Kaiser Maximilian I. Teuerdank Die Geferlicheiten und eins Teils der Geschichten des loblichen streitbaren und hochberümbten Helds und Ritters Herr Teurdanks Vollständiger Text unter Zugrundelegung der Erstausgabe von 1517. wird als "û" wiedergegeben, da keine UTF-Kodierung vorhanden ist. ů ist das langgezogene "u" Allergnedigister Herr, ich hab bedacht, daß alle adenliche adenliche: edle. menschliche Gemûet begirig sein, alt Geschicht und teurlich Getaten teurlich Getaten: großartige Taten. , durch mechtig und hochgeborn Fürsten und Herren vollbracht, so die beschriben werden, zu lesen und daraus Neigung zů empfahen empfahen: empfangen. , so si zů irer Sterk und völligem Alter kommen, inen in erlichen erlichen: ehrenvollen. Sachen nachzůfolgen und den Geferlicheiten, so inen begegnen mochten, durch empfangne Gedechtnus vorzůsteen vorzůsteen: standzuhalten. , aus denselben Ursachen, dieweil Euer Küniglich Majestät von dem teuerlichisten, eltisten und namhaftigisten Geschlecht der Christenheit iren Ursprung und Herkommen hat, die mechtigisten Königreich, Land und Leut für für: vor. ander Christenlichist Künig und Fürsten besitzet, auch mit Tugenden und hoflicher Geschicklicheit hoflicher Geschicklicheit: Geschick in Hofkünsten. begabt ist, fürgenommen Euer Küniglichen Majestät zů Ergetzlicheit, Nutz und Lere eines loblichen, teuern und hochberümbten Helds und Ritters, mit Namen Herr Teuerdank, Geschicht, Histori und Getaten (die ich den meisten Teil gesehen und von glaubhaften Personen, die in Gegenwertigkeit gewesen sein, gehört hab) in Form, Maß und Weis der Heldenbücher (als vormalen durch vil beschehen ist) in verborgner Gestalt zů beschreiben. Dann ich für onnot onnot: unnötig. bei mir geacht, den ganzen Grund offenlichen und meniglichen an Tag zů legen, nachdem ich Euer Küniglich Gemuet dermaßen fehig und verstendig weiß, daß Euer Majestät on on: ohne. weiter Nachgedenken den Kern und Grund derselben vollbrachten Geschicht versteen wirdet. Solich Bůch, allergnedigister Herr, und mein willige Arbeit wöllen Euer Küniglich Majestat von mir undertenigistem Kaplan gnediglichen empfahen, und so die Zeit, an der Euer Majestat Gescheft halben vergonnt, darin lesen, dann ich keinen Zweifel trag, Euer Küniglich Majestat werde daraus Reizung und Begird empfahen, dem bemelten bemelten: genannten. loblichen, teueren und hochberûmbten Ritter Teurdank in teuerlichen, erlichen Sachen nachzufolgen, und darbei Leer Leer: Lehre. und Underweisung nemen, Euer Majestat sich den Geferlicheiten des wankelbaren Gelücks, wie gedachter Ritter, Herr Teurdank, getan hat, so oft nicht zů underwerfen, sonder Euer Künigliche Majestat, der ich mich undertenigist befilch befilch: empfehle. , darvor wissen zů hûten. Geben zů Nuremberg am ersten Tag des Merzen Anno domini tausend fünfhundert und im sibentzehenden Jar. Euer Küniglichen Majestat Diemûtigster Kaplan Melchior Pfinzing zů Sant Alban bei Menz und Sant Sebold zů Nûrenberg Propst. Dem durchleuchtigisten Fürsten und Herren Herrn Karlen Künigen zů Hispanien etc. Erzherzogen zů Osterreich Herzogen zů Burgundi etc. meinem allergnedigisten Herrn. (1) Wie Künig Romreich sein Gemahel mit Tod abgieng und im im: ihm. allein ein einige Tochter verließ verließ: hinterließ. , genannt Erenreich, und er von seinen Räten si zů verheiraten angestrengt ward. Als Himmel und Erd beschaffen warn Vor sechstausendvierhundert Jarn, Darzů auch noch vierzig und vier, Was Was: war. ein Künig umb die Revier Gen dem Nidergang der Sunnen, Der hett manches Land gewunnen Mit seiner ritterlichen Hand; Romreich was derselb Künig genannt, An Landen, Leuten und Geld reich, Derselben Zeit lebt nit sein gleich. Dem gab Gott bei dem Gemahel sein Ein einige Tochter hübsch hübsch: höfisch. und fein, Die si Ernreich nennten darumb, Dann si was gar erlich und frumb frumb: trefflich. . Nicht lang darnach es sich begab, Daß dieselb Künigin nam ab Und fiel in ein schwere Krankheit. Darab der Künig trůg groß Leid, Schickt nach allen den Ärzten sein, Ob si möchten helfen der Künigein, Groß Gůt wollt er in in: ihnen. darumb geben. Drauf si sprachen: »Herr, ir Leben Steet warlich in Gottes Gewalt, Darumb laßt si versehen bald Nach Ordenung der Christenheit.« Eilunds ward alle Sach bereit, Was sich dann zů solchem gebürt. Als nun die edl Künigin spürt, Daß irs Lebens nit wollt mer sein, Sprach si: »Ich befilh, das Kind dein Dir das wöllst ziehen nach deim Rat Und verheiraten, wann das hat statt.« Mit der Red gieng ir die Sel aus, Fast Fast: sehr. große Klag was in dem Haus Von allem Volk jung und auch alt. Alsbald der tode Leib erkalt, Ward der bestett bestett: bestattet. zů der Erden Erlich mit traurigen Berden Berden: Gebärden. . Der Künig mit der Tochter regirt Mannig Jar, daran in niemands irrt irrt: hinderte. . Dazwischen si warde mannbar, Erreichte das sechzehend Jar. Durch ir groß, schön Zucht und Geberd Vergaß der Künig auf der Erd Alles Leids und der Traurigkeit, Dann all Welt von ir allein seit seit: sagte. , Wie si wer voll aller Tugend Und fast geschickt zů ir Jugend zů ir Jugend: für ihr Alter. . Darumb gar vil großer Herren Von nahenden und auch ferren ferren: fernen. Landen umb die jung Künigin Wurben. Ein jeder in seim Sinn Dacht: Möcht si mir zů Weib werden, Ich wer der seligst auf Erden. Der Künig fieng an werden schwach, Darumb sein Rät auf einen Tag Einhelliglich für in in: ihn. traten, In der Gehorsam si in baten, Daß er wollt folgen irem Rat Und sein Tochter vor seinem Tod Verheiraten nach den Eren, Damit si wißten wißten: wüßten. ein Herren, Der si schirmet und entschüttet entschüttet: befreit (von Besatzung). Und vor allem Gewalt errettet, Dann wo er also sollt abgan abgan: abgehen, sterben. , So möcht sich mancher understan, Die Tochter zů holen mit Gewalt Und dis Land mit Krieg gewinnen bald. »Das wellet, Gnad Herr, verkommen verkommen: zuvorkommen. , Dann Euch und Eurn Landen Frommen Daraus wurd vilfeltig entstan«. Der Künig sprach: »Hört, ich will han han: haben. Darauf einen kurzen Bedacht, Und ehe es morgen wirdet Nacht, Will ich weiter reden darvon Und darinnen Euren Rat han.« Die Rät waren daran benuegich benuegich: zufrieden. , Ein jeder gegem Künig neigt sich Und schiden darauf all von dann; Der Künig sich auf die Sach besann. (2) Wie der Künig Romreich Rat hielt und einen Fürsten seiner Tochter zů elichem Gemahel erwölt, doch den vor seinem Tod nit öffen offen: offenbaren. wollt. Als nun her drang der ander Tag, Der Künig nit lenger am Bett lag, Sonder ließ beruefen in den Rat All seine Rät, die kamen drat drat: rasch. . Darauf er anfieng unde sprach: »Ir habt mich auf gestrigen Tag Gebeten und hoch gestrengt an, Meiner Tochter zů geben ein Mann. Nun ist war, es erfordert die Not, Daß Ir alle nach meinem Tod Werdt haben einen teuren Mann, Der kecklichen kecklichen: mutig. beschützen kann Mein Tochter, Euch und ir Erbland. Die Werber seind Euch all bekannt, Darumb so man ich Euch beim Eid, Damit Ir mir verbunden seid, Daß Ir wöllt nach Eurem Verstand Raten das Böst Böst: beste. mir und dem Land.« Die Rät sprachen alle gemein gemein: gemeinsam. : »Herr, wöllt uns erlauben, allein Zůsammen zů geen an ein Ort, Alsdann wöllen wir Eure Wort Nach Notdurften beratslagen Und von stundan wider sagen, Wes wir uns haben underredt.« Der Künig sprach: »Wolhin, so geet Und beschließt in der Sach beizeit. Wann Ir dann darin bereit seid, So will ich hören Euer Antwort Und alsdann Euch darauf an der Fart Mein Willen geben zů verstan.« Die Rät neigten sich, gingen darvon Und saßen zůsammen nider, Erwugen die Sach hin und wider, Aus den zwelfen welche Person Die Künigin sollt haben zů Mann. Zůletzt si beschlossen bei in, Daß si die Sach in des Küngs Sinn Sinn: Ermessen. Wollten lauter und frei stellen, Daß er einen möcht erwelen Aus den zwölfen, die all betten betten: baten. Und die Tochter geren hetten; Gingen also zů dem Künig dar. Alsbald er der Rät wurd gewar, Schůef Schůef: ließ. er si für sich zů kommen. Ein Rat sprach: »Herr, wir han vernommen Eur Meinung, berûrend berûrend: betreffend. die Heirat, Und sein darauf mit Antwort bereit, Euch unseren Rat zů erkennen Geben und doch vor benennen Aller der zwelf Werber Namen.« Damit traten die Rät zůsammen; Einer under in anfieng, sprach: »Gnediger Herr, Ir habt Eur Tag Derselben Werber Macht und Gwalt Erkennt und erfarn mannigfalt; An Reichtumb sein si all groß Und Eur Tochter zů Mann genoß genoß: ebenbürtig, angemessen. , Welchen Ir nun aus denen allen Erwelt, der soll uns wol gefallen.« Der Künig, als er si gehört hett, Saß er ein klein Weil ungeredt ungeredt: ohne zu reden. Und bedacht die Sachen gar wol, Wie dann ein weiser Mann tůn soll, Dann er in der Wal irrig irrig: unentschlossen. was, Der Werber Reichtumb machet das; Doch zuletzt er anfieng und sprach: »Getreuen Rät, ich hab in der Sach Euren Ratschlag wol verstanden, Daß zwelf Werber sein verhanden, Die all meiner Tochter begern. Nun wollt ich aus in allen gern Den besten erwelen, der wer Voller Tugend und liebt die Eer, Damit der mir mocht folgen nach. Darumb ich mich auf dise Sach Will bedenken noch ein klein Zeit, Und wann es sich alsdann begeit begeit: begibt. , Daß nun kommet mein letzte Stund, So will ich mit eigenem Mund Oder doch durch mein Testament Erklern, welchen ich hab genennt Meiner Tochter zů elichem Mann. Den soll si für die andern han; Versich mich, Ir werdt Gefallen tragen Ab dem, das ich Euch wird sagen.« Die Rät sprachen: »Gnediger Herr, Wir hoffen, es sei noch gar ferr Zu Eur Genaden letztem End; Aber welchen Ir uns benennt, Den wellen wir haben geren, Wir hoffen auch, sich werd nit wern Des Euer Tochter, die Künigin.« Mit dem gingen die Rät all hin Wider ein jeder in sein Haus; Also was derselbig Rat aus. (3) Wie der Künig Romreich sein Leben in einem Garten enden wollt und zůvor den benennt, so er seiner Tochter zů Mann erwölt hat. Eins Mals der Kung an seim Bett lag, Gedacht: Nun ist kommen der Tag, Daß ich soll ordenen mein Sach, Dann ich bin worden alt und schwach, Das empfind ich an mir ganz wol, Doch hoff ich nicht ersterben soll Auf Federen in einem Bett, Dann wenig wurd alsdann geredt Von meinem Tod in künftig Zeit. Ich weiß ein schön Garten nit weit Von hin hin: hinnen. , der ist lustig umbfangen Mit eim Graben, da in Verlangen Hab ich zů schließen schließen: beschließen. mein letzt Teg Teg: Tage. . In solchen Danken Danken: Gedanken. reit er weg. Als er nun in den Garten kam, Empfand und daß er seer ab nam An seinem Leib und auch Leben, Darumb wollt er zů versteen geben Zuvor sein Räten, wen er wollt, Den sein Kind zů Mann haben sollt; Macht ordenlich sein Testament, Beruefet etlich Rät behend, Sprach: »In dem Testament Ir werdt Finden, welchen ich auf der Erd Hab meim Kind zů Mann auserkorn. Darumb sagt ir: Wöll si Gottes Zorn Empfliehen Empfliehen: entfliehen. , daß si halt mein Gebot, So wird si behüet vor allem Spott. Denselben soll si allein han Vor andern fur han ... für: halten für. iren Eemann.« Das hörten alle seine Rät. Damit der Künig kein Wort mer redt, Sonder gab also auf sein Geist, Darab sich alls Volk traurig beweist beweist: erzeigt. , Under in was ein frommer Mann, Der name das Testament an, Zů bringen hin für die Künigin, Ir auch anzůzeigen den Sinn Und das, so im befolhen hett Der alt Künig an seinem Todbett, Rust Rust: rüstete. sich, den Weg er darauf für nam, Reit als lang, bis er an Hof kam. (4) Wie der alt Ritter des Künigs Romreichs Tod seinen Räten verkundt verkundt: verkündete. , die das der Tochter auch zů wissen tůn, und welcher Maßen der Künig bestett ward. Als der alt Ritter kam an Hof, Eilunds er zu den Reten lof lof: lief. Und sprach: »Ich bring Euch leidig Mer leidig Mer: leidvolle Nachricht. , Dann gar kurzlich ist unser Herr Aus der Welt verscheiden mit Tod, Doch er vor vor: zuvor. sein Testament hat Aufgerichtet, wie sich gebürt, Das hab ich mit mir her gefüert, Der Künigin mit zů zeigen an, Wen si soll han für iren Mann.« Erzelt in auch, was er mit Mund Im hett gesagt in der letzten Stund. Die Rät erschraken zůmal hart, Sprachen: »Wir bitten ein klein Wart, So well wir zů unser Künigin Aufs fürderlichist uns füegen hin Und ir mit Gelimpf mit Gelimpf: in schonender Weise. zeigen an Die Sach, wie wirs vernommen han.« Der Ritter gab sein Willen darein, Die Rät gingen zů der Künigin ein, Sprachen: »Gnad Frau, wir zweifeln nit, Daß Eur Zucht und jungfreulich Sitt Ger Ger: begehre. , sich zů bekümmern umb das, So ewiglichen durch kein Maß Mag widerumb gebracht werden Durch ein Menschen hie auf Erden. Dieweil wir des Wissen tragen, So wöll wir Euch ein Sach sagen, Darab Ir billich werd tragen Leid, Doch hoff wir, es bschech bschech: geschehe. mit Bscheidenheit Bscheidenheit: Einsicht. : Dann die höchst Vernuft und Leer ist, Des zů vergessen, so zů keiner Frist Mag wider in sein Statt wider in sein Statt kommen: wiederhergestellt werden kann. kommen. Wir hon von eim Mann vernommen, Der gwesen ist Eurs Vaters Rat, Daß unser Herr der Künig sei tot Und hab im geben sein Testament Bei gůter Vernuft vor seim End, Darbei im befolhen mit Mund, Euch zů sagen, was Ir sollt tůnd, Und er von im in Befelh hat, Darumb er Eur Gnad bitten lat, Ir wöllt in hören mit Gnaden.« Die Küngin was mit Schmerz beladen, Alsbald si höret dise Mer, Daß ir Herr Vater gestorben wer; Aus den Äuglein liefen Treher Treher: Tränen. , Dann ir die Sach gar vil neher Dann jemands anders ging zů Herzen. Aus großem Jammer und Schmerzen Sprach si: »Wiewol nun uns allen Soll, was Gott tůt, wolgefallen, Noch, so es war müglich gewesen, Gert ich meins Vaters Genesen Und sein Leben auf heut den Tag; Doch dieweils nit anders sein mag, Will ich den Ritter hören nit, Bis sein Leib nach künglichem Sitt Ist begangen und begraben. Darnach so will ich erst haben, Daß Ir gleich in derselben Stund Meiner Landschaft Landschaft: die versammelten Stände des Landes. in Schrift tůt kund, Daß si erschein bei mir im Rat. Wann sich dieselb versammelt hat, So mügt Ir den Rat bringen her, Zů hören meins Vaters Beger.« Die Ret lobeten ir Weisheit, Sprachen: »Frau, wir sein allzeit bereit, Zů tůn nach Euerem Gebot; Allein befelht die Sachen Gott, Der mag das wol widerbringen.« Den Künig ließ man erlich besingen, Nach künglicher Art ward er bestett. Als man das alls nun getan hett, Do ward beschriben beschriben die Landschaft: die Landstände angeschrieben. die Landschaft, Und daß si sich gar kein Ehaft Ehaft: Recht und Pflicht. Ließen verhinderen daran, Sonder erschinen von stundan Vor der Künigin und den Reten, Dann si genötig genötig: dringend. Sachen hetten Zů sagen und nach irem Rat Handlen, dieweil der Künig wer tot. Die Landschaft erschein gehorsam, Kamen für die Küngin allsam. (5) Wie die Künigin Ernreich mit sambt irer Landschaft und Räten den alten Ritter verhort und wes si sich darauf entschloß. Als nun der Künig Romreich wert Was bestettiget bestettiget: bestattet. zů der Erd, Und die Landschaft auch kommen was, Die Künigin auf irem Sal saß, Sprach: »Ir getreuen Undertan, Darumb hab ich Euch fordren lan fordren lan: vorladen lassen. : Euch ist villeicht nit verborgen, Daß jetz vor verschinen verschinen: verblaßt, vergangen. Morgen Mein Vater und Euer Herr Ist mit Tod verscheiden leider, Dem Gott von Himmel gnedig sei. Der hat einen sein Rat hiebei Eilunds zů mir hieher gesandt. Derselb saget, im sei bekannt Meines Vaters letzt Testament, Auch wen er hab darin genennt, Welches Gemahel ich soll sein. Darumb han ich Euch gefordert, herein Zů kommen eilunds zů mir her. Dieweil nun Eur Wolfart und Eer Leit Leit: liegt. an eim regirenden Herrn, Do ist an Euch mein gnedig Begern, Ir wellet denselbigen Mann Verhören Verhören: anhören. und alsdann darauf han Rat, was mir mit gůten Maßen Sei darin zů tůn und zů lassen.« Die Landschaft sich nit lang besann, Sonder sprach, man sollte den Mann Einlassen herfür die Künigin, Dann wenig weren under in, Die sein nit hetten gůt Kundschaft Kundschaft: Kenntnis. Und in erkannten für warhaft. Darauf man den Ritter ein ließ, Der Marschalk in fürbringen hieß, Was er nun vor der Künigin hett Für zů tragen, daß er das tet. Der Ritter neigt sich auf sein Knie, Sprach: »Gott grûß mein Frau Frau: Herrin. und all die hie Bei einander versammelt sein! Mich hat Künig Romreich herein, der edel Held, geheißen gan gan: gehen. , Euch sein Testament zů zeigen an, Daß ich Euch übergib hiemit; Und ist darbei mein gehorsam Bitt: Ir wellt das offen lesen lan, Alsdann werdt Ir weiter verstan, Was er mir aus seim eignem Mund Befolhen hat an seiner letzten Stund.« Das Testament ein Schreiber las. Da nun dasselb aus gelesen was, Sprach der alt Ritter unverzagt: »Hochgeborn Küngin, edle Magd Magd: Jungfrau. , Auf den Eid, so ich geschworen hon Eurem Vater, so zeig ich an, Daß mir mein Herr befolhen hat Ein kleine Zeit vor seinem Tod, Mich eilunds zů Euch fuegen her, Zů endecken sein letzt Beger. Das ist, daß Eur Gnaden soll han Teurdank, den Fürsten, zů eim Mann; Dann der sei Euch genoß am Adel, Mechtig, frei vor allem Tadel, Der mag Euch und Euer Leut und Land Beschützen mit seiner streitbarn Hand. Darumb, gnad Frau, edle Künigin, Wellet nemen in Euren Sinn, Daß der allmechtig ewig Gott Hat geschafft in dem vierten Gebot Mit Fleiß die Eltern zů eren, Ir Gebot nicht zů verkeren, Und tůt, was an Euch hat begert Euer Vater zůletzt auf der Erd.« Damit er seiner Red schweig still, Der Marschalk sprach: »Mein Frau die will Die Sach nach Notdurft ratschlagen«, Ließ drauf in der Landschaft fragen, Was hierin ir Gůtdunken wer. Si sprachen: »All unser Beger Ist, daß Euer Gnad, unser Künigin, Eilunds einen Boten schick hin, Zů sůchen den teurlichen Mann. So ferr So ferr: soweit. er Euch zů Weib will han, Sein wir behût vor aller Not, Mögen leichter verklagen verklagen: verschmerzen. den Tod Eurs Vaters, unsers alten Herrn.« Die Künigin sprach: »Ich hör fast gern, Daß wir all eines Willens sein, Dann ungern ich des Vaters mein Letzten Willen wollt zůbrechen zůbrechen: nicht halten. .« Die Landschaft begund begund: begann. zů sprechen: »Gnedige Frau, Ir tůt recht daran! Allein secht, damit Ir mügt han Teurdank, den jungen edlen Held, Sovil Tugend wird uns erzelt Von im, daß niemand glauben mag.« Die Künigin sprach: »Auf Euer Sag Sag: Rede, Bericht. Soll ein Bot geschickt werden zůhand zůhand: sogleich. , Der eilunds durchreit manich Land Und sůch den Helden on all Rast Mit Fleiß, ob er den teuren Gast Möchte bringen zů mir hieher.« Die Landschaft sprach: »Das ist unser Ge Ger: Begehren. .« Damit der Landtag zertrennt was, Jeder zog, da er mit Haus saß, Warten, wenn der Bot wider kem Und brecht den Helden, daß er nem Die jungen Künigin zů der Ee, Dann si sonst begereten nit mee. (6) Wie die Künigin den Boten abfertiget, den edlen Held Teurdank allenthalben zů suchen. Die Künigin einen treuen Mann Hieß hinein zů ir in Sal gan, Sprach: »Hör, unser getreuer Knecht, Wir haben dich bisher gerecht In dein Handlungen gefunden, Und darumb zů allen Stunden Vor andern gesetzt ein Vertrauen In dein Person; das magstu schauen Bei der Gnad, so wir dir tan tan: getan, erwiesen. han. Darumb so wirst du uns nit lan Auch ditzmals in disen Sachen, Sonder dich aufs erst auf machen Und sůchen einen teuren Held, Den hat unser Vater erwelt Uns und dem Land für ein Herren. Wir wissen nit, ob er fern Oder nach nach: nahe. von hie zů finden sei, Aber wir sagen dir darbei: Bringstu den Helden mit dir her, So sollest du hinfür nit mer Von Armůt wissen zů sagen, Dann du alle dein Lebtagen Reich und auch mechtig sollest sein.« Also sprach die edl Künigein, Damit si im ein Kredenzbrief Kredenzbrief: Beglaubigungsschreiben. Gab und gebot, daß er nit schlief Noch sich jemands aufhalten ließ, Bis er einen Held, der da hieß Teurdank, erfraget oder fund. »Wellest auch darbei deinen Mund Der Sach halb halten verborgen.« Der Bot sprach: »Frau, laßt mich sorgen Und kümmert Euch nit, seid mit Rů, Ich will besehen, wie ich im tů, Damit ich find denselben Mann. Kein Rast noch Ru will ich darin han, Bis ich in bringe her mit mir. Darumb so erlaubet mir schir schir: sogleich. Zů reiten und sůechen den Held, Wo ich den halt find in der Welt.« Die Künigin im ein Urlaub gab. Mit solchem da schid der Bot ab, Reit manche Berg und tiefe Tal, Sůchet den Helden überall. Ich will in nun reiten lassen Nach Teurdank, dem Held, sein Straßen Und Euch noch weiter machen kund, Was der listig Teufel begund Sich mittler Zeit zů understan, Zů handlen mit dem teuren Mann. (7) Wie drei Hauptleut verdruß, daß die Künigin nach dem edlen Teurdank schicket, und understůnden sich, den Helden in das Land nicht zů lassen. Als nun der Bot was hingesandt, Etlich dasselbig in dem Land Verdroß an irem Herzen seer, Gedachten: Kumbt der Held hieher Zů unser Frauen der Künigin, So wirdet er gleich nemen hin Von uns alls unser Regiment; Darumb so müessen wir behend Suchen subtil Mittel und Weg, Dardurch der Held vor niderleg niderleg: darniederläge. , Ee er kem her an einen Paß. Dann allein ir Gedenken was, Si zů verheiraten umb Geld, Wie dann dasselbig in der Welt Noch beschicht auf den heutigen Tag. Keiner auf Eer noch Frummkeit wag wag: kehrte sich an. , Darumb si drei aus in erwelten Und dieselben darzů bestellten, Innzůhaben die drei Besetzung Besetzung: besetzten Plätze. , Damit nit kem der teur Held jung Zů der Künigin her in das Land. Der erst Fürwittig was gnannt, Der ander der hieß Unfallo, Neidlhart der dritte also Mit seinem Namen ward genennt. Derselben jeder wol erkennt Alle List und Betrieglicheit; Inen was auch darbei geseit, Ob der Held sich nit wollt lassen Abweisen, daß si auf Straßen, In dem Wasser und auf der Erd Wollten alle List und Geferd Geferd: Hinterhältigkeiten. Wider sein Leib brauchen mit Fleiß, Auf Gebirg und gefrornem Eis, Damit si in brechten in Tod. Als si nun stunden in dem Rat, Kam zů in heimlich der bös Geist, Mit seim Einblosen Einblosen: Einflüsterung. er si weist: Ir Meinung wer gerecht und gůt, Dann sollt Teurdank, das edel Blůt, Die Künigin nemen zů der Ee, So wurden si regirn nit mee; Darumb sollten si beharren darauf. Mit dem was beschlossen der Kauf Kauf: Handel. . Ein jeder nam ein seinen Paß, Darauf er dann verordent was, Besetzt den nach Notdurften wol. Nun weiter ich Euch sagen soll Von dem Boten und seiner Reis, Und wer im doch den Helden weis. weis: zeigte. (8) Wie der Bot den edlen Teurdank fand und im der Künigin Brief antwort antwort: überreichte. . Der Bot reit mit großer Eil Des Wegs gar vil lange Meil Und sůcht den Held hin und her, Fragt, ob nindert nindert: nirgends. keiner wer, Der Teurdank hieß mit seinem Nam. Zůletzt ein frommer Mann kam, Sprach: »Ich will dir rechte Mer Sagen, wo wonet der Herr. Es ist nit gewesen lang, Daß ich gen der Sunn Aufgang Den edlen Held gesehen hab; Darumb so zeug zeug: ziehe. das Wasser ab Und frag im daselbst mer noch.« Der Bot damit von im zoch Und ritt so lang, bis er fand Den Helden in seinem Land, Trat von stundan für in dar, Sprach: »Gnediger Herr, nembt war: Mich hat zů Euch her gesandt Mein Frau, Erenreich genannt, Ein Künigin gewaltig und reich, An Eren lebt nit ir gleich, Und mir befolhen mit Mund, Alsbald ich Euch find, zůstund Euch iren Grůß zů sagen, Dann si bei iren Tagen Vil Gůts von Euch hab vernommen. Darumb sollt Ir mit mir kommen Zů ir, dann si einen Mann Will han, der sich darf understan Zů tůn, was gebürt eim Ritter, Zů erlangen Preis und Eer, Und der ir darzu sei gemeß An der Gebuirt und dem Geseß Geseß: Besitz. .« Damit er im den Brief bot. Der Held im antwort, sprach: »Gott Der soll behüeten vor Leid Dein Künigin, die edel Maid, Und ir treuer Beloner sein, Daß si dich darumb herein Zů mir in Eil hat gesandt. Ich hoff auch, mit meiner Hand Ir Huld noch baß baß: besser. zů erwerben Oder darumb zů sterben; Dann jetz ist kommen der Tag, Daß ich wol bewern mag Das, so ich aus den Chroniken Gelernt hab und Historien. Drumb so sag deiner Frauen, Ich wöll si nicht beschauen, Ich hab dann vor sovil tan Gůter Sach, daß si mög han Mich zů der Ee mit Eren.« Der Bot neiget dem Herren Und sprach: »Gnediger Herre mein, Mag es mit Eurm Urlaub sein, So wollt ich wider darvon Reiten und das, so ich han Gehöret aus Eurem Mund, Meiner Frauen in der Stund, Als ich zů ir kumm, endecken. Si wird darab nit erschrecken, Sonder Freud und Wunn tragen, Ich will irs alles sagen.« Der Held in seiner Bett gewert in seiner Bett gewert: gewährte ihm seine Bitte. Und mit reicher Presenz Presenz: Präsenzgeld. verert, Erlaubt im heim zů reiten. Der Bot wollte nit mehr beiten beiten: warten. , Sonder saß bald auf sein Roß, Reit dahin die nechsten Straß, So lang und bis er heim kam. Alsbald die Künigin des vernam, Schuef Schuef: befahl. si, daß er zů ir kem, Damit si von im vernem, Was er ausgerichtet hett. Der Bot nach dem Befelh tet, Sagt ir all Sach eigentlich; Hoch si des erfreuet sich, Wartet kaum, bis der Held kem, Daß si in zů der Ee nem. (9) Wie der edel Teurdank seinem Vater dem Künig und der Künigin Schreiben solich Reis verkündet, und er im Underweisung und Leer gab. Teurdank dem teurlichen Held Lag die Künigin auserwölt Fur und fur in seinem Sinn, Darumb er bald ginge hin Zů seim Herren und Vater. Demselbigen erzelt er Den Brief, darbei alle Wort, So er vom Boten hett gehort, Und wie er wollt auf die Fart Gewinnen die Künigin zart Durch ritterlich Tat und Eer Oder in der Welt nit mer Leben, sprach: »Herr Vater mein, Mag es mit Eurm Willen sein, So vergunnt mir dise Reis.« Der Vater was klůg und weis, Betrachtet die Waglichkeit Waglichkeit: Gefährlichkeit. , Daß darauf Angst, Not und Leid Mocht dem Sun widerfaren, Dann er an seinen Jaren Noch jung und nicht erstarkt was; Die väterlich Treu macht das. Herwider das erlich Gemûet Dem alten Vater riet, Daß er nach allen Eren Dem Held das nit sollt weren; Dann ein ritterlicher Held Drumb wer kommen in die Welt, Daß er sein Leib nit sollt sparn, Sonder in dem Land umbfarn Und treiben ritterlich Tat. Also in des Künigs Rat Väterlich Lieb und Manns Eer Wider einander stritten seer; Doch zog für zog für: siegte. das mandlich mandlich: mannhafte. Gemûet, Das in dem alten Künig wûet, Und spräche zů seinem Son: »Die Reis will ich erlaubt han, Doch so ist mein treuer Rat, Daß du Gott in aller Tat Wellest vor Augen halten; So wirdest du groß Glück walten Jetz und zů allen Zeiten, Wo du umb wirdest reiten.« Der Held solch Leer behalten tet, Dann er fleißig sein Gebet Alltag sprach mit Innigkeit, Lobt Gott, Maria die Maid, Darumb im Gott hat gefrist Sein Leben wider all List Und Betrug auf diser Erd. Teurdank, der teurlich Held wert, Als Wetter zů reisen kam, Von seim Vater Urlaub nam; Das er im erlaubet gern, Dann die Reis beschach nach Ern. (10) Wie der bös Geist zů dem edlen Teurdank in verkerter Gestalt kam und in gern von dem rechten Weg gebracht hett. Ir habt vormalen wol gehort, Wie der böse Geist hat betort Fürwittig und den Neidelhart; Darumb macht er sich auf die Fart, Zů versůchen sein Glück und Heil An Herr Teurdank, dem Jüngling geil geil: fröhlich. , Dann er wißt fürwar und gewiß, Wo sich der Held in weisen ließ Und wurde folgen seinem Rat, So hofft er noch Jammer und Not Zů stiften vil mer in der Welt Durch in, dann sonst mit barem Geld. Als sich nun rüstet der Teurdank, Saumet sich der bös Geist nit lang, Sonder kam zů im in sein Land, Ein Bůch das trůg er in der Hand, Bekleidt wie ein glerter Doktor. In solchem Kleid kam er fürs Tor, Ließ sich dem Helden sagen an, Es wer hie ein kunstreicher kunstreicher: kenntnisreicher. Mann, Der mit im geren reden wollt, Daraus im groß Nutz kommen sollt. Der Held ließ den Geist ein für sich, Sprach: »Sag an, was will du doch mich Underweisen? Dann ich leren Von einem jedem allzeit gern.« Der Geist stellet sich gar brechtlich brechtlich: prahlerisch. , Sprach: »Gnediger Herr, vernemt mich Recht und merkt auf mit allem Fleiß, Dann warlich ich nit underweis Ein jeden obgemelte Kunst Kunst: Wissen. . Ich hab ganz ein sondere Gunst Zů Euren Fürstlichen Gnaden, Darumb ich mich hab beladen, Euch zů geben die rechten Leer. Zweinzig Jar und der noch vil mer Hab ich gelernet und studirt, Was ich sag, das ist alls probirt.« Der Held zů dem bösen Geist sprach: »Doktor, fahe nun an fahe ... an: fange an. und sag, Was ist doch die kostlich Leer dein, Darumb du bist kommen herein?« Der Geist sprach: »Nun merk ich eben, Daß ich soll zů versteen geben Euch meiner Leer den rechten Grund Auf das kürzist zů diser Stund. In dreien Artikeln hab ich Mein Leer gestellet sicherlich. Zů dem ersten: Dieweil Ir mer Dann ander Menschen begert Eer, So sollt Ir allweg Eur Natur Folgen und alles das, so fur Euer Angesicht wirdet gebracht, Versůchen an allen Bedacht. Dardurch so werdet Ir bekannt Gar weit in manchem frembden Land, Daß all Welt bei Euren Tagen Vil Gůets von Euch wirdet sagen.« Der Held auf solchs im Antwort gab: »Aus meiner Geburt nimbst du ab, Daß ich dir geren folgen sollt. Ja, wann ich allein leben wollt Nach meiner fleischlichen Begir Recht wie ein unvernüftigs Tier, Das wer aber nit wol getan, Dann billich soll den Vorgang han Die Vernuft und die göttlich Leer, Darumb ich dir folg nimmermer.« Der bös Geist in im selbs gedacht, Wer hat dich neur so weis gemacht? Doch schweig er darumb keinswegs still, Sonder redt mer, sprach: »Herr, mein Will Ist nicht, wie Irs villeicht versteet, Davon ich vil zů sagen hett, Mochts beweisen durch Dispütirn, Doch damit wir nit Zeit verliern, So vernembt die ander Leer mein: Ir müeßt allzeit unverdrossen sein Und Euch understeen der Abenteur, Nicht scheuhen, si sein wild oder gheur, Und nach weltlicher Eer trachten, Darinnen keins Sterbens achten, Ob Ir darin verliest Eur Leben, So wirdet Euch die Welt geben Darumb ewig Gedechnus zů Lon.« Der Held darwider sprach: »Ich han Vernommen die ander dein Sag Sag: Rede. . Nun ist das war und leit am Tag, Daß Gottes Lon ist allzeit mer Dann auf diser Erd alle Eer; Dann was durch Hoffart wird verbracht verbracht: vollbracht. , Dasselb nit ein guet Geschrei macht. Zů dem, wer geferlich Sach fecht an fecht an: anfängt. , Schnell mags im darin übel gan Und dardurch verlieren Gotts Gnad, Wie dann in Bûchern geschriben stat. Hast du nun im Gelauben studirt, So weißt du, daß da ist probirt Mein Red und dises Argument.« Der Geist antwortet im behend, Sprach: »Mein gnediger lieber Herr, Mich wundert je von Herzen seer, Daß Ir bei so wenig Jaren Der Schrift so vil habt erfaren. Darumb ich jetz zů diser Zeit Mich nit will furter furter: weiterhin. lassen weit In Krieg mit Euch von den Sachen, Sonder Euch nun kundig machen Meiner dritten Underweisung. Ir seid stark und darzů noch jung, Reich und mechtig an allem Guet Und tragt in Euch eins Ritters Muet, Habt auch Leut zům Fechten tuglich, Damit Ir anderen leichtlich Abgewinnen möget ir Land Und bringen in Euer gewaltig Hand; Fragt nit, ob Ir des habet Fueg, Erbiet Euch allzeit Rechtens genueg, Und kombt alsdann der keinem nach, Wellet auch rechen rechen: rechnen, halten. für kein Schmach, Euren Eid zů brechen umb Guet; Dann man Euch solches wider tuet, Erlaubt ist Euch gleich zů messen. Der Leer sollt Ir nit vergessen, So werdt Ir regiren die Welt, Reich an Landen und barem Geld. Das sein dise mein Leer drei, Die ich Eur Gnad durch mein Kunst frei Hab wellen geben zů verstan.« Der Held der sach den Doktor an Und sprach zů im: »Es steet gschriben: Wer nit will werden vertriben Von Gott, der soll in Grechtigkeit Leben und nit brechen sein Eid Umb kein Gůt noch weltliche Eer. Aus der Ursach ich deiner Leer Hinfür noch jetz zů disem Zil In keinen Weg nit folgen will.« Dem bösen Geist dem tet es Zorn, Daß sein Leer sollt sein verlorn, Sprach: »Herr, Ir gebt mir scharpfe Wort Und doch aus meinen Leren hort, Daß ichs mein aus treuen Herzen.« Teurdank der sprach: »Ja, in Schmerzen Wurden mich deine Leer fueren, Darumb ich daraus müeß spüeren, Daß du bist ein hellischer Geist, Der mich gar geren hett geweist Von Gott auf ein unrechte Ban. Aber du hast gefelt daran, Dann gelaub mir genzlich fürwar: Und predigest du ein ganz Jar, So darfst du dir nit gedenken, Daß ich von Gott welle wenken Noch von meines lieben Vaters Leer. Ich will streiten nach Gottes Eer, Mein Glauben halten in der Not, Und sollt ich darumb ligen tot.« Der Geist, als er höret die Meer Meer: Nachricht. , Antwort er: »Held, ich hör, mein Leer Wirdet bei Euch nit haben statt, Das mir nit klein zů Herzen gat. Wiewol ich nun in diser Welt Gar manchen hab, der umb das Geld Sein Gelauben und Trauen bricht, So ist doch dasselb alles nicht Zů geleichen dem, das ich wollt Haben ausgerichtet, wenn sollt Mein Leer durch Euch sein angnommen; Vil mancher noch darein wer kommen, Der das itz nit gedenken tůet.« Der Geist gedacht in seinem Můet: Dieweil ich ongeschafft ongeschafft: unverrichteter Dinge. můß faren Von hinnen, so will ich nit sparn, Dir doch durch Schaden machen kund Meiner dreier Dinstmannen Bund. Si sollen dich durch Haß und Neid Verfolgen stets zů aller Zeit Und bringen in Not und Leiden, Nachdem du je nit willt meiden Gottes Gesetz und die Gebot sein; Darumb wirst du noch kommen in Pein. Der bös Geist nach solchem zůhand Von dem edlen Helden verschwand. Als es nun wider warde Tag, Gelaubt mir, dann ich Warheit sag, Und was geordent all Sachen, Mûßt er im des Geists selbs lachen, Gedacht: wie geren hette mich Der Geist verfûret betruglich. Aber ich getrau meinem Gott, Der werd mich behüeten vor Not Und dem, das mir mocht schedlich sein Auf diser fürgenommen Reis mein. Will darauf weiter nit beiten, Sonder morgen von hin reiten. (11) Wie Teurdank mit dem Ernhold aus seinem Land zog und an den ersten Paß, den Fürwittig innen hett, kam. Als nun kam der morgenig Tag, Teurdank zů seinem Diener sprach: »Sag dem getreuen Ernhold mein, Daß er bald zů mir komm herein.« Der Knecht tet mit ganzem Fleiß das, Sůcht den Ernholden, da er was, Bracht in bald zů dem Herren sein. Teurdank sprach: »Lieber Ernhold mein, Gueter und hochvertrauter Knecht, Vernimm dise meine Wort recht: Ein edle Künigin hat gesandt Iren Boten her in mein Land Und mich gar ser lassen bitten, Daß ich wöll kommen geritten Zů ir in ir Land an all Rast, Dann si von Herzen beger fast Mein zů der Ee dem Sakrament. Darumb so rüst dich zů behend, Wann du auf solcher Reis allein Mein getreuer Gefert můßt sein, Damit du künftig mügst darvon Ein warhaftige Kundschaft ton Kundschaft ton: Zeugnis geben. .« Der Erenhold im Antwort gab: »Herr, darumb ich den Namen hab, Daß ich eins jeden erlich Tat Soll offenwaren fru und spat, Und strafen seer in allem Land Laster, Untugend und die Schand; Dann alles in der Welt zergeet, Ausgenommen die Eer beleibt steet. Darumb so will ich geren mit Euch hin ziehen und Euer Bitt Auf dises Mal nit abschlagen. Doch darbei tů ich Euch sagen Und mit ganzen Treuen warnen: Ir mûßt die Künigin erarnen erarnen: erwerben. Durch Angst, Leid und gar große Not; Nahend wird Euch oft sein der Tod, Euch wird auch gegnen groß Sachen, Der Ir fast wenig werdt lachen.« Teurdank der sprach: »Tugendlichen Ich hab allezeit gewichen Falscheit und der Bösen Wesen, Auch darbei oft hören lesen: Ewig Eer sei der Tugend Lon Und werd zůletzt mit reicher Kron Begabet von dem höchsten Gott. Darumb ich allzeit sein Gebot Und die Eer hoff zů behalten. Gott der Herr welle mein walten Allweg und jetz auf diser Reis, Dann ich zůvoran fast wol weiß, Daß der Anfang eerlicher Tat Nicht leichlichen von Henden gat. Drumb ich nit will erschrecken darab, Dann ich mich Gott befolhen hab.« Der Ernhold sprach: »Gnad Herr, Ir habt Gueten Verstand und seid begabt Mit Vernuft und Weisheit genůeg; Hierumb, so es nun wer Euer Fůeg, So wollten wir reiten darvon.« Der teurliche Held sprach: »Ich han Von Herzen gar lang Zeit begert, Zů sehen dieselb Künigin wert.« Ritten darauf den ersten Tag Mit mancher kurzweiliger Sag Durch hoch Gebirg und dicke Wald, Abenteur gegent gegent: begegnete. in manchfalt. Die will ich lassen beleiben, Dann sollt ich die all beschreiben, Das brecht Verlengerung der Sach. Teurdank hett kein Ru noch Gemach, Bis er der Künigin Land ersach. Frölich er zů dem Ernhold sprach: »Ich sich dort die loblichen Erd, Darin wonet die Künigin wert.« Indem da kam die Nacht daher, Darumb si nit gesahen mer, Zů reiten in der Künigin Land, Dann in der Weg was unbekannt, Zogen in die Herberg ein, Zů warten des andern Tags Schein. (12) Wie Teurdank zů dem ersten Paß kam, darauf Fürwittig saß, und wie es im ergieng. Die Sonn mit irem Liecht Bracht wider das Gesicht, Vertrib die finstern Nacht, Darumb der Held gedacht: Es ist Zeit auf zů stan. Das gedacht und getan Gleich von Stund ein Ding was; Stund auf, sein Roß er saß Mit dem Ernhold seim Knecht, Funden wider die recht Straß zů dem ersten Paß, Darauf Fürwittig was. Als si kamen daran, Sahen si heraus gan Den Haubtmann Fürwittig. Der empfieng si sittlich, Sprach: »Seid Gott willkummen! Ich hett gern vernommen, Was Euch hett her tragen.« Teurdank sprach: »Ich wills sagen. Ich bin geritten ungeheur Vil Weg auf Abenteur, Auch manch Meil breit und lang, Des mich ein Küngin zwang, Zů der mir stet mein Sinn. Si ist Eur Künigin, Wirdet genennt Erenreich. Man sagt, daß ir geleich Nit leb in aller Welt, Reich an Stedten und Geld, Darzů geschickt, schön und weis; Ir wird geben der Preis. Von der ich gehört hab, Wie jetz ir Vater ab Mit Tod sei gegangen, Darumb hab si Verlangen, Zů nemen ein Held frei, Der frumb und teurlich sei Und lieb von Herzen Eer. Deshalb bin ich kommen her. Wiewol ich nit teurlich Bin, nichts minder nichts minder: nichtsdestoweniger. hab ich mich Understanden der Reis Zů vollenden; wer weiß, Ob ich dasselb Gelück hett Und sovil gůt Tat tet, Daß si mir gelobt die Ee, Ich begeret nit mee. Darumb was du mich heißt, Das minst minst: geringste. und auch das meist, In Namen der Künigein, Darin will ich willig sein Und scheuhen ab keiner Not, Sollt ich darumb bleiben tot, Was anders ist zů Eren. Hierauf wellest mich leren Und weisen, mein Haubtmann.« Fürwittig der sah an Den Held, sprach: »In Warheit Bin ich der Red erfreit erfreit: erfreut. , Daß Ir wöllt understan Euch des, dann eim teurn Mann Secht Ir mit Wesen geleich. Mein Frau, Künigin Ernreich, Eins Helds zů der Ee gert, Der gar oft hab bewert Teurlich Sach mit der Hand, Ee er kem in ir Land. Wir seien des verpflicht, Daß wir zůvor kein nicht Sollen herein lassen Auf Meer oder Straßen.« Der Held antwort und sprach: »Ich hab gehört die Sach, Will mich des understan, Hoff, Gott werd mich nit lan.« »Ir habt ein freien Sinn,« Sprach Fürwittig und fûrt hin Den Helden in die Stadt, Darin im beschach gueter Rat, Embot im Zucht und Eer Mit Speis und anderm mer, Doch felschlich tet er das. Als ein Tag vergangen was, Fürwittig zum Held redt, Wie er ein Boten gesandt hett Und verkündet die Mer Der Künigin, daß jetz wer Ein Gast kommen in ir Land. Darauf wurd si zůhand Im ir Antwort schreiben, Darumb sollt er hie bleiben. Teurdank der nam das an Zů Dank; aber den Mann Den kannt er noch recht nicht, Was Bosheit in dem Wicht Waren verborgen, Blib drauf bei im an an: ohne. Sorgen. (13) Wie der Fürwittig den Held Teurdank in ein Gferlicheit mit einem Hirschen fûret. Nach etwas verschinen verschinen: vergangenen. Tagen Sprach Fürwittig: »Ich hab sagen Gehört, wie Ir seid ein Jeger. Damit Euch dann in dem Leger Nit werde verdrossen Euer Weil, So wöllen wir reiten ein Meil Oder zwů hinaus in das Holz. Daselbst will ich Euch zeigen stolz Ein Hirschen von schön Gehueren Gehueren: Gehörn. , Wie Ir das selbst werdt spueren Und sehen, ob wir möchten fellen Den oder noch seiner Gesellen Einen.« Teurdank zů im sprach: »Ich hab warlich all meine Tag Gejagt von meinem Herzen gern, Es sei Wildpret, Schwein oder Bern. Darumb wann es wird sein dein Zeit, So bin ich alsbald auch bereit, Mit dir zů reiten dar zum Jeid Jeid: Jagd. .« Fürwittig der hett den Bescheid Den Jegern zůvor gegeben, Daß si sollten merken eben, Wann er kem in den holen Weg, Daß si nit weren faul noch treg, Sonder hetzten den Hirsch, daß er Gegen dem Helden lief gerad her. Die Jeger merkten seine Wort Und besetzeten alle Ort Mit hohem Fleiß aufs allerbest. Teurdank der Held kein Wort nit weßt weßt: wußte. Darvon, reit mit Fürwittig dar. Als er kam in holn Weg, nembt war! Da lief ein Hirsch gegen im her, Als wer er gejaget an Gefer an Gefer: ohne Hinterhalt. . Fürwittig zů dem Helden sprach: »Das wer warlich ein erlich Sach Und zůmal ein gar teurer Stand Stand: Zustand. , Der dem Hirsch under Augen rannt Und fellet den mit seinem Swert Und belib sitzen auf dem Pferd. Der ine fieng in solcher Weis, Derselb erlanget Eer und Preis Für all Jeger in disem Land.« Der Held faßt sein Swert in die Hand, Das dann aus der Maßen wol schneit schneit: schnitt. , Dem Hirschen under Augen reit. Als nun solchs der Hirsch vernam, Lief er gerad auf den küenen Mann, Und da im der Held nicht aus seim Lauf Wollt weichen, tet sich der Hirsch auf, Des Sinns Des Sinns: in der Absicht. , uber in aufzůspringen. Teurdank mit seiner Schwertzklingen Schwertzklingen: Klinge des Schwertes. Sprengt den nechsten auf in hinein Und stach den geleich durch das Herz sein, Darvon er über Ruck ausging über Ruck ausging: durch den Rücken hindurchdrang. . Durch solch Weis er den Hirschen fieng. Ein gewagtes Spil solches was, Dann hett dem Held gefelet, daß Er im das Herz nit als eben Hett troffen, warlich sein Leben Wer gestanden in Gefar. Fürwittig rannt zum Helden dar, Sprach: »Herr, ich siche zůmal geren, Daß Ir also tuet beweren Eur Geschicklicheit und Mannheit. Wann nun kommen wird die recht Zeit, So will ich solchs mit allem Fleiß Mein Frauen die Künigin machen weis machen weis: kundtun. . Es wird Euch zů gůtem kommen, Dann si aus ir Art die Frommen Frommen: Tüchtigen. Lieb und in großen Eren hat. Aber mich bedunkt, es sei spat Und über Mittentag gar weit, Bei mir ist es nun Essenszeit. Darumb so well wir heim zůhaus Und ein ander Mal mer heraus Reiten und jagen nach Wilpret.« Den Hirschen man auf ein Wagen let Und fûrt in anheim zů Haus mit. Der ward zůrwürkt zůrwürkt: zerlegt. nach Jegers Sitt. Wiewol nun der Fürwittig das Lobt, so trůg er doch heimlich Haß Und Zoren in seinem Herzen, Dann er in Leid und in Schmerzen Wollt durch die Sach gefûrt han Den Held Teurdank, den küenen Mann. Die Falscheit er mit solchem Fueg Bei im heimlichen verborgen trůg, Daß der Teurdank nit merken mocht, Darumb er im keins Bösen gedacht. (14) Wie Fürwittig den Held Teurdank aber in ein andre Geferlicheit fûret mit einer Birin Birin: Bärin. . Fürwittig der was deshalb hie, Daß er wollte besehen, wie Er den Held mocht bringen in Leid; Darumb er ein ander Gejeid Hat heimlich bestellen lassen. Indem als si zů Tisch saßen, Kam ein Jeger und bracht die Mer, Wie in dem Wald ein Birin wer Mit sambt iren Welflein Welflein: Jungen. klein. Wo der Held wollte lustig sein lustig sein: Lust haben. , Zů stechen dasselbige Tier, So wollt er im die recht Revier Zeigen und fûren von Stund an. Teurdank, der hochgeboren Mann, Sprach: »Ja, weis mich neur allein dar, Ich will damit steen mein Gefar, Villeicht stich ich dieselb Birin.« Fürwittig sprach: »Herr, wollt Ir hin, So habt Euch in fast gůter Acht!« Darneben er heimlich gedacht: Ich wollt dich gar bald verklagen, Wann ich dich tot höret sagen. Heimlich er befalh dem Jeger, Daß er aus der Birin Leger Stel Stel: stehle. dieselben Welflein mit Maß, Daß die Birin erzürnet baß. Der Jeger eilet in den Wald, Die Welflein ertötet er bald, Dieweil die alte Birin was Ausgangen, zů holen ein Aß Aß: Speise, Nahrung. . Als si nun wider heimhin kam Und ire Welflein nit vernam, Wûtet si vor rechtem Zoren. Indem kam der hochgeboren Herr Teurdank. Den lief das Tier an; Der Held tete ein Tritt hindan Auf die Seiten in sein Vorteil Und stach damit das Tier geil Mit seinem Berenspieß zů Tod, Daß er wurde von dem Blůt rot. Darnach er zů Urkund erschallt er zů Urkund erschallt: ließ er zum Zeugnis ertönen. Sein Horen, daß es in dem Wald Allenthalben gar weit erklang. Das hörten die Jeger; nit lang Si sich saumeten, sonder rannten Zů dem Helden, dann si kannten Darbei für ein rechte Warheit, Daß die Birin wer nidergeleit. Des wurden si von Herzen fro, Dann si dieselben Birin do Bei dem Helden ligen funden. Ob irer groß da begunden Si sich zů verwunderen seer. Allein Fürwittig solcher Meer Von seinem Herzen erschrak fast, Wunscht heimlich, daß der edel Gast Für die gemelten Birin wer Tot beliben; doch stellet er Sich dergleichen mit nichte nit. Mit dem teuren Helden er ritt Wider heim und mit Fleiß fraget, Wohin er doch getroffen hett Die Birin wild und auch freissam freissam: schrecklich. . Teurdank saget ims alles sam, Wie im damit wer geschehen. Fürwittig sprach: »Ir werd sehen, Wie die hochgeboren Frau mein Darob wirdet als frolich sein, Wann irer Gnad nun werden kund Solche Sachen, die Ir jetz tunt Hie bei mir an dem ersten Paß.« Aber heimlich gedacht er das: Mit meinem Willen warlich soll Ir das bleiben verschwigen wol! Bestellet auch an allem Ort, Daß niemands ein einiges Wort Bedorfte sagen der Künigin, Dann er hett noch in seinem Sinn, Den Held durch ander Geferlicheit Zů bringen in Angst, Not und Leid. Auf dieselben Weg er gedacht Alle Zeit, bei Tag und bei Nacht, Wie dann weiter steet geschriben, Was er Bosheit hat getriben. (15)Wie Fürwittig den edlen Teurdank auf ein Jembsen Jeid fûren ließ. Fürwittig der gedacht im wol: Ein Birin nicht gleich fallen soll Herab leichtlich von einem Schlag, Darumb ich auch billichen mag Versůchen mein Gelück weiter. Es was einsmals gar fast heiter Und an dem Himmel klar und schon, Sprach er zů dem Helden: »Ich hon Hie bei gar viel Gembsen Jejeid Jejeid: Jagdbeute. , Die sein lustig und fast gemeit gemeit: fröhlich, ansehnlich. . Wo Ir hett Lust und Freud darzů, So wollt ich Euch auf morgen frů Füeren lassen an Berg dahin.« Der Held Teurdank sprach: »Ja, ich bin Aus kommen umb vil Abenteur, Darumb gebet mir eur Steur Steur: Unterstützung. Mit eim Schaft und gůten Eisen Und laßt mich alsdann hin weisen, So will ich mich dann understan Hinein zů dem Gembsen zů gan.« Der Fürwittig was fro darab, Sprach heimlich: »Hör, du Jegersknab, Morgen fru so nimm disen Mann, Weis in in das Gebirg hindan Zů den Gembsen hoch in die Wand, Sei auch darneben wol ermant: Ob er besteckt besteckt: steckenbleibt. mit seinem Fůeß, So tů im deshalben kein Bueß Bueß: Abhilfe. , Sonder in damit stecken laß, Dann ich selber zů rechter Maß In ledigen und lösen will. Doch behalt dasselbig in still, Sage keinem Menschen darvon, Dann ich will allein disen Mann, Was er kann auf dem Jeid, probiern.« Der Jeger antwort: »Zů fueren Weiß ich den Helden zůmal recht.« Nach solchem nam der Jegersknecht Seinen Schaft und die Eisen trůg Und fûret den Helden genůg An dasselbig Gebirg gar hoch. Ungeferlich do traf ein Loch Der Held und besteckt darinnen Dermaß, daß er nicht gewinnen Mocht seinen Fůeß heraus wider. Er sach herab zůtal nider Gar maniche Klafteren tief. Mit gar heller Stimm er do rief Zů dem Jegersknecht, der do was Mit im an das Jeid gangen, daß Er im hulfe und ledig macht. Der Jegersknecht gar wol gedacht An seines Herren Gebot. Doch als er sach die großen Not, Darin der edel Held stund, In keinem Weg In keinem Weg: auf keinen Fall. er lenger kunnt Dem teuren Mann Hilf versagen, Dann dem Held am Herauswagen am Herauswagen: beim Herausbeugen. Was gefallen aus seiner Hand Der Schaft hinab durch die hoch Wand. Der Jeger zů dem Helden ging, Bot im sein Schaft, den er empfieng, Und löst in dardurch aus der Not, Sonst hett er sich warlich zů Tod Müessen fallen hinab zů Tal. Und wer er von lauter Metall Gewest, in hett das gholfen nit. Noch wollt er nach mandlichem Sitt In keinen Weg lassen darvon, Sonder begund weiter zů gan, Dann er in einer scharpfen Wand Ein gar schönen Gembsen steen fand. Den hetten in die Jegersknecht Darein gejagt, daß er nicht mecht Merken den List und groß Schalkheit, Daß si den Held hetten geleit Mit Fleiß durch den löcherten Gang. Teurdank der Held saumbt sich nit lang, Sonder warf dasselbig Tier aus. Darnach ging er wider zů Haus. Fürwittig erschrak des gar hart, Dann er hoffte, auf diser Fart Sollt der Held tot beliben sein, Dieweil doch vil der Löchlein klein Allenthalb in dem Berg waren. Wer sich darvor nicht kunnt bewaren, Der fiel sich gar schwind zů Tod. Aber Gott half im aus der Not; Die Not der Held auch uberstund. Darumb der Fürwittig begund Zů gedenken auf ander Weg, Ob dardurch der Held niderleg Und er dem Bund tet ein Genûgen. Meisterlich kunnt er verklüegen verklüegen: bemänteln. Sein Falscheit und teuflische List, Dann der teurliche Held nicht wißt Anders, dann daß er gerecht wer. Darumb trauet er im noch mer. (16) Wie Teurdank durch Fürwittig aber in ein Geferlicheit mit einem Löwen gefûrt ward. Eines Tags da fůrt Fürwittig Den Helden mit im felschiglich Umb spaziren durch ein Gassen, Darin ein Leo, aus der Maßen Groß und freissam, gefangen lag. Alsbald den Fürwittig ersach, Fiel im in seinen Sinn: möcht ich Zů disem Löben Löben: Löwen. bringen dich In das kleine Heuslein hinein, So hoffet ich, es sollt in Pein Derselb Löb bringen dich fürwar. In den Gedanken kamens dar, Fing der Fürwittig an und sprach: »Herr, in disem hülzem hülzem: hölzernen. Gemach Man ein Löben gefangen helt. Warlich der möcht werden gezelt Für teurlich, freidig und mannhaft, Der demselben Löben aus Kraft Griff trutzlichen in seinen Mund, Dann er kennt zu derselben Stund Geleich einen freidigen Mann Und leßt in widerumb weg gan Von in genzlichen on alles Leid. Doch so rat ichs bei meinem Eid Nit, daß Ir sollt Euchs underfahen; Dann wurdt Ir Schaden empfahen, So mocht mir darin werden die Schuld Gegeben, dardurch ich Eur Huld Verlur, das hett ich nit geren. Wollt Irs aber nit emberen, So mügt Ir das tun, ob Ir wellt. Aber der Künigin es gefellt Wol, wann si hört von einem Mann Sagen, der sich darf understan Dergeleichen erlich Sachen. Euren Namen wurdt Ir machen In gar vil manchem frembdem Land Durch solch Tat mit Eren bekannt.« Der Teurheld zu dem Löwen ging Und sich das zu tun underfieng, Bedacht die Sachen auch nit baß, Dann er darfür hielt, alles das, So im der Fürwittig sagt vor, Es beschech on List und wer war; Greif damit den Löwen in Schlund. Der stund vor im als ein zam Hund, Dann er des Helds mandlich Gemüet Erkannt, darumb er mit nicht wuet Gegen im, als er vor hett tan; Teurdank gieng on Schaden darvon. Des wundert sich Fürwittig seer, Gedacht heimlich: Ich sich, daß nit mer Mich wellent mein Renk und Anschleg Helfen, ich gedenk wol der Teg, Er wer je nit kommen darvon. In den Danken sach er hergon Gegen im den teurlichen Held. Zů dem er sprach: »Herr, Euch erwelt Billichen mein Frau zů der Ee, Dann ich der gleichen Sach nit mee Gehöret hab von eim sagen Bei allen meinen Lebtagen. Und dieweil ichs selbs hab gesehen, So mag ichs mit Warheit jehen jehen: sagen. Und öffnen der edlen Künigein, Die wird darab voll Freuden sein.« Mit den Worten si hin kamen Widerumb zůhaus und namen Von einander ein gůte Nacht. Fürwittig sich weiter bedacht, Wie er mocht durch subtilig Weg Den Held bringen, daß er niderleg. Sein Bosheit die lernet in das, Wiewol es als verlorn was. (17) Wie Fürwittig den Held Teurdank abermals in ein Geferlicheit mit einem Schwein fûret. Als nun Teurdank, der teurlich Mann, Was on Schaden kommen darvon Vom Leoben, über etlich Tag Fürwittig zů dem Helden sprach: »Herr, ich weiß an eim andern Ort Ein hauends Swein. Ir habt gehort Warlich bei all Euren Tagen Von eim größern Swein nie sagen. Mein Jeger haben das bestallt bestallt: umstellt. An einem Graben in dem Wald. Nun ist bei uns hie zůland Sitt, Welcher vor andern Rom damit Will begeen, der scheußt dasselb Swein Vor aus eim Handbogen allein, Darumb daß es recht zornig werd; Darnach fellt er ab von seim Pferd Und sticht zůfueß dasselbig Tier.« Teurdank der Held antwort: »Bei mir Ist dise Gwonheit ganz nit, Aber nichts destminder, damit Ich auch wiß darvon zů sagen, So heißt ein Bogen hertragen, Will ich mich versuchen daran.« Fürwittig, der ungetreu Mann, Bald im einen Bogen herbracht, Darneben im Herzen gedacht: Zeug neur hinaus auf das Jejeid, Mir wer von meinem Herzen leid, Solltest du wider her kommen, Du hettst dann vor genommen Von dem Swein einen Leibschaden.« Mittlerzeit da was geladen Der Wagen mit Speis, so zům Jeid Gehort. Den fůrt man nach seim Bescheid, Und er zog mit dem Held hinnach. Teurdank dem was zů dem Schwein gach gach: eilig. . Da si nun kamen an das Ort, Sach der Teurdank von weiten dort Das groß Schwein laufen gen im her. Teurdank dem Held warde nit mer, Dann daß er zog den Bogen sein Und schoß ein Pfeil in das Wildschwein. Darvon es erst erzürnet recht, Lief den nechsten auf den Held schlecht schlecht: geradeaus. . Der fiel behend von seinem Pferd, Nam in sein Hand das scharpfe Schwert, Stach dasselbig Schwein mit Gewalt Zů Tod, das lag im grůnen Wald. Aber der Sach nit wurde erfreit Fürwittig, dann im was fast leid, Daß der Helde nit für das Schwein Sollt im Wald tot beliben sein, Wiewol er nit dergleichen tet, Sonder stellt sich, als ob er hett Ab diser Tat groß Freud und Wunn. In dem wollt die liechte Sunn Geen zů Rast mit irem Wagen. Das Swein schůef er heim zů tragen, Gedacht: Groß Gelück hat der Mann! Ich weiß nit, was ich weiter an Mit dem Helden doch fahen soll, Es geet im darin allzeit wol; Mich helfen nit all meine List, Dann er mir zů gelückhaft ist. Aber nichts minder, wie im sei, Und wonet im noch sovil bei Schicklicheit mit Gelückes Fall, So hoff ich noch, er werd einmal Ubersehen die rechten Schanz Schanz: Gelegenheit. , Dann manchen gar seltzamen Tanz Will ich dem Helden pfeifen noch. Damit aus in ein jeder zog Anheim wider an sein Gemach. Nun hört zů, was weiter geschach. (18) Wie Teurdank durch Fürwittig abermalen auf ein fast sorglich sorglich: gefährlich. Gembsen Gejeid gefûrt ward. Fürwittig hett fürgenommen, Von seiner Weis nit zů kommen. Darumb er ein ander Spil an Fing, fragt darauf den teuren Mann, Ob er nit weiter wollt jagen Gembsen. Dann im hett tůn sagen tůn sagen: sagen lassen. Ein Jeger, verstendig und klůg, Daß nahend der Gembsen genůg Weren nit weit von diser Statt. Darauf im antwort der Held drat: »Ich jag gern allzeit fru und spat; Darumb, Fürwittig, ist on Not, Mich der Sachen halb der Sachen halb: wegen der Sache. zů fragen.« »Alsbald es wird morgen tagen,« Sprach der Fürwittig zů dem Held, »So soll alle Sach sein bestellt.« Fürwittig den Jeger heimlich Bat und sprach: »Hör und vernimm mich! Für morgen disen teuren Mann Auf das hohe Gebirg hindan Aus deiner Kunst mit gůtem Fůeg. Allein fûr in darauf hoch genůeg, Sei keck und lasse keins Wegs ab, Dann ich von im vernommen hab, Wie er vor andern geschickt und frei Die scharpfen scharpfen: steilen. Geng zů steigen sei. Darumb hab darin gůten Fleiß, Damit du mich desselben weis Wißt zů deiner Kunft zů machen.« Der Jeger sprach: »Zů den Sachen Weiß ich für ander mein Teil wol. Darumb ich in recht fûren soll.« Der Jeger hett kein falschen Sinn, Er fûrt den Held mit im dahin Auf hohe Fels und scharpfe Berg, Mit seinem Schaft ging er zů Werk. Hoch in einer hangenden Wand Was ein Gembs in sorglichem Stand Gejagt, dahin niemands wol mocht Kommen. Der teur Held im gedacht: Es wer mir je ein große Schand, Wo ich aus diser hohen Wand Den Gembsen nit auswerfen sollt. Darumb er nit ablassen wollt, Versůchet vil Weg hin und har, Ob er möcht zů dem Gembsen dar. Zůletzt fand er ein Pletzlein klein, Darauf er mit eim Fûß allein Mûßte Mûßte: konnte. stan in der hohen Wand, Dann er sonst ganz keinen Weg fand. Seinen andern Fůß hielt er gar In den Lüften und, das ist war, Stach dasselb Tier mit seiner Stang. Er felt nit umb zwen Finger lang, Er mûßt den Schwank han genommen mûßt den Schwank han genommen: hätte wanken müssen. Und in tödlich Gefar sein kommen. Aber das Gelück Gelück: Geschick. nit haben wollt, Daß der Held daselbst sterben sollt. Fürwittig das alles wol sach, Daß im sein Herz vor Leid nit brach, Das ander fast alles geschach. Aus eim falschen Herzen er sprach Zů dem teuren Held lobensan: »Fürwar, Ir seid ein teurer Mann, Geschickt zů steigen hoch und leis, Darumb Ir von mir habt den Preis. Wollt Gott, mein Frau hetts gesehen, Vil Lobs wurd si Euch verjehen verjehen: zugestehen. . Und wer es müglich, daß ich kunnt Wünschen, si můßts zů diser Stund Wissen.« Der Wort der trib er vil, Die ich nicht all erzelen will, Dann seine Betrug noch kein End Haben. Er wird Euch baß bekennt Werden in nachfolgender Tat, Was er weiter zůgericht hat Herren Teurdank, dem jungen Mann, Wie ichs zům Teil gesehen han. (19) Fürwittig dem edlen Teurdank abermalen riet, sich in ein Geferlicheit mit einem Swein zů geben. Fürwittig der saß auf ein Zeit Von dem edlen Helden nit weit. Da kam gerennt ein Jegersmann, Der ließ sich eilunds sagen an: Er brecht mit im gar gůte Mer, Wie im Wald ein hauends Schwein wer, Fast hoch und nun gewachsen groß. Er gelaubet nit, daß sein gnoß Bald indert funden werden sollt. Ob dann under in einer wollt Stechen dasselbig freissam Schwein, So wollt er denselben hinein Weisen in Wald den nechsten Weg. Fürwittig sprach: »Wenn das mein Frau sech, So würds ir fast wol gefallen, Wo sich des einer vor allen Understůnd, dasselbige Schwein Zů fellen mit seiner Wer allein. Und wo ich der Sach bericht wer, Als Ir seid, es sollt mir keiner Dergleichen Sachen vor tan.« Teurdank der Held sich nit besann, Sonder antwort dem falschen Mann: »Ich will die Sau kecklich bestan! Drumb bringt mir her mein gůet Sweinswert, Laßt sattlen das apfelgrab apfelgrab: apfelgrau. Pferd.« Fürwittig zů dem Helden sprach: »Herr, verziehet verziehet: laßt Euch Zeit. und tüet gemach Und hört mich! Wer ich an Eur Statt, Ich wöllt tůn ein sondere Tat, Darvon man lang mûßte sagen. Ich hab bei all meinen Tagen Gehöret, daß man die Wildschwein Mit Schwerten und Spießen allein Gestochen und gefangen hat; Darumb wer das ein erlich Tat, Wer einen kurzen Degen nem Und dasselb Schwein, wo ers an kem, Mit der kurzen Wer zůtod stech. Wo das beschech, ein jeder sprech: ›Das ist warlich ein große Sach‹«. Darauf der teurlich Held sprach: »Auf Eur Red will ich nit han Rů, Bis ich demselben genůg tů.« Nam den Degen an sein Seiten Und begund eilunds zů reiten Zů der Sau hinaus in den Wald. In demselben er erhort bald, Daß durch den Jeger was gehetzt Und das Wildschwein sich hett gesetzt Trutzlich wider alle Jaghund. Teurdank der freidig Held von Stund Stůnd ab zůfueß von seinem Pferd Und kroch fast nider auf der Erd, Darumb daß in sollt sehen nit Die Sau, dann er sorgt, si bit Sein si bit Sein: sie würde auf ihn warten. sonst nit in einiche Weis. Er kroch fast heimlichen und leis. Die Jaghund vor der Sau stunden, Zů kriegen mit ir begunden, Keiner bedorft si greifen an, Bis si sahen den teuren Mann. Da gewunnen si alle gar Ein Herz wider und liefen dar An dasselbig Swein mit Gewalt. Dardurch die Sau vernam auch bald, Daß verhanden wer der teur Held, Darumb si sich weiter nit stellt Zů der Weer, sonder floch darvon. Teurdank der mocht si nit ergan ergan: erreichen. , Dann er allein zůfueßen was. Für ein Warheit, so sag ich, daß Der Degen über drei gůt Spann Nit hett, damit der teurlich Mann Wollt haben dasselb große Schwein Gefangen in dem Holz allein. Darbei ein jeder denken mag, Ob sich der gleichen Sach ein Zag Zag: Feigling. Hett dürfen zů tůn understan. Fürwittig der hetts gericht an, Der nit hett dürfen beleiben Mit eim Spieß. Darumb ichs hab schreiben Müessen zů ander Geferlicheit, Die Fürwittig hat zůbereit Dem edlen Helden auserkoren. Von Herzen tets tets: verursachte. Fürwittig Zorn, Daß die Sau weg gegangen was; Recht traurig er zů dem Tisch saß, Dann es was eben Essenzeit. Mit beschwertem Herzen er beit beit: wartete. So lang und bis in Zeit gedaucht, Daß er ein andre Schalkheit braucht. Darumb ich will lassen darvon Und weiter geben zů verstan, Wie er hat geûbt sein Wesen Gegen dem Held, als Ir werdt lesen. (20) Abermalen ein groß Geferlicheit, darein der edel Fürst Herr Teurdank durch Anweisung Fürwittig gefûrt ward auf eim Gembsen Jeid. Ein neu Schalkheit dem Fürwittig Kam in sein Sinn, dardurch er sich Meint zů rechen an dem Held wert. Auf ein Zeit er sprach: »Herr, begert Ir noch mer Gembsen zů jagen? Von eim Jeid will ich Euch sagen, Der gleich Ir nit habt gesehen mer. Es mag das ganz Frauenzimmer das ganz Frauenzimmer: alle Damen. Zůsehen und groß Freud darvan Empfahen, es ist gůt zů gan. Darumb was Euch gefallen will, Das gebt mir zů verstan in still, So will ich die Sach bestellen Mit gůten Jegersgesellen.« Teurdank dem was die Sach zůmuet, Sprach: »Wann es dich wird dunken gut, Schau, daß all Ding geordent sein.« Fürwittig die hübschen Freulein Ließ fûren an dasselbig End, Zů sehen Jembsen in der Wend. Nun was dermaßen das Gejeid Geschickt mit sorglichem Gleit, mit sorglichem Gleit: auf gefährlichem Pfad. Wann ein Jembs ward gejaget seer, Daß er sich nicht mocht fristen mer, So sprang er auf ein freien Spitz, Do hin kein Jeger durch sein Witz Witz: Findigkeit. Kommen und in mocht erlangen. Sollt der Jembs werden gefangen, Dasselb mûßt beschehen allein Durch Scheuhen und Werfen mit Stein. Darumb hat Fürwittig, der Wicht, Dasselbig Gejeid angericht, Dann er weßt den Held so hoflich, Daß er wurde understeen sich, Den Jembs vor sovil schen schen: schönen. Frauen Zů fellen an allen Grauen. Dardurch er hofft in Angst und Not Den Held zů bringen, und gebot Seim Jegerknecht, sprach: »Sich, merk auf! Fûr diesen Helden dort hinauf, Wie du weißt, in die hohen Wand Und schau, wann ein Jembs wurd sein Stand Auf dise Spitz nemen, so weis In auf die bosen Platt, und leis Gee im nach auf dem gůten Gleit.« Der Jegersknecht hett sein Bescheid, Fûrt mit im Teuerdank, den Held wert, Durch mancherlei wilde Gefert. Nicht lang, jagen die Hund daher Ein Jembsbock. Derselbig floch seer An das Ort, da er meint sicher Zů sein. Das ersach der Jeger, Sprach: »Dahin hat sich ein Tier gestellt. Habt Ir darzů Lust und gefellt Euch, dasselb zů werfen aus der Wand, So geet das Gleit und seid ermant, Habt die Sinn bei Euch, geet weislich, Ich will Euch nachgeen siettiglich.« Teuerdank ging mit Sorgsamkeit Auf der Platten das bös Geleit Als weit, als müglich was zů geen. Da er nun nicht weiter mocht, steen Belib er und rüeft dem Jeger, Daß er im langt seinen Schaft heer. Der Knecht dasselbig tet behend, Dann er stůnd in einer gůten Wend. Teuerdank nam denselbigen Schaft Und schoß damit aus rechter Kraft Den Gembsen aus seim Stand herab; Jedermann wundert sich darab. Als nun der Gembs was gefellt tot, Allererst hůb sich die recht Not. Der Held hett sein Schaft gegeben Dem Jeger, der ging gar eben Wider aus derselbigen Wand. Teuerdank tet ein sorglichen Stand, Dann er auf einer Platten stund, Darin kein Eisen haften gunnt. Der Held wollt tůn ein Schritt gar weit Auf ein Wasen Wasen: Rasen. über ein Gleit Der Hoffnung, zů haften im Gras. Als er sein Füeß auf heben was, Weichen die fünf Zinken all gar Am hindern Fůß und, nemet war, Ein Zink der haftet allein In dem herten, gelligen gelligen: festen. Stein. Doch leit leit: litt. derselb dermaßen Not, Als mancher Mann gesehen hat, Daß er sich bog in ein groß Kruemb Kruemb: Krümmung. , Und wer das Gelück geschlagen umb, Daß derselb Zink zerbrochen wer, Teurdank wer kommen in groß Schwer Schwer: Bedrängnis. , Hett nichts Gewissers gehabt dann den Tod. Aber im hulf der ewig Gott, Daß er mit dem ein Fůß wider Haftet, da er in setzt nider. Nun vernembt doch die Ursach recht, Warumb der Held dem Jegerknecht Seinen Schaft ließ. Dasselb beschach Darumb, dann zum Held der Jeger sprach: »Herr, gebt mir Euren Schaft! Ich soll Damit hinab geen, daß ich hol Meinen Schaft wider, den Ir habt mir Verschossen nach dem Tier, Ir mügt sonst wol geen aus der Wand.« Der Held glaubt sein Worten zuhand, Er weßt aber nicht die Geferlicheit. Teurdank kam auf ein grasig Geleit Und wart, bis im der Jeger bracht Sein Schaft. Da er den hett, gedacht Der Held: »Ich will nit mer Beleiben in diser Gefer.« Ging damit auf die eben Erd, Da er gebunden fand sein Pferd. Der Fürwittig was auch darbei, Vom Teurdank macht er groß Geschrei, Sprach: »Herr, Ir seid der best Jeger, Der gleichen ich nit hab gesehen mer. Auf ein bös Geleit hat der Knecht Euch gefûrt; dann hett er Euch recht Geweist, so wers an all Not Gwest. Das glaubt mir an allen Spott an allen Spott: ohne allen Scherz = in allem Ernst. .« Das Frauenzümmer den Held lobt, Fürwittig vor rechtem Zorn tobt, Daß dem Held nichts geschehen was. Damit ein jedes wider saß Auf die Pferd und seinen Wagen, Die si hetten hergetragen, Kerten wider anheim zůhaus. Hiemit ist aber ein Schalkheit aus. (21) Wie Fürwittig den edlen Teurdank aber in ein andre Geferlicheit fûret mit einem Palierrad. Palierrad: Polier-, Schleifrad. Fürwittig, als er hin und her Gedacht, fiel im ein ungefer Ein Sach, die fast sorglichen was, Wie Ir hernach werdet hören das. Ging darauf zů dem Held in Eil, Sprach: »Herr, wollt Ir geen durch Kurzweil Zů der Paliermül spazieren, Zů sehen die Stein palieren, So will ich Euch fûren dahin.« Teurdank der Helde sprach: »Ich bin Zů besehen das begirlich.« Darauf fûrt in der Fürwittig Zů derselben Paliermül dar, Sprach: »Herr, nembt daran der Kunst war, Wie alle Sach ist zůgericht.« Fürwittig derselbig Böswicht Die Red allein darumb anfieng, Daß der Held nehner zum Rad gieng. Dasselb lief fast geschwind mit Macht; Teurdank im keines Argen gedacht. Nun hett Teurdank, der werde Mann, Zwen Schůch mit langen Spitzen an. Fürwittig sprach: »Bei meinem Eid, Das war ein groß Behendigkeit Von einem jungen geschickten Mann, Der sich bedurfte understan, Einen Schůch mit sambt der Spitzen Hinein zů stoßen mit Witzen Under das Rad und widerruckt Heraus, ee in das an sich zuckt.« Als neur der Held sein Red vernam, Bald im in sein frech frech: kühnes. Gemüet kam, Er wollt auch versůchen die Sach. Des kam er schir in Ungemach, Dann hett er nit so geschwind gezuckt Den Fůß, das Rad hett in zerdruckt. Aber der Held der was behend, Sprach: »Fürwittig, daß dich schend Alles Unglück, dann durch dein Rat Ich schier kommen wer in groß Spott. Des vergiß ich dir nimmermer.« Fürwittig sprach: »Gnediger Herr, Ir wißt doch wol, daß ichs nit hab Geheißen Euch! Darum laßt ab Gegen mir Euren großen Zorn. Ich hett darfür ein Eid geschworn, Ir sollt das nit haben getan. Kein Schuld hab ich warlich daran, Dieweil ich doch nit hab gesagt Anders, dann ein Held solches wagt, Da ward Ir darzů schon bereit, Zů beweisen Eur Schicklicheit. Aber ich dank dem waren Gott, Der Euch vor Leid behüetet hat, Dann wo es Euch mißraten wer, So hett ich mûssen in Gefer Gegen Euren Genaden stan.« Mit den Worten schweigt schweigt: brachte zum Schweigen. er den Mann. Teurdank mûßts beschehen lassen, Ging mit dem Erhold sein Straßen Wider heimhin in sein Gemach. Als nun kam der ander Tag, Ubt Fürwittig wider ein Sach, Wie dann geschriben steet hernach. (22) Ein andre Geferlicheit, darein Fürwittig den edlen Teurdank fůrt an einem Gembsenjeid. Fürwittig in seinem Sinn Gedacht: »Du sollt mir nit hin Also kommen on Nachteil!« Besann sich ein kleine Weil Und fand ein anderen List, Als der Bösen Gwonheit ist, Die allzeit das Arg finden Und lassen das Gůt hinden. Also tet auch Fürwittig, Zum Teurdank er füeget sich, Sprach: »Herr, wo es wer Eur Will, So möcht Ir jagen, dann still Es ist an dem Himmel gar. Mir hat ein Jeger fürwar Gesagt, er wiß an eim Ort Gembsen in einer Wand dort, Er well Euch vor darein gan, Damit Ir nicht scheucht daran.« Teurdank sprach: »So will ich geen.« Fürwittig hett sein Versteen Zůvor mit dem Jeger gemacht Also: er sollt haben acht, In zů fûren in ein Wand, Die er zů geen nit wer gwandt. Wenn er in sech vor im geen, So wurd ers auch understeen Und darob fallen zůtod. Wo das beschech, wollt er aus Not Im helfen und der Schuld sein. Der Knecht sprach: »Bring ich in hinein Mit Lieb Mit Lieb: freiwillig. , so soll er nit kommen Heraus.« Teurdank hett genommen Ein Schaft, steig dem Jeger nach, Zum bösen Weg was im gach. Als der Jeger dahin kam, Sein Schaft er zůhanden nam, Sprach: »Herr, Ir müeßt gar fest steen Und mir gleich nach durcher geen, Dann werdt Ir Gembsen sehen.« Der Held begund zu jehen: »Kümmer dich nichts, gee für dich, Ich will wol sehen für mich.« Der Jeger trat die Fart an. Gleich begunden im entgan entgan: entgleiten. Die Füeß und fiel überab. Hett er im Fall nit ein Hab ein Hab: einen Halt. Begriffen an einem Stein, So wer er zů Stucken klein Gefallen. Er was in Not Dermaß, daß im sein Blůt rot Aus seinen Negelen drang. Also hielt er sich so lang, Bis man im zů Hilfe kam. Teurdank mit Acht sein Schaft nam Und ging weislich aus der Wand, Bis er ein gůten Weg fand Und fellt ein Bock oder zwen. Darnach wollt er herab geen, Als er dann geleich wol tet. Als Fürwittig gesehen hett, Daß Teurdank noch was gesund, Fraget er den Held zůstund, Wo der Jeger beliben wer. Teurdank sprach: »Er ist gar seer Gefallen ab über ein Joch, Ich weiß nit, ob er lebt noch; Ich kunnt im nit zůhilf kommen, Ich wollt dann auch genommen Han ein solchen großen Schnapp. Ich hett warlich gmeint, der Lapp Sollt gewißt haben zů gan; So sich ich, daß ers nit kann.« Fürwittig sprach: »Ich hab geacht In für den besten Jeger und dacht, Er wer der Geng wol bericht. So Euch neur ist beschehen nicht, So well wir in verklagen wol.« Heimlich er im dacht: Ich soll Billich mit dem verzagen, Dann bei all meinen Tagen Ist mir sein gleich nit kommen zů; Ich weiß nit, wie ich im tů, Er hat doch mer Gelückes Fall, Dann ich Gescheidigkeit überall. Noch will ich versůchen mer, Villeich erlang ich mein Ger Einmal noch an disem Gast, Und weret er sich noch so fast. Nicht lang es belib steen an, Daß er den teurlichen Mann Füert auf ein gefroren Eis, Alles aus betrogner Weis; Vermeint in zů trenken darin. Doch gieng es nit nach seim Sinn, Wie hernach geschriben stat An dem nachstkommenden Blatt. (23) Wie Fürwittig den edlen Teurdank auf einem Eis ertrenkt haben wollt. Es was im Winter fürwar, Daß die Wasser alle gar Waren überfroren seer. Fürwittig gedacht: Das wer Warlich ganz ein gůte Weis, Mocht ich in bringen aufs Eis, Villeicht er Schaden empfieng. Fürwittig heimlichen gieng Uber einen gůten Steg, Derselb zůnechst an dem Weg Von neuen was gebauen. Befalh seim Knecht zů schauen, Wo doch Teurdank der Held wer, Daß er in mit im brecht her, Doch nicht über disen Steg, Sonder fûrt den nechsten Weg In über das gefroren Eis. Sprach zů im: »Gedenk, tu Fleiß.« Der Knecht lief mit aller Gach Gach: Eile. , Bis er den Helden ersach, Sagt im, sein Herr beitet sein Dort enthalb enthalb: jenseits. des Wassers allein, Darumb er zů im kommen sollt; Er weßt nicht, was er sein sein: von ihm. wollt.« Der Held folget dem Knecht nach, Keiner Untreu er sich versach. Als er auf das Eise kam, Dasselbig einen Krach nam, Dann es dünn gefroren was. Teurdank darin sein nicht vergaß; Ein Sprung er hinder sich tet, Damit er sein Leben rett. Der Knecht, so in aufs Eis hinein Hett gewisen, der fiel darein, Doch am Fall belib er hangen. Teurdank můßt in herauslangen, Sonst er gewiß ertrunken war. Teurdank der merkt die Gefer Und zürnet an den Knecht seer, Darumb daß er in daher Hett gefûrt auf dieses Eis. Der Knecht der sprach: »Herr, mit Fleiß Bitt ich Eur Gnad hoch und fast, Ir wollt Eurm Zorn geben Rast, Dann ich hab nit Schuld daran, Fürwittig hat das getan Und in geheim geheißen mich. Herr, das gelaubt sicherlich.« Der Held sprach: »Ich sich, wie im ist, Und merk wol die bösen List, So Fürwittig hat bisher Mir bewisen mit Gefer. Will darauf selbs zů im gan, Dann ich dem untreuen Mann Sein List nit vertragen kann. Er heißt billich Fürwittig, Sein sueße Wort sein Schwertstich.« (24) Wie der edel Teurdank den bösen Fürwittig schlůg, und er im entrann. Teurdank der Held ging behend In Zorn an dasselbig End, Da er den Fürwittig fand Und sprach: »Du Laur Laur: hinterlistiger Mensch. , werst geschandt, Du bist ein untreuer Wicht! Wie vil hast du zůgericht Morderei und auch Schalkheit! Ich bin genzlichen bereit, Dir darumb den Lon zů geben, Dann du mich umb mein Leben Hettst gar geren gewisen Itz durch den Weg, dann disen, Die mir zů Geferlickeit Durch dich sein worden bereit, Dann falsch und bös ist dein Rat.« Fürwittig sprach darauf drat: »Was saget Ir, lieber Herr? Mich wundert seer diser Meer! Ist Euch beschehen einich Leid? Darvon weiß ich bei meim Eid Weder Werk noch einich Wort.« Der Held sprach: »Du leugest; dort Auf dem Eis weißt du wol, wo, Dein Knecht hat mir gesagt also, Du habst in geheißen, daß Er mich soll weisen die Straß.« Fürwittig solchs widerredt, Daß er das nit geheißen hett: »Der Knecht hats aus Faulkeit tan, Darumb will ich im sein Lon Geben, daß er den rechten Weg Nit gangen ist, dann ein Steg Ist gemacht davon nit weit. Aber es sein unkündig Leit, Alsbald man in kert den Ruck. Es ist auch darunder ein Bruck, Darüber ich gee spat und frů.« Sprach der Held: »Schlag der Teufel zů! Ich kenn wol dein böse Art, Dann du mich vil falscher Fart Gefûret hast oft und dick. Ich hoff zů Gott, mit eim Strick Sollest du noch kommen umb, Dann dein erst Art war nit frumb, Als du wurdest geboren.« Der Held zuckt sein Faust in Zorn, Wollt im geben einen Streich; Fürwittig im daraus entweich Und floch, wann es tet im Not, Wollt er anders nit den Tod Von im haben empfangen. Teurdank der hett Verlangen, Zů sehen die edel Künigin, Sprach zům Ernhold: »Ich will hin! Der ungetreu Fürwittig Hat so lang auf gehalten mich. Das tůt mir von Herzen Zorn, Daß ich die Zeit hab verlorn.« Damit si zů Roß saßen Und ritten die recht Straßen Dahin zů dem andern Paß, Darauf der Unfallo saß. Derselb was auch ein Haubtmann, Die sich sollten understan, Zů weren aufs allerbest, Damit ins Land nit frömbd Gest Wurden gelassen hinein, Wie si all dann ein Verein Zůsammen hetten gemacht, Als ich oben hab gedacht. Darumb ich beschließen will, Was Gferlicheit und wievil Ungetreu bewisen hat Der Fürwittig fru und spat Teurdank, dem teurlichen Mann, Und nunmer Euch hinfüran, Was im an der andern Klausen Von Unfallo mit Grausen Gegnet ist an seim Leben, Euch durch Schrift zů versteen geben. (25) Wie Teurdank an den andern Paß, den Unfallo der Haubtmann innenhett, kam, und welchermaßen er von im empfangen ward. Nun habt Ir vor gehört, Wie Teurdank hab zerstört Fürwittigs Regiment, Auch daß er floch behend Dem Held aus dem Gesicht. Noch wollt er dannocht nicht Seiner Bosheit absteen. Er ließ ein Boten geen Bald zum Unfallo dar, Der im saget fürwar Alle Gelegenheit, Wie der Held unverzeit unverzeit: unverzagt. Aus allen Listen sein Wer kommen durch Glücks Schein. Hett in auch von im jagt, Darumb wer er ganz verzagt Gegen dem teuren Mann, Bet in, er wöllt Fleiß han; Dann sollt er in das Land Kommen, ir Gwalt zů;hand Hett ein End. Darumb er sollt Bedenken, was er tůn wollt Mit Teurdank, dem Held wert; Er wer schon auf sein Pferd Gesessen, zug an sein Paß; Darumb schrib er im das, Vor ein Wissen zů han. Unfallo sprach: »Den Mann Laßt zů mir herkommen, Ich hab von im vernommen. Villeich haben mein Tück Zů; im vil bessers Gelück Dann mein Gesell Fürwittig.« Indem schaut er umb sich, Den Held er reiten sach, Zů dem er gûtlich sprach: »Herr, wellt gotwilkumm sein Mir und der edlen Künigein! Ich frag Euch gern der Mer, Was doch wer Eur Beger. Ir seid ein frömbder Gast, Darumb michs wundert fast, Wer Euch hat her gesandt In meiner Frauen Land.« Teurdank im Antwort gab: »Eur Red ich gehört hab, Und seit Ir mich tůt fragen, So will ich Euch sagen, Mein Gscheft zů erkennen Geben. Ich hör nennen, Eur Frau heiß Erenreich; In der Welt leb ir gleich Nit, si sei auch bekleit Mit Schön und Schicklicheit, Voll Tugend und hoflich. Dasselb hat bewegt mich, Solch Reis zů underfahen, Ob ich ir möcht gnahen, Si leiblich schauen an Und werden ir Dienstmann. Ob mir dann Glück wont bei, Daß mich Eur Frau, die frei, Näm zů eim Gmahel an. Auf solchs ich mein Reis han Gewagt.« Antwort Unfallo: »Herr, ich bin Eur Kunft fro Und lob Eur Fürnemen. Keiner darf sich schemen, Dem mein Frau wird zůteil. Von Glück und allem Heil Wird er mögen sagen Bei allen sein Tagen; Dann si all Tugend hat. Jedoch das Ir verstat: Damit das Land dest baß Werd bhüet, erfordert, daß Si erwel ein teurn Mann, Der meiner Frauen beistan Müg und beschützen vor Leid. Ich sag Euch auf mein Eid, Der můß leiden manch Not Und nicht fürchten den Tod. Wiewol ich Euch teur acht, So rat ich, Ir betracht Zůvor, was Euchs best sei.« Solchs red er aus Verretrei, Ob er in macht verzagt. Teurdank sprach: »Ich habs gewagt Bisher von irntwegen, Seit es Euch dann glegen Zů versůchen will sein.« Sprach Unfallo: »So kert ein Zů mir, teurer Held wert.« Teurdank stund von seim Pferd, Ging mit Unfallo dar In das Gemach, das zugericht war, Legt von im das Gewand sein. Unfallo mit großer Pein Gedacht stets hin und her, Wie er dem Held Gefer Mocht fûgen zů, damit In die Künigin seh nit. Dann im sagt das Herz sein, Wo er seh die Künigein, So wird si in wellen han; Alsdann wer es getan Umb in und die Gesellen sein. Mit Angst und der gleichen Pein Vertrib er etlich Tag. Hernach ich weiter sag, Was Bûberei und Schalkheit Er hinfür ein lang Zeit Dem Teurdank hat getan, Darumb er empfieng sein Lan Lan: Lohn. . (26) Wie Unfallo Teurdank ein Geferlicheit zůfûget an einer Stiegen, daran er sich sollt erfallen han. Unfallo nach langem Bedacht Bedacht: Überlegen. , Den er hett gehabt Tag und Nacht, Tet er gar ein große Schalkheit Teurdank, dem Helden unverzeit. Nit weit ein hoher Turen Turen: Turm. was, Darin ein Schneck Schneck: Wendeltreppe. , gelaubet das, Gemachet von eim guten Stein, Drauf zůhöchst ein hülzens Stieglein, Klein, stickel stickel: steil und darzů schmal. Dasselbig gieng herab zůtal On all Glender oder Handhab. Daran hett er gebrochen ab Ein Stapfel Stapfel: Stufe. ; wann man darauf trat, So wich derselb geleich von Statt Jemands undern Fûßen hindan. Unfallo meint, wann der teur Mann Auf die brochen Stapfel kem, Daß er dardurch ein Schaden nem Und zerfallen wurd den Leib sein. Unfallo sprach: »Lieber Herr mein, Wöllt Ir für ein Kurzweil schauen Die weit Landschaft meiner Frauen, Auch schöne Schloß und der Stedt vil, Die ich Euch dort oben zeigen will?« Teurdank mit dem Unfallo zoch Durch den Schnecken in Turen hoch, Zeigt im Flecken, Schloß und Stedt, Und was die Künigin im Land hett. Von vil Sachen er mit im redt, Dardurch er in auf halten tet, Bis es begund zů werden Nacht. Nun hört mit Fleiß und nemet acht, Was Unfallo hett seinem Knecht Befolhen, daß er keme recht, Wann es wurd sein umb Abendszeit, Und sagt, das Essen wer bereit, Und wo der Held nit bald kem dar, So verdurb es auf dem Tisch gar. Darneben er befelhen tet Eim Knaben, den er zogen hett, Daß er die Tür sollt schlagen ein Am Schnecken, da der Held hinein Was gangen. Antworten die Knecht: »Herr, wir wellens ausrichten recht Die Sach.« Bald der Knab die Tür einschlůg. Darnach als den Knecht daucht sein fůg fůg: passend. , Rueft er den Fürsten Teurdank an: »Herr, Ir sollt zů dem Essen gan; Dann dasselb ist bereit fürwar, Sonst wirdet es verderben gar.« Unfallo zu dem Helden sprach: »Herr, nun geet in Euren Gemach Zů dem Essen, dann es ist Zeit, Da niden der Marschalk Eur beit.« Teurdank der Held wollt hinab gan, Da waren die Tür zůgetan. Darumb der Unfallo zürnet seer Und sprach: »Folget mir, lieber Herr! Dort oben ich ein Stiegen hab, Die geet in Euren Sal hinab. Auf derselben wöllen wir geen Hinab in Sal, sonst mûßt Ir steen Noch lange Zeit an diser Tür, Bis man bringt die Schlüssel herfür.« Teurdank der folget seinem Rat. Alsbald er auf die Stapfel trat, Wichen die under im zůstund, Deshalb er zů schwanken begund, Doch enthielt er sich vor dem Fall. Aber ein Pantoffel zůtal Im fiel zůundrist in den Turen. Darbei mag man die Not spüren, Daß in dem sorglichen Strauchen Teet er sein Schicklicheit brauchen, Beleib hangen gleich in der Wag gleich in der Wag: in der Kippe. ; Und wer er gewesen ein Zag Zag: Feigling. , So hett er sich warlich zů Tod Gefallen. Aber der ewig Gott Solchen Schaden nit haben wollt, Daß es jetzo sein End sein sollt, Dann es nahend dreißig Klafter Was hinab oder noch vil mer. Teurdank der Held schaut über sich, Sprach: »Unfallo, ich warnen dich, Dann etlich vil Stapfelen sein Brochen under den Fûßen mein. Darumb tů gemach, rat ich dir, Dann ich selbs wer gefallen schir.« Unfallo aus falschem Herzen Sprach: »Herr, mit gar großem Schmerzen Hab ichs warlich gesehen wol, Aber hinfüran niemands soll Fallen auf diser Stiegen mer, Dann ich an beden Seiten Glender Von stundan will lassen machen. Ich dank Gott, daß solche Sachen Auf ditzmal als wol geraten sein. Glaubt mir, hett ichs besorgt, herein Wollt ich Euch nit haben gebracht.« Teurdank im keines Argen gedacht, Dann er im ganz vertrauet wol. Unfallo der sprach: »Herr, ich soll Laufen in den Sal, damit man Auf sperr, Ir beleibet still stan Am Schnecken hie oben.« Dieweil Unfallo lief hinab mit Eil Den Schnecken, er aufsperren tet Und mit seim Knecht ein Zoren hett, Daß zů gesperret worden was. Unfallo darumb tete das, Teurdank der Held solchs hören sollt, Dann durch solche Red er sich wollt Gegen dem Held entschuldigen, Damit er in mocht betriegen noch fürter in künftige Zeit. Mit dem was das Essen bereit. Teurdank der Held setzt sich nider Zů dem Essen und fing wider Von solcher Sach zů reden an, Daß im der ungetreue Mann Allwegen wol kunnt verklûgen verklûgen: schöntun. Mit seinem erdichten Lûgen. Dann wiewol ers hett zugericht, So tet er doch dergleichen nicht, Gedacht aber heimlich darbei, Wie er ein andre Bûberei Möcht wider bringen auf die Ban, Dardurch Teurdank, der teurlich Mann, Mocht empfahen ein Leibsschaden. Mit den Danken was er beladen; Jedoch der Held allwegen entrann, Wie hernach wird geschriben stan. (27) Wie Unfallo den edlen Teurdank in ein andre Geferlicheit mit einem großen Beren fûret. Unfallo, als ich hab geseit, Hett funden ein andre Falscheit, Tet darauf den Helden fragen, Ob er nit Lust hett zů jagen. Antwortet er im der Held: »Fast gern.« Unfallo sprach: »Habt Ir kein Bern Gestochen?« Teurdank der sprach: »Nein.« Unfallo sagt: »Herr, ich weiß ein, Ich will Euch an dieselben Statt Fûren, da er sein Leger hat.« Teurdank sprach: »Das gefellt mir wol, Darzů ich mich bald rusten soll.« Damit weist Unfallo den Mann Auf das Gejeid in Wald hindan. Darneben er befolhen hett, Daß gar kein Jeger stechen tet Den Beren; dasselb auch beschach. Alsbald der Beer den Held ersach, Liefe er in trutzlichen an, Teurdank můßt in allein bestan. Wiewol derselb Beer fast groß was, Noch dannocht Teurdank nicht vergaß, Sondern nam seinen Vorteil ein Und stund hinder ein klein Beumlein, Das zů seinem Gelück ungefer Da stůnd, dann in derselbig Beer Hett überhöhet ganz und gar. Mit Zorn lief er gegen im dar Dermaß, daß er im kaum entweich Aus dem Biß und seim starken Streich. Derselbig Beer vor großem Zorn Schlůg nach dem Helden hochgeborn, Vermeint in mit den Tatzen sein Zů greifen und bringen in Pein; Der Held aus seiner Geschicklicheit Trat gar schnell neben auf ein Seit. Der Beer meint, er hett den Helden Gefaßt; da was ein klein Stauden. Teurdank, der unverzagte Mann, Lief den Bern mit seim Spieß an, Stach in meisterlichen zůtod Und ledigt sich von im aus Not. Unfallo hett das gesehen, Zů im selber tet er jehen: »Ach Gott, mein Herr von Himmelreich, Wie bist du neur so ungeleich, Die Menschen zů beschirmen hie; Ich tů dem edlen Helden recht, wie Ich doch hie auf der Erden well, So schadt im gar kein Ungefell Ungefell: Unfall, Mißgeschick. . Wer mir, als im, hett zůgesetzt, So wer ich langst worden geletzt geletzt: verletzt. . Doch wiewol er hat Gelückes vil, Noch dannocht ich nicht lassen will Von seiner Heut Heut: Haut. in disem Jar, Dann ich hoff, er můß mir noch Har, Ee er von hinnen kumbt, lassen.« Damit ritten si ir Straßen Heimhin zůhaus zů dem Essen. Si all möchten nicht vergessen Des Beren Größ und Freidigkeit Freidigkeit: Mut, Kühnheit. ; Das ganze Gesind darvon seit seit: sagte, sprach. . Das wollt Unfallo töten gar, Dann er forcht, es wurde gewar Solcher Tat sein Frau die Künigin Und fordert den Held zů ir hin. Darumb er eilet in der Sach, Den Held zů fûren in Ungemach, Dann kaum dieselbig Nacht verging, Er ein andre Schalkeit anfieng. (28) Wie Unfallo Teurdank abermalen in ein groß Geferlicheit fûret auf einem faulen Tram Tram: Balken. . Als nun kame der ander Tag, Unfallo seiner Falscheit pflag, Fûrt den teuren Held auf ein Fest Fest: Festung, Burg. , In derselben er ganz wol weßt, Daß ein großer Rustbaumen war, Derselbig was erfaulet gar, Lag noch in den Tag frei hinaus. Dann als man dasselbige Haus Hett neulichen aus gebauet, Den hett er zůvor beschauet, Daß er wurd leichtlichen brechen; Doch so möcht es keiner sprechen, Der in schauet von oben an, Daß er sollt einich Feulen han. Darumb fûrt er den Helden dar, Sprach: »Herr, ich hab nit gnommen war, Ob Euch auch tůt der Schwindlicht Schwindlicht: Schwindel. .« Teurdank sprach: »Er tůt mir ganz nicht.« Darauf antwort im Unfallo: »Herr, so trett auf disen Block do Und meßt hinaus in freien Tag Anderhalb Schůch, in der Wag Mûßt Ir Euch aber halten fest, Dann warlichen das ist die best Prob, dardurch Ir mügt wol bestan Allzeit, wann Ir nach Gembsen werd gan.« Teurdank der Held folget seim Wort Und trat hinfür an des Baumbs Ort Ort: Ende. , Wollt gleich die Schůch gemessen han, Da fieng der Baum zů brechen an, Daß dem Helden nit meer ward, Dann daß er mit aller Marter hart Begriff einen Baumb darneben. Der fristet im sein jungs Leben; Sonst hett sich der Held ganz und gar Gefallen zů Tod, dann es war Uber ein Felsen ab fast hoch. Teurdank sich wider hinauf zog, Bis er stůnd on alle Sorg mer. Unfallo der lief erst daher, Als wollt er im geholfen han, Sprach: »Ei, Herr, wie habt Ir getan!« Teurdank der Held im Antwort gab: »Der Baumb der ist gebrochen ab Gar schnell under den Fûßen mein. Wer hetts gelaubet, daß sollt sein Diser Baumb also erfaulet!« Unfallo sprach: »Ach, Herr, nun geet Herein und trauet im nit mer.« Damit kunnt er sein arg Gefer Gefer: Hinterlist. Verklûgen ganz ausbündig wol; Im Herzen was er Schalkheit voll. Teurdank der Held vermeint, das wer Beschehen on alles Gefer, Darumb ers gûtlich ließ hingan. Unfallo gedacht: Wie mag doch han Diser Held neur sovil Gelück; All meine List, Schalkheit und Tück Haben an seinem Leib kein Statt. Ist nun Sach Ist nun Sach: wenn es der Fall ist. , daß mir nit gerat Gegen dem Held einmal ein Schanz, So wurd ich mûssen einen Tanz Tůn, der mir nit wird gefallen. Jedoch hoff ich, wie dem allem, Er kumm mir also nit darvon, Ich hab im dann ein Schaden tan. (29) Wie Unfallo den Teurdank in ein geferlichen Fall auf einem Eis fûret. Einsmals darnach Unfallo saß In seinen Gedanken. Da was Mittlerzeit ein Knecht kommen, Sprach: »Herr, habt Ir nit vernommen, Wie gefroren ist heint ein Eis, Bedecket mit großem Schne weiß? Darvor mag des niemands nemen war. Wer aber kumbt auf dasselb dar, Der můß fallen, und obs im leid Wer. Das sag ich bei meinem Eid, Hart ist dasselb neben der Straß.« Alsbald Unfallo höret das, Da fiele im in seinen Sinn: Mocht ich den Held bringen dahin, Villeicht beschech im darauf ein Schad, Dieweil das Eis also ist glatt. Ging zů dem edlen Teurdank dar, Sprach: »Herr, nemet in geheim war, Wellet Ir heint reiten mit mir, Ich will Euch zeigen ein groß Zier Von vil schönen Jungfrauen zwar; Aber wir müssen allein dar Reiten bei eitler eitler: völliger. finster Nacht.« Teurdank sich darauf nit lang bedacht, Sonder sprach: »Geren ich mit reit; Darumb, wann es dich bedunkt Zeit, So laß mich allein wissen das.« Unfallo verzug, bis Nacht was, Schicket er zů dem Held mit Eil; Wann es nun wer an seiner Weil, So wollten si reiten darvon. Teurdank legt seine Reitkleid an, Saß auf sein Pferd, das was fast gůt, Und reit hinweg mit gůtem Můt. Als si kamen an das Ort dar, Teurdank der nam des Eiss nit war, Sonder reit gleich mitten darauf. Von Stund do lag ob einem Hauf Er und sein Pferd in solcher Weis Am Rucken auf hertem Eis. Also geschwind was derselb Fall, Daß der Sattel ganz überall Zů Stucken under ime brach. Als solchs der Unfallo ersach, Warnet er den teurlichen Mann, Sprach: »Herr, Ir sollt Euch gehût han Vor disem Eis hart, hell hell: schwach, dünn. und glatt.« Teurdank der sprach: »Du kombst zů spat, Dann ich hab nun gefallen schon. Hettst du die Warnung vor geton!« Unfallo ganz dergleichen tet, Als ob er gern geholfen hett, Sprach: »Herr, gelaubt mir bei meim Eid, Daß ich in einer Fantasei reit. Dardurch so hab ich Euren Fall Ubersehen auf dises Mal, Sonst wollt ich wol mit rechter Maß Bei Euch verkommen haben das Bald. So saget mir, lieber Herr, Ob Ir nit habt empfangen Schwer Schwer: Schmerz. Oder sonst ein einiches Leid.« Darauf im der edel Held seit: »Zerbrochen ist der Sattel mein In dem Fall under mir allein; Sonst so bin ich frisch und gesund, Darzů mein Pferd zů diser Stund, Dann Gott mir in meinen Sinn gab, Daß ich im Fall sprang vom Pferd ab.« Fälschlichen sprach der Unfallo: »Des bin ich je von Herzen fro«; In seim Herzen im anders was. Teurdank wider auf sein Pferd saß Und reit mit dem Unfallo dar An dasselb Ort, dahin er war Von dem Unfallo bescheiden. Derselb trůg heimliches Leiden, Daß gar nit wollten für sich gan Gegen Teurdank, dem edlen Mann, Seine Renk und böse Fürschleg. Nun hört, was er weiter für Weg Fürnam gegen dem edlen Held, Wie die hernach werden erzelt. (30) Wie der Teurdank sich selbs tädlich beschedigt haben sollt auf dem Pirschen aus Anweisung des bösen Unfallo. Unfallo der weßt wol vorhin, Daß dem Helden stund all sein Sinn Zů dem Weidwerk und dem Pirschen, Darumb sprach er: »Herr, ein Hirschen Weßt ich nit weit von hin im Wald. So fers So fers: sofern es. Euch gefellt, so wöll wir bald All bed dahin geritten sein. Nembt mit Euch das Pirscharmbrost mein, Dann es ist stark und scheußt gerad.« Es was on Not, daß man lang bat Den Helden zů der gleichen Sach, Dann er gleich drauf antwort und sprach: »So lasset die Pferd richten zů Und secht mir auf, wie ich im tů.« Die Pferd die warden bald bereit, Der Held mit dem Unfallo reit Hinaus in die grûnen Auen, Tet mit Fleiß nach Wilpret schauen. Zům ersten sach eins Unfallo, Sprach: »Herr, secht Ir ein Hirschen steen do? Darumb so steet ab bald zů Fůß, So mögt Ir kommen zů eim Schuß.« Das tet er aber darumb allein, Dann er hofft, mit den Sporen sein Wurd er in Stauden behangen Und dardurch Schaden erlangen, Wie es dann dem Helden beschach. Der Held alsbald er Wilpret sach, Stůnd er ab zů Fůß von seim Pferd Und spannt das Armbrust auf der Erd. Ein scharf Geschoß er darauf schlůg, Schlich heimlich zům Wilpret mit Fůg Und hett auf die Stauden kein Acht, Das in schier hett umb sein Leben bracht. Dann in solcher Eil etlich Dorn Schlůgen sich umb des Helds Sporen, Dardurch der teurliche Held wert Fiel nider für sich auf die Erd, In solchem Fall sein Armbrust ließ. Die Besunnenheit was der Genieß Genieß: Vorteil. Des Helden, dann er sein Haubt hett Im Fall empor; darumb im nicht tet Das Geschoß noch die Sen Sen: Sehne. schaden. Unfallo der was beladen Mit Schmerz und herzenlichem Leid, Da er sach des Helds Gesundheit, Lief bald und hulf dem Helden auf, Sprach: »Ach, mein Herr, wie secht Ir darauf, Ir habt ganz und gar Eur kein Acht! Hat Euch das Armbrust kein Schaden bracht? Das ist je ein groß Gelück fürwar, Ich hett umb Eur Angesicht ein Har Nit geben, als ich Euch falln sach.« Teurdank zů dem Unfallo sprach: »Die Sachen sein geraten wol, Darumb ich mein Gott loben soll.« In dem reit er wider zůhaus, Und was dardurch das Pirschen aus. (31) Wie der edel Teurdank hett sich am Durchlassen vergessen, wollt einen Bickensprung Bickensprung: vermutlich Stabsprung. am höchsten Gebürg getan haben, aber durch eines Jegers Anschreien ward er vor Schaden verhût. Als Teurdank dem Held nichts geschach, Wollt Unfallo nit lassen nach, Sonder erdacht ein andern Sinn. Den Helden ließ er fûren hin Auf ein hohen Berg in ein Wand, Darinnen er vil Gembsen fand. Gar freundlichen er zů im sprach: »Kein Mann nie mer Gembsen gesach Bei einander an einem Ort; Darumb, Herr Teurdank, sehet, dort Stet ein Gembs hoch in diser Wand. Ir seid umb Abenteur vil Land Durchzogen in der weiten Welt; Ist Sach daß Ir das Tier fellt, Großen Rom werd Ir erjagen, So ichs meiner Frauen wird sagen, Dann si darab groß Gefallen hat, Sonderlich wann dergleichen Tat Durch ein werden Mann wird vollbracht.« Teurdank im nichts Geferlichs dacht, Sonder aus rechter edler Gir Tracht er den nechsten zů dem Tier, Ging aus seim unverzagtem Můt In das Gebirg mit seim Schaft gůt, Den im Unfallo hett geben, Es daucht in alls eben. Als er zůhöchst in das Birg Birg: Gebirge. kam, Seinen Schaft er zů Handen nam, Wollt sich ab über ein Geheng Lassen. In einer tiefen Eng Kam im ungefer in seinen Můet Der Sprung, wie man denselben tůet An Bicken in dem Niderland; Er meinet, er trûg auf der Hand Falken. Den Sprung hett er auch getan, Wo nit der getreu Jegersmann, So mit im aufs Jeid gangen was, Zů rechter Zeit hett gesehen, daß In großer Gefer wer er gestanden. Darumb bald mit seinen Handen Begreif der Jeger des Helds Schaft, Hielt in gar fest, dardurch er haft, Und schri den Held in aller Höch an, Daß er sollt underwegen lan Den Sprung, und gab im gůte Leer, Wann er sich wollt durchlassen mer Mit seinem Schaft an solchem Ort, Wie er sich damit sollt halten fort. Der Jeger sagt Unfallo nit, Wie er dem edlen Helden mit Hett gefaren und gefrist sein Leben, Er hett im sonst ein Flůch geben. Als Teurdank wider anheim kam, Unfallo in auf ein Ort nam, Fragt in, ob im gefiel das Jeid. Teurdank der sprach: »Auf meinen Eid, Es ist warlich genůg sorglich, Zů farn von der Höch under sich, Ich hett es übersehen schier, Das sollest du gelauben mir.« Unfallo gedacht im: »Es ist Abermals verloren ein List, Den ich hab gehabt fürgenommen; Ich můß in ander Weg kommen Und auf Wasser versůchen das, Ob es mir wollt geraten baß; Auf der Erd ist es verloren, Das tůt mir im Herzen Zoren.« Also beliben die Sachen stan, Daß Unfallo mer nichts fieng an Weiter gegen dem Held Teurdank, Bis über ein gůte Zeit lang Bracht er den Helden in ein Schiff. Wie sich dasselb weiter verlief, Steet hernach geschriben gar klar. Dasselbig lest, dann es ist war. (32) Wie der edel Teurdank durch die Größ eines Segels ein groß Not leit, darvon er sich und die andern durch Unerschrockenlicheit erlediget. Unfallo ein Schalkeit erdacht, Darumb er sich zůn Scheffen macht, Daraus er das kleinist erwelt Und schůf, daß darein wurd gestellt Ein Segel, dem klein Scheff gar zů weit, Hofft, es sollt zů Ungewitters Zeit Sich der Wind darein mit Gwalt legen Und dasselb Schefflein umbwegen; Dardurch můßten si ertrinken. Er tet auch heimlichen winken Scheffleuten zů im auf ein Ort, Sprach zů inen: »Nun hört mein Wort! Ich gib Euch Silber und rot Gold, Daß Ir von dem Land faren wollt, Wann ich Euch dasselb heißen tůe.« Die Scheffleut sagten im das zůe. Als nun was bestellt die Sachen, Ging er zum Held mit eim Lachen, Sprach: »Herr, ja weßt ich, Euch daran Zů gefallen, so wollt ich lan Ein gůt Scheff nach aller Notdurft Zůrichten, darauf Ir bedurft Faren on all Sorg auf dem Mer. Ir werd darauf gar manich Wunder, Mer dann auf der Erden sehen.« Teurdank der begund zů jehen: »Ich bin wol zůfriden damit.« Unfallo sprach: »Nembt Euch der Sitt, Bis da kommen wird gůt Wetter An Himmel von Orient her, So will ich Euch lassen füren Auf dem Meer ein Weil spazieren.« Unfallo dieweil im Gescheft nam; Bis Zeichen eins Ungewitters kam, Besandt er bald seine Scheffleut, Ließ inen sagen, daß si heut Mûßten faren weg von dem Land. Nun was den Schiffleuten bekannt, Daß ein groß Wetter kommen sollt, Darumb si baten, daß er wollt Verziehen heut neur disen Tag, Dann geferlich wer des Mers Wag Wag: Woge. Zů faren in Zeit der Wetter. Alsbald Unfallo hört die Mer, Durch seinen Knecht er in embot, Er hett geschworen ein Eid bei Gott; Wurden si nit faren darvon, So wollt er in aus stechen lon lon: lassen. Ir Augen, darfür helf kein Bitt. Die Scheffleut bedorften sich nit Weren, dann si erschraken seer, Ir keiner redet ein Wort mer. Unfallo zů dem Helden sprach: »Herr, es ist heut ein schöner Tag, Darumb so müget Ir wol gan Auf das Scheff und faren darvon.« Teurdank der weßt von disem Mord Zů sagen kein einiges Wort, Dann er das Unfallo nit zů Trauet, gieng desselben Morgen frů Auf das Scheff und füeren vom Land. Traurig warn die Scheffleut allsambt. Darnach ein kleine Zeit verging, Daß sich ein großer Wind anfing, Der das Mer betrûbet vom Grund. Ein heftigs Wetter auferstund, Das kam in des Scheffs Segel hoch, Der das klein Schefflein nider zog An die Seiten zů manchem Mal, Als sollten si ertrinken all; Dann der Segel vil zů groß was. Als der Held Teurdank merket das Und die großen Not vor im sach, Den Scheffleuten er zů sprach, Daß si bald den Segel sollten Abschneiden, ob sie nun wollten All kommen aus der großen Not Und entrinnen dem bittern Tod. Der Segel in das Wasser hieng, Daß der Wind so stark darein gieng. Die Scheffleut bald aus großem Graus Zogen all ire Kleider aus, Behielten allein Hembder an. Mit Müe man den Segel gewann, Schneiden den ab, dardurch zůhand Kommen si mit Arbeit an Land, Nahend bei einer schönen Statt, Teurdank mit den Sein darein trat. Alsbald nun Unfallo vernam Die Mer, geleich er zum Helden kam. Teurdank der klaget im sein Schwer, Wie sorglich er gefaren wer; Darauf er im die Antwort gab: »Herr, darvon ich kein Wort gewißt hab. Ich weiß nicht, wie si haben tan, Dann es sollt je nit undergan So leichtlichen, es ist doch gůt, Und vor Brechen fast wol behůt. Allein daß Ir frisch und gsund seid, Das ist warlich mein höchste Freid.« Darneben er im heimlich dacht: »Hett dich das Wetter neur umbracht, Das wer mein höchste Freud auf Erd.« Teurdank, der edle Helde wert, Gedacht der Sach weiter nicht nach, Daß es wer ein zůgericht zůgericht: abgekartet. Sach, Gelaubt Unfallo der Red sein; Unfallo under gůtem Schein Hett vermüst Gallen und auch Gift; Darumb hört, was er weiter stift. (33) Wie Teurdank aus Anleitung Unfallo eim Hirschen eilunds nachrennet und in solichen Rennen über einen Rain ein unnatürlichen hohen Sprung tet mit sambt dem Pferd. Unfallo weßt ein Hirschen stolz, Wann man den jaget in dem Holz, So was sein Laufen allezeit Neben eim BühelBühel: Hügel. hin nit weit. Welcher des Wegs was nit bericht Und rannt im nach, der kunnt sich nicht Enthalten, er tet einen Fall Hinab, dann es was überall Mit Stauden grûn verwachsen dick; Ee er dasselbig Tal erblick, So lag er niden auf der Erd. Unfallo ging zů dem Helden wert, Sprach: »Held Teurdank, mein lieber Herr, Es ist ein Hirsch von hin nit ferr, Der hat warlich ein großen Fůß, Dieweil es jetz ist in der Grůß Grůß: Angriffszeit. , Möcht Ir denselben fahen wol. Darneben ich Euch sagen soll, Daß im Land ist unser Monier Monier: Manier. , Zů jagen überland solch Tier. Dasselbig Jeid geet also zů: Man zeucht an einem Morgen frů Mit den Leithunden in den Wald, Bestet darin ein Hirschen. Alsbald Man denselben wird ansichtig, So hetzt man die Hund gemeiklich gemeiklich: gemeiniglich = zusammen. . Alsdann, ist im zů fliehen gach, So rennen im die Herren nach Stets auf iren gůten Rossen So lang, bis er wird verdrossen Und mag vor Müd laufen nit mer, So sticht in der Herren einer Zůtod mit seim Spieß oder Schwert, Der hat dann auf demselben Pferd Behalten das Lob, Eer und Preis. Gefellt Euch dann dieselbig Weis, So soll soliches fortz fortz: vorwärts. Gejeid Morgen frû Euch sein zůbereit.« Teurdank dem gefiel die Weis wol, Sprach: »Geren ich doch sehen soll Dise Monir und Jagensart.« Als es nun am Morgen Tag ward, Zoch hin in den Wald der Jeger Und bestettet bestettet: spürte auf. in dem Leger Den Hirschen mit seinem Gehürn. Bald die Jaghund, so er tet fürn, Er all mit einander abließ, Frölichen er ins Horen blies, Si jagten mit heller Stimmen. Der Jeger schrei schrei: schrie. wolhin von hinnen: »Lieben Jaghund, nun jagt nach Heil, So wird Euch heut noch Euer Teil.« Es ward geblasen manich Horn; Das erfreut den Held hochgeborn. Auf den Hirschen was im fast gach, Mit rechter Gir rannt er im nach Durch die Stauden und dicke Dorn. Den Hirschen hette er verlorn Und traf gleich den Berg hoch und schmal, Darumb sein gůt Pferd sprang zů Tal Mit im hinab acht Klaftern hoch; Den Zaumb im Fall er an sich zoch. Aus Glück rüert in dem Sprung sein Pferd An holen Berg ein Mal die Erd, Und behůlf sich durch solchen Fůg, Daß es mit im nit zůruck schlůg. Doch tet das Pferd ein Niderhauch Niderhauch: Herabgleiten. Dermaß, daß es lag auf dem Bauch. Was soll ich sagen von Glück mer? Dann wo es an ein Seiten wer Mit im geschlagen, glaubt, so hett Er sich an derselbigen Steet Gefallen gar zůtod warlich! Aber der Held rucket an sich Sein Pferd; das stůnd wider auf schon, Als hett das nie keinen Fall tan, Dann von Art es gůt und fest was. Als nun Teurdank am Pferd merkt das, Fand er wider die rechten Fart Fart: Fährte. Des Hirschen in des Waldes Art, Dem er nicht minder schnell nach rannt Und stach den mit eigener Hand. Unfallo dem kamen die Mer, Wie Teurdank hart gefallen wer. Darab was er ganz Freuden voll, Gedacht im: Warlichen es soll On Schaden nit zergangen sein. Aber sein Freud ward gleich in Pein Verkeret in derselben Stund, Dann im ward wider getan kund: Wiewol gefallen wer der Held, So seh man doch nichts, das im felt. Wie frölich er gewesen was, Als traurig er jetz wider saß, Gedacht auf vil Weg hin und her, Was er doch wollt anfahen mer. Indem Teurdank in Sal ging, Unfallo in freundlich empfieng, Fraget den Held der rechten Mer, Wie es im doch ergangen wer. Teurdank erzelt im alle Sach, Wie es im auf demselben Tag An dem Gejeid ergangen was. Unfallo sprach: »Warlichen, das Ist je ein gar großes Gelück; Es nimbt mich wunder, daß ein Stuck An Eurem Leib ganz beliben ist. So Euch allein, Herr, nichts gebrist, Darab trag ich Freud und ist gůet; Mein Rat ist, daß Ir Euch in Hůet Hinfür wellet halten destbaß.« Damit der Abend kommen was, Deshalben er und jedermann Begunden in ir Zimmer gan, Zů ruen dieselbigen Nacht. Aber der Unfallo gedacht Stetigs auf die Materi sein, Den Helden zů bringen in Pein. (34) Wie dem Teurdank Unfallo hett ein Stahel Stahel: Armbrustbogen aus Stahl. gelihen, der am Schießen zerbrach und im sein Birett vom Haubt schlůg und ein andern hart verwundet. Unfallo derselbig Böswicht Rüet auf das nicht lang, sonder dicht, Wie er dem Held mocht kommen zů, Dann sein Gedank stund spat und frů, Dem Held Teurdank zů füegen Leid. Darnach begab sich auf ein Zeit, Daß spaziren ging Unfallo, Sach er auf eim Baumb sitzen do Ein Vogel, was wunderbarlich. Des er von Herzen erfreuet sich, Dacht: Das wird mir ein ebne Sach, Den Held zů bringen in Ungemach. Lief bald, do er den Helden fund, Sprach: »Teuer Held, ich tů Euch kund, Daß ich ein frembden Vogel han Gesehen dauß dauß: draußen. auf eim Baumb stan. Wollt Ir den schießen, so will ich Euch den weisen, dann gewißlich Sitzt er noch an derselben Statt, Kein Mensch dergleichen Vogel hat Vor mer gesehen, das ist war.« Teurdank sprach: »Laß mich füeren dar«, Und schůf, daß man sein Armbrust brecht. Unfallo sprach: »Mein Stahel ist recht Fûr Euch, dann ee Eur Armbrost kem, Villeicht der Vogel sein Flug nem Hinweg, so reuet mich das seer.« Teurdank sprach: »So lang lang: reich. mir den heer.« Unfallo gab den seinem Knecht, Sprach: »Gee bald, fûr den Helden recht Zů dem Baumb, do der Vogel steet.« Der Knecht tet, was im sein Herr hett Geheißen. Zů dem Baum er kam, Der Held von im den Stahel nam. Nun weßt Unfallo vorhin, daß Der Stahel ein wenig auf tůn was, Also, wann man daraus schießen wollt, Daß ein Stuck darvon springen sollt, Der Hoffnung, es wurd den Held Treffen. Doch sein Anschlag im felt, Wie Ir hernach wol hören werdt. Der Held spannt den Stahel und gert, Den Vogel zů schießen herab. Als der Held anschlůg und druckt ab, Ein groß Stuck von dem Stahel brach. Den Held das bracht in Ungemach, Dann es schlůg im von seinem Haubt Sein Birett, dabei in beraubt Seiner Sterk, dann er darvon ward Anmechtig. Also ganz hart Den Helden schlůg dasselbig Stuck. Unfallo Diener hett kein Gelück; Zůnächst er hinder dem Held stund, Das Stuck im zů treffen begund An seinen Kopf mit solicher Maß, Daß sein Gesicht ward vor Blůt naß; Fiel zů der Erd, als er tot wer. Dem Held kam sein Kraft wider heer, Sach den Knecht ligen, als wer er tot; Teurdank im half aus solicher Not Und bracht im wider die Kraft sein, Daß er auf stund; gingen mit ein Wider hinein zů Unfallo. Derselbig ward von Herzen fro, Als er sach, daß zerbrochen was Der Stahel; heimlich im Fenster saß, Sach, ob der Held nicht hett Schaden Empfangen. Sein Herz was beladen Mit Schmerz, Angst und gar großem Leid, Do er sach den Held unverzeit Noch ganz gesund an alle Meil Meil: Makel, Schaden. , Sprach: »Ach Gott, wie ein lange Weil Macht mir der Held, daß kein Anschlag Will geraten! Es ist ein Plag Von Gott. Ich und die Gesellen mein Mûssen durch in kommen in Pein.« Mit dem der Held in die Stub trat, Unfallo den Held fründlich fründlich: freundlich. bat, Daß er im sagt, wo der Vogel wer. Teurdank sprach: »Du sollt mir nit mer Leihen ein Stahel, dann mir ist Mein Leben nie zu keiner Frist Gestanden in Geferlicheit Als heut.« Damit anfing und seit Unfallo nach der Leng die Mer, Wie es dem Knecht und im gangen wer. Unfallo stellet sich dergleich, Als wers im leid herziglich, Sprach: »Herr, es ist geraten wol. Hört, was man von Unfall sagen soll, Wie bald kompt der eim zůhanden.« Gedacht im heimlich: Zůschanden Wo dich hett der Stahel bracht, Dasselb hett mir mer Freud gemacht, Dann daß ich soll sehen dich Frisch und gesund. Und er kert sich Zů dem Helden mit Züchten, sprach: »Kein Stahel will ich mein Lebtag Euch leihen, das sollt Ir sehen! Dann wers übel geraten, jehen Hett Ir und sonst auch jedermann, Solichs wer durch mich Euch aus Schalkheit tan.« Der Held ließ also sein Gericht, Unfallo auf mer Schalkheit dicht. (35) Den edlen Teurdank übereilt ein Schwein im Absteen Absteen: Absteigen. , můßt den einen Fůß im Stegreif behalten und also das Schwein stechen. Unfallo kein Weil feiren kunnt, Sonder gedacht auf ander Fund, Zů behalten sein Ort und Paß. Vor dem Held Teurdank als er saß In dergleichen Gedanken sein, Trat zů im ein Jeger ein, Sprach: »Lieber Herr, ich tů Euch kund, Daß ich heut mit meinem Leithund Hab gespüret im Wald ein Schwein, Großer weder ichs alle mein Lebtag je mer hab gesehen Großer ... gesehen: ein größeres habe ich meiner Lebtage nie gesehen. . Mit Warheit so mag ichs jehen, Welcher dasselb Schwein allein fecht, Den halt ich für ein kecken Knecht.« Unfallo als er höret die Mer, Von Herzen ward er erfreut seer, Sprach: »Zeuch hin mit den Hunden bald Und wart mein wart mein: warte auf mich. zunechst vor dem Wald, So will ich dir von stundenan Schicken Teurdank, den kecken Mann. Den fûr in den Wald zů dem Schwein Und laß in das stechen allein.« Der Jeger zoch hin mit dem Hund. Unfallo zů derselben Stund In sein Haus zů dem Teurdank trat, Sprach: »Hört, Herr! Mein Jeger mir hat Gesaget, er hab gefunden Ein groß Schwein mit seinen Hunden; Wartet Eur damit vor dem Wald. Wöllt Ir das stechen, so kumbt bald.« Als der Held hett gehöret das, Von stundan er auf sein Pferd saß, Aufs nechst er zů dem Jeger rannt, Der den Helden von weit erkannt. Der fûrt in auf die recht Revier, Sprach: »Teurer Held, beleibt halten hier Und gelaubt den Worten mein, Disen Weg wird kommen das Schwein, Ich wills Euch frei jagen daher.« Der Held tet nach seinem Beger, Der hielt still an demselben Ort. Nicht lang darnach er das Schwein hort Her gegen im mit großem Bracht Bracht: Lärm. Laufen. Der Held Teurdank gedacht: Das ist warlich ein großes Tier. Als dasselbig kam zů im, schier Gewunn der Held heraus sein Schwert Und wollt sprengen auf seinem Pferd Hinab von einem kleinen Rain, Zů stechen dieselb Sau allein. Da behieng im an einem Baum Sein Pferd mit dem Zügel am Zaumb, Das machet ein zerbrochner Ast. Die Sau drang auf den Helden fast Und schlůg sein Pferd in ein Fůß wund. Der Held abzůfallen begund; Mit einem seim Fůß er begreif Die Erd, der ander in Stegreif Noch belibe hangen. Fürwar So ganz nahend dieselb Sau dar Zů dem teurlichen Helden kam, Sein Schwert er in bede Hend nam, Stach damit meisterlich das Schwein, Dann im mocht nicht sovil Weil sein, Daß er sich hett darzů gestellt Nach Vorteil. Doch hett er gefelt, Das Schwein hett im seinen Lon Gegeben; darumb ich das han Gesetzt auch für ein Geferlicheit, Die Unfallo hat zůbereit Teurdank, dem kûnen, starken Held. Da dem Helden nun was gefellt Sein Pferd von dem genannten Schwein, Da bracht im bald ein anders sein Diener. Auf dasselb Teurdank saß, Reit wider hin, daher er was Geritten von Unfallo aus. Do er nun kam in dasselb Haus, Unfallo im engegen gieng, Mit gůten Worten in empfieng, Bat, daß er im doch sagen tet, Ob er das Schwein gefangen hett. Teurdank antwort im und sprach: »Mein Leben lang mir nie geschach Von einer wilden Sau so drang drang: Bedrängnis. . Glaub, hett ich mich gesaumet lang, In groß Scheden ich kommen wer.« Und saget im die rechten Mer Nach der Leng die Geschicht alle gar, Wie es im am Jeid ergangen war. Unfallo in darumb lobet, Doch darneben vor Zorn tobet Heimlichen in dem Herzen sein, Daß der Held nit in große Pein Was kommen durch dieselben Sau. Sprach: »Lieber Herr mein, ich getrau Mir Euch darin nicht zů folgen nach, Es ist je ein gewagte Sach. Doch wollt ich Euch raten darbei, Daß Ir nit werdt gar zůvil frei, Sonder hett Euer besser acht.« Darneben er heimlich betracht, Wie er den Helden möcht bringen Ums Leben oder in zwingen, Zů ziehen Krüppel Krüppel: als Krüppel. aus dem Land. Dem Teurdank waren nit bekannt Sein Gedanken und böse List, Dann hett er dieselben gewißt, Er hett in zůtod geschlagen. Nun will ich Euch weiter sagen, Was er fürter hat geûbt mee Gegen dem Teurdank in dem Schne. (36) Wie Unfallo Teurdank in ein andre Geferlicheit fûret under ein Schneleen Schneleen: Schneelawine. . Unfallo dem was nicht zůvil Kein Schalkheit, als ich sagen will. Es was in rechter Winterzeit, Darin gewonklich gewonklich: gewöhnlich. vil Schne leit, Ging Unfallo zum Helden dar, Sprach: »Herr, ich sage Euch fürwar, Dort steet in der Au vil Wildpret. So ferr Ir darzů ein Lust hett, So möcht Ir daraus schießen wol. Ein Jeger mit Euch ziehen soll, Der weiset Euch die rechten Straß.« Teurdank sprach: »So befelcht im, daß Er sich von stundan mach gerecht.« Unfallo fordert einen Knecht Und nam den an ein heimlich Ort, Sprach: »Gesell, merk auf meine Wort! Eilunds hin auf das Gebirg lauf Und schau mit allem Fleiß darauf: Wann der Held Teurdank wird reiten Unden für an des Bergs Leiten Leiten: Hang. , So mach von Schnee einen Ballen Und laß den gmach herab fallen, Daß daraus werd ein Leenen groß, Dieselb den Helden zůtod stoß. Ist Sach, daß du darin fleißig Bist, bei Glauben ich dir versprich, Dich reich und selig zů machen.« Derselb Knecht begund zů lachen, Sprach: »Herr, kein Fleiß will ich darin sparn, Das sollt Ir durch die Tat erfarn.« Teurdank der reit mit dem Jeger, Sůchend das Wilpret im Leger. Nun mûßten si beid hart reiten Under dem Berg; an einer Seiten Ein fast tiefes Wasser für rann. Als der Knecht ersach den teurn Mann, Macht er bald ein Ballen von Schne. Derselbig lief hinab und ee Er halben Weg geloffen was, Wurd der Ball von Schne so groß, daß Er hett mögen mit der Größ sein Bedecken ein gemeins Stedtlein. Teurdank höret den lauten Bracht, Und ee er sich recht drauf bedacht, Was doch dasselb mochte gesein, Ging die Leen als ein Berg herein Den nächsten auf den Helden dar, Dermaßen daß im nit mer war, Dann daß er sich eilunds umbkert Und gab die Sporen seinem Pferd, Rannt, was sein Pferd mochte laufen. Durch das empfloch er dem Haufen Schne, sonst hett er darin verderben Mûssen und in der Leen sterben. Der teur Held wollt nit lassen nach, Versůcht dreimal, ob er mocht doch Reiten hindurch auf das Gejeid; Allzeit ein Leen mit Grausamkeit Kam, der er mit Geschicklicheit Und onerschrockem Gemuet entreit. Der Schne verschüttet bis an die Straß Dermaß, daß Teurdank nit fürbaß Mochte reiten dem Wilpret nach. Als nun der Teurdank das ersach, Keret er wider heim zůhaus. Unfallo hing gegen im heraus, Fragt, ob er hett gefangen das Tier. Teurdank sprach: »Hör zů, wie es mir Doch an heut ist neur ergangen. Ein Schneleen hett mich gefangen Leicht; kaum bin ich ir entrunnen.« Unfallo sprach: »Von der Sunnen Oder villeich durch ein Vogel, Der oben auf des Bergs Kogel Kogel: Gipfel. Den weichen Schne hatte gerûrt, Ist die Lene herab gefûrt. Doch bin ich fro, daß also ist Geraten.« Das redt er mit List, Sein Bosheit zů decken damit. Teurdank der mocht das merken nit. Nun was es schir umb Essenszeit, Teurdank hinein in das Haus reit. Unfallo was aber ein Sach Mißraten, darumb er nit Gemach Wollte haben, gedacht mit Fleiß, Wie er durch ander Weg und Weis Den Helden mocht bringen in Not, Als dann hernach geschähen stat. (37) Wie auf den edlen Teurdank am Gembsenjeid ein großer Stein gieng, der im seinen Hůt vom Haubt schlůg. Unfallo sprach: »Ich weiß ein Ort, Lieber Herr, glaubet meinem Wort, Daselbs ist ein lüstig Gejeid. Wo Ir dann wert darzů bereit Und wollt Euch noch baß probiren, Ich ließe Euch dahin füeren, Daselbst Ir fast ein große Schar Der Gembsen werdt finden furwar.« Teurdank dem Held gefiel die Sach, Unfallo zů eim Bauren sprach: »Nimm zů dir den Gesellen dein, Den du weißt verschwigen zů sein, Und wartet oben an der Spitz Auf disem Berg und brauchet Witz, Dergestalt, wann Ir sehet gan Teurdank, disen teurlichen Mann, So werfet herab große Stein Auf denselben Helden allein. Welcher in dann wurfet zů Tod, Dem will ich vil der Gulden rot Geben für sein verdienten Lon.« Der Baur sprach: »Herr, wir wellen hon In den Sachen recht gůten Fleiß.« Ein Gembsjeger den Helden weis An das Gebürg. Alsbald er ging Auf halben Weg, und sich anfing Erstlichen das rechte Gejeid, Merkten die zwen auf iren Bescheid Und ließen über des Fels Wand Der Bauren ein jeder zůhand Ein großen Stein laufen daher. Derselben einer mit Gefer Den teuren Held, das edl Blůet, Traf und schlůg im seinen Hůet Vom Kopf und in die Erd ein Loch. Der ander Stein felet sein felet sein: verfehlte ihn. , doch Trafe er den Gembsjegersknecht Mit vollem Laufen also recht, Daß er zu der Erd strauchen tet, Gar nahend er im den Tod hett Gebracht. Der Held bald merket das, Darumb im aus dem Gebürg was Gach zu steigen herab darvon, Dann er merket wol, daß zů gon Denselbigen Tag was mißlich. Desgeleichen der Jeger sich Darin auch nicht lang saumen tet, Wiewol er großes Gelück hett, Daß er sich nit fiel hinab zů Tod. Als si nun kamen aus der Not, Wurden si bed schon empfangen. »Herr, wie hat es Euch ergangen,« Sprach Unfallo, »auf dem Gejeid?« Teurdank sprach: »Ein gůten Bescheid Weiß ich Euch darvon zů geben. All mein Tag ist mir mein Leben Nie also in großer Gefar Gestanden als heut. Glaubt fürwar, Ein Stein der traf den Jeger, daß Er vor Amacht Amacht: Ohnmacht. darnider saß. Der ander schlůg mir ab mein Hůet; Gott mich desselben Tags behůet; Als ich das merkt, trat ich herab.« Unfallo im drauf Antwort gab: »Herr, das wer mir von Herzen leid, Sollt Euch etwas auf disem Jeid Widerwertigs begegnet sein.« Darneben hett er Angst und Pein, Daß er in sach frisch und gesund. Sein List er wol verbergen kunnt, Gab aus falschem Sinn gůte Wort, Die waren Gift und tödlich Mord. Teurdank im solchs nicht vertrauet. Darneben der Unfallo schauet, Wie er doch mocht dem teuren Mann Etwo legen einen Spott an. Darnach stund seines Herzen Gir, Wie Ir dann hinfüran von mir Werdt vernemen in diser Schrift, Was er für Bosheit hat gestift. (38) Wie Teurdank durch Anweisung Unfallo sich an seim eigen Schwert beschedigt sollt haben an einem Schweingejeid. Unfallo groß Leid und Schmerz hett, Daß im sein Anschlag felet, Saß, besann sich, wie er füran Sein Sach mit dem Held wollt fahen an. Auf ein Zeit kam im in sein Sinn Ein Schalkheit. Auf solichs ging er hin Zů dem Helden Teurdank und sprach: »Herr, mein Jeger ein groß Schwein sach Dort aus im Wald von hin nit weit. Mein Rat ist, Ir sitzt auf und reit Mit mir und stecht si frei zůtod. Doch hört zůvor von mir ein Rot Rot: Rat. , Den ich Euch darzů geben will: Ir habt vormal der Schwein gar vil Zůtod gestochen auf dem Pferd, Darumb sollt Ir das auf der Erd Zůfůß allein mit Eurem Schwert Umbbringen. Das wird Euch, Held wert, An vil manchem Orten bringen groß Preis.« Der Held sprach: »In der gleichen Weis, Als Ir dann habt geraten mir, Will ich fellen dasselbig Tier.« Unfallo was von Herzen fro. Nun was die Sach gestellt also: Er weßt, daß ein groß hauend Schwein Hett sein Stand an eim glatten Rain, Da es allzeit zů finden was. Nun hoffet der Unfallo, daß Der Held mocht an dem Rain nit han Ein Stand, wann er das Schwein kem an, Und wurd nemen ein Leibschaden. Unfallo was mit Leid beladen, Bis do kam die Zeit, daß der Held Wurd reiten zum Schwein in das Feld. Als die recht Zeit nun kommen was, Der teurlich Held auf sein Roß saß; Das tet auch mit im Unfallo, Reiten hin bis an das Ort do. Unfallo gedacht, es wer Zeit, Zů halten, das Schwein wer nit weit, Sprach: »Wir wellen halten bleiben, Bis der Jeger tůt auf treiben; Das Schwein mügen wir auf der Höch wol Sehen, wo das hin laufen soll.« Teuerdank hielt still mit dem Pferd sein; Bald kam her gelaufen das Schwein, Stellt sich under den Bühel glatt. Unfallo sprach: »Herr, steet ab drat Zůfůßen von Eurem Pferd, Gewinnt von Leder Eur gůt Schwert, Lauft über disen Rain hinab Und stecht das Schwein zůtod. Darab Wert Ir erlangen Preis und Eer.« Der Held bedacht die Sach nicht mer, Stund ab zůfůß von dem Pferd sein, Zog sein Schwert, wollt über den Rain Laufen; do was der Rain so glatt, Daß der Held darauf nicht haften tat, Sonder schlůg schnell an ein Seiten An derselben glatten Leiten. Das Schwert fiel im aus seiner Hand, Im Fall es sich zůstund umb wandt, Daß die Spitz über sich kert, Der Schwertknopf hinab ins Tal gert. Der Held der mocht kein Hab Hab: Halt. nicht han, Sonder můßt dem Fall sein Gang lan, Fiel hin geschwind bis in das Tal, Auf des Schwerts Spitz geschach der Fall. Der Held, als er des Spitz empfand In seiner Seiten, da ermannt Er wider und braucht sein Kreft all, Verhûtet damit den sorglichen Fall, Der im dann vor Augen was, Wie ein jeder selbs mag priefen priefen: prüfen, erkennen. das. Der Held stund bald auf, sein Schwert er nam, Lief an das Tier ungezam, Stach dasselb zů Tod. Unfallo Was von ersten von Herzen fro. Aber sein Freud was bald verkert, Da er sach gesund den Held wert. Aber er ließ sich merken nicht, Sprach: »Ach, Herr, mir ist mein Gesicht In solichem Fall vergangen gar Vor Schrecken, das glaubt mir fürwar. Wie habt Ir doch getan, sagt mir?« Teurdank antwort: »Ich eilt zum Tier Und hett auf den Rain nicht vil acht; Darumb so ist an mir vollbracht Das Wort: Ein gech Mann soll Esel Reiten, an dem solich Ungefell Kommen. Es ist aber einmal Geraten wol in disem Fall.« Unfallo schweig still, ret mer nit, Damit ein jeder anheim ritt. (39) Wie Unfallo Teurdank in ein ander Geferlicheit mit einer Büchsen fûrt. Unfallo weiter fragen tet Den Held: »Habt Ir nit gelernet Aus großem Geschütz zů schießen? Dann ich hab jetz lassen gießen Etliche Stuck, die steenen da.« Teurdank der Held im antwort: »Ja.« Unfallo sprach: »Herr, ich wills lon Euch sehen, dann eins gar fast schon Von reinem Gezeug gossen ist.« Der Wicht hette aus falschem List Vil Pulvers vor darein getan, Wartet, bis sich die Nacht fing an. Darin sollt Ir mich recht versteen. Unfallo sprach: »Herr, wollt Ir geen, So kommet unverzug mit mir.« Der Held sprach: »Gee vor, ich folg dir.« Als si nun kamen an das Ort dar, Unfallo gab dem Held fürwar Ein Windliecht in sein rechte Hand. Das was angezündet und brannt, Sprach: »Herr, besecht die Büchsen mein Und zündet mit dem Liecht darein, So mügt Ir si schauen des baß.« Teurdank weßt nit, was darin was Und zündet mit dem Liecht darein, Dardurch er gar nach wer in Pein Kommen, dann darin das Pulver brannt. Der Held solches bei Zeit empfand Und zuckt sein Hand und Haubt behend An sich; das Liecht schlůgs im aus der Hend. Der Held aus Zorn zum Unfallo redt, Warumb er in nit gewarnet hett, Dieweil die Büchs geladen was. Unfallo verantwortet das, Sprach: »Ich hab nichts gewißt darvon, Villeicht habens mein Knaben tan, Dann sie mir oft Pulver stelen Und wellens vor mir verhelen Und behalten das mit Sorgen. Ich halt, si habens verborgen Auch jetz in die Büchsen mein. Herr, glaubt, wer wollt so untreu sein, Der das Pulver darin gewißt hett Und Euch darvor nicht warnen tet?« Darmit er sich entschuldiget, Der Held seiner Sag gelaubet. Darneben was er sich klagen, Daß den Held nit hett geschlagen Das Pulver sein Haubt enzwei, Bedacht ein andre Verretrei Gegen Teurdank, dem edlen Blůt; Doch in Gott vor Schaden behůt. (40) Wie den edlen Teurdank durch Anschickung Unfallo ein Leithund auf einem scharpfen Gebürg nahend erworfen hett. Unfallo derselb Böswicht Gedacht: Will mich dann helfen nicht, Was ich bisher dem teuren Held Hab zůgericht? All mein Kunst felt Mir. Saß also, gedacht hin und her, Kam im in Sinn ein groß Gefer. Wer was frölicher dann Unfallo, Da er hett ein Schalkheit; ging, do Er Teurdank, den edelen Held, fand, Sprach: »Herr, ist Euch die Art bekannt, Mit dem Leithund ein Hirschen nach Zů hengen?« Der adenlich Held sprach: »Ich weiß ein Hirschen zů bestetten wol, Als ein jeder Jeger tun soll.« Unfallo sprach: »Edler Held, Wann Ir dann hin an das Jeid wellt, So laßt michs vor wissen bei Zeit, Damit man all Sach zůbereit.« Teurdank sprach: »Sag dem Jeger an, Ich well morgen den Leithund han.« Unfallo vom Helden abschid, Mit großer Schwer er des Tags bit bit: wartete. . Als der kam, er gar eilunds sandt Nach eim Jeger, dem was bekannt Das Gebürg und der Pirschen Lauf, Sprach zů im: »Herr, merk mit Fleiß auf, Weißt du nit etwen ein Wildgleit Wildgleit: Wildspur. , Uber das nie kein Mensch mer reit, Oder ein Trauet Trauet: Wolfsgrube, Fallgrube. , wie mans nennet, Des Gelegenheit nit kennet Der Held, den ich hie hab bei mir? Dann er will auf das Jeid mit dir Und selber den Leithund fûren. Darumb so wellest vor aus spüren Ein Geleit, das fast sorglich sei, Darüber die Hirschen laufen frei. Dann ich genzlich der Hoffnung bin, Wann Teurdank mit dem Hund kompt hin, Und der Hund empfindet der Fart, So wurd er aus der edlen Art Dem Wilpret girig nach trachten Und des Gleits gar wenig achten, Den Held nach im ziehen mit Eil Uber des Geleit am Hengseil. Dardurch hoff ich, in in den Tod Oder doch zů bringen in Not.« Der Jeger zů seim Herren sprach: »Laßt mich machen mit der Sach; Ich weiß den Held zů füren wol, Kaumb on Schad er darvon kommen soll.« Der Held auf was fru vor dem Tag, Seim Leithund er hoflich zůsprach, Wie dann das ist nach Jegers Sitt. Ein Hirsch das hört, der sein nit bit, Sonder lief über das Geleit ab, Das was scharpf, stickel, an all Hab. Der Leithund kam auf dieselben Fart, Den Held er nach im rucken ward Mit Gewalt, daß er kein Stand mocht han. In Sorgen was der teurlich Mann, Behalf sich lang Zeit, wie er mocht. Vor dem Fall; zůletzt er gedacht Ein Weg, der im was nun fast gůt Und in vor Schaden behůt. Das Leitseil er umb ein Baumb schlůg, Bis man im kam zů Hilf mit Fůg Und hulf halten den Hund daran; Dann er sonst hett den teuren Mann Bracht durch Fall in groß Angst und Not Und villeicht gar den bittern Tod. Teurdank bracht den Hund von der Spor Und ging ein andern, was im vor, Deshalb der Hund weiter nit zog; Der Held bald aus der Wand floch. Unfallo dasselbig vernam, Sprach: »Mich nie größer wunder nam, Dann des dem Held zů mancher Zeit Die Geferlicheit so noch leit so noch leit: so nahe liegt. Und doch nicht will sein Fürgan sein Fürgan han: vor sich gehen. han. Ich hab schier verzweifelt daran, Daß mich will helfen kein List mer. Ach Gott, schick mir doch Weisheit her, Dardurch ich den Held bring zum Tod Und ich mich erlös aus der Not.« Gedacht weiter auf ander Weis, Dardurch der Held verlur sein Preis. (41) Wie under dem Teurdank seinem Pferd ein Fůß ward durch ein Schwein abgeschlagen, und er doch das umbbracht. Eins Mals der Unfallo sprach: »Herr, Es ist von hie nit sonders ferr Im Wald ein großes hauends Schwein; Gefiels Euch, ich fûrt Euch darein, Wollt Ir dann noch mer leren baß, Die Schwein zů stechen zů Roß. Das Gebt mir, Herr, bald zů verstan.« Teurdank der sprach: »Ein Lust ich han, Zů stechen dasselbige Tir.« Unfallo sprach: »So folgt mir Und sitzet auf mein kleines Pferd, Damit daß Eurs nicht geschedigt werd, Dann Eurs ist zů der Sach zů gůet.« Das redt er alls aus falschem Můet Allein darumb, er hoffet ser, Dieweil dasselb Pferd fast klein wer, Daß ine beschedigen kunnt Dest baß das Schwein. Zů diser Stund Der Held saß auf das kleine Roß, Reit dahin über ein tief Mos Mos: Moos. , Bis er kam in den grûnen Wald. Die Schweinruden Schweinruden: Rüden, Jagdhunde. die hört er bald Laut laufen und das Schwein jagen. Was soll ich Euch weiter sagen! Gegen im in demselben Holz Von mancherlei Sort Wilpret stolz Zůletzt ein Schwein gelaufen kam. Der Held sein Schwert zůhanden nam Und sprenget auf dasselbig Schwein Des Willens, er wollte darein Gestoßen haben sein gůt Schwert. Dasselbig Schwein im mit Geferd Stieß sein Schwert gewaltig aus der Hand; Mit den Sporn er sein Pferd mant. Das Schwein das saumet sich nit lang, Mit Zorn es auf den Helden drang, Schlůg in der Dick in der Dick: im Gedränge. ab seinem Pferd Den Fůß; darumb das zů der Erd Fiel mit dem Held in einen Hag Hag: Dornbusch. . Doch der Held nit lang stille lag, Sonder stund wider auf behend, Das Schwert faßt er in seine Hend Und stach das Schwein damit zůtod, Dardurch er kam aus diser Not. Teurdank sagt Unfallo die Mer, Wie es im doch ergangen wer. Unfallo sprach: »Herr, sehet an, Daß ich Euch recht geraten han, Ir hett sonst verloren Eur Pferd, Welches dann ist vil Geldes wert.« Damit bracht man im ein Roß her; Er saß darauf und eilet seer In die Herberg zů dem Essen. Unfallo tet nit vergessen, Zů betrachten ander falsch Fund Fund: Listen, Kniffe. , Wie er den Helden bringen kunnt In Schaden, Angst, Not und Arbeit Arbeit: Mühsal. . Es was im von seim Herzen leid, Daß nit wollt geraten ein Anschlag. Darnach über etliche Tag Kam Unfallo in seinen Sinn, Er wollt den Held füeren dahin Zů zweien Löben in ir Haus, Die wurdens villeicht machen aus Und in bringen under die Erd. Sein falsch Herz nicht anders begert, Dann zů sehen dieselben Teg, Daran der Held einmal nider leg. (42) Wie Unfallo den Teurdank in ein ander Geferlicheit fûret mit zweien Leoben. Unfallo der wollt seinen List Offnen und sprach: »Held, hiebei ist Ein Haus, darin ligen etlich Jar Zwen Löben, die seien so gar Schön und lustig zů sehen an. Man sagt, si sollen die Art han: Welcher Mann sich nicht fürcht vor in, Derselb gee on allen Scheden hin Zů in in ir Gemach oder Haus Und alsdann wider von in heraus, Als oft im das gefellt fürwar.« Indem komen si zum Haus dar. Teurdank der sprach: »Auf Euren Rat Will ich wagen dise Getat!« Und gieng damit in dasselb Haus. Die Löben liefen gen im heraus Mit Zoren an den teuren Mann, Grausamklich blickten si in an. Der Held ein Schaufel, so bei der Wand Leinet, die nam er iasein Hand; Mit Gwalt er auf die Leoben schlůg, Er hett sich ir zů weren genůg; Zůletzt flohen si in ir Hol. Dem Held bekam die Schaufel wol, Dann er damit frist sein Leben, Sonst hetten si im gegeben Fürwar einen gar bösen Lon; Teurdank der ging heraus darvon. Unfallo sprach zum teuren Mann: »Herr, Ir dorfts nicht geschlagen han, Dann si hetten Euch sonst tan nicht.« Teurdank der Held antwort dem Wicht: »Ich sahe si dermaßen an, Daß ich mich mûßte understan, Ir zů erweren mit Gewalt. Ich will mich solcher Sach nit bald Mer zů gebrauchen understan.« Unfallo sah den Helden an, Lacht heimlich in dem Herzen sein, Daß er in hett gebracht hinein Zů den zweien Leoben in ir Haus. Aber daß er wider heraus Was gegangen on all Schaden, Darumb was sein Herz beladen Mit Schmerz und großer Traurigkeit. Unfallo ein ander Sach seit, Damit er das vergessen sollt. Nicht minder er in kein Weg wollt Lassen von seiner argen Bosheit, Gedacht auf einen andern Bescheid, Wie Ir dann hernach hören werdt. Kein böse böser: schlechterer. Mensch lebt auf der Erd. (43) Ein große Wassernot, so der edel Teurdank leit, daß der Wind das Wasser in das Scheff heftig schlůg und das Volk am Land niderknieten, Gott für in zů bitten, der im auch aus aus: heraus. half. Eins Mals ging Unfallo spazirn An des Mers Gestad und Rivirn. Kam im in seinen bösen Můet: Das wer für mich ein Sach fast gůt, Wo ich mocht den Helden bringen Auf das Mer; mir wurd gelingen Und villeicht erfüllt mein Will gar. Unfallo gieng zum Helden dar, Sprach: »Herr, es ist auf dem Mer still. Wann ich weßt, daß es wer Eur Will, So wollt ich lassen breiten zů Scheff, daß Ir an eim Morgen fru Fûrt auf dem Mer, zů beschauen Ein schöne Stadt meiner Frauen, Die si nit weit daran ligen hat.« Der teur Held im antwortet drat, Sprach: »Mir gefellt wol dein Anschlag, Darumb rüst zů und nenn ein Tag, So bin ich schon bereit zů farn.« Unfallo sprach: »Ich will bewarn Und die Scheff lassen zůrichten.« Teurdank der gedacht im nichten Args, dann er im wol vertrauet. Unfallo mit Fleiß anschauet, Ob nit ein Wetter kommen wollt, Darin Teurdank hin farn sollt. Nicht lang darnach es sich begab, Daß Unfallo ward merken ab Ein künftiges Wetter fürwar. Bald schickt er zu den Scheffleuten dar, Gebot inen bei irem Eid, Daß si fûren auf sein Bescheid. Darwider redten die Scheffleut, Sprachen: »Das Gewülk uns bedeut Auf dem Mer ein Ungestumkheit; Far wir, es möcht uns werden leid. Saget im, das sei unser Rat, Daß er wart, bis das übergat übergat: vorübergeht. .« Unfallo, als er das vernam, Bald er selbs zů den Scheffleuten kam, Sprach: »Wollt Ir den Held nit furn, So will ich Euch all in die Turn Lassen werfen in diser Stund, Oder was ich heiß, dasselb tunt.« Die Scheffleut erschraken all seer, Ir keiner bedorft ein Wort mer Reden, sonder sagten zu: Dieweil er nit wollt haben Ru, So můßten si faren vom Land; Darumb sollt er den Held zůhand Bringen zů inen in ir Schieff. Teurdank der Held lag und schlief. Unfallo klopft an der Tür an, Sprach: »Herr, wollt Ir faren darvon, So steet auf und macht Euch bereit, Dann itz ist es zů faren Zeit.« Teurdank der folget seiner Leer, Wollt im Bett nit beleiben mer, Sonder stund auf und legt sich an, Begund mit in das Scheff zů gan. Als si bed nun darein kamen, Die Scheffleut ir Růder namen, Fůeren mit gůtem Wind von dann. Unfallo, der ungetreu Mann, Aus dem Scheff sich heimlichen stal, Dermaßen daß sie solches all Nicht wurden von im gewar. Teurdank der besorget sich gar Keiner Not auf denselben Tag. Nun höret, was weiter geschach. Si fůren gar ein kleine Zeit, Da sahen die Scheffleut von weit Ein finster Wolken kommen her, Damit einen Wind, der das Meer Betrûbet von dem ganzem Grund. Das Wetter weret etlich Stund Und was so grausamlich gestalt, Daß er das Schefflein mannigfalt Wollt haben in Grund versenkt gar. Kein ander Trost verhanden war, Dann alle gar zů ertrinken Und in dem Mer zů versinken. Die Scheffleut all ließen fallen Die Ruder, baten mit allen Seinen Heiligen Gott von Herzen, Daß er si aus disem Schmerzen Wollt ledigen und von dem Tod. Teurdank allein in diser Not Ganz keck und unerschrocken was, Rüeft die Scheffleut alle an, daß Si beliben bei der Arbeit, Sonst wurden si kommen in Leid. Von solchem seim Trost empfiengen Die Scheffleut ein Herz und giengen Wider an ire Ruder dar Und zogen dermaßen fürwar, Daß si zůletzt mit rechtem Gwalt Erreichten ein gůtes Land bald, Nahend bei einer großen Stadt. Nun was es an dem Abend spat; Darumb Teurdank mit den Gesellen sein Ging in dieselben Stadt hinein, Danket Gott der großen Genad, So er im heut bewisen hat, Belib darinnen etlich Tag, Nach der Arbeit seiner Růe pflag. Nicht lang als die Ungestûmigkeit Was vergangen, mit großem Leid Unfallo höret dise Mer, Wie Teurdank nicht ertrunken wer, Sonder leg in der großen Stadt. Unfallo erfand in seim Rat, Er sollt sich zum Held auf machen Und tun, als wollt er die Sachen Erfaren, wie es im auf dem Mer Im Wetter nachst ergangen wer. Unfallo fůr zum Helden dar, Stellt sich, als weßt er von der Far Weder Wort noch Weis zů sagen. Teurdank den begund er fragen Aller Sachen Gelegenheit, Und wo er in der Ungstumkeit Auf dem Mer doch wer gewesen, Teurdank antwortet: »Genesen Genesen: gerettet. Bin ich von Gottes Herrn Gewalt. Gelaub mir, du sollst mich alsbald Nit bringen auf das Mer allein, Du můßt auch bei mir im Scheff sein.« Unfallo sprach: »Ach, lieber Herr, Es ist warlich nit mit Gefer Geschehen, daß ich wider aus Dem Scheff bin gangen heim zůhaus. Ich hett vergessen ein groß Sach Und meint, Ir wurdet tůn gemach, Bis ich hette geholet das. Als ich nun wider kam, da was Euer Scheff auf dem weiten Mer, Do můßt ich bleiben; lieber Herr, Das glaubt mir für ein Warheit. Ich hett geren, daß Ir mir seit, Wie Euch doch gefiel dise Stadt; Mein Frau noch der vil schöner hat.« Teurdank sprach: »Mir gefeilt si wol, Dann was man doch neur haben soll, Das findt man darin alles gar.« Mittlerweil gůt Zeit kommen war, Zů faren wider heim zůhaus. Mit solchen Worten redt sich aus Unfallo, der ungetreu Mann, Als hett er ganz kein Schuld daran Und wer alls geschehen an Gefer, Darumb im Teurdank trauet mer. Unfallo darneben gedacht: Ich hab dich wider einmal bracht In einen Glauben gegen mir, Das möchte wol zů Schaden dir Noch reichen in künftige Zeit. Teurdank heim zů der Herberg reit. Als er nun abgestanden was Vom Scheff, Unfallo nider saß Und gedacht einen andern Fund, Dardurch er den Held bringen kunnt Von seinem Leben in den Tod, Wie hernach dann geschriben stat. (44) Wie der edel Teurdank durch Anweisung Unfallo sich selbs nahend hart heschedigt hett auf einem Hirschen Pirschen. Unfallo, als nun kam sein Zeit, Sprach er zů dem Helden: »Herr, reit Für Kurzweil pirschen in den Wald, Ir werdet ein Stuck Wilpret bald Finden zů schießen nach Eurm Lust. Den Stahel fürt vor Euer Brust Gespannet, darauf ein Geschoß; Dann er hat doch kein Zungelschloß Zungelschloß: Abzug an der Armbrust. , Darumb leßt er in keinen Weg, Ob er halt ein Jar gespannt leg. Dann also ist der Jeger Sitt, Daß si die Stahel füeren mit Gespannt vor in zů aller Zeit, Damit, wann sich ungefer begeit, Daß si finden einen Hirschen, Daß si bereit sein zů pirschen.« Teurdank der sprach: »Mir gefellt das«, Und damit auf sein schön Roß saß, Reit in den Wald mit Unfallo. Bald si funden an eim Tritt do, Daß ein Wilpret gegangen wer. Teurdank der nam sein Stahel her, Spannet denselben auf behend, Füert den vor im in seiner Hend; Ein scharpf Stral Stral: Pfeil. auf demselben lag. Ungefer er das Wilpret sach; Dem rannt er nach mit großer Gir; Vor im in das Holz floch das Tir. Dem nach zů rennen was im gach; Den Stauden fraget er nit nach, Stock und Stein was als eben gar. In dem Eilen schlůg ein Staud dar Und traf den Schlüssel als eben, Daß der Stahel ließ. Sein Leben Hett der Held verloren fürwar, Dann es nit umb zwen Finger gar Felet, die Seen am Stahel hett Den Held gar hart beschediget Im Angesicht, oder villeicht Es wer im ganz zum Tod gereicht. Aber aus der Gschicklicheit sein Erlöset er sich von solcher Pein; Dann als der Stahel sich abdruckt, Teurdank sein Haubt hinder sich zuckt Und fiel zůruck auf sein Pferd. Also kam darvon der Held wert. Unfallo hett angefangen Solchs darumb, daß kein Verlangen Sollt sein Frau Künigin haben mer Nach dem Held, so er verletzt wer. Da Unfallo den Schuß erhört, Bald er sich zů dem Helden kert, Sprach: »Herr mein, Ir habt getroffen Oder was hat sich verloffen verloffen: ereignet. ? Dann ich doch wol gehöret hab Euren Stahel jetz schießen ab; Das sollet Ir bald sagen mir.« Heimlich hett er verzaget schir, Da er den Held sah frisch und gesund. Teurdank sprach aus lachendem Mund: »Mir hat glassen der Stahel mein, Dardurch ich schier in große Pein Wer kommen, wo ich verzagt Gewesen wer.« »Ir habt gejagt«, Sprach Unfallo, »an heut genůg. Ir sollt den Stahel gfürt haan mit Fůg, Daß er nit hett mögen lassen. Doch, Herr, wöll wir unser Straßen Reiten an heim wider zůhaus; Es wirdet heut nichts mer daraus, Dann das Wilpret hat vernommen Euch und wirdet nit mer kommen Zů einem Schuß an glegen Ort.« Unfallo der gedacht sich fort, Was er wollt wider fahen an Gegen Teurdank, den teurn Mann, Als ich Euch hie erzelen will; Darumb höret auf und seid still. (45) Wie der falsch Unfallo den Teurdank zů einer tiefen Wasserrunsen Wasserrunsen: Wasserlauf. fûren ließ, darein er schier gefallen wer. Unfallo der wisset ein End, Dahin Teurdank gemeniglich rennt. Darumb macht er einen Anschlag, Daß er wollt auf den nechsten Tag Ein Wasserruns sůchen lassen, Und beruft darauf mit Maßen Etlich, den er dorft vertrauen, Befalh in, si sollten schauen, Ob nicht mocht gefunden werden Ein Wasserruns in die Erden, Die tief wer und wol verborgen leg, Geleich neben dem rechten Weg. Die Bauren sprachen: »Lieber Herr, Wir wöllen mit Fleiß Eur Ger Vollziehen auf das furderlichist.« Unfallo gedacht: Mit dem List So hoff ich zů fellen den Held. Als nun dise Runs was bestellt, Schickt der Wicht nach dem Jeger sein, Sprach: »Schau, daß du ein großes Schwein Mügst mit den Hunden austreten austreten: aufspüren. Und gleich vor dem Berg bestetten.« Der Jeger zog hin mit dem Hund, Sůcht nit lang, daß er ein Schwein fund, Seim Herren ers zů wissen tet. Unfallo darab vil Freud hett, Ging eilunds zů dem Helden dar, Sprach zů im: »Mein Herr, nemet war, Mein Knecht hat mich wissen lassen, Wie er zůnechst bei der Straßen Hab funden ein großes Wildschwein, Dergleichen er nie alle sein Tag hab gesehen und gefunden mer. Herr, ist es dann Eur Beger, So wollen wir bed reiten dar.« Als si in Wald kamen, nembt war, Fing der Jeger auf sein Bescheid Mit den Hunden an das Gejeid. Unfallo sprach zů dem Helden: »Herr, ich hör in disen Welden Meine Hund kriegen kriegen: kämpfen. mit dem Schwein. An welchem Ort mags aber sein? Wir wollen hie auf dise Hoch Reiten, ob wir mochten doch Besehen, wo dasselb Schwein wer.« Nun was die Runsen mit Gefer Dermaß mit Reis Reis: Reisig. vermacht schon, Daß der niemand möchte acht han, Wer nit weßt sonst die Glegenheit. Teurdank eilunds auf den Berg reit, Rannt weit von dem Dieb Unfallo Des Held Pferd traf die Runsen do Mit den vorderen Fûßen sein, Wollt gleich gefallen sein darein. Teurdank ersach dasselbig bald Und warf sein Pferd mit ganzem Gwalt Hinder sich an seine Seiten In ein Staud an einer Leiten. Gott dem Helden ein Gelück gab, Daß er nit fiel in die Runs hinab, Dann die Runs zweier Spieß tief was. Teurdank wider auf sein Roß saß Und rannt dem Schwein schnelliglich nach. Unfallo das alles wol sach; Gedenkt, wie leidig er darumb was, Da Teurdank der Held des Falls genas. Nichts destminder Teurdank der Held Das Schwein noch mit seiner Hand fellt. Unfallo kam gerennt hernach, Aus falschem Mund er zů im sprach: »Habt Ir das Schwein gefangen da?« Teurdank sprach zů Unfallo: »Ja, Aber ich hett mich also schir Verrennt am Berg, das sag ich dir, Dann gar nahend ich gefallen was In ein Runs.« Unfallo sprach: »Das Macht, daß Ir rennet so geschwind Allweg, wann Ir auf dem Jeid sind. Es wirdet nit allzeit gůt tan, Ir mûßt Euch je baß in Hůt han.« Teurdank sprach: »Es ist geraten wol; Hinfür ich mer acht haben soll Auf mich selbst in meinem Rennen.« Unfallo dacht: Zů erkennen Hab ich dir das nit gegeben, Darumb daß du dardurch dein Leben Sollest des basser des basser: desto besser. haben in acht. In der Red ging daher die Nacht, Darumb si ritten heim zůhaus. Heut ist aber einmal aus Ein groß und merklich Geferlicheit, So Unfallo hett zubereit Teurdank, dem Held und künen Mann. Nu fahet sich ein andre an. (46) Wie Unfallo Teurdank Winterszeit in ein Geferlicheit auf eim gefrorn Wasser fûret, und im das Eis sein Scheff zerschneit in eim großen Sturmwind. Es was recht in der Winterzeit, Daß es hett einen Schne geschneit, Fieng Unfallo zů reden an, Sprach: »Herr, ich mich eins bedacht han, Daß Euch die Herberg ist zů schlecht, Mügt darin nit beleiben recht. Darumb hab ich ein Ort gelegen Gefunden, darin Eur wird pflegen Nach allen Ern und gůtem Rat. Ich will vor dahin faren drat Und all Sachen wol bestellen, So mügt Ir mit Euren Gesellen Hernach faren zů mir behend, Wann ich Euch einen Boten send.« Teurdank dem gefiel diser Rat; Unfallo in sein Schifflein trat Und darin über das Wasser fur. Dieselb Nacht es ganz überfrur. Nicht lang darnach fiel ein Wirm Wirm: Wärme. an, Darumb das Eis begund zergan. Als das merkt Unfallo der Wicht, Gar bald er einen Brief erdicht Und schicket den dem werden Mann, Daß er zů im kem von stundan. Teurdank der Held on all Sorgen Ging in das Scheff an einem Morgen, Zů faren zů dem Unfallo. Als si auf das Wasser kamen, do Entstund ein Wetter ganz grausam. Dasselbig dem Held das Scheff nam Und warf das mit ganzem Gewalt In das Eis dermaß, daß es ein Spalt Gewann und zerschnitt das Scheff gar. Das Wasser lief darein; fürwar Groß Not si all da erlitten, Ee si den Segel zerschnitten. Mit dem und auch iren Joppen Mûßten si die Löcher verschoppen verschoppen: verstopfen. ; Also lief das Wasser darein, Sonst mûßten si ertrunken sein. Dasselb in dannocht half sovil, So lang bis si des Gestads Zil Erreichten und stunden an Land. Das Scheff in irem Gesicht zůhand Underging und genzlich versank. Im gedacht der edl Teurdank: Ich will mich hûten vor dem Meer. Indem Unfallo kam daher, Frolich gegen dem Teurdank ging, Auf das fründlichist in empfing. Felschlichen tet der Dieb also, Als wer er des Helds Zůkunft Zukunft: Ankunft. fro. Teurdank zů dem Unfallo sprach: »Ich hab warlichen all mein Tag Solch Not überstanden nit mer, Als jetzo an dem Faren her. Ich will mich hinfür hûten wol, Daß ich nicht leicht mer kommen soll In ein Schifflein auf das Wasser.« Unfallo verwundert sich seer, Sprach: »Herr, ist Euch etwas beschehen, Des mag ich mich je wol jehen Unschuldig und alls Wandels Wandels frei: tadelsfrei. frei.« Teurdank der antwort: »Wie im sei, So geet es noch alles wol hin, Allein so ich wider hie bin.« Mit dem waren die Sach gericht; Unfallo weiter erdicht Ein Schalkheit, dieselb er wollt an Legen Teurdank, den teuren Mann. (47) Wie Unfallo den Teurdank auf ein Platten fûrt, darauf das Pferd under im fiel, und er sich durch sein Besunnenheit vor Schaden bewart. Unfallo hett gehört für neu Mer, Wie der Teurdank des Willens wer, Zů reiten in ein andre Stadt. Dahin ging gar ein schmaler Pfad Uber einen Berg, der hoch was. Als er für gewiß merket das, Sprach er zum Helden unverzeit: »Herr, ich hab gehört, Ir seid bereit, In dise Stadt zů reiten schir. Nun sollt Ir warlich gelauben mir, Daß dahin ist ein böser Weg, Stickel und gar wenig anleg anleg: sanft ansteigend. , Darzů auch ganz schmal und ein Platt; Welcher nit ein gůtes Pferd hat, Der mûsse sich besorgen hart, Dann darüber so ist kein Fart, Weder mit Wägen noch Schlitten. Ir seid den Weg vor nie geritten, Darumb wißt Ir nit zu sagen darvon. Wo ich weßt, Euch zů tun daran Ein Dienst, so wollt ich Euch mein Pferd, Das aus der Maßen dieselb Gefert Gefert: Wege. Wol und gewiß zů geen weist und kann, Leihen, so durft Ir kein Sorg han.« Der Held sprach: »Ich nimb das ver gůt, Was Ir mir in dem zůgůt tůt.« Das Pferd hett aber dise Art, Daß es leichtlichen erschrak hart, Darauf dann stund ein groß Gefer. Unfallo ließ kommen zů im her Ein Bauren, aller Bosheit voll, Sprach: »Was will du, daß ich dir soll Geben, zů tůn, was ich dich heiß?« Der Baur sprach: »Herr, warin ich weiß Euch zů dienen, bin ich willig.« Unfallo der sprach: »So füeg dich Von Stund und on allen Verzug Auf die hohen Platten und lug lug: schau aus. , Wann der Held Teurdank kumbt darauf; Gegen im aus der Stauden lauf Und erschreck im dises sein Pferd. Und wann es nun leit auf der Erd, So laufe im den nechsten zů Und nicht anders dergleichen tů, Als wollst du ime helfen auf, Und stoß darneben auf ein Hauf Mann und Pferd alles überab. Schau, daß der Held nindert kein Hab Mög gefinden, so will ich dir Lonen nach deines Herzen Gir, Auch Gelds und Gůts genůg geben.« Der Baur sprach: »Herr, ich hab eben Gemerkt, was Ir mir habt gesagt. Alsbald es morgen frů neur tagt, So will ich mich dahin machen Und recht tůn allen den Sachen.« Als nun der Teurdank bereit was, Bald er auf Unfallo Roß saß, Reit mit seinen Reutern darvon. Unfallo gedacht im: Ich han Dir ein rechtes Spil zůgericht, Ich hoff, du sollest wider kommen nicht. Als Teurdank auf die Platten kam, Der Baur im einen Zulauf nam Gegen dem edlen Helden dar Dermaß, darab das Pferd scheuch war, Erschrak, glitscht, fiel nider auf die Erd. Der Baur lief zů dem Helden wert, Als wollt er dem teurlichen Mann Widerumb auf helfen darvan. Alsbald der Held dasselb ersah, Gab er dem Bauren einen Schlag Mit seiner Faust in sein Angesicht, Daß er wollte fürbasser nicht Einen Tritt zů dem Helden gan. Als besunnen was der teur Mann, Gedacht: Wird mich der anregen anregen: anstoßen. Und mein Pferd weiter bewegen, So fellt es mit mir überab, Dann ich kein Aufenthalt nit hab; Der Weg ist schmal und darzů eng Und an der Seiten ganz abheng abheng: abschüssig ; Ich will in nit zů mir lassen. Darumb schlůg er mit solcher Maßen Den Bauren; das was sein Gelück, Dann er sonst mer dann hundert Stuck Aus seinem Leib gefallen hett. Indem das Pferd wider aufsteet, Gedacht er: Unfallo hat mich Versorgt mit eim Pferd sicherlich, Ich můß im das widergelten. Doch auf das Pferd will ich selten, Ob Gott der Herr will, mer kommen. Als Unfallo hett vernommen, Wie die Sach waren ergangen, Hett er sich gar schier erhangen; Sprach aus einem rechten Zoren: »Ich hab Sorg, es sein verloren All mein Anschleg an disem Mann; Ich kann nit denken, was er kann, Dardurch er dem allen entgeet. Umb vil Gelds ich gewettet hett, Er wer heut nit kommen darvon, Sonder hett mûssen zůgrund gan. Noch will ich versůchen ein Stuck, Villeicht kumbt einmal Gelück Zů mir auch auf meiner Seiten, Ehe ich in laß von hin reiten.« (48) Wie Unfallo den edlen Teurdank in ein groß Geferlicheit mit einem Beren fûrt. Darnach über ein kleine Zeit Unfallo zů dem Teurdank seit: »Herr, nicht weit von hin ist ein Hol Hol: Höhle. , Darin leit ein Ber, das weiß ich wol, Der tůt den Leuten groß Schaden. Wo Ir Euch nun wollt beladen Der Arbeit, denselben zů stechen, So mûßt je die Künigin sprechen, Daß Ir weret ein teurer Held.« Teurdank der Held sprach: »Mir gefellt Wol Eur Anschlag und gůter Rat; Fûrt mich, da er sein Wonung hat, So will ich mich sein understan.« Nun was es dergestalt getan Um dieselb Hol und den Beren, Daß nit ein jeder sich geren Understund, dasselbige Tier Zů stechen; dann dieselb Revier, Darin er lag und hett sein Rů, Was gar schmal, stickel und darzu Fast hoch in eines Berges Wand; Keiner möcht einen festen Stand Haben an demselbigen Ort; Sonderlich wann der Ber ein hort, Der gegen im wollte gan, So lief er den mit Zoren an; Welcher dann nit wol geschickt was, Den fellet er überab. Das Hoffet Unfallo von Herzen, Der Held sollt kommen in Schmerzen. Als nun kam der Held an das Ort Und beschaut des Beren Hol dort, Kamen etliche Bauren dar, Sprachen: »Lieber Herr, nemet war, Es ist warlich ein grausam Tier. Ja, weren unser mer dann vier, Wir dorftens nit wol understan; Darumb secht, warmit Ir umb wollt gan.« Wiewol der Held Teurdank merkt, daß Der Gang zum Beren nit gůt was, Noch wollt er unerschrocken sein, Ging auf dem Steig zum Beren hinein. Alsbald der Ber sein wurd gewar, Lief er gen im mit Zoren dar. Teurdank dacht: Der Ber tracht mir zů, Ich weiß nicht wol, wie ich im tů, Dieweil ich doch ganz nicht mag han Ein Platz, darauf ich mocht fest stan. Indem der Ber so nahend kam, Daß im nit mer ward, dann daß er nam Seinen Spieß zů dem halben Schaft, Schoß den aus rechter Meisterschaft, Traf denselben Beren behend, Dardurch er ab uber die Wend Fiel sich zůtod in ein tiefs Tal. Teurdank der gedacht: Disen Fall Sollt ich warlich haben getan, Wo ich den Beren hett gelan Zů mir kommen auf dem Steig schmal. Teurdank ging wider herab zů Tal, Da gegnet im der Unfallo, Sprach: »Herr, ich bin von Herzen fro, Daß Ir habet von disem Tier Erlöst die Leut in der Revier. Mein Frau die Künigin billich soll Euch lieben, dann Ir habt das wol An iren Landen und Leuten Verdient; das will ich ir bedeuten.« Teurdank sprach: »In großer Gefar Bin ich gestanden, das glaub fürwar«; Erzelt im darbei all die Sach, Wie es im auf denselben Tag Mit dem Beren ergangen wer. »Dergleichen Lob, Preis und Eer,« Unfallo sprach, »und sovil Tat Hab ich nie gehört, daß getan hat Ein einich Mann auf diser Erd, Darumb Ir billich werd geert Vor allen Helden weit und breit.« Unfallo das allein darumb seit, Daß er den Held möcht machen blind. Mit gesehenden Augen geschwind Was Unfallo zů aller Stund, Dann dermaß er sich stellen kunnt, Als ob er lobt den Helden seer; Darneben er je lenger, je mer Sich aller Verretrei besann, Wie er möcht den teurlichen Mann Bringen in Angst und große Not, Von dem Leben bis zů dem Tod. (49) Wie Unfallo den Teurdank auf eim Gembsenjeid in einem Regen füeret, darvon die Stein bewegt wurden, der einer im bed Sporradern brennt, doch er sich des Falls enthielt. Eines Mals Unfallo ersah, Daß auf den andern Tag Wurd seer regnen und werden naß; Darumb er zů dem Teurdank saß Und sprach: »Lieber Herr mein, wollt Ir Gembsen jagen, das saget mir, So will ich Euch lassen füeren Hin, dar Ir der vil werd spüren.« Teurdank sprach: »Ich schlag das nit ab, So fer daß ich ein Jeger hab, Der mich rechte Weg fůren kann.« Unfallo antwort: »Herr, ich han Den besten Jeger jetz auf Erd, Der soll Euch wol füeren, Held wert.« Nun weßt Unfallo gar wol, daß, Wann das Birg wurd von Regen naß, So lesten sich die Stein darvon Und begunden herab zů gan; Wen si dann růrten, der was tot. Darumb in dieselben Not Den Teurdank wellt er füeren lassen. Teurdank ging dahin sein Straßen Mit dem Jeger in die Wand, Sůchet mit Eil der Gembsen Stand. Darin er nit lang gegangen Was, daß es hett angefangen Zů regnen mit ganzem Gewalt. Von der Neß sich die Stein lösten bald Und liefen gegen im daher. Ein großer Stein rüert ungefer Dem Held bed Sparadern Sparadern: Sporen. sein, Dardurch er billich in Pein Sollt sein kommen, wo nit der Schaft Im Berg als gar fest hett gehaft. Teurdank der Held stund unverzagt, Gedacht: Ich hett schier gejagt Ein Wilpret umb das Leben mein, Von Recht sollt ich erfallen sein, Aber Gott hat mich behüet wol, Darumb ich nit beleiben soll Lenger hie in der besen Fart. Der Jeger sprach: »So gee wir drat Hinab widerumb heim zůhaus.« Unfallo der Dieb ging heraus Dem edlen Helden entgegen, Sprach: »Sagt mir, Herr, von wes wegen Seid Ir so bald widerkommen?« Teurdank sprach: »Hast nit vernommen Das Ungwitter und den Regen? Der hat die Stein tůn bewegen, Daß si herab gefallen sein; Einer ist mir zwischen bed Bein Gefallen und hat mich gerurt Dermaß, daß ichs wol hab gespurt. Darumb so sei wir abgangen. Hast du darnach einich Verlangen, So gee daselbst hin und jag lenger.« Unfallo sprach: »Ach, lieber Herr, Ir wollt mich nicht recht verstan, Dann ichs also nit gemeint han.« Teurdank der ging in sein Zimmer; Unfallo dacht: Ich kumm nimmer Zů dir, bis dir der Zorn vergeet. Nichts desterweniger er hett Embsich Gedanken spat und fru, Wie er dem Held richt Unglück zu, Dann er darzů was geboren, Die Leut zů fûren in Zoren. (50) Wie Unfallo den edlen Teurdank in ein andre Geferlicheit mit einer Schlangenbüchsen fûrt. Unfallo gedacht auf ein Fart: Ich hoff, der Held werd mir gar hart Entgan, sonder noch Not leiden Von meiner Hand, ee wir uns scheiden. Eins Mals er sprach: »Mein lieber Herr, Wollt Ir mein Geschütz und anders mer Schauen oder abschießen gern? Das Zeughaus ist von hin nit fern, So wöllen wir in dasselb gan, Etwas Neus wird ich Euch sehen lon.« Solch sein Red gefielen dem Held. Heimlich hett Unfallo gestellt Herfür etlich böse Schlangen. Teurdank kam dahin gegangen; Alsbald die sah der teurlich Mann, Zund er daraus eine selbs an. Nun hett Unfallo zůvoran Die Schlangen überladen lan. Alsbald man die ersten schoß ab, Wie ich oben gemeldet hab, Brach die ganz zů klein Stucken gar. Derselben Stuck eins, nemet war, Neben des Helden Schinbein schlueg In einen Ansatz mit Unfueg; Doch dem Helden kein Leid beschach. Aus Zoren er zů Unfallo sprach: »Warumb hast du mir das nit gesagt, So hett ich mich nicht her gewagt! Doch ist mir das vorhin wol mer Von dir gegnet, das verdreußt mich seer.« Darauf Unfallo zum Helden sprach: »Ich bin unschuldig an der Sach; Ist Euch solchs vor mer beschehen, Sollt Ir billich baß aufgesehen Haben und an dasselb gedacht. Ich hab Eur nit genommen acht Noch Euch geheißen darbei zů steen, Sonder gemeint, Ir wurdt weg geen. Ir wißt wol, was das Schießen tůt; Weit hindan ist für die Schüß gůt.« Teurdank můßt die Red nemen an, Gedacht: Er hat mir recht getan. Warumb vertrau ich im als vil? Unfallo dacht auf ein neus Spil, Dieweil das nit geraten was, Wie Ir dann werd hören fürbaß. (51) Wie Unfallo Teurdank ein Roß schenkt, darauf er sich zů Tod sollt gefallen han. Unfallo sich nicht benüegen Ließ, sonder wollt mer zůfüegen Dem Helden Nachteil und Schaden, Dann er was genzlichen beladen Mit Untreu und Arglistigkeit. Auf ein Zeit er dem Helden seit: »Herr, heut ist der best Jeger mein Zů mir eilunds kommen herein Und hat mir geben zů verstan, Wie er im Wald sei kommen an Ein Schwein groß und ungeheur; Darzů dorft er Eur Hilf und Steur, Dann er sei nicht ein solcher Mann, Der es darf allein greifen an; Ich will auch mit Euch reiten dar.« Teurdank sprach: »Ich sag Euch fürwar, Ich schlag Euch solche Reis nicht ab.« Unfallo sprach: »Ein Pferd ich hab, Das ist seiner Bein so gewiß, Ich dorft wetten, wann es sich stieß, So wollt ich Euch verfallen sein Mein Gůt. Under den Pferden mein Hab ich das am liebsten fürwar. Dasselb will ich Euch ganz und gar Schenken und zů eigen geben, Es ist darauf bewart Eur Leben.« Teurdank der dankt im hoch und seer, Sprach: »Lasset das Pferd bringen her, So well wir reiten an das Jeid.« Unfallo hofft, den Helden in Leid Zů bringen auf derselben Fart, Dann das genannt Pferd hett diese Art: Wann mans ritt auf einem Steig schmal, So scheucht es leicht und sprang zů Tal, Wie hoch und tief doch hinab was. Unfallo daran wißte das. Als es nun was umb Mitte Nacht, Teurdank man dasselbig Pferd bracht; Unfallo auf ein Esel saß, Der seiner Bein gar gewiß was; Ritten mit einander aufs Jeid, Wanns wol ging, was Unfallo leid. Unfallo fûrt den Held zůtal Auf einem Steig, der was gar schmal, An eim Fels eins Gadens hoch; Unfallo vor dem Helden zog. Indem wollt es gar bald tagen, Ein Hund der fing an zů jagen. Unfallo sprach: »Es will nit werden gůt, Dann der Hund wird das Schwein gůt Verjagen; darumb reit wir dest baß, Damit wir kummen noch zůmaß.« Unfallo vor dem Held rannt; Teurdanks Roß tet, wies was gewant, Scheucht und sprang mit im überab. Noch belib der Held in seiner Hab Und nam darab ganz keinen Schwank. Das Roß von dem Sprung nider sank, Doch stund es bald wider auf fest. Dem Teurdank was darin das best, Daß er sich frei in Sprung begab, Sonst hett er sein Hals gfallen ab. Unfallo schrei dem Helden seer, Wo er doch neur hinkommen wer; Gedacht im: Ach, wer er zůtod Gefallen, aus aller meiner Not Wer ich erlöst mit disem Mann. Teurdank sprach: »Einen Sprung ich han Getan hinab mit meinem Pferd, Daß wir hie ligen auf der Erd. Dasselbig dem Pferd scheuch ist, Dann als ich eilet aufs beldist Und wollt dir gar schnell reiten nach, Den schmalen Steig ich mit nicht sach, Nam mirs Pferd zů derselben Stund Den Zaumb, daß ichs nicht halten kunnt, Sprang mit mir daselbst überab.« Unfallo der sprach: »Herr, ich hab Euch vor zů erkennen geben, Ir sollt auf schauen eben, Dann die Weg sein schmal und nit breit.« Unfallo was im Herzen leid, Daß Teurdank nichts was geschehen. Der Held zů im tete jehen: »Ich dank billich dem werden Gott, Daß er mir auch aus diser Not Hat geholfen on alle Far, Dann ich ein Weil in Ängsten war Mit deinem Pferd, das du so seer Lobest; darauf kumm ich nicht mer; Versorg ein andern auch darmit.« Teurdank auf eim andern Pferd ritt Demselben großen Schwein nach, So lang bis er das zůletzt stach. Des was er fro von seim Herzen, Vergaß dardurch all seins Schmerzen, So er im Fall erlitten hett. Unfallo im gedenken tet, Wie er dem Held ein anders Spil Zůricht, als ich Euch sagen will. (52) Wie Teurdank aus Unfallo Anschickung das Wetter erschlagen haben sollt. Unfallo im vil List erdacht, Bis er den Held in das Feld bracht, Dann er sah an dem Himmel wol, Daß ein groß Wetter kommen soll. Sprach zů dem Helden unverzeit: »Herr, wollt Ir ziehen auf die Heid Und sehen die Hasen laufen, So will ich dieweil ein kaufen, Was ich dann jetz notdurftig bin, Dann ich sich wol, daß Euch hierin Gar lang ist worden Eur Weil.« Teurdank der reit hinaus ein Meil Auf ein fast schöne grûne Heid, Die was lustig, lang unde breit. Als er darauf hin und wider reit Und besorgt sich keiner Geferlicheit, Ging über in ein Wetter her Mit solchen Hagel und Donner Dermaß, als wollt Himmel und Erd Zerbrechen. Teurdank, der Held wert, Weßt nit, wo er hin sollt fliehen. Indem do tet umbziehen Ein schwarz Gewülk den Himmel ganz. Bald kam daraus ein feurer Glanz Mit einem starken Donnerschlag Und schlůg neben im, daß ers sah Nider etlich Klafter in die Erd. Und wer Teurdank, der Held so wert, Ein wenig gezogen fürbaß, So hett in erschlagen das. Als nu das Wetter hett ein End, Teurdank der füeget sich behend Wider heim zů dem Unfallo. Der sprach: »Herr, ich bin warlich fro, Daß ich Euch sich wider gesund, Wann nit vil kurzer dann vor einer Stund Ein solchs Wetter ist gewesen, Daß ich mir förcht hin zů gnesen, Ich geschweig Eur in dem Feld.« Teurdank sprach: »Es hett nit vil gefelt, Daß michs Wetter hett erschlagen.« Unfallo wollt nit mer fragen Aus rechtem Zorn und Grimmigkeit, Da er sah, daß dem Held kein Leid Was geschehen von dem Wetter. Er gedacht: Samer Sant Peter Samer Sant Peter: so wahr mir Sankt Peter helfe. Wiewol er dem ist entgangen, So hoff ich doch, er werd gefangen Zůletzt durch die Liste mein Und kommen noch in große Pein. (53) Wie der edel Teurdank durch Unfallo an ein Gembsenjeid gesandt ward, daselbs in die Stein sollten tot geschlagen haben. Aber es felt der Anschlag, dann si trafen seinen Jegerknecht. Unfallo sich des kümmert seer, Daß kein List nit wollt helfen mer, Die er bisher hett fürgenommen, Dardurch der Held sollt sein kommen In Angst und geferliche Pein. In solchem do kam im in sein Gedanken ein gar böser Sinn, Darumb er ging zum Helden hin, Sprach: »Herr, ich merk wol, daß Ir seid Mit Eurm Gemůt von hinnen weit Und sitzt, als sei Euch lang die Weil. Sitzt auf und reit hinaus ein Meil Ins Feld; oder wollt Ir jagen, Das sollt Ir mir auch bald sagen: So wille ich Euch also schier Lassen füeren in die Revier Und daselbst ein Jeid bestellen, Darzu Euch zů einem Gesellen Geben ein gůten Jeger zů, Der durch des Gejeides Unrů Hat gar manchen Schweiß vergossen; Nach dem Wilpret unverdrossen Ist der zů einer jeden Zeit.« Teurdank sprach: »Gar geren ich reit, Den wilden Tiern nachzůstellen, Gilt mir auch geleich, zů fellen Ein Schwein, Gembsen oder Beren; Ich fach eins geleich als geren Als das ander mit freiem Můt.« Unfallo sprach: »Herr, halt in Hůt, Damit Euch nicht widerfar Leid.« Darneben gab er den Bescheid Dem vorgemeltem Jeger sein, Daß er den Held ins Birg hinein Sollt füeren in ein bösen Stand, Der dem Jeger was wol bekannt. Der Jeger sprach: »Mein lieber Herr, Ich will das tun und noch wol mer, Was Ir heißt und befelhet mir.« Unfallo sprach: »So nimb mit dir An dasselb Gebürg disen Held.« Darneben hett er ander bestellt, Die sollten ob dem teuren Mann Mit allen sein Jaghunden stan, Und wann si den Held durch die Wend Sehen geen, sollten si behend Gleich ob im an alls Verlassen an alls Verlassen: ohne jede Nachlässigkeit. Die Jaghund all laufen lassen. Das gab er in darumb zů verstan, Als sollt Teurdank darab ein Freud han. Unfallo was der Freuden voll, Daß die Sach was bestellet wol, Dann er hofft, es sollt dem Teurdank Die Weil noch werden im Birg lang. Als si nun in das Gebirg kamen Und ir die Jeger warnamen, Ließen si mit ganzem Haufen Die Jaghund ob in laufen. Die liefen schnell und mit Schallen; Darvon begunden zů fallen Hinab etlich Stein auf die zwen. Der Jegerknecht wollt für sich geen, Do traf in ein Stein an sein Haubt Dermaßen, daß er wurd beraubt Von demselben etwas seiner Sinn Und wollt sein gefallen dahin Aus über die hohe Wand. Den begreif der Held mit der Hand, Behielt in bei seinem Leben. Teurdank der Held tet sich heben Aus diser großen Geferlicheit, Damit im nicht auch bescheh Leid. Wollt dannocht noch nicht haben Rů, Sonder ging fort den Gembsen zů, Fieng der etlich mit seinem Schaft; Das machet sein recht Meisterschaft. Darnach ging er wider zůtal Durch einen Gang, der was gar schmal, Bis er hinab in die Eben kam. Als Unfallo dasselb vernam, Rannt er im eilunds entgegen, Gedacht bei im selbs: Was Segen Kann doch Teurdank, diser Held teur, Daß im kein Leid noch Ungeheur Durch mein Anschleg geet zůhanden! Unfallo sprach: »Ich hab verstanden, Herr, es sei Euch nit wol gangen, Darumb sagt mirs, ich hab Verlangen, Dasselbig von Euch zů versteen.« Der Held sprach: »Als wir wollten geen, Ich und der gůt Jegersgesell, Da beschach aus rechtem Ungefell, Daß filen herab zů uns Stein, Etliche groß, die andern klein. Derselben einer den Jeger schlůg, Daß er des hett gehabt genůg. Wo ich nit besinnt gewesen wer, Es felt umb ein Schritt und nit mer, Der Stein mich selbs getroffen hett.« Unfallo dergeleichen tet, Als ob er sich des wundert seer; Heimlichen was seins Herzen Beger, Daß der Held tot wer beliben. Hernach stet weiter geschriben Ein andre Sach fast geferlich, Darein Unfallo understund sich, Den Held zů bringen mit seim List, Dann er vil großer Schalkheit wißt, Darumb, ee er eine verbracht, Hett er schon ein andre erdacht. (54) Wie der edel Teurdank durch den Unfallo in ein Stechen beret beret: beredet, gebracht. ward und wie er sich durch sein Sterk und Besindlicheit vor Schaden verhüet. Unfallo des Helds Glück verdroß, Fûrt in hin in ein ander Schloß, Darin hett Unfallo gelan Sein Weib. Er fragt den teuren Mann, Ob er vor nie hett gestochen. »Ja«, sprach der Held, »ich hab zůbrochen Etliche Holz zů manchem Mal.« Unfallo sprach: »Habt Euch die Wal Under allen mein Pferden gar. Herr, Ir sollt mir gelauben fürwar, Ir werdt ein gůts darunder finden; Dasselb hat fast einen linden Lauf nach Wunsch und Eurem Beger.« Teurdank sprach: »So laßt bringen her Eins, das gůt sei. Ir kennts doch wol?« Unfallo sprach: »Mein Herr, ich soll Eins lassen bringen auf der Fart.« Nun hett dasselb Pferd dise Art, Wann der Stoß auf im angieng, Geleich es zů laufen anfieng Dermaß, daß niemand halten mocht. Der Held im keines Argen gedocht, Nam das Pferd und saget im zů, Er wollt stechen auf morgen frů. Des freit sich Unfallo von Herzen, Hofft, den Held zů bringen in Schmerzen; Füeget sich behend in die Art, Darin ein starker Ritter ward, Zů dem er mit Freuden sprach: »Teurdank will auf den morgen Tag Mit dir in dem Garten stechen Und vor den Frauen zerbrechen Ein Holz oder zwei ungefer.« Der Stecher sprach: »Ich wollt, daß wer Zeit, zů stechen jetz in der Stund.« Unfallo der Böswicht begund All Sachen wol zůrichten lan. Als nun der Morgen ward an gan, Teurdank legt sich in sein Zeug an Und reit hinfür hin auf die Ban; Desgleich der ander Stecher tet. Unfallo gar groß Hoffnung hett, Sein Anschlag sollt im felen nit. Mit Marter er der Zeit erbit, Bis man inen wollt eingeben; Darauf merkt der Wicht gar eben. Als nun die recht Zeit kommen was, Unfallo sprach: »Herr, merket das, Hie oben habt Ir ein Vorteil Und er ein großen Nachteil, Dann Ir die Höch innhaben werdt.« Unfallo redt das mit Geferd Darumb, dann gegen im war Der tief Wassergraben fürwar. Als nun das Treffen hert angieng, Des Helds Pferd zů laufen anfieng Und lief mit dem Helde dermaß, Daß er nit möcht erhalten das, Gleich gegen dem Wassergraben zů, Dann im die Augen waren zu Gebunden, darumb das nicht gesach. Das Pferd kam dem Graben so nah Bis auf die sechs Schritt ungefer. Als solchs ersach der Held, gar seer Er erschrak ab derselben Not, Dann er erkannt vor im den Tod. In solchem Erschrecken er bald Dem Pferd zuckt mit ganzem Gewalt Und aller Kraft. Das biß in sein Maul Dermaßen, daß derselbig Gaul Nicht mochte einen Tritt fürbaß Geen, als ser er erschrocken was. Dardurch behielt sich der jung Mann, Sonst hett er sein Leben müessen lan. Unfallo hett Leid und groß Klag, Daß im diser böser Anschlag Ditzts Mals auch nicht geraten wer. Er fragt den Helden mit Gefer, Wie sein Pferd also hett getan. Teurdank sagt zů dem falschen Mann: »Es ist zů dem Gestech ganz nichts wert, Du sollst keim leihen ein solch Pferd, Dann es läßte sich nichts halten. Du magst das für dich behalten; Es wollt mit mir geloffen sein In den tiefen Graben hinein.« Unfallo im die Antwort gab: »Herr, an im ichs nicht gewißt hab, Sonst hett ich Euchs bei meinem Eid Nit gelihen; aber es ist mir leid, Ob es mit Euch nit hat getan Recht. Herr, wöllt das nit ver übel han Und halten gar für kein Gefer, Dann Ir wißt, ich bin kein Stecher.« Teurdank můßt das geschehen lan. Unfallo gedacht, was er an Wollt weiter fahen mit dem Held, Dardurch er einmal wurd gefellt; Fand gar bald einen andern List, Wie der hernach geschriben ist. (55) Wie der edel Teurdank durch Anweisung des falschen Unfallo auf einem Gembsenjeid abermalen ein Geferlicheit überstund, dann im ein Stein nach überab geschlagen hett. Es gab sich auf ein ander Zeit, Daß Unfallo dem Helden seit Von Weidmannschaft und Jegerei, Wie er darin wer vor ander frei. Under anderm er den Held fragt, Ob er nit noch einmal gern jagt Gembsen in den Gebirgen hoch. Teurdank der Held sprach: »Ich jag noch Als geren als all mein Lebtag, Wo ich si neur ankommen mag.« Unfallo sprach: »So well wir gan Dahin! Dort ich austreten han Der Gembsen ein merkliche Zal Nit weit von disem schönen Tal.« Heimlich hett Unfallo bestellt Ein Bauren, der do herab fellt Etlich Stein auf den edlen Held, Wenn er durch dieselb Wend geen wöllt. Unfallo ließ steigen den Mann In das Birg; aber er wollt nit gan Dem Helden nach in keinen Weg; Denn er wißt wol seine Anschleg, Den er mit dem Bauren hett gemacht. Teurdank im keines Argen dacht, Ging on all Sorg den Gembsen nach; Der ein Der ein: eine von denen. zů fellen was im gach. Etlich Diener er bei im hett. Der Baur nach seinem Bescheid tet, Ließ herab laufen einen Stein; Der lief gleich gegen dem Held herein, Daß nicht mer ward dem Helden wert, Dann daß er nider auf die Erd Fiel. Der Stein für über sein Ruck; Es was im not, daß er sich duck, Sonst so hett sein Leben ein End Gehabt. Teurdank der ging behend Aus derselben Wand hin zu Tal, Gedacht: Ich bin aber einmal Erledigt aus des Tods Nöten. Unfallo den wollte töten, Daß die Geferlicheit als oft was So nahend dem Helden und daß Der keine nie geraten wollt. Er weßt nicht, was er mer tun sollt Vor rechtem Zoren, den er hett; Doch er nit dergeleichen tet, Sonder erzeigt sich mit Geberd, Als ob ime auf diser Erd Für den Held nieman lieber wer. Darneben tracht er mit Gefer, Den Held zu bringen in den Tod, Wiewols der allmechtig Gott Nie über in verhengen wollt; Dann er im was mit Gnaden hold. (56) Wie den Teurdank auf dem Gemsenjeid am Ablassen der Wind erhůb und überaus wollt geworfen haben, des er sich aber durch sein Schicklicheit Schicklicheit: Geschicklichkeit. enthielt. Nicht lang darnach auf einen Tag Unfallo die Morgenröt sah, Gedacht: Gewiß wird heut entstan Ein Wind. Mocht ich den teuren Mann Bringen an das Gembsengejeid, So hoffet ich, er kem in Leid. Bald er dar zů dem Teurdank gieng, Mit im er zu reden anfieng: »Ist es heut so heiter und schön, Es wer gůt, nach Gembsen zů gan. Darumb, habt Ir, Herr, ein Lust darin, So mügt Ir wol bald geen dahin, Dann all Sach ist bestellet wol.« Teurdank sprach: »Ich Euch folgen soll«, Gieng also dahin an das Jeid. Unfallo hett eim Knecht beim Eid Geboten, wann in deucht, daß wollt Kommen ein groß Wind, alsdann sollt Er in heißen durchlassen sich, So wurd er kummen zů eim Stich Und einen Gembsen auswerfen. Der Jeger sprach: »Laßt mich neur gan, Ich hoff nach Eurm Willen zů tan.« Unfallo versprach im ein Lon. Der Jeger kam zů dem Teurdank, Fand in in einem scharpfen Gang. Als den Jeger daucht sein Zeit, Daß der Wind am seristen weit, am seristen weit: am stärksten wehte. Schri er den edlen Helden an: »Herr, mügt Ir Euch am Schaft durch lan, Hie unden bei mir in der Wand Hat ein stolzer Gembs seinen Stand.« Der Held sprach: »Ich will das wol ton,« Und wollt sich an seim Schaft durchlon. Da weet dermaßen ein Wind, Daß er den Held erhůb geschwind In alle Hoch an seinem Schaft. Teurdank sich bald aus seiner Kraft Schwang mit den Füeßen in den Tag, Durch dasselb er gewann die Wag Wag: Gleichgewicht. Und begreif den Felsen wider Mit den Eisen; sonst wer er nider Gefallen gewißlich zůtod. Sein Schaft half im aus aller Not, Dann der was stark und darzů gůt. Da er das merkt, gieng er mit Hůt Weislich wider auf die Eben. Gedacht im: Mir ist mein Leben Gestanden nie in großer Fer Als jetzund, dann ich leichtlich wer Zůtod gefallen ganz und gar. Unfallo sprach: »Herr, ist es war? Wie mügt Ir doch haben getan?« Teurdank zeigt im all Sachen an. Unfallo sich gleich stellen tet, Als ob er darumb groß Leid hett, Doch was im Grund sein Meinung nit, Sonder täglich sein Ger und Bitt, Daß der Held sollte umb kommen, Damit nit wurde genommen Von im und seinen Gesellen Das Regiment. Darumb si wellen Durch die und ander Listigkeit Bringen den Held in Angst und Leid. (57) Teurdank der begab sich in ein merklich Geferlicheit mit einer Hakenbüchsen aus Reizung Unfallo. Unfallo hett im gedacht noch, Füeret den Held in ein Schloß hoch, Darin lag ein Hakenbüchs fürwar; Der Held kam mit im gegangen dar. Nun hett Unfallo die voran Mit Pulver überladen lan, Darumb er gedacht in seinem Můt: Wann der Held die abschießen tůt, So werden die Stuck schlahen seer. Unfallo fûrt den Held hin und her Und zeiget im dann ditz, dann das; Zůletzt si kamen, da die Büchs was. Unfallo zů dem Teurdank sprach, Als er die Büchsen vor im sach: »Herr, Ir habt doch erfaren vil, Künnt Ir auch schießen zů dem Zil?« Der Held sagt zů Unfallo: »Ja, Und wer gleich ein Haubtstuck da, Ich vermeint zů schießen damit, Forcht mich davor umb ein Har nit.« Unfallo bald schickt nach eim Feur, Teurdank wißt nit sein Abenteur, Sonder raumbt mit dem Pulver ein, Meint, si sollt nit zůvil gladen sein. Als nun bracht der Knecht das Feur, Teurdank, der mandliche Held teur, Den Zündstrick selbs in sein Hand nam. Bald seiner Diener einer kam Und dem Helden keins Wegs vergunnt, Daß er die Büchs hett angezündt, Sonder wollt die selbst abschießen. Das tet Unfallo verdrießen, Dann er hofft, es sollt der Held sein Kommen in Schaden und groß Pein. Als Unfallo sach zünden an, Floh er die Büchsen weit hindan. Dieselb so bald nicht anzündt was, Daß si zerbrach, gelaubt mir das, In gar vil und maniche Stuck. Die Trümmer all schlůgen zůruck Tief neben dem Held in ein Wand. Dem Anzünder verbrannts sein Hand Und schlůg im durch ein Ermel geschwind. Unfallo sprach: »Ach, Herr, empfindt Ir Euch von der Sach on Schaden? Ich glaub, si sei zů hart gladen Mit Pulver und Stein gewesen. Ich dank Gott, daß Ir seid genesen Und on Schaden kommen darvon; Ich will nicht mer so nahend stan Bei einer Büchs, die man abscheußt. Herr, mich das auf mein Knecht verdreußt, Und weßt ich, wers hett geladen, Von mir mûßt er gewarten Schaden.« Er stellt sich gleich, als ob er wer Zornig, sprach zů den Knechten: »Welcher Hat die Büchs geladen so hart? Den will ich strafen auf der Fart.« Erzeigt sich, als wer im das leid; Die Knecht weßten irs Herrn Bescheid, Den er in deshalb hett getan. Der Held sprach: »Es ligt nichts daran, Dann die Sach wol geraten ist.« Er weßt aber nit seinen List, Den Unfallo jetz hett gebraucht. Unfallo gar seltzam gedaucht, Daß im kein Sach wollt für sich gan Gegen Teurdank, dem edlen Mann. Unfallo sprach aus rechtem Zorn: »Wiewol mein Arbeit ist verlorn Bisher gewesen an dem Held geheur, Noch so will ich mein Abenteur Versůchen gegen dem Held wert, Ob ich in einmal mit Geferd Mocht heimlichen überlisten. Villeicht wird er sich nit fristen Mögen vor den Anschlegen mein, Daß im nit werd die schön Künigein.« (58) Teurdank der sollt in einem Kriegscheff durch die List Unfallo von dem Pulver verdorben sein. Unfallo bei im selbs ratschlagt Ein Sach, davon er niemands sagt. Hett darauf Tag noch Nacht kein Ru, Bis er ein Kriegscheff richtet zů; Darein legt er mit Pulver Faß Heimlichen. Niemand weßt, wie das Durch in ins Scheff wer verborgen; Und als der teur Held auf Morgen Sollt faren, wann es wurde Tag, Legt er voll Pulver einen Sack Hin auf die anderen Feßlein In das zůgericht Kriegschifflein Und befalh eim geheimen Knecht: »Hör eben auf und merk mich recht! Wann das Scheff ist nun weg vom Land Gefaren, so nimm in die Hand Dein gewondlich Pirschbüchsen gůt, Als wöllest du aus freiem Můt Schießen zů einem wilden Tier, Und stee nahend umb die Revier, Da der Sack mit dem Pulver ist; Wirf den Zündstrick aus deinem List Gar heimlichen brinnend darauf. So das beschicht, darnach darvon lauf Gar weit an ein ander Ort dar. Doch sollt du dabei nemen war, Wann nun das Pulver an wird gan, Daß Teurdank nit komme darvon.« Der Diener merkt den Befelh wol, Sprach: »Herr, ich der Sach recht tůn soll.« Als Unfallo solchs hett bestellt, Zů dem Teurdank er sich gesellt Und sprach: »Herr, wollt Ir für Kurzweil Auf dem Wasser faren ein Weil, So werd Ir finden Feldgefugel Feldgefugel: Feldgeflügel. , Die mügt Ir mit einer Kugel Pirschen aus Büchsen, wie Ir wellt. Den Knecht hab ich Euch darumb bestellt, Dann es jetzo gůt Wetter ist.« Teurdank besorgt keinen List Und sprach: »Ich far auf Eurn Bescheid.« Unfallo gab dem Held das Geleit Zum Schiff, das er hett zůgericht; Es was ein untreuer Böswicht. Der Held nit weit kam gefaren An ein End, da vil Vögl waren, Zů denen der Teurdank pirschet. Der Knecht den Zündstrick dieweil hett Geworfen auf den Sack hindan. Nit lang gieng derselbig Sack an Und brennt nit under sich darein. Das mocht warlich wol ein Glück sein, Dann der Sack lag auf dem Pulver zwar, Darumb es felt nit umb ein Har, Wo das Pulver angangen wer, Das hett si all bracht in Tods Gefer; Aber Gott behüet si allsant. Damit si füern heim zu Land Zů Unfallo, dem falschen Wicht, Der die Bosheit hett zůgericht. Unfallo sach si nit geren, Darumb daß wol gangen was dem Herrn, Und im sein Anschleg nit gerieten. Er tet sich hoflich erbieten Und fraget bald den werden Mann Aus falschem Grund mit Worten schan, Wie im sein Lüst geraten wer. Er sprach: »Fürwar glaub mir der Mer, Dein Knecht der ist unbedacht; Alsbald man den Zündstrick her bracht, Warf er den, do das Pulver lag. Damit er keiner Vernuft pflag, Dann es sollt uns all han verbrannt.« Unfallo sprach: »Herr, in meim Land Lasse ich den Knecht umb kein Gůt Beleiben, dann mir das ant mir das ant tůt: mir ist das zuwider. tůt.« Aber einer andern Meinung was Sein Herz, dann er darin trůg groß Haß, Daß dem Held nichts was beschehen. Ir habt kein bösern Mann gesehen Als Unfallo was, derselb Wicht. Nu hört, was er fürter erdicht. (59) Wie der edel Teurdank auf einem Gembsenjeid fiel und im Fall durch sein Besunnenheit sich an einem Baum auf hielt. Unfallo eins Mals zum Held kam, Sprach: »Herr, gesteren ich vernam Von einem fast gůten Jäger, Wie ein Steinbock hett sein Leger In disem Gebirg vor Euch hoch. Derselbigen Tier habt Ir noch Bisher nie keines gefangen. Wo Ir hett darnach Verlangen, Auf dises hoch Gebirg zů gan, So will ich Euch hinfüeren lan.« Teurdank sprach: »Das gefellt mir wol.« Unfallo der wisset, daß hol Was derselbig Berg überall; Darumb so müeßt der Held tun ein Fall, Des mocht er sich nit enthalten. Teurdank ließ die Sach Gott walten, Ging auf den Berg mit dem Jeger, Sůchten den Steinbock im Leger. Als si in alle Höch kamen, Sprachen si all bed zusammen: »Wir sein nit an eim gůten End.« Der Jeger sprach: »Mich dunkt, die Wend Sei an disem Ort mürb und faul.« Er hett kaum aufgetan das Maul, Ein Stein under dem Teurdank brach, Dardurch er schier in Ungemach Wer kommen, gelaubet mir das; Dann als er in dem Fallen was, Begriff der Held zů seinem Gelück Ein Stauden, dieselbig was dick, Daran er sich des Falls erhielt. Darnach under dem Jeger spielt spielt: spaltete sich. Ein Stein, daß er fiel auch hernach. Dem zů gleicher Weis kein Leid geschach, Dann er auch an einer Stauden behieng. Teurdank alsbald aus der Wand gieng. Der Jeger folget im auch nach, Herniden zů dem Helden sprach: »Ich glaub, Unfallo hab uns herein Darumb geweist, daß wir sollten sein Uberab zůtod gefallen. Es ist uns je auf heut allen Beden warlich genau gwesen.« Teurdank sprach: »Weßt ich das, gnesen Sollte er nit vor meiner Hand.« Indem kamen si auf das Land, Giengen mit einander zů Haus. Unfallo lief gen in heraus, Sprach zu dem Helden unverzagt: »Herr, habt Ir den Steinbock gejagt Oder denselben gar gefangen? Sagt mir, wie ists Euch ergangen?« Teurdank zů im aus Zoren sprach: »Ich mein, Ir habt mir dieselb Sach Darumb zůgericht, daß ich hett sollen An dem Berg mich zůtod fallen.« Unfallo sprach: »Es ist Eur Scherz, Gott erkenn mein getreues Herz, Ob ich nit ee mein Leib verlur, Dann daß Euch neur ein Finger schwur, Geschweig, daß ich wollt Ursach sein, Daß Ir sollt kummen in Tods Pein.« Also belib die Sach gestillt. Unfallo was heimlichen wild, Die Stauden er genzlich verflůcht, Darneben ander Ursach sůcht, Damit der Held nit kem darvon, Wie Ir hernach findt gschriben stan. (60) Wie der edel Teurdank durch einen Narren aus Anweisung Unfallo in einer Kammer verbrennt sollt sein mit Pulver. Unfallo nach des Teufels Art Tet: Wann er selbs nit auf ein Fart Dorft kommen, schickt er ander dar, Der den Held sollt bringen in Far, Wie Ir dann werd hören hernach. In einem Schloß daselb geschach, Darinnen der edel Held was. Unfallo der merket wol, daß Der Held geren das Geschoß sah. Unfallo zů eim Narren sprach, Der sich hielt in einem Argwan, Als sollt mit dem Geschütz umbgan Sonst gar niemands dann allein er: »Dort oben ist einer kommen her, Der wille dir in dein Ambt stan Und mit deinen Büchsen umbgan. Nun will ich dir ein gůte Leer Geben, daß er dasselb nit mer Sich darf wider dich understan. Schau, wann er mit dem Gschoß wird umbgan, So schleich heimlich hinder im dar Und nimm der zweier Feßlein war, So hart mit Pulver bei im steen. Zund die an; wann si wern angeen, Wird der Held darab erschrecken hart Und hinfür an zů keiner Fart Mit deinem Geschütz umbgeen mer.« Der Narr erzürnet sich gar seer, Begreif etlich Liecht in sein Hand, Lief hin, do er den Helden fand. Der stund, ein Büchsen zů laden, Besorgt sich ganz keines Schaden. Der Narr die zwei Feßlein ersach, Nam seine Liecht, kein Wort nit sprach, Wollt die in das Pulver hinein Gestoßen han. Da ward ein Schein Dem Helden von demselben Liecht, Darumb er eilunds sein Gesicht Umbwarf und ersach die groß Not, Dardurch er sollt sein in den Tod Kommen; begreif den Gauch Gauch: Narr. beim Grind Grind: Kopf. , Ruckt in von den Feßlein geschwind, Gab im auch ein gůten Maulstreich. Der Narr mit eim Geschrei von im weich, Lief hinab zů dem Herren sein Mit Klag. Unfallo hett darab Pein, Als er höret die rechten Meer, Wie sein Anschlag nit geraten weer, Gedacht bei im selber: Fürwar, Sollt die Sach werden offenwar, Daß ichs den Narren geheißen hett, Teurdank mir darumb den Tod an tet. Schickt den Narren weg auf ein Schloß, Den Held das auf den Gauch verdroß. Unfallo über ein Zeit klein Zum Helden kam, als wer er rein Und ganz unschuldig an der Sach. Der edel Held zum Böswicht sprach: »Ich kann warlich nicht richten wol, Wen ich für weiser schetzen soll, Dich oder aber dein Toren, Daß du das Pulver hervoren Leßt unbewaret offen stan; Der Narr wollts angezündet han. Es hat gefelet umb ein klein, Wir und das Haus weren mit ein Verdorben von des Pulvers Kraft.« Unfallo sprach: »Die Meisterschaft Meins Büchsenmeisters ich jetz průf, Dann nicht lang ist, daß ich im schůf, Das Pulver an ein Ort zů ton, Daselbst hin niemand möchte han Seinen Zůgang bis zu der Not. Er soll darumb, daß er hat mein Bot Bot: Gebot. Veracht, empfahen seinen Lon. Kein Mensch will itzo mer Fleiß han, Es geet alls nach der Larven zů, Hett ichs gewißt, mit keiner Rů Mocht ich mein Schlaf haben vollbracht.« Darneben er im heimlich dacht: Wollte Gott, daß dich und mein Haus Hett gefüert das Pulver hinaus Zů hundert mal tausend Stücken. Will mir kein Anschlag mer glücken? Das sei Gott, meim Herren, geklagt. Ich mein, daß ich itz sei geplagt Mit disem Helden unverzagt. Nun es můß je noch mer sein gwagt, Dann ich bin nun kommen ins Spil, Mir geschech recht darumb, wie Gott will. (61) Der Teurdank ward auf einem Schweinjeid durch ein Schwein verletzt, und im sein Pferd under sein zůtod gestoßen aus Bewegung Unfallo. Unfallo der hett ganz kein Rast, Gedacht stets hin und wider fast, Wie er den Helden bringen mocht In Leid. Zůletzt er sich bedacht, Wie daß da wer in disem Wald Ein hauend Schwein, das lief gar bald Und hett an im dergleichen Art: Wann dasselb recht erzürnet ward, So nam si ires Jägers acht Und lief an in mit solcher Macht, Stieß Roß und Mann alls darnieder; Darnach so lief es bald wider Weg und den nechsten darvon. Unfallo sprach: »Möcht ich den Mann Bringen an dasselb hauend Schwein!« Mit dem gieng er zům Helden ein, Sprach: »Herr, mir ist Kundschaft kommen, Wie mein Jäger hab vernommen Ein gar groß hauend Schwein nit weit Von hinnen. Darumbe so reit Auf disem braunen Türken mein, Darauf mügt Ir beritten sein; Stecht die Sau auf demselben Pferd, Dann Ir im niden an der Erd Sonst nichts müget angewinnen. Si ist resch, möcht Euch entrinnen, Dann ich kenn gar lang dasselb Schwein.« Teurdank sprach: »So resch mags nit sein; Ist Sach, daß ich si neur ersich, Si můß mir halten einen Stich.« Teurdank auf den braun Türken saß, Reit eilunds auf der rechten Straß Den nechsten hinein in den Wald, Darinnen hört er mit Gewalt Die Hund vor dem Wildschwein kriegen. Er sprach: »Die Hund werden nit liegen, Si haben das Schwein kommen an.« Damit rannt eilunds der kûn Mann Den nechsten dem Geschelle nach. Alsbald in das gemelt Schwein ersah, Die Hund si alle gar verließ, Mit dem Rüessel dem Held stieß Sein Roß gleich mitten in den Bauch, Darvon es nam ein wilden Strauch Und tot nider fiel zů der Erd. Das Schwein beruert auch den Held wert In solchem Stoß an ein Fůß seer, Daß er bei Achtagen und mer Můßt hinken; doch stach er das Schwein, Daß es můßt tot ligen vor sein. Dem teuren Held man eilunds bracht Ein ander Roß. Unfallo dacht: Ich hoff, die Sach soll jetz wol steen, Dieweil das Roß nit mer mag geen. Indem sach er den Held reiten; Unfallo mocht so lang nit beiten, Bis der Held wer kommen hinein, Sonder lief heraus für das Haus sein. Als er aber den Held gesund sach, Zů im selber er heimlich sprach: Ach Gott, was soll ich weiter ton, So nichts will helfen an dem Mann? Wie soll ich mit im neur leben? Teurdank der sprach: »Mir hat geben Das groß hauend Schwein meinen Lon, Daß ich gar schier nit meer geen kann, Eur Roß das ist beliben tot.« Unfallo sprach: »Es hat kein Not, So Ir neur seid kommen darvon; Das Hinken wird Euch wol vergan.« Aber im Herzen er gedacht: Wollt Gott, es hett dich gar umb bracht, Das wer mir am liebsten gwesen, Ich hoff, du sollst nit genesen Noch vor den bösen Listen mein. Teurdank gieng in das Haus hinein Und ließ im tůn ganz gůten Rat Rat: Hilfe. An dem Fůß, daran in dann hat Gestoßen dasselbig Wildschwein. In Kürz ward besser die Sach sein. (62) Dem edlen Teurdank entweichen sein Eisen auf einer misigen misig: moosig. Platten, und allein ein Zünk, der haftet, behielt in bei seinem Lebe, wiewol sich der seer krummet. Darnach über etliche Tag Unfallo zů dem Helden sprach: »Herr, wollt Ir mer Gembsen jagen, Laßt mir das bei Zeit ansagen, So will ich all Sach wol bestellen, Damit Ir der ein mügt fellen.« Teurdank dem gefiel die Sach Und sprach: »Auf den künftigen Tag Laßt all Sachen ordnen darzů, So will ich an dem Morgen frů Hinauf an dasselb Gebirg geen Und mich darinnen understeen, Ob ich ein Gembsen fellen mocht.« Unfallo sich nit lang bedacht, Sonder schickt nach eim Jägerknecht, Befalh, den Held zů füeren recht In ein Gebirg, das er im nennt; Dasselb der Jäger wol erkennt Mit Mies Mies: Moos. überall verwachsen sein Und darunder ein gelliger Stein. Unfallo hofft, so er darauf kem, Daß sein Leben dann ein End nem. Als nun kam der morgenig Tag Und das Liecht durch die Wolken brach, Teurdank der Held an das Gebirg gieng, Darauf über die Stein Mies hieng. Zu dem Helden sprach der Jäger: »Herr, secht dort, da hat ein Leger Ein gar stolzer Gembs, groß und schon, Es ist gůt hinein zů im zu gan; Ir mügt den leicht auswerfen wol, Dieweil ich hie Eur warten soll.« Teurdank hett gar kein Sorg darauf, Dann er meint, es wer wasig wasig: grasbewachsen. hinauf, Und gieng bis auf ein scharpfe Fart. Seinen Schaft den setzet er hart, Und dasselb was allein sein Genieß, Dann under seim Fůß weich der Mies, Und haftet auf dem harten Stein An den Eisen ein Zünk allein. Wo derselb auch zerbrochen wer, So hett er müessen fallen mer Dann hundert Klafteren hinab Zů Tod, wie ichs gesehen hab. Alsbald der Held solches empfand, Gieng er gleich aus derselben Wand Und kam wider anheim zůhaus. Unfallo der hett Leid und Graus, Daß dem Held nit widerfaren was Das, so er im hett zůgericht aus Haß. (63) Der edel Teurdank sollt aus Anweisung Unfallo in einen Brunnen gefallen sein, das doch Gott verhût. Unfallo fiel ein anders zů, Dann er hett weder Rast noch Rů, Wie er mocht den Held betriegen, Er schambt sich ganz keines Liegen Liegen: Lügen. . Eins Mals er zů dem Helden sprach: »Herr, all mein Tag ich nie gesach Ein fester oder sterker Schloß An Maurn dick und darzů groß Dann das; so neulich gwunnen ist Mit Gwalt on Verreters List. Darumb rat ich, Ir laßt mit nichten, Sonder tüet dasselb besichten.« Der Held sprach zů Unfallo: »Ja, Ist das anderst in der Nehent da.« Nun hett Unfallo darumb das Angfangen, dann an dem Weg was Vor Zeiten ein Brunn gestanden; Dasselb Loch stund noch verhanden, Was verwachsen mit langem Gras; Wer für ritt, möcht nit sehen das. Nun was Unfallo Anschlag: Ich will vor reiten, was ich mag, So wird der Held nacher rennen, In der Eil das Loch nit kennen Und villeicht treffen den Brunnen. Als auf gangen was die Sunnen, Unfallo hett zů reiten Gir; Als si kamen zů dem Brunn schir, Dann er lage nahend an der Straß, Darumb vor Zeit ein Maur gwesen was; Die war aber zerrissen gar. Da si zů dem Haus kamen dar, Unfallo dem Held sagt vom Schloß, Wie es gwunnen wer mit dem Geschoß, Zeigt im die Löcher hin und her, Wie es mit Morsern geworfen wer. In der Red ritten si fürbaß Gar nahend, da der Brunnen was. Dieweil der Held das Schloß sah an, Ließ er sein Pferd on Acht fürgan. Dasselbig on alles Gefer Traf den Brunnen nach dem Beger Unfallo und trat gleich darein Mit dem gerechten Füeßlein sein, Darab der Held erschrak gar ser. In solchem warde im nit mer, Dann daß er den Zaum an sich zuckt Und das Pferd mit Gwalt heraus ruckt, Sach damit den tiefen Brunnen, Sprach: »Ich reit fast unbesunnen; Wie, wann ich darein gefallen wer?« Unfallo sprach: »Herr, Ir seid zů ser Geritten auf die recht Seiten, Hinfür will ich Euch vor reiten.« Teurdank der ließ die Sach gůt sein, Beschauet, wie man hett hinein In das Schloß geschossen so seer. Darnach wollt er nit bleiben mer, Sonder anheim reiten zůhaus. Unfallo dem wollts werden aus Dem Scherz, daß im all sein Anschleg Wollten felen in alle Weg. Noch ließ er mit nichte darvan, Sonder fieng weiter ein anders an. (64) Teurdank der leit ein merklich Not in einem tiefen Tümpfel Tümpfel: Strudel. am Zůlenden Zůlenden: Landen. bei einer großen Stadt. Unfallo hett nit Rů noch Rast, Sonder gedacht, wie er in Last Mocht bringen den edlen Teurdank. Er sach, daß im was die Weil lang, Darumb er zů dem Helden redt, Wie daß sein Frau die Künigin hett Nit weit von diser großen Stadt Ein stark Schloß, das sich sehen lat Von wegen seiner Beu Beu: Gebäude. und Wer, Die es hat von großen Stein schwer. »Darumb, Herr, wollt Ir faren hindan, So gebt mirs bei Zeit zů verstan.« Darauf antwort der edl Teurdank: »Ich far mit, dann mir ist die Weil lang.« Unfallo was falsch und geschwind, Er wartet eines großen Wind. Als nun derselbig kommen wollt, Befalh er seinem Knecht, er sollt Zů im fordren etlich Schiffleut. Denen befalh er, daß si heut Sollten füeren Teurdank den Gast Auf das nechst Schloß on alle Rast In disem seinem Schifflein klein. Die Schiffleut wurden überein, Wollten sich der Fart gwidert han, Da sagt Unfallo, der falsch Mann: »Welcher darf darwider denken, Den will ich gleich lassen henken.« Damit gieng für Unfallo Sinn, gieng ... Sinn: setzte sich Unfallos Absicht durch. Dann der Held fůr mit in dahin. Da si nun kamen auf die See, Was soll ich Euch neur sagen mee, Ein Wetter kam, sag ich on Spott, Das bracht si all in große Not. Der See schlůg an das Scheff hinan Dermaß, als wollts gleich undergan; Und wer der Ferg im Grennfl Grennfl: Gerenne. nit Gewest so beherzt und bericht mit Dem Růder, das Schiff zů leiten, Es wer oft glegen an der Seiten; Und hett das gnommen einen Schwank, So wer ertrunken der Teurdank, Dann das Scheff halb voll Wassers was. Doch half der ewige Gott, daß Si funden zůletzt einen Grund, Darauf der edel Held abstund Mit seinen Gsellen an das Land. Teurdank gieng zů dem Schloß zůhand Und gedacht: Ich hab groß Unglück! Dann er wisset nit umb die Tück, Die im wurden allzeit gerichtet zů Von dem Unfallo spat und frů. Der Held trat zu dem Tor noch baß. In disem Schloß ein Haubtmann saß, Der dem Teurdank entgegen gieng, In mit gůten Worten empfieng. Doch beschach das alls aus falschem List, Dann er Unfallo Meinung wißt Und hett mit im seinen Verstand Verstand: Einverständnis. , Dann si regierten in dem Land. Ins Schloß füert er in bei der Hend. Darnach er einen Boten sendt Zů Unfallo, schrib im die Mer, Wie Teurdank nit ertrunken wer, Sonder von im geladen zů Gast, Bei im zů han etlich Tag Rast. Das wurd villeicht also beschehen; Doch kunnt ers nit fürwar jehen, Darumb er in sollt wissen lan, Was er mer sollt tun mit dem Mann. (65) Wie dem Teurdank ein Scheff, darauf er fůr, durch ein ander Scheff mitten zerspalten ward und er groß Geferlicheit litt, bis er zů Land kam. Als Unfallo den Brief gelas, Grimmig und zornig er darab was, Von seim Herzen er hart erschrak. Geleich an demselbigen Tag Fiel im ein ein ander Ort, Daran er hofft zů stiften Mord. Dem Haubtmann tet er darauf schreiben, Daß er den Held hieß beleiben Bei im und darbei hett kein Rů, Sonder richtet ein groß Scheff zů. Und wann dasselb wer zůgericht, So sollt er alsdann lassen nicht, Sonder etlich Knecht bestellen Mit sambt andern Schiffgesellen Und die mit dem Schiff faren lan. Wann Teurdank, der teurliche Mann, Mit seinem Scheff aufs Wasser kem, Und der Schiffmann sein darin warnem, Daß er ließ die Růder rucken Und des Helds Schiff fůr zů Stucken. Do der Haubtmann gelas den Brief, Gar wenig Necht er überschlief, Bis all Sach wurden bestellt mit Fleiß. Er machet auch die Scheffleut weis, Wie des Helds Schifflein gestalt was, Damit si mochten kennen das. Der Held fůr aufs Wasser hindan; Das tet auch der bestellt Scheffmann. Und als er des Helds Scheff ersach, Auf das zů farn was im gach, Und traf des Helden Schiff so grob, Daß es sich halb von ander klob von ander klob: auseinander brach. . Darein dann gar vil Wasser gieng; Jedermann darab Schrecken empfieng. Als nun solche Handlung geschach, Teurdank der Held ein Strick ersach Hangen heraus dem großen Schiff. Denselben Strick der Held begriff Mit allen Kreften in sein Hand. Vil Volks das stund auch an dem Land; Die sahen das Scheff in der Not, Fielen auf ir Knie, baten Gott, Daß er erzeigt die Genad sein Und hulf dem Volk in dem Schifflein. Das namen etlich Scheffleut war, Fůren mit iren Schifflein dar, Dem Teurdank zů helfen aus Pein. Das beschach; dann in dieselben Schifflein Er und sein Gesellen vorgenannt Saßen und fůren darin zu Land. Unfallo bald zů dem Held kam, Fälschlich er in auf ein Ort nam, Fraget, wie im gefallen hett Das Schloß und seiner Frauen Stedt. Er sagt: »Mir gefellt des alls wol, Doch weiter ich dir sagen soll, Daß ich gar nah ertrunken wer.« Unfallo sprach: »Nit gůte Mer Das sein«; und ganz desgleichen tet, Als ob er groß Leid darumb hett, Und sagt: »Es ist mir treulich leid, Das red ich, Herr, auf meinen Eid; Ich will Euch mer nit faren lan, Ir habt dann ein berichten berichten: erfahrenen. Scheffmann.« Solchs sagt er aus einem Betrug, Zů verbergen sein falsche Lug, Und doch sich nichts destminder besann, Wie er sein Sach wollt greifen an. (66) Wie der edel Teurdank durch Unfallo Befelch auf ein hoch Gebirg gefûrt ward und sollt über ein Schneerisen Schneerisen: Schneelawine. geen, darüber er den Jeger schicket, der herab fiel, und Teurdank gieng ein andern Weg. Wiewol der bös Unfallo sach, Daß dem Helden me nichts gschach, Noch so wollt er nicht haben Rů, Sonder richt ein Gembsenjeid zů An einem gar sorglichen End. Ein Jeger besandt er behend, Sprach zů im: »Hör, merk meine Wort! Du weißt, daß auf disem Berg dort Vor den Schnerisen ist zů gan Sorglich, wer sich nit hûten kann. Nun hab ich hie ein Mann bei mir, Den wollt ich durch ein solch Monir Geren vom Leben zů dem Tod Bringen, dann lebt er lang, in Not Můßt ich und die Gesellen mein Kommen. Darumb so fûr hinein Mit dir hin denselbigen Mann; Doch so můßt dus verschwigen han, Gee im über die Risen vor, So bleibt er nit, er geet fürwar Dir on allen Scheuch hinden nach. Schau, daß es sei am Birg hoch, Dann er noch sovil Kunst nit hat, Daß er on Gefallen on Gefallen: ohne zu fallen. hinüber gat, Ob wir sein dardurch kemen ab.« Der Jeger antwort: »Herr, ich hab Alle Sachen verstanden wol: Disen Mann ich recht füeren soll, Daß er soll wider kommen nit.« Unfallo sprach: »Das ist mein Bitt. Was du tůst, so hab Fleiß darin; Es soll dir tragen gůten Gewinn.« Mit den Worten schid Unfallo Von dem Jeger und kam hin, do Er Teurdank allein sitzen fand, Sprach: »Herr, mich bedunkt, Euch tû ant Euch tû ant: Euch ist übel zumute. , Hierin also zů ligen still. Wann ich weßt, daß es wer Eur Will, So wollt ich bestellen ein Jeid Dort auf disem Gebirg gemeit.« Der Held weßt von dem Anschlag nicht, Darumb er Antwort gab dem Wicht, Sprach: »Wann du das Jeid hast bestellt Und mir darzů das Wetter gefellt, So laß michs wissen bei der Zeit, So will ich hin, dieweil nicht weit Ist an das Gebirg von hinnen.« Unfallo der sprach: »Entrinnen Mag Euch in keinen Weg ein Tier, Dann ich so wol will all Revier Bsetzen; und wann das ist getan, So will ich Euch hinfüeren lan.« Unfallo wart wart: wartete. mit großer Gir, Wann die Sunn morgens gieng herfir. Als er nun sach den liechten Tag, Füegt er sich zum Held, der noch lag In seinem Bett, den er ermant, Sprach: »Herr, steet auf und geet zůhand Hinaus an das Gembsengejeid, Dann all Sach sein schon zůbereit.« Der Held bald aus seinem Bett sprang, Nam sein Eisen und den Schaft lang, Ging an den Berg mit dem Jeger. Demselben Knecht wer vil weger Gwesen, daß er wer beliben Daheim, wie hernach stet gschriben, Dann Untreu traf den Herren sein. Als si nun bed kamen mit ein Hoch in das Gebirg in ein Wand, Der Jeger ein Schneeferner fand, Die was in der Nacht worden glatt. Der Jeger vor im darauf trat, Tröst sich seiner Meisterschaft, Hielt sich mit seim Eisen und Schaft, Vermeint, wann er da hinüber On Schaden mit seinem Schaft wer Gangen, und daß kem darauf der Held, So můßt er fallen, und das all Welt Lege an im. Aber es nam Ein andern Ausgang; dann als kam Gleich auf die mit der Jeger, Sein Schaft und Eisen weichen seer, Daß er darvon fiel über aus. Teurdank der Held höret den Saus, Ruckt aus seinen Augen den Hůt, Schaut, wo doch wer sein Jeger gůt. In solchem Sehen er befand, Daß der Jeger über die Wand Was gefallen eins Teils hinab. Teurdank zů im selbs sprach: »Ich hab Hie an dem Ort ein bösen Stand, Ich will mich machen aus der Wand, Ee mir beschech wie dem Jeger, Dann mich gedunkt, hie sei Gefer.« Der Jeger sich hart gefallen hett, Fast Zorn im das auf sich selbs tet, Ließ sich desselben merken nicht. Als si nun kamen zu dem Wicht, Und er erfůr die rechten Mer, Wie es dem Held und seim Jeger An dem Gebirg ergangen was, Vor grimmigem Neid und Haß Kam er schier von den Sinnen sein. Wann er auf Erd kein größer Pein Hett, dann so dem edlen Teurdank Sein Gelück hett einen Fürgang. Gedacht sich weiter hin und her, Ob er fund ein ander Gefer. (67) Wie Teurdank sich einer Krankheit fristet über und wider der Arzt und Unfallo Rat. Nicht gar ein lange Zeit verging, Daß der Held durch zůfellig Ding Fiel in fast schwere Krankheit. Solchs was dem Unfallo nit leid, Gedacht: »Nun wird es werden recht, Daß ich mein Sach mit im mach schlecht.« Merkt, daß die Sucht teglich zůnam, Darumb er zů dem Helden kam, Sprach: »Herr, ich sich, daß Ir seid schwach, Und mert sich die Krankheit all Tag. Mein Frau hie ein gůten Arzt hat, Den wollt ich hören und seim Rat Folgen, ob Eur Sach bessert sich.« Der Held sprach: »Ich empfinde mich Voller Hitz und schwach in dem Leib. Darumb auf das erst beschreib Denselben Arzt, daß er zů mir Kommen well her in dein Haus schir.« Unfallo einen Boten sandt Hin, der denselben Arzt wol kannt, Daß er sich machet auf den Weg Zů im, dann ein Herr fast krank leg, Dem müßt er fristen sein Leben, Der wurd im vil Gulden geben. Der Arzt, als er die Meinung hett Glesen, bald er zůrichten tet Das, so im zů der Sach not was, Kam zů Unfallo. Als er das Ward gewar, gieng er zum Doktor. Und ee er zum Held kam, zůvor Redt er mit im dergleichen Wort, Sprach: »Herr, in diser Stuben dort Da leit ein Herr, der ist krank seer. Was mag ursachen ursachen: verursachen. sein Leger? Ir habt seinen Brunnen Brunnen: Harn, Urin. beschauet, Saget mir, ob Ir Euch getrauet, Im zů helfen von der Krankheit.« Der Arzt sprach: »Nun seid nit verzeit verzeit: verzagt. ! Mit Gott und meiner Erznei Will ich in der Sucht machen frei, Dann nach Anzeig des Brunnen Schein, Mag die Krankheit aus der Hitz sein. Nach Inhalt Avicenna Avicenna: arab. Philosoph und Mediziner (980-1037) Leer, So můß man im schwach Erznei seer Eingeben, dann die stark soll nit; Ein subtil Komplex wont im mit.« Also bald das erhört Unfallo, Was er der Red von Herzen fro, Gedacht im: Wol, das ist der Sinn, Der den Helden můß richten hin. Sprach: »Mein lieber Herr der Doktor, Mich bedunkt, Ir habt gesagt war, Dann er von Natur ist subtil, Drumb zimbt im stark Erznei nit vil.« Damit si bed zů dem Held dar Gingen. Unfallo sprach: »Nembt war, Herr, hie hab ich bracht den Doktor. Der will, ee er Euch ein geit, vor Mit Euch reden, und dann darnach Sich weiter schicken zů der Sach.« Der Doktor seine Krankheit besach, Begreif im seinen Puls und sprach: »Herr, Ir seid von Art gar subtil, Darumb Euch nicht gezimen will, Stark Erzenei einzůgeben, Wollt Ir anders Euer Leben Fristen. Darumb folget meim Rat, So hoff ich, es werd han kein Not.« Der Held tet, was im der Arzt hieß Etlich Tag; doch in nit verließ Sein Krankheit, sonder noch mer schwach Er ward für an von Tag zů Tag. Der Held eins Mals im Sessel saß, Befand, daß all Erzenei was Zů schwach, die im der Arzt geben Hett. Gedacht in im: Mein Leben Steet on das in großer Gefer, Dieweil die Erzenei nit mer Will würken, sonder macht mich schwach. So will ich selbs, so fer ich mag, Sterker Erzenei empfahen, Und dardurch dem Tod genahen Oder wider zů meim Gesund Kommen. Gleich in derselben Stund Sandt er ein gheimen Diener sein Eilunds in die nechst Stadt hinein. Der bracht im sterker Erzenei, Die nam er mit dem Herzen frei. Nun hört, was ich Euch weiter sag. Es stund nicht an drei ganzer Tag, Der Held nam zů an seim Gesund. Als er dasselb merken begund, Wollt er von dem Arzt nit mer ein Nemen. Das bracht Unfallo Pein, Daß sich bessert des Helden Krankheit. Vor Leid hett er nahend verzeit, Er wißt nit die Geschicklicheit, Damit der Held im hett bereit Die Erzenei heimlich und still. Darnach nicht über etlich Tag vil Was der Held ganz und gar gesund. Unfallo sich heimlich begund Zů kümmeren von Herzen seer, Dann er weßt schier kein Gefer mer, Darein er mocht ein Helden bringen, Wie ich Euch will weiter singen. (68) Ein merklichen Fall, so der edel Teurdank einem Schwein nach auf einem Eis tet durch Geheiß des Unfallo, daß im sein Schwert in drei Stuck brach. Unfallo mit seiner Listigkeit Gedacht, wie er den Held in Leid Mocht bringen, und darauf ein Sach fand. Darumb er gieng zů dem Held zůhand, Sagt zu im mit falschem Gefer, Wie jetz ein fast gůte Zeit wer, Die Seu in Auen zů jagen. Darab der Held tet Gfallen tragen Und sprach zů Unfallo zů Stund: »Hett wir dann die Jeger und Hund, So wollten wir nit lang beiten, Sonder an das Schweinjeid reiten.« Unfallo freut sich von Herzen, Den Held zů bringen in Schmerzen. Er dacht: Es ist jetz ein kalt Zeit, Darin mag er kommen in Leid. Er schickt bald nach dem Jeger sein, Den fordert er zů im allein Und sprach: »Richt ein Schweingejad zů, Bestell das auf den Morgen frů Und hab mit der Wart Wart: Anstand. dermaß Fleiß, Daß die Schwein laufen gegen dem Eis, Das dann vor dem Holzauen ist.« Das tet er auf ein falschen List, In Tod zů bringen den Teurdank. Die Nacht hett er manchen Dank. Als der Tag am Himmel anfieng, Unfallo zů dem Helden gieng Und sagt: »Wir müessen beizeiten An das bestellt Schweinjeid reiten.« Der edel Held ward schier bereit, Saß auf und mit Unfallo reit; Kamen zů dem Eis bei den Auen. Unfallo sprach: »Ir mûßt schauen, Und vor disem Eis still halten; Die Jäger werns Jeid verwalten.« Indem ein Wildschwein daher lief; Das Wasser underm Eis was tief. Dasselb wisset Unfallo wol, Aller Untreu der was er voll Und sprach zů dem edlen Teurdank: »Ich will Euch lern ein sondern Rank Rank: schnelle Bewegung. . Wollt Ir dem Wildschwein für rennen, So mûßt Ir disen Weg kennen, Der weist Euch recht über das Eis. Den Weg hab ich gemerkt mit Fleiß; Von Kelt ist das gefroren hert, Daß Euch darauf nichts widerfert, Wann ich gestern auch drüber reit Und widerfůr mir auch kein Leid.« Der Held glaubet den Worten sein Und rennet auf das Eis hinein. Alsbald er kam auf dasselb Eis, Zerbrach das under im in Stucks Weis, Daß sein Roß mit im fiel gar schnell Hinein durch dasselbig Eis hell. Der Fall also geschwind geschach, Daß ime sein Schwert zů Stucken brach. Des tet Unfallo seer lachen, Gedacht: Erst will es sich machen, Er mag nit kommen mer darvon, Dann es ist besehenen umb den Mann. Der Held was unerschrocken fürwar, Er hielt sein Pferd mit Kraft empor, Dardurch es sich arbeit hinaus. Solcher Fall der bracht im kein Graus, Dann er rannt dennocht dem Schwein nach Durch denselben fast tiefen Bach. Aus großer Begir er vergaß, Daß sein Schwert im Fall brochen was. Unfallo erschrak im Herzen, Daß der Held on allen Schmerzen Sollt kommen aus dem tiefen Eis. Gedacht: Das ist ein seltzam Weis. Dagegen Teurdank im gedacht: Das hat warlichen Unfallo gmacht! Ich kanns nit underwegen lan, Sonder můß ims doch zeigen an. Als er Unfallo wider sach, Füeget er sich zů im und sprach: »Was hastu du bedürft mir sagen, Das Eis sei stark und müg tragen Mich? Dann sich das nit funden hat!« Unfallo verantwurt sich drat Und sprach: »Herr, ich bin gester leis Geritten über dises Eis. Das habt Ir aber nit getan, Sonder gefangen zů rennen an. Wert Ir darüber gemelig trabt Und Euch in gůter Acht gehabt, So hett Euch das wol getragen.« Teurdank dacht: Was soll ich klagen! Wie er sagt, also hab ich tan, Ich můß die Sach auch faren lan. Mit dergleichen falschen Listen Kunnt sich der Unfallo fristen. (69) Abermalen ward ein Jeger zůnechst bei dem Teurdank von einem Stein auf dem Gembsenjeid getroffen, den der Held behielt, sonst hett er sich zů Tod gefallen. Unfallo in Gedanken saß, Ob er noch mochte finden was, Dardurch der Held kem in Gefer. In solchen Denken ritt daher Ubers Feld ein gůter Jeger. Den ersach Unfallo gar bald Und rüeft im: »Lieber Jeger, halt, Stee von deim Pferd, kumm zů mir her, Merk, das ist mein fleißig Beger, Darzů mein Bitt und gůter Will, Den behalt in geheim und still. Du bist der bösen Birg erfarn, Daran man sich vor Fäll nit mag bewarn, Daselbst wollt ich ein Gembsenjeid Haben.« Der Knecht sprach: »Auf mein Eid Sag ich weis, ein Gebirg ist mar mar: mürb. , Und die Stein brechen allweg gar.« Unfallo sprach: »Das wird sein recht! Lieber Jeger, bestell zwen gůt Knecht, Daß der ein gee an das Birg mit dir Und der ander den Helden fier. Doch hab Fleiß, si bed wol abricht Und gib in dise Underricht, Daß der ein hoch an dem Birg stee, Der ander mit dem Helden gee, Und daß si han iren Verstand, Alsbald der Held kumbt in die Wand, Daß dann der ober Baur ablaß Stein auf den Held zů rechter Maß.« Der Jeger bestellt also das Jeid. Unfallo gieng mit Listigkeit Zů dem edlen Held hochgeborn Und sprach: »Ich hab Euch auserkorn Ein ander ganz lustig Gejeid. Wanns Euch gefellt, so gebt mir Bescheid.« Teurdank der gabe ime zů versteen, Er wollt gern an das Gejeid geen. Unfallo ordnet im ein Knecht zů, Der gieng mit dem Held am Morgen frů An dasselb Gebirg gar fast hoch. Glaubt mir, es was ein sorglich Joch. Dem Bauren was der Weg wol kund An das Ort, da sein Gesell stund. Als er den Held daselbst hin bracht, Weßt er von dem Anschlag und dacht: Ich will mich ein wenig darvon Machen, dann si werden Stein lon Auf den Helden herab laufen; Einer mocht mir sonst ein Kapp kaufen. Der ober Baur nam eben war Und sachs zůvor mit Fleiß ab gar, Daß er die Stein mit Maß abließ, Damit einer den Held nider stieß. Die Stein hůben an zů fallen Mit großem Gebrecht und Schallen. Wiewol dem Held solchs gemessen was, So schickt sich doch vil anderst das, Dann die Stein sich teten wenden Und auf den ein Bauren lenden, Stießen in zů der Erden hart. Der edel Held in zů der Fart Begreif, als er in dem Fall was, Dardurch der Baur vor dem Tod genas. Also traf Untreu seinen Herren. Teurdank dacht: Es wurd sich meren; Darumb es ist Zeit, daß ich mich mach Darvon, dann mich bedunkt, die Sach Sei mir durch den Schalk zůgericht; Dann er stets auf mein Schaden dicht. Der edel Held saumbt sich nit lang; Er gieng durch ein sonderen Gang Von dem hohen Gebirg herab; Das Birg was faul und hett kein Hab. Als der Held zů Unfallo kam, Unfallo in bei der Hand nam Und sprach: »Wie ists Euch ergangen? Habt Ir vil Gembsen gefangen?« Der Held gab ime Antwurt bald: »Der Bauren Untreu ist mannigfalt. Es ist mir zů gricht gwest ein Spil, Das mir schier wer worden zů vil, Doch Untreu traf iren Herren.« Die Red hort Unfallo nit gern, Gedacht: Wie hat es doch ein Gstalt, Daß er entgeet mein List manchfalt? Sprach zů im: »Edler teurer Held, Ich bitt Euch gar freundlich, Ir wellt Mir gelauben bei meinem Eid, Daß mir solchs ist von Herzen leid. Weßt ich, das wer ein zůgricht Spil, Ich hieß einen nit nemen vil, Der solchs Euch wollt haben getan, Sein Leben mûßt er darumb lan.« Mit dem Wort tet er verklüegen Sein Untreu und falsche Lüegen. (70) Der edel Teurdank, über das all Erzt in seiner Krankheit ab seinem Leben verzagt hetten, aus unerschrocklichem Gemůt mit großer Gefar macht er sich gesund. Unfallo wollt nit nachlassen, Dann er den Held tet hassen. Es geschach on Geferd auf ein Tag, Daß der teurlich Held niderlag Von einer Hitz in seim Bett. Unfallo zů dem Helden redt: »Herr, Euch zimbt allein hitzig Erznei, Bei derselben gar kein Kelt sei.« Unfallo gedacht in seim Mut: Ich hofft, es werden all Sach gůt. Er fordert etlich Gelert her, Sprach: »Mich bedunkt, es wer Nichts Bessers, dem Held sein Leben Zů fristen, dann den Rat zů geben, Sich zů fleißen schlechts schlechts: einfachen. Tranks und Speis, So wurd er gesund durch solche Weis.« Mit dem er die Erzt überredt, Daß inen die Meinung gefallen tet. Die Glerten tetens fürlegen Und den Held darein bewegen, Daß er sprach: »Ir rat mir ganz wol, Darumb ich Euch billich folgen soll; Will mich halten nach Eurem Bericht, Dieweil Ir sagt, es sei besser nicht.« Damit giengen si vom Teurdank. Der Unfallo saumbt sich nit lang Und füegt sich zů dem Held allein, Griff im seinen Leib und Gebein, Sprach: »Herr, ich zeig Euch aus Treu an, Wo Ir nit folgt, es ist getan Umb Euch. Die Gelerten habens bedacht Wol und Euch ein Regiment Regiment: von regimen sanitatis: ärztliche Vorschrift. gemacht. Nembt der heißen Speis eben war Und enthalt Euch von der Kelt gar.« Der Held folgt seim untreuen Rat, Das ward im an seinem Leib Schad. Der hitzigen Erznei er pflag Und nam dieselben alle Tag, Wie im die gmacht und geben ward. Darvon wurd er vil krenker hart, Dann er dardurch von aller Kraft kam Und sein Krankheit von Hitz zu nam. Unfallo dacht: Er wird sich töten, Darzů in die heiß Speis soll nöten. Als der Held darvon gar schwach was, Gedacht er in im selber das: Ich mag nimmer in der Hitz sein. Rûft darauf zů im seiner Diener ein, Dem befalh er mit allem Fleiß, Daß er gar heimlichen und leis Im brecht mit Wasser einen Krůg. Der Diener tet dem Befelh genůg, Bracht dem Helden ein Wasser kalt, Heimlichen in eim Krůg. Sobald Er dasselbig neuer getrank, Gleich ward er nit mer so ganz krank, Als er vorhin was gewesen, Fieng wider an zů genesen. Unfallo sich des nit genug mocht Verwundern, und im heimlich dacht: Ich sich, mich will helfen kein List, Seit der Held gesund worden ist; Doch můß er mir nit entrinnen, So fer ich noch eins kann besinnen. (71) Wie den Teurdank ein geschoßner Gembs aus einer Wand sollt geworfen haben. Unfallo aus eim falschen Tück Wollt versůchen weiter sein Glück Mit Teurdank, dem teuren Held wert. Auf ein Zeit er an in begert, Ob im liebt nach Gembsen steigen, So wollt er im der vil zeigen Und lernen ein neue Monier, Wie man schuß dieselbigen Tier Zůtod aus den hohen Wenden. Teurdank der sprach: »So tüet senden Nach dem, das gehöret darzů, Und secht mir auf, wie ich im tů.« Unfallo das allein darumb tet, Dann er wisset, daß ein Gembs hett Gar hoch in derselbigen Wand Einen gar fast sorglichen Stand; Und mit nicht wol müglichen was, Welcher den Gembsen trafe, daß Er nit fiel gleich auf in herab Und schlůg in mit im überab. Als nun all Sach waren bereit, Unfallo saß auf sein Pferd, reit Mit Teurdank, dem teurlichen Mann, Bis an das Birg. Darauf můßten si gan, Dann dahin nicht zů reiten was. Der Gembs noch hett hoch seinen Stand, Wie er an im dann was gewandt, Sprach zům Helden: »Herr, nemet war Und secht dort in die Klammen Klammen: Schlucht. dar, Da steet ein freier Gembs gar stolz; Schlacht Schlacht: schlagt. auf Eur Armbrost einen Bolz Und schießt in herab mit zu Tod.« Teurdank sprach: »Spannts Armbrost und lat Mich mit dem Gembsen neur machen!« Indem redt zů solchen Sachen Des teuren Helds getreuer Knecht, Sprach: »Herr, ich bitt, vernembt mich recht Und schießt in keinen Weg das Tier, Dann trefft Ir das, so seien wir Alle des Tods. Des mügt Ir nit Verkommen, wir müessen auch mit Im fallen den Berg überab, Dann unser keiner hat kein Hab.« Unfallo zů dem Helden sprach: »Herr, nicht laßt darumb dise Sach Underwegen, dann welcher wollt Wissen, daß der Gembs gleich sollt Auf uns herab fallen eben?« Teurdank hieß im das Armbrost geben. Alsbald Unfallo ersach das, Stund er an ein Ort, da er was Sicher und gar wol behûtet. Teurdank zum Gembsen ein Schuß tet Und schoß in gleich durch sein Herz aus, Darvon der Gembs mit großem Saus Fiel herab gerad gegen dem Held, Als wollt er si haben gefellt Mit sambt im aus derselben Wand. Aber Gott im sein Hilfe sandt, Daß der Gembs rüert ein Stein im Fall, Darvon er zunechst über si all Aus fiel und keinen Menschen rurt, Darbei man das groß Gelück spurt, So Teurdank hett zů aller Zeit. Es felt nicht umb ein Klafter weit, Der Gembs auf si gefallen wer, Hett si geworfen hinab mer Dann hundert Klafter in ein Tal. Unfallo, als er sach den Fall, Sprach er zům Helden unverzagt: »Herr, wir han ein groß Sach gewagt. Ich bin fro, daß wir sein genesen; All mein Tag bin ich nie gwesen In solcher Angst und großen Not.« Teurdank sprach: »Mein Diener der hat Uns das weisgesaget voran.« Unfallo der sprach: »Wer wollt han Gelaubet, daß der Gembs daher Zů uns geleich gefallen wer? Aber es ist geraten wol, Darumb ein jeder aus uns soll Gott dankbar sein aus Innigkeit, Daß er uns von der Angst und Leid Hat erledigt zů diser Stund.« Unfallo sich gleich stellen kunnt, Als wer er auch in diser Far Gestanden, das doch glogen war, Dann er an ein sicher Ort was Gangen, aber Teurdank hett das Von ime nicht acht genommen. Unfallo sprach: »Es ist kommen Die Zeit, daß wir geen heim zůhaus, Dann nun zůmal das Jeid ist aus.« Stellt sich, als ob er frölich wer, Aber heimlichen er nit mer Begert, dann daß im und seim Knecht Das Tier hett getroffen recht. Dann das war im sein höchste Pein, Den Helden zů sehen vor sein Frisch, wolmügend und auch gesund, Darumb er sich fort understund, Dem Held ein ander Gferlicheit Zů füegen, als Euch das Bůch seit. (72) Abermalen leit der edel Teurdank ein große Wassernot durch einen graussamen Sturmwind. Unfallo fieng ander List an, Damit der Held nit kem darvon, Und gedacht im in seinem Můt: Der Held halt sich in gůter Hůt An dem sorglichen Gembsenjeid, Daß im beschehen mag kein Leid. Darumb so můß ich anders denken, Ob ich ine mocht ertrenken, Und wiewol ich hab der List genůg Noch, so můß das beschehen mit Fůg. Unfallo fordert die Schiffleut, Die dann von im nit waren weit; Zů Unfallo komen komen: kamen. si zů Stund. Unfallo redt und macht in kund, Wie ein Held jetzund bei im wer, Der besorgt auf dem Wasser kein Gefer, Der wollt gern faren spazieren. Sprach: »Den Held mûßt Ir füeren, Aber in der Weis und Gestalt: Ir wißt die großen Wetter bald, So fart alsdann mit im hindan.« Darunder was ein teurer Schiffmann, Der sprach zů Unfallo die Wort: »Solch Fart wer ein heimlicher Mord, Dann si wurden sich ertrenken. Darumb so wollt nit gedenken, Daß wir also faren wellen.« Dergleich redten all sein Gesellen. Unfallo zů dem Schiffmann kam, Heimlichen er den auf ein Ort nam Und sprach: »Ich gib dir Geld und Gůt, Tů mit dem farn nach meinem Můt.« Der Schiffmann verstůnd die Meinung wol Und sprach: »Ich will tůn, was ich soll.« Ich můß mein Knecht trunken machen; Mit solchen listigen Sachen Will ich den allen ir Sinnen Und Vernuft ganz abgewinnen.« Unfallo sprach: »Mir gefellt das wol, Erlich ich dir darumb lonen soll; Tů eins, schau nur eben für dich, Damit er nit mög fristen sich. See, empfah das Geld in dein Hand.« Unfallo umb Geld ein Schalk sandt. Als nun solch Sachen was bestellt, Ging Unfallo hin zu dem Held, Sprach: »Ich hab Euch noch zů zeigen vil, So ferr es anderst ist Eur Will, Das eigentlich zů besehen.« Der edel Held begund jehen: »Wann ich auf der See bewart bin, So far ich ganz geren dahin.« Unfallo sprach: »Ich will bestellen Euch vil gůter Scheffgesellen.« Das Schiff was von Stund zůbereit Mit der vorgemelten Falscheit. Unfallo sprach zů dem Held Teurdank: »Damit Euch nit werd die Zeit lang, So hab ich ein besunder Schefflein, Darin will ich und der Schiffmann sein, Damit Ir habt Weiten genůg.« Als es nun was kommen ir Fůg, Stießen sie frölich von dem Land. Dem Held was der List nit bekannt, Den Unfallo hett für gnommen. Die Schiffleut sprachen zůsammen, Die da waren trunken und voll: »Wir wöllen heut faren gar wol.« Das tet Unfallo seer lachen, Er hofft, das Spil wurd sich machen. Als Unfallo auf das Wasser kam, Ein listig Ursach er im nam Und sprach zů dem Held hochgemessen: »Herr, ich hab etwas vergessen, Ich můß wider faren zu Haus, Dann auf heut ist geschriben aus, Daß ein Rat bei mir erschein, Und darumb můß ich daheim sein. Aber Ir, Held, faret spaziern, Die Schiffleut werden Euch schon füern.« Also fůr er nit weit darvan. Unfallo, der ungetreu Mann, Er gedacht im in seim Herzen: Der Held wird kommen in Schmerzen. Nicht über lang darnach es geschach, Daß man von fer herkommen sach Ein Wetter und Sturmwind groß. Das gab dem Scheff manichen Stoß Und begriff den Held auf der Fart. Dasselb Wetter was gestreng und hart, Es haglet und schaurt so gar seer, Daß die Schiffleut kein Hoffnung mer, Sonder sich hetten darein geben, Si müeßten kommen umb ir Leben. Der Held tet als ein teurer Mann, Er schri die Schiffleut tapfer an; Das Wasser schlůg überall hinein, Daß am Ruder kein Hilf mocht sein, Begriff damit des Schiffes Seil. Solches was ir Gelück und Heil, Dann er tet si damit halten Und für und für aufs best schalten, So lang, bis si kamen aus Not; Si rûften an gar oft zů Gott. Die Schiffleut darab wunder namen Und redten under in zůsammen: »Wissen wir doch der Wetter Art, Wie kumm wir dann in dise Fart?« Si hetten nit sovil darauf Fleiß, Daß si reiten ir trunkne Weis. In der Not kamen si zů Land. Dem Held was der List nit bekannt. Unfallo dem kamen die Mer, Wie der Held an Land gefaren wer. Das erschrak er gar seer und fast, An seim Herzen trůg er darumb Last, Doch er dem Held entgegen gieng, Auf das freundlichist in empfieng Und sprach: »Herr, wie ists ergangen? Ich hab gehabt nach Euch Verlangen.« Der Held antwort: »Ich red on Spott, Mich gwesen sein Mich gewesen sein: daß ich gewesen bin. in großer Not. Mich bedunkt, die Sach gee nit recht Zů, als ich hab gehört von eim Knecht.« »Herr Teurdank«, sprach der Unfallo, »Ir habt doch wol gesehen do, Daß solchs ist on mein Schuld beschehen, Dann es hat keim Wetter gleich gesehen. Ich hab Euch gůt Schiffleut geben; Wert Ir nun kommen umbs Leben, Nimmer wer ich gewest on Leid; Das sag ich Euch auf meinen Eid.« Der Held glaubet im diser Red, Dann er umb sein List kein Wissen hett. (73) Wie den Teurdank der Unfallo in einer hülzen Stuben verbrennt haben wollt. Unfallo hett gar großen Zorn, Daß all sein Anschleg warn verlorn, Gedacht darauf lang hin und her, Wie er im mocht zůfüegen Schwer. Eins Mals sprach er: »Lieber Herr mein, Kumbt mit mir in das kleine Stedtlein Und ziehet ein in mein Gemach Und beleibt daselbst etlich Tag.« Teurdank im dasselb zůsaget. Als die Sunn aufging und taget, Zugen si mit einander darein. Unfallo gab im ein Stub ein Von Holz; ein Kammer was daran, Darein weist er den werden Mann; Darin was ein gůts Bett bereit. Als sich der Held hett nider geleit, Unfallo sein Untreu nit spart, Der Zeit hett er erwartet hart. Heimlichen schlich er vom Held hindan, Zündt die Stuben durch ein Kuchen an, Vermeint in sein bösen Sinnen, Wann das Gemach hub an zu brinnen, So möcht er nit entrinnen daraus, Sonder mûßt verbrinnen im Haus Und auch von dem Rauch ersticken gar. Teurdank ward des Feures bald gewar; Er schmecket den Rauch von stundan, Dann von Natur schlief leis der Mann. Er sprang bald von dem Bett herfür, Gleich stieß er auf die Kammertür; Kein Leid dem Helden nit beschach. Da das Unfallo ersach, Daß der edel Held herfür kam, Ein seltzam Red er für sich nam Und sprach: »Ich kumm jetz gleich hergan Und wollt Euch auf gewecket han.« Teurdank fraget in Zorn der Mer: »Wo kommet doch das Feur daher?« Unfallo schwig, kein Wort nit sprach; Es reut im, daß dem Held nichts gschach. (74) Wie der Teurdank Unfallo umb seiner Mißhandlung willen von im jagt. Teurdank bei im selber gedacht, In was Not in Unfallo hett bracht, Und wo ers bei Zeit nit für kem, Daß er darin villeicht Schaden nem. Darumb der Held zů Unfallo sprach: »Es ist je ein wunderlich Sach, Die mir bisher ist worden kund, Daß ich hie bin sicher kein Stund, Weder auf Wasser noch auf Land; Im Bett wollst du mich han verbrannt.« Darauf Unfallo mit dem Held redt, Wie er das alls nit getan hett. Sprach: »Es ist beschehen on mein Willen«, (Er meint den Held wievor zů stillen) »Dann die Stub jetz brunnen ist, Das ist beschehen on meinen List.« Teurdank wollt nit gelauben das, Unfallo vor im nider saß Und fieng wol halb zů zürnen an Mit Herr Teurdank, dem werden Mann. Sprach: »Laßt Ir Euch in solcher Sach Erschrecken, so seid Ir zů schwach Und mit nicht ein tuglicher Mann Für mein Frau Künigin lobesan lobesan: rühmenswert. .« Die Red tet dem Held hochgeborn An seinem Herzen gar fast Zorn. Nun heret, was weiter beschach. Teurdank zů im kein Wort mer sprach, Sonder begreif den Unfallo, Bei seinem Hals hielt er in da, Füert in darvon mit seinem Har. Was ich Euch beschreib, das ist war; Er hett in nit gnůg bewarn lan, Darumb Unfallo heimlich entrann. Das was dem edlen Held fast leid, Doch machet sich der Held bereit Und zoch hin an den dritten Paß, Darauf Neidelhart Haubtmann was. Der Neidelhart den Held erkannt Aus dem gegebnem Verstand, Den im Unfallo hett zůgeschribn, Was Falsch er mit im hett triben. Gab im auch darbei zů verstan, Wie Teurdank, der teurliche Mann, Wer gluckhaft und darzů gescheit. Darumb, wo er mit seiner Falscheit Nit understund, in Leid den Mann Zů bringen, kem er dann darvon Und wurd die Künigin erlangen, So wurden si tot und gefangen. Darumb sollt er kein Fleiß sparen. Indem sach Neidelhart herfarn Den Held, dem er entgegen gieng Und mit gůten Worten empfieng; Gedacht in seim untreuem Sinn: Du kumbst lebendig nicht von hin. (75) Wie der berûmbt Held Teurdank an dritten Paß, den Neidelhart innhett, kumbt, und was im für Geferlicheiten begegneten. Hie kam Teurdank, der loblich Held, Mit seinem Ernhold auserwelt Dahin wol an den dritten Paß, Darauf der bös Neidelhart saß. Der empfienge mit Worten schan schan: schönen. Teurdank, denselben werden Mann. Er bot im alle Zucht und Eer, Groß Reverenz und anders mer In Namen seiner Künigin zart. Den Helden fraget der Neidelhart, Durch was Ursach er wer gerannt Kommen in seiner Künigin Land. Teurdank sprach: »Ich wills verjehen. Ursach ist, daß ich will besehen Dein Frauen, die werde Künigin. Darzů mir stet mein Gemůt und Sinn, Zů werden ir treuer Dinstmann, Ob ich die Gnad von Gott möcht han Und durch mein Dienst dahin käm, Daß si mich zů eim Gmahel näm.« Darauf antwort der Neidelhart Dem werden Helden auf der Fart auf der Fart: auf der Stelle. . Er sprach: »Mein Herr, seer wundert mich, Daß Unfallo und Fürwittig, Die meiner Fraun, der Künigin rein, Globt und ir bestellt Haubtleut sein, Euch nit mit Eren beleit han; Si haben daran nit wol getan. Darumb, Herr Teurdank, edler Held zart, Saget mir bald zů diser Fart, Wie hat sich doch geschicket, daß Ir kumbt allein an disen Paß?« Darauf antwort Teurdank mit Fůg: »Si haben mir bewisen genůg, Mit Untreu meinten si mich zwar, Dardurch ich schier mein Leib verlor.« Sagt im auch darbei alle Mer, Wie es im bisher gangen wer. Darauf antwort im Neidelhart Mit klůgen Worten an der Fart: »Herr, Ir seid noch ein junger Mann, Mûßt solchs nit also frübel frübel: für übel. han; Laßt Euch die Sach nit sein so schwer, Daß Euch zů steet etwas on Gefer. Kein Mann Ir darin verdenken sollt, Wann Ir gern überkommen wollt Mein Frau, die Künigin, zu eim Weib. Ir mûßt auch nit sparn Euren Leib Und Euch leicht Sach bekümmern lan, Auch keinen bösen Gedank han, Darzů übersteen noch vil mer. Das gelaubet mir, lieber Herr, Dann mein Frau, die weis Künigin, hat Mit ir Landschaft in ganzem Rat Beschlossen, daß si wöll kein Mann Nemen, er sei dann wol getan Und von edler Art geboren, Darzů mit Mannheit erkoren, Begabt mit Vernuft und Weisheit, Erfaren in Geschicklicheit, Durstig in ritterlicher Tat, Onverdrieß Onverdrieß: unverdrossen. zů fechten frů und spat Wider der werden Künigin Feind, Der an der Anzal gar vil seind. Wo er dann solchs alles vollendt, Und mein Frau seine Dinst erkennt, So wird er erst wirdig geacht Zů irem Mann. Herr, das betracht Und laßt die Sach underwegen, Dann Euch noch vil wird begegnen, Daß Ir nit alls mügt überstan. Euch wird noch seltzam Ding zůstan; Darumb das Euch soll widerfarn sein, Als Ir sagt von den Gesellen mein, Das tût fürbaß gedenken nicht, Dann ich Euch warlichen bericht, Daß Euch mein zwen Gesellen do, Fürwittig und der Unfallo, Nichts in keim Argen haben tan; Daran sollt Ir Euch on Zweifel lan.« Mit solcher Red er überredt Den Held, daß er im glauben tet All seiner Sag und Red fürwar. Neidelhart was erzürnet gar, Daß Teurdank nit langst hett verlorn Seinen Leib, der Held auserkorn, Wol von den zwein Haubtleuten do, Als Fürwittig und Unfallo. Darumb er Leid im Herzen hett, Wiewol er nit desgleichen tet. In solchem fůrt der Neidelhart Denselben jungen Helden zart Mit im in ein namhafte Stadt. Seinem Gesind er befolhen hat, Daß man dem Teurdank guetlich tet Mit gůter Herberg frů und spet. Man legt in in ein schönes Haus, Si lebten all mit im im Saus, All Sachen waren bestellt wol; Was man darzů dann haben soll, An dem was kein Mangel und Klag. Als er nun hett gerüet etlich Tag, Kam zů im der falsch Neidelhart, Sprach: »Herr, ich můß besehen, wie Ir fart, Ob Ir hirin zůfriden seid. Was Euch dann mangelt und an leit, Sollt Ir mir geben zů verstan.« Der Held sprach: »Neidelhart, ich han Nach meinem Willen Rats genůg.« Neidelhart dacht: Nun ist mein Fůg Kommen, daß ich mich understee, In zů bringen in Leid und Wee. Subtil můß ich das fahen an, Damit er mir nit müg entgan. (76) Der sighaft Held Teurdank ward durch heimlich Verreterei Neidelharts under ein groß Geschütz gefûrt zů Scheff. Neidelhart billich also hieß, Dann er hett des keinen Verdrieß, Dem teuren Helden füegen zu Schaden, Nachteil, darzů Unrů. Auf ein Zeit er zů dem Held kam, Den er heimlich auf ein Ort nam Und sprach, wie im Schrift kommen wer, Daß sich ein großmechtiger Herr, Der nechst an der Künigin Land seß, Eines heftigen Kriegs vermeß Wider die Künigin mit Gewalt, Si zů kriegen kriegen: bekriegen. in vil Gestalt, Hett auch schon den Krieg gefangen an. »Darumb, Herr, wollt Ir Euch understan, Zů han mein Frau, die Künigin, So ziehet von stundan dahin, Zů streiten wider ire Feind, Dieweil Ir doch so mandlich seind. Dardurch Ir die Kriegshendel lert; Villeicht Euch Gott der Herr beschert Glück, Eer, Sig und das große Heil, Daß Euch die Künigin wurd zůteil.« Also sagt er dem jungen Mann: Er sollt das nit underwegen lan, Dardurch er dest geschickter wurd. Weiter er sprach: »Eim Herrn geburt, Daß der Kriegshendel wissen soll, Damit er künn beschützen wol Sein treu Diener und Undertan.« Teurdank willigt, des zů nemen an. Neidelhart sprach: »Vernembt mein Sag. Es füegt sich oft auf einen Tag Und beschicht leicht in einer Stund, Daß Land und Leut verdirbt im Grund, Wo das nit wird gewendt bei Zeit. Der Künigin Hoffnung an Euch leit, Dann Ir mit Mannheit seid seer klůg Und zů solcher Sach geschickt genůg.« Also überredt er den Mann, Daß er die Sach wollt nemen an. Teurdank antwort im mit Sinnen: »Gebt mir Leut zu, die von hinnen Mit mir faren an dasselb Ort, Dem Feind vor zů halten die Port.« Bald Neidelhart verordnen ließ Etlich Schiff, die er bereiten hieß, Dem Teurdank eins für sein Person, Daß darin seß der werde Mann. Darbei Neidelhart schůf zůhand, Wohin man faren sollt an das Land Auf einen Platz, den er wol wußt, Darauf die Feind hielten gerust Mit irem Geschütz, des was on Zal, Mochten zům Held schießen nach Wal. Die Rechnung macht der Neidelhart: Wann der Teurdank kam auf die Fart, Ee dann er faren möcht zů Land, So wurd er erschossen zůhand Oder sonst von Feinden erschlagen. Solch verreterlich bös Plagen Er für die ersten hett erdacht. Zů dem teuren Held er sich macht Und gab im vil der süeßen Wort, Bis er in bracht auf das Scheff fort. Hort, was weiter geschach und nembt war! Er sagt dem teuren Held für war, Daß er geleich von Stunden an Seiner Frauen, der Künigin lobsan, All sein Getat wollt schreiben zů Und sein mandlich Lob spat und frů Aus breiten weit in alle Land. Darumb so sollt er sich vor Schand Verhûten und wol bewaren, So er gen Feinden wurd faren; Dann si möchten zů im schießen, Des sollt er sich nit lan verdrießen. Damit gedacht im Neidelhart: Der Held můß bleiben auf der Fart Oder darvon schendlich fliehen. Alsdann wollt er nit verziehen, Sonder der Künigin bald sagen, Daß er den Held hielt für ein Zagen. Dann wurd die Künigin hochgeborn Gegen dem Held fallen in Zorn Und keins Wegs nemen zů eim Mann. Gewunn er in dann die Schlacht an, So wollt er sein nit vergessen Und im die Eer selbs zůmessen, Als wer solchs durch in beschehen. Wider das wurd der Held nichts jehen Aus dem Erengemůt, so er hett. Er wußt, daß er sich nit lobet. Der teur Held eilt darvon mit Jach Jach: Eile. , Nit vil Gelücks wunscht er im nach. Neidelhart hett geordnet schon, Daß des Helden Scheff sollt vor gan, Die andern Scheff kamen hernach, Darumb daß der Held kem in Ungemach. Als Teurdank wollt faren an Land, Wurden sein gewar die Feind zůhand, Schussen auf in on Underlaß Gegen dem Teurdank, dann si das Zůvor hetten auf in gericht. Gott wollts, dann in der keins traf nicht. Des Teurdank Scheffmann Grausen ward, Gern hett er das Scheff umb kart, Zůruck wollt er gefaren han. Do das ersach der werde Mann, Da nöt nöt: nötigte. er seine Scheffleut bald Und zwang si darzů mit Gewalt, Daß si bald fůerten an das Land In und all seine Mitverwandt. Teurdank der Held aus seim Scheff sprang, Sein Diener saumbten sich nit lang, Zů einem Haufen er si bracht, Damit der Held sein Ordnung macht; Nach seinem Sinn und gůtem Fůg Trat er gen den Feinden und schlůg Sich mit in. Girlich was der Mann, Daß er stund zum vordristen daran, Und mit seiner streitbaren Hand Er seine Feind all überwand. So mandlich er sich darin hielt, Daß er auf den Tag den Platz behielt. Als die andern Scheff sahen das, Wie es im so glücklich gangen was, Und die Feind hett überwunden, Aller erst si auch abstunden An das Land, folgten dem Teurdank nach, Durch das er noch mer Feind erstach Mit seiner ritterlichen Hand. Darnach zoh er wider zů Land Mit großem Rom behabtem Preis. Neidelhart, der bös alte Greis, Im hoflichen entgegen ging, Mit süeßen Worten in empfieng, Als ob er hett ab im ein Freid; Es was aber im von Herzen leid. (77) Wie der teurlich Held Teurdank durch Anschickung des Neidelharts eins sorglichen Kampf tet und den gewann. Darnach über ein kleine Zeit Kam her aus ferren Landen weit Ein Kürriser gar hoch berûmbt, Desselben Lob was weit geblûmbt geblûmbt: verbreitet. , Wie er hett manchen Kampf getan, Darin im niemand hett gesiget an. Desselben Kempfers Erenhold Rüeft aus: Wer mit im kempfen wollt Umb Leib, umb Leben, wie das wer, Oder umb ein Gefengnus schwer, Mit dem wollt er ein Kampf bestan. Alsbald dasselbig langet an Den ungetreuen Neidelhart, Sein Herz dardurch hoch erfreut ward Und gedacht im in seinem Sinn: Möcht ich den Held bringen dahin, Daß er mit dem berûmbten Mann Den Kampf zů tun wollt nemen an Und vollbringen nach meinem Rat! Als si nun kamen in die Stadt, Da diser Kempfer innen was, Neidelhart seins Fürschlags nit vergaß, Er sagt dem Held aus bösem List: »Herr, hieher ein Mann kommen ist, Der hat kurzlich aus rüefen lan, Er well einen im Kampf bestan. Soll nun der finden keinen Mann, Der solchs gen im wöll nemen an Und sich an in bedürf leinen, Das wird warlich gar zů kleinen Eren reichen meiner Frauen. Darumb, Herr, dorft Ir Euch trauen, Disem Ritter anzůsigen, Gelaubt, das wird nit verschwigen Der Künigin, sondern werden kund; Groß Freud zů derselbigen Stund Darvon si wird in Gelauben han, Euch auch das nit unbelont lan.« Also redt er zům jungen Held Darumb, dann er hofft, er wurd gefellt Von dem Ritter mit aller Macht. Teurdank sich darauf nit lang bedacht, Sonder sprach: »Ratzt du mir dann das Aus rechter Treu on allen Haß?« Darauf im Neidelhart Antwort gab: »Ja, Herr! Darneben ich gehört hab, Wie der Ritter seinen Schild aus Hab gehenkt für seiner Herberg Haus. Darumb ich Euch auch raten will, Daß Ir nembt Euren Schild in still Und sitzt damit auf Eur gůt Pferd, Damit Eur Lob dest großer werd. Der Ernhold mit Euch reiten soll, Das ist der Brauch und zimbt sich wol; Und reit beid mit einander dar, Nembt eben des Ritters Schilds war, Hengt den Euren auch darneben; Groß Lob wird man Euch darumb geben.« Damit überredt er den Mann, Daß er hinfür reit auf den Plan Und tet, wie er im hett gesagt. Durch solches ward der Kampf vertagt Und auf den neunten Tag angesetzt; Neidelhart hett den Held gehetzt. Mittlerzeit sollt ein jetlicher Zůrichten, wes im darin not wer. Auf den neunten Tag was bereit Die Schranken, und als kam die Zeit, Ritten die bede Kempfer dar, Ein jeder auf seim Pferd fürwar, In die Schranken an das bestimbt Ort, Keiner redet darin ein Wort. Still hielten die zwen kûnen Mann, Bis der Trumetter Trumetter: Trompeter. einer fieng an, Zů blasen das drittmal mit Schall, Wie dann Gwonheit ist in dem Fall. Das hörten die zwen auserkorn, Namen ire Pferd mit den Sporn Und legten tapfer ir Spieß ein, Trafen, doch glitschten die Spieß allein. Teurdank gewann von Stund sein Schwert, Mit Grimmen er des Ritters gert. Erst da hůb sich der Kampf recht an; Zůsammen stachen die zwen Mann Mit manchem starken Stich und Streich, Einer dem andern ganz nichts weich. Zůletzt dem Ritter geriet ein Stich Teurdank durchs Panzer über sich, Der gar schier dem Held hett bracht Ein Leme Leme: Lähmung. ; doch er des nicht acht, Dann er darvon empfing kein Beschwer; Si schlůgen auf einander mer. Darnach nit lang begab es sich, Daß Teurdank dem Ritter gab ein Stich Under den Uchsen Uchsen: Achselhöhle. zum Herzen ein. Der Ritter erschrak und hett Pein, Dann Teurdank im durchs Panzer drang Mit seinem Schwert. Damit er zwang In, daß er sein Gefangner můßt sein Und sich der edlen Künigin fein Gefangen an iren Hof stellen. Wurd si in dann ledig zelen, Das gunnt er im von Herzen wol. Neidelhart der was Traurens voll. (78) Wie der edel Held Teurdank ward von dem Dunst einer Eisenkugel hart geschlagen, dann Neidelhart hetts zůgericht, daß er sollt erschossen werden. Neidelhart sich Tag und Nacht besann, Wie er sein Sach wollt greifen an. Nun begab es sich auf ein Zeit, Daß gar ein feste Stadt nit weit Von irem Heer auf ein Meil lag. Die wollt Neidelhart auf nechstn Tag Angreifen mit Gewalt des Sturm, Darinnen braucht er disen Furm Furm: Mittel. . In der Stadt was im wol bekannt Ein Büchsenmeister. Den besandt Er und ließ im in geheim sagen: Alsbald es morgen wurd tagen, So wollt er die Stadt stürmen lan Und darfür bringen ein teurn Mann, Auf den er gůt acht haben sollt. So er in erschuß, was er wollt, Das wurd er von im haben zů Lon, Allein daß er nit kem darvon, Daß er und ander acht hetten Auf den, so zů vordrist wurd treten. Der Büchsenmeister gab Antwort: »Auf der obern starken Stadtport Hab ich ein Büchsen, die ist gůt. Ist Sach, daß der Held stürmen tůt, So will ich in haben gewiß.« Dem Neidelhart er sagen ließ, Er sollt den Sturm bald richten zů, Daß der beschech gewiß morgen frů. Neidelhart die Botschaft gern hört, Dann sich dardurch sein Untreu mert, Und darauf zů dem Helden sprach: »Verhanden ist ein erlich Sach; On Euch wird es gelegen sein, Glaubt warlich disen Worten mein; Ein Büchsenmeister mir necht necht: in der Nacht. spat Schrib, daß wir mochten gewinnen die Stadt, Darumb hab ich den Sturm bestellt.« Darauf sprach zů im der edel Held: »Der Sturm soll also für sich gan, Ich will selber mit Euch daran.« Neidelhart tet zům Held die Red, Den Sturm er an zwein Orten hett Bestellt. »Ir ruckt auf das ober Tor, So habt Ir vil Vorteil bevor, Dann der Büchsenmeister darauf ist, Der wird Euch hinein lan mit List.« Der Held gelaubt dem Neidelhart das, Dann er darin unverzagt was, Und zoch frölich an den Sturm dar, Der Büchsenmeister nam sein war. Alsbald er den Helden erkennt, Richt er all sein Büchsen behend Gerad zů auf den edlen Teurdank. Dem Büchsenmeister was die Weil lang, Bis im der Held zum Schuß recht kam. Als in daucht Zeit, das Feur er nam, Ließ dieselbig Büchsen abgan Auf den Teurdank, den edlen Mann. Der Held hort den Knall, sich ducket Und seinen Kopf an sich zucket. Das was im fur ein Warheit not, Er wer sonst erschossen zů Tod, Dann der Stein gieng so nahend zwar Uber sein Haubt, es felt nit gar Umb ein Spann. Der Dunst dannocht schlůg In sein Haupt mit solchem Unfůg, Daß er kaum mit Not kam darvon. Vierundzweinzig Stund můßt er han Schmerz, dann wann er nisen anfieng, Gleich im das Blůt aus der Nasen gieng. Mer was auch in derselben Stadt Ein großes Bankarmbrost, das hat Der Bûchsenmeister auf in gericht; Aber zů seim Glück traf es nicht, Sonder seiner Gesellen ein, der Bei im stund, dermaßen, daß er Fiel vor im nider zů der Erd, Dem half wider auf der Held wert. Als nu der Held wider genas, Bei im selbs gedacht er im das: Es wer zůgericht die Verretrei Oder des Neidelharts Bûberei. Als er in solchen Denken saß, Neidelhart hett vernommen, daß Der edl Held wer etwas schwach. Darumb er sich zů im fûgt und sprach: »Herr, wie hat es umb Euch ein Gestalt, Daß Ir vom Sturm kombt her so bald?« Der Held im darauf die Antwort gab: »Ab deiner Weis ich Mißfallen hab, Dann du mir necht sagst, du wol wißt, Daß der Büchsenmeister mit List Mir helfen wurd in dise Stadt. Das ist nichts, dann er auf mich hat Geschossen. Hett mir nit geholfen Gott, So hett ich mûessen beleiben tot; Mein Bucken mir da zůmal gůt was. Ich will fůran nit glauben, das Du mir wirst sagen, und deim Rat, Dann mich der oft betrogen hat.« Neidelhart neher zum Held gieng, Sprach, daß der Büchsenmeister hieng. »Er hat nit gehalten sein Zůsagen, Er soll mirs nicht gen Hell tragen, Es sein eitel Schelk und Böswicht. Lieber Herr, ist Euch geschehen nicht, So steen noch alle Sachen wol, Den Schuß er mir noch gelten soll.« Damit tet er den Held stillen Abermals nach seinem Willen. (79) Wie der adenlich Held Teurdank durch Verreterei Neidelharts sollt an eim Scharmützel erschossen worden sein. Der Neidelhart erfand all Tag Einen neuen bösen Anschlag, Dann er Mord zů tůn geschickt was. Ging zu dem Held, zů im nider saß, Sprach: »Herr, hort und vernembt mein Wort, Die Feind sein heraus für die Stadtport Gezogen zů dem Scharmützel. Mich bedunkt, es sein ir lützel lützel: wenige. . Darumb, wellt Ir Eer erjagen, So ziecht hin, Ir mügt si schlagen, Nembt zů Euch geschickt Gesellen, Die gern scharmützeln wellen, Geet zů Fůß, es ist nit weit.« Teurdank der Held was bereit, Alles zů tůn, das bracht Eer. Neidelhart, der falsch Verreter, Hett mit dem Feind ein Bund gemacht: Wann er in Teurdank den Held bracht Durch sein List in ir eigen Hend, Was si im wollten sein verpfendt Zů geben. Die Burger im Geld Und Gůt verhießen, wo er nit felt. Neidelhart gab im den Bescheid Und schwůr in des ein rechten Eid, Morgen wollt er den teuren Held Zůfůß bringen in das Feld, Mit einer kleinen Gesellschaft, Daß si zugen heraus mit Kraft, Doch daß der größt Teil versteckt sei Und man sehe ein klein Haufen frei; Den wurd dann der Held greifen an, Alsdann mag er inen nicht entgan. Daß si auch ein Geschütz richten, Ob der Held fluch fluch: fliehen würde. , daß er mit nichten Mocht lebendig kommen darvon. Die Burger namen die Sach an, Rusten die Ding mit Ordnung zů. Es was an einem Morgen frů, Daß der Held noch Neidelharts Rat Ruckt mit eim klein Volk für die Stadt, Zůfůß Scharmützel zu pflegen. Doch sach er steen underwegen Etlich aus der Stadt mit ir Wer, Die schrien alle fast: »Her, her!« Der Held nam den Scharmützel an, Gar bald erschoß er manchen Mann. Also teten die Gesellen sein, Brachten manchen der Feind in Pein. Da solchs sahen der ander Hauf, Da ward fast ein großer Zůlauf Zů dem Geschütz und schossen seer, Dann keiner dorft angreifen mer Den Held mit seiner Gesellschaft, Sonder schossen auf si mit Kraft. Mancher Schuß nahend an dem Held Hin ging, doch was es alles gefelt. Als der Held merken kunnt und sach, Daß im Drang vom klein Geschütz geschach, Kert er widerumb ins Leger. Neidelhart der erschrak gar seer, Da er den Held noch sach gesund Und doch hort, daß zů diser Stund Mancher Schuß im so nahend was Gangen, und daß er vor in genas. Er hett schier verzweifelt gar, Also feind er dem Helden war, Doch kunnt er wol sein Schmerzen Verbergen heimlich im Herzen. Mit dem Held redt er nichts darvon, Sonder gedacht, was er weiter an Wollt fahen mit dem teuren Held, Damit er in tilgt von der Welt. (80) Wie dem teurlichen Held Teurdank sein Pferd durch den Hals geschossen ward, auch aus Anrichten des Neidelharts. Neidelhart dacht: Soll er von hin Also kommen zů der Künigin Mit dem Leben, frisch und gesund, So wird zů derselbigen Stund Unser Gewalt von uns genommen; Wir möchten auch in Leid kommen, Dann er ist ein ernstlicher Mann. Darumb will ich weiter fahen an, Zů versůchen noch andre Stuck, Villeicht hilft mir einmal das Gluck, Daß ich in bring zůletzt in Not. Es geschach an eim Abend spat, Da fûgt er sich zum Helden dar, Sprach: »Herr, ich sage Euch fürwar, Mir ist kommen Kundschaft gerecht, Wie in disem Schloß die Kriegsknecht Wellen das Haus übergeben. Wenns beschech, das wer nit eben eben: günstig. Meiner Frauen und irem Land. Darumb, lieber Herr, seid ermant Und reit bald, nembt dasselbig ein, Ee und die Feind kommen hinein.« Teurdank gelaubet seinem Wort, Machet sich zůstund auf die Fart. Nun hett Neidelhart vorhin bestellt, Wann si wurden sehen den Held Zů dem Schloß den Berg hinauf reiten, Daß si sein nit wollten beiten, Sonder den Held schießen zůtod, Dann er sie in Angst und in Not Wurd bringen, wo er zů in kem. Wer anders sach, daß ers nit nem, Ließ si henken über die Maur. Die im Schloß sahen darab saur, Sprachen: »Er soll nit kommen herein, Sonder zůvor erschossen sein.« Als nun der Held kam nah hin zů Zů dem Schloß an einem Morgen frů, Liefen si zů den Büchsen dar, Schossen die mit einander gar Ab auf den edlen Held Teurdank. Darunder was ein Schlangen lang, Daraus traf einer dem Held sein Pferd Durch den Hals, darvons auf die Erd Under im niderfiel und starb. Ein Knecht an den Neidelhart warb, Er sollt im geben das Botenbrot Botenbrot: Botenlohn. , Teurdank der Held der were tot. Vor Freuden Neidelhart aufsprang; Teurdank belib nit ligen lang, Sonder auf ein ander Pferd saß, Reit widerumb anheim sein Straß. Alsbald in sach der Neidelhart, Von Herzen erschrak er gar hart, Schalt sein Knecht aus dermaß übel. Der Knecht sprach: »Herr, habt nit frübel, Dann alsbald ich hörte knallen Die Büchsen, do sach ich fallen Den Helden nider zů der Erd, Gedacht, er wer troffen; so ist sein Pferd Geschossen worden under im zůtod.« Neidelhart dem Held die Hend bot, Fragt in, wie sich hielt das Geschloß. Den Teurdank das Schießen verdroß, Wollt im nit vil sagen darvon. Neidelhart sprach: »Es leit Euch an Etwas, darumb ich nit fragen will.« Gieng also von im und schweig still. (81) Wie Neidelhart den mandlichen Held Teurdank an die Feind schickt, und er sollt im mit dem Haufen nach gedruckt sein, das er nit tet, darab der Held schier Not gelitten hett. Neidelhart was voll böser List, Dann er aus vil Ursachen wißt, Wurd er wider dem teuren Mann Geleich ein andre Schalkheit tan, So mocht ers neur böser machen. Darumb er still stund in Sachen Ein klein Zeit, bis er kunnt ermessen, Daß Teurdank des hett vergessen. Als Neidelhart sein Zeit ersach, Füegt er sich zů dem Held und sprach: »Herr, Ir secht die Feind ziehen her, Wo es Eur gůt Bedunken wer, So wollten wir si greifen an.« »Ja«, sprach Teurdank, der kûne Mann, »Als vil ich mich darauf verstee, So soll wir darin nit feiren mee, Sonder greifen an in der Halt.« Darauf im Neidelhart antwurt bald: »Dieweil es Euch dann wol gefellt, So ziecht dahin, wann und Ir wellt Gegen in mit Eur Gesellschaft, So will ich Euch mit ganzer Kraft Und dem andern Volk drucken noch.« Teurdank gen den Feinden zoch Und greif dieselben tapfer an Mitsambt seiner Gesellschaft lobesan. Er hielt zů ersten in der Spitz, Darin braucht er sein Mannheit und Witz. Das Treffen zůmal hart angieng, Daß mancher Feind den Tod empfieng. Der Held under den Feinden rannt, Mit seinem Schwert er si zůtrannt zůtrannt: zertrennte. Und meint, Neidelhart folgt im noch. Der falsche Wicht das lang verzoch Und darumb allein langsam was, Wann er nichts anderst hofft dann das: Wurde Teurdank erschlagen schon, So wollt er wol kommen darvon Ungeschlagen von Feinden bald, Er und alls sein Volk mit Gewalt. Er meint, er wollts wol geschafft han, Wann Teurdank, der teurliche Mann, Von den Feinden wer erschlagen, Gar bald wollt er in verklagen. Neidelhart hett etlich Knecht bestellt, Die sollten erschlagen den Held; Darvor in aber Gott behůt, Als er dann oft gar manchem tůt. Er tet den Feinden Widerstand, Mit seiner ritterlichen Hand Machet er umb sich ein groß Weit. Damit er durch die Feind hin reit Und kam zu dem Schalk Neidelhart. An in er ganz fast zornig ward Und fraget den der rechten Meer, Warumb er nit nachzogen wer, Wie er im hett dann versprochen. »Ich sollt sein worden erstochen.« Neidelhart antwortet und sprach: »Herr, ich bitt Euch, wollt tun gemach, Und vernemet doch die Wort mein; Ich mocht nit fester zogen sein, Ich wollt dann Ordnung zůbrochen han. Das wer nit wol gewest getan, Sollt ich zerstreut sein zogen her. Mügt gedenken, ob ich nit Gefer Von den Feinden gewart mûßt han, Wo si uns weren kommen an. Wo ich die Warheit sagen soll, So hab ich heut gemerket wol, Daß Ir in den Sachen zů gech gech: hitzig. Seid, acht nit, was Euch darin beschech. Das saget man, Herr, überall, Darumb sollt Ir ein ander Mal Dest gemecher tun. Merkt den Bescheid, Es leit nit alls an der Fredigkeit! Das sollt Ir mir nit frübel han, Ir seid noch gar ein junger Mann, Hitzig und tut all Sach in Eil, Kriegshendel wellen han ir Weil;« Und sagt in dergleichen Sach vil. Teurdank der schweig für und für still Und hört im seiner Reden zů, Dacht im: Ich weiß, was ich tů. Doch das ich noch hab angefangen, Das ist mir alls glücklich ausgangen. Kert sich zum Neidelhart dem Wicht, Sprach: »Du gonnst mir der Ern nicht!« Neidelhart sprach aus falschem Grund: »Herr, an dem Ir mir unrecht tunt; Eur Red die tut mich fast krenken; Ir sollt solchs von mir nit denken! Dann daß ich gen Euch reden tů, Beschicht, daß ich sorg spat und frů, Ir mecht verlieren Euren Leib, Daß Euch nit wurd zů einem Weib Mein Frau, die edel Künigin.« Damit redt er im das aus dem Sinn. Neidelhart hett nicht Eer noch Scham, Alsbald es im zů reden kam, So můßt er allweg sein gerecht, Krumm Sachen kunnt er machen schlecht. Mit dem kamen si in ir Leger, Neidelhart wer gewest weger weger: lieber. , Daß der Held wer zů Tod erschlagen. Ich will Euch hernach mer sagen, Was Neidelhart sich weiter hat Understanden, den Held in Not Zů bringen, wie Ir heren werd. Bösers Menschen lebt nit auf Erd Dann Neidelhart der Böswicht was, Als ich Euch will anzeigen baß. (82) Wie der unerschrockenlich Held Teurdank ein Küriser aus den zweien fieng, die von dem Neidelhart bestellt worden, den Held zů erwirgen, und in doch allein nicht dorften angreifen. Neidelhart hett nit Rast noch Rů, Bis er dem Held richt ein Unglück zů. Auf ein Mal er in fragen tet, Ob er nit mer einen Lust hett, Zů sehen die Feind. Der Held sprach: »Gern, bei mir findt Ir kein Abschlag! Wann Ir wollt, so zeuch ich mit dar, Dann ich bin deshalb kommen har.« Das gefiel dem Neidelhart wol Und sprach: »Lieber Herr, ichen soll Mit sambt Euch auch ziehen darvon. Wiewol ich bin ein alter Mann, So will ich doch in keiner Not Von Euch fliehen, sollt ich halt tot Beleiben darumb auf der Fart.« Teurdank reit mit dem Neidelhart Von allem Volk ein Weg hindan, Dann Neidelhart hieß das still stan. Neidelhart der was gerüst wol Von Harnasch und was man han soll, Dacht: Wann mich die Feind rennen an, So mag ich entrinnen darvon. In solchen reiten si fürbaß Und kamen, da der Feind Halt was, Nahend bei einem dicken Wald; Zwen ließen sich daraus sehen bald. Neidelhart sprach: »Lieber Herr, lant lant: laßt. Uns fliehen behend bedesambt.« Er wisset aber wol vorhin, Daß solchs wer wider des Helds Sinn. Darauf er im antwurtet schier: »Lieber Neidelhart, gelaub mir, Ich folg auf das Mal nit deiner Leer, Ich sech dann zůvor der Feind mer.« Dieweil si redten, da geschach, Daß in dem Wald der recht Halt brach. Das merket Neidelhart, floch darvon, Aber Teurdank greif si kecklich an; Der Feind einen er rannt vom Pferd. Das ersach sein Gesellschaft wert, Druckten im nach mit aller Macht. Der Feind ein jeder im gedacht: Hie ist nit gůt zů beleiben mer! Die Flucht kam under ir ganz Heer, Wiewol ir zwen an einen Mann Waren. Teurdank der schri si an Und an der Flucht noch vil herab rannt, Zůletzt er sich widerumb wandt Und mit seinem Volk gesund heim kam. Alsbald das Neidelhart vernam, Bat er den Teurdank mit Fleiß seer, Daß er im sagt, wo er doch wer Von im als eilunds hinkommen; Sein Reiten hett er nit vernommen, Weßt nit, wo er in hett verlorn. Teurdank antwort: »Ich gab die Sporn Meinem Pferd, alsbald ich ersach Die Feind. Zu inen was mir gach, Ich rannt gegen inen hinein Und meint, Ir sollt nechst bei mir sein, So verlor ich Euch auf der Fart.« Darauf antwort im Neidelhart: »Ich sach von weitem in dem Halt Ein groß Volk halten vor dem Wald. Da macht ich mich eilunds darvon, Dann in was nichts zu gwinnen an. Mein Roß ist schwach und darzů treg, Was hulfs Euch, daß ich nider leg; Gedacht, Ir wurdt mir folgen nach.« Teurdank der antwurt im und sprach: »Das dunkt mich nit gar weislich tan, Daß Ir Euch wellet understan, Zů sehen die Feind auf eim Pferd, Das doch nit ist zwelf Gulden wert.« Der Held verschwig Neidelhart, daß Von im sein Feind gschlagen was. Indem ein jeder wider kam In sein Leger, meniglich nam Groß Freud ab der erlichen Tat, So Teurdank jetzo vollbracht hat Durch sein mandliche Teurlicheit. Allein dem Neidelhart was leid, Alsbald er die Sach recht erfůr. Zů den Heiligen er ein Eid schwůr, Er wollt je nit lassen darvon, Sonder sich mit Fleiß understan, Den Held zu jagen aus dem Land Oder doch zu bringen in Schand. (83) Wie etlich Kürriser auf den besonnen Held Teurdank geschickt wurden, in zu erwürgen, der er sich durch sein Mannheit aber erwert und wundet ir etlich. Neidelhart dacht: Mein vorig List Mir gegen im nit geraten ist, Darumb muß ich mich baß besinnen, Damit er mir nit mög entrinnen. Indem etlich Reuter zuland Kamen. Als Neidelhart das erkannt, Bestellt er ein Kürriser mit Fleiß, Mit dem er redt in solcher Weis, Wie ein teurer Held bei im wer, Der hett überstanden vil Gefer. Kunnt er bei im sovil finden, Daß er sich wollt underwinden, Denselben Held zů bringen in Not Oder gar vom Leben zum Tod, So wollt er im vil Gůts geben, Daß er fort mocht frölich leben. Der Reuter was geneigt zů dem Gůt, Empfieng darab ein bösen Můt Und sprach: »Ich will tůn Eurn Willen, Wer weiß, ob ich in mocht stillen.« Neidelhart hett darab ein Freud, Sprach: »Hör zůvor dis Underscheid, Wie du die Sach sollt greifen an, Dann der Held ist ein freidig Mann; Du můßt dich vor im wol bewarn, Sonst möchtest du an im mißfarn. Ich will sehen, wie ich im tu Mit Worten sovil richten zů, Daß er werde gelauben mir Und offen behalten sein Visir. Darbei sollstu in erkennen, Den nechsten zů seim Gesicht rennen.« Also ward ir Rat beschlossen. Neidelhart was unverdrossen, Ging den nechsten zů dem Teurdank, Sprach: »Herr, es ist nun nit fast lang Ein Kürriser kommen in das Land, Der gert Fechtens. Es wer ein Schand, Wo er also sollt kommen darvon, Daß in niemand durfte bestan. Jetzund mügt Ir erlangen Eer, So Ir in besteet, das glaubt mir, Herr.« Der teurlich Mann wollt lauters nit Solch Sach abschlagen, sonder ritt Mit dem Neidelhart hin behend Für die Stadt an das verborgen End, Da der Kürriser hielt im Halt, Den der Neidelhart ersach bald Und sprach: »Herr, jetzo ist es Zeit, Daß Ir den Kürriser anreit Und behalt offen Eur Visir Von wegen des Gesichts, glaubt mir.« Der Held folgt im aus gůter Art Und rannt auf den Kürriser hart. Der Kürriser nam sein auch war, Daß im sein Gesicht wer bloß gar; Darumb tracht er im zum Gesicht allein. Aber Teurdank, der Degen rein, Beschützte sich mit rechter Maß. Zůletzt geriet im ein Streich, daß Der Kürriser tot fiel vom Pferd In das Gras nider auf die Erd. Darab Neidelhart erzürnet gar, Sollt Ir glauben, wann es ist war, Und do er sach, das wollt übel zů Geen, da hett er am Morgen frů Bestellt etlich ander Kürriser, Die rennten auf den Helden her Und wollten in haben geschlagen Wider ir aller Zůsagen. Teurdank ersach dasselbig bald, Schlůg sich von inen mit Gewalt. Des erschrak übel Neidelhart, Daß die Sach so ergangen ward. Von Stund er sich zum Helden fûgt, Damit er im die Sach verklûgt, Sprach zů im: »Edler Fürst und Herr, Eur Lob und Eer wird weit und ferr In frembder Nation erkannt Durch dise Tat, so Ir tun hant. Ich wollt Euch geleich zůhilf sein Kommen mit den Hofleuten mein, Da ward Ir selbs kommen von in; Si han darvon kleinen Gewinn.« Darneben gedacht er im mer, Wie er den Held in andre Schwer Mocht bringen. Es vergieng kein Stund, Er hett schon ein andern Fund. (84) Wie abermalen under dem freidigen Held Teurdank sein Pferd erschossen ward durch Verreterei des Neidelharts. Neidelhart dacht ein andern List Und schicket hin in diser Frist Wol zů den Feinden in ein Stadt Einen vertrauten Boten drat, In derselben ir Leger was. Neidelhart der wißt vor wol, daß Gar vil Geschütz darinnen war, Darumb er in schreib eilunds dar Ein Brief mir seim falschen Dichten, Daß si sich darnach richten Mit irem Geschütz groß und klein; Er hett bei im der kûnisten ein, Der wird für ein teurn Mann gezelt, Daß er sich des understeen wellt, Zu rennen bis an ir Stadttor. Er wollt sis lassen wissen vor, Damit si ir Geschütz richten dar. Die Feind namen der Botschaft war, Wie in hett kund tan Neidelhart. Vil Büchsen auf derselben Fart Richten si oben auf das Tor. Si beschossen sich gar wol vor Mit solchem Fleiß und rechter Maß, Wenn einer kem auf dieselb Straß, Daß man sein nit wol felen kunnt. Ein groß Büchsen an der Maur stund, Was gerichtet under die Port. Nun höret, was sich begab fort. In mittler Zeit Neidelhart kam, Den Teurdank er auf ein Ort nam, Fing an zů reden von manicherlei Abenteur, und was wer das Geschrei. Zůletzt sprach er mit falscher Zung: »Herr, vor Zeiten, da ich was jung, So ich die Warheit sagen soll, Dazůmal hab ich gesehen wol Oft und dick manichen jungen Mann Teurliche Sachen fahen an; Ubten sich in mandlicher Tat, Einer rennet je für ein Stadt, Erstach si, die er fand darvor, Rannt hinein bis under das Tor. On alle Warnung das beschach, Vil Lobs sagt man dann einem nach. Glaubt, wann ich etwas junger wer, Ir sollt von mir noch sehen Eer, Dann ich dorft hinein an die Port Rennen; fund ich kein, alsdann fort Wider on Schaden kommen weg. Wo dann von mir niemand nider leg, So wollt ich dannocht Zeichen lan, Daß man sprech, ich hett wol getan.« Im antwort darauf Teurdank der Held: »Wann die Tat wol der Künigin gefellt, So bin ich darzu wol bereit.« Neidelhart sprach: »Herr, auf mein Eid Wellet genzlichen glauben mir, Und were ich als jung als Ir Und vermüglich aus rechter Kraft, Ich wollt dasselb tun mit dem Schaft Und Euch nit gonnen zů reiten.« Auf das wollt der Held nit beiten, Sonder saß auf ein resches Pferd, Gewappent mit eim gůten Schwert. Als er nach Notdurft was gerüst zů, Reit der Held an eim Morgen frů Gar nahend hin an der Feind Stadt; Sein Gesellschaft er verstoßen hat Heimlich in ein verborgnen Halt, Nam etlich mit im für den Wald, Zů besehen, ob im mocht glingen, Etlich Feind aus der Stadt bringen. Bald kam er auf das recht Gespor Gespor: Spuren. , Reit darauf bis an das Stadttor, Daß er kein Menschen hört noch sach. Aber es stund nit lang an, darnach Gieng ab alls Geschütz groß und klein Auf den Held und sein Gesellen allein; Desgleichen kein Mann nie erhort. Von allem Geschoß aus der Port Ein Schuß im streift das Roß an die Stirn sein. Nahend wer es dardurch in Pein Kommen; fast schossens zum Helden gůt; Doch in der ewig Gott behůt, Gott wollt, daß im nichts geschach. Aus der Stadt man etlich fallen sach Mit vil und manicherlei Wer. Teurdank der ließ si kommen her, Zuckt seiner Gesellen ein behend Ein gespannt Armbrost aus der Hend Und schoß der Feind ein durch ein Fuß. Zum ander Mal er wider schuß Und traf noch ein in Bauch geleich, Darauf ir ganzer Haufen weich Und fluhen zů der Porten hert. Teurdank darnach von dannen kert, Reit zů seinen Gesellen in Wald, Die sein noch warten in dem Halt. Von den er wol empfangen ward, Dann si sein hetten besorget hart, Im mocht etwas begegent sein, Dann er geritten was mit Volk klein Von in und gewesen vor der Port, Dann si hetten ganz wol gehort Das Geschütz mit gar großem Saus, Das auf in gangen was heraus. Niemands wolltens aus der Stadt mer lan, Weder zů Roß, Fůß, Weib noch Mann, Dann si besorgten sich der Mer, Wie noch ein Huet verborgen wer. Teurdank zoch hinweg von der Stadt Mit seiner Gesellschaft, so er hat Bei im, in sein Leger wol bereit. Do das ersach der Neidelhart, Dem Helden er entgegen reit, Wiewols im was von Herzen leid, Daß Teurdank noch sein Leben hett, Aber er nit desgleichen tet, Er fragt den Helden do der Mer, Wie es in dem Feld ergangen wer. Teurdank sagt ims von Wort zů Wort Den Anfang, das Mittel, das Ort Ort: Ende. . Der Neidelhart gedacht also: Ewiger Gott, was würkst du do An disem Menschen Wunders vil, Daß gar kein Kunst nit helfen will. Aber er nit desgleichen tet, Sonder freundlich mit Teurdank redt Und sprach: »Mein Herr, Ir mûßt verstan, Daß ich Euch recht geraten han, Dann es wird Euch groß Lob geseit Von wegen der Tat weit und breit.« Darneben er im gedacht mer, Wie doch ein Sach zů finden wer, Dardurch der Held mocht werden bracht Umb sein Leib. Nit lang er sich bedacht, Sonder fand ein andere Bosheit, Wie uns hernach die Geschrift seit. (85) Der küen Held Teurdank errennt einen Kürriser, der in tot zů rennen bestellt was. Hie kam der untreu Neidelhart Mit Listen in seim grauen Bart Abermals mit einer neuen Mer, Sprach: »Wann ich Eurs geleichen wer Und in solchem großen Gelück, So wollt ich bestan ein trutzlich Stuck Und einen Ernhold reiten lan Gen Feinden in die Stadt hindan. Denselben er verkünden sollt, Daß Ir in dreien Tagen wollt Allein zů inen kommen dar Zwischen die zwei Leger fürwar Und daselbs auf dem grûnen Plan Euch im Harnasch finden lan, Ob dann bei jenen wer ein Mann, Der Euch wollt mit Kampf greifen an Und hett ritterliche Begir, Ein Spieß mit Euch zerbechen schir Von seines Bulen wegen zwar.« Der Neidelhart wißt wol fürwar, Daß bei den Feinden wer mancher Mann, Der solchen Kampf wurd nemen an; Dann alsbald si des wurden gewar, So schickten si ein auf in dar. Also gedacht der untreu Mann: Er mag nit stets kommen darvon, Sonder müeß ein Mal mißraten Und im kommen zu unstatten. Dem Held was sein Herz ganz gering gering: leicht. , Er wug nit vil auf geferlich Ding. Darumb was er des Rats gar fro, Zů dem Neidelhart sprach er do: »Es soll an mir kein Mangel han!« Den Erenhold hieß man her gan; Er schickt den hinein in die Stadt Nach des bösen Neidelharts Rat, Daß er die Botschaft darin verkundt. Ein Antwort ward im auf der Stund Geben: Si wollten schicken ein Mann, Der in wurd sůchen auf dem Plan. Doch sollt er kommen neur allein Und sonst gar kein Mensch bei im sein, Auch von jemands einich Hilf han, Desgleich sollt ir Ritter auch tan. Als nun der Erenhold vernam Die Antwurt, bald er wider kam Zů seim Herren, sagt im die Meer, Was im in der Stadt begegent weer. Darnach, als kam der dritte Tag, Den Teurdank man hin ziehen sach, Gerüst im Kürriß, Spieß und Schwert; Er saß auf seim verdeckten Pferd, Auf die Walstatt Walstatt: Kampfstätte. er allein reit Nach Inhalt ir beder Bescheid. Teurdank eilt hin auf den Platz seer; Ein brûmbter Ritter zog daher Mit seim verdeckten Pferd gar schon. Als Teurdank sach denselben Mann, In Zorn wurd er gen im bewegt. Jetweder seinen Spieß ein legt Und faßten die wol zu der Hand; Mit Kraft einer auf den andern rannt. Dem Teurdank dem beschach das Heil, Daß er rannt seinen Widerteil Zů der linken Seit ins Geseß hinein Under den Kürriß Tartschen Tartschen: Schild. sein. Ditsmal er seiner Mannheit pflag, Durch daß der Ritter vor im tot lag. Wiewol der Ritter dem Held hett Getroffen sein Roß, noch so tet Er im damit ganz kein Schaden. Si waren all mit Freid beladen Des Teurdanks glücklich Widerfart On allein der falsch Neidelhart. Dem was es getreulichen leid, Daß in nit halfe sein Falscheit. Doch er sich des nit merken ließ, Den Teurdank er willigkummen hieß Und sprach aus seinem falschen Sinn: »Sechet, ob ich Euch nit treu bin!« Dann bei der Tat mögt Ir verstan, Daß ich Euch Gůts geraten han, Dann Ir damit habt Rum und Eer Erlangt und werds noch haben mer. Darumb seid gůter Zůversicht, Das Gelück wird Euch warlich nicht Zů keiner Zeit nimmer verlan, Sonder Ir mûßt die Künigin han Gewißlichen on allen Spott, Darzů wunsch ich Euch Glück von Gott.« Mit den Worten und dergleichen Kunnt er wol den Falben streichen, Gedacht aber im Herzen sein: Kann ichs verhûten, die Künigein Soll dir in keinem Weg werden, Mich helfe dann nichts auf Erden. (86) Wie der edel, milt Held Teurdank in seiner Kammer ermordt sein sollt. Neidelhart zu dem Helden trat In sein Gemach an eim Abend spat, Sprach im mit Worten also zu: »Herr, schlaft heinacht mit gůter Rů, Dann ich hab die vorigen Nacht Mein Schlaf mit gůter Rů vollbracht, Darumb so will ich heint fürwar Auch wachen, wie Ir habt hievor All Sach bestellet und getan.« Der Held dasselb zů Dank nam an Und legt sich schlafen in sein Bett. Der Neidelhart vor bestellt hett Etlich Morder mit barem Geld; Dieselben in der Nacht den Held Sollten ermorden, ee es tagt. Das hetten si im zů gesagt, Dann Neidelhart weßt vorhin, daß Der Held ganz mûd und hellig hellig: matt. was, Darumb wurd er schlafen on Sorgen. Als es nun gieng gen dem Morgen, Wollten die Morder understan, Den Mord zů tůn, begunden gan Für die Kammer, namen herfür Iren Zeug, brachen an der Tür. Nun hett der Held die Gewonheit, Daß er sich nimmer schlafen leit, Er hett zůvor die Tür versperrt, Verschlossen und verrigelt hert; Sein eigen Herz im solches seit. Die Morder hetten iren Bescheid Und waren an die Tür gericht, Si mochten die aufgewinnen nicht, Die Tür was also wol verwart. Alsbald der Held das am Bett hort, Bedacht er sich darauf nit lang, Sonder behend aus dem Bett sprang Und zuckt sein gůtes Schwert herfür. Die Morder hortens vor der Tür Und erschraken darab gar seer. Als si merkten, daß er sein Weer Hett, hůben sich gar bald darvon, Besorgten seer den teuren Mann, Dann si wußten alle wol, daß Der Held ganz unerschrocken was. Sollten dann die Knecht sein erwacht, Si hettens umb ir Leben bracht. Als si nun waren weg kommen Und der Held das hett vernommen, Versperrt er sein Tür noch vil baß. Darnach er noch ein Weil auf was, Zůletzt legt er sich an sein Rů. Er schlief nit vil, des Morgens frů, Als es schir wollte werden Tag, Do gieng er aus seinem Gemach Und saget dem Neidelhart das, Wie es im heint ergangen was. Der Neidelhart desgleichen tett, Als ob er des kein Wissen hett, Sprach: »Herr, fast groß Wunder ich han, Wer doch solchs nur müg han getan! Ich gelaub bei meiner Selen, Es seind Leut, die wollten stelen, Dann hie gar viel seltzams Volks ist, Treiben manichen bösen List.« Mit disen Worten also frei Verdeckt er sein Verreterei, Auch böse List und arge Fund, Daß der Held solchs nit merken kunnt. (87) Wie der hochberûmbt Held Teurdank von etlichen Knechten mit gezogen Weren angriffen ward, der er sich durch sein Geschicklicheit erwert in einer Romor Romor: Tumult. . Nicht lang darnach kam Neidelhart Und klagt dem Helden, er wer hart Durch teglich Arbeit worden schwach. Bat in darauf, daß er all Sach Die Nacht wollt han in gůter Acht Und nach Notdurft bestellen die Wacht Allenthalb in dem ganzen Heer, Besetzen die Tor und die Weer. Sprach: »Ich will mich schlafen legen Und meiner Rů ein klein pflegen. Die nechst künftige Nacht will ich Wider wachen auch fleißiglich.« Der Held der saget im das zů, Er sollt sich legen an sein Rů Und alle Sorg lassen faren, Dann er keinen Fleiß wollt sparen. Zů diser Wacht rust sich der Held. Nun hett Neidelhart vorhin bestellt Etlich Fůßknecht mit argem Wan, Die auf den Helden sollten gan Und seiner Person gůt haben acht, Tragen gespannt Armbrost auf der Wacht. Erschussen si den Held zů Tod, So wollt er in vil Guldein rot Geben. Die Knecht sagten das zu, Neidelhart lag an seiner Ru. Als nun die finster Nacht her gieng, Der Held treulich wachen anfieng, Besichtiget all Ort gar wol, Wie dann ein Wachtmeister tun soll, Ob ein jeder hielt sein Bescheid, Damit niemands widerfür Leid. Zům letzten kam er an ein Ort, Da stůnden etlich Fůßknecht dort. Alsbald sie den Held vernamen, Schlůgen sie von Stund zůsammen Mit einem übergroßen Bracht. Teurdank in im selber gedacht: Ich můß besehen, was das müg sein; Ich glaub, die Bůben sein voll Wein. Mit demselben lief er si an, Fand si mit gespannten Armbrosten stan Mit irem aufgelegten Pfeil. Der Held der kam auf si mit Eil; Si wollten gleich geschossen han, Da übereilt si der teur Mann, Underlief in alle ir Wer, Daß si die nit mochten brauchen mer, Stillet dardurch alles Geschrei Und des Neidelharts Verretrei. Des Morgens, als es Tage ward, Da kam der untreu Neidelhart, Erschrak darab von Herzen fast, Daß er Teurdank, den edlen Gast, Frisch und ganz gesund vor im sach. Seim Herzen leiders nie geschach, Redt heimlichen mit im selber: Was Gelück mag doch neur han der! Dann all mein Anschlegen und List Er mir allzeit zů geschickt ist. Gieng darauf zů dem Helden drat, Ein gůten Morgen er im bat, Fragt in aus seinem falschen Mund, Wie es umb alle Sachen stund. Der Held antwort: »Es ist noch gůt, Dieweil mich Gott helt in seiner Hut; Aber heint giengs mir übel hie.« Neidelhart sprach: »Mein Herr, als wie?« Teurdank saget im alle Sach, Was im wer beschenen an der Wach, Daß ers übereilt hett allsambt Und ir Weer gerissen aus der Hand. Neidelhart stellt sich mit Gefer, Als erschreck er ab der Sach seer, Fing an und zum Held also sprach: »Ich will sie strafen umb die Sach Und sie martern lassen fürwar So lang, bis ich von in erfar, Warumb si solchs haben getan.« Damit er tet zů den Knechten gan, Mit Zorn heimlich er zů in sprach: »Wie habt Ir so heilos in der Sach Gehandelt?« Antwort im der ein: »Herr, auf meinen Eid ich vermein, Gott der habs wellen haben nit, Dann ich seiner Kunft mit Verdrieß bit, Noch so hat mich die Nacht geblendt, Daß ich in zůerst nit hab kennt.« Der ein sprach: »Mein Büchs nit lan wollt, Als sie billich tan haben sollt. Indem übereilt uns der Herr, Daß unser keinr kam zů der Weer, Und mûßten all sein gefangen. Also ist es uns ergangen.« Neidelhart kam wider zum Held, Sprach: »Herr, die Knecht haben erzelt Mir bei irem geschwornen Eid Den Grund der Sach und die Warheit, Daß si haben Euch erkennt nit. Ist drauf ir undertenig Bitt, Ir wellt in geben Gnad und Huld, Si bekennen gen Euch ir Schuld.« Teurdank der begnad si von Stund, Sprach: »Secht, daß si des nimmer tunt!« (88) Wie sich Teurdank, der unerschrocken Held, in einer Besetzung treffenlichen wert und sovil erschoß, daß si můßten abziehen. Wiewol Ir vor oft habt gehort, Was Bosheit und die besen Mord Neidelhart hat wöllen began Am Teurdank, dem vil kûnen Mann, So acht ich wol, daß dises sei Mit Eren auch für eins darbei Aus denselben bösen Stucken Zů setzen zů Neidelharts Tucken, Dann meins Dunkens ist nit ein kleins. Als der edel Held Teurdank eins Mals mit seim Volk geritten was Nit weit in ein gůtes Schloß, das Allernechst bei den Feinden lag, Darin zů ruen etlich Tag, Hett bei im gar fast wenig Leut, Neidelhart gedacht: Ich hoff heut Werden gerochen an dem Mann. Schickt zů den Feinden, ließ in sagen an: Wollten si jetz Eer erjagen, Daß si dann an einich Fragen Ruckten mit einem Haufen Knecht Für das Schloß, dann der Held an Necht Darein mit wenig Volks kommen wer. Daselb mochtens erlangen Eer, Dann alsbald der Sturm wurd angeen, So mocht er in nit widersteen; Das Schloß ist gewunnen zůstund. Der Haubtmann im zů folgen begund, Zoch heimlichen fur das Schloß dar. Teurdank der wurd des nit gewar, Bis man darein schießen anfieng. Teurdank selbs auf die Zünnen gieng, Sach, was doch da mochte gesein; Indem die Knecht liefen hinein Den nechsten gen des Schloß Porten. Teurdank sprach: »Von allen Orten Bringt das Geschoß her zů mir, Ich bin in Hoffnung, ich wells schir Wider hinweg gewisen han.« Das gschach, dann er gar manchen Mann Darvor von Feinden zů Tod schoß. Das den Haubtmann übel verdroß, Sach, daß er nichts mocht gewinnen, Darumb er wider zoch von hinnen, Ließ der Sein der Sein: von den Seinen. manichen tot ligen. Die Mer bliben nit verschwigen. Neidelhart, der untreue Wicht, Sprach: »Ach, mich will doch helfen nicht, Was ich mit disem Mann anfach. Ich glaub, wer mir nit so gach, In zů bringen in Angst und Not, So wer er langst beliben tot. Der Krůg so lang zů Wasser geet, Bis er ein Mal zůbrochen steet. Darumb ich auch in Hoffnung bin, Daß mir noch einmal werd mein Sinn Ganz gelücklichen für sich gan Gegen disem teurlichem Mann.« (89) Wie der sighaft Held Teurdank abermalen einen Kürriser zůtod rennt, der vom Neidelhart bestellt was, im solichs zů tun. Neidelhart wollt nit haben Rů, Sonder rieht ein ander Spil zů. Auf ein Zeit er zum Helden kam: »Herr, ich weßt ein merkliche Nam, Der Künigin Feind abzůbrechen. Wann Irs hort, so mûßt Ir sprechen, Es sei war und ein gůte Sach.« Teurdank drauf zum Neidelhart sprach: »Ich will ganz geren reiten mit, Doch schau, daß die Kundschaft dir nit Werd felen.« Darauf sprach Neidelhart: »Herr, ich hab Kundschaft in der Art Von Vorteil fast gewiß und gůt, Ich hoff, wir wellen Eer und Gůt Heut auf disen Tag gewinnen.« Teurdank sprach: »So zeug vor hinnen.« Nun hett aber Neidelhart bestellt Etliche Ritter auserwelt, Die sollten dem Held lassen Ein Vorlaß Vorlaß: Mittel, den Feind zum Kampf zu locken. daus auf der Straßen; So wurd ers mit nicht underlan, Sonder si wellen greifen an. Alsdann sollten si auf den Halt Fliehen, doch mit Maß, nicht zu bald, Damit si brechten den Held wert Weit von seinem Volk mit Geferd. So wer es ganz gewiß, dann er Inen mocht entrinnen nit mer. Die Sachen waren wol bestellt, Teurdank ruckt hin über das Feld Und hett Schützen zů im genommen. Als er an das bestellt End was kommen, Rennten etlich Feind entgegen, Als wolltens Scharmützel pflegen. Der Schützen einer das war nam Und wartet, bis im neher kam Aus derselben Rott der Haubtmann, Schlůg er behend sein Armbrost an Und schoß im ein Pfeil in sein Stirn, Der im Helmlet steckt, doch das Hirn Er im hett berûret ganz nit. Teurdank mit seim Spieß auf in ritt Und rennt in und sein Roß nider, Daß er nicht mocht auf steen wider, Blib also im Feld ligen tot. Sein Gesellen erschraken ab der Not Dermaß, daß si all fluhen darvon Ander Weg, dann sie sollten han Geflohen auf den Haufen im Halt. Teurdank der rennt inen nach bald Und erstach ir noch etlich mer. Als in daucht, er ritt zů ferr, Kert er wider und reit zů Haus. Dardurch so entrann er dem Strauß, Darein in Neidelhart gefürt Wollt haben. Doch der Held nit spürt Des Neidelharts untreuen List. Gelaubt, hett er dasselb gewißt, Der Wicht mûßt kommen sein in Not Oder villeicht gar bliben tot. (90) Wie der adenlich Held Teurdank durch sein besonnene Geschicklicheit hundert und etlich Mann selb vierzehend selb vierzehend: zusammen dreizehn. fieng, so in erlegt sollten haben. Neidelhart noch kein Benüegen hett An dem, das er dem Helden tet, Bedacht ein neue Bûberei. Eins Mals da kam im das Geschrei, Wie ire Feind mit ganzem Heer Sich hetten von in gelegt nit ferr Und wollten liferen ein Schlacht. Neidelhart in seim Sinn gedacht: Mochte ich mit Listen den Held Bringen hindan in das weit Feld Allein auf ein Ort vom Haufen, So mûßten in gleich anlaufen Etlich von Feinden mit ir Weer. In demselben gieng der Held her; Neidelhart sprach: »Lieber Herr mein, Ich hör, wie die Feind sollen sein Aufs allernechst im Feld hiebei, Und ist lauter das ganz Geschrei, Si wellen sich mit uns schlagen. Das hab ich Euch wellen sagen, Ob wir in unseren Vorteil Ruckten mit disem Volk, dieweil Wir dasselbig tun mögen wol.« Teurdank der Held antwort: »Es soll Warlich aufs fürderlichist beschehen.« Von Stund schickt der Held aus zů spehen, An welchem Ort die Feind weren, Dann er wollt sich schlagen geren. Neidelhart heimlich schicken tet Zů den Feinden, sagt in, wie sich hett Der Held geschickt, mit in zů schlagen, Alsbald es morgen wurd tagen. Darumb, wurden si folgen seim Rat, So wollt er in lifern in Tod, Und wann si erschlûgen den Mann, So wer die Schlacht gewunnen schon. Die Feind wurden erfreut gar seer, Zů hören, was sein Anschlag wer. Neidelharts Bot zu inen sprach: »Morgen und ee es wirdet Tag, So schickt hindan ein Anzal Mann, Die im Harnasch zůfůssen gan, Daher auf dise Heiden breit, Und lasset euren Haufen weit Von dannen fûren auf ein Ort, So will er den Helden fort Mit vierzehen Mann und nit mer Den nechsten auf si schicken her, Daß er nit wol müg entrinnen. Wellen si dann ein Beut gewinnen, Das mögen si on Schaden tan.« Die Feind namen den Anschlag an. Teurdank, dieweil es noch nit Tag ward, Was er mit seim Volk auf der Fart, Zů ziehen seinen Feinden zů. Neidelhart hett kein Rast noch Rů, Bis er vollbracht seinen Anschlag. Indem da brach daher der Tag. Neidelhart rannt zum Helden dar Und sprach: »Herr, ich sag Euch fürwar, Daß ich ein Volk vor disem Wald Gesehen hab in derselben Halt; Nach meim Dunken sein ir zehen. Herr, wollt Ir si recht besehen, Damit es sei kein Hinderhůt Hinderhůt: Hinterhalt. , Nembt mit Euch vierzehen Mann gůt, Besecht si nach Notdurften wol, Dieweil ich fürsich ziehen soll Mit dem ganzen Gezeug hindan. Ist dann not, so möget Ir han Eur Zůflucht den nechsten auf mich.« Teurdank der Held sahe umb sich Und nam zů im dreizehen Mann, Mit denen zug der Held darvon. Alsbald nun der Teurdank wegkam, Neidelhart das Volk alles nam, Zog fürsich mit großer Eil weg, Daß dest eer der Held nider leg. Teurdank zoch in denselben Wald, Bald sach er die Feind in dem Halt, Der warn bei achtzig und hundert. Teurdank sich des hoch verwundert, Daß si nicht beliben weren Bei irem Her. Er hett geren Von stundan getroffen mit in, Gedacht aber: Ein klein Gewinn Wurde ich empfahen darvon, Dann alle Wegen zehen Mann An der unseren einen sein; Ich můß durch ein anderen Schein Disen Leuten angesigen. Gebot den Sein, daß si schwigen, Teilet si aus an gar vil End, Sprach: »Secht eben, wenn ich mich wend, So rennt mit einem Geschrei groß, Ein jeder in die Trumetten stoß, Bis zun vordristen in den Wald. So will ich einen Reuter bald Schicken, der euch anschrei gar seer, Daß ir nit fürbaß reitet mer.« Die Reuter hetten gemerkt das, Alsbald sich der Held wenden was, Stießen etlich in die Trumetten, Wie sis dann ein Befelh hetten, Und rannten mit eim großen Schall. Darvon die Feind erschraken all, Dachten: Wir sein all verraten. In dem ward den Reutern boten, Daß si sich sollten halten still: »Das ist endlich des Haubtmanns Will, Dann sie künnen nit entrinnen. Der Haubtmann, ee sie von hinnen Kommen, will mit in han ein Sprach.« Das alls ein jeder Feind wol sach. Darauf eilt zů in der Ernhold, Sprach: »Wellt ir fristen eurn Leib bald, So gebt euch in meines Herrn Gnad, Oder ir leidt den gewissen Tod, Dann ir seid hie ganz umbgeben; Ich rat euch, Ir frist eur Leben.« Die Feind erschraken darab hart, Sahen, daß gerings gerings: rings. umb si die Wart Was bestellet durch die Reuter. Darumb si nider legten ir Wer, Baten, daß man in ir Leben Fristet, si wollten sich geben An den hochberûmbten Haubtmann, Wollt er si anderst nemen an. Der Ernhold bald zum Herren rannt, Sprach: »Herr, sie haben sich allsambt Ergeben in Eur Gnad und Huld, Daß Ir in vergebet ir Schuld.« Teurdank reit allein zů in dar, Sprach: »Ir Kriegsleut, glaubt mir fürwar, Wert ir ander Leut gewesen, Eur keiner hett mögen genesen. Darumb gelobt mir mit eurem Eid, Daß ir euch der schönisten Maid Wöllt stellen in ir eigen Hand, Ich mein die Künigin in dem Land. Was dieselb mit euch handien wird, Daran sollt ir sein von mir ungeirrt.« Die Feind fielen auf die Knie nider, Schwůren ein Eid, daß si wider In zů keiner Zeit wollten tan, Darzů kein Rast noch Ru mer han, Bis si zů der edlen Künigin Sich hetten gestellet dahin. Nach dem der Held si ziehen ließ Und sein Leut zůsamm kommen hieß, Ritt eilund wider zů seim Heer. Als in Neidelhart sach reiten her, Groß Angst und Leid im darumb was, Daß der Held frisch und gesund saß Auf seinem Pferd; doch hoffet er: Ob der Held schendlich geflohen wer, So wollt ers der Künigin schreiben, Dardurch er hofft, in zů vertreiben. Als er aber vernam die Mer, Wie der Feind Hauf gefangen wer, Kam er schier von den Sinnen gar. Indem da wurd Teurdank gewar, Daß die Feind auch nahend waren, Hieß er mit dem Geschütz für faren Und macht sein Ordnung gůt und fest, Als er dann darin wol zů tůn weßt. Desgleichen auch die Feind teten. Da sie all Sach geordent hetten, Zogen si zůsammen mit Macht. Teurdank der Held behielt die Schlacht, Darvon in einem Bůch ich mer Will schreiben und kumm wider her. An die hundert und achtzig Mann, Die sagten sich der Künigin an: Zů ir Gnad stund ir Verlangen, Dann si weren all ir Gefangen, Durch einen Helden her gesandt, Der Haubtmann wer in irem Land. Der Türknecht sagts an der Künigin. Die hieß si für si lassen in Und höret si mit ganzem Fleiß. Die Gfangen gaben Lob und Preis Dem Helden und seiner Mannheit; Ein jeder im vil Gůtes seit. Des sich die Künigin wundert seer, Dann sie doch nicht wissen möcht, wer Doch der küen teurlich Held mocht sein, Der solch Müe ir zůlieb allein Hett bisher tan in irem Land. Auf ir drei Haubtleut tets ir ant ant: leid. , Daß si von in kein einichs Wort Des edlen Helds halb hett gehort. Dardurch si ein Verlangen gewann, Zů sehen den teurlichen Mann. (91) Wie der trutzlich Held Teurdank durch Neidelharts Verreterei sollt aus einer Stadt erworfen sein worden. Kurzlich kam Neidelhart ins Feld Zů dem edlen Teurdank vor gmelt, Fraget von im die rechten Mer, Wie es im doch ergangen wer. Teurdank sprach: »Hast du vernommen, Daß wir die Schlacht han gewunnen, Und han sich mir all ergeben, Dardurch in ist gefrist ir Leben? In Glübd hab ich si gnommen gar Und befolhen, sich zů stellen dar An den Hof zů der Künigin zart.« Darab erschrak seer Neidelhart Und sorgt, die edel Künigin klar Wurd dardurch seiner Mannheit gewar. Doch sich desgleichen nit stellt Gegen Teurdank, dem edlen Held, Dann er sorget, wo solchs aus käm, Und dasselbig der Held vernäm, Er müeßt sterben von seiner Hand, Dann er hett des gůten Verstand, Daß dem teuren Held jedermann Anhieng. Eins List er sich besann Und sprach auf dasselb zu dem Held: »Herr, ich sag Euch, so ferr Ir wellt, So mügt Ir die Stadt wol gewinnen, Dann ich habe noch darinnen Gar ein gewisse Kundschaft gůt, Dermaß, wann Ir die berennen tůt, So wird Euch das Tor offen stan, Ir werdt auch kein Widerstand han Ganz von keinem Mann in der Stadt. Darumb so ist mein treuer Rat: Ir saumet Euch in kein Weg nit, Sonder nembt Eure Reuter mit, So will ich mit dem anderen Zeug Nach drucken. Darumb so habt kein Scheuch, Dann die Stadt ist unser fürwar.« Teurdank sprach: »So reiten wir dar!« Nun hett der Neidelhart zůvor Bestellt auf derselben Stadt Tor, Daß si sich sollten darauf richten Und daran ersparen nichten Mit Steinen groß und darzů schwer, Auch etlich Feßlein, darin Pech wer, Und ir Achtung eben haben, Wann Teurdank wurd zum Tor traben, So sollten si in werfen zů Tod. Dardurch kommen si aus aller Not, Dann wann derselb erworfen wer, So wurd kein Kriegsmann bleiben mer In dem Leger vor irer Stadt. Die Burger folgten seinem Rat, Richten aufs best all Sachen zů. Des andern Tags am Morgen frů Teurdank der rannt in allen vor Den nechsten hin zů dem Stadttor. Die Burger hielten sich gar still, Daß Teurdank im gedacht: Ich will Dise Stadt gar leicht gewinnen, Ee ich kumb wider von hinnen. Als er aber kam under das Tor, Hůb sich von Burgern ein Rumor, Warfen herab mit Steinen fast Und brinnendem Pech auf den Gast Aus allen iren Kreften seer, Daß dem edlen Held ward nit mer, Dann wider sich zů wenden bald Mit seinen Gesellen in den Halt. Hett in der Würf einer troffen, Sein Leben wer zůend geloffen. Got behüet in mit seinen Gnaden, Daß er von in kam on Schaden. Der Held Teurdank gar bald besann Ein ander Weis, dardurch er gewann Die Stadt der Verreterei. Er rach Dermaß, daß mancher sein Leid sach, Dann er ließ töten, was darin was. Als sich nun hett verloffen das, Teurdank mit seim Volk wider heim kam. Neidelhart im ein Ursach nam, Daß er mit Teurdank reden möcht: »Herr, sagt mir, was habt Ir gedacht, Als die Burger wurden Böswicht Und ir Zůsagen hielten nicht Und auf Euch wurfen mit Steinen?« Teurdank sprach: »Ich wills nicht verneinen, Sonder die recht Warheit sagen: Ich bin bei all meinen Tagen Nie zorniger auf dich gewesen. Hett ich dich gehabt, du werst kaum genesen, Dann ich halt, du habst das erdicht Und mir zů Nachteil zůgericht. Sollt ich noch erfaren den Grund, Es müeßte sein dein letzte Stund.« Neidelhart der schwůr hoch und teur, Sprach: »Herr Gott geb, daß ich im Feur Vor Eurem Angesicht verbrinn, Näm ich solchs je in meinen Sinn, Geschweig, daß ich das hett getan. Ich müeßt je sein ein böser Mann, Der Euch mit solchem betrüeben wollt, Dann ich bin Euch von Herzen hold. Hetten wir die Burger nit tan Solch Vertröstung, als ich Euch han Von inen nechten zůgesagt, Ich hetts nit gestatt, daß Irs hett gewagt. Darumb laßt Euren Zoren fallen, Ir werdt mich gerecht in allen Mein Gescheften finden alle Zeit.« Der Held von dann ins Leger reit, Desgleichen auch Neidelhart tet. Nichts destminder er kein Ru hett, Sonder dacht der Sach mit Fleiß nach, Wie er den Helden brecht in Schmach. (92) Wie der Held Teurdank abermalen einen Kürriser errennt, der auf in gestift was durch den bösen Neidelhart, in umbzůbringen. Als Neidelhart mißriet sein Falscheit, Die er dem Held hett zůbereit, Fiel im in seinen falschen Můt, Wie dann gwonlich eim Bösen tůt, Ein Kürriser, den er wol kannt, Freidig und kûn was er genannt. Bald er im mit seiner Hand schrib, Daß er keins Wegs außen belib, Sunder on Verzug zů im käm. Als dann geschach, heimlich er in näm, Sprach: »Tůt Ir nach meinr Underricht, Ich vergilts dann. Wider Eur Pflicht Ist das nit, Ir seid doch sein Feind, Als von Euch mit der Tat erscheint. Ich will Euch geben ein starks Pferd, Das oft in Kriegen ist bewert; Darauf sollt Ir sitzen im Kürriß, So will ich bestellen gewiß, Daß sich meiner Frauen, der Künigin, Haubtleut zů Euch daselbest hin Zů ziehen werden auf machen. Darauf mûßt Ir eben wachen Und das haben in gůter Acht. Der Pakt ist mit dem Haubtmann gmacht: Wann er Euch sicht, wird man im geben Sein Spieß. Alsdann so merkt eben, Daß Ir in auf der Seit an rennt, Ob Ir im sein Wappingen zutrennt, Und mit Eurem Spieß rennt zů Tod, Dann lebt er lang, ich kumb in Not. Darumb tüet darin Fleiß und das Best, Dann warlich, wann er dasselb weßt, So wurd er sich versehen baß.« Der Ritter vor dem Held feind was, Darumb er im solchs tet zusagen, Alsbald es morgen wurd tagen. Neidelhart zů dem Teurdank gieng, Die Meinung zů reden anfieng: »Teurdank, edler Held, es ist Zeit, Daß Ir in Euerm Harnasch reit Hinaus, dann in dem weiten Feld Dort ein starker Kürriser helt. Warumb? Dasselbig weiß ich nit.« Der teurlich Mann der hett kein Bit, Sunder macht sich von Stund bereit, In seim Harnasch er ins Feld reit. Neidelhart sagt Underrichts Weis: »Herr, wollt Ir an im erlangn Preis, So ziehet im nicht aus dem Weg, Ob er dester ee niderleg.« Neidelhart dasselb darumb tet, Dann er ganz gůte Hoffnung hett, Welcher rannt under Augen zwar, Der stoßt sich selbst leicht ab fürwar. Teurdank kert sich aber nicht daran, Alsbald er neur ansach den Mann, Braucht er sein ritterliche Hand, Mit Macht er den Kürriser rannt Seinen Spieß mitten durch den Hals, Daß er blib tot desselben Mals. Also empfieng er seinen Lan. Noch wollt Neidelhart kein Benüegen han, Sonder mer versůchen sein Tück, Den Held zů bringen in Unglück. (93) Wie der küen, edel Held Teurdank an einem Streif vil der Feind umbracht. Neidelhart sich weiter besann, Was er mit dem Held wollt fahen an. Gieng darauf zů dem Helden dar, Sprach: »Herr, ich sage Euch fürwar, Daß die Feind haben fürgnommen, An heut aus der Stadt zů kommen, Und wellen ziehen auf ein Beut, Werden mit in nemen vil Leut. Nun mag ich auf mein Eid sprechen, Daß in wer jetz abzůbrechen. Wollt Ir dann auch raten darzů, So will ich auf den Morgen frů Vor Tags halten in disem Wald Und mein Volk verstecken im Halt. So gebt Ir in einen Fürlaß, Alsdann will ich zů rechter Maß Kummen und in mit meim Haufen Erst der rechten Kirchweich kaufen Und darnach mit Gwalt ein Streif tan.« Teurdank sprach: »Ich will mirs gefallen lan! Rüst dich allenthalben darzů, Daß du morgen vor Tag ganz frů Seist mit deinem Volk in dem Halt, So will ich mich lan sehen bald, Und als ich wollt Treffen stellen. Ist es dann Sach, daß si wellen Meinem Volk sein zů gwaltig, Dann so will ich mit Ordnung mich Gegen dir wider wenden gering, Villeicht ich sie auf dein Volk bring, So mûssen si beleiben all.« Neidelhart sprach: »Herr, in dem Fall So laßt mich nit mer dann sorgen. Habt allein Fleiß auf den Morgen, Daß si uns mit nicht entrinnen, Ir sollt alsdann werden innen, Wie ich mich gen in halten will.« Als nun kam das angesetzt Zil, Daß jedermann hielt in seim Halt, Sach der Teurdank her mit Gewalt Die Feind gegen im zů ziehen. In kein Weg wollt er si fliehen, Sonder sprengt si frölichen an, Schlůg nider daraus seinen Mann, Daß er toter auf der Erd lag. Auf den Held geschach mancher Schlag, Desselben er wenig acht nam. Zůletzt die Schlacht überhand nam, Darin der Held manchen erstach, Die man vor im tot ligen sach Am selben Streifen hin und her. Zů vil der Toten gwesen wer, Zů legen auf einen Wagen, Ich glaub, der hetts nit mögen tragen, Die er mit seiner Hand umbracht. Neidelhart im im Halt gedacht: Nu hab ich mer gesehen nie Großer Wunder, dann daß jetz hie Sovil Volks ganz on alle Zal Soll fliehen so zu manchen Mal Vor des Held Kraft und Schicklicheit. Mir ist, wiß Gott, von Herzen leid, Daß mein Anschlag nit will fürgan. Teurdank der Held hette getan Den Feinden ein großen Schaden, Was deshalb mit Müe denn beladen Von wegen der schweren Arbeit. Darumb er zum Neidelhart reit Und sprach: »Warumb hast du nit mir Mit allem deinem Volk so schir Nachgefolgt und helfen die Feind Bis auf das Haubt erlegen heint?« Neidelhart zů dem Helden sprach: »Herr, warlichen, alsbald ich sach, Daß die Feind mit aller Macht Niderlagen in diser Schlacht, Gedaucht mich, on alle Not seinon alle Not sein: es sei unnötig., Daß ich und das ander Volk mein Denselben hetten nach gerennt, Dann Ir habts allein wol geendt. Ir sollt mir auch glauben fürwar, Wirdet der Tat mein Frau gewar, Si wird Euch des genießen lan Und keinen für Euch wellen han.« Mit der Red verbarg er sein List. Gelaubt, hett Neidelhart gewißt, Daß Teurdank nit sollt worden sein Erschlagen mit seinem Volk klein, Er hett den Zug nit fürgnommen. Wers übel geraten, er wer nit kommen Aus seinem Halt umb einen Tritt, Er hett dem Held geholfen nit. Doch dieweil ime sein Anschlag Hett gefelt, saß er den ganzen Tag Und gedacht mit Fleiß auf neu Weg, Dardurch der Held zůletzt niderleg. (94) Wie der hochberûmbt Held Teurdank an einem Schanzen erworfen sein sollt. Neidelhart gieng zum Helden dar, Sprach: »Mein Herr, ich sag Euch fürwar, Daß hie aus diser nechsten Stadt Mein Frau, die edel Künigin, hat Großen Gedrang und Überlast. Ich gelaub, daß man sich nit fast Dorft bemüen, man gewunn si wol. Gůts Geschütz ich Euch geben soll Darzů, wo es wird sein Eur Rat.« Teurdank der Held sprach: »Wer hat Dir ein Kundschaft geben darvon?« Neidelhart antwort im: »Ich han Des gewisse und gůte Kundschaft.« Der Held sprach: »Gee hin und verschafft verschafft: sorg dafür. , Daß sich das Volk leger darfür Und mit inen das Geschütz für, So will ich kummen bald hinnach.« Neidelhart sprach: »Herr, ist es Sach, Daß Ir nit sein werdet darbei, So werden si han ein Geschrei Und gmeinklich kein Ordnung halten. Ir müeßt alle Ding verwalten, Sunst ist es je vergebens gar.« Teurdank sprach: »So nimm morgen war, Daß verhanden sein Bauren gnůg, So die Schanz mir nach meinem Fůg Künnen ordenlichen machen.« Neidelhart sprach: »Herr, die Sachen Will ich bestellen nach Notdurft wol; Ich weiß, was man darzu han soll.« Als nun die Sach beschlossen was, Neidelhart der Dieb was nit laß laß: faul. , Sonder schickt hinein in die Stadt Zů etlichen aus dem Rat, Ließ in eigentlichen sagen: Ee es morgen wurde tagen, So wollt der Held Teurdank ir Stadt Blegern Blegern: belagern. . Wiewols wider sein Rat Wer, so mocht er nit darwider sein, Und wurd der Held kommen hinein, So hett er geschworen ein Eid, Zů ertöten Frau, Mann und Maid. Darumb sollten si haben acht: Welcher heint in der finstern Nacht Am nechsten zů der Maurn wurd gan, Daß si dann auf denselben Mann Wurfen mit Steinen groß und schwer. Wann dann der Held erworfen wer, So wollt er on allen Verzug Alles Volk mit gar gůtem Fug Bringen wider von irer Stadt. Den Burgern gefiel des Böswichts Rat. Als nu kam daher die Mittnacht, Und Teurdank hett ein Teils gemacht An der Schanz, nam er ein Bauren Mit im und gieng zu der Mauren, Zů besehen, ob die wer fest. Kein Wort er umb die Burger weßt, Die oben warteten auf in. Da er an die Mauren kam hin Und si meinten, der Held wer gewiß, Ein Burger ein Stein fallen ließ, Traf den Baurn, der ob dem Held stund, An sein Kopf, daß er fallen gund gund: begann. , Und am Fall schlůg er den werden Held auch nider zů der Erden. Teurdank sich bald wider weg macht; Si schussen und warfen; das kracht Dem Helden grausam hinden nach. Der Baur auf allen viern dann krach Und wollt zů der Mauer nit mer. Teurdank der schlůg das Leger Für die Stadt nach dem Willen sein. Als nun das Geschrei kam hinein Zum Neidelhart, dem bösen Mann, Daß Teurdank wer kommen darvon, Und doch der Wurf im so nahend Wer gangen, do lief er behend Zů dem teuren Helden hinaus, Sprach: »Herr, was macht Ir doch daraus, Daß Ir so gering wagen tůt Und Eur Sach nit baß halt in Hůt? Wann Euch jetz etwas beschehen wer, Keiner wer im Feld bliben mer.« Teurdank sprach: »Es ist geraten wol, Ich hoff, der Wurf inen noch soll Wol werden mit der Zeit vergoltn.« Neidelhart hett die Burger gescholten In seim Sinn, daß si hetten gefelt. Er dacht im: All mein Gůt und Geld Wollt ich warlich darumb geben, Daß er hett verlorn sein Leben; Doch hoff ich, er můß noch Har lan, Wiewol er jetz ist kommen darvon. (95) Wie dem mandlichen Held Teurdank durch den Neidelhart selb Geschoß gelegt waren, daran er sich sollt verletzt haben, dem er aber durch Gotts Hilf und getreu Warnung entgieng. Nun hört, was weiter Neidelhart Erdacht gen dem Held zů der Fart. Eins Mals redt er mit im selber: Ich kann und mag dem Held nit mer Leid, Schad oder Schmerz füegen zů, Es sei dann, daß ich zůrichten tů, Damit der Held wurd gefangen. Wo das beschech, so wers ergangen Umb sein Leben ganz unde gar. Neidelhart gedacht her und dar, Wie er solch Sach mocht ankeren, Daß sichs der Held nit möcht erweren. Zůletzt gedacht er an ein Stadt, Die wurden darin folgen seim Rat, Dann er kennt des Volkes Wandel; Die mochten im zů dem Handel Dienen, wo er macht ein Meutrei. Gedacht im: Ich wills wagen frei. Mit List hoff ichs zu bewegen, Daß si vil dest leichter gegen Dem Helden in Feindschaft kommen, Wie Ir oben habt vernommen. Als er nun den Anfang gemacht hett, Gedacht er darauf fru und spet, Damit er demselben nach kem Und den Handel zůhanden nem. Auf ein Zeit er zům Helden gieng, Mit süeßen Worten er anfieng Und sprach: »Mein Herr, ein teurer Held Ir seid, gerecht und auserwelt, Darzů vor andern auserkorn, Habt mit Eurer Hand nie verlorn Kein Schlacht in ritterlicher Weis, Darumb tragt Ir billich den Preis; Mein Frau, die schön Künigin Ernreich, Findt in irem Land nit Eurs gleich. Das sagt jedermann auf mein Eid! Darumb ist Euch all Erberkeit Erberkeit: alle ehrbaren Leute. Hold under der ganzen Landschaft Und was darin ist für Mannschaft. Allein ein gar mechtige Stadt Weiß ich, die Eur kein Kundschaft hat Und doch von Herzen Eur begert. Ist nun Sach, daß Ir si gewert Und einmal zů denselben kumbt, Glaubt, Euch das nit ein wenig frumbt; Si werden Euch erzeigen Eer, Als si nie keim han getan mer. Darumb wann si han ein klein Partei Partei: Streit, Zwietracht. Under in, dieselb richt Ir frei. So dann das also durch Euch beschicht, Meniglick Euch deshalb Lob gicht. Darumb ich Euch aus Treuen rat, Daß Ir mit mir reit in die Stadt.« Teurdank sprach: »Mir gefellt der Anschlag. Alsbald es wirdet morgen Tag, So will ich mit Euch hin kommen. Wiewol ich mir hett furgnommen, Mich der Sach nit zů understan, Noch dann will ich ziehen darvon Und folgen darin Eurem Rat, Richten die Zwitracht in der Stadt.« Mit dem sich richten zů der Fart. Als nun all Sachen bereit ward, Ritten si mit einander dar In die Stadt, darinnen fürwar Die Burger all in einer Gemein Empfiengen den edlen Held rein Mit Wirden und allen Eeren. Neidelhart dacht: Ich můß weren Und solchs bei Zeit underkommen. Ging zů in, sprach: »Ir habt vernommen, Was euch für Leid ist zů gestanden Die Zeit her. Nun ist verhanden, Der euch aller eur Ungemach Allein zůgefûgt hat all Tag. Wollt ir eur Leib und Gůt fristen, So mûßt ir mit disen Listen Die Sachen gegen im greifen an Und in zů Gefengnus nemen an. Wollt ir Euch vor Krieg bewaren, So mûßt ir nach meim Rat faren. Ich sag euch, es ist jetz die Zeit, Daß ir abstellen mügt eur Leid, Das euch bisher ist beschehen. Das mag ich mit Warheit jehen, Und wo ir mir gebt zů der Stund Glauben, so will ich euch den Grund Sagen. Der Haubtman, so ist kummen Mit mir her, bringt euch kein Frummen, Dann all sein Sinn, Gedank und Můt Steen nach Krieg, Zwitracht, Geld und Gůt. Tüet auch auf disem Weg umbgan, Daß in unser Künigin soll han Zů einem eelichen Hauswirt. Ist Sach, daß ir solches nit irrt Und der Heirat für sich gan soll, So beschicht euch und der Stadt nit wol. Dann wann er hett das Regiment, So nem sein Kriegen nimmer End; Schatzmeister macht er nach seim Sinn, Fûrte alles eur Geld von hin. Allen Krieg, so jetz ist im Land, Fûrt er allein mit seiner Hand. Das beschicht alls umb unser Küngin, Die im für und für ligt im Sinn. Gelaubt mir, dann ich kenn den Mann, Er wird von seim Kriegen nit lan. Darumb ob ir wollt gewinnen Rů, So habet Fleiß und tüet darzu, Daß ir Teurdank, disen Haubtmann, Habt gefangen oder sonst weg tan. Das zeig ich euch an aus Treuen, Glaubt, es wird euch nit gereuen.« Mit solcher Red und falscher Leer Gieng der Neidelhart hin und her Und richt etlich sonder Person Mit allem Fleiß auf dise Ban. Dardurch er alles Volk bewegt, Daß es sich gegen dem Held ein legt, Richt ein Partei under in auf, Daß daraus erwuchs ein Auflauf Und ein ganz großer Unwillen, Dann niemand mocht das Volk stillen. Also liefen sie zůsammen, Ir Harnasch und Weer si namen, Zohen auf ein Platz mit Ordnung dar Gegen dem Schloß, darin Teurdank war, Schrien all mit einander seer: »Gebt uns den frembden Mann außer, Dann wir den schlecht haben wellen Mit sambt allen sein Gesellen.« Neidelhart hett das zůgericht, Gedacht: Nun mag in helfen nicht! Mit dem gieng er zum Held ins Haus Und sprach: »Mein Herr, mit großem Strauß Ist die Gemein alle empor Und helt dort auf dem Platz darvor. Ein Partei hat sich bei in erhebt, Wo Ir darin nit Eurn Rat gebt, Möcht daraus werden ein bös Sach Und erwachsen groß Ungemach. Wo Ir aber hierin nit beit, Sonder aufs erst auf den Platz reit Und sprecht, wie Ir habt vernommen, Under si sei ein Irrung kommen, Die wollt Ir richten nach Eurm Verstan, Dran sollen si kein Zweifel han; Si sehen Eure Handlung an Und werden sich lassen stillen Nach aller Eur Gir und Willen. Dann sollt Ir in dem Haus bleiben, So möcht das Volk vil Red treiben Und neur werden noch mer Aufrur. Dem mügt Ir allem kommen fur, Wo Ir werdt folgen meinem Rat. Glaubt, Herr, Ir tût daran ein gůt Tat.« Der Held sprach aus seim teurem Můt: »Warlich, der Auflauf dunkt mich nit gůt! Darumben, und daß man nit müg Mit der Unwarheit oder Lüg Auf mich einerlei ertrachten, Als wollt ich ir Sach nit achten, So will ich mich noch understeen, Zů in hin auf den Platz zů geen, Und ganz allen Fleiß fürkeren, Ob ich den Auflauf möcht weren.« Neidelhart gefiel das fast wol, Sprach: »Herr, darumb man Euch loben soll!« Als nun Teurdank auf dem Weg was Zů den Burgern, zů richten das, Kam im durch etlich entgegen: Das Geschrei wer von seintwegen, Der Auflauf sich erhaben hett. Teurdank als ein Hochweiser tet, Wollt sich under das gmein Volk nit Begeben, dann er wußt irn Sitt, Erkennt aus Erfarenheit wol, Daß si der Untreu weren voll, Und ließen sich ganz in kein Weis Bescheiden. Darumb er sich leis Wider fûget hinein in das Schloß; Dasselb den Neidelhart verdroß. Teurdank der Held gieng zů im dar: »Neidelhart, mich bedunkt fürwar, Durch dein gewonte Falscheit Hast du mir solch Sach zůbereit.« Neidelhart dasselb widerredt Und sprach, alle sein Tag er hett Kein Falscheit noch Untreu getan. Teurdank sprach: »Niemand solls Glauben han! Ich will weiter nit Red treiben, Ich laß die Sach ditzmals bleiben. Du solt mich hinfür nit mer torn torn: betören, betrügen. , An dein Rat will ich mich nit korn, Dann mir der vil geschadet hat.« Neidelhart verantwurt sich drat, Sprach: »Herr, ich hab großen Schmerzen Von wegen Eur Red am Herzen; Doch werdt Ir finden an dem End, Ob ich mich je von Euch hab gwendt.« Dacht doch im Herzen darneben: Ich getrau, Gott wöll, dein Leben Sollest du noch verliesen zwar, Ee du kumbst aus disem Schloß gar. Gieng geleich hinweg vom Teurdank Und erdacht einen andern Rank. Als die finster Nacht nun herkam, Er etliche selb Geschoß nam, Leget die gerings umb das Haus, Ob Teurdank der Held wollt heraus Bei der Nacht und kommen darvon. Daß der eines schuß den Mann. Als nun die Bosheit auch geschach, Neidelhart wider sich selbs sprach: Nu ist je nit müglichen wol, Daß er mir hinweg kummen soll On großen merklichen Schaden. Teurdank was mit Gedanken bladen Von wegen gedachter Aufrur. Nicht lang darnach der Held erfur, Daß im selb Geschoß gelegt warn, Gedacht im: Ich will mich bewarn Und destbaß han ein Aufsehen, Daß mir darvon nichts mög geschehen; Und zoch also mit Ru darvon, Kein Mensch der dorft in greifen an. Das verdroß seer den Neidelhart In Grund seines Herzen gar hart, Und wiewol er merket fürwar, Daß er dem Held mit nichte gar Mocht zůkommen mit eim Gefer, Noch dannocht wollt er sich noch mer Understeen, zůzefûgen Leid, Als uns das Bůch hernach mer seit. (96) Wie dem freidigen, edlen Held Teurdank im Essen sollt vergeben vergeben: Gift gegeben.) worden sein, darvor er aber gewarnet ward. Nicht lang kam ein Brief, Neidelhart Den hett gesandt die Künigin zart. Die Übergeschrift lautet: An Neidelhart, unseren Haubtmann, Auch Unfallo und sein Gesellen. Den Brief hette lassen stellen Die Künigin der Meinung mit Eil: »Wir embieten Euch unser Heil, Als den, so verwarn unser Land, Das wir Euch dreien vertraut hant, Und empfelhen Euch drat ernstlich, Daß Ir her zů uns sammentlich Wollet on all Verzug reiten Und uns warhaftig bedeuten, Von wem uns in der Jaers Frist So mancher Gefangner geschickt ist, Die sich für uns haben gestellt, Sagen von dem küenisten Held, Der haben soll ein sighaft Hand Und bis her bewart unser Land. Der sei bei Euch, als man uns seit, Begabt mit aller Schicklicheit, Teur, freidig und darzů seer frumb, Daß er auch von hoher Art kumb. Sein Lob niemands voll sagen kann, Als seine Werk das zeigen an; All Zeit er sich eerlichen halt, Brauch sich in unserm Dienst manchfalt. Das habt Ir uns nit kund getan, Darab wir groß Mißfallen han. Darumb wellet denselben Held Mit Euch bringen, so ferr Ir wellt Gnad und Huld bei uns behalten. Laßt Euch darin nichts aufhalten; Zů Angesicht Euch gehorsam weist Und auf das allerhöchst befleißt, Damit Ir in schier bringet her Bei Vermeidung unser Straf schwer Und darzů großer Ungenad, Daß im geschech kein Leid noch Schad.« Der Bot kam zů dem Neidelhart Und bracht im den Brief wolbewart Von der edlen, schön Künigin her. Der Neidelhart erschrak gar seer; Von ganzem Grund des Herzen sein Leit er darumb heimlich groß Pein, Dacht: Wie soll ich mein Sachen tan, Ich fürcht, ich müg mit Ern nit bestan Bei meiner Frauen, der Künigin. Urbering Urbering: plötzlich. kam im in sein Sinn Ein treffenlicher böser Rat, Dardurch er hofft, erst in den Tod Zů bringen den edelen Held. Bald er sich zum Helden gesellt, Sprach: »Herr, Ir habt vil Sach getan, Darumb ich Euch soll passieren lan. Doch daß mittlerzeit sei das Land Bewart, hab ich ein Boten gesandt Nach den anderen Haubtleuten, Den will ich solchs auch bedeuten Und mit Eurm Rat Ordnung aufrichten, Wie wir dann bei unsern Pflichten Und Eiden zů tun schuldig sein, Daß dieweil niemands fall herein Und tů der Künigin ein Schaden.« Teurdank sprach: »Ich will nit bladen Mich mit Unfallo noch Fürwittig, Dann si haben oft trogen mich.« Neidelhart kert sich nit daran, Ein Boten hieß er eilunds gan Nach Fürwittig und Unfallo, Den schicket er behend alldo. Der Bot versaumet keinen Weg, Sonder lief manchen schmalen Steg, Bis er die zwen Haubtmenner fand, Den gab er den Brief in ir Hand. Als die des Neidelharts Schreiben Vernamen, wollt ir keiner bleiben, Sonder ritten zum Neidelhart dar. Alsbald er ir wurde gewar, Gieng er inen weit entgegen, Sprach: »Gott, der Herr, soll Eur pflegen, Seid mir hieher Gott willigkummen! Ir habt villeicht wol vernommen, Was mein Frau uns geschriben hat. Darin gebt Euren treuen Rat, Wie wir das wellen greifen an, Damit wir töten den teurn Mann; Soll er zů der Künigin kommen, So wird von uns der Gewalt genommen.« Zeiget in auch an darneben, Was er bisher für ein Leben Hett mit dem Held angefangen; Doch wem all sein Anschleg gangen Hinder sich und verloren gar. »Ich mag euch anzeigen fürwar, Daß ich weiß auf Erden nichts mer Anzůfahen, dardurch er wer In Schaden und Leid zů bringen; Rat ir selber zů den Dingen.« Darauf gaben si im Antwurt do, Fürwittig und der Unfallo: »Wir haben vernommen die Sach Und tragen darab groß Ungemach, Daß wir gar mit keinen Listen Mögen unser Leben gefristen Vor Teurdank, dem teurlichen Mann.« Neidelhart zůletzt sprach: »Ich han Vor etlichen Tagen gemacht Etlich selb Geschoß und gedacht, Es sollt erfüllet sein mein Will, Dann ich die heimlichen und still Legt verborgen in den Garten; Die sollten auf den Held warten, Ob er in den Garten geen wollt, Der eines in erschießen sollt. Aber alsbald ich die hett gelegt, Von Stund sich der Himmel bewegt Und regnet drei oder vier Tag. Dardurch ich mir gedenken mag, Daß die Planeten all gemein Würken nach dem Begeren sein. Dweil solchs nit hat helfen wellen, Will ich euch, lieben Gesellen, Noch einen Weg in großer Still Anzeigen, was ich mer tůn will. Ich hab geschickt vor kurzer Frist Nach Gift, das mir heut kommen ist; Dasselb will ich bereiten fein Dem Held morgen in das Essen sein, Und wann er hat das genummen, So laßt all Ärzt zůsammen kummen, Werdt ir keinen darunder finden, Der sich des wird underwinden, Dem Helden zů helfen aus Not, Er můß darvon beleiben tot. So well wir unser Regiment Noch lenger behalten in der Hend.« Des Rats wurden von Herzen fro Fürwittig und der Unfallo. Als si in solchem Rat saßen, Eins Türknechts si darbei vergaßen, Der des Neidelharts Diener was. Alsbald derselb erhöret das, Si wollten dem Held vergeben, Dacht er: Ich will im sein Leben, Ob Gott will, darvor fristen wol, Wann ich im den Rat sagen soll, Dann er mir Gůts hat tan; Das will ich in heut genießen lan. Gieng von inen aus der Kammer, Darvon der Ernhold was nit fer Und wartet auf den edlen Held. Demselben er lauter erzelt Und sprach: »Hör, lieber Ernhold mein, Mag in dir ein Vertrauen sein, So will ich entdecken ein Sach, Daraus deim Herren groß Ungemach Mag in gar kurzer Zeit entstan, Wo er das nit verkommen kann, Dann es trifft im an Leib und Lebn.« Der Ernhold sprach: »Ich will dir gebn Mein Treu zů rechtem Underpfand, Daß du von mir nit sollsts genannt Werden, es sei dann ganz dein Will.« Der Türknecht sprach: »So merk in still Das künftig bös, verretrisch Mörd!« Sagt im, was er im Rat hett gehört, Darumb sollt er sich keins Wegs vermessen, Auf heut das Frumal Frumal: Frühstück. zů essen, Dann er möcht sunst kommen in Not. Der Ernhold sprach: »Nu dank dir Gott, Daß du mir solches hast tun kund. Mein Herr Teurdank soll dir zůstund Darumb ein große Genad tan.« Damit lief der Ernhold hindan Und fand sein Herrn am Tisch sitzen. Er sprach zu im aus sein Witzen: »Herr, tût mit dem Essen gemach Und hört zůvor von mir ein Sach, Die ich Euch kann verschweigen nit, Dann die mag keins Wegs haben Bit Bit: Aufschub. .« Teurdank der Held hört dise Wort, Stund auf vom Tisch, gieng an ein Ort Mit seinem frommen Ernhold, Fragt in, was er so eilends wollt. »Herr, Euch ist ein Türhueter hold, Der hat mir zů versteen geben, Wie Ir anheut umb Eur Leben Sollt kommen durch dises Essen, Des han sich die drei vermessen«; Und zeiget im allen Grund an. Teurdank, der hochberüembte Mann, Erschrak darab von Herzen seer, Wollt fürt kein Bissen essen mer, Blib also bei dem Ernhold steen. Da sach er Neidelhart eingeen Durch die Tur, zu besehen, was Doch der Held ob dem Tische aß. Als er den Helden dort steen sach Beim Ernholden, fieng er an und sprach: »Lieber Herr, was leit Euch doch an, Daß Ir nit wollt zum Essen gan Und heut so lang verziehen tůet? Ist durch etwas beschwert Eur Můt, Das Euch mochte zůwider sein? Verschweigt mirs nit, lieber Herr mein! Ist Sach, daß ich solchs wenden kann, Ich will warlich darin kein Ru han.« Teurdank sprach: »Schweig, du böser Wicht! Was du redest, das ist alls erdicht! Du hast mir vil Kümmer und Leid Durch dein List bisher zůbereit. Das hab ich dir alls geben nach Der Hoffnung, du hettest danach Von deiner Schalkheit gelassen. So will du dich der nit maßen, Sonder hast Tag und Nacht gedacht, Ob du mich in Schaden hest bracht. Du hast mir wellen vergeben Und durch Gift nemen mein Leben, Darumb du deinen rechten Lan Von meiner Hand noch sollest han.« Neidelhart sprach: »Lieber Herr mein, Ich bitt, Ir wellt nit zu gech sein, Und bedenkt, daß ich bin gewesen Eur Diener, sonst hett Ir nit genesen Mögen, wie das meniglich weiß; Dann ich warlichen großen Fleiß In Euren Sachen hab fürkert, Durch die seid Ir worden ernert ernert: gerettet. . Ich bin warlich unschuldig daran, Das will ich auf meinen Eid han; Darumb sollt Ir mein Worten glauben.« Teurdank sprach: »Willt du mich tauben tauben: betäuben. Noch mit den falschen Worten dein? Der möcht je wol unselig sein, Der dir hinfür wollt vertrauen!« Neidelhart sprach: »Ir werdt auf schauen Und mit mir gar nichts fahen an. Wer weiß, wen ich bei mir wird han!« Die Schmachwort erzornetn seer Den Teurdank; darumb er sein Wer Mit Grimm aus seiner Scheiden zuckt, Schlůg nach dem Neidelhart, der duckt Sich meisterlich im aus dem Streich; Heimlichen er von dannan weich. Das was dem Dieb warlichen not, Sunst hett er müessen ligen tot. (97) Wie der unverzagt Held Teurdank Neidelhart umb seiner bösen Handlung willen von im jagt. Das verdroß seer den Neidelhart, Er lief hin auf derselben Fart Zu den andern seinen Gesellen, Klagt in, wie der Held hett wellen In mit seinem Schwert erstechen. Fürwittig begund zů sprechen: »Unsers Bleibens ist nimmer hie, Wir müessen sunst besehen, wie Wir die Sach gen im fahen an, Dann unser keiner darf zů im gan.« (98) Wie der tugendsam Held Teurdank zů der Künigin Ernreich kam, und welcher Maß er von ir empfangen ward. Als nun Neidelhart geflohen was, Gedacht im der Teurdank das: Ich hab von der Künigin wegen Vil herter Sachen gepflegen Und groß Geferlicheit bestanden, Auch als lang gwest in den Landen, Und die hochgeboren Künigin Nie gesehen. Das betrûbt mein Sinn! Ich bin je gewest ein schlechter schlechter: einfältiger. Mann, Daß ich mich hab auf halten lan Die drei mit irem List so lang. Die Künigin zů sehen ist mir bang; Darumb will ich mich nichts irren lassen, Sonder machen auf die Straßen, Zůnechst an iren Hof reiten, Dann ich kann lenger nit beiten. Ich hab vil ir zulieb geduldt, Villeicht gibt si mir darumb ir Huld. Wer mich daran weiter hindern wollt, Dem es sein Leben gelten sollt. »Darumb, Ernhold, mein treuer Knecht, Schau, daß alle Ding sei gerecht Und gefertigt auf dise Reis Nach allen Notdurften. Wer weiß, Ob uns unser Müe und Arbeit Die edel Künigin hochgemeit Noch wurd villeicht belonen wol!« Der Erenhold sprach: »Herr, ich soll Tun allzeit nach Eurem Gebot; Allein getrauet hinfür Gott, Derselb mag Euch all Eur Sach Noch schicken zů gůtem Gemach.« Der Ernhold richtet das alls zů. Darnach an einem Morgen frů Saßen si bed auf ire Roß, Ritten mit einander ir Straß Den nechsten hin zů der Künigin. Als si nun bed kamen dahin, Und ir die Künigin wurd gewar, Von Herzen ward si erfreut gar, Schicket von Stund an ire Ret Zů dem Helden: Der Künigin Bett Bett: Bitte. Wer, daß er zů ir kommen sollt, Dann si in geren sehen wollt. Die Ret kamen zum Held gangen, Sprachen: »Herr, es hat Verlangen Unser Künigin, Euch zů sehen. Darumb hat si zů uns jehen, Ir sollt mit uns kommen zů ir; Dann si wart Eur mit großer Gir.« Teurdank zů in hoflichen sprach: »Ir Herrn, mir ist auch fast gach, Euer Künigin zů schauen an. Darumb so will ich mit euch gan Und mich gegen ir beweisen, Dieweil ich manch teurlich Reisen Von irentwegen hab getan. Ich hoff, si werd michs genießen lan!« Die Ret sprachen: »Zweifelt nit daran, Ir sollt noch werden ir Eemann, Dann groß Lob si von Euch gehört hat.« Teurdank der sprach: »So gee wir drat, Zů hören, was doch sei ir Ger.« Also gingens von dann nit ferr, Da si die edlen Künigin funden. Als er in Hof kam, begunden Gemeniglich all ir Dienstfrauen An die Fenster laufen, zu schauen Teurdank, den Helden unverzagt. Alsbald den sach ein edle Magd, Lief si zů der Künigin und bot: »Gnad Frau, gebt mir das Botenbrot, Ich hab den Helden gesehen! Mit Warheit so mag ich jehen, Daß er ist adelich, wolgestalt. Ich gelaub, daß Eur Genad bald Sein geleichen nit sollt finden.« Nun stunden vil Frauen hinden, Die alle horten dise Wort Und sahen mit Fleiß auf dise Port, Wann der Held wurde geen herein; Das tet auch die edel Künigein. Alsbald si gewißlich vernam, Daß der Held nah zů der Tür kam, Mit iren Frauen si im gieng Entgegen und aufs freundlichst empfieng Und hieß in gottwillkumben sein. Der Held ir dankt mit Worten fein, Als ers kunnt nach hoflicher Art. Darnach der Held gefûret ward In ein Gmach, darin er sich aus tet, Das im die Künigin zůbreit hett. Als er sich nun hett aus getan, Schicket die Künigin einen Mann Zů dem Helden, der in fast bet, Daß er mit ir heint geessen hett In irem Gemach das Nachtmal. Der Held sprach: »Geren ich tun sall, Was die edel Künigin begert, Dann si ist aller Eren wert.« Darnach holt man den Held zum Tisch. Da waren breit breit: bereitet. vil gůter Fisch, Wildpret und ander Speis darbei, Rheinfall, rheinisch Wein und Malfasei; Aufs kostlichst was all Ding zůgericht. Als auf ward gehaben die letzt Richt Richt: Speise. Und si hetten Wasser genommen, Do waren die Diener kommen, Ruckten die Tafeln auf ein Ort. Die Künigin sprach zů im: »Nun hort, Herr Teurdank, ein Held auserkorn, Ich bin bewegt gewest mit Zorn Gegen allen mein Haubtleuten, Daß si mir nit han bedeuten Mögen, Euch hieher kommen sein In dises Land und Künigreich mein, Und habt mir sovil Eer getan Durch gar manchen gfangen Mann, Der mir von Euch ist zůgeschickt Und mit herter Gefengnus verstrickt, Sich in mein eigen Hend zů stellen, Die mir nit han mögen erzelen Von Euch Eur Zucht und auch Mannheit. Hett mirs jemand anders geseit Dann Eur Feind, ich hetts nit glaubt gern. Darumb bitt ich Euch, Ir wellt mich gewern Und mir nach der Lenge tun kund, Durch welches Mittel oder Grund Ir seid durch dise Peß kommen. Das hab ich noch nie vernommen, Damit ich mög grundlich verstan, Was Euch hat megen zůhanden gan; Und geweret mich meiner Bett.« Teurdank sprach: »Frau Künigin, ich hett Ein ganzen Tag zů reden gnůg, Wo ich Euer Lieb wollt mit Fůg Allein geben zů versteen das, So mir am allerersten Paß, Auch am andern ist zůgstanden. Doch dieweil Ir habt verstanden Vor darvon, will ichs erzelen Aufs kürzst. Als Ir habt tůn erwelen Mich für Euren eelichen Mann, Zoch ich gleich von meim Vater dann Und kam hin an den ersten Paß. Darauf Eur Ambtleut einer saß, Da mir mit Schwein zůhanden gieng, Auch Hirsch, Beer, gar manicherlei Ding, Das alles geferlichen was, Vor denen ich allen genas. Derselb darnach mich reiten ließ Zum andern, der Unfallo hieß. Der fûrt mich auch auf vil Abenteur Auf Wasser, Land, mit Tier ungeheur, Bei dem mein Leben offenwar Zů mermal ist gstanden in Gefar. Dasselb ich alles uberstund; Aus der Ursach er mich begund Zů dem dritten Paß zů weisen; Drauf Ir habt ein alten greisen Ambtmann sitzen in seinem Bart, Den nennet man den Neidelhart. Bei dem hab ich gefochten seer Wider Eure Feind bis hieher Und darin allzeit tan das Best. Neidelhart das am besten weßt, Euch mit Warheit zů berichten. Doch sag ich solchs Euch mit nichten Darumb, daß ich mich well loben. Der in dem Himmel sitzt oben, Weiß die recht Warheit und den Grund. Ich hab begert allein der Stund, Euch mit mein Augen zu sehen. Darumb, was da ist geschehen, Das hab ich Euch zů Gefallen tan, Desgleichen ich auch hinfüran Kein Fleiß in nichte will sparen.« Die Künigin sprach: »Euch soll bewaren Gott! Ir habt Geferlicheit bestanden Allenthalb in meinen Landen, Darumb Ir Belonung wirdig seid. Ich bitt Euch freundlichen, nit reit Kurzlichen wider hin von mir; Ich will Euch nach unser Monir Halten Tenz und der Freuden vil, Darneben kurzweilige Spil.« Teurdank dankt des der Künigin seer. Derselben Künigin gefiel er Für und für je lenger, je baß. Als si nun so lang gesessen was Beim Helden bis auf Mitte Nacht, Die edel Künigin ir gedacht: Der Held ist on Zweifel müed fast, Deshalben ich in an sein Rast Will nun zůmal beleiten lan. Den edlen Helden sach si an Und sprach: »Ich wunsch Euch ein gůt Nacht! Ich hab in mir selber betracht, Wie Euch nun zů růen sei not, Dann es ist in die Nacht fast spat. Darumb wellen wir schlafen gan, Wollt Euch heint nichts anfechten lan. Laßt uns dann Gott morgen leben, So well wir erst Freid anheben.« Nach der Red der Held Urlaub nam. Als er hin in sein Zimmer kam, Legt er sich schlafen in sein Bett, Dergleichen auch die Künigin tet. Da es nun hin wider Tag ward, Schicket die edel Künigin zart Iren Hofmeister zů dem teuren Held, Ob er zů der Kirchen gan wellt, Hören das heilig Ambt der Meß, Zůvor und er zů Morgen eß. Teurdank der Held was des willig, Antwort: »Dasselb tů ich billich! Darumb, wann es darzů ist Zeit, So bin ich mit Euch zů geen bereit.« Der Künigin Hofmeister fûrt in Mit Eren in die Kirchen hin. Darin fing man gleich zůstund an Ein schön Ambt zů singen; kein Mann Mit Kantrei und Pusaunen vil Und anderm seltzam Saitenspil Dergleichen hat gehöret vor; Es geschach in dem großen Chor. Als dasselbig Ambt was vollbracht, Ward der Held zů der Künigin bracht. Die fraget in hoflich der Mer, Wie er die Nacht gelegen wer, Ob er rüewig geschlafen hett. Teurdank der Helde sprach: »Mir geet Von Gottes Gnaden ganz nichts ab, Gar keinen Mangel ich nit hab.« Nach solchem die Künigin in bat, Daß der Held sich an dise Statt Zů ir wollte setzen nider. Teurdank der Held sprach: »Ich wider wider: widersetze. Mich des alles keineswegs nit, Es sei, warin das wöll, das Ir bitt! Darumb sitzt, so folg ich Euch nach.« Die Künigin fieng an unde sprach: »Ir habt vil Geferlicheit gelitten, Seit Ir von heim seid geritten.« Von derselben Sach si redten Ein lange Zeit. Dieweil hetten Die drei Haubtleut auch einen Rat, Wie si wollten aus irer Not Kommen und den Held vertreiben, Daß si möchten bei Eeren bleiben. Darumb ich den teurlichen Mann Und die schön Künigin lobesan Bei einander will lan beleiben Und Euch hinfüran beschreiben, Wes sich die gmelten Haubtleut drei, Aller Eren und Frumbkeit frei, Han gen dem Held underfangen, Und welcher Maß es sei gangen. (99) Wie ein falscher neuer Rat durch die drei Haubtleut Fürwittig, Unfallo und Neidelhart wider den Held Teurdank beschlossen ward. Als nun der falsch Neidelhart sach, Was zwischen der Künigin geschach Und Teurdank, dem teurlichen Mann, Gedacht er im: Warlich ich han Nit wol darin gehandelt zwar, Daß ich so mancherlei Gefar Hab zůgefügt dem edlen Held. Wo er das der Künigin erzelt, So hat erst ein End mein Leben. Unfallo sprach: »Ich will geben Uns noch einen gar gůten Rat: Unser Künigin sechs Ritter hat An irem Hof auserkoren, Die sein von deim Blůt geboren Und dir darzů gefreundt nahend. Zů denen fûg dich hin behend, Grûß si und sag inen darbei, Wie ein frembd Ritter kommen sei, Der rüem sich gar fast und vil seer, Wie im stee allein sein Beger Zů dem Rennen und Ritterspil. Dieweil si han gestochen vil, Sei an si dein Beger und Bitt, Daß sie sich wellen saumen nit, Sonder fûgen zů dem frömbden Mann, Den findens bei der Künigin stan. Dem bieten si an, zů stechen Und zů rennen und zů turniren Durch aller schener Frauen Eer. Ir sein doch überall nit mer Dann sechs, die wellen in bestan; Eins Tags so sollen auf die Ban Nit mer dann zwen aus in kommen. Wann derselb dann hat vernommen Der berûrten Ritter Beger, So ferr er anders liebet Eer, So můß er si des geweren. Villeicht mocht sich jetz verkeren Das Gelück einmal wider in Und der Ritter einer ziehen hin, Dardurch der Held belibe tot.« Neidelhart sprach: »Ein gůten Rat Hast du uns allen gegeben; Ich bitt dich, ist es dir eben, Du wöllest mit mir dahin gan Und helfen bitten die sechs Mann. Ich hoff, in unserm Begeren Werden si uns gern geweren.« Also giengen si von dannen Zů den berurten sechs Mannen. Neidelhart anfieng, zů in sprach: »Lieben Freund, uns ist gewest gach, Bis wir euch haben gefunden. Ir seid mir mit Freundschaft verbunden, Darumb ich euch will berichten mein Swer Swer: Kummer. . Es ist gestern hie kommen her Ein frembd Ritter, der wider mich Hat ghandelt und tůts noch teglich. An dem wollt ich mich gern rechen, Daß ir in anmüet zů stechen, Auch turniren und zů rennen. Ich hab in wol tun erkennen, Daß er euch das nit abschlagen Wird. Legt ims Zil in drein Tagen, So wellen eur zwen auch allein Bei im im Zeug auf der Ban sein. Wo es dann wer immer müglich, Daß euer einer einen Stich Oder Schlag im mochte geben, Dardurch er verlur sein Leben, All eur Tag sollt irs genießen. Lieben Freund, laßt nit verdrießen Euch und solche Sachen sein gering.« Einer aus den sechsen anfing Und sprach: »Liber Freund Neidelhart, Wir sein all hie von deiner Art Geboren. Darumb so ist nit Not der dasigen deiner Bitt, Wir wellen dein Willn erfullen, Als wir billichen tun sullen.« Neidelhart der was des gar fro, Bald sprach zů in der Unfallo: »Lieben Herren, geet von stundan, Dieweil ir noch denselben Mann Findt bei unser Frau der Künigin.« Die sechs Ritter giengen dahin Für die edlen Künigin dar, Sprachen: »Genedige Frau, nembt war, Wir haben fürwar vernommen, Wie diser Held sei her kommen Zů Euch auf Eur Gnad Begeren, Euch helfen Ir Freud zů meren. Darumb so ferr demselben Held Ritterspil zů treiben gefellt Mit Turnieren, Stechen und Rennen, So mag er ein aus uns benennen, Welchen er darzu haben will. Der soll auf ein benanntes Zil Den Helden in solchem bestan Geselliglichen auf der Ban, Bis wir, dise sechs Ritter all, Han unser gebûrend Anzal Mit Ritterspil erfüllet wol. Wir sein je der Hoffnung, er soll Uns solchs in kein Weg abschlagen, Dann wir sonst vil han hörn sagen, Wie er sei ein teurlicher Mann.« Dergleichen Sach nem er all an. (100) Wie der wolkünnend Held Teurdank vor der Künigin von sechs Rittern, Ritterspil zů treiben, angesprochen ward. Darauf antwort der Held hochgeborn: »Dieweil ir mich habt auserkorn, Zů treiben mit euch Ritterspil, Wiewol ich nit hab Harnisch vil, Roß und was mir notdurftig ist, So hoff ich doch, was mir gebrist, In der edlen Küngin Harnischhaus Zů finden und mich rüsten daraus. Darumb nimb ich eur Bett hiemit an, Soll es anders gesellklich zůgan.« Darauf si im Antwurt gaben: »Herr, Ir bedurft kein Sorg haben, Gesellklich well wir mit Euch gebarn.« Teurdank sprach: »So mügt ir hinfarn Und euch rüsten der Notdurft nach, Alsbald da kumbt der morgnig Tag, So will ich mit eim scharpf Rennen Und ein zů dem Fůß Turnir nennen. Ob ich schon von euch underlig, Bedarf ich doch desselben mich Gar in kein Weis noch Weg schamen, Dann manicher mit hohem Namen Ist von mir auch nidergelegen.« Indem er sprach: »Ich můß pflegen, Frau Künigin, Euer Hilf und Rat, Dann Ir habt gehört, was jetz hat Eur Hofgesind angeboten mich. Nun so hab auf Gelauben ich Weder Roß oder Harnasch hie, Darumb ich nit gar wol weiß, wie Ich disen Sachen doch tun soll. Ir möcht mir hirinnen helfen wol, Wo Ir mir Harnasch und Roß wollt Darzů leihen. Warlich ich sollt Das umb Euch verdienen geren; Ich bitt Euch, tut mich geweren.« Die Künigin zů dem Helden sprach: »Das gib ich Euch warlich nicht nach, Dann ich han Wissen gůter Maß Vorhin ganz wol von Euch, daß Ir dergleichen Ritterspil Habt zum dickern zum dickern Mal: des öfteren. Mal triben vil Und seid gewest in vil Fechten, Allererst zů mir kommen nechten, Daß Ir sollt hie han Eur Rů; Darumb will ich nicht leihen darzů.« Teurdank sprach: »Ach, edle Künigin, Ich bitt Euch, Ir wellt mir hirin Mein Begeren nit abschlagen. Ir habt allein hören sagen Von mir und dem Ritterspil mein, Aber das mit dem Augenschein Bisher nie von mir gesehen.« Die Künigin sprach: »Ich laß beschehen Und můß mein Gunst darzů geben. Ich bitt, versorget Euch eben, Damit Euch kein Leid widerfar. Roß, Harnasch und alls anders gar Braucht nach Eurem Wolgefallen, Dann Ir habt des zů tun allen Gewalt und gůt Gerechtigkeit.« Teurdank ir des großen Dank seit, Nam darauf mit Worten hoflich Urlaub von ir und füeget sich Wider in sein verordent Gemach. Als es nun am Morgen wurd Tag, Seinen Harnaschmeister er hieß, Daß er auf das best bestellen ließ, Was zum Rennen gůt und not wer. Das tet mit Fleiß der Harnaschmeister. (101) Wie Teurdank, der edel Held, mit dem ersten Ritter scharpf rennet. Als nun kam die angesetzt Zeit, Teurdank sich in Rennzeug anleit, Darin er lustig zů sehen was. Darnach der Held auf sein Roß saß, Bedeckt mit Sammat und guldem Tůch. Der Edelleut hett er genůg, Die in von seiner Herberg auf die Ban Beleiten, dann die Künigin wollts han. Desgleichen der erst Ritter tet. Da nun die Renner alle bed Auf die Ban hin kommen waren, Was die Künigin auch gefaren Mit irem Frauenzimmer schon, Zů ze sehen dem teuern Mann. Teurdank etlich Mal sich bereit, Darnach man im die Wag ein leit Und die Tarzen Tarzen: Schild. auf best fürhieng. Bald einer zů dem Ritter gieng, Sprach: »Teurdank Euch bei mir embeut embeut: entbietet. , So ferr Ir ganz gerüstet seid, So wollt er jetz treffen geren.« Der Ritter sprach: »Ich will in gewern.« Darauf zoch ein jeder an sein Ort; Die Künigin stund oben dort In einem Haus, sach zů eben. Man tet in die Speis ein geben, Verschwunden, ließen laufen ir Pferd, Daß hinder den aufstob die Erd, Trafen zu beder Seiten wol Dermaß, wann ich war sagen soll, Daß mich fast und seer wunder nimbt, Daß ir einer lebt; als geschwind Giengen dieselbigen Stoß an. Die Künigin groß Schrecken gewann, Bis si höret die rechten Mer, Daß keinem nichts beschehen wer. Darnach zog jeder Mann zůhaus; Teurdank tet seinen Harnasch aus. Als entpfangen ward das Nachtmal, Gieng Teurdank in der Künigin Sal. Die Künigin in freundlich empfieng, Sprach: »Warlich, gelaubet, es gieng Mir an heut ein Stich an mein Herz Am Rennen; dann warlich kein Scherz Bedunkt mich das Ritterspil sein. Herr Teurdank, glaubt den Worten mein: Wert Ir mir ein klein baß verwandt, Ir müeßte mir jetz an mein Hand Geloben, daß Ir das Ritterspil Hinfür nit wollt mer treiben vil.« Teurdank, der hochgeboren Held, Sprach: »Frau Künigin, was Euch gefellt, Dasselb soll ich billich lassen; Aber mit welicher Maßen Der Ritter ist auf mich geritten, Also hab ich nach Spils Sitten Im wider begegen müessen Und helfen seinen Stolz büeßen.« (102) Wie der mandlich Held Teurdank mit dem andern Ritter ein Turnier zů Fůß tet und in überwand. Als es was nach dem Nachtessen, Teurdank der hett nit vergessen, Daß er noch den anderen Mann Sollt jetzo in dem Kampf bestan. Darumb er sich rüstet darnach, Dann von der Art was er kein Zag; Er forcht auch den Ritter gar nicht. Auf solchs wurden Schranken zůgericht. Als nun die angesetzt Stund kam, Ein jeder zů im sein Weer nam Und trat an sein bescheiden Ort. Niemands redet ein einichs Wort, Bis man si zůsamm treten hieß. Der Starke sich auf sein Kreft verließ; Küenheit man an in beiden sach, Mancher geschwinder Streich geschach; Zůsammen schlůgen die zwen Mann, Jeder hoffet, den Sig zu han. Des Ritters Schleg waren fast stark; Teurdank sein Kreft auch nit verbarg. Ein ander tribens hin und her, Der Ritter wollt nit weichen mer, Liefen wider ein ander an, Allererst hůb sich die Not an. Zůletzt der Held sein Mannheit bewert Und nam in bed Hend sein gůt Schwert Und schlůg den Starken auf sein Haubt, Daß er ward seiner Sinn beraubt. Teurdank der schlůg und traf in baß, Dermaß der Stark fiel in das Gras, Damit ward der Ritter siglos. Den Neidelhart das fast verdroß, Groß Leid und Schmerz er darumb hett, Wiewol er nit desgleichen tet. Als nun Teurdank, der werde Mann, Den Kampf ritterlichen gewann, Schickt die Künigin von Stunden an Zů dem Held, des ein Bericht zů han, Ob ime nichts geschehen wer. Als si erfůr, daß noch der Herr Wer frisch, wolmügend und gesund, Ein gar große Freud si begund Und alles ir Frauenzimmer Zů haben, dann si hett nimmer Gelaubet, daß der edel Held Sollt ein solchen haben gefellt. Als sich nun hett verloffen das, Mittlerzeit die Küngin geschickt was, Mit dem Helden zů halten Freid, Als sich dann nach solcher Sach geit. Darauf kamen her getreten Zwen Alt aus der Künigin Reten, Sprachen zů ir: »Frau, seid beten beten: gebeten. Zu tanzen mit dem teuren Held, Damit, so ferr es Euch gefellt, Eur Gnad den Anfang tüe machen.« Die Künigin begund zů lachen; Der Held nam si bei irer Hand, Die Trumetter bliesen allsambt, Tanzten mit einander ein Reien; Groß Freud was under den zweien. Derselb Tanz weret eben lang, Teurdank darunder hoflich sprang, Als auch die anderen teten, Die ir Bůlen am Tanz hetten. Da nun die Zeit zů schlafen kam, Teurdank von der Künigin Laub Laub: Urlaub, Abschied. nam Und füegt sich wider in sein Gemach, Damit er an dem andern Tag Mocht im welschen Gestech bestan, Dann er hett einen starken Mann, Der wider in dann stechen sollt, Darumb er ein wenig ruen wollt. Des andern Tags sollt Teurdank stechen Und auf welisch Holz zubrechen. Neidelhart hieß sein Ritter kommen, Sprach: »Du hast on Zweifel vernommen, Wie es den zwein ergangen ist. Darumb so brauch alle dein List Und nimm ganz große, starke Holz; Ob du Teurdank, dem Helden stolz, Damit möchst einen Stoß geben, Dardurch er verlur sein Leben, Ich will dich darumb reich machen.« Der Ritter begund zů lachen, Sprach: »Herr, laßt mich darumb sorgen, Der Ürten Ürten: Zeche. darf er mir nit borgen, Ich will in morgen zalen bar Dermaß, daß er sein Lebtag gar Kein Ritterspil soll treiben mer.« Neidelhart sprach: »Mer ich nit ger!« Ging damit frölichen von dann Vom Neidelhart, dem falschen Mann. (103) Wie der unverzagt Held Teurdank des andern Tags mit dem dritten Ritter über die Balgen über die Balgen ... stach: Lanzenstechen trieb. auf welsch stach. Als nun hergieng der ander Tag, Teurdank nit lenger am Bett lag, Sonder hört mit Andacht ein Meß, Daß er darnach zů Morgen eß. Alsbald das Essen ein End nam, Teurdank hinfür auf die Ban kam In seinem welschen Stechzeug gut; Er hett in im eins Leben Můt. Desgleichen auch der dritt Ritter tet, Der genzlich in seinem Můet hett, Er wollt dem Helden zůfûgen Schaden und darnach verklûgen, Es wer nit geren geschehen. Die Künigin wollt auch zusehen, Darumb kam si auf die Ban dar Mit irem Frauenzimmer gar. Alsbald hůbens an und stachen, Manch Holz si auf ein ander zůbrachen. Als nun Neidelharts Ritter sach, Daß Teurdank am meisten Holz zůbrach, Befalh er seinem Harnaschmeister, Daß er im sollte bringen her Ein Stangen dick und darzů groß. Damit wollt er dem Held ein Stoß Geben, daß er wurd stechen nach Nit mer. Dasselb aber ersach Auch gleich des Helden Wappenmann, Sprach: »Herr, er will mit List umbgan.« Nam damit ein Holz ungefůg, Das er im under die Arm schlůg, Sprach: »Nun rennt hin und treffet wol! Der Untreu er empfinden soll! Laßt Eur Roß auf das fest laufen, Trefft Ir in, Ir werdt im kaufen Ein alte Kappen und ein Hůt.« Teurdank rennt hin aus freiem Můt Und traf den Ritter also hart, Daß er zů derselbigen Fart Mitsambt dem Roß fiel auf die Ban. Des erschrak Neidelhart der Mann. Von dem Stoß dieselbig stark Stang Geleich in fünf Trümmer sprang. Also zoch der Held von der Ban; Die Küngin darab groß Freud gewann, Daß Teurdank ritterlichen stach. Alsbald si kam in ir Gemach, Embot sie dem Helden, ob er Einicherlei notdurftig wer. Dasselbig sollt er ir tun kund; Es wer dann Sach, daß mans nit fund, Sonst wollt si im das schicken dar. Teurdank der Helde sprach: »Fürwar Dank mir der edlen Künigin seer; Ich habe doch alles das mer, Dann ich teglich notdurftig bin. Das sagt der Künigin wider hin, Darbei meinen freundlichen Grůß; Ich will noch heint wider zůfůß Mit der Ritter einem fechten, Als ich auch getan hab nechten. Dasselb bin ich si zů sehen, Damit si müge verjehen, Wer under uns erlangt den Sig. An si will ich lassen mich; Si werd irs lassen gefallen, Dann vor andern Frauen allen Dien ich ir von Herzen geren.« Der Bot genadet dem Herren, Kam fast eilunds wider dahin Zů der hochgebornen Künigin Und saget ir wider die Mer, Was im vom Held befolhen wer. Die Künigin darab Gefallen hett. Nun was es eben worden spet, Darumb sich Teurdank richt zů tan Den Kampf mit dem vierten Mann. (104) Wie Teurdank der Held mit dem vierten Ritter kempfte zů Fůß und in absiget. Als die Sonn was undergangen, Teurdank hett zum Turnir Verlangen, Saß zu Roß, hin zů den Schranken reit, Darin eim jeden was bereit Ein schön Gezelt aufgeschlagen; Darein so hett lassen tragen Der Held sein Harnasch und auch Wer Und sonst, was er bedorfte mer. Desgleichen auch hette getan Der ander jung, stark Rittersmann. Demselben lebt sein Vater noch, Der was im Turnieren berûmbt hoch, Der hett zůvor ein gůte Zeit Sein Sun gelert, wie er in Streit Und dem Turnir sich halten sollt, Darumb in Neidelhart für ein han wollt, Der Hoffnung, er wurd gesigen Und dem teuren Held obligen. Als sich hetten nun angetan Bed Helden, die zwen küenen Mann, Traten si zusamm mit Gir. Zůerst traf der Held in das Visir Sein Widerteil, den Ritter, hart, Darvon er seer erzürnet ward. Fest einer auf den andern drang, Das triben si ein gůt Zeit lang. Zůletzt Teurdank sein Macht fürkert, Underlief dem Ritter sein Schwert Und drang in nider zů der Erd. Den Ritter er nam gefangen; Damit was der Turnier ergangen. Das seinen Vater hoch verdroß, Dann er meint, daß nit lebt sein genoß. Neidelhart erschrak darab seer, Gedacht: Ei, will dann nichte mer Mir hilflich sein an disem Mann? Nit mer dann zwen Ritter ich han, Ob die auch underligen werden, So weiß ich, daß hie auf Erden Ich mag im Leben bleiben hart. Ich hoff auf den allein im Bart Und den, der morgen stechen soll, Es werde noch geraten wol. Mit dem zogen si von der Ban; Die Künigin fieng vil Kurzweil an Mit dem edlen Helden, bis daß Die halb Nacht schier vergangen was. Darnach jeds in sein Zimmer gieng, Bis der neu Tag wider anfieng. (105) Wie Teurdank, der trutzlich Held, mit dem fünften Ritter des dritten Tags deutsch stach. Der dritte Tag der kam daher; Deshalben derselbig Ritter Reit in seinem Zeug auf die Ban. Teurdank der was auch angetan, Füegt sich an das bescheiden Ort Und sach die Künigin halten dort, Die darumb was kommen daher, Daß si wollt die deutschen Stecher Sehen, dann dieselbig Monir Was noch zů sehen verborgen ir. Als der Held hinfür auf die Ban kam, Bald er vom Knecht die Stangen nam. Desgleichen tet auch der Ritter, Derselb rannt mit großem Gefer Auf den edlen Helden dar; Teurdank nam sein auch eben war, Trafen an einander so recht, Daß si mit einander bed schlecht Fielen aus über Ruck der Roß. Dasselb den Teurdank hart verdroß, Wollt noch einmal ein Reiten tan. Das beschach, darin er traf den Mann Gleich mit dem Kröndlein in sein Gesicht, Daß er sich keines Weges nicht Mochte enthalten vor dem Fall. Geschwind fiel er herab zůtal Und verlor sein Sinn Sinn: Besinnung. von dem Stoß, Darumb man im Wasser in Helm goß, Darvon er wider ward erkückt erkückt: aufgeweckt. . Er saße auf sein Pferd und drückt Sich nider, zoch heimlich darvon. Neidelhart, derselb eerlos Mann, Mocht darab unsinnig worden sein. Teurdank der Held sprach: »Ich vermein, Der Ritter der sei zogen ab. Ir sollt gelauben mir, ich hab Mich allererst recht eingrust. So ferr in nun noch mer gelust Zů stechen, so bin ich bereit.« Der Wappenmann sprach: »Auf mein Eid Sag ich Euch, lieber Herre mein, Daß er ditzmals nit kombt herein. Darumb mögt Ir wol heim reiten, Ir dürft sein lenger nit beiten.« Teurdank zů dem Erenhold sprach, Dieweil er den Ritter nit sach: »Ich will reiten wider zůhaus Und den Stechzeug ziehen aus, Mich alsdann wider legen an, Den Kampf mit dem letzten zů tan, Dann ich trau, dem alten Greisen Mit meim Schwert auch von mir zů weisen.« Also reit er wider zůhaus. Die Künigin die schicket heraus, Daß er mit ir jetz essen sollt, Dann si mit im mer reden wollt. Der Held saget ir dasselb zů, Sprach: »Alsbald ich mich neur aus tů, Will ich alsbald kommen zu ir. Das sagt ir widerumb von mir.« Teurdank der hett sich aus getan Und begund zů der Künigin gan. Von der ward er freundlich empfangen; Si sprach: »Ich hab groß Verlangen Umb Euch gehabt, gelaubt fürwar, Dann ich bin gewest sorgsam gar, Euch möcht etwas sein geschehen. Ich hab genůg Ritterspil gesehen Von Euch; drumb bitt ich Euch freundlich, Ir wellet eins geweren mich Und Euch hinfüran des abtan Und dasselb ander treiben lan, Dann Euch steet darauf Geferlickeit.« Teurdank sprach: »Edle Küngin gemeit, Es wurd mir zimen gar übel, Mir auch das haben verübel Der sechst Ritter, dem ich do hab Zů fechten zůgesagt; sollt ichs ab Steen, mocht er daraus gedenken, Ich wollt allein darumb wenken, Daß ich mich vor im fürchten tet; Ob ich von demselben Eer hett, Das mögt Ir selbs wol betrachten. Ich will gar niemands verachten, Aber ich hoff zů Gott, dem Herrn, Ich welle mich sein wol erwern, Als ich der fünf hab getan.« Die Künigin antwort: »Nun wolan! Dieweil Ir habt ein Lust darzu, So gib ichs nach; doch was ich tů, Das beschicht von Eurentwegen. Gott, der Herr, welle Eur pflegen Und Euch halten in seiner Hůt, Dann es Euch warlichen not tůt.« Teurdank gesegnet sie freundlich, Sprach: »Frau Künigin, es bedunkt mich, Es sei nun eben große Zeit, Daß ich dahin zů dem Turnir reit. Darumb erlaubet mir, ich will Mich zů dem letzten Ritterspil Rusten, damit ich bestee mit Ern.« »Ich wills Euch nit lenger wern«, Sprach die Küngin, »geet, fecht frölich, Ich will auch dahin fûgen mich.« (106) Wie der adenlich Held Teurdank mit dem sechsten Ritter stritt und im oblag. Ir habet vor gehöret wol, Daß anheut der alt Ritter soll Fechten mit dem edlen Teurdank, Des Son der Held nit eitels lang In eim Turnier vor auch überwand. Der Ritter den Held widermant widermant: ermahnte seinerseits. Und sprach: »Ir habt mein Son geschmecht, Darumb so habe ich Euch necht, Den Turnir zů tun, geboten an. Ich will geleich jetz heimhin gan Und meinen Harnasch anlegen. Ich hoff, Ir werdt mir begegnen Und dasselb keins Wegs abschlagen, Sunst wurd ich Euch für ein Zagen Halten.« Teurdank, der teur Held, sprach: »Ritter, laßt Euch nit sein zů gach; Ich will nit bleiben dahinden, Geet neur hin, Ir werdt mich finden.« Teurdank ließ sich verwappnen wol, Als man dann in solchem tun soll; Zů dem Fechten was im sein Herz leicht. Dieweil wurden die Weer vergleicht. Als nun zůgericht was all Ding, Traten si bed in einen Ring Zůsammen auf ein grüenen Plan. In Zorn lief in der Ritter an Und schlůg auf in mit großem Neid Neid: Haß. . Teurdank der Held was unverzeit Und merket erst am letzten das, Daß im der Ritter so neidig was, Schlůg er auf den Ritter mit Kraft Dermaß, daß derselbig Streich haft Und gieng im durch seinen Helm gůt, Daß im herab sein rotes Blůt Von seinem Haubt dardurcher floß. Neidelhart das gar seer verdroß. Der Ritter fiel auf sein Knie hindan, Damit der Teurdank den Kampf gewann Demselben alten Ritter ab. Der Ritter sich in Verlust gab. Vil wurde gesaget darvon Von Frauen, Jungfrauen und Mann. Neidelhart der erschrak des seer, Sprach: »Mich will je nit helfen mer Kein Anschlag, den ich han triben. Mir ist vor nie keiner überbliben, Sonder durch mich in Not kommen, Wie dann Ir all habt vernommen.« Alsbald Teurdank wider heim kam, Die Künigin in bei der Hand nam, Sprach: »Ir habt Eur Macht wol bewert, Ich hett das von Euch nit begert. Doch dieweil das ist beschehen, Und ich selber hab gesehen, Sollt Ir mir dester lieber sein.« Teurdank der sprach: »Edle Künigein, Euch zůlieb bin ich zogen aus, Darumb ich hab glitten manchen Strauß, Ee und ich bin kommen hieher, Allein umb die loblichen Eer. Warin ich hab zůwenig tan, Will ich mich jetz erboten han, Das zů erfüllen mit der Zeit.« Die Künigin sprach: »Schweigt, Ir seid Der teurist Held auf der Erden; Eur Müe sollt Ir ergetzt ergetzt: entschädigt. werden Von mir nach Eurem Willen gar. Gefellts Euch, so well wir geen dar, Das Nachtmal mit ein zů essen. Alsdann hab ich mich vermessen, Ein Tanz zů halten mit Frauen, Die werdet Ir geren schauen.« Dem Held gefiel ir Meinung wol, Sprach: »Geet vor, ich Euch folgen soll.« Als der Held hin zů dem Tisch kam Und Wasser auf die Hende nam, Setzet er sich zů ir nider. Die Künigin hůb an, redt wider Mit dem Held von vil Abenteur, Darauf ir der edel Held geheur Weis und vernüftig Antwurt gab. Als nun die Tischtůch wider ab Von dem Tisch waren genommen, Sach man gar vil Spilleut kommen Mit einem fast großen Getan Getan: Getön. , Damit da hůb sich der Tanz an. (107) Wie der adenlich Held Teurdank umb seiner gůten Getat willen von der Künigin Erenreich mit einem Kranz von Lauro Lauro: zu Laurus: Lorbeer. gekrönt ward. Als nun der Tanz was angefangen, Kam die Künigin Ernreich gangen Und trůg in ir schneweißen Hand Einen Kranz, von dem Kraut, genannt Laurus, setzt im den auf sein Haubt, Sprach zum Held: »Damit seid begabt, Dann dasselb Kraut die Tugend hat, Daß es keim wol auf dem Haubt stat, Er hab dann mit Ritters Eren Sein Leben vilfeltig tun mern Und an im aller Tugend Schein, Darumb wird es genannt Laurein. Unser Vorfarn haben die Kron Gar vil für kostlicher gehon gehon: gehalten. Dann Silber oder das Gold rot. Wer ein erlich Sach getan hot Und hie auf der Erden sein Zeit Verschliessen mit Krieg und in Streit, Erlich aus ritterlichem Můt Vor allen Schanden hat behůt, Den haben si begabt damit, Mit Eren nach der Romer Sitt. Nun bin ich warlichen bericht Vom Ernhold, daß Ir habt gericht Eur Leben nach allen Eren Und bisher nie tun begeren, Das Euch nit wol wer gestanden an; Darzů manichen kecken Mann Mit Euer Mannheit ganz verjagt, Vil geferlicher Sach gewagt, Mein Land und Leut beschützet wol. Darumb ich billich Euch geben soll Disen Kranz zů eim rechten Lan, Dieweil Ir vor andern die Kron Ritterlicher Zucht tragen seit.« Neidelhart was von Herzen leid, Auch Unfallo und Fürwittig. Alle drei waren si traurig, Dachten: Nun ist unser Gwalt aus! In dem die Trumetter mit Saus Bliesen all in ir Trumetten. Teurdank der tet herumb treten Mit der Küngin, bis der Tanz sich endt. Die sechs, mit den er hett gerennt Und ander Ritterspil triben, Die waren daheim beliben Und nit her zů dem Tanz kommen, Dann si all ganz kleinen Frommen Hetten erlanget an dem Held. Ein jeder sich fast traurig stellt Und schembten sich der Sachen hart, Daß si sich durch den Neidelhart Hetten in das obgemelt Spil Bereden lassen zů dem Zil. Indem hett das Tanzen ein End; Der Held nam die Künigin bei der Hend, Fûrt si wider in ir Zimmer, Sprach: »Edle Frau Künigin, nimmer Mag ich Euch der Ern vergessen, So Ir mir heut habt zůgemessen. Gott soll Euer Beloner sein.« Damit nam er von der Künigein Ein gůte Nacht und ging darvon. Die Künigin die danket im schon Mit süeßen Worten ganz freundlich. Darnach legt der Held schlafen sich In seim Zimmer nider ins Bett, Bis auf den Morgen die Sonn tet Wider über das Erdrich gan, Allererst stund auf der teur Man. (108) Wie der Ernhold die drei Haubtleut Fürwittig, Unfallo und Neidelhart vor der Künigin umb ir Bosheit willen verklagt und Rechtens wider si begert. Als die Sach alle was vollbracht, Der Ernhold an die Falscheit dacht, So die drei Haubtleut zůgericht Hetten dem Held wider ir Pflicht. Darauf hin für die Künigin trat, Kniet nider, diemûtiglich bat, Si wollt verhören die Klag sein. Die Künigin sprach: »Treuer Knecht mein, Red an, was hast du zu sagen?« Der Ernhold sprach: »Ich will klagen In dem Namen des Herren mein, Als die Ernhold zu tun schuldig sein, Und fach hiemit mein Klagen an Gegen Fürwittig, Eurm Haubtmann, Auch Unfallo und Neidelhart. Die drei haben auf diser Fart Meim Herren groß Leid zůgefûgt Und sich an demselben nit benûgt, Sonder den edlen, teuren Held In groß Geferlickeit gestellt Und zůsamm ein Bund geschworen: Es sei dann all ir Kunst verlorn, So wollten si den Herren in das Land Nit lassen; dann wurd er Euch kannt kannt: bekannt. , So mocht werden von in gewendt Ir Gwalt und Büeberei erkennt; Und darumb gemacht starker Peß drei, Dardurch si mochten bleiben frei, Daß in Eur Land kein teurer Mann Sollt kommen, der Euch elich mocht han. Genedige Frau, merkt weiter das: Als mein Herr kam an ersten Paß, Darauf saß der bös Fürwittig, Der macht meinen Herren lustig, Vil Kurzweil stetz zů fahen an, Darin er můßt allweg understan, Zů gewarten groß Geferlickeit. Darnach er zů Unfallo reit, Der ließ im Tag und Nacht kein Rů, Sonder richt geferlich Hendel zů, Dardurch er sollt oft kommen sein Umb das Leben in schwere Pein. Sollt ich die Sach erzelen all, Was der teur Held in disem Fall Von in hat müessen übersteen, Ich müeßt ein Tag damit umbgeen. Umb kurz will ichs fallen lassen. Mein Herr kam auf die dritte Straßen An den Paß zů dem Neidelhart, Von dem er wol empfangen ward, Bei dem sich alle Schalkheit hauft, Dann er hett dick geren verkauft Den edlen Held in der Feind Hand. Es mag nit werden alls genannt, Wes er sich gen im hat vermessen; Er wollt im zůletzt im Essen Han durch Gift vergeben fürwar. Sunst in groß und merklich Gefar Hat er oft den Helden gefüert, Wie Ir aus disem Bůch spürt, Darin ich Euch all Artikel gib, Was die genannten drei falschen Dieb Haben wider den edlen Held Geûbt. Ich habs mit Fleiß gestellt In Schrift zů einer Gedechtnus. Ir findt auch darbei Gezeugnus Auf jeden Artikl klar stan, Daraus Ir secht, daß ichs recht han. Weil nun das ist wider ir Pflicht Und von mir in kein Weg erdicht, Sonder die ganz lauter Warheit, So halt darin Gerechtigkeit Und laßt solch Übel ungestraft nit hin, Als ich zů Euch der Hoffnung bin. Ich mag auch darbei leiden wol, Daß man nach Ordnung der Recht soll Die drei Haubtleut erfordern her, Damit Ir findt die Warheit mer. Was alsdann das Recht wird geben, Dem soll mein Herr gern geleben.« Die Künigin sprach: »Mein Erenhold, Ich hab gehört, was du hast erzalt. Darin will ich nach der Gerechtigkeit Handlen und meins Hofs Gewonheit, Und si außer Recht nit strafen, Sonder einen Rechttag schaffen Und Brief deshalb lassen schreiben; Si werden nit aus beleiben. Was dann wird darinnen erkannt, Dem soll Folg geschehen zůhand.« Der Ernhold wol zůfriden was. Der Brief ward gmacht, hielt in sich das: Si sollten erscheinen am Hofgericht Bei Ermanung irer Eidspflicht. Die Brief wurden in zugesandt. Die Haubtleut kamen allesambt Mit einander an Hof all drei, Hetten ein heimlich Sorg darbei, Die Sach mochten nit recht zůgan, Ließen sich der Künigin sagan an: Auf ir Geheiß werens kommen, Hofften zů besteen als die Frommen. Die Künigin schickt nach dem Hofgericht, Sprach: »Ich befilh Euch bei Eur Pflicht, Daß Ir morgen zů rechter Zeit Das Gericht zů sitzen seid bereit, Dann durch Euch soll werden erkennt Die Sach, die sein worden vollendt Durch Fürwittig und Neidelhart, Des sich der Erenhold beklagt hart.« Auf solchs ward der Rechtag bestimbt Und den Haubtleuten darzů verkündt. (109) Wie die drei bemelten Haubtleut für Gericht gestellt und verurtalt warden. Alsbald die Gerichtszeit nun kam, Der Hofrichter die Sach für nam, Berueft wurden die drei Haubtleut; Der Ernhold sein Klag wider verneut Nach Gesatz und Ordnung der Recht. Darzů kamen Ritter und Knecht, Bedingt sich zů dem Rechten an; Also auch teten die drei Mann. Der Küngin Provoß Provoß: Vorsteher. sprach offenwar, Als des Ernholds Klag ward gelesen gar: »Herr der Richter und Ir Beisessen, Ir habt die Klag hören lesen, Die betrifft mein Frau die Künigin. Darumb si mich hat gesandt hin, Euch anzuzeigen hie darbei Den Bund, den dise Haubtleut drei Haben zů Nachteil fürgenommen Irem Reich, daß nit soll kommen Darein ein Held, der mandlich sei. Daraus Ir leichtlichen und frei Habet gar gůt, zů ermessen, Daß si ir Pflicht han vergessen, Damit si ir verbunden sind. Wann Ir si nun ungerecht findt, So beger ich, zů erkennen Mit Recht und drei Peen Peen: Strafen. benennen, Damit si sollen werden gestraft An dem Leib, dardurch Gesellschaft Sich hinfür vor solcher Tat hůt. Ich hoff, daß Ir kein anders tůt, Dann si sein gewest untreu Knecht. Damit will ichs gesetzt han zůrecht: Si sollen weiter han kein Huld, Sonder werden geurteilt nach ir Schuld.« Darauf Fürwittig herfür trat Und sprach: »Auf die Klag, so jetz hat Der Ernhold wider mich fürbracht, Beger ich gar keinen Bedacht, Sunder will gleich Antwurt geben, Darumb wollt mich merken eben. Was dem Held bei mir ist beschehen, Darauf mag ich mit Warheit jehen, Daß der Held solchs alls hat getan Aus seim freien Willen daran. Ich hoff, zů haben gar kein Schuld; Aus der Ursach ich billich Huld Von meiner Frauen soll erlangen. Was im zuhanden ist gangen, Darein hat in gefüert sein junger Můt; Ich hoff, das Recht mir darumb nichts tůt.« Darnach Unfallo auch herging, Die Meinung zů reden anfieng: »Dise Sachen sein schwer und groß, Die Klag ist neur mit Worten bloß Durch den Erenholden dargetan Anstatt Teurdank, des teuren Mann. Mir geschicht in solchem Unrecht, Sofer Ir mich werdt versteen recht. Ich hab den Held nie betrogen; Er ist nach Abenteur zogen, Die sein im oft zůgestanden. Dann welcher in frembden Landen Hin und her lang umb ziehen will, Dem begegnet stetzt Wunders vil. Will nun einer darin umbfaren, Derselb soll sichs selbs bewaren. Wo dem Held etwas gegnet ist, Dasselbig ich zů keiner Frist Zů aller Zeit verkommen mag. Der Zůfell ich nit Wissen trag. Darumb ich trau der Gerechtigkeit, Des Ernholds Klag hab zů der Zeit Gegen mir in kein Weg nit statt, Dann ims der Held selbs zůgricht hat.« Alsbald Unfallo sein Red endt, Neidelhart kam herfür behend, Redt mit lauter Stimm vor Gericht: »Herr der Hofrichter, dise Zicht Zicht: Anklage. , So wider mich ist jetz fürbracht, Der hab ich mir warlich nie dacht, Geschweig, daß ich sollt han getan. Damit Ir mügt den Grund verstan, Nit wie der Ernhold hat erzalt, Sein die Sachen dermaß gestalt: Als der Held erstlich zů mir kam, Heimlich auf ein Ort er mich nam, Tet mir darauf disen Bericht, Wie er sich hett ganz hoch verpflicht, Von der edlen Künigin wegen Ritterspil und Kriegens zů pflegen. Als ich das von im merken tet, Daß er darab Gefallen hett, Hab ich in gefüert dahin. Ich hett gemeint in meinem Sinn, Der Künigin ich gefallen tet, Daß ich den teuren Helden hett Probiert und in Krieg abgricht, Sonst hett ich warlichen mit nicht Derselben Ding keines vollbracht. Darumb, Herr Richter, habt in Bedacht, Daß mir an dem Unrecht beschicht, Und absolvirt mich von dem Gericht.« Der Ernhold gert an das Hofgericht, Si wollten im abschlagen nicht, Sonder verhörn ein kurze Red, Die er vor in noch zů tun hett. Der Richter im die Red erlaubt, Damit kein Teil wurde beraubt Des, so er in Recht möcht genießen. Der Ernhold sprach: »Hört onverdrießen, Der Haubtleut Red hat keinen Grund, Dieweil ir Verhandlung ist kund Und leit offentlichen am Tag. Mich wundert, wie einer sagen mag, Si sein all drei unschuldig daran. Warumb habens den Held nit lan Reiten stracks zů der Künigin her? Was hielten si in auf mit Gefer Und fůrten in zů aller Stund Auf geferlich Weg, damit ir Bund Mochte vollstrecket worden sein? Ich weiß, daß mein Frau, die Künigein, Inen das nit befolhen hat, Darumb si alle drei den Tod Deshalben haben verschuldt wol; Darumb durch Euch, Herr Richter, soll Werden erkennt mit Urteil und Recht Nach dem geschribnen Text schlecht, Dann si sein neidig Bösewicht, Haben vergessen ir Eidspflicht; Will Euch mit Red nit mer umbtreiben, Laß damit beim Rechtsatz bleiben.« Auf solchs die drei Haubtleut redten, Wie si ir Antwurt vor tan hetten; Darbei ließen si es bleiben, Das möcht der Schreiber ein schreiben. Als nun die Sach zůrecht gesetzt was, Der Richter mit andern darüber saß, Und nach irem langem Bedacht Der Gerichtschreiber herfürbracht Einen Brief, haltend in der Hand, An demselben er geschriben fand, Wie die Urteil jetz verfaßt wer. Sprach: »Ir bede Teil, tret zůher Und hört die Urteil, so das Gericht Auf Eur Fürbringen zůrecht spricht. Auf Klag, Antwurt, Red, Widerred, So ein jeder Teil fürbracht hett, Haben die Ret erkannt zůrecht, Daß die Haubtleut sein bese Knecht Worden an der edlen Künigin. Darumb soll man si füeren hin, Fürwittig richten mit dem Schwert, Des andern Tags Unfallo hert Bei seim Hals binden an Galgen, Darnach Neidelhart zuwalgen zuwalgen: herabstürzen. Uber ein hohen Turn zůtal, Damit er seinen Hals abfall Und kumm vom Leben zů dem Tod.« Damit Urteil ein Vollzug hat. Der Ernhold dankt der Urteil seer, Er sprach: »Offenlich Gott, der Herr, Wird darumb Eur Beloner sein!« Die drei hetten Schmerzen und Pein. Mit dem Henker ward geschaffen, Daß er sollt schicken nach Pfaffen Und die Armen beichten lassen, Darnach handlen dermaßen, Wie die Urteil gesprochen wer. Der Nachrichter der nam si her Und verwaret si all drei wol, Als die er morgen richten soll. (110) Wie Fürwittig umb sein Mißhandlung mit dem Schwert gericht ward. Nach Inhalt gesprochner Urteil Nam der Nachrichter an das Seil Fürwittig, den fast armen Mann, Fûrt in hinaus für das Tor an Die Statt, daran man die armen Leut Umb die Missetat richt noch heut. Als Fürwittig kein Rettung sach, Fieng er an und offentlich sprach: »Hört zů, ir Herren groß und klein, Vernemet wol dise Red mein. Warumb ich hie můß bunden steen Und schendlich hin zů dem Tod geen: Zů dem hat mich mein Fürwitz bracht, Dann ich hab gehandelt unbedacht Nach Reizung meines jungen Blůt, Das noch in mir nit hat verwůt verwůt: ausgetobt. . Darumb, ir großen Fürsten und Held, Ich bitt euch ganz fleißig, ir wellt Euch den Sachen durch Fürwitz nit Underwerfen; dann allzeit mit Eine große Geferlicheit lauft, Dieselb sich zů dem letzten hauft Und gibt geren ein bösen Lan. Ir sehet mich darumb hie stan, Ich fieng si an mit geringem Můt geringem Můt: leichtem Sinn. , Das letzt End ist nit worden gůt; Mir geschicht nach der Gerechtigkeit, Dank Gott, daß mir der Tod ist bereit, Dann ich hoff, dardurch die Sünd mein Zů büeßen und im Himmel zu sein.« Als Fürwittig sein Red hett tan, Da kniet nider der arm Mann, Da ward im abgeschlagen sein Haubt, Alsdann das Urteil hett erlaubt. Also die fürwitzig Sach nam Ein End; Unfallo hernach kam. (111) Wie Unfallo gehenkt ward. Am Morgen ward Unfallo gefûrt An die Richtstatt, wie sich gebüert, Dann er hett in Untreu vollbracht Sein Zeit und vil Haders gemacht. Damit das Urteil wurd vollzogen Und fürt von im niemands betrogen, Richt sich der Nachrichter und wollt Unfallo henken, als er sollt. Unfallo dacht mit Fleiß sein End, Sprach: »Wie bin ich in dem Elend! Nachrichter, ich bitte dich, beit, Ich will reden eine kleine Zeit.« Der Nachrichter gonnt im das wol. Unfallo sprach: »Dieweil ich soll Sterben, will ich mich beklagen Meiner Sünd und die offen sagen Und dardurch mein Seel bewaren, Damit si mög zů Gott faren. Ich hab den Tod gar wol verschuld, Darumb so beger ich kein Huld An meinem Leib und dem Lebn. Doch will ich euch zuvor geben, Ee ich stirb, ein fast nütze Leer: Ich bitt euch, daß sich keiner ker An mich, den man Unfallo nennt, Dann selten nimbts ein gůtes End, Der Der: wenn einer. all Sachen will fahen an Und zůvor darauf nicht Achtung han, Ob darin mag zůhanden gan Ein Unfall; dann gar kein Mensch mag Wissen, wie derselb sich anschlag. Keiner well sichs mer understan, Solich Sach dem Helden nachzůtan, Dann sollt eim zůsteen sovil Unfall Als im, er wer zů tausendmal Beschediget oder gar tot. Welcher nun nit folgt meinem Rat, Gen dem will ich embrochen embrochen: freigesprochen, der Klage entledigt. sein.« Damit trat er hin zů der Pein. Als er zůhöchst an die Leiter kam, Der Nachrichter her den Strick nam, Hieng den Unfallo beim Hals dran. Also die unfallisch Sach gewann Ein End, wie im Urteil ist bestimbt Und man in Gerichtshandel findt. (112) Wie Neidelhart ward zů Tod geworfen. Da nun der dritt Tag herzů kam, Von Stund man den Neidelhart nam Und füert in hinaus an die Statt, Daran er umb sein Missetat Sollt werden zů dem Tod gericht. Als Neidelhart sach, daß es nicht Dann Sterbens umb in möchte sein, Redt er aus Schmerz und schwerer Pein: »Dieweil nun kommen ist die Stund, Darin geoffent ist unser Bund, So wir Haubtleut haben gemacht, Der mich an dises Ort hat bracht, So will ich offnen die Warheit, Dann mir ist von meim Herzen leid, Daß ich mich hab also verschuldt. Damit ich nun erwerb Gotts Huld, So rat ich eim redlichen Mann, Daß er der Sach nicht well eingan Durch Freidigkeit, die geferlich sein Und aus Neid werden braucht allein; Dann daraus entspringt große Not, Und handlet wider Gotts Gebot. Gegen dem Held hab ich triben Neid und Haß und gehofft, es sollt bliben Verschwigen und nit laut mer sein: Umb das můß ich leiden die Pein. Ein Fürst soll wol für sich schauen Und keim Neidigen vertrauen, Auch nit folgen, was er im rat, Dann selten das glücklich aus gat. Nun wollt ich dest leichter sterben, Möcht ich vor von euch erwerben, Daß furt aller Neid wurd abgestellt In aller diser weiten Welt. Ich sorg aber, vil sein dermaßen Gesitt, daß sis nit werden lassen. Ir hört, daß ich euch warn treulich, Daß ein jeder well hüeten sich Vor solchem neidischem Herzen; Ir secht, was gar herten Schmerzen Ich jetzund darumb můß leiden. Ir sollt auch falsch Bund vermeiden, Dann die in die Leng nit mügen Den Herren bleiben verschwigen. Mit solchem will ich beschließen Und mein Neid mit dem Tod büeßen.« Nach solcher Red der Nachrichter Nam den armen Neidelhart her Und warf den aus über den Gang. Als das geschach, Neidelhart nit lang Lebet, sonder gab auf sein Geist. Der Nachrichter sprach: »Als aus weist Die Urteil, hab ich gericht recht.« Also nam das neidisch Geschlecht Ir End und sein letzte Hinfart. Als nun solchs alles vollbracht ward, (113) Wie die Künigin Ernreich noch ein Sach an den hochberûmbten Held Teurdank, die er tun sollt, werben ließ, und die Botschaft dem Ernhold befolhen ward. Ließ die Künigin sammlen ein Rat, Darein si auch zů kommen gebot Des edlen Helden Erenhold, Der im in Treuen hett gefolgt. Als nun die Ret waren gesessen, Sprach si: »Ich hab mich vermessen, Noch ein kleine Red mit euch zu tun. Wiewol Teurdank, der küene Mann, Auf der Reis vil gelitten hat Und im oft nah gewest ist der Tod, So ist im doch das alls allein Von den dreien Haubtleuten mein Zůgefüeget und angetan, Die darumb ir Straf genommen han. Wer wol billich, daß er hett Rů; Aber wie dem mir ist heint zů Gefallen in der vergangen Nacht, Daß er im solch Not habe gemacht Allein von wegen der Welt Eer. Nun wißt ir selber wol, daß mer Gehört zů eim Ritter auserkorn, Der billich füeren will gelb Sporn, Daß der beschützt Christenglauben. Nun weiß ich kein aus zů klauben, Der zů solcher Reis jetz baß döcht döcht: taugen würde. , Oder dem mans befelhen möcht Dann allein disem teuren Held, Der den Rom tregt jetz in der Welt An Zucht, Tugend und der Mannheit Und aller ander Geschicklicheit Neben Künig und andern allen. Darumb wollt euch solchs gefallen, Daß des teuren Helds Erenhold An in dise Werbung tun sollt Und im an unser Statt klagen, Daß bei unser Zeit und Tagen Die unglaubigen Feind Jesu Christ Wern weit in unser Land genist, Erschlagen manchen Christenmann Und darzů vil Stedt gewunnen an. Wider den wollt wir tun ein Zug; Nun han wir niemand, der do tug Zů demselben dann er allein; Bitt in anstatt einer Gemein Der ganzen weiten Christenheit, Daß er sich wöll machen bereit Und annemen das große Heer, Damit beschirmen die göttlich Eer, So darf er ganz kein Zweifel han, Dieweil die drei untreuen Mann Sein ab diser Welt tilgt und tot, Daß im der allmechtige Gott In allen Sachen und Handlen Werd Gelück und Sig mitteilen Und dardurch alles Leids ergetzt Und in die göttlich Gnad gesetzt.« Als die Künigin hett aus geredt, Fraget si wider ire Ret, Ob in die Meinung gefallen wollt. Ein jeder darzů reden sollt. Die Ret sprachen alle gemein: »Die Sach ist durch Eur Genad allein Bedacht mit fast großer Weisheit. Wir sagen bei unserem Eid, Daß solchs die göttliche Genad In Euch allein gewürket hat.« Ein englischer Geist darbei stund, Vor dem der bös Geist nichts schaffen kunnt; Ungesehen hett ers vernommen, Dann er darumb in Rat was kommen, Daß er den Reten geb in Můt, Der Künigin Fürschlag wer fast gůt. Allein daß es wurd bracht zů End, Die Künigin den Ernholden seendt, Daß er dem Held sollt erzelen: Si hette in tun erwelen Zů Sant Jörgen Reis Sant Jörgen Reis: St. Georgs Fahrt = Zug gegen die Ungläubigen. als ein Mann: Der teur wer, dorft solchs nemen an. (114) Wie der Ernhold sein Botschaft an den Teurdank wirbt. Der Ernhold nam die Botschaft an Und fûgt sich zů dem teuren Mann, Tet im all Sach mit Fleiß sagen, Bat, er soll kein Mißfallen tragen Ab der edlen Künigin Beger, Dann das göttlich und eerlich wer. Der Held merket wol auf sein Red; Der Held darauf sein Antwort tet, Sagt: »Darumb si mich gebeten han, Dieweils nicht schlechtlich wird zůgan, Will ich nemen einen Bedacht, Und wenn vergeet die heintig Nacht, Mag es dann mit Füegen gesein, So wollt ich ir den Willen mein Selbs gern zů erkennen geben, Dann ich hoff, hinfür mein Leben Zů füeren als ein teurer Mann, Wie ich dann bisher hab getan.« Der Ernhold ging zů der Künigin Und saget ir des Helden Sinn. Darauf ward beschlossen in dem Rat: »Sein Begern soll billich han statt!« Daß si mit dem Helden reden sollt, Des ward befolhen dem Ernhold: »Auf morgen frů sollt sein die Zeit, Darumb mocht sich der Held machen breit, Zů endecken unser Künigin Sein Meinung, Gemůt und Sinn.« Darbei es dieselb Zeit bestund, Bis kam morgen die angesetzt Stund. (115) Wie dem Held Teurdank ein englischer Geist erschin und im riet, er sollt der Künigin Beger Folg tun. Als nun der Held in seim Gemach Gegen Gott seiner Andacht pflag Und bedacht mit Fleiß hin und her Auf der edlen Künigin Beger, Da kam der englisch Geist hinein Durch versperrt Tür in die Kammer sein, Sprach: »Nit erschrecket, edler Held! So ferr Ir mich dann hören wellt, So will ich anzeigen, warumb Ich so still zů Euch herein kumb. Gott der hat mich zů Euch gesandt, Ein englischer Geist bin ich genannt, Darumb daß ich Euch soll geben Leer, Wie Ir füert füert: fürderhin. nach göttlicher Eer Sollt vollfüeren Eur Leben. Drei Leer die will ich Euch geben, Die werden sein nutzlich und gůt. Die erst: Habet Fleiß, was Ir tůt, So liebet und fürcht allein Gott, Haltet fleißiglich sein Gebot, Laßt steen der bösen Welt Listen, So wird Euch ein lang Zeit fristen Gott Eur Leben hie auf der Erd. Die ander Leer Ir hören werdt: Welcher mandlicher Held hie hat Getan in der Welt vil gůter Tat, Und der überhebt in Hochfart Sich und sein Freidigkeit nit spart, So lang, bis das not ist und gůt, Sonder solchs aus einer Hoffart tůt, Der mag in Gotts Huld nit bleiben, Dann er hat die tůn vertreiben Aus dem Himmel in die hellsch Pein, Luciper und die Gesellen sein. Kumbt man dann aus Hoffart in Not, Und bleibt einer darinnen tot, So hat er im kurzt im kurzt: sich verkürzt. sein Leben, Das im Gott aus Gnad hat geben, Seim Leib hie erlangt kein Lon, Sein Seel můß ir Statt in der Hell han. Darumb soll ein jeder teurer Mann Sich keinr Abenteur understan Aus Hochfart und eiteler Eer. Nun merket auf mein dritte Leer, Die wellet behalten eben: Habt Ir jemands Eur Treu geben, Umb was Sachen dasselbig sei, Secht, daß Ir in solchs haltet frei; Steet fest und ganz unzerbrochen, Dann Gott leßts nit ungerochen, Sonder schicket Euch einen zů, Der Euch dergleichen wider tů. Sofer Ir mein Leer werdt behalten, So mag kein Unglück bei Euch walten. Wellt nit folgen dem bösen Geist, Der Euch hett fast geren geweist Von dem rechten Weg der Warheit. Ich weiß, daß er vor kurzer Zeit Ist auch bei Euch hie gewesen Und geben Leer, so er hab glesen, Auch darauf lange Zeit studiert. Er hett Euch damit gern verfûrt; Aber Ir habt widerstanden, Darumb er hat müessen mit Schanden Fliehen von Eurem Angesicht. Auf solchs ein andre Schalkheit zůgericht Drei Haubtleut mit bösen Sachen, Die Euch Unru han tun machen Und zůgefüegt großen Trûbsal, Auch manich seltzamen Unfall, Die Ir all überstanden habt, Darumb Ir billich seid begabt Mit der Kron von dem Kraut Lauren. All Eur Gelück wird sich meren. Des sollt Ir fort an Zweifel sein. Noch ist ein Sach, darumb ich herein Zů Euch jetzunder kommen bin. Ich hab nechten von der Künigin Gehört in versammeltem Rat, Daß si dem Ernhold gesagt hat, Ein klein Werbung an Euch zů tun, Nemlich daß Ir sollt nemen an Wider die Unglaubigen ein Zug. Nun wird dasselbig sein Eur Fug, Dann Ir damit Gott ein Gefallen tůt.« Der Held sprach: »Heiliger Engel gůt, Ich hab verstanden Eur Leer Und gelaub je lenger, je mer, Daß Ir seid von Gott ein gůt Geist, Daß Ir mir den rechten Weg weist, Zeigt mir vil heimlicher Sach an, Die sonst hat gewißt nie kein Mann, Darumb ich Euch billich folgen soll. Ich hab von Euch gehöret wol, Daß Ir wißt von der Künigin Rat, So si kurzlich beschlossen hat. Zů mir ist kommen mein Ernhold, Gert, daß ich ein Reis annemen wollt. Darauf hab ich gnommen ein Bedacht; Solchs haben die Ursach gemacht, Daß ich bisher hab vil gestritten, Und von irenwegen gelitten, Auch überstanden Gferlickeit, Die mir dick sein worden bereit. Darumb ist not, daß ichs wol bedenk Und mich bewar vor der Welt Renk.« Der englisch Geist im antwurt bald: »Ich sag Euch, ein andre Gestalt Weren Eur Sach hinfür gewinnen. Darumb wollt Euch weiter nit besinnen, Sonder wann Ir zů der Künigin Kombt auf den Sal in ir Gemach hin, Und si wird reden von der Reis, So schlachts nit ab in einiche Weis, Dann Ir habt gesigt dem bösen Geist In dem, das er Euch hat beweist. Folgt meinem Rat, er kumbt von Gott, Der wird Euch behüeten vor der Not. Den Lon bei Gott im Himmelreich Müeßt Ir verdienen auf Erdreich. Darumb laßt beschehen Unfall fallen, Helft den armen Christen allen, Fûrt wider ire Feind den Streit, Gott Euch darzů Glück und Sig geit. Beschließt Eur Alter mit Andacht, Dardurch Ir Euch im Himmel macht Ein ewig Wesen und den Lon Und tragt hie auf Erden die Kron Der Ern und loblichen Mannheit. Darumb merkt, Herr, was ich hab geseit!« Der Held sprach: »Mein Engel von Gott, Ich will halten deine Gebot Und dieselben Reis nemen an, So ich Gott tů ein Gefallen daran. Wollst bei im mein Fürbitter sein, Daß er mir vergeb die Sünd mein Und mir alsdann nach dem Leben Die ewigen Freud well geben.« Der Engel sprach: »Ir sollt verstan, Euch hatte Gott darumb getan Sovil Gnad und bisher gefrist Eur Leben vor manichem List, Daß Ir dise erliche Reis Sollt vollbringen dem ganzem Kreis Der Christenheit zů nutz und gůt. Gott wird Euch haben in seiner Hůt Und vor Ungelück bewaren, Wo Ir werdt hin und her faren, Zů beschützen die Christenheit. Ir werdt disen meinen Bescheid Gerecht und warhaftig finden, Dardurch all Eur Feind überwinden.« Nach disen Reden gleich zůhand Der englisch Geist vor im verschwand. Der Held dankt Gott der Gnaden sein, Die er im durch englischen Schein Hett tůn heimlichen zů wissen, Darumb so wollt er sein geflissen, Zů halten hinfür sein Gebot. Bald darnach kam der Künigin Bot Und sprach: »Mein Frau die Künigin Begert, daß Ir zů ir kumbt hin Auf den gestrigen Bescheid, Den Euch hat der Ernhold geseit.« (116) Wie der verrûmbt Held Teurdank der Künigin Ernreich ir Begern zů vollziehen zůsagt, und zwischen in die Ee auf sein Widerkunft beschlossen ward. Teurdank hin zů der Künigin gieng, Gar freundlichen si in empfieng, Füert in in ir kostlich Gemach, Darin si stetz zů wonen pflag; Nam darzů etlich ir geheim Ret, Desgleichen auch Teurdank der Held tet. Auf dasselb si anfieng und sprach: »Herr, habt Ir Euch auf dise Sach Bedacht, so Ernhold geworben hat Von meintwegen und meinem Rat, So wollt mir ein Antwurt geben.« Teurdank der sprach: »Ich hab eben Mein Ernhold in seiner Red vernommen Und bin darumb her zu Euch kommen, Euch zůvor etwas zů fragen; Ee ich mein Antwurt will sagen. Edle Künigin, ich hab daran Kein Zweifel, Ir habt von vil Mann Erfarn, daß ich vor langer Zeit Von meim Vater daheim aus reit, Frömbde Land und Leut zů bauen, Ob ich zůletzt Euch möcht schauen, Und ee ich bin kommen hieher, Uberstanden ganz manch Gefer Für all Künig und Fürsten mee, So Eur begert han zů der Ee. Eurem Feind hab ich Schaden tan, Wiewol mich die drei bösen Mann Geren hetten geirrt darin; Die sein aber darumb dahin. Was ich dann noch nit hab verbracht, Darauf will ich auch sein bedacht, Nochmals nach dem Vermögen mein Zů tun, in was Weg das mag sein. Bitt darauf Eur jungfreulich Zucht, Zů der ich hab all mein Zůflucht, Ir wellt solche Sach bedenken Und mich darumb an alles Wenken Vor andern erweln für Eurn Mann. Mocht ich aber solchs an Euch nicht han, Sonder hett ein bessern Willen Zů eim andern, sagt mirs in stillen, Daß ich umbsonst nit Hoffnung hab. Doch trau ich, Ir werds nit schlagen ab, Dann Euch, der allerschönsten Maid, Bin ich zů dienen allzeit breit. Wann ich darauf hab Eurn Verstand Verstand: Meinung. , Alsdann will ich weiter zůhand Euch meines Willen berichten.« Die Künigin antwort mit Zichten: »Hochgeborner Fûrst, Herr Teurdank, Warlichen, es ist nit gar lang, Daß vil großer Künig und Herren, Kinder von nahend und ferren, Haben umb mich werben lassen, Doch hab ichs mit gůten Maßen Allzeit in Rů und Anstand gestellt, Dann ich weiß, daß Ir, edler Held, Seid vor andern weis und klůg Und habt bisher mit Eurm Unfůg Unfůg: hier positiv, etwa: Treiben. Beschirmet wol mein Land und Leut. Darumb wer es mir ein Schand heut, Wo ich Euch des nit genießen ließ. Mein Vater mich auch dasselb hieß, Daß ich keinen nem zů eim Mann Dann Euch, edler Held wolgetan. Darzů hab ich Euch auserwelt, Als Eur Wesen mir wolgefellt, Will Euch drauf nemen zů der Ee, Doch daß Ir mich einer Bett ee Gweren wollt, die ich will sagen. Ganz vor kurz verschinen Tagen Haben die Feind aus Übermůet Vergossen vil christenlich Blůt Und mir verhert mein Leut und Land Mit Hinfüeren, Raub, Mord und Brand; Dann mein Erbland an einem Ort Grenz mit den Ungelaubigen dort. Solch Not und Widerwertigkeit Ist ein Abbruch der Christenheit. Das alls leit mir jetz heftig an. Wo Ir Euch dann wollt understan, Zů vertilgen derselben Gwalt, So will ich Euch on Ufenthalt Die Ee geloben an Eur Hand, Darzů geben reich Leut und Land, Doch also und mit dermaßen, Daß Ir den Beischlaf wöllt lassen Ansteen, bis Euch der ewig Gott Wider heim hilft aus diser Not. Dise Reis laßt Euch nit sein schwer, Dann Ir dardurch erlangt vil Eer. Gelaubt, wo ich ein andern mocht Finden, der zů solcher Reis docht, Ich wollt Euch nit lassen von mir.« Der Held merkt der Künigin Begir, Daß si die Sachen meinte gůt. Indem kam im auch in sein Můt, Was im vor der englische Geist Hett gestern darin underweist, Gewann darin einen Můt fest, Gedacht: Es mag mir sein das best, Daß ich mich der Sach underfach. Kert sich gen der Künigin und sprach: »Eur Lieb hat mich so fast umbgebn, Daß ich Euch in meinem Leben Billichen nichts versagen soll, Dann ich bin aller Freuden voll, Daß ich Euch allein tu gefallen Vor den andern Fürsten allen, So umb Euch auch geworben han. Die Reis will ich gern nemen an, Gott well mir darzů Glück geben Und mir darin fristen mein Leben, Daß ich dieselb müg mit Eren Vollbringen und mein Lob meren Und Euch wider finden gesund.« Die Küngin kußt in an den Mund, Mit Freuden si den Held umbfieng. Damit ein Priester herzů gieng, Gab si bede elich zůsammen. Darnach die andern Ret kamen, Wunschten inen Gelückes vil. Die Künigin die sprach: »Herr, ich will Euch nach Notdurft zů solchem Zug Mit gůtem Volk versehen gnůg, Und was Ir darzů bedürft mer.« Der Held sprach: »Ich will mein Beger, Was ich bedarf, anzeigen wol, Und ich noch darzů haben soll.« Die göttlich Ee was zů der Zeit Beschlossen und der eerlich Streit. Darin welle behüeten Gott Si bedesambt vor aller Not. (117) (Nicht ausgeführt) (118) Der Beschluß diser Histori von dem mandlichen und gluckhaftigen Held Teurdank. Manicher über Gott den Herrn klagt, Wie er hab die Menscheit geplagt, Daß er si habe beschaffen Nacket, bloß, on alle Waffen, Damit si möchten weren sich, Und doch allen Tiern mildiglich Hab geben jedem nach seiner Art, Dem Ochsen große Horner hart, Dem Löben Sterk in sein Klauen, Wie das ein jeder mag schauen, Damit si werden geboren Und widersteen eins andern Zorn, Auch fristen damit ir Leben; Und denken nit, was er hat gebn Uns dagegen für ein Genad, Daß ein jeder Mensch an im hat Vernunft und sindlichen Verstand; Daraus er mag machen zůhand Gar leichtlichen Litz Litz: Geschoß. und auch Weer, Mit denen er eim jedem Tier Sein Leben heimlich nemen mag. Darumb dieselbig ier Klag Mag bei in billich nit statt han, Si sollten sich benüegen lan. Aber bei mir ists ein klein Sach, Daß ein Mensch in groß Ungemach Ein unvernüftigs Tier bringt; Allein das mein Gemůt bezwingt, Zů verwunderen nit ein klein, Daß ein einiges Mensch allein Sovil böser Menschen Anschleg Ist entgangen, so in vil Weg Wider den edln, teuern Held Sein gebraucht, wie ich hab erzelt Hievor in diser meiner Schrift: Mit Vergebung in der Gift, In Stürmen und auch in Streiten, In manchem sorglichem Reiten Und anderm, wie Ir habt gelesen. Welcher wollt doch sein genesen Vor sovil der scharpfen Weren, Die dann allein zů versteren versteren: vernichten. Sein braucht gegen dem teuren Mann? Wer mag dergleichen zeigen an, Der in sovil Gferlickeit sei Gestanden und doch dabei Allein aus seiner Geschicklickeit Entgangen der Sorgfeltigkeit Und sovil erlich Sach getan Mit seiner Hand als diser Mann? Er ist ein Mensch und doch nit mer, Darumb ich mich verwunder ser, Daß er noch gesund bei Leben ist. Ich glaub, Gott hab im Anfang gewißt, Daß er durch disen küenen Held Well würken noch in diser Welt Vil Sach, der Christenheit zůgůt, Darumb er bisher hat behůt Den Held vor aller diser Not, Sonst wer er langst gelegen tot Und in kein Weg mögen uberstan Die Geferlicheit, so dem teurn Mann Zůhanden stets gegangen sein. Gott behüet hinfür den Herrn mein, Wie er bishiher hat getan, Damit wir in noch mögen han Eine lange Zeit hie auf der Erd! Wir bedürfen des Helden wert, Als wol jetzo die Sachen stan Und in der Welt durch einander gan. Was dann weiter dem Helden wird Fürfallen, und und: wenn. mich daran nit irrt Krankheit, und daß ich soll beleiben In Leben, will ichs auch beschreiben Zů Nutz und Leer gar manchem Mann, Der daraus noch vil lernen kann, Wie er sich soll halten in Not, Wann im dieselb zuhanden gat, Als hat getan diser teur Held. Gott verleih uns in diser Welt Gesundheit, Frid und Einigkeit, Darnach die ewig Seligkeit! Durchleuchtigister, großmechtigister Künig, genedigister Herr, dieweil nun Euer Küniglich Majestat die mannigfeltigen, gestrengen, sorglichen Geferlicheiten, dem edlen und berûmbten Fürsten Teurdank zů gestanden, hievor durch mein Bůch erzelt, vernommen hat, trag ich für Sorg, nachdem dieselben überstanden Geferlicheiten nit allein zů verwundern, sonder ee unmenschlich zu achten sein, Eur Küniglich Majestat und ander, denen bemelt mein Buch fürkommen, möchten gedenken, ich hett dem obbemelten edlen und berûmbten Fürsten Teurdank mer Preis, Lob und Eer, dann in der Warheit im begegnet wer, aus schmeichundem Gemût zůgemessen; denselben nach, damit solch Gedanken Eur Küniglich und andere Gemût nit in bösem Argwan füeren mögen, hab ich Eur Künglich Majestat ein lautere Anzeigung und warhafte Bestetung Bestetung: Bestätigung. aller Geschichten, in bemeltem meinem Buch begriffen, tun wellen, daraus Euer Künig-Majestat nit allein den Grund der rechten Warheit, sonder an welchem Ort und Ende der jedes beschehen ist, erkennen mügen. Geben zu Nuremberg am ersten Tag des Merzen Anno domini tausend fünfhundert und im sibentzehenden Jar. Euer Küniglichen Majestat Diemûtigster Kaplan Melchior Pfinzing zů Sant Alban bei Menz und Sant Sebold zů Nûrenberg Propst. Dem durchleuchtigisten Fürsten und Herren Herrn Karlen Künigen zů Hispanien etc. Erzherzogen zu Osterreich Herzogen zu Burgundi etc. meinem allergnedigisten Herrn. Künig Romreich Die Künigin Ernreich Der Held Teurdank Der Ernhold   Drei Haubtleut Fürwittig Unfallo Neidelhart.   Disen Personen sein allen dise Namen erdacht und ire rechte Namen verschwigen aus der Ursach, dieweil derselben Verwandten in Leben sein, damit nit geacht werd, es beschehe dise Beschreibung sovil erlicher Getaten inen aus liebkosendem Gmût, daß auch mit solchem Bůch denen, so vorzeiten die alten Heldenbûcher geschriben haben, nachgefolgt wurde; dann mich bedunkt, daß dem gemein Mann nit not sei, den Grund zů versteen. Aber in der rechten Warheit, so wirdet durch den edlen Künig Romreich verstanden der löblich, adenlich und mechtig Herr H. C. V. B. Herzog Karl der Kühne von Burgund. Die Künigin Eernreich bedeut desselben Künig Romreichs Tochter E. M. H. Z. B. Maria Herzogin zu Burgund. und ist darumb Ernreich genannt, daß si neben andern hochgeborenen Frauen ein eerliebhabund Herz und Gmût zů haben geûbt gewest ist und irem Höchstverwandten zů solchen eerlichen und durstigen Sachen geholfen und gefürdert, dardurch er Rum, Sig und Er erlangt, die er dann bis an sein End getriben und gebraucht hat. Teurdank bedeut den loblichen Fürsten K. M. E. Z. O. V. B. Kaiser Maximilian Erzherzog zu Österreich und Burgund. und ist darumb Teurdank genannt, daß er von Jugend auf all sein Gedanken nach teuerlichen Sachen gericht, die er auch vilfeltiglich über menig ander Fürsten und Ritter, von den man geschriben findt, mit eignem Leib vollbrach hat, wie man in disem, auch sunst noch in andern zweien Bûchern Hinweis auf »Freidal« und »Weißkunig«. klerlichen vernemen wirdet. Der Ernhold etc. bedeut das Gerucht und Gezeugnus der Warheit, so einem jeden Menschen bis in sein Grůben nachfolgt, si sein gůt oder bös; darumb wirdet er bemeltem jungen Fürsten Teurdank für und für zůgestellt, sein Leben, Wesen und Getaten zů offenwaren und zu bezeugen mit der Warheit. Die drei Haubtleut bedeuten die drei Alter, nemblichen die Jugend, das Mittel und das Alter, und sein darumb erdacht, als weren die drei, Fürwittig, Unfallo und Neidlhart, drei Menschen gewest, damit die Dreiteil des Alters dest klerer mügen beschriben werden und der Histori einen Form und Lieblicheit zů lesen geben. Und erstlichen Fürwittig bedeut die erst blüend Jugend des edlen Fürsten Teurdank, welche in als einen jungen Menschen, der anders von freiem, teurn Geblůt kumbt, reizt und begirig macht durch Fürwitz, on Bedacht des Endes allerlei zů versuchen. Durch denselben Haubtmann Fürwittig verstanden und begriffen wirdet, in was Geferlicheit ine solche sein freie Jugend, auch Fürwitz, gefûrt hat. Darumb nennet man dise ganze Handlung Fürwittig. Der ander Haubtmann heißt Unfallo und ist darum also genannt, daß einem jeden teurlichen Mann in bestendigem Alter am meisten Unfall in seinem Fürnemen begegnen, darumb daß er im in solchem Alter mer zů tun und zů versuchen dann in der Jugend vertraut und auflegt, und werden darunder begriffen all teurlich und geferlich Sachen in Schimpf und Ernst, so der Teurdank, Eer zů erlangen, getan hat, bei denen ime Unfall unversehner Ding zůgestanden sein, den er durch Schicklicheit und sein Beherzenheit entgangen ist. Neidelhart, der dritt Haubtmann, wirdet darumb also genennt, dann gewondlich einem jeden in seinem Alter, dem Glück und ander Gaben des Glück zůsteen, vil Menschen neidig und hessig werden, und bedeut die Sorgfeltigkeit und Geferlicheit, so dem Fürsten zů seinen Zeiten durch Neid und Haß in Kriegsleufen und sunst begegnet, denen er aber allen on Schaden mit Hilf Gottes und durch sein unerschrocken, freidig Gmût und ritterliche Hand glücklichen entgangen und entrunnen ist. Und sein allein die drei Namen Fürwittig, Unfallo und Neidelhart in lebendiger Menschen Bild verkert, darumb daß die Histori, wie obsteet, dest verstendiger sei zů lesen. Aber was ein jede Figur in disem Bůch bedeut und an welchem Ort die beschehen und durch den teurn Held vollbracht sein, folgt hernach Es folgt die Erläuterung der einzelnen Teuerdank-Kapitel.     Bedeut, wie Künig Romreich, von Art edel und mächtig, seiner Tochter Ernreich den kûnen Held Teurdank lobet. 1 Bedeut, wiewol Künig Romreich vor bei im beschlossen hat, seiner Tochter, der Künigin Ernreich, den berûmbten Held Teurdank zů vermehlen, nichts destweniger ließ er dannoch solch Sachen beratschlagen, damit er der vil Werber Begern, so umb sein Tochter beschahen, dest füeglichen abschlagen mocht. 2 Bedeut, wie der loblich Künig Romreich bei einem frischen Bach als ein berüembter Fürst und Herr erschlagen ward wunderbarlich. 3 Bedeut, wie ein Edelmann kam und verkündet der Künigin Ernreich den erlichen und ritterlichen Tod Künig Romreich, irs Vaters. 4 Bedeut, wie die Künigin Ernreich von iren Reten den Willen und Befelh irs Vaters, Künig Romreichs, ir in seinem Leben, der Ee halben gegeben, erklert, und welcher Maßen die Heirat durch die Landschaft beschlossen ward. 5 Bedeut die rechten Sandboten von treffenlichen Gefürsten und rittermeßigen Personen, so die edel Künigin Ernreich schicket zů dem Teurdank, daß er, nachdem die Heirat zwischen ir beder beschlossen wer, zů ir käm, ir Land helfen zů beschützen. 6 Bedeut den großen Neid und heimlich Praktiken, so wider den Teurdank, ime solch Heirat zů verhindern, durch sein Widerwertigen gebraucht und geûbt wurden 7 Bedeut die Ankunft der treffenlichen Botschaft, ir Werbung und Überantwortung irer Brief an den Teurdank, von wegen der Künigin Ernreich getan. 8 Bedeut, wie erlichen und kostlichen von Kleidern, Kleinatten Kleinatten: Kleinodien und Rustigung der Teurdank von seinem Vater zů der edlen Künigin Ernreich abgefertigt ward. 9 Bedeut, daß sich der bös Geist zum dickern Mal understanden hat, den edlen Teurdank auf Stolzkeit, Hoffart und unerlich Wesen zů weisen, dardurch der Held nicht hett kommen mögen zů nachfolgendem weltlichem teuerlichem Rom und Eren, in welichen Handlungen in Gott und sein Engel mannigfeltiglichen entschüet, behüet und bewart haben. 10 Bedeut die Ausfart des Teurdanks von seinem lieben Vater und aus seinen Erblanden zů der edlen Künigin Ernreich. 11 Ist ein Anfang der Geferlicheiten, darein der hochgeborn Teurdank aus seiner frechen Jugend durch den erlichen Firwitz erlichen Firwitz: ehrgeizige Unbesonnenheit. , wie obgemelt, kommen ist. 12 Bedeut die erst Geferlicheit, so dem Teurdank in Brabant mit einem ergejagten Hirschen begegent ist, auf den er in einem holen Weg unversehenlich so kurz kam, darab der Hirsch erschrak und sich auf tet, der Meinung, über den jungen Held zů springen; aber aus der Besunnenheit, so der Teurdank an im hett, stach er den Hirschen zů seinem Glück geleich durch das Herz, daß er tot überruck zů der Erd fil. 13 Ist ein Anzeigung der Unerschrockenheit des Teurdanks, daß er sich hat understeen dürfen, ein große erzürnete Birin umb ire Welflen im Land zů Schwaben frei allein an zů greifen und die durch sein Schicklicheit zů fellen. 14 Bedeut ein merklichen bösen Zůfall, der dem edlen Teurdank im Hallertal auf dem Gembsengejeid begegnet, da er mit seinen Fûßeisen besteckt und sich schier erfallen hett, dergleichen bösen Zufall nie keinem am Jeid begegnet ist, wie die Schrift ausweist. 15 Als der edel Teurdank in Bayrn einen großen sechsjerigen Leoben sach, kam im in seinen Sinn des Samsoms Handlung und trat darauf zu demselben Löben, der zam was, und riß im das Maul auf und zoch im die Zungen heraus. 16 Abermalen ein Geferlicheit mit einem Schwein, das er zůfůß mit seinem Schwert frei vor kleinen Hunden stach mit großer Girlicheit im Brüssler Wald. 17 Ein Anzeigung einer treffenlichen Durstigkeit und Schicklicheit, in so großer Höhe auf einem Fůß ein Gembsen auszůwerfen, geschach durch den Teurdank im undern Inntal. 18 Der edel Ritter Teurdank understund sich aus frecher Jugend vor andern etwas Sonders zů tun, nemlich ein groß hauend Schwein mit einem Degen in Osterreich in einer Dicke, daß er auf allen vieren geen můßt, zů stechen. 19 Abermalen ein Geferlicheit, so dem edlen Teurdank am Gembsenjeid bei Innsbruck begegnet ist, dann im Schaft und all Zinken an seinen Fůßeisen, außerhalb eines, das haftet und sich doch hart wandt, auf einer hohen Platten in aller Hoch engingen. 20 Ein andere Geferlicheit dem Teurdank im Breusgau mit einem Calcidan Palierstein begegnet, wie die Schrift ausweist. 21 Ein ander Geferlicheit, so dem Teurdank begegnet ist im Land Osterreich ob der Enns, der er aber durch Gelücksfall und sein Beherzenkeit entging, dann ime die Eisen mit Schnee geballt waren, daß si nit haften mochten. 22 Ein Geferlicheit, darvon sich Teurdank durch besinnte Geradigkeit besinnte Geradigkeit: kluge Behendigkeit. seins Leibs auf dem Eis, das under im brach, zů Brugg in Flandern erlediget. 23 Ist poetisch gestellt und bedeut, daß der edel und teuer Ritter Teurdank nach solichen Handlungen und vollbrachten fürwitzen Geschichten die Jugend und den reizenden reizenden: anstachelnden. Fürwitz nun hingelegt hat und zů merern Alter kommen ist, wie hernach folgt. 24 Ist poetisch und bedeut den Anfang aller teurlichen Sachen, so der adenlich Ritter Teurdank mit Besinntnus angefangen, und im doch aus Unfall und trutzlichem Gemût groß und merklich Geferlicheiten zůgestanden sein; darumb wirdet gesetzt, er kam zů Unfallo, das ist zu den unfellischen Geschichten. 25 Bedeut ein zůfelligen geferlichen Unfall, so dem Teurdank im Land zů Swaben an einer zerbrochen Stegen begegnet ist. 26 Bedeut ein andere Gefar am Berngejeid im Land ob der Enns, dem Teurdank zůgestanden. 27 Bedeut ein Gefar, dem Teurdank im undern Inntal begegnet auf einem schmalen Rusbaum Rustbaum: Rüstbaum, Tragbalken. , der under dem Dach über des Schloß Maur in freiem Tag lag und erfault war. 28 Bedeut einen trefflichen herten Fall, den der Teurdank im undern Inntal auf einem hangendem Eis mit seinem Pferd überstanden hat bei der Nacht. 29 Ist ein Anzeigung einer treffenlichen Besinntlicheit, so der Teurdank in zůfallendem Unfall gehabt in dem Fall, der im mit einem gespannten Armbrost begegnet ist in Brabant. 30 Bedeut ein groß Gefer, so dem Teurdank aus Unbedechtlicheit sollt begegnet sein im Haller Tal. 31 Bedeut ein groß Wassernot, dem Teurdank in Holland durch einen unerhörten großen Sturmwind zůgestanden, als oft geschicht. 32 Bedeut ein unnatürlichen Pferdssprung, den Teurdank auf dem fortz Gejeid im brabandischen Wald zůgestanden. 33 Bedeut ein große Gefar, so dem Teurdank zůgestanden ist in Brechung eines stechlein stechlein: stählernen. Bogens im Schießen. 34 Ein unerhörten Unfall, mit großer Gefer und Gelück vermischt, dem Teurdank mit einem Swein auch im Brüssler Wald begegnet, wie es dann ordenlichen im Reimen steet. 35 Bedeuten drei groß Schneelenen, so auf den edlen Teurdank gar nahend im Halltal am Inn gegangen sein. 36 Ein große Geferlicheit, dem Teurdank und seinen Gesellen im Stamacher Tal zugestanden, wie das dann klerlich geschriben steet. 37 Wie der edel Teuerdank an einem Sweingejeid in Brabander Wald sich schier aus einem seltzamen Mißrat an seinem Swert erfallen hett über ein Leiten ab. 38 Ein Geferlicheit, dem teurn Held Teurdank mit einer Kartonen in Osterreich under der Enns begegnet. 39 Ein groß Geferlicheit, dem Teurdank mit einem Leithund begegnet in den Torn zu Ernburg. 40 Abermals ein wunderbarliche Geferlicheit, dem edlen Held Teurdank mit einem Schwein auch im Brüssler Wald zůgestanden. 41 Ein groß Geferlicheit, dem hochberůmbten Teurdank im Stift von Utrich mit zweien Lewen zugestanden nach Laut der Schrift. 42 Ein Wassernot, so der teur Held Teurdank in dem Wasserland an Westfriesen überstanden hat. 43 Ein Geferlicheit, durch Unsorgsamkeit dem Held Teuerdank begegent in dem brabantischen Wald. 44 Item ein geferlicher Fall, dem hochgeborn Held Teurdank mit einem Roß zů Landsrod im Brüssler Wald zůgestanden. 45 Item ein andere Wassernot, dem teurn Ritter Teuerdank in Holland begegnet. 46 Ein behender, besinnter Fund, dardurch der mandlich Held edlen Teurdank zůgestanden, davon er sich durch große Besonnenheit erledigt. 47 Ein behender besinnter Fund, dardurdi der mandlich Held Teuerdank sich aus großer Geferlicheit, so er von dem Bern hett warten mûssen, erlediget hat, ist beschehen bei der Burg zů Tirol. 48 Ein Unfall, mit großer Gefar dem adenlichen Held Teurdank auf dem Gembsenjeid am Hellkopf im undern Inntal zůgestanden. 49 Für all Geferlicheiten, die mit großem Geschütz an vil Orten, darunder drei gar groß gewesen, dem teurn Held Teurdank begegnet sein, wirdet die in Pikardei gesetzt. 50 Ein Roßfall, dem kûn Ritter Teurdank zwischen Tortnau und Janua in Italia im Weingart Maurn begegnet, wie die Schrift ausweist. 51 Ist ein Anzeigung der Wetterstreich, der drei fast nahend zů dem edlen Held Teurdank beschehen sein; für die wird der im Land zu Steyr angezeigt, darumb daß der im am nechsten was. 52 Ein Geferlicheit, die dem Held Teurdank auch zugestanden sein sollt in dem undern Inntal, wie die Schrift ausweist. 53 Ein Geferlicheit, dem kûn Held Teurdank in Brabant zůgestanden, darvon er sich durch sein Sterk und Besinntlicheit erlediget nach Laut des Texts. 54 Ein große Gefar, so dem Helden im Steinadler Tal begegnet ist. 55 Ein andere Geferlicheit, dem teurlichen Ritter Teurdank in hohem Gebürg im undern Inntal begegnet. 56 Ein Geferlicheit, in Kernten dem Held begegent mit einer Hokenbüchsen, darunder die andern Geferlicheiten all, die im mannigfeltiglich mit kleinem Geschoß zů gestanden, begriffen sein. 57 Ein großer Unfall, dem Teurdank in einem Schiff mit Pulver im Land zů Geldern begegnet. 58 Ein herter Fall, auf dem Gembsenjeid dem Teurdank im Land ob der Enns zugestanden. 59 Aber ein Sorglicheit, dem freidigen Held Teuerdank auf ober Tirol im Tempel von dem Pulver aus Unbesinntlicheit eines Dieners, der das Nerrl bedeut, begegnet. 60 Ein treffenliche Geferlicheit, dem kûn Ritter Teurdank mit einem Swein begegnet in Brabant. 61 Ein geferlich Glitzschen, dem Held zůgestanden auf einer Platten am Gembsenjeid im Gufel im undern Inntal. 62 Ein Unfall, dem teurn Ritter Teurdank zůgestanden im Land zů Lützelnburg Lützelnburg: Luxemburg. . 63 Mer ein Wassernot, im Tumpfel auf der Schelta in Flandern dem mannlichen Held Teuerdank zů gestanden, wie die Schrift ausweist. 64 Aber ein Geferlicheit, im Zůlenden zů Antorf im Flemischen Krieg dem edlen Helden begegnet. 65 Ein Geferlicheit, so dem hochberûmbten Held Teurdank widerfarn sein sollt im Fürstentumb Steyr. 66 Ein treffenliche Leibskrankheit, dem unerschrocken Held Teurdank in Holland zůgestanden. 67 Ein herter Fall, auf einem Eis in Niderschwaben dem Helden mit einem Roß zugestanden. 68 Ein Geferlicheit, so dem unverdrossen Held Teurdank schir begegnet wer am Gembsengejeid zů Zirl im undern Inntal. 69 Aber ein merkliche, treffenliche Krankheit seines Leibs im Frankenland gelitten, darvon er sich allein aus vernünftigem Aufmerken seiner Natur erlediget. 70 Ein Geferlicheit, die dem edlem Ritter Teurdank im Steinacher Tal begegnet ist. 71 Ein Wassernot, dem Held in Seeland zůgestanden. 72 Ein Brunst Brunst: Brand. , im Frankenland dem hochgeborn Ritter Teurdank in seinem Gemach begegnet; under der Figur begriffen werden all ander Brunst, der im in seinem Hin- und Widerreisen aus Unfleiß vil todlich und sorgfeltiglich begegnet sein. 73 Ist Poeterei, als der adenlich Fürst Teurdank nun zumal zů gutem Alter kommen und sich durch sein Alter in solich Geferlicheit weiter zů geben abgelassen hat, entschloß er sich, solich hart Arbeit, darin im am meisten Unfell begegent warn, zů maßen; darumb ist gesetzt, als schlag er den Unfall, die Sach, die im durch solich Unfell zůgestanden sein, nun fortan von im. 74 Ist ein Poeterei, bedeut den Anfang aller geferlichen Handlungen, so dem unerschrocken Held Teurdank durch Neid und Haß in Schimpf und Ernst zůgestanden sein; darumb wird gesetzt, als kumb er zu dem Hauptmann Neidelhart. 75 Ist ein Anzeigung aller Schuß, der ob hunderten aus dem großem Geschütz auf dem Wasser auf in gemessen und nahend neben im hingangen sein, der in noch nie keiner berûrt hat auch auf dem Land. 76 Bedeut einen Kampfturnir mit einem teurlichen Ritter, am Rheinstram gehalten. 77 Ein große Gefar, so dem teurlichen Held Teurdank durch einen Büchsendunst an einem Sturm in dem Stift Utrich beschehen ist. 78 Ist ein Anzeigung, was der edel Held Teurdank am Scharmützel und sonst mit kleinem Geschütz umb bracht hat. 79 Aber ein geferlicher Schuß, der dem Teurdank sein Roß under im erschoß. 80 Durch dise Figurn werden anzeigt die Mannigfeltigkeit der Wer, gegen dem küen Held Teurdank in Streiten, Schlagen und Schlachten gebraucht, darin er seine Tag in vil Geferlicheiten gewesen ist, wie im Blankkünig Blankkünig: Weißkunig. klerlichen angezeigt wird. 81 Ist ein Anzeigung einer Geschieht, durch den teurn Held Teurdank in einem Schlagen ergangen, wie weiter und klerlicher im Blankkünig angezeigt wird. 82 Bedeut ein Handlung, im Streit beschehen, nach Ausweisung des Blankkünigs. 83 Bedeut ein geferlichen Schuß, der auf den teuern Held Teurdank in Geldern gangen ist. 84 Ist ein Geschicht und Handlung, durch den teurn Held in einer Schlacht begangen, als im Blankkünig angezeigt wird. 85 Bedeut ein Verreterei, so wider den kûn Held Teurdank in Flandern gebraucht worden ist, da man in in dem Bett ermorden hat wellen und er sich durch Schicklicheit errett errett: errettet. hat. 86 Ist ein große Geferlicheit, so dem edlen Teuerdank bei Utrich begegnet ist, darin er in Sorgen was, gefangen oder erschlagen zů werden, darvon im doch Gott und sein Geschicklicheit erlediget. 87 Ist ein Anzeigen, was der edel Held Teurdank mit allerlei Geschütz umbbracht hat. 88 Bedeut die Geschicht, begangen in eim Streit, wie im Blankkünig stet. 89 Bedeut, daß Teurdank ein große Anzal Personen im Land zů Flandern mit seiner Person in einem Überfallen gefangen hat. 90 Bedeut den Sturm in Hungern Hungern: Ungarn. , da der Sturm durch Feurwerk schir verlorn war, und Teurdank behielt denselben durch sein Schicklicheit und Beherzenheit. 91 Ist ein Anzeigung einer Handlung, durch den Held in einer Schlacht beschehen, nach Ausweisung des Blankkünigs. 92 Bedeuten all Scharmützel und klein Schlahen, durch den mannlichen Held Teurdank in manichen Landen geûbt, auch die, so er mit eigner Hand selbs vollbracht hat, wie im Blankkünig weiter stet. 93 Ein Geferlicheit, dem mannlichen Held Teurdank in einer Schanz im Land von Utrich begegent. 94 Bedeuten die verreterischen Stuck, gegen dem kûn Held Teurdank in Flandern gebraucht, da man in hat dreimalen erschießen wellen. 95 Bedeut das Vergeben mit Gift, im in Flandern zůgericht, darvor er doch gewarnt worden ist. 96 Ist ein Poeterei und bedeut, dieweil der teurlich Held Teurdank bisher in Zeit seines Lebens alles dasjenig, so einem Menschen Bös und Gůts zů erfaren müglichen gewesen, durch bos, neidisch Praktiken, so wider in mannigfeltiglichen geûbt und gebraucht worden sein, genůgsamlichen erfarn und erlernt, auch sein Leib und Leben durch weltliche Eer gewagt, hat er sich understanden, solichen bösen, neidischen Praktiken festiglichen zů widersteen, damit er fürter dester baß Gott dienen und der bösen Welt mûßig müg steen; darumb wirdet gesetzt, als schlag er den Neidelhart von im. 97 Ist ein Anzeigung, daß billichen ein jeder teur Held umb seiner vollbrachten teurlichen Sachen willen zůletzt von der Künigin der Eeren freundlichen empfangen werden soll. 98 Durch dise acht Figurn werden verstanden alle Ritterspil in Schimpf und Ernst, so der teurlich Held Teurdank vor hübschen Frauen und Jungfrauen in Osterreich, Brabant und der Fürstlichen Grafschaft Tirol vollbracht hat, die dem Gemeld gleich besehenen sein. 99-106 Ist ein Anzeigung der billichen Belonung verbrachter erlicher Getaten nach Gewonheit der alten Römer. 107 Ist ein Anzeigung, daß kein böse Getat, wie heimlich die gehandelt werden, im End und in die Leng verschwigen bleiben; dann einem jeden Teter der Ernhold, das ist das Gerucht, nach seinem Verdienen anklagt vor der Künigin der Eeren, das ist vor Eer liebhabenden Menschen. 108 Dise vier nacheinander folgende Figurn bedeuten, daß all und jegliche Personen, so wider die Er handlen, vor eerliebhabenden Menschen verschmecht, verurteilt und abgesundert werden. 109-112 Ist ein Poeterei, bedeut, daß die erliebhabenden Gemût durch ir Teuerlicheit sovil Eeren nicht erlangen mögen, si begern noch mer zů erlangen; darumb wirdet gesetzt, daß die Künigin der Eeren Teurdank als iren Verwandten anstreng, noch weiter göttlich eerlich Getaten von irentwegen zů vollbringen; dann die vorigen Getaten weltlich gewesen sein. 113 Bedeut, wie in der Schrift angezeigt wird. 114 Ist ein Poetrei: Der englisch Geist bedeut des teurlichen Helds Teurdanks christenlich vernüftig und gůt Gewissen; dann als im sein erlich Gemût riet, noch mer erlich Getaten zů tun, widerriet im solichs die Gedechtnus erlittener größer Mû, Arbeit und Sorgfeltigkeit. Aber dieweil im Gott vor so oft erledigt und geholfen hett, zöge das christenlich Gemût für, beschloß, forter die göttlich Er auch zů erlangen. 115 Bedeut, daß sich des edlen Helds Herr Teurdanks teur Gemüet zů der loblichen göttlichen Eer gestellt und die angenommen hat. 116-118       Gedruckt in der Kaiserlichen Stadt Nûrnberg durch den eltern Hansen Schönsperger Burger zu Augsburg.