munitus appropinquat. mox quandam ex illis occurrentem sibi personam per nomen omnipotentis domini nostri manifestare causam populi, qui sic apparuerit, adjurat. cui ille inter cetera ›non sumus‹ inquit ›ut putatis fantasmata, nec militum, ut vobis cernimur, turba, sed animae militum interfectorum , arma vero et habitus atque equi, quia nobis prius fuerant instrumenta peccandi, nunc nobis sunt materia tormenti, et vere totum ignitum est quod in nobis cernitis, quamvis id vos corporalibus oculis discernere non possitis‹. In hujusmodi comitatu dicitur etiam Emicho comes ante paucos annos (a. 1117) occisus apparuisse et ab hac poena orationibus et eleemosynis se posse redimi docuisse. Donnersberg (s.  141 ) lag im Wormazfeld, es wird also kein andrer gewesen sein, aus dem, in den die alten geister fuhren: seelen der gefallnen, wieder erweckten helden (s.  785 ), hier nur mit christlichem auge in höllischem feuer geschaut. Im alten bergschlosse Geroldseck sollen Siegfried und andere helden wohnen und dem deutschen volk, wann es in höchster noth sein wird, daraus erscheinen (deutsche sag. no. 21). Eine felskluft am Vierwaldstättersee, nach andern auf dem Grütli, birgt die schlafenden drei stifter des Schweizerbundes, sie werden aufwachen , wann ihrer das vaterland bedarf (das. no. 297). Auf dem Kifhäuser in Thüringen schläft Friedrich Rothbart : er sitzt an rundem steintisch, den kopf in der hand haltend, nickend, mit den augen zwinkernd, sein bart wächst um den tisch und hat schon zweimal dessen ründung umschlossen, wann er das drittemal herum gewachsen sein wird, erfolgt des königs aufwachen . bei seinem hervorkommen wird er seinen schild hängen an einen dürren baum , davon wird der baum grünen und eine bessere zeit werden. doch einige haben ihn auch wachend gesehn; einen schäfer, der ein ihm wolgefälliges lied gepfiffen, fragte Friedrich : › fliegen die raben noch um den berg?‹ und als der schäfer bejahte: ›so muß 798 ich hundert jahre länger schlafen ‹ dergleichen fragen thut der blinde riese in einer schwed. volkssage, die ich aus Bexells Halland (Götheborg 1818. 2. p. 301) hier einschalte: några sjömän ifrån Getinge hlefvo på hafvet af stormarne förde emot en okänd ö, omgifue af mörker uppstiga de der. de blefvo varse en på afstånd upptänd eld och skynda dit. framför elden ligger en ovanligt lång man, som var blind; en annan af lika jättestorlek står bredvid honom och rör i elden med en iämstång. den gamle blinde mannen reser sig upp, och frågar de ankomme främlingarne, hvarifrån de voro. de svara ifrån Halland och Getinge socken. hvarpå den blinde frågar: › lefver ennu den hvita qvinnan? ‹ de svarade ja. fast de ej viste hvad han härmed menade. åter sporde han: ›månne mitt gethus står ännu qvar?‹ de svarade återigen ja, ehuru de äfven voro okunnige om hvad han menade. Då sade han ›jag fick ej hafva mitt gethus i fred för den kyrkan, som byggdes på den platsen. viljen I komma lyckligt hem, välan, jag lemnar er dertill tvenne vilkor.‹ de lofva, och den gamle blinde fortfor: ›tagen detta sölfbälte , och när I kommen hem, så spännen det på den hvita qvinnan , och denne ask stätten den på altaret i mitt gethus .‹ Lyckligen återkomne tili hembygden rådfråga sig sjömännerne huru de skulle efterkomma den gamle blinde mannens begäran. man beslöt at spänna bältet omkring en björk , och björken for i luften , och at sätta asken på en kulle (grabhügel), och straxt står kullen i Giusan låga . men efter det kyrkan är bygd der den blinde mannen hade sitt gethus, har hon fått namnet Getinge. Der blinde, auf die insel entrückte riese ist ein gespenstiger heidnischer gott (vgl. Orion s.  791 ), die weiße frau eine christliche kirche oder ein Marienbild; hätte man den gürtel darum gespannt, so wäre es gleich der birke in die luft gefahren. Nach einer andern erzählung fragte der blinde riese die seefahrer, ob die alte schellenkuh (worunter er die glocke verstand) bei der kirche noch lebe? als sie es bejahten, forderte er einen von ihnen auf ihm die hand zu reichen, um zu spüren, ob noch kraft bei den einwohnern geblieben sei. sie reichten ihm eine glühendgemachte bootsstange, die der riese zusammendrückte mit den worten: große kraft sei eben nicht mehr da. Faye s. 17. Ähnlich abweichende sage bei Ödman (Bahuslän 153. 154). ein schif wird durch sturm verschlagen, auf einer abgelegnen küste sehen sie nachts feuer brennen, und steigen ans land. an dem feuer aber sitzt nur ein alter mann , der fragt einen der schifsleute ›wo bistu her?‹ ›aus Hisingen in Säfve pastorat.‹ ›bistu auch bekannt in Thorsby?‹ ›ja wol.‹ ›weißt du, wo Ulfveberg liegt?‹ ›ja, ich bin oft da vorbei gegangen, auf dem weg von Götheborg nach Marstrand über Hisingen.‹ › stehn da die großen steine und erdhügel noch unverrückt? ‹ ›ja, doch ein stein neigt sich zum fall.‹ ›weißt du auch, wo Glofshedaltar ist und ob er noch wolerhalten steht?‹ ›davon hab ich keine kunde.‹ ›willst du den leuten, die jetzt zu Thorsby und Thorsbracka wohnen, sagen, daß sie die steine und hügel am Ulfveberg nicht zerstören und daß sie den Glofshedaltar gut in stand erhalten, so sollst du guten wind zur heimkehr haben.‹ Der schiffer sagte es zu, fragte aber nach des alten mannes namen: ›ich heiße Thore Brack, habe da ehmals gewohnt, ward aber flüchtig: am Ulveberg in den großen hügeln liegt all mein geschlecht und am Glofshedaltar dienten und opferten wir unsern göttern!‹ . Der schäfer wurde in des königs rüstkammer geführt und bekam den fuß eines handfasses geschenkt, den der goldschmied für echtes gold erkannte (das. no. 23. 296) die Kifhäusersagen stehn jetzt zusammen bei Bechstein 4, 9–54. . Nach andern sitzt Friedrich in einer felsenhöle bei Kaiserslautern (das. no. 295) oder zu Trifels bei Anweiler, oder im Unterberg bei Salzburg (das. no. 28), wo aber einige Carl den großen oder den fünften hausen lassen, und das wachsen des barts um den tisch ebenso erzählt wird. hat der bart zum drittenmale die letzte tischecke erreicht, so tritt das weltende ein, 799 auf dem Walserfeld erfolgt eine blutige schlacht , der antichrist erscheint, die engelposaunen tönen und der jüngste tag ist angebrochen. das Walserfeld hat einen dürren baum , der schon dreimal umgehauen wurde , seine wurzel schlug immer aus , daß ein neuer vollkommner baum daraus erwuchs. wann er wieder beginnt zu grünen , dann naht die schreckliche schlacht, und wann er früchte trägt wird sie anheben. Friedrich hängt dann seinen schild an den baum , alles wird hinzulaufen und ein solches blutbad sein, daß den kriegern das blut in die schuhe rinnt , da werden die bösen von den guten menschen erschlagen werden (das. no. 24. 28). In dieser bedeutsamen überlieferung läßt sich altes und uraltes aufweisen. ein geistliches lied des 16 jh. (Gräters Odina s. 197) erwähnt herzog Friedrichs , der das heilige grab wieder gewinnen und sein schild an einen laublosen baum hängen soll, der antechriste wird dabei genannt. das ältere bruchstück eines gedichts aus dem 14 jh. (cod. pal. 844) sagt von kaiser Friedrich: ›an dem gejaid er verschwant, das man den edeln keiser her sind gesach nyemer mer; also ward der hochgeporn keiser Friederich do verlorn. wo er darnach ye hin kam, oder ob er den end da nam, das kund nyemand gesagen mir, oder ob yne die wilden tir vressen habn oder zerissen , es en kan die warheit nyemand wissen, oder ob er noch lebendig sy am schluß der klage von könig Etzel (nicht Dietrich, wie ich s.  377 im versehn geschrieben habe); ›des wunders werd ich nimmer vrî, weder er sich vergienge , oder in der luft enpfienge oder lebende würde begraben , oder ze himele ûf erhaben . und ob er ûz der hiute trüffe oder sich verslüffe in löcher der steinwende, oder mit welhem ende er von dem lîbe quæme, oder was in zuo zim næme , ob er füere in daz apgründe . oder ob in der tiuvel verslünde , oder ob er sus sî verswunden , daz enhât niemen noh erfunden.‹ , der gewiszen sin wir fry und der rechten warheit; iedoch ist uns geseit von pawren solh mer, das er als ein waler sich oft by yne hab laßen sehen und hab yne offenlich verjehen, er süll noch gewaltig werden aller römischen erden, er süll noch die pfaffen storen, und er woll noch nicht uf horen, noch mit nichten laßen abe, nur er pring das heilige grabe und darzu das heilig lant wieder in der Christen hant, und wol sine schildes last hahen an den dorren ast , das ich das für ein warheit sag, das die pauren haben geseit, das nym ich mich nicht an, wan ich sin nicht gesehen han, ich han es auch zu kein stunden noch nyndert geschribn funden, wan das ichs gehort han von den alten pauren an wan‹. Ein gedicht, etwa von 1350 (Aretins beitr. 9, 1134) sagt: ›so wirt das vrlewg also groß , nymand kan ez gestillen, so kumpt sich kayser Fridrich der her vnd auch der milt, er vert dort her durch gotes willen, an einen dürren pawm so henkt er seinen schilt , so wirt die vart hin uber mer . . . . . . er vert dort hin zum dürren pawm an alles widerhap, dar an so henkt er seinen schilt , er grunet unde pirt : so wirt gewun daz heilig grap , daz nymmer swert darup gezogen wirt‹. Auch Sibyllen weissagung, die bald nach der mitte des 800 14 jh. in deutschen reimen gedichtet wurde, sagt: ›es kumet noch dar zuo wol, das got ein keiser geben sol, den hat er behalten in siner gewalt u. git im kraft manigvalt, er wirt genant Fridrich , der usserwelte fürste rich, vnd sament daz Christen volgan sich vnd gewinnet daz helge grap über mer, do stat ein dor boum vnd ist gros vnd sol so lange stan blos, bicz der keiser Fridrich dar an sinen schilt gehenken mag vnd kan, so wirt der boum wieder gruen gar, noch kument aber guete jar vnd wirt in aller der welt wol stan, der Heiden glouben muos gar zergan‹. Wackern. basel. hss. s. 55 in der handschriftlichen historia trium regum des Joh. von Hildesheim († 1375) wird eines tempels der Tartaren gedacht. hinter mauern, schlössern und riegeln steht ein dürrer baum , heermänner hüten sein: welchem fürsten es gelingt, sein schild an diesen baum zu hängen , der wird herr des ganzen Ostens, wie es dem großen chan, der deshalb unwiderstehlich sein soll, gelungen ist. Goethes kunst u. alt. II. 2, 174. 175 und Schwabs bearbeitung des buchs s. 181. 182. der baum steht in Tauris, vor alters Susa. Montevilla hingegen meldet, im thal Mambre, wenn man von Ebron nach Bethlehem ziehe, stehe der elende, dürre baum , den sie heißen Trip , aber wir nennen ihn siegesbaum , und ist ein eichbaum und man meint, er sei gestanden von anbeginn der welt und war vor gottes marter grün und geblättert, aber da gott an dem creuz starb, dorrete er . . . . man findet in weissagungen geschrieben: es solle ein fürst kommen aus Niederland mit vielen Christen, der soll dieselbigen länder gewinnen, und soll lassen messe singen unter dem dürren baum , dann soll er wieder grüne blätter überkommen und fruchtbar werden, und um des wunders willen sollen alle Juden und Heiden Christen werden, darum erzeigt man ihm große ehre und verhütet ihn gar wol. So nach der übersetzung des Otto von Diemeringen; die niederl. ausgabe nennt den baum Drip , die lat. Dirp und hat nichts von der weissagung des messesingens. Ist dieser zug in Deutschland eingeschaltet, überhaupt hier eine abendländische sage in den Orient gekommen? oder stammen die deutschen volksüberlieferungen alle aus morgenländischen reiseberichten? altfranz. heißt der baum le sec-arbre , l'arbre sech oder supe vgl. die im théâtre français au moyen age s. 171 ausgehobnen stellen. . Daß kaiser Friedrichs tod unter dem volk bezweifelt und seine wiederkehr geglaubt wurde, lehren die angeführten stellen, die sich ausdrücklich auf alte bauern beziehen; es wird schon im 13 jh. der fall gewesen sein und lange nachher. betrüger machten sich den gemeinen wahn zu nutz, eine chronik (bei Böhmer 1, 14) erzählt: ›ecce quidam truphator surrexit in medium, qui dixit se esse Fridericum quondam imperatorem , quod de se multis intersignis et quibusdam prestigiis scire volentibus comprobavit.‹ könig Rudolf ließ ihn im j. 1285 auf einem scheiterhaufen verbrennen. Detmar hingegen zum j. 1287: ›by der tid quam to Lubeke en olt man, de sprak, he were keiser Vrederic , de vordrevene. deme beghunden erst de boven unde dat mene volk to horende sines tusches unde deden eme ere. he lovede en grote gnade, oft he weder queme an sin rike; he wart up eneme schonen rosse voret de stat umme to beschowende . . . darna cortliken quam de man van steden, dat nenman wiste, wor he hennen vor. seder quam de mer, dat bi deme Rine en troner were, de in 801 dersulven wise de lude bedroch, de ward dar brand in ener kopen‹. Noch genauer berichtet Ottocar cap. 321 bis 326, und die chronik bei Pez 1, 1104. die sage mag auch beide Friedriche, den ersten und zweiten, mengen bemerkenswerth ist die redensart: › auf den alten kaiser hinein dahin leben‹, Simplic. 3, 20. 4, 11; › auf den alten kaiser hinein stehlen,‹ Springinsf. cap. 6, d. h. auf die ungewisse künftige veränderung aller gegenwärtigen dinge. Nachtrag: Eines entrückten helden geschieht schon 1096 erwähnung: inde fabulosum illud confictum de Carolo magno , quasi de mortuis in id ipsum resuscitato, et alio nescio quo (also vor Friedrich I.) nihilominus redivivo. Pertz 8, 215 ( anm. 2408 ). Friedrich soll auch zu Trifels in der Pfalz liegen, wo ihm allnächtlich das bett bereitet werde. Schlegels mus. 1, 293. die volkssagen lassen im Kifhäuser aber auch Otto Rothbart hausen und geben dem eingeschlossnen könige frau Holle zur haushälterin und botin. Sommer s. 1. 6. 104. er schenkt einen grünen zweig , der zu golde wird. das. s. 2. im berg wird kegel geschoben und schmaräkelt. das. s. 4. eine sage von Friedrich Rothbart hat Firmenich 2, 201 a . ein riese schläft im berge am steintisch schon 700 jahre. Dybecks runa 1847, 34. 35. der schwedischen volkssage von dem blinden, auf eine insel entrückten riesen ähnlich sind die sagen ebend. 1844 s. 30. 43. 59. 60, wobei immer das spannen des mitgegebenen gürtels um einen baum vorkommt (vgl. Panzer 1, 17. 71. 367); aber die andern umstände weichen ab. die kirchen nennen solche riesen de hvita klockmärrarna 4, 37, die glocke aber bjelleko . Dybeck 1845 , 48. 1844, 59. der alte graue blinde mann gemahnt an Oden. nach Praetor. alectr. s. 69 soll sich kaiser Friedrich selber in den ›Kiphäuser‹ verflucht haben. Über die Friedrichssage s. Haupts zeitschr. 5, 250–293. Glosener s. 30. 31 a. 1285. Böhmer reg. a. 1285. no. 830. vgl. 824. 826. Kopps Rudolf s. 736–49. Detmar 1, 130 zum j. 1250. die Repgow. chron. (Massm. 711) spricht geradezu vom zweiten Friedrich: bî den tîden segemen dat storve keiser Vrederic. en dêl volkes segede, he levede. de twivel warede lange tît (vgl. das. s. 714). Die aurikel heißt auch bergkaiserlein , meint es die den schatz anzeigende wunderblume? In Fischarts geschichtkl. 22 b heißt es: auff dem keyser Friderich stan . Schiller 120 b  (?): und nebenher hatten unsere kerle noch das gefundene fressen über den alten kaiser zu plündern . Phil. v. Sittew. soldatenl. 232: fressen, saufen, prassen auf den alten keyser hinein . Albertini narrenhatz s. 264: heuraten auf den alten keyser hinein . Schmeller 2, 335. 336: immerzu in den alten kaiser hinein sündigen. auf den alten kaiser hinauf sündigen, zechen d. h. ohne an bezahlung zu denken. Wie Carls weißer bart auf Wuotan deutet Friedrichs rother auf Donar , und in Norwegen hat Olafs rother bart (s. 456 ) gleiche mythische beziehung erfahren. Friedrich Rothbart im Kifhäuser und Unterberg, Carl Langbart im Unterberg und Odenberg, Holda im Horselberg drücken die selbe mythische idee aus, überall aber knüpfen sich eigene nebensagen an. Carl lieferte eine ungeheuere schlacht und ward in den Odenberg aufgenommen, aus dem er dereinst zu neuem krieg und sieg hervorgeht. Friedrich kommt aus dem Unterberg und schlägt eine solche schlacht. im 13. 14. 15 jh. verband damit das volk die wiedergewinnung des heil. grabs, auf diesen zweck sind die helden des Odenbergs und Kifhäusers nicht gerichtet. älter ist die bestimmung, daß mit ihrem aufwachen die große weltschlacht und der jüngste tag anbrechen soll; daran läßt die erwähnung des antichrists keinen zweifel. hier ist zusammenhang mit dem mythus vom weltuntergange s.  676 –678. der aufgehangne schild kann den nahenden richter bezeichnen (RA. 851); auch das zeichen des neugrünenden baums scheint mir eher heidnisch als christlich. zwar ließe es sich auf Matth. 24, 32, Marc. 13, 28, Luc. 21, 29, 30 (Hel. 132, 14) ziehen, wo die kunst des welttages dem ausschlagenden feigbaum, als zeichen des nahenden sommers verglichen werden, die anwendung des gleichnisses auf den jüngsten tag wäre aber ein misgrif. eher denke ich an die nach dem muspilli neugrünende erde (Sæm. 9 b ), oder an einen verdorrten wieder sprießenden weltbaum. die esche (s.  664 –667); es ließe sich selbst bestätigung meiner deutung von muspilli , mudspilli  = arboris perditio (s.  675 ) gewinnen aus dem dürren baum dorrende und grünende bäume werden auch sonst mit dem schicksal eines landes in verbindung gebracht. In Dietmarsen stand ein wunderbaum, der vor der einnahme des landes grünte , nach dem verlust der freiheit dorrte . die weissagung lautet: wann eine elster darauf nistet und fünf weiße jungen ausbringt , soll das land wieder frei werden. Neocorus 1, 237. vgl. 562. . Und wie, wenn Friedrichs frage nach den fliegenden raben noch zusammenhienge mit dem über der neuen welt fliegenden adler (Sæm. 9 b ) oder dem auf der esche sitzenden? auch an die kraniche darf sie erinnern, welche zur zeit der großen niederlage durch die brotbänke geflogen kommen (deutsche sag. no. 317). Fischart (Garg. 266 b 267 a ) bindet die wiederkehr des verwünschten königs gerade so an der kraniche kunft andere zeichen des einbrechenden weltendes : wenn der schwan den ring aus dem schnabel fallen läßt (oben s.  356 ); wenn die riesenrippe , aus der jährlich ein tropfe abfällt, vertröpfelt sein wird (deutsche sag. no. 140); wenn die zunge der wage einsteht (das. 294); wenn nach einem schwed. liede der stein im grünen thal fällt ; wenn das schif aus nägeln fertig wird (s.  679 ). . 802 Den mythus von dem grünenden baum und der schlacht in seiner nähe stellt uns eine niedersächsische sage Müllenhoff no. 509–512. 605. vorr. L. in bedeutsam abweichender fassung vor. mitten in Holstein auf dem kirchhofe zu Nortorf glaubt man wird einst eine esche erwachsen, noch hat niemand etwas von ihr gesehn, doch schießt alljährlich ein kleiner sproß unmerkbar aus dem boden hervor. dann kommt in jeder neujahrsnacht ein weißer reiter auf weißem pferde um den jungen schoß abzuhauen . aber zu gleicher zeit naht ein schwarzer reiter auf schwarzem pferde und wehrt es ihm . lange kämpfen sie, endlich wird der schwarze reiter verdrungen und der weiße haut den sproß ab. Einst aber wird er den schwarzen nicht mehr besiegen können, dann die esche aufwachsen , und wenn sie so groß ist, daß ein pferd darunter angebunden werden kann (RA. s. 82 vgl. die dän. Holgersage Thiele 1, 20), der könig mit großen scharen kommen und eine fürchterlich lange schlacht geliefert werden. während der zeit wird sein pferd unterm baume stehn, er aber hernach mächtiger sein als je zuvor. In dieser erzählung läßt sich weltbaum und kampf beim weltuntergang kaum verkennen, der weiße ritter scheint Freyr oder ein andrer leuchtender gott, der gegen Surtr den schwarzen streitet und das herannahende weltende durch abhauen des sprosses aufzuhalten sucht. heidnische götter sind die beiden kämpfer gewis, wenn auch andere. der könig, dessen pferd unter dem baum angebunden steht, ist einerlei mit dem, dessen schild an den baum gehangen wird, ein künftiger weltrichter. Wie vergangenheit und zukunft, das verlorne paradis und das erwartete, in der vorstellung des volks sich verschmelzen s. 686 ; selbst die partikeln je , einst , einmal , olim , gehen auf beide zustände. ; so glaubt es an ein erwachen seiner geliebten könige und helden aus dem bergschlaf : Friedrichs und Carls, Siegfrieds und wol auch Dietrichs. das ist des epos rechtes zeichen daß er seinen gestalten ewige, unvergängliche dauer sichert. Siegfried ist aber auch Wuotan (s.  22 . 111 ), Dietrich ist Wuotan (s.  781 ), Carl ist Wuotan (s.  327 ), und Wuotan steigt, nach dem muspilli, ein verjüngter, wieder erwachter gott, von neuem auf die welt. schon einmal war Ođinn aus dem land gefahren nach Gođheim (Yngl. saga c. 10), man wähnte ihn todt und er kehrte zurück. Neben dem langbärtigen Wuotan darf die ältere sage eines rothbärtigen Donars sich bewust geworden sein. Auch Artus , der entschwundne könig, dessen wiederkehr die Briten glauben ›et prius Arturus veniet vetus ille britannus.‹ Henricus septimell. bei Leyser p. 460. ›cujus in Arturi tempore fructus erit.‹ das. p. 477. , soll (wie er an der spitze des nächtlichen heers zieht (s.  780 )), in einem berge mit seiner massenie hausen : Felicia, 803 Sibyllen tochter, und Juno die göttin, leben in seiner gesellschaft, dem ganzen heer gebricht es nicht an speise, trank, rossen und kleidern Wartb. kr. jen. hs. 99. 100 (Docen I, 132. 133). . Gralents fortwährendes leben wird am schlusse des lais de Graelent versichert. In einem gewölbe bei Kronburg in Dänemark sitzen um einen steintisch gepanzerte männer, niedergebogen, die häupter auf den gekreuzten armen ruhend. als Holger danske , der am ende des tisches saß, sein haupt erhob, brach der tisch zusammen, in den sein bart gewachsen war, und er sagte: ›wir kehren zurück, wann nicht mehr männer in Dänmark sein werden, als ihrer raum auf einer tonne haben‹ (Thiele 1, 23. 168). Die Dänen wandten alle mythen auf Olger, der gar nicht ihnen, sondern den Niederlanden gehört, und derselbe Ogier (Otger, vielleicht Otacher) soll im Ardennerwalde umgehn und einmal wiederkommen Barrois préface s. xii . Pulei 28. 36. . Auch die Slaven glauben, ihr geliebter Svatopluk werde zurückkehren und in einigen gegenden Mährens dauert noch heute der gebrauch in feierlichem umgang › den Svatopluk zu suchen .‹ Palacky 1, 135. hierzu halte ich, daß Yngl. saga 15 Svegdir ausgeht › at leita Ođinn ‹, den O. zu suchen. etwas anders ist das heimsuchen des gottes (oben s.  120 Nachtrag: Der schlafende Friedrich erinnert an den in einer höle schlafenden Kronos , dem vögel ambrosia zutragen. Plutarch de facie in orbe lunae 4, 1152. 1153 (oben s.  694 ). auch Artus und die gralhelden sind in einem berg verschlossen. Lohengr. 179. Lanz. 6909. Garins de L. 1, 238. si jehent er lebe noch hiute. lw. 14. Raynouard s. v. Artus. nach Caesarius heisterb. 12, 12 ist der rex Arcturus in monte Giber (ital. monte Gibello). vgl. Kaufmann s. 51 und den magnetischen berg ze Gîvers . Gudr. 1135. 1138, 2. 564. (KM. 3 3, 274). entrückt sind ferner könig Dan . Müllenhoff no. 505. der graf von Flandern . Raynouard 1, 130 a . Marko lebt noch im waldgebirge. Talvj 1, XXVI, auch das pferd Bajard. über das suchen Svatopluks, Swatopluka hledati s. Schafarik s. 804. .). Oft führt der verwünschte gar keinen namen, in der höle des Willbergs fand der schäfer vom Osterberg ein männlein vor steinernem tische sitzen, durch den sein bart gewachsen war (deutsche sag. no. 314). den schäfer von Wernigerode geleitete ein greiser mann zu den schätzen der berghöle (das. no. 315). Vortreflich drückt das wachsen des barts in den stein oder um den stein die lange dauer der vergangenheit, den allmälichen fortschritt der zukunft aus. Im burgkeller von Salurn, im schlesischen Zobtenberg fand man drei männer am tische sitzen (das. no. 15. 143), die als verwünschte übelthäter dargestellt werden. Leicht ist den übergang von bergversunknen helden auf solche zu finden, die natürlich gestorben in ihren steingräbern schlafen und sich zuweilen sichtbar erzeigen. Zu Steinfeld im bremischen Marschland, hatte einer ein hünengrab gestört, dem erschienen die folgende nacht drei männer , deren einer einäugig war (anspielung auf Wodan) und die sich in einer unverständlichen sprache unterredeten, zuletzt schleuderten sie drohende blicke gegen den, der in ihrem grab gewühlt hatte und sagten: sie wären für ihr vaterland gefallen, störe er ferner ihre ruhe, so solle er weder glück noch stern haben. (Harrys nieders. sag. 1, 64). Wie aber Holda in den berg gebannt ist, so sind es vorzüglich weiße frauen , weißgekleidete jungfrauen (s.  230 . 342 . 347 ), auf welche der begrif dieser bergverwünschung anwendung leidet: göttliche, halbgöttliche wesen des heidenthums, die den blicken der sterblichen noch zu bestimmter zeit sichtbar werden; am liebsten bei warmer sonne erscheinen sie armen schäfern und 804 hirtenjungen. unsere volkssage ist allenthalben voll anmutiger erzählungen davon, die sich wesentlich gleichen und die festeste wurzel verrathen. Auf dem Lahnberg in Oberhessen saß eine weiße jungfrau bei sonnenaufgang, hatte auf tüchern waizen zum bleichen gebreitet und spann . ein Marburger becker gieng des wegs vorüber und nahm eine handvoll körner mit; zu hause fand er lauter goldkörner in der tasche. gleiches erzählt wird von einem bauer bei Friedigerode. Ein armer schäfer weidete an der Boyneburg , da sah er im sonnenschein neben der schloßthür eine schneeweiße jungfrau sitzen, auf weißem tuch vor ihr lagen flachsknotten , die sollten aufklinken. verwundert tritt der schäfer hinzu, sagt ›ei was schöne knotten!‹ nimmt eine handvoll, besieht und legt sie wieder hin. die jungfrau blickt ihn freundlich, aber traurig an, ohne ein wort zu erwiedern. Er treibt seine heerde heim, ein paar knotten, die in die schuh gefallen waren, drücken ihm den fuß, er setzt sich, zieht den schuh ab, da rollen ihm fünf oder sechs goldkörner in die hand (deutsche sag. no. 10. vgl. wetterauische sagen s. 277. Mones anz. 8, 427.) Im Otomannsberg bei dorf Geismar soll nachts ein feuer brennen. alle sieben jahre kommt eine schneeweißgekleidete , in der hand einen schlüsselbund haltende jungfrau heraus. Auf dem burgfelsen zu Baden erscheint mittags zwölf uhr eine weiße frau mit einem bund schlüssel (Mones anz. 8, 310). Im schloßgewölbe bei Wolfartsweiler liegt ein schatz verborgen, dessenwegen alle sieben jahre, wann die maiblumen blühen , eine weiße jungfrau erscheint, ihr schwarzes haar ist in lange zöpfe geflochten, um das weiße gewand trägt sie goldnen gürtel , an der seite oder in der einen hand ein gebund schlüssel , in der andern einen strauß maiblumen . am liebsten zeigt sie sich unschuldigen kindern, deren einem sie einst am grabe unten winkte, zu ihr hinüber zu kommen: das kind lief erschrocken heim und erzählte; als es mit dem vater wieder an die stelle gieng, war die jungfrau nicht mehr da. Eines mittags sahen auch zwei mädchen des gänshirten die weiße jungfrau herunter an den bach kommen, sich kämmen , die zöpfe machen , hände und gesicht waschen und wieder auf den schloßberg gehn. das nemliche geschah am folgenden mittag, und obgleich man ihnen zu hause scharf eingeprägt hatte die jungfrau anzureden, unterließen sie es aus zaghaftigkeit dennoch. am dritten tag erblickten sie die jungfrau nicht mehr, fanden aber auf einem stein mitten im bach eine frischgebratne leberwurst, die ihnen besser schmeckte, als je eine andere. Zwei männer aus Grünwettersbach sahen eines tags die jungfrau einen kübel voll wasser, den sie am bach gefüllt hatte, den berg hinauf tragen; am kübel waren zwei breite reife von lauterm golde. der weg, welchen die jungfrau allemal hinunter 805 und hinaufmacht, war am grase deutlich zu erkennen . Mones anz. 8, 304. Zu Osterrode läßt sich alljährlich am ostersonntag eine weiße jungfrau sehn, wandelt langsam vor sonnenaufgang an den bach und wäscht sich, einen großen bund schlüssel im gürtel. einen armen leinweber, der ihr um diese zeit begegnete, nahm sie mit in die burgtrümmer und brach ihm eine von drei weißen lilien ab, die er sich auf den hut steckte. zu hause fand sich, daß die lilie von reinem gold und silber war und die stadt Osterrode nicht geld hatte sie zu bezahlen. die wunderblume der osterjungfrau kaufte nachher der herzog gegen ein jahrgeld dem weber ab und nahm sie ins fürstliche wapen auf. Harrys 2 no. 23. In der Christnacht, als alles voll schnee lag, gieng ein fuhrmann auf einem fußwege seinem orte zu. da sah er nicht weit davon eine jungfrau mit einem sommerhute stehn und auf dem boden ausgebreitete flachsbollen mit dem rechen umwenden. ›nun jungfrau, thut sichs so?‹ rief er ihr zu und nahm eine handvoll bollen zu sich, sie aber gab keine antwort und schlug ihn mit dem rechen auf die hand. erst am andern morgen dachte er wieder an das mitgenommene, alle flachsbollen waren in gold verwandelt. eiligst lief er wieder hinaus an den platz, wo seine in der nacht hinterlassenen fußstapfen tief im schnee zu sehn, die jungfrau und flachsbollen aber verschwunden waren. Mones anz. 5, 175. Auf einem hügel bei Langensteinbach im walde liegt die längst verfallene Barbarakirche, wo bei vergrabnen schätzen die weiße frau umgeht. im frühling eines schaltjahrs gieng ein unerwachsnes mädchen hinein und sah sie aus dem chor treten, sie rief bst! und winkte dem mädchen zu sich, ihr gesicht und die hände waren schneeweiß, die zurückgeschlagnen haare rabenschwarz, in der hand, womit sie winkte, hielt sie ein sträußlein blauer blumen , an der andern halte sie eine menge goldringe , trug weißes gewand , grüne schuhe und an der seite einen bund schlüssel . Vor schrecken lief das mädchen aus der kirche und holte seinen vater und bruder, die außen beschäftigt waren, herein, die aber die weiße frau nicht sehn konnten, und als sie fragten, zeigte das mädchen hin und sagte ›dort!‹ Da wandte die frau sich um, ihr haar hieng über den rücken bis auf den boden und sie gieng nach dem chor, dann war sie verschwunden. Mones anz. 5, 321. In den klostergarten von Georgenthal gieng um die mittagsstunde eine magd grasen, da stand plötzlich auf der höhe an der mauer ein schleierweißes fräuchen und winkte bis die glocke zwölf schlug, wo es verschwand. unterwegs sah die graserin ein schönes tuch mit hellen leinknotten und steckte verwundert zwei davon ein. zu hause sind es zwei blanke ducaten. Bechstein thür. sag. 2, 68. Um den kellerborn bei Atterode haben viele im mondschein die weiße jungfrau bald wäsche , bald waizen trocknen sehn (das. 4, 166). 806 Auf der wüsten burg des Frankensteins bei Klosterallendorf erscheint alle sieben jahre eine weißgekleidete jungfrau über dem gewölbe sitzend und winkend. Als ihr einer folgen wollte, aber unschlüssig am eingang stehn blieb, kehrte sie um und gab ihm eine handvoll kirschen . er sprach ›habt dank!‹ und steckte ein, plötzlich geschah ein knall, keller und jungfrau waren verschwunden, zu haus besah der betäubte bauer die kirschen, die sich in gold und silberstücke gewandelt hatten. (das. 4, 144.) Ein fischer in der gegend des räuberbergs bei Feeben warf seine netze aus, da sah er plötzlich am ufer die weiße frau mit einem schlüsselbunde vor sich stehn. ›eben‹, sagt sie, ›ist deine frau daheim eines knaben entbunden worden, geh du nach hause das kind zu holen und bring mirs, damit ich es küsse und erlöst werde‹. Der fischer fuhr heim und fand alles wie sie gesagt hatte, doch sein kind traute er sich nicht sogleich hinauszutragen, der prediger rieth ihm es vorher taufen zu lassen, nach der taufe begab er sich zum berg, die weiße frau saß weinend und wehklagend, denn das war eine der gesetzten bedingungen, daß das kind, durch welches sie erlöst werden sollte, nicht getauft sein dürfte. und so erscheint sie noch jeweilen auf dem berge, des kommenden erlösers harrend. Ad. Kuhn no. 67. Bei Hennikendorf unweit Luckenwalde weideten ein paar hirten ihre schafe. da zeigte sich ihnen auf dem berg eine frau halb weiß halb schwarz und winkte. als der eine zögernd hingieng, erbot sie ihm in den berg zu kommen und sie zu erlösen, für alles gold was drinnen sei; ihr flehen bewegte ihn nicht. da sagte sie, erlöse er sie nicht, so werde erst wieder nach hundert jahren einer geboren der es könne; aber der hirte überwand nicht seine furcht und die stunde der erlösung war verstrichen und die frau versank in den berg, aus welchem der schäfer lange noch ihr herzzerreißendes klagen und winseln hörte. Ad. Kuhn no. 99. Ein bauer, der auf dem darrboden unweit den trümmern des klosters Chorin wachte, sah die weiße frau , welche man dort die utgebersche (ausgeberin) nennt, weil sie ein großes bund schlüssel trägt, plötzlich eintreten und erschrak nicht wenig. andern morgens erzählte er den übrigen knechten, was ihm begegnet sei, und einer fragte, ob er ihr auch nach den füßen gesehn hätte? als er verneinte, sagte dieser ›nun dann wollen wir heunt hingehn und nachsehn.‹ sie setzten sich zu mitternacht auf den darrboden und wachten, und nicht lange so kam die weiße frau langsam geschritten, alle schauten ihr nach den füßen und gewahrten daran gelbe (nach andern grüne) pantoffeln . lachend rief jener knecht, ›die hat ja gelbe pantoffeln an!‹ da floh sie eilends und kam nimmer zum vorschein. Ad. Kuhn no. 199. Am bache des Bütower schloßbergs ackerte ein bauer und oftmals erblickte er eine jungfrau , die daraus mit goldnem eimer wasser schöpfte und sich wusch . er faßte sich endlich ein herz sie zu fragen und vernahm, daß sie eine königstochter und mit 807 dem schloß des bergs in die erde versunken sei; erlösen könne sie nur, wer ohne anzuhalten und sich umzusehn sie auf den wendischen kirchhof zu Bülow tragen und dort mit voller gewalt zu boden werfen werde. Der ackersmann unterwindet sich der that und ist schon glücklich auf dem kirchhof, doch bevor er sie von seinen schultern abgeworfen, greift ihm etwas hinten in den schopf, da erschrickt er dermaßen, daß er sich umsieht und seine last fallen läßt. Jammernd fährt die jungfrau in die lüfte auf, ›nun müsse sie härter dulden und könne erst nach hundert jahren von einem standhafteren erlöst werden;‹ seitdem ist sie noch nicht wieder erschienen. Tettau und Temme no. 267. Der Pillberg ist ein verwünschtes schloß gewesen. in den schlechten stunden von eilf bis zwölf mittags pflegte sich auf ihm eine frau zu zeigen und im sonnenschein ihr haar zu schlichten . sie bat die hirten sie anzufassen. kein leid solle ihnen geschehn, doch wer sie anfasse möge sie festhalten und kein wort sprechen. Ein dreißigjähriger junge, der noch zum viehhüten gebraucht wurde, nahm einmal all sein herz zusammen und faßte die hand der burgfrau ; während er hielt, kam ihm allerlei blendwerk vor, bald wars als wenn ihn hunde beißen, bald als wenn pferde überlaufen wollten, dennoch hielt er fest. aber in der angst drängte sich der seufzer ›herr gott, herr Jesus!‹ aus seiner brust. gleich war die frau von seiner hand los, weinte und klagte, daß sie nun auf ewig verloren sei und verschwand. Reusch sagen des Samlandes no. 8. Auf dem berg bei Kleinteich soll ein schloß gestanden haben, das schon lange versunken ist. die vorfahren haben noch mit eignen augen gesehn, wie alle tage mittags zwischen eilf und zwölf eine königstochter herauftrat und sich die goldgelben haare in einen goldnen trog kämmte . das. no. 12. Der Hünenberg bei Eckritten war früher ein heiliger berg, auf dem die Preußen ihren göttern opferten; jetzt zeigt sich dort eine frau . ein bauer, der viel von ihr gehört hatte, ritt. auf den berg, um sie zu sehn. er sah sie auch wirklich, wie sie sich die haare kämmte , machte aber sogleich kehrt und ließ sich nur durch ihre bitten bewegen noch einmal umzuwenden. sie redete ihn freundlich an und gab ihm, was sie sich aus den haaren gekämmt hatte. ängstlich dankte der bauer, steckte das geschenk in die tasche und ritt ab; als er ihr aus den augen war, warf ers fort. er hätte es lieber behalten sollen, denn zu hause fand er noch einige goldkörner ; welche in den ecken der taschen zurück geblieben waren. das. no. 13. Mit solchen sagen könnte ich bogen füllen, bei aller einstimmung sind sie in nebenzügen verschieden, und das bezeichnende sollte ausgehoben werden man sehe außerdem DS. no. 11. 12. 316. Mone anz. 149. 258. 259. 4, 162. 7, 370. 476. 8, 313. Bechstein 1, 121. 125. 2, 51. 93. 164. 3, 180. 181. 187. 210. 4, 157. 158. 187. 209. 221. 224. 229. fränk. sag. 157. 285. Tettau und Temme 166. 189. Harrys 1, 19. 30. 2, 19. 23. Kulm no. 64. 119. 206. . übrigens kommen sie nicht bloß in 808 alemannischen, fränkischen, hessischen, thüringischen gegenden, wo bisher die meisten gesammelt wurden, sondern ich glaube allgemein in Deutschland vor, namentlich in Westfalen, Niedersachsen, den Marken und weiter gegen osten, ohne zweifel auch in der Schweiz, in Baiern und Östreich. Schm. 1, 33 gedenkt der Loferer jungfrau aus dem Salzburgischen und bemerkt, daß die sage weit ins Baierland verbreitet sei. Nicht weniger weiß in Friesland, Drenthe und den Niederlanden das volk von den witten wijven oder juffers in hügeln und hölen (J. W. Wolf no. 212), obgleich sie daselbst mit elbischen gestalten vermengt werden. Thieles danske folkesagn 4, 33 führen die weiße frau, den hvide qvinde aus Flensburg an, die eines schatzes hütend auf erlösung harrt; 4, 96 eine goldspinnende frau in schwarzem kleid bei Veilefjord in Nordjütland. andrer art scheint vorhin s.  798 die hvita qvinnan in Schweden. Einigemal wird die erzählung reicher und märchenhaft. so bei Bechstein 4, 221 no. 39 von den leuten, die ihr fünfjähriges kind im wald niedergesetzt hatten, während sie holz lasen, es hernach nicht finden konnten und lange suchten, bis es mit blumen und beeren gelaufen kam, die ihm die weiße jungfer in ihrem garten gegeben hatte. da machten sich die eltern auf und giengen auch zu dem garten, der schon in voller blüte stand, da doch noch kalte jahrszeit war; die weiße jungfer winkte ihnen, aber sie fürchteten sich. das kind wünschte sich alle tage zu ihr, weinte und härmte sich, erkrankte und starb, es war den himmlischen, den elben verfallen (vgl. kinderlegenden no. 3). Einem, der in ödem waldhause herbergt, wird um mitternacht schuhgeschlürfe vernehmbar, die weiße frau kommt vor sein bett getreten, klagt ihm ihr leid und begehrt erlösung, wie Condwîrâmûrs von Parzivâl. Mones anz. 6, 396–398) Nachtrag: Das schlüsselbund der weißen frau ist schlangumwunden. Panzer 1, 2. eine weiße jungfrau mit schlüsseln auch bei Firmenich 2, 117. drei witte jumfern . Haupts zeitschr. 4, 392. drei weiße frauen im verwünschten schloß. Arnims märch. no. 18. man vgl. die slav. wilen und willy , geister der vor der hochzeit verstorbnen bräute, die um mitternacht reigen halten und männer durch ihren unablässigen tanz tödten. Hanusch s. 305. 415. tanzende willis . Maylath ungr. märch. 1, 9. litth. wéles gestalten der verstorbnen. . Den ursprung dieser weißen frau braucht man nicht von celtischen matronen und feen (s.  340 . 345 ) herzuholen, die ihnen sehr nah verwandt sind; unser eignes alterthum leitet auf noch nähere wesen. elbinnen und schwanfrauen erscheinen in weißem, leuchtendem gewande, unter den göttinnen dürfen besonders drei genannt werden, aus denen sich die weiße frau und zuletzt die nonne niederschlagen konnte, Holda , die sich gerade so in der mittagssonne kämmt und badet, Berhta , die schon im namen weiße, die spinnt und webt, Ostara (s.  241 . 650 ), der das volk maiblumen opferte (s.  48 ). Holda und Berhta schenken unscheinbare sachen, die sich in gold wandeln, gern führen die weißen frauen goldne ringe und stäbe (Mone 7, 476), haufen geldes liegen auf ihrem schoß (Mone 8, 185), sie begaben mit schachteln voll goldsand (5, 414). wie Berhta als weiße ahnfrau erscheint, wenn ein todesfall bevorsteht (s.  232 ), gilt dasselbe von den weißen 809 jungfern (Bechst. 4, 158); auf Berhtas ungestalten fuß (s.  232 ) gehn auch der geißfuß und die langen nägel der weißen jungfrau (Mone 7, 476) oder der grüne, gelbe pantoffel (s.  806 ), denn warum sollten diese sonst so auffallen? die halbweiße halbschwarze frau gemahnt an Hel (s.  259 ), wenn man sie nicht aus einer nonnentracht deuten will (Mone 3, 259). sogar daß statt der weißen frau ein weißer mann (Mone 6, 69) auftritt, ist wie Berhtolt neben Berhta. allegorische frauen, wie sie cap.  XXIX darstellt, haben in der art und weise ihres erscheinens offenbar vieles mit den weißen frauen gemein. Die durchgreifende idee der verwünschung und ersehnten lösung scheint nun eben dahin zu fassen, daß die heidnische gottheit zwar noch schön, reich, mächtig und wohlthätig, aber als unselig und verworfen dargestellt wird, und aus dem über sie gesprochnen bann nur unter den schwersten bedingungen gelöst werden mag. die volkssage läßt noch mitgefühl bei dem jammer der weißen frau blicken, wenn die begonnene erlösung immer unterbrochen und auf weitere unabsehbare zeit hinausgeschoben ist. Dafür gilt besonders ein eigenthümlicher, sicher althergebrachter ausdruck: der welchem dereinst gelingen soll die that zu vollbringen, und den hort zu heben, der ihm zum lohn verheißen wird, muß als kind in der wiege geschaukelt werden, die aus dem holz des baums gezimmert war, der jetzt erst als schwaches reis aus der mauer eines thurms sprießt : verdorrt das bäumchen oder wird es abgehauen, so verschiebt sich die hofnung des erlösens bis es von neuem ausschlägt und wieder wächst (DS. no. 107. 223). das steigern noch hinzugefügte bedingungen: den kirschkern, aus welchem der sproß schießen wird, hat ein vöglein in die mauerritze zu tragen (Bechst. Franken 191); bei den steinen muß ein doppelter tannenbaum aus einer wurzel sprießen, und wann er hundert jahre alt wird, zwei ledige leute ihn am Wunibaldstage umhauen, den stärksten stamm soll ein schlitten auf Dagobertstag hinab ins thal schleifen und aus des stamms brettern die wiege des erlösers gemacht werden (Mones anz. 3, 91); jetzt ist der nußbaum erst fingerhoch, aus dessen brettern die wiege gefertigt wird, in welcher der einstige befreier liegen muß (Mones anz. 7, 365). zuweilen heißt es bloß, das bäumchen sei noch ungepflanzt, das holz noch ungehauen (Mone 6, 397. 7, 476. 8, 63). bei Ad. Kuhn no. 94 lautet die formel so: eine linde solle gepflanzt werden, die werde oben zwei plantschen (äste) treiben, aus deren holz eine poie (boie) zu machen sei: welches kind in ihr zuerst liegen werde, das sei bestimmt mit dem schwert vom leben zum tode gebracht zu werden, und dann trete erlösung ein. In allen diesen sagen knüpft sich der eintrit des künftigen ereignisses an einen keimenden baum , gerade wie der weltkampf durch den schößling der esche (s.  802 ) oder den in laub ausschlagenden dürren baum (s.  799 . 800 ) bedingt war. Eine andre erschwerung des erlösens ist, daß die jungfrau in grausenhafter gestalt, als schlange , drache , kröte , frosch dreimal 810 geküst werden muß (DS. no. 13. Mones anz. 3, 89. 7, 476). schon im gedicht von Lanzelot kommt dies küssen an den mund des drachen vor, der sich hernach in ein schönes weib verwandelt (7881. 7907. 7990). Einigemal geht die erscheinung der weißen frau, wie sie sich sonnt, strählt und badet, über in den begrif einer wasserholde und nixe (s.  400 ), einer nord. hafsfru (Afzelius 2, 150), und auch diese geister sind der erlösung bedürftig (s.  408 ). zwölf weiße seejungfern stellen sich zum tanze der menschen ein (Mones anz. 5, 93). hierher die romanische sage von Melusina. Solche meerfrauen pflogen aber die halbe oder ganze gestalt eines fisches, einer schlange anzunehmen; einzelnen weißen frauen wird fischschwanz , schlangenschwanz , beigelegt: in den goldnen berg war eine königstochter als schlange verwünscht, die nur jede dritte nacht menschengestalt erhielt (KM. no. 92); im Oselberg bei Dinkelsbühl haust eine schlange mit frauenhaupt und schlüsselbund am hals (DS. no. 221 Nachtrag: von einem general, der eine eichel zum sarg pflanzt, erzählt Ettners chymicus 879. eine gewisse ähnlichkeit mit der erlösungssage hat die sage vom kreuzesholz, das aus drei körnern, die unter des todten Adams zunge gelegt werden, aufwächst. daß der kern durch ein vöglein herangetragen werden muß, gemahnt an den zur wünschelrute geeigneten vogelbeerstrauch, dessen same aus des vogels schnabel entfallen muß (s.  813 ) und das viscum, per alvum avium redditum (s.  1009 ). vgl. die sage von der Schalksburg. Schwabs alb s. 32. man muß einen baum fällen und daraus eine wiege zimmern, und erst wenn ein kindlein in dieser wiege weint, wird der zauber gelöst und der schatz gehoben. H. Meyer Zürcher ortsnamen s. 98. vgl. die sage bei Panzer 2, 200. 159. andere bedingungen des erlösens sind: einen wagen verkehrt auf den berg ziehen, ein stück leinwand kaufen, die hand der weißen frau stillschweigend halten. Reusch s. 437, der schlange mit dem mund den schlüssel aus dem mund nehmen. Firmenich 1, 332, den wurm, oder die kröte, oder den frosch, den wolf und die schlange küssen. Müllenhoff s. 580. Sommers sagen s. 21. H. Meyer Zürcher ortsn. s. 97. ). Mit dem begrif der bergentrückung ist meistens auch der eines verwünschten heblichen schatzes verbunden. da wo der alte held oder gott in der berghöle sitzt, wie im hügel und grab des helden, liegt ein unendlicher hort geborgen; die weiße frau, die schlangenfrau, oder schlange und drache allein hüten seiner. Das goth. huzd , ahd. hort , ags. heord , altn. hodd scheinen mir buchstäblich das lat. cust in custos, custodia, dieses von curo (für cuso) abgeleitet, so daß sich auch unser hûs (das hegende, schützende) und das lat. curia (haus und hof) derselben wurzel fügen, in huzd liegt also schon der begrif des bewachens, hütens. aus thesaurus, ital. span. tesoro, franz. trésor ergab sich das ahd. treso , dreso . das goth. skatts , ahd. scaz bezeichnet aber numus und ist erst allmälich in die bedeutung von thesaurus, gaza übergegangen, noch im 13 jh. hatte schatz nur den sinn von gold, reichthum (Floro 7749. Troj. 2689. 3171. Ms. 2, 146 a ) nicht den von niederlegung und bewahrung. Der allgemein verbreitete glaube, daß im innern der erde schätze ruhen, läßt O. V. 4, 23, als er vom erdbeben bei des heilands auferstehung redet, sagen: ›sih scutita io gilîcho thiu erda kraftlîcho, ioh sî sliumo thar irgab thaz dreso thar in iru lag .‹ Aus der bergung des schatzes in die tiefe folgt, daß wer sich seiner bemächtigen will ihn heben müsse. man glaubt, daß der schatz von selbst rücke , d. h. sich langsam aber fortschreitend der oberfläche zu nähern suche. meistens heißt es, er komme alljährlich einen hahnenschritt weiter aufwärts (DS. no. 212). auch den donnerkeil , Donars kostbaren hammer, nach dem er tief in den erdboden gefahren ist, sahen wir (s.  149 . 150 ) in sieben jahren wieder hinauf treiben. zu bestimmter zeit steht der schatz oben und ist seiner erlösung gewärtig; fehlt dann die geforderte bedingung, so wird er von neuem in die tiefe entrückt. Jene annäherung aber drückt die redensart aus: ›der schatz blühet ‹, wie das 811 glück blüht. (s.  722 ), ›er wird zeitig ‹, ›er verblüht ‹ (Simpl. 2, 191) muß wieder versinken. das mag sich aufs blühen einer blume über oder neben ihm beziehen. mhd. sagte man, daß der schatz hervorkomme : ›wenne kumt hervür der hort , der mich sô rîche möhte machen?‹ Ms. 1, 163 b . gewöhnlich zeitigt er alle sieben, oft nur alle hundert jahre, gern zumal im vollmondschein, auch in den zwölften. es heißt auch ›der schatz sonne sich ‹: an freitagen im merz soll er aus dem boden steigen sich zu sonnen (Mones anz. 8, 313), jenes ausbreiten des waizens und der flachsbollen (s.  805 ) ist dergleichen sonnen, der schatz pflegt sich in kesseln zu heben, und dann seine gegenwart durch eine auf ihm leuchtende flamme anzuzeigen, wie über den hügeln der gespenster flamme weht (s.  763 ) blaue lohe wird auf ihm erblickt (Reusch no. 46), er hat das aussehn glühender kohlen , eines braukessels voll rothen goldes (Reusch no. 7. 25. 26). brennt flamme über ihm, so sagt man ›der schatz wettert sich .‹ Viele schätze bewegen sich jedoch nie gegen die oberfläche der erde, sondern müssen in der berghöle selbst gewonnen werden. Zur hebung des schatzes wird erfordert stillschweigen und unschuld . Alle heiligen, göttlichen geschäfte dürfen nicht besprochen werden, z. b. heilawâc ist schweigends zu schöpfen (s.  190 . 485 ), zauberkräftiges kraut schweigends zu brechen; ein beschriener schatz sinkt augenblicklich hinab (abergl. 214 ). unschuldige kinderhände taugen ihn zu erfassen, wie das loos zu ziehen, arme dorfknaben und hirtenbuben sind es die ihn auffinden (DS. no. 7. 157. 158); wer sich durch laster befleckte kann ihm nimmer nahen (das. 13). Wer den schatz erblickt soll geschwind etwas darauf werfen, um besitz von ihm zu nehmen und alle gefahr abzuwehren. gerathen wird brot , oder ein auf bloßem leib getragnes kleidungsstück oder einen kreuzdreier hastig über den schatz zu werfen (abergl. 218 . 224 . 612 ). man lese s.  501 von dem feuer nach. Der hort wird aber angezeigt und gehütet . angezeigt durch die erscheinung jener versunknen helden und weißen frauen, angezeigt und bewacht durch hunde, schlangen, drachen. auch jene waberlohe (s.  500 ) oder die blühende blume kündet ihn und die wimmelnden käfer (s.  578 ) sind sein zeichen Nachtrag: Man vergräbt schätze in die erde , wie denn die Kosacken all ihr geld vergraben sollen. diebe und räuber vergraben ihren raub, hunde und wölfe das fleisch. die Marsen hatten im hain den von den Römern erbeuteten adler vergraben, den die Römer wieder ausgruben. Tac. ann. 2, 25. Der schatz heißt legerhort . Renn. 17687. 2505, altn. taurar sind thesauri, opes reconditae. Rückt wol der schatz indessen in die höh , den ich dort hinten flimmern seh? Göthe 12, 193. der schatz blüht . Panzer 1, 1. weil sich das vergrabne gold oftermalen zu verrücken pflegt. irrg. d. liebe 503. die kessel sinken jedes jahr drei ellen. Dybeck 4, 45. alle hundert jahre gehn die steine von der heide ans meer um zu trinken, unterdessen liegen alle schätze der erde offen und unbedeckt, daß man sie nur heraus zu langen braucht. in einigen wintern aber kehren sie zurück und zerquetschen den, der sich nicht zeitig entfernt hatte. bretagn. märch. 88–93. der schatz sonnt sich. Panzer 2, 16. 30. er glüht aus . Müllenhoff s. 203. 204. gold des schatzes wandelt sich in kohle , schon bei Lucian im Timon 1, 110. philops. 7, 284. vgl. die sagen von Holla, Berhta, Friedrich rothbart und Rübezal. kohlen des brennenden schatzes werden in gold gewandelt. Reusch no. 25–27. glimmendes feuer und kohlen des schatzes. Dieffenbachs Wetterau s. 275. anzeichen des schatzes sind: wenn eine hasel misteln trägt, eine weiße schlange sich sonnt, und schatzfeuer brennt. Reusch no. 15. wo schätze liegen, brennt blaues feuer (Hofmannswaldau) oder dringt licht aus der erde. Leipz. avent. 2, 40. es wimmelt beim schatz s.  576 . 578 . Den schatz hebenden setzt man nackt in eine kufe bis an den hals ins wasser, einen kranz aufs haupt, und lässt ihn bis mitternacht auf die erscheinung des schatzes warten. Cervantes nov. de la gitanilla p. m. 106. ein beschriener schatz sinkt . Wetterauer sage bei Firmenich 2, 100. vgl. ags. sinc thesaurus, opes. gute schatzhebungssagen stehen bei Asbiörnsen Huldr. 1, 142–44. die geister müssen begrabne waffen herausgeben: saemir ei draugum dŷrt vâpu bera. fornald. sög. 1, 436. zwischen schätzen und gräbern besteht zusammenhang; die › hauga eldar ‹ zeigen geld an. Egilssaga 767. der hort nimmt nicht ab : sîn wart doch niht minre, swie vil man von dem schatze truoc. Nib. 475, 12. . Um in den berg zu gelangen, worin er geborgen ist, bedarf es gemeiniglich einer wegbahnenden thürsprengenden pflanze oder wurzel. In den volkssagen wird ganz einfach eine schöne wunderblume genannt; die der beglückte zufällig findet und an seinen hut steckt: nun steht ihm auf einmal ein und ausgang zu dem schatze des berges offen. hat er inwendig in der höle seine taschen gefüllt und vom anblick der kostbarkeiten erstaunt den hut abgelegt, so erschallt hinter dem weggehenden die warnende stimme gleichsam der blume selbst, mehrere blumen, namentlich gamamder und mäuseöhrchen heißen dem volk › vergißmeinnicht ‹, das dabei ihre wunderkraft berücksichtigte. die sentimentale deutung entstand später. : 812 › vergiß das beste nicht! ‹ aber es ist zu spät, und nun schlägt ihm bei seinem ausgang hart an der ferse die eiserne thür zu , alles ist im nu verschwunden und der pfad nimmermehr zu finden. Diese formel kehrt in den sagen vom Odenberg, von den Weserbergen und vom Harz und in vielen andern jedesmal regelmäßig wieder (DS. no. 9. 303. 314. Bechstein 1, 146. 3,16. 4, 210. 211. Dieffenbachs Wetterau s. 284. 285. 190); sie ist gewis uralt andere formeln: ›je mehr du zerstreust, je mehr du bereust!‹ ›je mehr du verzettest, je minder du hettest!‹ nemlich wenn das geschenkte oder aufgelesne gold den schein hat von laub oder kohle. In der höle, wo gold auf dem tische liegt, rufen die drei daneben sitzenden allen männer den staunenden gast an: ›greif einen grif, streich einen strich, und packe dich!‹ . gewöhnlich wird die blume blau angegeben, nach der göttern und geistern eigensten farbe, doch finde ich auch purpur blume und weiße blume genannt; zuweilen heißt sie schlüsselblume , weil sie das gewölbe schließt und als symbol der schlüsseltragenden weißen frau, der das schlüsselbund als ahnmutter und schließerin des hauses ziemt, die aber zugleich den schatz zu öfnen macht hat. auch glücksblume heißt sie (Bechstein 3, 212), am häufigsten wunderblume . wenn drei wunderblumen genannt sind (Bechst. 1, 146. 4, 209), scheinen drei an einem stengel gemeint. Das gewaltsame plötzliche zufahren der thür gemahnt auffallend an das eddischc ›hrynja honom þâ â hæl þeygi hlunnblick hallar‹ Sæm. 226 a ; ›þegar laukst hurđin â hæla hönum‹ Sn. 2; ›eigi fellr honum þâ hurđ â hæla ‹ fornald. sög. 1, 204: zweimal von dem zuprallen der höllenthür (s.  261 ). einem hirtenknaben wurde sein schuhabsatz noch mit weggerissen (DS. 157), wie sonst dem wegeilenden die ferse abgeschlagen (KM. 3, 75). als der schäfer den ruf überhörte, brach das gewölbe zusammen, die thür schlug hinter ihm zu, daß es krachte, erfaßte ihn noch an der ferse des einen fußes und zerschlug sie, daß er lange siechte und das geholte geld auf die heilung des fußes verwenden muste (Bechst. 4, 211); wie er hinausstürzt, schlägts die thür hinter ihm zu, daß ihm die fersen weggeschlagen sind (Harrys 2, 14). ich gebe etwas auf das vorkommen solcher formeln, und möchte sie in mhd. gedichten aufspüren. › die berge sint nû nâch mir zuo ‹ Ms. 2, 145 b scheint schon in einer redensart des 13 jh. das verscherztsein eines früher offen gestandnen glücks auszudrücken Nachtrag: Die wunderblume soll bald nur in der Johannisnacht, bald nur alle hundert jahre einmal blühen. zaudert einer, der sie erblickt hat, und bricht nicht, so verschwindet sie plötzlich unter donner und blitz. vgl. 1000 . 1013 . Preusker 1, 91. 92. vor den augen des schäferknechts wächst eine wunderblume plötzlich aus dem erdboden, er pflückt sie und steckt sie an den hut; schnell wie man die hand umdreht, steht ein graues männchen da und winkt zu folgen. oder es erscheint auch, sobald die blume auf den hut gesteckt ist, die weiße frau . Firmenich 2, 175. die wunderblume bleibt in der schuhschnalle hängen. Sommer s. 4, wie farnsamen in die schuh fällt (s.  1012 ) und auch Johannisnachts blüht. das. 4. 165. sie heißt schlüsselblume Panzer 1, 883, wunderblume . wetterauische sagen s. 284. Phil. von Steinau s. 77, poln. dziwaczek , böhm. diwnjk wunderblume. die drei blauen blumen erlösen. Firmenich 2, 201 a . in einer schleswigschen sage heißt sie die gelbe blume, und es ruft: vergiß das beste nicht! Müllenhoff s. 351. eine andere formel ist: ›wia meh as da verzötarist, om sa minder host.‹ Vonbun s. 5. › Vergisse min nit ‹ kommt als blumenname schon im 15. jh. vor. altd. w. 1, 151. in einer glosse derselben zeit: vergißmeinnicht alleluja. Mone 8, 103. vergismannicht gamandria. das. 8, 103. vergiß nit mein , eine blaue blume. Uhl. 1, 60. 108. 114. 116. 129. blümlein vergiß nit mein . ambras. ldrb. s. 18. 251. bergr. 37. 70. blümelain vergiß ni main! Meinert 34. vergiß mein nicht . Menantes gal. welt s. 70. schwed. förgätmigej Dybeck 1848, 28. böhm. nezapomĕnka , poln. niezapominka , russ. nezabudotschka . vgl. Weim. jb. 4, 108. das blümlein wunderschön. Göthe, 1, 189. Dem wegeilenden wird die ferse abgeschlagen . Firmenich 2, 176. in der sage bei Wächter statist. s. 175. 176 heilt die wunde an der verletzten ferse nie. ein sprichwort sagt: was nachkommt, schlägt die ferse wund. . Anstalt der wunderblume oder schlüsselblume nennen andere sagen die springwurzel , ein kraut das man sich auf folgende weise verschaffen kann: das nest eines grünspechts oder schwarzspechts , wann er junge hat, wird mit hölzernem keil zugespündet; der vogel, sobald ers gewahrt, entfliegt und weiß eine wunderbare wurzel zu finden, die menschen vergeblich suchen würden. er bringt sie im schnabel getragen und hält sie vor den keil, der alsbald, wie vom stärksten schlage getrieben, heraus springt. hat 813 man sich nun versteckt und erhebt bei des spechts annäherung großen lärm, so erschrickt er und läßt die wurzel fallen. einige breiten auch ein weißes oder rothes tuch unter das nest, so wirft er sie darauf, nachdem er sie gebraucht hat. Eine ältere stelle theilt Mones anz. 8, 614 aus Conrad von Megenberg mit: ›ain vogel haist ze latin merops und haist ze tütsch bömheckel und nist in den holen bömen, und wenn man im sinü kint verslecht mit ainem zwickel, so bringt er ain krut und hält das für den zwickel, so vert der zwickel her dan. daz krut haist herba meropis, daz spricht bömheckelkrut und haist in der zöberbuch chora, und wer nit guet, daz man es gemainklich erkant, wan es gänt sloss gegen im uff, damit smidet nieman, wan der gevangen lyt uf den lip.‹ Der specht galt für einen heiligen göttlichen vogel (s.  561 ). schon Plinius 10, 18 berichtet den mythus: adactos cavernis eorum a pastore cuneos, admota quadam ab his herba, elabi creditur vulgo. Trebius auctor est, clavum cuneumve adactum quanta libeat vi arbori, in qua nidum habeat, statim exsilire cum crepitu arboris, cum insederit clavo aut cuneo vgl. vom wiedhopf Aelian de nat. an. 3, 20. Die rabbinische sage gedenkt des bergspaltenden schamir , welchen sich Salomon zu seinen bauten auf folgende art verschafte. er ließ das nest eines auerhahns suchen, worin junge waren, und es dann mit weißem kristall zudecken. der auerhahn kam und wollte zu seinen jungen, als er aber nicht vermochte, holte er den schamir und setzte ihn auf das glas. indem fieng Salomos bote überlaut an zu schreien, daß der vogel erschrack und den schamir fallen ließ, den jener sogleich mit nahm (Majers myth. wb. 1, 121). Das erzählen die gesta Roman. beinahe eben so von dem vogel strauß und dem herbeigeholten sprengenden wurm thumare (Gräßes übers. 2. 227). . Daß dem specht besonders die zauberkräfte der kräuter bekannt sind ergibt sich aus andern sagen: er hütet sie und fährt dem menschen, der sie ausreißen will, in die augen. so sagt Plinius 25, 4, 10 von der paconia: praecipiunt cruere noctu, quoniam si picus martius videat tuendo in oculos impetum faciat; und 27, 10, 60: tradunt noctu effodiendas, quoniam pico martio impetum in oculos faciente, interdiu periculosum sit. Jene sprengende wurzel soll euphorbia lathyris sein, von den Italienern sferracavallo genannt, weil ihre wirkung gegen die metalle so stark ist, daß auf sie tretende pferde das hufeisen im stich lassen müssen Nachtrag: Die springwurzel heißt ahd. sprincwurz iactarida, lactaria herba. Graff 1, 1051 oder kurzweg springa . Graff 6, 397. bedeutet piderit , diderit , sonst diebsschlüssel, auch eine springwurzel? Firmenich 1, 271. die springwurzel oder wunderblume wird auch vogelnest , franz. nid d'oiseau genannt, plante apéritive, vulnéraire, qui croît au pied des sapins. sie öfnet kisten (volkssage bei Mone 8, 539) und macht unsichtbar (DS. no. 85). sie heißt auch zweiblatt , bifoglio und wird vom zwickast, von der zwickgabel eines baums abgenommen. ist also eine schmarotzerpflanze wie die mistel gemeint? man muß es für das nest eines heiligen vogels gehalten haben. so wähnt man vom zeisignest , der zeisig lege ein kostbares steinchen hinein, wodurch es unsichtbar werde. Haupts zeitschr. 3, 361. vgl. Vonbun Vorarlb. 63. böhm. hnjzdnjk ophrys nidus avis, ragwurz, poln. gniazdo ptasze (vgl. Linde 1, 728 b ). über den grünspecht , franz. pivert vgl. Am. Bosquet s. 217. 218 und den baumheckel . Musäus 2, 108. pices divitiis, qui aureos montes colunt, ego solus supero. Plaut. aulul. IV. 8, 1. zu der sage vom schamir vgl. Hammers rosenöl 1, 251. alld. w. 2, 93. Pineda Salomon (Diemer s. 44) samir . Diemer 109, 19. thanir . Gervasius tilb. ot. imp. ed. Leibn. s. 1000. thamur . Vincent. bellovac. 20, 170. tamin . Maerl. b. Kästner 29 a . Grieshabers predigten s. XXV erzählen die sage vom strauß 2, 122. . Es gibt aber, außer solchen thürsprengenden pflanzen, noch ein anderes uraltes mittel, gold und schätze in der tiefe der erde aufzuspüren und zu erwerben: die wünschelruthe . Warum übertrüge schon eine ahd. glosse caduceus durch wunsciligerta (gramm. 2, 540. Graff 4, 257), hätte sie nicht den begrif der zauberkräftigen ruthe Mercurs mit jenem ausdruck am nächsten zu erreichen geglaubt? an sich führte das lat. wort weder auf wunsch noch wünschen (N. Cap. 16. 37 verdeutscht flugegerta , virga volatilis). die vorstellung einer zauberruthe unter eigenthümlich deutschem namen war also sehr frühe begründet, und dieser name hängt wieder zusammen mit dem mehrbesprochenen sinn 814 des wortes wunsch, das wie sælde sowol den inbegrif von glück und heil, als persönliche wesen Wunsch und Sælde bezeichnet. der diminutivform halben nehme ich in dem compositum wunsciligerta nicht die persönliche bedeutung, sondern die sächliche an: es ist die gerte, durch deren besitz man alles irdischen heils theilhaft wird. die gabe dieses heils geht von dem allwaltenden Wuotan aus (s.  347 ). Auch die dichter des 13 jh. bedienen sich des ausdrucks. Conrad in der schmiede 664 (614), Maria mit dem stabe Moses vergleichend: ›dû bist diu wünschelgerte , dar mit ûz einem steine wazzer wart geslagen‹; 1306 (1261) ›dû sælden (? Sælden) wünschelgerte ‹; Troj. 19888 von Helena: ›schœne als ein wünschelgerte kam sie geslichen ûfreht‹, wie dänische volkslieder in gleichem sinn liljevaand (lilienstengel) verwenden; Troj. 2215 ›alles heiles ein wünschelrîs ‹; Gotfried in einem minnelied 2, 9; ›der gnâde ein wünschelruote ‹; Nithart im rosenkr. 3: ›gespalten nâch der wünschelruoten stam‹; in Albr. Titur. mehrmals wünschelgerte und wünschelruote (4146), wünschelsâme des varmen (4221) weil varm, nhd. farn (filix) ein heilkraut ist. Die wichtigste stelle findet sich aber Nib. 1064 (wenn schon in einer eingeschalteten strophe) gerade bei beschreibung des Nibelungehorts: der wunsch lac dar under, von golde ein rüetelîn , der daz het erkunnet, der möhte meister sîn wol in al der werlte über islîchen man. unter gold und gesteine des horts lag eine ruthe, deren wunderkraft (wunsch) alles heil, alle wonne enthielt, wer ihren werth kennt (ich setze nach rüetelîn bloß ein comma und beziehe ›daz‹ darauf), dem ist gewalt über alle menschen verliehen; die wünschelruthe brachte nicht nur schätze zuwege, sie stärkte und mehrte fortwährend deren gehalt. Hier heißt die wünschelruthe golden . Gewöhnlich brach man sie aus einer haselstaude ; nach Vintler ist sie ›das jährige zweig (sumerlate) eines wilden haselbaumes‹. es wird dazu bei rechtem mondschein ein ast mit einer zwisele , zwispel (furca) geschnitten und dreifach zusammengewunden Ettners unwürd. doctor p. 3–8, vgl. den doppelast der tanne und linde (s.  809 ) und die drei blumen eines stengels (s.  812 ) rute mit neun enden (abergl. 950 ); lindenast mit neun zweigen (Rhesa dainos 30). . andere fordern eine weiße hasel oder kreuzdornruthe , die gabel oder twiele hat, in einem jahr gewachsen und woran kein flecken altes holz ist, sie muß so stehn, daß ost und westsonne durch die twiele scheint, sonst ist sie nicht gut. wer sie brechen will, geht an einem neuensonntage morgens zwischen 3 und 4 uhr stillschweigend zu der ruthe, kehrt sein angesicht gegen morgen, neigt sich dreimal vor der ruthe und spricht: ›gott segne dich edles reis und sommerzweig!‹ (darauf folgen sieben, in den mekl. jb. 5, 110–117 mitgetheilte beschwörungen.) Jene vergleichung Conrads läßt eine einfache, schlanke 815 gerte vermuten. Man unterschied, wenigstens später, mehrere arten: feuerruthe, brandruthe, springruthe, schlagruthe, beberuthe. nicht zu allen wurde die hasel verwendet, einige aus messingdrat, vielleicht auch gold verfertigt. In Niederdeutschland sagt man wickerode , von wicken, zaubern, weissagen. Es gilt, die ruthe richtig in der hand zu halten (beide enden fassend, so daß der stiel in den sie zusammen laufen, sich aufwärts kehre), dann schlägt sie an, ihr stiel dreht sich nach den gegenständen, die sie anzeigen soll, bleibt aber, wenn diese nicht vorhanden sind, ruhig. Nach andern wird mit jeder hand eine zinke der beiden gabeln fest emporgehalten, dreht sich dennoch die eine zinke mit unwiderstehlicher gewalt nach dem boden, so ist ein erzfeld vorhanden. dabei wurden auch formeln gesprochen: › ruthe, ruthe ich frage dich, wo der beste schatz mag liegen?‹ Man glaubte mittelst der wünschelruthe verborgne schätze, erzadern, wasserquellen (darum heißt sie in der Schweiz brunnenschmecker, Tobler 80 a ), ja mörder und diebe zu entdecken literargeschichte der wünschelruthe im neuen lit. anz. 1807 p. 345–477, vgl. braunschw. anz. 1752. p. 1625. goth. taschenb. 1809. p. 1–19. die behauptung, daß sie erst seit dem 11 jh. in Deutschland bräuchlich geworden sei, scheint falsch. . In Anshelms Bern. chron. 2, 8 finde ich den ausdruck glücksstäblin , wie vorhin glücksblume. der franz. name ist baguette divinatoire : nach den mém. de l'acad. celtique 4, 267 ›de coudrier, fourchue d'un côté ‹. Sollte das altn. gambanteinn Sæm. 77 b 85 b einen ähnlichen begrif enthalten? teinn ist ramus, virga (goth. táins, ahd. zein, ags. tân, alts. tên) es könnte auch sagitta bedeuten, was an Martins von Amberg ›nach schatze mit pfîlen suochen‹ gemahnt. , gamban widersteht allen seitherigen deutungen. in der letztgedachten stelle wird gambanteinn im wald geholt: til holtz ec gêcc oc til hrâs viđar gambantein at geta. gambantein ec gat. Sæm. 60 b handelt es sich auch von einem gambansumbl umgeta, was recht gut wünschelmahlzeit der götter bedeuten könnte. ich würde die variante gamansumbl nehmen, und gaman wonne auslegen, wie wunsc zu wunna gehören mag. indessen steht Beov. 21 ags. gomban gyldan, verschieden von gomen (gaudium). auch › tams vendi ec þic drep‹ Sæm. 84 b verdient erwägung, tams vöndr (virga domitoria) ist sicher ein stab von zauberhafter wirkung. Ausführliche sage von einem wünschelstab , den der h. Columban einem armen mann schenkte, dieser aber auf anstiften seiner frau zerschlug, findet sich in Adamanni Scoti vita s. Columbae cap. 24 (Canisii lect. antiq. tom. 5). Am bedeutsamsten für den ursprünglichen sinn der wünschelruthe wird das κηρύκειον des Hermes (der caduceus des Mercur): gerte um welche sich schlangen winden. die schlangen scheinen 816 aber erst aus den zweigen der olive gebildet, so daß die ältere ῥάβδος (Odyss. 24, 2) wahrscheinlich die zwiselform der wünschelgerte halte. der hymn. in Merc. 527 nennt sie ὄλβου καὶ πλούτου ῥάβδον, χρυσείην, τριπέτηλον, golden (wie im Nib. lied), dreiblätterig, glück und reichthum schaffend . Da nun Mercur zugleich den geflügelten petasus trägt, wie Wuotan durch das pilei umbraculum kennbar ist, darin aber wiederum die idee des wünschelhuts (s.  725 ) waltet, die heil und segenbringende wünschelruthe auf den persönlichen Wunsch , folglich Wuotan bezogen werden muß; so scheint mir in dem zutreffen aller dieser ähnlichkeiten unabweisbare bestätigung der uralten, unerborgten identität zwischen Wuotan und Mercur zu beruhen. Rudolf im Barl. 274, 25 konnte gar wol ›des Wunsches bluome ‹ meinen, da die vielen beispiele aus Gerhart (s.  116 ) zeigen, wie geläufig ihm die personification war. auch Tit. 5161 sagt: gezwîet vil der wünschelrîse und 5169 wünschelbern de? Nachtrag: Die schwed. slagruta wird aus dem flygrönn vogelbeerstrauch geschnitten, dessen samen dem schnabel eines vogels entfallen war. Dybeck 1845, 63. sie muß mittsommerabend aus mistelzweigen geschnitten werden. Runa 1844, 22. 1845, 80. sie heißt dän. önskeqvist , engl. the divining rod, finding stick . im deutschen hat sie verschiedene namen: der Saelden zwîc . Altsw. 119. 127 vgl. oben anm. 2277 . glücksruthe . Lisch meklenb. jb. 5, 84. wünschelruote sunder zwisel. MSH. 2, 339 b . wunschelrîs über alle küneginne. Tit. 1242. wunschelrîs . das. 2509. 5960. 5982. wünschelberndez rîs . das. 1728. alles heiles wünschelrîs . Troj. 2217. mîns heils wünschelruote Altsw. 118. der wünschelruoten hort. Dietr. drachenk. 310 a . nu hât gegangen mîner künsle ruote. MSH. 3, 81 a . von Aarons zaubergerte ist der begrif der wünschelrute nicht entnommen, umgekehrt unser dichter des 12. jh. wendet ihn auf jene an. fundgr. 2, 99: nim die gerte in dîne hant , wurche zeichen manikvalt, ze allen dingen ist si guot, swes sô wunsget dîn muot . davon steht im exod. 7, 9 nichts, doch diente die deutsche wünschelrute zu bösem zauber nicht. vgl. die virgula divina . Forcell. s. v. estn. pilda . GDS. 159. Die wünschelrute muß zu rechter zeit und von reinen händen geschnitten sein. Kippe die wippe 1688. D 4 b . es ist eine haselruthe, die heilig ist. Vonbun s. 7. 8. 64, ein haselzweig. Frommann 3, 210. ein weißer somerladen heslin stab . weisth. 3, 411. 461. sagen von der wünschelruthe bei Kuhn s. 330. Müllenhoff s. 204, vom alten wünschelstock. das. no. 283. über die haltung der wünschelruthe s. Hones yearb. 1589. schlagruthe heißt sie, weil sie anschlägt. daher schlegel? vgl. Parz. 180, 10–14 und die prügelruthe ( anm. 1670 ). . Das mythische verhältnis bergentrückter schätze wie bergentrückter helden und götter hat uns auf Wuotan, den höchsten schöpfer und geber aller dinge geleitet, der alle verborgnen schätze weiß (Yngl. saga cap. 7). Außer den blumen, kräutern und ruthen sind noch andre dinge zur hebung des schatzes behilflich. So soll ein schwarzer bock, auf dem kein helles härchen ist , gesucht und an der stelle, wo das geld vergraben liegt, gleichsam dem geiste, der seiner hütet, zum opfer angebunden werden (Mones anz. 6, 305). andere fordern ein schwarzes huhn , an dem auch nicht ein einziges weißes federchen sei, sonst breche der teufel dem hebenden seinen hals (Bechstein 4, 207). Über verwünschtes geld ist der fluch ausgesprochen: nur der solle es finden, der es mit zwei schwarzen hähnen auspflüge ; einer schnitzte sich dazu einen kleinen pflug und vollführte die hebung (Reusch Samland s. 29). Nachtrag: Man muß einen weißen geißbock durch den stall jagen, um den da liegenden schatz zu heben. Haupts zeitschr. 3, 315. Auf dem horte liegen aber hütende hunde , schlangen und drachen (DS. no. 13. 159. Schm. 2, 209). Annales corbej. ad a. 1048 (Paullini p. 386): ›ajunt in Brunsberg magnum thesaurum absconditum esse, quem niger canis custodit cum oculis igneis‹ und im carmen de Brunsbergo (Paullini p. 599): horrendus canis est tenebrosum vinctus ad antrum     thesauri custos , qui latet imus ibi, igneus est visus, color atque nigerrimus illi,     os patulum et cunctis halitus usque gravis. unter dem birnbaum sah man glühende kohlen und nachts einen schwarzen pudel liegen (Mones anz. 7, 227). Auf einer kiste des gewölbes lag eine kröte , auf der andern ein weißer hund ; als die bauersfrau mit einer von der weißen frau dazu empfangnen gerte umherschlug, wurde der hund kohlschwarz, worüber die frau erschrocken das schweigen brach und die erlösung vereitelte (Mones anz. 5, 320). 817 Kein thier steht näher zu gold und schätzen als die schlange , die sich auf dem goldhaufen niederringelt (s.  573 ), glimmer abschüttelt (s.  575 ), goldkronen trägt (s.  571 ). wir sahen die weiße frau selbst in halber oder ganzer schlangengestalt erscheinen. An dem wasser vor der goldhöle hütet eine große, zischende schlange, wer ihr keck auf den kopf tritt, dem dehnt sie sich zu einer brücke über das wasser, die er kühn beschreiten und dann so viel er will golderde holen kann (Bechstein 4, 174). fanigold scheint gold, das in sümpfen bei den schlangen und drachen lag (s.  440 ). Unser frühstes alterthum hat berühmte sagen von schlangen und drachen auf dem gold (s.  573 . 574 ). nicht zu übersehn, daß auch kostbarem goldgeschmeide zu schmuck und waffen gern die gestalt der schlange gegeben wurde. Im sonnenschein glänzte ein haufen gold und rings herum streckte sich ein schwarzer wurm , doch so daß er nicht ausreichte und zwischen kopf und schwanz eine spanne frei ließ: an dieser stelle trat der knecht, der des hortes ansichtig geworden war, ein und sammelte gold. schon hatte er taschen und das ausgezogne oberhemd voll gesackt, als es ihm einfiel eine begleiterin herbei zu rufen, die den rest des schatzes aufladen sollte, aber seine stimme verhallte in dem furchtbaren brausen, das sich plötzlich erhob: ›schütt aus das geld, schütt aus das geld!‹ rief es, daß der erschrockne alles geld hinwarf und zu fliehen begann, augenblicklich senkte sich der wurm mit dem schatze in den berg und schloß sich die erde wieder zu, der sturm war vorüber und die sonne schien lieblich, nur wenige geldstücke lagen da, die beim hinwerfen außerhalb des schlangenrings gefallen waren (Reusch Samland no. 3). Der große hort, auf welchem Fâfnir lag, war durch gold gebildet worden, das die götter zu Otters hüllung und füllung hergeben musten, Loki aber vorher dem zwerg Andvari abgenommen hatte. Sigurđr, der ihn nach des drachen tod in seine gewalt nahm, schleppte ihn glücklich auf Granis rücken fort, und davon hieß das gold › byrđr Grana ‹ (Granonis sarcina, wäre ahd. Kranin purdi) Sn. 139. merkwürdig sagt in einem schwed. volkslied (Arvidsson 2, 193) die jungfrau ihres bräutigams harrend: vore det den ungersven som jag skulle ha, så förde han det guldet på gångarens bak! Nach dem gedicht vom hürnen Sîfrit noch um die Seifriedsburg in der Rhön (weisth. 3, 535) ist die heldensage im munde des volks angeflogen (Mones anz. 4, 410 und daraus Bechst. Franken 144). erwirbt der held den schatz zwar auch durch erlegung des drachen auf Drachenstein, und lädt ihn auf sein ros (166, 4), doch wird die abkunft des goldes anders erzählt. es ist der Nibelinges hort , und Nibling ein zwergkönig hinterläßt ihn dreien söhnen (13, 4. 14, 3. 134, 3. 818 168, 2), deren zwei, ohne wissen ihres bruders Eugel Eugels weissagung und sein gespräch mit Siegfried (159–164) läßt nicht zweifeln, daß er mit dem eddischen Gripir, dem namen nach aber mit dessen vater Eylimi identisch sei. Eylimi (insulae. prati ramus, fast das umgedrehte Laufey s.  204 ) enthält ey = ahd. ouwa, augia, welches auch in Eugel liegen muß. , als ihr berg (bei einem erdbeben?) sich zu bewegen begann und einsturz drohte, flüchteten und in eine höle unter dem drachenstein, wo ihn hernach Siegfried fand, bargen (133, 4. 134, 3. 135, 1). ein drache , der immer nach fünf jahren und einem tag zu ostern auf einen tag ein tac in der helle hât leng ein ganzez jâr. 28, 2. menschliche gestalt annimmt, hatte den schatz und eine schöne königstochter in gewahr, eine weiße frau, die Siegfried zusamt dem schatz erlöste. Einiges bleibt in dieser vorstellung unklar, noch wird es durch das epos von den Nibelungen selbst erhellt. Siegfried erlangt den hort Niblunges nicht als er den lintrachen tödtete, sondern als ihn Schilbunc und Niblunc baten den schatz zu theilen , was sie selbst nicht vermochten und er auch nicht. (94, 5.) der hort wird ›ûz eime holn berge‹ getragen, es scheint daß er zwergen angehörte und Schilbunc und Niblunc elbischer art waren. Nach beiden liedern stammt also der hort von zwergen, wie in der edda von Andvari dem zwerge, als elbische wesen sind sie schon an und für sich samler und hüter unterirdischer schätze, da sie im gebirge hausen (s.  371 . 374 ) und sie triegen (s.  384 . 763 ) gleich gespenstern. an den wünschelhut gemahnen die hehl und nebelkappen der zwerge (s.  383 ); das zwerggeschlecht hegt und hütet schätze, gleich den drachen schatzhütende berggeister in der Schenkofenhöle, im Reichenspitz, im Zillerthal. Muchars Gastein s. 145. , wie frau Holda im wütenden heer zieht und im berg eingeschlossen sitzt, hängt sie auch mit den elben zusammen (s.  374 ). zu hölen der zwerge wird der eingang gefunden wie in die verzauberten berge, entführte menschen bringen eine zeitlang in gesellschaft der elbischen geister zu (s.  463 ) wie in frau Venus berg (s.  780 ). Daß Nibelung und Schilbung die väterliche hinterlassenschaft getheilt haben wollten, wird auch Bit. 80 a versichert, daß sie den schatz nicht theilen konnten , ist ein höchst mythischer zug (s.  378 ), den ich im verfolg, wann ich von den wünscheldingen handle, näher beleuchten werde. Wie der bund mit göttinnen, weisen oder weißen frauen den helden in gefahr ausschlägt, gereicht ihnen auch des hortes erwerb zum unheil. wer den schatz gehoben hat, muß bald sterben (Mones anz. 7, 51. 53). Weil Andvari den ihm von Loki abgedrungnen ring verflucht hatte, brachte derselbe ring auch Hreiđmar und seinen söhnen, die ausdrücklich darauf bestanden, und Sigurđ und Brynhild verderben, deren verlöbnis durch ihn geschah (Sn. 140). 819 Das gold heißt altn. orms beđr oder Fâfnis bœli, des wurms bett, des drachen lager, der gleichsam darauf brütet. Bûi wird zum wurm und liegt auf seinen goldkisten. fornm. sög. 11, 158. draco thesauri custos. Saxo gramm. 101. ›incubas gazae ut magnus draco custos scythici luci.‹ Martial. 12, 53. der geizhals und drache werden ihres gutes nicht froh. Auch Morgenländern und Griechen waren schatzhütende drachen bekannt. der hundertköpfige, nimmerschlafende bewachte des hesperischen hains (scythici luci) goldäpfel. Photius Bekk. 150, 6, 16. Den alten war daneben die vorstellung geläufig von greifen , die des goldes warten. grîfen golt Parz. 71, 17 ff. An der stelle, wo schätze glühen, soll auch zuweilen ein kalb liegen (Reusch no. 47), ich denke nicht als hüter, sondern gegenstand des schatzes. denn schatzgräber geben vor nach dem goldnen kalb und nach der goldnen glucke mit ihren zwölf küchlein zu graben Pluquet contes populaires de Bayeux. Rouen 1834 p. 21. , worunter deutlich etwas mythisches verstanden wird Nachtrag: Der teufel ist beim schatz, wie der teufel auch gleich Plutus blind ist ( anm. 2512 ). der skr. Kuvêra , ein häßliches wesen, ist gott des reichthums. Dit ist gleich divit . Pott 1, 101. für das vergrabene geld wird der teufel zum wächter bestellt. Müllenhoff s. 202. 203, oder ein graumann auf dreibeinigem schimmel hütet den schatz das. 102. der finn. aarni und kratti ist der genius thesauri. vgl. weiter unten mammelainen . ags. vyrm hordes hyrde . Beov. 1767. Fafnir sagt: er ek â arfi lâ miklom mîns föđor. Sæm. 188 b . međan ek um menjom lag. das. 188 b . Lanuvium annosi vetus est tutela draconis , jungfrauen tragen ihm speise: si fuerint castae, redeunt in colla parentum, clamantque agricolae: fertilis annus erit.   Propert V. 8, 3. die drachen sonnen ihr gold bei schönem wetter. Runa 1844, 44, wie die weißen jungfrauen. Gute sagen vom fahrenden drachen bei Müllenhoff s. 206. vgl. den drachen von Lambton. Haupts zeitschr. 5, 487. er wird auch der drakel Lyra s. 137 und der waizendrache Firmenich 2, 309 genannt. der eigenname Otwurm bei Karajan weiset auf ôt, ead zurück vgl. ôtpero. Heimo findet auf den crainischen alpen einen drachen , den er tödtet und dem er die zunge ausschneidet, dabei einen reichen hort: locum argento septum possedit, in quo aurea mala habuit. Mone 7, 585 aus Fabers evagatorium. Wh. Grimm HS. s. 385. 386 nimmt den ring Andvaranaut als den wesentlichsten theil des hortes an, in dem die golderzeugende kraft und das verhängnis beruhe, in der deutschen sage sei die wünschelruthe an dessen stelle getreten. solche zeugende kraft wird aber dem Andvaranaut nirgend beigelegt. Sigurd gab ihn das erstemal der Brunhild (fornald. sög. 1, 178) und zog ihn heimlich wieder ab (das. 187). nach dem deutschen epos läßt Sigfried den erworbnen hort in der zwerge gewalt, trägt ihn also nicht fort, aber er schenkt ihn Chriemhilt zur morgengabe, und als solche müssen ihn die zwerge aushändigen (Nib. 1057–1064). in Günthers land nehmen ihr ihn aber die Burgunder weg und Hagen senkt ihn in den Rhein. Nib. 1077, 3 vgl. 2305, 3. 2308, 3. Hagen birgt ihn bloß zu Lochheim, um ihn später wieder hervorholen zu können. vgl. 1080. auch nach Sæm. 230: Gunnar ok Högni tôko þâ gullit allt Fâfnis arf. über das mit dem goldhort verknüpfte verhängniss der altn. und wol auch ahd. sage vgl. Haupts zeitschr. 3, 217. das finn. mammelainen mater serpentis, divitiarum subterranearum custos (Renvall) erinnert an das altn. môdir Atla  = serpens. Sæm. 243 b . auch goldne gänse und enten sitzen unter der erde auf goldeiern. Sommer sagen s. 63. 64. . Beachtenswerth ist was Renner 5100 steht, daß alle begrabnen, d. h. ungehobnen, unerlösten schätze dereinst dem antichrist werden sollen, dessen erscheinen wir schon vielfach in die vorstellungen von dem wütenden heer und bergentrückten helden eingreifen sahen. Manigfach fließen die sagen in einander über, was von dem treiben der elbe und zwerge in bergklüften wird von rumpelgeistern in öden häusern erzählt (s.  425 ). im verwünschten schloß harrt eine jungfrau mit ihren schätzen auf erlösung (KM. no. 4), ein anderes ist von teufeln besessen (KM. no. 81). Dabei kehrt auch der zug wieder, daß der unselige geist sein haupt unterm arme trägt (KM. 3, 15), wie der anführer des wütenden heers, und daß er sich von dem fremdling, der den bann lösen soll, den bart scheren läßt (KM. 3, 9. Mones anz. 7, 365. Baader bad. sagen no. 275) vgl. das bekannte märchen bei Musaeus und Simplic. 1713. 1, 617, der auch die sage vom wüsten schloß und bartscheren kennt Nachtrag: Nach einigen sagen ist es der alte mann im berge, der die zu ihm eintretenden menschen kahl scheert . Sommer s. 83. umgekehrt wollen die gespenster den im bett liegenden rasieren . Simplic. K. 921. 930. bei Musaeus 4, 61 lassen sich beide scheren . . die alte fabel von dem wasserbären (s.  396 ) setzt schrate in das verlassene haus und Beovulf befreit die nachts von Grendel heimgesuchte königshalle. Ein solches haus, in dem es nicht richtig ist, scheint mhd. wunderburc zu heißen: ›ich sunge ouch wie der (trache ?) lît, der manigen in der wunderburc verslurrden hât dur sînen gît.‹ Ms. 2, 177 a . Der entrückung in berge, dem verwünschen in die erde ist auch das versinken in die gewässer ähnlich und erfolgt aus gleichen ursachen. was dort die elbe, empfangen hier die nixen und seegeister. Holla wohnt nicht nur in dem holen berg, auch im brunnen und weiher. Wir werden also heldengeistern und schätzen ihren aufenthalt im wasser wie im berg angewiesen sehn. könig Carl sitzt im 820 brunnen zu Nürnberg, mit dem bart in den tisch gewachsen (DS. no. 22) vgl. Ettners unwürd. doctor 720. 721. . Der Nibelunge hort liegt im Rhein versenkt : ›Rîn skal râđa rôgmâlmi, î veltanda vatni lŷsaz valbaugar.‹ Sæm. 248 a . nach dem Siegfrieds lied 167, 4 schüttet ihn der held selbst in den strom, auf daß nicht, wie ihm Eugel geweissagt hatte, die recken darüber verloren gehn sollten; das epos läßt aber erst Hagen, nach Siegfrieds mord, den hort zerstören, 1077, 3: er sancte in dâ ze Lôche allen in den Rîn, das geschah heimlich und vor Chriemhilde verborgen, die ihn noch zuletzt in seinen händen wähnte, bis er antwortete 2308, 3: den schatz weiz nu nieman wan got unde mîn. Ohne zweifel versetzten andere sagen ihn auch in berge: einer in Nerike lebenden zufolge soll er dort im Kilsberg und der schlüssel zur berghöle unter einem rosenstrauch verwahrt liegen Iduna 10, 269. . Ms. 2, 169 b : der Imelunge hort lît in dem Burlenberge in (den Rheinbewohnern) bî; wofür MsH. 2, 241 a ›der Nibelunge hort‹ und ›in dem Lurlenberge ‹. Imelunge kann für Nibelunge stehn wie Imelôt für Nibelôt (oben s.  319 ), den Lurlenberg will ich gelten lassen, falls so gelesen wird, bei Burlenberc dachte ich mir den Burglenberg, Bürglenberg, ahd. Burgilûnberc, am Rhein unweit Breisach (Dumbeck p. 339), wo Harlunge, vielleicht Amelunge mit ihrem schatz hausten (heldens. s. 186–188). einer der Venusberge im Breisgau und Eckart kann sich auch darauf beziehen. das Harlunge golt (Dietr. 7835) greift aber in amelungische und gothische sagen ein, Amelunge hort wäre möglich wie der berühmte Ermenrîches hort, von dem so viel berichtet wird. Und Etzel, den geldgierigen, läßt Vilk. saga cap. 381 zwar zu Siegfrieds gold, das ein berg verschließt, gelangen, aber bedeutsam darauf verhungern, so daß auch sein verderben der Niflûnga skattr nach sich zieht, wogegen dänische lieder wollen, daß Gremild im berge eingeschlossen bei Nöglings (d. i. Nibelungs) schatz verschmachtet (heldens. s. 306). So manigfache bezüge leiden es, selbst dem weit älteren aurum tolosanum , welches die Tectosagen in den see von Tolosa senkten Justinus 32, 3, vgl. Duncker origines germanicae s. 31. , einwirkung auf altgothische sage zu gestatten. Der erzählungen von untergegangenen, versunknen burgen ist eine menge. bei ruhiger flut schaut man noch ragende spitzen der thürme und vernimmt ihre glocken läuten. kaum hausen da entrückte menschen, in den wogen ist alles leben verstummt. Dreierlei sagenhaftes will ich hervorheben. Das nahende verhängnis pflegt durch redende thiere angesagt zu werden; die gewalt des frevels, dessen ahndung auf dem fuße folgt, hat ihnen sprache verliehen oder ein zauber dem menschen verständnis ihrer stimme geöfnet. Von einer silberweißen schlange genießt der diener ein stück, und plötzlich versteht er, wie hühner, enten, gänse, tauben 821 und sperlinge auf dem hof den bevorstehenden untergang der burg besprechen (DS. no. 131). dies wird von Isangs schloß bei Seeburg, ähnliches von Tilsburg bei Dahlum (s.  774 ) erzählt, und gewis noch in andern gegenden. Dann kommt vor, daß ein frommer kranker mann seinen sohn ausschickt nach dem wetter zu schauen , und erst der helle himmel, darauf ein kleines wölkchen am saum des bergs, allmälich eine wolke wie ein hut, wie eine wanne, wie ein scheuerthor verkündigt wird, und nun sich der alte mann schnell auf eine höhe tragen läßt, weil gottes gericht jetzt über das Suggenthal, Sunkenthal hereinbreche (Mones anz. 8, 535 vgl. mit Schreibers tb. 1840 s. 271). das schildert vortreflich, wie unversehens und schnell die gefahr des untergangs steigt. Dieselbe sage gewährt aber noch einen dritten bedeutsamen zug. Als das wasser alle häuser Suggenthals zerrissen und überflutet hatte, blieb von allen einwohnern nur jener alte mann, sein sohn und ein kleines kind am leben erhalten. dies kind, ein knäblein, schwamm in seiner wiege mitten in der flut und bei ihm befand sich eine katze. so oft die wiege auf eine seite sich neigte sprang die katze auf die entgegengesetzte und brachte sie so wieder ins gleichgewicht, darüber gelangte die wiege glücklich bis unterhalb Buchholz, wo sie im dold oder wipfel einer hohen eiche hängen blieb. als das wasser verlaufen war und der baum wieder zugänglich wurde, holte man sie herab und fand kind und katze lebend und unverletzt. da aber niemand wuste, wer des knäblein eltern gewesen waren, benannte man es nach dem wipfel des baumes Dold und dieser name wird von seinen abkömmlingen noch heute geführt. (Mones anz. 6, 69 und vollständiger 8, 535). Die sage stimmt vollkommen zu der s.  481 angeführten welschen, in welcher bei aller sonstigen verschiedenheit gerade so die wesentliche rettung des kinds in der wiege erzählt ist, was mir den sinn, den ich auch dem altn. lûđr s.  464 beilegte noch stärker zu bestätigen scheint. schön ist die gesellschaft der beigegebnen katze, die nebst hahn und hund dem einfachen alterthum zeugnis ablegen muste (RA. 588). Aus dem namen des fündlings Dold (nhd. Toldo, d. i. wipfelgeborner) verstehe ich nun, was es im volksmund heißt, auf dem eichbaum oder nußbaum geboren sein (s.  475 ); wie genau die mythen von sinflut und schöpfung sich zusammen fügen ist unzweifelhaft Nachtrag: Zum Lurlenberge halte man: ûz Lurlinberge wart gefurt sîn stolze eventure. ritterpreis b und Lurinberc . Graff 2, 244. an Burlenberg erinnert Birlenberg . weisth. 4, 244. Über das versenkte › or de Toulouse ‹ und › or de Montpellier ‹ s. Berte 20. Dem versinken geht ein krach voraus ( anm. 2441 ). heyrđi hann dyna mikla . Sn. 77. es that einen rassler und alles war fort und versunken. Panzer 1, 30 (nach Schm. 3, 125 starker schnarch ). da entsteht ein knall und das schlosz ist wieder so, wie es einst war. Kuhn westf. sag. 2, 250. fürchterliches krachen und stürzen des schlosses und verschwinden. Schönwerth 3, 52. Bei Staffelberg in Oberfranken liegt ein großer weiher, worin ein großer fisch, der seinen schwanz im maul hält. sobald er ihn aus dem maul lassen wird, springt und versinkt der berg und die flut überschwemmt den ganzen Main- und Rheingrund , menschen und vieh, alles geht unter. Panzer 2, 192. ein kleines wölkchen an der kimmung verkündet öfter das hereinbrechen der flut oder gewaltigen regens. Müllenhoff s. 133. 1. buch der kön. 18, 43. 44 (Haupts zeitschr. 8, 284). ein engel geht in die versinkende stadt. Wolfs niederl. sag. 326. Vorn fündling Gregor, der auf dem wasser geflossen kam, heißt es: der sich hât verrunnen her. Greg. 1144. das wiegenkind hängt nach der flut oben in einer pappel . Müllenhoff s. 132. in der sage vom holz des kreuzes liegt auch ein neugebornes kind auf dem gipfel eines baumes. Über den namen Dold s. GDS. 758. . 822 Cap. XXXIII. Teufel. Die vorstellung des teufels und teuflischer geister, welche allmälich auch in dem volksglauben so großen umfang gewonnen und so feste wurzel geschlagen hat, war unserm heidenthum fremd. Überhaupt scheint es, daß ein das höchste wesen in gegensätze spaltender dualismus, wo er nicht in uraltem tiefsinn des systems (wie etwa des zendischen) seinen grund hat, späterhin nur durch abstracte philosopheme hergestellt wird. den in breiter mitte liegenden sinnlichen mythologien ist er angemessen. Einen durchdringenden idealistischen unterschied zwischen gutem und bösem geist, Ormuzd und Ahriman die echten formen lauten Ahurômazdâo und Agrômainjus, jener heißt aber auch häufig Çpentômainjus, ἀγαϑὸς δαίμων, gegenüber dem Agrômainjus, dem κακὸς δαίμων. Burnouf comm. sur le Yaçna p. 90. 92. , kennt weder die indische und griechische, noch die deutsche götterlehre. vor der gewalt des einen allwaltenden gottes verschwindet des kakodämons macht. Aus dieser einheit erwachsen dann trilogien (Brahma, Vischnu, Siwa; Zeus, Poseidon, Pluton; Wuotan, Donar, Frô; Hâr, Iafnhâr, Thriđi), dodekalogien, und die fülle des pantheismus. Grundzug der vielgötterei ist aber, dünkt mich, daß das gute und wohlthätige princip in dem göttlichen überwiegt; nur einzelne, dem ganzen untergeordnete gottheiten neigen sich zum bösen oder schädlichen, wie der nordische Loki, dessen natur gleichwol immer noch der des Hephästos näher steht, als des christlichen teufels. Selbst in den elbischen geistern waltet die güte vor; dem nix, dem kobold, ja dem riesen wird nur theilweise grausamkeit oder tücke beigelegt. Hiermit im einklang ist die milde vorstellung unseres alterthums von tod und von unterwelt. Darum braucht jedoch in dem gestalten und farbenreichthum solcher mythologien der dualistische gegensatz nicht völlig zu schweigen, in einzelnen zügen tritt er auf, ohne in das ganze einzugreifen. hierher fallen z. b. die mythen von tag und nacht, von licht und schwarzelben (s.  367 ), von sommer und winter der slavische glaube stellt einen weißen und schwarzen gott auf: Bjelbog und Tschernibog. dieser dualismus scheint mir aber weder durchdringend, noch ursprünglich. . Der jüdische monotheismus gewährte dem satan ( שָׂטָן ) bloß die nebenrolle eines Versuchers, lästerers, wie sie das buch Hiob 823 deutlich zeigt, und der gr. ausdruck διάβολος, den die LXX und N. T., abwechselnd mit σατᾶν, σατανᾶς (arab. schaitan) oder δαιμόνιον (meist für das hebr. שִׁד) brauchen, bestätigt. Seit dem exil waren aber die Juden mit der idee des dualismus bekannter, und zur zeit des N. T. hatte sich die ganze dämonologie vielfach ausgebildet; Beelzebub wird als der oberste aller bösen geister genannt, den das A. T. bloß als ein heidnisches idol kennt; hier also schon gehen götzen über in den begrif der dämone oder teufel. Es gehört in die geschichte des christenthums zu entwickeln, wie die vorstellung von Lucifer sie entsprang aus Jes. 44, 12: ›wie bist du vom himmel gefallen du schöner morgenstern!‹ aber erst Eusebius (demonstr. evang. 4, 9) hat sie, weder Tertullian, noch Irenaeus oder Lactantius. auch Hieronymus und Augustinus nennen den teufel niemals Lucifer. , einem abgefallnen lichtgeist, der sich wider gott vermaß und mit seinen anhängern (engel werden schon Matth. 25, 41 dem teufel beigelegt) in die finsternis verwiesen wurde, hinzutrat. Luc. 10, 18: ἐϑεώρουν τὸν σατανᾶν ὡς ἀστραπὴν ἐκ τοῦ οὐρανοῦ πεσόντα, wie der blitzstrahl in die erde fährt, während der fallende stern sonst ein liebliches bild gibt (s.  602 ). jener abfall des teufels und seiner gesellen muß aber schon in hohem alterthum angenommen werden (s.  475 ). So entsprang das system eines teuflischen reichs, im feindlichen gegensatz zu dem himmlischen, und erlangte immer stärkeren halt; die bösen geister sind zwar der schwächere theil und unterliegen, allein sie werben um gottlose menschen und suchen ihr heer damit zu verstärken. bündnisse werden mit dem teufel geschlossen und er unterstützt seine verbündete schon in ihrem irdischen leben. Von der andern seite wirkte die bekehrung der Heiden selbst mit, die herschende vorstellung von dem einfluß des teufels zu erweitern und zu vervielfältigen. es ist schon öfter bemerkt, daß die verlassenen heidnischen götter zwar für besiegt und ohnmächtig, nicht aber geradezu für machtlos erklärt wurden: ihre ehmals gütige, wohlthätige gewalt hatte sich in böse teuflische verkehrt. was also die Christen von dem teufel glaubten bekam durch die Heiden einen doppelten zuwachs: heidnische gottheiten und geister, die an sich schon übelthätig und finster waren (z. b. Loki und Hel), giengen leicht in den christlichen begrif teuflischer wesen über; schwieriger, und mit größerem widerstand der volksmeinung, erfolgte die verwandlung der guten götter des alterthums in gespenster und teufel. meistentheils wurden dabei die namen unterdrückt oder entstellt; mythen und erzählungen waren nicht sobald zu vertilgen. Nicht selten läßt sich der teufel auffassen als parodie oder nachäffung des wahren gottes, als die linke, verkehrte seite (mildgenommen die folie, vgl. s.  425 ) des göttlichen wesens Gotfried von Viterbo 1, 23 wirft die frage auf: quare creavit deus diabolum, cum sciret eum malum esse futurum? respondeo, quia propter operis sui ornatum, sicut pictor nigrum colorem substernit, ut albus apparentior fiat, sic per praevaricationem malorum justi clariores fiunt. : es will 824 dieselbe macht haben, dieselbe ehre genießen und gott alles nachthun. seine schöpfungen mislingen aber und taugen nicht; so könnte die vorstellung einer teuflischen mutter der von Maria gottes mutter an die seite getreten sein, wiewol sie auch in der riesenmutter vorgebildet war Nachtrag: Nach Schwenk (Semiten 161) ist der teufel persische erfindung. über Ahuromazdâo s. Windischmanns rede s. 17. 18, in der keilschrift heißt er Auramazda , gr. Ὠρομάσϑης. ahura ist skr. asura. Böhtling 555. Benfey in den gött. gel. anz. 1862 s. 1757 hält zu ahura mazda das skr. medhás, medhâm = vedhâm. der ind. asura ist böse, der deva gut; der pers. ahura ist gut, der daêva böse. so ist bei ketzern Ahriman, der teufel als erstgeborner sohn, dagegen Ormuzd, Christus als zweiter sohn gottes dargestellt. die Jeziden verehren den teufel wesentlich als einen ursprünglich guten, der abgefallen sei und schaden, zuletzt wieder gott werden und sich rächen könne. Lucifer fällt aus dem himmel (s.  200 ), die engel fallen drei nächte und tage vom himmel zur hölle. Cædm. 20, 12. sie fielen drî tage volle . Karajan denkm. 42, 9. Hefäst fällt einen ganzen tag vom Olymp nach Lemnos. Il. 1, 592. Wie gott schaft, will der teufel auch schaffen, darum setzt er seine kapelle neben die kirche (s.  853 ). dem teufel werden auch 12 jünger zugeschrieben. Berthold 321. vgl. anm. 2574 die 12 schüler des teufels. . Alle diese höchst verschiedenartigen einwirkungen haben die volksansicht von dem wesen und der natur des teufels, wie sie im N. T. bis auf unsere tage bestand, hervorgebracht. der teufel ist jüdisch, christlich, heidnisch, abgöttisch, elbisch, riesenhaft, gespenstig, alles zusammen. durch seinen zusatz muste eben, indem die heidnische vielgötterei erlosch, das christenthum eine deutliche hinneigung zum dualismus empfangen, den später die philosophie in ein allgemeines princip vom guten und bösen aufzulösen trachtete. Vergleicht man die heiterkeit griechischer mythen mit der herbheit und dem grausen, das die einmischung eines allzupositiven teufels den legenden und sagen unseres mittelalters verliehen hat; so kann diese verschiedenheit weniger das überall ähnliche oder gleiche grundgewebe des volksglaubens betreffen, als die ihm aufgetragene farbe, und darum wird die untersuchung befugt sein, eine ganze reihe teuflischer erscheinungen in die milderen gestalten alter geister oder götter wieder aufzulösen. Ehe ich zu scheiden versuche was sich in diesen überlieferungen auf das deutsche oder wenigstens das benachbarte heidenthum bezieht, ist es noch nöthiger als sonst sich der verschiednen benennungen zu versichern. Der name teufel ist undeutsch und nichts als das beibehaltne διάβολος ebenso ist unser engel dem wort und begrif nach entlehnt. Mone. der teufel für unerborgt hält und es, wie diabolus mit Dionysus zusammenstellt (anz. 6. 354. 8. 449). wird auch um die deutschheit von engel nicht verlegen sein. freilich διάβολος (der verleumder), das die septuaginta noch nicht haben, könnte im N. T. aus einem morgenländischen dem pers. div und lat. divus (oben s.  161 ) verwandten worte entspringen. . Ulfilas unterscheidet sorgsam, nach dem gr. text, diabaúlus , satana und unhulþô , mit letzterm δαιμόνιον übersetzend, worauf ich zurückkommen werde. ahd. bleibt satanas unverändert, das diabolus der vulg. lautet aber bald tiubil , tieval , bald diuval (T.) diufal (O. II. 4, 101 pl. neutr. diufilir III. 14, 53) und wird zugleich für das daemonium der vulg. verwendet (fragm. theot.II, 14). aus dieser dehnung des begrifs und kürzung der form sieht man, daß der ausdruck einheimisch wurde und allmälich alle übrigen entbehrlich machte: mhd. tievel , tiuvel , tivel , nhd. teufel ; ags. deofol , engl. devil ; nml. duvel , nnl. duivel ; isl. djöfull ; schwed. djefvul ; dän. djävel . er verbreitete sich fast durch ganz Europa: ital. diavolo , span. diablo , franz. diable , altfranz. deable ; poln. djabel , böhm. d'abel , russ. diavol , serb. djavo ; nur die zuletzt bekehrten lettischen und finnischen völker haben sich der benennung 825 enthalten. Und wie bei gott (s.  13 ) kommen die euphemismen hochd. deichel , deixl , deigel , deiker , deuker sogar der deutscher , wie die Polen Niemiaszek vom teufel sagen, was vielleicht auf den slav. götzen Nemisa führt? , schweiz. dyggeli , tüggeli (Stald. 1, 325); nl. duker , schwed. djäkul , knäkul , knäfvel (Ihre prov. lex. 93 a ), auch westfäl. knüvel f. düvel; franz. diacre , poln. djachel , djasek , djablko und viele ähnliche vor zabulus , zabolon , das wörterbücher und glossen des MA. für diabolus haben, und contrarius, arena auslegen, ist dasselbe wort. zabulônes buoch Ms. 2, 13 a . . Bemerkenswerth ist N. ps. 90, 13 › urtiefel , chuninch anderro tiefelo,‹ diabolus rex daemoniorum Notkers deutungen des diabolus: niderrîs , niderfal , chuning widerfluzze, von dem sturz und fall der teufel ausgehend. gramm. 2, 763. . satan wird mhd. selten, nhd. desto häufiger gesagt, im anegenge 218 b und bei Stricker finde ich der satanât , der spätere mnd. Zeno wiederholt satanas oft. altfranz. goufre de satenie , saternie (Ren. 20224. 28429), in der letzten form anschlagend an Saturn (s.  205 Nachtrag: Ulfilas verdeutscht auch das weibliche ἡ διάβολος calumniatrix durch diabula, pl. diabulôs 1. Tim. 3, 11. zu den entstellungen des worts gehört auch das dän. knefvel , snefvel . Molbechs tidskr. 6, 317, arab. eblis , iblis , auch wol unser › der tausend! ‹ vgl. dusii s.  398 und daus. wb. 2, 855. litt. ist dĕvalus , dĕvulus großer gott. Nesselmann 140 a . Teufel, Teufelskind kommt als eigenname vor: Cuonradus diabolus de Rute. MB. 8, 461. 472. filii Tiufelonis (s.  850 ). Beroldus dictus diabolus . Sudendorf beitr. s. 73. a. 1271. Cunze gen. Duflis heubit . Arnsb. urk. 787. das finn. perkele teufel. Kalev. 10, 118. 141. 207. 327, lapp. perkel , pergalak (oben s.  142 ) stammt nach Schiefner die finn. namen 611 aus piru cacodaemon. Satanas hat Diemer 255, 10, satanât Haupts zeitschr. 8, 155. 355 (den leidigen). Karaj. sprachdenkm. 52, 3. den pl. satanasâ gebraucht O. V. 20, 4. das wort klingt an scado s.  826 , skôhsl s.  837 , zumeist aber an Sätere , Saturn s.  205 an. ). Alle übrigen benennungen lassen sich nun unter drei gesichtspuncte zurückbringen, je nachdem ihnen der character, die gestalt, oder der aufenthalt des teufels zum grund liegt. Diesen sind aber noch verdunkelte namen beizufügen. I. Nach seinem innern princip heißt der teufel der böse , feindliche , unholde , als gegensatz des gütigen, freundlichen, milden gottes. oft wird dieser begrif in ganzen redensarten oder beiwörtern entwickelt, oft in eigne appellative gelegt. ›der nie guot geriet‹. Dietr. 40 a ; ›der ie tugende stôrte‹. Kolocz. 254, ähnlich dem eddischen ›sâ er flestu illu ræđr‹, von Loki, Sn. 46, und ähnlich der Reinh. XXXII. XXXVI vom fuchs und wolf, als teuflischen thieren, gebrauchten epischen umschreibung. ›dich hât niht guotes (der teufel) ûz gelân‹. Dietr. 8347, wir sagen noch heute: ›ich habe ihn gesucht wie nichts gutes ‹. der übele tiuvel, Iw. 4676. Nib. 215, 4. 426, 4. 1892, 4. Ms. 1, 59 b . der übel vîent. Gregor 2849. der böse feind, der böse geist, auch bloß der böse ; der ubile geist, fundgr. 102, 34. 105, 2. der bôse geist 105, 7. nnl. de booze vyand. die krummen teufel (KM. 1, 422) sind die unrechten, bösen. eine mhd. predigt gibt: ›der ubile bûman , der tivel‹ (Grießhaber 277). wichtig ist, daß altn. auch ›hinn illi Ođinn ‹ gesagt wird (fornm. sög. 5, 172. 10, 171). häufig setzen altfranz. dichter maufez , malfez , maufes (plur. maufé, malfé) für teufel; später findet man maufais, maufaiteur, was über die bedeutung übelthäter, übelthuend keinen zweifel läßt hierher vor allem das slav. bjes , aus welchem sogar das ahd. pôsi , altfries. bâse (kein andrer deutscher dialect hat das adj.) zu rühren scheint, und das slav. zli , zly , auch das böhm. zleyduch (böser geist) sloven. slódi (zlodi Glagolita XXXIX). slodej, slom, slomik (von slo, malum), womit wiederum unser schlimm (ahd. slimb Graff 6, 793 obliquus, krumm) verwandt sein könnte; sloven. hudizh, hudir (von hud, malus, poln. chudy miser) u. a. m. . adversarius boni operis heißt es schon im jahre 585 (Pertz 3, 3); ital. aversiera 826 (adversaria) Muratori antiq. 2, 1090, und la Versiera bei Pulci 5, 42. 21, 27 (vocab. della crusca s. v.) arusaria Biondelli. 249. , altfranz. aversiers teufel. Alts. the balowîso (malus, dirus) Hel. 33, 2, vgl. altn. bölvîs (Sæm. 77 b 93 a ), bölvîsar konor (Sæm. 197 b ) sind hexen ; goth. balvavêsei, d. i. balvaveisci (κακία) I Cor. 5, 8; schwerlich verwandt ist aber pilwiz (oben s.  391 . 392 ). Alts. the lêdo (invisus, dirus) Hel. 33, 9, lêda wihti (maligni spiritus) Hel. 48. 14; nhd. der leidige teufel, mnl. de lede duvel Rein. 1280 intslêts duvels name = in des lêts, iu des leden duvels. ; ahd. der leidige tiefal (Diut. 3, 59). ags. se lâđa ; alts. the hatola (odiosus) Hel. 110, 9; hetteand herugrim (der grimmige hasser und verfolger) Hel. 142, 12. ags. se grimma gäst , mnl. lede gast , Rein. 2841. Besonders gehört hierher die benennung eines feindlichen , gott widerstrebenden, menschenverfolgenden wesens. die lat. kirchenväter bedienen sich gern des ausdrucks antiquus hostis (Gregor. M. opp. ed. benedict. Paris 1705. 1, 1019. moral. 31, 50. dial. 2, 30. Bonifac. epist. 6. anni 723. Jonas bobbiens. p. 5. vita S. Romani 744 a . capitulare bei Georgisch 795 und viele spätere urk. z. b. eine von 1121 in Kremers beitr. 3 no. 24); ahd. quellen ahmen dies nach: altfiant (muspilli 49) fîant entrisk (hymn. 24, 9), wobei man sich doch des ags. ent für riese (s.  434 ) erinnert, da der riese überhaupt alt und steinalt dargestellt wird (s.  438 ). ags. se ealda deofol , se ealda Cædm. 207, 5. O. I. 5, 52 then altan satanâsan wilit er gifâhan; musp. 25: der satanâs altist . mhd. der alte , Geo. 3376. 3385. der elteste , Geo. 3368. heute noch in Nordfriesland ›de ual düivel‹ (der alte teufel) geizh. p. 122; in England: old Nick, old Davy, für teufel; in Dänmark: gammel Erich (Holbergs uden hoved og hale, sc. 5), wobei noch statthaft wäre an jenen göttlichen Erik der Heiden (s.  299 ) zu denken; norweg. gammel Sjur (Hallager 102 a ); altn. kölski sowol senex als diabolus. auf gleiche weise heißt gott der alte (s.  17 ). wie antiquus hostis steht auch persequutor antiquus (vita s. Romani 743) und callidus hostis (Jonas bobb. p. 5). hostis generis humani (fîant mannaskînes chunnes) hymn. 24, 3. Das blosse hostis finde ich seltner gebraucht, fijands ist goth. nur ἐχϑρός, ahd. das bloße fîant teufel, ags. feond (von Grendel) Beov. 202. 1444. 1489. mhd. vîent (En. 2525), mnl. vîant (Huyd. op St. 3, 38); altfranz. ennemi ; alls. craftag fîund (Hel. 142, 12) unhiuri fîund (32, 1. 164, 14) mhd. der leidige vîent (fundgr. 66, 4) der bœse vîent Geo. 345. nhd. der böse feind . gêrfîund (Hel. 32, 2) scheint verstärkter ausdruck (gêr, jaculum hasta). aus dem altn. fiandi im sinn von teufel entsprang die dän. form fanden , schwed. fanen , fan vgl. s. 763 dôlgr für gespenst, teuflicher geist. , aber schon altn. war andskoti beides hostis und diabolus. Der bedeutung hostis nähert sich die des ahd. scado (homo nocivus, latro) früher auch auf helden in gutem sinn angewandt (s.  284 ). ags. sceađa, alts. skatho; nicht alleinstehend, aber in 827 den zusammensetzungen ags. hellsceađa (Cædm. 43, 22. Thorpes anal. 126, 28) leodsceađa (Cædm. 56, 24) þeodsceađa (Beov. 4550) uhtsceađa (Beov. 4536) mânsceađa (Beov. 1417. 1468) alts. mênscado (Hel. 32, 1. 33, 15. 142, 15) wamscado (Hel. 31, 17. 164, 4) liudscado (Hel. 32, 14) thiodscado (33, 1) bezeichnet sie den teufel. Dieses feindliche, hassende, schadende wesen nannten aber die Gothen das unholde, unfreundliche. und damit übersetzt Ulfilas in der regel nicht διάβολος, sondern δαιμόνιον, jedoch mit beachtenswerthem wechsel des genus. ein männliches unhulþa steht Luc. 4, 35. 8, 29. 9, 42 (für δαιμόνιον, δαίμων) I Cor. 5, 5 (für σατανᾶς) Eph. 4, 27. 1 Tim. 3, 5. 7. 2 Tim. 2, 26 (f. διάβολος), Matth. 9, 33 ist es wahrscheinlich zu emendieren. ein weibliches unhulþô findet sich Marc. 7, 26, 29, 30. Luc. 4, 33. 7, 33. Joh. 7, 20. 8, 48, 49, 52. 10, 20, 21. 1 Tim. 4, 1 überall für δαιμόνιον. der pl. δαιμόνια wird nur Luc. 8, 33 durch unhulþans , sonst immer unhulþôns gegeben: Matth. 7, 22. 9, 34. Marc. 1, 32, 34, 39. 3, 15. 5, 12. 6, 13. 9, 38. 16, 9. Luc. 4, 41. 8, 27, 30, 35, 38. 9, 1, 49. vgl. Löbe im wb. s. 62. Hieraus ergibt sich, daß bei dem goth. volk die vorstellung weiblicher daemone überwog, wahrscheinlich auch bei andern Deutschen, denn hymn. 24, 3 wird wiederum diabolus durch das ahd. fem. unholdâ ausgedrückt altslav. neprijezn , die unfreundliche, unholde = diabolus. selbst sotona kommt weiblich vor. . Weil man im heidenthum eine göttin Holdâ verehrt hatte, so lag es nahe, im gegensatz zu ihrer milde, ein bösgesinntes, feindliches wesen als weibliche unholdâ zu betrachten, und die wahl jenes ausdrucks bei Ulf. läßt fast auf einen goth. Hulþôcultus schließen. merkwürdig ist die übertragung von Diana durch Holdâ und unholdâ (s.  220 ). Mit den begriffen von bosheit und feindschaft verbindet sich nun aber auch der von unwille und zorn. der teufel heißt ags. se vrâđa (Cædm. 39, 24), alts. the wrêtho (Hel. 106, 3. 164, 4); ags. se rêđa (trux, saevus) Cædm. 271, 12, was alts. the ruodho wäre; ags. se grama , alts. the gramo (Hel. 32, 16), vermutlich auch ags. se môdega , alts. the muodago , vgl. muodaga wihti (böse geister) Hel. 120, 9, und alle diese drei benennungen drücken aus der zornige, wütende nie geben die mhd. dichter dem tiuvel das beiwort der grimme, grimmige, das sie dem tod vorbehalten (s.  708 ). ags. aber finde ich von Grendel: se grimma gâst (Beov. 204). . nicht übersehen werden darf, einmal daß sie bloß den sächs. dichtern, keinen ahd. denkmälern bekannt sind, dann, daß sie vorzüglich in der pluralform mehr die idee dämonischer geister als des teufels bezeichnen. þâ graman gydena Bth. 35, 6 (dira numina) sind die parzen; gromra (gramra) cod. exon. 49, 5 = diabolorum. gramôno hêm (daemonum habitatio) Hel. 103, 10 ist die hölle. von Judas, der beim abendmal den bissen empfängt und in seinen mund nimmt, heißt es Hel. 141, 11: sô afgaf ina thô thiu godes craft, gramon in gewitun an thene 828 lîchamon lêda wihti , von dem augenblick an verließ ihn gottes kraft, dämone und teufel bemächtigten sich seines leibes aftar themo muase sô kleib ez satanâse. O. IV. 12, 39. . gramon habdun thes mannes hugi undergripan (Hel. 157, 19), dämone hatten sich seiner sinne bemeistert. gramo (no) barn sind teuflisches gesinde wie fîundo barn (Hel. 101, 23. 157, 18). gramôno oder wrêtharo willio (Hel. 106, 3) ist die lust der teufel. môdaga wihti (Hel. 120, 8) sind unholda (120, 8) vgl. mödage 157, 18. Diese anwendung von gram , wrêth und muodag auf dämonen ist, wie mich dünkt, heidnischdeutsch und haftete noch bei den später bekehrten Sachsen, wie bei den Gothen jenes unhulpô geblieben war. Grendel heißt gram (Beov. 1523) und yrremôd (1445); eine altn. verwünschung lautete: þic hafi allan gramir! (Sæm. 80 b ) gramir hafi Gunnar! (Sæm. 208 b ) wo gramir daemonia bedeutet und ganz jenen alts. gramon gleichsteht. ein andermal Sæm. 255 a wird gesagt: eigi hann iötnar (giganes), wo die prosa der Völs. saga (fornald sög. 1, 214) gramir gibt, so daß auch hier die verwandtschaft zwischen teufeln und riesen erscheint. aus dem sprachgebrauch von môdag (iratus) für teuflische geister bestätigt sich etwan eine s. 777 bei Muotes her versuchte erklärung Nachtrag: Der tievel gap den rât , wander in bezeren ne hât. fundgr. 2, 87. als ez der tiufel riet . Nib. 756, 9. der tiuvel mir daz riet . Frib. Trist. 2207. der teufel heißt › niht guotes ‹. nhd. das stinkt hier, wie nichts gutes . lett. ne labbais der nicht gute. lapp. pahakes der böse. er heißt › der ubel âtem ‹. fundgr. 2, 18. unreine saghe untwas . Bruns 324. 325. vgl. schwed. Oden , hin onde . Ihre dial. lex. 123 a . der arge tumbe . Martina 160, 23. nhd. der dumme teufel. arger wiht . Diut. 1, 470. der sûre wirt. Helbl. 2, 587. ûz des bitteren tiefels halse. Grieshaber 52. den leiden duvelen. Haupts zeitschr. 2, 197. der leidige tifel. Mos. 52, 18. leding . Cavallius voc. verland. 40 a . låjing , låje . Wieselgren 385. liothan . Dybeck 1845, 72. der greulich hat dich herein getran. Uhland volksl. s. 801. litth. bĕsas teufel vgl. baisus crudelis, terribilis. finn. paha , pahoillinen teufel. est. pahalainen , pahomen . Salmelainen 1, 179. 193. 234. der teufel wird im norden auch skam , skammen genannt. Ihre dial. lex. 149 b . Dybeck 1845, 3. 55. 77. heißt er auch der lützel? ›wo führt dich der lützel hierher?‹ Gryphius Dornr. 56, 8. der lebendige , leibhafte teufel heißt auch bloß der leibhaftige . Gotthelf käserei 356. fleischechter leibhafter teufel. Garg. 229 b . ich sei des leibhaftigen butzen. das. 244 a . der sihtige tiuvel. Berth. 37. des sihtigen tufels kint. Dietr. drachenk. 212 b . 285 b . vgl. vif maufé! Méon 3, 252. ainz est deables vis . m. de Gar. 178. Antiquus hostis nennt ihn auch Widukind b. Pertz 5, 454. der urian ist gleich urhans ( anm. 1128 ). utüfel Gotth. erz. 1, 162. 177. 253. 275. 286, urteufel 2, 277. d'oude sathan . Maerl. 2, 300. de uald , de uald knecht. Müllenhoff s. 265. an den gammel Erich erinnert der hausgott Erich der Tschuwaschen. Götze russ. volksl. s. 17. altn. ist andskoti diabolus, hostis. ther widarwerto . O. II. 4, 93. 104. warc diabolus. Graff 1, 980. hellewarc . Diut. 2, 291. vgl. altn. vargs hostis, lupus (s.  832 ). der vîent . Pfeiffer myst. 1, 131. der vînt . Helbl. 1, 1186. der leide vient . Leyser 123, 11. 38. lâđgeteona Beov. 1113 geht zwar auf meerungeheuer, bedeutet aber ›leidiger feind‹ und könnte auch den teufel bezeichnen. Der helsche dief . Maerl. 2, 312. ein kobold heißt der nachtschade . Rochholz 1, 295 (kl. schr. 3, 407). Ein unhuld . Hagens heldenb. 1, 235. mit dem fem. unholdâ für diabolus in den ahd. hymnen vgl. daz wîp, diu unholde . pass. 353, 91. in Unhuldental . bair. qu. 1, 220. auch die weibliche serbische vila steht in vielem dem teufel gleich. Unter uberfengil , ubarfangâri praevaricator, usurpator scheint, im gegensatz zu den engeln, auch der teufel gemeint. Haupts zeitschr. 8, 146. . Eine benennung ist bis hierher aufgespart worden, die bei unsern mhd. dichtern des 12 und 13 jh. oft vorkommt. der vâlant , s. Uolrich 870. 1373. 1510, anegenge 37, 34. Tundal. 56, 31; diu vâlantinne Herôdia (oben s.  234 . 235 ) fundgr. I. 139, 6; der vâlant fundgr. II. 109, 42. Roth. 3106. vâlandes man Roth. 3227. 3366; vâlant Rol. 289, 7. vâlantes man, das. 111, 5. 189, 16; der übel vâlant Nib. 1334, 1. vâlandinne (teufelin) Nib. 1686, 4. vâlentinne 2308, 4. Gudr. 629, 4; der vâlant Klage 625. Er. 5555. Herbort 7725. Eilharts Trist. 2837. vâlant Wigal. 3994. 6976. 7022; er het gehœrot den vâlant , er (der wahter) sprach, ›seht bî der mûre dâ hôrt ich in schrîeon lût owê, er fuor die rise alsô zetal, daz im die stein vast walgten nâch, ich weiz nicht war im ist sô gâch.‹ Frauend. 375,12–24; daz in der vâlant rîten sol, welsch. gast. 4252; bî sîner stimme ich hân erkant, daz ez wære der vâlant . das. (Reinh. 384, 50); der leide vâlant Trist. 8909; des vâlandes rât. 11339; vâlandes man 6217. 6910. 16069; vâlandes barn Trist. 15965; des tiuvels vâlant und sîn gespenste, schrat u. wazzerber 92; dô geriet in der vâlant (Mones anz. 8, 52); vâlant , Ottoc. 453 b Hagene hatte den beinamen › vâlant aller künige ‹, (Gudr. 168, 2. 196, 4, alle könige fürchteten ihn wie einen teufel. Mone (nl. volkslit. 67) macht daraus: vaillant de tous les rois! . einige dichter enthalten sich des worts, Wolfram, Rudolf, Conrad. nhd. dauert es fort als eigenname (Faland, Phaland, Foland, Volland), sonst kommt es selten vor: der böse volant (Chr. Weises comödienprobe 219); junker Volland (Bertholds tagebuch p. 54). in Henneberg sagt man: der böse fahl oder fähl (Reinw. 1, 30), 829 in Frankfurt: der fold , fuld im Mehlwardein, einer Frankfurter localposse 1837 s. 16: ›ei der Fuld! ‹ = teufel, ebenso in einer andern, der Bernemer Kerb s. 13. . mnd. nur einmal Zeno 1106: du arge volant! , nie etwas ähnliches bei mnl. dichtern. aber auch ein ahd. fâlant , vâlant habe ich nie gefunden, auch nicht als eigennamen, und doch sollte man es kaum in zweifel ziehen, da die participialbildung wie in vîant, heilant, wîgant u. s. w. auf frühe zeit weist. das mhd. verbum vâlen, vælen findet sich bloß in der Martina (145. 177. 215) und Albr. Titurel, es hat die bedeutung unseres fehlen, irren, vgl. Schm. 1, 519. fâlant müste entw. aussagen was das adj. irri, iratus, infensus, oder irrend, verleitend, seducens (goth. airzjands, uslutônds). ags. ist fæljan, oder fælan scandalizare, seducere, dessen part. fælend entsprechen würde. Vielleicht liegt in dem altn. fâla (Sæm. 143 b 210 b gigas femina) und dem verb. fæla (terrere) ein verwandter sinn; es wäre dann glaublich, daß fâlant früher auch auf riesen gieng. Seitdem jedoch Phol (s.  175 –189. 511 ) in betracht kommt, darf er bei erklärung eines in unsrer sprache so eingefleischten worts nicht übersehen werden, den übergang aus a, o in â zeigen andre erscheinungen, z. b. tâlanc, tolanc, und die volksmäßigen formen voland, fold, fuld sprechen dafür; die participialendung muß dahinstehen, bis künftighin mehr licht auf die dunkle wurzel des alten götternamens fällt. selbst den bösen Unfalo aus Teuerdank wird man hierher nehmen können, da un- nur vorgesetzt scheint, um den üblen ruf des wortes äußerlich hervorzuheben, Unfahl kommt auch sonst als eigenname vor in den Nördlinger hexenproc. s. 47 Apollonia Unfahlin . . man vergleiche das nachher über die pfahlmauer gesagte andere, fürchte ich, werden darauf gerathen phol, phal aus aphäresis der ersten silbe in deofol, diufal zu erklären, etwa wie eblis aus diabolus stammt. . Nachtrag: Der ubele vâlant . Diemer 302, 28. der vâlant . Karaj. 89, 14. diu vâlendîn . cod. pal. 361, 74 c . vâlantinne . krone 9375. 9467. diu ubele vâlantinne . Mai 170, 11. disem vâlande gelîch. das. 122, 21. dû urkiusche der vâlande! das. 172, 16. ein vil boeser vâlant . Turl. Wh. 136 b . swaz der vâlant wider in tet. welsch. gast. 5177. des vâlandes spot. warn. 2426. des vâlandes hant. das. 1358. vâlant wird im Erec, nicht im Iwein gebraucht. Haupts vorr. s. XV. Conrad v. Würzburg enthält sich nicht ganz, wie ich behauptet habe, dieses worts, denn Silv. 4902 steht: der leide vâlant . wilder vâlant . Frauenl. 382, 15. der vâlant müez si stillen. Frauenl. 123, 19. bei mnl. dichtern kommt es nur einmal vor: die quade valande . Walew. 8945. verschieden davon ist vaeliant d. i. vaillant 9647 und faliant , valiant . Lanc. 21461. 24643. du pöser feilant . fastn. sp. 578, 21. böser volant . das. 926, 11. volandes man. Haupts zeitschr. 5, 20. 31. der schwarze voland . Mülmanns geiszel 273. der volland . Ayrer 340 a . volant auch in hexenacten von 1515 (Wolfs zeitschr. 2, 77). den sol der böse voland holen! Lichtwer 1758, 128. junker Voland nennt sich Mephistopheles in der Walpurgisnacht auf dem Blocksberge. Göthes Faust p. m. 159. in Thüringen (zu Gotha) hörte ich: das glab der Fold (teufel)! Völundr scheint verschieden, weil es v hat, in vâlant aber f liegt. II. Viele namen beziehen sich auf die äußere gestalt des teufels. Am ersten fällt sein lahmer fuß auf, daher der hinkende teufel (diable boiteux), hinkebein , vom sturz aus dem himmel in den abgrund der hölle scheint er gelähmt, wie der von Zeus herabgeschleuderte Hephäst (s.  200 ) Il. 1, 592. Thor droht dem Loki ihn zu lähmen (Sn. 130) und der blitzstrahl hat lähmens kraft. . diesem und dem schmiedenden lahmen Wieland (Völundr s. 312) gleicht er auch durch seine kunst des schmiedens und bauens, so wie dem aufenthalt in der rußigen hölle. Der gegensatz zur leuchtenden, weißen und reinen gottheit fordert hier dunkle schwarze farbe , wie die schwarzen elbe den lichten gegenüber stehn. den weißen Baltac (s.  189 ), die strahlende Berhta (s.  226 ) dürfen wir darum den finstern gewalten, die lichtelbe den schwarzelben zur seite stellen, obgleich beide principe einander berühren, ja sich erzeugen. in dem worte alp scheint der begrif des weißen zu liegen, nacht und tag gehn aus einander hervor, die Nacht war des Tages mutter (s.  613 ), Halja, Demeter, Diana, Maria (s.  259 . 260 ) erscheinen halb schwarz oder 830 ganz verdunkelt den Römern hieß Pluto Jupiter niger der schwarze gott. Silius ital. S. 116. . das schwarze teuflische princip kann als ein unursprüngliches, als abfall vom göttlichen licht betrachtet werden. Der teufel heißt der schwarze . alts. mirki (tenebrosus) Hel. 31, 24; der swarze , Renner 36 d ; ›satan exit ore torvus colore tanquam corvus ‹ s. Gallenlied 11, 3; ›er was swarz als ein rabe ‹ Tund. 51, 17; diabolus in effigie hominis nigerrimi . Caesar heisterb. 7, 17; der swarze hellewirt. Ms. 2, 254 a ; der hellewirt der ist swarz . Parz. 119, 26; der hellemôr . Walth. 33, 7; der helsce môre . fundgr. 1, 25; der hellegrâve , anegenge 39, 46. weil die dunkle farbe birgt, kommt dem bösen geist der name des verborgnen, heimlichen zu: alts. dernea wihti (spiritus lateutes) Hel. 31, 20. 92, 2. In unsern volkssagen wird er aber auch durch graumann , graumännlein bezeichnet, vgl. graa told (D. V. 1, 169. 180) was an Wuotan und an Berhtold mahnt. ich hebe also auch hervor, daß, wie Berhta und Berhtolt leere spindeln reichen (s.  227 . 231 ), die märkische sage das gerade vom teufel erzählt: ›donnerstag abend darf man nicht spinnen, weil der böse sonst eine leere spule in die stube wirft mit dem zurufe: ›spinnt diese noch voll!‹‹ (Ad. Kuhn s. 379). Von thierischen gestalten sind einige dem teufel hauptsächlich der schwarzen farbe wegen beigelegt Nachtrag: Der teufel ist lahm nach mährischer sage (s.  845 ), auch bei den Walachen. Friedr. Müller no. 216. 221. vgl. Thors lahmen bock s.  831 . er ist blind , litth. aklatis . ihm werden die augen ausgegossen s.  858 . Der teufel ist schwarz . ne nos frangat demon ater . chart. sithiense s. 8. tenebrosus hostis. Münters tempelh. 158. der swarze meister. Haupts zeitschr. 1, 277. von dem tiuvel hoert man wol, wie er swerzer sî dan kol, und ist doch unsihtic. Ls. 3, 276. die swarzen hellewarten. Servat. 3520. in Tirol und in der Oberpfalz heißt der teufel grauwuzl . Schmeller 4, 208. er trägt graue oder auch grüne kleidung (s.  888 ) und gleich den zwergen eine rothe mütze . Müllenhoff s. 194. dagegen malen die Neger in Afrika den teufel weiß . Klemm 3, 358. 364. . Diese thiergestalt war aber häufig nicht vollendet, sondern bei vorherschender menschlicher bildung nur durch eine zuthat ungedeutet , ungefähr wie die Griechen und Römer ihre satyrn, faune oder den Pan darstellten oder an Dionysos, Actäon, Io bloß hörner anfügten. der teufel nähert sich dann jenen waldgeistern, skraten und pilosen, welche s.  396  ff. abgehandelt wurden; in allen übrigen gliedern wie ein mensch geformt verräth ihn bocksohr, horn, schwanz oder pferdefuß. von einem Tund. 51, 33 geschilderten vâlant heißt es: ›er het vil der hende ‹ diese vielhändigkeit kommt mit der riesischen überein, mehrhäuptig entsinne ich mich nicht den teufel dargestellt zu finden, es sei denn in drachengestalt. aber der antichrist wurde siebenhäuptig und mit einem pferdefuß gebildet (vgl. Zappert a. a. o. 73. 74). , an des lîbes ende einen vreislichen zagel , der het manigen îsnîn nagel, manigen haken chrumben, damit er die tumben chölt unde stichet.‹ Schon die heidnischen götter und geisterhaften wesen konnten einzelne theile des leibs nach thieren bilden, der slav. Triglav hatte ziegenhäupter und in der indischen mythologie ist die mischung menschlicher mit thierischer form überaus häufig; in der griechischen oder deutschen selten und kaum angeregt. Huldra erscheint geschwänzt (s.  225 ), Berhta mit dem gansfuß (s.  232 ). der nix mit geschlitztem ohr (s.  407 ), die nixe mit nassem kleidzipfel (s.  407 ), der held mit dem schwanflügel (s.  355 ) wie Hermes mit geflügelten füßen, die wasserfrau mit dem schweif einer schlange oder eines fisches; selbst dem riesen bleibt ein finger und eine zehe über die gewöhnliche 831 zahl hinaus (s.  437 ). der teuflische pferdefuß kann an die halbrossigen centauren, wie an den altn. nennir (s.  405 ) erinnern. Übergang in gänzliche thiergestalt mochte sich leicht daraus ergeben, aber auch als vermögen des höheren wesens, sich vorübergehend in ein thier zu verwandeln, angesehen werden. Der entweichende teufel muß unvermerkt seinen pferdefuß sehen lassen (s.  272 ); auch ein kobold ist pferdefüßig (s.  424 ). dem wassergeist wird halbe oder ganze gestalt des rosses beigelegt, darum auch fallen den strömen pferdeopfer. ein britischer daemon Grant , der vielleicht an Grendel (s.  201 ) mahnen darf, zeigte sich als füllen (Gervas. tilbcr. b. Leibn. 980). Loki wandelte sich in eine stute und zeugte mit Svađilföri den Sleipnir (Sn. 46. 47). der teufel erscheint als pferd in den sagen von Zeno, vom bruder Rausch und in legenden (Zappert s. 68–71): schwarze rosse holen verdammte ab, ja führen helden wie Dieterich zur hölle (Vilk. saga 393. Otto frising 5, 3). Nachtrag: Das horn des teufels erinnert einigermaßen an den wetzstein auf Thors haupt (s.  309 ). vgl. gehurnte helle ohsen . Haupts zeitschr. 8, 151. 236. er hat einen schwanz . dem tüfel uff den schwanz gebunden. Keiserberg XV. staffely 41 c . 43 a . 59 b . Schärtlin s. 226. der troll hat auch einen schwanz. Dybecks runa 1844, 73, die norweg. huldre einen kuhschwanz . Der teufel hat pferdefuß und hünerfuß . Lisch mecklenb. jb. 5, 94, einen menschenfuß und einen pferdefuß . Müllenhoff s. 197. deoful vam and vliteleás . Andr. 1170. . Die vorstellung des teufels in bocks gestalt steigt in hohes alterthum hinauf; wie hätte sie in dem ketzer und hexenwesen so fest gewurzelt? alle hexen dachten sich ihren meister als schwarzen bock , dem sie bei feierlichen zusammenkünften göttliche ehre erwiesen; umgekehrt sühnte und vertrieb der weiße bock teuflischen einfluß (Haupts zeitschr. 3, 35). in schwüren und verwünschungen des 15. 16 jh. parodiert jener bock den wahren gott: ›daß in der pock schend!‹ ist eine häufige formel bei Hans Sachs; man schwur ›bei bocks schedel, bei bocks lid‹, wie bei den gliedern der heiligen ›bei bocks hulde‹ Appenzeller reimchr. 14. 37. 39. 51. 72. 95. Senkenberg sel. 1, 46. bocks angst und güt! Er. Alberus 21: bocks marter! 33; daß dich bocks esel schend! 23: daß dich box sners schende! Schreiber freib. urk. 2, 67: durch bocks tod! ds. 3, 404. bocks lid entspricht dem: › tiufel und sîn lit ‹. Mones anz. 8, 41. . oder sollte hier bocks bloße nebenform von botz , potz für gotts (s.  13 ) sein? es wäre auffallend, daß die dichter des 13 jh. niemals bock in gleichem sinn verwenden; nur Martina 156 b . 184 b steht helleboc deutlich für teufel. bockschnitt heißt nach Schm. 1, 151 jener bilwezschnitt (s.  393 . 394 ), den das volk geistern und dem teufel zuschreibt. Der bock war aber Donars heiliges thier, den so oft die jüngere vorstellung vom teufel im hintergrund hat. das volk in der Schweiz ißt die ziegenfüße nicht, weil der teufel mit ziegenfüßen erscheint oder beim stiefelausziehen die geißfüße hervorkommen (Tobler 214); es könnte auch aus dem mythus von Donars böcken erklärt werden, die er als speise auftischte und aus den knochen wieder belebte und über deren zerbrochne beine er zürnte. In den märchen erscheint aber der teufel selbst als meckernder bock , schon in Gregorii magni dial. 2, 30 als › cornu dem teufel ein bein aus dem leib und das linke horn vom kopf fluchen (Garg 232 a ). man sagt noch heute: ›er lügt dem teufel ein ohr ab und wieder an ‹ (Haupt 3. 308). d. h. sich so starker flüche und lügen bedienen, die selbst dem teufel an der gestalt abbruch thun. Was bedeutet aber die redensart: ›ir lieget dem tiuvele an daz bein ‹ (Roth. 3137)? schwört falsch (s.  842 )? et trepidicam ferens‹, was ich verstehe, in eines dreifüßigen 832 bockes gestalt, gehörnt; dreibeinige thiere sind gespensterhaft und teuflisch (s.  767 . 779 ). auch das posterli (s.  779 ) zeigte sich als ziege . Sollten nicht die von den Heiden geopferten böcke (s.  42 ) hernach von den Christen auf die gestalt des heidnischen götzen angewandt worden sein? bei der alten Preußen bocksheiligung Luc. David 1, 87. 98. Joh. Voigt 1, 616. wurde das opferthier hoch empor gehoben. Nächst dem bock ist der eber , der unter den alten göttern dem Fro heilig war, und in Walhalla der helden speise hergibt, auch noch im sturmzug des wilden heers beziehungsvoll erscheint (s.  768 . 769 ), ein teufelsthier; daher beim tosen der windsbraut sûstert gerufen und mit diesem namen der teufel gescholten wird (s.  526 ). eine andere, fast entscheidendere rolle spielt die sau bei den teufelsbauten. der böse erscheint als grunzende sau (Schweinichen 1. 31). Die hauptsache ist aber, daß wir hier wieder auf den namen Phol stoßen, denn fol , fal , ful bezeichnet mhd. in der zusammensetzung urful einen eber, was aus Schwabensp. 315 Wack. 204 Laßb. erhellt, wo die lesarten erfaul, urfaul, urfol, urval, wurffel alle gegen ursûl streiten, mit dem so wenig etwas anzufangen ist als mit halpswuol Nib. 878, 3, die varianten halbfwol, halpfuol, helfolen nöthigen zu halpful , hulpfol , d. i. halbschwein gegenüber dem hauptschwein oder urfol , dem fünfjährigen, alten keuler das lange s ist in den hss. schwer von f zu scheiden. . nicht des gottes name wird aus dem thier zu erklären, sondern in beiden zusammensetzungen auf das thier angewandt und so erhalten worden sein; da Phol aber Paltar ist, mag es jetzt weniger gewagt scheinen, den namen des ebers Baltero aus Reinardus hierher zu ziehen. Seelenraubender wolf war der teufel bereits den kirchenvätern (Gregorii magni opp. 1, 1486). In Cnuts gesetzen heißt er: so vôdfreca verevulf (Schmid p. 148), Ditm. von Merseburg p. 253 nennt ihn lupus vorax , Lokis sohn ist Fenris ûlfr ; aus den mhd. dichtern habe ich mir kein hellewolf angemerkt, bezweifle es aber kaum, weil noch Simplic. 2, 72 höllenwolf gebraucht. Und die slavische benennung des teufels poln. wrog , böhm. wrah , sorb. sloven. vrag drückt zwar übelthäter, bösewicht, latro aus, geht aber auf das ahd. warg (lupus) zurück (Reinhart XXXVII). der teufel hat seinen ungeheuren rachen mit wolf und hölle gemein: des tiuvels kiuwe . Warnunge 540. Hündische gestaltung des teufels ist mehrfach begründet. er heißt hellehunt im alten lied auf Georio (fundgr. 1, 13), des hellehundes list, Hartm. Greg. 163. Renner 289; wint in des tiuvels biunt, hunt in der helle grunt. Ls. 3, 124. hellerüde Martina 32 a (Diut. 2, 143), hellewelf das. 111 a , wie schon die edda einen hvelpr in der hölle annahm (Sæm. 94 a ), der griech. glaube einen 833 Cerberus (s.  680 ). kampf mit dem höllenhund schildern fundgr. 178. als hund bewacht der teufel schätze (s.  816 ). schwarzer hund (dän. abergl. no.  149 ). des tievels rüden . Renn. 23343. H. Sachs IV. 3, 31 c legt dem teufel einen wachtelhund bei (der ihm seelen aufspürt und fängt?) wahtelbein (lockpfeife) des tiuvels. Berth. 225. ›sust verirret ez als ein wahtelbein ‹. jüngling 1210; ›in korne wart ein kündic wahtel nie sô sanfte erbeinet ‹. Ms. 2, 206 b . . sollte nicht das lateinische latro (räuber), wie unser warg vom wolf, vom bellenden thier ausgehen? umso mehr gleicht beiden thieren der teufel Nachtrag: Der teufel hat hörner und gespaltne füße . Wolfs zeitschr. 2, 63. er läßt geißfüße sehn. Mone 8, 125, wie auch den zwergen geißfüße und klauen zugeschrieben werden (s.  373 ). daemones in specie caprarum . acta Bened. sec. 1 s. 33. teufel als steingeiß . Haltrich s. 44. Pfeiffers Germ. 1, 484. die bös teufels zigen (hexen). Keller altd. erz. 192, 22. zu bocks lid stellt sich der ausdruck des tuvels glit . pass. 377, 24 (zu s.  851 ). boxscheis habe ir sele! Lindenbl. 123. ›dem teufel ein horn ausraufen .‹ heißt es Garg. 17 b . hieher gehören die eigennamen Hellbock , Höllbock . denkschr. der k. k. akad. 5, 20. Der teufel heißt Säureußel und findet glocken. Ph. Dieffenbachs wanderung s. 73. duivels zwîntje . Haupts zeitschr. 7, 532 (oben s.  395 ). der zuchteber heißt weisth. 2, 528 fuhl . Urswîn ist ein heldenname. Dietl. 5253. vgl. urber, urkämpe, ursau, urschwein. der teufel heißt ein luhs . MS. 2, 6 b . 7 a , ein hase . Panzer beitr. 1, 137, ein affe , der gott nachäfft ( anm. 2571 ). Der teufel war der vil ungehiure hellewolf . Haupts zeitschr. 5, 520. die hellewargen . das. 7, 376. abstrahis ore lupi . Erm. Nigellus 4, 370. GDS. 329. 333. Hellehunt cerberus. gl. sletst. 4, 32. Renn. 289. Diemer 314, 2. 13. der übele hunt . das. 309, 22. der hunt verwâzen. das. 314, 2. 13. vuor der übermuote hunt alsô tiefe an den hellegrunt. das. 4, 26. nîthunt . Helbl. 2, 264. teufel erscheint in hundegestalt . pass. 203, 59. . Unter den vögeln steht zunächst der rabe , dessen gestalt der teufel gern annimmt. Ls. 3, 256. Ottoc. 298 b . 803 b , der ungetriuwe hellerabe . ›volgen wir niht dem swarzen raben! ‹ Rol. 33, 23; ›volget dem swarzen raben niht!‹ Karl 19 b ; ›c'est uns deables, uns corbiax ‹ Ren. 28284. den schwarzen von Noah ausgesandten raben nennt Cædm. 87, 11 den feind (feond). Nicht bloß schwärze, list und behendigkeit des vogels, auch sein alter zusammenhang mit Wuotan (s.  559 ), wie bei dem wolf, konnten diese vorstellung befestigen. Cædm. 188, 6 scheint sogar das ganz odinische epitheton välceoseg (stragem eligens), das des gottes botinnen zukommt (s.  346 ), alterthümlich auf den raben angewandt; indessen bezieht auch schon des Hieronymus commentar zu Hiob 38, 41 gezwungen genug den ( schwarzen ) raben auf den teufel. In dänischen volksliedern vertritt der › vilde ravn ‹, der › vilde valravn ‹ (jener corvus stragis, ahd. walahraban) völlig die stelle eines teuflischen trold (D. V. 1, 186. 187). im puppenspiel von dr Faust wird der rabe , welcher die verschreibung mit dem teufel getragen bringt, merkwürdig Mercurs vogel genannt, was völlig auf Wuotan gerecht wäre. Den geier finde ich erst in den letzten jahrhunderten statt des teufels daß euch der geier! Gryphius p. m. 746. wo geier? (= wo teufel?) Ettners unw. doct. 335. daß dich der geier schende! Wackern. lesebuch 788, 21. fundgr. 2. 320. , noch häufiger den kukuk , dessen zauberhafte beziehung s.  568 zur sprache gekommen ist. auch in gestalt des hahnes erscheint der teufel, gökelhahn und schwein bauen mit einander am graben (s.  855 ) und unter dem mantel des menschlich gebildeten teufels ragt, wie pferdefuß, hahnkralle hervor. Ungleich älter und verbreiteter war die erscheinung des teufels als schlange , wurm und drache . die verführende schlange im paradies galt für den teufel selbst. wie antiquus hostis heißt er antiquus anguis , anguifer hostis , letifer anguis , serpens (Greg. magn. opp. 1, 111. Jonas bobbiens. p. 5. 15. vita Burgundofarae p. 427. vita s. Romani p. 743). serpens antiquus (Caes. heisterb. 7, 35), der alte drache , ags. draca El. 765. ihren grund hat die vorstellung zumal in apocal. 20, 2 und in den deutungen, welche die kirchenväter von Leviathan gaben. apocal. 12, 4 gedenkt eines drachen, der mit seinem schweif den dritten theil 834 der sterne vom himmel gezogen habe der alte slange mit sînen genôzen von himel wart her abe gestôzen, sîns lîbes wesen teilt er endriu u. s. w. Renner 3100 ff. . In diesem biblischen sinn nennen unsere alten dichter den teufel slange , hellewurm (Lohengr. 141), helletracke (Mart. 141 d ), es wurde aber auch der einheimische volksglaube von feuerspeienden, giftigen würmen, schatzhütenden drachen (s.  817 ) und wunderbaren schlangen (s.  569 ) mit angeregt. in unzähligen volkssagen erscheint der teufel als drache, z. b. deutsche sag. no. 520. 858. Zumal hebe ich hier das märchen hervor, worin bald dem träumenden teufel , bald dem drachen oder dem vogel greif federn aus dem schweif gezogen werden: Km. no. 29. 57. 165. Norske folkev. 1, 31–33. Mailaths magyar. m. 1, 179. Der unglücksdrache verfolgt die menschen, einer, dem alles widerwärtig geht, pflegt zu sagen: auf all mein glück legt der teufel seinen schwanz . Vom drachen lassen sich auch des teufels flügel herleiten, altfranz. diables enpanez (Méon nouv. rec. 1, 250), wie angres enpanez (das. 1, 272). Da die kirche den Leviathan als ungeheuern walfisch darstellte, dessen wange Christus mit der angel durchbohrte (Greg. magn. 1, 110. vgl. oben s.  152 ), so war das anklang an die ungeheure von Thôr aus dem grund des meers geangelte feindliche weltschlange (s.  570 ). als drache oder schlange hat der teufel einen ungeheuren rachen (mhd. kêwen Ms. 2, 166 b ), gleich der hölle selbst (s.  261 . 673 . 832 ). fliegengestalt . die LXX übertragen Baalsebub, des akkaronischen götzen namen, Βάαλ μυῖα, fliegengott (IV, reg. 1). Ahriman drang in fliegengestalt durch die natur. litth. mussû birbiks , fliegengott (Mielke 231), birbiks sonst blasend, summend. märchen erzählen von teuflischen geistern, die als fliege in einem glas verschlossen sind dänische sage von einem in einer büchse verschlossenen teufel. Thiele 1, 18. KM. no. 99. . Loki, als er Freyja um das brîsîngamen betriegen will, wandelt sich in eine fliege (fluga). hiermit verbinde man eine langob. sage bei Paulus diac. 6, 6 von dem malignus spiritus, der sich als fliege ins fenster setzt und dem ein bein abgehauen wird; die acta Bened. sec. 1 p. 238, von einem ausgetriebnen teufel redend: ›in muscae similitudinem prorumpens cum sanguine de naribus egressus est inimicus‹. als fliege dringt er durch das schlüsselloch in verschlossene gemächer, er vermag sogar durch ein nadelöhr zu schlüpfen (norske folkeventyr no. 31), wobei mir seine schmiegsame mutter (s.  204 ) einfällt. gleich dem riesen (s.  460 ) hat der teufel das vermögen sich groß oder klein zu machen (norske folkev. 1, 134. 192). Des elbischen wesens der schmetterlinge , die als psychen (s.  692 ) gut oder übelgeartete geister sein können, wird noch im verfolg zu erwähnen sein. werden donnerschröter und mistkäfer teuflisch genommen, so verbürgt das ihre heidnische auffassung Nachtrag: Höllenräbe heißt der teufel nach Gryphius sonett. 1, 1. teufel erscheint ›in swarzer vogele bilde‹. Ksrchr. 4314. der höllische geier . Meinert s. 165. das hat sie der geier gelernt. Lessing 2 , 446. die höllische agalaster , der satan. pol. maulaffe 195. vgl. Parz. 1. hellegouch . Krolewicz 3879. vgl. den kukuk und seinen küster (s.  568 ). de bunte kiwit hahl se! Hanenreyerey 1618. A V b . fört juw de kiwitt nu weer her? das. B VIII e . der teufel hat gänsefüße , krähenfüße . thür. mitth. VI. 3, 69. 70. Die schlange im paradies galt für den teufel selbst, nach Schwenk (Semiten 162) aber mit unrecht. er heißt der lintwurm . Mar. 148, 28. der alde helletrache . pass. 13, 23. 101, 47. der hellewurm . das. 106, 27. bei Erm. Nigell. 2, 191 wird er celidrus genannt nachχέλυδρος wasserschlange. Leviathan wird übersetzt durch das ags. sædraca . wie es vom Leviathan heißt ›cum armilla in maxilla‹. v. geloub. 601, so ist ›ein rinc ime in sîne nasen gelegit‹. das. 541. vgl. in des tiuveles drozzen . Rol. 244, 29. den hât des tiuvels kiuwe verslunden. warnung 540. Belzebup . Karajan 52, 3. Belsebûc im fragm. von Madelghîs. Besebuc . Walew. 8244. drukhs fem. als fliege. Spiegels Avesta 124. ein geist ist als fliege im glas verschlossen. MS. 2, 13 b . 14 a , oder in der schachtel . Leipz. avant. 2, 41. von einem teufel im glas erzählt die legende von Zeno bei Bruns, wie die vom schüler und räuber bei H. v. Herford a. 995 und Korner. . Der teufel wird aber auch, von früher zeit an, zweien geräthen verglichen, dem hammer und dem riegel , in welchen ich s.  151 . 835 201 beziehung auf heidnische götter nachgewiesen habe. hier ist noch ihre biblische oder kirchliche grundlage zu erwägen. Malleus zählt bereits Hieronymus in dem briefe an pabst Damasus (zw. 366–384), wo er die parabel vom verlornen sohn erklärt, unter benennungen des teufels auf; Hieronymus konnte in Dalmatien, Italien, Gallien (und er war am Rheinstrom) den ausdruck von den Heiden vernommen haben. Greg. magn. († 603) opp. 1, 1125: in scriptura sacra mallei nomine aliquando diabolus designatur, per quem nunc delinquentium culpae feriuntur, aliquando vero percussio coelestis accipitur . . . . . nam quia in appellatione mallei antiquus hostis exprimitur, propheta testatur, dicens: quomodo confractus est et nutritus malleus universae terrrae (Jerem. 50, 23. vgl. 51, 20). die vorstellungen des strafenden gottes und einer feindlichen bösen gewalt mögen sich hier berühren. In Donars händen war der hammer zugleich heiligendes und zermalmendes werkzeug: sturmwind , windsbraut , naturerscheinungen, die das ältere heidenthum dem herrn des donners, der spätere volksglaube riesen oder teufeln zuschrieb (s.  529 . abergl. no.  522 . ehstn. no.  100 ), heißen in einigen gegenden Deutschlands hammer , entweder von seiner zerstörenden heftigen wirkung, oder weil man ihn vom teufel erregt wähnte der mährische bauer nennt den wirbelwind hammer (Meinert in den Wien. jb. bd. 48. anz. bl. p. 55), was auf Donar wie auf den teufel gehn darf, also den s.  526 entfalteten vorstellungen begegnet, ventus urens und aquilo heißt der teufel (Gregor. magn. 1, 547. 570). den Neugriechen ist ἄνεμος der teufel (gramm. 3, 736). Seltsam, daß die Priscillianer das wetter vom teufel ableiteten, den donner von seinem brüllen, den regen von seinem schweiße, was sehr heidnisch klingt. auch die Manichäer erklärten sturm und gewitter aus der wut des gefesselten teufels. . in dem rheinischen Westfalen, wenn unvermutet der wind die thüren aufreißt, plötzlich stoßweise durchs haus pfeift, heißt es: ›do es der aul van terjohren!‹, da ist der alte von vorigem jahr, der bekannte alte, dessen namen man besser nicht nennt. Da sich bei den dichtern des MA. meines wissens die benennung hamer für teufel nicht findet, so trage ich bedenken, den ursprung jener volksmäßigen flüche (s.  151 ) aus dem malleus der kirchenväter abzuleiten, ich möchte eher einen zusammenhang heidnischer und jüdischer vorstellungen glauben. Mit riegel dürfte es ebenso stehn. vectis ist nicht bloß das thürschließende geräth, sondern auch ein stoßendes, hebel, stange, beinahe wiederum malleus. Leviathan heißt vectis , quia usque ad necem percutit (Greg. magn. 1, 111). das mhd. hellerigel , das ags. grendel (s.  201 ) könnte nachahmung dieses vectis sein, aber auch einen älteren bezug auf Loki haben. Ich meine öfter vernommen zu haben, daß sich der teufel aus einem knäuel entwickelt. ein märchen erzählt, wie er als mülstein vom berge niederrollte (altd. bl. 1, 297). hierin scheint er riesenhaft, denn die schwed. volkssage weiß von riesen, die, wenn Thors blitz durch die lüfte fährt, aus furcht davor unter manchen 836 gestalten, zumeist als knäuel oder kugeln vom berge herab auf die wiesen rollen und schutz bei den mädern suchen: diese aber, der gefahr wol kundig, halten sie mit den sicheln zurück; da soll es sich oft zugetragen haben, daß der blitz niederfuhr und die sicheln zersplitterte, dann fuhren die riesen mit klagendem gesaus zurück in den berg. Afzelius 1, 10. mir fällt dabei der dämonische windknäuel ein (s.  532 ) hexen bekannten in kugeln verwandelt worden und so mutternackend auf tischen und bänken herumgesprungen zu sein. Wengs nördl. hexenprocesse s. 54. Nachtrag: Der teufel als hammer (slege). Kemble Sal. and Sat. 146. 177. er heißt meister Hemmerlein . ambras. lied. 142. wie Donars hammer in feuriges schwert übergeht, heißt es auch: ein fiurec swert der tiuvel hât. Haupts zeitschr. 5 , 450. (s.  678 . anm. 2547 ). Dem wie ein mülstein rollenden teufel gleicht der wie eine kugel rollende troll. Nilsson 4, 40. . III. Vom aufenthalt des teufels in der hölle, aus welcher er die heidnische göttin verdrängt hat, sind die häufigen namen hellewarte (sumerl. 7, 9. cod. pal. 361, 71 c ) hellehirte (Parz. 316, 24) hellegrübel (Mart. 4 b 10 a 72 b ) hellewirt (Ms. 2, 175 a ) und ähnliche entnommen. helscherge heißt er Lohengr. 70, ›er las die sîne an sich‹, gleichwie Wuotan die seelen seiner helden empfängt. Seine wohnung liegt im Norden , was schon zu der s.  27 entwickelten ansicht stimmt. ›leit î norđr ‹ (schaute gen Norden) kommt beim singen eines valgaldr (ferale carmen) vor (Sæm. 94 a ). diabolus sedet in lateribus aquilonis (Greg. magn. 1, 1186), erwill ›on norđdæle ‹ herschen (Cædm. 3, 8), setzt seinen stul nordernhalp (Diut. 3, 40. fundgr. 2, 11). ›niđr ok norđr liggr helvegr‹ (s.  669 ). auch der Ehste scheut die nordseite (abergl. n.  43 ). nordwärts strömt des dämons wasserfall (s.  408 ). Ich füge hier einige s. 671 . 672 unangeführte ausdrücke bei, weil ich nicht sicher bin, ob sie ursprünglich mehr der hölle oder dem teufel gehören. In einem alten schauspiel von Theophilus bringt satan diesen, nachdem er sich ihm verschrieben hat, in eine burg, wo es kalt ist, aber in saus und braus gelebt wird: ›up de Ovelgunne ‹. mehrere örter in Niederdeutschland führen solchen, die misgunst und den haß der teuflischen natur treffend bezeichnenden namen : ein Ovelgunne im Magdeburgischen, eine Övelgunne bei Werben in der Allmark, ein Ovelgönne im Oldenburgischen, ein Ovelgunne im Münsterschen bei Horstmar, im Osnabrückischen zwischen Witlage und Dümmersee, ein gut Ovelgünne im mindnischen kirchspiel Eidighausen, ein Übelgünne bei Warburg im Paderbornischen und noch vier oder fünf andere in Niederdeutschland. wahrscheinlich heißen noch andere ortschaften mehr so, man denkt dabei an das gleich richtig gewählte Ubelloch (Malpertuis) im Reinhart. ob sie in bezug auf den teufel oder wie ich eher glaube, auf eine ungünstige, kalte, nördliche lage so genannt wurden, wäre zu ermitteln; im letzten fall ist die benennung passend dem teuflischen wohnort überwiesen, der recht entgegen steht dem seligen, wonnigen freudensaal des himmels (s.  684 . 685 ). In Niedersachsen sagt man: ›na Hekelvelde varen‹ (Sam. Meiger ccciii a ), in Dänmark: ›gaa du dig til Häkkenfeldt! ‹ (Lyngbyes fär. qv. p. 549). Thiele 3, 71 schreibt ›til Hekkenfjälds ‹; wie wenn 837 dabei an Hakelberg, Hakelbernd (s.  769 ) zu denken wäre? veld ist nicht unser feld, sondern das altn. fiall (mons), wie die dän. form fjäld lehrt und der Hakelberg kann des wütenden jägers, also teufels aufenthalt sein, ja es ist deutlich die isländ. Hekla , wofür auch Heklufiall gesagt wird, ein sammelort der hexen; Fischart Garg. 119 b sagt dafür Heckelberg . Hekla selbst mag von der form des mantels (cucullus) genannt werden, wie Wodan der gemantelte, hacolberand; also zeigt sich manigfacher zusammenhang. Von abyssus provenz. abis (Rayn. 1. 14 a vgl. 1, 184 b baratro, baratrum, doch schon die Italiener haben neben abisso gebildet nabisso (aus in abisso). Rol. 195, 1 heißt ein heidnischer fahnenträger Abisse ; im altfranz. gedicht aber Abismes , gleichsam der höllische. das brem. wb. 3, 254 schreibt noch obiskroog . obskroog . woraus nobis entsprang, wurde s.  672 gehandelt, hier will ich noch die letztere form näher belegen. Kilian hat: nobisse (daemon, nanus, cacodaemon), nobisgat (orcus), nobiskroech (orcus). vermutlich liegen in Niederdeutschland noch mehr Nobiskrüge als Ovelgonnen, häufig führen grenzwirtshäuser den namen, bei welchen man gleichsam in anderm land anlangt; so findet sich auf der fries. und sächs. grenze in der oldenburg. vogtei Ostringien, so zwischen Altona und Hamburg ein nobiskrug : bei Kiel, bei Münster heißen abgelegne schenken ebenso, es liegt nicht gerade der üble sinn unsrer hölle, vielmehr noch der alte des tods und der unterwelt darin, ›he is na nobskroge ‹ will nichts als er ist mit tod abgegangen sagen. nobiskrug setzen auch hd. schriftsteller des 16. 17 jh. für hölle oder wirtshaus des teufels, der ein hellewirt heißt: in nobiskrug faren (Luthers tischreden 1571, 418 a ); Fischart im Garg. 53 b : der reich mann im nobiskrug ; im Eulensp. 277: daß er nicht stürb so ungebeicht und führ in nobishaus vielleicht: L. Thurneissers nothgedr. ausschreiben 1584. III, 85: darauff sie sagt, sie wird dalent me in Nobiskrug sein (= todt sein); cursus cleselianus: dein seel fahr hin in nobiskrug ; fehrst in nobiskrug . Ayrer 76 b . der teufel bawet allezeit seine capell u. nobiskrug , wo gott seine kirche hat (Andr. Musculus hosenteufel 1630 p. 16); in nobiskrug gewesen sein (Chr. Weises Floretto p. 74); nobishaus (Burc. Waldis 191 a 303 b ). nach Stald. 2. 240 sind nobiskratten der ort, wohin ungetaufte kinder kommen. Schöner nennt Walth. 123, 38 die hölle ›daz verlorne tal ‹; was an Dantes citta dolente und sein ›per me si va tra la perduta gente ‹ erinnert Nachtrag: Der teufel heißt der alde hellewarte . pass. 23, 18. hellewirt das. 99, 11. der alde hellewiht . das. 293, 94. er rehter helleschergen gouch! Mai 156, 40. hellescherje . Tit. 5468. 5510. hellescherge . Helbl. 2, 603. hellefiur . Berth. 56. ein eigenname ist Hellitamph . MB. 14, 424. der fürst ûz helle abgründe. Walth. 3, 12. nhd. der fürst der finsterniss . zum hellegrâven (s. 830 ) stellen sich die eigennamen Helcrapho . Böhmer font. 2, 185. Herman der hellengrave , hellegrave . mon. zoller. no. 305 (a. 1345), no. 306. Der teufel wohnt im Norden . cadens Lucifer . . . traxit ad inferni sulfurea stagna, in gelida aquilonis parte ponens sibi tribunal. hunc ferocissimum lupum agnus mitissimus stravit. Raban. Maur. de laudibus crucis. fig. 10. (Lucifer) chot, wolti sizzin nordin . Diemer 94, 16. entweder zu den genâdin oder den ungenâdin , sive ad austrum sive ad aquilonem . Leyser 135, 34. im Norden liegt Jötunheimr (s.  28 ) und der teufel wird als riese betrachtet, wie Loki und Logi zum riesengeschlecht gehören. önskar honom långt nordan till fjälls . Sv. vis. 2, 163 = zum teufel. In Småland sagt man: drag till Häckenfjälls . Gavallius s. 25 a . über Hekla , Heklufiall s. Bartholin s. 356–360. fewr im Heckelberg (Hecla). Fischart bei Wackern. 2, 470. By desser kerken buwet de düvil einen Nobis kroch . Agricola sprikworde 1528 n. 23 bl. 14 a . nobishaus . Mone 8, 277. in nobis haus , da schleget das hellisch fewer zum fenster hinaus. Er. Alberus der Barfußer Münche Eulenspiegel und Alcoran. Wittemb. 1542. bl. E. 4. so faren sie dahin in nobishaus , da der flamm zum fenster ausschlägt, da brat man die öpfel auf dem simsen. schimpf und ernst. 1550 cap. 233. schweig du bist jetzt in nobishauß (= fegefeuer). H. Sachs 1552. (III. 3, 44 rw ). ir sparts (die reformation) in Nobiskrug . Fischart, Dominici leben. 1571 X 2 b . Nobis Krucke . Melander jocoser. 1626 s. 548. hinunter in nobiskrug schicken. Simpl. 3, 387. wie Francion auf einem stuhl in den Nobiskrug (abgrund, verlies) fähret. Hist. des Francions. Leyden 1714. inhaltsverz. IX. in Celle singt man folgendes wiegenlied: mûsekätzen, wô wut du hen? ik wil nâ nâbers krauge gân. über Nåberskrôch , Nobelskrug s. Kuhn in Haupts zeitschr. 4, 388. 389. Leo malb. gl. 2, 42 leitet nobis vom ir. aibheis abyssus ab, aibhistar soll teufel sein. . IV. Dunkle benennungen. über das goth. skôhsl für δαιμόνιον ist s.  403 eine vermutung vorgetragen. die durch das oft vorkommende ags. scocca (auch sceocca , scucca geschrieben Beov. 1871 lâđum scuccum and scinnum (invisis daemonibus et praestigiis) vgl. scinna þeav (praestigiorum mos) c. exon. 362, 4; sceuccum onsäcgan (daemoniis immolare) ps. 105, 221: sceuccgyldum (sculptilibus) ps. 105,126. , und darum schwerlich scôcca) bestärkt oder entkräftet wird; zu skôhsl , den buchstaben nach, würde die wurzel skaka (quatio) stimmen, skiuha 838 (timeo) skuhsl fordern. vielleicht noch näher ist das altn. skass (femina gigas). wofür Sæm. 154 b die hs. skôs darbietet. In einem großen theile Deutschlands ist jetzt ein ausdruck für teufel verbreitet, der überall nur in der diminutivform gebraucht wird: nieders. stöpke , stöpke in der helle , in der Maingegend stebchen , stäbchen , in der gaunersprache steppche , stepches , obersächs. stebgen , stöpgen , thüring. stöpfel , im Badischen steuble : man versteht darunter zumal den fliegenden, feurigen drachen, der in die häuser seiner ergebenen einkehrt und ihnen geld oder korn zuträgt, einen feurigen mann, irwisch (abergl. 611 ) und der irwisch hieß (s.  763 ) dôlgr, feind, teufel; damit ist aber der ursprung des wortes noch nicht erläutert. Niedersächs. und westfäl. gilt die schon s.  431 berührte benennung drôs , de drôs in der helle , droß , man betheuert ›bim drôs ‹, und flucht ›dat di de drôs slâ!‹ (brem. wb. 1, 257). zu entsprechen scheint das hochd. drus , truos , drüs , das aber unpersönlich seuche, pest bedeutet (cap.  XXXVI ). Es gibt noch eine menge von provinzialismen, die ich alle weder anführen noch erklären kann, in der Schweiz sagt man kuhni , kueni (Stald. 2, 142), vielleicht der kühne, verwegne?; im Ravensbergischen kramberend (vgl. brem. wb. unter krambeer, krambeker), bramberend (von bram, pfriemkraut, geniste?), hanax u. s. w. mnl. barlebaen , barlibaen (Huyd. op St. 3, 38. Rein. 5184. Fergût 1754. 2372. 3763), ein ziemlich oft wiederkehrender, unverständlicher ausdruck, von dem auch die roman. sprachen keinen bescheid geben, bloß das altengl. barlibak (nach Massinger 1, 80 the name of an evil spirit) gleicht, und barlibreak, barleybreak ist ein spiel, worin die hölle vorgestellt wird (Nares s. v.); mhd. bœser frîmurc Turl. Wh. 136 a ) soll in dem cod. pal. fêmurc lauten, es scheint darin murc (putridus) Wh. 23, 5 und das altn. myrkr, ags. myrce (tenebrosus) zu liegen (s.  830 ); ›ein tiuvel der hiez oggewedel , der ie die êrsten lüge vant‹ (Ms. 2, 250 b ). wedel isl flabellum und kommt in andern teufelsnamen, wie Grünwedel, Straußwedel (s. cap.  XXXIV ) vor, stimmt auch zu flederwisch. ogge scheint aber ocke, ecke, uoke (s.  196 . 197 ), also wäre die ahd. form Uokiwedel flabellum horrendum. Mehrere benennungen sind menschliche eigennamen, die man auf den bösen geist entweder als euphemismen oder in mitleidiger vertraulichkeit anwendet, gerade wie bei hausgeistern (s.  417 ) und irwischen (s.  765 ). so heißt er engl. the old Davy , old Nyck (Nares s. v. Nicholas) obgleich man hier auch an Hnikar (s.  404 ) denken dürfte; dän. gammel Erik (s.  826 ); jenes schweiz. kueni ist vielleicht Kueni (Conrad, wie der poltergeist Kurt hieß, s.  761 ), Benz (bei Keisersb. teufel, Oberl. s. v.) Benno? ein bair. Muchsel könnte aus Nepomuk stammen, wenn man nicht Schmellers deutung heimlicher schleicher (2, 546) vorzieht: schwerlich rührt aber Stepchen aus Stephan? häufig ist Velten (Valentin) für teufel, potz Velten! ich denke mit anspielung auf jenes vâlant (s.  828 ); auch 839 hört man meister Peter , Peterchen Peterle (Ettners unw. doct. 672). henker bedeutet auch teufel. und das gemahnt an benennungen des peinlichen häschers oder schergen, welcher wiederum meister Peter oder Hemmerlin heißt (RA. 883), also dem teufel namen leiht und ableiht, denn der teufel ist hellescherge, peinigt und bindet die seelen und heißt henker , diebhenker . da nun die soldaten ihren profos (lictor militaris) auch stepchen nennen, ließe sich erwägen, ob stepfel nicht aus dem mhd. stempfel (Ms. 2, 2 b ) stammen könne? wobei denn auch wieder das gespenstige wesen der frau Stempe (s.  230 ) in betracht käme. den eigennamen Stempel hat eine urk. von 1177 (bei Seibertz no. 71) Nachtrag: Ags. scocca begegnet auch auf deutschem gebiete: Adalbertus scucco . ann. Saxo (Pertz 8, 690). Seyfriden dem steppekchen . MB. 16, 197 (a. 1392). den teufelsnamen Barlabaen hat auch Walew. 9741. Barlibaen . Limb. 4 , 959. Barnebaen , Barlebos , Barlebaen . v. d. Bergh. 11. 12. 275. 276. borlebuer gebraucht Rose 2804 von einem dorper. das wort frimurc . Turl. Wh. 136 a . cod. pal. fêmurc erinnert an Femurgan s.  685 . Berthold 56 hat die teufelsnamen lasterbalc , schandolf, hagendorn , (s. 888 ) und hagelstein . ein tiuvel genannt lesterlinc . Hagen Ges. Abent. 2, 280. lästerlein und schentel sind teufelsnamen. fastn. sp. 507–509. bedeutet altn. kölski satanas, das noch sehr gewöhnlich in Island ist, senex procax? schwed. hin håle , der teufel. vesterb. snogen , der kahle. Unander 36. vgl. kahlkopf gramm. 2, 374. östgöt. skammen , skrutt , skräll . Kalén 17 b ( anm. 2504 ). In Vorarlberg sind jomer und höller teufelsnamen. Bergmann s. 94, während jammer sonst auch epilepsie, zuckung bedeutet. s.  889 . Euphemismen für den teufel (oben s.  825 ) sind: der › gott sei bei uns ‹, › meister sieh dich für ‹ Ettner unw. doct. 241, et cetera , ital. ceteratojo . den Zigeunern heißt gott devel , der teufel beink . Pott s. 67. der dän. gammel Erik ist norw. gamle Eirik , gamle Sjur . Aasen 124 a . über den namen Hemmer lin anm. 2527 , Martinello s.  889 . Pinkepank in Haupts zeitschr. 6, 485. Schimperschamper , Schimmerschemmer  = teufel. . Solche anknüpfung an vorstellungen von einheimischen geistern und halbgöttlichen wesen war vollkommen natürlich, da die christliche ansicht diese teuflisch, das volk aber den fremden teufel einheimisch zu machen suchte. Fischart kann darum den teufel butze (s.  419 ) nennen: ›ich sei des leibhaften butzen! ‹ Garg. 244 a und altd. bl. 1, 55 heißt es der butze (teufel). Dem altn. volksglauben schwebt sein skratti (s.  396 ) zwischen waldgeist, teufel und riese, und so hat tröll (s.  436 ) diesen allgemeineren dämonischen begrif tröll ôk ôvœttr (fornald. sög. 2, 248); tröll ok eigi mađr (Finnbogas p. 264. 292. 340). . in der verwünschenden formel › tröll hafi þik!‹, › tröll hafi þîna vini!‹ Nial. cap. 38), › tröll hafi þik allan!‹ (Kormakss. 188), › tröll taki hann‹ (Orvaroddssaga cap. 9), ›fara î trölla hendr‹ (Laxd. p. 230) entspricht es ganz unserm teufel, aber auch jenem älteren, mehr heidnischen: eigi þik granrir oder iötnar! (s.  828 ). Sæm. 39 liest man: ›farþû nû þar smyl hafi þic!‹ Nordische zauberinnen sollen den teufel urdar mâni (luna saxeti) nennen (Biörn s. v.), womit ich nichts zu vergleichen weiß. Und wie Loki der Hel verwandt ist (s.  259 ), finden wir auch den teufel in berührung mit dem tod (s.  712 ). ›den tiuvel und den tôt vürhten‹ (Frîd. 67, 9). Die bisherige übersicht manigfalter namen (von welcher gleichwol alle bloß jüdischen wie Beelzebub (s.  834 ), Asmodi, Belial u. s. w. ausgeschlossen bleiben musten) hat schon auf einmischung heidnischer bestandtheile gewiesen, oder eine noch ältere identität oder analogie heidnischer und christlicher begriffe erkennen lassen. ausdrücke wie gram und unhold , vielleicht auch scado , scheinen nur deshalb auf die neu übernommnen teufel angewandt worden zu sein, weil sie bereits den Heiden feindselige geister bezeichneten. alt hatten die riesen schon geheißen, um so eher konnte es der teufel. wolf , rabe , bock gemahnten an die thiere, welche heidnische götter begleiteten oder ihnen zum opfer gebracht wurden. die benennungen hammer und riegel , der nördliche aufenthalt stimmten wenigstens in heidnische vorstellungen. Wir wollen prüfen, ob auch durch den inhalt der sagen und überlieferungen diese ergebnisse bestätigt werden. 840 Alle und jede heidnische götter wandelten sich den neuen Christen nicht bloß in götzen , d. h. falsche, lügenhafte götter (galiugaguþ, wie Ulfilas idola bedächtig ausdrückt), sondern in teufel , d. h. genossen und theilhaber eines feindlichen reichs, dessen herschaft gebrochen war, aber noch im zurückweichen kräfte entwickelte. Wer den alten göttern anhieng, ihnen heimlich opferte, hieß teufelsdiener, idololatrie geradezu diobolgeld (s.  32 ); auferlegte entsagungsformeln führen den teufel und die altverehrten götter in einer ordnung auf ›forsachistn diobole?‹ ›ee forsacho diabole end allum diobolgelde end allêm dioboles wercum end wordum. Thuner ende Wôden ende Saxnôte ende allêm thêm unholdum thê hiro genôtas sint.‹ . in den ags. gesetzen bedeutet deoflum geldan geradezu den alten göttern dienen. Diese den götzen mehr als recht war einräumende vorstellungsweise ließ sich nicht überall vermeiden, so lange der glaube an die wirklichkeit jener götter in den herzen der menschen unvertilgt war; die neue lehre konnte leichter keimen und wurzeln wenn sie die alte als gehässig und sündlich, nicht als absolut nichtig schilderte: die wunder der Christen erscheinen dadurch glaubhafter, daß auch dem althergebrachten heidenthum etwas übernatürliches gelassen wurde. Schon im N. T. hatte diese ansicht einen vorgang, der götze Belzebub des A. T. war in die reihe der teufel eingetreten. Längst gewohnt, Jupiter, Mercur, Mars und Venus als teuflische wesen zu betrachten, wie hätten die bekehrer, als sie unsern vorfahren das christenthum predigten, Donar, Wuotan, Zio, Frouwa und alle übrigen unter andere gesichtspuncte stellen können? Was von zertrümmerung der heidnischen götterbilder erzählt und gedichtet wurde, bestätigt vollkommen, daß man den abgöttern eine gewisse teuflische wirksamkeit beilegte. die gestürzten klagen, als dämone, über die gewalt der eindringlinge (s.  412 ), Peruns bild, das die Nowgoroder durch ihre stadt schleiften und in den strom warfen, brach in wehklage aus über die treulosigkeit seiner alten verehrer. Olaf redet Freys bildseule an (s.  547 ) und mit Thôr hat er einen förmlichen handel zu bestehn (s.  147 ). der h. Georg zwingt Apollos bild zu gehen und zu reden (Geo. 33–35). Mars , ›ein lügelicher got‹, hatte zu Rom des heilandes geburt geweissagt. nachdem sie erfolgte, brach seine bildseule plötzlich zusammen: ›als der tievil dô verdolte den slac von himel sô grôzen, er fuor ze sînen genôzen sâ verstôzen in die helle, dâ ist er gebunden sêre, daz er niemer mêre her ûz mac gereichen‹ (Mar. 191. 193). Darius schreibt dem Alexander: unterliege ich dir, ›so mugen von himele mîne gote zo der helle wesen bote‹ (Alex. 2542), d. h. dann haben sie mein vertrauen betrogen und sind teufel . Solcher züge ist das ganze mittelalter voll. Das 31  cap. hat ausgeführt auf welche weise Wuotan in einen Wuotunc und wütenden jäger entstellt, an der spitze des wilden heers auftretend, zu einem teufel wurde (s.  767 ). der teufel heißt darum 841 hellejager (Mart. 62 d 174 d ). ›er rûschte als der tiuvel in dem rôre ‹ MsH. 3, 187 a ; ›als in der tiuvel jagete ‹ Livl. chr. 96 b . Unsere volkssagen lassen den teufel bald auf schwarzem rosse reiten bald in stattlichem wagen fahren (Mones anz. 8, 184) gleich Wuotan oder Donar. Wuotan erschien als gott und erfinder des spiels , namentlich des würfels (s.  124 . 132 ) und er ist es, der dem spielhansel im märchen den alles gewinnenden würfel verlieh. vielfach wird aber das würfelspiel auf den teufel bezogen, und in den volkssagen schaut der teufel dem spiel zu, zumal dem sonntags unter der predigt erfolgenden, und würfelt mit menschen, die ihre seele aufsetzen z. b. in Tettan uml Temme preuß. sagen s. 197. 199. 200. 212. ; in hexenacten heißt er Schenzerlein Nördlinger hexenprocesse s. 46. (spieler, würfler) von schanzen würfeln. Schm. 3, 374. der teufel lauert auf die spieler. Kenn. 11316 ff. Nachtrag: Der Velnies erscheint als grüner jäger . Schleicher 213, wie in den hexensagen der teufel als grünrock auftritt. KM. no. 101. östgötl. ist Oden der teufel. des teufels heer heißt ein schwarm : des tivelis geswarme . Rol. 120, 14. der tiuvel hât ûzgesant sîn geswarme . das. 204, 6. geswerme . Karl 73 b . des tiefels her . Griesh. 2, 26. Verswinden sam ein kunder, daz der boese geist fuort in dem rôre . Tit. 2408. der teufel fährt in wildes geröhricht . H. Sachs V, 344–346. . Das judenthum kennt nur teufel, keine teufelinnen, alle macht zum guten oder bösen legt es in die hände männlicher wesen (s.  329 ). ich will das noch allgemeiner fassen. Götter sind überhaupt älter, und der strenge monotheismus oder dualismus wissen nur von göttern; göttinnen tauchen erst in der weicheren fülle der vielgötterei auf. auch das deutsche heidenthum hieng an göttinnen und elbinnen. selbst das goth. vaíhts (genius) war weiblich (s.  363 ). göttermütter, glänzende, holde frauen, nornen, valkyrien, waldfrauen, wasserjungfrauen bildeten einen haupttheil des cultus, blos die kobolde und hausgeister sind alle männlich. riesinnen erscheinen oft in gestalt und sitte lieblich, der todtenwelt stand eine göttin vor. Nach dieser ganzen richtung, da alle gegensätze der analogie des positiven folgen, war es schon grunddeutsch, daß Ulfilas δαιμόνιον durch unhulþô übertrug und nicht etwa ein ganz nahe liegendes neutrum bildete. Diese unholde frau vertritt unter den neubekehrten was sich ihre voreltern unter Holda gedacht hatten. Es gereicht zu keiner geringen bestärkung der teuflischen natur Grendels im Beovulf, daß ihm zur seite seine mutter steht, noch riesenhafter aufgefaßt als er selbst, daß sie seinen tod rächen will, und erst durch ihre besiegung die heldenthat vollendet wird: Grendels môdor (2517. 2564. 3076). In unsern kindermärchen ist ein uralter zug, daß in der wohnung des teufels zugleich seine großmutter (mutter oder schwester) sitzt, die sich des einkehrenden helden, mitleidig und schonend, gegen das ungeheuer annimmt (KM. 1, 152. 2, 188, des teufels großmutter , eltermutter ). die Vala wird von Ođinn ›þriggja þursa môđir ‹ gescholten (Sæm. 95 b ). meistentheils langen die menschen an, wenn der teufel ausgegangen ist, sie werden dann von ihr versteckt, und von ihrem sohn, bei der rückkunft, gewittert. So kommen Thôrr und Tŷr in des riesen Hŷmir haus, wo sie die neunhunderthäuptige großmutter (amma) 842 und noch eine andere frau, des riesen liebste treffen, die sie unterm kessel verbirgt (Sæm. 53 a ). Bei dem indischen riesen wohnt seine mildgesinnte schwester (s.  460 ). Jene sagen kannte schon das 13 jh.; in einem gedicht des cod. vindob. 428 no. 154. G. Abent. 2, 175. finden sich die worte: ›der donr slahe uns beide; der tievel brâhte mich zuo dir, und dich sîn muoter her ze mir.‹ im wahtelmære heißt es 108: ›mit des tiuvels muoter wette loufen.‹ ›ist diz der tufel , daz hie vert, oder sîn muoter oder sîn sun? ‹ Herb. 7729; ›geit hier der tufil umme den rinc adir sîn eldirmuoter ‹ altd. bl. 1, 264; ›des teufels muoter ‹ Gl. Hätzl. 219, 16; auch in Margareta von Limburg greift des teufels mutter ein (Mones anz. 4, 166). Man sieht, sie wird bald als das allerschlimmste, den sohn noch überbietend, bald als sanfterer gemütsart dargestellt. ›ein witwer eine witwe nam, der teufel zu seiner mutter kam‹ (es wurde noch schlimmer) sagt Burc. Waldis 138 a . ›kam nicht der Mansfelder, der teufel mit seiner mutter ‹ (omnia mala simul) Berl. kal. 1844 s. 298; ›des henkers großmutter ein bein abschwören‹ (Simplic. 2, 254); ›der teufel und seine großmutter ‹ (das. 2, 292); ›ich fürchte mich nicht, und wenn es der teufel und seine mutter wäre‹ vgl. Felner flores philol. cap. 7. p. 103. man gab kanonen den namen teufel und teufels großmutter (Rommel 4, 180). Huck vor die hölle  = teufelsmutter (Stender lett. wb. 2. 337 a ). . Auch wieder eine naturerscheinung wird hier volksmäßig gedeutet, was immer uralte mythen verräth. von schnell wechselndem regen und sonnenschein sagt man sprichwörtlich: der teufel bleicht seine großmutter (›de düvel bleket sin möm‹); in der Schweiz ›der teufel schlägt seine mutter ‹ Tobler 249 a (auch: die Heiden haben hochzeit, es ist ein heidnisches fest), von einem bräunlicher gesichtsfarbe: der ist dem teufel aus der bleiche gelaufen (›he is dem düvel ût der bleke lopen‹); donnerts, und die sonne scheint dazu: der teufel schlägt seine mutter , daß sie öl gibt Praetorii Blocksbergsverr. 2, 113. brem. wb. 1, 97. . nnl. de duivel slaat zyn wyf , und ›tis kermis in de hel‹ (nundinae sunt in inferno). französisch: le diable bat sa femme , wenns im sonnenschein regnet (Tuet proverbes no. 401). Hierzu muß die erklärung des knisternden feuers (s.  201 ) und des erdbebens (s.  681 ) gehalten werden. Das letzte beispiel nennt statt der mutter die frau , wie in Hŷmis qviđa des iötuns frilla erscheint. Hagne sagt von Brunhild, die ihm unheimlich vorkam: ›jâ sol si in der helle sîn des übelen tiuvels brût ‹, Nib. 426, 4. ein Grieche, der den riesen Asprian feuer aus steinen reiben sieht, ruft aus: ›hier veret des tuvelis brût ‹ Roth. 1054, wie eines andern riesen des Windes braut einher fährt (s.  525 ). Percuna tete (oben s.  144 ) wäscht ihren sohn (den donnergott) im bade: das ist die bairische anel mit der laugen (s.  533 ). in Östreich wird von des teufels franel (= ver anel) bei Ziska s. 14–16 erzählt, vor langer weile sei sie aus der hölle in das Oberland (ob der Ens) gekommen und habe sich von ihrem 843 sohn unweit der Donau ein schloß bauen lassen, in der meinung, das volk werde sie auch wie die jungfrau Maria verehren; als aber niemand ihrer begehrte sondern die leute ihrer spotteten, sei sie erzürnt und habe einen mächtigen felsen mit einem theil ihres schlosses in die Donau geworfen, dahin wo es jetzt der wirbel und der strudel heißt, und die trümmer ihres hauses nennt man den teufelsthurm , vgl. oben s.  492 über strudel. Ich glaube nicht, daß man das heidnische alter aller dieser vorstellungen bezweifeln könne Mone anz. 8, 450 deutet die teufelsmutter aus Demeter, die in den eleusinischen geheimnissen zur mutter des Dionysos gemacht wird. Nachtrag: De olle riesenmoder . Müllenhoff s. 444, die alte großmutter des riesen . das. s. 450, Brûsi und seine noch schlimmere mutter . fornm. sög. 3, 214 erinnern an des teufels mutter oder großmutter. des übeln teufels muoter . Wolfd. und Saben 487. u brachte hier ter stede die duvel ende sîn moeder mede. Karel 2, 4536. frau Fuik gilt für des teufels großmutter . Haupts zeitschr. 5, 373. der teufel hätte den längst nehmen sollen, aber es heißt, er wolle warten, bis er einen gspanen fände, seine großmutter mangle zwei neue kutschenrosse . Gotthelf Schweizersagen 4, 51. der tüfel macht wedele drus und heizt der großmutter den ofe dermit. Gotthelf erz. 1, 226. de düvel und ock sîn môder . Soester Daniel 8. 11. bist du der teufel, so bin ich seine mutter . Praet. weltb. 2, 64. wer bist du, der teufel oder seine mutter? Simplic. 1, 592. vgl. ist er der tufel oder sîn wîp? Dietr. drachenk. 159 a . des tiuvels muoter und sîn wîb . Hätzl. 219 a . diu ist des tiuvels wîp . Nib. 417, 4. des übelen tiuvels brût . das. 426, 4. Mai 172, 10. teufelsmutter wie todesmutter s.  701 . er kam vom henker zu seiner mutter . pol. colica s. 13. Zu den angeführten sprichwörtern vom schnell wechselnden regen und sonnenschein ist das nordfriesische zu erwähnen: wenns regnet und die sonne scheint, werden die hexen am ende der welt begraben. Es gibt viele teufel: steht in tausend teufel namen auf! sauf in tausent teufel namen. wb. 1, 230. . Einzelne opfer, göttern oder geistern bestimmt, ließen sich unter dem volke lange zeit hindurch nicht ausrotten, weil sie mit gebräuchen und festen zusammenhiengen, zuletzt ganz unverstandne, schuldlose sitte werden konnten. wir haben gesehen, wie dem Wuotan oder der frau Gaue ein büschel ähren auf dem felde stehen blieb, dem Tod oder wilden jäger ein scheffel haber dargebracht wurde. das hätte schon in der ältesten zeit die geistlichkeit › deoflum geldan ‹ (leges Vihtrædi 13) genannt. brennende kerzen bei heiligen wassern (s.  484 ) sahen gewis noch die nächsten jahrhunderte nach der bekehrung. lämmer und böcklein , meist schwarze , wurden in Norwegen dem wassergeist geopfert (s.  408 ); auch bei den Letten und Litthauern galten in neuerer zeit solche opfer. strudel und ströme begehrten böcke und pferde (s.  492 ), Hecate schwarze lämmer . Nach einer hessischen volkssage hütete der teufel einen schatz und gestattete niemanden ihn zu heben, außer wer ihm einen schwarzen, genau ein jahr und einen tag alten geißbock darbrächte. das kehrt bei schatzhebungen fast immer wieder und muß der phantasie des volks tief eingeprägt gewesen sein. die schon s.  816 gegebnen beispiele mehre ich hier mit noch einem aus Niedersachsen. Wer sich zur fastnachtszeit im wald unter eine egge setzt, der kann alles mit ansehen, alle thiere, die durch das holz ziehen, den könig auf dem wagen, welchem füchse voran gehn, und alles was sich in dieser nacht sehn läßt. das wuste ein schäfer und wollte es versuchen, er gieng in den wald unter die egge sitzen und schaute durch die löcher; als nun der spuk vorüber war, wollte er unter der egge wieder hervorkriechen, allein er saß fest, und der teufel stand neben ihm und wies die zähne. ›hast du kein schwarzes schaf , das ganz kohlschwarz ist?‹, sagte er, ›das gib mir, dann kommst du los.‹ Der schäfer blieb liegen bis es tagte, da giengen leute durch den wald und wollten ihn los machen, aber sie vermochten nicht, da ließ er sich sein schwarzes schaf bringen, das nahm der teufel, gieng damit in die luft auf, und der schäfer wurde los (mündlich). Auch schwarze hühner wurden dargebracht (Dieffenbach Wetterau 279); es darf aber keine weiße feder daran sein (Bechstein 4, 207). Bergmännlein lassen sich herauf beschwören, wenn man ihnen einen neuen 844 tisch setzt, zwei milchschüsseln, zwei honigschüsseln, zwei teller und neun messer darauf stellt und eine schwarze henne schlachtet (DS. no. 38). Guibertus (in vita 1, 24) gedenkt eines in Frankreich üblich gebliebnen hahnopfers: diabolo gallo litare (mit einem hahn opfern), ita ut ovum, de quo concretus est, die Jovis, mense martio, in gallina constet expositum; der gebratne hahn wird zum weiher (wieder also dem flußgeist) hingetragen. Bei H. Sachs III. 3, 13 c will einer zwei alte weiber mit einer bärenhaut zudecken , mit grünen rauten bestecken , und dem teufel zum neuen jahr schenken. bei Burcard Waldis 150 a heißt es: ›die seel mit meien besteckt dem teufel senden‹ das müssen sehr volksmäßige redensarten sein. in Christ. Weises drei erznarren, Lp. 1704 s. 426: ›wenn die frau mein wäre, ich ließe sie vergülden und mit rosmarin bestecken und gäbe ihr eine pomeranze ins maul und verkaufte sie dem henker vor ein spanferkel‹. in dessen klügsten leuten, Augsb. 1710 s. 124: ›ja man sollte ihn mit rosmarin bestecken , die nase vergülden und ihm einen Borstorfer apfel zwischen die zähne drücken , so könte man den teufel drauf zu gaste bitten‹. auf solche weise pflegte die altväterische kochkunst ihre braten auszuzieren. . ›dem teufel ein licht anstecken ‹ (Schweinichen 2, 54) erhielt sich als sprichwörtliche redensart bis heute. Den höchsten göttern des heidenthums dargebrachte trankopfer musten nach der bekehrung teuflisch erscheinen. s.  45 wurde der kufe gedacht, aus der unsere vorfahren Wuotans minne tranken, vielleicht wird unter Saturni dolium (s.  105 . 205 ) kein bad, sondern ein trinkgefäß gemeint. der anmerkung werth scheint, daß in einer ags. predigt die worte aus 1 Cor. 10, 20 non potestis calicem domini bibere et calicem daemoniorum, welche Ulfilas ganz wörtlich gibt (ni maguþ stikl fráujins drigkan jah stikl skôhslê), ausgedrückt werden: ›ne mage ge samod drincan ures drihtnes calic and thäs deofles cuppan ‹, cuppe also die technische benennung des heidnischen geräthes darbietet. Man sagt noch heute, wer etwas im glas stehn lasse, bringe dem teufel ein opfer (Garg. 43 b ). Aber auch die vorstellung eines teuflischen und höllischen bades darf festgehalten werden, wie wir vorhin sahen. ›ze helle baden‹ welsch. gast 105 a . ›in des teufels badstube kommen‹ (Sastrows leben 1, 11) bezeichnet die größte noth. von der volkssage werden oft teufelsbäder genannt Nachtrag: Der teufel fordert schaf und haushahn . Caesar. heist. 5, 2, einen schwarzen bock . Müllenhoff s. 41, einen schwarzen hahn und kater das. s. 201, einen schwarzen und weißen ziegenbock das. s. 203. mit der angeführten seltsamen wendung des H. Sachs III 3, 13 c stimmt überein: einen solchen ketzer mit buxbaum bestecken und dem Plutoni zum neuen jahr schenken. Simpl. 3, 5. s. 287. ähnlich werden eberhäupter, bärenhäupter noch heute verziert, und auch die Asiaten stecken dem bärenhaupt früchte ins maul. Der teufel wird noch sein dein bader . froschm. J 2 a . ( anm. 625 ). . Wie jene stelle aus Wernhers Maria (s.  840 ) den teufel in der hölle gefesselt nennt, so scheint es überhaupt der ansicht des MA. gemäß, sich ihn in banden liegend bis zum anbruch des jüngsten tags zu denken; dann wird er aber ledig und in gesellschaft des antichrists auftreten. seine erledigung aus den banden bezeichnet also zugleich die zeit allgemeiner verwirrung und des weltuntergangs. Nach einer volksüberlieferung liegt der böse unter dem tisch, an dem zwei jungfrauen (offenbar nornen) spinnen, festgebunden (deutsche sag. no. 9). in andern erzählungen wird über ihn eine schlinge von bast geworfen, die er gleich dem gefesselten wolf nicht zu zerreißen vermag, und dann wird er 845 auf dem amboß mit dem hammer geschlagen, weshalb er hinkend bleibt (mährische sagen, Brünn 1817. s. 69. 72. 123); bekannt ist das märchen von dem schmid, der ihn durch das schlüsselloch in einen sack kriechen läßt und zerhämmert . ich halte diese vorstellungen für heidnisch und eddisch (s.  202 . 203 ); wie Prometheus gefesselt ist, liegt Ahriman tausend jahre in ketten und Loki gebunden; nicht bloß in Deutschland, auch in Scandinavien, hat sich die ausdrucksweise: › der teufel ist los ‹, nnl. ›de duivel is los‹, durch lange jahrhunderte im munde des volks fortgepflanzt schwed. ›nu är fan lös‹. Hallmans skrifter. Stokh. 1820 p. 224. . man muß dazu das los werden des feuers (s.  203 . 501 ) und das entmannen des teufels durch feuerreibung (s.  504 ) halten. Welchen grund eine andere redensart. hat: › der teufel sei todt , nun könne jeder ungehindert ins himmelreich kommen‹ (Meinerts kuhländchen 215), weiß ich nicht recht; kaum gemeint ist die besiegung des teufels im christlichen sinn. schon in dem mære von der wîbe list 368 findet sich die betheuerung ›durch des tiuvels tôt ‹. vergleichen möchte ich etwa den s.  375 angeführten ausruf: der könig ist todt!, nemlich der zwerge oder elbe oft ist es auch sonst schwer oder unthunlich den ursprung einer beziehung zu ergründen, welche der teufel zu abergläubischen meinungen und redensarten hat. Man sagt: wenn ein wurf aus der hand ist, gehört er dem teufel (kann ihn dieser an gefährliche stelle leiten). wer hinter sich lauft, lauft in des teufels arme, macht dem teufel das bett (abgl. 604. 659). müssigang ist des tenfels ruhebank , nnl. luiheid is duivels oorkussen . nimmt man nicht den pflug von der schleife, so ruht der teufel darunter (abergl. 819 ). sucht man etwas vergeblich, so hält der teufel die hand oder den schwanz darüber (abergl. 256 ). des teufels pflug und polster werden schon Renn. 15597. 15938 genannt. ›rîchtuom ist des tivels wetzestein ‹ welsch. gast 125 b ; des ›tiuvels dorn ‹ Renn. 1748. was bedeutet ›des tiuvels zîte lîden‹. Walth. 107, 28? seine festtage? zîte, ahd. zîtî, altn. tîđir, festa. . Renn. 17982 heißt es: ›wæren die teufel tôt , münche und pfaffen kæmen in nôt‹ Nachtrag: Dem Ugarthilocus wird ein stinkendes haar ausgerissen, dem schlafenden teufel oder riesen sieben haare , wie dem Simson bei Luther b. d. richt. 16, 19 siben löcke . Renner 6927. Diu helle ist ûf getân, der tinfel der ist ûzgelân . Dietr. drachenk. 211 b . 121 a . 143 b . Lucifer waere ûz gelân . Tirol in Haupts zeitschr. 1, 20. es ist als wenn der teufel sich aus seinen ketten losgerissen hette. El. v. Orleans s. 270. le diable est déchaîné . Voltaire Fréd. l. gr. 23, 118. Mit der redensart: der teufel ist todt vgl. Ulli er dauđr s. 375. andere wendungen sind: des tiuvels luoder esca diaboli. MSH. 3, 227 b . daß der teufel dem das licht halten solle, der ihm dergleichen zutraue. Nürnberger 254. vom teufel und köler erzählt fastn. sp. 896, 12. sah wie ein feld voll teufel aus. 10 ehen 177. den tuvel wir an uns râchen . En. 1147. die gauner gehn in ungerader zahl aus, damit der teufel ihrer keinen holen könne. Phil. v. Sittew. 2, 686–90. c'est l'histoire du diable , eine teufelsgeschichte . es gab eine geschichte vom henker . Gotthelf Uli 148. . Wuotan, als kriegliebendem gotte, wurde stiften und säen von zwist und feindschaft beigemessen (s.  120 ). auch Ahriman sät zwietracht und der Tod sät seinen samen (s.  708 ), die Werre (Discordia) den ihrigen (s.  226 ). soll das aus dem säen des teuflischen unkrauts (Matth. 13, 39) geleitet oder größere allgemeinheit der vorstellung zugestanden werden? sathanas seminavit semen suum. Böhmers fontes 1, 47; den sâmen kan der tiuvel geben. Freid. 67, 25; des tiefels sâme . Walth. 31, 34; der tievel hât gesæt den sînen sâmen in diu lant. Ms. 2, 111 a ; warp de duvel sin sat darin. Detmar 2, 217. Merkwürdig steht Beov. 348 ff. vom teufel gâstbona (seelentödter) und bona 3485 tödter, mit feurigem bogen schießend; wie er noch nhd. ›der mörder von anfang‹ (sieben ehen s. 394) ›der grausame seelenhenker ‹ (bei Erasm. Francisci) heißt; vgl. das serb. stari krvnik (oben s.  18 ). Gleich dem Tod wird ihm band , strick , zaum und ros zugeschrieben: diufeles gibenti O. I. 10, 22; mit des 846 tievels bande geseilet Karl 33 a ; der tievel hât mich gestricket . Karl 17 a ; in des tivels zoumheften sitzen. tod. gehugde 782; an des tiuvels siln . Renn. 21232; zeumt und satelt des teufels pferd . Renn. 14429; tiuvels seil . MsH. 3, 218 a . Soll der eindruck einer grausenhaften sache gesteigert werden, so sagen wir noch heute: selbst der teufel würde davor zurückbeben, der an schauer gewohnt ist. Schon im 12 jh. (Diut. 3, 59) von ungeheuern mit gleißenden zähnen: ›swenne si si lâzent plecchen, sô mahten sie ioch den tiufel screcchen ‹. MsH. 3, 293 a : ›sô luog ich hervür, ich möht den tiuvel ûz der helle erschrecken , swenne ich den mînen kolben ûf enbür‹ Nachtrag: Des teufels samen kommt auch in Dietr. drachenk. 281 b und Boners epilog 51 vor. hînet rîteret (siebt) dich satanas alsam weize . Diemer 255, 10. fundgr. 1, 170. Wie vil der tubil ûf uns dont (tendiculas ponit). Haupts zeitschr. 5, 450. die παγίς der heiligen schrift heißt goth. hlamma . 1 Tim. 3, 7. 6, 9. altn. hlömm fustis, auch goth. vruggô . 2 Tim. 2, 26. des tivels netze . Mone anz. 1839, 58. des tiefels halze . Griesh. 2, 93. des tiuvels swert . Ls. 3, 264 (oben s.  835 ). daz vindet der tiuvil an sîner videln . Renn. 22629. . Wenn plötzlich das widrige gebracht wird oder geholt werden soll, nennt unser volk, in ausruf oder verwünschung, dabei den teufel oder andere ihn vertretende zauberhafte wesen. ›hat dich der teufel aber herzu tragen?‹ (Platers leben s. 77). ›wo führt ihn der teufel her?‹ ›hât dich der tiuvel har getragen!‹ (Meyer u. Mooyer 48 a ) ›hât dich der tiuvel alsô balde getragen har?‹ (das. 27 b ) ›der tiuvel hât in dar getragen‹ (Reinh. 1544) ›der tiuvel brâht in hiure her‹ (gute frau 783). mnl. ›galghenere, die lede duvel bracht u here‹ Ferg. 4735; ›die lede duvel droech u hier.‹ Ferg. 520. ›deable li ont amené‹ (Renart 5051. 8171) ›dise hât der tiuvel gesendet in mîn lant‹ (Bit. 10 b ) ›der tievel sande mich an die stat.‹ Reinh. 311, 551; ›sus kam er her gerüeret als den der tiuvel füeret.‹ Trist. 6855. ›quis te maleficus hic adduxit?‹ (vita Johannis gorziensis, vor 984, in Mabillon ann. bened. sec. 5 p. 401). ›führt ihn der ritt (pestis) jetzt her?‹ (H. Sachs IV. 3, 5 b ) gleichbedeutig dem westfälischen ›wo vörd di de süke her?‹ da man die krankheiten für dämonische wesen ansah. was heißt aber in Schmids schwäb. wb. 544: ›führt dich der zauch schon wieder her?‹ ich denke, der höllische hund (ahd. zôha, hündin). westfälisch: ›fört juw de kiwitt nu weer her!‹ statt des gewöhnlichen der kukuk , geier , die gleich dem kibitz zaubervögel sind. ›hat mich der guckguck hergebracht‹ (Grobianus 97 a ). Nicht anders wechseln die flüche: ›daz dich der tiuvel hin füere!‹ (Sifrit 74, 2) ›var du dem tiuvel in die hant!‹ (Reinh. 952) ›le diable t'emporte!‹ ›fahr hin zum teufel! ‹ ›daß euch der geier! ‹ (Gryphius 746) ›hol ihn der kukuk und sein küster! ‹ dän. ›var satan i vold!‹ ›die leide ride (mala pestis) müeze in vellen!‹ (Karlmeinel, Meusebach 162). Hiernach beurtheilen sich auch die redensarten: ›da möchte man des teufels werden!‹, ›ich will des teufels sein!‹, d. h. ihm als eigen zufallen, wo sich wiederum kukuk , geier und die andern substituieren lassen. ein teufelskerl , teufelskind , des tuvelis kint Rol. 2, 31 heißen von ihm in besitz genommene, merkwürdig läßt Lamprecht den Porus ausrufen 4452 dirre tubilis Alexander stellet michel ›wunder‹, dieser held ist kühn wie der teufel. Die anführung dieser formeln wird nicht überflüssig scheinen, wenn man gewahren will, daß sie auf den teufel hauptsächlich passen, insofern er aus heidnischen götterbegriffen hervorgeht. da 847 man ebenwol sagen hört: ›was für ein wetter führt dich her!‹ ›welches ungewitter (oder donnerwetter ) hat dich hergebracht?‹ ›wo schlägt dich der hagel her?‹ ›schlägt dich der hagel auch her?‹ Simpl. 5, 2. ›ich will des wetters sein!‹ ›ich bin des donners! ‹ ›ik sen donners!‹ Hansens geizhals p. 120. in preuß. Natangen tritt. Pikullis (s.  672 kaum verwandt mit Picken s.  146 ?) an die stelle: ›hat mich heute der Pakulls gedragen?‹ Firmenich völkerst. 1, 108. , ja sogar: ›wo führt dich denn unser herr gott wieder her?‹; was ist einleuchtender, als daß solche phrasen eigentlich den heidnischen Donar , den herrn des wetters meinen, folglich er unter dem später an seine stelle gesetzten teufel zu verstehn ist? man darf sich auch einen sturm und wetter machenden riesen , einen Bläster, Väder oder Fasolt (s.  454 . 524 ) darunter denken. sind die donnerkeile doch auch teufelsfinger (s.  149 ). Hier wäre noch anderes geltend zu machen. Donar ist rothbärtig und das sprichwort lautet: rother bart teufelsart (rode baert duivels aert). wir pflegen gutmütig zu bedauern mit den worten: ›der arme teufel ‹, noch im 17 jh. hieß es gerade so: ›der arme donner ‹. (Weises drei erznarren s. 14. 335). donnerskind steht gleichbedeutig mit teufelskind (ebenda s. 285. 425). der verfasser des Simplicissimus setzt s. 480 ›das teuffelsgeld ‹, s. 481 ›das donnersgeld ‹ im sinn unsers heutigen: das verteufelte. Dem fluch ›zum teufel! ‹ stellt sich noch heute ganz gleich der ›zum donner! ‹ unser ›fahr zum teufel! ‹ entspricht der wirkung des altn. far til Ođins! Ođinn eigi þic! oder jenem: þik hafi gramir , iötnar! (s.  828 ), jenem: daß dich der Hamer! Hamer sla! (s.  151 ). Neben dem segen › gott walts!‹ ist im munde des volks der fluch: ›des walte der teufel! der donner! ‹ Man vergesse nicht, daß in ausrufen und flüchen aller völker alte götternamen sich verhärten und festsetzen vgl. oben s. 654 und gramm. 3, 297. Nachtrag: Wie Wuotan und der engel durch die luft trägt, so auch gott, aber viel häufiger der teufel (s.  859 ). sît dich got hât her getragen. Hätzl. 167, 43. der arge vâlant truoc in dar. Laur. 822. noch waen daz si der tiuvel vuorte. Livl. 1425. der tiuvel hât in her brâht. Greg. 1162. der tiuvel hât mir zuo gebrâht. Helbl. 1, 641. iuch brâhte her der tievel ûz der helle. Haupts zeitschr. 1, 400. die duvel brochte hu hier so na. Rose 12887. nu over ins duvels geleide. Karel 2, 4447. in trage dan wider der tüfel . Diocl. 5566. 5589. welke duvel bracht u dare? Lanc. 1528. brochte jou die duvel hier? Walew. 5202. vgl. waz wunders hât dich her getragen. Wigal. 5803. welch tivel het dich hiute hin? Hahns Stricker 14. nhd. wo hat dich der teufel? d. h. wo steckst du? wo hat dich der henker? fr. Simpl. 1, 57. ähnlich sagten die Griechen: τὸν δ'ἄρα τέως μὲν ἀπήγαγεν οἴκαδε δαίμων . Od. 16, 370. τίς δαίμων δόδε μῆμα προσήγαγε ; Od. 17, 446. ἀλλά σε δαίμων δοίκαδ' ὑπεξαγάγοι . das. 18, 147. Zu den flüchen sind noch hinzuzufügen: der tiuvel neme! Herb. 6178. nhd. der teufel hole! daz si der tievel alle erslâ! archipoeta s. 233. nhd. ›der teufel!‹ ›zum teufel!‹ vgl. woher zum teufel? Eulensp. cap. 78. louf zu dem teufel , wa du wilt. das. 89. an das sprichwort: › rother bart teufelsart‹ gemahnt die wendung: dieser fuchs , der auch euer hammer ist. Raumer Hohenst. 2, 114 aus Hahn mon. 1, 122. Der teufel lacht , wenn er böses thun sieht, daher: des mac der tiuvel lachen . Helbl. 4, 447 ( anm. 823 ). den teufel macht man lachen durch lügen. Garg. 192 a . . Der teufel hängt aber, wie mit den heidnischen gottheiten, auch mit den dämonen und geistern zusammen, und vieles von dem, was im XVII  cap. erörtert worden ist, läßt sich auf ihn anwenden. er heißt darum der wicht , der bösewicht , der hellewicht (s.  364 ) in der härtesten bedeutung, er kann unter dem alp , dessen zauber die menschen berückt, verstanden werden. gleich elben hat er die gabe zu erscheinen, zu verschwinden und sich zu verwandeln, nur daß die mehr neckische schadenfreude dieser geister dem teufel immer als bitterer ernst angerechnet wird. Wie von dem alp heißt es von dem teufel oder vâlant, daß er die menschen reite (s.  384 ); in einem gedicht Heinrichs von Müglein (mus. 2, 196) verhängt es ihm gott, ein böses weib ›über berg und tal‹ zu reiten . Es ist eine merkwürdige erscheinung, daß in unserer sprache durch die begriffe wind, wicht, ding, ebenso aber durch die begriffe teufel und vâlant verstärkung der negation ausgedrückt wird (gramm. 3, 734. 736) ›ich bringe in den tiuvel ‹ Nib. 1682, 1 heißt: ich bringe euch nicht das geringste, wie wir heute sagen: den teufel hast du gethan, d. i. nichts von allem. Aber auch der bloße, unbestimmte, pronominalausdruck wird durch beifügung von teufel gesteigert: › welcher teufel? ‹ für wer? (Phil. v. Sittew. 1, 30); ›besehen, welehen tiuvel sie mit im wellen ane vâhen‹. Morolt 2650. ›zuo welchem tiuvel bin ich geschart?‹ Bit. 7766; ›von welchem tiuvel si sint komen?‹ Dietr. 81 b › welchen tiuvel hæte ein wîp an dir ersehen?‹ Hartm. erst. büchl. 818 = wen nur irgend. Verwundernde ausrufe: was teufel! was beim teufel! dän. hvad. fanden (verstärkt: hvad i fandens skind og been!) ›je so saufe du und der teufel! ‹ (Schlampampe p. 17) sind noch jetzt unter dem volk üblich, der sinn ist: du und wer es sonst sein mag, die verbindung bildet aber auch einen gegensatz zu der s.  13 . 14 erörterten: gott und ich , gote und mir. daz weiz er und der tiuvel wol. Helbl. 7, 125. merkwürdig Renn. 1745: ›dem tiuvel von êrst und darnâch gote ‹. Nachtrag: Der teufel berückt wie ein alp . so gesellt sich nach einer sage des 11. jh. zum histrio Vollarc der teufel als Nîthart , lädet jenen und seine gesellen zu sich ein, bewirtet und entläßt sie beschenkt, doch die gaben sind am andern morgen spinnweppe. Haupts zeitschr. 7, 523. Verstärkung der negation durch den begriff teufel kommt in folgenden wendungen vor: den teufel nichts deugen. Elis. v. Orleans 447. der den tüfel nützschit (? nihtes) kan. Ls. 2, 311. vgl. anm. 358 : hvađa Ođins lâtum? nhd. den teufel weißt du = nichts. teufels wenig . Phil. von Sittew. soldatenl. s. 191. nhd. verteufelt wenig. heißt bei Lessing 2, 479: ›das hat den teufel gesehen‹ soviel wie ›niemand gesehen‹ oder: das ist zum erschrecken? welcher teufel? für wer? Berth. ed. Göbel 2, 11. zu dem angeführten ›je so saufe du und der teufel! ‹ vgl. heft hu de duvel dronken ghemakt? Rose 13166. Der merkwürdigen redensart bei Renn. ›den tiuvel von êrst und darnâch gote ‹ stellt sich die im Iw. 4635 zur seite: in beschirmet der tiuvel noch got . . Da man nun auch das 848 wort tropf (das. 730) in gleichem sinn brauchte, so erklärt sich: wie die ausdrücke: ein armer tropf , ein armer wicht , ein armer teufel synonym wurden. Den geistern und teufel wird entweder schnelligkeit des windes, des im sturm fahrenden wilden heers beigelegt oder der wind selbst als geist und teufel gedacht (s.  835 ); daher sind wiederum gleichbedeutige redensarten: ›sam sie der tievel vuorte‹ Rab. 749. Dietr. 8854 und: ›als ob sie der wind dahin führte‹, ›sie ist wie der zauch (s.  846 ) an mir vorbei gefahren‹ (Schmids schwäb. wb. 544). Jener krankhafte, blödsinnige zustand der menschen, von denen es heißt, die elbe haben es ihnen angethan (s.  381 ), ist unverkennbar analog dem besessenwerden von teufeln. Die verschiedenheit beruht darin, daß nach heidnischer ansicht einwirkung der geister blos von außenher statt fand, nach jüdischer, morgenländischer und christlicher aber die teufel in den leib des menschen einkehrten und, wenn der zauberhafte zustand aufhören sollte, förmlich ausgetrieben werden musten. es trat wirkliche incarnation (s.  281 ) ein, und wir reden von eingefleischten teufeln. Saul ist vom bösen geiste besessen. In Nalas, als er sich verunreinigt hatte, gieng der dämon Kalis ein, entwich aber endlich wieder und trat in einen baum über (Bopps Nalas s. 234. 267. 196. 198). Schon unser frühes mittelalter liefert beispiele: so war Carl, könig Ludwigs sohn, teufelbesessen (Pertz 1, 495) vita s. Godehardi († 1038): in civitate Ratisbona quodam tempore sanctus Godehardus morabatur, pro negotio forsan sui monasterii; ubi quaedam obsessa a daemonio ad eum ducebatur, ut sanaretur ab eo. Quam vir dei inspiciens ait: ›responde mihi immunde spiritus ad ea quae a te quaero. quid hic agis in creatura dei?‹ at daemon ait: ›pleno jure est anima ipsius mea, quod incantatrix est et per eam multas animas lucratus sum‹. et ait vir sanctus: ›quare propter incantationem tua est?‹ et daemon ait: ›nonne legisti quia dominus pithones , divinos et incantatores jussit exterminari. quid enim tales faciunt, nisi quod mihi meisque principibus deserviunt? idololatrae enim sunt, vix enim aliquos tanto jure possidere possumus, quanto hujusmodi vitiis irretitos, numquid ignoras quod inter mille incantatrices aut divinos vix una invenitur, quae vel qui velit hoc vitium confiteri? sic enim ora ipsorum claudimus, ut de talibus loqui nihil valeant quovis modo‹. der bischof vertreibt den daemon: et sic spiritus ille malignus abscessit, et mulier ut mortua cecidit. sed vir sanctus subito eam erexit, erecta vero publice vitium incantationis , quod dudum multoties perfecerat , cum lacrymis est confessa, quam et vir sanctus solvit. . Heidnisch ist es, daß 849 elbe den menschen kinder stehlen und ihre wechselbälge an deren stelle tragen (s.  387 ), unheidnisch aber, daß der teufel in dem wechselbalg steckt (Zeno 58 ff.). Diese teufelbesessenen gleichen wiederum den wohnungen und häusern, in welchen sich poltergeister festgesetzt haben (s.  425 . 743 ) wüstes schloß vom teufel besessen. dialogi Gregorii magni 3, 4. gleich quälgeistern wirft der teufel steine , vgl. Greg. turon. vitae patr. 1. vita Heimeradi cap. 21. . Als frühes beispiel hiervon mag Grendel aus dem Beovulf angeführt werden, der die königshalle durch seine nächtlichen besuche stört. teufelbesessen (arreptitius, daemoniacus), der den teufel im leibe hat, drückte die ahd. sprache aus durch firnoman (eingenommen) O. III. 14. 107; mhd. ›vil gar vernomen ich dô lac‹, ohnmächtig, bewustlos. fragm. 46 b ; ›ther diufal ist iru inne ‹ O. III. 10, 12; ›gramon in giwitun ‹ (s.  827 ); altfranz. ›maus esperis li est el cors entrés ‹. Garin p. 280. tiuvolwinnîc , tiuvolwinnanti (gl. mons. 337. 391. Doc. 239), wol auch durch tiuvolsioh , ags. deofolseoc . O. III. 14, 63 ›thie mit diufele wunnun ‹, die mit dem teufel zu schaffen, zu kämpfen hatten, von ihm besessen waren. H. Sachs. braucht in solchem sinn ›wütig und winnig ‹ 1, 481 b IV. 3, 16 a . Im 13 jh. war die vorstellung gäng und gäbe: › besaz sie der vâlant.‹ Uolrich 1510; ›nu var hin, daz hiute der tievel ûz dir kal! ‹ Ben. 440; ›der tiuvel var im in den munt! ‹ Reinh. 1642; ›var du dem tievel in die hant! ‹ Reinh. 852; ›der tiuvel var dir in den balc! ‹ Morolf 1210; ›deri tufil muez im durch das herze varn!‹ grundr. 314; ›tûsent tiuvel ûz dir bellen! ‹ MsH. 3, 259 b . Noch heute sagt man: ›ein böser geist hat aus ihm gesprochen.‹ ›ich wæn der tiuvel ûz beiden lüge.‹ Reinh. 309, 520 Nachtrag: Die jüdische ansicht vom besessenwerden erhellt aus Matth. 12, 42–45, andere biblische stellen und ein ägyptisches bruchstück von einer besessenen stehen in Mannhardts zeitschr. 4, 256–59. teufelbesessen heißt goth. anahabaidans fram ahmam unhrainjaim. Luc. 6, 18. ein beheft man, daemoniacus. Uolrich 1348. behaft . Diemer 324, 25. Servat. 2284. ob dû beheftet bist. MS. 2, 5 a . beheftete lute . myst. 1, 135. 147. ein behefter mensch. Renn. 15664. 15685. 5906. sint mit dem tievel haft . MS. 2, 82 b mit dem übelen geiste behaft . warn. 350. der tievel ist in dir gehaft . Ecke 123. tiufelhafte diet. Barl. 401, 25. nhd. mit dem teufel behaftet oder besessen. mit dem tiuvel wart er besezzen . Kaiserchr. 13169. der tivel hât in besezzen . warn. 344. obsessus a daemone. Böhmer font. 2, 323. tiuvelwinnic . Servat. 783. tiuvelsühtic . das. 1079. gevangen mit dem tiuvel. fragm. 36 a . des boten ich zuos wirtes maget mit worten hân gebunden . MS. 2, 11 a . die den viant hebben in . Maeii. 3, 234. das mädel muß den teufel haben . Lessing 1, 246. altn. þû hefir diofulinn î þinni hendi : Vilk. s. 511 d. h. er sitzt in deiner hand und macht sie stark. daz iuwer der tiuvel müeze pflegen! Herb. 2262. der tiuvel müeze ir walden! das. 9747. daz iuwer der tiuvel walde! das. 14923. 18331. der tiuvel müeze walden iuwer untriuwe! das. 16981. var in einen rostûschaer! Helbl. 7, 744. vart in ein gerihte, sliefet in den rihtaer. Helbl. 7, 750. ein teufel sagt: sine ut intrem in corpus tuum . Caes. heist. 10, 11. ein böser geist wird beschworen aus einer frau zu weichen (a. 1463) und nennt den beschwörenden pfaffen andere, in die er ihm erlauben soll zu fahren . M. Behaim 276. 277. hui teufel schlag dem faß den boden aus, schlief ins korn und fahr zum dachfenster aus! Garg. 191 b hem voer die duvel int lîf . Maerl. 2, 293. der tiuvel var im an die swart . Helbl. 15, 434. reht als waere gesezzen der tuvel in daz herze sîn. Dietr. drachenk. 117 a . en scholden dre söven düvel darum bestan . Kantzow. 2, 351. nu friz in dich den tiufel der dîn suochet! MS. 2, 135 b . der teufel ir aus den augen sieht . H. Sachs 1, 450 a . der teufel aus dir kilt . Kellers erz. 327, 15. der teufel aus dir kal . das. 328, 23. umgekehrt heißt es: got ûz ir jungen munde sprach . Parz. 396, 19. nhd. das sprach gott aus dir! der tiefel ist in dir gehaft, der fiht ûz dînem lîbe . Eckenl. 123. die teufel im leib gleichen den narren im leib des kranken, die daraus geschnitten werden, wie die teufel verjagt werden. der teufel wird mit einem ring durch die nase ausgetrieben. Josephus antiq. 8, 2. 5. krankheiten warten zum ausfahren, daß der besessene den mund aufthue . Helbl. 7, 101. mit dem bösen curieren (adjuvante diabolo aegros sanare). Leipzig. avantur. 1, 271. auch tugenden fahren ein und aus. Helbl. 7, 65. 102. 113. . Die letztangeführten worte führen auf seine lügenhaftigkeit. er ist nach der h. schrift ein vater der lügen . ›tievellîchen gelogen ‹ heißt es Nib. 2167, 3. wie, wenn in jenem entstellten dän. Locke löjemand, lovmand (s.  204 ) auf lyve (mentiri) prät. löi angespielt, oder wirklich verwandtschaft zwischen lüge (mendacium) und jenem logi (feuer, wind) annehmbar wäre? wind bedeutet uns falsche angabe, lüge, windbeutel einen lügner. ein dän. sprichwort sagt: ›lögn er et skadeligt uveir‹ (mendacium est tempestas nociva) Saxo gr. ed. Müll. p. 200. der lügner ist auch spötter, daher ›des tievels spot ‹ Nib. 2182, 2; ›daz sînen spot der tuvel mit den sînen habe‹. gr. Rud. 1, 9. nnl. ›de vyand heeft my beet gehad‹ (hostis me ludibrio habuit) Nachtrag: Wie die götter wolgeruch verbreiten, legt die sage des MA. und die heutige dem teufel gern zur last, daß er verunreinige und sachen in koth oder dreck verwandle. der tiuvel schîze in in den kragen! Helbl. 5, 107. sathanae posteriora petes. probra mul. 220. welcher tiuvel uns mit den heiden hete beschizen . Morolt 3014. der teufel lauft und hofiert zugleich. Simpl. 178. cacat monstra. Reinard. 4, 780. die seind des teufels letzter furz . rathschlag in parnasso 1621. 4 0 . s. 33. Der teufel lügt und trügt . darum heißt er trugetievel (oben s.  384 ). vgl. driugr var Loptr at liuga . Sn. 1848. 1, 29. ein tiuvel der hiez Oggewedel, der ie die êrsten lüge vant. MS. 2, 250 b . dem teufel ans bein lügen . Rother 3137. Der teufel heißt des nîdis vatir Lucifer. Diemer 94, 20. . Grendels teuflische art gemahnt an blutdürstige wassergeister (s.  409 ). auch wohnt er in moor und sumpf und sucht bei nächtlicher weile die schlafenden menschen heim: com of môre gangan. Beov. 1413, flieht ›under fenhleođu‹ (1632). er trinkt das blut aus den adern (das. 1478) und gleicht vampyren, deren lippen von frischem blut benetzt sind. In einer altn. saga findet sich ein ähnlicher dämon, Grîmr œgir genannt, weil er im wasser wie 850 auf dem lande gehen kann, er speit gift und feuer, trinkt das blut aus menschen und thieren (fornald. sög. 3, 241. 242). Wann im mittelalter ist die idee förmlicher bündnisse und verträge entsprungen, die der teufel mit menschen schließt? unglücklichen, verzweifelnden verspricht er auf gewisse jahre zeitliche güter, bedingt sich aber dafür nach verlauf der frist ihre seele und besteht auf einer, gewöhnlich mit dem blut, der menschen bewirkten handfeste. dies scheint unheidnisch, und erst erdacht, nachdem die römische form der chirographie in Europa überhand genommen hatte. Vortheilhafte verträge strebt auch der nordische teufel einzugehn der iötunn (s. 453 ). das geschäft heißt ein kauf . , doch niemals schriftlich. Die berühmteste vielfach erzählte der vorgang selbst wird in den anfang des 6 jh. gesetzt. die älteste bearbeitung, so viel ich weiß. liefert Hroswithas gedicht: lapsus et conversio Theophili vicedomini (opp. ed. Schurzfleisch p. 132–145), also aus der zweiten hälfte des 10 jh. Nicht viel später fällt die erwähnung des Fulbertus carnotensis († 1029) opp. Paris 1608 p. 1360. Eine historia Theophili metrica soll von Marbod († 1123) herrühren und steht in dessen werken (ed. Beaugendre p. 1507–1516). in Hartmannes gedicht von dem gelouben (aus dem 12 jh.) kommt die sage vor z. 1927–1998. Berceo († 1268) spielt bloß darauf an in den milagros de Maria str. 270 und im duelo de Maria str. 194, ebenso ein mhd. dichter (altd. bl. 1, 79). Die größte verbreitung gab ihr Vincentius bellovae, im spec. hist. 22. 69. Rutebeuf behandelte sie dramatisch (Legrand 1, 333. jetzt gedr. in Jubinals ausg. 2. 79–105 und in Michels théâtre français 136–156, wo auch noch andere liter. nachweisungen), späterhin auch ein niederd. dichter (Bruns p. 389). fabel war die von dem vicedominus Theophilus. bekannt ist, daß von Gerbert, dem nachherigen pabst Silvester 2 († 1003), die sage gieng, er habe sich dem teufel ergeben (anon. leobiens. b. Pez 1, 763). Das Annolied hat str. 46. 47 die geschichte eines gewissen Volprecht, der sich dem teufel ergibt. Ottocar cap. 335 meldet eine andere sage. In den meisten solcher legenden geht der teufel zuletzt doch seiner beute verlustig und wird genöthigt die verschreibung herauszugeben. der mensch hat zwar gott verleugnet, aber der himmlischen jungfrau nicht abgesagt, und dafür gewährt sie beistand. In einer schweizerischen volkssage hält sich der teufel aus, daß sein paciscent nie mehr das evangelium Johannis hersagen (de Hänseler uf der lälle ummedrüllen) solle, wird aber hernach zu schanden, weil es der arme hirtenbube vollständig pfeift . Ein andermal ist dem bösen feind rückzahlung des vorgestreckten geldes dann versprochen, wann das laub abfalle; als er nun zur laubfallzeit sich einstellt und auf den vertrag dringt, werden ihm bäume vorgehalten, die in der kirche mit laub ausgehauen stehn (KM. no. 148) oder tannen und fichten (Woycicki klechdy 1, 149). Überhaupt gibt es noch mehr als ein mittel, den armen teufel um sein förmliches recht zu bringen. Wer sich ihm verbunden hat, und sieben jahre lang weder wäscht noch kämmt , wird ihn wieder los; oder er braucht nur zu verlangen, daß der teufel ein bäumchen wachsen lasse, denn das vermag er nicht (abergl no.  626 ). Jenes ist die sage vom 851 bärnhäuter (Simplicissimus 3, 896. KM. no. 101) oder dem russigen bruder (KM. no. 100): der bärnhäuter muß sieben jahre im dienst des teufels eine bärenhaut statt des mantels umhängen d. h. ein faules, thatenloses leben führen (vgl. oben s.  844 die dem teufel dargebrachte bärenhaut ). fast immer sind sieben jahre bedungen, die man bei ihm in dienst und lehre auszuhalten hat Mones anz. 5, 176. in einem mhd. gedicht (fragm. 20 c ) wird einem alten greis zugerufen: ›din hundert jâr sint nu komen zuo siben jâren ûz erwegen, daz dîn der tiufel müeze pflegen‹. . Wichtiger für unsre untersuchung ist, daß in einigen altn. sagen gerade so von einem gefaz Ođni geredet wird wie im christlichen MA. von dem sich verschreiben oder geloben in die hand des teufels . gefa scheint sogar der passendste ausdruck, weil der freie, der mit seinem willen in dienst und knechtschaft geht, sich gibt, ergibt: giafþræl, servus dedititius (RA. 327). begeben gilt mhd. von den jungfrauen, die sich in die kirche geben. Die Olaf Tryggvas. saga meldet, könig Eirîkr von Schweden habe sich dafür dem Ođinn gegeben (at hann gafsc Ođni ), daß er ihm zehn jahre lang sieg verleihen solle . fornm. sög. 5, 250 und 10, 283, in welcher zweiten darstellung Oddiner ein teufel heißt. (auch 10, 303 ein diöfull međ âsiônu Ođins , der wie O. aussieht.) Daß der alte siegsgott hier zum bösen feind herabsinkt, ist nach dem gesichtspunct der sage in aller ordnung. es fragt sich nur, ob die verleihung auf zehn jahre, nach deren verlauf der könig dem gott gehören soll, aus christlichen teufelsgeschichten übernommen oder schon in heidnischer ansicht zu begründen ist? dann könnten umgekehrt dergleichen heidnische überlieferungen unter Christen die sage von teufelsbündnissen veranlaßt haben. einer blutverschreibung gedenken freilich die nord. quellen so wenig als des abholens nach dem verfall Nachtrag: Ein pact mit dem teufel machen. Keisersb. omeis 36 a . 38 a . der teufel beißt die hexe in den finger der linken hand, und mit diesem blut soll sie sich verschreiben, oder er gibt ihr einen schlag ins gesicht, daß ihre nase blutet . Mones anz. 8, 124. 125. über das teufelszeichen (s.  901 ). hantveste , dâmide uns der duvil woldi bihaldin. Wernh. v. N. 61, 33. der teufel will seinen diener reich machen, fordert aber, daß er gott und Marien entsage . Ls. 3, 256. 257. eine alte sage hat der monachus sangall. (vor 887) bei Pertz 2, 742: diabolus cuidam pauperculo – in humana se obviam tulit specie, pollicitus non mediocriter illum esse ditandum, si societatis vinculo in perpetuum sibi delegisset adnecti . eine ähnliche sage erzählt Thietmar 4, 44, wo von prope jacere (beiliegen) und servire die rede ist. man muß › gott und alle heiligen verschweren ‹, während der teufel kommt und den eid gibt . hexenproc. aus dem Ursenthal s. 244. 246. Roaz hât beidiu sêle und leben einem tievel geben , der tuot durch in wunders vil, er füeget im allez daz er wil. Wigal. 3656 ff. 3669. 7321–26. nach seinem tod wird Roaz von den teufeln geholt. 8136 ff. sich dem teufel um gut ergeben. Berth. ed. Göbel 2, 41. wil er got verkiesen unde die sêle verliesen, der tûbel hilfet ime derzuo, daz er spâte und fruo tuon mac besunder vil manicfalden wunder. Alex. 2837. den teufel küssen (s.  891 . 892 . 895 ). dich envride der tievel , dune kanst niht genesen. Nib. 1988, 2. der teufel holt , was ihm gehört, wie Ođinn und Thorr ihre seelen nehmen. der helscherge die sînen an sich las . Loh. 70. dem teufel wird das ungeborne kind versprochen s.  857 . altd. bl. 1, 296. 297, wie sonst dem Ođinn. die eltern gaben das kind dem Ođinn: gâfu Ođni . fornm. sög. 2, 168. vgl. gefinn Ođni sialfr sialfum mer. Sæm. 27 b . Zum bärenhäuter vgl. altn. biarnôlpumađr . Kormakss. s. 114. ungr. bärenhäuter s. Hungar. in parab. s. 90. 91. Völundr sat â berfialli . Sæm. 135 a . auf der bärenhaut liegen. Schweinichen 2, 14. sich in bärenfelle hüllen. KM. no. 85. sich in berenhaut nehen lassen. Elis. v. Orl. 295. Wer sich mit dem teufel einläßt, ihm verbündet, heißt teufels gesell, genoß, kerl. vâlantes man . Rol. 216, 7. des tiveles higen . das. 156, 4. der tiuvels bote . Haupts zeitschr. 6, 501. tiuvels kneht . Iw. 6338. 6772. ein tûbels knabe . pass. 172, 59. 175, 16. 296, 27. nhd. teufelskind . filii Tiufelonis habent Teufelsgrub. MB. 12, 85. 87. Morolt des tiuvels kint . Mor. 2762. wâren ie des tivels kint . warn. 378. 449. drache, des tiuvels kint . Trist. 226, 18. teufelskind heißt der iltis , litth. szészkas , weil er stinkt? iltisbalg ist eine schelte. hellekint . Griesh. 2, 81. des tiuvels genôz . Trist. 235, 29. slaefestu, des tiuvels gelit! pass. 377, 25. alle des tievels lide . Haupts zeitschr. 8, 169. membrum diaboli . ch. a. 1311 bei Hildebrand svenskt dipl. no. 1789 s. 15 (s.  831 ). was bedeutet düvelskuker ? Seibertz 1, 631. . Wie man dem teufel rufen kann, wenn man mit ihm zu schaffen haben will, lehrt ein dän. abergl. (no.  148 ): man gehe dreimal um die kirche, bleibe das drittemal vor der kirchthür stehen und rufe ›komm heraus!‹ oder pfeife ihm durchs schlüsselloch. gerade so werden sonst geister der verstorbnen aufgerufen ( abergl. G v. 206 ff.). Der kus , den man dem teufel zur huldigung leistete, kommt erst bei ketzern und den späteren hexen vor und scheint dem weltlichen homagium abgesehn oder verdrehung des christlichen bruderkusses bei der adoration. Wenn von dem teufel erzählt wird, der seinen freunden und günstlingen geld oder getraide zuträgt , so nähert er sich gutmütigen hausgeistern oder elben, und hier ist auch nie von verschreibung noch von gottesverleugnung die rede. Meistens sieht man ihn als feurigen drachen durch die luft und in schornsteine fahren (abergl. no.  6 . 253 . 520 . 522 . 523 . 858 ). die Ehsten unterscheiden rothe und dunkle wolkenstreifen (abergl. 102 ), ebenso die Litthauer den rothen und blauen alb (abergl. no.  1 ). Die Lausitzer erzählen von 852 einem korndrachen (zitny smij), der seinem freunde den boden füllt, von einem milchdrachen (mlokowy smij), der für der wirtin milchkeller sorgt, und von einem reichthum bringenden gelddrachen (penezny smij). Die art und weise seiner habhaft zu werden ist folgende: man findet heute irgendwo einen dreier liegen, nimmt man ihn auf, so liegt morgen ein sechser an derselben stelle, und so steigt nach der jedesmaligen aufnahme der werth des gefundenen bis zum thaler. Wer nun geldgierig auch den thaler greift, in dessen haus findet sich der drache ein. er verlangt höfliche behandlung und gutes futter (wie ein hausgeist); versehen es wirt oder wirtin, so steckt er ihnen das haus über dem kopf an. Ihn los zu werden ist einziges mittel, jenen thaler zu verkaufen, allein unter seinem werthe, so daß es der käufer merke und stillschweigends einwillige lausitz. monatsschr. 1797. p. 755. 756. vgl. den flandr. oorem Haupts zeitschr. 7, 532. . Nicht anders als beim alraun oder galgenmännlein (s.  424 ). Ausgegeben kehren solche heckethaler immer wieder zurück (abergl. no.  781 ). Nirgends aber stellt sich der teufel heidnischer dar als wo er an die stelle der alten riesen getreten ist, (s.  835 . 839 . 855 ) beide riesen und teufel verfolgt der donnergott mit seinem hammer, und wie der schlafende riese von Thors miölnir wird der teufel von des schmids hammer getroffen (s.  845 ) dem widerstrebt nicht, daß in andern sagen umgedreht dem teufel des Donners rolle mit hammer und keil übertragen ist oder auch die des schmiedes , des hinkenden Hephästs. ein prediger des 14 jh. (Leyser 77, 10) redet von des übeln teufels blasbälgen . ; der teufel mit den drei goldnen haaren (KM. no. 29) wurde schon s.  202 dem altn. Ugarthilocus gleichgestellt. zumal aber riesisch erscheint er, wo ihm das volk ungeheure bauten und steinwürfe beilegt: er behauptet dann ganz die mächtige, zürnende, tückische und plumpe natur des iötunn (s.  442 . 450 –459), der dumme teufel gilt wie der dumme riese (s.  438 ). die erbauung der christlichen kirchen ist ihm verhaßt, er sucht sie zu zertrümmern; sein plan wird aber jedesmal von einer höheren gewalt oder durch überlegene list der menschen vereitelt. Gleich dem riesen zeigt er sich oft selbst als erfahrnen baumeister, welcher eine burg, brücke oder kirche aufzuführen unternimmt und sich zum lohn die seele dessen ausbedingt, der den neuen bau zuerst betritt. Was dort von dem riesen wird hier von dem teufel erzählt: an die stelle des milderen motivs tritt dann meistens ein herberes, grausameres. der riese pflegt bei seiner baute noch einen gesellschaftlichen, nachbarlichen zweck zu haben (s.  443 . 451 ), der teufel will dadurch bloß schaden stiften und seelen gewinnen. In Norwegen gibt es viele sagen von riesenbrücken . der jutul liebt eine huldra auf der andern seite des wassers; um sie trocknen fußes besuchen zu können, baut er eine brücke, doch die aufgehende sonne hindert ihre vollendung. Faye 15. 16. ein andermal wollen 853 sich zwei jutule ihren besuch erleichtern und unternehmen den brückenbau. auch über den Main hatten die riesen vor eine brücke zu bauen (s.  453 ), die ursache wird nicht mehr erzählt. Wenn der teufel die brücke baut , so ist er entweder von menschen dazu gezwungen (Thiele 1, 18), oder strebt einer seele nach (deutsche sag. no. 185. 336), muß sich aber mit dem hahn oder der gemes begnügen, die man wolbedächtig zuerst über die neue brücke laufen ließ es ist rathsam in ein neues haus, eh man es betritt, eine katze oder einen hund laufen zu lassen (abergl. no.  499 ). . Ein Schweizer hirte konnte mit seiner heerde in der waldschlucht nicht über den bach treiben und wünschte, daß ihm der teufel eine brücke darüber baue; sogleich erschien dieser und erbot sich zum werk, wenn ihm zufallen solle, was zuerst über die brücke gehen werde: eine ziege war es, die voran gieng (Tobler 214 a ). Nach einer französ. tradition hat er sich jedes dreizehnte wesen, das immer über die brücke geht, ausgehalten, und schon eine menge menschen und thiere in seine gewalt bekommen, bis sich ein heiliger mann, als dreizehnter, ihm entgegenstellt und ihn besiegt (mém. de l'acad. celt. 5, 384) der teufel wird hier in einen thurm geschlossen, aus dem er zwar oben ausfahren, täglich aber nur eine stufe auf der thurmtreppe steigen soll, die ihrer 365 zählt, so daß er den weg erst binnen jahresfrist zurücklegen kann. . Auch der kirchenbauende teufel hat sich die seele des ersteintretenden bedungen: man läßt einen wolf durch die thür springen (deutsche sag. no. 186), zornig fährt er oben durch das gewölbe und eine öfnung bleibt zurück, die niemand zumauern kann. dieser zug findet sich deutsche sag. no. 181. 182. Auf bergen baut er mülen und zerstört sie wieder (das. no. 183. 195) eines berges teufelsmulin beim ursprung des flüßchens Alp gedenkt Dumbeks geogr. pagor. p. 79, einer müle genannt duvelmolen bei Soest Seibertz 1, 622. Bechsteins Franken s. 107. Baader bad. sagen no. 487. . Merkwürdig ist seine wette mit dem kirchenbaumeister zu Cöln: er wolle eher einen bach von Trier nach Cöln leiten damit ist die altrömische wasserleitung angedeutet (Gelenius de admir. Col. p. 254), von der es gleich sagenhaft im Annoliede 510 heißt: Triere was ein burg alt, si zierte Rômâre gewalt, dannin man undir der erdin den wîn santi verre mit steinin rinnin den hêrrin al ci minnin, di ci Colne wârin sedilhaft. , als der dom vollendet sein werde (das. no. 204). ebenso wettet eine riesin mit dem heil. Olaf, bevor er mit seinem kirchenbau zu stand komme, eine steinbrücke über eine meerenge zu legen; aber noch war die brücke nicht halb fertig, als schon der glockenklang aus der heiligen kirche erscholl. erbittert schleuderte die riesin ihre bausteine nach dem kirchthurm, konnte ihn aber nimmer treffen; da riß sie sich eins ihrer beine aus und warf es gegen den thurm. nach einigen soll sie ihn damit gestürzt, nach andern aber verfehlt haben; das bein fiel in einen sumpf nieder, der noch heute giögraputten heißt (Faye p. 119). glockenklang hassen zwerge (s.  380 ), riesen (Faye p. 7. 854 17. Thiele 1, 42) und teufel man läutete im MA. die glocken gegen das gewitter (den heidn. Donar) und gegen den teufel. , und vor ihm weichen sie aus dem land: alle diese sagen drücken den sieg des christenthums aus. der teufel schleppt die glocke aus den kirchen weg (deutsche sag. 202); anfangs weiß er nicht, was das neue gebäude werden soll, und läßt sich durch ausweichende antwort beschwichtigen (das. no. 181), steht aber die kirche fertig, so sucht er sie mit steinwürfen zu zerschmettern. teufelssteine heißen entw. die er zum bau tragend aus der luft fallen ließ, oder die er sein begonnenes werk zerstörend auf berge trägt, oder die er nach der kirche geworfen hat (das. no. 196. 198. 199. 200. 477). nordische sagen von steinen, die das riesengeschlecht gegen die erste Christenkirche schleudert, hat Thiele 2, 20. 126. 127. Faye p. 16. 18; eine shetländische Hilbert p. 433. häufig stehen solchen felssteinen die finger der hände des teufels eingedrückt; ein stein, auf dem er geschlafen, zeigt die spur seines ohrs (deutsche sag. no. 191). bei Limburg unweit Türkheim in der Pfalz liegt ein solcher stein, der böse trug ihn heran, um ihn nach der kirche zu schleudern, es war aber noch ein junger teufel, der unter der schweren bürde ermüdete und sich darauf zu schlafen legte; seine gestalt drückte sich dem felsen ein, darüber verschlief er die rechte zeit, binnen welcher der wurf hätte geschehn müssen. Im Durbacher thal liegen auf einem hügel des Stollenwaldes eilf große steine, den zwölften größten trug der teufel fort, um damit die Wendelskirche zu zerschmettern; er war damit schon durch das Rappenloch bis auf die mitte des Schiehald gefahren, wo er die last ablegte und ausruhen wollte. nachher aber konnte er den schweren stein nicht mehr aufheben, so daß sein spitziges ende im berg haften blieb; man sieht noch daran das runde loch, welches der schulterknochen des teufels hineingedrückt hatte. so blieb die kirche verschont, der teufel fährt aber noch manchmal auf dem platze mit sechs geißböcken und man hört ihn mitternachts mit der peitsche knallen (Mones anz. 3, 91). Teufelsmauern erklärt das volk so, der teufel habe damit die grenze seines reichs abschließen wollen (deutsche sag. 188), er wird hier als der beherscher eines benachbarten, feindlichen reichs (eines iötunheimr) gedacht, ja als im streit mit gott um die erde begriffen: beide theilen sich zuletzt hinein und der teufel baut die abgrenzende mauer (das. no. 189). Diese teufelswälle und teufelsgraben gewinnen aber für uns gleich erhöhte bedeutsamkeit. das volk nennt die römischen festungswerke in Baiern, Schwaben, Franken und der Wetterau nicht nur teufelsmauern, sondern auch pfalgraben , pohlgraben , pfahltöbel , ja ganz einfach den pfal , pl. die pfäle , was man aus pfahl, palus, einem schon früh in unsre sprache aufgenommnen lat. wort (Graff 3, 331) deutet. doch in diesen mauern sind nur steine und ziegeln, keine pfäle verwandt; richtiger scheint es die benennung wiederum 855 auf Phol zu ziehen, wofür deutlich spricht, daß in der Wetterau die form Wulsgraben vorkommt Dieffenbachs Wetterau s. 142. , eine bloß erweichte aussprache statt Phulsgraben , wir haben schon verschiedentlich erkannt, wie Phol , Pfal , Pful wechseln. Noch mehr, die teufelsmauer heißt auch hin und wieder der schweingraben , und eine merkwürdige schwäbische volkssage meldet, er sei nachts von einem gockelhahn und einem schwein in dem erdboden aufgehackt und aufgewühlt worden Preschers hist. bl. Stuttg. 1818 s. 67. da wo der wall sich über den Kochersberg an den Murrfluß zieht nennen ihn die landleute allgemein den schweingraben. . weist das nicht unverkennbar auf pfol den eber (s.  832 )? ich zweifle kaum es werden sich aus volksüberlieferungen und örtlichen namen weitere bestätigungen ergeben. Christnachts soll der teufel auf der teufelsmauer einher fahren (abh. der Münchn. acad. 1, 23 vgl. 38), wie in den zwölften fast alle heidnischen götter sich rühren. Nicht zu übersehen ist, daß auch in solchen gegenden teufelsgraben , dükersgraben vorkommen, z. b. in Niederhessen, wo gar keine römische mauern gezogen waren; alle auffallenden steinfelsen und mauern werden von der phantasie des volks entweder auf riesen und teufel, oder auf Römer (s.  69 ) und Hellenen (s.  442 ) zurückgeschoben. Ein felsstück, um seine gewaltige stärke zu zeigen, setzt der teufel sich auf als hut, da naht der heiland und steckt denselben stein an seinen kleinen finger (deutsche sag. no. 205), gerade wie Thôrr den riesen überbietet (s.  452 ); sicher eine uralte erfindung. Nach der bibel ersonnen scheint mir aber, wenn des heilandes und teufels fußspuren in hohen felswänden gezeigt werden, von wo der versucher seinem herrn die unten reizend ausgebreitete gegend gewiesen und angeboten habe (deutsche sag. 184. 192) Ulrichs in seiner reise durch Griechenland 1, 44 theilt die sage mit von einem teufelsstein (logári), wo der teufel predigte (λόγος sprach). . hervorragende felsklippen heißen teufelskanzeln (Stald. 2, 85. känzeli, fluhkanzel), da soll der böse feind dem versammelten volk gepredigt haben (deutsche sag. no. 190. Bechstein 3, 222); vielleicht stand da vor zeiten ein heidnischer priester oder ein götterbild? oder waren es nichts als alte Wuotansberge? teufelsbette lassen sich den Brunhildebetten und ähnlichen zur seite stellen Nachtrag: Der teufel ist oft an die stelle der alten riesen getreten vgl. s.  836 . 856 , wie aus dem finn. hiisi allmälich ein teufel wurde. eine meklenburgische hexensage bei Lisch 5, 83 hat noch den riesen statt des teufels. vgl. KM. 3 3, 206. 207. Der teufel , der in vielen märchen um mitternacht im wüsten schloß vor dem wachenden erscheint, gemahnt an Grendel , den Beovulf in Heorot besteht. Der teufel äfft gott nach, will auch schaffen . so schaft er die geisz . KM. no. 148, die elster . serb. märch. no. 18. vgl. märchen aus der Bukowina. Wolfs zeitschr. 1, 179. 180. der teufel baut Bern in drei nächten. vorr. z. heldenb. wo gott eine kirche gebaut wird, setzt der teufel seine kapelle daran. im spiel von Caterina ruft Lucifer zu den teufeln (Stephan s. 172): habet uch daz kapellichen vor den greten! (ad gradus ecclesiae). in den sagen vom kirchenbauenden teufel läßt man einen wolf durch die thür springen. vgl. ein lied bei Uhland volksl. s. 812 und die sage von Wolfgang. Matth. Kochs reise 413. s war just ein neugebautes nest, der erste bewohner sollt es taufen. aber wie fängt ers an? er läßt weislich den pudel voran erst laufen.   Wallenst. lager p. m. 33. Mephistopheles haßt die glocken . Faust p. m. 433. Sagen von teufelsbrücken bei Müllenhoff s. 274. 275. eine solche heißt auch ›die stiebende brücke‹. geschichtsf. heft 7 s. 36. Ein teufelstein liegt bei Polchow im amt Stettin. Johannistags hält der teufel darauf seinen mittagsschlaf, dann wird er weich wie käse, und der böse hat in die seitenfläche seine gliedmaßen eingedrückt. balt. stud. XI, 2, 191. XII, 1, 110. eine teufelskammer liegt im wald zwischen Haaren und Büren (im Paderborn.). teufelsküchen . Leoprechting 112. 113. 117. ein acker genant teufelsrütti . weisth. 1, 72. Die römischen festungswerke in Süd- und Mitteldeutschland heißen auch pfalhecke , pfalrain , pfalranke . Er. Alberus fab. 25 hat polgraben , Jaumann Sumloc. s. 17. die boll , pollgraben vgl. den eisernen pohl. Steiners Maingebiet 277. 278. bulweg ebendas. wul , wulch in Vilmars idiot. 102. vgl. den art. pfahlmauer in der hall. encyclop. diese römischen mauern bestanden übrigens nicht nur aus steinen und ziegeln, sondern auch pfälen . so redet Spartian in einer bei Stälin angezognen stelle ausdrücklich von stipitibus magnis in modum muralis sepis funditus jactis atque connexis. auch Mones bad. gesch. 2, 5 gibt pfäle , pali von holz an. bei der teufelsmauer liegt ein Pfahlsbuck . Panzer 1, 156, in der Wetterau auch ein pohlborn (Ukert s. 281), was dem Pholesbrunno (s.  187 ) gleicht. Die teufelsmauer heißt aber nicht nur, wie angeführt, der schweingraben , sondern auch die saustraße . Stälin 1, 81. 97. 85. Ukert s. 279, und wenn jener von einem gockelhahn und einem schwein aufgewühlt sein soll, so erinnert das wieder an den die erde und glocken aus der erde aufwühlenden eber. Firmenich 2, 148 vgl. s.  555 und 832 und an den pflügenden hahn s.  816 . In berenloch , daz man nempt des tüfels graben . Segesser 1, 645. in Meklenburg liegt auf einer riesenmauer ein teufels backofen . Ukert s. 314, wie denn das volk auch grabhügel backöfen nennt. das. s. 280. andere örtliche namen verzeichnet Mones anz. 6, 231. . Hier mag noch einigen ausführlichen mittheilungen raum gelassen werden. Der teufel wird als ein gewaltthätiger riese vorgestellt, der seinen zoll und zehnten nehme: bald eignet er sich den ersten zu, der über die brücke geht, anderemal den letzten . so ließ er von der glücksscheibe (s.  724 ) alle jahr den letzten schüler herabfallen ›da nu einer ins teufels reder seße oder gar in sumpf gefallen were, oder des tods schwaden hette ihn ergriffen‹. Mathesius 140 b . und nahm ihn für sich. Nach einer spanischen sage war zu Salamanca eine gruft, in welcher er allezeit sieben schüler unterhielt mit dem beding, wenn sie völlig 856 ausgelernt hätten, müsse der siebente das gelag zahlen. Als er nun einmal seine schule entließ und dem letzten lehrling zu bleiben gebot, zeigte dieser auf seinen schatten mit den worten ›der ist der letzte!‹ da muste der teufel den schatten nehmen , und der entschlüpfende lehrling blieb sein lebenlang ohne schatten. Jamieson meldet genaueres als schottischen aberglauben: losing ones shadow arrives to such as are studying the art of necromancy. when a class of students have made a certain progress in their mystic studies, they are obliged to run through a subterraneous hall, where the devil literally catches the hindmost in the race, unless he crosses the hall so speedily, that the archenemy can only apprehend his shadow . In the latter case the person of the sage never after throws any shade, and those who have thus lost their shadow always prove the best magicians. Der teufel wird um die beute betrogen und muß mit dem bloßen schatten vorlieb nehmen, wie der unehrliche bei der scheinbuße (RA. 678) Chamissos erzählung wird sich, ihrem wesen nach, auf eine ähnliche sage stützen. Von dem hausgeist Vollmar sah man umgekehrt nichts als den schatten (s.  421 ). Nachtrag: Der teufel hol den letzten! Garg. 190 b . vg. den hintersten dem Mars opfern. das. 227 a . geradeso weiht die vila auf vrzino kolo zwölf schüler und der letzte oder zwölfte ist ihr verfallen. Vuk s. v. vrzino kolo ( anm. 2491 ). ähnlich die sage von den zwölf schülern zu Wunsiedel. Schönwerth 3, 56 und die geschichte des studenten von Plesse. das. 3, 26. wâ sît ir ze schuole gewesen? hat iu der tufel vorgelesen? Dietr. drachenk. 157 b . wenn der teufel den schatten nimmt, so erinnert das an die schattenbuße im deutschen recht. die indischen götter werfen keinen schatten, der gleichsam die seele eines menschen ist. Klemm 2, 309. das schatten abfangen ist auch walachisch. Schuller Argisch 17. Müllenhoff s. 554. Winthers folke eventyr s. 18. isländ. sage von Sæmund. aefintyri s. 34. 35. die erzählung Chamissos ist auch spanisch: hombre que vendió su sombra. Mila y Fontals 188. . Jene bedeutsame norrländische sage von dem riesen Wind und Wetter (s.  454 ), dessen berührung mit dem teufel durch die bemerkungen s.  835 . 847 außer allen zweifel gesetzt wird, erzählt Thiele 1, 45 folgendergestalt. Esbern Snare wollte Kallundborgkirche bauen, seine mittel reichten nicht aus, da versprach ihm ein trold beistand unter der bedingung, daß, wenn die kirche fertig sei, Esbern des trolds namen nennen könne, sonst aber ihm mit seinem herzen und seinen augen verfalle. die arbeit wurde rasch gefördert; als nur eine halbe seule fehlte, fing es Esbern an zu bangen, daß er noch nicht des trolds namen wuste. sorgvoll und betrübt gieng er auf dem feld umher, da hört er in der höhe eines felsens einer troldfrau stimme, ›still, still, mein kind, morgen kommt dein vater Fin und bringt dir Esbern Snares augen und herz zum spielzeug!‹ getröstet kehrte Esbern heim; als er in die kirche trat, trug der trold gerade die noch mangelnde steinseule herbei, da rief ihm Esbern grüßend den namen Fin! zu. erbittert fuhr der trold mit dem halben pfeiler in die luft: deshalb steht die kirche nur auf viertehalb seulen. Finnr ist eddischer name eines zwergs. Die deutsche sage (s.  454 ) hört man in Niederhessen so: ein bauer auf der Ellenbach (am Sandershäuser berg unweit Cassel) hatte so viel getraide einzuernten, daß ers nicht wuste unterzubringen: seine scheuer war zu klein, eine größere zu erbauen fehlte ihm das geld. nachdenklich und sorgsam schritt er durch seine felder, da trat ein altes graues männchen auf ihn zu und fragte nach der ursache seiner traurigkeit. der bauer gestand ihm seine bekümmernis, das graumännchen lächelte und sprach: ›eine scheuer wollte ich dir wol schaffen, so geräumig, daß du alle deine frucht in sie ernten kannst, und eh morgen der 857 tag graut soll sie fertig auf deinem hof stehen, wenn du mir verschreiben willst, was du noch von verborgnem gut besitzest ‹ Höttr (der hut, der grauhut) d. i. Ođinn (s.  121 ) begehrt von der bierbrauenden Geirhildr, der er seinen speichel (vgl. s.  752 ) zur hefe gegeben hat, was zwischen dem faß und ihr war , d. h. das kind, womit sie schwanger geht. fornald. sög. 2, 26. Der wilde walrabe (s.  833 ) verlangt von der königin: › det du haver under belte dit ‹, was du unterm gürtel trägst. D. V. 1, 187. Schon dieses einen zugs halber halte ich die hessische sage für heidnisches ursprungs. . der bauer dachte an schätze unter der erde, die ihm nichts helfen konnten, solange sie nicht gehoben waren, und gieng den angebotnen vertrag ein; erst beim abschied nehmen sah er einen kuhfuß und pferdefuß unter dem grauen rock vorragen. Nun kam der bauer heim und erzählte seiner frau, was ihm auf dem felde begegnet war; ›ach gott, was hast du gethan? ich trage ein kind unterm herzen, das hast du dem bösen verschrieben.‹ Als es dunkelte, erhob sich auf dem bauerhof ungeheurer lärm, fuhrleute, zimmermänner, maurer arbeiteten untereinander, der teufel als baumeister leitete das ganze werk, das sich mit unerhörter schnelligkeit förderte; wenige stunden, und die scheune stand schon aufgezimmert, das dach wurde gedeckt, die wände ausgefüllt, nur einige gefache lagen offen. Da schlich sich die listige frau, in ihres mannes kleidern, über den hof ins hühnerhaus, schlug in die hände der handschlag dient bei verzauberungen. Wolfdietr. 1372 heißt es von der heidin Marpalie: ›sie sluog ir hend ze samen ‹ und verwandelte sich plötzlich in eine krähe. und ahmte den hahnkrat nach, alsobald erkrähten alle hähne in der reihe. alle bösen geister eilten brausend davon, nur ein giebelfach der neuen scheune stand leer: einen fuhrmann, der eben noch mit vier füchsen einen großen stein herangefahren hatte, grif der teufel und zerschmetterte ihn mit rossen und wagen an der scheuer, seine gestalt wurde zum andenken auf dem selben stein abgebildet und ist heute da zu sehen. den scheunengiebel hat keine menschenhand schließen können, was man bei tag zubaute fiel über nacht wieder ein wie in allen kirchen das loch, wodurch der teufel ausgefahren, offen bleiben muß. . Der berg auf welchem der graumann dem bauer zuerst erschien, heißt teufelsberg . Unweit Römhild liegen die Gleichberge, hohe basalthügel, der eine auf seinem gipfel von doppeltem kranz unordentlich gehäufter steine umgeben. hier führte einst der teufel eine mauer um die burg eines ritters und hatte sich dafür des burgherrn tochter bedungen. aber frühe vor tagesanbruch patschte des fräuleins amme ihre hände laut auf dem knie zusammen, da erkrähten die hähne und der teufel verlor die wette. erbost zerstörte er sein eigen werk, darum sieht man nur trümmer der mauer. Nach andrer erzählung (Bechsteins Franken s. 261) war die amme, welche den bund belauscht hatte, frühmorgens mit verdeckter lampe zum hühnerstall geschlichen; als der hahn plötzlich 858 das licht sah, meinte er es werde tag und krähte überlaut derselbe zug in einer thüring. sage bei Bechstein 3, 224. . Ein müller zu Coslitz litt an wasser mangel und der teufel versprach, die müle vor tagesanbruch, ehe der hahn krähen werde, mit ausreichendem wasser zu versehn, wogegen ihm der müller seine schöne tochter zusicherte. in einer nacht nun brachte der teufel den graben von der Elbe bis Coslitz fast zu stande, da gereute es den müller und er soll durch nachahmung des hahnschreis, nach andern durch klopfen auf sein schurzfell , den hahn zu vorfrühem krähen veranlaßt haben, worauf der teufel zornig davon fuhr und der graben unvollendet blieb (mitth. des sächs. vereins. Dresd. 1835. 1, 11). Zu Geertsbergen in Westflandern geht ähnliche sage von einer teufelscheune (duivelschuer), auch hier rettet den bauer seiner frau list: lang voor dat de haen gewoon is te kraeyen sprong zy het bed uit en liep naer buiten, waer zy een onnoemlyk getal werklieden bezig zag met de schuer op te maken, aen dewelke nog slechts een gedeelte van den zymuer ontbrak. zy plaetste haren mond tusschen hare handen en schreeuwde zoo schel als zy maer kon: koekeloren haen! en alle de hanen in de rondte lieten hun eerste morgengeschrei hooren. het werkvolk was verdwenen, en de schuer stond er, doch met dien onvoltrokken gevel; men heft herhaelde malen beproefd het gat te stoppen: telkeirs komt satan hel's nachts openbreken, uit weerwraek dat de ziel van den boer hem zoo loos ontsnapt is kunst en letterblad. Gent. 1840 p. 7 und danach Wolf no. 187, welcher no. 186 und anm. s. 686 ähnliche sagen mittheilt. . Die Ehsten nennen den knecht, welcher über scheune und getraide die aufsicht hat, riegenkerl. ein solcher riegenkerl saß einmal und goß knöpfe, da kam der teufel gegangen, grüßte und fragte, ›was machst du da?‹ ›ich gieße augen.‹ ›augen?, kannst du mir auch neue gießen?‹ ›o ja, doch jetzt sind mir weiter keine zu hand.‹ ›aber auf ein andermal willst du es wol thun?‹ ›das kann ich,‹ sprach der riegenkerl. ›wann soll ich wieder kommen?‹ ›wann du willst.‹ Den andern tag kam der teufel , um sich die augen gießen zu lassen. der riegenkerl sagte: ›willst du große oder kleine?‹ ›recht große‹. Der mann setzte nun eine menge blei zum schmelzen auf und sagte: ›so kann ich dir nicht gießen, du must dich erst festbinden lassen.‹ darauf hieß er ihn rücklings sich auf eine bank legen, nahm dicke, starke stricke und band ihn ganz fest. Als der teufel festgebunden war, fragte er, ›welchen namen führst du?‹ › Issi (selbst) ist mein name.‹ ›das ist ein guter name, keinen besseren kenne ich.‹ Das blei war nun geschmolzen, der teufel sperrte weit seine augen auf und gedachte neue zu bekommen, des gusses wartend. ›jetzt gieße ich,‹ sprach der riegenkerl und goß dem teufel das heiße blei in die augen; auf sprang der teufel mit der bank am rücken und lief davon. Im feld pflügten leute, bei denen er vorüberlief. sie fragten ›wer 859 that dir das?‹ der teufel antwortete ›issi teggi‹ (selbst thats). da lachten die leute und sprachen: ›selbst gethan, selbst habe.‹ Der teufel starb an seinen neuen augen und seitdem sah man keinen teufel mehr Rosenpläuters beiträge, heft G. p. 61. wie der teufel von thieren begraben wird, bleibt hier weg. . In dieser sage ist der teufel mehr ein tölpischer riese, als der böse feind des menschengeschlechts; seine blendung und der name Issi gemahnt an den homerischen Polyphem und Οὖτις, wie an den Depêghöz des Orients (s.  459 ). auch im kindermärchen (2, 481 vgl. altd. bl. 1, 122) werden dem riesen die augen mit öl ausgegossen, und litth. heißt der teufel aklatis , der blinde, geblendete. Wenn andere ehstnische überlieferungen den donner daher erklären, daß der teufel von gott verfolgt und in felsen flüchtend niedergeschmettert werde (abergl. 61 . 64 ); so gleicht auch hier gott dem nord. Thôrr, der teufel einem von Thôrr erlegten iötunn Nachtrag: Das stillen des kinds in der sage von der Kallundborgkirche wie in der riesensage s.  454 . ähnliche sagen bei Schönwerth 3, 61 ff. Müllenhoff s. 300. 301. ein hahn , der vorübergetragen wird, kräht und stört den bauenden teufel. Sommer s. 53. Schönwerth 3, 60. nach dreimaligem zusammenschlagen der hände tritt verschwinden ein. Dybeck 4, 32 (no. 31 und 33). Mit der sage vom: › selbst gethan, selbst habe ‹ vgl. s.  373 , die sage vom waternix und Selvergedan. Haupts zeitschr. 4, 393, die Engadiner sage von der diala und dem svess. Schreibers taschenb. 4, 306. Vonbun s. 5. 6 (2. ausg. s. 8), die lappische sage vom riesen Stallo. Nilsson 4, 32, die nordische von Egil. das. 4, 33. Müll. sagenb. 2, 612. . Es greift in das getriebe der ganzen poesie des MA. ein, daß helden aus ferner gegend von dem teufel plötzlich durch die lüfte zur heimat getragen werden , wo ihre anwesenheit dringend erfordert war: eine hochzeit steht bevor, die ihnen braut oder gemahlin zu entziehen droht. so fährt könig Carl in der Spagna (canto XXI) auf einem teufel, der sich in ein ros wandelt, in einer nacht aus dem morgenland nach Frankreich; spätere sagen lassen ihm dafür einen engel erscheinen, der ein starkes pferd anzeigt (DS. no. 439). auch dem edlen Möringer erscheint in gleicher noth der engel (DS. no. 523). Heinrich der Löwe aber und Gerhart (b. Caesar. heisterb. 8, 59) fahren mit des teufels hilfe. Schon daß hier engel und teufel einander vertreten können zeigt, daß ursprünglich kein böser dämon gemeint ist, es ist kein andrer als Wuotan , der seinen schützling durch die wolken bringt (s.  121 ); so fassen wir den echten sinn der frage: welcher teufel hat dich daher gebracht? ein teufel trägt einen canonicus, der sich versäumt hatte, von Bayeux nach Rom zu den metten, und Klinsor und Ofterdingen gelangen durch denselben zauber aus Ungerland nach der Wartburg. Nichts kündet tieferen grund des mythischen elements an, als wenn es in die thierfabel übertragen wird. das ehstnische märchen von dem mann und dem bär, wie sie sich in die ausstellung und ernte eines ackers theilen (Reinh. CCLXXXVIII), nach dem auch s.  597 waltenden unterschied des oben oder unten wachsens, wird Km. no. 189 von bauer und teufel und so schon bei Rabelais buch 4 cap. 45–47 erzählt. Rückerts gedichte s. 75 (Gödeke 2, 416) geben es aus arabischer überlieferung, deren quelle ich erfahren möchte, die dän. sage bei Thiele 4, 122 erzählt vom bauer und trold. In der Normandie weiß das volk noch heutiges tags vom mont saint Michel, wie sich der teufel und Michael stritten, wer die schönste kirche erbauen könne. der teufel baut eine steinerne, Michael fügt die schönere aus eis zusammen; als sie 860 schmilzt, wollen beide den boden bebauen, der teufel wählt das obere kraut, Michael behält das in der erde steckende. In allen diesen sagen sind bär, riese, troll, teufel die betrognen, wie der iötunn bei erbauung der götterburg Nachtrag: Die erntetheilung zwischen bauer und teufel erzählt auch Müllenhoff s. 278. korn und rübe bauen ist die formel des landreutens. ryþia undir rughi ok rôvum . Östg. lagh s. 217. 220. . Endlich bewährt die altheidnische natur des teufels sich auch darin, daß nach ihm, wie nach göttern und riesen (s.  441 ), thiere und pflanzen heißen. die libellula grandis, wassernymphe, ein zart und schlank gegliedertes insect, sonst auch verwünschte jungfer genannt, teufelspferd , teufelsbraut , teufels reitpferd , dän. fandens ridehest , auf der insel Mors ein käfer, meloe proscarabaeus, fannens riihejst (Schade p. 215); in der Schweiz die libellula: teufelsnadel , teufelshaarnadel ; die raupe teufelskatze raupen wegen ihrer häutung, verpuppung und stufenweisen verwandlung aus kriechenden und todtähnlichen wesen in fliegende haben etwas unheimliches, geisterhaftes. . im thal von Rimella die schwarze schnecke tiufulsnakke , ein kleines schwarzes käferchen s'bözios ajo (des bösen mutter) Albr. Schott s. 275. 334; gegensatz zu dem Marienkäfer (s.  578 ), aber auch an teufels nadel und Nâl , Lokis mutter (s.  204 ) bedeutsam mahnend, weshalb Dona nadel (s.  405 ) richtig sein und einen bösen flußgeist bezeichnen kann. in Holland heißt ein kraut, ich weiß nicht welches, duivels naaigaren , teufels nähegarn. alcyonium digitatum oder palmatum: teufelshand , manus diaboli, diebshand, engl. devils hand , deadmans hand, nnl. doode mans hand, oude mans hand, franz. main de diable , main de ladre, de larron, vgl. Forneotes folme (s.  199 ). lycopodium clavatum: teufelsklaue . euphorbia: teufelsmilch . clematis vitalba: teufelszwirn . scabiosa succisa: teufelsbiß , böhm. čertkus . adonis: teufelsauge . convolvulus arvensis: teufelsdarm u. a. m. hypericum perforatum teufelsflucht , fuga daemonum, weil es den teufel vertreibt. ›dosten, harthun, weiße heid thun dem teufel vieles leid‹. . wahrscheinlich wuste die ältere volkssage noch den näheren grund solcher benennungen, vgl. abergl. no.  189 . 190 . 476 . Auch der donnerkeil, das alpschoß, hieß teufelsfinger (s.  149 . 156 ) Nachtrag: Die libelle heißt teufelspferd . anm. 1786 . finn. pirum hevoinen daemonis equus, pirum piika daemonis ancilla. pfaffen wîp des tiuvels veltmerhe. nnh. beschwör. XXXIV . nnl. diuvelskop typha, nhd. tuttilkolbe, deutelkolbe. teufelsrohr vgl. Walth. 33, 8. teufelszwirn nach Vilmar cuscuta epilinum, im Westerwald rang. ein hof heißt duvelbites gutol . Seibertz 391 (1280). andere nach dem teufel benannte örter verzeichnet Mones anz. 6, 231. . Auf solche vielfache weise hat sich ein, in seiner allgemeinheit, den Heiden unbekanntes wesen an die stelle ihrer gottheiten geister und riesen eingedrungen und eine menge ähnlicher oder widerstrebender eigenschaften in sich vereinigt. Dem Wuotan gleicht er als graumann und gemantelter wilder jäger, der durch die lüfte fährt und trägt, als zwietracht aussäend, würfelspielend und in seinen dienst menschen, die sich ihm geloben, empfangend. an Donar gemahnt der rothe bart, hammer und keil des teufels. Phol und Zio hängt mit dem sturmwind, jener mit den teufelsbauten zusammen. die ganze riesische natur und die teuflische haben das meiste untereinander gemein. 861 Cap. XXXIV. Zauber. Wundern ich verwende dies wort hier activ = wunder thun, in welchem sinn wunderer , der wunderthuende, aus ihm geleitet wird. Reinmar sagt Ms. 2. 154 b : ›wol dem wunder, daz der wunderære gewundert hât an der vil süezen‹. got ist der wahre wunderære Ms. 2, 171 b Trist. 10013, der aller wunder hât gewalt (oben s.  20 ) mirabilis deus (Helbl. 7, 12). Doch darf auch ein gottähnliche thaten verrichtender held, z. b. Erek den namen wunderære verdienen, ungefüger wird er auf einen wilden, teuflischen mann (in Etzels hofhaltung) angewandt (s.  787 ). heißt übernatürliche kräfte heilsam, zaubern sie schädlich oder unbefugt wirken lassen, das wunder ist göttlich, der zauber teuflisch; erst den gesunkenen, verachteten göttern hat man zauberei zugeschrieben aus demselben grund, weshalb ihnen menschlicher ursprung beigelegt wurde (s.  319 ). Snorri bezeichnet Ođinn forspâr und fiölkunnigr, er läßt ihn ›galdr qveđa‹. Yngl. saga cap. 4. 5. 7. Saxo gramm. (p. 13) schreibt ihm praestigia zu; merkwürdig ist seine eintheilung aller zauberer, die er mathematici nennt (Forcellini s. v. mathematicus), in drei arten: riesen, magier und aus beiden hervorgegangne menschliche; in den magiern sucht er die alten gottheiten (p. 9), vgl. seine äußerungen p. 103 über Thor u. Othin ›magicae artis imbuti‹. Auch das chronicon Erici (um 1288) stellt den Odin als ›incantator et magus‹ dar. . Mittelwesen zwischen ihnen und menschen, vielkundige riesen, listige elbe und zwerge zaubern; nur scheint ihre fertigkeit mehr angeboren, stillstehend, keine errungne kunst. Der mensch kann heilen oder vergiften, indem er natürliche kräfte zum guten oder bösen anwendet; er wird zuweilen der wundergabe theilhaftig, wenn er aber den heilbringenden gebrauch seiner kräfte zum natürlichen steigert, lernt er zaubern. Wunder geht mit rechten dingen, zauber mit unrechten zu, jenes ist geheuer, dieser ungeheuer (s.  762 ). unmittelbar aus den heiligsten, das gesamte wissen des heidenthums in sich begreifenden geschäften, gottesdienst und dichtkunst, muß zugleich aller zauberei ursprung geleitet werden. opfern und singen tritt über in die vorstellung von zaubern; priester und dichter, vertraute der götter und göttlicher eingebung theilhaft, grenzen an weissager und zauberer Nachtrag: Got wunderaere . Gerh. 4047. got du wunderaere . Adolf v. Nassau 230. got ist ein wunderaere . Helmbr. 1639. got wundert . Engelh. 455. 491. Krist wunderaere . Walth. 5, 35. nû möhte iuch nemen wunder, waz göte wâren bî der zît? si wâren liute, als ir nû sît , wan daz ir krefteclich gewalt was michel unde manecvalt von kriutern und von steinen.   Troj. kr. 858. alte götter sind zauberer . das. 859–911. Terramer nennt Jesus einen zauberer . Wh. 357, 23. Thors bildseule spricht, geht und kämpft, doch kraft des teufels . fornm. sög. 1, 302–306. Freys bildseule steigt vom wagen und ringt. das. 2, 73. 75. tiuvele wonent darinne. Rol. 27, 8. der gral macht frei von zauber: die edel fruht vom grâle unz an die funften sippe keines zoubers strâle traf in weder rucke, houbt noch rippe. Tit. 2414. die mathematici gehören zu den zauberern. so handelt cod. IX. tit. 18 de maleficis et mathematicis. mathematicus himilscowari. Diut. 1, 505 a . mathematicus tungelvitega, steorgleav. Haupts zeitschr. 9, 467 b . vaticinatores et mathematici, qui se deo plenos adsimulant. Jul. Pauli sentent. 5, 21. . So bei allen völkern, auch bei unsern vorfahren: neben dem göttercultus übungen finsterer zauberei, als ausnahme, nicht als gegensatz. die alten Deutschen kannten zauber und zauberer, und auf dieser grundlage ruhen zuerst alle nachher entsprungnen 862 vorstellungen. Schärfen und verwickeln muste sich aber die ansicht seit nach einführung des christenthums alle begriffe und bräuche der Heiden für trug und sündhaftes blendwerk erklärt wurden. die alten götter traten zurück und wandelten sich in teufel, was zu ihrer verehrung gehört hatte in teuflische gaukelei. Bald erzeugten sich überlieferungen von unmittelbarem zusammenhang des bösen feindes mit dem wesen der zauberei, die unerhörteste grausamste verwirrung zwischen phantasie und wirklichkeit ist daraus hervorgegangen. dergestalt flossen verübte und eingebildete zauberkünste in einander, daß sie weder in der bestrafung noch selbst in der begehung geschieden werden konnten. Bevor ich weiter untersuche, sind die verschiednen ausdrücke zu prüfen, mit welchen von altersher die zauberei benannt wurde. Beachtenswerth scheint, daß einige allgemeinere geradezu den begrif von thun oder bereiten enthalten, also auf unmerklichem übergang des rechten in ein verkehrtes thun beruhen. das ahd. karawan , ags. gearvjan haben nur die bedeutung facere, parare, praeparare, ornare, das altn. identische göra nähert sich der von zaubern, dän. forgiöre ; görnîng ist maleficium, görnîngar sind artes magicae, ungefähr wie das lat. facinus zugleich that und unthat bezeichnet, unser thun übertritt in anthun , einem etwas anmachen, anhexen; das altn. fordæđa (malefica) Sæm. 64 a . 197 b stammt von dâđ (facinus) mittellat. factura (sortilegium) facturare (fascinare) affacturatrix (incantatrix); ital. fattura (incantatio) fattucchiero (zauberer) fattucchiera (zauberin); prov. fachurar faiturar (zaubern) fachilieira , faitileira (zauberin); altfranz. faiture , faicturerie (zauberei); span. hecho (facinus) hechizo (incantatio) hechizar (zaubern) hechicero (zauberer) hechicera (zauberin). . nun aber drücken die gr. und lat. wörter ἔρδειν, ῥέζειν, facere (s.  33 ) nicht bloß aus wirken, thun, sondern auch, ohne daß ἱερά oder sacra hinzugefügt zu werden brauchte, opfern, ἔρδειν τινί τι ist einen bezaubern; das altn. blôta hat außer dem gewöhnlichen sinn von sacrificare, consecrare den von maledicere. ob sich fornæskja (zauberei) mit fôrn (opfer) verbinden lasse? ist schon s.  33 gefragt worden. Schwer zu erklären fällt das ahd. zoupar divinatio, maleficium, zouparari hariolus, zouparôn hariolari; N. schreibt zoufer ps. 57, 6. zouver Bth. 29. zouferlih , zouverlih Cap. 45. 99; das mhd. zouber , zoubern entspricht jener streng ahd. form, nd. tover und toveren , auch nnl. und mnl. (vgl. toverîe Maerl. 1, 260. 263. toverare 1, 266. 2, 176. 177, fehlerhafte schreibung ist toeverîe); altfries. tawerie Richth. 401. 21. Die isländ. sprache hat töfur instrumenta magica, töfrar incantamenta, töfra fascinare, töfrari magus, töfranorn saga (fornald. sög. 3, 205), wozu das norwcg. tougre fascinare (Hallager 131 b ), das schwed. tofver incantatio, tofverhäxa saga stimmt; man könnte spätere einführung dieser wörter aus Deutschland annehmen, da sie in altn. denkmälern nicht vorkommen auch das lüneb. wendische tóblatsch , zauberer (bei Eccard p. 291) tobalar , zauberer, towlatza , toblarska zauberin (nach Juglers wb.) scheint deutsches ursprungs, da andere slav. dialecte nichts ähnliches kennen. denn das sloven. zóper (zauber) zóprati (zaubern) zopernik (zauberer) zoperniza (zauberin) ist sicher nach dem deutschen. . ich weiß nicht, ob ein ags. 863 teáfor zu zoupar genommen werden darf; es bedeutet minium, color coccineus, und Lye gewährt ein unbelegtes tifran depingere, das vielleicht tŷfrian zu schreiben wäre? die beifügung des adj. reád teáfor (rubrica) ließe vermuten, daß teáfor allgemein zeichenfarbe war, deren man sich beim einritzen der buchstaben bediente, und so könnte es rune, geheime zauberschrift, folglich zauber aussagen ist die herleitung unseres ziffer , engl. cipher , franz. chiffre , ital. cifra , cifera (geheimschrift) aus einem arab. wort sicher? Ducange s. v. cifrae hat beispiele aus dem 12 jh. jenes ags. wort stimmt auffallend. ? zoupar und zëpar (s.  33 ), ags. teáfor und tifer zu vergleichen verbietet die abweichung der vocale, so nahe sich wieder die begriffe zauber und opfer lägen. viel lieber möchte man zoupar aus zouwan, goth. táujan, ags. tavian (facere, parare) ableiten und irgend einen unregelmäßigen übertritt des V, W in V, B, P statthaft finden nhd. gelb, farbe, gerben, mürbe, wo mhd. W. . selbst das litth. daryti, lett. darriht (facere) und slav. tvoriti (facere, creare, fingere) sind zu erwägen. Nicht geringeres bedenken verursacht ein anderer, dem sächs. volksstamm eigenthümlicher ausdruck. noch heute sagt man in Niedersachsen für zaubern, weissagen, wikhen , wicken (Ssp. 2, 13 Homeyer s. 117 var. x) und wigelen (wichelen), für wahrsager wikker , wichler , für hexe, wahrsagerin wikkerske , für zauberei wichelie . ebenso nnl. wikken und wichelen , wikkerij und wichelarij ; mnl. wikelare (ariolus) Maerl. 2, 323. 348 wigelare Kästners bruchst. 42 b , wigelinge (vaticinium) Kästn. bruchst. 12 b ; auch ags. die doppelten formen: viccian (fascinare) vicce (saga) viccungdôm (Cædm. 223, 17) oder viccancräft (ars magica); viglian (ariolari) vigelere (augur) vigelung (augurium, incantatio). umgestellt ist das fries. wiliga (incantatio) Richth. 401, 21. das engl. witch entspricht dem ags. vicce, vom verbum hat sich das part. wicked (perversus, maledictus) erhalten, die altengl. sprache hatte ein gleichbedeutendes adj. wikke ; ein zauberer heißt wizard , alle L formen mangeln. kein älterer oder neuerer hochd. dialect kennt etwas dergleichen; dennoch scheint mir der ausdruck aus einer allen zweigen unserer sprache gemeinen wurzel, aus veihan (no. 201) abzustammen, das ursprünglich wieder facere, conficere, sacrare bedeutete, von dem veihs (sacer) ahd. wîh herrührt. und das subst. vaíhts (res) vgl. slav. tvar, tvor (creatura κτίσις). vaíhts, wicht nahm die bedeutung daemon an (s.  363 . 364 ), das altn. vættr , örm vættr (arme wicht) bezeichnet Sæm. 214 b eine hexe man hat vegius in der lex Burgund. 16, 3 und ahd. 1, 8 für einen zauberer genommen, es bedeutet aber, wie die rubrik viator in der letzten stelle zeigt, wegführer, index, delator. . KK in wikken nehme ich wie in Ecke (s.  196 ) aus der wurzel agan, und G in wigelen, CH in wichelen (offenbar ein CH = H) dient zur bestätigung. Buchstäblich unverwandt, in der bedeutung nahstehend scheint 864 ahd. wîzago , ags. vîtega , vîtga (Cædm. 218, 18. 224, 13), nhd. weissage , d. i. prophet und wahrsager, aber in gutem, nicht in bösem sinn; das entsprechende altn. vitki (Sæm. 63 a . 118 a ) steht für vitugi (vgl. vitug Sæm. 94 a ) wie ecki, eitki für eitgi (gramm. 3, 738), vætki f. vætgi. mit diesem altn. vitki (vielleicht vîtki?) hat man fälschlich jenes ags. vicce verglichen, nie geht ags. CC aus TG hervor, wenn auch ags. CC zu engl. TCH wird in der bedeutung stimmen: weiser mann , weise frau , kluge frau ; altn. vîsindamađr (fornald. sög. 1, 5) weiser mann, philosoph, physiker. serb. vjetscht (peritus) vjetschtaz (veneficus) vjetschtitza (venefica); poln. wieszczka (zauberin, weissagerin) wieszczyka (nachtfrau, lamia), sloven. vesha (hexe). . das entsprechende verbum ist ahd. wîzagôn , ags. vîtegian , mnl. witegen Diut. 2, 202 b . Ganz gleich dem vîtega und vitki standen die altn. namen spâmađr und spâkona , spâdis (s.  77 . 332 ), ursprünglich die gabe der weisheit und voraussagung, wie sie dichtern oder priestern beiwohnt, ausdrückend analog das altfranz. devin . divin zauberer, divinator. , giengen sie nach und nach über in den begrif teuflischer zauberer und zauberinnen. schon jenes forspâr und fiölkunnigr bei Snorri (s. 861) hat den übeln nebensinn. fiölkunnigr (multiscius) bezeichnet allmälich einen zauberer, fiölkunnâtta fiölkŷngi , ja das einfache kŷngi (= kunnugi) zauberei. diese kŷngi wurde ordentlich erlernt: Rögnvaldr nam fiölkŷngi , Harald hârf. saga cap. 36. Walth. 116, 29 sagt von einer wunderschönen frau ›daz si iht anders künne (sich auf andre künste verstehe, zaubere) daz sol man übergeben‹ (daran soll man den gedanken fahren lassen). Hans Sachs nennt ein altes zauberweib abwechselnd ›die alt unhuld‹ und ›die weise frau ‹. IV, 3, 32. 33 Nachtrag: Das böse ist das unrechte: es geht nicht mit rechten dingen zu . ›das ich solcher frawen sei, die mit bosen stucken umbgen.‹ Bodm. Rheing. 424 (a. 1511). altn. fordæđuskapr , fordæđuverk veneficium. fordeþscipr Gutalag 77. fördæþa . Ostg. lag. 225. ags. mânfordædlan malefici. Beov. 1120. die glosse zu lex 1 § 2. Dig. de obseq. par. (indignus militia judicandus est qui patrem et matrem maleficos appellaverit): hoc est qui matrem dixerit affactoratricem . ahd. zoupar . Graff 5, 580–582. mhd. den selben zouber. Hartm. 1 büchl. 1347. das zouber. das. 1318. das zouber = zaubertrank: mir ist zouber gegeben. Herb. 758. Circe kunde trenke geben, sulich zouber , sulche spîse. das. 17631. mlat. zobria f. Mones anz. 7, 424. mit zouber varn. MS. 1, 73 b . seltsam heißt es im Dresd. Wolfdietr. 162: kein zouber dir kan gewinken (: trinken). tover en ontfoerdene mi. Karel 1, 1469. si zigen in zouberlîcher dinge. Trist. 272, 2. zouberliste . Eracl. 1062. zouberliste tragen. MS. 1, 78 b . zouberliste hân. MS. 1, 99 b . ummegan mit toverye und wyckerie . Burmeister alterth. 25 (a. 1417). tovern und wykken . das. witken . Bruns beitr. 337. wickerie ; bote , wichelie . Gefken beil. 141. toverie , wickerie . das. 124. welsch gwiddan hexe. ahd. wichôn saltare, gesticulari. Graff 1, 708. vgl. Haupts zeitschr. 3, 92. Ags. hveoler augur, fugle hveoler von hveol rad. lett. deewaredsis , der gott schaut und verborgnes entdeckt vgl. devins (s.  390 ). gr. χράω weissage leitet Buttmann 2, 256 von greifen vgl. Grîpir (s.  390 ). weishexen . Gryphius Dornrose 90, 27. wîzanunc divinatio. wizzigo vates. gl. schlettst. 6, 699. ein wizzag gewaere . MS. 2, 189 b . vitka lîki fara Sæm. 63 a . vgl. engl. the wizard. altn. gan magia. Biörn. inconsultus gestus. Nialss. s. 683 a . ags. hvata omina, divinationes. can. Edg. 16 ( anm. 2755 ). Lat. veratrix wahrsagerin, zauberin. verare vera dicere vgl. veratrum . lit. wardyti zaubern. altn. satt eitt sagđak. Sæm. 226 b . ahd. wârsecco divinator. der warsager , unser warsager tut mir warsagen. H. Sachs II. 4, 12 b . 13 b . der ein geschäft am ort damit treibt, wie bei Finnen und Lappen. Suomi 1846 s. 97. 98. Fara til fiölkunnigra Finna. fornm. sög. 2, 167. kŷnga magica. Laxd. 328. Cavallius voc. verl. 38 a hat kyng krankheit. lcikur hexen, versiformes. Grottas. 11. zwischen Lauterbach und Grebenau wurde eine wahrsagerin, › e blô kend ‹ d. i. ein blau kind genannt. . Insofern spähen voraussehen und sehen ist, kann ich daran noch einen andern ausdruck für zaubern reihen. ohne alle leibliche berührung wird durch bloßen blick, durch ein böses auge eingewirkt: das hieß in der alten sprache entsehen (s.  382 ). Weil aber der spähende, kundige vates zauberweisen singt, segensformeln spricht, musten schon im alterthum ausdrücke wie unsere heutigen beschreien , beschwatzen , berufen , überrufen , beschwören für zaubern gelten. das ahd. kalan , ags. galan , altn. gala war nicht nur canere, sondern auch incantare, ein bindendes hersagen, singen der zauberworte. solch ein gesprochner zauber hieß altn. galdr , ags. galdor , ahd. kalstar (nicht zu mengen mit këlstar, opfer s.  32 ) mhd. galsterîe Schwanr. 813; galsterweiber kommt noch nhd. für hexen vor; an sich schien galdr etwas unsträfliches, da man meingaldr (bösen zauber) unterschied. fornm. sög. 2, 137. altn. galdra fascinare, galdramađr incantator, galdrakona saga, ags. galdorcräft magia, galdere magus; ahd. kalstarari incantator, ›Medea diu handega galsterâra ‹ N. Cap. 100. ebenso stammt das franz. charme , charmer aus carmen, enchanter , incantare aus cantus und canere. Aus dem mittellat. carminare besprechen gieng auch ein ahd. garminari , germinari incantator, germinôd incantatio (Diut. 865 2, 326 b gl. Doc. 213 b ) germenôd N. Cap. 100 hervor, das in der späteren sprache wieder verschwand. Schon mhd. hieß die zauberformel segen ; segenærinne zauberin. Auf diesen nothwendigen zusammenhang der zauberei mit dem wort und der dichtkunst wird cap.  XXXVIII noch näher eingehn; da aber das geheimnis der rede leicht übertritt in das des zeichens, wort und schrift sich innig vermählen, und der in unserm idiom althergebrachte ausdruck runa beide richtungen umfaßt; so fällt dadurch licht auf jene verwandtschaft zwischen zoupar und teáfor (s.  863 ), aber auch auf das loßen (s.  866 ) das mit runstäben bewerkstelligt wurde. Das goth. afhugjan , von sinnen bringen, sinn und gemüt verwirren, verdeutscht Gal. 3, 1 βασκαίνειν = fascinare rührt daher oder vom ital. fasciare das franz. fâcher, früher fascher irritare, span. enfadar? ; ags. ist dyderian , bedyderian illudere, incantare, womit vielleicht das hd. tattern, dottern (angi, delirare) zusammen hängt. nhd. sagen wir verblenden , blendwerk vormachen. Jenes altn. von riesen und geistern giltige tröll (s.  436 ) wird auch auf zauberer angewandt, tröllskapr ist zauberei, schwed. trolla , dän. trylle incantare, trolldom , trolddom zauberei; im Gulaþîngsl. s. 137 steht at vekja tröll für zaubern, was an das veckja hildi und wecken der Sælde (s.  720 ) gemahnt. Das heutige friesische tsyoene fascinare, tsyoener zauberer, tsyoenster zauberin muß sich (da ts öfter vor î und y im anlaut k vertritt) aus der altn. nebendeutung von kyn (monstrum) deuten lassen, vgl. mhd. kunder. Nicht befriedigend zu erklären vermag ich das altschwed. viþskipli , welches im Vestgötalag für zauberei, doch nicht die schwerste sondern durch kirchenbuße zu tilgende vorkommt: far konä meþ viþskiplum p. 153; värþer taken meþ viþskipplum p. 228; convictus de widskiplum p. 321; es ist deutlich das heutige vidskepelse superstitio; skipa ist sonst ordinare, facere und in vid muß das unrechte, unerlaubte liegen. vgl. cap.  XXXV anfang. Schon in der edda kommt seiđr im sinn von zauber vor: › seiđ hon kunni‹ heißt es Sæm. 4 b von einer vala oder völva, seiđberendr Sæm. 118 a sind zauberer, welchen völur und vitkar zur seite stehn. noch häufiger wird der ausdruck in den sagen. wäre zu schreiben seyđr (fornald. sög. 2, 130 steht so in einem gedicht), so ergäbe sich die leichteste ableitung von siođa (coquere), zugleich wieder berührung mit dem goth. sáuþs (s.  32 ). seiđmađr ist zauberer, seiđkona , seyđkona , kluge frau, die sich aufs sieden und kochen zauberkräftiger heilmittel versteht seyđr oder sauđr dichterisch ein name des siedenden, kochenden feuers, ›â seyđi bera‹ Sæm. 54 a aufs feuer setzen, zum kochen tragen, sieden lassen. . Indessen erscheint seiđr deutlich als ablaut von sîđa (Yngl. saga c. 16. 17), Loki wirft dem Ođinn vor, daß er gezaubert habe: ›þik sîđa kođo‹ Sæm. 63 a , und nie habe ich dafür siođa gefunden, so daß beide wörter, wenn schon verwandt, geschieden bleiben oder erst in 866 einem übertritt aus der vierten in die fünfte ablautsreihe gerechtfertigt werden müssen. Das ahd. puozan ags. bêtan ist emendare, aber auch mederi, dem übel abhelfen, heilen; noch jetzt hat in Westfalen böten Roth de nomin. vet. Germ. med. p. 139. bezug auf alte zaubermittel des volks, gegenüber der gelehrten arzneikunst (abergl. 873 ), der teutonista stellt boiten synonym auf mit zaubern, auch mnl. ist ût boeten sanare. Reinh. 5394 weniger anziehend sind fremde namen, z. b. das ags. drŷ magus, pl. drŷas, drŷcräft magia, dessen celtische abkunft uns der bekannte name der druiden verräth; ir. draoi zauberer, draoidheachd zauberei. Nigrômanzie haben schon dichter des mittelalters Ms. 2, 10 b , der list von nigrômanzî Parz. 453, 17. 617, 12 und list entspricht dem altn. îđrôtt , das Snorri auf den zauber anwendet, nigromancîe Maerl. 2, 261; ›der swarzen buoche wis‹ Troj. 7411; ›suochen an den swarzen buochen ‹ Martina 20 a ; ›nû lêr etz in sîn swarzez buoch , daz ime der hellemôr hât gegeben‹ Walth. 33, 7; schwarze kunst , schwarzkünstler erst in späterer zeit. dies alles beruht auf einem misverstand des gr. νεκρομαντεία. im vocabularius von Ulm 1475 liest man: › nigramansia dicitur divinatio facta per nigros i. e. mortuos, vel super mortuos vel cum mortuis‹. Merkwürdig heißt es Bit. 79 von Tolet : ›ein berc lît nâhen da bî, dâ der list nigrômanzi von êrste wart erfunden‹; eine andere meinung trägt Herbort 9372 vor. Nach Spanien und Apulien zu Sarazenen versetzte unser MA. gern den ursprung dieser kunst: ›ein püllisch zouber‹, Ms. 2, 133 b . . Weil nun kochen der heilmittel und gifte leicht zusammen fällt, wird das ahd. luppi , ags. lyf , mhd. lüppe von vergiftung und zauberei gebraucht: › lüppe u. zouber trîben‹ Berth. 12; lüppærinne (Berth. 58) ist zauberin, gerade wie sich veneficium und venefica im lat. verhalten. das goth. lubjaleisei ist Gal. 5, 20 φαρμακεία, zauberei und leisei wie list in zouberlist Iw. 1284. Selbst das goth. lêkeis, ahd. lâhhi (medicus, im guten, reinen sinn des worts) lâhhinôn (mederi) lâhhan (remedium) liegt den ausdrücken lâchenærinne (zauberin) Oberl. bihteb. 46, lachsnen (quaksalbern, zaubern) lachsnerin (hexe) Stald. 2, 150 zum grund. In hessischen hexenacten des 16 jh. ist die übliche, ja einzige bezeichnung des bezauberns derren , d. h. nocere, wie schon das ahd. tarôn außer nocere fraudare, officere, illudere bedeutet Nachtrag: Ein gesprochner zauber hieß mhd. galster . Lanz. 7011. mit galsterliste . fundgr. 2, 100. galstern . Stald. 1, 417. Carminatores, carminatrices . MB. 16, 242 (a. 1491). Vermeinen bezaubern. Schm. 2, 587. vermaynen ad oculos, dentes. Mones anz. 7, 423. verschiren fascinare. Diut. 2, 214 b verschieren , beswögen . Müllenhoff s. 560. verruochen und vermeinen . Ges. Abent. 3, 78. homines magicis artibus dementare . Lambert. s. 214. a. 1074. Kilian hat ungheren zaubern, unghers maleficus, ungherhoere malefica, unghers eyeren volva q. d. manium sive cacodaemonum ova. van den Bergh s. 58 hat für zauberer und zauberin die friesischen ausdrücke tjoenders en tjoensters . fascinatione ougpente . gl. schlettst. 25, 149. Altn. seiđr zauber. Gunnhildr lêt seiđ efla . Egilss. 403. seiđstađr oder seiđstafr . Laxd. 328. vgl. lapp. seita . Castrén myt. 207. 208. kräuter sieden s.  911 . strümpfe s.  915 . Mhd. die buoze versuochen (das zaubermittel). Morolf 916. sühte büezen . Freid. 163, 16. de tene böten , zahnschmerz stillen. Haupts zeitschr. 3, 92. boeten . Gefken beil. 151. 167. boterie . Gefken beil. 124. 175. 177. zanzeln zaubern. Mielcke 36 a . Lupperie . Gefken beil. 109. 112. lâchenîe . Troj. kr. 27. 234. lâchenaere das. 27240 vgl. 963. stria aut herbaria . lex Alam. add. 22. Altn. bölvîsar konor. Sæm. 197 b (oben s.  826 ). altn. frœđi scientia, meist magia nigra ( anm. 2613 ). Nnl. ausdrücke für zauberin, hexe sind: nachtloopster , weermakster wettermacherin, luistervink heimlich murmelnde, grote kol (pferd). op kol rijden = zaubern. Weiland s. v. kol. in ma anwôt sein, behext sein. Wolfs zeitschr. 2, 54. Necromanticus habebat cucullum ac tunicam de pilis caprarum . Greg. tur. 9, 6. vgl. indutus pellibus das. 10, 25. Das ags. drŷ magus kommt nicht von δρῦς eiche (s.  1008 ), sondern vom ir. draoi zauberer, dessen pl. draoithe lautet, woher das röm. druidae stammt. Leo malb. gl. 1, 23. Davies celt. res. 139 leitet druid von welsch derwydd ab. Der zauber wird im buch gelesen: sîn zouber las . pass. 171, 25. ein pfaffe der wol zouber las . Parz. 66, 4. ›ich hân von allem dem gelesen daz ie geflôz und geflouc ‹ sagt der weissage. Troj. kr. 19057. in den swarzen buochen lesen. Ksrchron. 13234. finn. lukia lesen, heißt in den runen immer beschwören. Castréns vorr. s. X. ze Dolet ich niht lernen wil von der nigromanzîe. MS. 2, 63 b . zu Toletum die ars necromantica lernen. Caesar. heisterb. 5, 4. vgl. Jubinal mystères 1, 396. noch sô lernet man die list in einer stat zuo Tolêt diu in Hispanien stêt. Herb. 562. vgl. Frommann s. 225 und ze Dolêt (s.  875 ). ein stat heizet Persidâ , dâ êrste zouber wart erdaht. Parz. 657, 28. die fahrenden schüler (vagi, vagantes) ziehen von einer schule zur andern und lernen schwarze kunst. H. Sachs II. 4, 19 d . vgl. oben s.  855 von des teufels schülern und jüngern. Cain lêrte sîniu chint dei zouber dei hiute sint. Diut. 3, 59. . Ein theil der weissagungskunst beruhte auf dem werfen und deuten des loßes. gleich dem lat. sortilegium und sortilegus (mittellat. sortiarius , woher franz. sorcier ) sind in unserer alten sprache die wörter hliozan (Graff 4, 1122) mhd. liezen (augurari) Diut. 3, 107. 108. Er. 8123. hliozari , liezœre (augur, divinator) anwendbar auf zauberei. weil man nun sagte mittere, jactare sortem, scheint daher die ausdrucksweise entnommen: zouber werfen Wolfd. 515. 520. 533. jeter un sort, maleficium super jactare (lex sal. 22, 4). mhd. zouber legen Walth. 115, 32. 116. 23. 25. Schwed. ist tjusa zaubern, ich denke kjusa , altn. kiosa, kiesen, spähen (gr. 4, 848) wählen, eligere sortem, aber auch die vala, die weise frau und zauberin, ist eine wählende, valkyrja. 867 Eine art weissagungen geschah mit dem becher (genesis 44, 5). aus der lat. benennung caucus (für scyphus) soll cauculator (capitul. a. 789 § 63. capitul. 1, 62. 6, 373) und coclearius (capitul. a. 789 § 18. capit. 5, 69) entspringen, daher das ahd. coucalari (scenicus, magicus) gl. mons. 377. gougulari O. IV. 16, 33. koukelari Georgslied 25, goucaltuom (magia) gl. mons. 375. goukel (praestigium) N. ps. 65, 3; mhd. gougel gougelære Walth. 37, 34, nhd. gaukel ; altn. kukl (praestigium) kuklari (magus); mnl. cokelere (hariolus) Diut. 2, 217 a . andere leiten gaukler von joculator, wofür die milde bedeutung der taschenspielerei zu sprechen scheint, welche wir noch jetzt mit dem begrif von gauklerei verbinden: es sind unschuldige, zum scherz und zur erheiterung geübte zauberkünste, vgl. gougelbühse Walth. 38. 6. Renn. 2244. gougelstok Martina 9 d , gougelfuore MsH. 3, 166 a 186 a , gougelspil MsH. 3, 438 b , goukelhüetlin Renn. 16719 vgl. Walth. 37, 34. Nnl. guichelen , gochelen , goghelen ; guichelaar ; gokelt onder den hoet, Ferg. 2772, die form guichelen gemahnt an wichelen (s.  863 ) und wirklich kommt eine ags. schreibung hveolere , hveohlere (an hveohl rota gemahnend) für vigelere vor, so daß man wol ein altfränk. chuigalari vermuten und darauf cauculator zurückführen möchte, wenn nicht alles andere entgegenstände. Auch das böhm. kauzlo (zauber) kauzliti (zaubern) poln. gusla (zauber) guslarz (zauberer) sei hier noch angeführt. die letzte form wäre man versucht auf das serb. gusle, russ. gusli, d. i. leier, geige, harfe, das bezaubernde instrument zurückzuführen, wiche nicht poln. gesle, böhm. hausle ab Nachtrag: Mhd. liezen ist augurari. stille liezen . Er. 8687. ich kann vliegen und verliezen . MS. 1, 89 a . sahsluzzo magus. Hattemer 1, 259 b . Auch zouberse ist sortilega. Wolfs zeitschr. 2, 72. kanstu von zouber meisterschaft die wirf an sie . Laurin 1675. Mit dem schwed. tjusa zaubern vergleiche das dän. kyse terrere. Burt sortilegium, burten zaubern, weissagen. Gefken 99 vgl. litth. burtas loß, sors, burti wahrsagen, burtininkas loßwerfer. lett. burt hexen, burtnecks zaubermeister. Das loß spricht. al darnâch daz lôz geseit, seit ez wol, misseseit ez. MS. 1, 156 a . Gougulares list . O. IV. 16, 33. cauculare magus. Haupts zeitschr. 3, 382. mit gouegeles liste . fundgr. 2, 99. gouegelâre list . das. 99. 100. de gouchelâre . MB. 8, 482. ein goukel . Eracl. 1110. gokelt onder den hoet. Ferg. 2772. underm huol gaukeln . Suchenw. 29, 45. darf man an zusammenhang mit gouch cuculus denken? dän. heißt der kukuk gjög und zauhern göjgle , aber ahd. steht neben kouh koukalôn . taschenspielerkünste übt frère Barbarin im Flores und heißt encanteor . altn. bedeutet sionhverfîngar praestigiae. Sn. 79 und ags. gedvimor , gedvymor fantasma, praestigium. Ein altes wort ist ahd. hliodar , ags. hleođor sonus, vaticinium, das altn. hliođ heißt nur sonus. ahd. hleodarsâzo hariolus, necromanticus. hleodarsizzeo , hleodarsezzo ariolus. hleodarsâza vaticinium. Graff 6, 302. 304. liodersâza Hattemer 1, 261. in cervulo in liodersâza , coragius liodirsâzo . gl. schlettst. 23, 3. 8. vgl. abergl. A . der wahrsager sitzt also auf einem stul? der sahsluzzo magus (Graff 6, 91. 2, 322) scheint mit messer oder schwert zu weissagen. . Die verschiednen benennungen des zaubers haben uns auf die begriffe thun, opfern auch wo sich der buchstabe sträubt fällt die berührung auf: fôrn und forn, gëlstar und galstar, sauđ und seiđ, zëpar und zoupar. , spähen, weissagen, singen, segnen (geheimschreiben), verwirren, blenden, kochen, heilen und loßen geführt. Sie zeigen, daß er von männern wie von frauen getrieben wurde. Unser frühstes alterthum hat ihn aber schon vorzugsweise frauen zugeschrieben. einflußreicher, kundiger als der zouparari, vigelere, spâmađr, galdramađr scheint die zoupararâ , vicce , wikkerske , kalstararâ , galdrakona , spâkona , ja es treten andere, fast bloß auf weibliche zauberkunst bezügliche namen hinzu. Den grund hiervon suche ich in allen äußeren und inneren verhältnissen. Frauen, nicht männern, war das auslesen und kochen kräftiger heilmittel angewiesen, wie die bereitung der speise ihnen oblag. salbe fertigen, linnen weben, wunden binden mochte ihre linde, weiche hand am besten; die kunst buchstaben zu schreiben und zu lesen wird im mittelalter hauptsächlich frauen beigelegt. Den unruhigen lebenslauf der männer füllte krieg, jagd, ackerbau und handwerk; weibern verliehen erfahrung und behagliche muße alle befähigung zu heimlicher zauberei. das einbildungsvermögen der frauen ist wärmer und empfänglicher, von 868 jeher wurde in ihnen eine innere, heilige kraft der weissagung verehrt (s.  77 . 329 ). frauen waren priesterinnen und wahrsagerinnen (s.  45 . 77 . 78 ); germanische und nordische überlieferung hat uns ihre namen und ihren ruhm erhalten, das vermögen des schlafwandelns zeigt sich noch heute größtentheils an frauen. wiederum aber muste, von einer seite her betrachtet, die zauberkunde hauptsächlich alten weibern eigen sein, die der liebe und arbeit abgestorben ihr ganzes sinnen und trachten auf geheime künste stellten ›wen man ein man verbrent, so brent man wol zehen frawen ‹. sagt Keisersberg omeiß 46 b . ein wunderaltez wîp bescheidet den troum. Walth. 95, 8; eine kerling frôđ ok framsŷn weissagt von einem holz, das in der feuersbrunst brennen soll. Nialssaga 194. 199. Schon eine frühe zeit legte den alten weibern größere list und bosheit als dem teufel selbst bei, wie die artige sage von der alten lehrt, die friedliche ehleute zu veruneinigen wuste, was der teufel nicht vermocht hatte, und dafür von ihm ein paar schuhe behutsam, weil ihm vor ihr bang wurde, auf einem stecken gereicht erhielt. Morolf 917–1007. Haupts altd. bl. 2, 81. H. Sachs II. 4, 9. Melander jocoseria 2, 53. conde Lucanor cap. 48. dabei lauft aber keine hexerei unter, wenn schon in der ersten bearbeitung das weib zouberin heißt. . Schon Snorri in seiner merkwürdigen äußerung über den ursprung des zaubers (Yngl. cap. 7) sagt, den männern (karlmönnum) sei es unehrlich erschienen die zweideutige kunst zu üben, so habe man die göttinnen oder priesterinnen (gyđjur kann beides bezeichnen) darin unterwiesen. Je nach verschiedenheit der volksmeinung berühren sich nornen und völven (s.  333 . 334 ), valkyrien und schwanjungfrauen mit göttlichen wesen oder zauberinnen. Auf diesem allem zusammen, auf einer mischung natürlicher, sagenhafter und eingebildeter zustände beruht die ansicht des mittelalters von der hexerei. Phantasie, tradition, bekanntschaft mit heilmitteln, armut und müssiggang haben aus frauen zauberinnen gemacht, die drei letzten ursachen auch aus hirten zauberer Nachtrag: Zauber wird vorzugsweise frauen zugeschrieben. die priesterinnen und wahrsagerinnen sind alt, grauhaarig (s.  79 ). Sibylla ›saz antfas an irme betehûs‹. En. 2694. grôz und grâ was ir daz hâr und harte verworren als eines pferdes mane. das. 2698. daz mies lokehte hienc ir ûz den ôren. das. 2708. neapol. scirpia , brutta strega, von scirpus, juncus. ein wunderaltez wîp deutet den traum und wird dazu geeidet. Walth. 95, 8. vielle sorcière . Méon 3, 159. weissagende fostermoder . Arvidss. 2, 5. kerlînga villa . Sæm. 169. alter wîbe troume. Türl. Wh. 82 a . ein teufelsgerittene wurzeltelberin, segensprecherin und abgeribene krautgraserin . Garg. 189 a . ir. cailleach bedeutet eine verschleierte , dann alte frau und hexe. Auch hirten sind zauberer, ›weil wir schäfer natürlich, der welt abscheidend, in stiller einsamkeit viel nachdenken, bei harmlos grasenden schäflein‹. Voss idyll. 9, 49. . Den lat. ausdrücken saga sagire sentire acute est: ex quo sagae anus, quia multa scire volunt. Cic. de div. 1, 31. , strix , striga lex sal. 22. 67. lex Alam. add. 22 stria , altfranz. estrie (oben s.  238 ), ital. strega , stregona (woher vielleicht jenes schweiz. sträggele s.  779 ); ein zauberer heißt ital. stregone . ursprünglich war strix, στρίγξ der nachtvogel, die eule. striges ab avibus ejusdem nominis, quia maleficae mulieres volaticae dicuntur. Festus s. v. , venefica , lamia , furia entspricht unser hexe , worunter man sich bald eine alte, bald eine junge frau denkt, und es kann schmeichelnd von einer schönen, lebendigen hexe die rede sein. die ahd. form dieses wortes lautet hazus , hazusa , hazasa (Graff 4, 1091); hazzuso (eumenidum) Diut. 2, 350 a ist gen. pl. von hazus, hazes (Diut. 2, 346 a ); hezesusun (furiis) Diut. 2, 337 b scheint verderbt aus hegezusun? gl. flor. 21 geben hegezisse , der echten vollen form hagazus oder hagazusa ( anm. 2615 ) versichert uns das ags. hägtesse , mnl. hagetisse Diut. 2, 229 b , haghedisse hor. belg. 1, 119, die kürzung zeugt, wie in tâlanc aus tagalank, für alter und gangbarkeit des worts 869 und dann wäre auch ahd. hâzus vorzuziehen, N. Cap. 105 scheint hâzessa zu stehn (Wackern. lb. 153, 36), Graffs hâzessa zum trotz. Nur selten begegnet ein mhd. hegxse , hexse (Martina 90 c 106 b ) hecse (Oberl. bihteb. 46); in der Schweiz sagt man hagsch , haagsch (Stald. 2, 10); nach Schmid schw. id. 156 heißt zu Ulm ein altes, geiziges weib hekkäs , das ist nichts als hexe, nur anders geschrieben. Weil aber neben dem ags. hägtesse auch hägesse , engl. hag , mhd. hächel (Ls. 2, 638), schweiz. häggele (vgl. sträggele) erscheint, mögen die ableitenden buchstaben der einfachen wurzel hag wenig zufügen. das altn. adj. hagr bedeutet dexter, artificiosus, kann also ganz den sinn des lat. sagus haben: hexe ist ein kluges, verschmitztes weib. die altn. sprache verwendet aber weder ein männliches hagr, noch weibliches hög auf solche weise, das schwed. hexa , dän. hex verrathen schon in der schreibung nhd. ursprung. Für hexen (fascinare) gewähren oberd. mundarten hechsnen und damit überein tritt das altfries. verbum hexna (Richth. 159, 25. eine hs. hat hoxna), dalekarlisch gilt hågsa, hugsa. Noch bis ins 16. 17 jh. wird jenen unhäufigen mhd. formen die benennung unholde vorgezogen, die eigentlich teufelin (s.  221 ) aussagt, diu unholde (Martina 170 c 172 c ), woneben zuweilen das masc. unholdære , bei Keisersberg und H. Sachs ist unholde der gewöhnliche name; erst im 17. 18 jh. gewan dafür hexe allgemeinheit. hin und wieder bedient sich das volk eines masc. hex für zauberer; in Schwaben der hengst (Schmid 273) in der Schweiz haagg , hagg , hak , betrieger, gaukler, auch jenes ahd. hâzus strio (masc. zu stria, striga? kaum histrio?) könnte männlich sein. Vielen schon lag die vergleichung der griech. Hecate (Ἑκάτη) allernächst, doch die buchstaben stimmen zu sehr, gegen die lautverschiebung, und dem mittelalter würde wol ein unaspiriertes Ecate überliefert worden sein; weder Ecate noch Hecate erscheint in mlat. und roman. quellen für zauberin, wie sollte das wort in Deutschland um sich gegriffen haben? Bei dem mnl. haghedisse (strix) wäre aber zu erwägen, daß nnl. eghdisse , egdisse , haagdisse lacerta ausdrückt = nhd. eidechse, ahd. egidehsa, ags. âđexe und die eidechse ein zauberthier zu sein scheint, und in den hexenprocessen wirklich vorkommt, daß hexen statt der gewöhnlich genannten elben eidechsen geboren hätten märkische forschungen 1, 260. Nachtrag: Hegitisse eumenides, hägtis striga. gl. Jun. 378. 381. hazzisa eumenides. gl. schlettst. 6, 273. haghetissen . br. Gheraert 717. vgl. hezosun palaestritae. Graff 4, 1073. hagedisse lacerta (ahd. egidehsa) gemmula antwerp. bei Hoffmann hor. belg. 7. im ring 210. 211 heißt sie häxe , ring 219 häxe und unhold. ist das lit. kékszě hure aus hexe gemacht, wie keksztas aus heher? im ring s. 230 heißt eine hexe Hächel , zaubermeisterin. vgl. hägili (hexlein) stâ! ring 57. das schweiz. hagsne hexe (Stald. 2, 10) könnte auf ahd. hahsinôn subnervare führen, weil die hexe entnervt (comedere nervos s.  905 ). vgl. fries. hexna hoxna hoxne, poples. . Im span. hechicero und hechicera finde ich wieder nur zufälligen anklang (s.  862 ); das span. bruxa (südfranz. bruesche ) bezeichnet einen unheilbringenden nachtvogel, und wurde wie strix auf die vorstellung hexe übertragen. Häufig gilt drut oder drude für gleichviel mit hexe, genauer unterschieden bedeutet drut den plagenden, drückenden nachtmahr; aus welchem heidnischen wesen diese drut entsprang wurde s.  351 gewiesen, es war leicht, elbische geister des alterthums später mit menschlichen zauberinnen zu mengen; auch bilwiz , belewitte (s.  391 . 392 ) werden verschiedentlich im hexenwesen begegnen. 870 Vorzügliche aufmerksamkeit verdient aber eine reihe uns in den altn. denkmälern dargebotner benennungen, und hier sehen wir die zauberfrauen zunächst an den begrif der riesinnen stoßen. tröll ist der allgemeine bald riesische und elbische, bald zauberische wesen begreifende ausdruck (s.  436 ), so jedoch, daß früher die riesennatur, später die teuflische vorwaltet. tröllahâls , tröllaskögr , tröllatûnga hat das Landnâmab. tröllskapr darf einmal jenem iötunmôđr (s.  439 ), dann auch unserm hexerei und zauber entsprechen. wiederum aber ist kaum von einem tröllmađr, häufig von einer tröllkona die rede und namen von riesinnen wie flagđ , skass , skessa (s.  436 ) werden unbedenklich auf zauberinnen angewandt. zahlreiche ausdrücke sind Sn. 210 hergezählt, die zum theil schwer zu deuten noch lange den forscher beschäftigen müssen. andere alterthümliche und dichterisch aufgefaßte nennt eine tröllkona selbst Sn. 175 dem ihr abends begegnenden Bragi. aus der fülle dieser benennungen geht ein hohes alter der zauberei im Norden und ihre tiefgewurzelte berührung mit dem zauberwesen des übrigen Europas hervor; ich werde die bedeutsamsten solcher namen im laufe der abhandlung anführen und erklären. Auf diese etymologische grundlage der in betracht kommenden allgemeineren ausdrücke lasse ich eine erörterung der sache selbst folgen. Anheben will ich aber diesmal von dem altn. stand der zauberei, dessen ältere und wie mir scheint unvermischtere beschaffenheit uns vor allen dingen bestätigt, daß frauen und nicht männern die hauptrolle dabei überwiesen war. Zwar unterscheidet edda Sæm. 118 a völur , vitkar und seiđberendr , wovon nur die ersten weiblich, die beiden andern männlich sind, ja alle drei werden von Vidôlfr , Vilmeiđr und Svarthöfđi abgeleitet, über welche angebliche urheber alles zaubers nichts befriedigendes zu sagen ist; wie wenn Svarthöfdi , Schwarzhaupt auf jene schwarze kunst und die schwarze teuflische farbe insgemein (s.  829 ) zu ziehen wäre? Vilmeiđr aus vil (favor, beneplacitum) und meiđr (arbor) zusammengesetzt würde vielmehr auf die frohe kunst des dichtens (s.  750 ) gehn dürfen. Viđôlfr mag einerlei sein mit einem von Saxo gramm. 122 genannten Vitolfus ›medendi peritus‹. Dennoch scheinen mir die völur , wie sie auch zuerst genannt werden, den andern vorzuragen, in jenem mit Bragi gewechselten liede (Sn. 175) wird der zauberin vilsinn (besser wol vilsinni, acc. vilsinna) völu , d. i. freund und gefährte der völa beigelegt; vitkar, vîtkar sind die ahd. wîzagon, weissager, vates, was meiner deutung des Vilmeiđr zu statten kommt. seiđr darf nicht ausschließlich den männern zugesprochen werden, wir sahen schon (s.  865 ) und wollen gleich näher ermitteln, daß er auch den frauen gebührt, neben den seiđberendr treten seiđkonor auf. beide müssen oft zahlreich in gewissen gegenden vorgekommen sein; nach Haralds hârf. saga cap. 36 ließ könig Eirîkr seinen bruder Rögnvald und 80 seiđmenn verbrennen. Die vala oder völva ist 871 wahrsagerin, priesterin, norn, ein hochheiliges wesen des alterthums (s.  79 . 338 ), zugleich auch seiđkona . schon von der eddischen vala heißt es Sæm. 4 b : ›seiđ hon kunni.‹ solche zauberfrauen sind Heiđr , Hamglöm , Skuld und andre, alle ursprünglich luftreitende valkyrien (s.  349 ); völva , skass , valkyrja stehn Sæm. 154 b neben einander Nachtrag: Ođinn heißt galdrs föđr . Sæm. 94 a . in Vilkinasage heißt eine zauberin Ostacia , die von ihrer stiefmutter den zauber erlernt hatte vgl.  882 . andere hexennamen überliefert skaldskap. 234. die zauberin ist eine vala oder völva . seiđstađr mikill, þôttust menn þâ vita, at þar mundi verit hafa völu leiđi nockud (sagae tumulus). Laxd. s. 328. auch flögđ wird sie genannt. flögđ â Heiđarskôg. fornm. 3, 122. nnl. nachtloopster , grote kol ( anm. 2601 ). vgl. rœrđi sîn gand, fôr at seiđa. Vilk. saga cap. 328. . für ihr abendliches, nächtliches umstreifen im wald sollen hernach wichtige zeugnisse angeführt werden. mit ihrem gefolge (međ sitt liđ) ziehen sie im land um , werden ehrerbietig von den menschen eingeladen, bewirtet, zu weissagen aufgefordert. sie thun es, auf vierbeinigem stul oder schämel ( seiđhiallr ) sitzend. es heißt efla seiđ (zauber festigen, zu stand bringen) fornald. sög. 2, 72. 3, 318; setja seiđ (z. setzen) das. 1, 97; seiđrinn verđr erfiđr (wird gearbeitet) das. 1, 12; færa â hiallinn (auf den stul führen) das. 2, 72. Die jüngeren sagen schildern sichtbar schon mit verächtlichen zügen. im gefolg der Skuld , heißt es fornald. sög. 1, 97, fanden sich elbe, nornen und anderes gezücht (âlfar ok nornir ok annat illþŷđi). Heiđr fährt noch mit 15 jünglingen und 15 jungfrauen einher (das. 2, 165. 506), Oddr aber hält sie gering, redet sie an ›allra kellînga örmust ‹ (armseliges altes weib) das. 168. 508. auch fornm. sög. 3, 212 wird solcher landfahrerinnen gedacht, die den leuten wahrsagen, und wiederum heißt es das. 214: ›völvan arma ‹ (unselige zauberin), wie im dän. volkslied › usle havfrue‹ (DV. 1, 110) arm , gering, unselig, elend. armut ursache der zauberei und hexerei (s.  868 ). armer wârsage, wîssage. Freid. 124, 1. Ms. 2, 176 a und anm. zu Freid. p. 372. armer bleicher wîssage! Herb. 2266. . könig Frôđi wollte sich von der völva Heiđr wahrsagen lassen: giörđi hann þa gilda veizlu î môti henni, ok setti hana â seiđhiall einn hâan, . . . ok svara mer sem skiotast, seiđkona! (fornald. sög. 1, 10). da sie zaudert und nicht alles aussagt, droht er ihr mit gewalt: þik skal pîna til sagna (1, 11. 12) ›þa lêt hann taka Fiun einn er margfrôđr var, oc vildi neyđa hann til sađrar sögu, oc pîndi hann , oc feck đô ecki af hüniini‹. saga Hâlfdanar svarta cap. 8. . Merkwürdig ist aber, daß der seiđr nachts , wenn die menschen schlafen, von den völven, die samt ihrem gefolge ausfahren , bereitet wird: menn fôrn at sofa, en völva för til nâttfars seiđs međ sitt liđ (das. 2, 166), in der parallelstelle heißt es: gekk hun þâ ût međ liđi sînu, er ađrir gengu til svefns, ok efldi seiđ (das. 2, 507). Ketill erwachte nachts von heftigem geräusch im walde, lief heraus und sah eine zauberin, mit fliegenden haaren (sâ tröllkonu, ok fêll fax â herđar henni); auf sein befragen sagte sie ihm, er möge sie nicht aufhalten, sie müsse zur zauberversamlung , dahin komme Skelking, der geister könig, aus Dunibshaf, Ofôti (ohnefuß) aus Ofôtansfirđ, Thorgerđr, Hörgatröll und andere mächtige geister von Norden her (ek skal till tröllaþings, þar kemr Skelkîngr, norđan or Dumbshafi konûngr trölla, ok Ofôti ur Ofôtansfirđi, ok Thorgerđr Hörgatröll ok ađrar stôrvættir norđan ur landi) fornm. sög. 1, 131 vgl. 3, 222. Jenes 872 nächtliche ausfahren und zaubern nannte man sitja ûti (Biörn 2, 251 a erklärt: sub dio nocturnis incantationibus operam dare); im norweg. recht heißen die ausfarten ûtisetor und aufweckungen der zaubergeister: ›spâfarar allar oc ûtisetor at vekja tröll upp, oc fremja međ þvî heidni.‹ Gulath. p. 137. Von den zwecken der nord. zauberei nur einige beispiele. man gab den zauberinnen geld, damit sie sturm erregten: ›sendu eptir seiđkonum, tveimr, Heiđi ok Hamglöm, ok gâfu þeim fê til, at þœr sendi veđr  . . . þœr efldu seiđinn , ok fœrđust â hiallinn međ göldrum ok giörnîngum‹. fornald. sög. 2, 72. der zauber machte menschen fest gegen waffen und unverwundbar: ›var seidt at Haraldi at hann skyldi eigi bîta iarn ‹. das. 1, 374. ›þeir lêtu seiđa at Ögmundi, svâ at hann skyldi engi iarn bîta atkvæđalaus‹ das. 2, 241. Man könnte einige züge, die mit der nachher zu liefernden darstellung des hexenwesens übereintreffen, für erborgt halten. ich zweifle daran. zwar ist die nächtliche zusammenkunft bei Skelking, Ofôti und Thôrgerđ nicht recht im geist des altn. glaubens, kann aber im Norden selbst durch allmäliches abstufen älterer vorstellungen sich erzeugt haben. kein teufel wird dabei genannt, obwol der unfüßige an den pferdefüßigen erinnern mag. das nord. tröllaþîng gleicht vielmehr der zusammenkunft unserer nachtfrauen , die ich aus weisen frauen und völven entsprungen glaube und dafür gewährt das nächtliche ausfahren der Heiđr mit ihrem gefolge von dreißig leuten, und der Skuld mit elben und nornen vollkommenste bestätigung. Thôrgerđ, Skuld, Heiđ sind wie Hulda, Berhta echtheidnische halbgöttinnen, an die sich der zauberhafte reigen schließt. sie erregen sturm und wetter, machen unverwundbar und weissagen. Ihr seiđhiallr mit vier stützen oder spitzen (stôlpar, sliklar) fornald. sög. 1, 12. 3, 319 Nachtrag: Gera seiđhiall mikinn . es scheint ein gerüste, das mehrere aufnimmt: þau fœrdust þar â upp öll, þau kvâđu þar frœđi sîn, en þat voru galdrar . Laxd. 142. hat im deutschen hexenthum seines gleichen nicht, gemahnt uns aber des dreifußes der delphischen weissagerin; vielleicht läßt sich auch deutschen nachtfahrerinnen bei fernerer nachsuchung ein dreifuß vindicieren, zumal dies geräth sonst in alter heiligkeit steht (RA. 80. 189. 208); vgl. abergl. F 59. 60 das setzen auf den dreifuß und abergl. 111 das verbot einen leeren dreifuß aufs feuer zu bringen. Skuld, hier königin, zaubert in einem schwarzen zelt, auf ihrem seiđhiallr: sat î sînu svarta tialdi â seiđhialli sînum, skiptir nû svâ um, sem dimm nôtt komi eptir biartan dag. fornald. sög. 1, 105. Bei den nord. zauberinnen herscht noch die gabe und das bedürfnis der weissagung vor, die bei den deutschen nachtfrauen und hexen zurücktreten. Andere züge des nordischen zauberglaubens flechte ich lieber der nun folgenden darstellung unsrer eignen alterthümer ein. Das christenthum hat den begrif zauberübender weiber als heidnischen nicht bloß bei Römern und Griechen, sondern auch Celten und Germanen vorgefunden, aber vielfach verändert; vorstellungen der ketzer und was man diesen zur last legte mischte sich darunter und aus allem zusammen muß die zauberei erklärt 873 werden. bis auf die jüngste zeit ist in dem ganzen hexenwesen noch offenbarer zusammenhang mit den opfern, und der geisterwelt der alten Deutschen zu erkennen. Hieraus ergibt sich die ungerechtigkeit und ungereimtheit der späteren hexenverbrennungen von selbst. Ein uralter unter alle völker gedrungner wahn leitet aus der zauberei das vermögen ab, die gestalt zu bergen und zu wandeln . zauberer pflegten in wölfe, zauberinnen in katzen überzugehen; der wolf war Wuotans, die katze der Frouwa heiliges thier, zweier götter die es vorzugsweise mit seelen und geistern zu thun haben. der zauberkundige nahm eine larve, grîma (s.  197 ) und Grîma ist altn. name für eine zauberin so wie Grŷla (die grauen, greuel erweckende). Sn. 210 a . einen trollsham vor, mittelst deren er sich unkennbar machte und rasch durch die lüfte fuhr, wie die geister grîmhelme, helidhelme (s.  383 ) anlegten; den begrif der zauberin sehen wir häufig dem der larve sollte hagebart (larva) gl. herrad. 189 a mit hag in hagezusa zusammenhängen? sonst heißt larve auch schembart , wovon anderwärts ausführlicher; bei vermummungen wurden bärtige larven vorgenommen. ich bin sogar versucht den zweiten theil von hagazusa aus zussa (lodix), oder zusa (cingulum, strophium) Graff 5, 711 zu erklären, vgl. mhd. zûse (cirrus) Diut. 1, 458. 459. 460. begegnen, die leges Roth. 197. 379 setzen striga quod est masca ; striga quae dicitur masca . dieser letzte ausdruck soll im verfolg weiter besprochen werden Nachtrag: Für masca haben die langob. glossen nasca . Haupts zeitschr. 1, 556. vgl. talamasca s.  763 . zu striga halte man στρίγξ eule, von der die sage erzählt, wie sie kindern nachstellte und durch weißdorn abgehalten wurde. Ovid. fast. 6, 130–168. στρίγλα bei Leo Allatius, στίγλος (γόης) DC. larve heißt auch schembart . Schm. 3, 362. Jäger Ulm s.  526 . nu sitze ich als ein schempart trûric. Renn. 17998. scema larva. Graff 6, 495. 496. nd. scheme bei Voss. nnl. scheem , scheme schatte. vgl. scheine bei Frauenl. 174. . Den zauberinnen steht aber auch vogelgestalt, federkleid, namentlich das der gans zu gebot, alterthümlich aufgefaßt des schwans, und sie gleichen schwanfrauen, walkyrien, die durch alle lüfte fliegen und sich zur schlacht versammeln. von der vorstellung des zaubers ist die des flugs und ritts durch die luft (s.  354 ) unzertrennlich, und die alte Thrûđr wird zur drut (s.  350 ), die Holda zur unholdin . gleich den holden geistern ziehen unholde mit dem wütenden heer in den lüften. sie sammeln sich in haufen zu gemeinschaftlichem amt. Hiervon sind also heidnische opferbräuche gar nicht auszuschließen. Schon unsere ältesten volksrechte, zumal das salische, wissen von zusammenkünften der hexen zum kochen , und ich erinnere an jene gotländischen suđnautar (oben s.  46 ) beim opfer. lex. sal. cap. 67 ist als ehrenrührigste schelte hervorgehoben, daß ein man hexenkesselträger geheißen werde: ›si quis alterum chervioburgum, hoc est strioportium clamaverit, aut illum qui inium dicitur portasse, ubi strias (d. h. striae) cocinant ‹ chervioburgus habe ich RA. 645 zu deuten gesucht Leo erklärt jetzt aus dem celtischen: burgius sei der treue, bewachende, also diener, chervio die kluge frau, zauberin, von gear, klug und bhith, bhe weib: sagae minister. auch strioportius vergleiche sich dem welschen ystryws klug, portius dem welschen porthi = helfend, dienend. dies hat alles noch viel bedenken. . wer sich hergibt den hexen ihr geräth zu tragen wird männern verächtlich; er kann auch 874 bloß strioportius, hexenträger heißen, sie haben ihn dazu gedungen. eines solchen kesselträgers erwähnen freilich die jüngeren hexensagen nicht, zu ihren versammlungen nehmen sie aber häufig einen spielmann , der ihnen zu mahlzeit und tanz aufpfeifen muß, ohne gerade theilnehmer der zauberei zu sein, und dieser ließe sich jenem handlanger vergleichen. Die worte › ubi striae cocinant ‹ (andere hss. coquinant, cucinant, die lex emend. fehlerhaft concinunt) setzt gemeinsames kochen und sieden (seyđr, s.  865 ) mehrerer zauberinnen voraus. Im Macbeth kommen drei hexen, die aber noch weirdsisters (s.  337 ) heißen, also an die alte bedeutung von drût erinnern, auf einer heide und in einer höle zusammen, um in ihrem cauldron zu sieden. sie sind weniger teuflische zauberweiber, als schicksal verkündende weise frauen oder priesterinnen, die aus dem kessel weissagen (s.  45 Nachtrag: Über chervioburgum vgl. malb. gl. 2, 153. 154. Müllenhoff bei Waitz s. 287 Mone anz. 8 , 452. denkt an den κερνοφόρος der mysterien. eine tyroler sage erzählt vom kessel der fahrenden nachtfrauen. Germania 2, 438. in unsern kindermärchen ist hexe und alte köchin gleichviel. KM. no. 51. Lisch meklenb. jb. 5, 82. Kivutar steht auf einem berg oder hügel, welcher kipula heißt oder kipivuori, kipumäki, kipuharja (schmerzensberg, hügel, gipfel), an einem kessel (kattila oder pata) und kocht plagen. Kalevala 25, 181 wird ein buntes melkfaß (kippa) genannt, 182 ein kupferner scheffel (vakka), 196 kattila. nach Renvall heißt eine hexe panetar , panutar . der schmetterling heißt kettelböter , kesselheizer und molkendieb, milchdieb (s.  897 ). ). Die shakspearischen hexen gleich neben den alten wahrsagerinnen der Cimbern, neben den strigen des salischen gesetzes zu nennen scheint gewagt; es gibt aber hier noch andere anknüpfungspuncte der ältesten an die jüngere zeit. Cap. XX bei abhandlung des heilawâc habe ich mit vorbedacht die salzquellen unerwähnt gelassen, um ihre heiligkeit hier in unmittelbare beziehung auf die spätere hexerei bringen zu können. Tacitus, in einer vielfach wichtigen stelle, ann. 13, 57 berichtet: ›eadem aestate inter Hermunduros Chattosque certatum magno praelio, dum flumen gignendo sale foecundum et conterminum vi trahunt; super libidinem cuncta armis agendi religione insita , eos maxime locos propinquarc coelo , precesque mortalium a deis nusquam propius audiri. inde indulgentia numinum illo in amne illisque silvis salem provenire , non ut alias apud gentes eluvie maris arescente, sed unda super ardentem arborum struem fusa, ex contrariis inter se elementis igne atque aquis concretum‹ sed bellum Hermunduris prosperum. Chattis exitio fuit, quia victores diversam aciem Marti ac Mercurio sacravere: quo voto equi, viri, cuncta victa occidioni dantur. et minae quidem hostiles in ipsos vertebant. Dieser merkwürdigen worte (s.  36 . 100 ) sinn ist: die Chatten auf den fall des siegs hatten das feindliche heer (diversam aciem) dem Mars und Mercur geweiht; dies gelübde verbindet, pferde, männer, alles lebendige was besiegt worden ist, zu opfern. mit dem votum hatten die Chatten gedroht, der siegende feind erfüllte es als das seinige. man darf nicht annehmen, daß von beiden theilen, am wenigsten daß von den Hermunduren dem Mars, von den Chatten dem Mercur gelobt worden war; dann stände der schluß müßig. auch scheint mir die eigenthümlichkeit des grausamen gelübdes eben darauf zu beruhen, daß es beiden siegverleihern (s.  111 . 164 ) zugleich geschah, vielleicht fielen Wuotan die männer, Zio die frauen, kinder und thiere anheim, nichts durfte leben bleiben. wäre nur einem gott gelobt worden, so hätte sich dieser an einem theile der beute genügt; darum bemerkt auch Tacitus, daß ein solches gelübde besonders verderblich war. Aus der stelle ergiebt sich daß Zio und Wuotan bei Chatten und Hermunduren verehrt wurden: römische vorstellungen von Mars und Mercur liegen fern. sollten die rosse vor den männern genannt sein, um auszudrücken, daß jene dem Zio, diese dem Wuotan zufallen? denn dem Mars werden ja thiere gebracht (Germ. 9). Daß man die auf der wahlstätte fallenden dem gott weihte bezeugt Hervar. sag. 454: Heiđrekr fal Ođni allan þann val er þar hafđi fallt til ârbôtar. . Um 875 salzquellen kriegten auch Burgunder und Alamannen: ›Burgundii salinarum finiumque causa Alamannis saepe jurgabant‹. Amm. Marc. 28, 5. Daß nicht bloß in Germanien, auch in Gallien salz durch aufguß auf glühenden brand gewonnen wurde, versichert Plinius 31. 7, 39: ›Galliae Germaniaeque ardentibus lignis aquam salsam infundunt‹; darum können auch die gebräuche dabei Celten und Deutschen gemein gewesen sein. Solcher salzhaltigen flüsse gab es nun schon damals in Deutschland ohne zweifel manche und es läßt sich kaum bestimmt sagen, welcher von Tacitus gemeint ist auffallend, wie sich in benennungen der salzflüsse und örter gewöhnlich die wurzeln hal und sal begegnen, die ursprünglich beide den heiligen stof ausdrücken (ἅλς, ἁλός und sal, salis; beim wechsel zwischen H und S scheint jenes oft alterthümlicher oder deutscher, vgl. die partikel ham, sam; haso. sasa; hveits, svêtas). ›in pago Sala gewe in illo fonte ubi nascitur sal ‹, trad. fuld. 1, 88. Halle an der Sale in Sachsen, Halle im Ravensbergischen, Hall am Kocher (sieder?) in Schwaben. Hallein an der Salza in Baiern, Hall und Hallstadt in Östreich, Hall im Tiroler Innthal, Allendorf f. Hallendorf in Hessen, und andere örter mehr haben salzbrunnen und salzwerke; sowol der name Halle als Sala , Salzaha beziehen sich auf das salz, warum aber haben flüsse die S, städte die H form? Soll halle bloß die hütte oder kote (taberna) bezeichnen, welche zum betrieb der saline gebaut ist (Frisch 1, 401), so würde dieser allgemeine sinn fast für alle dörfer passen, in denen hütten stehn. . sie quollen auf bergen, in heiligen wäldern, man betrachtete ihren ertrag als der nahen gotheit unmittelbare gabe, besitz der stätte schien blutiges krieges werth, gewinnung und austheilung des salzes ein heiliges geschäft; wahrscheinlich waren opfer und volksfeste mit dem salzsieden verbunden? Nachtrag: Ein salzwerk ist eine geheiligte, unter dem schutz des völkerrechts stehende gabe gottes. Rommel 8, 722. auf tische und altäre legt man salz : sacras facite mensas salinorum appositu. Arnobius 2, 67. salinum est patella, in qua diis primitiae cum sale offerebantur. die Aegypter dagegen hassen das salz und das meer, den priestern war salz auf den tisch zu setzen untersagt. Plut. de Iside 32. Der wechsel zwischen H und S in den wörtern hal und sal ist nach Leo in Haupts zeitschr. 5, 511 in den celtischen sprachen syntactisch, und das gal. sh lautet nach ihm h. Hallstadt wird richtiger Hallstatt geschrieben. Matth. Koch reise 407. skr. heißt das salz sara . halec gehört zum gr. ἅλς. GDS. 300. . Wenn nun etwa frauen oder priesterinnen die bereitung des salzes verwalteten, wenn der salzkessel unter ihrer aufsicht und sorge stand; so wäre ein zusammenhang des salzsiedens mit der späteren volksansicht von der hexerei nachgewiesen: an gewissen festtagen stellen sich die hexen in dem heiligen wald, auf dem berge ein, wo das salz sprudelt, kochgeräthe, löffel und gabeln mit sich führend; nachts aber glüht ihre salzpfanne ahd. salzsuti (salina) salzsôt, ags. sealtseáđ (salzbrunne). nach einer stelle bei Ihre s. v. seid ließe sich dieser ausdruck (vorhin s.  865 ) unmittelbar auf salzsieden beziehen; statt salis coctura ist aber zu lesen talis coctura. . Diesen vermutungen zu statten kommt ein gedicht der Wiener hs. 428, 154 d von Stricker oder einem seiner lands und zeitgenossen, welches ich hier einschalte. Ich bin gewesen ze Portigâl und ze Dolêt sunder twâl, mir ist kunt Kalatrâ daz lant, dâ man di besten meister vant. ze Choln und ze Parîs dâ sint di pfaffen harte wîs di besten vor allen rîchen. dar fuor ich wærlîchen niwan durch diu mære. 876 waz ein unholde wære? daz gehôrt ich nie gelesen, waz ein unholde müge wesen. daz ein wîp ein chalp rite, daz wæren wunderliche site, ode rit ûf einer dehsen, ode ûf einem hûspesem nâch salze ze Halle füere ; ob des al diu welt swüere doch wolde ich sîn nimmer gejehen, ich enhet ez mit mînen ougen gesehen, wand sô würde uns nimmer tiure daz salz von dem ungehiure . oh ein wîp einen ovenstap über schrite und den gegen Halle rite über berge und über tal, daz si tæte deheinen val, daz geloube ich niht, swer daz seit, und ist ein verlorniu arbeit; und daz ein wîp ein sib tribe sunder vleisch und sunder ribe, dâ niht inne wære, daz sint allez gelogniu mære. daz ein wîp ein man über schrite und im sîn herze ûz snite, wie zæme daz einem wîbe, daz si snite ûz einem lîbe ein herze, und stieze dar in strô, wie möhter leben ode werden frô? ein mensche muoz ein herze haben, ez habe saf od sî beschaben. Ich wil iu sagen mære, waz sîn rehte unholdære : daz sint der herren râtgeben di ir êre furdern solden und leben, di siflent in zuo den ôren und machent si ze tôren, si niezent ir erbe und ir lant und lâzent och si ze hant scheiden von êren und von guote von vröuden und hôhem muote. ditz ist ein wârez mære: di selben unholdære die sougent ûz herze unde bluot, daz vil mangem herren schaden tuot. Unter Halle ist hier wahrscheinlich das östreichische, bairische gemeint, und damals herschte in jenen gegenden also noch der volksglaube, daß die unholden auf besen, ofengabel oder reis (Schm. s. v. dächsen, vgl. diesse oben s.  224 ), über berg und thal gen Halle ritten. Wähnte man, daß sie sich dorther ihren salzvorrath nach haus holten? fast scheint es aus den worten zu folgern: wenn ihm so sei, würden sie ihren nachbarn das salz nicht theuer machen (wegnehmen). Da auch Christen kraft und nothwendigkeit des salzes anerkannten, so begreift es sich, wie nun umgekehrt den teuflischen hexenversamlungen das wolthätige salz abgesprochen und als sicherungsmittel gegen alle zauberei angesehn werden konnte (abergl. no.  182 ). denn der hexenküche 877 und den teuflischen mahlzeiten fehlt gerade das salz ebenso läßt man ihnen das gleich nothwendige brot abgehn; ohne zweifel buken die Heiden zu ihren gelagen und opfern nicht anders als die Christen. , die kirche hatte jetzt die heiligung und weihung des salzes übernommen. Neben das ungetaufte, ausgesetzte kind pflegte man zur sicherung salz zu legen (RA. 457). Die auswandernden Salzburger tauchten den benetzten finger in salz und schwuren. zauberern und hexen wurde misbrauch des salzes zur taufe von thieren schuld gegeben. Ich finde hier der erwähnung werth, daß die zauberkräftigen riesinnen der edda nicht allein gold sondern auch salz zu malen verstanden (Sn. 146. 147) und durch jenes ruhe und friede, durch dieses seesturm folglich unwetter herbeigeführt wurde. Gleich bedeutsam scheint mir die anwendung des pferdefleisches und überhaupt des pferdes unter den zauberern und hexen. es ist s.  38 gelehrt worden, daß die Heiden ihren göttern pferde opferten und die neigung zum genuß des pferdefleisches noch lange zeit verhaßt blieb und als hinneigung zum heidenthum ausgelegt wurde; erst heutzutage beginnt der widerwille vor dem essen eines so reinen thiers zu weichen. den hexen wurde nun schuld gegeben, daß sie in ihren zusammenkünften diese speise liebten, d. h. noch heidnischer opfer pflägen. Henry Boguet in seinem discours execrable des sorciers, Rouen 1603 p. 82. 83 erwähnt nicht nur: ›qu'il y avoit une grande chaudière sur le feu, dans laquelle chacun alloit prendre de la chair‹, und ›mais il n'y a iamais du sel ‹, sondern auch ausdrücklich ›que la chair n'est autre chair que de cheual ‹. Nimmt man hierzu, daß das aufrichten der pferdehäupter (s.  38 ) über dies anheften hat Festus merkwürdig einstimmende stellen: October equus appellatur, qui in campo martio mense oct. immolatur. de cujus capite non levis contentio solebat esse inter Suburanenses el Sacravienses, ut hi in regiae pariete, illi ad turrim Mamiliam id figerent : ejusdemque coda tanta celeritate perfertur in regiam, ut ex ea sanguis destillet in focum participandae rei divinae gratia. und: Panibus redimibant caput equi immolati idibus octobribus in campo martio, quia id sacrificium fiebat ob frugum eventum, et equus potius quam bos immolabatur, quod hic bello, bos frugibus pariendis est aptus. mit jenen opfern zusammenhängen muß, ins Johannisfeuer pferdehäupter geworfen werden (s.  514 ), jener spielmann der hexen (s.  874 ) in ihren versamlungen oder andere gespenster (s.  708 ) auf pferdeköpfen dudeln spielmann auf pferdekopf pfeifend, geigend. Trierer acten s. 203. Siegburger s. 228. 239. todtenkopf zur zither. Remigius 145. , während der teufel mit pferdefuß erscheint und auch aus pferdehufen getrunken wird, so gewinnt dies alles ein noch alterthümlicheres ansehn heidnischer opferbräuche Nachtrag: Die hexen genießen pferdefleisch . Wolfs zeitschr. 2, 67. die pfeife beim trolltanz im berg ist ein pferdebein . Afzelius 2, 159. vgl. die preuß. sage. n. preuß. prov. bl. 1, 229. . Stand aber die altheidnische zubereitung und austheilung des geheiligten salzes, der genuß des pferdefleisches in bezug auf opfer und volksversamlungen, welche häufig mit einander verbunden 878 waren, so lehren und bestätigen ihn auch alle übrigen eigenthümlichkeiten der hexenfarten. zeit und ort lassen sich gar nicht anders erklären. Es ist bekannt, daß allgemein in Deutschland ein jährlicher hauptauszug der hexen auf die erste mainacht (Walpurgis) angesetzt wird, d. h. in die zeit eines opferfestes und der alten maiversamlung des volks. Am ersten mai wurden noch lange jahrhunderte vorzugsweise die ungebotnen gerichte gehalten (RA. 822. 824), auf diesen tag fiel das fröhliche maireiten (s.  647 . 648 ), das anzünden des heiligen feuers (s.  509 ): der tag ist einer der hehrsten des ganzen heidenthums eine vergleichung der hexentänze in der mainacht mit den Floralien , die vom 28 april zum 1 mai währten (Hartung rel. der Röm. 2, 142) und bei denen kein mann zugegen sein durfte (Creuzers symb. 4, 608), kann man sich gefallen lassen, wenn daher keine entlehnung des deutschen und celtischen brauchs aus dem römischen geleitet werden soll. recht verstanden bieten auch die gr. Dionysien manches vergleichbare. . Werden aber zwei oder drei hexenfeste genannt, zu pfingsten und im herbst, auf Walpurgis, Johannis und Bartholomaei, so erscheinen wiederum die üblichen feiertage und gerichtstage des mittelalters. dänische hexenprocesse nennen Valdborg aften, s. Hans aften und Mariä besögelsesdags aften. Seine ehrliche gerichtszeit hätte das volk nicht den hexen eingeräumt, wären diese nicht in althergebrachtem besitz gewesen Nachtrag: Der hexenauszug findet in der 1. mainacht statt. Lisch meklenb. jb. 5, 83. Wolfs zeitschr. 2, 68. nach Possart s. 161 sammeln sich auch in Estland die hexen in dieser nacht. doch wird der auszug auch in die nacht vom 23.– 24. juni, also auf Johannis oder mitsommer gesetzt. am ersten mai ziehen sie auf den Blocksberg und müssen in den folgenden zwölf tagen den schnee forttanzen . dann beginnt der frühling. Kuhn in Haupts zeitschr. 5, 483. hier erscheinen sie als elbische, göttliche jungfrauen. . Noch deutlicher zu trift die örtlichkeit. die hexen fahren an lauter plätze, wo vor alters gericht gehalten wurde oder heilige opfer geschahen. ihre versamlung findet statt auf der wiese , am eichwasen , unter der linde , unter der eiche , an dem birnbaum , in den zweigen des baums sitzt jener spielmann, dessen hilfe sie zum tanz bedürfen. zuweilen tanzen sie auf dem peinlichen richtplatz , unter dem galgenbaum , in der sandgrube . Meistens aber werden berge als ort ihrer zusammenkunft bezeichnet, hügel ( an den drei büheln , an den drei köpchen ) oder die höchsten puncte der gegend. Nicht zu übersehen ist, wie die elben und bilweisen in bergen (s.  391 ), daß auch die sorbischen vilen und romanischen feen auf bergen hausen, eine merkwürdige stelle vom zauber auf dem berg (puegau, pueg, puy, lat. podium) wurde s.  341 angeführt. der ruf einzelner hexenberge erstreckt sich über ganze reiche, wie nach göttern, opfern, gerichten hohe berge benannt sind. fast alle hexenberge waren alte opferberge (s.  47 . 48 ), malberge (RA. 801. 802), salzberge. bei Rothenburg am Neckar auf der Hirschauer markung wird ein hexenbukel , unweit Passau ein unholdenberg bezeichnet; gewöhnlich aber gibt es besondere namen. Norddeutschland kennt den Brocken , Brocks oder Blocksberg mons bructerus! aber Bructerer wohnten nie dort, sondern an der westfälischen Lippe; grundlos beziehen andere den namen Melibocus auf den Brocken. welche form ist die älteste urkundliche? Stieler 160 schreibt Brockersberg ; andere Prockelsberg (Proculus), Brockelsberg , Blockersberg ; Blocksberg (brem. wb. s. v. bloksbarg) kann durch bloße erweichung des K in L entsprungen sein, und berührt sich kaum mit dem schwed. Blåkulla. , des Harzes höchste 879 spitze, als hauptversamlungsort der hexen. ein beichtbuch des 15 jh. redet von den zauberinnen, ›die uf den Brockisberg varen‹ (Hoffm. zeitschr. 753); ich kenne kein früheres zeugnis für den sicher in weit ältere zeit reichenden volksglauben. gerichtsplätze wird im MA. der Harz mehr als einen gehabt haben, eine salzquelle hat er noch heute zu Juliushall im amt Neustadt. der name scheint aber weit allgemeiner, in Meklenburg (und gewis noch andern norddeutschen gegenden) heißen mehrere berge blocksberge (Mekl. jahrsber. 2, 114. 3, 189), auch in Preußen (Tettau und Temme s.  264 ). Die übrigen hexenstätten vermag ich nur unvollständig aufzuzählen. Man nennt noch den Huiberg bei Halberstadt; in Thüringen fahren sie zum Horselberg bei Eisenach, oder zum Inselberg bei Schmalkalden; in Hessen zum Bechelsberg oder Bechtelsberg bei Ottrau, einer alten ziegenhainischen gerichtsstätte; in Westfalen zum Köterberg bei Corvei, zum Weckingsstein (Wedigenstein, wo Wittekind oder Wittich hauset) bei Minden: in Schwaben zum Schwarzwald , zum Kandel im Breisgau, oder zum Heuberg bei Balingen, welcher Heuberg Höwberg , Paracelsi opera 2, 259. 260. schon im jahre 1506 als hexenberg bezeichnet wird und dem halberstädtischen Huiberg gleicht; in Franken zum Kreidenberg bei Würzburg, zum Staffelstein bei Bamberg, vermutlich hat auch der Fichtelberg und das schlesische Riesengebirge eigne hexenörter. im Elsaß werden Bischenberg , Büchelberg (vgl. Bechelsberg), Schauenberg und Kniebiß (kniebeißend, von der steilheit, anderwärts Kniebrecher), auf den Vogesen Hupella genannt. Der schwedische sammelplatz heißt Blåkulla (nach Ihre ein meerfelsen zwischen Småland und Öland, wörtlich schwarzer berg, welcher name noch andern gebirgen zustehen mag) nach Joh. Westhovius praefat. ad. vitas sanctor. hieß eine wind und wettermachende meerfrau Blakulla ; Arnkiel 1, 35 stellt eine meergöttin Blakylle auf. berget blå (der schwarze berg) Arvidsson 2, 302. 305. , und Nasafjäll (in Norrland). auch die norwegischen hexen fahren nach Blaakolle , ferner auf Dovrefjeld , auf Lyderhorn (bei Bergen), Kiärru in Tvedsogn, nach Vardö und Domen (in Finmarken), alle solche sammelorte heißen balvolde (böser wall, campus malus). In Dänemark sagt man ›fare til Hekkelfjelds ‹ (s.  836 ), d. i. zum isländischen berge Hekla (Heklufiall); auch ›ride til Trums , fare til Troms ‹, d. i. nach Trommenfjeld, einem berge der norwegischen insel Tromsö, ganz oben an der Finnmark. Die neapolitanischen streghe versammeln sich unter einem nußbaum bei Benevent, das volk nennt es die beneventische hochzeit; gerade an diesem ort stand jener heilige baum der Langobarden (s.  83 . 540 . 541 ), hier hängt die hexerei wieder deutlich an altheidnischem cultus. italienische hexenberge sind der Barco di Ferrara, der Paterno di Bologna, Spinato della Mirandola, Tossale di Bergamo, und ein berg: la croce del pasticcio, 880 dessen lage ich nicht weiß. In Frankreich wird der Puy de Dome bei Clermont in Auvergne ausgezeichnet, andere landschaften haben andere berge. Die spanischen hechizeras halten ihren tanz auf der heide von Baraona, im sande von Sevilla, im gefilde von Cirniegola; in Navarra auf Aquelarre , was baskisch bockswiese bedeuten soll, die serbischen hexen na pometno guvno (der gekehrten tenne), wahrscheinlich auf einem hohen berg; die ungrischen auf Kopasz tetö (dem kahlen scheitel), einer spitze des Tokaier weinbergs Szirmai notitia comitatus zempleniensis. Budae 1803. p. 3, und Hungaria in parabolis s. 158. 159. , wozu das ›na Lysagorę‹ der polnischen zauberinnen (Woycicki 1, 17. 2, 77) stimmt. ein theil der Carpathen zwischen Ungern und Polen heißt poln. babia gora (altweiberberg), ich kann nicht sagen, ob dahin hexenfeste verlegt werden? auch die Kormakssaga p. 76. 204. 222 nennt ein Spâkonufell (berg der weisen frau). Am vorabende Johannistags läßt der litthauische volksglaube alle zauberer zum berge Szatria geflogen kommen, wo sie von Jauterita , einer gewaltigen zauberin, bewirtet werden sendungen der kurländ. gesellschaft, Mitau 1840 1, 47 b . . Merkwürdig, wie durch ganz Europa hin die wallfarten der Heiden zu opfern und festen von dem christenthum in einförmige, überall ähnliche zauberei umgewandelt werden. hat sich die vorstellung dieses zaubers unter jedem volk von selbst gestaltet? oder ist (unglaublicher) irgendwo der ton angegeben worden, und von da aus weiter vorgedrungen bei nächtlichen bergversammlungen können noch andere heidnische vorstellungen berücksichtigt werden. riesen und elbe hausen auf bergen . Plinius 5, 1 sagt vom Atlas in Mauritanien: incolarum neminem interdiu cerni silere, omnia – noctibus micare crebris ignibus, Aegipanum Satyrorumque lascivia impleri, tibiarum ac fistularum cantu, tympanorum et cymbalorum sonitu strepere. Nachtrag: Hexenberge sind der Brückelsperg . Wolfs zeitschr. 1, 6. mehrere Blocksberge in Holstein. Müllenhoff s. 564. Brockensburg . Dittmer Sassenrecht 159. GDS. 532. der angeführte unholdenperg wird schon MB. 28 b , 170. 465 genannt. ›am ende des Hilßes, nahend am Duier (Duinger) walde befindet sich ein sehr hoher und kahler berg, wird genant uf den bloßen zellen , woruff dem vorgeben und einbilden nach die hexen in der Walpurgisnacht gleichwie auf dem Brockenberge am Harze ihre tänze halten sollen.‹ Zeiler topogr. ducat. brunsv. et luneb. s. 97. zwischen Vorwalde und Wickensen (im Braunschweigschen) liegt der hexenberg Elias . bei Brünighausen ist es die Kukesburg , die schon in der hildesheimischen diöcesancircumscription erwähnt ist. vgl. Lünzel s. 31. 38, nach Grupen Kokesburg , von der teufels küche genannt. hexenberge in Holstein und ihre sammelplätze in Nordfriesland verzeichnet Müllenhoff no. 289. 288. ein hexenberg liegt bei Jülchendorf in Meklenburg. Lisch meklenb. jb. 5, 83. ist auch Koilberg ein hexenberg? Gefken catal. 111. bei Sommer s. 56. 174 heißt der Brocken Glockersberg . ähnliche plätze sind der Pfetersberg (Petersberg) bei Marktbürgel in Franken. mit dem elsäß. Büchelberg vgl. buhilesberc , pückelsberg . Graff 3, 185. sonstige sammelörter der hexen im Elsasz. Alsatia 1856. s. 283. im Heuberg oder Höperg hausen außer hexen auch zwerge. ring 211. hexenpferde flugen über den Höperg. das. 234. in Tirol ziehen sie nach dem Schlernkofel . Zingerle hexenproc. 37. sieben andere plätze führt Zingerle sitten 32. Alpenburg 255. 262 auf. Der schwedische sammelplatz heißt in Bleking Jungfrukullen . Wieselgr. 398. Blåkulla , Heckenfjell in märchen. Cavallius 447. 448. Die vila hält ihren tanz auf dem berggipfel (vr), vrzino kolo , und da weiht sie auch ihre lehrlinge ein. Vuk s. v. vrzino kolo. Łesogora seu Bloksbarch. Ceynowa 13, wörtlich Kalenberg von lysy kahl. Linde 2, 1318. 1319. finn. kipula oder kippumäki . vgl. Peterson s. 72. 73 ( anm. 2618 ). in Mähren kommen die hexen auf dem Radošt, dem wonne-, freudenberg, zusammen. Kulda. in Persien heißt der berg Demavend auch Arezûra , wo daevas und zauberer sich versammeln. Spiegel Avesta 2, CXIV. . Daß schon nach heidnischen begriffen des alten Nordens die zauberinnen abendlich und nächtlich ausfuhren oder ritten ergibt sich deutlich aus der edda. Heđinn zog eines abends einsam durch den wald, da stieß er auf eine tröllkona, die ihm ihre fylgđ (ihr gefolge, gleich einer schützenden valkyrja) anbot, was er ausschlug. Sæm. 146 a . eine bedeutsame sage wird Sn. 175 nur beiläufig berührt: als Bragi der alte (s.  870 ) spät abends durch einen wald fuhr, begegnet er einer tröllkona , die ihn mit einem lied anredete und fragte, wer da fahre? dabei nennt sie ihm ihre tröllnamen und Bragi ihr seine dichternamen in dem lied, das er zur antwort entgegnete. Darum heißt nun die zauberfrau qveldriđa (abendreiterin) Sæm. 143 b und myrkriđa (dunkelreiterin) Sæm. 77 a , worunter ungeheure, übelthätige riesenweiber gemeint sind, wilde frauen, waldminnen, iarnviđjur (s.  399 ), auf deren vernichtung die helden ausgehn. ›hefi ec qvaldar qveldriđor‹, ich habe die hexen getödtet, sagt Atli. ihr ritt hieß gandreiđ (vectura magica) Nialss. s. 195, gandr ist sonst wolf, wölfe sollen sie bestiegen und mit schlangen gezäumt haben: ›fann tröllkono, sû reiđ vargi ok hafđi orma î 881 taumom ‹ Sæm. 146 a . ›Hyrrokin reiđ vargi ok hafđi höggorm at taumum .‹ Sn. 66. ein runenbild (bautil 1157) stellt vor, wie ein tröll auf dem wolf reitet und einen krummen zweig zum zaum nimmt. ein schwed. volkslied läßt sie auf dem bär reiten, den wolf als sattel überlegen und mit der schlange peitschen: › björnen den så red hon uppå, ulfven den hade hon till sadel derpå, och ormen den hade hon till piska.‹ sv. vis. 1, 77. es ist nicht zu übersehn, daß die serbische vila , die viel elbischer gehalten ist, auf einem hirsche reitet (vgl. s.  385 ) und ihn mit einer schlange zäumt . Unter den namen der zauberinnen Sn. 210 b steht Munnriđa , mundreiterin, vielleicht im mund den schlangenzaum haltend? daneben steht auch Munnharpa (nach Biörn rigor oris ex gelu), beide ausdrücke fordern genaueren aufschluß, doch in jedem fall wird -riđa zum begrif des nächtlichen reitens gehören. ein dichter (Sn. 102) bedient sich der umschreibung qveldrunnin qven (femina vespere excurrens). Gleich dem salischen gesetz (s.  872 ) kommt auch Vestgötalag bei gelegenheit ehrenrühriger schelte auf die hexerei zu sprechen, es heißt s. 38 ›iak sa at rêt a quiggrindu lösharäþ ok i trolsham , þa alt var iam rift nat ok dagher‹ und beinahe mit denselben worten s. 153, wo dem löshareþ noch zugefügt wird › lösgiurp ‹: ich sah dich mit gelöstem haar und gürtel, als tag und nacht sich schieden (in der dämmerung) auf der hürde reiten: dürfte man lesen qvîgindu , so wäre es ein reiten auf dem kalb , wie im mhd. gedicht (s.  876 ). Weder in diesem gesetz noch der edda wird erzählt, daß die zauberweiber an bestimmten plätzen haufenweise zusammenkommen, doch reiten die valkyrien zu zwölfen oder zwanzigen miteinander. Aber die idee des nachtritts selbst darf sogar von göttinnen hergeleitet werden: dem Hyndluliođ zum grunde liegt, daß Freyja in finstrer nacht auf ihrem eber , dessen borsten glühen, und Hyndla (canicula) ihre schwester auf einem wolf hinauf zur heiligen Valhöll reiten ein zauherhafter mann, der kveldsvæfr war (abends schlief) hieß Kveldûlfr (Egilssaga s. 3); der name gleicht dem ahd. Nahtolf , womit N. Nocturnus wiedergibt. Nachtrag: In der Vilk. cap. 328 scheint rœrdi sîn gand soviel wie ritt in die luft. ein zwerg heißt Gandâlfr . Seem. 2 b , eine valkyrie Göndul (s.  349 ). die Hächel reitet auf einem wolf . ring 230. 237, die hexen fliegen auf geißen das. 210. 211. Matth. v. Kemnat 118. 119 nennt unholde und nachthusser zusammen. liegt darin thusse, durse? passion. 4, 85 heißt es: daz ist ein nachtvole , den guoter werke tages lieht lât gesehen wênec iht. Vatnsdoela s. 106 cap. 26 schildert den seltsamen aufzug einer zauberin: þar fer þâ Liot , ok hefir breitiliga um sik bûit, hun hafđi rekit fôtinn fram yfir höfuđit , ok fôr öfug , ok retti höfuđit ût â millum fôtanna aptr ; ôfagurligt var hennar augnabragd , hversu hun gat þvî tröllsliga skotit. nach Verlauffs anm. s. 107 beschreibt die (alte) Gullporis saga cap. 17 den ähnlichen aufzug einer zauberin, um die waffen der feinde zu täuben. . Im innern Deutschland lassen sich abstufungen nachweisen. vor dem christenthum mögen auch hier die alten riesinnen (eteninnen) zauberfrauen gewesen sein, wie in unserm heldenbuch noch eine solche erscheint (s. 461) und ein riese auf dem hexenberg bewirtet. Lisch 5, 83. Seit der bekehrung bindet sich die zauberei an die heidnischen götzen der heimat wie des auslands, aber noch nicht gleich an den teufel, dessen idee kaum unter dem volk zu wurzeln begann. Die hexen gehören zum gefolge ehmaliger göttinnen , die von ihrem stul gestürzt, aus gütigen, angebeteten wesen in feindliche, gefürchtete verwandelt, unstät bei nächtlicher weile umirren und statt der alten feierlichen umzüge nur heimliche, verbotene zusammenkünfte mit ihren anhängern unterhalten. Wenn auch der große haufen für die neue lehre gewonnen war, 882 einzelne menschen mochten eine zeitlang dem alten glauben treu bleiben und insgeheim ihre heidnischen gebräuche verrichten; bald aber erloschen diese paganien in der wirklichkeit und hafteten desto dauernder in der überlieferung und umgestaltenden phantasie der menschen, als sie sich an volksfeste und den erlaubten oder sträflichen brauch bei heilungen oder vergiftungen schlossen. übung, sage und wahn griffen vielfach in einander und unmöglich kann irgend einem jahrhundert die vorstellung verbotner und abgöttischer zauberei gefehlt haben, wenn wir auch nicht anzugeben vermögen, wie sie sich ihm gestaltete. Aber unter allen Christen gieng die kunde davon unausrottbar fort, und bildete sich zu einem loseren oder festeren zusammenhang aus, je nach dem die kirche die begriffe des volks sich gewähren ließ oder strenger zu zügeln unternahm. was sie strafen und austilgen wollte muste allmälich der milden einbildungskraft entzogen werden und den grellen schein einer schauderhaften realität annehmen. Zauberer und zauberinnen, davon will ich ausgehn, fügen sich zunächst an den gespenstigen zug der gottheiten, an jenes wütende heer, dem man elbische und böse wesen aller art zugesellte; in der Vilkinasaga cap. 328. 329 zeigt uns das wilde heer der Ostacia (oder Ostansia, wie wol lautete die ursprüngliche namensform?) bedeutsame anknüpfung. zauberinnen aber musten vorzugsweise göttinnen beigeordnet werden, aus welchen die bekehrer eine römische Diana oder jüdische Herodias gefabelt hatten, denen jedoch das volk die hergebrachte, einheimische benennung nie ganz entzog. Wie nahe lag es, wenn frau Holda , jene Freyja , oder Abundia (gleichviel ob Folla s.  256 , ob eine celtische göttin) vormals im reigen der elbe und holden erschienen war, sie nun selbst in eine unholde zu verkehren und von unholden geleiten zu lassen. (s.  773 ). im norw. märchen no. 15 tritt die troldkiäring an stelle der frau Holda. in dem jeu d'Adans (oben s.  342 ) sammeln sich die drei feen auf einer wiese, wo die alten frauen aus der stadt ihrer warten: ›or tost allons ent par illeuc, les vielles femes de le vile nous i atendent.‹ es bestand also gemeinschaft zwischen den feen und hexen. Zu der entwickelten ansicht stimmt vollkommen, daß der thüringische Horselberg aufenthalt der Holda und ihres heers (s.  377 . 780 . 801 ), zugleich aber sammelort der hexen war (s.  879 ). Keisersberg (omeiß 36. 40) läßt die nachts fahrenden weiber nirgend anders als im Venusburg (s.  795 ) zusammenkommen, wo gutes leben, tanzen und springen ist. Noch entschiedneres gewicht haben aber die im anhang s. abergl. C int. 44. 10, 1. p. 194 a . D 140 v beigebrachten stellen, aus denen hervorgeht, daß bis ins zehnte, vierzehnte jh. nachtfrauen im dienst der frau Holda zu bestimmten nächten auf thieren durch die lüfte streichen, ihr gehorchen und ihr opfern, von einem bund mit dem teufel aber durchaus noch keine rede ist. Ja diese nachtfrauen , blanken mütter , dominae nocturnae , bonnes dames (s.  237 . 238 ), bei Hincmar lamiae sive 883 geniciales feminae waren ursprünglich dämonische, elbische wesen, die in frauengestalt erschienen und den menschen wohlthaten erwiesen; Holda , Abundia , welchen noch ein dritter theil der ganzen welt unterthänig ist (s.  235 –238), führen tanzende reigen an, auf dem umziehenden schif der göttin wurden tänze getreten (s.   216 ); aus solchem tanz bei heidnischem göttercultus, aus dem luftigen elbentanz (s.  389 ), dem hüpfen der irlichter (s.  763 . 764 ) das irlicht heißt hexentanz (Schm. 2, 148). sloven. vesha (hexe) und selbst die todten ließ man reigen führen. leite ich die idee der hexentänze hauptsächlich ab; wenn auch festtänze heidnischer maiversammlungen mit dabei angeschlagen werden können. Den christlichen eiferern schien aller tanz sündhaft und heidnisch, und sicher stammte er oft aus gebräuchen des heidenthums her, gleich andern schuldlosen freuden und sitten des gemeinen volks, das sich an großen festen seine erheiterung nicht leicht nehmen ließ. daher die alten tänze auf fastnachten (s.  642 ), beim osterfeuer, maifeuer und auf sonnewenden, bei der ernte und zu weihnachten; aus einer genaueren untersuchung der hergänge bei diesen festen, als sie bisher gepflogen worden ist, würde sich vieles deutlicher entfalten. Afzelius 2, 5 meldet, daß noch heute in Schweden sagen von tänzen und reigen gehn, die das heidnische volk rings um heilige götterplätze geführt habe: so ausgelassen aber auch verlockend seien sie gewesen, daß zuletzt die zuschauer von der wut ergriffen und in den tanz fortgerissen wurden. Wenn in chroniken unsers MA. verschiedentlich der entweihung heiliger festtage durch wilden tanz gedacht wird, und der darauf gefolgten strafe, daß er ein ganzes jahr lang unablässig fortgeführt werden muste (DS. no. 231); so drückt das wieder den abscheu der Christen vor überresten des heidenthums aus und gleicht der verdrehung des Wuotanzugs in die jagd des ewigen jägers die geistlichkeit stellte den tanz als nachäffung der priesterlichen procession dar und verglich ihn der jüdischen ahgötterei mit dem goldnen kalb. . Herodias ist jenem kreise der nachtfrauen eben auch zugezogen, weil sie spiel und tanz übte und nach ihrem tod als windsbraut durch die lüfte saust. In diese geisterhafte schaar versetzte nun der christliche volkswahn zugleich auch menschliche zauberinnen , d. h. dem heidenthum anhängige übelberüchtigte frauen, alte fantastische weiber: ›et si aliqua femina est, quae se dicat, cum daemonum turba in similitudinem mulierum transformata certis noctibus equitare super quasdam bestias, et in eorum (daemonum) consortio annumeratam esse‹, und: ›quaedam sceleratae mulieres retro post satanam conversae, daemonum illusionibus seductae, credunt se nocturnis horis cum Diana Paganorum dea vel cum Herodiade et innumera multitudine mulierum equitare super quasdam bestias , et multa terrarum spatia intempestae noctis silentio pertransire, ejusque jussionibus velut dominae obedire, et certis noctibus ad ejus servitium evocari .‹ So dachte man sich 884 früher das burchardische excerpt (vgl. meine vorr. zur ersten ausg. s.  xxiv ) kann weder herrühren aus dem ancyranischen concil a. 314, dessen drucke und hss. die stelle nicht haben, noch von Augustin, bei dem sie zwar im tractat de spiritu et anima cap. 28 (opera ed. Bened. Antv. 1706. 6, 525) vorkommen (mit hinzufügung von › et Minerva ‹ hinter Herodiade), denn diese schrift ist untergeschoben, wie wol sehr frühe, Biener glaubt (zeitschr. f. gesch. rechtsw. 12, 123) schon im sechsten jh., was ihr also für unsere untersuchung wenig an werth benimmt. Aus ihr mag auch Regino (ed. Waschersl. 2. 371) der älteste echte gewährsmann schöpfen; dann folgen Burchard im eilften, Ivo (11. 30) und Gratian im zwölften jh. Albertus M. in summa theol. 2, 31 (opp. 18. 180) hat: ›cum D. P. dea vel Herodiade et Minerva‹. Die stelle soll sich auch in einer ungedruckten vita Damasi papae finden und auf eine römische synodus von 367 zurückbeziehen (Soldan s. 75). Mir verschlägt es nichts, wenn bereits das concil von Ancyra oder die röm. synode der nachtfahrenden Diana und Herodias erwähnen, weil Diana, die auch den alten Römern wald, jagd und nacht beherschte, ohne zweifel den neubekehrten Christen der ersten jhh. als zaubergöttin erscheinen muste. die hexenfarten, und die gewis noch heidnischen benennungen nahtfarâ , nahtfrowâ , nahtritâ kamen ganz mit jenen altn. qveldriđa, myrkriđa (s.  880 ) überein. ich vermag sie freilich erst aus dem 13 jh. aufzuweisen: Wh. 1, 82 b ›wil der (Machmêt) helfe sparn, sô helfen in die nahtvarn ; daz sint alter wîbe troume‹; Ls. 3, 10 ›ez konde niemen bewarn, ich mües eine ûz farn mit der nahtfrouwen (der göttin); dô sprach ich zuo mîme gesellen: als schiere sô ez naht wirt, diu vart mich niht verbirt, ich sol liden grôze nôt, bezzer wære mir der tôt. ist aber daz mir wol ergât, so kum ich umb die hankrât, des enweiz ich aber niht. mîn triu, dû solt mir ein lieht kleiben hin an etewaz, daz ich kunne dester baz komen her wider hein: kleibez an einen stein oder kleibez an die want.‹ in dieser zweiten stelle ist merkwürdig, daß die frau dem einfältigen mann ihre angebliche ausfahrt als ein schwieriges, unvermeidliches unternehmen schildert unter nachtmar (nachtpferd) versteht man nicht die ausreitende hexe, sondern eine den schlafenden drückende, reitende elbin (s. abergl. 878 ). . Bei Vintler ( abergl. G v. 274 ff.) heißt es: ›so farent etlich mit der (nacht)far auf kelbern und auf pecken durch stein und durch stecke.‹ kälber und böcke sind also jene › quaedam bestiae ‹. Wir sahen s.  603 sogar auf einen am himmel ziehenden stern den namen nachtfare passend angewandt. Joannes saresberiensis, der in England und Frankreich lebte († 1182) und an dämonischen einfluß glaubte, hat im Policr. II, 17 folgende merkwürdige stelle: ›quale est quod nocticulam (vielleicht nocticolam oder noctilucam?) quandam vel Herodiadem , vel praesidem noctis dominam consilia et conventus de nocte asserunt convocare , varia celebrari convivia , ministeriorum species diversis occupationibus exerceri et nunc istos ad poenam trahi pro meritis, nunc illos ad gloriam sublimari, praeterea infantes exponi lamiis , et nunc frustatim discerptos edaci ingluvie in ventrem trajectos congeri , nunc praesidentis miseratione rejectos in cunas reponi . quis vel caecus hoc ludificantium daemonum non videat esse nequitiam? quod vel ex eo patet, quod mulierculis et viris simplicioribus et infirmioribus in fide ista 885 proveniunt‹. Ich will noch andere entscheidende zeugnisse aus französichen gegenden über die beschaffenheit der nachtfarten beifügen, alle dem 13 jh. gehörend, man wird ihre analogie nicht verkennen. Die acta sanct. 32 jul. p. 287 b schöpfen aus einer pergam. hs. des 13 jh. folgendes, was in den älteren lebensbeschreibungen des Germanus fehlt, aber auch in die legenda aurea cap. 102 eingegangen ist: ›hospitatus (sanctus Germanus autissiodorensis) iu quodam loco, cum post coenam iterum mensa pararetur , admiratus interrogat cui denuo praepararent? cui cum dicerent, quod bonis illis mulieribus, quae de nocte incedunt läßt sich auf dies nächtliche umgehn der ahd. ausdruck âgengun lamiae (Diut. 2. 174) deuten? , praepararetur, illa nocte statuit s. Germanus vigilare. Et ecce, videt mullitudinem daemonum in mensa, in forma hominum et mulierum venientem. Qui eis praecipiens ne abirent, cunctos de familia exultavit, inquirens, si personas illas cognoscerent? qui cum omnes vicinos suos et vicinas esse dicerent misit ad domos singulorum, daemonibus praecipiens ne abirent. Et ecce, omnes in suis lectulis sunt inventi. Adjurati igitur se daemones esse dixerunt, qui sic hominibus illudebant.‹ Guilielmus alvernus p. 1066: ›idem et eodem modo sentiendum est tibi de aliis malignis spiritibus, quos vulgus stryges et lamias vocant, et apparent de nocte in domibus , in quibus parvuli nutriuntur, eosque de cunabulis raptos laniare vel igne assare videntur als Demeter das kind Demophoon tags mit ambrosia salbte, mit ihrem süßen athem anhauchte, nachts um alles sterbliche an ihm zu verzehren ins feuer legte und der knabe gedieh, endlich die lauschende mutter es gewahrte und lautklagend aufschrie, da war das wunder unterbrochen. hymn. in Cer. 236–263. ebenso salbt und birgt im feuer Thetis ihren neugebornen sohn Achilles. vgl. aber auch das παραφέρειν τὰ βρέφη διὰ τῆς φλογός und ponere juxta ignem oben s.  520 . . apparent autem in specie vetularum . Vetularum autem nostrarum desipientia opinionem istam mirabiliter disseminavit et provexit atque animis mulierum aliarum irradicabiliter infixit. Similiter et de dominabus nocturnis , quod bonae mulieres sint, et magna dona domibus quas frequentent per eas praestentur, mulieribus potissimum persuaserunt; et ut ad unum dicam pene omnes reliquias idololatriae retinuit et reservavit et adhuc promovere non cessat anilis ista fatuitas.‹ Vincentius bellov. spec. mor. III. 3, 27: ›cum in quadam parochia homines talibus crederent, quidam ribaldi transfiguraverunt se in similitudinem mulierum , earum assumto habitu, et domum cujusdam divitis rustici cum tortiis (fackeln) intrantes et choreas ducentes suppressa voce canebant gallice 'un en prenes, cent en rendres', latine: unum accipite, centum reddite! et sic in oculis rustici domum ejus evacuaverunt omnibus bonis dicentis uxori suae: 'tace, et claude oculos, divites erimus, quia bonae res guotiu wihtir (s. 365 ), vgl. unrechte dinge (s.  861 ), zauberei. sunt, et centuplicabunt bona nostra.‹ Ferner derselbe: ›cum quaedam vetula volens blandire suo sacerdoti diceret ei in ecclesia: domine, multum me 886 debetis diligere, quia liberavi vos a morte: quia cum ego vadebam cum bonis rebus, media nocte intravimus domum vestram cum luminaribus , ego videns vos dormientem et nudum, cooperui vos, ne dominae nostrae viderent nuditatem vestram, quam si vidissent ad mortem vos flagellari fecissent. Quaesivit sacerdos, quomodo intraverant domum ejus et cameram, cum essent fortiter seratae? tunc ait illa, quod bene intrabant domum januis clausis. Sacerdos autem vocans eam intra cancellum, clauso ostio verberavit eam cum baculo crucis dicens 'exite hinc, domina sortilega! ' et cum non posset exire, emisit eam sacerdos dicens: 'modo videtis quam fatuae estis, quae somniorum creditis vanitatem'.‹ dieser priester geht recht vernünftig mit der zauberin um und ist fern davon sie peinlich zu hetzen. Gervasius tilberiensis 3, 85: › lamiae dicuntur esse mulieres, quae noctu domos momentaneo discursu penetrant , dolia vel cophinos, cantharos et ollas perscrutantur, infantes ex cunis extrahunt, luminaria accendunt , et nonnunquam dormientes affligunt.‹ 3, 93 versichert er frauen gekannt zu haben, welche behaupteten: ›se dormientibus viris suis cum coetu lamiarum celeri penna mare transire, mundum percurrere, et si quis aut si qua in tali discursu Christum nominaverit, statim in quocunque loco et quantovis periculo fecerit, corruere.‹ so sei einmal eine in die Rhone niedergefallen. ›scimus quasdam in forma cattorum a furtive vigilantibus de nocte visas ac vulneratas in crastino vulnera truncationesque ostendisse.‹ Also die hexen ziehen im nächtlichen reigen gütiger frauen die auf zauberei angeklagte jungfrau von Orleans wurde gefragt: ›si elle sçait rien de ceux qui vont avecq les fées! ‹ , denen der mensch tische deckt, wie besuchenden feen und elben (s.  338 . 341 abergl. C 198 d ), weil sie glück bringen und vervielfachen, das hausgeräthe untersuchen, die kinder in der wiege segnen. heidnisch war dieser aberglaube, denn Christi name durfte nicht ausgesprochen werden; allein für teuflisch galt er noch nicht. zwar mengt sich schon die vorstellung von kinderraub (dessen auch die elbe geziehen werden, s.  387 ) unter und steigert sich zu grausamem braten und verzehren ; aber auch das hängt an mythen von elben und göttinnen und wurde den zauberfrauen von jeher zur last gelegt. hier wird noch die vorsitzerin und ordnerin des festes als mitleidig gerühmt: sie lasse die entwandten säuglinge wieder in die wiegen zurücktragen Nachtrag: Trolltänze schildert Afzelius 2, 158. 159. eine merkwürdige sage bei Lisch meklenb. jb. 5, 83 berichtet von einem auf einem berg bewirtenden riesen , vor dem däumlinge auf dem tisch tanzen. alles übrige ist wie in hexensagen. nach H. Sachs V, 343 b. c halten hexen tanz und hochzeit auf einem großen buchenbaum . eine sage von einem spielmann, der zum hexentanz geräth und ihnen spielen muß. Firmenich 2, 383. 384. Die hexe heißt ags. nihtgenge . vgl. nahtegese , nahteise (zu Andr. XXXII). nachtridders . br. Gher. 715. nachtvolk . Vonbun s. 34. 35. Wolfs zeitschr. 2, 53. glauben das die lüte des nachtes farn . Gefken beil. 24. Nâttfari ist ein altn. mannsname. Landn. 1, 1. varende vrauwen  = hexen. belg. mus. 2, 116. br. Gher. 717. ausfahrerin . Judas erzsch. 2, 107. nahtfrawe steht bei Mone 8, 408 für hebamme. nachtfrala ist der name der pflanze mirabilis jalappa, belle de nuit. Castelli 205. Auch die thessalischen zauberinnen fahren nachts aus. φασὶ δὲ αὐτὴν καὶ πέτεσϑαι τῆς νυκτός. Lucian. asinus 1. in Serbien fahren die zauberer und zauberlehrlinge mit der vila. Die unhuld holt flaschen mit wein in den kellern. H. Sachs I. 5, 532 b . eine sage bei Pertz 2, 741 erzählt von einem flaschenfüllenden pilosus. . Crescentia, die sich zur kinderpflege hergegeben hatte, wird als unholde angeredet: ›waz huotes dû dâse , ubele hornblâse! dû soldes billecher da ce holze varn , dan die megede hie bewarn; dû bist ein unholde und sizist hie behangen mit golde.‹ Sie versetzt: ›got weiz wol die sculde, ob ich bin ein unholde , oder ie dicheinis zouberes gephlac‹. Kaiserchr. 12199. Diemer s.  373 (umgedichtet kolocz. 261. 262). Man glaubte also im 12 jh. daß die unholden in den wald fahren, zum wilden heer, und hörner blasen, 887 ganz wie Tutosel , als tutende, pustende eule , d. i. strix im wütenden heer zieht (s.  709 ); sollte hortuta, eine schelte im Vestgötalag s. 38 hornþuta , hornþyta gewesen sein? altn. þiota (ululare), goth. þuthaúrn σάλπιγξ; die genaue bedeutung von dâse , wenn es nicht dwâse, twâse ist (s.  763 ), entgeht mir Nachtrag: Dâse erinnert an ags. dvaes fatuus, doch steht Reinaert 7329 dasen insanire im reim auf verdwasen, wird also von dwasen unterschieden. die gemmula antwerp. bei Hoffmann hor. belg. 7 hat dase peertsvlieghe crabro, so wie noch in der Mark von dasenschwarm die rede ist. Schmidt v. Wern. 276. 277. mhd. daesic hunt. Frauenl. 368, 2. Heimdall heißt Sæm. 92 b hornþytvaldi . . solche unholden sind nachtfrauen, bonae dominae, weit eher als teufelsgenossinnen. Das fahren in holz und wald drückt den verwiesne, gebannte leute treffenden fluch aus, deren aufenthalt in der einöde unter den wölfen ist (RA. 733), für die der wald mutter wird (schuma ti mati!), vgl. saltibus assuetus (oben s.  398 ). Noch der heutige schwedische volksglaube schuldigt alte weiber , die einsam im walde hausen, an, wölfe, wenn sie gejagt werden, aufzunehmen und zu bergen: man nennt sie vargamödrar (wolfmütter) und eine solche meint das lied von Sämung (Sæmîngr s.  305 ): ›inde satt gamla djuramor , rörde med näsa i brände‹ (innen saß die alte thiermutter, rührte mit der nase in die kohlen) Afzelius sagohäfder 1, 38. 43. . hier geht die langnäsige unholdin deutlich in den begrif der alrune , die sich mit waldschraten mischt (s.  335 ) und der wilden waldfrau (s.  359 ) über, sie gleicht der altn. iarnviđja (s.  399 ). Was aber diese mildere, den teufel aus dem spiel lassende erklärung des hexenwesens, wie mich dünkt, vollends bestätigt sind die im anhang abgedruckten formeln . größtentheils geschöpft aus den acten der letzten jahrhunderte, als in der volksmeinung das band zwischen hexen und teufel längst entschieden war, beziehen sie sich nie auf teuflische, überall auf elbische oder gar christliche verhältnisse. zum theil mögen sie von hohem alter, heidnisches ursprungs und durch lange mündliche überlieferung fortgepflanzt worden sein. ihre heilende oder schadende kraft beruht auf dem glauben an elbe und geister , deren stelle später engel und heilige namen vertreten. wie alb und elbin , zwerg und zwergin , bilwiz und bilivizin (s.  391 ) aufgerufen werden, stehn in der alten ags. formel (anh. beschwör. I ) êsa gescot, ylfa gescot und hägtessan gescot nebeneinander. Solche formeln, deren worte den hexen des 16. 17 jh. längst unverständlich sein musten, thun mit einem mal die ungerechtigkeit der wider sie erhobnen anklage dar. Bedeutsam scheint mir, daß die phantasie der gemarterten hexen zuweilen noch ausdrücklich ein fahren ›auf Venesberg und in das paradis ‹ bekennt (Mones anz. 7, 426) also den alten elbischen oder gar christlichen aufenthalt der seligkeit, nicht einen teuflischen meint. Die allmäliche eindrängung des teufels , von dem, nach dem glauben der kirche, menschen besessen wurden (s.  848 ), erläutert sich leicht. sein begrif war den Deutschen ursprünglich fremd, sie hatten ihn schon frühe durch übertragung auf ein weibliches wesen zu popularisiren gesucht (s.  827 . 828 ). Umgekehrt aber muste nun alles was sie von frau Holda erzählten, da mit der 888 zeit die christliche vorstellung eines männlichen teufels überwog, auf ihn anwendung finden. Aus der botmäßigkeit und dem gefolge jener unholden nachtfrau traten die hexen über in die gesellschaft des teufels, dessen strengere, schärfere natur das ganze verhältnis in bösartigeres, sündhafteres steigerte. Jene nächtlichen zauberfarten beruhten noch auf der gemeinsamen unterwürfigkeit, welche der alten göttin gebührte, die frauen fuhren in ihrem geleite; jetzt holt der teufel die weiber ab und trägt sie über berg und thal (s.  846 . 859 ), es entsprang die idee eines buhlerischen bündnisses zwischen dem teufel und jeder einzelnen hexe. Faden des zusammenhangs lassen sich in menge nachweisen. Geisterhafte wesen konnten in nähere und vertrautere lage zu den menschen versetzt werden; ein ganzes elbisches geschlecht bindet seine schicksale nachbarlich an das heil oder unheil eines menschlichen, hausgeister widmen sich dem dienst eines menschen, dem sie mit eigensinniger, überlästiger treue anhängen (s.  424 ); allein diese zuneigungen werden weder durch förmlichen bund hervorgebracht noch sind sie dem menschen gefährlich. ein gleich zartes unschuldiges verhältnis besteht zwischen ihm und seinem angebornen schützenden folgegeist (s.  729 ). In bildung ihrer eigennamen sind die teufel der hexen den elben und kobolden so auffallend ähnlich, daß man kaum etwas anders annehmen darf, als daß fast alle teufelsnamen dieser art aus älteren volksmäßigen benennungen jener geister entsprungen sind. eine samlung solcher namen, die ich aus den hexenprocessen geschöpft habe, wird uns willkommne aufschlüsse über den alten elbischen haushalt selbst gewähren. manche sind von heilkräftigen kräutern und blumen entnommen und sicher aus einer schuldlosen, keiner teuflischen phantasie hervorgegangen: Wolgemut (origanum), Schöne (bellis minor, tausendschön), Luzei (aristolochia), Wegetritt (plantago), Blümchenblau (vgl. die wunderblume s.  811 ), Peterlein (petersilie); gerade so heißen in Shakespeares sommernachtstr. zwei feen Peaseblossom (erbsenblüte) und Mustardsced (senfsame). Gleich anmutige werden dem waldleben der geister entlehnt: Grünlaub , Grünewald , Lindenlaub , Lindenzweig , Eichenlaub , Birnbaum , Birnbäumchen , Rautenstrauch , Buchsbaum , Hölderlin (Holder, hollunder), Kränzlein , Springinsfeld , Hurlebusch , Zumwaldfliehen ; grüngekleidet, gleich dem teufel (KM. 101) erscheinen die schottischen elbe (minstrelsy 2, 152. 154. 160. 164), die nordischen huldre (Faye s. 42); laub und kränze musten bei den alten opfern wie beim zauber vielfach vorkommen, zumal auf eichenlaub sind die hexen angewiesen und brauchen es zum wetterbrauen (Mones anz. 8, 129). Da der teufel oft schön und englisch auftritt (schon Ls. 3, 72 ›in eines jungen mannes schîn‹), eignen sich für ihn namen wie Jüngling , Junker , Schönhans , und gern wird ihm federschmuck oder flügelgestalt zugeschrieben, darum heißt er Feder , Federhans , Federling , Federbusch , Weißfeder , Straußfeder , Straußwedel , Grünwedel , unter allen namen, die die 889 hexen bekennen, ist keiner häufiger als Flederwisch (Voigts abh. 62. 68. 69. 105. 109. 113. 129), in volkssagen aber werden kobolde so geheißen (Jul. Schmidt 158); ausgelassne zecher pflegten die gesundheit ›allen flederwischen! ‹ zu bringen (franz. Simpl. 1, 47. 57), unter flederwisch verstehn wir das erste glied des flügels, dessen man sich zum abstäuben bedient, daher auch Kehrwisch als teufelsname vorkommt, das schnelle hin und her wischen des geistes geschickt bezeichnend. Sehr gewöhnlich sind sodann menschliche eigennamen, am liebsten in der vertrauten koseform, wie sie auch kobolden zustehn (s.  417 ): Hans , Hänschen , junker Hans , Grauhans (vgl. Graumann s.  830 ), Grünhans , Hans vom busch , Heinrich , Grauheinrich , Hinze , Kunz , Künzchen (vgl. Kueni s.  838 ), Konrad , Nickel , Großnickel , Martin (s.  777 ), Merten , Kaspar , Käsperle , Dewes , Rupel , Rüppel (s.  417 ), Rausch (s.  427 ), Wendel (s.  311 ), Hemmerlin (s.  151 ), Stöphel , junker Stof (? Christoph, mit bedeutsamer kürzung der ersten silbe, vgl. Stöpchen s.  838 ); wovon einzelne gleich stark an das heidnische und teuflische anklingen; Perlebitz (in hess. acten auch Berlewitzchen, Berlewitchen) wahrscheinlich eins mit pilwitz (s.  391 ) da die hess. mundart R einzuschieben pflegt: in Cassel macht das volk aus bellevue berlevue. . Bedenklicher lauten schon: Leidenoth , Machleid , Unglück , Reicheher , Hintenhervor , Allerleiwollust (vielleicht blumenname?), Schwarzburg , Dreifuß , Kuhfuß , Kuhhörnchen , Dickbauch , die doch auch auf die satyrgestalt der schrate oder das quälende, unheimliche des dämonischen umgangs überhaupt gehn dürfen. Das alte osterspiel bietet folgende teufelsnamen dar, welche mindestens in den anfang des 15 jh. gehören: Kottelrey , Rosenkranz , Krezlin , Federwisch , Raffenzan , Binkebank , Spiegelglanz , Schorbrant , Schoppenstak , Hellekrug Mones schausp. s. 131 geben hellekruke für hexe. , Schorzemage ; es ist leicht nach dem vorhergesagten sie zu deuten. Italienische streghe nennen den teufel Martinello , Martinetto und wieder Fiorino ; französ. acten liefern: maistre Persil , Verdelet , Verdjoli , Jolibois , Sautebuisson . ich erinnere noch an Moth (motte) und Cobweb (spinnweb) aus dem sommernachtstraum. Mit den namen des jüdischen oder christlichen teufels haben sie gar nichts gemein, außer mit den s.  826 . 838 angeführten, selbst koboldischen selten heißt der buhler Lucifer oder Belzebok (Trier. act. 114, wo ich den namen jamer für teufel nicht recht verstehe; der leidige, von jammer, leid? oder elend, epilepsie?). . Einzelne der aufgeführten teufelsnamen scheinen zugleich auf die hexen selbst gerecht, wie auch unter den elben beide geschlechter mehrere gemein haben. so passen die weiblichen kräuter und blumennamen mehr auf zauberinnen Nachtrag: Andere kräuter- und blumennamen für den teufel und die hexen verzeichnet Wolfs zeitschr. 2, 64. Schöne ist schon ahd. Scônea ein weiblicher eigenname. Gräsle , Kreutle , Rosenkranz . Keller erz. 195. die elfvor wandeln sich bei tag in blumen oder baumzweige ( anm. 1176 ). heißt der teufel nicht auch Hagedorn , wie schon bei Berthold 56 der spielmann? ist Lindentolde eine hexe? ring. 235. Der teufel tritt oft schön auf: daemon adolescentis venusti speciem induens. Caesar. heisterb. 5, 36. daher auch die namen: Frisch , Springinsfeld , Flederwisch , Schlepphans (a. 1597). Thür. mitth. VI. 3, 68. 69. die sieben flederwische  = hexen. Panzer beitr. 1, 217. aller flederwische und maikäferflügel gesundheit. franz. Simpl. 1, 57. 49. hinaus mit den flederwischen! ung. apotheker 762. andere namen sind: Zucker , Paperle . die teufelsnamen des Alsfelder passionsspiels stehn in Haupts zeitschr. 3, 484–493. . Liebeshändel unter geistern und menschen werden durch ihren traulichen umgang herbeigeführt. niemals geschieht meldung von koboldinnen, nie wird erzählt, daß kobolde frauen nachstellen; elbe hingegen stehlen jungfrauen, und männer leben in 890 heimlicher liebe mit elbinnen. so zeugt Helgi die Skuld mit einer âlfkona . fornald. sög. 1, 32. 96. Außer dem daß Elberich Otnits mutter und ein âlfr die königin, Aldrians gemahlin, unsichtbar bewältigt und mit ihr Högni erzeugt wird, erinnere ich mich aber keines beispiels von buhlerei, wie sie allen hexensagen zum grund liegt. Die vorstellungen von incuben und succuben scheinen mir undeutsches ursprungs, obwol sie sich nachher mit denen vom alb und nachtgeist vermengt haben. eine ags. von Wanley ausgezogne hs., ich weiß nicht ob des 12, 11 oder eines noch früheren jahrhunderts, redet von menschen, denen sich der teufel vermische (monnom, þe deofol mid hæmđ). Dem späteren begrif der hexen ist unzüchtige buhlschaft wesentlich, sie besiegelt das geschlossene bündnis und sie verleiht dem teufel freie macht über die zauberinnen: einer reinen jungfrau kann er nichts anhaben le démon ne peut faire pacte avec une vierge. Michelet hist. de France 5, 68. 159. 160. . ohne diesen greuel kommt hernach überhaupt keine hexe vor das griech. alterthum hatte seine fabeln vom umgang der götter mit sterblichen (s.  285 ), unser heidenthum von verbindung der helden mit schwanfrauen und elbinnen; zuletzt konnte die weit rohere vorstellung eines wirklichen verkehrs des teufels mit menschen glauben finden! . Es fragt sich, zu welcher zeit hexenbündnisse und buhlschaften mit dem teufel am frühesten in Deutschland erwähnt werden? ohne zweifel gab ersten anlaß dazu die verfolgung und verbreitung der ketzereien , die seit der mitte des 13 jh. von Italien und Frankreich her nach Deutschland kam . In welchem maße ketzer schuldig oder unschuldig gewesen seien, die vergrößernde, entstellende sage legte ihren zusammenkünften abgöttische ausschweifungen zur last, deren verwandtschaft mit dem hexenwesen unverkennbar ist. Unter den ketzern selbst, bei ihrer absonderung, zurückhaltung und dem immer wieder gelingenden anknüpfen an neue jünger und theilnehmer haben sich uralte glaubensabweichungen und bräuche zäh und hartnäckig fortgepflanzt; ebenso untilgbar erhoben sich wider sie falsche anklagen. man zieh sie der anbetung eines thiers oder thierhaupts, das in den teufel übergieng, der bald als schwarzer geist, bald als lichter verführerischer engel, thierisch am liebsten als kater oder auch kröte sichtbar wurde. bei ihren zusammenkünften sollen sie kinder geschlachtet, deren blut in mehl oder asche geknetet, und nach löschung der lichter untereinander fleischliche unzucht getrieben haben. neugeworbne genossen zeichneten sie durch nadelstich , dabei wurde dem schöpfer geflucht, dem bösen feind gleich weltlichen herrn durch einen kus huld und treue geleistet Soldan gesch. der hexenprocesse s. 103–146. . Es konnte auch nicht fehlen, daß in der unanstößigeren lehre und übung einzelner ketzer heidnisches und christliches vermischt wurde; der eifer der kirche muste sich zugleich gegen neue irlehren und überreste des heidenthums, die sich jenen zugesellten, richten. Den ketzerverfolgungen 891 giengen gerüchte teuflischer bündnisse und zusammenkünfte zur seite, die nun das volk mit seinem alten aberglauben von dämonischen wesen verknüpfte. Überlieferungen von einem bund des teufels mit männern waren schon früher, wenigstens seit dem 10 jh. (s.  850 ) im Occident verbreitet; um so eher ließen sie sich auch auf frauen anwenden. Die älteste sichere erwähnung eines buhlbundes zwischen teufel und hexe findet sich im jahre 1275 unter einem inquisitor zu Toulouse Soldan s. 147. ; die erste hälfte des vierzehnten jahrhunderts scheint die annahme einer teuflischen genossenschaft (secta strigarum) vorzüglich in Italien fester gestellt zu haben. Bartolus († 1357) gab ein gutachten über eine hexe aus Ortha und Riparia im bisthum Novara gedruckt in Joh. Bapt. Ziletti consilior. select. in criminal. causis. Francof. 1578 fol. tom. 1. consil. 6. , die anklage war ihm neu und ungewohnt, er beruft sich des verbrechens wegen auf theologen, man darf nach der ganzen fassung seines urtheils annehmen, daß vorher im Mailändischen wenig oder keine hexenprocesse vorgekommen waren. es heißt unter andern: ›mulier striga sive lamia debet igne cremari, confitetur se crucem fecisse ex paltis et talem crucem pedibus conculcasse. . . . se adorasse diabolum illi genua flectendo  . . . pueros tactu stricasse et fascinasse, adeo quod mortui fuerunt. audivi a sacris quibusdam theologis, has mulieres, quae lamiae nuncupantur, tactu vel visu posse nocere etiam usque ad mortem fascinando homines seu pueros ac bestias, cum habeant animas infectas, quas daemoni voverunt .‹ Zwischen den jahren 1316 und 1334 war eine undatierte päbstliche bulle Johannes des XXII ergangen, welche die güter verurtheilter zauberer gleich denen der ketzer einzuziehen verordnet. Was nun von inquisitoren und richtern geschah hat Soldan s. 160–210 einer ausführlichen forschung unterworfen, ich brauche hier nur einzelnes hervorzuheben. Alfonsus de Spina in seinem fortalitium fidei (geschrieben um 1458) lib. 5 berichtet: quia nimium abundant tales perversae mulieres in Delphinatu et Gaschonia, ubi se asserunt concurrere de nocte in quadam planitie deserta, ubi est aper quidam in rupe , qui vulgariter dicitur el boch de Biterne , et quod ibi conveniunt cum candelis accensis et adorant illum aprum osculantes eum in ano suo; ideo captae plures earum ab inquisitoribus fidei et convictae ignibus comburuntur; signa autem combustarum sunt depicta, qualiter scilicet adorant cum candelis praedictum aprum, in domo inquisitoris tholosani in magna multitudine camisearum, sicut ego propriis oculis aspexi. man wird überall caper f. aper zu setzen haben, da bock, boc, bouc deutlich jenen bezeichnet. Das anbeten und küssen des bocks oder katers wurde gerade den ketzern schuld gegeben, deren namen sogar davon hergeleitet worden ist ›catari (für cathari) dicuntur a cato, quia osculantur posteriora cati, in cujus specie, ut dicunt, apparet eis Lucifer‹. Alanus ab insulis († 1202) contra Valdenses libro 1. ein besserer name der ketzer war boni homines , bons hommes (Soldan s. 131), ich glaube nicht weil viele aus edelem stande waren, eher im anklang an andere bedeutungen dieses ausdrucks (vgl. oben s.  73 ). die boni homines gemahnen zugleich an die geisterhaften guten frauen , bonae dominae (s.  239 ) wie die francs hommes an die franches puceles (s.  340 ). selbst die guten holden sind dabei nicht zu übersehn. . diese parodie 892 göttlicher anbetung kann an bocksopfer der Heiden (s.  42 ) und an die heiligkeit dieses thiers geknüpft, aber auch aus der uralten bockfüßigen gestalt des teufels erklärt werden (s.  831 ). Das küssen der kröte (Soldan s. 133. 136) stimmt auffallend zu dem, welches den erlösungen weißer frauen vorausgehen muß (s.  809 . 810 ); hier begegnen ketzerische meinungen dem aberglauben. Im jahr 1303 wurde ein bischof von Coventry in England zu Rom einer reihe großer verbrechen angeklagt, unter anderm ›quod diabolo homagium fecerat , et eum fuerit osculatus in tergo‹; Bonifaz VIII sprach ihn frei die bulle bei Rymer 2, 934 der alten ausg. . Die nemliche beschuldigung lastet gewöhnlich auf den späteren hexen. Hartlieb ( abergl. H cap. 34) redet im jahre 1446 von gott entsagen und sich drei teufeln ergeben. Durch die inquisition der geistlichen, durch die zu gleicher zeit in den gerichten eingedrungene förmlichkeit des canonischen und römischen processes, zuletzt noch durch Innocenz VIII bulle von 1484 (MB. 16, 245. 247), den malleus maleficarum den die beiden von Innocenz bestellten inquisitoren Heinricus Institoris in Alemannien, und Jac. Sprenger in Cöln, mit zuziehung des Constanzer geistlichen, Joh. Gremper, im jahr 1487 abfaßten. Bald erfolgten bischöfliche mandate, z. b. in Regensburg 1491. 1493. MB. 10, 241. 243. und die peinliche halsgerichts ordnung wurde seit dem vierzehnten vier jahrhunderte lang die verfolgung und verurtheilung der zauberinnen unerhört gesteigert, und zahllose schlachtopfer fielen in fast allen theilen Europas. Das frühere mittelalter kannte zauberer und hexen nur in jenem milderen sinn als sagenhafte, dem volksglauben heimfallende elbische oder gar teufelbesessene wesen, nicht als wirkliche von gott abgewichene übelthäter, die gerichtlich verfolgt worden wären. zwar hat man sich vielfach auf die annales corbej. berufen, welche ad a. 914 ausdrücklich erzählen. ›multae sagae combustae sunt in territorio nostro‹, allein diese annalen sind erst 1464 niedergeschrieben und neuerdings ganz verdächtigt worden. Mehrere der alten volksrechte setzen auf zauberei strafen lex sal. 22. rip. 83. Visigoth. VI. 2, 2, 3, 4. lex. Alam. add. 22. capitul. a. 789. cap. 18. capit. II. a. 805. ; aber den fällen, welche vorkamen, lagen doch wirkliche übelthaten zum grunde, mord und vergiftung, die stria ist eine herbaria, d. h. venefica bei Meichelb. no. 683 (a. 853) eine Freisinger dirne venefica ; ad a. 1028 eine malefica mulier artes maleficas cum tribus aliis mulieribus exercens (Pertz 6, 146); ad. a. 1074 zu Cöln eine mulier homines plerumque magicis artibus dementare infamata (Lamb. schafn. p. 375). ; angeschuldigtes wettermachen haben wol wenige mit dem leben gebüßt. Vorzüglich bemerkenswerth sind die gerade gegen solche verhängten strafen, welche 893 im wahn angeblicher zauberei männer oder frauen verbrannt oder getödtet hatten capit. Caroli de part. Sax. 5: si quis a diabolo deceptus crediderit secundum morem Paganorum, virum aliquem aut feminam strigam esse, et homines comedere, et propter hoc ipsam incenderit , vel carnem ejus ad comedendum dederit, capitis sententia punietur . lex Roth. 379: nullus praesumat aldiam alienam aut ancillam, quasi strigam occidere , quod christianis mentibus nullatenus est credendum nec possibile est, ut hominem mulier vivum intrinsecus possit comedere. Wie vortheilhaft sticht diese weisheit Carls und Rothars ab gegen Innocenz VII thörichte, grausame bulle! Jene sagae combustae in Westfalen, wenn das gemeldete glauben verdient, waren schwerlich von den gerichten verurtheilt, sondern von dem pöbel selbst seinem heidnischen aberglauben aufgeopfert, den die angeführten gesetze hindern wollten. noch in unsern tagen versucht das volk in Frankreich, England und Belgien angebliche hexen eigenmächtig ins feuer oder in die schwemme zu werfen (Horsts zauberbibl. 6, 368. 372. 374). Whiles Selborne p. 202: the people of Tring in Hertfordshire would do well to remember that no longer ago than the year 1751 they seized on two superannuated wretches, crazed with age, and overwhelmed with infirmities. on a suspicion of witchcraft; and by trying experiments drowned them in a horsepond. Die gazette des tribunaux no. 3055 4 juni 1835 erzählt einen proceß zu Arcis sur Aube gegen vermeinte zauberer angestellt, in deren geschlecht das vermögen läuse zu zaubern erblich sei. ; nicht zauberei, sondern tödtung vermeinter zauberer nennt das aufgeklärte gesetz etwas teuflisches und heidnisches. Wegen bloßer nachtfahrt mit unholden dachte niemand daran frauen peinlich zu belangen, und jener beichtvater des 13 jh. widerlegt das bekenntnis der domina sortilega aus vernunftgründen (s.  886 ) allerdings Ssp. II. 13, 7: ›svelk kerstenman ungelovich is unde mit tovere umme gat oder mit vorgiftnisse, unde des verwunnen wirt, den sal man upper hort bernen ‹. Schw. sp. 149 Wackern. 174 Laßb. Gosl. stat. 38, 20. die von Homeyer hinter kerstenman aufgenommnen worte ›oder wif‹ sind später eingeschaltet, wie sie den übrigen gesetzen fehlen, und aus dem folgenden relativum ›den‹ zu entnehmen ist. der zeit und fassung dieser denkmäler scheint angemessner, daß sie zauberer und noch nicht zauberinnen nennen; merkwürdig aber verknüpfen sie schon apostasie mit dem zauber, vgl. Soldan 172–174. Biener (zeitschr. f. gesch. rechtsw. 12, 126) will jene feuerstrafe des Ssp. auf den fall beziehen, wenn das geistliche gericht einen solchen sünder als unbußfertig dem weltlichen übergibt. . Seitdem aber durch unselige vermengung der ketzerei und zauberei die vorstellung sich befestigt hatte, daß jede hexe gott entsage und dem bösen zufalle, gewann alles ein anderes ansehn: sie war als genossin des teufels, ohne rücksicht auf andere verbrechen, die sie verübt haben könnte, todes schuldig, und ihre unthat galt für eine der größten, schaudervollsten. seit der zeit hörte aber die frühere vorstellung von teufelbesessenen beinahe auf: die phantasie hatte sich anders gewendet. Hexenprocesse aus dem 16. 17. 18 jh. sind reichlich bekannt gemacht, aus dem 15 jh. wenige vollständig unergibig ist der tractatus de phitonico contractu fratris Thomae Murner. Friburgi Brisg. 1499. Murner meldet wie ihn in seiner kindheit eine hexe gelähmt habe. . man braucht bloß einige gelesen zu haben; durchweg das nemliche verfahren in unbegreiflicher einförmigkeit, immer derselbe ausgang. anfangs leugnet 894 die angeklagte: gefoltert die henkersformel lautet: ›du sollst so dünn gefoltert werden, daß die sonne durch dich scheint!‹ RA. 95. Diut. 1, 105. bekennt sie was alle vor ihr hingerichteten ausgesagt haben, und dann wird sie aufs schnellste verdammt und verbrannt (incinerata, nach dem ausdruck des malleus). Diese übereinstimmung factisch grundloser aussagen erklärt sich aus dem fortgepflanzten, die phantasie des volks erfüllenden wahnglauben. ich will es versuchen alle wesentlichen puncte hier zusammenzufassen Mainzer hexenacten von 1505 und 1511 in Horsts zauberbibl. 4, 210 bis 218; Freiburger von 1546. 1627–35 herausg. von Heinr. Schreiber. Freib. 1836; Quedlinburger von 1569–1578 in Gottfr. Christian Voigts gemeinnützigen abh. Leipz. 1792 p. 59–160; Trierer von 1581 in der trierischen chronik 1825. 10. 196 ff. von 1625 das. 108 ff.; Nördlinger von 1590–94 herausg. von Weng, Nördl. 1838; Elsaßer von 1615–35 in den lit. bl. der börsenhalle Hamb. 1835 no. 1092. 1093; Eichstätter von 1590. 1626–37 in dem Eichstätt 1811 veranstalteten abdruck; Wemdinger von 1620 ausgez. in Mones anz. 7, 425–27; Dieburger von 1627 in Steiners gesch. von Dieburg. Darmst. 1820. p. 67–100; Bühler von 1628. 1629. in Mones anz. 8, 119–132; Siegburger von 1636 in Ph. Ernst Schwaben geschichte von Siegburg. Cöln 1826 p. 225–241; brandenburgische vom 15–18 jh. in den märkischen forschungen 1. 238–265; Camminer von 1679 in den neuen pommerschen provinzialbl. Stettin 1827, 1, 332–365; Freisinger von 1715–1717 in Aretins beitr. 4, 273–327. Brauchbare auszüge aus schwäbischen verhören des 15 jh. enthält der berüchtigte malleus maleficarum (zuerst 1489 gedr.), aus lothringischen acten von 1583–90 Nic. Remigii daemonolatria, übers. von Teucer Annaeus Privatus, Frankf. 1598, aus burgundischen (en la terre de sainct Oyan de Joux) vom jahre 1598. 1599: Henry Bogvet discours execrable des sorciers. Rouen 1603 repr. Lyon 1610. unwichtiger ist Sam. Meiger de panurgia lamiarum. Hamb. 1587. 4. Scandinavische nachrichten: Nyerups udsigt over hexeprocesserne i Norden (skand. litteraturselskabs skrifter 19, 339–394. 20, 1–42), worin zumal lehrreich ist ein auszug aus Lem über norwegischen hexenglauben (19, 385–391). trollväsendet i Dalarua, åren 1668–73 in Joh. M. Bergmans beskrifning om Dalarne. Fahlun 1822. 1, 208–219. Außerdem habe ich gelesen Girolamo Tartarotti del congresso notturno delle lamie. Rovereto 1749. 4 und Const. Franc. de Cauz de cultibus magicis. Vindob. 1767. 4, zwei fleißige bücher, das erste in aller italienischen weitschweifigkeit abgefaßt; weniger nützte mir Diet. Tiedemanns preisschrift de artium magicarum origine Marb. 1787. Scheltemas geschiedenis der heksenprocessen. Haarlem 1829 war mir nicht zur hand; Cannaerts bydragen tot het oude strafregt in Vlaenderen, Brussel 1829, repr. Gend 1835 liefern s. 475–491 interessante auszüge; einiges aus jenen gegenden mitgetheilt ist in Schayes essai historique, Louvain 1834. p. 175–202. Es gibt noch eine unzahl anderer werke: Horsts dämonomagie, Ff. 1818 2 bde. zauberbibliothek, Mainz 1821–26 6 bde., und Walter Scott letters on demonology and witchcraft, Lond. 1830 sind von mir fast ungebraucht; beide beruhend auf emßiger compilation entbehren rechter critik und gelehrsamkeit, Horsts arbeit ist dazu breit und geschmacklos, Walter Scotts ungenau und fahrlässig. Die meisten dieser untersuchungen sind weit übertroffen durch Soldans gesch. der hexenprocesse, Stuttg. 1843, ein werk von dem ich in meiner vorrede noch näher urtheile. Nachtrag: Die hexen leisten dem teufel einen schwur ihm seinen willen zu thun nach dem sehr merkwürdigen hexenbekenntniss von 1459 aus dem Ursernthal im geschichtsfreund 6, 246. die teufelsbraut sitzt auf dem baum mit ihrem kaltsamigen stinkbräutigam. Garg. 72 b . teufel und hexe halten auf den bäumen und ästen tanz und hochzeit . H. Sachs V. 343 b. c . Schon in urk. des 12. jh. kommen die beinamen vor: osculans diabolum, basians daemonem, demonem osculans, bèse diable. Guérard prolegom. zum cart. de Chartres s. XCIV. was heißt daselbst osculans acnionem? tres mulieres sortilegae Silvanectis captae et per majorem et juratos justiciatae a. 1282. der bischof behauptet, die cognition gehöre vor ihn. Guérard cart. de ND. 3, 341 und schon früher: judices tanquam maleficam et magum miserunt in ignem . Caesar. heisterb. 4, 99. das geschah zu Soest im anfang des 13. jh. in England wurden proceedings against dame Alice Kyteler prosecuted for sorcery in 1324 by Richard de Ledrede bishop of Ossony. ed. by Thom. Wright. Lond. 1843. Camden society. XLII und 61 s. eine strega von 1420 in eine katze verwandelt, erwähnt Rebers Hemmerlin s. 248. Wolkenstein s. 208 sagt in einem lied, das in die ersten jahrzehende des 15. jh. fällt, von alten weibern: zauberei und kupelspiel das machen si nit teuer, es wird doch ie eine versêrt mit einem heißen feuer. ›vil fewers zu! ist der beste rat‹ meint Matthias von Kemnat s. 117, dagegen sah H. Sachs 1, 532 c hell: des teufels eh und reuterei ist nur gespenst und fantasei, das bockfaren kumpt aus misglauben. eine englische abhandlung über die hexen und die hexerei von G. Gifford aus dem j. 1603 ist abgedruckt für die Percy society 1842. Das verbrennen und ausstreuen der asche kommt schon Rudl. 6, 49 vor: rogo me comburatis, in aquam cinerem jaciatis . fornm. sög. 2, 163: klauf hann þâ þôr î skîđur einar, lagđi î eld ok brendi at ösku , sîđan fêkk hann ser lög nökkurn, kastađi þar â öskunni, ok gerđi af graut, þann graut gaf hann blauđum hundum (al. grey hundum). vgl. oben s.  157 . . Der teufel erscheint in gestalt eines stattlichen jünglings, federgeschmückt und buhlerisch; erst als es zu spät ist gewahrt die hexe des pferdefußes oder gänsefußes ›wilde, pflotte füße‹. Nördl. hexenpr. s. 35. . Er zwingt sie dann gott abzusagen (s.  850 ), tauft sie um, wozu sie sich pathen wählen 895 muß, und legt ihr einen namen bei, so wie er ihr seinen namen entdeckt. ihrem leib wird ein zeichen eingedrückt (s.  901 ), dessen stelle fortan unempfindlich ist, auch das kommt vor, daß ihr aus dem schopf haare gerissen werden. zuweilen naht er als maus, bock, krähe, fliege, wandelt sich aber bald in menschliches aussehn um. auch bei wiederholter buhlerei empfängt die hexe nur kleine geldgeschenke; was er als glänzendes geld gab, war beim licht besehn mist und koth alles göttliche ahmt der teufel verkehrt nach (s.  823 . 824 ): sein gold wandelt sich in unrath; wenn aber götter oder gütige wesen laub, späne, knotten schenken, wandeln sich diese in eitel gold (s.  222 . 228 ). Darum sitzt der teufel verkehrt , darum stehen die hexen auf den füßen oder tanzen verkehrt u. s. w. . Hauptsache ist, daß an gewissen tagen der teufel sie abholt oder bestellt zu nächtlichen festen , die in gesellschaft anderer zauberinnen und teufel begangen werden. nachdem sie sich mit einer salbe unguentum Pharelis, aus kräutern ( abergl. H c. 32); doch die gewöhnliche hexensalbe wird aus dem fett ermordeter, ungetaufter kinder bereitet: unguentum ex membris puerorum interemptorum ab eis ante baptisinum. malleus malef. II. 1, 3 (ed. 1494. 51 d ). füße und achseln geschmiert oder einen gürtel umgebunden hat, beschreitet sie stecken, rechen, besen, spinnrocken, schaufel, kochlöffel oder ofengabel , und fährt, eine formel murmelnd, zum schornstein hinaus, über berg und thal, durch die lüfte Simpl. buch 2 cap. 17. 18 ein solcher aufflug beschrieben; der ihn belauschte fährt auf einer bank hinten nach und gelangt in einem hui aus dem fuldischen Buchenwald ins erzstift Magdeburg. . dehselrite Helbl. 1, 1196 (s.  876 ), gabelreiterin , besenreiterin bedeutet hexe und bei der Hätzlerin s. lxvii b quostenpinderin (quaste perizoma, cingulum) nichts anderes. Nach einer bei Herm. von Sachsenheim (Wackern. lb. 1005. 1006) erzählten sage des 14 jh. bestreicht ein altes weib zu Urach das kalb , auf dem der ritt geschehn soll, mit salbe. Holt der buhler ab, so sitzt er vornen auf dem stab, die hexen hinten, oder er zeigt sich als bock, den sie besteigt, oder sie fährt mit rossen, die aus dem boden kommen. ältere sagen haben, daß sie der teufel in seinen mantel nimmt und so durch die luft führt, wovon die benennung mantelfahre , mantelfahrerin . Am sammelplatz finden sich viele hexen, jede mit ihrem buhlteufel ein, meistens lauter nachbarinnen, zuweilen längst verstorbene frauen, einige (die vornehmeren) verlarvt und vermummt. ihre liebhaber sind aber nur diener des obersten teufels, der in bocksgestalt , mit schwarzem menschengesicht, still und ernsthaft, auf einem hohen stul oder einem großen steinernen tisch in der mitte des kreises sitzt, dem alle durch knien und küssen ehrfurcht beweisen. trägt der oberste teufel besonderes wolgefallen an einer zauberin, so wird sie zur hexenkönigin ernannt, die den ersten rang vor allen übrigen behauptet Lafferts relationes criminales. Celle 1721. p. 52. 54. Horsts dämonom. 2, 376. 377. und zu jenem nord. trölla konûngr (s.  872 ) stimmt. Das 896 unerfreuliche mahl erhellen schwarze fackeln, die alle an einem licht entzündet werden, das dem großen bock zwischen den hörnern brennt. ihren speisen mangelt salz und brot doch essen sie brot, das sonntags gebacken, fleisch, das sonntags gesalzen ist, und trinken sonntags gefaßten wein. , getrunken wird aus kuhklauen und rosköpfen. sie erzählen sich dann was sie übels gethan, und beschließen neues übel; wenn dem teufel ihre unthaten nicht genügen; so schlägt er sie. Nach der mahlzeit es gilt dabei auch standesverschiedenheit: erst sitzen die reichen zu tisch und trinken aus silberschalen, dann die armen aus holzbechern oder klauen. , welche weder sättigt noch nährt, beginnt der tanz ; auf einem baum sitzt der spielmann , seine geige, sein dudelsack ist ein pferdehaupt (s.  877 ), seine pfeife ein knüttel oder katzenschwanz. sie drehen beim tanz einander die rücken zu, nicht die gesichter und wenden diese nach außen; morgens aber sieht man im gras kreisförmige spuren von kuh und bocksfüßen eingetreten. der tanz soll (nach hessischen acten von 1631) dem der schwerttänzer (s.  252 ) gleichen, häufig heißt es: eine der frauen trage am rechten fuß den güldnen schuh , war sie königin oder hauptmännin? bei Martin von Amberg kommt vor: ›der trut rote schuechel machen‹, doch zum tanz? wenn der reigen aus ist, schlagen sie sich einander mit schwingen und mangelhölzern und treiben buhlschaft. Zuletzt brennt sich der große bock zu asche , die unter allen hexen ausgetheilt wird, und mit der sie schaden stiften. Eine junge unerfahrne hexe wird nicht alsogleich zu mahl und tanz gelassen, sondern beiseits gestellt, um mit einem weißen stecken auch die altfranz. dichter legen den hexen geschälte stecken oder ruten bei: ›une vielle barbelée, qui porté a verge pelée plus de qatre vingts ans‹. Renart 28286, vgl. Méon 4, 478 ›remest ausi monde com la verge qui est pelée ‹. kröten zu hüten; auch daheim ziehen und halten sie dieses thier, schon bei der Hätzlerin lxviii a ›inhitzige krotensack! ‹ schelte einer hexe. eine solche angehende hexe stellt der teufel auf den kopf und steckt ihr ein licht in den after (thür. mitth. VI. 3, 69). Die heimreise erfolgt wie die hinfart, der ehmann, welcher unterdessen einen ins bett gelegten stock für seine schlafende frau gehalten hat, wird nichts von allem gewahr. Wer von ungefähr hexentänze zu schauen bekommt, braucht nur den namen gottes oder Christi auszusprechen, so wird alles gestört und verschwindet plötzlich DS. no. 251. Wolfs nl. sagen no. 245. 381. 382. Wodana s. xxxvi . . Unthaten, welche hexen verrichten, beziehen sich hauptsächlich auf vieh und getraide ihrer nachbarn, denen sie zu schaden trachten. fremden kühen verstehen sie, ohne daß sie ihnen nah kommen, den euter leer zu melken ( abergl. G v. 132): sie stecken ein messer in eine eichenseule , hängen einen strick daran und lassen aus dem strick die milch fließen (Reusch Samland s. 66); oder sie schlagen eine axt in die thürseule und melken aus dem axthelm ; sie ziehen die milch aus einer spindel oder aus einem 897 aufgehangnen handtuch ähnlich das zauberhafte schlagen des weins aus der seule ( abergl. G v. 262), vgl. die sage von doctor Faust. . gute milch wandeln sie in blaue, oder in blutige; ihr lobspruch, wenn sie in ein fremdes haus treten, bringt der milch gefahr: soll eben milch gestoßen werden, so geräth keine butter (abergl. 823 ). darum heißt eine hexe überhaupt milchdiebin (wie der schmetterling milchdieb, buttervogel), milchzauberin , molkenstehlerin , molkentöversche am abend Philippi und Jacobi, d. h. am 1 mai, lauft man in Rügen mit großen feuerblasen im feld umher: das heißt man › molkentöverschen brennen ‹ Rugian. landgebr. cap. 243. milchdiebin u. unhold. H. Sachs III. 3, 5 d . . Der zusammenhang zwischen hexen, elben und schmetterlingen leuchtet von neuem ein, denn auch den zwergen gab der volksglaube schuld, die milch aus dem euter der kühe zu ziehen; dvergspeni heißt altn. die papilla vaccarum vacua. verzauberte milch peitsche man in einem topf, oder fahre mit einer sichel darin herum: jeden streich oder schnitt wird die hexe empfinden (abergl. 540 ). ein wetterauischer aberglaube drückt sich so aus: wann ein stück vieh verhext ist, so stellt man die schmelzpfanne über und hackt bei verriegelten thüren mit der grassichel in die pfanne: die erste welche dann kommt ist die hexe. Des vermögens der zauberinnen, milch und honig aus dem hause des nachbars in das ihrige zu ziehen, erwähnt bereits Burchard ( abergl. C p. 199 d ). Mit ihren besen in bäche schlagend, wasser in die luft sprützend, oder kiesel ausschüttend, sand gegen sonnenuntergang stäubend verursachen die hexen sturm und hagel (s.  909 ), der getraide und obst des nachbarn zu boden schlägt. sie sollen zu gleichem zweck borsten oder auch eichenlaub in töpfen sieden, oder von jener teuflischen asche auf die felder streuen . das sind die blitzhexen , wetterhexen , von deren geschäft nachher noch näher zu handeln sein wird. man sagt ihnen nach, daß sie den thau vom grase streichen oder streifen , um dem vieh dadurch zu schaden (abergl. 1118 ), auch daß sie den thau frühmorgens vor sonnenaufgang von fremden wiesen streifen und auf ihre eignen tragen, um deren gras üppiger zu machen; davon sollen sie an ihren großen plumpen füßen kennbar sein und heißen sie thaustreicher (in Ostfriesland daustriker ), doch werden auch andere verdächtige männer oder frauen so gescholten. das hängt deutlich mit den thaustreifen nach nächtlichem elbentanz und dem thau, den die rosse der valkyrien aus der mähne schütteln, zusammen, ist nur hier zum bösen verkehrt. Indem die hexen schemelbeine verbinden können sie zerbrochene knochen abwesender menschen heilen. Sind sie bei der trauung eines ehpaars zugegen, so knappen sie, während der segen gesprochen wird, ein schloß zu und werfen es ins wasser: das heißt nestelknüpfen ; so lange das schloß nicht wieder gefunden und eröfnet wird, sind die ehleute untüchtig. Hexen können menschen tödten, indem sie bildern oder puppen stiche versetzen; auf kirchhöfen graben sie die leichen junger kinder aus und 898 schneiden ihnen finger ab mit fingern ungeborner kinder kann gezaubert werden, angezündet geben sie eine flamme, welche alle leute des hauses im schlaf erhält: ähnlichen vortheil schaft der daume, welcher einem aufgehängten dieb abgeschnitten wurde. vgl. Schamberg de jure digitor. p. 61. 62 und Praetorius vom diebsdaumen. Lips. 1677. die coutume de Bordeaux §. 46 handelt vom zauber mit den händen todter kinder. eine pflanze hieß diebshand (s.  981 ). , von dem fett dieser kinder sollen sie ihre salbe bereiten. das scheint der hauptgrund weshalb sie kindern nachstellen; den zauberinnen früherer zeit wurde der kinderraub viel häufiger schuld gegeben (s.  885 ). Aus der hexen vermischung mit dem teufel geht keine menschliche frucht hervor, sondern elbische wesen, welche dinger (vgl. wihtir s.  364 ), elbe und holden genannt werden, deren bildung aber verschieden angegeben ist. bald sollen es schmetterlinge sein, bald hummeln oder queppen, bald raupen oder würmer. schon eine ahd. glosse bei Graff 1, 243: alba , brucus, locusta, quae nondum volavit. die räthselhafte käfer und larvengestalt eignet sich ganz für solche wesen die raupe heißt auch teufelskatze (s.  860 ) und die hexe gleich der libelle teufelsbraut , teufelsbuhle , finnisch ist Ukon koira (Ukkonis canis) papilio oder larva papilionis, tuonen koira (mortis canis), suden korendo (lupi vectis) schmetterling, Ukon lehmä (Ukkonis vacca) ein andres insect. schwed. trollstända (dæmonis fusus) der schmetterling. in Graubünden nennt man die raupe baluise , in der Schweiz nach Stalder palause , was wiederum jenes pelewise, pilweise (s.  391 . 393 ) ist. auch dem ahd. huntessatul (eruca) Graff 6, 167 liegt mythisches unter, wie dem altn. geithamr (vespa). . sie heißen abwechselnd gute oder böse dinger , gute und böse elbe , gute selbst wenn schädlich damit gezaubert wird heißen sie dennoch die guten holden (braunschw. anz. 1815 p. 726 ff.). im malleolus finde ich: ›vermes nocivi qui vulgariter dicuntur juger ‹ und ›alemannico nomine juger nuncupantur, sunt albi coloris et nigri capitis, sex pedum, in longitudine medii digiti‹. ist jug eins mit dem s.  152 . 577 angeführten gueg? manche andre benennungen der phalaenen greifen ein in die von irlichtern oder wichteln; so heißen sie zünsler (weil sie um licht und feuer flattern), landmesser (s.  765 ), nachteulen u. s. w. oder böse holden , holderchen , holdiken . ihrer bedienen sich die hexen zur hervorbringung von krankheit oder geschwulst bei menschen und vieh, indem sie sie in haut und gebein beschwören. sie verweisen sie aber auch in den wald auf bäume, graben sie unter hollunderbüsche ein, wie die elbe das espenholz abfressen, fressen sie den menschen, dem sie zugedacht sind. welche hexe die holden einem zubringt, die muß sie auch wieder abbringen; sie geht, wenn sie ihrer bedarf, in den wald und schüttelt sie von den bäumen, oder gräbt sie unterm hollunder (dem elbengrab ) wieder hervor. ein mensch, in den holden gezaubert sind, ist erkennbar daran, daß man in seinen augen kein männlein oder kindlein (κόρη, pupa) sieht, oder nur ganz trübe (Voigt p. 149. 152). das gemahnt an die kröte, die der teufel den hexen in den stern des linken auges zeichnen soll. die neunerlei arten der holden werde ich im cap. von den krankheiten angeben. Nicht selten erscheint aber der teuflische buhle selbst in gestalt des albs oder schmetterlings . Ihre in menschlicher ehe 899 erzeugten töchter müssen die hexen dem teufel bei der geburt versprechen und in seinem dienste erziehen; bei den großen versamlungen reichen sie ihm überhaupt ihre kinder, hinterrücks in die höhe hebend, dar. zuweilen opfern sie ihm schwarzes vieh . Sie finden sich gern auf wegscheiden der teufel ist auf wegscheiden zu errufen, ebenso die Alraun. zusammen, sie können gleich dem teufel (s.  834 ) durch das schlüsselloch in häuser aus und einfahren ( abergl. G v. 106. 107 und Tobler 146 a ), wo drei lichter im zimmer sind, hat die hexe gewalt; dem glockenläuten sind sie gram. Vor gericht darf man sie nicht die bloße erde berühren lassen, weil sie sich sonst plötzlich verwandeln; sie sind unvermögend eine zähre zu vergießen, ins wasser geworfen schwimmen sie oben Plinius 7, 2 von zauberern: eosdem praeterea non posse mergi ne veste quidem degravatos. Mehrmals wird erzählt, der teufel verheiße den hexen ins wasser eine eisenstange zu bringen, damit sie sinken können, bringe ihnen dann aber nur eine leichte nadel. , worauf sich das in den gerichten herkömmliche hexenbad, ein altes gottesurtheil, gründete (RA. 925). gelingt es ihnen zu anfang der verhandlung dem richter ins auge zu sehen, so wird er mitleidig und kann sie nimmer verdammen. Characteristisch ist nun, daß alle hexen, ihrer kunst und der macht des teufels ungeachtet, in elend und tiefer armut stecken bleiben; es kommt kein beispiel vor, daß eine sich reich gezaubert und für den verlust himmlischer seeligkeit zum wenigsten weltliche freuden erworben habe, wie sonst in den sagen von männern, die sich dem teufel verschreiben (s.  850 ), wol erzählt wird. Diese krumnäsigen, spitzkinnigen, hänglippigen, schiefzähnigen, rauchfingrigen weiber krumme nase, spitzes kinn, sitzt der teufel ganz darin. ich vergleiche die altn. namen Hengikepta, Grôttintanna, Lodinnfingra (Sn. 220. 221). stiften übel, ohne daß es ihnen nützt, höchstens können sie schadenfreude empfinden. ihre buhlerei mit dem bösen, ihre theilnahme an seinen festen schaft ihnen immer nur halbes behagen Berthold p. 58: ›sô gênt eteliche mit bœsem zöuberlehe umb, daz si wænent eins gebûren sun oder einen kneht bezoubern. pfî dû rehte tœrin! war umbe bezouberst dû einen grâven oder einen künec niht? sô wærestu ein küneginne!‹ Man sagt die hexen werden alle sieben jahr eines dreihellers reicher. Simplic. 625. Nachtrag: Die dem teufel zuschwörende hexe hebt die linke hand auf. geschichtsfreund 6, 246. über die art des ihr vom teufel eingedrückten zeichens s. Mone anz. 8, 124. 125. auch nach dem griechischen volksglauben beschmierten sich die thessalischen zauberinnen mit einer salbe . Lucians asinus 12. 13. Apulejus p. m. 116. 117. vil kunnen salben den kübel , das si obnan ausfarn . Vintler ( abergl. G . v. 180). die hexe heißt gabelreuterin . Garg. 47 a , sie reitet kälber und kühe todt (oben s.  875 ), sie hat flügel . Müllenhoff s. 212. das ausfahren der hexen und zauberer durch die lüfte ist das göttliche riđa lopt ok lög . vgl. den mit seinem knecht zu wasser, luft und land segelnden schiffer. Müllenhoff s. 222. in der mitte der hexen sitzt der teufel auf einem bildstock (= irmensûl). Mones anz. 8, 130. er sitzt mit ihnen auf dem baum und hält mit ihnen auf bäumen und ästen tanz und hochzeit. H. Sachs V, 343 b. c (s. anm. 2668 ). hexenmahlzeiten finden wie feenmahlzeiten statt. ihre speisen sind unschmackhaft wie faules holz, oder sie wandeln sich plötzlich in mist ; gerade so die von der Huldre mitgebrachte speise in kuhmist . Asbiörnsen Huldr. 1, 49. 51. der teufel spielt auch auf einer hummel . Thür. mitth. VI. 3, 70. mit der jungen zum krötenhüten bestellten hexe vgl. die drei kröten und das junge mädchen . Lisch jahrb. 5, 82. Hexen verderben die milch, streifen im thau, lähmen ein vieh und machen wetter. der schade geht besonders auf das feld und vieh vgl. s.  926 . sie melken aus einem messer milch. Asb. Huldr. 1, 176. Wolfs zeitschr. 2, 72. Müllenhoff s. 220. sie spannen einen faden und melken milch daraus. Mones anz. 8, 131 oder schneiden zu gleichem zweck einen span aus der stallthür. Mone 5, 452. 453. sie melken aus einer alen oder axthelmen . Keisersb. omeis 54 a , wo ein holzschnitt beigegeben ist. die senni melkt aus vier zapfen in der wand . Frommann 2, 565. hexen buttern , indem sie mit einem stock im wasser karnen. Müllenhoff s. 224. sie › versteln den leuten ir milch ‹ M. Beham. Mones anz. 4, 454. sie heißen molkentover . Mone schausp. 2, 74 (upstandinge 1116). vgl. im anh. die XXXVII . beschwörung: gang uf durch die wolken und bring mir schmalz und milich und molken! Die hexen sammeln thau um den leuten die butter zu nehmen. Müllenhoff s. 565. vgl. ags. deávdrîas bei Cädm. 3795 (Bout.) Grein 101. towe daz gelesen wirt. Notk. Cap. vgl. thauschlepper , taudragil oben s.  656 . Sie stopfen frieden und unfrieden ins brautbett, flechten streit hinein, indem sie die kissenfedern in kränze und ringe zusammenflechten. s. Müllenhoff s. 223. darum auch erzählt man von einem alten weib, das schlimmer als der teufel sei. in medio consistit virtus, wie der teufel zwischen zwein alten weibern. Garg. 190 b . einer alten, die zwei eheleute uneins machte, reichte der teufel aus furcht die verheißnen schuh auf einem stabe. hexen ›nemen den mannen ir gseln ‹. M. Beham bei Mone 4, 451. Greifen, schlagen, streichen, blasen, hauchen, blicken gilt von hexen (s.  920 ) wie von heilenden frauen. sie bedienen sich zu ihrem zauber der hand ungeborner kinder . fastn. sp. s. 1349. die diebe schneiden einem ungebornen kinde den daumen ab und zünden ihn als licht an. so lange es brennt, schläft alles im haus. spinam humani cadaveris de tecto pendent; niemand wacht auf. Caesarius heisterb. 6, 10. ›du haddest ok ens deves dumen bavene henghen an de tunne‹ heißt es vom betriegerischen wirt. Mone schausp. 2, 87. (bei einer diebin zu Berlin fand man im j. 1846 ein grünes kraut in ihren unterrock vernäht, welches sie ihr glückskraut nannte.) › ungemeilit kint ‹ werden zum zaubern gebraucht. Kaiserchr. 2102. 2590. vgl. die lecta ex structis ignibus ossa. Prop. IV. 5, 28 nach Lachmanns corr. Man ›glaubet daz der alb von unzeitigen kinden werd‹. Mich. Beham bei Mone 4, 450. es werden schwarze , weiße , rothe unterschieden (Haupts zeitschr. 4, 389), was die eintheilung der elbe in schwarze, lichte und braune zu bestätigen scheint. Die raupe teufelskatze (Stalder 1, 276) erinnert an die pfälzische bezeichnung einer haarigen raupe katzespur vgl. russ. gusenitza eruca (altsl. bruchus), poln. wąsienica , böhm. hausenka , langued. diablotin . altn. bröndûngr variegata, schwed. kålmask . der schmetterling heißt nach Schm. 1, 30 pfeifmutter , Alb. Schott 291 fifuntrager . vgl. pipolter, fifolter. die hexe kommt nieder mit irwischen . Thür. mitth. VI. 3, 69. Die hexen haben zauber im haar , daher es ihnen abgeschnitten wird. schon in M. Behams Wien s. 274. vgl. die weichselzöpfe. die hexe fesselt ihren liebhaber, den teufel, mit garn , das auf einem kirchhofe gesponnen ist. Thür. mitth. VI. 3, 70. Die hexen schwimmen oben , wie auch Gođrûn von sich sagt: hôfo mik, ne drekđo hâvar bâror. Sæm. 267 a . hon mâtti eigi söcqva das. 265. Der häßlichen deutschen hexe stellt sich an die seite die finn. Pohjan akka harvahammas (dünnzahnig). Kalev. 2, 187. 205. 5, 135. . Dieser eine zug hätte über den grund aller hexerei die augen öfnen sollen. Das ganze elend gründete sich bloß in der einbildung und dem erzwungnen bekenntnis der armseligen; wirklich war nichts, als daß sie kunde heilender und giftiger mittel hatten und ihre träume › alter wibe troume ‹ Wh. 1, 82 a ; › kerlinga villa ‹ Sæm. 169. durch den gebrauch von tränken und salben erregten. Aufgefordert die namen ihrer genossinnen anzugeben, bezeichneten sie häufig verstorbene, aus schonung oder um der untersuchung auszuweichen; was sie übles aussagten wurde buchstäblich als wahrheit angenommen. Es kommt vor, daß hexen 900 gestanden leute getödtet zu haben, die noch am leben waren Frommann de fascinatione p. 850. dies hebt auch Montaigne hervor, livre 3. chap. 11. . Niemals fiel den richtern ein zu erwägen, wie es doch geschehe, daß unzählige hexenversamlungen an lauter bekannten, gangbaren orten nicht von zeugen, die ihr weg dahin hätte führen müssen, überrascht worden seien. Durch welche zulassung gottes sollte in dörfern und städten des ganzen landes ein früher unerhörtes zauberpack sich zu jenen zeiten auf einmal eingenistet haben! Längst bevor hexen gemartert wurden, hatte man gegen schwere missethäter leibliche qualen angewandt, die ihnen ein bekenntnis ihrer schuld entreißen sollten. von torquere redet schon die lex Visig. III. 4, 10. 11 und der marterbalken, auf welchem der angeschuldigte reiten muste, hieß equuleus, poledrus, woher unser folter , franz. poultre, poutre stammt. jenes altn. erzwingen und erpressen der vollen aussage, › pîna til sagna‹ (s.  871 ) braucht nicht aus den hexenprocessen entlehnt zu sein. In den hexensagen scheint die teufelsverschreibung, absagung gottes und anbetung des bocks ketzerisch, der abschwörende parodiert zugleich die den täuflingen gebotne abrenuntiatio diaboli nach den formeln: ›ik fate an disen witten stock und verlate unsen herre gott!‹ (catholisch: ›Marien son u. got‹) oder ›her trede ik in din nist (nest) u. verlate unsen herre Jesum Christ!‹ in hessischen acten von 1633: ›hie stehe ich uf dieser mist und verleugne des lieben herrn Jesu Christ!‹ auf der miste, die ringsum zu glühen beginnt, steht die abschwörende und sticht mit einem weißen stecken in eine ütsche (kröte). das stehn auf dem mist haben auch beschwörungsformeln. der weiße stock ist symbol cedierender, und wird nach dem anfassen ins wasser geworfen. ; in allen andern elementen überwiegt das heidnische. an alten göttercultus muß dennoch der bock und das opfer schwarzer thiere (s.  42 . 408 . 843 ) erinnern; es ist merkwürdig, daß nach einer dalekarlischen überlieferung beim hexenfest der teufel nicht den hochsitz einnimmt, sondern unter dem tisch gebunden an einer kette liegt (ganz wie in deutscher sage neben den spinnenden frauen, s.  844 ). von dieser kette erzählen die dortigen hexen vielerlei, wenn sich ihre glieder abnutzen, kommt ein engel und löthet sie neu zusammen (Bergman p. 217. 219). Mit der kraft des salzes wurde mancher zauber getrieben (abergl. 713 . 846 ), fast scheint es, als dürfe man zusammenhang finden zwischen jenem salzsieden , salzmalen , salzstreuen , salzbrennen , salzholen (s.  875 ) und dem verbrennen des bocks, mitnehmen und ausstreuen seiner asche zauberberüchtigten schäfern wurde zur last gelegt, ihre schafe mit salz zu taufen . factums et arrest du parlements de Paris contre des berges sorciers executez depuis peu dans la province de Brie sur l'imprimé à Paris 1695. 8. p. 57. . gleich heidnisch erschien der genuß des pferdefleisches (s.  877 ). Die hexenausflüge wurden gewöhnlich in der mainacht, in der Johannisnacht und weihnachten unternommen, kommen aber auch 901 in der fastnacht und auf ostern oder zu andern zeiten vor; das waren die tage großer heidnischer feste, der osterfeuer, maifeuer, sonnwenden und julfeuer, und man braucht darin keine parodie der christlichen feste zu erblicken. die nachtfart, der fackelzug, das durchdringen verschlossener häuser ist genau wie bei dem holdischen heer; namen der buhler, beschwörungsformeln, gezeugte holden, reihentänze, alles dies ist elbisch das geißblatt, oder vielleicht eine andere pflanze, heißt in Niederdeutschland alfranke , hexenschlinge (Ritters meklenb. gramm. p. 107. E. M. Arndts märchen p. 404). man nennt überhaupt rankendes gesträuch, verschlungene zweige hexenschlupf , und glaubt, daß eine verfolgte hexe , ein verfolgter alb , jedesmal dadurch entrinnen könne. . die stärkung der hexe durch berührung bloßer erde (iardarmegin s.  534 ) kann an heidnischen riesenglauben gemahnen. anwendung der altdeutschen wassertauche auf hexen folgt aus dem frühen gerichtsgebrauch, der sie gegen zauberinnen, die sich wirklicher verbrechen schuldig gemacht hatten, gelten ließ. ich weiß nicht, ob man das blutzeichen der hexen (s.  895 ) beim eingang des teuflischen bundes nothwendig aus dem ketzerischen brauch (s.  890 ) abzuleiten hat. blutmischung bei eiden und bündnissen war uralt und weitverbreitet (RA. 192. 193), vom stigma wuste man in Deutschland lange bevor die hexen verfolgt wurden Berthold s. 381 vom teufel: froh machen ihn alle die in hauptsünden fallen, da mahlt er gleich sein zeichen an sie, und will ehre davon haben daß sie seinen schild führen. , und gebraucht dafür den ausdruck anamâli (Graff 2, 715), mit dem entsprechenden altn. âmæli finde ich bloß den ethischen begrif von nota = vituperium verbunden. aber die helden des alten Nordens, wenn sie auf dem bett den strohtod (strâdauđi) starben, pflegten sich vorher dem Ođinn, der nur blutende helden annahm, durch speerritz zu weihen, wie er sich selbst vor seinem tode mit Gûngnir (s.  121 ) geritzt hatte, das hieß marka sik geirs oddi, marka sik Ođni (Yngl. saga cap. 10. 11). ich möchte dazu noch das tîres tâcen (s.  166 ), selbst des Tôdes zeichen (s.  707 ) halten; hierbei war kein gedanke an sträflichen zauber Nachtrag: Heidnisch erschien der genuß des pferdefleisches oder gar des menschenfleisches , ferner der glockenhaß der hexen. mit dem blutzeichen der hexen, dem Tôdes zeichen vergleiche: stakins fráujins ana leika baíran. Gal. 6, 17. Merkwürdig ist, daß die hexe nicht weinen kann , sie hat triefende augen, vergießt aber keine thränen . in den tirol. verhören (Pfaundler s. 43) heißt es: ›sie sprotzt mit den augen, weint ohne thränen ‹. gerade so wird von Thöck gesagt: Thöck mun grâta þurrum târum Baldrs bâlfarar. die riesin steht hier der hexe gleich. . Die art des zaubers, das herzessen, das wettermachen, das reiten durch die lüfte gründen sich auf uralte, weitverbreitete überlieferungen, die ich jetzt noch näher untersuchen will. Vorausgehn mag eine darstellung des serbischen volksglaubens. Die vjeschtitza ist von einem bösen geist besessen: wenn sie in schlaf fällt, geht dieser aus ihr heraus, und nimmt dann die gestalt eines schmetterlings oder einer henne an, dieser geist ist wesentlich eins mit der hexe. sobald er ausgegangen ist, liegt der hexe leib wie todt, und dreht dann jedesmal den kopf dahin wo die füße sind, so kann sie nicht wieder erweckt werden. Die hexe strebt leuten nach, die sie aufißt , besonders jungen kindern. findet sie einen schlafenden mann, so stößt sie ihn mit einer ruthe durch die linke brustwarze, öfnet seine seite, nimmt das herz heraus 902 und ißt es , worauf die brust wieder zuwächst. einige dieser ausgegessenen leute sterben alsbald, andere leben noch eine zeitlang. die hexen essen keinen knoblauch ; viele leute schmieren sich in der fastenzeit brust, sohlen und unter der achsel mit knoblauch, um sich gegen die hexe zu sichern. man glaubt, daß sie in der faste mehr leute esse als sonst. junge schöne frauen stehen nie im ruf der zauberei, hexen sind immer alte weiber hauptsächlich in Schweden werden auch unschuldige kinder , knaben und mädchen in die hexerei verflochten. Der teufel fordert von jeder hexe, daß sie ihm kinder zuführe, sie weckt schlafende kinder mit den worten: ›komm teufelskind zum gastmal!‹ sie setzt sie auf das dach , bis die zahl voll ist, und trägt sie dann durch die lüfte dem bösen zu, der sie fragt, ob sie ihm dienen wollen? und in sein buch schreibt. er begabt sie dann mit klugheit; solche knaben heißen vîsgåssar (kluge jungen). man erinnere sich der von Hameln ausgeführten kinder. In den Freisinger acten erscheinen arme bettelbuben vom teufel verleitet. , aber das sprichwort lautet: ›mlada kurva stara vjeschtitza‹. hat die hexe einmal gebeichtet und sich angegeben, so kann sie keine leute mehr essen und keinen zauber mehr treiben. Wenn die hexen nachts ausfliegen , glänzen sie wie feuer, ihr sammelplatz ist eine tenne (guvno), beim ausfahren aus der küche schmiert sich jede mit einer salbe unter die achsel und sagt ihren nachher noch anzuführenden spruch. Sterben in einem dorf viel kinder oder leute und fällt auf eine alte frau verdacht, so binden und werfen sie sie ins wasser ; geht sie unter, so wird sie herausgezogen und frei gelassen, kann sie aber nicht untergehn, getödtet, denn keine hexe vermag im wasser zu sinken. Wer vor Mariäverkündigung eine schlange tödtet, in ihren kopf ein stück knoblauch bindet, und auf Mariäverkündigung beim kirchgang den schlangenkopf an eine mütze steckt , der kann alle weiber, die hexen sind , daran erkennen , daß sie sich um ihn versammeln, und ihm die schlange oder ein stück davon zu stehlen suchen. (Vuk s. v. vjeschtitza, pometno und blagovijest). Diese merkwürdige nachricht führt zu erläuterungen. Auch bei uns gab es solche erkennungsmittel der hexen. wer einen gefundenen eggenagel bei sich trägt, oder getraidekörner, die ins brot gebacken waren, oder ein gründonnerstagsei, sieht die hexen mit melkkübeln auf dem kopf in der kirche (abergl. 539 . 636 . 685 . 783 . 808 ). gerade so in Dänmark (abergl. 169 ). Bergman p. 219 meldet, daß in Dalarne die hexen selten zur kirche kommen, wol aber eine strohgarbe oder ein schweintrog ihre stelle vertritt. was jedoch nur die aus der Blåkullagesellschaft wahrnehmen können. ich weiß nicht, ob kübel oder trog aus der milchverzauberung oder daher zu erklären sind, daß nach nord. überlieferung riesinnen, ellekoner und huldrefrauen einen trog auf dem rücken tragen (Faye 118. Müllers sagabibl. 1, 367. Molbech dial. lex. 98). Keisersberg (omeiß 36 c ) berichtet, daß eine nachtfahrerin sich in eine teichmulde setzte, mit öl salbte, zauberworte sprach und 903 entschlief. Sn. 210 a findet sich unter den zauberfrauennamen schon Bakrauf , d. i. fissura dorsi, rückenspalt. dän. ellekone bagtil huul som et deigtrug (Thiele 4, 26). das sind lauter wichtige analogien. Im anhang ist eine formel abgedruckt, worin der alb angeredet wird: ›mit dem rücken wie ein teigtrog!‹ Der alp, die hexe zeigen sich nur von vornen schön, hinten sind sie greuelhaft und ungestalt, wie frau Gurorysse (s.  789 ) oder frau Welt in Conrads gedicht. Aus dem gründonnerstagsei , wird es ausgebrütet, geht ein buntgefiedertes huhn, das jedes jahr seine farbe wechselt, hervor, wer am ersten ostermorgen ein solches ei mit in die kirche nimmt, erkennt bei sonnenschein alle weiber, die des teufels sind; sie aber wittern es und trachten das ei in des trägers tasche zu zerdrücken, daher man die vorsicht brauchen muß es in einer büchse bei sich zu führen. denn gelingt es ihnen das ei zu zerdrücken, so wird dem menschen auch sein herz zerbrochen. Tobler 102 a gewährt uns den schweizerischen aberglauben: weme ma n'am sonntig vor sonna nufgang e nübblättlets chlee ine schue ina thued ond mit dem schue i dchilacha god, so sieht mas, wenn e häx dinen ist: die wo hönder för sitzid sönd häxa. Ferner, wer sich in der Christnachtsmette auf einen schemel von neunerlei holz stellt, erkennt alle hexen der gemeinde: sie alle wenden dem hochaltar ihren rücken zu. aber die hexen sehen auch ihn, und wehe wenn sie seiner nach dem gottesdienste habhaft werden; er ist ein kind des todes, hat er sich nicht mit etwas vorgesehn, was ihre habsucht reizt, das muß er stück für stück von sich werfen (wie nach alter sage verfolgte auf der flucht ihren feinden gold und ringe ausstreuten) und während sie es auflesen rennen was er kann, bis ihn seine wohnung aufnimmt. Einfacheres gibt eine Wiener pergam. hs. des 14 jh. an (cod. bibl. graec. 39 / 63 bl. 133 a ): ›wil du, daz di vnholden zu dir chomen, so nym ein leffel an dem fassangtag vnd stoz in in gesoten prein vnd behalt in also vntz in die drey metten in der vasten, vnd trag den leffel in dy metten, so wird ez dir chunt, wor sew sint ‹. fast einstimmend in Mones anz. 4, 310: wer am ersten knöpfleintage den löffel ungesehn aus dem teige zieht und ihn am zweiten und dritten eben so unbemerkt wieder einsteckt und auszieht, daß zuletzt teig von allen drei tagen daran hängt und ihn nun am Christtage mit in die kirche nimmt, der sieht daselbst alle hexen verkehrt stehn; er muß aber bevor der segen gesprochen wird zu hause sein, es könnte ihm sonst das leben kosten. Alle solche erkennungen können nur beim kirchgang statt finden; doch scheint es dabei aufs erstsehen anzukommen, wie gegenüber dem wolf und basilisk. Eine hexe ist auch daran erkennbar: sieht man ihr ins auge so steht man verkehrt darin, den kopf unten abgebildet ein ähnliches kennzeichen führt Plinius 7, 2 von zauberern an: in altero oculo geminam pupillam, in altero equi effigiem. man vgl. was s.  898 über die anzauberung von holden gesagt ist. . 904 triefende augen sind ein zeichen alter hexen (abergl. 787 ) Nachtrag: Unter der egge liegen schützt gegen den teufel nach den sagen bei Müllenhoff no. 290, bei Firmenich 1, 206 b . wer ein stück rasen aufs haupt legt, bleibt ungesehn von den hexen. Panzer beitr. 1, 240. 241. Gundermanns kranz getragen macht, daß man hexen sieht. Sommer s. 58. der priester kann die hexen an den runden hüten erkennen. Ceynowa s. 14. . Was aber in unsern hexensagen schon zurücktritt, daß sie den leuten das herz aus dem leib essen , steht in der alterthümlichen serbischen volksansicht ganz voran. in einem liede bei Vuk no. 363 ruft ein hirtenknabe, den seine schwester aus dem schlafe nicht erwecken kann: veschtitze su me izele, majka mi srtze vadila, strina joj lutschem svetlila (hexen haben mich ausgegessen, mutter nahm mir das herz, base leuchtete ihr). Fortis cap. 8 erzählt, daß zwei hexen einem schlafenden jüngling das herz wegnahmen und braten wollten; ein geistlicher hatte ohne es hindern zu können alles mit angesehn, erst beim erwachen des jünglings löste sich der zauber, und als nun der geistliche den hexen näher trat, salbten sie sich aus einem krüglein und entflohen. er zog das halb gebratne herz vom feuer und hieß es eilig den jüngling verschlucken, der dadurch völlig wieder hergestellt wurde. Mir scheint diese serbische, in der fastenzeit auftretende, menschen die brust öfnende hexe unserer Berhta, die knechten den leib aufschneidet und mit heckerling füllt (s.  226 ), sehr vergleichbar; aus der göttin wurde das schreckende scheusal. auf manchen dörfern, erzählt man, soll es böse weiber geben, die eine weiße leber haben, deren ehmänner abzehren und dahin sterben. Daß der nemliche wahn unter den alten Deutschen herschte, bezeugen stellen der volksrechte: lex sal. 67 ›si stria hominem comederit ‹, und was s.  893 aus der lex. Roth. 379 und dem capit. de part. Sax. 5 angeführt worden ist. der indic. paganiar: ›quod feminae possint corda hominum tollere juxta paganos‹ und Burchard: ›ut credas, te januis clausis exire posse, et homines interficere et de coctis carnibus eorum vos comedere, et in loco cordis eorum stramen aut lignum aut aliquod hujusmodi ponere et comestis iterum vivos facere et inducias vivendi dare‹. N. Cap. 105 ambrones und anthropofagi (manezon) nennend fügt hinzu: ›alsô man chît, taz ouh hâzessa hier im lande tûen ‹ daran fügt N. die bekannte äußerung über die Weletabi oder Wilze , welche ihre alten eltern zu essen beschuldigt wurden (RA. 488). daß der volksname Volot , Velet in den des riesen also menschenfressers übergieng (nach den oben s.  436 entwickelten analogien), hat Schafarik (sl. st. 1, 877) vortreflich aufgeklärt, nur unsere Welisungen (oben s.  307 ) hätte er nicht s. 882 unter die Wilzen mengen sollen. . das zehnte, eilfte jahrhundert hatte die heidnische vorstellung nicht fahren lassen, ja sie dauert noch späterhin. zum grunde liegt sie den worten Diomedes bei Herbort 9318 ff.: ›si hât min herze mit ir  . . . . ich hân niht in dem libe, da mîn herze solde wesen, dâ trage ich eine lîhte vesen , oder ein strô , oder einen wisch ‹; nur nicht eine alte hexe, die geliebte hat ihm das herz weggeholt, und in solchem sinn reden die liebenden aller zeiten vom entführen des herzens Rubacuori , che il cor m'avete tolto; del petto mio cavasti il cuore. Tommasco canti pop. 1, 88–90. . in dem s.  875 905 mitgetheilten gedicht wird erzählt, daß die unholde über den mann schreite, ihm sein herz ausschneide und stroh hinein stoße , daß er aber leben bleibe. Berthold (cod. pal. 35 fol. 28 a ): ›pfei, gelawbestu, das du ainem man sein herz auß seinem leib nemest und im ain stro hin wider stoßest? ‹ Ebenso wird im Norden von einer weiblichen mannæta (nicht einem männlichen mannæti) geredet, und selbst für zauberer dieser ausdruck gebraucht: tröll ok mannæta (fornm. sög. 3, 214). eine poln. sage bei Woycicki läßt die hexe das herz ausziehen und dafür das eines hasen einlegen. kinderfressende striges altd. bl. 1, 125. Unsere heutigen märchen stellen die hexe als waldfrau dar, die sich kinder zur speise füttert und mästet (KM. no. 15), entrinnen sie, so folgt die hexe in meilenstiefeln nach (KM. no. 51. 56. 113). schauerlich wirft im märchen von frau Trude die hexe ein mädchen als holzblock ins feuer und wärmt sich ruhig daran. Daß die Römer an hexen glaubten, welche einzelne theile eines fortlebenden menschen verzehrten, lehren folgende stellen. Petronius cap. 134: ›quae striges comederunt nervos tuos?‹ cap. 63 ›strigae puerum involaverunt et supposuerunt stramentum ‹. und Plautus im pseudolus III. 2, 31 ›sed strigibus vivis convisis intestina quae exedint ‹. die atelianische larve, der manducus ist von mandere, manducare abzuleiten, ein gefräßiger, kauender butz (s.  419 ), den die kinder scheuten. masca (s.  873 ), ital. maschera läßt sich auf mâcher, mascher oder masticare zurückführen, und die hexe heißt larve, maske, weil sie kinder verzehrt. Auch die indischen zauberfrauen trachten nach dem genuße des menschenfleisches (Somadeva 2, 62) Nachtrag: Poln. iędzona bedeutet alte hexe, menschenfresserin, die besonders die kinder frißt vgl. iędza furie. böse weiber mit weißer leber kennt man auch in Frankreich, männer mit weißer leber bei Schambach 123 a . hexen stoßen stroh an die stelle des herzens. þer î briosti liggr halmvisk , þar er hiartat skyldi vera. fornm. sög. 2, 208. Walther Ströwinherz . Schreiber Freiburg. urk. 2, 161. Petron. cap. 63 sagt: strigae puerum involaverant et supposuerant stramentitium vavatonem . vorher: videt manuciolum de stramentis factum. Beim hexenmahl werden gewöhnlich knaben geschlachtet, gesotten oder gebraten und aufgezehrt. das erinnert an altheidnische und riesische gebräuche. dies schlachten, kochen und essen der kinder ist uralter wesentlicher zug. KM. no. 15. 51. 56 vgl. oben s.  873 . 884 –886. der kessel und das kochen gehört zur zauberei. . Gleich alt ist die meinung, daß der geist aus der entschlafenen zauberin als schmetterling gestaltet, fahre . die seele wurde überhaupt einem schmetterling verglichen (s.  691 ), vesha heißt den Slovenen irlicht, schmetterling und hexe. der alp erscheint als schmetterling, phaläne ( nachttoggeli , Stald. 1, 287), als teuflisches thier (s.  860 ), holden und elbe der hexen sind schmetterlinge. Unsere einheimische sage erwähnt aber noch anderer thiere, die aus dem munde schlafender hervorgehen. könig Gunthram war im wald ermüdet auf dem schoß eines treuen dieners entschlafen: da sieht der diener aus seines herren munde ein thierlein , gleich einer schlange laufen und auf einen bach zugehen, den es nicht überschreiten kann. jener legt sein schwert über das wasser, das thier lauft darüber hin, und jenseits in einen berg. nach einiger zeit kehrt es auf dem selben wege in den schlafenden zurück, der bald erwacht und erzählt, wie er im traum über eine eiserne brücke in einen mit gold erfüllten berg gegangen sei (Aimoin 3, 3. Paulus Diac. 3, 34, daher Sigebert bei Pertz 8, 319). Ähnliches melden spätere von einem schlafenden landsknecht, aus dem ein wiesel gelaufen kam (deutsche sag. no. 455). in noch jüngeren geschichten wird es aber auf entschlafne teufelsbräute angewandt, aus deren mund eine katze oder eine rothe maus lauft, während 906 der übrige leib in schlummer erstarrt liegt (das. no. 247–249) der auslaufenden maus (= bärmutter) einen degen über den fluß legen. Ettners hebamme p. 194. Unter Fischarts spielen no. 216: ›es lauft ein weiße maus die mauer hinauf‹. . ein müller machte holz im Schwarzwald und schlief über der arbeit ein, da sah der knecht eine maus aus ihm kriechen und fortlaufen; alle suchten nach ihr, konnten sie aber nicht finden und der müller blieb todt. Hängt damit jenes mäuse machen der hexen (s.  912 ) zusammen und die schmale von der seele auf dem weg nach der unterwelt zu überschreitende dratbrücke (s.  696 )? es wird gerade wie bei den Serben gemeldet, wenn man den leib der entschlafnen umdrehe, daß sich dann das rückkehrende thier nicht zurecht finden könne und der tod erfolge (abergl. 650 ). Den zustand jener inneren ecstase, wenn der leib in starrem schlaf liegt, bezeichnet unsere alte sprache durch irprottan (raptus) d. h. entzückt hinbrüten (ecstasis) der zauberinnen. Ettners hebamme p. 226. Martin von Amberg ›die henpretigen ‹, entzückten. . Aber schon die altn. mythe hinterbringt uns das wichtigste aller beispiele: Ođinn skipti hömum (wandelte die gestalt), lâ þâ bûkrinn sem sofinn eđa dauđr, enn hann var þâ fugl eđa dŷr , fiskr eđa ormr ok fôr â einni svipstund â fiarlæg lönd, at sînum erindum eđr annara manna. Yngl. cap. 7. sein leib lag entschlafen oder todt und er fuhr als thier, vogel, fisch oder schlange urplötzlich in ferne länder Nachtrag: Ein thier kriecht in den mund der schlafenden. Wolf ndrl. sag. 250 vgl. anm. s. 688, eine schlange kriecht aus dem munde der schlafenden. walach. märch. s. 103. ein weißes mäuschen schlüpft dem todten in den mund. Sommer s. 46. ach mitten im gesange sprang ein rothes mäuschen ihr aus dem munde. Göthes Faust p. m. 165. eine biene fliegt aus dem mund. Schreibers taschenb. 4, 308. wie nach dem angeführten spiele Fischarts no. 216 eine weiße maus die mauer hinauflauft, so laufen die hexen im haus die wand auf bis in die balken . process vom Ursernthal. Mit der schwertbrücke in könig Gunthrams traum vgl. die schwertbrücke im rom. d. l. charrette s. 23. 84 ( anm. 2169 ). während die hexe ausfährt, legt sie einen besen oder strohhalm zum schlafenden mann ins bett. Mone anz. 8, 126. Zu dem ahd. irprottan stellt sich: inbrodin lac. Lachm. ndrrhein. ged. s. 9. in hünnebrüden gelegen. reim dich s. 52. das nhd. entzückt heißt mhd. gezucket anme geiste. Diut. 1, 466. als in zuckete der geist. Uolrich 1331. nhd. auch ›hingenommen, hingerissen‹. . Auch die serbische ausfahrformel ›ni o trn ni o grm, vetch no pometno guvno!‹ (nicht an dorn nicht an eiche sondern zur gefegten tenne!) stimmt zu deutschen. gewöhnlich heißt es: › auf und davon! hui oben hinaus und nirgend an! ‹ oder › wol aus und an, stoß nirgend an! ‹ › fahr hin, nicht zu hoch, nicht zu nieder! ‹ in England: › tout tout, throughout and about! ‹ wenn aber die hexe leute verfolgt: › vor mir tag, hinter mir nacht! ‹ dän. › lyst foran og mörkt bag! ‹ Ein nordischer zauberer nahm ein geißfell, wand es um sein haupt und sprach: › verđi þoka ok verđi skrîpi , ok undr mikil öllum þeim sem eptir þer sœkja!‹ (es werde nebel und werde zauber und allen wunder, die hinter dir suchen!) Nialss. cap. 12. Boguet s. 111 führt die von den zauberern beim steigen auf den stock gesprochne formel nur unvollständig an: › baston blanc, baston noir etc.‹ Von indischen zauberfrauen wird gleichfalls erzählt, daß sie einen spruch zum auffliegen hersagen: Kalaratri sagte ihn her und flog alsbald mit ihren schülerinnen und dem kuhstall, auf dessen dach sie stand, empor und fuhr auf dem wolkenpfad wohin sie wollte; ein mann der sie belauscht hatte nutzte denselben spruch, um ihr nachzufahren (Somadeva 2, 58. 59), ganz wie in unsern hexensagen gemeldet ist, daß männer den hexen, deren salbe oder spruch sie erkundet haben, nachfahren Nachtrag: Der angeführten serbischen ausfahrformel entsprechen die mährischen. Kulda bei d'Elvert 92. 93. deutsche ausfahrformeln verzeichnen Mone 8, 126. Panzer beitr. 1, 251. Müllenhoff no. 291. Lisch mekl. jahrb. 5, 85. damit vergleiche: oben hinaus, nirgens an! Callenbach Wurmland (?) 86. hui oben aus und niergend an! Agricola spr. 217. oben aus und nirgend an! kl. red. (?) 1565, 113 a . hei op hei an, stött nernichan! n. preuß. prov. bl. 1, 229. wenn die hexe leute verfolgt, heißt es: › vor mir tag, hinter mir nacht! ‹ Schönwerth 1, 139. auch Aschenpüster ruft im märchen: › hinter mir dunkel und vorne mir klar! ‹ so auch nordisch: › lyst foran og mörkt bag! ‹ norske event. 1, 121. › ljust för mig, mörkt efter mig ‹ sv. äfvent. 1, 410. 427. › hvidt fremun og sort bag! ‹ Asbj. 421. anders isti › herop og herned til Mönsaas! ‹ Asbj. Huldr. 1, 179. eine englische formel lautet: › horse and hattock! with my top! ‹ um ins elbenland zu fahren. scot. bord. 2, 177. 178, › vel ek, verđa ek â fitjom! ‹ scheint eine fliegformel, da Völund gleich darauf in die höhe fährt. Sæm. 138 a . wenn zauberinnen ihre schultern bestreichen, so wachsen flügel . Stier ungr. märch. s. 53. Faust bedient sich eines zaubermantels zum auffliegen. vgl. die merkwürdige sage vom zwerg , der seinen mantel ausbreitet und einen mit darauf stehen läßt. H. Sachs I. 3, 280 b. c . . Wo zuerst findet sich des stecken und besenritts erwähnt? ich kann wirklich nur ein ziemlich altes zeugnis für das reiten auf 907 rohr und binsen , die sich aber in ein leibliches pferd wandeln, beibringen. Guilielm. alvernus p. 1064: ›si vero quaeritur de equo , quem ad vectigationes suas facere se credunt malefici , credunt, inquam, facere de canna per characteres nefandos et scripturas, quas in ea inscribunt et impingunt, dico in hoc, quia non est possibile malignis spiritibus de canna verum equum facere , vel formare, neque cannam ipsam ad hanc ludificationem eligunt, quia ipsa aptior sit, ut transfiguretur in equum , vel ex illa generetur equus, quam multae aliae materiae. forsitan autem propter planitiem superficiei et facilitatem habendi eam alicui videatur ad hoc praeelecta . . . . sic forsan hac de causa ludificationem istam efficere in canna sola et non alio ligno permittuntur maligni spiritus, ut facilitas et vanitas eorum per cannam hominibus insinuetur . . . . . si quis autem dicat, quia canna et calamus habitationes interdum malignorum spirituum sunt ›mennige narrinnen u. ock mennigen dor bindet de důvel up sin ror ‹. Narragonia 14 b (bei Brant nichts dergleichen). sind teuflische pferde gemeint? und wird Walthers ›ûz im (dem swarzen buoch) les et sîniu rôr ‹ 33, 8 dadurch erklärbar? ein serb. sprichwort lautet: ›lasno je djabolu u ritu svirati‹, leicht ists dem teufel im rohr zu pfeifen.  . . . . ego non improbo.‹ Deutlicher ist die irische sage von den binsen und halmen , aus denen, sobald man sie beschreitet, rosse werden irische elfenm. 101. 215. . von solchem ros braucht man hernach nur den zaum aufzuheben und ihn zu schütteln, wenn man seiner bedarf, es naht dann alsogleich ( abergl. H cap. 31. beschwör. xvi ). Bei Hartlieb ( abergl. H cap. 32) sind die unholden auf rechen und ofen gabeln , in dem oben s.  876 mitgetheilten älteren gedicht auf besen , dehsen , ofenstäben und kälbern , im ackermann aus Böhmen p. 8 auf krücken und böcken reitend vorgestellt, im tkadlezek p. 27 aber auf spinnrocken (kuzly). des böhm. rufs ›staré baby na pometlo! ‹ (alte weiber auf dem ofenbesen) gedenkt Dobrowsky im Slavin p. 407. Wichtiger ist, was in der sage von Thorsteinn bœarmagn, die Müller (3, 251) in das 15 jh. setzt, vorkommt: Thorsteinn lag im ried verborgen und hörte einen knaben in den hügel rufen, ›mutter, reiche mir krummstab und bandhandschuhe , ich will auf den zauberritt (gandreiđ, s.  880 ), es ist hochzeit unten in der welt!‹ da wurde aus dem hügel alsbald der krôkstafr gereicht, der knabe bestieg ihn, zog die handschuhe an, und ritt wie kinder pflegen. Thorsteinn nahte sich dem hügel und rief dieselben worte: sogleich kam stab und handschuh heraus, Thorsteinn stieg auf den stab und ritt dem knaben nach. Sie gelangten an einen fluß, stürzten sich hinein und fuhren zu einer felsenburg, wo viele leute an tafel saßen und alle wein tranken aus silberbechern, könig und königin waren auf einem goldnen thron. Thorsteinn, den sein stock unsichtbar gemacht hatte, erkühnte sich einen kostbaren ring und ein tuch zu ergreifen, verlor aber darüber den stock, wurde von allen erblickt und verfolgt. glücklicherweise kam jedoch sein 908 unsichtbarer reisegefährte auf dem andern stock, den nun Thorsteinn mit bestieg, und so entrannen beide (fornm. sög. 3, 176–178). Hat auch diese dichtung kein echtnordisches gepräge, so lehrt sie nichts destoweniger, welche ansicht man im 14 oder 15 jh. mit solchen zauberritten verband; kein teufel tritt dabei auf. Aber stab und stock scheinen erst spätere behelfe des hexenthums. weder die nachtfrauen, noch das wütende heer, noch die valkyrien bedürfen eines geräths um die lüfte zu durchziehen; den nachtfrauen wurden schon kälber und böcke beigelegt (s.  884 ). Sehr merkwürdig ist die formel, einen zaunstecken zu wecken , der zum bock werden und die geliebte herholen soll; ursprünglich mögen keine andere stecken gemeint sein, als die sich beim beschreiten sogleich in thiere wandelten Nachtrag: Die guten leute (s. 378 ) schneiden sich aus gerten rosse. Erin 1, 136. das zauberpferd muß man mit bast zäumen, sonst entläuft es. Reusch s. 23. 24. an dem hölzernen pferd des Pacolet braucht man bloß den zapfen rechts oder links zu drehen. Val et Orson cap. 26. nl. cap. 24. Ein an den schenkel gebundnes hosenband hebt in die luft. Elis. Charl. v. Orl. 505. . Wie die hexen durch schlüssellöcher und thürritzen schlüpfen (s.  899 ), vermögen sie in den engsten raum, sogar zwischen holz und rinde einzudringen (vgl. anm. 1673 ). darum schält der teufel bei H. Sachs II 4, 10 vorher den haselstab, auf dem er dem alten weibe die ausbedungnen schuh darreichen will: er fürchtet, daß sie sonst zwischen holz und rinde zu ihm kriechen könne. Iw. 1208 die größte heimlichkeit auszudrücken, heißt es: ›sam daz holz under der rinden , alsam sît ir verborgen‹. Als ein bekehrter Litthauer in heiligem wald die bäume zu entrinden begann, sprach er: ›vos me meis anseribus gallisque spoliastis, proinde et ego nudas (sc. arbores) vos faciam‹. credebat enim deos rei suae familiari perniciosos intra arbores et cortices latere . bezaubernde sänger läßt das schwed. lied die rinde vom baum , das kind aus der mutter, die hindin aus dem wald, das auge aus dem nacken spielen. (Arvidsson 2, 311, 312. 314. 317). Auch der hexen widerwille gegen glocken ist heidnisch, elbisch und riesisch (s.  380 ). gebet der frommen und glockenläuten hindert ihre anschläge. sie nennen die glocken ›bellende hunde‹. Nach einer schwed. volkssage (Ödmans Bahusläns beskrifn. p. 228) rief eine alte heidin, als sie die christliche glocke von Tegneby herüber läuten hörte, verächtlich aus: ›nu må tro, Rulla på Rallehed har fådt bjälra ‹ (Rulla, die christliche kirche, hat eine schelle bekommen). hier ist noch kein gedanke an hexerei. aber es wird auch von schwedischen hexen erzählt, daß sie die glocken oben im dachstuhl losschaben: wenn sie auf ihrer luftfart einen thurm erreichen, setzen sie die entführten kinder (s.  902 ) aufs kirchendach, die dann wie kleine dohlen aussehen, schaben unterdessen die glocke los und schleppen sie fort; hernach lassen sie das erz durch die wolke von der höhe niederfallen und rufen: ›nie soll meine seele gott näher kommen, als dieses erz wieder zur glocke werde!‹ Nachtrag: Auch die deutschen hexen werden bei ihrer ausfahrt durch glockengeläute gehindert. verspäten sie sich auf der heimreise und erschallt ein frühgeläute aus einer kirche, so muß ihre fahrt wie gelähmt still stehn, bis die letzte glocke verhallt. die hexe schimpft auf die glocke . Panzer beitr. 1, 20. . In das höchste alterthum hinauf aller völker beinahe reicht das zauberhafte hagelmachen und saatverderben . Wie von gütigen göttern gedeihen der früchte ausgeht, wie von den mähnen ihrer rosse luftreitende valkyrien heilsamen thau auf das gefilde 909 niedertriefen lassen (s.  350 ); so trachten bösartige, zauberübende wesen danach, alles was grün ist zu vernichten. Die griech. eumeniden (ein wort das schon unsere alten glossen durch hâzasa verdeutschen) verderben mit ihrem geifer die saat und mit schlossen die frucht (Aesch. Eum. 753. 768. 777. 795). In den röm. XII tafeln war eine strafe verhängt wider den ›qui fruges excantassit ‹, sive ›alienam segetem pellexerit‹ rudis adhuc antiquitas credebat et attrahi imbres cantibus et repelli. Seneca nat. quaest. 4. 7. . Im 8 und 9 jh. legte man das wettermachen mehr zauberern als zauberinnen zur last; die schon s.  530 . 531 angegebnen stellen nennen nur tempestarii , keine tempestariae. Auch bei Ratherius p. 620 heißt es: ›contra eos, qui dicunt quod homo malus vel diabolus der teufel macht sturm und donnerwetter (s.  835 ), der riese desgleichen (s.  530 ). tempestatem faciat, lapides grandinum spergat , agros devastet, fulgura mittat ‹ etc. Burchard nennt jene zauberer immissores tempestatum ( abergl. C 10, 8. p. 194 a ). Doch im Norden waren Thorgerd und Irpa, welche sturm und unwetter machten, frauen (s.  530 ), die salzmalenden Fenja und Menja riesinnen; ihr schif gleicht dem nebelschif der wolken. Wie beim wettermachen verfahren wurde ist nirgend angeführt. aus weit späteren zeugnissen sehe ich, daß die zauberer sich einer wanne oder eines kruges (s.  493 ) bedienten. Ls. 2, 314 sagt meister Irreganc (G Abent. 3, 90): und kæm ein wann in mîn hant, der hagel slüeg über allez lant . Im Apollonius von Tyrland (9183. 10970. 11010 ff.) werden krüge genannt, goß man sie aus , so erfolgte schauer und hagel: der eine krug schuf blitze und donnerstralen, der andere hagel und schauer, der dritte regen und sauere winde. Ein holzschnitt in Keisersbergs omeiß (ed. 1516. 36 b ) stellt drei auf schemel, spinnrocken und pferdeköpfen sitzende nackende unholden dar, töpfe in die höhe haltend , aus welchen schauer und sturm emporsteigt. Merkwürdig ist eine stelle im Rudlieb. die reuige verbrecherin bittet (6, 48)     post triduum corpus tollatis ut ipsum et comburatis, in aquam cinerem jaciatis , ne jubar abscondat sol , aut aer neget imbrem , ne per me grando dicatur laedere mundo, ihr leichnam möge vom galgen genommen, verbrannt und die asche ins wasser gestreut werden, weil, besorgt sie, durch ausschütten in die luft wolken, dürre und hagel entspringen könne. Gerade so erregt die ausgestreute teufelsasche sturm und unwetter (s.  890 ); das chronicon s. Bertini meldet, Richilde vor der schlacht mit Robert dem Friesen habe gegen die Friesen unter verwünschungsformeln staub in die luft geworfen , der aber zum zeichen ihres eignen nahen untergangs auf ihr haupt zurückfällt. sie wollte gleich Thorgerdr und Irpa (s.  530 ) die feinde durch sturm 910 vernichten . Justingers Bernerchronik p. 205 erzählt, wie eine heimlich besendete frau einem grafen von Kyburg, der ihr verhieß, sie nicht zu melden, an der zinne seiner burg stehend, und heimliche worte sprechend, wolken , regen und wetter machte, die seine feinde verjagten (a. 1382). Die norwegischen zauberweiber verfahren noch gerade so, wie von den Vinländern (s.  532 ) gemeldet wurde; sie schließen wind und unwetter in einen sack , dessen knoten sie zu gelegner zeit lösen, wobei sie ausrufen: ›wind, ins teufels namen!‹ dann fährt sturm heraus, verheert das land und stürzt schiffe im meer um. Wie Hartlieb ( abergl. H cap. 34) darstellt, opfern die alten weiber den teufeln, daß sie hagel und schauer machen. Nach deutschen acten des 16, 17 jh. versammeln die hexen sich haufenweise an wasserbächen oder seen und schlagen mit gerten solange hinein, bis nebel hervorsteigen, die sich allmälich in schwarze wolken verdichten; auf diesen wolken fahren sie dann in die höhe und lenken sie an die stellen, wo sie schaden wollen. auch setzen sie zaubertöpfe ins wasser und rühren um vgl. oben s. 496 über sturmerregung durch steinwurf und wasserausgießen. . einigemal wird vom windsack geredet (Voigt 131). sie sollen blaue lichter in das wasser tröpfeln , kieselsteine in die luft werfen, oder fässer rollen, deren zersprengung sturm erzeugt. sie lesen eichenlaub in ein mannshemd , und hängen es, angefüllt mit den blättern, an einen baum: sofort erhebt sich wind, der allen regen vertreibt, und schönes wetter erhält. Aus kleinem wölkchen machte eine hexe großes unwetter (Arx Buchsgau p. 103). Ein starkes gewitter währte so lange, daß ein jäger auf der landstraße sein gewehr mit einer geweihten kugel lud und mitten in die schwärzeste wolke schoß ; da fiel aus ihr (wie s.  531 aus dem schif) ein nacktes weibsbild todt zur erde und das unwetter verzog sich augenblicklich (Mones anz. 4, 309). In Kärnten schießt das volk gegen die wetterwolken , um die darin rath haltenden bösen geister zu verscheuchen. da man dem pfarrer gewalt zutraut das wetter zu beschwören, so bringen ihm die weiber schürzen voll schloßen ins haus getragen: ›da habe er seinen gebührenden zehnten vom wetter, weil er ihm nicht gesteuert‹ Franz Sartori reise durch Östreich 2, 153. 154. . In einigen gegenden Frankreichs ruht auf ganzen geschlechtern der verdacht, daß sie sturm erregen können: sie finden sich, wenigstens zu dreien am see ein und schlagen, unter fürchterlichem geschrei, das wasser in die höhe, es geschieht nachts vor sonnenaufgang, und heftiger sturm ist die unmittelbare folge (mém. de l'ac. celt. 2, 206. 207). dergleichen leute heißen meneurs des nuées (mém. des antiq. 1, 244). In Deutschland waren gewöhnliche schimpfwörter gegen hexen: wettermacherin , wetterhexe , wetterkatze , donnerkatze , nebelhexe , strahlhexe , blitzhexe , zessenmacherin (vom alten zessa, sturm); früher auch wolkengüsse Ms. 2, 140 b . aus einem noch reinen verhältnis 911 läßt sich der ahd. frauenname Wolchandrût (trad. fuld. 2, 101) deuten, die valkyrie (s.  350 ) reitet entweder in den wolken oder sprengt fruchtbaren thau aus ihnen: so mag selbst das streuen der asche auf die äcker ursprünglich deren tragbarkeit erhöht haben. von der hexe findet sich zuweilen feldfrau und feldspinnerin gebraucht, weil sie über feld und wiesen fährt oder zauberfäden spinnt? (vgl. s.  920 ). wer weiß, ob nicht der volksmäßige ausdruck: die alten weiber schütteln ihren rock aus (de aule wiver schüddet den pels ut, Strodtmann p. 336) für: es schneit, eigentlich identisch zu nehmen ist mit dem s.  222 angeführten: frau Holle macht ihr bett? göttin, valkyrie, hexe, nach dem stufengang solcher mythen. den Griechen war noch Zeus selbst νεφεληγερέτα, den Serben sammelt die vile wolken (oblaki). Auch im Norden gehen hagel und unwetter aus von jenen halbgöttinnen Thorgerđr und Irpa , nicht saatverderblich, sondern heergefährlich wie der wirbelwind dem teufel beigelegt wird (s.  842 ), so den hexen (abergl. 554 . 648 ). Kilian 693 bemerkt, daß er auch varende wîf (fahrendes weib) heiße, d. i. luftfahrende zauberin; vgl. windsbraut (s.  525 ) und ›wie eine windsbraut durchs land fahren‹. Simplic. 2, 62. , nach Sn. 175 führt die zauberfrau sogar den namen El (procella) heißt sie darum sôlar böl (solis pernicies), weil sie durch ihre wetterwolke die sonne verfinstert? oder darf man hier weiter zurück ins heidenthum gehn und der zauberin, gleich dem wolfe, verschlingen der sonne und des monds beilegen? dies wird mir aus dem namen hvelsvelg himins (coeli rotam glutiens) wahrscheinlich. Nachtrag: Schon bei Plin. 17, 28 heißt es: carmine grandines avertere . weil der hagel körner hat, wird er scheffelweise ausgestreut: τῆς χαλάζης ὅσον μέδιμνοι χίλιοι διασκεδασϑήτωσαν. Lucian Icaromen. 26. du hagelsieder! ist eine schelte. Mones schausp. 2, 274. die deutschen hexen streuen ein pulver aus unter dem ruf: alles schauer, alles schauer! ein schuster sagte spottend am tage vor Walburgisnacht zu seiner magd: nimm mich fein auch mit auf den Petersberg! als es abend ward, kam ein sturm , der alle thüren und läden in seinem haus zusammenzureißen drohte. er wuste wol, was das zu bedeuten hatte. Die Esten verstehn sich darauf, kälte hervorzubringen , und setzt man ihnen zwei krüge bier oder wasser hin, so gefriert der eine, der andre nicht s. Vulfstâns reise. das wetter wird gar gekocht . wird der hafen zu früh umgeschüttet , so mislingt das werk. Mones anz. 8, 129. 130. ähnliches wettermachen kennen die Kalmücken. Klemm 3, 204. Die hexen sieden apfelblüte , um das obst zu verderben. Mones anz. 8, 129. Dull auf der tanne schüttet hagel aus. Panzer beitr. 1, 20. ein altes tropfnasses weib sagte: ›ich habe dies wetter schon wol vierzehn tage in meinem rucken stecken gehabt.‹ als der jäger solches hörte, schlug er sie mit einem stecken über den buckel und sagte: du alte hex, hast du es denn nicht eher herauslassen können? Simplic. 1, 287. die hexen lassen steine in die felder und äcker rollen (ein rübi gan), auch schneelawinen . proc. vom Ursernth. 245–248. die schauerjungfrauen nähren sich vom verschauerten getraid. Panzer beitr. 1, 88. darum steht für hexe bei Philander v. Sittew. und dem franz. Simpl. 1, 53. 68 das alte wetter! sie heißt auch die hagelanne , donnerhagelsaas . 7 ehen s. 78, schauerbrüterin , gabelschmiererin . hexen sind wettermacherinnen . Wolfs ndrl. sag. 289. die hexe fällt aus der wolke nieder. Bader no. 337. 169. auch die serbische vile führt wolken (vode oblake) und macht wetter . Vuk s. v. vrzino kolo. sie lehrt ihre schüler dieselbe kunst. die deutsche redensart: ›die alten weiber schütteln ihren rock aus‹ für: ›es schneit‹ erinnert an die hexe, die ihre röcke ablegt, in der walach. sage. den zauberern steht auch bei den Indianern in Surinam ungewitter, regenguss und hagel zu gebot. Klemm 2, 168. die altfranzösischen dichter nennen heidnische könige roi Gasteblé . Guillaume 4, 179. 256, roi Tempesté das. 4, 257. 26. vgl. Mätzner 257 und Tampastê in Wolframs Wh. 27, 8 (im reim auf Faussabrê f. Faucheprê oder blê?) 46, 20. 344, 7. 371, 3. 442, 39. Eine thessalische zauberin holt nachts gar den mond vom himmel und sperrt ihn in eine schachtel. Aristoph. wolken 749. at vos deductae quibus est fallacia lunae . Propert. I. 1, 19. tunc ego crediderim vobis et sidera et amnes posse cytacaeis ducere carminibus. das. I. 1, 23. illic et sidera primum praecipiti deducta polo, Phoebe que serena non aliter diris verborum obsessa venenis palluit. Lucan. phars. 6, 496. cantus et e curru lunam deducere tentat et faceret si non aera repulsa sonent. Tib. I. 8, 21. hanc ego de coelo ducentem sidera vidi. das. I. 2, 45. te quoque, luna, traho . Ov. met. 7, 207. in hac civitate, in qua mulieres etiam lunam deducunt . Petron. cap. 129. In Estand kneten die hexen roggenhalme zusammen und sagen einen zauberspruch darüber her. werden die knoten nicht schnell entdeckt und verbrannt, so ist miswachs unausbleiblich. Possart s. 164 vgl. 162. . Zuweilen geht aber die absicht des zaubers weniger darauf die frucht zu verwüsten, als vielmehr sich ihrer zu bemächtigen, sie aus dem felde zu entführen, sei es zur eignen vorrathskammer, oder zu der des günstlings vgl. den zutragenden korndrachen (s. 851 ) und hausgeist. . das nannten schon die Römer: satas alio traducere messes (Virg. eci. 8, 99); cantus vicinis fruges traducit ab agris (Tibull. I. 8, 19). Man wähnte, wenn unholden durch reben giengen und die stöcke schüttelten , kämen die trauben aus des nachbars stück in das ihre (Hartmann vom segenspr. 341). ein alter thalbauer gab seiner enkelin einen stock, den sie an einem gewissen ort auf dem feld in das korn stecken sollte. unterwegs wurde das mädchen vom regen übereilt, flüchtete unter eine eiche und ließ da den stab stecken: als sie wieder heim kam, fand sich ein dichter haufen eichenlaub auf des großvaters boden (das. p. 342). Auch kommt vor, daß reben im topf gesotten werden, wahrscheinlich zum verderb des weinbergs. die hexengiftkräuter sieden und verdunsten unter dem himmel. Es wird erzählt, daß sich hexen nackend im sande von hünern sagt man daß sie sich im sande baden; litth. kutenas' wisztos z'iegzdrosa; lett. perrinatees; poln. kury się w piusku kąpią; serb. leprschatise im sande baden. , oder im korn baden ; ich weiß nicht warum; abergl. 519 redet von sich nackt im flachse wälzen. Drei hexen sah man zum roggenfeld 912 gehn, sich ihrer kleider entledigen und splitternackend mit hängenden haaren im korn baden. als zeugen nahten, verschwanden zwei plötzlich mit zurücklassung ihrer kleider, die dritte stürzte ihr hemd über (Voigt 130–132). Ist hier zusammenhang mit kornweibern und roggenmuhmen (s.  394 )? Hexen und hexenmeister bedienen sich verschiedner geräthe , von denen aber meistentheils keine genaue beschreibung gegeben wird. des stabs , mit dem die alten zauberer gewöhnlich ausgerüstet sind, finde ich in unsern sagen keine meldung, die wünschelrute erscheint als ein höheres edles werkzeug; doch könnten die hexen den stab oder stecken, auf dem sie reiten sollen, ursprünglich geführt haben. auch finde ich den stecken: den dritten fuß des hexenmanns genannt (Mones anz. 7, 426). in bairischen acten ist oft des sogenannten mäuse oder fackel (ferkel) machens erwähnt: die hexe hat ein dunkelgelbes, hartes, unbiegsames, vierbeiniges werkzeug , sie bildet aus einem tuch die gestalt einer maus oder eines ferkels, hält jenes geräth darunter, und spricht: lauf hin und komm wieder zu mir! dann lauft das thier lebendig davon; wahrscheinlich, um ihr etwas von andern leuten herzuholen, zuzutragen. eine hexe heißt deswegen mausschlägerin , ein zauberer mausschlägel . norddeutsche processe haben den ausdruck mäusemacher (müsemaker) und einen andern hergang: die hexe siedet zauberkräuter und ruft dann ›maus maus, heraus ins teufels namen!‹ worauf die thiere aus dem pott springen Lafferts relat. crim. p. 57. 59. . man gedenkt dabei der von Apollo Smintheus im zorn geschafnen verderblichen mäuse und der feldverheerenden leminge in Lappland, so daß diese plage mit vollem fug dem verheerenden wetter und hagel zur seite steht, ob schon in unsern hexenacten kaum von dem unheil gemeldet wird, das die zauberthiere anstellen vgl. Klausens Aeneas s. 73–75. . nur eine niederl. sage bei Wolf no. 401 erzählt, wie ein junges mädchen zwei kügelchen erde hintereinander hinwarf und plötzlich das ganze feld von mäusen wimmelte. Die schwed. überlieferung nennt ein bjäraan oder bare , welches nach Ihre (dial. lex. 18 a ) ein melkgefäß (mulctrale) war und aus neunerlei gestolnen webknoten zusammengeknüpft wurde. man ließ drei blutstropfen aus dem kleinen finger hineinfließen und sprach: på jorden skal tu för mig springa, i Blåkulla skal jag för thig brinna! der name rührt daher, weil das gefäß den verehrern des teufels milch oder andre dinge ins haus zutrug (bar, von bära). Hülphers (fierde samlingen om Angermanland. Vesteräs 1780 p. 310) schildert es als einen runden ball , der aus lumpen, werk, und wacholder u. s. w. gemacht und zu mehrern zauberkünsten gebraucht wurde: er lief aus und trug zu. In bewegung geräth er, sobald 913 der aussendende sich in den linken kleinen finger schneidet, und das blut darauf tropft: smör och ost skal du mig bringa, och derför (skal jag) i helfvetet brinna! Wer erinnert sich nicht des wasserholenden besens in Göthes zauberlehrling? Ähnlich gewesen sein mag der isländische snackr , was sonst eine weberspule bezeichnet. er wird, nach Biörn, in gestalt einer schlange, aus eines todten menschen rippe gemacht und von der hexe in graue wolle gewickelt, dann saugt er an ihren brüsten und kann hernach auch fremdes vieh aussaugen und dessen milch zutragen hier erwähne ich des lappischen zaubergeräths quobdas (Leem schreibt s. 421 govdes), das aus fichten, tannen oder birkenholz, dessen fasern von der rechten gegen die linke laufen, gehauen wird, unten hohl, oben mit haut bezogen ist. auf diese haut schlagen die zauberkundigen Lappen mit einem hammer. Nachtrag: Der zauberer berührt bei verwandlungen mit dem stabe : ῥάβδω ἐπιμάσσεσϑαι. Od. 13, 429 vgl. 16, 172. Venus berührt mit der feder den mund des Ascanius. En. 802 und Dido nimmt es (den zauber) am munde ab . das. 815. aus abgefallnen birnen werden mäuse gemacht , aber ohne schwanz. Firmenich 1, 276 b . vgl. die rothe maus ( anm. 2700 ). junge hündlein machen. Simpl. s. 296. 297 (ed. Keller). vgl. 328. Nach Renvall ist bjära das finn. para , genius rei pecuariae lac subministrans. vgl. Lencquist de superst. 1, 53. Castrén 167. 168. Ganander myth. fenn. 67. schon Juslenius s. v. para. in Ångermanland heißt es bjara . Almqvist s. 299, in Vesterboften. Unander s. v. bara . im gotländ. wörterverzeichniss bei Almqvist s. 415 wird es beschrieben als › småtroll med tre ben ‹. Esten machen einen hauskobold aus einem alten besen, verh. 2, 89. hat Göthe seinen zauberlehrling aus Lucians philops. 35. 36 (bipont. 7, 288) genommen? es wird auch ein mann aus holz gemacht und ihm ein herz eingesetzt , der umgeht und tödtet. fornm. sög. 3, 100. . Verbreiteter ist die zauberei mit dem sieb , deren ich hernach gedenken werde, und mit wachsbildern , denen man, unter aussprechung geheimer worte, etwas anthut, um auf abwesende menschen einzuwirken. entweder wird das wachsbild (der atzmann ) in die luft gehängt, oder ins wasser getaucht, oder am feuer gebäht, oder mit nadeln durchstochen unter die thürschwelle vergraben; der, auf welchen es abgesehn ist, empfindet alle qualen des bildes (abergl. G v. 28. H cap. 79) vgl. Fischarts übers. der daemonomania, Straßb. 1591. fol. p. 143.144. . ein fahrender schüler sagt (Aw. 2, 55): mit wunderlîchen sachen lêr ich sie denne machen von wahs einen kobolt , wil sie daz er ir werde holt, und töufez tauche es (das wachs) in den brunnen; will man taufe verstehn, so wäre zu lesen: in dem brunnen. in den brunnen, und leg in an die sunnen. gegenmittel bewirken aber daß die gefahr zurückschlägt und den zauberer selbst trift schimpf und ernst cap. 272 wird folgende geschichte erzählt: gen Rom war einer gangen, s. Peter und s. Paul zu suchen, und da er hinweg kam, da ward sein frau eim andern hold, der was, als man sie nennt, ein farender schüler, der begert ir zu der ehe. die frau sagt, ›mein mann ist gen Rom gezogen, wär er todt oder könntestu ihn umbringen, so wolt ich dich haben für alle männer‹. er sprach, ›ja, ich kann ihn wol umbringen‹, und kauft wol sechs pfund wachs, und machet ein bild daraus. Da der fromme mann gen Rom in die stadt kam, da kam einer zu ihm und sprach: ›o du sohn des todes, was gehst du hin und her? hilft man dir nicht, so bist du heute lebendig und todt.‹ der mann sprach ›wie müste das zugehn?‹ er sprach ›komm in mein haus, ich will dirs zeigen.‹ Da er ihn heim bracht, da richtet er ihm ein wasserbad zu, darein setzt er ihn und gab ihm ein spiegel und sprach: ›schau darein!‹ und saß neben ihm, und las in einem buch und sprach zu ihm, ›siehe in den spiegel, was siehestu darin?‹ Der mann in dem bad sagt, ›ich sihe wie in mein haus einer ein wächsen bild an die wand stellet , und geht hin und nimmt das armbrust, und spannt es, und will in das bild schießen ‹. da sprach dieser, ›so lieb dir dein leben ist, so tuck dich unter das wasser, wenn er will schießen‹. der mann thät es. Dieser las aber in dem buch und sprach: ›sihe, was sihestu?‹ der mann sprach: ›ich sihe, daß er gefehlt hat und ist fast traurig und mein frau mit ihm. der farend schüler rüst zu und will zu dem andern mal schießen und geht den halben theil hinzu.‹ ›tuk dich, wenn er schießen will.‹ er tuckt sich. Dieser sprach: ›lug, was sihestu?‹ der mann sprach, ›ich sihe, daß er gefehlet hat und ist sehr traurig, und spricht zu der frauen, fehle ich nun zum dritten mal, so bin ich des todes; und rüstet zu und siht nah zu dem bild, daß er nicht fehlen mög.‹ Da sprach der so in dem buch las: ›tuk dich!‹ der mann tucket sich vorm schuß. Dieser sprach ›sihe auf, was sihestu?‹ er sprach: ›ich sihe, daß er gefehlet hat, und ist der pfeil in ihn gegangen und ist todt, und mein frau vergiebt ihn unten in das haus‹. Da sprach er: ›jetz steh auf und geh hin!‹ der mann wolt ihm viel schenken, da wolt er nichts nehmen und sprach: ›bitt gott für mich.‹ Da der bürger wiederumb heim kam, da wolt ihn die frau freundlich empfahen, aber er wolt ihr kein gnad haben, lude und beruft ihre freund und sprach zu ihnen, was sie ihm für ein frau hätten geben und sagt es ihnen alles wie sie gehandelt hätte. die frau leugnet es stets. da führet der mann die freunde dahin, da sie ihn hingegraben hätt und grub ihn wieder heraus. Da fing man die frau und verbrennt sie, das war ihr rechter lohn. Die fabel stammt aus den gestis Rom. (ed. Keller cap. 102. übers. ed. Keller s. 160), man muß aber bei Afzelius 1, 48 die frische finnlappische sage vergleichen. . Auch aus teig und leim können zauberbilder 914 gebacken werden, aus metall geschmiedet, doch das wachs der heiligen biene (s.  579 ) scheint dafür am geeignetsten; es liegt darin eine nachahmung göttlichen schaffens (vgl. s.  472 ), die nur bis auf gewissen grad gelingen kann. In Pulcis Morgante 21, 73 besitzt eine zauberin ein bild gemacht aus dem lauteren wachse junger bienen (delle prime ape), mit allen gliedern bis auf eine rippe wie aus der rippe weiter erschaffen wird (s.  466 ) und wunderbares geräth bereitet (s.  756 . 912 ), mangelt sie unvollständiger schöpfung. : an dies bild war der zauberin eigne lebenskraft gebunden und als es Malagigi bei langsamem feuer schmelzen ließ, schwand sie dahin. Daß man solche wachsbilder zuweilen taufte, zeigt eine predigt Bertholds (cod. pal. 35 fol. 27 b ): ›so nimpt diu her, und tauft ein wachs , diu ein holz, diu ein tôtenpein, alles, daz sie domit bezouber‹ quidam (Judaeorum) ad similitudinem episcopi (Eberhardi treverensis, im 11 jh.) ceream imaginem lycnis interpositam facientes, clericum, ut eam baptizaret pecunia corruperunt, quam ipso sabbato accenderunt; qua jam ex parte media consumpta episcopus coepit graviter infirmari et obiit (hist. trev.). , und hieraus geht zusammenhang des zaubermittels mit abergläubischen heilmitteln hervor. Wie genesene und sieche ein wachsbild oder wachsglied in kirchen weihen und aufhängen ließen, so verletzte und tödtete die hexe durch bilder. Ohne zweifel reicht diese zauberei in das höchste alterthum; schon Ovid gedenkt ihrer (amor. III. 7, 29): sagave punicea defixit nomina cera,     et medium tenues in jecur egit acus? vgl. Horat. (epod. 17, 76): movere cereas imagines . bei Theocrit 2, 28 ist das wachsschmelzen deutlich: ὡς τοῦτον τὸν καρὸν ἐγὼ σὺν δαίμονι τάκω, ὣς τάκοιϑ' ὑπ' ἔρωτος, aber nicht daß es ein 915 bild war; bei Virg. ecl. 8, 74 ff. scheint ein zauberbild (terque haec altaria circuni effigiem duco) aus leim und wachs gemacht Nachtrag: Wachsbilder setzte man auf thüren, scheidewege und gräber der eltern. Plato de legib. 11, 933. in einer andern stelle bei Plato (?) spricht Anacharsis von wachsbildern der thessalischen zauberinnen. über das wachsbild des Nectanebus. Callisth. p. m. 6. erzb. Gerhard von Bremen verdammt auf einer synode von 1219 die Stedinger als ketzer und legt ihnen zu last: quaerere responsa daemonum, cereas imagines facere , a phitonissis requirere consilium et alia nefandissima tenebrarum exercere opera. Sudendorf registr. 2, 158. quaerunt responsa daemonum, cerea simulacra faciunt et in suis spurcitiis erroneas consulunt phitonissas. bulle Gregors des 9. von 1233. das. 2, 168. über wachsbilder s. Osnabr. ver. 3, 71. mlat. invultuor , praestigiator, qui ad artes magicas vultus effingit . invultare fascinare, franz. envoulter . Ducange s. v. invultare, vultivoli. man suchte die züge des menschen, den man bezaubern wollte, in der puppe von wachs oder leim nachzumachen, taufte sie feierlich, gab ihr pathen und salbte sie. stach man sie mit nadeln, so empfand der mensch heftigen schmerz, stach man sie in den kopf oder das herz, so muste er sterben. man suchte sich eine osterkerze aus der kirche zu verschaffen und zündete sie dabei an. das nadelstechen in ein wachsbild kommt vor in Kemble chartae vorr. s. LIX. LX und der sage bei Müllenhoff s. 223. vgl. die imago argentea ( anm. 2888 ). ferebatur imaginem quandam ad instar digiti , ex Egipto adlatam, adorare, a qua quotiens responsa quaerebat, necesse erat homicidium aut in summo festo adulterium procurare vgl. Pertz 10, 460 und oben den diebsdaumen ( anm. 2687 ). Dem ausschneiden des fußstapfens entspricht das τηρεῖν τὸ ἴχνος καὶ ἀμαυροῦν vestigiura observare et delere (blenden, schwächen), indem man den rechten fuß auf den linken fußtritt des andern, den linken auf seinen rechten setzt und sagt: ἐπιβέβηκά σοι καὶ ὑπεράνω εἰμί! conscendi te et superior sum. Lucian dial. meretric. 4. GDS. 137. Unsichtbar machende dinge sind der tarnhelm (s.  383 ), das vogelnest ( anm. 2470 ), die rechte schwanzfeder des hahns ( anm. 1724 ), der farnsame ( s. 1012 ), der ring, vielmehr der stein im ring (s.  759 ). Troj. 9203. 9919 und der unter einen stein gelegte sonnenwendel. Mone 8, 614. . Ganz ähnlich solchem aufhängen und bähen des atzmanns war der alte gebrauch, die erde oder den rasen auszuscheiden, auf welchen der fuß eines menschen gestanden hat, den man verderben will. dieser erdschnitt , wie ihn Vintler nennt ( abergl. G v. 92), wird in den schornstein gehängt, und wenn er zu welken oder zu dürren beginnt, muß auch jener mensch abzehren (abergl. 524 . 556 ). schon Burchard führt es an ( abergl. C p. 199 d ). einen gesellen aus fremdem lande herbeizubringen siedet man dessen strümpfe ; oder man nimmt des gesellen schuhe in einen neuen topf, schöpft damit gegen den strom wasser und siedet nun die schuhe im topf vier tage lang; nach deren verlauf wird er kommen nach hessischem aberglauben. man kann ein pferd lähmen durch das einschlagen eines nagels in seinen frischen fußtritt, einen dieb verrathen, wenn man zunder hineinlegt (abergl. 978 ). Plinius 28, 20 sagt: vestigium equi excussum ungula (ut solet plerumque) si quis collectum reponat, singultus remedium esse recordantibus quonam loco id reposuerint. Auch das vermögen, thiergestalt anzunehmen (an sich eine göttliche eigenschaft, vgl. s.  271 ), haben unsere zauberer mit denen der Griechen und Römer gemein: männer werden gern zu wölfen oder habichten, frauen zu katzen oder schwänen; in die sprache unsers alterthums übersetzt: sie schließen sich dem dienste von Wuotan und Frouwa an. diese verwandlungen in thiere (s.  546 ) sind entweder freiwillige oder gezwungne: das höhere, mächtige wesen wandelt sich selbst in die ihm bequeme thiergestalt, oder es verhängt sie zur strafe oder aus rache über einen menschen. in den sagen sind es häufig schwiegermütter oder stiefmütter , die kinder verwandeln, altn. stiupmôđur sköp . fornald. sög. 1, 31. 58. Herodot 4, 105 meldet von den Neuren, unter Scythen und in Scythien wohnhaften Hellenen gelten sie für zauberer (γόητες), weil sich jeder von ihnen alljährlich auf einige tage in einen wolf wandele, dann aber wieder menschliche gestalt annehme (ὡς ἕτεος ἑκάστου ἅπαξ τῶν Νευρῶν ἕκαστος λύκος γίνεται ἡμέρας ὀλίγας, καὶ αὖτις ὀπίσω ἐς τὠϋτὸ κατίσταται). Ähnliches berichten Plinius 8, 34, Pomp. Mela 2, 1 und Augustin (de civ. dei 18, 17): ›his ego saepe lupum fieri et se condere silvis Moerin . . . vidi‹. Virg. ecl. 8, 97. Ein mensch, den diese gabe oder sucht auszeichnete, hieß λυκάνϑρωπος unter äsopischen fabeln ein artiger schwank (Cor. 425. Fur. 423): seinem wirte macht ein dieb weis, sobald er dreimal gähne , werde er zum werwolf (ὅταν οὖν χασμηϑῶ τρεῖς βολάς, γίνομαι λύκος ἐσϑίων ἀνϑρώπους). der furchtsame wirt flieht und jener bemächtigt sich seines gewandes. Einer eignen verwandlungsweise gedenkt Petron (sat. 62): ›ille circumminxit vestimenta sua, et subito lupus factus est; vestimenta lapidea facta sunt‹. vgl. cap. 57: ›si circumminxero illum, nesciet qua fugiat‹. , welcher wortbildung das ags. verevulf (leges 916 Canuti, Schmid 1, 148) engl. werewolf genau entspricht, goth. vairavulfs? ahd. werawolf? bei mhd. dichtern kein werwolf. altn. wird nur vargr (RA. 733. Reinh. xxxvii ) gebraucht, verûlfr Sn. 214 b ist schwertname, das schwed. dän. varulf , varulv scheinen nach der roman. oder deutschen form gebildet. ich finde werwolf zuerst bei Burchard ( abergl. C p. 198 c ). ›strigas et fictos lupos credere‹ stellt schon Bonifacius zusammen (sermon. bei Mart. et Dur. 9, 217). aus warulf, garulf (Gervas. tilb. schreibt gerulphus ) kann das franz. loupgarou ( warou in altfranz. gedichten) umgestellt scheinen, doch hat auch der bretagn. dialect bleizgarou , bleizgaro (von bleiz, wolf) und denvleiz (mannwolf, von den, mann) grékvleiz (femmeloup); bisclaveret bei Marie de France 1, 178 mag aus bleizgarv entstellt sein, wie das normandische garwal aus guarwolf . poln. finde ich wilkołak , wilkołek , böhm. wlkodlak , das eigentlich wolfhaarig bedeutet und an den haarigen waldgeist (s.  397 ) erinnert. das serb. vukodlac bezeichnet einen vampir. die Letten bilden aus wilks (wolf) wilkats (werwolf). wilkáscha radda ds. 1644. Nach ältesten einheimischen begriffen hängt annahme der wolfsgestalt ab von dem überwerfen eines wolfgürtels oder wolfhemds (ûlfahamr), wie verwandlung in schwan vom anziehen des schwanhemds oder schwanrings (s.  354 . 355 ) der gürtel ist wesentliches stück der bekleidung, von dem gürtel läßt das alterthum auch sonst zauberhafte wirkung ahhängen, z. b. in Thôrs gürtel (megingiörđ, fem.) lag seine göttliche kraft. Sn. 26. . wer einen wolfsgürtel, ûlfhamr trägt, heißt ahd. wolfhetan , altn. ûlfheđinn (das đ steht für organisches d) und zumal wurden wütende berserkir ûlfhednir : þeir höfđu vargstaka fyrir brynjur. Vatnsdœla s. 36; berserkir þeir vâru kallađir ûlfhiedar (l. ûlfheđnir). Grettissaga 32 a . Ulfheđinn ist aber auch mannsname wie ahd. Wolfhetan MB. 28 no. 52. 246. ebenso kommt vor biarnheđinn, geitheđinn, der ein bärenfell, geißfell angethan hat, als mannsname Biarnheđinn landn. 45, und das einfache Heđinn , stammvater der Hiađnîngar , ags. Heodeningas von Heden oder Heoden. der vocal ist also ë (nicht e) und man hatte ein verlornes verbum ahd. hëtan, hat, hâtum (goth. hidan, had, hêdum) anzusetzen. Lye führt an heden casla, was wol casula, kleid ausdrückt, und altn. soll auch geitheđinn pallium e pelle caprina bedeuten, doch ziehe ich in Wolfhetan die participialform vor. Es braucht also gar nicht in der absicht des zauberns zu geschehen, jeder das wolfhemd anlegende und der damit bezauberte erfährt umwandlung, und bleibt neuntagelang wolf, erst am zehnten tag darf er in menschliche gestalt zurückkehren man glaubt auch, daß die phoke (selr) jeden neunten tag ihre fischhaut ablegt, und einen tag mensch wird. Thiele 3, 51. Der neunjährige wolf, nahm unser mittelalter an, solle nattern tragen (gebähren) Ms. 2, 234 b , wozu sich vergleichen läßt, daß Loki den wolf Fenrir und die schlange Iörmungandr zeugte (s.  204 ). gandr aber wiederum wolf bedeutet. , nach andern sagen muß er drei, sieben oder neun 917 jahre in dem wolfsleib beharren. mit dem aussehen nimmt er zugleich wildheit und heulen des wolfs an: wälder durchstreifend zerfleischt er alles was ihm vorkommt ein ehpaar lebte in armut. zur verwunderung des mannes wuste die frau dennoch bei jeder mahlzeit fleisch aufzutragen, lange verheimlichend wie sie dazu gelangte; endlich aber versprach sie ihm die entdeckung, nur dürfe er dabei ihren namen nicht nennen. Nun giengen sie mit einander aufs feld, wo eine heerde schafe weidete, zu welcher die frau ihren schritt lenkte, und als sie ihr nahe gekommen waren warf sie einen ring über sich, wurde augenblicklich zum werwolf der in die heerde fiel, eins der schafe grif und damit entfloh. Der mann stand wie versteinert; als er aber hirt und hunde dem werwolf nachrennen und die gefahr seines weibes sah, vergaß er sein versprechen und rief ›ach Margareit!‹ da verschwand der wolf und die frau stand nackend auf dem feld. (hess. volkssage). . fornald sög. 1, 50 erwähnt ein liosta međ ûlfhandska , ein schlagen mit dem wolfshandschuh , wodurch jemand in einen bär verwandelt wird, die thiergestalt bei tag, die menschliche bei nacht annimmt. Auf solche weise mischt sich die vorstellung waldflüchtiger verbannter auch mit der von werwölfen. ein berühmtes beispiel ist Sigmunds und Sinfiötlis (fornald. sög. 2, 130. 131): wenn sie schliefen, hiengen neben ihnen die wolfshemde. Die werwölfe sind nach jungem blute gierig und rauben kinder und mädchen mit blinder kühnheit. aus vielem von Woycicki 1, 101–113. 152–158 erzähltem entnehme ich nur, daß eine hexe ihren gürtel zusammendrehte und in einem hochzeitshaus auf die schwelle legte: als die neuvermählten darüber traten, wurden braut, bräutigam und sechs brautführer in werwölfe gewandelt. sie entflohen aus der hütte und liefen drei jahre lang heulend um der hexe haus. endlich nahte der tag ihrer lösung. die hexe brachte einen pelz, dessen haar nach außen gewandt war, sobald sie einen werwolf damit bedeckte, kehrte dessen menschliche gestalt zurück, dem bräutigam reichte die decke über den leib, nicht über den schwanz, und so wurde er zwar wieder zum menschen, muste aber den wolfsschwanz behalten. Schafarik (slow. st. 1, 167) bemerkt, daß diese wolfssagen ganz besonders in Volhynien und Weißrußland zu hause seien und zieht daraus bestätigungen seiner ansicht, daß die Neuren ein slavischer volksstamm waren. Nach dem franz. lai de Melion p. 49. 50 muß der entkleidete er bittet aber ihm die kleider aufzuheben: ›ma despoille me gardez‹, wie in jener äsopischen fabel: δέομαί σου, ἵνα φυλάξης τὰ ἱμάτιά μου. mensch mit einem zauberring berührt. werden: alsbald verwandelt er sich in einen wolf, der das wild verfolgt. Nach Marie de Fr. 1, 182 wird ein ritter wöchentlich drei tage zum bisclaveret, und lauft nackend im wald umher; nimmt ihm jemand die beiseits gelegten menschlichen kleider weg, so muß er wolf bleiben die altengl. sage von William and the werwolf in Hartshornes ancient metrical tales habe ich noch nicht gelesen. . Pluquet 918 (cont. pop. 15) bemerkt, man könne ihn nur befreien dadurch daß man ihn mit einem schlüssel blutrünstig schlage. Gewöhnliche annahme unseres volksglaubens ist, die verwandlung werde durch einen um den leib gebundnen riemen bewirkt; der gürtel sei nur drei finger breit, und aus der haut eines menschen geschnitten. von natürlichen wölfen soll ein solcher werwolf an seinem abgestumpften schweif zu erkennen sein. Lothringische hexenacten ergeben, daß durch ausrupfen, segnen und werfen von grashalmen wider einen baum wölfe hervorsprangen, die augenblicklich in die heerde fielen; die stellen bei Remigius p. 152. 162 lassen zweifelhaft, ob die graswerfenden männer selbst zu wölfen wurden; nach p. 261 kann man nichts anders dafür halten. mehrere werwolfsgeschichten hat Bodins dämonomanie (nach Fischarts übers. p. 120 ff.). Der rheinischwestfälische volksglaube läßt bloß männer zu wölfen werden, mädchen und frauen verwandeln sich in einen ütterbock (euterbock, hermafrodit?). ein altes, unheimliches weib wird gescholten: der verfluchte ütterbock! Eigenthümlich ist der dän. aberglaube no. 167, wonach eine braut, die sich eines angegebnen zaubers bedient, um schmerzlos zu gebären, knaben zur welt bringe, die werwölfe , mädchen, die nachtmahren werden. Thiele 1, 133 bemerkt, der werwolf sei bei tag menschlich gestaltet, doch so daß seine augbrauen über der nase zusammenwachsen sonst auch zeichen der hexe oder des zauberers, welche andern den alb zuschicken können: als schmetterling geht er aus den augbrauen hervor (deutsche sagen 1, 132). , nachts aber wandle er sich zu gewisser zeit in einen dreibeinigen hund , erst dadurch, daß man ihn werwolf schilt, werde er frei. Auch nach Burchards äußerung scheint lykanthropie etwas dem menschen angebornes Nachtrag: Plinius 8, 34 sagt: homines in lupos verti rursumque restitui sibi, falsum esse existimare debemus. unde tamen ista vulgo infixa sit fama, in tantum ut in maledictis versipelles habeat, indicabitur. schon im 9. jh. kommt der ahd. name Weriwolf vor. Haupts zeitschr. 12, 252, in Samland der name Warwolf . ein werwolf bei H. Sachs II. 4, 16 c , meerwolf , beerwolf . Ettners unw. dr. 671. zu Dreieichenhain besteht der geschlechtsname Werwatz (watz = heerdeber). ist das wie werwolf gebildet? loups garous . Bosquet s. 223 ff. man bedient sich einer salbe, um sich in einen fuchs , wolf oder eine katze zu verwandeln nach dem proc. aus Ursernthal, oder man schnallt einen gewissen riemen in das neunte loch um und wird ein wolf. Reusch in den preuß. prov. bl. 36, 436 und 23, 127. GDS. 152. vgl. den alten ledernen riemen. Firmenich 1, 213. leute mit einem wolfsgürtel heißen ûlfheđnar . Munchs leseb. 112 b . 113 b . steht damit in zusammenhang der ausdruck heiden , heidenwolf für ungetauftes kind, waldeck. heidölleken . papollere 1860 s. 8. durch ein in den mund genommenes spänchen (spruoccolo) wird jemand zur bärin und beim herausthun desselben wieder mensch. pentam. 2, 6. schmettert man gras wider einen baumstamm, so entspringen wölfe daraus. Remigii daemonol. 1598. s. 152. 162. Sigefridus dictus wolfvel . MB. 1, 280, doch wolvel (? Wölfel) das. 8, 458. die götter senden der Idun einen wolfspelz: vargsbelg seldo, lêt î faraz , lyndi breitti. Sæm. 89 a . werwolfsagen sind verzeichnet bei Müllenhoff no. 317–320. Firmenich 1, 363. 332. 212. 213. lekenspiegel 2, 91. 92. altn. î vargskinns ôlpu. fornm. sög. 10, 201 (ôlpa, ûlpa, toga, vestis). Ein werwolf ist zu erkennen an einem wolfszagelchen zwischen den schulterblättern (Reusch no. 75 mit zusatz), an einem kleinen ›raugen‹ auf dem rücken zwischen den schultern festgewachsenen wolfszagel. preuß. prov. bl. 26, 435. 117. 172. . Es ist zu erwarten, daß dem nord. alterthum auch ein übergang des menschlichen leibs in den des bären wolbekannt war, da dies thier für vernünftig galt (Reinh. nachtr. zu s.  lvi ) und hochgehalten wurde (s.  556 ). Finnbogi redet mit ihm und nennt ihn bessi (Finnb. saga s. 246). ein dän. lied läßt durch umbinden eines eisenhalsbandes die verwandlung in einen bären ergehn (DV. 1, 184). In Norwegen herscht der glaube, daß die Lappländer sich in bären verwandeln , von einem recht dreisten, schädlichen bären heißt es: ›das kann kein christlicher bär sein‹. ein alter bär, in Ofodens prästegjeld, der sechs menschen und über sechzig pferde getödtet haben soll, stand in solchem ruf, und als er endlich erlegt wurde, will man bei ihm einen gürtel gefunden haben. Sommerfelt Saltdalens prästegield p. 84. Die verwandlung in katze läßt sich zunächst mit dem wesen der hausgeister (s.  416 . 421 ) in verbindung bringen; niemals ist von überwerfen eines gürtels oder hemdes die rede. Das volk sagt: eine zwanzigjährige katze werde zur hexe, eine hundertjährige hexe wieder zur katze. Vintler ( abergl. G v. 232) gedenkt der 919 angenommnen katzengestalt . Wie bei den nachtfrauen (s.  886 ) kommen in fast allen hexenprocessen beispiele vor, und besonders oft wird von verwundeten katzen erzählt, die man hernach an verbundnen weibern wieder erkannte. begegnende katzen sind zweideutig (abergl. 643 ). fremden katzen soll man nichts zu leid thun; die hexe könnte sich rächen. ein bauer siechte seit seinem hochzeitstage: er hatte an ihm eine katze, die gesattelt in seinen hof gekommen war, mit einem stein geworfen. die gesattelte katze ist eine art gestiefelten katers (KM. 3, 259). Nl. sagen von zauberkatzen hat Wolfs Wodana s. 123. 131. Man soll aber auch der katze schonen, weil sie Frouwas thier war (s.  254 ); wem es auf den hochzeittag regnet, der hat, heißt es in der Wetterau, die katze nicht gefüttert , folglich die botin oder dienerin der liebesgöttin beleidigt. nachtfrauen und hexen scheinen aber im gefolge dieser gottheit zu ziehen. Auch die gans ist zauberthier und auf den edleren schwan älterer sagen leicht zurückführbar. Ein jäger schoß nach wildgänsen und traf eine, die herab ins gebüsch fiel; als er hinzutrat fand er eine nakte frau unverwundet darin sitzen, die ihm wol bekannt war und die ihn dringend bat sie nicht zu verrathen und ihr aus ihrem hause kleider bringen zu lassen. er warf ihr sein schnupftuch zur bedeckung zu und ließ die kleider holen (Mones anz. 6, 395). Niclas von Wyle (in der zueignung seiner übersetzung des Apulejus) hinterbringt uns einen verschiednen fall, den er aus dem munde des kaiserlichen kammerschreibers Michel von Pfullendorf vernommen hatte, ein wirt und gastgeber sei durch zauberei ›durch gemecht ‹, vgl. 862 machen, zaubern. einer frau , länger als ein ganzes jahr wilde gans gewesen und unter solchen gänsen herumgeflogen, bis er sich einmal mit einer andern gans gezankt und gebissen und diese ihm zufällig das tüchlein , worin der zauber verstrickt war, vom hals abgerissen habe; wieder also ein schwanring , nur daß ihn hier die zauberin nicht selbst trägt, sondern einen unschuldigen mann in das thier verwandelt, wie auch die werwölfe theils zauberer theils bezauberte sind. im KM. 193 stellen weiße lappen das schwanhemd vor. Wie dem wolfe der rabe gleicht, dürfen auch wandlungen der zauberer in raben vermutet werden, doch fällt mir kein beispiel ein, trolde erscheinen in dän. liedern oft als raben (s.  830 ). vielleicht lassen sich eher übergänge der hexen in die krähen gestalt aufweisen, da es schon von einer ôskmey (Völs. cap. 2) heißt: hun brâ â sik krâku ham ok flŷgr, im Wolfdietrich schlägt, nach abgelegten kleidern, Marpalie die hände zusammen (s.  857 ) und wandelt sich in eine krähe Nachtrag: Die hexe erscheint als fuchs . Schreibers taschenb. 4, 309, oder als dreibeiniger hase . Sommer sagen s. 62, oder als kolsvört ketta . fornm. sög. 3, 216. 222. sv. forns. 1, 90 ff. man beschwört: by catten , die te dansen pleghen tswoendaghs . belg. mus. 2, 116. wenn ein mädchen die katze gut füttert, scheint ihm am hochzeitstag die sonne. n. preuß prov. bl. 3, 470. gute hexensagen stehn bei Müllenhoff s. 212–216 ff., so auch die von der abgehauenen katzenpfote, einer schönen frauenhand, die am morgen der müllerin im bett fehlt. das. s. 227. ähnlich ist die sage von der hexe, die als pferd geritten wird und die der reiter vom schmied beschlagen läßt, morgens liegt sie mit hufeisen an händen und füßen im bett. Müllenhoff s. 226. 600. Mone 8, 182. so wird bei Petron. cap. 62 ein werwolf am hals verwundet; im bett liegt hernach ein miles und läßt sich den hals heilen: intellexi illum versipellem esse, nec postea cum illo panem gustare potui. der ôfreskr sieht abends einen bären und stier sich bekämpfen, morgens liegen verwundete männer im bett. Landn. 5, 5. Verwandlung in bären, füchse, in schwäne und raben ist häufig. Walewein 5598 heißt es: tenen vos verbreken , das. 785: versciep hem. er entwarf sich zu , er verwandelte sich. myst. 1, 214 und öfter. eine braut wandelt sich in einen schwan . Müllenhoff s. 212, ein mann wird zum habicht oder falken und kommt als solcher an den thurm geflogen. Marie 1, 280 vgl. 292. frauen wandeln sich oft in kröten. wesen ene padde en sitten onder die sille. Walew. 5039. gienge ich als ein krete gât und solde bei eime zûne gân. Herb. 8364. es ist hier noch zu bemerken, daß das › verđa at göltum ‹ in altn. sagen nicht zum schwein werden, sondern gleich einem schwein wildumlaufen bedeutet. Verlauff zu Vatnsd. s. 106. 107. Die zauberer und zauberinnen der märchen verwandeln häufig andere in wölfe, bären, katzen, hunde, schweine. die späteren hexen können das nicht mehr. die formel der mit ruthenschlag in schweine verwandelnden Circe war: ἔρχεο νῦν συφεόνδε. Od. 10, 320. (die lappischen zauberer senden bären , wölfe , füchse , raben , um andern menschen zu schaden. ein solches thier heißt dann tille . Lindahl 474 a .) Etwas anders ist das tauschen der gestalt zwischen menschen . dies altn. skipta litum , hömum , skipta litom ok lâtom , vixla litum scheint durch bloßen willen, ohne formel und kleid, vollzogen zu werden, so zwischen Sigurd und Gunnar. Sæm. 178 a . 177 b . 202. 203. Völs. sag. c. 27, zwischen Signy und der zauberin Völs. sag. cap. 7. es geschieht zumal unter blutsbrüdern, die sich äußerlich zum verwechseln gleichen, im Nibel. 337, 3. 429, 3. 602, 2 aber durch die unsichtbar machende tarnhût. ähnlich werden falsche bräute oder frauen nachts ins bett untergeschoben, Brangaene für Isot vgl. Berthe au grand pied und das fabliau vom haarabschneiden. statt dessen wird roher und später ein bloßes tauschen der kleider angegeben. . Wenn die abgelegte kleidung (menschliche oder thierische) weggenommen wird (s.  354 . 356 ), so ist keine wiederherstellung der verlassenen gestalt möglich: daher auch in sagen und märchen 920 die abgestreifte thierhaut heimlich pflegt verbrannt zu werden Aw. 1, 165. KM. 2, 264. Straparola 2, 1. pentamerone, 2, 5. Vuk 1, xxxix  ff. fornakl. sög. 2, 150. 151. . Doch kann die menschengestalt unter der bedingung zurückkehren, daß ein unschuldiges mädchen sieben jahre lang, stumm und schweigend, ein hemd fertig spinne und nähe, das über den verzauberten geworfen werde (KM. 1, 53. 246. 3, 84). Ein solches hemd löst nicht nur den zauber, es macht auch fest und siegreich (abergl. 656 . 708 ein solches sieghemd gemahnt an das mitgeborne glückshemd (s.  729 ) der kinder, welches in Dänmark auch seyershue , seyershielm , seyersserk heißt. traut man der redensart ›mit dem helm geboren sein‹ ein hohes alter zu, so weissagt dieser siegshelm den künftigen helden. vgl. Bulenger 3, 30 über die amniomantia ; d. i. divinatio per amnium seu membranam tertiam embryonis. ); in der letzten stelle ist siegen vor gericht für das ältere siegen im kampf gesetzt. Im MA. hieß es s. Georgn hemde und wurde am samstag gesponnen (Vintler vgl. abergl. 333 den christnachts gesponnenen zwirn ); Wolfdieterich empfängt es von Siegminne, d. h. einer weisen, spinnenden norn oder valkyrie (s.  361 ); sichtbar ist die altheidnische idee hernach auf den siegreichen heiligen der christlichen kirche übertragen. ähnlich ist das gegen ertrinken schützende goldne hemd Beov. 1095–1100 und das fridhemede (beschwör. X ), von einer gewebten siegsfahne wird s.  931 die rede sein. mir scheinen diese gefeierten schicksalshemde zusammenhängend mit dem gespinst und gewebe der nornen und der frau Holda. Wahrscheinlich schrieb man den hexen, welche feldspinnerinnen hießen (abergl. 824 ), zauberhaftes weben und spinnen zu; Burchards stellen vom aberglauben in lanificiis et ordiendis telis ( abergl. C int. 52. p. 193 d ) sind zu vergleichen. Hincmar von Rheims (opp. 1, 656) gedenkt der zaubereien ›quas superventas feminae in suis lanificiis vel textilibus operibus nominant‹. und p. 654 sagt er: ›quidam etiam vestibus carminatis induebantur vel cooperiebantur‹ den entzaubernden, sichernden hemden stehen bezaubernde , verderbliche entgegen. in einem serbischen lied (Vuk 3, 30 z. 786 ff.) wird ein goldhemd weder gesponnen noch gewoben, sondern gestrickt, eine schlange in seinen kragen geflochten. bekannt ist das dem Herakles gesandte mit drachenblut getränkte hemd. . ähnlich ist der zauber und segen bei schwestern (vgl. oben s.  573 ) Nachtrag: Der zauber liegt in den nägeln : des zoubers orthabe ligt an den nagelen . Geo. 57 b . der zauber ist im haar befestigt, man denke an den elbenzopf. den hexen werden alle haare abgeschoren . s. sage bei Klemm 2, 168. M. Beheim 273, 26. 274, 7. zauber wird aus dem haar genommen. Wolfdietr. 548. vgl. oben das wolfshaar . Zauber kann festmachen gegen schwert und kugel, schuß und hieb, so durch einen seidenfaden. RA. 183. ein festgemachter heißt gefroren . Ettners unw. doct. 641. 653. 683, eisern . altn. harđgiörr , dem gift nicht schadet. Sæm. 170. Kyrtil bitu eigi iarn . Landn. 2, 7. 3, 4. auch der wundsegen macht fest. seine wirkung wird aber gehemmt, wenn man ein messer in die erde steckt und nun damit verwundet. das heißt den wundsegen aufthun . H. Sachs V, 347 c . vgl. einem etwas eingraben . das. III. 3, 7 d und die beschwerer , banntuchmacher , hartmacher . Gutslaf Wöhh. 207. 337. im Othello 3, 3 ist die rede von einem zaubertuch , das eine sibylle wirkte. geweihte würmer spannen dran die seide. das s. Georgenhemde wird aus garn, das am samstag gesponnen ist, gefertigt. abergl. G . v. 182. vgl. den in der Christnacht gesponnenen zauberkräftigen zwirn. . Es ist zauber durch bloßen blick , ohne alle leibliche berührung möglich, was man in der alten sprache entsehen nannte (s.  864 ), ital. gettare gli sguardi, neapol. jettatura , fascino dei malvagi occhi. das triefende, neidische, üble auge übel ougen Parz. 407, 8 sind neidische, übelwollende. dagegen: ein basez ouge Parz. 71. 16 ein krankes, schwaches. der eintretenden hexe (abergl. 787 ) geschweige ihr hauch und gruß kann plötzlich verletzen, säugenden frauen die milch entziehen, säuglinge schwindsüchtig machen. ein kleid, einen apfel verderben: visu obfascinare (s.  891 und abergl. C p. 199 d ); ›der rock ist so schön, der apfel so roth, daß ihn kein böses auge , onda öga (schwed. abergl. 57 ) ansehen soll.‹ 921 schädlicher blick . abergl. 874 , obliquus oculus , Horat. epist. I. 14, 37. Vorzüglich heißt es von kränkelndem vieh: ›es ist ein böses auge dabei gewesen‹, ein vieh mit scharfem auge ansehen. Virgil. ecl. 3, 103: ›nescio quis teneros oculus mihi fascinat agnos‹. Renn. 18014 sagt, der augenblick tödte schlangen, schrecke wölfe, brüte straußeneier, erwecke aussatz. Radulfi ardentis homiliae 42 a : ›cavete ab illis, qui dicunt, quosdam oculis urentibus alios fascinare‹. urentes oculi hat Persius 2, 34 und fascinare βασκαίνειν galt den alten vorzugsweise von dieser art zauberei. der altn. ausdruck ist sionhverfîng . ›sundr stauk sûla for sion iötuns‹ Sæm. 53 b , vor des riesen blick sprang die seule entzwei. Stigandi kann durch seinen blick alles verderben; dem gefangengenommenen ziehen sie einen sack übers gesicht (dreginn belgr â höfut honum): er schaut durch ein loch im sack, und verdirbt mit einem blick ein grasfeld (Laxd. p. 152. 156). Verschieden und doch ähnlich sind die scharfen augen einzelner helden (s.  324 ) und jungfrauen, die gebundne Svanhildr soll von pferden todt getreten werden: ›er hun brâ î sundr augum þâ þorđu eigi hestarnir at spora hana; ok er Bikki sâ þat, mælti hann, at belg skyldi draga â höfuđ henni‹. (fornald. sög. 1, 226). Und von einem Sigurđr heißt es formn. sög. 2, 174: ›at hana hefđi snart augnabragđ , at allir hundar hurfu frâ honum, ok var enginn svâ grimmr, at þyrđi â hann at râđa, er hann hvesti augun îmôt þeim‹. wie die hunde den blick der geister und götter nicht ertragen (s.  555 ). Wer solch ein gefährdendes auge hat, evileyed ist, kann die schädliche wirkung seines blicks dadurch abwenden, daß er ihn auf etwas lebloses richtet. man sagt: ›no one shall say black is your eye‹, d. h. niemand kann dir gerade übles nachsagen. Brockett p. 66. Steht mit der hexe bösem auge jene seltsame gestaltung ihres augapfels (s.  903 ) in verbindung? als sicherungsmittel gegen seinen einfluß wird die pfote des blinden maulwurfs getragen anderes ist, daß zauberer durch ihre gaukelei die augen der menschen verblenden : sunt et praestigiatores, qui alio nomine obstrigilli vocantur, quod praestringant vel obstringant humanorum aciem oculorum. Hincm. rem. ed. 1645. 1. 656. Nachtrag: Die hexen werden greifens , streichens , blendens beschuldigt: si hat mich gegriffen das ich sein mein lebtag genug han. Bodmann Rheingau s. 425. a. 1511. ›ein boser angrif, ein böser schlag, ein herzgrif‹ kommt vor. die hexen treten das vieh. sie ›bringen einen wehthum zu halse ‹, sie lernen einen das blenden . Bodmann a. o. s. 908. a. 1505. auch durch reiben wird zauber bewirkt. aus reiben des holzes entspringt ein eichhorn, des spans ein marder, des blatts eine biene, der federn ein schwarm auerhähne, der wolle eine heerde schafe. Kalev. 13, 160. 222. 280. 17, 328. 467. man vergleiche das märchen von den drei brüdern, die federn, haare und schuppen reiben. alsbald erscheinen adler, bären und fische zur hilfe. Weit verbreitet ist der aberglaube vom augenzauber. grenzboten 1860 no. 26. schon Plutarch. sympos. V, 7 spricht vom βλέμμα, ἀναπνοή und ὀφϑαλμὸς βάσκανος . nescio quis teneros oculus mihi fascinat agnos. Virg. ecl. 3, 108. engl. evil eye , ir. the balar . Conan s. 32. the blink of an illee . Hones daybook 2, 688. his diebus ei (Chilperico) filius natus est, quem in villa victoriacensi nutrire praecepit, dicens ne forte dum publice videtur , aliquid mali incurrat et moriatur. Greg. tur. 6, 41. mhd. twerhe ougen . über den bösen blick s. n. preuß. prov. bl. 1, 391–393. der blick slangen toetet, wolve schrecket, strûz eiger bruetet, ûzsatz erwecket, und ander krefte hât gar vil. Renn. 18016. dem schönen mädchen wird ins gesicht gespien, aus furcht vor dem bösen blick. ir. märch. 2, 64. . Wie aber hohe schönheit mit dem strahlenblick der augen zaubert, hat sie auch zaubergewalt in dem lächeln ihres mundes. Nach einem neugriech. liede, wenn die reizende jungfrau lacht , fallen rosen in ihre schürze (ὁποῦ γελᾷ καὶ πέφτουνε τὰ ῥόδα 'σ τὴν ποδιάν της) Fauriel 2, 382. In Heinrichs von Neuenstadt Apollonius von Tyrus, der um 1400 gedichtet wurde, heißt es z. 182. ›wâ sach man rôsen lachen? ‹ und dann wird ein märchen erzählt, in dem ein rôsenlachender man auftritt: ›der lachet, daz es vol rôsen was , perg und tal, laub und gras.‹ ein niederl. sprichwort (Tuinman 1, 306) lautet: ›als hy lacht , dan sneuwt het rosen ‹. dieser mythus muß sehr gangbar gewesen sein, 922 da ich in urkunden (z. b. Böhmers cod. francof. 1, 185), und noch heute, den eigennamen Rosenlacher , Rosenlächler , Blumlacher öfter finde. das nemliche gedicht von Apollonius hat z. 2370 er kuste sie wol dreißig stunt an iren rôsenlachenden munt, andere hierher gehörige stellen sind Aw. 1, 74. 75 angezogen. Begabte glückskinder haben das vermögen rosen zu lachen, wie Freyja gold weinte; vermutlich waren es ursprünglich heidnische lichtwesen, die ihren glanz am himmel über die erde verbreiteten, rosen und sonnenkinder (Georg 48. 49), lachende morgenröthe (s.  623 ), rosenstreuende Eos (s.  624 ). nach Mart. Cap. hieß eine silberne urne, quae praeferebat serena fulgentia et vernantis coeli temperie renidebat, risus Jovis Nachtrag: Sâ ze hant ir rôter munt einen tûsent stunt sô schoenen lachet (d. h. einen rôsen ). MS. 1, 11 a . der name Rosenlacher kommt vor bei Michelsen lub. oberh. 271. Baur Arnsb. 158. vgl. ad ruozinlachan. notizbl. 6, 68. vom rosenlachen spricht auch Athenaeus 5, 498. es geht von heidnischen lichtwesen aus. Mannhardt germ. mythen 149. 439. camillenbluomen ströuwen swen sô lieplich lachen wil ir munt. MSH. 3, 212 b . . Noch höhere gewalt als der lächelnde hat der küssende mund . in unsern kindermärchen kehrt wieder, daß ein kus alles vergessen macht (2, 168. 508), aber auch die erinnerung erstattet (2, 463). am kus hängt die lösung des bannes (s.  809 . 810 ). in den nord. sagen wird die vergessenheit durch einen trank hervorgebracht, welcher ôminnisöl , ôminnisdryckr heißt und dem minnisöl (s.  48 ) entgegensteht: solch ein ôminnisöl reichte Grimhild dem Sigurd, worauf er Brynhild vergaß, und auch der Gođrun muste, eh sie Sigurd vergessen und Atli wählen konnte, ein ôminnisveig gegeben werden, dessen zauberhafte bereitung das lied schildert (Sæm. 223 b 234 a ). so bieten valkyrien, elbinnen und zauberfrauen den helden ihre trinkhörner (s.  348 ) daß sie bei ihnen bleiben und alles andere vergessen sollen, man vgl. die schwed. sage bei Afzelius 2, 159. 160 und das lied bei Arvidsson 2, 179. 282, wo der bergmann die jungfrau aus dem glömskans horn trinken läßt, daß sie vater und mutter, himmel und erde, sonne und mond vergißt. Da nun in den schwed. volksliedern minna küssen ausdrückt (minna uppå munnen, sv. vis. 3, 123. 124), in den dän. minde (d. vis. 1, 256. 298), wie φιλεῖν amare und osculari, bei uns im 16 jh. ›das liebmahl ansetzen‹ den kus umschreibt; so liegt küssen und minnetrinken beim opfer und zauber einander sehr nahe minna osculari kann freilich aus mynna (den mund geben) altn. mynnaz verderbt scheinen, vgl. mundes minne MsH., 1, 45 a ; doch behält auch jene deutung ihr gewicht. . Zaubertränke sind aber manigfalter art und von höchstem alter, ihr zubereiten greift in heilkunst und giftmischerei ein. den liebestränken stehn liebeskuchen zur seite. Burchard beschreibt, wie frauen sich nackt auf waizen wälzen, ihn zur müle gegen die sonne (alt. andsœlis, inverso ordine) malen lassen und daraus brot backen. Nach dem volksaberglauben in Samland soll eine frau, wenn sie wahrnimmt, daß ihr mann gleichgültig gegen sie werde, beim brot oder fladen backen neunmal hintereinander etwas von dem rohen teig zurücklegen und ihm zuletzt einen fladen daraus backen, so wird sich bei dessen genuß die alte liebe wieder 923 finden. Den Ehsten heißt karwakak (haarbrot) ein brot, in das zum zauber haare gebacken sind. Auch die liebesäpfel , in die man zeichen schrieb (Hoffm. schles. monatschr. s. 754), gehören dahin Nachtrag: Ein kus macht alles vergessen . Müllenhoff s. 400. pentam. Liebr. 1, 231, auch wol der biß in den apfel . norske folkeev. 2, 47. Helena bereitet einen ähnlichen zaubertrank wie Grimhild, in den wein würze werfend. Od. 4 , 220–230, auch Circe. Od. 10, 235. noch färöisch heißt der vergessenheitstrank ouminni . qväd. s. 178. 180. die Serben bereiteten vergessenheitswasser voda za boravna , aus bergkräutern. Vuk 2, 612. 613. vgl. gr. φίλτρον liebestrank, meinblandinn miöđr. Völs. saga c. 25, scheideltranc gebrûwen. Amgb. 15 a . incendia inter epulas nominata aquis sub mensis profusis abominamur . Plin. 28, 2. . Es gibt einige allgemeine sicherungsmittel gegen den einfluß der zauberei . Auf eine frage der hexe darf man nicht antworten (abergl. 59 ), auf ihre anrede nicht danken (abergl. 568 ); überhaupt ist es rathsam für gewisse dienstleistungen und geschenke, wenn sie nützen sollen, nicht zu danken (abergl. 398 . schwed. 35 . 52 . ehstn. 94 ). eine hexe ist daran erkennbar, daß sie für geliehene dinge dankt (abergl. 566 ), keine hexe antwortet dreimal (abergl. 563 ). Lobt sie etwas, so misräths (abergl. 823 ), man entgegne ihr denn schnell durch schimpfen, schelten, ›eben soviel‹ anwünschen (abergl. 696 ) oder ausspeien. ins gesicht loben schadet. Plin. 28, 2; ›si ultra placitum laudarit, baccare frontem cingite, ne vati noceat mala lingua futuro.‹ Virg. ecl. 7, 27; daher wurde beim selbstrühmen ein praefiscini (prae fascino?) zugefügt. Plaut. Asinar. II. 4, 84. schelte und verwünschung hintertrieben die alten mit den worten: εἰς κεφαλήν σοι, das möge dein haupt treffen! Auch Neugriechen und Slaven fürchten lob und suchen sich durch speien zu retten: die russische amme speit einem dritten, der ihr kind rühmt, ohne ein schützendes gott behüts! hinzuzusetzen, auf der stelle ins gesicht . vor einer hexe haus wird dreimal ausgespuckt (abergl. 756 ), desgl. bei nächtlichem überschreiten eines unheimlichen wassers (schwed. abergl. 40 ); die Griechen spien beim anblick eines rasenden menschen dreimal in den busen . Theocr. 6, 39. 21, 11. ›ter dictis despue carminibus.‹ Tibull. I. 2, 55. hausgeister hassen das ausspeien (s.  425 ). vgl. abergl. 317 . 453 . von solchem despuere , adspuere , inspuere , exspuere hat Plin. 28, 4 lesenswerthes und einstimmendes. Nöthigenfalls soll man unbedenklich die verdächtige hexe schlagen , daß blut fließt (s.  918 ), oder einen feuerbrand nach ihr werfen (schwed. abergl. 96 ). Brot , salz und kohlen sind schutzmittel gegen den zauber (abergl. 564 . 713 ), wie die hexen brotes und salzes entrathen (s.  896 ). mir scheint das den holzweibchen widerwärtige pipen des brots (s.  401 . 403 ) ein heiliges, zauberabwendendes zeichen, vgl. placenta digito notata bei Lasicz 49. Wirft man über verzauberte thiere einen stahl , so müssen sie ihre natürliche gestalt annehmen (abergl. 886 ) ein bauer fuhr nachts mit seinem wagen und ein werwolf nahte. ihn zu entzaubern band der besonnene mann unverweilt seinen feuerstahl an die geisel und schleuderte ihn, die geisel in der hand haltend, über den kopf des wolfes her. aber der wolf erhaschte den stahl , und nun muste sich der bauer durch eilende flucht retten. ; wer über die hexe ein bekreuztes messer wirft, erkennt sie (abergl. 554 ); einer warf stahl zwischen die elbin und den berg, wodurch sie verhindert wurde hinein zu gehn (s.  379 ); stahl sichert das kind in der wiege gegen verwechslung. von solchen anwendungen des stahls gegen den zauber hat beispiele Faye p. 20. 24. 25. 26. 51. 924 141, vgl. schwed. abergl. 71 . Dem kreuzzeichen weichen hexen und teufel aus: in der ersten mainacht sieht man darum so viele kreuze an den thüren. in die vier winkel seines ackers pflügt der bauer ein kreuz . an den wiegen neugeborner kinder, solange die taufe nicht erfolgt war, wurde das kreuz nicht gespart zur sicherung gegen elbe und teufel; die Heiden brauchten so ihren hammer , und davon äußert sich eine bedeutsame spur: malleum , ubi puerpera decumbit, obvolvunt candido linteo (Gisb. Voetii sel. disput. theol. Ultraj. 1659. pars 3 p. 121). Nicht weniger hassen und scheuen die bösen geister alle glocken (s.  853 . 899 ) und glockenläuten stört ihren tanz auf den kreuzwegen (abergl. 542 ). Hierher gehören auch die s.  902 aufgezählten mittel, hexen zu erkennen und sich vor ihnen zu hüten Nachtrag: Man sichert sich gegen den einfluß der zauberei durch schweigen. incauto effamine maleficiis locum instruere (s.  549 ). besprechungen heißen serb. urotzi , gen. uroka, böhm. aurok vgl. Jungmann s. v. neuročny, neuroku. die slav. formel gegen beschreien lautet: kamenmira. vgl. seines zeichens , ihres zeichens . Schmidt westerw. id. 335 und die formeln: salva venia! gott behüts! wenn sich einer verwundert, heißt die serb. gegenformel: zatschudio se prebijenoi golijeni! er wundere sich mit gebrochnem bein. Vuk s. v. zaschuditise und sprichw. s. 87. wenn einer was zu krankheit oder unheil sagt, wird erwidert: u naschega tschabra gwoz dene uschi (an unserm zuber eiserne ohren). das. sprichwort s. 334. Über das speien als schutzmittel gegen den zauber s. Schwenck röm. myth. 399. der selbstgefällig seine schönheit bewundernde cyclop speit, um die baskania zu vermeiden, dreimal in den busen, wie ihn eine alte gelehrt hatte: ὡς μὴ βασκανϑῶ δέ, τρὶς εἰς ἐμὸν ἔπτυσα' κόλπον . ταῦτα γὰρ ἀργαῖά με κοτυτταρὶς ἐξεδίδαξεν. Theocr. 6, 39. der taubert bespeit seine jungen gegen den zauber. Athen. 3, 456. 458. Plautus capt. III. 4, 21: et eum morbum mihi esse, ut qui me opus sit insputarier? Die ähre ist ein gegenmittel gegen den zauber, ags. viđ fiölkŷngi. Sæm. 27 b . geweihte kräuter verbohrt man in eine thürschwelle , darüber man aus und eingeht und macht aus einem eggenzahn einen nagel davor. Mone anz. 6, 460. vgl. den eggennagel (s.  902 ). Man wirft einen feuerstahl über etwas geisterhaftes, um sich dessen zu bemächtigen. Dybeck 1844, 104–106. vgl. die macht des eldstål über den riesen. Cavallius 1, 39. ildstaalet . folkeeventyr 2, 82. ein flinteld wird über die kuh geschlagen. Dybeck 4, 27, über die zauberinnen 4, 29. gegen zauber wird ein messer geworfen. das. 1844, 63. 4, 33. Ein zauberkreis wird gezogen . gladio circa illos circulum fecit, monens sub interminatione mortis, ut infra circulum se cohiberent. Caesar. heisterb. 5, 4. Über die indische zauberei vgl. Centralblatt 1853, 255. . Diese sind die eigenthümlichsten erscheinungen im gebiet des zaubers. Viele, die meisten zaubermittel laufen über in aberglauben, zwischen welchem und der eigentlichen zauberei feste grenze abzustecken unmöglich ist. als merkmal für den begrif der zauberei habe ich zwar den bösen willen schaden zu stiften aufgestellt, und aus der umkehrung des heilsamen gebrauchs geheimer naturkräfte scheint sie hervor gegangen (beinahe wie der teufel aus gottes umkehrung, s.  823 ); die einzelnen anwendungen der rechten und falschen kunst lassen sich aber nicht immer sondern. Wie ein kraut, ein stein, ein segen zum heilmittel gereicht, so können sie auch verderblich wirken; gebrauch war anständig und erlaubt, misbrauch wurde verabscheut und sträflich. Eine giftmischerin ist an sich keine zauberin, sie wird es in den augen des volks, sobald sie sich übernatürlicher mittel bedient. eine siechthumheilende, wundensegnende weise frau fängt dann erst für eine hexe zu gelten an, wenn sie mit ihrer kunst übeles thut; ihre mittel seien so natürlich wie das gift der mörderin. Hexen waren dem höheren alterthum priesterinnen, ärztinnen, sagenhafte nachtfrauen, die man ehrte, scheute, endlich gering schätzte, aber noch nicht zu verfolgen und hinzurichten trachtete. Wie jungfrauen in schwäne wandelten helden sich in werwölfe, ohne in der öffentlichen meinung dadurch zu leiden. Als im verlauf der zeit einmischung des teufels bei jedweder art von zauberei angenommen wurde, fiel auf alle persönlichen verhältnisse strafbare schuld; seine althergebrachten zaubermittel behielt aber das volk noch großentheils bei in dem unschuldigen sinn des aberglaubens, den nur leichter als vorher ein anflug von hexerei treffen konnte. 925 Cap. XXXV. Aberglaube Unter aberglauben ist nicht der gesamte inhalt des heidnischen glaubens, der ein wahn, ein falscher glaube erscheint, zu verstehn, sondern die beibehaltung einzelner heidnischen gebräuche und meinungen. der bekehrte Christ verwarf und verabscheute die götter der Heiden, in seinem herzen blieben aber noch vorstellungen und gewohnheiten haften, die ohne offenen bezug auf die alte lehre der neuen nicht unmittelbar zu widerstreben schienen. da, wo das christenthum eine leere stelle gelassen hat, wo sein geist die roheren gemüter nicht sogleich durchdringen konnte, wucherte der aberglaube oder überglaube . Niederdeutsch sagt man biglove , beiglaube, nnl. overgelôf , bygelôf , dän. overtro , isl. hiatrû , die alle dem lat. superstitio nachgebildet wurden, das selbst aus superstes abzuleiten ist, und ein in einzelnen menschen fortbestehendes verharren bei ansichten bezeichnet, welche die große menge vernünftig fahren läßt. ein weissager hieß den Römern superstitiosus homo. auch der schwed. ausdruck vidskepelse scheint ursprünglich eine art des zaubers, nicht den aberglauben zu bezeichnen (s.  865 ) schwed. auch skrok, skråk superstitio; das altn. skrök ligmentum. ahd. gameitheit superstitio, vanitas (Graff 2, 702). nhd. rinde ich zipfelglaube . Schmid schwäb. id. 547. lett. blehnu tizziba , aberglaube, glaube an eitle dinge, blehnas . Nachtrag: Der aberglaube hieß gr. δεισιδαιμονία, δεισιδαίμων ist superstitiosus. von der superstitio der Aestyer redet Tac. Germ. 45. Pott 1, 157 leitet den lateinischen ausdruck von stare super, bei , vor dem götzen oder altar stehn . wend. wjera glaube, přiwjera , pšiwjera aberglaube. Zum schwed. vidskepelse stimmt einigermaßen das ahd. unscaf superstitio, unscaflîhho superstitiose. Graff 6, 453. außerdem kommt vor ahd. ubirfenkida superstitio. gl. sletst. 25, 327. ahd. unpiderpi superstitio. Graff 5, 219. ubarwintelingun superstitiose. Mones anz. 1835 , 89. ags. ofertaele superstitiosus. Lye. jüngere ausdrücke sind: geloubelîn . Krolewitz 3753. swacher gloube . Er. 8122. ungeloube . das. 8139. nhd. auch köhlerglaube , im Quickborn hönerglobe . superstitiones religionis rubigines. Garg. 187 a . über aberglauben vgl. Nilsson 6, 3. Hesiods op. 705–826. . Es gibt zwei arten des aberglaubens, einen thätigen und leidenden , jener mehr das augurium , sortilegium , dieser mehr das omen der alten völker die göttliche allmacht bringt wunder (s.  861 ) hervor, eine zufällige naturerscheinung bloße vorbedeutungen , omina , portenta , wofür Ulfilas den ausdruck faúratanja τέρατα hat, Marc. 13. 22. Joh. 6. 26. II Cor. 12, 12. zu tani weiß ich etwa nur das altn. teningr talus, das ahd. zeno provoco (Graff 5, 673) zu halten Nachtrag: Klemm 3, 201. 203 unterscheidet forschenden und thätigen zauber. das vorzeichen, die vorbedeutung ist lat. portentum von portendo, ostentum von ostendo, monstrum von monstro. Cic. div. 1, 42. Forcellini. piodigia coelestia, prope quotidianas in urbe agrisque ostentantia minas. Liv. 2, 42. ahd. forapouchan , forazeichan portentum, prodigium. bîzeichen . Windb. ps. 323. 367. vorzeichen erscheinen beim jüngsten gericht, bei todesfällen, bei einbrechendem krieg, bei bevorstehender theuerung. alle zeichen fluchen. Hebel 332. . . Wenn dem menschen, ohne sein zuthun, von höherer hand ein auffallendes zeichen gegeben wird, folgert er daraus heil oder unheil. Entspringt das zeichen aber nicht von selbst, lockt er es erst durch seine verrichtung hervor, so besteht ein positiver aberglaube. Das christenthum hat natürlich dem positiven, der mit heidnischen bräuchen vermischt war, eher zu steuern vermocht, als dem schuldlosen negativen aberglauben, der wie gespensterfurcht auf das menschliche gemüt wirkte. Gebräuche des thätigen aberglaubens haben immer practische zwecke. der mensch will sich von einem gegenwärtigen übel frei 926 machen, z. b. ein siechthum entfernen, seinen feind wegschaffen, oder er will sein künftiges glück wissen und sichern. Hierbei ist nicht zu übersehn, wie oft nach verschiedenheit der zeiten und völker die nemlichen bräuche veränderte beziehung und deutung empfangen denkbar ist, daß noch zur langobardischen zeit überreste altrömischer wahrsagung im schwang giengen. Paul. Diac. 3, 30: habebat tunc Agilulf quendam de suis aruspicem puerum , qui per artem diabolicam, quid futurum portenderent ictus fulminum intelligebat. die etruskischen haruspicien waren vorzüglich auf fulgura gerichtet (O. Müller 2, 32). , die bräuche sind oft aus ihrem zusammenhang gerissen, z. b. was für das opfer bestimmten bezug hatte, steht allein für sich unverständlich; diese bewandtnis hatte es auch bei den absichten der zauberei. Was unsere vorfahren hoften oder fürchteten bezog sich mehr auf krieg und sieg, der heutige landmann sorgt um sein getraide und sein vieh. Wenn die heidnische zauberin durch ihren hagel das feindliche heer verdirbt, so macht die hexe wetter für des nachbars acker. Ebenso prophezeit sich der bauer gedeihlichen acker aus dem zeichen, das in der vorzeit sieg bedeutete. aber auch landbau und viehzucht reichen in ein hohes alterthum und eine menge abergläubischer gebräuche, die mit ihnen zusammenhängen, zieht sich unverrückt durch lange jahrhunderte. Daneben sind alle richtungen des aberglaubens auf häusliche verhältnisse, auf geburt, freien und sterben, natürlich und fast unwandelbar in dem lauf der zeiten; der aberglaube bildet gewissermaßen eine religion für den ganzen niederen hausbedarf. Ein hauptstück des aberglaubens sind die weissagungen . der mensch möchte den schleier lüften, den zeit und raum über seine wichtigsten angelegenheiten geworfen haben; durch anwendung geheimer mittel glaubt er auskunft zu erlangen. erlaubte und unerlaubte weissagungen waren von jeher ein geschäft des priesters (oder hausvaters) und zauberers (s.  862 . 863 ): jene gehören zur religion, diese zum aberglauben. Die ausdrücke für weissagen und wahrsagen wurden schon zu eingang des vorigen cap. angegeben, als der begrif des zaubers festzusetzen war. Nachzuholen ist hier das ahd. heilisôn augurari, ags. hâlsian ; heilisôd omen, augurium; heilisari augur, ags. hâlsere, heilisara auguratrix. mhd. sind diese wörter schon ausgestorben. man unterscheide ahd. heilizan salutare, ags. hâletan Nachtrag: Ahd. drewa oraculum, droa fulmen. Graff 5, 246. ags. hvât omen, divinatio, auch hvâtung , ahd. hvâz (s.  794 ) vgl. hvâtend s.  1017 . ags. fugelhvâte augurium, divinatio per aves. ags. hvetton hige, hael sceávedon (bei der seefahrt). Beov. 407. ahd. heilscowunge augurium. Graff 6, 556. helscouwinge . Partonop. 20, 13. heilge scowede augurium. Sumerl. 2, 41. hêlscowinge . Bilderdyk verscheidenh. 3, 143. Frauenlob s. 142 gebraucht künden für anzeigen, voraussagen. außerdem besteht kiesen für schauen (mit bezug auf wetter. gramm. 4, 848) vgl. schwed. tjusa (s.  866 ). besonders kinder werden zum weissagen und loosen gebraucht vgl. die reinen kinder . abergl. H cap. 55–57. 83. . Jene priesterliche, heilige weissagung scheint wie der heidnische priesterstand selbst (s.  76 ) in geschlechtern fortgeerbt worden zu sein. eine wahrsagerin gab vor, daß die kunst lange zeit in ihrem geschlecht gewesen sei und nach ihrem tode die gnade auf ihre älteste tochter übergehe ( abergl. H cap. 107), also von mutter auf tochter , von vater auf sohn ; anderemal wird behauptet, daß weissagung und heilkraft von frauen auf männer , von männern auf frauen fortgepflanzt werden müsse. Es gibt noch heute geschlechter, denen die gabe eigen ist, was geschieht vorauszusehn, 927 namentlich feuersbrünste, sterbfälle und leichen: solche leute heißen in Niederdeutschland vorkiekers , d. i. vorschauer. man sagt auch, sie können quad sehn , d. h. jedes nahende unheil wittern, ja dies vermögen wird pferden, schafen, hunden beigelegt: pferde sind weissagend (s.  548 ), hunde geistersichtig (s.  555 ). Das ist aber besonders zu beachten, daß solche menschen ihre gabe dem übertragen können, der ihnen auf den rechten fuß tritt und über die linke schulter schaut ; dies scheint uralte und noch heidnische gebärde, die auch als rechtsbrauch bei anfahung des viehes galt (RA. 589) und vielleicht sonst unter Christen geduldet wurde, ich finde daß ein buße thuender dem einsiedler dabei auf den rechten fuß treten muß (Ls. 1, 593). Das erste auf neueingesegnetem taufstein getaufte kind empfängt die gabe geister und vorgeschichten zu sehn, solange bis ein andrer aus vorwitz ihm auf den linken fuß tritt und über die rechte schulter sieht , dann geht die kunst auf diesen über (abergl. 996 ); wer aber durch des weisen mannes armring schaute (s.  783 ) wurde geistersichtig, er sieht das geheure und das ungeheure: selbst auf den hund geht die gabe über, wenn man ihm auf den rechten fuß tritt und ihn sich über die rechte schulter sehn läßt (abergl. 1111 ). Auch mit dem helm geborne kinder sehen geister , gespenster und hexen (s.  728 ). In diesem allen zucken noch bräuche des heidnischen priesterthums nach, die zuletzt nur auf zauber und hexerei bezogen werden Nachtrag: Eine merkwürdige art sich in besitz der weissagungsgabe zu setzen kommt beim schwed. årsgång vor. Haupts zeitschr. 4, 508 ff. Die weissagung und heilkraft wird von frauen auf männer , von männern auf frauen fortgepflanzt. vgl. Firmenich 1, 318. Sommers sagen s. 171. wie abergl. 996 wird auch bei Müllenhoff s. 399 die gabe geister zu sehen dadurch übertragen, daß man auf den linken fuß tritt und über die rechte schulter schaut. das vorgesicht ist ein bis zum schauen und hören gesteigertes ahnungsvermögen. ein vorschauer , vorgucker sieht leichenzüge, lange heersäulen und kämpfe, auch unbedeutendes z. b. einen erntewagen, der nach 10 jahren auf dem hof umfallen wird, gestalt und kleider der jetzt noch ungebornen dienstboten, die ihn aufzurichten suchen, abzeichen des fohlens oder kalbes, das erschreckt zur seite springt. er hört hammerschlag auf sargdeckeln, rossetrappeln. die vorkiekers schauen immer nur mit einem sinn, entweder hören oder sehen sie. was sie sehn, können sie nicht hören, was sie hören, nicht sehn. sie sind hexensichtig , göttersichtig , teufelsichtig . ein geistersichtiger heißt altn. ôfreskr . Landn. 3, 14. 4, 12. 5, 5 s. 344, oder bedeutet in diesen stellen ôfreskir menn sâ þat, alle sahen es (freskir ok ôfreskir)? Biörn Haldorson s. v. freskr und ôfreskr erklärt freskr für den geistersichtigen, ôfreskr für den, der nur gewöhnliche augen hat. das scheint richtig, wenn freskr (visu felino gaudens) von fres (felis) abstammt. von solchen katzenäugigen, mäuse sehenden erzählen auch unsre märchen. KM. 3 3, 198. auch gehört dahin die sage vom riesen , der sich katzenaugen einsetzen läßt. ein andrer ausdruck ist fronsk , som natten til en höitids dag, isär julenatt, kan forudsige det til kommende. Molbech dial. 138. fremsyn erlangt man durch bestreichen mit riisormsod oder wenn man einem leichenzug durch ein ›skagleöiet‹ nachsieht. Moes anm. . Alle weissagung richtet sich hauptsächlich auf erforschung künftiger dinge, denn sie sind die ungewissesten. das vergangne ist geschehen und erfahren, seiner kann sich auf vielen wegen versichert werden; was in der gegenwart , in fernem raum, geschieht, spürt der mensch am seltensten reiz zu erkundigen; ein beispiel ist s.  913 . 914 vorgekommen: der pilgrim wird durch zauberkunst in den stand gesetzt zu sehen, was in seiner heimat vorgeht. doch hat auch die gegenwart ihr ungewisses, wenn art und weise entschieden, vorzüglich wenn etwas getheilt werden soll. Waren ereignisse und handlungen der vergangenheit in dunkel gehüllt, so kannte das alterthum ein geheiligtes mittel der entdeckung, die gottesurteile : rückwärts gekehrte weissagungen von sicherem, unausbleiblichem erfolg, dessen die gerichtsverhandlung bedurfte. allen deutschen gottesurtheilen ist aber wesentlich, daß der angeschuldigte selbst ihren ritus vornehmen muste; niemals konnte er in die hand des richters gelegt sein. Von diesem begrif unterscheidet sich also das seit dem mittelalter gebräuchliche siebtreiben oder siebdrehen , welches durch weise frauen oder hexen, zauberer, aber auch durch ehrliche leute geübt wurde, um einen verborgenen übelthäter herauszubringen: das weib faßte ein erbsieb zwischen ihre beiden mittelfinger, sprach eine formel aus und nannte nun die namen der verdächtigen her: bei dem des thäters fieng das sieb an sich zu schwingen und umzutreiben anders geben das sieblaufen die meklenb. jb. 5, 108 an: man nimmt ein von verwandten geerbtes sieb, stellt es auf den rand hin, spreizt eine erbscheere und sticht ihre spitzen so tief in den rand des siebs, daß man es daran tragen kann. dann gehen zwei verschiednes geschlechts damit an einen völlig dunkeln ort, halten den mittelfinger der rechten hand unter den ring der scheere und heben so das sieb auf. sehr erklärlich gleitet bei der geringsten bewegung der ring vom finger und das sieb fällt nieder, weil man es im finstern nicht wagerecht halten kann. nun beginnt der eine den andern zu fragen: ›im n. g. d. v. etc. frage ich dich, sage mir die wahrheit und lüge nicht, wer hat das und das gestolen? hat es Hans, Fritz, Peter gethan?‹ beim nennen des verdächtigen gleitet der ring ab , das sieb fällt zu boden und man weiß den dieb. Die übrigen beschreibungen, welche ich gelesen habe, lassen die sache im hellen, nicht im dunkeln, geschehn, auch das sieb nicht niederfallen, sondern sich drehen . . 928 man wandte dies gegen diebe oder solche an, die im auflauf wunden geschlagen hatten; zuweilen auch auf künftige dinge, z. b. wer der freier eines mädchens sein würde. frühste erwähnung finde ich in dem s.  876 mitgetheilten gedicht: ›und daz ein wîp ein sib tribe , sunder vleisch und sunder ribe, dâ niht inne wære‹, das halte ich für erlogen, sagt der verfasser; sein unglaube mag sich auf den umschwung beziehen, das sieb ist leer, ohne fleisch und bein. Man ließ auch das sieb auf eine zange legen, diese zwischen beiden mittelfingern in die höhe halten. In Dänemark nahm der hausherr selbst die prüfung vor, indem er das sieb im gleichgewicht auf die spitze einer scheere stellte (dän. abergl. 132 ). Dieses sieblaufen (siebjagen, sieblanz) muß im 16 und 17 jh. in Frankreich und Deutschland sehr üblich gewesen sein, viele bücher reden davon und stellen siebdreher und segensprecher zusammen Fischarts dämonom. p. 71. Hartmann von segenspr. 99. Simplic. 2, 352. Ettners apoth. 1187. Joh. Praetorius vom sieblaufe. Curiae Varisc. 1677. 4. Rommels hess. gesch. 6, 61. in Burgund tonai le taimi , noels borg. s. 374. taimi ist das franz. tamis . nnl. teems , im Teutonista tempse , aber Diut. 2, 209 tempf . wenn hier Graff nicht verlesen hat, so ließe sich aus Tamfana (s.  64 . 213 . 231 ) eine vom sieb, das sie in der hand trüge, genannte göttin machen; das sähe heidnisch aus. ; vielleicht ist es noch jetzt hier und da in anwendung, vgl. Stender s. v. seetinu tezzinaht (sieb laufen lassen) und dessen gramm. s. 299, die Letten stecken es an eine schafscheere. Es war aber schon den Griechen bekannt, Theocrit 3, 31 nennt eine κοσκινόμαντις, und Lucian Alex. 9 kennt bei Paphlagoniern κοσκίνω μαντεύεσϑαι, den hergang der κοσκινομαντεία schildert Potter 1, 766 so: das sieb wurde an einem faden in die höhe gehalten, man betete zu den göttern und sprach die verdächtigen namen aus; bei dem des thäters gerieth das sieb in drehung Nachtrag: Über das sieblaufen . Müllenhoff no. 272. Tettau und Temme preuß. sagen s. 284. erbesib crispula ist ein pflanzenname. sumerl. 56, 37. eine scheibe wird getrieben zur erforschung des diebs. Panzer beitr. 1, 210. dem dieb werden drei teller mit brot, salz und schmalz gelegt. Haupts zeitschr. 7, 538. man schüttelt schüsseln , um den dieb zu entdecken und sieht schaum . Tettau und Temme s. 260. balt. stud. XII. 1, 37. 38. als der in eime swerte siht die sache , die man hât verstoln . troj. kr. 27412. (im schwert steckt ein geist nach Frauenlob s. 142. 143: ich hâte in einem swerte von âventiure einen geist , daz er mir solde künden .) wahrgesagt wird aus den eiszapfen . Panzer beitr. 2, 549. schon früh ward die bibel zum wahrsagen aufgeschlagen . Greg. tur. 4, 16. . Auf ähnliche weise, wie das sieb, ließ man einen erbschlüssel , der in die bibel (zwischen das erste cap. Johannis) in H. Stahls westf. sagen. Elberfeld 1831 s. 127 nähere angabe: der erbschlüssel wird in eine erbbibel gelegt, so daß das kreuz des schlüssels auf die stelle Johannis ›im anfang war das wort‹ zu liegen kommt, der ring des schlüssels aber aus dem buche hervorsteht. nun binden sie dieses fest mit faden zu und hängen es mit dem ende des fadens oben an die decke des zimmers auf; dann faßt jeder von zweien unter den ring des schlüssels, hält ihn lose und der beschädigte fragt: ist eine hexe an meiner kuh gewesen? hierauf muß der andere nein antworten, der beschädigte aber ja erwidern, und so setzen beide der eine ja, der andere nein eine zeitlang fort. ist nun die kuh wirklich behext, so beginnt die bibel sich im kreise zu drehen , und darauf wird weiter gefragt. fiel aber keine hexerei vor oder wird nach der unrechten hexe gefragt, so bleibt die bibel unbeweglich und dreht sich nicht. die schwingungen des siebs und schlüssels gleichen denen der wünschelrute (s.  815 ). , oder ein 929 beil , das in eine kugel gesteckt wurde, bei nennung des rechten namens in bewegung gerathen (abergl. 932 ). Ich vermute das umlaufen des lotterholzes , welches spruchsprecher (lotterbuben, freiharte) trugen (H. Sachs IV. 3, 58 a ), geschah auch um zu weissagen, fragm. 15 c heißt es schon: ›louf umbe lotterholz, louf umbe gedrâte!‹ ich werde darüber anderswo ausführlicher sein. Als überrest des judicium offae oder casei (RA. 932) kann betrachtet werden, daß man des diebstals verdächtige von einem gesegneten käse essen ließ: dem wahren dieb bleibt der bissen im hals stecken. Hartlieb abergl. H cap. 51 die observationes ad Ivonis epistolas p. 157 enthalten folgendes: formulae in codicibus monasteriorum, quibus ad detegenda furta jubebatur oratio dominica scribi in pane et caseo , postea fieri cruces de tremulo , quarum una sub dextero pede, alia super caput suspecti viri poneretur, deinde post varias numinis invocationes imprecari, ut lingua et guttur rei alligaretur, ne transglutire posset , sed eorum omnibus tremeret . nec haberet quo requiesceret. cf. formulam Dunstani cantuarienis editam a Pitthoeo in glossario capitulariorum. Gegen die bekreuzten käse (de caseis cruce non signandis ) erschienen im 15 jh. mehrere verordnungen (urk. von 1430. 1448 1470. 1477 in monum. boic. 16, 50. 55. 58. 61). . Noch andere mittel künftige dinge zu wahrsagen konnten auch auf erforschung der diebe oder missethäter überhaupt gerichtet sein. Das loß (ahd. hlôz, goth. hláuts, ags. hleát, altn. hlutr) war die ehrwürdigste und gerechteste art aller weissagungen. ein schwieriges, bedenkliches geschäft sollte dadurch über willkür oder leidenschaft der menschen erhoben und geheiligt werden, z. b. bei austheilung des erbes, ausmittelung des schlachtopfers (vgl. s.  190 ) u. s. w. Loßen entscheidet also über eine unsicherheit der gegenwart , kann sich aber auf die zukunft erstrecken. Anfangs in der hand des priesters oder richters gelegen wurde es hernach behelf der zauberei (s.  864 . 866 ) und von sors ist sortilegus, sorcier hergeleitet. auch das ahd. hliozan wird schon aus der bedeutung sortiri in die von augurari, incantare übergehn, wie sie noch das mhd. liezen hat, Hoffm. fundgr. 2, 67. Er. 8123. Es gab zwei weisen: der priester, der hausvater warf das loß und deutete das gefallene, oder er hielt es der partei zu ziehen hin; jenes gieng auf das künftige, dieses auf schlichtung des gegenwärtigen. Tacitus beschreibt uns die erste art. Sortium consuetudo simplex. virgam , frugiferae arbori decisam, in surculos amputant , eosque notis quibusdam discretos super candidam vestem temere ac fortuitu spargunt. mox si publice 930 consuletur, sacerdos civitatis, sin privatim ipse pater familiae , precatus deos coelumque suspiciens, ter singulos tollit , sublatos secundum impressam ante notam interpretatur. Si prohibuerunt , nulla de eadem re in eundem diem consultatio; sin permissum , auspiciorum adhuc fides exigitur. Germ. 10. Hier macht das loß nur die erste einleitung des geschäfts, und ohne seine zustimmung unterbleiben weitere weissagungen. Ich schreibe die wichtigen erläuterungen nicht ab, die mein bruder in seiner schrift über die runen s. 296-307 gegeben hat. Ein gewisser zusammenhang dieser loße mit runen und geheimschrift findet statt; der loßbücher thut schon das 13 jh. meldung. Ls. 3, 169. kolocz. 70 Nachtrag: Das loß wird geworfen . lêton tân vîsjan þâ se tân gehvearf . Andr. 1099. das temere ac fortuito spargere gleicht dem altn. hrista teina (concutere). Saam. 52 a : hristo teina ok â hlaut sâ. si worpen cavelen . Jesus c. 229. vgl. jacere talos in fontem. Sueton. Tiber. 14. Rudorff 15, 218. hlauts imma urrann , ἔλαχε. Luc. 1, 9. GDS. 159. ez was in sô gevallen . Livl. chr. 5724. ez was im wol gevallen . das. 1694. in was der spân gevallen wol. das. 2483. in viel dicke wol ir spân . das. 7239. dat lôt viel. Maerl. 2, 169. die cavele viel . das. 2, 60. nhd. es war ihm ein günstiges loos gefallen . Auch die Skythen weissagten mit stäben . Herod. 4, 67 und Nicander (Uk. Sk. s. 659) die Alanen. Amm. Marcell. 31, 2, die alten Sachsen. Beda 5, 11 (mittunt sortes, hluton mid tânum ), die Friesen, in deren lex Frison. tit. 14 es heißt: teni lana munda obvoluti . so tragen die flehenden in der hand λευκοστεφεῖς νεοδρέπτους κλάδους. Aesch. suppl. 333. σὺν τοῖσδ' ἱκετῶν ἐγχειριδίοις ἐριοστέπτοισι κλάδοισι. das. 22. λευκοστεφεῖς ἱκτηρίας. das. 191. κλάδοισι νεοδρόποις. das. 354 (κλάδος ist hlauts, hlôz). ἐρίω στέφειν. Plato de rep. 3 s. 398. Hermanns gottesd. alt. s. 105. 108 (rohe wolle legt man auf den stein. Pausan. X. 24, 5). loße mit schwarzen und weißen stäbchen wurden von Slaven gebraucht. Saxo (Müll. 827). sie weissagen auch aus gleichen oder ungleichen strichen in der asche. das. loße mit weidenblättern erwähnt Ettn. maulaffe 703. loßen mit halmen . Vuk no. 254. RA. s. 126. sortiri ex sitella (wassereimer) kommt bei Plaut. Casina vor. Forcell. s. v. sitella. sors Scotorum. Dronke gl. fuld. 12. Es gab loßbücher zauberbücher. diz lôßbuoch ist unrehte gelesen . Wiener mervart 556. ein lozbuoch im cod. vind. 2976 (Hoffm. 209). 2953 (H. 366). loßbüchlein bei Phil. v. Sittew: lößelbuch . Schm. 2, 504. lößeln das. lößelnächte . Frisch 1, 623. lößlerei , lößlerin . . Die Armenier weissagten aus der bewegung von cypressenzweigen: quarum cupressorum surculis ramisque seu leni sive violento vento agitatis armenii flamines ad longum tempus in auguriis uti consueverunt wie uns Moses chorenensis ed. 1736. p. 54 im 5 jh. überliefert. Eine ganze reihe von weissagungen scheint durch Griechen und Römer in das übrige Europa verbreitet worden alphabetisch verzeichnet in Fabricii bibliographia antiquaria. ed. 3. Hamb. 1760. 4. p. 593–613. vgl. Potters archäol. 1, 758–769. ; dahin gehören auch Hartliebs nachrichten von der hydromantia , pyromantia (dem fiursehen, altd. bl. 1, 365), chiromantia (mhd. der tisch in der hant , Er. 8136), worüber andere stellen in Haupts zeitschr. 3, 271) Nachtrag: Über solche bewegung der baumäste , aus der die Armenier weissagten, s. N. Cap. 20. machen fiur ûz der spachen . (s.  939 ) vgl. abergl. H . c. 80 D 38. r. 140. r. mhd. der tisch in der hant vgl. mensa volae. fmn. onnenpöytä , der glückstisch, von onni fortuna. . das christallschauen des reinen kinds ( abergl. H cap. 90) ist die gastromantia ex vase aqua pleno, cujus meditullium vocabatur γάστηρ Melber de Geroltzhofen im vocabularius predicantium (bogen R 4) hat folgendes: › nigromantia . schwartz kunst die do ist mit vffsehung der dotten , mit den der nigromanticus zaubert, oder mit den dryen ersten schollen , die der pfaff wirfft ynsz grab, oder mit den wydhopffen, die do lauffen by den grebern ‹. diese stelle schöpft auch Jodocus Eychmans vocab. predicantium (Nürnberg 1483) aus Melber. . Wichtiger sind die eigenthümlichen, nicht aus dieser quelle fließenden gebräuche europäischer völker: entweder giengen dabei besondere verrichtungen vor, oder die weissagung wurde natürlichen dingen abgelauscht , abgehorcht , abgesehn . Unsere vorfahren wusten nach Tac. Germ. 3 den ausgang der schlacht aus dem kräftigen oder zagenden erschallen des kriegsgesangs zu deuten. Die alten Polen weissagten sieg aus dem wasser, das in ein sieb geschöpft ihrem heer, ohne durchzulaufen , vorausgetragen wurde. ich schalte die worte des chronicon montis sereni (Menken 2, 227. Hoffmann script. rer. lus. 4, 62) ein: anno 1209 Conradus, orientalis marchio, Lubus castrum soceri sui Wlodislai ducis Poloniae propter multas, quas ab eo patiebatur, injurias obsedit. Wlodislaus vero obsidionem vi solvere volens collecto exercitu copioso marchioni mandavit, se ei altera die congressurum. Vespere autem diei praecedentis Oderam fluvium cum suis omnibus 931 transgressus improvisus supervenire hostibus moliebatur. Unus vero eorum, qui supani dicuntur, vehementer ei coepit obsistere, monens ne tempus pugnae statutum praeveniret, quia hoc factum nullius rectius quam infidelitatis posset nomine appellari. Quem dum dux timiditatis argueret et fidelitatis, quae ei teneretur, commoneret, respondit, ›ego quidem ad pugnam pergo, sed scio me patriam meam de cetero non visurum‹. Habebat autem (sc. Wlodislaus) ducem belli pythonissam quandam, quae de flumine cribro haustam, nec defluentem , ut ferebatur, ducens aquam exercitum praecedebat, et hoc signo eis victoriam promittebat . Nec latuit marchionem adventus eorum, sed mature suis armatis et ordinatis occurrens, forti congressu omnes in fugam vertit, pythonissa primitus interfecta . ille etiam supanus viriliter pugnans cum multis aliis interfectus est. Was hier auf glück und heil wird sonst auf reine unschuld gedeutet. ein frommer knabe trägt wasser im sieb , ohne daß ein tropfen durchfließt (KM. 3, 254), nach dem indischen glauben vermag der unschuldige wasser als kugel zu ballen. ›exstat Tucciae vestalis incestae precatio, qua usa aquam in cribro tulit ‹. Plin. 28, 3; einem mädchen gibt die hexe auf, wasser im sieb zu holen , norske ev. 1, 88, die vestalin muste auch feuer in ehernem siebe tragen (oben s.  508 ), und ein dän. märchen in Molbechs ev. s. 22 redet sogar von tragen der sonne im sieb. Das sieb erscheint ein heiliges, alterthümliches geräth, dem man wunder beilegte. was der mythus begreift sind dem sprichwort unmöglichkeiten: ›er schepfet wazzer mit dem sibe swer âne vrîe milte mit sper und mit schilte ervehten wil êre und lant‹. Troj. 18536. ›lympham infundere cribro‹. Reinard. 3, 1637 Nachtrag: Auch die Römer kannten das schöpfen des wassers mit einem siebe . cribro aquam. Plautus ps. I. 1, 100. imbrem in cribro. Plin. 28, 2. mit dem siebe den teich ausschöpfen. Sommer s. 13. 94. Die Gallier wahrsagten aus dem σφαδασμός (zucken), wenn der rücken eines dem tod geweihten mit dem schwert durchstochen wurde. Strabo 4 s. 198. Cimbern weissagten aus blut und eingeweide des geopferten gefangnen. das. 7 s. 294. lat. extispicium . weissagung aus dem eingeweide geschlachteter thiere findet auch bei den Malaien statt. ausland 1857 s. 603 b . . Nach ags. überlieferung ließen die Normannen ihrem heer eine wunderbare fahne vortragen, aus deren zeichen sie sieg oder besiegung entnehmen konnten. Asserius in vita Alfredi p. 33 ad a. 878: › . . . vexillum quod reafan (l. raefan, hräfen, altn. hrafn) vocant. dicunt enim quod tres sorores Hungari et Habbae, filiae videlicet Lodebrochi illud vexillum texuerunt , et totum paraverunt illud uno meridiano tempore das spinnen eines fadens zwischen XI und XII (abergl. 848 ) stimmt sehr merkwürdig. . dicunt etiam, quod in omni bello, ubi praecederet idem signum, si victoriam adepturi essent, appareret in medio signi quasi corvus vivus volitans ; ›sin vero vincendi in futuro fuissent, penderet directe nihil movens : et hoc saepe probatum est‹. Im encomium Emmae (Duchesne script. norm. 169) heißt es, die fahne sei aus weißer seide, ohne bild, gewesen, in kriegszeiten aber ein rabe mit ofnem schnabel und flatternden flügeln darin sichtbar geworden, sobald sie sieger waren; hingegen habe er still gesessen und die flügel hängen lassen, wann ihnen der sieg entgieng. Ailredus rievallens. p. 353 erklärt diesen raben für den leibhaften teufel, der freilich in rabengestalt erschien (s.  830 ); näher liegt es an den vogel des heidnischen siegesgottes zu 932 denken (s.  559 ), vielleicht gab Ođinn dem siegreichen heer das zeichen, daß er seinen boten herabsandte? aber keine nord. sage thut solcher kriegsfahne meldung. Von der weissagung aus heilbringendem rossegewieher ist s.  548 . 549 gehandelt. Dempster (antiq. rom. 3, 9) sagt: equos hinnitu alacriore et ferociore fremitu victoriam ominari etiamnunc militibus persuasum est. Abergläubische horchen weihnachts zwölf uhr auf scheidewegen, an grenzsteinen: vermeinen sie nun schwertergeklirr und pferdegewieher zu hören, so wird im künftigen frühjahr ein krieg entstehn (wie man aus dem pferdegewieher des wütenden heers krieg weissagt, s.  784 ). mägde horchen um jene zeit an der schwelle des pferdestalls auf wiehern der hengste, und vernehmen sie es, so wird bis zum 24 juni ein freier erscheinen (Liebusch Skythika p. 143). andere legen sich weihnachten in die pferdekrippe , um künftige dinge zu erfahren (Denis lesefrüchte 1, 128). unheil naht wenn das ros stolpert , z. b. der serbische Scharatz. Vuk 1, 240. Spatulamancia bei Hartlieb ( abergl. H cap. 115) ist verderbt aus scapulimantia , und die kunst scheint nicht bloß von Römern oder Byzantinern herzurühren. nach Lambeck 7, 224 findet sich auf der Wiener bibl. eine abhandlung des Michael Psellus (ich weiß nicht, welches) περὶ ὠμοπλατοσκοπίας. auch Vintler ( abergl. G v. 126) gedenkt des ansehens der schulterbeine . divinationes sculterrenblat . altd. bl. 1, 365. Jornandes cap. 37: Attila diffidens suis copiis, metuens inire conflictum, statuit per aruspices futura inquirere. qui more solito nunc pecorum fibras , nunc quasdam venas in abrasis ossibus intuentes Hunnis infausta denuntiant an geschlachteten opfern wurden solche extispicien vorgenommen, aber auch bloß um der weissagung willen thiere geschlachtet: recluso pectore ( anseris ) extraxit fortissimum jecur et inde mihi futura praedixit. Petronius 137. quis invenit fissam jecoris? Cic. de Nat. D. 3, 6. . Unter den Kalmüken gibt es zauberer, dallatschi genannt, weil sie aus dem schulterblatt (dalla) der schafe , schwäne und hirsche weissagen. sie lassen diese knochen eine zeitlang im feuer brennen und verkünden dann aus dem anblick der darauf entstandnen streife und züge. läßt das feuer auf den blättern viel schwarze spuren, so machen die dallatschi auf gelinden winter hofnung; viel weiße spuren aber bedeuten schnee Benj. Bergmanns nomad. streifereien 3, 184. . auch bei den Tscherkessen gilt weissagung aus schulterblättern vgl. Ermans archiv 1842. 1, 123 Nachtrag: An ein schulderbein er sach, des quam sîn herze in ungemach. er sprach: ›die Littouwen lîden nôt, mîn bruoder ist geslagen tôt, ein her in mînem hove lac, sît gester biz an disen tac! daz bein hât manigem sît gelogen‹.   Livl. chron. 3019. ljocellos habens in spatulis = humeris. Pertz 8, 385. expositione ossium spatulae ala in suis spatulis . Fridericus imp. de arte ven. 1, 26. die schulterblattschau kennen auch die Kalmücken. Klemm 3, 199–200, Tungusen das. 3, 109, Beduinen das. 3, 109. . Dies trift nahe zu der wahrsagung aus dem gansbein (ex anserino sterno) Hartlieb ( abergl. H cap. 121), die in späterer zeit, wahrscheinlich heute noch, unter dem volk vorkommt, vgl. abergl. 341 . dän. 163 . meklenb. jahrb. 9, 219 no. 46. ich habe mir folgende stellen darüber angemerkt. Ettners ungew. apoth. p. 1144: ›und was müssen nicht die brustbeine der capphanen , gänse und enten vor prognostica herlehnen? sind dieselben roth, so urtheilen 933 sie eine anhaltende kälte, sind sie aber weiß, klar und durchsichtig, so werde das wetter im winter erleidlich sein.‹ Martinsgans durch Joh. Olorinus variscus (Magdeb. 1609. 8) p. 145: ›ihr guten alten mütterlein, ich verehre euch das brustbein , daß ihr calendermäßig daraus warsagen lernet und wetterpropheten werdet. das förderste theil beim hals bedeutet den vorwinter, das hinterste theil den nachwinter, das weiße bedeutet schnee und gelinde wetter, das andere große kälte.‹ Ganskönig von Lycosthenes Psellionoros (Wolfg. Spangenberg) Straßb. 1607. CIII: ›das brustbein , so mnn nennt das ros (kindern zum selbspringenden röslein vermacht), und auch den alten mütterlein, die daraus prognosticieren fein, und an der farb wissen, on gfärden, ob werd ein kalter winter werden‹. rhythmi de ansere (bei Dornau 1, 403): ›wie dann das bein in meiner brust , das trag ich auch nit gar umbsust, denn man darin kan sehen wol, wie es den winter wintern soll, und mancher sich danach fast helt, und mich für ein propheten zelt‹. Die so aufs wetter achteten hießen wetersorgære Er. 8127 ( weterwîser man Er. 7510) oder weterkiesære , woher der eigenname Kiesewetter (gramm. 4, 848); in Rauchs script. 1, 430 finde ich einen ort ›bei der weterchiesen ‹, es scheint, daß gewisse plätze dafür gelegen waren. Die Ehsten weissagten sich wetter und fruchtbarkeit aus fischreusen . Gutslaffs worte (in seinem buch über Wöhhanda) p. 209–211 sind diese: ›zwar es ist mir neulich erzehlet worden, das die bauren vor diesem an dieser bäche ihr augurium wegen des wetters gehabt hetten, welches sie also verhandelt. sie hetten in diese bäche drei körbe gesetzet neben einander, und, ungeachtet der eußersten beiden, hetten sie nur auf den mittelsten korb alleine achtunge gegeben, was für gattunge von fischen in denselben köme. denn so in den mittelsten ein unschuppigter fisch , als ein krebs odcr quap oder dergl. hineingekommen were, hetten sie sich eines bösen wetters und unfruchtbaren jahres zu besorgen gehabt: darumb so hetten sie einen ochsen geopfert , umb gut wetter zu erlangen. darauf hetten sie die körbe wiederum also eingestellet, und da abermahl ein unschuppiger fisch in demselben befunden worden, so hetten sie zum andern mal einen ochsen geopfert , und darauf zum drittenmale die körbe wieder eingesetzet. hette sich nun wieder ein unschuppiger fisch darin befunden, so hetten sie vors dritte ein kind geopfert , umb gut wetter und fruchtbare zeit zu erlangen, und darauf zuletzt die körbe wieder eingesetzt. wenn sie denn nun nichtschüppigte fische im mittelsten korbe gefunden, so hetten sie es ihnen gefallen lassen und hetten sich mit gedult darin gegeben. hetten sie aber schuppichte fische darinnen gefunden, so hetten sie sich eines guten wetters und fruchtbaren jahres vermutet, welches sie mit freuden wargenommen‹ Nachtrag: Auch bei den Römern wurden die pisces unterschieden in squamosi und non squamosi vgl. Festus p. 253 und W. Goethes diss. s. 19. 3 Mos. 11, 9. 5 Mos. 14, 9 erklärt fische mit schuppen und floßfedern für eßbar. vgl. Griesh. 146. . Ganz verschieden war die gr. ἰχϑυομαντεία aus der fische eingeweiden (Potters archäol. 1, 703). 934 Wie dem rossewiehern (s. 932 ) gehorcht wurde, lauschte man nachts in den saatfeldern : weihnachten in die wintersaat gehn und die zukunft erhorchen, mainachts in das grüne korn (abergl. 420 . 854 ). Das getraide war heilig, der heilego ezesg N. ps. 140, 7 (goth. atisks), das liebe korn (gramm. 3, 665). wahrscheinlich vernahm man nun in der saat sitzend stimmen oder reden der geister über die bevorstehenden ereignisse. Man horchte auch auf kreuzwegen (abergl. 854 . 962 ), wo grenzen zusammenstießen: solche wegscheiden persischer aberglaube: sitting down at the junction of four crossroads on a wednesday night, and applying every sentence spoken by the passers to yourself and considering it as a good or bad omen. Atkinson p. 11. 12. galten für sammelörter der geister und hexen (s.  899 und abergl. 647 ), vgl. das altn. ›þar sem götur mœtast‹ (fornm. sög. 3, 22). standen an wegscheiden götterbilder der Heiden? es heißt, daß man ad bivia gebetet, geopfert, lichter angezündet habe ( abergl. C p. 193 d ). ebenda ist auch die rede von sitzen auf der wegscheide wenn ein mädchen am Christabend nach dem abendessen das tischtuch auf einem kreuzweg ausschüttet , so begegnet ihr ein mann, der ihr guten abend bietet. von seiner art und gestalt wird ihr künftiger bräutigam sein. Das ausgeschüttete ist an die stelle des gebreiteten tuchs oder der thierhaut getreten. weissagung aus gesätem basilicum kennt Vuk 1, 22. no. 36 (Wesely s. 58). , ohne daß der saat erwähnt würde: in bivio sedisti supra taurinam cutem , ut ibi futura tibi intelligeres ( abergl. C p. 193°). die ochsenhaut deutet mir gleich der bärenhaut (s.  844 . vgl. Reinh. s.  lvi ) heidnisches opfer an. Wichtigen aufschluß scheint hier ein galischer brauch zu gewähren, den ich aus Armstrong schöpfe: einer wird in die warme haut eines frischgeschlachteten thiers gewunden, im wald an einen wasserfall hingelegt und allein gelassen; aus dem rauschen der wellen, glaubt man, werde ihm das zukünftige offenbar, diese art der weissagung hieß taghairn . auch der strudel war geweihter ort gleich dem scheideweg; dieses letzten gedenkt die edda ›opt bölvîsar konor sitja brauto nær þœr er deyfa sverđ ok sefa‹. Sæm. 197 b . Einige setzten sich neujahrs auf das hausdach , schwertumgürtet , und erforschten die zukunft ( abergl. C p. 193 c ). diese stelle muß wiederum heilig gewesen sein, da man auch kranke kinder auf das dach setzte zur herstellung ( abergl. C 10, 14. p. 195 c ). bezieht sich darauf, daß, wenn einer nicht sterben kann, schindeln auf dem dach umgewendet oder ausgehoben werden (abergl. 439 . 721 )? auch wenn ein kind verzuckungen hat kehren sie eine schindel um (Jul. Schmidt 121). Eigenthümlich wird unter zuziehung eines erbschlüssels und knäuels zum fenster hinaus gehorcht (abergl. 954 ). Niesen (πταίρειν, sternuere) war schon in ältester zeit bedeutsam. einige halten es für gelinden schlagfluss, für augenblickliche lähmung, während welcher der mensch des freien gebrauchs seiner gliedmaßen beraubt ist ( abergl. H cap. 73). Die Griechen riefen dem niesenden zu:ζῆϑι, Ζεῦ σῶσον. vgl. anthol. gr. II. 13, 11. 935 Cur sternumentis salutamus? quod etiam Tiberium caesarem, tristissimum (ut constat) hominum, in vehiculo exegisse tradunt. Plin. 28, 2. Giton ter continuo ita sternutavit, ut grabatum concuteret, ad quem motum Eumolpus salvere Gitona jubet. Petron. sat. 98 sternutantibus salvere dictum antiquior mos quam putatur. Valesius in Valesianis p. 68. pourquoi on fait des souhaits en faveur de ceux qui éternuent. Morin in den mém. de l'acad. des inscr. 4, 325. Joh. Gerh. Meuschen de antiquo et moderno ritu salutandi sternutantes. Kilon. 1704. gesch. der formel ›gott helf dir!‹ beim niesen. herausg. von Wieland. Lindau 1787. . auch die Araber grüßen beim niesen (Rückerts Hariri 1, 543). aus den dichtern des MA. folgende stellen: die Heiden nicht endorften niesen , dâ man doch sprichet ›nu helfiu got! ‹ Turl. Wh. 35; › Christ in helfe sô sie niesen.‹ Ms. 2, 169 b ; ›durch daz solte ein schilt gesellen kiesen, daz im ein ander heiles wunschte , ob dirre schilt kunde niesen .‹ Tit. 80; ›sô wünsch ich dir ein niesen ‹. Ms. 2, 217 b ; ›wir sprechen, swer niuset , got helfe dir.‹ Renn. 15190; ›deus te adjuvet‹ (a. 1307) Pistorius script. 1, 1024, vgl. Königshoven p. 302. Unter den brücken niesen verwünschte geister, damit helf gott! gesagt werde und ihre lösung erfolge. DS. no. 224. 225. 226. Mones anz. 4, 308. ›dir hât diu katze niht genorn .‹ Helbl. 1, 1393. Den Griechen schien das niesen etwas göttliches. τὸν πταρμὸν ϑεὸν ἡγούμεϑα. Arist. probl. 33, 7. vgl. 11, 33. Xenoph. exp. Cyri 3, 2, 9. Theocr. 7, 96. 18, 16. benieste worte werden wahr. Od. 17, 541. 545. sternutationes nolite observare. ( abergl. A ). wenn jemand während einer erzählung niest, so muß er ihre wahrheit beweisen. in den Christnachten niest man nicht, so stirbt das vieh nicht. merkwürdig ist Hartliebs stelle, ( abergl. H cap. 73) vgl. abergl. 186 . 266 . 437 . ehstn. 23 Nachtrag: Die ratte wünscht der niesenden katze heil . Avadanas 2, 149. 150. πταρμὸς ἐκ τῶν δεξιῶν. Hermann gottesd. altert. s. 186. Ἔρωτες ἐπέπταρον. Theocr. 7, 96. vgl. haec ut dixit, Amor, sinistra ut ante, dextra sternuit approbationem . Catull. 44, 17. atque ut primum e regione mulieris pone tergum eius maritus acceperat sonum sternutationis – solito sermone salutem ei fuerat imprecatus et iterato rursum. Apulejus met. lib. 2 p. m. 211. beim niesen sagt man: › gott helfe dir! ‹ myst. 1. 103, 10. swer ze vremden niesen sich rimpfet, daz ist ouch verlorn . Ettn. Frauenl. s. 70. . Ohrenklingen , garrula auris, βόμβος, wenn am rechten ohr, glücklich. ›absentes tinnitu aurium praesentire sermones de se receptum est‹. Plin. 28, 2, damit vgl. abergl. 82 . 802 ; ohrensausen abergl. F 27. zittern des auges . ἄλλεται ὀφϑαλμός μοι ὁ δεξιός. Theocr. 3, 37. brauen und wangenjucken . abergl. 141 . D 38. r. 140. v. ›si vibrata salitione insuetum alter oculorum, dexter vel sinister palpitaret, si concuterentur ac veluti exsilirent aut trepidarent musculi, humeri aut femora etc. mali erant ominis‹. Dempster antiq. rom. 3, 9. vgl. Suidas s. v. οἰωνιστικήν. auch den Indern war zucken des rechten auges übler vorbedeutung (Hirzels Sakuntala s. 65). wenn das rechte auge juckt, bedeutet es gutes, wenn das linke übles (Tobler 30). Hierher auch nasenbluten ; wenn an der linken seite, unglücklich (abergl. 825 ). wer an der thür beim ausgehen hängen bleibt (an die schwelle stößt , stolpert , ist zurückzutreten gewarnt (abergl. 248 . 895 ). wen die rechte hand juckt , der wird geld geben müssen, wen die linke, der wird geld empfangen. wen das rechte auge juckt , der bekommt zu weinen, wen das linke, zu lachen. jucken ihm die fußsohlen , so steht ihm tanz bevor, juckt die nase , eine neuigkeit. bekommt 936 jemand einen gelben finger , so ist ein verwandter gestorben Nachtrag: Ohrenklingen . ἐβόμβει τὰ ὠτα ὑμῖν; Lucian. dial. mer. 9. aures tinniunt . Pertz 9, 265. sine oren songhen . Walew. 9911. supercilium salit , das ist boni ominis. Forcellini s. v. supercilium. über die vorbedeutenden gliederzuckungen bei den Morgenländern s. Fleischer in den berichten d. Leipz. accad. d. w. 1849 s. 244. . Unverwandt römischem oder griechischem aberglauben, so viel ich sehe, sind die manigfalten weisen, künftige freier oder liebhaber zu erforschen. Das mädchen lauscht dem gackern des hahns (abergl. 101 ) oder sie wirft den blumenkranz (abergl. 848 . 1093 . vgl. 867 ) oder sie zieht in bestimmter nacht ein scheit aus dem holzhaufen , einen stecken aus dem zaun (abergl. 109 . 958 . F 7. 49) und zwar rücklings hinzugehend; oder bei dunkler nacht greift sie in die heerde, um einen widder heraus zu ziehen (abergl. 952 ). das rückwärts gehen und nackend stehen ist dabei, wie in andern fällen, gewöhnliches erfordernis (abergl. 506 . 507 . 928 . G zu v. 207). Auch wirft sie das hemd , nackend , zur thür hinaus (abergl. 955 ), oder greift rücklings aus der thüre nach des liebsten haar (abergl. 102 ), oder deckt ihm (wie nornen) den tisch , an dem er nachts erscheinen und essen muß. Harrys (volkss. 2, 28) beschreibt den sogenannten nappelpfang : man setzt auf ein gefäß mit reinem wasser leichte näpfchen von silberblech mit den namen derer bezeichnet, welchen die zukunft erforscht werden soll; nähert sich das näpfchen eines jünglings dem eines mädchen, so wird daraus ein paar. anderwärts bedient man sich dazu einfacher nußschalen verschieden ist die weissagung aus haselnüssen (Petronius 137): infra manus meas camellam vini posuit et cum digitos pariter extensos porris apioque lustrasset, avellanas unces cum precatione mersit in vinum: et sive in summum redierant sive subsederant ex hac conjectura dicebat. . Gleich der erforschung des bräutigams war es wichtiges anliegen, das geschlecht des kindes voraus zu wissen, das eine mutter zur welt bringen wird. Man weissagte es aus der begegnung beim kirchgang (abergl. 483 ), aus früheren kindern ( 677 . 747 ), aus dem niesen (ehstn. 23 ). daß eine frau lauter töchter gebähren werde, ließen andere zeichen schließen ( 678 . ehstn. 22 ). Ein altfranz. gedicht bei Méon 3, 34 hat folgende stelle: voire est que je sui de vous grosse, si m'enseigna l'on à aler entor le mostier sans parler trois tors , dire trois patenostres en l'onor dieu et ses apostres; une fosse au talon féisse, et par trois jors i revenisse: s'au tiers jorz overt le trovoie c'etoit un fils qu'avoir devoie, et s'il etoit clos, c'etoit fille . Schuhe über das haupt werfen , und sehen, wohin sich die spitze kehrt, erforscht den ort, an welchem ein mensch länger bleiben soll (abergl. 101 . G v. 220). die sermones disc. de tem-pore nennen unter abergläubischen weihnachtsbräuchen das calceos per caput jactare (sermo xi ). 937 Sie führen auch an, ›qui cumulos salis ponunt et per hoc futura pronosticant‹ (abergl. 1081 ). im sterbhaus werden wiederum drei salzhaufen gemacht (abergl. 846 ). dieses bezieht sich auf die heiligkeit des salzes (s.  874 . 900 ). Griechischer herkunft scheint das weitverbreitete bleigießen (abergl. 97 . 579 . H cap. 96); auch Ihre (de superstit. p. 55) erwähnt seiner, vgl. die molybdomantia ex plumbi liquefacti diversis motibus (Potters archäol. 1, 339) Nachtrag: Den künftigen freier oder liebhaber zu erforschen, dienen die spells in Rob. Burns gedicht Halloween p. m. 8–15. die schlafenden hüner schreien am weihnachtsabend auf, wenn einem mädchen eine heirat bevorsteht. Firmenich 2, 377. man gießt statt des bleies auch wachs . Mones anz. 7, 423. ceram in aquam fundere. Lasicz 56. . Keine art von aberglauben hat aber durch das ganze mittelalter tiefere wurzel geschlagen als die vorbedeutungen, die man unter den benennungen aneganc , widerganc , widerlouf verstand. thier, mensch, sache, auf die man frühmorgens, wenn der tag noch frisch ist, beim ersten ausgang oder unternehmen einer reise unerwartet stieß, bezeichneten heil oder unheil und mahnten das begonnene fortzusetzen oder wieder aufzugeben. Saxo gramm. s. 84 sagt congressionum initia, welchen nord. ausdruck hatte er dabei im sinn, etwa viđrgângr oder lieber môt? Wie der beginn eines jeden werks bedenksam ist (omina principiis inesse solent, Ovid. fast. 1, 178), wie der erste eintritt in ein neues haus, über die neue brücke vorsichtig unternommen wird (vgl. s.  853 ), der gott oder dämon das erstbegegnende für sich fordert (s. unten); so beachtete man alle zeichen, die sich bei bestimmten ausfarten und reisen ergaben. der mlat. ausdruck dafür ist superventa sc. res, die überrascht, supervenit (franz. survient); oder lieber sinnlich gefaßt, was oben in der luft, über uns schwebt, wodurch freilich nur der vögelflug bezeichnet wäre. Hincmar de divortio Lotharii (oben s.  920 ) sagt: ›ad haec . . . pertinent, quas superventas feminae in suis lanificiis vel textilibus operibus nominant‹. ἐνόδια σύμβολα nannten es die Griechen, und mit ihnen, den Römern, ja morgenländischen völkern haben wir die meisten gemein. bei fast durchgreifender ausbreitung dieser angänge ist es kaum glaublich, daß sie erst im gefolg der latein. literatur zu den deutschen gelangt seien: sie beruhen auf älterer verwandtschaft aller europäischen völker, und schon der frühste beobachter unserer vorfahren, Tacitus, bemerkte diese art der weissagung bei ihnen: › auspicia sortesque, ut qui maxime observant . . . . et illud quidem etiam hic notum, avium voces volatusque interrogare‹. von den pferden s.  548 . In vielen unsrer alten mythen wird auf die primitiae gewicht gelegt; es sei nur an Wodan erinnert, der denen sieg verleihen wollte, welche er zuerst bei sonnenaufgang erblicken würde Nachtrag: Der angang, die begegnung beim ersten ausgang, ἕωϑεν, mane, ἐν ἀρχῇ, ἐν ϑύραις, ἐπὶ τῇ πρώτῃ ἐξόδῳ, ist bedeutsam. mnl. ên goet ghemoet . Rose 2715. gude und bose motte . Gefken beil. 100. schwed. mot , möte. lyksmot böser angang. gr. δυσάντητος , dem man zum unheil begegnet, von ἀντάω begegne. δυσκληδόνιστος schlimmer vorbedeutung. im sal. gesetz handelt ein titel de superventis vel exspoliationibus. . Ich will erst stellen angeben, welche mehreres zusammenfassen, dann das einzelne erläutern. Aus Xenophons memorab. I. 1, 4 mag vorausstehn: ἀλλ' οἱ μὲν πλεῖστοι φασὶν ὑπό τε τῶν ὀρνίϑων καὶ τῶν ἀπαντώντων ἀποτρέπεσϑαι τε καὶ προτρέπεσϑαι. I. 1, 14: τοὺς δὲ καὶ λίϑους καὶ ξύλα καὶ τὰ τυχόντα ϑηρία σέβεσϑαι, die obvia animalia, nicht wie man es wol aufgefaßt hat vulgaria ubivis obvia. 938 Das frühste, aber sehr allgemein redende zeugnis aus unserm mittelalter findet sich bei Eligius ( abergl. A ): ›nullus observet egrediens aut ingrediens domum, quid sibi occurrat , vel si aliqua vox reclamantis fiat, aut qualis avis cantus garriat, vel quid etiam portantem videat‹. Gregor. turon. 7, 29: ›et cum iter ageret , ut consuetudo est barbarorum, auspicia intendere coepit ac dicere, sibi esse contraria.‹ Bestimmter redet Johannes sarisberiensis († 1182) im Polycraticus sive de nugis curial. 1, 13, den ich jedoch nicht vollständig ausziehe: ›si egrediens limen calcaveris aut in via offenderis, pedem contine . . . . cum processeris, abscondita futurorum aves quas ominales vocant, tibi praenunciabunt. quid cornix loquatur, diligenter ausculta, situmque ejus sedentis aut volantis nullo modo contemnas. refert etenim plurimum, a dextris sit an a sinistris, qua positione respiciat cubitum gradientis, loquax sit an clamosa, an silens omnino, praecedat an sequatur, transeuntis exspectet adventum, an fugiat, quove discedat. corvus vero, quem non minori diligentia observabis, rebus majoribus auspicatur et usquequaque cornici praejudicat. porro cygnus in auguriis ales gratissima nautis, utpote quae aquarum domestica quadam gratia familiaritatis eorundem secreta praenoverit. Si avis quae vulgo dicitur albanellus (albanel s. unten) praetervolans viam a sinistris feratur ad dextram, de hospitii hilaritate ne dubites, si contra, contrarium exspectabis. leporis timebis oecursum, lupo obvio congratulaberis; ovibus gratanter obviam gradieris, dum capram vites. bobus triturantibus , libentius tamen arantibus obviabis. nec displiceat si viam ruperint, quia mora itineris hospitii gratia compensabitur. mulus infaustus est, asinus inutilis, equus quandoque bonus est. habet vero jurgiorum et pugnae significationem, interdum tamen ex colore et visu mitigatur. locusta itinerantium praepedit vota, econtra cicada viatoris promovet gressum. aranea dum a superioribus filum ducit spem venturae pecuniae videtur afferre. sacerdotem obvium aliumve religiosum dicunt esse infaustum; feminam quoque, quae capite discooperto incedit, infelicem crede, nisi publica sit.‹ Petrus blesensis († um 1200) epist. 65: ›somnia igitur ne cures, nec te illorum errore involvas, qui occursum leporis timent, qui mulierem sparsis crinibus , qui hominem orbatum oculis , aut mutilatum pede , aut cuculatum habere obvium detestantur; qui de jucundo gloriantur hospitio, si eis lupus occursaverit aut columba , si a sinistra in dexteram avis s. Martini volaverit, si in egressu suo remotum audiant tonitrum ; si hominem gibbosum obvium habuerint aut leprosum ‹ hierzu muß man Chrysostomus (geb. 354 † 407) ad popul. antioch. hom. 21 (opp. Etonae 1612. 6, 610) nehmen: πολλάκις ἐξελϑών τις τὴν οἰκίαν τὴν ἑαυτοῦ εἶδεν ἄνϑρωπον ἑτερόφϑαλμον ἢ χωλεύοντα , καὶ οἰωνίσαντο – ἐὰν ἀπαντήσῃ παρϑένος , φησὶν, ἄπρακτος ἡ ἡμέρα γίγνεται. ἐὰν δὲ ἀπαντήσῃ πόρνη , δεξιὰ καὶ χρηστὴ καὶ πολλῆς ἐμπορίας γέμουσα . Hartmann läßt seinen mutfesten Erek der gefahr entgegengehn: 939           8122  keins swachen glouben er phlac. er wolt der wîbe liezen engelten noch geniezen. swaz im getroumen mahte dar ûf het er kein ahte; er was kein wetersorgære : er sach im als mære des morgens über den wec varn die iuweln sam den mûsarn : ouch hiez er selten machen dehein fiur ûz der spachen daz man in dar an sæhe, er phlac deheiner spæhe. cz was umbe in sô gewant, im was der tisch in der hant als mære enge sô wît, und swaz ungelouben gît dâne kêrte er sich nicht an. diese stelle ahmt Wirnt nach, dem auch Wigalois auszieht           6182  dehein ungeloube in muote in dem hûse noch ûf dem wege, er lie ez allez an gotes pflege. Swaz im des morgens wider lief , oder swie vil diu krâ gerief , swie vil der mûsäre umbe geflouc , der ungeloube in niht betrouc: wander niht dar ûf ahte. Wir haben maneger slahte bôsheit unde gelouben, dâ mit wir uns nû rouben aller unser sælecheit. ez ist vil manegem manne leit, swenne im ein wîp daz swert gît , daz lie der riter âne nît, ern ahtet niht dar ûf ein hâr, ez wære gelogen oder wâr: er het in gotes gnâde gegeben beidiu sêle unde leben. swaz im des morgens wider gie daz engeflôch der riter nie, wan guoten gelouben het er ie. Berthold p. 58: ›sô gloubent etelîche an bœsen aneganc , daz ein wolf guoten aneganc habe, der aller der werlte schaden tuot, und ist halt sô unreine daz er die liute an stinket, daz nieman bî im genesen mac, und daz ein gewîhter priester bœsen aneganc habe, an dem aller gloube lît . . . . sô gloubent etelîche an den miusearn , sô ist dem der hase übern wec geloufen. Als ist ir unglouben als vil, daz sîn nieman ze ende komen mag.‹ hierzu vgl. 940 man abergl. 128 . Den ausdruck aneganc bestätigt Rudolfs weltchron. (cod. zeisb. 114 b ) von Moses redend: er verbôt allen aneganc , vogelvluc, stimme oder sanc, daz dâ geloupte nieman an; und Walth. 118, 16 heißt es von einem unglückseligen: ›wizzet, swem der anegenget an dem morgen fruo, deme gêt ungelücke zuo‹. Reinaert 1055 steht dafür tekîn ende ghemoet (zeichen und begegnung) Rein. 1107: sulc mochte ons daer ghemoeten , hi soude ons quedden ende groeten , die ons nemmermê dade goet. , Reineke (Hakemanns ausg.) p. 52 gemöte , was man noch heute nennt ›to möte komen‹. allgemeiner ist der altn. ausdruck heill (omen). Aber in einem eddischen lied (Sæm. 184 b ) werden drei glückliche zeichen für den krieger (beim schwerteschwingen, at sverđa svipon) genannt: das erste, wenn ihm der dunkle rabe folge (fylgja ens deyqva hrafns) Nialssaga cap. 8. haben zwei bluträcher glück, weil ihnen unterwegs zwei raben folgen (hrafnar tveir flugo međ þeim alla leiđ). begleiten sie als Ođinns boten? oder weil sie die nahe leiche wittern? Es gibt noch andre stellen: hrafn at meiđi hâtt kallađi. Sæm. 208 b ; hrafn flŷgr austan af hâmeiđi ok eptir honum örn î sinni. fornald. sög. 1, 428. , was an den raben der glücksfahne erinnert (s.  931 ); die beiden andern sind deutlich angänge, da gesagt wird: ›ef þû ert ût umkominn , ok ert â braut bûinn ‹ (wenn du hinausgekommen und auf dem weg begriffen bist). das zweite nemlich: › tvâ þû lîtr â tâi standa hrôđrfûsa hali ‹ (wenn du zwei ruhmgierige männer, d. i. zwei krieger auf dem sprung was heißt â tâi standa, sitja (Sæm. 266 b ) spretta (Sæm. 269 a ) genau? dat. sg. oder acc. pl. des fem. tâ (digitus pedis) kann es der form nach schwerlich sein, und scheint eher ein casus masc., und ein örtlicher begrif. stehen siehst); das dritte: ›ef þû þiota heyrir ûlf und asklimom, heilla auđit verđr ef þû ser þâ fyrri fara ‹ (wenn du einen wolf unter der esche ästen heulen hörst, glück beschieden ist dir, wenn du ihn dann þâ nehme ich für tum, eo momento. vorwärtslaufen siehst). diese drei zeichen gibt Hnikarr (Ođinn) dem Sigurđ an. den drei glücks werden aber noch zwei unglückszeichen beigesellt, das eine wenn der held gegen die niedersinkende sonne (sîđskînanđi systor mâna) kämpfen müsse, das andre, wenn er beim ausgang zum streit mit dem fuße strauchle (ef þû fœti drepr). Bemerkenswerthe angänge scheinen mir auch in den gesellensprüchen die frösche im teich, die raben , die drei alten weiber , die jungfrau mit der ziege (a. w. 1, 91. 107. 111). Ihre de superstit. p. 82: ejusdem indolis est, quod tradunt nostrates de occursu hominum et animalium, e. gr. si cui domo sua mane egredienti occurrat mendicus , vetula , claudus , aut felis , canis , vulpes , lepus , sciurus , is dies inauspicatus habetur. observant haec prae aliis sagittarii et piscatores, qui ejusmodi ominibus oblatis haud raro domum revertuntur et a proposito abstinent. Lasicz 48: quin ipse quoque rex Wladislaus gente 941 Lituanus has a matre superstitiones didicerat, ut eum diem infaustum sibi futurum crederet, quo primum calceum sinistrum fortuito accepisset. ad hoc movebat se interdum in gyrum stans pede uno, foras e cubili proditurus. quorum similia multa observantur a Samagitis; quidam infeliciter se venaturos sibi persuadent si domo egressis mulier occurrat , seu quis certum numerum capiendorum leporum, vulpium, luporum nominet. Lucas David (chron. I, 140. 147) meldet von den alten Preußen, daß sie den angang eines kranken für übel, eines reitenden mannes für gut, eines fuchses und hasen für übel hielten Nachtrag: Über den angang bei den Thugs s. conv. lex. d. gegenw. IV. 2, 55. über den griechischen angangsglauben s. Lucian. pseudol. 17 (ed. bip. 8, 72). eunuche 6 (ed. bip. 5, 208). Theophrast charact. c. 16 (vgl. Kopp de amuletis s. 42). erwige auch das aller vogel fluge und gesang sich glücklich erzaigt; seind das nicht fröliche zaichen , so habe ich dise kunst ganz vergessen, ich hab ie kain schwarzen vogel, kain rappen , kain staren , kain kräen oder amsel gesehen. mir send drei frölich menner begegnet, drei haiszend Johannes. . . ich hab noch nie gestrauchet, also das ich schier gelaub, das mir die stain waichend oder sich vor mir ebnend. mich hinderend die falten am rock nicht, ich bin nit müde worden, jedermann grüszet mich, kein hund hat mich angebillet . Wirsung Cal. J 2 b . Einem quer über den weg laufen ist immer ein nachtheil. Büttner lett. lieder s. 255. . Schwierig ist es in den sinn aller dieser einzelnen vorbedeutungen zu dringen. Zuerst von menschlichem angang. für unheilbringend gehalten wird der eines alten weibes , einer frau mit fliegenden haaren oder, was dasselbe sagen will, aufgelöster kopfbinde cooperire bedecken, discooperire aufdecken, enthüllen, ital. scoprire. . wem frühmorgens ein alt weib begegnet, wer zwischen zwei alten weibern gehen muß, dessen tag ist unglücklich (abergl. 58 . 380 . 791 . 976 ). stößt ein jäger morgens auf eine alte , so legt er sich zu boden, und sie muß über ihn herschreiten, um den schaden zu verhindern (volksgebrauch in Hessen). in der Schweiz ist wenigstens auf neujahr der angang eines weibes unglücklich (Tobler 447 b ). Nach schwed. abergl. ( 53 ) ist alles begegnen der frauen schlimm, nur nicht das einer hure , wie bei Chrysostomus die παρϑένος unglücklichen, die πόρνη glücklichen tag bedeutet. hierzu stimmt abergl. 177 : jungfrau und priester sind übles zeichen, hure gutes gilt wenigstens nicht von Theodora. die den Byzantinern ein übler angang war: ἦν γὰρ τοῖς ὀρῶσιν ἄλλως τε καὶ ἀρχομένης ἡμέρας βλάσφημος οἰωνός. Procop hist. arc. 9 (ed. bonn. p. 63). . Ihre redet aber ausdrücklich von einer vetula , womit Arndts reise nach Schweden 1, 44 stimmt, und das finnische lied (Schröters runen p. 67): ›frühmorgens ausfahren, daß nicht alte weiber mit krummem kinn anschielen ‹. Diese letzte bezeichnung führt offenbar auf den begrif einer hexe , das fliegende losgelassene haar (s.  912 ) mehr noch auf den einer nachtfrau (abergl. 878 ), wahrsagerin , heidnischen priesterin , vergl. die cimbrische πολιόϑριξ (s.  45 ). Veldek 21 b schildert Sibylla andfas (horrida crinibus), ›daz mies lockehte hienc ir ûz den ôren‹ (non comptae mansere comae. 6, 48). bestätigt wird diese ansicht auch durch den bösen angang des spinnenden weibes (abergl. 135 ), da die hexe feldspinnerin , d. h. norn, parze ist (s.  911 ). Schon Plinius 28, 2: pagana lege in plerisque Italiae praediis cavetur, ne mulieres per itinera ambulantes torqueant fusos , aut omnino detectos ferant , quoniam adversetur id omnium spei praecipueque frugum. das sieht wieder recht nach den erkundigungen aus, die unsre göttinnen über besponnene oder unbesponnene spindeln anstellen (s.  223 . 227 ). Noch mehr, wie mich dünkt, erläutert sich dies durch die gleichstellung des geistlichen: auch ein geweihter priester ist 942 begegnenden von übler vorbedeutung. dafür habe ich noch ein älteres zeugnis aus Hincmar 1, 656 beizubringen: ›sunt etiam qui dicant, quando in venationem pergunt, quod obvium sibi non debeant habere clericum ‹; und aus jüngerer zeit führe ich an Reginald Scotts witchcraft (Lond. 1665 fol.) p. 114: ›if any hunters, as they were a hunting, chanced to meet a frier or a priest , they thought it so ill luck, as they would couple up their hounds and go hom, being in dispair of any further sport that day‹. Paulis schimpf und ernst. 1555. cap. 358: ›zu der kirchen gieng ein altes weib am morgen frů, da begegnet ir ein pfaff , da thet sie wol sechs creuz für sich. der priester sprach, warumb segnet ir euch also vor mir? ich bin doch nit der teufel. die frau sprach, es hat mir nicht gefehlet, wenn mir ein pfaff bekam an einem morgen frů, das mir den selbigen tag nit etwas widerwertiges ist zu handen gangen.‹ Wenn in einem kreise von leuten unerwartet stille entsteht, sagt man: ›es geht ein priester vorüber‹, nnl. ›er gaat een predikant voorby‹. jedermann ist von dem omen betroffen. So heißt es auch in besserem sinn: ein engel flog durch das zimmer, Ἑρμῆς ἐπεισῆλϑε. in der Schweiz sagt man, es gibt schlecht wetter, wenn ein geistlicher ausgeht (Tobler 436 b ). Die plötzliche erscheinung eines heiligen mannes unterbricht und vereitelt irdische geschäfte. begegnende waren gehalten ihnen ehre zu erweisen, vielleicht schrieb das heidenthum in diesem fall die sofortige erfüllung eines ritus vor? das omen des heidnischen priesters übertrugen die Christen auf den christlichen; das der heidnischen priesterin oder weisen frau muste auf nachtfrauen und hexen übergehn, weil der clerus frauen von sich ausschloß. Warum eines blinden (oder einäugigen), hinkenden und bettlers angang übel, eines höckerichten und aussätzigen aber für gut galt, warum eines gehenden begegnung ungünstiger ausgelegt wurde als eines reitenden (dän. abergl. 129 ), die eines wasser tragenden ungünstig (abergl. 257 )? der blinde und gemantelte mahnen an Wuotan. Deutlicher scheint, daß man sich von keinem weib das schwert reichen lassen mochte, und daß in der edda die begegnung zweier kriegsmänner sieg verkündet. Liebenden muste der geliebten angang das erwünschteste zeichen sein: ›swer si des morgens angesiht, den tac im niemer leit geschiht‹. Ms. 2, 23 b Nachtrag: Der angang eines alten weibes heißt karingmöte . Afzelius 2, 148. it is unlucky to meet redhaired woman before any one else in the morning. O'Kearney 132. das erste was mir entgegen kommt, und wär es ein pfaff , ein bettler , ein altes weib . Göthe im Weimar. jb. 5, 458. wiszet, wem der (unsaelige lîp) anegenget an dem morgen fruo , deme gît ungelücke zuo. Walth. 118, 16. (vgl. also wol ir ganegenget was. Diemer 206, 23.) doch hân ich ie gehoeret wol, daz man die priester schiuhen sol ze sôgetânen sachen. Heinz. v. Kost. ritt. u. pf. 303. dagegen: swer in zuo einem mâle gesach, der wânde sîn vürwâr deste saeliger ein jâr. gute frau 970. swer si des morgens angesiht , den tac im nimmer leit geschiht. MS. 2, 23 b . der schoenen früh morgens unter die augen schauen bewahrt den ganzen tag vor trauern. Hätzl. 148 b . Die skogjsrå ist für jäger, die hafsfru für fischer böser angang. Afzelius 2, 148. 150. keine frau mit kunkel und spindel darf in einer bannmüle sein. weisth. 2, 25. unglücklich ist nach Lucian 5, 208 der angang des lahmen am rechten fuß , des entmannten und weichlichen . vgl. Brodaei misc. in Graevii thes. 2, 509. (eunuchus) procedentibus omen. Claudian in Eutrop. 1, 125. pfaffenreisen bedeutet regen. Praetor. alectr. 163. über den angang des weißen und des schwarzen mönchs s. spinnr. evang. freitag 10 und das überreichen eines schwerts durch ein weib. das. mittw. 20. . Thierangänge haben ihren ursprung in dem hirten und jägerleben, sie sind auf naturanschauung und sagenhafte meinungen von dem treiben der thiere gegründet. über sie wird sich aus slawischer, ehstnischer, finnischer, litthauischer volkstradition vieles sammeln lassen, was mir jetzt entgeht. selbst die nordische scheint in diesem betracht nicht genau aufgezeichnet. Saxo gramm. p. 321 sagt von Slaven, nicht von Nordmannen, ›ad varia quoque negotia profecturi ex primo animalis occursu votorum auspicia capiebant: quae si lacta fuissent coeptum alacres iter carpebant, sin tristia, 943 reflexo cursu propria repetebant‹. die thiere selbst zu nennen unterläßt er. Vor allem wichtig ist das eddische omen des heulenden und fortgehenden wolfs , den man als siegbringendes thier des Ođinn ansehen darf (s.  557 ). damit treffen alle übrigen zeugnisse, und noch der heutige aberglaube zusammen. dem tapferen, unerschrocknen wolf , dessen begegnen mut und hofnung einflößt, steht der feige, furchtsame hase als nachtheiliges, entmutigendes zeichen überall zur seite. Sigeb. gembl. ad a. 1143: obiit etiam Fulco rex Hierosolymorum. qui dum venationi insistens leporem insequitur ex improviso sibi apparentem , equus cui insidebat se super ipsum praecipitem dedit, ipsumque vita et regno privavit. Vintler abergl. G v. 55. ›unterwegens lief ihnen von ungefehr ein hase über den weg; der kutscher ward betrübt und sprach, dises bedeutet nichts gutes. hingegen wann ein wolf über den weg laufet, ist es ein gutes zeichen.‹ Ettners unw. doct. 575. 576, vgl. Simplic. 2, 74. Paulis schimpf und ernst cap. 138 (1550 cap. 135): ›morgens furen sie hinaus und da sie schier zu dem wald hin kamen, sprach der knecht, meister, es ist ein wolf vor uns gelaufen; der meister sagt, er hat ihn wol gesehen, es wäre eitel glück.‹ Albertini narrenhatz, München 1617 p. 96: ›aberglaubische stocknarren erschricken, wenn ein haas über den weg , darüber sie gehen oder reiten müssen, laufet, denn sie vermeinen, daß sie an selbigem tag ein unglück ausstehen müssen‹. Göz v. Berlichingen in seinem leben p. 179: ›und wie wir anzogen, so hüt ein schäfer allernechst darbei, und zum wahrzeichen , so fallen fünf wolf in die schaaf , und griffen auch an, das hört und sahe ich gerne, und wünscht ihnen glück und uns auch, und sagt zu ihnen, glück zu lieben gesellen, glück zu überall, und ich hielt es für ein glück, dieweil wir also miteinander angriffen hetten‹ den poetischen eindruck dieser worte nicht verkennend hat sie Goethe in seine dichtung aufgenommen. . hier wird kein eigentlicher angang beschrieben, aber der sinn erhellt, den kriegerische völker ursprünglich hineinlegten. wolf , hirsch , eber , bär stehen einander in dieser bedeutsamkeit völlig gleich (abergl. 128 ). einem hasen zu begegnen achtet der Norwege für ein schlimmes zeichen, einem bären oder wolf für ein gutes. (Danskes reiseiagtagelser 1799. 2, 297.) füglich geht hier der bär (den das lied von der rabenhochzeit den ›ypperste karl i skoven‹ nennt) dem wolf noch vor auch dem reisenden Türken ist der wolf günstiges, der hase nachtheiliges zeichen. Wien. lit. ztg. 1816. p. 1257. . des bären gedenken römische nachrichten nie, wol aber des wolfes; Plin. 8, 22 sagt: ›inter auguria ad dexteram commeantium praeciso itinere, si pleno id ore lupus fecerit , nullum omnium praestantius‹. Plinius meldet auch welche wirkung die fußspur des wolfs habe, wenn ein pferd darauf trete: tanta vis est animalis, ut vestigia ejus calcata equis afferant torporem, 28, 10 und: rumpi equos, qui vestigia luporum sub equite sequantur. 28, 20. 944 Occursum leporis timere heißt es bei Johann von Salisbury und Peter von Blois. außer Berthold und Hartlieb ( abergl. H cap. 67) gehört hierher noch eine stelle aus cod. pal. 341. 163 a feldbauer 240: dar zuo sâh wir einen hasen , der widerfuor uns an dem weg ; dô dâht ich deiz niht eben læg: er tet uns den êrsten anegane , wan daz er snelle für mich spranc. Griechen und Römern scheint er gleichwol nach den umständen auch guter vorbedeutung (αἴσιος) zu sein Cassius Dio 62, 6 (Reim. 1006. 1007): ταῦτα ἐιποῦσα, λαγὼν μὲν ἐκ τοῦ κόλπου προήκατο (ἡ Βουνδουΐκα, eine Britin) μαντείᾳ τινὶ χρωμένη, καὶ ἐπειδὴ ἐν αἰσίῳ σφίσιν ἔδραμε , τό τε πλῆϑος πᾶν ἠσϑὲν ἀνεβόησε. sonst bei Suidas: φανεὸς ὁ λαγὼς δυστυχεῖς ποιεῖ τρίβους . Als die Deutschen unter könig Arnulf einen aufgeschreckten hasen jagten, nahmen sie Rom ein (Liutpr. 1, 8). doch hasenjagende Dänen geriethen in die flucht (Neocorus 1, 353; eine katze nennt hier Detmar 1, 164). Vom hasen geleckt zu werden gilt für günstig: ›meinete es habe ihn ein hase gelecket‹. trödelfrau 1682 p. 71. . Diesen war das wiesel (γαλῆ) übelberufen: wenn es über den weg lief, wurde eine öffentliche versamlung aufgeschoben (Potter 1, 746). Theophrast (charact. 16) sagt, wem ein wiesel vorbeiläuft, der darf nicht weiter gehn, bevor ein dritter den weg beschritten, oder er selbst drei steine vom weg aufgehoben hat. auch centonovelle cap. 31: quando l'uomo trova la donnola das fräulein , bair. müemelein (Schm. 2, 576), schönthierle (Schm. 3, 369), span. comadreja (Reinh. ccxxiv ), dän. den kjönne (pulchra); alle diese namen bezeugen die heimlichkeit des thiers. serb. heißt sie lasitza, man redet sie aber mit der koseform lasa an: laso lasitschitze! nella via . Des fuchses angang wird verschieden ausgelegt, nach jener stelle bei Ihre für übel, nach dem litth. abergl. 9 für gut. Hausthiere, die der ausreisende in seinem hof hält, die ihm nicht erst im wald aufstoßen, dienen kaum zur vorbedeutung: sie sind zu gewöhnlich, zu zahm und abhängig vom menschen, um für ihn zeichenhaft zu werden. doch sagt man, wer bei frühem ausgang schweinen begegne, werde da, wohin ihn seine schritte führen, unwillkommen sein, wer aber schafen , willkommen. nach andern ist der wandrer willkommner gast, wenn ihm die schafe rechter hand , unwillkommner, wenn sie ihm linker hand aufstoßen. Bei den Etruskern wurde, wenn der neue magistrat in die provinz zog, auf die begegnung von pferden und ochsen geachtet. (O. Müller 2, 118.) man vergleiche die weissagung durch pferde (s.  551 . 552 ), die freilich auf keinem zufälligen treffen des thiers beruhte, wobei es aber auf das ansetzen seines rechten oder linken fußes ankam. ein beispiel ist aus Procop de b. pers. 2, 5 p. 172 beizufügen Nachtrag: Die Lappen achten sorgfältig auf den angang der thiere . Klemm 3, 90. es giebt thiere, die man frühmorgens nicht einmal nennen soll: αἰσχίω ϑηρίων τῶν πρωΐας ὥρας ὀνομασϑῆναι δυσκλῃδονίστων. Luciani amores 39. des hasen angang ist von schlimmer vorbedeutung. Wolfs deutsche sagen no. 370. man soll heimkehren wenn ein hase über den weg lauft . Keisersb. vom lewen 63 b . über den angang des hasen und des wolfs . Lappenbergs Eulensp. s. 144. der angang des wolfes wird günstig und ungünstig ausgelegt. sed gravius mentes caesorum ostenta luporum horrificant: duo quippe lupi sub principis ora, dum campis exercet equos, violenter adorti agmen, et excepti telis, immane relatu prodigium miramque notam duxere futuri etc. Claudian b. get. 249–253. sei weren einen wulf op dem wege vangen, dei quam utem holte gegangen, des freueden sei sik all int gemein. Soester fehde s. 667. der obriste hielte die begegnus mit den wölfen für ein gut omen , noch ferners unverhofte beut zu erhalten. Simpl. 2, 74. Dem wandernden fuchse wünscht man glück auf die reise. Ettn. unw. doct. 240. do wart en catte lopende vor dem here. Detm. 1, 154. Das wiesel wird in eine schöne frau gewandelt. Babr. 32, es heißt νυμφίτζα . Lobeck path. 360. andere namen bei Nemnich s. v. mustela . entspricht dem ital. donnola für wiesel der ausdruck froie . Reinh. CLXXII, oder hat man an mnl. vraeie pulchra, venusta zu denken? vgl. damoiselle belette . Lafont. 3, 17. im Renart heißt es petit porchaz , im Renart clene bejach . altn. hreisiköttr ist hermelin. auspicio hodie optumo exivi foras, mustela murem abstulit praeter pedes. Plaut. Stich. III. 2, 6. eine sage von der mustela. Marie 1, 474. . Noch feiner ausgebildet als der angang vierfüßiger thiere war die beobachtung der vögel , denen freiere, ungehemmtere bewegung durch die luft an sich schon etwas wunderbares und geisterhaftes verlieh. Die Griechen hatten eine umfassende οἰωνιστγική (Suidas 945 s. v.), die Römer systematische auspicien und augurien Jul. Caes. Bulenger de auguriis (Graevii thes. 5). . böhm. ptakoprawiti augurari, ptakoweštec augur, poln. ptaszowiezsczek. Auch den deutschen Heiden galten vögel für boten der götter und für verkündiger wichtiger nachrichten (s.  637 . 850 ). ›welcher vogel hat dir das in die ohren getragen?‹ heißt: wer hat dir das weis gemacht, in den kopf gesetzt westphäl. ›wecker vaugel heft dik dat inner auren ehangen?‹ Slennerhinke p. 8. . ›das hat mir ein vogel gesungen‹, ›jag hörde en fogel så sjunga, en fogel var här, och sade för mig det eller det‹. Ihre de superst. p. 51. Neugriechische und serbische volkslieder werden nicht selten eröfnet durch fliegende, sich nach verschiedner seite drehende und unterredende vögel (Wb. Müllers saml. 1, 66. 102. 2, 164. 178. 200. Vuk. 3, 326). zwei schwarze raben (dva vrana gavrana) krächzen auf dem weißen thurn (Vuk. 2, 151). Von dem weissagenden rufe des kukuks ist s.  563  ff. gehandelt; er gehört auch zu dem angang, da reisenden seine stimme unvermutet im wald erschallt, erschallt er rechts, so ist es gutes zeichen, wenn links ein übles. Plin. 30, 10: aliud est cuculo miraculum, quo quis loco primo audiat alitem illam, si dexter pes circumscribatur ac vestigium id effodiatur, non gigni pulices, ubicunque spargatur; man vgl. s.  915 über das ausschneiden der vestigia. Auguria avium berührt der indic. superst. XIII. bei Eligius ( abergl. A ): ›nec in itinere positi aliquas aviculas cantantes attendatis‹. vögel, deren begegnen weissagsam ist, heißen wegvögel (abergl. 600 ), vorzugsweise geschickt dafür waren aber die krimmenden raubvögel (rapaces aves), die über andere vögel sieg errangen, folglich auch den helden siegeserfolg weissagen konnten Frid. Guil. Schwartz de antquiss. Apollinis natura. Berol. 1843 p. 8. ; weshalb auch in träumen raubvögel die erste rolle spielen. Eine stelle bei Procop de bello goth. 4, 20 (ed. bonn. 2, 560. 561) zeigt, wie früh dieser aberglaube unter deutschen völkern statt fand. Hermigisel, könig der Warner erblickte über feld reitend einen vogel (der nicht näher angegeben ist) auf einem baum und hörte ihn krähen (es war also wol rabe oder krähe ). auf vogelgesang sich verstehend sagte der könig seinem gefolge, es werde ihm sein tod nach vierzig tagen geweissagt οὗτος ἀνὴρ (Ἑρμεγίσκλος) ξὺν Οὐάρνων τοῖς λογιμωτάτοις ἐν χωρίῳ τῷ ἱππευόμενος ὄρνιν τινὰ ἐπὶ δένδρου τε καϑημένην εἶδε καὶ πολλὰ κρώζουσαν . εἴτε δὲ τῆς ὄρνιϑος τῆς φωνῆς ξυνεὶς εἴτε ἄλλο μέν τι ἐξεπιστάμενος, ξυνεῖναι δὲ τῆς ὄρνιϑος μαντευομένης τερατευσάμενος, τοῖς παροῦσιν εὐϑὺς ἔφασκεν ὡς τεϑνήξεται τεσσαράκοντα ἡμέραις ὕστερον . . . . . . τῇ τεσσαρακοστῇ ἀπὸ της προῤῥήσεως ἡμέρᾳ νοσήσας τὴν πεπρωμένην ἀνέπλησε. . Dem Sigurđr weissagen igđor auf den bäumen (s.  560 ), es ist unausgemacht ob es schwalben waren, vielleicht adlerinnen? Dagr hat einen klugen sperling (Ingl. saga cap. 21). Im altspanischen Cid bezeugen uns mehrere stellen die wahrnehmung der vögel: 867 al exir de Salon mucho ovo buenas aves ; 2376 con dios e con la vuestra auce ; 2379 con la buen auce Nachtrag: Ὄρνις hieß jedes auspicium, auch ohne bezug auf vögel. Aristoph. av. 719–721. ein vogelschauer οἰωνίστης. Il. 2, 858. ὄρνιϑας γνῶναι. Od. 1, 159. διαγνῶναι πτήσεις ὀρνίϑων. Paus. I. 34, 3. οἰωνῶν σάφα εἰδώς. Od. 1, 202. ὄρνιϑας κρίνων. Hesiod. op. 826. Telemus Eurymides, quem nulla fefellerat ales. Ov. met. 13, 770. nunc ave deceptus falsa. Ov. met. 5, 147. δυσοιώνιστος. Lucian. eunuch. 6. ahd. fogalrarta augurium, fogalrartôn auguriari. Graff 2, 536. fogilrartôd auspicium. gl. schlettst. 22, 3. ags. fugelhvâte augurium ( anm. 2755 ). böhm. kob , koba weissagung aus vogelflug, koba , kuba falk. nicht alle vögel eignen sich zur weissagung. ὄρνιϑες δέ τε πολλοὶ ὑπ' αὐγὰς ἠελίοιο φοιτῶσ', οὐδέ τε πάντες ἐναίσιμοι . Od. 2, 181. fugl frôđhugadr . Sæm. 141 a . parra , cornix , picus , pica sind augurales. Aufrecht in d. zeitschr. 1, 280. man achtete auf den flug, wie auf den sang. Holtzmann ind. sag. 2, 44. quae voces avium? quanti per inane volatus? Claudian. de 4. cons. Hon. 142. die ferte dero fogelo unde dero singenton rarta unde die heilesoda dero in rihte fure sih fliegentôn . N. Cap. 17. ir vogel in vil wol sanc. Livl. 7240. die Malaien weissagen aus dem flug und geschrei der vögel . Ausland 1857 s. 603 b . 604 b und krieg und feldbau werden darnach bestimmt. ûf einem tach stuont ein krâ , si schrei vast ha ha ha ha, narre bistu da. v. d. Hagen G. Abent. 2, 449. ez hab ein swerziu krâ gelogen. MS. 2, 80 as . chant sinistre et criard du corbeau. Villemarqué bard. bret. 167. über raben- und krähensprache und die gleich den menschen in kasten getheilten vögel. monatsber. d. acad. 1859 s. 158. 159. bulletin de Petersb. 1859 s. 438 ff. Auspicio, avi sinistra . Plaut. Epid. II. 2, 2. qua ego hunc amorem mihi esse avi dicam datum? Plaut. Cas. III. 4, 26. dira avis . Sueton. Claud. 22. pulcherrimum augurium, octo aquilae petere silvas et intrare visae (8 legionen bedeutend). Tac. ann. 2, 17. ein serb. lied wendet sich an die hoch fliegenden, weit schauenden adler . Vuk 1, 43 no. 70 (Wesely s. 64). fata notant, stellaeque vocant aviumque volatus , totius et subito malleus orbis ero. Richerius 4, 9. Böhmer fontes 3, 51. Luther sagt irgendwo: wenn du ein vöglein siehest, so zeuch deinen hut ab und sage glück zu! Schuppius 1121. ichn weiz waz vogels keyn in vlog . Jeroschin 132 c . . 946 Und wie bei den alten die rechte oder linke seite des anflugs hauptsächlich berücksichtigt wurde, erklärt auch Hartlieb ( abergl. H cap. 67) fliegen zur rechten hand für glücklich, zur linken für unglücklich. Der adler müsse dem wandernden taschenhalb fliegen , d. h. zur seite, wo die reisetasche hängt. außer dieser stelle finde ich den ar nicht genannt, wol aber, bei Hartman, Wirnt und Berthold, den mâsar , nach Beneckes wb. zu jenem, eine art kleiner raubvögel, welcher bei Burchard ( abergl. C p. 198 c ) muriceps genannt und erklärt ist. im gedicht von dem übelen wîbe, 297–301: swenne ich nâch gewinne var, sô ist durft daz mir der mûsar iiber die strâze vliege und mich des niht entriege, ob ich ir niht enbringe, d. h. wenn ich nichts bringe, kann ich mich nur damit entschuldigen. das über weg fliegen dieses vogels ist günstiges zeichen. Il. 10, 274 bringt ein rechtsfliegender reiher (ἐρωδιός) glück. Der rabe , ein siegvogel der Heiden, wird außer jenen nordischen stellen (s.  940 ) als begleitend beim angang nicht genannt, desto häufiger die krähe . glücklich war: si cornicula ex sinistra in dexteram cantaverit ( abergl. C p. 198 c ), bei Petrus bl. ebenso, nur volaverit statt cantaverit; kolocz. 146 heißt es, von kindern, die in stetem wolleben erzogen, nie die macht des schicksals empfunden haben: ›si enwizzen wannen die krân sint gevlogen ‹, Walth. 94, 39 ›ein unsæligiu krâ begonde schrien‹. MS. 2, 80 a ›ez hab ein swerziu krâ gelogen‹. hingegen: ›alba solet cornix affectum scire tacentis‹. Reinard. 2, 657. auf die krähe hat man den Martinsvogel gedeutet, dessen flug bei Petrus bles. und Renaert 10472. Reinaert 1047. Reineke 942 bedeutsam geschildert wird. ›sant Martins vogel , wol über her!‹ daz ist nû gar der niuwen hant. liedrb. der Hätzlerin 241 b d. h. den Martinsvogel leichtsinnig herzurufen, das ist der heutigen welt brauch vgl. diu niuwe hant und alte hant im Renner 2087–2111 Nachtrag: Der flug zur rechten ist glücklich, zur linken unglücklich. GDS. 982 ff. parra dextera , cornix dextra , picus sinister . Grotefend inscr. umbr. 6, 5. 7. τύνη δ'οἰωνοῖσι τανυπτερύγεσσι κελεύεις πείϑεσϑαι, τῶν οὔτι μετατρέπομ' οὐδ' ἀλεγίζω, εἴτ' ἐπὶ δεξί' ἴωσι πρὸς Ἠῶ τ' Ἠέλιόν τε, εἴτ' ἐπ' ἀριστερὰ τοίγε ποτὶ ζόφον ἠερόεντα.   Il. 12, 237–240. bei den Griechen wird oft der adler erwähnt.                       ἐπέπτατο δεξιὸς ὄρνις, αἰετὸς ἀργὴν χῆνα φέρων ὀνύχεσσι πέλωρον ἥμερον ἐξ αὐλῆς.   Od. 15, 160.                       αὐτὰρ ὁ τοῖσιν ἀριστερὸς ἤλυϑεν ὄρνις αἰετὸς ὑψιπέτης, ἔχε δὲ τρήρωνα πέλειαν .   Od. 20, 242.                       τῷ δ' αἰετὼ εὐρύοπα Ζεύς ὑψόϑεν ἐκ κορυφῆς ὄρεος προέηκε πέτεσϑαι .   Od. 2, 146 und weiter: δεξιὼ ἤιξαν διά τ'οἰκία. das. 154. dann auch:                 ἐπέπτατο δεξιὸς ὄρνις, κίρκος , Ἀπόλλωνος ταχὸς ἄγγελος, ἐν δὲ πόδεσσιν τίλλε πέλειαν ἔχων, κατὰ δὲ πτερὰ χεῦεν ἔραζε μεσσηγὺς νηός τε καὶ αὐτοῦ Τηλεμάχοιο.   Od. 15, 525–528. vom δεξιῷ ἐρωδιῷ spricht auch Hipponax fragm. 50, von der δεξιῇ σίττῃ fragm. 62. ardeolae , altero oculo carentes, optimi augurii. Plin. 11. 37, 52. hrafn flŷgr austan af hâ. meiđi ok eptir honum örn î sinni; þeim gef ek erni efstum brâđir, sâ mun â blôđi bergja mînu. Hervar. cap. 5. der angang des mäusefalken wird auch bei den Kalmücken beobachtet. Klemm 3, 202. Cornix avis divina imbrium imminentium. Horat. od. III. 27, 10. Hermann gottesd. alterth. § 38. rostro recurvo turpis et infernis tenebris obscurior alas auspicium veteri sedit ferale sepulchro. Claudian. in Eutrop. 2, 230. nuper tarpejo quae sedit culmine cornix ›est bene‹ non potuit dicere, dixit ›erit‹. Sueton. Domitian. 23. Martens vögelken . Firmenich 1, 139. 140. sunte Maartens veugeltje zat al op een heuveltje met zijn rood rood rokje. Halbertsma tongvallen s. 45. engl. martin hirundo minor. Nemnich s. 164. frz. martinet , le petit martinet. es gab eine gesellschaft der Martinsvögel in Schwaben a. 1367. Landau ritterges. s. 15. die sage vom h. Martin und martinet steht bei Bosquet 219. 220. þâ qvađ þat krâka , sat qvisti â. Sæm. 106 b . hrafn qvađ at hrafni, sat â hâm meiđi. das. 149 b . dös vögerl aum tannabam steht auf oanm fuß , hat a zetterl im schnaberl, von meinm dearndel ann gruß. Seidl Almer 1, 24. Der tschâtaka trinkt kein andres wasser als regentropfen, die er im fluge hascht. er bringt glück, wenn er zur linken fliegt, während sonst die meisten vögel zur rechten eine günstige bedeutung haben. Max Müller Meghadûta s. 59 neue hant . Vindler in Haupts zeitschr. 9, 79. uf die alten hant zierlich gemacht. Götz v. Berlich. ed. Zöpfl s. 14. künigin bin ich der newen hand . Joh. v. Morsheim, zu anfang. . . Reinaert wird gerufen: ›al heil, edel voghel, kêre herwaert dînen vloghel‹. nach Nemnich wäre jedoch der falco cyaneus, ein kleiner raubvogel Martins vogel , nnl. s. Martens vogel, franz. l'oiseau s. Martin, span. pajaro s. Martin; das würde sich auch zum albanellus (franz. haubereau) des Joh. sarisb. fügen, der gerade auf hospitium, wie Martinsvogel im Reinh. bezogen ist. in den gewöhnlichen legenden von Martinus, dem doch der vogel etwas zugetragen haben muß, finde ich keinen aufschluß. auch dem Vintler ( abergl. G v. 158) ist sant Martisvogel heilbedeutend; fast darf diese lesart zu der vermutung führen Martini avis sei aus Martis avis verderbt, dann wäre es der specht, das Märzafülli (s.  561 )? Ls. 3, 543 heißt es: sant Martins vögalîn diu machent mangen umbecreiz; in einer andern (schon Reinh. cxxvii ausgehobnen) stelle einer pfälz. hs. (Altswert 77, 19) steht wiederum Mertifs vogelin und es wird angeführt, daß es zum frau Venus berg weise, was seine mythische 947 natur steigert. unsre kinderlieder geben dem sunte Martens vögelken bald rothen rock, bald goldnen flügel; sie werden aber auf den vorabend Martini gesungen und weisen wieder auf den heiligen. ich erlange also über den vogel keine sicherheit. Von der krähe zeugen andere, alte und neue stellen. Virg. ecl. 9, 15: ante sinistra cava monuisset ab ilice cornix . im poema del Cid 11. 12: ovieron la corneia diestra und siniestra . in jener stelle vom oiseau s. Martin heißt es Renart 10473: ›assez si le hucha à destre , et li oisiax vint à senestre ‹. die alten gedenken auch des raben, so Plautus Aulul. IV 3, 1: ›non temere est, quod corvus cantat mihi nunc ab laeva manu , semel radebat pedibus terram et voce crocibat sua‹. Olaf Tryggvason, wenn gleich Christ, beachtete, ob die krähe (krâka) auf dem rechten oder auf dem linken fuß stand , und weissagte sich daraus gutes oder böses; seine feinde nannten ihn darum krâkubein . hûngrkrâka altn. eine hunger weissagende krähe, illviđriskrâka die schlechtes wetter ankündet. cento nov. ant. 32: ›segnor, je vit una cornacchia in uno cieppo di salice.‹ ›or mi di, donna, verso qual parte teneva volta la coda? ‹ ›segnor, ella avea volta verso il cul‹ me l'ha vaticinato la cornacchia , che la mia bella donna m'infinocchia. Tommaseo 1, 224. . (vgl. die sage vom galadrot s.  813 ) Auch der specht war ein heiliger vogel (s.  560 . 561 ); in Lindenblatts chron. p. 31: ›ir speht hatte nicht recht (d. h. nicht zur rechten seite) geflogen‹. den Römern galt die schreiende parra (grünspecht? kibitz?) für unheilvoll: impios parrae recinentis omen ducat. Hor. carm. III. 27, 1 und Plaut. As. II. 1, 12: picus et cornix est ab laeva, corvus, parra ab dextera. In Schweden ist der flug des lom (nach Ihre einer art reiher) vorbedeutsam (abergl. 94 ). Sieht man die elster von vornen , so ist das zeichen gut, von hinten , schlimm (abergl. 158 ). Wer frühlings die erste schwalbe erblickt, steht alsbald (auf seinem weg) still, und gräbt eine kohle aus der erde (abergl. 217 . G v. 98), wie man die fußspur auf der stelle, wo man den kukuk vernahm, ausschnitt (s.  945 ) quum primo hirundinem videris , hoc dic ter: ›rogo te, hirundo, ut hoc anno oculi mei non lippeant!‹ fundgr. 1, 325. . Ms. 2, 118 b 208 b : ›nu jârlanc stêt vil hôch mîn muot, ich hôrte den süezen sanc von einer swalwen dâ si flouc ‹. in Dänmark schaut das dienstvolk, ob sie den storch zuerst im jahr fliegend oder stehend treffen (abergl. 130 ). Beim frosch kam es darauf an, ob man ihn zuerst auf dem land oder im wasser hüpfen sah (abergl. 237 ). Auch einer kahlen oder gerupften henne zu begegnen galt für übel: enmi sa voie a encontrée une geline pielée , qui pasturoit en la charriere; a poi ne sen retorne arriere , 948 por ce quil i entendoit sort ; à ses piez trueve un baston tort, à la geline lest aler, et ele sen prist à voler, en son gelinois le maudist ›honte li viegne!‹, et il si fist. zu dem angang gehörige stellen aus provenz. dichtern hat Diez (leben der troub. p. 22. 23) gesammelt; sie beziehen sich auf rabe , krähe und mehrere falkenarten ( albanel , gavanh ), ihr rechter oder linker flug , ihr gehen oder kommen , schreien oder schweigen entschied: los destres e'ls senestres , los anans e'ls venens , d'albanel , de gavanh , d'autras auzels ferens , del corp e de la gralha , los crîdans , los tacens . (poes. der troub. p. 221.) Man möchte ausführlichere kunde dieser vogeldeuterei, wie sie im mittelalter geübt wurde, haben die heidnischen Araber beachteten den vogelflug, zeger und ijavet sind zwei fast gleichbedeutende ausdrücke, zeger wird gebraucht, wenn man mit einem stein nach dem vogel wirft und ihm zuschreit: fliegt er dann einem zur rechten hand, so ists ein gutes, wenn zur linken , ein böses zeichen. ijavet ist allgemeiner die deutung der namen aufstoßender vögel, ihres niederlassens, ihrer rufe. gipfel dieser wissenschaft scheint die vogelsprachkunde , die von Salomos zeiten her im Orient noch nicht in vergessenheit gerathen ist. der rabe gilt für einen unglücksboten. (Rückerts Hariri 1, 591. 592.) Auch über indische augurien wären viele stellen mitzutheilen. im Ramayana einmal: hae aves tibi declarant horrendum periculum imminere. (Schlegels ind. bibl. 2, 225.) Ein schäfer schrieb alle verdrießlichkeiten, die ihn den ganzen tag über verfolgt hatten, dem umstande zu, daß frühmorgens eine schlange vor ihm über den weg gekrochen war. Nachtrag: Ἡ σίττη (ein specht) καὶ εἴ τι τοιοῦτον ὄρνεον δεξιὰ πρὸς ἔρωτας φαίνεται. ἐγὼ μὲν, ὠ Λεύκιππε, δεξιὴ σίττη . Didymus apud schol. Aristoph. av. 704. πετόμεσϑά τε γὰρ καὶ τοῖσιν ἔρωσι σύνεσμεν. Aristoph. av. 704. vgl. Meineke choliambi s. 122. 123. Pies en nombre impair , signe de malheur. Bosquet 219. über den staarenflug . Ettn. maulaffe 704. Alban espèce d'oiseau de proie, probablement de vautour. Fauriel Albigeois s. 664. Bei den heidnischen Arabern vor Mohammed fand genaue beachtung des vogelflugs statt. der ausgehende kehrt sofort um, wenn er einen raben sieht. doch gutes zeichen ist, wenn ein paar raben , messaud und messauda (der glückliche und die glückliche) gleiches fluges über den weg ziehn. sonst heißt der krächzende rabe trennungsvogel , weil er trennung verkündet. Ein vogel soll heilbringenden ruf dem hause zur rechten erschallen lassen. der vogel heißt sakuni , sakunta , hernach kapnjala . Kuhn über Vrihaddêvatâ s. 117. . In unserm alterthum scheint auch der überflug einiger vögel bedeutsam. Ms. 2, 1 b von der Düringe herren: › ob ime ein adelar zallen zîten ist mit hôhen flügen gewesen‹. gefeierten helden gaben adler schatten vor der sonne durch überbreiten ihrer flügel: als die heidnischen boten zu Carls halle die schilderung dieser halle und der eindruck, den ihre pracht auf die fremden machen muste, gleicht außerordentlich dem was bei Gylfis besuch in Asgard vorgeht. Sn. 2. vgl. die ähnliche lombardische sage im chron. salern. von Arichis (Pertz 5, 479). kamen, sahen sie ›daz die adelaren dar zu gewenit wâren, daz sie scate bâren ‹. Rol. 21, 20. dies verbindet sich offenbar mit dem adler über Carls palast (s.  527 ), vielleicht auch dem in Ođins saal (Sæm. 41 b ). der überschwebenden taube wurde s.  122 erwähnt, supervenire und obumbrare ist selbst biblischer ausdruck. dem ›drûpir iörn yfir‹ zur seite setze ich eine wichtige stelle Hâvamâls Sæm. 12 b : ôminnis hegri , sâ er yfir ölđrom þrumir, hann stelr geđi guma; þess fugls fiöđrom ec fiötrađr varc î garđi Gunnlađar, (oblivionis ardea, qui super symposiis stridet mentemque 949 hominum furatur; ejus avis pennis captus sum in domo Gunnladae). es sind worte Ođins, der sich bei Gunnlöđ in vollen zügen nectars berauscht hatte (s.  748 ) und als adler entfliegt, ôminnis hegri umschreibt den göttlichen vogel. hegri steht für hêgri, hrêgri, ags. hrâgra, ahd. heigiro und hreigiro, ἐρωδιός, ein großer vogel statt des andern. Als Ođinn den ersehnten trank schlürfte und der schönen riesin theilhaft wurde, fesselten ihn adlerschwingen, d. h. erschien er in adlergestalt; wie ähnlich ist alles das dem mythus von Zeus, der in adler verwandelt Ganymedes raubt, und sich von ihm den nectar einschenken läßt und aus jenen worten Hâvamâls, in welchen der erhabenste rausch der unsterblichkeit und zugleich dichtkunst geschildert wird, machen die nordischen ausleger eine beschreibung gemeiner trunkenheit, von deren folgen ein isländ. unter dem titel ôminnis hegri abgefaßtes gedicht warnt. Nachtrag: Auch der überflug einiger vögel ist bedeutsam. zwoa schneeweißi täuberli sänt übawärts gflogn und hiaz hat mich mein dearndl schon wiedä bitrogn.   Seidl Almer 34. tauben wehen auch dem speisenden könig kühlung. Athen. 2, 487. ferner: ob im vant er einen arn des schoene was seltsaene, er was im in waene gesant von gote ze gemache. mit einem vetache treip er im den luft dar, mit dem andern er im schate bar .   Servat. 1330. Albertus M. de falconibus cap. 4: ego enim jam vidi qui sine ligaturis intrabant et exibant, et nobis comedentibus super mensam veniebant, in radio solis se extendentes coram nobis , quasi blandirentur nobis. dem schlafenden Marcian macht ein überfliegender adler schatten . Procop 1, 326. schattender pfauenschweif in der frauentracht kommt in Vilk. saga c. 213 und bei Vuk 4, 10 vor. pfauenwedel bei Claudian. in Eutrop. 1, 109. pfaewîne huote . Kolocz. 184. zum ôminnis hegri halte Wh. 407, 11: iwer iegeslîchen hât diu heher (ahd. hehara) an geschrîet ime walde. . Bei den Römern hatte sich ein eignes system von vogelweissagung ausgebildet, das nicht auf den flug des wilden gevögels, vielmehr das hausgeschlecht der hüner berechnet war. Die Griechen übten eine ἀλεκτρυομαντεία, so daß man körner auf die buchstaben des alphabets legte und von einem hahn wegfressen ließ. Einfacher war die römische weissagung aus gierigem und trägem fressen oder nichtfressen junger hühner , jede legion hat ihren pullarius, der die hühner erzog, fütterte und bewahrte; der consul stellte das augurium in seinem haus oder zelt an: ›pullis regitur imperium romanum, hi jubent acies‹ sagt Plinius 10, 24 urk. von 788 bei Marini no. 56 p. 94: et alia multa de vestra infidelitate cognovimus ad pullorum comtum (l. cantum). . beispiele gibt Procop 1, 316. Man beachtete aber sonst auch geschrei des hahns und der henne. › gallina cecinit ‹ wird in Terent. Phormio IV. 4, 30 unter andern übeln zeichen für den hochzeiter genannt: nach Donats glosse bedeutete es, superiorem marito esse uxorem. unserm abergl. ( 83 . franz. 23 ) schien eine wie hahn erkrähende henne gleichfalls ein greuel. Vernahm die lauschende unter dem hahnbalken den krat des hahns , so war die weissagung günstig, schrie die henne , ungünstig (abergl. 105 . 1055 ); gleiche bewandtnis hatte es um den fallenden mist des hahns oder der henne ( 230 ). Auch den gänserich ließ man weissagen (abergl. 847). Die Ehsten unterscheiden geflügel mit rauchem und unbedecktem fuß (abergl. 95 ). Oft ist es auch nicht der wegvögel flug, der vierfüßigen thiere angang, sondern ihr erscheinen, ihr aufenthalt an der wohnstätte der menschen, die ihm heil oder unheil weissagen. Schwalbe (franz. abergl. 9 ) und storch sind glücksvögel (s.  560 ), störche sieht man gern auf dächern nisten (abergl. 215 ). wer frühlings den storch zuerst fliegen sieht, soll eine reise unternehmen. Den Letten war die meise günstiger vorbedeutung, sie heißt sihle , und sihleht ist weissagen (s.  569 ). Wiesel oder schlange auf dem dach sind nachtheilige zeichen (Suidas s. v. Ξενοκράτης). › anguis per impluvium decidit dc tegulis‹. Terent. Phorm. IV. 4, 29. Nagende maus 950 (abergl. 184 ). Ungünstig oder zweideutig sind rabe , krähe , elster auf krankenhäusern (abergl. 120 . 158 . 496 ) Nachtrag: Eine rechts singende sihle bringt glück. Büttner lett. lied. s. 248. 266. der angang der ersten bachstelze ist bedeutsam. Klemm 2, 329, auch der der schlangen bei Kalmücken. das. 3, 202. 203. von vorbedeutung ist das wiehern des pferdes, das niesen der katze, das hundegeheul. dir het diu katze niht genorn . Helbl. 1, 1392. ( anm. 2775 ). über das hundegeheul s. Capitolinus in Maxim. jun. cap. 5. Pausan. IV. 13, 1. . Es gab leichvögel , trauervögel , deren erscheinung tod und sterben verkündet. ich vermute, den Gothen war die turteltaube mit ihrem weheruf ein solcher, weil sie sie hráivadubô (leichentaube) nennen, τρυγών und turtur geben nicht diesen nebensinn, der vogel trauert nur um den todten gatten die Langobarden errichteten auf ihren kirchhöfen, neben den gräbern, stangen (perticas) für ihre blutsverwandten, die im krieg oder in der fremde gefallen waren: auf die spitze der stange wurde das hölzerne bild einer taube gestellt, die (mit dem kopf oder schnabel) in die gegend schaute, wo der geliebte begraben lag. Paul. Diac. 5, 34. das gemahnt an die drehung des adlers auf dem dache (s.  527 ). die taube stellte den wehklagenden verwandten vor, der die stange aufrichtete. statt der taube dient den Serben noch heute gerade so der klagende kukuk (s.  568 ). auf dem klafterhohen hölzernen grabkreuze werden so viele kukuke abgebildet, als angehörige und besonders schwestern um den todten trauern. ein mädchen, dem der bruder gestorben ist, kann den kukuk nicht rufen hören ohne in heftige thränen auszubrechen; kukumene! ist wehklagende interjection. Montenegro, Stuttg. 1837 s. 99. 100. Die ganze aufsteckung der tauben und kukuke erinnert an die der pferdehäupter auf stangen und dächern (s.  549 . 550 ), der adler auf dächern (s.  527 ). ; sagen von ihr zusammengestellt sind Aw. 3, 34. Vor allen gehört hierher auch ein wegvogel, die eule (abergl. 789 . franz. 8 ). Hartmann stellt ihren flug über den wec dem des mûsarn entgegen, wie dieser heilsam, scheint er unheil gewesen zu sein, Ms. 2, 174 heißt es, daß der iuweln fluc der welt nicht fromme. Ovid met. 5, 550: foedaque fit volucris, venturi nuntia luctus ignavus bubo , dirum mortalibus omen. hier greifen verwandlungen ein. die eule war ein verwünschter mensch, und strix , strinx (› e tectis strix violenta canat.‹ Tibull I. 5, 52), bruxa bezeichnen zugleich den vogel und die nachtfliegende hexe (s.  868 ). › ululae , upupae , bubones , toto anno in tectis funebria personantes‹, oben s.  398 . ›male ominatos cantus ulularum ‹. chron. s. Trudonis s. 379, das ahd. holzrûna , holzmuoja , holzmuwo (gl. flor. 988 b 996 b sumerl. 10, 65. 27, 44. 29, 74) übertragen lamia, drücken aber mehr klagende, weissagende vögel oder geister (beiderlei geschlechts) aus, deren stimme im wald, flüsternd, raunend und muhend vernommen wird (s.  360 ). daher nun auch die benennung klagmuhme , klagmutter , klageweib den lausitzischen Wenden heißt die wehklage bože sedleško (gottesstülchen, sitzchen) und erscheint entweder als weiße henne oder als schönes weißes kind , das durch klagendes geschrei und weinen bevorstehendes unglück verkündet. auch den Böhmen ist sedlisko sitz und zugleich alp, trud, vielleicht weil der dämon aufsitzt (incubus). . im ackermann von Böhmen p. 38 (Hag. ausg.) ist klagmut in klagmuoter zu bessern; am Oberharz bedeutet klagmutter , klagweib , klagefrau ein gespenstiges, aber fliegendes wesen (Spiels archiv 2, 247). anderwärts heißt es die wehklage (abergl. 863 ), leichhuhn , grabeule , todtenvogel , im Braunschweigischen der läpsch , seines faulen, langsamen flugs wegen (braunschw. anz. 1746. p. 236), ignavus bubo, was auch 951 an den sinn des alten feig (moribundus) erinnert. Leichenverkündend ist, wenn der rabe koppt ( abergl. G v. 166), wenn hahn und huhn stroh schleppen (ehstn. abergl. 77 ), wenn der galadrot sein haupt vom kranken abwendet Nachtrag: Das goth. hráivadubô bringt Leo mit divan und daubs zusammen. Thür. mitth. IV. 2, 98. Bubo habet nomen a voce sua et moratur in cavernis petrosis vel in muris antiquis et differt a noctua solum in magnitudine, quia est major ea, et bubo dicitur letalis vel mortalis , quia mortem annuntiat , unde dicunt quidam naturales, quod sit animal habens dilectionem naturalem ad hominem, et propterea ponit se supra vestigium hominis et post mortem festinat ad amandum cadaver, et dicunt aliqui quod generetur ex medulla spinae in dorso hominis. Stephans stofl. 118.                                 ter omen funereus bubo letali carmine fecit.   Ov. met. 10, 453                                 tectoque profanus incubuit bubo thalamique in culmine sedit.   Ov. met. 6, 431. infausto bubone . Claudian. in Eutrop. 2, 407. bubo weissagt dem Agrippa. Josephus b. Horkel s. 494. bubo, cartae funebris lator . Marbodi carmina 1577. bei Hipponax in Meinekes choliamb. s. 112 heißt die κριγὴ νεκρῶν ἄγγελός τε καὶ κῆρυξ . wie der lett. uhpis , uhu, ein unglücksvogel ist, verkündet der huwe (bubo) baldigen tod in der sage von Herodes. pass. 157, 51–72. 159, 76–83. der leidic hûwaere , der nahthûwer . Albr. Ovid. 177 b . 345 a . trûric als ein unflaetec hûwe . Renn. 17993. der kauz oder das käuzlein ruft: komm mit, komm mit! der todvogel hat mir schon zweimal gerufen. Kehrein Nassau 41. hierhin gehören auch der scuwût auf dem baume. Maerl. 2, 323. 348 und das › vöglein kreideweisz ‹. Musaeus 5, 28. Der ausdruck klagmutter gemahnt an Berhta, die weiße frau, die fylgja und die elbische banshi, bansighe (s.  232 ). über die wend. wehklage oder gottes stülchen s. wend. volksl. 2, 269 b . Sommer s. 169. tod verkündet auch ›la poule qui chante en coq‹. Bosquet 219. Andere todesvorzeichen sind folgende. wenn nachts die verstorbnen in kirchen von lebenden gesehn oder gehört werden, so bedeutet es diesen neues wichtiges, namentlich todesfall: quandocunque a viventibus haec audiuntur vel videntur, novum aliquid signat . Pertz 5, 738. ebenso: nachts grunzen oder sägen hören. das. 5, 738. 739. vgl. den holzwurm (s. weiter unten s.  951 ). . Auf ähnliche weise zeigen andere thiere den todesfall an. wenn das pferd des gerufnen geistlichen sein haupt senkt (ehstn. abergl. 35 ); wenn ochs und kuh von schwarzer farbe im haus geschlachtet wurden (abergl. 887 ), was noch mit altem opfergebrauch zusammen hängt. der in menschlicher wohnung aufwühlende maulwurf (abergl. 555 . 601 . 881 ), die zirpende grille ( 555 . 600 . 930 ) zuweilen bedeuten die heimen oder grillen auch häusliches gedeihen (abergl. 313 . 609 ). , der tickende holzwurm ( 901 ), wenn mäuse schlafenden am kleid nagen Nachtrag: Der holzwurm heißt todtenuhr , termes pulsatorius. engl. deathwatch , scarabaeus galeatus pulsator. Hones yearbook 823. ich hör ein würmlin klopfen . Garg. 278 b . der todtenschmied, der in den fensterrahmen oder wänden pocht . Gellert 3, 148. finn. jumi und seinärautio wandschmied. vgl. die klopfenden hausgeister. . Weissagende ameisen (schwed. abergl. 88 . ehstn. 99 ). anlauf der spinne frühmorgens ist ungünstig; es gibt aber auch glückspinnen (abergl. 134 und Bosquet 219). Bienenschwärme , an häuser sich anhängend, bedeuten feuersbrunst (abergl. 160 ) oder unheil examen apum in arbore praetorio imminente consederat. Liv. 21. 46. fastigium capitolii examen apium insedit. Tac. ann. 12, 64. , bekannt sind die schon im lager des Drusus erschienenen (Plin. 11, 18. Cassius Dio 54, 33. Jul. Obsequens de prodig. 1, 132). auch dem herzog Leopold von Östreich verkündeten sie 1386 den verlust der Sempacher schlacht voraus: ›da kam ein imb geflogen in dlinden er genistet hat, ans herzogen waffen er flog als do der selbig herzog wol für die linden zog: das diutet frömbde geste , so redt der gemeine man‹. Wackern. leseb. 703. Heuschreckenzüge sind sonst vorzeichen fremder gäste (Justinger p. 160, vgl. 271) und reicher salmenfang (das. 379). andere anzeichen nahender gäste abergl. 71 . 72 . 73 . 889 . 1028 . schwed. 63 Nachtrag: Bienenschwärme bedeuten feuersbrunst. molitasque examen apes passimque crematas perbacchata domos nullis incendia causis.   Claudian b. get. 241. über sich anhängende bienen s. Aelian. var. 12, 40. Plin. 8, 42, über bienenschwärme und spinnen. Bötticher hell. temp. 127. ea hora tantae aranearum telae in medio populi ceciderunt, ut omnes mirarentur; ac per hoc significatum est, quod sordes hereticae pravitatis depulsae sint. Paul. diac. 6, 4. Züge kleiner vögel und salmen künden gäste an. Justinger 271. 379. Der flug des erlenkäfers nach süden ist günstig, nach norden ungünstig. Kalewipoeg anm. zu 2, 218. . Oft können leblose dinge zumal elemente omen ergeben. flammen , die sich den kriegern an helm oder speer setzten (s.  764 ), waren sieges vorzeichen (νίκης σύμβολον). ein solches feuer nennt Sæm. 110 a. b , ohne seinen sinn anzugeben: › hyrr leingi mun â brodds oddi bifaz‹. deutlicher Sæm. 151 b : › af geirom geislar stôđo‹. Tac. ann. 12, 64 ›signa militum arsere‹; 15, 7 ›pila militum arsere‹. Procop de b. vand. 2, 2: τών δοράτων αὐτοῖς τὰ ἄκρα πυρὶ πολλῷ κατελάμπετο καὶ αὐτῶν αἱ αἰχμαὶ καίεσϑαι ἐπὶ πλεῖστον σφίσιν ἐδόκουν. Greg. tur. mirac. Mart. 1, 10: ›dum haec agerentur duae puerorum lanceae emissis flammis lumen euntibus praebuerunt, ibamque fulgurantes hastae ‹. im j. 1620 vor der Prager schlacht setzte sich ein irwisch auf des obersten fahne und galt für ein vorzeichen des siegs. das ist auch die flamme der Dioskuren, die auf den masten der schiffe erscheint, ein rettendes zeichen in sturmes noth. Das niesende licht , der überspringende brand (abergl. 889 ) bedeutete wieder gäste ; erlöschendes licht tod (abergl. 150 ), rosenbrennendes glück ( 252 ). öl oder wein 952 verschüttet, wasser unter den tisch gegossen war den alten jenes ein günstiges, dieses ein ungünstiges zeichen. wenn der tisch krachte , die balken knarrten , zog man daraus die schlimmste vorbedeutung (Dempster 3, 9). versiegendes oder steigendes wasser bedeutet sterbfall oder hungersnoth (s.  491 ). prasselndes feuer , verschüttetes salz verkündigen streit (abergl. 322 . 534 . 64 . 535 ). man halte die mythische auslegung der knisternden flamme (s.  201 ) dazu, der gott ist in der flamme gegenwärtig wie in dem vorbedeutenden donner . Einstürzende erdlöcher (gropar) weissagen todesfall (schwed. abergl. 95 ), aus dem klang der aufs grab geworfnen drei ersten schollen entnimmt man, ob andere bald nachsterben oder nicht. losspringender splitter kündet gäste (abergl. 71 . 1032 ), reif vom faß springend tod ( 149 ) Suetonius in Octavio 92: auspicia quaedam et omina pro certissimis observabat. si mane sibi calceus perperam ac sinister pro dextero induceretur, ut dirum (wie Wladislaus s.  940 . 941 ); si terra marive ingrediente se longinquam profectionem forte rorasset , ut laetum, maturique et prosperi reditus. Nachtrag: Weitere todeszeichen sind blutige waffen , rostendes messer . KM. no. 60, aber auch blumen . altd. w. 2, 187. Haupts zeitschr. 3. 364. corpse candles , dünste auf kirchhöfen, künden leichen an. Hones daybook 2, 1019. eine erlöschende lampe ist todesanzeige. altd. w. 2, 186. durch die › divinatio ex lucernis ‹ wurde auch das wetter gedeutet. Apulejus ed. Ruhnken lib. 2 s. 116. das Elmsfeuer , Santelmo , blawe liechter . Staden reise s. 102. ûf dem maste dar enboben ein vackelnlicht so schône quam. Marienleg. s. 87. das prasseln der flamme verheißt auch segen. et succensa sacris crepitet bene laurea flammis , omine quo felix et sacer annus erit.   Tibull. II. 5, 82. ebenso bei Kalmücken das bratzeln der kochenden speise und die selbstenzündung des gelöschten feuers. Klemm 3, 203. retulerunt quidam de ipso (abbate sangallensi) agonizante, quod audierant voces plangentium et bullitionem caldariorum a. 1220. Die stubenthür öfnet sich von selbst bei todesfällen. Lucae 260. 269. daz umfallen eines brets oder ladens heißt todtenfall . bair. kinderlehre 23. Altn. fall er farar heill. in lapsu faustum ominatus eventum. Saxo gr. 73. dagegen ist das straucheln mit dem fuße von übler vorbedeutung bei Eurip. Heracl. 726 ff. ter pedis offensi signo est revocata. Ov. met. 10, 452. sed ut fieri assolet, sinistro pede profectum me spes compendii frustrata est. Apulejus p. m. 80. si wâren ze vruo des morgens unreht ûfgestân , die muosten dâ daz leben lân. Livl. 1255. sumelich ze vruo hate des morgens ûfgestân , der muoste dâ ze pfande lân den lîp. das. 3859. . Den brauch gerstenkörner auf heißen herd zu legen und zu beobachten, ob sie aufspringen oder liegen bleiben , finde ich nur bei Burchard ( abergl. C p. 195 d ), bei keinem spätern; verschieden war die griech. κριϑομαντεία. Wenn in kriegszeiten zwei ähren an einem getraidehalm gefunden wurden, sah man darin vorzeichen des wieder nahenden friedens Elisabeth Charlotte von Orleans schreibt am 17 juli 1695: ›ich bin des kriegs wol müde, ich bitte, liebe Louise, informirt euch doch obs wahr ist, daß man bei Gießen einen hahn gefunden, so der landgraf von Darmstatt bewachen soll lassen, worauf II ähren sein sollen, und ob man einen dergleichen gefunden zu ende des 30jährigen kriegs.‹ Sonst gilt der aberglaube, daß in ein haus kein wetter schlage, wo ein kornhalm mit zwei ähren aufbewahrt werde. ; umgekehrt soll es krieg bedeuten, wenn der kirschbaum zweimal im jahre blüht (abergl. 1116 ) Nachtrag: Die annahme, daß mehrere ähren auf einem halm frieden bedeuten, scheint biblisch. Genes. 41, 22. ein halm mit 15 ähren . Wellers anm. 1, 221. die doppelähre heißt lett. jummis , dim. jummite . Büttner 2818. glück oder unglück wird aus zusammengebundenen kornähren geweissagt, je nachdem die eine oder andere höher aufschießt. Dybeck 1845 s. 52. wallfarten zu unser frau zu den drei ähren erwähnt Keisersb. brösaml. 56 d . . Andere sachen, ohne daß vorzeichen oder zauber darin begründet wäre, gelten für heilsam oder schädlich, namentlich gefundne , gebettelte und gestolne . Dahin der gefundne klee mit vier blättern, drei getraidekörner in gebacknem brot (abergl. 685 ), der eggennagel oder eggezahn ( 539 . 636 ), dessen besitz hexen erkennen lehrt (s.  902 ), inventio acus vel oboli reservati ( abergl. E 11 r. b.), gefundne nadel (schwed. abergl. 46 ), je nachdem sie kopf und spitze kehrt ( 235 ), gefundne radfelge ( 351 ), gefundnes hufeisen ( 129 . 220 Hones yearbook. 1600), gebetteltes brot ( 13 ), ring von gebettelten pfenningen ( 352 ), gestolner wisch ( 431 ), gestolnes band vom mehlsak ( 216 ), brot ( 183 . 188 ), bauholz ( 1000 und Firmenich 2, 33), fischergeräth (schwed. abergl. 48 ), gestolne webknoten. Bei gefundnen dingen ist die gunst des zufalls im spiel; gebettelten gibt die mühe, gestolnen die gefahr des erwerbs gesteigerten werth. drei schlücke gebettelten weins vertreiben den schlucken. Aber nicht bloß gestolnes gut in gewissem fall, auch die diebshand (s.  898 ), der aus einer galgenkette geschmiedete 953 sporn (abergl. 386 ), der galgenstrick, diebstrang selbst (abergl. 386 . 921 . G v. 217) haben eigenthümliche kraft; man vergleiche die entstehung des galgenmännleins (deutsche sag. no. 83). Nachtrag: Für heilsam oder schädlich gelten besonders gefundne sachen, viereckichter oder vierblättriger klee. Simplic. 1, 334. niedersächs. sagen no. 190, im brot gefundnes korn . Serenus samon. 935, ferner geerbte sachen. Müllenhoff no. 315, erbettelte . Wolfs niederl. sagen s. 414, getragne (oben s.  501 . 915 ). zauberkräftig ist ein ring aus galgeneisen . Lucian. philops. 17. 24 und der finger ungeborner kinder s.  898 . . Ein rad über den thorweg zu setzen bringt glück (abergl. 307 ); wirkt hier die vorstellung vom glücksrad (s.  722 ) oder sonnenrad (s.  515 . 585 )? Donnersplitter , sargsplitter taugen (abergl. 171 . 208 ). Ans brautbett darf nur trocknes holz von lebenden bäumen kommen Odofredus in I. legata digest. de suppellect. leg.: mulieres quando nubunt volunt lectum de lignis siccis, sed de arbore vivente. sed in omnibus opinionibus suis fatuae sunt. ; andern aberglauben vom brautbett 486 . 487 . Aufgelesne federn, hünerfedern sollen in kein bett ( 281 . 346 . 593 ). Tagwählerei herschte bei Juden (Mos. III. 19, 26. V. 18, 10), Griechen und wahrscheinlich allen Heiden. Hesiod unterscheidet mütterliche und stiefmütterliche tage, er geht alle guten tage des Zeus und alle bösen durch (hauslehren 765–829). Wurden auch die namen der wochentage aus der fremde bei uns eingeführt (s.  105 ), so konnte sich doch schon sehr frühe einheimischer aberglaube damit verbinden. ›Nullus observet‹, predigte Eligius, › qua die domum exeat, vel qua die revertatur, nullus ad inchoandum opus diem vel lunam attendat‹. Hincmar 1, 656: ›sunt et qui observant dies in motione itineris et in inchoatione aedificandae domus‹. Suetonius in Octavio 92: ›observabat et dies quosdam, ne aut postridie nundinas quoquam proficisceretur aut nonis quidquam rei seriae inchoaret‹. Plin. 18, 3: ›ungues resecari auf die nägel überhaupt wird sorgsam geachtet: wenn sie blühen, d. h. weiße flecken zeigen, blüht auch das glück. es kommt darauf an, an welcher hand und welchem finger sie blühen (Reusch). die resegmina unguium erwähnt Plinius öfter, 28, 7: e pedibus manibusque cera permixta ante solis ortum alienae januae affigi jubent . . . . digitorum resegmina unguium ad cavernas formicarum abjici jubent, eamque quae prima coeperit trahere, correptam subnecti collo. diese bedeutsamkeit der nägelschnitze ist darum hervorzuheben, weil ihnen in unserm heidenthum noch größere beigelegt und der weltuntergang darauf bezogen wurde (s.  679 ). nundinis romanis tacenti atque a digito indice multorum pecuniae religiosum est‹. auch bei uns lebt der aberglaube fort, daß man nägel nur an bestimmtem wochentag, namentlich freitag, schneiden dürfe. Ein unglückbringender tag heißt ein verworfner ( abergl. G v. 51) stellen aus einer homilie des 8. jh. über diesen aberglauben in Pertz archiv 6, 500. 501. . Die alten Deutschen scheinen vorzüglich den mittwoch und donnerstag geheiligt zu haben, nach ihren größten göttern, Wuotan und Donar. ›de feriis, quas faciunt Jovi vel Mercurio‹, hat der indic. superst. Späterhin finde ich keinen wochentag abergläubisch mehr geehrt als den donnerstag (oben s.  159 ); auch bei den Ehsten (abergl. 59 ). donnerstags darf man keine wohnung beziehen, weil an diesem tage kein vogel zu neste trägt. Dagegen gelten mittwoch und freitag für verworfne hexentage (abergl. 613 . 658 . 745 ) und einzeln mittwoch ( 567 ), freitag ( 241 . 800 . ehstn. 59 . 60 ). Nach den hexenacten erscheinen 954 die teufel zumeist donnerstags und dienstags (vgl. die Quedlinburger). aber auch montag gilt für unglücklich zu neuern beginn ( 771 . 821 ). am dienstag soll man ausreisen, an ihm ehen schließen so in Böhmen, Mähren. Löwe denkw. und reisen 72. . der feiste dienstag , schwed. fettisdag , franz. mardi gras begünstigt unternehmungen (schwed. abergl. 79 . 84 ). glücklich ist der sonntag ( 243 . 634 ). Unter den Christen wurden eine menge tage im jahr ausgezeichnet, außer den hohen festen, zumal Johannistag , und fast jeder heilige tag hatte seinen eigenen bezug auf säen, pflanzen, viehtreiben, aderlassen u. dgl. der dän. skjerstordag (abergl. 168 . 169 ) ist gründonnerstag. kaum hat bei einem andern volk mehr tagwählerei gegolten als bei den Christen im mittelalter. die altheidnischen jultage und sonnwendtage fielen zusammen mit weihnachten und Johannis Nachtrag: Dagam vitáiþ steht für dies observate. Gal. 4, 10. ἡμέρα μέλαινα, μὴ καϑαρά, ἀποφράς (von φράζω), worüber Lucians pseudologista (h perì t~hV apojrádoV) vgl. ed. bip. 8, 434. auch ἀποφράδες πύλαι, porta scelerata das. 8, 58. dies fastus , nefastus , nefandus , nefarius , infandus , per quem nefas fari praetorem. dies inauspicatus , ater . Heinrich 4 starb auf einem dienstag; die Martis , qua etiam cuncta sua praelia, paganico nimirum auspicio , perpetrare consuevit. Pertz 8, 240. Napoleon scheute den freitag . Wieselgren 473. ags. nellađ heora þing vanian on monandäg for anginne þaere vucan. ags. hom. 100. . Mit angang und tagewahl steht ein anderer weit verbreiteter aberglaube in verbindung. wie der tagesarbeit erfolg davon abhieng, daß am frühen morgen eine günstige begegnung eintrat, wie des wolfes oder raben geleit sieg weissagte; so pflegte dem wandernden heer ein göttlich gesandtes thier den weg und den ort der niederlassung anzuzeigen. colonien wurden nach dieser anführung gegründet, städte, burgen, kirchen gebaut; den beginn neuer stiftungen und reiche heiligen thiere , die menschlichen absichten fremd höheren rathschluß der götter kundgeben. Die griech. und röm. sage ist voll solcher beispiele. ein rabe führt des Battus ansiedelung nach Cyrene (κόραξ ἠγήσατο. Callim. hymn. in Apoll. 66). die Irpiner heißen von irpus, dem wolf der sie leitete (Strabo 2, 208) die Azteken in Mexico ermahnte ein vogel zur auswanderung, indem er vom baum herunter rief ›tihui!‹ d. i. laßt uns gehen! Majers myth. taschenb. 1813 p. 63. . Flôki opferte um wegweisende raben: ›hann fêkk at blôti miklu, ok blôtađi hrafna priâ, þâ er honum skyldu leiđ visa , þvîat þâ höfđu hafsiglîngarmenn engir leiđarstein î þann tîma î Norđrlöndum‹. Islend. sögur 1, 27. des gottes vogel ersetzte den schiffern den magnet (leiđarstein). Es ist wol nicht zufällig, daß rabe und wolf , Wuotans lieblinge, sieg und heil vorbedeutend, hierbei vorzugsweise genannt werden heldenname der glücklichsten vorbedeutung war also das ahd. Wolfhraban (später Wolfram), dem beide thiere sieg weissagen; hervorhebe ich auch, daß kein andres thier mit gang zusammengefügt wird, als der wolf: Wolfgang (Lupambulus im j. 1000, act. Bened. sec. 6 pars 1 p. 3) bezeichnet einen helden, dem der wolf des siegs vorangeht. ähnlicher vorbedeutung könnte Wisantgang (goth. Visandavandalareis, bei Procop de b. goth. 1, 18 Οὐίσανδος Βανδαλάριος) gewesen sein. Erst der heidnische glaube verständigt uns den sinn alter eigennamen, die kein roher zufall hervorbrachte. Vielleicht ist gut begründet, daß in der alterthümlichen segensformel XIV Martin und Wolfgang als hirtenheilige angerufen werden. jenem war die krähe (der rabe), diesem der wolf unterworfen. Die Serbinnen nennen einen ersehnten sohn Vuk (wolf): dann können ihn die hexen nicht aufessen. auch den Griechen und Römern war Λυκίσκος, Lyciscus guter vorbedeutung, ahd. glossen verdeutschen tyciscus (das thier) wolfbizo, und vielleicht war auch Wolfbizo , an dem der wolf gebissen hat, der dadurch gesichert ist, eigenname. Vuk s. v. vukojedina meldet, wenn eine schwangre von einem lamm oder einer ziege ißt, die der wolf todt gebissen hat, so erscheint am kind, das sie zur welt gebiert, eine wunde, die man vukojedina d. i. wolfbizo nennt. man schneidet auch an lamm und ziege den wolfsbiß aus, räuchert und bewahrt ihn als heilkräftig Nachtrag: Zu Wisantgang vgl. Wisantessteiga, Wisantes wanc (Neugart). Ist Wolfbizo oder Wolfbîzo , qui lupum mordet, zu lesen? wie bärenbeißer, bullenbeißer. vom wolf erwürgtes oder gebissenes vieh zu essen, ist heilsam. spinnr. evang. freitag 9. gr. λυκόβρωτος. διὰ τί τὰ λυκόβρωτα τῶν προβάτων τὸ κρέας γλυκύτερον. Plutarch symp. 2, 9. Wolfleip . Graff 1, 850. Wolfleibsch . Kopp gesch. d. eidgen. 2, 557. Wulflevinge . Gosl. berggesetze s. 339. Ulricus dictus Wolfleipsch , der Wolfleipscho . ch. a. 1260–65. Neugart no. 972. 981. 990. 995. lupi praeda . Marcellus no. 53. . . in der vita Severini c. 28 wird der bär wegweiser. Auch hirsch und hindin zeigen den weg, nach Procop 4, 5 cimmerischen jägern die hindin . Jornandes von den hunnischen jägern: ›dum in ulteriori Maeotidis ripa venationes inquirunt, animadvertunt quomodo ex improviso cerva se illis obtulit, ingressaque palude nunc progrediens nunc subsistens indicem se viae tribuit . . . mox quoque ut scythica terra ignotis apparuit, cerva disparuit ‹. Statt der jägersage hat Sozomenus (hist. eccl. 6, 37) hier eine hirtenüberlieferung, kennt aber doch auch jene: ›forte fortuna bos oestro percitus lacum transmittit, sequitur bubulcus: qui cum terram trans lacum vidisset tribulibus suis nuntiat. sunt alii qui dicunt cervum quibusdam Hunnis venantibus, cum per lacum ab illis fugeret, monstrasse viam ‹. Jäger geleitet der hirsch, hirten der stier, helden der wolf. aber auch die christlichen helden lassen sich lieber von dem hirsch führen, als dem heidnischen wolf: eine hirschkuh zeigte den Franken die rettende furt durch den Main (Ditmar. merseb. ed. Wagn. 245. vgl. Otto fris. de gest. Frid. 1, 43). Den raben hätten die Christen für einen boten des teufels angesehn. Flodoardus erzählt in seiner hist. remens. 1, 24 (ed. duac. p. 145) ein beispiel vom adler: ›conscenso silvosi montis vertice, dum circumferentes oculorum aciem de monasterii corde volutant positione, subito sublimi coelorum mittitur aliger index a culmine, per quem coelos scansuro locus in terris beato depromeretur Theoderico. nam mysticus ales aquila spatiando gyrans et gyrando circumvolans locum monasterii capacem secans aëra designavit. et ut expressius ostenderet quid dominus vellet unius fere horae spatio supra ubi ecclesia construi debuit lentis volatibus stetit, et ne hoc ab incredulis casu contigisse putaretur, ipso natalis domini die quadriennio continuo supervolando monasterium circumire, mirantibus plurimis, eadem aquila cernebatur.‹ Eine fliegende henne zeigt die baustätte der burg an (deutsche sag. no. 570). Grenzen werden durch den lauf oder gang eines blinden pferdes , eines krebses geheiligt (RA. 86). da wo die fratres Philaeni die neue grenze erlaufen hatten, ließen sie sich lebendig begraben (hic se vivos obrui pertulerunt) Pomp. Mela 1, 7; die eigentliche ursache dieses festigenden eingrabens wird aber gleich näher enthüllt werden. Dem Remus waren sechs, dem Romulus zwölf geier günstig geflogen bei gründung der stadt (Niebuhr 1, 248) Nachtrag: Juvenes . . . missurum se esse, in quas dii dedissent auguriis sedes, ostendit. Liv. 5, 34. die Hirpiner leitete der wolf , hirpus, die Picentiner der specht , picus, die Opiker der stier , ops? Wackern. in Haupts zeitschr. 2, 559. Mommsen röm. gesch. 1, 76. stier und sau als weisende thiere. Klausens Aen. 1107. kühe zeigen an, wo die kirche gebaut werden soll, in der schwed. sage bei Wieselgren 408. säugende kühe weisen die stelle für den kirchbau, ein schwarzer stier die für den schloßbau an. Müllenhoff s. 112. 113. eine kuh zeigt dem Kadmus den ort seiner ansiedelung. den Franken wird der weg durch den Rune gezeigt. Guitecl. 2, 35. ein weißer hirsch zeigt ihnen den pfad als gottes bote. Ogier 1, 12. der westfälische eigenname Rêasford in urk. bei Möser weist auf solche sage. ein Delaware stieg durch die öfnung eines unterirdischen sees ans tageslicht und erlegte einen hirsch , den er mit zurücknahm, und nun wanderten alle nach dem sonnenland. Klemm 2, 159. ein pferd weist den platz für die kirche. Müllenhoff s. 111. 112. maulthiere zeigen die stätte, wo das kloster Maulbronn im Schwarzwalde zu gründen war. ein hase weist. Pausan. III. 22, 9. raben sind weiser. Müllenhoff s. 113. das auffliegen der drei raben hintereinander in der isländischen überlieferung gemahnt stark an Noah. die taube zeigt. Hrosvitha Gandesh. 253. 261–266. ein gesicht verkündet, auf dem gipfel des bergs werde ein vogel sitzen und auffliegen, dem solle man nachgehn. es ist eine taube , die voranfliegt und an der stelle auf den boden pickt, wo steine gebrochen werden können, deren man zum kirchenbau bedarf. Pertz 6, 310. tauben zeigen dem Aeneas die mistel im walde. Aen. 6, 191–211. die lerche zeigt. Paus. IV. 34, 5, die gluckhenne zu Bremen. Bremer sagen no. 1, das auffliegende haselhuhn . Schürens chron. s. 3. fribolum de ansere quasi dominam suam deducente. Pertz 8, 215, beim kreuzzug a. 1096 vgl. Raumer 1, 69. . Bekannt ist, wie die alten Nordländer ihre auswanderungen und niederlassungen unter göttlichem geleite einrichteten. sie warfen die aus der alten heimat mitgenommnen öndvegissûlur oder setstokkar aus dem schif, und landeten da wo diese antrieben. an 956 solchen hölzernen seulen war des gottes bild geschnitzt, auf den sie trauten, und er wies ihnen die neue wohnstätte an. hauptstellen Isl. sög. 1, 76. 77. 234. Thiere zeigten aber nicht bloß den ort des baus, es wurde auch oft für nöthig erachtet, lebendige thiere , selbst menschen , in den grund einzumauern, auf welchem das gebäude errichtet werden sollte, gleichsam ein der erde gebrachtes opfer, welche die last auf sich duldet: durch diesen grausamen brauch wähnte man unerschütterliche haltbarkeit oder andere vortheile zu erreichen. Nach dänischen überlieferungen mauerte man unter den altar der kirche ein lamm , damit sie unverrückt stehen sollte, auf jedem kirchhof aber, bevor eine leiche in ihn eingesenkt wurde, grub man ein lebendiges pferd ein (s.  704 ). beide, lamm und pferd, lassen sich zuweilen in der kirche, oder auf dem kirchhof sehen und bedeuten dann todesfälle (Thiele 1, 136. 137). auch unter andere häuser werden schweine und hüner lebendig eingegraben (das. 1, 198). Nach abergl. 472 kann langes gutes wetter durch einmauerung eines hahns zuwege gebracht werden, nach 755 das laufen der kuh verhindert durch einmauern eines lebendigen blinden hunds unter der stallthür. bei viehseuchen graben die Ehsten ein stück der heerde unter die stallthür um dem tod sein opfer zu bringen (abergl. 69 ) und hadden de delver sich mit groten unkosten an holt, balken, struk daran versocht, den ort to dempen, konden nicht, de olden seden: animam quaeri, men scholde ein kat edder hunt darin drenken . als diser gebleven, wert it mit der lichte togeslagen. Neocorus 2, 340. man vgl. cap.  xxxvi das einpflocken der spitzmaus in die esche . . Bei dem neuen brückenbau zu Halle, der im jahre 1843 vollführt wurde, wähnte noch das volk daß man eines kindes zum einmauern in den grund bedürfe. Auf der burg Liebenstein, um sie fest und unüberwindlich zu machen, wurde ein kind eingemauert , das eine mutter um schnödes gold hergab; der sage nach soll es beim einmauern eine semmel gegessen und gerufen haben: ›mutter ich sehe dich noch‹, dann später: ›mutter ich sehe dich noch ein wenig‹, und als der letzte stein eingefügt wurde: ›mutter ich sehe dich nun nicht mehr‹. (Bechsteins thür. sag. 4, 157. vgl. 206.) In der ringmauer des schlosses Reichenfels ist ein kind lebendig eingemauert worden: ein vorragender stein bezeichnet die stelle, wollte man ihn heraus reißen, würde die mauer alsogleich zusammenstürzen (Jul. Schmidt p. 153). Ähnliches wird in Spiels archiv 1, 160 erzählt, auch daß man späterhin wenigstens symbolisch leere särge einmauerte. Um Copenhagen sollte ein wall aufgeführt werden, so oft man ihn begann sank er wieder ein: da nahmen sie ein kleines, unschuldiges mädchen , setzten es an einen tisch auf einem stuhl, gaben ihm spielzeug und eßwaren. während es nun vergnügt spielte und aß, bauten zwölf meister eine wölbung über ihm, und warfen unter musik und klingendem spiel einen wall auf, der seit der zeit unverrückt gestanden hat (Thiele 1, 3). Warum man das kind 957 spielend und freudig erhielt und seine thränen verhinderte, habe ich schon s.  37 gesagt. In Griechenland lebt der volksglaube, wer zuerst vorübergehe, wo der grundstein eines neuen gebäudes gelegt wird, müsse binnen jahresfrist sterben, weshalb die maurer, um das unheil zu verhüten auf dem stein ein lamm oder einen schwarzen hahn abschlachten, wie man zu Frankfurt einen hahn über die neugebaute brücke laufen ließ (DS. no. 185). Zu Arta mauerten tausend maurer an einer brücke, was sie den tag aufführten stürzte abends ein. da erscholl des erzengels stimme vom himmel: ›wenn ihr nicht einen menschen eingrabt , faßt die mauer nicht; aber keinen waisen noch fremden sollt ihr eingraben, sondern des baumeisters ehfrau‹. als die frau zu den maurern kam, gab der meister vor, sein ring sei ihm in den grund gefallen, da erbot sich die frau ihn hervorzuholen und schnell begannen sie sie einzumauern ; sterbend sprach sie einen fluch aus über die brücke, daß sie zittern solle, wie ein blumenstengel (Tommaseo canti pop. 3, 178). Noch rührender ist eine serbische sage von Scutaris erbauung: drei jahre bauten dreihundert meister vergeblich an dem grund der feste; was sie bei tage aufgemauert hatten, riß die vile (s.  362 ) nachts wieder ein. endlich verkündete sie den königen, nur dann werde der bau halten, wenn man zwei leibliche, gleichnamige geschwister in den grund lege . nirgends waren sie aufzufinden. da verlangte die vile von den drei ehfrauen der könige die, welche nächsten tags den meistern das essen hinaustragen werde, in den grund gemauert . als des jüngsten königs gattin, ohne von diesem rathschluß zu ahnen, das essen hinausbringt, werfen die dreihundert meister steine um sie her und fangen an sie einzumauern; auf ihr flehen lassen sie eine kleine öfnung, an der sie noch lange zeit ihren säugling stillte, den man ihr täglich vorhielt (Vuk 2, 5). Zur zeit da die Slaven an der Donau eine neue stadt anlegen wollten, sandten die häupter des volks, nach altheidnischer sitte, frühmorgens vor sonnenaufgang männer aus, welche den ersten knaben, der ihnen begegnen würde , nehmen und in den grund des baues legen sollten. von diesem knaben (serb. dijetc, böhm. djte, russ. ditja, poln. dziecię.) erhielt die stadt den namen Detincz (Popow slav. mythol. p. 25). Auch in Merlins geschichte p. 66–72 wird erzählt, wie könig Vortigern einen festen thurm bauen lassen wollte, der immer wieder einstürzte, eh er vollendet war. die weissager erklärten, der thurm werde nicht stehn, bevor der grundstein mit eines kindes blute benetzt sei, das von einem weibe geboren, aber von keinem manne erzeugt worden. Können auf diesen aberglauben nicht auch Bertholds worte in einer predigt bezogen werden (p. 167): ›und wizze, wanne dû kint gewinnest, daz der tiuvel reht einen torn mit den kindern hât ûf dich gemûret? ‹ Nachtrag: In einem vom wasser bedrohten deich wird ein lebendiges kind vergraben. Müllenhoff no. 331. Thiele Danmarks folkes. 2, 63. Hondsdam in Flandern. v. d. Bergh. 261 (kl. schr. 2, 73). gutes wetter ward durch einmauerung einer metze gerste und einer schüssel wasser zuwege gebracht. rockenphilos. 6, 88. Nach einer Königsberger sage wird ein anderthalbjährig kind einer gefallnen magd in einen holen stein gesetzt und ihm in jede hand ein butterbrot gegeben und dann die mauer ringsum gezogen, daß nur oben eine öfnung blieb. am andern tag aber war das kind verschwunden und der bau der mauer gieng nun ungehindert fort. n. preuß. prov. bl. 2, 465. knaben und jungfrauen wurden zu Neunwegen lebendig begraben. Herod. 7, 114. Vortigerns thurm will nicht stehn und fällt immer wieder ein. der grundstein soll mit dem blut eines knaben genetzt werden, der ohne mann von einem weibe geboren ist. Merlin 1, 67. 72. 75. es liegen zwei drachen darunter. das. 1, 91. vgl. Thibaut de Navarre 2, 160. an das im Copenhagener wall eingeschlossene mädchen erinnert das kind, das vor einen tisch mit äpfeln gesetzt wird und ein jahrlang in einer höle verschlossen bleibt. Müllenhoff s. 354. Oft kehrt der zug wieder, daß das gebaute in der nacht wieder eingerissen wird, wie in der Bamberger sage von den domkroten. balt. stud. 10, 32. 34. Hanusch 186. Müllenhoff s. 112. 113. 128. 177. 542. troll nedrefvo om nätterne hvad som byggdes om dagen. Wieselgren s. 408. 15mal wird die mauer eingerissen. Sommer s. 9. ähnliches wird vom thurm zu Enger erzählt. Redekers sagen s. 41. tradituon says, that as fast as the workmen built it up by day, it would at night be carried off by invisible hands und placed on the spot where it now stands. Devonshire legend. Chambers popular rhymes 14 a . umgekehrt wächst die tags abgebrochne mauer über nacht wieder auf. Müllenhoff s. 349. vgl. den abgehauenen baum, der wieder sprießt (s.  802 ). . Der § 23 des indic. superst. de sulcis circa villas läßt schließen, daß man um neugegründete städte furchen pflügte, deren heiligkeit allem übel eindrang wehren sollte. Eben dies war etruskischer 958 brauch; Varro sagt: ›oppida condebant in Latio, etrusco ritu multa, id est junctis bobus tauro et vacca interiore aratro circumagebant sulcum. hoc faciebant religionis causa die auspicato, ut fossa et muro essent munita; terram unde exscalpserant fossam vocabant, et introrsum factum murum, postea quod fiebat orbis urbs.‹ die rinder waren weiß; Ovid fast. 4, 825 vom pomoerium des Romulus: inde premens stivam signavit moenia sulco,     alba jugum niveo cum bove vacca tulit. im comitium ward ein gewölbe gemauert und mit den erstlingen aller naturgaben , die der menschen leben erhalten, angefüllt Festus s. v. mundus. Niebuhr 1, 251. . Gewisse abergläubische gebräuche, wie es scheint von hohem alter, kommen früh und spät bei ganz verschiednem anlaß vor, und desto schwerer ist es ihren sinn zu fassen. Nach Burchard wird ein wagen entzwei getheilt ( abergl. C p. 195 c ) und eine leichbahre zwischendurch getragen, abergl. 929 ein der schwangerschaft verdächtiges mädchen genöthigt, zwischen einem so getheilten wagen hindurch zu gehn. Wagen und pflug gelten für heilige geräthe, in deren mitte aller betrug und zauber wich. Von dem gehen durch gehölten erdboden und gespaltne bäume im folgenden cap. bei den heilmitteln. In anderm sinn geschieht das kriechen durch die aufgespannte haut eines neugeworfnen füllen, oder durch ein pferdekummet , schwed. sela (dän. abergl. 167 ). Sonst soll man weder über andere schreiten (abergl. 45 ) noch unter einer deichsel durchschlüpfen ( 618 ) noch über deichsel und wagenstange steigen ( 729 . 925 ); eine schwangere hat alles hängende und verstrickte über sich zu meiden ( 688 . 933 ). Das erinnert daran, daß man in Christnächten kein holz drehen (abergl. 34 ) und mit gedrehtem holz nicht schlagen soll (schwed. abergl. 58 ), weil sonst dergleichen windungen und convulsionen in menschen verursacht werden würden. Von der traumdeutung hier nur weniges. dreám hieß den Angelsachsen jubilum, entzückung (s.  751 ) und so ist auch das alts. drohtines drôm  = himmel Hel. 54, 11. 63, 14. 85, 21 als dei jubilum, gaudium aufzufassen, gegenüber dem manno, liudo drôm (s.  663 ), dem vergänglichen traum der welt. für den begrif von somnium galt ags. svefen , alts. suebhan ; altn. ist svefn somnus. mhd. entsweben, einschläfern, wozu auch das ahd. suëp (aer) gehört, so daß schlafen und träumen eigentlich entzücken, entschweben des geistes in die luft aussagt (vgl. s.  906 arprettan). nahe liegen die lat. sopor und sompnus, somnus, somnium. ahd. wie altn. scheint troum , draumr auf somnium eingeschränkt. das goth. wort für ὄνειρος entgeht uns. Statt des sprichworts ›träume sind schäume ‹ finde ich das reiner gereimte ›träume sind gäume ‹ (Ettners chemiker 469. apoth. 132) d. h. wahrnehmungen (mhd. goume: 959 troume: schûme) merkwürdig Diut. 3, 96: waz iuwe wâre gescûmet , d. h. geträumt. schaum wird bestätigt durch den noch schlechtern reim: ›träume sind fäume ‹ (Kirchhofers sprichw. 342), für feime . . Schon das alterthum glaubte nicht an alle träume, sondern nur an schwere zu bestimmter zeit, an bestimmtem ort geträumte. träume auslegen hieß ahd. antfristôn N. Bth. 51, einfachcr sceidan , mhd. scheiden (Diut. 3, 97), bescheiden (Walth. 95, 8. Nib. 14, 2. 19, 2), traumscheider war gleichviel mit wahrsager. ags. sagte man svefen reccan , altn. draum râđa Nachtrag: Altslav. s''n'' , serb. san , russ. son' , poln. böhm. sen traum. litth. měgas, lett. meegs , preuß. maiggus somnus, russ. migat' blinzeln. litth. sapnas traum. altn. dûr levis somnus, nubes somni. höfugr blundr (sopor) Sæm. 93 a . er þer svefn höfugt? Laxd. 120. › troume sint trüge ‹ lautet das sprichwort bei der Hätzlerin 126, 127. traum trug . Frankl 21. 46. der traumdeuter hieß ahd. troumsceido , troumsceidari . Graff 6, 439. vgl. ὑποκρίνασϑαι. Od. 19, 535. 555. iafnan dreymir fyrir veđrum. Völs. saga cap. 25. noch heute legt man sich träume auf regen aus. ags. svefenracu traumauslegung, svefenreccere traumausleger. slav. gatati somnia conjicere. schwed. gissa drömmen. › elvens aldste datter‹ soll den traum rathen. DV. 3, 4. nu hefi rek þyddan draum þinn. Gunnl. saga ormst. cap. 2. den troum betiuten . MS. 2, 115 a . Griesh. 1, 98. träume › ontbinden ‹. Rose 6134. conjectura traumdeutung Plaut. Rud. III. 1, 20, 4, 66. Curc. II. 1, 31. . Die träume sind vorzeichen des künftigen, aus bildern und eindrücken des vergangnen aufsteigend; man könnte sie und ihre figuren schrift oder rune des schicksals nennen (vgl. s.  336 ), schön sagt Wolfram von Parzival 245, 8: ›sus wart gesteppet (acu pictus) im sin troum mit swertslegen umbe den soum‹. träume sind, gleich den vögeln, boten der götter , und verkündigen deren befehle; aber auch andere dämonische wesen entsenden sie: ›ir boten künftigiu leit sanden im slâfe dar‹, Parz. 245, 4. Wie in schlaf und traum begeisternde gabe der dichtkunst mitgetheilt wurde, ist s.  755 angeführt. Da beim angang vögel die hauptrolle spielen und die träume selbst als vögel zufliegen, versteht es sich, warum auch den inhalt der träume gewöhnlich gesichte von vögeln bilden, man könnte in einzelnen solcher träume den nachhall alter mythen finden. Kriemhild träumte, daß ihr zwei adler vor ihren augen den wilden falken raubten (erkrummen), den sie aufgezogen hatte; so wurde Idunn (? die schwalbe ) von dem adler Thiassi ergriffen, Ođinn, der göttliche reiher vom adler Suttûngr verfolgt. solche bilder erfüllten die phantasie des alterthums; als im Rudlieb zwei tanzende geschildert werden, heißt es schön 8, 49: ›ille velut falco se girat et haec ut hirundo ‹. Roth. 3845: ›mir troumite nâhte von dir, wie ein valke quâme gevlogin u. vuorte dich widir over mere‹. sv. forns. 2, 64: ›jag drömte att min herres falkar , de spände mig med sina klor, de togo mitt hjerta utur mitt bröst och gjorde sig deraf ett bo‹. auch von bären , wölfen , ebern gehn schwere träume (s.  768 . 769 ) Nachtrag: Der traum geht aus , erscheint . rann upp en sömn. sv. vis. 1, 299. wie der troum wolte ûzgên . Griesh. 2, 133. der traum ist aus . Ayrer 177 d . Fichard frankf. arch. 1, 130. es giebt ein thor der träume. Haupts zeitschr. 2, 535. ἐν ὀνειρείησι πύλησιν . Od. 4, 809. ἐν πύλαις ὀνειρείαις . Babr. 30, 8. vgl. den mythus bei Homer. Od. 19, 562–569. das traumgesicht ὄψις kommt wiederholt und entfliegt. Herod. 7, 12. 14. 15. 17–19. der traum erscheint. Griesh. 1, 98. Flore 1102. erscheine mirz ze guote. Reinh. 73. daher ›einen troum er gesach ‹. Kaiserchr. 5473. troum irsehen . das. 2921. nhd. einen traum haben . ags. hine gemêtte , ihm begegnete im traum, träumte. Cædm. 223, 20. gemêted vearđ. das. 225, 21. assistit capiti. Claud. d. b. gildonico 329 not. der troum ergienc (traf ein). Kaiserchr. 611. dîn troum irgê dir ze heile! das. 1373. nhd. der traum trift ein , wird erfüllt , wahr . οὐκ ὄναρ , ἀλλ' ὕπαρ . Od. 19, 547. 20, 90: nicht traum, sondern wahrheit. ὕπαρ ἐξ ὀνείρον . Pind. iwer troum wil sich enden . Fiore 1117. der traum ist ein bote gottes. sagde im an svefne, slâpandium an naht bodo drohtines . Helj. 21, 12. die träume sind schwer und leicht . stärke drömme . D. V. 3, 3. ob iu nu ringer getroumet. Ben. 438. ein schöner traum heißt ein › weidenlicher ‹. Ls. 1, 131. muowent uns troume? Kaiserchr. 2948. Besonders häufig sind träume von vögeln . mir (Uote) ist getroumet hînte, wie allez daz gefügele in disme lande waere tôt. Nib. 1449, 3. Vilk. cap. 336. mir troumte hînte in dirre naht, zwên falken vlugen mir ûf die hant. Morolt 2876. ein traum von rabe und adler . Orendel Ettm. s. 92. ähnliche träume von vögeln in Gunnl. saga ormst. cap. 2. fornald. sög. 1, 420. Penelope träumt vom adler , der ihre gänse tödtet. Od. 19, 536 ff. vgl. Aesch. Perser 205 ff. darzuo müeze im von eiern sîn getroumet (übel). MS. 2, 152 b . swer sich zuo lange wolde sûmen, deme muoste von eiern troumen. Türl. Wh. 87 a . einen traum von der jagd auf bären und eber erzählt Tit. 2877. 2878, vom eber . Krone 12157 ff., vom drachen Rab. 123. 124. die träume von thieren sind bezüglich auf schutzgeister und seelenwanderung nach F. Magn. eddalaere 4, 146. ein traum vom aufwachsenden baum kommt vor in Ruodl. 16, 90 ff., träume vom schifbruch Krone 12225, vom brennenden haus . Lachmann ndrrhein. ged. 18, 19, von der brücke . kl. schr. 3, 414, ein traum vom zahnausfall . Keisersb. brosaml. 48 a . mirst getroumet ab der guoten . MS. 2, 115 a . . Es kommt darauf an, an welchem ort, zu welcher zeit die träume geträumt werden. nach mitternacht gegen morgen sind sie am wahrhaftesten: ›post noctem mediam quando sunt somnia vera‹ ecbas. 227 vgl. Eracl. 3723; geister erscheinen wann der tag eben anbrechen will (ein beispiel s.  745 ). Herzeloide träumt aber ›umb einen mitten tac‹ Parz. 103, 25. Wie für brautleute bedeutsam ist, wessen licht beim hochzeitsmal zuerst erlischt, wer in der hochzeitsnacht zuerst einschläft, oder aus dem brautbett steigt (abergl. 15 . 485 . 717 . ehstn. 17 ); sind auch die träume und gesichte der hochzeitsnacht weissagend (vgl. Childerichs bei Aimoin 1, 8). eines solchen traums der Hvîtastierna in Gothland, der ihre nachkommenschaft anzeigt, gedenkt Gutalag p. 106. Der erste traum in dem neuen haus ist nicht minder 960 wichtig (deutsch. abergl. 122 . schwed. 61 ), doch vor dem einschlafen müssen alle balken gezählt worden sein. könig Gorm wird aufgefordert, ein haus an einer stelle wo noch keins stand aufzubauen, darin zu schlafen und zu träumen (fornm. sög. 11, 4–6 vgl. Saxo gramm. 179) ›du hast einfälle wie ein altes haus ‹ sagt man umgekehrt von einem, der untreffende dinge vorbringt. . Halfdan der schwarze (saga cap. 7) empfängt aber den rath in einem schweinstall zu träumen, der traum werde eintreffen. vom traum im neuen bett wird fornald. sög. 1, 367 erzählt. Auch traum in einer neujahrsnacht trift ein (abergl. 528 ). Im Reinh. 88 nachdem Chanteklêr seinen vortreflich ersonnenen traum erzählt hat, wird hinzugefügt: ›manec troum erscheinet sich (trift ein) über siben jâr‹. Eine menge traumdeutungen, die noch das heutige volk festhält, sind schon in frühster zeit nachzuweisen Nachtrag: Der lôrbaum habet tia natura, ube sîn ast ûfen slâfenten man geleget wirt, taz imo wâr troumet. N. Cap. 13. durch bloßen reim scheint veranlaßt der traum unter einem baum in Mar. 155, 21: als einem man der da gelît begrifen mit swârem troume slâfend unter einem boume. vgl. troum: boum. Wigal. 5808. der traum im schweinstall trift ein. fornm. sög. 10, 169. wichtig ist der erste traum im neuen haus . Günther 640. Die nacht heißt svefngaman , draumniorun . Sæm. 51 a . träume vor dem morgenrot sind wahr. Lenore fuhr ums morgenrot empor aus schweren träumen. mhd. ir getroumde (an dem tagerât , nach dem hankrât). En. 5234. troumen gein dem tage . Bit. 9630. in der frühstund , welche genant ist die zeit des gulden schlafes. fastn. sp. 1302. mir troumde nâch mitternacht , wie mir der dûme swaere und der nagel abe waere. Eracl. 3712. vgl. ἐναργὲς ὄνειρον νυκτὸς ἀμολγῷ . Od. 4, 841. Lilia träumt in der hochzeitsnacht . gest. reg. Francorum in Mones anz. 4, 15. der erste traum treugt nit, er pflegt wol wahr zu werden. C. Brehmen gedichte J 1 b . . Einzelne träume wurzeln in der deutschen volkssage so tief, daß man ihren ursprung weit zurück setzen muß, z. b. der von dem schatz, welcher einem auf der brücke angezeigt werden soll Agricola sprichw. 623. Praetorius wünschelr. 372. Abrah. a s. Clara Judas 1, 4. Ettners ung. apotheker s. 132. Musäus volksm. 4, 65. Rob. Chambers fireside stories s. 12, wonach die sage in mehrern schottischen gegenden umgeht. Nachtrag: Über den traum von dem schatz auf der brücke . kl. schr. 3, 414 ff. Aus dem traum weckt das geschrei der unsaeligen krähe. Walth. 95, 1, der krähende hahn, der rufende knecht. Ls. 1, 149. dô taget ez und muos ich wachen. Walth. 75, 24. ende ic ontspranc ende doe wart dach. Rose 14224. und mit dem erwacht ich. Agricola 624. darnach wards tag. 625. dô krâte der han, ez was tac. Altsw. 67, 3. Aus dem traum sprechen : ich ensprichez niht ûz eime troume . Parz. 782, 13. ir redet ûz eime troume . Reinh. s. 202. er vaht (im traum). Lachm. ndrrhein. ged. s. 18. 19. . Wie traum und angang so beruhen auch andere der angeführten bräuche deutlich auf der macht des ersten frischen eindrucks. Wir sind froh des vielen aberglaubens ledig zu gehn; doch erfüllte er das leben unsrer voreltern nicht allein mit furcht, sondern auch mit trost. 961 Cap. XXXVI. Krankheiten. Der götter zorn verhängt seuchen, ihre gnade offenbart aber auch den menschen rettende heilmittel. alle gottheiten können heilende sein, nach ihren namen scheinen kräuter und blumen benannt, deren heilkraft sie zeigen. bei den Griechen sind es besonders Apollo und seine schwester Artemis , von denen diese kunde hergeleitet wird; unser Wuotan , da wo er dem Apollo mehr als dem Hermes gleicht, vertritt ihn auch als heilenden gott (s.  123 ); mit Artemis und der heilerfahrnen Athene lassen sich hier Holda und Frouwa , die in spätern sagen durch Maria ersetzt werden, zusammenhalten. Asklepios oder Aesculapius , ein eigentlicher heilgott, ist wie Apolls sohn nichts als dessen ausfluß. Unter den göttlichen helden pflagen Herakles und Prometheus , der das heilende feuer gab, und Chiron dieser kunst: ihnen dürfen schon der nord. Mimir , unser Wate und Wieland sich zur seite stellen, ein heilkraut heißt Wielandswurz und in übung der schmiedekunst steht Wieland Prometheus gleich. vgl. cap.  XXXVII . Wie bei Homer Paeons und Machaons arznei und wundenkenntnis gerühmt wird, heißt es im Gudrunlied von Wate : si hæten in langer zîte dâ vor wol vernomen, daz Wate arzet wære von einem wilden wîbe : Wate, der vil mære, gefrumete manegem an dem lîbe. das wilde weib aber darf weise frau oder halbgöttin sein (s.  358 . 359 ). auch nach schottischer überlieferung (bei Rob. Chambers s. 34) zeigt die meerfrau heilkräuter an. In der edda erscheinen mehrere solcher frauen. Eir gehört unmittelbar in der göttinnen reihe: ›hon er læknir beztr ‹. Sn. 36. ich bringe ihren namen in verband mit dem goth. áirus nuncius, ags. ârjan, altn. eira parcere, und dem ahd. Irinc (goth. Eiriggs?), Eir wird die schonende, helfende göttin und botin sein. in einer andern stelle Sæm. 111 a stellt sie aber bedeutsam unter den neun frauen der weisen Menglöđ (s.  351 ); Hlîf heitir, önnur Hlîfþursa , þridja Thiođvarta , Biört ok Blîđ , Blîđur , Frîđ , Eir oc Örbođa . das scheinen zum theil riesinnen , Hlîfþursa und Örboda, die Sn. 39 frau des Gŷmir ist, und sie schicken sich zu jenen wilden weibern ; die meisten sind jedoch kennbare personification sittlicher 962 vorstellungen, Frîđ , mansueta odor parca (goth. freidjan parcere), Hlîf tutela oder parca, von hlîfa parcere, was völlig eins mit Eir ist und erwünschtes licht auf den namen parca selbst wirft. um so mehr darf Biört , wie schon s.  226 gemutmaßt wurde, unmittelbar zu Berhta und Blîđ (blanda, mitis) zu Holda gestellt werden: die heilfrauen leiten auf weise, göttliche. Daß aber hier an heilgabe zu denken ist, ergibt die vorausgehende, nicht minder wichtige strophe: Hyfjaberg þat heitir, en þat hefir leingi verit siukom ok sâri gaman: heil verđr hver, þôtt hafi ârs sôtt, ef þat klîfr kona. ich übersetze: Hyfjaberg heißt der fels und lange war er den siechen und der wunde freude (d. i. hilfe); heil wird jede frau, die ihn erklimmt, und wäre sie schon ein jahr krank. der fels ist also ein heiliger, der Menglöđ und ihren jungfrauen geweihter ort, auf welchem jede kranke ihn ersteigende frau rettung fand. was Hyfjaberg oder nach andrer lesart Hyfvja, Hyfaraberg bedeute kann ich noch nicht angeben; es genügt uns, daß solche heilfelsen vortreflich zu dem begrif stimmen, den man sich von den klugen frauen der vorzeit zu bilden hat. alle weissagerinnen, parzen und musen wurden auf bergen hausend gedacht. Menglöđ könnte geradzu für Freyja (s.  255 ) erklärt werden, und im dienst der höchsten göttin ständen die übrigen ihr gleichartigen frauen, und der heilkunst ist ein ruhmvoller ursprung nachgewiesen. Nun wird es auch begreiflich sein, warum Brynhild , der auf dem berg wohnenden valkyrie ›lif međ læknîng‹ (pharmaca cum medela) Sæm. 147 b zukam; sie ist weise zauberkundige frau, pharmaceutria, herbaria, versteht sich aber auf wunden binden (undir dreyrgar yfir binda, Sæm. 220 b ) gleich Hiltgund (Walthar. 1408). Oddrûn hilft bei schwerer entbindung (Sæm. 239) und berühmt ist aus dem Tristan Isotens arzneikenntnis. An heilquellen und gesundbrunnen erscheint aber die weiße frau mit der schlange (s.  488 ), dem heilkräftigsten, oben unter Aesculap dienenden thier. Auch die serbische vila ist ärztin und heilt wunden für hohen lohn (Vuk no. 321). Die arzneikunde des heidenthums muste nach allem diesem halb priesterlich und halb zauberisch sein. priestern verschafte erfahrung und höheres wissen kenntnis der natürlichen heilkräfte, von der weihe ihres standes giengen hilfreiche segensprüche aus, opfer schlossen an heilmittel, ja große heilungen und abwehr der seuchen gelangen nur durch opfer. noch das ganze mittelalter hindurch sehen wir auch christliche geistliche vorzugsweise im besitz der arzneien und der gabe ihrer anwendung. Ein theil jener heidnischen lehre gieng aber auf die weisen männer und frauen über, die sich durch beibehaltung abergläubischer gebräuche und misbrauch wirklicher heilmittel den ruf der zauberei zuzogen. Gleich 963 der hexerei (s.  867 ) fällt auch die alte heilkunde hauptsächlich frauen zu, und aus demselben grund Nachtrag: Apollo heißt ἰατρόμαντις . Aesch. Eumen. 62. Apollo Grannus wurde in krankheiten angerufen. Stälin 1, 67. 112. weise ärzte sind Kasiapa . Holtzmann 3, 164. 165, Japis Jasides. Aen. 12, 391, Meges , gr. Μέγης. Forcellini s. v., Dianoecht der irische arzt. Keller über ir. hss. s. 93. die Griechen verehrten den Scythen Toxaris nach seinem tode als ξένος ἰατρός. Lucian. Scytha 2. Ζαμόλξιδος ἰατροί. Plato Charmides s. 156. der graue schmied erscheint dem siechen im schlaf und zieht ihm mit einer zange nägel und speer aus hand, fuß und seite. Haupts zeitschrift 1, 103. der engel kündet im traum das heilmittel. Engelh. 5979 ff. 5436 ff. so erscheint ein engel im schlaf und gibt ein weidenreis gegen das viehsterben. Müllenhoff 238. heilige heilen s.  974 . vorr.  XXIX . GDS. 149. sehr häufig aber sind frauen heilkundig. Angitia lehrt kräuter und heilmittel. Klausen 1039. wie Wate von einem wilden wîbe arzt geworden, führt ein kräutermann seine kunst zurück auf madame Trote de Salerne , qui fait cuevre chief de ses oreilles et li sorciz li penden à chaaines dargent par desus les epaules. sie sendet ihre leute nach allen ländern kräuter zu sammeln: en la forest d'Ardanne por ocirre les bestes sauvages et por traire les oignemenz. Rutebeuf 1, 256. (ein anderer nennt sich jäger aus dem Ardennerwald . das. 1, 470). unde communiter Trotula vocata fuit, quasi magistra operis . cum enim quaedam puella debens incidi propter hujusmodi ventositatem, quasi ex ruptura laborasset, cum eam vidisset Trotula , admirata fuit etc. Medici antiqui. Venet. 1547. 75 a . diese Trotula nennt auch Chaucer C. T. 6259. nach Jöcher war sie eine salernitanische ärztin, das buch de morbis mulierum sei aber nicht von ihr, sondern von einem arzt unter ihrem namen verfaßt. Othinus verkleidet sich in eine frau und nennt sich Vecha und gibt sich für eine ärztin. Saxo gramm. ed. M. 128. vgl. ags. vicce saga (s.  863 ). drei nymphen bereiten eine heilende, stärkende speise für Balder. Saxo gr. ed. M. 123 (vigoris epulum. das. 194). königin Erka ist ärztin. Vilk. saga cap. 277. Crescentia ist mit heilkraft begabt (s.  964 ). wie in der schottischen überlieferung holt auch im Abor die meerfrau die heilende wurz auf einem berge. Haupts zeitschr. 5, 8. Fâmurgân kennt die würze, macht pflaster und salben. Er. 5212. 7226. Iw. 3424. nach L. Guest 3, 163 gab es einen arzt Morgan tud , aber so heißt auch ein heilkraut. das. 3, 164. vgl. Ben. anm. zu Iw. 3424. Isôt , diu künegîn von Irlande, diu erkennet maneger hande wurze und aller kriute kraft und arzâtlîche meisterschaft. Trist. 175, 32. die wasserjungfer kennt heilkräuter. Firmenich 1, 23. ein meerweib hilft entbinden. Müllenhoff s. 340. en gumma sade, hon kände väl de gamles skråck , men trodde dem ej; hon viste huru man kunde få hjelp af dem, men att det var syndigt. Fries udfl. 1, 108. das wilde fräulein kennt die wunden heilende wurzel. Ecke 173–175. in Staffelbach kamen die holzfräulein aus dem wald und riefen den leuten zu: eßt bimellen und baldrian, so geht euch die pest nicht an. dafür läßt man dem waldmännlein bei der ernte auch ein büschlein stehn. die vila im wald ist ljekaritza, fordert schweren lohn und zürnt, wenn er geweigert wird, und vergiftet. Vuk no. 321. vgl. Vuk 2, 50 und die perejungfer und ihre heilquelle. Alsatia 1855 s. 216. (in süezer heilinge ist ein thüringischer ort bei Graff 4, 867). der name der nordischen Eir erinnert an Ἶρος, Ἄïρος Od. 18, 6. 73, und an Ἶρις, die ebenfalls botendienste thun. dem Hyfjaberg vergleicht sich der finn. Kipumäki , Kipuvuori , Kipuharja krankheitsberg. Frauen heilen und verbinden. Roquefort zu Marie 2, 198–202. frowen die die tiefen wunden ir lieben vriunden bunden. Servat. 1779. do sênten (segenten) im die wunden die frouwen al ze hant. Roseng. 1997. dede si sine wonden wel besien ere jongfrouwen, diere vroet ane was. Lanc. 22651. eine jungfrau kennt ›der crude cracht‹. Lanc. 11999. eine frau gibt wundersalbe. Ecke 155. 156. hirten und schäfer heilen menschen, weil sie auch thiere behandeln. Varro RR. 2, 1. nach des kranken tod läßt man die ärzte tödten. Gregor tur. 5, 35. . Ein arzt hieß goth. lêkeis , ahd. lâhhî , ags. læce , altn. læknir læknis hendur Sæm. 194 a læknir vera ok kunna sâr at siâ. Sæm. 195 a . , læknari , schwed. läkare , dän. läge ; das engl. leech ist zum begrif eines bauern oder vieharztes herabgesunken. das mhd. lâchenære , lâchenærinne drückt zauberer, zauberin aus (s.  866 ), vielleicht noch mit dem gedanken an heilmittel, vgl. ›lâchenen und fürsehen‹ ( abergl. D 38. r.) Quedlinb. hexenacten p. 77: die kranke › lecken ‹. . Von den Deutschen hat sich dieses wort schon in früher zeit den Slaven, Litthauern und Finnen mitgetheilt: altsl. und böhm. lekar' , serb. ljekar poln. lekarz , litth. lekorus , finn. lääkäri ; oder hätten die Deutschen es von den Slaven her? eine deutsche wurzel habe ich no. 300 nachzuweisen gesucht, eine slavische scheint mir schwieriger. dem slav. ljek, lek (remedium) entspricht unser ahd. lâhhan. Andere benennungen sind vom begrif des helfens, besserns hergenommen, vgl. betan, böten, mederi (s.  866 ); altn. grœđa (sanare) grœđari (chirurgus, medicus) von grôđ (lucrum, auxilium); mhd. heilære (medicus) Karl 45. aber schon ahd. arzât O. III. 14, 11. mhd. arzet , nhd. arzt . mnl. ersetre Diut. 2, 223 a . altfranz. artous , artox ; wurzel scheint das lat. ars, obgleich arzât nicht unmittelbar aus artista erklärbar temperîe (arznei) ûz würze kraft Parz. 643. 23. lâhhinônto temperando vgl. mous. 393. . das provenz. metges Ferabr. 547. 1913, mege (Raynouard 3, 173) altfranz. mires , mirre sind aus medicus der herausgeber des Garin will 2, 89 mire aus dem arab. emir (herr) leiten, doch franz. R entwickelt sich oft aus D, T vgl. lerre latro, beurre butyrum. . Jenes altn. lif (s.  962 ) ist besser zu schreiben lyf , denn es entspricht dem goth. lubi (das ich aus lubjaleisei φαρμακεία Gal. 5, 20 entnehme), ahd. luppi , mhd. lüppe ; aus der bedeutung des erlaubten heilsamen φάρμακον gieng hernach die des schädlichen, zauberhaften hervor, wie auch gift ursprünglich gabe, donum, dann venenum ausdrückte. dem luppari (veneficus) steht die lupparâ (venefica) zur seite, dem kräutermann die kräuterfrau , herbaria , pharmaceutria . bei Saxo gramm. 16 heilt eine jungfrau wunden und 25 nennt er Wecha medica , andere beispiele heilender frauen hat Thorlacius obs. 4, 279 gesammelt Pomp. Mela 3, 6 von gallischen frauen: putabantur ingeniis singularibus praeditae et sanare quae apud alios insanabilia sunt. umgekehrt erscheinen bei den Römern frauen von der behandlung gewisser krankheiten ausgeschlossen. . Unter dem volk gibt es noch alte frauen , die das böten, streichen, gießen und segnen treiben (abergl. 515 . 864 ). Merkwürdig ist, daß heilformeln von frauen nur auf männer , von männern nur auf frauen übertragen werden sollen (abergl. 793 vgl. s.  926 ) und wir sahen eben, daß schon Wate von einer frau seine kunst erlernt hatte. Vorzüglich sind es schäfer , die für kluge, arzneikundige männer gelten (franz. abergl. 35 ); früherhin auch andere hirten und jäger 964 (›bubulcus, subulcus, venator‹ abergl. C int. 43). Im mittelalter zogen aber wandernde ärzte im land herum, die dem volke kunst und heilmittel feilboten, gewöhnlich in begleitung eines ergötzliche possen treibenden knechtes; ich verweise auf Rutebeufs diz de l'erberie (Méon nouv. rec. 1, 185–191. oeuvres 1, 250–259. ähnlich 1, 468–477) und auf das osterspiel in Hoffm. fundgr. 2 und altböhm. bei Hanka 7, 198. Diese landstreichenden kräutermänner, quaksalber, harnsteinschneider gewähren vielfachen aufschluß über art und weise der volksmäßigen heilungen. Greg. tur. 9, 6 gedenkt eines zauberers und arztes Desiderius, der einen rock aus ziegenhaaren trug; das altslav. bali bedeutet arzt, eigentlich aber zauberer (glagolita 67 b ) Nachtrag: Ein arzt hieß fries. lêtze . altn. lîkna ok laekna lenire et mederi. Sæm. 236 a . gal. liagh , woher Leo malb. gl. 1, VIII. alles übrige leitet. schott. lighiche arzt. ahd. lâchituom medicina. Ags. from medicus. Matth. 9, 12. vgl. ahd. frumi thaz wîb, heile das weib. O. III, 10, 19. thia fruma neman. O. III. 14, 50. fruma firstelan. das. 39. ahd. auch grâvo chirurgus. Graff4, 313. fries. grêva . Richth. 786. mhd. wîse man arzt. v. d. Hagen Ges. Abent. 2, 121. Über arzt , arznei Graff 1, 477. arzenare . N. Boeth. 217. arsatere medicos. Lanc. 42631. ersatre von wonden. das. 1988. arzatinne . Trist. 33, 38. was ist dietarzt? Garg. 72 a . arzadîe . Kaiserchr. 7483. 7493. erzenîe . Wh. 60, 23. Das ahd. luppi leitet Leo malb. gl. 2, 38 aus gal. luibh herba her. si machent ûz krût ein gestüppe (pulverem) daz ist guot ze der lüppe . Hätzl. 217 a . schwed. löfja läka. löfjor medicamenta. löfjerska vis qvinna. Almqv. 390. lublerin venefica. Mones anz. 7, 424. diu zouuerlicha hant , herbipotens manus. N. Boeth. 197. diu chriuter unde diu gifthant der Circe. das. 198. hantgift . Mones anz. 7, 423. 424. Tit. 4518. so gloubent eteliche an boese hantgift . Berth. 58. der Saelden hantgift . Silv. 534. edel hantgift geben. Troj. 11188. sûre hantgift . das. 25043. dats goede hantgifte . Rein. 6906. sonst ist hantgift strena. leidiu hantgift . Troj. 12334. lex sal. 19 heißt es: si quis alteri herbas dederit bibere , ut moriatur. der begrif venenum entspringt aus herba (? lubi), aus dare (gift), aus bibere (potio). aus potio wird poison , trank, tränkchen vgl. à enherber (vergiften) maprist jadis une juise (jüdin). Berte s. 103. Ducange s. v. inherbare . ein kräutermann, quacksalber hieß in Baiern waldhansl , waldmann . Schm. 4, 63. 64. würzler umb Bingen. Garg. 172 b . krautnirer . das. 188 b . teufelsgerittene wurzeltelberin , abgeribene krautgraserin . das. 189 a . alraundelberin . das. 104 a . Schweizer weiber holen ihre hundert kreuter auf dem Donnersberg in der Pfalz, sagten sie wehren dort kreftiger als in der Schweiz. Elisab. v. Orl. s. 283. ich waiz ain mairin , diu vil mit dem kraut würkt. Megenberg 386, 32. alte frauen pflücken kräuter am Johannistag mittag zwischen 12 und 1, wo sie allein kraft haben. mit dem schlag 1 ist die kraft vorbei. sie wachsen einzig auf dem Pilgerberg. Müllenhoff s. 222. krût tempern . Hartm. 1 büchl. 1307. Troj. 10635. ein temperîe als wir gemischet nemen. Wh. 420, 2. luft tempern und mischen . MS. 1, 87 a . Andre benennungen sind ahd. lochôn , eigentlich mulcere, fovere. ir eigut siuchi gilokôt . O. V. 20, 76. vgl. gr. ἰάομαι ἰαίνω fovere, ursprünglich von wunden. . Crescentia, eine verfolgte fromme heilige, empfängt von Petrus oder Maria, die ganz an der stelle heidnischer götter auftreten, die gabe alle krankheiten zu heilen (kolocz. 267), nach dem altfranz. gedicht (Méon n. r. 2, 71. 73) bloß den aussatz. sie selbst könnte gerade zu für eine weise frau gelten und wird gar zauberin gescholten. Auch königinnen des alterthums ist das vermögen zugeschrieben, bestimmte krankheiten durch ihre berührung zu tilgen: im Rother 32 b . 33 a bestreicht die königin lahme und krumme mit einem stein. erbkönigen von Frankreich und England (Hones yearbook s. 799) wird eine ähnliche kraft beigelegt. Gebiert eine frau sieben söhne hinter einander, so kann der siebente durch einen schlag mit der hand allerlei schaden heilen (abergl. 786 ), nach Ettners hebamme 906, maulaffe 699 heilt seine berührung kröpfe. nach franz. abergl. 22 ist es der fünfte sohn. von diesem siebenten oder fünften sohn geht noch viel andrer aberglaube, in Ostfriesland sagt man es werde ein › walrider ‹, heißt das einer der auf die wahlstatt reitet? vgl. welrecke s.  347 ; entsprechend scheint aber, daß von sieben in einer ehe hintereinander gebornen mädchen eins ein werwolf werden soll (abergl. 1121 ). Ein kind, das seinen vater nicht kennt, vermag geschwülste aufzulösen (fondre les loupes). das. 21. Das erstgeborne, mit zähnen auf die welt gekommne kind kann bösen biß heilen (schwed. abergl. 29 . 37 ). Dies alles berührt sich mit dem s.  910 und 926 von der erblichkeit, dem übergang der weissagungsgabe und der kunst des wettermachens gesagten. die heilkunst war ebenso priesterlich wie das geschäft wahrzusagen Nachtrag: Der kropf heißt engl. kings evil , weil es der könig heilt. kropfige, aus der hand eines grafen von Habsburg trinkend , werden heil. Rebers Hemmerlin s. 240. schimpf und ernst 1, 27. es scheint, daß gevattern den leib des pathen von gewissen übeln heilen können: gevatter unde fülizant an grôzen noeten sint ze swach. MS. 2, 160 b . auch bei Amerikanern erbt die kunde der heilkräuter von vater auf sohn. Klemm 2, 169. das geschlecht des Diokles heilt krankheiten und lähmungen. Paus. IV. 30, 2. heilung wird durch berührung des saums , auch durch zaubersang herbeigeführt. serb. bajati incantare morbum, dolorem. den puls fühlen heißt mhd. die âdern begrîfen . MS. 2, 23 b . vgl. ein âdern grîfen . Reinh. 2018. si marhte mit dem vinger sîn âderslân . Eracl. 3033. der kraftâdern slac . Barl. 188, 22. . Zwischen opfer und heilung wird sich der unterschied am richtigsten vielleicht so fassen lassen, daß jene mehr gegen die drohende, diese auf die ausgebrochene krankheit gerichtet waren. abwehrende opfergebräuche haben sich ohne zweifel im hirtenleben zulängst bewahrt: die hirten ließen ihr vieh durch die flamme springen, alljährlich einen römischen brauch schreibe ich aus Cato (de re rust. 83) her: votum pro bubus , ut valeant, sic facito. Marti Silvano in silva interdius, in capita singula boum votum facito farris adorei libras  iii . et lardi p.  iv . s. et pulpae iv s. vini sextarios tres. id in unum vas liceto conjicere et vinum item in unum vas liceto conjicere. eam rem divinam vel servus vel liber licebit faciat. ubi res divina facta erit, statim ibidem consumito. mulier ad eam rem divinam ne adsit neve videat quomodo fiat . hoc votum in annos singulos, si voles, licebit vovere. oder sobald die seuche anrückte. doch 965 wurde auch in schweren fällen der krankheit, die schon getroffen hatte, geopfert. Unsere heutige, nicht aus dem volk hervorgegangne arzneigelehrsamkeit hat allmälich beinahe alle deutschen benennungen der krankheiten verdrängt und durch griech. oder röm. wörter ersetzt. da jene oft noch auf vorstellungen des alterthums von den krankheiten und ihrer heilung führen, wird es nöthig sein wenigstens die bedeutendsten anzuführen. Krank hat im MA. nur den sinn von debilis, infirmus, ahd. wanaheil , nicht von aeger, und für dieses gilt siech , goth. siuks , nhd. sioh ; morbus wird folglich nicht durch krankheit ausgedrückt, sondern durch sucht , goth. saúhts , ahd. suht , altn. sôtt , während wir mit sucht jetzt den sittlichen begrif von hang, heftigem verlangen verbinden, und nur noch in den zusammensetzungen schwindsucht, gelbsucht u. a. seine alte bedeutung behalten. Analog verhalten sich das altn. þrâ (desiderium, aegritudo animi) und lîkprâ (lepra), vgl. schwed. trå, helletrå, dän. traa, helletraa. DV. 2, 180. Allgemeine wörter, die auch den leiblichen schmerz des siechthums ausdrücken, sind ahd. suero , mhd. swer , ahd. mhd. wê , wêtago , wêtage (wie siechtage ). Sonst heißt ein siecher auch ahd. bettiriso (bettlägerig, clinicus) O. III. 14. 67; mhd. betterise Parz. 502, 1. 813, 16; ags. beddrida , engl. bedridden ; ein name zumal für alterschwache greise geeignet, ›der alte betterise‹, der sich nicht mehr vom lager erhebt. im Norden hieß diese schmerzlose alterskrankheit Ann sôtt , nach könig Ön eđr Ani, der durch das opfer seiner söhne (s.  37 ) das höchste lebensziel erreicht hatte und zuletzt gleich einem kinde wieder milch trank. Yngl. saga cap. 29 Nachtrag: Nomina morborum vernacula stehen in J. Fr. Löw ab Erlesfeld universa medicina practica. Norimb. 1724. Die krankheit heißt siuche . Uolr. 1038. 1109. En. 10833. mnd. suke . mhd. siechtuom . diu suht . fundgr. 2, 46. gesühte . warn. 2192. siech von ungesühte . Walth. 20, 4. fragm. 46 b . ersochte . Haupts zeitschr. 8, 167. werltsiech . En. 12908. die siechen und die weichen . g. schm. 494. vgl. altn. veikr infirmus, veiki infirmitas. ags. vâc infirmus, engl. weak . siec ende ongedaen . Lanc. 15338. unmahtî invaletudines. O. III. 5, 2. unmahti infirmi. O. III. 9, 5. ahd. ni mac ni touc , non valet. mhd. niht enmac aegrotat. Hagen Ges. Abent. 3, 63. daz ich nie ne mac . Kaiserchr. 821. ungewalt morbus. En. 10230. 10551. slav. nedug morbus. böhm. nemosch infirmitas. unvarnde aeger. Turi. Wh. 60 b . dagegen: wolvarnde und gesunt. Iw. 3430. ahd. kisunt , mhd. gesunt , mnl. gesont . ungesunt . a. Heinr. 375. unganzî infirmitas. O. III. 4, 34. ganz (integer). O. III. 2, 22. 32. mnl. gans . gansen sanare. Maerl. 1, 313. 2, 359. Jesus s. 136. genesen und gansen neben einander. Maerl. 1, 313. das vornehmste wort für sanus ist goth. hails , hd. heil , alts. hêl , ags. hâl , altn. heill , engl. whole . sanari ist goth. háils visan , gaháilnan . goth. ganisan ist salvari, ahd. ganisan . ags. genesen mit acc. anm. 2996 . ghenesen ende becomen . Maerl. 3, 97. ahd. chûmig infirmus, chûmida morbus. mnl. evel malum, morbus. nhd. das übel . ags. âdl ne yldo. Beov. 3469. von âd feuer, hitze? ( anm. 2871 ). âdl ođđe îren. das. 3692. âdl ođđe ecg. das. 3523. âdlig aeger. dän. uminden , umänen ist name für eine unbestimmte krankheit. Molb. dial. lex. s. 630 vgl. altn. ômynd monstrum, forma laesa. was heißt: lâgi dawalônti . O. III. 2, 7? moriens (Graff 5, 346). dole ich diz gebende . Kaiserchr. 12704. vgl. altn. afbendi tenesmus, dän. bindsel verstopfung. Allgemeiner sind ahd. sucrido  = suero. oucsuero , magasuero . Graff 6, 888. ahd. wêwo dolor. manegen wên vertreip. Servat. 1077. ags. ece dolor, tôđece . ags. cođ oder cođe morbus, pestis. bâncođa m. cod. exon. 163, 23. Mhd. er lent , liegt krank zu bette (clinicus). Parz. 251, 16. nhd. er liegt, recumbit. die geligrigen (infirmi). Mohr reg. Frauenb. no. 328. 235. die suht ligen . Haupts zeitschr. 4, 296. gramm. 4, 620. mi legar bifêng. Helj. 135, 12. legarfast . 121, 16. betterise und ligerlinc . Griesh. 116. 124. betrise . urstende 123, 69. Servat. 3180. gehört petritto in der straßburger formel hierher? an resebette ligen. h. Ludwig 90, 13. le gisant . Lafont. 5, 12. vgl. sö stüende ich ûf von dirre nôt und waere iemer mê gesunt. Walth. 54, 9. Eigenthümlich ist ahd. winnen furere, laborare morbo, gewinnen (das fieber), vgl. altn. vinna . In Cassel heißt krank aufstützig . ein pferd aufstützig worden. Cav. im irgarten. 53. . Christlich war es, die sucht für schickung gottes , heidnisch, sie für einwirkung der geister und etwas elbisches zu halten. Sie wird darum auch personificiert ; sie stößt an, füllt an, überfällt, überlauft, packt, greift an, überwältigt den menschen: δαίμων ἐπέχραε, στυγερὸς δέ οἱ ἔχραε δαίμων. Od. 5, 396. Hel. 92, 1 heißt es: ›mid suhtium bifangan, bedrogan hebbiad sie dernea wihti . thea wrêdon habbiad sie giwittiu benumune‹. ›fugit pestis ab homine, quam daemon saevus miserat‹ (versus Hartmanni bei Canisius II. 3, 203). kein wunder daß den krankheiten , wie lebendigen wesen, in der edda ein eid abgefordert wurde, Balder nicht zu schädigen (Sn. 64). gleich dem tod und schicksal (s.  336 ) nimmt die seuche weg, ›suht farnam‹. Hel. 125, 20; bei der schwed. betheurung trå mig! ist tage zu verstehn: ita me morbus auferat! im cod. vind. th. 428. no. 94 finde ich die redensart: ›eine suht ligen, zwû suht ligen‹. ›sich in die suht legen‹, Rein. 302, 320. 966 Die dämonische natur der krankheiten macht, daß man ihnen, gerade wie unheimlichen gefürchteten thieren, um sie abzuwenden freundliche, schmeichelnde namen beilegt und sich hütet ihren rechten auszusprechen, so heißt es das gute , das gesegnete , das selige (Schm. 2, 87. 3, 212. 222) oder die seuche wird gevatterin angeredet. mehr beispiele werden bei den einzelnen krankheiten anzuführen sein Nachtrag: Die krankheit erscheint als schickung gottes in dem gr. ausdruck νοῦσος Διὸς. Od. 9, 411. ir wâre diu suht gescehen . fundgr. 2, 46. die krankheit greift an. ἄρρωστος ist infirmus, nhd. angegriffen . mich hât ein siechtage begriffen . Diocl. 6016. in ergreif diu miselsuht. a. Heinr. 119. angriffen von einem boesen wind, von einem teufels kind. Mone 6, 470. gesuhte bestêt uns. Haupts zeitschr. 1, 272. do begunde ein suche râmen der vrowen. pass. K. 425, 20. værc ingevôd morbus invasit. cod. exon. 163, 29. him færinga âdl ingevôd . das. 158, 21. nhd. anfall morbus, anvellig (ansteckend) Mone 8, 499. vas anahabaida brinnôn mikilai. Luc. 4, 38. da wolt mich hân ergrummen, ich weiz niht waz . Hugd. Fromm. 146 (ein unbekanntes weh ergriff). in stiez an einiu kelte. fragm. 19 b . wenn einer bei der ernte krank wird, so heißts in Meklenburg, der erntebock hat ihn gestoßen . den hete der siechtuom sô begint (: kint). Uolr. 1523. dagegen: den siechtuom überwinden . Wigal. 5991. unz der siechtuom von im flôch . Haupts zeitschr. 5, 278. diu suht entweich . Haupts zeitschr. 8, 188. Iw. 3446. sô muozen dir intwîchen dîne suhte. Kaiserchr. 838. daz gesüht begund in fliehen . Ecke 176. diu suht von ime flôz . Diemer 325, 7. die νοῦσοι nahen den menschen αὐτόματοι und σιγῇ, ἐπεὶ φωνήν ἐξείλετο μητίετα Ζεύς. Hes. ἔργα. 102. mulierculae plures . . . a daemoniis vexantur . a. 1075. Pertz 5, 128. die hexe kocht, braut krankheiten, so auch die finn. Kivutar (s.  873 ). sie heißt kipiä neito. Schröter 34, kipu tyltö, kipulan näto. Peterson 75, kipunen eukko. Kalev. 25, 96. 179. reißende, graue hunde heulen neben ihr. Peterson 74. sie trägt schmerzenshandschuhe und schuhe. Kalev. 25, 183. 184. litth. heißt es: ligga ne sessŷ , die krankheit ist keine schwester, schont nicht. . Fieber, ahd. fiebar , ags. fefor . goth. heitô Matth. 8, 15. brinnô Marc. 1, 31. Luc. 4, 38, beide für πυρετός, und beide weiblich; kein entsprechendes ahd. hîzâ, prinnâ. in der Schweiz hitz und brand für fieber (Tobler 74 a ), auch das ags. âdl Beov. 3469. 3692 scheint hitziges fieber, von âd ignis zu leiten, würde also ahd. eital lauten. ahd. rito (masc.) gl. mons. 391, von rîtan (reiten), nicht von rîdan (torquere), weil das fieber nicht, wie der krampf, verdreht, und ags. rida (nicht vriđa) geschrieben werden muß, Lye hat riderođ (febris). Es wird wie ein alb betrachtet, der den menschen reitet , rüttelt und schüttelt ›der alp zoumet dich‹, ›der mar rîtet dich‹ (s.  384 ); altn. › mara trađ hann‹. Yngl. saga cap. 16; ›der rite bestuont in‹. Alex. 2208. En. 10834 und Eracl. 3166 werden › suht, fieber, rite ‹ neben einander genannt, also unterschieden, En. 10350 › suht und rite ‹, 9694 › suht und fieber ‹ und das. 9698: ›diu minne tuot kalt und heiz mêr dan der viertage rite ‹ (febris quartana). ›habe den riden und die suht umb dînen hals!‹ Morolf 715, wie Reinh. s. 302. 312 ›die suht an iwern lôsen kragen!‹; ›nu muoze der leide ride vellen!‹ Karlmeinet 110. rite scheint vorzüglich das kalte fieber, was sonst auch der frörer (abergl. 183 ) heißt, wiewol von ›ritten frost‹ und ›ritten hitze‹ die rede ist. im 15. 16 jh. waren gemeine verwünschungen: ›daß dich der ritt schütte, der jarritt (das ein jahr lang dauernde fieber), der gæhe rite gehe dich an!‹ ›das dich der ritt in die knoden schütt!‹ Garg. 96 a . ›ins ritt namen habt rhu!‹ H. Sachs III. 3, 10 c . man sagte: ›wo führt ihn der ritt her?‹ wie der teufel (s.  846 ). Merkwürdig ist Boners gut erzählte fabel 48, worin der rite persönlich (aber wie gestaltet?) auftritt und sich mit dem floh unterredet: sie ist deutlich erst im mittelalter erfunden. Petrarch epist. 3, 13 erzählt sie von der spinne und dem podagra, und nennt sie anilis fabella. In Baiern wird das fieber als beutelmann (der beutelt, schüttelt) personificiert (Schm. 1, 219); in einem fiebersegen werden 72 fieber angenommen. nach dem russischen volksglauben gibt es neun schwestern , die das menschliche geschlecht mit fiebern plagen und in erdhölen an ketten gefesselt liegen: los gelassen fallen sie ohne gnade über die leute her (Götzes russ. volksl. s. 62). Jene auslegung erlangt sicherheit durch die ehstnische redensart › ajan walged, ajan halli ‹ (ich reite den weißen, ich reite den grauen) d. i. ich habe das kalte fieber. (Rosenplänters beitr. 12, 42. 43). Den Griechen war ἐπιάλτης, ἐφιάλτης wörtlich aufspringer, ein dämonischer incubus, alb, der das nächtliche, fieberhafte alpdrücken verursacht. gleichviel ist ἠπιάλης, ἠπιόλης alp, und 967 ἠπιάλος, ἠπιόλος fieber, fieberfrost, ausdrücke, welche die grammatiker durch verschiedene betonung zu sondern trachteten. es kommt dazu, daß ἠπίολος bei Aristot. hist. an 8, 20 wiederum schmetterling , papilio bedeutet, die begriffe geist, alb und schmetterling aber vielfach in einander aufgehn (s.  690 . 704 ). litth. ist drugis schmetterling und fiebervogel, lett. drudsis fliegende motte und fieber. litth. druggis kreczia, lett. drudsis kratta, das fieber schüttelt. Eine ags. von Wanley s. 176–180 (vgl. oben s.  199 ) ausgezogne hs. von krankheiten und heilmitteln hat s. 180 älfâdle læcedôm (arznei wider die elbkrankheit), älfcynnesealf (elbsalbe) und nihtgengean sealf (nachtfrauensalbe) daselbst: ›viđ älfcynnesealf and viđ nihtgengan, and þâm monnom, þe deofol mid hæmđ ‹, gegen elbsalbe , gegen nachtgengen und gegen die männer, mit denen der teufel verkehrt (oben s.  890 ). . sonst finde ich auch eine krankheit älfsîdenne . Unter dem rothen und weißen hund (Ettners unw. doct. 436) wird man masern oder rötheln sich zu denken haben, auch im Leipz. avanturier 1, 86 der rothe hund . Die Perser nennen das scharlachfieber al und stellen es sich vor als rosenrothes mädchen mit flammenlocken. Atkinson s. 49. 50 Nachtrag: Febris = fervebris, ferbris. gal. fiabhar . mhd. biever . Freid. 74, 9. dea Febris . August. civ. Dei 2, 14. 3, 12. 25. ags. âdl þearl, hât and heorogrim. cod. exon. 160, 30. bâncofa âdle onäled . das. 159, 15. âdl me innan äle . das. 166, 5. vgl. gal. teasach febris von teas calor, fervor. dei heizen fieber lascht er dô. Diemer 325, 5. sôttar brîmi morbi aestus. Egilss. 637. bei Hippocrates steht häufig πῦρ für πυρετός. παρϑένον πῦρ 3, 6 (γυναῖκα ῥῖγος ἔλαβε 1, 5.). Das ahd. rito heißt norw. rid . Aasen 379 b . ist dabei an altn. hrîđ procella zu denken, wie denn Lye neben riderođ febris auch hriđâdl , hriđing febris und hriđian febricitare hat. vgl. auch: in bestuont der minnen schûr . Parz. 587, 13. Herbort 12836 nennt die minne ein elbisch viure . riten (febre) winnanti (laborans) = febricitans. Graff 1, 876. rite jouh fieber . Diut. 3, 45. der rittige febricitans. Griesh. 115. sô hât ir êre den riden . Haupts zeitschr. 1, 437. mnl. rede und redine . Mones nl. lit. 335. belg. mus. 10, 52. bevaen met enen rede . Maerl. 3, 188. 168. 237. 238. viel in den rede . das. 3, 269. quam mi an de rede . 3, 78. hadde enen groten rede . 2, 79. genasen van den rede . Haupts zeitschr. 1, 104. den vierden rede (febrem quartanam). Franc. 2882. nu muze der leide ride Fukarde vellen! Karlm. Lachm. 110. schütte in der rite! pass. 45, 32. habe den riden und die suht umb dînen hals! Morolf 715. das sie der jarrit schüt! Garg. 242 a . die corts ridene! Walew. 6164. vgl. gl. zu Lekensp. s. 573. das dich gê der schütler an! H. Sachs III. 3, 8 d . kam sie an der frorer . altd. bl. 1, 56. dem fieber den hals brechen. Ettn. unw. doct. 792. das fieber reitet, wie die armut einen reitet. H. Sachs I. 3, 245 c . In Boners fabel ist der rite wol als schmetterling = alp gedacht, weil er sonst mit dem floh nicht verkehren würde. vgl. fastn. 36, 55. Kellers erz. 330. wie Petrarch hat H. Sachs 1, 483 ein gespräch vom zipperlein und der spinne . (kl. schr. 5, 400 ff.) 72  riten gibt der segen bei Bodmann rheing. alt. s. 710 an, 77  ritten der bei Mone 7, 421, 99 fieber Kulda 132. andere bezeichnungen des fiebers sind: mnl. koorts febris, mnl. saghe . Rein. 391. ags. gedrif , drif fieber. mhd. der begir? Flore 1005. eins schlirigen fiebers sterben. Garg. 241 a . vgl. schlir geschwür. das. 259 a . schlirgeschwür . das. 236 b . zu Leuwen wird das fieber quade mêster genannt. ahd. itslac febris recidiva. Graff 6, 773. itslaht . das. 6, 777. avarsturz rückfall. vgl. modica pulsatus febre. Greg. tur. 2, 5. der winter und der sumer sind eine krankheit (worin fieberfrost und hitze wechselten?). h. Ludwig v. Rückert 59, 28. 80, 21. lat. querquera fieberschauer. mhd. quartanie quartana febris. MSH. 3, 178 b . kartanîe . Wartb. kr. str. 51. gr. ἠπίαλος. Lucian. philops. 19. altfranz. sagte man: trembler la fièvre. Méon 3, 88. Rutebeuf 1, 290. Renart 10150. Litth. pasztakielĕ fiebervogel (kielĕ zeisig). lett. drudsis winnu jahi, fieber reitet ihn. Bergm. 68. Der rôte suche . myst. 1, 104. flores beatae Mariae . ἐρυσίπελας. Ducange s. v. flores. it. rosalia . . Unter gicht verstehn wir gliederweh, arthritis, die ältere sprache braucht es neutral: ›daz gegihte brichet sie‹ a. Heinr. 880. Ulr. Trist. 1461. ›daz gegihte brach ir hend und füeze‹ Râb. 1060, daher gicht brüchig . ›daz wüetende gihte‹. Renner 9904. da man auch darmgicht für colik findet, und oben s.  513 sungiht gehen und wenden der sonne bezeichnet, so scheint mir gicht allgemein das gehen , wenden und reißen des schmerzens im leib zu bezeichnen und dem goth. gahts (innagahts gramm. 3, 518) vergleichbar. mnl. jicht , isl. ikt , schwed. gikt , dän. gigt . goth. ist usliþa παραλυτικός, gleichsam aus den gliedern gesetzt, seiner glieder nicht mächtig; kein ahd. urlido . ›ein siechtuom heizet pôgrât ‹ = leme Parz. 501, 20 aus podagra, das man auch in podagram verdrehte, entstellt. deutscher ist fuozsuht , ags. fôtâdl (podagra); zipperlein finde ich nicht vor dem 16 jh. mnl. fledersîn , fledercine (arthritis) leven van Jesus s. 52 und ›fl. in vote ende in lede‹ doctrinale 3, 1030; im woordenboeck von d'Arsy Amst. 1099 fledecijn , flerecijn la goutte (chiragra). meint das wort einen flatternden, die krankheit erregenden schmetterling? Nachtrag: Die gicht ahd. giht , fargiht . Graff 4, 142. vor zorne si daz giht brach. Mai 69, 2. daz mich diu giht zubrochin hat. Kaiserchr. 2776. 4293. (vgl. die alten dô der huoste brach. v. d. Hagen Ges. Abent. 2, 290). swen negt daz giht . Renn. 9897. swie daz giht in stunge. Helbl. 1, 70. dâ ist si müende daz gegihte . Ulr. Trist. 1512. in die gichter fallen. Elis. von Orl. 41. vergiht . tôdes geh. 548. Serv. 728. 786. 1573. Haupts zeitschr. 6, 493. östr. kalt vergicht , arthritis vaga. icht . Haupts zeitschr. 1, 104. nnl. jicht . die jôcte . Maerl. 2, 79. juchtech paralyticus. das. 2, 112. 317. 338. do vil em dat jodute in de been. Detm. 2, 482. heißt das podagra oder angst? (der huk (angina uvularis) wird gestillt mit einer formel › hodejoduth! ik kan den ketelhaken nicht upschluken‹. Lisch meklenb. jb. 6, 191. der hetsch oder das kellergschoß stößt mich an. H. Sachs IV. 3, 76 c . den heschen gewinnen. Suchenw. 18, 238. hesche schlucken). unz in dô sluoc daz podagra. Kaiserchr. 5854. altn. öklaeldr . fornm. sög. 3, 200. ags. ecilma , äcelma podagra. deaggede podagricus, deagvyrmede podagricus, deavvyrm podagra. kozynties , petits cousins. belg. mus. 8, 183. böhm. dna zipperlein, gicht. poln. dma , eigentlich blast, anhauch. Die herumziehende, an keiner bestimmten stelle haftende, fliegende gicht (arthritis vaga) wurde wenigstens noch im 17 jh. in Norddeutschland (Holstein, an der Ostsee) dat varende , lopende deer (das fahrende, laufende thier) genannt, in andern niedersächs. und westfäl. gegenden de varen , de varende , de lopende varen , d. i. die fahrenden, umlaufenden, gehenden (geister oder dinger). Die krankheit galt also wiederum für ein in den leib gewiesenes, gezaubertes geisterthierisches wesen. Noch deutlicher ist die 968 benennung ›die fliegenden elbe ‹, ›die gute kinderen ‹ (im Braunschweigischen) ›die gute holde ‹ (im Göttingischen), gerade wie die von den hexen eingezauberten elbischen dinger heißen (s.  898 ). gedacht wurden sie gleichfalls wie schmetterlinge oder würmer gestaltet, welche nagenden schmerz und geschwulst ›an den gleichen (articulis) oder gewerben‹ der hände und füße hervorbringen sollten Joh. Weyers (Joh. Wier, Piscinarius, gb. zu Grave in Brabant 1515, gest. zu Teklenburg 1588) arzneibuch. Ff. 1583 p. 27. Henr. Meibom de arthritide vaga scorbutina. Helmest. 1668 1. cap. 1. . Weil die krankheit hartnäckig und oft schwer zu heilen ist, pflegte sie das gemeine volk dem einfluß der hexen zuzuschreiben. sie heißt auch der haarwurm , und in den Niederlanden die springende gicht . In einem segen wird unterschieden laufend gegicht, anhaltend g., zitternd g., abend g., das werde gegicht. Die einwirkung der holden muß aber viel manigfalter gewesen sein und auf mehrere krankheiten bezogen werden. von dem Hollenzopf , Wichtelzopf , der plica, war s.  384 . 392 schon die rede. ruß. heißt der weichselzopf volosetz , was an Volos s.  520 rührt, aber von volos vlas haar kommt. Eine hexe bekannte (Voigts abh. p. 122), daß es neunerlei holdichen gebe: ritende, splitende, blasende, zehrende, fliegende, schwillende, taube, stumme, blinde. Auch die Polen nennen biale ludzie (weiße leute, d. i. elbe) würmer , die in den menschen krankheiten verursachen (Biesters neue berl. mon. schr. 1802. 8, 230). Eine brennende geschwulst am fingernagel (παρωνηχίς) heißt der wurm , der umlaufende wurm , das ungenannte (weil man den namen des wesens auszusprechen scheut), das böse ding . engl. ringworm , schott. ringwood , bei R. Chambers s. 37 sind zwei beschwörungsformeln mitgetheilt Nachtrag: Die fliegende gicht fährt. fon farendum and fon fretma . Richth. 246, 14. Daz wilde viure , ignis sacer, heißt Antonien feuer , Antoni feuer . Ettn. unw. doct. 136. 137, Töngesfeuer (Fischart), Antonien rach , plag , erysipelas, hautentzündung. weil die Anthoniesmönche solche kranke in ihr spital aufnehmen? vgl. Keisersb. omeiß 52. ags. bâncođe ossium morbus, ignis sacer. gothl. flaugild rose im gesicht. Almqv. 423 a . vgl. altn. flog. de rode guchte . Maerl. 2, 290 gutta rosea. nnl. roze drup . nhd. rothlauf. typhus carbuncularis acutissimus heißt auch erdsturz , teufelsschuss . ignis sacri plures sunt genera, inter quae medium hominem ambiens, qui zoster appellatur, et enecat si cinxerit . Plin. 25, 11. für diese gicht kommt auch der ausdruck manewurm , hârwurm vor. fundgr. 2, 238. gichter heifsen auch krämpfe, zuckungen. Stald. 1, 443. Eine fingergeschwulst am nagel heißt plattd. fit . der ungenant wurm . Mone 6, 462. ags. vyrm vgl. gramm. 1, 416 angnägle, ongneil. die ungenannten . Stald. 2, 423. bös thier . Stald. 1, 207. Elbe saugen nachts an fingern und zehen der kinder. Dybecks runa 1848 s. 33. . Fluß (rheuma) wird von mehrern krankhaften zufällen gebraucht, leichteren und lebensgefährlichen, z. b. stickfluß , schlagfluß (apoplexia). der schlag rührt, trift, schlägt. mhd. der gotes slac . später: die gewalt gottes , die hand gottes (Ettners unw. doct. 224). ›traf mich gottes gewalt ‹ (rührte mich der schlag). braunschw. anz. 1745 p. 2022 (aus Matth. Schwarz leben, a. 1547). vgl. oben s.  17 . gottes schlag Διὸς μάστιγξ Il. 12, 37. 13. 812, wo aber keine seuche gemeint ist. bezeichnet aber auch das schnelle und sanfte dieser todesart (mors lenis repentina), im gegensatz zu den auf schmerzenvolles lager lange fesselnden krankheiten. darum sagte man auch für apoplexie ›das selig ‹. Vergleichbar der zwergschlag, dvergslagr , lähmung (s.  381 ). Die Böhmen unterscheiden zwischen bozj moc (gottes macht) epilepsie und bozj ruka (gottes hand) apoplexie Nachtrag: Der schlag heißt gr. πληγὴ ϑεοῦ, litth. stábas. got gebe den heiden sînen slac! livl. chr. 5220. het sloghene gods plaghe . Maerl. 2, 348. plag di de röring! Müllenhoff s. 191. daz berlin (von bern schlagen?). der tropf . Karaj. kl. denkm. 46, 14. 51, 4. das dich die drüs rür! H. Sachs V, 364 c . hab dir drüs und das herzeleid! das. V, 367 a . hab dir die drüs ins herz hinein! das. V. 344 a . vgl. dros (s.  838 ). . Die fallende sucht (epilepsia) schon Diut. 2, 193 b , valjandia suht (caducum morbum); daz fallende übel (fundgr. 325). fallender siechtag (Hulten 5, 171). sonst auch: der jammer , das elend , die schwere noth , das böse wesen , die staupe , das unkraut (Jul. 969 Schmidt s. 136). mnl. vallende evel , nnl. vallende ziekte , sint Jans evel , grôt evel , gramschap goods (Huyd. op St. 1, 569). ›daß dich die gnücken rühre!‹ (Melanders jocoscr. 1, 434), gnuk ist nd. ein stoß. ›der tropf hat ihn gerürt‹ Erasm. Alberus 39, d. i. der schlag. ml. gutta , gutta cadiva ; altfranz. la goute ; cheent de gote . Ren. 25203. durch halten der plumpe in der hand erregt (s.  545 ). Es kommt eine besondere art des tropfs unter dem namen nesch oder neschtropf vor. Schmid im schwäb. wb. hat aus einer hs. näsch für schlucken, schluchzen singultus, den man wol gleich dem niesen (s.  934 ) für einen gelinden schlagfall hielt, auch bei Popowitsch s. 511 ist noschen für schluchzen aufgeführt und ahd. findet sich nescazan neben fnescazan singultire (Graff 3, 782). ich leite alles vom goth. hnasqus mollis, delicatus, ags. hnesc, wozu auch ahd. hnascôn, naseôn, nhd. naschen catillare gehört. in Mones anz. 6, 463 wird ein nöschsegen mitgetheilt und nöschtropf für die laufende gicht erklärt; es heißt: ›ich gebeut dir nösch mit allen deinen gesellen, dann mit dir ist der stech und der krampf und gespat und geschoß und geicht und gesicht ‹. ein weiterer nöschsegen spricht von 77 nöschen: ›wir wend gohn in das haus des menschen und ihm sein blut saugen und sein bein nagen und sein fleisch essen‹. sie werden in einen dürren baum gebannt. hier scheint ein heftigeres, längeres übel als der schlucken gemeint; Mone stellt nösch zum nesso der alts. formel, doch entspricht nd. SS dem hd. HS, nicht dem SK, SCH; mir scheint der zusammenhang des worts mit naschen, wie man ihn auch auslege, unabweislich: bei Seifr. Helbl. 1, 1202 ›sô dich diu suht benasche , daz dir hût und hâr abe gê!‹ Nachtrag: Diu vallunde suht . Servat. 1572. Uolr. 1092. Kaiserchr. 6491. diu vallende suht brach. Haupts zeitschr. 8, 185. fanra lerha fallanda ewele . Richth. 246. dat grote evel . Haupts zeitschr. 1, 104. das höchste . Ettn. maulaffe 307. auf der Rhön heißt es ›das arm werk ‹. Schm. 4, 139. sloven. svetiga Bálanta bolésen , sanct Valentins übel. litth. nůmirrulis fallende sucht. in der Wetterau: das thun . östr. die frais , daher serb. vras . ahd. winnanti epilepticus. Graff 1, 876. das dich der tropf schlag! Fischart. nnl. drop , drup , markstropf . Mone 6, 470. isl. flog ( anm. 2985 ). goute ne avertinz . Rutebeuf 1, 257. avertin de chief . das. 1, 471. male goute les eulz li crieve! Trist. 1919. Ren. 1702. male gote te crieve loil! Ren. 21198. 25268. la male gote aiez as dens! das. 14322. Ducange s. v. gutta führt viele arten an. avertin , esvertin . Méon 1, 391. mondsüchtig, lunaticus ist ahd. mânôthuîlîno bei Graff 1, 443, wohin es nicht gehört. concidere ad lunae incrementa, καταπίπτειν πρὸς τὴν σελήνην. Lucian. Toxar. 24. Nasci lentigo. Graff 2, 1105. wie 77 nöschen gibt es 77erlei zahnrosen. Haupts zeitschr. 4, 390, 77 schuß und seuchen. abergl. beschwör. XXXIX . 77 würmer. Mone 6, 462. siben suhte darzuo nemen. Kaiserchr. 6076. wielde 6095. was ist die ungenante krankheit? Mones schausp. 2, 373. Die ohnmacht heißt unmaht . Er. 8825. Roth. 3015. si kam in unmaht . Flore 1055. vor unmaht si niderseic. Flore 1223. in unmaht vallen. Reinh. 593. ahd. mir unmahtet . N. Boeth. 131. si vielen in unkraft . Kl. 1562. haer begaven al die lede , so dat si in onmacht sêch . Karel 1, 128. therte begaf haer alte male, so dat si sêch in ommacht . das. 1, 241. viel in onmaht . Lanc. 17215. viel in ommacht . Maerl. 2, 222. von âmaht si niderseic. Flore 1224. si kam in âmaht . Flore 1230. diu âmaht vaste mit im ranc. Haupts zeitschr. 5, 277. âmaht . Engelh. 6303. zwô âmehte si enpfienc. gute frau 1650. abkraft . H. Sachs V, 349 b . viel in marmels . Troj. 10742. marmels hingeleit. Oberl. de Conr. herbip. 52. si lâgen in unsinne . Kl. 1978. 1571. 1566. vergaz der sinne . Kl. 1563. dô verlôs ich alle mine sinne . MSH. 3, 207 b . unversunnen lac. Kl. 2092. Wh. 46, 27. 61, 19. si viel hin unversunnen . Parz. 105, 8. se pâmer, pasmer. Ferabr. 2801. se plasmet. 3640. plasmage. 2962. nhd. die sinne verlassen ihn. animus hanc reliquerat. Plaut. mil. glor. IV. 8, 37. si lac in einem twalme . Er. 6593. daz im vor den ougen sînen vergie sunne unde tac . Laurin Ettm. 829. er viel vor leide in unmaht, ern weste ob ez waere tac oder nacht . Reinh. 595. sendschreiben s. 53. er was ûz sîner gewalt . Herb. 10500 vgl. 10604. mir geswindet . gramm. 4, 231. daz ir geswand . Schreiber 2, 64. ir was geswunden . fragm. 42 b . im geswant . Flore 2178. 2241. swinden . jüngl. 656. beschweimen . ags. svima deliquium. engl. fell in a swoon . ags. heáfodsvima , engl. headswimming schwindel, vertigo. wan in daz houbet diuzet von gesühte. warn. 2192. ime entsweich . Reinh. 564. beswalt . Partonop. 18, 13. 34, 14. ontmaect ohnmächtig. Lanc. 12042. Er kam suo sih . Flore 1066. zuo im selben quam . gr. Rud. H b 13. zuo ir selber kam . Flore 1232. zu ir selber kam . Schreiber 2, 64. zo ime selvin bequam . Roth. 3035. vgl. Lanz. 1747. biz er bequam . Wigal. 5796. doe hi bequam . Maerl. 2, 222. Lanc. 17216. was vercomen weder (zu sich gekommen). Karel 1, 158. sîn herze im widertrat , cor ei rediit. pass. 192, 65. herze gewinnen , zu sich kommen. Servat. 3431. sich versinnen . Parz. 109, 18. Wh. 61, 29. sich widere versan . Er. 8836. er wart verriht . Flore 2230. kam ze gerechen . Flore 2231. do si wart ze witzen . Kaiserchr. 11925. nhd. bei sich sein. sumne ego apud me? Plaut. mil. glor. IV. 8, 36. Krampf (spasma, convulsio), bei kindern gewöhnlich freise , freisig , gefrais (abergl. 474 . 722 ), fräsel (Jul. Schmidt p. 121. 137). schäuerchen (zahnkrampf) nd. schürken , d. h. kleiner schauer, zuckung. doch bedeutet die freis , frais auch häufig epilepsie (Abele gerichtsh. 2, 429. 4, 218. 311). Leibweh , grimmen (krimmen, reißen, nnl. krimpen). die obere grimme , mannsmutter (Wier 107 a ). hachmutter , bärmund , bärmutter Stald. 1. 136. ›die bermutter hat mich gebissen‹ (ich habe colik) Schm. 1, 207; östr. bervater und bermutter (Höfer 1, 77. 78); tvärmund Stald. 1, 334. trîbe fundgr. 321, 9 soll nach Hoffm. erklärung auch colik bedeuten. Ruhr (dysenteria), durchlauf , darmgicht (nach gloss. flor. 984 a ) ûzsuht , gl. flor. 984 a zuzsuht; noch Stald. 2, 417 aussucht durchfall. rothe ruhr , der rothe schaden (Anshelm 3, 236). Lungensucht , ags. lungenâdl (pneumonia); schwinge oder lungesucht (Schweinichen 2, 256) steht wol für schwinde? in Östreich der schwund , nhd. schwindsucht ; nach Abeles gerichtsh. 2, 303 greift sie alle jahr ein ellen därme an. Seitenstechen , pleuritis. ahd. stechido . mnl. lancevel Rein. 5401. Huyd. op St. 1, 569 von lanc, franz. flanc, ahd. lancha ilia, lumbus, ein ahd. lanchupil morbus ilium habe ich nicht gelesen. 970 Wassersucht , ahd. auch wazarchalp (hydrops) Diut. 2, 181, Mone 8, 494. vgl. mondkalb (mola, caro in utero nascens) Melander joc. II no. 450, engl. mooncalf (ungestalte misgeburt) wobei wol mythische vorstellungen obschweben, da sich auch sonnenkalb als eigenname findet, und aberkalb, afterkalb, eberkalb ein unechtes kind bezeichnet Nachtrag: Altn. qveisa colica vgl. goth. qaisr ὠδίς ( anm. 2944 ). grimme muoter . Mone 8, 495. bärmuter . Garg. 182 b . bärvatter . das. 69 b . wärwund . Stald. 2, 435. Ruhr heißt mhd. der rôte suche . myst. 1, 105. er gewan den durchganc . Diocl. 4645. nnl. roodeloop dysenteria (nhd. rothlauf bedeutet etwas anders). über ûzsuht s. gramm. 2, 794. der rothe schaden . Stald. 2, 306. Gotthelfs sagen 5, 160. 161. mnl. menisoene , melisoene . Maerl. 3, 177. altfranz. menoison . Die lungensucht heißt daz swinde? myst. 1, 104. Schm. 3, 539. ahd. serwên tabescere. Graff 6, 271. 281. schweiz. serbet . Stald. 2, 371. schwienig . Vonbun in Wolfs zeitschr. 2, 54. swînsegen . Mone 6, 461. schwîn , schwein . verzehrendes wesen (auszehrung). Leipz. avant. 1, 142. Seitenstechen ist altn. tac . alts. stechetho . Haupts zeitschr. 5, 200. nhd. darmwinde vgl. litth. klynas, iliaca passio. miserere . Wassersucht . schwed. månadskalf , månkalf . vgl. die sage vom frater salernitanus. Aegidius de medic. s. 167. . Abortus heißt misgeburt, fehlgeburt, miskram; abortieren: umschlagen, umstülpen, verschütten, umwerfen, umkeipeln. ›zy heft de kar omgeworpen‹ (Tuinman spreekw. 1, 88), es ist ihr unrichtig gegangen, ›meinem weibe geht es unrichtig‹ (Schweinichen 2, 314 vgl. 321), geht ungerade (Kantzow 2, 30), dän. at giöre omslag (abortieren). richtig gebären heißt: das kind an die statt bringen. ehstn. tüjad nurgad (leere ecken) mondkalb. ülle kätte minnema (über die hände gehn) gegensatz zu last pölwede peälet töstma (kind aufs knie heben, ordentlich gebähren). ›es lärmt‹, ›das haus knakt‹ (die geburtsstunde naht) ›das haus ist eingefallen‹ (die geburt ist erfolgt). sächs. prov. blätt. 14, 127. ›der ofen fällt ein‹. Schm. 1, 33. mhd. ›diu kamer wart entlochen‹. Mar. 46. bermutter, das von der kolik gebraucht wird, bezeichnet eigentlich die mutterkrankheit, und sie wird nicht nur als kröte (Schm. 1, 188), sondern auch als maus dargestellt, die aus dem leib gelaufen kommt und der ein degen über den fluß gelegt ist (Ettners hebamme s. 194. 195, nach dem oben s.  905 geschilderten volksglauben Nachtrag: Abortus . konunni leystiz höfn , foetus solvebatur, abortum fecit. bair. hinschlingen bedeutet das verwerfen, abortieren von der kuh. Schm. 3, 452. die frau hat mit dem fünften kind umgeworfen . Claudius in Herders nachlaß 1, 423. goth. fitan , nhd. kreisen. zimbern  = parturire. v. d. Hagen Ges. Abent. 1, 12. die wehen heißen gr. ὠδῖνες oder βολαί, würfe der Artemis. Procop. 2, 570. vgl. s.  984 . 987 . gebären wird ausgedrückt durch nhd. niederkommen, zur welt bringen, auch bloß: bringen . Schweinichen 1, 38. schweiz. trohlen , trollen , zerfallen ins kind bett kommen. Stalder 1, 307. mhd. ze kemenâten gân . Hugd. 107. Mar. 163, 22. altn. at hvîla . Vilk. sag. cap. 31. die frau soll zu stuhl = hintern vorhang. es fieng an zu krachen . Garg. 102 b . die balken knackten schon, da fiel das ganze haus . C. Brehmens gedichte. Lpz. 1637. H 3 a . J 3 b . vgl. altfries. bênene burch der leib einer schwangern. Richthofen 623 b . fallen und in zwei stück brechen s. wb. s. v. frauenbauch. se is dalbraken . Schütze holst. id. 1, 196. glückliche niederbrechung  = entbindung. Claudius in Herders nachlasz. 1, 383. si ist entbunden von ir nôt. Mai 129, 2. schütten und werfen wird vom gebären von thieren gebraucht. . Herzgespan (cardialgia) herzspann (abergl. 873 . 949 ), sonst herzweh, herzkulk (ventriculi colica), ›es lieget und steht mir für dem herzen‹. mhd. herzeswer , auch swermage (Diut. 2, 273). etwas anders ist der herzwurm , von dem der gemeine mann glaubt, jeder mensch habe einen solchen und müsse sterben, wenn der wurm aus dem mund krieche (Ettn. hebamme s. 890), auf die zunge trete. Christ. Weises drei klügste leute s. 8. 9. Den alten hieß eine zungengeschwulst βάτραχος und rana . Auch den heißhunger βούλιμος, appetitus caninus deutete man aus einem thier: vermis lacertae similis in stomacho hominis habitat. gl. Jun. 381. Scifr. Helbl. 3, 247: ›wir suln uns alle brœten, den zadelwurm tœten, der uns dicke hât genagen‹. Kopfweh , houbitwê fundgr. 320. 321. houbitsuht Diut. 2, 270. farren abergl. 865 vielleicht faren (s.  967 ). tobesuht (amentia) Iw. 3233, hirnsucht . wirbelsucht abergl. 436 . Ahd. huosto (tussis), mhd. huoste , nhd. huste (in Zürich wüeste ), altn. hôsti , ags. hvôsta , engl. whoost . schnupfe , schnaube, schnuder, in der Schweiz pfnüsel ; bei Hildegard nasebôz coryza. mhd. strûche fundgr. 321, 1. Ls. 1, 403. 404. kramme (rauher hals) fundgr. 322. für catarrh ahd. tampho (Graff 3, 142) bei Hildegard dumpho ; rothlauf , in der Schweiz wolken , fliegende wolke . Stalder 2, 456 Nachtrag: Schreit das neugeborne kind, so hat es herzspan und man zieht es dreimal durch die sprossen einer leiter. Temme Altmark s. 82. blatt und gesper , blatt und herzengesper . Mone 6, 468. 469. ir tuo daz herze vil wê. v. d. Hagen Ges. Abent. 2, 178. der klam . Kolocz. 185? angina von klemmen. ›Der herzwurm hat sich beseicht‹ bei cardialgia und ekel. sagen vom herzwurm bei Frisch 447 b . Ettners hebamme 890. O'Kearney 180. eine stockholmer hs. berichtet: ›wannen ein vrowe entfangen hevet, so pleget gemeinliken bi der vrucht to wassene ein worm , dei hevet vlogele alse ein vledermues unde einen snavel as ein vogel, unde dei worme wesset op mit (der) vrucht, unde wan dei vrowe geberet hevet, altohant over cleine dagen stiget hei op to deme herten der vrowen, unde dan to lesten so hellet hei der vrowen herte, also wan men menit, dat dei vrowe genesen si, so stervet dei vrowe rokelose, dat men nicht enweit wat er schellet.‹ er wird vertrieben mit der frucht: ›dei oppe deme assche wesset , dei vrucht heit gemeinliken kuttenslotel ‹. si viennent li ver ès cors, qui montent jusquau cuer et font morir d'une maladie c'on apele mort sobitainne . Rutebeuf 1, 257. wuchs ihm im herz der zagewurm . Burc. Waldis 174 a . die wurme ezzent uns daz herze . Diemer 290, 10. herzwurm des geizigen. festiv. of Conan 180. bulimus , vermis lacertae in stomacho hominis habitans. Oehlers ags. gl. s. 276. bulimus werna . Diut. 1, 168. Wurme wuohsen in ime houbet. Kaiserchr. 715. 852. der wurm in einem menschen oder vihe, den man heißet faztun  (?). Mone 8, 406. Zahnweh , zahnschmerz , mhd. zanswer . Freid. 74, 10. (kl. schr. 2, 115). kopfweh machen verkehrte, schwarze elben. Haupts zeitschr. 4, 389. taneweczel heißt ein haupt und brustkrampf mit husten. Joh. Lindenblatt s. 167 a. 1404. vgl. bauerwetzel . gr. βήξ. der tanaweschel kommt fastn. sp. 468 personificiert vor. altn. qvef husten, schnupfen. in der Wetterau: krammel im hals, halskratzen und woul starker katarrh. vgl. ahd. wuol s.  988 . . Gelbsuht (elephantiasis) gl. mons. 384, jetzt ist gelbsucht ἴκτερος. ›den leuten gelbe kittel anhängen‹ (Hartm. vom segenspr. 176. 290) 971 heißt das gelbsucht anzaubern? gelesuht und fîch ist ficus morbus, ags. fîcâdl ; altd. bl. 2, 199 ›der rot vich ‹ für hämorrhoiden; bei Helbl. 2, 1190 ›der rôte siechtuom und daz vîc macht iuch bleich unde gel‹. ahd. misalsuht (lepra), Graff 2, 875. goth. þrutsfill . dies wort habe ich gramm. 2, 20 richtig zu þriutan und 2, 598 den anomalen gen. þruts für þrutis erkannt. þruts bedeutet qual, plage und dann auf die krankheit angewandt aussatz. die ahd. form wäre druzisfel. vollkommen stimmt das böhm. trud in beiden bedeutungen dolor und lepra, desgl. das poln. trąd ausschlag. ahd. hriupî (scabies) rûda (impetigo) gl. flor. 988 b zittarlûs (impetigo) Diut. 1, 496 b . ein neuer volksausdruck ist schneidercourage (Adelung v. krätze), schneiderkurzweil (Ettners unw. doct. 349). das ags. gicđa (scabies, impetigo) engl. itch ist das ahd. juchido (Graff 1, 593). die rose (crysipelas), das laufende feuer , ignis sacer (Ivonis epistolae p. 85 a 184 b ) ahd. omo , ags. oma , altn. âma . Von rothen flecken im gesicht der kinder sagt man: ›das jüdel hat das kind verbrannt‹ (abergl. 473 ). ags. ist þeor , þeorveorc entzündung, þeorvyrm impetigo vermicularis auch die Griechen wähnten die impetigo von kleinen käfern verursacht. Plin. 27, 11: lapis vulgaris juxta flumina fert muscum siccum, canum. hic fricatur altero lapide, addita hominis saliva; illo lapide tangitur impetigo. qui tangit, dicit, φεύγετε κανϑαρίδες, λύκος ἄγριος ὕμμε διώκει. Nachtrag: Gelesuht und fich . Diut. 3, 45. Marcellus no. 100. fik in der brust. Mone 8, 493. das blutende und fließende vig . das. 8, 409. altn. gula morbus regius. morbo regio croceus effectus. Greg. tur. 5, 4. mhd. miselsuht . Servat. 728. 1570. musilsuht . Kaiserchr. 4293. hiez die miselsuht abegân . das. 726. 4067. miselsiech . urst. 123, 69. altn. lîkþrâ lepra. fornald. sög. 3, 642. Biörgyn s. 107. lîkþrâr leprosus. mnl. packers leprosus. Maerl. 2, 227. lasers , lazers (Lazarus). Kausler altn. denkm. 1, 483. 482. ahd. horngibruoder leprosi. Graff 3, 301. mhd. madevillic , madewellic , aisselvillic . myst. 1, 418. altslav. prokaza lepra. Miklos. 34. gal. lobharach , muireach leprosus. lex Roth. 180 leprosus aut daemoniacus. 233 mancipium leprosum aut daemoniacum. trud ist bei Jungmann zittermal, flechte, bei Miklos. 97 dysenteria, hydropisis. ahd. hrub scabies. vgl. Graff 4, 1155. ags. hruf , altn. hrufa . citirlûs vel rûdigê . gl. sletst. 25, 169. citaroh . Graff 4, 1155. tetrafic . Hattemer 1, 262 b . zetern flechte. Haupts zeitschr. 4, 390. ags. teter , engl. tetter impetigo. östr. zitterich . gr. λειχήν impetigo, sl. lischan , serb. litaj . eine art krätze heißt östr. bamhakl d. i. specht, baumhacker. altn. skyrbiugr , dän. skjörbug . schorbock . Garg. 149 a . scharbock , scorbut , scorbutus. ags. þeor on fêt, in eágum. der burzel ist eine ansteckende krankheit. Augsb. chronik a. 1387. Mones anz. 6, 257. bürzel , gunbürzel . Frisch 1, 157. 383. kratel ist eine krankheit, wobei ein fuß kürzer wird. Vuk. s. v. mhd. ir bein diu habent die mûchen . Frauenlob s. 192. nhd. mauke bei Frisch. hundschüttler wird die blutschwäre genannt. Panzer 2, 305. daz yn daz knallen ubel angee. Fries pfeiferger. s. 118 (a. 1388). . Steinschmerz , calculorum dolor, bei Götz von Berlich. 103 ›der reißende stein‹. Eine art auswuchs oder schwamm hieß malannus (das übel jâr), beschwör. VII ; Ratherii opp. ed. Ballerini p. 15: carbunculi vel malae pustulae, quem malum vulgo dicunt malampnum . auch die dagegen gebrauchte pflanze führte den namen malannus , ahd. achalm (Graff 1, 132) Nachtrag: Entré sui en mal an . Aspr. 15 a . . Viele andere krankheitsnamen lasse ich unangeführt, eine noch größere menge wird meiner samlung entgangen sein. es kam mir darauf an, aus diesem verachteten reichthum unserer sprache solche beispiele zu heben, welche erkennen lassen, wie das volk mythische vorstellungen mit dem ursprung der krankheiten verband. gleich andern übeln schienen sie ihm durch götter, geister und zauberer verhängt und verursacht, ja selbst lebendige, feindselige wesen geworden (s.  965 ). Manches ist dunkel: was bedeutet ülfheit , jene seuche über alle seuchen (s.  366 )? was das hauptgeschein? welches in Ayrers faßn. sp. s. 148. 149 beschworen und auch in andern sagen genannt wird (Schm. 3, 366). Renn. 12180 steht aber ›ir habt daz houbtgeschîde ‹ (:vermîde) und scheint unsinn, bethörung darunter gemeint. wäre hauptschein recht, ich erklärte nach dem ahd. houbetskîmo (capitis radii) N. Cap. 63; denn es ist die krankheit, wobei einem schein oder nebel um das haupt entsteht, daß er alle dinge doppelt sieht, H. Sachs nennt es der plerr , augenplerr (II. 2, 27 b III. 3, 9 d IV. 3, 13 a. b ) und wir sagen noch heute: die blerr kriegen, vor staunen verwirrt sein. solche doppelsichtigkeit soll der genuß des kerbels bewirken (fragm. 37 b c . Garg. 148 a ). 972 Ein finnisches lied (Schröter s. 48 ff.) läßt von Launawatar, Kalev. 25, 107 Louhiatar, einer alten frau, neun knaben (wie jene neun holden) geboren werden: werwolf, schlange, risi(?), eidechse, nachtmar, gliedschmerz, gichtschmerz, milzstechen, bauchgrimmen. diese krankheiten sind also geschwister verderblicher ungeheuer; in dem lied wird dann die letzte derselben hervorgehoben und beschworen. Die Neugriechen stellen die blattern dar als kinderschreckende frau, welche sie συγχωρεμένη (die schonende, erbittliche, vgl. jene altn. Eir) oder noch gewöhnlicher εὐλογία (die zu rühmende, segnende) euphemistisch nennen. Fauriel disc. prel. lxxxv . Noch eine seuche muß genannt werden, die schon das frühe MA. dämonischen, teuflischen einflüssen beimaß. zum grund lege ich eine stelle aus der vita Caesarii arelatensis († 542), welche von seinen schülern Cyprianus, Messianus und Stephanus verfaßt sein soll, lib. 2. cap. 14 (acta Bened. sec. 1 p. 673): ille autem quid infirmitatis haberet? interrogavit. dixerunt, daemonium , quod rustici Dianam appellant, quae sic affligitur, ut paene omnibus noctibus assidue caedatur , et saepe etiam in ecclesiam ducitur inter duos viros ut maneat, et sic flagris diabolicis occulte fatigatur, ut vox continua ejus audiatur . . . . oculis meis vidi plagas, quas ante aliquos dies in dorsum et in scapulas acceperat, in sanitatem venire, pridianas autem et in ipsa nocte impressas recentes inter illas intextas, quas prius perpessa fuerat. Greg. tur. mir. 5. Mart. 4, 36: cum de cultura rediret , subito inter manus delapsa comitantium terrae corruit, ligataque lingua nullum verbum ex ore potens proferre obmutuit. interea accedentibus accolis ac dicentibus eam meridiani daemonis incursum pati, ligamina herbarum atque incantationum verba proferebant. noch andere stellen bei Ducange s. v. daemon meridianus und dieser name scheint aus ps. 90, 6 entsprungen, wo N. mittetagigo tiefel verdeutscht, griech. schriftstellern heißt er μεσημβρινὸς δαίμων, die krankheit muß epileptischer natur gewesen sein. von den Böhmen wird sie polednice (meridiana), den Polen aber Dziewanna (oben s.  778 ) genannt, was wieder Diana ist, und da Diana oft mit Holda zusammenfällt, so kann nicht übersehn werden, daß auch diese göttin gern in der mittagstunde erscheint (Praetors weltbeschr. 1, 476) und die weißen frauen sich zu derselben zeit zeigen (s.  805 . 807 ), welchen Berhta gleich steht. die seuche darf also göttlicher elbischer einwirkung beigemessen werden. Daß hier Holda und Berhta eingreifen ist aus andern gründen schon s.  395 . 396 gefolgert worden, wo von der roggenmuhme und dem kornweib die rede war, welche gleich der wendischen pschipołnitza zu mittag durchs getraide zieht. einige nennen sie pschipołonza , sie erscheint von 12 bis 1 uhr in haidegegenden den arbeitern, besonders weibern beim flachsjäten, ist weißgekleidet und redet vom flachsbau, wie er gesät, gezogen, bereitet und gesponnen werde; weibern, die ihr nicht antworten, soll sie den hals umgedreht haben; das 973 volk fürchtet sie und ist froh, daß sie nun schon lange nicht mehr sich gezeigt hat. Merkwürdig daß auch bei Gregor der dämon dem weib bei der feldarbeit erschien, sie stürzte zu boden, wie die russischen feldbauer vor der vidua lugens, die ihre beine zerbricht; was man in Gallien als geistige krankheit auffasste. Aber in allen diesen schrecknissen ist die alte mütterliche gottheit der Heiden nicht zu verkennen. Es versteht sich, daß auch bei thierkrankheiten geister walten. in einer alts. formel wird der nesso mit seinen neun jungen beschworen aus fleisch und haut des sporlahmen rosses zu weichen. Die wut des hundes soll von einem wurm herrühren, der ihm unter der zunge sitzt: dieser tollwurm kann ausgeschnitten werden. Eine pferdekrankheit heißt der blâsende wurm (beschwör. XV ), was an die blasenden holden (s.  908 ) erinnert. Eine andere krankheit der pferde oder rinder heißt die hünsche , nach Stald. 2, 61 milzbrand oder kalte geschwulst, sonst auch ›der böse wind‹ genannt (Tobler s. 70), in Niederhessen der geschwollne euter der kuh, wo dagegen folgender segen gemurmelt wird: die hünsche und der drache die giengen üher die bache: die hünsche die vertrank (al. verschwank = verschwand), der drache der versank. ein segen bei Mone anz. 405 beginnt: ›es giengen drei seliger junkfrauen über einen hüntschen berg, da begegnet ihnen die hüntschen , die eine sprach, die hüntsche ist da‹. allerdings scheint dieser name das ahd. adj. hûnisc, mhd. hiunisch zu enthalten und man darf an riesen oder Hunnen denken (s.  433 . 434 ), für ersteres entschiede der hünische berg, wenn ein riesenberg gemeint ist. Adelung schreibt der hintsch und deutet keichen. eine nd. formel setzt für hünsche slîe (schleihe, tinca) Nachtrag: Die blattern heißen serb. kraste . die blattern fahren auf. Leipz. avant. 1, 271. urschlechten , urschlichten blattern vgl. urslaht. gramm. 2, 790. Die sage von einem daemonium meridianum erzählt Caesar. heisterb. 5, 2. ags. psalm ed. Thorpe s. 253 übersetzt: on midne däge maere deoful . Wiggerts fragm. s. 3. von theme diuuele mittentagelîchen . Windberger ps. s. 431: vone aneloufe unde tiuvele deme mittertagelichen . Trierer ps.: von aneloufe unde deme divele mitdendegelicheme . vgl. das mittagsmännchen, abendmännchen. Börner 249. pschipołnitza . wend. volksl. 2, 268. vgl. kuga, metil s.  994 . die götter halten mittagsruhe und in dieser zeit wandern die gespenster frei umher und schaden den menschen. bei Theocrit will ein hirte nicht auf dem rohr blasen, weil es mittag sei und Pan ruhe halte. Zum segen: ›die hünsche und der drache‹ vgl. rotlauf und drach. Haupts zeitschr. 7, 534. got geb dir den ritten oder die beulen oder die hünsch , als dann die bauern einem wünschen. Keisersb. sünd. d. munds 38 a . . Nach dem volksglauben kann die hexe ihre elbe oder holden sowol in menschen als thiere zaubern. Metil heißt den Serben eine unheilbare krankheit der schafe. sie erzählen, daß die Deutschen einmal den teufel gefangen und nach einem mittel gegen das metil gefragt hätten. der teufel sagte: wenn alle schafe bis auf eins umgekommen seien, solle man das übrig bleibende um die hürde tragen, dann werde, außer ihm, keins mehr verrecken. Vuk s. v. Übrigens soll man das erste gefallne vieh verscharren und ein weidenreis auf dem hügel pflanzen. Wie nun die einzelnen krankheiten und seuchen von göttern oder dämonen verhängt und gesandt wurden, gab es auch besondere mittel und heilungen , die zunächst von solchen höheren wesen ausgiengen. im catholischen volksglauben des späteren mittelalters hatte sich ein förmliches system ausgebildet, welche einzelne heilige und heiliginnen in besondern schmerzen und nöthen fast für jedes glied des leibs angerufen werden sollten Haupts zeitschr. 1, 143. 144. Roquefort s. v. mal. Nachtrag: Es gibt heil- und zauberkräftige trünke . drinc of main . potus corroborans. Erceid. Tristr. 2, 40. 42. drinc of might philtrum. das. 2, 48. 51. vgl. ôminnis dryckr. s.  922 . li lovendris . Trist. ed. Michel 2106 (auf drei jahre), engl. lovedrink. franz. boivre damour. das. 2185. der kranke wird gesund gegeigt s. oben s.  275 . sie blies in seine leichte wunde. Gellert 3, 426. der blinde wird durch den harn einer keuschen frau geheilt. Herod. 2, 111. Henri Estienne apologie pour Herodote. Keisersb. omeiß. 52 d . vorr.  XXIX . . 974 Unter der menge abergläubischer heilarten zeichne ich folgende aus. Uralter brauch war es, den siechen zu messen , theils zur heilung, theils zur erforschung, ob das übel wachse oder abnehme. Hierher könnte man schon aus dem buch der könige I. 17, 21. II. 4, 34 nehmen, daß Elias und Elisa über dem entseelten kinde sich messen , und es dadurch wieder beleben. auch das messen der glieder beim lichtergeben auf den altar (Diut. 2, 292), obgleich es mehr künftige übel abhalten soll, ist zu erwägen. Im bîhtebuoch p. 40 wird gefragt: ›ob dû ie geloubetôst an hecse und an lâchenerin und an segenerin, und ob dû tæte daz si dir rieten? und ob dû ie gesegnet oder gelâchent wurde oder gemezen wurde, und ob dû ie bekort wurde?‹ Zu ihrem mann, den sie bethören will, sagt eine frau (Ls. 3, 9): ›tuo dich her, lâ dich mezzen ‹; alsô lang ich in maz , unz er allez vergaz. eine andre, die ihrem mann einbilden will, daß er ›niht guoter sinne‹ habe, sagt zu ihm cod. kolocz. 141: ›sô habt her und lât iuch mezzen , oh ihtes an iu sî vergezzen‹. sie was ungetriuwe, sic nam ir rîsen niuwe. sie maz in nâch der lenge , dô was ez im ze enge, sie maz im twerhes über houpt : ›swaz ich spriche daz geloupt, blâset dar durch mit gewalt‹, si nam die rîsen zwîvalt, ›und tret mir ûf den rehten fuoz, sô wirt iu iuwer sühte buoz; ir sult iuch in daz bette legen und sult iuch niergen regen, biz daz ir derhitzet und ein wênc erswitzet, sô ezzet drithalp rockenkorn, sô wirt iuwer suht gar verlorn.‹ Renner 12183: strecket iuch nider und lât iuch mezzen . Dieses messen wird auch abergl. D . 38 r. 140 v. unter den übrigen zaubereien angeführt. Schwangere messen einen docht nach der länge des heiligen bildes und gürten ihn um den leib ( abergl. F . 31). Nach Wiers arzneibuch p. 31. 33 heißt im Trierischen eine krankheit der nachtgrif (durch den angrif von nachtgeistern hervorgebracht?); um sich ihres daseins zu vergewissern verfährt man so: dem kranken wird sein gürtel um den bloßen leib gezogen, in der länge und breite, dann abgenommen und an einen nagel gehängt mit den worten: ›ich bitte dich, herr gott, durch die drei jungfrauen Margaritam, Mariammagdalenam und Ursulam, du wöllest doch an den kranken ein zeichen geben, ob er den nachtgrif hat‹. hierauf wird nachgemessen , ist der gürtel kürzer als zuvor, so gilt es für ein zeichen der krankheit. Nach den schles. provinz. bl. 1798. 27, 16–20 hat im Liegnitzischen fast jedes dorf eine messerin : immer ist es eine alte frau. will man nun wissen, ob 975 bei einem schwindsüchtigen lebensgefahr vorhanden sei, so nimmt sie einen faden und mißt den kranken vom scheitel zur sohle und an den ausgespreizten armen von einer handspitze zur andern. findet sich die länge vom kopf bis zum hacken kürzer als die arme, so ist eine auszehrung da: je weniger der faden für die armlänge zureichen will, desto weiter ist die krankheit vorgeschritten (vgl. s.  969 ), reicht er nur zum elbogen, so ist keine hilfe mehr. Die messung wird öfter wiederholt: nimmt der faden zu, und erreicht wieder die rechte länge, so ist die krankheit gehoben. für ihre mühe darf die weise frau nie geld fordern, sie nimmt was man ihr gibt. Nach den märk. forschungen 1, 247 wird ein weib nackt ausgezogen und mit einem sonntags gewobenen rothen garnfaden gemessen . Man vergleiche das getraide und wasser messen (abergl. 258 . 953 , und s.  491 . 497 ) Nachtrag: Ich kan die leute messen . Gryphius dornr. 90. meten . Gefken beil. 167. die dritte gab vor, er hätte das maß verloren, er müste sich auf das neue messen lassen. 3 erzn. s. 361. berouchen und mezzen v. d. Hagen. G. Abent. 3, 70. gehört hierher aus Helbl. 3, 327: ich mizze ebener dan Gêtz, diu nie dehein man übermaz . messerinnen . Ettn. maulaffe. 657. umtragen einer fessel mit edelsteinen heilt. Bit. 7050–55 ( anm. 2960 ). . Viel vermag das streichen und binden . gemeinlich wird mit der hand, dem kleidermel oder messerrücken der leib der siechen gestrichen, oft auch ein faden um das kranke glied, oder das heilmittel daran gebunden . von diesem binden nachher weiteres. Wenn einen kranken die weißen leute (białe ludzie s.  968 ) quälen, wird in Polen freitags ein lager von erbsenstroh gemacht, laken gespreitet und der kranke darauf gelegt. dann trägt einer ein sieb mit asche auf dem rücken, geht um den kranken herum, und läßt die asche auslaufen, so daß das ganze lager davon umstreut wird. frühmorgens zählt man alle striche auf der asche , und stillschweigends, ohne unterwegs zu grüßen, hinterbringt sie einer der klugen frau, die nun mittel verschreibt. Biesters mon. schr. a. a. o. In der asche drücken sich die spuren der geister ab, wie man auch den erdmännlein asche streut (s.  373 ). vgl. ehstn. abergl. 40 Nachtrag: Ob einer mit weißen leuten behaftet sei, erkennt man so. man nimmt 3  kirschruten und schneidet sie in kleine stücke , indem man spricht: ›eins nicht eins, zwei nicht zwei u. s. w. bis neun‹, so lange daß man 81 stäbchen erhält. diese wirft man in eine schale voll wasser. bleiben sie schwimmen, so wird der kranke von den weißen leuten frei, geht aber ein theil unter, so bleibt er noch behaftet und zwar in dem grade, als das verhältniss der untergegangenen zu den schwimmenden stäbchen angibt. in Masuren. n. preuß. prov. bl. 4, 473. 474. . Von dem wasserschöpfen und gießen der klugen frau, abergl. 515 . 865 . Segnen des schlags (der apoplexie) mit einer hacke auf der schwelle . abergl. G v. 70. Heilkraft des feuers und der flamme bewährte sich an giftigen wunden, die ausgebrannt wurden; schon Sæm. 27 b ist genannt › eldr viđ sôttum‹, feuer gegen krankheiten. auf den rothlauf wurde feuer geschlagen (abergl. 710 ). um es gegen feuer zu schützen wurde das vieh über das heilige notfeuer getrieben (s.  502  ff.) Nachtrag: Mit wasser begießt man ohnmächtige. daz man mit brunnen si vergôz unde natztese undern ougen. Kl. 1566. si lac in unsinne unz man mit wazzer si vergôz. das. 1978. nasses gras wird an den ohnmächtigen gelegt. Ls. 2, 283. feuer schlagen und pusten hilft gegen fußbrand, rose und böses auge. Müllenhoff s. 210. . Alte fieberkur war, das kind auf den ofen oder das dach zu legen: mulier si qua filium suum ponit supra tectum (vgl. s.  934 ) aut in fornacem pro sanitate febrium ( abergl. C 10, 14). posuisti infantem tuum juxta ignem ( abergl. C p. 200 a ). Nimmt das kind nicht zu, so hat es das elterlein , man schiebe es in den backofen , so weicht das elterlein (abergl. 75 ). Diese heilart gehört zu dem verfahren der göttinnen und nachtfrauen, wenn sie kinder an die flamme legen (s.  885 ). Man heilte aber auch, indem man kinder oder vieh durch ausgehölte erde , hole steine oder einen gespaltnen baum gehen und 976 kriechen ließ. Das hielt allen zauber ab, oder vernichtete ihn oder wirkte sympathetisch. schon die canones Edgari nach der ags. übersetzung bei Thorpe p. 390. ›treovvurđunga and stânvurđunga and þone deofles cräft, þær ma þa cild þurch þa corđan tihđ ‹. ›mulieres, quae habent vagientes infantes, effodiunt terram et ex parte pertusant eam et per illud foramen pertrahunt infantem‹ ( abergl. A ). ammen nehmen das neugeborne kind und stoßen es durch ein hol ( abergl. G v. 137): will es nicht gehen lernen, läßt man es durch ranken des brombeerstrauchs kriechen, die in die erde gewachsen sind (abergl. 818 ). Kranke schafe müssen durch eine gespaltne junge eiche kriechen . ›nullus pracsumat pecora per cavam arborem aut per terram foratam transire ‹ ( abergl. A .). Gelöcherter steine gedenken die urkunden verschiedentlich: ›from þyrelan stâne‹ Kemble 2, 29 (a. 847); › durihilîn stein‹. MB. 2, 296 (a. 1130). ital. pietra pertusa . sie heißen auch nadelöhr , ein solches stand z. b. zwischen Hersfeld und Vacha bei Friedewald, sie scheinen auch an die stelle alter holer bäume, die man hoch hielt, nach deren aussterben gesetzt: nadelöhr est lapis perforatus in locum arboris olim excavatae in media silva venatoribus ob ferarum silvestrium copiam frequente a Mauritio Hassiae landgravio ad viam positis, per quem praetereuntes joci et vexationis gratia proni perrepere solent Pauli Hentzneri itinerarium (1598. 1599). Breslau 1617. p. 5. . Das hänseln der jäger und reisenden blieb noch als der glauben an die heilkraft lange geschwunden war. In Gallien mag er fester gehaftet und weiter umgegriffen haben. ›les enfans trop faibles reprennent des forces, lorsqu'ils ont été assis dans le trou de la pierre saint Fessé, cette pierre informe placée au milieu d'un champ est respectée par les laboureurs, et la charrue laisse un espace libre à l'entour‹ (in Poitou. mém. des antiq. 8, 455. ähnliche überlieferungen daselbst 1, 429. 430). Dieses schlüpfen durch eichspalt, erde oder stein scheint auf den genius des baums, der erde das siechthum oder den zauber zu übertragen merkwürdig, daß im altfranz. Tristan der zwerg Frocine, als er das geheimnis von Marks pferdeohren dem schwarzdorn beichtet. seinen kopf unter der holen wurzel des baums durchstekt, und dann erst redet. 1321–1334. sein geheimnis geht dadurch über auf den dorn. . Aus dem Magdeburgischen vernahm ich folgendes: wenn zwei brüder, am besten zwillinge, einen kirschbaum in der mitte spalten und das kranke kind hindurchziehen, dann den baum wieder zubinden, so heilt das kind wie der baum heilt. In der Altmark bei Wittstock stand eine dicke krause eiche , deren äste in einander und löcher hindurch gewachsen waren: wer durch diese löcher kroch , genas von seiner krankheit, um den baum herum lagen krücken in menge die die genesenden weggeworfen hatten (Temme s. 116. 117). In Schweden heißen solche runde öfnungen zusammengewachsner äste elfenlöcher , und frauen werden in kindesnöthen hindurch gezwängt. Von welchen 977 krankheiten man auf solche weise genas, wird nicht immer berichtet, folgende stelle lehrt, daß noch im vorigen jahrhundert das engl. landvolk so die brüche heilte: ›in a farmyard near the midle of Selborne (a village in the county of Southampton) stands, at this day, a row of pollardashes (gestutzten eschen), which, by the scams and long cicatrices down their sides, manifestly shew that, in former times, they have been cleft asunder. these trees, when young and flexible, were severed and held open by wedges, while ruptured children , stripped naked, were pushed through the apertures , under a persuasion that, by such a process, the poor babes would be cured of their infirmity. As soon, as the operation was over, the tree in the suffering part, was plastered with loam, and carefully swathed up. If the part coalesced and soldered together, as usually fell out, where the feat was performed with any adroitness at all, the party was cured; but where the cleft continued to gape, the operation, it was supposed, would prove ineffectual. We have several persons now living in the village, who, in their childhood, were supposed to be healed by this superstitious ceremony, derived down perhaps from our saxon ancestors, who practised it before their conversion to christianity. At the south corner of the area neer the church, there stood about twenty years ago, a very old grotesque hollow pollardash , which for ages had been looked on with no small veneration as a shrewash . now a shrewash is an ash whose twigs or branches, when gently applied to the limbs of cattle , will immediately relieve the pairs which a beast suffers from the running of a shrewmouse (spitzmaus) over the part affected. for it is supposed that a shrewmouse is of so baneful and deleterious a nature, that wherever it creeps over a beast, be it horse, cow, or sheep, the suffering animal is afflicted with cruel anguish, and threatened with the loss of the use of the limb. against this accident, to which they were continually liable, our provident forefathers always kept a shrewash at hand, which, when once medicated, would maintain its virtue for ever, a shrewash was made thus Rob. Plot, natural history of Staffordshire Oxford 1686 p. 222: superstitious custom they have in this county of making nursrow trees for the cure of unaccountable swellings in their cattle. for to make any tree, whether oack, ash or elm, a nursrow tree they catch one or more of these nursrows or fieldmice, which they fancy bite their cattle und make them swell, and having bored a hole to the center in the body of the tree, they put the mice in, and then drive a pegg in after them or the same wood. where they starving at last communicate forsooth such a virtue to the tree, that cattle thus swoln being wipt with the boughs of it presently recover: of which trees they have not so many neither, but that at some places they goe 8 or 10 miles to procure this remedy. : into the body of the tree a deep hole was bored with an auger, and a poor devoted shrewmouse was thrust in alive, and plugged in , no doubt, with several quaint incantations long since forgotten. As the ceremonies necessary for such a consecration are no longer understood, all succession is at an end, 978 and no such tree is known to subsist in the manor or hundred. as to that on the area, the late vicar stubbd and burnt it, when he was waywarden, regardless of the remonstrances of the bystanders, who interceded in vain for its preservation‹ Gil. White: the natural history and antiquities of Selborne. London 1789. 4. p. 202–204. Nachtrag: Poenit. Ecgb. (Thorpe s. 380): (þa cild ) ät vega gelaetum þurh þa eorđan tihđ . kriechen durch hole steine . antiqv. ann. 3, 27. auch im skr. vgl. Kuhn über Vrihaddêvatâ in Webers ind. stud. 1, 118. 119. hole und runde steine gelten für fairy cups and dishes. W. Scotts minstrelsy 2, 163. sie kommen öfter in urkunden vor. ad durechelen stein. a. 1059. MB. 29 a , 143. petra pertusa . Procop. 2, 609. pierre percée . Schreibers taschenb. 4, 262. 263. (kl. schr. 2, 42). Ein brüchiges kind wird zu Lauenstein von den gevattern vor sonnenaufgang durch eine gespaltne eiche gezogen. je sorgfältiger man nun die eiche verbindet, desto besser heilt der bruch. die eiche nimmt aber niemand, er könnte sonst den bruch bekommen. ähnliches gilt von einer › young maiden ash ‹. Barnes s. 326. auch bloß die abgeschnittenen haare werden hindurchgezogen. Meier schwäb. sag. 528. ein ross wird geheilt, wenn man einen silberpfenning in den spalt einer espe oder hasel legt. Mone 6, 476. in England werden kranke kinder gern durch eschen gezogen. Athenaeum 1846. sept. 5. no. 984. man bindet die bäume entweder mit grobem faden oder schlägt nägel hinein. solche nägelbeschlagne bäume finden sich oft im wald. einen traf man voll von nägeln. Hone's tablebook 2, 466. vgl. den Wiener stock am eisen. Ziska märchen s. 105. wer zahnweh hat, gehe donnerstag morgen schweigend in den wald, nehme einen nagel mit, stochere damit die zähne und schlage den nagel in einen baum . Nilsson 4, 45. bei Mansfeld ist auch ein voller nägel geschlagener stein. DS. no. 487. wenn ein kind an keuchhusten leidet, so zieht man es in England dreimal durch die öfnung in einer hagedornhecke (hawthorn). Apâlâ von der hautkrankheit behaftet bringt Indra ein Somaopfer dar, der sie zum danke in der art heilt, daß er sie durch drei hölungen seines wagens zieht . Webers ind. stud. 1, 118. 4, 8. . Dieser aberglaube von der mausesche schlägt in anderes ein, was schon vorher berührt wurde. einmal gleicht die eingepflöckte maus dem in die hohle eiche eingepfählten unglück (s.  731 ), und es kommt uns zu statten, was Luthers tischreden (ed. 1571 bl. 53 b ) melden: ›es wird ein loch in einen baum gebohrt, die seele darein gesetzt und ein pflock dafür geschlagen, daß sie darinne bleibe‹. dann aber nehmen seele oder geist, indem sie den leib verlassen, auch andremal die gestalt einer maus an (s.  905 ). Raibiht nennen die Letten eine abergläubische kur bei kopfschmerz: der leidende wird einigemal mit lindenbast um das haupt gemessen und muß hernach durch diesen bast kriechen . Es kommt auch vor, daß durch gebohrte löcher des heilsamen baums wasser gegossen und getrunken werde physica Hildegardis 3, 10 de cupresso: quod si aliquis homo a diabolo vel per magica irretitus est, praefatum lignum, quod cor dicitur, cum terebro perforet et in fictili vase aquam vivi fontis tollat et eam per idem foramen in aliud fictile vas fundat, et cum jam infundit dicat: ›ego fundo te, aqua, per foramen istud in virtuosa virtute, quae deus est, ut cum fortitudine quae tibi adest in natura tua fluas in hominem istum, qui in sensu suo irretitus est, et omnes contrarietates in eo destruas, et eum in rectitudinem, in quam deus eum posuit, in recto sensu et scientia reponas‹. Et aquam istam per novem dies jejunus bibat, et etiam tociens hoc modo benedicatur, et melius habebit. . Eine art angang ist es, daß die drei ersten korn oder schlehblüthen , deren man im jahr ansichtig wird, heilmittel wider das fieber abgeben (abergl. 695 . 718 . 784 . 1018 ), vgl. die dritthalb rockenkorn (s.  974 ). Am Vogelsberg tragen die gichtkranken eiserne ringe , aus nägeln, an welchen menschen sich erhängt haben , geschmiedet, am ringfinger der rechten hand. gichtsegen werden in ungebleichter leinwand mit leinenen fäden ohne knoten auf der brust getragen. beides gehört zu den amuleten und bindungen. heilende gürtel kennt schon Marcellus ags. hom. 2, 28. Krankheiten und heilmittel werden auch in die erde vergraben , in den ameisenhaufen (abergl. 864 ). Hierher gehört eine heilung der epilepsie im 10 jh. durch eingegrabne pfirsichblüten, wie sie Ratherius in seinen praeloquiis lib. 1. (ed. Mart. et Dur. p. 808. ed. Ballerini p. 31) ungläubig meldet: factum sit, infectum sit, narratum est quod refero. Cujusdam divitis filius gutta , quam cadivam dicunt, laborabat. medicorum omne probatissimorum erga eum inefficax ingenium ad desperationem salutis paternum atque maternum deduxerat animum, cum ecce unus servorum suggerit, ut flores arboris persicae optime mundatos primo lunis (i. e. lunae) 979 die aprilis mensis in vase vitreo colligerent, quod sub radice ejusdem arboris, insciis omnibus , ab uno quo vellent suffoderetur , eodem die reversuro ipso, a quo positum est, anno vergente, si fieri posset, hora quoque eadem, et effosso vase flores in oleum conversos arborem siccatam inventuro, quod sub altare positum, presbytero quoque ignorante, novem missis super eo celebratis sanctificaretur, et statim post accessum ejusdem morbi novem vicibus in haustum diatim scilicet aegro daretur, cum oratione dominica, ita duntaxat, ut post ›libera nos a malo‹ a dante diceretur: ›libera deus istum hominem, nomine ill., a gutta cadiva‹, et quibus novem diebus missam quotidie audiret, azymum panem cibumque quadragesimalem post jejunium caperet, atque ita deo miserante convalesceret. Si tamen factum est, ille convaluit, servus emancipatus est, etiam heres adscriptus, medicina ab innumeris adprobata multis quoque salutis contulit remedia. Flieder oder hollunder hilft gegen zahnweh und fieber: der fieberkranke steckt, ohne ein wort dabei zu sprechen, einen fliederzweig in die erde . da bleibt das fieber am flieder haften, und hängt sich dann an den, der zufällig über die stätte kommt. dän. abergl. 162 . Besonders ist flieder heilsam, der über bienenstöcken (op bjintjekoven) wächst; man schält seinen bast nach oben (nicht nach unten) zu , und gibt dem kranken den absud zu trinken lapekoer fen Gabe scrôar. p. 31. 32. . Beachtenswerth ist dies übertragen der krankheit auf bäume , d. h. auf den geist, der in ihnen wohnt. Unter den beschwörungsformeln beginnt xxvi mit den worten: › zweig ich biege dich , lieber nun laß mich!‹ › hollerast hebe dich auf, rothlauf setze dich drauf, ich hab dich einen tag, habe dus jahr und tag!‹ Wer die gicht hat gehe drei freitage hinter einander nach sonnenuntergang unter einen tannenbaum : ›tannenbaum ich klage dir, die gicht plagt mich schier‹ u. s. w., die tanne wird dörren und die gicht aufhören. ›deus vos salvet sambuce , panem et sal ego vobis adduco, febrem tertianam et quotidianam accipiatis vos , qui nolo eam‹. Westendorp s. 518 verzeichnet folgenden niederländischen brauch. Wer vom kalten fieber genesen will, gehe frühmorgens (in der uchte) zu einem alten weidenbaum, knüpfe drei knoten in einen ast , und spreche dazu: ›goe morgen, olde , ik geef oe de kolde, goe morgen olde! ‹ dann kehre er um und laufe, ohne sich umzusehen, eilends fort. abergl. 1074 heißt es: wer fieberfrost hat gehe stillschweigends und über kein wasser zu einer holen weide, hauche dreimal seinen athem hinein, keile das loch schnell zu und eile ohne sich umzusehn und ein wort zu sprechen heim, so bleibt das fieber fort. formel xliv wird die gicht auf frau fichte übertragen . Es können krankheiten ebenwol auf thiere übertragen werden. ›praecordia vocamus uno nomine exta in homine, quorum in dolore cujuscunque partis si catulus laetens admoveatur apprimaturque his partibus, transire in eum morbus dicitur, idque in exenterato 980 perfusoque vino deprehendi, vitiato viscere illo quod doluerit hominis; et obrui tales religio est ‹. Plin. 30, 4. ›sunt occulti interaneorum morbi, de quibus mirum proditur. si catuli, priusquam videant , applicentur triduo stomacho maxime ac pectori et ex ore aegri suctum lactis accipiant, transire vim morbi , postremo exanimari dissectisque palam fieri aegri causas. mori et humari debere deos obrutos terra .‹ 30, 7. ›quod praeterea traditur in torminibus, mirum est, anate apposita ventri transire morbum anatemque emori‹. 30, 7. So hat man noch bis in den letzten jahrhunderten junge welfe angelegt und saugen lassen. Wenn der leichdorn (clavus, ἧλος), hünerauge , elsterauge , nnl. exterôg, krähenauge , böhm. kuřj oko heißt, so dachte man sich dabei auch übertragungen als thunlich. Tobler 18 b meldet, wer da wo eine elster saß, ausrufe: ›zigi, zigi, ägest , i ha dreu auga ond du gad zwä!‹ vertreibe sein elsterauge. Die fliegende gicht wird so geheilt, daß man den kranken ganz und gar in sauberen flachs wickelt : liegt er dann darin, wie ein jüngferchen in rosen, so wird ein schaffell über ihn gebreitet und ihm nun die arznei zum schwitzen eingegeben. Dieses einwickeln ist ein in der alten thiersage berühmtes mittel. der fieberkranke löwe soll sich in die haut eines lebendig geschundnen vierthalbjährigen wolfs winden und schwitzen; das lehrt schon die äsopische fabel (Reinh. cclx ). ausführlicher handelt davon das altdeutsche gedicht: dem löwen war eine ameise ins hirn gekrochen und hatte sein siechthum verursacht; Reinhart verordnet ihm die haut eines alten wolfs umzuthun , ein bärenfell aufzulegen und einen katzenhut aufzusetzen: in die erwärmten katzenhaare kriecht die ameise aus des kranken haupt. Solches einwinden in frischabgezogne thierhäute ist im mittelalter wirklich für mehrere zufälle angewendet worden, z. b. bei zufrühgebornen schwächlichen kindern, bei ungebornen ausgeschnittnen (s.  322 ), bei menschen, die einen gefährlichen sturz gethan. In einem niederd. lustspiel des 16 jh. betitelt ›de böse frouwens‹ soll man die kranke ›in eine vriske pagenhut beneijen ‹. Schmidt über Ostmongolen s. 229 bemerkt, daß auch diese völker zur heilung einer krankheit die füße in die ofne brust eines frischgeschlachteten pferdes stellen. Auflegen des warmen thierfleisches wird verschiedentlich erwähnt: › vivum gallinaceum pullum per medium dividere et protinus calidum super vulnus imponere, sicut pars interior corpori jungatur‹. Celsus 5, 27; ›eine schwarze henne aufschneiden und aufs geschorne haupt legen ‹. (Ettners hebamme 795); frisches fleisch auf die wunde (belg. mus. 7, 446) his diebus occulto dei judicio idem Eraclius (episcopus leodiensis, † 971) morbo, qui lupus dicitur, miserabiliter laborabat. patiebatur autem in natibus. erat igitur videre miseriam. tam graviter enim vis valetudinis grassabatur, ut mirum in modum carnes viri lupino modo consumeret, corroderet, devoraret; solumque solatium, non quidem spes evadendae aegritudinis. sed saltem dilatio mortis erat, quod quotidie duo pulli gallinarum eplumes et eviscerati mane, duoque vespere, vice carnium viri cousumendi morbo, ac si lupinae rabiei, apponebantur. die hüner wurden an der stelle mit binden befestigt, Chapeaville 1, 191–194. Hautentzündung und fressendes geschwür heißt wolf (lupus): sich einen wolf gehen, reiten. lat. intertrigo , gr. παράτριμμα. Nachtrag: Will kopfweh nicht weichen, so windet man einen faden dreimal um den kopf des kranken und hängt ihn als schlinge in einen baum . wenn dadurch ein vogel fliegt, so nimmt er das kopfweh mit weg. Temme Altmark s. 83. Legt man das hemdlein eines kinds, worin es die schwere noth erlitten, auf den kreuzweg , so wird die sucht auf den übertragen, der über den weg geht, reitet oder fährt. medic. maulaffe 167. eine wunde heilt man durch verbinden des beils , das sie geschlagen hat. herre mit gotes helfe wil ich, daz reine welfe iuwer kint wol generen.   Diocl. 4504. die gelbsucht kann auf die eidechse übertragen werden. Mone 7, 609. kranke werden in die haut eines frischgetödteten hirsches gelegt. Landulphus b. Muratori 4, 81. Wilmans Otto 3, 244. ein schwächliches kind wird in die haut eines frischgeschlachteten hammels gewickelt (bei Schamyl). allg. zeit. 1856 s. 3323 b . das auflegen von warmem thierfleisch kommt in einem hexenproceß vor. Schreibers taschenb. 5, 213. . 981 Auch der für den siechen löwen aus Randolts haut geschnittne hirzîn rieme (Reinh. 1951) stimmt zu einem alten heilmittel (Bresl. hs. des 14 jh. in den fundgr. 1, 325): für daz vallende ubel. du sall warten, swenne iz en an ge, so nim einen hirzinen riemen unde bint im den umbe den hals di wile im we si, unde sprich: in nomine etc. so binde ich hie den sichthum dises menschen in disem knopfe, unde nim den selben riemen denne unde knupfe einen knoten dar an. den selben riemen sal man denne binden dem siechen umbe den hals, unde derselbe mensche sal sich denne enthalden von dem wine unde von dem fleische, biz daz er kume da man einen toten man begrabe, da sal man den riemen losen dem siechen von dem halse unde sal den selben riemen begraben mit dem toten manne, wan der selbe rieme sal dem toten geleget werden under di schulter , unde sol einer sprechen, der den riemen leget etc. der sichtum gewirret im nimmer mere. Anderwärts wird angerathen gegen die epilepsie sich mit einer wolfshaut zu gürten (belg. mus. 6, 105) Nachtrag: Der hirschrieme ist dem lebendigen thier abzuschneiden. Agricola vom hirsch p. m. 238. 239. vgl. man sol den erhelriemen (lorum nauseae) snîden dem der smacke (sapor) wil verderben. Tit. 2621. der zahn einer auf bestimmte art getödteten wiesel wird mit der linken hand von der erde aufgehoben, in die haut eines eben getödteten löwen (oder einer jungfräulichen hindin ) gewickelt und den gichtkranken füßen aufgelegt. Lucian. philops. 7. die heilkraft der gemskugel , doronicum bespricht Ettners unw. doct. 180. Eine hautenzündung heißt wolf : der siechtuom ist des êrsten klein und kumt den herren in diu bein und ist geheizen der wolf .   Ottok. 91 b . . Während die heutige heilkunde fast auf vegetabilische und mineralische mittel eingeschränkt ist, brauchte die ältere manigfachen thierischen stof. herzen gewisser vögel, fleisch, blut und fett gewisser thiere hatten sehr eigenthümliche heilkraft Wanley p. 75 (vgl. 220) führt einen tractatus Idparti fabulosus an: medicina ex quadrupedibus. . dem kranken löwen hilft genuß des affenfleisches (Reinh. cclx ), doch der unwissende wolf räth ihm das des bocks und widders an ›mit der belchen (fulica atra) füezen wirt dein man mazleide buoz‹. Ls. 3, 564. . blut der vögel und des fuchses heilt wunden (pentam. 2, 5). krähenblut zaubert ( abergl. G v. 202). blut aus dem hahnkamm, gehirn einer häsin hilft (Ettners hebamme 875). Hieran reiht sich die abergläubische heilung des aussatzes durch das blut unschuldiger kinder und reiner jungfrauen; die der fallenden sucht durch das blut hingerichteter (abergl. 1080 ). speichel , ja reiner athem sind heilkräftig Herodot erzählt 2, 111 wie ein blinder herstellung seines gesichts erlangen soll γυναικὸς οὔρῳ νυψάμενος τοὺς ὀφϑαλμούς, ἥτις παρὰ τὸν ἑωϋτῆς ἄνδρα μοῦνον πεφοίτηκες ἄλλων ἀνδρῶν ἐοῦσα ἄπειρος. Nachtrag: Kl. schr. 2, 146. Für die hundswut empfiehlt man gewisse würmer oder käfer . mit der belchen füezen wirt dem man mazleide (fastidii) buoz. LS. 3, 564. es gab ein heilkräftiges gericht, in das der geifer schwarzer und weißer schlangen trieft. Saxo ed. M. s. 193. 194. ein iglich tier daz wurde gesunt, der im gaebe hundesbluot . Renn. 19406. blut heilt wunden. Lanc. 25397. 25428. im Engelhart und armen Heinrich wird der aussatz durch das blut unschuldiger kinder geheilt. man swendet druosen mit nüechterner speicheln . Renn. 5884. . Eine menge sympathetischer mittel heilen oder schaden. So wird gelbsucht unheilbar, wenn eine gelbfüßige henne über den siechen fliegt (abergl. 549 ), geheilt aber durch schauen in schwarzes wagenschmer ( 66 ). Überspannen der kanne, des bechers bringt herzgespann hervor ( 11 . 949 ); weidedrehen krummen hals oder leibschneiden ( 373 , vgl. oben s.  958 ). Das fieber wird gewendet oder angebaut , indem man leinsamen unter hersagen eines segens auf dem acker anbaut: wie der same aufgeht muß das 982 fieber weichen (Höfer 3, 131). Auf rose oder rothlauf soll man funken schlagen ( 383 . 710 ), das böse vom leib, wie mülradwasser (s.  493 ) abspringen lassen, über dem kopf schwer redender kinder ein brot brechen ( 415 ), den ausgerissenen zahn in eines jungen baumes rinde schlagen ( 630 ). wider schlucken, ohrenzwang, zahnweh bestehn unter dem volk viel solcher mittel ( 151 . 211 . 280 . 581 . 584 . 722 . 950 ) Nachtrag: Ein gelber vogel hebt durch seinen anblick die gelbsucht. man heilt ferner die gelbsucht, wenn man den kranken aus einem wächsinen becher, in dessen grund ein rabenducate liegt, trinken läßt. unw. doct. 147. Gegen biß hilft beißen: beiti (mordax aliquid) viđ bitsôttum . Sæm. 27 b . Der huk wird durch kesselhaken geheilt. Lisch meklenb. jb. 6, 191, das hüftweh durch entmannen . Greg. tur. 10, 15. . Sehr oft werden heilkräftige mittel angebunden, umgeknüpft um den arm, hals, leib getragen . dies nennen die lat. quellen des frühen MA. ligamenta , ligaturae , phylacteria . φυλακτήρια sind solche sichernde schützende angehänge, amulete, häufig von blech, daher sie in ahd. glossen pleh , plehhir heißen, aber auch von glas, holz, knochen, kräutern, silber und gold; ligaturae scheinen bloße fadenknüpfungen. der neuere name ist angehenke (abergl. 869 . 870 ). auch geheime schriften und runen wurden angehängt, der zweck war aber nicht immer heilung, sondern umgekehrt auch zauberei und verletzung. Hier sind zeugnisse für beide arten: ›ut clerici vel laici phylacteria vel falsas scriptiones aut ligaturas , quae imprudentes pro febribus aut aliis pestibus adjuvare putant, nullo modo ab illis vel a quoquam Christiano fiant, quia magicae artis insignia sunt.‹ capitul. 6, 72; ›admoneant sacerdotes non ligaturas ossium vel herbarum cuiquam adhibitas prodesse, sed haec esse laqueos et insidias antiqui hostis‹. capit. add. 3, 93. Greg. tur. mirac. 2, 45 berichtet von einem kranken knaben, zu welchem man den klugen mann (ariolus) berufen ließ: ›ille vero venire non differens accessit ad aegrotum et artem suam exercere conatur, incantationes immurmurat, sortes jactat, ligaturas collo suspendit ‹. lex visigoth. VI. 2, 4: ›qui in hominibus vel brutis animalibus, seu in agris seu in vineis diversisque arboribus maleficium aut diversa ligamenta aut etiam scripta in contrarietatem alterius excogitaverit facere‹. lex sal. 22, 4: ›si quis alteri aliquod maleficium superjactaverit, sive cum ligaturis in aliquod loco miserit‹. im indiculus (abergl. B , C int. 43 p. 195 b ) werden solche bald heilsame bald schädliche ligaturae und nefaria ligamenta angeführt; Kopps palaeogr. 3, 74 ff. hat andere stellen über amulete und ligaturen verzeichnet. Hincmar 1, 654 sagt: ›turpe est fabulas nobis notas referre, et longum est sacrilegia computare, quae ex hujusmodi de ossibus mortuorum atque cineribus carbonibusque extinctis (oben s.  516 ) . . . cum filulis colorum multiplicium , et herbis variis ac cocleolis et serpentum particulis composita, cum carminibus incantata deprehendentes comperimus‹. diese bunten faden gemahnen an den virgilischen vers: › terna tibi haec primum triplici diversa colore licia circumdo‹ und an das ›necte tribus nodis, ternos Amarylli colores ‹ (eccl. 8, 73. 77) die lettische braut zur trauung fahrend muß in jeden graben und teich, den sie sieht, und an jede hausecke ein bündel gefärbte faden und eine münze werfen zum opfer für wasser und hausgeister. Merkels Letten p. 50 (vgl. ehstn. abergl. 11 ). . Sollen dergleichen 983 angehenke unsern vorfahren von den Römern zugebracht sein, so geschah es schon in früher zeit, die epist. Bonifacii 51 (a. 742) sagt: ›dicunt quoque se vidisse ibidem mulieres pagano ritu phylacteria et ligaturas in brachiis et cruribus ligatas habere et publice ad vendendum venales ad comparandurn aliis offerre‹. Beda 4, 27: ›nam et multi . . . ad erratica idolatriae medicamina concurrebant, quasi missam a deo conditore plagam per incantationes vel phylacteria  . . . cohibere valerent‹. ein phylacterium mit reliquien vom hals bis zur brust erwähnt Sigeb. gembl. 828. Bonaventurae centiloquium 1, 29 (opp. ed. venet. 5, 130): ›maleficium est peritia, per quam mulieres faciunt aliquas ligaturas in damnum vel in commodum alicujus, ut de crista galli et de rana et de imagine cum eis‹. Schon Plinius 30, 1 nennt anbindsel von käfern . des fülizant Ms. 2, 160 b gedachte ich s.  548 , auch diesen brauch weist Plin. 28, 19 auf: › dentes qui equis primum cadunt facilem dentitionem praestant infantibus adalligati ‹. der neben dem fülizant genannte gevater soll ihn wol dem pathen eigenhändig umthun? vom anbinden der heilkräuter redet das folgende cap. umständlicher Nachtrag: Dem mlat. ligamentum entspricht das gr. παράρτημα anhängsel. Lucian. philops. 8. breviis ac ligaturis . MB. 16, 241 (a. 1491). obligatores . Ducange s. v. Pertz 3, 100. wurden wie fohlenzähne s.  548 , auch wolfszähne angehängt? ob ieman wolle tumben spot und einen boesen wolves zan mit ergerunge henken dran .   pass. 3, 70. ir truogt den eiterwolves zahn .   Parz. 255, 14. daz ich minne, ist mir niht angebunden , ez ist mir angeborn. MSH. 3, 233 b . parentes vero ejus intelligentes eum diaboli immissione turbari, ut mos rusticorum habet , a sortilegis et ariolis ligamenta ei et potiones deferebant. Greg. tur. mirac. s. Martini 1, 26. accedentibus ariolis ac dicentibus, eam meridiani daemonii incursum pati, ligamina herbarum atque incantationum verba proferebant. das. 4, 36. illa de sinu licium protulit varii coloris filis intortum, cervicemque vinxit. meum. Petron. c. 131. finn. tyrä , eigentlich testiculus, dann globulus magicus nocivus, instar testiculorum, hominibus et pecudibus immitti solitus. Frommann führt zu Herbort s. 230 an: imago argentea , per incantationum modos multique artificii virtute constructa, quae adversus incantationes jam factas est valde potissima. . Der verzauberung neuvermählter ist schon s.  897 . 917 erwähnung geschehen. die hexe kann durch bloße hermurmelung eines spruchs während der trauung, wenn sie dabei zugegen ist, den mann zum zeugen, die frau zum empfangen untüchtig machen. Hincmar 1, 654 erzählt einen fall, und gibt die zusammensetzung des mittels an, das neben der beschwörung angewendet wurde; auf Hincmar gründet sich eine stelle in Gratians decret II. 33, 1. § 4. diese zauberei heißt senkelknüpfen , nestelknüpfen , schloßschließen , binden , weil dabei heimlich ein knoten geknüpft, ein schloß zugeschlagen wird hilfsmittel dagegen in Ettners hebamme s. 294. 296. Wegners schauplatz p. 625 ff. . nestel bedeutet einen bendel (ligula), senkel , wenn er oben an der spitze mit blech, zum leichtern einsenken, gefaßt ist. man sagte auch bruchverknüpfen , niederkleid, nackmäntel knüpfen, franz. nouer l'aiguilette . es soll fünfzigerlei arten solcher verknüpfungen und eine menge unverständlicher knüpfsprüche geben Bodin übers. von Fischart p. 74 75. . das zugemachte schloß, der geknüpfte knoten wurde weggeworfen, nicht an die bezauberten gehängt. Vieles wird bei schwangeren und gebährenden beobachtet, vgl. abergl. 41 . 176 . 293 . 337 . 364 . 489 . 561 . 654 . 674 . 688 . 691 . 702 . 724 –732. 815 . 859 . 924 . 933 . ehstn. 12 . 18 –23. Legt die frau des mannes pantoffel an, bindet am hochzeitstag der bräutigam der braut die strumpfbänder , so wird sie leicht gebähren. Bezieht sich hierauf auch die sitte, deren alter ich gleich beweisen will, daß die braut in der brautnacht heimlich ihr hemd mit dem des mannes wechsele? Vintler sagt. ( abergl. G v. 170): das sind dan 984 etlich briute, die legent ihr hemd an irs mannes ort. Deutlicher in Turlins Wh. 148: diu künigîn wart gebriset in ein hemede: ›alser dir sî gelegen bî, und er dar nâch entslâfen sî, sô lege tougen sîn hemede an; und ob dîn sin gesuochen kan. daz ez werde heimlich getân, sich, daz dich iht verdrieze, dîn hemde sîn houpt beslieze; daz sol an dînem vlize stên: dar nâch soldu über in gên an sîme hemde , daz wirt dir vromen‹. Den Griechen förderten oder hemmten höhere göttliche wesen geburt, die Eileithyien , botinnen der Here, woraus allmälich eine einzige Eileithyia , die römische Lucina , wurde. in unsrer edda ist Oddrûn , Atlis schwester, der entbindungen kundig, sie reitet über feld zu der kreißenden, wirft den sattel vom rosse und schreitet in den saal (Sæm. 239), kniet vor der jungfrau nieder und spricht ihren zauber. man sagte: kiosa mæđr frâ mögum (exsolvere matres a pueris) Sæm. 187 b und legte das amt den nornen zu. Es muß dabei uralte lösende und hindernde noch heute beobachtete sympathetische mittel gegeben haben; übereinanderschlagen der beine, falten der hände vor der gebährenden hinderte, von einander lassen oder losmachen förderte, wahrscheinlich half jenes rasche absatteln des rosses. Ov. met. 9, 298: dextroque a poplite laevum pressa genu, digitis inter se pectine junctis sustinuit nixus. tacita quoque carmina voce dixit, et inceptos tenuerunt carmina partus. 310 divam residentem vidit in ara, brachiaque in genibus digitis connexa tenentem. 314 exsiluit, junctasque manus pavefacta remisit diva potens uteri. Assidere gravidis, vel cum remedium alicui adhibeatur, digitis pectinatim inter se implexis veneficium est, idque compertum tradunt Alemena Herculem pariente. pejus si circa unum ambove genua; item poplites alternis genibus imponi. Plin. 28, 6; ferunt difficiles partus statim solvi, cum quis tectum, in quo sit gravida, transmiserit lapide vel missili ex his, qui tria animalia singulis ictibus interfecerint hominem, aprum, ursum. probabilius id facit hasta velitaris, evulsa e corpore hominis, si terram non attigerit 28, 4 Nachtrag: Arab. heißt ein beschwörer: haucher auf die knoten , der den nestel knüpft und darauf haucht oder spukt, um den zauber zu vollenden. Rückerts Hariri 1, 451. sure 113. des Korans. fluoch der mîne wambe besperret . Mar. 153, 38. die hexe wirft das schloß über liebende bei der trauung zu, um zwischen ihnen haß zu erzeugen. Bechstein thür. sag. 3, 219. für den aderlaß wird ein gemeinsamer tag gewählt. Trist. 380, 3 ff. ein im trank ausgelöschter docht schwächt des trinkenden liebesgenuß. Marcell. no. 94. kl. schr. 2, 142. das gebären wird gehindert durch neun hexenknoten im haar, die kummerkämme (kaims of care) Minstrelsy 2, 400. eine zottelkappe ist für weiber in kindesbanden gut. Herold bei Öchsle bauernkr. s. 35. schwere geburt wird erleichtert durch zwei aus wachs gebildete kinder , oder sollen sie bloß die zauberin teuschen? D. V. 1, 274. 279. ein mann kneift seine hände über die knie, so kann die frau nicht gebären. es wird ihm nun vorgegeben, sie habe geboren, da läßt er los. Asbiörnsen Huldr. 1, 20. Gürtel erleichtern die geburt. Ossian Ahlw. 3, 436. 450. þâ tôk Hrani beltit ok lagđi um hana , ok litlu sîđar varđ hun lêttari. fornm. sög. 4, 32. Die lettische Laima breitet den gebärenden das laken unter . die zlotababa schützt geburten. Hanusch 337. 356. Ἄρτεμις βολοσίη. Procop. 2, 576. αἱ κυΐσκουσαι ἐπικαλεῖσϑε τὴν Ἄρτεμιν, ἀξιοῦσϑαι συγγνώμης, ὅτι διεκορήϑητε. schol. Theocr. 2, 66. Juno Lucina , fer opem, serva me obsecro! Ter. adelphi III. 4, 41. swelh wîb diu driu liet hât , sô sie ze keminâten gât, in ir zeswen bevangen , sie lîdet unlangen kumber von dem sêre , wand in unser frowen êre gnist sie kindes gnaedeclîchen . . , swâ diu buochel driu sint behalten , diu maget wil der walten, daz da nehein kint werde krumb noch blint .   Wernhers Maria 128. 129. . Vergiftungen wurden zuweilen gewaltsam geheilt: man hieng den kranken an den beinen auf, und riß ihm nach einer weile ein aug aus, im glauben, das gift werde durch diese öfnung fließen: ›tamen intoxicatus Albertus in Austria, et diu per pedes suspensus, oculum perdens evasit‹. Albertus argent. (ed. basil. 1569) p. 167 Nachtrag: Die heilung einer vergiftung schildert Megenberg 275, 27. an den fuß des nattergebissenen wird ein stein vom grab einer jungfrau gehängt. Lucian. philops. 11. . Wasser , quellen und feuer (s.  975 . 982 ) haben kraft die gesundheit zu erhalten oder herzustellen (s.  486 . 488 . 504 . 514 . 985 517 –519); besonders aber die quelle , welche der gott oder der heilige in dem fels gesprengt hat. die um den heilquell gewundne oder dabei erscheinende schlange (s.  485 . 488 ) darf dem schlangenstab Aesculaps verglichen werden. Aus felsen und mauern trieft heilendes wasser oder öl. Die eingemauerte mutter (s.  957 ) reichte noch eine zeitlang aus einer öfnung der wand heraus ihrem säugling die brust, bis sie endlich starb. an dieser tropft es beständig , weiber denen die milch vergangen ist, treten dahin und werden geheilt, die muttermilch hatte so lange geströmt, daß sie auch fremde brüste in fluß bringt. Aus Italien kenne ich eine ähnliche sage: ›est quoque non procul ab hoc oppido (Veronae) in valle quadam Policella dicta locus Negarina nomine, ubi saxum durissimum visitur, in quo mammae ad justam muliebrium formain sculptae sunt, ex quarum papillis perpetuae stillant aquae , quibus si lactans mulier papillas aspersit et laverit, exsiccatus aliquo ut fit vel morbo vel alio casu, illi lacteus humor revocatur.‹ Hentzneri itinerar. p. 201. eines milchtropfenden felsens gedenkt auch des Fel. Faber evagatorium 1, 449. litth. Laumês papas der Laumê zitze heißt ein harter stein. Den gräbern der heiligen wurde im MA. unmittelbares heilvermögen beigemessen und alles was mit ihnen in berührung stand gewährte hilfe, sogar der trunk des über knochen, kleider, holzsplitter und erde gegoßnen wassers. rasen und thau auf dem grab heilen (Greg. turon. vitae patr. 6. 7 Greg. tur. mirac. 1, 21 theilt aus Eusebius (7, 18) die sage von einem erzbilde des heilands und der frau, zu Caesarea, deren blutlauf gestillt wurde, mit: hujus ad pedem statuae in basi herba quaedam nova specie nascitur. quae cum exorta fuerit, crescere usque ad stolae illius aereae indumenti fimbriam solet. quam cum summo vertice crescens herba contigerit , vires inde ad depellendos omnes morbos languoresque conquirit, ita ut quaecunque fuerit illa infirmitas corporis. haustu exiguo madefacta salutaris graminis depellatur: nihil omnino virium gerens, si antequam aereae fimbriae summitatem crescendo contigerit, decerpatur. hanc statuam ad similitudinem vultus Jesu tradebant, quae permansit etiam ad nostra (Eusebii) usque tempora, sicut ipsi oculis nostris inspeximus. den schönen mythus erzählt auch Agobardus nach (opp. ed. Baluze Par. 1666 1, 248. 249). es kam darauf an, daß das kraut bis zum saum des kleides emporwuchs, erst durch dessen berührung erlangte es heilkraft. . Beda 3, 9 erzählt von dem heiligen Oswald: in loco, ubi pro patria dimicans a paganis interfectus est, usque hodie sanitates infirmorum et hominum et pecorum celebrari non desinunt. unde contigit ut pulverem ipsum , ubi corpus ejus in terram corruit, multi auferentes et in aquam mittentes suis per haec infirmis multum commodi afferrent, qui videlicet mos adeo increbuit, ut paulatim ablata exinde terra fossam ad mensuram staturae virilis reddiderit. 3, 11: de pulvere pavimenti, in quo aqua lavacri illius effusa est, multi jam sanati infirmi . 3, 13: habeo quidem de ligno , in quo caput ejus occisi a paganis infixum est. . . . tunc benedixi aquam, et astulam roboris praefati immittens obtuli aegro potandam. nec mora, melius habere coepit. 4, 3 von dem h. Ceadda († 672): est autem locus idem sepulcri tumba 986 in modum domunculi facta coopertus, habente foramen in pariete, per quod solent hi, qui causa devotionis illo adveniunt, manum suam immittere, ac partem pulveris inde assumere, quam cum in aquas miserint atque has infirmantibus jumentis sive hominibus gustandas dederint, mox infirmitatis ablata molestia cupitae sanitatis gaudia redibunt. 4, 61 von Earconvald: etenim usque hodie feretrum ejus caballarium, quo infirmus vehi solebat, servatum a discipulis ejus, multos febricitantes vel alio quolibet incommodo fessos, sanare non destitit. non solum autem suppositi eidem feretro vel appositi curantur aegroti, sed et astulae de illo abscissae atque ad infirmos allatae citam illis solent afferre medelam. Reliquien heilen nicht allein, sondern bringen glück, ruhe und fruchtbarkeit, ungefähr wie kleinode der elbe und zwerge in einzelnen geschlechtern; ubicunque hae reliquiae fuerint, illic pax et augmentum et lenitas aeris semper erit (Pertz 1, 71) les reliques sunt forz, deus i fait grant vertuz, iloc juit un contrait, set anz out ke ne se mut, tut li os li crussirent, li ners li sunt estendut: ore sailt sus en peez, unkes plus sain ne fud.   rom. de Charlemagne 192–195. les reliques sunt forz, granz vertuz i fait deus, que il ne venent a ewe, nen partissent les guet, nencuntrent aveogle ki ne seit reluminet, les cuntrez i redrescent e les muz funt parler   255–258. . Die legenden sind voll wunderbarer rettungen, welche wallfartenden siechen am grabe des heiligen zu theil wurden. eine unglaubliche menge von kranken nahm zu diesem mittel ihre zuflucht; treflich aber wird es in der thierfabel parodiert (Reinh. s.  cv . cxxvi ): der fieberkranke hase, der ohrenzwängige wolf genesen, sobald sie sich auf das grab der gemarterten henne gelegt haben. Von solchem wahn waren die Heiden frei; ich finde nie gemeldet, daß sie von reliquien und bei den hügeln ihrer könige und riesen heilung suchten den ursprung des reliquiencultus werde ich an einem andern orte untersuchen. . aber heilige wälder heilten (s.  60 ) Nachtrag: ›Man sol genaedige heilige verre in vremden landen suochen.‹ MSH. 3, 45 b . kranke werden auf dem grab des frommen geistlichen geheilt. Pertz 2, 82. den mythus von dem bis zum saum des Jesusbildes emporwachsenden kraute erzählt auch Walther von Rh. 138, 21–58. vgl. s.  997 . reliquien bringen glück. s. Al. Kaufmanns Caesarius s. 28 und das mnl. gedicht von Carl. Haupts zeitschr. 1, 104. Auch bei Pintes grab geschehen miracles. Ren. 29481. . In Griechenland, namentlich Böotien, war es gebräuchlich, daß genesene die metallene abbildung des erkranktgewesenen gliedes im tempel aufstellten. als ἀναϑήματα eine inschrift πρόσωπον, τιτϑός, αἰδοῖον, χείρ u. s. w. corp. inscript. 1, 750 no. 1570 wo Böckh sagt: donaria medicationis causa Amphiarao oblata. qui ex oraculo per somnium dato restituti in sanitatem erant, ii partim membri, quo laborarant, effigiem dicabant (p. 474. no. 497. 498) partim alia donaria, quemadmodum etiam in fontem Amphiarai dejicere nummos solebant. vgl. Pausan. 1, 3. , aus solchen weihgeschenken wurden hernach heilige gefäße gemacht. Die sitte der votivtafeln mit nachgebildeten gliedern können nun schon die heidnischen Römer nach Deutschland übergeführt haben, wenn man nicht zugeben will, daß unsere vorfahren früher selbst damit bekannt waren. In der s.  66 aus Gregor mitgetheilten stelle heißt 987 es ausdrücklich: membra , secundum quod unumquemque dolor attigisset, sculpebat in ligno ; und dann weiter ›visi enim in eo barbari gentili superstitione modo auri argentique dona, modo fercula ad potum vomitumque ebrii offerre, cultumque, quo nihil insanius, istic simulacrum inanis dei, ac ut quemque affecti membri dolor presserat, sculpebat in ligno suspendebatque opitulaturo idolo‹. das geschah in Ripuarien, im 6 jh. Darauf bezieht sich auch bei Eligius ( abergl. A ): › pedum similitudines , quos per bivia ponunt, fieri vetate, et ubi invenerit igni cremate, per nullam aliam artem salvari vos credatis nisi per invocalionem et crucem Christi! und im indiculus §. 29 › de ligneis pedibus vel manibus pagano ritu‹, einer gelähmten wird im traum bedeutet, ›ut instar semivivae manum ceream formando exprimeret et ad sanctae Idae tumulum deferret‹ (im anfang des 10 jh. Pertz 2, 573). Zugleich aber lehren diese zeugnisse eine bedeutende verschiedenheit. der Grieche brachte das ἀνάϑημα, wenn das übel geheilt war, aus dankbarkeit; der Deutsche stellte das glied im tempel oder an der wegscheide auf, um dadurch erst genesung zu bewirken: opitulaturo idolo ; und per nullam aliam artem salvari vos credatis. darum reichte auch ein hölzernes oder vielleicht wächsernes abbild hin, das ein unstattliches geschenk für den hilfreichen gott gewesen wäre. man vergl. die aus einer andern stelle Gregors RA. 674 angezognen worte und Ruinarts anmerkung dazu. Diese deutsche paganie berührt sich also mit dem zauber durch wachsbilder (s.  913 ) und mit heidnischen opfern, die zwischen dem was erfleht werden soll und dem geopferten gegenstand analogie beachten. kinderlose eltern brachten ein kind aus wachs , holz oder silber dar, während umgekehrt wächserne oder silberne bilder auch zur buße für den getödteten leib dienten. Was aber den bekehrern greuelhaft heidnisch vorkam, duldete und gestattete später die kirche. Eine Altöttinger votivtafel stellt einen verunglückten dar, dem ein pfeil durch die augbraue in den augapfel gegangen war (Schm. 1, 242) man hieng auch bildlich die krankheit auf. so findet sich bei wunderthätigen gnadenbildern in Baiern und Östreich unter den wächsernen händen und füßen eine krebs oder krötenähnliche gestalt, worunter die im leib umkriechende bermutter verstanden wird. Schm. 1, 188. Höfer 1, 78. Wolf deutsche sagen s. 491. . An berühmten wallfartsorten findet man hände, füße u. s. w. aus holz oder wachs angeheftet und vor den kirchen wurden die krücken aufgehängt , mit welchen der sieche gekommen war, deren er geheilt beim weggang nicht mehr bedurfte: ut incredibilis materies scabellorum atque oscillorum post perceptam sanitatem a redeuntibus ibi remaneret. acta Bened. sec. V. p. 102, vgl. Pertz 2, 574. Bei den Griechen schliefen kranke oft in dem tempel der gottheit, auf die sie ihr vertrauen setzten, und empfingen im traum anzeige des heilmittels Jac. Phil. Tomasini de donariis ac tabellis votivis. Patavii 1654. 4. cap. 34 p. 214–220 vota pro aegrotantium salute. ; ähnliches 988 kommt in legenden des MA. vor, z. b. in der angeführten stelle aus der vita s. Idae. man halte dazu den traum im neuen haus oder stall (s.  959 Nachtrag: Münzen legte man zu füßen der bildseule, die vom fieber befreit hatte, oder befreien sollte, silbermünzen wurden ihr mit wachs an die hüfte geklebt. Lucian. philops. 20. stabat in his ingens annoso robore quercus; una nemus. vittae mediam memoresque tabellae sertaque cingebant, voti argumenta potentis .   Ovid. met. 8, 743. auch die vom zahnschmerz genesene hängt dankbar wächsernes zahnfleisch am grab auf. Pertz 10, 522. der aus den fesseln durch den heiligen befreite hängt die fessel auf. das. ein anderes beispiel bei Caesar. heisterb. 7, 29. die befreiten gefangnen hängen im hain der göttin ihre fesseln an die bäume. Pausan. II. 13, 3, im Ma. an des heiligen grab. h. Ludwig 96, 2. vgl. Scheible 6, 988. 989. 997 und RA. 674. meine mutter that ein gelübde, sie wolle in der capelle eine votivtafel aufhängen, wenn ich wieder hörend würde. Bronners leben 1, 40. klawen, daran das kranke vieh gebunden war, und krücken ließ man nach der heilung in der capelle. Müllenhoff s. 105, auch an den heilquellen liegen. ir. märch. 2, 78. auch die inschrift fehlt zuweilen nicht: ›hat geholfen‹. Matth. Kochs reise 203. ein haus von wachs wird gelobt, damit das wohnhaus nicht abbrenne. h. Ludwig 84, 19. ). Es gab abergläubische zeichen, aus deren beobachtung man abnahm, ob ein gefährlich kranker unterliegen oder genesen werde, des geschreis, flugs, wendens der vögel ist s.  951 gedacht. Burchardt ( abergl. C . 195 d ) führt an, daß man steine aufhebe und nachsehe ob ein lebendiges thier darunter sei: ähnlich ist das aufgreifen einer handvoll erde und forschen nach einem lebendigen wesen darin ( abergl. F . 9). Der blick des vogels Galadrôt und die stellung des Todes zu häupten oder zu füßen (s.  711 ) waren bedeutsame zeichen. daß das stehen zu füßen frommte, wuste schon Plinius 30, 10: ›eundem (ricinum) in augurio vitalium habent. nam si aeger respondeat qui intulerit, a pedibus stanti interrogantique de morbo, spem vitae certam esse; moriturum nihil respondere. adjiciunt, ut evellatur ex aure laeva canis, cui non sit alius quam niger color.‹ Noch heute ist schottischer glaube, wenn man in des kranken auge die männlein nicht mehr sehe, müsse er sterben: in der glanzlosen pupille des brechenden auges spiegelt sich des gegenüberstehenden menschen bild nicht mehr. Schon im ags. dialog zwischen Adrian und Ritheus (Thorpe p. 48): ›saga me, on hvâm mäig man geseon mannes deáđ? ia þe secge, tvege manlîcan beoþ on mannes eágum: gif þû þâ ne gesihst, þonne svilt se man, and biđ geviten ær þrim dagum.‹ Hierzu muß verglichen werden, daß man auch in eines verzauberten menschen augen die κόρη nicht sieht (s.  898 ), und sie in einer hexe aug verkehrt oder doppelt stehn soll (s.  903 ). Kann ein todkranker nicht verscheiden, so soll man eine schindel auf dem dach wenden (abergl. 439 ), drei ziegeln aufheben ( 721 ) oder anderes holes hausgeräthe umkehren ( 664 ). das gleiche mittel wird bei epileptischen ( 854 ) und kreißenden ( 561 ) angewendet: ›wann es im kreißen schwer hergehet, läßt man den man drei schindeln aus dem dache ziehen und verkehrt wieder einstecken‹. Ettners hebamme p. 663. vgl. oben s.  934 . Ich habe bis zuletzt verspart von der pest und den vielfachen überlieferungen zu reden, die sich an ihr erscheinen knüpfen. wann nach großen überschwemmungen feuchte nebel und schwüle dünste die luft vergiften, bricht sie plötzlich aus und verbreitet sich unaufhaltsam über die erde. Dem gr. λοιμός (s. 740 ) entspricht auch im genus das ahd. sterpo , scelmo (mhd. schelme), gl. jun. 219 scalmo , fihusterbo, altn. skelmisdrep oder nur drep ; ahd. wuol (Diut. 1, 501 a ), ags. vôl , gen. vôles. die lat. benennungen pestis , lues sind weiblich, wie das serb. kuga , morija . masc. aber das böhm. poln. mor , litth. maras , lett. mehris . das serb. und slov. kuga ist das mnd. koghe (Detmar 1, 81. 113. 127. 148. 377), ja in einem mhd. gedicht (bei Meyer und Mooyer s. 46 a ) steht koge . man sagte mhd. der gâhe tôt Wigal. 3726; nnl. gâdôt Maerl. 1, 230. 293. aber auch der große tôd , 989 schwed. digerdöden (altn. digr crassus, tumidus), altn. svarti dauđi , dän. den sorte död , der schwarze tod, vielleicht gar mit bezug auf Surtr (s.  675 ) Paul. Diac. 2, 4 schildert eine verheerende seuche in zügen, die an das lebendige, von Boccacio zu eingang des decamerone entworfne bild erinnern. wie verödet Schweden und Norwegen zur zeit der großen pest waren beschreiben Afzelius 4, 179. 180 und besonders Faye s. 135–148 nach schönen volkssagen. . Den Griechen sandten des zürnenden Apollo klingende pfeile die pest: schnell sterbende männer tödtet Apollons , schnell sterbende frauen der Artemis geschoß; vergleichbar ist der jüdische würgengel (II Sam. 24, 16). Hermes , beschützer der heerde, trägt um sie, seuchabwehrend, den widder ; hernach trägt er ihn auch um die stadt κριοφόρος Massilienses quoties pestilentia laborabant, unus se ex pauperioribus offerebat alendus anno integro publicis et purioribus cibis. hic postea ornatus verbenis et vestibus sacris circumducebatur per totam civitatem cum exsecrationibus, ut in ipsum reciderent mala civitatis, et sic projiciebatur. Petron. cap. 141. . Jungfrauen wurden geopfert, der verheerenden krankheit einhalt zu thun. Nach Plinius 26, 9 kann eine jungfrau mit aufgelegtem verbascum geschwulst (panos) heilen: experti affirmavere plurimum referre, si virgo imponat nuda jejuna jejuno et manu supina tangens dicat: ›negat Apollo pestem posse crescere , cui nuda virgo restinguat! ‹ atque ita retrorsa manu ter dicat, totiesque despuant ambo. die formel ist von der schweren seuche auf die geringe übertragen: so wird auch entkleidung der jungfrau bei abwendung der dürre (s.  493 . 494 ) und noch andremal erfordert Nachtrag: Dem ahd. sterpo pestis, lues entspricht ags. steorfa . der schelm wird aus schwert gedeutet. GDS. s. 235. 236. der schelme gesluoc. Haupts zeitschr. 5, 552. der schalm slüeg überal. LS. 2, 314. eh dich der schelm schlecht. Garg. 102 b . der schelm schlägt. Mone bad. gesch. 1, 219. keib und schelm . Mones anz. 6, 467. 468. schelmig und kebig . das. 8, 407. schelmengrube , schelmengasse , schelmenacker . Mones bad. gesch. 1, 215 ff. Leoprechting 75. 76. ahd. suhtluomi pestilens, corruptus. Graff 2, 212. staramilo , stramilo pestis. Graff 6, 712. Diut. 1, 279. der brechen , die pest. Panzer beitr. 1, 23. tod an dem brechen . H. Sachs IV. 3, 64 c (cholera?). pisleht pestis. Graff 6, 778 = sleht clades. Diut. 1, 183. der gêhe tôt . pass. 316, 90 ist schlagfluß. der schwarze tod . Müllenhoff no. 329. Phil. von Sittewald zauberbecher s. 238: wie doch eine seuche von denen sternen herabfallen und die ganze welt durchtringen können. die pestelenz stößt an . Platters leben 66. 71. 72. serb. kratel ist eine sagenhafte krankheit, die in einer nacht tödtet, ärger als die pest. der todte hat einen fuß kürzer als den andern, woher der name (kratak kurz) s. anm. 2864 . Ποινή ist eine personificierte seuche, die den müttern die kinder raubt. Paus. I. 44, 7. dem Apoll vergleicht sich Ođinn in Sæm. 5 a : fleygđi Ođinn ok î fôlk um skaut . den Letten gilt als vorbedeutung der pest, wenn der auskuts nachts die rücken der schafe schirt. Bergm. 142. . Jener todesengel ist der Tod selbst, der seine leute abholt. Eine langob. sage redet von zwei engeln, einem guten und bösen, die das land durchziehen: pari etiam modo haec pestilentia Ticinum quoque depopulata est, ita ut cunctis civibus per juga montium seu per diversa loca fugientibus in foro et per plateas civitatis herbae et fructeta nascerentur. tuncque visibiliter multis apparuit, quia bonus et malus angelus noctu per civitatem pergerent , et ex jussu boni angeli malus angelus, qui videbatur venabulum manu ferre, quotiens de venabulo ostium cujuscunque domus percussisset , tot de eadem domo die sequenti homines interirent. tunc per revelationem cuidam dictum est, quod pestis ipsa prius non quiesceret, quam in basilica beati Petri, quae ad vincula dicitur, sancti Sebastiani martyris altarium poneretur. factumque est, et delatis ab urbe Roma beati Sebastiani reliquiis, mox ut in jam dicta basilica altarium constitutum est, pestis ipsa quievit . Paul. Diac. 6, 5. Als im j. 589 zu Rom der Tiber ausgetreten und eine seuche entsprungen war, die viele menschen rafte, ordnete der heil. Gregor feierliche kreuztracht, achtzig leute stürzten ›allen gâhes‹ vor seinen füßen in der kirche nieder und starben; vom gebet sich aufrichtend ›sach er stên ûf dem Dietriches hûse einen engel mit pluotigem swerte , der wiskete daz selbe swert durch sînen 990 gêren . do verstuont sich der heilige man, daz der êwige vater sînes zornes hin ze den liuten erwinden wolte‹ deutsche predigten herausg. von Karl Roth s. 76. vgl. Hoffm. fundgr. 1, 77 und Greg. tur. 10, 1. 2. das Dietrichshaus war die moles Hadriani, später die Engelsburg, eben nach dem engel, der sich unter den bittgängen blicken ließ. unsre volkssage schrieb aber große, römische gebäude lieber Dietrich zu, namentlich auch das amphitheater zu Verona (deutsche heldensage s. 40. 203). . Gleich solchem todesengel zieht die nord. Hel mit ihrem rosse umher (s.  261 . 704 ), es ist das auf dem kirchhof erscheinende todtenpferd (s.  956 ) Nachtrag: Der alles schlagende engel im Ezechiel 9 heißt der slahende engel . Diemer 327, 24. 328, 13. 2 Sam. 24, 16. 17. die befreiung von der seuche wird herbeigeführt durch einen schneeweißen engel. Greg. tur. 4, 5. engel und teufel gehn bei der pest um. Sommer s. 55. der sterbe erbîzet (engel mit bloßem schwert). Grieshaber 2, 28. der wütende tod reitet auf einem falben pferd durch die stadt. Judas 1, 327. der Hel reitet in pestzeiten auf dreibeinigem pferde umher und erwürgt die menschen. Müllenhoff s. 244. ich hör auch das menlin kum, pestilenz, es fahet an. Keisersb. om. 24. Domus Thiederici . Thietm. merseb. 4, 21. Ἀδριανοῦ πύργος, τάφος. Procop. b. goth. 2, 22. turris Crescentii oder Dietrichshaus in der sage von Crescentia und den beiden Dietrichen. bei Wackernagels lb. 990 wird die Engelborg von Ditterich gebaut. Sorsenburg heißt sie myst. 1, 103. . Nach einer voigtländischen überlieferung kommt die pest als blauer dunst , in gestalt einer wolke , gezogen. Jul. Schmidt p. 158. das bezeichnet jenen schwülen nebel, der seuchen voranzieht, und der blaue dunst gemahnt an des donnergottes feuer (s.  147 ). Einst wütete die pest im Odenwald und zeigte sich als blaues flämmchen an der sacristei der stadtkirche zu Erbach, wo sie eingemauert wurde. Amm. Marc. 23, 6 (a. 363); fertur autem quod post direptum hoc idem figmentum (Apollinis simulachrum) incensa civitate (Seleucia) milites fanum scrutantes invenere foramen angustum: quo reserato ut pretiosum aliquid invenirent, ex adyto quodam concluso a Chaldaeorum arcanis labes primordialis exsiluit , quae insanabilium vi concepta morborum ejusdem Veri Marcique Antonini temporibus ab ipsis Persarum finibus ad usque Rhenum et Gallias cuncta contagiis polluebat et mortibus . Auch im j. 1709 wurde die pest zu Conitz in Preußen in ein loch der linde auf dem kirchhofe gebannt und ein dazu bereit gehaltner pflock, der genau fügte, eingeschlagen: seitdem hat sie sich nicht wieder im lande zeigen können (Tettau und Temme s. 222). dies stimmt zum einpfählen der Unsælde und der maus (s.  731 . 977 ), aber allgemein zu der vorstellung, daß krankheiten auf bäume übertragen werden können. das einschließen der seuche in tempel und kirche bezieht sich auf ihren ausgang von der gottheit Nachtrag: Der schwarze tod zieht als schwarzer nebel auf. Müllenhoff no. 329. die pest erscheint als blauer dunst . Sommer s. 73, als wolke , als viper . Villemarqué bardes bretons 120. die pest zieht wie ein nebel ins wespenloch und wird eingekeilt . Kulda bei d'Elv. 110. sie kommt als schwarz ding durchs fenster, fährt in ein gebohrtes loch und wird eingekeilt . Kehrein Nassau 54. Φοῖβος λοιμοῦ νεφέλην ἀπερύκει. Luciani Alex. 36. N. Marc. Cap. 30. die pest geht hervor aus dem rachen verfolgter wölfe. Forcell. s. v. Hirpi. et nata fertur pestilentia in Babylonia, ubi de templo Apollinis ex arcula aurea , quam miles forte inciderat, spiritus pestilens evasit atque inde Parthos orbemque implesse. Capitolinus in Vero 8. mit der in eine linde gebannten pest vergleicht sich die eingezapfte und wieder losgelassne spinne , die auch als ein › sterbet ‹ im lande herumläuft. Gotthelfs erzähl. 1, 84. . Augustinus de verbo apostol. 168 stellt die pest als umschleichende frau dar, welche sich mit geld abfinden läßt: ›proverbium est punicum, quod quidem latine vobis dicam, quia punice non omnes nostis. punicum enim proverbium est antiquum: numum vult Pestilentia? duos illi da, et ducat se.‹ Als zu Justinians zeit die große pest wütete, sah man auf dem meer eherne barken, worin schwarze männer sonder haupt saßen: wohin sie fuhren begann die pest auszubrechen. in einer stadt von Ägypten waren von allen einwohnern nur sieben männer und ein zehnjähriger knabe übrig, sie wollten sich mit ihren schätzen retten, die männer fielen aber in einem hause vor dem thor todt hin, da floh der knabe allein, doch unter dem thor faßte ihn ein gespenst und schleppte ihn ins haus zurück. bald darauf kam der verwalter eines reichen mannes, um geräthe aus diesem hause zu holen, und der knabe warnte ihn fortzueilen: in 991 demselben augenblick sank er mit dem knaben todt zu boden. so erzählt bischof Johannes. (Assemanni biblioth. orient. 2, 86. 87). Neugriechen denken sich die pest als blinde frau , welche die die städte von haus zu haus durchwandert, alles was sie berühren kann tödtend. sie geht aber tappend und tastend die mauern entlang, und wer sich vorsichtig in der mitte des gemachs hält, den kann sie nicht erreichen. Nach einer andern volkssage sind es drei fürchterliche frauen , die in gesellschaft durch die städte ziehen, und sie verheeren, die erste ein großes papier, die andere scheeren, die dritte einen besen tragend. sie treten zusammen in das haus, wo sie schlachtopfer suchen: die erste schreibt die namen in ihr register ein, die zweite verwundet sie mit der scheere, die dritte kehrt sie weg. (Fauriel disc. prel. lxxxiii .) Hier sind die drei parzen (s.  342 ) oder furien und eumeniden todesgöttinnen geworden. Schön ist das bretagnische lied › bosen Elliant ‹, die pest von Elliant bei Villemarqué 1, 46–51. Ein müller, geht die sage, sah am furt des flusses eine weißgekleidete frau , mit dem stab in der hand, sitzen, die übergefahren sein wollte. er nahm sie aufs pferd und brachte sie hinüber. da sagte sie ›junger mann, weißt du auch, wen du überführtest? ich bin die Pest ; schon habe ich meinen umgang durch Bretagne geendet, jetzt will ich in die kirche von Elliant zur messe und wen mein stab berührt, der wird schnell sterben, dir aber und deiner mutter soll kein leid geschehn.‹ so geschah es, alle leute in der burg starben, zwei ausgenommen, die arme witwe und ihr sohn. Nach einem volkslied trägt er sie auf den schultern . aus einem einzigen haus werden neun kinder begraben, der kirchhof war angefüllt bis zu den mauern. ›neben dem kirchhof steht eine eiche , an ihren wipfel ist ein weißes tuch gebunden; die Pest hat alle leute hingeraft‹. Man vertrieb sie endlich damit daß man sie besang, als sie ihren namen in den liedern genannt und entdeckt sah, wich sie aus dem land und kehrte nimmer zurück. Das begehren überzufahren ist ganz wie bei der göttin Berhta oder bei elbischen wesen. Von der litth. Giltine , der pest oder todesgöttin möchte ich ausführlichere sagen wissen. sie würgt erbarmungslos: ›kad tawe Giltine pasmaugtu!‹ (daß dich die pest würge!) ist ein bekannter fluch. (Mielcke s. v. Donaleitis 141.) aber auch Magila oder bloss diewe (göttin) heißt die litth. pest und man flucht ›imma ji Magilos, imma ji diewai!‹ Aus dem polnischen Litthauen erzählt Adam Mickiewicz Konrad Wallenrod poezyc. (Warszawie 1832 p. 96). von der morowa dsiewica (pestjungfrau) folgendes: kiedy zaraza Litwę ma uderzyé, jéj przyjście wieszcza odgadnie zrzenica; bo jeśli sljuszna waidelotom wierzyć, nieraz na pustych smętarzach i bljoniach 992 staje widomie morowa dziewica w bieliznie, z wiankiem ognistym na skroniach, czoljem przenosi bialjowieskie drzewa a w ręku chustką skrwawioną powiéwa. Dziewica stąpa kroki zljowieszczemi na siolja, zamki i bogate miasta; a ile razy krwawe chustką skinie, tyle palaców zmienia się w pustynie; gdzie nogą stąpi, świézy grób wyrasta wenn eine seuche Litthauen trift, so sieht (man darf den waideloten glauben beimessen) sichtbar auf einsamen gottesäckern und feldern die pestjungfrau in weißem kleid, einen feurigen kranz um die schläfe. an der stirne trägt sie zauberstäbe, mit der hand schwingt sie ein blutiges tuch . langsamen schrittes geht sie in dörfer, schlösser und reiche städte; so oft sie mit dem tuche winkt, wandeln sich paläste in wüsten. wohin ihr fuß tritt, öfnet sich ein frisches grab. Ich weiß nicht, ob ich bialjowieskie drzewa richtig übertrage, noch ob dies adj. mit bialjowieszcka (s.  392 ) verbunden werden darf. . Woycicki 1, 51 nennt sie Powietrzc , was eigentlich luft, dunst, (s.  990 ), dann aber auch pest bedeutet. in weißem gewand auf stelzen schreitet sie einher, nennt sich einem manne, dem sie begegnet, und will auf seinen schultern durch ganz Reußen getragen sein: er selbst mitten unter den todten solle gesund bleiben. Der mann trägt sie nun durch städte und dörfer, wo sie mit dem tuche weht , stirbt alles dahin und vor ihnen fliehen alle menschen. Am Pruth dachte er sie zu ertränken und sprang in den strom, sie aber hob sich federleicht in die höhe und eilte in die waldgebirge, während der mann untergieng. In einer andern erzählung 1, 127 heißt sie Dzuma (russ. serb. tschuma), solange sie herscht, stehn die dörfer öde, die hähne sind heiser und können nicht mehr krähen, die hunde bellen nicht mehr, doch wittern sie die Pest von weitem (vgl. s.  555 ) und knurren. Ein bauer sah sie in weißem gewande mit flatterndem haar über einen hohen zaun setzen und die leiter hinauf klimmen, um den heulenden hunden zu entgehn. rasch nähert er sich der leiter und stößt um, daß die Pest hinab unter die hunde fällt; da droht sie noch mit rache und verschwindet. Die Dzuma fährt auch zuweilen auf einem wagen durch den wald, von gespenstern, eulen und uhus begleitet: dieser geisterzug heißt Homen . Woycicki 1, 130–133. 159–163. die Pest konnte jedoch nur bis zu neujahr dauern, dann ziehen die entflohnen menschen wieder in ihre häuser, hüten sich aber wol durch die thür einzugehn, sondern steigen durchs fenster. Etwan in die mitte des 17 jh. fällt was Johann Parum Schulze, ein wendischer bauer aus dem dorfe Süten, kirchspiels Küsten, im Lüneburgischen um 1740 schrieb er eine chronik auf. ann. der br. lüneb. churlande. jahrg. 8. Hannover 1794 p. 282. 283. meldet: es ist so zugegangen, das ein man, wie es davon allezeit geredet ist worden, der ist gewesen und hat 993 geheißen Niebuhr, da anitzo Kuffalen auf wohnen, welcher nachher Luchau ist gewesen, wie er von der stadt fahrt, kompt ein man bei ihm unter wegens, bittet ein wenig auf den wagen zu treten, spricht er sei sehr müde. fragt ihn der Hans Niebuhr auf wendische, wie es zu der zeit die sprache gebräuchlich gewesen, wohin und her? und nimpt ihn auf den wagen. wil er vorerst sich nicht kund geben. dieser Niebuhr aber, was trunken, beginnet harter zu fragen. gibt er sich kund und spricht, ›ich will mit in deinen dorf, da bin ich noch nicht gewesen, denn ich bin der Pest ‹. Da bat dieser Niebuhr um sein lebent, gab der Pest ihm ein lehr, er solt ihn vor dorf stehen lassen mit dem wagen, und sich nackend ausziehen und überal kein kleid an seinem leibe haben, und sol sein kesselhaken nehmen, forne aus seim haus ausgehen mit der sonncn umb sein hof erumb laufen, den solte er unter die thürschwelle vergraben: ›wen nur niemand mir erein trägt‹, spricht der Pest, ›durch den geruch, die in des kranken kleider ist‹. Der Niebuhr aber läßt ihn mit dem wagen eine gute ecke vom dorf, denn es war nachts; nahm den kesselhaken , lief nackend aus dem dorf und rund um und stak das eisen unter die brucken, welches zu a° 1690 ich selber gesehen habe, da die brück ist gebessert worden, aber von rost bald verzehrt. Wie dieser Niebuhr nach sein pferd und wagen kompt, sagt der Pest: ›het ich das gewust, solt ich dir das nicht kund gethan haben, das du ein solches in deinem sinn dich hast fürgenommen, und hast mir das ganze dorf zu gemacht ‹. wie der Niebuhr vor dem dorf kompt, spant er seine pferde vom wagen und läßt ihn drauf sitzen. ist auch keine krankheit von pestilenz im dorf gespürt worden; sonsten in allen umliegenden dörfern hat die seuche heftig grassieret. So weit Schulzes ungeschlachter, naiver bericht. Das wegschaffen des kesselhakens vom herde scheint auflassung des hauses auszudrücken: in leeren häusern hat der tod nichts zu holen. wie der abtretende, ausziehende eigenthümer symbolisch ›das haal auf dem herde nieder schürzet‹, so muß es der neue besitzergreifer ›aufschürzen‹ Wulfter deduction, beil. no. 4. 5. 135. . Das laufen um das haus, um das dorf gleicht jenem tragen des widders um die stadt, und die entkleidung stimmt zu dem römischen brauch. Weil aber die Pest schlecht zu fuß ist, läßt sie sich auf dem wagen in das dorf einfahren, oder auf dem rücken, gleich hockenden hausgeistern und irwischen (s.  424 . 763 ) einschleppen. Nach schwedischen sagen kam die Pest von süden her ins dorf, blieb vor dem ersten hof stehn und sah wie ein kleiner schöner knabe aus, der ein reibeisen (rifva) in der hand hatte und darauf rieb. wenn das geschah, blieb noch einer oder der andere im haus leben, da die reibe nicht alles mit sich wegnahm. kam er aber ins nächste dorf, so folgte hinter ihm die Pestjungfrau 994 (pestflicka), die kehrte mit einem besen vor dem thor, dann starben alle im ganzen dorf. man erblickte sie aber nur sehr selten und immer bei tagesanbruch (Afzelius 4, 179). In Vestergötland beschloß man gegen den digerdöd ein menschenopfer, und zwei arme bettelkinder , die gerade daher gegangen kamen, sollten lebendig in die erde gegraben werden. man warf schnell die grube auf, gab den kindern, die hungrig waren, schmalz auf kuchen und ließ sie sich nieder setzen: während sie aßen, schaufelte das volk die erde in die höhe. ›ach‹, rief das kleine kind, als die erste schaufel über es geworfen ward, ›da fiel mir erde auf mein schmalzbrot‹. der hügel wurde über den kindern zusammen geworfen und man hörte nichts weiter von ihnen (Afzelius 4, 181). Hierzu halte man das einmauern der kinder in die grundfeste des neuen baus (s.  956 ) und das opfer der jungen kuh im heiligen feuer bei viehsterben (s.  506 ). In Norwegen stellt man sich die › Pesta ‹ vor als alte, bleiche frau , die im land umfuhr mit einer reibe (rive, einem gezahnten werkzeug, womit erde oder heu und getraide auseinander gezogen wird) und einem besen (lime); wo sie die reibe brauchte, kamen einzelne mit dem leben davon, wo sie aber mit dem besen fegte, starb jede mutterseele. Zu einem mann, der sie über ein kleines wasser setzte, und bezahlung forderte, sagte sie, ›daheim auf der bank wirst du dein fergegeld finden‹, kaum war er nach haus gelangt, so siechte er und starb alsogleich. Oft erscheint sie auch in rothem kleid und wer sie schaut, geräth in angst (Faye s. 135). Die Serben sagen, Kuga sei eine leibhafte frau, die in weißen schleier gehüllt gehe, viele haben sie so gesehn, einige getragen. sie kam zu einem menschen aufs feld oder begegnete ihm unterwegs und sagte: ›ich bin die Kuga , trag mich dort hin!‹ der mann nahm sie huckepack und trug sie ohne mühe dahin wo sie wollte. Die Kugen (pesten) haben ihr land beim meer, aber gott schickt sie, wenn die leute übel thun und viel sündigen. Zur zeit wo die pest würgt, nennt man sie nicht kuga , sondern kuma (gevatterin), um sie geneigt zu machen. dann wagt man auch nicht, abends ungewaschene gefäße stehn zu lassen, denn nachts geht sie durch die küche, und wo sie dergleichen erblickt, scheuert und fegt sie alle löffel und schüsseln (und wird dadurch im haus aufgehalten), zuweilen trägt sie auch den speck aus dem boden weg (wb. s. v. Kuga und neue ausg. der lieder 1, 149 note). Hier erscheint sie wiederum nach art der alten göttinnen, unserer Holda und Berhta, die keine unordnung im haushalt leiden (s.  223 . 226 ). Den Slovenen ist die viehseuche (kuga) ein scheckiges kalb , das durch sein geschrei rinder und schafe tödtet (Murko p. 74). Der teufel soll gesagt haben, gegen die kuga gebe es nur ein mittel, hacke und haue d. h. begräbnis (Vuk s. v. metil). Ein finnisches lied (Schröter 60) beschwört die Pest schnell fortzuwandern in stahlharte berge, in den dunkeln Norden: 995 reisepferd und wagenpferd soll ihr dazu gegeben werden. Sie heißt rutto , die plötzliche, wie jenes mhd. der gâhe tôt. Man hat in Niederdeutschland volkssagen von dem Heidmann , welcher nachts den leuten in das fenster hineinguckt: wen er dann ansieht, der muß im jahr und tag sterben, gerade so schaut Berhta ins fenster (s.  227 ) oder der Tod (s.  644 ). auch in Tirol erzählt man vom gespenst, das in sterbenszeiten umgeht: zu welchem fenster es einschaut , in dem hause sterben die leute (DS. no. 266). In der Lausitz schleicht Smertnitza weißgestaltet in den dörfern um: auf welches haus sie ihren schritt kehrt, da gibt es bald eine leiche. im hause selbst thut sie ihre gegenwart kund durch pochen und bretwerfen. zuckungen sterbender sind kennzeichen, daß sich Smertnitza ihrer bemächtige (laus. mon. schr. 1797. p. 756). Es kann im mindesten nicht zweifelhaft bleiben, daß alle diese verschiedenartigen personificationen der pest als ausflüsse höherer gottheiten des alterthums zu betrachten sind, deren mitleidige und furchtbare gewalt dabei wechselsweise vortritt. weißgeschleiert schreiten sie einher gleich Berhta und der zu mittag im getraide wandelnden mutter. pestjungfrau und schicksalsjungfrau berühren sich nahe, morowa dziewica und Marena, Morena (s.  643 ), die versehrende göttin und die heilende, schonende Eir Nachtrag: Die große pest heißt pestis flava , welsch y fâd felen . San Marte Arthursage 29. 323. zur sage von Elliant vgl. volksmärch. aus Bretagne s. 185–188. Souvestre 206. 207. von der litth. Giltine s. n. preuß. prov. bl. 8, 472. 471. deutsche pestsagen theilen Woeste volksüberl. 44. Panzer beitr. 1, 29 und Wolf zeitschr. 2, 83 mit. die pestfrau ist weiß gekleidet . Bader no. 431. die pest kriecht, schleicht im finstern. Schmidt westerw. id. 89. der schwedische pestknabe erinnert an das mädchen, das in Dänemark mit einem reis der verwandtschaft todesfälle ansagt. Molbechs hist. tidskr. 4, 121. drei pestfrauen gehn mit sensen durch den ort. ebendas. die pestjungfrau erscheint mit nassem gewand und rothem hündlein . Bunges arch. 6, 88. Da die seuche aus Mitothins grab aufsteigt, wird die leiche ausgegraben und verpfählt . Saxo gramm. ed. Müller 43. s. anm. 1542 . das stillen der seuchen durch begraben im hügel kommt vor. sagebibl. 3, 288. der kuhtod , ein ungeheurer stier, naht wie die pest. Müllenhoff no. 328. zur zeit der seuche wird das erste gefallene vieh vergraben und ihm ein reis oder eine weide in den mund gepflanzt. abergl. no.  838 . Müllenhoff no. 327. ein stier wird in solcher noth lebendig eingegraben . Panzer 2, 180, ein kalb oder eine kuh geopfert s.  507 . 956 . in Beutelsbach bei Stuttgart rieth ein altes weib während einer viehseuche den hummel (zuchtstier) lebendig einzugraben . mit blumen bekränzt führte man ihn feierlich in eine tiefe grube, dreimal stürmte das starke thier heraus, beim drittenmal erstickte es. die Beutelsbacher heißen davon Hummelbacher. Die pest fliegt als schmetterling, fillerte , den leuten an den hals. Woeste volksüberl. 44. 45. die Kuga leidet, gleich der Bertha, unaufgewaschene schüsseln nicht. Ein fremder vogel singt vom baum: eßt bibernell, sterbt ihr nicht so schnell! Herrlein Spessart 217. Rochholz 2, 390. 391. etwas anders bei Schöppner no. 962. Leoprechting 101. Bader no. 270. Panzer 2, 161. Schönwerth 2, 380. 3, 21. . 996 Cap. XXXVII. Kräuter und Steine. Plinius hat über seine naturgeschichte dadurch eignen reiz gebreitet, daß er auch die abergläubischen meinungen des volks von thieren und pflanzen umständlich anzuführen nicht verschmäht. wie stechen seine ehrfurcht vor dem alterthum, seine sprachgewandte darstellung ab von dem trocknen ernst unsrer heutigen naturforscher, die keinen blick auf den brauch der heimat verwenden und alle kraft und zier des deutschen ausdrucks für geringfügig achten Nachtrag: Nach Galen (de fac. simpl. 6, 792. 793) schrieb ein Grieche, Pamphilus , etwa unter Claudius, alphabetisch von den kräutern, sammelte ihre namen und die abergläubischen meinungen von ihrer kraft, von opfern und beschwörungen. hätte sich dies buch erhalten, so würde es für die mythologie und sprache wichtig sein. vielleicht rühren die pflanzennamen, die in hss. des Dioscorides eingeschaltet werden, aus Pamphilus her. . › Krût , steine unde wort hânt an kreften grôzen hort‹ sagt uns Freidank 111, 6, und da den zwergen besondere kunde der in kräutern verborgnen heilgabe beiwohnt (s.  373 . 379 ), so ist zu beachten, daß gerade einem könige ihres geschlechts Goldemar (s.  375 . 386 . 421 ) der ausspruch in den mund gelegt wird: ›Christianos fidem in verbis , Judaeos in lapidibus pretiosis, et Paganos in herbis ponere‹. Meibom script. 1, 186. Das heidenthum bietet ein fülle mythischer vorstellungen von dem ursprung und den manigfachen tugenden der kräuter. Wie unter den menschen ragen unter den Kräutern edle vor gemeinen. sie sind von göttern an einsamer heiliger stätte geschaffen, aus dem blut unschuldiger gesprossen, von vögeln herangetragen. unter dem fußtritt der göttin keimt die blume, wie da wo sich liebende traurig scheiden gras und gewächse dorren. am gipfel des bergs, auf welchen der liebende die geliebte sterbend empor getragen hatte und ihr letzter labetrunk gegossen war, wuchsen heilkräuter, die dem ganzen lande zu statten kamen (Marie de France 1, 268). berge hegen das seltenste der pflanzenwelt. oben auf der Ida lagerten Zeus und Here (Il. 14, 347): τοῖσι δ' ὑπὸ χϑὼν δῖα φύεν νεοϑηλέα ποίην λωτόν ϑ' ἑρσήεντα ἰδὲ κρόκον ἠδ' ὑάκινϑον, πυκνὸν καὶ μαλακόν, ὃς ἀπὸ χϑονὸς ὑψόσ' ἔεργε. Solch ein blumenbett schwebt noch den minnesängern in gedanken (Walth. 39. 40. Hadloub 2, 194 b 195 a ), aber die menschen müssen sich blumen und gras unter vogelsang dazu brechen. Der ansicht des mittelalters lag es nah heilende kräuter aus dem grabe heiliger männer sprießen zu lassen, wie wir blumen auf grabhügel pflanzen und davon zum angedenken pflücken. auch an dem hügel des huorco wächst wundenheilende rosamarina, deren brechen menschen in tauben wandelt (pentam. 4, 8). das grab 997 des heiligen trägt einen birnbaum, von dessen früchten kranke alsbald genesen (Greg. tur. mirac. 1, 47). vorhin s.  985 ist angeführt, wie am fuß eines heiligen bildes eine nova species (das ist jenes homerische νεοϑηλής) zum saum des kleides heransproß und dann heilkräftig wurde die durch den saum des gewands bedingte heilkraft läßt sich auf das biblische saumanrühren beziehen Matth. 9, 20. 14, 36. Marc. 6, 56. Luc. 8, 44. ; hierzu halte ich was Plin. 24, 19 meldet: herba in capite statuae nata collectaque alicujus in vestis panno et alligata in lino rufo capitis dolorem confestim sedare traditur Nachtrag: Kein dinc hât ûf der erden an kreften alsô rîchen hort, sô steine, kriuter unde wort . Troj. 10860. steine , krût sint an tugenden rîche, wort wil ich darobe an kreften prîsen. MS. 1, 12 b . quae carmine sanet et herbis . Ovid. met. 10, 397. wurzen kraft und aller steine meisterschaft. MS. 1, 195 b . würze des waldes und erze des goldes und elliu abgründe, diu sint dir herre künde. MS. 2, 230 a . der steine kraft, der würze wâz. Wh. 2, 14. Wie unterscheiden sich krût und wurz? ein krût des würze er wunden helfe jach. Parz. 516, 24. vgl. 516, 27: er gruobse d. h. die wurz (radix). kraut wird gebrochen , wurzel gegraben . auch blumen werden gebrochen . Walther 39, 16. Haupts zeitschr. 7, 320 und gelesen . Walth. 39, 1. auch crût lesen . Lanc. 29301. Ein edel krût . Haupts zeitschr. 4, 521. unedel bluot . das. 7, 321 (s.  1000 ). durch sîne edel ez (daz krût) tragen. warn. 1944. tugentfrühtic kriutel. MS. 1, 88 a . ich brich euch edle kreuter . Mone 6, 460. φάρμακον ἐσϑλόν. Od. 10, 287. 292. ein edles kraut patientia samt dem kreutlein benevolentia, die gaben also süßen ruch, das es mein herz und sel durchkruch. H. Sachs 1, 275 d . heilkräuter heißen herbes demanieres . Ren. 19257. 19269. surdae hoc est ignobiles herbae. Plin. 22, 2. d. h. unscheinbare, unglänzende z. b. gras. Heilwurz wird vom wilden meerweib auf unnahbarem berge geholt. Haupts zeitschr. 5, 8. ( anm. 2916 ), dictamnus von Venus auf der Ida . Aen. 12, 412. das idaeische blumenbett kennt auch Petron. 127. der ausdruck νεοϑηλέας ποίης auch in Hesiod. theog. 576. ein waldbett ist Ereks und Eniten ›bettewât‹. Er. s. 216. Vuk 1 no. 224. mit rôsen was ich umbestact. Tragemund. wo das mädchen im garten stand , blühen die schönsten blumen. Rhesa dainos. 296. die boume begunden krachen , die rôsen sêre lachen . Ges. Abent. 1, 464. Eine planta e capite statuae nascens kennt auch Athenaeus 5, 497. Liebrechts Gervas. 124. gesta Roman. K. 138. moos, das im todtenschädel wächst, gilt für zauberkräftig. mit erbsen, die in einen schädel gesäet werden, wird aberglaube getrieben. . Viele kräuter und blumen sind nach göttern benannt , doch die anlässe der namen selten berichtet, daher sie manigfacher auslegung unterliegen. der gott hat die pflanzen hervorgebracht und sich ihrer bedient, sie sind ihm lieb oder verhaßt, ihre gestalt und farbe wird einzelnen gliedern des göttlichen leibs, dem gewande oder geräthe des gottes verglichen. so heißt Baldrs brâ (s.  184 , vgl. supercilium Veneris), Freyju hâr (s.  251 ) nach dem leuchtenden glanze der blume, Forneotes folme (s.  199 ), Niarđar vöttr (s.  180 ) nach den blättern, die wie fünf finger neben einander stehn. Donnerrebe ist lett. Pehrkones. Donnerkraut , Donnerbesen (s.  153 ) können wie barba Jovis aus dem struppigen geflecht der ranken gedeutet werden; ich weiß aber nicht wie sich Perunika (s.  153 ) zu Perun verhält. Teufelsbiß ist von dem eindruck der zähne genannt, den man an der pflanze wurzel zu gewahren glaubte und dem bösen geiste zuschrieb. Eine menge andrer benennungen sind von thieren , vorzüglich denen der einheimischen fabel hergenommen, bei welchen die phantasie auf ähnliche weise geschäftig war. Im sanskrit wird an blumen und kräutern das heilsame durch den beisatz freund, das schädliche durch feind bezeichnet, z. b. Ramâprija , der Lakschmi lieb = lotus; Jamaprija dem Jama lieb = ficus indica, vgl. Potts forsch. 2, 424–427. Hierzu halte ich das ahd. gotafargezzan marrubium album (Graff 4, 279), mnd. gotvorghetene (Bruns beitr. s. 48) und die redensart ›ergaz im got‹ (gramm. 4, 175) vgl. oben s.  16 ; das kraut heißt nhd. andorn. Ohne zweifel führen andere kräuter ihren göttlichen namen daher, daß sie zuerst von göttern den sterblichen als heilkräftig gewiesen wurden. bei den Griechen scheinen Athene und Artemis in dieser beziehung thätig: ich glaube daß von unsern göttinnen Frigg und Freyja , oder wer sie später zu vertreten hat, vor allen Maria , ihre stelle einnehmen. Wahrscheinlich wurde Artemisia von Artemis gefunden oder gezeigt, Proserpinaca (Plin. 27, 12, 104) von Proserpina. das παρϑένιον wies die göttliche Παρϑένος, Plin. 22, 17 erzählt: verna carus Pericli Atheniensium principi, cum is in arce templum aedificaret repsissetque super altitudinem fastigii et inde cecidisset, hac herba dicitur sanatus, monstrata Pericli somnio a Minerva , quare Parthenium vocari coepta 998 est assignaturque ei deae. von der lappa heißt es 24, 18: medetur et suibus effossa sine ferro: quidam adjiciunt et fodientem dicere oportere: ›haec est herba argemon, quam Minerva reperit , suibus remedium qui de illa gustaverint‹. ἄργεμον bedeutet albugo. Hermes reißt dem Odysseus das wider zauber kräftige φάρμακον aus der erde: μῶλυ δέ μιν καλέουσι ϑεοί Od. K 273 (s.  307 ). ob der Iris name von der götterbotin, die sie verkündigte, oder von der weißen farbe der lilie, oder aus andern gründen herzuleiten ist? auch ein engel offenbarte im traum die angelica (Aw. 1, 159) Nachtrag: Gott sind die pflanzen lieb, er hat sie hervorgebracht. schöne blumen brechen, oder › dur got stân lân ‹. Haupts zeitschr. 4, 500. aber das marrubium heißt gotesvergeten , gotisvergeten , gotz vergessen . Mones anz. 4 , 240. 248. 8 , 493. 407. gotisvergeszene . sumerl. 57, 51. ϑεῶν ἄγρωστις, ἣν Κρόνος κατέσπειρε . Glaucus findet und ißt sie und wird unsterblich. Athen. 3, 83. 84. αἷμα Ἄρεως nardus montana. Diosc. 1, 8. lilium. Diosc. 3, 106. αἷμα Ἑρμοῦ verbena. 4, 60. αἷμα Ἀϑηνᾶς, chamaepitys. 3, 165. αἷμα Ἡρακλέους crocus. 1, 25. centaurium minus. 3, 7. αἷμα τιτάνου rubus. 4, 37. γόνος Ἡρακλέους myrtus silv. 4, 144. elleborum album 4, 148. γόνος Ἑρμοῦ anethum. 3, 60. bupthalmus 3, 146. γόνος ἥρωος polygonum. 4, 4. ist γόνος hier semen oder, wie die übersetzung hat, genitura? die blume Αἴας entspringt nach seinem tode zuerst. Pausan. I. 35, 3. pflanzen entstehen oft aus blutstropfen s.  690 , wie die blume zu Sempach da aufschießt, wo Leopold gefallen. Rebers Hemmerlin s. 240. die giftpflanze ἀκόνιτον wächst aus des Cerberus geifer. Ov. met. 7, 415. Servius ad Virg. Georg. 2, 152, wie das kraut trachonte aus drachenblut erwächst. Parz. 483, 6. Ἀριστολόχια (entstellt in osterluzei) bezieht sich auf die geburthelfende Ἄρτεμις λοχεία und wird gebärenden eingegeben. herba Chironis , alsing. Mone quellen 289 a . herba s. Petri . ebendas. poln. Dziewanna bedeutet Diana und verbascum thapsus, böhm. diwizna wunderblume, himmelbrand ( anm. 2922 ). Baldrs brâ ist gedacht wie supercilium Veneris . Diosc. 4, 113 und jungfrauen augbraune , achillea millefolium. Nemn. vgl. wildfräuleinkraut achillea moschata. Stald. 2, 451. ags. Sâtorlâđe (s.  205 ). Woenskruid angelica? Coremans 53. Visumarus sohn des sommers, der sonne? ( anm. 2944 ). Die centauria zeigt Chiron , der Centaur. ein kraut heißt achillea, weil es von Achilles , Chirons schüler, gefunden ist. Venus bricht für den verwundeten Aeneas auf dem Ida dictamnus. Aen. 12, 412. das vom Hermes ausgerissene μῶλυ ist nach Dioscor. 3, 46. 47 ruta silvestris und leucojum silvestre. ein engel im traum offenbart die eberwurz (s.  1011 ). dem verwundeten Albert wird im traum das heilkraut gezeigt. Felsenb. 1, 232. 234. ein engel sagt im traum das heilmittel. Engelh. 5437 ff. ein kraut hat die mutter gottes mit ihrem mantel bedeckt. Klose Breslau s. 102. die empereriz ist auf dem meerfelsen entschlafen , Maria erscheint und befiehlt ihr das unter ihrem haupt wachsende kraut zu raufen . Méon n. rec. 2, 71. 73. Maeii. 2, 226. Wackern. lb. 995, 29. frau Babehilt gräbt und reibt wundkräuter. Eckenlied 173–176. die meerfrau warnt muggon, die vila odoljan nicht zu vernachlässigen (s.  1010 . 1013 . 1014 ). die vila liest für den Marko kräuter (bere bilje). Vuk 2, 218 (ed. 1845). . Jene von thieren herstammenden benennungen können dadurch noch sinnvoller werden, daß man solche thiere auf den göttercultus zurückführt. so brauchte den namen bärenklaue, wolfsmilch, ahd. wolveszeisala, ags. vulfestæsel, ags. hräfnesleác (rabenlauch) nur ein mythus unter zu liegen, aus welchem sich ein verhältnis des krauts zu dem tagesanbruch (s.  620 ), dem von der wölfin aufgesäugten helden, dem von dem götterboten hergetragnen heilmittel ergäbe. ein überzeugendes beispiel gewährt die spechtswurzel , die der heilige vogel (s.  560 ), nach dem vermutlich einer der hehren wälder unsrer vorzeit Spehteshart hieß, herbringt, nicht bloß die zum sprengen der keile taugende, sondern vor dem abbrechen schützt und vertheidigt er zumal die paeonia (s.  812 ). die heilende παιωνία wird auf Παιών den göttlichen arzt bezogen, der gerade dem verwundeten Ares beisteht (Il. 5, 900), so daß mir hieraus zusammenhang zwischen Ares und dem römischen Mars, dessen vogel der specht ist, durchbricht. auch Athene hieß Παιωνία. aber nicht ungehörig scheint, daß wiederum nach unserm Zio ein kraut genannt ist: altn. Tŷviđr , dän. Tysved , daphne mezereum (s.  164 ), was sich ahd. übersetzen ließe Ziowitu, Zioweswitu, d. i. Martis arbor, lignum, frutex. statt dieser ahd. benennung findet sich eine andere entsprechende, die ich jetzt richtiger als oben s.  355 zu erklären glaube. damals dachte ich an Sigelint, weil aber die schreibung Cigelinta , d. i. Zigelinta überwiegt (Graff 5, 627), Zîlant (Graff 5, 659) dasselbe scheint, und neben Zeiland noch heute in Östreich Zillind , Zwilind , Zwilinde daphne mezereum bedeutet also in landstrichen, die ertag und nicht zistag gebrauchen (s.  103 . 167 ); in dem pflanzennamen folglich grif der Ziocultus weiter um. , so erschließt sich die rechte alte lesart Ziolinta , welche in form und sache zum altn. Tŷviđr stimmt. linta ist nicht allein tilia, sondern auch liber, bast, und die pflanze heißt uns bald seidelbaum, bald seidelbast (für zeilindebaum, zeilindebast), den man als heilendes gift aufzulegen pflegt (Höfer 3, 135). ein ags. Tivesvudu, Tigesvudu, Tigeslind ist leicht zu mutmaßen. Seien nun daphne und paeonia verwandt oder unterschieden, ihrer mythischen analogie benimmt es nichts; nach Plinius hieß letztere auch pentorobon, πεντόροβον, weil sie vier oder fünf erbsen trägt, ihr böhm. name lautet wlči lyko, d. i. 999 wolfsbast, ihr franz. garou, d. werwolf, loupgarou. Aus F. Magn. lex. 758. 759 hole ich aber noch einige andere merkwürdige pflanzennamen nach. die viola Martis , franz. violette de Mars , heißt in Island Tŷs fiôla, Tŷrs fiôla, was baare übersetzung des lat. namens scheint, der weniger den gott als den monat ausdrückt, nhd. merzviole. wichtiger ist das norweg. Tyrihialm (Tyris galea) oder Thoralm , Thorhialm (Thori galea), Thorhat (Thori pileus) für aconitum, wozu das nhd. eisenhütlein , schwed. dän. stormhat (sturmhut) stimmt, es scheint einer ähnlichkeit der blumengestalt mit dem helm oder hut abgesehn: die pflanze heißt aber auch wolfskraut, dän. ulveurt, engl. wolfbane, dän. ulvebane, ulvedöd, was sich auf Tŷrs kampf mit dem wolf deuten und wiederum mit jenem wolfsbast, garou vergleichen läßt, da auch andre benennungen zwischen daphne und aconitum schwanken. ja wolfsbast darf an die dem Fenrisûlfr angelegte fesseln læđîng (dän. leding, Molbechs dial. lex. s. 317), drômi und gleipnir (S. 33. 34. 35) gemahnen. Noch ein name für daphne wurde s.  313 angegeben: Wielandsbeere , neben dem nord. Velandsurt für den heilkräftigen baldrian (die valeriana), so daß die deutung wieder auf einen der größten helden unsers alterthums führt, dessen vater der heilkundige Wate war Nachtrag: In der sage von Glaucus und Polyidus bringt die schlange das kraut, das die todten neubelebt. Apollod. bibl. 3, 3. vgl. KM. 3 3, 26. ein wiesel holt im wald die belebende rothe blume. Marie 1, 474. vögel holen kräuter und zeigen sie den menschen an. vgl. springwurzel s.  812 . der rabe fliegt mit dem wundheilenden blatt . Völs. sag. cap. 8. erblindet den schwalben ein junges, so holen sie ein kraut, legen es auf und stellen das auge her. davon der name chelidonium . Dioscor. 2, 211. GDS. 204. so auch meldet Megenberg von schellwurz. eine wiesenblume, euphrasia oder myosotis heißt augentrost , nnl. oghentroost , auch augendienst . ( blumentrost ist ein eigenname zu Mülhausen.) vgl. den ich in mînen ougen gerne burge. Wolfram 8, 4. ze sumere diu ougen trôsten schoene wise (schoene wiesen trösteten die augen, erfreuten das auge). reizende frauen hießen ὀφϑαλμῶν ἀλγηδόνες, augenweh. däges eage, primula veris, mttlengl. daies eyghe. Alex. 7511, e. daisy. der klee heißt auch ougen brehende , die euphrasia aber e. eyebright . ich tuon dir in den ougen wol. Winsbekin 4, 4. er ist mir in den ougen niht ein dorn. MS. 1, 16 b . MS. 2, 98 a . ob ez ir etelîchen taete in den ougen wê. MS. 1, 68 a . GDS. 209. vgl. friedeles ouga . Mone 8, 405. Haupts zeitschr. 6, 332. hirsche zeigen die hirschwurz. Megenberg 398, 22–25. Mit dem norw. Tyrihialm vergleicht sich Ἄρεος κυνῆ. Babr. 68, 4. steht ahd. watwurz Graff 1, 768 für Watinwurz? . Es ist aber nur eine geringe zahl von kräutern nach göttern oder helden genannt, gegenüber den vielen auf göttinnen und weise frauen zurückführbaren. unter ihnen fallen die meisten heutzutage auf Maria , die wie bei kleinen, zierlichen käfern (s.  578 ) oder glänzenden sternen (s.  606 ) die ältere Frouwa ersetzt. Frauenschühli ist trifolium melilotus, weil die blume einem weiberschuh gleich sieht, sonst auch Marienpantöffelchen ; ist Cupripedium calceolus Veneris danach gemacht? Frauamenteli , ösa fraua menteli (Tobler 204 b ) alchemilla vulg., von ihren mantelartig gefalteten blättern. Frauaseckeli geum rivale (Tobl. 204 b ), Freyjuhâr kommt mehrern arten des farnkrautes zu (oben s.  251 ); stimmt es bloß zur herba capillaris, capillus Veneris bei Apulejus herb. 47 oder ist es daher entlehnt? Frauenträn , Marien thräne orchis mascula (Stald. 1, 296) erinnert an Helenium, e lacrimis Helenae natum (Plin. 21, 10), noch mehr an Freyjas goldthränen, grâtr Freyju (Sn. 128. 133, vgl. oben s.  270 ) und an das niederfallen von blumen und edelsteinen, wenn göttinnen lachen oder weinen (s.  922 ); ein kostbarer wein heißt unser liebfrauenmilch . wie der blumenname muttergottesgläschen entstand erzählt die kinderlegende. Frauenschlößli , Frauenschlüssel primula veris (Stald. 1, 124), sonst auch himmelsschlüssel, schlüsselblume, weil sie den frühling erschließt oder schätze öfnet? sie trägt auch andre namen und ist die heilkräftige betonica, von welcher nachher noch. Da alle solche gewächse auf unsern wiesen heimisch sind, ist es unwahrscheinlich, daß ihre benennung aus dem latein geschöpft und erst in den letzten jahrhunderten aufgebracht wurde; obgleich ahd. glossen kein mit frouwa zusammengesetztes kraut darbieten. Auf 1000 Ostara die osterblume (ôstergloie Ms. 2, 61 a ) zurückzuleiten wäre allzukühn, weil sich der ausdruck wie maiblume von der zeit ihrer blüte verstehn läßt; geopfert wurden maiblumen (s.  48 ) von weißen frauen getragen (s.  803 ), und abergl. 1075 räth sie vor sonnenaufgang zu pflücken Nachtrag: Die meisten kräuter werden nach Maria benannt. vgl. Fries udfl. 1, 87. dem weinnamen Liebfrauenmilch ähnlich ist das gr. Ἀφροδίτης γάλα. Aristoph. in einem verlornen ungen. stück p. m. 154 a . ἡδύς γε πίνειν οἶνος Ἀφροδίτης γάλα . Athenaeus 10, 444 d . Marienmilch ist sonst polypodium vulg., das aus den milchtropfen erwachsen sein soll, die Maria aufs land gesprützt hatte. F. Magnus. 361, note. vgl. span. leche de los viejos, leche de Maria für wein. Marien bettstroh heißt engl. lady in the straw , ladies bedstraw . Hones yearbook 814. Fruamäntele malva rotundifolia. Wolfs zeitschr. 2, 54. Vrowenhâr capillus Veneris. Mones anz. 4, 241. Minnenhâr capillus Veneris. das. 8, 403 vgl. oben supercilium Veneris. Nemnich s. v. cypripedium und adianthum. Marienthräne erinnert an Ἥρας δάκρυον verbena. Diosc. 4, 60. labrum, lavacrum, concha Veneris ist dipsacus sitibundus, weil die pflanze thautropfen sammelt. Margarethenschöckla wird, in eine schachtel gelegt, zu einem schwarzen wurm. . Blumen sind fräulicher schmuck, kränze werden von jungfrauen gewunden, kräuter von erfahrnen frauen gelesen. schön sagt Marner Ms. 2, 174 a : ›ez riuchet als ein edel krût ûz einer megde hant‹. Warum sollte nicht schon den weisen frauen unseres frühsten alterthums kräuterkunde beigewohnt haben? noch hexen und alten weibern wird sie zugeschrieben und nicht ohne bedeutung scheint, daß die hexen ihrem buhler oder sich selbst namen aus heilkräutern entnehmen (s.  888 ). hexenkräuter dürfen aber ganz eigentlich beschreikraut , berufkraut heißen, obgleich man diese benennung auch auf einzelne pflanzen angewandt hat. Das brechen und holen der kräuter muste zu bestimmter zeit und nach hergebrachtem brauch geschehn Nachtrag: Blumen werden den frauen gebrochen und gebracht. Haupts zeitschr. 7, 320. es gibt kräuter, die besonders die weiber entzweien. ononis spinosa weiberkrieg , lat. altercum zankkraut. serb. bilje od omraze sind haderkräuter, welche leute entzweien. Vuk 1, 305 (ed. 1824). das böhm. bilj ist ein bestimmtes kraut, tussilago. kräuter wurden mit dem schwertapfel gebrochen. Lanc. 12013, mit der linken hand gepflückt, barfuß (s. selago). nach wochentagen bricht man sie: sonntag solsequium, montag lunaria, dienstag verbena, mittwoch mercurialis, donnerstag barba Jovis, freitag capillus Veneris, samstag hahnenfuß (?) s.  205 . abergl. H cap. 31. 32. . Meist vor sonnenaufgang in tagesfrühe. herba quacunque a rivis aut fluminibus ante solis ortum collecta, ita ut nemo colligentem videat . Plin. 24, 19; praecipiunt aliqui effossuris (anagallida) ante solis ortum priusquam quidquam aliud loquantur, ter salutare eam , tum sublatam exprimere, ita praecipuas esse vires. 25. 13; ajunt si quis ante solis ortum eam (chamelaeam) capiat, dicatque ad albugines oculorum se capere, adalligata discuti id vitium. 24, 14; et hanc (Samolum herbam) sinistra manu legi a jejunis . 24, 11; radicem (pistolochiae) ante solis ortum erutam involvunt lana. 20, 4. Den viscus suchte man im neumond, prima luna, Plin. 24, 4; die verbenaca circa canis ortum, ita ut ne luna aut sol conspiciat . 25, 9. Von menschen und gestirnen ungesehn, ungesprochen und ungegessen, soll der sammler sich den heiligen kräutern nahen. Maiblumen sind vor sonnenaufgan g, teufelsabbiß vor Johannismitternacht zu brechen (abergl. 190 . 1075 ). Plin. 25, 3 gibt nachricht von einem kraut, welches die Römer herba britannica nannten, weil sie aus den zwischen Germanien und Britannien gelegnen inseln (ex oceani insulis extra terras positis 27, 1) gebracht wurde: florem vibones vocant, qui collectus priusquam tonitrua audiantur (d. h. doch zwischen blitz und donner?) et devoratus securos a fulminibus in totum reddit. Frisii, qua castra erant, nostris demonstravere illam, mirorque nominis causam, nisi forte confines oceano Britanniae velut propinquae dicavere. non enim inde appellatam eam quoniam ibi plurima nasceretur certum est, etiamnum Britannia libera. Hier haben wir eine schon von den alten Germanen beachtete pflanze, und die bestimmung, daß sie vor dem ersten im jahr (?) gehörten donnerschlag gebrochen werden müsse, klingt ganz deutsch. sie schützte gegen blitz, war also dem donnergott heilig, gleich der hauswurz (s.  152 ), die auch donnerwehr heißt. ags. glossen übersetzen die britannica hæven hŷđele ; hæven ist glaucus, das zweite 1001 wort entw. von hûđ praeda oder hŷđe portus abzuleiten, im letzten fall läge der begrif einer blauen seeblume nah. ein wassergewächs war es auf jeden fall, man meint hydrolapathum. gern möchte ich darin das den Friesen und Seeländern heilige seeblatt (s.  545 ) wieder erkennen, dessen blume weiß oder gelb sein soll; der name nixblume , mummel könnte an die indischen des lotus gemahnen: Ramâprija (der Rama, d. i. Lakschmi lieb), Srîvâsa (haus der Srî = Lakschmi, der aus dem meer gestiegnen) Nachtrag: Plin. 26. 5, 14 nennt condurdum herba solstitialis, flore rubro, quae e collo suspensa strumas comprimit. vgl. Plaut. Pseudol. I. 1, 4: quasi solstitialis herba paulisper fui, repente exortus sum, repentino occidi. Die herba britannica heißt bei Diosc. 1, 120 ἅλιμος, οἱ δὲ βρεταννική. 4, 2 βρεταννικὴ ἢ βεττονική. vgl. Diefenbach celt. 3, 112. Cannegieter de Britenburgo. Hag. Com. 1734. Abr. Munting de vera herba brit. Arnst. 1698. C. Sprengels Diosc. 2, 571. GDS. 679. ahd. gl. des 12. jh. herba britannica himelbrant . Mone 8, 95. hilmibranda maurella bei Graff 3, 309 steht vielleicht für himilbranda. himmelbrand , himmelkerze, verbascum thapsus, wollkraut. Schm. 2, 196. auch hildebrand verbascum nigrum. Schm. 2, 178. himmelbrand , brennkraut , feldkerze, unholdenkerze, verbascum thapsus nach Höfer 2, 52. unholdenkraut , böhm. divizna . Jungmann 1, 371 a ( anm. 2916 ). Mones quellen 320 a haben statt haeven hyđele britannica die form hävenhyldele , hävenydele . kann hilde zu helde, heolode gehören? tonnoire , fleur du tonnerre, coquelicot, papaver. Grandgagnage voc. 26. donnerbart ist sedum telephium. Ein schwamm ἴτον in Thrakien wächst unter donner . Athenaeus 1, 238. milder donner erzeugt pilze. Meghadûta s. 4. Über lotus s. Klemm 1, 112. 113. lotus caerulea. Bopp gl. 39 b 46. Sprengels Diosc. 2, 622. weißer und blauer lotus. Fries udfl. 1, 107. . Wurde ein kraut ausgegraben, so war es römischer gebrauch, vorher rings um in die erde meth und honig, gleichsam zur sühne, einzugießen, dann die wurzel mit dem schwert zu umschreiben, gegen morgen (oder abend) zu schauen, und die gegrabne alsbald in die höhe zu heben, ohne daß sie die erde berührte. favis ante et melle terrae ad piamentum datis, circumscriptam ferro (verbenacam) effodi sinistra manu et sublime tolli , Plin. 25, 9; et fossuri (iridem) tribus ante mensibus mulsa aqua circumfusa hoc veluti placamento terrae blandiuntur , circumscripta mucrone gladii orbe triplici , et cum legerint eam protinus in coelum attollunt . 21, 7; nigrum elleborum melampodion vocant, quo et domos suffiunt purgantque spargentes et pecora cum precatione solemni, hoc et religiosius colligitur. primum enim gladio circumscribitur , dein qui succisurus est, ortum spectat et precatur, ut id liceat sibi concedentibus diis facere, observatque aquilae volatus ; fere enim secantibus interest, et si prope advolavit , morituram illo anno qui succedat augurium est. 25, 5; cavent effossuri (mandragoram) contrarium ventum et tribus circulis ante gladio circumscribunt , postea fodiunt ad occasum spectantes . 25, 13. Auch wurde zuweilen die gegrabne wurzel nach gemachtem gebrauch wieder eingegraben, damit sie leben bleibe: hanc (senecionem) si ferro circumscriptam effodiat aliquis tangatque ea dentem et alternis ter despuat, ac reponat in eundem locum ita ut vivat herba , ajunt dentem eum postea non doliturum. 25, 13. Es galt zu verhüten, daß kaltes eisen an die wurzel komme (daher man sich des goldes , oder geglühten eisens zum schneiden bediente) und daß das ausgezogne kraut, der geschnittne zweig die erde berühre wie man der hexe die erde zu berühren nicht gestattete (s.  899 ); das iarđar megin. : radicem (pistolochiae) ante solis ortum erutam involvunt lana coloris, quem nativum vocant. quidam auro effodiendam censent, cavendumque ne terram adtingat . 20, 4; (viscum) collectum e robore sine ferro , si terram non attigit , comitialibus mederi (putant). 24, 4; virgam e myrice defractam, ut neque terram, neque ferrum attingeret . 24, 9: cavendum ne avulsa herba terram tangat. 25, 13; herba juxta quam canes urinam fundunt, evulsa ne ferro attingatur , luxatis celerrime medetur. 24, 19. Mit der linken hand wurde gebrochen oder ausgezogen; zuweilen geschah es entgürtet und entschuht , und in dem brechen 1002 muste ausgesprochen werden für wen und zu welchem behuf: si quis unum ex his (pomis punici mali) solutus vinculo omni cinctus et calceatus atque etiam anuli decerpserit duobus digitis, pollice et quarto sinistrae manus atque ita lustratis levi tactu oculis, mox in os additum devoraverit, ne dente contingat, affirmatur nullam oculorum imbecillitatem passurus eo anno. 23, 6; praecipitur ut sinistra manu ad hos usus eruatur (iris rufa) colligentesque dicant cujus hominis utique causa eximant. 21, 20; parthenium . . . . magi contra tertianas sinistra manu evelli eam jubent, dicique cujus causa vellatur, nec respicere. 21, 30; pseudanchusa . . . folium ejus sinistra decerpi jubent magi et cujus causa sumatur dici. 22, 20: praecipitur ut qui colligit thlaspi, dicat sumere se contra inguina et contra omnes collectiones et contra vulnera, unaque manu tollat . 27, 13; autumnalis urticae radicem alligatam in tertianis, ita ut aegri nuncupentur cum eruitur ea radix, dicatur que cui et quorum filio eximatur, liberare morbo tradiderunt. 22, 14; buglosso inarescente, si quis medullam e caule eximat, dicat que ad quem liberandum febre id faciat. 26, 11. Columella 6, 5 von der radicule, quam pastores consiliginem vocant. ea in Marsis montibus plurima nascitur, omnique pecori maxime est salutaris. laeva manu effoditur ante solis ortum , sic enim lecta majorem vim creditur habere. Dergleichen angaben vermag ich freilich aus unserer einheimischen armen und abgeblaßten überlieferung wenig gegenüber zu stellen. bedeutend ist Burcards nachricht von der bilisa (dem hyoscyamus), quam virginem nudam minimo digito dextrae manus eruere faciunt et radicitus erutam cum ligamine aliquo ad minimum digitum dextri pedis ligare; der zweck wurde schon s.  493 angezeigt. die nacktheit des sie ausreißenden mädchens stimmt zu jenem gürtelablegen und entschuhen, doch die rechte hand und der rechte fuß weichen ab von der verwendung linker glieder bei den Römern. der ganze gebrauch scheint aber auch in Gallien bekannt gewesen, wo bereits die Römer ausgebildeten kräutercultus wahrnahmen, wie sich nachher noch zeigen soll. Ein ags. kräuterbuch hat folgendes gegen augenschmerz, viđ eágena sâre: ær sunnam upgange ođđe hvene ær heo fullîce gesîgan onginne, gâ tô þære ylcan vyrte Proserpinacam and bevrît hî âbûtan mid ânum gyldenum hringe and cveđ þät þû hî tô eágena læcedôme niman ville, äfter þrim dagon gâ äft þær tô ær sunnangancge and genim hî and hoh onbûtan þäs mannes svyran. heo framađ vel. Gegen älfâdle: gang on þunresæfen , þonne sunne on setle sie, þær þû vite Elenan standan, sing þonne benedicite et pater noster and sting þîn seax on þâ vyrte. læt stician eft tô þonne däg and niht furdum scâde on þam ilcan ahte, gang ærest tô ciricean and þe gesena and gode bebeod. gang þonne svîgende and þeah þe hväthvega egeslîces ongean cume ođđe man, ne cveđ þû him ænig vord tô, ær þû cume tô þære vyrte, þe þû on æfen ær gemearcodest. sing þonne benedicite el pater noster. âdelf þâ vyrt. 1003 læt stician þät seax þæron. gange eft svâ þû radost mäge tô ciricean and lege under veofod mid þâm seaxe. læt licgean ođđät sunne uppe sie . âwäsc siđđan, dô tô drence and bisceopvyrt and Cristes mæles ragu, âvyl þriva on meolcum, geot þriva hâlig väter on: sing on pater noster and credan etc. and hine eác ymbvrît mid sveorde on iiii healfa on cruce and drince þone drenc, siđđan him biđ sona sæl. Hier scheint die lateinische grundlage, mit einschaltung christlicher gebräuche, offenbar. Thiers im traité des superstitions sagt: quelques uns pour se garantir de maléfices ou de charmes vont cueillir de grand matin, à jeun, sans avoir lavé leurs mains, sans avoir prié dieu, sans parler à personne et sans saluer personne en leur chemin une certaine plante, et la mettent ensuite sur la personne maléficiée ou ensorcelée. Ils portent sur eux une racine de chicorée , qu'ils ont touchée à genoux avec de l'or et de l'argent le jour de la nativité de saint Jean baptiste, un peu avant le soleil levé et qu'ils ont ensuite arrachée de terre avec un ferrement et beaucoup de cérémonies, après l'avoir exorcizée avec l'epée de Judas Machabée. das mag wieder celtisch sein und gleicht doch den römischen hergängen, Judas heldenschwert vertritt das kreisziehende ferrum. mit gold statt eisen abgeschnitten wird auch abergl. 581 . Als Renart auf der wiese die gesuchte pflanze findet und behutsam auszieht, heißt es ›ne l'a triblée n'esquachie , ençois la menja sanz tribler , del remanant ala froter trestotes les plaies qu'il ot et li cuir maintenant reclot et fugariz et trestoz sains‹ (25105–11). das kraut sollte weder gerieben noch gequetscht werden (vgl. Michels Trist. 2, 50). Wenn in Thurneissers erkl. der archidoxen, Berlin 1575 bl. 76 gesagt wird: ›verbeen, agrimenia, modelger charfreytags graben hilfft dich sehr, das dir die frawen werden holdt, doch brauch kein eisen, grabs mit goldt ‹; so scheint das aus lat. quelle geflossen. Viel merkwürdiger heißt es in einem liede des hätzlerischen buchs von dem ›kraut hoffen‹ 137. 294; ›daz ist gar ein edel krût , grab ez stille, nicht ze lût, schützen sind darüber gesetzt , begrif man dich du wurdst geletzt an dîner sælden hôhstem pfant‹. solche schützen und hüter des krauts vergleichen sich jenem die paeonia bewachenden specht; gern aber möchte man von ihnen genaueres wissen Nachtrag: Mir wart ein krût in mîn hant . Ls. 1, 211. heißt das: kam unvermerkt? vgl. φῦ ἐν χειρί. Passow 2, 1042 b . si sluoc daz krût mir ûz der hant . Ls. 1, 218. vom aster atticus sagt Dioscorides 4, 118: ξηρὸν δὲ ἀναιρεϑὲν τῇ ἀριστερᾷ χειρὶ τοῦ ἀλγοῦντος. von der rinde der wilden feige bemerkt Plin. 23, 7, 64: aprifico quoque medicinae unius miraculum additur, corticem ejus impubescentem puer impubis si defracto ramo detrahat dentibus , medullam ipsam adalligatam ante solis ortum prohibere strumas. Drei rosen werden in fünf brüchen gebrochen. Amgb. 48 b (vgl. drei rosen auf einem stiel, oder zwo rosen auf einem zweig wünschen. Uhland volksl. s. 23. 116. Reusch no. 12. Meinert Kuhl. 95. drei rosen bringen. Uhland volksl. s. 257. 258). Eine schwedische angabe über das ausgraben des rönn steht bei Dybeck 1845, 63. am abend soltu sie (die wurzel eisenkraut) umkreißen mit silber und mit golde und mit siden . Mone 6, 474. in das loch der ausgezognen wurzel wird getraide gelegt, um die erde zu sühnen ( anm. 2992 ). das kraut wird schnell gerauft und mit der hand geborgen ( anm. 2949 ). du solt ez (daz rîs) ûz der erden geziehen vil lîhte . En. 2806 vgl. 2820–25, wo Virgil nicht ein aus der erde ausgezognes reis, sondern einen abgerissenen zweig erwähnt. la sainte herbe qu' à son chief trueve – tot en orant l'erbe a coillie . Méon n. r. 2, 73. . Über das anbinden ( alligare , gewöhnlich adalligare eine merkwürdige zusammensetzung = adadligare , man muste den ursprung der durchgedrungnen assimilation nicht mehr fühlen, weil noch ein ad vortrat. ähnlich, doch nicht ganz, wäre unser hd. part. geglückt (f. gegelückt), volkommen aber gleicht altfranz. concueillir = concolligere, conconligere und das goth. gagamainjan entheiligen, gagavairþjan reconciliari. ) der gebrochnen oder gegrabnen kräuter ertheilt Plinius folgende vorschriften: herba adalligata laevo brachio ita ut aeger quid sit illud ignoret . 24, 19; magi heliotropium quartanis quater , in tertianis ter allligari jubent ab ipso aegro, precarique eum soluturum se nodos liberatum, et ita facere non exemta herba. 22, 21; sunt qui genicula novem vel unius vel e duabus tribusve herbis ad hunc 1004 articulorum numerum involvi lana succida nigra jubeant ad remedia strumae panorumve. jejunum debere esse qui colligat, ita ire in domum absentis cui medeatur, supervenientique ter dicere, › jejuno jejunum ‹ medicamentum dare, atque ita adalligare, triduoque id facere. quod e graminum genere septem internodia habet, efficacissime capiti intra dolores adalligatur. 24, 19; alliget ei septem folia . 26, 11; verbenaca jumentorum febribus in vino medetur, sed in tertianis a tertio geniculo incisa, quartanis a quarto. 26, 11 viđ heáfodece (kopfweh): âdelf vegbrædan (plantago) hûtan isene ær sunnan upgange. bind þâ moran (die beeren, den samen) ymb þät heáfod mid vrætereádê þræde. sona him biđ sel. . statt des anbindens legte man auch unter des kranken hauptkissen: sedum, si involutum panno nigro ignorantis pulvino subjiciatur. 26, 10; somnos allicit olfactum, aut inscio sub capite positum. 27, 7. Der kranke sollte in der regel nicht wissen, was ihm angebunden oder untergelegt wurde; gelenke und knoten der kräuter standen in bezug auf art und wiederholung des bandes. Oft reicht es hin, das schützende gewächs in der hand zu halten oder bei sich im gürtel zu tragen: virgam populi in manu tenentibus intertrigo non metuatur. 24, 8; virgam qui in manu habeant aut in cinctu , negantur intertriginem sentire. 24, 9; intertrigines negat fieri Cato absinthium ponticum secum habentibus . 26, 8. aber auch wer die nymphaea in der hand haltend fiel, wurde epileptisch (s.  545 ). Man pflegte aber in vielen gegenden Deutschlands kräftige kräuter oben an der bühne an dem hauptbalken, oder über thür und thorweg aufzuhängen , wo sie das jahr hindurch blieben, bis sie durch frische ersetzt wurden. Seltsam war der römische brauch ein sieb irr den weg zu legen und mit den hindurch wachsenden grashalmen zu heilen: cribro in limite adjecto herbae intus exstantes decerptae adalligataeque gravidis partus accelerant. 24, 19. das sieb war heiliges geräth (s.  927 . 931 ). extare ist extra stare, prominere. mich erinnert das an unsere weisthümer, welche die dünne eines gewobenen tuchs danach bestimmen, daß die halme (wie bei jenem sieb) hindurch stechen: item es sprechint ouch die hoflüt, das si hundert und sibentzig eln huobtuochs gebint dem von Hünwil, das selb huobtuoch sölli so swach sin, wenn man das spreit uf ein wasen, das gens gras und bollen durch das tuoch mugint essen. 1, 12; und das selb tuch sol man auf einen wasen spreiten und sol das in der maß sein, das die gens dadurch wol gras mögind essen und nicht hunger sterbind. 1, 254. hier ist von keinem heilen die rede, aber die betrachtungsweise ähnlich. Nach diesen allgemeinen erörterungen will ich einzelne berühmte heilkräuter durchgehn. einige scheinen jedoch absichtlich keinen bestimmten namen zu führen; dahin gehört das kraut, welches die vögel von hirsen und penich abhielt: pestem a milio atque panico, sturnorum passerumque agmina, scio abigi herba cujus nomen ignotum est , in quatuor angulis segetis defossa, mirum 1005 dictu ut omnino nulla avis intret. Plin. 18, 17. Ein gedicht Ls. 1. 211–18 erzählt von einer jungfrau, die sich auf dem anger blumen zum kranz gebrochen und von ungefähr ein ihr unbekanntes kraut ergriffen habe: kaum war das kraut in ihrer hand , so sah sie vor sich alle ihre liebhaber, vernahm ihre rede und wuste alle ihre gedanken. zuletzt aber schlug ihr eine gefärtin das wunderbare kraut aus der hand, daß es in einen vorüberfließenden bach fiel und fortschwamm; da war alle weissagung wieder entschwunden. Auch die ungenannte blaue wunderblume (s.  805 . 811 ), die dem hirten, wenn er sie unversehens aufgesteckt hat, plötzlich seine augen öfnet und den bisher verborgnen eingang zum schatz entdeckt (s.  811 ), erscheint desto geheimnisvoller, weil sie gar nicht angegeben werden kann in den polnischen brüchen wächst eine schöne blaue sternblume auf langem stengel (vgl. trojziele s.  1017 ), der die bauern feind sind, weil sie glauben, daß alte weiber und zigeuner sich ihrer bedienen, um die kühe zu behexen, daß sie sich die milch selbst aussaugen. Potts zigeuner s.  viii . . der name vergißmeinnicht , den sie sich gleichsam selbst beilegt, soll bloß ihre bedeutsamkeit ausdrücken, und mag erst im verlauf der zeit auf myosotis angewandt worden sein. Solch einen imperativischen krautnamen weist uns auch Plinius 27, 12 auf; circa Ariminum nota est herba quam resedam vocant, discutit collectiones inflammationesque omnes. qui curant ea, addunt haec verba: › Reseda morbos reseda , scisne, scisne quis hic pullos egerit? radices nec caput nec pedes habeant!‹ haec ter dicunt totiesque despuunt. collectio ist geschwulst und darauf oder die entzündung muß das pullos agere gehn. was wir jetzt reseda (odorata) nennen mag ein andres kraut sein Nachtrag: Die durch ein sieb wachsenden grashalme erinnern an die worte: þurh aern invyxđ s.  1039 . seltsam ist auch, daß der holunder für heilsam gilt, der aus beeren in holen weiden wächst, die drosseln gefressen haben. Ettn. unw. doct. 161. 162. Es gibt auch hungerstillende kräuter. esuriesque sitis visis reparabitur herbis. Ecbas. 592. . Unter allen berühmten wurzeln steht die Alrune oben an. schon ahd. gl. liefern alrûna , alrûn für mandragora (Graff 2, 523. Schm. 3, 97) und ich habe s.  334 . 335 den namen der persönlich gedachten pflanze wol befugt mit dem der weisen frauen unsers höchsten alterthums zusammengestellt. H. Sachs IV. 3, 34 schildert noch die Alraun als eine am scheideweg begegnende göttin diese persönlichkeit der Alraun geht deutlich aus einem schwank hervor, den eine hs. des 15 jh. überliefert: Dicitur de quadam muliere, quae habuit virum nimis durum, quae quandam vetulam in sortilegiis famosam consuluit. vetula vero experta in talibus valde dixit, se optima sibi scire et posse (sub) venire, si suum vellet consilium imitari. et dum ipsa promitteret se velle imitari, vetula adjecit: ›habesne in horto tuo canapum spissum el longum?‹ quae ait ›habeo valde optatum‹. cui vetula ›vade‹ inquit ›tribus noctibus successive in crepuscido serotino ad ipsum hortum tali modo et forma. prima namque nocte accipe unam libram lardi spississimi et optimi, quam poteris babere, secunda nocte duas, tertia vero nocte tres, et semper ponas dextrum pedem ad canapum, ac projiciendo lardum usque ad medium canapi vel citra haec dices verba: Alrawn du vil güet mit trawrigem müet rüef ich dich an; dastu meinen leidigen man bringst darzue, das er mir kein leid nimmer tue.‹ Tertia igitur nocte cum mulier haec verba replicaret, vetula abscondita in canapo jacebat. prius autem informaverat praedictam mulierem, quod attentissime auscultaret, quae sibi tertia nocte dicta Alrawn insinuaret. unde in haec verba sub voce rauca et valde aliena abscondita in canapo respondebat: fraw, du solt haim gan und solt güeten müet han, und solt leiden, meiden, sweigen; thuest du das von allen deinen sinnen, so machtu wol ein güeten man gewinnen. Et sic mulier verba illius vetulae imitabatur, et viri amaritudo in dulcedinem et mansuetudinem vertebatur. die fabel hat auch Paulli schimpf und ernst. 1555. cap. 156. Ähnlich ist ein mhd. gedicht (altd. wäld. 3, 160–163) und ein märchen (KM. no. 128), wo aber der mann, statt der frau, sich am holen baum oder spindelbaum (fusarius) im garten weissagen läßt (s.  543 ). Der anruf ›Alrûn, dû vil guote ‹ gemahnt an Walthers stelle von der kleidenden schrotenden frô Sælde 43, 7, wo gleichfalls gesagt ist: ›si vil guote ‹. . 1006 dazu kommt, daß die wurzel selbst menschlich gestaltet und ihr aus reißen folgendermaßen beschrieben ist: wenn ein erbdieb, der noch reiner jüngling ist, erhängt wird und das wasser oder den samen fallen läßt, wächst unter dem galgen die breitblättrige, gelbblumige alraun. beim ausgraben ächzt und schreit sie so entsetzlich, daß der grabende davon sterben muß. man soll also freitags vor sonnenaufgang, nachdem die ohren mit baumwolle oder wachs verstopft sind, einen ganz schwarzen hund , an dem kein weißes härchen sei, mitnehmen, drei kreuze über die alraun machen und rings herum graben, daß die wurzel nur noch an dünnen fasern hänge. dann werden diese mit einer schnur an den schwanz des hunds gebunden, dem hund wird ein stück brot gezeigt und eiligst weggelaufen. der hund nach dem brote gierig folgt und zieht die wurzel aus, fällt aber von ihrem ächzenden wehruf getroffen todt hin. hierauf wird die wurzel aufgehoben (das ist jenes in sublime tolli), mit rothem wein gewaschen, in weiß und rothe seide gewickelt, in ein kästlein gelegt, alle freitage gebadet und alle neumonde mit neuem weißem hemdlein angethan. fragt man sie nun, so offenbart sie künftige und heimliche dinge zu wolfart und gedeihen, macht reich, entfernt alle feinde, bringt der ehe segen, und jedes über nacht zu ihr gelegte geldstück findet man frühmorgens verdoppelt, doch überlade man sie nicht damit. stirbt ihr eigner, so erbt sie der jüngste sohn, muß aber dem vater ein stück brot und geld in seinen sarg legen. stirbt er vor dem vater, so geht die alraun über auf den ältesten sohn, der aber seinen jüngsten bruder eben so mit brot und geld begraben soll. Alle diese bestimmungen klingen alt und können hoch hinauf reichen. Schon jene ahd. glossen halten alrûna für die in der vulgata Gen. 30, 14 mehrmals vorkommende mandragora es steht der weibliche pl. mandragorae, die LXX haben μῆλα μανδραγορῶν, erdäpfel. , wo der hebr. text dudaim liest die mhd. dichtung aber 1007 erdephil verdeutscht (Diut. 2, 79). vom mandragoras (gr. μανδραγόρας) aber meldet Plin. 25, 13: mandragoram alii circaeum vocant, duo ejus genera, candidus, qui et mas, niger qui femina existimatur . . . . cavent effossuri (album) contrarium ventum et tribus circulis ante gladio circumscribunt , postea fodiunt ad occasum spectantes. wichtiger sind diesmal zwei verse bei Columella 10, 19 quamvis semihominis vesano gramine foeta mandragorae pariat flores, moestamque cicutam. der semihomo mandragoras entspricht jener sage und selbst das vesanum gramen könnte ihr näher entsprechen, als aus den worten erhellt. Auch Hildegard phys. 2, 102 sagt: mandragora de terra, de qua Adam creatus est, dilatata est, et propter similitudinem hominis suggestio diaboli huic plus quam aliis herbis insidiatur. et ideo cum de terra effoditur, mox in salientem fontem per diem et noctem ponatur. Da franz. mandagloire für mandragore steht, ist s.  342 gemutmaßt, daß die fee Maglore aus Mandagloire entsprungen sei, und das wäre als bestätigung des analogen verhältnisses zwischen Alrûna und alrûna nicht zu verachten. Ich schließe mit einer ags. schilderung aus Thorpes anal. s. 94, die doch wol ins 10. 11 jh. zu setzen ist und jene zuziehung des hundes beim ausziehen bestätigt: đeos vyrt, þe man mandragoram (engl. mandrake) nemneđ . . . . þonne þû tô hire cymst, þonne ongist þu hî be þâm, þe heo on nihte scîneđ ealsvâ leohtfät. þonne þû hire heáfod ærest geseo, þonne bevrit þû hî vel hrađe mid îserne, þy læs heo þe ätfleo. hire mägen is svâ micel and svâ mære, þät heo unclænne man, þonne he tô hire cymeđ, vel hrađe forfleon vile. forđy þû hi bevrît, svâ ve ær cvædon, mid îserne, and svâ þû scealt onbûtan hî delfan, svâ þû hire mid þâm îserne nâ äthrine: ac þû geornlîce scealt mid ylpenbænenon stäfe þâ eorđan delfan. and þonne þû hire handa and hire fêt geseo, þonne hundes gevrîđ þû hî. nim þonne þone ođerne ende and gevrîđ tô ânes sviran , svâ þät se hund hungrig sî, vurp him siđđan mete tô foran, svâ þät he hine âhräcan ne mäge, bûton he mid him þa vyrte upâbrede. Sie scheint bei nacht wie ein licht, es wird ihr haupt, hände und füße beigelegt, sie soll erst mit eisen umschrieben werden, damit sie nicht entweiche, nicht mit eisen angerührt, sondern mit elfenbeinernem stabe gegraben; vieles gemahnt an lat. grundlage (bevrîtan circumscribere). statt an den schweif soll an den nacken des hundes gebunden werden (vgl. belg. mus. 5, 114). Plinius legt dem mandragoras vim somnificam bei Nachtrag: Die zauberkräftigste wurzel ist die alrune . abollena alrun . Sumerl. 54, 37. wie sie ausgerissen wird, ist auch in den oeuvres de Rutebeuf 1, 474 beschrieben: ceste dame herbe (vgl. la mere des herbes, artemisia anm. 2944 ), il ne la trest ne giex (judaeus), ne paiens, ne sarrazins, ne crestiens, ains la trest une beste mue , et tantost come de est traite, si covient morir cele beste . auf ähnliche weise wird die wurzel Baaras mit einem hund ausgezogen. Josephus 7, 25. armen. manrakor oder loschtak , eine menschähnliche wurzel, läßt man durch einen angebundnen ausheben; beim ausziehen hört man stöhnen einer menschenstimme . Artemius von Wagarschapat, verdeutscht v. J. H. Busse. Halle 1821. s. 106. mandragora wächst im paradies, wo sie der elefant aufsucht. Karajan. μανδραγόρας. Πυϑαγόρας ἀνϑρωπόμορφον , Ῥωμαῖοι μάλα κανίνα. Dioscor. 4, 76. der alraun wird aus einer wurzel geschnitzt s.  424 . Panzers beitr. 1, 250. un vergier a li peres Floire u plantés est li mandegloire . Flore 244. mandragora tvalm . Mone 8, 95. von senfte der alrûnen wart mich slâfen . Frauenlob 6, 26. ὑπὸ μανδραγόρα καϑεύδειν. Lucian. Timon 2 (ed. bip. 1, 331–333). ἐκ μανδραγόρου καϑεύδειν. Lucian. Demosth. enc. 36. zu der alrûne in Frauenlobs minneleich 15, 2 sagt Ettmüller s. 286: ›man scheint geglaubt zu haben, daß die mandragora das gebären erleichtere‹. das bestätigt Adam Lonicerus in seinem kreuterbuch. 1582. bl. 106 a : ›Alraun rinden dienet zu augenarzneyen. dieser rinden drey heller gewicht schwer, für der frawen gemächt gehalten, bringet ihnen ihre zeit, treibet auß die todte geburt‹. alrůnen heizit er virbern. swenne er wil, sô ist er ein kindelîn, swenne er wil, so mac er alt sîn. cod. pal. 361, 12 b . dasz er dort und da a araunl an der seiten haben muß, das ihm alles sagt was er wissen will. H. Jörgel 20, 3. die mandragora wird in ein weiß kleid gelegt und zweimal des tags mit essen und trinken bedient. spinnr. evangel. dienstag 2. vgl. die sage vom galgenmännlein. Simpl. 3, 811. . Sæm. 194 a wird ein svefnþorn (schlafdorn) erwähnt, mit welchem Ođinn Brynhild sticht, daß sie entschläft, wie im märchen Dornröschen auf den stich mit der spindel (s.  347 ). die dornrose ist hier bedeutsam, da eben ein moosartiger auswuchs am wilden rosenstrauch oder am hagedorn uns noch heute schlafapfel oder schlafkunz heißt, also schon in dem namen Dornrose bezug auf 1008 den mythus liegt. man sagt auch bloß kuenz (Schm. 2, 314), welches kaum als Konrad, vielmehr aus küenzel, küenzen (ansatz unter dem kinn) erklärbar scheint. legt man ihn schlafenden unters hauptkissen, so erwachen sie nicht, bevor man ihn weggenommen hat stinga svefnþorn auch fornald. sög. 1, 18. 19. 3, 303. 306. im Tristan wirkt bloßes küsselîn schlaf, Ulr. 1672. 1693, ›der zouberære küsselîn‹. Heinr. 4911. nach einem märchen (altd. bl. 1. 145) schrift uod briefe (d. h. runen), oder federn von den wilden rauhen leuten (s.  359 . 402 ), die man sich also auch geflügelt oder befiedert dachte. Nachtrag: Ođinn steckt den dorn der Brynhild bloß ans gewand und versetzt sie in schlaf. s. kl. schr. 2, 276. der schlafkunz heißt tirol. schlafputze . Zingerle 552. Hermannus dictus sleperose . Hamb. liber actorum 127, 6 (um 1270). der hagedorn ist sentis canina, lignea canis. Athen. 1, 271. bretagn. gars spern dornstrauch, im märchen ein schönes mädchen. Nilsson 6, 4. 5 behauptet, daß auf grabhügel aus der bronzezeit ein hagedorn gepflanzt und heilig gehalten werde. das sei auch keltischer brauch. vgl. kl. schr. 2, 254. 279. . Der schlafapfel soll aus dem stich einer wespe in den dorn hervorgehn; gleich wurzellos entsteht auf eichen der weissagende gallapfel (abergl. 968 ) durch solchen stich. ital. gallozza , neapol. gliantra , vgl. pentam. 2, 1 ›tre gliantre mascole‹. gewächse, deren ursprung aus samen und wurzel nicht nachgewiesen werden konnte, wie wahrscheinlich auch das vogelnest (s.  812 ), erschienen wunderbar und zauberkräftig, man hängt galläpfel zu des hauses sicherung am küchenbalken auf. Namentlich galt der mistel für heilig, den man vom himmel auf die äste andrer hehrer bäume, zumal der eiche und esche, niedergefallen wähnte. ahd. mistil (nicht weiblich mistila) Graff 2, 890. mhd. mistel , Martina 161 d jâmers mistel. mit einem zweige dieses krauts wurde Baldr erschossen: als Frigg allen pflanzen eide abgenommen hatte, war es ihr noch zu jung erschienen: vex viđar teinûngr einn fyrir austan Valhöll, sâ er Mistilteinn kallađr, sâ þôtti mer ûngr at krefja eiđsins. Sn. 64, und in Völuspâ wird gesungen Sæm. 6 b stôđ umvaxinn völlom hærri mior ok miök fagur Mistilteinn , hoch über das feld hinaus stand gewachsen der zarte schöne mistelstab; teinn ist der aufgeschoßne ast, goth. táins, ahd. zein, und man dürfte ein goth. mistilatáins, ahd. mistilzein annehmen. wird nun ein ags. mistiltâ angegeben, so kann es leicht aus mistiltân verderbt sein, dessen übereinkunft mit dem eddischen mistilteinn willkommen und wichtig wäre; doch läßt sich auch tâ zehe hören, und scheint durch das engl. misseltoe bestätigt. In Schweden soll die immergrüne parasitpflanze gewöhnlich einen oder zwei fuß, aber auch bis zu drei ellen hoch aufwachsen (Geijer häfd. 1, 330). F. Magn. lex. 512 führt an, daß sie in Vestergötland vespelt heiße, heiliger spelz, triticum sacrum. ein kraut, von dem der tod eines der größten, geliebtesten götter abhing, muß für hochheilig erachtet worden sein, doch seine heiligkeit war wiederum deutschen und celtischen völkern gemein. Des celtischen glaubens versichert uns Plinius 16, 44: non est omittenda in ea re et Galliarum admiratio. nihil habent druidae (ita suos appellant magos) visco et arbore, in qua gignatur (si modo sit robur ), sacratius. jam per se roborum eligunt lucos , nec ulla sacra sine ea fronde conficiunt, ut inde appellati quoque interpretatione graeca 1009 possint druidae videri. enimvero quidquid adnascatur illis, e coelo missum putant signumque esse electae ab ipso deo arboris. Est autem id rarum admodum inventu et repertum magna religione petitur, et ante omnia sexta luna, quae principia mensium annorumque his facit, et seculi post tricesimum annum, quia jam virium abunde habeat, nec sit sui dimidia. omnia sanantem appellantes suo vocabulo, sacrificiis rite sub arbore praeparatis, duos admovent candidi coloris tauros, quorum cornua tunc primum vinciuntur stiere die nie im joch, rosse die nie angespannt waren, RA. 547, der heilige brauch fordert alles frisch. . sacerdos candida veste cultus arborem scandit, falce aurea demetit, candido id excipitur sago . tum deinde victimas immolant, precantes ut suum donum deus prosperum faciat his quibus dederit. foecunditatem eo poto dari cuicunque animalium sterili arbitrantur, contra venena omnia esse remedio. tanta gentium in rebus frivolis plerumque religio est. Dieser schönen beschreibung läßt Plinius andere nachrichten vorangehn, aus welchen hier noch einiges auszuheben ist: visci tria genera. namque in abiete ac larice stelin dicit Euboea nasci, hyphear Arcadia, viscum autem in quercu, robore, pruno silvestri, terebintho, nec aliis arboribus adnasci plerique. copiosissimum in quercu, quod dryos hyphear  . . . . . adjiciunt discrimen, visco in his quae folia amittant et ipsi decidere, contra inhaerere nato in aeterna fronde Virg. Aen. 6, 205: quale solet silvis brumali frigore viscum fronde virere nova, quod non sua seminat arbos, et croceo fetu teretes circumdare truncos; talis erat species auri frondentis opaca ilice, sic leni crepitabat bractea vento. . omnino autem satum nullo modo nascitur, nec nisi per alvum avium redditum , maxime palumbis ac turdis . haec est natura, ut nisi maturatum in ventre avium non proveniat. altitudo ejus non excedit cubitalem, semper frutectosi ac viridis. mas fertilis, femina sterilis. aliquando non fert. Auch bei uns heißt eine drossel der mistler (Schm. 2, 645, mhd. mistelære?), engl. misselbird , und das wegtragen des samens durch vögel steigert in andern unsrer mythen die heiligkeit des frischen gewächses (s.  809 ); es ist dann keine menschenhand im spiel und die göttliche fügung offenbar. Viscum ist das franz. gui , und noch bis auf heute hat sich die verehrung des krauts in dem freudenruf aguilanneuf (s.  630 ) erhalten. in Wales pflegt man zu weihnachten den mistel über den thüren aufzustecken, er heißt nach Davies pren awyr (der lustige baum), pren uchelvar (baum des hohen gipfels), pren puraur (baum des reinen golds) und die zweite benennung erinnert an das eddische völlum hærri. sonst aber wird das welsche olhiach , bretagn. ollyiach , ir. uileiceach , gal. uileice , d. i. allheilend, von ol, uile universalis, als benennung des mistels angegeben (s.  1015 ). Ein bretagnisches lied (barzas breiz 1, 58. 100) läßt den Merlin frühmorgens den hohen ast auf der eiche (warhuel, huelvar ann 1010 derwen) holen. Unsre alten kräuterbücher unterscheiden eichenmistel , heselinmistel und birnbäuminmistel und keine darf die erde berühren; einige hängen sie in silber gefaßt kindern um den hals. Im preuß. Samland heißt der mistel wispe (was dem viscum, gui gleicht, doch verwechselt man auch sonst mistel mit mispel); an birken, kirschen, linden ist sie häufig, selten und wunderbar an haseln. sie wächst schnurstracks aus dem stamme, und trägt zwischen den glatten immergrünen weidenartigen blättern silberweiße beeren, wie kleine nüsse oder wie erbsen. wo die hasel wispen hat ist sicher ein schatz verborgen (Reusch no. 10). Bei den Slaven finde ich die namen böhm. melj, gmelj, omeli, russ. omela, litth. amalai, lett. ahmals, doch keine sagen Nachtrag: Die mistel wächst auf hasel, linde, birke, tanne, weide, zumal auf eiche. Dybecks runa 2, 16. ags. âcmistel viscum querneum. Mistila ist ein frauenname. Mones anz. 5, 492. trad. fuld. 1, 130. Schannat 445, nach ihr heißen viele örter: Mistelgau bei Baireut, Mistelouwa (Mistlau) ort bei Crailsheim. Stälin 1, 599, Mistelbach . frauend. 272, 18. Kaltenb. pantaid. 184 b . ad Misteleberge . Lacomblet a. 1054. no. 189. Mistelveld . Langs reg. 2, 397 (a. 1248). 3, 55 (1255). Bamb. calend. s. 142. Mispilsivalde . Lindenbl. s. 24. Misterhult i Småland. Dybeck 1845, 80. Mistilteinn ist in Hervararsaga (fornald. sög. 1, 416) ein schwert des Semîngr. mistil tuscus (l. viscus). Haupts zeitschr. 5, 326. 364. für mistel wird in einigen gegenden Deutschlands kenster , kinster gesagt. wallon. hamustai , hamustaine . Grandgagnage 1, 270, auch henistai , hinistra  = kinster, canister. Grandgagnage voc. 23. 24. das engl. wort ist misseltoe , mistletoe , misletoe . vgl. Hones dayb. 1, 1637. 1638. auch marentacke ist mistel, das struppichte gewächs (s.  1041 ). Nilsson 6, 13 leitet allen nordischen mistelcultus aus dem druidischen. Dybeck 1845, 79. 80. ein mistlein paternoster . MB. 18, 547 (a. 1469). mischtlin paternoster , mispel , aichmistlin paternoster . Rulands handlungsbuch a. 1445. 1446. 1447. vorr. s. VII. s. 27. die mistel muß mittsommernachtsabend geschnitten werden, wenn sonne und mond im zeichen ihrer kraft stehn. Dybeck 1844 s. 22. wenn die eichmistel kraft haben soll, muß sie aus der eiche geschossen oder mit steinen abgeschlagen werden. Dybeck 1845 s. 80. Virg. Aen. 6, 136: latet arbore opaca aureus et foliis et lento vimine ramus Junoni infernae dictus sacer, hunc tegit omnis lucus et obscuris claudunt convallibus umbrae; sed non ante datur teliuris operta subire, auricomos quam quis decerpserit arbore fetus . 6, 143: primo avolso non deficit alter aureus et simili frondescit virga metallo. 6, 187: et nunc se nobis ille aureus arbore ramus ostendet nemore in tanto. der aureus fetus wird also bloß dem croceus fetus der mistel verglichen . vgl. Athenaeus 3, 457. 455. einen eichbaum mit goldnem ast kennt ein lett. lied b. Büttner no. 2723. Armor. huelvar , später heller , welsch uchelawg , uchelfa , uchelfar , uchelfel , holliach (Jones s. 391 b ). lett. ohsa wehja slohta eichenmistel von ohsols eiche und slohta besen, quast, wehja slohta ist ein gewisses kraut, aus dem man besen macht. bedeutet wehja heilig vgl. wehja wannags ( anm. 1735 )? die mistel heißt serb. lepak viscum album, auch mela , wo Vuk s. 394 meldet: auf welcher hasel sich eine mistel findet, unter der liegt eine schlange mit einem edelstein auf dem kopf, oder ein andrer schatz daneben. . An das viscum fügen sich zwei andre druidische kräuter, Plin. 24, 11: Selago legitur sine ferro dextra manu per tunicam, qua sinistra exuitur velut a furante, candida veste vestito pureque lotis nudis pedibus , sacro facto priusquam legatur pane vinoque. fertur in mappa nova. hanc contra omnem perniciem habendam prodidere druidae Gallorum. Iidem Samolum herbam nominavere nascentem in humidis, et hanc sinistra manu legi a jejunis contra morbos suum boumque, nec respicere legentenr nec alibi quam in canali deponere ibique conterere poturis. Das pflücken der selago ist eigenthümlich, mit der rechten, aber nicht der bloßen sondern von einem kleid bedeckten hand (vgl. s.  811 ) soll sie gelesen und dann mit der linken verstolnerweise ausgezogen werden. nach Davies br. myth. 280 ist es das von den Welschen grâs duw (gratia dei) genannte kraut. Villemarqué hält es für aour géoten (aurea herba) bretagnischer lieder 1, 58. 96, es müsse bei sonnenaufgang barhaupt und barfuß auf der wiese ausgezogen werden und leuchte von weitem wie gold. es läßt sich nur selten und von heiligen leuten auffinden. nach einigen ist es unser bärlapp (lycopodium). Samolus soll anemone pulsatilla sein, nach Davies s. 274 heißt er mit welschem namen gwlydd . Baldrian ist entstellt aus valeriana und nicht zu ziehen auf Baldr, nach dem ein ganz verschiednes kraut, die anthemis cotula Baldrs brâ, schwed. Baldersbrå, zusammengezogen Barbro hieß. aber valeriana führt einen andern mythischen namen Velandsurt , Wielands wurz (s.  313 ), und ihre heilkraft ist berühmt. Die Serben nennen sie odoljan (von odoljeti überwältigen), die Böhmen odolen , und unter den serbischen vilinen pjesme (von der vila selbst gelehrten liedern) findet sich bei Vuk (1, 149 der neuen ausg.) ein spruch: da zna shenska glava, schto j'odoljan trava, svagda bi ga brala, u pas uschivala uza se nosila, d. h. wüste jede frau, was odoljankraut ist, sie würde es immer lesen, in den gürtel nähen und an sich tragen. dies kostbare kraut zu vernachlässigen warnt die vila Nachtrag: Das welsche gwlydd bedeutet sonst mild, zart, gwiolydd viola, violet. Baldrian heißt finn. ruttojuuri pestwurz, böhm. auch kozljk . seltsam ist der name tennemarch f. valeriana. Nemnich. Mone 8, 140 a . Haupts zeitschr. 6, 331. bemerkenswerth ist die schwedische sage vom anbinden der Tivebark und Vendelsrot . Dybeck 1845 s. 50. dem serb. namen odoljan vergleicht sich ein polnischer pflanzenname dolęga, da dołęka übermacht, gewalt bedeutet. vgl. Vuk gloss. s. v. odumiljen. Odilienus ist ein eigenname bei Thietmar 4, 37 wie böhm. Odolen vgl. kl. schr. 2, 393. Nardus ist wolriechend, zumal die indica. die nardus celtica ist saliunco. Joh. 12. 3 νάρδος πιστικὴ πολύτιμος heißt goth. nardus pistikeins filugalaubs. . 1011 Bilsenkraut , ahd. pilisa , belisa (hyoscyamus) s.  493 . 1002 Nachtrag: Nach Martin rel. des Gaules stammt Belinuntia von Belenus (Diefenbach celt. 1, 203. Zeuß s. 34) und ist eine herba Apollinaris. Apollo soll sie gefunden haben (Forcellini s. v.). russ. bēlena , poln. bielun , böhm. blen , bljn , ungr. belendfu . engl. henbane gallinae mors. . Eberwurz , schon ahd. epurwurz, carlina acaulis, Carlsdistel, auf bergen dicht am boden ohne stiel wachsend, mit silberweißen, unwelkenden blättern. Als während einer pest Carl der große in sorgen entschlafen war, erschien dem träumenden ein engel und befahl ihm einen pfeil in die luft zu schießen: auf welches kraut er niederfallen werde, das sei heilsam gegen die seuche. Carl schoß am morgen den pfeil ab, dessen spitze in einer eberwurz stecken blieb: sobald man sie ärztlich anwandte, wich die pest. Wer eberwurz bei sich trägt, und wenn er noch so lange liefe, wird niemals müde; auch entzieht er einem gesellen, der mit ihm über feld geht, alle kraft, weshalb man sie ehmals bei wettrennen den pferden anzuhängen pflegte, oder einem weib oder mann in der ehe, ohne daß sie es merkten, worauf dann der andere theil abzehren und sterben muste. auch wurde die eberwurz in den trog genägelt, daß die schweine darüber fressen, und daher soll ihr name rühren (Wolfg. Menzels literaturbl. 1844 s. 9. 10). Wahrscheinlich hat die benennung eberwurz andern grund, carlina scheint aber nach der sage gebildet. dem könig Carl erschienen oft verkündigende engel im traum, und vom kampf mit dem eber gingen schwere träume; vielleicht heilte das kraut die vom eberzahn gehaune wunde Nachtrag: Zu eberwurz vgl. Reuss Walafrid Strab. hortulus s. 66. der carlina wird große kraft beigemessen. Dybeck 1845 s. 72. eine andere distelblume heißt in Schweden jullborste . Dybeck a. o., was an den eber Gullinbursti und an eberwurz erinnert. Wie Carls pfeil auf die eberwurz, fällt Cupidos auf eine blume, die dadurch wunderkraft empfängt: love-in-idleness. midsummernightsdr. 2, 2. der traum verkündet auch sonst das heilkraut. in einem andern traum erscheint Kareln ein grauer schmied und zieht ihm mit der zange aus hand und fuß einen nagel. Haupts zeitschr. 1, 103 ( anm. 2687 ). . Betonica . Plin. 25, 8: Vettones in Hispania eam, quae Vettonica dicitur in Gallia, in Italia autem serratula , a Graecis cestros aut psychomorphon, ante cunctas laudatissima. exit anguloso caule, cubitorum duûm, a radice spargens folia fere lapathi, serrata, semine purpureo . . . tantum gloriae habet, ut domus , in qua sata sit, tuta existimetur a piaculis omnibus  . . . . . . morsibus imponitur vettonica , cui vis tanta perhibetur, ut inclusae circulo ejus serpentes ipsae sese interimant flagellando. franz. betoine , mhd. batônie : ›altiu wîp grabent patôni ‹. MsH. 3, 193 b ; ›sô gênt eteliche mit bœsen batânien umb‹, Berth. 58; ›ettlich kundent patoniken graben‹ Vintler abergl. G v. 41; ›die lêr ich batônien graben‹. Aw. 2, 56. ein italien. spruch empfiehlt, um jeden preis sich ihrer zu versichern: ›venda la tonica e compra la betonica ‹. Wenn sie Martina 27 a (Diut. 2, 129) beschrieben wird ›diu gelwe batênie hol‹, so stimmt das nicht zu jener purpurfarbe (bloß des samens?). in der Schweiz ist badönikli fluhblume, schlüsselblume, hirten bringen sie ihren mädchen mit von der alp (Stald. 1, 124. 386). vermutlich sind mehrere arten zu scheiden, poln. bukwica, böhm. brkwice bald betonica, plantago, bald primula. Die Angelsachsen nannten die betonica biscopvyrt , herba episcopi, was auf heiligkeit schließen läßt Nachtrag: Ein ags. kräuterbuch sagt von der Betonica : þeos wyrt þe man betonicam nemneđ, heo biþ cenned on maedum and on claenum dunlandum and on gefriþedum slowum. seo deah gehwaeþer ge þaes mannes sawle ge his lichoman. hio hyne scyldeđ wiđ unhyrum nihtgengum and wiđ egeslicum gesihđum and swefnum . seo wyrt byđ swyþe haligu and þus þu hi scealt niman on Agustes monđe butan iserne u. s. w. mhd. batônie : Saxônie. Tit. 1947. betoene : schoene. Hätzl. 103, 86. Κέστρον Ῥωμαῖοι οὐεττονικὴν καλοῦσι. Dioscor. 4, 1. Verbena gehört nach Schwenck s. 489. 491 zu veru und Virbius, steht nach Bergk für herbena . sie ist heilig und heißt deswegen gr. ἱεροβοτάνη , im lat. auch herba pura , qua coronabantur bella indicturi. Plin. 22. 2, 3. 25. 9, 59. Wolfg. Göthes dissert. s. 30. 31. sie wird bei Dioscor. 4, 60 περιστερειόν genannt, weil tauben gern dabei sitzen, auch ferraria . das. 4, 60. ἡ σιδηρῖτις . das. 4, 33–35. die verbena heißt ahd. îsarna , îsenîna . Graff 3, 864. 1, 491. îsincletta . Graff 4, 555. Sumerl. 24, 9. îsenarre . Sumerl. 40, 54. îserenbart . das. 66, 40. mhd. îsenhart . Mone anz. 4, 250. quellen 309 b . nhd. eisenkraut , das ins Johannisfeuer geworfen wird. s.  514 . vgl. lay aside the Johnswort and the vervain! Whitelaw s. 112. nnl. îzerkrůd , schwed. jernört , dän. jernurt . für das graben des eisenkrauts gab es einen segen. Mone 6, 474. ags. äscvyrt verbena. Haupts zeitschr. 5, 204. äscþrote verbene. Lye s. v. GDS. 124. . Madalgêr in ahd. glossen basilicum, in den kräuterbüchern auch senecio. der spruch lautet › Modelgeer ist aller wurzel ein eer‹. Im Westerrich, sobald ein sterben unter den schweinen ausbricht, hacken sie ihnen die wurzel in das aß und murmeln 1012 gebetlein; das behütet die schweine, daß der schelm (die seuche) nicht unter sie komme. Da in unsrer heldensage Heimes vater Madelgêr genannt ist (s.  321 ), und eben so einer merminne sohn, der die nebelkappe anlegt (Morolt 40. 41); wird die mythische bedeutsamkeit des pflanzennamens glaublich Nachtrag: Madelger ist ain gut crut wurtz. swer si grabn wil, der grab si an sant Johans tag ze sunbenden an dem abent und beswer si also dristund. Ich beswer dich Madelger ain wurtz so her , ich manen dich des gehaiz den dir sant Pettrus gehiez do er sinen stab dristund durch dich stiez , der dich usgrůb und dich haim trug. wen er mit dir umb fauht ez sy fraw oder man, der mug ez in lieb oder in minn nimer gelaun. in gotz namen amen. wihe si mit andern crutern. kräuterheilkunde v. j. 1400 in der Gießer papierhs. no. 992. bl. 143. . Auch Mangold lapathum ziehe ich auf den uralten namen der riesin, welche gold malen konnte (s.  440 ). Ahd. faram filix, mhd. varm , varn , ags. fearn , engl. fern . von der filix meldet Plin. 27, 9 nichts mythisches. Hildegard phys. 2, 91: in loco illo, ubi crescit, diabolus illusiones suas raro exercet, et domum et locum, in quo est, diabolus devitat et abhorret, et fulgura et tonitrua et grando ibi raro cadunt. ein kräuterbuch sagt: farnkraut ist auf dem felde schwer zu tilgen, außer man reiße es um auf den tag Johannis enthauptung, dann vergeht der farn . er scheint weder blumen noch samen zu tragen; wer farnsamen holen will, muß keck sein und den teufel zwingen können. man geht ihm auf Johannisnacht nach vor tagesanbruch, zündet ein feuer und legt tücher oder breite blätter unter das farnkraut, dann kann man seinen samen aufheben. Manche heften blühendes farnkraut über die hausthüre , dann geht alles gut, so weit die peitsche beim fuhrwerk reicht (etwa auf fünf schritte hin). abergl. 988 . Redekers westfäl. sagen no. 46 enthalten einige nähere auskunft: der farnsamen macht unsichtbar , ist aber schwer zu finden, denn nur in der mittsommersnacht von zwölf bis eins reift er, und fällt dann gleich ab und ist verschwunden. einem manne der gerade in dieser nacht sein verlornes füllen suchte und durch eine wiese kam, in welcher farnsamen reifte, fiel er in die schuhe (wie die knotten, s.  804 ). des morgens kehrte er wieder nach hause, trat in die stube und setzte sich: es dauchte ihn seltsam, daß frau und hausleute gar nicht auf ihn achteten. da sprach er, ›das fohlen habe ich nicht gefunden‹. alle in der stube anwesenden erschraken sichtlich, sie hörten des mannes stimme und sahen ihn nicht. als ihn nun die frau bei namen rief, stellte er sich mitten in die stube und sagte: ›was rufst du, ich stehe ja nahe vor dir‹. da wurde der schreck noch größer, und dem mann fiel ein, daß ihn etwas in den schuhen drückte, als wäre sand darin. kaum hatte er sie abgezogen und ausgestäubt, so stand er sichtbar da vor aller augen. Das ist der wünschelsâme des varmen (oben s.  814 ). Conrad von Würzburg in einem liede MsH. 3, 453 a : het ich sâmen von dem varn , den würfe ich dar den scheiden, daz sin verslünden, ê mîn dienest von ir solde scheiden. die scheiden sind große fische, siluri, und öfter zu wortspiel gebraucht (Schm. 3, 324. Höfer 3, 65). ihnen soll farnsame zu verschlingen dargeworfen werden, eh ein liebender aus dem dienst seiner frau scheide; der same, scheint es, würde ihm anderswo glück zu wege gebracht haben, er gibt ihn fort, um ihr treue zu 1013 zu halten. unsichtbarkeit ist hier nicht gemeint. Nach Thiers soll die fougère (filix) ›cueillie la veille de la saint Jean justement à midi‹ glück im spiel bringen dem, der sie bei sich trägt. Dies farnkraut heißt im Thüringerwalde irrkraut , manche nennen es auch atterkreutich, otterkraut . wenn man ohne es zu sehn darüber schreitet, so macht es irre und wirre, und man kennt weder weg noch steg mehr, selbst wenn man auf den bekanntesten stellen des waldes ist. um das irregehn zu verhüten oder aufzuheben muß der wandrer sich niedersetzen und die schuhe wechseln, oder wenn es ein frauenzimmer ist, die schürze abbinden und umgedreht anbinden, alsbald weiß man wieder den rechten weg (Haupts zeitschr. 3, 364. Bechsteins Franken s. 269. 286). Sicher war der irrsame in den schuh oder gürtel, beim entschuhen und entgürten wieder heraus gefallen. Man sagt auch, wer otterkraut bei sich trage, den verfolgen die ottern so lange bis er es wegwerfe. An einigen orten heißt es Walburgiskraut . Sein russ. name ist paporot , poln. paproć, altböhm. paprut , jetzt papradj , kapradj , sloven. praprat , praprot , litth. papartis , lett. papardi . Auch nach Woycicki 1, 94 erblüht es gerade auf Johannis mitternacht und schwer ist diese blume (kwiat paproci) zu erlangen, weil unter dem brechen sturm und donner sich erhebt; wer sich jedoch ihrer bemächtigt, wird reich und kann weissagen Nachtrag: Das farnkraut heißt gr. πτέρις wegen des gefiederten blatts. lat. filix , ital. felce , span. helecho , franz. fougère . filix herba, palmes Mercurii ( anm. 397 ). filicina, filix minuta ags. eoforfearn . celt. ratis , welsch rhedyn , bretagn. raden , ir. raith , raithneach , gal. raineach (vgl. reinefano). Pott 2, 102. Adelung Mithr. 2, 68 aus Marcellus cap. 25. (kl. schr. 2, 123). finn. sanajalka von sana wort und jalka fuß, also wortfuß, est. sonajalg . Böcler abergl. gebr. d. Esten 144. litth. bitkrĕsle bienenstul, tanacetum vulg. Nesselm. 226. 331. serb. pouratisch reinfarn, tanacetum crispum (pouratitise umkehren). altn. burkni filix, polypodium. schwed. bräken , vesterb. fräken , dän. bregne . außerdem altn. einstapi . Jonsson oldn. ordboc, norw. einstabbe einstape . Aasen 79 b . Nemnich s. v. pteris. schwed. ormbunke . den wilden varm treten. Parz. 444, 7. 458, 17. latentis odii filix excrevit. Dietmar (Pertz 5, 736). filex iniquitatis exaruit. das. Pertz 5, 742. der farnsamen macht unsichtbar . Wolfs zeitschr. 2, 30. we have the receipt of fernseed ; we walk invisible. K. Henry IV. 2, 1. schwed. osynlighets gräs. wie nach Conrad von Würzburg farnsame den scheiden (schaidvisch. Beheim 281, 28), wird buglossa, von der alle blindgebornen thiere erblinden sollen, den fischen gestreut. Rudl. 12, 13. 1 b . 28. 32–48. man erwartet farnsamen , nachdem man nackt auf einen kreuzweg getreten ist und ein schnupftuch ausgebreitet hat. 10 ehen 235. in der Christnacht ging sonst hoch und nieder in den farnsamen . da kann man sich alles wünschen, was man will, der teufel muß es bringen. nach dem wend. volksl. 2, 271 a blüht es Johannismittag. wer in der blüte besitz kommt, vor dessen augen liegen alle schätze der erde sichtbar da, und er kann ihrer herr werden. vgl. das sloven. räthsel: kaj zvete bres zveta? was blüht ohne blüte? antwort: praprot . nach der Tiroler volksglauben sieht sich, wer auf eine irrwurz tritt, augenblicklich auf einen schindanger oder in einen sumpf versetzt. eine sage vom irrkraut in Stöbers neujahrstollen 32. 33. vgl. lett. lieder bei Büttner no. 1593. 1912. . Ahd. pîpôz artemisia (Graff 3, 22 an unrechter stelle und falsch geschrieben), mhd. bîbôz (:grôz) Ls. 2, 526, nhd. verderbt in beifuß , und danach nnl. bivoet ; schon gl. Jun. 406 bifuz . der name scheint echt deutsch und von pôzan cudere gebildet wie anapôz incus, mhd. anebôz, nhd. amboß, so daß nhd. beiboß gesprochen und geschrieben werden sollte. die bedeutung muß ungefähr die des nhd. beischlag sein, was bei Logau einen bastard ausdrückt. mutmaßliche alts. form wäre bîbôt, woran der lett. name bihbotes erinnert. das heutige nd. buk , bucke scheint trauliche verkürzung oder ist der finn. name pujo , esthn. poio , puijo verwandt? ; dän. bynke , schwed. aber gråbo (graunest). Wer beifuß im hause hat, dem mag der teufel nicht schaden. hängt die wurzel über dem thor , so ist das haus gegen alles üble und ungeheuere geschützt. Johannistag gürtet man sich mit beifuß und wirft ihn, unter sprüchen und reimen ins feuer (s.  514 ), daher die namen Johannisgürtel , sonnenwendgürtel, gürtelkraut , franz. herbe de s. Jean. die wurzel wird feierlich gegraben, in kränze gewunden, umgehangen und von jedem, mit dem unfall den er an sich hat, in die flamme geworfen. Wer beifuß an sich hängt, ermüdet nicht auf der reise . Megenberg 385, 16. dies letzte ist nach Plin. 26, 89: artemisiam alligatam qui habet viator negatur lassitudinem sentire. auch die ἑρμηνείαι παλαιαί (ed. Sillig s. 212): ἀρτεμισίαν τὴν βοτάνην εἴ τις ἔχει ἐν ὁδῷ, λύει τὸν κάματον. ags. heißt die artemisia mucgvyrt , engl. mugwort , 1014 muggon : viđ miclum gonge ofer land þŷlæs he teorige, mucgvyrt nime him on hand , ođđe dô on his scô , þŷlæs he mêdige, and þonne he niman ville ær sunnan upgange, cveđe þâs vord ærest: tollam te, artemisia, ne lassus sim in via. gesegna hie þonne þû upteo. Rob. Chambers theilt s. 34 schottische sagen von ihrer heilkraft mit. Als ein mädchen in Galloway beinahe der schwindsucht erlag und alle an ihrer rettung verzweifelten, sang eine meerfrau, die dem volk oft heilsamen rath ertheilte: wad ye let the bonnie may die i' your hand, and the mugwort flowering in the land! alsbald pflückte man das kraut und gab der kranken den saft davon, und sie ward hergestellt. Eine andere jungfrau war an dieser krankheit gestorben und ihre leiche wurde am hafen von Glasgow vorbeigefahren, da streckte die mermaid das haupt aus dem wasser, und rief mit langsamer stimme: if they wad drink nettles in march,     and eat muggons in may, sae mony braw maidens     wadna gang to the clay. Warum sollte nicht schon ein goth. bibáuts gegolten haben? daß die Gothen eigne, bedeutsame namen der kräuter und sträuche besaßen, erhellt aus den vom gr. wort abweichenden übertragungen bei Ulfilas. βάτος, rubus gibt er durch aíhvatundi Marc. 12, 26. Luc. 6, 44. 20, 37, worin aíhvus equus, tundi fomes (vgl. ahd. zuntara, nhd. zunder) stecken mögen; συκάμινος báinabagms Luc. 17, 6, was beinbaum sagt, und noch heute heißt der hartriegel (ahd. hartrugil oder harttrugil? Graff 5, 501) beinholz. die ursache beider benennungen ist uns aber verloren Nachtrag: Artemisia , franz. armoise , altfrz. ermoize heißt in Champagne marrebore oder marreborc (? marrubium), was la mère des herbes bedeuten soll (Rutebeuf 1, 257), wie auch bei Macer artemisia herbarum mater heißt. in Rutebeufs dit de l'erberie 1, 257 ist ermoize das beste heilkraut. les fames sen ceignent le soir de la s. Jehan et en font chapiaux seur lor chiez et dient que goute ne avertinz ne les puet panre n'en chiez, n'en braz, n'en pie, n'en main; mais je me merveil, quant les testes ne lor brisent et que li cors ne rompent parmi, tant a l'erbe de vertu en soi. der deutsche name der pflanze kommt als mannsname Peybos a. 1330. Bamberger verein 10. 107 und Beypoz a. 1346. 1357. das. 10, 129. 136. 138. 145 vor. schon Schannat no. 348 kennt den mannsnamen Beboz vgl. kl. schr. 2, 399. Dronke trad. fuld. 420. beypoß , artemesia. vocab. theuton. Nuremb. 1482. d. 7 a . attamesia byfuyß . vocab. ex quo Eltuil 1469, in demselben auch ›incus eyn anfuße‹. f in by-, anfuß scheint mittelrheinisch. bismolten artemisia est nomen herbe volgariter byfus in ander sprach bock. voc. incip. teuton. bibes ist ain crut. wer fer welle gaun, der sol es tragen, so wirt er nit müd sere uf dem weg. der tüfel mag im och nit geschaden und wo es in dem hus lit, es vertribt den zober. heilmittelbuch v. j. 1400 in der Gieß. hs. no. 992. bl. 128 b . artemisia beyfuß , sonnenwendel . Joan. Serranus diction. latinogerm. Nürnb. 1539. 66 b . in dem bifŷs . Mone anz. 1834, 337. aberglaube über beifuß. Panzer beitr. 1, 249. die Johanneskohlen (goldsteine) findet man am Johannistag von mittag auf die vesper unter dem beyfuß . alias non inveniuntur per annum. Mone anz. 7, 425. bei Hattemer 3, 597 a ist artemisia zimber , zimbira . Nemnich s. 466 hat hergotthölzel dafür. Ags. tagantes (tragantes, τραγάκανϑα?) helde artemisia. Mones quell. 320 a . vgl. helede anm. 2956 . Ahd. stapawurz , stabewurz abrotanum. Graff 1, 1052. Sumerl. 60, 2. nhd. stabwurz . alts. stafwurt dictamnum. Diut. 2, 192. Bei Hattemer 1, 314 a. b heißt artemisia buggila . Mone 8, 400. bugel das. 6, 220. bugge 8, 405. buggul . voc. opt. s. 51 a . φασὶ δὲ ἐν ταῖς ὁδοιπορίαις μὴ παρατρίβεσϑαι τοὺς βουβῶνας, ἄγνου ῥάβδου ἢ τῆς ἀρτεμισίας κρατουμένης. Dioscor. 2, 212. gallisch heißt sie πονέμ, dakisch ζουόστη (vgl. ζωστήρ gürtel). GDS. 208. Diefenbach celt. 1, 172. ir. mugard , ags. mucgvyrt . GDS. 708. böhm. černobyl , poln. czarnobyl , sloven. zhernób schwarzkraut. serb. boshje drutze göttliches bäumchen. Zu den angeführten gothischen pflanzennamen kommt noch vigadeinô τρίβολος ( anm. 2950 ). über equisetum vgl. Potts comm. 2, 27. Ahd. grensinc nymphaea, potentilla, clavus Veneris. Graff 4, 333. mhd. grensinc . Mone anz. 4, 244. 246. der spruch in einer Stockholmer hs. lautet: Unse leve vrowe gink sik to damme, se sochte grensink den langen . do se en vant, do stunt he un bevede . se sprak: ›summe den soten Jesum Crist, wat crudes du bist?‹ ›junkfrowe, ik hete grensink, ik bin das weldigeste kint . ik kan den kettel kolen, ik kan alle dink vorsonen, ik kan den unschuldigen man van dem galgen laten gan; de mi bespreke un ineges dages up breke, dem were god holt und alle mannen, kunne un golt sulven in den namen des vaders un des sons‹ u. s. w. stammt grensinc von grans prora, weil vor dem schiffe wachsend? Klee , trifolium, engl. clover , dän. klever . nübblättlets klee s.  903 . bedeutsam ist zumal vierblättriger s.  952 . klewer veer . Müllenhoff s. 410. 557. klee fünfblatt . bretagn. märch. 89. 93. kleeblatt und wein senden. arch. von Unterfranken 4, 3, 169. der klee heißt bair. himmelkraut . schön blüets himelkraut . Schm. 2, 196 vgl. himelblüe regenbogen, himelbrand ( anm. 2922 ). hergottsbrot , kleeblütenhaupt. Schm. 2, 231. vgl. brosamkraut . abergl. 369 . gotisampher alleluja. Sumerl. 54, 35. isl. smâri trifolium album. jütländ. smäre . altn. greisugras trifolium fibrinum, gegen kolik und mutterweh ( anm. 2860 ). schwed. väpling . aberglaube vom fyrväpling , femväpling bei Dybeck 1848 s. 22. gall. visumarus . Diefenbach 1, 46. ( anm. 2916 . kl. schr. 2, 156. 171). ir. shamrock , bei Obrien seamrog. (kl. schr. 2, 156). GDS. 302. welsch meillionen , armor. melchen , melchon . klee wird beim persischen opfer gebraucht. Herod. 1, 132. . Hederich ist kein alter name, sondern erst dem lat. hedera nachgebildet, nur daß darunter nicht epheu, vielmehr hedera terrestris gemeint wird, Linnés glechoma hederacea, ein unkraut mit kleinen blauen blumen. seine echte benennung lautet gunderebe , gundelrebe , donnerrebe , gundermann , ahd. gunderreba acer (Graff 2, 354), was nicht ahorn sein kann, auch steht gundereba immer unter den kräutern. sie galt für heilkräftig und gegen zauber schützend, beim ersten austrieb auf die weide werden die kühe durch einen kranz von gundermann gemolken, und wer einen solchen auf dem haupte trägt vermag die hexen zu erkennen (abergl. 462 . 463 ). gund führt auf die alte valkyrie (s.  350 ), donner auf die blaue farbe des blümchens und auf Donar . dazu tritt daß den Letten der hederich pehrkones heißt nach Pehrkon dem gott. das böhm. ohnica (von ohen feuer) gilt dem gelben, ganze äcker überziehenden hederich; ruft man den bäuerinnen, die ihn im feld jäten, hederich zu, so schelten sie Nachtrag: Gundermännlein , gundelrebe glechoma hederacea, ein kleines blaues blümchen, dagegen ist ahd. gundereba acer, ahorn (Graff 2, 354), gunderebe acer, balsamita. Mone 7, 600. in einem segen heißt es: guntreben gêr (schößling), ich wirf dich auf in die wolken! Mone 6, 468. . Eine art der scabiosa beifst succisa und morsus diaboli , teufelsbiß , teufelsabbiß , engl. devils bit , dän. diävels bid , böhm. čertkus, čertůw kus, russ. djabolshoe ukuschenie, sonst auch russ. tschertow paletz (teufelsdaume), poln. czartowe zebro (teufelsrippe). die wurzel ist unten stumpf, wie abgebissen. Oribasius sagt, daß 1015 mit diesem kraut der teufel solchen unfug trieb, daß die mutter gottes erbarmen hatte und ihm die macht benahm. ergrimmt biß er die wurzel unten ab , und so wächst sie noch heute des tages. wer sie bei sich trägt, dem vermögen teufel und böse weiber nicht zu schaden. Nach andern biß der teufel sie ab, weil er ihre heilkraft den menschen nicht gönnte. Gräbt man sie mitternacht vor Johannis, so sind die wurzeln noch unabgebissen und verjagen den teufel. unter den tisch geworfen bewirkt sie, daß die gäste sich schlagen und zanken Nachtrag: Morsus diaboli, teufelsbiß . s. Dybeck 1845, 52. Ags. ragu , engl. ragwort . gl. mosicum, mossiclum, vielleicht mosylicum. sonst ist ragu robigo. Lye hat noch Cristes maeles ragu, Christi crucis mosicum, herba contra ephialten valens. Schubert s. 197 ragwurz orchis. Serb. stidak caucalis grandiflora, die verschämte, schamhafte. die pflanze hat weiße blüte und in der mitte ein wenig roth. dies roth, erzählt man, war anfangs größer und wurde jeden tag kleiner, es blieb keine scham unter den leuten zurück. Vuk s. v. Holder über sich oder unter sich geschelt und eingenommen wirkt erbrechen oder laxieren. Judas 1, 169. Lycopodium complanatum, altn. jafni , schw. jemna , dän. jävne , vesterb. jamm . . Einige kräuter heißen nach menschlichen eigennamen. Bertram und schon ahd. Perhtram (Graff 3, 349), mhd. Berchtram Ls. 2, 526 entspringt aus pyrethrum und soll dem fremden wort deutschen klang verleihen. merkwürdiger scheint die herba boni Henrici (chenopodium), auch bloß bonus Henricus genannt, gut Heinrich ; stolz Heinrich (atriplex); roth Heinrich (abergl. 1002 ). ich erkläre sie aus den vorstellungen von elben und kobolden, die gern Heinz oder Heinrich heißen (s.  416 . 417 ), was hernach auf teufel und hexen übergieng (s.  838 . 888 ), solchen dämonischen wesen schrieb man die heilkraft des krautes zu. selbst die, ihrem ursprung nach, unerforschte sage vom armen Heinrich könnte mit einem kraut zusammenhängen, das den aussatz heilte. die herba boni Henrici soll gerade gegen diese sucht angewendet worden sein. Wurde einem kraut allgemeine heilgabe für alle übel zugeschrieben, so hieß es wie Galliern der mistel olhiach , uileiceach , den Griechen τὸ πάνακες, ἡ πανάκεια, woraus sich eine tochter des Asklepios Πανάκεια personificierte. in unsrer sprache finde ich keinen pflanzennamen allheil, allheila, wol aber selpheila (euphrasia) Graff 4, 864 und die kräuter heilallerwelt (Achillea, millefolium), heilallerschaden (supercilium Veneris), auch allermannharnisch und neunmannskraft . bedeutung der neunzahl zeigt sich nicht minder darin, daß man neunerlei blumen zum kranze wand. heilhoubito (Graff 4, 759) ist hermodactylus, ich weiß nicht welche pflanze, sie heißt aber auch huntlouch (Graff 2, 143) Nachtrag: Ein kraut von allgemeiner heilgabe für alle übel ist hailallerwelt agrimonia. Mone 8, 103. aller frowen heil . MS. 2, 48 a . guotes mannes heil . Haupts zeitschr. 2, 179. Lisch meklenb. jb. 7, 230. vgl. die salbe mannes heil Iw. 3452. Er. 7230. . Zwei kräuter stehn in der formel alliterierend neben einander: doste und dorant (origanum, antirrhinum). ahd. dosto (Graff 5, 232); der echte ausdruck für das, was wir jetzt wilden majoran, thymian nennen oder wolgemut , böhm. dobrámysl . für dorant kommt auch vor orant , nach einigen soll es nicht antirrhinum, vielmehr marrubium sein, ahd. gotfargezzan . vor beiden kräutern fliehen wichtel und nixen; darum heißt es: ›hättestu nicht dorant und dosten , wollt ich dir das bier helfen kosten!‹ ›heb auf dein gewand, daß du nicht fallest in dosten und dorand! ‹ ›stoß mir nicht an den durant , sonst kommen wir nimmer in unser vaterland‹. DS. no. 65. Jul. Schmidts. 132. Redeker no. 45 Nachtrag: Dorant scheint entstellt aus andor, andorn marrubium. hemd im blauen tharand schleppen. n. preuß. prov. bl. 8, 229. dorant heißt gothl. tarald , äggling, ett gräs för hvilket trollen tros sky. Almqv. 464 a . heb auf dein gewand, daß du nicht stößest an den weißen orand! mnl. orant . Mone 6, 448. holst. gäler orant . Müllenhoff no. 425. ein kraut das heißt: sei wolgemut . Hoffm. gesellschaftsl. 136. die braune wolgemut . Ambras. lied. s. 212. poln. dobry mysli . man muß die pflanze schnell brechen und bergen: ἐμμαπέως τὸν ὀρίγανον ἐν χερὶ κεύϑει . Athen. 1, 262. ὀρίγανον βλέπειν . Aristoph. ran. 604, sauer sehen wie einer der origanon gebissen hat. Porst , porse wird den gästen unter den tisch gestreut, um ihre eßlust zu wecken. Fries udfl. s. 109. 110. vgl. borsa myrtus. Graff 3, 215. . Neben doste pflegt auch hartheu (hypericum), das einige harthun nennen (s.  860 ) die geister zu scheuchen: ›doste, harthau, weiße heid thun dem teufel alles leid‹. hypericum perforatum, fuga daemonum , teufelsflucht Nachtrag: Ahd. harthouwi (Graff 4, 708) scheint das hartenaue , das das mädchen ›murklet‹, um zu erfahren, ob ihr geliebter sie liebt. Firmenich 2, 234. Fiedler Dess. volksr. 98. dies hypericum perforatum ist in Schweden nothwendig unter den neunerlei blumen des mittersommerstraußes. Runa 1844 s. 22. 23 wird das pflücken beschrieben, man legt es unters kopfkissen und achtet auf den traum. auch die pflanze mit dem saft Johannisblut (Müllenhoff s. 222) ist das hartheu. Schubert p. m. 184. Schütze holst. id. 1, 117. 118. Ahd. reinfano (Graff 3, 521), schwed. renfane , tanacetum scheint den elben heilig (Fries udfl. 1, 109) und hilft bei schweren entbindungen. bedeutet der name eine an grenzörtern wachsende pflanze? vgl. reinfarn . kl. schr. 2, 44. . 1016 Widertân (adiantum) mit dem part. von tuon gebildet, später in widerthon , widertod verderbt, die echte form hat noch G. Frank bei Schm. 4, 34. das kräuterbuch sagt: damit wird viel abenteuer getrieben, das lassen wir als narrenwerk und teufelsgespenst fahren. heißt auch jungfrauhaar und ist schön goldfarb. es haben die alten weiber viel fantasei mit kräutern und sprechen, das rothe steinbrechlin (saxifraga) mit den linsenblättlin heiße abthon , das nacket jungfrauhaar heiße widerthon und mit beiden können sie nach ihrem gefallen ›abthon‹ und ›widerthon‹. Soll das sagen: mannheit nehmen und geben? dann ständen sich abetân und widertân gegenüber, wie zubringen und abbringen s.  898 ; Frisch hat 1, 5 b abthon trichomanes, polytrichon, und 2, 446 b widerthon lunaria, thora salutifera Nachtrag: Ist widertân ursprünglich widardono und wie älfþona gebildet? doch hat Sumerl. 55, 49 wedertam . die feldmaus bei Rollenhagen, von der stadtmaus besucht, ›legt hin ein bündlein widderthan , das glenzet wie ein roter maen‹ (mohn). widerthonmoos ist polytrichum commune. Schubert p. m. 210, das sonst auch goldnes frauenhaar heißt. (vgl. das heilige waldmoos bei den Samogiten und die besonderen götter dafür. Lasicz 47.) Frisch 2, 446 b nennt, wie angeführt, widerthon eine lunaria, die osmunda lunaria heißt ankehrkraut , das den kühen gute milch verschaffen soll. grüß dich gott, ankehrkraut ich brock dich ab und trag dich nach haus; wirf bei meinem kuhel fingerdick auf!   Höfer 1, 36. . Einige kräuter, plantago und proserpinaca, heißen danach, daß sie am wege sprießen (proserpunt) und den fußtritten ausgesetzt sind, ahd. wegarih (Graff 1, 670) nhd. wegerich; ahd. wegapreita , ags. vegbræde , engl. waybrede , dän. veibred ; ahd. wegaspreiti (Graff 6, 395): ahd. wegatreta ; umbitreta (Graff 5, 522) nhd. wegetritt ; ahd. wegawarta , nhd. wegewarte , was man auch auf cichorium zieht. Es gibt davon einige mythen: das kraut soll eine jungfrau gewesen sein, die ihres liebsten am wege wartete (s.  690 ), gleich Sigunen (Tit. 117. 118). Paracelsus (opp. 1616. 2, 304) bemerkt, daß die blumen der wegwarte sich nach der sonne neigen und ihre kraft im sonnenschein am höchsten sei, ihre wurzel aber nach sieben jahren sich in eines vogels gestalt wandle Nachtrag: Wegwîse solsequium bei Albr. v. Halberst. 129 b . wegeweis cichorium intybus. Nemnich. vgl. ags. fortredde wegetritt. dâ wênic wegerîches stuont. Parz. 180, 7. der wegerich heißt auch wegluge . Stald. 2, 439 von luogen und Hänslein beim weg . oder häuslein bei dem weg? wie in Fischarts onomast. 221. serb. ist bokvitza plantago von bok latus, seite, böhm. čekanka von čekati warten. dicitur quod tres rami corrigiolae (wegetritts) collectae in nomine trinitatis et cum oratione dominica et suspensi in panno lineo maculam oculi sine dubio tollunt. Mones anz. 7, 424. das edle kraut wegwarte macht guten augenschein. Ambras. lieder s. 18. item es spricht alwärtus die wegwartwurtzeln soltu niecht essen so magstu nit wund werden von hauen noch von stechen. Gießer papierhs. no. 1029. vgl. unten s.  1039 . ›advocati consueverunt se munire sambuco et plantagine ut vincant in causis‹ ist böhmisch vgl. anm. 2265 . An diese namen klingt das goth. vigadeinô tribulus an, wie vielleicht das gr. βάτος zu βαίνω gehört und lat. sentis mit dem goth. sinþs via verwandt ist. doch vgl. kl. schr. 5, 451 ff. GDS. 211. . Lauch , ahd. louh, ags. leác, altn. laukr ist allgemeine benennung saftiger kräuter; einige arten scheinen heilig gewesen zu sein. allium caepasque inter deos in jurejurando habet Aegyptus. Plin. 19, 6. Als Helgi geboren war und Sigmundr sein vater aus der schlacht kehrte, heißt es Sæm. 150 a : sialfr gêck vîsi or vîgþrymo ûngom fœra îtrlauk grami. Völs. saga cap. 8: Sigmundr var þâ kominn frâ orrostu ok gekk međ einum lauk îmôt syni sinum, ok hermeđ gefr hann honum Helga nafn. îtrlaukr ist allium praestans, allium victoriale: es erhellt nicht, ob der könig als heimkehrender sieger lauch trug, oder weil es sitte war beim namengeben ihn zu tragen. keinen dieser gebräuche erläutert das übrige alterthum. man warf lauch in den gesegneten becher. Sæm. 195 b Nachtrag: Vom lauch sagt ein altn. räthsel: höfđi sînu vîsar â helvegu en fôtum til sôlar snŷr, worauf Heiđrekr antwortet: höfuđ veit î Hlôđynjar skaut en blöđ î lopt. fornald. sög. 1, 469. vgl. die βολβοί in Aristoph. nub. 187–193. › sâralauk siođa‹ bedeutet schwertschmieden. a. o. 1, 468. mit dem lauch wird geweissagt. Dybeck 1845. s. 61, lauch vertreibt böse geister. Fries udfl. 1, 109. hauslauch sempervivum tectorum, schwed. taklök, auf dächer gepflanzt, schützt gegen unheil. vgl. Fries 1, 110. radix allii victorialis heißt neunhömmlere . Stald. 2, 236. Nemnich neunhemmerlein , siebenhemmerlein . hierher gehört der ahd. name surio , surro m. cepa, porrum. Graff 6, 273. . Die sorbus heißt altn. reynir , schwed. rönn , dän. rönne : es ist ein heiliger strauch, weil ihn Thôrr im strom faßte und sich daran hielt, weshalb gesagt wird: › reynir er biörg Thôrs ‹ sorbus auxilium Thori est. Sn. 114. Noch heute glaubt man in Schweden, daß ein stab von diesem rönn gegen zauber sichere, und am schif hat der gemeine mann gern irgend etwas von rönnholz gemacht, zum schutz gegen sturm und wassergeister, flögrönn dient zu geheimen künsten. Afzelius 1, 19 Nachtrag: Der vogelbeerbaum, altn. reynir, schwed. rönn, dän. rönn (Dybeck 1845, 62. 63), heißt auch wilde esche, sperberbaum, e. rowantree , ags. vice plattd. kwicke . Wolf zeitschr. 2, 85. vom pilberbaum (sorbus aucuparia) werden gern stäbe gemacht. Possart Estl. 163. finn. pihlava sorbus wird an heilige stellen gepflanzt. pihlajat pyhille maille. Kalev. 24, 71. 94. Renvall s. v. pihlawa. . 1017 Den Serben sind samdokas und okolotschep kräuter, die in liebestränke gemischt den liebhaber zwingen zu der geliebten zu kommen. ustuk , ein kraut und der spruch, den die zauberin hersagt, um ein übel zum weichen (ustuknuti) zu bringen. Vuk s. vv. Trojziele (dreikraut) heißt den Polen eine wunderbare pflanze mit blauen blättern und rothen blumen: sie flößt liebe ein, macht vergessen und versetzt schnell wohin man will volkslieder der Polen gesammelt von W. P. Leipz. 1833. s. 90. Nachtrag: Habmichlieb und wolgemuot sind kräuter, aus denen kränze gewunden wurden. Hätzl. 15 b . ein krenzlîn von wolgemuot ( anm. 2948 ) ist für sendez trûren guot. ebendas. 162 b . 163 a . . Im gedicht von Elegast 763 ff. kommt ein ungenanntes kraut vor, das man nur in den mund zu legen brauchte, um zu verstehn was die hähne krähen und die hunde bellen . Wer, nach Villemarqué 1, 62, zufällig auf das goldne kraut (s.  1010 ) tritt, entschläft alsbald und versteht die sprache der hunde, wölfe und vögel . Anderwärts hängt das verständnis der vögelsprache ab vom genuß einer weißen schlange (s.  820 ), in der edda von dem des drachenherzens. ein märchen läßt einen drei jahre lang erlernen was die hunde bellen, die vögel singen, die frösche quaken ags. kräuternamen, so bald sie einmal aus den handschriften critisch herausgegeben sein werden, versprechen reiche ausbeute für die mythologie, wie ich schon in einzelnen beispielen dargelegt habe. hier noch einige dunkle namen. pulegium (polei) dveorges dvostle (dvosle. dvysle) führte ich s.  371 an, wenn das altn. dustl, levis opera, vielleicht quisquiliae, dustla everrere hinzu genommen werden darf, zwerges kehricht; collancrôg ist achillea oder nymphaea, womit ich collenferhđ, stolzmutig, aus den gedichten vergleiche, also stolzer crocus (ahd. kruogo) oder krug (lagena), jenachdem man das zweite wort versteht: älfþona , ich weiß nicht welche pflanze; vulfes comb (lupi pecten, crista) chamaelea; foxes glôfa (vulpis chirotheca) ist buglossa, ahd. hrindeszunga; hindheleđe paeonia, engl. hindhele, scheint cervam celans, defendens und heleđe; oder heolađ, wie auch geschriehen steht, mit heolođhelm (s.  383 ) vergleichbar, Lye führt ein beáhheolođe auf; cneovholen bald ruscus, bald victoriale, d. i. herba victorialis, idaea daphne, engl. kneeholly, kneeholm; hvâtend iris illyrica, erinnert an hvâtunga omina, auguria. geormenleáf , eormenleáf , geormanleafa oder hocleafa (Haupts zeitschr. 9, 408) malva wäre ahd. irmanloup (oben s.  291 ). Die ahd. namen bei Graff 1, 1050. 1051. 3, 863–72 ziehen minder an, und sind unvollständiger auf uns gekommen Nachtrag: Den angeführten ags. pflanzennamen älfþona erklärt das wort þona oder þone , palmes, pampinus, vgl. ahd. upardono sudarium. ist albdono also ein von den elben gebreitetes tuch? wenn älfþone fem. und ahd. albdona ist, so ist dona pampinus, dohne, schlinge, ranke = alfranke (s.  371 ). Haupts zeitschr. 5, 182. ags. helde heißt auch ambrosia. ist ags hvâtend iris illyrica soviel als weissagende blume? denn Iris ist götterbotin, regenboge und pflanze, welche slav. Perunica , donnerblume heißt. finn. wuohen miekka caprae ensis ist auch iris, schwertlilie. Andre bemerkenswerthe ags. kräuternamen sind folgende: oxanslippa , primula veris, engl. oxslip , cowslip , dän. oxedriv , kodriv , schwed. oxelägg . hundesfreá centauria. eorforþrote apri guttur, scilla. lustmôce , ros solis, Nemnich drosera, bei Stalder 1, 336 egelkraut. ags. mädere venerea. Mones quellen 320 b . Lye hat mäddere rubia, engl. madder krapp, Barnes s. v. madders or mathers anthemis, cotula. metere febrifuga. Sumerl. 56, 58. (melissa metere 57, 59) ( anm. 2998 ). muttere , mutterne caltha. Stalder 2, 226. finn. matara , mattara . lus gun mhathair gun athair (blume ohne vater und mutter) a plant resembling flax, which grows in springs. Armstrong 368 b . ags. veođobend cyclamen convolvulus, e. woodbind , withebind , mnl. wedewinde . Maerl. 3, 205. vgl. weendungel : ik kenne dat kruud, sede de düvel, do hadde he weendungel freten. brem. wb. 5, 218 (ags. þung , pl. þungas aconitum, helloborus). ags. mageđe , magođe buphthalmus. vgl. e. haymaiden a wild flower of the mint tribe (Barnes). biaconweed chenopodium, e. goosefoot (Barnes). ags. gloden caltha, auch gladene , glädene . ags. bođen lolium vgl. beresboto zizania und merespoto . Graff 3, 81. ags. lelođre lapathum. geareve millefolium, ahd. garewâ. ags. äđelferding , äđelfyrding , wundheilende pflanze von ferd, fyrd exercitus, bellum? brôđervyrt herba quaedam strictum pectus et tussim sanans. Lye. gehört halsvyrt narcissus zu hâlsian? Eigenthümliche ahd. pflanzennamen sind: olsenich . Mone quellen 285 b . olsnic baldimonia, herba thuris. Sumerl. 55, 11. 57, 26. Ducange s. v. ramesdra . Graff 2, 512. striph , stripha . Graff 6, 751. ertgallâ , ags. eorđgealle centaurea major, kornblume. hrossehûf . Graff 4, 1180. dazu die pflanzenbezeichnungen in den wiesbader glossen. Haupts zeitschr. 6, 323 ff. noch lebende namen sind: brändli satyrium nigrum. Stalder 1, 216, klein, aber duftend. es ist roman. waldser , valser . Mone anz. 1839, 391 (gerbrändli?) vgl. waldmeisterlein asperula odorata, wofür mnl. walmêster . Mone 6, 448. herba matris silvae , walach. mama padura , waldmutter, waldfrau. Schott 297. mannskraft geum urbanum. hess. zeitschr. 4, 81. tag und nacht . ebendas. 4, 94. Sumerl. 58, 29. skr. dies et nox in einem wort. Bopps gl. 27 b . poln. dzien i noc , melampyrum nemorosum. Linde 1, 595 a . partunnikraut stachys alpina. hess. zeitschr. 4, 84. brauttreue erica, wird roth gefärbt. Wächter s. 13. braut im haar . Sommers sagen s. 61. berufskraut anthyllis vulneraria. ebendas. s. 61. vermeinkraut , frauenhaar. Schmeller 2, 587. vgl. beschreikraut (s.  1000 ). eisenbreche , sferracavallo (s.  813 ), engl. moonwort (lunaria). Hones yearb. 1551. mausöhrlein , mousear, herba clavorum, nagelwurz, wobei sich die rosse beschlagen lassen. ebenda 1550. rang  = teufels zwirn. Vilmar in d. hess. zeitschr. 4, 94. drutenmehl , hexenmehl , semen lycopodii, womit man die wunden kinder bestreut. windhexe , ein steppenunkraut, russ. perekatipole, springinsfeld, deren distelartige bälle im wind fliegen. Kohls Südrussl. 2, 113. 114. . Nachtrag: Eine vom meerweib auf unnahbarem berge gegrabene wurz macht, daß, wer sie ißt, die wilden thiere, vögel und fische versteht. Haupts zeitschr. 5, 8. 9. ein von ungefähr gebrochenes kraut eröfnet dem, der es trägt, den sinn und die rede andrer . Ls. 1, 211. 218. das kerbelkraut verblendet oder macht doppelsichtig . Garg. 148 a . Ges. Abent. 2, 267. wer das kraut assidiose in der hand trägt, gebietet geistern. Tit. 6047. wenn der thau im mai auf das kraut parbodibisele niederfällt, so kann man gold in ihm härten. Tit. 3698. 3699. man läßt das vieh drei blühende blumen fressen, worunter auch die blaue , daß es nicht in den berg verführt werde. Haupts zeitschr. 4, 505. . Viel weniger mythisch als kräuter sind Steine , obschon edle von den gemeinen, wie bei jenen, unterschieden werden. denn die steine wachsen nicht so lebendig und sind nicht so zugänglich wie die pflanzen; der blume kann jeder hirte und wandersmann in wald und auf wiese nahen, die edelsteine werden nicht in unserm boden gezeugt, sondern dem schoß der erde abgewonnen, aus weiter ferne eingeführt. bedeutsam galt daher kräuterkunde für heidnisch, steinkunde für jüdisch (s.  996 ); jüdische, maurische handelsleute holen die edelsteine aus dem morgenland. wunder und heilkraft der edelsteine waren im mittelalter frühe bekannt, nie aber volksmäßig, und darum gibt es fast auch keine deutschen namen und sagen dafür. dies verhältnis kann also zur bestätigung der heimischen mythen von den pflanzen gereichen. aus Marbods, 1018 Evax, Albertus magnus und anderer weitverbreiteten werken über die edelsteine gieng so wenig haftende sage unter das volk als aus Walahfried oder Macer Floridus, die von kräutern gelehrt und trocken, wie ärzte, meldeten. auch des Plinius nachrichten im 36 buch scheinen auf unsern aberglauben gar nicht eingeflossen zu sein man erwäge die dürren aufzählungen Parz. 791 und fragm. 45 c . anziehender ist ein gedicht von Stricker (b. Hahn 44–52); dem Eraclius wohnte steinkunde bei (Maßm. s. 468–473). . Dennoch gibt es einzelne althergebrachte mythen. die edda nennt einen heiligen iarknasteinn Sæm. 137 b 139 a 213 a 238 d , der beim kesselfang in das heiße wasser geworfen wurde, und den der künstliche schmied Völundr aus kinderaugen fertigte. das ags. eorcanstân glossiert margarita und topazion, im cod. exon. 73, 27. 238, 12. 478, 7 hat es den allgemeinen sinn von edelstein, eorcnanstân scheint verderbte form. der entsprechende goth. name aírknastáins , ahd. erchanstein darf sicher vermutet werden, da goth. aírknis echt, heilig ausgedrückt und ahd. erchan in andern zusammensetzungen übrig ist (Graff 1, 468). es scheint aber der eirunde milchweiße opal, der sonst auch orphanus , pupillus , mhd. weise heißt, und so köstlich war, daß er die deutsche königskrone schmückte. Albertus M. sagt: orphanus est lapis, qui in corona romani imperatoris est, neque unquam alibi visus est, propter quod etiam orphanus vocatur. est autem colore quasi vinosus, subtilem habens vinositatem, et hoc est sicut si candidum nivis candens seu micans penetraverit in rubeum clarum vinosum et sit superatum ab ipso. est autem lapis perlucidus et traditur quod aliquando fulsit in nocte, sed nunc tempore nostro non micat in tenebris. fertur autem quod honoreni servat regalem. Hätte das ahd. weiso schon die bedeutung des steins gehabt, so würde sie kaum den glossen fehlen. desto gangbarer ist sie den mhd. dichtern, seit die sage von herzog Ernst erscholl, der im fernen ausland mit seinem schwert den edelstein von einem felsen schlug und dem könig zur gabe darbrachte (z. 3604–23 und 5543 des liedes und in Odos lat. gedicht 6, 357). ›Philippe setzen weisen ûf!‹ Walth. 9, 15; ›schouwe wem der weise ob sîme nacke stê, der stein ist aller fürsten leitesterne‹. Walth. 19, 3 vgl. Helbl. 2, 881; ›der künec alsô den weisen hât‹. Ms. 1, 15 a ; ›wie si durch den berc har wieder kâmen, dâ sie der krône weisen inne nâmen‹. Ms. 2, 138 a ; ›den weisen ie vil hôhe wac der keiser und daz rîche, dur daz nie sîn gelîche wart unter manigem steine‹. Troj. 20; ›ich stich im abe den weisen ‹. Otto bart 314. man sehe auch die in Heinr. von Krolewitz V. U. bei Lisch s. 208 gesammelten stellen. Albert und Conrad erklären den namen daher, daß der stein ohne gleichen sei und wie der waise ohne verwandten stehe; so auch die glosse zu Ssp. 3, 60. in der spanischen krone befand sich ebenfalls eine prächtige perle, welche huerfana (waise) 1019 oder sola (einzige) hieß und bei der feuersbrunst des palastes 1734 verbrannte. franz. ist solitaire ein einzeln gefaßter diamant. Doch bricht eine tiefere mythische idee durch, die von Haupt in der zeitschr. 7, 278 bestritten wird. pupillus bezeichnet ursprünglich den kleinen, unmündigen knaben und geht dann in den begrif von orphanus über. pupilla und κόρη hingegen drücken mädchen und augapfel aus, in dem man das bild eines kindes wahrzunehmen glaubt (vgl. s.  903 ). Völundr schmiedet nun den iarknasteinn aus augen der getödteten knaben, der stein konnte pupilla oder pupillus heißen, also jenem orphanus begegnen, und so ward erchanstein zum weisen. Aus Thiassis augen wurden leuchtende sterne, alle sterne sind edelsteine des himmels; übergang auf den funkelnden stein ergibt sich leicht. Heinr. von Krolewiz will den himmel als ein haus schildern und bringt wiederum die augen mit dem weisen in beziehung (z. 1194. 1203. 1216) Nachtrag: Seltene steine heißen ›steine, die kein gebirge nie getruoc, noch diu erde brâhte für‹. Troj. kr. 2954. sie sind den Juden bekannt, wie denn ein solcher dem Alexander den stein zu bescheiden weiß. Alex. 7075 ff. der steinkundige Evax von Arabia kommt im Lanz. 8531 vor. grenzsteine , dreiherrnsteine werden vom volk zerstoßen und als heilsam eingenommen. Ph. Dieffenbach wander. 2, 73. andere heilkräftige steine erwähnt Lohengr. str. 652, schützende helmsteine Aspremont 20 a . 40 b . 41 a . ein stein, der alles sagt, wird norske folkeev. 1, 188 erwähnt, ein in mund genommener stein verleiht verständniss fremder sprachen. Otnit Ettm. 3, 32–25. Rhön 126, ein andrer wird in mund gelegt, um durch das wasser fahren zu können. H. Sachs 1. 3, 291 c . Simplic. 5, 12 s. 549. 548. es gab auch einen stein, der fliegen machte. Ges. Abent. 3, 212. 217. der schreckstein schützt vor schrecken: er hieng einen schreckstein an. pol. maulaffe 298. quattuor in cunctis sunt insita mythica gemmis, durities, virtus, splendorque colorque perennis.   Gotfr. viterb. p. m. 367 b . ring und fingerlein haben bloß kraft wegen der in sie gewirkten steine. ein vingerlîn, das zauberei verjagt und erkennen läßt. Lanc. 21451 ff. und unsichtbar macht (s.  726 ). so macht ein gürtel mit einem edelstein gesund. Bit. 7050–55. Des orphanus, der bei Megenberg fehlt, gedenkt Lessing 8, 175. 176. dem weisen gleicht der stein claugestian auf dem helm. Roth. 4947 ff. þaer se beorhta beág brogden vundrum eorcnanstânum eádigra gehvâm hlîfađ ofer heáfde . heáfelan lixađ þrymmê biþeahte. cod. exon. 238. his eágan ontŷnde, hâlge heáfdes gimmas . ebendas. 180, 7. is seo, eággebyrd (oculus Phoenicis) stâne gelîcast, gladum gimme. ebendas. 219, 3. hyaena bestia cujus pupillae lapideae sunt. gl. ker. 146. Diut. 1, 239. Reinharts augen sollen karfunkel sein. Reinh. 916 ff. oculus felis , oculus mundi , bellocchio heißt ein stein. Nemnich 2, 747. 748 a . augen werden durch edelsteine ersetzt. Martene thes. anecd. 4, 6 (Wachsmuth sittengesch. 2, 258). so leuchten in dem nachgemachten schädel des Servatius edelsteine statt der augen. schwed. ögnasten , ögonsten pupilla oculi = lapis oculi. dän. öiesteen . altn. augasteinn . ein augenstein ist auch Alexanders edelstein, der schweres gold aufwiegt, mit einer feder und ein wenig erde bedeckt aber in der wage aufschwebt. Lampr. Alex. s. 140–143. s. Schlegels mus. 4, 131–133. Gervinus 1, 549 (3. ausg.). pupus , κόρη ὀφϑαλμοῦ. Ducange s. v., auch morgen länd. ist der ausdruck: das mädchen des auges. aber auch das männchen des auges. Gesenius 2. aufl. vorr. XLIV. GDS. 127. . Die perle schon in den träumen vorbedeutsam mit der thräne verglichen entsprang nach dem mythus aus der Venus thräne, wie sich Freyjas thränen in goldtropfen wandelten (vorhin s.  999 ) nicht bloß der Freyja thräne wird zu gold, auch ein griech. mythus läßt das ἤλεκτρον aus den thränen der Sonnentöchter der schwestern Phaethons entspringen, sei es nun gold oder bernstein , succinum. für dieses kennen schon Tacitus und Plinius das deutsche wort glesum (gramm. 1, 58); ein altn. name lautet rafr Sn. 156. schwed. raf , dän. rav ; ags. glossen haben eolhsand electrum (bei Mone 1106 eolcfang). man vgl. Werlauffs gelehrte abh. vom bernstein Schleswig 1840 Nachtrag: Scythis succinum: sacrium (nicht satrium). Plin. 37. 2, 40. ubicunque quinta argenti portio inest (auro), electrum vocatur. Plin. 33. 4, 23. prûngolt electrum. gl. Sletst. 39, 391. litth. gintáras , gentaras , lett. dsinters , sihters bernstein vgl. ahd. sintar scoria. GDS. 233. est. merre kiwwi meerstein, finn. merikiwi. über die vermischung der begriffe bernstein und perle s. außer Schott berl. acad. abh. 1842 s. 361 noch Herm. Müller Griechenth. 43. poln. bursztyn. böhm. aĝŝteyn, akšten. mnl. lammertynstên succinus. . auch Väinämöinens zähren fallen als perlen ins meer (Kalew. rune 22). die perle ist folglich metall oder stein. unserm alterthum galt sie für einen im meer gefundnen stein, daher auch eorcanstân sie bedeuten konnte und selbst der lat. name unio an jenen sinn des unvergleichlichen waisen erinnert: in tantum ut nulli duo reperiantur indiscreti , unde nomen unionum romanae imposuere deliciae. Plin. 9, 35, 59; ideo uniones dictos quia nunquam duo simul reperiantur. Isid. or. 16, 10. Plinius fährt fort: nam id (nomen unionum) apud Graecos non est, ne apud barbaros quidem inventores ejus aliud quam margaritae . war aber perlfischenden barbaren das wort margarita , μαργαρίτης geläufig, so könnten es diesmal Römer und Griechen von deutschen stämmen entnommen haben, in deren sprache ahd. marigreoz , mhd. mergriez , alts. merigriota , ags. meregreot , meregrot völlig verständlich klingt und sabulum, calculus maris aussagt. zwar erscheint jetzt das goth. markreitus I Tim. 2, 9 nach μαργαρίτης und mit lautverschiebung gebildet, welchem ahd. marchrîz zu entsprechen hätte. entweder strebten die ahd. alts. ags. ausdrücke das fremde wort unsrer sprache nah zu bringen (was sonst gewöhnlich nur in einem dialect, nicht in dreien zusammen versucht wird), oder dem Gothen war ein marigriuts unbekannt, vielleicht ungefällig, so daß er den ausländischen namen nachahmte, der nun gar in unserm frauennamen Gretchen steckt. Das ahd. perala , berala , ags. pearl scheint 1020 aus beryllus, und trägt wieder den begrif gemmula auf das muschelgewächs über. man dürfte zu margarita auch das skr. marakata halten, welches σμάραγδος, μάραγδος bedeutet und diesem unmittelbar verwandt ist. die mhd. dichter brauchen mergrieze bald von sand, bald von perle: ›ûz der bühsen giezen stöubîne mergriezen‹ Trist. 4669; ›von glanzen mergriezen‹ Troj. 1446 Nachtrag: Die perle heißt altn. gimr m. gemma Sæm. 134 b , ags. gim oder altn. gimsteinn , ags. gimstân . zu dem mhh. ausdruck mergriez halte man ›daz griezende mer ‹. fragm. 45 c . der diamant wurde als krystallisiertes wasser aufgefaßt. ein wenig gefrornes wässerli. Anshelm 2, 21. fon diu wirt daz îs dâ zi christallan sô herta, sô man daz fiur daruber machôt, unzi diu christalla irgluot. merigarto 5, 25. vgl. îsînê steina (eissteine). O. I. 1, 70. kristall aus schnee. Diez leben der troub. 159. 165. über das skr. marakata vgl. Bopp gloss. 255. 259 b . 266 a . tschandrakârta , gemma fabulosa, quae radiis lunae congelatis nasci creditur. Bopp gloss. 118 a . . Wie erchanstein aus dem menschlichen auge entsprungen war, perle aus der muschel, scheinen auch andere edelsteine die phantasie des MA. angeregt zu haben, die in und aus thieren wuchsen. was Marbod cap. 24 vom lyncurius berichtet, ist Rudlieb 3, 101–127 weit ausführlicher zu lesen. auch diese leuchtenden luchssteine geziemen in den fingerring der königin, in die krone des königs. Andere sagen reden von kräftigen steinen, die sich im haupte des hahns , der natter und kröte erzeugen. im leib eines verschnittnen dreijährigen hahns wächst der alectorius (Marbod cap. 3): ›invictum reddit lapis hic quemcunque gerentem, extinguitque sitim patientis in ore receptus‹. nach dem mhd. gedicht muß der kapaun sieben, nach Albertus neun jahr alt sein. Das gedicht des Wiener cod. 428 no. 136 (Hahns Stricker s. 48) von edelsteinen nennt aber den schlangenstein als eigentlich siegverleihenden : ich hœre von den steinen sagen, die natern und kroten tragen, daz grôze tugend dar an lige. swer si habe, der gesige; mohten daz sigesteine wesen, sô solt ein wurm vil wol genesen, ders in sînem lîbe trüege, daz in nieman erslüege; den hahnstein den durststillenden: man sagt von hanensteinen swer ir in munt nem einen, daz er guot vür den durst im sî. der heiligen schlange und natter , die goldkronen trägt (s.  571 . 572 ) und edelsteine (gesta Rom. ed. Keller s. 68. 152), scheint der siegstein mehr als dem hahn beizulegen. Albertus führt einen stein borax an, den die kröte auf dem kopfe trage, ohne ihm wirkung des siegs zuzuschreiben: borax lapis est qui ita dicitur a bufone quod in capite ipsum portat. Otnit, Mone 557. 558. Ettm. s. 91 heißt die kröte hebräisch : ez ist ûz dern garten ein abrahemsche krot (vgl. s.  1037 ), swenne diu gewehset, si bringet einen stein daz diu sunne ûf erden niht bezzers überschein, deutlicher wird im Dresd. gedicht gesagt, daß der stein auf ihr wachse und unter allen steinen der höchste sei. Nach pentamerone 4, 1 wächst die preta de lo gallo im kopf des hahns und ist ein wünschelstein , mit dem man alles erlangt. Die morgenländische fabel von den drei lehren des gefangnen vogels (Reinh. cclxxxi und Ls. 2, 655) erwähnt eines ähnlichen, in der lerche oder nachtigall herzen oder magen wachsenden steins. Dem schlafenden Sigurđr grikr entwendet seine tochter den siegstein aus der tasche 1021 und giebt ihn an Dietleib (Vilk. saga cap. 96. 97); einen solchen besaß auch könig Nidung (das. cap. 25), doch in beiden stellen ist die natur des steins näher nicht angegeben. auch Vintler ( abergl. G v. 89) beschreibt ›den sigelstein ‹ nicht, es scheint aber, daß er künstlich, heimlich wie glas geblasen, wie erz gegossen werden konnte: ›ze samen si dô sâzen sam sie einen sigstein bliesen ‹. Seifr. Helbl. 4, 124 von verschwornen; ›gar taugenlichen vor dem rat zusamen giengen fru und spat, pis sy gussen ain sigelstain ‹. Mich. Behaim 22, 11. nach Hagens Cölner chron. 1003 ist der diamant gemeint, mit dem man siegen soll. Die gedichte melden siegbringender, unsichtbar machender fingerringe (z. b. Troj. 9198), deren kraft immer von dem in sie gefaßten stein abhängt. Marbod cap. 27 von gagathromeus : ›quem qui gestarit dux pugnaturus in hostem, hostem depulsum terra marique fugabit‹ Nachtrag: Den stein λυγγούριον nennt auch Diosc. 2, 100. aus des hirsches thränen oder augen entsteht ein stein. ein diamant sitzt im drachenhaupt . Bosquet 205. 206. der krötenstein , der z. b. in Wolfs deutschen sagen s. 496 vorkommt, heißt nnl. paddestên , böhm. zabje kamen , altfrz. crapaudine . Roquef. s. v., wie man noch franz. bei diamanten sagt: il y a crapaud . es giebt ein schlangenei, ›ad victorias litium et regum aditus mire laudatur ‹. Plin. 29. 3, 12. gemma diversi coloris , victoriosos efficiens qui ea utuntur. Caesar. heisterb. 4, 10 findet sich in händen eines Segerus. sigestein . Eracl. s. 214. Hahns Stricker s. 49. seghestên . Rein. 5420. sigering . Haupts zeitschr. 3, 42. hüet dich vor alter wîbe gemein, die künnen blâsen den sigelstein . Hätzl. 93 b , 34. sigelstein snîden . Wolkenst. 40 vgl. ein bickel giezen. fragm. 38 c . Renner 13424. bickelstein . fragm. 21 c . könnte sigelslein sëgelstein magnet sein? altn. sëglsteinn. Den schwalbenstein , der im magen erstgeborner schwalben entsteht, kennt schon Dioscor. 2, 60. vgl. Schmeller 3, 399: schürf schwalben auf, so vindestu darinne ein roten stain. . Des vom himmel fallenden ceraunius (κεραυνίας) erwähnt Marbod cap. 28: ›qui caste gerit hunc, a fulmine non ferietur, nec domus aut ville, quibus affuerit lapis ille‹. was er hinzufügt: ›crystallo similem Germania mittere fertur, coeruleo tamen infectum rutiloque colore‹, stammt aus Plin. 37, 9, 51: est inter candidas et quae ceraunia vocatur, fulgorem siderum rapiens, ipsa crystallina, splendoris coerulei, in Germania nascens; die aufgenommne lesart hat jedoch Carmania. an der deutschheit des donnersteins (s.  149 ) ist nicht zu zweifeln, und Miölnir wird, gleich dem hein (s.  752 ), den Ođin warf und der in Thôrs haupt steckte (s.  309 ), über alle andern steine hinaus heilig gewesen sein. Miölnir klingt bedeutsam an die slavischen benennungen des blitzes molnija und munja , in den serbischen liedern wird letztere zur personificierten Munja , und als schwester des Donners (Grom), als braut des Mondes (Miesetz) dargestellt (Vuk 1, 151. 154 der neuen ausg.), was der personification des Hammers (s.  151 . 834 . 835 ) begegnet. um so mehr ist Molnija dem Miölnir identisch. Auch den Römern muß der donnerkeil, silex, ein Jovis lapis gewesen sein: lapidem silicem lenebant juraturi per Jovem haec verba dicentes: ›si sciens fallo tum me Dispiter salva urbe arceque bonis ejiciat, uti ego hunc lapidem!‹ aus des Juppiter feretrius tempel holten schwörende stab und › lapidem silicem quo foedus ferirent‹, gerade wie Thors hammer bündnisse weihte. Nach Livius 1, 24 wurde das geopferte schwein mit diesem stein getroffen: ›tu illo die, Jupiter, populum romanum sic ferito, uti ego hunc porcum hic hodie feriam, tantoque magis ferito, quanto magis potes pollesque‹. id ubi dixit porcum saxo silice percussit. das gleicht unserm fluch: ›das dich der Hammer schlage!‹ Nicht anders hieß den Finnen der donnerstein Ukonkiwi , des Ukko, des altvaters stein; den Indern hîra , hîraka , Indras donnerstein (Potts forsch. 2, 421) oder vadshra , was zugleich donnerkeil und diamant bezeichnet. Wie ihm hier die natur des edelsten aller steine beigelegt ist, sahen unsere vorfahren den harten flins, die Römer den 1022 silex darin, mythe und aberglaube messen ihm die größten kräfte bei: malleum aut silicem aërium , ubi puerpera decumbit, obvolvunt candido linteo contra infestalionem fearum, albarum feminarum, strygum, lamiarum. Gisb. Voetii sel. disputat. theol. Ultraj. 1659. 3, 121 Nachtrag: Georg Agricola (1546) de re metallica libri XII. Basil. 1657. nennt s. 703 b : belemnites alpschos, s. 704 a brontia donnerstein, wetterstein, gros krottenstein, ceraunia der glatte donnerstein oder der glat wetterstein oder der glatte gros krottenstein, s. 706 a ombria wetterstein, donderstein, groß krottenstein. der donnerstein hat heilkraft. Ph. Dieffenbach wander. s. 33. altn. heißt der donnerstein auch skruggusteinn . häufig ist der eigenname þôrsteinn z. b. Egilss. 476. Den Finnen hieß der donnerstein auch Ukkoisen nalkki , des Ukkoinen keil, litth. Laumes papas , der Laume zitze. Nesselmann 277 b . 353 b , auch ndrd. maretett , zitze der maar. n. preuß. prov. bl. 2, 380. silex heißt altn. hiegetill , quasi rorem generans. . Wie es einen stein der weisen (lapis sapientum) geben soll, von dem weisheit, oder die kunst gold zu machen und leben zu verlängern abhänge ( ôskasteinn , wünschelstein, s.  119 ), kannte der Norden auch die sage von dem lîfsteinn . in Kormakssaga cap. 12 s.  116. 118 trägt Bersi einen solchen am hals, der beim schwimmen heil bringt Nachtrag: Der diamant ist nur durch bocksblut zu erweichen. Plin. 37, 4. Augustin. de civ. dei 21, 4. vgl. N. Cap. 69. Er. 8428 ff. MS. 1, 180 a . Parz. 105, 18. Der karfunkel wird aus des einhorns stirne genommen. Parz. 482, 29. hebt den moed van een Espetin , want hi draegt karbonkelen in sin hoorn. nl. Heemskind. p. m. 12. der karfunkel leuchtet in finsterer nacht und löscht andere steine. Hartm. büchl. 1500–1507. Reinh. 920. Morolt 45. gr. Rud. 8, 10. ( vättelys heißen nach dän. volksglauben kleine steine, deren sich die geister als lichter bedienten. Molb. dial. 663.) er verliert den schein beim tode des helden. Rol. 196, 19. er liegt ›ze Loche in dem Rîne‹. MS. 1, 15 a . Sommer zu Flore s. XXVII. 1667. Der magnet heißt altn. leiđarsteinn . Landn. 1, 2, e. loadstone , prov. aziman , ariman , ayman , franz. aimant , span. iman . mhd. agestein . Diut. 1, 60. 61. Trist. 204, 14. 36. mnl. tôchstên diese uptôch. Maerl. 3, 124. seit dem 13. jahrh. wurde er zur schiffahrt gebraucht. bible Guiot 633–653. sage vom magnetstein. altd. w. 2, 89. Steinkohle heißt türkenblutstein , steinöl türkenblut . Stald. 1, 329. . Nur große steine, d. i. berge und felsen heißen nach göttern, helden, riesen, die auf ihnen hausen oder sie geschleudert haben; kaum einzelne steinarten, wenigstens keine heilkräftigen. so wurde ein gewisser schiefer riesenbrot, jyvrikling (s.  452 ), ein tufstein nackebröd (s.  405 ), ein verkohlter stein Surturbrandr (s.  675 ) genannt. 1023 Cap. XXXVIII. Sprüche und Segen. Noch stärkere macht als in kraut und stein liegt in dem wort , und bei allen völkern gehen aus ihm segen oder fluch hervor Plinius 28, 2 untersucht die gewalt der verba et incantamenta carminum in vielen merkwürdigen beispielen. . es sind aber gebundne, feierlichgefaßte worte (verba concepta), wenn sie wirken sollen, erforderlich, lied und gesang ; darum hängt alle kraft der rede, deren sich priester, arzt, zauberer bedienen, mit den formen der poesie zusammen. Ausdrücke des sagens und singens treten über in den begrif des zauberns, die ἀοιδή (s.  749 ) wird ἐπαοιδή Od. 19, 457, ἐπῳδή, sprechen, singen wird besprechen , besingen , schwören (goth. svaran respondere) beschwören (goth. bisvaran ὁρκίζειν), wie jurare conjurare , cantare incantare . ahd. galstar , ags. galdor , gealdor, altn. galdr (incantatio) leiten sich ab von galan canere; das ags. spell , eigentlich dictum, fabula, goth. spill, schärft sich zu zauberspruch. Dem segen gegenüber steht der fluch, dem heil der schade. für jenen brauchte der Gothe noch das deutsche wort þiuþeins εὐλογία, von þiuþjan εὐλογεῖν; das ahd. segan dicatio, dedicatio, benedictio rührt aus lat. signum, das ags. segen drückt bloß signum = vexillum aus; mhd. nhd. gelten segen auch von zaubersegen. κακολογεῖν ist bei Ulf. ubilqiþan, maledicere, flêkan aber plangere, das ahd. fluochôn, mhd. vluochen, nhd. fluchen maledicere, imprecari, ahd. fluoh maledictio (männlich und ganz verschieden vom fem. fluoh rupes). alts. farflôcan maledicere, harmquidi maledictum. ferner ist fluchen ahd. farhuâzan , mhd. verwâzen var hin verwâzen vil gar verteilter snê! Ms. 1, 23 a ; nu var von mir verwâzen! Ls. 3, 77; var von mir verstôzen! MsH. 3, 441 b ; var von mir êweclich verlorn! Ls. 3, 77. , detestari, condemnare, verwandt, scheint es, dem ags. hvâtung (divinatio) poenit. Ecgb. 2, 23. 4, 19. ags. vergan (schlecht geschr. virgan, vyrgan) maledicere, detestari, eigentlich damnare, goth. vargjan, alts. waragian. ags. cursian , engl. curse . altn. bœn (precatio) ags. bên (oben s.  25 ) streifen an imprecatio Nachtrag: Über die kraft der drei worte . Kalev. 9, 34. 161. vgl. Arnims märchen 1, 47. Singen und sagen wird zum zaubern. ἐπῳδὴ ἰατρῶν. Plat. Charmides s. 156. 158. ϑελκτήριον zauber, zauberlied. verba puerpera dixit (Lucina). Ovid. met. 10, 511. ahd. pigalan im Merseb. zauberlied. galdr gala . Sæm. 97 b . 98 a. b . 99 a . rîkt gôl Oddr, ramt gôl Oddrûn, bitra galdra . Sæm. 240 a . das frz. charme stammt von carmen. un bon charme vos aprendré. Ren. 7650. carminare plagam, wunde segnen. altd. bl. 2, 323. vgl. er sprach zer wunden wundensegen . Parz. 507, 23. die zauberin heißt ansprecherin . Mones anz. 7, 424. vgl. berufen , beschreien . Ettn. maulaffe 546. 547. altn. orđheill . Sæm. 120 b . finn. sanoa sagen = beschwören, sanat beschwörung. Castrén. Der segen wird insbesondere am morgen und abend gesprochen. swer bî liebe hât gelegen, der sol dar senden sînen morgensegen. MS. 2, 169 a . gesegenen unde tiefe beswern . Mar. 188, 30. vgl. tiefe fluochen (s.  1026 ). besworn sîs du vil tiure . G. Abent. 3, 53. einem die krankheit absegnen . Thurneyser 2, 92. fluchen ist mhd. verwâzen : var hin verwâzen . MS. 2, 172 b . nu var von mir verwâzen . Ls. 3, 77. nein pfui sie heut verwâzen! Tit. 600, 2. verfluochet und verwâzen wart vil ofte der tac, dâ sîn geburt ane lac. a. Heinr. 160. dagegen: gehoehet sî der süeze tac dâ dîn geburt von êrste an lac. Winsbekin 1. dem verwâzen entspricht das altfrz. dahé , dahez , dehait , dahet , dehez , dehé , daz ait , dem auch noch mal oder cent vorgesetzt wird. Garin 1, 10. 209. 2, 46. Ren. 404. 1512. 9730. 11022. Méon n. réc. 1, 202. 232. 4, 12. Orange 1, 202. 2, 151 und öfter. Trist. 3072. Aspr. 1 a . 46 b . 23 b . Ferabras LIX a . da wallon. haitî sain und mâhaitî malsain (Grandgagn. 1, 265) ist, so könnte man an celtischen ursprung denken. vgl. anm. 2441 . einen mit fluoche bern . Mart. 163 c . mit dem fluoche seilen . ebendas. 226 a . ( flüeche lîden . Walth. 73, 5. fluoch bejagen . MS. 2, 137. in sih selbon luadun michilan fluah . O. IV. 24, 30). bîst unde flôk . upstand. 1837. goth. beist? digen einen. es bitten, wünschen, precari, imprecari. gramm. 4, 655. ags. vyrigean maledicere. homil. 2, 30. altn. bölva diris devovere. Sæm. 186. altn. röggva a diis mala imprecari. heißt dies falten und hängt es mit röggr röggvar pallium plicatum zusammen? altslav. kljati , praes. kl'nu, serb. kleti , praes. kunem, fluchen. . Zwar gilt lautes beschreien, berufen und fluchen, doch in der regel verlangen segen und auch fluch leise, lispelnde, flüsternde rede. ahd. huispalôn sibilare Graff 4, 1239, ags. hvistlian fistulare, sibilare, engl. whistle, wie man der bezaubernden schlange pfeifen und zischen beilegt; mhd. wispeln : wispeln 1024 wilde vogel zemt, hunde ez letzet und lemt. Renn. 22370; aspis will keine wispelwort vernehmen Ms. 2, 202 b : ›aller würmel wispel unde mürmel ‹. Mart. 74 c . denn auch murmeln ist dasselbe, ahd. murmulôn , murmurôn , nhd. zuweilen mummelen , nhd. mompelen . Paul. Diac. 1, 13, der freilassung per sagittam gedenkend fügt hinzu: immurmurantes , ob rei firmitatem, quaedam patria verba, das war ein langobardischer segensspruch ter novies carmen magico demurmurat ore. Ov. met. 14, 57. . ähnliche ausdrücke sind ahd. mutilôn (Graff 2, 707), nhd. protzeln , pretzeln , pröpeln , ursprünglich vom geräusch des siedenden wassers (das wasser brutzelt, pröpelt, pripelt, singt), dann sehr passend auf segensprechen angewandt: ›über eine krankheit prozeln und wispeln ‹ d. h. heimlich segen sprechen, an einigen orten sagt man prebeln , nnl. preevelen ; Frankes weltbuch 134 a hat pretzeln Nachtrag: Neben ags. hvistlian steht hvisprian murmurare, engl. whisper . slangen wispel . Diut. 1, 58. wispler , der den fischen süß wispelt . gesta Rom. ed. Keller s. 65. ahd. winisôn mutire, murmurare. Apulejus p. m. 79 spricht vom › magicum susurramen ‹. auch pfeifen wirkt zauberisch. il dit un charme que il avoit aprins. trois fois siffla . Garin 2, 104. ein hemdlein wird in die länge auf den tisch gelegt und gemurmelt , bis es sich aufrichtet, herumspringt und wieder legt. daraus wird die krankheit dessen beurtheilt, dem das hemd gehört. Ettn. medic. maulaffe 269. 270. nnl. luisteren heißt sowol leise reden, als hören, horchen, die hexe luistervink , luisterzuster . . Allein es gibt noch ein echteres, älteres wort, das goth. runa , welches meist μυστήριον, einigemal βουλή, συμβούλιον aussagt, wie mich dünkt ursprünglich das leise, feierlich gesprochne, hernach erst geheimnis. συμβούλιον ist geheimer rathschlag. dem geheimen wort lag nahe die geheime schrift, wie auch altn. mâl rede und zeichen war. Ulf. setzt für γραφή, γράμμα nur mêl, nicht runa, weil in den vorkommenden stellen keine geheimschrift gemeint wird, man dürfte wetten, daß ihm für diese runa geläufig war, wie die Franken frühe rûna = litera kennen. ahd. rûna, ags. rûn character magicus, mysterium. Cædm. 211, 12. 250. 6. 262, 9, in der letzten stelle mit deutlichem bezug auf bôcstafas 262, 7; altn. rûn litera, neben runa linea, aus welchem verhältnis zwischen û und u die ablautende formel riuna, ráun, runum erhellt, wozu auch altn. raun (tentamen, experimentum), reyna (tentare), vielleicht reynir (sorbus oben s.  1016 ), gehört. im ahd. verbum rûnên susurrare, rûnazan murmurare, mhd. rûnen , nhd. raunen , ags. rûnian dauert die urbedeutung des geheimen flüsterns, ahd. ôrrûno ist ein vertrauter, der ins ohr raunt. das altn. transitiv rŷna bezeichnet secretum scrutari, literas scrutari und vermittelt jenes raun tentamen, scrutatio. Ben. 378 steht sanfte rûnen entgegen dem öffentlichen singen. finnisch drückt runo lied aus (s.  751 ). Jetzt wird uns eine schon oft vorgehabte benennung vollkommen klar, ja sie erscheint nach allen seiten hin zutreffend. Aliruna heißt die germanische weise frau, weil sie aljaruna und in geheimen, dem gemeinen volk unverständlichen worten redend, zugleich der schrift und des zaubers kundig ist; die goth. runa, die ags. rûncräft war ihr eigen. ali- kann nur bedeuten: anders, fremd, was nicht vulgär und profan ist, also den begrif von runa noch erhöht. auch auf das heilige, vielleicht zum cultus der priesterinnen gehörige kraut (s.  1005 ) durfte der name selbst übergehn. Das alterthum unterschied eine menge runen, und wären uns ihre benennungen dem ganzen umfang nach verständlich, so ließen sie schnell übersehn, was insgemein durch zaubersprüche 1025 ausgerichtet wurde. man mahlte, ritzte oder schnitt sie gewöhnlich auf stein oder holz , runsteine , runstäbe ; auch rohr diente dazu (s.  907 ). die ahd. namen hahalrûna , îsrûna , lagorûna sind nach den buchstaben hahal, îs und lago; clofrûna und stofrûna bleiben unsicher, letztere scheint der bloße stupf apex. hellirûna bedeutet necromantia, todesrune, in klarem bezug auf Halja, Hella; ich halte dazu das nhd. höllenzwang , worunter man die mächtigste zauberformel versteht, wie sie dem doctor Faust eigen war. holzrûna ist nicht sächlich sondern persönlich zu nehmen, waldfrau, lamia (s.  360 ), nicht ohne die nebenvorstellung des klagens und flüsterns. die ahd. frauennamen Kundrûn, Hiltirûn, Sigirûn, Fridurûn, Paturûn sind walkürisch, aber auch auf sächliche kundrûna , hiltirûna , sigurûna , fridurûna , paturûna zurückführbar, wobei noch zu beachten scheint, daß den personen der ausgang -a mangelt, sie wurden einer andern decl. überwiesen. Aus dem mhd. knierûnen (heimlich übers knie reden) Ms. 2, 137 a läßt sich ein subst. knierûne folgern. Ags. ist beadorûn Beov. 996 litera belli = bellum, rixa; helrûne Beov. 324 aber und burgrûne (s.  335 ) persönlich furia, parca, todesbotin, in einer glosse bei Lye pythonissa. Sæm. 194. 195 zählt Sigrdrîfa, d. i. Brynhildr, selbst eine valkyrja dem Sigurđ die runen auf, deren kunde ihr vor allen beiwohnen muste: ihr dargereichter becher ist ›fullr liođa ok lîknstafa , gôđra galdra ok gamanrûna ‹, voll lieder, heilstäbe, guter zauber und wonnerunen. dann führt sie auf sigrûnar , ölrûnar , biargrûnar , brimrûnar , mâlrûnar , hugrûnar , von sigr victoria, ölr cerevisia, biarg saxum, brim mare, mâl sermo und hugr animus zu leiten. bloß bei ölrûn bin ich unschlüssig, das im eigennamen Ölrûn offenbar dem Aliruna bei Tacitus entspricht; kaum sind alle alirûnen auf alus, ölr cerevisia zurückzubringen, eher mutmaße ich, daß Ölrûn entweder für Elrûn, Elirûn stehe und mit ölrûn vermischt wurde, oder daß das û der zweiten silbe das a der ersten in ö gewandelt habe. sakrûnar (contentiones) Sæm. 165 b . in den dän. volksliedern sind oft ramme runer , starke und kräftige genannt (1, 235. 280. 2, 33. 3, 335. 4, 47) Nachtrag: Mhd. rûnen ist flüstern. daz ir mit ir rûnet . MS, 2, 83 b . daz si mit iu niht rûnen kan. ebendas. Runen wurden auch auf baumwurzeln geschnitten: risti â rôtina rûnir, riôđrađi î blôđi, qvađ sîđan yfir galdra, gêck öfug ok andsælis um trêt, međ mörg römm ummæli. dann wirft er das holz ins meer und läßt es einem zum verderben fließen. Grettissaga cap. 85. vgl. scera â rôtum râs viđar . Sæm. 29 a . die runenstäbe wurden umwunden und umwebt . Sæm. 195 b wie die fries. tênar. lagđi â stafi . Sæm. 94 a . heterûne bond. cod. exon. 416, 6. invitrûne . ebendas. 279, 7. hellirûna wie mnl. helscouwinghe? Parton. 20, 13. hellraune . Mathesius 1562, 154 b . liosta helstöfum . Sæm. 145 b . vgl. faesta feiknstafa . Sæm. 41 b . fornald. s. 1, 436. ags. fâcnstäf . bregda blundstöfum . Sæm. 193 b . at gamanrûnom . 25 a . 26 b . î valrûnom . 160 b . mâlrûnar . 214 b . rûnar viltar . 252 a . vilt rîsta . 252 b . . Für den erfinder aller runen galt aber Ođinn (s.  124 ) und ihm wohnt die größte gewalt der worte bei. Yngl. saga cap. 7: þat kunni hann enn at gera međ ordum einum , at slöckva eld ok kyrra siâ, ok snûa vindum. Ođinn vissi of allt iarđfê, hvar fôlgit var, ok hann kunni þau liođ, er upplaukz fyrir hönum iörđin ok biörg ok steinar ok haugarnir, ok batt hann međ ordum einum þâ er fyrir biuggu, ok gekk inn ok tôk þar slîkt er hann vildi. Afzelius, sagoh. 1, 4, erwähnt, aber zu kurz und undeutlich, einer seltsamen schwedischen volkssage von einem mann Kettil Runske zu Kettilsås in Alsheda, der Odins runstäbe (runekaflar) stahl und damit dessen hunde und stiere, ja zuletzt die meerfrau festband, die Odin zur hilfe kommen wollte. unter diesem Odin scheint ein hirt oder riese gemeint, der den älteren gott vertritt, sein beiname runske geht offenbar auf den erwerb und besitz der stäbe. 1026 Lieder und runen vermögen also die größten dinge. sie können tödten und vom tode wecken wie gegen den tod sichern; heilen und krank machen, wunden binden, blut stillen, schmerzen mildern, schlaf erregen; feuer löschen, meersturm sänftigen, regen und hagel schicken; bande sprengen, fessel zerreißen, riegel abstoßen, berge öfnen und schließen, schätze aufthun; kreißende entbinden oder verschließen; waffen fest oder weich, schwerter taub machen; knoten schürzen, die rinde vom baum lösen (s.  908 ); saat verderben (fruges excantare); böse geister rufen und bannen, diebe binden. Diese wunder sind schon im wesen der dichtkunst gelegen (s.  757 ). im rûnatal Sæm. 28–30 sind achtzehn wirkungen der runen angegeben Nachtrag: Von des wortes gewalt singt Freidank 67, 1–6: durch wort ein wilder slange gât zem manne, da'r sich toeren lât: durch wort ein swert vermîdet, daz es nieman versnîdet, durch wort ein îsen nieman mac verbrennen, gluot ez allen tac. er sprach ein wort mit grim , daz sich der berc ûfslôz . Altsw. 80. jâ möht ich sît einen boum mit mîner bete sunder wâpen nider geneigen. MS. 1, 51 a . ein runarbelti öfnet alle schlösser und vertreibt alle krankheiten. färöiske qväder s. 228. 286. zwei zwerge sollen vafrlogi mit runen schneiden . ebendas. s. 138. 140. Lieder sprengen fesseln. Somadeva 1, 134. altn. þokuvîsur erregen dunkel und nebel. fornm. sög. 3, 97. 98. man strickte einen brief um das schwert. Wigal. 4427. 7335, wie man früher runen darin grub. man pflegte einzelne sachen zu beschwören z. b. schwerter . vgl. altd. bl. 1, 43. ligamenta aut etiam scripta in contrarietatem alterius excogitare. l. Visig. VI. 2, 4. . Besondere gewalt wohnt aber den flüchen und verwünschungen bei. unsere mhd. dichter sagen › tiefe fluochen‹ Ms. 2,188 a ; › swinde fluochen‹ Helbl. 2, 518; zornvluoch Helbl. 1, 656. bedeutsam heißt es: ›ich brach des vluoches herten kiesel ‹ MsH. 2, 339 b , seine wirkung ist kieselhart, und kann nicht leicht gebrochen werden. Walth. 73, 29: zwêne herzelîche flüeche kan ich ouch, die fluochent nâch dem willen mîn. hiure müezens beide esel und der gouch gehœren ê si enbizzen sîn . wê in denne, den vil armen! der nüchtern vernommne fluch wirkt desto heftiger. Nach irischem volksglauben muß jeder ausgesprochne fluch auf irgend etwas niederfallen: er schwebt sieben jahre in der luft und kann jeden augenblick auf den, wider den er gethan wurde, sich herabsenken; verläßt diesen sein schutzengel, so nimmt alsbald der fluch die gestalt eines unglücks, einer krankheit oder versuchung an und stürzt auf den verfluchten. Auch pentam. 2, 7 wird gesagt, daß der fluch flügel gewinne und gen himmel steige: mesero le' mardettiune dessa vecchia l'ascelle , che sagliettero subeto' n cielo . einem verwünschten pferd soll das haar leuchten: a cavallo iastemmiato luce lo pilo (ebenda). Aus der alten poesie lassen sich beispiele der kräftigsten flüche sammeln; der eddische Sæm. 144 a nio röstom er þû skyldir neđar vera, ok vaxi þer â bađmi barr! gemahnt an die s.  149 . 795 aus unsrer volkssprache mitgetheilten formeln. auch Sæm. 165 a. b hebe ich hervor. in einem minnelied (Ben. 82) heißt es: ›der nîder schar, daz die vor kilchen lægen!‹ auf ungeweihtem boden begraben ausschließung von christlicher gemeinschaft muß ursprünglich in dem beinamen ›vor chilchon‹ gelegen haben: Rudolphus de Solodoro cognomine vor chilchun , Hartmannus dictus vor kilchon (ch. a. 1260). Solothurner wochenbl. 1827 s. 128. 160. , ›der bluomen schîn sol iemer sîn von ihr gewalt gescheiden‹. Die runen auf gräbern fügen zuweilen am schluß einen fluch gegen den bei, der den stein 1027 abwälze oder forttrage: at ryđi sa verđi sa stain þansi velti, er werde zu rost, unheil treffe ihn! so endigen auch die lat. urkunden des MA. mit verwünschungen des übertreters, aber biblischen, kirchlichen. Ein mhd. gedicht hat diese flüche: daz dîn wîp got von dir lœse! vische, vogele, würme, tier mit liuten dîner vröuden burc erstürme! gnâde in allen landen sol dir sîn gehaz! dich mîde gruoz von allen guoten vrouwen, dîn sâme und ouch dîn sât verdorre unsüeze, sô Gelboê der berc von allen touwen verteilet ist, der vluoch dir haften müeze! MsH. 3, 52 Nachtrag: Den flüchen mögen folgende heileswünsche vorangehn: got müeze im êre meren. zuo flieze im aller sælden fluz, niht wildes mîde sînen schuz, sîns hundes louf, sîns hornes duz erhelle im und erschelle im wol nâch êren.   Walth. 18, 25. vgl. den fluch. Ls. 2, 425. ein schöner sogen heißt: der sumer sî sô guot, daz er die schoene in sîner wunne lâze wünneclîche leben. swaz wol don ougon tuot und sich den liuten lieben kunne, daz müeze ir diu sælde geben, swaz grüenez ûf von erden gê oder touwes obenan nider rîsen muoz, loup, gras, bluomen und klê der vogel doenen geb der schoenen wünneclîchen gruoz.   MS. 2, 183 a . andere lauten: ze heile erschîne im tages sunne, nahtes mâne und iegslîch stern! MS. 2, 174 a . dîn zunge grüene iemer, dîn herze ersterbe niemer! Trist. 7797. got lâze im wol geschehen! MS. 1, 74 b . got des geve en jummer hêl, dat kraket! (daß es kracht). Wizlau 9, 28. Die flüche sind viel häufiger und manichfaltiger. mîne vlüeche sint niht smal . Beneke 377. sie wirken rasch: ein swinder fluoch. MS. 2, 71 b . mit snellem fluoche. Tit. 2588. dazu schon bei Wolkenst. 42 ein wilder fluoch. der fluch faßt den menschen wie eine zange: uns twinget noch des fluoches zange . MS. 2, 166 a . die flüche haften , treffen ein , kleben . solten alle vlüeche kleben , ez müeste lützel liutes leben. Freid. 130, 12. der fluoch bekleip . Haupts zeitschr. 5, 516. dem muoz der fluoch beklîben . 5, 550. der fluoch klebet . 8, 187. der fluch verbrennt . Nalus s. 177. flüche fliegen aus und kehren wieder heim, wie der vogel ins nest. Berth. 63. die flüche flohen um die wette. Günther 163. Mächtig ist besonders der fluch des sterbenden . þat var trûa þeirra î forneskju, at orđ feigs manns mætti mikit, ef han bölvađi ôvin sînum međ nafni . daher verhehlte man den namen. Sæm. 186 a . der todwunde Sigfrit schilt . Nib. 929, 3. 933, 4 (s. weiter unten fluchen und schelten ). des vaters segen baut ein haus, der mutter fluch reißts wieder aus. der fluch der mutter ist unabwendbar. Holtzmann 3, 144. wirksam ist auch der fluch der pilgrime . Gudr. 933, des priesters . Holtzm. Nibel. 117. der fluch sehr alter leute , die da gott fürchten, thut gottlosen schaden. ins. Felsenburg 1, 22. als zum fluchen geneigt gelten besonders fuhrleute . Philand. 2, 345, auch officiere . Gellert 4, 145. Schwüre und flüche sammelte Agricola no. 472–502, verwünschungen stehn im Ls. 1, 410. 411. 2, 424–428, Sæm. 85. 86. fornald. sög. 3, 203. 204. ein fluchlied auf Otto III. bei Pertz 2, 153. De Vries op Hoofts Warenar 97–100. serbische flüche bei Talvj 2, 385. Vuk no. 152. 154. 157. 162. 219. 393. Die wildheit und stärke des fluchens wird durch verschiedene derbe wendungen ausgedrückt. er fluchte, daß es grausam war . Ettner unw. doct. 743. er hub ein gefluch und schelten an, daß kein wunder, das schloß wäre versunken . Schweinichen 2, 70. (daz se dâ fluochten niemen unde daz Hagenen kint bleip unbescholten . Gudr. 933, 4). er fahet an zeflŷchen und zeschweren, daß das erdtreich möcht undergon  (?). fluchen, daß es steine gen himmel sprengt . käserei 126. er schwur, daß sich der himmel möchte bücken . Wickram rollw. 9. fluchen, daß es donneren möcht . Garg. 149 a . fluchen, daß die balken krachen s. v. balke im wb. er flucht alle zeichen , daß der boden kracht . Hebel 44. alle zeichen fluchen. Stalder 2, 468 (s.  925 ). schwören, daß die kröten hüpfen . Firmenich 2, 262. vgl. den krottensegen. Garg. 230 a . er flucht d em teufel ein bein aus dem ars und das link horn vom kopf , Garg. 232 a . er flucht ihm die nase aus dem gesicht . schuldban 27. (?) Die flüche, die gott als fluchenden, verderbenden anrufen, sind die feierlichsten. daz ez got verwâze! Er. 7900. sô sî ich verwâzen vor gotes ougen! Herb. 1068 (s.  1022 ). daz in got von himele immer gehoene! Gudr. 1221, 4. daß dich gottes kraft schände! Melander 2 no. 198. Hercules dique istam perdant! Plaut. Cas. II. 3, 57. qui illum di omnem deaeque perdant! ebenda 61. got du sende an mînen leiden man den tôt daz ich von den ülven werde enbunden . MS. 1, 81 a (s.  971 ). swer des schuldig sî, den velle got und nem im al sîn êre. ebenda 1, 81 b . ubio ga bog! erschlage ihn gott! Vuk ed. nov. no. 254. mit merkwürdiger anwendung der praeposition over verwünschen mnl. sprüche zum teufel: nu over in duvels ere! Limb. 4, 62. over ins duvels name! 4, 1088. nu over ins duvels geleide! Karel 2, 4447. nu over in der duvele hant! Limb. 7, 638. mhd. der tievel var ime in den munt! Reinh. 1642. daß dir der henker in den rachen führe! Felsenb. 3, 443. daß dich! (sc. der teufel hole!). daß dich das wetter verborne! Melander 2. no. 362. ir letz die slach der schauer und kratz der wilde ber . Wolkenst. 30. altn. eigi hann iötnar, gâlgi görvallan! Sæm. 255 a . tröll hafi þik allan ok svâ gull þit! Kormakss. s. 188. far þu nu þar er smyl hafi þik! (zum schiff beim anlanden) vgl. die heilwünschende formel. king Horne. 143 zu dem angeführten fluche: daz die vor kilchen laegen! vgl. weiter Joh. vor Ckilkun . östr. arch. 6, 173. ein jâr vor kilchen stân. MS. 2, 121 a . muoter diu ir kint lât vor spital oder kirchen ligen. Renn. 18376. an ein velt legen (in ungeweihter erde begraben) Berth. 230. 330. begrebnisse uf dem velde . Gefken beil. 10. . du scholt varen in dat wilde brôk! Mone schausp. 2, 100. 101. an den wilden wolt! 2, 101. vgl. ze holze varn . Kolocz. 262. Klinsôr und waerest über sê! MS. 2, 6 a . versigelen müez er ûf daz mer von wîbe und von kinde! MS. 1, 6 a . lett. eij wilkam , geh zu den wölfen. wilkeem apendams! daß dich die wölfe fressen. Stender 360. so ezzen si die wilden krân! Keller erz. 196. þitt skyli hiarta hrafnar slîta . Sæm. 232 a . dat uch de raven schinnen! Karlm. 140, 23. des müezen si die wolve nagen! altd. w. 2, 56. ir herzen müezen krânvuoz nagen! MS. 2, 119 b . den vermîden rôsen und alle zîtelôsen und aller vogellîne sanc! MS. 2, 63 a . ich schaffe daz ir aller fröiden strûzen ie widerspenic müezen wesen. MS. 1, 4 a . ut te paries inclinans obruat, ut te afflicta senio arbor caeduave obruat! Melander 2 no. 198. Marke du versink! MS. 2, 79 b . häufig werden tod, krankheit und schmerzen angeflucht. nu iz dir den grimmen tôt!  (?) des ertrenke iuch ein wolkenbrust! Ges. Abent. 2, 667. wolde got waere dîn houpt fûl! (in der erde). Renner 12192. daz dich aezen die maden! Helbl. 1, 1212. daz diu ougen im erglasen! Helbl. 2, 512. ein galischer fluch heißt: marbhphaisg , das todtenkleid über dich! (sô er müeze erknûren!  (?). Helbl. 8, 227). hin ze allen sühten! Helbl. 2, 745. vgl. alles und aller . wb. 1, 213. sô dich diu suht benasche! Helbl. 1, 1202. got geb dir die drüs und den ritten! pasq. 1, 157. diu suht an iuwern lôsen kragen! Reinh. s. 302. dahaz aie parmi le col! Méon n. rec. 1, 202. 232. maudahet ait et el col et el nes . Orange 5, 2650. vgl. cent dehez ait parmi la cane! Trist. 3072. tu ut oculos emungare ex capite per nasum tuos! Plaut. Cas. II. 6, 39. daß du die nase ins gesicht behältst! Reuter olle kam. 3, 25. 26. 48. 301. da var diu suht in iuwer ôren! MSH. 3, 438 a . wê dir in die zende! Ben. 324. la male gote aiez as dens! Ren. 14322. daz iu der munt werde wan der zungen! Parz. 316, 4. daz si (die zunge) verswellen müeze und ouch diu kel! MS. 2, 5 a . dîn zunge müeze dir werden lam . Morolf 1150. in (eis) müezen erlamen die knübel . Haupts zeitschr. 6, 492. nhd. daß du versauerst! litth. kad tu suruktum , daß du verschrumpfest! wâfen über diu ougen, dâmit ich dich hân gesehen, und wâfen über die arme, dâmit ich dich umvangen hân . Ettm. Ortn. 7, 2. daz er immir ubil jâr muoze haben! Ksrchron. 6958. vgl. malannus s.  971 . eine fluchformel beginnt: als leit sî dir u. s. w. Karajan Teichner 41. vgl. als unglück dich fliege!  (? auf dich). Kellers erz. 244, 31. mîn sêle sê ungeheilet! Rab. 79. daz si sîn gunêret! MS. 1, 194 a . altn. vön sê su vættr vers ok barna! Sæm. 214 b . wan, waere er swerzer dan ein kol! MS. 2, 100 b . der werde zeinem steine! MS. 1, 6 a . dagegen: werde als mensch geboren! Somadeva 1, 7. 1, 81. vervluochet sî der tac, diu wîle! Mai 137, 38. 138, 1. vgl. vloecte die wile . Lanc. 12224. 16250. 12755. sô hazz mich allez daz sî . Helbl. 15, 677. . Wie sonst beim säen gebetet und gesegnet werden soll, gibt es einige kräuter, die unter flüchen gedeihen : nihil ocimo foecundius, cum maledictis ac probris serendum praecipiunt, ut laetius proveniat, sato pavitur terra. et cuminum qui serunt, precantur ne exeat . Plin. 19, 7 Fischart Garg. 244 b : diß fŷrmans gebett treibt schif und wagen, ein hauptmansfluch etzt durch neun harnisch. ich könt dannoch wol basilien, quendel und kressen setzen, dann dieselben vom fluchen gedeien. darumb wards jenes mannes entschuldigung bei dem richter, warumb er sein weib gereuft hette, nemblich darumb weil er hat rauten setzen müssen. . napos serere nudum volunt, precantem sibi et vicinis serere se 18, 13 Nachtrag: ( Rutam screntes ) prosequuntur etiam cum maledictis . Palladius Rutilius 4, 9. weiber, die garn sieden , sollen dabei lügen , sonst wird es nicht weiß. . Einen feierlich beschwören hieß ahd. munigôn inti manôn (hortari et monere), ags. mynegian and manian . ›sîs bimunigôt thuruh then himilisgon got, bisuoran thuruh thes forahta, ther alla worolt worahta!‹ O. IV. 19, 47; ›ih bimuniun dih‹ beginnt die formel (beschwör. VII ). noch mhd. Troj. 10519: ›des wart vil manec wilder geist von ir gemuniet und gemant ‹ Nachtrag: Das feierliche beschwören heißt schwed. mana neder , niederzaubern? Runa 1844, 60. mnl. manen , bemanen . belg. mus. 2, 116. 117. finn. manaan monere, adjurare. manaus exsecratio. . Jene hellirûna , necromantia, stellt sich in den liedern dar, welche nach heidnischem brauch auf todtenhügeln und gräbern ausgesprochen wurden, damit ein todter rede stehe oder etwas herausgebe. der indiculus superstit. unterscheidet sacrilegium ad sepulcra mortuorum und sacrilegium super defunctos, id est dadsisas . dâd steht für dôd oder dêd (vgl. nedfyr, nodfyr s.  502 ), das alts. sisas stelle ich zum ahd. sisuwâ neniae, dessen sg. sisu, siso haben würde, sisesang ist carmen lugubre (Diut. 2, 283 b Graff 6, 281), eine alts. beichtformel liefert: ›ik gihôrda hetlunnussia endi unhrênia sespilon ‹, wäre das sesespilon? die dunkle wurzel erscheint auch in den eigennamen Sisebutus, Sisenandus u. a. m. (gramm. 2, 476). hetlunnussia müssen verwünschungen sein, vgl. alts. hatol dirus, Hel. 110, 8. ahd. hazzal malitiosus, gl. Hrab. 957 a . neniae sind carmina funebria, preislieder zur ehre der todten. in Britferthi vita Dunstani (gb. 925) cap. 1 (acta sanct. 19 mai) heißt es von diesem heiligen: › avitae gentilitatis vanissima didicisse carmina et historiarum frivolas colere incantationum nenias ‹. gerade so sagt Gregor. tur. mirac. 2, 1: ›ad vicum, in quo fanatici erroris naeniae colebantur‹. das ags. byrgensang verdeutscht epitaphium, Mones glossen 943. 944 geben lîcsang , lîcleođ epicedium, byriensang , bergelsleođ , byrgleođ carmen super tumulum. in 1028 Hroswithas Proterius heißt es bei einer beschwörung: ›supra gentilis tumulum sub tempore noctis stans , herebi domino suplex‹. Der altn. ausdruck ist aber valgaldr qveđa (leichenzauber singen) Sæm. 94 a , Ođinn zwang damit die beschneite, beregnete und bethaute vala (s.  260 . 261 ) aus dem hügel zu steigen und ihm zu antworten. Grôas sohn und Hervör sprechen fast dieselbe formel aus: ›vski þû Grôa, vaki þû gôđ kona, vek ek þik dauđra dura!‹ Sæm. 97 a ; ›vaki þû Angantŷr, vekr þic Hervör einka dôttir ykkar Svâfu!‹ (fornald. sög. 1, 435). dann wechselt Hervör mit dem vater schauerliche gespräche und zuletzt wird ihr das begehrte schwert aus dem hügel herausgeworfen. Nicht anders erfolgt die hergabe des schwerts aus dem grab an den beschwörenden sohn in dem volkslied von Orm (sv. fornsånger 2, 446. 447. danske viser 1, 59. 60. 66. 67) oder in dem färöischen von Virgar d. i. Wittich (Lyngbye s. 369). Wolfdietrich zwingt die todte zunge seines begrabnen vaters sieben worte zu reden (Cod. dresd. 313) Nachtrag: Der hellirûna stellt sich der eigenname Walarûna Karajan 67, 16 zur seite und in der lex Burgund. 34, 3 die nach der adultera und malefica genannte sepulchrorum violatrix . Grôa singt ihrem sohn neun galdra und der galdr heißt fiölnytr . Sæm. 97 b . umgekehrt redet das kind mit der mutter am grab. Rhesa dainos 22, auch Svegder weckt die todte mutter im berg. DV. 1, 264. preislieder am hügel erwähnt auch Hallbiörn s. 859. Einen todten auferwecken ist den christlichen heiligen leicht, aber Zeus vermochte es nicht: τούτων ἐπῳδὰς οὐκ ἐποίησε . Aesch. Eum. 649. ein › linguae defuncti dira carmina ligno insculpta supponere‹ zwingt ihn zum reden. Saxo gr. ed. M. 38. die zunge singt laut aus dem abgehauenen haupt. Ecke 239. . Wie beschwörung die gräber sprengt, weichen ihr schloß und riegel. Ferabras 2759: venc a l'us de la cambra, si la trobat tancada, et a dit son conjur : tota s'es desfermada. in folgender stelle aus meier Helmbrecht 1205 wird zwar nur des hinzutretens gedacht, der viehdieb muß aber, als er sich näherte, lösende worte gesprochen haben: mîn geselle Wolvesdrüzzel ûf tuot er âne slüzzel alliu slôz und îsenhalt; in einem jâr hân ich gezalt hundert îsenhalte grôz, daz ie daz slôz dannen schôz, als er von verre gie dar zuo : ros, ohsen und manic kuo. die ungezalt sint beliben, die er ûz dem hove hât getriben, daz ie daz slôz von sîner stat schôz, swann er dar zuo trat , noch jetzt stehn einzelne räuber und gauner im ruf, ihre ketten und schlösser besprechen zu können, daß sie ihnen abspringen Nachtrag: Die zauberkunst des Wolwesdrüzzel und noch andere werden dem Simon zugesprochen: bindet man ime die vuoze unde die hende, schiere lôsit er die gebende, diu slôz heizit er ûfgân , nihein îsen mac vor im bestân. in hulzînen siulen machet er die sêle, daz die liute waenent, daz sie leben. alde ronen heizit er bern u. s. w.   Kaiserchr. 2118 ff. ähnlich spricht die Yngl. sage cap. 7 von Odin. . Götter und dämone konnten durch ihre bloße macht wind und sturm erregen, zauberer thaten es durch lieder. Saxo gramm. s. 71 von einem Oddo, vir magicae doctus, ita ut absque carina altum pererrans hostilia saepe navigia concitatis carmine procellis everteret. diese tempestarii sind schon s.  530 . 531 verhandelt worden. carminibus in nimbos solvere coelum. Saxo gramm. 17. die lieder wandten aber auch unwetter und hagel ab, wie sie sie heranlockten. ›cum averti carmine grandines credant plerique, cujus verba inserere non equidem serio ausim‹, Plin. 17, 28. Wie die gesamte zauberei auf alte weiber herab sank und der vorzeit glaube k erlînga villa hieß (Sæm. 169), › alter wîbe troume ‹ Turl. Wh. 1, 82 a , γραώδεις μῦϑοι, I Tim. 4, 7 oder goth. 1029 usalþanáizô spilla; ergieng es den altüberlieferten heilformeln nicht besser. schon die miracula s. Matthiae (von einem Trierer benedictiner des 12 jh.) cap. 34 drücken sich so aus; cujus dolore mater affecta medicinam et anilia adhibuit carmina (Pez. thes. anec. 2, 3 p. 234) Nachtrag: Es regnet und schneiet alles von sacramenten und flůchen. Albrechts fluch. ABC. 45. Man sprach verächtlich von › aniles veteranarum fabulae ‹. Pertz 6, 452 b , wie von › altes wîbes fluochen ‹. Ges. Abent. 3, 78. . Diese abergläubischen formeln frommen der geschichte unsrer mythologie, und enthalten nachrichten von göttern und gebräuchen des heidenthums, die ohne sie verschollen wären. sogar geistliche bücher gönnten ihnen raum, weil man ihre anwendbarkeit in gewissen fällen, wenigstens krankheiten des viehs, noch für nützlich und statthaft erachtete. eine umsichtige sammlung derselben, die zu manchen aufschlüssen leiten müste, scheint jetzt noch nicht an der zeit, da sie zerstreut und aus dem munde des volks oder den hexenprocessen erst langsam zu gewinnen sind Horst bekam für sein buch ein pergamenths. des 15 jh. voll segensformeln, von welchen er nichts mittheilt (zauberbibl. 3, 363), und die seitdem zu Trier fehlt. . Einige bedeutende beispiele sollen aber hier nicht allein ihren werth sondern auch ihre zähe verbreitung durch beinahe ganz Europa außer zweifel setzen. Das erste gedicht der Merseburger hs. ist ein haftlied , beim knüpfen und lösen der bande zu singen, hier auf eines gefangnen erledigung gehend: eiris sâzun idisi , sâzun hera duoder, suma hapt heptidun, suma heri lezidun. suma clûbôdun umbi cuoniowidi: insprincg hapthandum. invar vigandum! d. i. olim sedebant nymphae, sedebant huc illuc (ags. þider, engl. thither), aliae vincula vinciebant, aliae exercitum morabantur, aliae carpebant redimicula: exsili e vinculis, elabere hostibus! den sinn der letzten zeile hat zuerst Wackernagel eingesehn, wodurch sich auch die vorletzte erläutert, das pflücken der binden löst den haft und nun kann der gefangne entschlüpfen. Von dem haft heften wurde schon s.  332 geredet, des bindens und entbindens gedenken auch die minnelieder. Beda 4, 22 erzählt von einem, der nicht gebunden werden konnte: nec tamen vinciri potuit , nam mox ut abiere qui vinxerant eadem ejus sunt vincula soluta . . . interea comes, qui eum tenebat, mirari et interrogare coepit, quare ligari non posset, an forte literas solutorias, de qualibus fabulae ferunt , apud se haberet, propter quas ligari non posset? at ille respondit, nihil se talium artium nosse. er wurde einem dritten verkauft: sed nec ab illo ullatenus potuit alligari. Beda erklärt das wunder daher, daß weil man ihn für todt geglaubt hatte, für die entbindung seiner seele messen gelesen worden seien. nicht unwichtig scheint die etwas weiter gehende ags. übertragung: and hine âcsade, hväđer he þâ âlŷsendlîcan rûne cuđe and þa stânas mid him âvritene häfde, be svylcum men leás spell secgađ; 1030 doch welcherlei steine stellte sich der übersetzer unter den mit runen beschriebnen vor? Man hat drei haufen von frauen anzunehmen, deren jeder ein besonderes geschäft verrichtete Nachtrag: Kl. schr. 2, 1 ff. Hera duoder vergleicht sich dem ags. hider and þider . Haupts zeitschr. 9, 503 a . Wright 289 b . suma clûbôdun umbi cuniowidi , wie sonst drei weiße jungfrauen blumen und kränze lesen und pflücken. Müllenhoff s. 350. Freyr löst die bande ( anm. 551 ). Grôa singt: þann gel ek inn fimta, ef þer fiöturr verđr borinn at bôglimum, Leifnis elda læt ek þer fyr legg af kveđna ok stökkr þâ lâss af limum en af fôtum fiötur .   Sæm. 98 a . Minne sô bint die minneclîche oder aber mich enbint . Kellers Romvart 651. vgl. beadorûnan onbindan . Beov. 996. rigel und fessel sprengen. h. Ludw. 86, 7. 96, 2. Dietmar von Merseburg erzählt: legimus, quod unius captivi vincula , quem uxor sua putans mortuum assiduis procuravit exequiis, toties solverentur , quoties pro eo acceptabiles deo patri hostiae ab ea offerrentur , ut ipse ei post retulit, cum domum suam liber revisit. Pertz 5, 740. An die haftlieder reihen sich die wundsegen . den wuntsegen man im sprach. h. Ludwig 1531. vgl. den houptsegen, ougensegen, pferitsegen und wundensegen in Haupts zeitschr. 4, 577. mit zauberspruch wird die wunde schnell geheilt. Holtzmann ind. sagen 2, 176. Auch das schwert erhält segen. swertes segen . Frauenlob s. 77. segent er im daz swert . Mai 83, 39. segen dîn swert . Altsw. 64. . Die andre Merseburger formel soll ein erlahmtes pferd heilen: Phol ende Wôdan vuorun zi holza, dô wart demo Balderes volon sîn vuoz birenkit; dô biguolen Sinthgunt , Sunnâ era suister, dô biguolen Frûâ , Follâ era suister, dô biguolen Wôdan , sô he wola conda, sôse bênrenki, sôse bluotrenki sôse lidirenki . . . . . . bên zi bêna, bluot zi bluoda, lid zi giliden, sôse gelîmida sîn. hier wird ein den göttern zugestoßnes abenteuer besungen, wie Wodan Balders ausgerenktes füllen durch besprechen (bigalan) geheilt habe. die hersagung des lieds heilt nun auch andere lahme rosse. Was die übrigen götter nicht vermögen, vermag Wôdan , gerade wie es Yngl. saga 7 heißt: Ođinn kunni at gera međ ordum einum at slöckva eld ok kyrra siâ, ok snûa vindum hverja leiđ er hann vildi. er ist also der größte zauberer oder wunderer von allen. Nun höre man unter welchen gestalten diese beschwörung in dem heutigen volksaberglauben fortgepflanzt erscheint. in Norwegen: Jesus reed sig til hede, da reed han sönder sit folebeen. Jesus stigede af og lägte det: Jesus lagde marv i marv, been i been, kjöd i kjöd, Jesus lagde derpaa et blad, at det skulde blive i samme stad. in Schweden gegen die pferdekrankheit flåg (flog, anflug): Oden står på berget, han spörjer efter sin fole, floget har han fått. – spotta i din hand och i hans mun, han skall få bot i samma stund. eine andere hingegen hebt an: Frygge frågade frå: huru skall man bota den flåget får? beide schwedische, offenbar unvollständige weisen theilt F. Magnusen im dagen 1842 no. 119 mit aus Mimer. Ups. 1839 s. 277. Daß in den Niederlanden ähnliche reime fortleben, ersehe ich aus einem briefe Halbertsmas, worin es heißt: een mijner boeven gaf my voorleden jaar een rijm, dat de toverdokters prevelden, terwijl zij den verrukten voet van een paard met de hand van boven naar beneden stroken en alzo genazen. er hätte mir den reim selbst sollen mittheilen. Bedeutsamer klingt die schottische, aus den fireside stories by Rob. Chambers, Edinb. 1842 p. 37 entnommne überlieferung. 1031 When a person has received a sprain, it is customary to apply to an individual practised in casting the wresting thread . this is a thread spun from black wool , on which are cast nine knots , and tied round a sprained leg or arm . During the time the operator is putting the thread round the affected limb, he says, but in such a tone of voice as not to be heard by the bystanders , nor even by the person operated upon: the lord rade, and the foal slade; he lighted, and he righted. set joint to joint, bone to bone, and sinew to sinew. heal in the holy ghosts name! hier dient der spruch noch für verrenkungen des menschlichen leibs, obgleich von dem gleiten des fohlen ausgegangen wird; zu den geraunten worten tritt aber noch eine ligatur des wollnen fadens in neun knoten. Wie genau stimmt in diesen, von einander ganz unabhängigen fassungen das bên zi bêna, been i been, bone so bone, das lid zi giliden, kjöd i kjöd, sinew to sinew; wer an die treue dauer des im volk überlieferten nicht glauben kann, empfängt hier beispiele vom zehnten jh. bis auf heute in Deutschland, Schottland und dem Norden. sicher sind dieselben worte oder ähnliche zahllose mal in allen ländern deutscher zunge abergläubisch angewandt worden. der cod. vatic. 4395 enthält bl. 83 a folgendes: ›gott wurden IIII nagel in sein hend und fuez geslagen, da von er IIII wunden enphie, do er an dem heiligen chreuz hing (l. hie). die funft wunden im Longinus stach, er west nicht waz er an ihm rach . . . an dem dritten tag gepot got dem lichnam, der in der erden lag, fleisch zu fleisch, pluet zu pluet, adern zu adern, pain zu pain, gelider zu gelidern, yslichs an sein stat. bei demselbigen gepeut ich dir fleisch zu fleisch u. s. w.‹ Aber noch mehr, weit höher hinauf, schon bei den ältesten Römern hafteten verrenkungssprüche , voll dunkler worte. der bereits s.  186 aus Cato angeführte mag jetzt ganz folgen, weil er auf art und weise der deutschen formeln licht wirft. Luxum si quod est, hac cantione sanum fiet. harundinem prende tibi viridem pedes IV aut V longam. mediam diffinde et duo homines teneant ad coxendices. incipe cantare ›in alio. s. f. motas vaeta daries dardaries astataries Dissunapiter‹, usque dum coeant. ferrum insuper jactato. ubi coierint et altera alteram tetigerit, id manu prende et dextra sinistra praecide. ad luxum aut ad fracturam alliga, sanum fiet, et tamen quotidie cantato ›in alio s. f. vel luxato . vel hoc modo, huat hanat huat ista pista sista, domiabo damnaustra, et luxato . vel hoc modo, huat haut ista sis tar sis ardannabon dunnaustra.‹ Auf diese beschwörung geht was Plinius am schluß von buch 17 sagt: carminis verba inserere non equidem serio 1032 ausim, quanquam a Catone prodita, contra luxata membra, jungenda arundinum fissurae. Die worte erscheinen uns jetzt unsinn und mögen auch verderbt sein; warum sollten sie aber nicht ursprünglich der sabinischen oder einer benachbarten sprache des alten Italiens, von welchen wir nur wenig wissen, zugehören. die reime ista pista sista oder die alliteration domiabo damnaustra (im folgenden dannabon dunnaustra erscheint das nemliche wieder, weshalb nochmals ista pista sista zu lesen sein wird) erinnern an die reime des spruchs bei Virgil: limus ut hic durescit et haec ut cera liquescit uno eodemque igne, sic nostro Daphnis amore (ecl. 8). in Dissunapiter steckt der gott, gleich dem Phol und Wodan unsrer sprüche. Marcellus Empiricus, ein arzt des 4 jh., hat in seinem buche de medicamentis eine formel gegen herzweh: in lamella stannea scribes et ad collum suspendes haec, antea vero etiam cane: corcu ne mergito, cave corcu ne mergito cantorem, utos, utos, utos, praeparavi tibi vinum lene, libidinem, discede a nonita, in nomine dei Jacob, in nomine dei Sebaoth! Nachtrag: Kl. schr. 2, 1 ff. zu den a. o. s. 12 angezogenen stellen sind hinzuzufügen: ze holz varn . Haupts zeitschr. 2, 539. ze holze , ze walde varn . Hahns Stricker 9, 13. 10, 33. 11, 78. vuor zi walde . Diemer 110, 1. dîn setzen ist noch niht ze holz (verloren). fragm. 23 b . mit der ersten zeile des zauberspruchs vergleiche man: Petrus und Paulus gingen to holt un to brok . Lisch 9, 226. Balders füllen wird das pferd sein, das mit diesem gotte verbrannt wurde. Sn. 18. Eine andere beschwörungsformel gegen das lahmen eines pferdes lautet: jeg red mig engang igjennem et led, saa fik min sorte fole vred; saa satte jeg kjöd mod kjöd og blod mod blod, saa blev min sorte fole god. Floget (altn. flog dolor acris) botas genom denna lösning: floget och flömdet skall fly ur brusk och ben i stock och sten, i namn fader u. s. w. Då att upropas trenne gänger: trollet satt i berget , hästen feck floget, spott i hand, slå i mun, bot i samma stund. Rääf. Estnische beschwörungen stehn bei Kreutzwald und Neuss s. 97–99. 122. 123. über die heilung der verrenkung in Lappland. Castréns reise 153. vgl. Ernst Meier s. 516. man sagt noch von ungewaschenen reden, sie könnten keinen lahmen gaul gesund machen. zum Catonischen verrenkungsspruch halte die formel: mota et soluta. Grotefend rud. umbr. 4, 13. in Atharvaveda 4, 12 heißt ein solcher spruch: Aufrichtend bist du, aufrichtend, aufrichtend das gebrochne bein, richte dies auf, Arundhati! Was dir verletzt, was dir gebrochen, das richte glücklich wieder ein der schöpfer dir mit glied an glied . Es werde dir durch mark das mark , es werde dir auch glied durch glied , was dir am fleisch vergangen ist, und auch der knochen wachse dir. Mark mit marke sei vereinigt, haut mit haut erhebe sich, blut erheb' sich dir am knochen, was da zerbrach, richt' ein, o kraut. Steh auf, geh hin, du, eile fort, wie schön an rad, felge und nab' ein wagen läuft! Steh aufrecht fest! Wenn in die grube stürzend es zerbrach, oder ein stein, geworfen, hat getroffen, zusammen wie des wagens theile, so füge glied an glied der alf (ribhu)! Im cod. vindob. theol. 259 werden lateinische und deutsche formeln zusammengestellt. (De eo quo)d spurihalz dicimus mhd. spurhalz Diut. 2, 140, vgl. diu spurgalze MsH. 3, 278 b . . si in dextero pede contigerit, in sinistra aure sanguis minuatur, si in sinistro pede, in dextera aure minuatur sanguis. Ad vermes occidendos. Feruina  (?) dei gracia plena. tu habes triginta quinque indices et triginta quinque medicinas. quando dominus ascendit ad coelos, ascendit memorare quod dixit. Ad apes conformandos . vos estis ancille domini (vgl. s.  579 . 755 ), adjuro vos per nomen domini ne fugiatis a filiis hominum. Ad pullos de nido . crescite et multiplicamini et vivite et implete terram. Contra sagittam diaboli . palamiasit. palamiasit. calamia insiti per omne corpus meum. per ista tria nomina per patrem et filium et filium sanctum. aius aius aius sanctus sanctus sanctus. in dei nomine cardia cardiani de necessu (? recessu) propter illum malannum quod domnus papa ad imperatorem transmisit, quod omnis homo super se portare debet. amen. tribus vicibus. De hoc quod spurihalz dicunt. primum pater noster. visc flôt aftar themo watare, verbrustun sîna vetherun, thô gihêlida iua use druhtin, the selvo druhtin thie gehêle that hors tliera spurihelti! Contra vermes : gang ût nesso mid nigun nessiklinon, ût fana themo marge an that bên. fan themo bêne an that flês gût. fan themo flêsge an thia hûd, ût fan thera strâla! druhtin werthe sô ein cod. tegerns. 524. 2 zu München hat eine ahd. etwas abweichende fassung: gang ûz nesso mit niun nessinclinon ûz fonna marga in deô âdra, vonna dên âdrun in daz fleisk, fonna demu fleiske in daz fel, fonna demo velle iu diz tulli. ter pater noster. auch ahd. nesso mit SS. tulli wie strâla ein geräth, vgl. mhd. tülle Nib. 897, 3 und Haupt zu Engelh. 1916. . Der nesso, mit seinen neun jungen, ist das auszutreibende gewürm. 1033 Petrus , Michahel et Stephanus ambulabant per viam, sic dixit Michahel : › Stephani equus infusus , signet illum deus, signet illum Christus, et erbam comedat et aquam bibat.‹ Zwei dieser formeln betreffen wieder das lahme, die letzte das kranke pferd (Ducange s. v. infusio u. infusus equus). die übergänge von marg an bên, flêsg und hûd gleichen aber dem einrichten der verrenkung. Nachtrag: Cod. monac. lat. 536 sec. XII hat die beschwörung in ganz epischer form: Nesia nociva perrexit vagando per diversas plateas quaerens quem laedere posset; cui occurrit dominus et dixit › Nesia quo vadis?‹ ›vado ad famulum dei N. ossa fricare, nervos medullare, carnes exsiccare.‹ cui dixit dominus: ›praecipio tibi in nomine patris etc, ut deseras famulum dei et pergas in desertum locum .‹ so faßt bei kolik des kopfs oder magens die besprechende alte frau die schmerzhafte stelle, drückt sie fest zusammen und spricht neunmal: ›im namen gottes u. s. w. frau mutter , ich packe dich, ich drücke dich, geh du nur zur ruhe in deine kammer , wo dich der liebe gott erschaffen hat.‹ n. preuß. prov. bl. 3, 472. in Masuren heißt es: Weicht, ihr weißen leute (s.  968 ), von diesem getauften Gottlieb, fort aus seiner haut, aus seinem leibe, aus seinem blut, aus seinen adern, aus seinen gelenken, aus allen seinen gliedern! fern im meer ist ein großer stein , dahin gehet, dahin fahret, dort trinket, dort zehret, durch die macht gottes u. s. w. n. preuß. prov. bl. 3, 474. und gegen den bösen blick sagt man dort: Fiel thau vom himmel, vom stein auf die erde. wie dieser thau verschwindet, verschwand, in der luft verwehet, so mögen auch dreimal neun zauber verschwinden, vergehn in der luft und verweht werden . ebendas. 3, 475. . Die ältesten, schönsten segen bei allen völkern laufen über in gebete, welche bei opfern hergesagt wurden, und die einfachsten sind im hirtenleben aufzusuchen. wie frische unschuld klingt in jenen gebeten an den donnergott (s.  146 ). Wenn die Tscheremissen ihr hehrstes fest Schurem begehn und stille friedliche opfer darbringen, bei welchem sich kein weibliches wesen blicken lassen darf (vgl. s.  965 ), sprechen sie ein gebet, aus dem ich wenige sätze aushebe: wer gott opfer gebracht hat, dem gebe gott heil und gesundheit, den kindern die zur welt kommen schenke er geld, brot, bienen, vieh die fülle. er lasse die bienen heuer schwärmen und honig in fülle wirken. wenn der frühling naht, laß, o gott, die drei arten vieh auf die drei wege hinaus, schütze sie vor tiefem schlamm, bären, wölfen, dieben. wie der hopfen prall ist und voll, so segne uns mit glück und verstand! wie das licht hell brennt, so laß uns leben! wie das wachs sich ansetzt quidquid tangebam crescebat tanquam favus . Petronius cap. 43. 79. man kennt das unablässige steigen der wabe im bienenstock. Wenn den Serben weihnachts der badnjak brennt, tritt der eingeladete polaznik hinzu, schlägt mit einer feuerschaufel auf den brand, daß die funken stieben, während er spricht: so viel schafe, so viel ziegen, so viel schweine, so viel rinder, so viel glück und segen, als hier funken fliegen! Vuks Montenegro s. 106. , verleih uns heil! (aus Aleks. Fuks o Tschuwaschach i Tscheremisach. Kasan 1840, mitgeth. in Ermans archiv 1841. heft 2). Dapem pro bubus piro florente facito. dapem hoc modo fieri oportet. Jovi dapali culignam vini quantuum vis polluceto. eo die feriae bubus et bubulcis, et qui dapem facient. cum pollucere oportebit, sic facias. Jupiter dapalis , quod tibi fieri oportet, in domo familia mea culignam vini dapi, ejus rei ergo macte hac illace dape pollucenda esto. macte vino inferio esto. Vestae , si voles, dato. daps Jovi assaria pecuina, urna vini Jovi caste. profanato sine contagione, postea dape facta serito milium, panicum, alium, lentim (Cato de re rust. 132). Hieran reiht sich eine ags. bôt d. i. puoza des untragenden, durch zauber verderbten ackers aus cod. exon. 5214. Her is seo bôt, hû þû meaht þîne äceras betan , gif hî nellađ vel veaxan, ođđe þær hvilc ungedêfe þing ongedôn biđ on drŷ ođđe on lyblâce. Genim þonne on niht, ær hit dagige, feover tyrf on feover healfa þäs landes, and gemearca, hû hî ær stôdon. nim þonne ele and hunig and beorman , and ælces feos meolc , þe on þæm lande sî, and ælces treovcynnes dæl, þe on þæm lande sî geveaxen, 1034 bûtan heardan beáman , and ælcre namcuđre vyrte dæl, bûtan glappan ânon ; and dô þonne hâlig väter þæron, and drŷpe þonne þriva on þone stađol þâra turfa, and cveđe þonne þâs vord: crescite, veaxe, et multiplicamini, and gemänigfealde, et replete, and gefylle, terram, þâs eorđan, in nomine patris et filii et spiritus sancti benedicti, and pater noster, svâ oft svâ þât ođer. And bere siđđan þâ turf tô cyrcean, and messepreost âsinge feover messan ofer þâm turfon, and vende man þät grêne tô þam veofode . and siđđan gebringe man þâ turf, pær hi ær væron ær sunnan setlgange , and häbbe him gevorht of cvicbeáme feover Cristes mælo, and âvrîte on ælcon ende Mattheus and Marcus, Lucas and Johannes. lege þät Cristes mæl on þone pyt neođeveardne, cveđe þonne: crux Mattheus, crux Marcus, crux Lucas, crux Johannes. nim þonne þâ turf and sette þær ufon on and cveđe þonne nigon siđon þâs vord: crescite and svâ oft pater noster. and vende þe þonne eástveard , and onlût nigon siđon eádmôdlice, and cveđ þonne þâs vord: eástveard ic stande, ârena ic me bidde. bidde ic þone mæran dryhten, b. i. þ. miclan dryhten, bidde ic þone hâligan heofonrices veard. eorđan ic bidde and upheofon , and þâ sôđan sancta Marian , and heofenes meaht and heáhreced, þät ic môte þis gealdor mid gife dryhtnes tôđum ontŷnan þurh trumme geþanc, âveccan þâs västmas us tô voruldnytte, gefyllan þâs foldan mid fäste geleáfan, vlitigian þâs vangturf , svâ se vîtega cväđ, þät se häfde âre on eorđrice se þe ælmyssan dælde dômlice dryhtnes þances. Vende þe þonne þriva sunganges. âstrecce þe þonne on andlang , and ârim þær letanias, and cveđ þonne ›sanctus, sanctus, sanctus‹ ođ ende. sing þonne benedicite âpenedon earmon and magniticat and pater noster III, and bebeod hit Criste and sancta Marian and pære hâlgan rôde, tô lofe and tô veorđinga, and þam tô âre þe þät land âge and eallon þâm þe him underþeodde sint. þonne þät eall sî gedôn, þonne nime man uncûđ sæd ät ælmesmannum , and selle him tvâ svylc svylce man ät him nime, and gegaderie ealle his sulhgeteogo tô gädere. borige þonne on þam beáme stôr and finol and gehâlgode sâpan and gehâlgod sealt . nim þonne þät sæd, sete on þäs sulhes bodig. cveđ þonne: Erce, erce, erce, eorđan môdor die s. 210 versuchte deutung dieser zeile bleibt ein wagstück. auch ein andrer ags. gealdor gegen natternbiß beginnt: ærce ærcre ærnem nadre ærcund hel ærniem niþærn etc. , geunne þe se alvealda êce dryhten äcera veaxendra and vriđendra, eácniendra and elniendra, sceáf tæce cod. sceafltahen. ich verstehe manipulum capiat. se scîra västma, and þære brâdan bere västma, 1035 and þære hvîtan hvæte västma, and ealra eorđan västma. geunne him êce dryhten and his hâlige þe on heofonum sint. þät his yrđ sî gefriđod viđ ealra feonda gehväne, and heo sî geborgen viđ ealra healvn gehvylc, þâra lyblâca geond land sâven. nu bidde ic þone vealdend, se þe þâs veoruld gesceôp, þät ne sî nân tô þäs cvidol vîf, ne tô þäs cräftig man, þät âvendan ne mäge vord þus gecvedene. þonne man þâ sulh forđ drîfe and þâ forman furh onsceote , ced þonne hâl ves þû folde fira môdor! beo þû grôvende on godes fäđme, fôdre gefylled firum tô nytte! nim þonne älces cynnes melo , and âbace man innereardre handa brâdne hlâf and gecned hine mid meolce and mid hâlig vätere, and lecge under þâ forman furh . cveđ þonne: ful äcer fôdres fira cynne beorht blôvende, þû geblêtsod veorđ þäs hâligan naman, þe þâs heofon gesceôp, and þâs eorđan þe ve on lifiađ. se god þe þâs grundas geveorhte gemme us grôvende gife, þät us corna gehvyle cume tô nytte; cveđ þonne þriva crescite in nomine patiis benedicti amen, and pater noster þriva. Diese merkwürdige nachricht scheint, obgleich ihr schon christliche bräuche beigemischt werden, weit in das alterthum heidnischer opfer und ackerbestellung hinauf zu führen. wie dem Jupiter die daps bereitet und die weinschale ausgegossen, hernach hirse, fenich, lauch und linse gesät wurde, gehn auch hier dem pflügen opferbräuche vorher. aus des ackers vier winkeln werden rasen geschnitten, öl, honig, hefe, von alles viehes milch, von alles baumes art (außer hartbäumen, d. i. eiche und buche, RA. 506), von allem namhaften kraut (außer kletten) auf die rasen gelegt und heiliges wasser gesprengt; dann die rasenstücke zur kirche getragen, so, daß das grüne gegen den altar gewendet ist, vier messen darüber gelesen, und die rasen noch vor sonnenuntergang wieder auf den acker gebracht. nun geschehen die segensprüche und unbekannter von bettlern erkaufter samen (vgl. s.  952 ) wird geholt, auf den pflug gesetzt und ein andrer spruch hergesagt, dann die erste furche gepflügt, allerlei mehl genommen, ein laib mit milch geknetet, unter die erste furche gelegt und noch ein segen gesprochen. Es ist bekannt, daß die Römer mehlkuchen und früchte auf den äckern opferten. mir scheinen aber auch unsre weisthümer noch unverstandne spuren jener heidnischen sitte zu bewahren: kommt der pflüger an ein ende der furche, soll er da finden einen topf mit honig und am andern ende einen topf milch , so er schwach würde sich daran zu erlaben (weisth. 2, 547, wo für milch melts steht, was weder mehl noch malz sein kann). ferner, beim pflügen soll ein brot so groß gebracht 1036 werden, daß man es in eine achse des pflugrads stecke und eine furche damit ackere; breche das brot, wenn die furche aus sei und habe der pflüger nicht ein andres rad bereit, das er an die stelle setze, so solle er büßen; breche aber das brot, eh die furche fertig sei, möge er ohne buße heimfahren (2, 356). Anderemal lautet die bestimmung so: breche dem pflüger ein rad, so habe er zur buße ein brot zu entrichten, das gleich hoch mit dem pflugrad und von aller frucht, die der pflug gewinnt, gebacken , und so gemach solle er mit dem pfluge fahren, daß ein finke seine jungen auf dem rade ätzen könne (2, 179, 180). auch 2, 547 heißt es, wenn ein korn haber in das pflugrad falle, daß die vögel in der luft es genießen sollen. 2, 120 ist bloß die größe des brots nach der des pflugrads ausgedrückt, 2, 128 wird aber wiederum gesagt, aus der frucht, die die hube trägt, und die müle bricht , soll ein kuchen von der größe des pflugrads gebacken werden und nun der pflüger damit pflügen: breche das rad, eh er ans ende komme, so sei er brüchig, breche es nicht, so sei er dennoch brüchig. den kuchen von aller frucht, die die müle melt , nennt 2, 147 und das an die stelle des auslaufenden pflugrads einzusteckende rockenbrot 2, 262. 412. 587. Was sollen diese seltsamen vorschriften? nie werden pflüger mit honig und milch gespeist, nie brote und kuchen an die achse gesteckt worden sein, die erste furche zu ziehen. es scheinen alte opferlaibe, die mit honig und milch begossen in die furche (ad piamentum s.  1001 ) gelegt und den pflügern ausgetheilt wurden, an welchen man auch die vöglein picken ließ; daß sie aus allerlei frucht , um den ganzen ertrag des ackers zu umfassen, bereitet waren, wie in der ags. formel der laib aus aller art mehl gebacken ist, entscheidet beinahe. Verelius, in den anm. zu Hervararsaga s. 139 meldet, daß die schwedischen bauern den gebacknen julagalt (s.  41 ) trocken werden lassen und bis zum frühjahr aufheben. dann aber einen theil davon unter die frucht reiben und den pflügenden rossen, einen theil den pflughaltern zu essen geben: verrem istum fictum siccant, et ad veris tempus, cum semina sulcis sunt credenda servant. tum partem ejus comminutam in vas vel in corbem, ex quo semina sunt dispergenda, immittunt, hordeoque permixtam equis aratoribus, alteram servis stivam tenentibus comedendam relinquunt, spe forte uberioris messis percipiendae. Das ist also auch ein opferkuchen, der unter die saat gemischt und von den pflügenden thieren und menschen gekostet wurde; wer weiß ob nicht das verbrennen des teufels, das vertheilen und ausstreuen seiner asche auf den äckern, dessen man die hexen zieh (s.  897 ), aus dem gebäck eines opferkuchens in götzengestalt entsprang? auch zum bealtine wurde ein kuchen gebacken und unter die menge vertheilt (s.  510 ). Bei dem flachsbau wird es nicht an segensprüchen und bräuchen gemangelt haben, noch heute singen die mädchen unter dieser arbeit mancherlei lieder. Wenn der lein gesät wurde, stieg an 1037 einigen orten die hausfrau auf den tisch, tanzte und sprang rücklings herab: so hoch sie niedersprang, so hoch sollte der flachs wachsen (vgl. abergl. 519 ). Lasicz s. 50 von den Samagiten: tertio post ilgas die deum Waizganthos colunt virgines, ut ejus beneficio tam lini quam cannabis habeant copiam. ubi altissima illarum, impleto placentulis, quas sikies vocant, sinu, et stans pede uno in sedili manuque sinistra sursum elata librum prolixum tiliae vel ulmo detractum, dextera vero craterem cerevisiae haec loquens tenet: ›Waizganthe produc nobis tam altum linum, quam ego nunc alta sum , neve nos nudos incedere permittas!‹ post haec craterem exhaurit impletumque rursum deo in terram effundit, et placentas e sinu ejicit, a deastris, si qui sint Waizgantho, comedendas. Si haec peragens firma perstet , bonum lini proventum anno sequenti futurum in animum inducit, si lapsa pede altero nitatur , dubitat de futura copia, fidemque effectus sequitur. In der Wetterau, beim säen des krauts, muß die frau auf den heerd springen und rufen: ›häupter wie mein kopf, blätter wie mein schürz und dorschen (strünke) wie mein bein!‹ so wird das kraut gerathen Nachtrag: Wahs gehört zu wahsan, wie cera zu crescere. vgl. des genuhtsam nam zuo als ein teic wol erhaben . Ges. Abent. 2, 446. Dem › bere turf tô cyrcean ‹ der ags. bôt entspricht das › cespitem terrae super altare ponere ‹. Kemble no. 177. ihre segensprüche und ihre meldung von der einlegung eines laibes in die erste furche werden erläutert durch Plin. 25. 4, 10: hac (radice panaces) evulsa scrobem repleri vario genere frugum religio est ac terrae piamentum. Bebelii facetiae s. 72: supplicationes circum agros frugiferos fleri solitae. Wie zum bealtine kuchen, wurden auch Siblett cakes after wheatsowing gebacken. Hones yearb. 1596. Alte beim säen des leins gesprochene segensformeln aus dem Schaumburgischen bei Lynker no. 319. 320, aus Baiern bei Panzer 2, 549–551, aus Thüringen bei Menander jocos. tom. 2. no. 503. die Walachen tanzen zum hanf (pentru cinnib), wobei die arme der tänzerin so hoch gehoben werden, als es der tänzer vermag, damit der hanf hoch wachse. Schott s. 302. neujahrsmitternacht wirft der wirt von jeder korngattung eine handvoll an die bühne und ruft: gott lasse heuer das korn so hoch wachsen! Possarts Estl. 171. . Wie die Römer den wolf von den äckern abwehrten, berichtet Plin. 28, 20: lupos in agrum non accedere, si capti unius pedibus infractis cultroque adacto paulatim sanguis circa fines agri spargatur , atque ipse defodiatur in eo loco, ex quo coeperit trahi; aut si vomerem , quo primus sulcus eo anno in agro ductus sit, excussum aratro focus larium , quo familia convenit, absumat ; ac lupum nulli animali nociturum in eo agro, quam diu id fiat. Der folgende hirtensegen aus einer hs. des 15 jh. verräth weit älteren ursprung: ich treip heut aus in unser lieben frauen haus, in Abrahams garten (vgl. s. 1020 ), der lieber herr sant Mertein, der sol heut meines (vihes) pflegen und warten, und der lieber herr sant Wolfgang , der lieb herr sant Peter, der hat den himelischen slussel, die versperrent dem wolf und der vohin im drussel, daß si weder plut lassen noch bein schroten. des helf mir der man, der chain ubel nie hat getan (d. i. Christus, vgl. oben s.  20 und den gegensatz s.  825 . 826 ), und die heiligen V wunden behüten mein vieh vor allen hoIzhunden . V pater et V ave Maria. Alle reime brechen unsicher durch. die holzhunde sind Wuotans waldhunde (s.  122 ); die holtes gehlêđan, silvae latrones (El. 223), die hölzinge (Reinh. s.  lv ) und daß neben dem wolf die weibliche vohe (vulpes) genannt ist, stimmt sogar zum goth. faúhô, ahd. fohâ. Wolfgang aber, der hier die heerde schützen soll, heißt so entweder weil er dem wolf entgegengeht, oder ihm als helden der wolf zu glücklicher stunde begegnet ist (s.  954 ) Nachtrag: Auch in Strickers schwank von den dieben will sant Martîn der rinder im stalle hüten. Hahn s. 22–27 und in einem segen für schweine heißt es: Johannes videat illos, Martinus expascat. Hattemer 1, 410 a . der im hirtensegen angeführte Abrahamsgarten kommt auch sonst vor. durch den abrahemschen garten . Orendel 1240. ez leit uns in Abrahames garten . MSH. 3, 223 b . in einem finnischen lied im Kantel. 1 no. 176 soll Jesus die heerde hüten. Suvetar und Etelä , die naturmutter, bewachen das vieh. Kalevala (Castrén 2, 50). . Da ich keinen deutschen bienensegen angetroffen habe, will ich einen lateinischen aus Baluze capitul. 2, 663, nach einer Sangaller hs., geben. Ad revocandum examen apum dispersum: adjuro te mater aviorum per deum regem coelorum et per illum redemptorem filium dei te adjuro, ut non te in altum levare nec longe volare, sed quam plus cito potes ad arborom venire (velis): 1038 ibi te alloces cum omni tuo genere vel cum socia tua, ibi habeo bona vasa parata, ut vos ibi in dei nomine laboretis etc. mater aviorum (für apum) ist die ags. beomôdor (s.  580 ), die wachsende wabe (vorhin s.  1033 ) hieß beobreád cod. exon. 425, 20, mhd. bîebrôt (gramm. 3, 463), sonst auch râz und wâbe (vom weben, wirken, vgl. s.  580 ); der stock bîekar (vas, goth. kasi), das flugloch ahd. flougar (Graff 3, 163); unserer sprache standen vordem viel mehr benennungen für die bienenzucht zu gebot und schönere Nachtrag: Einen deutschen bienensegen fand Haltrich auf einem pappdeckel eines buches der Schäfsburger schulbibliothek no. 245, betitelt: Disputatio de Deo etc. Claudiopoli. 1570. Maria stund auf eim sehr hohen berg. sie sach einen suarm bienen kommen phliegen. sie hub auf ihre gebenedeyte hand, sie verbot in da zu hant, versprach im alle hilen und die beim versloszen, sie sazt im dar ein fas , das Zent Joseph hat gemacht. in das solt ehr phlügen und sich seines lebens da genügen. In nomine u. s. w. Amen. . Weil runen auf bast geschrieben wurden (limrûnar â berki rista ok â bađmi viđar, Sæm. 195 a , cortex carminibus adnotatus, Saxo gramm. 44), mag das alterthum auch runen gekannt haben die den bast vom holze lösten . zauberlieder vermögen das kind aus der mutter schoß, die rinde vom bast zu lösen. Bei unsern hirtenbuben haben sich fast durch ganz Deutschland reime erhalten, die sie einen weidenast auf dem knie oder mit dem messerstiel klopfend tactmäßig singen, um den bast zur pfeife unverletzt abzutrennen . die einfachste, aber nicht älteste fassung lautet: Fabian Sebastian, lat mi de widenflöt afgan! (Voss zu idylle 6, 179). in Ditmarsen: Fabian Sebastian lat den saft ut holt gan! man wähnt, auf dieser heiligen tag (20 jan.) trete der saft in die weide. anderwärts mangeln beide namen, dafür ist der spruch länger: sa sa pipe (wahrscheinlich sappipe , saftpfeife) upm mölendike dar sit en man, de heet Johan, de har dre rode stöveln an, de ene hördo mi to, de annor hörde di to, de drudde hördem papen to, do kam de ole hesse (hexe) mit en blanken meste, sneet den küken den kop af, smeeten in busch, plumps sä de busch, is de sapipe noch nicht good? Halbertsma im overijsselschen almanak für 1836 sagt: de twijg riip en gesneden zijndo slaan de kinderen met het hecht van een mesje op een der groene rijsjes, tot dat de bast loslaat, dien zij er dan heel aftrekken en als een pijp gebruiken om op te fluiten of er erwten door te blazen. zoo lang het kind met zijn mesje op den bast tikte, plag het oudtijds de volgende regelen te zingen: › lange, lange pipe, wenneer bistou ripe? te meye, te meye, as de veugeltjes eyer lekt. 't ketjen op den dyk zat, sute melk met brokken at. doe kwam de voele hesse al met de scharpe messe, wold et ketjen et oor afsnien: it ketjen ging ant lopen to hope, lo hope! de voele hesse ging lopen. heel of, half of, houwe dijn den kop af, so dood as en piere, kump sün levendage net weer hiere.‹ Aus der Neumark gibt Firmenich s. 121 diesen spruch: › sipp sapp seepe, moak mi 'ne flöte . wovon denn? von meieroan, von thymegoan, det se balle mag afgoahn .‹ s. 131 aus Priegnitz: › sibbe sibbe sibbe säubken , loat mi det kleine fleutken goat afgoahn , goot afgoahn bes up den letzten knoaken.‹ Man sieht, wie Sebastian aus sappipe, sibbe sabbe und vielleicht bast hinein gerathen ist. Im Böhmerwald wird der weiden oder erlenzweig so beschworen (Jos. Rank s. 168): pföfferl gei owa , sist schloga dö owa, lei's rintl o drahdö eiz, heargotl pfeiz! (pfeiflein 1039 geh ab, sonst schlag ich dich ab, liebes rindlein ja zieh dich jetzt, herrgöttlein pfeif). Woycicki kl. 1, 92. 151 meldet, um eine wunderbare pfeife (fujarka) zu erlangen, die alle leute tanzen mache, müsse man im dunkeln wald die grüne weide aufsuchen, welche niemals wasser rauschen noch den hahn krähen hörte : co by nigdy niesłyszala szuma wody, ni piania koguta. dieser ausdrücklich vom landvolk am Pruth und Dniester entnommne zug stimmt wunderbar zu Plinius angabe 10, 37: ex qua (sambuco) magis canoram buccinam tubam que credit pastor ibi caesa, ubi gallorum cantum frutex ille non exandiat . von schälen der weide wird nichts berichtet Nachtrag: Sie machten weidenflöten und holderpfeifen . Garg. 193 a . han spelade barken af all slags träd. Arvidss. 2, 311. han spelade barken af hårdaste träd. 2, 314. han lekte barken af björke, af boketrä. 2, 317. gerath wol pfeifenholz, ich pfeif dir ja wol darzu oder du wirst zum bolz . Garg. 213 a . will das holz nit zun pfeifen geraten, ich pfeif im dan wol, so will ich singen, so gerats zum bolz , ebendas. andere reime beim bastlösen findet man bei Woeste s. 20, Firmenich 1, 294. 352. 426. 442. 2, 102, Panzer 1, 269, Fiedler 97. . Aus dem Harleyms. no. 585 fol. 186 theilte mir Price ein altes ags. spell gegen færstice , d. i. unversehens entstandnen stich mit. man soll die drei kräuter feferfuge (engl. feverfew, im capit. de villis b. Pertz 3, 186 febrifugia = febrem fugans), rothe nessel die durch den hof wächst (vgl. 1004 durch sieb) und wegbreite (ahd. wegabreita plantago) dazu in butter sieden. viđ færstice feferfuge and seo reáde netele , þe þurh ærn invyxđ and vegbræde , vylle in buteran. Hlûde væron hî lâ hlûde, þâ hi ofer þone hlæv ridon, væron ânmôde. þâ hi ofer land ridon. scyld þû þe nu þâ, þisne nîđ genesan môte. ût lytel spere, gif her inne sie! stôd under linde. under leohtum scylde, pær þâ mihtigan vif hyra mägen beræddon. and hi gyllende gâras sendon. ic him ođerne eft ville sendan fleogende flân forane tô geanes. ût lytel spere, gif hit her inne sie! sät smiđ, slôh seax lytel . . . . . . . iserna vund sviđe. ût lytel spere, gif her inne sie! sex smiđas sæton, välspera vorhton, ûtspere næs innspere gif her inne sie isernes dæl, hägtessan geveorc , hit sceal gemyltan, gif þu være on fell scoten, ođđe være on flæsc scoten, ođđe være on blôd scoten . . . . . . ođđe være on liđ scoten, næfre ne si þin lif âtæsed, gif hit være êsa gescot , ođđe hit være ylfa gescot , ođđe hit være hägtessan gescot , nu ic ville þîn helpan: þis þe tô bô bôte êsa gescotes , þis þe tô bôte ylfa gescotes , þis þe tô bôte hägtessan gescotes . ic þîn ville helpan. tleo þær on fyrgen! heáfde hâl vestu, helpe þîn dryhten! nim þonne þät seax, âdô on vætan. Einige lücken stören. zum grunde liegt die annahme, daß die stiche des kranken vom geschoß der geister verursacht werden. mächtige frauen, hägtessan (s.  808 ) seien laut über das land geritten und haben gellende speere gesendet, hernach aber wird genauer êsa, ylfa und hägtessan gescot unterschieden, geschoß der götter (s.  21 ), elbe (s.  366 ) und der hexen (doch steht der gen. 1040 sg. hägtessan, nicht pl. hägtessena). der beschwörende, indem er den hergang erzählt, ruft dem kranken zu, daß er sich decken solle, dann werde er genesen þisne nîđ genesan; eigenthümlich fügt die ags. sprache zu diesem verbo den acc, statt des ahd. gen., vgl. þâ säcce genäs. Beov. 3950; nîda gehvane genesen häfde. Beov. 4789; fela ic guđræsa genäs. Beov. 4848; se þâ gûđe genäs. Cædm. 121, 33 Nachtrag: Zum ags. sprachgebrauch stimmt das mndrl. ic en can den honger niet genesen. ver Ave im belg. mus. 6, 414. vgl. das nml. ghenesen sanare Lanc. 1996 und sanari Maerl. 2, 156. ghenas sanavit. Lanc. 8458. Maerl. 3, 190. 2, 111. was genesen sanatus erat. Maerl. 2, 135. . , immer wird dazwischen gerufen: heraus kleiner speer, wo du in dem leibe bist! dann fährt der beschwörer fort, er habe unter schilde gedeckt gestanden, als die weiber ihre geschoße fliegen ließen, und bereite sich, ihnen den gegenwurf zu senden, ein messer, dessen schmieden durch einen schmied, so wie das von schlachtspeeren durch sechs schmiede gemeldet wird. das zaubereisen solle schmelzen, wohin es auch geschossen sei, in haut, fleisch, blut oder glied, die hilfe komme. zuletzt heißt es: (die zauberin) fliehe in die wildnis, du, der kranke, sei am haupte heil, gott helfe dir. nach beendigung des spells soll das messer (jenes vom schmied geschmiedete?) in wasser gethan werden. hinter scoten scheint ausgefallen: ođđe være on bân scoten, hinter fyrgen vielleicht: seo þone flân sceát (oder: sende). Nachtrag: Welches kraut ist febrifuga ? Sumerl. 56, 58 metere ( anm. 2958 ), gl. sletst. 39, 405 febrefugia matirna , Dioscor. 3, 7 centaurium minus, multiradix, 3, 126 conyza, intybus. featherfowl , the plant feverfew. Barnes. in dem angeführten ags. spell steht übrigens hærn, nicht ærn vgl. cod. exon. 182, 9 hærnflôta. ein derartiger spruch oder segen, womit das übel besprochen wird, daß es zurücktrete, heißt serb. ustuk zurücktritt von ustuknuti zurückweichen. auch das dabei verwandte kraut heißt ustuk . wie die hexen werden auch ratten und mäuse weggesungen, wie vom rattenfänger in Hameln. das ist eine gabe der erblichen dichter in Irland. proccedings of the irish acad. 5, 355–366. . Andere bisher ungedruckte formeln danke ich Kembles mittheilung. Cviđ ymbe, nim eorđan , oferveorp mid þînê svîđran handa under þinum svîđran fêt and cvet: fô ic under fêt, fuude ic hit. hvät, eorđe mäg viđ ealra vihta gehvylce , and viđ andan and viđ æminde, and viđ þâ micelan mannes tungan. and viđ on forveorp ofer greot þonne his virman and cveđ: sitte ge etc. (folgen die schon s.  358 gegebnen verse). Gegen väterälfâdle (wasserelbsucht): gif mon biđ on väterälfâdle, þonne beođ him þâ handnäglas vonne and þâ eágan tearige, and vile locian niđer. dô him þis tô læcedôme: eoforþrote, cassuc, eovberge, elehtre, eolone, merscmealvancrop, fenminte, dile, lilie, âttorlâđe, polleie, marrubie, docce, ellen, felterre, vermôđ, strâvbergean leáf, consolde. ofgeot mid ealađ, dô hâlig väter tô, sing þis gealdor ofer þriva: ic benne âvrâđ betest beadovræđa, svâ benne ne burnon ne burston, ne fundian ne feologan ne hoppettan, ne vund vaxian, ne dolh diopian, ac him self healde hâlevæge, ne ace þe þon mâ, þe eorđan on eáre ace (? âge). sing þis manegum sîđum. eođe þe onbere mid eallum hire mihtum and mägenum . þâs gealdor mon mäg singan on vunde. Die unter dem rechten fuß mit der rechten hand aufgegriffene erde ist heilend und schützend, der erde wird miht and mägen beigelegt. hâlevæge stimmt zu heilawâc s.  485 . 1041 Ueber die elbischen mare und nachtmare reicht wenig aus, was s.  384 . 385 gesagt wurde: sie reiten nicht allein menschen, sondern auch pferde, deren mähne morgens von schweiß trieft und verworren ist, vgl. Swantewits ros (s.  551 ). Cannegieter in epistola de ara ad Noviomagum reperta p. 25 sagt: abigunt eas nymphas (matres deas, mairas) hodie rustici osse capitis equini tectis injecto , cujusmodi ossa per has terras in rusticorum villis crebra est animadvertere (vgl. s.  550 . 551 ). nocte autem ad concubia equitare creduntur et equos fatigare ad longinqua itinera. illud namque datum deabus illis magis que, si rusticorum fabulis credimus, ut manentes loca peregrina adeant in equis manentibus , qui tamen viae labores sudore testantur. Nuper confabulatus mecum villicus aegerrime ferebat equos suos proxima nocte exagitatos defluente per corpora sudore; causam cum quaererem respondit iratus, mairam noctumam equitasse. Aus diesem maira nocturna , sei es nun mit matrona (s.  345 ) oder gar μοῖρα verwandt, möchte man wol den namen nachtmar , engl. nightmare leiten, läge uns eine andere deutung nicht noch näher. dem ahd. masc. marah (equus) ags. mear, altn. marr scheint das ags. fem. meare (so wird besser zu schreiben sein als mære) altn. mara zur seite stehend. zwar das ahd. meriha bedeutet nur equa, nicht ephialtes, und nhd. unterscheiden wir zwischen mähre und mahr; aber dem altn. mara wohnt gerade umgedreht der begrif des daemons bei, schon Yngl. saga cap. 16 wird könig Vanlandi von einer mara im schlaf todt getreten: › mara trađ hann ‹, und als ihm seine leute zur hilfe sprangen ›trađ hun fôtleggina‹, zuletzt ›kafdi hun höfuđit, svâ at þar dô hann.‹ die vorstellung mag also zwischen dem gerittenen thier und dem reitenden, tretenden schwanken, wie auch der teufel bald reitet, bald als pferd erscheint und auf sich nimmt. Gleich der mara hieß es s.  230 , daß die Stempe tritt. Gute marsagen hat Wolf no. 249–254 aus den Niederlanden; zumal merkwürdig ist mir eine von ihm s. 689 mitgetheilte beschwörung gegen den geist: o maer , gy lelyk dier, komt toch dezen nacht niet wêer. alle waters zult gy waeyen. alle boomen zult gy blaeyen, alle spieren gerst zult gy tellen, komt my toch dezen nacht niet kwellen! wozu man den hennebergischen spruch (in Haupts zeitschr. 3, 360) halte: das wallala alle berge durchtra, alle wasser durchbåt, alle bletlich åblåt, onnerdesse wörds tak! die nachtfahrt des geistes wird gemeint, es trabt über alle berge, watet oder badet durch die wasser, blatet die bäume ab, zählt die halme der gerste, bis tag anbricht. auf den maerentakken (misteln?) soll die mar ausruhen. Der name wallala mag sich aus wallen, wadeln, oder einem wehruf (gramm. 3, 293) erklären, 1042 da die nächtlichen geister (abergl. 878 ) als klagemütter (s.  359 . 360 ) erscheinen. Schm. 4, 54 waulen, jammern, winseln Nachtrag: Maren . Gefken beil. 151. bocksmahrte gespenst. Kuhn in Haupts zeitschr. 5, 490. klettermahrte , drückmahrte . Sommer s. 46. sloven. mora alp und stute, von morim würge? kikimora alp. Hanusch 333. in der östlichen mittelmark ist die murraue zwar noch alpdrückend, aber zugleich auch ein wesen, das sich an frau Harke und Holle andrer gegenden schließt, das verwirrte brauen hat, die haare verfilzt und zweige der kienbäume verstrickt. Haupts zeitschr. 4, 386. 5, 488. ein drom von der mêre  = maarzopf? Diut. 1, 439. marezitz ( anm. 2964 ). ir. tromluidhe nightmare von trom, schwer. Von sieben hinter einander gebornen knaben oder mädchen wird eins nachtmahr. die maren schlüpfen durch ein riemenloch und drücken. Müllenhoff s. 242–244. dich hât geriten der mar . Ges. Abent. 3, 60. wo sich die maar auf dem korn niederläßt, wird es schwarz oder bekommt raden. auch der hopfen, auf dem sie saß, verdirbt. Wolf s. 689. Über die marsegen s. Haupts zeitschr. 7, 537. 538. dem hennebergischen ganz ähnlich lautet der kuhländische: olle wasser wote, olle baemer blote, olle baege staige, olle kiechespeitze maide!   (Meinert s. 44). sie kehren auch sonst wieder s. Leoprechting 26, Panzer beitr. 1, 269. Kuhn s. 461. . Den dritten spruch gewährt Schreibers tb. 1839 s. 321: drudenkopf , ich verbiete dir haus und hof, ich verbiete dir meine bettstätte, daß du nicht über mich trostest (? trottest, trittst). troste in ein ander haus, bis du über alle berge und wasser steigest und alle zaunstecken chlest (? zehlest). so kommt der liebe tag wieder in mein haus . Drute ist eins mit mahre, wie drutenzopf eins mit marenzopf, alpzopf, drutenfuß mit maerenvoet. das wichtigste aber scheint, daß tagesanbruch den tagscheuen geist vertreibt (s.  386 ), und gerade wie diese sprüche schließt Alvismâl: › nu scînn sunna î sali ‹. vgl. dagr er nû. Sæm. 145 b . ich vermute die formel noch anderwärts, und reiner gefaßt. Gern pflegen eingänge der segen etwas erzählendes voran zu stellen, eine handlung, aus welcher sich dann die kraft der hilfe ableitet, und dabei haften vorzüglich heidnische wesen, z. b. wenn ein spruch beginnt: sprach jungfrau Hille ›blut stand stille!‹ ἐπαοιδῇ αἷμα κελαινὸν. Od. 19, 457. wer erkennt hier nicht augenblicklich die alte walküre Hilda , die blut vergießen und wieder zum stillstand bringen kann? Wird aber nun angehoben: Maria gieng über land, Christus gieng über land, oder heißt es in einem spruch gegen den fingerwurm: Gott vater fährt zu acker, ackert fein wacker, ackert alle würme heraus, der eine war weiß, der andre schwarz, der dritte roth; hier liegen alle würme todt! so liegt am tage, daß solche formeln nicht in der christlichen zeit entspringen, wol aber unter dem volk, welches nur heilige namen einschaltete, fortdauern konnten. die heidnischen anlässe, die den dunkeln oder läppischen sinn der worte aufschließen würden, sind uns verborgen. so tritt Jesus und the lord an Wuotans platz (s.  1030 . 1031 ). Christus in petra sedebat, et virgam manu tenebat (Mones anz. 7, 609). sonst auch: Hiob gieng über land, hatte den stab in der hand. Jesus und Petrus giengen wandern, aus einem land ins andere; das gemahnt an die weit verbreitete vorstellung (s.  280 ). es ist aber nicht immer so leicht, wie in diesem letzten fall, der zum grunde liegenden heidnischen namen zu gewahren. Am liebsten wird von drei wesen angehoben, wie die idisi sich in drei schaaren theilen (s.  1030 ), schauen drei Marien aus (s.  345 ) gleich drei nornen und feen, es giengen drei brüder über feld (Keisersbergs ameis. 50 a , beschwör. XXXI ). Es steigen drei jungfern vom himmel zur erden, die erste heißt Blutgülpe , die andere Blutstülpe , die dritte Blutstehestill (märk. forsch. 1, 262). die letzte ist jene im andern spruch allein genannte jungfrau Hilde. Aus 1043 Roth. de nominibus vet. Germanor. medic. Helmst. 1735 p. 139 schreibe ich noch her: juvat subnectere incantationis formulam, qua in marchia brandenburgensi atque adjacentibus regionibus in ophthalmia curanda uti solent anus decrepitae, insanos ritus deperientes, quam quidem factis variis gesticulationibus ac digitis ante dolentes oculos ter decussatim motis, rauco susurramine semel atque iterum emutire consuescunt, ita autem habent: Ibant aliquando tres puellae in via virente, prima noverat remedium aliquod contra suffusionem oculorum, altera noverat remedium aliquod contra albuginem, el tertia profecto contra inflammationem, eaeque sanabant una ratione omnia. in nomine patris, filii et spiritus sancti. amen. Nachtrag: In der formel: sprach jungfrau Hille, ›blut stand stille! ‹ vgl. die blutbesprechung in Haupts zeitschr. 4, 391 und die formel: stant pluot fasto! kl. schr. 2, 29. stand still du wildes blut! Mone 6, 469. daz du verstandest und nit me gangest. 7, 420. dô verstuont daz bluot vil gar. Walth. v. Rh. 138, 11. das blut verstellen . Mone 6, 460. 7, 420. ein blutstillender spruch, in dem die geschichte des eisens erzählt wird, steht in Kalevala rune 3. nov. ed. 9. bluotstant ist pflanzenname. Sumerl. 56, 66. ein thrakisches kraut ἴσχαιμος. Welcker kl. schr. 3, 29. fries. blôd sketta (schützen). Richth. 236, 13. blut stülpen  = stillen. mnl. stelpen . Lanc. 3593. Part. 90, 15. stelpte mans bloet. Lanc. 42658. wonden gestelpt . 44470. thaz bluot iru firstulti , se sisteret. O. III 14, 22. gülpe mahnt ans nord. Gylfi. mhd. daz bluot verstraeten . Pantal. 228. sîne wunden si besach, ir segen si darüber sprach.   Wigam. 5267. der heilege tumbo versegene disa wunta (s.  438 und anm. 2984 ). Fingerwurmsprüche hat Happel in Mannhardts zeitschr. 3, 2. E. Meier sagen no. 464. 465. ein rother, weißer, schwarzer wurm wird genannt bei Mone ndrl. lit. 337, ein weißer, schwarzer, grauer und grüner in einem cod. Dresd. M. 21 a . Christus in petra sedebat klingt an ›Tumbo saz in berke‹ kl. schr. 2, 29. Rother ûf eime steine saz. Roth. 442. Gott der herr ging über das land , da begegneten ihm siebenzigerlei gichter und gichterinnen . da sprach der herr: ihr siebenzigerlei gichter und gichterinnen, wo wollt ihr hin? da sprachen die s. g. u. g.: wir gehn über das land und bringen die menschen um ihre gesundheit und glieder. da sprach der herr: ihr sollt zu einer hollerstaude gehn, da sollt ihr alle ästlein abbrechen und laßt dem (name des kranken) seine geraden glieder. im namen u. s. w. vgl. flaugk blatter und nicht zubrist, das gebeut dir herr Jesu Christ (1597). Wolfs zeitschr. 1, 280. Einzelnen krankheiten wird die heilende sache, als im streit begriffen, entgegengestellt: ›de ros un de wied , de stan in strid, de ros verswann, de wied gewann‹: oder ›de flecht un de wied , de krakeelten sik; de wied de gewünn, un de flecht verswünn‹ (mekl. jb. 5, 102. 103); oder ›de flockasch (flugasche) un de flechte , de flogen wol over dat wilde meer; de flockasch de kam wedder, de flechte nimmermeer‹ (abergl. 811 ) Nachtrag: Zeter und weide liegen in streit. Haupts zeitschr. 4, 390. . Sprüche für die wünschelruthe, wenn sie schätze oder erzadern anschlagen soll, s.  815 . eine formel beim aufsuchen der thongrube, in deren erde die geschriebenen zettel, mit welchen die ungewisse sache erforscht werden soll, einzuschließen sind, in Haupts zeitschr. 3, 190. In den zurufen an thiere , deren angang weissagt, deren treiben geheimnisvoll erscheint, dürfen uralte formeln erkannt werden, ob schon ihr ausdruck vielfacher entstellung unterlag; dahin gehören die reime an den schwan (s.  356 ), storch (s.  560 ), kukuk (s.  563 ), Martinsvogel (s.  946 ), Marienkäfer (s.  579 ) und ähnliche, deren übereinkunft bei den verschiedensten stämmen unseres volks anzieht. In Scandinavien, wo die herschaft des heidenthums länger anhielt, müssen die meisten solcher sprüche theils schriftlich aufgezeichnet, theils noch unter dem volke vorhanden sein, und aus ihnen würde sich der zusammenhang der worte wie des inhalts mit heidnischer fassung am bestimmtesten ergeben. Den spruch, mit welchem Grôa den stein aus Thôrs haupte lösen wollte (s.  311 ), überliefert uns die edda nicht, aber ganz ähnliche können später bei menschen und thieren angewandt worden sein. Sehr zu wünschen ist die baldige bekanntmachung einer über 2000 stücke begreifenden in Schweden von L. F. Rääf veranstalteten samlung, welche in der monatsschrift Mimer (Ups. 1838–40) s. 271–77 vorläufig angezeigt wird. Unter diesen aufgezeichneten segensformeln lassen sich hin und wieder auch noch einzelne runen erkennen und ihr gebrauch wird einigemal ausdrücklich erfordert: so findet sich folgende vorschrift über die art und weise einen dieb zur erstattung des gestolnen, bei verlust seines auges, zu zwingen: man soll sonntagabends bei sonnenuntergang sich auf 1044 eine hochgelegne stelle mit einem eimer voll wassers begeben, die rune S schneiden und dem dieb auflegen innerhalb bestimmter zeit das gestolne gut zurückzubringen oder sein rechtes auge zu verlieren. die rune S scheint sich auf sonntag und sonnenuntergang, vielleicht auf syn (visus, auge) zu beziehen; ist auch bei dem wassergefäß das wort så (silula) gemeint? wahrscheinlich wurde das wasser ausgegossen, daß es den hügel herab lief Nachtrag: Die thiere werden angerufen. ich bitte dich schwalbe . Schmeller 3, 362. adjuro te, mater aviorum (s.  1037 ). die eigne kraft wird aufgerufen. finn. nouse luontoni! surge vis mea! Renvall 1, 294 b . dann gibts bestimmte kräftige zauberwörter : berlicke, berlocke! policke, polucke, podrei! Fr. Arnims märch. no. 8. franz. brelique breloque! berlik berloc . Biondelli dial. 133. vgl. böhm. perljk tudes . .     Anhang Angelsächsische Stammtafeln [Vgl. J. Grimm Über die stammtafel der Westsachsen von John M. Kemble. München, 1836. Kl. schr. 5, 240 ff.] Quellen: Beda hist. eccl. 1, 15. 2, 5. Nennius (Nyniaw) hist. Britonum im 7 oder 9 jh. verfaßt? die hss. sind aus dem 10; ed. Gunn. Lond. 1819 p. 61. Angelsächsische chronik , mindestens im 9 jh. begonnen, dann fortgeführt und erweitert, ed. Ingram. Lond. 1823 p. 15. 23. 24. 33. 34. 72. 95. Asserius menevensis († 906 oder 910), zu eingang seines buchs de rebus gestis Aelfredi, Lond. 1722 p. 3. 4. Ethelwerdus († 1090) bei Savile p. 833. 834. 842. Florentius wigornensis d. i. von Worcester († 1118) ed. Lond. 1592 p. 218. 219. 221. 232. 274. 294 und eine zusammenstellende prosapia p. 566. Simeon dunelmensis d. i. von Durham (schr. um 1129) bei Twysden p. 119. Alfredus beverlacensis († 1138) ed. Hearne. Oxon. 1716. Ordericus vitalis (geb. 1075 † nach 1140) bei Duchesne scr. norm. p. 639. Wilelmus malmesburiensis († 1143) bei Savile p. 17. Ethelredus oder Ailredus rievallensis (um 1150) bei Twysden p. 350. 351. Henricus huntindonensis (geht bis 1154) bei Savile p. 310. 313–16. Galfredus monemutensis (um 1160) in script. angl. Heidelb. 1587. Radulfus de Diceto (schließt 1196) bei Twysden p. 530. Joannes Wallingford († 1214) bei Gale p. 535. Albericus trium fontium (schließt 1241) bei Leibn. acc. hist. 1, 186. Matthaeus westmonasteriensis (14 jh.) Francof. 1601 p. 99. 142. Thomas Otterbourne (geht bis 1420) in Hearnes script. rer. angl. Oxon. 1732, hier sind die meisten namen außerordentlich verderbt. Eine verworrene und entstellte genealogie aus einer hs. des Nennius enthält Gales appendix p. 116. auch die zusammenstellungen in Dan. Langhorns chron. regum anglorum 1679. 8, weil er sich einigemal jetzt verlorner hilfsmittel bedient, dürfen nicht übersehen werden. [man vergleiche die bei Pertz 10, 314 zusammengestellten stammtafeln.] Im fünften und sechsten jh. bei der überfahrt nach Britannien brachten die Angelsachsen kunde von der abstammung ihrer edelsten geschlechter mit aus Deutschland. Alle führen sich auf Vôden 378 zurück, steigen aber zum theil noch höher, und nennen eine reihe götter oder vergötterter helden als Vôdens ahnen. Nach der bekehrung zum christenthum wurde es unternommen, den stamm dieser könige und götter an die hebräische tradition des AT. vom ersten menschengeschlecht zu knüpfen. ein solcher versuch, die unaufgegebnen vorfahren des heidenthums mit dem Noah und Adam der heiligen schrift in einklang zu bringen, kann, wie mich dünkt, nur sehr frühe, unmittelbar nach dem übertritt zur christlichen lehre gemacht worden sein, zu einer zeit, wo das gemüt schon von der wahrheit der biblischen sage eingenommen den inhalt seiner einheimischen, heidnischen noch nicht wollte fahren lassen. Wie man kirchen an die stätte der heidentempel setzte, christlichen und heidnischen brauch zu verschmelzen wuste, und zu des neuen glaubens festigung den schutt des alten erdreichs mit verwandte; so konnte auch geduldet werden, daß die naive ansicht des volks jene mit seiner ehre verwachsenen stammsagen aufrecht erhielt und ihnen gleichsam neue unterlagen verlieh. Späterhin wäre eine solche vereinigung unvereinbarer thatsachen weder gewagt noch für nöthig erachtet worden. Vorchristlich, den Angeln und Sachsen schon in ihrer heimat bekannt, folglich auch unter andern deutschen völkern des festen lands verbreitet muß diese stammsage auf jeden fall erscheinen, allenthalben blickt zusammenhang durch mit volksnamen und altheidnischer dichtung. ich wäre geneigt, den Friesen, Westfalen, auch den Franken, ähnliche genealogien, deren aufbewahrung wir bloß den ausgewanderten Angelsachsen verdanken, beizulegen. Zwar ist Beda [† 735] für die ags. geschlechtssagen das frühste zeugnis und er gedenkt bloß der kentischen, jedoch auf solche weise, daß man annehmen darf, auch die übrigen seien ihm bekannt gewesen. die folgenden jahrhunderte bieten reichere verzeichnisse dar. Chronologischen werth können für die älteste zeit diese namensverzeichnisse gar nicht haben; erst in den reihen der angelsächsischen könige werden sie geschichtlich. das benimmt aber der wichtigkeit der sage nichts. Bekanntlich wurden unter den Angelsachsen sieben oder acht einzelne reiche gebildet, die sich auf ursprüngliche verschiedenheit der eingewanderten stämme gründen, also gerade mit dem unterschied der genealogien zusammenhängen. Nach der ags. chronik p. 14. 15 hatten die Juten Kent und Wight, die Sachsen Essex, Sussex und Wessex, die Angeln Eastangle, Mercia und Northumberland eingenommen. Am vollständigsten haben sich die genealogien von Wessex, als dem staat, der bald hervorragte und zuletzt alle in sich aufnahm, erhalten. auch die von Kent, Mercia, Deira (brit. Deifyr) und Bernicia (brit. Bryneich, Northumbrien) sind in alten denkmälern überliefert; weniger echt und beglaubigt in einzelnen namen erscheinen die stämme von Eastangle, Essex und Lindesfarney. 379 Diese geschlechtsregister lassen sich schicklich in zwei hälften sondern. Von Vôdens söhnen heben sie an sich zu spalten, in ihm treffen alle wieder zusammen. ich will daher zuerst die verschiedenen stämme von Vôden abwärts darstellen, und mich dann zu der älteren, für alle gerechten, fortführung wenden. Folgende übersicht enthält Vôdens nachkommenschaft . Kent . Eastangle . Essex . Mercia . Vôden Vôden Vôden Vôden. Vecta Câsere Saxneât Vihtläg. Vitta Titmon Gesecg Værmund Vihtgils Trigel Andsecg Offa Hengest († 489) Hrôthmund Sveppa Angeltheov Eoric (Oesc) Hrippa Sigefugel Eomær Octa Quichelm Bedeca Icel Eormenrîc Uffa Offa Cnebba Äthelbeorht (527) Tidel Äscvine Cynevald Rædvald (617) Sledda Creoda Eorpvald (632) Sæbeorht (604) Vibba Penda († 656)   Deira . Bernicia . Wessex . Lindesfaran . Vôden. Vôden Vôden Vôden Vägdäg Bäldäg Bäldäg Winta Sigegâr Brand Brand Cretta Svæfdäg Beonoc Fridhogâr Queldgils Sigegeát Aloc Freávine Ceadbed Sæbald Angenvit Vig Bubba Sæfugel Ingvi Gevis Bedeca Vesterfalcna Esa Esla Biscop Vilgisl Eoppa Elesa Eanferth Uscfreá Ida († 560) Cerdic († 534) Eatta Yffe Cynrîc [auf Cynrîc folgt Ceavlin (Lappenb. 1, 113), dann die brüder Ceolrîc und Ceolvulf und Cynegils und Cvichelm (Lappenberg 1, 154. 156).] Ealdfrith Älle († 588) Im allgemeinen ist zu bemerken, daß hiernach dem Vôden sieben söhne (denn Bernicia und Wessex fallen anfangs zusammen und trennen sich erst im dritten glied) beigelegt werden. Einzelne chronisten reden jedoch nur von dreien, namentlich Wilhelm von Malmesbury, der sich bei gelegenheit des mercischen stamms so äußert, p. 17: possem hoc loco istius (Idae) et aliorum alibi lineam seriatim intexere, nisi quod ipsa vocabula barbarum quiddam stridentia minus quam vellem delectationis lecturis infunderent. illud tamen non immerito notandum, quod cum Wodenio fuerint tres filii, Weldegius, Withlegius et Beldegius, de primo reges Cantuaritarum, de secundo reges Merciorum et de tertio reges Westsaxonum et Northanimbrorum originem traxerunt. 380 Diese acht stämme sind nun einzeln zu betrachten. Kent . das älteste, von den ersten einwanderern gestiftete reich. Beda 1, 15: duces fuisse perhibentur eorum primi duo fratres Hengistus et Horsus . erant autem filii Vetgisli , cujus pater Vecta , cujus pater Voden , de cujus stirpe multarum provinciarum regium genus originem duxit. ags. so: væron thâ ærest heora lâtteovas and heretogan tvegen gebrôthra Hengist and Horsa , hi væron Vihtigilses suna, thäs fäder väs Vihta hâten, and thäs Vihtan fäder väs Vôden nemned. of thäs strynde monigra mægdha cyningcynn fruman lædde. hiernach wären Hengest und Horsa urenkel Vodens, doch eine hs. ergänzt das ausgefallne glied: filii Victgisli , cujus pater Victa , cujus pater Vecta , cujus pater Voden , der also jener brüder urgroßvater ist. Damit stimmt Nennius: interea tres ceolae a Germania in exilium expulsae Britanniam advenerunt, in quibus dominabantur Hors et Henegest , qui et ipsi fratres erant filii Guictglis , Guictglis filius Guicta , Guicta filius Guechta , Guechta filius Vuoden ; und die ags. chronik p. 15: Hengest and Horsa that væron Vihtgilses suna. Vihtgils väs Vitting, Vitta Vecting, Vecta Vôdning, fram tham Vîdne âvôc eall ûre cynecynn, and Sûdhanhymbra eác. Bei Ethelwerd heißen die drei glieder zwischen Wothen und Hengest Withar , Wicta , Wyrhtels ; bei Fiorentius 566 Vecta sive Wehta , Witta , Wihtgisilus ; bei Henr. Huntind. Vecta , Wicta , Widgils . Hengist hatte einen sohn namens Eoric , beigenamt Oisc (Oesc), nach welchem alle folgenden kentischen könige Oiscingas heißen, auf Oisc folgte Octa , Irminric , Ethelbert . Beda 2, 5. den Oisc nennt die ags. chronik und Ethelwerd Aesc . Fiorentius gibt so an: Hengistus, Oricus cognomine Aesca , Octa , Irmenricus , Aethelbertus . Die benennungen Hengest und Horsa sind vom pferd entlehnt, man möchte auch bei Victgisl, Victa, Vecta an das ags. vicg, alts. wigg, altn. vigg (equus) denken, vgl. lat. vehere. das altn. Vegtamr (wegzahm, wegkundig), wie sich einmal Odin nennt, liegt abseits, wenn gleich bei Hunibald ein alter könig Wechtam auftritt. bei Otterbourne p. 32 ist Wegdam der acc. von Wegda. Wilelm malmesb. p. 17 nennt den stammvater der Kenter Weldegius , das aus Wecdeg entstellt scheint. der travellers song z. 43 führt einen Vitta , könig der Svæfas (Schwaben) auf; sollte Vitta zur erklärung des dunkeln ausdrucks wittu im Hildebr. lied dienen können? Ostangeln . bei Florenz 566 vgl. 233: Woden , Casera , Titmon , Trigilsus , Rothmundus , Hrippus , Wihelmus , Vffa sive Wffa, primus rex orientalium Anglorum, hinter ihm noch drei könige: Titellus , Redwaldus , Eorpwaldus . Bei Gale im anhang: Woden genuit Casser , genuit Titinon , genuit Trigil , genuit Rodnum , genuit Kippan , genuit Guithelm , (genuit) Guechan , ipse primus regnavit in Britannia super gentem Eastanglorum, Gueca genuit Guffan , genuit Tidil , genuit Ecni , genuit Edric , genuit Aldulfh , genuit Elric . anderwärts aus verschiedner hs.: Woden , Casser , 381 Titinon , Trigil , Rodmunt , Rippan , Guillem , Guecha , Guffa , Tidil , Eeni . Bei Langhorn: Caseras , Tilmon , Trigisilus , Rothimundus , Hirpus , Quicelmus , Uffa . Otterbourne weiß nichts als: Woden genuit Casere , a quo regnum Estanglorum progrediens derivatur. von diesem Uffa Henricus huntind. 315: hoc regnum primus tenuit Vffa , a quo reges orientalium Anglorum Vffingos appellant, quod postea Titulus (al. Titilus) filius ejus tenuit, pater Redwaldi fortissimi regis Eastangle. und Joh. Bromtons chronicon (Twysden p. 745): regnum Eastangliae incepit ab Vffa rege, cui successit rex Ticulus . isti duo non fuerunt multum potentes, quibus successit potentior aliis rex Redwaldus . Redwaldo vero defuncto filius suus Erpwaldus in regno Eastangliae successit. Beda erwähnt von allen diesen nur des Reduald beim j. 616; [Beda 2, 15 (Stevenson 140, 21) hat jedoch 4 namen: Eorpuald , Reduald , Tytilus , Vuffa .] nach dem chr. ags. p. 35 empfing Eorpvald im j. 632 die taufe; seines vaters Reodvald wird p. 32 zum j. 617 gedacht, und p. 88 (wo richtiger Rædvald ) als eines der mächtigsten herscher unter den Angelsachsen. Auch Wilh. malmesb. p. 34 sagt: Redvaldus primus idemque maximus apud orientales Anglos, a Vodenio, ut scribunt decimum genu nactus (l. natus). Die älteren namen scheinen gut sächsisch. Hrippa , Hrippus vergleicht sich dem Hripo in Falkes trad. corb. 7. 104. 107. 312 und dem ahd. Hriffo bei Meichelbeck 430. Rothmund für Hrôthmund? ein Beov. 2378 erscheinender name. Titmon gleicht dem Tiadman bei Falke 114. Trigil ist vielleicht das ahd. Drëgil, Wolfdrëgil, Wolfdrigil? wonach freilich stehen sollte Thrigel . cursor, minister? vgl. goth. thragjan, currere, und in ahd. glossen trikil, drikil (verna), vermutlich das altn. thræl. Tidil scheint was Tudil bei Falke 37 [und Tital bei Schannat no. 426]. Uffa ist das alts. Uffo , aber wol gleichviel mit dem Offa der Ostsachsen und Mercier, denn auch der trav. song 69 hat: Offa veold Ongle (herschte über Anglien); Eorp in Eorpvald das alts. Erp , ahd. Erpf , vgl. altn. iarpr (fuscus). Cvichelm auch sonst ags. name (chronik 27. 30) und die formen Wihelm, Guillem sind verderbt. Der als Vodens sohn genannte Casera , Caseras oder Casser ist der nemliche, den der ags. travellers song als beherscher der Griechen aufführt, z. 39 Câsere veold Creacum (herschte über die Griechen) und z. 151 mid Creacum ic väs and mid Finnum, and mid Câsere , se the vinburga geveald âhte, violane (= velena) and vilna and Vala rîces (ich war bei den Griechen und war bei den Finnen, und bei Câsere, der die menge schöner burgen, reichthümer, was man wünschen mag, besaß und Welschland beherschte). hier hat die sächsische sage aus dem lat. Caesar einen Câsere gebildet und an einheimische könige geknüpft, wobei die frühverbreitete meinung angeschlagen werden mag von Vôdens herkunft aus Griechenland. (s.  135 .) vermutlich gieng unter Sachsen und Angeln 382 es fünften, sechsten jh. vielgestaltige kunde von einem alten könige Kêsor . Ostsachsen . nach Florentius: Woden , Eaxneta , Gesecg , Antsecg , Sueppa , Sigefugel , Bedca , Offa , Aescwinus , Sledda , Sebertus ; statt Eaxneta geben hss. das richtigere Seaxnete . nach Henricus buntind. 313: Saxnat , Andesc , Gesac , Spoewe , Sigewlf , Biedca , Offa , Erchenwin , Slede , Sibrict (al. Siberct). nach Matth. westmonast. p. 99: Erkenwinus q. f. filius Offae , q. f. Bredecani , q. f. Sigewlf , q. f. Spetuae , q. f. Gesac , q. f. Andessc , q. f. Saxuad , q. f. Woden . nach Langhorn: Saxoneta , Gesacus , Andescus , Sueppa , Sigefugelus , Bedicanus , Ercenovinus . nach Alvredus beverlac. Woden , Seaxeca , Gesecg , Andseng , Snoppa , Sigelugel , Becta , Osse , Eswine , Siedda , Sabertus . Otterbourne hat ganz confus nichts als: Woden genuit Watelgeat , a quo regum Essexiae prosapia sumpsit originem. vgl. Mercia. Unter diesen wird Aescvine (oder Ercenvin) als der erste ostsächsische könig angegeben, Sæbert (Sigebert) als der zum christenthum übertretende im j. 604 (chron. ags. 29). wiederum ist der name des sohns von Vôden höchst merkwürdig, Seaxneát ohne zweifel der in der abrenuntiationsformel neben Thunar und Wuodan genannte Saxnôt , was ahd. Sahsnôz, Sahskinôz lauten würde. vgl. gött. anz. 1828 p. 550. die bedeutung von Gesecg und Andsecg scheint sich auf einander zu beziehen; Bedeca vergleicht sich dem ahd. namen Patuhho ; Sveppa ist sächsisch. Mercia . ags. chron. p. 33. 34: Penda väs Vybbing. Vybba Crŷding. Crŷda Cynevalding. Cynevald Cnebbing. Cnebba Iceling. Icel Eomæring. Eomær Angeltheoving. Angeltheov Offing. Offa Værmunding. Værmund Vihtläging. Vihtläg Vôdening. p. 72 wird der stamm anders angehoben und auf Eava einen andern sohn des Vybba fortgeführt: Offa väs Dhincferthing. Dhincferth Eanvulfing. Eanvulf Osmôding. Osmôd Eaving. Eava Vybbing. Vybba Creoding. Creoda Cynevalding u. s. w. bis zu Vôden hinauf. Bei Florentius 566: Woden , Withelgeatus , Waga , Wihtleagus , Weremundus , Offa , Angengeatus , Eomerus , Icelius , Cnebba , Cunewaldus , Creoda sive Crida primus rex Merciorum, Wibba ; p. 232 mit einiger abweichung: Penda , qui fuit Wibbae , qui fuit Cridae , qui fuit Cunewaldi , qui fuit Cnebbae , qui fuit Icelii , qui fuit Eomeri , qui fuit Angengeati , qui fuit Offae , qui fuit Weromundi , qui fuit Wightleagi , q. f. Wagae , q. f. Wothelgeati , q. f. Wodeni . Im appendix zu Nennius bei Gale 116: Woden genuit Guedolgeat , genuit Gueagon , gen. Guithlig , gen. Guerdmund , gen. Ossa , gen. Origon , gen. Eamer , gen. Pubba . ipse Pubba habuit IX filios, quorum duo mihi notiores sunt, quam alii id est Penda et Eaua . Bei Radulfus de Diceto p. 446: Offa fuit filius Wingferd , filii Canwlf , filii Osmod , filii Epa , filii Wibba , filii Creada , filii Cynewald , filii Cnibba , filii Ycil , filii Com , filii Angelreu , filii Offa , filii Wermund , filii Witlat , filii Woden . Bei Matth. westmon. p. 142: erat enim 383 Offa filius Thinferthi , q. f. Eadulfi , q. f. Osulfi , q. f. Eoppae , q. f. Wibbae , q. f. Creoddae , q. f. Kinewoldi , q. f. Cnebbae , q. f. Ithel , q. f. Eomeri , q. f. Angelthean , q. f. Offae , q. f. Wer e mundi, q. f. Withleig , q. f. Wagon, q. f. Frethegeath , q. f. Wodeni . Bei Otterbourne p. 31: Woden genuit Feothulgeath , qui genuit Vapa , q. g. Wichebeg , q. g. Vermundum , q. g. Offa , q. g. Engeltheon , q. g. Edomerum , q. g. Icel , q. g. Cnibbam , q. g. Kynewaldum , q. g. Cridiam , q. g. Bilbam , q. g. Pendam primum regem Merciorum. Langhorn scheint aus Florenz zu schöpfen: Vitelgeta , Vaga , Vitlegius , Veremundus , Offa al. Uffa , Angongeta , Eumerus , Icelius , Cnebba , Cunevaldus , Crida . er, Florenz, Matthaeus und Gales anhang schalten zwischen Vôden und Vihtläg noch zwei namen ein, die bei Radulf und in der ags. chr. fehlen: Vihtelgeat (Frethegeat) und Vaga (Gueagon). da Florenz für Angeltheov Angengeat setzt, könnte sein Vithelgeat sonst Vitheltheov gelautet haben, doch hat auch Gale Gruedolgeat ; darf man bei Vedelgeát , Vidhelgeát ar. den volksnamen Vedergeátas Beov. 2984. 3224. 4753 denken? Angen (Origon bei Gale verderbt aus Ongon) ist untadelhaft, und Angentheov dem ahd. eigennamen Angandio entsprechend, dem altn. Angantŷr, das vielleicht aus Anganthŷr verderbt wurde, vergleichbar. die echtags. form lautet Ongentheov . Beov. 3931. 4770. 4945. 4967. vgl. Incgentheov im trav. song 232. auch Offa (Ossa bloßer schreibfehler), ein im mercischen stamm zweimal auftretender name, kommt Beov. 3895. 3910 vor. Vihtläg scheint untadelhaft, Wilh. malmesb. p. 17 gibt gleichfalls Withlegius , und selbst die lesart Guithlig bei Gale bestätigt das kurze ä oder e. Radulfs Witlat stimmt aber zum altn. Vigletus bei Saxo gramm. 59 und es ist überhaupt von bedeutung für unsere untersuchung, daß sich die reihe Vigletus , Vermundus , Uffo , in der dän. genealogie (Saxo gramm. 59–65 die genealogia runica bei Langebek I, 32 bat Vithlek , Vermund , Uffi , die andere I, 27 Vithlef , Vermund , Uffi . ) sichtbar mit unsrer mercischen begegnet. Pubba bei Gale, nach der gestalt des ags. V, leicht verlesen für Vubba , Vibba , = ahd. Wippo . [über den stamm von Mercia, dem Offa II, könig seit 757, angehört. s. Lappenberg 1, 222, über die beiden Offas s. myth. 1, 322 .] Deira . im chron. ags. p. 24: Aelle väs Yffing. Yffe Uscfreáing. Uscfreá Vilgisling. Vilgisl Vesterfalcning. Vesterfalcna Sæfugling. Sæfugl Sæbalding. Sæbald Sigegeáting. Sigegeát Svæfdäging. Svæfdäg Sigegâring. Sigegâr Vägdäging. Vägdäg Vôdening. Vôden Fridhovulfing. Bei Florenz. p. 221: Aella fuit filius Iffi , cujus pater Wuscfrea , cujus pater Wilgelsus , cujus pater Westorwalena , c. p. Seomelus , c. p. Suearta , c. p. Sæpugelus , c. p. Seabaldus , c. p. Siggeotus , c. p. Suebdegus , c. p. Siggarus , c. p. Weadegus , c. p. Wodenus ; und p. 566 mit wenigen abweichungen: Wodenus , Weagdegus , Siggarus , Suebdegus , Siggeotus , Seabaldus , Sefugelus , Sueartha , Seomelus , Westerwalcna , Wilgelsus , Wuscfrea , Iffus dux, Aella primus rex Deirorum. Bei Otterbourne p. 32: 384 Woden genuit Wegdam , q. g. Sigegarum , q. g. Swealdegem , q. g. Sigegeat , q. g. Etabalem , q. g. Stafugel , q. g. Westerfalducue , q. g. Wigilis , q. g. Ustfrea , q. g. Uffe , q. g. Ella primum regem Sussex. auch einige andere nennen die deirische genealogie die sussexische; aber die lage von Deira und Sussex war ganz verschieden. . Bei Langhorn: Vegdegus , Sigarus , Suebdegus , Siggotus , Sebaldus , Sefugelus , Suarta , Somelus , Vestrofalenas , Vilgisilus , Buscreas , Iffius , Alla . In Gales anhang mengt sich der deirische und westsächsische stammbaum: Woden , Beldeyg , Brond , Siggar , Sibald , Zegulfh , Soemil , Sguerthing , Guilglis , Ulfrea , Iffi , Ulli . Wie in der kentischen genealogie von pferden, sind hier einige namen von vögeln hergenommen: Sæfugel und Vesterfalcna , die in der chronik unmittelbar aufeinander folgen, in den übrigen recensionen aber noch durch zwei glieder getrennt sind, durch Seomel und Svearta (Svearta und Seomel). ein Sigefugel (andere haben Sigevulf) auch bei den Ostsachsen. ich zweifle, daß Seafola (Sæfugela) im travell. song 230 hierher gehören kann. Der mythische Vesterfalcna darf vielleicht als ahne der Westfalen betrachtet werden, denn die alte form des volksnamens lautete Westfalah , und auch im westsächs. stamm sehen wir einen held, nach welchem ein zweig des volks benannt wird. Sæfugel und Sæbald führen die erste silbe gemeinschaftlich. Svæfdäg erinnert an das altn. Svipdagr . Sæm. 111 [Hrôlfkr. s. cap. 18–23], Svibdagerus (Saxo gramm. 9), obgleich F und P abweichen; bemerkenswerth heißt auch sein vorfahre Vägdäg und der westsächsische ahne Bäldäg . auf das verhältnis des Vägdäg zum kentischen Vecta , komme ich hernach bei erläuterung der nordischen genealogie. Bernicia oder Northumberland hat die beiden ersten nachkommen Vodens mit Westsachsen gemein. ags. chron. p. 23 zum j. 547 : her Ida feng tô rîce, thonon Nordhanhymbra cynecyn ærost onvôc. Ida väs Eopping. Eoppa Esing. Esa Inguing. Ingui Angenviting. Angenvit Alocing. Aloc Beonocing. Beonoc Branding. Brand Bäldäging. Bäldäg Vôdening. Bei Florenz 218: Ida fuit filius Eoppae , qui fuit Ingui , q. f. Angenwit , q. f. Aloc , q. f. Benoc , q. f. Brandi , q. f. Bealdegi , q. f. Wodeni . Vermehrter und anders aber in der prosapia 566: Bealdeagus , Brandius , Beornus (verderbt aus Benocus?), Beorno , Wegbrandus , Ingebrandus , Alusa , Angengeat , Ingengeat , Aethelbrihtus , Oesa , Eoppa , Ida , primus rex Berniciorum. Bei Otterbourne: Woden , Belder , Brond , Benoc , Aloc , Agmintus , Inginus , Ensa , Ropa , Ida . Bei Langhorn: Beldegus , Brando , Benocus , Beorna , Vegbrandus , Ingebrandus , Alocus , Angongeta , Ingongeta , Aethelbertus , Esa , Eoppa , Ida . Bertrams ausg. des Nennius liefert in einem anhang: Woden genuit Beldeg , genuit [ Brand , genuit] Beornec [genuit Beorno ], genuit Gethbrond [genuit Ingebrandus ], genuit Aluson , genuit Inguet , genuit [ Ingengeat , genuit] Edibrith , genuit Ossa , genuit Eobba , genuit Ida . Unter diesen namen scheint mir Esa 385 zusammenhängend mit ôs, pl. ês (deus, divus), Ingui aber ist das altn. Ingvi , vgl. Ingunar freyr und Beov. 2638 freá Ingvina , 2081 eodor Ingvina . Westsachsen . ags. chron. p. 24: Cerdic väs Cynrîces fäder. Cerdic Elesing. Elesa Esling. Esla Gevising. Gevis Viging. Vig Freávining. Freávine Fridhogâring. Fridhogâr Branding. Brand Bäldäging. Bäldäg Vôdening; nochmals p. 95 übereinstimmend, außer daß Fridhugâr und Brond geschrieben und zwischen Cerdic und Cynric noch Creoda geschaltet ist. Gleichlautig ist der stammbaum in einem ags. bericht, der vor dem ags. Beda von 1643 p. 5 und in Spelmans vita Aelfredi 1678 p. 199 gedruckt steht, nur daß am letztern ort Winging f. Wiging und in beiden der satz: Elesa Esling, Esla Gevising am rand, nicht im text gefunden wird. Bei Asserius: Cynric , qui fuit Creoda , qui fuit Cerdic , qui fuit Elesa , [qui fuit Esla ], qui fuit Gewis (a quo Britones totam illam gentem Gegwis nominant), [qui fuit Wig , qui fuit Fraewine , qui fuit Freothegar ] qui fuit Brond , qui fuit Belde , qui fuit Woden . die eingeschloßnen sätze scheinen aus Florenz entnommen und in der hs. mangelnd. Bei Ethelwerd p. 842: Cynric , Cerdic , Elesa , Esla , Gewis , Wig , Freawine , Frithogar , Brond , Balder , Wothen . Bei Florenz 219: Cerdicius qui fuit Eslae , qui fuit Gewisii , qui fuit Wigae , qui fuit Freawini , qui fuit Frethegarii , qui fuit Brandii , qui fuit Bealdigi , qui fuit Wodeni . hinten p. 566 so: Bealdeagus , Brandius , Freodegarius , Friawinus , Wigga , Gewisius , Esla , Elisius , Cerdicius primus rex Westsaxonum, Kenricus . Bei Simeon dunelm. 119: Cinric , qui fuit Creoda , q. f. Cerdic , q. f. Elesa , q. f. Gewis , a quo Britones totam illam gentem Gewis nominant, q. f. Brand , q. f. Belde , qui fuit Woden . Bei Guil. malmesb. p. 41: Woden , Beldegius , Brond , Fridegarius , Frewinus , Wigius , Giwius , Eslius , Elicius , Cerdicius , Creodingius , Cinricius . Bei Ethelredus rievall. p. 350: Woden , Bealdäg , Brand , Freodgar , Frewine , Wig , Gewis , Eda , Elesa , Ceordic , Creoda , Chenric . Bei Otterbourne: Woden , Bealdeath , Brond , Frectegar , Freawinus , Wicca , Gewisse , Esla , Flesa , Ceredic . Bei Langhorn: Beldegus , Brando , Fredegarus , Frevinus , Vigga , Geviscus , Esla , Elisius , Cerdicus . In dieser reihe westsächsischer namen vor allen hervorzuheben ist Bäldäg , (Beldeg, Beldig, Asser und die ihm folgen schreiben Belde , Ethelwerd Balder ) Wôdens sohn, sichtb. der nord. Baldur , Odins sohn, auch Freávine gemahnt an das altn. Freys vinr, noch mehr an Frowinus bei Saxo gramm. p. 59. 60; Esla könnte, gleich dem nordhumbrischen Esa, zu ôs, ês gerechnet werden. Ein ausgezeichneter held und herscher muß Gewis gewesen sein, nach dem der ganze volksstamm genannt wurde; das führt auch schon Beda an: als er von Cynegils (einem der nachfolger Cerdics) redet, 3, 7: eo tempore gens occidentalium Saxonum, quae antiquitus Gevisse vocabantur, regnante Cynegilso fidem Christi suscepit (im j. 635); und dann von dem bischof Byrinus: sed Britanniam perveniens ac primum 386 Gevissorum gentem ingrediens, cum omnes ibidem paganissimos inveniret etc. Lindesfaran . auf einer kleinen insel an der northumbrischen küste hatte sich ein besondrer stamm, die Lindesfaran, niedergelassen, sie hieß nach ihnen Lindesfarena eá (Beda 3, 17. 4, 12. chron. sax. ad a. 780. 793), sonst auch hâlig eáland, heute holy island. Ihre genealogie finde ich bei Florenz 566: Woden , Winta , Cretta , Quelpgilfus , Ceadbed , Bubba , Beda , Eanferthus . richtiger gibt eine andere ausgabe den vierten namen Queldgils , den fünften Caedbaed , und schaltet hinter Beda Biscop , hinter Eanferth Eatta und Ealdfrith ein. Bubbas nachfolger hieß vermutlich Bedeca oder Baduca (ein name auch der osts. reihe), denn in Eddii vita s. Wilfridi cap. 3 (bei Gale p. 45) wird von dem kentischen könige Erconbert († 664) gemeldet: rex secundum petitionem reginae ducem nobilem et admirabilis ingenii quemdam Biscop Baducing inveniens ad sedem apostolicam properantem ut in suo comitatu esset adquisivit. Biscops enkel Eata wurde (nach Beda 4, 13) einer der ersten lindesfarnischen bischöfe, aber schon der großvater muß, wie der in die sage eingegangene name zeigt, dasselbe geistliche amt (vielleicht anderswo) bekleidet haben. Bisher haben wir Vôdens descendenz betrachtet. bei seiner ascendenz wird es nöthig sein wiederum die heidnischen vorfahren von den seit der bekanntschaft mit der biblischen genealogie hinzugefügten abzusondern. Einigemal reicht die angabe nur zu vier ahnen hinauf, anderemal zu acht und sechzehn; es wird dann bei Fridhuvulf, oder bei Geát, oder bei Sceáf angehalten. Sceáf ist überhaupt der älteste heidnische name in sämtlichen stammbäumen. Vôden Fridhuvald Freávine (Freálâf) Fridhuvulf Finn Godvulf (Folcvald) Geát Tætva Beav Sceldva Heremôd (Sceáf) Itermon (Heremôd) Hatbra (Itermôd) Hvala (Hathra) Bedvig (Hvala) Sceáf. (Bedvig.) Die chronik p. 23 führt das northumbrische geschlecht von Ida bis zu Geát. hierher gehören: Vôden Freodholâfing. Freodholâf Fridhovulfing. Fridhovulf Finning. Finn Godvulfing. 387 Godvulf Geáting. p. 24 im deirischen stammbaum heißt Vôden Fridhovulfing . Genauer lautet die reihe p. 95 im westsächsischen : Vôden Fridhuvalding. Fridhuvald Freávining. Freávine Fridhuvulfing. Fridhuvulf Finning. Finn Godvulfing. Godvulf Geáting. Geát Tætvaing. Tætva Beaving. Beav Sceldvaing. Sceldva Heremôding. Heremôd Itermoning. Itermon Hathraing. Hathra Hvalaing. Hvala Bedviging. Bedvig Sceáfing . Nennius p. 61 leitet den kentischen stamm bis zu Geta: Vuoden filius Frealof, Frealof filius Fredulf, Fredulf filius Finn, Finn filius Foleguald, Foleguald filius Geta , qui ut ajunt filius fuit dei, non veri nec omnipotentis dei sed alicujus ex idolis eorum, quem ab ipso daemone coecati, more gentili, pro deo colebant. Asser p. 4: Woden qui fuit Frithowalde , qui fuit Frealaf , qui fuit Frithuwulf , q. f. Fingodwulf q. f. Geata , quem Getam jam dudum pagani pro deo venerabantur. qui Geata fuit Cætva , q. f. Beav , q. f. Sceldwea , q. f. Heremod , q. f. Itermod , q. f. Hathra , q. f. Huala , q. f. Bedwig . Ethelwerdus p. 842: Wothen , Frithowald , Frealaf , Frithowlf , Fin , Godwlfe , Geat , Tetwa , Beo , Scyld , Scef . Florenz p. 218 in der northumbr. stammtafel: Wodenus , qui fuit Frithelasi (für Frithelafi), qui fuit Finni , qui fuit Godulfi , qui fuit Geatae ; hingegen p. 294 in der westsächsischen: Wodenus q. f. Frithewaldi , q. f. Frealafi , q. f. Fritheulfi , q. f. Finni , q. f. Godulfi , q. f. Gaetae . quem Getam jam dudum pagani pro deo venerabantur. qui fuit Cedwae , q. f. Beawae , q. f. Sceldwii , q. f. Heremodi , q. f. Itermodi , q. f. Hathri , q. f. Walae , q. f. Bedwigi . Ebenso lautet bei Simeon dunelm. p. 119 die westsächs. reihe: Woden , q. f. Frithuwald , q. f. Frealaf q. f. Fridrenwulf , q. f. Geta , q. f. Cetwa , q. f. Beaw , q. f. Seldwa , q. f. Heremod , q. f. Itermod , q. f. Hatra , q. f. Wala , q. f. Bedwig . Guil. malmesb. p. 41: Wodenius fuit Fridewaldi, Fridewaldus Frelasii (al. Fridelafii), Frelasius Fimi, Fimus Godwini, Godwinus Gesii, Gesius Tectii, Tectius Beowini, Beowinus Sceldii, Sceldius Sceaf, Sceaf Heremodii, Heremodius Stermonii, Stermonius Hadrae, Hadra Gualae, Guala Bedwegii, Bedwegius Stresaei . Ethelredus rievallens. p. 351: Woden q. f. Fredewald , q. f. Freolof , q. f. Frederewlf q. f. Fingondwlf q. f. Geta , q. f. Gearwa , q. f. Beu , q. f. Celdwa , q. f. Heremod , q. f. Itermod , q. f. Hathra , q. f. Wala , q. f. Beadwig . Henr. huntind. p. 310 in der kentischen genealogie: Woden , filii Frealof filii Fredulf filii Fin , filii Flocwald , filii Jeta , quem dixerunt filium dei, scilicet alicujus idoli. Radulfus in der westsächsischen p. 529: Woden , q. f. Frederewald , q. f. Freolf , q. f. Fredewlf q. f. Fringoldwlf q. f. Geta , q. f. Geatwa , q. f. Beu , q. f. Sceldwa , q. f. Heremod , q. f. Itermod , q. f. Bathka , q. f. Wala , q. f. Beadwid . Johannes Wallingford p. 535: Guodden , q. f. Frithewald , q. f. Frealaf q. f. Frethewlf q. f. Fingoldwlf q. f. Geata , quem Geattam pagani jamdudum pro deo venerabantur, q. f. Cetirwa , q. f. Beau , q. f. Celdewa , q. f. Heremod , q. f. Idermod , q. f. Hathra , q. f. Wala , q. f. Beadwing . Albericus p. 186: Woden iste fuit filius Frithewaldi , qui Frelasii , 388 qui Finnii , qui Godpulfi , qui Gethii , qui Rethlii , qui Bedvii , qui Sceldii , qui Sceaf , qui Heremodii , qui Gwale , qui Bedwegii , qui Steresii . Matth. westmonast. p. 142 knüpft die vorfahren Wodens an den mercischen stamm: Woden fuit filius Frethewold , q. f. Freolaf , q. f. Frithewlf , q. f. Godwlf , q. f. Getae , q. f. Cethwae , q. f. Beau , q. f. Selduae , q. f. Heremod , q. f. Itermod , q. f. Hathrae , p. f. Walae , q. f. Bedwi ; p. 166 aber an den westsächsischen: Wodenus f. filius Frethewold , q. f. Freolaf , q. f. Frethwlf , q. f. Finni , q. f. Godulfi , q. f. Getae , q. f. Teathwii , q. f. Beau , q. f. Selduae , q. f. Seaf , q. f. Heremod , q. f. Itermod , q. f. Hathrae , q. f. Walae , q. f. Bedvii . Otterbourne an den kentischen: Woden , Frederwald , Freolf , Fredwold , Fyngoldwelth , Geta , Getwa , Beir , Sceldwa , Herecude , Etermode , Athra , Wala , Bedwich . In den drei ersten gliedern auf Vôden ergibt sich eine schwankende abweichung, die ich zur übersicht aufstelle. chronik b. Wessex:   Fridhuvald Freávine Fridhuvulf Asser: Frithowald Frealaf Frithuwulf Ethelwerd: Frithowald Frealaf Frithowulf Ethelred: Frethewald Freolof Frederewlf Florenz b. Wessex: Frithewald Frealaf Fritheulf Simeon: Frithuwald Frealaf Fridrenwald Radulf: Frederewald Freolf Fredewlf Johannes: Frethewald Frealaf Frethewlf Matthaeus: Fredewold Freolaf Frithewlf Freávine gründet sich also bloß auf die ags. chronik, und andere hss. geben auch da Frealafing, Frealaf. In folgenden mangelt ein glied: chronik b. Northumbr.   Freodholaf Fridhovulf Nennius Frealof Fredulf Guilelmus Fridewald Frealaf Albericus Frithewaldus Frelasius Henricus Frealof Fredulf ja einige haben überhaupt nur eins dafür: chronik bei Deira Fridhovulf Florenz bei Northhumbr.   Frithalaf. weil aber die bleibenden namen wechseln, so erhellt, daß die westsächs. genealogie der chronik das richtige und vollständige gewährt. Freávine und Freálâf können für identische namen gelten, es verschlägt nichts, daß Freávine auch unter den descendenten des westsächs. stammes vorkommt, da sich einzelne namen öfter wiederholen. billigt man das Frithalaf bei Florenz, so stehen Fridho vald, Fridho lâf, Fridho vulf nebeneinander. [an Friđleif mahnt die jomfrue Fridlefsborg im dän. lied von Tord afs Hafsgaard, wo das schwed. jungfru Froijenborg hat.] Finn und Godvulf werden bei Asser zusammengeworfen in Fingodwulf , bei Ethelred in Fingondwlf , bei Johannes in Fingoldwlf , 389 bei Radulf in Fringoldwlf . bei Simeon fehlen beide, bei Matthaeus fehlt Finn, bei Nennius und Henric Godulf. Nennius gibt statt Godvulf Foleguald (Folcvald), Henric Flocwald , Guilelm Godvine . Geát (Geata, Geta, Jeta, bei Guilelm Gesius) findet sich bei allen. Tætva , Tetwa, Tectius erscheint in den formen Cætwa, Getwa, Cethwa, Cedwa, Cetirwa, und Getwa, Geatwa, Gearwa, Rethlius. Beav , Beaw, Beau, Beawa, Beu, Beo, Beowinus, Bedvius, Beir. Sceldva , Sceldwa, Scyld, Sceldwius, Sceldius, Seldwa, Seldua, Celdwa, Celdewa. Heremôd überall, wo er vorkommt, aber bei Ethelwerd fehlt er, unverändert, nur Otterbourne hat Herecude. Itermon , Itermod, Idermod, Etermode, Stermon. fehlt bei Ethelwerd. Hathra , Hadra, Hatra, Athra, Hathrus, Bathka. fehlt bei Ethelwerd. Hvala , Huala, Wala, Guala. fehlt bei Ethelwerd. Bedvig , Bedwig, Bedwi, Beadwig, Bedwigus, Bedwegius, Bedwing, Bedwid. b. Eth. fehlend. Sceáf Scef, Seaf findet sich nur in der ags. chronik, bei Ethelwerd, Albericus, Guil. malmesb. und Matthaeus westm., nicht bei den übrigen, namentlich nicht bei Asser und Florenz; allein der bedeutende unterschied tritt ein, daß ihn die chronik ganz zuletzt als vater des Bedvig aufführt, andere als vater des Sceldva, und Heremod als Sceafs vater, der in der chronik Sceldvas vater ist. kurz, diese schalten Sceáf ein zwischen Sceldva und Heremôd, und lassen ihn am schluß weg. Unter den aufgezählten namen sind nun einige höchst merkwürdig. Fin wird in travellers song 53 als herscher über die Friesen genannt: Fin Folcvalding veold Fresna cynne, dadurch bestätigt sich des Nennius angabe, daß Finns vater Folcvald (oder Folcvalda) heiße. auch Beov. 2129. 2155. 2186. 2286 erscheint Fin , wiederum Folcvaldan sunu 2172. die kentische genealogie hatte den namen richtiger bewahrt, als die übrigen; man übersehe dabei nicht, daß im Beov. gerade neben Fin Hengest 2159. 2186. 2248 auftritt, ein hauptname der Kenter; sollten sie nicht vielmehr friesische abkömmlinge sein als jütische? Finns großvater, Folcvalds vater, Geát , wurde als gott verehrt; das sagen die meisten chronisten bei aufrechnung dieser stammbäume ausdrücklich, während sie Vôdens gottheit verschweigen. Auch Geát findet sich Beov. 3567. 3582, und zwar nicht im travellers song, aber ein anderes ags. lied (Conybeare 241) enthält die worte: Geátes frige vurdon grundleáse. In der ags. chronik und bei Ethelwerd wird der vergötterung nicht gedacht; Nennius und der ihn ausschreibt, Henricus huntind., bezeichnen 390 ihn als den sohn eines gottes: Geta, qui, ut ajunt, filius fuit dei der sohn des gottes scheint in den mythen oft mit dem gott selbst identisch; vgl. Tacitus stelle über Tuisco und Mannus. , non veri, sed alicujus ex idolis eorum, beide aber schließen mit ihm die (kentische) ahnenreihe, ohne seinen vater zu nennen. Bei Asser und denen, die ihm folgen, namentlich Florenz, Radulf, Johannes, heißt es aber von Geta selbst quem Getam dudum pagani pro deo venerabantur, und sie fügen darauf den namen seines vaters (Cetwa) und älterer ahnen hinzu. zugleich wird sich von ihnen, unpassend genug, auf eine stelle des Sedulius (carmen paschale 1, 19. ed. Arevali. Romae 1794 p. 155) bezogen, wo von dem boatus ridiculus Gĕtae, oder wie Sedulius in der prosa sagt, von eines ridiculi Getae comica foeditate, mithin einer in der alten comoedie auftretenden person, die rede ist. Daß aber der ags. Geát oder Gêt von uralter zeit her, und lange vor der auswanderung nach Britannien, für einen gott galt, soll im verfolg eine gothische stammsage, die ihn vollkommen richtig Gaut nennt, beweisen. ahd. würde er Kôz oder Gôz heifsen. Im eddischen Grimnismâl (Sæm. 47 b vgl. Sn. 24. 195) steht Gautr ausdrücklich als der name Odhins, den er unter den göttern selbst führt. Tætva scheint erklärbar aus einem in der ags. sprache zwar verlornen adj. tæt, das sich in der ahd. form zeiz, altn. teitr erhalten hat, und laetus, hilaris, placidus bedeutet. laetus vielleicht für daetus (goth. tatis), wie lingua, levir, lautia f. dingua, devir, dautia. ahd. ist Zeiz, Zeizo, altn. Teitr ein üblicher mannsname, vorzüglich hervorzuheben aber, daß Odhinn in der edda (Sæm. 46 a ) Herteitr heißt. Tætva könnte ausdrücken: numen placidum, benignum, der gehiure. Die drei folgenden namen, in der ordnung Beav , Sceldva , Sceáf , lassen innigen zusammenhang dieser genealogien mit der alten volksdichtung recht erkennen. Beav , Beu , Beo ist kein andrer als der im ags. gedicht von Beovulf gleich anfangs auftretende ältere Beovulf , der z. 37 Scyldes eafera (Scylds abkömmling) und z. 16 Scylding (Scylds sohn) heißt, aber von dem jüngern Beovulf, dem Ecgtheoving (z. 524) oder Vægmunding, unterschieden werden muß. Beo verhält sich zu Beovulf wie in andern fällen die einfache namensform zu der componierten. Wolf steht gleichbedeutend mit Wolfgang, Regin oder Regino mit Reginhart, Dieto mit Dietrich, Liuba mit Liebgart. daher auch Beovulf und Beovine zusammenfallen. Scyld (Beov. 51) gemahnt an den mythischen könig der Dänen Skiold (Saxo gramm. 5), an den Skânûnga godh (myth. 1, 133), in der edda erscheint Skiöldr als Odins sohn (Sn. 146. 193), von ihm leiten sich die Skiöldûngar (Sæm. 114. 115), ags. Scyldingas her. die schwachformige endung - va in Sceldva gleicht dem Tætva neben Teitr und Zeiz, und begreift sich schon aus der dritten decl., welcher das altn. skiöldr (gen. skialdar, dat. skildi) folgt, was ein goth. skildus, gen. pl. skildivê voraussetzt. Scyld heißt Beov. 7 391 ausdrücklich Scêfing , d. i. sohn des Sceáf . von Sceáf nun hat sich bei den ags. chronisten eine merkwürdige, in die wortbedeutung seines namens (sceáf, ahd. scoup, manipulus, fasciculus) eingreifende überlieferung erhalten, die noch an den alten wohnplätzen der späteren auswanderer spielt. Ethelwerd ist, soviel ich weiß, der älteste, der ihrer gedenkt, und gerade bei aufzählung des westsächsischen geschlechts, p. 842: ipse Scef cum uno dromone advectus est in insula oceani, quae dicitur Scani, armis circundatus, eratque valde recens puer, et ab incolis illius terrae ignotus, attamen ab eis suscipitur et ut familiarem diligenti animo eum custodierunt et post in regem eligunt. einigermaßen abweichend berichtet Wilhelm von Malmesbury p. 41: iste (Sceáf) ut quidam ferunt , in quamdam insulam Germaniae Scamphtam (al. Scandeam), de qua Jordanes historiographus Gothorum loquitur, appulsus navi sine remige puerulus, posito ad caput frumenti manipulo , dormiens, ideoque Sceaf est nuncupatus, et ab hominibus regionis illius pro miraculo exceptus et sedulo nutritus adulta aetate regnavit in oppido, quod tum Slaswich, nunc vero Eitheisi (al. Hurtheby) Haithaby , altn. Heidhabær , Heidhaboe, bischofsitz in Südjütland. Ethelwerdus p. 833: Anglia vetus sita est inter Saxones et Giotos, habens oppidum capitale, quod sermone saxonico Sleswic nuncupatur, secundum vero Danos Haithaby . appellatur; est autem regio illa Anglia vetus dicta, unde Angli venerunt in Britanniam, inter Saxones et Giothos constituta. Fast mit denselben worten erzählt Albericus und Matthaeus westm.; jener hat: in Scania insula, quae est in Dania, und hernach: Sleswyk, quod Hartebi dicitur. Matthaeus: in quandam insulam Germaniae, Scandalin nomine; hinter manipulo hinzufügend: quem patria lingua seaf (l. sceaf) dicimus, gallice vero garbam. Ein unbekannter knabe, in steuerlosem schif RA. 701. , auf einer garbe schlafend, landet in Angeln, wird von den einwohnern als ein wunder in empfang genommen, auferzogen und zum könig gesetzt; er und sein geschlecht muste daher heiligen und göttlichen ursprungs erscheinen. diese sage wird ohne zweifel in dem dunkeln eingang des Beovulf berührt, obgleich die begebenheit da auf Scyld, Sceáfs sohn übertragen ist; des bündels kornähren, worauf er schläft, geschieht, wie bei Ethelwerd keine meldung, dessen ›armis circumdatus‹ vielmehr zu Beov. 72–81, 93–95 stimmt. der schwierige ausdruck umborvesende 92 kann kaum etwas anders bezeichnen, als was in recens natus liegt. der dem nom. gleiche acc. sg. masc. läßt sich vielleicht rechtfertigen, oder man muß vesendne emendieren. die von Kemble p. 253 neumitgetheilte stelle: umbor ycedh thâ ær adl nimedh bedeutet vielleicht: nova proles addit (restituit), quos morbus aufert. der travellers song 64 gibt einen Sceáfa als beherscher der Langobarden an. Sagen von der ankunft fremder, schlafender helden im schif müssen frühe in Deutschland verbreitet gewesen sein. der schwanritter langt einsam und schlafend , das haupt auf seinen schild geneigt, zu schiffe in Brabant an, erlöst das land und wird dessen beherscher. Conrats v. Würzburg gedicht z. 116–122. Lohengrin s. 19. Parz. 824, 27–826, 24. Hier mögen alte fränkische, friesische und sächsische überlieferungen zusammenfließen. [Auch Vischnu schläft auf der schlange im meer .] 392 Das göttliche ansehen, in dem Sceáf und Scyld standen, steigt aber noch dadurch, daß der eine oder der andere zugleich als sohn des Heremôd , zwar eines helden nach Beov. 1795. 3417, aber eines entschieden göttlichen wesens der nordischen mythologie, dargestellt wird. Hermôdhr ist nach der edda ein sohn Odins, der ags. Heremôd Itermons. Itermon (mit î) erklärt sich aus einem verlornen ags. adj. îtor, îtôr, das gleich dem altn. îtr praeclarus, eximius ausdrückte, also: vir eximius. noch heute findet sich in Westphalen der eigenname Ittermann . Auf Hathra werde ich hernach noch zurückkommen; von Hvala und Bedvig weiß ich nichts besonderes zu sagen. Es ist übrig anzugeben, auf welche weise versucht wurde, diese einheimischen götter und helden den ersten, in der heiligen schrift überlieferten, menschengeschlechten anzureihen. Die ags. chronik p. 96 schaltet in einem eingeklammerten, also nicht allen hss. eignen zusatz hinter Bedvig Sceáfing ein: id est filius Noe , se väs geboren on thære earce Noe doch nicht mit bezug auf den im steuerlosen schif fahrenden knaben? , Lamech , Matusalem , Enoh , Jared , Malalahel , Cainion , Enos , Seth , Adam primus homo et pater noster, id est Christus . amen. Asser hingegen, der keinen Sceáf kennt, gibt eine stelle dem Sem, und liefert folgende anknüpfung: Bedwig , qui fuit Sem , qui fuit Noe , qui fuit Lamech , qui fuit Mathusalem , q. f. Enoch [q. f. Jared ], q. f. Malaleel , q. f. Cainan , q. f. Enos , q. f. Seth , q. f. Adam . Ebenso Florenz p. 294, nur daß hier hinter Bedwig nicht Sem, sondern Seth , und später nochmals Seth hinter Enos aufgeführt ist. Simeon, Ethelred, Matthaeus wie Asser. Eigenthümlich Wilelmus malmesb. p. 41: Guala filius Bedwegii, Bedwegius Stresaei , hic ut dicitur fuit filius Noae , und weiter wird nicht aufgestiegen: ist Stresaeus verderbt aus Scefius? Eine ganz andere, die ags. stämme nicht berührende verbindung bringt Nennius p. 54 vor. Ich will nun den gewinn zusammenstellen, der aus diesen genealogien für das deutsche alterthum zu ziehen ist. götternamen bieten sie außer Vôden dar: Geát , Bäldäg , Seaxneát , Heremôd , vielleicht Tætva . auf volksnamen bezüglich sind Gevis , Vesterfalcna , wol auch Saxneát selbst. in die heldensage greifen, so viel wir noch durchschauen, Scyld , Sceáf und Beav ; manche verbindungen sind uns ohne zweifel verloren gegangen, aber der zusammenhang mit dem Beovulfslied und dem travellers song darf in seiner ganzen bedeutsamkeit nicht übersehen werden. gleich wichtig erscheint die berührung einer reihe des mercischen stamms mit den angaben des Saxo gramm., man könnte in einigen namen, wie sie nebeneinander stehen, überreste der alliteration spüren, die 393 auf uralte gedichte zurückwiese, z. b. bei Hengest und Horsa, Scyld und Sceáf, Finn und Folcvald, Freodhovald und Freávine. Ein theil der bis jetzt untersuchten sächsischen stammsage verbreitete sich, wenigstens im dreizehnten jh., wo nicht früher, nach Scandinavien, und zwar die reihe von Vôden hinaufsteigend zu Bedvig , vielleicht noch ein glied höher, dann aber auch abwärts gehend zu drei söhnen Vôdens und deren nachkommen. Die entlehnung folgt aus den von Snorri, im formâli seiner edda p. 15 beibehaltnen sächsischen formen, welchen er die abweichenden nordischen zur seite stellt. als vater Bedvigs wird Cespheth (al. Sefsmeg, Sesep, Sescef) angenommen, worin das sächs. Scef stecken könnte; dann heißt es: hans son Bedvig , hans son Atra , er ver köllum Annan , hans son Itrmann , hans son Heremôd (al. Eremôd), hans son Skialdun , er ver köllum Skiöld , hans son Biaf , er ver köllum Biar , hans son Jat , hans son Gudôlfr , [hans son Finnr ] hans son Fiarleif (al. Frialafr), er ver köllum Fridhleif hann âtti thann son, er nefndr er Vôdhinn , thann köllum ver Odhinn . kona hanns hêt Frigidha , er ver köllum Frigg . Odhinn, wird nun fortgefahren, hatte drei söhne Vegdeg , Beldeg und Sigi . Vegdeg (al. Veggdegg, Vegdreg) herscht über Ostsachsen , sein sohn hieß Vitrgils , der zwei söhne hatte, Ritta (al. Picta, offenbar Vitta, Victa) den vater Heingests , und Sigarr den vater Svebdeggs , er ver köllum Svipdag . Beldeg , er ver köllum Baldr , herscht über Vestfal : sein sohn ist Brandr , dessen sohn Friodhigar , er ver köllum Frôdha , d. s. Freovit (al. Freovin), d. s. Yvigg , d. s. Gevis , er ver köllum Gave . Sigi (al. Siggi) hat einen sohn namens Verir (als Rerir), von denen die Völsûngar, das über Franken herschende geschlecht, abstammen. Allein dieser genealogie läßt Snorri eine andere, griechische namen einflechtende vorausgehen, welche gar nichts mit den ags. angaben gemein hat. Munon oder Mennon ein könig in Troia zeugt mit einer tochter des Priamus einen sohn Tror , thann köllum ver Thôr . [Egilsson s. v. þrôr = Odin und Thor.] dieser heiratet eine weise frau, namens Sibil (Sibylla), er ver köllum Sif ihr beider sohn heißt Loride , dessen sohn Henrede , d. s. Vingethôr , d. s. Vîngener , d. s. Môda , d. s. Magi , d. s. Cespheth und so verknüpft der stamm sich jenem sächsischen. [vgl. F. Magnusen lex. myth. 553. 554.] Ähnliche, noch mehr erweiterte und jüdische unter griechische namen mengende stammbäume sind in der schrift frâ Fornjoti ok hans ættmönnum, in dem sogenannten langfedgatal (Langebek I, 2) und in einer hs. der Sverris saga gleich eingangs (heimskringla th. 4) anzutreffen. Fornaldarsögur 2, 13 wird folgende liste aufgestellt: Adam , Seth , Enos , Kaynan , Malaleel , Phareth , Enoch , Mathusalem , Lamech , Nôi , Japhet , Japhan , Zechim , Ciprus , Cretus edha Telius 394 (Celius), Saturnus , Jupiter , Darius , Erithonius , Troes , Ilus , Lamidon , Priamus , Munnon edha Memnon , Trôrr er ver köllum Thôr , Lôritha , er ver köllum Hlôridha , Eredei er ver köllum Eindridha , Vîngithôrr , Vînginerr , Môdhi , Mâgi er ver köllum Magna , Seseph , Bedhuis , Atra , Trînan , Skialdin er ver köllum Skiold , Beaf er ver köllum Biar , Godhôlfr , Burri er v. k. Finn , Frialâfr er v. k. Bors , Vôdhen er v. k. Odhinn , hann var Tyrkja konûngr, hans son Skiöldr , h. s. Fridhleifr , h. s. Fridhfrôdhi , h. s. Herleifr , h. s. Hâvardr und so fort bis auf Haraldr hinn hârfagri. Langfedgatal lautet: Noa , Japhet , Japhans , Zechim , Ciprus , Celius , Saturnus , Jupiter , Darius , Erichonius , Troes , Ilus , Lamedon , Priamus . des Priamus tochter Troana wird vermählt mit Memnon , dessen sohn heißt Tror , er ver köllum Thor , darauf folgen Hloridhi , Einridi , Vingethor , Vingener , Moda , Magi , Seskef , Bedvig , Athra , Itermann , Heremotr , Scealdna , Beaf , Eat , Godulfi , Finn , Frealaf , Voden , than köllum ver Oden , fra honum ero komnar flestar konunga ættir i nordalfuna heimsins. die fassung dieses satzes stimmt überein mit der bei Beda und in der ags. chronik (s. oben s.  380 ). Das verzeichnis vor der Sverrissaga [fornm. s. 8, 2]: Adam , Seth , Enos , Kain , Malaleel , Pharet , Enoch , Matusalem , Lamech , Noa , Japhet , Japhen , Zethim , Chypris , Chretis , Chelis , Saturn , Jupiter , Dardan , Erichonius , Ereas , Ilus , Lamidon , Priamus ; Thor , Jorekr , Eredeir , Vingithor , Vinginer , Modi , Magni , Sesep , Bedvig , Attras , Trinam , Hermodr , Skioldr , Biar , Godolfr , Finnr , Frialafr , Odin , Sigi , Rerer , Volsungr , Sigmundr , Sigurdr fafnisbani. Überblicken wir diese nordische genealogie, wie sie Snorri aufstellt, so scheint von Bedvig an ihre ähnlichkeit mit der ags. ascendentenreihe aufzuhören. zwar in Sesep , Seskef , Cespheth möchte noch Sceáf (Seaf) stecken, ihm aber gehen andere in durchaus unsächsischer sprachform voraus. zunächst einige in der altn. göttersage wohlbegründete namen: Magni , Môdi , Vîngnir , Vingithôr , Einridi , Hlôridi , Thôr , lauter mit Thôr , der in den ags. stammbäumen gänzlich mangelt, beschlechtete. die art und weise, wie sie hier aufgestellt werden scheint nicht unmerkwürdig. einmal ist Thôr, den die uns überlieferten quellen der nord. mythologie immer als Odins sohn betrachten, für dessen ahnherrn ausgegeben, ja für einen durch sechzehn, siebzehn zwischenglieder von ihm entfernten. diese mittelglieder selbst sind aber sonderbar genug zusammengebracht. Hlôrridhi bildet in der edda einen bloßen beinamen Thôrs, keine von ihm verschiedne person. auch Eindridhi (Eyndridhi) ist nichts als ein eddischer Thôrsname (Thorlac. observ. 6. 26.) und das gleiche gilt von Vîngthôrr [ sonr Sidhgrana ] (Sæm. 48. 80). Vîngnir kommt sonst als benennung eines riesen vor (Thorlac. obs. 6, 25); Môdhi und Magni aber sind zwei söhne Thôrs und brüder (Sn. 76.) Ich will nicht behaupten, daß der verfasser des stammbaums absichtlich diese 395 beinamen und geschwister in nachkommen verwandelte; eine verwirrende volksüberlieferung selbst kann es ausgerichtet haben. ihr lag auch die anreihung an griechische helden und götter ganz nahe, wie man in Deutschland den ursprung der Franken und Sachsen aus trojanischem und macedonischem geschlecht leitete. Von da zur biblischen genealogie ist freilich ein ebenso gewaltsamer sprung, wie von der angelsächsischen zur biblischen. Wichtiger für unsere betrachtung ist der theil des altn. stammbaums, welcher mit dem ags. übereintrift und doch von ihm in einzelnheiten abweicht. Atra wird durch das altn. Annarr wiedergegeben, genau betrachtet müste dann der ags. name Odher lauten, was von dem Hathra der ags. genealogie bedeutend absteht. Biaf oder Biav (Beav) ist von Biafr , Biar nicht sehr fern, und kaum das altn. Biörr . zum ags. Iát , Eát wird kein altn. name bemerkt, er wäre Gautr oder Iotr ? Der größten aufmerksamkeit werth ist aber die verschiedne darstellung der nachkommenschaft Odhins. wiederum treten (wie bei Wilhelm v. Malmesb. oben s.  379 .) nur drei söhne auf, Vegdeg , Beldeg und Sigi ; dem namen nach stimmen die beiden ersten, nicht der dritte Sigi , der ganz ein anderer ist als jener Vihtläg . die angabe der landschaften, über welche sie herschen, muß sich natürlich vollkommen von der dort angegebnen unterscheiden. Veldeg , Vihtleg und Beldeg waren ahnherrn der stämme, die später in Kent, Mercia und Wessex walteten; das formâli der edda scheint aber ihre alten sitze zu bezeichnen, die sie vor der auswanderung eingenommen hatten. Dem stamm des Vegdeg wird Ostsachsen , dem des Beldeg Westfalen , dem des Sigi Franken beigelegt. Wie bei den Angelsachsen von Vôden Vecta, Vitta und Vihtgils abstammen, werden auch hier dem Odhinn die nachkommen Vegdeg , Vitrgils und Victa (so daß die beiden letzten bloß ihre stellen tauschen) zugeschrieben; allein von hieran ändert sich das register. mit gänzlicher verschweigung des Horsa legt der nord. genealogist dem Victa zwei söhne zu, Heingest und Sigarr ; jenes linie wird nicht weiter fortgeführt, hingegen von Sigarr stammt Svebdeg , altn. Svipdagr . [in Grôg. und Fiölsv. m. ist Svipdagr geliebter der Menglöđ. sein vater Sôlbiört (Sæm. 112 a ), seine mutter Grôa.] dies greift nun sichtbar ein in den ags. stammbaum von Deira, der die folge Vôden , Vägdäg , Sigegâr und Svæfdäg aufstellt. Wir lernen also, daß der kentische Vecta und der deirische Vägdäg die nemliche person sind, und die geschlechter von Kent und Deira gemeinschaftlichen anfang haben, wie die von Bernicia und Wessex, daß folglich hiernach nur von sechs söhnen Vôdens, nicht von sieben die rede sein kann. Im zweiten stamm wird Beldeg ausdrücklich dem nord. Baldr gleichgesetzt; seine nachkommenschaft ist noch fünf glieder weiter verfolgt und stimmt zu den wessexischen, nur daß Freodogar dem nord. Frôdhi entsprechen soll, für Vig , Yvigg steht, 396 und Gevis altn. Gave lautet. Völlig neu und den Angelsachsen unerhört ist aber der dritte stamm, der einen sohn Odhins Sigi annimmt, und von diesem Rerir und die Völsûngar abstammen läßt, als beherscher der Franken. das stimmt zu der Völsûngasaga selbst, in deren eingang Sigi ein sohn Odhins heißt: von ihm stammen Rerir (al. Berir, Beirir), Völsûngr , Sigmundr , Sigurdhr . in diesem geschlecht herscht das wort sieg, auch eine schwester Siegmunds führt den namen Signŷ . in Sigurdhr = Sigufrid vermutet Lachmann (critik der sage von den Nibelungen p. 22) eines gottes beinamen ; auch in der deirischen genealogie wiederholen sich composita mit Sig-. Man halte hierzu, was ich myth. 1, 22 über sihora und 1, 110 . 111 über Wuotan als gott des siegs gesagt habe. Völsûngr hat die form des allgemeinen namens, und weist auf Valsi oder Velsi hin, welches im Välse des Beovulf 1787 begegnet, wo auch Sigemund 1743. 1762 gefunden wird. In der Sverrissaga findet sich dieselbe fortsetzung des stamms bis auf Sigurdhr, im Langfedgatal mangelt sie, im bericht von Fornjot und seinem geschlecht wird eine andere angeschlossen, die den bereits unter Odhins ahnen vorkommenden Skiöldr wiederum als seinen sohn setzt und von ihm bis auf könig Haraldr herab ein nordisches königsgeschlecht ableitet. die gewöhnliche dänische genealogie beginnt: Odin , Skiold , Fridleif , Frode . Torfaeus series 279. Suhm crit. hist. 1, 355. [sögubrot (fornm. sög. 11, 412. 413) Thôrr, Ođhin, Skiöldr, Leifr = Fridhleifr, Frôdhi. prolog von Grôttasöngr: Skiöldr, Friđleifr, Frôđi. in den ags. genealogien erscheint Sceldva als ahne des Voden: Sceldva, Friduvulf, Frealâf, Friduvald, Voden, auch in einigen nord. (oben s.  394 ), in der regel als sohn des Ođinn.] Diese letztere aufzeichnung gewährt auch in der odinischen ascendenz einige nicht unbeträchtliche varianten. bei dem fremdartigen Eredei wird ausdrücklich Eindridhi als nord. namensform hinzugefügt, bei Mâgi Magni ; das aus Itrman verfälschte Trînan findet sich hier wie in der Sverrissage, Hermôdr wird übergangen, desgleichen Eat , dagegen sind bei Finn und Frialaf zwei sonst in diesen registern unerhörte nebenbenennungen Burri und Bors angegeben. Nach so bedeutender verschiedenheit in form und sache ist man schwerlich berechtigt, die nordischen geschlechtsverhältnisse für unmittelbar entlehnt aus den angelsächsischen anzusehen; eher scheint, daß sie vielleicht aus einer sächsischen oder friesischen gegend, etwa im 10. oder 11. jh., wo sie dort noch haften konnten, nach Scandinavien übergiengen. die formen Beldeg, Vegdeg, Svebdeg entfernen sich, wiewol leise, von den strengags. Bäldäg, Wägdäg, Svæfdäg; Atra von Hatra, Skialdun (Skialdin) von Sceldva, Biaf von Beav. Es versteht sich, daß die einschaltung des thorischen geschlechts von dem nordischen verzeichner herrührt. Doch selbst wenn eine erborgung von den Angelsachsen her, und in späterer zeit des 12. oder 13. jh., stattfand, ändert sich dadurch wenig an dem innern werth dieser stammsagen. die angelsächsische auffassung allein ist hinreichend uns ihr hohes 397 alter und ihren zusammenhang mit der deutschen götterlehre zu verbürgen. Es ist sehr zu beklagen, daß in dem innern Deutschland solche stammbäume, die ohne zweifel vorhanden waren, der aufzeichnung entgangen sind. Witekind von Corvei, oder sein vorgänger Bovo, hätten uns darüber die unschätzbarsten nachrichten sammeln können. eine tafel in Sam. Reyhers monum. landgravior. Thuringiae (Menken 2, 829. 830), welche den erdichteten stamm eines sächsischen königs Artharicus auf Bodo vel Voden herunterführt, und dann Vecta vel Vichtus, Witta vel Wittich, Witgistus vel Witgislus, Hengistus einschaltet, ist aus des Petrus Albinus († 1598) novae Saxonum historiae progymnasmata. Viteberg. 1585 genommen. Albinus aber hat es geradezu aus einem der ags. chronisten her. Dafür schlägt in unsern gedichten des 13. jh. ein echter laut aus uralter stammsage an. Nib. 88, 3. 92, 1 ist von Schilbunc und Nibelunc noch kunde, und Bit. 7821 heißen beide brüder. dieser Scylfing , Scilfing (gomela Sc.) und die Scylfingas erscheinen Beov. 125. 4406. 4758. 4970. 5850. 5931. nach der edda (Sæm. 47 b ) war aber Scilfîngr wieder ein nebenname Odhins, und in den genealogien des Hyndluliodh (Sæm. 114 b 115 b ) werden Skiöldûngar und Skilfîngar alliterierend zusammengestellt. die vorhin angeführte altn. nachricht frâ Fornjoti (fornald. sög. 2, 9.) zählt unter Hâlfdân des alten mythischen söhnen einen Skelfir auf und leitet von ihm und seinem sohne Skiöldr jene verwandten geschlechter ab: that heitir Skilfînga ætt edha Skiöldûnga ætt. [Odhinn heißt auch Sæm. 47 b Scilfîngr . Sn. 215 a ist Skilvîngr name eines schwertes. Skelfir , Skilfîngar î austrvegum. Sn. 193. 194. Schilpunc . Ried no. 68 (a. 888)]. hier scheint Skelf und Skef verwechselt; nach unsrer ags. stammtafel, wie nach Beovulf, ist Sceldva , Scyld sohn des Sceáf . eben aus dieser verwirrung ergibt sich die unentlehnte verschiedenheit an beiden orten, und Schilbunc [vgl. Schiltunc Haupts zeitschr. 1, 7], Scilfing müßen als eng verflochten in die alte stammsage betrachtet werden. fornm. sög. 5, 239 wird Skiöldr als landesgott der Schonen (Skânûnga god) aufgeführt (vorhin s.  394 ). Eine noch wichtigere einstimmung bietet das gothische geschlechtsregister dar, welches Jornandes, nachdem er eben gesagt hat, die vorfahren der Gothen seien Anses gewesen, mittheilt: quorum genealogiam paucis percurram, ut quo quis parente genitus est, aut unde origo accepta, ubi finem efficit, (? percipiatur;) absque invidia qui legis vera dicentem ausculta: horum ergo ut ipsi suis fabulis ferunt , primus fuit Gapt , qui genuit Halmal (al. humal, ulmal, hulmul), Halmal vero genuit Augis, Augis genuit eum, qui dictus est Amala , a quo et origo Amalorum decurrit. et Amala genuit Isarnam, Isarna autem g. Ostrogotham, Ostrogotha genuit Unilt (al. Huniul), Unilt g. Athal, Athal g. Achiulf, Achiulf 398 g. Ansilam et Ediulf et Vuldulf et Hermenrich, Vuldulf vero g. Valeravans, Valeravans autem g. Vinitharium, Vinitharius quoque g. Theodemir et Valemir et Videmir; Theodemir g. Theodericum, Theodericus g. Amalasuentham, Amalasuentha g. Athalaricum et Mathasuentham, de Viderico (l. Eutharico) viro suo, qui affinitate generis sic ad eum conjunctus est: nam supradictus Hermenricus filius Achiulfi genuit Hunnimundum, Hunnimundus autem g. Thorismundum, Thorismundus vero g. Berimundum, Berimundus g. Videricum, Videricus g. Eutharicum, qui conjunctus Amalasuenthae g. Athalaricum et Mathasuentam, mortuoque in puerilibus annis Athalarico Mathasuenthae Vitichis est sociatus. Auch hier sehen wir historische könige in helden des mythischen zeitalters und götter übergehen; unter allen ist es der erste ahne, sicher ein ans , der unsere aufmerksamkeit in anspruch nimmt. mir scheint Gapt aus Gavt , Gaut das goth. u konnte von abschreibern leicht durch v (y) ersetzt und dieses mit p vertauscht werden; gerade wie das ags. v mit p in den schreibungen Pubba, Godpulf. verderbt. dies zugegeben ist Gaut kein andrer als der ags. Geát , auf dem in den ags. genealogien vorzugsweise und ausdrücklich der begrif der göttlichkeit ruht. nach der edda (Sæm. 47 b ) war aber Gautr ein bloßer beiname Odhins, und dieser kann als eine spätere wiedererscheinung des selben göttlichen wesens betrachtet werden. Gáuts , Geát , Gautr , ahd. Gôz , steht demnach an der spitze des in lied und sage berühmten geschlechts der Amalunge . Die langobardische, im prolog der gesetze und bei Paulus Diac. aufbewahrte genealogie der Guninge oder Guginge lasse ich hier beiseits, weil sie nichts zur erläuterung der göttersage an hand zu geben scheint. Sie bezeugt aber, und die fülle nordischer geschlechtsverzeichnisse in den edden und sagen bestätigt in noch höherm grade, wie die richtung der deutschen völker dahingieng, die stammbäume ihrer vorfahren aufzustellen und zu bewahren. Wer gedächte hier nicht vor allem der bei Tacitus, freilich nur in dem leichtesten umriß, erhaltenen, auf deutsche lieder gestützten ältesten nachricht von der Germanen abstammung? [myth. 1, 285  ff.] celebrant carminibus antiquis, quod unum apud illos memoriae et annalium genus est, Tuisconem , deum terra editum, et filium Mannum , originem gentis conditoresque. Manno tres filios assignant, e quorum nominibus proximi oceano Ingaevones , medii Herminones , ceteri Istaevones vocentur. quidam ut in licentia vetustatis, plures deo ortos pluresque gentis appellationes, Marsos , Gambrivios , Suevos , Vandalos affirmant. wie bei den Angelsachsen dem Vôden bald drei diese dreizahl kehrt in den mythen überall wieder: Noah hat drei söhne Sem, Ham, Japhet; Saturn: Zeus, Poseidon, Pluton; der scythische Targitaus : Leipoxais, Arpoxais, Kolaxais; der nord. Börr: Odhinn, Vili, Vê; Fornjotr: Hlerr, Logi, Kâri; Amelunc: Diether, Ermrich, Dietmar. , bald sieben söhne zugeschrieben werden, 399 tritt der gleiche fall hier bei des Mannus nachkommenschaft ein. das ist, wenn auch zwischen beiden genealogien weiter gar keine berührung statt findet, auffallend genug; man sieht, schon im ersten jh. waren mehrfache, abweichende recensionen der stammsage im umlauf und zu des Römers ohren gelangt. die namen der söhne gibt er nicht an; es ist nicht ganz sicher, sie aus der benennung der entsprossenen völker zu folgern. Plinius 4, 4 nimmt fünf germanische hauptstämme an: Vindeli , Ingaevones , Istaevones , Hermiones , Peucini ; die ersten sind des Tacitus Vandali . der Herminonen ahne hieß ohne zweifel Hermin , d. i. Irmin , den noch die spätere sage als göttlichen held kennt; der Vandalen ahne Vandal , der Sueven Svêf , Suâp , wobei man sich des sächs. Svæfdäg und des altn. Svâfnir (in der edda wieder ein name Odhins, Sæm. 47 b ) erinnert; der Gambriven vielleicht Gambar , es gibt ein ahd. adj. kambar (strenuus) und in der langob. sage erscheint als stammfrau Gambara. einen eigennamen Mars , wenn er der benennung des volks zum grund liegen soll, kenne ich sonst nicht; Tacitus muste ihn sehr annehmlich finden. Nun bleiben noch die Ingaevones und Istaevones zu erwägen. ein ahd. mannsname Ingo , mit welchem auch Ingumâr (fränk. Hincmar), Ingurât, Inguram, Ingulint, Inguwin componiert sind, wird früher gelautet haben Ingawo , Inguio , weil sich bei Tacitus mehrmals Inguiomêrus findet, dazu stimmt das altn. Ingvi . ein analoges Isto , Istuio mangelt. an die endung -aevo erinnert übrigens Frisaevo, als volksname, in einer inschrift bei Hagenbuch 173. 175, neben Frisius (daselbst 171. 172. 174.) Ingvi oder Yngvi bildet in der nordischen mythologie einen beinamen des Freyr, und das compositum Ingvifreyr, Ingunarfreyr scheint nichts verschiednes zu bezeichnen. hierzu halte man auch eodor Ingvina, freá Ingvina Beov. 2081. 2638, vor allem den Ingvi der bernicischen genealogie (oben s.  384 .); könnte noch zweifel haften, daß dieser name von der ältesten zeit in die germanische geschlechtssage gehört, und daß ihm etwas göttliches anhängt? Istuio macht die größte schwierigkeit. die lesart Istaevones möchte ich ungern verdächtigen, obgleich das schwanken zwischen Tuisto und Tuisco fast dazu ermuntert. läse man Iscaevones und folgt daraus Iscvio, Isco, so ließe sich an den nord. Askr , den erstgeschafnen menschen, oder an den ags. Oesc des kentischen stamms denken, wo dieser nicht schon zu unmythisch schiene? wirklich liest die stelle eines unbekannten compilators, die ich im cod. vat. 5001 blatt 140 [Graff 1, 497 hat die stelle nicht nur aus dem cod. vat., sondern auch aus dem älteren cod. s. gall. 497, wo Erininus , Inguo und Istio . vgl. Graff 1, 501 und Pertz iter ital. und mon. 10, 314. Mones zeitschr. 2, 256.] angetroffen habe, SG nicht ST: tres fuerunt fratres, ex quibus gentes XIII. primus Ermenius . genuit Butes, Gualangutos, Guandalos, Gepidos, Saxones. Ingo genuit Burgundiones, Turingos, Longobardos, Baioeros. Escio Romanos, Brictones, Francos, 400 Alamannos. Merkwürdig hat nun auch Nennius (ed. Gunn p. 53. 54) etwas sehr ähnliches: primus homo venit ad Europam Alanus cum tribus filiis suis, quorum nomina Hisicion , Armenon , Neugio . Hisicion autem habuit filios quator: Francum, Romanum, Alamannum et Brutonem. Armenon autem habuit filios quinque: Gothum, Valagothum, Cibidum, Burgundum, Longobardum. Neugio vero habuit tres: Vandalum, Saxonem, Boganum. Ab Hisicione autem ortae sunt quatuor gentes: Franci, Latini, Alamanni et Bryttones. ab Armenione autem Gothi, Walagothi, Cibidi, Burgundi et Longobardi. a Neugione autem Bogari, Wandali, Saxones, Tarincgi. darauf wird viele namen hindurch, die nichts deutsches an sich tragen, des Alanus stamm bis zu Adam fortgeführt. Gales ausg. des Nennius p. 102 liest: Hisicion , Armenon , Negno , dem letztern legt er vier söhne bei: Wandalus Saxo, Bogarus, Targus. Deutlich ist Neugio, Negno verderbt aus Engio , Enguio , Armenon aus Ermino , Hisicio spricht wieder für Hisco , Isco . aber daß Nennius und das vatic. ms. nicht aus einer quelle schöpften, leuchtet bei aller ähnlichkeit des ganzen aus der abweichung des einzelnen ein. Die hauptfrage bleibt, ob alle diese nachrichten aus Tacitus hergenommen, erweitert und entstellt sind? getraut man sich nicht das zu bejahen, so haben sie, meiner meinung, einen außerordentlichen werth. Nennius soll in hss. des zehnten jh. vorhanden sein; der vaticanischen hs. alter habe ich, bei dem vor langen jahren gemachten auszug, unangemerkt gelassen: schwerlich stieg sie über das zwölfte jh. hinauf. findet man irgend einen mittelbaren zusammenhang zwischen den angaben und der stelle des Tacitus wahrscheinlich, so muß dafür eine dem Nennius vorausgehende zeit, also eine ziemlich frühe angenommen werden [vgl. GDS. 824. 825. 829]. Alanus ist unbedenklich und durch baare verwechselung der ersten schriftzüge entstanden aus Manus , d. h. dem Mannus des Tacitus. dieser Mannus steht an der spitze des völkerstamms ganz wie Vôden an der des angelsächsischen. Mannus bedeutet in allen deutschen zungen homo, goth. man, mann und manna, ags. mon, altn. madhr, gen. manns; gleichen sinn gewährt das abgeleitete mannisk , mennisco , mensch . vielleicht: das denkende wesen von der wurzel man, munum, treffende bezeichnung gottes wie des gotterschafnen menschen, und sicher von höchstem alter. ich finde nicht, daß Odhinn oder Vôden nebenher so hieße, allein unter seinen ahnen steht Itermon , dessen erstes wort îter, îtr, bloß für ein erhöhendes epitheton gelten kann, homo praestans, hominum praestantissimus. Hiernach dürfen die begriffe Mannus und Wuotan in einander fallen. ich stelle es als vermutung auf: in heidnischen gesängen mochte der gott einen oder den andern dieser namen führen. Übrig bleibt nun des Mannus eigner vater, der erdgeborne Tuisco . wie wenn das wort gleich mannisco gebildet und verkürzt aus tiudisco wäre? nicht unähnlich machte die altfranz. sprache 401 Thyois, Tyois, Tiois aus Tydois, Thionville aus Thiodonisvilla. der gott hieße in goth. mundart Thiudiska , in hochdeutscher Diutisco , der aus dem volk (thiuda, diot) selbst entsprossene. mit Tiutisco könnte der volksname Teuto, Tiuto (ahd. Dieto) nah verwandt sein. Vorzüglicher scheint aber eine ganz andere, von Lachmann ausgehende deutung: Tuisco = Tvisco , d. i. geminus, δίδυμος, ahd. Zuisco , so daß an einen der Dioskuren (Διόσκουροι) und die stelle des Tacitus (myth. 1, 53 ) gedacht werden dürfte? Die form Tuisto bietet sich am wenigsten zur erklärung dar, wiewol auch ableitungen auf ST, IST vorkommen, den ags. Tætva mit Teuto oder Tuisto zu vergleichen schiene gefährlich. ohnehin wird sich nicht alles deuten lassen, und es reicht hin dargethan zu haben, daß in des Tacitus stammtafel noch unverkennbarer zusammenhang mit den späteren überlieferungen durchblickt. Aberglaube A. Aus einer predigt des heiligen Eligius (geb. 588. † 659) mitgetheilt in der vita Eligii von Audoenus rotomagensis († 683 oder 689), abgedruckt bei D'achery spicileg. tom. 5. ed. paris. 1661 p. 215–219. (libr. 2. cap. 16.) Ante omnia autem illud denuntio atque contestor, ut nullas Paganorum sacrilegas consuetudines observetis, non caraïos (caragios), [Ducange s. v. caragus , cararius .] non divinos , non sortilegos , non praecantatores, nec pro ulla causa aut infirmitate eos consulere vel interrogare praesumatis, quia qui facit hoc malum statim perdit baptismi sacramentum. Similiter et auguria vel sternutationes nolite observare, nec in itinere positi aliquas aviculas cantantes attendatis, sed, sive iter seu quodcunque operis arripitis, signate vos in nomine Christi, et symbolum, et orationem dominicam cum fide et devotione dicite, et nihil vobis nocere poterit inimicus. Nullus Christianus observet, qua die domum exeat, vel qua die revertatur, quia omnes dies deus fecit; nullus ad inchoandum opus diem vel lunam attendat; nullus in kal. Jan. nefanda aut ridiculosa, vetulas aut cervulos , [Ducange s. v. cervula . gl. sletst. 23, 3 in cervulo in liodersâza. 23, 4 in vetula in dero varentun trugidi. 23, 8 coragios liodirsâzo.] aut jotticos (al. ulerioticos) faciat, neque mensas super noctem componat , neque strenas aut bibitiones superfluas exerceat. Nullus Christianus in puras (al. pyras) credat, neque 402 in cantu sedeat, quia opera diabolica sunt; nullus in festivitate S. Joannis vel quibuslibet sanctorum solemnitatibus solstitia aut vallationes (? balationes), vel saltationes aut caraulas (i. e. choraulas) aut cantica diabolica exerceat. nullus nomina daemonum , aut Neptunum , aut Orcum , aut Dianam , aut Minervam , aut Geniscum , aut ceteras ejusmodi ineptias credere aut invocare praesumat. Nullus diem Jovis absque festivitatibus sanctis, nec in majo, nec ullo tempore in otio observet, neque dies tiniarum vel murorum , aut vel unum omnino diem, nisi tantum dominicum. Nullus Christianus ad fana , vel ad petras , vel ad fontes , vel ad arbores , aut ad cellos vel per trivia luminaria faciat, aut vota reddere praesumat; nullus ad colla vel hominis vel cujuslibet animalis ligamina dependere praesumat, etiamsi a clericis fiant, et si dicatur quod res sancta sit et lectiones divinas contineat, quia non est in eis remedium Christi, sed venenum diaboli. Nullus praesumat lustrationes facere, nec herbas incantare, neque pecora per cavam arborem vel per terram foratam transire, quia per haec videtur diabolo ea consecrare. Nulla mulier praesumat succinos ad collum dependere, nec in tela vel in tinctura sive quolibet opere Minervam vel infaustas ceteras personas nominare; sed in omni opere Christi gratiam adesse optare et in virtute nominis ejus toto corde confidere. Nullus, si quando luna obscuratur , vociferare praesumat, quia deo jubente certis temporibus obscuratur; nec luna nova quisquam timeat aliquid operis arripere, quia deus ad hoc lunam fecit, ut tempora designet et noctium tenebras temperet, non ut alicujus opus impediat, aut dementem faciat hominem, sicut stulti putant, qui a daemonibus invasos a luna pati arbitrantur. Nullus dominos solem aut lunam vocet , neque per eos juret, quia creatura dei sunt el necessitatibus hominum jussu dei inserviunt. Nullus sibi proponat fatum vel fortunam , aut genesin, quod vulgo nascentia dicitur, ut dicat ›qualem nascentia attulit, taliter erit‹. quia deus omnes homines vult salvos fieri et ad agnitionem veritatis venire. praeterea quoties aliqua infirmitas supervenerit, non quaerantur praecantatores, non divini, non sortilegi, non caragi , nec per fontes aut arbores vel bivios diabolica phylacteria exerceantur. – Ante omnia ubicumque estis, sive in domo, sive in itinere, sive in convivio verba turpia et luxuriosa nolite ex ore vestro proferre. – Ludos etiam diabolicos et vallationes (? ballationes, i. e. saltationes) vel cantica gentilium fieri vetate, nullus haec christianus exerceat quia per haec paganus efficitur, nec enim justum est ut ex ore christiano – cantica diabolica procedant. – Nulli creaturae praeter Deo et sanctis ejus venerationem exhibeatis, fontes vel arbores, quos sacros vocant , succidite; pedum similitudines, quos per bivia ponunt , fieri vetate et ubi inveneritis igni cremate, per nullam aliam artem salvari vos credatis, nisi per invocationem et crucem Christi. Nam illud quale est, quod si arbores illae, ubi miseri homines vota reddunt, ceciderint, nec ex 403 eis ligna ad focum sibi deferunt? Et videte quanta stultitia est hominum, si arbori insensibili et mortuae honorem impendunt et Dei omnipot. praecepta contemnunt. – – Nullus se inebriet, nullus in convivio suo cogat alium plus bibere quam oportet – nullus vel in qualibet minima causa diaboli sequatur adinventiones, nullus sicut dictum est observet egrediens aut ingrediens domum , quid sibi occurrat , vel si aliqua vox reclamantis fiat, aut qualis avis cantus garriat vel quid etiam portantem videat, quia qui haec observat ex parte paganus dignoscitur. – si quos cognoscitis vel occulte aliqua phylacteria exercere, expedit ut nec cibum cum eis sumatis neque ullum consortium apud eos habeatis. – Omni die dominico ad ecclesiam convenite, et ibi non causas, non rixas, vel otiosas fabulas agatis et lectiones divinas cum silentio auscultate. B. indiculus superstitionum et paganiarum (am schluß des capitulare Karlomanni von 743 apud Liptinas [Vgl. Hagen im jb. 2, 62.] Liptinae, eine alte villa regia, später Listines, in der landschaft Kemmerich (Cambresis), unweit der kleinen stadt Binche. mitgetheilt. Pertz 3, 20). I. de sacrilegio ad sepulchra mortuorum. II. de sacrilegio super defunctos, id est dadsisas . III. de spurcalibus in Februario. IV. de casulis id est fanis. V. de sacrilegiis per ecclesias. VI. de sacris silvarum, quae nimidas vocant. VII. de his, quae faciunt super petras. VIII. de sacris Mercurii vel Jovis . IX. de sacrificio, quod fit alicui sanctorum. X. de phylacteriis et ligaturis. XI. de fontibus sacrificiorum. XII. de incantationibus. XIII. de auguriis vel avium vel equorum, vel bovum stercore, vel sternutatione. XIV. de divinis vel sortilegis. XV. de igne fricato de ligno, id est nodfyr . XVI. de cerebro animalium. XVII. de observatione pagana in foco vel in inchoatione rei alicujus. XVIII. de incertis locis, quae colunt pro sacris. XIX. de petendo quod boni vocant sanctae Mariae. XX. de feriis, quae faciunt Jovi vel Mercurio . XXI. de lunae defectione, quod dicunt Vinceluna . XXII. de tempestatibus et cornibus et cocleis. XXIII. de sulcis circa villas. XXIV. de pagano cursu, quem yrias [Massmann form. 22: frias] nominant, scissis pannis vel calceis. 404 XXV. de eo quod sibi sanctos fingunt quoslibet mortuos. XXVI. de simulacro de consparsa farina. XXVII. de simulacris de pannis factis. XXVIII. de simulacro quod per campos portant. XXIX. de ligneis pedibus vel manibus pagano ritu. XXX. de eo, quod credunt, quia feminae lunam commendent, quod possint corda hominum tollere juxta paganos. Offenbar nur die rubriken der capitel, die den eigentlichen indiculus bildeten, dessen verlust sehr zu beklagen ist. er wurde gegen die mitte des 8. jh. unter deutschredenden Franken aufgezeichnet, die sich schon dem christenthum ergeben hatten, neben dem christlichen aber auch noch heidnischen cultus pflagen. Da die bekannte abrenuntiatio der nemlichen liptinischen synode angefügt worden ist, so empfängt man eine genauere vorstellung von dem dialect der sprache, der hier zum grund liegt. Sachsen können tief in den Niederlanden, über Maas und Sambre hinauf nicht gesucht werden, sondern nur Franken, deren mundart damals weit mehr niederdeutsch als hochdeutsch war. ich wage aber nicht zu bestimmen, ob es salische Franken sind, oder aus Ripuarien nachgerückte? [GDS. 537.] C. aus Burchard von Worms († 1024) [† 1025 s. kl. schr. 5, 417.] samlung der decrete. Colon. 1548. 1, 94. interrogatio 42 diese und die folgenden interrogationen sind geschöpft e decreto Eutychiani papae († 283) cap. 9. : interrogandum, si aliquis sit magus, ariolus aut incantator, divinus aut sortilegus, vel si aliquis vota ad arbores vel ad fontes , vel ad lapides faciat, aut ibi candelam, seu quodlibet munus deferat, veluti ibi quoddam numen sit, quod bonum aut malum possit inferre. (wiederholt 10, 32.) int. 43: perscrutandum, si aliquis subulcus vel bubulcus sive venator vel celeri hujusmodi diabolica carmina dicat super panem, aut super herbas, aut super quaedam nefaria ligamenta, et haec aut in arbore abscondat, aut in bivio, aut in trivio projiciat, ut sua animalia liberet a peste et clade, et alterius perdat. (10, 18 wiederholt.) int. 44: perquirendum, si aliqua femina sit, quae per quaedam maleficia et incantationes mentes hominum se immutare posse dicat, id est, ut de odio in amorem, aut de amore in odium convertat, aut bona hominum aut damnet aut surripiat. Et si aliqua est, quae se dicat, cum daemonum turba in similitudinem mulierum transformata certis noctibus equitare super quasdam bestias, et in eorum consortio annumeratam esse. (wiederholt 10, 29.) int. 50: est aliquis, qui in cal. Jan. aliquid fecerat, quod a paganis inventum est, et dies observavit et lunam et menses ; et 405 horum effectiva potentia aliquid speraverat in melius aut in deterius posse converti. int. 51: est aliquis, quodcunque opus inchoans qui aliquid dixerat, aut quacunque magica arte aliud fecit, nisi ut apostolus docet omnia in nomine domini facienda. int. 52: quaerendum etiam, si mulieres in lanificiis suis vel in ordiendis telis aliquid dicant aut observent. int. 54: est aliquis, qui supra mortuum nocturnis horis carmina diabolica cantaret, et biberet et manducaret ibi, quasi de ejus morte gratularetur; et si alibi mortui in vigiliis nocturnis nisi in ecclesia custodiantur. 10, 1. ut episcopi eorumque ministri omnibus viribus elaborare studeant, ut perniciosam et a diabolo inventam sortilegam et maleficam artem penitus ex parochiis suis eradicent, et si aliquem virum aut feminam hujuscemodi sceleris sectatorem invenerint, turpiter dehonestatum de parochiis suis ejiciant. . . . . Illud etiam non omittendum, quod quaedam sceleratae mulieres retro post Satanam conversae, daemonum illusionibus et phantasmatibus seductae credunt se et profitentur nocturnis horis cum Diana Paganorum dea, vel cum Herodiade , et innumera multitudine mulierum equitare super quasdam bestias, et multa terrarum spatia intempestae noctis silentio pertransire, ejusque jussionibus velut dominae obedire, et certis noctibus ad ejus servitium evocari. sed utinam hae solae in perfidia sua perissent, et non multos secum in infidelitatis interitum pertraxissent. nam innumera multitudo hac falsa opinione decepta haec vera esse credit, et credendo a recta fide deviat et in errore Paganorum revolvitur. wiederholt myth. 1, 235. die ganze stelle ist aus dem concil. ancyranum (zu Ancyra in Galatien, vom j. 314) und steht auch bei Regino de disc. eccl. 2, 364, wo aber die worte ›vel cum Herodiade‹ fehlen; das decret Gratians II. 26. quaest. 5, 12. §. 1 hat sie vollständig. 10, 2. Pervenit ad nos, quosdam, quod dici nefas est, arbores colere et multa alia contra christianam fidem illicita perpetrare. e registro Gregorii magni. 10, 5. qui divinationes expetunt et more gentilium subsequuntur, aut in domos suas hujuscemodi homines introducunt, exquirendi aliquid arte malefica aut expiandi causa, sub regula quinquennii jaceant. e conc. ancyr. cap. 23. 10, 6. si quis Paganorum consuetudinem sequens divinos et sortilegos in domum suam introduxerit, quasi ut malum foras mittat , aut maleficia inveniat, quinque annos poeniteat. ex concilio Martini papae (um 572 in Spanien) id est ex capit. Martini bracarensis cap. 71. daraus auch decr. Grat. II. 26. quaest. 5, 3. §. 2. 10, 8. qui auguriis vel divinationibus inserviunt, vel qui credit ut aliqui hominum sint immissores tempestatum , vel si qua 406 mulier divinationes vel incantationes diabolicas fecerit, septem annos poeniteat. e poenitentiali romano. 10, 9. Auguria vel sortes, quae dicuntur falsae sanctorum vel divinationes qui eas observaverint, vel quarumcunque scripturarum vel votum voverint vel persolverint ad arborem vel ad lapidem vel ad quamlibet rem, excepto ad ecclesiam, omnes excommunicentur. si ad poenitentiam venerint, clerici annos tres, laici annum unum et dimidium poeniteant. ebendaher. 10, 10. summo studio decertare debent episcopi et eorum ministri, ut arbores daemonibus consecratae , quas vulgus colit, et in tanta veneratione habet, ut nec ramum vel surculum audeat amputare , radicitus excidantur atque comburantur. lapides quoque quos in ruinosis locis et silvestribus , daemonum ludificationibus decepti, venerantur, ubi et vota vovent et deferunt , funditus effodiantur, atque in tali loco projiciantur, ubi nunquam a cultoribus suis venerari possint. e concilio namnetensi (zu Nantes, im j. 895). [Mansi s. 172. cap. 20.] 10, 14. mulier si qua filium suum ponit supra tectum, aut in fornacem pro sanitate febrium, unum annum poeniteat. e poenitentiali Bedae; im poenitentiale Ecgberti eboracensis 1, 33 (a. 748) bei Mansi 12, 439.475: si mulier filiam suam super domum vel fornacem collocet, ideo ut febrim ejus curare velit. 10, 15. non licet iniquas observationes agere calendarum, et otiis vacare, neque lauro aut viriditate arborum cingere domos. omnis haec observatio Paganorum est. e decreto Martiani papae. 10, 16. si quis calendas januarias ritu Paganorum colere, vel aliquid plus novi facere propter novum annum, aut mensas cum lapidibus vel epulis in domibus suis praeparare, et per vicos et plateas cantatores et choros ducere praesumpserit, anathema sit. e decreto Zachariae papae cap. II. 10, 31. quicunque nocturna sacrificia daemonum celebraverint, vel incantationibus daemones quacunque arte ad sua vota invitaverint, tres annos poeniteant. e poenitentiali romano. 10, 34. laici, qui excubias funeris observant, cum timore et tremore et reverentia hoc faciant. nullus ibi praesumat diabolica carmina cantare, non joca et saltationes facere, quae Pagani diabolo docente adinvenerunt. e concilio arelatensi (Arles, von welchem jahr?) can. 3. aus 19, 5. sind alle folgenden nach der seitenzahl angeführten fälle. woher schöpft Burchard dies große, von p. 188 d bis 201 b reichende capitel 19, 5? 19, 4 ist angeblich aus dem poenitentiali romano, 19, 6 ex poenitentiali Theodori. die deutschen ausdrücke holda 194 a , werwolf 198 c , belisa 201 b machen glauben, daß Burchard hier vorzugsweise, was ihm von deutschen superstitionen bekannt war, zusammenstellte, obgleich er auch manches aus andern samlungen hinzufügte. pag. 193 b : si observasti traditiones Paganorum, quas quasi 407 hereditario jure diabolo subministrante usque in hos dies semper patres filiis reliquerunt, id est, ut elementa coleres, id est lunam aut solem, aut stellarum cursum, novam lunam aut defectum lunae, ut tuis clamoribus aut auxilio splendorem ejus restaurare valeres , aut illa elementa tibi succurrere aut tu illis posses; aut novam lunam observasti pro domo facienda aut conjugiis sociandis. pag. 193 c : observasti calendas januarias ritu Paganorum, ut vel aliquid plus faceres propter novum annum, quam antea vel post soleres facere, ita dico, ut aut mensam tuam cum lapidibus vel epulis in domo tua praeparares eo tempore, aut per vicos et plateas cantores et choros duceres , aut supra tectum domus tuae sederes ense tuo circumsignatus , ut ibi videres et intelligeres, quid tibi in sequenti anno futurum esset, vel in bivio sedisti supra taurinam cutem , ut et ibi futura tibi intelligeres, vel si panes praedicta nocte coquere fecisti tuo nomine: ut si bene elevarentur, et spissi et alti fierent, inde prosperitatem tuae vitae eo anno praevideres. pag. 193 d : interfuisti aut consensisti vanitatibus, quas mulieres exercent in suis lanificiis , in suis telis ; quae cum ordiuntur telas suas sperant se utrumque posse facere cum incantationibus et cum aggressu illarum, ut et fila staminis et subtegminis in invicem ita commisceantur ut, nisi his iterum aliis diaboli incantationibus e contra subveniant, totum pereat. venisti ad aliquem locum ad orandum nisi ad ecclesiam, . . . . id est vel ad fontes , vel ad lapides , vel ad arbores , vel ad bivia , et ibi aut candelam , aut faculam pro veneratione loci incendisti , aut panem, aut aliquam oblationem illuc detulisti, aut ibi comedisti, aut aliquam salutem corporis aut animae ibi requisisti. pag. 194 a : credidisti unquam vel particeps fuisti illius perfidiae, ut incantatores, et qui se dicunt tempestatum immissores esse, possent per incantationem daemonum aut tempestates commovere aut mentes hominum mutare. credidisti ut aliqua femina sit, quae hoc facere possit, quod quaedam a diabolo deceptae se affirmant necessario et ex praecepto facere debere, id est cum daemonum turba in similitudinem mulierum transformata, quam vulgaris stultitia Holdam (al. unholdam ) [Friga holdam. cod. Madrid. s. kl. schr. 5, 416. 417.] vocat, certis noctibus equitare debere super quasdam bestias , et in eorum se consortio annumeratam esse. pag. 195 b : fecisti phylacteria diabolica vel characteres diabolicos, quos quidam diabolo suadente facere solent, vel herbas vel succinos vel quintam feriam in honorem Jovis honorasti. comedisti aliquid de idolothito, i. e. de oblationibus , quae in quibusdam locis ad sepulchra mortuorum fiunt, vel ad fontes , aut ad arbores , aut ad lapides , aut ad bivia , aut comportasti in aggerem lapides , aut capitis ligaturas ad cruces, quae in biviis ponuntur. 408 pag. 195 c : misisti filium tuum vel filiam super tectum aut super fornacem pro aliqua sanitate, vel incendisti grana , ubi mortuus homo erat, vel cingulum mortui pro damno alicujus in nodos colligasti , vel pectines , quibus mulierculae lanam discerpere solent, supra funus complosisti , vel quando efferebatur funus a domo plaustrum in duo dividisti et funus per mediam divisionem plaustri asportare fecisti. fecisti illas vanitates aut consensisti, quas stultae mulieres facere solent, dum cadaver mortui hominis adhuc in domo jacet, currunt ad aquam, et adducunt tacite vas cum aqua , et cum sublevatur corpus mortui, eandem aquam fundunt subtus feretrum ; et hoc observant dum extra domum asportatur funus, (ut) non altius quam ad genua elevetur , et hoc faciunt pro quadam sanitate. fecisti aut consensisti, quod quidam faciunt homini occiso cum sepelitur. dant ei in manum unguentum quoddam, quasi illo unguento post mortem vulnus sanari possit, et sic cum unguento sepeliunt. pag. 195 d : fecisti quod plures faciunt: scopant locum, ubi facere solent ignem in domo sua, et mittunt grana hordei loco adhuc calido, et si esalierint grana, periculosum erit, si autem ibi permanserint, bonum erit. fecisti quod quidam faciunt, dum visitant aliquem infirmum, cum appropinquaverint domui, ubi infirmus decumbit, si invenerint aliquem lapidem juxta jacentem, revolvunt lapidem , et requirunt in loco ubi jacebat lapis, si ibi sit aliquid subtus quod vivat , et si invenerint ibi lumbricum, aut muscam, aut formicam, aut aliquid quod se moveat, tunc affirmant aegrotum convalescere. si autem nihil ibi invenerint quod se moveat, dicunt esse moriturum. fecisti pueriles arcus parvulos et puerorum suturalia, et projecisti sive in cellarium sive in horreum tuum, ut satyri vel pilosi cum eis ibi jocarentur , ut tibi aliorum bona comportarent et inde ditior fieres. fecisti quod quidam faciunt in calendis Januari, i. e. in octava natalis domini. qui ea sancta nocte filant , nent , consuunt , et omne opus quodcunque incipere possunt, diabolo instigante propter novum annum incipiunt. pag. 198 c : credidisti quod quidam credere solent, dum iter aliquod faciunt, si cornicula ex sinistra eorum in dexteram illis cantaverit , inde se sperant habere prosperum iter. et dum anxii fuerint hospitii, si tunc avis illa, quae muriceps vocatur, eo quod mures capiat et inde pascatur nominata, viam per quam vadunt ante se transvolaverit , se illi augurio et omini magis committunt quam deo. credidisti quod quidam credere solent, dum necesse habent ante lucem aliorsum exire, non audent, dicentes quod posterum sit, et ante galli cantum egredi non liceat , et periculosum sit, eo quod immundi spiritus ante gallicinium plus ad nocendum 409 potestatis habeant, quam post, et gallus suo cantu plus valeat eos repellere et sedare, quam illa divina mens, quae est in homine sua fide et crucis signaculo. credidisti quod quidam credere solent, ut illae, quae a vulgo Parcae vocantur, ipsae vel sint vel possint hoc facere quod creduntur, id est dum aliquis homo nascitur, et tunc valeant illum designare ad hoc quod velint, ut quandocunque homo ille voluerit, in lupum transformari possit, quod vulgaris stultitia werwolf vocat, aut in aliam aliquam figuram. pag. 198 d : credidisti quod quidam credere solent, quod sint agrestes feminae , quas silvaticas vocant, quas dicunt esse corporeas, et quando voluerint ostendant se suis amatoribus, et cum eis dicunt se oblectasse, et item quando voluerint abscondant se et evanescant. fecisti ut quaedam mulieres in quibusdam temporibus anni facere solent, ut in domo tua mensam praeparares et tuos cibos et potum cum tribus cultellis supra mensam poneres, ut si venissent tres illae sorores , quas antiqua posteritas et antiqua stultitia Parcas nominavit, ibi reficerentur. et tulisti divinae pietati potestatem suam et nomen suum, et diabolo tradidisti, ita dico, ut crederes illas quas tu dicis esse sorores tibi posse aut hic aut in futuro prodesse. pag. 199 d : fecisti quod quaedam mulieres facere solent et firmiter credunt, ita dico, ut si vicinus ejus lacte vel apibus abundaret, omnem abundantiam lactis et mellis, quam suus vicinus ante se habere visus est, ad se et sua animalia vel ad quos voluerint, a diabolo adjutae suis fascinationibus et incantationibus se posse convertere credant. credidisti quod quaedam credere solent, ut quamcunque domum intraverint, pullos aucarum, pavonum, gallinarum, etiam porcellos et aliorum animalium foetus verbo vel visu vel auditu obfascinare et perdere posse affirment. credidisti quod multae mulieres retro Satanam conversae credunt et affirmant verum esse, ut credas in quietae noctis silentio cum te collocaveris in lecto tuo, et marito tuo in sinu tuo jacente, te, dum corporea sis, januis clausis exire posse , et terrarum spatia cum aliis simili errore deceptis pertransire valere, et homines baptizatos et Christi sanguine redemtos, sine armis visibilibus et interficere et de coctis carnibus eorum vos comedere, et in loco cordis eorum stramen aut lignum aut aliquod hujusmodi ponere , et comestis, iterum vivos facere et inducias vivendi dare. pag. 200 a : credidisti quod quaedam mulieres credere solent, ut tu cum aliis diaboli membris in quietae noctis silentio clausis januis in aerem usque ad nubes subleveris , et ibi cum aliis pugnes , et ut vulneres alias, et tu vulnera ab eis accipias. fecisti quod quaedam mulieres facere solent, prosternunt se in faciem, et discoopertis natibus jubent, ut supra nudas nates 410 conficiatur panis , et eo decocto tradunt maritis suis ad comedendum. hoc ideo faciunt, ut plus exardescant in amorem illorum. posuisti infantem tuum juxta ignem , et alius caldariam supra ignem cum aqua misit, et ebullita aqua superfusus est infans et mortuus. (wiederholt 19, 149.) fecisti quod quaedam mulieres facere solent diabolicis adimpletae disciplinis: quae observant vestigia et indagines Christianorum, et tollunt de eorum vestigio cespitem , et illum observant, et inde sperant sanitatem aut vitam eorum auferre. pag. 200 b : fecisti quod quaedam mulieres facere solent: tollunt testam hominis et igni comburunt , et cinerem dant viris suis ad bibendum pro sanitate. fecisti quod quaedam mulieres facere solent, illae dico, quae habent vagientes infantes, effodiunt terram et ex parte pertusant eam, et per illud foramen pertrahunt infantem , et sic dicunt vagientis infantis cessare vagitum. fecisti quod quaedam mulieres instinctu diaboli facere solent. cum aliquis infans sine baptismo mortuus fuerit, tollunt cadaver parvuli, et ponunt in aliquo secreto loco, et palo corpusculum ejus transfigunt . dicentes si sic non fecissent, quod infantulus surgeret et multos laedere posset. pag. 200 c : cum aliqua femina parere debet, et non potest, in ipso dolore si morte obierit, in ipso sepulchro matrem cum infante palo in terram transfigunt . pag. 200 d : cum infans noviter natus est, et statim baptizatus, et sic mortuus fuerit, dum sepeliunt eum, in dexteram manum ponunt ei pateram ceream cum oblata, et in sinistram manum calicem cum vino similiter cereum ponunt ei, et sic eum sepeliunt. pag. 201 a : fecisti quod quaedam mulieres facere solent, deponunt vestimenta sua et totum corpus nudum melle inungunt , et sic mellito suo corpore supra triticum in quodam linteo in terra deposito sese hac atque illac saepius revolvunt , et cuncta tritici grana, quae humido corpori adhaerent, cautissime colligunt et in molam mittunt, et retrorsum contra solem molam circuire faciunt, et sic in farinam redigunt, et de illa farina panem conficiunt, et sic maritis suis ad comedendum tradunt, ut comesto pane marcescant et deficiant. pag. 201 b : fecisti quod quaedam mulieres facere solent, dum pluviam non habent et ea indigent, tunc plures puellas congregant, et unam parvulam puellam quasi ducem sibi praeponunt, et eandem denudant , et extra villam, ubi herbam iusquiamum (hyoscyamum) inveniunt, quae teutonice belisa [herbam quantamvis inveniunt, quae teutonice bilisa vocatur. cod. Madrid. s. kl. schr. 5, 417. bilisa erinnert ans poln. bilica, bielica, was aber artemisia bedeutet. aber poln. bielun ist bilsenkraut.] vocatur, sic nudatam deducunt, et eandem herbam eandem virginem sic nudam minimo digito dextrae manus eruere faciunt, et radicitus erutam cum 411 ligamine aliquo ad minimum digitum dextri pedis ligare faciunt. et singulae puellae singulas virgas in manibus habentes supradictam virginem herbam post se trahentem in flumen proximum introducunt , et cum eisdem virgis virginem flumine aspergunt , et sic suis incantationibus pluviam se habere sperant. et post eandem virginem sic nudam transpositis et mutatis in modum cancri vestigiis a flumine ad villam inter manus reducunt. D. aus der zürcher pap. hs. (wasserkirchbibl.) B. 223 / 730 . 4°. geschrieben 1393. vielleicht in Zürich, jedenfalls in der Schweiz. mitgetheilt von Wackernagel. 38. r. – du solt nút glŏben an zŏber noch an luppe noch an hesse noch an lachenen noch an fúrsehen [eher fiursehen als fürsehen.] noch an messen noch an die nahtfrŏwen noch an der agelster schrien noch an die brawen vn der wangen iucken noch an die batenien noch an deheiner hand dinges das vnglŏb si. 140. r. – Dis stuk seit von den lossern vn von den valschen propheten. Die losserr vn die valschen gotförmigen wissagen das sínt die lút die inen selben zů eigenent vn zů legent etlichú ding, dú allein des waren gottes eigen sint, an alles vrlob, von ir eignen bosheit vn ir grossen valscheit. Das ist das sú kúnftig ding vor wissagent, vnd zúhend da mit vnzallich vil selen mit inen zů der helle. wan sú begnüget nút an ir selbs bosheit, si wellen ůch ander lút mit inen ziehen in den ewigen tot, die si betrúgent von des túvels rat mit ir bösen listen. Nv sint dirre valschen wissen vil, das ist der lossungen vnd solicher wissagung. Etlich geschihet dur den bösen geist phytonem appollinem , der ein vrhab ist der selben bosheit. Etlich geschihet in dem fúr, dú wirt genemmet pyromancia . Ein andrú heisset aeromancia dú geschihet in dem luft. Ein andrú geomancia , dú geschihet in dem ertrich. Ein andrú ydromancia , dú geschiht in dem wasser. Ein andrú heisset (140. v.) nigromancia das da ze latine ist ein toter. Wan dur trugnússe werdent etwenne geachtet die toten erstanden sin von dem tot vnd dunket die lút wie si warsagen, vnd entwúrten der dingen, der sú gefraget werdin. Vnd dis geschihet dur die anrüffung vnd beschwerung der túvelen. Hier vmb súlent ellú menschen (hs. M e ) bekennen vnd fúr war wissen, das ein ieklicher mensche wib oder man, der da haltet oder vebet solich wissagung oder losen von zŏber oder bescherten . oder luppe . oder hezze oder lachnen . oder fúrsehen . oder messen . oder der agelster schrien . oder vogel sang . oder brawen. oder wangen iucken . oder von den bathinien oder deheiner hant das vngelŏb ist. oder der es gern hört vnd vernimet. oder den gehillet, die es vebent vnd haltent. oder es wol glŏbt, Ald der in ir hus zů in tag (l. gat.) Ald der sú in sin hus füret vmb das er sú rates frag, Der sol wissen, das er 412 sinen kristanen glŏben vnd sinen tŭf hat vber gangen vnd gebrochen. Vnd das er si ein heiden. Ein abtrúniger, und ein vient gottes. Vnd wisse sich swarlich in lŏffen oder in vallen in den zorn gottes. Vnd das er ab súle varn in die ewigen verdampnússe. Es si denne das er vor mit kristenlicher penitencie oder rúw werde gebessert vnd gesünt got. Ovch ist das nút vnder wegen ze lassenne oder ze úbersehenne das etlich meintetigú wiber , die da nach dem túvel sathan bekert sint, vnd mit der túvel verspottung vnd mit fantasien oder trúgnússe sint verwiset, Das die glŏbent vnd veriehent das si selber vnd ein grössú mengi wiben ritten vnd varen mit der heiden gúttinnen , dú da heisset dyana oder mit herodiade , vf etlichen walt tieren in der nacht stilli dur vil ertriches oder landes . Vnd das si irem gebot gehorsam sien als einer gewaltigen frŏwen . Vnd das sú dú selb gúttinne ze benemten nechten rüffe zů irem dienst. Vnd hie von haltent sú. Vnd wölti got das dis wiber allein in solicher wis verdorben weren gegen got vnd nút vil mit inen gezogen vnd verwiset hettin in das verderben des bösen (141. r.) vnglŏben. Wan ein vnzallichú mengi ist mit diser valschen wis betrogen die da glŏbent, das es war si, vnd da mit das si es glŏbent ab dem weg gant des rechten glŏben vnd in gewollen werdent der scheilichen irrunge der heidenen, das si glŏben vnd wenen wellen, das ichtes iht götliches oder götlicher kraft vsserthalb einem waren got si. Hiervmb súlent die priester dur die kilchen, die inen enpholhen sint, dem volk gottes mit grossem flisse steteklich ob ligen vnd inen predien vnd sicherlichen bewisen das si bekennent werden, das disú ding ellú valsch sint vnd nút sien von dem göttlichen geist, me das si halten das dis trúgnust ingegebe si, entrúwen von dem bösen geist dem gemüt der glŏbigen werden solichen wibs gemüt (sic omnia), vnd dur vnglŏben er si im selber hat vndertenig gemachet. Alzehant wandlet er denne aber sich in gesteltnús vnd in glichheit menger hant personen Vnd das gemüt, das er gevangen haltet, das betrúget er in dem slaf. Vnd offenbart im ietzent frölichú ding, denne trurigú, ietz bekant personen, den vnbekant, vnd fürt die dur die wildinen vnd dur die lender . Vnd so der vnglŏbig geist dis trúgnúg allein lidet, so haltet er nút, das dis in dem gemüt gescheh, sunder in dem libe, wan wer ist der mensche der nút in trömen vnd in offenbarungen oder gesichten der nechten nút vsgeleitet werde von im selben, da er slaffend meniges siht das er wachend nie gesach oder villich niemer gesicht? Vnd hier vmb wer ist also toreht ald so vnvernúnftig der disú ellú dú da allein in dem geist geschehent úber ein wenet vnd haltet das es geschehe in dem libe u. s. w. (fol. 143. r.) – Nv mugent dis valsch vnd vppig erznien geteilet werden nach den menigualtigen dúrften, von der wegen sie geübt werdent. Etlich geschehent von der lút siechheit wegen oder des vihes. Etlich fúr vnberhaftikeit. Etlich fúr die erbeit der frŏwen, die nút gebern mugen. Etlich wider den hagel vnd 413 das vngewitter. Ander wider allerlei pin. Hier vmb ist den ze ratenne, die suslichv ding lident, das sú ellú túuellich gespenst lassent, vnd den allein rates vmb ir notturf fragen vnd von im es sůchen von des gewalt ellú ding geschaffen sint vnd von des willen ellú ding berichtet werdent. Vnd súllent sprechen demütklich. ›Herre got kum vns ze helf.‹ Wan dur vns vermugen wir nihtes nit, sunder uns gebristet ob wir getrúwen haben dur vns. Vnd dar vmb wer da lidet siechheit der hab allein in die barmherzikeit gottes ein gůtes getrúwen, und enphahi den heiligen fronlichamen vnd das heilig blůt vnsers lieben herren ihesv christi mit festem glŏben, vnd mit gůter andaht. Vnd begere ŏch das gesegnet öli von der heiligen kilchen getrúwlich. Vnd also nach dem vnd der apostel sprichet so behaltet das gebette des glŏben den siechen. Nu gat aller meist mit diser úppikeit der zŏbrie vmb die (143. v.) bös kúndikeit der valschen vnd schedlichen wiben , als ŏch des glich da vor geseit ist. Wan dik vnd vil als vil es an inen ist, so enterent vnd versmachent solich die sacrament der heiligen kilchen. Vnd etwenne wúrkent sú mit inen, das erschrokenlich ŏch ze sagenne vnd ze hören ist allen wol glŏbenden menschen (M e ). Vnd hier vmb werdent si gesehen böser vnd wirser, den die túuel. Wan die túuel glŏbent Got vnd fúrhtent in mit zittrunge. Zů dem dise an vorht vnd an zitter gant. Vnd würkent mit gottes fronlicham vngenemú vnd vnerlichú ding. Des man ein gliches zeichen oder wunder liset in der geschrift von eim wib die in der selben wis vnsers herren fronlicham enphieng, vnd behůb den in irem mund , vnd gieng also hin vnd kuste iren man vmb das sin minne grösser wurde zů ir denne vor. Vnd zehant wart dú hostie gewandlet in fleisch. Vnd do si des gewar ward do wolt si vnsern herren wider vs han geworfen. Do wurkt vnser herre da sin wunder das si in weder mocht vsgewerfen noch geslinden u. s. w. (fol. 144. r.) – Wie das nv da vor geseit si das man miden súle solich erzenie die in solicher túuellicher wis geschehent. Doch wer der weri der das heilsami krut mit den xij stúken des glŏben vnd mit dem pater noster schribe (144. v.) an einen brief, vnd den denne leiti vf den siechen vmb das got aller ding schepfer also geeret werde, das enwirt nút verworfen noch versmachet, so man keins der vorgenanten verworfenen vnd falschen dingen mit dar zů mischelt. Vnd zit halten erznie ze gebenne. Vnd zu den lessinen ist ŏch nút ze verwerfenne. vnd ŏch bedút die der zit war nement ze seienne vnd bŏm ze behŏwenne. Vnd zů solichen dingen, die zů gebúrschen werken behörent, die sint dar vmb nút ze straffenne. Wan die natúrlichen bescheidenheit mag man halten oder veben in den dingen. Vnd si heint ŏch ein sicher bescheidenheit Alsdenne So man kein ander vppig haltunge meinet, noch dar zů lat gan. Ze verstemmenne suslicher vertümlicher vnd schedlicher bosheit sol in allen wis geflissen sin vnd hier zů munder sin die kúndikeit der priester der selen besorger, 414 Das nút die kristenlich geistlicheit mit disen valschen vorgeseiten dingen werde entreinet vnd verwiset. Vnd wider infalle in die sitten des heideschen vnd túuelschen vnglŏben, das ein glŏb der menschen gemüt werde vnd si, vnd ein miltikeit der werken An ze betten einen waren got den vater vnd den sun vnd den heiligen geist, der da ist gebenediet in die welt der welten. [vgl. die kirchlichen und unkirchlichen segnungen in Haupts zeitschr. 4, 570.] E. aus einer papierhs. der baseler univ. bibl., fol., 15. jh. gez. A. v. 19. (mitgetheilt von Wackernagel.) 1. r. a. Incipit registrum super libro. de supersticionibus ab eximio magistro Nicolao magni de gawe . sacre theologie professore anno a natiuitate saluatoris M 0 ccccc 0 xv 0 . edito secundum ordinem alphabeti. [in München mehrere hss. Gawe ist Jauer in Schlesien.] 10. v. b. Per hoc statim patet falsitas et error quorundam fatuorum astronimorum dicencium se posse facere ymagines sub certa constellacione, per virtutes suas cogentes demones ut veniant ad istas ymagines , ad operandum quedam mira et ad dandum responsa. Sed veniunt non coacti propter duo, ut Thomas dicit ibidem (vorher: sanctus thomas parte prima. q xiiij.) in solucione 2 1 articuli et hoc incertis constellacionibus. Primo quidem, ut homines in hunc errorem inducant ut credant aliquod numen esse in celis. Sicut vnam vetulam noui, que credidit Solem esse deam , vocans eam sanctam dominam . 11. r. a. et alloquendo eum solem. benedixit per eum sub certis verbis, sub osseruancia quadam supersticiosa, que dixit, se plus quam quadraginta annis credidisse, et multas infirmitates curasse. Insuper hodie inveniuntur homines tam layci quam clerici, literati quam illiterali, et quod plus dolendum est, valde magni, qui cum nouilunium primo viderint flexis genibus adorant . vel deposito capucio vel pileo inclinato capite honorant alloquendo et suscipiendo. ymmo eciani plures ieiunant ipso die nouilunij , sive sit dies dominica in qua secundum ordinacionem ecclesie non est ieiunandum propter resurreccionis leticiam, siue quacunque alia die. eciamsi esset dies dominice natiuitatis. que omnia habent speciem ydolatrie. ab ydolatris relicte. de quibus Jeremie vij scribitur. quod fecerunt placentas regine celi. s. lune offerendo eas ei. Et quidam volentes hoc palliare dicunt quod non honorant lunam ieiunando. sed omnes sanctos. quorum festa et ieiunia incidunt in mese lunacionis vise. Ecce qualis est ista excusacio u. s. f. 11. r. b. Sic eciam de mandato quo preceptum fuit, quod nidum cum ouis vel pullis et matre desuper incubante non deberent simul seruare, sed matrem permittere auolare. Deut 0 . xxij. hoc enim quando inuenerunt, trahebant ad fecunditatem et ad 415 fortunam, si conseruarentur simul. Et per oppositum ad infortunium et sterilitatem quod gentile erat. Sic modo vetule dicunt inuencionem acus vel obuli reseruati esse prestigium magne fortune . Et per oppositum de inuencione magni thesauri. 11. v. b. Similiter prohibitum fuit eis ne viri vterentur vestibus mulierum Et econuerso. Et de hac prohibicione dicitur Deut 0 . xxij. Non induetur mulier veste virili nec vir vtetur veste feminea. abhominabilis enim apud deum est qui facit, quia mulieres in veneracione martis induerunt vestes. et arma virorum. et viri in veneracione veneris vestes mulierum. Sic nunc fit in hominibus christianis tempore carnis privii, quando seruiunt deo ventris et dee veneris. tam viri quam mulieres. Item incisiones fecerunt super mortuos , ad placandum deum, ut vehemenciam doloris de morte thaurorum exprimerent quod adhuc multi faciunt christiani de morte thaurorum suorum, quod utique est de specie plutonis. Stigmata vero et figuras adhuc et christiani faciunt et vocant breuia . et in propriis codicibus, cartis alijsque in rebus videlicet metallis reseruant. que omnia ydolatria vera sunt, ymmo christiane religioni contraria sive aduersa. 12. r. a. Sed quia obseruaciones sompniorum , auguriorum, constellacionum , sternutacionum , obuiacionum , dierum et horarum , stigmatum , caracterum , ymaginum et inpressionum astrorum non solum vicine sunt ydolatrie, sed eciam vere ydolatrie cum radicibus et intime sunt perscrutanda (l. exstirpandae?) quibus omnibus se fraus antiqui serpentis inmiscet quemadmodum prius dictum est. 12. v. b. Sed forte adhuc diceres. videtur vtique quod demones proprie generent, quia compertum est et apud wulgares communiter dicitur, quod filij demonum incuborum mulieribus, eorum filijs subtractis, ab ipsis demonibus supponantur . et ab eis tanquam proprii filij nutriantur. propter quod eciam cambiones dicuntur, eciam cambiti uel mutuati, et mulieribus parientibus propriis filijs subtractis suppositi, hos dicunt macilentos, semper eiulantes, lactis eosque bibulos, ut quod nulla vbertate lactis vnum lactare sufficiunt. 13. r. a. Hij tamen postquam in terris commorati sunt dicuntur euanuisse. . . . . . . Ex quo patet quod tales pueri non generantur a demonibus, sed sunt ipsimet demones . sicut eciam possent apparere in specie vetularum rapiencium pueros, de cunis, que wlgo fatue vocantur, de nocte apparentes et paruulos ut apparet lauare et igne assare , que demones sunt in specie vetularum. F. aus einem papiercodex des 14. (? 15.) jh. in der bibl. zu S. Florian. (mitgetheilt von Chmel.) 1. So ain fraw pracht wirt zu dem chind, so czeucht sy dem chind ainen zwelfpoten , so stirbt das chind an tauff nicht. vgl. 39 . 2. item an dem vaschangtag, so werseyt sy prein an die dillen , velt er herab, so stirbt er des iars. 3. item milich essend sy des nachts, so waschent sy weis des iars. 416 4. item ayr essent sy, so wernt sy nicht hertt an dem pauch des iars. 5. item so man an dem ostertag, legt man würst vnder das chrawt vnd ain gens . welcher die würst siecht, der siecht des iars chain slangen, vnd wer der gens ist, der gewint des iar des chalten siechten nit. 6. item den spekch den man weicht mit den praitigen, do smirent dy pawrn den phlüg mit, so mag man sew nicht zaubern. 7. item an dem weihnacht abent so get ainew zu ainen scheiterhauffen vnd zucht ain scheuit aus dem hauffen (in) des teufels nam. pegreifft sy ain langs, so wirt ir ain langer man. 8. item an dem vaschangtag steigt ains auf ainen pawn vnd schrait › alhait ‹ mit scheltwarten › trag die phaim (sic) her haim ‹ [ja izz hie haim nicht olheit. Helbl. 8, 594.] , so wirt es des iars nicht natig. 9. ee man zu der metten an dem weihnachtag get, so greifft ains vnder die pankch vnd nymt ain hantuolle molten heraus. vint es etwas lebentigigs in den molten, so stirbt es des iars nicht. 10. so man die palm haimtrait von kirchen, so legent sy sew ee in die chue chrip , ee das sy sew vnder das tach tragent. so gent die chue des iars gern haim. 11. item die pürsten die man zu den palm stekcht do pürsten sy das viech mit, so wernt sie nicht lausig. 12. item palm legent sy vnder das chrawt hefen, so vallent nicht fleugen in das chrawt. 13. item si tragent vmb das haws , ee si sew hin in tragent, so essent die fuchs der huner nicht. 14. item an dem weihnachttag zu mettenzeit get man mit liecht zu ainem prunn , vnd lügt in den prunn ; siecht es sten in dem prunn ain man, so nymbtes des iars ainn man. 15. ich pewt dir plater u. fel , pey der heiligen sel, die parn ist zu iherusalem, vnd tauft im iordan, das du nicht enpeitest der mess vnd des ampts pey dem vater vnd sun vnd dem heyligen geist, und sprich z p~r n~r, vnd tue das drey mal. 16. item so ainen von taten vischen trawmt, sol ains sterben aus demselben haus. 17. item so ain viech nicht gen mag, so pintt man im ain pant an ainem suntag vmb, vnd macht den chnoph oben zu, so wirt im sein puzz. 18. item so ain chue ain erstchalb trait, so nympt die peyrinn ain aichenlaub , vnd stekcht en mitten ain nadel darin, vnd legt es enmitten in den sechter, vnd nympt dan das vberruckh mit dem hor vnd spindl ab dem rokchen, vnd stekcht es auch enmitten in den sechter, so mag man der chue nicht nemen die milich, vnd des ersten milcht sy in den sechter, do das ding inn stekcht die selb chue (am ersten), die weil das dinkch dar inn stekcht. 417 19. so man die chuee an die waid treibt, so grebt man ain ekkl mit einem durch kkl obengezognen strich. [das wort bedeutet stahl.] unter den gatern , vnd treibt das viech dar vber, so mag man sew nicht zaubern. 20. item sand Blasen wasser gibt man ze trinkchen den iungen huenrn vnd gensen, ee man sew ob dem nest nymbt, so trait sew der fuchs nicht hin, vnd sind sicher von dem orn. 21. item so aine ain chalb verchauft so sneyt sy dem chalb das wedl ab, ab seinem swenczl, vnd des hars ab dem rechten arm, vnd gibts der chue ze essen. so rert sy nicht noch dem chalb. 22. item so aine der andern ir milich wil nemen , vnd macht das sy pseichent, so nymbt sy drey chroten auf ain melmülter ain abichen, vnd traitz der chue für, dy lerft dy chroten in sieh (sic), so ist ir nachpawrin irer milich prawbt vnd sy hat dy milich. 23. item so ains stirbt, so hant etleich den glauben, die sel hab nicht rueb , uncz man ir aus leitt. 24. item etleich sprechent, die weil man lewtt so wert die sel peichtich. etleich sprechent, so sich die sel schaid von dem leichnam, so sey sy die erst nacht hincz sand Gedrawten , dy ander nacht pey sand Michel , die dritt wo sy hin verdint hab. 25. item ettleich glaubent, die sel genn aus den weiczen fegfeuer, ahd. wîzi. an der sambstagnacht vnd sein heraussen vncz an den mantag, so müssen sy wider in die pen . 26. item ettleich essent nicht fleichgs des phincztags in der chottemer donnerstag im quatember. , so sterbent sy nicht in dem sterb. 27. item so ainem die oren seusent , so habent sy den glauben, man red vbl von inn. 28. item so ainem die chnie geswellent, so get es zu ainer frawn die zwendling getragen hat, vnd heist sey im ain faden spinnen , den pintz vber die chnie, so wirt im pas. 29. item das die hüner haubat werden, so sy die henn anseczt, so hult sy ein zuczl an , vnd macht ainen chnoph auf dem haupp , vnd halt in also auf dem haupp, so geschiecht es. 30. item an dem sunnbenttag, so geht aine ersling auf allen viern mit plassem leib zu irs nachtpahirn tar , und mit den fuzzen steigt sy ersling an dem tar auf, und mit ainer hand halt sy sich, vnd mit der andern sneit sy drey span aus dem tar vnd spricht zu dem ersten span spricht sy ›ich sneit den ersten span, noch aller milich wan‹. zu den andern auch also. zu dem dritten spricht sy ›ich sneit den dritten span, noch aller meiner nappaurinnen milich wan‹, es steht: wan milich. vnd get ersling auff allen viern her wider dan haim. 31. item die swangern frawn messent ain dacht noch sand Sixt pild, als lank es ist, vnd guertns vber den pauch, so misslingt in nicht an der purd. oder des mans gurtl gurtn se vmb. 418 32. item so man in den rauchnachtn auf ain tisch siczt , so habent des iars dy lewt vil aiss. 33. item in der lesten rauchnacht tragent sy ain ganczen laib vnd ches umb das haus , vnd peissent darab. als manig pissen man tan hat, so vil schober wernt im auf dem veld. 34. das man das viech des iars nicht schindt. item in den rauchnachten so schint man nicht sponholz , noch reibscht an den ofen nicht, noch lakchen macht in der stuben. so wernt nicht in den velden plas fleckch. aber vmb das raissen dy spen vber den offen das tut man darvmb, das der habern nicht prantig wert. 35. item in den vndernachten trait man nicht reitter sieb. vber den hof, das das viech nich da durich lueg , das es nicht werd schiech noch hin scherff. 36. item durich ain reitter saicht ainew, so tanczt man mit ir gern vor fur die andern. ( 60 .) 37. item an dem weinnachtmorgen haist man die ros rennen gen wasser vnd wirft der ainn aphl in das wasser, die weil es trincht, das der aphl gegn dem ross rinn , so wirt das ross resch zu arbait des iars. 38. item so ainem trawmt wie der ofen nider sey geuallen , so stirbt aintweder wirt oder die wirtin. 39. die schwangern frawn so sew zu gotz tisch gent, an demselben tag ziechent si dem chind ainen XII poten , so stirbt das chind nicht. (vgl.  1 .) 40. so zway chonlewt die erst nacht pey ligent . welchs ee entslefft , das stirbt ee. 41. item man windt nicht wid in den vndernachten , das sich dy lewt in kranchait nicht winten . 42. item man haspht nicht, so wirt das viech nicht haspen . 43. item an dem weihnachtabend noch an dem rauchen so messent die lewt 9 leffl wasser in ain hefen , vnd lassent es sten vncz an den tag vnd messent herwider auf . ist sein mynner das dy mass nicht gancz ist, so chumpt es des iars in armüt. ist sy gancz so pestet es. ist sein aber mer, so wirt es vberflussikleich reich. 44. item man wirft gruemat vnd gnietn gedroschenen, geschlagenen. gestossenen? habern in denselben nachten auf ain dach , vnd lassentz darauf ligen vncz sy d. h. die nächte. ent nement. so gebents es dem viechs ze essen, so schullen es die chran des iars nicht essen, vnd wernt darzue fruchtper. 45. item spanholz schint man nicht, das man des iars das viech nicht schint. vgl. 34 . 46. item man lokcht dy saw für das tar an dem weinacht margen vnd gibt in habern in ainem raif vnd sprechent: › die meins nachtpawrn ain sümpl. die mein æin grumpl ‹. so sind sew 419 des iars frisch, vnd seins natpawr krankch. vnd des iars gentz gern an das veld. 47. item die paum chust man, so werden se fruchtper des iars. 48. item zu dem weinachttag so man gen metten gedt. so slecht ainer ain holz ab vnd traids mit im haim, vnd an dem sunbentabent legt ers an das fewr . so choment all znaubln zu dem fewr, dew in der ganzen pharr sind. 49. item in den unternachten lauffent dy iunkfrawn an den sumerlangen zawn des nachtes. pegreifft sy ainen langen stekchen so wirt ir ain langer man. 50. item allew milichhefen stürzen sy auf den tisch vnd rauchentz . so stilt man in dy milich nicht. 51. auch so man gen metten gnt. so der mensch ain runczt vnd get vber sich , so stirbt er des iars nicht. 52. item in denselben nachten ist chain mensch auf der welt nicht, so hungert es des iars nicht vast, vnd gwint leicht genüg. 53. item zu derselben zeit so ains chrophat ist so wirt er sein also an, so ains chlocht, vnd spricht › se hin mein chroph an deinen chroph ‹ und greift an den chroph vnd tüt das venster die weil auf und wirft in hinaus, so verget er im glucklaw. 54. item man nist nicht in den nachten. so stirbt das viech nicht. 55. item den rauchscherben gebnt sy drey stund vber sich . so peissent es dy       nicht des iars. 56. item abdroin phenning , twecht man im an den weinnachttag, so lassent sich dy phening gern gwinen. 57. item wer wolf oder fuchs nent, dem stet des iars das gewant nicht recht. 58. item hent v. oren habent sy vber das fewer so chumpt chain orhol in das or nicht, noch dy negel swernt in nicht. 59. item so man ain taczs taz , abgabe, steuer? Höfer 3, 220. gen kirchen trait fur ain haws, so lauft aine in dem haus hin vnd seczt auf ainm drifüz so wirt ir der selb man ( 65 ). 60. das man mit ainer var tancz . ee das sy zu dem tancz get, so sicz sy auf ainn drifues oder sy saicht durich ain reitter . so tancz man mit ir var für die andern ( 36 ). 61. ain schuester so er schuech zu sneyt so legt er das leder auf ain stül so let es sich pald verkauffen. 62. item an ainem freytag sneid chaine ab ainen pachen . so wert dy saw nicht phinnig. 63. item so ain chind geporn wirt vnd hat ainen raten rinkch vber den hals . es wirt erhangen. 64. item wer VII paternoster spricht, vnd den       iar gancz aus, der lebt das iar aus. spricht er dew p~r. n~r. nicht aus, so stirbt er des iars. 420 65. item so man ain tacz gen kirchen trait. siecht es ain mensch im haus fur tragen, so spricht es › mert [merren = rühren Schm. 2, 611.] es das fewr mit dem elkl ‹ (vgl. 19 ), so stirbt chaims aus dem haus nicht ( 59 ). G. aus Hans Vintlers blume der tugend gedichtet im j. 1411. (nach der gothaischen hs.) den augsburger druck von 1486 (Panzer 1. 164. 2, 58) konnte ich zur berichtigung des oft verderbten textes nicht gebrauchen. vgl. Adelungs Püterich p. 34–38.         Die zaubry die ist got fast vnwerd, auch sprechend sy ›mich hautz gelert ain münch, wie möchtz pösz gesin?‹ daz sprich ich py den trewen mein, 5   das man ain sollichen munch oder pfaffert also soltt straffen, das sich zechen stiessend daran; wann sey sind alle samt jm pan, die den glauben also fast krenken. – 10   wann es ist wider dich, du höchstes gůt alles das man mit zaubry tůt, vnd wie fast es wider dich ist dannocht findt man zů disser frist die zaubry dannocht pflegen, 15   ettlich wellent pfeyl auss segnen , do wellent si dem tewffel bannen , das sy jn bringent gůt zů samen; so wellent ettlich war sagen und vil wellent den tewffel fragen 20   wa gut lig vnd edel gestain. Do habent denn ettlich gemain mit der pössen Erodiana , do wellent gelauben ettlich an Diana , es steht: an die dyadema. die da ain falsche göttin ist, 25   und auch ettlich mainent haben den list als sey die lewtt kundent schiessen vnd durch alles gemüre giessen wechssinew pild mangerlay, so wissen dissew das vogel geschray 30   und auch darzů die trem auslegen , ettlich kunnent den schwert segen das sy nicht auf diser erden van kainem dorf erstochen werden; fehlt eine zeile, oder mehr als ein wort hinter werden. ettlich kunnent an fewr erkennen 35   wie sich die sach hie sol enden, 421 so kunnend ettlich jn der hand schouwen eyttel laster vnd schand. vil allte weib kunnend den handel zu lieb oder findtschafft, 40   ettlich gebent loszbücher krafft, vnd ettlich kundent patonicken graben , vnd vil wellent den eysvogel haben, so nutzend ettlich den allrawn , und ettlich glaubent an die frawn 45   die haisset Precht mit der langen nas . so send ir vil, die yehen, das die handgifft [hantgift. Troj. 12334. Oberl. s. v. (strena).] sy alz wol getan, das sie sy von ainem man pesser, denn von dem andern; 50   und vil die wellend nit wandern an den verworffen tagen ; so send denn vil, die hie haben glauben, es pring grossen frum ob jn des morgens ain wolf kum 55   vnd ein has pring ungelücke; vnd ettlich lütt hand die dücke, das sy den tewffel petten an, stern , sunnen vnd auch den maun . vil wellent auf oblaut schriben , 60   vnd das fiepper damit vertryben; ettlich segnent für daz zene we so hand ettlich den fierde kle das sy dauon gauglen sechen; ist auch vil, die da yechen, 65   sy kunnend vngewitter machen ; und ettlich zaubrer die wachen dem stern Venus vmb die mynne; – so send auch ettlich, die schlinden drey palmen an dem palmtag, 70   vnd ettlich segnent den schlag mit ainer hacken auf ainem trischublen vnd ettlich stellen auss den kublen das schmalz , die weil mans rürt, ettlich der lewt fürt 75   das sey send jnvisibilis, und ettlich habent den piffys . so sprichet menger tumer lib,: die teutte [trute?] sey ain altes weib vnd kunne die lütt sugen, 80   und ettlich lütt die gelauben der albe mynne die lutte; 422 so sagt manger die tewtte , er hab den orken gar eben gesechen, vnd ettlich die yechen, 85   das schrättlin sy ain klaines kind vnd sy alz ring alz der wind, vnd sy ain verzwifflotter gaist. so glaubent ettlich aller maist, das der sigelstein hab die kraft 90   das er mach sygehafft, vnd vil wissen der erkennen sitt (?) so nutzend auch vil die erdschnitt zu mangerlay zaubry, vnd ettlich schribent auf daz ply 95   under der cristmessz fur den wurm so nemen ettlich fur den sturm den elsenpaum hör ich sagen; und ettlich wellent kol graben wann sy den ersten schwalm sechen. 100   vill kunden jn jr gwand spechen ob es glucklich sull gaun, so habent vil lütt den waun, das verbene daz selb krutt mach die lewt ain ander trut, 105   wann man sy grab ze abend; und auch vil pösz lütt die gend des nachtes durch verschlossen tür , und ettlich lütt tragen herfür silber vnd gold alz ich hör yechen 110   wenn sy newen mon sechen, so tragent ettlich lutt auss das wasser alles auss dem husz , wenn man totten traitt fur das hus, als man saitt; 115   so send ettlich alz besint wenn man jn junge honer bringt, so sprechend sy ›plib herhaim als die fud pey meinem pain!‹ vnd vil die yechen, die wegwart 120   sey gewesen ein fraw zart und wart jrs půllen noch mit schmertzen. ettlich legent des widhoffen hertze des nachtes auf die schlauffende lütt, das es in haimlich ding betütt 125   vnd vil zaubry vnrain; die sechend an dem schulterpain das menschen sol beschechen; vnd ettlich die yechen das sy nicht gůt, daz man 423 130   den tenggen schůch leg an uor dem gerechten des morgens frů; und vil die yechen, man stel der ků die milch aus der wammen. do send ettlich der ammen 135   die selben nement die jungen kind do sy erst geporen synd und stossends durch ain hole do ist denn nichtsz wole, oder es werd ain horenplässel darusz. 140   auch treibt man mit der fledermuss menig tewschlich spil, vnd ist des vngelaubes so vil das ich es nit gar sagen kan. do habent ettlich lütt den waun, 145   das sy mainent, vnser lebendas unsz daz die (. . . .) [die Insbruck. h. ergänzt: die gachschepfen .] geben vnd daz sy vns hie regieren. so sprechend ettlich diernen sey ertailen dem menschen hie auf erden; 150   vnd ettlich sendent die pferde fur elenpug und auch für rencken; vnd auch vil lütt die gedencken vnd habent sein auch gantzen syn, sy mugent nicht haben gwin 155   des tages, und sy fechten (? unz sy sehen) ain pfeyfflin, als sy yechen. es spricht manger ›ich bin gogel, ich haun gesechen sant Martis vogel hewt an dem morgen frů, 160   mir stosset kain vngelück nit zů‹. do wellent ettlich dapey, wenn es vngewitter sey, das sy alles von der münch wegen, die da gand affter der wege; 165   vnd auch ettlich mainent sicherlich, wenn der rapp kopp si corvus ructet. , daz tütt ain lich. ettlich habent denn ainen newen fund, sy behaltend den pisz jn dem mund wenn man aue maria lütt . 170   do send denn ettlich prwtt , die legent jr hemmet an jrs mans ort. so kan auch manger drew wort das er nymmer tewrer wirt; so ist ettlicher hirt 175   der sein vich segnen kan das jm kain hase tret dar von (? daran), vnd ettlich nement jrew kind wenn sy ain wenig kranck sind und legends ouf ain dryschuffel ; 180   uil kunnen salben den kubel, das sy obnan ausz faren. ettlich spynnen am sampstag garen und machend darusz sant Iorgen hemd ; vnd send ettlich so behend 185   das sy varent hundert meyl dar in ainer kurtzen weil. ettlich prechend den lutten ab die pain als ich gehört hab vnd legent dar ein porst und kol . 190   mangew maint, sy kund auch wol segen hyn vnd her wenden; ettlich die lütt plendent mit ainer hand von dem galgen, vill wend den taig talgen talgen, kneten, talken. 195   an der hailigen sampstag nacht . manger auch karacteres macht avsz pirmit virgineum ettlich puctieren den linium jn der kunst geometria 200   so nympt der denn oben praw uon den gerechten augen vnd daz plůt von den krawen vnd macht darusz zaubery; manger nympt ain järiges zwy 205   von ainem wilden hasselpawm ; so send denn ettlich frawen, die erschlingen vmb die kirchen es steht in der hs. kuechen , das unpassend scheint, aber auch in dem fahrenden schüler vorkommt, aus dem ich die ganze hierher einschlagende stelle mittheile (Aw. 2, 55. 56): mit wunderlichen sachen lêr ich sie denne machen von wahs einen kobolt , wil sie, daz er ir werde holt, und töufen in dem brunnen, und legen an die sunnen , und widersins umb die küchen gân . .   .   .   .   .   .   .   .   .   .   .   .   . so beginn ich sie dan lêren den ars des nahtes kêren gên des liehtes mânen schîn ; die ler ich dâ ze velde sîn, die lêr ich koln waschen , die brunzen in die aschen, die lêr ich brant betrechen , die lêr ich morchen brechen , die lêr ich batônien graben , die ungesprochen traben , die lêr ich nahtes nacket stên , die erslingen gên dem fiwre gên . gen 425 vnd haissent die totten auf sten , vnd niement den ring von der kirchen tür 210   jn die hand , vnd ruffend ›her für‹ und sprechend ›ich rür disen rink, stett auf, ir alten pärttling!‹ do send auch ettlich man sie nement von dem galgen ain span 215   vnd legent den vnder die kirchtür, so solt kain pfennig gaun hin für; vnd ettlich nützend den strangen da ain dieb an ist erhangen und an der ravchnacht wirffet man 220   die schůch , alz ich gehort han, uber daz haubt erschlingen , vnd wa sich der spitz kert hyn da sol der mensch beliben. vnd vil lutt die tribent 225   wunder mit dem hůffnagel , vnd ettlich steckend nadel den lutten jn die magen; vnd sämlich laund nicht jagen die hund auf der rechten fert. 230   ettlich send so wol gelert, das sy an sich mit gewalt nemen ainer katzen gestalt. so findt man den zaubrinin vnrain, die den lütten den wein 235   trinckend auss den kelern verstolen, die selben haisset man vnuerholen. so send denn ettliche, wenn sy sechend ain liche so raunent sy dem totten zů 240   und sprechend › kum morgen frů und sag mir, wie es dir dort gee‹. so faret man vber see die lewt mit gůttem winde, und ettlich nement jre kinde 245   wenn es nit geschlauffen mag, und treitz herfür an die hayttren tag, und legtz für sich ain aichin prandt und nympt ain scheitt jn sein hand 426 und schlecht den prand mer denn zwir . 250   so gett ain andrew denn py jr und spricht ›waz newestu?‹ ›da nae ich hie nu meins kindes masslaid vnd nachtgeschrey und alle main zunge enzway‹. 255   so send denn ettlich also getan, wenn sy den ormutzel han, so nemend sy ain küssy in die hand und schlachends an den schlauf zehand und spricht ›flewch, flewch ormützel , 260   dich jagt ain küssi zypffel!‹ manig zaubrerin die sein die nement ain hacken vnd schlachend wein auss einer dur aichin saul, und ettlich machend mit dem knul 265   vaden mangerlay traufferey, so nempt manger gersten pry vur dryaffel, hör ich sagen, mangew wil den dieb laben der an dem galgen erhangen ist, 270   auch habent vil lütt den list das sy nützen daz totten tůch und ettlich stelen aus der průch dem man sein geschirr gar, so farent ettlich mit der far 275   auff kelbern vnd auch pecken durch stain vnd stecke. H. aus doctor Hartliebs (leibarztes herzog Albrechts von Baiern) buch aller verboten kunst, ungelaubens, und der zauberei. geschrieben 1455 an Johans markgrafen von Brandenburg. (cod. pal. 478, einer hs. zu Wolfenbüttel erwähnen Uffenbachs reisen 1, 310.) [nachträge in Mones anz. 7, 315.] cap. 31. 32 von dem faren in den lüften. In der bösen schnöden kunst nigramancia ist noch ain torhait das die lewt machen mit iren zauberlisten ross , die komen dan in ain alts hus , vnd so der man wil, so sitzt er daruff, vnd reitt in kurzen zeiten gar vil meil. wan er absitzen wil so behelt er den zavm , vnd so er wider vfsitzen wil, so rüttelt er den zavm , so chomt das ros wider. Das ros ist in warhait der recht tewffel. zu solicher zaubrey gehört vedermeusplůt damit musz sich der mensch dem tiuffel mit vnkunden worten verschreiben, als debra ebra. das stuck ist by ettlichen fürsten gar gemain, vor dem sol sich dein fürstlich gnad hütten. 427 Zu sölichen farn nützen auch man und weib, nemlich die vnhulden , ain salb die haissen vngentum pharelis . die machen sie vss siben krewtern vnd prechen yechlichs krawt an ainem tag der dan demselben krawt zugehört, als am suntag prechen u. graben si solsequium, am mentag lunariam, am erctag verbenam, am mittwochen mercurialem, am phinztag barbam jovis, am freitag capillos veneris, darvss machen sie dan salben mit mischung etlichs plutz von vogel auch schmalz von tieren, das ich als nit schreib das yeman darvon sol geergert werden. wann sie dan wölln, so bestraichen sie penk oder seule , rechen oder ofengabeln , und faren dahin. cap. 34. hagel und schaur zu machen ist auch der kunst aine, wan wer damit umbgan wil der můss nit allain sich dem tiufel geben, sunder auch gotz, des hailigen tauffs und aller cristenlicher gnad verlaugnen. Die kunst tůnd und treiben nit mer dan die alten weib die dan an got verzagt sind. Hör und merk, o hochgelobter fürst, ain grosse sach die mir selbst begegnet ist, und geschehen ist da man zalt von Christi Jhesu gepurt tusend vierhundert und im sechs und vierzigsten jare. Da wurden ettlich frawen zu Haidelberg verprannt vmb zaubreye, ir rechte lermaistrin kam darvon. darnach in dem andren jar kam ich in potschaft von München zu dem durchleuchtigen hochgepornen pfalzgraufen herzog Ludwig, dem got genad, wan sol ain fürst durch sein trüi behalten werden, so ist er ye bey got. In den selben tagen kamen mär wie die maistrin gefangen wär. Ich batt sein genad das er mich zu ir liess, der fürst was willig. Er tett die frawen, auch den ketzermeister, mir zupringen in ain stätlin haisst Götscham in seins hofmaisters hus genant Petter von Talhaym. Ich erwarb von dem fürsten die genad, wann mich die fraw lernet schaur und hagel machen, das er sie leben wolt lassen, doch das sie sein land verswern solt. Als ich zu der frawen und dem ketzermaister in ain stuben allain kam u. begert ir lere. die fraw sprach, sie möcht mich die sach nit gelernen, ich wolt dan alles tůn das sie mich lernet. Ich fragt was das wär, damit ich got nit erzürnet und nit wider cristenlichen gelauben tätt, das wolt ich tůn. Sy lag mit ainem fůss in ainem eysen, und sprach zu mir dise wort: ›lieber sun, du must am ersten gotz verlaugnen, der tauf und aller sacrament, damit du gesalbt und bezaichent bist. darnach můst du verlaugnen aller hailigen gotes und voruss seiner můter Maria, darnach so můst du dich mit leib und sel ergeben den drei tiüflen die ich dir nenn, und die geben dir ain zeit zu leben und versprechent dein willen zu laisten als lang bis die zeit verendet wirt‹. Ich sprach zu der frawen: ›was můss ich mer tůn?‹ die fraw sprach: ›nit mer, wann du der sach begerst, so gang an ain gehaym, und růf den gaisten, und opfer in das. so chomen sy und machent dir in ainer stund hagel wa du wilt.‹ Ich sagt der frawen das ich der sach chaine tůn wolt, wann ich vor geredt hett, möcht sie mir sölich kunst mittailen, das ich gott 428 nicht erzürnet, auch wider cristenlichen glauben nit tät, so wolt ich sie ledig machen. Sy sprach das sie die sach nit anders kündt. Die fraw wart wider geantwurt Hansen von Tailhaim, der tett sie verprennen, da er sie gefangen hett. cap. 50. es ist aber ain ungelaub, wann man ain verlust tůt, so sind lütt, die beswern ain prot und stechen darein driü messer in driü crütz und ain spindel und ainen enspin [Schmeller 3, 570.] daran und halten das zwain person uf den ungenanten vinger , und beswert bey den hailigen zwölfboten. cap. 51. mer vind man lewt die ainen käs segnent und mainent, wer schuldig sei an dem diebstal der müg des käs nit essen. wiewol darein etlich saiffen für käs geben wird, noch ist es sünd. cap. 55. 56. 57. wann der maister in diser kunst (ydromancia) will erfragen diebstal, schätz graben, oder sunst was er dann haimliches wissen will, so gat er ain suntag vor der sunnen uffgang zu drein fliessenden prunnen und schöpft us yeglichem ain wenig in ain lauter puliertz glas, und tregt es haim in ainen schönen gemach, da prennt er dan kerzen vor und legt dem wasser ere an sam gott selber. Darnach nimbt er ain rain kind , und setzt das uf ainen schönen stůl für das wasser. wann nun das rain kind da sitzt, so stat der zaubermaister hinder im und spricht im etliche unerkante wort in die oren. darnach list er unerkante wort, und haisst im das rain kint die wort nachsprechen. was die wort bedeuten, kan noch kain maistr ussgelegen, dann das der mensch mit sölichen verporgen worten sich selb got benimbt und sich dem bösen tewfel gibt. Wenn nun der maister den knaben also vor im hat, so haisst er in sehen was er sech, und fragt dann nach dem schatz, diebstal oder sunst wornach er will. die ainfalt des kinds macht das es spricht, es sech diss oder das, darin vermist sich dan der böse tiüfel und lasst erscheinen oft das unwar für das war. cap. 58. Es sind noch gar vil weg wie man das wasser schöpfen sol. wan etlich nemen es in fliessenden wassern, das lassen sie auch gefallen, und tunt das in ain glas. Etlich die hollen sölich wasser in steenden weyern, und sieden das alsweg in den ern der gaist, die dan sie mainen gewalt zu haben über die wasser, der aller herre und fürst ist Salathiel , als die maister sprechen. cap. 60. Etlich weib besprengen ire kraut oder pflanzen mit geweichtem wasser , und mainent das die krautwürm mit daran komen süllen, das ist als ein ungelaube. Es sind etlich hoflüt, wann die new sporn haben, so stossen sie die mit den rädlen in ainen weichprunnen und sprechen, was sie damit hawen das geschwell nimermer. das ist alles ein ungelaube. Etlich zaubrerin die gänd zu ainem mülrad , und vahent das wasser in dem luft, 429 das von dem rad uffspringt , mit dem selben wasser treibent sie manigerhand zaubrei zu lieb und zu feintschaft. auch wer nit gůt man gesein mag, dem helfen sie damit das er gůt man müg gesein. das ist alles ein ungelaub. cap. 61. auch sind etlich bös christen die mit manigerhand wasser zaubrei treiben, als von dem gesegneten gweichten tauf , daran aller cristen hail und säld ligt, damit zaubern si und machent gar vil damit das nit zu schreiben ist. ja, wellichs alt weib mag gehaben den tauf die maint das sie hab den haan ertanzt. cap. 63. aber ain zauberlist von dem wasser. ettlich nemen zwai ding als hölzlen , hälmlen oder ringe münz als haller, und nemen ains nach ainer person, und das ander nach der andern person, und wann die zwai ding zusammen rinnen uff dem wasser in ainem peck , so süllen die zwai zusamen chomen; flüicht aber ains vor dem andern, so süllen si nit zusamen chomen, und welichs am ersten flüicht des sol die schuld sein. Die maister dis ungelaubens versůchen auch damit, welliches under zwai eelüten ee sterben sol, wann sie mainen wellichs ee versink , das sol am ersten sterben. cap. 67. 68. Nun wil ich schreiben von der vierden kunst die verboten ist, und haisst aremancia, und gat zu mit dem luft , auch was darin swebt und lebt. Die kunst ist gar vast bei den haiden, die habent auch darin sölich gross ungelauben, das sie das eren und anbeten, das in am ersten erscheint, und das eren sie dan desselben tags für iren got. Die bösen cristen treiben mit der kunst vil ungelaubens, wan sie reden wann ainem ain has begegne das sei ungelück, und wann ainem ain wolf begegne so soll das ain gross gelück sein. der ungelauben sint gar vil in manigen tieren. Es sint lewt die mainent, wann ainem die vogel fliegen zu der rechten hant , so sol es bedeuten grossen gewin und gross gelück, und wan sie fliegen zu der glinggen seiten , so sol es ungelück und verlust bedeuten. Das alles ist ain ungelaub. Es sint lüt die gross glauben haben an den aren und mainent, ye wan er taschenhalb flieg , es süll bedeuten gross gelück oder grossen gewin. Es sind leut die habent so grossen gelauben daran, das sie ir taschen an die andern seiten keren . wann dann der ar sich auch umbkert , das oft von geschicht komt, allererst so habent si dan grossen gelauben und mainent das es nit väl . . . . . sunder zweifel der tewfel ist der kunst rechter erdichter und einplaser, er verwandelt sich auch selb in sölich gefügel darumb das er die lüt betrüg. cap. 69. Es sind auch etlich fürstenherrn arm und reich, die ir gejaid halten auf etlich tag und wann der oder diser wind tůt wäen , das ist alles ungelaub . . . . . . . . Etlich lüt tragen hoch vedern in den hüten das tünd sie darumb das si wissen, von wannen der wind gang und mainent das sie in etlichen sachen gelück haben wider den wind, und in etlichen andern sachen 430 habent sie gelück von dem wind, das ist alles ein ungelaub und zaubrei. cap. 73. Es ist noch ein ungelaub in der kunst die ist also, wan ein mensch nieset , damit sich dan natürlich das hirn ravmet, das haben sie für ein gross zaichen glück oder unglücks, und nemen daruss ir weissagung als ob der nieser drei sind, so sein vier dieb umb das hus . Ist ir dan zwen so sol der mensch wider ufsten, und sich anders legen schlaufen, ist ir aber dreizehen so sol es vast gůt sein, und was in die nacht erscheinet, das sol im als in gut wär werden. auch des morgens so der mensch von dem pett gat, so bedeuten die nieser aber anders, der ding sind gar vil, und das alles ist ain rechter ungelaub. cap. 74. es sprechen auch etlich natürlich maister, das sölich niesen fast nahet dem schlag. wan solten die groben wind in dem hiren verschopt beleiben und nit ussgan, den menschen schlüg der schlag als zu hand, wann darumb haissen das etlich maister die minder applexia, das ist der clain schlag. wann so der mensch niest so ist er vil seiner gelider in dehainen weg gewaltig, aber von den genaden gottes so wert es nit lang das ist das pest. cap. 77. Es sind auch etlich lewt und nemlich gross fürsten, die gar und ganz gelauben und mainen wann gross ungestüm kämen, dass dann gross verrätrei geschehen süllen, das ist ein gross irrung. cap. 79. man vindt etlich zaubrerin die machent pild und atzman von wachs und andern dingen. sie machen die zu etlichen stunden und nennen etlichen kund und unkund namen, und henken das in die luft , und so der wind das rürt so mainen si, das der mensch in des namen es gemacht ist der sol kein rue haben. das alles ist ain grosser ungelaub und zaubrei. etlich künt (l. tünt) das mit ainem aspenplat und schreiben daruf auch ir zaubrei, und mainent damit lieb zwischen lüten zu machen. Von sölichen atzmannen hab ich gar vil gelesen in der kunst magica, da ist vermischung des gestirns und auch etlicher unkunder wort und sunst gar vil främder ding. das alles ist rechte zaubrei und ain böser umgelaub. ich hab auch vil hören sagen wie die weib sölich atzman machen und sie pei ainem fewr päen , damit sie dan kestigen die man. cap. 80. Es sind frawen und man die sich underwinden fewre zu machen und in dem fewre dan sehen geschechne und künftige ding. Die maister und maistrin diser tewflischer kunst haben besunder tag, darin lassen sie in holz zuberaiten, und wann sie ir kunst treiben wöllen, so gand sie an ain gehaime stat und füren mit in die armen torhaftigen menschen den sie dan warsagen süllen. sie haissen sie niderkniegen und dem engel des fewrs , den sie eren und anbäten, auch opfern. mit dem opfer zünden sie das holz an, und sicht der maister gar genaw in das fewr, er merkt wol was im darin erscheint. 431 cap. 83. Die kunst pyromancia [fiursehen. altd. bl. 1, 365.] treibt man gar mit manigerlei weis und form. etlich maister der kunst nemen ain rains kind und setzen das in ir schoss , und heben dan sein hand uff und lassen das in seinen nagel sehen, und beschweren das chind und den nagel mit ainer grossen beswerung, und sprechen dan dem chind in ain ore driu unchunde wort, der ist ains Oriel , die andern beschweig ich von ergrung wegen. darnach so fragen sie das chind umb was sie wöllen, und mainen das chind süll das sehen in dem nagel . das alles ist ain rechter ungelaub, und du cristenmensch solt dich hütten davor. cap. 84. mer ist ain trugenlicher list in der kunst, das die maister nemen öl und russ von ainer pfannen , und salben auch ain rains chind , es sei maid oder kneblin , die hant und machent das vast gleichent, und heben die hand an die sunnen da die sunn darein schein, oder sie heben kerzen , die heben sie gegen der hend und lassen das chind darein sehen, und fragen dan das chind wornach sie wöllen; so ist ir mainung was das chind in sag das süll war sein, sie wissen aber laider nit wie der bös tiüfel sich darein mischet, unn vil mer unrecht dan recht erscheinen lasst. cap. 88. Die maister und irgleichen die treiben die kunst auch in ainem schlechten spiegel und lassen kinder darein sehen die sie dan auch vast beswern und in auch verporgne wort einraunen und mainent vast vil darin zu erfragen. das ist alles ein ungelaub und des bösen tewfels gespenst und verfürung. hüt dich du cristen, ich warn dich gar treulich. auch treibt man die sach in ainem schönen glanzen pulierten swert , und die maister diser kunst mainent ettlich wann man müg wol nach streit oder grümsamen sachen fragen. so sol das (ain) swert sein, das vil leut damit ertöt sein, so komen die gaist dester ee und pelder . wann man fragen wil nach lust und fräden, kunst erfinden, oder schätz zu graben, so sol das swert rain und unvermailigt sein. ich waiss selbs ain grossen fürsten, wer dem pringt ain altes haher swert , der hat in hoch geert. cap. 90. 91. In der kunst pyromancia sind auch gar vil ander ungelauben, und nemlich ainer der sol des gewiss sein, der ist der allerschnödest und bösest, wann so man ie vester gelaubt an sölich zaubrei so si iemer ist sünd. das stück gat zu, das die knaben künftige und alle ding süllen sehen in ainem cristallen . das stück treiben die valschen verzweifelten und verzagten cristen, den dann lieber ist des tiüfels gespenst und trugnuss, dan die warheit gottes in maniger hand weis. Ettlich haben gar ain lautern schönen gepulierten cristallen oder parillen , den lassen sie waihen und halten in gar rain und lesen dazu weirravch, mirren und desgleichen, und wann sie die kunst treiben wöllen, so warten si uf gar ainen schön tag oder haben ain rain gemach und darin gar vil geweichter kerzen. Die maister gand den gen bad und 432 nemen dann das rain chind mit in und beclaiden sich dan in raines weiss gewand , und sitzen nider und sprechen in zauber bät, und prennen dann ir zauberopfer und lassen dann den knaben in den stain sehen und raunen im in seine oren verporgen wort die süllen vast hailig sein, warlich, die wort sind tewflisch. Darnach fragen sie den knaben, ob er icht sech ainen engel? wan der knab spricht ja, so fragen sie in was varb er anhab? spricht der knab rott , so sprechen die maister ie, der engel ist zornig , vnd bäten aber mer und opfernt dem bösen tewfel aber mer. darinn hat dan der bös tewfel ain wolgefallen. spricht der knab dan, der engel ist schwarz , so spricht der maister, der engel ist vast zornig wir müssen noch mer bätten und mer liecht prennen , damit wir senften den zorn des engels . und bätten dan mer und opfernt mit ravch machen und andern dingen . . . . . . wan dan den tiüfel bedunkt, das er dienst genüg hab, so lasst er erscheinen den engel in weiss , so ist dan der maister fro, so fragt er dan das chind was hat der engel in der hand? er fragt in also lang bis er spricht ›ich sich ain zedel in des engels hand‹. so fragt er dan so lang bis er sicht puchstaben. die selben puchstaben sambent dan der maister und macht daruss wort, so lang bis er hat darnach er gefragt hat. cap. 94. Es ist wol geschehen das etlich priester uf sölich visiones so gar verhaft waren, das si die hailigen patenas , daruf man got in der mess handelt und wandelt, namen, die liessen die kind darinne sehen und hetten glauben, das allein die hailigen engel darin erscheinen möchten und chain tewfel. dieselben haben gar vast geirret etc. cap. 96. noch treibt man ainen zauberlist den man auch zuschreiht der kunst pyromancia . . . die maister der kunst nemen plei oder zin und zerlassen das, und giessen es dan in ain wasser , und nemen das pald wider darus und beswern die varb und löchlen des pleis oder zins, und sagen künftige oder vergangne ding davon, das alles ain ungelaub ist. cap. 102. noch wiss, das die menschen auch ansehen die vinger , ob der clain vinger gang an dem goltvinger über das ober glide . das sol gross glück bedeuten und so es ie vester darübergang so sei das glück ie grösser. Mer ob der selb clain vinger das glid an dem benanten goltfinger mit rür , derselb mensch sol so gar unglückhaftig sein. ker dich nicht dran du guter cristen, es ist ain tand. cap. 103. Es ist ain volk züicht vil in der welt umb, das haisst zygainer , das selb volk weib und man kind und auch alt die treiben die kunst gar vast und verfüren manich ainfalticlichen menschen etc. cap. 106. 107. 108. von einer warsagerin, die doctor Hartlieb selbst gekannt, und welche vorgab: das die kunst lange jar in irem geschlecht gewesen wär und nach irem tod so käm die genad uf ire elteste . die frau wird von den leuten geehrt und 433 eingeladen. Ich batt sie ir kunst mit mir auch zu tailen. si was willig, sie hiess mich wäschen mein hend und trücknet die mit ir hand selb und neigt ihr gesicht gar genaw uf mein hend und sagt mir sach, die an mir nicht müglich sind zu geschehen. cap. 115. 116. Spatulamancia ist der siben verpotten kunst aine, die kunst gat gar mit ainem spähen fremden list zu. und so ich alle kunst wol betracht, so hab ich noch nie kaine oder ungelauben funden, der minder grunds hab dan die kunst, zwar es ist wol ain gespöttische kunst . . . . . . die maister diser kunst nemen ain schultern von ainem toten ochsen oder pfärd , ku oder esel . wan ich hab sie gefragt das si sagten, nach ains menschen schultern , die dan die pest sei, so sein aller grosser tier schultern vast gut, und wäschen die schultern gar wol mit wain, darnach mit weichwasser . Si pinden si in ain rain tuch , und so si ir kunst und zauberlist treiben wöllen, so pinden si uf die schultern und tragen sie an ain stat usserhalb tachs und sehen dan in die schultern und mainen das sich die schulter vercher nach ainer jeglichen frag. si haben weder ain liecht noch opfer, aber das ist ain grosser ungelaub, das si die schulter wäschen mit weichwasser und das sie gelauben das sich die schulter durch ir frag vercher und verwandel. der maister gelaub ist so gross das si nach kainem grund der kunst fragen. si sagen von freiem herzen alles das in dan einfelt, uf sölich frag zu lösen und zu entschaiden . . . . . sie mainen das sie alle ding erfragen mügen. cap. 120. die maister diser kunst haben auch lavg und ufsehen, wie die schulter varb hab, an dem end an der mitt und an allen örtern. darnach pläst in dann der teufel ein, was sie gelauben und reden süllen. cap. 121. am ersten wil ich schreiben von dem gennspain , als man zu sant Martinstag oder nacht die gans geessen hat, so behalten die eltesten und die weisen das prustpain , und lassen das trucken werden bis morgens fru und schawen dan das nach allen umbstenden, vorn hinden und in der mitt. Darnach so urtailen si dan den winter wie er sol werden kalt warm trucken oder nass , und sind so vest des gelauben, das si daruf verwetten ir gut und hab. si haben auch daruf ain sunder loss das nit välen soll noch mag, als si sagen von dem schnee ob der gross werden sol oder clain, das alles kann das gensspain . Vorzeiten giengen die alten pawren uff den ainöden damit umb, nun ist der ungelaub gewachsen in küngen fürsten und dem ganzen adel, die an sölich sach gelauben. pag. 76 b . 77 a . Noch will ich dir ains schreiben von dem genspain das mir in kürz gesagt hat ain gross siglich capitani, an den gross fürsten und gemain gross gelauben haben, ains durch sein tät, das ander durch sein weishait, das dritt durch sein trüi die er allweg in allen nöten an sein erbfürsten gehalten hat. derselb gut man sprach hewr in dem jar tusent vierhundert und fünf und fünfzig jar an sant Niclaustag zu mir, ›lieber maister, 434 wie wirt der winter hewr stan, nachdem als ir sternseher halt?‹ Ich was pald und pald als ich noch bin, und sprach ›her Saturnus gat in dem monat in ain fewrin zaichen, so sind auch ander stern darnach geschickt das in drein jarn kain herter winter wirt‹. Der unverzagt man, der cristenlich haubtman zoch uss seiner wennd den kezrischen ungelauben, das gennspain , und zaigt mir, das nach liechtmess vast grosse keltin werden solt und möcht nicht gefälen. was ich sagt, er sagt mir noch mer, und sagt mir das die tewtschen herrn in Brewssn all ir krig nach dem genspain getriben hetten und wie das genspain gezaigt hett, also hetten si ir zwů fert, aine im sumer die ander im winter, ussgericht. er sprach noch mer dise wort: ›die weil der teutsch orden dem pain volget die weil hetten sie gross wird und ere, seid aber si das gelassen haben, so waiss got wol wie es umb sie statt.‹ Ich sprach ›hett der teütsch orden ander kunst, hilf und stuir nit dan das gennspain so wer ir zuversicht clain‹. mil dem schied ich von meinem reichen wirt. pag. 76 a . Das wissen die natürlichen ärzt wol und sprechen das ain krankhait sei die haisst bolismus βούλιμος. oder apetitus caninus. die selb krankhait mag man mit kainem essen oder trinken dan allain mit ertznei erfüllen. wann alle speis gat ungedäwt durch den leibe, also verschwindt das flaisch und die pain beleiben in ir grösse. das macht das chind so ungestalt, umb das haisst man die chind wächselkind . pag. 78 b am ende steht: Clara Hätzlerin, name der schreiberin; von ihrer hand ist auch cod. pal. 677. I. auszüge aus neueren samlungen. a. aus der chemnitzer rockenphilosophie . 1. wer in eine wochenstube mit einem tragkorb kommt, muß einen span vom korbe brechen und in die wiege stecken; sonst nimmt er der mutter oder dem kind die ruhe mit weg. 2. will die mutter wissen, ob ihr kind beschrien ist, so lecke sie an seine stirne: ist es beschrien, so schmeckt die stirn gesalzen, gegen das beschreien räuchere man mit kehricht aus den vier winkeln , mit abschabsel von den vier tischecken , mit neunerlei holz . 3. wer ein stück von der wäsche verkehrt oder links anzieht , wird nicht beschrien. 4. man koche frauenflachs , szysche oder rufkraut , bade den kranken damit und setze das bad unters bett. ist er beschrien, so laufts zusammen, sonst nicht. 5. wer viel geld hat einzunehmen, soll kreide hin zu legen, so können böse leute nichts davon wieder holen. 6. wäscht man sein geld in reinem wasser und legt salz und brot hinzu, so können der drache und böse leute es nicht holen. 7. wenn weiber garn sieden, sollen sie dabei lügen , sonst wird es nicht weiß. 8. über kehricht zu gehen ist nicht gut, man hat kein glück. 435 9. kleine kinder nenne man nicht krebschen , sonst verbutten sie, weil die krebse rückwärts kriechen. 10. wer verreist, und es lauft ihm ein hase über den weg, das ist nicht gut. 11. wer aus krug oder kanne trinkt, überspanne den deckel nicht mit der hand, sonst bekommt der nachtrinkende das herzgespann . 12. eltern sollen den kindern keine klapper kaufen noch schenken lassen; sie lernen sonst langsam und schwer reden. 13. schwerredenden kindern hilft es, bettelbrot zu essen. 14. wer aus dem haus gehend oder ausreisend etwas vergessen hat, kehre nicht um danach, sondern lasse es durch einen andern nachholen; sonst geht alles hinter sich. 15. geht ein fremdes in die stube, so soll es niedersitzen , daß es den kindern die ruhe nicht mit nehme. 16. man decke den tisch nicht, ohne gleich brot aufzulegen; widrigenfalls soll man einen zipfel des tischtuchs überschlagen . 17. während die weiber federn in die bette füllen , sollen die männer nicht im hause bleiben, sonst stechen die federn durchs innelt. 18. eine henne setze man brüten, während die leute aus der kirche gehn, dann kriechen viel junge aus. 19. wer großköpfigte hüner wünscht, thue beim ansetzen der gluckhenne einen feinen, großen strohhut auf. vgl. 574 . 20. das neststroh nehme man aus einem ehbette, wenn es hänlein geben soll, von des mannes, hünlein, von der frauen seite. 21. wer sich früh gewaschen hat, soll das wasser von den händen nicht abschleudern, sonst verschleudert er selbiges tags die nahrung. 22. eine ledige wiege soll niemand wiegen, sonst wiegt man dem kind die ruhe weg. 23. die nägel an der kleinen kinder händen soll das erstemal die mutter abbeißen, sonst lernen sie stehlen. 24. wer zu gevattern steht, soll etwas dazu borgen, so hat der pathe immer credit. 25. kinder nenne man nicht › altmännichen , altweibichen ‹, sonst verbutchen sie und bekommen runzeln an der stirne. 26. sollen kinder lange leben, lasse man die söhne Adam , die töchter Eva nennen. 27. soll ein kind hundert jahre alt werden, muß man ihm aus drei kirchspielen gevatter bitten . 28. mit einem kleinen kind soll man unter einem jahr nicht in den keller gehn, es wird sonst furchtsam. 29. läßt man es unter einem jahr in den spiegel sehen, so wird es stolz. 30. kinder die in der taufe schreien sterben bald und werden nicht alt. 31. bekommen die ersten kinder der eltern namen , so sterben sie vor den eltern. 32. sieht ein hund in den backofen , wo man backt, so wird das brot erlöset oder abgebacken. 33. wer teig im troge hat, kehre die stube nicht aus, bis der teig hinausgetragen ist, sonst kehrt er ein brot mit hinaus. 34. der essig verdirbt, wenn man den essigkrug auf den tisch setzt. 35. geht eine sechswöchnerin über ein beet oder ein feld, so wächst in etlichen jahren nichts darauf, oder alles verdirbt. 36. stirbt ein weib in den sechswochen , so lege man ein mandelholz oder ein buch ins wochenbett, auch soll man alle tage das bett einreißen und wiedermachen , sonst kann sie nicht in der erde ruhen. solange bis die sechs wochen um sind. 37. den kindern soll man den ersten brei nicht blasen, so verbrennen sie nachher an heißen suppen das maul nicht. 38. wer will werden reich, schneide das brot fein gleich. 39. während zu grabe geläutet wird, esse man nicht, sonst thun einem die zähne weh. 436 40. werden dem kind unter einem jahr rothe schuh angezogen, so kann es kein blut sehen. 41. steht eine schwangere vor dem brotschrank und ißt, so bekommt das kind die mitesser . vgl. 815 . 42. etwas am leibe zu flicken , ist nicht gut. 43. auf himmelfahrt soll man weder nähen noch flicken , sonst ziehen dem, der das genähte am leibe trägt, die gewitter nach. 44. gründonnerstags bretzeln gegessen ist gegen das fieber gut. 45. wenn man über ein kind schreitet , wächst es nicht größer. mein bruder schritt auch mit eim fuß über mich, und sprach: ›oho Thömilin, nun wirst nit mer wachsen!‹ Thom. Platers leben p. 19. 46. wer im holze arbeitet, wird nicht reich. 47. unter den tisch , an dem abends leute sitzen, leuchte man nicht, sonst entsteht zank. 48. die pathen sollen dem kind ein löffelchen kaufen, sonst lernt es geifern. 49. legt die wöchnerin einen schwarzen latz vor, so wird das kind furchtsam. 50. in den sechs wochen soll man kein kind in mantel fassen , sonst wird es traurig und bekommt stets trauer. 51. wer beim spiel geld wegleiht verspielt. 52. wer zum spiel borgt gewinnt. 53. eine stillende mutter gehe drei sonntage schweigend aus der kirche und blase jedesmal ihrem kind in den mund, so kommen ihm die zähnchen leicht an. 54. christnachts , zwischen eilf und zwölf, ist das wasser wein . nach andern wird wasser in der ersten osternacht um XII geschöpft zu wein. 55. weihnachtsabends , wessen schatten bei eingebrachtem licht keinen kopf hat, der stirbt in selbigem jahr, sieht man ihm nur den halben kopf, stirbt er im zweiten halbjahr. 56. in den zwölf nächten erbsen, linsen, bohnen nicht zu essen, sonst bekommt man die krätze. 57. wer zu gevattern stehen will und hat sich schon zur kirche angezogen, soll nicht erst sein wasser abschlagen, sonst thut das pathchen desgleichen ins bett. 58. es ist nicht gut, wer morgens ausgeht, und es begegnet ihm ein alt weib. vgl. 380 . 59. auf einer hexe frage antworte nicht, sonst kann sie dir etwas nehmen. 60. hauswurzel aufs dach gepflanzt, schlägt der donner nicht ins haus. 61. wer rücklings aus dem bett steigt, dem geht den ganzen tag alles verkehrt. 62. läßt das Jüdel die kinder nicht ruhen, so gebe man ihm was zu spielen . wenn die kinder im schlaf lachen, die augen öfnen und wenden, sagt man ›das Jüdel spielt mit ihnen‹. man kaufe, ohne etwas vom geforderten preis abzuziehen, ein neu töpflein, thue von des kindes bad hinein und stelle es auf den ofen: nach einigen tagen wird das Jüdel alles wasser herausgefletschert haben. Sie hängen auch eierschalen , aus welchen der dotter in des kindes brei und der mutter suppe geblasen worden ist, an der wiege mit zwirnsfaden auf, daß das kind damit spiele , statt mit dem kind. 63. wird ein ganz brot unaufgeschnitten vom tisch getragen, so müssen die leute hungrig davon gehen. 64. wer salz verschüttet, raffe es nicht auf, er hat sonst kein glück. 65. wer die schuhe einwärts tritt, wird reich, wer auswärts, arm. 66. wer die gelbe sucht hat, lasse den schmierkübel von eines fuhrmanns wagen stehlen, und sehe hinein, so vergeht sie. 67. heult ein hund in der christnacht, so wird er selbiges jahr thöricht . 68. wer einer katze schadet, oder sie umbringt, dem steht groß unglück bevor. 69. beißen sich die katzen in einem hause, worin ein kranker liegt, so stirbt er bald. 437 70. ein weib, das butter rühren will, soll ein dreikreuziges messer ans faß stecken, so geräth die butter. 71. splitter , die sich in der wohnstube von den dielen lösen, bedeuten fremde gäste . 72. wenn sich die katze putzt, bedeutet es einen gast . 73. schreien die elstern im hof oder auf dem haus, so kommen gäste . 74. wem ein floh auf die hand hüpft, der erfährt etwas neues. 75. wenn das kind nicht zunimmt, so hat es das Elterlein ; man schiebe es etlichemal in den backofen, so muß jenes weichen. 76. spinnen umzubringen ist nicht gut. 77. neugeborne kinder soll man die drei ersten sonntage fein putzen, so stehen ihnen dereinst die kleider schön. 78. wenn die weiber auf lichtmesse bei sonnenschein tanzen , so geräth ihnen der flachs dasselbe jahr. 79. schaut montags ein fremder zur stubenthür ein, ohne gar einzutreten, der macht, daß der mann die frau schlägt. 80. kauft oder schenkt der bräutigam der braut ein buch , so wird die liebe verblättert . 81. wer essig ansetzt, muß sauer dazu schauen und böse sein, sonst misräth der essig. 82. wem die ohren klingen , der wird belogen. 83. henne , wie ein han krähend, bedeutet unheil. 84. wer gründonnerstags fastet, bleibt das jahr frei von fieber, und hat ers, so vergehts. 85. wer zu markt die erste lösung wegborgt, verborgt sein glück. 86. wer zu markt feil hält, soll den ersten käufer nicht gehen lassen, gäbe er auch die waare zu wolfeil. 87. der bräutigam soll seiner liebsten weder messer noch scheere schenken, sonst wird die liebe zerschnitten . 88. freitags die kinder nicht baden, sonst kommen sie aus ihrer ruhe . 89. wer stillschweigends wasser holt, schöpfe aus dem fluß von oben hinabwärts . 90. vor Wallpurgisnacht creuze an die thüren zu schreiben, so schaden die hexen nicht. 91. beim schlafengehn nichts auf dem tisch liegen zu lassen, sonst kann das älteste oder jüngste im haus nicht schlafen. 92. begegnet einer zur kirche gehenden sechswöchnerin ein mann , so bekommt sie das nächstemal einen sohn , wenn eine frau , ein mädchen , wenn niemand, keine kinder mehr, wenn zwei leute, zwillinge. 93. wer früh nüchtern niest , empfängt selbigen tag etwas geschenkt. 94. es ist nicht gut, feuer und licht durch einen fremden sich aus dem haus tragen zu lassen, die nahrung wird dadurch aus dem haus getragen. 95. die neueinziehende magd soll alsbald ins ofenloch schauen, so gewohnt sies bald. vgl. 501 . 96. wer lein säen läßt, gebe dem sämann ein trinkgeld, sonst verdirbt der flachs. 97. gießt eine ledige in der christnacht heiß blei in kaltes wasser, so bildet sich das handwerksgeräth ihres künftigen bräutigams. 98. wer aus mitten in einem ameisenhaufen gewachsener birke einen hölzernen schlauch oder hahn drehen läßt, und zapft wein oder bier hindurch, der wird geschwind ausschenken. 99. wer brot ungleich aufschneidet, hat den tag gelogen. 100. ledige , die gern männer hätten, sollen nachts vor Andreastag diesen heiligen nackend anrufen, so wird ihnen ihr liebster im schlaf erscheinen. 101. will eine magd wissen, ob sie länger im dienst bleibt, kehre sie weihnachtsabends den rücken nach der thür und werfe den schuh vom fuß über den kopf : steht die spitze nach der thür, so muß sie abziehen, steht der absatz nach der thür, so wird sie bleiben. 102. eine magd , die wissen will, was für haare ihr liebster habe, greife in der christnacht rücklings zur thür hinaus, so faßt sie die haare in die hand. 438 103. wer ungefähr einen hasenlorber im walde findet und ißt, wird sein theil vom hasen haben, er komme wohin er wolle. 104. wer nachts in den spiegel schaut, schaut den teufel darin. 105. zu erforschen, ob sie das jahr über einen mann kriege, soll weihnachtsabend oder mitternacht die jungfrau an das hünerhaus klopfen: gackert der han , so kriegt sie einen, gackert die henne , keinen. vgl. 230 . 106. reiten die kinder mit spieß und fahne auf der gasse, so kommt ein krieg über das land. tragen sie sich mit creuzen , so kommt sterben. 107. wer kein geld hat, hüte daß ihm der neumond in den leeren beutel scheine, sonst leidet er den ganzen monat geldmangel. 108. wem der storch auf dach oder schornstein baut, der wird lange leben und reich sein. 109. zu forschen, ob ihr liebhaber gerade oder krumm ist, muß eine dirne weihnachtsabends an eine klafter oder an einen stoß holz treten und rücklings ein scheit ausziehen : wie das scheit wird der liebste sein. (vgl. oben s.  416 , 7.) 110. zu wissen, wie er heiße, soll sie den ersten des tags gesponnenen garnfaden vor ihre hausthür spannen , und wie der erste vorbeigehende wird auch ihr künftiger mann heißen. 111. es ist nicht gut, rost oder dreifuß , ohne ihm etwas auf zu legen, über das feuer zu setzen; welches weib es thut, die kriegt eine schürze (runzeln) ins gesicht. 112. grüßt ein weib, beim bettegehen, die sterne am himmel , nimmt ihr der geier oder habicht kein küchlein. 113. thut man stroh in ein bett, lasse man die knoten nicht an den strohbändern , sonst kann niemand darauf schlafen. 114. ein zu markt gehendes weib, hat sie frühe beim aufstehn den rechten schuh erst angezogen, wird sie ihre waare theurer los werden. 115. wer ein hemd an trägt, von garn gewoben, das ein mädchen unter sieben jahren gesponnen, der hat glück darin. vgl. 931 . 116. regnets auf Johannistag , so verderben die nüsse, und gerathen die huren. 117. die zwiebeln, auf Johannistag im beet umgedreht, gerathen groß. 118. auf Bartholmäi sollen die mägde nicht ins kraut blaten gehn, Bartholmäus wirft dann häupter ins kraut, und würde sonst verscheucht. 119. wer vierblättrigen klee findet, soll ihn werth halten; solang er ihn hat wird er glückselig sein. (vgl. oben s.  421 v. 62.) 120. rabe oder krähe auf einem haus, darin ein kranker liegt, niedergesessen und schreiend bedeuten seinen tod. 121. in den zwölften dürfen die schäfer den wolf nicht nennen , sonst zerreißt er die schafe. 122. trägt ein kind einen dattelkern bei sich, so fällt es nicht, oder nimmt wenig schaden. 123. wer zum erstenmal in ein neues haus oder gemach kommt und darin schläft, was ihm die erste nacht träumt , wird wahr. 124. verliert eine frau oder magd auf der gasse das strumpfband , so ist ihr der mann oder freier ungetreu. 125. geht ein weib zu bett, soll sie den stuhl , darauf sie gesessen, erst von der stelle rücken , sonst drückt sie der alp . 126. wenn auf dem heerd feuer brennt , schlägt das wetter nicht ins haus. 127. ein kalb, an s. Veltens tag geworfen, dient nicht zur zucht. 128. wer über land reist, begegnet ihm wolf , hirsch , eber , bär , so ists ein gut zeichen. 129. wer ein hufeisen findet, oder ein stück davon, hat glück. vgl. 220 . 130. spinnt eine magd sonnabends den rocken nicht ab, so wird aus dem übrigen flachs oder werg kein gut garn und bleicht nimmermehr. 131. der vater gebe dem kind gleich nach der taufe ein schwert in die hand, so wird es kühn und beherzt. 132. ein neugeboren knäblein stoße man mit den füßen an seines vaters brust , so nimmt es nimmer kein bös ende. 439 133. ein neugeboren töchterlein setze man alsobald auf seiner mutter brust , und sage : ›gott mache dich zu einer guten frau!‹, so kommt es nie zu fall oder schanden. 134. wem frühmorgens eine spinne auf den rock kreucht , der wird des tages glückselig. 135. reitet ein mann über land, und stößt auf ein spinnendes weib , das ist ein schlimm zeichen; er soll umkehren und einen andern weg reiten. 136. wenn geläutet wird, und die uhr schlägt drein, so bedeutets feuer. 137. ein neugeboren kind lege man nicht zuerst auf die linke seite , sonst bleibt es linkisch. 138. wer felder hat soll Walpurgis abend mit röhren drüber hinschießen, so können die hexen der saat nicht schaden. 130. blaue kornblume auf frohnleichnamstag mit der wurzel ausgerissen stillt nasenbluten, wenn man sie in der hand hält, bis sie erwarmt. 140. am tage Abdon (30. juli) rotte man schilf aus teichen, dörner aus feldern, so wachsen sie nicht wieder. 141. juckt einem weibe hals oder kehle, so geht sie bald auf kindtaufe oder hochzeit, juckt ihr der kopf, so bedeutets schläge. 142. helle christnacht finstere scheune, finstere christnacht helle scheune. 143. wer ein erdhünchen oder eine hausotter schädigt oder nur sieht, muß in dem jahr sterben. 144. ohrenschmalz an die degenspitze gestrichen, löst des gegners festigkeit auf. 145. wenn zwei kinderstillende weiber zugleich mit einander trinken, so trinkt eine der andern die milch ab . und wenn zwei leute zugleich mit einander anfangen zu trinken, so trinkt einer dem andern die röthe ab . 146. wer brot ißt, davon ein andrer gebissen hat, wird dem andern feind und gram. 147. läßt eine frau jemand anders die hand an ihre schürze wischen, so wird ihr dieses andere gram. 148. hausnistende schwalben bedeuten armut, sperlinge reichthum. 149. reif , der weihnachtsabend vom faß springt , deutet auf den tod eines im hause selbiges jahr. 150. erlischt das licht auf dem altar von selbst, so bedeutets des priesters tod. 151. ohrenzwang vertreibt sich eine frau dadurch, daß sie eines mannes hosen um den kopf windet. 152. wenn die mägde zunder brennen, müssen sie von mannshemdern flecke dazu nehmen, von weibshemdern fängt der zunder nicht. 153. christnachts nasse strohbänder um die obstbäume gebunden macht sie fruchtbar. 154. obstbäume fastnachts beschnitten leiden von raupen und würmern nicht. 155. damit katz und hund nicht entlaufen, treibe man sie dreimal um den heerd und reibe sie an die feuermauer. 156. sieht der mann eher den wolf , als der wolf den mann, der darf kein leid vom wolfe fürchten; sieht aber der wolf den mann am ersten, so ist der mann in gefahr. man sagt auch : er wird stumm oder heiser . 157. Johannisblut (wegtritt) auf Johannis zur mittagsstunde gesammelt, ist für viel dinge gut. 158. schreit eine elster vormittags auf dem krankenhause sitzend und man sieht sie von vornen , so ist die bedeutung gut; schreit sie nachmittags und man sieht sie von hinten , schlimm. 159. hundeheulen bedeutet unglück. 160. bienenschwarm , der sich an ein haus hängt, bedeutet feuersbrunst. 161. solang die lerche vor lichtmesse singt, so lange schweigt sie nach lichtmesse. 162. heben ein junggesell und eine jungfrau zusammen ein kind, so soll der pfaffe sich zwischen sie stellen, sonst wird stets uneinigkeit zwischen ihnen sein. 440 163. niemand soll seine gevatterin ehlichen, denn so oft sie sich ehlich vermischen, donnerts . 164. wer die erste kanne bier aus dem faß bekommt, soll geschwind fort laufen; so geht dies bier bald ab. 165. man soll kleine kinder nicht barfuß auf den tisch lassen treten, sonst bekommen sie böse füße. 166. das ausgelöschte licht soll man abends nicht umgekehrt auf dem leuchter stecken lassen; denn kommt ein dieb in der nacht so kann niemand vom schlaf erwachen. 167. ein knäblein geboren im Venusmorgenstern , bekommt ein viel jünger weib als er ist; im Venusabendstern , ein viel älteres. bei mägdlein ists das gerade gegenspiel. 168. wer von der mahlzeit aufsteht, soll das brot , davon er gegessen, nicht liegen lassen; nimmt es ein anderer, und wirfts über den galgen, so kann jener dem galgen nicht entgehn. 169. hollunder vor die stallthür gepflanzt, bewahrt das vieh vor zauberei. 170. wer eine schnur bei sich trägt, womit ein bruchschneider einen geschnittenen bruch verbunden hatte, hebt die schwerste last ohne gefahr. 171. ein stück holz von einem aus der erde gegrabnen sarg , ins kraut gesteckt, verhütet die raupen. 172. fastnachts soll man keine suppe essen, sonst trieft einem stets die nase. 173. Nicasiabends des heiligen namen mit kreide an die thür geschrieben, macht die häuser frei von mäusen. 174. flicht der fuhrmann eine otter oder schlangenzunge in die peitsche, so ziehen seine pferde ohne schaden die größten lasten aus den graben, und übersaufen sich nicht. 175. Peterstag soll man den hünern nester machen, so legen sie viel eier. 176. eine schwangere, die gevatter wird, soll das kind nicht selbst aus der taufe heben, sonst stirbt ein kind, das getaufte oder ihr eignes. 177. wem frühmorgens zuerst eine jungfrau oder ein priester begegnet , bedeutets unglück, eine hure , glück. 178. ein entwöhntes kind soll nie wieder an brust gelegt werden, sonst wird es ein gotteslästerer . 179. eine schwangere soll unter keiner wagendeichsel hinkriechen, sonst muß sie über die zeit gehen. 180. der siebente sohn ist glückselig, etwas zu heilen, pflanzen oder sonst auszurichten. 181. übelthäter auf der folter hängen einen zettel an den rücken, worauf ps. 10, 15 steht; so halten sie die marter ohne bekenntnis aus. 182. brot und salz bei sich getragen sichert wider zauberei. 183. für das fieber: drei bissen gestolen brot , in zwei nußschalen gespien, und das brieflein geschrieben: ›kuh wilt du zu stalle, frörer so geh du zu walle‹. 184. hat einem die maus am kleide genagt, so bedeutets unglück. 185. wenn die weiber oder mägde säcke waschen , so regnets bald. 186. niesen beim schuhanziehen bedeutet unglück. 187. neugewaschen hemd freitags angezogen hilft gegen das grimmen. 188. wer gestolen käse oder brot ißt, bekommt das schlucken davon. 189. mitternacht vor Johannis soll man teufelsabbiß graben, so sind die wurzeln unabgebissen und dienen zur vertreibung des teufels. 190. Johanniskraut vertreibt hexen und teufel, daher dieser aus bosheit alle blätter mit der nadel durchsticht. 191. wenn einer stirbt, sind die fenster im haus aufzumachen, damit die seele hinausfahren kann. 192. soll ein kind fromm werden, so muß es die pathe oder das weib, das es aus der kirche nach haus trägt, alsbald untern tisch legen , der vater es hervornehmen und der mutter geben. 193. in welchem jahr keine eisfahrt wird, misräth die gerste. 194. wird ein wehr in einen strom gebaut, so regnet es nicht in selbigem lande, bis das wehr fertig ist. 441 195. steckt man eine gans dreimal durch die beine und gibt ihr drei bissen gekautes brot mit den worten, ›lauf hin in gottes namen!‹ zu fressen, so kehrt sie wieder heim. 196. wer am kalten fieber leidet, krieche ans wasser, das aber fließend ist, streue eine handvoll salz dem flusse nach aus und spreche: ›ich säe meinen samen, in gottes namen, wenn dieser same wird aufgehn, will ich mein kaltes wieder sehn‹. 197. wer frühlings den kukuk zum erstenmal schreien hört, soll ihn fragen: › kukuk , beckerknecht, sag mir recht, wie viel jahr ich leben soll?‹ so viel mal er nun schreit, so viel jahr lebt der fragende noch. 198. ißt eine ledige jungfrau das angebrannte vom brei aus dem topf, so regnets auf ihrer hochzeit, und so es regnet, werden die neuen eheleute reich (vgl. 498 ). 199. vieh auf dem markte leicht zu verkaufen, räuchere man es mit der aus der mitte eines ameisenhaufens gegrabnen schwarzen kugel. 200. man lange nichts über die wiege hin, wo ein kind liegt, noch lasse man sie offen stehn. 201. diebsdaumen bei sich getragen, oder bei die waare gelegt, macht, daß sie gut abgeht. 202. wer einen bund erbschlüssel zur zeit an eine stubenthür wirft, vor welcher jemand lauscht, so ertaubt der horcher sein lebenlang. 203. fastnachtdienstags milch gegessen, brennt einen sommers die sonne nicht. 204. will eine braut über ihren mann die herschaft haben, so ziehe sie sich am hochzeitstage in einem backtrog an und klopfe an die kirchthür. 205. ein kind zu entwöhnen , setze es die mutter in die stube, und stoße es mit dem fuß um, so vergißt es der mutter desto eher. 206. lauft der frau ein hund durch die beine , so schlägt sie der mann. 207. todten lege man geld in den mund , so kommen sie, wenn sie einen schatz verborgen haben, nicht wieder. 208. stocher aus einem splitter holz, worein der donner geschlagen , vertreibt zahnweh. 209. kein messer soll auf dem rücken liegen, sonst werden die engel damit verletzt. 210. schlagen zwei glocken in der stadt ungefähr zusammen, so sterben zwei ehleute von einander. 211. eine beule heilt ohne gefahr, wenn man sie mit einem dreikreuzigen messer drückt. 212. die braut ziehe ins bräutigams haus im finstern ein, so werden alle winkel voll sein. 213. lauft ein hund zwischen ein paar freunden durch, so wird die freundschaft getrennt. 214. wer einen schatz heben will, soll dabei nicht reden. 215. störche auf sein haus zu ziehen, mache man ihnen ein nest mit der linken hand auf die feueresse. 216. wer einen geschwollnen hals hat, gehe stillschweigend in die mühle, stehle ein band von einem sack und binde es um den hals. 217. wer frühlings die erste schwalbe sieht, stehe alsbald still und grabe unter seinem linken fuß mit einem messer in die erde, so findet er eine kohle , die ist das jahr gut für das kalte fieber. vgl. oben s.  422 v. 98. 218. wer beim schatzgraben brot mit sich trägt, den können die gespenster nicht verstören. 219. pathengeld macht reich und glücklich. 220. ist einem etwas gestolen, so schlage man einen ungefähr gefundnen hufnagel (vgl. 129 ) auf die stätte, da allzeit feuer ist, so muß einem das seine wieder werden. 221. hurenkinder sind glücklicher als eheliche leute. 222. läßt man bei der taufe ein stücklein brot weihen, so fehlts des kinds eltern nicht an brot. 223. wer im neumond sein geld zählt, hat nie mangel daran. 442 224. einen kreuzdreier auf einen schatz geworfen, so kann er nicht weichen. 225. fastnachten hirsen gegessen, quillt das geld. 226. wem ein knabe oder ein mädchen zuerst auf dem markt etwas abkauft , der hat des tages gut glück zum verkauf. 227. die erste lösung werfe der kaufmann auf die erde, und trete sie mit füßen, so geht der handel desto besser. 228. es ist nicht gut, daß der kukuk nach Johannis schreie, und bedeutet theuerung. 229. wird die braut heimgeholt, soll sie keinen umweg fahren, sondern die gemeine straße , sonst hat sie unglück. 230. wer unter einer hünerstange hergeht, beschmeißt ihn die henne , so bedeutets unglück, der han , glück. vgl. 105 . 231. ein neu kleid soll man nicht leer anziehen, sondern sich vorher etwas in die tasche verehren lassen, sonst hat man kein glück. 232. wer gevattern bittet, soll eine ledige dazu bitten, sonst hat das kind kein glück zum heirathen, bekommt auch keine kinder. 233. wer jung glücklich ist, muß im alter betteln, und umgekehrt. 234. wer wermut bei sich trägt, kann nicht beschrien werden. 235. findet man eine nadel , und sie kehrt einem die spitze zu, so wird man unglück haben, wenn aber den kopf , glück. 236. früh morgens, eh man einen bissen brot genommen, soll man nichts in den mund nehmen. 237. wer frühlings den ersten frosch im wasser und nicht auf dem land sieht hüpfen, hat das ganze jahr über unglück zu gewarten. 238. bei zunehmendem mond soll man in eine neue wohnung ziehen, oder beim vollmond ; auch brot und salz hineintragen, so wird darin alles voll sein, und an nichts mangeln. 239. wer pferdegewieher hört, soll fleißig zuhören, denn sie deuten gut glück an. 240. spinnt eine sechswöchnerin wolle, hanf oder flachs, so wird das kind dereinst aufgehängt. 241. freitags sollen sich die weiber nicht bürsten und flechten, sonst gedeiht das ungeziefer. 242. wer nüchtern morgens geld findet, und liegt kein holz darunter , das ist ein unglücklicher fund. 243. wer sonntags geboren wird, ist glücklicher als andere. 244. wer fastnacht dienstags früh nach sonnenaufgang stillschweigend drischt , vertreibt die maulwürfe. 245. gegen den abnehmenden mond stehe man, und spreche: ›wie der mond abnimmt, also nehmen meine schmerzen ab‹. vgl. 492 . 246. die ofengabel nicht im ofen zu lassen, sonst können die hexen täglich einen ortsthaler aus dem hause holen. 247. in schaltjahren soll man nichts sonderliches bauen, pflanzen, vornehmen: es geräth nicht recht. 248. bleibt der weggehende mit dem kleide an der thür oder am nagel hängen , so soll er noch ein wenig allda verweilen, sonst trift ihn unglück. 249. wer freitags die nägel abschneidet, hat glück. 250. legt man einer hexe einen besen so in den weg, daß sie darüber schreiten muß, so wird sie unmächtig und kann kein unglück stiften. 251. glück im spiel hat wer das herz einer eule , den stein aus dem rücken einer fledermaus , oder den kopf eines wiedhopfs bei sich trägt. vgl. 329 . 252. brennt das licht abends rosen , so kommt des andern tags geld oder sonst ein glück. 253. wer in der ernte das erste korn einfährt, soll von den ersten garben etliche nehmen, und in die vier winkel der scheune kreuze damit legen, so kann der drache nichts davon holen. 254. frierts am kürzesten tag , so fällt das korn im preise, ist es gelind, so steigt sein preis. 255. so viel die theuerlinge (eine art schwämme) körner in sich haben, so viel groschen wird das korn hinfort gelten. 443 256. sucht man vergebens nach etwas, das da sein muß, so hält der teufel die hand oder den schwanz darüber. 257. wer zu markt geht, sehe sich vor, daß ihm niemand mit wasser begegne ; sonst kehre er lieber um, er würde weder zu kaufe noch verkaufe glück haben. 258. aus dem korn der zuerst ausgedroschnen garbe läßt sich das fallen oder steigen der kornpreise so beurtheilen: man fülle ein maß viermal voll, so daß es vier haufen gibt, dann thue man die haufen wieder ins maß, und streiche ab. fallen nun von einem der haufen körner ab, oder scheinen körner zu fehlen, so schlägt in dem entsprechenden quatember des nächsten jahrs das korn ab oder auf. 259. ehleute sollen von ihrer hochzeit brot aufbewahren, so leiden sie nie daran mangel. 260. wer sein mit auf die welt gebrachtes kleidchen (die glückshaube ) aufhebt und bei sich trägt, dem gelingt alles. 261. wer eine abgebißne maulwurfspfote bei sich trägt, kauft wolfeil und verkauft theuer. 262. beim ersten kleid fürs kind ist am macherlohn nichts abzuziehen; je mehr abgezogen, desto weniger glück hat das kind. 263. wer samen säen will, hüte sich, ihn auf den tisch zu legen , sonst geht nichts auf. 264. beim ersten gebäcke nach neujahr mache man so viel kleine kuchen , als leute im haus, gebe jedem einen namen und drücke mit dem finger ein loch ein. wer nun sterben soll, dessen loch backt sich aus, die andern bleiben. 265. trägt man den täufling zur kirche, so hebe man ihn zum fenster hinaus ; er wird desto länger leben und gesünder sein. 266. wer erzählt und dazu niest , oder wenn auch ein andrer niest , so ist die erzählung wahr. 267. zwei sollen nicht an einem kinde wiegen , es kommt dadurch aus seiner ruhe . 268. stroh , auf dem man geschlafen, nicht zu verbrennen, sonst kann man nicht ruhen . 269. wer in der kirche erkrankt, genist nicht leicht. 270. wer zunder mit fingern anrührt, dem fängt er nicht. 271. wer käse auf dem tischtuch schabt, dem werden die leute gram. 272. wer viel schimmlicht brot ißt, wird alt. 273. wetzt der mann sein messer anders als auf dem ordentlichen schleifstein, so entsteht streit im haus. 274. wer weihnachtsabend keine bohnen ißt, wird zum esel. 275. wer gründonnerstags nicht neunerlei kraut ißt, kriegt das fieber. 276. wer am eignen leibe näht oder flickt, nehme allemal was ins maul, sonst wird er vergeßlich. 277. riecht ein kind vor dem ersten jahr an etwas, so lernt es hernach nicht riechen. 278. man soll das liebe brot nicht auf dem rücken liegen lassen. 279. die speise auf dem tisch rein aufgegessen, gibt den andern tag gut wetter . 280. wer den schlucken hat, stecke ein bloßes messer in eine kanne mit bier, und trinke einen guten trunk in einem odem. 281. hat ein kranker oder sterbender hünerfedern unter sich, so kann er nicht sterben. 282. den sturmwind kann man stillen , wenn man einen mehlsack ausstäubt und dazu spricht: ›siehe da, wind, koch ein mus für dein kind!‹ 283. wer sich gewaschen hat, und trocknet die hände am tischtuch bekommt warzen. 284. wenn die glocken dumpfig läuten, stirbt gemeinlich eins darauf. klingt die kirchglocke hell, bedeutets hochzeit. 285. wenn eine braut getraut wird, und regnet unterwegs, so hat sie geweint , scheint die sonne , gelacht . 444 286. kommt einer ungefähr zu einem butter rührenden weib, und zählt die reife am butterfaß von unten aufwärts und wieder von oben herab, so kann die butter nicht zu wege gebracht werden. 287. es ist nicht gut, über die finger oder die flache hand zu sehen. 288. gibt man einem säugling zu allererst statt des breis von einem rothen gebratnen apfel zu essen, so bekommt es rothe backen . 289. ein klein kind gedeiht nicht, wenn man es würmchen oder jäckel heißt. 290. wen die katze , indem sie sich putzt, ansieht, der wird ausgemacht oder gescholten worden. 291. läßt die köchin das essen anbrennen , so ist sie verlobt oder versprochen. 292. welche jungfrau die katzen lieb hat, bekommt einen frommen mann. 293. geht eine schwangere über ein grab , so stirbt ihr kind. 294. wer proceß führt, und sieht seinen gegner eher , als der gegner ihn, wenn sie vor gericht gehen, der behält recht. 295. wer vor gericht geht, und sein messer bloß einsteckt, behält recht. 296. wer nicht wol kann schlafen, kind oder alt, dem lege man einen ruhewisch unters kopfkissen: das ist stroh, was tragfrauen unter den rücken legen; man muß ihn aber diesen leuten stillschweigend wegnehmen. 297. wenn man vieh , das geschlachtet wird, beklagt , kann es nicht sterben. 298. es ist nicht gut brot auf den tisch zu legen, so daß das aufgeschnittne theil vom tisch schaue. 299. wer ein gespenst hört, schaue nicht um , sonst wird ihm der hals umgedreht. 300. Mauritiustag keinen waizen zu säen, sonst wird er brandig. 301. es ist nicht gut, wenn man über den kopf sieht. 302. wenn am tage Johannis enthauptung in einem baum gehauen wird, muß er verdorren. 303. wenn eine magd brot teigt und einem burschen ins gesicht greift, bekommt er keinen bart . 304. wer zum erstenmal bei einem hurenkind gevatter wird, hat glück im heiraten. 305. wenn man einem zutrinkt, reiche man ihm den krug nicht offen . 306. wer ein erloschen licht wieder anblasen kann, ist reiner junggeselle oder reine jungfrau. 307. wer ein rad über den thorweg macht, hat glück in seinem hause. 308. holt eine sechswöchnerin brunnenwasser , so versiegt der brunne. 309. wendet man einen teller um über der mahlzeit, so können die hexen theil haben. 310. eine zum scheiterhaufen geführte hexe soll man nicht auf bloße erde lassen. 311. wer blasen auf die zunge bekommt, wird sogleich belogen, er soll dreimal ausspeien und dem belüger alles böse anwünschen. 312. ein kranker, der weint und thränen vergießt, stirbt des lagers nicht. 313. wenn die heimen oder grillen im hause singen, geht es glücklich zu. 314. wer lang schläft wird weiß , und je länger je weißer. 315. wenn braut oder bräutigam auf den trautag einen schaden an sich haben, den müssen sie mit zu grabe nehmen und kann nimmermehr geheilt werden. 316. wenn der mond zum kammerfenster herein scheint, zerbricht die magd viel töpfe. 317. wem etwas ins auge fällt, speie dreimal über den linken arm, so kommt es heraus. 318. auf nebel im merz gefallen, folgt hundert tage nachher große wasserflut. 319. wer über abgeschnittne nägel geht, wird dem gram dessen sie gewesen sind. 320. stillt ein weib ein knäblein , und legt einmal einer andern kind, das ein mägdlein ist, an die brust, so kommen die kinder, wenn sie erwachsen, in unehren zusammen. 445 321. wer nur in einem schuh oder strumpf geht, bekommt den schnupfen. 322. wenn das feuer im ofen platzt , entsteht zank im haus. 323. solange das essen noch auf dem tisch brotzelt oder kocht, wird die köchin von ihrem mann geschlagen. 324. wem die weiber abgehn, und die pferde wol stehn, der wird reich. 325. wenn ein licht von sich selbst ausgeht , stirbt eins im hause. 326. wer an blumen oder kränze riecht, die zu einem begräbnis gehören, verliert den geruch. 327. wenn man einen rosmarinstengel abschneidet und zu einem todten ins grab legt, so verdirbt der ganze stock, sobald der zweig im grabe fault. 328. wer eier ißt, soll die schalen zerdrücken (die hexen nisten darin), sonst kann einer das fieber bekommen. 329. ein beutel von maulwurfsfell , darin ein widhopfskopf , samt einem pfennig steckt, bei sich getragen, läßt niemand ohne geld. vgl. 251 . 330. wind in der neujahrsnacht wehend bedeutet pest. 330331. wer suppe ißt und den löffel auf den tisch legt, der mit dem innern theil oben hin fällt, hat noch nicht satt; er soll noch mehr essen, bis der löffel mit dem äußern theil sich aufwärts kehrt. 330332. wenn man zu tische brot verschneidet, und ungefähr ein stück mehr, als leute da sind, so ist ein hungeriger gast unterweges. 330333. wer etwas an sich trägt mit christnachts gesponnenem zwirn genäht, an dem haftet kein ungeziefer. 330334. man soll nicht mit fingern nach mond oder sternen am himmel weisen, man verletzt den engeln die augen damit. vgl. 937 . 330335. wer einen kreuzvogel im hause hat, ist vor dem einschlagen des wetters sicher. 330336. beim brauen lege man einen strauß großer brennesseln aufs faß, so schadet kein donner dem bier. die donnernessel widersteht dem donner, wird daher zu frischem bier gelegt, daß es sich nicht brechen soll. gründonnerstags kocht man grünen kohl von jungen nesseln . Dav. Frank Meklenburg, 1, 59. 330337. geht eine schwangere über die zeit, so lasse sie ein pferd aus ihrer schürze fressen , dann wird sie leicht gebähren. 330338. wenn ein paar vor dem altar steht, und sich die hände reicht, wessen hand die kälteste ist, stirbt am ersten. 330339. wer weihnachten, neujahr und dreikönigsabend etwas stiehlt , ohne ertappt zu werden, der kann das ganze jahr über sicher stehlen . 330340. freitags nägel an händen und füßen geschnitten hilft wider zahnweh. 341. Martini kann man am brustbein der gans sehen, ob der winter kalt oder nicht wird, nachdem es weiß oder braun aussieht. vgl. oben s.  433 . 342. die bauern sollen ihre mägde, wenn sie das erste gras im jahre bringen, taufen oder mit wasser begießen, so schlafen sie nicht beim grasen. 343. wenn sich starker sturmwind hebt, hat sich gemeinlich einer erhängt . 344. hüner aus gründonnerstags gelegten eiern gebrütet ändern alle jahr ihre farbe. 345. wenn ein kind aus dem haus getragen wird, darf die oberthür nicht zu sein, es wächst sonst nicht größer. 346. thut man auf dem anger gelesene federn in ein bett, so kann kein kind darin ruhen, ists ein ehbett, so laufen die ehleute von einander. 347. beim brauen gesungen , geräth das bier. 348. wer den ankommenden storch grüßt, hat kein zahnweh. 349. betritt man frühmorgens beim ausgang mit dem rechten fuß die thürschwelle , so hat man des tages glück. 350. ein gebrauchtes fußbad soll nicht eher als den andern tag ausgegossen werden, man gießt sonst das glück mit weg. 351. eine unversehens gefundene felge von einem alten rad , wirft man sie in der heiligen dreifaltigkeit namen in die scheune, so schaden die mäuse dem getraide nicht. 446 352. ein von gebettelten pfennigen gemachter silberner ring am finger getragen hilft wider allerlei krankheit. 353. einem kind soll man seinen badewisch nicht oft fortlegen, sonst hat es im alter keine bleibende stätte. 354. vor der trauung soll der bräutigam das bierfaß anzapfen und den zapfen zu sich stecken, sonst können ihm böse leute etwas anthun. 355. charfreitags die kleider an die sonne gehängt, kommt weder motte noch schabe hinein. 356. charfreitags durst gelitten, schadet kein trunk das ganze jahr über. vgl. 913 . 357. beim kirchgang sollen brautleute sich nicht umsehen , es ist nicht gut. 358. beim heimgang sollen sie eine schwarze henne voran zur hausthür einlaufen lassen (zum fenster hinein stecken), alles besorgliche unglück wird auf die henne fallen. 359. wer beim einzug in eine andere stadt oder wohnung unterwegs brot verliert, wird hinfort alle nahrung einbüßen. 360. beim eingang in eine stube soll man in der thür sich nicht umkehren , es ist nicht gut. 361. ein weib, die den schnupfen hat, soll in des mannes schuhe riechen. 362. einen eingestochnen splitter soll man zerkauen, sonst kann er mehr schaden. 363. sieht beim feuerschlag ein anderes zu, so fängt der zunder nicht. 364. springt eine schwangere über die rinne, wodurch eine glocke gegossen wird, so fördert es ihre geburt. 365. seinen feind kann todt beten wer ein ganzes jahr alle morgen und abende den 109. psalm betet; hält er aber einen tag innen, so muß der betende selbst sterben. 366. wer in der christnacht heu stiehlt und dem vieh davon gibt, so gedeiht das vieh, und er wird über weiterm stehlen hernach nicht begriffen. 367. in manchem haus oder stall leidets kein weiß vieh , sondern stirbt oder wird erdrückt. 368. wenn eine leiche im gesicht roth sieht, stirbt ihr jemand aus der freundschaft nach. 369. wo man weihnachten das tischtuch nach der mahlzeit auf die bloße erde ausschüttet unter freiem himmel, da wächst brosamkraut . 370. in den bergzechen soll man nicht sagen ›glück zu‹, sondern ›glück auf‹; es fällt sonst das gebäude ein. 371. wer an einem unsichern ort ist, und einen esel bei sich hat, dem kann der teufel nichts leides thun. 372. wenn man bei zunehmendem mond federn in betten oder bettinnelte steckt, so kriechen sie wieder heraus. 373. wenn man eine weide zum holzbinden in einem stall drehet , darin hüner, gänse, enten brüten, bekommen die jungen krumme hälse. 374. hört man den kukuk zuerst schreien, und ist ohne geld, so hat man das ganze jahr mangel daran. 375. läßt man ein neugeborn kind lange ungetauft liegen, so bekommt es schöne große augen . 376. eine jungfrau, die gern lange haare hätte, lege von ihren haaren mit den hopfenranken in die erde, so wachsen sie lang. 377. es ist nicht gut, ein thier mit der ruthe zu schlagen, mit welcher man ein kind gezüchtigt hat . 378. wer eine schwalbe todt schlägt verursacht vier wochen anhaltenden regen. 379. der erste fall eines kindes schadet ihm nicht. 380. wer frühmorgens zwischen zwei alten weibern geht, hat den tag über kein glück. vgl. 58 . 381. wo die schwalben neue nester bauen, aus dem hause stirbt jemand selbiges jahr. 382. wenn die katzen ihr fressen rein aufessen, wird das korn theuer, wenn sie krumen liegen lassen, schlägt es ab oder bleibt im preis. 447 383. wer die rose bekommt, soll sich von einem gleiches taufnamens mit stahl und stein feuerfunken drauf lassen schlagen, so vergeht sie. 384. wer propfreiser bricht, soll sie nicht lassen zur erde fallen, sonst fallen hernach die früchte des baums vor der zeit ab. 385. ein sporn ohne feuer von einer galgenkette geschmiedet, damit kann man hartmäulige, kollerige pferde bändigen. 386. ein strick , woran ein mensch erwürgt worden, ins taubenhaus gehängt, macht die tauben da bleiben. 387. wer allermannharnisch bei sich trägt kann nicht gewundet werden. 388. es ist nicht gut, besen zu verbrennen. 389. in einer wochenstube lege man an jede thür einen strohhalm aus dem wochenbette, so kann das Jüdel und kein gespenst nicht in die stube. 390. eine braut , die nach der herschaft strebt, verziehe lange, und lasse den bräutigam vor ihr zur kirche gehen. 391. sie erreicht es auch, wenn sie nach der trauung ihren gürtel in die thürschwelle des hauses legen läßt, daß der bräutigam darüberschreitet. 392. von der brautsuppe muß sie essen, sonst bekommt sie beim kindstillen keine milch in die brüste. 393. ehleute sollen ja nicht von einem haushahn essen. 394. wer bier schenkt, lege die erste losung unter den zapfen , bis ausgeschenkt ist. 395. wenn man waizenstroh verbrennt, wird übers jahr der waizen auf dem felde russig. 396. von einem erstgebornen kalb soll nichts gebraten werden, sonst verdorret die kuh. 397. bei einer leiche lasse man keine zähren fallen auf den todten, er kann sonst nicht ruhen . 398. wenn eins das andere anputzt , soll das geputzte nicht danken, sonst steht ihm der putz nicht. 399. in den zwölften soll man die obstbäume keinen spinnrocken sehen lassen, sonst gibts kein obst. 400. eine abziehende magd soll vor dem abschied noch eine suppe machen, und sie essen. 401. wer gras haut, soll, so oft er aufhört, die sense wetzen , und nicht ungewetzt hinlegen, oder mit heim nehmen. 402. wenn jungfern zu tanze gehen, sollen sie zehrwurzelkraut in die schuhe legen und sprechen: ›zehrwurzelkraut, ich zieh dich in meine schuh, ihr junge gesellen lauft alle zu!‹ 403. wenn die sonne nicht scheint, sind alle in der erde begrabenen schätze offen. 404. wer kein glück zum flachs hat, stehle ein wenig lein und menge ihn unter seinen. 405. das erste garn , das ein kind spinnt, lege man in einer mühle aufs mühlrad , so lernt das kind wacker spinnen. 406. trocknende wäsche soll man nicht bis zu sonnenuntergang auf den stangen hängen lassen, sonst beschreit, wer sie anzieht, alles. 407. wer bei gehaltner mahlzeit in die stube tritt, soll mitessen , wäre es nur einen bissen. 408. schreitet eine schwangere über einen strick , mit dem ein mutterpferd angebunden war, die muß zwei monate über die zeit gehen. 409. das erste fleisch, das man einem kinde gibt, soll von einer gebratnen lerche sein. 410. eine kreißende lasse eine reine jungfrau über sich hinschreiten , und die jungfrau in währendem überschreiten ihren gürtel auf die kreißerin fallen, so geniest diese alsobald. 411. wenn die zimmerleute in ein neu haus den ersten nagel einschlagen. und es springt feuer daraus , so brennt das haus wieder weg. vgl. 500 . 707 . 412. wer lein säet, soll auf dem acker, den er besäen will, sich dreimal auf den sack mit dem lein setzen und wieder aufstehen, das ist gut. 448 413. sprühen feuerfunken aus dem angezündeten licht, so kriegt der nach dem sie fliegen, denselben tag geld. 414. man soll sich aus keinem wasser waschen, das von alten wagenrädern gewärmt worden ist. 415. lernt ein kind schwer reden, so soll man ein im backofen zusammen gebacken brot über seinem kopf von einander brechen . 416. mit einem geschelten stecken schlage man weder vieh noch menschen, denn was damit geschlagen wird, muß verdorren. 417. man soll in den zwölften nicht brechen , sonst verderben äpfel und birnen. 418. man soll in den zwölften nicht dreschen , das getraide verdürbe, so weit der schall gehört wird . vgl. 916 . 419. ein hemd mit zwirn, in den zwölften gesponnen , genäht ist zu vielen dingen gut. 420. wer den heil. christabend auf die wintersaat geht, hört was das ganze jahr im dorfe geschieht. 421. am h. christabend soll man das licht nicht erlöschen lassen, es muß sonst eines im hause sterben. 422. es ist nicht gut, wenn ein stul umgekehrt liegt und die beine in die höhe kehrt. 423. wer eine weiberhaube aufsetzt , den schlagen die pferde . 424. beim stubenkehren soll man nicht mit heißem wasser sprengen , es wird sonst zank im haus. 425. einer braut beim kirchgang soll man die schlüssel nachwerfen , so wird sie haushältig. 426. beim heimgang aus der kirche trage man ihr zerschnittene kuchen entgegen, jeder gast nehme ein stück und stoße es der braut auf den leib. 427. wenn der bräutigam die braut heimholt, soll sie unterwegs flachs wegwerfen , so geräth ihr der flachs wol. 428. läßt man kleine kinder auf schwarzen fullen reiten, so bekommen sie bald zähne. 429. man soll im neumond eine andere wohnung beziehen, so nimmt die nahrung zu. 430. wer schwaben hat soll einen hemmschuh stehlen und auf den ofen legen, so gehen sie weg. 430431. einen gestohlnen sandwisch den hühnern ins fressen gethan, so legen sie die eier nicht weg. 430432. in der ernte soll man die letzte garbe groß binden, so wächst nächstes jahr so viel getraide, daß alle garben so groß werden können. 430433. wenn auf der hochzeit die hunde sich beißen, schlagen die ehleute einander. 430434. wen man mit dem aberrück vom rocken schlägt, der kriegt ein aberbein . 430435. sperrt sich der respel am spanlicht , so kommt andern tags ein gast . 430436. hat man zwirn gemacht, soll das zwirnwasser nicht ausgegossen werden, wo leute vorüber gehen, wer drüber geht wird wirbelsüchtig . 430437. wer frühmorgens im aufstehen nieset , soll sich wieder legen und drei stunden liegen bleiben, sonst ist sein weib meister die ganze woche. 430438. wer ein neu messer kauft, soll den ersten damit geschnittenen bissen einem hunde geben, so verliert er das messer nicht. 430439. kann ein todkranker nicht sterben, so soll man den tisch verrücken , oder eine schindel auf dem dach umwenden . vgl. 721 . 430440. wer sich auf eine wasserkanne setzt, dem wird die schwiegermutter gram. 441. wer tauben hat, soll über tisch nicht davon reden, sie fliegen und gewohnen sonst weg. 442. wer verreisen will, und ist der tisch nicht erst abgeräumt , dem wird der weg sauer. 443. sind kinder beschrien und können nicht schlafen, soll man erde von der gemeine nehmen, und über sie streuen. 449 444. man soll durch keinen bodenlosen topf sehen, sonst thut einem der kopf weh. 445. in der brautkammer lasse man das inschlitlicht fein rein ausbrennen , das ist gut. 446. die drei christabende soll man alle brösemlein aufheben: sie sind gut, wenn man sie einem eingibt, dems geteuscht hat . 447. wer ein kleid machen läßt, lasse es niemanden anders anziehen, es steht ihm sonst nicht schön. 448. wenn ihrer zwei auf einem teller essen, werden sie einander feind. 449. wer einen span an beiden enden anzündet, dem können die hexen mit solchem brand schaden thun. 450. kommt in einem haus ein feuer aus, so schleife man den backofen hinaus, dem schlägt die flamme nach. 451. eine kindbetterin, die zur kirche geht, soll neue schuh anlegen, sonst fällt ihr kind gefährlich, wenn es laufen lernt. 452. wer löffel stiehlt, behält im tod das maul offen. 453. wenn man sich ungefähr anspeit , erfährt man neues. 454. brummen die kühe nachts, so spielt das Jüdel mit ihnen. 455. gehn schwangere zur bleiche , bekommen sie weiße kinder. 456. während der trauung soll die braut eine alte blaue schürze unterbinden. 457. wenn man die schuhe verkehrt zu haupten des bettes steckt, drückt der alp nicht des nachts. 458. steckt die wöchnerin nadeln in die vorhänge, so kriegt das kind böse zähne. 459. bindet eine schwangere frau statt des gürtels einen strick um sich, deren kind wird gehängt. 460. eine wöchnerin greife nicht in teig , sonst reißen dem kind die hände auf. 461. gehen auf der hochzeit gläser entzwei , so werden die ehleute nicht reich. 462. werden die kühe frühlings zuerst ausgetrieben, soll man sie durch einen kranz von gundermann melken. 463. wer Walburgis einen kranz von gundermann aufsetzt und damit zu kirchen geht, kann alle hexen erkennen. 464. kühe die gekalbet haben, führen die bauern in Thüringen über dreifach eisen . 465. geht eine schwangere einem armen sünder nach, der abgethan werden soll, oder nur über den weg, den er gegangen, stirbt ihr kind hernach eben dieses todes. 466. wenn man milch aus zweier herren vieh mengt, verseigen dem einen die kühe. 467. für geschenkte milch soll man nicht danken, sonst verseigt die kuh. 468. so oft der hahn christnachts kräht , so theuer wird selbiges jahr ein viertel korn. 469. auf aschermittwoch jagt der teufel das holzweiblein im walde. 470. wer mit essig handelt, soll keinen verborgen, und sollte der borger auch nur eine stecknadel zu pfande geben. 471. gegen hauptweh wasche man sich mit wasser, das von mühlrädern zurückspringt . vgl. 765 . 472. langes gutes wetter kann man durch einmauerung eines hahns zuwege bringen. 473. hat das Jüdel ein kind verbrannt, schmiere man das ofenloch mit speckschwarte. 474. hat ein kind das freisig , decke man ihm einen geerbten fischtiegel über den kopf, und breche seinen mund mit einem erbschlüssel auf. 475. das wasser leidet keinen leichnam . 476. teufelsabbiß untern tisch geworfen, zanken und schlagen sich die gäste. 450 477. wer sein feld volltragend machen will, gehe stillschweigend einen gewissen tag aus, hole von dreierlei erbäckern erde und menge sie unter seinen samen. b. aberglaube im erzgebirge um Chemnitz . (journal von und für Deutschland 1787. 1, 186. 187. 261. 262.) 478. am ersten sonntag ihres aufgebots dürfen verlobte nicht in der kirche zugegen sein. 479. auf eine unfruchtbare frau werfe man ein tischtuch , das zur ersten taufmahlzeit gedient hat. 480. butterbüchsen sind bei tauf- und hochzeitsmahlen immer angeschnitten, sonst bekommen die gegenwärtigen junggesellen, wenn sie freien, körbe. 481. geht die braut in der kirche von ihrem stul zum altar, so rücken die brautjungfern gleich zusammen , damit der platz, wo die braut gesessen, nicht kalt werde: die liebe zwischen ihr und dem bräutigam würde sonst auch erkalten. 482. steht während einer trauung ein grab offen , so kommts darauf an, ob frau, mann oder kind begraben wird. im ersten fall wird der bräutigam witwer, im andern die braut witwe, im dritten erzielen sie kinder, die bald sterben. 483. begegnet einem traupaar ein mädchen , so ist das erste kind eine tochter, begegnet ein junge , so ists ein knabe; begegnen junge und mädchen zugleich, so gibts zwillinge. 484. wird zu einem säugling ein schlüssel gelegt, so kann er nicht ausgewechselt werden. 485. wer von neuen ehleuten zuerst aus dem bette steigt, muß zuerst sterben. 486. das brautbett richten die weiblichen pathen mit zu, alles stroh wird einzeln eingelegt, und gehütet, daß niemand fremdes in die brautkammer komme. aufs bett darf nicht geschlagen, nur sanft gestrichen werden, außerdem bekommt die frau schläge. 487. fällt das kopfkissen aus dem brautbett, so muß der zuerst sterben, der darauf gelegen hat. 488. am hochzeitstage müssen sich brautleute übers kreuz waschen , so können sie nicht beschrien werden. 489. von hochzeitsbrot und semmel muß etwas aufgehoben werden, damit den ehleuten kein brot mangle. solch brot schimmelt nicht und hilft schwangern, die keine eßlust haben, sobald man etwas davon in ihre suppe wirft. 490. herscht beim krankengebet in der kirche völlige stille , so stirbt der kranke; hustet einer oder rauscht etwas, so bleibt er leben. 491. verlangt der kranke, nach empfangnem abendmal, essen, so stirbt er; verlangt er trinken, kommt er auf. 492. gegen zunehmende kröpfe oder warzen hilft, die augen auf den zunehmenden mond zu richten, und dreimal zu sprechen: ›was ich sehe mehre sich, was ich genieße verzehre sich.‹ vgl. 245 . 493. heulende hunde zeigen feuersbrunst oder sterben an. 494. neues gesinde darf den ersten sonntag nicht zur kirche, sonst gewohnt sichs nicht ein. 495. von welchen speisen beim taufmal der pathe nicht ißt , vor denen bekommt das kind einen abscheu. 496. krähenschrei um haus bedeutet leiche, und sollte nur ein vieh sterben. 497. schlägt die glocke unterm leichengeläute , so stirbt aus der gemeine ein mann, jüngling oder kind, nachdem es die große, mittlere oder kleine glocke ist. 451 498. bei abnehmendem mond soll die braut nicht einziehen (vgl. 238 ). wer aber bei regen einzieht, wird reich (vgl. 198 ). 499. wer in eine neue wohnung einzieht, werfe zuvor etwas lebendiges, katze oder hund hinein. denn wer das haus zuerst betritt, stirbt zuerst. 500. wenn zimmerleute zu einem neuen bau holz fällen und beim ersten hieb feuer herausspringt , so brennt das gebäude ab. (vgl. 411 .) 501. beim eintritt ins neue haus, bevor man in die stube gehe, gucke man in den ofentopf , um einzuwohnen. es gilt auch von neuem gesinde (vgl. 95 ), das die herrschaften überdem noch durch ihre beine kriechen lassen. 502. handwerksbursche bei der ersten wanderung dürfen sich nicht umschauen , sonst bekommen sie heimweh und können nirgends bleiben. 503. zum kuhmelken lasse man niemand fremdes in den stall. 504. abends bei licht darf kein waschwasser auf die gasse gegossen werden, sonst ist den andern tag zank im haus. 505. legen kinder die ersten zähne ab, so soll der vater die des töchterchens, die mutter die des söhnchens verschlucken ; so bleiben die kinder zeitlebens frei von zahnweh. c. aberglaube im Saalfeldischen . (journ. von und für D. 1790. p. 26–29. vgl. sächs. provinzialbl. 5, 499–512.) 506. christnachts zwischen XI–XII wachen die ledigen mädchen. um zu erfahren, ob sie das nächste jahr heirathen, ziehen sie sich nackend aus , stecken den kopf in die ofenblase, und beobachten das zischende wasser . 507. fruchtet der versuch nicht, so kehren sie mit einem besen rücklings die stube aus ; dann wird in einer stubenecke der künftige geliebte sitzen. hören sie klatschen, so ists ein fuhrmann, hören sie tuten, ein hirte. 508. andere springen nackend vors haus und rufen den geliebten; andere gehen auf einen kreuzgang, und rufen seinen namen. 509. kindbetterinnen dürfen nie allein gelassen werden, sonst hat der teufel mehr gewalt über sie. 510. sie dürfen nicht eher schlafen , als bis jemand beim kinde wacht . von schlaf überwältigten müttern werden oft wechselbälge in die wiege gelegt. man lege des mannes hosen über die wiege. 511. den prediger fürchten die kinder in vielen dörfern. das ungezogenste kind wird ruhig bei der drohung: ›sitze still, sonst kommt der pfarrer und steckt dich in den glaumigen topf!‹ 512. dem mädchen, das den letzten tag des jahrs seinen rocken nicht abspinnt , wird er von der Bergda verunreinigt. die Bergda ist ein zottiges ungeheuer. 513. die braut verwahrt den brautkranz und ein stück hochzeitbrot . solange sie das hart gewordne stück besitzt, hat sie nie brotmangel. sind sie und ihr mann lebenssatt, so wird es von ihnen in einer suppe genossen . 514. auf dem heimgang von der trauung eilt eine der brautjungfern voraus, langt bier oder brantwein und bietet dem bräutigam ein glas, das er ausleert und rückwärts wegwirft. zerbricht das glas , so ist es gut, sonst nicht. 515. erkrankt einer plötzlich ohne grund, so muß ihm wasser geschöpft werden. eine alte, erfahrne frau , ohne jemanden zu grüßen , schöpft brunnenwasser, wirft drei kohlen hinein, sinken sie , so ist der kranke beschrien, darauf naht sie, und besprengt ihn dreimal mit dem wasser, die worte murmelnd : ›bistu ein weib, falls auf deinen leib! bistu eine maid, falls auf dein haid (haupt)! bistu ein knecht, geschiebt dir eben recht!‹ vgl. 864 . 516. frühjahrs, beim ersten austreiben des viehs, legen sie äxte , beile , sägen und ander eisengeräth vor die stallthür . es kann dann nicht bezaubert werden. 517. auf hohe feste arbeiten die weibsleute nach dem gottesdienst nicht, sonst werden sie lahm und vom blitz erschlagen (die wolken ziehen ihnen nach ). 518. stecken die weiber kraut , so sagen sie: ›dursche wie mein dickes bein, haide wie mein kopf, blätter wie meine schürze, so werde mein kraut!‹ 452 519. der flachs wird so besprochen: ›flachs du sollst nicht eher blüh, bis du mir gehst an die knie, flachs du sollst nicht eher knotte, bis du mir gehst an . . . . . ., flachs du sollst nicht eher gehle, bis du mir gehst an die kehle!‹ Johannisnacht tanzen die mädchen um den flachs , ziehen sich nackt aus , und wälzen sich darin. 520. wenn der drache seinen verehrern eier, butter, käse, speck bringt, rufe man etlichemal den namen des heilands, so läßt er alles fallen. 521. zieht die braut in des mannes hof und treibt der hirt seine schafe in den weg, so muß sie dem hirt ein trinkgeld geben und hat glück. 522. fährt wirbelwind ins grummet, glaubt man, der böse wolle es seinen dienern zuführen. man schreie ihm schimpfworte zu. 523. der hase schneidet oft mit seinen vorderzähnen durch ganze getraidefelder einen weg. man nennt es pilsenschneiden , und wähnt, der teufel schneide das korn seinen guten freunden ab und führe es ihnen zu. 524. alte weiber schneiden oft einen fuß lang rasen aus, den unmittelbar vorher ihr feind betreten hat, und hängen den rasen in den schornstein. dann muß ihr feind abzehren. vgl. 556 . 525. viele essen den letzten tag im jahr knödel (strötzel) und heringe . sonst, behaupten sie, schneide ihnen Perchte den bauch auf, nehme das erst genossene heraus, und nähe dann mit pflugschar statt der nadel, mit röhmkette statt des zwirns den gemachten schnitt zu. 526. die ganze christnacht wird das feuer im ofen erhalten. 527. wer neujahrstag zum bier geht, verjüngt sich und wird roth. 528. traum in der neujahrsnacht trift ein. 529. will das buttern nicht fort, so legen sie feuerstahl oder messer unters faß. 530. beim krautpflanzen beschmutzte hände soll man in einem großen stunz waschen , so bekommt das kraut große häupter. 531. ein mädchen kann durchs krautpflanzen erfahren, ob sie ihren geliebten jemals bekommt oder nicht. sie zwickt ein stück der wurzel eines pflänzchens ab, spaltet den übrigen theil, und steckt die wurzel einer andern hindurch; beide pflanzen werden nun hart an einen stein gesetzt und fest zusammen gedrückt. bekleiben die pflanzen, so kommt die heirat zu stande. 532. macht man ein stück vieh oder sonst etwas einem durch ein gebot feil , so geht es bald drauf zu grunde. 533. beim leinsäen werfe man das tuch , worin der samen lag, hoch in die luft . desto höher wird der flachs. d. aberglaube in und um Worms . (journ. von und für D. 1790. p. 142–144.) 534. prasselndes feuer bedeutet streit. 535. verschüttetes salz desgleichen. 536. gelbe flecken am finger desgleichen. sind sie so groß, daß man sie mit einem finger nicht bedecken kann , so wird der streit von belang. 537. gellt das linke ohr , so wird übels, gellt das rechte , gutes von einem geredet. 538. aus einer wöchnerin haus darf kein feuer , salz noch brot abgegeben werden. 539. wer einen auf der straße gefundnen eggenagel bei sich trägt, kennt alle hexen . vgl. 636 . 540. rothe milch einer behexten kuh muß kochend mit ruthen gepeitscht werden. der schmerz zwingt die hexe sich zu melden und die kuh zu heilen. 541. wer ungewaschen ausgeht kann leicht behext werden. 542. läuten in Walburgisnacht mit geweihten glocken hindert die auf kreuzwegen mit dem teufel tanzenden hexen, jemanden zu schaden. 543. klingt der sarg hohldumpf beim zumachen, so stirbt noch jemand aus dem haus. 453 544. wer große ängsten hat, rühre an die große zehe eines todten , so wird er frei davon. 545. die todten müssen mit dem gesicht gegen morgen gekehrt sein, sonst werden sie von den winseln  (?) erschreckt, die von abend her schwärmen . 546. kämme , messer , tücher , die man bei einem todten braucht, müssen in den sarg gelegt und mit begraben werden. vgl. 700 . 547. hebt eine schwangere ein kind aus der taufe, so muß das ihrige oder das getaufte sterben. 548. wird ein laib brot auf die braune seite gelegt, so können hexen ins haus. 549. fliegt eine gelbfüßige henne über einen gelbsüchtigen, so ist er unheilbar. 550. wer unter ehleuten trennung stiften will, drückt ein hackschloß zu, wenn sie vom priester zusammengegeben werden. 551. kommt dem todten ein kleid oder leinen vor den mund , so muß jemand aus dem geschlecht sterben. 552. ist ein todter im haus, muß man alle weinfässer anklopfen , sonst steht der wein ab. 553. von dreizehn am tisch essenden muß einer sterben. 554. den wirbelwind machen die hexen, wer ein messer mit kreuzen hineinwirft, vermag sie zu erkennen. 555. stößt ein maulwurf im hause auf (vgl. 601 ), zirpt die grille , so muß einer sterben; desgleichen wenn die henne kräht, oder der kauz schreit. 556. wer bei regenwetter stiehlt, und der fußstapfe wird herausgeschnitten und in den schornstein gehängt, so welkt der dieb allmählich, gleich dem fußstapfen. vgl. 524 . 557. kein ausgekämmtes haar werfe man auf die straße, weil man sonst vor zauber nicht sicher ist. vgl. 676 . e. aberglaube bei Gernsbach im Speierschen . (ebendaher 1787. 1, 454–456.) 558. braut und bräutigam beim kirchgang sollen die dachtraufe meiden, auch nicht umschauen . 559. unter der trauung dicht zusammenstehn , sonst schleichen sich hexen dazwischen ein. 560. welcher theil während der trauung die hand oben hat, bekommt in der ehe die meisterschaft. 561. eine schwangere, die wäsche hält, kehre sogleich die gebrauchten gefäße um , so hat sie leichte niederkunft. 562. wenn die gevattern am tage, wo sie das kind heben, frische hemder anziehen, kann keine hexe dem kind beikommen. 563. wird nachts an die wochenstube geklopft, mache man nie auf, ohne dreimal gefragt zu haben, wer da sei? und bevor man dreimal antwort erhalten hat. keine hexe antwortet dreimal . 564. beim wickeln des kindes ein wenig brot und salz mit einzuwindeln. 565. ins wochenbett oder wiege einen degen oder ein messer so zu stecken, daß die spitze vorragt; will die unholde über die frau oder das kind her, so fällt sie hinein. 566. wenn bei der wäsche ein ander weib lauge holt und dafür dankt , so ist es eine hexe. 567. ein weib, das mittwochs butter plumpt , ist eine hexe. 568. morgens beim ausgehn soll man auf den gruß ›guten morgen‹ nicht antworten › ich danke ‹, sondern auch ›guten morgen!‹ sollte unter den grüßenden eine hexe sein, so wird sie dadurch unschädlich gemacht. 569. sterben kurz hinter einander viel hüner, enten, schweine u. s. w., so mache man feuer im backofen und werfe von der gattung thiere eins hinein. die hexe muß dann mit verderben. vgl. 645 . 454 570. einer ins haus tretenden hexe gebe man ein stück brot , worauf drei korn salz gestreut sind, so kann sie nichts schaden. 571. das tischtuch soll man nie mit der umgekehrten seite auflegen; sonst wird man nie satt. 572. man lasse es nie über nacht auf dem tisch liegen, sonst ist man nicht in der engel schutz. 573. mit dem docht aus der lampe, die in eines sterbenden zimmer brannte, bestreiche man kröpfe , so heilen sie. 574. versprich keinem kinde etwas, ohne es zu halten , sonst wird es hart fallen. 575. will eine frau ihre henne brüten setzen, und läßt die strümpfe lottern , die haare fliegen und hat ihren schlechtesten rock an ; so bekommt sie lauter küchlein mit köbeln auf den köpfen und geflederten füßen. vgl. 19 . 576. stirbt jemand im hause, soll man die bienenkörbe rücken , essig und wein rütteln , sonst stehen bienen, essig und wein ab. vgl. 664 . 698 . 898 . 577. gekauftes geflügel führe man dreimal um den tischfuß , schneide von jedem tischeck ein stückchen und gebe es dem thier zu fressen, so bleibt es. vgl. 615 . 578. ein zum erstenmal auszutreibendes schwein lasse man über ein stück der schürze springen, so wirds gern heimkommen. vgl. 615 . 579. welches mädchen in der Andreasnacht blei im löffel schmilzt, und es durch einen schlüssel , in dessen bart ein kreuz, in wasser gießt , das nachts zwischen XI und XII geholt worden ist, so bildet sich das handwerkszeug ihres künftigen bräutigams. 580. keinem kind, eh es einjährig , kleider anzumessen, sonst bekommts unförmlichen leib. 581. ein mauskopf , mit zähnen abgebissen oder mit gold abgeschnitten, einem kinde umgehängt hilft ihm zahnen. 582. dies geschieht auch, wenn man einem kinde, wo es zuerst in ein haus kommt, ein ei schenkt ; nach andern wird es dadurch plauderhaft. f. aberglaube zu Pforzheim . (ebendaher 1787. 2, 341–345.) 583. ein siebenjähriger hahn legt ein kleines ei, das muß man übers dach werfen, sonst schlägt das wetter ins haus; gebrütet gibt es einen basilisk . 584. wer schnupfen hat, trinke durch eine dreizinkige gabel ein glas wasser. 585. wer christtag morgens nüchtern ein ungesotten ei ißt, kann sehr schwer tragen. 586. wer charfreitag linsen ißt, dem geht das jahr über sein geld nicht aus. 587. brütet der storch ein ei nicht aus, so stirbt jemand von den höchsten im lande. 588. weiße geister , solche die vor dem tode geld vergraben haben, müssen zwischen himmel und erde schweben. 589. bei sonnenfinsternis decke man alle brunnen, das wasser wird sonst giftig. 590. stellt man in der neujahrsnacht zwischen XI und XII ein glas wein irgend wohin, und es lauft über , so geräth selbiges jahr der wein. 591. beim ausgehen setze man den rechten fuß zuerst vor die thür. 592. eidechsen waren sonst jungfern. 593. auf hünerfedern kann kein kind ruhig sterben. 594. am unschuldigen kindertag spannen viele bauern keine ochsen an, es geschieht unglück. 595. wer über eine brücke geht, soll ein V. U. beten, auch, wenn sich die sterne schneuzen . 596. legt man ein messer die schneide aufwärts , so schneidet man dem lieben herrgott oder den engeln das gesicht. 455 597. trägt man einen rechen, daß die zähne aufwärts stehn, oder reckt man einen finger in die höhe , so sticht man dem lieben gott die augen aus. auch vergeht der regenboge davon. 598. wo der regenboge auf der erde steht, da findet sich ein golden schüsselchen . 599. dem todtengräber rumpelt die haue , wenn er ein grab zu machen bekommt. 600. grillen , hunde und wegvögel zeigen durch ihr geschrei den tod an. 601. wirft ein maulwurf in der stube, so stirbt die großmutter . vgl. 555 . 602. geräth die schloßuhr in unordnung, so stirbt jemand aus dem fürstengeschlecht. 603. schlagen uhren zum betglockengeläute, so stirbt jemand. 604. wer hintersich lauft macht dem teufel das bett. vgl. 659 . 605. wer eine übelthat begeht, die vor dem tod nicht an tag kommt, muß nach dem tod mit dem kopf unterm arm umgehn . 606. wer geld vergräbt muß nach dem tod so lange umgehen , bis es gefunden wird. 607. wer nicht betet, dem holen die schwaben (schwarze würmer) das mehl aus dem kasten. 608. die schwaben vertreibt man dadurch, daß man einige in einer schachtel einem todten mitgibt. 609. schwalbennester und grillen bringen segen ins haus. 610. dem schreiner darf man für den sarg nichts abbrechen , wenn der todte ruhen soll. 611. ruft man dem feurigen mann: › Steuble, Steuble mach dich leicht, auf daß du bald bei mir seist!‹ so kommt der irwisch , und man muß ihn hockeln. betet man, so naht er, flucht man, so flieht er. 612. wer einen schatz findet decke kein kleidungsstück darauf, das am bloßen leib getragen wird, sonst ist er des todes; sondern ein schnupftuch, eine brotrinde. alle sieben jahre tritt der schatz hervor. 613. mittwoch und freitag sind verworfne hexentage. wer ferkel mittwochs zuerst austreibt, dem kehren sie nicht heim, und besucht ein kind mittwoch zuerst die schule, so lernt es nichts. kein paar läßt sich mittwochs trauen, keine magd wechselt mittwochs ihren dienst. 614. jeder hat seinen stern. sterne sind augen der menschen . [altn.] 615. läßt man schweine, wenn sie die thürschwelle zuerst beschreiten, über der frauen strumpfband springen, über des mannes gürtel , oder der magd schürze , so kommen sie ordentlich nach haus. vgl. 578 . 616. ein gekauft huhn wird dreimal um den tisch gejagt, ihm holz von drei tischecken unterm brot gegeben, so bleibts daheim. vgl. 577 . 617. verliert man ein huhn, binde man oben in der stube in ein tischtucheck einen halben kreuzer, und lasse das eck zum fenster hinaushängen , so kehrt das huhn zurück. 618. wer unter einer deichsel herschlüpft oder einen über sich schreiten läßt, wächst nicht mehr. vgl. 45 . 619. schlüpft man der kuh zwischen den vorderfüßen durch, verliert sie kein horn. 620. ferkel in wasser, worin ein gemetzeltes schwein gebrüt wurde, gebadet wachsen treflich. 621. wer auf einen baum sieht, auf dem eine weibsperson sitzt, wird blind. 622. soll ein nußbaum recht fruchtbar werden, muß eine schwangere frau das erstemal seine nüsse abthun. 623. hat jemand gichte , der gehe freitags um betglockenzeit aufs freie feld. 624. regenwasser macht die kinder bald reden. 625. lacht man, daß einem die augen übergehen, so gibts zank. 626. wer einen bund mit dem teufel hat und ihn darum betriegen will, soll sich sieben jahre nicht waschen und nicht kämmen , oder er verlange, der teufel soll ein bäumchen wachsen lassen, das kann er nicht, so ist man ihn los. 456 627. die dorndreher (eine art vögel) tragen dornen zu unsers herrgotts krone. 628. die schwalben trauern für den lieben herrgott. 629. man soll kein rothkehlchennest ausheben, sonst gibt die kuh rothe milch , oder das wetter schlägt ins haus . 630. einen ausgerißnen zahn soll man in einen jungen baum schlagen , und die rinde darüber ziehen. wird der baum umgehauen, so kehrt das zahnweh wieder. Nimmt man aus einer weide einen spreißen , und gräbt solange in den schmerzhaften zahn, bis es blut gibt und dann den spreißen wieder an seinen ort thut und die rinde darüber zieht, verliert sich das zahnweh. 631. einen ausgefallnen zahn soll man in ein mäuseloch thun, und sprechen: ›maus, da hast du einen hölzernen zahn, gib mir einen beinernen dran!‹ [Rääf 130.] 632. einer sterbenden kindbetterin muß man scheere und nadelbüchse (knaul, faden, nadel und fingerhut) mitgeben, sonst kommt sie und holts. 633. stirbt ein kind, so besucht es nach dem tode wen es am liebsten hatte. 634. wer sonntags geboren ist sieht geister und muß sie hutzeln (hockeln). 635. drei taubenfedern aus dem linken flügel nagele man an im schlag, schwinge die hineingelaßnen tauben dreimal um den schenkel , und lasse sie keinen freitag zuerst ausfliegen. 636. wer einen sonntags gefundnen eggenzahn zu sich steckt, sieht die hexen in der kirche mit kübeln auf dem kopf , muß aber vor V. U. läuten aus der kirche, sonst zerreißen sie ihn. (vgl. 539 . 685 . 783 .) 637. ein in der wiege liegendes kind, das einen nicht ansieht , ist eine hexe . 638. nimmt man nachts ein bekreuztes messer zu sich, so kann keine hexe heran; kommt sie und man wirft das messer hin , so muß sie stehn bleiben bis an den lichten morgen. 639. wenn das älteste kind im haus das kalb anbindet, kann keine hexe zu. 640. ist ein ganz schwarzer bock im stall, so kann die hexe nicht hinein. auch, wenn die kuh weiße füße und weißen strich auf dem rücken hat. 641. welches thier einen schwarzen rachen hat, dem können die leute nichts anhaben. 642. hat man nachts furcht vor einer hexe, kehre man nur den linken schuh um. 643. begegnet man zweideutigen katzen , halte man den daumen gegen sie. 644. macht man einen drudenfuß an die thür, so müssen die hexen fern bleiben. 645. hat eine was verhext, und man verbrennt es, so kommt sie sicher, und will etwas entlehnen ; gibt mans ihr, so ist sie frei, versagt mans, so muß sie mit verbrennen. (vgl. 569 . 692 .) 646. ist das vieh verhext, so gehe man mitternachts in den stall: auf des viehs rücken wird ein strohhalm liegen, den stecke man in einen sack, rufe die nachbarn herbei, und zerdresche den sack , der sack lauft auf und die hexe schreit. (vgl. 692 .) 647. die hexen bekommen geld auf den kreuzwegen , wo es der teufel ausstreut. 648. sie können regen, donner und wind machen, der das tuch auf der bleiche , das heu auf der wiese , in die luft treibt. 649. sie salben einen stock mit den worten: ›fahr hin, nicht zu hoch und nicht zu nieder!‹ 650. wenn eine hexe aufgefahren ist (in exstase), kehre man ihren leib um, so kann sie nicht mehr einfahren. 651. unter behextes wasser , das nicht sieden will, lege man nur dreierlei holz . 652. ist ein kind beschrien, hole sein vater drei strohhalme auf verschiednen misstätten unbeschrien, und lege sie ihm unters kopfkissen. 457 g. aberglaube aus dem Würtembergischen . (ebend. 1788. 2, 183. 184.) 653. man gebe keine milch aus dem hause, ohne einen tropfen wasser damit zu vermischen. 654. am tage, wo ein weib niederkommt , oder ein pferd verschnitten wird, darf nichts aus dem haus geliehen werden, sonst wird weib oder pferd behext. 655. wer im bett die füße gegen das fenster kehrt, bekommt die auszehrung. 656. ein hemd , von einem fünf bis siebenjährigen mädchen gesponnen , macht fest und sicher gegen zauber. 657. wer von einem gespenst verführt wird, wechsle alsbald die schuhe , und setze den hut anders , so kommt er wieder in den rechten weg. 658. wenn man freitag und mittwochs nacht von hexen redet, so hören sies und rächen sich. 659. wer hinter sich lauft, lauft dem teufel in die arme. (vgl. 604 .) 660. ungetauft sterbende kinder kommen unters wütende heer . 661. kniet vor dem altar die braut auf des bräutigams mantel , so bekommt sie die oberherrschaft . auch muß sie sich vor ihm ins bett legen und sich von ihm ein glas wasser reichen lassen, dann wird sie sicher meister. 662. wer unter den brautleuten zuerst vom brautaltar aufsteht , stirbt zuerst. 663. stehn sie so weit vor dem altar von einander, daß man zwischen ihnen durchsieht , so gibts zwist in der ehe. 664. will ein kranker sterben, so öfne man die fenster , und stopfe alles, was hohl im hause ist, und kehre es um, damit die seele freie ausfahrt habe und sich nirgend aufhalte. auch soll man den essig rücken , daß er nicht umstehe, den vogelkäfich anders hängen, das vieh anders anbinden, die bienenkörbe verstellen. (vgl. 576 . 698 .) 665. man achte, daß der todte auf der bahre keinen zipfel des sterbekleids in den mund bekomme. 666. wer den daumen einschlägt kann nicht von hunden gebissen werden. 667. das butterfaß auf eine handzwehl gestellt, und einen haarkamm darunter gelegt, giebt viel und reiche butter. 668. wer frühlings den kukuk zuerst schreien hört, und unbeschrien in seinem gelde rüttelt , dem geht das geld niemals aus. 669. die markung, wo ein selbstmörder begraben liegt, wird drei jahr nacheinander vom wetter getroffen . 670. ein bauer, der zum andern das erstemal in den stall tritt und nicht sagt: glück herein! ist ein hexenmeister. 671. wer mit rechtem fuß zuerst in die gerichtsstube tritt, gewinnt. h. aberglaube in Schwaben . (ebend. 1790. 1, 441.) 672. die erste arznei soll die wöchnerin aus des mannes löffel einnehmen, es gedeiht besser. 673. in den kindeswehen soll die kreißende des mannes pantoffel anziehen. 674. man stelle ihr, ohne daß sies weiß, wasser unters bett. 675. ein kind unter drei jahren, schiebt man es zu einem guckfenster ein, so wächst es nicht mehr. 676. abgeschnittne haare sind zu verbrennen, oder in laufend wasser zu werfen. trägt sie ein vogel weg, so fallen dem menschen die haare aus. (vgl. 557 .) 677. wenn ein redenlernendes kind zuerst vater spricht, bekommt die mutter das nächstemal einen knaben; wenn mutter, eine tochter. 458 678. aus gesprungnem glas soll kein mann trinken, sonst bekommt seine frau lauter mädchen, keine knaben. 679. eine gekaufte katze muß man so ins haus tragen, daß sie den kopf gegen die straße , und nicht gegen das haus hält. sonst bleibt sie nicht. i. aberglaube im Ansbachischen . (ebend. 1786. 1, 180. 181.) 680. wer samstag abends spinnt spukt nach seinem tod. 681. wenn die wäsche eines verstorbenen nicht bald gewaschen wird, kann er nicht ruhen . 682. wer fastnachts hirsbrei ißt, dem geht nie geld aus. 683. wenn fastnachts gesponnen wird, misräth der flachs. man versteckt zu der zeit die spinnräder. 684. wenn der bauer fastnachts strohbänder bindet, und nur ein einziges zu einer garbe unter einem ganzen schober getraide nimmt, so kann keine maus schaden. 685. wer drei getraidkörner in gebacknem brot gefunden bei sich trägt, sieht Walburgistag alle hexen und druten mit melkkübeln auf den köpfen in der kirche. vgl. 636 . 783 . 686. in den zwölfnächten darf weder bauer noch knecht frischgeschmierte schuhe in den stall bringen, sonst wird das vieh behext. 687. wer in dieser zeit erbsen kocht oder ißt, bekommt ungeziefer oder aussatz. 688. eine schwangere darf durch keine waschhänge oder sonst was verstricktes gehn, ihr kind im mutterleib verschlingt sich so oft, als sie durch die stricke geschlüpft ist. 689. hat ein kind zuckungen, lege man eines pferdes hufeisen unter sein kopfkissen. 690. trägt der pathe ein krankes kind dreimal stubauf stubnieder , so bessert sichs. 691. fohlt ein mutterpferd zur unrechten stunde, so muß es über eine pfluggabel geschritten sein. man schlage sie entzwei, so kann es niederkommen. 692. ist einer mit ungeziefer behext, so wickele er drei stück in ein papier und schlage mit dem hammer darauf. die hexe empfindet jeden schlag und wird kommen etwas zu leihen. gibt mans ihr nicht, so wird sie nicht frei und unterliegt endlich den streichen. vgl. 645 . 646 . 693. man verbrenne nie einen besen , so ist man vor rothlauf sicher. 694. sind die christbaumlichter entzündet, so betrachte man den schatten der leute an der wand: die im folgenden jahr sterben, erscheinen ohne kopf . 695. wer die drei ersten kornblüten , die er ansichtig wird, durch den mund zieht und ißt, bleibt das jahr über frei von fieber. vgl. 784 . 696. wer palmbeselein (knöpfe der salweide) über gesicht streicht, bekommt keine sommerflecken. 697. desgleichen, wer charfreitags unterm schiedungsläuten sein gesicht wäscht. 698. vogelkäfiche , blumenscherben und bienenstöcke eines verstorbenen müßen anders gehangen und gestellt; auch auf seine weinfässer muß dreimal geklopft werden. vgl. 552 . 576 . 664 . 699. die ruhe des todten befördert, wenn jeder der ums grab stehenden drei erdschollen hinein wirft. 700. kamm und messer , womit ein todter gekämmt und geschoren ist, muß mit in den sarg gelegt werden; sonst fallen denen, die sich ihrer bedienen, die haare aus. vgl. 546 . 701. läßt einer vom vorgesetzten brote etwas liegen, so muß es wenigstens eingeschoben werden, sonst bekommt er zahnweh. 702. einer schwangeren darf man das brot nicht mit messer oder gabel anspießen, sonst werden dem kind die augen ausgestochen. 459 703. ins haus wo auf himmelfahrt genäht , oder auch nur eine nadel eingefädelt wird, schlägt das gewitter . vgl. 772 . 704. wo ein rothschwänzchen nistet, schlägt das wetter ein , aber ein schwalbennest bringt glück. vgl. 629 . 705. bringen kinder das weiblein eines schröters mit nach haus, muß es augenblicklich weggeschafft werden, weil sonst das wetter einschlagen würde. 706. charfreitag und samstag darauf getraut man sich nicht in der erde zu arbeiten, um Christum nicht im grab zu beunruhigen. 707. gibt der letzte nagel, den der zimmermann ins haus schlägt, feuer, so brennt es ab (vgl. 411 . 500 ) und zerbricht das glas , welches er nach dem spruch vom giebel wirft , so stirbt bald der bauherr; bleibt es ganz, lebt er lange. 708. wer mit einem hemd am leibe, wozu ein fünfjähriges mädchen das garn gesponnen, vor gericht erscheint, bekommt in allen händeln recht. 709. einem todten legt man wasen oder ein brettchen unters kinn, daß er nicht den sterbkittel mit den zähnen erhaschen und seine verwandten nach sich ziehen könne. 710. einem mädchen kann der rothlauf damit vertrieben werden, daß ein reiner jüngling zu wiederholten malen feuer darauf schlägt . 711. tritt man am ostertag nicht barfuß auf den stubenboden, so ist man vor fieber sicher. 712. ißt man charfreitags nüchtern ein ei, das gründonnerstags gelegt worden, so hebt man selbiges jahr sich keinen leibesschaden . 713. drei brodkrumen , drei salzkörner , drei kohlen bei sich getragen schützt wider zauber. 714. schnürt die frau, wenn sie aus dem wochenbett geht, eine brodrinde ein und macht daraus dem kind einen zuller oder schlotzer , so bleibt es frei von zahnweh. 715. schnallt der bräutigam der braut am hochzeitstag den linken schuh ein, so bekommt sie die herschaft. 716. bindet er ihr die strümpfbänder , so gebiert sie leicht. 717. wer von den brautleuten zuerst einschläft , stirbt zuerst. 718. ißt man die drei ersten , ansichtig gewordnen, schlehenblüten , brennt einen das ganze jahr der sod nicht. 719. sommersprossen zu vertreiben, nehme man die ersten jungen gänse unbeschrien, streiche sie über das gesicht, und lasse sie hinterwärts laufen. 720. kehrt man den brotlaib in der schublade um, so kann die drude nicht aus der stube. 721. kann einer nicht sterben, so darf man nur drei ziegel im dach aufheben. vgl. 438 . 722. hat ein kind das gefrais , so schwindet es, wenn man ein schwalbennest unter sein kopfkissen legt. 723. wer auf geerbten betten liegt, kann nicht sterben. k. aberglaube im lande ob der Ens . (ebend. 1787. 1, 469–472.) 724. eine schwangere soll in kein unreines wasser langen, sonst bekommen die kinder grobe hände. 725. mit ihrem vortuch nichts abwischen , sonst werden sie ungestüm. 726. keinen blumenstrauß vortragen, sonst bekommen sie stinkenden athem und keinen geruch. 727. gelüstet ihr nach einem fisch , so stirbt das kind bald, oder die entbindung erfolgt vor der zeit. 728. stiehlt sie nur eine kleinigkeit, bekommt das kind unwiderstehlichen hang zum stehlen. 729. steigt sie über eine deichsel , so verfällt das kind dem scharfrichter; träumt sie von todten fischen , so stirbt das kind. 460 730. treten weibsleute ein, während sie im kindsstul arbeitet, so müssen sie schnell ihre vortücher lösen und der kreißenden umbinden, sonst werden sie selbst unfruchtbar. 731. unter den rauch menge man einige spreißel von dem besen , womit das zimmer gekehrt wird. 732. ist das kind zur welt, so muß die gebährerin dreimal in ein zwiebelhaupt beißen , dreimal im kindsstul aufgehoben und niedergesetzt werden, die daumen einziehen, und dreimal in jede faust blasen. 733. in den sechswochen darf die frau nicht spinnen , weil U. L. F. auch nicht gesponnen. sonst wird aus dem garn ein strick fürs kind. 734. wird das kind, gleich nachdem es aus mutter leib kommt, in einen pelz gewickelt, kriegt es krause haare . 735. legt man in sein erstes bad drei pfennige, so hat es immer geld, eine schreibfeder, so lernt es leicht, einen rosenkranz, so wird es fromm, ein ei, so bekommts klare stimme. die drei pfennige und das ei müssen aber dem ersten bettler gegeben werden. 736. die milch der zuerst kalbenden kuh muß in einen ganz neuen topf gemolken werden; auch hier legt man drei pfennige ein, und schenkt sie samt milch und topf dem ersten bettler. 737. je kleiner das krügel , womit das badwasser einem mädchen in die wanne geschöpft wird, desto kleinere brüste wird es bekommen. 738. das badwasser ist unter einen grünen baum zu gießen. so bleiben die kinder stets frisch. 739. den dritten tag nach der geburt muß der pathe dem kind das weinen abkaufen (ihm ein stück geld in die windel stecken), damit es ruhe erhält. 740. schreit das kind dennoch, so bette man drei schlüssel in die wiege. 741. will oder kann das kind nicht essen, so gebe man den vögeln in der luft , oder dem schwarzen hund ein klein tractament. 742. schläft das kind sommers unterm gewitter , so schlägt der donner nicht ein. 743. das tischtuch , worauf gegessen worden, räuchere man mit abgefallnen brosamen , und wickele das kind hinein. 744. so oft die mutter aus der wochenstube geht, lege sie etwas von des vaters kleidern auf das kind, so kann es nicht ausgewechselt werden. 745. das vorsegnen darf weder mittwoch noch freitag geschehn, sonst fällt das kind dereinst in die hände des scharfrichters. 746. vor dem ausgang zur vorsegnung steige die mutter über den kehrbesen . 747. die kerze , womit die kindbetterin vorgesegnet wird, zündet daran zuerst ein mannsbild an, so ist ihr nächstes kind ein knabe, zündet ein weibsbild an, ein mädchen. 748. nachhausegehend kaufe sie brot und lege es in die wiege, so hat das kind lebenslang brot . 749. bevor sie dem kinde trinken gibt, muß sie die brüste dreimal abwischen . 750. wird das kind zuerst ausgetragen, muß ihm ein kleidungsstück auf der obigen (umgewandten) seite angezogen werden. 751. wer den ersten zahn des kindes sieht, gebe ihm auf der stelle eine ohrfeige , so zahnt es hernach leicht. l. aberglaube zu Osterode am harz . (das. 1788. 2, 425–431.) 752. frühjahrs beim ersten austreiben auf die weide soll man beil und feuerstahl , in blaue schürze gewunden inwendig vor die stallschwelle legen, und die kühe darüber schreiten lassen. 753. abends vorher, beim füttern, drei häufchen salz , so viel man mit den fingern halten kann, ihnen zwischen die hörner streuen, und rücklings aus dem stall gehen; so haben böse augen dem vieh nichts an. 461 754. wascht das mädchen ungewaschen die kuh, so rahmt die milch nicht. 755. soll eine kuh nicht mehr als einmal mit dem ochsen laufen, muß ein lebendiger blinder hund inwendig vor die stallthür eingegraben werden. 756. wird die kuh vor dem haus einer hexe hergetrieben, spucke der treiber dreimal aus. 757. zuchtvieh, das im abnehmenden mond jung oder entwöhnt wird, taugt nichts. 758. werden schwalbennester am hause zerstört, geben die kühe blut. 759. kommt die hexe zum buttern, und kann die bänder am butterfaß zählen , so geräth die butter nicht. 760. drei salzkörner ins milchmaß bewahren die milch vor hexen. 761. hüner die gut legen sollen, füttere man neujahr in der mittagsstunde mit allerlei früchten unter einander. 762. man lege einer bruthenne die eier unter, gerade wenn die schweine einkommen , und laufe so geschwind, wenn man sie ins nest trägt, wie die schweine laufen; so kommen die eier geschwind hintereinander aus. 763. wer den trauring zuerst verliert , stirbt zuerst. 764. trauungen müssen im vollmond geschehen , sonst hat die ehe keinen segen. 765. das erste warmbier für die wöchnerin darf niemand kosten, es muß mit den fingern versucht werden, sonst bekommt sie leibreißen. 766. gegen den ansprang (eine art röthe) des kindes hole man ein stück holz aus dem mühlrad , zünde es an und räuchere damit die windeln; das kind wasche man mit wasser, das vom mühlrad abspringt . vgl. 471 . was vom holz übrig bleibt, ist in fließend wasser zu werfen. 767. in der baumblüte kein kind zu entwöhnen, sonst bekommt es graue haare. 768. zu einem ungetauften kind soll kein fremder eingehen; wäre er nicht dicht (geheuer), so vergienge der mutter die milch. 769. bekommt das kind kinderscheuerchen , wenns ein knabe ist, muß ihm die goth, wenn ein mädchen, die pathe das hemd auf der brust entzwei reißen . 770. einem entwöhnt werdenden kinde muß man dreimal geben: eine semmel zum essen, einen pfenning zum verlieren, und einen schlüssel . 771. montag soll man nichts ausleihen, beim kauf nichts schuldig bleiben, auch keinen strumpf links anthun. 772. woran am himmelfahrtstag gearbeitet wird, danach trachtet ein gewitter . vgl. 703 . 773. wirft man Matthiastag einen schuh überkopf, steht die spitze zum haus hinaus, so muß man das jahr sterben, oder ausziehen. 774. Matthiastag lege man so viel leuchterpfennige (hohle blechmünzen) als leute im haus sind, auf einen stillstehenden eimer voll wasser : der dessen pfennig untersinkt stirbt im jahr. 775. wasser, am ersten ostermorgen vor sonnenaufgang , stromabwärts und stillschweigend geschöpft, verdirbt nicht, und ist für alles gut. 776. am selben tag vor sonnenaufgang gebadet hilft wider grind und andre gebrechen. 777. eine dienstmagd soll gleich beim eintritt ins haus nachsehen, ob feuer im ofen ist und es schüren , so bleibt sie lange im dienst. 778. beim hausbau soll der hausherr den ersten schlag mit der zimmeraxt aufs bauholz thun, fliegen funken heraus , so brennt das haus ab. 779. ist ein bett so gestellt, daß die füße des darin schlafenden zum haus hinaus stehen , so muß er sterben. 780. behextes geld wird unterm zählen immer weniger; man streue salz und dill zwischen und lege ein kreuzzweipfennigstück hinzu, so bleibt es richtig. 781. heckethaler mehren das geld unterm zählen, und kehren ausgegeben immer wieder zurück. 782. eine wöchnerin darf nicht aus dem fenster schauen, sonst nimmt jedes vorbeigehende fuhrwerk ein glück mit. 462 783. wer ein gründonnerstag gelegtes ei wohl verwahrt bei sich trägt, kann alle hexen mit kübeln auf dem kopf sehen. vgl. 636 . 685 . 784. wer das erste korn blühen sieht, ziehe es dreimal durch den mund und sage: ›gott behüte mich vor fieber und gelbsucht‹, so bleibt er frei davon. vgl. 695 . 785. drei knöpfe in einen faden geknüpft und in einen sarg gelegt, macht von warzen frei. 786. gebiert eine frau sieben söhne hinter einander , so kann der siebente durch einen schlag mit seiner hand allerlei schaden heilen. m. aberglaube zu Bielefeld . (ebend. 1790. 2, 389. 390. 462. 463.) 787. tritt eine alte , mit triefenden augen , ins haus, redet ein kind an und liebkoset, so behext sie es; ebenso wenn sie vieh anrührt und bewundert. 788. geht jemand, einen fuß bloß , den andern beschuht , die straße einher, so erkrankt alles vieh, das dieses weges kommt. 789. setzt sich eine eule aufs haus, schreiend und hernach überfliegend, so muß jemand sterben. 790. wickeweiber zeigen den dieb an, und zeichnen ihn an seinem leib. 791. alte frauen frühmorgens zuerst begegnend bedeuten unglück, junge leute glück. 792. weihnachten zwischen XI und XII wird das wasser wein , und das vieh steht auf ; wer es aber untersuchen will erblindet , ertaubt oder ist ein kind des todes. 793. heilformeln soll man andern nur insgeheim, ohne zeugen mittheilen, frauen bloß männern , männer bloß frauen . 794. mit dieser formel büßt man die rose : › hillig ding wike, wike un verslike, brenne nich un stik nich!‹ n. vermischte samlung . 795. zerreißt ein weib die hochzeitsschuh , so wird sie vom mann geschlagen. 796. wer erbsen und bohnen ißt, darf selbe woche keine säen, sonst misrathen sie. 797. geht eine kindbetterin ohne neue schuhe , so muß das kind, wann es laufen lernt, gefährlich fallen. 798. wer einen leibsschaden hat, wasche ihn während man zu grabe läutet , mit frischem bachwasser. 799. wer ein messer kauft, gebe den ersten damit geschnittnen bissen dem hunde zu fressen, so verliert er das messer nie. 800. eier der henne freitags untergelegt gedeihen nicht, die ausschliefenden küchlein frißt der vogel. 801. wer im spiel dem mond den rücken kehrt, verliert. 802. wenn dir das rechte ohr singt, sagt man etwas wahres, wenn das linke , eine lüge von dir; beiß in den obern haft deines hemdes, so wächst dem lügner eine blase auf der zunge. 803. ißt eine magd gesotten milch oder brei aus der pfanne , so regnets bald; und sie bekommt einen mann sauer wie sauerkraut. 804. heilwag heißt das wasser, das man weihnachten, solange die glocke XII schlägt, sammelt: ist gut wider nabelweh. 805. wegebreit unter die füße gelegt schützt vor ermüden. 806. wer ein wolfsherz bei sich trägt, den frißt der wolf nicht. 807. wer die weiße schlangenkrone findet, gelangt zu schätzen. 808. wer durch ein todtenbret schaut, kann die hexen sehn. 809. einer jungfrau huld zu erwerben, schreib deinen und ihren namen auf jungfernpergament , wind es in jungfernwachs , und hänge es an deinen leib. 463 810. wer eines montags drei stunden nach sonnenaufgang zur zeit der sommernachtgleiche geboren wird, kann mit geistern umgehen. 811. wider die flechte hilft frühmorgens, eh man mit jemand gesprochen, zu singen: ›de flockasch un de flechte , de flogen wol över dat wilde meer; de flockasch kam wedder, de flechte nimmermer.‹ 812. an die wiege muß ein drutenfuß gemahlt sein, sonst kommt der schlenz , und saugt die kinder aus. 813. ostern tanzt die sonne am himmel vor ihrem untergang, und thut drei freudensprünge . das volk geht haufenweise vor die thore, das mit anzusehn. (Rollenhagens ind. reise. Altstettin 1614. p. 153.) 814. ißt man in den zwölften hülsenfrüchte , so erkrankt man, ißt man fleisch , so fällt das beste vieh im stall. 815. ein todtenkopf im pferdestall vergraben gibt den pferden gedeihen. 816. hat man schafe gekauft und eingetrieben, so mache man mit einem grauen feldstein drei kreuze auf die offenstehende thür, daß sie es sehn können. 817. eine frau, die über die hälfte ihrer schwangerschaft ist, bleibt sie vor einem eßschranke stehn, so wird das kind gefräßig. (vgl. 42 .) hilfe dagegen ist, das kind hernach entw. in den schrank selbst oder in einen winkel zu setzen und, es mag schreien wie es wolle, solange da sitzen zu lassen, bis die frau neunerlei arbeit verrichtet. 818. will ein kind nicht gehen lernen, lasse man es drei freitag morgen durch einen an beiden enden in die erde eingewachsnen brombeerstrauch stillschweigends kriechen. 819. vom felde kommend nehme man den pflug von der schleife ab, sonst ruht der teufel darunter . 820. die milch gerinnt , wenn man mit einem eimervoll über eine wagendeichsel tritt, oder ein schwein am eimer riecht . man lasse darauf einen hengst aus dem eimer trinken, so schadets nichts. vgl. schwed. 92 . 821. was man montags beginnt, wird nicht wochenalt , daher auf diesen tag keine hochzeit und keine wasche anzustellen ist. 822. was über mahlzeit verabredet wird mislingt. 823. tritt eine zum butterfaß und überruft sie mit den worten: ›das ist ein schön faß milch!‹ so schäumt die milch und bringt wenig butter. man entgegne: ›wäre dein groß maul nicht, so geriethe sie noch besser.‹ 824. auf dem freien feld soll man nicht spinnen. die hexen heißen feldspinnerinnen . 825. wer aus dem linken nasloch blutet, dem mislingt sein vorhaben. 826. regnets vormittag, so wird nachmittag noch besser wetter, wann die alten weiber sich ausgereuspert . 827. eh der jäger dem wild naht, muß er die büchse umgekehrt tragen, sonst fehlt sie. 828. erseufzt der leichnam noch einmal auf dem stroh, bleibt er weich , zieht er dem mund nahe bänder, zipfel und tücher ein , öfnet er die augen noch einmal (todtenblick); so folgt ihm ein glied der verwandtschaft bald nach. 829. wenn die leiche beim glockengeläute die farbe wechselt, sehnt sie sich nach der erde . 830. man soll dem todten keinen namen zurufen, sonst wird er aufgeschrien . 831. küssen zwei kinder einander, die noch nicht reden können, so muß eins davon sterben. [Rääf 129. 132.] 832. wenn zwei nachtwächter an zwei straßenenden zusammenblasen, stirbt eine alte frau in der straße. 833. rollt auf dem kirchweg den brautleuten ein stein entgegen , so bedeutet es böses. 834. wer leichensteine auf dem gottesacker liest , verliert das gedächtnis. [nec sepulcra legens vereor, quod ajunt, me memoriam perdere. Cic. in Cato maj. 21.] 464 835. zwei die trauer haben , da sie sich zuerst sehen, sollen sich nicht verlieben. 836. der dieb soll etwas vom gestolnen ins wasser werfen . 837. wem bei einer feuersbrunst die schuhe angehn und zu brennen anfangen, der wird für den brandstifter gehalten. 838. wenn dem bauer ein füllen oder kalb zu wiederholtenmalen fällt, so vergräbt ers im garten und pflanzt eine fach - oder satzweide dem leichnam ins maul . der daraus wachsende baum wird nie geköpft noch der zweige beraubt , sondern wächst wie er will, und soll das bauerngut in zukunft vor ähnlichen fällen bewahren. (bei Stendal in der Altmark. allg. anz. der Deutschen 1811. n°. 306.) [vgl. Müllenhoff no. 327.] 839. 839 bis 864 aus Jul. Schmidt topographie der pflege Reichenfels (im Voigtland) Leipz. 1827 p. 113–126. bei hochzeiten wird außer dem großen kuchen ein junggesellenkuchen verfertigt, den die ledigen mädchen zerreißen; welche davon das größte stück kriegt, bekommt zuerst einen mann. 840. ist ein paar verlobte auf der hochzeit, so darf es nicht mit dem neuen ehpaar an einem tische sitzen, nicht einmal die füße unter den tisch stecken, wo jenes sitzt, sonst hat eins der paare allerlei unglück. 841. bei der brautfahrt darf der fuhrmann weder umlenken noch einhemmen , sonst würde die ehe kinderlos sein. 842. bei der taufe dürfen die gevattern das westerhemd nicht an den zipfeln fassen. 843. leute, denen früher kinder gestorben sind, tragen das neugeborne zur taufe nicht durch die thüre, sondern stecken es durch das fenster . 844. eine wöchnerin darf vor sechs wochen in kein fremdes haus gehen, wenn sie es thut, soll sie vorher an einem fremden ort etwas kaufen , sonst bringt sie unglück in das haus. 845. sie darf während der zeit aus keiner quelle wasser schöpfen , die quelle würde sonst sieben jahre lang versiegen . 846. die ausgetragne leiche wird dreimal auf der schwelle niedergelassen; so bald sie aus dem hofe ist, verschließt man das thor, macht in die sterbstube drei salzhaufen , kehrt sie aus, und wirft kehricht samt dem besen aufs feld; einige verbrennen auch das bettstroh auf dem felde. 847. abends vor Andreas bilden die ledigen mädchen einen kreis und lassen einen gänserich hinein, zu welcher er sich zuerst dreht, die bekommt einen mann. 848. Johannis, in der mittagsstunde von XI–XII pflücken die ledigen mädchen neunerlei blumen , wobei aber drei nicht fehlen dürfen: weide, storchschnabel, feldraute. diese blumen werden zu einem kranz gewunden, wozu der faden von der binderin in der selben stunde gesponnen sein muß. ist der kranz vollendet, so wird er noch in dieser verhängnißvollen stunde von der verfertigerin rückwärts auf einen baum geworfen . so oft der kranz geworfen wird ohne hängen zu bleiben, so viel jahre währt es noch bis zu ihrer verheiratung. alles dies muß aber stillschweigends geschehen. 849. hat einer ein leichenmaß stillschweigends entwendet, und lehnt es nachts an eine hausthür , so kann er die bewohner des hauses, ohne daß einer aufwacht, bestehlen. 850. die wurzel des fünffingerkrauts Johannis vor sonnenaufgang gegraben, hilft zu mancherlei, und erwirbt dem, der sie bei sich trägt, die zuneigung anderer. 851. wespennester tragen mädchen bei sich, in der meinung, dadurch die neigung der männer zu gewinnen. 852. hat sich ein mann verirrt, und kehrt die taschen um , eine frau, und bindet die schürze verkehrt um, so finden sie den rechten weg. 853. hat ein kind fräsel (krämpfe), so kehre man eine schindel auf dem dache um , oder lege dem kind die brautschürze untern kopf . 465 854. weihnachten oder neujahr treten sie, in der stunde XI–XII auf einen kreuzweg , um zu horchen , dann erscheint alles, was ihnen im nächsten jahr merkwürdiges begegnet. das horchen geht auch in solchen stuben zum fenster hinaus an, wo der träger über dem fenster ist; oder auf Walpurgisnacht im grünen korn . 855. wenn vom feuer der heiligen drei abende (vor neujahr, weihnachten und dem hohen neuen jahr) am andern morgen noch glühende kohlen im ofen sind, so mangelt es das ganze jahr lang an nichts. 856. der tod eines hausvaters ist im abnehmenden monde für die familie unheilbringend, wohlthätig aber bei zunehmendem . gut ist, wenn sich ein grab beraset . wiedererscheinen eines verblichenen findet gewöhnlich am neunten tage nach dem tode statt. 857. wird die erste frucht von einem baum gestolen, so trägt er sieben jahre lang nicht. 858. der drache trägt den mist auf dem hofe seinen freunden zu. 859. eine schwangere darf durch keinen zaun kriechen . 860. ist eine leiche im haus, hat eine kuh gekalbt, so bekommt kein bettler etwas. 861. abziehendes gesinde hütet sich, überzogen zu werden, d. h. es zieht ab, ehe das neugemiethete einzieht, oder schaft wenigstens seine sachen früher fort. 862. der neue dienstbote kommt zu mittag und verzehrt seine klöse auf der ofenbank . die herschaft hütet sich, ihm diesen tag sauerkraut vorzusetzen, sonst würde ihm alle arbeit beschwerlich fallen. der abgehende dienstbote erhält für jedes jahr, das er im dienste verlebt hat, ein dienstbrot . 863. thut es nachts drei schläge , heult die wehklage , wühlt das erdhuhn , so trifft ein todesfall ein. 864. gegen schwäche der kinder: ihr harn wird in einem neuen topfe aufgefangen, in diesen das ei einer kohlschwarzen henne , ungehandelt erkauft, gethan, neun löcher ins ei gestochen, und nun der topf, mit leinwand zugebunden, in einen ungesucht gefundnen ameisenhaufen nach sonnenuntergang eingegraben. wer einen solchen topf findet, bedient sich seiner nicht, er würde die vergrabne krankheit bekommen. 865. das hauptweh (de farren ) wird im Diepholtischen auf folgende weise geheilt. eine sachkundige frau bringt zwei schalen herbei, eine mit kaltem wasser , die andere mit geschmolznem talg angefüllt. nachdem der kopf des kranken eine zeitlang in jene gehalten worden ist, wird das talg durch einen erbhechel ins wasser gegossen , und die frau spricht: ›ik geete‹. der kranke: ›wat gütst?‹ die frau: ›de farren ‹. darauf sagt sie eine zauberformel her, das ganze verfahren wird dreimal wiederholt, und das wasser an einen ahornbusch (hollunder) gegossen, das erkaltete talg ins feuer geschüttet, und das übel ist weg. (annalen der braunschw. lüneb. churlande. achter jahrg. st. 4. p. 596.) vgl. 514 . 866. wenn in Hildesheim auf dem lande jemand stirbt, wandert der todtengräber schweigend zum hollunderbusch (sambucus nigra) und schneidet eine stange , um das maß der leiche zu nehmen; der knecht, der sie zu grabe führt, thut ein gleiches, und hält dann diese stange statt der gewöhnlichen peitsche. (Spiels und Spangenbergs archiv 1828 p. 4.) 867. Matthiesnacht (24. febr.) sammelt sich die jugend, die mädchen flechten einen kranz von singrün , einen andern von stroh , und tragen als drittes eine handvoll asche . damit gehen sie um mitternacht schweigend an ein fließendes wasser , wo die drei sachen schwimmen müßen. schweigend mit verbundnen augen tanzt ein mädchen nach dem andern um das wasser, und greift sich dann die vorbedeutung, im singrün den brautkranz , im stroh unglück , in der asche tod . die glücklichen unter ihnen treiben das spiel weiter, und werfen gerstenkörner aufs wasser, worunter sie sich junggesellen denken, und beachten, wie sie zusammenschwimmen. Andere werfen auch sonst drei blätter aufs wasser, mit dem namen der mutter, des vaters und des kindes bezeichnet, und spähen, welches zuerst untergehe. (daselbst.) 868. der kirchgang der kindbetterin heißt in einigen hannöverischen gegenden die brummie . denn auf den dörfern wird bei solchen anlässen von 466 der bademutter, dem vater des kinds, und den eingeladnen gevattern sowol des letztgetauften kinds, als der früher getauften ein gebrumme , als eines bären, angestellt. (braunschw. anz. 1758. p. 1026. hannov. nützl. saml. 1758. p. 991, wo brümmie .) 869. vom hollunder , der in den weiden wächst, macht man den kindern ein angehenke, neun stücklein in einen zundel mit einem rothseidnen faden , so daß es auf der herzgrube liegt. zerspringt der faden, soll man mit einem zänglein das bändlein abnehmen und in fließendes wasser werfen. (Ettners hebamme p. 859.) 870. angehenke vom rechten auge des wolfs , säcklein von steinen, blinden schwalben aus dem magen geschnitten. (daselbst 862.) 871. puer si in veri genitoris indusium nigrum seu maculatum involvatur, si epilepsia ipsum angat, nunquam redibit. (das. 851.) 872. nimmt ein kind ab, so bindet man ihm einen faden rother seide um den hals, fängt eine maus , zieht ihr den faden mit einer nadel durch die haut über den rückgrat, und läßt sie laufen. die maus verdorrt, das kind nimmt wieder zu. (das. 920.) 873. 873 bis 887 aus Weddigens westphäl. mag. 3, 710-721. wenn eine alte frau das herzgespan segnet und bötet , haucht sie die schmerzhafte stelle kreuzweise an, streicht sie, bindet salz und roggenmehl darauf und spricht dann die formel aus: ›hertgespan, ik segge di an, flüg van den ribben , asse Jesus van den kribben!‹ ist der kranke mit krämpfen behaftet, so soll er sich an einen pflaumenbaum ausstrecken , wobei gesagt wird: ›rankebom stand, plumkebom wasse!‹ 874. manche menschen haben einen so schädlichen blick (schlimme augen), daß sie durch bloßes ansehen, oft ohne ihr wissen, menschen und vieh in lebensgefahr bringen. 875. es gibt leute die durch besprechen (hermurmelung einer gewissen formel) im stande sind, ein pferd im vollen laufe aufzuhalten , einen wachsamen hund schweigen zu machen , das blut zu stillen , dem feuer zu wehren , daß es um sich greife. 876. die gestohlne sache kann man wieder zu wege bringen, wenn man etwas von der erde , auf welche der dieb getreten hat , in einen beutel füllt , und täglich zweimal mit einem stock solange darauf schlägt, bis feuer daraus kommt . der dieb empfindet diese schläge und muß, wenn er die sache nicht zurückbringt, ohne schonung sterben. 877. bauholz gegen den holzwurm zu sichern, schlage man Peterstag vor sonnenaufgang mit einem stück eichenholz dran und spreche dabei: ›sunte worm wut du herut, sunte Peter is kommen!‹ 878. wen die nachtmahr besucht, ein großes weib mit lang fliegendem haar, bohre ein loch unten in die thür und lege so viel schweineborsten hinein, bis es ausgefüllt wird. dann schlafe er ruhig, und verspreche der nachtmahr, wenn sie kommt, ein geschenk: sie wird ihn verlassen und das gelobte den andern tag in menschengestalt abholen. 879. wer nie am sonntag eine arbeit vorgenommen hat, dem rührt kein vogel sein getraide oder seine gartenfrüchte an. 880. wer unter der frühpredigt des ersten weihnachtstags geboren wird, kann geister sehen . 881. wirft der maulwurf in der waschkammer, so bedeutet es den tod der hausfrau. 882. unwillkommner gast ist, wem unterweges eine herde säue begegnet, willkommner, wem eine herde schafe . 883. schimmelt die rinde des aufbewahrten hochzeitsbrots , so steht eine unzufriedne ehe bevor. 884. an einigen orten schneidet der vater der braut etwas von der obern rinde eines wol ausgebacknen brotes , und reicht es der jungen frau nebst einem glas brantwein. diese faßt die rinde, ohne sie mit der hand zu berühren , mit den lippen, wickelt sie in ein tuch und verwahrt sie in einem kasten. das glas brantwein wirft sie über den kopf weg auf die erde. 467 885. geht die wöchnerin das erstemal zur kirche, so wirft man ihr auf der diele den topf nach , aus dem sie die sechs wochen über warmbier gegessen hat. 886. wirft man über den kopf zweideutiger katzen, hasen, einen stahl , so steht plötzlich die gestalt eines alten weibes da, die als katze oder hase über den weg lief. 887. wer eine schwarze kuh und einen schwarzen ochsen einschlachtet, hat einen todesfall in seinem haus zu gewarten. 888. greift die braut beim heimgang aus der kirche zuerst die hausthür an, so behauptet sie die herschaft, zumal wenn sie dabei spricht: ›ich greife an diese thür, all mein wille gehe für!‹ hört der bräutigam diesen segen, so kann er ihn unwirksam machen durch die worte: ›ich greif an diesen thürring, faust und maul wird ein ding.‹ 889. gackern oder fliegen die aglaster um ein haus her, springen die brände am feuer hinten über und schnappen , so nahen fremde gäste dem haus. 890. wer in den krieg zieht, und beim weggehen hinter sich zurück schaut , kommt selten wieder heim. 891. wenn man das garn vom samstag den sonntag über auf dem haspel stehn läßt , werden lauter würste daraus. 892. geister werden zwischen die thüren verwiesen; man soll thüren nie hart zuschlagen, sonst quält man die geister zusehr. 893. einem der geister und vorgeschichten sieht, schaue man über die linke schulter , so kann man es auch. 894. wenn zwei freunde zusammen gehn, und ungefähr ein stein zwischen beide fällt , oder ein hund quer über den weg lauft , so wird die freundschaft bald getrennt. 895. wer beim ausgehen an die schwelle stößt , kehre alsbald zurück, sonst hat er ein unglück. 896. tags vor fastnachtsonntag kochen viele leute für die lieben engelein das beste und leckerste, was sie im haus haben, setzen es abends auf einen tisch , öfnen den engeln die fenster, und legen sich dann schlafen. (Obersensbach im Odenwald.) 897. wer sommers zuerst mit fruchtschneiden auf seinem acker fertig ist, nimmt einen weidenzweig , schmückt ihn mit blumen , und steckt ihn an den letzten fruchtwagen, der eingefahren wird. (Gernsheim.) 898. im augenblick, wo jemand stirbt, wird die frucht auf dem speicher geschaufelt , der wein im keller gerüttelt , sonst geht das gesäte korn nicht auf, und der wein wird sauer. (Gernsheim.) vgl. 576 . 664 . 698 . 899. Sanct Blasientag hält der pfarrer zwei brennende kerzen ins kreuz, alt und jung geht hin, hält den kopf zwischen die kerzen und läßt sich segnen; das bewahrt vor kopf- und halsweh das ganze jahr über. (daselbst.) 900. eine verstorbene kindbetterin wird in einigen gegenden Westphalens nicht ins gewöhnliche todtenhemd, sondern ganz so angekleidet, wie sie in die kirche gehen wollte , um sich aussegnen zu lassen, und so wird sie begraben. 901. das geticke des arbeitenden holzwurms in alten stülen, tischen und bettstellen heißt die todtenuhr ; man glaubt, daß der todt vorbeigehe und der schlag seiner uhr gehört werde. 902. 902 bis 919 aus Schmellers mundarten Baierns p. 529. a Peder und Pauli mueß me d henne asetzn , so legens vil aer. 903. am Silvestetag mueß me d scherhäufn ausenanda reißn, nache wirft de scher nimmer auf. 904. es is net guet, wenn de gucku nach Johanni schreit. 905. wen mer am fasinat erte vor sunneraufgang drischt, so vertreibt me d schermäus. 906. wenns am kürzesten tag gfriert, so fällts korn , is s glind, so steigts in preis . 907. an Maurizi tag soll me kaen waez san , suest wird e rueßi. 468 908. wen mer an tag Johannisenthauptung in en bam haut , so mueß er astê. 909. auf en mierzn nebl kimt in hundert tagng e wede. 910. wen i de neujahrsnacht de wind get , so bedeuts en sterb. 911. an Martinstag sieht mer a n brustbae vo de gans , obs en kaltn winte git ode nit. 912. hüeln (hünlein), de aus de antles aer wern, änden alle jar d far. 913. der am charfreide durst leidt , den schadt s ganz iar kae trunk. vgl. 356 . 914. wenn me d feden inn wachsedn mo in e bett fillt, so schliefe s wideraus. 914. b. am aschemike jagd de teufl s holzweibl in wald rum. 915. wen mer am halinger abmd, oder am neujar, oder am genachtabmd en waschhaden an en zau henkt , und nache d ros damit putzt, so werns fett. 916. i de rauchnächt sol me net dreschn , sunst verdirbt s traed, so weit me n schall hört . vgl. 418. 917. an Valentins tag mueß me kaen bruethenn ansetzn , sunst fauln alle aer. 918. wer übe s Johannesfeuer springt , kriegt des sel jar s fiebe net. 919. wenn me en rossn am Steffelstag ade laßt , so bleibms s ganz jar gsund. 920. wer mit einem messer, am goldnen sonntag gewetzt , verwundet wird, kann schwer oder gar nicht geheilt werden. 921. wer an einem solchen sonntag die rechte hand mit einem faden oder strick umwindet, daran ein dieb am galgen gehangen , trifft im zielschießen allemal das schwarze. 922. wenn einer ein neues kleid an hat, soll man ihn darauf schlagen, mit den worten ›das neue muß man klopfen, das alte muß man stopfen‹. dadurch bekommt das kleid längere dauer. 923. kranke schafe lasse man durch eine gespaltne junge eiche kriechen . 924. ein schwangere soll nie aus einem kessel essen , oder das essen kosten, sonst wird ihr kind stammeln . 925. wenn sie über land fährt, soll sie nie über die stange des wagens oder über die linien der pferde steigen, sonst verwickelt sich das kind in der nabelschnur. vgl. 933 . 926. wenn ein sechswochenkind viel schreit, ziehe man es dreimal stillschweigends durch ein unausgekochtes stück garn . hilft das nicht, so muß die mutter am kirchgangstage stillschweigend aus der kirche gehn, sich stillschweigend ausziehen und alle ihre kleidung rücklings auf die wiege werfen . 927. wird das hornvieh zuerst auf die weide getrieben, überziehe man eine holzaxt jedes werkzeug von stahl auf die schwelle gelegt reicht hin. vgl. reichsanz. 1794 p. 656. mit einem rothen weiberstrumpf und lege sie an die schwelle der stallthür , so daß jedes haupt darüber schreitet. vergl. 752 . 928. kohl gegen raupen zu sichern, soll eine weibsperson dreimal im vollmond nackend und rücklings kreuz und quer durch den kohlgarten gehn. 929. ist eine ledige im verdacht der schwangerschaft, so soll der knecht vor sonnenaufgang einen erntewagen in zwei theile theilen, die vorderseite gegen mittag , die hinterräder gegen mitternacht kehren und so stellen, daß das mädchen genöthigt ist, bei ihren geschäften zwischen dem ausgespannten wagen durchzugehen. dadurch wird sie gehindert ihre frucht abzutreiben. 930. läßt sich ein heimchen hören, so stirbt einer im haus: es singt ihn zu grabe . 931. ein gegen pfeile und kugeln schützendes nothhemd muß auf christtag von einer reinen, keuschen jungfrau gesponnen, gewoben und genäht werden; vom hals an bedeckt es den halben mann, auf den brusttheil werden zwei köpfe genäht, der zur rechten seite mit einem langen bart, der zur linken ein teufliches gesicht mit einer krone. vgl. 115 . 469 932. die schlüsselprobe geschieht folgendermaßen: in ein gesangbuch wird ein schlüssel gesteckt, um das buch ein band gebunden, dann der ring des eingesteckten scblüssels auf die finger gesetzt, so daß er darauf umlauft, und nun geschehen fragen. 933. eine schwangere soll nicht unter einer hangenden linie hergehn, sonst entgeht ihr kind dem strick nicht. sie weichen selbst bindfaden aus, woran der vogelbauer in der stube hängt. vgl. 925 . 934. beim erbsenpflanzen nehme man vor sonnenuntergang einige erbsen in den mund , und halte sie während dem pflanzen stillschweigend darin, so sind die gesteckten vor den sperlingen sicher. 935. der todtengräber gräbt das grab erst den tag des begräbnisses ; sonst hat man vor dem todten keine ruhe. 936. ungetauft sterbende kinder schweben zwischen himmel und erde. 937. kinder sollen nicht den zeigefinger gen himmel strecken , sie tödten damit jedesmal ein liebes engelein . vgl. 334 . 947 . 938. 938–949 aus Christ. Weises drei erznarren. Lp. 1704 pag. 253–257. da ließe sich mancher eher todtschlagen, ehe er durch zwei weibespersonen durchgienge. 939. ein ander zeucht sein weiß hembde am montage an, und gienge lieber nackend, als daß er sich am sonntage solte weiß anziehen. 940. ich kenne leute, die stehn in der meinung, wenn sie nicht an der aschermittwoch gelbe muß , am grünen donnerstage ein grün kraut von neunerlei kräutern , an der pfingstmittwoche schollen mit knoblauch äßen, so würden sie noch dasselbe jahr vor Martini zu eseln. vgl 275 . 941. braut und bräutigam, wenn sie sich trauen lassen, sollen dicht zusammen treten , daß niemand durchsehen kann . 942. sie sollen den zapfen vom ersten bier oder weinfasse in acht nehmen, und zugleich ins bette treten. 943. der bräutigam soll sich in einer badeschürze trauen lassen. 944. wer das maul ans tischtuch wischt, wird nicht satt. 945. es ist nicht gut, wenn man das kleid am leibe flicken läßt. vgl. 43 . 946. das brot welches zuletzt in den ofen geschoben wird, zeichnen sie und nennen es den wirt , solange der wirt im hause sei, mangle es nicht an brot, werde es vor der zeit angeschnitten, erfolge theuerung. 947. ›bei leibe, weise nicht mit dem finger, du erstichst einen engel! ‹ 948. ›liebes kind, lege das messer nicht so, die lieben engel treten sich hinein! ‹ wenn man zugleich ein kind im feuer und ein messer auf dem rücken liegen sieht, soll man eher dem messer zulaufen, als dem kinde. vgl. 209 . 596 . 597 . 949. es ist nicht fein, becher oder kannen zu überspannen , wer daraus trinkt, bekommt herzgespann. vgl. 11 . 950. 950. 951 ebendaher p. 360. es ist diensam kranke mit einer ruthe , die aus einem alten zaun gebrochen ist, und neun enden oder zweige hat, zu beräuchern. 951. ebenso mit heu , das aus einer erbscheune , ungeredt und ungescholten , vom boden geholt ist. 952. zu zeit der löslnächte (vor advent, vor christtag, vor dreikönigstag und samstag der lichtmesse) begeben sich die gasteiner dirnen, sobald es dunkel geworden ist, in den schafstall und greifen stracks hinein unter die heerde ; erwischen sie nun auf den ersten grif einen widder , so sind sie getrost, daß sie noch in diesem jahr heirathen werden. Muchars Gastein. p. 146. 953. 953–959 aus Praetorii Saturnalia. Lips. 1663. mitten in der christnacht nehmen einige ein gefäß mit wasser und messen es mit einem gewissen kleinen maße in ein ander gefäß . dies wiederholen sie etlichemal und sehen dabei zu, ob sie mehr wasser finden, als das erstemal: daraus schließen sie zunahme an hab und gütern im folgenden jahr. findet sich einerlei maß , so glauben sie an einen stillstand des glücks, findet sich aber weniger wasser , an abnahme und rückgang. vgl. 258 . 470 954. etliche nehmen einen erbschlüssel und einen knäuel zwirn , binden den zwirn fest an den schlüssel und bewinden das knaul, daß es nicht weiter ablaufen kann und etwa ein elen oder sechs los hängt. dann stecken sie es zum fenster hinaus und bewegen es von einer seite zur andern an den wänden, und sprechen dabei › horch, horch! ‹ von der gegend und seite her, wohin sie freien werden und zu wohnen kommen, läßt sich alsdann eine stimme vernehmen. vgl. 110 . 955. einige schneiden den tag vor weihnachtabend neunerlei holz ab, machen davon mitternacht ein feuer in der stube, und ziehen sich ganz nackend aus, indem sie ihre hemden zum gemache hinaus vor die thüre werfen . beim feuer niedersitzend sprechen sie: ›hier sitze ich splitterfasenackig und bloß, wenn doch mein liebster käme, und würfe mir mein hemd in den schoß.‹ der liebhaber wird kommen, das hemd hereinwerfen, und sie können sein gesicht erkennen. 956. andere nehmen vier zwiebeln , stellen sie in die vier winkel der stube und geben ihnen namen von junggesellen; die zwiebeln lassen sie stehen von weihnachten bis auf dreikönigstag. wessen zwiebel nun keimt , der wird sich als freier melden; ist keine ausgeschlagen, so kommt keine hochzeit zu stande. 957. einige kaufen tags vor dem heil. abend für einen pfennig das letzte endstößchen semmel , schneiden ein bißchen rinde ab und binden es unter den rechten arm, tragen es so den tag über, und beim schlafengehn christnachts legen sie es unter ihren kopf, sprechend: ›jetzt hab ich mich gelegt und brot bei mir, wenn doch nu mein feins lieb käme und äße mit mir!‹ Findet sich frühmorgens etwas von der semmel abgenagt, so wird die heirat das jahr über geschlossen werden; ist alles unverletzt, so schwindet die hofnung. 958. mitten in der christnacht gehen knechte oder mägde zum holzhaufen, ziehen einen scheit heraus , und betrachten, ob es krum oder gerade sei; danach befinden sie des liebsten gestalt. vgl. 109 . 959. einige kaufen christnachts für drei heller semmel , theilen sie in drei bissen und verzehren sie durch drei gassen , in jeder gasse ein stücke; in der dritten gasse wird man den liebsten sehn. 960. man nimmt christnachts eine tiefe schüssel, gießt wasser hinein, setzt in zwei ledige nußschalen wachslichtlein und deutet eins auf sich, das andere auf die geliebte; beide schalen läßt man dann oben auf dem wasser schwimmen . gehen sie nun zusammen, so gelingt die heirat, gehn sie von einander, so wird nichts daraus. (ungewiss. apotheker p. 649.) 961. ist einem der dienstbote, oder einer schwangern dirne der liebhaber entlaufen, so legt man einen gewissen pfennig in das pfännlein einer müle , und läßt die müle angehn und stärker laufen. dann kommt den flüchtigen solche angst an, daß er nicht zu bleiben weiß, sondern hals und kopf heimkehrt. das heißen sie ›einem die angst thun ‹ (beschr. des Fichtelbergs. Lp. 1716. 4. p. 154.) 962. zu erforschen, was das jahr über geschehen werde, stellen sie sich in der christnacht XII uhr auf einen kreuz oder scheideweg , stehn eine stundelang, ohne zu reden, stockstill, da sich dann alles künftige vor ihren augen und ohren zeigt. das nennen sie › horchen gehn ‹. (das. s. 155.) 963. auf S. Andrestag nimm ein glas voll wasser: kommt ein feucht naß jahr, so laufts über , wird ein dürres, so schwimmts oben entbor . (aller practic großm.) 964. auf Andreasabend achten die mägde, woher die hunde bellen : aus der gegend kommt ihr bräutigam. 965. sie binden einen heller auf die große zehe , setzen sich an den kirchweg, und schauen unter den frühmettgängern nach ihrem bräutigam. (Tharsander 1, 84.) 966. zu erfahren, ob ein kind beschrien, setze man unter seine wiege ein gefäß mit fließendem wasser, und werfe ein ei hinein; schwimmt es oben , so ist das kind beschrien. (Val. Kräutermann zauberarzt 216.) 967. böse leute haben in Schlesien zu gewisser zeit ein messer schmieden lassen, damit nur ein kleines ästlein von jedem baum geschnitten, worauf in kurzer zeit der ganze wald verdarb. (Carlowitz sylvicultur p. 46.) 471 968. die eiche ist ein weissagender baum. eine fliege in galläpfeln bedeutet krieg, ein wurm theuerung, eine spinne pestilenz. vgl. 1046 . 969. holz in den hundstagen gefällt brennt nicht . 970. Johannistag vor sonnenaufgang stillschweigend eichenholz auf den leib gestrichen heilt alle offenen schaden. 971. elsbeerbaum heißt auch drachenbaum. äste davon auf walburgis über haus und stallthür gehangen hindern die einkehr des fliegenden drachen. 972. eiche und nußbaum haben widerwillen gegen einander, und können nicht zusammen stehn, ohne zu verderben. ebenso schwarzdorn und weißdorn : stehn sie zusammen, so behält der weißdorn allemal die oberhand, der schwarzdorn geht aus. 973. im bösen wadel (zunehmenden mond) darf kein holz gehauen werden; schlagholz im neumond gefällt schlägt behende wieder aus, das im abnehmenden gefällte brennt besser. 974. wenn saugende kinder sterben, gibt man ihnen eine flasche muttermilch mit in den sarg, dann vergeht der mutter die milch ohne brustschmerzen. 975. wer warzen hat nehme eine große braune schnecke und nagle sie mit einem hölzernen hammer an den thürpfosten; vertrocknet sie, so dörrt auch die warze ab. 976. begegnet einem frühmorgens eine alte frau und grüßt, muß man ihr antworten, › euch eben so viel! ‹ 977. es gibt leute, die einen fahrenden heuwagen fest machen können, so daß er sich nicht von der stelle rührt: man schlage auf alle radnägel, so wird er wieder los. 978. in diebsfußstapfen lege man brennenden zunder: dadurch wird er gebrannt und verrathen. 979. fliegt eine schwalbe in den stall und unter der kuh weg, so gibt diese blut statt milch: man führe sie auf einen kreuzweg, melke sie dreimal durch einen ast und schütte ihr die gemolkene milch dreimal rückwärts über den kopf. 980. ein bund wilden thymian oder dosten bei die milch gelegt hindert das behexen. 981. geht man auf fastensonntag einmal um seinen gartenhag herum, so kann das ganze laufende jahr keine planke daraus entwendet werden. 982. sind viel schnecken auf dem land, gehe man frühmorgens vor sonnenaufgang hin und nehme eine schnecke an der ostseite weg, dann über norden nach westen und lese auch da eine auf, von da nach norden, von da über osten nach süden; hängt man die vier aufgelesenen schnecken in einem beutel in den schornstein, so kriegen alle übrigen schnecken vom land nach dem haus in den schornstein und sterben. 983. wird beim krautabschneiden im herbst ein maulwurfhaufen unter dem kohl gefunden, so stirbt der hausherr. 984. wenn man ein brot aufschneidet, nennt man in Westfalen das obere knüstchen den lacheknost , das untere den grieneknost . geht magd oder knecht aus dem dienst, so kriegt sie einen jammerknost mit, den verwahren sie lange jahre. 985. wenn kinder den schluckuk haben, wächst ihnen das herz. 986. sieht der bauer zum erstenmal im jahr den storch , so wirft er sich zur erde, wälzt sich herum, und bleibt nun das ganze jahr frei von rückenweh. 987. wer aus fremdem dorfe eine kuh kauft, gibt außer dem preis einen milchpfennig , damit die milch nicht zurückgehalten werde. an der grenzscheide dreht er sie dreimal um und läßt sie nach der alten heimat schauen , das benimmt ihr die sehnsucht. 988. manche heften blühendes farnkraut über die hausthüre: dann geht alles gut so weit die peitsche beim fuhrwerk reicht . 989. am ersten fasttag laufen knaben und mädchen mit angezündeten strohwischen wie wütend auf den feldern, um den bösen sämann auszutreiben. (Rhöne.) 472 990. in der ersten christnacht wälzen sich die Rhönleute auf ungedroschnem erbsenstroh . die ausgefallnen erbsen werden unter die andern gemengt, dann gedeiht die aussaat besser. 991. unschuldigekindertag wird jeder erwachsene mit einer ruthe geschlagen und muß sich durch eine gabe lösen. auch die bäume werden geschlagen; das fördert ihre fruchtbarkeit. 992. wer sonntags an bett oder kleidern etwas näht, kann nicht darin sterben bis es aufgetrennt ist . 993. steht man vom spinnrad auf ohne die schnur los zu drehen, so kommt das erdmännchen und spinnt darauf: man sieht es nicht, hört aber die sich umdrehende spule schnurren. 994. ein armer der ganz seine schuld bezahlen will, muß so viel vaterunser beten, als grashalme das ihm gegebne brotstücklein bedecken . weil sie das nicht können sagen sie ›gottlohns‹. 995. man soll die thür nicht hart zu schlagen: es sitzt ein geist dazwischen , dem es wehthut. 996. das erste kind, das auf neueingesegneten taufstein getauft wird, empfängt die gabe geister und vorgeschichten zu sehn, bis ein andrer aus vorwitz ihm auf den linken fuß tritt und über die rechte schulter sieht: dann geht die gabe auf ihn über. jene wirkung wird aufgehoben, wenn die taufpathen einen strohhalm, eine stecknadel oder ein stück papier ins taufbecken werfen. 997. wer immer betet, sich aber etwas darauf einbildet, der betet sich durch den himmel und muß jenseits die gänse hüten. 998. läßt man butterbrot fallen und es fällt auf die butterseite, so hat man den tag schon eine sünde gethan. 999. wenn die mädchen jäten, suchen sie sich das kräutchen › leif in de meute ‹ (lieb entgegen) und stecken es gar heimlich bei; der erste junggeselle, der ihnen dann entgegen kommt, ist ihr schatz. 1000. wer ein haus baut muß gekauftes , gestolnes und geschenktes holz dazu nehmen, sonst hat er kein glück. im Lippischen so gemeiner aberglaube, daß die größten meier, die eigen holz haben, doch einen baum dazu stehlen und sich dann angeben und ihn bezahlen. 1001. wenn das heilige wetter (gewitter) einschlägt, kann es nicht mit wasser, nur mit milch gelöscht werden. vgl. 1122 . 1002. beim flachsjäten ziehen die mädchen das unkraut den rothen Henrich aus der erde: wo die wurzel hingewachsen ist, aus der gegend kommt der schatz; ist sie gerade in die erde gewachsen, so stirbt das mädchen bald. (vgl. dän. abergl. 126 .) 1003. wer den storch zu allererst sieht einkehren und heißt ihn willkommen, dem thut das jahr kein zahn weh. 1004. wenn man schlafen gebt, ohne den tisch abzuraumen , kann das jüngste im haus nicht schlafen. 1005. welche magd sonntags die kunkel nicht abspinnt, dieselben fäden bleichen sich nimmer weiß. 1006. welche einen rost über das feuer setzt, und nichts darauflegt, die bekommt einen schurz im gesicht (wird runzelig). 1007. wenn man einen neuen besen umgekehrt hinter die hausthür stellt, so kann keine hexe hinein noch hinaus. 1008. wenn eine frau auf dem markstein des scheidewegs sitzend ihr kind stillt, bekommt es nie zahnweh. 1009. nach des vaters tod geborne kinder haben die kraft, felle, die auf den augen wachsen, drei freitage hinter einander abzublasen. 1010. warumb gibt man nicht die beinlein von dem osterlamb den hunden, das gesegnet ist? man spricht, sie werden unsinnig. man mag sie inen wol geben, es schadet nüt. (Keisersb. ameis 52.) 1011. wiltu ein pfert hinkent machen , so nimb des baums da der hagel ein hat geschlagen, und mach daraus ein nagel, oder eins neuen galgen, oder von einem messer, das einer pfaffenkellerin ist gewesen (vgl. pfaffenweib 8. beschwör. XXXIV ), oder von einem stumpf von einem messer, do einer mit erstochen ist worden, und drucks in den trit . (cod. pal. 212, 53 b .) 473 1012. zu erfahren wie viel gute holden in einen menschen verzaubert sind, schöpfe er stillschweigend wasser, nehme glühende kohlen aus dem ofen und werfe sie ins wasser; so viel kohlen untergehn und auf den boden fallen , so viel gute holden hat er in sich. 1013. 1013–1104 aus der neuen bunzlauischen monatsschrift, jahrg. 1791. 1792. hält der sturmwind drei tage ohne aufhören an, so erhängt sich einer. 1014. wer sich am ersten ostertag in kaltem wasser badet, bleibt das ganze jahr gesund. 1015. wer zu wichtigen unternehmen ausgeht, begegnet ihm ein altes weib , so ist er unglücklich, ein junges mädchen , glücklich. 1016. schreit bei tag die nachteule , so kommt feuer aus. 1017. wer sich ein kind in den windeln ansieht, bekreuze es und sage: ›gott behüte dich!‹ 1018. wer das korn zuerst blühen sieht, esse neun blüten davon, so bleibt er frei von fieber. vgl. 718 . 1019. hält der heulende hund den kopf in die höhe, bedeutet es feuer, gegen die erde, einen sterbfall. 1020. wer auf Johannisabend so viel Johanneswurzeln, als im haus leute sind, in einen stubenbalken steckt, die pflanzen nach den leuten benennend, kann sehn, in welcher ordnung sie sterben: wessen pflanze zuerst dorrt, der stirbt am ersten. vgl. dän. abergl. 126 . 1021. auf den ort, wo ein gewitter steht , ist es nicht gut mit fingern zu deuten . 1022. zur ader gelassenes blut stets in fließendes wasser zu gießen. 1023. nach sonnenuntergang keine milch und butter aus dem haus zu verkaufen. 1024. mäler am gesicht vertreibt, wenn man die hand eines todten darauf legt und daran erwarmen läßt. 1025. mit regenwasser, das auf leichensteinen stehn bleibt, vertreibt man sommersprossen. 1026. sieht man abends blau feuer brennen, werfe man ein messer hinein und gehe vor sonnenaufgang hinzu, so wird man geld finden. 1027. ausgekämmte haare sind zu verbrennen: denn trägt sie ein vogel in sein nest , so bekommt man kopfschmerzen, trägt sie ein staar zu neste , wird man staarblind. 1028. wenn die schalaster um das haus herum schreit, nahen gäste. 1029. wen der schlucken rückt, trinke aus dem glas über den henkel . 1030. regnets unter sonnenschein , so fällt gift vom himmel. 1031. ein verkauftes kalb mit dem schwanz aus der thüre hinaus zu führen, so grämt sich die kuh nicht; eine gekaufte kuh mit dem schwanz rückwärts in den stall einzuführen, so gewohnt sie gut ein. 1032. wenn sich die diele splittert , kommen freier. 1033. wenn der gehangne abgeschnitten wird, muß man ihm eine ohrfeige geben, sonst kehrt er wieder. 1034. scheint der mond auf ein ungetauftes kind, wird es mondsüchtig. 1035. wenn das leichenbret fällt , stirbt einer in drei tagen; wers nicht gehört hat, den trift es. 1036. wen die rechte hand krümmert , der nimmt geld ein, wen die linke, muß viel ausgeben. 1037. wenn einen unvermutet schauert, so lauft der tod übers grab . 1038. erlischt die altarkerze von selbst, stirbt der prediger unter einem jahr. 1039. wer in einem schuh oder stiefel lauft, verliert das maß, außer wenn er den nemlichen weg zurücklauft . 1040. das pferd erlahmt, in dessen frischen fußtritt man einen nagel schlägt. vgl. 1011. 1041. christabends im bloßen hemd den garten mit einem flegel gedroschen , wächst im folgenden jahr das gras gut. 474 1042. so lange eiszapfen winters vom dache hängen , so lange ist künftiges jahr der flachs am rocken. 1043. wenn ein strohhalm in der stube liegt, kommt schnee. 1044. charfreitagsregen muß man mit nadeln aus der erde kratzen, denn er bringt große dürre. 1045. wenn man den pathenbrief über des kindes mund aufbricht , lernt es früher reden. 1046. fliegen in galläpfeln bedeuten krieg, maden miswachs, spinnen pestilenz. vgl. 968 . 1047. reiser auf die flachsbeete gesteckt, bleibt das vieh unbehext. 1048. abends dreimaliges anpochen , wenn niemand da ist, stirbt einer aus dem haus in drei tagen. 1049. stirbt eine wöchnerin, wasche man ihre plätsche (suppenschüssel) sogleich aus, sonst kommt sie wieder. 1050. wenn bräutigam und braut am hochzeitstag einen dreiköpfigen böhmen unter die rechte fußsohle legen, haben sie eheglück. 1051. am hochzeitstag schnee bedeutet glückliche, regen traurige ehe. 1052. wer essen oder trinken mit dem messer umrührt, bekommt leibschneiden, wer mit der gabel , stechen. 1053. stirbt einer schwer, so lege man ihn auf den wechsel (wo die enden der dielen zusammenstoßen), so hat er leichten tod. 1051. wer seinen tauben aus einem menschenschädel zu saufen gibt, in dessen schlag kommen fremde tauben geflogen. 1055. wenn hüner krähen kommt feuer aus. 1056. in welchem hause hahn , katze und hund von schwarzer farbe sind, kommt nie feuer aus. 1057. in welchem hause der kettenhund mit verbrennt , kommt bald wieder feuer aus. 1058. will das buttern nicht gerathen, so peitsche man das butterfaß mit einer weidenruthe, die aber nicht mit dem messer geschnitten werden darf. 1059. eines mädchens liebe zu erlangen, suche man unvermerkt eine stecknadel und ein haar von ihm zu erlangen, wickele das haar um die nadel und werfe sie rückwärts in einen fluß. 1060. werden aus versehen die grabtücher verkehrt auf die bahre gedeckt , so stirbt jemand aus dem hause nach. 1061. wer hund, katze, henne kauft, drehe sie dreimal um sein rechtes bein , so gewohnen sie gut ein. 1062. unter eines kranken bett setze man einen topf mit nesseln: bleiben sie grün , so genist, welken sie, so stirbt er. 1063. kein getragnes hemde soll man zum sterbekittel schenken, sonst zehrt der dem es gehörte, solange ab, bis das hemd verwest ist. 1064. sieht eine wöchnerin einer leiche nach, so bekommt ihr kind keine farbe. 1065. eines gehangnen finger im bierfaß aufgehängt schaft dem bier guten abgang. 1066. regnets in den brautkranz , so werden die neuen ehleute reich und fruchtbar. 1067. wer korn mißt muß auf sich zu streichen , so streicht er den segen ins haus; streicht er von sich ab , streicht er das korn dem teufel in die hand. 1068. hat ein kind großen nabel, nehme man stillschweigend einem bettler seinen stab , und drücke damit kreuzweise den nabel. 1069. soll eine gluckhenne hüner oder hähne brüten, so mache man ihr nest aus des weibes oder mannes bettstroh. 1070. wer auf den daumnägeln weiße flecken hat, wem die zähne nah an einander stehn, der bleibt in seinem vaterland. 1071. verliert eine frau oder jungfrau auf der gasse ein strumpfband , so ist ihr der mann oder freier ungetreu. 1072. zu erfahren wer einem thier vergeben hat, schneide man des thiers herz aus und hänge es, mit 30 nadeln durchstochen in den schornstein; der thäter wird dann solange gequält, bis er kommt und sich angibt. 475 1073. korn in der michaelswoche gesät, wird trespe, gerste in der ersten aprilwoche, hederich. 1074. wer fieberfrost hat gehe stillschweigends, und über kein wasser, zu einer holen weide , hauche dreimal seinen athem hinein , keile das loch schnell zu , und eile unumgesehn und stillschweigends heim, so bleibt das fieber fort. 1075. junge maiblumen vor sonnenaufgang gepflückt und unter das gesicht gerieben verhindern sommersprossen . 1076. eine schwangere soll sich auf keinen kasten setzen, der unter ihr zuschließen kann , sonst kommt das kind nicht zur welt, bevor man sie wieder darauf gesetzt und dreimal aufgeschlossen hat. 1077. wer vor sonnenaufgang unbethaute stellen im grase sieht, kann da geld finden. 1078. leinsamen zum säen einschüttend lasse man hoch in den sack laufen , so geräth der flachs lang. 1079. wer das fieber hat, gehe an einem tage über neun raine im feld so verliert ers. 1080. oder er jage eine schwarze katze so lange bis sie todt liegen bleibt. Wider die epilepsie hilft, eines enthaupteten blut zu trinken und gleich darauf so schnell und lange zu laufen , als man es aushält. 1081. Christabends setze man ein häufchen salz auf den tisch, schmilzt es über nacht, so stirbt man im nächsten jahr, steht es morgens noch unversehrt, so bleibt man leben. 1082. wer Walpurgisabend alle kleider verkehrt anzieht und rücklings bis zu einem kreuzwege kriecht , kommt in gesellschaft der hexen. 1083. wenn die weife verkehrt und der fitzfaden nach unten zu hängt und so ein kind im haus zur welt kommt, hängt es sich selbst auf. liegt dann ein messer mit aufwärts stehender schneide , so stirbt das kind durchs schwert. 1084. man pflegt die kleinste lade im haus vor das wochenbett zu stellen: wenn sich jemand darauf setzt und das wochenlädchen sich von selbst abschließt , so kommt die wöchnerin nicht wieder ins kindbett. 1085. so vielmal der hahn Christnachts unterm gottesdienste kräht , so viel böhmen gilt das nächste jahr das viertel korn. 1086. wer frühjahrs sieht ›den ersten bauer im pfluge , die erste schwalbe im fluge ‹ hat ein glückliches jahr. 1087. wenn eine ledige frühjahrs bei ankunft der vögel zwei bachstelzen zuerst beisammen sieht, so macht sie das jahr hochzeit. 1088. begegnet dem brautpaar auf dem wege zur trauung ein fuder mist , so bedeutet das unglückliche ehe. 1089. man lasse die gerste vor dem säen durch ein mannshemde laufen, so schaden die sperlinge der frucht nicht. 1090. wer graupe ißt, den kann der schlag nicht rühren, solange er noch ein körnchen davon im magen hat. 1091. schlägt man an einer ecke des tisches oder heerdes feuer , so kommt der brand in den hirse. 1092 wenn die weiber waschen wollen, muß alles im hause freundlich aufstehn , so bekommt man schön wetter. 1093. ledige binden Johannisabend einen kranz von neunerlei blumen , werfen ihn rückwärts und stillschweigends auf einen baum . so oft er herunter fällt, so viel jahre bleiben sie noch unverheiratet. vgl. 848 . 1094. hat ein brennender span im winter einen großen rispel , so bedeutets schnee ; springt der rispel mitten von einander, gäste . 1095. es ist nicht gut, über kehricht zu gehn . 1096. kinder mit ruthen von schon gebrauchtem besen geschlagen, verdorren. 1097. sollen die kühe viel milch geben, so kaufe man den sommerkindern einen sommer ab, und stecke ihn über die thür des stalls. 1098. beim ersten weidetreiben der kühe bindet man ihnen ein rothes fleckchen um den schwanz, so können sie nicht behext werden. 476 1099. soll die hexe über das vieh keine macht haben, so sperre man nachtlang einen bären in den stall: dieser kratzt das versteckte, worin der zauber liegt, heraus und sobald es aus dem stall geschaft wird, hat das vieh keine anfechtung weiter. 1100. flachs auf Laurentii gekauft, verbrennt. 1101. wer etwas sagen will und es vergessen hat, schreite über die thürschwelle hinaus und wieder herein, so fällt es ihm wieder ein. 1102. ein bienenwirt schenke bei der honigernte vielen davon, so sind die bienen wieder mildthätig gegen ihn. 1103. am heil. Christabend lege man einen stein auf die bäume , so tragen sie desto mehr. 1104. neugebornen mädchen lege man über die brüste ein netz von einer alten weiberhaube , damit sie der alp nicht aussauge. 1105. allerheiligenabend werfen junge leute in Northumberland ein paar nüsse ins feuer. liegen sie still und brennen sie zusammen, so weissagt es eine glückliche ehe, fahren sie aber krachend von einander, eine unglückliche. (Brockett p. 152.) 1106. wenn die braut sich entkleidet stellt sie einen ihrer strümpfe einer brautjungfer zu, die ihn unter die versammelten hochzeitsgäste wirft . auf wen der strumpf niederfällt , der wird sich zunächst verheiraten. (das. 218.) 1107. braut und bräutigam setzen sich am ende der hochzeit auf das brautbett, in voller kleidung, ausgenommen schuh und strümpfe. eine der brautjungfern nimmt des bräutigams strumpf, stellt sich unten mit dem rücken an das bett und wirft mit der linken hand über die rechte schulter den strumpf , nach dem gesicht des bräutigams zielend. das thun dann alle mädchen nach der reihe, und die welche sein gesicht treffen werden bald verheiratet. Der strumpf der braut wird darauf von den jungen burschen auf gleiche weise geworfen, und ebenso daraus geweissagt. (das.) 1108. den abend des h. Marcus wachen einige junge leute die ganze nacht über im portal der kirche: dann sehen sie die geister aller, welche nächstes jahr sterben werden , in gewöhnlicher kleidung vorübergehn. Leute, die eine solche wache gehalten, sind der ganzen gemeinde ein schrecken. sie können durch bedeutende blicke oder winke den nahen tod der menschen angeben. (das. 229.) In Ostfriesland heißt es: ›solche leute können quad sehen ‹. 1109. Christabends wird ein großer holzklotz ins feuer gelegt ( yuleclog , yullclog, Christmas log) und wo möglich die folgenden tage brennend erhalten. ein stück davon bleibt gewöhnlich aufbehalten, um damit nächste Christmesse den neuen klotz anzuzünden , es bewahrt zugleich die familie vor schaden. (das. 243.) will der klotz nicht brennen, oder brennt er nicht aus, so weissagt das unheil. 1110. wenn der ackermann frühjahrs zu felde zieht, die erste furche mit ungekeiltem pflug ackert und diese erde in die vier ecken der stube streut, so weichen alle flöhe. (Krünitz 1, 42.) 1111. 1111–1123 ostfries. abergl. (westfäl. anz. 1810 no. 68–72). auch hunde und schwarze schafe haben die gabe › quad zu sehen ‹, und man kann sie von ihnen lernen. wenn der heulende hund irgend ein gesicht hat, so sehe man ihm zwischen den ohren durch und hebe sein linkes bein auf; oder man nehme ihn auf die schulter und schaue so zwischen seinen ohren durch. Will man die kunst los sein, so kann man sie auf den hund übertragen, indem man ihm auf den rechten fuß tritt und ihn über seine rechte schulter sehen läßt . 1112. wohin der heulende hund die schnautze steckt, aus der gegend wird die künftige leiche hergetragen. 1113. zuweilen geben thurmglocken den dumpfen todtenklang von sich: dann wird bald einer in der gemeinde sterben, (vgl. no.  284 ). An welcher seite der glocke beim leichengeläute der klöppel zum letztenmal anschlägt, von der seite des dorfs kommt die nächste leiche. 477 1114. wenn eine kohlpflanze im ersten jahr blüte trägt, oder weiße stellen an den blättern bekommt, entsteht im hause des besitzers ein unglücksfall. 1115. ein haus, bei welchem ein stern niederfällt , darin wird nächstens einer sterben. 1116. es bedeutet krieg, wenn der kirschbaum im jahr zweimal blüht . 1117. scheint am lichtmesstage die sonne auf den altar , so ist ein gut flachsjahr zu gewarten. 1118. die hexe kann dem vieh dadurch schaden, daß sie auf seiner weide den thau vom grase streicht . 1119. eierschalen muß man zerknicken ; sonst kann die hexe den menschen die daraus gegessen, den hünern die sie gelegt haben, schaden. 1120. wer etwas eßbares findet, werfe den ersten bissen davon weg, sonst könnten ihm die hexen schaden. 1121. von sieben mädchen aus einer ehe unmittelbar auf einander geboren ist eins ein werwolf . 1122. schlägt der blitz ein, so läßt sich der brand nur mit milch löschen : vgl. 1001 . 1123. wer mit dem finger nach dem monde deutet , erhält einen hölzernen finger. 1124. strohwische von bettstroh , worauf ein todter gelegen , aufs feld gesteckt kommt kein vogel in die saat. 1125. vögel werden aus der saat abgehalten, wenn man beim eggen links geht und einen gewissen segen spricht, den man aber von einer person andern geschlechts erlernt haben muß. 1126. 1126 bis 1142 aus des uhralten jungen leiermatz lustigem correspondenzgeist. 1668. p. 170–176. wenn ein kind in den spiegel sihet, so nicht sprechen kan, ist nicht gut. 1127. zwei kinder, so noch nicht sprechen können, soll man nicht zusammen sich küssen lassen. 1128. die grillen oder ofeneimichen bringen ein unglück. 1129. man sol nicht spinnen oder waschen so lange ein todter über erde stehet. 1130. wann einem drei tropfen bluts aus der nase fellet, bedeutet was sonderlichs. 1131. auf der see muß man nicht sagen thurm oder kirche , sondern stift , spitze und dergleichen. 1132. man muß nicht reden, wann ein ander trinket . 1133. es ist nicht gut daß zwei zusammen trinken . 1134. dafern das holz , wann es an dem feuer liget, und wegen der nässe luft auslesset und brauset , bedeutet keif. 1135. wann ein gerichte im topfe , nachdem es vom feuer, nachkochet , zeigets an daß keine hexen im hause. 1136. man kan die pocken verkaufen , und der sie kaufet, krieget so viel nicht als sonst. 1137. wann man außerhalb des hauses zu thun, und sich in der thür umbkehret , und nicht alsobald fortgehet, ist nicht gut. 1138. das nasejücken bedeutet einen rausch. 1139. wenn ein nagel bei dem einschlagen im sarke sich beuget und nicht hinein wil, folget bald einer. 1140. man muß auf keinen montag in den dienst treten, in ein haus ziehen oder sonst was beginnen, solches wird sonst nicht wochenalt. 1141. über die wiege sich zu spannen ist nicht gut, davon kompt das herzspann . 1142. wenn man salz und brot zuerst in ein haus bringet, das man beziehet, so hat man drin keinen lebensmangel. 478 K. aberglaube in Schweden und Dänmark . 1–71 aus Erik Fernow beskrifning öfver Wärmeland. Götheborg 1773 p. 254–260; 72–109 aus Hülphers beskrifning öfver Norrland. 4. Westerås 1780 p. 308–310. 110–125 aus Johan Odman Bahusläns beskrifning. Stockh. 1746. p. 75–80; 126–169 aus Thiele . danske folkesagn 3, 95–124. 1. ej må man möta sopor i dörren , om man vil bli gift de året. 2. om en flicka och gosse äta af en och samma beta , bli de kära i hvarandra. 3. midsommarsnat skal man lägga 9 slags blomster under hufvudet , så drömer man om sin fästeman, eller fästemö, och får se den samma. 4. ej må ungkarl gifva en flicka knif eller knapnålar , ty de sticka sönder kärleken. 5. en flicka må ej se sig i spegelen , sedan nedmörkt är eller vid ljus, at ej förlora manfolks tycket. 6. bruden skal laga, at han först får se brudgummen , så får han husbondakastet. 7. hon skal under vigslen för samma orsak sütta sin fot framför hans . 8. äfven för samma skäl skal hon laga, at hon sätter sig först ned i brustolen . 9. för samma orsak skal hon, liksom of våda, släppa skon af foten , eller näsduken , eller något annat på golfvet , som brudgummen af höflighet bugar sig at hjelpa til rätta. hans öde blir, at kröka rygg under hela ägtenskapet. 10. bruden skal stå brudgummen nära , at ingen framdeles må tränga sig dem imellan . 11. de hålla i kyrkan et band eller kläde imellan sig , at de måga bli ensame tilhopa. 12. bägge böra hafva pengar i skorna , at mynt må aldrig tryta. 13. den som under vigslen lutar från den andra , dör först, äfvenså den som ser bäst ut. 14. bruden skal taga med så många fingrar på bara kroppen , under det hon sitter i brudstolen, som hon vil hafva många barn. 15. at hon må få lätt barnsäng skal hon vid hemkomsten från kyrkan til vänster spänna ifrån bukhjolen , om hon ridet, men fimmelstången om lion åket. 16. at bruden må bli god mjölkko, möter hännes moder hänne på gården, då hon kommer ur kyrkan met et mjölkeglas , at utdricka. 17. til mat på första barnsängen skal hon förse sig med en kaka och en ost , som hon har hos sig ligande i brudsängen. 18. när barn äro nyssfödde, lägges en bok under deras hofvud , at de må bli nimme at läsa. 19. når de första gången lögas, lägges penningar i vatnet , at de må bli rika. en pung med pengar uti sys ok kring halsen . 20. något af fadrens kläder bredes på flickobarn , och modrens kjortel på gosse , at få tycke hos andra könet. 21. modren bör möta barnet i dörren , när det föres fort til christendom; men när det föres hem, sedan det er döpt, skal man möta det i dörren med en brodkaka , at det aldrig må fattas bröd. 22. så länge barn ej fådt namn, må ej elden släckas . 23. ej må man gå mellan eld och spenbarn . 24. ej må man sent bära in vatten , där spenbarn är, utan at kasta eld deruti . 25. ej må någon som kommer in i huset taga et barn i sina händer, utan at förut taga i elden . 26. när barn få snart tänder, vänta de snart nya syskon efter. 27. om barn trifvas gerna i varmt vatten , bli de horaktiga. 28. ej må man vagga tom vagga , ty barnet blir grätt och olåtigt. 29. när et förstfödt barn , som är födt med tänder, biter öfver onda betet , så blir det läkt. vgl. 37 . 479 30. barn må ei på engång läsa och äta . ty del får trögt minne. 31. barnet skal först taga i hund , men ej i katt . 32. om barn leka med eld , få de svårt at hålla sit vatten. 33. barn som är afladt före vigslen skal modren sjelf hålla vid dopet , eljest blir det icke ägta, men är det födt förnt, skal hon hålla det på armen , när hon står brud. 34. om den sjuke får främmande mat , blir han frisk. 35. för läkemedel bör man ej tacka , ty det har ingen verkan. 36. ej må man gå öfver grafvar med öpet sår. ty det läkes sent eller aldrig. 37. onda betet botas of förstfödt barn med tänder. vgl. 29 . 38. ei må man före morgonen omtala, om man sedt spöke , at ej bli kramad och spotta blod. 39. sedan nedmörkt är, må man ej gå til vatten, at ej få onda betet . 40. för samma orsak, eller ock at ej bli kramad, skal man spotta 3 gånger, då man går öfver vatten sedan nedmörkt äs. 41. för den sjuka bör man låta bedja i 3 kyrkor , dock hör gerna däribland varaen offerkyrka , såsom Gunnarskog, Visnum, Rada, om man bor dem så när. det måste då hastigt slå ut, antingen til helsa eller döden. 42. stora fiskars tänder böra upbrännas , at bli lyklig i fiske. 43. man bör ingen tilsäga , då man går astad at fiska, och ej omtala antingen man får mycket eller litet. vgl. 109 . 44. ej heller bör någon främmande få se, hur micket fisk man fått. 45. när man ror ut från landet at fiska, må man ej vända båten ansöls . 46. knapnålar fundna i kyrkan och där gjorda til metekrokar . nappa bäst, eller äro gäfvast. 47. går qvinfolk öfver metespö , nappar ej fisken. 48. stulen fiskeredskap är lyklig, men den bestulne mister lyckan. 49. ej må man köra lik til kyrka, ty hästen blir skämd. 50. ej må man lysa under bordet , at ej gästerne skola bli oense . 51. ej må man vända om , då man går i något ärende, at det icke må aflöpa illa. 52. för knapnålar må man ej tacka , ty de tapas bort. 53. qvinfolks möte er ondt , om det ej är en lönhora . 54. kommer en främmande in, der ljus stöpes , skal han taga i elden , eljest losnar talgen af ljusen. 55. ej må man spinna om Torsdags qväll , eller i dymmelveckan; ty det spinner efter om natten. 50. kommer främmande in, der korf kokas , spricker han sönder. 57. om någon, som har onda ögon , ser då man slagtar, har kreaturet ondt för at dö. 58. slår man kreatur med vriden vidja , får det tarmtopp. 59. vänder man toflor eller skor med tån in åt sängen , så kommer maran om natten. 60. påskafton skal man göra kors öfver fähusdörren för trollkäringar. 61. när man ligger förste gången i et hus , skal man räkna bjelkarna, so blir sand hvad man drömer. 62. om man glömer något. då man reser bort, er godt hopp för de hema varande, at den resande kommer til baka; men se sig til baka , är ej godt märke. 63. när kattor tvätta sig, eller skator skratta vid husen, vänta de främmande. har en sölaktig matmoder, eller vårdslös piga icke förr sopat golfvet, så bör det då vist ske. 64. den som om juldagen först kommer hem från kyrkan, slutar först sin andetid. 65. om man går 3 gånger kring kålsängen , sedan man satt kålen, blir han fri för mask. 66. om qvinfolk klifver öfver skaklor skenar hästen eller blir skämt. 67. när väfstolen tages ned, skal man kasta et eldkol därigenom, så får man snart up ny väf. 68. lägges eld i karet före mäskningen, surnar ej drikat. 480 69. julafton kastar man stifvu råghalms strå i taket . så många strå som fastna, så många trafvar råg får man det året. 70. tom säk må ej bäras oknuten . går en hafvande hustru därefter, så blir hännes foster aldrig mätt. men råkar en ko på den olykliga vägen, så tar hon sig aldrig kalf. 71. då man lögar sig, sattes stål i vatnet , och näcken bindes sålunda: › näck, näck , stål i strand, far din var en ståltjuf, mor din var en nåltjuf; så långt skal du vara härifrån, som detta rop höres!‹ och då ropa alle med fullhals: › ho hagla! ‹ 72. om kornet väl vil mylla sig, är tekn til god årsväxt. när gödningen om våren skåttas af kälan, hvaräst den legat öfver vintern, kastas någre korn in brakningen . likeså, när man sår, bör en näfvamull läggas i sädskorgen , den dagen bör ock ej tagas eld ifrån grangården. 73. om påsklördag blåses med en lång lur genom fähusgluggen; så långt ljudet då hörs , så långt bortblifva odjuren det året. 74. när man söker efter boskap i skogen, och råkar en käkling (talgoxe) på högra handen , skal det sökta finna igen. 75. släppes svinen ut Lucii dag, få de ohyra ; likeså sägas de bli åkergängse , om de komma ut at påskafton. 76. går man vilse i skogen, skal man stulvända sig (vända ut och in på kläderna), så kommer man til rätta. vgl. deutsch 852 . 76b. om boskapen Mikelsmässafton köres tyst in , skal han vara rolig i fähuset hela året. 77. när kon blir sprungen af oxen, bör man med kokslef slå henne på ryggen , annars bottnar hon (får ej kalfven från sig). 78. när askan brinner väl ihop , görs boskapen väl til (blifver dragtig). 79. at boskapen skal sjelfmant komma hem ur skogen, måste sparas af fet-tisdags mat , at ge då den, om våren först släppes ut. 80. vid första höladningen säges, at då drängen först får in sin höfamn skal oxkalfvar födas, men tvärtom, då pigan har förträdet. 81. om den som byter sig til en häst eller annat kreatur, låter det äta af en jordfast sten , så trifves det väl. någre hår af svansen bindas ok för den orsaken uti spiället. 82. när en byter sig til hemman, bör litet fyllning tagas ifrån gamla stall ok fähus, och läggas i hvar spilta elles bås i det nya, at kreaturen må trifvas. äfvenså sättes en stor gran i fähusdörren, at kreaturen må gå derigenom första gången. 83. alt fullgjordt arbete korsas öfver . 84. om man fet-tisdag , går i ränbaka at åka på skida, ok mäktar stå utan at falla kull, skal det året blifva långt lin . 85. garnet får ej tvettas i nedan , ty då blir det grått. 86. om alt är under lås Michelsmässafton , skolar tjufvar ej göra skada det året. 87. om et korn eller annat finnes under bordet , då der sopas nyårs morgon, skal blifva ymnog ärsvext. 88. när man på de 3 första sädesdagar sätter 3 stickor i en myrstak , får man se, hvilket säde bäst lyckas: kryper myran öfverst på den 3, blifver den lykligast. 89. är sjöredskapen stulen, bör den rökas med vriden eld . 90. vil vörten ej rinna genom råsten, bör man sätta en ullsax emellan banden och råstkaret . 91. när brännvinspannor voro i bruk, troddes at bränningen geck bäst i nedanet. om pannan då var förfärdigad, och tvärtom. 92. då svin komma at lukta eller smaka af bränvinsämnet, skulle hela bränningen förolyckas, så framt ej en häst feck blåsa i pannan eller piporna. vgl. deutsch 820 . 93. påsknatten ligga i strumpor , var at förekomma skabb. 94. när lomen ses flyga och strika öfver isen, skal bli många oägta barn det året. den som dåras af honom, får såra händer. 95. gropar vårtiden på gården, betyder at någon snart skal dö i huset. 481 96. om någon mistänkt kom i gården, skulle man, at undgå spådoms sändningen, äntingen slå henne så at bloden rann , eller kasta eldbrand efter en sådan. 97. när bruden är klädd, bör hon först få se brudgumen i sin skrud , at äktenskapet må blifva kärligt. 98. när bruden kommer från kyrkan, skal hon sjelf spänna ifrän eller sadla af hästen , at hon måtte lindrigt få barn. 99. äfven bör hon då först gå i kokstugan, och se i sopvrån , at hennes föda må bli tilräkelig. 100. dansar bruden ned pengar i skona , kann ingen trolldom bita på henne. 101. när en qvinna lyktat sin väf, och tar en spjelka , som sutit i väfskelet, rider derpå ut genom dörren , och möter en man, så skal den hafvande hustrun, hon tänker på, få et gossbarn; men tvärtom. 102. dricker hafvande hustrun ur preda kärl , blir barnet bredmynt. 103. går hon genom et hagskott , d. ä. der gårdsbalken slutas, skal bon få fallsjuka. 104. om börnet får sofva i christningskläderna , skal det ej bli okynnigt utan godt. 105. när spjäll om qvällen skjutes , hafva de ock fordom haft en särdeles sång: ›skjuter jag mitt spjäll sent om en qväll, . . . . . . . . aldrig skal min eld släckas ut‹. 106. den som först kommer från kyrka juldagen , tros först få så och berga, samt vara främst i alt arbete. 107. tvätvattn utslås aldrig efter solgången , utan at deri stickes eld i stället för spottning om dagen. 108. då boskapen först om våren utsläppes, gå de öfver eld i et rykande fnöske eller annat ämne. 109. man bör gå bort, utan at saga til , eller möta någon , om fiske i vissa sjöar skal lyckas. vgl. 43 . 110. ibland the storre amuleter äro boträ , stora hogar och berg , uti hvilka man tror underjordskt folk bo, så akta de sig högeligen, at icke allenast intet hugga af slikt boträ , til undvikanda af olycka, som skedde i Fosspastorat för 2 år sen, tå en bonde inbillade sig, at han fådt sin olycka, för thet han allenast högg en gren af slikt boträ , ok giorde knäfall ok bad om förlåtelse, hvarföre han blef skriftad ok måste plikta; utan ok hålla the särdeles Torsdags qväller så heliga, at the hvarkan töra hugga elle spinna, at icke tomte gubbarne , som bo i sådanne boträ när vid gården, må fortörnas ok vika bort med all välsignelse. 111. the låta intet gärna någon brud få god häst , at rida på, ty om hon intet er mö, blir hon aldrig god therefter. 112. tå the äro fäste eller vigde, lagar bruden, at ingen kommer at gå emellan brudgummen ok henne , ty eliest tro the, at the bli snart skilge genom döden eller eliest. 113. när bruden kommer til bröllops gårdsens ägor, komma the emot brudgummen ok henne med brännevin ock dricka til hela foliet från kyrkan: tå hon slår bägaren med dricken bak om sig, så långt hon kan , i hopp, at hennes ägodelar skola blifva förmerade. 114. maten står på bordet , natt ok dag, så länge bröllopet påstår, i then tron, at brudefolken aldrig skal fattas mat eller dricka. 115. få the barn , så låta the intet gerna sina barn dopas på samma dag the äro födde. hvarföre the dömma, at the barn, som om söndag födas ok döpas , intet skola länge lefva. men lefva the, tror man, at intet tröll eller spöke kan giora them skada. 116. döpelsevatnet , ther i barnen döpte äro, söka the micket efter, thet the sedan, om the prästen ovitterligit kunna få, bruka til at bota sinkdommar med. 17. til sina siuka kalla the intet gärna prästen , förrän the ligga på thet yttersta. ty the tro, at the ofelbart dö, sedan the tagit herrans helga nattvard. 482 118. hustrorna akta noga sina barn, tils the bli döpte ha the altid stål ok synåler i barnets kläder , al the icke af spöken skola blifva förbytte. 119. om våren äro the micket rädde för foglerop , at the icke skola dåras af them, särdeles göken , ther före gå the i april ok maji aldrig ut fastandes. vgl. 128 . 120. om en flicka, enka, eller karl blir dårad , tror then samma sig bli gift thet året; om gamla ok gifte bli dårade, befara the thet året svåra siukdommar eller olycksfall. 121. somlige bruka slå sina späda barn 3 slag med riset i ändan , innan mödrarna gå i kyrkan eller hålla sin kyrkogång, og tå mena the barnen skola få godt minne . 122. som the i gamla dagar dyrkat elden, så ha the ok här så väl som än i Norriget hrukat dricka eldborgs skål zumal üblich in Krokstad und Nafverslad. , hvar kyndelmässo, ty kindel på gammal giötiska betyder lius: hvarföre, när the skulle dricka eldborgs skål , tände the 2 stora lius , ok satte på golfvet emillan hvilka lades et hyende, på hvilket alla som i huset voro, then ene efter then andre, skulle sätta sig ok dricka eldborgs skål med dricka i en träskål, ok när the utdruckit skulle skålen kastas bak öfver hufvudet i golfvet . hvälfdes tå skålen öfverända , trodde the at then skålen kastat skulle thet året dö; men stod han rätt upp , vore tekn, at han skulle lefva. 123. innan dager hat hustrun lagt eld i bakugnen, ok tå thet bäst brunnit, haft tilreds en smörklening på kakebröd, jämte en skål öl, therpå har bon kallat alt sitt husfolk ihop ok stält them i en half måne mit för ugnsholet, ok tå the alla under knäböjande ok lyckönskan ätit en bit af smörkleningen ock druckit hvar sin drick eldborgsskål , sen hafva the kastat thet öfvriga af kleningen ok dricken uti elden , i tro, at thet året bli bevarade för eldsvåda. 124. så ha the ok brukat tända eld på then halmen lik ha legat , ok thet strax efter liket blifvit burit til grafva, tå the noga sedt på röken , om han slagit ned på gården , tå the säkert trodt någon af närmaste släkten på gården skulle snart följa efter. men ther han gik långt bort i högden eller längden up i vädret , skulle siukdomen ok döden flytta sig ther bän i öster eller vester, som röken for. 125. på det liket icke skulle spöka brukade the at strö höfrö på kyrkovägen ok grafven, tå the mänte at Satan ingen makt hade. vgl. 151 . 126. det er skik at pigerne paa S. Hansdag plukke de saakaldte S. Hans urter og sätte dem i bjelkerne under loftet, for at de deraf kunne slutte sig til det tillkommende. saaledes pleie de, at sätte en urt for sig og en for kiäresten , og hvis disse da voxe sammen , hetyder det bryllup. ogsaa sätte de saadanne urter i bjelken for deres paarörende, at de deraf maa kunne vide, hvo der skal have langt liv og hvo et stakket. voxer urten op imod loftet , da er det gode tegn, men voxer den nedad , da betyder det sygdom og död. 127. naar piger og karle ville have at vide, hvo der skal skifte og hvo der skal blive i huset, da kaste de en skoe over hovedet mod dören. falder da skoen saaledes, at hälen vender mod dören , da betyder det at personen skal blive, men vender taaen mod dären , da er det tegn til, at han skal skifte. 128. seer man förste gang i aaret gjögen , medens man endnu er fastende, da hedder det ›gjögen ganter os!‹ (i Fyen: daarer os!) og er det et mandfolk, skal han i dette aar ikke hitte kreaturer eller andet hvad han monne söge. er det en pige, maa hun vel vogte sig for ungkarlene at hun ikke bliver gantet af dem. er det gamle folk, da have de vel aarsag til at frygte for sygdomme. 129. naar tjenestefolk gaae i tjeneste, da maa de vel give agt paa, hvem de möde. en gaaende betyder ondt, men en ridende godt. 130. naar tyende förstegang see storken flyende , da betyder det, at de endnu i samme aar skulde komme at skifte, men see de den staaende , da skulle de blive i deres tjeneste. 483 131. naar noget er bortstjaalet , da kan man lade en smed slaa öiet ud paa tyven. 132. for at optage en tyv, besynderligen mellem tyendet, har det tilforn väret skik, at lade soldet löbe . husbonden pleiede da at tage et sold og sätte det i ligevägt paa spidsen af en sax , derpaa at opremse navnene paa alle sine folk og vel give agt paa soldet, som ufeilbarligen kom i bevägelse , naar typens navn nävntes. 133. naar noget er bortstjaalet , da skal man henvende sig til de saakaldte kloge folk , hvilke have den evne, at de kunne tvinge tyven til at bringe det stjaalne igjen. 134. fra juledag til nytaarsdag maa man ikke sätte nogen ting, som löbcr rundt , i gang, altsaa hverken spinde eller vinde . 135. julenat vid midnatstid reiser qväget sig paa stalden. 136. naar man juleaften sidder til bords, og önsker at vide, om nogen blandt de tilstede värende skal döe inden näste jul, da kan man erfare dette, naar man gaaer stiltiende udenfor, og kiger ind igjennem en vinduesrude . den som man da seer at sidde ved bordet uden hoved , skal döe i det kommende aar. 137. ved gjestebud er det ikke godt at sidde tretten til bords, thi da maa en af dem döe forinden aaret er omme. 138. om fredagen skal man skjäre sine nägle, da faaer man lykke. naar man har klippet sine nägle eller sit haar, da maa det afklippede enten brändes eller graves ned . thi dersom onde mennesker faaer fat paa saadant, da kunne de dermed forgjöre den person, som har baaret det. 139. hvo der finder en afbrudt syenaal paa gulvet, förend han har läst sin morgenbön, faaer enten hug eller onde ord. 140. staaer öinene aabne paa et liig, betyder det, at suart nogen af samme familie skal fölge efter. 141. kläder og linnedstykker, som have tilhört en afdöd , henfalde og gaae let itu, altsom legemet forraadner i graven. 142. man maa ei give et liig gangkläder af en endnu levende med i graven: thi altsom kläderne forraadne i jorden, saa vil ogsaa den, som har baaret disse kläder tilforn, tid efter anden forsvinde og hentäres. 143. naar talgen, som sidder omkring et brändende lys , böier sig ligesom en hövlespaan, da betyder det, at nogen skal döe, og er det sädvanligen den, til hvem hövlespaanen peger. 144. naar man om morgenen finder blaa pletter paa sit legeme, da er det dödningkneb , og har det slägtninges eller kjäre venners när forestaaende död at betyde. 145. naar en skade sätter sig paa huset, da kommer der fremmede. 146. naar man förstegang om aaret hörer gjögen at kukke, da skal man spörge: ›hvor gammel bliver jeg?‹ eller ogsaa ›hvor länge skal det vare, indtil det eller det skeer?‹ og giver den da svar ved at kukke. 147. naar man finder en fireklöver , eller en tvillingnöd eller en skilling , skal man vel gjemme det, eftersom sligt bringer lykke. 148. naar man vil see djävlen eller have med ham at gjöre, skal man gaae tre gange om kirken , og tredje gang standse ved kirkedören, og enten raabe ›kom herud‹ eller ogsaa flöite igjennem nöglehullet. 149. naar man önsker at vide, om en afdöd mand har i levende live havt med fanden at bestille, da skal man kige igjennem seletöiet paa de heste , som träkke hans liigvogn, og hvis det saa har väret, da vil man see en sort hund at sidde bag paa vognen. 150. frygter man for spögerie, skal man ströe hörfröe for dören, da kan intet spögelse komme over dörtärsklen. vgl. 126 . 151. naar man slaaer en hesteskoe fast paa dörtrinnet, da kan intet spögerie komme derover. 152. naar man om morgenen kommer altfortidligt i kirken, da kan det vel hände, at man seer de döde , hvorledes de sidde i stolestaderne . 153. troldene tör ikke nävne korsets navn, men kalde det blot › hid og did ‹. 484 154. naar man er paa fiskerie, da maa man vel vogte sig for at trätte om fangsten , ej heller maa man misunde andre, thi da forsvinde fiskene strax fra stedet. 155. er nogen död, som frygtes for, at han vil gaae igjen, da kan man hindre sligt ved at kaste en skaalfuld vand efter liget , naar det udbäres. 156. det er daarligt, at skyde paa et spögelse, thi kuglen farer tilbage paa den, som udskyder. men lader man bössen med en sölvknap , da vil den visselig träffe. 157. den tredie nat efter begravelsen pleie de döde at gaae igjen. 158. en frugtsommelig kone maa ei gaae over et sted, hvor man har selbet en kniv : thi det volder en svär forlösning. men naar man i forveien spytter tre gange paa stedet, da har det ei fare. 159. naar et barn veies strax, som det er födt, da vil det siden ei trvives. 160. naar man löfter et barn ud af et vindue og tager det ind igjen gjennem et andet, da vil det aldrig siden blive större. 161. naar en barselquinde döer uden at väre bleven forlöst, da vil hun fyrretyve uger derefter föde i graven. derfor gives hende naal , traad , sax og andet sligt med, at hun selv kan sye börnetöiet. 162. det er et godt middel imod tandpine, först at tage en hyldepind (hollunderzweig) i munden, og dernäst stikke den i väggen med de ord: ›viig bort du onde aand!‹ saa er ogsaa gavnligt mod koldfeber, at stikke en hyldepind i jorden, dog uden at mäle et ord derved. da holder feberen sig til hyldepinden og hänger sig ved den, der uheldigviis först kommer til stedet. in einer hs. von 1722: paganismo ortum debet superstitio, sambucum non esse exscindendum, nisi prius rogata permissione, his verbis: › mater sambuci, mater sambuci permitte mihi tuam caedere silvam!‹ videmusquoque rusticos orsuros caesionem arboris ter exspuere , quasi hac excretione vettas aliosque latentes ad radicem arboris noxios genios abacturos. Passim etiam obvium, quod bacillum vel fracturi vel dissecturi, partem abruptam abcissamve non projiciant in terram, nisi ter in extremitatem fragminis exspuerint, cujus quidem rei aliam non norunt rationem, quam curasse, ne quid sibi a vettis noceatur. 163. af brystbenet paa mortensgaasen kan man see hvorledes vinteren vil blive. det hvide deri er tegn paa snee, men det brune paa meget stärk kulde. og er det at märke, at den forreste deel ved halsen spaaer om vinteren för juul, men den bageste om vinteren efter juul. 164. ofte händer det, at söefolk i rum söe see et skib , i alle maader som et andet, at seile forbi og i samme stund forsvinde for deres aasyn. det er dödningseileren , som varsler om, at et skib snarligen skal gaae under paa det samme sted. 165. naar man taler om skadelige dyr , da maa man ikke nävne deres rette navn, men omskrive det, og saaledes kalde rotterne ›de langrumpede,‹ musene ›de smaa graa‹. 166. naar man vil vide sin tilkommende lykke i det nye aar, da skal man tage et bröd , en kniv , og en skilling , og dermed gaae ud at see maanen , naar nyet tändes . og naar man da slaaer op i en psalmebog, vil man af dens indhold kunne slutte sig til det vigtigste. 167. naar en pige ved midnat udspänder mellem fire kieppe den hinde, i hvilken föllet er, naar det kastes, og derpaa nögen kryber derigjennem , da vil hun kunne föde börn uden smerte. men alle de drenge hun undfanger, blive värulve og alle de piger blive marer . om bruden kryper genom en sela, får hon barn utan möda, hvilka dock skola blifva maror . Westerdahls beskrifning om svenka seder p. 28. 168. skjertorsdagaften kaster bonden öxer og jernkiler paa de besaaede agre og fäster staal paa alle döre, at ikke gamle kjerlinger skulle skade ham. 169. naar en kommer til kirke skjertorstag og haver da, uden selv at vide det, et hönekeäg , det er det förste äg en höne lägger, paa sig, saa vil han see alle de quinder, der ere hexe, at gaae lige som med siebötter eller malkebötter paa hovedet . 485 L. aberglaube in Frankreich . aus den mémoires de l'académie celtique: n. 1–10 (Commercy en Lorraine) 3, 441–450. 4, 83. 84.; n. 11. 12. 13 (Sologne) 4, 93. 94; n. 14–20 (Chartres) 4, 242; n. 21. 22 (Gironde) 4, 268; n. 23–28 (Bonneval) 4, 428; 29–32 (Pyrénées) 5, 386–390 ; 33–35 (Bonneval) mém. des antiquaires 1, 239–242. 1. le 24 décembre, vers les six heures du soir, chaque famille met à son feu une enorme bûche appelée souche de noël . on defend aux enfans de s'y asseoir, parceque, leur dit on, ils y attraperaient la gale. notez, qu'il est d'usage dans presque tout le pais, de mettre le bois au foyer dans toute sa longueur, qui est d'environ 4 pieds, et de l'y faire brûler par un bout. vgl. num. 28 . 2. le jour de la fête de la trinité quelques personnes vont de grand matin dans la campagne, pour y voir lever trois soleils à la fois . 3. le 24 juin, jour de Saint Jean, quelques personnes vont aussi sur une montagne élevée, et y attendent le lever du soleil , pour le voir danser . 4. les herbes et plantes médicinales, cueilliés la veille de la Saint Jean, passent pour avoir plus de vertus, surtout contre certains maux. 5. la coupe des cheveux ne doit se faire que lorsque la lune est nouvelle , sans cela les cheveux ne pourraient plus pousser. on ne doit point jeter la recoupe des cheveux sur la voie publique, les sorciers pourraient y jeter un sort. 6. les linges, qui ont servi au pansement des maux, ne doivent être ni brûles ni jetés dans la rue, pour les mêmes motifs. 7. si quelqu'un meurt, on voile les glaces de sa chambre. 8. lorsqu'une personne est gravement malade, on a soin d'observer, si quelque hibou , chouette ou chathuant viennent voltiger autour de l'habitation. 9. l'hirondelle est un oiseau d'heureux présage; aussi ne la dérange-t-on jamais. détruire son nid, c'est détruire ou atténuer les heureuses destinées, qu'on y attache en faveur de la maison. 10. l'araignée est un signe de bonheur, et annonce particulièrement de l'argent pour la personne, sur laquelle elle est trouvée. plus une étable est garnie de toiles d'araignées, plus elle est digne de regards de la providence. 11. si une jeune taure s'égare la première fois qu'elle est mise aux champs, les Solonaises vont jeter deux liards dans la serrure, se mettent à genoux et disent tout haut cinq pater et cinq ave, qu'elles adressent au bon saint Hubert; cette prière faite, elles sont bien sûres que les loups respecteront la taure, fût-elle au milieu d'eux, et qu'ils la rameneront même à la bergerie. 12. dans la nuit du jour de noël , jusqu' à midi, les cheveaux, les vaches, les boeufs, les taureaux, les ânes parlent. ces animaux se plaignent, ou s'applaudissent du traitement de leurs maîtres. ce don de la parole leur arrivé seulement avant minuit sonnant, et finit á midi du jour de noël, ou plutôt si la personne, qui les soigne, est coupable d'un péché mortel. 13. le même jour de noël il ne faut pas mettre paître les bêtes à corne avant midi, parceque de suite elles se battraient , et se blesseraient certainement. 14. la veille de noël, pendant la généalogie qui se chante à la messe de minuit, tous les trésors cachés s'ouvrent. 15. dans la plupart des églises de campagne on fait encore aujourd'hui des offrandes de la première gerbe de froment coupée dans un champ. ces premices de la moisson ne reçoivent d'autres ornemens qu'en paille plus ou moins faconnée. cette gerbe est presque toujours surmontée d'une croix aussi en paille. 16. l'usage des brandons est consacré partout les premier et second dimanche de carême. on va brûler dans les champs, ou sur les chemins vicinaux, des flambeaux formés de paille en chantant: › brandons , brûlez pour les filles à marier!‹ vgl. mém. des antiquaires 1, 237: brandelons, brûlez par ces vignes, par ces blés: brandelons, brûlez pour ces filles à marier. puis on s'écrie: mais les vieilles n'en auront pas. 486 17. quand le mari met l'anneau au doigt de la mariée, il ne le porte que jusqu' à la seconde jointure . celle-ci doit donc vite le pousser à la troisième , afin d'empêcher le malefice des sorciers, qui n'ont que cet instant du passage de l'anneau, pour opérer la nouure de l'éguillete. 18. les mariés entendent la messe à genoux. à l'évangile on a soin de remarquer lequel des deux époux se lève le premier ; on en augure que c'est lui qui sera le maître. 19. au moment qu'on montre le bon dieu de la messe, ceux qui se trouvent placés auprès des mariés, leur frappent trois petits coups sous les talons , avec le manche d'un couteau, pour empêcher qu'ils ne deviennent jaloux. 20. en sortant de l'église, on conduit la mariée en face d'une image de la vierge, auprès de laquelle est attachée une quenouille garnie de chanvre; on la lui présente; elle file deux ou trois aiguillées , et l'emporte chez elle; elle fait filer ou file le reste, et rend ensuite, avec l'écheveau de fil qui en est provenu, cette même quenouille, qu'elle a eu soin de garnir d'autre chanvre. 21. un enfant mâle qui n'a pas connu son père , a la vertu de fondre les loupes , en les touchant pendant trois matinées de suite, étant à jeun et récitant quelques prières. 22. le cinquième des enfans mâles venus au monde et de suite, guérit les maux de rate par le simple attouchement répété pendant trois matinées consécutives, en proférant quelques mots. 23. a-t-on chez soi une poule , qui chante comme le coq , on se dépêche de la tuer ou de la vendre, dans la crainte qu'elle n'attire quelque malheur sur la maison. 24. est-on en voyage, si l'on rencontre dans son chemin des pies par nombre impair , c'est malheur. 25. quand on veut savoir, quel mari ou quelle femme on épousera, il est d'usage de se lever, le premier jour de mars , au coup de minuit et pendant que l'heure sonne. on marche trois pas en avant de son lit, en prononçant ces paroles: ›bon jour Mars , de Mars en Mars, fais moi voir en mon dormant la femme que j'aurai en mon vivant!‹ on revient à son lit en marchant en arrière; on se recouche, on s'endort, on rêve, et l'homme ou la femme qui apparaissent alors, sont le futur époux. 26. ceux qui possèdent de mouches à miel , ont grand soin, lorsqu'il meurt quelqu'un dans la maison, d'aller d'abord annoncer à chaque ruche l'évènement fâcheux, qui vient d'avoir lieu, et d'y attacher ensuite un petit morceau d'étoffe noire . sans cela, elles periraient bientôt. 27. la veille de Saint Jean un feu de joie est allumé dans un carrefour. au milieu du feu on place une longue perche, qui le domine, et qui est garnie de feuillages et de fleurs. le clergé se rend en grande pompe au lieu de la cérémonie, allume le feu, entonne quelques chants et se retire; ensuite les assistans s'en emparent, sautent par dessus , et emportent chez eux quelques tisons , qu'ils placent sur le ciel de leur lit, comme un préservatif contre la foudre. 28. la veille de noël, avant la messe de minuit, on place dans la cheminée de l'appartement le plus habité une bûche , la plus grosse, que l'on puisse rencontrer, et qui soit dans le cas de résister pendant trois jours dans le foyer; c'est ce qui lui a fait donner le nom de tréfué , tréfoué, trois feux. (vgl. num.  1 .) 29. une jeune fille qui désire savoir son futur époux, se lève avant le jour le premier mai . elle prend un seau, qu'elle nettoie avec une branche de romarin, et s'achemine vers quelque fontaine solitaire. rendue là elle se met à genoux sur le bord de la fontaine, fait une prière, plante sa branche de romarin dans un buisson voisin, et remplit son seau de l'eau de la fontaine. elle attend alors le lever du soleil . aussitôt qu'il commence à paraître sur l'horizon, elle s'approche du seau, en trouble l'eau avec la main gauche , et dit ces trois mots: ›ami rabi vohi!‹ elle doit répéter neuf fois la même chose, et avoir fini lorsque le soleil paraît en entier. alors, si elle n'a été vue par personne, ni en venant à la fontaine, ni pendant les cérémonies qu'elle y a faites, elle voit au fond du seau la figure de celui, qu'elle doit épouser. 487 30. un jeune homme pour connaître la couleur de cheveux de celle, qui doit être sa femme, fait, la veille de S. Jean, trois fois le tour du feu de joie , prend un tison enflammé , le laisse éteindre dans sa main gauche, et le soir, avant de se coucher, le met sous le chevet de son lit, enveloppé d'une chemise qu'il a porté trois jours. il faut que tout cela se fasse les yeux clos. le lendemain matin, au lever du soleil, le jeune homme trouve, autour de son tison, des cheveux de la couleur que doivent avoir ceux de sa future épouse. 31. il est d'usage de se marier à jeun . on croit, que ceux qui y manqueraient, sans des motifs bien puissans, n'auraient que des enfans muets . 32. les époux ont grand soin, le jour de leur mariage, de mettre du sel dans leur poche gauche avant de se présenter à l'église. ce sel empêche le noeud de l'aiguillette. 33. la rosée de la nuit de la S. Jean guérit la gale, et le premier seau tire d'un puits à l'instant du minuit qui commence le jour de S. Jean, guérit de la fièvre. près de Nogent-le-Rotrou il y a une fontaine célèbre pour sa vertu curatrice pendant toute la nuit, veille de S. Jean. hommes et femmes entrent dans ses eaux et s'y lavent: nulle idée d'indécence ne trouble la cérémonie. 34. le feu de S. Jean ne brûle pas, on peut en prendre à la main les tisons enflammés. 35. pour se défendre de la puissance des bergers sorciers , on met du sel dans sa poche, et en passant devant le berger on dit tout bas: berger sorcier, je ne te crains ni te redoute. M. aberglaube der Ehsten . etwas über die Ehsten. Leipz. 1788. p. 55–88. aus Hupels topogr. nachr. von Lief und Ehstland. Riga 1777. 2, 134–145 sind num. 93–99. 1. ehen werden zur zeit des neumonds geschlossen. 2. reitet der brautwerber nach dem hause wo er werben soll, so ist er behutsam, keine stute zu wählen, weil sonst in der ehe lauter töchter gezeugt werden würden. 3. ist die braut verlobt, so wird ihr ein rother faden um den leib gebunden, und wenn die trauung vollendet ist, muß sie sich dergestalt aufblähen, daß der faden zerreißt. dies ist ein sicheres mittel gegen schwere entbindungen. 4. an manchen orten laufen die jungen ehleute hand in hand, mit größter geschwindigkeit aus der kirche , um einen schnellen fortgang ihrer verrichtungen zu bewirken. 5. fällt die braut , nachdem sie abgeholt worden, unterweges , so bedeutet das frühen tod ihrer drei oder vier ersten kinder. 6. sieht man den bräutigam zu pferde kommen, so beeilt man sich ihm den sattelgurt zu lösen . auch dies soll bei seiner künftigen frau leichte geburt befördern. 7. man hütet sich eine braut durch die pforte auszuführen, durch welche kurz vorher eine leiche ausgetragen wurde. 8. wird die braut eingeholt, so darf sie keine ketten und schellen an sich tragen, sondern muß mit feierlicher stille eingeführt werden; sonst bekommt sie unruhige kinder. 9. gleich nach geendigter trauung hebt der stärkste unter den anverwandten oder gästen den bräutigam und die braut in die höhe , um dadurch ihr ehglück zu vermehren. RA. 433. 10. sobald das neue ehpaar das haus betritt, muß auch ein wächter geraume zeit bei dem hausfeuer zubringen, damit ihm kein fremder nahe, und geheimen zauber zum weh der ehleute veranstalte. 488 11. die junge ehfrau wird gleich nach ihrem eintritt durch alle theile des hauses geführt, durch stuben, kammern, badstuben, ställe, gärten, und ist verpflichtet in alle theile, ja selbst in den brunnen und ins feuer bänder oder geld zu werfen, wenn sie das glück und den segen ihres mannes liebt. 12. wenn sie sich setzt, gibt man ihr ein kind männlichen geschlechts in den schoß, um sie dadurch zum knabengebären fähig zu machen. 13. in einigen gegenden hatte man während des hochzeitsgelags die gewohnheit, oberwärts wo bräutigam und braut sitzen, zwei degen in die wand zu stoßen ; wessen degen die längste schwingung behält, der lebt am längsten . 14. bei der mahlzeit geht man mit dem bier vorsätzlich verschwenderisch um, und gießt es bald hie bald dahin aus; damit auch bei dem neuen ehpaar überfluß eintrete. 15. wer von den neuen ehleuten zuerst einschläft , stirbt zuerst. 16. regen am hochzeitstag bedeutet der braut häufiges weinen. 17. beim hochzeitsmahl stellt man zwei lichter vor bräutigam und braut , wessen licht von selbst zuerst erlischt, der muß zuerst sterben. 18. der diener des bräutigams nimmt ein ganzes brot, schneidet einen kleinen bissen davon, bestreicht ihn mit butter und gibt ihn der braut in den mund . dies soll ihren künftigen kindern glatten, kleinen mund verschaffen. 19. wird die junge frau in des mannes haus eingebracht, so reißt man den zaun auf beiden seiten des eingangs nieder , damit sie schnell ohne hinderniß und anstoß einfahren könne. dann wird auch ihre entbindung leicht von statten gehen. 20. schwangere weiber hüten sich beim einheizen das holz nicht gegen die äste in den ofen zu werfen, weil ihnen sonst das gebären sauer werden würde. 21. bei schweren entbindungen fördert es, wenn der ehmann über sein weib steigt . 22. keine schwangere setzt sich auf ein wassergefäß , sie würde gefahr laufen, viel töchter zu gebären, oder ihre frucht könnte im wasser umkommen. 23. niesen zwei schwangere weiber zusammen, so bringen sie töchter zur welt; das niesen zweier männer, deren weiber schwanger sind, weissagt beiden söhne . 24. beim brotanschneiden schneiden schwangere mütter zuvor einen sehr kleinen bissen , um ihren kindern einen schönen kleinen mund zu verschaffen. 25. in der mitte der schwangerschaft wöchentlich einmal die basteln (bastschuhe) zu wechseln und kurz vor der niederkunft dreimal salz hinter sich zu werfen erleichtert das gebären. 26. niemand trete über die füße schwangrer weiber, die kinder bekommen sonst krumme ungestalte füße. 27. das neugeborne kind wird den händen der mutter nicht sogleich übergeben, sondern erst vor ihre füße gelegt, damit ihr linker fuß des kindes mund berühre . dann wird es nicht widerspenstig werden. 28. badwasser des neugebornen kindes gießt man an den einsamsten ort; aus furcht, wenn es viele menschen betreten, werde das kind geringgeschätzt und verachtet werden. 29. die wehmutter hat mit dem neugebornen kinde bald nach der geburt die oberstelle am tisch einzunehmen; das bringt dem kind größere achtung zu wege. 30. man darf nichts über den kopf des kindes hinaus reichen, sonst wächst es nicht. sollte es unvorsichtigerweise geschehen, so ziehe man des kindes haare am scheitel in die höhe. 31. wonach ein kind zuerst greift , das zeigt seine künftige lieblingsbeschäftigung an. 32. wenn das kind zum erstenmal in die wiege gelegt wird, pflegt man ihm ein messer , einen kreuzschlüssel und etwas rothes garn zur seite zu legen. dadurch wird es gegen zauberei geschützt. 33. erfolgt die geburt des menschen an einem der letzten wochentage , so zeigt das an, es werde gar nicht oder spät verheirathet werden. 489 34. gebiert eine ehfrau lauter knaben , so wird krieg, gebiert sie lauter töchter , friede geweissagt. 35. besucht ein beichtvater einen kranken, so achtet man auf die haltung seines pferdes, wenn er sich nähert. geht das pferd mit gesenktem kopf einher, so verzweifelt man an der genesung des kranken. vgl. Hupel topogr. nachr. 2, 146. 36. ein leichenzug darf schlechterdings nicht über einen acker gehen, wenn er auch brach liegt. 37. dem leichnam pflegt bürste , geld , nadeln und zwirn beigelegt zu werden. einige bürsten den kopf des todten und legen die bürste neben ihn, um ihm ruhe zu verschaffen. 38. in manchem haus pflegt man nach und nach so viel nägel in die thürschwelle zu schlagen , als leute aus dem hause gestorben sind. 39. den wagen worauf ein todter weggebracht worden, läßt man nicht unmittelbar darauf innerhalb der pforte , sondern eine zeitlang außerhalb derselben stehen; sonst folgen mehrere glieder der familie nach. 40. alles stroh worauf der kranke gestorben ist, wird weggeworfen und verbrannt. man beachtet dann welche fußstapfen sich in der asche (des strohs) finden, um hieraus auf den nächsten verlust eines menschen oder thiers zu schließen. 41. stirbt einer im neumond , so raubt er das gänzliche glück; stirbt er in der fasten , so wird sein begräbnis so einfach als möglich vollzogen. 42. am tag aller seelen hält jede familie ein gastmahl für die abgeschiednen glieder, und die gottesäcker werden besucht. in einigen gegenden setzt man für die verstorbnen speisen auf den fußboden einer eignen stube. In diese stube ging spät abends der hausvater mit einem pergel (langgespaltnen brennenden holz) und forderte die verstorbnen freunde namentlich zum essen auf. nach einiger zeit, wann er glaubte daß die seelen sichs gut hatten schmecken lassen, gebot er ihnen unter zerschlagung seines pergels auf der thürschwelle sich wieder nach ihrem orte zu begeben, aber sich zu hüten unterwegs den rocken zu vertreten. entsprang miswachs, so wurde es der mangelhaften bewirtung der seelen zugeschrieben. ausführlicher bei Thom. Hiärn 1, 49. 43. mit dem jüngsten tag verbindet der Ehste die vorstellung, daß sich beim allgemeinen weltuntergang alle kirchen im sturze nach der nordseite neigen werden . er hält es daher für schrecklich, auf dieser seite des kirchhofs begraben zu werden. 44. vor der taufe legt man dem kind ein gesangbuch unter den kopf, unterhält auch ein feuer bei demselben um dadurch den teufel zu bannen und von der verwechslung des kindes abzuhalten. 45. während der taufe heftet man den blick auf den täufling und forscht, ob er während der handlung den kopf in die höhe richte oder sinken lasse . in jenem fall wird er lange, in diesem kurz leben. 46. der vater des täuflings lauft zuweilen unter der taufe eilfertig um die kirche , wodurch dem kinde die gabe des geschwinden laufens mitgetheilt werden soll. 47. können sie durch bestechung des küsters zuweilen das taufwasser erhalten, so gießen sie es längs der wand in die höhe . der täufling wird dann zu hohen ehren gelangen. 48. während der taufe soll man nicht reden , sonst redet das kind im schlaf. 49. unmittelbar nach einer leichbestattung soll man nicht taufen lassen, sonst folgt das kind dem todten nach. 50. dem täufling läßt man die hände frei , so wird er fleißig und geschwind. 51. gevatter sehen sich während der taufe nicht um , sonst sieht das kind gespenster. 52. viele binden ringe an die windeln des männlichen täuflings, so wird er frühe heiraten. 490 53. am geburtstage eines kinds läßt man ungern ein andres taufen . 54. manche mischen in den anzug des täuflings unvermerkt geld , brot und knoblauch ; die beiden ersten werden ihm dann nie fehlen, der knoblauch bewahrt vor zauberei. 55. schlaf des täuflings bedeutet seinen nahen tod. 56. werden weibliche kinder ohne gesellschaft von männlichen zur taufe getragen, so bleiben sie lange oder ganz ohne männer. 57. kein gevatter ißt unmittelbar vor der taufe fleisch , sonst bekommt der täufling zahnweh. 58. eltern, deren erste kinder sterben, legen den neuen die namen Adam und Eva bei, so bleiben sie beim leben. (vgl. deutsch. abergl. 26 .) 59. freitags läßt man nicht taufen, wohl aber donnerstags , an ihm ist die taufe kräftiger. 60. ein kind am freitag getauft wird ein böswicht und kommt dem henker unter die hände. 61. der donner entsteht, wenn gott dem teufel nachsetzt, ihn erreicht und niederschmettert . man macht während dem gewitter thür und fenster zu, damit der gejagte teufel sich nicht ins haus flüchte, und da ihn gott immer ereilt, dieses vom donner getroffen werde. 62. einige befestigen während dem gewitter zwei messer vor einem hausfenster, um sich vor dem einschlagen zu sichern. 63. manche wenn sie im jahre zuerst donnern hören , nehmen einen stein , schlagen sich dreimal vor den kopf, und bleiben dann das jahr über frei von kopfschmerz. 64. was vom wetterstrahl getroffen wird, betrachten sie nachdenklich, besonders aber gewisse große gespaltne steine. sie glauben, der teufel habe sich in oder unter dieselben geflüchtet und sei daselbst ereilt und erschlagen worden. 65. den regenbogen halten viele für die sichel des donners , welche von ihm zur bestrafung böser untergottheiten gebraucht werde, die den menschen schaden wollen. 66. viele halten dafür, den wind könne man hervorbringen und verändern. zu dem ende hieng man nach der gegend, woher man den wind wünschte, eine schlange auf, oder richtete ein beil auf, und suchte ihn durch pfeifen herbeizulocken . 67. unerwartetes geräusch in der neujahrsnacht weissagt den tod eines hausbewohners. 68. wilden thieren legt man gern umschreibende namen bei, und vermeidet ihre üblichen, wenn man von ihnen reden muß. Den fuchs nennen sie Hallkuhb (graurock), den bären Layjalgk (breitfuß). 69. wird das vieh zuerst im jahr ausgetrieben, so graben sie unter die schwelle über welche es zuerst treten muß, eier , wodurch alles ungemach von ihm gebannt wird. bei einer eingerissenen viehseuche entdeckte man, daß sie ein stück von der heerde unter die stallthür vergruben , um dem tode ein opfer zu bringen und dem viehsterben ende zu machen. 70. wenn das vieh von der weide kommt und noch gras kauet , so steht heumangel bevor. 71. den wolf weist man dadurch auf andren weg, daß man salz in seine spur streuet. 72. starkes wolfsgeheul am frühen morgen weissagt pest oder hungersnoth. 73. in älterer zeit glaubten die Ehsten bei starkem geheule der wölfe, diese thiere riefen gott um nahrung an und er werfe ihnen hierauf klumpen aus den wolken zu . 74. raubt der wolf ein schaf oder schwein, so läßt man etwas von dem anzug oder von den in der tasche befindlichen sachen fallen , und glaubt, der wolf müsse dann auch seine last zu schwer finden und das geraubte thier fallen lassen. 75. einige tragen das äußerste eines flügels von einem huhn bei sich und halten das für ein mittel frühes aufstehen zu befördern. 491 76. den namen des hasen nennen sie nicht gern oft, sie meinen er werde dadurch beigelockt, ihrem rockengrase schaden zu thun. 77. schleppt ein hahn oder huhn im hofe im gehen einen strohhalm nach sich , so bedeutet es baldige leiche im haus, und das geschlecht des sterbenden richtet sich nach dem hahn oder huhn. 78. ein huhn kann zum eierlegen vermocht werden, dadurch daß man es mit einem alten besen schlägt. 79. einige legen beim ersten austreiben des viehs ein ei vor die stallthür ; welches thier das ei zertritt, ist zum tode reif und man sucht es zu verkaufen. 80. sie verkaufen gerne die ersten kälber junger kühe, wenn die wirtin das erste kind ihrer mutter ist. denn das kalb kann nicht gedeihen. 81. das eben ab oder angespannte joch soll man nicht auf bloße erde legen, sonst reibt und verwundet es den ochsen. 82. feuersbrunst glaubt man dadurch zu hemmen, daß man ein schwarzes lebendiges huhn als opfer in die flamme wirft . 83. beim ausfegen der korn- und mehlkasten soll man einen kleinen rest liegen lassen, sonst zieht es unsegen nach sich. 84. kein bauer gibt mit gleichgültigkeit erde von seinem acker , er wähnt auch einen guten theil seines segens mit wegzugeben. 85. man soll keinen über seinen gurt steigen lassen , es zieht die krätze nach sich. 86. man hütet sich mit dürren reisern geschlagen zu werden, es zieht auszehrung oder magerkeit nach sich. 87. von neuangeschnittnem brot wirft man etwas beiseite , aus vollem trinkgeschirr läßt man einige tropfen mit fleiß auf die erde fallen ; es ist dem unsichtbaren geiste gebracht. 88. viele wirte sehen scheel dazu, wenn man die tiefe ihrer brunnen zu erforschen sucht; weil dies das austrocknen des brunnens zur folge hat. 89. man gibt nicht gern alles geld auf einmal aus dem beutel; ists nicht zu vermeiden, so lasse man seinen speichel in den beutel fallen. 90. waschhölzer nimmt man sorgfältig vor dieben in acht, weil ihr verlust mangel an asche nach sich zieht. 91. wenn die viehhirten das erste mal im jahr heimtreiben, werden sie bei der ankunft mit wasser benetzt ; es soll dem vieh ersprießlich sein. 92. zur saatzeit keine schafe zu scheren , weil dann die wolle nicht recht wieder wächst. 93. vom wagen gefallner mist nicht wieder aufzuheben; er bringt ungeziefer. 94. beim rupfen des flachses redet man nicht , antwortet und dankt nicht auf frage und gruß; sonst gedeiht der flachs nicht. 95. stirbt dem bauer in der neuen wohnung zuerst ein thier mit rauchen füßen , so ruht segen auf dem haus; ist es aber ein geflügel mit unbedeckten füßen , so wird er traurig, fürchtet armut und rückgang in seinen unternehmungen. 96. abends beim lichtanzünden seufzt das volk , und kreuzigt sich. 97. so oft sie etwas schlachten, wäre es nur ein huhn, legen sie ein stück davon hinter den viehstall zum opfer . 98. auf die böse stelle, wo ein haus abbrannte, bauen sie kein neues; wird bei legung des grundbalkens durch beischlag irgendwo ein funke sichtbar , so weissagt das neuen brand, und sie suchen eine andere baustelle. 99. an die stelle, wohin ein viehstall gebaut werden soll, legen sie vorher lappen und kräuter: kriechen schwarze ameisen darauf, so ists ein gutes zeichen, sind es rothe ameisen , so erscheint der ort zum bauen untauglich. 100. wirbelwind ist böser geister werk: wo sie staub zusammentreiben sehen, werfen sie steine oder ein messer mitten in den wirbel, und verfolgen ihn mit geschrei. 101. bei der trauung tritt die braut auf den fuß des bräutigams, damit sie nicht von ihm unterdrückt werde. 102. rothe streifen am himmel zeigen an, daß der drache auszieht, dunkle farbe der wolken, daß er mit beute heimkehrt. sternschuppen sind kleine drachen. 492 N. aberglaube der Litthauer . Besseldt in Büschings wöch. nachr. b. 3. Bresl. 1817 p. 223. 339. 1. wenn der alb rothe farbe hat, bringt er den leuten gold, wenn blaue getraide oder unglück. 2. es ist nicht gut, wenn eine leiche so steht, daß sie im spiegel zu sehen ist, einige sagen, der todte stehe auf und beschaue sich im spiegel, den man daher lieber verhängt. 3. neujahrsabend werden neunerlei dinge : geld, wiege, brot, ring, todtenkopf, alter mann, alte frau, leiter, schlüssel von teig gebacken, unter neun einzelne teller gelegt und jeder greift dreimal darnach. was er bekommt wird ihm das jahr über zu theil werden. 4. denselben abend nimmt jedes mädchen werg oder flachs , rollt eine kugel daraus, zündet sie an und wirft sie in die höhe. wessen kügelchen am höchsten steigt oder am längsten brennt, die wird im kommenden jahr heirathen. 5. wenn man zu fastnacht spinnt, so geräth der flachs nicht. fährt man aber diesen tag spazieren, so bekommt man guten flachs. durch ganz Litthauen wird an diesem tage gefahren . thut es die herrschaft selbst nicht, so läßt man die dienstboten fahren. 6. erbsen säe man, wenn der wind aus einer weichen (d. i. regenbringenden) gegend weht, dann lassen sie sich gut kochen. 7. gras, im neuen lichte abgemäht , frißt das vieh nicht oder ungern. 8. der tod des hauswirts oder der hauswirtin muß den pferden durch klingeln mit den schlüsseln , auch dem andern vieh, besonders den bienen angezeigt werden, weil sonst das vieh fällt, die bäume eingehn, die bienen aussterben und wegziehen. 9. lauft ein hase quer über den weg, so bedeutet es unglück; hingegen ein fuchs glückliche reise und gute nachrichten. 10. wer charfreitags eine nadel in die hand nimmt, den verfolgt das gewitter (vgl. deutsch. abergl. 43 ). jede arbeit an diesem tag ist unheilbringend. 11. mädchen müssen bei abnehmendem lichte entwöhnt werden, sonst bekommen sie einen zu großen busen; knaben in vollem lichte , damit sie groß und stark werden. alle kinder dürfen aber nicht beim vögelzuge entwöhnt werden, sonst werden sie unruhig und unstät. 12. wenn jemand nach einem besuch wegfährt, darf stube und hausflur nicht sogleich gefegt werden, das würde dem reisenden unglück bringen. Beschwörungen. I. ags. segensformel gegen stichschmerz . Harley ms. no. 585. fol. 186 (mitgetheilt von Price). s. myth. 2, 1039 . II. ags. segen zur fruchtbarmachung der äcker . Oxford ms. no. 5214 (Jun. 103). s. myth. 2, 1033 . III. exorcismus ad pecudes inveniendas . III. IV. aus Wanleys catalog 114. 115 (vgl. 110 b . 186 a . 198 b . 275 a ) verbessert nach Kembles abschriften. Noch viele andere ags. beschwörungen wären aus hss. zu gewinnen, die Wanley p. 44. 83. 223. 231. 232. 234. 247. 304. 305 anzieht. Ne forstolen ne forholen nân uht thäs dhe ic âge ne mâ the mihte Herod urne drihten. ic gethohte sce Eád Elênan and ic gethohte Crist on rôde 493 âhangen. svâ ic thence this feoh tô findanne, näs tô othfeorganne and tô vîtanne. näs tô othvyrceanne and tô lufianne. näs tô odhlædanne. Gârmund godes dhegen find thät feoh and fâre thät feoh. and hafa thät feoh and heald thät feoh and fêre hâm thät feoh. thät he næfre näbbe landes thät he hit odhlæde ne foldan thät hit odhfêrie ne hûsa thät he hit odhhealde. gif hit hvâ gedô ne gedige hit him næfre binnam thrim nihtum. cunne ic his mihta his mägen and his mihta and his mundcräftas. eall he veornige svâ er vudu veornie , svâ bredhel theo svâ thistel . se dhe his feoh odhfergean thence. odhdhe dhis orf odhehtian dhence. amen. This man sceal cvedhan dhonne his ceápa hvilcne man fosrtelenne. cydh ær he ænig other vord cvedhe. Bethlem hâttæ seo burh dhe Crist on geboren väs. seo is gemærsôd ofer ealne middangeard. svâ dheos dæd vyrthe for mannum mære. per crucem xpi . and gebide the thonne thriva eást and cvedh thriva † xpi ab oriente reducat. and thriva vest and cvedh. crux xpi ab occidente reducat. and thriva sûth and cvedh thriva crux xpi a meridie reducat. and thriva north and cvedh crux xpi. abscondita sunt (? fuit) et inventa est. Judeas Crist âhengon. gedidon him dæda thâ vyrstan. hælon thät hi forhelan ne mihton. svâ næfre theos dæd forholen ne vyrthe. per crucem xpi . Gif feoh sy undernumen. gif hit sy hors sing on his feotere odhdhe on his bridel . gif hit sy odher feoh . sing on thät hofrec and ontend dhreo candela. and drŷp on thät ofrec veax thriva. ne mäg hit the manna forhelan. gif hit sy inorf sing on feover healfa thäs hûses and æne on middan. crux xpi reducat. crux xpi per furtum periit inventa est. Abraham tibi semitas vias montes concludat Job et flumina Isac tibi tenebras inducat. Jacob te ad iudicium ligatum perducat. IV. segnung . Ic me on thisse gyrde belûce and on godes helde bebeode vidh thane sâra sîce vidh thane sâra slege vidh thane grymma gryre vidh thane micela egsa the bidh æghvam lâdh and vidh eal thät lâdh the in tô lande fare. sigegealdor ic begale. sigegyrd ic me vege, vordsige and veorcsige. se me dege ne me merne gemyrre. ne me maga ne gesvence. ne me næfre mînum feore forht ne gevurdhe. ac gehæle me älmihtig and sunu frôfregâst ealles vuldres vyrdig drihten. svâsvâ ic gehŷrde heofna scyppende Abrabame and Isace and svylce men Moyses and Jacob and Davit and Josep and Euan and Annan and Elizabet Saharie and ec Marie môdur xps . and eác thæ gebrôdhru Petrus and Paulus and eac thûsend thira engla. clipige ic me tô âre vidh eallum feondum. hi me fêrion and fridhion and mîne fêre nerion. eal me gehealdon, men gevealdon. vorces stîrende sî me vuldres hyht. hand ofer heáfod hâligra rôf sigerôfra sceote sôdhfästra engla biddu ealle blîdhu môde thät me beo hand ofer heáfod . Matheus helm . Marcus byrne leoht lîfes rôf. Lucas mîn svurd scearp and scîrecg. scild Johannes vuldre gevlitegôd. vega Seraphin. fordh ic gefare. frind ic gemête. eall engla blæd. eádiges lâre. bidde ic nu god sigere godes miltse sidhfät gôdne. smylte and lihte vind veredhum vindas gefran circinde väter simblige häledhe vidh eallum feordum. freond ic gemête vidh thät ic on this älmihgian (sic) môte belocun vidh thâ lâdhan. se me lifes eht on engla blâ blæd gestathelôd and inna hâlre hand hofna rîces blæd thâ hvîle the ic on this lîfe vunian môte. amen. V. adjuratio contra grandinem (münchner hs. des 11 jh., cod. tegerns. 372). Signo te aer in nomine domini . . . . adjuro te diabole et angelos tuos . . . . adjuro vos . . . ut non feratis grandinem neque aliquam molestiam in terminum istum, et non habeatis dicere coram deo, quia nemo vobis contradixerit. contradicat vobis deus et dei filius, qui est initium omnium creaturarum. contradicat vobis sancta Maria . . . . . adjuro te Mermeut , cum sociis tuis, qui positus es super tempestatem , per illius nomen te adjuro, qui in principio fecit 494 coelum et terram. adjuro te Mermeut per illius dexteram, qui Adam primum hominem ad imaginem suam plasmavit. adjuro te Mermeut per Jesum Christum filium dei unicum . . . . conjuro te daemon et satanas . . . . te conjuro, ut non habeas hic potestatem in isto loco vel in isto vico nocere nec damnum facere, nec tempestatem admittere nec pluviam valentissimam iacere etc. In dem deutschen wettersegen einer späteren münchner hs. (Cgm. 734. f. 208): ich peut dir Fasolt , daß du das wetter verfirst (wegführest) mir und meinen nachpauren ân schaden. VI. (aus cod. vindob. theol. 259.) s. myth. 2, 1032 . (auf des blattes rechter seite unten): Petrus Michahel et Stephanus ambulabant per viam. sic dixit Michahel. Stephani equus infusus. signet illum deus. signet illum Christus et erbam comedat et aquam bibat. VII. contra malum malannum (aus einer bonner hs. von 1070 bis 1090 in Wackernagels wessobr. gebet 67–70). cum minimo digito circumdare locum debes ubi apparebit, his verbis. ich himuniun dih suam pî gode jouh pî christe. tunc fac crucem per medium † et dic: daz tû niewedar ni gituo noh tolc noh tôt houpit. item adjuro te per patrem et filium et spiritum sanctum ut amplius non crescas sed arescas. VIII. (cod. vindob. R. 3282 fol. 32. 12 jh.) Dere hêligo Christ was geboren ce Betlehêm, dannen quam er widere ce Jerusalêm, dâ wart er getoufet vone Johanne in demo Jordâne, duo verstuont der Jordânis fluz unt der sîn runst. alsô verstant dû bluotrinna durch des heiligen Christes minna, dû verstant an der nôte alsô der Jordan tâte duo der guote s ce Johannes den heiligen Christ toufta. verstant dû bluotrinna durch des heiliges Christes minna. VIII b . reisesegen (Diut. 2, 70). Ic dir nâch sihe, ic dir nâch sendi mit mînen funf fingirin f unvi undi funfzic engili . got dich gisundi heim gisendi, offin sî dir daz sigidor , sami sî dir daz slegidor das thor der flut, vgl. egidor s. myth. 1, 198 . (s. l. für selgidor, oder sældedor?) bislozin sî dir daz daz wâgidor , sami sî dir daz wâfindor . vgl. MS. 2, 198 b : der fröiden tor ist zuo getân . des guotin sandi Uolrichis segin vor dir undi hindir dir undi obi dir undi nebin dir sî gidân, swâ dû wonis undi swâ dû sîs, daz dâ alsi guot fridi sî, alsi dâ wæri, dâ mîn frauwi sandi Marîe des heiligin Cristis ginas. IX. aus einem engelberger cod. (Diut. 2, 293). Herre s ce Michahel hiute wistu N. sîn schilt und sîn sper . mîn frouwa s ca Maria sî sîn halsperge . hiute muoze er in deme heiligin fride sîn, dâ got inne wâre, dô er in daz paradîse châme. Herre got dô muozist in bescirmin vor wâge und vor wâfine, vor fiure, vor allen sînen fîandin gesiunlichen und 495 ungesiunlichen. er muoze alse wol geseginôt sîn sô daz heilige wizzôt wâre, daz mîn herre s ce Johannes mîme herrin dem almehtigen gote in den mund flôzte, dô ern in deme Jordâne toufte. amên. In nomine domini. daz heilige lignum domini gisegine mich hiute, undenân und obenân, mîn bûch sî mir beinîn, mîn herze sî mir stâhelîn, mîn houbet sî mir steinîn. der guote s ce Severîn der phlege mîn, der guote s ce Petir unde der guote s ce Stephan gesegineigin mich hiute for allir mînir fîande gewâfine. in nomine dei patris et filii et spiritus sancti. alse milte und alse linde muozistu hiute sîn ûfin mîme lîbe swert und aller slahte gesmîde, sô mîner frouwun s ce Mariun sweiz wâre, dô si den heiligin Crist gebâre. pater noster. X. aus einer münchner hs. (Hoffm. fundgr. 343). Ich slief mir hiute suoze datz mînes trehîins fuozen. daz heilige himelchint. daz sî hiute mîn frideschilt . das heilige himelchint bat mich hiut ûf stân, in des namen und gnâde wil ich hiut ûf gân, und wil mih hiute gurten mit des heiligen gotes worten, daz mir allez daz holt sî daz in dem himel sî, diu sunne und der mâne und der tagesterne scône. mîns gemuotes bin ih hiute balt, hiute springe ih, hêrre, in dînen gewalt. sant Marîen lîchemede daz sî hiute mîn fridhemede . aller mîner viende gewâfen diu ligen hiute unde slâfen und sîn hiut alsô palwahs als wære mîner vrouwen sant Marîen vahs, dô si den heiligen Christum gebære und doch ein reiniu mait wære. mîn houpt sî mir hiute stælîn , deheiner slahte wâfen snîde dar în. mîn swert eine wil ih von dem segen sceiden, daz snîde und bîze allez daz ih ez heize, von mînen handen und von niemen andern; der heilige himeltrût der sî hiute mîn halsperge guot. XI. Tobias reisesegen (braunschw. nachr. 1755 p. 321. Hoffm. fundgr. 261. die vier ersten zeilen ergänzt). Eschenburgs denkm. p. 279. Tobias segen sprechen. H. Sachs. 1, 439 d . Der guote hêrre sante Tobîas, der gotes wîzage was sînen lieben sun er sande sô verre in vremdiu lande. Sîn sun was ime vile liep, unsanfte er von ime schiet, umbe in was im vil leide, er sande in uber vierzec tageweide. Er sprach: der got der vor niemen verborgen ist, 496 und des eigen schalc dû bist, der an niemanne wenket, die armen vil wol bedenket, der müeze dich hiute behüeten durch sîne vaterlîche güete über velt, durch walt vor aller nœte manecvalt vor hunger und gevrœrde. got müeze mîn gebete erhœren, sô dû slâfest oder wachest in holze oder under dache. dîn vîende werden dir gevriunt, got sende dich heim vil wol gesunt mit vil guotem muote hin heim zuo dînem eigenguote. gesegenet sî dir der wec uber strâze und uber stec, dâ vor und dâ hinden gesegenen dich des hêrren vünf wunden. ietweder halben dar en eben gestê dir der himelische degen. in gotes vride dû var, der heilige engel dich bewar. der lîp sî dir beinîn, ez herze sî dir steinîn, ez houbet sî dir stæhelîn , der himel sî dir schiltîn , diu helle sî dir vor versperret, allez übel sî vor dir verirret, ez paradîs sî dir offen, alliu wâfen sî vor dir verslozzen, daz si daz vil gar vermîden, daz dich ir dekeinez steche noch ensnîde. der mâne und ouch diu sunne diu liuhten dir mit wunne. des heiligen geistes siben gebe lâzen dich mit heile leben. der guote sante Stephan der alle sîn nôt überwant, der gestê dir bî swâ dir dîn nôt kunt sî. die heiligen zwelf boten die êren dich vor gote, daz dich diu herschaft gerne sehe. allez liep müeze dir geschehen. sante Johannes und die vier êvangeliste die râten dir daz beste, mîn frouwe sante Marîe diu hêre unde vrîe. mit des heiligen Kristes bluote werdest dû geheiliget (ze guote), daz dîn sêle (sô dû sterbest) des himelrîches niht verstôzen werde nâch den weltlîchen êren. got gesegne dich dannoch mêre. sante Galle dîner spîse pflege, sante Gêrtrût dir guote herberge gebe. sælec sî dir der lîp, holt sî dir man unde wîp, guot rât dir iemer werde, daz dû gæhes tôdes niene ersterbest. Alsô segente der guote Santobîas sînen sune und sande in dô in ein lant, ze einer stat, diu hiez ze Mêdiân, diu burc diu hiez ze Râges: sît wart er vil frô des. .   .   .   .   .   .   .   .   .   .   .   .   got sande in heim vil wol gesunt mit vil guotem muote hin heim ze sînem eigenguote. Also müezest dû hiute gesegenet des helfen hiute die heiligen namen drî, des helfe hiute diu wîhe, mîn liebe vrouwe Marîe, des helfen mir alliu diu kint, diu in dem himelrîche sint, und der guote Santobîas und sîn heiliger trûtsun. amen. XII. gebet und segen . (aus einer hs. von 1347 zu Sant Paul im Lavantthal.) XII. XIII. XIV mitgetheilt von Hoffmann. Darnach dise nachgende gebette, daz soltu dristunt sprechen in eim gadem, da dich niemen irre, so kument darm engel und sagent dir daz du fragest. Der heilig Crist vuor von himele mit engeln manegen, do fuort er an sinen henden ein fronesbilde, under einem boume er geraste, do entslief er so vaste. do komen die leidigen diebe und verstalen im sin frones bilde. do er erwachte trurete er so vaste, do sprach diu genedige min frowe sant Marie, des sol guot rat werden, wir sulen uf diser erden von dem heiligen kinde daz dink noch hinaht vinden. Sabaoth herre, ich bitte dich durch din einborn sun Jesum Christum daz du vergebest mir min sünde und gib mir ein guot ende. Jesu Crist des waren gotes sun du bist. ich bit dich und man dich daz du dis dinges verrihtest mich. Disen selben segen maht du ouch sprechen, so dir oder eim andern diner guten fründen üt verstolen wirt , daz gar schedelich si und redelich, nüt umb kleine üppig sache, nuwent da ez noturftig und redelich si, wande so di segen ie edeler und ie besser sint, ie minre sü helfent da man sü bruchet unnotdurfteclich. XIII. beschwörung der gicht . (hs. zu Göttweich v. 1373.) Ich virbeden dir gycht bi der heylgir wandillungin. vnd bi den heylgin V wunden. vnsers herren iesu christi vnd bi deme bluode dat gote vyt sinen V wunden ran vnd bi dem erstin menschin dat got vf erden. ye gemacht oder ye liz geborren werden. Ich virbeden dir bi den drin nagelin . de gode durch sine hende vnd durch sine vuzse wrde geslagen. ich virbeden dir bi den vyer hulden de da stuonden vf zweyn vuozsin vnd sprachin vys zweyir muodir libe wer si bede van rechtir lybden vmme allis dat mogelich is des wulden si in geweren. dat was Maria godis muodir vnd was iesus christus vnd was min frauwe sancte Elsebe vnd was myn herre sancte johannes der deufir. ich virbeden dir bi deme bebinden vrdeil das got wil gebin ubir mich vnd ubir alle doden vnd lebenden. ich virbedin dir bi deme fronen cruce vnsers herren iesu christi da he de martil ayn leyt. durch mich vnd alle cristeneyt. ich virbedin dir bi der gotligir kraft de da ist in hymil vnd in erden dat du mir godes knegthe nyt in schades an allen minen glederen an haubde an hirne an augen an cenden. an armen an henden. an vingeren an rippen an rucke an lenden an huffin an beynen an vuozin an cein an 498 aderen noch an allen. da ich mich mach keren oder wenden. des helfe mir de godis kraft. und dat heylge graf. da got selve inne lach. da herbebede allit dat da was. Pylatus sprach hais du gesugthe odir gegichte? neyn ich inhan sin nyt. it sy vrauwe oder man der düse wort ubir yme dreyt der sal sigchir sin dat in de geychte nummer gelemen kan. Ich geleufe dat keyn wif noch keyn man. der düse wort ubir sprechen kan. want der sunder an deme cruce genade gewan. de mach mich godis knegt N. gesunt an selen und an libe as Maria was. do si irs lieben kyndis genas. amen. XIV. hirtensegen s. myth. 2, 1037 . XV. segen gegen den blasenden wurm . (cod. pal. 367, 173 b .) Dis ist eyn guter seyn vor den blasinden worm. der gute herre senthe Iob der lak in deme miste. her clagete deme heilge Criste. wi syn gebeyne. essen die worme cleyne. do sprach der heilge Crist. wen nymandt besser ist. ich gebite dir worm du siest wies adir swartz geel adir gruene adir roet. in desir stundt siestu in dem pferde toet. in gotis namen amen. nota. man sa das pferdt nennen alz is geharet is (vgl. XXXV ). Dis ist eyn gutir seyn vor den pirczil . bürzel , gunbirzel . Frisch 1, 157 c . 383 a . Horestu worm yn fleische und in beyne. vornem was das heilge euangelium meyne. du seist weis swartz adir geel grüne adir roet. der gebutet myn herre senthe Iob in desir stunt siestu in desem pferde toet. in gotis namen amen. nota. man sal deme pferde treten uf den vorderfuß und sal ym runen in das rechte oer desen segn. (vgl. RA. 589.) XVI. beschwörung eines zauberpferdes . (cod. pal. 212, 45 b .) Wiltu machen ein pferd das dich trag wo du wilt so nymb ein plut von einer fledermaus. wen es dan nacht ist. so gang zu eimem haus heimblich an das ende sin . und schreib an die haustur und die . . . in namen omnii. geapha. diado. wen du si geschriben hast so gang dan ein weil und kom dan herwider so findestu ein ros bereit mit satl und mit zaum und mit allem gezeuge. wan du dan uf das ros wilt sitzen, so tritt mit dem rechten fuß in den linken stegreif und sprich die beschwerung. Ich beschwer dich ros bei dem vater und bei dem sone und bei dem heilgen geist und bei dem schepfer himelreichs und erdreichs der alle ding aus nicht gemacht hat. ich beschwer dich ros bei dem lebendigen got und bei dem waren got bei dem heiligen got das du an meinem leib noch an meiner sel noch an meinen glidern nit geschaden mugst noch mit keinerlei hindernus. so sitz frolich uf das pferd und solt dich nit segen und forcht dich nit. wan du komst an di stat do du gern werest, so nymb den zaumb vnd grab in under die erden . wan du das ros wilt haben, so nymb den zaumb und schutel in vast so kumbt das ros. so beschwer es aber als vor und sitz doruff und rit wo du wilt und lug das du den zaumb wol behaltest . verleurstu den zaumb so mustu das pferd wider machen. vgl. Hartlieb oben s. 426 wie bei zauberpferden an zaum und gebiß gelegen sei lehrt die geschichte des königs Beder (1001 nuits. Paris 1806. 4, 445. 449. 1001 nacht. Bresl. 1825. 6, 167. 171). XVII. beschwörung des zaunsteckens . XVII–XXXVII aus Mones anz. 1834 p. 277 ff. in dem selben anzeiger 1834. 46 ein wundsegen und blutsegen aus einer wolfenb. hs. und 1833. 234 und 1837. 464 ein segen gegen beschreien und einige gegen feuer. Geh zu einem zaunstecken und sprich: zaunstecken ich weck dich! mein lieb das wolt ich. ich beger vil mer dan aller teufel her. her zu mir so rür ich dich zaunstecken. alle teufel müssen dich wecken. und füren in das 499 haus. do mein lieb get in und aus. das du müssest faren in die vier wend. wo sich mein lieb hin ker oder wend. es ist aller eren wol wert. ich send ir einen bock (zum pfert). Ich ruf euch heut alle gleich. bei den drei negeln reich. und bei dem rosenfarben blut. das gott aus seinen heiligen wunden floß. ich beut euch teufel her. ir bringet zu mir mein lieb N. her. zwischen himel und erden . das es nit berür die erden . fürt es ob allen baumen her . als man Maria thet do si fur in ires kindes reich. Und nim die caracteres alle zu dir und blas dreimal auf die hant und schlage dreimal gegen in so mügen sie dir nit geschaden. XVIII. gegen wölfe und reißende thiere . Christ sun gieng unter thür, mein frau Maria trat herfür: ›heb uf Christ sun dein hand und versegen mir das viech und das land, das kein wolf beiß und kein wulp stoß , und kein dieb komm in das gebiet. Du herz trutz markstein hilf mir das ich kom gesunt und gevertig heim!‹ vgl. XL b . XIX. ein segen das die wolf das viech nit essen . Ich beschwer dich wolfzan bei dem vil heiligen namen und bei dem vil heiligen barn, den unser liebe frau trug an irem arm, das du noch alle dein genoßen das viech nit beißen noch stoßen. es muß dis nacht sein als war und als vast, als das heilig paternoster was, das got aus seinem munde sprach. XX. segen zum ausgang . Hude wil ich uf sten, in den heilgen friden wil ich gen. do unser liebe fraue in gieng, do sie den heilgen Crist inphieng. noch hute will ich mich gorten mit den heilgen funf worten, mit den heilgen sigeringen, mit allen guten dingen. allez daz dages alt sy daz sy mir holt , unser lieben frauwen zunge sy aller miner fiende münde. amen. XXI. segen zur fahrt . Ich dreden hude uf den phat, den unser herre Jesus Cristus drat, der si mir also süß und also gut. nu helfe mir sin heilges rosefarbes blut und sin heilge funf wunden, das ich nimmer werde gefangen oder gebunden. von allen minen fienden mich behude, daz helfe mir die here hude, vor fließen, vor swerten und vor schießen, vor aller slacht ungehüre, vor schnoder gesellschaft und abentüre; das alle mine bant von mir enbunden werde zu hant, also unser here Jesus inbunden wart, do er nam die himelfart. XXII. ain schöner segen alle sebtemer zu thun. am mantag vor der fronfasten. der mantag ist kräftiger dan die fronfasten vor aufgang der sonnen, unbeschrauen . sprich also: Hier ein in dese hofstat gehe ich nein, solche land beschließt got mit seiner aignen hand, er beschließt sie also fest wol mit dem süßen Jesu Crist, disen gibel oben und disen gibel unden. diser gibel unden der ist mit engeln uberzogen verbunden. Feuer vom dach, dieb vom loch, rauber vor der thür! unser liebe frau trit heut selbst darfür, das avemaria sei vor der thür, das paternoster der rigel darfür, und was der lieb h. Lorenz hat gegert, das hat der heilig Crist bewert, das niemant stärker ist dan der heilig Crist, der gehe herein und nemb was hier innen ist. im namen † † † amen. 15 pat. 15 ave und credo. XXIII. für den hagel . Item mach den pfeil auf die erden gegen dem wetter oder auf ein deller und setz in gegen dem wetter und nim ein weichbrun, und spritz dreu kreuz 500 gegen dem wetter im namen u. s. w. und sprich: Ich peut dir schaur und hagl in der kraft der heilgen drei nagl , die Jesu Cristo durch sein heilge hend und fuß wurden geschlagen, er du kumbst zu der erd, das du zu wind und wasser werd. Im namen etc. mach dreu kreuz mit dem weichbrun gegen das wetter. XXIV. feuerbeschwörung . wellent ir feuer leschen, so sprechent wie hernach folgt; auch das ir ain prant von demselbigen feuer in der hand habt , wo aber solliches nit beschehn möcht, sol es dannacht mit andacht gesprochen werden: Unser lieber herr Jesus Cristus gieng uber land und er fand einen riechenden prant, den hueb er uf mit seiner gotlichen hant und gesegent disen riechenden prant das er nimer weiter kum. in dem namen etc. und darzue bett 5  p. 5 a. 1 cr. XXV. feuersegen . wer feuer verhüet daß sein haus und statel nit prinnent werd, der mach alweg mit der hand ein creuz und sprech wie hernach folgt: mein haus das sei mir umbeschwaifen mit engelischen raifen , mein haus sei mir bedeckt mit einer englischen deck. das helf mir gotes minn, der sei alzeit hausvater und wirt darin. XXV b . anderer feuersegen . sprich: Feuer , ich gepeut dir in dem namen Jesu, das du nit weiter kumest. behalt dein funk und flammen , wie Maria ir jungfrauschaft und er behalten hat vor allen mannen. das sei dem feuer zue pueß zelt im namen etc. XXVI. fiebersegen . Zwig, ich buck dich, rett nů mid mich rett ist rite (febris); mît mich , laß mich in ruhe, ungequält. mit der metten dû mich mît. kolocz 263. bi dem heiligen nagel, der unserm lieben herren Cristo Jesu durch sin rechten hand ward geschlagen, und als menig blůtstropf dar von ran, als meniger rett mid mich und gang mir ab! jm namen u. s. w. XXVII. gegen krankheiten . Ich stand uf den mist, und ruf zu werden Crist, das er mir buß die rechten sporenfuß und das heuptgescheub und den herzritten und allen seinen sitten, und gelsucht und sibenzich gesucht ; und ist ir keiner mer, den buß mir gott der herre, und gang aus her ruckbein und gang aus her ripp und gang ab in das wilt zorach! das buß dir der man, der den tot an dem heilgen creuz nam. XXVIII. wurmsegen. Ich beschwör dich wurm und würmin , bei der waren gottes minn und bei der waren gothait gut, das dein aiter und dein blut werd lauter und auch rain, als unser lieben frauen gspint, die sie gab Jesu Crist irem lieben kint! im namen got des vaters etc. item nim den gerechten dumen in die gerechte hant . XXIX. anderer . Wurm bist du dinne, so beut ich dir bei sant . . . . minne, du seiest weiß schwarz oder rot, daß du hie ligest tot! Ists ain vich, so streichend im mit der rechten hand über den rucken ab; ists dan ain mensch, so nemend im den finger in die hand und sprechend 5 vatter unser, 5 ave Maria und ain globen. 501 XXX. segen für das kaltweh . Grüß dich gott, vilheiliger tag, nimm mir mein 77  kaltwee abj ist eben einer drunder, der nit zu erbitten ist, so nem mirs der lieb herr Jesus Crist, der am heilgen frankreuz verstorben ist. in dem namen u. s. w. XXXI. ein segen unter dem rechten arm 24 stunden zu tragen. Es giengen drei selige brüder aus in guter frist Keisersperg ameis 50 a anfangswort eines segens: ›es giengen drei brüder über feld.‹ , begegnet inen herr Jesus Christ. unser lieber herr Jesus Christ sprach ›wo welent ir hin?‹ ›wir welent hinter den zaun, wir welent suchen das kraut das zue allen wunden guet ist, es sei gleich gehauen oder gestochen .‹ Unser lieber herr Jesus Crist sprach: ›gant auf Messias berg, nement die wol von denen schafen und das moes von denen steinen, und das öl von denen bemen‹: druck darein und darauf, so heilt die wunde von grund auf, es sei gleich gehauen oder gestochen oder brochen , wie es möcht ergangen sein, so sol es weder geschwelen oder schweren, sol auch keines eiters begeren. Wie Lucas auf Severinesberg hat gesprochen, wie die Juden unsern herren J. Chr. umb unschult haben gestochen. das walt got der vatter u. s. w. XXXII. ein schöner segen das blut zu stillen . In unsers herren gottes herz da stuenden drei rosen, die erst ist sein dugent, die ander ist sein vermögen, die dritt ist sein will pluet steh still! im namen u. s. w. ein ander: Longinus der man, der unserm herren Jesu Crist sein gerechte seiten hat auf getan, daraus rann wasser und bluet, ich beschwöre dich bluet, durch desselbigen bluets ehre, das du nimer bluetest mere. im namen u. s. w. ein ander: o got der immer ewig ist, der aller menschen hilf und trost ist, ich büt dir blůt, das du stil standist, als die menschen am jungsten tag still stan müssend, die nicht nach gottes willen hant getan. XXXIII. gegen den nagel in dem ros . Welches ros den nagel het in dem ougen, der sol ain stro nemen ain nacht als dick er mag, und sol im sin atem in das oug nüchter kuchen (hauchen) und sol mit seinem finger gen dem oug grifen und sol sprechen. Ich gebüt dirs nagel bi dem vil hailgen gottes grab da got in selber lag unz an den hailgen ostertag, das du verschwinist nagel , und dörrest, als die Juden taten, die verschwinend und verdorrenden; das gebüt dir der vatter u. s. w. XXXIV. gegen den wurm im ros . Welches ros die würm in dem gederm hat und in dem magen, der sol das ros mit seinem linken fuß stoßen und sol sprechen. Wurm und al di würm , die in dem ros sind, das euch des ros lib, flaisch, gederm und bain also laid sige ze nießen und ze bruchen, und euch das als unmar sig, als unserm herren ains pfaffen wip, die des tüfels veltmerch (feldmähre) ist , als war müssent ir in dem rosflaisch sterben, das gebüt euch u. s. w. Welches ros den ußwerfenden wurm hat, der sol sprechen: ich gebüt euch wurm und würmin , das du des rosses flaisch und bain und al sin lip (lassest), das dir darin sig als wind und als we, und dir dar inne sig als laid, als s. Petern was unsers herren marter, do er vor den richtern und den Juden floch; das dir dar inne werd als we, unz das er das wort gesprech, das 502 s. Peter sprach, do er ze Rom ze dem ersten in das münster trat; das ir uß dem ros fließend, oder aber her uß fallend, oder in dem ros sterbend und ewer dheiner nimmer lebend werde. das gebüt euch der man der die marter und den tod laid. XXXV. pferdesegen . Item ain pfärt, das sich strichet , so züch es unter den himel an ainem sontag frü vor der sunnen ufgang , und ker dem ros den kopf gegen der sunnen und leg dine zwen dumen crüzwis uber ain ander und halt die hend umb den fuß, doch das sie den fuß nit an rüren , und sprich: Longinus was ain Jud, das ist war, er stach unsern herrn in sein siten, das ist war (und nem das pfärd bei der varb), das si dir für das streichen gůt. XXXVI. beim verlieren des hufeisens . Item ain pfärd, das ain isen verliert, so nim ain brotmesser und umbschnit im den huf an den wenden von ainer fersen zů der ander, und leg im das messer crüzwis uf die solen und sprich: ich gebüt dir huf und horn , das du als lützel zerbrechist, als got der herr die wort zerbrach, do er himel und erd beschůf. Und die wort sprich dristunt nach einander und 5 pat. n. und 5 ave Maria ze lob, so trit das pfärd den hůf nit hin, bis das du glichwol zů ainem schmit komen magst. XXXVII. wo man die milich stelt . Nimb weichwasser und sprengs in den stall, nimb gunreben, geweicht salz und merlinsen. ich gib dir heut gunreben, merlinsen und salz, und gang uf durch die wolken und bring mir schmalz und milich und molken! XXXVIII. XXXVIII. XXXIX aus Voigts quedlinb. hexenacten. beschwörung der holdichen . Fahr aus und fahr ein in N. wie bist du hereingekommen? du sollt gedenken, daß du da wieder heraus kommst. wer dich herein gebracht hat, soll dich wiederum herausbringen, er sei hei oder sei , und sollst einen beweis von dir geben, daß man siehet, daß du hinweg bist! andere: das walte gott und der teufel! fahr hin da du nutze bist und thu, wie ich empfangen habe! andere: alle in und alle ut! so spricht die liebe jungfrau sente Gerdrut. andere: wolauf elb und elbin , zwerg und zwergin , unterwärts und oberwärts, du sollst zu dem und dem, du sollst seine beine necken , du sollst sein fleisch schmecken , du sollst sein blut trinken und in die erde sinken! in aller teufel namen. andere: Du elben und du elbinne , mir ist gesagt, du kannst den könig von der königin bringen, und den vogel von dem nest ; du sollst noch ruhen noch rasten, du kommst denn unter den busch, daß du den menschen keinen schaden thust. andere: Op unsers herrn gottes berge ist unsers herrn gottes born, in unsers herrn gottes born ist unsers herrn gottes nap, in unsers herrn gottes nappe ist unsers herrn gottes appel, liegt sente Johannis evangelium, das benimmt einem die bösen dinger . der liebe gott wolle helfen, daß es vergehe und nicht bestehe. andere: Joseph und gardian die giengen vor gott den herrn stan; da sie vor gott und den herrn kamen, trauerte Joseph also sehre. es sprach gott mein herre: ›Joseph warum trauerst du so sehr?‹ ›die unternsen (unterirdischen) kleine wollen ausfaulen mein fleisch und meine beine.‹ ›ich verbiede es den untersen kleinen , das sie nicht ausfaulen mein fleisch und meine beine!‹ ähnliche formel im Romanusbüchlein (Görres volksbücher p. 205). 503 andere: die heiligen drei könige giengen über das feld, do mutten (begegneten) ihnen alp und elbin . in der aufzeichnung steht sinnlos: alfinadi alfinie , für alf, elfin (nach niedersächs. mundart.) › albinne das solt du nicht thun, kehre wieder um.‹ im namen u. s. w. andere: hebbe mutter und hochmutter , lege still ein deinem blode, als Jesus lag in seiner mutter schote. XXXIX. gegen krankheiten . Unser herr Jesus Christus und dieser wasserfluß. ich verbüße dir sieben und siebenzig schuß ; sieben und siebenzig seuche , die seind mehr denn wir verbüßen; weichen von diesem geruch (?) neunerlei geschuß! das sei dir zur buße gezählet im namen etc. Es giengen drei Salomen über einen ölberg, sie giengen über ein grüne aue, da begegnet ihnen Marie unse liebe fraue. ›wohin ihr drei Salomen?‹ ›wei willen hengahn ut und seuken mangerlei god krut (vgl. XXXI ): dat stikt nicht, dat brikt nicht, dat killt nicht, dat swillt nicht ‹ im namen u. s. w. Unse leve frue ging still over land, se gesegene desen hilligen brand , dat he nich quillt oder schwillt und inworts fritt! Wollet ihr hören des herrn wunder grot, da Jesus Christus von Marien auf den erdboden schot, in einer hilligen spangen, damit sie den herren Jesum Christ empfangen. sie trug ihn unterm herzen vierzig wochen ohne schmerzen, sie trug ihn gen Betlehem in die stadt, da Jesus drinne geboren ward. sie schickten ihn über das wilde meer, es wäre noth daß sie hinter ihn kämen, drei scharfe dornen mit sich nähmen. das eine was de harte nagel, de ward dem heiligen Christ durch hände und füße geschlagen. die falschen Juden waren oft behende, sie warfen ihm ein dornen kron auf sein haupt, daß ihm sein rosinfarbnes blaut durch seinen braunen bart floß. Johannes thät einen hellen schrei: ›hilf gott, mir bricht mein herz entzwei. die mutter gottes will gar verderben, Jesus Christus wird gar am kreuze sterben‹. Wie he do gestorben was do verwandelt sich laub und gras und alles was uf dem erdboden was. Ut welken munde dies gebet wird gesprochen, der wird nicht gehauen oder gestochen, dem wird auch kein haus verbrant , kein jungfräulich herz wird auch zu schanden, keiner frauen . . . . . gelungen. das helf mich gott und seine heiligen fünf wunden. XL. bruchstück eines gebets gegen das fieber und böse wetter . (Andr. Gryphius Horribilicr. p. 768.) Das walte der es walten kann. Matthes gang ein, Pilatus gang aus, ist eine arme seele draus. ›arme seele wo kommst du her?‹ ›aus regen und wind, aus dem feurigen ring .‹ XLI. b . eingang einer beschwörung (14 jh.). Unser herr saz und stunt under der kirchtür, da kam sein lieb traud muter gangen (herfür), ›draut son, mein herre, wie siezest du trawren so sere?‹ ›ach herczenliebew muter mein, solt ich nit trawrig sein?‹ da kom ich an bulwechs perg gangen, da schoz mich der bulwechs , da schoz mich die bulwechsin , da schoz mich als ir hingesind u. s. w. vgl. XVIII . XLI. feuersegen . Ein feuer kann besprochen werden, wenn der die formel hersagende dreimal um die flamme reitet , dann erlischt sie. beim drittenmal aber springt die flamme auf ihn los , und wenn sie ihn erreicht, ist er verloren. Feuer stand stille um der worte willen, die s. Lorenz sprach, da er den feurigen rost ansach. 504 Anderer feuerspruch : Gott grüße dich liebes feuer mit deiner flamme ungeheuer: das gebeut dir der heilige mann Jesus du solt stille stan, und mit er flamme nit für baß gan! im namen etc. anderer: feuerglut du sollst stille stehn, und wie das liebe Marienkind die marter am kreuze hat ausgestanden, der hat um unserer sünde willen all still gestanden! Diese worte soll einer dreimal aussprechend unter dem rechten oder linken fuß ein wenig erde wegnehmen und sie ins feuer werfen . vgl. den dän. spruch bei Nyerup morskabsl. 200. XLII. gegen elbe . Ich beschwöre dich alb , der du augen hast wie ein kalb, rücken wie ein teigtrog , weise mir deines herren hof! Ihr elben sitzet feste, weicht nicht aus euerm neste! ihr elben ziehet fort, weicht bald an andern ort! Im thume steht die rosenblume, sie ist weder braun noch fahl. so müßen die hüfdinger (hüfteelben) zersteuben und zerfahren und kommen der hirtischen Margareten ins teufels namen an! (Carpzov pract. rer. crim. pars 1 quaest. 50. p. 420.) Begräbt die hexe ihre elben , so gibt sie ihnen ein wenig wachs, einige faden flachs, und etwas käs und brot mit ins grab: unter dem verscharren wird gesprochen: ›da, elben , da, wringet das wachs , spinnet das flachs , esset den käse , esset das brot , und laßt mich ohne noth!‹ (Elias Casp. Reichardts verm. beitr. 3, 369.) XLIII. gegen fieber . Fieber hin, fieber her! laß dich blicken nimmer mehr! fahr der weil in ein wilde au! das schaft dir ein alte frau. Turteltäubchen ohne gallen; kalte gichtchen du sollst fallen! gegen den wurm am finger . Gott vater fährt gen acker. er ackert fein wacker, er ackert würme heraus, einer war weiß, der ander schwarz, der dritte roth: hie liegen alle würme todt. gegen brustgeschwür : Scher dich fort, du schändliches brustgeschwür von des kindes rippe, gleich wie die kuh von der krippe! vgl. abergl. 873 . gegen barmgrund . diesen ausschlag zu tilgen, wasche man sich in einer pfütze, worin hunde und katzen ersäuft zu werden pflegen und spreche die formel: in dit water worin versupen manch katt und hund, darin still ik di barmgrund. im namen u. s. w. (Schütze holst. id. 1, 70.) XLIV. gichtsegen . Am ersten mai vor tagesanbruch muß der gichtkranke sich im walde einfinden, dort drei tropfen seines blutes in den spalt einer jungen fichte stillschweigend versenken, und nachdem die öfnung mit wachs von einem jungfernbienstock verschlossen ist, laut rufen: ›gut morgen, frau fichte, da bring ich dir die gichte : was ich getragen hab jahr und tag, das sollst du tragen dein lebetag! der erde thau befeuchte dich, des himmels regen wässre dich, doch drücke dich nun ewiglich mit gichteseuch auf mein geheiß gott v. s. und h. g.!‹ (Ernst Wagners abc eines henneberg. fiebelschützen. Tüb. 1810 p. 229.) XLV. segen für gebärende . Unser liebe frau und unser lieber herr Jesus Christ giengen miteinander durch die stadt viel ähnliche anfänge. z. b. es gieng Christus und seine mutter aus einem wald, bald über feld bald über land, berg auf berg ab, hatte ein büschel holz in der hand u. s. w. : ›ist niemand hier der mein bedarf?‹ liegt ein krankes weib, sie liegt in kindes banden. gott helf ihr und ihrem lieben kind von einander. das thu herr Jesu Christ, der schließ auf schloß, eisen und bein! Hiermit 505 vgl. folgende formel in Mones anzeiger 1834 p. 278: Ich bitte dich Maria und Jesu Christ, das mir das schloss verschlossen ist, der Maria ruhet unter ir brust, das mir das schlos wider uf wisch (auffahre). XLVI. frauen zu vergessen (vgl. altn. ôminnisöl ). Ich weiß wol wo du bist, ich sende dir den vater herrn Jesu Christ, ich sende dir der treusten boten drei, die auf erden und himmel sind, einen in dein gemüte, den andem in dein geblüte, den dritten in deines herzens block. gott gebe daß alle weiber und mägde in deinem herzen verstocken! ich sende dir den süßen herrn Jesum, den süßen herrn Christum, die stumpfen nägel drei , die gott dem herrn wurden geschlagen, den einen durch seine hände, den einen durch seine füße, den dritten durch sein herze. gott gebe daß du müßest vergessen alle weiber in deinem herzen . im namen etc. XLVII. spruch gegen diebe . ähnlich dänische formeln bei Nyerup morskabsl. s. 197. 198. Wie Maria im kindbette lag drei engel ihr da pflagen. der erste hieß S. Michael, der ander S. Gabriel, der dritte hieß S. Rafael. da kamen die falschen Juden und wollten ihr liebes kindlein stehlen. Da sprach Maria: ›S. Petre bind!‹ Petrus sprach: ich hab gebunden mit Jesu banden mit gottes selbsteignen handen. wer mir ein diebstal thut stehlen der muß stehn bleiben wie ein stock, über sich sehen wie ein block: wann er mehr kann zählen als sterne am himmel stehn, alle schneeflocken, alle regentropfen, wann er das alles kann thun, mag er mit dem gestolen gut hingehn wo er will; wann ers aber nicht kann, so soll er stehn bleiben mir zu einem pfand , bis ich mit meinen leiblichen augen über ihn sehe und ihm urlaub gebe, wieder zu gehn. XLVIII. andere formel, einen fest zu bannen . Hier stand so fest, als der baum hält seine äst, als der nagel in der wand, durch Jesum Marien sohn; daß du weder schreitest noch reitest und kein gewehr ergreifest! in des höchsten namen soltu stehn! XLIX. noch andere festbannung . Ich thu dich anblicken, drei blutstropfen sollen dich erschricken in deinem leibe, der erste mit einer leber, der zweite mit einer zunge, der dritte mit einer mannes kraft, ihr reitet oder geht zu fuß, gebunden sollt ihr sein so gewis und so fest, als der baum hält seine äst, und der ast hält seine nest, und der hirsch hält seine zungen, und der herr Christus uns hat das himmelreich errungen; so gewis und wahr sollt ihr stan, als der heil. Johannes stand am Jordan, da er den lieben herrn Jesum getaufet; und alsogewis und wahrhaftig solt ihr stehn, bis die liebe göttliche mutter einen andern sohn gebähret, so gewis solt ihr sein gebunden zu dieser tagzeit und stunden! L. sich lieb und werth zu machen. Ich trete über die schwelle, nehme Jesum zu meinem gesellen, gott ist mein schuh , himmel ist mein hut , heilig kreuz mein schwert , wer mich heute sieht, habe mich lieb und werth! so befehl ich mich in die heilige drei benedicts pfennung (?), die neunmalneun geweihet und gesegnet sein; so befehl ich mich in der heil. dreifaltigkeit leuchtung, der mich heute sieht und hört, der habe mich lieb und werth, im namen etc. LI. sich unsichtbar zu machen. Grüß euch gott! seid ihr wolgemut? habt ihr getrunken des herrn Christi blut? ›gesegne mich gott, ich bin wolgemut, ich habe getrunken des 506 herrn Christi blut.‹ Christus ist mein mantel , rock , stock und fuß , seine heilige fünf wunden mich verbergen thun. gesegne mich gott, ich bin wolgemut u. s. w. Christus der herr, der die blinden sehend gemacht und die sehenden blind machen kann, wolle eure augen verdunkeln und verblenden, daß ihr mich nicht sehet noch merket u. s. w. LII. schwedische sprüche . (Fernows Wärmeland p. 250 ff.) Sanct Johannes evangelist han bygde bro för Jesum Christ. vår herre är min brynja , och Jesus är min försvar. ser väl för min fall idag och hvar dag, för den heta eld, för den hvassa orm, för den blinda man , som alla vähla villa kan. Den ena böna för min nöd, den ara för min död, den tredje för min fattiga själ. aftonbön . Jag lägger i vårs herres tröst, korsa gör jag för mit bröst. signe mig sol och signe mig måne , och all den frögd som jorden bär . jörden er min brynja , och himmelen är min skjöld , och jungfru Maria är mit svärd . åter: Nu går jag te sängje, med mig har jag guds ängle, tolf te hand och tolf te fot, tolf te hvar ledamot. ännu en annan: Vår herre Jesus rider öfver hede, där möter han den lede . ›hvart skal du hän?‹ sade vår herre Jesus. ›jag skal åt kött at suga blod .‹ ›nej, jag förmenar dig: du skal ur ben och i kött, ur kött och i skinn, ur skinn och ända at helfvetes pina! ‹ genom tre namn. at döfva verk: Vår herre Jesus rider in på kyrkogård, dar döfde han både verk och sår . Jesus somnade , verken domnade ; Jesus vaknade , verken saktnade . genom tre namn. LIII. dänische formeln (Nyerups morskabsl. 200. 201.) at dölge eg og od . Läs disse ord strax naar du seer knivene eller svärdene drages: stat eg og od , med de samme ord som gud skabte himmel og jord. stat eg og od med de samme ord som gud skabte sig selv med kjöd og blod i jomfru Mariä liv! i navn gud faders etc. Vor herre Christus red i herrefärd, dövede han alle dragne svärd; alle de vaaben som han saae, dem tog han eg og odde fra, med sine to händer og med sine ti fingre, med sit velsignede blod, med sin värdig hellig aand og med sit hellige kors, med sine tolv engle og med sine tolv apostle. fra klod og ud til od , det hvide skal ikke bide , det röde skal ikke blöde , förend Christus sig igjen lader föde, det er skeet og skeer aldrig mere. Jesus gik ad vejen fram, der mödte ham Rylla den lede og gram . ›hvor vil du gange?‹ siger Jesus. ›jeg vil gaae til N. N.‹ ›hvad vil du der?‹ siger Jesus. ›jeg vil hans blod lapt , jeg vil hans ben bidt og hans händer slidt , jeg vil hans hilse fortappe.‹ ›nej, siger Johannes evangelist, det skal du ikke giöre: mens Jesu navn mane dig af blod i flod! Jesu navn mane dig af been i steen! Jesu navn mane dig af hold i mold , Jesu navn mane dig ud til verdens ende! ‹ Jesus han sig under espen stod, han svedte vand, han svedte blod. flye ägte rosen for ordet, som den döde under jorden, som duggen for dagen . Jeg binder dig med min haand, og med Jesu haand, med jomfru Marias haand, med de ni gode guds engler, med hvid uld og grön gräs og den hellig aands sande läst. i navn etc. Lucia den blide skal flye mig ad vide: hvis dug jeg skal brede, hvis seng jag skal rede, hvis barn jeg skal bäre, hvis kjäreste jeg skal väre, hvis arm jeg skal sove i . A ligger mä paa mi hyver ley. saa souer a paa vor frou Frey , herud Ragirist! herind Mari med Jesus Christ! herud dit slemme skaan! herind Mari med det lille baan! Tvi! det sätter amellem deulen aa mä. ›du giör di finger for brey aa di taa for laang‹ sagde jomfru Mari. ›da skal a bind dem i en silketraa ‹ sagde Jesus. ›vig bort du deuel aa i 7 ond aander!‹ saa sätter a vor haris 507 12 engler omkring mä, to ve min hoved, to ve hver a min bien, to ve mi hyver aa, to ve mi venster sie, saa vil a si paa den deuel der skal gjör mä nöy, i Giösus naun, amen. LIV. beim schmieren mit salz gegen den grif (greb.) skand. lit. selsk. skr. 19, 376. Christus gik sik til kirke, med bog i hände, kom selver jomfru Marie gangende. ›hvi fälder du löd (wie wirst du blaß) min välsignede sön?‹ ›jeg haver faaet stärk greb min velsignede moder.‹ LV. gegen den grif (greb). LV–LVIII aus Hans Hammond nordiske missionshistorie. Kiöbenh. 1787 p. 119. 120. Jeg giör at dette menneske for berggreb , for söegreb , for dödmans greb , for alle de greb, som falde imellem himmel og jord , i de tre navn etc. LVI. gegen rendsel (gicht, gliedschmerz). Jesus gik sig efter vejen frem, der mödte han slangen . ›hvor har du agtet dig?‹ sagde der herre Jesus. saa svarede han: ›til den, som svag er.‹ saa svarede den herre Jesus: jeg skal dig igien vende, hiem igien sende. jeg skal sende dig udi bierget blaa , der skal du staae, saa länge som verden staaer, jeg skal binde dig med mine 10 fingre og med 12 guds engle, udi 3 navn etc. LVII. gegen knochenbruch . Jesus reed sig til heede, der reed han syndt (zerbrechen) sit folebeen, Jesus stigede af og lägte det, Jesus lagde marv i marv, been i been, kiöd i kiöd, Jesus lagde derpaa et blad, at det skulde blive i samme stad. i 3 navne etc. LVIII. gegen qvärsil (eine pferdekrankheit). Jeg giör at dette best for qvärsil udi 3 navn. der ere 3 ord som döver qvärsil, et er jorden , det andet er solen , det tredie er Jesu Christi moder jomfrue Marie. LIX. gegen nesselstich . Hat sich jemand heftig an einer nessel verbrannt, so nimmt man einige blätter von ampfer (rumex obtusifolius, engl. dock, dockon), speit darauf, und reibt damit die verletzte stelle, indem man die worte ausspricht: › in dockon, out nettle! ‹ anderwärts: in dock, out nettle! schon bei Chaucer (Troil. and Cr. 4, 461): › nettle in, dock out ‹; mittellat. spruch: ›exeat urtica, tibi sit periscelis amica!‹ Brocketts glossary of Northcountry words p. 57. [ out nettle in dock . Barnes p. 49.] Eine reichere sammlung solcher segen und beschwörungen, wozu hier der bloße anfang gemacht wird, müste über ihren ursprung und ihre bewandtnis vollends aufklären. unentbehrlich scheinen aber ältere niederschreibungen aus einer trierer pergamenths. des 15 jh. bekam Horst (zauberbibl. 4, 363) viele segensformeln, theilt sie aber in seinem buch, das ärgerlichen überfluss der unnützesten dinge darbietet, nicht mit. Wahrscheinlich findet sich in dem Romanusbüchlein (Görres no. 34.) brauchbares. ; 508 viele sind aus dem mund des volks entstellt und unverständlich aufgenommen. ihr gehalt ist oft hochpoetisch und alterthümlich, einige zeichnen sich aus durch gedrungne kürze, z. b. ›oben aus und nirgend an!‹ oder ›wer mich scheußt, den schieß ich wieder!‹, ›du hast mich geschossen, ich schieße dich wieder!‹ Ihre wendung kehrt in den verschiedenen gegenden wieder: ein zeichen langer und weiter verbreitung. so, daß dem alb oder teufel, der zu schaden ausgeht, begegnet , und gesteuert wird ( XXXVIII . LII . LIII . LVI ), aber auch die begegnung heilmittel suchender bildet eingänge ( XXXI . XXXIX ). Das stufenweise beschwören aus mark an bein, aus bein an fleisch, aus fleisch an haut in VI und LII bezeugt die einstimmung der altdeutschen mit der schwedischen formel. Alt ist auch, daß der schutz durch thore ( VIII b ), brunie in einer hs. der cambridger univ. LI. 1, 10 flndet sich ein lat. segen, betitelt lorica , mit ags. interlinearversion: ›hanc loricam Loding cantavit ter in omni die‹. es sind 89 reimverse, welche für alle glieder und in allen gefahren schutz erflehen. die vier ersten verse: suffragare trinitatis unitas, unitatis suffragare trinitas, suffragare quaeso mihi posito maris magni velut in periculo. das ganze nicht sehr poetisch und oft schwer verständlich, aber aus dem 9 jh. , hemd , schild , helm und schwert ausgedrückt wird ( IV . X . L . LII ) oder durch beinernen leib, steinernes herz, stählernes haupt ( IX . X . XI ). Alliteration blickt noch häufig durch den reim, z. b. in der zahl 77 ( XXX . XXXIX ) und 55 ( VIII b ). in den ags. formeln III . IV . Wie sich alliterationen und reime mischen, scheint auch der inhalt eine verehrung heidnischer und christlicher wesen zu verbinden. Neben erde und sonne Maria ( LVIII ), wie neben erde und himmel ( II ). sonne und mond werden in X und LII angerufen, in XXXV soll der kopf gegen die sonne gerichtet sein; uralter elementarcultus. In der jütischen formel LIII aber noch frau Freya , wenn die übersetzung richtig: ich lege mich auf meine rechte seite, so schlafe ich bei frau Freya. Wer ist Ragirist? (ragr altn. timidus, malus vgl. Ragi og Riste! herud Ragi Rist! antiqv. anm. 3, 44); auch Rylla ( LIII ) scheint schelte (vgl. Rulla s. 2, 298). Viele formeln beruhen auf bloßer sympathie zwischen gleichnis und wirkung . Das blut, das feuer soll so still stehn, wie Christus still am kreuz hieng ( XLI . sanguis, mane in venis, sicut Christus pro te in poenis; sanguis mane fixus, sicut Christus crucifixus); wie der Jordan still stand bei der taufe ( VIII ); wie die menschen am jüngsten tag still stehn werden ( XXXII ). das feuer soll seine funken behalten, wieMaria ihre jungfrauschaft behielt ( XXVI ); dem wurm im fleisch soll so weh werden, als es Petro weh ward, da er seines herrn marter sah ( XXXIV ); der huf so wenig brechen, als gott je sein wort brach ( XXXVI ). Zuweilen steht aber die formel des gleichnisses in unmittelbarem bezug auf die wirkung, z. b. wenn VIII b ein friede gebeten wird gleich dem, der zu Christi geburt herschte. Die dichter des 13 jh. gedenken verschiedner segen, führen aber keine formeln an. ›daz swert bedarf wol segens wort ‹ Parz. 254, 15; › swertes segen bekennen‹ Parz. 253, 25; › swertes segen êren‹ MS. 2, 233 a ; wunden segen sprechen Parz. 507, 23; nur Diut. 1, 362 sind einige worte des reisesegens beigebracht: ›guot sî iu weter unde wint!‹ âbentsegen , morgensegen MS. 1, 184 a 2, 36 a vgl. 1, 161 a 2, 207 b . ein von Walther gedichteter morgensegen steht bei ihm 24, 18.