Martin Luther Predigten durch ein Jahr Am Sonntag Trinitatis Johannes 15 Dieses ist ein sehr schönes Evangelium, in welchen wir sehen, was der richtige Weg, der gewisse Weg zum ewigen Leben ist. Es scheint aber, daß man dieses Evangelium auf diesen heiligen Tag der Dreieinigkeit billigt, daß so fein der Unterschied der Personen angezeigt ist, in dem höchsten und größten Werk das Gott mit uns armen Menschen handelt, daß er uns von Sünden frei, die recht und selig macht. Denn hier steht vom Vater, daß er die Welt geliebt und ihr seinen eingeborenen Sohn geschenkt hat. Das sind die zwei unterschiedlichen Personen, Vater und Sohn, eine jegliche mit ihren besonderen Werk. Der Vater liebt die Welt und schenkt ihr den Sohn; der Sohn läßt sich der Welt schenken, und, wie Christus hier sagt, läßt er sich wie die Schlange in der Wüste am Kreuz erhöhen, auf das alle, die an ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben. Zu solchem Werk kommt danach die dritte Person, der heilige Geist, welcher durch das Wasser der seligen Taufe den Glauben im Herzen anzündet, wohl uns also eine Wiedergeburt zum Reiche Gottes schenkt. Dieses ist eine sehr tröstliche Predigt, die uns ein fröhliches Herz gegen Gott machen; darin wir sehen, daß alle drei Personen, die ganze Gottheit, sich dahin wendet und damit umgeht, daß den armen, elenden Menschen wider die Sünde, dem Tod und Teufel zur Gerechtigkeit, ewigem Leben und dem Reich Gottes geholfen werde. Wie können wir denn vor Gott unserer Sünden wegen uns fürchten? Wie können wir ein böses Herz zudem haben? Wenn er uns unserer Sünde willen verdammen wollte, wie wir immer wieder uns sorgen, besonders wenn das Stündlein kommt: so würde der Vater seinen eingeborenen Sohn nicht gegeben haben, Vater und Sohn würden uns nicht zum Bad der Wiedergeburt und unter das Heiligen Geistes Flügel gefördert haben. Also ist dieser Artikel von der Dreieinigkeit auf das schönste und freundlichste hier angezeigt. Aber davon ist in der nächsten Predigt noch genug gehandelt, wollen deswegen jetzt das Evangelium von Stück zu Stück vor uns nehmen, in welchem wir hören, wie der Herr mit Nikodemus, dem Schriftgelehrten, eine lange Diskussion hat, in welcher der alte gute Mann sich ganz und gar nicht zurecht finden dann. Wir müssen zu erst erkennen, was dem Nikodemus gehindert hat, daß er gar nicht weiß, was der Herr redet und haben will. Eine gute Sache ist es, daß Nikodemus dem Herrn nach geht, und weil er öffentlich nicht darf, geschieht dieses zur Nacht. So sehen wir an seinen Worten auch, daß er es mit dem Herrn Jesus Christus nicht übel meint, sondern sehr viel von ihm hält, ihn hält für einen besonderen Prediger, welchen Gott in die Welt gesendet und seine Lehre mit herrlichen Wunderwerken bestätigt. Solche Worte redet er nicht aus einem falschen Herzen, wie die Pharisäer, Matthäus 22,16: «Meister, wir wissen, daß du wahrhaftig bist, und lehrest den Weg Gottes recht du.» Nein, wie es Nikodemus redet, so meint er es auch in seinem Herzen, daß unser lieber Herr Jesus Christus muß ein besonderer und teurer Lehrer sein, weil Gott mit so trefflichen Wunderzeichen seine Lehre bestätigt. Dieser Gedanke gefällt unseren Heiland wohl. Darum, weil Nikodemus ihn viel den höchsten Lehrer rühmt: also will er ihnen jetzt dafür die höchste Predigt halten, vor dem höchsten und größten Werk, wo man von predigen kann, nämlich, wie man das Reich Gottes sehen könne, das ist, wie man könne von Sünden los werden, zu Gottes Reich kommen und das ewige Leben erlangen. Denn dieses ist die Predigt, welcher allein der Sohn Gottes vom Himmel zu uns auf Erden gebracht hat, wie Johannes sagte: «der eingeborene Sohn, der im Schoß des Vaters ist, der hatten es verkündigt.» Das ist wahr, daß alle Welt je und je sich damit bekümmert, und sich besonderer weisen und Wege gemacht und ausgedacht hat, selig zu werden. Denn Nikodemus selbst kommt mit den Gedanken, er wisse, Gott Lob! Auch ohne Christum, wie er solle und könne selig werden. Meint, weil er ein Jude ist und das Gesetz hat, habe er den Vorteil, der könne wissen, was er tun soll, wenn er Gott zu gefallen leben und den besten Gehorsam erzeigen. An diesem meint er, hat der genug, denkt nicht, daß es eine ganz anderer Meinung hat, wie er jetzt von Christus hören wird. Wie wir auch an den Katholiken sehen. Wenn ein Mönch es soweit bringt, daß er seinem Orden oder Kloster genug bringt, so denkt er, er säße schon bei Gott im Schoß, wie der Pharisäer in Lukas 18. Kapitel, der sein Fasten, Zehnten geben und andere gute Werke rühmt. In der Summe, die Menschenherzen sind so gestaltet. Wenn sie sich fürchten und entsetzen, wenn sie ihre Sünde fühlen: also trauen und hoffen sie, sie sind mit Gott wohl dran, wenn sie äußerlich fromm, und keine bösen Taten haben, wo durch ihr Gewissen erschreckt und zaghaft wird. Darum nimmt sich einer dies, jener ein anderes vor, jeder wie es ihn am besten gefällt, womit er meint vor Gott bestehen zu können. Der Jude hat seinen Mose, ein Mönch sein Kloster. Wir sind alle in dem Wahn, wenn wir die Zehn Gebote halten, so hätten wir keine Not vor Gott. So denkt Nikodemus auch. Aber weil er Christus für einen hohen, besonderen Prediger hält, will Christus sich also gegen ihn beweisen und gibt ihm diesen Unterricht: Wahrlich, wahrlich, ich sage dir, es sei denn, daß jemand von neuem geboren werden, kann er das Reich Gottes nicht sehen. Nun, hier steht der Handel mit klaren, runden Worten, und Christus läßt sich hier hören als ein besonderer Lehrer; denn so etwas hat Nikodemus zuvor nicht gehört, darum versteht er es auch nicht. Dieses aber versteht er wohl, daß er noch nicht wiedergeborenen ist. Wie er aber zur Wiedergeburt kommen soll, davon weiß er nichts. Da denke nun du auch drüber nach, was doch unser Heiland mit diesem Spruch will. Denn so man das Reich Gottes nicht sehen kann, man sei erst wieder geboren: daraus folgt ja, daß wir, geboren sind, mit Vernunft, freien Willen, mit dem Gesetz und allen guten Übungen, welche beides die Vernunft und der Wille kann erfüllen, müssen verdammt sein; dieses alles hilft nicht zum Reiche Gottes. Was ist aber das für ein jämmerlicher Handel, daß man die Leute von dieser Wiedergeburt nichts lehrt, sondern zeigt ihnen bloß, wie der Papst tut, auf eigene Werke, daß sie dadurch selig werden sollen? Wie reimt sich diese Lehre mit Christus hier? Sie sprechen: gute Werke machen selig. Christus spricht: bist du nicht wieder geboren, so wirst du nicht selig. Nun ist es aber wahr und kann man nicht leugnen, daß ein Mensch selbst und aus eigenen Kräften, wie man an den Heiden sieht, die sich zur Zucht, Ehrbarkeit und Tugend gewöhnen. Wie man sieht, daß nicht alle Menschen Mörder, Ehebrecher, Hurer, Diebe, Weinsäufer, Müßiggänger sind, sondern viel frommer, ehrbare Leute vor der Welt sind. Solches sind alles herrliche, schöne Tugenden und Werke, da zu man auch jedermann anhalten soll; denn Gott fordert dieses in den zehn Geboten. Aber das ist beschlossen, es können so viel gute Tugenden und gute Werke sein wie sie wollen, ist die Wiedergeburt nicht da, so gehört alles an Tugenden und Werken zum Teufel und in die Hölle. In den Himmel und in das Reich Gottes geht es dadurch nicht. Dieses sagt Christus selbst und es soll niemand daran zweifeln. Die Vernunft aber ist gefangen, die Vernunft redet, Stehlen, Morden, Ehebrechen mißfällt Gott und er straft es, da muß man ja denken, daß, wenn man diese Sünden meidet es Gott wohl gefällt und er es belohnt, sonst spricht die Vernunft, müßte Gott ungerecht sein. Nun ist es wahr, es gefällt Gott wohl, solche und andere Sünde zu meiden und Gutes zu tun, dieses will er auch nicht unbelohnt lassen. Aber das Himmelreich sehen, da gehört etwas anderes und größeres zu, nämlich, daß man, wie hier steht, anders geboren werde. Darum ist Gott dem Pharisäer in Lukas 18., nicht darum Feind, daß er kein Räuber, kein Ehebrecher noch Ungerechter ist, wie andere Leute, daß der fastet und den zehnten gibt, solches läßt sich Gott wohl gefallen, wo nicht die schändliche Untugend daran hinge, daß er meinte, er würde dadurch in den Himmel kommen, meint auch er wäre viel besser als andere Sünder. Darum ist es hier beschlossen: Vernunft ist ein edel, köstliches Ding, der Willen zum guten ist auch sehr edel und ein köstliches Ding, daß Gesetz und die Zehn Gebote, ein feiner, ehrbarer Wandel sind alles herrliche, große gaben, wofür man Gott danken soll: aber wenn man vom Reich Gottes sagt, wie man dazu kommen soll, da hilft weder Vernunft, Wille, Gesetz, oder andere gute Werke zu; allein das macht es, daß man von neuem geboren wird; anders kann man das Reich Gottes nicht sehen, sondern man muß mit Vernunft, freien Willen, Gesetz und zehn Geboten verdammt sein und bleiben. Ja, sprichst du, so will ich besser gar nichts Gutes tun? Nein, das taugt auch nicht, und wird dir mit dieser Weise das Gericht Gottes nur noch schwerer werden. Darum tue beides, übe dich, die Zehn Gebote zu halten, und bekenne doch mit rechtem Ernst daneben, daß du ein armer Sünder bist, der wegen seines Tuns wegen ewig müßte verdammt sein. Danach wäre uns am Heiland Christo weiter zu, wie er wiederum tröstet, nachdem er, unserer ersten Geburt wegen, uns die Seligkeit so einfach abgesagt hat. Nikodemus fühlt das harte Urteil sehr wohl, er denkt sich, was doch die Wiedergeburt sei, und merkt, daß er in leiblicher Weise nicht noch einmal wieder geboren werden kann von Vater und Mutter, fragt deshalb, wie so etwas zu gehen soll? Denn daraus kann ja nichts werden, spricht er, daß ich noch einmal in meiner Mutter Leib kriechen und auf ein neues sollte geboren werden. Mit solcher Frage bringt er unseren Heiland dahin, daß er lehrt, wie die Wiedergeburt zugehen muß, und spricht: «Wahrlich, wahrlich, die sage dir, es sei denn, daß jemand geboren werde aus dem Wasser und Geist, so kann er nicht in das Reich Gottes kommen. Was vom Fleisch geboren ist, das ist Fleisch; und was vom Geist geboren wird, das ist Geist.» Hier spricht unser Heiland ein Urteil gegen die erste Geburt, daß diese fleischlich und voller Sünden ist, und zum Reich Gottes nicht gehört. Als wollte er sagen: du fragt, ob du von deiner Mutter anders geboren werden müßtest. Wenn du tausendmal anders von deiner Mutter geboren würdest, so wärest du und bliebest der alte Nikodemus. Von Fleisch denn nichts denn Fleisch geboren werden. Darum gehört zu dieser Wiedergeburt nicht Vater und Mutter, wie beide Fleisch und voll Sünden sind; sondern es gehört dazu Wasser und Geist. Wer also wieder geboren ist, der ist ein neuer Mensch und wird in das Reich Gottes kommen. Dieses werde ohne Zweifel den Nikodemus ein sehr lächerlicher Handel gewesen sein, er wird gedacht haben: nun, soll es meint Vernunft und Wille, und auch das Gesetz und Mosel nicht können, und das Wasser vermag es: was ist dies für eine Meinung? Hier wird der gute Mann so irre, daß er nicht weiß, was er sagen soll, wohl muß frei bekennen, daß er kein Mord versteht, obwohl er Mose und die Zehn Gebote sehr gut versteht, deswegen meint er auch er sei ein großer Lehrer. Laßt uns nun die Worte fleißig merken und den Handel gut zusammen fassen. Beschlossen ist es, gute Werke sollen wir tun, und uns im Gehorsam des Gesetzes üben; aber dadurch sehen wir das Reich Gottes nicht. Wollen wir es aber sehen, so müssen nicht unsere Werke, sondern es muß ein anderer und neuer Mensch werden. Dieses geschieht nicht durch die leibliche Geburt, sondern durch Wasser und Geist; dieses sind die rechten Vater und Mutter zu dieser neuen Frucht Das Wasser nun ist anderes nichts, als die heilige Taufe. Denn also spricht Christus, Markus im 16. Kapitel, Vers 16: «wer glaubt rund getauft wird, der wird selig.» Nun aber hat das Wasser solche reine Kraft nicht von Natur aus. Denn Wasser ist Wasser, das ist, ein Element und Kreatur, die für sich selbst das Herz nicht rühren rund nicht ändern kann, oder die Sünden ab waschen kann. Kleider, und was Unflat an der Haut ist, kann man mit Wasser reinigen und säubern; aber die Seele läßt sich durch Wasser nicht rühren noch reinigen. Das Wasser aber, wovon der Herr hier spricht und wir dazu Taufwasser sagen, ist nicht ein bloßes, natürlich es Wasser; sondern es ist ein Wasser, da Gottes Worte, Befehl und Verheißung drin ist. Da kommen zwei Dinge zusammen, Wasser und Wort, rund werden so ineinander gefügt, daß man keines vom anderen Abschneiden kann. Tust du das Wort vom Wasser, so hast du keine Taufe; tust du das Wasser vom Wort, so hast du auch keine Taufe. Wenn aber Wasser und Worte zusammen bleiben, da ist dann ein solches Wasser, in welchem der heilige Geist ist, und durch dasselbe wirst du zum Reich Gottes wieder geboren, das ist, dir deine Sünde vergeben und dich selig machen will. Darum sollen wir diesen Spruch fleißig merken, hauptsächlich gegen das blinde Volk der Wiedertäufer, welche die Kindertaufe für untüchtig und unfruchtbar achten. Aber wie kann diese Taufe untüchtig sein, so du hier hörst, daß Christus das Wasser dazu auch wird, daß es zur Wiedergeburt durch die Mitwirkung des heiligen Geistes helfen soll? So nun die Kinder bedürfen, daß sie wieder geboren werden, und sonst das Reich Gottes nicht sehen können: warum wollte man doch ihnen die Taufe verweigern? Oder es dafür halten, als sollte solches Wasser, so in Gottes Worte gefaßt und mit Gottes Wort verbunden ist, ihnen zur Wiedergeburt nicht hilfreich sein? Ist es nicht wahr, daß die Worte Christi uns dahin dringen, wer wieder geboren werden will, der muß durch das Wasser wieder geboren werden? Also, obwohl das Wasser ohne den heiligen Geist nichts schafft, so will dennoch der heilige Geist seine Wirkung ohne daß Wasser in uns nicht haben. Deswegen ist es ein schrecklicher großer Irrtum, daß an etlichen Orten etliche Prediger die Kinder ohne Wasser gekauft haben. Denn soll die Taufe richtig sein und der Mensch zur Wiedergeburt kommen, so muß nicht allein Wort, nicht allein Geist, sondern auch Wasser dabei sein. Denn so hat es Christus hier geordnet, und dieser Ordnung soll niemand brechen. Das Wassertaufen sieht man mit den Augen, aber die Wirkung der Wiedergeburt, welche der heilige Geist durch solches taufen dem Herzen anrichtet, sieht man nicht. Auf das man aber um solcher heimlicher, unsichtbarer Wirkung Willen des heiligen Geistes das äußerliche, schlechte, unansehnliche Wassertaufen nicht verachte, darum spricht der Herr zu Nikodemus weiter: «Laß dich’s nicht wundern, daß ich dir gesagt habe: ihr müßt von neuem geboren werden. Der Wind bläst, wo er will, und du hörst sein sausen wohl; aber du weißt nicht, von wo er kommt, und wohin er fährt. Also ist ein jeglicher, der aus dem Geist geboren ist.» Dieses sind sehr einfältige Worte, wie auch das Werk einfältig und schlecht ist. Denn es hat kein besonderes Ansehen bei unserer Vernunft. Daß man ein Kind, oder einen alten Menschen herbringt, und bekennt, es liege wegen der Sünden unter des Teufels Banden, und kann sich selbst davon nicht freimachen, und soll doch in solcher hoher, großer Not mehr nicht tun, denn das man im Namen des Vaters, des Sohnes und des heiligen Geistes ein wenig ins Wasser tauche oder mit Wasser begieße. Aber, spricht Christus, verachte Jahr niemand um solches schlechten Aussehens willen dieses Werk. Denn der heilige Geist führt sein Werk heimlich; da gehört der Glaube zu, der die Worte faßt, und nicht daran zweifelt, es sei also, wie die Worte hier lauten. Denn mit den Augen wirst du es nie sehen, verstehen noch fassen können. Eben wie es mit dem Wind auch ist: den Wind hörst du sausen; aber das durch ihn so solltest fassen, daß du sagen könntest: hier fängt er an, da hörte auf, das ist nicht möglich. Also geht es hier auch zu. Das äußerliche Werk mit dem Wasser sieht man, und hört das Worte klingen oder sausen, daß es geschehe in Namen Jesu, zur Abwaschung der Sünden. Wer an das Wort sich nicht halten, und den Geist und seine Wirkung anders fassen oder suchen will, der wird fehlen. Denn soll er aus dem Geist geboren werden, so gehört mehr nicht dazu, denn das wer sich taufen läßt mit Wasser, und auf das sausen (das ist, auf das Wort) merke auf dasselbe und mit Glauben annehme; so wird er zu dem Reich Gottes wieder geboren, und durch nichts anderes. Wo sind nun die lästerlichen Rotten und Schwärmer, die mehr nicht können, denn vom Geist schreien und rühmen? Aber der ist der böse Geist, der Teufel selbst, der sie leibhaftig besessen hat, weil sie Taufe, Sakrament, Wort, die uns Christus selbst teuer erworben hat, als unnötige, unnütze Dinge zur Seligkeit, verworfen haben. Gott Strafe den Lästergeist. (Rotten und Schwärmer sind die Wiedertäufer) Also lehrt aber Christus hier nicht, sondern weißt uns auf die heilige Taufe und sausen, das ist, auf das Wort; und warnt, wo wir uns am Wasser und sausen nicht genügen lassen können so werden wir nichts vom heiligen Geist behalten und nie zu einer neuen Geburt kommen. Deswegen laßt uns unsere Taufe und das Wort als unseren höchsten Schatz befohlen sein, da wir gewiß wissen, wenn wir dabei bleiben, daß wir zum Reich Gottes wieder geboren sind. Das ist nun die Lehre, wie man zur Wiedergeburt, das ist, zum Reich Gottes, kommen soll; eine neue, unerhörte Predigt in der Welt, aber die allein gewiß und richtig ist, und uns nicht belügt. Dagegen sind aber alle anderen Lehren falsch und belügen uns, sie haben vor der Welt einen großen Schein. Es hatte auch das Leben der Pharisäer und das Judentum, sowie das ganze Papsttum mit den Mönchen, dieses ist auch ein besonderer Schmuck und großer Schein, wenn Menschen sich fein züchtig, ehrbar und nach den zehn Geboten halten: aber durch dieses alles wird man nicht wieder geboren. Allein das Wasser und der Geist muß es tun, welcher doch sich nicht anders sehen oder merken lassen will, denn wie der Wind durch sein Sausen. Wer das Sausen annimmt, das ist, wer dem Wort glaubt und getauft wird, der ist wieder geboren und wird selig. Aber Nikodemus steckt so tief in seinen Gedanken vom Gesetz und von guten Werken, daß er diese Predigt nicht fassen und verstehen kann. Wie wir ja bei den Katholiken auch sehen, die es richtig meinen und auch nicht böse sind, aber das liegt ihnen im Wege, daß sie denken, soll unser Tun denn nichts sein? Soll es den Gott nicht gefallen, daß wir so viel beten, fasten, Tag und Nacht ihm dienen, so ein strenges Leben führen? Darum fährt Christus den Nikodemus auch härter an, Walter unseren Heiland nicht Glauben und auch nicht weisen lassen will, so spricht er: Bist du ein Meister in Israel, und weißt das nicht? Als wollte er sagen: du bist ein Meister im Volk Gottes, daß du Lehren und ihm den Weg zur Seligkeit zeigen sollst. Ach deines Lehrens und Wegweisens! Du bist nicht einmal so weit gekommen, daß du deine eigene Natur und dein eigenes Wesen gerecht erkennen kannst, dazu noch in den Gedanken stehst, du würdest denn den Himmel kommen, auch wenn du nicht von neuen geboren bist. Damit verwirft unser Heiland den Nikodemus und alle Prediger, die nicht mehr als von Gesetz und guten Werken predigen können, als irrige und verführerische Prediger: nicht darum, als sollte es nicht richtig sein Gute Werke zur Lehren und die Leute dazu vermahnen; denn dieses tut Gott selbst durch sein Gesetz, darum ist es recht gut getan, aber das ist Unrecht, daß man die Leute bei dieser Lehre läßt, als wenn man nicht mehr zum ewigen Leben braucht. Denn hier steht es klar, wenn man Gesetz und Werke aufs beste befolgt, so können Sie doch zum Reich Gottes nicht helfen, das sei denn, daß man wieder geboren wird durch Wasser und Geist. Der Geist nun ist es, der durch das Wasser und Wort anderen Menschen und neue Herzen macht. Das Gesetz und die Werke ändern an den Menschen und an den Herzen nichts. Deswegen, wer die Leute zum Himmelreich richtig unterweisen will, der höre was der Heiland hier sagt, fange es nicht mit Werken und Gesetz an, welche das alte Herz nicht ändern, sondern weise die Menschen zur Taufe und Geist, das ist, zum Wort, dadurch der heilige Geist die Herzen anweht und neu gebiert. Denn eben wie wir von dem Winde mehr nicht erkennen und wissen, als das Sausen: also haben wir vom heiligen Geist auch nicht mehr denn als das Wort; da mögen wir uns dran halten, und des heiligen Geistes und seiner Wirkung warten. Was nun solches Wort sei, und wieder heilige Geist sause, lehrt der Herr Christus weiter, und spricht: Niemand fährt in den Himmel, denn der vom Himmel herunter gekommen ist, nämlich des Menschen Sohn, der im Himmel ist. Hier geht die Predigt an, da der Herr von sagt: «glaubt Ihr mir nicht, wenn ich euch von irdischen Dingen sage; wie werdet Ihr mir glauben, wenn ich euch von himmlischen Dingen sagen würde»? Denn diese Predigt ist nie binnen eines Menschen Herz gekommen, sondern der eingeborene Sohn, in der in des Vaters Schoß ist, hat es uns verkündigt. Nun hat solche Predigt zwei Teile. Der erste Teil ist sehr hart und trefflich; denn da ist kurz beschlossen: « Niemand fährt in den Himmel, denn der hernieder gekommen ist.» Das ist genauso als wenn gesagt ist, wie oben: «Es sei denn, daß jemand wieder geboren werde, so kann er das Reich Gottes nicht sehen.»; das ist, kein Mensch kann zur Vergebung der Sünden, Gerechtigkeit, Seligkeit und ewigem Leben kommen durch das Gesetz, Gute Werke, Vernunft noch freien Willen; ja wenn gleich das Gesetz, gute Werke, Vernunft rund freier Wille auf das beste ist, hilft es doch nicht, wir sind und bleiben arme, verdammte Sünder, und können in den Himmel nicht kommen. Dieses ist ein heller und klarer Spruch, der den Juden und Katholiken, wo sie es glaubten, alles Vertrauen auf eigene Werke und Frömmigkeit nehmen sollte. Denn, sage mir, welcher Mensch ist vom Himmel gekommen? Keiner, Adam und Eva selbst nicht; der eingeborene Sohn Gottes von der Jungfrau Maria ist es, wie Johannes hier sagt. So denn nun niemand in den Himmel fahren soll, denn der vom Himmel heruntergekommen ist, so ist es fest beschlossen, und wird immer mehr kein Mensch es anders machen können. Alle Menschen, wie sie von Vater und Mutter auf diese Welt geboren sind, müssen unten bleiben, und werden in den Himmel so nicht kommen, kommen sie aber in den Himmel nicht, wo werden sie denn bleiben? Auf Erden haben sie auch keine gewisse, beständige Herberge, denn sie müssen sterben. Wenn sie aber nicht in den Himmel kommen, so müssen sie im Tode bleiben. Dieses ist das Urteil, welches Christus über die ganze Welt fällt, niemand ausgenommen, es sei Adam, Eva, Abraham, Mose, David, alle müssen sie hier unten bleiben und können von sich selbst nicht in den Himmel kommen. Denn der allein fährt in den Himmel, der vom Himmel herunter gekommen ist. Wo bleiben denn nun die guten Werke, Verdienst, Gesetz, freier Wille? Alles dieses gehörte in die Hölle, und hilft uns nicht in den Himmel, das ist gewiß. Ja, sprichst du, sollen denn alle Menschen verdammt sein und verloren werden? Ja, ihretwegen ist es unmöglich, daß es könnte anders sein, sie tun und lassen, was sie immer wollen oder können, sie werden doch keinen Weg oder ein Loch in den Himmel machen. Ein einziger Weg aber ist es, den wir nicht machen, sondern der Sohn Gottes. Davon Predigt Christus weiter, und sagt: Wie Moses in der Wüste eine Schlange erhöht hat, also muß des Menschen Sohn erhöht werden. Auf das alle, die an ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben. Dieses ist der andere Teil von dieser himmlischen Predigt, und das rechte sausen des heiligen Geistes; und es ist ja so tröstlich, wie der erste Teil schrecklich ist. Denn ein schreckliches Urteil ist es, daß niemand in den Himmel fahren und selig werden soll. Es dient aber solches schreckliches Urteil dazu, daß der Herr damit zeigen will, wie unsere erste Geburt sündhaft ist, und nichts an uns ist, dessen wir des ewigen Lebens wert sind, auf das wir nicht allein sicher, noch hoffärtig werden, sondern in uns schlagen, uns vor Gott demütigen und Gnade begehren. Da geht dann der richtige Trost an, daß, eben wie du vorher gehört hast, kein Mensch in den Himmel kommt: also hörst du hier, daß alle, die da glauben an Jesus Christus, die sollen nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben. Das ist nun das liebliche Sausen, wo man den heiligen Geist spüren und fassen kann. Denn da müssen beide Predigten in der Christenheit gesprochen werden. Die erste, von der Sünde und unserer verdorbenen Art und Natur, daß wir unseres Werkes, Lebens, Tun und Lassens wegen ganz verzagt sein müssen, daß wir merken, so kommen wir nicht in den Himmel. Wo nun die Herzen durch solche Predigt richtig getroffen und erschreckt sind, da muß auch der Trost folgen, wie Jesus Christus, der Sohn Gottes, vom Himmel herunter auf die Erde gekommen, unser Fleisch und Blut an sich genommen, und den Tod unserer Sünde erlitten hat, auf das wir dadurch von den Sünden frei und wieder zum Erbe des ewigen Lebens gebracht werden sollen. Wer diese Predigt annimmt, daß er es fürwahr hält und sich tröstet, der ist genesen, daß ihn Christus nicht hier unten auf Erden und im Tode lassen, sondern will ihn mit sich hinauf in den Himmel führen. Dieses ist die Predigt von himmlischen Dingen, diese will aber auch heute nicht in die Leute, und besonders nicht in den Nikodemus, das ist, wenn die, so mit den Gedanken kommen, wenn man das Gesetz halte, so bedarf man weiter zur Seligkeit nichts mehr. Denn diese sind es, die erstlich nicht wissen, obgleich das Gesetz recht und gut ist, daß es doch uns darum nicht helfen und nützen kann, weil wir von Natur böse sind, und um solcher angeborenen mitgebrachten Bosheit bewegen dem Gesetz nicht genug können tun, ob wir auch gleich dem Schein der äußerliche Werke etwas tun. Zum anderen wissen sie das viel weniger, daß wir durch diesen Menschen, den Sohn Marias, der allein vom Himmel gekommen ist, in den Himmel kommen werden. Hier raus wächst ein anderer sehr großer Schaden, daß sie nicht allein sich auf Werke und eigene Gerechtigkeit verlassen, sondern sie verachten und verfolgen die Gerechtigkeit, die da kommt aus dem Glauben an Jesu Christum. Wie wir an den Katholiken sehen, die nichts weniger dulden können, ja gegen nichts heftiger streiten, denn daß wir lehren, wir müssen allein durch den Glauben an Jesus Christum selig werden, mit guten Werken werden wir es nicht ausrichten. Das haben wir nicht erdacht; Christus, unseren Herrn, reden wir das nach, der die Wahrheit selbst ist. Wer diesem nicht glauben will, der lasse es. Im vierten Buch Mose, 21. Kapitel, steht eine solche Geschichte, daß das Volk Israels in der Wüste verdrossen geworden war und gegen Mose gemurrt, und besonders die herrliche Wohltat, daß ihnen Gott in der Wüste ein Himmelsbrot gegebenen hat, verachtet haben. Solche Sünde straft Gott also, daß er giftige Schlangen kommen ließ, die bissen die Israeliten. Von diesem Biß entzündete sich der Leib, und brannte wie das höllische Feuer das sie umfielen und viele davon sterben mußten. Da erkannten sie ihre Sünde, daß sie unrecht getan hatten, und gingen zu Mose, und baten, Mose soll den Herrn bitten, daß er ihnen von der Plage der Schlangen helfen soll. Der Herr befahl Mose, er sollte einen eherne Schlange machen und sie in der Wüste aufrichten, wer dann auf die eherne Schlange sieht, der soll gesund werden und nicht sterben. Diese Geschichte führt der Herr hier ein und zieht sie auf sich, daß er auch also müsse erhöht werden, wie die Schlange. Wer dann das Ansehen, das ist, wie er selbst auslegt, an ihn glauben wird, der soll nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben. Hier laßt uns zum ersten die Ursache des schrecklichen Urteils, daß der Herr vorher zweimal über alle Menschen gefällt hat, da er spricht: niemand fahre in den Himmel, denn des Menschen Sohn, der vom Himmel herunter gekommen ist, also: es sei denn, daß jemand von neuem geboren werde, könne er das Himmelreich nicht sehen. Wo kommt nun dem Menschen dieser Jammer her, daß er nicht so in den Himmel kommen und bleiben kann, so wie er von erster Geburt ist, auf ewig verloren ist? Nirgendwo anders wo her, denn daß die alte Schlange, der Teufel, den ersten Menschen so gebissen und durch die Sünde so vergiftet hat, daß er den Tod am Halse hat, und ist unmöglich, daß er sich selbst eine Arznei geben oder sich selbst helfen könnte. Wie man an den guten sieht, was gebissen war, war des Todes, es gab keine Arznei. Also ist es mit uns allen. Denn der Sünden Sold ist der Tod, und wo Sünde ist, da muß der Tod auch folgen. Weil nun alle Menschen in der ersten Geburt von Vater und Mutter als Sünder geboren werden, müssen sie auch das Urteil tragen und den Tod darum leiden. Wie der Herr dem Adam und Eva mit ausdrücklichen in Worten droht: «Welchen Tag ihr von diesem Baum essen werdet, sollt ihr des Todes sterben.» Aber da läßt Gott seine Barmherzigkeit leuchten, daß der solche arme, vergiftete und zum Tode verurteilte Menschen nicht verderben will, und eben, wie er dort heißt eine eherne Schlange aufrichten, die den anderen Schlangen gleich aussah, aber daß sie kein Gift hatte und wieder dem Gift helfen sollte, also läßt er seinen Sohn erhöhen am Stamm des Kreuzes, auf das alle, die ihn Ansehen, nicht verloren, sondern vom Tode Heil werden und das ewige Leben haben sollen. Unser Heiland führt am Kreuz auch die Gestalt der giftigen Schlange, aber wer ist kein Gift, sondern nur das bloße Ansehen. Denn Christus, ob er wohl unser Fleisch und Blut angenommen hat, so ist es doch ein Fleisch und Blut ohne Gift und Sünde, ja, es dient dazu, daß uns von den Gift und den Sünden geholfen wird. Dieses ist das richtige sausen des Heiligen Geistes, dadurch Christus die neue Geburt im Herzen anrichtet, daß man glaube, und solche eherne Schlange mit gewisser Zuversicht Ansehen und gesund werde. Aber es wird bei den Juden nicht anders gegangen sein, einige werden es verachtet und gesagt haben, meinst du, daß dieser Anblick helfen wird? Ich glaube, wenn man diese oder einer andere Arznei hätte, was aber soll die eherne Schlange für eine Kraft haben? Oder, so eine Kraft bei ihr wäre, wie soll solche Kraft wirken, wenn man die Schlange anfassen und aufs Maul drücken, aber das nur durch das Ansehen uns soll geholfen werden? So geht es noch heutigen Tages mit der rechten ehernen Schlange, unseren Heiland Jesus Christus. Alle Menschen denken, soll ihnen geholfen werden, so kann es das bloße Ansehen oder der Glaube nicht tun. Wer gute Werke tut und sich nicht versündigt, der müßte bei Gott mehr Vorteile haben. Darum predige man, es hilft doch nicht. Dieser nimmt sich dieses vor, ein anderer etwas anderes, denn der Glaube ist nicht jedermanns Ding. Sie wollen einen anderen Weg zu der Gesundheit finden, denn das Ansehen, das ist, den Glauben an Jesu Christus. Aber du lerne: Beschlossen ist es, der Teufel hat dich durch die Sünde so vergiftet, um das du den ewigen Tod am Halse hast; da kannst du nicht weglaufen, sondern mußt schlecht herhalten. Soll dir aber von solchen Gift und dem Tod geholfen werden, so denke du an keine andere Arznei, denn nur an diesen Anblick, daß du den erhöhten Christus am Kreuz mit rechten Augen an siehst, daß er für dich gestorben, sein Leben geopfert, mit seinem Tode für deine Sünde bezahlt, und dich also mit Gott versöhnt hat. Glaubt du das und bist getauft, so bist du richtig wieder geboren durch den Heiligen Geist zum Reich Gottes, da sollst du nicht dran zweifeln. Denn das hast du oben gehört, daß diese Wiedergeburt so zugeht, daß es auch kein anderes Mittel gibt denn nur das Sausen, das ist, an das Wort muß man sich halten, und Glauben, wie es Christus uns vorsagt, daß es also wahr und Amen sei. Also haben wir auf das einfältigste die Lehre des heutigen Evangeliums: daß wir Menschen von Natur Sünder und des ewigen Todes würdig sind. Aber dadurch sollen wir vom ewigen Tod erlöst werden, wenn wir den Menschen Christum Jesum am Kreuz Ansehen, daß er für uns da bezahlt, den Tod erwürgt, und uns mit Gott versöhnt und zum ewigen Leben gebracht hat. Diese Lehre ist es, die andere Menschen und ganze neue Herzen macht, daß wir in Sünden, im Tod und anderen Anfechtung sagen können. «Es ist wahr, die alte Schlange, der Teufel, hat mich übel gebissen und schrecklich vergiftet, aber dagegen tröste ich mich, daß ich weiß, wenn auch mein Herr Jesus Christus seiner Menschheit wegen auch das Ansehen hat, er sei voller Gift wie eine andere Schlange, so hat er doch kein Gift an sich, sondern darum hängt, daß er mich von meinem Gift reinigen, und mir helfen will gegen meine Sünden, Tod und Teufel. Deswegen laß nur den Teufel getrost kommen, laß den Teufel mich fressen und mir alles Unglück anlegen, ich will mich an meinen Herrn und Heiland Jesus Christus halten, und mich dessen Trösten, daß er darum erhöht ist, auf das die, die an ihn Glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben. Wo also dieser Trost gegen das ewige Gift in Herzen ist, da wird auch weiter ein feines, freundliches Leben folgen gegen andere Leute. Wir können so etwas von unseren Herrn Jesus Christus erwarten, daß er uns gegen alles Unglück hilft, so sollen auch wir Hilfe erweisen wo wir können. Denn ein solcher Mensch sieht weit um sich, und ob ihm gleich von anderen Leuten Unrecht geschieht, so läßt er sich doch nicht zum Zorn reizen, sondern erbarmt sich über sie. Denn er sieht, daß solches nirgends anders her kommt, denn von dem Gift, welches wir alles durch den Biß des Teufels empfangen haben, sucht deswegen Mittel, wie er andere auch dahin bringen kann, daß sie zu dieser Arznei kommen und von den schädlichen Gift erlöst werden. Also ist diese Lehre der rechte Brunnen und Quelle, da alle Tugend, alle Trost, alle Freude und Sicherheit her kommt. Gott, der allmächtige, barmherzige Vater, möchte uns um seines lieben Sohnes Christi Willen in dieser Lehre erhalten und daß wir von Tag zu Tag darin wachsen, daß wir ja den Anblick nicht verlieren, und also durch rechten Glauben an Jesus Christus vom ewigen Tode erlöst werden, Amen.   Am zweiten Sonntag nach Trinitatis Lukas 14,16-24 Er aber sprach zu ihm: es war ein Mensch, der machte eine groß Abendmahl und lud viele dazu. Und sandte seinen Knecht aus zur Stunde des Abendmahls, zu sagen den Geladenen: Kommt, denn es ist alles bereit, und sie fingen an alle nacheinander sich zu entschuldigen. Der erste sprach zu ihm: Ich habe einen Acker gekauft, und muß hinausgehen und ihn besehen; ich bitte dich, entschuldige mich. Und der andere sprach: Ich habe Joch Ochsen gekauft, und ich gehe jetzt hin, sie zu besehen; ich bitte dich, entschuldige mich. Und der dritter sprach: Ich habe ein Weib genommen; darum kann dich nicht kommen. Und der Knecht kam und sagte das seinem Herrn wieder. Da ward der Hausherr zornig und sprach zu seinem Knechte: Gehe aus bald auf die Straßen und Gassen der Stadt und führe die armen und Krüppel und Lahmen und Blinden herein. Und der Knecht sprach: Herr, es ist geschehen, was du befohlen hast; es ist aber noch Raum da. Und der Herr sprach zu dem Knechte: Gehe aus auf die Landstraßen und an die Zäune, und nötige sie herein zukommen, auf das mein Haus voll werde. Ich sage euch aber, daß der Männer keiner, die geladen sind, mein Abendmahl schmecken wird. Dieses Evangelium hat man darum auf den heutigen Sonntag gelegt, weil man in dieser Woche das Fest des Fronleichnam Christi begangen hat, wie es noch heute bei den Katholiken gefeiert wird. Denn sie haben das Abendmahl, wovon dieses Evangelium berichtet, auf das Sakrament gedehnt und damit bestätigt die einige Gestalt des Sakramentes, welches, wie wir wissen, eines der vornehmsten Stücke ist, darüber wir mit ihnen nicht einig sind. Weil nun das junge Volk nichts von diesem Fest und dem Prunk weiß, und die Alten auch vergessen haben, ist es gut, daß man davon predigt, denn wenn unsere Jugend in die Kirchen kommt oder solch ein abgöttisches Wesen sieht, sie sich nicht daran ärgern, und sagen können, daß dieses nicht richtig ist, daß man solch einen falschen Gottesdienst anrichtet und dabei soviel Geld ausgibt, und nicht nach der Meinung kommen, daß man den Sakrament gedenkt und ehrt. Die Katholiken aber tragen nicht das ganze Sakrament in Brot und Wein herum, sondern durch das Brot allein machen Sie es zu einer Schmach und Schande. Sie selbst aber kommen dabei zu den höchsten Ehren, denn diesen Unterschied wollen sie damit erhalten, daß der Pfaffenstand ein besonders hoher und schöner Stand sei vor Gott. Denn den einfachen und gemeinen Christen dürfe man nicht das ganze Sakrament geben, sie müssen sich an dem Brot alleine begnügen lassen. Diesen Unterschied machen sie mit dem Fest Fronleichnam, damit sie ihren eigenen Stand, wie gesagt, vor anderen Worten hoch halten wollen, damit aber den heiligen Sakrament Schande und Schmach bereiten und auch unserem Herrn Jesus Christus, welcher dieses Sakrament nicht darum eingesetzt hat, daß man einen Unterschied mache zwischen den geistlichen (wie sie erdichtet haben) und einem einfachen Christenstand. Christus hatte auch nicht für diesen oder einen besonderen Stand gelitten, und ist gestorben, sondern zum Trost seiner christlichen Kirche, welche nicht geteilt, sondern ein einiger Leib ist des einigen Hauptes Jesu Christi, in dem alle Glieder, gleich sind, obwohl der Beruf und die Werke ungleich und unterschiedlich sind. Diesen Mißbrauch, der sehr groß und gefährlich ist, sollte man nicht vergessen, sondern von der Kanzel fleißig predigen, weil die Katholiken so verstockt und unbußfertig auf ihrem gottlosen Wesen bestehen. Denn wie kommt das heilige Sakrament dazu, daß man es dazu gebraucht um einen Unterschied unter den Christen zu machen, so es doch unser Heiland Jesus Christus gerade dazu eingesetzt hat, um uns einen Trost und ein gutes Gewissen zur Stärkung unseres Glaubens. Denn das Sakrament soll in der Christenheit gleich wie ein Band sein, mit dem die Christen zusammen verbunden sind, daß sie gleich wie ein Brot oder ein Kuchen sind, nicht allein damit, daß sie zugleich einen Gott, ein Wort, eine Taufe, ein Sakrament, einer Hoffnung und Zuversicht haben, sondern auch ein Leib sind, wo ein Glied dem anderen die Hand reicht, helfen, raten und das Leid zusammen tragen. Diesen Brauch des heiligen Sakramentes haben die Katholiken ganz und gar aufgehoben, daß allein Sie sich das Sakrament angemaßt haben, und sich dadurch zu einem besonderen Haufen gemacht, der besser sein sollte, als die einfache Christenheit. Damit nun aber die einfachen Christen auch eine Gestalt haben und nicht ganz verachtet sind, haben sie dieses Fest acht Tage lang im Jahr gehalten, wo man dieser einen Gestalt mit einem großen Gepränge durch die Stadt mit Spielen und Musik, damit den Leuten die Augen darüber übergingen, daß sie denken mußten, obwohl der Priesterstand viel herrlicher wäre und größer vor Gott, so hätten sie doch auch etwas, womit man sich rühmen könne. Zu diesem allen hat das heutige Evangelium ihnen auch gedient. Gleich als hätte dieser Hausvater ein Mahl für Mäuse angerichtet, und allein zu essen, aber nicht zu trinken gegeben. Dabei singen sie aber doch: «komme, esset mein Brot und trinket meinen Wein.» Aber so geht es unserem Herrn und Gott immer, was er stiftet und anordnet, das muß von dem Teufel und den Seinen verkehrt werden, dazu noch gelästert und geschändet. Also geht es mit den heiligen Sakrament auch, welches auf dieses Fest noch heute auf das greulichste von den Katholiken gelästert und geschändet wird. Denn, wie gesagt, halten sie dies Fest nicht dem heiligen Sakrament zu Ehren, sie würden sonst das ganze Sakrament herumtragen. Sie machen aber es sich selbst zu Ehren und verdrehen es dahin, nicht, daß wir viel davon haben sollten, sondern allein, daß wir wissen sollen, was für ein Unterschied wäre zwischen einem Priester und einem einfachen Mann. In anderen Sachen, wo es Gott so geschaffen hat, ist es wohl gut, einen Unterschied zu machen, als, daß eine Frau eine Frau, ein Mann ein Mann bleibt. Das weltliche Obrigkeit einen Unterschied zu dem Volk, und so weiter mit anderem weltlichen Ständen. Daß man aber hier in Sakrament einen Unterschied machen will, wo Gott allen Unterschied aufgehoben hat, daß Papst, Bischöfe, wo der Paulus sollte eine bessere Taufe, ein besseres Evangelium haben, als ein einfacher Christ, das ist nicht die Meinung unseres Herrn Jesus Christus. Darum ist es auch ein großes Unrecht, daß die Katholiken für sich ein besseres Sakrament haben wollen, denn anderer einfacher Christen, die sie Laien nennen. Unser Seligmacher, der Herr Christus, hat das Sakrament nicht eingesetzt um einen Unterschied unter seinen Christen zu machen, sondern einer genauso viel davon haben soll als der andere. Ich will nun schweigen von dieser greulichen Abgötterei, welche sie mit dem Fronleichnam mit Macht in die Leute getrieben, daß sie darüber vergessen haben, wer dieses Sakrament richtig gebrauchen will, der soll essen und trinken, wie es Christus befohlen hat. Diesen Befehl haben sie den Christen nicht vorgehalten, sondern sie dahin gewiesen, es sei mit diesem Sakrament genug, wenn sie es allein sehen, davor niederfallen und anbeten, wo wir so etwas doch nicht in der Bibel lesen. Denn Christus hat das Sakrament ja nur dazu geordnet, daß man es essen und trinken, und dadurch den Glauben stärken soll, aber nicht dazu, daß man es ansehen, herumtragen oder anbeten soll. Wer es aber nun so gebraucht wie es Christus nicht befohlen hat, der mag sehen, wie er damit umgehe und was er von solchem Sakrament behalte. Denn so der Leib und das Blut Christi aus Befehl unter Brot und Wein da ist, dieses Sakrament aber anders gebraucht, als es Christus befohlen hat, er hat kein Sakrament mehr sondern richtet damit eine Abgötterei an. Dieses alles ist wegen der Jugend und auch um unseretwillen zu sagen, daß sich ein jeder vor dem Greuel hüte, und den Teufel kennen lerne, den der Papst hier eingeführt hat, und die Christenheit zertrennt, wo sie doch unser Herr und Gott einig haben will. Denn sie verdammen und verfolgen uns darum, daß wir nicht Mäuse und Ratten sein wollen und solches aus uns machen lassen wollen. Darum sind es Leute, denen man einfach feind ist, weil sie gegen Christus und seine Ordnung so trotzig handeln. Darum haben wir dieses Fest Fronleichnam aus gutem Grund aus unserer Kirche getan, weil dieses vor Gott ein Greuel, seinem heiligen Sakrament eine Schande und uns ein großer Schaden ist. Denn wir wollen bleiben bei der Einigkeit der Christen, daß hier einer so gut sei als der andere, und aller Unterschied in äußerlichen nun weltlichen Dingen bleibe. Dieses ist nun genug davon, um der Jugend und unseretwillen. Nun wollen wir zum Evangelium greifen. Dieses Evangeliums fängt an bei dem Wunderwerk, als unser Heiland Jesus Christus in des Pharisäers Haus einen Wassersüchtigen heilt. Es sagt aber der Evangelist: Sie haben auf ihn gelauert, daß sie ihn fangen möchten. Darum fängt unser Heiland hier ein und liest den Gästen ein Kapitel, daß sie voll Hoffart und Hochmut stecken, weil sie sich auch darum alle bemühen immer oben zu sitzen, bis er zuletzt auch auf den Wirt zu sprechen kommt, dieser bekommt auch seine Lektion, wie er die Gäste bitten soll, nicht die Reichen, die ihn auf Erden wieder bitten und dafür danken können, sondern die Armen, die ihn dort in jenem Leben wieder laden. Auf diese Rede fängt einer von ihnen an, der sehr fromm sein will, und spricht: «Ei, selig ist der, der das Brot ißt im Reiche Gottes,» als wäre ihm daran sehr viel gelegen. Aber der Herr merkt den Schalk und die Heuchelei wohl, und zeigt es ihm deutlich, wie heilig er und seinesgleichen sind, daß sie ganz und gar nichts, weder nach unserem Gott, noch dem Himmelreich fragen. Du, spricht er, hörst dich an, als wenn du ein sehr großes Verlangen nach dem Reiche Gottes hättest. Aber, soll dich dir die Wahrheit sagen, du bist der Gäste einer, die man freundlich ladet, die aber anderes zu schaffen und nicht kommen wollen. Diese Schande gilt besonders diesem, der sich mit diesen Wunsch vor den anderen hervor tut. Als wollte der Herr sagen: Du sagst viel, es sei ein seliger Mensch, der das Brot in Himmel ißt. O, es ist dir wohl ein großer Ernst, wie bist du so ein guter Heiliger Mann; nämlich von denen einer, die geladen sind, und doch nicht kommen wollen. Dieses sind harte, scharfe, und schreckliche Worte, wer sie recht bewegen will; denn er redet mit den Schälken, die am Tisch saßen: nicht, daß sie etwas von ihm lernen wollten, sondern daß sie auf ihn warteten, wie sie ihn fangen könnten. Da fängt nun das Gleichnis an, wie ein Mensch gewesen sei, der ein großes Abendmahl machte, und schickte seine Diener aus und ließ die Gäste bitten. Aber was taten sie? Sie entschuldigten sich alle und blieben fort. Einer sagt, er hätte einen Acker gekauft, diesen müßte er besehen; der andere, er hatte fünf Joch gekauft; der dritte, er hätte ein Weib genommen: und ließen ihn mit seinem Abendmahl sitzen, und verachteten ihn dann noch dazu, daß er zuletzt zornig ward, nahm, was er finden konnte, Krüppel, Lahme und Blinde, und trieb sie mit Gewalt zu dem Abendmahl. Aber von den anderen sagt er: «sie sollen mein Abendmahl nicht schmecken.» Das ist ein hartes Evangelium gegen beide, Juden und uns Heiden. Nun wollen wir den Text nacheinander betrachten. Der Mensch, der dieses Abendmahl gemacht hat, ist unser Herr Gott selbst, der ist ein großer und reicher Wirt; und hat auch ein Abendmahl gemacht, nach seiner großen Majestät und Ehre, nicht allein wegen des Wirtes, der Gott selbst ist, daß es eine große Mahlzeit wäre, wenn er etwa eine Erbsensuppe oder trockenes Brot gegeben hätte, nein die Kost ist auch sehr groß, das heilige Evangelium, ja, Christus, unser Herr, selbst. Dieser ist selbst die Speise, und wird uns im Evangelium vorgetragen, daß er für unsere Sünde durch seinen Tod genug getan hat, und uns von allen Jammer des ewigen Todes, der Hölle, des Zornes Gottes, Sünde und Verdammnis. Diese Predigt von Christus ist das große, herrliche Abendmahl, zu welchem er Gäste bittet, daß er die heiligen durch seine Taufe, tröste und stärke durch das Sakrament seines Leibes und Blutes; daß es nur an nichts fehle, das volle Genüge vorhandenen sei und jedermann satt werde. Das also dieses ein großes Abendmahl heißt, auch wegen Kost und Speise, die also durchwürzt und zugerichtet ist, daß es keine Zunge ausreden und kein Herz genug begreifen kann. Denn es ist eine ewige Speise und ein ewiger Trank, da von uns nimmer dürstet noch hungert, sondern wir werden ewig satt, trunken und fröhlich. Und nicht ein Mensch allein, sondern soweit die Welt ist, wenn sie auch noch zehnmal größer wäre, hätten sie alle genug an dieser Mahlzeit. Denn das Evangelium sagt so: Wer da glaubt an den Herrn Jesu Christum, daß er um unseretwillen geboren ist aus Maria der Jungfrau, und um unserer Sünde willen gemartert unter Pontius Pilatus, gestorben, niedergefahren zur Hölle und wieder auferstanden, und sitzt zur rechten Gottes, der soll ewig Leben und selig sein. Dagegen wer heute genug zu essen hat, der muß morgen wieder essen. Aber dies ist eine ewige Speise, die ewig bleibt. Gibt also den Heuchlern am Tisch zu verstehen, daß es eine andere Mahlzeit ist, denn als sie ihm geben; und sie doch solche Schälke und Buben sind, obwohl sie viel davon reden können, dennoch Gott um seine Barmherzigkeit, ewiges Leben und Seligkeit verachteten, und sich alle anderen Dinge lassen lieber sein. Folgt weiter Text: und lud viele dazu. Die «viele,» die dazu geladen werden, sind die Juden und das ganze Volk in Israel, welches von Abraham an, durch die Propheten besonders geladen wurden. Denn dem Erzvater Abraham ist der Same verheißen, durch welchen der Segen kommen sollte. Und ist ihm also dies Abendmahl, als dem Vater dieses Volkes, zuerst verkündigt, danach haben es die Propheten weiter gesagt und das Volk darauf gewiesen, daß es unseres Herrn Gottes willen nicht verfehlen sollte, er hat sie also fleißig laden lassen. Darum setzt auch Paulus in seinen Episteln erst den Juden immer vor (. Den Juden vornehmlich und auch den Griechen.) Da nun die Stunde kam, daß man zu Tisch stehen sollte, das ist, daß es um diese Zeit war, daß unser Herr Christus geboren war, und sollte leiden und wieder auferstehen von den Toten, und sein ewiges Reich anfangen, da gingen die Knechte aus, Johannes der Täufer und die Apostel, und sagten zu den geladenen, zu dem Volk Israel. Liebes Volk, bisher seid ihr geladen; jetzt ist es Zeit, kommt jetzt wird man anrichten. Euer Herr oder Messias ist schon geboren, gestorben und wieder auferstanden; darum bleibt nicht lange draußen, kommt zu Tische, esset und seid fröhlich, das ist, nehmet euren verheißenen Schatz mit Freuden an, der euch vom Fluch und Verdammnis erledigt und selig gemacht hat. Und ist solche Botschaft besonders den höchsten im Volk vorgetragen, die im geistlichen und weltlichen Regiment waren. Aber was taten sie dazu? Sie fingen alle an nach einander sich zu entschuldigen. Das ist eine Lektion für die Gäste, die mit Christus zu Tische sitzen, und besonders für den unnützen Schwätzer, der Christus am Tisch meistern will und viel vom Brot im Reiche Gottes predigt: «Selig ist, der das Brot ißt im Himmelreich.» Ja, spricht er, willst du wissen, wie selig du bist, ich will dir es sagen: es ist schon angerichtet; Johannes, der Täufer, ist da; ich und meine Apostel bitten euch jetzt zu Tisch: aber ihr bleibt nicht allein draußen, sondern wollte euch noch entschuldigen und rein sein; versündigt euch also zweifach: daß ihr das Evangelium verachtet, und wollt dennoch recht getan haben, dazu noch heilig, fromm und klug sein. Dieses ist eine verdrießliche Sünde. Denn an dieser wäre es viel, viel zuviel, daß man unseres Herrn Gottes Wort nicht annimmt und nicht glaubt; daß man aber noch weiter fährt, und verachtet und will noch dazu gerecht sein, dieses ist sehr schlimm und nicht zu leiden. Wie die Katholiken jetzt auch tun: sie wollen noch darum gerühmt sein, daß sie das Sakrament nur unter einer Gestalt gegeben, die Ehe verboten und anderes gottloses Wesen in der Kirche angerichtet habe; ja verdammen noch uns dazu, ermorden und jagen die Leute, die diese Greuel nicht annehmen wollen. Die Juden machen es ebenso, und entschuldigen sich, da sie geladen werden, und sprechen: Sie könnten diese Lehre nicht annehmen; denn sie wäre gegen das Priestertum und Gesetz, daß Gott selbst durch Mose gegeben hätte, es möchte sonst Zerrüttung im Regiment folgen, welches Gott selbst geordnet hat. Darum entschuldigt sich hier der erste mit dem Acker, der andere mit den Ochsen, und beide meinen, es sei wohl und richtig getan; der dritte entschuldigt sich hier gar nicht, sagt schlecht ab, er könne nicht kommen. Dies sind dieser Heiligen Entschuldigungen gegen das Evangelium, daß sie erstlich das Gesetz Mose und ihren Gottesdienst vorbringen. Denn weil die Apostel predigten, daß weder Gesetz, Tempel, noch Priester nötig wären, weil der rechte Hohepriester vorhanden wäre, Jesus Christus, aus dem Stamme Juda, durch dasselbe Opfer allein müßte man selig werden; diese Predigt wollten sie nicht leiden, sondern ihr Gesetz behalten; ließen also Christus und das Evangelium fahren, und warten bis auf den heutigen Tag auf ihren Führer, wann ihr Messias kommt, und das alte Priestertum und Königreich, wie es gewesen ist zu der Zeit David, wieder aufrichte. Dieses führt hier Christus mit dem kaufen vom Acker an, daß der erste sagt: «Ich will meinen Acker beschauen»; das ist, wir Priester müssen arbeiten und ernten, das ist, müssen das Volk regieren (wie Christus auch die Prediger Ackersleute heißt, die das Evangelium säen), wir müssen unseres Priestertum warten. Weil aber die Lehre der Apostel dagegen ist und auf einen anderen Priester und ein anderes Opfer zeigt, verdammen wir diese falsche Lehre und wollen zu diesem Abendmahl nicht kommen. Also entschuldigen sich auch die anderen, so im weltlichen Regiment waren, mit den Ochsen. Denn Ochsen heißen die Regenten im Volk (Psalm 22, 13: «Große Farren haben mich umgeben, fette Ochsen habe mich umringt «). Denn sie dachten: Wir haben ein Königreich und Regiment, von Gott selbst gestellt; da müssen wir bleiben, und sehen, wie wir es erhalten. Wenn wir aber dieser neuen Lehre anhängen, sollten wir wohl alles verlieren; darum immer weg mit dieser Predigt! Die dritten sagen: Das Evangelium ist eine Lehre, die will nicht lassen geizen, sondern lehrt alles in eine Gefahr setzen, Leib und Leben, Geld und Gut, um Christi willen; darum wollen wir nicht kommen, sondern unsere Häuser ohne diese Gefahr behalten. Denn Weib nehmen heißt hier nicht damit Unzucht treiben oder etwas Böses und unehrliches vorhaben, sondern sich das vornehmen, womit ein Hauswirt umgeht, daß man denkt, wie man wohl sein Haus erhalte und mehre. Denn die Juden sahen darauf, wie Mose ihnen, wenn sie fromm wären und Gottes Gebot hielten, verheißenen hatte zeitlichen Segen, das Vieh, Acker, Weib, Kind, alles gesegnet sein sollte. Darum trachten sie nur danach, daß sie Küche und Keller voll haben und reich werden, und meinten dann, sie wären fromm und Gott hätte sie so gesegnet. Also entschuldigen sich die Katholiken auch und sagen: die Lehre sei wohl richtig, aber man müsse dennoch bei der Kirche bleiben und keine Trennung anrichten, sonst würde Aufruhr und Spaltung folgen. Haben auch somit Sorge, wenn sie das Evangelium annehmen, sie müssen ihre Kirche oder Obrigkeit dadurch verlieren, obwohl doch das Evangelium allein die richtige christliche Kirche erbaut und gegen alle Gewalt und Aufruhr schützt. Dazu hindert sie der Geiz auch, daß sie nichts bei dem Evangelium sehen, als lauter Armut und Verfolgung. Aber wie wird es ihnen gehen? Genau wie den Juden, die haben so lange und fest über ihrem Gesetz, Priestertum, Königreich und Gütern gehalten, daß sie zuletzt ganz und daran gescheitert sind und alles verloren haben, daß sie jetzt im Elend, unter fremden, wie auf einer Schaukel sitzen, und dazu dieses Abendmahl verlieren müssen, wie der Hausvater sagt: «Ich sage euch, daß der Männer keiner, die geladen sind, mein Abendmahl schmecken wird.» Doch er will es nicht vergebens zugerichtet haben; darum sieht er sich nach anderen Gästen um, wie nun folgt: Da ward der Hausvater zornig, und sprach zu seinen Knecht: Gehe aus bald auf die Straßen und Gassen der Stadt. Als wollte er sagen: Nun, weil es euch darum zu tun ist, daß ihr euren Acker und Ochsen besehen und Weiber nehmen wollt, und mein Abendmahl darüber versäumen, das ist, ihr wollt euer Priestertum, Königreich und Reichtum erhalten, mich und mein Evangelium fahren lassen: will ich die Sache so machen, daß hier alles, so hier auf diese Weise zu erhalten denkt, verlieren sollt, dazu mein Abendmahl auch nicht schmecken, und mir andere Gäste schaffen. Darum gehe du hin, Knecht, auf die Straßen und Gassen in die Stadt, und führe die Armen und Krüppel, Lahmen und Blinden herein. Dieses ist so unter den Juden geschehen. Denn da die großen Herrn, Fürsten und Priester, und was das beste im Volk war, daß Evangelium nicht annehmen wollten, aus der Ursache wie oben angezeigt, hat unser Herr Gott die geringen Fischer, das arme, elende und verachteste Häuflein, angenommen. Wie Paulus im erste Korinther 1,26 ff.: «Sehe an, lieben Brüder, euren Beruf: nicht viel Weise nach dem Fleische, nicht viel Gewaltige, nicht viel Edle sind berufen, sondern was töricht ist vor der Welt, das hat Gott erwählet, daß er die Weisen zu Schande machte; und was schwach ist vor der Welt, das hat Gott erwählet, daß er zur Schande machte, was stark ist; und das Unedle vor der Welt, und das Verachtete hat Gott erwählet, und das da nichts ist, daß er zunichte machte, was etwas ist.» Nach diesen Spruch ist der meiste Teil, was in diesem Volk weise, heilig, reich, gewaltig gewesen ist, von Gott darum verworfen worden, daß sie das Evangelium nicht annehmen wollten. Dagegen hat Christus die albernen, einfältigen, geringen Leute angenommen, als, Petrus, Andreas, Philippus, welches arme Fischer und Bettler waren, die niemand groß achtete, daß sie den Priestern und Fürsten im Volk die Schuhe wischen sollten. Denn sie waren die Grundsuppe, und wie es Jesaja sagt, die Hefen von dem guten, köstlichen Wein; und allein die Hefe sind geblieben, die der Herr hier Arme, Lahme, Krüppel und Blinde heißt. Diese kommen zu den Gnaden und Ehren, daß sie auf diesem Abendmahl Liebe Gäste sind und alle Fülle habe. Das nun der Pharisäer sagt: «Selig sind die, die das Brot im Reich Gottes essen»; Ja, antwortet Christus, selig sind die; aber dir und deinesgleichen ist es nur zu tun um einen Acker und Ochsen, davon redest du. Darum sollst du wissen, daß ein Abendmahl angerichtet ist, davon die Armen essen sollen, wie Christus in Matthäus 11,5 spricht: «Den Armen wird das Evangelium gepredigt»; denn die Gewaltigen, Heiligen, Weisen wollen es nicht haben und sollen es auch nicht haben. Das heißt ja den Juden richtig den Kopf waschen, und besonders diesem hier, der so klug sein will und Brot im Himmelreich essen, und dennoch das Priestertum und Königreich erhalten will, es bleibe Christus und sein Evangelium, wo er wolle. Denn also steht sein Herz, daß er des Herrn Christi gar nicht bedürfte zum Himmel; sondern unser Herr Gott werde zu ihm und allen Juden sagen: Kommt, die Juden, und besonders ihr Priester ihr Heiligen, ihr Fürsten, ihr fetten Bürger, euch ist das Abendmahl bestellt. Ja, sagt er, wahr ist es, geladen seid ihr; aber ihr achtet es nicht und entschuldigt euch, und wollt auch noch Recht haben. Darum lasse ich euch gehen, und nehme eher das geringe Volk an, die Krüppel und Lahmen. Dieses alles geht vom Evangelium allein auf die Juden. Denn er sagt von den Lahmen und Krüppeln, die auf der Straße und der Gasse in der Stadt sind, und heißt das Judenvolk eine Stadt, darum daß sie ein ordentliches und wohl geordnetes Volk gewesen sind, und haben das Gesetz, Gottesdienst, Tempel, Priester, König, alles von Gott selbst geordnet und durch Mose angerichtet. Nun schickt er seinen Knecht auch auf die Landstraße, und befiehlt ihm, er soll Gäste nehmen, wo er sie findet, auch die Bettler an den Zäunen, und überall, und der Herr sprach zu dem Knechte: Gehe aus auf die Landstraßen, und an die Zäune, und nötige sie herein zukommen, auf das mein Haus Volk werde. Dieses sind wir Heiden, die wir in keiner Stadt gewohnt, das ist, keinen besonderen Gottesdienst gehabt wie die Juden; sondern abgöttisch gewesen sind, deswegen nicht gewußt haben, was wir oder Gott wäre. Darum heißt unser Ding ein freier, offener Platz, auf der Landstraße, im Felde, wo der Teufel überall hinläuft und seinen Raum hat, wie er will. Da gehe hin, spricht der Hausvater, und nötige sie herein. Denn die Welt hat diese Unart, daß sie sich immer wieder gegen das Evangelium sperrt, und will diese Lehre nicht dulden, dagegen aber will dieser Hausvater sein Haus voll Gäste haben; denn er hat alles so gerüstet, daß er Leute haben muß, die Essen, Trinken und fröhlich sind, sollte er sie gleich aus Steinen machen. Und dieses ist auch die Ursache, daß Gott die Welt so lange läßt stehen, so er doch Ursache genug hätte, um unserer Sünde willen sie in jedem Augenblick in einen Haufen zu stoßen. Aber er tut es darum nicht, daß er noch auf mehr Gäste wartet, die auch zu dem Abendmahl gehören. Darum weil nun seine Knechte das liebe Evangelium zu uns bringen, ist dieses ein Zeichen, daß wir, die wir getauft sind und glauben, auch zu diesem Abendmahl gehören. Denn wir sind die großen Herren, die hinter den Zäunen liegen, das ist, blinde, arme, verlorene Heiden. Aber wie zwingt er uns? Will doch unser Herr Gott keinen gezwungenen Dienst haben? Also zwingt er uns, daß er uns läßt predigen: «Wer glaubt und getauft wird, der wird selig; der aber nicht glaubt, der wird verdammt.» Da zeigt er beides an, Hölle und Himmel, Tod und Leben, Zorn und Gnade. Denn in der Predigt wird uns erst offenbart unserer Sünde und unser verderblicher Stand, daß wir da vor erschrecken müssen, weil wir hören, daß hier, sobald wir geboren werden, unter des Teufels Reich und in Gottes Zorn sind. Dieses heißt also richtig genötigt, wenn man sich also fürchtet vor dem Zorn Gottes und Hilfe von ihm begehrt. Wenn nun solches auch durch die Predigten geschehen ist, und die Herzen so zerschlagen und erschreckt sind, so predigt man denn weiter und sagt: Lieber Mensch, verzage darum nicht, wenn du auch ein Sünder bist und ein so schreckliches Urteil auf dir hast; tue also: gehe hin, du bist doch getauft, höre das Evangelium. Da wirst du lernen, daß Jesus Christus um deinetwillen gestorben, und für deine Sünde durch seinen Tod am Kreuz genug getan hat. Glaubt du das, so sollst du sicher sein vor dem Zorn Gottes und ewigem Tode, und sollst auf diesem herrlichen Abendmahl ein Gast sein, und essen, daß du fein fett und stark werdest. Dieses heißt «nötigen,» nämlich, mit der Sünde schrecken: nicht wie der Papst nötigt mit dem Bann. Der schreckt das Gewissen nicht richtig; denn er lehrt nicht, was rechte Sünden sind, sondern geht mit seinem Narrenwerk um: wer seine Ordnung und Menschen Satzungen nicht hält, der soll in den Bann getan werden. Das Evangelium aber offenbart die rechten Sünden und den Zorn Gottes vom Himmel, Römer 1,18, daß wir alle, keiner ausgeschlossen, in Sünden leben und gottlos sind. Das heißt unser Herr Gott uns durch sein Evangelium verkündigen, da er zu den Apostel sagt: «Gehet hin und predigt Buße.» Nun kann man aber die Buße nicht predigen, man sage denn, Gott ist zornig über alle Menschen darum, daß sie voll des Unglaubens, in in und anderer Sünden sind. In dieser Zorn soll sie schrecken, die Gewissen zaghaft und furchtsam machen daß sie sich selbst nötigen und sagen: Acht Herr Gott, was soll ich doch immer tun, daß sich von diesem Jammer frei werde? So wird man ihm sagen: Setze dich hier und iß (denn es sind noch viele Tische frei und viel Essen da) das ist, du bist getauft, darum glaube an Jesu Christum, daß er für deine Sünde gestorben und genug getan hat. Sonst ist kein anderes Mittel, dadurch dir könnte geholfen werden, denn das du getauft werdest und glaubst. Dann wird der Zorn aufhören, und vom Himmel nur Gnade und Barmherzigkeit, Vergebung der Sünden und ewiges Leben scheinen. Darum ist «nötigen» hier als Buße und Vergebung der Sünden predigen, Zorn über die Sünder und Gnade über die Gläubigen. So dringt der Zorn und die Buße, daß man nach der Gnade laufen und schreien muß. Dieses ist der rechte Weg zu diesem Abendmahl. Und wird also aus Juden und Heiden eine christliche Kirche, und werden alle zusammen heißen arme, elende Leute, Lahme und Krüppel. Denn sie nehmen das Evangelium nach diesem Schrecken herzlich an und kriechen zum Kreuze. Wer aber dieses nicht tun will, ist er auch noch gleich so weise und klug, wie er immer nur kann, so hatte er hier sein Urteil, daß er dieses Abendmahl nicht schmecken kann, das ist, der Zorn Gottes solle über ihm bleiben, und soll verdammt werden wegen seines Unglaubens. Denn da fragt unser Herr Gott nicht nach ( wie zuvor gesagt), daß sie reich, weise oder heilig sind. Und wenn sie auch schon sicher sind, und meinen, es hat mit ihnen keine Not, werden sie es doch erfahren, daß dies Urteil nicht lügen wird, welches der Herr hier schließt: Sie sollen es nicht schmecken, mein Abendmahl. Wir aber, die es annehmen, und mit erschrockenen Herzen, unserer Sünde wegen, die Gnade Gottes, welche uns im Evangelium durch Christus verkündigt und angeboten wird, nicht ausschlagen, bekommen für Zorn Gnade, für Sünde Ewige Gerechtigkeit und für den ewigen Tod das ewige Leben. Dieses schrecklich Urteil geht heutigen Tages, wie wir sehen, gewaltig unter Türken und Juden, daß sie keinen Geruch des Evangeliums haben; ja es ist ihnen ein Ekel, daß sie es nicht leiden und hören können. Also sind unsere Päpste mit Kardinälen und Bischöfen auch, sie riechen diese Kost nicht, daß sie davon sollten satt werden. Aber wir, die wir aus Gottes sonderlicher Gnade zu dieser Lehre gekommen sind, werden fett, stark rund fröhlich davon, und sind über dieser Mahlzeit guter Dinge. Gott gebe, daß wir also beständig bleiben bis ans Ende, Amen. Also will nun der Herr in diesem Gleichnis uns ermahnen, daß wir das Evangelium sollen teuer und Wert achten, und uns nicht halten zu dem Haufen, die meinen, sie seien klug, weise, mächtig und heilig. Denn hier steht das Urteil: Sie sollen verworfen sein und dieses Abendmahl nicht schmecken. So soll es uns auch gehen, wenn wir unsere Äcker, Ochsen, Weiber, das ist, geistliche, wie man es jetzt heißt, oder weltliche Ehre, samt den zeitlichen Gütern, lieber wollen als das Evangelium. Er sagt mit einfachen, geringen Worten: «Schmecken sollen sie mein Abendmahl nicht.» Als wollte er sagen: Nun, mein Abendmahl ist auch etwas; und was gilt es, es soll viel besser sein, wie ihre Ochsen, Äcker und Häuser, oder Weiber, wenn sie es jetzt verachten und ihrer Äcker, Ochsen, Häuser viel köstlicher halten. Denn es wird die Stunde kommen, wenn sie ihre Ochsen, Äcker, Häuser verlassen müssen, daß sie gerne wollten mein Abendmahl schmecken. Aber es soll dann auch heißen: Lieber, ich bin jetzt nicht zu Hause, ich kann nicht auf die Gäste warten, gehet hin auf eurer Äcker, zu euren Ochsen, in eure Häuser, die werden euch wohl ein besseres Abendmahl geben, weil ihr mein Abendmahl frech und sicher verachtet habt. Ich hatte auf Gäste gewartet und viel Mühe damit gemacht; das habt ihr verachtet: habt Ihr es nun besser gekocht, so esset es und seit fröhlich, aber mein Abendmahl sollt ihr nicht schmecken. Dieses werden dann harte Worte und ein schreckliches Urteil sein an jenem Tage, wo er mit klaren Worten sein Abendmahl das Ewige Leben heißen wird, und ihrer Äcker, Ochsen und Häuser das höllische Feuer, und dabei fest bleiben, daß sie sein Abendmahl nicht schmecken sollen in Ewigkeit, das ist, es soll keine Hoffnung mehr da sein, daß ihnen geholfen werde. Denn da wird weder Buße noch Reue helfen. Darum sind dieses schreckliche heftige Worte, die des Hausherrn großen, unendlichen Zorn an. Denn das ist die Art von großen Herren und hohen Leuten: wenn sie zornig werden, so reden sie nicht viel Worte; was sie aber reden, da wiegt dann ein Worte wie ein Zentner; denn sie haben einen heftigen Sinn, als sie reden können. Wieviel mehr werden diese kurzen Worte des allmächtigen Herrn einen unaussprechliche Zorn deuten, der nie mehr versöhnt werden kann. Noch gehen wir also dahin als hätte solche harten, schrecklichen Worte etwa nur ein Narr oder ein Kind geredet, daß wir lachen möchten und Spotten; Bruder als wäre es unseren Herrn Gott der Scherz, und hören noch sehen nicht, daß der Text ganz klar sagt, er sei zornig und habe solches aus großem Zorn geredet, und er ist nicht ein Narr oder ein Kind, sondern der Herr und Gott über alles, vor welchem wir zittern und erschrecken (wie die Schrift sagt) die Berge mit Grund und Boden, auch beide, Meer und Wasser vor ihm fliehen. Noch ist der Mensch so hart und eisern, daß er sich gar nicht davor fürchtet, sondern noch verachtet und seinen Spott daraus macht. Aber wir Prediger sind hier entschuldigt; denn wir vermahnen euch treulich genug, daß ihr dieses Abendmahl mehr denn alles Geld um Gut auf dieser Erde sollt annehmen. Deswegen an jenem Tage die ganze Welt uns wird müssen Zeugnis geben und bekennen, wir haben keine Schuld. Denn wir sagen es so fleißig und treulich, daß auch unser Gegenteil davon weiß, und schimpft unsere Lehre eine Ketzerei. Das nehmen wir mit Dank von ihnen an. Denn damit bekennen sie, daß sie es ganz bestimmt gehört, gelesen und gesehen, und wir nicht geschwiegen haben. Haben wir aber nicht geschwiegen, sondern treu und fleißig alles gelehrt und gepredigt, also, daß unsere Feinde selber sagen: Wir haben es zu toll getrieben: ach! So laßt den Mann richten, den wir dafür halten, er hat es uns erzählt; und laß den Mann sie verteidigen oder uns verdammen, der sie treibt zu verdammen. Es gelte im Namen Gottes, welches der rechte Gott, welcher Christus der rechte Christ, welche Kirche die rechte Kirche ist; es wird sich finden, wenn der Schnee geht. Wir wollen Gott bitten, daß er uns in solcher Lehre und Glauben durch seinen Heiligen Geist gnädig erhalten wolle, so werden wir gewißlich willkommen und liebe Gäste zu dieser Mahlzeit sein. Das verleihe uns unser lieber Vater im Himmel um seines Sohnes, Christi Jesu, willen, durch seinen Heiligen Geist, Amen.   Am dritten Sonntag nach Trinitatis Lukas 15,1-10 Es nahten zu ihm allerlei Zöllner und Sünder, daß sie ihn hörten. Und die Pharisäer und Schriftgelehrten murrten und sprachen: Dieser nimmt die Sünder an und ißt mit ihnen. Er sagte aber zu ihnen dies Gleichnis und sprach: Welcher Mensch ist unter euch, der hundert Schafe hat, und so er der eines verliert, der nicht lasse die neun und neunzig in der Wüste, und hingehe nach dem verlorenen, bis das ers finde? Und wenn er es gefunden hat, so legt er es auf seine Achseln mit Freuden. Und wenn er heim kommt, ruft er seinen Freunden und Nachbarn, und spricht zu ihnen: Freuet euch mit mir; denn ich habe mein Schaf gefunden, das verloren war. Ich sage euch: Also wird auch Freude im Himmel sein über einen Sünder, der Buße tut, vor neun und neunzig Gerechten, die der Buße nicht bedürfen. Oder welch ein Weib ist, die zehn Groschen hat, so sie der einen verliert, die nicht ein Licht anzündet und kehre das Haus, und suche mit Fleiß, bis daß sie ihn finde? Und wenn sie ihn gefunden hat, ruft sie ihre Freundinnen und Nachbarinnen, und spricht: Freuet euch mit mir; denn ich habe meinen Groschen gefunden, den ich verloren hatte. Also auch, sage ich euch, wird Freude sein vor den Engeln Gottes über einen Sünder der Buße tut. Dieses ist eines der tröstlichen Evangelien, daß man im ganzen Jahr predigt, darin der Herr Jesus uns lehrt, daß sein Amt ein Hirtenamt ist, daß er den Sünder nachgehen, sie suchen und wieder zu recht bringen soll, daß sie dem Wolfe, dem Teufel, nicht zu Teil und ewig verdammt werden. Solche Predigt aber ist, daß allerlei Zöllner und Sünder den Herrn Christus nachliefen, daß sie seine Predigt hörten. Dieses sahen die Pharisäer und Schriftgelehrten, murrten darüber und legten ihm das sehr übel aus, als wäre es eine besondere Leichtfertigkeit. Denn einem Frommen Mann steht es zu, daß er sich zu Frommen Leuten halten und gesellen soll. Aber der Herr antwortet sehr wohl und sagt: Er tue eben das, daß sonst die Leute tun in anderen Sachen, an denen nicht einmal soviel gelegen ist. Will also von Pharisäern ungestraft sein und in seiner Sache recht erhalten. Denn dieses ist die Frage worum es hier geht: Wie mit den Sünder umzugehen und was mit ihnen zu tun sei? Es ist genau mit zwei Menschen, die doch beide Gottes Wort studiert haben, zusammen kommen; so ist die Antwort auf diese Frage sehr unterschiedlich. Die Pharisäer und Schriftgelehrten wissen von Gottes Worten nicht mehr, denn was Mose und das Gesetz gelehrt. Weil nun das Gesetz immer so predigt: Gott will denen gnädig sein, die fromm sind und seine Gebote halten; dagegen die Bösen, die seine Gebote nicht halten, strafen; daher kommt es, daß die Pharisäer und Schriftgelehrten hier meinen, es wäre von den Menschen nicht recht, mit den Sündern umzugehen, denn wie Gott mit ihnen umgeht. Weil Gott über sie zornig ist, sich ihrer nicht annimmt, sollen sie die Leute auch nicht annehmen, sondern fahren lassen. Genauso urteilt unsere Vernunft auch. Sobald ein Mensch seine Sünden spürt und gewahr wird, denkt er, Gott zürne, es sei keine Gnade da, man müsse ein großes Unglück erwarten. Wie wir es an Adam und Eva auch sehen: als sie von dem verbotenen Baum gegessen, und das Gewissen ihnen schlug, sie hätten wieder Gott getan; da verkrochen sie sich und durften sich nirgends sehen lassen. An den jungen Kindern sehen wir es auch: wenn sie wissen, daß sie Unrecht getan haben, verstecken sie sich. Denn das ist die Art der Sünde, daß sie ein ängstliches Herz macht, daß sich um Ungnade und Strafe sorgt. Da aber, wo das Gewissen unschuldig ist, da bekommt der Mensch einen Mut, fragt nichts danach, ob jemand sich ungnädig stellt; denn dar steckt das Vertrauen immer im Herzen. Du weißt, daß unschuldig ist, es wird sich ein anderer finden, der schuldig ist, daß du frei ausgehen wirst. Wenn nun ein Herz, daß weiß das es schuldig ist, natürlich nichts anderes kann als sich fürchten, und deswegen alle Gnade vergißt, und auf Ungnade wartet, also urteilen die Pharisäer hier von den Sündern auch. Sie sehen, daß Zöllner und Sünder in einem sündigen Stande bis er gelebt; schließen deswegen schnell darauf: Mit bösen Buben soll niemand umgehen, noch ihnen einige Gnade beweisen; denn Gott selbst ist ihnen ungnädig, will ihrer nicht, will nur fromme, gottesfürchtige Herzen haben, die mit solchen groben Sünder nicht geladen sind. Aber da denke du ihm nach, wenn solch ein Urteil wahr sein soll, daß Gott mit den Sündern keine Geduld tragen und immer mit der Keule zuschlagen will, wie wird es uns allen gehen? Wo wird er Leute und eine Kirche haben? Denn wenn wir auch in äußerlichen groben Sünden und Laster nicht liegen: es ist, Gott Lob! Mancher Ehemann, der seine Ehe nicht gebrochen, mancher, der mit der Hand nicht gemordet, nicht gestohlen, noch anderes getan hat, daß unehrlich und ungöttlich ist, so müssen wir uns alle vor Gott als Sünder bekennen. Denn wir sehen und erfahren, daß in unseren Herzen nichts Gutes ist, wenn auch an einem die Hände, der Mund und andere Glieder rein sind denn an einem anderen. Nun will aber Gott nach dem Herzen sein Urteil stellen. So nun Gott allen Sündern gnädig sein soll, sie wegwerfen und ihrer sich nicht annehmen, wie die Pharisäer hier das Urteil nach dem Gesetz fällen: so müßte ja folgen, daß kein Mensch kann selig werden. Aber die Pharisäer selbst müssen bekennen, diese Meinung ist falsch und unrecht. Darum fällt unser lieber Herr Jesus Christus ein anderes Urteil und will solche Antwort der Pharisäer ganz und gar nicht gelten lassen, und macht das Widerspiel, nämlich, daß Gott den Sündern nicht feind ist, und auch nicht Lust an ihrem Tode hat; deswegen könne er, der Herr Christus, ihnen auch nicht feind sein, er ist deswegen in diese Welt gekommen, daß er die verirrten Schafe suchen und wieder zu recht bringen will. Und alle Menschen, besonders aber die Prediger, sollen diesem Beispiel folgen, daß sie, genau wie man ein Haus pflegt, wo etwas verloren ist, allen Fleiß dahin wenden soll, daß das verlorene wieder gefunden werde. Dieses ist eine andere Lehre und Predigt denn als sie Mose und die Gesetzes Predigt, die nicht in unseren Herzen gewachsen, sondern durch den Sohn Gottes vom Himmel herab zu uns gebracht ist. Wie Johannes der Täufer sagt: «Gott hat niemand jemals gesehen; der eingeborene Sohn, der im Schoß des Vaters ist, der hat es uns verkündigt.» Denn solchen Willen Gottes, daß er mit den Sündern nicht zürnen, sie wegen der Sünden nicht verdammen, sondern viel lieber zu Gnade annehmen und sie selig machen will, weiß kein Mensch. Das Widerspiel wissen und fühlen wir. Deswegen wo die Sünde ist, da folgt, wie zuvor gemeldet, daß man sich vor Gott fürchtet. Aber da lehrt uns unser lieber Herr Christus durch sein Evangelium, daß es eine andere Meinung mit den Sündern vor Gottes Gericht habe, daß er nicht über sie zürnen, sondern sie zu Gnaden annehmen will, und daß die Engel in Himmel oben alle Freude und Lust daran haben, wo die Sünder zur Buße kommen und sich bekehren. Diese Lehre soll man darum fleißig merken, weil unsere Vernunft das Widerspiel schließt, daß wir uns gegen unser Böses Gewissen und Sünde lernen sollen trösten. Denn wer ein solche Anfechtung irriges Gewissens seinem eigenen Herzen, Vernunft und Verstand folgen will, der geht dahin, und ist die weder zur raten noch zu helfen, er muß verzweifeln. Darum liegt alle Macht an denen, daß hier, gegen unser eigenes Herz und Gewissen, mit Christus dahin kommen, und sagen: Ich bin ein armer Sünder, das kann, ja, will ich nicht leugnen; ich will aber darum nicht verzweifeln, und mein Gott wollte mich nicht. Ursache, meinte Jesus Christus sagt, es ist ein Sünder gleich wie ein Schaf, das seinen Hirten verloren und in die Irre geraten ist. Solche ein irriges Schaf will er nicht in der Irre lassen, sondern suchen, und zu den anderen Schafe tragen. Das ist ja ein Zeichen, daß er uns wegen der Sünde nicht wegwerfen, sondern allen Fleiß dahin wenden will, wir uns von Sünden und wieder zur Gnade bringen kann. Nun zeigt aber das Evangelium an anderen Orten genug Ursache an, warum Gott die Sünder nicht will wegwerfen. Nämlich, wie Johannes im dritten Kapitel steht, daß er ein solcher Gott sei, der der Welt nicht feind ist, sondern sie lieb habe, und so lieb, daß er seinen eingeborene Sohn ihr geschenkt, und zur Versöhnung gegeben hat, auf das die Welt solches Opfers sich trösten soll, und wegen der Sünden nicht verzagen soll. Denn obgleich Gott auch andere Wege hätte um uns Menschen zu helfen, so ist doch diese Hilfe deswegen von ihm gut vorgenommen, weil sein eingeborener Sohn selbst unsere Sünden auf sich nimmt und dafür bezahlt, daß wir keinen Grund haben, an solcher Bezahlung zu zweifeln. Denn das muß folgen, daß Gott mehr gefallen und seinen Sohn und an seinen Tod und Sterben hat, denn an unseren Sünden. Neben diesen Ursachen zeigte Jesus im heutigen Evangelium einen besonderen Gedanken an, welchen er in dieser Sache hat, daß er uns nicht lassen kann, er muß um die Sünder sein, sie suchen, und alles machen, was zu ihrer Seligkeit dienlich ist, und sagt: Es gehe ihm eben, wie es uns Menschen geht. Ein reicher Mann, der 10000 Gulden besitzt, wenn ihm tausend gestohlen oder verloren werden, so ist dies nichts anderes, denn als wenn er alles verloren hätte. Denn daß er noch etwas übrig hat, daß Freude und tröstet ihn nicht so viel, alles wie er sich um das verlorene bekümmert. Das ist unsere Art, und heißt billig, wenn es nur das zeitliche antrifft, eine Unart. Denn da sieht man, daß Gott immer mehr läßt, als der Teufel nimmt. Deswegen sollte man sich des Zeitlichen Unfalls nicht soviel bekümmern lassen, sondern sich mit dem trösten, daß wir noch etwas und das meiste behalten, und Gott uns täglich mehr bescheren und das unseren mehren kann. Diese Art nun, spricht unser lieber Herr Christus, habe ich auch. Die Sünder sind mein erkauftes, teuer erworbenes Gut und Eigentum; denn ich habe sie mir erkauft durch mein Leiden und Sterben. Sollte es mir nun nicht weh tun, und sollte ich nicht darum nicht heftig bekümmern und annehmen, daß sie aus den Wege und mir wieder aus den Händen gehen, dieses ist doch wohl unmöglich; denn sie kosten mich zuviel, und sind mir zu sauer geworden, und ich bin traurig, daß sie dem Teufel gehören sollten. Deswegen kann ich es nicht lassen, so bald mir eines meiner Schäflein verläßt, so muß ich mich stellen, als würden mich die anderen gar nicht kümmern, und nur dem verlorenen nachgehen, es suchen, daß es den bösen Wölfen nicht zur Beute werde. Eben wie eine Mutter, die viel Kinder hat, die sind ihr alle lieb, und wollte nicht gern eines unter ihnen geraten. Wenn es nun aber geschieht, daß eines fällt oder krank wird, so macht die Krankheit einen Unterschied zwischen den anderen Kindern allen, daß das Kranke das liebste ist, und die Mutter sich keines mehr annehmen, und sich um keines fleißiger kümmert. Wer nun über diese Liebe urteilen will, der müßte sagen: Die Mutter hat nur das Kranke Kind lieb, die gesunden nicht. Also, spricht der Herr hier, ist es mir auch mit den Sündern zu tun. Dieses ist doch das Herz unseres Heilandes auf das freundlichste und lieblichste abgemalt, daß es unmöglich ist, daß man es könnte besser und freundlicher machen, weil er einen solchen großen Kummer, Sorge, Mühe und Arbeit darüber hat, wie er die armen Sünder wieder zu recht bringen kann; und führt uns auf unser eigenes Herz, daß wir doch denken sollen, wie wir gestellt sind, wenn hier etwas verlieren, daß und lieb ist. Also, spricht er, steht mein Herz, also ist es unruhig und bebt, wenn ich sehe, daß der Teufel einen armen Menschen in die Sünde und Irre gebracht hat. Dazu dient auch, daß er das Gleichnis von den Schäflein und Hirten erzählt. Es ist eine böse Sache, wo ein Schäflein von der Weide und von seinem Hirten in die Irre gerät; denn es kann sich selbst nicht helfen, und ist alle Augenblicke in Gefahr, daß der Wolf, der dem Schäflein nachschleicht, es gereift und frißt. In solch einer Gefahr hätte es keine Hilfe, kann sich auch weder schützen noch helfen. Denn es ist kein Tier unter allen Tieren, daß von Natur so bloß und wehrlos erschaffen ist. So ist es auch um einen Sünder, welchen der Teufel von Gott und seinem Wort abgeführt und in die Sünde gebracht hat. Denn da ist er keinen Augenblick sicher, vielmals unser Feind, der Teufel, wie Petrus sagt, umher schleicht wie ein Löwe, und sieht, ob er uns fressen kann. In solch einer Gefahr ist nun dieses der einzige Trost, daß wir einen Hirten haben, unseren lieben Herrn Christus, der sich unser annimmt und sucht uns: nicht darum, daß er uns wegen der Sünden strafen und in die Hölle werfen will, nein, dies ist des Teufels Gedanke und Meinung, sondern wenn er uns findet, daß er uns auf seine Achseln mit Freuden legt und nach Hause tragen will, wo wir vor dem Wolfe sicher sind und unsere beste Weide haben. Wie aber solch ein Suchen zugeht, wißt ihr, nämlich, daß er sein Wort überall öffentlich predigen und klingen läßt. Zugleich hören wir, was für ein schrecklicher Jammer und Last die Sünde ist, die uns in die ewige Verdammnis hinunter wirft. Aber da ist Gott aus väterlicher Liebe gegen uns ungehorsamen Kinder bewegt worden, und hat durch seinen Sohn von diesen Jammer uns Hilfe geschafft, begehrt dafür nichts anderes, denn daß wir mit Danksagung dieses annehmen, an den Herrn Christus glauben, und uns an Gottes Wort halten, und ihm willig und Gehorsam sein sollen. Wenn nun die irrige Schafe, die armen Sünder, solches hören, und fassen eine Zuversicht zu Gott aus dieser Predigt, schlagen in sich selbst, und denken: Ei, was hast du denn gewollt, du unseliger Mensch, weil du so einen gnädigen Gott hast, daß du dich nicht nach seinem Willen gehalten, und durch den Teufel in Ungehorsam führen lassen hast? Was hilft dir das schändliche Geld, nach dem du so geizt? Wäre es nicht besser, einen geringen Gewinn mit Gott und Ehre, denn das du vor Gott und den Leuten ein großer Wucherer genannt wirst, und deswegen weder Glück noch Heil bei diesem schändlichen Gewinn haben wirst? Was hilft dir das unehrliche, unzüchtige Leben? Wäre es nicht besser, ehelich sein und ein gutes Gewissen haben, denn außer der Ehe in Sünden und Schanden leben, und jeden Augenblick darauf warten, daß Gott mit seinem schrecklichen Urteil straft? Was hilft dir das Schwelgen, Fressen und Saufen, dadurch du nur deines Leibes krank wirst und plötzlich Sterben kannst? Bald, bald umgekehrt und davon lassen, ehe Gottes Zorn dich trifft, der dir doch gerne gnädig sein will, wenn du es nur selbst wolltest und nicht durch mutwillige Sünde nicht tiefer in die Ungnade treibst. Wo solches nun geschieht, nämlich, daß die Herzen in sich schlagen und durch Christus einen Trost fassen, findet der Hirten Jesus seine irrigen Schäflein, die sich nach des Hirten Stimme wenden und in aller Zuversicht zu ihm laufen, und nimmt sie auf seine Achseln, das ist, er vergibt ihnen ihre Sünde und nimmt sie in seinen Schutz und Schirm, daß sie vor dem Wolf und anderen wilden Tieren sicher sein sollen. Hier sieht man aber, was für ein Unterschied zwischen den Sündern ist. In diesem sind alle Sünder gleich, daß sie dem Teufel zu Dienste gegen Gottes Gehorsam sind. Danach aber werden sie ungleich und. Denn etliche unter meiste Teil, man predige und sage Ihnen, was man will, bleiben sie nach wie vor in ihren Sünden, und bessern sich auch nicht, trösten sich selber, und denken: Ei, es hat nicht Not, Gott ist ledig, er wird immer über dich froh sein, du kommst und begehrst Gnade, wenn du es willst; ich will mich vorher aber noch zu der Welt halten, will vorher noch ein wenig der Früchte genießen, danach will ich auch zur Kirche gehen, Predigt hören und Fromm werden. Diese Schafe hören des Hirten Stimme wohl, aber sie wollen sich nicht finden lassen. Was geschieht dann? Nichts anderes, denn daß sie von Tag zu Tag, je länger je mehr in die Irre geraten, und in des Teufels Stricke kommen, daß sie allein nicht mehr daraus kommen können. Wie man sieht, daß es in der Welt geht, und die Leute im Geiz, Unzucht, Schwelgerei und anderen Sünden ganz ersaufen, daß ihre Natur so wird, daß sie denken, sie können gar nicht anders leben wie sie tun. Davor sollen wir uns hüten, und wenn wir des Hirten Stimme hören, sollen wir bald zu ihm finden, das ist, wir sollen tun, nicht in den Sünden bleiben und fortfahren, sondern umkehren, uns bessern, und glauben, unser Hirte Jesus Christus wird uns nicht in der ihre lassen, sondern in allen Gnaden wieder annehmen und uns mit seinem Vater versöhnen. Denn Buße heißt nicht allein, des äußerlichen Lebens wegen frömmer werden; sondern durch Christum auf Gottes Güte trauen und Vergebung der Sünden glauben. Solche Sünder will Christus annehmen. Die andern nähme er auch wohl gerne an, sie wollen aber Christus nicht: so muß er sie auch fahren lassen. Denn weil sie sich nicht finden lassen wollen, bleiben sie in der Irre, solange sie wollen, und sehen, wie es ihnen endlich gehen wird. Also tröstet nicht allein dies Evangelium die armen Sünder, daß ihr Hirte, Christus, sie, als die irrenden Schäflein, suchen und annehmen will; sondern lehrt auch, wie wir uns gegen diesen Hirten schicken sollen, nämlich, daß wir seine Stimme hören und derselben nachlaufen sollen. Wie uns die Geschichte des Evangeliums auch meldet, daß diese Leute Zöllner und Sünder gewesen, aber doch dem Herrn Christus darum nachgelaufen sind, als sie ihn hörten. Was hört man aber von Christus? Anderes nicht, denn das Gott den Sündern durch Christus gnädig sein will und sie selig machen; allein das sich locken lassen und nicht ferner in die Irre laufen, sondern wenn sie des Hirten Stimme hören, umkehren, und sich von dem Herrn Christus tragen lassen, der schon ist für ihre Sünde bezahlt und genug getan, und sie mit Gott versöhnt hat. Denn es ist nicht gut, weil Gott so viel an uns gewendet und seine Gnade so reichlich uns bewiesen hat, daß wir seinen Befehl verachten, und uns an seinen Wort nicht halten wollten und ihm auch etwas zu gefallen tun. Deswegen laßt uns auf diese Lehrer merken, auf das wir wieder den Teufel und unser eigenes Herz uns wehren, etwas gegen die Verzweiflung haben, als wäre Gott ein solcher Gott, der mit Sündern keine Geduld hat und sie verdammen will. Denn dieser Gedanke steckt in aller Menschen Herzen. Dagegen muß man mit Gottes Wort gefaßt sein, und dies Bild, daß der Herr Christus selbst uns vorgestellt, in das Herz drücken, daß er ein Hirte sei, und sein Wort darum lasse in die ganze Welt schallen, daß die verirrten Schäflein es hören und zu ihm finden sollen. Deswegen erkennst du dich auch, daß du auch irrig Schäflein bist, welches der Teufel weit vom Wege getrieben und abgeführt hat, so nimm nun diese Predigt von Christus an. Denn um deinetwillen wird es gepredigt, daß du also zur Buße kommst, das ist, daß du dich des Herrn Jesus Christus und seiner Gnade tröstest, und aus des Teufels Stricke kommst und frömmer werdest. Und hüte dich davor, als vor dem Teufel selbst, daß du solche Stimme nicht vorüber läßt, sondern bald umkehrst und dem Hirten nachläufst: so bist du genesen, und hast den Engeln im Himmel eine sonderliche großer Freude angerichtet, die der Nacht gerne um dich sind und dich vor aller Gefahr des Teufels, behüten und schützen werden. Dagegen aber die unbußfertigen Sünder nur Leid, Unmut und Ärger machen, sind sie in ewiger Gefahr jeden Augenblick. Aber unser Heiland Jesus Christus setzt diesem Gleichnis vom Hirten und dem Schäflein noch dazu, von einem Weibe, das einen Groschen verloren hat: dieses geschieht darum, daß er will, daß seinem Beispiel auch andere folgen, und die Sünder nicht verwerfen, sondern sie auch suchen und zur Buße bringen soll. Denn das erste Gleichnis geht allein auf unseren lieben Herrn und Erlöser Jesus Christus; der ist der einzige und richtige Hirte, der den Schäflein nicht feind ist, sondern läßt sein Leben für sie, daß sie beschützt und vor dem Teufel Frieden haben. Das andere Gleichnis aber von dem Weibe geht auf die christliche Kirche, die darum das Predigtamt führt, auf das die armen Sünder zur Buße gelockt, vom ewigen Tode und von Verdammnis gerettet und selig werden sollen. Da freut sich auch, gleich wie der Hirte, wenn sie den Groschen findet, zündet ein Licht an, daß Wort Gottes, und kehrt das Haus, das ist, sie lehrt, wie man Fromm sein und sich der Gnade Gottes durch Christum vor Gott und seinem Gericht trösten soll. Mit dieser Predigt findet sie den verlorenen Groschen. Dieses heißt Gottes Wort hoch rühmen und preisen, als den einzigen Schatz, der die Sünde und allen Jammer, welches aus der Sünder folgt, als da ist, Tod, Verdammnis, Teufel und die Hölle, wegnimmt, daß wir nicht mehr Sünder und Feinde Gottes, sondern den lieben Engeln im Himmel rund allen Heiligen auf Erden eine besondere Freude sind. Deswegen sollten wir es in allen Ehren und Würden halten, es gern und mit Herzen hören, die es so predigen, lieb und Wert halten; auf das wir zu solcher seligen Frucht auch kommen, aus der Irre und aller Gefahr des leidigen Teufels ledig und los, könnten ewig selig werden. Das verleihe uns allen der Liebe und Treue Hirte unserer Seelen, unser lieber Herr Christus, durch den Heiligen Geist, Amen.   Am vierten Sonntag nach Trinitatis Lukas 6,36 bis 42 Darum seid barmherzig, wie auch euer Vater barmherzig ist. Richtet nicht, so werdet ihr auch nicht gerichtet. Verdammt nicht, so werdet ihr auch nicht verdammt. Vergebet, so wird euch vergeben. Gebt, so wird euch gegeben. Ein voll, gedrückt, gerüttelt und überflüssig Maß wird man in euren Schoß geben; denn eben mit dem Maß, da ihr messet, wird man euch wieder messen. Und er sagte ihnen ein Gleichnis: Mag auch ein Blinder einen Blinden den Weg weisen? Werden sie nicht alle beide in die Grube fallen? Der Jünger ist nicht über seinen Meister; wenn der Jünger ist wie sein Meister, so ist er vollkommen. Was siehst du aber einen Splitter in deines Bruders Auge, und des Balken in deinem Auge wirst du nicht gewahr? Oder wie kannst du sagen zu deinem Bruder: halte still, Bruder, ich will den Splitter aus deinem Auge ziehen; und du siehst selbst nicht den Balken in deinem Auge? Du Heuchler, zieh zuvor den Balken aus deinem Auge und besiehe dann, daß du den Splitter aus deines Bruders Auge ziehest. Im heutigen Evangelium lehrt uns unser lieber Herr Christus seine Jünger und uns alle, wie wir uns gegeneinander verhalten und christlich leben sollen. Denn wenn wir gläubig geworden sind, und nun den Namen haben, daß wir Christen heißen, die durch den Herrn Christum von Sünde, Tod und allem Unglück er rettet sind: da soll danach ein neues Leben folgen, daß wir tun, was er von uns begehrt. Dieses neue Leben faßt er in das einige Wort, da er spricht: «Seid barmherzig, wie auch euer Vater barmherzig ist.» Nun weiß aber jeder Mann wohl, was barmherzig heißt, nämlich, ein solcher Mensch, der gegen seinen Nächsten ein freundlich, gütig Herz trägt, Mitleid mit ihm hat, und sich seiner Not und Unglückes, es betreffe seine Seele, Leib und Gut, mit Ernst annimmt, und sich so zu Herzen gehen läßt, daß er denkt, er ihm helfen kann. Beweist dies auch mit der Tat und tut es mit Lust und Freude gern. Ein solches Herz, sagt der Herr, sollt ihr gegen jedermann haben, daß es nicht eine Barmherzigkeit ist, wie der Sünder und Zöllner ist: die üben auch (wie Christus kurz vor diesen Evangelium sagt) Barmherzigkeit unter einander, liebt einer den anderen, erzeigt einer dem anderen Wohltat und Freundschaft, leiht einer dem anderen; aber solches tun sie darum, daß sie Gleiches wieder nehmen. Das ist eine falsche Barmherzigkeit, die darum Gutes tun, daß sie wieder Gutes oder Besseres empfangen. Wir aber, so wir Christen sind, sollen barmherzig sein, wie unser Vater im Himmel: nicht allein gegen die, die unsere Freunde sind, sondern gegen jedermann, auch gegen die, so uns feind sind und verfolgen, auch wenn wir denken, sie sind es nicht wert, daß er ihnen ein freundliches Wort zu sprechen. Wie wir auch erfahren, wie schwer uns das wird. Ei, sprechen wir, was geht mich der Bube an, er hat mir die dies oder das getan, ich erkenne sein unnützes Maul wohl, warum sollte ich ihm helfen? Ich wollte eher, daß ihn die Läuse fräßen. Also will unsere Natur immer uns auf eine falsche Barmherzigkeit ziehen, welcher nur auf unsere Mitgenossen geht, die mit uns Büberei treiben; mit den anderen wollen wir nichts zu schaffen haben. Dieses ist meine Meinung nicht, spricht Christus; sondern wenn euch gleich eure Nächsten beleidigt haben, wollt ihr Christen sein, so denkt, daß ihr barmherzig seid, und so barmherzig, wie euer Vater ist, sonst könnt ihr nicht seine Kinder, noch meine Brüder sein, der ich euch mit meinem Blut von Sünden und Tod erlöst habe. Denn das müßt ihr alle bekennen, daß ihr eurem Gott und Vater im Himmel alles Leid und viel Verdruß getan habt, und seine Gebote nicht gehalten, ja, alle über treten habt, so hätte er Ursache genug zu sagen: Sollte ich meinen Sohn für solche bösen Buben geben? Zum Teufel mit ihnen, in den Abgrund der Hölle; denn sie fürchten, lieben und Vertrauen mir nicht, ja, verachten, lästern und hassen mich, schwören und fluchen bei meinem Namen, verfolgen und verdammen mein Wort, sind den Eltern und Obrigkeit ungehorsam, sind Mörder, Ehebrecher, Diebe, Geizhälse, Wucherer, Meineidige, in der Summe, sie tun alle Übel, darum laß sie da hin fahren, wo sie hingehören. Also könnte Gott, spricht Christus, zu euch auch sagen: aber er tut es nicht, sondern über alle eure Bosheit fährt er zu und ist gütig und gnädig, gibt nicht allein Leib und Leben, Essen und Trinken, Weib und Kind, Nahrung und alle Notdurft zu diesem Leben, sondern auch seinen Sohn und das ewige Leben. Solche Barmherzigkeit sollt ihr auch lernen üben. Denn wo schon jemand dich beleidigt, und getan hat, das dir nicht gefällt: was ist das gegen dem, daß du so oft und schwer gegen Gott getan hast? So nun Gott eine so große Barmherzigkeit hat, daß er seinen Feinden seinen eingeborenen Sohn schenkt, daß sie durch ihn erlöst werden von der Sünde und Tod; begibt uns dazu Seele, Leib, Gut und alles, was wir bedürfen, da er ja eigentlich Strafen ja, Hagel, Donner, Blitz und höllisches Feuer, und noch viel mehr Unglück schicken sollte: so lerne du auch an diesem Beispiel, daß du sagen kannst: Ob mich wohl dieser oder jener stark beleidigt hat, daß ich ihm wünschen würde es sollten ihn die Maden fressen, so will ich es doch nicht tun. Denn dieses wäre nur eine heidnische, und nicht eine christliche Barmherzigkeit. Hat er mir Übel und Unrecht getan: nun, wer weiß, wie ich es verdient hätte. Ich will ihn darum jetzt nicht, da er meiner Hilfe bedarf, laufen lassen; denn ich sehe, daß er Hilfe bedarf und ich ihm helfen kann. Also tut mein Vater im Himmel doch auch mit mir. Man sieht, was für ein großer Frevel in unserem Volk überall ist, jeder will für seine Arbeit und seine Ware soviel Geld haben, wie er nur bekommen kann. Jedermann sammelt Geld, schlemmt und praßt, belügt und betrügt daneben einer den anderen, wo er nur kann. Dieses sollte wohl eine Unlust machen, wenn sie in eine Not kommen, daß man denken würde: Das ist richtig, damit die Buben müde werden. Aber ein Christ soll nicht so tun, sondern sagen: Was liegt mir daran, ob sie gleich böse sind? Dieses soll mich nicht bewegen, daß ich auch wollte böse sein, ich will tun wie ein guter Baum. Wenn man die Früchte abbricht, die er getragen hat, über ein Jahr bringt der andere, und zürnt darum nicht, also will ich es auch tun. Habe ich dir zuvor Gutes getan, und du bist und dankbar gewesen und hast mir dagegen Böses getan; damit sollst du mich nicht bewegen, daß ich auch sollte böse werden. Du bist ein Dornstrauch, der nichts weiter kann als stechen, so bleibe es, darum will aber ich keiner werden, sondern ein feiner, fruchtbarer Weinstock bleiben und gute Trauben bringen. Denn also tut mein Vater in Himmel auch: Der gibt bösen Buben genau so, als Frommen und Gerechten, Vieh, Ochsen, Eier, Butter, Käse, Haus, Hof, Geld, Gut, Leib und Seele, Frieden, schönes Wetter, und was man bedarf. Er läßt die liebe Sonne leuchten, obwohl wir wohl verdient hätten, daß er höllisches Feuer herunter regnen ließe. Aber er tut es nicht: er will kein Dornstrauch werden wegen unseres Undankes willen; sondern spricht: Wollt ihr nichts anderes denn böse sein, so will ich doch gut bleiben, meine Sonne, meinen Regen über Böse und Gute gehen lassen. Das ist das Beispiel, welches unser lieber Herr Christus uns zeigt, daß wir in solcher Frömmigkeit auch bleiben, und anderer Leute Bosheit uns nicht dazu verleiten sollen, daß wir auch böse werden, wie es in der Welt geschieht, die rächt sich, bezahlt gleiches mit gleichem. Das soll unter den Christen nicht sein, sondern sollen sagen: Du bist ein Dornstrauch, hast mich übel gestochen; aber um deiner Sünde willen will ich nicht auch zu einem Dornstrauch werden, sondern dir in deiner Not alles Gute tun; dazu Gott für dich bitten, daß er dir solches vergeben, und dich aus dem Dornstrauch zum schönen fruchtbaren Weinstock machen wolle. Das heißt: «Seid barmherzig, wie euer Himmlische Vater barmherzig ist,» der seinen ärgsten Feinden das allerbeste tut. Nun muß man aber solches also verstehen, daß man nicht denke, Gott will alle Strafe verboten und hinweg haben. Denn Christus predigt hier seinen Jüngern, die kein Regiment hatten. Die Kinder im Hause, die Bauern im Dorf, die Bürger in der Stadt, die Politiker in der Regierung, da verhält es sich anders, denn im Haus regiert Vater und Mutter, im Dorf der Richter, in der Stadt der Bürgermeister usw. die Kinder im Haus, die Bauern im Dorf die Bürger in der Stadt, die Politiker in der Regierung sind alle gleich untereinander, deswegen sollen sie diese Regel untereinander halten, welche der Herr hier gibt, daß keiner dem anderen soll übles tun, sondern untereinander barmherzig sein. Wo aber die Personen ungleich sind, als, Politiker in der Regierung gegen das Volk, der Richter über die Leute, da soll man keine Barmherzigkeit gegen die bösen brauchen, sondern das Böse strafen. Also sollen die Eltern nicht barmherzig sein gegen die Kinder, wenn sie böse sind, sondern strafen, was zu strafen ist, und nichts übersehen. Das fordert Gott von ihnen; und wo Sie es nicht tun, müssen sie Gott harte Rechenschaft dafür geben. Also geht dieser Befehl Christi von der Barmherzigkeit allein auf die, die gleich sind. Wo aber ungleiche Personen sind, der soll ein jeder seines sonderlichen Befehls warten, und sich die Barmherzigkeit an solchem Befehl nicht hindern lassen. Aber wo gleiche Personen sind, Bürger gegen Bürger, Bauer gegen Bauer, Kind gegen Kind, da soll ein Christ sprechen: Du hast mir Leid und Übel getan, daß dir es Gott vergebe; aber ich habe dich darum nicht zu strafen. Das heißt Barmherzigkeit. Wo nun dir weiter Leid geschieht, so sage es deinem Vater, Richter, Bürgermeister, und sprich: Daß und das tut mir der; auf das du nur nicht richtest noch urteilst. Also soll kein Kind das andere, kein Bauer, kein Bürger den anderen schlagen, kein Mensch soll den anderen übervorteilen; sondern es soll der Obrigkeit angesagt werden: Dies und das ist mir widerfahren, ich aber soll es nicht strafen, denn ich habe das Amt dazu nicht. Das heißt denn auch eine Barmherzigkeit, wo man dies ordentliche Mittel sucht bei denen, die dazu die Macht haben, daß den bösen Buben der Mutwillen genommen wird. Also tat Josef. Der sah viel Unrecht von seinen Brüdern, aber er selbst straft es nicht, denn es war ihm nicht befohlen; sondern sagte es dem Vater an: Vater, so tut Simeon, so tut Levi; ihr mögt zusehen und wehren. Das war recht und wohl getan, und ein sonderliches Werk der Barmherzigkeit. Aber er verdiente Ungunst, Haß und Neid damit. Denn seine Brüder konnten es nicht glauben, daß er es so gut mit ihnen meinte und so ein großes Werk der Barmherzigkeit an ihnen täte. Denn mit solchem Ansagen half Josef der Seele vom Teufel und dem Leibe vom Henker. Also solle es unter den Kindern und Menschen auch noch gehen, daß niemand sich selbst räche, sondern aus sanftem und nicht bitterem Herzen der Herrschaft, den Eltern oder Herrn es sage, was für ein Unrecht geschehen ist. Damit hilft eins dem anderen an Leib, Geld und Gut, ja auch an der Seele, daß du nicht mehr so faul, unachtsam, untreu bist, sondern dich besserst. Darum soll das junge Volk solche Barmherzigkeit lernen, wenn dir ein Leid geschieht, oder du etwas schlechtes siehst, daß du nicht dazwischen schlagen, sondern sagst: Es ist mir leid, ich wollte, du hättest es nicht getan. Solches heißt ein Gebet für deinen Nächsten getan. Danach kannst du hingehen, und dem sagen, der die Macht hat es strafen, daß er es bessern und ändern soll, und den Befehl hat, daß er als tun soll. Denn Gott hat Leute genug dazu verordnet, nämlich, Richter, Herren, Vater, Mutter, Pastoren, und zuletzt auch die Henker, die sollen die Untugend strafen. Die anderen, so in diesen Ämtern nicht sind, sollen es ungestraft lassen und Barmherzigkeit beweisen, das ist, beraten und helfen, womit sie können. So sollen wir nun wohl merken, daß dieser Befehl hier geht gegen gleiche Personen, wo keiner über den anderen Macht oder Befehl hat. Wo aber ungleiche Personen sind, ist einer Vater, der andere Richter, der dritte Amtmann, die sollen gegen ihres Gleichen auch Barmherzigkeit beweisen; aber nicht gegen die Untertanen. Denn da steht der sonderliche Befehl, daß sie das Übel an den Kindern, Volk und Untertanen strafen sollen. Aber wo gleiche Personen sind, die sollen gegen einander ein freundlich, gütig, mitleidendes Herz tragen, helfen, vermahnen, ansagen; das heißt christlich gelebt. Ob man dich aber darüber schimpfen würden, wie die Kinder und das Volk pflegen, und dich einen Verräter heißen, das schadet nicht. Denke du, daß du ein Feigenbaum oder guter Weinstock bleibst, und las dich nur nicht zu einem Dornstrauch machen. Also tut die liebe Sonne auch: die sieht jetzt manchen Menschen an, der die vergangenen Nacht gestohlen hat, wo er die Ehe gebrochen hat, und dennoch bleibt sie eine schöne Sonne, ob du gleich ein schwarzer Teufel, und einer Sünde wegen nicht wert bist, daß sie ansehen solltest. Denn Sie denkt so: Wenn ich doch auch deine Bosheit sehen mußte, so will ich doch einmal auch zu sehen, daß man dich an den Galgen hänge. Jetzt lachst du meiner und ich muß dir zu deiner Bosheit leuchten; aber was gilt es, wenn du dich nicht besserst, ich werde dir auch einmal zu deiner Strafe leuchten? Die Erfahrung lehrt uns, daß keine Untugend und Bosheit von Gott ungestraft bleibt. Denn wer Vater und Mutter entläuft, der entläuft doch den Henker nicht. Du mußt entweder büßen und dich bessern, oder gewiß auf die Strafe warten; denn Gott will nichts ungestraft lassen, wo nicht Besserung folgt. Mancher Mörder und Dieb wird nicht gefaßt, zieht aus dem Lande, und entgeht so eine Zeitlang der Strafe; wo aber keine Besserung folgt, so findet es sich letztlich wunderbarer Weise, daß er doch der Obrigkeit in die Hände läuft und seinen Lohn empfängt. Denn das Sprichwort fehlt nicht: Den Eltern können böse Buben entlaufen, aber dem Henker können sie nicht entlaufen. Darum was der Vater nicht zwingen kann mit der Rute, daß soll des Henkers Strick und Schwert zwingen. Willst du dich an die Lebensstrafe nicht kehren, so leide die Todesstrafe, die ist dein verdienter Lohn. Also wollte der Herr Christus gern, in das wir ein gutes Leben führten, und gute Werke unter einander täten, die rechtschaffen, und nicht ein schlechter Schein wären. Er befiehlt deswegen, wir sollen barmherzig sein, nicht wie die Heiden, die barmherzig sind gegen die, von welchem sie wieder eine Hilfe erwarten, daß also eine Hand die andere wasche. Nicht so, sondern wie der Vater im Himmel, der schüttet mit Haufen herunter, was wir bedürfen, daß die ganze Welt genug hat zu nehmen: nicht allein die Frommen, die hätte er an einem Tage alle bezahlt; sondern auch den Bösen. Darum läßt er seine Güte nicht versiegen, obwohl der meiste Teil böse und undankbar ist, ja, die Bösen bekommen dabei sogar noch den besseren Teil. Diesen, spricht Christus, setze ich euch, die ihr meine Christen seid, zum Exempel, daß ihr nicht allein euren Freunden helfet; solche Frömmigkeit will ich wohl unter den Heiden bekommen: sondern auch Feinden, wie ihr seht, daß euer Vater die Sonne jedermann leuchten läßt, auch den Mördern, Dieben, Ehebrechern, bösen Buben, Bürgern und Bauern, die es wohl wert wären, daß sie mit den Augen die liebe Sonne nicht sehen sollten. Er tut es aber nicht, er will seine Gnade nicht um der Leute Bosheit willen nicht versiegen lassen. Also, spricht er, tut ihr auch, laßt euch nicht erzürnen, zieht die Hand nicht zurück, wie die Welt pflegt, und sagt: Ja, es ist alles verloren, was man den Menschen tut. Das ist falsch geredet. Freunden dienen, ist nichts besonderes, denn die Heiden selbst sind so lange freundlich und hilfreich, solange sie wieder auf eine Hilfe hoffen und spüren. Wenn aber die Hilfe nicht kommt, so versiegt auch die Wohltat. Da sieht man es dann öffentlich, daß es nicht ein Quell oder ein lebendiger Brunnen der Liebe, sondern nur Wasser in den Sand getragen und eine heidnische Hilfe. Ihr Christen müßt schon mehr tun, und unverdrossen sein zu helfen, auch euren Feinden, obwohl ihr Undank verdient, und denken: Wollen sie undankbar sein, nun gut, da ist Gott, der hat noch so viel Teufel, so viel böser Buben auf Erden, so viel Wasser, Feuer, Pest und andere Plagen, damit er strafen kann; der wird das rechte Maß dazu finden. Weil ich nun weiß, daß es nicht ungestraft bleiben kann, so will ich ein süßes, mitleidiges Herz, daß zu raten und zu helfen bereit ist, behalten. Dieses heißt dann ein christliches Herz und christliche Liebe, welche die Heiden nicht haben, denn sie helfen nur dann, wenn sie dadurch Dank und wieder eine Hilfe erwarten. Die Christen aber sollen ein solches Herz und Liebe haben, die, wie eine lebendige Quelle, nicht auszuschöpfen ist, noch versiege, obwohl sich die Wohltat, wie das Wasser in den Sand verliert und umsonst ist. Nun geht unser Heiland weiter, und teilt solche Barmherzigkeit in einige Stücke, und spricht: Richtet nicht, so werdet ihr nicht gerichtet. Verdammt nicht, so werdet ihr nicht verdammt. Vergebt, so wird euch vergeben. Der Herr wollte gern, daß wir rechtschaffene Christen würden, die nicht mit Worten den Glauben und das Evangelium rühmen; wie die Leute jetzt tun, die evangelisch sein wollen und viel von Christus sagen und wissen, aber wenn man es recht besieht, ist nichts dahinter. Täuscht also der meiste Teil, auch die, welche das Evangelium haben und hören, sich selbst und fahren zum Teufel mit ihrem falschen Glauben. Solchen Unrat wollte Christus gern wehren; stellt uns deswegen nicht ein fremd, unbekannt, sondern seines Vaters und unser eigenes Exempel vor, daß wir selbst erfahren haben, daß er so mit uns gehandelt hat, und sagt: wir sollen mit anderen Leuten auch so tun. Denn wir sind ja alle im Gericht Gottes und in der Verdammnis gewesen, unserer Sünde wegen. Was hat nun unser Vater im Himmel getan? Ist es nicht wahr, er hat dich weder richten noch verdammen wollen, sondern dir deine Sünden vergeben, und die Hölle und Verdammnis hinweg getan, und dich zu Gnaden angenommen? Solch ein Beispiel hast du an dir unter deiner eigenen Person; dem folge und tue gegen andere auch so: so bist du denn ein rechter Christ, der du ein Christ und glaubst, deinen Nächsten nicht richtest noch verdammst, sondern ihm gern vergibst, was er gegen dich getan hat. So du es aber nicht tun willst, sondern mit dem Schalksknecht, Matthäus 18, dort Gnade empfangen und hier einen anderen dieselbe nicht auch beweisen; so sollst du wissen, daß du kein Christ bist, und das dich Gott wiederum aus der Barmherzigkeit in das Gericht und in die Verdammnis werfe, und dir alle Güter, die er dir gegeben, berauben, und alle Schuld, die er dir erlassen, dir wieder auf den Hals legen will: das sollst du gewiß haben; denn dann steht es: «Richtet nicht, daß ihr nicht gerichtet werdet,» das ist, wollt ihr nicht aufhören zu richten, so wird euch Gott auch richten. Nun sieht man aber, wie man es so über die Maßen schwer lassen kann; sobald jemand uns im geringsten beleidigt, da geht schnell das Gericht her: Was soll ich diesem Schalk noch mehr tun? Ich habe ihm dies und das getan, das ist der Dank, also bezahlt er mich. Das heißt eine unbarmherzige Barmherzigkeit und eine schlechte Hilfe, daß man sobald richten will, wenn der Dank nicht folgt. Die richtige Frömmigkeit ist mitleidig, aber die heuchlerische Frömmigkeit ist eine zweifache Unbarmherzigkeit. Das erfährt man dabei, wenn mir einer einen Gulden schenkt, wollte er mich gern damit kaufen und mich zu seinem eigen machen. Darum, sobald ich nun etwas rede oder tue, daß ihm nicht gefällt, oder in einem Fall nicht dienlich ist, bald drängt er mich die Hand zu drücken: Siehe, daß und das habe ich dir gegeben, warum willst du mir den nicht auch diese Freundschaft tun? Das heißt dienen, daß man dir wieder diene, wie die Heiden tun, und richten. Aber es soll so sein: Tust du jemand etwas Gutes, und er erkennt es nicht, oder tut dir etwas Böses dafür, dann kannst du ihn wohl warnen, er soll es nicht tun, er würde sich sonst gegen Gott versündigen. Aber das du ihm darum feind werden, und ihn urteilen oder richten und in seiner Not nicht wieder helfen in wolltest, da hüte dich vor. Befiehl ihn seinem Richter; denn du weißt nicht, was Gott mit ihm machen will, ob er sich werde bekehren oder nicht. Bekehrt er sich nicht, so hat Gott, wie zuvor gesagt, so viel Teufel, Henker und sonst böse Buben, daß er ihn zu seiner Zeit wohl strafen kann. Wie man sieht, daß jetzt da, jetzt dort unversehens ein Unglück sich zuträgt. Darum hüte dich, daß du nicht richtest, sondern denken: Hätte Gott mit mir auch nach der Strenge, die ich ja auch verdient hätte, es mit mir gemacht, so hätte ich vor 10,20,30 Jahren in meinen Sünden sterben müssen, da ich in aller schändlicher Abgötterei und Heuchelei gelebt habe. Also hüte dich vor dem verdammen, denn es gehört nicht zu dir. Strafen, unterweisen, vermahnen, kannst du es denen, die richten sollen und verdammen. Dir aber gebührt anderes nicht zu tun, denn das du barmherzig bist, nicht richtest, nicht verdammst, sondern vergibst. Und wenngleich dein Nächster nichts aufhören will, gegen dich zu sündigen, dennoch soll dein Herz geneigt sein ihm zu vergeben, ihn weder hindern, noch sollst du begehren dich zu rächen, sondern wo du kannst, sein Bestes fördern. Dieses alles aber tut weh, und ist schwer zu tun. Aber da bedenke, daß du ein Christ bist, und mußt dich, so du ein Christ bleiben willst, die Sache ernster angehen als die Unchristen. Wie das Beispiel unseres Vaters in Himmel uns vorleuchtet. Denn wenn du deinem Nächsten Gutes tust, und er dir es nicht danken, ja, dagegen Schaden zufügen will, da darfst du nicht zweifeln, Gott wird ihn wohl finden; dem laß die Rache, und tue du, was dir befohlen ist. Man liest eine Geschichte, wie ein ungezogener ungeratener Sohn seinen Vater bei den Haaren genommen und ihn bis an die Türschwelle geschleift hat, da hat der Vater angefangen zu schreien: Hör auf, hör auf, mein Sohn, denn bis hierher habe ich meinen Vater auch an den Haaren gezogen; wie ich es bei ihm getan habe, so tust du es jetzt wieder bei mir. Dieses ist das Urteil unseres Gottes, dieser weiß wohl Rat dazu, wie er Untugend, besonders aber den Undank strafe. Darum sollen wir ihm es befehlen, und tun, was uns hier befohlen ist, daß wir nicht strafen, sondern barmherzig sind. Gott wird mit der Strafe nicht ausbleiben, wie der Herr hier weiter meldete: Gebet, so wird euch wieder gegeben. Ein voll, gedrückt, gerüttelt, und überflüssig Maß wird man in euren Schoß geben. Denn eben mit dem Maß, da ihr messet, wird man euch wieder messen. Es hat doch der Herr alles fein zusammengefaßt, will gern, daß wir feine, fromme Christen würden, und uns immer rechtschaffen hielten. Darum, eben wie er befohlen, man soll mit den armen Sündern gnädig umgehen, wie Gott mit uns umgeht, sie nicht richten, noch verdammen, sondern Gericht und Urteil Gott befehlen und für Sie bitten: also befiehlt er hier weiter, daß man in anderen Nöten ihnen auch behilflich sein soll mit Geben und Raten; und soll dann gewiß hoffen, so viel und reichlich kann man nicht geben, denn Gott will immer mehr und reichlicher geben. Das also unser Herz immer eine Quelle in Liebe, und von Dornen sich nicht stechen lasse, damit es nicht versiege. Wie die Heiden tun: die können des Richtens und Verdammens nicht lassen; sobald man etwas tut, daß ihnen nicht gefällt, wollen sie es nicht eher vergeben, denn daß man ihnen zu Fuße fällt und sie anbete. Also, wo sie es nicht wissen wieder zu genießen, da geben sie nichts hin. Darum bleibt das schwere Urteil über sie, daß sie Gott wieder richten, verdammen, und ihnen auch nicht vergeben will. Vor solcher Unart sollen wir uns hüten, und unserem Nächsten tun, wie uns unser lieber Gott im Himmel getan hat. Dieser hebt das Urteil auf und will vergeben; er will weder rächen noch verdammen, ganz gleich, daß wir so undankbar sind und seine Wohltat und seine Hände nicht annehmen wollen. Dieses sollen wir auch lernen. Wo nicht, so werden wir das Urteil bekommen, daß er sagt: «Mit was Maß ihr messet, wird euch wieder gemessen werden.» Nun müßten wir aber ja erkennen, daß uns unser Gott sehe reichlich gegeben hat. Denn so wir nach unserem Verdienst bekommen würden, so hätten wir Zorn, Unfriede und alles Unglück verdient, daß es richtig wäre wenn uns die Erde verschlingen würde, sobald wir darauf geboren sind; geschweige denn, daß wir uns danach durch unser ganzes Leben so böse gehalten haben. Das also das rechte Maß auf uns wäre gewesen der Tod und die Hölle. Aber was tut Gott? Er nimmt hinweg alles, was wir verdient haben, Zorn, Ungnade, Gericht, Tod, Hölle, und schenkt uns den Himmel, Gnade und Freiheit von der Anklage des Gesetzes und unseren bösen Gewissens. Er schüttet aus allen Mangel und Schuld, und gibt alles Gute. Das heißt doch gnädig gemessen. Aber danach, wenn du anderen Leute nicht willst also wieder messen, so erwarte nur anderes nicht, denn wie du mißt, also wird dir Gott auch wieder messen. Zuvor hatte Gott dir nur Gnade eingemessen: aber jetzt, gleich wie du tust und mißt mit deinem Undank, also soll dir auch gemessen werden. Dieses ist eine wunderbare Predigt, in welcher man sieht, daß Gott sich viel mehr des Dienstes gegen den Nächsten annimmt, denn seines eigenen Dienstes. Denn in seiner Sache und so viel ihn betrifft, vergibt er alle Sünde, und will sich nicht rächen, was wir wieder ihn getan haben. Wiederum aber, wenn wir uns gegen unseren nächsten Übel halten, so will er auch uns gar nichts vergeben. Deswegen muß man das Messen hier verstehen nach dem Glauben, und nicht vor dem Glauben. Denn ehe du zum Glauben gekommen bist, da hat Gott mit dir nicht gehandelt nach deinem Verdienst, sondern nach Gnaden. Er hat dich zu seinem Wort kommen lassen, und dir Vergebung deiner Sünde zugesagt. Das ist das erste Maß, womit er uns gemessen hat, da wir angefangen haben zu glauben. Weil wir nun solch ein Maß von Gott empfangen haben, sagt er: Gedenke, und bist du zu anderen Leute nicht anders. Tust du es aber nicht, so soll es dir gehen, wie du anderen tust. Du bist ihnen ungnädig: ich will dir auch ungnädig sein. Du richtest und verdammst sie: ich will dich auch richten und verdammen. Du nimmst und gibst nichts: ich will dir auch nehmen und nichts geben. Da geht das Maß an nach dem Glauben, daß sich unser lieber Herr Gott der Werke gegen den Nächsten so sehr annimmt, daß er will zurück rufen, was er für Gutes getan hat, wenn wir unserem Nächsten nicht auch Gutes tun wollen. Deswegen, wer da denkt Gott treulich zu dienen, der tue seinen Nächsten, wie Gott ihm getan hat, das ist, er richte nicht, er verdamme nicht, er vergebe und gebe gern, sei freundlich und hilfreich, wo er kann. Denn sonst wird es ihm gehen, wie mit dem Knecht, Matthäus 18. Diesem war eitel Gnade zugemessen, daß der Herr ihn ohne Schuld entließ, da er aber nicht wollte seinem Nächsten die hundert Groschen schenken, noch Geduld haben, bis er sie bezahlte; der kamen die 10000 Pfund wieder auf ihn, und wurde den Peinigern überantworte, bis er alles bezahlte. Nun ist wohl war, möglich ist es nicht, daß wir uns an diese Regel immer halten könnten. Wir vergessen der Barmherzigkeit sehr oft: wo wir freundlich sein sollten, da zürnen wir; wo wir gute Worte geben sollten, da fluchen wir. Wenn sich nun alles bei uns zuträgt, daß wir in diesem Fall gegen den Befehl Christus tun, da sollen wir beachten, daß wir uns vor der Sünde der Pharisäer hüten, und unser Gewissen nicht tot machen und in der Sünde fortfahren, sondern daß wir bald umkehren, an dieses Bild denken, und tun, wie uns unser Vater getan hat, daß wir auch vergessen und vergeben, und uns durch keinen Undank bitter machen lassen. Doch wenn man vergeben soll, so gehört auch dazu, daß der Teil, dem man vergeben soll, seine Sünde erkenne und lasse diese sich leid sein. Denn daß ich dem Papst und anderen Feinden des Wortes ihre Sünde vergeben soll, das ist mir nicht möglich. Ursache, sie halten es für Recht, daß sie unsere Lehre verfolgen. Denn so man Sünde vergeben soll, so muß ja Sünde da sein. Wer nun Recht haben will und Sünde nicht bekennen, wie Saul mit Samuel tat, dem kann man die Sünde nicht vergeben. Das ist die Lehre vom christlichen Leben, welche der Herr aus dem Beispiel unseres Vaters im Himmel uns vorhält. Diese Lehre hält er uns vor in dem Gleichnis vom Splitter im Auge, und dem Balken. Als wollte er sagen: Ich sehe wohl, es ist euch sauer, denn wenn ihr Schaden habt tut es euch so weh, ihr könnte es nicht sobald vergessen: sobald ihr euren Widersacher seht, wo der an ihn denkt, so läuft euch die Galle über, und denkt: Er hat mir das und das getan, ich wollte, daß er alles Unglück hätte. Liebe Kinder, spricht Christus, nicht so: wenn er dir schon da und dort Schaden getan, oder dich mit einem Wort geärgert hat, so ist es doch in der Wahrheit nur ein Splitter, ein kleines Staubkorn im Auge, dagegen hast du einen großen Balken im Auge, wenn du dahin sehen willst, was du gegen Gott getan hast. Darum gehört sehr viel dazu, wer einen anderen richten und verdammen will. In anderen Sachen ist es also, daß der Schulmeister muß gelehrter sein als sein Schüler, sonst wird der Schüler nicht viel von ihm lernen. Was bist du denn für ein Schulmeister, der du andere lehren und richten willst, und hast genauso viel Schuld, und kannst ebenso wenig als der, den du dich unterstehst zu lehren? Vor den Leuten, will der Herr sagen, taugt solches keinen Tropfen; wie will es sich denn schicken in meinem Reich und vor Gott, da ihr alle gleich viel Schuld habt? Darum so lerne solches Gleichnis fein in das Werk ziehen: wenn du etwas hörst, siehst, leidest, daß du nicht gern hörst, siehst oder leidest, daß du sagst: es ist eine geringe Sünde gegen meine Sünden; Gott sieht viel mehr Mangel an mir, denn ich an anderen Leuten sehen kann: darum will ich gern still schweigen und vergeben ist; das Gott mir auch vergebe und still schweige. Aber da wird nichts draus; in der Welt straft immer ein Bruder den anderen um des Splitters willen, und er selbst hat doch einen großen Balken im Auge. Denn wo du eine Sache zu deinem Nächsten hast, dagegen hat Gott tausend und aber tausend zu dir, daß du seine Gebote dein Leben lang nie gehalten, ja, häufig dagegen gesündigt hast. Solches siehst du nicht, willst deinen Nächsten um eines bösen Wortes willen fressen. Pfui dich, bist du denn so scharfäugig und kannst doch einen solchen großen Balken nicht sehen? Darum soll ein Christ sich anders gewöhnen: wenn er den Splitter in seines nächsten Auge sieht, soll er zuvor, ehe er urteilt, vor den Spiegel treten und sich darin besehen; da würde er so große Balken finden, aus denen man Schweinetröge machen möchte, und er sagen müßte: Was soll doch das sein? Mein Nächster beleidigt mich in einem viertel, halben, ganzen Jahr einmal; ich aber bin so alt geworden, und habe meines Gottes Gebote noch nie gehalten, ja, übertretet sie stündlich, wie kann dich denn so ein großer verzweifelter Schalk sein? Meine Sünden sind so groß wie Eichbäume; und den kleinen Splitter, daß Staubkorn in meines Bruders Auge, nehme ich mich mehr an denn als meinem großen Balken? Aber es soll so nicht sein; ich muß zuvor sehen, wie ich meine Sünde los werde. Denn ich bin Gott, meiner Obrigkeit, meinen Vater und Mutter, meiner Herrschaft ungehorsam, mache dabei immer weiter, und höre nicht auf zu sündigen: und will noch gegen meinen Nächsten so ungnädig sein und ihm nicht ein einziges gutes Wort gönnen? Oh nein, so sollen Christen nicht sein. Als so will der Herr uns immer auf das Beispiel unseres Vaters im Himmel weisen, der unsere großen Balken nicht sehen will, auf das wir mit dem kleinen Splitter auch Geduld haben, und nicht richten und verdammen. Der nun solche herrliche, schöne Verheißung sich zur Barmherzigkeit nicht will bewegen lassen, daß Gott alles Gericht und Verdammnis aufheben und uns gern vergeben will, wenn wir uns untereinander vergeben und nicht richten, daß keine Hölle noch Tod, sondern lauter Gnade und Freundlichkeit da sein soll; wiederum, wer sich nun nicht schrecken lassen will vom Gericht und von der Verdammnis, daß wo er einen Splitter den seines Nächsten Auge findet, Gott dagegen in seinen Augen viel Balken findet, da kann ich nicht wissen, was ihn noch sollte bewegen, Trösten oder erschrecken. Sind wir nicht heillose Leute und große Narren, daß wir nicht einem ein gutes Wort gönnen, so doch Gott uns allen unsere Sünde dagegen zu gute halten? Und wo wir einen Augenblick unser richten nachlassen? Was hilft es uns aber, wenn wir solches nicht tun, und mehr dem Beispiel der Welt, denn dem Beispiel unseres Vaters im Himmel folgen wollen? Anderes nicht, denn daß wir uns aus der Gnade in die höchste Ungnade werfen, und wo wir sonst einen gnädigen, barmherzigen, milden Gott haben könnten, da machen wir selbst Gott uns zum Feind, und bewegen ihn zu Zorn und Strafe gegen uns. Diesen Jammer sollten wir wohl bedenken, und unser Leben also christlich lernen anstellen, auf das jedermann, Freunde und Feinde, an uns sehen können, daß wir rechte Schüler Christi wären, und ein solches Herz hätten, wo eine unerschöpfte Quelle der Liebe innen ist, die nimmermehr versiegt. Das wolle uns unser lieber Vater im Himmel durch seinen Heiligen Geist um Christ die Willen allen gnädiglich verleihen, Amen.   Am fünften Sonntag nach Trinitatis Lukas 5,1 - 11 Es begab sich aber, da sich das Volk zu ihm drang, zu hören das Wort Gottes, und er stand am See Genezareth, und sah zwei Schiffe am See stehen; die Fischer aber waren ausgetreten und wuschen ihre Netze: trat er in der Schiffe eines, welche Simons war, und bat ihn, daß er es ein wenig vom Lande führte. Und er setzte sich und lehrte das Volk aus dem Schiff. Und als er hatte aufgehört zu reden, sprach er zu Simon: Fahre auf die Höhe, und werfet eure Netze aus, daß ihr einen Zug tut. Und Simon antwortete und sprach zu ihm: Meister, wir haben die ganze Nacht gearbeitet und nichts gefangen; aber auf dein Wort will ich das Netz auswerfen. Und da sie das taten, beschlossen sie eine große Menge Fische, und ihr Netz zerriß. Und sie winkten ihren Gesellen, die im anderen Schiff waren, daß sie kämen und hülfen ihnen ziehen. Und sie kamen und fülleten beide Schiffe voll, also, daß sie sanken. Da das Simon Petrus sah, fiel er Jesu zu den Knien und sprach: Herr, gehe von mir hinaus; ich bin ein sündiger Mensch. Denn es war ihn ein Schrecken angekommen und alle, die mit ihm waren, über diesem Fischzug, den sie mit einander getan hatten, desselbigen gleichen auch Jakobus und Johannes, die Söhne Zebadäi, Simons Gesellen. Und Jesus sprach zu Simon: Fürchte dich nicht; denn von nun an wirst du Menschen fangen. Und sie führten die Schiffe zu Lande und verließen alles und folgten ihm nach. In dieser Geschichte zeigt Lukas an, wie Petrus und andere zum Apostelamt berufen und gekommen sind. Es ist eine sehr feine Geschichte. Denn mit einem solchen reichen Fischzug hat der Herr ihnen wollen anzeigen, wie das Evangelium mit Gewalt in der Welt gehen, und die Menschen aus des Teufels Reich abfangen und in Gottes Reich bringen werde. Denn der Herr sagt es selbst an, daß Petrus, Andreas, Jakobus und Johannes künftig Menschen fangen sollen. Dies ist ein sonderlicher Trost wider die Anfechtung, welche allen frommen Prediger haben, daß sie sich besorgen, die Welt sei zu böse, das predigen werde vergebens und umsonst sein, niemand werde sich bessern. Solches, will Christus sagen, mag man bei einer Predigt von Mose sorgen, aber wo mein Wort geht und ich heiße predigen, da sollte es geraten, wie es hier mit dem Fischzug geraten ist, welchen Petrus auf meinen Befehl getan hat. Ehe nun der Evangelist die Geschichte anfängt, sagte er, wie viel frommer Leute und Haufen dem Herrn Christus nachgelaufen sind, daß sie gern gehört haben wenn er predigt. Will also mit diesem Beispiel uns reizen, daß wir auch gerne Gottes Worten hören und fleißig uns zum selben halten sollen. Denn wer Gottes Wort fleißig hört, die er hat zwei große Vorteile, zu welchem man ohne daß Wort nicht kommen kann. Das erste ist, daß man lernt Gottes Willen erkennen wie er gegen uns gesinnt ist und was er mit uns nach diesem Leben machen will. Solches ist unmöglich, daß Gott mit uns zürne und uns strafen will, aber das Wort belehrt, wie wir nachher hören werden, daß Gott mit uns, obwohl wir Sünder sind, nicht zürnen, sondern uns gnädig sein, und uns helfen will von Sünden und Tod zum ewigen Leben. Das ist eine Frucht, die wir haben durchs Wort, und sollen deswegen dieses gern und fleißig hören. Der andere ist, daß wir aus dem Wort lernen, wie unser äußerliches Leben, Stand und Wesen, ins Wort gefaßt und durch das Wort geheiligt, ein rechter Gottesdienst sei, da Gott ein Wohlgefallen an habe; daß es nicht vonnöten ist, wer Gott dienen will, daß er des äußerlichen Lebens bewegen etwas besonderes anfange, wie die Mönche getan haben. Er bleibe bei seinem Beruf, tue, was seine Obrigkeit, sein Amt und Stand erfordert und haben will. Dieses heißt Gott recht gedient, und geschieht ihm ein besonderes Wohlgefallen, wird auch Glück und Heil dazu geben. Das ist eine nötige Lehre, an der sehr viel gelegen ist, daß wir unseren Beruf in Gottes Wort fassen, und ein jeder dessen gewiß sein soll, daß alles, was er tut und läßt, in Gottes Namen und aus Gottes Befehl getan und gelassen hat. So kann das Herz dem Teufel Trotz bieten, und guter Dinge sein, und sagen: Ich habe heute dies und das getan, daß mich Gott geheißen und mir befohlen hat in seinem Wort; weiß deswegen, daß es ein gut und Gott wohlgefälliges Werk ist. Wer aber solches nicht sagen kann, der höre nur beizeiten auf, er habe vor, was er wolle; denn es ist Sünde, und Gott hatte keine Lust und Willen daran; wie Paulus sagt: «Was nicht aus dem Glauben ist, das ist Sünde.» Hier aber müssen wir wissen, wer nicht in die Lüfte will, wie die Heiden, leben, sondern sein Tun und Lassen in das Wort fassen und im Glauben alles tun will, der muß vor allen Dingen Gottes Wort recht haben und wissen. Denn der Glaube kann nicht sein, wo kein Wort ist. Bedenke du selbst, was doch solches Wort ist, daß alle Stände und das ganze äußerliche Leben faßt. Aber man kann es dir sehr bald sagen. Denn erstlich steht das vierte Gebot da. Du sollst deinen Vater und deine Mutter ehren. Dieses Gebot faßt alle Stände. Denn der Ehestand ist die Quelle, aus der alle Stände wachsen. Und Gott hatte es sonderlich also in einander gebunden: gleich wie der Ehestand allen anderen Ständen dienen muß (denn wo nicht Eheleute, würde kein Regiment noch bürgerlich Leben bestehen können); also sollen wiederum alle Stände in dem einigen Ehestand dienen. Zum anderen, neben solchen Wort, daß alle Stände faßt, haben wir ein anderes Wort, daß fast alle Werke, nämlich, daß Wort, daß da heißt und gebietet, wir sollen unseren Nächsten lieben als uns selbst. Diese zwei Befehle sollen uns immer vor unseren Augen leuchten, so geht unser Leben recht nach Gottes Wort und Befehl. Wer es nun dem Werk nach will rechnen, ist es ein sehr geringes Ding, daß eine Magd im Hause kocht, spült, kehrt, Kinder trägt, wischt, badet. Denn solches tun die Heiden und Unchristen auch; aber sie tun es ohne Gottes Wort, das ist, sie glauben nicht, daß Gott ein Dienst und Gehorsam an solchen Werken geschieht, und kennen seinen Befehl nicht. Eine Magd aber, daß eine Christin ist, weiß aus dem vierten Gebote, daß Gott für solche Werke gebietet und von uns haben will, und sieht, daß es die Liebe gegen den Nächsten auch so fordert. Darum macht es ein heilig Werk daraus, und Bedarf keines Gehorsams dazu. Denn das Wort ist der rechte Gehorsam, daß der Herr sagt durch den Heiligen Paulus: «ihr Knechte, seid Gehorsam euren leiblichen Herrn, mit Furcht und Zittern, in Einfältigkeit eures Herzens,» Epheser 6,5. 1. dieses Wort und der Glaube machen die schlechten Werke (welche die Heiden genauso tun) heilig und Gott angenehm; da sie dort, wo das Wort und der Glaube nicht ist, Gott nicht gefallen können. Denn auf Erden ist nichts heilig, denn Gottes Name und Wort. Was soll nun geheiligt werden, muß durch solchen Namen und Wort Gottes geheiligt werden. Der Befehl nun des vierten Gebots der geht durch und über alle Stände und Werke und segnete sie also, daß es heilige und Gott wohlgefällige Stände und Werke sind, so du an Christus glaubst und in Gottes Namen den Gehorsam leistest. Stirb deswegen in solchen Stande, wann Gott will, so stirbst du selig und wohl; denn du stirbst in dem rechten Glauben und Gehorsam, und bist ein Kind des ewigen Lebens: nicht wegen der Werke, sondern wegen des Glaubens, aus welchem nachher solcher Gehorsam und Werk folgt. Das ein Mönch eine Kappe anzieht, sich die Haare besonders schneidet, zur Messe des Nachts aufsteht, mit dem Essen besondere Regeln hat: diese Werke haben wohl einen großen Schein; denn es fällt den Leuten schwer: aber der Mangel ist daran, daß solche Werke geschehen nicht nach unseres Herrn Gottes Wort; darum sind es auch nicht heilige Werke. Das aber ist ein heiliges Werk und macht heilig, daß du an Jesus Christus glaubst, und dir das vierte Gebot vornimmst und da deinen Gehorsam leistest; weil du hörst, daß dein Stand, darin du bist, mit Gottes Wort geschmückt und darum ein heiliger Stand ist. Also muß man vor allen Dingen auf das Wort sehen. Denn wenn nur auf die Werke sieht, sieht keinen Unterschied zwischen Christen und Unchristen. Denn beide tun, was Vater und Mutter, Knechte und Mägde, Herr und Frau im Hause tun. Aber da sieht man den Unterschied. Die Heiden und Unchristen tun es in Sünde und Unglauben; denn sie wissen von Gottes Wort nichts. Ein Christ aber tut es im Glauben, und hält seine Werke nach dem Wort Gottes für ein gehorsam und Gott wohlgefälliges Werk. Darum ist dies ein heiliges, jenes aber ein unheiliges Werk. Darum sollte man diesem Beispiel nach Gottes Wort hier gern und fleißig hören, so könnten wir mit Petrus noch heutigen Tages dazu kommen, daß wir zu unserem tun einen gewissen Befehle hätten, und würde danach vielmehr Glück bei allem unserem Tun sein; da sonst, wo Gottes Wort nicht ist, kein rechter Segen, sondern nur Fluch und Ungnade, und ein böses Gewissen sein muß. Dieses sei genug vom Beispiel, daß der Evangelist im Anfang meldete, wie dies Volk sich fleißig zum Wort gehalten hat, und Petrus selbst daß Wort so hoch achtet, und tut, was ihn Christus heißt. Nun wollen wir die Geschichte uns vornehmen. Worin zwei Stücke sind: zum ersten ist ein leiblicher Trost und Lehre, daß Gott uns nicht verhungern lassen will; danach eine geistliche, daß er uns um der Sünde willen nicht will verdammen, sondern uns mit Gnaden annehmen. Dieses sind zwei Lehren, die sehr nötig und nütze sind; deswegen sollen wir sie fleißig merken und uns danach halten. Der leibliche Trost ist, daß Christus Petrus heißt einen Zug tun, und Petrus folgt und fängt über den Maßen viele Fische. Das mag ein feiner Hausvater sein: wer ihn nur in seinem Beruf und bei seiner Arbeit haben könnte, der würde bestimmt alles genug haben und keinen Mangel leiden. Aber der Evangelist gibt soviel zu verstehen, daß unser lieber Herr Christus nicht jedermann solches tun will; sondern allein denen, die eine ganze Nacht zuvor vergebens gearbeitet und danach Gottes Wort gehört haben. Das ist, er will den Frommen und Armen, die zuvor Not gelitten haben, mit seinem Segen helfen. Denn die Christen müssen hier auf Erden leiden und versucht werden. Wenn sie aber versucht sind, und dennoch treu am Wort bei ihrem Beruf und an der Arbeit bleiben, dann will Christus da sein und durch reichen Segen helfen. Das ist der eine Trost, der uns hier vorgehalten wird, daß wir glauben sollen; und obschon zuweilen wir Mangel haben, daß wir doch nicht verzweifeln noch ungeduldig werden sollen, sondern hoffen, es werde der Segen noch kommen. Denn also geht es Petrus und seinen Gesellen auch: die arbeiten die ganze Nacht umsonst, und können nichts fangen; aber da kommt Christus, unser lieber Herr, und gibt ihnen zuerst sein Wort und macht Christen aus ihnen; danach heißt er sie auf das Meer fahren und versucht sie noch einmal. Da folgt Petrus, und es gerät ihm sehr wohl. Also soll es mit uns auch gehen. Gott will uns nicht alle Fülle schon im Anfang geben. Denn wenn er es sofort gebe, wenn wir getauft und Christen geworden sind, würden wir meinen, wir hätten es von uns selber. Darum läßt er uns zuvor eine Zeitlang mangeln und daß wir uns an das Unglück gewöhnen, daß ein Mensch bei sich selbst verzagen und sagen muß: Wer weiß, wie es mir noch gehen wird, wie ich versorgt werde? Wo wir dann in der Hoffnung und am Wort festhalten, so will der liebe Herr und gute Haushalter bei uns sein, und sprechen: Sei du zufrieden, tue einen Zug, laß dich von der Arbeit nicht treiben und warte meines Segens. Denn das soll bei den Christen nicht sein, ob sie schon Mangel leiden, daß sie darum verzagen, Christus verleugnen, und ungeduldig darüber werden wollten; sondern hoffen sollen sie, es werde der Herr mit der Zeit noch geben, was sie bedürfen; sollen deswegen mit der Arbeit immer fortfahren und dabei bleiben. Denn Christus gibt dem Petrus hier die Fische nicht also, daß sie von selbst in den Kahn hinein springen: er muß auf die Höhe fahren, sein Netz ausbreiten, und sich, wie andere Fischer, zu dem Handel schicken, obwohl er jetzt zu einem Christen geworden ist; und muß den Herrn dafür sorgen lassen, ob er etwas fangen werde. Also solle es mit uns auch sein, in was für einen Stand Gott einen jeden gesetzt hat. Bist du Knecht, Magd, Herr, Frau, Bürgermeister, Fürst: so tue, was dein Amt ist, denn es hindert dich an deinem Glauben nicht, und kannst Gott in solchem Stand recht und wohl dienen; lasse Gott danach für dich sorgen, wie er dich ernähren und dir deine Notdurft schaffen werde; und erschrick nicht davor, ob du gleich eine Zeitlang Not leiden und mangeln mußt. Denn es kann eine Zeit kommen, die du nicht weißt, da Glück und Segen sich finden wird, wie es sich hier findet. Bleibe allein treu an Gottes Wort, und laß dich nicht müde noch ungeduldig machen. Wer aber solches nicht tut, sondern will bald, wenn es ihm einmal mißrät, das Netz wegwerfen, und in Ungeduld von seinem Beruf und Handel lassen und ein anderes anfangen, der müßte sein Lebtag ein Stümper bleiben, und würde nicht nach vorne kommen. Das ist die erste Lehre, daß wir sollen unverzagt sein, ob wir gleich Mangel spüren und uns Gott den Segen nicht sofort gibt, wie wir es bedürfen und gerne hätten. Denn es wäre nicht recht, daß Gott uns so bald geschehen läßt, wenn wir wollten. Arbeite eine Weile auch umsonst, wie Petrus, leide und sprich: ich muß meine Nacht auch haben und aufstehen, mit der Zeit wird es mein Vater im Himmel wohl anders machen. Wie man sagt: Man muß arbeiten, etwas leiden und wagen; alsdann will Gott mit seinem Segen auch kommen: doch sofern, daß man des ersten Stückes nicht vergesse, und mit Petrus dem Herrn Christus das Schifflein leihe, daß er sich darin setze und predige, und wir dem Wort fleißig zu hören und es wohl lernen. Und hier sehen wir eine besonders große Tugend an Petrus, der muß ja ein frommes Herz gewesen sein, daß er sich so fein brechen lassen kann und an das Wort so steif halten. Denn hier geht es wie sonst, daß unser Herr seine Gebote und Werke (wie es die Vernunft ansieht) sehr närrisch zu. Sonst hat es so eine Meinung mit dem Fischen, daß man am Mittag nicht viel fängt, die Nacht ist viel besser dazu. Auch pflegen die Fischer nicht mitten auf die See oder auf das Meer zu fahren; sondern bleiben am Lande, da gibt es viel Fische. Dieses aber dreht der Herr hier um, heißt Petrus auf die Höhe, das ist, wohl hinein auf die See fahren; und da sie zuvor die ganze Nacht nichts gefangen hatten, heißt er jetzt um den Mittag das Netz auswerfen. Solches fehlte Petrus wohl, daß es nicht aus der Kunst und aus dem Beruf geredet ist, antwortet deswegen sehr höflich: Ei, Herr, spricht er, wir haben die ganze Nacht gearbeitet, und nichts gefangen; und so es unserer Kunst nach gehen soll, ist wenig Hoffnung dabei, daß wir jetzt etwas fangen sollen. Aber dennoch auf dein Wort will ich es wagen; wo dasselbe nicht etwas besonderes schafft, so ist es verloren. Dies ist eine sehr feine, höfliche Antwort; denn sonst sollte er anders geantwortet haben: Lieber, lehre mich nicht; ich weiß gewiß, wie man Fische fangen soll, was du mir nicht lehren kannst. Predigen und Fischen ist zweierlei. Jenes kannst du; so kann ich das. Ich will dich nicht lehren predigen; lehre du mich auch nicht Fische fangen. Also würden wir vielleicht unserem Herrn auch geantwortet haben. Denn das ist unsere Art und Natur, daß wir immer klüger sein wollen, denn unser Herr Gott. Aber Petrus ist frömmer, läßt solche Gedanken alle fallen, und denkt: Ich kann vom Fischfang wissen was ich will, so will ich doch dies Wort nicht verachten, sondern ihm folgen. Hängt sich also mit ganzem Herzen an das Wort, und läßt Vernunft, Erfahrung und alles fallen. Dies ist ein feines Stücklein des Glaubens, wer es nur dem lieben Petrus nachtun, und alles, was uns einfällt, lassen und sich allein an das Wort halten. Denn das erfahren wir: ein Mensch hat es gern vom andern, daß man ihm glaube und folge; und wenn es gleich mißraten sollte, so zürnt man doch nicht darum. Wiederum ist es sehr verdrießlich, wenn der Herr im Haus etwas befiehlt, daß der Knecht nicht folgen will, spricht: Ei, Herr, er tut es nicht, ich habe es auch versucht und es ist mir nicht gelungen, darum will ich es nicht tun. Einen solchen Knecht würde niemand gern im Hause haben. Aber fürwahr, wir tun immer gegen Gott im Himmel, lassen uns die Vernunft irren, daß wir dem Wort nicht folgen, wie wir sollen. Wie man an den Sakramentsschwärmern sieht. Christus spricht: «Nehmet hin und esset, das ist mein Leib; trinket alle daraus, daß es mein Blut.» Nein, nein, sprechen sie, es ist sein Leib und sein Blut nicht, sondern nur ein Zeichen seines Leibes und Blutes; denn Christus sitzt zur rechten Gottes. Wollen also das Wort nach ihrer Vernunft beurteilen. Pfui dich mal an! Das heißt die Hühner lehren wie sie Ei legen und die Kühe lehren wie sie kalben sollen, wenn man unserem Herrn Gott will predigen lehren. Wie sollte uns so wohl gefallen, wenn unser Knecht und Magd sich also gegen uns hielten, das, was wir heißen, sie alles anders machen wollten? Darum achtet es Gott für eine große Ehre, wenn wir gegen ihn und sein Wort tun, wie Petrus hier: obgleich die Vernunft uns anders wo hin führen will, daß wir doch an uns halten, und sprechen: Vernunft hin, Vernunft her; da steht Gottes Wort und Befehl, dabei will ich es lassen. Wer also sich an das Wort halten kann, da lacht unser Gott und das ganze himmlische Heer. Den Leuten gefällt solcher Gehorsam auch wohl. Wenn ein Fürst seinen Diener etwas heißt, und er schnell hingeht und tut es, diskutiert nicht lange, wie es wohl werden soll, sondern denkt: Mein Herr hat es so gesagt, ich will es im Namen Gottes tun; gerät es, so gerät es ihm und mir; gerät es nicht, so mißrät es ihm; es ist närrisch befohlen, so ist es närrisch ausgerichtet. Was geht es mich an? Ich bin darum da, daß ich folgen soll. Wer gegen Gott und sein Wort solches auch tun könnte, wie wir denn zu tun schuldig sind, so würde größerer Friede auf Erden sein. Es würden weder Rotten noch Ketzer aufstehen, sondern alle Kirchen würden in der Lehre fein einträchtig und gesund bleiben. Aber weil man es nicht tut, und der meiste Teil klüger und diskutiert, und dem Wort nicht folgen will, kommt aller Irrtum und Uneinigkeit. Wohl ist es wahr, ohne Anfechtung geht es nicht ab. Wenn es uns geht, wie Petrus, daß wir auch eine Nacht vergebens gearbeitet: da fehlte es nicht, wir bekümmern uns, und murren bald, werden ungeduldig, und Denken, wir wollen alles stehen und liegen lassen, und davon gehen. Aber dieser Anfechtung sollen man nicht Raum geben, sondern im Beruf bleiben, einen Weg wie den anderen, und Gott dafür sorgen lassen. Denn da sehen wir oft, daß feine, fromme, gehorsame Kinder sind, denen nichts gelingt, dagegen anderen Bösen und ungehorsamen Buben gerät alles gut. Aber es dauert nicht lange, und es findet sich am Ende, daß sich das Blatt wendet. Deswegen, wenn es sich auch bei dir so zuträgt, daß es nicht so geht wie du willst, so halte nur fest und laß dich nicht müde machen; denn das Mißraten ist besser, wo du nur im Gehorsam bleibst, denn daß es nach deinem Willen geht. Ursache, Gott stößt doch zuletzt den Ungehorsam mit dem Glück zu Boden, es sei so Es auch will. Dem Gehorsam aber hilft er endlich auf und gibt Glück dazu. Darum sollen wir solches merken, und dem schönen Beispiel folgen, daß Petrus allein auf das Wort sieht und demselben folgt, läßt die anderen Gedanken, die mir und dir eingefallen wären und ihm einige Zweifel auch eingefallen sind, jedoch an seinem Gehorsam nichts hindern. Denn da steht Gottes Wort und Befehl, auch über uns, als über Petrus, daß Gott uns befiehlt, wir sollen arbeiten und tun, was unser Beruf erfordert. Wer nun auf solchen Beruf sieht, und fleißig anhält, obgleich das Glück sich sperrt und der Segen eine Zeitlang ausbleibt, so wird es doch endlich wohl und gut gehen. Denn Gott kann es nicht lassen, er hat Lust am Gehorsam und gibt auch Glück dazu, wenn er ers auch eine Zeitlang aufschiebt, und uns versucht, ob wir auch an seinem Befehl fest halten wollen. Darum soll niemand darüber unlustig oder unwillig werden, wenn er gleich mit Petrus eine Nacht vergebens fischt. Denn sollte Petrus diesen reichen Fischzug bei Nacht getan haben, würde er gedacht haben, es wäre seine Kunst und Arbeit gewesen, er bedürfte sonst niemand anderen dazu. Weil er aber die ganze Nacht fischt und nichts fängt, und der Herr ihn zuvor das Wort gibt und heißt ihn es noch einmal versuchen: da muß Petrus begreifen, daß er es nicht getan hat; das Wort Gottes und der Segen Gottes haben es getan, seine Arbeit nicht. Das sei genug von dem ersten Trost und Lehre, die leiblich ist und auf die Nahrung geht: das Christus seine Christen nicht will vergebens arbeiten lassen, er will mit seinem Segen bei ihrer Arbeit sein und sie nicht des Hungers sterben lassen. Der andere Trost und Lehre ist geistlich. Denn da hört ihr Lieben, wie Petrus über den Fischzug erschrickt, und lernt den Herrn Jesum daran kennen, daß er mehr als ein gemeiner Mensch ist. Weil er aber sich als einen armen Sünder erkennt, fällt er dem Herrn Jesu zu Füßen und spricht: «Herr, gehe von wir hinaus, ich bin ein sündiger Menschen.» Das ist ein geistliches Stück, welches wenig Leute verstehen. Denn es hat einen solchen Schein, als sei Petrus so andächtig und demütig, daß er von dem Herrn Christus gern fliehen wollte. Aber es hat eine andere Meinung. Im Gewissen geht es so zu: Wenn Gott mit seiner Gnade kommt, Vergebung der Sünden und ewiges Leben umsonst durch Christus verheißt, da wird die Gnade so groß, daß man denkt, es sei zuviel, und können es nicht annehmen. Das kann man wohl glauben, daß Gott gnädig und barmherzig sei; aber daß er uns so überaus wollen gnädig sein, daß will in das schlechte Herz nicht hinein. Jedermann denkt: Wenn ich so rein und fromm wäre wie die Jungfrau Maria, so wollte ich mich solcher Gnade auch trösten und annehmen; aber ich bin ein Sünder, bin der Gnade nicht wert, sondern der Ungnade und des Zorns. Da schlägt dann der Teufel auch zu, der bläst die Sünde im Herz dermaßen hoch, daß du nichts anderes sehen kannst als deine Unwürdigkeit, und muß also vor der großen, überschwenglichen Gnade erschrecken. Dies ist eine geistliche Anfechtung, von der rohe Leute nichts wissen und merken. Denn der meiste Teil der Menschen leben so dahin, daß sie weder an ihre Sünde, noch an Gottes Gnade denken. Aber die richtigen Christen erschrecken davor, und denken immer, der sei zuviel, daß Gott um ihretwillen das tun soll. Was bin ich? Denken sie; bin ich es doch nicht wert, daß Gott mir soll so gnädig sein. Der geht nun dieser Trost und Lehre mit Petrus hin, daß der Herr hier sich so freundlich hören läßt: Ach, Petrus bin ich doch nicht darum da, daß ich dich würgen, oder wegen deiner Sünden dich strafen will, fürchte dich nicht. Bis du ein Sünder, sei zufrieden: ich kann und will dir davon helfen und einen großen Mann aus dir machen; darum stelle dich meinetwegen zufrieden, es soll nicht Not haben. Das also dieser Trost dazu dient, daß wir lernen sollen, wo solche Gedanken unserer Herzen schrecken und kleinmütig machen wollen, daß wir es forttun, und ihnen nicht Raum geben. Denn solch eine Meinung hat es mit Christus nicht, daß er arme Sünder nicht leiden kann. Er ist um ihretwillen auf Erden gekommen. Darum tröstet er Petrus hier gegen solche Gedanken, und Lukas 12,32 spricht er: «Fürchte dich nicht, du kleine Herde; denn es ist eures Vaters Wohlgefallen, euch das Reich zu geben.» Da redet der Herr auch mit solchen furchtsamen Herzen, wie Petrus hier hat, die da denken: Wer? Solltest du in den Himmel kommen? Mit den lieben Engeln in ewige Freude und Wonne im Himmel droben leben? Ja, wenn du fromm und heilig wärest! Wie du jetzt aber bist, so wird daraus nichts. Nein, spricht Christus, ihr fürchtet euch; aber ihr sollt nichts tun. Mein Vater will euch das Reich geben; und will es euch aus gnädigem Wohlgefallen geben. Denn weil ihr als arme Sünder nicht würdig seid, ist es sein gnädiger Wille, daß er es euch umsonst und aus Gnaden geben will. Darum erschreckt nicht davor; nehmt es mit Liebe und Dank an. Denn so Gott uns nicht sollte etwas geben, wir hätten es denn verdient und wären es würdig, so sollte er uns kaum das liebe Brot und bloß Wasser geben. Aber er will nicht auf unser Verdienst und Würdigkeit, sondern auf unsere Not und seine Gnade und Barmherzigkeit sehen, und über den leiblichen Segen auch das ewiges Leben schenken. In solcher Anfechtung steckt Petrus hier. Er merkt, daß es des Herrn Christi Gaben und Segen ist, daß er auf sein Wort samt seinen Gesellen so eine große menge Fische auf einen Zug fängt, bedenkt doch, er sei solcher Wohltat unwürdig, will deswegen verzweifeln. Was, spricht er, soll ich; Herr, bei dir machen? Geh du zu den frommen Leuten, ich bin leider ein böser, sündiger Mensch. Aber Christus tröstet ihn, und zeigt sich ganz anders gegen ihn, als er denkt; spricht: Er soll ohne Furcht und zufrieden sein. Als sollte er sagen: Es ist ein geringes Ding um die Fische; ich will dich noch zu einem Menschenfischer machen. Jetzt hast du das Amt, daß du ein Fischer bist; aber ich will dir ein anderes Amt befehlen, daß du in ein anderes Wasser gehen, und Leute fangen, den Himmel voll Fische machen, und meine Reich so füllen sollst, wie jetzt diese Fische dein Schifflein füllen. Zu solchen Fischzug will ich dir ein anderes Netz geben, nämlich das Evangelium, dadurch sollst du die Auserwählten fangen, daß sie sich taufen lassen, glauben und ewig leben sollen. Und nicht an einem Ort allein, sondern in der ganzen Welt, daß du hier eine Stadt, dort ein ganzes Land fangen und bekehren sollst. Das ist der geistliche Trost, welchen der Herr seinen Jüngern gibt, daß er sie nicht allein des Hungers sterben lassen will, sondern sie setzen in das geistliche Regiment, und in die Welt schicken, unter den Königen und Fürsten das Evangelium rumoren lassen. Ob nun der Teufel darüber zornig ist und sich mit aller Macht dagegen setzt, das schadet nicht: dennoch soll das Wort, es zürne oder lache der Teufel, hindurch brechen und Frucht schaffen, daß viele an Gottes Sohn glauben, und so Vergebung der Sünden empfangen, gerecht, selig und Erben des ewigen Lebens werden. Als Zeichen hat uns der liebe Gott sein Wort, Taufe, Abendmahl, Absolution gegeben, welche seine Netze sind, damit er die Seinen aus der Welt, da der Teufel Fürst und Gott ist, versammelt, sie dadurch vor des Teufels List und der Welt Tyrannei bewahrt, im Glauben erhält und stärkt, daß sie mit der Welt nicht verdammt werden. Und ob sich noch gleich die Sünde in ihnen regt und der Glaube schwach ist, daß sie denken, sie sind des großen, herrlichen Schatzes nicht wert; so tröstet sie doch Christus in Lukas 12, wie gesagt, und spricht: Fürchtet euch nicht, sehet nicht dahin, ob ihr es wert oder unwert seid; sondern höret, was ich euch sage: Eures Vaters Wohlgefallen ist, euch das Reich zu geben. Ist dem also, so wird euch euer Vater nicht lassen in die Hölle fahren, obwohl ihr es gleich verdient habt. Darum halte euch nur an mich, kriecht in die Taufe, gehet zum heiligen Sakrament, lasset euch durch mein Evangelium ziehen und fangen, so soll es nicht Not haben. Also haben wir neben dem Exempel, daß man Gottes Wort gern hören soll, diese zwei Stücke: das erste, obgleich Gott uns eine Zeitlang Mangel leiden und vergeblich arbeiten läßt, daß er dennoch zu rechter Zeit mit seinem Segen bei uns sein und uns helfen will; das andere, daß er auch wieder die Sünde uns helfen, und nicht verdammen will. Darum gibt er uns auch sein Wort und tröstet uns damit, daß wir gewiß sollen glauben, wir seien seine Kinder. Solche Leute tun danach auch rechtschaffene gute Werke, wenn sie zuvor durch das Wort und den Glauben wissen, daß sie durch Christus einen gnädigen Gott und Vater im Himmel haben, dessen Fische sie sind, welche in seinem Wort, als in seinem Netz, wohl verwahrt sind vor allem Unglück. Die können auch in Mangel, Hunger und Kummer fröhlich und guter Dinge sein, und sagen: ob ich gleich hier Armut leide, schadet nicht; dennoch weiß ich, daß mich mein lieber Gott nicht wird immer Not leiden. Denn er hat mir Christus gegeben und alle Seligkeit in ihm: er wird mir also auch so viel zuwerfen, daß der Leib die kurze Zeit meines Lebens seine Notdurft haben wird. So ist es nun dem Herrn am meisten darum zu tun, daß er unsere Herzen tröste und gewiß mache, daß wir fest glauben und ja nicht daran zweifeln sollen, wir haben einen gnädigen Gott in Himmel. Wer das also glaubt, der wird sich nicht wegen eines zeitlichen Mangels anfechten lassen, sondern auch nichts danach fragen, ob der Teufel und die Welt zürne: wenn nur Gott uns gnädig ist. Daß wir nun solches auch fest glauben, und in aller Anfechtung, leiblich und geistlich, uns also trösten mögen, daß verleihe uns unser von lieber Vater im Himmel, durch Jesum Christum, seinen Sohn und unseren lieben Herrn, Amen.   Am sechsten Sonntag nach Trinitatis Matthäus 5,20 - 26 denn ich sage euch: Es sei denn eure Gerechtigkeit besser, denn der Schriftgelehrten und Pharisäer, so werdet ihr nicht in das Himmelreich kommen. Ihr habt gehört, daß zu den Alten gesagt ist: Du sollst nicht töten; wer aber tötet, der soll des Gerichts schuldig sein. Ich aber sage euch: Wer mit seinem Bruder zürnt, der ist des Gerichts schuldig; wer aber zu seinem Bruder sagt: Racha, der ist des Rats schuldig; wer aber sagt: Du Narr, der ist des höllischen Feuers schuldig. Darum wenn du deine Gabe auf den Altar opferst und wirst allda eindenken, daß dein Bruder etwas wider dich habe; so laß allda vor dem Alter deine Gabe und gehe zuvor hin, und versöhne dich mit deinem Bruder; und alsdann komm und opfere deine Gabe. Sei willfährig deinem Widersacher bald, dieweil du noch bei ihm auf dem Wege bist, auf das dich der Widersacher nicht dermaleinst überantworte dem Richter, und der Richter überantworte dich dem Diener, und werdest in den Kerker geworfen. Ich sage dir: Wahrlich, du wirst von dannen heraus kommen, bis du auch den letzten Heller bezahlest. In diesem Evangelium sehen wir, daß unser lieber Herr Christus seine Christen also will lehren, wenn sie glauben und getauft sind, und haben nun den Namen und die Herrlichkeit daß sie Christen heißen, und allerlei geistliche Güter und Gaben empfangen haben: daß sie denken, auch ein rechtschaffenes Leben untereinander zu führen, daß nicht falsch noch heuchlerisch sei. Denn er hat uns nicht eine falsche Gnade widerfahren lassen, die nur den Schein hätte; sondern gleichwie unsere Sünden rechte, große, verdammliche, und nicht gemalte Sünden sind: also ist es auch mit seiner Gnade eitel Ernst und ein rechtschaffen wahrhaftig Wesen. Darum sollen wir denken, daß wir nicht fälschlich gegen unserer nächsten Handeln, sondern treulich und wahrhaftig; wie Gott mit uns, unsere Sünden wegen, gehandelt hat. Um dieser Ursache willen nimmt der Herr im heutigen Evangelium das fünfte Gebote vor sich, und stellt uns ein Beispiel vor, vor dem man sich hüten soll, und spricht: «Ich sage euch: Es sei denn eure Gerechtigkeit besser, denn der Pharisäer, so werdet ihr nicht in das Himmelreich kommen.» Das ist ein kurzer Sinn: Wer in den Himmel will, der muß eine bessere Frömmigkeit haben, denn als die Pharisäer. Was ist nun der Pharisäer Frömmigkeit? Das war nicht unrecht, daß sie sich in einem feinen, züchtigen, ordentlichen Leben und Wandel hielten. Denn solches will Gott in allen Wegen von uns haben; wie sein Wort da steht: du sollst nicht töten, du sollst nicht ehebrechen, nicht stehlen, nicht lügen. Wer in solchem Gehorsam sich hält, der tut recht. Aber das war Unrecht an den Pharisäern, daß sie sich um solcher äußerlichen Werke, Zucht und Ehrbarkeit willen brüsteten, fromm und gerecht vor Gott dadurch sein wollten, gingen fein sicher dahin, als hätte das Gesetz keine Anklage gegen sie, sie hätten es nun vollkommen erfüllt; so doch Gott nicht allein die Werke, sondern ein neues, reines Herz haben will. Vor solcher Sicherheit will der Herr uns warnen. Ob wir gleich mit Werken niemand ärgern und vor jedermann sträflich sind, daß wir doch darum uns nicht lassen fromm dünken, als hätten wir Gott vollkommenen Gehorsam geleistet. Denn Christus spricht hier: Ob jemand gleich mit der Hand nicht totschlägt, kann er dennoch ein Mörder und Übertreter dieses Gebotes vor Gott sein. Ursache, Gott hat nicht allein den Totschlag, welcher mit der Hand geschieht, sondern auch den Zorn im Herzen, ein zornig Wort, einen zornigen Anblick in diesem Gebote verboten. So ist nun die pharisäische Gerechtigkeit, äußerlich fromm seien, nicht töten, nicht ehebrechen, nicht stehlen, und denken, wegen solcher Werke seien man fromm und heilig, und bedarf nichts mehr; das Gesetz habe keinen Anspruch mehr an uns, wir haben es völlig erfüllt, Gott sei wohl zufrieden und zürne nicht; obgleich das Herz inwendig voll Sünde und böser Lüste ist. Diese Gerechtigkeit, spricht Christus, gehört nicht in den Himmel, sondern in die Hölle. Denn Gottes Gebote lassen sich mit den bloßen Werken nicht erfüllen; es muß das Herz rein sein von allem Zorn, Haß und Neid, Unzucht und allerlei bösen Lüsten. Wer es dahin bringen kann, der mag sagen, er sei fromm. Weil aber im Herzen die Sünde und böse Lüste noch nicht alle tot sind, sondern regen sich, so hüte dich, daß du dich für fromm halte ist, oder in den Himmel zu kommen denkest. Es gehört eine höhere und bessere Gerechtigkeit dazu, spricht Christus; mit der Schriftgelehrten und Pharisäer Gerechtigkeit kommt ihr nicht in den Himmel. Was ist nun die bessere Gerechtigkeit? Diese, da Werke und Herz zugleich fromm und nach Gottes Wort gerichtet ist: das nicht allein die Hand totschlage, sondern auch das Herz von allem Zorn frei ist; das nicht allein du mit dem Werke nicht ein Ehebrecher werdest, sondern dein Herz ganz rein sei, ohne alle böse Lust und Begierde. Also ist es in allen Geboten; denn solches fordert das Gesetz. Es will nicht allein das Werken haben; sondern eine reines Herz, daß durchaus mit dem Wort Gottes und Gesetz sich vergleicht. Jahr, sprichst du, wo findet man ein solches Herz? Ich finde es in mir nicht, du in dir auch nicht. Denn es ist über die Maßen bald geschehen, daß dir die Gallen überläuft, daß du zu Zorn bewegt wirst. Also läßt sich die böse Lust in Herzen auch sehr bald erregen, auch wider unseren Gedanken und Willen, wir wollen es wohl gern und werden doch letztlich darüber mit uns feind. Wie sollen wir ihm denn tun? Solche hohe Gerechtigkeit (das ist, ein reines Herz) haben wir nicht, und hören doch hier das Urteil: Wo unsere Gerechtigkeit nicht besser sei, denn der Schriftgelehrten und Pharisäer, so werden wir nicht in das Himmelreich kommen. Also sollen wir ihm tun: wir sollen den Schriftgelehrten und Pharisäern nicht gleich werden, daß wir uns unserer Werke wegen für fromm hielten; sondern neben allem Guten, daß wir tun und können, sollen wir uns vor Gott demütigen und sprechen: Lieber Herr, ich bin ein armer Sünder, sei du mir gnädig, und richte mich nicht nach meinen Werken, sondern nach deiner Gnade und Barmherzigkeit, die du in Christus uns verheißen und geleistet hast. Also geht diese Lehre vornehmlich dahin, daß der Herr uns vor der geistlichen Hoffart warnen und zur Erkenntnis unseres unreinen bösen Herzens und sündlichen Natur bringen, und also zur Hoffnung seiner Gnade uns leiten will. Dieses ist dann die rechte Gerechtigkeit, die in den Himmel gehört. Die steht nicht in unseren Werken, obwohl diese heilig sein, sondern in Vergebung der Sünden und auf der Gnade Gottes. Denn ob wir es schon soweit bringen, daß wir äußerlich niemand ärgern und uns in Gottes Wort und Willen fleißig üben; so ist doch der größte Mangel daran, daß das Herz noch voll böser Lust und Sünden ist. Wer nun aus dem Wort Christi den Bericht hat, und glaubt, daß solche Sünden ihm vergeben sind, der ist gerecht: nicht seinethalben, denn Sünder hat er; sondern der Gnade halben, daß solche Sünden durch den Glauben an Christus vergeben sind. Darum spricht Petrus in der Apostelgeschichte Kapitel 15,9.: Gott reinige die Herzen durch den Glauben. Dies Reinigen aber geht nicht so zu, daß wir keine bösen Gedanken noch Lust mehr im Herzen fühlen; welches wird nicht ihr Herr geschehen, bis wir begraben, und zum anderen und ewigen Leben auferstehen werden; da wird das Herz wahrhaftig gereinigt sein. Hier aber geht solches im Wort und Glauben, daß Gott die Sünde um Christus willen nicht zurechnen noch strafen, sondern vergeben und nachlassen will. Doch dazu folgt die Frucht des Glaubens, daß wir durch die Hilfe des Heiligen Geistes anfangen, fromm zu sein und Gott seinen Gehorsam zu leisten; aber, wie gemeldet, es ist ein unvollkommener Gehorsam, darum muß die Vergebung der Sünde sein. Nun sind die Worte, die der Herr spricht: «Es sei denn, daß eure Gerechtigkeit besser sei, denn der Schriftgelehrten und Pharisäer, so werdet ihr nicht in das Himmelreich komm,» nicht so zu deuten, als wären der Pharisäer Werke an sich selbst böse. Denn daß der Pharisäer Lukas 18, 11 berühmt, er sei kein Ungerechter, kein Räuber, keinen Ehebrecher, er faßte zweimal in der Woche, und gebe den Zehnten von allem, daß er habe, daß zwar nicht unrecht gelebt, und wäre zu wünschen, daß alle Menschen im äußerlichen Wandel sich also hielten: so würden weltliche Obrigkeit, der Henker, Vater und Mutter, Herr und Frau im Hause mit bösen Buben und unartigen Leuten nicht viel zu schaffen haben. Aber daran mangelte es, daß derselbe Pharisäer solches Lebens wegen sich für gerecht hielt, und dachte, er bedürfte nicht, daß ihm Gott gnädig wäre und seine Sünden und bösen Lüste im Herzen vergeben. Davor warnt der Herr, daß wir bei solcher Gerechtigkeit nicht bleiben, sondern nach einer besseren trachten sollen, wenn wir anders in das Himmelreich kommen wollen. Und stellt uns deswegen ein Beispiel des fünften Gebotes vor, daß wir daran lernen sollen, was die pharisäische Gerechtigkeit sei, und uns davor hüten. Das fünfte Gebote, wie ihr wißt, heißt also: Du sollst nicht töten. Der dachten die Pharisäer, wenn sie mit der Hand nicht totschlügen, so hätten sie diesem Gebot genug getan, es hätte keine Not, niemand könnte sie höher treiben. Aber Christus spannt es ihnen höher und spricht: Nein, Geselle, es hat eine andere Meinung. Wenn das fünfte Gebot also hieße: Deiner Hand soll nicht töten; so hätte dem Gebot genug getan, will er mit der Hand nicht tötet. Aber es lautet also: Du sollst nicht töten, das ist: dein Herz, dein Mund, deine fünf Sinnen und alles, was du hast und an dir ist, daß soll deinem Nächsten nicht schädlich sein. Du sollst nicht allein den Körper totschlagen, sondern auch alles das lassen, was zum Tod dient. Daraus ist klar, daß der Herr daß Wort «töten» nicht so eng spannt, daß es allein hieße, das Leben ihnen und ein Aas machen; sondern es begreift alles das Tun, aus welchem der Tod folgen müßte. Als, wenn du jemand feind bist, und gönnst ihn nicht einen Bissen Brot, wie der reiche Mann dem armen Lazarus; da müßte ein solcher Mensch deinetwegen Sterben und verderben. Du würgst ist ihn mit der Faust nicht, und bist doch ein Mörder, nach dem Spruch: Gibst du deinem Bruder nicht zu essen, so hast du ihn erwürgt. Und 1 Johannes 3,15. «Wer seinen Bruder hasset, der ist ein Totschläger, und ihr wisset, daß ein Totschläger hat nicht das ewige Leben bei ihm bleibend»; Ursache, wo Haß ist, da fehlt nur die Gelegenheit, daß der Totschlag leicht folgen kann. Darum wer dies Gebot halten will, der muß nicht allein die Hand an sich halten, sondern das Herz soll auch ohne allen Zorn sein: daß man nicht einen so sauren Blick sehen, nicht ein hartes Wort fahren lasse, auch gegen die, da alle Welt sagen muß, sie haben alles Unglück um uns verdient. Demnach zeigte Herr klar an, daß man auf vielerlei Weise dies Gebote übertrete: zum ersten, mit dem Herz, wenn dasselbe sich zu Zorn und Abgunst wider den Nächsten bewegen läßt; zum anderen, wenn das Herz heraus bricht, und der Mensch sich mit Gebärden stellt, daß er zürne. Als, wenn du vor deinem Nächsten vorüber gehst, ihn nicht ansiehst mit ihm nicht reden, ihm, so er dich grüßt, nicht danken willst. Denn das Wörtlein «Racha,» daß der Herr hier braucht, bezieht sich vornehmlich auf eine saure, unfreundliche Gebärde, da man einen den Zorn an den Augen oder im Gesicht ansieht, oder an der Rede hört. Zum dritten, wenn der Zorn aus dem Herzen in den Mund kommt daß man Fluch, die Leute übel ausrichtet, oder sonst nichts Gutes nachsagt. Das vierte ist das Gröbste und Ärgste, wenn es alles zusammen kommt, ein zorniges Herz, unfreundliche Gebärde, zornige Zunge und zornige Hand, daß man dazwischen haut und würgt, oder begehrt zu würgen. Ob nun wohl immer ein Grad schwerer ist denn der andere (denn der Herr selbst teilt sie und macht Unterschied der Strafen), so sind sie doch alle, der geringste sowohl als der höchste, Sünde wider dies Gebot: also das wer nur im Herzen einen Widerwillen, Zorn oder Ungunst gegen den anderen trägt, heißt und ist vor Gott auch ein Totschläger. Da bedenke du nun wohl, ob du dies Gebot so rein dein Leben lang gehalten hast, oder noch halten könntest, wie es Christus zu halten befiehlt. Du wirst aber bekennen müssen, wenn du kein Heuchler sein willst, daß du es nicht allein gehalten hast, sondern daß es dir ganz und da unmöglich ist. Wie sollst du nun tun? Denn wie Gott die Übertretung seines Wortes will strafen, zeigt Moses mit klaren, deutlichen Worten an, da er spricht, 5. Mose 27,26.:» verfluchte sei, wer nicht alle Worte des Gesetzes erfüllt, daß er danach tue.» Also sollst du tun, wie hier Christus dich lehrt: daß du dich ja hütest und kein Schriftgelehrter noch Pharisäer wirst, daß du dich darum wolltest für fromm halten, ob du schon mit der Faust nicht totgeschlagen hast; sondern habe Achtung auf dein Herz, deinem Mund, deine Gebärde, und wenn du merkst, daß der Zorn dich ergriffen hat, da kehre schnell zu Gott, und sprich: Herr, ich armer Sünder habe hier wider das fünfte Gebot getan, haben nicht erzürnen lassen, habe mich unfreundlich mit Worten und Gebärden gegen meinen Nächsten gehalten; vergibt mir diese meine große Sünde, und verleihe mir deine Gnade, daß ich mich bessere und hinfort solches nicht mehr tue. Das ist ein Stück, daß du tun sollst, welches die Pharisäer nicht tun, die in aller Sicherheit gehen, solchen Zorn für kleine Sünder achten, und um Vergebung solcher Sünde nicht bitten. Danach soll auch das folgen, daß du dich mit Ernst angreifst, dem Zorn den Zaum nicht zu lang lassest: sondern wo du ihn schon aus dem Herzen sobald nicht lassen kannst, daß du doch solche Sünde erstlich deinem Gott von ganzen Herzen bekennst und klagst und um Vergebung bittest; und danach dich übst, daß solcher Groll, der im Herzen nicht ganz vergessene ist, sich nicht dort wieder einwurzle und mit der Zeit wieder heraus breche, und sich mit und freundlichen Gebärden, bösen Worten und streitiger Hand beweise, sondern zum wenigsten den Zorn verbergen, freundlich mit deinem Nächsten redest. Da findet denn ein gut Wort auch einen guten Boden, und du wirst es erfahren, wenn du dich so verhältst, der Zorn von Tag zu Tag aus dem Herzen weichen und gleich wie ein Rauch vergehen wird. So taten die Pharisäer nicht. Den Zorn im Herzen, die unfreundliche Gebärde, ja, wohl auch die bösen Worte hielten sie für keine Sünde; ließen sie deswegen frei und ohne Scheu gehen. Denn dies Laster, der Zorn, hat die Unart, daß er sich fein schmücken kann. Denn da machen wir uns solche Gedanken: Der hat mir diese und das getan; sollte ich nicht sauer sehen noch darum zürnen, so trete ich Unrecht; denn ich würde ihn sonst in seinen bösen Vorhaben stärken. Ich muß den Buben ein wenig mürbe werde lassen, er würde sonst gar zu wild und frech. Wenn nun das Herz zuvor zum Zorn geneigt ist, und der Wahn dazu kommt, also tue man recht und wohl daran, daß man zürne mit dem Nächsten um seiner Untugend willen; da geht das Feuer dann erst richtig an und der Teufel hat sein Spiel gewonnen, daß der Groll von Tag zu Tag je länger je größer und die Herzen je länger je mehr gegen einander erbittert werden. Dar warnt der Herr vor, daß wir uns solche pharisäische in Gedanken nicht verführen lassen; sondern rechtschaffene Christen sein sollen, die entweder recht tun, oder doch das Unrecht bekennen und Gott um Gnade bitten, daß er vergeben und uns reine Herzen geben wolle. Wer sich nun also in den zehn Geboten übte, meinst du nicht, er würde nicht jede Stunde Ursache haben, seine Sünde zu beichten, zu beten und sich im Glauben und Wort zu üben? Denn das Beichten muß sein, wenn der Zorn oder andere Lüste uns angreifen, daß wir es nicht leugnen noch entschuldigen, sondern Gott bekennen und ihm von ganzem Herzen beichten, daß wir Unrecht getan haben. Da muß danach das Beten auch folgen, daß Gott solches uns nicht zurechnen soll, sondern vergeben, und uns, um Christus willen, durch seinen Heiligen Geist frömmer machen. Auf solches Gebet soll der Glaube folgen, daß wir nicht zweifeln, es sei uns durch Christus diese und andere Sünde vergeben. Das heißt, sich recht üben im Gesetz oder den zehn Geboten, da ist es nicht nötig, sich nach anderen guten Werken wo der Gottesdienst umsehen; wie der Papst uns sein Haufe tut, der steckt bis über die Ohren in der pharisäischen Gerechtigkeit. Wie denn der Spruch, damit sie, eben wie die Pharisäer, daß fünfte Gebot allein auf das äußerliche Werk gedeutet haben, zeuget: Den Groll, sagen sie, sollst du fallen lassen; aber die Gebärde das Grollen ist nicht nötig fallen zu lassen. Das ist, wenn dir jemand Leid tut, der hüte dich, daß du ihm darum feind sein willst, oder ihn schlagen; daß du aber mit ihm nicht redest, keine Gemeinschaft mehr mit ihm hast, ist keine Sünde. Darum haben sie die zehn Gebote für ein schlechtes Ding gehalten, mit denen allein weltliche Leute umgehen sollen. Sie aber haben sich eigene und höhere Gottesdienste und Werke erfunden. Aber wer mit den zehn Geboten umgehen wollte, wie ich jetzt von dem fünften allein gesagt habe, ich meine, der sollte zu schaffen genug gewinnen, daß er sich nach andere Übung oder Gottesdienste nicht dürfte umsehen. Nun macht es aber der Herr über den Maßen heftig, will, so wir anders wollen Christen sein, daß wir stets in solcher Übung der zehn Gebote uns üben. Denn es ist ein harter Spruch, da er am ersten sagt: «Es sei denn eure Gerechtigkeit besser, denn der Pharisäer und Schriftgelehrten, so werdet ihr nicht in das Himmelreich kommen.» Also beschließt er am Ende, und macht zwei Parteien. Denn wo Zorn und Uneinigkeit ist, der sind allewege zwei Parteien: die eine, die Unrecht tut und den anderen Teil beleidigt; die andere, die beleidigt wird. Dem nun, der zum Zorn Ursache gegeben und andere beleidigt hat, sagt er Herr hier, daß er falsch denke, und mit Gott und dem Gottesdienst falsch liegt, so lange, bis er sich zuvor versöhnt habe, und spricht also: Wenn du willst opfern deine Gabe, und wirst allda vor dem Alter eingedenk, daß dein Bruder eine Sache zu dir hat, so laßt deine Gabe da, und versöhne dich zuvor mit deinem Bruder. Geschieht solches nicht, so ist dein Opfer und Gottesdienst vergebens, und Gott hat keinen Gefallen daran. Mit diesen Worten trifft der Herr der Pharisäer Gedanken sehr fein, die meinten, sie wollten Gott einen Rauch vor die Augen machen, daß er ihren Neid und Haß im Herzen wieder den Nächsten nicht sehen sollte, und andere Leute sollten sie auch für fromm halten. Nein, daß tut es nicht; du täuscht dich selbst. Gott sieht am ersten auf dein Herz, wie es hingegen deinen Nächsten steht. Findet er es in Haß und Neid, so denke nicht, daß er einen Gefallen an deinem Opfer oder Gottesdienst habe. Denn weil er geboten hat: «Liebe deinen Nächsten wie dich selbst,» so will er vor allem denselben Gehorsam von dir haben, oder will deiner gar nicht. Denn was sollte das für ein Handel sein, daß du wolltest unserm Herrn Gott einen Ochsen, der zehn Gulden Wert ist armer Schenkel, und daneben deinen Bruder totschlagen? Das hieße, da einen Pfennig geben, und an einem anderen Wort hunderttausend Gulden stehlen. Das soll und kann nicht sein. Willst du Gott dienen, so diene ihm mit solchen Herzen, daß deinem Nächsten nicht feind ist, oder wisse, daß dein Dienst vor Gott ein Greuel ist. Daher kommt es, daß viele, wenn sie in Uneinigkeit mit ihren Nächsten stehen, sich vom Sakrament enthalten und kein Vater Unser beten wollen. Denn es stößt sie das Wort vor die Stirn, da sie beten: Vergib uns unsere Schuld, wie wir unseren Schuldigern auch vergeben, so sprechen sie das Urteil wider sich selbst, daß Gott ihnen auch nicht vergeben soll. Das ist auch wahr, darf auch niemand anderes denken: willst du nicht vergeben, so wird dir Gott auch nicht vergeben, daß wird nie anders werden. Darum bedenke, was du dir selbst für ein Bad zu richtest, wenn du den Zorn behältst und nicht fahren läßt. Denn deine Sache wirst du damit nicht besser machen, so du nicht beten noch zum Sakrament gehen willst, sondern nur schlimmer. Denn wie dich Gott findet, so richtet er dich. Darum folge dem Rat Christi, demütige dich vor Gott, und bekenne deine Sünde; danach versöhne dich auch mit deinem Nächsten, und laß den Zorn fallen. Alsdann opfere deine Gabe. Sonst hörst du hier daß du mit Gott nicht einig bist, der sich deiner Gebete und Opfer nicht gefallen lassen will. Das meint Christus, daher spricht: «Laß deine Gabe vor dem Altar.» Als sollte er sagen: Du richtest doch damit bei Gott nichts aus. Das ist der eine Teil, der zum Zorn Ursache gibt und beleidigt seinen Nächsten. Der soll nicht allein vor Gott sich demütigen, und bekennen, er habe Unrecht getan, sondern auch vor seinem Nächsten; und danach auch Vergebung bei Gott erwarten. Der andere Teil nun, der beleidigt ist, und meint, er habe gute Ursache, daß er zürnen solle, dem warnt der Herr auch, daß er gern vergeben und sich nicht lange soll feiern lassen. Denn da, sagte Herr, sei eine große Gefahr. Denn wo du dich lang bitten und zur Sühne nicht gütig wolltest finden lassen, so würde dein Gegenteil die Sache dem Richter, Gott im Himmel, befehlen und sagen: Herr, ich habe getan, was ich soll: bei dir finde ich Gnade, aber bei den Leuten nicht. Wo nun Gott dir zuvor kommt, was, meinst du, daß das Urteil sein wird? Nehmen wird er dich, der du nicht vergeben noch vergessen willst, und dem Diener überantworte und in den Kerker werfen lassen. Dar wirst du nicht heraus kommen, du habest denn bezahlt bis auf den letzten Pfennig. Das ist, da soll keine Gnade sein, wie er in Lukas 6,38.: «mit dem Maß, damit ihr messet, wird man euch wieder messen.» Also will der Herr zu beiden Teilen haben, daß man barmherzig sein, den Zorn fallen lassen und jedermann freundlich sein soll. Sonst ist das fünfte Gebot da, und verklagt uns, daß wir Totschläger sind vor Gott; deswegen wird die Strafe auch nicht ausbleiben. Solche Lehre und Leben soll unter den Christen bleiben und fleißig geübt werden. Sonst geschieht Gott ein Ungefallen daran; und wir tun und selbst schaden, nicht allein am Leid und Gut, sondern auch an der Seele, wie der Herr droht. Aber außer dem Christenstand oder Reich Christi, in weltlichen Ämtern und Ständen, da hat das fünfte Gebot einen anderen Gang und eine andere Kraft. Da hat Gott einen besonderen Befehl gegeben, dem man folgen und nachkommen soll. Denn wer im welchen Regiment ist, der hat Befehl, daß er zürnen, strafen und Würden soll, wo etwas Unrechtes von den Untertanen begangen wird. Also, Vater und Mutter im Haus haben einen besonderen Befehl von Gott über die Kinder, daß sie nicht dazu lachen sollen, wenn die Kinder sich vergriffen haben; sondern sie sollen schimpfen und getrost strafen. Das heißt sie Gott; und wo sie es nicht tun, sind sie Gott ungehorsam und tun wieder ihr Amt und Befehl. Darum hatte es die Meinung nicht, daß ein Dieb zum Richter sagen wollte: Hänge mich nicht; denn im fünften Gebot steht geschrieben: Du sollst nicht töten. Solches mag er zu seines gleichen sagen, der nicht im Amt ist. Aber die Obrigkeit hat den Befehl, sie soll das Schwert brauchen, daß dem Übel gewehrt werde. Also würde es sich nicht reimen, daß eine Magd im Hause, wenn sie unordentlich, faul, zur Frau sagen wollte: Liebe Frau, ihr seid eine Christin, denkt an das fünfte Gebot, daß ihr mit mir nicht zürnt; denn es ist verboten. «Wer mit seinem Nächsten zürnt,» sagt Christus, «der ist des Gerichts schuldig.» Nein, Magd, Gott hat hier eine andere Ordnung gemacht. Du bist eine Magd und sollst deines Amtes, und was man dir befiehlt, fleißig ausüben. Tust du es nicht, so soll man dir nicht gute Worte als Lohn geben, sondern dich darum strafen. Das hat Gott nicht allein Herren und Frauen im Hause, sondern im weltlichen Regiment der Herrschaft aufgelegt, die Macht solcher Zorn ebensowenig zu Unchristen, als das Amt und der Beruf, den sie haben. Das aber würde sie zu Unchristen machen, wenn sie ihren Beruf verlassen, und Haus und Zucht durch ein unordentliches Wesen ersetzen würden. Das also der Unterschied bleibe: Im Reich Christi sollt kein Zorn sein, sondern nur Freundlichkeit und Liebe, daß das Herz gegen niemand bitter sei, auch weder Mund noch Hand jemand betrübe. Aber in der Welt Reich und Hausregiment, da sollen Mund und Hand nach eines jeden Stand und Amt tun und schaden allen, die sich falsch Verhalten, und nicht tun, was ihnen befohlen ist. Denn da gilt es nicht schonen oder barmherzig sein, sondern strafen. Wer aber die Strafe läßt, der verursacht dem höchsten Richter, Gott selber, daß er kommen und das Übel strafen muß. Dar an hat man wenig Vorteil. Denn wenn Gott kommt, so kommt er bestimmt und straft. Das ist die Lehre des heutigen Evangeliums. Unser lieber Herr Gott helfe uns mit seinem Heiligen Geist, daß wir als Christen uns gegen einander halten, und ein jeder in seinem Amt und Stand fleißig sei, Amen.   Am siebenten Sonntag nach Trinitatis Markus 8,1 - 9 Zu der Zeit, da viel Volks da war und hatten nicht zu Essen; rief Jesus seine Jünger zu sich und sprach zu ihnen: Mich jammert des Volks; denn sie haben nun drei Tage bei mir beharret, und haben nichts zu essen; und wenn ich sie ungegessen von mir heim ließe gehen, würden sie auf dem Wege verschmachten. Denn etliche waren von ferne gekommen. Seine Jünger antworteten ihm: Woher nehmen wir Brot hier in der Wüste, daß wir sie sättigen? Und er fragte sie: Wieviel habt ihr Brots? Sie sprachen: Sieben. Und er gebot dem Volk, daß sie sich auf die Erde lagerten. Und er nahm die sieben Brote und dankte und brach sie und gab sie seinen Jüngern, daß sie dieselbigen vorlegten; und sie legten dem Volke vor. Und hatten ein wenig Fischlein; und er dankte und hieß dieselbigen auch vortragen. Sie aßen aber und wurden satt, und huben die übrigen Brocken auf, sieben Körbe. Und ihrer war bei 4000, die da gegessen hatten; und er ließ sie von sich. Dies Wunderwerk hat unser lieber Herr Jesus zweimal getan. Denn ein anderes Mal hören wir, daß er mit fünf Broten und zwei Fischen 5000 Mann, ohne Weib und Kinder, gespeist hat, und sind 12 Körbe Brocken übriggeblieben. Im heutigen Evangelium aber hört ihr, wie mit sieben Broten und ein wenig Fischlein Viertausend gespeist und sieben Körbe voll übergeblieben sind. Es scheint aber, als sei solche Wunderwerk darum auf diese Zeit zu predigen verordnet, auf das die Leute lernten, weil jetzt zur Zeit des Jahres die Ernte angeht, daß man die Früchte auf dem Feld beginnt einzuführen, daß jedermann durch dies Evangelium erinnert würde, daß es Gottes Segen sei, und Gott noch heutigen Tages mit uns das Wunder tut, daß er dazu mal in der Wüste getan hat, daß er mit einem wenigen durch seinen Segen weit reichen, und viele speisen und ernähren könne; auf das, wo gleich ein geringer Vorrat, oder das Getreide übel geraten ist, wir dennoch an diesem Trost halten, daß es nicht an dem allein gelegen sei, ob man viel habe, sondern an den Segen unseres lieben Herrn Christi. Denn das ist der schändlichen, ungläubigen Welt eigentliche Unart: wenn sie nicht aller Dinge eine Fülle sieht und hat, so will sie bald verzweifeln, als müßte sie Hungers sterben. Und zwar Gott hat uns nun viele Jahre reichlich versorgt; noch hilft es nicht, es ist als wenn jedermann verhungern will. Dazu helfen die Geizhälse und Wucherteufel, die mit Korn und Wein zurück halten, wollen es den Leuten nicht um einen Pfennig verkaufen, sondern warten, bis es teurer werde, daß sie mehr Geld dafür bekommen. Das sind Unchristen, die von solchen Segen und Wunderwerk nichts wissen noch glauben; sonst würden sie mehr auf Gottes Wort sehen und sich an dasselbe halten, und alle Sorge dem reichen Gott im Himmel befehlen, der das kleine segnen und viel daraus machen kann. Wir sehen aber hier zweierlei Trost, nämlich: das unser lieber Herr Christus beide, die Seele mit dem Wort und den Leib mit dem Brot versorgen will; auf das, ob er wohl die seinen läßt eine Zeitlang Mangel leiden, arm und verachtet sein (denn alle Welt ist ihnen feind, und der ihnen nicht einen wissen Brot), sie dennoch daran nicht zweifeln sollen, er wolle dafür sorgen, daß sie nicht Hungers sterben, und ihnen ein ziemliches Auskommen schaffen, mit welchem sie sich behelfen können. Nun geht aber der Herr mit solchen Segen um nach der Regel, die er gibt in Matthäus 6,33: «Trachtet am ersten nach dem Reiche Gottes, so wird euch das andere alles zu fallen.» Denn der Evangelist meldet, wie das Volke wohl drei Tagen bei dem Herrn beharret habe. Was meinst du aber, daß sie bei ihm getan oder gesucht haben? Ohne Zweifel anderes nicht, denn daß sie dem Wort nachgegangen und dasselbe zu hören begehrt haben. Das ist danach die Ursache, daß er sich ihrer so herzlich annimmt, und denkt, er müßte sorgen, wie sie zu Essen kriegen, daß sie nicht verschmachten. Daß also dieses die vornehmste Lehre sein soll, daß wir am ersten nach dem Reich Gottes und dem Wort trachten, und demselben nachgehen sollen. Wenn das geschehen ist, so sollen wir danach dem Herrn Christus für den Bauch sorgen lassen. Denn er hat es schon beschlossen, wenn wir seines Wortes Schüler sind, daß wir nicht des Hungers sterben sollen. Daher spricht er: «Mich jammert des Volks.» Und ist gewiß, ehe es sollte an Brot mangeln, es müssen die Steine zu Brot werden. Eben so sagte Markus oben auch im sechsten Kapitel, da Christus die 5000 Mann in der Wüste speiset, daß er sei übergefahren und in eine Wüste gegangen. Da aber das Volke sei sein inne geworden, sind sie aus allen Städten und Flecken ihm nachgelaufen. Als er aber das große Volk gesehen hat, spricht Markus, jammerte ihn derselben, denn sie waren wie die Schafe, die keinen Hirten haben, und fing eine lange Predigt an. Das ist der erste Jammer, welchen der Herr, als der rechte Hirte und Bischof der Seelen, ansieht, daß sie war wie eine zerstreute Herde. Gleichwie wir unter dem Papsttum auch gewesen sind: der rief St. Barbara, jener St. Katharina an; da war kein richtiger Prediger, der uns auf die rechte Weide geführt (das ist, die reine Lehre vorgehalten) hätte; alles schwebte und lebte es in Abgötterei und Irrtum. Also, sagt Markus, war es mit dem armen Volk bei den Juden auch: da waren Priester und Leviten geordnet, daß sie sollten predigen von dem zukünftigen Christus und seinem Gnadenreich. Aber was taten sie? Sie wurden aus Hirten schädliche Wölfe, predigten ihre eigenen Träume, daß die armen Schäflein verschmachteten. Eben wie wir im Papsttum, dann niemand wußte, wie er mit Gott dran war: daß Gott um Christus willen uns wollte gnädig sein, und Sünde vergeben. Jedermann meinte, sollte er selig werden, so müßte er mit seinen Werken und Leben dazu helfen. Das ist der erste Jammer und Schade, den der Herr an dem armen Volk sieht, läßt sich den zu Herzen gehen, tut ihnen eine schöne lange Predigt; als sollte er sagen: Was machen doch die heillosen Priester und Leviten? So viel Volks ist da, wollten gern etwas von unserm Herrn Gott hören und lernen; aber da ist niemand, der sie lehre und führe; die es tun sollen, haben mit ihrer Pracht, Geiz und Hoffart zu tun. Darum spricht Markus: «Sie waren wie die Schafe, die keinen Hirten haben.» Ach, Herr Gott, wenn ein Schaf keinen Hirten hat, so ist es ein armes und verlassenes Tier. Es hat Not, wenn es keinen Hirten, Hund oder Stall hat. So ist es mit uns armen Leuten auch. Sollte der Teufel nicht da regieren, wo kein Wort Gottes noch rechte Predigt ist; weil die genug zu schaffen haben, daß sie vor dem Wolfe sicher bleiben, die das Evangelium gern hören, fleißig beten, dazu auch fromme Pastoren und treue Seelsorger haben? Darum, wo man Gottes Wort nicht rein hat, und niemand weiß, wie er beten und sich Gott befehlen soll, da ist es sehr bald geschehen, daß sich die Leute bereden lassen, daß er diesen, jener einen anderen Heiligen zum Heiland nimmt, und also alle in die Irre und unter diese Wölfe kommen. Solchem Jammer und hoher Not wehret der Herr hier am ersten damit, daß er Predigt, und die irrigen Schäflein durchs Wort lockt und zusammenbringt. Darum haben wir große Ursache, diese Wohltat zu bedenken, und solche freundliche und liebliche Augen unseres lieben Herrn Jesu Christi zu rühmen, daß er den Leuten so in die Herzen hinein sieht, und nimmt sich so herzlich ihres Irrweges an, weil sie so dahin gehen oder Hirten. Darum, ob er wohl seiner Ruhe wegen, wie Markus sagt, in die Wüste gewichen, dennoch macht er sich hervor, und jammert ihn des Völkleins, daß sie geistlich Hunger leiden und verschmachtet sind, und tut ihnen eine lange Predigt, speiset und tröstet sie also erstlich an der Seele. Also ist es im heutigen Evangelium auch, da der Evangelist anzeigt: das Volks sei drei ganze Tage bei dem Herrn Christus beharret, ohne Zweifel, daß sie Predigten von ihm gehört haben. Und wäre gut, daß solche Predigten geschrieben wären; aber die Evangelisten haben allein das Werk melden wollen. Das ist nun das erste Stück, daß unser lieber Herr Christus sorgfältig ist, und hat ein trauriges Herz über die verlassenes Seelen. Läßt deswegen sein Gebet anstehen, daß er gegen seinen Vater zu tun hat, nimmt sich des armen Völkleins an und predigt ihnen. Weil er nun ein solches Herz hat, wie, meinst du wohl, wie er am jüngsten Tag empfangen werde die unfleißigen Pastoren, die ihres Amtes nicht treu waren, dazu wohl ihre Pfarrkinder noch verführen? Gleich, Fürsten und Herren, die das Volk zur Abgötterei zwingen, und das Wort nicht rein lassen wollen? Sonderlich aber, was wollen hier unsere Bischöfe sagen und wie wollen sie sich verantworten, welche den Namen führen und das Amt rühmen, Gott habe sie zu Bischöfen und Seelsorgern gemacht, und tun doch nichts, denn daß sie wissentlich das Volk in Abgötterei halten, und zur rechten Erkenntnisse des Wortes und rechten Gottesdienstes nicht kommen lassen wollen, strafen dazu ihre Untertanen an Gut und Leid, wenn sie der Abgötterei nicht folgen wollen. Gleich, was wollen Vater und Mutter sagen, die ihre Kinder nicht fleißig zur Kirche und dem Wort halten? Da wird er ohne Zweifel sagen: Ihr Herren und Frauen, ihr Könige und Fürsten, ihr habt so viel Seelen unter eurem Gebiet gehabt, die solltet ihr zu Gottesfurcht gezogen und fleißig zum Wort gehalten haben; aber ihr habt es nicht getan, habt sie lassen ruchlos werden und ohne alle Gottesfurcht aufwachsen. Von wem sollte ich für solchen unsäglichen Schaden Rechenschaft fordern? Von niemand, denn eben von euch Eltern, Herren und Frauen, Könige und Fürsten, denen ich befohlen habe, darauf zu sehen, daß eure Kinder, Gesinde und Untertanen etwas lernen. Denn darum ist Vater und Mutter, Fürsten und Herren nicht da, daß sie ihren Kindern und Untertanen allein Frieden schaffen und den Bauch füllen; sondern sie sollen auch mit allen Fleiß dazu tun, daß Kinder, Gesinde und Untertanen zur Wahrheit und Erkenntnis des Wortes geführt, und also vor allen Dingen die Seele ihre Speise habe, daß die Menschen gottesfürchtig, fromm und selig werden. Darum ist das das höchste und größte Werk und der vornehmste Gottesdienst, den wir auf Erden tun können, daß wir andere Leute, und besonders die uns befohlen sind, zur Erkenntnis Gottes und dem Heiligen Evangelium bringen. Solchem guten Werk ist der Teufel sehr feind, setzt sich heftig dagegen mit Rotten und Verfolgung. Neben dem ist es an sich selber ein sehr schweres Ding und kostet viel Mühe und Arbeit, ehe man die Kinder und das junge Volk ein wenig auf die Beine bringe, daß sie die Lehre annehmen um gottesfürchtig werden. Diesen Gottesdienst und das größte Almosen richtet der Herr hier am ersten aus, hilft den armen Leuten an der Seele. Das heißt den Sabbat recht geheiligt, damit Gott mehr gedient und den Leuten besser geholfen ist, denn wenn der Herr einem jeglichen unter ihnen, die seine Predigt gehört, hätte tausend DM geschenkt. Denn die geistliche Speise übertrifft weit die leibliche, durch welche der Mensch ewig lebe. Diesem Beispiel sollen Vater, Mutter, Herren, Frauen und Regenten folgen, so könnten sie an ihren Kindern, Gesinde und Untertanen den Himmel verdienen, das ist, daß höchste und Gott wohlgefälligste Werk tun, wenn sie also am ersten den Seelen helfen, daß sie nicht zum Teufel führen. Nach diesem geistlichen Almosen (nach der Predigt, welches billig das reiche Almosen heißt) geht das andere geringere Almosen auch an, daß der Herr auch dem Leibe will helfen. Denn Christus ist nicht darum gekommen, daß er Seele oder Leib verderben will; er will überall gern helfen. Darum hat es die Meinung nicht, daß sich ein Mensch zu Tode faßten oder beten soll. Aber doch soll die Übung dermaßen sein, daß der Leib gesund bleibe. Wer aber dem Leibe Schaden tut (wie im Papsttum in den Klöstern von vielen geschehen ist, die sich mit gar zuviel Beten, Fasten, Singen, Wachen, Singen und Kasteien verdorben haben, daß sie vor der Zeit haben Sterben müssen), der ist sein eigener Mörder, davor hüte dich, als vor einer großen Todsünde. Sirach spricht im 33. Kapitel Vers 25.: «dem Esel gehört sein Futter, Geißel und Last; also dem Knecht sein Brot, Strafe und Arbeit.» «Doch, spricht er bald danach, Vers 30, lege keinem zuviel auf, und halte Maß in allen Dingen.» Der Leib ist sterblich, darum muß er seine Futter haben, daß er gesund bleibe. Danach soll er nicht müßig gehen, sondern etwas vorhaben und arbeiten, sonst wird er geil und unruhig. Zum dritten muß die Geißel oder Strafe auch da sein, daß er immer anhalte und fortfahre, nicht faul und nachlässig werde. Doch soll es ein Maß haben. Denn der Mensch kann nicht immerdar arbeiten, er muß auch seine Ruhe haben, ohne welche niemand lange kann. Daher hat auch Gott nicht allein den Tag zur Arbeit, sondern die Nacht zum Schlaf und Ruhe geordnet, und wir halten Mittagsstunde zum Essen. Denn Gott ist kein Mörder, wie der Teufel, welcher damit umgeht, daß die Werkheiligen sich zu Tode faßten, beten, wachen sollen. Aber Gott hat daran keinen Gefallen; sondern also heißt es: Halte Maß in allen Dingen, wie der weise Mann vermahnt. Das ist der andere Trost, daß wir uns recht lernen in die Sache schicken und vornehmlich nach dem Wort Gottes trachten. Ob wir nun dasselbe in der Wüste suchen und Mangel darüber leiden müssen, da liegt es nicht dran. Wir haben einen reichen Herrn, der sich unserer Not annimmt und für uns sorgt, auf eine viel bessere Weiße, denn wir für uns selbst sorgen können. Denn wir können doch mit unserer Sorge nichts ausrichten. Aber wo Christus sorgt, da muß sich alle Fülle finden, wenn auch nichts da ist, wie man hier sieht. Die Apostel sorgen auch, aber viele auf eine andere Weise, denn Christus; sie sprechen: «Woher nehmen dir Brot in der Wüste, daß wir sie sättigen?» Das heißt ja sorgen; aber von solchem Sorgen wird der Sache nicht geholfen. Dagegen, da Christus sich des Volkes annimmt, und denkt, wie er ihnen Essen schaffe, obgleich nur sieben Boote da sind und ein wenig Fischlein; so reicht ist doch soweit, daß 4000 Mann genug daran haben, und bleibe noch sieben Körbe voll Brocken über; Weib und Kinder sind nicht gezählt, derer werden ohne Zweifel auch viel gewesen sein. Nun sage mir, ist es nicht wahr, wer gewiß könnte wissen, daß er mit einem einigen Gulden soweit könnte reichen und so lange davon zehren, als ein reicher Mann von 10000, der würde es sich freilich nicht anfechten lassen, ob er gleich nur einen Gulden hätte, und würde jenen mit den 10000 Gulden nichts reicher achten denn sich. Wo aber jener auf seinen großen Haufen pochen und trotzen wollte, würde dieser noch sein dazu Spotten und sprechen: Du hast zumal eine vergebliche Freude; denn auch du gleich viel hast, so hast du doch keinen Vorteil vor mir, ohne daß du mehr zählen mußt, denn ich; sonst müssen dir deine 10000 Gulden ebensobald zerrinnen, als mein einziger Gulden. Wie kommt es denn, daß wir, so alle Christen sind, oder wollen es ja zum wenigsten alle sein, nicht durchaus auch also tun, uns weder der Fülle oder des Überflusses trösten, und vor dem Mangel nicht erschrecken, noch sorgfältig darüber werden? Denn so wir Gottes Wort treulich und fleißig anhangen, soll es nicht Mangel haben; Christus sorgt für uns, und muß folgen, daß wir zu Essen haben. Denn da liegt es nicht dran, ob wir etwas oder wenig haben; es liegt an seinem Segen. So er denselben zu dem geringen Vorrat schüttet, den du hast, so wird hier nicht allein nicht zerrinnen, sondern es muß solches Segens halben auch überschießen, und mehr da bleiben, denn am Anfang da gewesen ist Das sollten wir wo lernen, so würden wir nicht allein uns nichts bekümmern, obgleich Mangel vorfiele; sondern auch dem Geiz, der uns sonst immerdar ängstet, wehren können. Denn die Unart haben wir alle an uns, daß wir denken, wer viel habe, der dürfe desto weniger sich der Gefahr besorgen, und könne desto weiter reichen. Daher kommt es, daß jedermann gern viel haben will, und kommen die Leute endlich dahin, daß sie weder nach Gott noch den Leuten fragen, wenn sie nur ihren Geiz nachkommen und viel Gutes zusammen können scharren. Wer nun fleißig diesem Wunderwerk nachdächte, der würde andere Gedanken fassen, und sich weder der Fülle trösten, noch den Mangel schrecken lassen denn er würde sein Herz dahin richten und schließen: Wer Christus hat, der hat einen solchen Haushalter, der aus wenig viel, ja, aus nichts alles machen kann. Dagegen nur Christus mit seinem Segen nicht ist, der müssen großer Haufen zerschlagen und von Tag zu Tag abnehmen. Diese sieben Brote hier und die Fischlein haben vielleicht für den Herrn selbst und seine Jünger gehört auf eine Mahlzeit. Denn weil der Herr im Brauch hatte, daß er oft sich von den Leuten eine Zeitlang tat, Betens und anderes wegen, mußten die Jünger auf solches Reisen sich mit dem Essen schicken. Da aber so viel Volks zum Herrn kommt, und diese Not vorfällt, daß sie nicht zu Essen haben, muß dieser Vorrat dazu dienen, daß die ganze Menge damit gespeist werde. Sobald nun der Herrn die sieben Brot nimmt, sie bricht und den Jüngern gibt, dieselben dem Volk vorzulegen, wachsen sie unter seinen Händen zusehends, daß er immer, daß er gebrochen hat, den Jüngern reicht, und bleibt ihn doch mehr in den Händen, denn er ausspendet. Diese Kunst kann er, und beweist sie auch seinen Jüngern zu gut, daß sie seinem Wort nachgehen; aber doch nicht eher, es sei denn Not und Mangel vorhanden. Darum, wer solchen Segen begehrt, der beschwere sich des Mangels nicht, daß es eine Zeitlang übel zugeht. Halte du fest am Wort und deinem Beruf, nach Christus Befehl; danach laß ihn sorgen, wie er dich ernähre. Denn das hat nie kein Mensch weder gesehen noch gehört, daß ein Christ wäre Hungers gestorben. Man verfolgt sie wohl, wirft sie ins Gefängnis und tötet ihrer viele; aber wenn sie zuvor das erste und reiche Almosen hinweg haben und dem Wort glauben, so haben sie alle zu Essen gefunden und sind ernährt worden. Denn daran soll einem Christen nicht gelegen sein, ob er es gleich nicht zu gut, herrlich und viel hat, wie die reichen Leute haben. Denn hier geht es auch schlecht zu. Der Herr Christus gibt seinen Gästen ein Stück Brot und Fisch, und einen Trunk Wassers, setzt ihnen nicht zehn Gerichte, und köstlichen Wein vor, wie die Reichen pflegen, die den Überfluß haben. Also will der Herr auch, daß seine Christenheit hier die kurze Zeit ihrer Wallfahrt nicht nach großem Gut streben sollen. Sondern daß sie sich an dem geringen, daß er ihnen bescherte, genügen lassen. Denn was willst du mehr, denn daß du dich des Hungers erwehren und gesunden Leib behalten könntest? An dem lasse du dir genügen. Haben es andere Leute besser, so mögen sie Gott dafür danken, und sich hüten, daß sie mit dem Überfluß nicht sündigen und zu ihrem eigenen Schaden mißbrauchen. Denn man sieht, daß der Reichen Kuchen nicht jedermann dienen, und die Leute nicht lang gesund dabei bleiben; das mancher sich lieber ein Stück Brot und einen frischen Trunk Wassers wünschen sollte, dabei er möchte gesund bleiben, denn solchen Überfluß, da Krankheit und ungesunder Leib aus folgen muß. Wie man bei den Reichen sieht, die mehr nach Wollust, denn was dem Leib gesund ist und zur Notdurft dient, trachten. Darum geschieht es ihnen auch so, daß ihrer viele vor der Zeit an mancherlei Seuchen sterben. Der dagegen arme Leute, die da Essen und Trinken zu ihrer Notdurft, was sie haben, dabei frisch und gesund bleiben, und viele Jahre erreichen. Die Reichen könnten fein und mäßig zehren und leben, des Überflusses weniger machen, mit zwei, oder auf das meiste 3 Gerichten, sich behelfen, daß sie satt würden, fröhlich, guter Dinge und lustig dabei bleiben. Das tun sie nicht, sondern machen der Wollust zuviel, tun damit ihren Leib und Leben weh, daß sie noch in ihrer Jugend siech und krank werden, und vor der Zeit sterben müssen. Über das, wo bleiben dabei die Armen, die das trockene Brot nicht haben können, die ja die Reichen nicht sollten Not leiden lassen, wenn sie vor den großen Unkosten und Überfluß dazu könnten kommen, den sie auf Kleidung wenden, da nicht allein überflüssig alles voll auf sein, sondern auch viel unnützlich umkommen und verderben muß? Denn die Unart haben gemein die Reichen an sich, die des reichen Mannes, Lukas 16 Schüler und Nachfolger sind, daß sie sich nicht lassen dauern, was zur Pracht, Überfluß und Wollust gehört und dient. Wo sie aber einem Armen einen Rock geben, oder sonst Hilfe tun sollen, dessen beschweren sie sich, oder tun es ungerne; und wo sie reichlich den Armen geben und helfen sollen, tun sie es unbillig, und stellen sich, als stünde ihnen ihr Verderben dann an. Darum tut unser Herr Gott über die Maßen recht, daß er es ihnen entweder läßt alles zerrinnen, wo sie zuvor im Wein gebadet haben, daß sie hernach kaum das liebe Wasser haben; oder, so sie am Gut keinen Mangel leiden, müssen sie am Leib ihre Marter und Plage haben, welches verdrießlicher und weher tut. Wie man denn sieht, daß die Reichen ihre sondere Plage und Krankheiten haben, Zipperlein, Stein, Grimmen, Lähme und dergleichen. Das haben sie davon, daß sie ihres Leibes sowohl wissen zu warten, und lassen daneben die armen, dürftigen Leute Not leiden; dienen Gott solchen Mangel, den sie leiden, erstattet, ob sie gleich nur ein trockenes Brot und einen Trunk Wasser haben, daß sie doch gesund, fröhlich und guter Dinge dabei sind. Dies habe ich zu einer Erinnerung hier melden wollen, da wir hören, wie der Herr seine Gäste so kurz abspeiset, mit einem Stück Brot und einem Stück Fisch. Also dient das heutige Evangelium dazu, daß wir unseren lieben Herrn Jesum Christum als einen gnädigen Herrn und Vater sollen erkennen lernen, der Leib und Seele gerne will helfen, und mit der nötigen Hilfe am ersten kommt, daß er sein Wort mit uns teilt, und dadurch lehrt, wie wir Gott erkennen und aus Gnaden sollen selig werden. Danach wer das Wort halben in Mangel kommt und leiden muß, da will er uns auch nicht lassen, sondern seinen Segen zu unserem kleinen Vorrat setzen, daß es wohl ergeben und sich mehren soll wieder aller Welt Vernunft und Gedanken. Für solche Lehre sollen wir Gott heute danken, und bitten, daß er mit seinem geistlichen und zeitlichen Segen uns durch Christus versorgen wolle, Amen.   Am achten Sonntag nach Trinitatis Matthäus 7, 15-23 Sehet euch vor den falschen Propheten, die in Schafskleidern zu euch kommen; inwendig aber sind sie reißende Wölfe. An ihren Früchten sollt ihr sie erkennen. Kann man auch Trauben lesen von den Dornen, oder Feigen von den Disteln? Also ein jeglicher guter Baum bringet gute Früchte; aber ein fauler Baum bringet arge Früchte. Ein guter Baum kann nicht arge Früchte bringen, und ein fauler Baum kann nicht gute Früchte bringen. Ein jeglicher Baum, der nicht gute Früchte bringet, wird abgehauen und ins Feuer geworfen. Darum an ihren Früchten sollt ihr sie erkennen. Es werden nicht alle, die zu mir sagen: Herr, Herr! In das Himmelreich kommen, sondern die den Willen tun meines Vaters im Himmel. Es werden viele zu mehr sagen an jenem Tage: Herr, Herr, haben wir nicht in deinem Namen geweissagt? Haben wir nicht in deinem Namen Teufel aus getrieben? Haben wir nicht in deinem Namen viele Taten getan? Dann werde ich ihnen bekennen: Ich habe euch noch nie erkannt, weichet alle von mir, ihr Übeltäter. Diese Predigt hat der Herr getan zum Schluß der Bergpredigt, Matthäus Kapitel 5. Und das darum, daß er wohl weiß, wo unser Herr Gott eine Kirche baute, da baut der Teufel ein Wirtshaus dazu ; oder, wie man den jungen Kindern vorsagt, da unser Herr Gott einen Erdenklos genommenen und einen schönen Menschen daraus gemacht hat, da habe der Teufel solches Werk nachmachen wollen, es sind aber nur Kröten und Schlangen daraus geworden. Denn es ist allezeit so gewesen, wenn die rechte Predigt ihren Lauf begonnen hat, daß der Teufel falsche Lehre und Ketzerei darunter gemengt hat. Wie du in einem Garten siehst: da fehlt es nicht, wenn man Gutes hinein säet, so wächst Unkraut auch mit, und man hat Mühe, daß man in den guten Samen vor dem Unkraut erhalten und aufwachsen lassen kann. Weil denn anderes nicht daraus wird, wir müssen wir auf Erden unter dem Teufel sein, der die Welt unter sich hat und sein Unkraut immer dazwischen sät: so vermahnt und warnt uns der Herr im heutigen Evangelium, als unser treuer Lehrer und Erzhirte unserer Seelen, daß wir uns sollen vorsehen und hüten vor den falschen Propheten. Als sollte er sagen: Ich habe mein Wort euch geben, und treulich gelehrt, was ihr tun, und wie die zehn Gebote recht verstehen, recht beten, recht faßten, Gott Vertrauen und anderes sollt. Nun liegt es da an, daß ihr euch vorsehet, daß ihr von solcher Lehre nicht abgeführt werdet. Ich warne euch, ihr werdet euch nicht entschuldigen können; denn ich sende euch nicht unter Engel, sondern unter die Wölfe, und säe euch nicht unter den Weizen, sondern mitten unter daß Unkraut. Darum sehet euch vor, daß ihr euch nicht verführen lasset. Also will der Herr, daß wir nur am Wort halten und von denselben uns nicht sollen abführen lassen. Was aber dem Wort entgegen ist, daß sollen wir hassen und fliehen, als den Teufel selbst. Darum soll niemand sicher sein, noch schlafen. Denn es wird nicht fehlen (wie zuvor gesagt), wo das Wort recht und fein ist, da bleiben die Wölfe nicht außen, sondern kommen gewiß. Wie man den sieht, erstlich in der Kirche, danach auch in weltlichem Regiment und Haushalten. Allenthalben mischt sich der Wolf ein, ob er uns von Wort reißen und Schaden tun könnte. Die christliche Kirche hat das rechte, reine Wort Gottes; dabei kann der Teufel sie nicht bleiben lassen, führt allerlei Schwärmer herein, die von der Taufe, vom Abendmahl Christi, von Christus selbst etwas Neues uns Sonderliches bringen, die Leute dadurch Irre machen und verführen. Und wo sich solche Schwärmer finden, haben wir, als heillose, vorwitzige Leute, die Unart an uns, sobald wir etwas Neues hören, daß wir sofort darauf fallen, fallen vom Wort, und gaffen solchen Rotten und Schwärmern auch noch nach. Da gehört nun diese Warnung besonders hin. Als sollte Christus sagen: Die falschen Propheten werden nicht außen bleiben, sondern gewiß zu euch kommen, und dazu mit einem schönen, gleißenden Schein, daß ihr denken werdet, ihr habt euer ganzes Leben noch nie eine bessere Predigt gehört; werdet also dahin fallen, wie das unzeitige Obst, wenn der Wind daher kommt. Denn wo ein Christi fleißig wäre, und hätte nicht mehr denn den Katechismus, die zehn Gebote, den Glauben, das Vater Unser, und die Worte des Herrn von der Taufe und Sakrament des Alters, der könnte sich gut damit wehren und bestehen gegen alle Ketzereien. Aber weil wir so unfleißig daß Wort hören, und ledige Herzen behalten, die sich nicht an das Wort halten, daher kommt es, daß der Teufel solche ledigen Herzen findet, und sie in grobe und schlimme Irrtümer führt. Davor will uns der Herr gerne warnen, daß wir nicht solche leichtfertigen Herzen behalten, sondern bedächten, wie wir Gottes Wort ja wohl und fest fassen könnten. Denn er schickt uns nicht unter die Engel, sondern unter die Wölfe; da heißt es gut aufpassen. Wer nun hier der Sache will gewiß sein und nicht irren, der halte sich, spricht Christus, ein mein Wort. Das ist das rechte Licht, daß ich euch angezündet habe, und der Harnisch, damit ihr euch gegen des Teufels Stiche halten könnt, und euch fein wehren, wenn er auch gleich den Schafskleidern zu euch kommen wird. Nun ist aber das schrecklich und steht uns eine große Gefahr darauf, daß der Teufel, wenn er zu uns kommt (in seinen Rottengeistern), kommt er also nicht wie ein Teufel, sondern er schmückt sich, als wäre er Gott selbst; wie er zu unserem lieben Herrn Christus auch gekommen ist, da er sprach: «Bete mich an, so will ich dir alle Reiche der Welt geben.» Das waren nicht Worte, die der Teufel reden sollte, sondern gehören der hohen Majestät, dem ewigen Gott, zu. Denn er ist es, den man allein anbeten soll, und der allein aller Welt Reiche mächtig ist, und gibt sie nach seinem Gefallen, wem er will. Darum straft ihm Christus und spricht: «Hebe dich, Satan.» Als sollte er sagen: Du gibst dich gerne für Gott aus; aber ich kenne dich: du bist der Teufel. Darum müssen wir auf die Schafskleidern nicht sehen; sonst werden wir betrogen, und müßten den Teufel an Gottes statt annehmen und hören. Denn, wie gesagt, er kommt zu uns in seinen Rotten, Schwärmern und Ketzern: nicht in einer Wolfshaut, die schrecklich und jeder kennt, sondern in Schafskleidern. Denn erstlich führen sie Gottes Wort und die Schrift, rühmen viel von Christus, von Gottes Geist, wissen alles besser denn andere, machen dabei auch einen großen Schein, daß sie viel Leute an sich ziehen und großen Schaden tun. Dazu führen sie auch ein strenges, scheinbares Leben mit einem frommen Schein, daß man darauf schwören möchte, es wäre eine große Heiligkeit mit ihnen, sie meinten es recht und gut: und ist doch der leidige Teufel. Wie wir an den Wiedertäufern, Sakramentschwärmern und anderen sehen. Wo nun die Herzen unachtsam und ledig sind, nicht genau auf das Wort sehen, da schleicht der Teufel durch solcher Geister irrige Lehre ein, wie eine Schlange in einen Menschen, der im Gras schläft. Deswegen sollten wir unseres Herrn Christi treue Warnung mit Fleiß annehmen, und nicht solche Maulaffen sein, die nichts können, denn das Maul offen halten und immer nach einem Neuen gaffen. Wir sollten daß Wort fleißig hören, fest daran halten, und alle Lehre nach dem Wort richten und urteilen; so würde der Teufel nicht so leicht einen Schaden tun. In weltlichem Regiment geht es auch also zu, welches gleich ein Beispiel und Gemälde der christlichen Kirche ist. Wenn die Fürsten sicher und unfleißig sind, nicht selbst ihres Amtes und Befehls warten, so wird das Land voll Heuchler. Denn sie trauen hier, sie trauen da, verlassen sich auf ihre Amtleute; die halten so Haus, wie es ihnen am besten nutzt. Darüber wird der arme Mann vergessen und beschwert; da gibt Gott endlich bösen Segen zu. Denn es ist nicht recht, daß Herren ihre großen Sachen und Händel wollen anderen befehlen und jedermann trauen, und sich der Händel nicht selbst annehmen. Sie sollen selbst in das Spiel sehen, Rechenschaft selbst einnehmen, und nicht weiter glauben, denn sie sehen, so würden sie desto weniger getäuscht. Also ist es auch im Haushalten. Wenn Herr und Frauen schnarchen, und dem Gesinde alles unter die Hände lassen und auf ihr gut Vertrauen stellen, so geht es nach dem Sprichwort: Ist der Meister nicht da, tanzen in die Mäuse auf dem Tisch. Wahr ist es, trauen soll und muß man; denn es ist ein schändliches Ding wer immer nur mißtrauisch ist, niemand etwas gutes zutraut: aber es soll alles auch ein Maß haben, daß man nicht zuviel traue; sondern selbst mit zu sehr, und durch zuviel Vertrauen, wie häufig geschieht, dem Gesinde nicht Ursache zum sündigen gebe. Nun soll aber das Gesinde auch nicht sicher sein, sondern fleißig sich halten nach dem Befehl ihrer Herrschaft, und sich durch böse Gesellschaft davon nicht abführen lassen. Denn wie kann es da wohl zu gehen, wenn Vater und Mutter zum Kinde, Herr und Frau zum Gesinde sprechen: Tue das; daß sie sich ihre Gesellen überreden lassen, daß sie daß, so ihnen befohlen ist, lassen anstehen und etwas anderes tun? Gehen dabei spazieren, spielen, zechen, wo sie doch im Hause arbeiten, daß und jenes tun sollten. So eine Gesellschaft stellt sich aber nicht, daß sie böse wären, sondern geben sehr gute Worte; aber weil sie zum Ungehorsam Ursache geben, ist es der leidige Teufel; dem sollst du nicht folgen. Mancher Knecht oder Magd hat einen guten Dienst bei ehrlichen frommen Leuten, die nicht gern Unzucht oder Leichtfertigkeit an den ihren sehen oder leiden wollen. Aber was hat der Teufel durch böse Mäuler zu schaffen? Hier kommt eins, dort eins, und sagt: Was willst du?, willst du dich einsperren lassen und so hart halten lassen? Du könntest keine Sache wohl verbessern, an einem Ort sein, wo es dir besser ginge, wo du mehr Lust hätte ist, nicht so hart arbeiten und bessere Tage hättest. Mit solchen Worten ist ein einfältiger Mensch bald beredet, denkt nicht, daß man es böse mit ihm meine, ja, hält solche feinen Mäuler für gute Freunde, obwohl sie doch die ärgsten Feinde sind. Denn einem jungen Menschen ist nichts schädlicher, denn wo man ihm seinen Willen läßt, nicht anhält und treibt zur Zucht und Arbeit. Also geht es immer in allen Ständen, daß der Wolf sich findet und in die Herzen von dem Wort reißt. Denn der Teufel kann weder das Wort in der Kirche, noch ernste gute Worte in weltlichem Regiment, noch den Gehorsam in den Haushalten dulden, sondern alles, was Gott geordnet hat, daß muß er verderben, in der Haushaltung und weltlichem Regiment sowie in der Kirche. Denn das ist Gottes Ordnung und Wille, daß sein Wort in der Kirche, im Regiment gute Ordnung und Gesetze, und in Haushalten ernste Zucht und Gehorsam erhalten werde. Da legt sich der Teufel dagegen, daß er solche gottselige, notwendige Ordnung zerrütteln will. Darum sollen wir uns mit Fleiß vorsehen, nicht sicher sein; denn wir leben nicht unter vielen frommen Christen, der meiste Teil ist arg und falsch, kann sich dennoch schmücken mit den Schafskleidern, daß man den Wolf nicht erkennen kann. Solches aber geschieht am meisten und ist am gefährlichsten in der Kirche: da kommen alle Rotten, Schwärmer und Ketzer mit dem Schein, wie ihnen viele an der Leute Seelen Seligkeit gelegen, und sie gern Gottes Wort rein und die Wahrheit gefördert wollten sehen. Wenn solche Schafskleider die armen Schäflein sehen, dann denken Sie, es sei pures Gold, platzen bald darauf und lassen es sich gefallen. Denn wer wollte nicht gern Gottes Wort hören und in die Wahrheit erkennen? Aber da sollten die Christen lernen, daß der Teufel die Wahrheit ebensowohl nennen und Gottes Wort rühmen kann, als die frommen Christen. Darum sollten sie sagen: «Ich will Gottes Wort und die Wahrheit auch gern hören; aber daneben nicht zuviel trauen, sondern sehen, ob es sich mit meinem Katechismus auch reimt, und mit der Predigt, die ich bisher gehört habe. Wer also fein achtsam ist, und nicht bloß glaubt, sondern auf das Wort sieht, der ist genesen und unbetrogen. Wer es aber nicht tut, dem ist es unmöglich, daß er nicht sollte verführt werden. Also dient es mit Eva im Paradies: da kam der Teufel mit guten, glatten Worten, machte unsern Herrn Gott so fromm, als könnte man ihn nicht erzürnen. Hat er doch, sprach er, euch den ganzen Garten gegeben, daß hier alles genießen sollte; wie käme er denn dazu, daß er nun diesen einzigen Baum euch nicht gönnen sollte, der euch nicht schaden, sondern dazu dienen kann, daß ihre Weise werdet, wie er? Das waren glatte, süße Worte, die der Eva eingingen, daß sie dahin fiel und vergaß das Gebot Gottes. Da war es aus mit ihr. Am ersten, da der Teufel an sie setzte, handelte sie sehr klug, und schlug den Teufel hinweg mit dem Befehl, welchen ihnen Gott gegeben hatte. Aber da er wieder an hielt und darauf drang: Wo ihnen Gott den Baum verboten hätte, so müßte er ein neidischer, untreuer Gott sein, der ihnen nicht gönnte, daß sie so klug würden als er; da ließ sie das Wort fahren, brach den Apfel ab und aß ihn; dadurch sie und wir alle in alles Unglück und den ewigen Tod gefallen sind. Um dieser Gefahr wegen, daß wir nicht auch vom Teufel durch seine Apostel verführt werden, warnt uns der Herr hier und sagt: «Sehet euch vor.» Als wollte er sagen: Werdet ihr verführt, so ist die Schuld nicht meine, sondern euer. Ursache, ich habe euch mein Wort rein und lauter gegeben, daß soll euer Hut und Licht sein, daß euch vorleuchte. Schaut nur ihr darauf, und laßt dieses Licht nicht aus den Augen, sondern haltet euch fest daran. Höret ihr jemand dagegen reden, daß mit meinem Wort nicht stimmt, so sprecht: Ich höre nicht; hier ist mein Licht, daß leuchtet mir anders. Also hatte uns Gott genug gegeben, daß er uns sein Wort gegeben hat, und gewarnt, daß wir uns hüten vor den falschen Propheten, ist deswegen wohl entschuldigt. Wir aber sind nicht entschuldigt, wenn wir am Wort nicht halten und dem Wolfsgeschrei zuhören; selbst wenn unsere Not groß ist, daß wir es nicht tun sollten. Denn er ist ein Lügner und Mörder, der nichts anderes begehrt zu tun, denn zu verführen und würgen. Wie er bald dem Anfang im Paradies mit Adam und Eva bewiesen, und sie mit allen ihren Nachkommen in Sünde, Tod und Zorn Gottes geworfen hat. Aus solchen Jammer uns unser barmherzige Gott und Vater im Himmel durch seinen Sohn geholfen, daß wir von Sünden und Tod sind selig geworden. Darum schleicht der Feind uns wieder nach, ob er aus solcher Gnade uns rücken und in den alten Unfall bringen könnte. Da müssen wir uns wohl vorsehen, und treu am Wort halten, sonst sind wir verloren. Das sei von diesem Evangelium zum schlechten, einfältigen Unterricht gesagt, weil der Herr uns heißt vor falschen Propheten hüten und vorzusehen, daß wir beim Wort bleiben und uns davor nicht sollen abführen lassen, sondern alles, was dem Wort zuwider ist, als den Teufel selbst fliehen. Solches wäre auch genug. Denn, wie gehört, wer diesem Licht folgt und es nicht aus den Augen läßt, der ist genesen. Aber der Herr läßt es bei solchem einfachen Unterricht nicht bleiben, sondern gibt seinen Christen zwei Regeln, nach denen sie sich halten sollen, so werde es mit ihnen nicht Not haben. Die erste ist, daß sie sich durch Schafskleider nicht betrügen lassen sollen, noch nach dem Kleid ihr Urteil richten. Denn gleich wie die Wölfe, wenn sie hungrig sind, bellen und heulen wie Hunde, ob sie Vieh oder Menschen damit betrügen könnten: also tun die falschen Propheten auch, kommen mit einem köstlichen Schein, geben eine große Heiligkeit vor. Da soll sich niemand dran kehren. Dies ist die eine Regel, an der sehr viel gelegen ist. Nun ist erstlich dies das Schafskleid, darin sich die falschen Geister kleiden und damit schmücken, daß von ihnen keiner kommt, der da bekennt, daß er die Leute verführen will und nicht richtig predigen. Mit guten, glatten, sanftem Worten kommen sie, gegeben vor, wie sie der Eifer Gottes treibe, und sie am armen Volk den Jammer nicht länger sehen mögen, daß man so lange die Wahrheit ihnen verschwiegen habe. Diesen Worten ist der einfache Mann an bösen Buben nicht gewohnt, fällt darauf rein, und hält es für lauter Heiligtum, was diese Schleicher sagen und tun. Aber ein Christ soll lernen (wie oben auch gemeldet), daß der Teufel nicht kommt als ein Teufel, sondern als wäre er Gott. Also pflegen diese Wölfe auch nicht zukommen wie Wölfe; sondern legen eine Schafshaut an, daß wer sie nicht kennt, sie für albernen fromme Schäflein hält. Danach heißt auch das Schafskleid das Amt oder Beruf und die großen, herrlichen Titel. Wie wir denn erfahren haben, das Papst um Bischöfe den meisten Schaden damit getan haben, und noch, daß sie ihr Amt gerühmt, und deswegen ihre Satzungen gehalten haben wollen. Denn obgleich nicht ihr Leben so ärgerlich ist, daß sie damit niemand betrügen noch fangen können, so hat es doch einen sehr großen Schein, daß sie in öffentlichem Kirchenamt sitzen. Eben wieder Herr von den Pharisäern und den Schriftgelehrten sagt, daß sie sitzen auf Moses Stuhl. Und wir selbst können ihnen nicht solchen Ruhm nehmen; wir müssen bekennen, daß sie das Amt haben, und das Amt sei recht an sich selbst, wenn sie es nur recht brauchten. Darum, wenn der Papst und Bischöfe ihr Amt rühmen, und deswegen wollen gehört sein, und sagen sie können nicht irren, da soll ein Christ vor gewarnt sein, und sprechen: Das Amt bekenne ich wohl, es ist ein rechter Schafspelz. Aber Christus warnte mich, ich soll mir an dem nicht genügen lassen, wenn ich bin Schafspelz sehe; sondern sollen mich wohl umsehen, ob nicht ein Wolf unter dem Schafspelz verborgen ist, daß heißt, ob nicht ein gottloser, böser Bube daß Amt führe, und durch solchen Schein seines Amtes falsche Lehre einführen will. Also ist das auch ein Schafskleid, daß die falschen Propheten äußerlich einen schönen Schein und herrliches Leben führen. Wie man an den Wiedertäufern sieht: da hört man nicht Fluchen, Kleider, Essen und Trinken ist gering und schlecht, gehen viel mit Gottes Wort um, beten viel, sind im Leiden geduldig, nicht rachgierig. Dieses ist an sich selbst nicht schlecht, und wäre zu wünschen, daß diese Stücke alle Menschen hätten wie sie. Aber daß man darum ihre Lehre für richtig halten und ihnen folgen soll, da sagt Christus: Hüte dich vor ihnen. Denn unter dem Schafskleid wirst du einen Wolf finden, nämlich: daß die Wiedertäufer, gleich wie die Mönche, ihren Trost auf ihre eigene Gerechtigkeit und Werke setzen; daß sie Gott lügen strafen in seiner ersten Zusage, weil sie sich wieder taufen lassen, und damit die erste und rechte Taufe ganz zunichte machen, lehren nicht das Abendmahl richtig, daß man im armen Mal nichts anderes denn als Brot und Wein bekommt, und legen in den Christen unnötige Last auf; zerreißen die Haushaltung, sagen, es sei unrecht, etwas Eigenes haben, verachten weltliche Obrigkeit als einen unchristlichen Stand, kehren also um und zerrütten alle drei Gottesstifte, nämlich, die Kirche, Weltregiment und Hausregiment. Ein solcher schädlicher und schändlicher Wolf steckt unter dem feinen, glatten Pelz, daß die Wiedertäufer so einen schönen Schein führen im äußerlichen Leben. Mit der Mönche und Nonnen Leben hat es auch so einen Schein gehabt, daß die ganze Welt damit betrogen worden ist. Aber Gottes Wort deckt solchen Betrug öffentlich auf, daß man unter dem Schafspelz den Wolf sieht. Also sind auch die großen Gaben ein Schafskleid, davon der Herr hier sagt, daß etliche in seinem Namen weissagen, Teufel austreiben und große Wundertaten tun werden. Denn da soll ein Christ sich vor hüten, daß er deswegen nicht hinein falle, an solcher Leute sich nicht hängen, und ohne fleißiges merken alles annehmen und glauben wollte, was sie sagen; sondern vornehmlich auf das Wort sehen, ob nicht ein Wolf unter dem Schafspelz stecke. Das ist die erste Regel, daß wir uns durch die Schafwolle nicht sollen betrügen lassen. Denn wenn auch die Worte gut, daß Amt recht, daß äußerliche Leben ohne Ärgernis, und daneben große, sonderliche, und nicht schlechte Gaben sind; dennoch kann man verführt und betrogen werden: das unter dem guten Wort ein schädliches Gift, unter dem rechten Amt ein gefährlicher Mißbrauch, unter dem guten Leben ein Betrug, und unter den großen Gaben ein falsches Herz verborgen liegen. Darum, sobald du das Schafskleid siehst, so denke: Hier ist es nicht sicher; denn Christus selbst warnte, daß auch die Wölfe Schafskleider anziehen und sich darunter verbergen. Darum muß ich den Schafspelz aufdecken und darunter sehen. Wie geschieht nun das? Also: Dies ist nun die andere Regel, die der Herr gibt, daß man den äußerlichen Schein fahren rund nach den Früchten sehen soll. «An ihren Früchten,» spricht er, «sollt ihr sie erkennen.» Dazu gibt er ein Gleichnis. Niemand ist unter euch so töricht, wenn er auf dem Feld einen Dorn- oder Distelstrauch sieht, daß der hingehe und suche, ob er Weintrauben oder Feigen daran findet. Nein, solche Früchte sucht man an einem anderen Baum, denn nicht so stachelig ist. Im Garten geht es so zu. Wenn ein Baum voll Äpfel und Birnen hängt, spricht jedermann, wer es sieht: Ei, was für ein guter Baum ist das ! Wiederum, wo auf einem Baum nichts ist, spricht jedermann: Der Baum ist nichts wert, nur umgehauen und in den Ofen geworfen, und einen besseren an diese Stelle gesetzt! Diese Kunst, spricht der Herr, die sollen wir gegen die falsche Propheten gebrauchen, so kann uns der Schein, so Er auch ist, auch wenn 20 Schafspelze auf dem Wolfe liegen, ihr sollte ihn dennoch erkennen, daß er euch nicht betrüge. Was ist nun die Frucht eines rechten Propheten oder Prediger, dabei man ihn kann erkennen, daß er nicht ein Wolf, sondern ein frommes Schäflein sei? Das äußerliche Leben, der Titel und das Amt, sonderliche Gaben und Gnaden sind es nicht. Denn der Herr zeugt selbst, so lehrt es auch die Erfahrung, daß die Leute oft damit betrogen und verführt werden. Die rechte Frucht aber ist, wie der Herr am Ende meldet, daß man den Willen des Vaters im Himmel tue. Hier mußt du merken, daß der Herr nicht insgemein von allen Christen, sondern von den Propheten sagt. Wahr ist es, alle Christen sollen den Willen des Vaters tun, dadurch sie auch selig werden. Nun heißt aber «der Wille des Vaters» nicht allein der, daß man die zehn Gebote tue und Gott solchen Gehorsam leiste; denn weil wir solches in diesen Leben hier nicht vollkommen können, ist es unmöglich, daß wir uns rühmen könnten, wir hätten den Willen des Vaters getan, würden deswegen auch nimmermehr in den Himmel kommen: sondern des Vaters Wille heißt, wie Christus sagt, Johannes 6,40.: «das ist der Wille des, er mich gesandt hatte, daß wer den Sohn sieht und an ihn glaubt, habe das ewige Leben, und ich werde ihn auferwecken am jüngsten Tag.» Das ist der einzige Weg, den wir alle zugleich, Prediger und Zuhörer, gehen sollen, dadurch wir selig werden. Nun redet aber der Herr hier besonders von den Prediger und Propheten; deren rechte und eigene Frucht ist anderes nichts, denn daß sie den Willen den Leuten fleißig vortragen, und sie lehren sollen, wie Gott gnädig und barmherzig sei, der nicht Lust habe an des Sünders Tod, sondern wolle, daß er soll leben; und daß Gott selbst solche Barmherzigkeit in dem bewiesen hat, daß er seinen eingeborenen Sohn hat lassen Mensch werden. Wer nun denselben annimmt und glaubt an ihn, das ist, wer sich seiner tröstet, daß Gott ihm um seines Sohnes Willen wolle gnädig sein, Sünde vergeben und ewig selig machen, wenn diese Predigt rein geführt, und die Leute also auf Christum, als den einzigen Mittler zwischen Gott und uns, weiset, der, als ein Prediger, tut den Willen Gottes. Und dies ist die rechte Frucht, dadurch niemand kann betrogen noch verführt werden. Denn wo es möglich wäre, so der Teufel selbst also predigte, so könnte solche Predigt nicht falsch noch verlogen sein; wer daran glaubte, er würde das haben, daß sie ihn verheißt. Nach dieser Frucht, welche die vornehmste und gewiß ist, die nicht trügen kann, folgen danach auch andere, nämlich, daß das Leben mit solche Lehre sich auch fein reime und nicht dagegen sei. Aber solche Frucht soll man als dann für eine rechte Frucht halten, wenn die erste Frucht, nämlich, die Lehre von Christus, zuvor da ist. Denn es kann zuweilen die Lehre nicht unrecht sein, wenngleich das Leben ärgerlich und böse ist. Darum müssen wir zuerst nicht auf das Leben, sondern auf die Lehre sehen; so werden wir fein wissen können, ob der ein Wolf oder Schaf sei, so in Schafskleidern zu uns kommt. Wer nun den Papst und seine Kirche beurteilen will, der fange hier mit der ersten Frucht an, da wird er finden, daß die Lehre von der Seligkeit und Vergebung der Sünden nicht allein auf Christum, sondern auch auf allerlei Werke, auf Mönchsgelübde, auf Messe halten, auf Ablaß und der Heiligen Verdienst gestellt ist. Das ist ein schändlicher, giftiger, stechender Dorn, den man an keinem Feigenbaum oder Weinstock findet. Zum anderen sehe man auch nach dem Leben: da findet man, daß der Papst und sein ganzer Haufe sich aus allen ordentlichen Gehorsam heraus gezogen hat. Sie sind dem Wort und den Christen bitter feind, verfolgen, martern und würgen sie, wo sie können, Leben in greulichste Unzucht, arbeiten nichts und Fressen in der Kirche Güter umsonst. In der Summe, es ist doch nicht ein guter Tropfen an all ihrem Leben. Wo nun die Bösen Früchte beide zusammen schlagen, daß Lehre und Leben nichts taugt, da denke, es sei ein Dorn und stechender Distelstrauch, daran du nicht Trauben oder Feigen suchen solltest; und ob du dich unterstehen solltest es zu tun, daß du sie nicht nur nicht finden, sondern du wirst dich daran zerstechen und wirst zerrissen. Es liegt nicht daran, daß der Weinstock so eine ungeschaffene, rauhe Rinde, und der Feigenbaum so ein schwach, untaugliches Holz hat, dagegen aber die Dorne so eine schöne glatte Rinde und so eine liebliche, riechende Blüte und Rose hat. Um die Frucht ist es zu tun, nicht um das äußerliche Ansehen. Da sollen wir lernen unsere Rechnung nach machen, und nach nirgends etwas anderen. Was aber für eine Strafe über solche falsche Lehrer gehen werde, zeigt der Herr an durchs Gleichnis vom faulen Baum, daß man ihn abhauen und ins Feuer werfen soll. Eben nun wie es den falschen Lehrern geht, also soll es auch ihren Schülern gehen, wenn sie die rechte Lehre nicht hören, oder keine Frucht bringen werden. Darum laßt uns Gottes Wort ja vor Augen haben, es mit Fleiß hören und wohl merken; danach auch unser Leben richten, daß wir gute Frucht bringen, und alle falsche Lehre erkennen und fliehen lernen. Das verleihe uns allen unser lieber Herr Christus, durch seinen Heiligen Geist, Amen.   Am neunten Sonntag nach Trinitatis Lukas 16,1-9 Er sprach aber zu seinen Jüngern: Es war ein reicher Mann, der hatte einen Haushalter; der ward vor ihm berüchtigt, als hätte er ihm seine Güter umgebracht. Und er forderte ihn und sprach zu ihm: Wie höre ich das von dir? Tu Rechnung von deinem Haushalten; der Haushalter sprach bei sich selbst: Was soll ich tun? Mein Herr nimmt das Amt von mir; graben mag ich nicht, so schäme ich mich zu betteln. Ich weiß wohl, was ich tun will, wenn ich nun von dem Amt gesetzt werde, daß sie mich in ihre Häusern nehmen. Und rief zu sich alle Schuldner seines Herrn und sprach zudem ersten: Wieviel bist du meinem Herrn schuldig? Er sprach: hundert Tonnen Öl. Und er sprach zu ihm: Nimm deinen Brief, setze dich und schreibe flugs fünfzig. Danach sprach er zu dem andern: Du aber, wieviel bist du schuldig? Er sprach: Hundert Malter Weizen. Und er sprach zu ihm: Nimm deinen Brief und Schreib achtzig. Und der Herr lobte den ungerechten Haushalter, daß er klüglich getan hatte. Denn die Kinder dieser Welt sind klüger, denn die Kinder des Lichtes in ihrem Geschlechte. Und ich sage euch auch: Machet euch Freunde mit dem ungerechten Mammon, auf das, wenn ihr nun darbet, daß sie euch aufnehmen in die ewigen Hütten. Das heutige Evangelium ist eine Predigt von guten Werken, und sonderlich wider den Geiz, daß man Geld und Gut nicht mißbrauchen, sondern armen, dürftigen Leuten damit helfen soll. Wie der Herr am Ende mit klaren Worten sagt: «Machet euch Freunde von dem ungerechten Mammon,» das ist, helft armen Leuten mit eurem Geld und Gut. Denn das Wörtlein «Mammon» heißt auf Deutsch so viel, als Reichtum. Solche Lehre fast der Herr in ein Gleichnis, wie er denn gern pflegt (denn man kanns desto besser merken), und sagt: Wir sollen uns drein schicken, wie dieser ungerechte Haushalter. Der sah, weil er vom Amt abgesetzt ward, daß er anderer Leute Hilfe würde bedürfen; gebraucht deswegen sein Amt, weil er es noch in den Händen hatte, also, daß er da einem Schuldner die Hälfte, dort einem anderen den vierten Teil nachließ, auf das sie an solche Freundschaft denken und ihm auch helfen sollten, wenn er ihrer bedürfte. Nun ist aber des Herrn Meinung nicht, daß wir untereinander tun, und einer den anderen um das seine betrügen sollen und davon Almosen geben. Nein, sondern seine Meinung ist, daß wir in der Vorsichtigkeit, Schlauheit und Klugheit diesem Haushalter folgen sollen, Geld und Gut dahin wenden, daß wir es in einem anderen und besseren Leben genießen mögen; daß wir mit unserem Mammon uns Freunde machen, wie der Haushalter mit dem ungerechten Mammon sich Freunde machte. Hier sollen wir zuerst lernen, warum doch der Herr dem Mammon den Namen gibt, daß er ihn einen ungerechten Mammon heißt. Denn unrecht Gut soll man wiedergeben, und nichts Gutes anderen damit tun oder Almosen stiften. Wie Jesaja am 61. Kapitel Vers 8 sagt: «ich,» spricht der Herr, «bin es, der das Recht liebet, und hasset räuberische Brandopfer.» Das ist so viel gesagt: Wer Opfern, Almosen geben und mit dem Geld Gott will einen Dienst tun, daß er mit Gott und guten Gewissen erworben hat, oder sei zufrieden. Denn mit fremden Gut soll man anders nichts tun, denn daß man es dem wieder gebe, dem man es abgenommen hat. Wie schickt es sich nun, daß der Herr hier sagt: vom ungerechten Mammon soll man Freunde machen, das ist, davon Almosen geben und den Armen helfen? Antwort: Denn Herr heißt den Mammon oder daß Gut nicht darum unrecht, daß es unrecht gewonnen ist (denn, wie gesagt, unrecht Gut soll man wiedergeben); sondern daß kein Mensch des Mammons recht braucht, ausgenommen die rechten, frommen Christen, die in Gottesfurcht und nach Gottes Geboten sich halten. Die anderen brauchen des Mammons dazu, nach dem Sprichwort: Gut macht Mut, prangen, bankettiren, Leben im Saus, und lassen daneben die Armen ledig vorübergehen, denen sie wohl könnten helfen. Darum muß das Gut und Reichtum den schändlichen Namen haben und tragen, daß es unrecht heißt. Was aber Gott an solchem Mißbrauch für Gefallen habe, kann man aus dem Spruch Hesekiels wohl abnehmen, da er spricht Kapitel 16,49.: «Siehe, daß war deiner Schwester Sodom Missetat: Hochmut und alles vollauf, und guter Friede, den sie und ihre Töchter hatten. Aber den Armen und dürftigen hätten sie ungern die Hand gereicht; sondern waren stolz und harten Greuel vor mir.» Da steht es beisammen, Friede und alle Genüge haben, daß man nicht weiß, was man vor großen Mutwillen damit tun soll, und dennoch armen Leuten nicht helfen. Das ist der Jammer, und der gemeine Brauch in der Welt, da dem Gut der schändliche Name von kommt, es sei gleich so recht gewonnen, als es immer kann, daß es sei unrechter Mammon, ein verdammlich ein gestohlen Gut heißt: nicht seiner Art und Natur halben (denn was kann der arme Pfennig, Gulden, Mark, Brot, Fleisch, Fisch, Wein, und anderes dazu?) sondern des Menschen wegen, der es nicht recht braucht. Darum geht die Lehre des heutigen Evangeliums vornehmlich dahin, daß man nicht geizig sein, sondern das Gut recht brauchen, und sich Freunde damit machen soll, daß Gott bescheret hat: auf daß, wenn wir sterben und darben, das ist, wenn wir alles zurück lassen müssen, wir Freunde dort finden, die uns in die ewigen Hütten nehmen. Denn was wir hier armen Leuten Gutes tun, Freundschaft und Wohltat erzeigen, dieselben Werke werden am jüngsten Tag nicht allein Zeugen sein, daß wir uns brüderlich und christlich gehalten haben, sondern auch belohnt oder bezahlt werden. Da wird keiner kommen und rühmen: Herr, der hat mir einen Rock, einen Gulden, einen Leib Brot, einen Trunk Wassers in der Not gegeben. Ja, wie Christus sagt, Matthäus 25, er selbst, der Herr, wird hervortreten und sagen vor seinem himmlischen Vater, allen Engeln und Heiligen, was wir ihm Gutes getan, und wie wir dadurch unseren Glauben bewiesen haben. Diese Freunde werden es tun und uns in den Himmel helfen, wenn wir darben und alles, was wir haben, hier auf Erden lassen müssen. Wer nun solcher Lehre folgte, Geld und Gut, daß ihm Gott bescheret, den Armen, so ihr Brot selbst nicht gewinnen mögen, zur Steuer und Hilfe wieder fahren ließe, der würde aus dem ungerechten einen rechten Mammon machen, vielmal er ihn aus dem Mißbrauch zum rechten Brauch wendete. Denn das soll keineswegs bei den Christen sein, daß sie Geld und Gut allein für sich brauchen wollten, zu ihrer Pracht, Ehre, Wollust und Stolz. Wie man an den Bürgern und Bauern sieht, und das gemeine Sprichwort zeigt, daß solche Filze im Maul führen: Ich habe Korn und Brot für mich; willst du auch haben, so schaffe dir es selbst. daß heißt einen unrecht Korn und Brot, einem unrechter Mammon, den sie zu Sünden und ihren ewigen Verderben brauchen, da sie ihn könnten wohl und Gott zum Dienst und Gefallen brauchen, wenn sie ihrem Nächsten damit dienten. So nun aber die einen ungerechten Mammon haben, die anderen damit nicht helfen: Lieber, was werden wohl die für einen ungerechten Mammon haben, die noch dazu stehlen und anderen nehmen? Als da sind fast alle Handwerker und Händler, Knechte und Mägde, da immer eins das andere übersetzt, übervorteilt, betrügt und belügt. Die werden sich nicht allein nicht Freunde, sondern viel Feinde machen, welche alle am jüngsten Tage sie verklagen werden vor Gottes Gericht und Urteil, daß sie hier unrecht Leiden, dazu noch schweigen und solcher Feinde Christen heißen. Aber an jenem Tage wird’s anders zugehen; da werden sie den Mund auftun und sagen: Herr, da war eine teure Zeit, und dieser hatte viel Kasten voll Korn und Keller voll Wein; aber er hätte nicht ein Körnlein, nicht ein Tröpflein herausgegebenen, man hätte es ihm denn teuer bezahlt, wie er wollte. Jener ist mein Hausherr gewesen, habt mich von Jahr zu Jahr mit dem Zins betrogen. Von diesem habe ich mein Brot, Bier, Fleisch, Fisch genommen; aber da ist mir und anderen selten ein rechtes Gewicht und Maß widerfahren, noch sonst Gutes geschehen. Jahr, es werden an jenem Tage über Geizhälse, Wucherer und alle Gottlosen nicht allein die Heiligen, so hier Not und Mangel haben und Leiden müssen, und der Herr Christus selbst, sondern auch alle Kreaturen, die sie je gehabt und genossen, klagen, und über ihren Hals Zeter in Ewigkeit schreien, daß sie ihrer so übel mißbraucht haben zu ihrem ewigen Schaden und Verdammnis. Wie, meinst du denn, du elender Götzen- und Mammonsdiener, wenn dies Urteil über dich gehen wird, daß du dann bestehen werdest? Denn so die ohne Strafe nicht hindurch kommen, die andere nicht beschädigen mit steigern, übersetzen, sondern den Dürftigen nicht geben: wie, meinst du, werde denen zu Sinn sein, die nicht allein nicht geben, sondern als rechte Erzdiebe und Räuber mit ihrem Geizen, Wuchern, Stehlen Und Rauben Teuerung machen. Die große Armut noch erschweren, allein, daß sie viel Geld zusammen scharren und reich werden, und machen sich dennoch kein Gewissen darüber? Das ist nun die Predigt wieder den Geiz, daß wer ein Christ will sein, nicht immerdar seiner Hand soll auftun zum nehmen, und zum geben so hart zutun, sondern er soll gern, willig und mildiglich den Dürftigen helfen und geben, wo er kann. Das heißt Gott gedient; der wird endlich dir auch lohnen. Dagegen die Geizhälse und Wucherer die nichts können, denn alles zu sich scharen, niemand nichts, oder gar ganz wenig geben, dem leidigen Teufel dienen; der wird ihnen auch lohnen. Sonderlich aber werden alle Heiligen an jenem Tage über sie schreien und sagen: Dieser Bauer, Bürger, Händler, Edelmann konnte nichts, denn scharren, kratzen, schinden und schaben; ich hätte seiner Hilfe oft bedurft, aber er hätte mir nicht mit einem Wort geholfen, will schweigen, daß er mir sollte mit Geld und Gut geholfen haben. Eine solche Geschichte macht der Herr hier, daß er es so vor die Augen bildet, wie die armen Heiligen vor dem Herrn Christus an jenem Tage stehen, und über die reichen, kargen Filze klagen werden. Dagegen aber werden die Reichen, so mit ihrem Gut mild gewesen und anderen gern geholfen haben, in großen Ehren sein, viel Freunde (und vor allem dem Herrn Christum) finden, die ihre Wohltat rühmen werden. Daraus sollen wir lernen, mit rechten Ernst anzufangen, Fromm, mild, freundlich, wohltätig zu sein, dadurch also unseren Glauben beweisen, und (die, so wir Wohltat erzeigt haben,) dessen Zeugen vor Christus am jüngsten Tag mögen haben, daß wir uns dessen schändlichen Lasters enthalten haben, daß nicht mehr tut, denn zu sich kratzt, es gehe daneben anderen, wie es wolle. Nun steht hier: Der Herr hat den ungerechten Haushalter gelobt. Das muß nicht dahin gedeutet werden, als sollte er es sich lassen gefallen, wo hier anderen Leuten unrecht tun; sondern allein die Geschwindigkeit und Vorsichtigkeit lobt er, und will, daß hier in einer guten Sache auch den Ernst und Fleiß brauchen, den dieser Haushalter in einer bösen Sache, sich Nutz und seinem Herrn zu Schaden, gebraucht hat. Eben als wenn du ein unzüchtig Weib siehst, daß sich, ihre Buhlerei auszurichten, auf das schönste schmückt: da kann das arme Gold, Samt und Seide nichts dazu, daß sie es zur Unzucht mißbraucht. Aber dennoch kann ich es nicht rühmen und zu dir sprechen: Siehst du auch, wie dies Weib sich zu ihr Unzucht weiß zu schicken? Warum brauchst du solchen Fleiß nicht auch dazu, daß du deinem Bräutigam, unseren lieben Herrn Christus, mögest gefallen? Mit diesen Worten lobe ich die Hurerei nicht, sondern den Fleiß, die Sorge und Vorsichtigkeit, daß wir derselben in guten, ehrbaren, redlichen Sachen brauchen sollen. Darauf ist wohl acht zu geben, daß Christus ihr redet ein sehr schreckliches Wort, da er sagt: «Die Kinder dieser Welt sind klüger, denn die Kinder des Lichts in ihrem Geschlecht.» Das Bedarf nicht viel Deutens; wir sehen es vor Augen täglich, leider mehr, denn gut ist, wie die Welt so überaus genau sucht, wenn sie ihren Vorteil sieht, und sich keiner Mühe noch Arbeit verdrießen läßt. Wieviel Mühe, Sorge und Gefahr haben die Strauchdiebe, die sich in Hecken behelfen? Die haben weder Tag noch Nacht Ruhe, steht ihnen dazu die Gefahr, daß sie der Klinge oder Strang zuteil werden: noch lieben sie ihr teuflisches Leben. Also ein Dieb, ein Buhler, ein Ehebrecher, führen aller ein mühsames Leben, brauchen allerlei Liste und Tücke, Ränke und Vorteil, daß sie ihrer Arbeit und Unzucht ausrichten; und wird ihnen über die Maßen sauer, bis sie dem Teufel seinen Dienst ausrichten. Dagegen aber sehen wir, wie die Kinder des Lichts, das ist, die rechten Christen, faul, verdrossen, unachtsam und unfleißig sind in Gottes Sachen, da sie wissen, daß Gott ein Wohlgefallen an hat und sie es in Ewigkeit genießen mögen. Also sauer kommt sie das Gute an. Geht also nach dem gemeinen Sprichwort, daß es die Gottlosen zweimal saurer ankommt, die Hölle zu verdienen, indem sie dem Teufel so fleißig dienen, und ihm zu liebe alles tun und Leiden, denn die Gottseligen den Himmel; und ist fein geredet, wenn man es recht versteht. Darum muß Gott seine Christen gleich mit den Haaren dazu ziehen und zwingen, daß sie tun, was sie sollen. Darum ist dieses ein sehr feines Gleichnis, daß der Herr hier uns vorhält. Wenn wir Christen sind, und tun wollen, was wir sollen, so dürfen wir nicht in die Bücher sehen, ein jeglicher sehe in sein eigenes Haus, wie böse Kinder, böse Knechte, Mägde auf Büberei, Schalkheit und alles, was der Teufel liebt, abgerichtet und fertig sind. Da wirst du so einen großen Fleiß spüren, daß die Leute auf die Schalkheit so versessen sind, daß sie nicht wissen, wie sie sich genug böse und mutwillig stellen sollen. Da lerne, daß du dergleichen gegen Gott und sein Wort, und deiner Seligkeit zu gut auch tust, und nimm dir eine nützliche Lehre und Beispiel von solchem argen Wesen. Gedenke: Ei, der Bauer, Bürger, Kaufmann, diese Frau, Magd dem Teufel mit solchem Fleiß dienen, und sich keiner Mühe verdrießen lassen: warum wollte ich doch meinem Herrn, des ich in Ewigkeit genießen soll, nicht auch also dienen? Sie laufen, als wären sie unsinnig, doch ihrem ewigen Schaden und verderben nach: wie bin ich denn so schläfrig und faul, wo es doch meiner Seelen Seligkeit betrifft, daß mich Gott noch mit den Haaren dazu ziehen muß? Sollte ich mich doch anspucken, daß ich nicht zum Himmel zu krieche, da jene zur Hölle also laufen und rennen! Sonderlich aber tragen die Kinder in der Welt den Kindern des Lichts ein feines Beispiel vor in dem Fall, da der Herr hier von sagt. Denn siehe auf einen, den der Geiz recht besessen hat, so wirst du finden, daß er weder Tag noch Nacht vor seinen eigenen Gedanken Ruhe hat, all sein Achten und Trachten ist auf Geld. Findet er einen freien Winkel im Haus, er macht eine Kammer daraus, daß er sie vermieten kann, nimmt jetzt diesen, bald einen anderen Handel vor, versucht, welcher am meisten Gewinn bringe. In der Summe, nicht einen Pfennig ließe er dahinter, und dauert ihn keiner Mühe noch Arbeit, wo er Geld sieht. Da sollten wir lernen, wie ein Geiziger sich um das Geld kümmert, wir uns auch um das Ewige so mit Ernst kümmern. Aber wo findest du einen Christen, der es tut? Der sich so freut, wo er einen armen Menschen findet, dem er mit 10 Gulden, mehr oder weniger, nachdem sein Vermögen und jenes Notdurft erfordert, helfen kann; wie sich ein reicher Wucherer freut, wenn er mit seinem Geld großen Gewinn zu schaffen weiß? Hier läuft jedermann zu, und wollte gern das Hundert auf 10, 20 oder mehr Gulden bringen. Aber was ist das gegen den Wucher, den unser Geld gewiß tragen soll, wenn wir den Armen damit helfen? Denn so spricht Salomon: «Wer sich des Armen erbarmet, der leihet Gott auf Wucher.» O wie einen Gewissen Schuldner, o wie einen treulichen Bezahler hätten wir, wenn wir nur selbst wollten! Aber der Teufel will uns dazu nicht lassen kommen, daß wir solches glauben, und nach solchem reichen Wucher, der mehr denn die Hauptsumme bringt, mit Ernst trachteten. Darum geht es uns recht, weil wir mit den Menschen lieber denn mit Gott wuchern, daß nicht allein große, schreckliche Sünde, sondern auch großer Unfall und Unglück dabei ist, und wir Leib und Seele mit dem schändlichen Mammon einbüßen. Darum beschließt Christus recht und spricht, daß die Welt Kinder auf das ihre viel fleißiger und klüger sind, denn seine Kinder. Denn also findet sich im Werk, daß der Teufel immer Hundert Dienste bei seinen hat, da Christus kaum einen hat. Was sollen wir dazu tun? Ändern können wir es nicht; denn die Welt läßt sich nichts sagen. Predigen mögen wir, und immer anhalten mit Strafen, Drohen, Vermahnen, ob wir etliche Weltkinder dem Teufel aus seinen Stricken reißen könnten; auch den faulen, lässigen Christen, ja, uns allen getrost zusprechen, daß wir von solchem Fleiß, welchen die Welt in des Teufels Diensten braucht, ein Beispiel nehmen, daß wir uns auch darin üben in dem Guten, wie die Adamskinder sich üben in dem Bösen, ob wir doch ein wenig von diesem Beispiel erlangen möchten, sonderlich, weil wir den Vorteil haben (es gehe gleich so schwer es will), daß wir Kinder des Lichtes sind. Wenn wir bei diesem Namen bleiben, daß wir zu dem Licht gehören, ob wir gleich nicht so fleißig sind, nicht so klug anstellen, wie die Weltkinder, so hat es nicht Not: allein, daß wir etwas tun und also erfunden werden, daß wir zum wenigsten haben angefangen unter dem Häuflein zu sein, daß da heißt: «Kinder des Lichts.» Das nehme sich aber niemand vor, daß wir es dahin überhaupt bringen werden, da es die Weltkinder hin bringen in ihrem Geschlecht. Es sollte wohl also sein, daß wir es ihnen weit zuvor täten, weil wir die Verheißung haben, daß wir die ewige Krone empfangen; aber Hindernisse liegen uns zu viele im Wege. Trotzdem sollen wir uns mit rechten Ernst bemühen, daß wir von Tag zu Tag in Zucht, Geduld, Sanftmut, Barmherzigkeit und anderen christlichen Tugenden fortfahren. Denn so wir nur im anheben und auf dem rechten Weg sind und bleiben, so wird es der Schritt, er sei gleich so langsam und klein er wolle, sein geben, daß wir vorwärts kommen. Allein das wir nicht denken, wir hätten es getan. So ist nun unser Trost, daß wir also anfangen, Gott will uns nicht urteilen, wie die Weltkinder, die sicher zur Hölle rennen und lassen sich dieses nicht sauer werden; sondern er will in allen Gnaden zu uns sagen: Du solltest mir ja treuer gedient haben und fleißiger gewesen sein, weil du ein Kind des Lichtes bist; aber es ist nicht geschehen. Darum muß ich den Mantel darüber decken, der da heißt Gnade und Vergebung der Sünden. Die muß in unser Leben geworfen, daß wir darunter, als unter dem freien, weiten Himmel, wandeln. So werden wir dennoch ein Freund oder zwei dort oben finden; sonderlich aber den rechten Freund, der den Himmel geben und selig machen kann, unseren lieben Herrn Jesu Christum. Das ist die Lehre aus dem heutigen Evangelium, daß wir mit dem ungerechten Mammon sollen recht lernen umgehen und uns Freunde damit machen, das ist, den Leuten damit dienen; wie dieser Haushalter sich mit fremden Geld Freunde machte. Wir pflegt man zu fragen, wie solche Lehre sich reime mit der Lehre vom Glauben? Und sonderlich die Katholiken machen viel Geschrei davon, bedeuten es dahin, daß man mit Werken könne den Himmel verdienen, der Glaube tue es nicht allein; weil der Herr hier sagt: Die Freunde werden euch in die ewigen Hütten nehmen. Sie sind es aber nicht wert, daß man ihnen diese Frage beantwortet (denn sie nehmen es doch nicht an, sondern lästern), wollen deshalb um der Frommen willen, kurz auf diese Frage antworten. Die Katholiken müssen selbst bekennen, daß die Freunde, von denen der Herr hier sagt, sind Menschen, die bei und um uns wohnen. Denn wie könnten wir ihnen sonst geben? Zum anderen müssen sie auch dieses bekennen: Weil diese Freunde Menschen sind, wie wir, daß sie den Himmel uns nicht geben können. Denn Gott allein, als der rechte Hausherr, ist allein des Himmels mächtig. Warum sagt denn der Herr «machet euch Freunde von dem unrechten Mammon, auf das, wenn ihr darbet, sie euch in die ewigen Hütten nehmen»? Wie mag solches zu gehen? Die Auslegung sollen wir nehmen aus den Worten Christi Matthäus 25., da er sagt, er wolle am jüngsten Tag rühmen, was wir unseren Brüdern hier auf Erden Gutes getan haben, daß es ihm geschehen sei, und wolle uns das ewige Leben geben. Diese Worte zeigen dir, wer der rechte Freund ist, der den Himmel geben will, nämlich, Christus. Die armen Bettler, denen wir mit einem Gulden oder Groschen ihr auf Erden helfen, werden es nicht tun; ob sie wohl mit ihrer Fürbitte, Gebet und anderem uns wiederum dienen und nützen können. Darum ist es ferner auf das zu antworten. Ob wir (wie es sich läßt Ansehen) durch Almosen den Himmel und das ewige Leben erkaufen können? Darauf ist zur antworten. Paulus sagt: «Was nicht aus dem Glauben geht, das ist Sünde,» der Römer 14,23. Darum muß folgen, daß Gott an der ungläubigen Almosen keinen Gefallen habe, viel weniger den Himmel und das ewige Leben darum geben werde. Die aber an Christus glauben und ihren Glauben mit Werken beweisen, derselben Werke Gefallen Gott wohl um des Glaubens willen. Gott will auf solche Werke in jenem Leben bezahlen oder belohnen. Aber aus dem folgt nicht, daß das ewige Leben um der Werke willen gegeben werde, welches allein dem, der an Christus glaubt, verheißenen wird; wie Christus sehr oft bezeugt: «Wer an mich glaubt, wird den Tod nicht sehen ewiglich.» «Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben.» «Gott hat seinen Sohn gegeben, auf daß alle, die an ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben.» Dieser Bericht ist gewiß und gründlich. Denn da steht des Heiligen Paulus Urteil: «Was nicht aus dem Glauben geht, ist Sünde.» Deswegen, so daß Almosen Gott ein wohlgefälliges Werk sein soll, so muß der Glaube an Christus zuvor da sein. Derselbe Glaube bringt das ewige Leben mit sich, und empfängt Vergebung der Sünden, und macht, daß Gott all unser Tun und Lassen gefällt, ob es gleich an sich selbst gebrechlich und nicht vollkommen ist; und Gott will es in jenem Leben belohnen. Wie Christus sagt Matthäus 25, und wie Paulus sagt: Daß der Christen Leiden und Trübsal in jenen Leben soll bezahlt und dafür ergötzt werden. Das nun Christus spricht: «Machet euch Freunde von dem unrechten Mammon, auf das, wenn ihr darbet, sie euch in die ewigen Hütten nehmen,» Vermögen die Worten nicht mehr, denn, so wir Jünger Christi sind und gute Werke tun, daß Gott dieselben guten Werke bezahlen werde in jenem Leben. Was sagt aber Paulus? Sollen es gute Werke sein, so müssen sie aus dem Glauben kommen. Und Christus sagt, der Glaube sei es, dadurch wir zu Vergebung der Sünden und ewigen Leben kommen. Solche Sprüche mußt du ja ebensowohl glauben, als diesen hier, daß sie wahr und nicht erlogen sind. Wie will man es aber zusammen reimen? Anders nicht, denn daß wir durch den Glauben an Christus Vergebung der Sünden und ewiges Leben haben; und daß Gott, um solches Glaubens willen, unser Almosen und andere gute Werke sich gefallen lassen, und dieselben in jenem Leben uns reichlich bezahlen und vergelten wolle; auf das, ob es uns gleich sauer ankommt, daß wir Gott dienen und gute Werke tun, wir doch desto billiger und lustiger dazu sein sollen, um der Hoffnung willen, die uns beigelegt ist im Himmel; wie Paulus redet zu den Kolossern Kapitel 1,5. Dieses ist der rechte und eigentliche Verstand dieses Spruchs, und richtige, gründliche Antwort auf die Frage von den guten Werken. Gott wolle seine Gnade uns mitteilen, um seines Sohnes Christi Jesu willen, und durch den Heiligen Geist unsere Herzen also erwecken, daß als solche treuliche, schöne Verheißung und Ermahnung bei uns auch Frucht schaffen, und wir unser Leben danach richten und endlich mögen selig werden, Amen.   Am zehnten Sonntag nach Trinitatis Lukas 19, 41-48 Und als er nahe hinzu kam, sahe er die Stadt an, und weinte über sie, und sprach: Wenn du es wüßtest, so würdest du auch bedenken zu dieser deiner Zeit, was zu deinem Frieden dienet. Aber nun ist’s vor der einen Augen verborgen. Denn es wird die Zeit über dich kommen, daß deine Feinde werden um dich und deine Kinder mit dir eine Wagenburg schlagen, dich belagern, und an allen Orten ängsten, und werden dich schleifen, und keinen Stein auf den anderen lassen, darum, daß du nicht erkannt hast die Zeit, darinnen du heimgesucht bist. Und er ging in den Tempel und fing an auszutreiben, die darinnen verkauften und kauften, und sprach zu ihnen: Es stehet geschrieben: Mein Haus ist ein Bethaus; ihr aber habt es gemacht zur Mördergrube. Und er lehrte täglich in Tempel. Aber die Hohenpriester und Schriftgelehrten und die Vornehmsten im Volke trachteten ihm nach, daß sie ihn umbrächten, und fanden nicht, wie sie ihm tun sollten; denn alles Volke hing ihm an, und hörete ihn. Dies Evangelium sollen die Christen fleißig merken, daß sie daraus lernen Gott fürchten. Denn es ist der schrecklichen Evangelien eins in Lukas; sollte deshalb uns also zu Herzen gehen, daß wir es nie vergessen. Denn hier hören wir, was für ein großer Zorn und Ernst über Jerusalem ergangen ist. Daraus können wir gewiß schließen: Wer in seiner Bosheit sicher fein und in Sünden fortfahren will, der soll sich nicht in den Sinn nehmen, daß er der Strafe entlaufen werde. Denn so Gott der trefflichen, hoch begnadeten Stadt nicht verschonet hat, weil sie Gottes Wort gehabt, und doch sich nicht gebessert hat: so denke nur jedermann, und lasse in Zeiten von Sünden ab und bessere sich; sonst wird gewißlich die Strafe und der Zorn nicht außen bleiben. Nun ist aber der Zorn und Jammer, so über diese Stadt und Volk ergangen, so groß, daß es dem Herrn Christus selbst zu Herzen geht und er bitterlich darüber weint, daß die schöne Stadt so jämmerlich umkommen und zerrissen werden soll, daß nicht ein Stein auf dem anderen bleiben soll, und wünscht: Ach Jerusalem! Wenn du es wüßtest, und solchen künftigen Jammer glaubtest, der über dich kommen wird, so würdest du gewiß nicht so sicher sein, sondern auch weinen, und bedenken, was zu deinem Frieden dienet, und bitten, daß dir Gott wollte gnädig sein. Obwohl nun der Herr allein von Jerusalem redet, so will er doch damit gewarnt und gedroht haben allen denen, die Gottes Wort haben, und es doch vergeblich hören und verachten, daß sie nicht sicher sein, noch sich darauf verlassen sollen, als sollte es ihnen Gott schenken. Nein, die Strafe wird sich finden, so wahr Gott lebt. Darum soll nun man sich vor allen Sünden, sonderlich aber vor der hüten, die da heißt, Gottes Wort oder die Zeit der Heimsuchung, verachten, das ist, Predigt hören, und doch sich nicht bessern, sondern in Sünden immerdar fortfahren, man predige und sage, was man wolle. Die Strafe auf solche Sünde bleibt gewiß nicht außen, ob sie gleich eine Zeitlang aufgehalten wird. So wird nun in diesem Evangelium uns vorgehalten ein sonderliches Beispiel des schrecklichen Urteils Gottes über seine liebste und heilige Stadt Jerusalem und sein eigen Volk, welche Stadt unseres lieben Herrn Gottes eigen Haus, und das Volk sein eigen Hausgesinde gewesen ist. Denn Jerusalem ist gleich als ein halber Himmel gewesen, da Gott selbst mit seinen Engeln gewohnt hat, da aller Gottesdienst geordnet, da alle Patriarchen gelebt und ihr Begräbnis gehabt, da endlich Christus, der Sohn Gottes, selbst gewandelt, gestorben, begraben, auferstanden und den Heiligen Geist gegeben hat. Das also diese Stadt mit Heiligkeit dermaßen überschüttet, daß ihresgleichen auf der ganzen Welt nicht gewesen ist, noch sein wird, bis an den jüngsten Tag. Dennoch solches alles unangesehen, da sie Gottes Wort nicht annehmen und demselben nicht folgen wollte, hat unser Herr Gott so fest über seinem Wort gehalten, daß seine liebste Stadt auf das greulichste hat müssen verwüstet werden. Wieviel weniger wird er es anderen Städten schenken, die Jerusalem das Wasser nicht reichen können, und andern Völkern, die ihm nicht so nahe zugehören, als die Juden, die seine Blutsfreunde waren. Darum sollen man bei diesem Beispiel Gottes Zorn merken, und sich vor Verachtung des Wortes hüten, daß man nicht sage, wie wir häufig tun: Ei, Gott wird nicht so zornig sein, er wird nicht so hart strafen. Denn so er die heilige Stadt Jerusalem, sein höchstes Kleinod auf Erden, also zerreißen lassen hat, daß kein Stein auf dem anderen geblieben ist, darum daß die Juden das Evangelium hörten und sich nicht besserten: so darfst du nicht denken, daß er es uns schenken werde, wenn wir in dergleichen Sünde auch liegen. Denn Jerusalem wurde so verwüstet, daß man nicht sagen könnte, daß dort je ein Haus gestanden hätte. Es hat aber Gott diese greuliche Strafe eben dazumal gehen lassen, da das jüdische Volk sich mit Haufen gen Jerusalem auf das Osterfest versammelt hatte und fast in die hunderttausend Menschen (wie es die Historien Zeugen) da gewesen sind. Denn Gott gedachte ein groß Feuer anzuzünden, darum brachte er die Brände all zu Haufen. Da er sie nun wie einen großen Scheiterhaufen, ja, wie einen Wald, hatte zusammen gerafft, führte er die Römer über sie, daß sie es ansteckten und verbrannten. Josephus sagt, daß von der Zeit der Belagerung an, bis die Stadt erobert, in die zehnmal hunderttausend erschlagen und an der Pest gestorben, und 97000 gefangen worden sind. Die sind so verachtet und unwert gewesen, daß man 30 Menschen für einen Schilling verkauft hat. Also mußte Christus gerächt werden, den sie um 30 Silberlinge verkauft hatten. Dies ist nun die klägliche jämmerliche Strafe, welche Gott über sein Volk verhängt und damit ein Ende gemacht hat, welches er doch mit so großer Herrlichkeit und Wunderzeichen aus Ägypten geführt, in das Land Kanaan gesetzt, ihr Vater gewesen, so freundlich mit ihnen geredet und umgegangen ist. Da sie aber sein Wort verachteten und ihm nicht folgen wollten, hat er solchen Zorn und greuliche Strafe über sie gehen lassen. Solchen Jammer sieht der Herr, daß er nicht weit sei, weint deswegen und spricht: «Wenn du es wüßtest, so würdest du auch bedenken zu dieser deiner Zeit, was zu deinem Frieden diente. Aber nun ist es vor deinen Augen verborgen.» Darum gehst du sicher hin, als hätte es nicht Not mit dir. Aber es wird nicht lange so bleiben, es wird müssen brechen; und ist schon vor der Hand, ohne daß es noch verborgen ist und du es nicht siehst. Hier möchte einem einfallen, warum doch unser Herr Gott die Strafe verbirgt? Warum läßt er sie nicht alsbald gehen? Antwort: Er tut es darum, daß er seine Geduld damit beweisen, und sehen will, ob wir uns bessern und Gnade suchen wollen. Denn wenn er sobald sollte mit dem Donner und Blitzen dazwischen schlagen, so könnte keiner von uns sieben Jahre alt werden. Darum hält er mit der Strafe an sich, uns Zeit und Raum zu lassen, daß wir uns bessern. Solches steht Gott wohl an, der preiset damit seine Barmherzigkeit gegen uns. Der Teufel aber ist ein zorniger Geist, der tut es nicht; wenn er einen könnte mit einem Strohhalm totschlagen, er täte es, und würde sich nicht lange aufhalten lassen. Aber Gott ist gnädig, darum will er die Strafe aufhalten, aber nicht nachlassen. Das macht die Leute sicher, daß sie sich nicht allein bessern, sondern je länger je ärger werden. Wie man sieht: Ein Ehebrecher, Wucherer, Dieb, weil die Strafe nicht sobald kommt, läßt sich denken, es habe noch lange nicht Not. Aber hüte dich, laß dich nicht verführen noch betrügen. Denn hier hörst du, daß Gott die Strafe wohl aufhalte und verberge; aber ist sie nicht aufgehoben. Darum kehre beizeiten um, tu Buße und bessere dich. Das meint hier Christus, da er spricht: «Nun aber ist es vor deinen Augen verborgen»; als sollte er sagen: Laß dich nicht betrügen, daß die Strafe verborgen ist. Du wirst mich töten und mein Blut vergießen, wie du mit anderen Propheten vor mir auch getan hast. Ich schweige still dazu, lasse es geschehen und leide es. Solches macht, daß du denkst, es werde immer so gehen und ungestraft bleiben. Deswegen tut niemand mit Ernst dazu, daß er frömmer würde und sich besserte. Aber sieh dich vor, du bist vor der Strafe nicht sicher. Wenn du zu überreden wärest, daß du es glauben könntest, so würdest du danach denken, wie du vor der Strafe fliehen kannst. Aber du glaubst es nicht; darum gehst du so sicher hin, läßt die Zeit deiner Heimsuchung, darin du gewarnt wirst und wieder zu Gnaden kommen könntest, vorüber rauschen, bist sicher und besserst dich nicht. Das ist eben die Sünde, darum Gottes Zorn dich überfallen und übereilen wird. Hier lerne mit Fleiß und merke, was Gott für die größte Sünde achtet, die er am wenigsten dulden und leiden kann, nämlich, daß sein Volk die Zeit seiner Heimsuchung nicht erkannt hatte. Denn der Herr schweigt hier aller anderen Sünden, und gedenkt allein dieses, daß sie sicher dahin gegangen und sich nicht allein an der Propheten Ermahnung und Drohung gekehrt, sondern sie auch verfolgt, und viel unschuldiges Blut vergossen haben, bis daß, wie die Schrift sagt, Jerusalem hier und da voll Blut ward (gleich wie heutigen Tages Deutschland sich versündigt mit viel Verfolgung des Wortes und seiner Diener). Neben dieser Sünde gingen mit Macht Ehebruch, Hurerei, Wucher, Geiz, Stehlen, Schwelgen, Saufen und was da noch ist. Solche Untugend, sagt Christus hier, wollte ich mit dem Wort strafen, und auch lehren, daß ihr sollt fromm sein und euch bessern. Um dieser Ursache Willen habe ich zuvor meiner Propheten, Johannes und meine Apostel geschickt; ja, ich selbst bin aufgetreten, habe gepredigt, Wunderzeichen getan, und alles vorgenommenen, was euch zur Besserung dienen möchte. Nun sollten alle anderen Sünden, so groß und viel ihrer auch sind, euch nicht schaden, sondern vergebenen und in Ewigkeit nicht mehr gedacht werden; Jerusalem sollte wohl stehen und von den Feinden unangefochten bleiben: wenn ihr nur die Zeit teurer Heimsuchung erkennet. Denn ich komme zu euch nicht mit dem Schwert, nicht mit der Keule, sondern sanftmütig und ein Heiland. Ich predige und schreie: tut Buße, bessert euch und seid fromm. Hört doch und folgt, ehe der Zorn mit Macht kommt. Also suche ich euch heim. Ja wohl, da wird nichts aus. Alle eure Sünden macht ihr damit größer, daß ihr auch die Heimsuchung nicht erkennt, annehmt und leiden wollt. Darum geht es, wie das Sprichwort lautet: wem nicht zur raten ist, dem ist auch nicht zu helfen. So gehen auch die Juden mit unseren Herrn und Gott um. Er läßt euch durch mich Vergebung der Sünden anbieten, will euer gnädiger Gott sein, alles gern vergessen und vergeben: nur, daß ihr noch aufhört von den Sündern und nehmt sein Wort an. Ihr aber macht weiter, lästert mich, sagt: Ich habe den Teufel, heißt meine Predigt eine Ketzerei, wollt mich dazu an das Kreuz schlagen, werdet auch nicht eher zufrieden sein, ihr habt es denn ausgerichtet. Das ist aber erst der Teufel, wenn Gott nicht allein Sünde vergeben und gnädig sein, sondern auch große, hohe Gaben schenken will, daß man ihm den Rücken Wende und seine Gnade noch auf das greulichste lästert. Wenn es so weit kommt, kann ich nicht mehr halten, es muß die Strafe folgen. Denn wo man Vergebung der Sünden und Gottes Gnade nicht leiden kann, da ist weder Rat noch Hilfe. Und das ist die Hauptursache, daß der Zorn Gottes so überaus groß und schrecklich ist. Denn weil die Juden sein Wort weder sehen noch hören wollten, also hat Gott danach ihr Schreien, Beten, Gottesdienst und anderes auch weder sehen noch hören wollen, und ist sein Zorn nicht eher gestillt, bis Jerusalem zugrunde getilgt ist, daß kein Stein auf dem anderen geblieben ist. Das haben sie so gewollt. Das ist nun das schreckliche Beispiel, welches der Evangelist uns zur Besserung geschrieben hat, daß wir Gottes Wort nicht verachten und die Zeit unserer Heimsuchung nicht sollen ohne Frucht vorüber lassen. Das ist besonders zu merken, daß der Herr spricht: «Aber nun ist es vor deinen Augen verborgen.» Denn so geht es oft, daß man nicht denkt, daß Gott strafen werde; sondern weil Gott aus Güte mit der Strafe verzieht und auf Besserung wartet, denkt die Welt, er werde immer still verschweigen. Aber hütet euch, spricht Christus; ob ihr die Strafe gleich nicht sehet, so haltet es doch für gewiß, wenn ihr euch nicht bessert, so wird die Strafe nicht außen bleiben. Denn wenn Gott auch eine Zeitlang verzieht, hat er gleich wohl überall so viel Netze und Stricke gelegt, so viel Mausefallen um der bösen Buben willen gerichtet, daß es unmöglich ist, daß du ihm entlaufen solltest. Zu dem hat er Vater und Mutter, Herr und Frau im Haus das Regiment befohlen, daß sie sollen auf böse Kinder und Gesinde Achtung haben. Wer nun dieses alles nicht beachten will, dem befiehlt er der weltlichen Obrigkeit, die Obrigkeit ist aber ein grober Prediger, hat so eine harte Stimme, daß er dir den Kopf vom Hals wegnehmen kann. So ist der Teufel auch noch da, der kann (wo du dich nicht bessern willst) aus dem Verhängnis welches Gott über dich verhängt, dich strafen mit Pestilenz, Hunger, Wasser, Feuer. Darum niemand denken soll, er könne es führen und der Strafe entlaufen. Willst du nicht fromm sein und Gottes Wort dich nicht lassen weisen, so muß dich der Henker oder der Teufel ohne deinen Dank weisen und führen lassen; aber bestimmt mit deinem Schaden und Verderben. Darum sollst du keinen Unterschied machen zwischen der Strafe, die verborgen ist und die gewiß ist. Daß sie nun verborgen ist, daß betrügt die Leute. Wie Salomon auch sagt: Es sei nicht gut, daß die Leute nicht sofort bestraft werden und unser Herr Gott so lang still schweigt; denn sie werden nur desto mutwilliger. Ein Dieb, der heute stiehlt, wenn es ihm gelingt, stiehlt er morgen wieder, und denkt, es werde immer so weiter gehen; solches bringt ihm zuletzt an den Galgen. Daß er aber bedächte, beizeiten aufzuhören und nicht mehr zu stehlen, da wird nichts draus. Also tun Ehebrecher, Wucherer, und in der Summe alle Sünder: je besser es ihnen gelingt, je hitziger und fleißiger sie darauf werden. Denn sie sehen und kennen diese Worte nicht, obgleich die Strafe verborgen ist, daß sie dennoch gewiß ist. Wie es sich allewege findet, daß, dem Sprichwort nach, der Krug so lange zum Brunnen geht, bis er einmal zerbricht. Darum hüte dich, und laß dich nicht betrügen. Ob die Strafe schon verborgen ist, bis sie doch gewiß und wird nicht außen bleiben. Wie die Heiden aus der Erfahrung gelehrt und darum gesagt haben: Wenn unser Herr Gott kommen und strafen wolle, so ziehe er wollene Socken an, daß er leise gehen und man ihn nicht hören kann. Das ferner, und sei darum nicht sicher, ob unser Herr Gott nicht schnell zuschmeißt; sondern fürchte dich und sieh dich vor. Denn er hat so viel Engel, so viel Knechte, so viel Plagen, Krieg, Hunger, Pestilenz, daß er dich wohl treffen kann. Er kann die Luft voll Feuer machen und dich verbrennen. Er kann dich im Wasser ersäufen, mit Gift, durch unreifes oder ungesundes Obst erwürgen. In der Summe, der Stricke und Netze sind tausend und aber tausend, die Gott den bösen Buben und unbußfertigen Sündern stellen läßt. Das ist nun die Ursache, daß unser lieber Herr Christus so treulich warnt, weint und spricht: Sieh dich vor, Jerusalem; weil die Strafe verborgen ist, meinst du, sie werde außen bleiben; aber du irrst dich. Denn die Strafe ist darum nicht verborgen, daß du frei sein sollst; sondern daß du nur desto gewisser getroffen werden sollst, wenn du die Zeit deiner Heimsuchung nicht erkennen willst. Willst du nun solches verziehens nicht mißbrauchen, sondern recht gebrauchen, so höre beizeiten auf zu sündigen, halte dich hierher zum Wort, so wird dir Rat geschafft; wo nicht, so mußt du verderben. Auf solche Weise Predigt uns der Liebe Petrus 2. Petrus 3,15. «Die Geduld oder Langmütigkeit unseres Herrn,» spricht er, «achtet für eure Seligkeit.» Das ist, laßt euch dünken, es sei euer Heil, es geschehe euch zum Besten, daß ihr nicht verdammt werdet. Denn so Gott immer straft, wie und nach dem wir verdienen, so würde, wie ich oben gesagt, unser keiner über sieben Jahre kommen. Nun, er tut es nicht, sondern ist langmütig, hält an sich und verzieht mit er Strafe. Das, spricht Petrus, achtet dafür, es geschehe um eurer Seligkeit willen, daß ihr sagen sollte: Ach Herr! Ich habe leider viel und oft gesündigt, jetzt in dem, jetzt in einem anderen. Nun kommt die Strafe nicht, sondern verzieht. Was bedeutet es aber? Gewiß anderes nicht, denn daß, ob die Strafe gleich verborgen ist, sie doch gewiß kommen wird. Darum, lieber Vater, vergib, ich will ablassen und mich bessern. Dieser Spruch vom Petrus ist sehr wohl zu merken, daß die Geduld Gottes unsere Seligkeit sei.. «Denn Gott,» spricht er kurz zuvor, «will nicht, daß jemand verloren werde, sondern daß sich jedermann zur Buße kehre.» Deswegen wo Gott die Strafe verzieht, geschieht es uns zum Besten. Wer aber nicht ablassen, sondern in Sünden fortfahren und solcher Geduld Gottes mißbrauchen will, da muß der Krug letztlich brechen. Wie man sieht: weil der Dieb nicht beizeiten aufhören will zu stehlen, wird er zuletzt dem Henker zu Teil; ein unzüchtiges Weib, die von ihrer Büberei nicht ablassen will, wird endlich zu Schanden vor jedermann. Sonderlich aber hat es Gott mit der Stadt Jerusalem bewiesen, ob er wohl die Strafe verbirgt und aufhält, daß er doch endlich kommen will und den Ungehorsam uns nicht schenken. Darum lerne jedermann Gott fürchten, jedermann, Groß und Klein, jung und alt, lerne, wenn er unrecht tut und davon nicht ablassen will, daß die Strafe nicht werde außen bleiben. Denn da steht Jerusalem zum ewigen Beispiel, die heilige, schöne Stadt, welcher auch die heidnischen Geschichten das Lob geben, daß sie die herrlichste, berühmteste Stadt in den Morgenländern gewesen; da die ist dahin und zu Grunde vertilgt, daß niemand weiß, wo ein Haus gestanden ist, darum, daß sie von Sünden nicht ablassen und sich an das Wort nicht hat kehren wollen. Dies Beispiel hält uns der Herr im heutigen Evangelium vor, daß wir es zu Herzen nehmen sollen und uns bessern; oder wissen, wenn wir von Sünden nicht ablassen, dem Wort nicht folgen und es mit Glauben annehmen wollen, daß Gott mit der Strafe nicht will außen bleiben, ob er gleich eine Zeitlang damit verzieht; welches uns, wie gesagt, zum Besten geschieht, daß wir der Zeit wohl brauchen und von Sünden ablassen sollen. So du aber dich nicht bessern, sondern nur darum desto frecher werden und deinen Mutwillen desto mehr nachkommen willst; so wisse, daß das böse Stündlein, ehe denn du dich versiehst, kommen wird, da dich unser Herr Gott auch schreien lassen wird, aber nicht hören. Denn mit den Juden tat er auch also. Die Belagerung wehrte nur kurze Zeit, von Ostern bis auf den Herbstmond da hatten sie in der Stadt alle Tage so ein Opfern, so ein Singen und Beten, daß es wie ein Wunder war. Aber es war alles umsonst. Gott hatte seine Ohren zugestopft und wollte nicht hören. Aber es wollte bei dem verstockten Volk nicht sein. Darum, da er die Strafe offenbarte, verbarg er sich auch und wollte sich nicht finden lassen. Wie Hosea dem Königreich Israel auch droht am 5. Kapitel Vers 6: «sie werden kommen mit ihren Schafen und Rindern, den Herrn zu suchen, aber nicht finden; denn er hat sich von ihnen gewandt»; und Jesaja Kapitel 1,15: «Wenn ihr eurer Hände werdet aufrecken und beten, will ich es nicht hören.» So laßt uns nun dies Beispiel mit Fleiß merken, auf das, weil doch Gott mit der Strafe endlich nicht außen bleibt, wir ihn fürchten; und weil er nicht sobald zuschlägt, sondern Frist gibt, bis wir uns bekehren, wir ihn auch als einen gnädigen Vater lieb haben, und sagen: oh lieber Vater, du läßt die Sünde gewiß nicht ungestraft; so verleihe mir deine Gnade und Heiligen Geist, daß ich mich möge bessern und der wohlverdienten Strafe entlaufen. Wer also sich zur Buße begibt, der soll Gnade finden. Jerusalem würde noch heute so stehen wie zuvor, wenn die Juden sich erkannt, gedemütigt, und gesagt hätten: Lieber Gott, wir haben ja Unrecht getan, daß wir so böse Buben gewesen und deine lieben Knechte, die Propheten, gewürget haben. Nun, du hast uns jetzt durch deinen lieben Sohn daß heilige Evangelium gegeben, gibt Gnade, daß wir uns bekehren und frömmer möchten werden. Wenn sie das getan hätten, hätten sie keine Not gehabt; die Römer hätten mit all ihrer Macht sie wohl müssen zufrieden lassen und daheim bleiben. Weil sie aber in Sünden fortfuhren, und sagten: O, es hat nicht Not; meinst du, daß Gott die Stadt so werde zu Boden lassen gehen, da er selbst wohnt und sonst keinen Gottesdienst haben will? O nein, da wird nichts aus. Da ging es ihnen so, daß kein Stein auf dem anderen blieb. Und steht nun das arme, zerstörte, verwüstete, Jerusalem zum Beispiel da aller, die mutwillig böse sind und sich nicht bessern wollen, daß sie die gleiche Strafe auch leiden werden. Den anderen aber, die Gottes Wort annehmen und sich bessern, wird diese Geschichte vorgehalten zum Trost und Unterricht, daß sie lernen: wenn Gott die Strafe verbirgt, daß es ihnen geschehe zu ihrem Frieden und Besten, Gott wolle ihnen ihre Sünden gnädiglich vergeben, wo sie davon aufhören und sich bessern. Denn daß wir sündigen, ist kein Wunder; aber Sünde verteidigen, und unbußfertig und verstockt darin verharren, das kann Gott nicht dulden, es muß eher alles zu scheitern gehen; sonderlich aber, wenn er mit der gnädigen Heimsuchung des Wortes kommt und uns gern zur Buße rufen will. Also ist das arme Jerusalem dahin, und hat nichts als den großen Titel, daß sie Gottes Stadt, sein eigen Haus und seine eigene Wohnung hieß. Das machte die Juden sicher, daß sie dachten: Sollte Jerusalem untergehen? Das könnte nicht sein, es ist Gott mehr daran gelegen; darum, wenngleich die ganze Welt käme würde sie uns nicht können anhaben, Gott wird seine Wohnung nicht lassen Wüste werden. Auf diesem Titel hin und auf die Gnade sündigten sie, fragten nach keiner Predigt. Das stieß dem Faß den Boden aus und brachte sie in alles Unglück. Weil nun Gott aus besonderen Gnaden uns heutigen Tages auch heimsucht mit seinem Wort, wir aber alle uns sehr übel dagegen stellen, die Bischöfe verfolgen es, wir mißbrauchen es zu unserem Geiz, Hoffart und anderen Sünden: so habe ich die Sorge, Deutschland werde eigentlich eine große Schlappe leiden müssen, es geschehe gleich durch den Türken, oder sonst durch Krieg, Hunger und andere Plagen. Darum laßt uns dies Beispiel wohl zu Herzen nehmen, daß Jerusalem so jämmerlich ist verwüstet worden, weil es Gottes Wort nicht angenommen, sondern verachtet hat: auf das wir lernen Gottes Worten ehren, gern hören, und wir schon sündigen, daß wir doch umkehren und uns bessern. Das ist das erste Stück des heutigen Evangeliums. Danach meldet der Evangelist, wie Jesus in den Tempel gegangen und da angefangen habe, die auszutreiben, die darin kauften und verkauften, und gesagt: «Mein Haus ist ein Bethaus, aber ihr habt es gemacht zur Mördergrube» Dieses tut Christus aus einer besonderen Gewalt, und ist es zu achten gleich wie andere Wunderzeichen, die wir ihm nicht können nachtun. Sonst sollten so viele große und gewaltige Junker, die ihren Nutzen davon hatten, ihn abgehalten, und solches nicht gestattet, noch von ihm gewichen, der ohne Schwert, allein mit einer Geißel (wie die anderen Evangelisten melden) solches gewagt hat. Daß sie nun solche Gewalt und Schaden leiden und dazu still schweigen, das ist eine Anzeigung, daß der Herr ebenso ein Wort mit ihnen geredet hat wie er mit den Juden redete im Garten, da sie alle hinter sich zurückfielen auf die Erde. Darum soll niemand diese Geschichte dahin deuten, daß die Prediger Hand anlegen und dergleichen, wie Christus hier, Gewalt brauchen wollten. Denn wo Christus nicht mehr denn menschliche Gewalt hier brauchen hätte wollen, würde er allein, gegen so viele, wenig haben ausgerichtet. Wir sollen aber nicht allein auf das Werk, sondern auch auf die Ursache sehen. Die hängt der Herr mit den Worten dran, da er sagt: «Mein Haus ist ein Bethaus, aber ihr habt es zur Mördergrube gemacht.» Was mag den Herrn so zu einem harten Wort bewegen? Denn sie haben keinen Mord in Tempel begangen, sondern ihren Handel getan, nämlich, daß sie da ihre Wechselbank gehabt, mit dem Vieh groß und klein, wie man es zum Opfer bedurfte, Markt gehalten. Denn die Juden, die fern von Jerusalem wohnten, konnten nicht von zu Hause mitbringen was sie opfern wollten. Da waren der Hohenpriester Diener geschickt, daß immer Vieh vorhanden war und vielleicht auch Geld zum Opfer. Denn der Tempel hatte seine besondere Münze, wie man hin und wieder in den Historien findet. Dieses alles scheint mehr zu loben, denn zu tadeln. Denn weil Gott selbst solchen Gottesdienst geordnet und befohlen hatte, wer wollte es für Unrecht achten, daß man ihn so um fördert und treu dazu hilft, daß er wohl gehe. Aber es hatte eine andere Meinung. Die Pfaffen gaben es wohl also vor, daß sie es täten, den Gottesdienst damit zu fördern; aber am Gottesdienst wäre ihnen so viel nicht gelegen, wenn es nicht soviel Geld eingebracht hätte. Darum ist es ihnen um das Geld und nicht um unseren Herrn Gott zu tun gewesen. Solcher Geiz hat sie getrieben, daß sie nichts haben predigen können, denn von opfern; haben solchen Gottesdienst eben gerühmt, wie die Pfaffen und Mönche ihre Meßopfer, daß man dadurch Sünde ablege und zu Gottes Gnaden komme. Das hat die Leute mit Haufen herbei gebracht und getrieben, daß sie den rechten Gottesdienst (der da heißt, Gott fürchten und auf seine Güte trauen, und fleißig sich zum Wort Gottes halten) vergessen haben; sind in Sünden mit aller Sicherheit fortgefahren; haben dabei gedacht, wenn sie nur Schlachten und opfern, soll es keine Not haben. Wie man in den Propheten sieht, daß sie um solcher Ursache Willen sehr heftig wieder ihr Opfer predigen. Das ist die rechte Sünde, die da heißt Morden, da nicht der Leib, sondern die Seelen in Ewigkeit ermordet werden, nämlich, wenn man die Leute auf ihre eigenen Werk lehrt und Vertrauen, und nicht auf Gottes Güte und Barmherzigkeit. Das konnte Christus nicht leiden. Wir sollen es auch nicht leiden, sondern wehren, soviel wir können, durch das Wort (denn sonst ist uns nichts befohlen): daß die Leute davon abtreten und auf ihre eigenen Werke und Verdienst Vertrauen, als wollten sie dadurch Sünde ablegen und selig werden; und sich von Herzen begeben und ihr Vertrauen setzen allein auf Gottes Barmherzigkeit, der um Christus Willen uns Sünde vergeben, gerecht und selig machen will. Danach soll man die Leute auch heißen Fromm sein, nicht ihren eigenen Gedanken, sondern dem Wort Gottes folgen, und sich nach denselben halten. Wer solches tut, der braucht des Tempels und seines Amtes recht. Wer es nicht tut, der mißbraucht es und ist ein Seelenmörder. Eben diesen Titel gibt auch Hosea den Priestern dem Königreich Israel, und scheint fast, als habe der Herr auf solchen Spruch Hosea gesehen, denn so spricht er Kapitel 6,9.: «die Priester samt ihren Gesellen sind wie Strauchdiebe, so da lauern und würgen auf dem Wege, der hinab gen Sichem geht.» Will damit den Schaden anzeigen, den sie mit falscher Lehre anrichten. Denn da sie das Volk auf das Opfer Christi weisen sollten, weißen sie auf das Kühe- und Ochsen Schlachten, als wäre es damit alles ausgerichtet und man bedürfte sonst nichts mehr zum ewigen Leben. Solches alles machte wohl eine volle Kirche und Keller, denn sie hatten ihren Teil dazu. Aber die Leute kamen nicht allein um das Geld dadurch, sondern auch um die Seelen und Seligkeit. Das kann Christus nicht leiden, stürzt deswegen alles über einen Haufen. Wie aber dazumal wunderbarlicher Weise getan hat, also sieht man, daß Gott in der Kirche immer solche Strafe wieder die Rottengeister und falschen Prediger noch gehen läßt. Darum wird es mit den gottlosen Bischöfen, Pfaffen und Mönchen, die um ihres Geizes Willen Messe und andere Abgötterei halten, sich auch eines Tages finden, daß sie Gott austreiben und ihnen ihren Jahrmarkt umstoßen wird, es tue der Türke oder jemand anders. Das sei vom heutigen Evangelium auf diesmal genug. Gott, der Vater aller Barmherzigkeit, wolle um Christus Willen, durch seinen Heiligen Geist, unsere Herzen zur einer Furcht erwecken, und uns bei dem Wort gnädig erhalten, und vor allem Jammer leiblich und ewig behüten, Amen.   Am 11. Sonntag nach Trinitatis Lukas 18,9-14 Er sagte aber zur etlichen, die sich selbst vermaßen, daß sie fromm währen, und verachteten die anderen, ein solches Gleichnis: Es gingen zwei Menschen hinauf in den Tempel, zu beten, einer ein Pharisäer, der andere ein Zöllner. Der Pharisäer stand und betete bei sich selbst also: Ich danke dir, Gott, daß ich nicht bin wie die anderen Leute, Räuber, Ungerechte, Ehebrecher, oder auch wie dieser Zöllner; ich faßte zweimal in der Woche, und gebe den Zehnten von allem, daß ich habe. Und der Zöllner stand von ferne, wollte auch seine Augen nicht aufheben gen Himmel, sondern schlug an seine Brust und sprach: Gott, sei mir Sünder gnädig. Ich sage euch: Dieser ging gerechtfertigt in sein Haus vor jenem. Denn wer sich selbst erhöhen wird, der wird erniedrigt werden; und wer sich selbst erniedrigt, der wird erhöht werden. Im heutigen Evangelium lehrt uns unser lieber Herr Christus, wie wir rechtschaffene Christen und demütig sollen sein. Denn durch diese Tugend allein kommt man zu Gnaden. Wo aber diese Tugend, nämlich Demut, nicht ist, da kann Gott keinen Gefallen haben noch gnädig sein. Wie wir hier an diesen zwei Personen sehen, am Pharisäer und Zöllner. Die Pharisäer waren bei den Juden, gleichwie im Papsttum die Mönche, hatten sonderliche Kleidung, sonderliche Tage zum fasten und beten, und trieben der Heiligkeit soviel, daß die anderen Menschen sich dagegen wie Sünder vorkamen. Daher hatten sie auch den Namen, daß sie Pharisäer hießen. «Pharisäus» aber heißt in hebräischer Sprache so viel als ein Sonderling, der sich ausgesondert aus dem allgemeinen Volk und will etwas besonderes sein. Dagegen waren die Zöllner eben wie bei uns die Amtleute sind, welche den Leuten nur dann schnell helfen wenn sie dafür extra Geld bekommen. Darum sie jedermann für Geizhälse und öffentliche Sünder hielt, die ein solches Amt hätten, darin sie geizten und den Leuten viel Plage anlegten. Darum war es nicht zu vermuten, daß einer unter ihnen fromm wäre; gleichwie sich nicht vermuten ließ, daß unter den Pharisäern ein Schalk wäre. Aber unser lieber Herr Christus macht hier gar ein anderes Urteil, sagt: Der Zöllner sei fromm und gerecht; der Pharisäer aber sei ein Sünder, dazu ein sehr großer, schändlicher Sünder. Denn also zeigt er das Gleichnis an: «Es waren etliche, die sich vermaßen, daß sie fromm während, und verachteten die anderen.» Das sind der zwei häßliche Untugenden der Pharisäer, daß sie nicht allein von sich selbst hoch hielten, welches Sünde genug wäre, denn Hoffart ist eine teuflisches Sünde: sondern verachteten auch die anderen. Da bedenke du, was soll einem solchen Heuchler helfen, wenn er sich gleich zu Tode betet und fastet, weil der Teufel ihm im Herzen sitzt mit einer solchen Hoffart, daß er sich selbst aufbläst und sagt: Wenn ich mich nicht selbst heilig machte, so müßte ich lang auf unseren Herrn Gott warten; aber da faßte ich soviel, der bete ich soviel, da tue ich dies, da daß, daß andere nicht tun: ich gebe meinen Zehnten treulich. Könnten die anderen den Priestern nichts denn Stroh und Stoppeln geben, sie täten es; aber ich bin nicht so, ich bin frömmer. Also kommen die zwei greulichsten und Tugenden in dem Heiligen Mann zu Hauf, daß er so trefflich hoffärtig und vermessen ist, und andere so tief verachtet, und sagt: Sie sind nichts denn Räuber, Ungerechte und Ehebrecher; sonderlich aber malt er den Zöllner meisterlich aus. Der, spricht er, steht da, schindet und schabt jedermann, nimmt es, wo er kann. So ein böser Bube bin ich nicht, Gott Lob! Nicht: ich bin ein lebendiger Heiliger gegen den zu rechnen. Solcher Stolz und Hoffart ist auch vor der Welt ein sehr verdrießliches Laster, wie das gemeine Sprichwort sagt, da man sagt: Bist du etwas, so sei es; aber laß andere Leute auch etwas sein. Wie mag es denn vor unserem Herrn Gott sein? Dem muß es tausend und aber tausendmal mehr entgegen sein, wo man gegen ihn vermessen und hoffärtig sein will. Das also dies Evangelium vornehmlich dahin geht, daß unser lieber Herr Christus uns vormalt, was da sei die rechte Gerechtigkeit, und wie man sie von der Heuchelgerechtigkeit unterscheiden und erkennen soll. Als sollte er sagen: Du sollst wohl einen Mann finden, der dahergeht als ein lebendiger Heiliger; er fastet, er gibt Almosen, er bricht die Ehe nicht, tut niemand Unrecht, geht gern zur Predigt. Wer kann dies alles anders deuten, denn daß er ein frommer Mann sei? Aber ich sage dir, willst du ihn recht erkennen, so muß du nicht auf solchen Schein sehen, welchen auch ein Schalk führen kann, sondern du mußt darauf sehen, was da heiße, vor Gott gerecht sein. Denn des äußerlichen Lebens halben ist dieser Pharisäer fromm, daß man wünschen sollte, so viel den äußerlichen Wandel belangt, es wäre alle Welt, wie er ist. Aber das ist noch nicht genug, und hüte dich ja daß du dich darauf nicht verläßt. Denn hier siehst du, wie unter solchem Heiligen Leben eine so großer Teufels Hoffart steckt. Um solcher Hoffart Willen konnte der Teufel nicht im Himmel bleiben; Adam und Eva konnten nicht im Paradies bleiben; wie sollte denn dieser in der Kirche bleiben? Fasten ist recht, beten ist recht, Zehnten geben ist recht, die reine Ehe halten, nicht Rauben, niemand Unrecht tun, ist alles recht und gut. Aber der Pharisäer zieht es mit Hoffart an, daß lauter Teufelsdreck daraus wird. Denn so es in der Welt also geht, wer einem anderen darum Gutes tut, daß er ihn damit fangen und sich zur eigen machen will, der tut ihm mehr Schaden, denn Gutes. Wie das Sprichwort heißt: geschenktes Gut kommt am teuersten. Wie kann Gott einen Gefallen haben an der Heiligkeit, da man ihm mit pochen und wieder ihnen stolzieren will? Da wird aus der Heiligkeit eine zweifache Schalkheit. Also tut der Heuchler hier auch: o Gott, spricht er, siehst du auch, daß du an mir einem frommen Mann hast? Die Welt ist doch nichts denn Räuber, Ungerechte und Ehebrecher; ich aber bin fromm. Er tue nun in solcher Hoffart, was er wolle, ja, wenn er auch Blut schwitzte und sich mit Feuer verbrennen ließe, so ist es vor Gott ein Greuel und die größte Sünde. Darum spricht Christus hier: Wenn ihr wollt fromm sein, so seid es recht, und hütet euch, daß ihr nicht hoffärtige Heilige seid. Denn ob ihr schon strauchelt, oder zuweilen gar in den Dreck fallet, so soll es mich nicht so verdrießen, als so ihr alle Heiligkeit hättet und wäret hoffärtig dabei. Beschließt deswegen diese Lektion mit seinem, merklichen Spruch: «wer sich selbst erhöht, der wird erniedrigt, der sich aber selbst erniedrigt, der wird erhöht.» Auf das jedermann lerne demütig sein und niemanden verachtet. Denn das heißt Demut, daß ich von mir nichts, aber von anderen viel halte. Wer aber von sich selbst viel hält, und denkt, wie er gelehrt, schön, reich, fromm sei, d. h. Hoffart. Wie der Pharisäer tut, der sieht sein fasten, Zehnten geben und anderes an, hält deshalb viel und hoch von sich. Das will der Herr verboten haben. Dagegen sieht man an dem Zöllner keine Hoffart, sondern eine rechte Demut. Denn er rühmt nichts, und bittet nur darum, daß Gott ihm wolle gnädig sein. Das, spricht der Herr, lernet ihr auch, daß ihr sagt: Ich kann mich nichts rühmen; denn ob ich schon mich wollte rühmen, ich wäre gelehrt, reich, mächtig; so kann unser Herr Gott sagen: Lieber, woher hast du es? Hast du es von dir selbst? Nein. Woher denn? Ist es nicht mein Geschenk? Ja, Herr, dein ist es. Warum rühmst du dich denn? Sollte jemand sich rühmen, so sollte ich es tun, der ich dir alles gebe. Du sollst es nicht tun, sondern solltest sagen: Ob ich schon reich bin, so weiß ich doch, daß du mich in einer Stunde arm machen kannst; ob ich weise und gelehrt bin, so kannst du mich mit einem Wort zum Narren machen. Das hieße demütig sein und sich nicht selbst brüsten und andere verachten, darum daß du schöner, frömmer, reicher bist denn andere. Das wäre wohl fein, wenn wir solcher Hoffart wider den Teufel brauchten, und sprächen: Ich habe Gottes Wort, daß weiß ich; habe damit so viel Gutes ausgerichtet, da den, dort einen anderen unterrichtet, getröstet, vermahnt; ich habe da, dort mit Almosen geholfen; daß weiß ich, daß es ein gutes Werk ist; und trotz Teufel, daß du es lästern solltest! Gegen den Teufel, sage ich, geht solches hin, daß man es rühme; denn wir haben es nicht von ihm. Aber wieder Gott, da wir alles von haben, soll man nicht rühmen, sondern sich demütigen. Danach soll man den Nächsten auch nicht verachten, sondern also denken: Weil alle Gaben unseres Herrn Gottes eigen sind und von ihm allein kommen: ob ich gleich derselben mehr denn mein Nächster habe, so weiß ich doch, daß unser Herr Gott ein Urteil sprechen kann zwischen dir und meinem Nächsten, der kaum den Zehnten Teil meiner Gaben hat, und ihm gleich so günstig sein, als mir. Warum wollte ich denn etwas mich rühmen oder überheben? Fürchten sollte ich mich, wenn ich viel habe, daß ich desselben nicht mißbrauchen, und immerdar denken: Gott macht es nach seinem Gefallen; einem gibt er viel, dem anderen wenig. Aber wohl kann es kommen, daß er dem gnädiger sei, der wenig hat. Ursache: jener, der viel hat, muß desto mehr Rechenschaft geben; da er aber wenig hat, darf desto weniger Gefahr ausstehen. Aber solche ist tut der Pharisäer hier nicht; er fährt auf das allergröbste heraus: Ich bin nicht wie andere Leute; bin auch nicht wie dieser Zöllner. Ich gebe den Zehnten; der Zöllner raubt allein. Ich betrüge niemand; so klagt er diese ganze Welt an. In der Summe; der Pharisäer denkt bei sich, er sei allein und habe alles; der Zöllner sei nichts und habe nichts. Aber, du Schalk, solltest du nicht sagen: Wahr ist es, ich gebe meinen Zehnten fleißig, ich faßte und tue, so viel ich kann; aber ich weiß darauf nicht zu bauen. Lieber Herr Gott, es ist deine Gabe und es steht wohl darauf, daß dir dieser Zöllner besser Gefallen, denn ich? So sollte er den Zöllner über sich gehoben, oder ja neben sich haben gehen lassen, und gesagt: Es ist daran nicht gelegen, ob mich viel oder wenig, sondern ob jemand einen gnädigen Gott habe. Was will ich denn trotzen und andere verachten, weil es alles an Gottes Barmherzigkeit liegt, und nicht an dem, was ein jeder für Gaben habe. Er aber tut es nicht, sondern trotzt auf seine Frömmigkeit, und eben, da er vor Gott steht und betet. So will nun der Herr uns verbieten, daß wir unserer Frömmigkeit halben nicht sollen vermessen sein. Wiederum auch will er, daß niemand darum zweifeln soll, ob er schon in Sünde Gefallen und vom Teufel ist betört worden. Denn wir haben alle einen Gott, der seine Barmherzigkeit über uns, wie einen Mantel, ausbreitet, über Fromme und Sünder, über Gelehrte und Ungelehrte, über Reiche und Arme; denn er ist unser aller Gott. Darum sollen wir uns nicht überheben, sondern demütig sein: nicht dahin sehen, ob wir viel und andere wenig haben. Denn Gott kann dem gnädiger und holder sein, dem er wenig gegeben hat, denn der viel hat; ja, er kann wohl dich wieder nackend ausziehen, und einen, der nackend und bloß ist, schöner kleiden und mit trefflicheren Gaben zieren, denn dich. Warum wolltest du denn andere verachten und dich hervorheben? In der Welt muß solche Ungleichheit der Personen, Stände und Gaben bleiben, daß einer mehr und höher, denn der andere, gehalten wird. Aber darum sind ihr vor unserem Herrn Gott nicht ungleich. Denn weil nichts denn Gnade bei ihm gilt, ist es unmöglich, daß jemand sich vor ihm rühmen und stolz sein könnte. Alle sollen sich demütigen, und wissen, obgleich wir unter einander ungleich sind, daß Gott darum nicht ungleich wird: er hat kein anderes Herz noch Auge auf den, der viel hat, denn auf dem, der wenig hat. Das also wir alle lernen sollen, uns an seine Gnade und Barmherzigkeit halten. Denn beide, Gerechte und Sünder, Reiche und Arme, Starke und Schwache, sind unseres Herrn Gottes. Was wir haben, daß haben wir alles von ihm; aber von uns selbst haben wir nichts als Sünde. Darum soll sich keiner über den anderen erheben, sondern sich demütigen und fürchten. Denn obgleich was Gutes da ist, so ist es doch alles unseres Herrn Gottes Gabe. Der soll davon rühmen, du nicht: sondern sollst desselben brauchen mit Danksagung und in der Furcht Gottes; denn er kann kein Stolzieren, kein Pochen noch trotzen Leiden. Gleich aber wie niemand sich seiner Frömmigkeit oder anderer Gaben wegen überheben soll: also will Gott nicht, wenn du meinst, was für ein armer Sünder du bist, daß du nicht verzweifeln sollst, sondern daß du auf seine Güte trauen und dich sein trösten sollst, und sagen: Wohlan, habe ich nicht so viel als der oder jener, so habe ich doch eben denselben Gott, der will mir auch gnädig sein. Darum will ich zufrieden sein, hingehen, meines Standes und Amtes warten in dem Maß, den mir Gott beschert hat; will niemand verachten, mich über nichts überheben, will mich auch darum nicht bekümmern, daß andere mehr, denn ich, haben. Denn ich will zufrieden sein, daß ich eben den Gott habe, den sie haben; und daß Gott nicht darum ein ungleicher Gott ist, obschon wir Menschen unter einander ungleich sind. Das meint der Herr, da er dies Gleichnis beschließt, und spricht: Wer sich selbst erhöht, der wird erniedrigt; aber wer sich selbst erniedrigt, der wird erhöht.» Als sollte er sagen: Wenn ich solche Heiligen finde, die mir es können heimgeben, je weniger dieselben von sich halten, je mehr will ich ihnen geben. Dagegen aber, der etwas hat und will darum hoffärtig und hoch gehalten sein, dem will ich eins nach dem anderen wieder nehmen, bis ich ihn endlich in Ungnaden in den Abgrund der Hölle stoße. Wenn der Pharisäer nicht so hoffärtig gewesen, sondern in aller Demut Gott seine Gaben hätte heimgetragen, und gesagt: Herr, du hast mir viel Gnade getan, daß du mich vor dieser und anderen Sünden so gnädiglich behütet hast; solches ist deine Gabe, der freue ich mich, ich überhebe mich aber dessen nicht, verachte auch deswegen niemand; denn du kannst es wieder nehmen, wenn du willst. So hätte ihm Gott von Tag zu Tag der Gaben noch mehr gegeben und ihm nicht können feind sein. Weil er aber damit Hoffart treibt, und andere darüber richtet und verachtet, und spricht: Ich bin alles, der Zöllner ist nichts, da zieht ihn unser Herrn so rein aus, daß nichts mehr an ihm bleibt, daß noch zu loben wäre. Denn da steht unseres Herr Christi Urteil: «Der Zöllner ging gerechtfertigt hinab vor jenem.» Das ist, der Pharisäer ist ungerecht, verdammt und gehört in die Hölle zum Teufel. Was hat er nun von seinem Rühmen? Dagegen aber der Zöllner, der da spricht: «Gott, sei mir gnädig,» wird zum Heiligen in der Kirche, und hat einen gnädigen Gott, wie er betet. Das will Christus uns alle lehren, daß wir sollen von Tag zu Tag erkennen, was wir sind und haben. Hast du Geld, gesunden Leid, Haus und Hof: brauche desselben, gönne dir es wohl, gebe es dir gern und will dir noch mehr geben, allein rühme dich nicht und verachte keinen lebendigen Menschen darum. Gedenke, wenn du einen siehst, der nicht hat, was du hast, daß er ebenso einen gnädigen Gott haben kann, als du. Darum verachte ihn nicht, lasse ihn eben dir gehen, so wird Gott gepriesen von beiden; da sonst die falschen Heiligen Gott schmähen, ob sie es gleich mit dem Munde und öffentlich nicht tun. Darum wer bloß nach den Worten beurteilen wollte, der muß sagen, daß es nicht unrecht geredet ist, daß der Pharisäer hier sagt: Gott, ich danke dir. Denn solche Worte führen die rechten Heiligen in ihrem Gebet auch, aber mit einem anderen Herzen. Denn wo sie Gott für etwas danken, bekennen sie damit, es sei sein Werk und Gabe, sie haben es nicht von sich selbst. Aber das ist des Pharisäers Meinung nicht; sonst würde er gesagt haben: Das ich kein Ehebrecher, kein Räuber noch Ungerechter der bin, Herr, daß habe ich niemand denn dir zu danken. Meinetwegen, wo es außer deiner Gnade gewesen, würde ich eben haben hausgehalten, wie andere Leute. Denn wir sind alle gleich, einer darf sich nicht über den anderen rühmen. Aber so denkt dieser Pharisäer nicht, sondern er dreht es noch um, und spricht: «Ich danke dir, daß ich nicht bin, wie andere Leute.» Zieht also alle seine Tugend in sich selbst, als hätte er sie von sich selbst und nicht von Gott. Denn sonst würde er ihrer sagen: Du hast es gegeben. Das tut er nicht, stellt sich nicht anders, denn als sei er so reich und könne Gott geben; dankt also nicht Gott, sondern sich selbst, seiner Vernunft, seinem freien Willen und Kräften, daß er so viel habe tun können. Nun ist es wahr: wem Gott etwas besonderes gibt, der soll es erkennen und hoch achten. Denn was sollte das sein, daß du leugnen wolltest, du wärest nichts gelehrter oder besser denn ein Esel, oder ein anderes Tier? Also wem Gott Geld und Gut beschert, der soll nicht so unvernünftig sein, daß er wollte sprechen: Ich bin ein armer Bettler und haben nichts. Wer etwas Gutes getan, armen Leuten geholfen und geraten hat, soll solches auch nicht versprechen, daß er wollte sagen: Ich habe nichts Gutes getan. Nein, so soll es nicht sein; Gottes Gaben soll man erkennen, rühmen und hoch halten. Aber neben dem soll man sich demütigen und sagen: Mein Gott, es ist dein und nicht mein; du hast es gegeben, sonst müßte ich es wohl als andere sein, ich danke dir dafür. Das wäre recht getan, wo wir also uns demütigen. Aber unseres Herrn Gottes Güte soll man nicht klein noch gering achten, sondern erkennen und Achten; und doch nicht dabei stolz sein, noch andere verachten, sondern, wie nun oft gemeldet, sagen: Lieber Gott, es ist deine Gabe, die du mir gegeben hast; so ein anderer dies nicht hat, daß schadet nicht: denn er hat doch ebenso einen gnädigen Gott, als ich: warum wollte ich ihn denn verachten? Solche Demut will der Herr uns im heutigen Evangelium lehren und vor Hoffart und Stolz uns warnen. Denn es ist beschlossen: Wer sich selbst erhöht, der soll wieder herunter geworfen werden. Gott hat es seinem eigenen Volk nicht geschenkt, sondern hat es um der Hoffart willen zerstört. Andere große Königreiche sind auch solcher Sünde wegen zerstört worden. Luzifer mußte darum aus dem Himmel, Adam und Eva aus dem Paradies. Darum so lerne, daß du sagst: Herr was habe ich, das ist dein, du hast mir es gegeben, kannst mir es auch wieder nehmen. So wird die Hoffart draußen bleiben. Denn wer wollte auf so etwas Ungewisses pochen? Wer aber solches nicht tun und sich dafür halten will, als habe er es alles von sich selbst, der findet hier sein Urteil, daß Gott ihn so rein will ausziehen, daß er nichts behalten, und noch dazu ungerecht und des Teufels soll sein. Gott gebe seine Gnade, daß wir solche Lehre merken und uns danach halten, Amen   Am 12. Sonntag nach Trinitatis Markus 7,31-37 Und da er wieder aus ging von den Grenzen Tyrus und Sidon, kam er an das galiläische Meer, mitten unter die Grenze der Zehnten Städte. Und sie brachten zu ihm einen Tauben, der stumm war, und sie baten ihn, daß er die Hand auf ihn legte. Und er nahm ihn von dem Volk besonders und legte ihm die Finger in die Ohren und spützete und rührte seine Zunge. Und sahe auf gen Himmel, seufzte und sprach zu ihm: Hephatha, das ist, tue dich auf. Und alsbald taten sich seine Ohren auf, und das Band seiner Zunge ward los, und redete recht. Und er verbot ihnen, sie sollten es niemand sagen. Je mehr er aber verbot, je mehr sie es ausbreiteten. Und verwunderten sich über die Maße und sprachen: Er hat alles wohl gemacht; die Tauben macht er hörend und die Sprachlosen redend. Das ist ein einfaches Evangelium weil es nicht mehr tut, denn daß es sagt vom Wunderwerk, welches der Herr hier an dem stummen und tauben Menschen getan hat. Von diesem und anderen Wunderzeichen hören wir im Jahr oft, daß sich Christus damit erzeigt und sehen läßt, daß er der Heiland sei, der uns wieder des Teufels Zorn helfen und beistehen wolle. Darum mögen wir Gott für solche Wohltat besonders danken, daß er uns einen solchen Mann gegeben hat, der uns aus lauter Gnaden beistehen will, wider alles, daß der Teufel uns zufügen kann. Denn daß dieser arme Mensch also verletzt ist, daß er weder Zunge noch Ohren, wie andere Leute, brauchen kann, daß sind alles Schläge und Stiche des leidigen Teufels. Vor der Welt hat es wohl das Ansehen, daß jedermann meint, es seien natürliche Gebrechen; denn die Welt kennt den Teufel nicht, daß er so mancherlei Schaden anrichtet, die Leute toll und töricht macht, ihnen alles Unglück zufügt, nicht allein am Leib, sondern auch an der Seele, daß sie vor Angst und Traurigkeit Sterben und zu keiner Freude kommen können: wir Christen aber sollen es dafür halten, daß solche Fehler und Gebrechen alle anderes nichts, denn eitel Teufels Schläge sind; der richtet solchen Jammer auf Erden an, und tut Schaden, wo er kann. Darum sollen wir unserem lieben Herrn Gott billig danken, daß er unseres Jammers sich angenommen, und seinen Sohn, unseren Herrn Christum Jesum, gesandt hat, der diesem armen Menschen geholfen; und uns auch gnädig behütet hat, daß wir mit der gleichen Plage vom bösen Feinde nicht auch beschädigt sind. Denn dafür soll es ein jeder Mensch halten, so er gesunde Augen, Ohren, Hände, Füße und andere Glieder hat, daß es nicht ein natürlich, ungefährliches Gewächs sei, wie es die Welt ansieht; sondern es sind lauter Gaben Gottes. Weil aber die Welt solches nicht glaubt, sondern, weil es so gemein ist, für ein natürlich schlecht Ding hält: deswegen muß Gott zuweilen solches geschehen lassen, daß der Teufel da einen stumm und taub, dort einen blind macht, oder wohl gar tötet, auf das jedermann lerne, Gott habe es dem Teufel erlaubt, und desto fleißiger Gott dafür danke, daß er uns so gnädig vor solchem Unrat bewahret. Also ist es auch des Teufels Werk, daß er die Herzen verblendet durch irrige und falsche Lehre, daß sie die Wahrheit nicht sehen noch annehmen wollen. Alle Gottes Werke aber sind gut; denn er ist gut, und schafft nichts, denn was gut ist. Der Teufel aber ist böse; deswegen wo es ihm Gott erlaubt, da richtet er nichts Gutes an. Gleich wie ein Baum, der schöne gute Äpfel trägt, aber wenn das Ungeziefer kommt und zersticht es, so werden die Früchte wurmig und verderben. Solches ist aber nicht unseres Herrn Gottes Schuld, sondern der Würmer und des Ungeziefers. Also ist es mit uns Menschen auch. Gott ist ein Gott des Lebens, deswegen gibt er gesunden Leib und seine, geschickte Gliedmaßen. Aber der Teufel, wo er kann und Gott ihm solches erlaubt, verdirbt er den Leib und tut Schaden. Darum sollen wir es lernen, was dergleichen für Unrat uns widerfährt, daß es lauter Teufelstiche sind, der allen Menschen, besonders aber den Christen, bitterfeind ist und nichts Gutes gönnt. Nun ist es aber schrecklich, daß der arge, böse, mächtige Feind so viel Jammer anrichten soll. Aber dagegen tröstet uns das heutige Evangelium, von einer Gewissen Hilfe wieder solchen Feind. Denn da sehen wir, wie Johannes sagt 1 Johannes 3,8.: daß der Sohn Gottes darum erschienen ist, daß er die Werke des Teufels zerstöre. Denn weil der Teufel in das Paradies darum gekommen ist, daß er unserem Herrn Gott sein Werke zerbrechen, und aus den Heiligen Frommen Menschen, Adam und Eva, ungehorsamen böse Menschen machen wollte, und es gelangt ihm solcher Anschlag: hat der Sohn Gottes wiederum gedacht, wie er sich an seinen Feinde könne rächen. Wird deswegen Mensch, und macht wieder ganz und besser, was der Teufel zerbrochenen hat; zerbricht dem Teufel auch sein Werk, die Sünde, den Tod und Hölle, und, wie wir hier sehen, macht er die Zunge wieder los, die der Teufel gebunden hatte, und tut die Ohren auf, die er verstopft hatte. Diese Werk auszurichten ist Christus gekommen; und treibt es für und für unter seinen Christen, wie wir hernach weiter hören werden. Das sei vom Wunderzeichen und Werk unseres Herrn Christi gesagt, damit er sich heut erzeiget hat, daß er ein Helfer sei der elenden Leute, und wolle heilen alle Gebrechen, die der Teufel auf uns geladen hat, und von seiner Tyrannei uns ledig machen. Es will aber der Herr mit diesem Wunderwerk uns auch das anzeigen, wie diese zwei Stücke sonderlich einem Christen zugehören, daß die Ohren ihm aufgetan und die Zunge gelöst sei; und daß er dies Werk täglich in seiner Kirche wider den Teufel üben wolle. Die leibliche Wohltat, daß er gesunde Ohren und Zunge gibt, läßt er auch wohl den Heiden widerfahren; aber bei den Christen allein geht diese geistliche Wohltat, daß er ihnen die Ohren geistlich öffnet und die Zunge löst. Denn das ist ja gewiß, daß wir alle unsere Seligkeit allein durch das Wort Gottes haben. Was wüßten wir sonst von Gott, von unserem Herrn Christus und seinem Opfer, und vom Heiligen Geiste? Darum ist dies noch heutigen Tages das größte Wunderwerk und die größte Wohltat, wem Gott ein solches Ohr gibt, daß sein Wort gern hört, und eine Zunge, die Gott ehrt und nicht lästert. Die Katholiken sind tausend Mal elender, denn dieser Stumme hier. Denn sie haben taube Ohren; und ob sie gleich Gottes Wort hören, so können und wollen sie es dennoch nicht hören. Eben wie wir an den ungläubigen Juden sehen: wenn unser lieber Herr Christus die schönste Predigt von Vergebung der Sünden und dem ewigen Leben tat, wurden sie toll und töricht, wollten es nicht allein hören, sondern lästerten noch dazu. Also sind noch alle, die Gottes Wort nicht hören wollen, taub und stumm, und in viel größerer Gefahr als dieser arme Mensch hier. Denn sie können mit ihrer Zunge anderes nicht, denn Gott lästern, und von seinem Wort, dem höchsten Schatz, auf das ärgste Reden. Die aber Gottes Wort gern hören, und zur denen Christus sagt, wie hier zum Stummen: «Hephatha,» Ohr, du sollst offen stehen: die sind es, denen recht geholfen ist wider den Teufel denn Gott hat uns keinen anderen Weg gewiesen, darauf wir in den Himmel gehen können, denn sein liebes Wort, das heilige Evangelium. Wer dasselbe gern hört, mit Fleiß merkt, und Lust und Liebe daran hat, dem ist geholfen. Das ist das eine Wunderwerk, welches noch täglich in der Christenheit geht, daß unsere Ohren, welche der Teufel durch die Sünde verstopft hat, durch das Wort wieder aufgetan werden, daß wir Gottes Wort hören. Das andere ist, daß er auch die Zunge wohl rühret, und uns Reden macht, wie Paulus sagt Römer 10,10.: «So man von Herzen glaubt, so wird man gerecht, und so man mit dem Mund bekennet, so wird man selig.» Durch den glauben an Christum kommen wir zu Vergebung der Sünden. Da soll danach auch das Bekenntnis folgen, daß wir nicht stumm sind, sondern Reden, wie wir es im Herzen glauben. Das macht denn einen rechten Christen; alle anderen Werke machen keinen Christen. Das kann wohl sein, daß ein Mönch fastet und wacht, und tut seinem Leibe weher denn ein Christi: dadurch aber kann er kein Christ werden; denn es mangelt ihm an dem, daß er noch taub und stumm ist. Das Wort will er nicht hören, viel weniger bekennen. Ein Christ aber, der hört es, glaubt es und bekennt es danach. Diese zwei Stücke machen einen Christen. Also übt unser lieber Herr Christus solches Werk noch täglich in seiner Kirche, im Geist und durch das Wort; welches Werk er dort leiblich darum getan hat, daß er sich sehen ließe, wie er wieder allen Schaden, den der Teufel uns zufügt, sonderlich aber wieder den Geistlichen Schaden uns helfen könnte und wollte, auf das wir an ihn glauben und unsere Hoffnung auf ihn setzen lernen. Nun müssen wir auch sehen, was der Herr mit dem sonderen Gepränge hier meint. Das Volk bringt den armen Menschen zu ihm, und bittet, er wolle ihm die Hände auflegen. So fährt er zu, führt ihn beiseite vom Volk, legt ihm die Finger in die Ohren, spuckt aus, und rühret seine Zunge damit. Danach sieht er auf gen Himmel, seufzt und spricht: «Hephatha.» Solches alles ist eine sonderliche Gebärde, die der Herr besonders bei diesem Wunderwerk führt. Weil wir nun gehört haben, was es sei, recht stumm und taub sein, müssen wir auch das sehen, warum der Herr soeben hier bei diesem Wunder Werke eine besondere Zeremonie oder Gepränge hat brauchen wollen; so er doch wohl mit einem einzigen Wort solches Werk hätte können ausrichten. Denn wir sehen durch und durch im Evangelium, daß es nur um ein Wort zu tun ist; wenn er etwas haben will, so geschieht es. Aber der Herr treibt hier so viel Wesens um des geistlichen Wunderwerkes Willen. Denn er will damit anzeigen, wie es soviel Mühe kostet, bis man einen Tauben hörend und einen Stummen redend macht. Lazarus weckt er mit einem Wort auf. Zum Gichtbrüchigen sagt er: «stehe auf und wandle»; da war ihm schon geholfen. Aber mit diesem Tauben und Stummen hier geht er so kurz und schlecht nicht um; sondern braucht eine besondere Gebärde, daß er mit den Fingern ihm in die Ohren gereift, und mit dem Speichel seine Zunge zuvor rührt, sieht auf gen Himmel, und seufzt; als dann allererst er spricht: «Tue dich auf»; uns damit anzuzeigen, so wir von des Teufels Banden wollen los werden; und eine fertige Zunge und offene reine Ohren überkommen so müsse es geschehen durch das äußerliche Wort oder Predigtamt, und durch äußerliche Zeichen. Denn das Wort müssen wir zuerst hören, und danach Taufe und Sakrament nicht zurücklassen; so will alsdann der Heilige Geist dabei sein, Ohren und Zunge losmachen. Darum hüte sich jedermann vor den Rottengeistern, die des äußerliche Wort und Sakrament verachten, und warten, bis Gott mit ihnen rede in ihrem Herzen. Nein, spricht Christus, da ist mein Finger, daß äußerliche Wort, daß muß in den Ohren erschallen. Da ist mein Speichel, der muß die Zungen rühren und feuchten. Also wird mein Werk recht und fertig von Statten gehen. Wie man sieht, wo das äußerliche Wort recht geht, da findet man gewißlich Christen. Wo es nicht recht geht, da findet man keine. Denn wie der Hirte ist, so sind die Schafe. Darum denke jedermann, daß er sich auf dieser Bahn lasse finden und Gottes Wort gern hören. Denn Gott will sich ohne daß Wort in deinem Herzen nicht offenbaren. Sollst du ihn sehen und erkennen, so muß es allein durch das Wort und die äußerlichen Sakramente geschehen; sonst will der Heilige Geist sein Werk nicht führen. Wie Gott vom Himmel herab uns lehrt, da er spricht: «das ist meint lieber Sohn, den sollt ihr hören.» Also, Christus befiehlt seinen Jüngern: «Gehet hin in alle Welt, lehret und taufet alle Völker»; also: «Wer euch höret, der hörete mich.» Da hat unser lieber Herr Christus befohlen, man soll das Maul auftun, den Leuten das Evangelium predigen, und sie taufen. Das ist die rechte Weise, dadurch wir müssen selig werden; sonst ist alles vergebens und verloren. «Wer euch höret,» spricht er, «der höret mich.» Nach dem Predigtamt hat Gott auch geordnet Vater und Mutter, Herr und Frau im Haus, weltliche Obrigkeit im Regiment. Die sind nicht von ihretwegen allein da; sondern sitzen an Gottes Statt: die sollst du, soviel daß äußerliche Leben und all dein Tun und Lassen gegen andere betrifft, auch hören, und wissen, wenn du dieselben hörst, so hörst du Gott. Ohne wenn sie ihr Amt mißbrauchen, wieder Gottes Wort etwas sagen und gebieten wollten: da soll man sie nicht hören. Denn Gott soll man mehr Gehorsam sein, denn den Menschen. Und, wie gemeldet, sollst du erst Gott in der Kirche durch seine Diener hören; danach allererst die Menschen, als, deinem Vater, Mutter und Obrigkeit; was dieselben ihres Amts wegen dir sagen, daß sagt dir Gott. Darum denke auch, daß du es annehmen sollst und folgen. Nun ist es aber wahr, unser keiner ist, er denkt, er wollte hundert Meilen Weges zu einer solchen Kirche laufen, da unser Herr Gott selbst predigte; denn jedermann würde die Stimme hören wollen. Aber unser Herr Gott sagt: Ich will es dir wohl näher machen, daß du nicht so weit danach laufen darfst: höre deine Pfarrherren, deinen Vater und Mutter, so hast du mich gehört; denn sie sind meine Jünger und Amtleute; wenn du sie hörst, so will ich dir in dein Herz reden, wie diesem Tauben, daß deine Ohren sich auftun und deine Zunge soll frei sein, und du von da an bist ein hörender und redender Mensch, nicht mehr taub und Stummen, wie zuvor. Aber wie geht es? Kinder und Gesinde im Hause lassen ihrer Eltern und Herrschaft predigen und sagen, was sie wollen; sie aber täten nicht das Wenigste, wenn man sie nicht dazu zwingt. Also geht es mit der Obrigkeit auch, sie schaffe und heiße, was sie wolle, so findest du unter Hundert nicht einen, der mit Ernst denkt, solchen Befehl nachzukommen. Besonders jetzt, wegen der großen Gefahr, in der Deutschland jetzt schwebt, daß man Fromm sein und sich bessern, zu Gottes Wort sich fleißiger halten und vor allem Ärgernis sich hüten soll; dazu denn weltliche christliche Obrigkeit treulich die Untertanen vermahnt. Aber sie wollen nicht so um, und stellt sich die Welt, als wolle sie vorsätzlich ärger sein, denn sie zuvor gewesen ist, ehe wir das Wort gehabt haben. Also auch, gleichwie es im Haus und Regiment geht, so geht es auch in der Kirche, das sehr wenige sind, die mit rechtem Ernst die Predigt hören und die Ohren recht auftun. Der meiste Teil, Bürger und Bauern, sind den Kirchendiener feind, könnten sie ihnen nur viel zu Leid tun, nichts geben und überall nur nehmen, daß täten sie von Herzen gern, wie man leider überall sieht. Darum folgt auch die Strafe, weil man Gott, der durch Vater und Mutter, durch weltliche Obrigkeit und Kirchendiener mit uns redet, nicht hören will, daß der Teufel die Ohren je länger je härter zumacht, und die Zunge je länger je mehr bindet und schwerer macht, daß man Gottes Wort nicht hören, noch davon reden mag. Dagegen aber tut der Teufel die Ohren auf, daß man seine Lügen, Rotten, falsche Lehre, Unzucht und anderes gern hört; löst auch die Zunge, daß sie Gott lästern und jedermann ärgerlich sei. Solcher Lohn pflegt zu folgen, wo man das Wort verachtet; und geschieht den Leuten darum recht, sie wollen es so und nicht anders haben. Über das werden auch die zeitlichen Plagen nicht außen bleiben, sondern werden gewiß folgen, als, Pestilenz, Krieg, Türke und alles Unglück; damit solche Buben, nach dem sie verdient haben, ihre Strafe empfangen, wie man es bereits vor Augen sieht. Gott helfe uns, daß wir uns bessern und frömmer werden. Das ist die Ursache, daß der Herr hier gen Himmel aufsieht, seufzt, und gleich in einem Grimm sagt: «Hephatha, tue dich auf.» Denn es tut ihm weh, da Gott gern helfen und die Leute von des Teufels Banden durch sein Wort gern frei machen wolle, daß sie sich nicht wollen helfen lassen, und zu ihrem eigenen Verderben eilen und Gott zur Strafe dringen. Darum laßt uns dies Wunderwerk wohl und mit Fleiß merken, und der Frommen Leute Exempel folgen, welche den Herrn Christus hier rühmen, daß er alles wohl gemacht habe, daß die Tauben hören und die Sprachlosen reden. Solches tut er, wie gesagt, noch für und für in der Christenheit, mit seinem Finger und Speichel, das ist, durch die Heiligen Sakramente und das äußerliche Worte, daß er predigen läßt, daß die Tauben Ohren geöffnet und die Sprachlosen redend werden. Durch das, und sonst durch nichts, will der Heilige Geist in uns seine Wirkung haben. Das merket ja wohl, und haltet euch desto fleißiger dazu; denn das ist der nächste und gewisseste Weg, daß unsere Ohren aufgetan und unsere Zunge gelöst, und wir selig werden. Das verleihe uns unser lieber Herr und Heiland, Christus Jesus, Amen   Am 13. Sonntag nach Trinitatis Lukas 10,23-37 Und er wandte sich zu seinen Jüngern und sprach insonderheit: Selig sind die Augen, die da sehen, daß ihr sehet. Denn ich sage euch: Viel Propheten und Könige wollten sehen, daß ihr sehet, und haben es nicht gesehen; und hören, daß ihr höret, und haben es nicht gehöret. Und siehe, da stand ein Schriftgelehrter auf, versuchte ihn und sprach: Meister, was muß ich tun, daß ich das ewige Leben ererbe? Er aber sprach zu ihm: Wie stehet im Gesetz geschrieben? Wie liest du? Er antwortete und sprach: Du sollst Gott, deinen Herrn, lieben von ganzem Herzen, von ganzer Seele, von allen Kräften und von ganzem Gemüt, und deinen Nächsten als dich selbst. er aber sprach zu ihm: Du hast recht geantwortet; tue das, so wirst du Leben. Er aber wollte sich selbst rechtfertigen und sprach zu Jesu: wer ist denn mein Nächster? Da antwortete Jesus und sprach: Es war ein Mensch, der ging von Jerusalem hinab gen Jericho und fiel unter die Mörder; die zogen ihn aus und schlugen ihn, und gingen davon und ließen ihn halb tot liegen. Es begab sich aber ungefähr, daß ein Priester dieselbe Straße hinab zog; und da er ihn sah, ging er vorüber. Desselbigen gleichen auch ein Levit, da er kam bei die Stätte und sah ihn, ging er vorüber. Ein Samariter aber reiste und kam dahin; und da er ihn sahe, jammerte ihn sein, ging zu ihm, verband ihn seine Wunden, und goß drein Öl und Wein, und hub ihn auf sein Tier, und führete ihn in die Herberge, und pflegete sein. Des anderen Tages reiste er, und zog heraus zwei Groschen und gab sie dem Wirt, und sprach zu ihm: Pflege sein; und so du was mehr wirst dartun, will ich dir es bezahlen, wenn ich wiederkomme. Welcher dünket dich, der unter diesen drei der Nächste sei gewesen dem, der unter die Räuber gefallen war? Er sprach: Der die Barmherzigkeit an ihm tat. Dar sprach Jesus zu ihm: So gehe hin und tue desgleichen. dieses ist ein langes Evangelium; darum wollen wir nur ein oder der zwei Stücke daraus nehmen, daß wir es darum leichter merken können und uns daraus bessern. Das erste Stücke ist, daß der Herr Christus hier sein Wort, das heilige Evangelium sehr hoch preiset, und spricht insonderheit zu seinen Jüngern: Selig sind die Augen, die da sehen, daß ihr sehet. Denn ich sage euch, viele Propheten und Könige wollten sehen, daß ihr sehet, und haben es nicht gesehen, und hören, daß ihr höret, und haben es nicht gehöret. Damit will er uns trösten wieder den Jammer, den wir auf Erden sehen, da kein verachteter Ding ist, denn als das Evangelium. Denn aller andere Lehre, Lügen und Ketzerei mag die Welt hören, und kann sie dulden; aber das Evangelium will sie weder hören noch sehen, sondern lästert und verfolgt es auf das höchste, legte denen das Herzeleid an, die es predigen und hören. Wie denn der Beispiele leider mehr denn zuviel durch ganz Deutschland und in vielen anderen Königreichen vor Augen sind. Das sieht der Herr, tröstet deswegen seine Jünger und spricht: Die Welt schilt und lästert das Evangelium; aber wer die Gnade hat, daß er es haben und sich des trösten kann, der hat selige Ohren, der mag wohl Gott von Herzen darum danken, daß er dazu gekommen ist und das kann für köstlich halten, welches die Welt so hoch verachtet. Daher ist es gewiß war, daß ihr seliger seid, denn David und alle anderen Könige. Denn das ist aller Heiligen Patriarchen, Propheten und Könige höchstes Verlangen gewesen, daß sie diese Zeit gern erlebt, und mich gern gesehen und gehört hätten. Aber es hat ihnen nicht können zuteil werden. Euch aber ist diese Gnade und Seligkeit widerfahren; darum schaut und danket Gott dafür, daß es euch widerfahren ist, daß ihr mich hören und sehen könnt. Es sieht der liebe Herr, was für arme, elende Leute wir sind. Wenn wir solchen Schatz des Heiligen Evangelium nicht haben, so fällt immerdar ein Irrtum über den anderen herein, und ist nicht möglich, daß jemand sich könnte retten. Wie wir im Papsttum leider allzuviel erfahren haben, daß es endlich dahin gekommen ist, daß wir den Teufel für einen Prediger angenommen, und ihm geglaubt haben, was er durch die Poltergeister und seine lügenhaften Prediger von Messen, Wallfahrten, Fegefeuer, und anderem gelogen hat. Anders kann es nicht zu gehen, wo das Wort nicht ist, denn daß man allerlei Irrtum und Lügen annimmt und glaubt. Und lassen sich dennoch die Leute dünken, sie seien auf dem rechten Weg zur Seligkeit, so sie doch genau zur Hölle und zum Teufel rennen. Wiederum, wenn wir das Evangelium haben, so findet sich ein Jammer, der schier noch greulicher ist, nämlich, daß es jedermann verachtet, und der Wenigste Teil zur Besserung annimmt. Darum sind wir durchaus elende und arme Leute. Gibt uns Gott sein Wort nicht, so können wir es ohne Nachteil unserer Seelen Seligkeit nicht entbehren. Wiederum, gibt er es, so will es niemand haben. Wäre deswegen nichts besser, denn das unser Herr Gott bald käme mit dem jüngsten Tag und schlüge alles auf einen Haufen. Denn es hilft doch an der undankbaren Welt weder Strafe noch Gnade. Aber wie hier steht: Selig sind die Ohren, die es hören und annehmen; denn da soll eine ewige Freude auf folgen. Das ist das erste Stück, da unser lieber Herr Christus hier über klagt, daß er der Welt sein Wort, und mit dem Wort Vergebung der Sünden und ewiges Leben anbietet und gibt; aber sie will sein nicht, sondern verachtet es. Darum wendet er sich besonders zu seinen Jüngern und spricht: Selig seid ihr, die hier Gottes Wort habt und hört, nicht längst gestorben seid, ehe es gekommen ist. Ich sage euch, die größten und höchsten Könige und Propheten hätten es gern erlebt und gesehen. Noch ist die Welt so böse, wenn sie es gleich haben kann, daß sie nichts danach fragt, ja, dazu auch wohl verachtet und lästert. An solches Ärgernis kehret euch nicht, sondern denket, daß ihr solcher Gnade brauchet und euch bessert. Denn eben darum ist es dem Herrn hier zu tun, daß er gern wollte, daß jedermann daß Wort mit Ernst höret, und nicht verachtet, wie die Welt tut, und wir in allen Ständen, vom höchsten bis zum niedersten, sehen, was das Evangelium nicht verfolgen kann, daß verachtet es; der Wenigste Teil nimmt es mit Dank an und bessert sich. Dieselben sind es allein, die selige Ohren und selige Augen haben. Im anderen Stück hält der Herr uns vor die Frucht des Heiligen Evangelium, nämlich, die guten Werke, die folgen sollen, wenn man Gottes Wort gehört hat. Solches malt er mit seinem Beispiel von dem, der von Jerusalem hinab gen Jericho zog, und die Mörder über ihnen vielen, schlugen und beraubten ihn, und ließen ihn für tot da liegen. Dar kommt ein Priester, der sieht den armen Menschen, aber nimmt sich sein nicht an und geht seine Straße. Ein Levit ging auch vorüber und sah ihn, aber es kümmerte ihn der arme Mensch auch nichts. Letztlich kommt ein Samariter, der nicht den Namen hatte, daß er besonders heilig sei; sondern war ein Heide, der dem armen Menschen, der ein Jude war, nichts angehörte; denn er war nicht seines Geschlechts, wie der Priester oder Levit, sondern ein Fremder. Dieser sieht den armen Menschen, und läßt sich seinen und Fall zu Herzen gehen, steigt bald vom Roß, gießt ihm Öl und Wein in seine Wunden, verbindet ihn und legt ihnen auf sein Tier, er aber geht zu Fuß, und führt ihn in die Herberge. Als er aber wegen seiner Geschäfte nicht da bleiben konnte, befiehlt er den Wirt, und gibt ihm zwei Groschen, daß er sein wartet, bis er wieder komme. Das ist das richtige Gemälde, in welchem der Herr abmalt, was die Rechte Frucht des Wortes und christliche Liebe sei, nämlich, daß das Wort werde solche Leute machen, wie der Samariter hier ist, weiche, barmherzige Leute, die nicht wohl können sehen, daß jemand Not leidet. Wo sie es aber sehen, wagen sie ihr eigenes Leben, und helfen, womit sie können. Ich rede aber hier von Dürftigen, armen Leuten, die sich nicht auf das betteln legen, wie das faule, unnütze, müßige Bettlervolk, daß niemand zu keiner Arbeit bringen kann und das ganze Land aussäuft. Solchen Streichern soll man nichts geben. Aber wo Rechte dürftige Leute sind, da ist ein christliche Herz so geschickt, daß es tut, wie hier der Samariter. Der denkt: Ob ich gleich kein Jude bin, wie dieser, so bin ich doch ein Mensch, wie er, und habe einen Schöpfer. Darum gehört er mir näher zu, denn ein unvernünftiges Tier, will deswegen ihn nicht liegen lassen. Auf, lieber Bruder, halt her, laß dir helfen. Tut also mit ihm, wie ein Vater mit seinem Kind. Das heißen rechte Heilige. Aber die Stockheiligen, wie der Priester und Levit hier sind, die viel und groß von sich selbst halten, die haben natürlich keine Barmherzigkeit mit den Armen, sondern sind greuliche, harte Leute. Denn sie halten es dafür, unser Herr Gott sei froh, daß sie ihm dienen; denken deswegen, sie dürfen anderen Leuten nichts tun noch dienen. Der Priester hier war heilig des Amtes und der Geburt wegen, darüber war er über die Maßen Stolz, daß er darum nach niemand fragte, wie der Text von ihm sagt, daß er den armen verwundeten Menschen wohl gesehen habe, aber sei vorüber gegangen, und sich seiner Not nicht hat angenommen. Nun sind es aber verdrießliche Heilige, denen Gott besonders feind ist, die da sehen, daß ihr nächster Not leidet, und können helfen, tun es aber nicht. Worauf mögen sie sich verlassen? Auf anderes nichts, denn auf ihrer Heiligkeit, daß sie denken, wenn sie Messe gehalten, geopfert, gesungen und anderes getan haben, so haben sie alles verrichtet. Diese heißen Stockheilige und Steinheilige, ja, des Teufels Heilige, die bei sich denken, unser Herr sei ihnen schuldig, und sie seien niemand etwas schuldig. Gegen solche schändlichen Heiligen geht dies Gleichnis hier. Denn der Herr hat auch so einen stolzen Heiligen, einen Schriftgelehrten, hier vor sich, der will nicht allein sich sehen lassen, wie fromm er sei, sondern auch den Herrn Christum lügen strafen, und ein besserer Doktor sein, als er ist. Denn weil der Herr seine Predigt so hoch rühmt und sagt: «selig sind die Augen, die da sehen, daß ihr sehet»; viel Könige und Propheten haben es begehrt zu sehen und zu hören, aber sie harte es nicht so gut wie ihr jetzt: das denken die Schriftgelehrten ist zuviel, denkt bei sich selbst: Haben sie doch Mose gehabt, was kann dieser Besseres oder Höheres predigen, denn als Mose gepredigt hat? Fragt deswegen, und spricht: «Meister, was soll ich tun, daß ich selig werden?.» Als wollte er sagen: Du wirst mir ich ja nichts Besseres lehren können, denn als uns Mose gelehrt hat. Darum sind nicht allein die selig, die dich hören, jene, die Mose gehabt und gehört haben, sind auch selige Leute. Du tust ihm ein wenig zuviel. Es wäre übrig genug, daß du ein Doktor wärest, wie Mose, aber daß du Mose wegwirfst, als einen unseligen Prediger, der zur Seligkeit nicht den rechten Weg weiß, und willst ein besserer Prediger sein, das ist zuviel. Solch ein Herz und solch einer Meinung versteht der Herr sehr wohl, will deswegen ihm auf seine Frage nicht antworten, sondern läßt ihn deswegen anlaufen, daß er selbst bekennen muß: wenn man gleich Mose und das Gesetz habe, so könne man dennoch nicht selig werden. So fragt er ihn nun, und spricht: «Wie steht dem Gesetz geschrieben? Wie liest du?.» Der Schriftgelehrte ist mit der Antwort bald fertig, und spricht: «Du sollst Gott lieben von ganzem Herzen, und deinen Nächsten wie dich selbst.» Dieses, so denkt er, sei der rechte Kern und Hauptlehre, da niemand etwas Besseres könne antworten. Und es ist wahr, Mose kann nichts Höheres und Besseres lehren. Aber was antwortet Christus? «Tu das,» spricht er, «so wirst du Leben.» Als wollte er sagen: Die Lehre ist wohl gut und recht, aber dir und allen Menschen ist damit nicht geholfen. Ursache, ihr tut nichts und könnt nichts tun. Solches fühlt der Schriftgelehrte wohl, schämt sich deswegen, denn er darf nicht sagen, daß er es getan habe, und will es doch nicht bekennen, in daß er solches Gebot nicht gehalten habe. Wirft deswegen eine andere Frage auf, und spricht: «Wer ist mein Nächster?.» Das heißt ja diesen hoch Gelehrten Doktor fein zum Brett geführt. Denn daß er fragt, wer sein Nächster sei, das ist frei bekannt, daß er seinen Nächsten nicht geliebt habe; vielmal er noch nicht dahin gekommen ist, daß er seinen Nächsten kennt. Was hilft ihm nun Mose und das Gesetz? Deswegen gereift ihm der Herr sofort an den Kopf, mit dem Gleichnis vom verwundeten Menschen, und spricht: Ein Priester sah ihn, und ging vorüber; ein Levit desgleichen. Die beiden waren ebenso fromm, als du. Aber er Samariter nahm sich des armen Menschen an. Sage nun, welcher war des verwundeten sein Nächster? Da Antwort der Schriftgelehrte: «der die Barmherzigkeit an ihm tat»; will den Samariter mit Namen nicht nennen, der hoffärtige Heuchler. Darum gibt ihm der Herr eine gute Schlappe, und spricht: «So gehe hin, und tue desgleichen.» Als sollte er sagen: du bist ebenso ein frommer Heiliger, wie der Priester und Levit; du hilfst deinem Nächsten nicht mit einem Pfennig, ob er jetzt Sterben sollte; und fragtest noch, was du tun sollst, daß du das ewige Leben ererbest? Hast du nicht arme Freunde, arme Nachbarn, betrübte Leute? Ist nicht Unglück, Angst und Not genug in der Welt? Und du bist so ein grober Lehrer, daß du erst fragst, wer dein Nächster sei? Willst du heilig sein, so liebe deinen Nächsten wie dich selbst; wie der Samariter hier getan hat. Als sollte der Herr sagen: Hast dein Lebtag noch nicht so viel gelernt, daß du wüßtest, wer dein Nächster wäre, will schweigen, daß du ihn geliebt hast wie dich selbst. An wem ist nun der Fehler? Mose und das Gesetz hast du. So dieses zur Seligkeit genug ist, so hat es nicht Not mit dir. Aber ist es nicht wahr, ob du gleich Mose und das Gesetz hast, so ist dir doch damit nicht geholfen, du bleibst ein Sünder wie zuvor, und hast am Gesetz mehr nicht, denn daß es dein Schuldbuch ist, und Zeugnis wieder dich gibt und dich vor Gott deiner Sünden wegen verklagt. Das heißt ja, noch der Seligkeit sehr weit gefehlt. Wer aber solches eigentlich und gründlich verstehen will, warum das Gesetz uns nicht selig macht, der nehme nur diese zwei Stücke vor sich, da der Schriftgelehrte ihr von redet, und sehen mit Fleiß, was es heißt: Gott von ganzem Herzen lieben, und den Nächsten wie sich selbst: so wird er finden, wie ein schwer und unmögliches Ding es sei, wo nicht durch den Herrn Christum und sein Evangelium uns der Heilige Geist in unsere Herzen gegeben wird. Es ist schnell gesagt: Ich habe Gott lieb; denn er kommt persönlich nicht zu uns, bedarf deswegen nicht, daß man sich hart auf ihn einrichte. Aber wir sehen, wie wir uns gegen die armen Leute halten, so wird es sich finden, ob wir Gott lieb haben. Darum, wenn du wissen willst, wer Gott recht liebt, so tue nicht mehr, denn siehe, ob die Kinder ihre Eltern ehren, ob das Gesinde seiner Herrschaft gehorsam ist, ob man die Kirchendiener wohl und ehrlich halte; so wirst du sein und eigentlich sehen, wer Gott liebt, oder nicht liebt. Denn von den Kindern steht Gottes Befehl und Wort da: Du sollst Vater und Mutter ehren. Ja, spricht ein Mönch und Nonne: Vater und Mutter lasse ich fahren; ich will in ein Kloster gehen und dich ehren und dich lieben, der du Gott im Himmel bist. Nein, spricht Gott, da hast du mein Wort und wirst meinen Befehl; hast du mich nun lieb, so wirst du auch deinen Vater und eine Mutter lieb haben, sie ehren, und ihnen alle Liebe erzeigen. Dieses heißt Gott geliebt. Aber danach fragen die meisten Leute nicht, sondern wollen die Liebe gegen Gott mit anderen Werken beweisen, da doch Gott nichts von befohlen hat. Also die Kinder, ob sie gleich bei ihren Eltern bleiben, so wollten sie doch, daß sie schon Tod und unter der Erde wären, nur daß sie ihren Mutwillen haben könnten. Da muß man ja sagen, sie haben Gott nicht lieb. Also geht es in anderen Ständen auch. Ein Fürst hat seine Amtleute, denen befiehlt er, daß sie recht und treu Haushalten sollen. Fragtest du sie, ob sie auch Gott lieb haben, da wird ihrer keiner nein sagen, sondern werden alle rühmen, ja, ich habe Gott lieb, warum sollte ich Gottes feind sein? Ja, Lieber, so sage an, warum bist du deinem Fürsten ungehorsam und untreu? Hättest du Gott lieb von ganzem Herzen, ja, von halben Herzen, so würdest du deinem Fürsten viel treuer dienen. Also ist kein Knecht noch Magd im Haus, wenn sie gleich von Gott nichts wissen, dazu nachlässig und untreu sind, die diese Nachrede leiden wollten, und sich dazu bekennen, daß sie Gott feind wären, oder ihn nicht lieb hätten; und dennoch beweisen sie es in dem, daß sie ihren Herren so ungehorsam sind, welchen Gott heißt gehorsam sein. Weil sie aber Gott nicht lieben und nach seinem Befehl nichts fragen, bleiben sie ungehorsam, untreu, lügen, trügen und brauchen sich aller bösen Stücke. So lerne nun, daß es nicht so ein leichtes Ding ist, Gott lieben, als man meint. Gesagt hat man es schnell, aber im Werk will es nicht gehen. Denn Gott lieben heißt, sein Wort und Befehl halten. Wie Christus sagt: «Wer mich liebet, der wird mein Wort halten.» Denn hast du Gott lieb, so wirst du seine Gebote nicht verachten. Was heißt und befiehlt nun Gott dem Gesinde, Knechten, Mägden? Ja, was verheißen sie ihrer Herrschaft, daß sie tun wollen? Ist es nicht wahr, da fordert Gott, und sie geloben es, nehmen auch ihren Lohn, Essen und Trinken darum, daß sie treu sein, folgen, und mit Fleiß tun wollen, was sie zu tun schuldig sind, und mit ihren Dienst, Arbeit und Fleiß ihrer Herrschaft Nutz und Frommen zum besten fördern. Aber wo findest du solche Leute, solche Knechten und Mägde? Der größte ungehorsam, der größte Unfleiß, Stolz, böse Worte, Schaden tun, und oft dazu auch noch stehlen und rauben, solche Leute findet man heute. Darum lieben sie nicht Gott, ja, sind Gott feind; denn sie achten seines Wortes nicht: sonst würden sie gewiß frömmer und fleißiger sein. Eben nun wie sie Gott lieben und seines Wortes sich fleißigen, so geht es ihnen auch, daß weder Glück noch Heil bei solchem Gesinde ist, müssen ihr Leben lang Arbeiter und Bettler bleiben. Von Pfarrherren und Kirchendiener ist nicht Not hier zu melden; man sieht es überall, wie die Amtleute, Richter Bürger, Bauern und Nachbarn mit ihnen umgehen, halten sie geringer und verächtlicher denn als Kuh und Sauhirten. Nun hatte es aber Gott über die Maßen fleißig befohlen, man solle sie liebt und Wert halten, und besonders ihnen nicht vorenthalten, was ihnen gehört; wie man sieht im Propheten Maleachi. Und Christus selbst spricht: «Ein Arbeiter ist seiner Speise wert.» Darum eben wie du dich vor Sünden sollst fürchten, so du deinem Knechte und Magd etwas abbrichst: also sollst du dich der Sünden fürchten, wo du deinem Pfarrherren etwas abbrichst, daß du ihm schuldig bist; und wissen, daß Gott dir an einem anderen Ort mit Ungewitter, Unglück, Feuer, Wasser und der gleichen zehnmal mehr dafür nehmen wird, denn du deinem Pfarrherren bestiehlst. Also sieht man, daß die Welt nicht allein Gott liebt, sondern haßt, verachtet ihn, und ist ihm feind. Daß es nicht zu leiden wäre, daß sie ihn nicht lieb hätte, wenn sie nur ihm nicht auch feind wäre. O nein, spricht jedermann, da behüte mich Gott vor, sollte ich Gott feind sein? Ja, sicher bist du ihm feind. Denn so du wieder deinen Vater und Mutter, wieder deiner Herrschaft oder Obrigkeit murrst, und nicht tust, was dir zu tun befohlen ist; so verachtet du Gott, haßt ihn und bist ihm feind. Denn es ist sein Befehl, daß du folgen, und durch den Gehorsam sie ehren sollst. Demselben Befehl bist du feind; denn du willst ihn nicht tun und magst ihn nicht hören. Wer kann dann anders sagen, denn daß du Gott auch feind bist? Also rühmen Bürger und Bauern auch, sie haben Gott lieb. Aber wenn man ihnen Gottes Befehl vorhält, daß sie nicht geizig sein sollen, nicht zu teuer verkaufen, treu handeln: je mehr man Predigt, je toller sie werden, und tun nur desto mehr aus lauter Trotz und Mutwillen. Was, sprechen sie, geht es den Pfaffen an, wie ich haushalte? Sollte er mich meistern? Wohlan, geht es den Pfaffen nicht an, so geht es Gott an; aber sieh du zu, wie er dir mit der Zeit lohnen werden, mit Pestilenz, teuerer Zeit, mit Feuer, mit Wasser, mit dem Türken und allerlei anderen Plagen; die werden dir deine Thaler und Gulden ganz nehmen und wo wolltest du nun wissen wie du noch zu Dank kommen solltest: da du sonst, so du ein Christ wärest, gegen Gott und die Leute könntest Gunst und Dank verdienen, und würdest am Gut von Tag zu Tag zunehmen. Also sieht man überall, daß man unseres Herrn Gottes Wort nicht allein mit Fleiß nicht hören will, sondern man verfolgt es noch dazu. Nicht allein der Papst, die Bischöfe, sondern auch auf unseren Teil die Bürger, Bauern, die vom Adel, und andere in allen Ständen. Sie sollten Gottes Wort ehren und denselben sich nach halten, mit ihrem Nächsten freundlich Leben, und besonders den Kirchendienern geben, was sie zu geben schuldig sind. Aber könnten sie noch viel nehmen, so täten sie es mit fröhlichem Mut, denken dazu, sie hätten es nur sehr gut ausgerichtet. Darum laßt uns mit Fleiß lernen und wohl merken, daß wer Gottes Wort hat, der soll auch Gott lieben, das ist, er soll Gott seinen Gehorsam leisten und dem Wort fleißig folgen, und sagen: o Herr Jesus Christus, du hast meine Augen mir auf getan, daß ich sehe, wie du mich durch deinen Tod von Sünden erlöst und einen Erben des Himmelreichs und ewigen Lebens gemacht hast; nun, lieber Herr, ich danke dir für solche hohe unaussprechliche Gnade; will wiederum auch gern tun, was ich weiß, daß du von mir haben willst. Du hast mich geheißen, Vater und Mutter ehren; ich will es mit allem Willen und gern tun. Du hast mich geheißen, ich soll meiner Herrschaft Treue dienen, fleißig arbeiten und gehorsam sein; ich will es auch gern tun. Du hast mich geschaffen zur Hausmutter, zum Hausvater; lieber Gott, ich will fromm sein, will tun mit Lust und Liebe, was ich soll, und eher das Leben darüber lassen, denn daß ich dir nicht wollte folgen, oder meinen Kindern und Gesinde nicht treu vorstehen, oder sie ärgern. Das ist die Rechte Frucht, die aus dem Wort folgen soll, und heißt, Gott recht von Herzen lieben. Das nun Gott solche fromme, gehorsame Christen, die Gott und sein Wort ehren und lieben, nicht wieder ehren, ihnen nicht Glück und Heil sollte geben, das ist nicht möglich. Aber da gehe jeder heim in sein Herz, und schaue, wie er Gott liebe. Denn, wie jetzt gemeldet, Gott lieben geht nicht mit Gedanken allein zu, wie das tolle Mönchsvolk meint; sondern Gott lieben heißt, wie der Herr am anderen Ort auch sagt, den Nächsten lieben. Denn also spricht Gott: Willst du mich lieben, so gedenke und liebe deinen Vater und Mutter, dein Kind, dein Weib, deinen Mann, deinen Herrn, deine Frau; das will ich von dir haben. Das sage ich wohl, ob du überall dieses tust, so wirst du finden, ob du Gott liebst, oder Gott feind bist. Denn wie gesagt, ihrer sind wenig, ja, die Christen sind es allein, die Gottes Wort haben und Christum lieben, wohl nicht so vollkommen, als sie es sollten. Die sprechen: Wohlan, ich will wiederum meinem Nächsten von Herzen gern tun, was ich tun soll. So ich aber häufig mit Zorn, und Geduld und anderen übereilet würde, so soll es mir doch von Herzen leid sein, und will wiederkehren. Christen tun daß, die anderen, so nicht Christen sind, tun es nicht. Darum können wir schließen, daß besonders Bürger und Bauern, Kind und Gesinde, Amtleute und Untertanen, alle des Teufels sind: denn sie sind Gott feind, denn sie achten (wie man sieht) seines Wortes und Befehls nicht. Daß er sie erschaffen, ihnen Leib und Seelen gegeben, Essen und Trinken beschwert, ja, daß er seinen eingeborenen Sohn gegeben hat, dafür singen sie ihm ein Liedlein, daß heißt, ich mag dein nicht, ich will dein nicht, und wo sie könnten, sollten sie ihn wohl noch vom Himmel herunter reißen, so lieb haben sie sein Wort und Befehl. Ei nun, Liebe in jenes Namen! Heißt daß Gott lieben, Gott und seinem Wort so bitterfeind sein; und dagegen den Teufel lieben und seinem Willen folgen, der uns in Sünde und den ewigen Tod geworfen, und allen Lust daran hat, daß wir Gott so ungehorsamen sind? Also ist die Welt eine leidige Dienerin des leidigen Teufels in der Hölle; der hat Lust dazu, daß man Gott feind sei, und nicht tue, was er zu tun befohlen hat. Wer schändliche Feind hat uns bereits die Sünde und den Tod an den Hals gehängt; und so er noch diese Stunde Korn und Wein verderben, und es zuwege bringen könnte, daß wir alle des Hungers Sterben müßten, täte er es gerne. Dennoch solchem Feind, der und so übel und giftig ist, dienen wir, und lassen den gnädigen Gott im Himmel, der uns alles, und sonderlich seinen Sohn gegeben, und mit demselben das ewige Leben geschenkt hat, uns vergeblich predigen, und wollen seines Befehls nicht achten. Nun schlage tot und würge, lieber Gott, daß wir dich nicht sollen lieben, der du allerlei zeitliche und geistliche Gaben liebst. Dagegen aber sollen wir dem mit Liebe und Willen gern dienen, der uns alle Plage hier an legt, und dort den ewigen Tod gibt . Darum lerne, was da heiße, Gott lieben. Dieser Samariter hat Gott lieb: nicht daß er Gott etwas gegeben hätte; sondern daß er dem armen verwundeten Menschen hilft, soviel er kann. Denn also sagt Gott: Willst du mich lieb haben und mir dienen, so tue es deinem Nächsten, der bedarf es; ich bedarf es nicht. Darum dient dieser Samariter hier mit seinem Geld, Tier, Öl und Wein unseren Herrn Gott in Himmel. Nicht daß es unser Herr Gott für seine Person bedarf, oder er es unserem Herrn Gott tue, er tut es seinem Nächsten. Es heißt aber darum Gott getan und Gott damit gedient, daß es Gott also geheißen und befohlen hat. Das andere, da die Welt Gott mit gedenkt zu dienen, hat er nicht befohlen, daß man nach Rom laufen, Kirchen Bauern, oder anderes tun soll. Er will, daß einer dem anderen dienen und helfen soll. Zu Rom darfst du mich nicht suchen, spricht er, du findest mich daheim in deinem Haus, bei deinem Weib, Kind, Gesinde, Herrschaft, Obrigkeit; also, in deines Nachbarn Haus, auf der Gasse, auf dem Markt und überall. Da tue, was du jedermann zur Freundschaft, Liebe und Dienst tun kannst, so will ich es dafür halten und rühmen, du habest es mir getan. Wie könnte er dir es näher legen? Aber der Teufel blendet die Welt, daß sie es nicht sehen kann, was da eigentlich heißt, Gott lieben und dem Teufel feind sein. Darum trachte danach, daß du lernest nach diesem Beispiel dieses Samariter dich zu halten, welcher sich des Verwundeten in seiner Not also annimmt, ihm hilft und pflegt, wie er hätte begehrt, daß ihm ein anderer in solcher Not auch getan und seiner gepflegt hätte; und bringt dadurch das Lob davon, daß er Gott und seinen Nächsten geliebt habe. Daß, sage ich, sollst du lernen, daß du es auch tust. Denn diese Frucht soll bei denen folgen, die daß Wort haben. So sie aber nicht folgt, sind es falsche Christen; wie dieser Priester und Levit hier, die sind Stockheilige, ja, Teufelsheilige. Denn wer vor seinem Nächsten vorüber geht, der geht auch vor Gott vorüber. Darum hüte dich vor der Welt Beispiel, die beide, Gott und dem Nächsten, feind ist, sondern beweise die Liebe gegen jedermann, so wird es Gott nicht unbelohnt lassen. Wer aber Gott nicht lieben und vor seinem Nächsten in der Not vorübergehen will, der wird seine Strafe gewiß zu seiner Zeit empfangen. Das soll jedermann wissen und sich danach richten. Also gibt uns dies Evangelium eine schöne und sehr nütze und nötige Lehre, wie wir unser Leben sollen schicken, wenn wir unter dem Haufen wollen sein, der Gott recht liebt, nämlich, daß wir unseren Nächsten lieben und ihm in seiner Not alles Gute beweisen sollen. Das will Gott annehmen, als hätten wir es ihnen getan. Dem Schriftgelehrten aber gibt der Herr eben den Bescheid auf seine Antwort, wie zuvor, und spricht: Gehe hin und tue desgleichen. Will damit noch einmal anzeigen, daß er solchen Willen Gottes noch nie getan habe, könne ihn auch nicht tun. Auf das er müsse bekennen, ob er gleich Mose und das Gesetz habe und wisse, daß es nicht genug zur Seligkeit sei. So er aber soll selig werden, so müsse er erstlich durch den Sohn Gottes Vergebung all seiner Sünde haben, und danach auch den Heiligen Geist empfangen, der das Herz zum willigen, rechten Gehorsam erwecke. Denn außerhalb des Heiligen Geistes Hilfe, welchen wir allein durch den Herrn Christum empfangen, ist es unmöglich, daß wir dem Gesetz könnten genug tun. Denn wo der Heilige Geist nicht ist, da bleibt das Herz unrein und in Sünden. Darum, obgleich die äußerlichen Werke des Gesetzes folgen, so ist es doch nur eine Heuchelei, da Gott keinen Gefallen an haben kann. Darum besteht unseres Herrn Christi Urteil fein und gewiß, daß die allein seliger Augen und Ohren haben, ihn da sehen und hören, was seine Jünger sehen; und die nicht, so mehr nicht sehen noch hören, denn Mose und das Gesetz, durch welches die Herzen nicht geändert werden, sondern bleiben, wie sie im Anfang waren, böse und unrein. Aus diesem ist leicht zu antworten auf der Katholiken Einrede gegen uns, daß sie sprechen: Christus sagt: «Tue daß, so wirst du Leben,» und schließen daraus, man könne durch die Werke des Gesetzes selig werden. Denn der Herr will mit solchem Wort dem Schriftgelehrten und uns allen zeigen, daß es unmöglich ist, daß wir dem Gesetz können folgen, wo nicht unsere Herzen durch das Evangelium den Heiligen Geist zuvor empfangen und von Sünden gereinigt werden. Darum ist solches geredet nach des Gesetzes Art; das heißt uns auch Gottes Willen tun, aber daraus folgt nicht, daß wir es tun können. Solches muß Christus durch das Heilige Evangelium und seinen Heiligen Geist in uns ausrichten. Wie denn der Herr solcher Ursache wegen dies Gleichnis mit dem, der unter die Mörder fiel, einführt, damit anzuzeigen, wie ein großer Jammer auf uns Menschen allen liege, und das wir allein durch ihn, den rechten einigen Samariter, davon können los und ledig werden. Denn wir arme Menschen sind unter die ärgsten Mörder gefallen durch die Sünde, daß der Teufel und Tod unser mächtig geworden, und nicht allein uns ausgezogen und geraubt hat aller geistlichen Güter, die Gott uns gönnt und gegeben hat; sondern sie haben uns auch verwundet und geschlagen, das ist, der Sünden wegen sind wir in allerlei Jammer, Unglück und Elend geraten. In solchem Elend müßten wir des Priesters und Leviten, das ist, das Gesetz, wegen liegen bleiben; denn sie gehen vorüber und helfen dem armen Menschen nicht. Wie Paulus sagt: Durch das Gesetz wird kein Mensch gerecht, noch von Sünden frei. Aber letztlich findet sich der Samariter, unser lieber Herr Christus, welchen sein eigenen Volk nicht annehmen wollte, sondern hielten ihnen wie einen Heiden und besessenen Menschen. Der nimmt sich unseres Jammers an, wäscht und verbindet uns unsere Wunden mit Wein, und gießt daß selige Öl seiner Gnade hinein, und nimmt unsere Sünden auf sich, die trägt er an seinem Leib, und führt uns also in die rechte Herberge, das ist, in die christliche Kirche, und befiehlt da dem Wirt, daß er unser pflegen soll, daß sind die, so im Predigtamt sind und das Wort führen. Aber leider! Der größte Haufen, wie wir an dem Papst, Bischöfen und denselben Ungeziefer sehen, wartet solches Amtes sehr übel; daß die Kirche ist wie ein Krankenhaus, daß einen untreuen, unfleißigen, unnützen Arzt hat, der die Kranken sehr schlecht wartet. Denn sie sollten Gottes Wort predigen, aber sie verfolgen es; sie sollten die Leute zu Christus führen und also ihnen von Sünden helfen, aber sie stecken dieselben nur tiefer hinein. Dennoch sehen wir, daß unser lieber Herr Christus solch Krankenhaus nicht abbrechen will. Wollen Papst und Bischöfe nicht richtig predigen, so mögen sie es lassen, und warten, wie ihnen zuletzt gelohnt werde. Dazu erweckt unser lieber Herr Christus arme, elende und in der Welt verachtete Leute, die sein Wort führen und den armen Kranken pflegen, daß sie durch das Evangelium zur Vergebung der Sünden und dem ewigen Leben kommen. Denn ohne diese Predigt ist es unmöglich, daß wir zu solchem Schatz könnten kommen. Darum mögen wir Gott für solche Wohltat wohl danken, und beten, daß er in solcher Gnade uns erhalten und selig machen, Amen.   Am 14. Sonntag nach Trinitatis Lukas 17, 11-19 Und es begab sich, dar er reiste gen Jerusalem, zog er mitten durch Samarien und Galiläum. Und als er in einen Markt kam, begegneten ihm zehn aussätzige Männer, die standen von ferne, und erhobenen ihre Stimme und sprachen: Jesu, lieber Meister, erbarme dich unser. Und da er sie sahe, sprach er zu ihnen: Gehet hin und zeiget euch den Priestern. Und es geschah, da sie hingingen, wurden sie rein. Einer aber unter ihnen, dar er sahe, daß er gesund geworden war, kehrte um, und preiste Gott mit lauter Stimme, und viel auf sein Angesicht zu seinen Füßen, und dankte ihm. Und das war ein Samariter. Jesus aber antwortete und sprach: Sind ihrer nicht zehn rein geworden? Wo sind aber die neune? Hat sich sonst keiner gefunden, der wieder umkehrte und gäbe Gott die Ehre, denn dieser Fremdling? Und er sprach zu ihm: Stehe auf, gehe hin; deinem Glaube hat dir geholfen. Im heutigen Evangelium hörete ihr am Ende, wie der Herr den Glauben preiset. Dein Glaube, spricht er zum Samariter, der aussätzig gewesen war, hat dir geholfen. Gibt also die Ehre, daß dieser gesund geworden ist, nicht sich selbst (sonst würde er sagen: Ich habe dir geholfen), sondern dem Glauben. Will uns damit reizen, daß wir auch solchem Beispiel nach mit ganzer Zuversicht Gott Glauben, und gewiß sein sollen, was wir glauben, daß wir es durch Christum haben sollen. Glauben wir durch Christum Vergebung der Sünden und ein ewiges Leben, so soll es ja sein; Glauben wir, daß Gott um Christi Willen uns gnädig und barmherzig sei, so will er gnädig und barmherzig sein. Daß es also alles aus dem Glauben soll zugeeignet werden, nicht Gott, der es doch allein tut. Auf das jedermann lerne, wo wir etwas nicht erlangen, daß wir doch gerne hätten und wohl bedürften, daß es nicht an Gott mangelt, sondern allein an unserem Unglauben; sonst, wo wir fest glaubten, würden wir es gewißlich haben. So ist nun dies die erste Lehre aus dem heutigen Evangelium, daß wir wissen sollen, es soll ja sein alles, was wir uns zu Gott versehen und trösten können. Wer aber Gott nicht glauben, und sich nichts Gutes zu ihm versehen will, der denke nur nicht, daß er etwas werde kriegen. Wie Jakobus in seiner Epistel sagt, Kapitel 1. denn wer mit Gott handeln und etwas von ihm mitten will, der muß nicht zweifeln noch wanken, und sagen: Wer weiß, ob mir es Gott geben will, oder auch ich es Wert bin? Nein, bei Leibe nicht; sondern also sollst du sagen: Ich weiß, was ich Gott bitte, daß er es um Christi Willen gern tun und geben will. Und ob er es schon jetzt und auf diese Weise nicht tut, wie ich es gerne hätte, so wird er es auf eine andere Zeit und Weise tun. Denn ein Wankelherz, daß nicht glaubt, noch Gewissen dafür hält, daß es etwas erlangen werde, daß wird nimmermehr gewährt. Denn Gott kann es ihm nicht geben, wenn er gleicht gern wollte. Es ist eben wie ein Gefäß, daß man in Händen hält, und will es doch nicht still halten, sondern bewegt es immerhin und wieder, da wird man nichts eingießen können; und auch man schon gern hineingießen wollte, so läuft es doch daneben hin und kommt vergebens um. So ist es auch bei einem ungläubigen, wankenden Herzen. Gott wollte gern geben, was wir bedürfen; aber da stehen wir, wie ein toller Bettler, wir halten den Hut auf, daß er uns etwas hinein werfe, und wollen doch nicht still halten. So will unser Herr Gott seine Gaben auch nicht so vergebens hinschütten, daß sie daneben fallen und verloren sind. Eben als wenn du eine Flasche den Händen hättest, und begehrst, man sollte dir Wein hineingießen, und wolltest sie doch immer mit der Hand hin und her schleudern. Das würde einen Wirt böse machen, besonders wenn er dir den Wein noch schenken und kein Geld dafür nehmen wollte. Er würde sagen: Nun verschwinde, meinst du denn, ich will den Wein auf die Erde gießen? Eben so ein Ding ist es auch um ein wankend, ungläubig Herz, da kann Gott nichts hinein gießen, auch wenn er es gern wollte. Wiederum, wo man nicht wanket, sondern fein still hält, da will er gern geben. Wie wir hier an den 10 Aussätzige sehen; die stehen und schreien: «Jesu, lieber Meister, erbarme dich unser.» Sie halten fein still, und zweifeln gar nicht daran, er werde helfen. Darum, wie sie glauben, so geschieht es ihnen auch. Das sollen wir wohl merken, auf das wir auf Gottes Güte lernen fest trauen, und mit dem Herzen nicht wanken, sondern fein still halten und in allem, daß wir bitten, es sei um Gesundheit, Nahrung, Glück, Weisheit, Gerechtigkeit. Denn Gott will solches gern geben, sofern es zu seiner Ehre gereichen soll, und unserer Seligkeit nütz und gut ist. Ohne daß er es zuweilen verzieht, uns also zu versuchen, ob wir mit dem Gebet und Glauben auch anhalten wollen. Das ist das erste Stück aus dem heutigen Evangelium, daß wir im festen Glauben beten, und an Gottes gnädigen Willen durch Christum nicht verzweifeln sollen. Das andere Stück ist ein sehr schreckliches Beispiel, daß ihrer zehn am Anfang so einen festen Glauben haben und gesund werden, und doch die neun wieder abfallen, und dem Herrn Christus solcher Wohltat wegen keinen Dank sagen. Es soll aber solches Beispiel uns dazu dienen, daß wir dankbar sind und vor dem schändlichen Laster der Undankbarkeit uns hüten sollen. Denn es will unser Herr Gott, und nicht billig, die Ehre haben, daß wir ihm wir alle seinen Wohltat danken sollen. Solche sollten wir auch gern und williglich tun. Denn es ist ein Ding, daß nicht viel Mühe macht. Denn was kann es dir doch Schaden, daß du dich zu Gott zu erste und sagst: Ach Herr, du hast mir gesunde Augen, gesunde Hände und Füße, dies und anderes gegeben; ich danke dir von Herzen dafür, denn es ist ja deine Gabe. Also, was kann es dir Schaden, daß du deinem Vater und Mutter, deinem Herrn und Frau, deinem Nachbar dankest, wenn dir eine Wohltat von ihnen widerfahren ist? Bricht ist dir doch kein Bein, und ist allein darum zu tun, daß man sehe, ob es wohl auch an dir angelegt sei, also tut der Samariter hier, kehrt um zum Herrn und dankt. Das hat ihn keinen Pfennig, sondern wenig Worte gekostet; und gefällt doch dem Herrn sowohl, daß es ein Wunder ist. Den Leuten gefällt Dankbarkeit auch wohl, und tut ihnen sanft; werden auch dadurch gereizt, daß sie ein anderes mal mehr helfen. Die Heiden haben gesagt: der Undank sei das größte Laster. Darum, wenn man einen undankbar schimpft, so habe man ihn auf das höchste beschimpft. Den auch so erfahren wir, daß solche Untugend sehr gemein ist, und denen am meisten begegnet, die allen Dank an uns verdient haben; als da sind: Vater und Mutter, die an ihre Kinder Leid, leben, Ehre und gut, und was sie haben, wagen. Aber wie lohnen ihnen die Kinder? Was erleben sie an ihnen? Selten geschieht es, daß ein Kind dankbar ist. Das macht der leidige Teufel. In anderen Ständen geht es auch so zu. Darum lerne dich hüten vor dem großen und schändlichen Laster, davon die Quelle versieget, da alle Treue und Wohltat unter den Menschen herfließt. Denn wo man ein undankbares Herz findet, da vergeht Lust und Liebe, daß man ferner helfen und solchen Leuten etwas sollte zu gut tun. Denn wer anderen Leuten helfen soll, und soll keinen anderen Dank davon bekommen, denn daß man ihm dafür die Hand schmeiße, das ist ein sehr verdrießliches Ding. Das ist das erste Wort, daß man sagt: Es ist alles verloren mit dem heillose Menschen. Laßt ihn immerhin fahren, er wollte ihn nicht ansehen, daß ich ihm mit einem Heller helfe. Also werden die Leute unwillig. Das richtet der schändliche Undank an, und ist doch in der Welt ein sehr gemeines Laster. Darum, wenn ihr fromme Christen sein wollt, soll lerne, daß ihr dankbar seid, erstlich Gott, unserem gnädigen Vater im Himmel, der Leib und Leben schenkt und erhält; gibt danach auch alles, was gehöret zum ewigen Leben. Danach seid auch dankbar gegen eure Eltern, Freunde, Nachbarn, und alle, die euch Gutes bewiesen haben, und erweiset ihnen wieder Gutes; auf das, wo ihr es gleich mit Werken nicht vergelten könnte, dennoch ihr mit Worten euch dankbar und freundlich erzeiget. Solches steht euch wohl an, und Gott will es von euch haben. Aber der wenigste Teil tut es. Denn weil man es bei der Welt nicht erheben kann, daß sie zum wenigste mit Worten sich dankbar erzeigen, ist es kein Wunder, daß man die Leute zum Danken nicht bringen kann; wie das Sprichwort heißt: Wohltat ist bald vergessen. In Klöstern gewöhnt man die jungen Mönche, wer ihnen nur eine geschnittene Feder schenkte, daß sie sich bücken und sagen mußten: Gott sei gelobt um alles daß, daß er uns schenket. Solches war nicht eine böse Weise; denn es geschah darum, daß das junge Volk sich gewöhnen sollte, alles mit Danksagung gegen Gott und die Menschen anzunehmen. Darum, ob es gleich nicht immer so im Herzen war, so war es doch fein, daß man die Worte sagte. Also steht im 116. Psalm Vers 12,13.: «wie soll ich den Herrn vergelten alle seine Wohltat, die er mir tut? Ich will den heilsamen Kelch nehmen, und des Herrn Namen predigen»; das ist, ich will ihm darum loben, preisen und danken, und sagen, er habe mir gütlich getan. Gern, liebes Kind, spricht unser Herr Gott, da habe ich eben genug an. Aber der gütige Vater kann es bei wenigen Leuten erlangen. Der meiste Teil verfolgt sein Wort, und lästert ihn, unangesehen daß alles, was wir haben, wir allein durch ihn und aus seinen Gnaden haben. Und ist an solchem noch nicht genug; seinen eingeborenen Sohn, den er uns zum Trost wieder Sünde und ewigen Tod geschenkt hat, hängen sie noch an den Galgen. Das mag je eine Welt sein, der Gott sollte billig feind sein und ihr nichts Gutes tun. Aber er läßt sich nicht erzürnen, er bleibt gütig und gnädig, und hilft überall. Darum ist es an dem nicht genug, daß wir lernen dankbar zu sein, sondern wir müssen uns auch zu der Tugend gewöhnen, die den Undank leiden kann. Das ist alle ein Gottes und der rechten Christen Tugend. Denn da sind Beispiele genug vor Augen, die da zeugen, daß die Welt solches nicht kann. Die Griechen haben sehr feine Leute gehabt, die dem Vaterland treu beigestanden, und Leib und Leben gewagt haben. Aber sobald sie merken, daß der Dank außen bleibe und sie solcher Wohltat nicht genießen, sondern man ihnen noch zusetzen und sie drücken wollte, wurden sie ungeduldig darüber. Also das gleich wie sie zuvor das Vaterland wieder die Feinde geschützt hatten, sie danach den Feinden wieder das Vaterland halfen, und wurden die ärgsten Feinde. Das ist unserer Art und Natur, aber es ist eine böse Art, der wir uns absagen, und Gottes Art an uns nehmen sollten, der, ob er wohl dem Undank, als einem schändlichen, großen Laster, feind ist, dennoch läßt er sich dadurch nicht bewegen, daß er auch wollte böse sein, er bleibt immer gut und gnädig gegen jedermann, der seiner Hilfe bedarf. Wer nun ein Christ sein will, der lerne, daß er sich dieses erzeiget, daß er mit all seiner Wohltat, Treue und Dienst nicht überall werde Dank verdienen, sondern müsse auch Undank leiden. Solches aber sollen wir uns nicht betrüben lassen, daß wir anderen nicht mehr dienen noch helfen wollten. Denn das ist eine christliche Tugend und eine rechte Frucht des Glaubens, daß wenn du dein Bestes getan hast und man dir dagegen die Hand verweigert, du Geduld habest, und sagst: Nein, damit sollst du mich nicht erzürnen noch unlustig machen; ich will es leiden, und dennoch helfen, wo ich kann. Willst du undankbar sein? Ich weiß einen über uns im Himmel, der wird mir an deiner statt danken; das soll mir lieber sein, denn so du mir dankest. Das heißt, christlich sich halten, und wie es Salomon nennt, brennende Kohlen auf des Undankbaren Haupt schütten. Diese Kunst wirst du von der Welt nicht lernen. Sie tut das Gegenteil. Will man nicht dankbar sein, so denkt sie, was sie getan habe, daß sei hin und verloren. Sie will hinfort ihre Wohltat nicht mehr so schlecht anlegen. Aber unser Vater im Himmel ist es, da wir solche Kunst von lernen sollen, der läßt seine Sonne erscheinen, nicht allein über die Frommen, die ihm dafür danken, sondern auch über die Bösen, die ihm nicht danken, sondern aller Gaben mißbrauchen. Er könnte des Rechtes wegen auch sagen: Ich habe die Sonne so viele Jahre scheinen lassen, Korn, Wein und allerlei Früchte und Wohltat gegeben; aber ich verdiene kleinen Dank; darum will ich sie nicht mehr scheinen, und die Undankbaren Welt des Hungers Sterben lassen. Aber er tut es nicht, der gnädige Vater. Nein, spricht er, so groß soll der Welt Undank nicht sein, daß sie mich damit sollte zornig machen. Will sie nicht dankbar sein, so will ich dennoch gnädig sein, und die Undankbaren zu seiner Zeit wohl finden. Diese Kunst sollen wir auch lernen, wollen wir anders Christen sein. Denn das ist der christlichen Liebe Art, daß sie alles trägt und duldet, und läßt sich dennoch nicht bitter machen. Aber sehr wenige sind ihrer, die solche Liebe haben; darum sind auch sehr wenig rechte Christen. Sonst würden wir den Leuten gerne Gutes tun und helfen, und doch uns den Undank nicht verdrießen, noch seltsam denken lassen, wie die Welt: der tut es weh, und verdrießt sie sehr, wo die Wohltat nicht vergolten wird. Aber denke du und gewöhne dich daran, hast du einem heute Gutes getan und er gibt dir den Undank, laß dich durch solches nicht anfechten. Denn er wird es wohl finden, wie er solches Undankes genießen werde. Du Fahrer Forte, und spricht: Ist es an diesem verloren, schnell eine anderen her, und dem auch wohl getan. Will der dir auch nicht gut tun, wohl her mit dem Dritten, und so weiter, auf das du lernest sagen, wie unser Herr Christus hier sagt: Sind ihrer nicht 10 gesunden geworden, wo sind die neun? Der liebe Herr verdienet auch ein wenig Dankes; aber er läßt sich genügen, daß doch einer aus den 10 wieder kommt und ihm danket. Er würde auch nach den anderen nicht gefragt haben, wenn er es nicht darum getan hätte, daß er wollte damit zeigen, wie er dem Undank so feind ist. Als wollte er sagen: Harre, wollt ihr undankbar sein, ihr werdet mir nicht so entgehen; ich will einmal danach fragen, wo ihr geblieben seid, daß ihr mir noch nie dafür gedankt habt, daß ich euch Leib rund Leben gegeben, und alles erschaffen habe, was euch nötig ist. Da wird es sich dann finden, was für eine schändliche Untugend der Undank ist. Darum müssen wir uns daran gewöhnen, und an dem Beispiel unseres Herrn lernen, daß wir den Undank verachten können. Denn die Erfahrung gibt es und jedermann sieht es vor Augen, da wo unser Herr Gott 10 gute Jahre gibt, wir ihm kaum für eines oder ein wenig danken; ja, daß noch mehr ist, der besten Jahre mißbrauchen wir immer auf das schändlichste. Gibt Gott ein reiches Jahr mit Wein, kaum und anderem, da finden sich Geizhälse, die kaufen es auf und warten bis läßt teuer wird. Andere denken, weil viel gewachsen sei, müssen sie noch mehr umbringen, Schwelgen und Saufen; damit danken sie Gott für seinen Segen. Also wird kaum für den zehnten Teil seiner Gaben und Güter unseren Herrn Gott gedankt. Darin sollen wir uns auch gewöhnen, und uns es nicht weh sein lassen, sondern uns genügen lassen, wenn wir unter 10 einen finden, die er uns für unsere Wohltat dankt. Die anderen werden es zu seiner Zeit finden. Denn sie sollen es unseren Herrn Gott, der den Dank haben will, nicht also hinweg tragen. So hat nun eure Liebe aus dem heutigen Evangelium diese zwei Lehrern: die erste, vom Glauben, die andere, von den zwei schönsten Tugenden, daß wir sollen dankbar sein und daneben lernen den Undank zu leiden. Die Dankbarkeit sollen wir vom Samariter lernen, und uns seinem Beispiel nach halten, daß wir gegen Gott und die Menschen nicht undankbar erfunden werden. Von Christus aber sollen wir lernen, ob hier gleich jemand Gutes tun, und doch keinen Dank bekommen, daß wir uns darüber nicht ärgern, und doch Gutes weiter tun. Denn wie ich zuvor gesagt, in der Welt ist es ein sehr gemeines Laster, daß man durch Undank die Leute unwillig und verdrossen macht, und oft ihrer 10 eines Undankbaren Menschen entgelten müssen. Aber bist du ein Christ, so tue also nicht. Ob dich gleich neun betrügen, so lasse dich genügen, daß nur der zehnte gut undankbar ist. Denn Christus selbst findet die Leute nicht, die für so eine große Wohltat dankbar wären; wolltest du es denn besser haben als er? Darum lasse es auch bis auf die neun kommen, du wirst ebensowenig Schaden davon haben, als Christus. Sie aber müssen Schaden haben, daß weder Glück noch Heil bei den Undankbaren Leuten sein wird. In der Summe, dann werden wir feine Christen sein, wenn wir zuerst einen festen Glauben und Vertrauen auf Gottes Güte haben; danach nicht allein dankbar sind, sondern auch den Undank leiden können. Denn wir werden es nicht besser haben, denn als Christus, unser Herr. Den Leuten sollen wir alles gute beweisen, dann neben doch warten, daß ihrer unter 10 kaum einer ist, der so gestellt ist und sich dankbar erzeigen wird. Und kann wohl kommen, daß es eben der sei, der danket und da es wohl angelegt ist, da man am wenigsten den Trauen und die Hoffnung zu hat; wie der Samariter hier ist. Unser lieber Herr Gott gebe seine Gnade, daß wir uns bessern, und den schändlichen Undank gegen Gott und die Menschen mit ernst meiden und fliehen, Amen.   Am 15. Sonntag nach Trinitatis Matthäus 6,24-34 Niemand kann zwei Herren dienen. Entweder er wird einen hassen und den anderen lieben, oder wird einem anhangen und den anderen verachten. Ihr könnt nicht Gott dienen und dem Mammon. Darum sage ich euch: Sorget nicht für euer Leben, was ihr essen und trinken werdet; auch nicht für euren Leib, was ihr anziehen werdet. Ist nicht das Leben mehr, denn die Speise? Und der Leib mehr, denn die Kleidung? Sehet die Vögel unter den Himmel an: sie säen nicht, sie ernten nicht, sie sammeln nicht in die Scheune; und euer Himmlische Vater nähret sie doch. Seid ihr denn nicht viel mehr, denn sie? Wer ist unter euch, der seiner Länge eine Elle zusetzen möge, ob er gleich darum sorget? Und warum sorget ihr für die Kleidung? Schauet die Lilien auf dem Felde, wie sie wachsen; sie arbeiten nicht, auch spinnen sie nicht. Ich sage euch, daß auch Salomon in aller seiner Herrlichkeit nicht bekleidet gewesen ist, als derselbigen eins. So denn Gott das Gras auf den Felde also kleidet, daß doch heute stehet und morgen in den Ofen geworfen wird; sollte er das nicht viel mehr euch tun, o ihr Kleingläubigen? Darum sollt ihr nicht sagen : Was werden wir essen? Was werden wir trinken? Womit werden wir uns kleiden? Nach solchem allen trachten die Heiden. Denn euer himmlischer Vater weiß, daß ihr das alles bedürfet. Trachtet am ersten nach dem Reich Gottes und seiner Gerechtigkeit; so wird euch solches alles zufallen. Darum sorget nicht für den anderen Morgen; denn der morgende Tag wird daß seine Sorgen. Es ist genug, daß ein jeglicher Tag seine eigene Plage habe. Das ist ein reiches Evangelium und lange Predigt wieder den Geiz; dem ist unser Herr Gott darum besonders feind, daß sonst kein Laster ist, welches das Evangelium mehr hindert und den Christen mehr Schaden tut. Und dennoch sehen wir, daß die ganze Welt darin ersoffen ist. Denn jeder Mann besorgt Tag und Nacht, wie er wolle ernähret werden. Und fördert das den Geiz besonders, daß keiner sich an dem genügen läßt, daß ihm Gott gönnt und gegeben hat; alle wollen sie mehr haben. Wenn Gott ein schönes Haus beschert hat, der wollte gern ein Schloß haben; hat er ein Schloß, so wollte er gern ein Dorf haben, und sofort an: niemand läßt sich genügen, jeder Mann wollte gern noch höher kommen und mehr haben. Sonst, wo der Geiz und Stolz nicht wäre, hätten wir alle genug, und würde kein solch Sorgen, scharren und kratzen unter den Leuten sein. Solchem unchristlichen Wesen wollte der Herr gern wehren mit dieser Predigt, macht es deswegen sehr heftig. «Niemand,» spricht er, «kann zwei Herren dienen; er wird entweder einen hassen, und den anderen lieben; oder einem anhangen, und den anderen verachten.» Da sieht man, daß der Herr Sorge hat, der Mammon hindere seinen Dienst. Darum ist es nicht ein Evangelium für das junge Volk. Denn dasselbe hat die Gnade, Gott habe Lob, daß sie lieber Kirschen essen, denn Geld zählen, ihnen ist auch mehr an einem schönen Apfel, denn an einem Geldstück gelegen, fragen nicht danach, was das Korn kostet, denn sie sind in ihrem Herzen sicher und gewiß, sie werden zu essen finden. Es geht aber diese Predigt besonders auf die Hausväter und die in den Ämtern sitzen; und am allermeisten auf die Prediger, denen es in der Welt übel geht, deren etliche durch Armut gezwungen werden, daß sie denken müssen, wie sie sich und ihr Weib und Kinder ernähren wollen. Diese tröstet der Herr hier, will ihnen solche Sorge nehmen, und sagt: Sie sollen doch die Vögel ansehen: weil Gott dieselben so reichlich versorgt, so werde ihnen ja auch ihr Lohn werden, daß sie nicht des Hungers Sterben müssen. Das also diese Predigt die Jugend nicht angeht, denn dieselbe geht in den Gedanken daher, daß Küche und Keller bereits voll sind, und lassen andere Sorgen. Aber wir alten Narren haben das Unglück besonderen an uns, daß wir für den Bauch Sorgen und immerdar fürchten, wir müssen Hungers Sterben. Weil es aber unser lieber Herr Christus so knapp abschlägt, man könne nicht zugleich Gott und dem Mammon dienen, will es vonnöten sein, daß wir wohl lernen, was da heiße, Gott dienen. Dem gemeinen Gebrauch nach in der Welt heißt «dienen» anderes nichts, denn tun, was man befohlen hat. Daß es gleich so viel gesagt ist: Ich diene meinem Herrn, als wenn man spräche: Ich tue, was mir mein Herr befiehlt. In das also der Dienst nicht auf die bloße Person, sondern auf das Wort und Befehl geordnet ist. Denn Herren und Frauen im Haus dürfen das Gesinde nicht dazu halten, daß sie essen und trinken; sie können es wohl. Da aber mögen sie zusehen, wie sie das tun und ausrichten, daß sie ihnen befohlen haben. Wo nun ein Knecht ein Schalk ist, und läßt seines Herrn Wort und Befehl anstehen, und richtet aus, was ihn andere sagen, daß heißt dem rechten Herrn nicht dienen. Auf diese Weise müssen wir hier vom Gottesdienst auch reden: daß Gott dienen anderes nicht heißt, denn hören, was er sagt, und dasselbige gern und mit Fleiß tun. Was heißt aber Gott? Vor allen Dingen heißt er, man soll Christum hören und das liebe Evangelium annehmen. Das ist der einige, rechte, wohlgefällige Dienst, den wir Gott können tun; denn da steht sein Befehl vor Augen. Nach demselben befiehlt Gott, daß die Kinder Vater und Mutter ehren, die Eltern ihre Kindern nähren, ziehen und lehren sollen; daß ein Weib ihren Mann lieb haben und den Haushalt warten, und dagegen der Mann sie nähren und schützen soll. Wo nun die Kinder ihren Vater und Mutter ehren, mit demselben dienen sie Gott. Denn da steht Gottes Befehl, daß sie es tun sollen. Also Knechte und Mägde im Hause, wenn sie mit Fleiß tun, was ihnen befohlen ist, dienen sie in dem nicht allein ihrer Herrschaft, sondern Gott im Himmel; denn da steht sein Wort, das fordert solches von ihnen. Also fortan in anderen Ständen auch, könnte ein jeglicher in Gottes Befehl und Dienst gehen, wenn wir es nur lernen wollten, was da heiße, Gott dienen. Denn wie gesagt, der Gottesdienst steht nicht am Werk, sondern im Wort und Befehl Gottes. Es hat ein großes Ansehen vor der Welt, daß sich ein Mönch allem enthält und geht in ein Kloster, führt da ein strenges und hartes Leben, fastet, wacht, betet. Da mangelt es am Werk nicht; es mangelt aber am Befehl, daß Gott solches ihn nicht geheißen hat; darum kann es für keinen Gottesdienst gerühmt werden. Wiederum ist es ein sehr geringes Ding anzusehen, daß eine Magd im Haus kocht, spült, kehrt und andere Hausarbeit tut. Aber weil Gottes Befehl da ist, so kann solch geringes Werk anders nicht denn ein Gottesdienst gerühmt werden, und übertrifft weit aller Menschen und Nonnen Heiligkeit und hartes Leben. Denn dort ist kein Befehl Gottes; hier aber ist Gottes Befehl, daß man Vater und Mutter ehren und zur Haushaltung helfen soll. Also heißt es durchaus Gott gedient, wo man tut, was Gott befohlen hat, und läßt, was Gott verboten hat. Und möchte also die ganze Welt voll Gottesdienstes sein: nicht allein in der Kirche, sondern auch im Hause, in der Küche, im Keller, in der Werkstatt, auf dem Felde, bei Bürgern und Bauern, wenn wir uns nur recht wollten dahin schicken. Denn gewiß ist es, daß Gott nicht allein das Kirchen- und Weltregiment, sondern auch das Hausregiment geordnet und erhalten haben will. Darum wer dazu dient, Vater und Mutter erstlich, danach die Kinder, und letztlich das Gesinde und Nachbarn, alle miteinander dienen sie Gott; denn es ist sein Wille und Befehl. Da könnte als dann eine arme Dienstmagd erstlich die Freude im Herzen haben, und sagen: ich koche jetzt, ich mache das Bett, ich kehre das Haus, wer hat es mich geheißen? Es hat mich mein Herr und meine Frau geheißen. Wer hat nun ihnen solche Macht über mich gegeben? Es hat Gott getan. Ei, so muß es wahr sein, daß ich nicht allein ihnen, sondern auch Gott im Himmel diene, und daß Gott einen Gefallen daran habe. Wie kann ich denn seliger sein? Ist doch genau so viel, als wenn ich Gott im Himmel selbst sollte kochen. Also könnte ein Mensch bei aller seiner Mühe und Arbeit fröhlich und guter Dinge sein, und würde ihm nichts sauer werden, wenn er sich also in seinem Dienst und Beruf schickte. Aber da wehrt der Teufel mit Händen und Füßen, daß man zu der Freude nicht komme, sondern jedermann einen Unwillen habe an dem, daß er tun soll und ihm befohlen ist; daß nur den Leuten keine Liebe dazu geschehe, und Gott kein Dienst. Wenn es um Geld zu kaufen wäre, daß einer könnte in den Stand kommen, da er gewiß wüßte, daß er Gott darinnen diente; meinst du nicht, wir würden alles darum geben, daß wir es haben? Was hat allein das tolle Mönchs -und Nonnenvolk getan, um der Hoffnung Willen, daß sie dachten, sie wollten Gott dienen? Aber wie ich oben auch gesagt habe, es hat ihnen daran gefehlt, da alles an liegt. Denn so du fragt, wer sie habe geheißen in das Kloster laufen, ist es ihnen unmöglich, daß sie es sagen könnten, Gott habe es ihnen befohlen; sondern wenn sie die Wahrheit bekennen wollen, so müssen sie sagen, sie haben es dafür gehalten, man könne Gott so dienen. Aber das danke Ihnen der leidige Teufel. Denn das ist ebenso ein Ding, als wenn ich meine Magd hieße ein Feuer machen, und sie wollte dafür die Stube kehren. Mit solchen Dienst würde sie mir keinen Gefallen tun, ich würde es ihr nicht danken; besonders wenn sie solches noch verteidigen und rühmen wollte: Ei, Herr, es kommt mich das Stube kehren auch sauer an. Ich würde wohl sagen, wer hat dich so etwas geheißen? Du solltest mir jetzt die Stube gewärmt haben; dieses habe ich dir gesagt, und nicht die Stube kehren. So eine Meinung haben die Mönche und Nonnen: die rühmen Gottesdienst, und Gott hat sie es doch nicht geheißen. Darum, willst du Gott recht dienen, so bleibe in deinem Beruf und Stand, er sei so gering er ist; und höre zuerst auf Gottes Wort in der Kirche, danach auf deiner Obrigkeit, Herrschaft oder Eltern Wort, und folge. Das heißt Gott recht gedient. Darum soll ein jeglicher für seine Person, in was für einen Stand er ist, fleißig lernen und wohl merken, was da heiße, Gott dienen, nämlich, tun, was Gott befiehlt durch Prediger, durch Vater und Mutter, durch Herren und Frauen im Haus. Tust du daß, so kann dein Herz gegen Gott sicher sein, und wird deine Arbeit oder Dienst dir nicht sauer noch schwer werden; denn du weißt, daß Gott einen Gefallen daran hat und daß es ihm gedient heißt. Und es ist eben soviel, was du in deinem Hause tust, als wenn du es unseren Herrn Gott oben im Himmel getan hättest. Das ist denn der schönste und beste Schmuck, da ein Mensch mit geschmückt ist, über aller anderen Kreaturen, die doch auch im Gehorsam Gottes daher gehen. Denn da sehen wir, daß Sonne und Mond, die Erde und alle Kreaturen in Gottes Ordnung und Gehorsam einher gehen, und das ausrichten, daß sie Gott geheißen hat. Die Sonne gibt aller Welt Licht des Tages, der Mond des Nachts, das Erdreich bringt jährlich allerlei Früchte. Also das Wasser auch. Was hat das für einen Befehl? Was soll es tun? Es soll Fische bringen, sagt Gott im ersten Buch Mose. Das tut es auch überall, wo nur die Leute durch ihre Sünde nicht selbst Gottes Segen aufhalten und seinen Befehl hindern. Also alle andere Kreaturen gehen daher in dem schönsten Schmuck, das ist, im Dienst Gottes. Christus spricht hier, daß auch Salomon nicht so schön geschmückt sei gewesen in all seiner Herrlichkeit, als ein Blümlein auf dem Felde. Was ist sein Befehl? Anderes nicht, denn das es soll da stehen, lieblich sehen, wohl riechen, und sich ansehen und brauchen lassen. So nun Gott solches an einem Blümlein so hoch lobt, was meinst du wohl, daß es an einem Menschen für ein Schmuck ist, wenn er erfunden wird im Befehl und Gehorsam Gottes? Eine Magd, die sich zum Tanz schmückt, das ist Weltschmuck. Wer es aber recht urteilen will, der muß sagen: Es ist ein Dreck gegen den Schmuck, wenn sie in ihrem Amt und Beruf geht, wartet der Kinder, der Küche, des Hauses, und tut, was ihr zu tun befohlen ist. Denn also rühmt der 45. Psalm die Christen, und spricht in Vers 10.: «in deinem Schmuck gehen daher der Könige Töchter.» Was kann das für ein Schmuck sein, weil wir wissen, daß die Christen auf Erden Arm, Elend und verachtet sind? Es ist ein geistlicher Schmuck, und heißt nicht Silber, Perlen, Samt oder goldene Stücke, sondern der Befehl unseres Herrn Gottes. Solcher Schmuck leuchtet schöner denn die Sonne; denn es ist Gottes Schmuck. Also wer in unseres Herrn Gottes Befehl recht geht, der geht in unseres Herrn Gottes eigenem Schmuck. Wenn ich des Kaisers Schmuck anhätte oder eine junge schöne Frau im Schmuck der Königin von Frankreich einherginge, das wär ein herrlich und köstliches Ding vor der Welt, da jedermann das Maul darüber aufsperret. Aber in der Wahrheit ist es nichts gegen diesen geistlichen Schmuck, wenn ein Weib daher geht im Gehorsam gegen Gott, hat ihren Ehemann lieb und wert, und zieht ihre Kindlein fein und wohl, und ist im Haushalten ordentlich und fleißig gegen solchen Schmuck sind Perlen, Samt und goldene Stücke wie ein alter, zerrissener, geflickter Bettlersmantel. Denn es ist ein Schmuck, der Gottes Wort und Befehl hat und in Gottes Gehorsam geht. Das ist nun die rechte Krone und schöne goldene Kette, wie Salomon redet Sprüche 1, und spricht Vers 8 und 9: «Mein Sohn, gehorche der Zucht deines Vaters, und verlassen nicht das Gebot danach Mutter; denn solches ist ein schöner Schmuck deinem Haupt, und eine Kette an deinem Halse.» Hier auf Erden scheint dieser Gehorsam nichts besonderes zu sein. Aber in jenem Leben, da wird es scheinen, wenn Gott sagen wird und rühmen: Mein Kind, kommt her, du bist ein gehorsames Kind, eine treue Magd, ein frommer Knecht gewesen. Da wird man sehen, daß der Gehorsam gegen Gott und sein Wort, auch in solchen geringen Ständen, mehr zieret, denn aller Welt Schmuck. Das sei von dem ersten Stück gesagt, daß ihr lernet, was da heiße, Gott dienen, und euch des Mammons Dienst an solchem nicht hindern lasset. Nun wollen wir den Trost besehen, und lernen, wie wir uns des Geizes erwehren sollen. Erstlich spricht der Herr: «Niemand kann zwei Herren dienen.» Nennt zwei Herren; der eine heißt Gott, das ist der rechte Herr, dem wir zu dienen schuldig sind. Der andere Herr heißt Mammon, das ist nicht der rechte Herr; darum will Christus, daß wir ihm nicht dienen sollen. Wie man aber Gott diene, haben wir gehört. Was aber heiße, dem Mammon dienen, deutet der Herr hier selbst, nämlich, für das Leben sorgen, was man essen und trinken wolle, und für den Leib sorgen, wie man sich kleiden wolle. Und stellt die ganze Predigt dahin, daß wir solche Sorge sollen gar fallen lassen; denn es ist nicht allein eine vergebliche Sorge, der wir nicht bedürfen und nichts damit ausrichten können, sondern es hindert auch solche Sorge den rechten Gottesdienst. Darum soll man sich davor hüten, und sich dahin gewöhnen, daß man Gott diene, und wissen, daß er weiß, was wir bedürfen, will uns auch schaffen und gern geben, wenn wir es nur bei ihm suchen. Zu solchem Vertrauen haben wir einen großen Vorteil, daß wir sehen, daß Gott bereits, ohne unsere Vorsorge, uns gegeben hat Leib und Leben. Da lasse nun alle Welt über urteilen. Ist es nicht wahr, wenn alles Essen auf einem Haufen da wäre, es wäre dir nicht so lieb als dein Leben? Also ist dein Leib dir lieber denn alle Kleidung. Sind wir denn nicht heillose, undankbare Leute, da Gott billig sollte über zürnen? Bekennen müssen wir, daß er uns das meiste und größte bereits von sich selbst und ungebeten gegeben hat, und wollen ihm doch nicht trauen, daß er uns werde das Geringere auch geben. Es sollte ja einem reichen Mann weh tun, wenn er dir tausend Gulden geschenkt hätte, daß du nicht so viel wolltest von ihm denken, daß er dir auch ein paar Schuhe schenken würde. Eben also tun wir in der Wahrheit gegen unseren Herrn Gott im Himmel, wenn wir für Essen und Trinken sorgen; obwohl er bereits das größte und meiste geschenkt hat. Wie aber solches Mißtrauen ihm nicht gefällt, da mögen wir drüber nachdenken. Gleich nun wie wir an und selbst, an unserem Leib und Leben, an Augen, Ohren, Händen, Füßen und allen unseren Gliedmaßen lernen und bekennen müssen, Gott sei gnädig, er habe uns viel die geben und gütlich getan: also stellt der Herr uns auch anderer Kreaturen Beispiel vor, daß wir daran lernen sollen, Gott trauen und nicht sorgen. Denn da fliegen die Vögel vor unseren Augen, uns zu kleinen Ehren, daß wir wohl möchten unseren Hut gegen sie heben, und sagen: Mein lieber Herr Dr., ich muß bekennen, daß ich die Kunst nicht kann, die du kannst. Du schläfst die Nacht über in deinem Nest ohne alle Sorge; am Morgen stehst du wieder auf, bist fröhlich und guter Dinge, setzt dich auf eine Blume, und singst, lobst und dankst Gott; danach suchst du deine Nahrung und findest sie. Pfui, was habe ich alter Narr gelernt, daß sich es nicht so tue, der ich doch so viel Grund dazu hätte. Kann der Vogel sein Sorgen lassen, und hält sich in solchem Fall, wie ein lebendiger Heiliger, und hat dennoch weder Acker noch Scheune, weder Kasten noch Keller, er singt, lobt Gott, ist fröhlich und guter Dinge; denn er weiß, daß er einen hat, der für alles sorgt; dieser heißt unser Vater im Himmel: warum tun wir es denn nicht auch, die wir den Vorteil haben, daß wir können arbeiten, das Feld bauen, die Früchte sammeln, und wenn eine Not kommt behalten? Dennoch können wir das schändliche Sorgen nicht lassen. Darum sollten wir dieses Beispiel von den Vögeln nicht vergessen. Sie sind ohne alle Sorge, fröhlich und guter Dinge. Und warum wollten sie auch sorgen? Sie haben einen reichen Küchenmeister und Kellner, der heißt der Vater im Himmel, der hat eine Küche, die so groß als die ganze Welt ist. Darum, sie fliegen hin, wo sie wollen, so finden Sie die Küche wohl bestellt. Dieser himmlische Vater, sagte Christus hier, will unser Küchenmeister und Kellner auch gerne sein, wenn wir es nur glauben könnten. Aber wir erfahren leider, daß die ganze Welt ist ein Haufe verzweifelter Geizhälse, die Gott nicht trauen, Gott nicht dienen, sondern dem Mammon; und gehen nur damit um, wie sie viel Geld sammeln mögen. Gelingt es ihnen, daß sie es bekommen, so sind sie guter Dinge. Gelingt es ihnen nicht, so sind sie traurig und bekümmert und sorgen Tag und Nacht. Ist es aber nicht wahr, wenn du schon das Haus voll Geld hättest, und das Haus wäre auch noch golden, und die Elbe oder der Rhein Flüsse mit Gold und wäre dein eigenen: was könnte solches dir helfen, wenn sonst nichts, kein Korn, kein Bier, kein Wein, kein Wasser da wäre? Du wirst ja das Gold nicht fressen. Das mag doch ein schändlicher Mammonsdienst heißen, dessen auch die Heiden verspottet haben, und eine Geschichte gemacht von einem reichen König, der war so geizig, daß er wünschte, daß alles, was er anrührte, zu Gold würde. Dieser Wunsch wurde ihm erfüllt, wie er begehrt hatte: Griff er seinen Rock, Tisch, Bänke, Bett, Türe an, wurde alles sobald zu Gold, das Messer über dem Tisch, das Brot und Trinken auch. Aber er mußte zuletzt des Hungers dabei Sterben, der Geizhals, da er hatte wohl gewünscht. Darum fluche dem Geiz, und fliehe ihn, wer da kann; denn man wird ja weder Silber noch Gold essen. Dennoch ist die Welt so blind und toll, wenn sie essen und Trinken hat, daß sie noch Gold und Geld haben will. Gerade als bedürfte sie dessen nicht, daß Gott gibt, und müßte das haben, daß er nicht gibt. Wer nun ein Christ ist, der bedenke besser, und lasse sich den Geiz nicht überkommenen; sondern lerne Gott trauen, der an uns und der ganzen Kreatur sich schon mehr als bewiesen hat, daß er für uns sorgen und uns keinen Mangel leiden lassen will. Wie denn der Psalter auch besonders rühmt von den jungen Raben, daß Gott ihnen ihre Speise und Nahrung schaffe, obwohl die alten Raben sie im Nest verlassen und nicht mehr zu ihnen kommen. Denn das ist Gottes Ordnung für und für, wo er das Leben gibt, daß er auch schafft, daß man es erhalten können. Und so er solches dem Vieh tut, wieviel mehr will er es den Menschen, und besonders seinen Christen tun! Welchen er nicht allein Leib und Leben, sondern auch seinen eingeborenen Sohn gegeben hat, daß sie nicht allein zeitlich, sondern in Ewigkeit Leben sollen. Das wollte der Herr gerne, daß wir es lernen, und den schändlichen Unglauben, welchen der Geiz erregt, fallen lassen. Denn was richten wir damit aus, wenn wir uns schon zu Tode sorgen? Ein sehr närrisches Ding wäre es, wenn ein kleines Männlein sich in einen Winkel setzen, und da sein Lebtag sorgen und gedenken wollte, wie es könnte größer werden. Meinst du nicht, alle Welt würde darüber Spotten und ihn für einen großen Narren halten? Eben so, spricht Christus, tut die Welt, wenn sie sorgt, wie sie Geld und Gut könne zu Wege bringen; es wird sich keiner reich sorgen. Es liegt ganz und gar an dem, ob Gott seinen Segen gebe, und nicht am Sorgen. Ist der Segen Gottes da, so hat mans; ist er nicht da, ob man es schon hat, so wird man es doch nicht genießen noch erhalten können, wie die Beispiele vor Augen sind. Das sollte ja auch eine Ursache sein, die uns zum Glauben reizen und bewegen sollte: daß die Sorge nicht allein den Glauben hinderte und wieder Gott ist; sondern sie tut uns wehe und plagt uns, und wir richten dennoch nichts damit aus. Das heißt den Geiz, die Sorge und dem Mißglauben (denn wo eins ist, der ist auch das andere) redlich gelobt; das so wir nur unserer Vernunft gebrauchen wollten, wenn wir solchen Untugenden feind werden und uns davor hüten sollten. Aber der Herr will es bei dem nicht bleiben lassen, und heißt uns, wir sollen doch die Augen auftun, wenn wir auf dem Feld oder in einem Garten sind, und die Blumen ansehen; da werden wir auch einen trefflichen Dr. finden, der uns gern die höchste Kunst lehren wollte, daß wir Gott trauen und uns alles Gute zu ihm versehen könnten. Denn da stehen Blumen in vielen Farben, auf das schönste geschmückt, daß kein Kaiser noch König ihnen im Schmuck gleich ist. Denn solcher Schmuck aller ist ein totes Ding. Eine Blume aber hat seine Farbe und Schöne, daß es ein natürlich, lebendig Ding ist. Und hat diese Meinung nicht, daß es ohne Grund so wachse. Hier steht es, daß Christus sagt: Gott kleidet das Gras auf dem Felde also. Eben wie er oben sagt: Die Vögel finden ihre Nahrung nicht ohne Grund, sondern Gott der Vater im Himmel schafft sie ihnen, und ordnete es, daß ein jeder Vogel seine Pfunde habe und ernähret werde. Also geht es mit dem Blumen auch, wie man sieht. Denn wo es nicht Gottes besondere Ordnung und Schöpfung wäre, würde das nie sein können, daß eines dem anderen so gleich wäre, gleiche Farbe, Blätter, Anzahl der Blätter, und vieles mehr. So nun Gott solchen Fleiß auf das Gras legt, daß nur darum steht, daß man es sehen und das Vieh sein genießen soll: ist es nicht Sünde und Schande, daß wir noch zweifeln, ob auch Gott uns Kleidung schaffen wolle? Denn eben wie wir einen Vorteil haben vor den Vögeln, wir bauen daß Feld, wir ernten, wir füllen die Scheune und Keller, und können uns einen Vorrat, zum wenigsten auf einen Tag, schaffen; da die Vögel solches nicht haben, und dennoch ernähret werden: also, spricht der Herr, haben wir auch einen Vorteil der Kleidung wegen. Da baut man so viel Leinen, Flachs, Hanf; man zieht so viel Schafe; es ist überall in allen Häusern so viel Vorrat: wie kann denn ein Mensch so ohne Glauben sein, daß er nicht hoffen will, ihm sollte auch ein Teil daraus werden, besonders wenn er mit der Arbeit weiter anhält? Denn wir müssen hier einen Unterschied machen. Die Arbeit ist nicht allein nicht verboten, sondern auch zum höchsten geboten; und also geboten, daß man allen Fleiß und Sorge darauf legen, und nicht unfleißig, faul noch unachtsam damit sein soll. Aber sorgen, wie wir Essen, Trinken, Kleidung und anderes bekommen müssen, das ist zum höchsten verboten. Denn solcher Sorge ist ein Zeichen, daß wir das Vertrauen zu Gott nicht haben, daß er uns erhalten will. Darum wird Gott am höchsten damit gelästert. Daß es also beides bei einander sein und bleiben muß. Das erste, daß du mit allem Fleiß deiner Arbeit nachgehst. Denn solches hat Gott den Menschen im Paradies befohlen: wollte er Essen, daß er auch arbeiten soll. Das andere, daß du auch ein Christ bist und glaubst. Glauben aber heißt Gott trauen, der sei unser Vater, er wisse, was wir bedürfen, und er werde uns dasselbe gern widerfahren lassen. Mit solchem Glauben kann sich die Sorge nicht vertragen; sondern sobald das Sorgen angeht, so wankt der Glaube, ja, es ist aus mit ihm. Darum verbietet es der Herr, und sagt kurz: Sorget nicht: arbeiten sollt ihr, das ist euer Befehl; und laßt mich sorgen; denn solches ist mein Amt, daß ich euer Vater bin, und ich kann mit meiner Fürsorge etwas ausrichten; ihr könnt nichts damit ausrichten. Darum laßt es bleiben; oder wo ihr es nicht wollt bleiben lassen, so wisset, daß ihr meine Diener nicht seid; ihr seid des Mammons Diener; den liebt ihr, mich aber hasset ihr; dem hängt ihr an, mich aber verachtet ihr. Wie man denn öffentlich an der Welt Beispiel sieht. Ja wohl, wenn mancher diese Stunde zehn oder 20 Gulden zu gewinnen wüßte, daß er solchen Gewinn vergesse, oder ein wenig verzöge, und ginge zuvor zur Predigt? Geld gewinnen ist ihm aber wichtiger, und denkt, die Predigt hören könne er wohl zur anderen Zeit bekommen. Nun ist es aber wahr, was man Gottes Wort tut, daß hat man Gott getan. Wer es verachtet und Geld lieber hat, der hat Gott verachtet und haßt Gott. Da mache nur niemand keine Glosse, der Text ist zu rein, daß man nicht vorüber kann. Darum ist das eine Christenpredigt, daß dieselben nicht sorgen noch sagen sollen: «Was werden wir Essen? Was werden wir Trinken? Womit wollen wir uns kleiden?.» Die Heiden, spricht der Herr, trachten nach solchem, die es nicht wissen noch glauben, daß sie im Himmel einen Vater haben. Ihr aber habt einen Vater im Himmel, der euch Leib und leben, ja, auch seinen Sohn gegeben hat, der weiß, was ihr bedürfet. Wie könnt ihr ihn aber so für unbarmherzig und hart halten, daß er es euch nicht geben, und des Hungers Sterben und verderben wollte? Darum tut, wie ihr es seht, daß eure Kinder gegen euch tun: sie legen sich des Nachts nieder, und schlafen ohne alle Sorge; sie kümmern sich um nichts, wenn sie morgens ein Stück Brot oder Suppe nehmen wollen; denn sie wissen, daß Vater und Mutter für dasselbe sorgt. Also tut ihr auch, lieben Kindlein, spricht Christus hier, gegen euren Vater im Himmel, so soll es keine Not haben. Allein, sorget nicht; denn das wäre ein Zeichen, daß ihr euch eures Vaters im Himmel nicht tröstet; sonst würde ihr alle Sorge fallen lassen und alles Gute hoffen Deswegen beschließt der Herr dieser Predigt also, und spricht: «Trachtet am ersten nach dem Reich Gottes, und nach seiner Gerechtigkeit, so wird euch das andere alles zufallen.» Das ist eine nötige Lehre und treffliche Verheißung. Die Welt fragt und trachtet nach ihrem Reich, da muß man Geld und Gut haben, welches alles ungewiß und unbeständig ist. Dagegen hat Gott ein anderes Reich, das ist ein ewiges Reich, dem sollen wir Christen nach trachten. Solches Reich, sagt Christus, sei inwendig in uns. Und heißt anderes nicht, denn das Wort hören und glauben, das ist, Gott von Herzen vertrauen und für einen Vater halten. Wo solcher Glauben ist, da wohnt Gott, und folgt sobald die Gerechtigkeit, das ist, Vergebung der Sünden. Das, spricht Christus, laßt euer erstes sein, haltet euch zum Wort, hört es mit Fleiß, übt euch damit und glaubt. Wenn ihr also Gottes Reich und Gerechtigkeit am ersten gesucht habt, so seid zufrieden, und tue ein jeder in seinem Stande, was er soll; denn Christen sollen nicht müßig gehen, sondern arbeiten: alsdann sollen es euch alles zufallen. Dann kann Gott so fromm und gnädig sein, daß er den bösen Buben alles genug gibt, die nicht allein ihm nicht dienen, sondern auch sein Wort noch verfolgen und lästern, und ihm alle Schande und Unehre tun, wie könnte es möglich sein, daß er euch lassen sollte, die hier ihn lieb habt, sein Wort gern hört und fördert, und alle euer Vertrauen auf ihn setzt? Also lehrt der Herr, daß wir und sollen an das Wort halten, glauben und fromm sein, und alle Sorge fallen lassen; so will Gott uns alles genug geben. Aber was geschieht? Der meiste Teil geht hin, und achtet Gottes Wort nicht, geht lieber dem Saufen und Spiel nach und zum Tanz, denn in die Kirche zur Predigt. Solche Unart bringt allerlei Sünde mit. Das nun Glück dabei sollte sein, und Gott nicht mit Krankheit, Armut und allerlei Unrat solches strafen sollte, das ist nicht möglich. Danach ist eine andere Unart dabei, daß der meiste Teil auch mit der Arbeit sehr nachlässig, faul und unachtsam ist; oder wo sie arbeiten sie es sich sauer werden lassen. Es ist kein Maß mit dem Schlemmen, Spielen und anderem, daß man auf einen Feiertag alles durchbringt, was man die ganze Woche erarbeitet hat. Beides will unser Herr Gott verboten haben, daß man nicht müßig gehen soll und auch nicht verschwenden, sondern was man erarbeitet, fein zu Rat halten soll. Daher spricht der Herr: «die Vögel ernten nicht, und sammeln nicht in ihre Scheunen.» Als sollte er sagen: Ihr tut beides, und sollt auch beides tun, daß ihr arbeitet, und danach den Gewinn hinter euch legt und auf die Not behaltet. Wer es aber nicht tun will, was kann Gott dazu, daß weder Glück noch Heil da ist? Du magst deinem ruchlosen, und unchristlichen Leben, deinem Faulenzen und deinem Verschwenden die Schuld geben, und Gott nicht, der gern geben wollte, wenn du nur ein Christ sein, daß Wort hören, glauben, die Sorge fallen lassen und arbeiten wolltest. Wie er hier sagt: Euch soll es alles zufallen. Aber du willst nicht. Wenn du solltest zur Predigt gehen, so liegst du im Bette und faulenzt, oder gehst spazieren, oder dem Saufen nach. Wenn du arbeiten sollst, tust du auch so. Muß doch ein Vogel arbeiten und nach seiner Weide ausfliegen. Unser Herr Gott, der es nähren will, der will ihm die Speise nicht ins Nest werfen. Also tue du ihm auch, sei gottesfürchtig, und mit deiner Arbeit fleißig, und lasse Gott für das übrige sorgen, wie er dir deine Nahrung schaffen werde. Doch, wie oben gemeldet, daß du auch nicht geizig bist, und dich genügen läßt; denn dasselbe will Gott auch nicht leiden. Das ist die Lehre aus dem heutigen Evangelium. Unser lieber Herr Gott gebe durch Christum seinen Heiligen Geist, daß wir uns daraus bessern und frömmer werden, Amen   Am 16. Sonntag nach Trinitatis Lukas 7, 11-17 Und es begab sich danach, daß er in eine Stadt mit Namen Nain ging; und seiner Jünger gingen viel mit ihm und viel Volks. Als er aber nahe an das Stadttor kam, da trug man einen Toten heraus, der ein einiger Sohn war seiner Mutter; und sie war eine Witwe, und viel Volks aus der Stadt ging mit ihr. Und da sie der Herr sah, jammerte ihn derselbigen und sprach zu ihr: Weine nicht. Und trat hinzu und rührte den Sarg an, und die Träger standen. Und er sprach: Jüngling, ich sage dir, stehe auf. Und der Tote richtete sich auf und fing an zu reden. Und er gab ihn seiner Mutter. Und es kam sie alle eine Furcht an und preiseten Gott und sprachen: Es ist ein großer Prophet unter uns aufgestanden, und Gott hat sein Volk heimgesucht. Und diese Rede von ihm erscholl in das ganze jüdische Land und in alle umliegende Länder. Vom heutigen Evangelium wäre viel zu predigen. Wir wollen aber nur bei den zwei Stücken bleiben: das erste, wie wir uns gegen den Toten trösten sollen; denn an solchem Trost und Lehre ist am meisten gelegen; das andere, von christlicher Barmherzigkeit und Mitleiden, daß wir unter einander haben sollen. Eure Liebe hören hier von einer armen Witwe, die ihren Mann verloren hat, und stirbt ihr endlich ihr einiger Sohn auch, daß sie überall elend und arm ist. Denn im Judentum war es für ein besonders großes Unglück gerechnet, wo kein Sohn im Hause war, darum, daß der Juden Regiment so stand, daß sie sollten Erben haben. Ist deswegen dies Weib eine elende bekümmerte Witwe, und hat das Ansehen, als sei ihr Gott feind und habe ihrer ganz vergessen, daß er zuerst den Mann und danach den Sohn ihr nimmt. Es wäre deshalb ein Wunder, daß sie an Gott nicht gezweifelt hätte. Dieses Weibes nimmt unser lieber Herr Christus sich an, hat ein Mitleiden mit ihr, und macht den Sohn lebendig und gibt ihn ihr wieder, daß die Freude zehnmal größer wird, denn als das Leid zuvor war. Und es ist ein Wunder, daß sie vor Freude nicht niedergefallen und gestorben ist. Diese Geschichte sollen wir uns darum merken, daß wir lernen sollen unseren Glauben damit stärken und fest machen. Denn es ist dem Herrn Christus hier nicht allein um dieses Weib zu tun; er will uns alle lehren, wie es so ein gering Ding um den Tod sei, damit wir uns nicht davor fürchten, sondern mit geduldigem Herzen hingehen, und des Todes und anderes Unglücks nicht achten sollen; weil wir so einen Herrn an ihm haben, der also leicht helfen, und Tod und alles Unglück wenden kann. Denn sie hier, wie bald und leicht es zugeht, da diesem Weib geholfen wird, da sie doch an aller Hilfe mußte verzweifeln. Denn wer wollte hoffen, daß der verstorbene Sohn, den man jetzt hin zum Begräbnis trug, sollte wieder lebendig werden? Da nun alle Hoffnung dahin ist, kommt unser lieber Herr Christus, tut nicht mehr, denn daß er sagt: «Jüngling, ich sage dir, stehe auf.» Alsbald richtet sich der Tote auf und lebt. Da müssen wir bekennen, daß der Tod vor des Herrn Augen genau so ist wie das Leben; und ist ihm gleich viel, wir leben oder sterben. Denn wenn wir schon gestorben sind, so sind wir vor ihm nicht gestorben. Ursache, es ist ihm nur um ein Wort zu tun, so ist der Tod hin und das Leben kommt wieder. Das also Christus recht sagt im Evangelium: «Gott ist ein Gott der Lebendigen, und nicht der Toten.» Denn obwohl Abraham, Isaak, Jakob und andere heilige Patriarchen gestorben sind, so leben sie doch Gott. Deswegen sollen wir aus dem heutigen Evangelium an dieser Witwe Sohn lernen die große Macht, die Gott an uns erweisen wird durch Christum am jüngsten Tag, da er mit einem Wort alle Menschen hervor rufen wird aus dem Tode und die Gläubigen ewig selig machen. Solches wird in einem Augenblick geschehen, auf das wir ja nicht daran zweifeln, daß es beides bei dem Herrn Christus sei: die Macht, daß er es tun kann, wie er hier bewiesen, und der Wille, daß er es gern tun will. Denn hier steht das Beispiel. Der Witwe Sohn ist Tod, und er hat das Gehör und alle Sinne verloren. Aber sobald Christus mit ihm redet, hört er. Das ist doch eine seltsame, wunderbare Geschichte: der da nicht hört, der hört; der da nicht lebt, der lebt. Und geschieht doch mehr nicht, denn das Christus seinen Mund auftut, heißt ihn aufstehen. Das einige Wort ist so mächtig, daß der Tod weichen muß und das Leben wieder kommen. Weil wir aber sehen, daß Christus uns so leicht aus dem Tode reißen und zum Leben bringen, und sehen hier, daß er es gern tun will; denn da ist kein Mensch, der ihn darum bittet, es jammerte ihn der armen Witwe Not, und ungebeten geht er hinzu, und macht ihren Sohn wieder lebendig: darum sollen wir dieses Beispiel annehmen und uns vor dem Tod nicht erschrecken, sondern uns des Herrn Christi trösten. Denn um unseretwillen ist es also geschehen. Als wollte er sagen: Ich weiß wohl, daß ihr euch vor dem Tode fürchtet; aber fürchtet euch nicht, euer Herz erschrecke nicht. Denn was kann er euch tun, wenn er gleich böse ist? Schrecken kann er euch. Aber dagegen lernt, daß ihr nicht allein dahin sehet, wie ihr es fühlet, und also eurem Schrecken folget, sondern sehet auf mich, was ich tun kann und was nicht gern tun will, nämlich, daß ich euch eben genau so leicht aus dem Tode erwecken kann, als ob ihr jemand auf dem Bette und aus dem Schlafe wecket. Und will es dazu mit Lust und gern tun. Daß es also weder am Willen, noch an der Kraft und dem Vermögen fehlen soll. Da muß aus folgen, daß die Verstorbenen, so auf dem Friedhof und unter der Erde liegen, wohl leiser schlafen, denn wir in unserm Bette. Denn das kann wohl geschehen, daß du so hart schläfst, daß man dir zehnmal ruft, ehe du einmal hörst. Die Toten aber hören von einem einzigen Wort Christi, und wachen wieder auf, wie man hier am Jüngling, und Johannes 11. an dem Lazarus sieht. Darum heißt der Tod vor unserm Herrn Gott nicht Tod. Vor uns heißt er und ist ein Tod, wenn wir sterben; denn wir liegen da und können uns selbst nicht helfen. Aber vor Gott ist er so ein leiser Schlaf, daß Christus kein Wort kann reden, wir hören es und werden davon lebendig. Das wollte unser lieber Herr Christus uns gern lehren, auf das wir nicht erschrecken, wenn gleich Pest oder der Tod selber kommt, sondern sagen: Was kannst du denn, Tod, wenn du am bösesten bist? Du hast schreckliche Zähne, die zeigst du, und schreckst mich; denn ich sterbe nicht gern. Aber da will ich nicht hinsehen, was du allein tust, und wie du, gleich als der Henker, das Schwert ziehst; sondern ich will denken und sehen, was unser Herr Gott dazu tun kann und was er dazu tun will, wenn du mich gewürgt hast, nämlich, daß er sich vor dir nicht fürchtet, und fragt nach deinem Wüten und Würgen nichts; sondern er spricht: «Tod, ich will dein Tod sein; Hölle, ich will deine Pest sein.» Kannst du meine Christen Würgen, so kann ich dich wieder Würgen und sie lebendig machen. Das ist der Trost, welchen der Herr in dem heutigen Evangelium uns vorhält, daß die Christen, ob sie gleich sterben, nicht tot sind, sondern sie schlafen, und schlafen so leise, daß Christus sie mit einem Finger, ja, mit einem einzigen Wort wecken kann. Das ist aber dem Tod eine kleine Ehre, daß wenn er am zornigsten ist, er nicht mehr tun wird und ausrichten soll, denn einen Menschen schlafen legen, daß Christus ihn wieder vom Tod mit einem Wort auferwecke; wie er sagt Johannes 5,25.: «Es kommt die Stunde, in welcher alle, die in den Gräbern sind, werden die Stimme des Menschensohnes hören, und werden hervorgehen, die da Gutes getan haben, zur Auferstehung des Lebens; die aber Übels getan haben, zu der Auferstehung des Gerichts.» Den Trost haben die Christen; Türken und Juden haben ihn nicht, unsere Katholiken haben ihnen auch nicht. Sie wissen wohl, daß sie sterben müssen, und das Gottes Gericht und die Hölle ist. Was tun sie aber? Sie setzen ihr Herz und Hoffnung nicht auf Christum, sondern laufen ihm entgegen mit ihrem Messe halten, Fasten und anderem. Und halten Christum für anderes nichts, denn für einen Richter, der darum da sei, daß er verdammen und richten wolle. Das ist ein schrecklicher Irrtum und der leidige Teufel selbst, daß sie Christum böser machen, denn als den Tod selbst. darum fürchten sie sich vor dem jüngsten Tag, und haben ein blödes, verzagtes Herz . Das tun die Christen nicht. Die wissen wohl, daß Christus die Ungläubigen an jüngsten Tage richten wird, die daß Wort nicht annehmen noch glauben wollen. Aber da machen sie einen Unterschied und sprechen: Ich bin getauft, und glaube an meinen Herrn Jesu Christum, daß er für meine Sünde gestorben und durch seine Auferstehung mir die Gerechtigkeit und ewiges Leben erworben habe. Was wollte ich denn mich fürchten? Er ist nicht mein Feind, sondern mein Freund und Fürsprecher bei dem Vater. Darum obgleich der jüngste Tag herein bricht, oder ich sonst sterbe, da liegt nicht an. Mein Herr Jesus Christus sieht dem Tod eine kleine Weile zu, wie er mich würget. Und wenn der Tod meint, es sei mit mir gar aus, ich sei gestorben, so schlafe ich nur; und schlafe so süß und leise, daß der Herr Christus den Mund nicht kann auftun, ich wäre es und stehe auf zum ewigen Leben. Das laßt uns lernen und wohl merken, daß wir uns vor dem Tode und dem jüngsten Tage nicht fürchten. Denn Christus kommt nicht, daß der uns richten und verdammen wolle; er kommt, wie er hier zu der elenden Witwe und ihrem Sohn gekommen ist, daß er vom Tode uns auf erwecken und uns wieder zurechtbringen wolle, daß wir wieder hören, sehen, reden und anderes können. Also will er zu uns allen kommen, die wir an ihn glauben, und uns selig machen. Die aber nicht glauben, die wird er richten. Darum sollen wir lernen dieses Heilandes begehren und ihm glauben, und in fester Zuversicht solche Hilfe und Gnade je länger je gewisser werden, und uns vor dem Tode und vor dem jüngsten Tage nicht fürchten. Wer sich aber fürchtet, der folgt dem alten Adam und seinem Fleisch, und nicht dem Herrn Christo, nach seinem Wort. Denn gewiß ist es, daß Christus am jüngsten Tage kommen und uns wieder vom Tode aufwecken wird. Deswegen ruhen der Christen Körper im Grabe, und schlafen, bis Christus komme und klopfen an das Grab und spreche: auf, auf! Dann werden wir auferstehen, als aus einem sanften, lieblichen Schlaf, und ewig mit dem Herrn Christus leben und fröhlich sein. Also soll ein Christ einen anderes Herz haben, denn Türken, Juden oder Katholiken; die werden kleinmütig, erschrecken und verzagen in den letzten Zügen, daß sie nicht wissen, wie sie ein noch auskommen. Und es geschieht ihnen recht. Warum lernen sie nicht und glauben auch, daß Christus ein Heiland der Gläubigen, aber ein Richter über die Ungläubigen sei? Warum hören sie das Evangelium nicht, sondern verfolgen es, welches doch lehrt, wo wir uns des Herrn Christus trösten, daß er will unser Arzt, Helfer und Retter sein wider den Tod und Teufel. Aber sie stopfen die Ohren zu, und wollen weder hören, noch glauben, und suchen andere Mittel und Wege, dadurch sie dem Tod glauben zu entlaufen. Solches kann Christus nicht dulden, und muß der Ungläubigen Richter sein, da er gern, wo sie ein ihn glaubten, ihr Heiland sein wollte. Denn sie sind ihm Feind, und wollen seines Reiches nicht annehmen. Darum muß Christus sich als ein Richter gegen sie beweisen. Den Frommen aber, die sich sein trösten, will er Friede schaffen und Ruhe in Ewigkeit. Nach dieser Lehre, die des Glaubens Lehre heißt, sollen wir auch vom Herrn Christus lernen barmherzig sein. Wir hören im Jahr oft von der Liebe, daß eines dem anderen dienen soll. Aber barmherzig sein, ist etwas mehr, ähnlich, daß man sich anderer Leute Jammer und Elend annehme. Als, wenn ich einen armen oder kranken Nachbarn habe, da soll ich nicht allein ihm gern helfen, sondern es soll auch sein Elend mich jammern, als wäre es meine eigene Sache. Wie wir hier am Herrn sehen, der ist ein Fremder, unbekannter Gast; als er aber das Elend an der Witwe sieht, nimmt er sich dieses an, als wäre es sein eigener Sohn, weint mit der Mutter, tröstet sie und hilft ihr. Das ist das Beispiel der Liebe, welche folgen soll auf den Glauben, und wird auch nicht außen bleiben, wenn der Glaube rechtschaffen ist. Auf das wir nicht tun, wie die Bösen, verdorbenen Leute, deren jetzt so viel sind, auch unter uns, die Herzen haben von Stein und Holz, und treiben noch das Gelächter dazu, wenn sie sehen, daß es ihren Nachbarn übel geht, ja, tut ihnen wehe, daß jemand einen Pfennig hat. Aber mit den Christen sollte es nicht so sein; die sollen sich es erbarmen lassen, wo sie Not sehen, und fröhlich sein, wenn es anderen Leuten wohl geht. Wie Paulus sagt, daß man mit den Weinenden weinen und mit den fröhlichen sich freuen soll, und nicht tun wie die Steine und Klötze, die sich anderer Leute Unglück freuen, und wollten gern, es hätte niemand etwas, denn sie. Nun ist aber die Barmherzigkeit zweierlei; wie denn die Not auch zweierlei ist, geistlich und leiblich. Den leiblichen Nöten soll man zulaufen, helfen, raten, womit man kann, wenn man sieht, daß die armen Leute der Hilfe brauchen weil sie sich nicht selbst helfen können. Geistliche Not heißt, wo man an der Seele Not leidet. Als, wenn ich sehe, daß ein junger Mensch daher wächst, will die Predigt nicht hören, ja, verachtet sie, kann nicht beten, ist unzüchtig, Ungehorsam und voll Untugend. Wenn man einen solchen mahnt, und will es nicht helfen, mit ernstlichen Worten straft, ja, auch Ruten und Knüppel aufträgt, daß der Sünde und Art in der Zeit gewehret werde: das heißt Barmherzigkeit geübt. Denn wo die Seele solche Untugend auf sich hat, das ist weit gefährlicher und Ärger, denn so der Leib krank ist. Darum ist man schuldig, Barmherzigkeit an einem solchen Menschen zu erzeigen, wie man kann, mit Worten, Schlägen und Ruten. Ja, sprichst du, es ist eine greuliche Barmherzigkeit, Ruten auf die Haut zu legen. Wie soll man ihm tun? Wenn es nötig ist, kann man es nicht umgehen. Müssen doch auch die Ärzte ein Bein oder Arm abnehmen, auf das der Leib errettet werde. Also ist es hier auch. Denn solche Strafe nimmt man darum vor, daß du Fromm und vom Teufel und seinem Reich erledigt werdest. Ist es nicht wahr, wenn du in ein Wasser fallen würdest, du würdest mir noch dazu danken, daß ich dich beim Haar erwischt und fest hielte, und nicht danach fragen, daß es dir sehr wehe täte? So du nun in leiblichen Nöten leiden kannst und leidest es gern, daß man dir wehe tut, weil es dein Nutz ist: warum wolltest du hier zürnen, da es nicht um das zeitliche Leben, sondern um das ewige, und nicht um den Leib, sondern um die Seele zu tun ist? Also ist es auch ein Art der Barmherzigkeit, daß Gott belohnen will, wo böse Kinder und Knechte im Hause besinnt, daß man einen Stock in die Hand nehme und schmiere ihnen die Haut damit. Solches ist eine geistliche Salbe wieder der Seelen Krankheit, die da heißt Ungehorsam gegen Vater und Mutter, gegen Herr und Frau im Hause. So ist es nun ein Werk der Barmherzigkeit, so man den Menschen ansieht in seinen Jammer und Elend, und hilft ihm. Auf solche Barmherzigkeit sollte besonders Vater und Mutter im Hause mit Kindern und Knechten, und die Obrigkeit im Regiment sehen mit ihren Untertanen; und sich ja hüten, daß sie zu solcher Barmherzigkeit nicht unbillig noch faul würden, wie es doch leider geschieht. Denn wer da wollte barmherzig sein und die Sünde nicht strafen, der würde eine zweifache Unbarmherzigkeit seinem Nächsten beweisen, und deswegen Gottes Zorn auf sich laden. Der leibliche Jammer kann auch groß sein. Als, wenn jemand ins Wasser oder Feuer fällt, da sieht man nicht danach, wie man dich leise angreifen und dir nicht möchte weh tun, sondern wie man dich erhalte. Warum wollte man denn in geistlichem Jammer und Not nach demselben sehen? Deswegen sollen harte Worte, harte Schläge und aller Ernst da gebraucht werden, daß man die armen Leute rette und aus des Teufels Netze zum Gehorsam bringe. Darum merke das Beispiel unseres lieben Herrn Christus hier, und lerne, was Barmherzigkeit sei, nämlich, eine solche Tugend, die sich des nächsten Jammers annimmt. Der ist aber, wie gesagt, zweierlei. Ein leiblicher Jammer, als der ist, krank sein, arm sein, und dergleichen. Wo du solchen Jammer an deinem nächsten dir zu Herzen gehen läßt, daß du deinen Schaden tust, auf das du ihm hilfst: das ist recht und wohl getan, und heißt nicht allein dem nächsten, sondern auch Gott gedient, der will es auch belohnen. Der geistliche Jammer ist die Sünde; als da ist, im Hause, Ungehorsam, Unfleiß, ärgerliche Worte und Werke. Da heißt Barmherzigkeit, wenn man denen Knechten übel zuredet und straft. Will es nicht helfen, so befiel das übrige dem Henker; denn es muß doch bestraft werden. Denn der Henker ist auch ein barmherziger Prediger; besonders bösen Buben welchen weder zur raten noch zu helfen ist, sie verderben sich und andere Leute, wo man die Barmherzigkeit an ihnen nicht übte und mit dem Schwert nicht wehren würde. Also ist das Köpfen und Henken, obwohl es gleich schrecklich ist und wehe tut, ein Werk der Barmherzigkeit. Denn wo es nicht wäre, würdest du keinen Bissen mit Frieden essen und keinen ganzen Fleck an deiner Haut behalten können. Darum lerne Barmherzigkeit üben, ein jeder in seinem Beruf, und hilf, nicht allein wo leiblicher, sondern auch, wo geistliche Jammer vorhanden ist. Das sind die zwei Lehren aus dem heutigen Evangelium. Die eine Lehre vom Glauben: daß wir unerschrocken sollen sein, wenn es übel zugeht, und besonders, wenn wir Sterben sollen, und denken, daß wir am Herrn Christus so einen Helfer haben, der ein Wort hat, daß allmächtig ist. Darum soll man an ihm nicht verzagen. An uns selbst und an den Leuten kann man verzagen; ja, man muß wohl an ihnen verzagen. Denn dem Tod können sie nicht steuern, der ist ihnen zu mächtig. Aber in Gott und seinen Sohn Jesu sollen wir mutig sein. Denn was wir nicht können, das kann er; was wir nicht haben, daß hat er. Können wir uns nicht helfen, so kann er helfen, und will es sehr gern und willig tun, wie man hier sieht. Wo ein solches Herz ist, daß getrost am Herrn Christus hält, daß geht im rechten Dienst, der Gott gefällt. Die anderen, die verzagen und verzweifeln, die sind ihm feind und halten ihn für keinen Gott, sonst würden sie sich sein trösten. Die andere Lehre ist, daß wir, wie Christus, unseres nächsten Not uns sollen annehmen und jammern lassen. Unser lieber Herr Gott verleihe seine Gnade, daß wir beides lernen, und mit den Frommen Leuten hier im Evangelium den Herrn Christum um seine Wohltat auch in Ewigkeit preisen, Amen.   Am 17. Sonntag nach Trinitatis Lukas 14, 1-11 und es begab sich, daß er kam in ein Haus eines Obersten der Pharisäer, auf einen Sabbat, das Brot zu essen; und sie hielten auf ihn. Und siehe, da war ein Menschen vor ihm, der war wassersüchtig. Und Jesus antwortete, und sagte zu den Schriftgelehrten und Pharisäern, und sprach: Ist es auch recht, auf den Sabbat heilen? Sie aber schwiegen stille. Und er griff ihn an, und heilte ihn, und er ließ ihn gehen, und antwortete und sprach zu ihnen: Welcher ist unter euch, dem sein Ochse oder Esel in den Brunnen fällt, und er nicht alsbald ihn herauszieht am Sabbattage? Und sie konnten ihm darauf nicht wieder Antwort geben. Er sagte aber ein Gleichnis zu den Gästen, da er merkte, wie sie erwählten oben an zu sitzen, und sprach zu ihnen: Wenn du von jemand geladen wirst zur Hochzeit, so setze dich nicht oben an, daß nicht etwa ein Ehrlicherer, denn du, von ihm geladen sei; und so dann kommt, der dich und ihn geladen hat, spreche zu dir: Weiche diesem; und du müßtest dann mit Scham unten an sitzen. Sondern wenn du geladen wirst, so gehe hin und setze dich unten an, auf daß, wenn der kommt, der dich geladen hat, spreche zu dir: Freund, rücke hinauf. Dann wirst du Ehre haben vor denen, die mit dir zu Tisches sitzen. Denn wer sich selbst erhöret, der soll erniedrigt werden; und wer sich selbst erniedrigt, der soll erhöhet werden. Im heutigen Evangelium sind zwei Stücke: das erste betrifft den Gottesdienst, wie man gegen Gott handeln soll; das andere, wie wir uns gegen die Leute erhalten sollen. Es hebt sich aber hier eine Frage des ersten Stückes wegen: Ob es vor Gott besser sei, den Sabbat halten, oder den Menschen helfen und wohl tun? Denn darum ist es den Pharisäern hier zu tun, daß sie auf den Herrn Christum halten, was er mit dem Wassersüchtigen tun werde: Hilft er ihm nicht, denken Sie, so kann man ihnen schimpfen, daß er und barmherzig sei und den Leute nichts Gutes Ruhe; hilft er ihm aber, so ist er gottlos und hält den Sabbat nicht; kann also überzeugt werden, daß er Gott und seinem Wort Ungehorsam ist. Es mache nun der lieber Herr, was er wolle, so ist er gefangen; denn sie verstellen ihm den Weg zu beiden Seiten. Bei den Juden war der Sabbat ein großes und heiliges Ding und waren der Meinung es wäre gefährlich mit dem Sabbat brechen. Was tut aber der lieber Herr Christus, der jetzt ganz gefangen ist und, der Pharisäer Anschlag nach, verloren hat? Geht mitten hindurch, und tut, was recht ist, macht die Pharisäer zur Schanden, und treibt sie dermaßen ein, daß jedermann sieht, daß sie lauter Narren sind, ob sie wohl den Namen haben, daß sie die geistliche Regenten sind, die das Volk lehren und führen, und deswegen für große Doktoren gehalten werden. So ist nun daß die Summe von diesem Handel, daß er ihnen klar unter die Augen sagt, sie wissen nicht, was da heiße, den Sabbat halten und heiligen. Eure Gedanken, spricht er, sind diese, als heiße den Sabbat heiligen, gar müßig gehen und kein Werk daran tun. Nein, so müßt ihr den Sabbat nicht deuten; sondern den Sabbat heiligen heißt, Gottes Wort hören, und dem Nächsten helfen, womit man kann. Denn Gott will den Sabbat so heilig nicht halten, daß man den Nächsten in der Not darum lassen oder versäumen sollte. Darum, wenn ich meinem Nächsten diene und helfe ihm, ob ich gleich arbeite, so habe ich doch den Sabbat recht und wohl gehalten; denn ich habe ein göttliche Werk daran getan. Das also diese Lehre vom Sabbat besonders dahin geht, daß wir das dritte Gebot recht verstehen lernen, was es sei und uns fordert, nämlich: nicht daß wir feiern und nichts tun sollen, sondern daß wir Gottes Wort hören, und danach tun und leben sollen. Was sagt und lehrt uns denn dasselbe? Es weiset uns dahin, daß wir uns, der anderen Tafel nach, unter einander lieben und alles Gute tun sollen. Solches, will Gott, sollst du am Sabbat hören und lernen. Er muß ja folgen, daß du mit solchen guten Werken den Sabbat nicht entheiligst. Darum spricht Christus: ihr Pharisäer seit so grobe Lehrer, daß ihr das den Sabbat brechen heißt, wenn man Gutes tut. Predigt man doch solches am meisten am Sabbat, daß wir unter einander lieben sollen. Was heißt aber lieben? Es heißt nicht, mit Gedanken umgehen, sondern von Herzen dem Nächsten günstig sein, mit dem Wort trösten und strafen, wo es nötig ist, und mit Rat und Tat behilflich sein, und also an Leib und Seele helfen. Wie Johannes sagt, 1. Johannes 3,18. «Meine Kindlein, laßt uns nicht lieben mit Worten, noch mit der Zunge, sondern mit der Tat und mit der Wahrheit.» Solches, spricht der Herr, gebietet dir Gott eben auf den Sabbat; ja, daß wohl mehr ist, er hat den Sabbat darum eingesetzt, daß du es hören und lernen sollst, deinem Nächsten freundlich zu sein mit Worten, und die Hilfe ich mit der Tat, wo er es bedarf. Also straft der Herr die falschen Heiligen, die aus Gottes Wort einen verkehrten Verstand machten, und rühmten sich, sie hielten den Sabbat, wenn sie sogar keine Liebe bewiesen, daß sie auch einem nackten Menschen nicht ein Hemd oder ein Paar Schuhe gereicht hätten. Schelmen sind solche, die Gottes Wort umkehren. Denn wo Gottes Wort gebietet und heißt: Liebe deinen Nächsten, und tue ihm alles Gute; sprechen sie: O nein, ich möchte den Sabbat damit brechen. Das heißt unrecht gelehrt und Gottes Befehl ganz verkehrt. Denn Gott läßt dir eben auf den Sabbat sagen, daß du deinen Nächsten lieben, sein pflegen, und ihm alles Gute tun sollst, in allem, was er Bedarf an Leib und Seele. Wie man denn im Beispiel sieht, daß der Herr hier mit einführt. Ist es nicht Schande, spricht er, wenn dir ein Ochse oder Esel am Sabbat in das Wasser fällt, so brichst du den Sabbat nicht, wenn du dem armen Tier hilfst. So es nun nicht Sünde ist, einem Vieh am Sabbat helfen: seit ihr denn nicht tolle Heilige, daß ihr Ochsen und Esel könnt lieb haben, mit Stricken und Stangen zulaufen, ihnen aus dem Wasser helfen und sie retten, daß ihr verbieten wollt, wenn man solle einen armen Menschen am Sabbat nicht lieb haben noch ihm helfen? Also soll es allen denen gehen, die den Herrn Christum meistern und lehren wollen, daß sie sich selbst fangen, und öffentlich an den Tag geben müssen, daß sie grobe Narren sind; wie sich hier die Pharisäer unterstehen, gedenken, der Herr könne ihnen nicht entgehen, er helfe gleich dem armen wassersüchtigen Menschen oder auch nicht. Aber er gibt ihnen eine solche Antwort, daß sie müssen rot werden und weiter können sie gegen ihn nichts vornehmen, und spricht: Ihr Heuchler, hier seit es, die ihr den Sabbat entheiligt und brecht. Was ihr an mir suchet, daß findet ihr an euch es selbst. Den «Sabbat heiligen» heißt Gottes Wort hören und Heilige Werke tun, den Nächsten lieben, und ihm tun, was er Bedarf, Gehorsam sein, barmherzig sein, hilfreich, raten, trösten, Essen und Trinken geben. Solches sollen man am Sabbat tun, und heißt Gott recht dienen. Denn der anderen närrischen Gottesdienste bedarf er nicht; auch will er nicht, daß man den ganzen Tag in der Kirche heulen wollte, wie unsere Katholiken pflegen. Er will, daß man sein Wort hören, und danach leben und tun soll. Darauf geht der schöne Spruch des Propheten Hosea Kapitel 6,6.: «denn Herr hat Lust an der Liebe mehr, denn am Opfer, und an Erkenntnis Gottes mehr, denn am Brandopfer.» Was heißt Gott erkennen? Anderes nicht, denn Gottes Wort hören. Ursache, ohne daß Wort wird niemand von Gott etwas wissen. Wenn aber das Wort kommt und spricht: Ich bin der Herr, dein Gott, der ich meinen Sohn gesandt und für dich in den Tod gegeben habe, der ich dich in der Taufe habe angenommen: durch solches Wort lernen wir Gott erkennen, daß er gnädig und barmherzig ist; welches die Vernunft nicht von sich selbst wissen noch lernen kann. Aus diesem aber folgt, weil man durch das Wort zur Erkenntnis Gottes kommt, daß es heiße, Gott dienen und den Sabbat recht heiligen, wenn man Gottes Wort hört, und nach dem Wort Gottes lebt und tut. Solches lassen die heillosen Heuchler, die Pharisäer, anstehen: sie hören Gottes Wort nicht, tun auch nicht danach; wollen dennoch den Namen haben, sie brechen den Sabbat nicht. Also tun die Katholiken auch, Könige und Fürsten, so dem Wort noch entgegen sind, hören alle Tage Messe; das ist der hohe, besondere Gottesdienst, welches sie keinen Tag entbehren können. Dagegen aber hören sie in einem Monat, in einem halben Jahr, ja, wohl oft in einem ganzen Jahr keine Predigt. Und ob sie gleich Predigt hören, hören sie nichts aus der Schrift oder das Recht der Wort Gottes, sondern eitel Menschenstand und Lügen. Das ist ihr Gottesdienst, damit sie den Sabbat oder Feiertag heiligen. So doch solches auf keine andere Weise geschehen kann, denn daß man Gottes Wort hören, und in den Werken sich übe, die im Wort uns vorgehalten und geboten werden. Deswegen soll bei uns Christen alle Tage Sabbat sein. Denn wir sollen alle Tage Gottes Wort hören und unser Leben danach ausrichten. Gleichwohl ist der Sonntag für das gemeine Volk geordnet, daß jedermann am selben Tag besonders Gottes Wort hören und lernen soll und danach leben. Denn die anderen sechs Tage muß der gemeine Mann seiner Arbeit warten, und erwerben, davon er lebe. Das will Gott gern geschehen lassen; denn er hat die Arbeit geboten. Aber den siebten Tag will er geheiligt haben, daß man daran nicht soll arbeiten, auf das jedermann ungehindert sei, sich in Gottes Wort und Werken zu üben, und zu tun, nicht was das zeitliche betrifft, sondern was Gott in seinem Wort fordert und haben will. Das ist das erste Stück des heutigen Evangeliums, daß jedermann lerne, es heiße Gott gedient und den Sabbat recht und wohl geheiligt, wenn wir Gottes Wort hören und danach tun. Darum, wenn du in die Predigt gehst, wenn du ein Evangelium liest, daß heißt Gott gedient, und ist ihm viel ein angenehmerer Dienst, denn alle Opfer und Heiligkeit, wie Hosea sagt. Das anderen Stück lehrt von der Demut. Denn also deutet der Herr das Gleichnis am Ende selbst: «Wer sich selbst erhöhet, der soll erniedrigt werden; und das sich selbst erniedrigt, der soll erhöhet werden.» Das sollt hier lernen, daß es nicht allein vor Gott wahr ist, sondern auch vor den Leuten; denn die Art haben alle Menschen, daß sie den Hoffärtigen feind sind. Dagegen aber muß es einen besonders böser Mensch sein, der einem demütigen, frommen Herzen feind ist. Natürlich ist es, daß es jedermann lieb hat; wie man sieht, wenn eine Magd im Hause willig und Gehorsam ist, und mit einem einfältigen, schlechten Herzen tut, was man befiehlt: da ist bald der Herrschaft das Herz genommen, daß sie solchem Gesinde nicht können feind sein. Daß es also natürlich ist, jedermann hat demütige, willige und stille Leute lieb. Wiederum, Hoffärtigen Leuten kann niemand hold sein. Sobald Vater und Mutter an einem Kinde oder Gesinde den Ungehorsam und Stolz merken (denn diese zwei Unarten sind häufig bei einander), daß sie sagen: Muß ich doch nicht tun, was du mich heißt; da hebt es sich, daß Vater und Mutter denken, wie sie ihnen den Stolz brechen und sie demütigen, oder zum Haus hinaus stoßen. Weltliche Obrigkeit tut es auch so. Wer stolzieren, und nicht Gehorsam sein will, den lehrt sie es mit dem Stricke oder Schwertes durch Meister Hansen. Wie kommt es nun, daß den Stolz niemand leiden kann? Anders nicht, denn daß es Gott haben will, und sein Wort der steht und sagt: Er wolle getrost dazu helfen, daß die gedemütigt werden, so stolz und hoffärtig sind. Wie man sieht in allen Ständen: was reich, gelehrt, vernünftig, schön, stark, mächtig und gewaltig ist, sobald sie in die Hoffart geraten und sich nicht haben willig herunter gegeben, hat sie Gott gestürzt, daß sie haben fallen müssen. Denn so steht geschrieben: Gott selbst legt sich gegen die Hoffärtigen. Der nun einen solchen schweren Feind auf sich ladet, den er nicht tragen kann, der muß fallen, und hilft ihn keine Macht noch Stärke. Dagegen aber, wer demütig ist, der gewinnt Gott und den Menschen das Herz ab, daß ihm Gott mit allen seinen Engeln, und danach die Leute, als ein sonderlich edel Kleinod ansehen. Da folgt hernach auch Glück und Segen; wie man sieht, daß es auch eines armen Bürgers oder Bauen Sohn, dem sein Vater nicht drei ständige zu geben hat, ein großer Herr wird, da Fürsten und Herren seines Verstandes und Kunst halben ein Aufsehen haben müssen. Woher kommt solch Glück? Daher, daß es unser Herr Gott nicht kann lassen: was demütig ist, daß setzt er zu mit seiner Gnade und Barmherzigkeit, und allem, was er hat. Wie der 113. Psalm sagt, wer ist wie der Herr, unser Gott? Er sich so hoch gesetzt hat, und auf das niedrige sieht im Himmel und Erden. Der den Geringen aufrichtet aus dem Staube, und erhöhet den Armen aus dem Kot, daß er ihn setze neben die Fürsten, neben die Fürsten seines Volkes. Das tut Gott mit den Demütigen. Die aber stolz sind und nach oben wollen, wieder dieselben legt er sich mit aller Ungnade, und hört nicht eher auf, sie liegen denn danieder. Solches sollte uns bewegen, daß wir uns demütigen, und Kinder und Gesinde im Hause sich gehorsam hielten, und bedächten: Gott will haben, ich sollt tun, was man mich heißt; ich soll nicht hoffärtig, sondern demütig sein. Das will ich tun, und mich nichts darum bekümmern, ob ich gleich in einem geringen Stande bin. Denn ich weiß, wenn ich mich so halte, Gott wird mich nicht so gering lassen sein, er wird mich empor heben. Also ging es mit Saul: der war seinem Vater Gehorsam, hütete der Esel und hielt sich für den geringsten in Benjamin. Zu solchem Eseltreiber schickt Gott den Propheten Samuel und salbt ihn zum König. Denn weil er demütig und nicht hoffärtig war, setzte Gott zu ihm alle Gnade und Barmherzigkeit. Was geschah aber? Da Saul König war, schwoll ihm das Herz, daß er Stolz ward und fragte nach unserm Herrn Gott und seinem Wort nichts. Darum, gleich wie ihn Gott zuvor erhoben hatte, also stürzt er ihn danach wieder herunter, daß er sich aus Verzweiflung selbst erstach, und sein Geschlecht ausgerottet ward. Also auch, David war ein feiner, starker, vernünftiger Jüngling. Aber er war daneben demütig und erhob sich solches nicht. Er blieb ein Schafhirte, und tat, was ihn sein Vater hieß, bis Samuel kommt und ihm sucht, und ihn zum König salbte. Und meldet die Geschichte besonders, wie er sieben Brüder gehabt, die waren alle stolz und hoffärtig, und verachteten ihren jungen Bruder David. Aber Gott sagte zu Samuel: Du sollst nicht ansehen die Gestalt noch Person, sondern den sollst du mir zum Könige salben, den ich dir zeigen werden; der anderen mag ich nicht. Auch konnte sich David, da ihn Gott erhöhet, Feinde in der Demut halten; sonst, so er stolz geworden wäre, hätte ihn Gott auch gestürzt wie Saul. Weil er aber demütig bleibt, ob er schon des Reiches verjagt war, kommt er doch wieder dazu; und Gott tut ihm noch so eine große Ehre, daß er ihn verheißt, Christus soll aus seinem Stamm geboren werden. Solches ist darum geschrieben und wird uns auch darum gepredigt, daß wir sollen demütig sein und uns vor der Hoffart hüten, und nicht sagen, wie die Bösen Mägde: Ei, wer mag immer in der Küche liegen, spülen und kehren? Muß ich des doch nicht immer tun, was man mir befiehlt. Siehe dich vor; willst du stolz werden, was gilts, Gott wird sich zwischen dich legen? Denn er übt nicht, er kann keiner Hoffart noch stolz leiden, wie wir vor Augen sehen. Denn was meinst du, daß die Schuld sei, daß es überall in der Welt so übel steht, daß überall so viel grober, ungeschickter, unglücklicher Männer und Weiber sind? Anders nichts, denn wenn sie jung sind, will alles stolzieren, niemand will tun, was man sie heißt und sie tun sollten. Darum läßt sie unser Herr Gott hingehen, wie die Säue, daß sie nicht etwas rechtschaffenes Lernen. Denn also ist es beschlossen: Was sich erhöhet, daß soll wieder herunter, wiederum, was sich erniedrigt, das kann er nicht liegen lassen, er muß es nach oben heben. Der Liebe Gott habe Lob und Dank, daß er auf diesen Tag uns also lehrt, und gebe seine Gnade, daß wir solcher Lehre auch folgen, um seines Sohnes, Christi Jesu willen, Amen.   Am 18. Sonntag nach Trinitatis Matthäus 22, 34-46 Da aber die Pharisäer hörten, daß er den Sadduzäern das Maul gestopft hatte, versammelten sie sich. Und einer unter ihnen, ein Schriftgelehrter, versucht die ihn und sprach: Meister, welches ist das Vornehmsten Gebot im Gesetz? Jesus aber sprach zu ihm: Du sollst lieben Gott, deinen Herrn, von ganzem Herzen und, von ganzer Seele und von ganzem Gemüt. Dies ist das vornehmste und größte Gebot. Das andere aber ist dem gleich: Du sollst deinen Nächsten lieben als dich selbst. in diesen zwei Geboten hängt das ganze Gesetz und die Propheten. Da nun die Pharisäer bei einander waren, fragt des sie Jesus, und sprach: Wie dünket euch um Christo? Wessen Sohn ist er? Sie sprachen: Davids. Er sprach zu ihnen: Wie nennet ihn denn David im Geist einen Herrn, dar er sagt: Der Herr hat gesagt zu meinem Herrn: Setze dich zu meiner Rechten, daß ich lege deine Feinde zum Schemel deiner Füße. So nun David ihn einen Herrn nennet, wie ist er denn seinen Sohn? Und niemand konnte ihm ein Wort antworten, und durfte auch niemand von dem Tage an hinfort ihn fragen. In dem heutigen Evangelium sind vornehmlich zwei Stücke: das erste, vom Schriftgelehrten, der da fragt, welches das vornehmste Gebot sei im ganzen Mose; das andere, daß der Herr Christus die Pharisäer wieder fragt, was Christus für ein Mann sei, sintemal David im Geist ihn seinen Herrn heißt. Die erste Frage ist eine Anzeigung, daß die Juden in so eine große Blindheit sind gefallen, daß sie der 10 Gebote vergessen haben, welche doch die kleinen Kinder können. Darum sollte jedes Kind auf solche Frage antworten können. Das erste und größte Gebot heißt: Du sollst nicht andere Götter haben. Die Pharisäer und Schriftgelehrten aber waren davon gekommen, und in die Torheit geraten, daß wenn sie vom höchsten Gebot diskutiert, einer gesagt hat, es sei opfern, der andere, es sei Almosen geben, der dritte, es sei fasten, sich besonders kleiden. Wie man sieht, daß es geht, wenn die Leute von den Geboten Gottes und seinem Wort abgefallen, und sich andere Werke, aus eigenen Gedanken, ohne Gottes Wort vorgenommenen haben. Wie unseren Mönchen und Nonnen auch geschehen ist: die sind in die Klöster gelaufen, haben da einen Gehorsam sich vorgenommenen, Keuschheit und Armut geschworen, alles ohne Befehl, daß sie also Gottes Wort ganz verloren, und vergessen haben, was Glaube und Liebe sei, und nichts denn das unselige Klosterleben für den Stand der Vollkommenheit gerühmt. Nun, Gott Lob! Kann ein Kind von zehn Jahren besser sagen, was ein vollkommener Stand sei, denn alle Mönche und Nonnen. Ursache, sie denke nur auf ihr Klosterleben. Aber ein Christ spricht: Vollkommen sein heißt, Gott fürchten und lieben, und dem Nächsten alles Gute tun. Denn Gott hat je sonst anderes nichts zu tun befohlen. Solches wissen weder Pfaffen, Mönche noch Nonnen, daß weiß fürwahr, sonst würden sie solch ihr eigenen närrisch Vornehmen fallen lassen und an den rechten Gehorsam der 10 Gebote sich begeben. Wo kommt aber solcher und Verstand und Blindheit her? Von nirgendwo anders, denn daß die Leute das Wort fahren lassen, und fallen auf äußerliche Werke, die ein besonderes Ansehen haben. Als, wenn man sonderliche Tage erhält, sich besonders kleidet, nicht ißt und trinkt, was andere essen und trinken. Das hat einen schönen Schein und machten den Leuten eine Nase. Darüber aber verliert man die höchsten Werke und Gebote, daß man Gott lieben und den Leuten alles Gute tun soll. Wie wir hier an den Pharisäer und Schriftgelehrten sehen, welche eben dieser Ursache wegen vom vornehmsten Gebot im Gesetz fragen, daß sie davon unter einander selbst nicht eins sind, und einer daß, der andere jenes für das Beste hält. Darum ist dies Beispiel eine treffliche Warnung, daß so hohe Leute so blind gewesen sind, und nicht gewußt haben, welches das größte oder kleinste Gebot sei, und sind doch Lehre gewesen, die anderen Leuten vorgehen und vom rechten Gottesdienst unterweisen sollten. Wie unser tolles Mönchs- und Pfaffenvolk noch ist. Frage einen, wenn du willst, von guten Werke und was du tun sollst, so du willst selig werden, so wird er dich nicht auf die zehn Gebote weisen, sondern dir sagen, du müssest ein Mönch werden, Messe hören, zu den Heiligen fahren, fasten. Das heißt aber von den zehn Geboten und dem rechten Weg ins Schlaraffenland gewiesen, welches ist endlich der Lohn von Menschenlehren, wenn man solcher Werke vornimmt, da Gott nichts von geboten hat. Da werden die Leute geblendet, daß sie die zehn Gebote nicht mehr sehen, sondern ganz verlieren. Denn sonst sollte man ja so witzig sein, und sagen können: Das ist das größte, daß Gott befohlen und geheißen hat. Aber Pharisäer und Schriftgelehrter, Pfaffen, Mönche und Nonnen können es nicht. Darum mögen wir uns vor solchem Irrtum wohl hüten und eigenen Andachten fliehen. Wiederum lasse man den Katechismus nicht eine geringe Lehre sein, so man die Leute unterrichten soll, was sie tun sollen. Denn da hören wir, daß man Gott lieben und keine andere Körper haben soll; das ist, man soll nichts lieber haben und größer achten, denn Gott und sein Wort, und eher alles lassen und leiden. Also, wenn du solches tust, bist du im höchsten Stande. Ja, sagen sie, solches tun die gemeinen Christen; ich will etwas besonderes machen: ein gemeiner Christ steht des Nachts nicht auf zum beten, ich will aber aufstehen, er ißt Fleisch, ich will Fisch essen; er kleidet sich nach einfacher Weise, ich will mir eine besondere Kleidung machen lassen. Also kommt es endlich dahin, daß die blinden Leute so viel mit eigener Andacht sich zu schaffen machen, daß sie die zehn Gebote ganz vergessen. Darum willst es nicht eine schlechte Lehre, da der Herr hier sagt, daß größte Gebote sei, Gott lieben, und das andere sei dem ersten gleich, daß man den Nächsten lieben soll, wie sich selbst; denn in diese zwei Stücke ist alles gefaßt, was man predigen und lehren kann von guten Werken. Aus diesem Brunnen soll es auch quellen und wieder hineinfließen. Denn da ist beschlossen: Willst du Gott dienen, so kann es auf keine andere Weise geschehen, denn daß du Gott und deinen Nächsten liebst. Diese Lehre wird am jüngsten Tage ein sehr strenges Urteil erregen. Denn was im Papsttum geschehen ist, weiß jedermann wohl. Wer Gott wollte dienen, der gedachte an die zehn Gebote nicht, sondern wurde ein Mönch, lief nach Rom, oder anders wohin, rief diesen und jenen Heiligen an, diente ihm mit Fasten, Feiern. Solches hieß man damals den Gottesdienst. Aber dienen heißt, wenn du tust was man dir befiehlt. Darum muß folgen, wer Gott recht dienen will, der muß tun, was Gott ihn heißt, nicht, was er sich denkt. Was heißt aber Gott? Hier steht es, wenn du Gott dienen willst, daß du nicht weit danach gehen und laufen, noch viel Geld darum geben darfst. Liebe Gott und deinen Nächsten. Wie könnte aber Gott seinen Dienst dir näher legen und besser geben, wenn also: wenn du deinen Nächsten liebst und ihm alles Gute tust, daß es Gott dafür halten will, als habe du es ihm selbst getan? Das ist eine wunderlich er Lehre: wenn du deinem Nächsten Gutes tust, daß es ein Gottesdienst sei und sei Gott selbst getan. Solche Lehre, sage ich, wird am jüngsten Tage gar einen wunderlichen Lärm machen. Denn die Gottlosen, sagt Christus selbst, werden sprechen: «wann haben wir dich hungrig gesehen und durstig?.» Aber Christus wird antworten und sagen: «Was ihr den Geringsten von den Meinen nicht getan habt, daß habt ihr mir nicht getan.» Daß es also gewiß und beschlossen ist, wenn du einem armen Christen ein Hemd, einen Rock, ja, auch einen kalten Trunk Wasser gibst, daß hast du Christus gegeben. Und soll hier niemand einen Unterschied machen. Ist nun aber das nicht der leidige Teufel, daß wir dies so lassen vorübergehen, und bedenken es nicht, daß wir unserem Herrn Gott so leicht dienen können, und tun es dennoch nicht? Wir denken, wenn wir wüßten, wo Christus zu finden wäre, wir wollten hinlaufen, und ihm alles zutragen, was wir hätten. Aber was bedarf es solcher Gedanken? Hören wir doch hier, daß andere Gebot sei den ersten gleich. Da muß ja folgen, daß es unser Herr Gott gern will annehmen und dafür achten, als sei es ihm geschehen, was wir unserem Nächsten tun. Ja, sprichst du, unser Herr Gott ist im Himmel. Das schadet nicht; er ist auch hier unten auf werden. Darum, so du einen Christen in Not siehst, so wisse, daß Christus Not leidet und deiner Hilfe bedarf. Wie er selbst sagt, er wolle am jüngsten Tag über uns klagen, daß wir ihn Hunger und Durst haben leiden lassen. Aber wie gesagt, ein Jammer ist es, daß wir diese Lehre so klar haben, und schlagen sie doch so in den Wind, als wären es nur Lügen und Geschichten. Solcher Unglaube und Ungehorsam wird sich damit nicht entschuldigen lassen, daß wir sagen wollten, wir hätten es nicht gewußt. Denn hier steht es: Das andere ist dem ersten gleich. Darum, wer den Nächsten liebt, der liebt Gott. Es wird auch deswegen das Urteil am jüngsten Tag also lauten: Hättest du deinem Nächsten gedient, so hättest du mir gedient, und ich wollte es dir reichlich bezahlen. Aber ich hätte um deinetwillen müssen sterben und verderben. Vor solchem Urteil sollten wir uns hüten; denn es wird die ewige Verdammnis daraus folgen. Im Papsttum war es ein sehr gemeines Ding, das alte Reiter, Krieger, Juristen und andere Leute, die von sich meinten, sie wären in einem verdammlichen Stand gewesen, sprachen: Sie hätten bisher der Welt gedient; sie wollten nun anfangen und Gott dienen. Liefen deswegen in die Klöster und worden Mönche. Aber es ist eine teuflische Verführung gewesen. Denn wer Gott dienen will, der soll nicht in ein Kloster laufen, sondern unter den Leuten bleiben, und ihnen dienen, womit er kann, und gewiß sein, er diene Gott damit; denn er hat es befohlen und gesagt: Das andere ist den ersten gleich. Mit dem Mönchsleben aber wird ihm nicht gedient; denn er hat nicht allein davon nichts befohlen, sondern es ist auch wieder die Liebe und den rechten Gottesdienst, da der Herr hier von predigt. Also ging es bei den Juden auch zu, die taten ihrem Nächsten alles Übel, und meinten, wenn sie nur viel Kühe und Kälber schlachten, sie hätten alles gut getan. Aber was sagt unser Herr Gott im 50. Psalm Vers 8-10? «Deines Opfers halben Strafe ich dich nicht; sind doch deine Brandopfer sonst immerdar vor mir. Ich will nicht von deinem Hause Farren nehmen, noch Böcke aus deinen Ställen; denn alle Tiere im Wald sind mein, und das Vieh, daß bei Tausenden auf den Bergen gehet.» Also sagt er an anderem Orten mehr, er bedürfe ihres Goldes, ihres Tempels und anderes nicht, sondern wenn du mir recht dienen willst, so weise ich dich herunter zu deinem Nächsten. Du hast weit, Kind, die Sünder, Nachbarn, Fürsten, Herren und allerlei Stände, da findest du zu schaffen genug, da diene mir: will dein Kind nicht gehorsam und fromm sein, nimmt schnell eine Rute und haue getrost zu; will das Gesinde nicht recht tun, Strafe es, oder weise ihm die Tür; ist dein Nachbar arm, betrübt, krank, hilf, diene, tröste ihn; sei deinem Fürsten willig und gehorsam, so hast du es mir getan. Das nun solches nicht will in unser Herz gehen, das ist zum erbarmen. Denn was wir wieder Gott gesündigt und Unrecht getan haben, daß will er uns nicht zurechnen, sondern vergeben; allein sollen wir unserem Nächsten dienen und ihm wohl tun, so will es Gott dafür halten, wir haben es ihm getan, will uns dazu reichlich vergelten. Wer nun nicht müßte, was die Welt mit ihrem Wesen wäre, und wie sie sich weder an Gottes Verheißung noch Drohung kehre, der möchte es hier lernen. Denn was tun Bürger und Bauern anderes, denn daß sie unserem Herrn Gott ohne aller Scheu ins Angesicht schlagen, raufen und mit Füßen treten? Jedermann geht nur damit um, wie er reich wird und seinen Haufen mehren könne, es gehe den Nächsten, wie es wolle, er sterbe oder verderbe dabei. Wer glauben könnte, was er seinen Nächsten tut, daß er es Gott täte, der würde von Herzen vor solcher Untreue der Welt erschrecken. Aber da ist niemand, der es glaubt, daß es wahr sei; wie der Herr in Matthäus 25 selbst sagt, daß die Gottlosen an jüngsten Tage sagen werden: «Herr, wann haben wir dich gesehen hungrig oder durstig?.» Aber es wird sie nicht helfen. Denn eben wie der Herr hier spricht: «Das andere Gebot ist dem ersten gleich»; also wird Christus dort auch sagen: «was ihr nicht getan habt einem unter diesen Geringsten, daß habt wir mir auch nicht getan.» Das ist die erste Lehre aus dem heutigen Evangelium. Gott gebe, daß wir sie zu Herzen nehmen, und ein jeder seinen Nächsten dafür ansähe, wenn er ihm diente, daß es Gott gedient sei: so würde die ganze Welt voll Gottesdienst sein. Ein Knecht im Stall, eine Magd in der Küche, ein Knabe in der Schule, die wären eitel Gottesknechte und Gottesdiener, wenn sie solches mit Fleiß täten, was ihnen zu tun von Vater und Mutter, von Herrn und Frau im Hause aufgelegt wird. Also würde ein jedes Haus eine rechte in Kirche sein, darin nichts denn lauter Gottesdienst geübt würde. Aber es will niemand sich zur Herzen nehmen, niemand will den Nächsten dienen. Jedermann sieht nur dahin, wie er sich selbst diene und seinen Nutzen schaffe. Darum, wie man durch des Nächsten Liebe könnte Gott dienen: also dient die Welt durchaus dem Teufel, weil sie des Nächsten Liebe so gar nicht achtet. Es wird aber solches ein böses Ende nehmen. Denn wie sollte doch solches unserem Herrn Gott gefallen, weil er seinen Gottesdienst uns so nahe gebracht hat, daß ein jeder aus seinem Hause und Kammer könnte eine goldene Kirche machen, mit schönen Steinen und Perlen geschmückt: und doch solches mutwillig unterlassen, und lieber dem Teufel dienen wollen, denn Gott. Darum lernet hier, daß wer seinem Nächsten zum Besten dient, der dient nicht allein seinem Nächsten, sondern Gott im Himmel selbst. denn hier steht es, daß Gott sich solches Dienstes will annehmen, als wäre es ihnen selbst geschehen. Denn sonst würde Christus nicht sagen: «das andere Gebot ist den ersten gleich.» Wer sich aber durch dieses nicht bewegen lassen will, daß er hier auf Erden ein Himmelreich könnte anrichten, und ein Gotteshaus und Kirche aus seinem eigenen Hause und Stande machen, der fahre immer hin. Denn gleichwie du hier ein Paradies und Himmel machen könntest, wenn du deinem Nächsten dienst (denn dasselbige heißt Gott im Himmel gedient): also, wenn du deinem Nächsten nicht Dienst, machst du dir selbst eine Hölle auf Erden; denn du dienst dem Teufel, der in die Hölle gehört. Und es liegt nicht daran, ob du solches noch nicht siehst noch fühlst. Es wird mit der Zeit sich finden, daß du es sehen und fühlen, und ein großes Geschrei über dich selbst und deinen großen Ungehorsam schreien wirst. Darum wäre es nötig, daß wir solches wohl lernen und uns stets in der Liebe gegen unseren Nächsten übten. Denn dazu hat uns Gott bereits gegeben Mund, Augen, Hände, Füße, Geld, Gut, Vernunft und anderes, daß wir solcher seinen Befehl nachkommen und uns in seinen Dienst halten können. Gleich aber wie diese Lehre von der Liebe Gottes und des Nächsten in das Leben hier auf Erden gehört; also gehört die andere Lehre, wessen Sohn Christus sei, dazu, daß wir lernen sollen, wie wir nach diesem Leben in ein besser und ewiges Leben kommen mögen. Denn das wird uns nicht in den Himmel bringen, daß wir wissen, wie wir Gott und unserem Nächsten lieben sollen, wenn wir schon solche Liebe mit den Werken angreifen, auf das beste können, wie die Pharisäer Gedanken standen: die hielten es dafür, wenn sie Mose hätten, so bedürften sie weiter nichts mehr. Aber Christus zeigte uns hier an, solches werde zum ewigen Leben nicht helfen; wir müssen höher hinaus, und eigentlich lernen, was Christus sei und wessen Sohn er sei. Die Pharisäer wußten wohl, daß er Davids Sohn sollte sein. Aber an dem läßt es Christus hier nicht genug sein. Ursache, wenn Christus nicht mehr denn Davids Sohn wäre, so müßte er auch wie David sterben und nur ein zeitliches Reich haben. Aber Christus hat einen ewiges Reich, und David, sein Vater, heißt ihnen im Geist einen Herrn. Wie will sich es nun schicken, daß Christus zugleich Davids Sohn und Davids Herr sein soll? Das ist nun die Frage, da die Pharisäer nicht antworten konnten; gleichwie noch heutiges Tages kein Jude darauf antworten kann. Zu solcher Frage hört man nichts vom Nächsten, von der Liebe noch guten Werken; sondern allein ist es darum zu tun, daß wir lernen, wessen Sohn Christus sei? Wer solches weiß, der wird des Weges zum ewigen Leben nicht fehlen können. Denn es ist nicht genug zum ewigen Leben, daß wir das Gesetz und was wir tun sollen, wissen; Ursache, es soll auch mit dem Werk erfüllt werden. Das wird sich aber bei uns sehr langsam finden, weil unsere Herzen sündhaft und böse sind. Darum muß das dabei sein, daß man fleißig lernen, was Christus sei. Darum stellt der Herr seiner Frage also: Sie sollen ihm sagen, wessen Sohn Christus sei, der nach dem Fleisch Davids Sohn war. Aber weil ihn David nicht einen Sohn, sondern seinen Herrn heißt und einen solchen Herrn, der da sitzet zur Rechten Gottes, und dem Gott alle seine Feinde will zum Schemel seiner Füße legen: mit solcher Frage will der Herr die Juden und uns alle aufwecken, daß sie Christum höher halten und mit anderen Augen ansehen sollen, denn daß er allein sollte Davids Sohn sein. Denn er ist auch Davids Herr, das ist, er ist nicht allein Mensch, sondern auch wahrhaftiger Gott, in Ewigkeit vom Vater geboren. Sonst würde ihn David keinen Herrn heißen, wo er nicht mehr denn ein Mensch und allein Davids Sohn wäre. Denn David ist der größten Heiligen ein nach und der gelehrteste König, und dennoch heißt er Christum, der sein Sohn ist, einen Herrn. Als wollte Davids sagen und frei heraus bekennen: O, mein Sohn ist weit über mich. Ich bin auch ein König und heiße sein Vater; aber er ist mein Herr, und ein solcher Herr, der zur Rechten Gottes sitzt und aus Gottes Befehl herrschet über alle seine Feinde. Denn weil er ein Mensch ist, ist gut zu rechnen, was er für Feinde habe, nämlich, den Teufel und den Tod; wie Paulus 1. Korinther 15,25 folgende aus diesem Psalm auch schließt. Soll nun der Teufel und Tod diesem Sohn Davids zu den Füßen liegen, der er hier Herr sei; so muß folgen, daß eine göttliche Kraft und Allmächtigkeit in diesem Sohn Davids sei, sonst sollte er ebensowenig als andere Menschen dem Tod und Teufel abgewinnen können. Also führt der Herr uns auf die rechte Bahn zum ewigen Leben. Das Gesetz ist eine sehr gute, nützliche und nötige Lehre; denn es weist uns, was wir tun sollen, wenn wir Gott zu Gefallen leben, ihm dienen und der Sünden Strafe entlaufen wollen. Aber solche Lehre dient nur hier in dies zeitliche Leben. So man aber nach diesem Zeitlichen Leben auch in das Ewige kommen soll, da hilft das Gesetz der Lehre nicht zu. Ursache, zum Leben können wir nicht kommen, wir sind denn aller Sünden frei und ledig. Ob nun das Gesetz schon dazu dient und gegeben ist, daß man der Sünden weniger tun soll; so werden doch die Sünden damit nicht abgelegt. Darum muß man über das Gesetz eine andere Lehre haben, die uns weise, wie wir der Sünden mögen ledig werden. Denn weil wir das Gesetz nicht vollkommen halten können, hilft das Gesetz dazu, daß wir ein böses Gewissen haben und der Sünden wegen Gottes Zorn und Gericht fürchten müssen. Gegen solchen Unrat, welchen das Gesetz im Gewissen anrichtet, dient diese Frage, daß du lernst, was Christus sei und was er getan habe da sagt Christus selbst: Er sei nicht allein Davids Sohn, wie die Juden ihn hielten, sondern er sei auch Davids Herr, das ist, ewiger und rechter Gott. Was tut er aber? Er äußert sich seiner Gottheit, wie Paulus sagt, und wird Mensch, stirbt am Stamme des heiligen Kreuzes. Warum das? Darum, daß er das Lamm Gottes ist, das ist, daß Opfer, welches Gott selbst für der Welt Sünde geordnet hat. Als er nun gestorben ist, steht er am dritten Tage wieder von den Toten auf in ein ewiges Leben und sitzt zur Rechten Gottes. Das sollen wir von Christus lernen und wohl merken. Denn wer diese Kunst kann, dem ist geholfen; wer sich nicht kann, der muß in Sünden und Tod verderben. Ursache, wir sind alle Sünder, und das Gesetz hilft uns nicht allein von Sünden, sondern verklagt uns vor Gott, und macht uns erst zu rechten Sündern. Dar stecken wir, können unserethalben weder hinter sich noch vor sich. In Sünden sind wir empfangen und geboren; und je länger wir Leben, je mehr die Sünde mit uns wächst und zunimmt. Denn sie ist uns nicht aufgelegt wie eine andere Last, die wir ablegen und von uns werfen können; sie steckt in Mark und Bein, läßt uns deswegen keine Ruhe. Wie wir bekennen müssen, wenn wir nur die Augen auftun und selbst in unser Herz hinein sehen wollen. Da ist dies die einige Rettung und Hilfe, daß wir lernen, wer Christus sei. Denn wenn du es weist, wer er ist, und danach auch hörst, was er tut, so ist dir geholfen. Ursache, bist du ein armer Sünder, der wider Gottes Willen viel gesündigt hat, siehe hierher, diesen Christum sendet Gott, daß er für die Sünder leiden und bezahlen soll. Was willst du dich aber um die Schuld bekümmern, die so ein reicher Herr auf sich genommen und schon bezahlt hat? Darum liegt es nur an den, daß du dich solches Sterbens und Leidens mit festem Vertrauen annimmt ist. Also haben wir alle den Tod vor uns, dem kann niemand entrinnen noch sich davon erretten, er sei so mächtig, stark, reich, weise und heilig, als er immer wolle. Aber wo kommt der Tod Herr? Er ist der Sünden Sold oder Lohn, Römer 6,23. Nun hast du gehört, wo wir Vergebung der Sünden finden: nirgends denn bei Christus, der dafür gestorben ist. Derselbe Christus, wie er gestorben ist, ist er im Tod nicht geblieben, sondern von den Toten wieder auferstanden. Das ist ja ein Zeichen, daß er auch über den Tod ein Herr sei. Darum eben wie du durch ihn Vergebung der Sünden hast, also hoffe auch durch ihn das ewige Leben, daß er dich am jüngsten Tage auch leiblich wieder auferwecken und dich ewig werde selig machen. Das heißt Christum recht erkennen, und wissen, wessen Sohn er sei, nämlich, ein Sohn Davids; denn er ist ein Mensch; aber doch auch ein Herr Davids, als der zur Rechten Gottes sitzt und hat seine Feinde, Sünde, Tod und Hölle, als einen Schemel, zu seinen Füßen. Darum, wer wider solcher Feinde Rettung bedarf, der suche sie nicht bei Mose, nicht durch das Gesetz, nicht durch seine Werke oder Frömmigkeit; er suche es bei den Sohn und Herrn Davids, da wird er es gewiß finden. Solches müssen die blinden Pharisäer nicht; darum achten sie des Herrn Christi nicht; lassen sich an dem genügen, daß sie aus dem Gesetz wissen, wie man Gott und den Nächsten lieben soll. So es doch unmöglich ist, daß man Gott erkennen, ich schweige, daß man Gott lieben möge, man kenne denn Christus. Wie er sagt Matthäus 11, 27. «Niemand kennet den Vater, denn nur der Sohn, und wem es der Sohn offenbart.» Und das ist auch eine Ursache, daß der Herr jetzt so eben mit dieser Frage kommt. Als wollte er sagen: Das wißt ihr wohl, daß man Gott lieben soll; aber gewißlich werdet ihr Gott nimmermehr recht von ganzem Herzen, ganzer Seelen und ganzem Gemüt lieben, es sei denn, daß ihr Christum recht erkennt, und wißt, wer er sei. Denn wie kann man sonst wissen, was Gott uns für Gnade und Barmherzigkeit bewiesen hat? Es ist nicht ein Geringes, daß Gott uns erschaffen, Leib und Leben, und alles gegeben hat. Aber solches alles dient uns nur eine kleine Zeit, weil wir hier auf Erden leben. Da aber sehen wir den Reichtum der überschwenglichen Güte und Gnade, daß Gott seines eingeborenen Sohnes nicht verschonet; sondern gibt ihn in den Tod des Kreuzes für uns, daß wir, von Sünden ledig, durch ihnen ewig Leben sollen. Das ist eine ewige, unergründliche Liebe und Gnade, welche kein Mensch wissen kann, er kenne denn Christum; wird deswegen auch nimmermehr Gott recht lieben. Also sehen wir, was die Pharisäer und Schriftgelehrten an ihrem Fragen und Versuchen gewinnen. Anderes nicht, denn daß sie Christus frei öffentlich vor jedermann überzeugt, daß sie von der Liebe Gottes viel zu sagen wissen, aber nicht einen Funken davon in ihren Herzen haben, vielmal sie Christum nicht kennen. So sie aber Gott nicht lieben, der ihnen so viel Gnade und Gutes bewiesen hat: wie sollen oder wollen sie den Nächsten lieben, der ihre Hilfe bedarf, und ihnen nichts Gutes beweisen kann von wegen seiner Bedürftigkeit? Darum sollen wir solche Lehre uns lassen lieb sein und Gott von Herzen dafür danken, daß wir nicht mehr in so einer großen Blindheit stecken, wie zuvor unter dem Papst und die Juden hier, sondern die Lehre von Christus lauter haben; dadurch wir nicht allein wissen, wie wir von Sünden ledig und selig sollen werden; sondern auch, wir empfangen dadurch den Heiligen Geist, der unsere Herzen durch solche Lehre dahin treibt, daß wir anfangen, Gott und den Nächsten recht und von Herzen zu lieben. Das verleihe uns allen unser lieber Herr Christus Jesus, Amen.   Am 19. Sonntag nach Trinitatis Matthäus 9,1-8 Dar trat er in das Schiff und fuhr wieder hinüber und kam in seine Stadt. Von sie ihr, da brachten sie einen Gichtbrüchigen, der lag auf einem Bette. Dar nun Jesus Tieren glauben sahe, sprach er zu dem Gichtbrüchigen: Sei getrost mein Sohn, deine Sünden sind dir vergeben. Und siehe, etliche unter den Schriftgelehrten sprachen bei sich selbst: Dieser lästert Gott. Da aber Jesus ihre Gedanke sahe, sprachen er: Warum denket ihr so Arges in euren Herzen? Welches ist leichter, zur sagen: Dir sind deine Sünden vergeben, oder zu sagen: Stehe auf und wandele? Auf das ihr aber wisset, daß des Menschen Sohn Macht habe auf Erden, die Sünden zu vergeben, sprach er zu dem Gichtbrüchigen: Stehe auf, heb dein Bett auf und gehe heim. Und er stand auf und ging heim. Da das Volk das sahe, verwunderte es sich und preiste Gott, der solche Macht den Menschen gegeben hat. Aus dem heutigen Evangelium sollen wir zuerst merken die gnadenreiche Predigt, welche Gott den Menschen gegeben hat, daß wir unter einander ihr auf Erden sprechen können: Dir sind deine Sünden vergeben; auf das wir mit den frommen Leuten hier uns solches auch verwundern und Gott von Herzen dafür danken, daß er solche Gewalt den Menschen gegeben hat. Denn es ist wahrlich eine große Gewalt, daß ein Christ zum anderen sagen kann: Mein Bruder, sei unerschrocken, du hast einen gnädigen Gott; ich glaube nur der Zusage., die ich gehe tue im Namen Jesu, so soll es gewiß wahr sein, als wenn Gott selbst zu dir sagt: Deine Sünden sind dir vergeben. Solche Macht hat durch den Herrn Christum, wie wir hören, angefangen und ist an nach bei uns Menschen gebliebenen; besonders bei denen, so im Amt sind und den Befehl haben, daß sie das Evangelium, das ist, Buße und Vergebung der Sünden im Namen Jesu predigen sollen. Andere Christen, ob sie gleich das Amt nicht haben, dennoch im Fall der Not haben sie auch Befehl, dich zu trösten, wenn du um deiner Sünden willen verzagt bist, und dir zu sagen: Was bekümmert du dich? Ich, als ein Christ sage dir, du tust dir selbst unrecht, Gott ist dir nicht ungnädig. Durch Christum sollst du aller Gnade dich zu ihm halten. Solcher Worte sollst du dich ebenso gewiß trösten, als Striche sie Christus selbst persönlich vom Himmel. So liegt es nun alles daran, daß dein Herz solcher Zusagung sich annehmen, und halte es für wahr, daß Gott dir wolle um Christi willen gnädig sein. Wie wir hier sehen mit dem Gichtbrüchigen: den vermahnt der Herr aufs erste zum Glauben, da er spricht: «Sei getrost, mein Sohn,» zweifel nicht, «deine Sünden sind dir vergeben»; sobald der Gichtbrüchige solchem Wort glaubte, waren ihm seine Sünden wahrhaftig vergeben. Auf diese Weise müssen wir noch heutiges Tages zu Vergebung der Sünden kommen, daß dir das Wort suchen und demselben glauben. Darum wenn Pfarrer, oder im Fall der Not ein jeder Christ zu dir spricht: Gott zürnt nicht mit dir, zürne du mit ihm nicht; denn um seines Sohnes Christi Jesu willen hat er dir alle deine Sünden vergeben: da sollst du mit aller Macht solcher Zusagung glauben, und dich eher zerreißen lassen, denn daß du daran zweifeln wolltest. Denn so du zweifelst, hilft dich die Absolution nichts, wenngleich Gott mit all seinen Engeln solche Absolution selber mündlich über dich spräche. Denn wo der Glauben nicht ist, dar schilt man unseren Herrn Gott einen Lügner, als sei es nicht wahr, was er uns zu sagt, er wolle es uns nicht leisten noch halten. Vor solchem Unglauben und Sünde wolle uns der liebe Gott gnädig behüten. Wiewohl der Teufel ein sonderlicher Meister darauf ist und uns immerdar damit plagt, daß wir unsern Herrn Gott gern Lügen strafen, das ist, daß wir Gottes Zusagung ungern glauben. Wo aber das Herz glaubt, da ehrt man unseren Herrn Gott mit der höchsten Ehre, die er am liebsten hat. Denn man hält ihn für wahrhaftig, und so für einen Herrn, der nicht lügen kann, wenn er gleich für uns unmögliche Sachen redet. Darum gefällt es dem Herrn Christo an diesen Menschen hier auch besonders, daß sie so eine starke Zuversicht zu ihm haben, er werde dem Gichtbrüchigen helfen, spricht ihm deswegen freundlich zu: Mein Sohn, du bist krank, der Teufel hat dir die Gicht angehängt, und Gott hat es von wegen deiner Sünden geschehen lassen; da folgt denn Schrecken und ein blödes Gewissen, daß du denkst: Ach, Gott zürnt mit mir, wo will ich hin? Denn es ist natürlich, wenn Gottes Strafe sich sehen läßt, daß als bald der Schrecken sich auch findet. Aber, mein Sohn, laß solchen Glauben in dein Herz nicht zu tief ein sinken, gedenke nicht so: Wo was fragt Gott nach mir? Wer weiß, ob er mir gnädig sein will, oder nicht; denn was bin ich gegen Gott? Siehe nicht auf deine Krankheit, sondern höre, was ich dir sage, nämlich, daß deine Sünden dir vergeben sind. Darum schließe also: Gicht hin, Gicht her, meine Sünden sind mir vergeben; an solchem Glauben soll mich weder Gicht noch andere Krankheit hindern. Also soll Wort und Glaube fein beisammen stehen; denn es kann keins ohne daß anderes ein. Wer der glaubt, und hat das Wort nicht, der glaubt wie Türken und Juden: die haben den Glauben, Gott seit gnädig und barmherzig; aber es fehlt ihnen an der Zusagung, denn Gott will außer Christus nicht gnädig sein. Also, wer das Wort hat und den Glauben nicht, da schafft das Wort auch nichts bei. Das also Wort und Glauben zur Ehe zusammen gegeben und keins sich vom anderen scheiden lassen kann. Ein Schwärmer glaubt, es soll noch in vier Wochen der jüngste Tag kommen. Solcher Glaube ist eine lautere Lüge; denn es ist kein Gotteswort dabei. Der Türke glaubt, er wolle sich seines Mohammed zur Seligkeit genießen: aber es ist eine lautere Lüge; denn es ist kein Gotteswort dabei. Also glaubt der Papst auch, ein Christ müsse mit eigenen Werken sich den Himmel fördern: aber es ist ein falscher Glaube; denn es mangelt am Wort und der Zusagung. Also kann es wohl sein, daß man ein den Glauben hat, das ist, man versieht sich etwas und hofft etwas; aber weil es am Wort mangelt, ist es kein rechter Glaube, sondern ein bloßer unbegründeter Wahn, aus dem nie etwas wird. Uns Christen aber mangelt es nicht am Wort. Denn das Wort haben wir von Gottes Gnaden recht und rein. Es mangelt uns aber am Glauben, daß wir nicht so fest an das Worte können halten, als wir sollten; so doch jene ohne Wort fest und stark glauben können. Das Macht der Teufel und die Erbsünde, die zieht uns also vom Wort und der Wahrheit zu der Lüge. Darum hat es Mühe, wo man schon das Wort hat, daß wir uns des Unglauben es erwehren. Denn unser Fleisch und Vernunft will an das Wort nicht. Soll es glauben, so wollte es den Glauben gerne in den Händen haben. Zu solchem hilft der böse Geist auch, daß es also nirgends mit uns fort will; sonst sollten unsere Herzen wohl fröhlicher und getroster sein. Denn rechne du, so ich es recht unvollkommen könnte glauben, daß Christus hier zum Gichtbrüchigen sagt, und zu mir und dir in der Taufe auch gesagt worden ist, und in der Absolution, auch in öffentlicher Predigt täglich gesagt wird, daß ich mich keines Zorns noch Unglaube zu Gott versehen soll: meinst du nicht, ich würde vor Freuden auf dem Kopf gehen? Es würde mir alles eitel Zucker, eitel Gold, eitel ewiges Leben sein? Das aber solches nicht geschieht, ist ein Zeichen, daß der alte Adam und der Teufel uns immerdar herunter ziehen vom Glauben und vom Wort. Darum so lerne es, muß beides sein: das Wort mußt du haben, und danach dich mit dem Glauben an das Wort halten, und so viel möglich ist, daran nicht zweifeln. Alsdann sollst du haben alles, was das Wort dir zusagt, und du zur Erhaltung des Leibes und der Seele bedarfst. Die nun das Wort nicht haben, die haben sehr gut glauben. Ursache, es ist ohne daß eine angeborene Untugend, daß wir der Lüge gern glauben, das Herz hängt ohne daß mehr dahin. Also glaubt der Papst und sein Haufe sehr stark an die Messe, an der heiligen Dienst und Fürbitte, an Klostergelübde, singen, faßte. Aber es ist ein falscher, erlogen mehr Glaube, und sind, Huren und Buben beisammen. Das Herz ist eine Hure, der falscher Glaube ist ein Bube. Wir aber, die wir, Gott Lob! Eine reine Braut haben (denn das Wort ist je rein und gut), können nicht so steif und fest Glauben; so wir doch sollten billig fest glauben. Jene aber sollten nicht fest Glauben können, weil sie das Wort nicht haben. Das ist unseres alten Adams und des Teufels schuld, daß wir durch die Erbsünde sind vom Wort und der Wahrheit auf die Lüge gefallen. So soll man nun aus dem heutigen Evangelium lernen, daß wir erstlich daß Wort haben müssen; danach sollen wir auch fest daran glauben. So ist es denn eine göttliche Kraft, dadurch wir erlangen Vergebung der Sünden und die Seligkeit, daß wir hier und dort Hilfe und Trost finden. Wenn aber das Wort nicht da ist, da wird wohl auch ein Glaube draus, wie diese Sakramentschwärmer, Wiedertäufer, Türken, Juden und Katholiken einen Glauben haben. Aber es ist ein Glaube ohne Wort, der uns allen angeboren ist durch Adams Fall, das ist, es ist ein Lügenglaube, da wir von Natur können fester dran hangen, denn an Gottes Wort. Als nun unser lieber Herr Christus dem Gichtbrüchigen also gepredigt und ihm seine Sünden vergeben hat; hindern die Schriftgelehrten an, und gedenken, Christus lästere Gott, daß er Sünde vergeben hat. Solches ist auch ein wichtiges Stück, an dem viel gelegen ist, darum wir es auch fleißig merken sollen. Denn das sieht man an allen Schwärmern und Rottengeistern durch aus, daß sie alle in dem Irrtum sind, daß sie nicht verstehen, wie die Sünden vergeben werden. Denn Frage denn Papst und seine Doktoren, so werden sie dir nicht sagen können, was die Absolution ausrichte. Denn auf dieser Lehre besteht das ganze Papsttum: Geht Gnade werde den Menschen ein gegossen durch eine heimliche Wirkung; wird dazukommen wolle, der müsse reuen, Beichten und Werke tun. So man aber fragt, was die Absolution und die Schlüssel tun, sprechen sie, es sei eine äußerliche Ordnung, die in der Kirche gehalten werde. Stellen also die Vergebung der Sünden nicht auf das Wort und den Glauben, worauf es doch gestellt sein muß, sondern auf unsere Reue, Beichte und Werke. Aber solches ist eine erlogene Lehre, dadurch die Leute verführt und auf den falschen Weg gewiesen werden. Also sagen die Wiedertäufer auch: Was sollte die Taufe zur Vergebung der Sünden tun? Ist es doch nur eine Hand voll Wasser! Der Geist muß es tun, so wir recht von Sünden sollen rein werden, daß Wasser kann es nicht tun. Ziehen also Vergebung der Sünden auch vom Wort hinweg, und wollen es bei dem nicht bleiben lassen, wie die frommen Leuten hier sagen, daß solche Macht den Menschen gegeben sei. Die Sakramentschwärmer sagen auch also: Es sei im Sakrament nur Bot und Wein, darum könne man Vergebung der Sünden da nicht finden, der Geist müsse es geben, daß Fleisch ist nicht nütze. In der Summe, keine Rottengeister, kein Pfaffe noch Mönch hat das sehen können, daß Vergebung der Sünden sei eine Macht, den Menschen gegeben, wie es hier in Evangelium steht. Darum lerne hier, daß du kannst so von der Sache reden: Ich weiß wohl, bekenne auch, daß Gott allein die Sünde vergibt. Aber ich muß auch dies wissen, wobei ich es merken könne, daß die Sünden mir vergeben sind, oder welches das Mittel sei, dadurch die Sünden mir vergeben werden. Da lehrt die heilige Schrift mich und alle Christen, wenn ich Vergebung der Sünden haben will, müsse ich mich nicht in den Winkel setzen und sagen: Mein Gott, vergib mir meine Sünden; und alsdann warten, wenn ein Engel vom Himmel, und mir sage: Deine Sünden sind dir vergeben. Denn Gott verheißt, er wolle sich zu mir herunter finden und selbst Vergebung der Sünden mir zusagen Solches geschieht erstlich in der heiligen Taufe; denn da ist sein Befehl, daß man mich taufen soll im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Und steht ferner bei solchem Befehl diese Zusagung: «Wer da glaubt und getauft wird, der wird selig werden.» Ja, sprichst du, ist doch die Taufe nur Wasser! Wahr ist es; aber solch Wasser ist nicht allein, es ist Gottes Wort dabei. Also, wenn du zu deinem Seelsorger gehst, der solches einen besonderen Befehl hat, oder sonst zu einem Christen, und begehrst, daß er dich tröstet und absolviere von seinen Sünden, und er zu dir spricht: Ich, an Gottes statt, verkündige dir durch Christum Vergebung aller deiner Sünden; hier sollst du gewiß sein, das dir deine Sünden durch solch äußerlich Wort wahrhaftig und gewiß vergeben sind; denn die Taufe und das Wort lügen nicht. Solches hat man im Papsttum nicht gepredigt, und versteht es noch heutigen Tages kein Prediger des Papstes. Darum dankt Gott für solche Gnade, und lernt es, daß Gott will die Sünde vergeben. Aber wie? Anders nicht, wie es hier steht: daß er solche Macht den Menschen gegeben hat. Wie denn Christus solches hier sagt, und danach befiehlt, daß man es in der Kirche, bis an der Welt Ende, so halten soll, und in seinem Namen Buße und Vergebung der Sünden predigen. Das also jedermann lerne Vergebung der Sünden bei den Menschen, und sonst nirgends zu suchen. Denn da soll man es allein finden; denn also lautet unseres Herrn Christi Befehl: «Wahrlich, ich sage euch, was ihr auf Erden lösen werdet, soll auch im Himmel los sein,» Matthäus 18,18; also: «Welchem ihr die Sünden erlasset, denen sind sie erlassen,» Johannes 20, 23. Denn das will Gott nicht erleiden, daß ein jeder sich wollte eine sonderliche Leiter oder Treppe in den Himmel bauen, er will der einige Baumeister sein. Darum so du willst Vergebung der Sünden haben, so gehe hin, lasse dich taufen, so du nicht getauft bist; oder bist du getauft, so erinnere dich derselben Zusagung, welche Gott dir dazumal getan hat, und sei nicht ungläubig. Also, gehe hin, und versöhne dich mit deinem Nächsten, begehre danach die Absolution. Und wie du hörst, daß man dir im Namen Jesu Vergebung der Sünden zusagt, also glaube du es; so hast du sie wahrhaftig. Gehe danach auch zum heiligen Sakrament und empfange da den Leib und das Blut Christi, auf das du gewiß werdest, dieser teure Schatz gelte dir, und sei dein eigen, daß du ihn genießen sollst. Daß man also die Taufe, Absolution, Predigt und Sakrament nicht verachten, sondern Vergebung der Sünden dabei suchen und holen soll. Denn dazu hat Gott deinen Pfarrer, deinen Vater und Mutter, und deinen nächsten Christenmenschen berufen und geordnet, und sein Wort in ihren Mund gelegt, daß du Trost und Vergebung der Sünden bei ihnen suchen sollst. Denn ob es gleich Menschen reden, so ist doch nicht ihr, sondern Gottes Wort. Darum soll man fest daran glauben und es nicht verachten. Wenn nun ein Kirchendiener ein Kind kauft nach den Befehl Christi, da hörst du wohl einen Menschen reden, der für seine Person ebenso ein Sünder ist, als du; aber er tut es aus Gottes Befehl. Darum wenn er spricht: Ich Taufe dich im Namen des Vaters, sollst du dieselben Worte nicht anders hören noch annehmen, denn als hätte sie Gott selbst geredet. Also wenn man dir in der Absolution deine Sünde vergibt, da zweifle ja also wenig, als hätte Gott selbst solche Worte geredet. Denn Gott selbst spricht solch Urteil über dich, daß du sollst von Sünden los sein. Daß man solches lerne und wisse, ist hoch vonnöten um der schändlichen, verdrießlichen Rottengeister willen, die gar nicht mehr können, denn daß sie schreien: Wasser ist Wasser. Solches bedürfen wir nicht, daß sie uns dieses lehren. Das aber wissen sie nicht, daß bei solchem Wasser daß Wort Gottes ist. Darum ist es mehr als ein schlechtes Wasser, sondern eine göttliche Wasser, welches der Kirchendiener nicht gibt von sich selbst, sondern Gott hat es also befohlen zu geben da zu, daß man zum Reich Gottes wiedergeboren und von den Sünden ledig werden soll. Gleichwie nun Gott daß Wort gibt, daß sein, nicht unser Wort ist: also gibt er auch den Glauben an das Wort; denn es ist beides Gottes Werk, Wort und Glaube. Darum muß Vergebung der Sünden auch Gottes Werk sein, ob es wohl Gott durch die Menschen ausrichtet. Also soll man Vergebung der Sünden im Worte, welches in der Menschen Mund liegt, und in den Sakramenten, die durch die Menschen gereicht werden, suchen, sonst nirgends; denn man wird es sonst nirgends finden. Wer sieht aber nicht, daß meine Werke, die ich tue, weit ein anderes Ding sind, denn das Wort und die Werke Gottes? Wie kommen denn die heillosen Katholiken dahin, daß sie Vergebung der Sünden in ihren eigenen Werken suchen? Darum, wenn sie am jüngsten Tage mit ihren Werken und Verdienst werden auftreten, da wird Christus sie fragen und sagen: Wo ist denn mein Wort? Hab ich doch in meiner Kirche Taufe, Sakrament, Absolution und Predigt bestellt, daß die Menschen dadurch zu Vergebung der Sünden kommen und meiner Gnade gewiß sein sollen. Warum habt ihr euch nicht daran gehalten? Da hätte es euch nicht können fehlen; mit euren Werken sollen und muß es euch fehlen. Darum so merket diesen Unterricht wohl, und lerne, was eigentlich Vergebung der Sünden sei, und wie man der könne gewiß werden, und wo man sie suchen und finden soll, nämlich, daß du nirgends hinlaufen sollst, denn nur zu der christlichen Kirche, die daß Wort und das Sakrament hat. Da sollst du gewiß finden, und nicht im Himmel; wie die Pharisäer hier meinen und denken: Christus lästere Gott, daß er Sünde vergibt; Sünde könne niemand denn Gott vergeben. Da hüte dich vor und sprich: Gott hat Vergebung der Sünden in die heilige Taufe gesteckt, und das Abendmahls und in das Wort; ja, er hat es einem jeden Christenmenschen in den Mund gelegt; wenn der dich tröstet, und dir Gottes Gnade durch das Verdienst Christi Jesu zusagt, sollst du es annehmen und glauben, nicht anders, denn so es Christus selbst mit seinem und dir hätte zugesagt, wie hier dem Gichtbrüchigen. Darum irren die Rottengeister und Schwärmer gefährlich, daß sie das Wort von Vergebung der Sünden wegreißen. Solches möchte man tun, so es eines Menschen Wort oder eines Menschen Wasser wäre, aber hier ist Gottes Wort und Gottes Wasser. Wer dasselbe den Leuten nehmen oder anders ausreden will, der nimmt ihnen Vergebung der Sünden, da hilft nichts für. Darum haben die Wiedertäufer und anderer Rotten zugleich Vergebung der Sünden, Taufe, Sakrament, die christliche Kirche und alle christliche Werke verloren, weil sie das Wort, so sie von ihrem Nächsten hören, wegwerfen, und für anderes nicht halten, denn so irgend eine Kuh blökte. Nun, wenn denn Gott gleich durch eine Kuh oder ander Tier redete, wie er einmal durch eine Eselin geredet hat, sollte man gleich wohl sein Wort nicht verachten, sondern geltend lassen; warum will man es denn verachten, da es die Menschen aus Gottes Befehl und Ordnung reden? Denn ob du wohl eines Menschen Stimme hörst, so wirst du doch nicht eines Menschen Wort, sondern Gottes Wort, und findest gewißlich Vergebung der Sünden dabei, wenn du es nur mit Glauben annimmst. Solches ist sonderlich bei diesem Evangelium zu merken, auf das ihr euch wider die Rotten trösten und ihnen begegnen könnt. Denn im Papsttum, wie zuvor gemeldet, weiß man von solcher Predigt weniger denn nichts. Denn sie halten und lehren, wenn der Mensch in Sünde fällt, so sei ihm die Taufe nicht mehr nütze. Will er aber Vergebung der Sünden haben, so müsse er beichten, reuen und für die Sünde mit guten Werken genug tun. Also haben sie von der Buße geredet. Die Lehre ficht der Teufel nicht an, denn sie tut ihm keinen Schaden und ist eine große Lüge. Wohl ist es war, ich soll reuen und mir meine Sünder herzlich Leid sein lassen; aber dadurch komme ich nicht zur Vergebung der Sünden. Wodurch denn? Alle ein dadurch, daß ich auf das Wort und Verheißung Achtung habe und es glaube; und das ich dem Herrn Christus der durch seine verordneten Diener, ja, in der Not auch durch alle Christen, mit mir redet, auf den Mund sehe, und nicht auf mein Reuen und Büßen. So kehren sie es um, daß Wort lassen sie fahren, sehen nicht darauf, was der Kirchendiener oder ein Christ aus Befehl unseres Herrn Christi sagt; sehen allein auf ihrer Reue und Buße. Der mit aber verlieren sie Christum, und alles, was Christus ist. Und ist unmöglich, daß sie einen einigen Gewissen recht raten oder helfen könnten. Denn das Wort, da man allein mit helfen kann, haben sie verloren, und weisen die Leute auf eigene Reue und Frömmigkeit. Ihr aber lernet, daß ihr von Vergebung der Sünden also sagen und andere unterrichten könnt, daß Gott in der Taufe, in der Absolution, auf der Kanzel und in Sakrament mit uns redet durch die Kirchendiener und aller anderen Christen; denen sollen wir glauben, so finden wir alsdann Vergebung der Sünden. Von solchen Glauben an Gottes Wort haben sie im Papsttum nicht ein Wort gelehrt, wie man in allen Ablaßbriefen und wohl in sieht; sondern Vergebung der Sünden auf die Reue und eigene Werke gestellt, das ist, auf einen bloßen, ungewissen Stand die Herzen gegründet. Das sei von den Worten gesagt, die hier stehen, daß Gott den Menschen Macht gegeben habe, die Sünden zu vergeben. Nun wollen wir die Geschichte auch ein wenig vor uns nehmen. Der Gichtbrüchige hier ist ein Bild aller Sünder. Denn das ist dieser Krankheit Art, daß man der Glieder nicht mehr gebrauchen kann; will man den Fuß oder die Hand zu sich ziehen, so kann man nicht, ja, man streckt sie nur je mehr von sich. Darum vergleicht Aristoteles einen solchen Menschen der ungezogenen, frechen Jugend, die man nicht bändigen noch zähmen kann. Aber wer diese Krankheit will richtig deuten, der deute sie auf die Werkheiligen. Je mehr dieselben sich darum annehmen, wie sie nahe zu Gott kommen und ihn versöhnen mögen, je ferner kommen sie von ihm. Also, wenn sie meinen, sie machen es am besten, so machen sie es am ärgsten; denn sie sind ohne Glauben. Wer nun will, daß von solcher Klage ihm geholfen werde, er mache sich hierher zu Christum, der wunderbar hilft; tut nicht mehr, denn daß er spricht: «Sei getrost mein Sohn, deine Sünden sind dir vergeben.» Von solchem Wort werden die Gelenke wieder fein stark und fest, daß eines das andere tragen kann und heben. Denn wo Vergebung der Sünden ist, da hat er Zorn und die Strafe nicht länger Platz, das ist, Gott hat nicht mehr ein Mißfallen an uns und läßt sich unsere Werke alsdann auch gefallen um des Glaubens willen an Christum. Solches hat der Herr hier besonders anzeigen wollen mit dem Gichtbrüchigen, der da lag auf dem Bette, nach Art der Krankheit, und streckte alle viere von sich. Aber da Christus ihn heißt auf stehen, steht er auf, frisch und gesund. Und da man ihn zuvor hatte im Bette getragen von Haus aus, trägt er das Bett selbst heim. Das will der Herr, daß wir es wahrnehmen und ansehen sollen als ein Wahrzeichen, dabei wir lernen, wie er Macht habe auf Erden, Sünde zu vergeben Daß der Herr sagt: «auf Erden,» ist sonderlich darum wohl zu merken, daß man nicht gaffe in den Himmel oder, wie der Papst gelehrt hat, Vergebung der Sünden hoffe, wenn man gestorben ist, in Fegefeuer, durch anderer Leute Werke und Verdienst. Denn hier steht es, daß Vergebung der Sünden sei eine Macht, die den Menschen auf Erden gegeben ist, wenn man tauft, daß Sakrament reicht, absolviert und von der Kanzel predigt. Denn es ist beschlossen, was man also los spricht auf Erden, daß es im Himmel auch los sei. Wiederum, was man bindet, das ist von der Taufe und Sakrament und Wort ausschließt, daß soll auch im Himmel gebunden seien. Durch solche Macht, daß wir Menschen untereinander Sünden vergeben oder binden, wird Gott seine Lehre nicht genommen noch wir zu Göttern gemacht, wie die ungeschickten Leute davon reden. Denn wir haben nicht mehr denn das Amt, dasselbe gilt nicht weiter, denn du glaubst. Glaubst du, so hast du es; glaubst du aber nicht, so hast du nichts. Darum hat Gott eben durch solch Amt uns zusammen gebunden, daß immer ein Christ den anderen trösten, ihm freundlich zusprechen, und du Vergebung der Sünden im Namen Christi Glauben sollst. Das heißt recht zu Gott und zu Vergebung der Sünden geführt. Wer in solchem Glauben stirbt, der stirbt selig und wohl. Wer aber stirbt, wie man im Papsttum lehrt, auf der Heiligen Fürbitte, auf seine und anderer Menschen Verdienst, der stirbt unselig und übel. Denn er hat die Geleitsleute nicht, die ihm unser Herr Gott gegeben und hier auf Erden bestellt hat, nämlich, er hat kein rechtes Wort noch eine rechte Absolution. Und ob er schon die Taufe hat, so weiß er doch sich ihrer nicht zu trösten. Diesen Jammer hat der Teufel durch den Papst angerichtet und hebt es jetzt mit den Rotten wieder auf ein neues an. Denn er kann daß Wort nicht leiden, es sticht ihm in die Augen und blendet ihn. Darum hat es der Papst, als des Satans lieber und getreuer Diener, ganz weggenommen, und die Mönchsorden, Messen, Wallfahrten, Ablaß und anderes angerichtet. Das kann der Teufel wohl leiden, denn es tut ihm keinen Schaden. Die Wiedertäufer helfen auch dazu, so verächtlich vom Wasser oder der Taufe reden, die Sakramentschwärmer auch, so verächtlich vom Sakrament reden, gerade als wäre nichts denn Bot und Wein da. Diese aller haben das Wort verloren. Darum hütet euch voll ihnen, und lernet, daß Vergebung der Sünden sonst nirgends ist, denn wo das Wort ist. Solch Wort aber ist in der Taufe, im Abendmahl, in der Absolution und Predigt; darum ist Vergebung der Sünden auch da, und trotz, daß jemand anderes sage! Wo nun das Wort ist, da soll der Glauben folgen; so steht denn der Ellenbogen fein gerade und gewiß, welchen der Gichtbrüchige zuvor nicht mochte an sich ziehen. Wo aber das Wort nicht ist, da bleibt man gichtbrüchig; ist deswegen unmöglich, daß man könnte recht zugreifen. Solches habe ich deswegen mit vielen Worten sagen wollen, weil der Papst und die schändlichen Rotten so viel Schaden anrichten, daß jedermann davor sich wisse zu hüten. Der Papst weist weder auf das Wort noch Sakrament; so können die Rotten mehr nicht, denn vom Wort und Sakrament verächtlich reden, und gilt bei ihnen nichts, denn Geist, Geist. Aber wir wissen, daß der Heilige Geist ohne Wort und Sakrament sein Werk nicht will ausrichten. Darum können wir Wort und Sakrament nicht verachten, sondern wir sollen es und müssen es Groß und für den edelsten Schatz halten. Gott verleihe seine Gnade, daß wir bei solcher Lehrer fein bleiben und bis ans Ende verharren, und selig werden, Amen.   Am 20. Sonntag nach Trinitatis Matthäus 22,1-14 Und Jesus antwortete und redete abermal durch Gleichnisse zu ihnen und sprach: Das Himmelreich ist gleich einem Könige, der seinem Sohne Hochzeit machte; und sandte seine Knechte aus, daß sie den Gästen zur Hochzeit riefen; und sie wollten nicht kommen. Abermal sandte er andere Knechte aus und sprach: Sage den Gästen: Siehe, meine Mahlzeit habe ich bereitet, meine Ochsen und mein Mastvieh ist geschlachtet und alles bereit; kommet zur Hochzeit. Aber sie verachteten das und gingen hin, einer auf seinen Acker, der andere zu seiner Hantierung. Etliche aber griffen seine Knechte, höhneten und töteten sie. Da daß der König hörte, ward er zornig und schickte seine Heere aus und brachte diese Mörder um und zündete ihre Stadt an. Dar sprach er zu seinen Knechten: Die Hochzeit ist zwar bereit; aber die Gäste waren’s nicht wert. Darum gehet hin auf die Straßen und ladet zu Hochzeit, wen ihr findet. Und die Knechte gingen auf die Straßen und brachten zusammen, wen sie fanden, Böse und Gute. Und die Tische wurden alle voll. Da ging der König hinein, die Gäste zu besehen; und sahe allda einen Menschen, der hatte kein hochzeitlich Kleid an. Und sprach zu ihm: Freund, wie bist du herein kommen und hast doch kein hochzeitlich Kleid an. Er aber verstummte. Da sprach der Könige zu seinen Dienern: Bindet ihm Hände und Füße und werfet ihn in die äußerste Finsternis hinaus, da wird sein Heulen und Zähneklappen; denn viele sind berufen; aber wenige sind auserwählt. In dem heutigen Evangelium hört ihr, wie das Reich Gottes einer Hochzeit gleich sei, und einer solchen Hochzeit, da man Gäste zu ladet, die nicht allein ausbleiben und verachten es; sondern eines Teils fahren sie noch zu, höhnen und töten die Knechte, so solche herrliche Hochzeit ihnen anzeigen, und sie dazu laden und bitten. Hier soll man zuerst lernen, was das Wort «Himmelreich» heiße, nämlich, daß es nicht heiße ein Königreich auf Erden, sondern ein Reich im Himmel, da Gott selbst allein König ist. Das heißen wir die christliche Kirche, die hier auf Erden ist. Denn der Herr braucht darum dies Gleichnis von der Hochzeit, daß des Königs Sohn, unser lieber Herr, der Herr Christus, die Kirche sich zur Braut nimmt. Darum sollen man das Himmelreich auch also verstehen lernen, daß es sei hier unten auf Erden, und sei doch nicht ein weltlich noch zeitlich Reich, sondern ein geistliches und ewiges. Denn mit uns Christen hier auf Erden geht es also, daß wir schon mehr denn die Hälfte im Himmelreich sind, nämlich, mit der Seelen und Geist, oder nach dem Glauben, bis der Leib endlich auch nach kommt. Darum, wenn du vom Himmelreich hörst, sollst du nicht allein hinauf gen Himmel gaffen, sondern hier unten bleiben, und es unter den Leuten suchen, soweit die ganze Welt ist, da man das Evangelium lehrt, an Christum glaubt und die Heiligen Sakramente in rechtem Brauch hat. Das also auf gut Deutsch das Himmel Reich ebenso heißt, als das Reich Christi, das Reich des Evangeliums und des Glaubens. Denn wo das Evangelium ist, da ist Christus. Wo Christus ist, da es der Heilige Geist und zu sein Reich, das Rechte Himmelreich; und alle, so daß Wort und Sakrament haben und Glauben, und durch den Glauben in Christum bleiben, sind himmlische Fürsten und Kinder Gottes. Und ist allein darum zu tun, daß unser Herr Gott die Wand weg tue, die noch dazwischen ist, das ist, daß wir sterben, so wird es alsdann eitel Himmel und Seligkeit sein. So sollt ihr nun auf das erste lernen, daß das Himmelreich heiße unseres Herrn Christi Reich, da das Wort und der Glaube ist. In solchem Reich haben wir das Leben in der Hoffnung, und sind, dem Wort und Glauben nach zu rechnen, rein von Sünden und ledig vom Tod und Hölle, ohne daß es noch am alten Sack und faulen Fleisch fehlt. Der Sack ist noch nicht zerrissen, daß Fleisch ist noch nicht weg getan; das muß zuvor geschehen, alsdann soll es mit uns eitel Leben, Gerechtigkeit und Seligkeit sein. Zu solcher Hochzeit, sagt Christus, habe unser Herr Gott sein Volk, die Juden, berufen und laden lassen, zu Hochzeit, ehe Christus gekommen ist, durch die Heiligen Propheten. Denn derselben vornehmstes Amt ist gewesen, daß sie die Juden haben warten heißen auf die Hochzeit, das ist, sie haben ihr Volk vertröstet, daß der Sohn Gottes werde Mensch werden, und durch sein Sterben für aller Welt Sünde bezahlen, und durch seine Auferstehung des Todes und des Teufels Reich und Gewalt zerreißen, und danach das Evangelium lassen ausgehen durch die ganze Welt, und Vergebung der Sünden und das ewige Leben in seinem Namen jedermann predigen lassen. Auf solche gnadenreiche Predigt haben die Heiligen Propheten die Leute heißen warten und sich derselben trösten, und durch Christum Vergebung aller Sünden und das ewige Leben hoffen. Aber Christus sagt hier: Sie blieben außen und wollten nicht kommen. Eben wie die Juden in der Wüste, die wieder hinter sich begehrten nach Ägypten. Danach schickt er andere Knechte aus, da es jetzt an der Zeit war, daß Christus kommen und sich mit Predigen hören und mit Wunderzeichen sehen lassen sollte. Denn da war Johannes und die Jünger Christi, die sagten, es wäre die Mahlzeit bereit, und fehlte an nichts mehr, denn daß sie alles liegen und stehen lassen, sich schmücken und zu Hochzeit schicken sollten. Aber es war auch umsonst; sie verachteten es, spricht der Herr, gingen hin, einer zu seinem Acker, der andere zu seiner Hantierung. Sind aber solches nicht elende, unselige Leute, so um ihres Ackers oder Hantierung willen dieser herrliche Mahlzeit, nämlich, Vergebung der Sünden und ewiges Leben, verachten, und dennoch die Hoffnung haben, es soll ihnen wohl dabei gehen? Denn sonst würden sie sich den Acker oder die Hantierung nicht so sehr lieb sein lassen, daß sie darüber diese Mahlzeit versäumten. Aber es geht dem lieben Evangelium immer so, wenn es unter die Leute kommt, so fängt das Spiel an, daß die Welt ärger wird denn zuvor und jedermann hantieren will. Damit machen sie sich viel zu schaffen, daß sie dieser Einladung nicht können folgen. Also soll es auch gehen. Darum ärgere sich nur niemand an der jetzigen Welt, da Bürger und Bauern so schändlich geizen, einen solchen Stolz und Übermut treiben, besonders aber ihre Pfarrer, die sie zu solcher Mahlzeit laden, und freundlicher, ja ärger, denn ihre Knechte, halten. Solches, sage ich, lasse sich niemand ärgern, daß er denken wollte: Es geht den Leuten wohl bei ihrem Acker oder Hantierung; ich will es ihnen nachtun. Bei Leibe nicht! Denn unser Herr Gott ist ein gütiger Wirt, der eine Zeitlang die Zeche borgen kann; er schenkt sie aber darum nicht. Als, jetzt sieht er zu, läßt Bürger und Bauern all ihren Mutwillen treiben, daß Evangelium und alle treue Ermahnung und Lehre verachten, Geld sammeln, alles, was man bedarf, Holz, Korn, Butter, Eier verteuern, schweigt still dazu, als sähe er es nicht. Aber wenn er heute oder morgen kommt mit einer Pest, daß sie häufig dahin fallen wie das unzeitige Obst, oder mit einem Krieg, daß die Soldaten dir ins Haus fallen, nehmen, was sie finden, und schlagen dir die Haut voll dazu, erwürgen sie dich nicht ganz, schänden Weib und Kind, und lassen dich zusehen, und darüber Zeter und Mord schreien: O wie gehet unser Herr Gott so greulich mit uns um! Da wird es sich finden, was Gott für Wohlgefallen an deinem Geiz, Mutwillen und Stolz gehabt habe. Denn es wird also heißen: Lieber, konntest du zuvor geizen, Stolz und mutwillig sein, und mein Wort verachten; so nimm es jetzt auch für gut, und siehe hinter sich auf das Kerbholz. Du hast lange gezecht mein Lieber, bezahle auch einmal und halte dafür den Hals her. Also wird es endlich hinausgehen. Darum wäre es gut, beizeiten abgelassen und sich gebessert; wie wir denn durch das Wort fleißig vermahnt werden. Wir wollten es wohl gern also haben, daß wir Gottes Wort verachten, und tun möchten, was wir wollten, und dennoch Gott uns nicht strafte. Ja, man müßte es uns so bestellen. Weiter folgt im Evangelium: Etliche, die geladen wurden, waren noch böser, griffen die Knechte, legten ihnen alle Schmach und Schande an, und töten sie endlich dazu. Damit meint der Herr besonders die Stadt Jerusalem, die würgte die Propheten und endlich Gottes Sohn selbst. Was geschah aber? Der König ward zornig, und schickte sein Heer, die Römer, aus; sie mußten in seinem Dienst sein, die Mörder umbringen, die Stadt mit Feuer verbrennen, und so greulich mit den Juden umgehen, daß sie sie billiger verkauften denn Sperlinge, dreißig um einen Pfennig. Da ging ein erbärmliches Schreien und Klagen an, daß es möchte Gott im Himmel erbarmet haben. Aber sie wollten es also so haben. Sie hatte lang gezecht und sich vergeblich predigen lassen, da mußten sie die Zeche einmal bezahlen: Gott wollte sie wieder nicht hören. Davor hüte du dich. Wir haben zwar ohne daß sonst viel auf uns, das unseren Herrn Gott billig verdrießt: Zorn, Ungeduld, Geiz, Bauchsorge, Brunst, Unzucht, Haß und andere Laster, sind eitel große, greuliche Todsünden, die überall mit Macht in der Welt gehen und überhand nehmen; dennoch sind solche Sünden nichts gegen die greuliche Verachtung göttlichen Wortes, die so groß und gemein ist bei allerlei Ständen und Menschen, daß es zum erbarmen ist. Nun ist es aber gewiß und wahr, Gott wollte mit den anderen Sünden eine Zeitlang Geduld haben, wenn man nur das Wort gehen ließe und in Ehren hielte. Aber die Welt will nicht. Des Wortes wird sie bald satt, verachtet es, und stellt sich dagegen gleich wie ein Kranker zur Speise und Arznei; da muß denn Gott zürnen und solche Unbilligkeit strafen. Über solchen Jammer, daß die Sünde so gemein ist, ist es auch darum eine schreckliche höllische, teuflische Sünde, daß sie sich nicht will erkennen lassen, wie andere Sünde. Jedermann hält es für ein geringes Ding, wenn man in der Predigt ist und nicht fleißig darauf merkt; ja, der meiste Teil geht so hin, und läßt sich denken, es schmecke ihm der Wein ebensowohl unter der Predigt, als zur anderen Zeit; niemand kümmert sich darum, viel weniger macht jemand sich selbst ein Gewissen darüber, daß er das liebe Wort so gering achtet. Solches geschieht mit anderen Sünden nicht; denn andere Sünden, als, totschlagen, Ehebrechern, Stehlen, bringen doch bisweilen Reue mit, daß das Herz sich darüber entsetzt, und wollte, es wäre nicht geschehen; denn niemand kann es für recht halten. Aber das Wort nicht fleißig hören, ja, verachten, verfolgen, da nimmt sich niemand kein Gewissen vor, darum ist es eine solche schreckliche Sünde, da Land und Leute endlich drüber müssen zerstört werden. Denn weil sie unerkannt bleibt, kann keine Buße noch Besserung folgen. Also ist es der Stadt Jerusalem gegangen und allen Königreichen. Deutschland muß auch noch darum herhalten; denn die Sünde schreit stets gen Himmel, und läßt Gott nicht ruhen, da er muß darum zürnen und sagen: Ich habe euch meinen lieben Sohn, meinen höchsten und liebsten Schatz geschenkt, wollte gern mit euch reden, euch lehren und unterweisen zum ewigen Leben; so habe ich niemand, der mir zuhören will. Darum muß ich die Strafe gehen lassen. Wie der Herr in Johannes 3,19 selbst zeuget: «Das ist das Gericht, daß das Licht in die Welt kommen ist, und die Menschen liebten die Finsternis mehr denn das Licht; denn ihre Werke waren böse.» Als wollte er sagen: Ich wollte der anderen Sünden aller gern schweigen; aber das ist das Gericht, daß der Welt den Hals bricht, daß ich mein Wort gesandt habe, und sie nichts danach fragen; das verdrießt mich am allermeisten. Sie sind sonst voll Sünden; da wollte ich gern ihnen von helfen durch mein Wort: so wollen sie es nicht. Wollen sie nun mein Wort nicht hören, so hören sie des Teufels Wort, daß muß ich geschehen lassen; aber sie sehen zu, wie es ihnen darüber gehen werde. Also ist es mit den Christen gegen Morgen auch gegangen in den schönen, großen Ländern, die nun der Türke unter sich gebracht hat. Ungarn ist auch ganz dahin, wir Deutschen und andere Nationen wollen das Evangelium auch nicht hören noch leiden. Darum müssen sie des Teufels Rotten, die Wiedertäufer und Sakramentschwärmer hören und leiden. Also soll es gehen, wo man das Wort Gottes verachtet und nicht hören will, welches die höchste und größte Sünde ist; deswegen gehört auch die höchste und schärfste Strafe darauf. Unser Herr Gott wollte gern, daß wir auf die Knie davor niederfielen, und es nicht allein mit goldenen Buchstaben in die Bücher, sondern in die Herzen schrieben. So will es die Welt da am wenigsten haben, ja, kann es kaum leiden, daß es geschrieben ist in den Büchern und auf der Kanzel erschallt. Den Teufel will sie im Herzen haben, der regiert sie auch, daß wohl besser taugte. Darum seid gewarnt, Gott hat um anderer Sünden willen Ursache genug, daß er zürne und strafe. Aber dieses Sünde ist über alle, wenn man sein Wort verachtet, und die übel hält, so zu solcher Hochzeit und Mahlzeit uns laden. Wer nun in solcher Sünde ist, der lerne sein Gewissen also berichten, daß er nicht in einer geringen, sondern in der allerhöchsten und größten Sünde stecke, die Gott am wenigsten dulden und am heftigsten strafen wird. Jedermann schreit jetzt über die große Untreue und über den Geiz, der in der Welt ist es ist nicht weniger, solches kann in die Länge nicht ungestraft bleiben. Aber, daß wir das Evangelium haben, dagegen schnarchen, und unter der Stunde der Predigt müßig gehen und auf dem Markt, vor dem Tor, in Wirtshäusern, oder auf den Spielplätze sitzen und liegen, das ist die Hauptsünde, die andere alle weit übertritt. Deswegen sie auch Gott gewißlich schrecklich strafen wird, daß er Irrtum schicken und Rottengeister mit Macht wird einreißen lassen, die es mit Haufen wegreißen. Wie in Griechenland und anderen Ländern geschehen ist, da jetzt Mohammed regiert, der lehrt sie an des Teufels Dreck glauben, da sie zuvor Gottes Wort hatten, aber es doch verachteten. Im Papsttum ist es auch so gegangen: da war erstlich die Lehre recht und rein; aber da die Leute sich so närrisch und undankbar dagegen stellten, strafte Gott die Sünde dermaßen, daß wir hinliefen in die Klöster, zermarterten uns da in des Teufels Namen, und glaubten anstatt wirklicher Wahrheit groben, schädlichen, schändlichen und gotteslästerlichen Lügen. Jetzt ist es wieder an der Zeit (denn diese Sünde muß leiblich und geistlich gestrafft werden), daß der Teufel die Sakramentschwärmer und Wiedertäufer herein wirft. Warum will man bei dem Wort nicht bleiben, und dasselbe mit Dank nicht annehmen? Darum sehet zu, so lieb euch eure Seligkeit ist, daß ihr euch vor solcher Sünde hütet; habt Gottes Wort in Ehren, und hört es fleißig und gern. Denn so man es sonst um keiner anderen Ursache willen tun wollte, sollte man es doch um dieser Ursache willen tun, daß es Gott geboten hat, und ihm Liebe und Dienst daran geschieht. Denn es ist nicht ein Geringes, solchem großen Herrn dienen; er kann es reichlich belohnen. Darum sollte ein jeder Christ zu solchem Dienst sich fleißig halten, und denken: Weil es denn mein Herr und Gott so haben will, daß ich sein Wort hören soll, so will ich ihm solchen Dienst gern leisten, daß ich mich auch könne rühmen, ich habe einmal meinem Gott einen Tag oder eine Stunde gedient. Solche Ursache sollte uns genug sein, die uns zum Wort bewegte. Aber da sind noch andere und größere Ursachen. Denn da verheißt dir Gott und spricht: Wenn du mein Wort fleißig hörst und behältst es, sollst du ein Herr des Teufels sein, daß er vor dir fliehen und zu dir nicht nahen darf. Denn wo mein Wort ist, da bin ich auch. Wo aber ich bin, da wird der Teufels sich nicht dürfen finden lassen, sondern muß davon gehen. Weiter sollst du auch den Nutzen davon haben, daß dir deine Sünde vergeben, und dein Herz zur wahren Andacht und rechtem Gehorsam angezündet wird. In der Summe, mein Wort soll dir den Weg in den Himmel weisen und dich zum ewigen Leben bringen; denn ich heiße dich also mir dienen, daß doch der Nutz am meisten dein ist. Wärest du doch ohne daß schuldig, wenn ich etwas von dir haben wollte, daß du es tätest; nun aber gebiete ich dir einen solchen Dienst, daß du am meisten genießen sollst. Wie wir denn erfahren, wenn wir nicht mehr tun, denn die zehn Gebote, oder das Vater Unser über eine Stunde wieder vor uns nehmen, so findet sich allewege eine neue Frucht, daß man etwas merkt und lernt, welches man zuvor nicht gewußt hat. Und besonders ist diese Frucht allewege dabei, daß der Teufel nicht bei dir bleiben und dir schaden kann. Darum soll kein Christ sich so gelehrt lassen dünken, daß er sagen wollte, er könnte das Vater Unser und die zehn Gebote zuvor wohl; sondern wo gleich ein solcher Gedanke dir einfiele, so schlage ihn wieder aus, und sprich: Habe ich heut gebetet, ich will jetzt wieder beten; auf das du immerdar den Teufel und die Sünde von dir jagest und unserem Herrn Gott seinen Dienst leistest. Tust du das nicht, so tust du unserem Herrn Gott einen verdrießlichen Unwillen, wer wollte aber gern eines solchen großes Herrn Zorn haben? Aber da geht leider der größte Haufe hin, achtet des Wortes weniger denn nichts. Kommt nun heut oder morgen Pest oder Krieg, so wird unser Herr Gott sich dein und deiner Not auch nicht annehmen, wird dich ebenso umsonst schreien und heulen lassen, wie du ihn jetzt schreien läßt. Wie in den Sprüchen Salomos Am ersten Kapitel Vers 24-30 steht: «Weil dich denn rufe, und ihr weigert euch; ich recke meine Hand aus, und niemand achtet darauf, und laßt fahren all meinen Rat, und wollt meiner Strafe nicht, so will ich auch lachen in eurem Unfall, und euer spotten, wenn da kommt, daß ihr fürchtet, wenn über euch kommt, wie ein Sturm, daß ihr fürchtet, und euer Unfall als ein Wetter, wenn über euch Angst und Not kommt. Dann werden sie mir rufen, aber ich werde ihnen nicht antworten, sie werden mich frühe suchen, aber nicht finden. Darum, daß sie hasseten die Lehre, und wollten des Herrn Furcht nicht haben. Sie wollten meines Rates nicht haben, und lästerten alle meine Strafe.» Also greulich soll diese Sünde gestraft werden. Wenn du nun dermaleinst mit einem blutigen Kopf kommst, wird unser Herr Gott in die Faust lachen, rund sprechen: O recht, du hast es nicht anders haben wollen! Ich habe dir mit Ernst gepredigt, aber du hast mich nicht hören wollen, so höre nun den Teufel. Willst du den nicht hören, der da spricht: «Kommt her zu mir alle, die ihr mühselig seid, ich will euch erquicken»; Warum verachtest du Gottes Wort also, welches du hören, als den höchsten Schatz, sollst schicken? Aber du läufts hin auf deinen Acker, hast da und dort zu schaffen, daß du der Predigt nicht warten kannst; meinst du, daß Gott solches nicht solle verdrießen? Er hat dir ohne daß sechs Tage gegeben, da sollst du arbeiten und deiner Nahrung warten; begehrt nicht mehr, denn den siebenten Tag, daß du ihm zu Ehren und deinen Besten Gutes tun und dienen sollst. Dennoch soll er es von dir nicht haben können. Darum ist diese ernste Predigt des Herrn wider die Juden, daß sie diese Hochzeit, das ist die Predigt des Heiligen Evangeliums verachtet, die Knechte gehöhnt und ermordet haben, wohl zu merken. Denn daraus sehen wir, daß der König solchen Undank und Verachtung nicht leiden kann, schickt deswegen sein Heer, die Römer, und läßt diese Mörder umbringen und zündet ihre Stadt an. Wer kann hier unserem Herrn Gott Schuld geben, daß er Unrecht getan habe? Wenn ein mächtiger Fürst einen Sohn hätte, und schickte ihn zu etlichen Gefangenen in einen Turm, daß er sie sollte frei machen; und sie führen zu, wollten ihn nicht allein mit Freuden annehmen, sondern würgeten ihn und spotteten noch des Vaters dazu: meinst du, daß er darüber lachen würde? Er würde Turm und Gefangene eins mit dem anderen in einen Haufen schießen; und täte recht daran. Also tut unser Herr Gott auch. Er schickt seinen Sohn, daß er uns von Sünde Tod und Teufel frei machen, und zum ewigen Leben helfen soll. Darum sollten wir ihn ja billig mit großer Freude und allen Ehren annehmen, sein Wort hören und an ihn glauben. So wenden wir ihm den Rücken, verachten sein Wort, Rat und Hilfe, die er uns dadurch anbietet, gehen lieber auf unseren Acker und zu unserer Hantierung, da ist uns mehr an gelegen. Kommt nun einmal Blitz, Donner, Pest, Türke, Soldaten oder eine andere Plage, und wir dann ängstlich klagen, heulen und schreien, und uns doch keine Rettung geschieht: so mögen wir es für gut nehmen und die Strafe tragen; und als dann gedenken: wir haben es nur mehr als verdient in dem, daß wir nicht allein unseren lieben Gott undankbar gewesen sind, daß er uns sein seliges Wort jetzt in der letzten und bösen Zeit, da der Glaube und Erkenntnis Christi gar verloschen gewesen, rein und reichlich gegeben hat; sondern es dazu auf das schändlichste verachtet. Wir mögen deswegen eins gegen das andere abrechnen, und uns lassen an dem genügen, daß er mit dem höllischen Feuers so lange ausgeblieben ist, und uns durch solche zeitliche Strafe zur Buße fordert, daß wir frömmer werden und auf hören zu sündigen. Das meinte der Evangelist, da er sagt, daß der König die Mörder umbringt und ihre Stadt anzündet; uns zur Warnung, daß wir uns an dem gemeinen Haufen, an Bürgern und Bauern nicht ärgern, noch ihrem Beispiel folgen sollen. Denn anders geht es in der Welt nicht zu; sie will und mag das Wort nicht, ihre Äcker und Hantierung beliebt ihr mehr. Aber wehe! Denn was für ein Urteil und Strafe danach kommen werde, sehen wir an den Juden. Darum laßt uns ihrem Beispiel nicht folgen, sondern das Wort gern und mit Fleiß hören, und besonders die zu Hochzeit laden in allen Ehren lieb und wert halten, um ihres Herrn Willen, der sie aussendet; so wird Gott bei uns sein in allen Nöten, und uns helfen und schützen, und endlich das ewige Leben um seines Sohnes, unseres lieben Bräutigams, des Herrn Christi, willen, geben. Das ist der erste Teil von den Juden, die sind nun weg. Jetzt höre weiter, wie es den Heiden geht. Die lagen draußen auf der Straße, hatten kein Gesetz noch Gottes Wort, wie die Juden; sie waren nicht am Ort, sondern standen offen, wie ein freier Flecken, daß der Teufel hindurch und wieder durch, wie es ihn gelüstete. Die heißt dieser König auch laden, ohne allen Unterschied, wie sie gefunden werden, Mann und Weib, jung und alt, reich und arm. Wie wir noch heutiges Tages sehen, daß Gott seine Taufe, sein Wort, sein Abendmahl daher gesetzt hat, daß es jedermann, wer es begehrt, soll ausgeteilt werden. Darum heißt dies laden anderes nicht, denn das Christus uns allen gepredigt, und wir zu Heiligen Taufe getragen werden, daß wir sollen Gäste sein, essen und trinken, das ist, Vergebung der Sünden, daß ewige Leben und Sieg wieder den Teufel und Hölle haben. Also sind wir Heiden zu diesem Abendmahl alle geladen. Als nun die Tische alle voll sind, denn da steht es klar, es sind Böse und Gute ohne Unterschied zusammen geladen, da geht der König hinein und besieht seine Gäste, und findet etliche, die haben kein hochzeitlich Kleid an. Denn unter den Christen geht es so zu, daß man findet Mäusedreck unter dem Pfeffer: das etliche Böse sind, und doch den Namen haben, daß sie Christen heißen, darum daß sie sind getauft, gehen zum Sakrament, hören Predigt, und bringen doch nicht mehr davon, denn den Namen; denn sie halten es für keine Wahrheit Daran müssen wir uns gewöhnen. Denn dahin werden wir es mit dem predigen nie bringen, daß eine ganze Stadt, Dorf oder Haus fromm werden; daraus wird nie etwas werden; sondern, wie hier steht, kommen herein Gute und Böse. Das müssen wir leiden, und ihnen den Namen gönnen, daß sie Christen heißen. Denn ob sie gleich nicht fromm sind, sind sie gleichwohl geladene Gäste. Solches geht bis an den jüngsten Tag, da wird alsdann ein anderes Urteil sich finden. Aber gleichwohl ist es gewißlich beschlossen, daß dieser König will nicht allein zu seines Sohnes Hochzeit jedermann lassen laden; sondern er will auch sehen, ob die, so geladen sind, sich dem Bräutigam zu Ehren geschmückt haben. Wenn ein Schmutziger, wie er von der Arbeit oder aus der Schmiede gelaufen, in seinem Hemd, mit einem kohlschwarzem Bart und Angesicht, unter die Hochzeitsgäste treten und mit in die Kirche gehen wollte: ob er schon auf die Hochzeit geladen wäre, so würde ihn doch niemand gern neben sich gehen lassen; jedermann, besonders aber der Bräutigam, würde denken, er wäre entweder nicht bei Sinnen, oder er täte es ihm zum besonderen Hohn. Denn zur Hochzeit soll man geschmückt kommen. Also, sagt der Herr, werde es hier auch zugehen. Wenn du schon ein geladener Gast bist, du bist getauft, hörst die Predigt, gehst zum Sakrament, und hast doch kein hochzeitlich Kleid an; das ist, du glaubst nicht, läßt dir es nicht Ernst damit sein, und denkst dein Christen Namen nur da zu, daß du den Bauch davon voll habest: um Gottes willen bist du kein Christ, noch um deiner Seligkeit willen, da denke nur nicht, daß du werdest so hindurch schleichen. Der König wird dein gewahr werden und dich hervorziehen, entweder am jüngsten Tag, oder an deinem letzten Ende, und sagen: Finde ich dich hier, daß du den Namen hast, ein Christ heißt, und glaubst doch nicht, was ein Christ glauben soll? Es ist dir dein Lebtag nie Ernst gewesen, wie du von Sünden frei, frömmer und selig könntest werden. Alle deine Gedanken sind allein auf dein Gut, Ehre, gute Tage gewesen: darum kommst du jetzt wie ein schmutziger Gast. Immer weg, du hörst nicht unter die, die sich geschmückt haben, sie möchten sonst von dir schmutzig werden. Denn solches entweder im Gewissen, oder an jüngsten Tag solchen losen Christen vorgehalten wird, da, sagt der Herr, werden sie verstummen, das ist, sie werden keine Entschuldigung vorbringen können. Gott hat getan, was er sollte. Er hat dir seine heilige Taufe gegeben, er hat dir das liebe Evangelium vor das Maul gehalten, und zu Haus und Hof bringen lassen; also die Absolution und sein Abendmahl; er hat dir in der Kirche seine Diener verordnet, im Hause Vater und Mutter, deinen Herrn und Frau, die dir sagen sollen, was du glauben und wie du dein Leben anstellen sollst. Darum wirst du nicht sagen können, du hast es nicht gewußt, sondern wolltest du glauben, sondern du wirst müssen bekennen: Ja, ich bin getauft, man hat es mir genug gepredigt und gesagt; aber ich habe es nicht angenommen, ich habe die Welt lieber gehabt. Das heißt hier, daß der ungeschmückte, schwarze Gast verstummt. Denn wer wollte dem Richter antworten können, denn wir selbst müssen Zeugnis geben, er habe seinen Sohn uns geschenkt, und in der Taufe und dem Heiligen Evangelium alle Gnade zugesagt? Darum wird das schreckliche Urteil über die ungläubigen Christen müssen folgen: man soll ihnen Hände und Füße binden, und sie in die äußerste Finsternis hinaus werfen, das ist, sie müssen mit dem Teufel in der Hölle und dem höllischen Feuer ewig gefangen liegen. Denn Hände und Füße sind ihnen gebunden, daß sie mit Werken sich nicht werden losmachen können. Und müssen dazu in Finsternis liegen, und von Gottes Licht, das ist, von allen Trost abgeschieden sein, in ewiger Qual, Angst und Traurigkeit, daß sie nimmermehr kein Fünklein des Lichtes sehen werden Das ist ein schrecklicher Jammer, wenn wir es nur wollten zu Herzen nehmen, ewig also in der Hölle und Qual gefangen liegen, da nichts denn Heulen und Zähneklappen ist: Zähneklappen von Frost, und Heulen von der Hitze, wie es die alten Lehrer gedeutet haben, wiewohl der Herr damit alle Marter angezeigt, die man er denken kann. Denn Hitze und Frost sind die zwei größten Plagen auf Erden. Als wollte er sagen: Ihr werdet mehr leiden müssen, denn man mit Worten sagen und mit Gedanken fassen kann. Das wird die Strafe dafür sein, daß man die Zeit der Heimsuchung nicht erkennt noch angenommen hat, daß wir geladen sind, haben Sakrament, Taufe, Evangelium, Absolution gehabt, und haben es doch nicht geglaubt, noch uns zunutze gemacht. Wollte also der lieber Herr uns gern lehren, und dahin bringen, daß wir erkennen, wie eine große Gnade uns in dem widerfahren ist, daß wir zu solcher seligen Mahlzeit geladen sind, da wir finden sollen Errettung von Sünde, Teufel, Tod und dem ewigen Heulen. Wer nun solches nicht will mit Dank nicht annehmen, solche Gnade verschmähet, der soll den ewigen Tod dafür haben. Denn von den zweien muß eins sein: entweder das Evangelium angenommen und geglaubt und selig werden; oder nicht geglaubt und ewig verdammt sein. Das also dies Evangelium gleich stimmt mit Paulus, ab Apostelgeschichte 18,6 den Juden also sagt, die ihm widerstrebten und lästerten: «euer Blut sei über euer Haupt; ich gehe von nun an rein zu den Heiden.» So es nun zu uns gekommen ist, haben wir uns gewißlich des zu besorgen, da hiervon steht, daß Gott die ungeschmückten Hochzeitsgäste will aussondern. Wollte also der liebe Herr es gern mit Locken und Schrecken dahin bringen, daß wir das Evangelium ließen unseren höchsten Schatz sein, es gern hörten und glaubten. Durch die Verheißung und große Gnade lockt er, und durch die große Strafe schreckt er. Wo nun die Herzen ganz und gar verstockt sind, daß diese zwei Stücke nicht helfen wollen, da helfe der leidige Teufel; der wird es auch tun. Wenn unser Herr Gott Geld regnen ließe und machte uns hier zu großen Herren, so würde er Leute viel finden, die zuliefen, und mit Ernst anhielten, daß sie etwas von ihm haben möchten. Weil er uns aber ewige und himmlische Güter verheißt in seinem Wort, deren wir mit Geduld hoffen und warten sollen, hat es kein Ansehen vor der Welt; die sagt: Was Himmel, Himmel; hätte ich hier Mehl! Wer weiß, was dort werden will? So ist nun dies die Summe der heutigen Predigt, daß der Herr uns gern reizen und schrecken wollte, daß wir das Wort mit Ernst fassen und glauben lerneten, und also hofften der fröhlichen Zukunft, wenn er wieder kommen wird am jüngsten Tage, uns zu erlösen von aller Not und zu helfen an Leib und Seele. Das verleihe uns der allmächtige Gott, unser gnädiger Vater, durch Christum, seinen Sohn, und den Heiligen Geist, Amen.   Am 21. Sonntag nach Trinitatis Johannes 4,47-54 Und es war ein Königischer, des Sohn lag krank zu Kapernaum. Diese hörte, daß Jesus kam aus Judäa in Galiläam, und ging hinzu ihm, und Partien, daß er hinab käme, und hülfe seinem Sohn; denn er war todkrank. Und Jesus sprach zu ihm: Wenn ihr nicht Zeichen und Wunder sehet, so glaubet ihr nicht. Der Königische sprach zu ihm: Herr, komm hinab, ehe denn mein Kind stirbt. Jesus sprach zu ihm: Gehe hin, dein Sohn lebet. Der Mensch glaubte dem Wort, daß Jesus zu ihm sagte, und ging hin. Und indem er hinab ging, begegnete ihm seine Knechte, verkündigten ihm und sprachen: Dein Kind lebet. Da forschte er von ihnen die Stunde, in welcher es besser mit ihm geworden war. Und sie sprachen zu ihm: Gestern um die siebente Stunde verließ ihn das Fieber. Da merkte der Vater, daß es um die Stunde wäre, in welcher Jesus zu ihm gesagt hatte: Dein Sohn lebet. Und er glaubte mit seinem ganzen Hause. Das ist nun das andere Zeichen, daß Jesus tat, dar er aus Judäa in Galiläum kam. im heutigen Evangelium sind zwei Stücke, die sonderlich tröstlich und wohl zu merken sind. Das erste ist das Wunderwerk, daß unser lieber Herr Christus an dem kranken Knaben tut, daß er ihn gesund macht, und kommt dennoch nicht zu ihm. Er sagt nur zum Vater: «Gehe hin, dein Kind lebet.» Alsbald von dem Wort wird der Knabe gesund, der etliche Meilen von dannen war und von solchem Wort nichts wußte. Das ist ein großes Wunderwerk, da wir sehen, wie unseres lieben Herrn Christi Wort eine allmächtige Kraft sei. Was es verheißt, daß geschieht gewiß, daß es weder Teufel noch Welt hindern noch wehren soll. Denn wir müssen diese Krankheit ansehen wie andere Werke, damit der böse Feind die armen Menschen plagt. Solches Teufelswerk zu vertreiben, bedarf man mehr nicht, denn unseres lieben Herrn Christi Wort, so ist der Sache schon geholfen. Denn der Teufel muß wieder seinen Willen ablassen, sobald dieses Mannes Wort klingt, wie wir hier sehen. Darum dient solchem Wunderwerk erstlich dazu, daß wir den Herrn Christum recht sollen erkennen lernen, daß er nicht allein ein Mensch sei, aller Dinge gleich wie andere Menschen, sondern auch ewiger und allmächtiger Gott; vielmal er Herr über Tod und Teufel ist, und so ein Herr, der mit einem Wort helfen kann. Darum sollen wir in unseren Nöten, wieder den Teufel und seine Werke bei ihm auch lernen Hilfe zu suchen, wie dieser Königische hier tut. Sonderlich aber sollen wir sein Wort herrlich und hoch halten, als eine allmächtige Kraft. Denn wer es hat, der hat und kann alles. Wiederum, wer es nicht hat, den kann sonst keine Gewalt, Weisheit, Heiligkeit wieder Sünde, Tod und Teufel schützen. Denn was unser lieber Herr Christus hier tut mit des Königische Sohn, daß er durch sein allmächtiges Wort ihn vom Tod errettet und bei dem Leben erhält; das will Herr durch sein Wort mit uns allen tun, wenn wir es nur annehmen und wollen, und uns nicht allein von Leibes Krankheit und aus leiblicher Not, sondern auch von der Sünde und ewigem Tod erlösen. Darum sollen wir dem Beispiel dieses Königische folgen: in allem unserem Anliegen Rat und Hilfe bald Christus suchen, der in allerlei Not und Tod so leicht helfen kann, daß er nur ein Wort spricht, so sind wir genesen; hat dazu einen geneigten Willen, uns zu helfen. Denn weil dieser Königische eilt und nicht lange wartet, eilt der Herr noch mehr, und will des Königische Sohn nicht solange in der Gefahr liegen lassen, bis er mit dem Vater zu ihm komme; sondern macht ihn abwesend, ja, indem Augenblick frisch und gesund, da er zum Vater sagt: «Gehe hin, dein Sohn lebet.» Also will unser lieber Herr Christus auch gegen uns, daran wir ja nicht zweifeln sollen, willig sein, und bald helfen, so es nur Ernst ist, und wir in rechtem Vertrauen bei ihm Hilfe suchen. Denn dazu ist er von seinem himmlischen Vater gesandt und auf Erden gekommen, daß er uns von des Teufels Tyrannei ledig machen und in Gottes ewiges Reich setzen wolle. Deswegen, wer Hilfe wieder die Sünde und Tod sucht und begehrt, der soll sie hier gewißlich finden. Wie wir hier an diesem Königischen sehen, da es doch nur um eine leiblicher Hilfe zu tun war; wieviel mehr ist er denn geneigt zu helfen, da die Gefahr größer und wir der Hilfe notdürftiger sind, da es die ewige Seligkeit betrifft? Das ist das erste Stück, da man sonst gemein von predigt, wenn man dergleichen Wunderwerk Christi handelt. Denn darum sind sie geschehen, und uns vorgeschrieben, daß wir unseres lieben Herrn Christi Macht und Willen erkennen und in unserer Not auch bei ihm Hilfe finden. Das anderer aber, davon man in dieser Geschichte zu handeln pflegt, ist, daß wir hier ein überaus feines Beispiel haben, da wir eigentlich und gewiß bei lernen können, was der Glaube sei. Unsere Widersacher, die Katholiken, reden vom Glauben anderes nicht, denn als sei es nur ein bloßes Wissen, was Christus sei und was er getan habe. Aber da können sie selbst nicht vorüber, sie müssen bekennen, der Teufel und die falschen Christen, die verdammt werden, Wissen solches ja auch, als die Christen. Dagegen aber redet die Schrift also vom Glauben, daß wir dadurch zu Vergebung der Sünden, Gerechtigkeit und ewigem Leben kommen. Denn also spricht Paulus, Römer 3,28: «Wir halten, daß der Mensch durch den Glauben, und nicht durch des Gesetzes Werke gerecht werde.» Und der Prophet Habakuk spricht Kapitel 2,4: «Der gerechte wird seines Glaubens leben.» Und Christus spricht zu Maria, der ihre Sünden vergeben wurden: «Gehe hin, dein Glaube hat dir geholfen.» Darum werden solchen Glauben weder Teufel noch falsche Christen haben, die doch die Geschichte Wissen und haben, ja, so gut als die rechten Christen. Denn der Teufel kennt Christus sehr wohl, und weiß, was er auf Erden getan und gelitten hat. Aber solches, ob es wohl ein Christ auch wissen muß, ist doch nicht gerechter Glaube, dadurch man zu Vergebung der Sünden und ewigem Leben kommt. Aber hier steht es, was der rechte Glaube sei, nämlich anderes nicht, denn Glauben, was Christus redet und verheißt, daß es wahr und ohne alles Falsch sei. Denn diese zwei gehören auf einander: wenn Gott etwas verheißt, daß wir mit dem Herzen uns daran halten, und nicht zweifeln, es sei wahr, ob wir es gleich noch nicht gesehen haben. Wo nun die Verheißung ist, und wir mit Herzen uns derselben annehmen, es sei gewißlich also, wie sie lautet: das heißt der rechte lebendige Glaube. Wie wir hier sehen. Der Königische kommt zu Christo und bittet ihn, er soll mit ihm gehen und seinem Sohn helfen. Da war ein Vertrauen zu dem Herrn Christo, er könnte und würde seinem Sohn helfen; aber solches Vertrauen war noch ohne daß Wort, und stand bloß auf dem Wunder, daß der Herr zuvor in Galiläa getan hatte auf der Hochzeit. Davon wird dieser Königische ohne Zweifel gehört haben; schöpft deswegen das Vertrauen zum Herrn Christo daraus, er werde ihm auch helfen. Solches mag man wohl einen Glauben heißen; aber es ist noch ein sehr schwacher Glaube. Denn die Zusagung ist noch nicht heraus, und beruht solcher Glaube oder Vertrauen noch auf dem ungewissen Wahn, ob Christus helfen wolle oder nicht. Hilft er, so hält der Königische ihn für einen großen, Heiligen Mann; hilft er nicht, so hält er nicht so hoch von ihm. Darum fährt ihn Christus etwas hart an und spricht: «Wenn ihr nicht Zeichen seht, so glaubet ihr nicht.» Als wollte er sagen: Der Glaube soll nicht allein auf dem Zeichen und Wundern beruhen, sondern auf dem Wort: denn Zeichen und Wunder können wohl falsch und erlogen sein; wer aber auf das Wort baut, der kann nicht betrogen werden; denn Gottes Zusagung ist gewiß und kann nicht lügen. Denn obgleich der Herr Zeichen und Wunder getan hat, daß er sich damit hat wollen sehen lassen und die Leute zum Glauben bewegen, so ist doch seine eigentliche Meinung gewesen, daß die Leute mehr auf sein Wort sehen sollten, denn auf die Zeichen, welche dem Wort dienen mußten als ein Zeugnis. Denn darum war es ihm eigentlich nicht zu tun, daß er diesem oder anderen Kranken am Leibe helfe: sein vornehmstes Amt war, die Leute auf das Wort weisen und dasselbe in ihre Herzen bilden, daß sie dadurch sollten selig werden. Weil nun dieser Königische noch kein Wort oder gewisse Zusagung von Christus hat, kann er nicht gewiß glauben. Aus dem Wunderwerk zu Kanaan, und vielleicht aus dem allgemeinen Geschrei von Christus als von einem neuen Propheten, faßt er das Vertrauen, er werde seinem Sohn helfen und könne ihm helfen. Aber solcher Glaube geht nicht weiter, denn sofern solche Hilfe folgte. Darum eilte er, hat Sorge, so der Herr verziehen wollte, sein Sohn würde indes Sterben. Daß es also noch weit fehlet, und noch kein rechter Glaube ist. Denn er denkt, wenn Christus nicht persönlich selbst bei dem Kranken sei, so werde ihm nicht geholfen; und besorgt, wo der Herr verziehen und sein Sohn inzwischen sterbe, so sei es alles aus und umsonst. Und zwar, es war dem Königischen noch zur Zeit unmöglich, daß er anders sollte Glauben; denn wie gesagt, er hatte noch keine Zusagung, noch Wort, da er gewiß sich an halten konnte. sobald aber Christus den Mund auftut und spricht: «Gehe hin, dein Sohn lebet,» da folgt der rechte, vollkommene Glaube, welches eigene Art ist, daß er sich an die Zusagung Christi hält; wie wir am Königischen sehen: der glaubt solchem Wort Christi, geht hin in gewisser Zuversicht aufs Wort Christi, und zweifelt nicht, so er heim komme, er werde seinen Sohn frisch und gesund finden. Also lernen hier, was Glauben heiße, nämlich anderes nicht, denn daß wir am Wort Christi und der Verheißung nicht zweifeln; sondern wie das Wort verheißt, solches für gewiß und wahr halten, daß es nie fehlen werde, ob wir es gleich noch nicht sehen oder fühlen. Denn das ist des Glaubens besonderer Art, daß er damit umgeht und das glaubt, daß noch nicht vorhanden ist. Denn was vorhanden ist, darf man nicht Glauben: man fühlt es und sieht es. Ein reicher Mann, der Geld und Gut die Fülle hat, ob derselbe schon glaubt, er wolle das Jahr nicht am Hunger sterben, daß heißt kein Glaube. Wer aber keinen Vorrat hat, doch sich an Gottes Wort hält, Gott werde als ein Vater ihm seine Nahrung schaffen, sofern er auch in Gottesfurcht sich halte und seinem Beruf nachkomme, derselbe glaubt recht. Und ist unmöglich, daß solcher Glaube sollte fehlen; denn er steht auf dem Wort Gottes, daß allmächtig ist, und uns zusagt, wenn wir am ersten das Reich Gottes suchen und danach mit der Arbeit anhalten, das andere soll uns alles zufallen. Also erfahren wir allzumal, einer sowohl als der andere, daß wir durch die Sünde dermaßen vergiftet sind, daß wir ganz und da keine Gerechtigkeit an uns finden. Weil nun das Wort uns durch Christum Vergebung der Sünden und Gerechtigkeit verkündigt, kann solche ein Wort anderes nicht, denn allein durch den Glauben gefaßt werden. Darum hat es eine solche Gestalt um einen Christen: ob er gleich durchaus nichts denn Sünde ist, so ist er doch dem Glauben und Wort nach ohne Sünde, rein und gerecht. Da bringt ihn der Glaube hin, seine Werke können ihn nicht dahin bringen, wie die Papstesel predigen. Denn soviel unsere Werke betrifft, wo sie gleich am besten sind, sind wir doch anders nicht, denn unnütze Knechte, wie der Herr selber sagt, Lukas 17,10. Gleichwie ich von der Gerechtigkeit gesagt habe, also ist es mit dem Leben auch. Wir sind dermaßen durch die Sünde im Tod ersoffen, daß wir unseres Lebens nicht einen Augenblick sicher sind; daß wir mit der Wahrheit sagen müssen (wie die Heiden), der Mensch haben nichts Gewisseres vor sich, wenn er geboren ist, denn den Tod. Wie wir denn immerdar, nicht allein durch anderer Leute Beispiel, sondern an uns selbst lernen und erfahren, daß es so bald geschehen ist, daß ein Mensch in Krankheit oder ein anderes Unglück fällt. Gleichwohl leuchtet uns in solchem Jammer und Elend daß Wort vor, vertröstet uns nicht allein auf dies zeitliche Leben, sondern auch auf das ewige Leben. Das haben wir, die da glauben nicht, nicht in Händen, wir fühlen und greifen es nicht; aber es ist im Wort verheißen, und wir glauben’s. Und ist gewiß, solcher Glaube soll uns nicht fehlen; denn er steht auf Gottes Wort, daß ewig und allmächtig ist. In der Summe, des Glaubens Art ist diese: Eben wie das Wort vertröstet auf die künftigen ewigen, himmlischen Güter, die wir noch nicht haben: also faßt der Glaube künftige Güter, als wären sie bereits da, und zweifelt gar nichts daran. Ursache, er sieht, daß Gottes Wort allmächtig, und Gott wahrhaftig, und kein Lügner ist. Darum hat der Glaube ein scharfes Auge auf das Wort. Sieht er, daß das Wort da ist, so geht er frisch dazu, und läßt weder Teufel noch Welt sich schrecken; denn er weiß, worauf es endlich beruhen und wie es hinaus gehen soll, und sollte es auch dem Teufel leid sein. Wiederum, so er sieht, daß kein Gottes Wort da ist, da läßt er sich keinen Schein, kein Drohen, noch Macht der Welt dahin bewegen, daß er es für war hielte; und leidet er darüber, was ihm zukommt. Wo nun wir im Papsttum solches Glaubens Art gefolgt hätten, würden wir nimmermehr so schrecklich in die Abgötterei und Irrtum verführt sein worden. Aber wir haben Gottes Wort aus den Augen gelassen, und sind mit dem Glauben auf das und jenes Werk gefallen, als sollte es zu Vergebung der Sünden helfen; sind also nicht allein um das Gut, sondern auch um die Seelen durch falsche Gottesdienste und Abgötterei gekommen. Darum ist es eine sehr nötige und nütze Lehre, daß man eigentlich wisse, was da heiße, recht glauben, nämlich, Gottes Wort und Verheißung haben, und fest daran bleiben, daß es gewißlich also geschehen werde, wie das Wort es vorsagt. denn ohne Gottes Wort etwas glauben, ist kein Glaube, sondern ein falscher Wahn, da nie etwas draus wird. Eben als wenn du glauben wolltest, du solltest noch römischer Kaiser werden; wenn du das gleich auf das allergewisseste vornähmest, würde doch nichts daraus werden. Da aber David, der eines geringen Standes war, Gottes Wort hatte durch den Propheten Samuel, er sollte König in Israel werden: da mußte es werden, es täte Saul dagegen, was er wollte. Also ist es auch hier. Obgleich der Königische den Gedanken hatte, Christus würde seinem Sohn helfen so konnte doch solcher Gedanke nicht gewiß sein. Ursache, es fehlte im ihm am Wort. Da aber das Wort kam, daß er von Christus hörte: «Gehe hin, dein Sohn lebet,» da hatte es nicht mehr Not; er wollte denn den Herrn Christum Lügen strafen; denn das Wort konnte ihm nicht Lügen. Also haben wir Gottes Wort und Zusagung auch, da unser lieber Herr Christus insgemein alle Welt tröstet und sagt, Johannes 8,51: «Wer mein Wort hält, der wird den Tod nicht sehen ewiglich.» Auch, Johannes sagt von ihm: «Das ist das Lamm Gottes, daß der Welt Sünde trägt.» Solches sind gemeine Sprüche, aus welchen kein Mensch sich ausschließen sollte. Denn er sagt nicht: Wenn der oder jener an mich glaubt; sondern er redet insgemein: «Wer mein Wort hält, der wird den Tod nicht sehen ewiglich.» Auch, Johannes sagt nicht, daß Christus von Gott zu einem Opfer gesandt sei, welches für den oder jenen sollte geopfert werden, sondern für der ganzen Welt Sünde. Darum, weil du auch ein Sünder und in der Welt bist, so nimm es an, und zweifel nicht, es gelte dir, es sei um deinetwillen geschehen. Das ist der Grund, da unser Glaube, so viel Vergebung der Sünden und ewiges Leben belangt, auf beruhen soll. Und wird uns gewißlich ebensowenig fehlen, als hier dem Königischen. Denn das sollen wir nicht denken: daß der Königische einen Vorteil in dem vor uns gehabt, daß er desto leichter habe glauben können, weil der Herr seine Person so eigentlich in das Wort faßt und spricht zu ihm: «Gehe hin, dein Sohn lebet»; uns aber komme der Glaube schwerer an, weil unsere Person nicht so eigentlich in das Wort gefaßt, sondern das Wort allein insgemein so hingeredet wird. Das ist die Meinung nicht. Denn unser lieber Herr Christus hat es bei solcher Predigt insgemein nicht bleiben lassen; sondern gleich wie er hier zudem Königischen sagt: «Gehe hin, dein Sohn lebet»; also sagt er zu unser jeglichem insonderheit, zu mir und dir: Mein Sohn, deine Sünden sind dir vergeben, du sollst das ewige Leben haben. Denn sage mir, mit wem redet Gott, und mit wem hat er zu tun, wenn man dich tauft? Ist es nicht wahr, die Taufe gilt allein dir, und sonst keinem Menschen? Du genießest deiner Taufe, andere genießen ihrer nicht; wollen sie aber die Taufe genießen, so müssen sie für ihre Person sich selbst auch taufen lassen. Was sagt aber Gott dir und einem jeglichen, der sich taufen läßt, in der Taufe? So lautet seine Zusagung: «wer glaubet und getauft wird, der wird selig werden.» Also, du wirst in den Tod Christi getauft, daß er für dich gestorben und mit seinem Tod dich von Sünden und Tod ledig gemacht hat. Wie könnte aber Gott freundlicher mit dir reden und deine Person gewisser und eigentlicher in das Wort ein schließen, denn es in der Taufe geschieht, die niemand, denn nur dir allein gilt, und deine eigene Taufe heißt und ist? Also, wenn du begehrst von deinen Sünden frei zu werden, und kommt es zum Kirchendiener oder zu einem anderen Christen, du wolltest Gottes Wort und einen Trost bei ihnen befinden: ist es nicht wahr, wie du sonst in der Predigt hörst, Christus sei für alle Sünder gestorben, also hörst du auch da besonders, daß solcher Tod und Sterben dir gelte und du sein annehmen solltest? Denn da gehen die Worte also: lieber Bruder, lieber Schwester, wir alle sind Sünder und Sünderinnen, hätten deswegen alle verdammt sein müssen, aber Gottes Sohn ist um unseretwillen Mensch geworden, um unsere Sünden Willen gestorben und um unserer Gerechtigkeit Willen wieder auferstanden. Darum verzage nicht: Christus hat für dich bezahlt, du sollst frei ausgehen; allein tröste dich seines Leidens und nimm dich dieses an. Also auch im Abendmahl des Herrn wir dir besonders im Brot der Leib Christi und im Wein sein Blut gegeben, und dir besonders dabei gesagt: Sein Leib sei für dich gegeben und sein Blut für dich vergossen; auf das du nicht zweifeln sollst, sondern dich solches Opfers annehmest, als daß es dein Heiligen sei: darum der Leib und das Blut Christi dir in deinen Mund gelegt und zu eigen gegeben wird, daß du es für dich allein essen und trinken sollst. Da hat ja Gott mit niemand zu tun, er redet mit sonst niemand, denn mit dir, der du zu solchem Abendmahl dich findest und da issest und trinkest, wie er befohlen hat. Da sieh nun, was das für Christen sind, die so lange Zeit hingehen, nicht einmal der Absolution begehren, noch zu diesem gnadenreichen Abendmahl gehen. Die nun kein Verlangen danach haben, noch glauben, daß Gott mit ihnen besonders da zu schaffen habe, mit ihnen Rede, sie tröste, und Vergebung der Sünden und das ewige Leben ihnen zu sage: die sind nichts besseres Wert, denn daß der leidige Teufel mit ihnen umgehe und rede. Also fehlte es nicht an dem, als redete Gott nicht besonders mit uns; an dem fehlt es, daß wir dieses Königischen Beispiel nicht folgen, und was Christus besonders uns zusagt, nicht annehmen, noch für wahr und gewiß halten. Der Königische hat auch Ursache, daß er nicht glauben sollte, wenn er seiner Vernunft hätte folgen und sich vom Wort wollen abführen lassen. Denn wer wollte glauben, daß dieses einige Wort über so viele Meilen so kräftig sein und solch Werk ausrichten sollte? Es hätte wohl können sagen: Ich weiß wohl, wie ich meinen Sohn gelassen habe, daß er gefährlich gelegen ist; sollte ihm geholfen werden, so wird es, lieber Herr, daß nicht tun, daß du jetzt mit mir redest: du mußt näher zu ihm, ihn anrühren, mit ihm reden, so möchte Hoffnung da sei. Aber da schlägt der Königische alle Gedanken aus und bleibt schlecht am Wort, und glaubt es so gewiß, als wenn er seinen Sohn schon vor sich da sähe frisch und gesund. Denn wo sein Herz nicht so stünde, würde er sich mit diesem bloßen Wort nicht haben abweisen lassen. Aber er läßt sich abweisen, wie Johannes sehr fein sagte: «Der Mensch glaubte dem Wort, daß Jesus zu ihm sagte, und ging hin.» Da siehst du, was der Glaube eigentlich ist, wenn du ihn recht definieren und malen willst. Anderes nicht, denn das für gewiß und wahr halten, was Christus dir zusagt. An solche Zusagung halte dich mit ganzem Herzen, und laß dich andere Gedanken, die nicht ausbleiben, an solchem Glauben nicht Irre machen. Wir fühlen uns in die Sünde und den Tod, welche sich ohne Unterlaß sehen und fühlen lassen. Wenn du nun an das Wort dich nicht halten willst, sondern es fahren lassen, und urteilen, wie du dich befindest: so wird die Sünde dich in Angst und Verzweiflung führen, und der Tod mit Macht dich aufreiben. Aber was tut ein Christ? Die Sünde bekennt er, und weiß, daß er den Tod vors sich hat. Aber da wirft er sich herum, hält sich an das Wort, so gut er kann, und spricht: Christus ist für mich gestorben; darum bin ich von Sünden frei, und kann nicht Sterben; es hat weder Teufel noch Tod teil an mir; denn Christus hat ausgerichtet und für mich bezahlt, daß ich zu bezahlen schuldig war. Das heißt als dann recht geglaubt; und es ist unmöglich, wer also an das Wort sich so hält, daß es ihm fehlen oder lügen sollte. Ja, sagst du, ich sehe der keines, viel weniger habe ich, was ich glauben soll; ich höre es allein: wer weiß, ob es wahr sei? Antwort: Was das Wort dir sagt, daß glaube; so wirst du gewißlich nicht betrogen, es wird sich am Ende eigentlich also finden. Tue wie der Königische hier; der mußte sich auch an das Wort halten. Er sah es nicht, daß es mit seinem Sohn besser geworden war. Aber weil er dem Wort glaubte, kommen des anderen Tages seine Knechte, und sagen, sein Sohn sei frisch und gesund. Da er zu Hause ist, sieht er es vor Augen. Da darf er nicht mehr glauben; es steht da im Werk und vor seinen Augen, wie er es geglaubt hat. Also wird es mit uns auch sein. Vergebung der Sünden, ewiges Leben haben und empfinden wir nicht. Wenn du schon heute die Predigt gehört, die Absolution begehrt und zum Tisch des Herrn gegangen bist, so bist du doch deiner Person wegen, wie gestern: du findest dich gar nicht anders; du hast das alte Fleisch und Blut, wie zuvor. Daran ärgere dich nicht; sondern halte fest an dem Wort, daß dir Vergebung der Sünden und ewiges Leben zusagt, und gehe hin mit diesem Königischen ohne allen Zweifel: so wird gewißlich daß Stündlein sich finden. Wie du glaubst Vergebung der Sünde und ewiges Leben durch Christum, also wirst du es finden zu seiner Zeit, in jenem Leben. Hier haben wir es nur im Wort und Glauben, aber dort in der Tat und Erfahrung. Das verleihe uns Gott, unser lieber Vater im Himmel, um seines Sohnes Christi Jesu willen, durch seinen Heiligen Geist, Amen.   Am 22. Sonntag nach Trinitatis Matthäus 18,21-35 Da trat Petrus zu ihm und sprach: Herr, wie oft muß ich denn meinem Bruder, der an mir sündigt, vergeben? Ist es genug siebenmal? Jesus sprach zu ihm: Ich sage dir, nicht siebenmal, siebzig mal siebenmal. Darum ist das Himmelreich gleich einem Könige, der mit seinen Knechte rechnen wollte. Und als er anfing zu rechnen, kam ihm einer vor, der war ihm 10000 Pfund schuldig. Da er es nun nicht hatte zu bezahlen, hieß der Herr verkaufen ihn und sein Weib und seine Kinder und alles, was er hatte, und bezahlen. Da fiel der Knecht nieder und betete ihnen an und sprach: Herr, habe Geduld mit mir; ich will dir alles bezahlen. Da jammerte den Herrn desselbigen Knechtes und ließ ihn los, und die Schuld erließ er ihm auch. Da ging derselbige Knecht hinaus und fand einen seiner Mitknechte, der war ihm hundert Groschen schuldig; und ergriff ihn an und würgete ihn und sprach: Bezahle mir, was du mir schuldig bist. Da fiel sein Mitknecht nieder rund bat ihn und sprach: Hab Geduld mit mir; ich will dir alles bezahlen. Er wollte aber nicht, sondern ging hin und warf ihn in das Gefängnis, bis daß er bezahlte, was er schuldig war. Da aber seine Mitknechte solches sahen, wurden sie sehr betrübt und kamen und brachten vor ihren Herrn alles, was sich begeben hatte. Da forderte ihn sein Herr vor sich und sprach zur ihm: Du Schalksknecht, alle diese Schuld habe ich dir erlassen, dieweil du mich batest; solltest du denn dich nicht auch erbarmen über deinen Mitknecht, wie ich mich über dich erbarmet habe? Und sein Herr ward zornig und überantwortete ihn den Peinigern, bis daß er bezahlte alles, was er ihm schuldig war. Also wird euch mein himmlischer Vater auch tun, so ihr nicht vergebet von euren Herzen, ein jeglicher seinem Bruder seine Fehle. Was die Summe vom heutigen Evangelium sei, höret bald im Anfang. Petrus fragt den Herrn, wie er sich halten soll, wenn sein Bruder wieder ihn sündigt, wie oft er ihm vergeben soll, ob es genug sei siebenmal? Da antwortet ihm der Herr: «Ich sage nicht siebenmal, sondern siebzig mal siebenmal.» Das ist, Vergebung der Sünde soll unter den Christen kein Maß noch Ziel haben; immer soll einer dem anderen vergeben, und sich hüten, daß er sich nicht räche. Denn das steht Gott allein zu, dem soll man seine Majestät und Macht unangetastet lassen. Wie denn das Gleichnis nach der Länge anzeigt, und wir hernach solche Ursache nach einander zusammen ziehen und anzeigen wollen. Aber hier müssen wir besonders merken auf das Wort allein, daß der Herr sagt: Das Himmelreich sei gleich einem König, der mit seinen Knechten rechnen wollte. Denn solch ein Gebot von Vergebung der Sündern soll man nicht in das Weltreich ziehen, da Ämter und Personen ungleich sind, und deswegen immer eins über das andere Macht und Befehl hat. Da soll man der Bosheit nicht zu sehen, noch jedermann tun lassen, was ihn gelüstet; sondern das Übel soll man strafen und die Leute zu Zucht, Ehrbarkeit und Billigkeit halten. Darum hat es die Meinung nicht, daß ein Vater seinen Kindern alles vergeben, und ihnen zu ihrer Schalkheit zusehen sollte. Strafen soll er, und nichts vergeben. Also Herr und Frau mit dem Gesinde, weltliche Obrigkeit mit ihren Untertanen sollen nicht vergeben, was man Unrecht tut, sondern strafen. Denn die Unart steckt ohne daß in der Welt: je mehr man übersieht, je ärger und böser wird sie, daß letztlich, wo die Kinder von Vater und Mutter sich nicht wollen ziehen lassen, der Henker sie ziehen und der Bosheit wehren muß. Darum gehört dieser Befehl nicht in das Weltreich, da ungleiche Personen und Ämter sind, wie zuvor gemeldet; sondern in das Himmelreich, da wir alle gleich sind, und nur einen Herrn über uns haben, des wir alle genießen sollen. Solches Himmelreich fängt hier unten auf Erden an, und heißt mit einem anderen Namen die christliche Kirche hier auf Erden, da Gott durch sein Wort und seinen Geist begehrt. In derselben Kirche, sofern du nicht ein sonderliches Amt hast, da Gott dich das Unrecht strafen heißt, soll es also getan sein, daß immer einer dem anderen vergeben, und keiner sich rechnen, sondern alle Barmherzigkeit und Freundlichkeit seinem Nächsten erzeigen soll, wo er es Bedarf, ob er gleich um uns wohl anderes verdient, und wir, der Welt nach zu reden, gute Ursache hätten, ihm alles Übel zuzufügen. Warum aber solches unser Herr Christus haben wolle, zeigt er mit etlichen Ursachen fein an, im Gleichnis von den zwei Knechten und dem Könige. Die erste Ursache ist, daß unser lieber Herr Christus will, daß seine Christen daran gedenken sollen, was für Gnade ihnen Gott bewiesen hat, der auch, wo er hätte gewollt, sehr viel und große Ursachen gehabt hätte, daß er uns strafen und alles Unglück hätte anlegen sollen. Weil aber uns Gnade unverdienter Sache widerfahren ist, sollen wir dergleichen gegen unseren Nächsten auch tun. Solches ist deswegen auch desto fleißiger zu merken, denn der Herr zeigt hier mit an, was die rechte Weise sei, daß wir zu Vergebung der Sünden kommen, und stellt uns das allerwichtigste vor Augen, wer wir sind und wer Gott sei, was wir gegen Gott verdienen, und was Gott uns tut. Denn daß er das Gleichnis vom Knecht, der 10000 Pfund schuldig ist, uns vorhält, in selben will der Herr uns alle lehren, was es für eine Meinung mit uns vor Gottes Gericht habe. 10000 Pfund sind eine unermeßlich er große Summe, die wir mit Millionen DM ausdrücken würden. Eine solch große Summe Geldes gleicht der Herr unsere Sünde, damit anzuzeigen, daß wir nimmer sie ablegen, oder dafür können genug tun. Denn es ist die Sünde auf uns geerbt, daß wir sie mit uns aus Mutterleibe bringen. Je mehr wir danach wachsen und am Alter zunehmen, je mehr beweisen sich die Sünden auch, daß wir zu fremden angeerbten Sünden auch unsere eigenen Sünden mit großen Haufen dazu tun, und so tief in die Schuld gegen Gott wachsen, daß wir eben stecken, wie dieser Knecht hier. Was ist aber das Urteil über diesen Knecht, von wegen seiner großen Schuld? Dieses, daß der Herr heißt ihn, sein Weib, sein Kind und alles verkaufen. Dadurch will der Herr anzeigen, daß wir arme Sünder nicht allein nicht bezahlen können, sondern wir müssen den Tod um der Sünde Willen leiden. Wie Paulus sagt: «Der Sünde Sold ist der Tod»; und der Herr im Paradies Adam und Eva drohe: «Welches Tages ihr von diesem Baum esset, sollt ihr des Todes sterben.» Da ist es mit uns armen Menschen allen hingekommen, daß um unserer Sünde Willen das Gesetz Gottes so ein hartes Wort gegen uns fällt und uns dem Tode überantwort. Wo sollen wir nun hin? Die Schuld ist vor Augen, wir können sie nicht leugnen; so will der Herr bezahlt sein, wir aber können nicht bezahlen, daß ist uns unmöglich. Das ist nun das trefflicher, edle und tröstliche Stück, dagegen wir unsere Ohren neigen und unsere Herzen weit auftun sollten, ob wir diese Kunst auch lernen könnten, daß wir aus der großen Schuld möchten kommen und dem Tod entfliehen. Es geschieht aber solches allein damit, daß wir tun, wie der Herr hier sagt, daß dieser Knecht getan habe. Er sieht beides wohl, seine große Schuld, danach sein Unvermögen und die Strafe. Darum fällt er vor dem Herrn wieder, betet ihn an und spricht: «habe Geduld mit mir.» Das heißen wir auf deutsch zum Kreuze kriechen und Gnade begehren. Das will der Herr, daß wir es lernen sollen, so wir anders von der Schuld frei werden wollen. Denn wer die Schuld nicht bekennen, sondern leugnen wollte (wie die Pharisäer tun, die sich für Fromm und gerecht halten), der würde seine Sache nur schlimmer machen. So wir es aber bekennen, so sind wir gefangen, denn wir können es ja nicht bezahlen. Darum ist es ein gefährlicher, greulicher Irrtum, daß man im Papsttum die Leute auf eigene Werke und Genugtuung weiset, Sünde damit abzulegen. Der einzige Weg ist, daß du solche Sünde und Schuld bekennst, und mit dem Knechte niederfällst und um Gnade bittest, und sprechest wieder Zöllner Lukas 18,13: «Ach, Herr, sei mir gnädig.» Ja, sprichst du, es sagte gleichwohl der Knecht hier, er wolle alles bezahlen. Er sage, was er wolle, so müssen wir bekennen, wenn es sein Ernst ist, daß es nicht wahr, sondern ihm ganz und gar unmöglich sei. Deswegen läßt es sich ansehen, Christus habe damit anzeigen wollen, wie es um unsere Herzen getan sei in solchem Fall, nämlich, daß wir solche Gnade, die so reichlich und überschwenglich ist, nicht fassen können. Wir denken immer, es sei zuviel, Gott werde nicht so gnädig sein, daß er uns alles sollte nachlassen, es müsse dennoch auch etwas bezahlt werden, es sei zuviel, daß man uns alles ganz und gar nachlassen und schenken sollte. Solche unsere Gedanken hat der Herr hier anzeigen wollen, daß der Knecht, ob er wohl um Gnade bittet, dennoch sich erbietet, als wolle er bezahlen, was er schuldig sei. Obwohl das auch wahr ist, wer Vergebung seiner Sünden mit Herzen begehrt, der muß am wenigsten den Vorsatz haben, er wolle der Schuld nicht mehr machen, daß ist, er wolle von Sünden ablassen und sich bessern und hinfort frömmer werden. Denn in Sünden fortfahren und davon nicht wollen ablassen, und dennoch um Vergebung der Sünden bitten, daß heißt unseres Herrn Gottes spotten. Wer nun sich also an Gottes Barmherzigkeit begibt und um Gnade betet, wie findet er Gott? Auf das allerwilligste und gnädigste. Denn höre, was sagt der Sohn Gottes, der im Schoß des Vaters ist? «Es jammerte den Herrn desselbigen Knechts,» spricht er, «und er ließ ihn los, und die Schuld erließ er ihm auch.» Das ist die rechte und eigentliche Farbe, da man Gott und sein Herz auf das Beste mit malen kann und soll. Wer in ihm aber eine andere Farbe gibt, der malt ihn nicht richtig, und anders, denn er an sich selbst ist. Denn das unsere Herzen dafür halten, Gott sei ein ernster Richter, da die Sünder keine Gnade bei finden, sondern sich aller Ungnade besorgen müssen, das ist ganz und gar ein falscher Gedanke; und es nicht nichts dran, obgleich das Gesetz selbst von unserem Herrn Gott nicht anders Predigt. Denn das Gesetz redet von den Sündern, die keine Gnade hoffen noch begehren. Die Sünder aber, die ihre Sünde bekennen, lassen sie sich leid sein, und wollten gern, daß sie Gott nicht also erzürnt hätten, und ist all ihr Anliegen und Kummer, daß sie wieder Gott so gelebt und seinen Geboten nicht gefolgt haben, und bitten deswegen um Gnade: die sollen Gnade finden, wie hier steht. Ursache, Gott ist ein gnädiger Gott, und hat ein väterliches Herz. Darum jammerte ihn unser Unglück und geht ihm zu Herzen; und wie der Prophet sagt (Hesekiel 18,23), hat er nicht Lust an des Sünders Tod; das aber ist seine Lust, daß der Sünder sich bekehre und lebe. Darum, wo er bei dir ein solches Herz findet, daß der Gnade begehrt, und ein Mißfallen ob der Sünde hat und davon abläßt, da will er gerne alle Schuld fallen lassen und dir Gnade beweisen. Wie wir hier sehen an dem Knechte, der seine Schuld bekennt und um Gnade bittet. Was aber das Mittel sei, dadurch uns Gott will gnädig sein, zeigt das Evangelium an anderen Orten an, nämlich, daß der Sohn Gottes, unser lieber Herr Christus Jesus sich der Sünder angenommen, ihre Sünde auf sich geladen, und mit seinem Tod dafür bezahlt hat. Wo nun solches Vertrauen an den Herrn Christum und seinen Tod ist, da hat man Gott das Herz abgewonnen, daß er nicht zürnen noch strafen kann. Denn er ohne das ein mitleidig Herz hat, und tut ihm unser Jammer und Elend weh. Deswegen er von sich selbst, sobald Adam und Eva in die Sünde und den Tod gefallen waren, sich erboten hat, dem Teufel soll seine Macht durch des Weibessamen genommen werden. Das ist nun unsere Lehre, die wir, Gott Lob! Recht und rein haben in unseren Kirchen, daß wir Vergebung der Sünden und ewige Gerechtigkeit und ewiges Leben haben, allein durch den Glauben an Jesum Christum, das ist, durch Gottes Gnade und Barmherzigkeit. Wie wir hier an dem Knechte sehen, der eine so große Summe schuldig ist; aber aus Gnaden, ohne Verdienst, ohne alle Werke wird sie ihm erlassen: allein darum, daß er sich an die Gnade hält und darum bittet. Darum ist es eine irrige, falscher, ja, gotteslästerlichen Lehre, daß die Katholiken, wenn sie von Vergebung der Sünden predigen, die Leute, so in solcher Schuld stecken, die ihnen zu bezahlen unmöglich ist, dahin beweisen, sie sollen und müssen für sich selbst mit eigenen Werken bezahlen. Daß wir aber die Leute bloß und allein auf Gottes Gnade durch Christum weisen, das heißen sie Ketzerei und Irrtum. Aber nimm du dies Evangelium vor dich, und besiehe, welche mehr hinzu kommen: wir, die wir von der Gnade predigen, oder sie, die von eigenen Werken und Genugtuung predigen. In Summe, die ganze Predigt geht dahin, daß wir lernen sollen, Gott will uns vergeben, und frei lauter umsonst zu Gnaden annehmen, und alle Schuld uns erlassen. Solcher Gnade erinnert uns der Herr hier, daß wir auch also tun, und untereinander alle Gnade und Freundlichkeit brauchen und mit unserem Nächsten nicht genau rechnen sollen; als dann halten wir uns wie Christen, denen Gnade widerfahren ist, und deswegen auch gegen jedermann Gnade beweisen. Das ist die erste Ursache, die der Herr hier führt, und daneben auch lehrt, welches der rechte Weg zur Seligkeit sei, daß wir zu Gnaden und Vergebung der Sünden kommen. Die andere Ursache ist, daß der Herr will, wir sollen doch den Schaden und Unbilligkeit, so uns von anderen widerfahren, recht ansehen und wohl bewegen; so werden wir gewißlich befinden, wenn wir es auf die Goldwaage legen, daß die Schuld, so wir gegen unseren Herrn Gott haben, wird sein, wie 10000 Pfund gegen hundert Pfennige, die uns unser Nächster schuldig ist. Das wird denn uns auch bewegen, weil Gott so eine große Summe uns hat nachgelassen, daß wir mit dem kleinen nicht so genau rechnen, sondern auch zu Unrecht uns gutwillig halten sollen. Einen Pfennig gegen 10000 Pfund, wobei ein jegliches Pfund sechshundert Kronen macht, ist eine sehr geringe Summe. So will nun der Herr so sagen: wenn ihr gleich euren Schaden wollten hoch machen, darum ihr denkt, ihr hättet Ursache zu zürnen: was ist es denn? Es ist kaum ein Gulden gegen hundert mal tausend Gulden, die ihr unserem Herrn Gott schuldig seid. So denn Gott auch die Augen zutut gegen euch, er will solche große Schuld nicht rechnen noch sehen: wie könnt ihr denn so unbarmherzige, harte Leute sein, daß ihr nichts nachlassen, und alles so genau rechnen wollt? Tut es nicht, um Gottes willen. Legt eure Sünde auf eine Waage und eures Nächsten auch, und tut nicht mehr, denn heuer himmlischer Vater mit euren vielen und großen Sünden getan hat, so seid ihr rechte Christen. Die dritte Ursache ist diese, daß der Herr im Gleichnis uns alle miteinander Knechte heißt. «Derselbe Knecht,» spricht er, ging hinaus, und fand einen seiner Mitknechte, der war ihm hundert Groschen schuldig.» Solches sollte uns auch zur Gnade bewegen und von der Rache abschrecken. Denn wir sind nur Mitknecht, und haben aller einen Herrn über uns, der kann und wird uns strafen, was jedermann Böses tut; dem sollen wir seine Gewalt und Macht lassen, und ihm nicht dazwischen fallen. Denn er will es nicht leiden, daß du ihm in sein Amt greifen, und das tun wolltest, daß ihm allein zu tun gebühret. Wie der Herr am anderen Ort sagt: «Die Rache ist mein, ich will vergelten.» Denn Gottes Ordnung ist es, daß er die Sünde strafen will; und hat zu solchem Werk nicht allein den bösen Feind, der Leib und gut an greifen und auf mancherlei Weise beschädigen kann, wenn Gott ihm solches verhängt; sondern er hat auch auf Erden Vater und Mutter, Herr und Frau, und weltliche Obrigkeit. Diese alle haben Befehl von Gott, daß sie das Böse strafen sollen. Darum, du bist Kind oder Knecht im Hause, so dir Unrecht geschieht von anderen Kindern oder Knechten, so hüte dich; laß dich den Zorn nicht überkommen, daß du dich rächen und nicht vergeben wolltest. Denke, es ist mein Mitknecht, ich habe keine Macht über ihn; ich will den strafen lassen, der Herr über uns beide ist. Will der es nicht tun und seines Amtes nicht warten, so ist noch ein Art oben über uns alle, der wird es nicht ungestraft lassen. Also sollen Bürger, Bauern, in der Summe ein jeder gegen den anderen sich halten, und vor der Rache sich hüten. Das meint der Herr mit dem Wort, daß er sagte im Gleichnis: «Dieser Knecht fand einen seiner Mitknechte.» Die vierte Ursache ist, werde solcher Lehre nicht folgen, und weder Gottes große Gnade gegen sich, noch seines Nächsten kleine Schuld bedenken wollte, der doch sein Mitknecht ist, über den er keine Macht hat, und wollte seines Kopfes hinaus und nichts nachgeben, sondern zürnen und strafen: was würde er damit ausrichten? Anderes nicht, denn das solche große Unbilligkeit und Unbarmherzigkeit nicht wird heimlich bleiben. Andere Christen werden es sehen, und sich sehr darüber betrüben, und vor den Herrn kommen und ihm alles erzählen. Das heißt auf deutsch so viel: Durch solche Unbarmherzigkeit wird der Heilige Geist in den Christen betrübt; denen tut es wehe, seufzen deswegen zu Gott. Da darf niemand denken, daß solch Seufzen sollte vergebens und umsonst sein. Denn wo sonst der Herr sich so würde stellen, als sehe und wüßte er es nicht, und würde die Strafe verziehen und aufhalten: so wird er doch durch solch der anderen Christen Klagen und Seufzen gedrungen, daß er der Sache sich annehmen und zur Strafe eilen muß. Also, gleich wie frommer Leute Fürbitte nicht vergebens noch umsonst ist, so ist der gemeine Fluch, das gemeine Klagen über die Bösen auch nicht vergebens noch umsonst. Darum will der Herr uns hiermit warmen, daß wir solchen gemeinen Fluch nicht verachten, sondern gegen unsere Mitknechte freundlich und barmherzig sein sollen: so werden wir Christen finden, die für solche Barmherzigkeit Gott danken, und wünschen werden, daß Gott uns bezahlen und dergleichen auch tun soll. Darum sind diese unglückselige, heillose Leute, die beide, den gemeinen Segen und Fluch, verachten, die doch beide treffen: der Segen die Frommen, der Fluch die Bösen. Wie man denn erfährt, wenn eine teure Zeit kommt. Wer dann das Korn inne hält, wie die Geizhälse pflegen, und wartet, bis es mehr Geld dafür gibt, dem fluchen, wie Salomon sagt, die Leute, Sprüche 11,21; aber Segen kommt über den, der es verkauft. Solches verachten die Gottlosen beides. Aber man sehe, ob solcher Fluch vergebens sei, und sie nicht alles Unglück anstoße, die ihn auf sich laden. Denn, wie wir hier sehen, weiset uns der Herr dahin, daß wir uns davor hüten sollen, und nicht Ursache geben, daß die Mitknechte betrübt werden, vor den Herrn kommen und sagen, was sie gesehen haben. Denn da höre, was folgt. Der Herr fordert den Knecht vor sich. Das ist die fünfte Ursache: daß, wo du keine Barmherzigkeit deinem Nächsten beweisen, sondern dich rächen und ihn strafen willst, Gott dazu nicht will bestehe schweigen, sondern dich zur Rede stellen. Das wird am jüngsten Tage geschehen. Da wird dann das schreckliche Urteil gehen, daß du den Peinigern überantwortet werdest, bist du alles bezahlest. Was hast du denn an deinem Zorn gewonnen, du armer Mensch? Da du sonst einen gnädigen Gott haben und aller deiner Schuld hättest können frei und los werden, so du deinem Nächsten Barmherzigkeit bewiesen und ihm seine Missetat hättest für gut gehabt; da will Gott dir auch nicht vergeben, und ebenso genau gegen dich rechnen, als du genau gegen deinen Nächsten rechnest. Das ist ein armer, elender Handel, der du um eines Pfennigs willen, den du nicht lassen willst, über hunderttausend DM verlierst. Wie wohl dies Gleichnis viel zu gering zu dieser Sache ist, da ein Mensch zu Vergebung der Sünden nicht kommen und in Ewigkeit in Zorn und der Ungnade Gottes bleiben muß. Darum beschließt der Herr und spricht: «also wird euch mein himmlischer Vater auch tun, so ihr nicht von Herzen vergebet, ein jeglicher seinem Bruder seine Fehler.» Er heißt uns untereinander Brüder; da will sich je keine Feindschaft noch Unfreundlichkeit leiden. Nun sind wir aber so gebrechlich alle, daß wir nie durchaus unter einander so leben werden, es wird immer einer den anderen mit Worten, Werken und anderem beleidigen. Wie soll es denn sein? Sollen wir wie Hunde und Katzen unter einander uns beißen und kratzen? O nein, sondern so soll es sein, daß wir von Herzen vergeben, und bedenken: Was wollte ich meinen Bruder strafen? Ist mir Gott gnädig, und hat mir so eine große Summe frei, umsonst, um Jesu Christi seines Sohnes, willen, nachgelassen: was wollte ich mich um einen Pfennig oder zwei ärgern. Ich will eines gegen das andere abrechnen, vergessen und vergeben, und Gott danken, daß er mir auch vergeben und mich zu Gnaden angenommen hat, da er doch tausend und aber tausend Mal mehr Ursache hätte gehabt, mit mir zu zürnen und mich zu strafen, denn ich wieder meinen Nächsten habe. Das ist die Lehre, welche unser lieber Herr Christus seinen lieben Christen heute predigen läßt, daß wir uns brechen, dem Zorn den Zaum nicht lassen, sondern unsere Schuld gegen des Nächsten abrechnen, und froh sollen sein, daß wir dazu kommen und beides aufgehoben werde. Aber da sieht man leider, wie wir so gar nicht folgen, und uns den Teufel reiten und treiben lassen zu Zorn, Rache und allem Unglück, mit unserem großen Schaden und Nachteil. Denn beschlossen ist es: Willst du nicht vergeben, so will dir Gott auch nicht vergeben; willst du rächen, zürnen, strafen, so will Gott auch rächen, zürnen und strafen. Aber ein ungleicher Zorn und Strafe ist es. Denn Gottes Zorn und Strafe ist ein ewiger Zorn und Strafe: da steckts du dich ein durch einen kleinen Zorn, der so einer geringen Schuld wegen entsteht, gegen den, da du kein Recht zu hast; sondern Gott allein hat Recht dazu, und ist gewiß, wo du nur nicht strafest und ihm zuvor kommst, er werde weit härter und schrecklicher die Sünde an deinem Mitknecht strafen, denn du immer gedenken kannst. Darum sieht man auch, wie immer eine Sünde mit der anderen gestraft wird. Was so rachgierige, zornige, unerträgliche Leute sind, die treibt er Teufels so weit in den Zorn, daß sie nicht können noch wollen das Vater Unser beten. Denn sie sehen einen Stachel darin, den sie nicht können über die zugelassen, daß ein Christ beten soll: Vergib uns unsere Schuld, wie wir unseren Schuldigern vergeben. Da fühlen sie sehr wohl, so ihnen Gott nicht anders vergeben wolle, denn sie anderen vergeben, so werden ihnen ihre Sünden wohl unvergeben bleiben. Solch ein Urteil wollen sie selbst wieder und über sich nicht sprechen, lassen eher Vater Unser ungebetet. Denkst du nicht, der Teufel habe solche Leute schon gebunden, daß sie um des Zornes willen auch das Gebet verlieren? Was hat aber ein Christ, wenn er das Gebet verloren hat? Gar nichts hatte er, ja, steckt in einem doppelten Ungehorsam gegen Gott! Also geschieht es auch, daß solche Leute sich vom Heiligen Abendmahl des Leibes und Blutes Christi enthalten, und um eines kleinen, geringen, und ewigen Zornes willen gegen ihren Nächsten sich des höchsten Trostes wieder die Sünde und das Gewissen berauben. Wäre es nicht tausend und aber tausend Mal besser, allen Zorn fahren lassen, alle Unbilligkeit leiden und vertragen, denn mutwillig und vorsätzlich sich Gottes Gnade berauben und ihm seinen Zorn fallen? Darum, wer sein Herz dermaßen mit Zorn und Haß verhärtet findet, der nehme dies Evangelium vor sich und besinne sich wohl, und bitte Gott um Vergebung, daß er so lange den Zorn gegen seinen Nächsten behalten und so unchristlich gelebt habe; und fahre bald zu und vergebe von Herzen, auf das Gottes Urteil und Gericht ihn nicht übereile, sondern er auch zu Vergebung der Sünden und ewigem Leben komme durch Christum, unser aller Erlöser und Seligmacher.   Am 23. Sonntag nach Trinitatis Matthäus 22,15-22 Da gingen die Pharisäer hin und hielten einen Rat, wie sie ihn fingen in seiner Rede; und sandten zu ihm ihre Jünger, samt Herodes Dienern, und sprachen: Meister, wir wissen, daß du wahrhaftig bist, und lehrest den Weg Gottes Recht, und du fragest nach niemand; denn du achtest nicht das Ansehen der Menschen. Darum sage uns, was dünket dich? Ist es Recht, daß man dem Kaiser Zins gebe, oder nicht? Da nun Jesus merkte ihre Schalkheit, sprach er: Ihr Heuchler, was versuchet ihr mich? Weiset mir die Zinsmünze. Und sie erreichten ihm einen Groschen dar. Und er sprach zur ihnen: Wes ist das Bild und die Überschrift? Sie sprachen zu ihm: Des Kaisers. Dar sprach er zu ihnen: So gebet dem Kaiser, was des Kaisers ist, und Gott, was Gottes ist. Da sie das hörten, verwunderten sie sich und ließen ihn und gingen davon. Die Ursache des heutigen Evangeliums kommt daher, daß die Juden im Gesetz Mose eine solche Verheißung hatten: wenn sie Gottes Gebote hielten, so sollten sie ein eigen Reich sein, einen König aus ihrem Volk haben, und keinem fremden König unterworfen sein. An solche Verheißung hielten sie sich, und hofften immerdar, es sollten nicht Not mit ihnen haben. Da nun die Römer kamen und wurden ihrer mächtig, wiewohl sie auch viel dran mußten setzen, verdroß es die Juden sehr, richteten viel Jammer und Not im Lande an, der Hoffnung, sie wollten sich wieder frei machen. Aber sie wurden wohl drüber geschlagen, und also gedemütigt, daß sie sich hinfort wieder die Römer nicht setzen durften. Aus dem sieht man, was unser aller Unart ist. Das hatten die Juden fein behalten und wohl gemerkt, daß sie sollten ein eigen Reich haben; aber daß dabei stand, sie sollten Gottes Gebote halten und wieder seinen Willen und Wort nichts vornehmen, daß sollten sie nicht anrühren, und wollten dennoch jenes haben. Das Reich, sagten sie, gebühret uns, es ist uns zugesagt; darum wollen wir es haben. Gleich, als wenn eine böse Magd zu ihrer Frau sagte: Den Lohn habt ihr mir versprochen, darum gebt mir ihn, ich tue gleich, was ich will. Nein, das gilt nicht, sondern so heißt es: Willst du den Lohn von mir haben, so mußt du arbeiten, und tun, was ich dich heiße. Die so war es mit den Juden auch: sie waren Gott ungehorsam und halsstarrig, daß sie nach seinen Gebote nichts fragten, und wollten dennoch frei sein. Darum war bei ihnen eine große Frage: Ob sie unter des römischen Kaisers Gewalt sollten sein, der ein Heide war, weil sie so eine klare Zusagung hatten, sie sollten ihren eigenen König haben. Gehen deswegen jetzt damit um, wie sie den Herrn in seiner Rede fangen können, nehmen des Herodes Knechte mit sich, und fragen ihn: Ob sie den Zins dem Kaiser zu geben schuldig sind, oder nicht. Er spreche nun Ja oder Nein, meinen sie, er könne ihnen nicht entgehen. Ursache, spricht der Herr Ja, so wird er, denken Sie, das ganze Volk wieder sich erregen, die werden ihn einen Gotteslästerer und Lügner heißen, der wider Gott und Mose lehre. Denn da stand die Zusagung, sie sollten ein frei eigen Volk sein, und keinem fremden oder heidnischen Herren dienen. Spricht er aber Nein dazu, so hat er abermal den Hals verwirkt. Dieses sind sie nun sehr gewiß; denn solches konnten die Römer nicht leiden. In diese Zwickmühle wollten sie ihn stecken, er sage Ja oder Nein, so sei er gefangen und sein Leben sei dahin. So böse und giftig meinen es die Feinde unseres lieben Herrn Christi. Was geschieht aber, wie gerät es ihnen? Also, daß der Herr den Spieß umkehrt, damit sie gedenken ihn zu erstechen, und schlägt sie mit ihrem eigenen Schwert. Laßt mich die Münze sehen, spricht er. Da sie ihm auf sein Begehren die Münze geben, fragt er: wes das Bild und die Überschrift sei? Das heißt ja einfältig mit der Sache umgehen. Die Pharisäer gedenken noch nichts Böses, sagen fein rund heraus, es sei des Kaisers Bild und Überschrift. Als aber der Herr das von ihnen hatte, läßt er sich genügen, und spricht: Lieber, sagt ihr, daß dies Bild und Überschrift des Kaisers sei? Ja, wir sagen es. Ei, so ihr denn des Kaisers Gut und Münze habt, so gebt ihm, was sein ist. Denn daß sie bekannt hatten, sie brauchten seine Münze, daß war schon so viel bekannt, als hätten sie den Kaiser zum Herrn angenommen. Darum hat der Herr gut zu schließen aus ihren eigenen Worten, daß er dem Kaiser nicht wollte nehmen, was sein ist. Das ist die Ursache des heutigen Evangeliums, ein rechtes Meisterstück, da die Pharisäer den Herrn Jesu wollten verraten und verkaufen, und geht doch solches Vornehmen über ihnen selbst danach aus. Sie wollten ihn in seinen Worten fangen, und fangen sich selbst. Denn er darf weder Ja noch Nein auf solche Frage sagen; sie selbst erinnern ihn mit ihrer Antwort, was er antworten soll, und geben ihm das Schwert in die Hand, damit er sie würgen soll, eben als wenn sich einer mit seinem Schwert selbst mordet. Aus dieser Geschichte sollen wir zwei Stücke merken. Das erste, daß wir an der Juden Beispiel hier unser Unart erkennen lernen. Denn wir sind alle, niemand ausgenommen, sind also so gesinnet, daß wir gern klagen, wenn wir fühlen, was uns wehe tut; wir denken auch, es geschehe uns Unrecht. Und es ist wahr, gegen die Menschen zu rechnen, geschieht uns häufig Unrecht, daß wir es um sie nicht verdient haben, daß sie so untreu mit uns handeln. Da gehen wir denn hin, können nichts, denn auf unser Recht und auf unserer Widersacher Unrecht sehen; schreien dann und klagen, eben wie die Juden hier über die Römer, daß sie wider Gott und Recht über sie, die Gottes Volk waren, herrschten. Und zwar, wie gesagt, die Römer hatten kein Recht, daß sie die Juden überzogen und sich untertänig machten. Denn die Römer waren ja Heiden, die Gottes Wort und den rechten Gottesdienst nicht hatten, wie die Juden. Das tat den Juden sehr wehe; ließen deswegen sich bedenken, sie hätten ihr Recht scharf ergriffen und wohl gefaßt. Aber sie fehlten, gleichwie wir in solchem Fall auch fehlen. Denn obschon dein Nächster dir Unrecht tut, so sollst du doch deine Rechnung nicht darauf machen; sondern dahin sehen und denken: Wie, wenn ich mich vor unserem Herrn Gott so hoch versündigt, daß ich längst verdient hätte, daß er mir nicht allein mein Recht, sondern auch Leib und Leben genommen sollte haben? Das ist das eine, daß wir lernen sollen. Nun ist es nicht weniger, die Juden benahmen sich sehr übel daß sie sollten einem heidnischen Kaiser untertan sein; dachten: Wir sind Gottes Volk, die Heiden wissen von Gott nichts, Leben dazu in aller Abgötterei und Schanden: wie kommen wir denn dazu, daß wir ihnen dienen, und sie unserer Herren sein sollen? Aber was gottesfürchtige, fromme Leute waren, die hoben ihre Hände zu Gott auf und baten um Gnade; auf das Recht aber pochten sie nicht; denn sie wußten, daß sie es mit ihren Sünden wohl verdient hätten. Ursache, die Lehre und Predigt, die öffentlich ging, taugte nichts (wie wir im Evangelium sehen); so war das Regiment auch keinem nütze. Geiz, Wucher, Unzucht, Stolz, Wohllust und andere Sünden gingen mit Haufen. Was sollte denn unser Gott dazu tun? Sollte er sie schützen, da sie doch gar nichts nach ihm und seinem Wort fragten? Sollte er sie bei ihrem Rechte erhalten, da sie nicht einen Finger um seinetwillen und ihm zu Dienst bereit waren aufzugeben? Ja, daß sollte er wohl lassen. Denn weil sie ob seinen Rechten nicht wollten halten, hatte er gute Ursache, daß er sich nach ihrem Recht auch nicht hielte. Auch so hatte Gott ihnen dies leibliche Reich nicht so versprochen, als sollte es immerdar so bleiben; sondern Gott hatte dem Hund einen Knüppel an den Hals gebunden, und das Reich ihnen so zu gesagt: wenn sie fromm und gehorsam wären und seine Gebote hielten. Dieses Wort ließen sie fahren, fragten nach Gottes Geboten nichts, und wollten dennoch ihr Regiment unangefochten haben, Gott gebe, sie wären gottesfürchtig oder gottlos. Genau wie ein Knecht, der seinen Lohn haben will, er verdiene ihn, oder nicht. Ja, daß müßte man ihnen bestellen. Es heißt also: tue, was du sollst, so widerfährt dir, was dir gebühret. Wenn ein Bauer nicht fromm, gehorsam, noch seinen Zins geben will, dem geschieht nicht Unrecht, wenn der Herr ihm beides, sein Gut und Recht, nimmt, und gibt es einen andern, der fromm ist, und tut, was er seiner Herrschaft zu tun schuldig ist. Darum sollen wir lernen unsere Klage mäßigen und eine gleiche Rechnung machen: daß wir nicht allein dahin sehen, was wir für ein Recht gegen andere haben, sondern was für ein Unrecht wir gegen Gott tun; und alsdann in aller Demut und Geduld unsere Hände zu Gott aufheben, und sagen: Wahr ist’s, es geschieht mir Unrecht, ich habe es um diesen Menschen nicht verdient; aber ich muß auch hinter und über mich sehen, wie ich mit Gott dran bin. Da finde ich ein langes Register, daß verklagt mich, daß ich zehnmal Ärger bin, und habe zehnmal, ja, tausendmal mehr wider Gott gesündigt, denn mein Nächster wider mich. So muß ich sagen: O Herr, vergib, ich will auch vergeben. Denn es wäre Unrecht, wenn wir so steif wollten auf unserem Recht bestehen, da wir so großes Unrecht gegen Gott haben. Wahr ist es, wer sein Recht durch ordentliche Wege und Mittel erhalten kann, daß der nicht Unrecht daran tut. Denn Gericht und Recht sind von Gott selbst geordnet, daß man es suchen und brauchen soll. Wo wir aber das Recht nicht erheben können, da hüte sich jedermann, daß er nicht viel Klage, oder ungeduldig werde; sondern kehre sich herum, und spreche: Ich sollte wohl billig Recht haben, und die, so mich beleidigen, Unrecht; aber ich muß bekennen, daß ich solch Unrecht vor Gott wohl verdient habe. Dann würden wir nicht tun, wie die Juden: die gaben mit ihrem Leben und Wesen ein böses Beispiel, und meinten, da Gott bei ihnen sein Recht verloren hatte, sie wollten doch ihr Recht vor den Leuten behalten. Gerade als wenn die bösen Bauern wollten von ihrer Obrigkeit den Schutz haben, und wollten doch keine Steuer und niemand etwas geben, so kann man sie beim Kopf nehmen und zwingen. Eine solche Meinung hat es mit den armen Pastoren nicht; die haben keine Gewalt, damit sie zwingen können die, so ihnen nicht geben wollen, was sie schuldig sind. Darum meinen solche böse Bürger und Bauern, sie haben gute Recht, wenn sie ihnen gar nichts, oder ja nichts gutes, sondern das Ärgste geben. Aber wie geht es letztlich? Kann der Pfarrer nicht strafen noch sein Recht erlangen, so sieht Gott zu, der schickt Pest unter Leute und Vieh; er schickt Diebe oder Soldaten, die dir nehmen, was du hast; er verhängt es, daß durch Ungewitter Wein, Korn, Obst, Rüben, Kraut auf dem Felde verderben. Da heißt es denn, wenn es so zugeht: Lieber Bürger, lieber Bauer, klage nicht, daß dir Unrecht geschehe. Du meinst wohl, es geschehe dir Unrecht; aber vor Gott geschieht dir sehr recht. Du hast dies, ja viel ärgeres längst um ihn verdient. Darum klage nicht, daß dir Unrecht geschehe, sondern klage über deine Sünden und unbußfertiges Leben, über deinen Geiz, Stolz, Sicherheit, Verachtung Gottes Worts und dergleichen; denn solche Sünden machen aus deinem Recht lauter Unrecht. Also will der Herr die Juden hier auch erinnern, weil sie ihr Reich verloren und von den Römern dazu bezwungen wurden, daß sie nicht darüber schreien, sondern hinter sich und an ihre Sünden denken sollen, und sich dabei erinnern, sie haben Gott nicht gegeben, was sie zu geben ihm schuldig gewesen; sollen deswegen alles für gut nehmen. Aber die Juden wollten es nicht tun; sie wollten schlecht ihr Königreich mit Recht wieder haben. Da sagte unser Herr Gott Nein zu; da soll mir der Kaiser zu Rom gut genug für sein, der soll euch zwingen, so ihr nicht gern unter die verdiente Strafe euch geben wollt, daß ihr es nun tun müßt. Denn das Reich war den Juden anders nicht zu gesagt, denn daß sie sollten fromm dabei sein; sonst sollten sie Reich und Recht eins mit dem anderen verlieren. Wir müssen heutiges Tages mit dem Türken auch so tun. Unrecht meinen wir, weil er Ärger denn ein Heide ist, daß er solch einen großen Sieg gegen uns Christen haben soll. Aber laßt uns nicht sehen, wer der Türke ist, sondern wer wir gegen Gott sind; so finden wir, daß uns nicht Unrecht geschieht. Warum halten die Katholiken so steif über der Abgötterei, und verfolgen daß Wort? Warum bessern wir uns nicht, die wir das Evangelium haben, und Leben doch nicht, wie es Christen wohl ansteht? Das ist das eine Stück, daß wir heute lernen sollen. Das andere ist, daß man einen Unterschied soll machen zwischen der Welt Reich und unseres Herrn Christi Reich, und das unser Herr Gott hier das weltliche Reich nicht verdammt, sondern bestätigt es mit Haus, Hof, Nahrung, Ehestand und allen Ständen, die ein Kaiser haben muß. Denn das Christus spricht: «Gebt dem Kaiser, was des Kaisers ist,» das ist genau so geredet, als spräche er, bist du ein Bürger, ein Bauer, ein Edelmann, ein Fürst, ein Mann, ein Weib, ein Knecht, eine Magd,: bleib dabei, und zerrütte dem Kaiser sein Reich nicht. Du Knecht, diene deinem Herrn. Du Kind, folge deinem Vater und deiner Mutter. Diese Stände will ich nicht zerreißen; denn es sind des Kaiser Stände, deren er nicht entbehren kann, und hindern mein Reich nicht, welches nicht ein Weltreich ist. Solches dient dazu, daß wer ein Christ sein will, sich deswegen nicht aus dem weltlichem Gehorsam ziehe und wolle frei sein, oder wolle seinen Beruf wechseln und etwas Neues vornehmen, wie die Mönche getan haben, die dachten, wenn sie in weltlichem Stand und Amt blieben, sie könnten nicht selig werden. Nein, spricht Christus, solches soll nicht sein, ich will mit meiner Predigt daß Kaisertum nicht zerreißen. Darum bleibe in deinem Stande, und gib, was du dem Kaiser geben sollst; daran will ich Gott nicht hindern, der hat seinen eigenen Gehorsam. Darum sollst du Gott auch geben, was Gottes ist, das ist, glaube an Jesu Christum, höre das heilige Evangelium und nimm es an, und halte dich in Gottesfurcht in seinen Geboten. Sei barmherzig, freundlich, geduldig. Das sollst du Gott opfern: an dem will er sich genügen lassen. Soviel aber dem Leib, das Gut, deinen Stand und Beruf betrifft, da lasse den Kaiser mit machen. Also können Gott und Kaiser fein beieinander bleiben, da es die Juden gern von einander gerissen hätten, ja, weder Gott noch dem Kaiser das Seine geben wollten. Hier soll man aber fleißig merken: gleichwie Gott dem Kaiser sein Regiment nicht zerreißen will (denn es hindert dich an deinem Glauben und vor Gott nicht, du hast für ein weltlich Amt und Beruf, wie du wolltest; wenn du willst, du kannst wohl ein Christ dabei bleiben): also soll der Kaiser unserm Herrn Gott sein Regiment auch nicht zerreißen, und ganz lassen, und die Leute an dem nicht hindern, daß sie Gott nicht sollten geben, was sie Gott zu geben schuldig sind. Was aber dasselbe sei, ist oben gemeldet, nämlich, Gott sind wir schuldig, daß wir an Christum glauben, sein Wort gern hören, und nach demselben unser Leben ausrichten, und nichts dagegen tun sollen; mehr können wir Gott auf Erden nicht tun. An solchem Dienst soll der Kaiser oder weltliche Obrigkeit die Untertanen auch nicht hindern. Wo aber weltliche Obrigkeit solches hindern, sollen die Untertanen ihnen nicht gehorchen; sondern lieber darüber leiden, was ihnen zu leiden vorkommt. Deswegen ist es eine schwere große Sünde, wo weltliche Obrigkeit ihren Gehorsam also will gehalten haben, daß man Gott seinen Gehorsam dabei nicht leisten kann. Als, wenn sie die rechte Lehre verbieten, und ihre Untertanen darum strafen, wo sie das Sakrament ganz empfangen, wie es Christus geordnet hat, zwingen die Leute zu dem abgöttischen Wesen, mit Seelmessen, Ablaß, Heiligenanrufung und anderem. In solchem und anderem gehen sie aus ihrem Amt und wollen Gott seinen Gehorsam nicht leisten. Denn Gott fordert vor allen Dingen von uns, daß wir sein Wort hören und demselben folgen sollen. Wo aber die Obrigkeit an solchem hindern will, da sollen die Untertanen wissen, daß sie ihnen Gehorsam zu leisten nicht schuldig sind. Denn es steht geschrieben: «Man soll Gott mehr gehorchen, denn den Menschen.» Und hier heißt der Herr nicht allein dem Kaiser geben, was des Kaisers ist, sondern auch Gott, was Gottes ist. Will nun weltliche Obrigkeit um solches Gehorsams willen gegen Gott und sein Wort zürnen, ihre Untertanen schlagen mit Stöcken, oder auch das Leben nehmen; das muß man geschehen lassen, und sich an den Trost halten: Der Kaiser oder weltliche Obrigkeit ist unser Herr, das ist wahr; aber doch nicht allein, sondern wir haben neben ihm einen Herrn, der ist größer, nämlich, unser Herr Gott im Himmel. Wo nun einer unter diesen zwei Herren muß erzürnt werden, daß man entweder Gott oder dem Kaiser ungehorsam werden muß, da ist es besser, man erzürne mit dem Ungehorsam den Kaiser, denn daß man Gott erzürne. Ursache, wirst du Gott ungehorsam und willst da mit dem Kaiser oder weltliche Obrigkeit hofieren, so ist Gott so ein Herr, der den ungehorsam, den du ihm beweisest, strafen kann und will mit höllischem Feuer und dem ewigen Tode. Diesen Jammer sollte ja kein Mensch gerne auf sich laden, und tausendmal eher den Kaiser erzürnen, der, so er gleich böse ist, dennoch nicht höher, denn nur mit einer zeitlichen Strafe den Ungehorsam strafen kann. Ich heiße aber den Kaiser hier nicht diese oder jene Person, sondern allgemein alle Obrigkeit. Denn also nennt sie Christus hier auch, da er spricht: «Gebt dem Kaiser, was des Kaisers ist.» Danach siehe auch auf die Belohnung. Bist du Gott Gehorsam und hältst dich nach seinem Befehl, so wird auf solchem Gehorsam eine ewige Belohnung, der Himmel und ewiges Leben folgen. Dagegen du für den unbilligen sündlichen Gehorsam, welchen du wider Gottes Befehl deiner Obrigkeit leistest, nur eine kurze Zeit gutes Leben hast, und mußt sein (wie zuvor gemeldet) hernach in Ewigkeit büßen. An solchen Trost sollen sich die armen Christen halten, die heutigen Tages unter solche Obrigkeit sind, die sie zu Gottes Wort nicht kommen lassen, und zu falschem Gottesdienst mit Gewalt treiben und zwingen wollen. Denn Gott will sich nicht spotten lassen. Er will, du sollst dem Kaiser geben, was sein ist; aber doch also, daß man Gott auch gebe, was Gottes ist. Und das tun will billig. Denn vom Kaiser und weltliche Obrigkeit haben wir mehr nicht denn die Nahrung, Essen und Trinken, Kleidung, Schutz, Friede, und was anderes noch zu diesem vergänglichen Leben gehört. Aber von Gott haben wir Leib und Leben, danach die Hoffnung des ewigen Lebens. Sollten wir denn solchen Gott, dessen wir in Ewigkeit genießen sollen, um der Menschen willen übergeben, den Menschen dienen und ihm ungehorsam sein? Das wolle der liebe Gott nicht, es gehe uns gleich darüber, wie sein göttlicher Wille ist. Es sollte aber weltliche Obrigkeit sich ihres Amtes besser erinnern. Wenn Christus also gesagt hätte: Gebt dem Kaiser alles, was er will oder ihr habt; so könnte er solches mit Recht fordern, oder von den Seinen nehmen. Aber hier steht deutlich also: «Gebt dem Kaiser, was des Kaisers ist.» Das ist, er hat sein Genanntes und Bestimmtes, daß sein ist und woran er sich an genügen lassen soll. Will er aber weiter greifen, und auch das nehmen, daß Gottes ist; so sollt ihr wissen, daß ihr es nicht schuldig seid. Dürft deswegen, ja, ihr sollt auch, so lieb euch eurer Seelen Seligkeit ist, ihm solches nicht geben. Denn gleichwie der Kaiser nicht Macht hat, solches zu fordern: also ist den Untertanen von Gott selbst verboten und gewehret, daß sie es dem Kaiser nicht geben sollen. Darum ist es ein schrecklicher Jammer, der ohne Zweifel Deutschland in alles Unglück bringen wird, daß weltliche Fürsten, und besonders die Bischöfe, die doch (wie sie sich jetzt verhalten) mehr nicht denn weltliche Fürsten sind, so jämmerlich haushalten mit ihren armen Leuten. Denn sie lassen sich an dem Gehorsam nicht sättigen, daß ihre Untertanen mit Leib und Gut zu ihnen setzen und ihnen dienen wollen; sondern sie wollen auch haben, daß ihre Untertanen sollen glauben und in Glaubenssachen das tun, daß ihnen gefallen und öffentlich wider Gott und sein Wort ist. Daher verbieten sie ihnen die rechte und reine Lehre, wollen sie an die Orte zur Predigt nicht lassen gehen, wo man Gottes Wort recht lehrt. Dazu verbieten sie die Bücher, daß man es auch nicht lesen soll. Sie bestellen falsche lügenhafte Prediger, die den alten Dreck predigen, von welchem man nicht ein Wort hört, da ein Gewissen rechten Trost von fassen und sich daraus bessern könnte. Und was noch ärger ist, tun solche Schreier in allen Predigten nichts, denn daß sie das heilige Evangelium lästern und auf das schlimmste beschimpfen. Wenn es nun solche dahin bringen könnten, daß das schreckliche abgöttischen Meßopfer bleibt, daß man Heilige anruft und ehrt, Wallfahrten geht, Ablaß kauft, durch Beichten, Fasten, Feiern und anderer Werke erhofft Vergebung der Sünden zu erlangen: da denken sie, sie haben es wohl ausgerichtet. Besonders aber treiben sie einen großen Mutwillen mit dem hochwürdigen Sakrament, da der Befehl Christi und der ersten Kirche Brauch so lauter und klar ist, daß man es ganz, und nicht allein eine Gestalt (wie sie es heißen) nehmen soll. Dies alles, und vieles anderes, so jetzt Fürsten und Bischöfe mit ihren Untertanen üben, wollen sie damit erhalten, daß man weltlicher Obrigkeit Gehorsam leisten soll. Sie tun gerade als stände hier: Gebt dem Kaiser alles, und Gott nichts. Denn in Gottes Sachen dem Kaiser folgen, und nicht dem Wort Gottes, heißt den Kaiser über Gott setzen, Gott alles nehmen und dem Kaiser alles geben. Aber es soll nicht sein. Dem Kaiser will Gott nicht allein dem Gehorsam seiner Untertanen gönnen sondern er befiehlt ihnen auf das fleißigste, und hält zur ernst darüber, daß es nie eine Aufruhr noch Ungehorsam wieder weltliche Obrigkeit gäbe, es ist immer heftig an den Untertanen gestraft worden, wie uns die Geschichte lehrt. Aber daneben will Gott seinen Gehorsam auch haben. Er will dem Kaiser Leib und Gut, Haus und Hof untertänig machen, daß nur ihm das Herz bleibe und er durch sein Wort und Geist im Herzen regieren möge. Wenn er aber solches nicht erhalten soll, und der Kaiser über die Gewalt, so er über Leib und Gut hat, auch über das Herz Macht haben und darüber regieren will, daß jedermann glauben soll und in Gottes Sachen tun, was er will, und nicht, was Gott in seinem Wort gelehrt und befohlen hat: da wird endlich nichts Gutes folgen. Denn Gott will sein Reich unzerstört und seinen Dienst ungehindert haben. Wer sich aber untersteht, der wird mit dem Kopf anlaufen. Wie es denn je und je mit den größten Königen überall gegangen ist; sobald sie alles haben und Gott nichts lassen wollten, da hat Gott da Seine auch behalten, und sie, die Tyrannen, haben alles verloren und sind zerbrochen. Also sieht man, wie der Herr hier des Kaisers Gewalt umfangen und fein beschränkt hat, daß er bei den Seinen bleiben, und nicht in Gottes Reich und Gewalt greifen soll. «Dem Kaiser,» spricht er, «gebt, was des Kaisers ist.» Als wollte er sagen: Was Gott gehört und des Kaisers nicht ist, daß gebet ihm auf keinen Fall; sonst würdet ihr mir ungehorsam und dem Kaiser zuviel gehorsam; der mag euch eine Zeitlang lohnen, aber ich werde meinen Ungehorsam mit dem ewigen Feuer strafen. Darum bleibe der Kaiser bei dem Seinen, oder so er dabei nicht bleiben will, hüte du dich, daß du ihm nicht gebest, was mein ist. Denn diese zwei Reiche sollen unterschieden bleiben, daß Gott bleibe, was Gottes ist, und dem Kaiser, was des Kaisers ist. Wiewohl auch im Zeitlichen, soviel es den Leib, Geld und Gut betrifft, ein Maß gehalten werden soll. Denn es soll ja ein Unterschied zwischen weltlicher Obrigkeit und einem tyrannischen Regiment bleiben. Ein Tyrann nimmt von den Untertanen, solange er etwas findet. Das will der Herr der Obrigkeit hier nicht einräumen, sondern weil er den Untertanen befiehlt: «gebt dem Kaiser, was des Kaisers ist,» damit will er der Obrigkeit oder dem Kaiser auch zu verstehen geben, sie sollen nicht mehr fordern noch nehmen, denn was ihr ist. Macht also einen Unterschied zwischen dem daß dein ist, und dem, daß du von dem Deinen der Obrigkeit geben sollst. Denn die Regimenter sind nicht darum eingesetzt, daß man nur Bettler machen und niemand nichts behalten soll. Darum gibt man der Obrigkeit Steuer, Zins oder Rente, daß die Untertanen bei den ihren bleiben, ihre Nahrung suchen, sich und die ihren mit Ehren hinbringen und das Ihre mehren mögen. Wo aber Not vorfällt, daß man zur Erhaltung des Friedens wider die Feinde etwas tun soll, da soll sich niemand weigern, sondern mit Leib und Gut gerne zu Obrigkeit kommen, und ihr beistehen, so lange man kann. Aber außerhalb solcher Not soll die Obrigkeit nicht tyrannisch regieren, den Untertanen nicht zuviel auflegen, sondern sie bei den ordentlichen und leidlichen Beschwerungen bleiben lassen. Sonst nimmt sie, was nicht ihr ist, und verursacht Gottes Zorn wider sie, der durch Aufruhr, durch fremde Feinde und auf andere Wege die Tyrannen pflegt zu strafen. Das sei von diesem Evangelium genug. Gott verleihe seine Gnade unserer Obrigkeit und uns, daß wir zu beiden Teilen Gott geben, was wir ihm zu geben schuldig sind. So wird sich das andere fein finden, daß wir dem Kaiser auch werden geben und er nehme, was sein ist. Werden also in einem feinen, friedlichen, Gott wohlgefälligen Leben unserer Zeit hier zubringen, und durch den Glauben an Christum danach ewig selig werden. Das verleihe uns unser lieber Herr Gott, durch Christum, unser Herrn, und den Heiligen Geist, Amen.   Am 24. Sonntag nach Trinitatis Markus 5,21-43 Und da Jesus wieder herüber fuhr im Schiff, versammelte sich viel Volks zu ihm, und war an dem Meer. Und siehe, da kam der Obersten einer von der Schule, mit Namen Jairus. Und da er ihn sahe, fiel er ihm zu Füßen, und bat ihn sehr und sprach: meine Tochter ist in den letzten Zügen; du wollest kommen und deine Hand auf sie legen, daß sie gesund werde und lebe. Und er ging hin mit ihm; und es folgte ihm viel Volks nach, und sie drängten ihn. Und da war ein Weib, das hatte den Blutgang 12 Jahr gehabt, und viel erlitten von vielen Ärzten und hatte alle ihr Gut darüber verzehrt, und half sie nichts, sondern viel eher ward es ärger mit ihr. Da die von Jesu hörte kam sie im Volk von hinten zu und rührete sein Kleid an. Denn sie sprach: Wenn ich nur sein Kleid möchte anrühren, so würde ich gesund. Und alsbald vertrocknete der Brunn ihres Bluts; und sie fühlte es am Leibe, daß sie von ihrer Plage war gesund worden. Und Jesus fühlete alsbald an ihm selbst die Kraft, die von ihm ausgegangen war, und wandte sich um zum Volk und sprach: Wer hat meine Kleider angerühret? Und die Jünger sprachen zu ihm: Du siehst, daß dich das Volk dränget, und sprichst: Wer hat mich angerühret? Und er sah sich um nach der, die das getan hatte. Das Weib aber fürchtete sich und zitterte (denn sie wußte, was an ihr geschehen war), kam und fiel vor ihm nieder und sagte ihm die ganze Wahrheit. Er sprach aber zu ihr: Meine Tochter, dein Glaube hat dich gesund gemacht; gehe hin mit Frieden und sei gesund von deine Plage. Da er noch also redete, kamen etliche vom Gesinde des Obersten der Schule und sprachen: Deine Tochter ist gestorben, und was mühest du weiter den Meister? Jesus aber hörete bald die Rede, die da gesagt ward, und sprach zu dem Obersten der Schule: Früchte dich nicht, Glaube nur. Und ließ niemand ihm nachfolgen, denn Petrus und Jakobus und Johannes, den Bruder Jacobi. Und er kam in das Haus des Obersten der Schule und sahe das Getümmel und die da sehr weineten und heuleten. Und er ging hinein und sprach zu ihnen: Was tummelt und weinet ihr? Das Kind ist nicht gestorben, sondern es schläft. Und sie verlachten ihn. Und er trieb sie alle aus und nahm mit sich den Vater des Kindes und die Mutter und die bei ihm waren, und ging hinein, da das Kind lag. Und ergriff das Kind bei der Hand und sprach zur ihr: Talitha kumi, das ist verdolmetscht, Mägdelein, ich sage dir, stehe auf. Und alsbald stand das Mägdelein auf und wandelte; es war aber 12 Jahre alt. Und sie entsetzten sich über die Maße. Und er verbot ihnen hart, daß es niemand wissen sollte, und sagte, sie sollten ihr zu Essen geben. Im heutigen Evangelium hören wir von zwei Wunderwerken, die beide groß und trefflich sind. Das erste, von dem kranken Weiblein, daß so einen festen Glauben an den Herrn Jesu hat, daß sie hofft, wenn sie nur sein Kleid heimlich, ohne sein Wissen, anrühren möchte, sie wollte sobald gesund werden. Das andere, vom Obersten der Schule, der auch Glaube, obwohl seine Tochter gestorben ist, so könne doch der Herr ihr das Leben wieder geben. Das also in beiden Wunderwerken der Glaube trefflich gepriesen wird; uns zum Beispiel, weil der Glaube an Christum so große Dinge ausgerichtet, daß wir dadurch uns reizen lassen, und auch gern zu diesem Mann uns finden, zu welchen niemand je sich etwas Gutes versehen hat, daß ihm nicht gewiß widerfahren wäre, wie er geglaubt hat. Die erste Geschichte ist von dem armen Weiblein, welches eine gefährliche, schwerer Krankheit hatte. Da sagt Markus besonders von, sie habe alt ihr Gut unter den Ärzten verzehret; denn sie habe diese Plage 12 ganze Jahr gehabt, und sei mit ihr von Tag zu Tag ärger geworden; daß es ein Wunder ist, daß sie es so lang hat können aushalten; und wird ihr doch so leicht vom Herrn geholfen: daß sie nicht mehr tut, denn, wie sie gehört hat, daß etliche gesund geworden sind, die nur sein Kleid an gerührt haben, denkt sie, sie werde auch so gesund werden; drängt deswegen unter dem Volk zum Herrn, darf ihn nicht darum bitten, sondern vor großer Demut gedenkt sie, sie wolle es ihm heimlich stehlen, und rührt sein Kleid an. Alsbald, wie sie geglaubt hatte, ward ihre Sache besser, und die Krankheit ließ nach, mit der sie zuvor so viel Mühe gehabt hat, aber umsonst und vergebens, ja, auch mit ihrem großen Schaden. Denn, wie Markus sagt, ist’s mit ihr je länger je ärger geworden. Hier ist besonders zu merken, daß der Herr solche Hilfe sich nicht will stehlen lassen, daß es niemand erfahren soll; sondern fragt, wer ihn angerührt hat? Die Apostel denken dieses sei eine närrische Frage, daß er so genau fragt, wer ihn angerührt hätte, weil das Volk sich so um ihn her drängte. Aber der Herr wußte, was ihnen verborgen war. Denn es war nicht ein schlechtes anrühren mit den Händen; sie rührete ihn mit dem Herzen und festem Vertrauen auf seine Gnade und Allmächtigkeit an. Darum auch eine besondere Kraft von den Herrn Jesu ausgegangen war, die er fühlte. Solch ein anrühren will der Herr nicht heimlich geschehen lassen; und zum Beispiel. Treibt also das Weib mit seinem Fragen, daß sie hervor muß, und muß sich sehen lassen, und alles, was sich mit ihr zugetragen, öffentlich vor jedermann bekennen; auf das er Ursache habe solchen Glauben zu rühmen, und uns alle lehre, daß es ihm ein lieber Dienst für uns sei, wo wir uns seine Hilfe trösten und Gutes bei ihm suchen; rühmt deswegen das Weiblein sehr hoch, und redet sie herzlich an: «sei getrost, meine Tochter, dein Glaube hat dir geholfen.» Da müssen die Jünger selbst bekennen, der Herr hat nicht vergebens gefragt; es sei nicht ein schlechtes Anrühren, sondern etwas besonderes, da den Herrn und uns allen an gelegen sei. Es ist aber eine wunderliche Rede, die der Herr hier tut, wenn wir es nur recht bedenken wollten. Er bekennt, es sei eine Kraft von ihm ausgegangen. Wie nun das Weiblein da vor dem Herrn steht, und bekennt die Wohltat, die er ihr erzeigt hat, läßt sich der Herr nicht merken, daß solche Kraft von ihm ausgegangen sei; sondern schreibt es dem Glauben dieser Frau zu, so doch nicht sie selbst, sondern der Herr ihr geholfen hatte. Solches tut der Herr darum, uns damit anzuzeigen, was für eine große Lust er daran habe, wenn du alles Gute und Hilfe bei ihm suchst. Als wollte er sagen: sehet zu und lernet nur getrost glauben, es sei die Not gleich groß wie sie ist; denn ich will euch viel lieber helfen, denn ihr es erhoffen könnt. Ich will viel lieber vom Tod erlösen, denn ihr das Leben habt. Wie er es hier mit dem Werk beweiset, da es so leicht zugeht, und er die Kraft so gern von sich gehen läßt. Darum sollten wir an solchem Beispiel lernen, daß wir auch glaubten, und uns alles Gute von Christo erhofften in allerlei unserer Not und Anliegen. Aber was geschieht? Wie hören solches in der Predigt, man sagt es uns im Haus, wir greifen seine Wunder, die er noch täglich tut; dennoch will es mit dem Glauben nicht besser werden. Wer Kasten und Keller von hat, der glaubt, wie schwer er für das nächste Jahr mit Essen und Trinken haben werde. Wer gesund ist, der glaubt, daß ihm Gott helfen könne. Wenn wir aber in Armut und Krankheit kommen, dann ist der Glaube aus. Mehr tun wir nicht, denn daß wir klagen und schreien, und denken, es sei nirgends eine Hilfe mehr, ob wir wohl alle Tage hören, Gott wolle durch Christum uns gnädig sein und gern helfen. Wie treibt sich aber solches mit diesem Weiblein hier? Daß vielleicht nur ein oder zweimal von dem Herrn Christo und seinen Wundern gehört hat, und fällt ihn doch mit einem solchen starken Glauben an, daß, selbst wenn der Herr Christus oben im Himmel gesessen, hätte sie mit solchem Glauben den Himmel zerrissen und ihn herunter gebracht, daß er ihr hätte helfen müssen. Denn wie gesagt, er kann die Hilfe nicht abschlagen, wo man sie mit Ernst rechtem Glauben bei ihm sucht. Darum sind wir wahrlich, Gott sei es geklagt, heillose Leute, die wir Gottes Wort so reichlich haben, und doch mit dem Glauben nicht vorwärts kommen wollen. Solches ist des Teufels und unseres schändlichen alten Adams Schuld. Sonst sollten wir ja, wenn wir ernstlich verlangen hätten, gerecht und selig zu werden, und zu haben, was wir bedürfen, auch an Christum Glauben und durch ihn alles hoffen. Denn wie gehört, der Glaube kann nicht fehlen. Darum rühmt ihn der Herr hier sehr und sagt: «Dein Glaube hat dir geholfen.» Derselbe Glaube an Christum wird auch uns helfen, und von den Toten zum Leben auferwecken, den Teufel überwinden, die Sünde verjagen und uns selig machen. Solche Werke, obwohl sie Christus tut, so heißen sie doch des Glaubens Werke. Denn ohne den Glauben kann man nicht dazu kommen; wie wir wißt, daß Christus selbst, die Heiligen Sakramente und das Wort Gottes oder die Predigt außerhalb des Glaubens nicht helfen oder nützen können. Der Glaube muß es tun, oder es bleibt ungetan. Das ist das erste Wunderwerk. Das andere Wunderwerk ist von dem gestorbenen Mägdelein, daß ebenso alt, wie Lukas sagt, gewesen ist, solange diese Krankheit gedauert hat. Da wußte nun niemand anders, denn daß das Mägdelein gewiß Sterben würde; darum war alles schon zugerichtet, was man bei verstorbenen Leuten, die man beerdigen wird, zu tun pflegt. Die Pfeifer standen im Haus; denn die Juden haben keine Glocken gehabt, sondern wie wir bei den Toten läuten, also haben sie vor der Tür einen Trauergesang posaunen lassen. So hatte sich das Volk zum Leichengang gesammelt, daß es ein großes Getümmel im Haus war; wie es an solchen Orten eben zugeht. Indem geht der Vater des Mägdelein hin, da alle Welt keine Hoffnung mehr hat (denn was kann man menschlich hoffen, wenn ein Mensch dahinstirbt, mit einem seltsamen, wunderlichen Gedanken, daß er hofft, wenn er Christum habe, so könne seine gestorbene Tochter wohl wieder lebendig werden. Denn also Zeugen seine Worte. Er fällt vor dem Herrn nieder, und spricht: «Herr, meine Tochter ist gestorben; aber kommt, und lege da der Hand auf sie, so wird sie wieder lebend.» Denn obschon Markus und Lukas sagen, er sei zu Jesu gekommen, da die Tochter noch in den letzten Züge gelegen; so melden sie doch, ehe Christus ins Haus gekommen, sei das Mägdelein gestorben, und zeigen fein an, daß der Vater dennoch geglaubt und solche Zuversicht zum Herrn behalten habe, er werde ihr helfen und sie vom Tode aufwecken. Wer hat doch sein Lebtag wunderlichere Leute gesehen oder gehört? Das Weiblein, daß an der ganzen Welt Hilfe verzagen muß, fast den Gedanke, sie wollen gesund werden, wenn sie nur dem Herrn so nahe könne kommen daß sie in einen Zipfel seines Rockes anrühre. Und ihr Gedanke fehlet nicht; wie sie es glaubt, also widerfährt es ihr. Also der Vater hier, dem seine Tochter gestorben war, fast den Glauben, so der Herr nur seine Hand auf das tote Mägdelein lege, so werde sie wieder leben. Ja, möchtest du sprechen, wenn es ein schlechter Schlaf, nicht der bittere Tod selbst wäre, so möchte man mit der Hand etwas ausrichten. Aber da wird keine Hand, kein rütteln, kein stoßen, kein anschreien, noch etwas anderes helfen, alles scheint verloren. Also kann und muß die Vernunft denken. Aber der Oberste hatte nicht solche Gedanken; sonst würde er daheim geblieben und dem Herrn Christo nicht fein nachgelaufen. Hier sehen wir aber einmal, wie so ein herzlich Wohlgefallen der Herr an solchem Glauben habe, welchen die Vernunft für lauter Narrheit achtet. Denn ob er wohl da Nötiges zu schaffen und eine scharfe Diskussion mit Johannes seinen Jüngern hatte: trotz des selben alles, sobald er diesen Glauben und Zuversicht sieht, macht er sich auf, folgt dem Oberste nach, wohl denkt, er müsse tun, wie dieser Mann glaubt. Darum, da er ins Haus kommt, sieht, daß alle Dinge so zugerichtet sind, wie bei gestorbenen Leuten: besorgt er, es möchte dem Vater das Elend unter die Augen schlagen, und andere Leute Beispiel und Unglaube möchte ihn abwendig machen; fährt er bald zu und tröstet den Vater mit Worten, heißt das Volk aus dem Hause gehen, daß sich zum Leichengang versammelt hatte. Als wollte er sagen: Ihr Leute, was macht die hier? Meint ihr, ihr wolltet mit der Leiche gehen? Oh nein, geht an Orte, wo jemand gestorben ist, hier ist niemand gestorben; das Mägdelein schläft nur. Nein, sprechen die anderen, es schläft nicht, es ist gestorben, wir sind darum da, daß wir es wollen zur Erde bestatten. Du mußt wohl nicht Weise sein, daß du meinst, wir wissen den Unterschied nicht, ob ein Mensch schläft oder gestorben ist. Darum meldet der Evangelist, sie haben ihn verlacht, und für einen Toren gehalten, der nicht wisse, was Schlaf oder Tod sei. Aber der Herr beruht auf seiner Meinung, und liegt ferner allein daran, daß er es mit dem Werk beweise, ob er recht habe oder nicht. Da ist kein Mensch, der es mit ihm und für wahr hielte, denn des Mägdeleins Vater. Dar läßt sich der Herr genügen um seinetwillen, das ist, um seines Glaubens willen, beweist er es mit dem Werk; da sonst, wo solchen Glauben der Vater nicht gehabt, daß Mägdelein gewiß tot geblieben, und nicht geschlafen hätte. So ein treffliches Ding ist es um den Glauben, daß man sich zum Herrn Christus etwas Gutes versehen kann. Darum tritt der Herr hinzu, greift das Mägdelein an, schüttelte es ein wenig mit der Hand, nicht anders, wie wir mit einem schlafenden Kind umgehen, wenn wir es aufwecken wollen. Denn also glaubte der Vater; und der Herr will nicht anders tun, denn als der Vater glaubte. Bald richtet das Mädchen sich auf, nicht anders, denn als wäre es in einem feinen, sanften Schlaf gelegen. Diese Worte sollten wir fleißig merken, daß der Herr hier spricht: «Das Mägdelein ist nicht tot, sondern es schläft»; denn es sind tröstliche Worte, da wir, wo sie zu kaufen möglich wären, gern alles darum geben würden, daß wir sie erhalten und behalten, verstehen und glauben könnten. Denn wer eine Toten Menschen also könnte ansehen, als läge er auf einem Bett, und schliefe; wer sein Gesicht so verkehren, und den Tod für einen Schlaf könnte halten: der möchte sich wohl rühmen, er könnte eine besondere Kunst, die sonst kein Mensch kann. Aber wir erfahren und sehen es an uns und anderen Leuten, je höher die Vernunft bei einem Menschen ist, um so weniger glaubt er solches und lacht. Wie man hier sieht, daß sie des Herrn spotten, und denken: Sollte dieser die Toten lebendig machen? Er wird nicht bei Sinnen sein, daß er dafür hält, ein verstorbener Mensch schlafe und sei mit einer Hand wieder lebendig zu machen. Also geht es; denn Gottes Weisheit ist so hoch, daß sie die Vernunft für lauter Narrheit hält. Denn denke du, so dir ein Kind wäre gestorben, und ich sagte zu dir: Ei, es ist nicht gestorben, siehst du nicht, daß es nur schläft und mit einem Finger aufzuwecken ist? Da würdest du denken, wie spotte deinem Elend, und würdest zu mir sagen, ich sollte dich zufrieden lassen. Eben also haben diese hier dem Herrn Christus auch getan. Darum lerne du aus dem heutigen Evangelium dies, daß der Tod gegen den Herrn Christum nichts anderes ist, denn ein Schlaf; wie wir hier sehen, daß er das gestorbene Mägdelein mit der Hand aufweckt, als aus einem Schlaf. Das Weiblein hat ihre Krankheit, und hat sie doch nicht, da sie zu Christus kommt. Und die Krankheit ist dem Herrn Christus keine Krankheit. Wie das andere Beispiel mit den Weiblein zeigt, welches sehr krank war; aber sobald sie zu Christus kommt und sein Kleid anrühret, muß die Krankheit weichen. Also erzeigt sich der Herr in anderen Nöten und Gebrechen auch. Die Blinden, so Hilfe bei ihm suchen, werden sehend, die Sünder gerecht, die Verlorenen selig. So wunderbar kann er mit uns umgehen. Was er redet, ist vor unseren Augen nicht allein nichts, sondern gerade das Widerspiel. Also, daß Mägdelein ist vor aller Menschen Augen tot; aber vor meinen Augen, spricht Christus, lebt und schläft sie. David ist vor seinen und aller Welt Augen ein armer Schafhirte; aber vor mir ist der ein König. Ihr alle, die ihr an mich glaubt, seid vor euch arme Sünder; aber vor mir große Heilige und wie die Engel Gottes. Denn es ist mir nicht mehr, denn um ein Wort zu tun, so muß Sünde, Tod, Krankheit weichen, und Gerechtigkeit, Leben und Gesundheit statt dessen sein. Wie ich rede, so muß es durch ausgehen, und nicht anders, es scheine gleich vor der Welt möglich oder unmöglich. Darum redet unser Herr Gott hier auch so ein wunderlich Wort, welches eine große Lüge vor der Welt ist, da er sagt vom Mägdelein, es sei nicht tot, sondern er schlafe. Wenn er allein gesagt hätte, es schläft, hätte in die Leute wohl sagen mögen, es ist ein Schlaf bis an den jüngsten Tag. Aber er sagt rund heraus: Sie ist nicht tot, sondern sie lebt! Vor euch und in euren Augen lebt sie nicht; aber vor mir lebt sie. Und das ihr sehe, daß es wahr sei, wecke ich sie nur mit einem Finger, wie ihr eure Kinder vom Schlaf aufweckt. In der Summe, daß alles geht dahin, daß wir unsere Not nicht ansehen sollen nach der Vernunft, mit fleischlichen Augen, sondern mit Christenaugen. Das sind solcher Augen, wenn sie in den Tod, Sünde und Hölle sehen, können sie gewiß sagen: Ich sehe keinen Tod, ich fühle keine Sünde, ich bin nicht verdammt; sondern wie sehe durch Christum lauter Heiligkeit, Leben und Seligkeit. Also, wenn ich arm bin, fühle ich keine Armut, ich denke, ich habe alles genug; denn ich habe Christus, der mir alle Stunden geben kann, was sich bedarf, ob ich’s gleich nicht habe. Wer solche Augen hätte, der möchte sich rühmen, er hätte Christenaugen, der würde weit anders die Sache ansehen, wenn eine teure Zeit oder die Zeit des Sterbens, als die Welt zu tun pflegt. In der Teuerung sieht jedermann, was er im Keller und auf dem Boden habe; danach er da findet, danach steht ihm der Sinn. Findet er viel, so ist der fröhlich; findet er wenig, so ist der betrübt und will verzweifeln. Also in solch einer Zeit: wer da fliehen kann, der fliehe, und denkt, er wolle an einem anderen Ort sicher sein. Aber ein Christ, der einen festen Glauben an Christum hat, würde so denken: Wenn ich denn, wo es möglich wäre, gleich tausend Mal die Pest an meinem Leibe hätte, will ich nicht darum nicht zu Tode fürchten; denn ich habe Christus. Ist es sein Wille, so soll mir die Pest wenig schaden, als ein Floh unter meinem Arm; der frißt und sticht wohl ein wenig, er kann mir aber das Leben nicht nehmen. Und ist gewiß, wer ein solchen Herz könnte fassen, der würde sicher bleiben ohne Furcht guter Dinge sein. Aber weil wir nicht glauben und solche geistlichen Augen nicht haben, kommt es, daß wir uns so fürchten und verzagen, und in so närrische Gedanken geraten, als könnten wir dem Zorn Gottes über zehn oder zwanzig Meilen entfliehen. Nun zeiget der Herr Christus, daß auch die, so vor unseren Augen gestorben, begraben und längst verfault sind, weil Gott leben. Daher sagt der Herr im Evangelium, Matthäus los 22,32: «Es steht geschrieben: Ich bin der Gott Abraham, Isaak und Jakob; Gott aber ist nicht der Toten, sondern der Lebendigen Gott.» Darum müssen Abraham, Isaak und Jakob leben, und nicht tot sein; so sie doch länger als dreitausend Jahre in der Erde gelegen, und längst zur Asche geworden sind, daß weder Haut noch Haar von ihnen da ist. Aber Christus beweist stark, daß sie leben. Ursache: Gott muß es alles leben, uns aber ist alles tot. Denn Welt und Vernunft kann anders nicht, denn den Tod sehen. Aber der Christen Augen sollen sehen, daß sie nicht sehen und nur im Wort hören; wie ihr der Vater und Christus daß gestorbene Mägdelein ansehen. Gleich wie ich nun hier vom Tod sage, also ist es mit der Sünde auch. Ich soll wissen und bekennen, daß ich ein Sünder bin, und sollte dennoch eitel Heiligkeit und Gerechtigkeit glauben und hoffen. Denn der steht unseres Herrn Christi Wort in der Taufe: «Wer glaubet und getauft ist, wird selig werden»; also, im Abendmahl: «Esset, daß ist mein Leib, der für euch gegeben wird; trinket, das ist mein Blut, daß für euch vergossen wird zu Vergebung der Sünden.» Solchem Wort soll ich glauben, daß es wahr sei; und ob ich gleich das Widerspiel bei mir sehe und fühle, so soll ich doch mich nichts daran kehren, sondern allein auf das Wort sehen und hören, was es mir sagt. Also, so du einen Christen siehst sterben, da sehen deiner Augen einen Toten Menschen; aber solche Kuhaugen tue zu, und tue die geistlichen Augen auf, die auf das Wort sehen; so wirst du finden, daß solcher Mensch nicht tot ist, sondern vor Gott lebet. Denn der sieht das Wort Christi: «Der an mich glaubet, der wird den Tod nicht sehen ewiglich.» So sollen wir nun aus dem heutigen Evangelium lernen, daß alles Unglück, wie groß es vor deinen Augen ist, vor unseren Herrn Christus weniger denn nichts ist. Denn so der Tod an einem Christen nichts sein soll, so wird je Blindheit, Aussatz, Pest und andere Krankheit noch geringer und weniger sein müssen. Darum, so du Sünde, Krankheit, Armut oder anderes an dir siehst, sollst du nicht erschrecken; tue die fleischlichen Augen zu, und die geistlichen auf, und spricht: Ich bin ein Christ, und habe einen Herrn, der mit einem Wort diesem Unrat allem wehren kann. Was will ich mich darum so sehr bekümmern? Denn gewiß ist es, ebenso leicht Christus diesem Mägdelein von dem leiblichen Tode, darin es lag, hilft: so leicht will er uns auch helfen, wenn wir nur glauben und uns der Hilfe zu ihm versehen. Nun sollen wir hier auch das bedenken, daß diesem Mägdelein geholfen wird nicht durch seinen Glauben (denn wer tot ist, der glaubt nicht, ebensowenig als er hört oder sieht); aber ihr Vater glaubt, und ist solcher fremder Glaube so mächtig, daß sie wieder lebendig wird. Denn wie Christus sagt, alle Dinge sind dem Glauben möglich. Also ein gewaltig Ding ist es um den Glauben. Es sei ein Ding so groß es wolle, kannst du es glauben und auf Christus hoffen, so soll es Ja sein; uns soll weder Teufel noch Tod so stark sein, daß sie es wehren könnten. Wie wir in beiden Wunderwerken hier sehen: die werden uns darum vorgehalten, und der Glaube wird darum vom Herrn Christus selbst so hoch gelobt, daß er uns dazu reize, daß wir die Kreatur vor Gott viel anders ansehen lernen, denn vor uns. Darum, ob wir uns arm und tot scheinen, in Sünden stecken, an der Pest oder anderen Krankheiten danieder liegen; sollen wir doch glauben, vor Gott habe es ein ganz anderes Ansehen, und fröhlich sagen: obgleich Armut, Pest und Tod da ist, so weiß ich doch, als ein Christ, von keiner Armut, Tod noch Pest; denn vor meinem Herrn Christus ist es lauter Reichtum, Gesundheit, Heiligkeit und Leben. Ob ich’s aber noch nicht sehe, ist es ihm nur um ein Wort zu tun, so werde ich es auch mit leiblichen Augen sehen, daß es wahr ist, und geschieht gewißlich also. Gott gebe uns um Christi, unseres Erlösers und seines Sohnes, Willen, durch seinen Heiligen Geist auch solche geistliche Augen, daß wir uns alles Unglück anders, denn die Welt, ansehen, und solchem Trost behalten, und endlich mögen selig werden, Amen.   Am ersten Sonntag des Advents Matthäus 21,1-9 Da sie nun nahe bei Jerusalem kamen an Bethpage an den Ölberg, sandte Jesus seiner Jünger zwei, und sprach zu ihnen: Gehet hin in den Flecken, der vor euch liegt, und bald werdet ihr eine Eselin finden angebunden und ein Füllen bei ihr; löset sie auf und führet sie zu mir. Uns so euch jemand etwas wird sagen, so sprechet: Der Herr bedarf ihrer; so bald wird er sie euch lassen. Das geschah aber alles, auf das erfüllet würde, daß gesagt ist durch den Propheten, der da spricht: Saget der Tochter Zion: Siehe, dein König kommt zu dir sanftmütig und reitet auf einem Esel und auf einem Füllen der lastbaren Eselin. Die Jünger gingen hin und taten, wie ihnen Jesus befohlen hatte, und brachten die Eselin und das Füllen, und legten ihre Kleider darauf und setzten ihn darauf. Aber viel Volks breitete die Kleider auf den Weg; die anderen hieben Zweige von den Bäumen und streueten sie auf den Weg. Das Volk aber, daß vorging und nachfolgte, schrie und sprach: Hosianna dem Sohn Davids; gelobet sei, der da kommt in dem Namen des Herrn, Hosianna in der Höhe! Die Juden hatten viele schöne und herrliche Verheißungen von dem Messias oder Christus, wie er auf Erden kommen, ein ewiges Reich anrichten, und sein Volk von allem Übel erlösen und ewig helfen sollte; wie man denn in der Propheten Predigten überall sieht, daß sie über die maßen herrlich von dem künftigen Reich Christi reden. Und solche Predigten bei den Juden sehr wohl bekannt gewesen sind. Aber da fanden sich falsche Prediger und fleischlichen Lehrer, welche das Volk auf diese Meinung führten, als sollte Christus in weltlicher Pracht kommen und einreiten, wie es sonst weltliche Könige pflegen, da es alles auf das prächtigste und schönste zugeht; und sollte dann aus den Juden in aller Welt eitel große, gewaltige Fürsten und Regenten machen. Wie sie heute auch noch denken, wenn ihr Messias kommen werde, so werden sie in aller Welt Herren sein und die Heiden ihre Knechte. Auf einen solchen Messias oder Christus gaffen sie noch, begehren den Messias, das ist, aber nicht dazu, daß er sie von Sünden und dem ewigen Tod erlösen sollte. Auf das nun die Juden gewarnt und durch solche fleischlichen Lehrer nicht betrogen würden, so hat Gott durch den Propheten Sacharja lange zuvor verkündigen lassen: Christus werden nicht kommen als ein weltlicher König, mit großer Pracht und köstlicher Rüstung; sondern als ein armer Bettler werde er zu Jerusalem, in seiner Hauptstadt, auf einen Esel einreiten, wie denn die Geschichte des heutigen Evangeliums anzeigt. Auf das ja die Juden sich nicht entschuldigen möchten und sagen: Hätten wir es gewußt, daß er so ein armer König sein sollte; wir wollten ihn angenommen haben. Denn solches hat ihnen der Propheten ganz klar angezeigt, vor so langer Zeit. So ist die Geschichte auch öffentlich bei hellem Tag geschehen, daß Christus daher reitet auf einem geliehenen Esel, der weder Sattel noch anderes Gerät hat, deswegen die Jünger ihre Kleider auf den Esel legen müssen, daß der arme König sich so behelfen muß. Deswegen können sich die Juden nicht entschuldigen. Denn hier ist eine helle, klare Weissagung: wenn Christus zu Jerusalem einreiten wird, so werde er nicht, wie sonst weltliche Könige, auf hohen Pferden, mit Harnisch, Spieß und Schwertern kommen, welches alles zum Ernst gehört und eine Gewalt anzeigt: sondern er werde kommen, wie es der Evangelist nennt, «sanftmütig,» oder wie der Prophet spricht, «Arm und Elend.» Als wollte der Prophet jedermann warnen und sprechen: Habt ja auf den Esel gut Achtung, und wisset, daß der darauf kommt, der rechte Messias sei. Darum hütet euch, und gaffet nicht auf die goldenen Kronen, feinen Kleider und goldenen Stücke, noch auf anderes herrliches Zeug. Denn Christus wird endlich kommen, mit betrübten und sanftmütigen Herzen, und auf einen Esel. Das ist alle seine Pracht und Herrlichkeit, die er in seinem Einreiten gen Jerusalem vor der Welt führen wird. Die Weissagung nun verursacht den Herrn zu diesem Einzug, und ist ihm sehr viel daran gelegen gewesen. Deswegen er den Jünger auch die Sache so fleißig befiehlt; und nicht bei Nacht, noch heimlich, sondern öffentlich, bei hellem, lichtem Tage, zu Jerusalem einzieht, nicht allein, sondern mit viel Volks, das vor- und nachgeht, und ihm als dem rechten König und Sohn David zuschreit, wünscht ihm auch Glück und Heil zu seinem Königreich; das also das ganze Jerusalem dieses Einzugs gewahr werden muß, den Esel und diesen armen König zu sehen und zu hören, von welchem Sacharja geweissagt hatte, und die Juden gewarnt, daß sie sich an der armen Gestalt und dem bettlerischem Einzug nicht ärgern sollten; sondern sollten den Wahn fallen lassen, daß sie dachten, Christus würde mit weltlicher Pracht kommen. Er wird wohl ein König sein, spricht Sacharja, aber ein armer, elender König, der ganz und gar kein Ansehen eines Königs hat, wenn man ihnen nach der äußerlichen Pracht rechnen und Ansehen will, welche die weltlichen Könige und Fürsten vor der Welt führen. Dagegen aber, sagt Sacharja, wird dieser arme und bettlerische König eine andere Macht haben, denn sonst alle Könige und Kaiser haben, die jemals auf Erden gekommen sind, sie seien gleich so große und mächtige Herren gewesen, als nie zuvor gewesen sind. Nicht ein reicher, prächtiger, herrlicher König vor der Welt, sondern ein Gerechter und ein Heiland, der Gerechtigkeit und Seligkeit mitbringen, und Sünde und Tod angreifen, und ein Sündenfeind und Todesfeind sein soll, der allen denen von Sünden und ewigen Tod helfen will, die an ihn glauben und ihn als ihren König aufnehmen, und sich den armen, und geliehenen Esel nicht ärgern lassen. Die solches tun, denen soll die Sünde vergeben sein und der Tod nicht schaden, sondern sie sollen das ewige Leben haben. Und ob sie schon leiblich einmal Sterben und begraben werden, so soll es doch nicht ein Tod sein noch heißen, sondern nur ein Schlaf. Solches will der Prophet von diesem Könige uns lehren mit dem, daß er ihm diese zwei Namen gibt und heißt ihn gerecht und einen Heiland, der dem Tod die Zähne ausbrechen, dem Teufel den Bauch zerreißen, und also uns, die wir an ihn glauben, von Sünden, Tod frei machen soll, und unter die Engel führen, da ewiges Leben und Seligkeit ist. Den anderen Königen läßt er ihre Pracht, Schlösser, Häuser, Geld und Gut, läßt sie köstlicher Essen, Trinken, kleiden, bauen, denn andere Leute, aber diese Kunst können sie nicht, die dieser arme Bettelkönig Christus kann. Denn da ist weder Kaiser, König noch Papst mit aller seiner Macht, der von der geringsten Sünde helfen, und mit seinem Geld und Gut die geringste Krankheit heilen könnte; ich geschweige, daß sie wider den ewigen Tod und die Hölle helfen sollten. Aber dieser Bettelkönig Christus hilft nicht allein wieder eine Sünde, sondern wieder alle meine Sünde, und nicht allein wieder meine Sünde, sondern der ganzen Welt Sünde. Er kommt und will wegnehmen, nicht allein die Krankheit, sondern den Tod; und nicht allein meinen Tod, sondern der ganzen Welt Tod. Solches, spricht der Prophet, sagt der Tochter Zion, daß sie sich nicht ärgere an seiner elenden Zukunft, sondern tue die Augen zu und die Ohren auf, und sehet nicht, wie armselig er einreitet, sondern hören, was man von diesem armen Könige predige und sage. Das Elend und Armut sieht man, daß er auf einem Esel ohne Sattel und Sporen einherreitet wie ein Bettler; aber daß er die Sünde von uns nehmen, den Tod würgen, ewige Heiligkeit, ewige Seligkeit und ewiges Leben geben werde, daß sieht man nicht. Deswegen muß man es hören und glauben. Darum spricht Sacharja: «Sagt es der Tochter Zion,» daß sie es wisse, und sich daran nicht ärgere, daß er so jämmerlich einreitet und so schmählich stirbt. Denn solches alles geschieht hier, Zion, zu gut, daß er die helfen will, als ein Heiland, wider den Teufel und Tod, und will dich heiligen und von Sünden frei machen. Wer nun solches nicht mit den Ohren fassen will, sondern mit Augen sehen und Händen greifen, der wird fehlen; denn mit diesem König ist es ganz anders, denn sonst mit anderen Königen. Was die selben tun, daß tun sie mit einer Pracht, und hat alles ein großes, tapferes Ansehen. Solches findet man bei Christum nicht; der hat solch fein Werk daß er von Sünden und Tod helfen will, zuerst in die Taufe gesteckt. Da sehen die Augen anderes nichts, denn ein schlechtes Wasser wie anderes Wasser. Er hat es in das Wort gefaßt und in die Predigt. Da sehen die Augen anderes nichts, denn einen Menschen atmen. Aber wir sollen uns hüten und den Augen nicht folgen, sondern die Augen zu und die Ohren auftun, und das Wort hören. Dasselbe lehrt, wie unser Herr Christus sein Blut vergossen habe zur Vergebung unsere Sünde und ewigem Leben. Solche Gaben will er uns geben in der heiligen Taufe, dem Abendmahl, in der Predigt oder Absolution, da sollen wir es gewiß finden. Nun, wahr ist es, es scheinet klein und gering, daß durch das Wasserbad, Wort und Sakrament solches soll ausgerichtet werden; aber laß dich durch deine Augen nicht verführen. Dort war es auch klein und gering, daß der, der auf einen geliehenen Esel einritt und hernach sich kreuzigen ließ, sollte Sünde, Tod und Hölle wegnehmen. Niemand konnte ihm ansehen; aber der Prophet sagte es. Deswegen muß es auch geglaubt und mit den Ohren gefaßt sein, mit den Augen wird mans nicht sehen. Darum spricht der Evangelist: «Sagst der Tochter Zion.» Und der Prophet spricht: «Zion, jauchze, sei fröhlich,» tanz und spring, «denn dein König kommt.» Was für ein König? Ein Heiliger, Gerechter König, und ein Heiland oder Helfer, der dein Heiligmacher und dein Heiland sein will. Denn seine Heiligkeit und Gerechtigkeit will der dir anhängen, daß du von Sünden frei bist, und sein Leben will er für dich lassen, daß du durch seinen Tod vom ewigen Tod sollst erlöst sein. Deswegen ärgere dich nicht an seiner elenden und armen Gestalt, sondern danke ihm dafür und tröste dich. Denn es geschieht alles um deinetwillen und dir zu gut, er will dir also von deinen Sünden und Tod helfen, und gerecht und selig machen. Daß es nun unser König, der liebe Herr Jesus Christus, und ist dies sein Reich und Amt. Er geht nicht mit Thalern, Kronen und großen Königreichen, und weltlicher Pracht um; nein, sondern wenn wir müssen Sterben und können das Leben hier nicht länger behalten, so ist dies sein Amt und Werk, daß wir durch sein Leiden und Tod wissen, wo wir bleiben sollen; daß wir können sagen: Ich bin geheiligt durch meinen König Jesu Christum, der ist darum so elendiglich gekommen, hat sich darum an das Kreuz schlagen lassen, daß er mich heiligen wollte und in mir ersäufen meine Sünde und Tod. Wer solches also glaubt, wie er es hört und im Evangelium gepredigt wird, der hat es also. Denn darum ist die heilige Taufe von Christus eingesetzt, daß er dadurch seine Gerechtigkeit dir anziehen will, daß seine Heiligkeit dein und seine Unschuld auch dein eigen sein soll. Denn wir sind elende, arme Sünder, aber in der Taufe tröstet uns Christus und spricht: Gib mir deine Sünde her, und ich gebe dir meine Gerechtigkeit und Heiligkeit; laß dir deinen Tod abziehen und ziehe dafür mein Leben an. Das heißt eigentlich Christi Regiment. Denn all sein Amt und Werk ist dieses, daß er uns täglich Sünde und Tod ausziehe, und seine Heiligkeit und Leben uns anziehe. Diese Predigt sollte man billig mit großen Freuden hören und annehmen, sich daraus bessern und fromm werden. Es kehrt sich aber leider um, und die Welt wird aus diese Lehre je länger sie geht um so Ärger und schlimmer, dieses ist des leidigen Teufels Arbeit und Geschäft. Wie man sieht, daß die Leute jetzt geizigen und unbarmherziger, unzüchtiger, frecher und ärger sind, denn zuvor. Was macht dieses? Anderes nicht, denn daß man diese Predigt nicht mit Freuden annimmt, sondern jedermann schlägt es in den Wind, nimmt sich mehr um Geld und Gut an, denn als um diesen seligen Schatz, welchen unser Herr Christus zu uns bringt. Deswegen straft sie unser Herr Gott wie er spricht: Magst du denn mir nicht darum danken, daß ich durch meines eingeborenen Sohnes Tod und Sterben die Sünde und den Tod hinweg nehme? Nun, so will ich dir Sünde und Tod genug schaffen, weil du es doch so haben willst; und wo vorher dich nur ein Teufel geritten hat, sollen dich jetzt sieben ärgere Teufel reiten. Wie man denn an den Bürgern und Bauern mit dem schändlichen geiziger, unordentlichen Leben, Unzucht und andere Unart sieht . Deswegen ermahne ich euch, daß wir ja solche Predigt mit Lust und Liebe hören, und mit aller Dankbarkeit annehmen wollt, und unseren Herrn Gott von Herzen bitten, daß er euch einen starken Glauben geben will, daß ihr solche Lehre behalten möchtet; so wird gewiß auch die Frucht daraus folgen, daß ihr von Tag zu Tag demütiger, gehorsamer, freundlicher, züchtiger und frömmer werden. Denn diese Lehre hat diese Art und Natur an sich, daß sie züchtige, gehorsame, fromme Leute macht. Die es eben nicht mit Liebe annehmen wollen, die werden siebenmal Ärger, denn sie zuvor gewesen sind, ehe sie zu dieser Lehre gekommen sind; wie man überall sieht. Deswegen hütet euch, denn die Stunde wird gewiß nicht ausbleiben, daß Gott solchen Undank strafen wird. Als dann wird es sich finden, was die Welt damit verdient habe. Darum lernet diese Geschichte des heutigen Evangeliums wohl. Denn weil die Juden dem Propheten nicht folgen wollten, ist es uns gesagt, daß unser König sanftmütig und arm komme, auf das wir uns an solcher Armut nicht ärgern, noch auf weltlicher Pracht und Reichtum mit den Juden gaffen; sondern lernen, daß wir an unseren Herrn Christus einen solchen König haben, der gerecht und ein Heiland ist, und uns von Sünden und dem ewigen Tod helfen will. Solche Predigt sollt ihr mit Willen und Freuden annehmen, und Gott dafür von Herzen danken; sonst werdet ihr den leidigen Teufel annehmen müssen und mit Heulen, Weinen und Zähneklappen. Zu solchen ermahnet uns das Beispiel der Apostel und anderer, so hier mit dem Herrn Christus zu Jerusalem einlaufen. Denn weil der Herr Christus ein König ist, so muß er auch ein Reich oder Volk haben, und das Volk muß sich mit rechtem gebührlichen Dienst gegen diesen König erzeigen. Was nun solcher Dienst sei, zeigt die Geschichte sehr fein an. Denn hier findet man Leute, die den Herrn Christum als einen König erkennen, und sich nicht scheuen, neben dem elenden Esel und armen König her zu laufen. Unter den selben sind die Apostel die ersten, die erkennen den Herrn Christum für den Rechten Messias, der gerecht machen und ein Heiland wider Sünde und Tod sein werde. Deswegen bringen sie hier dem Herrn Christus den Esel, das ist, sie weisen die Juden zu Christus, die bisher unter dem Gesetz gelebt, und solche Last, wie ein Esel, getragen hatten. Jetzt aber mit dem Esel führen sie zu Christus auch das junge Füllen, die Heiden, so noch ungezähmt und unter keinem Gesetz gewesen waren. Denn Christus ist ein Heiland aller Menschen. Deswegen alle rechtschaffenen Prediger und Lehrer die Leute zu Christus leiten und führen sollen. Das ist der eine Gottesdienst, der diesem König gebühret, daß man ihn für einen Gerechten und Heiland erkennen, annehmen, rühmen und preisen, und jedermann zu ihm weisen soll. Der andere Gottesdienst ist, daß man dem Herrn Christus auf den Esel das Hosianna singen soll, das ist, nach dem an ihn erkannt und als einen Heiland angenommen hat, soll man auch ihm zu seinem Reich Glück und Heil wünschen, und alles tun, was zur Förderung seines Reiches dient. Gott gebe es; sagen die Pharisäer und Priester dazu, was sie wollen. Denn «Hosea nach» heißt auf deutsch: Herr, hilf, Herr, gib Glück dem Sohn David. Eben wie wir im Vater Unser beten: dein Reich komme. Denn der Teufel und seine Glieder werden es nicht unversucht lassen, wie sie dieses Reich hindern, und das Wort entweder vertilgen oder fälschen können. Da gehört nun beten und wünschen zu, daß Gott solchen des Teufels Willen brechen, und zurück treiben wolle. Das dritte ist, daß man nicht allein beten, sondern auch die Kleider ausziehen und dem Herrn Christus auf den Weg streuen soll, daß er doch ein wenig einen herrlichen und ehrlichen Einzug haben möge; welches geschieht, wenn wir das Predigtamt fördern nach unserem Vermögen, daß man helfe mit Geld und Gut, daß man feine, Gelehrte, fromme Leute aufziehe, die der Kirche mit dem Wort und gutem Wandel vorgehen; daß man die, so im Amt sind, also halte, daß sie ihres Amtes warten, nicht aus Mangel an Nahrung davon lassen müssen. In der Summe, wo man Geld und Gut dazu brauchen kann, daß die Kirchenämter wohl bestellt und die Leute mit rechten Vorstehern wohl versorgt werden, da bereitet man dem Herrn Christus die Kleider unter, daß er desto ehrlicher möge einreiten. Also soll man diesem König dienen, und nach den Hohenpriestern und Pharisäern nicht fragen, welchen dieser Einzug und armes Gepränge sehr wider und entgegen ist; ja, wollten es auch noch gern wehren. Aber Christus will es nicht verhindert haben. Denn weil er ein König ist, so muß er sein Hofvolk und Hofdienst haben. Und wohl denen, die ihm dienen; denn er ist ein solcher König, der uns wieder dienen will, nicht mit Geld und Gut, welches ein sehr geringer Dienst ist, sondern mit Gerechtigkeit wider die Sünde, und Hilfe gegen den Tod und ewige Verdammnis. Deswegen sollen wir zu seinem Dienst bereit und willig sein, und uns des Papstes, der Bischöfe und anderer Beispiele nicht ärgern, welche damit umgehen, daß sie nicht, wie die Apostel, den Esel zum Herrn Christus führen und ihn darauf setzen; sondern wollen sich selbst auf dem Esel setzen, die Leute mit Lehre und anderem regieren, wie sie wollen. Christum aber lassen sie zu Fuß gehen, und können nicht leiden, daß er durch sein Evangelium einreite und sich sehen lasse. Diese falschen Lehrer haben auch ihre Schüler, die ihnen heucheln, Palmen und Ölzweige an den Weg streuen; aber zu dem armen Christus werfen sie mit Steinen. Denn sie verfolgen ihn, sein Evangelium, und alle, die es predigen. Solche werden an jenem Tag mit den Juden inne werden, daß sie den gerechten König und Heiland verachtet haben, und müssen deswegen Gottes Zorn in Ewigkeit tragen; dagegen die, so ihn angenommen, erkannt und ihre Armut zu seinen Ehren gewendet haben, durch ihn ewige Gerechtigkeit und ewiges Leben empfangen werden. Das verleihe uns allen unser lieber Herr und Heiland Jesus Christus, Amen.   Am zweiten Sonntag des Advents Lukas 21, 25-36 Und es werden Zeichen geschehen an der Sonne, und Mond, und Sternen; und auf Erden wird den Leuten bange sein, und werden zagen; und das Meer und die Wasserwogen werden brausen. Und die Menschen werden verschmachten vor Furcht und vor warten der Dinge, die kommen sollen auf Erden; denn auch der Himmel Kräfte sich bewegen werden. Und alsdann werden sie sehen des Menschen Sohn kommen in der Wolke, mit großer Kraft und Herrlichkeit. Wenn aber dieses anfängt zu geschehen, so sehet auf, und hebet eure Häupter auf, darum, daß sich eure Erlösung nahet. Und er sagte ihnen ein Gleichnis: Sehet an den Feigenbaum und alle Bäume. Wenn sie jetzt ausschlagen, so sehet ihr’s an ihnen, und merket, daß jetzt der Sommer nahe ist. Also auch ihr, wenn ihr dies alles sehet angehen; so wisset, daß das Reich Gottes nahe ist. Wahrlich, ich sage euch, dies Geschlecht wird nicht vergehen, bis das alles geschehe. Himmel und Erde werden vergehen; aber meine Worte vergehen nicht. Aber hütet euch, daß eure Herzen nicht beschwert werden mit Fressen und Saufen, und mit Sorgen der Nahrung, und komme dieser Tag schnell über euch; denn wie ein Fallstrick wird er kommen über alle, die auf Erden wohnen. So seid nun wacker allezeit, und betet, daß ihr würdig werden möget, zu entfliehen diesem allen, daß geschehen soll, und zu stehen vor des Menschen Sohn. Diese Weise hat unser Herr Gott allewege gehalten, von Anfang der Welt her, wenn er hat wollen was Neues machen, so hat er sondere große Zeichen lassen vorher gehen. Als, da er Ägypten strafen, und sein Volk daraus führen und sich ein besonderes Volk daraus machen wollte, da gingen allerlei herrliche Zeichen, böse und gute. Denn die Frösche, Heuschrecken Hagel, Pest und dergleichen tat den Ägyptern großen Schaden, bis zuletzt alle erste Geburt in einer Nacht gewürgt und das übrige Volk im Roten Meer ersäuft wurde. Bei den Juden aber waren dies gute Zeichen, daß sie trocken durch das rote Meer führte, ihre Feinde aber darin ersoffen, ihnen aber Himmelbrot gab, und dergleichen. Solches war eine Anzeigung, daß Gott etwas Neues mit diesem Volk anfangen, und ein neues Regiment und Wesen stiften wollte. Dergleichen geschah auch, da er die ungläubigen, verstockten Juden strafen und das neue Gnadenreich durchs Evangelium in aller Welt anrichten wollte. Denn da der Herr Jesus am Kreuz hing, taten sich die Gräber auf, die Toten stiegen heraus und gingen in die Stadt Jerusalem. Es kam eine große ungewöhnliche Finsternis, der Vorhang im Tempel zerriß. Solches alles war ein Anfang eines neuen Wesens und ein Untergang des alten, wie sich’s denn im Werk hat auch gefunden daß das Judentum gefallen Christus ein neues Reich angerichtet hat. Solches wußten die Juden wohl, und hatten es aus eigener Erfahrung gelernt. Deswegen kommen hier die Apostel zum Herrn Christus, und fragen ihn, was für Zeichen vor der Zerstörung Jerusalems und der Welt Ende kommen werden, ehe denn das ewige Reich Christi angehe? Von der Zerstörung Jerusalems nun antwortet ihnen der Herr hier: Wenn sie sehen werden, daß sich ein Heer um Jerusalem lagern werde, so sollen sie wissen, daß Ende sei nicht weit; gibt ihnen deswegen diesen Rat: Sie sollen sich aus dem Land machen und auf das Gebirge fliehen; denn da werde keine Gnade sein, es müsse das Judentum verwüstet werden. Also lehret er sie vom jüngsten Tag auch und spricht: Wenn ihr Zeichen sehen werdet an der Sonne, am Mond, an den Sternen, am Meer und Wassern, an den Menschen und am Himmel; wenn solches, sagt er, angehe (denn man sollte nicht so lang harren, bis man meinte, es sei nun alles aus, oder man habe dergleichen auch vorher gesehen), dann seid tapfer, und laßt mit solchen Zeichen keinen Scherz sein; denn es ist eine gewisse Anzeigung, daß der jüngste Tag jetzt vor der Tür ist. Hier ist nun die Frage, ob solche Zeichen alle vor dem jüngsten Tag werden geschehen. Aber nach solchem darf man nicht fragen. Denn der Herr sagt: Wenn solches anfängt zu geschehen, so soll man darauf sehen. Deswegen glaube ich, daß etliche vielleicht die meisten Zeichen hernach geschehen werden, daß der Herr lehret, wo man solche Zeichen sehen und warten soll, nämlich, an den Himmel, Sonne, Mond und Sternen, und an den Menschen und den Meer. Wenn man nun etliche derselben sieht, so sollen man sich auf diese Zukunft schicken, und nicht warten, bis alle geschehen sind. Denn sonst würde uns die Zeit einholen. An der Sonne und Mond geschehen zweierlei Zeichen: erstlich, daß sie ihren Schein verlieren. Solches, ob es wohl nicht seltsam und natürlich ist (denn man kann das aus der Kunst eigentlich zuvor wissen, ehe es geschieht), so ist dennoch ein Zeichen, wie es Christus selbst klar deutet im Evangelium Matthäus. Aber neben diesem können an der Sonne auch solche Zeichen geschehen, die man nicht wissen kann, sondern begeben sich plötzlich und fallen herein gegen alle Mathematik, wie die Finsternis zur Zeit, da Christus am Kreuz gehangen hat. Denn die Kunst fällt so, daß die Finsternis an der Sonne geschehen muß im Anfang des Mondes, wenn er neu wird. Wenn es aber geschieht im Vollmond, wie damals, oder auf einen anderen Tag im Mond, so ist es nicht natürlich. Darum ist solche Finsternis ein besonderes großes Wunderwerk gewesen. Ob wir nun dergleichen nicht gesehen haben, so kann es sich doch sehr bald zutragen. Und wir haben über die Jahre viel andere wunderliche Dinge gesehen, welches alles ungewöhnlich und seltsam ist. Als, daß ein Regenbogen um die Sonne gehen soll, daß die Sonne sich gleich teilen und viele Sonnen gesehen werden. So ist es auch nicht unglaublich, daß dergleichen auch etwas kommen wird, welches wir zuvor nicht gesehen haben. Darum haben wir eine Warnung an der Sonne genug, daß wir nicht sicher sein, sondern der seligen Zukunft unseres Herrn Christi warten sollen. Die anderen Zeichen, davon Christus ihr meldet, sind das große Brausen der Wasser, daß es tobet, als wolle es alles untergehen. Denn gleich wie ein Mensch, wenn er natürlich sterben soll, erst krank wird, bekommt Fieber, Pest oder eine andere Krankheit; solches alles sind Zeichen, daß er davon soll: also wird auch die Welt gleich krank sein, daß Himmel, Sonne, Mond, Sterne, Menschen, Wasser und alles sich regen krümmen und übel sein wird, ehe es ganz zu Boden geht. Das Zeichen an den Menschen halte ich gänzlich, daß wir es erlebt haben. Denn zu solchem hat der leidige Papst mit seiner Predigt sehr geholfen, das die frommen Herzen sehr erschreckt gewesen sind, darum daß man gepredigt hat, was für eine große Todsünde es sei, nicht recht zu beichten, beten, fasten, Messe hören und dergleichen. In solchem Schrecken wußten niemand, wohin? Denn der rechte Trost, die Vergebung der Sünden durch Christum, war verschwunden. Das fing für die Menschen ein martern an, jetzt mit diesen, jetzt mit anderen Werken; daß ich glaube, solches sei der größte Jammer auf Erden gewesen. Wie ich ihrer denn viel selbst gesehen habe, die solches Herzeleid und Schrecken nicht ertragen konnten, und in Verzweiflung fielen vor großer Furcht und Schrecken, daß sie sich nicht trauten, zu bestehen vor Gottes Gericht. Denn da trieben uns des Papstes Predigten mit Macht hin, daß wir uns von Christus dem Richter, sollten zu Tode fürchten. Ich bin auch einer gewesen, konnte mich zu Christum, als einem strengen Richter, nichts Gutes hoffen, rief deswegen die Jungfrau Maria an, daß sie mir beistehen und gegen solchen Richter meine Rückhalterin sein sollte. Denn etwas anderes kannten wir nicht. Christum hatten wir verloren und mußten bekennen, daß wir bösen Buben waren. Er konnte man anderes nicht, denn sich fürchten und vor dem Richter erschrecken. Deswegen achte ich, dieses Zeichen sei bereits geschehen. Gleichwie ich’s dafür halte, der andere Teil der anderen Zeichen am Himmel sei auch schon geschehen. Ob aber gleich noch mehr kommen sollen, so kann es doch alle Tage sich begeben, daß sie auch kommen. Wir sollen aber darum nicht unterlassen, uns gegen diesen Tag also zu schicken, wie der Herr unten lehren wird. Am Ende meldet der Herr von einem Schrecken, und sagt: «die Leute werden verschmachten vor Furcht und vor Warten der Dinge, die auf Erden kommen sollen.» Hier redet er von einer anderen Furcht, welches eine sehr große Furcht ist, und sie kommt daher, daß die Menschen vor den Zeichen des jüngsten Tages sich fürchten werden. Solche sind nicht gottlose, ungläubige Leute, sondern fromm und gottesfürchtig. Deswegen nehmen sie die Warnung mit den Zeichen an, welche die Gottlosen frei und sicher verachten, darum der sie denken, diese Zeichen sind zuvor auch viel geschehen, und es sei dennoch der jüngste Tag nicht gekommen. Lassen deswegen heute dieses, morgen an anderes Zeichen und Warnung vorüber rauschen, und bleiben wie sie sind, heute wie gestern, und ohne alle Besserung, und kümmern sich gar nichts, wie es mit dem jüngsten Tage gehen werde. Solche gottlose, sichere Leute läßt der Herr fahren. Denn weil sie Zeichen sehen und verachten können, so werden sie auch nach dem Wort und der Predigt nichts fragen. Aber die Frommen, die solche Zeichen wahrnehmen, und sich darüber entsetzen, die läßt der Herr sich befohlen sein, und tröstet sie auf das allerfreundlichste, und sagt: Weil sie Christum bekennen, sein Wort lieben, nicht gern von selben abfallen noch leugnen wollten; so sollen sie vor solchen Zeichen, ob sie gleich etwas schrecklich sind, sich nicht entsetzen, noch erschrecken. Als dann, spricht Christus, werden sie sehen des Menschen Sohn kommen in der Wolke, mit großer Kraft und Herrlichkeit. Das wird eine andere Pracht sein, denn wo Kaiser und König einziehen. Denn da wird die ganze Luft voll Engel und Heilige sein, die werden leuchten, heller denn die Sonne, und der Herr Christus wird mitten unter ihnen schweben, und mit seinen Heiligen das Urteil über die Verdammten sprechen, welche unten auf Erden bei den Teufel stehen, zittern und beben werden. Wenn nun, spricht Christus, dieses anfängt zu geschehen, so sehet auf und hebet eure Häupter auf, seid fröhlich und guter Dinge, denn es muß also so gehen. Soll die Welt zerbrechen, so muß sie zuvor krachen, sonst kann ein solch großes Gebäude nicht einfallen, es muß sich alles regen und bewegen. Eben wie ein Mensch, der jetzt sterben will, der windet und krümmt sich, verdreht die Augen, krümmt den Mund, wird im Gesicht blaß und ungestaltet. Also wird die Welt auch tun. Aber ich sage euch: Erschrecket nicht davor, richtet euer Haupt auf, als die es von Herzen gern sehen. Denn merkt, eure Erlösung ist nahe. Eure, spricht er, die ihr glaubt; die anderen, die nicht glauben, werden verdammt. Deswegen sollten sie sich wohl fürchten, aber sie tun es nicht. Denn der Herr Jesus würde beides mitbringen: denen, die gläubig und fromm gewesen sind, den Himmel; den anderen aber die Hölle und die Verdammnis. Solches redet der Herr mit den Frommen. Die werden auch darüber erschrecken, wenn Sonne und Mond die Augen verdrehen und die Welt voll mit Feuer sein wird. Denn die Heiligen sind nicht so stark; es müßte auch St. Peter oder ein anderer Heiliger davor erschrecken, wenn sie lebten. Aber, spricht der Herr, seid getrost; es wird euch wohl jämmerlich und erschrecklich ankommen, aber solches gilt euch nicht, es gilt dem Teufel und den Ungläubigen. Euch aber kommt die Seligkeit und die fröhliche Erlösung, da ihr solange nach geseufzt habt und gebeten, daß mein Reich zu euch komme, euch eure Sünde vergeben und ihr von allem Übel sollt erlöst werden. Was ihr nun so lang mit ganzem Herzen gebeten habt, daß soll dann kommen. Denn es heißt ein Tag eurer Erlösung. Darum mag man den jüngsten Tag wohl nennen einen Tag der Verdammnis und der Erlösung, einen Tag der Traurigkeit und der Freude, einen Tag der Hölle und des Himmelreichs. Wie der Herr in Matthäus 24,30. Sagt: «Alsdann werden heulen alle Geschlechter der Erde.» Da wollen wir, ob Gott will, nicht bei sein, sondern den Papst, die Rottengeister, den bösen Adel, böse Bauern und Bürger dieses lassen, die jetzt allen Mutwillen treiben, das Evangelium verfolgen, und allen Jammer und Unglück anrichten; dieselben werden dann bezahlen müssen. Wir aber, die wir uns jetzt vor ihnen beugen müssen, weinen und bekümmert sind, werden dann lachen und sehen, daß sie mit dem Teufel in den Abgrund der Hölle müssen hinunter fahren. Deswegen ob sich gleich die Kreatur verstellt, Sonne und Mond schwarz und finster und euch sauer ansehen werden, erschreckt darum nicht; kriecht nicht in den Winkel, wenn solches angeht, sondern richtet euer Haupt auf, und lasset euch nicht anfechten; gedenkt, daß ihr mich haben wolltet. Denn so ich euch erretten soll, so muß ich zuvor die angreifen die euch gefangen halten. Gleich, als wenn du in einem Schoß gefangen lägest, in einem Turm, und hörst, wie man hinein schießt und stürmt du würdest dich vor dem Schießen und Stürmen nicht fürchten, sondern darüber noch froh sein, wenn du wüßtest, daß es um deinetwillen wäre, dich also frei zu machen. Also ist es hier auch; laßt euch nicht Schrecken, daß die Welt sich so krümmen und winden wird; diese Rute gilt euch nicht, sondern denen, über die ihr geschrien habt. Deswegen nehmet solche Zukunft an, als eine Zukunft eurer Erlösung. Denn ich komme nicht darum, daß ich euch in die Hölle werfen, sondern euch aus der schändlichen, kranken, bösen, heillosen Welt helfen, euch scheiden von dem Teufel und seinen Knechten, und unter die Engel setzen, wo ihr nicht leiden, sondern in ewiger Herrlichkeit leben sollt. So solchem Trost dient nun auch das schöne Gleichnis mit den Bäumen. Im Frühling, spricht er, wenn der Winter jetzt aufhören soll, und die ganze Erde neu werden; wenn die Kälte weichen und die Wärme kommen, und die dürren Bäume ausschlagen und grünen sollen, da sage mir, wie fängt solches an? Ist es nicht wahr, die Bäume knospen erst, danach schlagen sie aus; so spricht denn jedermann, der Winter ist vorüber und geht nun der schöne Sommer an. Dieses Gleichnis soll euer Doktor und die Bäume auf dem Felde euer Kunstbuch sein, daß ihr lernet, wie ihr des jüngsten Tages warten sollt. Denn gleichwie der Sommer folgt, wenn die Bäume saftig werden und die Blätter gewinnen: also wenn die Erde beben, der Himmel zittern, Sonne und Mond betrübt und sauer aussehen werden, so laßt euch ebensowenig schrecken, als euch die jungen Blätter, die an den Bäumen ausschlagen, schrecken, wenn es Sommer werden will. Denn solche Zeichen sollen euch sein wie der Saft und Blätter an den Bäumen, daß ihr des ewigen Sommers mit Freuden warten sollt. Denn dies elende Leben auf Erden hier ist wie der schändliche, unfruchtbare Winter, und da alles verdorrt und verdirbt. Mit demselben soll es dann ein Ende haben, und der schöne ewige Sommer kommen, nämlich das Reich Gottes, durch welches des Teufels Reich soll zerstört werden, durch welches ihr hier auf Erden so viel leiden mußtet. Denn ihr lebt unter gottlosen, bösen, falschen, geizigen Leuten, die das Evangelium lästern und schänden, und alles Unglück begehren anzurichten. Das müßt ihr sehen und hören, und täglich Schlimmeres erwarten. Von solchem will ich euch durch meine Zukunft erlösen, daß ihr solchen Mutwillen nicht mehr sehen dürft. Deswegen gilt solch ein schreckliches Wesen nicht euch, sondern euren Feinden, den Gottlosen: die lasset trauern und erschrecken. Hier aber freuet euch, daß eure Erlösung nahe ist. Wie der fromme Lot zu seiner Zeit auch tat, der lebte mitten unter den schändlichen Leuten zu Sodom, die ihm alles Leid taten, mit ihrem unzüchtigen Wandel, und quälten seine gerechte Seele von Tag zu Tag mit ihren ungerechten Werken, wie man nicht erzählen kann, die er sehen und hören mußte, bis sie überreif wurden und Gott nicht länger konnte zusehen. Da kamen zwei Engel, die geführten den frommen Lot zur Stadt hinaus. Da wird es ohne Zweifel auch einen schrecklichen Anblick gehabt haben, daß der Himmel schwarz geworden, geblitzt und gedonnert hat, und die Wolken sich aufgetan, Schwefel und Feuer herab geregnet, und die Erde sich aufgetan, und alles versenkt hat. Das nun Lot sich nicht darüber sollte entsetzen, das ist unmöglich. Aber da war daß der Trost, daß er wußte, dieser schreckliche Anblick gilt nicht ihm, sondern den Sodomiten, die böse, verzweifelte Buben gewesen waren und sich nicht bessern wollten. Die mußten sich nicht allein bei solchem feurigen Regen entsetzen, sondern auch darin verderben und in den Abgrund der Hölle fahren. Dem frommen Lot aber war es wie ein schöner Baum, der ausschlägt und jetzt beginnt zu grünen. Denn er spürte dabei Gottes Hilfe und gnädige Rettung wieder die Gottlosen. Also wird uns, so wir es erleben, am jüngsten Tag auch geschehen. Schrecklich wird es anzusehen sein, wenn Himmel und Erde so anheben zu feuern, und wir in einem Augenblick hinfahren und sterben. Aber ein Christ soll nicht dem Ansehen folgen, sondern hören, wie es Christus deutet, nämlich, daß es sei eine schöne Blüte, ein schöner saftiger Zweig; auf das, obgleich über dem schrecklichen, häßlichen Anblick sich die Vernunft entsetzt, dennoch das Herz am Wort hängt und sich wieder des äußerlichen Ansehens stärke, und spreche: Ei, erschreckt nicht, es ist doch nicht Böses noch Schädliches; ja, es bedeutet, wie Christus selbst sagt, nicht Böses, sondern das mein Erlöser und Erlösung nahe sei. So sei mir nun Gott willkommen, wer nun den Herrn Christum so empfangen kann, der ist in einem Augenblick dahin in die Herrlichkeit, daß er wie die schöne Sonne leuchten wird. Auf diese Weise lehret uns unser lieber Herr Christus den jüngsten Tag recht erkennen, daß wir wissen, was wir an ihm haben, wozu wir seiner Zukunft warten und hoffen sollen. Der Papst Predigt von Christus, er sei ein strenger Richter, gegen den man sich mit Werken recht halten, also, die Heiligen anrufen und ihrer Fürbitte genießen, so man nicht verdammt werden soll. Denn also hat man Christum im Papsttum überall gepredigt, wie er zum Gericht komme, und ein Schwert und Rute im Mund führe, welches beides Zorn bedeutet. Weil aber Maria und Johannes ihm zur Seite stehen, hat man für die beiden und anderer Heiligen Fürbitte gesucht und darauf gehofft. Wie der gute Pater Bernadus sich auch Gedanken gemacht hat und dachte, wenn die Mutter Maria ihrem Sohn die Brüste zeige, so könne er ihr nichts versagen. Das ist ja ein gewisses Zeichen, daß man kein Vertrauen zu Christus hat, sondern geglaubt hat, Christus komme als ein Richter. Aber in diesem Evangelium lehret er uns anders, nämlich, daß er wolle kommen, nicht daß er uns richten und verdammen, sondern erlösen und helfen wolle, und erfüllen, was wir ihn gebeten haben, und sein Reich zu uns bringen. Denen aber, so an ihn nicht geglaubt, seine Christen auf Erden verhöhnt und geplagt haben, für diese will er Richter sein und sie strafen. Solches, spricht er, glaubet fest und zweifelt nicht daran, und freuet euch auf meine Zukunft; denn sie soll euch zum besten geraten, daß ihr von Sünden, Teufel, Tod und Welt erlöset, und durch mich ewig selig werdet. Das heißt ja herrlich und reichlich getröstet. Aber da ist noch ein Stück, über welchem die blöden Gewissen sich hart entsetzen. Denn der Herr sagt, der jüngste Tag werde unversehens herein fallen, daß den Leuten eben geschehen soll, wie ein Waldvogel, der des Morgens fliegt, ist hungrig und sucht seine Nahrung, hofft, es wolle dieselbe finden, wie bisher, findet sie auch, setzt sich nieder und ist fröhlich und guter Dinge; und plötzlich, ehe es gewahr wird, fällt das Netz über ihn, wird gefangen und erwürgt. Solches nehmen die frommen gottesfürchtigen Menschen zu Herzen, und weil sie es kennen aus täglicher Erfahrung, wie bald es geschehen ist, daß man zu Fall kommt, werden sie blöde und verzagt darüber. Denn sie denken: Wer weiß, wie dieser Tag dich finden wird. Vielleicht wird er zu der Stunde kommen, wenn du am ungeschicktesten bist, und an diesen Tag am wenigsten denkst, oder in dieser oder anderen Sünde liegst; so ist es denn mit dir geschehen, und wird aus diesem Freudentag ein ewiger Trauertag. Hier will der Herr uns auch nicht trostlos lassen, und lehret seine Christen, wie sie dieser Sorge sich abhelfen sollen, und spricht: «Hütet euch, daß eure Herzen nicht beschweret werden mit Fressen und Saufen, und mit Sorgen der Nahrung, und komme dieser Tag schnell über euch. Denn wie ein Fallstrick wird er kommen über alle, die auf Erden wohnen. So seid nun wacker allezeit, und betet, daß ihr würdig werden möget, zu entfliehen diesem allen, daß geschehen soll, und zu stehen vor des Menschen Sohn.» Daß ist nun eine sehr edle und nötige Lehre, die uns nimmermehr sollte aus unseren Herzen kommen. Es verbietet der Herr Essen und Trinken nicht; so heißt er auch nicht, wie der Papst, daß man alles liegen und stehen lassen soll, in ein Kloster gehen um geistlich werden. Nein, esset und trinket, daß gönnt euch Gott wohl; trachtet auch noch eurer Nahrung, denn darum hat Gott die Arbeit befohlen. Aber davor hütet euch, daß eure Herzen mit solchem allen nicht dermaßen beschwert werden, daß ihr meiner Zukunft dabei vergesset; sondern seid wacker, das ist, wartet alle Stunden und Augenblicke und haltet euch deswegen in Gottesfurcht und gutem Gewissen. Das laßt das erste sein. Danach so betet auch, daß ihr aller Anfechtung und Jammer entfliehen, und vor des Menschen Sohn zu stehen mögt würdig werden. Wie denn solches im Vater Unser in den letzten zwei Bitten fein begriffen ist: Und führe uns nicht in Versuchung, sondern Erlösung uns vom Übel. Wenn ihr solches tut, so soll es nicht Not haben, es finde euch alsdann der jüngste Tag über Tisch, oder im Bette, in der Kirche oder auf dem Markt, wachen oder schlafen, so gilt es alles gleich. Denn er findet euch in Gottes Schutz. Aber hier muß man auch dieses merken, daß man Gott nicht recht anrufen noch beten kann, wo man von wissentlichen Sünden nicht abstehen und sich nicht bessern will. Deswegen gehört zum rechtschaffenem Gebet eine rechtschaffene Buße, und daß man sich vor mutwilligen Sünde hüte, und sich im gutem Gewissen halte, und alsdann auf Gottes Güte im Namen Jesu Christi bitte, daß er in seiner Furcht uns erhalten, durch seinen Heiligen Geist vor Sünden bewahren, und in einem rechten Glauben bis ans Ende erhalten wolle, auf daß wir dieses selbigen Tages mit Freuden erwarten, und unsern Herrn Jesum, als unseren Erlöser, mit herzlicher Zuversicht annehmen mögen. Solch Gebet wird durch Christum erhört, da ist kein Zweifel an. Deswegen sollen wir solchem Rat und Lehre folgen, auf diesen gnädigen Tag der ewigen Erlösung recht schicken. Das verleihe uns allen unser Herr und Erlöser Jesus Christus, Amen.   Am dritten Sonntag des Advents Matthäus 11, 2-10 Da aber Johannes im Gefängnis die Werke Christi hörte, sandte er seiner Jünger zwei, und ließ ihm sagen: Bist du, der da kommen soll, oder sollen wir eines anderen warten? Jesus antwortete und sprach zu ihnen: Gehet hin und saget Johannes wieder, was ihr sehet und höret; die Blinden sehen, und die Lahmen gehen; die Aussätzigen werden rein, und die Tauben hören; die Toten stehen auf, und den Armen wird das Evangelium gepredigt. Und selig ist, der sich nicht an mir ärgert. Da die hingingen, fing Jesus an zu reden zu dem Volk von Johannes: Was seid ihr hinaus gegangen in die Wüste zu sehen? Wolltet ihr ein Rohr sehen, daß der Wind hin und her webt? Oder was seid ihr hinaus gegangen zu sehen? Wolltet ihr einen Menschen in weichen Kleidern sehen? Siehe, die da weiche Kleider tragen, sind in der Könige Häusern. Oder was seid ihr hinaus gegangen zu sehen? Wolltet ihr einen Propheten sehen? Ja, ich sage euch, der auch mehr ist, denn ein Prophet. Denn dieser ist’s, von dem geschrieben steht: Siehe, ich sende meinen Engel vor dir her, der deinen Weg vor dir bereiten soll. In diesem Evangelium sind zwei Stücke: das erste, wie Johannes seine Jünger aus dem Gefängnis zu Christus sendet, daß sie ihn hören, und seine Wunderwerke sehen, und ihn als den rechten Messias oder Christum annehmen sollen. Und dient uns dazu, daß wir unseres lieben Herrn Christi Wort auch gern hören, und für den höchsten Schatz achten sollen, an dem alle unsere Seligkeit gelegen ist. Das andere Stück ist eine Predigt, damit unser lieber Herr Christus nicht allein den Heiligen Johannes trefflich hoch rühmt und lobt, daß er ein Ausbund sei vor allen anderen Predigern, besonders weil er seines Amtes so fleißig wartet, daß er damals, da er im Kerker und Gefängnis war und selbst nicht predigen konnte, dennoch seine Jünger zu Christus sendet; sondern er schimpft auch die Juden ihres Unglaubens wegen, daß sie solchen Prediger so gering achten und nach seiner Predigt gar nichts fragen. Solches dient uns dazu, daß wir vor solcher Unart uns hüten, Gottes Wort nicht verachten, sondern es gern hören und uns darum bessern sollen. Das erste nun, daß wir das Wort Christi fleißig hören sollen, ist dabei angezeigt, daß Johannes, da er schon im Gefängnis lag, alsbald er von den Wunderwerken Christi hört, seine Jünger zu ihm sendet, mit einem solchen Befehl, daß sie ihn fragen sollten: Ob er der sei, der da kommen sollte, von welchem Moses und alle anderen Propheten soviel geweissagt hätten und hernach im Neuen Testaments soviel gepredigt sollte werden? Das ist, ob er der verheißene Christus sei, von dem geschrieben stünde, daß er der Juden Reich und Moses Lehre sollte bestehen bis auf seine Zukunft; danach sollte Moses Lehre und Gottesdienst aufhören, und eine neue Lehre und neuer Gottesdienst angerichtet werden, nicht allein unter den Juden, sondern auch unter den Heiden in der ganzen Welt. Wie denn solches war lauter und klar zuvor geweissagt. Darum, weil es bald, nach dem Johannes im Gefängnis war, angegangen, und der Herr Christus vom ewigen Leben und dem Reich Gottes jetzt predigte und Wunderwerke tat, wollte Johannes seine Jünger zu ihm weisen; schickt sie deswegen hin zu Christus, daß sie mit ihren Augen die Wunderwerke sehen und mit ihren Ohren die Predigt hören sollten, da solange Zeit zuvor die Propheten von geweissagt hatten, daß sie Christus auf Erden bringen und sich also offenbaren würde. Deswegen ist solches Schicken anderes nichts, denn als sagte Johannes also: Ich weiß es zwar wohl, daß er der rechte Christus ist, aber die Leute glauben’s nicht. Deswegen gehet ihr jetzt zu ihm und hörets von ihm selbst, auf das ihr euch von mir und dem ganzen Judentum wegtut, und hängt euch an diesen Mann, an welchem alles gelegen ist, was euer und der ganzen Welt Seligkeit betrifft. Das ist die eigentliche Meinung dieser Botschaft zu Christus, daß seine Jünger ihn selbst sehen und hören, ihm in Kundschaft kommen, und also an ihn glauben und selig werden sollen. Nun, was sagte aber Christus zu solcher Botschaft? Er sagt weder Ja noch Nein, da sie ihn fragten, ob ers sei; sondern antwortet bloß mit den Werken und spricht: Ihr sehets, hörets und greifts, daß ich es bin. Denn eben wie Jesaja und andere Propheten geweissagt haben, daß Christus die Lahmen gerade, die Blinden sehend machen werde, so sehet ihr jetzt vor euren Augen, bedürft also weiter keines Unterricht noch Antwort, wenn ihr euch nur wolltet recht auf das Wort schicken. Das ist und eine schöne, herrliche und tröstliche Predigt, die alles sehr fein fasset, was man von Christus predigen kann, nämlich was er für ein König sei, und für ein Reich habe, nämlich ein solches Reich, da Blinde, Lahme, Aussätzige, Taube, tote Leute, und besonders die armen Sünder, und alles, was ihnen, dürftig und nichts ist, zugehören, und da Trost und Hilfe finden. Diese Predigt von Christus und seinem Reich sollten wir mit Fleiß merken, und immerdar unter uns klingen lassen, daß Christus ein solches Reich habe, und ein solcher König sei, der den elenden, armen Leuten an Leib und Seele helfen wolle, was sonst unmöglich ist, das alle Welt mit ihren Künsten helfen könnte. Denn es ist nie ein so großer Doktor gekommen, der einen Blinden hätte können sehen, einen Aussätzigen rein machen. Gleichwie auch nie kein Prediger gewesen ist, der den Armen hätte können das Evangelium predigen, das ist, die betrübten, elenden, geängstigsten Gewissen auf sich weisen und trösten, die erschrockenen Herzen, die in Schwermut und Kümmernis ersoffen sind, fröhlich und guter Dinge machen. Moses ist der höchste Prediger, aber diese Kunst kann er nicht, daß er arme Sünder sollte trösten, ja, das Widerspiel tut er; denn alle seine Predigten lauten also: Du sollst und mußt das Gesetz halten, oder verdammt sein. Da kommt dann ein Jammer: die ihre Sünde fühlen, und von der Sünde gern los wären, leben nach dem Gesetz, können aber nicht zufrieden sein, noch ein fröhliches Herz und Gewissen dadurch erlangen. Wie denn die Heiligen im Alten Testament klagen, so Moses Regiment überdrüssig sind, und ein herzliches sehnen nach dem Reich der Gnade, in Christus verheißen, haben. Als, Psalm 14,7.: «Ach, daß aus Zion die Hilfe über Israel käme, und der Herr sein gefangen Volk erlöste.» Und Psalm 102, 14.: «du wolltest dich auf machen, denn es ist Zeit, daß du ihr gnädig seist.» Wiederum die Heuchler meinen, wenn sie äußerlich das Gesetz halten, so dürfen sie kein Evangelium noch Christum, denken, es haben nicht Not, Gott müsse sie wohl wegen ihres Fastens, Betens, Almosen gebens wegen in den Himmel nehmen. Das sind die sicheren, satten Geister, die unseres Herrn Gottes und seiner Gnade nicht bedürfen. Nun ist es wohl wahr, Moses Predigt muß man haben, und die Leute zu solcher äußerlichen Zucht und gutem Wandel vermahnen; eben wie man im Weltregiment Henker und Polizei darum haben muß, den wilden rohen Haufen zu strafen, wenn solche äußerliche Zucht nicht hält, sondern hurt, stiehlt, geizt, wuchert. Aber wenn das Stündlein kommt, daß du Sterben sollst, sage mir, was hilft dir Moses Lehre, wenn du dich gleich danach gehalten hast? Ist es nicht wahr, du mußt bekennen, und sagen: Lieber Herr Gott, ob ich gleich kein Ehebrecher, Dieb noch Mörder gewesen bin, so begehre ich doch, du wollest mir gnädig und barmherzig sein, ich muß sonst auch bei allen meinen guten Werken verzweifeln. Davon kann man in der Geschichte: «Leben der Väter» lesen. Es stand jemand drei Tage an einer Stätte, hob immer auf die Augen zum Himmel, seufzte und klagte. Als ihn aber seine Jünger fragten, was er hätte? Antwortete er: Ich fürchte mich vor dem Tode. Da fingen seine Jünger an, und erzählten, was er doch für ein strenges Leben geführt und sich so fleißig nach Gottes Geboten gehalten hätte, meinten, sie könnten ihn dadurch trösten. Aber er sprach: Ich sage euch, daß ich mich sehr fürchte; ich habe wohl, wie ihr sagt, mich fleißig nach Gottes Wort gehalten, noch kann ich solcher Furcht nicht los sein; denn ich weiß, daß Gottes Gerichte anders sind, denn der Menschen Gerichte. Dieser ist soweit gekommen, daß er gesehen hat, wenn die Züge kommen, die vor Gott und sein Gericht treiben, daß Gottes Gericht so scharf, ernst und schwer ist, daß unsere Heiligkeit und guten Werke den Stich nicht halten, noch wir damit bestehen können. Deswegen, ob man das Gesetz gleich predigen, und sich in guten Werken ohne Unterlaß üben, und nach dem Wort Gottes sich alle Zeit richten soll; doch wenn es soweit kommt, daß man sterben soll, so muß man sagen, wie dieser Vater: Ach Gott, wer hilft jetzt? Dieser ist der elenden auch einer, da hier von steht, aber er weiß nicht, woran er sich halten soll. Denn dies mangelt ihm, wovon der Herr hier sagt: «Den Armen wird das Evangelium gepredigt.» Er sieht und hat nicht mehr, denn das Gesetz; und läßt ihm ein Böses Gewissen, in Angst und Not stecken, und kann alles nicht trösten. Das Evangelium aber ist eine solche Predigt von Christus, die zu dem Sünder sagt: Mein Sohn, sei getrost und fröhlich, erschrecke nicht; denn du sollst wissen, daß Christus befohlen hat, den Armen, das ist, den elenden, betrübten Herzen, Gnade anzusagen, daß er seine Reinigkeit, die göttlich und ewig ist, für dich setzen, dich mit Gott zufrieden machen, deine Sünder abwaschen und vergeben wolle. Diese Gnade heißt er dir durch sein Wort anbieten; darum zweifle nicht, wie du hörst und glaubst du es nun, so wird es dir widerfahren. So heißt nun Evangelium eine gnadenreiche, selige Lehre und tröstliche Botschaft; als wenn ein reicher Mann einen armen Bettler tausend Gulden zusagt, daß wäre ihm ein Evangelium, eine frohe Botschaft, die er gern hören und von Herzen fröhlich darüber würde. Aber was ist Geld und Gut gegen diese tröstliche und gnadenreiche Predigt, daß Christus der Elenden sich annimmt, und ein solcher König ist, der den armen Sündern, die unter dem Gesetz gefangen sind, zum ewigen Leben und Gerechtigkeit helfen will! Das, sagt Christus hier, ist mein Reich, ein ganz anderes Reich, denn als das Weltreich ist. Da geht es so zu, daß man dem Stärksten hilft und wie das Sprichwort lautet: Der Stärkere steckt den anderen in seinen Sack. Das Weltreich regiert nach der Schärfe mit dem Schwert, schlägt und haut überall um sich, es soll auch keine Laster und Untugenden leiden. Deshalb muß es Henker, Ruten, Schwert, Wasser, Feuer dazu haben, damit es überall strafen kann. Aber hier im Reich Christi ist es ganz anders, daß hat nichts zu schaffen mit starken, Heiligen Leuten, sondern mit schwachen, armen Sündern, wie Christus spricht: «Die Blinden sehen, die Toten stehen auf.» Nun, Tote auferwecken ist ein großes Wunderwerk; aber dies Wunderwerk ist viel größer und herrlicher, obwohl es das Ansehen nicht hat, nämlich: daß Gott also die Welt liebt, daß er seinen Sohn gibt, den er von Ewigkeit dazu geordnet hat, daß er ein König der Sünder sei, denselben das Evangelium predige. Von solchem König und Evangelium predigt Moses und das Gesetz nicht. Da heißt es also: Wer ein Sünder ist, gehört in des Teufels und des Todes Reich. Das lautet, als sei unser Herr Gott ein König der Heiligen und Frommen, die eine größere Frömmigkeit haben, als es das Weltregiment fordert. Und es ist wahr. Denn Moses Reich ist auch unseres Herrn Gottes Reich, und die Predigt, die er führt, ist Gottes Wort. Eben wie auch das weltliche Regiment Gottes Reich genannt werden mag. Denn er will haben, daß es bleiben und wir uns in denselben gehorsam halten sollen. Es ist aber nur das Reich der linken Hand, da er Vater, Mutter, Kaiser, König, Richter, Henker hin setzt und ihnen das Regiment befiehlt. Sein rechtes Reich aber, da er selbst ist und regiert, ist dies, daß den Armen das Evangelium gepredigt wird, in welchem du lernst, wenn es dahin kommt, daß deine Frömmigkeit dir nie helfen kann, damit du sprichst: Herr, ich habe getan, was ich gekonnt habe, meinem Vater, meinem Herrn treu gedient, niemand betrogen, nicht gemurrt, mein Haus, Kinder und Nächte treulich unterrichtet, und, so viel möglich, gut regiert, meinem Nächsten nicht zum Schaden gelebt, nicht gestohlen, nicht die Ehe gebrochen: aber wo nun hin? Denn solches hilft dir vor dem Gericht nicht, auch fördert es nichts zum Reich Gottes. Doch, lieber Herr, ich will darum nicht verzagen noch verzweifeln; denn ich habe einmal in deinem Evangelium gehört, daß Dein Sohn, mein lieber Herr Jesus Christus, sechs verschiedene Wunderzeichen getan hat. Unter denselben wird auch dieses bedacht, daß den Armen das Evangelium gepredigt wird, das ist, daß er von dir, himmlischer Vater, dazu geordnet sei, daß er die erschrockenen Herzen trösten soll. Dieser Predigt will ich mich auch annehmen; denn sie gehört mir, weil ich so Arm und Elend bin, und sonst keine Hilfe weder in mir noch in der ganzen Welt sonst finden kann. Also weissagt der Prophet Jesaja von Christus im 50. Kapitel, 4 da er, der Herr Christus, selbst spricht: «Der Herr hat mir eine gelehrte Zunge, gegeben,» das ist, Gott hat sein Wort auf meine Zunge gelegt, «daß ich wisse mit den Müden zu rechter Zeit zu reden,» das ist, die blöden Gewissen recht trösten. Das legt hier der Evangelist aus, und sagt: Christus predigt den Armen das Evangelium. Denn darum und dazu ist er zum König gesetzt, daß er evangelisieren, das ist, die armen, blöden, betrübten Herzen trösten und stärken soll; darum sein Reich auch heißt und ist ein Trostreich und Hilfereich, in welchem man die Blöden nicht mehr erschrecken, oder in Angst stecken lassen, sondern sie trösten und fröhlich machen soll. Solches aber geschieht nicht durch des Gesetzes Predigt, sondern allein durch das Evangelium. Das ist die fröhliche gute Botschaft, daß durch Christum für unsere Sünden bezahlt und für sein Leiden wir vom ewigen Tode erlöst sind. Diese Predigt gehört für die armen, spricht der Herr, da will ich hin; denn zu den großen Heiligen kann ich nicht kommen, die keine Sünder sein wollen und das Evangelium nicht bedürfen, ja, verfolgen, und schimpfen es als Ketzerei, sagen, man verbiete gute Werke, man predige gegen Mose und das Gesetz. Darum so spricht der Herr weiter: «selig ist, der sich an mir nicht ärgert.» Denn an diesem König und seiner Predigt, an der sich jedermann freuen sollte, ärgert sich die ganze Welt. Wie wir in der Geschichte des Evangelium sehen, daß die Pharisäer, Schriftgelehrten, Hohenpriester, Priester, Leviten und alles, was nur hoch und groß ist, Christum für einen Verführer und seine Predigt für Ketzerei halten und verdammen. Er kann ihnen nie recht predigen, sie denken immerdar, er kehrt alles um und mache es nicht richtig. Er wolle die Frommen und Gerechten (wie er denn auch tut) in die Hölle stoßen und in seinem Reich nicht leiden; die Sünder aber in den Himmel heben. Eben wie die Katholiken uns heutigen Tages auch tun. Heißt daß, sagen sie, recht predigen, daß man die guten Werke gar nicht gelten lassen will, und den bösen Buben den Himmel aufsperren? Diese Nachrede hat unser lieber Herr Christus unter den Juden auch leiden müssen. Aber hier steht es: «Selig ist, der sich an mir nicht ärgert.» Nun, hörst du Christum recht, nähmest sein Wort an, und du kommst in sein Reich, so würdest du erfahren, daß das Evangelium gute Werke nicht verbietet, wie die Katholiken an uns lügen; sondern die Christen lehrt und vermahnt, gute Werke zu tun, daß sie sich mit Ernst darum annehmen, daß sie gegen Gottes Wort und Gewissens sich nichts vornehmen; läßt die weltliche Obrigkeit bleiben, Kaiser, König, läßt den Henker das Schwert, Rute und anderes brauchen, was zur Zucht gehört. Warum ärgerest du dich denn an dem Heiligen Evangelium, und lästerst es, daß man nichts Gutes tun soll? Gute Werke verwirft noch verbietet das Evangelium nicht. Das aber verbietet es, wenn wir jetzt sterben, und in ein anderes Leben kommen sollen, und da keine Rat noch eine Hilfe ist, daß wir dann auf unser Leben und gute Werke nicht bauen noch trauen sollen; sondern uns nach dem Herrn Christus umsehen, mit festem Vertrauen auf sein Werk und Verdienst uns verlassen, daß wir durch ihn Gnade und ewige Seligkeit in jenen Leben finden sollen. Denn eben darum hat uns Gott einen solchen Leib, mit so manchen guten Gliedern, gegeben, daß wir hier auf Erden nicht müßig sein, sondern mit den Füßen gehen, mit den Händen zugreifen, mit dem Mund reden, mit den Augen sehen sollen. Über das alles hat er auch sein Wort, die Zehn Gebote gegeben, daß wir unsere Werke alle danach richten, wieder seiner Ehre und unseres Nächsten Nutz nicht handeln sollen. Solches läßt das Evangelium nicht allein geschehen, sondern heißt auch, wir sollen es fleißig tun. Wenn aber der Mensch jetzt bloß und allein ist, und aus dieser Welt vor Gottes Gericht kommen soll, da befiehlt das Evangelium nach einen anderem Trost umsehen, da du deine Hoffnung und Herz drauf stellen und gründen kannst. Darum hast du wohl gelebt: ist recht und gut, danke Gott darum; aber verlasse dich im Sterben nicht darauf, als sollte Gott dir dafür den Himmel geben; sondern halte dich hier zu diesem König, unserem Herrn Christus Jesus, der, wie der Evangelist hier meldet, das Amt haben soll, daß er die Blinden sehend, die Lahmen gehend, die Aussätzigen rein, die Tauben hörend machen, die Toten auferwecken, und den Armen daß Evangelium predigen, das ist, die elenden, betrübten Herzen trösten soll. Denn er ist von seinem Vater nicht dazu gesetzt, daß er uns um unserer Sünde willen hängen oder erwürgen soll, sondern daß er den armen Gewissen raten, sie aufrichten, trösten und ihnen ewig helfen soll. Die nun ihn dafür nicht ansehen, noch von ihm Gnade erhoffen, sondern sich an ihm und seiner Lehre ärgern und ihn verachten, wie die Juden taten und die Heuchler auch noch heute tun, denen wird er zu seiner Zeit es richten. Und ist eben das der Ärgernisse eins, daß die Welt sich an der Lehre Christi ärgert, daß sie nicht will auf Gottes Gnade, sondern auf ihr eigenes Werk und Verdienst sich verlassen. Schimpft deswegen das heilige Evangelium, es sei eine verführerische Lehre, die gute Werke verbiete, die Leute böse und wild mache. Zum anderen ärgert sich die Welt auch an dem an Christus, daß er so ganz arm und elend ist; also, daß er das Kreuz trägt und sich daran hängen läßt: also vermahnt er auch seine Christen, ihr Kreuz auf sich zu nehmen, und ihm also durch allerlei Anfechtung Trübsal nachzufolgen. Solchem ist die Welt immer feind, scheuen sich davor, und eben wie man sieht, wenn wir das Evangelium bekennen, und um des Evangeliums willen etwas wagen oder leiden sollen, daß sie mit großen Haufen dahin fallen, wie das wurmstichige Obst im Sommer. Zum dritten heißt das auch ein Ärgernis, wenn wir uns mehr an unser Herz und Gewissen kehren, wie wir uns fühlen, denn an das Evangelium von Christum; das ist, wenn uns unser Tun und Lassen mehr anficht und bekümmert, denn die Gnade unseres lieben Herrn Jesu Christi, im Evangelium verkündigt, uns tröstet. Solches Ärgernis ist nicht so gemein, als die ersten zwei; denn die rechten Christen allein werden damit angefochten. Aber es tut über die Maßen weh; und wo es ohne des Heiligen Geistes Hilfe und Beistand wäre, würde keiner in solchen Ärgernissen bestehen können. Also ist der liebe Herr Christus überall in der Welt ein ärgerlicher Prediger; wie er nach diesem Evangelium noch klarer meldet, daß die Leute an diese Predigt sich stoßen, und sie verachten werden und verfolgen. Was aber die Welt für ein Urteil darum muß ausstehen, zeigt die schreckliche Predigt an wider die drei Städte, Kapernaum, Chorazin und Bethsaida; also, die ernste Klage Christi wider die Juden, da er spricht: Johannes ist ein strenger Prediger gewesen, aß nur wilden Honig und Heuschrecken, trank nichts denn Wasser, führte dazu ein sehr hartes Leben, aber was halfs? Ihr gabt ihm die Schuld, er hätte den Teufel. Ich, spricht er, esse und trinke mit jedermann, und halte mich auf das allerfreundlichste zu den Leuten; so muß ich für euch ein Fresser und Weinsäufer sein, der sich zu Zöllnern und Sündern halte. Kann also niemand mit den giftigen Schlangen, den Heuchlern und Werkheiligen auskommen. Lebt einer frei und tut sich freundlich zu den Leuten, so taugt es nicht. Führt ein anderer ein strenges und hartes Leben, so taugt es aber auch nicht. Wie soll mans denn der schändlichen Welt noch machen? Das möchte ihr gefallen, wenn man alles lobt, was sie tut, so sie selbst doch nichts rechtes tut. Solche Ärgernisse muß man leiden. Denn so es damals, als der Herr Christus selbst gepredigt, und mit Wunderzeichen geregnet und geschneit hat, daß die Blinden sehend, die Tauben hörend, die Lahmen gerade, die Aussätzigen rein, die Toten wieder lebendig geworden sind, nicht hat helfen wollen; sondern das Wort ist gleichwohl verachtet, und er, der liebe Herr Christus, darüber an das Kreuz geschlagen, und die Apostel aus dem jüdischen Land verjagt worden sind, und nirgend in der ganzen Welt um dieser Predigt willen sicher sein konnten: was wollen wir denn sehr darüber klagen? Und was für ein Wunder ist’s, daß die Welt daß heilige Evangelium und rechtschaffene Prediger zu unserer Zeit so verachtet und mit Füßen tritt. Ist es doch damals Christus, unserem Herrn, selbst und den Aposteln nicht anders gegangen, welche nicht allein das Wort führten, sondern auch noch treffliche große Wunderzeichen taten, die wir nicht tun, sondern allein das bloße, ärgerliche Wort führen. Deswegen müssen wir uns daran gewöhnen und geschehen lassen. Denn dem Evangelium wird es nie anders gehen. Es ist und bleibt eine Predigt, daran sich nicht allein nur geringe Leute stoßen, sondern die heiligesten, frömmsten, weißesten, gewaltigesten auf Erden, wie die Erfahrung zeigt. Wohl aber denen, die wissen und glauben, daß es Gottes Wort ist; die sind genesen, getröstet und gestärkt wider alle solche Ärgernisse. Die es aber nicht wissen, blasen sich auf ihrer guten Werke willen, fallen von diesem Wort auf ihre eigene Gerechtigkeit, und halten es für eine ärgerliche und aufrührerische Lehre. Das heißt denn angestoßen und sich geärgert. Und solches tun, wie gesagt, die, so vor der Welt die größten Heiligen und klügsten Leute gehalten werden. Deswegen mögen wir mit dem Herrn Christus wohl über die blinde Welt klagen, und sagen: «Wir haben euch gepfiffen, und ihr wolltet nicht tanzen; wir haben euch geklagt, und ihr wolltet nicht weinen.» Predigen wir das Evangelium, so hilft es nicht. Man kann die böse Welt weder recht fröhlich noch recht traurig machen, das ist, sie will sich weder zu Sündern machen, noch sich wider die Sünde trösten lassen; sie will weder blind noch sehend sein, wie das Beispiel mit unseren Widersachern, den Katholiken, vor Augen ist. Das ist nun das andere Stück, daß wir hier merken sollen: daß das Evangelium eine Lehre und Predigt für die Armen ist, das ist, für die betrübten, geänstigten Gewissen, die ihr Elend und Jammer fühlen, sich vor Gottes Zorn und Gericht entsetzen und erschrecken; nicht für die Reichen, die alle ihr Tun und Gedanken dahin richten, daß sie hier große Ehre und Gut haben mögen und in Freuden und Wohllust leben. Darum ist es ihnen in ihren Ohren eine seltsame wunderliche Predigt, wenn Christus, der Herr, spricht: «Den Armen wird das Evangelium gepredigt,» welches sie nicht begehren zu wissen noch zu lernen, ja, halten es für Narrheit, ärgern sich nicht allein daran, sondern verfolgen es und lästern es als Ketzerei. Wie wir denn sehen am Papst, und seinen geistlosen Kardinälen, Bischöfen, auch am meisten Teil der größten und wichtigsten weltlichen Herrschaften, die dem Papst anhangen. Das also alles, was fromm, heilig, und gewaltig in der Welt ist, sich wider das Evangelium setzt. Vor solchem Ärgernis, wie gesagt, warnt Christus sein Häuflein und spricht: «Selig ist, der sich an mir nicht ärgert.» Als wollte er sagen: Wenn ihr nun sehet und erfahret, daß die Welt sich an meinem Wort ärgert, euch, die ihr es bekennt, darüber verfolgen wird, so laßt euch nicht beirren noch anfechten, sondern denkt: ist es doch Christus, Gottes Sohn, unserem Herrn, selbst auch so gegangen. Und ob er wohl so gewaltig predigte, und so viel herrliche große Wunderzeichen tat, hat es ihn dennoch nichts geholfen. Und das wir ja andächtig sein sollten, nicht uns der Welt Weisheit, Herrlichkeit, Gewalt und große Menge uns beeindrucken, davor warnt er uns, wir sollen an seinem Wort festhalten, da er spricht: «Selig ist, der sich nicht an mir ärgert». Weil es denn unseren lieben Herrn Christus Jesus selbst begegnet ist, daß sich sein eigenes Volk, dem er verheißen und gesandt zum Heiland war, an ihm geärgert hat, und ob sie wohl seine herrlichen, großen Wunderzeichen sahen, die er vor ihren Augen tat, sich dadurch trotzdem nicht bewegen lassen, seiner Predigt zu glauben und ihn anzunehmen, ja, haben ihn gekreuzigt und ermordet: so mögen wir wohl schweigen und nicht klagen, wenn wir um des Evangeliums willen auch verachtet, verlacht und verfolgt werden. Solche Lehre vom Ärgernis ist uns nötig, besonders in diesen Zeiten, da jedermann das Evangelium lästert und sich daran ärgert. Also haben wir aus dem heutigen Evangelium eine treffliche und hohe Lehre, an welcher unsere Seligkeit und das ewige Leben gelegen ist, nämlich, daß wir lernen, wie Christus ein König der Gnaden und alles Trostes sei, der den Armen betrübten Gewissen durch sein Evangelium freundlich zusprechen, und sie in Sünden trösten, und ihnen zum ewigen Leben helfen will. Denn obwohl das strenge weltliche Regiment auch Gottes Reich ist, so ist es doch nur ein linkes Reich, daß einmal aufhören soll. Dies aber ist sein rechtes und ewiges Reich, daß zu uns kommt durch das Wort, wenn wir, so der Sünde und des Todes Last drückt (denn solchen wird es gepredigt), dasselbe annehmen und glauben. Das tröstet und versichert uns denn, daß wir gewiß auf Christus dahin fahren sollen, und mit gewisser Zuversicht sagen: Ich glaube an meinen Herrn Jesus Christum, der die Blinden sehend, die Lahmen gehend, die Aussätzigen rein, die Tauben hörend und die Toten lebendig gemacht. Das Wort habe ich, und bin deswegen gewiß, daß er mich in meinen höchsten Nöten nicht stecken lassen, sondern mich aus dem Tod und des Teufels Reich ins ewige Leben und Himmelreich führen wird. Denn darum ist er Mensch geworden und zu mir auf Erden gekommen, daß er mich armen, elenden Sünder durch sein Evangelium trösten und mir von Sünde und Tod in Ewigkeit helfen will. Alle nun, die solches von Herzen glauben, die fahren dahin aus diesen Jammertal in die ewige Freude und Seligkeit. Das verleihe uns unser lieber Herr Christus, Amen.   Am vierten Sonntag des Advents Johannes 1,19-28 Und dies ist das Zeugnis Johannes, da die Juden sandten von Jerusalem Priester und Leviten, daß sie ihn fragten: Wer bist du? Und er bekannte, und leugnete nicht; und bekannte: Ich bin nicht Christus. Und sie fragten ihn: Was bist du denn? Bist du Elias? Er sprach: Ich bin’s nicht. Bist du ein Prophet? Und er antwortete: nein. Da sprachen sie zu ihm: Was bist du denn? Daß wir Antwort geben denen, die uns gesandt haben. Was sagst du von dir selbst? Er sprach: Ich bin eine Stimme eines Prediger in der Wüste: Richtet den Weg des Herrn, wie der Prophet Jesaja gesagt hat. Und die gesandt waren, die waren von den Pharisäern, und fragten ihn und sprachen zu ihm: Warum taufst du denn, so du nicht Christus bist, noch Elias, noch ein Prophet? Johannes antwortete ihnen und sprach: Ich Taufe mit Wasser; aber er ist mitten unter euch getreten, den ihr nicht kennet. Der ist’s, der nach mir kommen wird, welcher vor mir gewesen ist, des ich nicht wert bin, daß ich seine Schuhriemen auflöse. Dieses geschah zu Bethabara, jenseits des Jordans, da Johannes taufte. Dies ist auch der schönen, herrlichen Evangelium eins von dem höchsten Artikel unseres Glaubens, da man nicht lehrt von zehn Geboten, oder was wir tun sollen; sondern von einer höheren Sache, nämlich, was Christus sei und was er getan habe. Denn Johannes rühmt ihn so hoch, daß ob er gleich ein sehr heiliges Leben geführt, dennoch frei bekennt und sagt: «Ich bin nicht wert, daß sich ihm seine Schuhriemen auflöse.» Es ist deswegen fast das gleiche Evangelium als vor acht Tagen, ohne das hier andere Worte und Personen sind. Denn vor acht Tagen haben wir gehört, wie die ganze Macht daran liegt, daß man dieser Person, Christus Jesus, nicht fehle, sondern ihn annehme, nicht vorüber gehe noch auf andere gaffe. Denn der ihn trifft, der findet Erlösung von Sünden, Tod und Hölle. Denn also hat es Gott beschlossen, daß in Christus alle Fülle wohnen und er alles gar sein soll. Er ist der Weg, die Wahrheit und das Leben. Durch ihn allein sind alle Patriarchen, Propheten, Apostel und Heilige selig geworden, von Anfang der Welt her. Solches weiß Johannes, schickt deswegen seine Jünger zu ihm, daß sie solchen Schatz nicht versäumen. Nun aber, daß wir uns danach nicht richten, ist der Mangel, daß wir uns nach Gottes Wort nicht halten, sondern es außer Acht lassen, und uns andere Weise und Wege vornehmen, in den Himmel zukommen. Einer läuft in ein Kloster, wie im Papsttum zu sehen, wird ein Mönch, der andere fastet, der Dritte sucht dieses oder jenes Heiligen Fürbitte; das also jedermann eine besondere Weise sucht und einen eigenen Weg in den Himmel zukommen. Solchem Unrat und schädlichen Vornehmen zu wehren, hat Gott ernstlich seinem Volk sein Wort gegeben, und vertröstet, er wolle ihnen helfen durch des Weibes Samen, das ist, durch seinen Sohn Jesu Christum. Wer diesen nicht hat, der hat die Seligkeit nicht, ob er sich gleich zu Tode gefastet, und zum Narren gebetet hätte. Wiederum, wer ihn mit Glauben angenommen und sich auf ihn verlassen, der hat Vergebung der Sünde und ewige Seligkeit gefunden, und hat ihn weder Sünde noch Teufel daran hindern können. Diesem Weg haben alle Heiligen Patriarchen und Propheten gefolgt, und sind durch den Glauben an Christum selig geworden. Denn so jemand durch ein heiliges Leben sollte in den Himmel gekommen sein, sollten es doch wohl nur die Heiligen Propheten gewesen sein, so um Gottes Willen in der bösen, argen Welt über die Maßen viel getan und erlitten haben. Aber sie verzagen alle an ihrer Heiligkeit, und hängen sich mit festem Vertrauen an den verheißenen gebenedeiten Samen, der der Schlangen Kopf zertreten solle. Die meisten Juden aber zu Christi Zeiten wollten diesen Weg nicht folgen, dachten: Was sollte dieser Zimmerknecht können? Wir müssen uns nach dem Gesetz halten, fasten, opfern, Almosen geben; das wird der beste und nächste Weg in den Himmel sein; dieser Bettler aber kann nicht helfen. Denn Christus ist ganz und gar armselig und elend gewesen, daß wer an die Wunderzeichen und seine Predigt sich nicht gehalten, der hat sonst nichts an ihm gefunden, daß ein Ansehen hätte. Auf das nun die Juden ihn nicht ließen vorüber gehen und sein nicht gewahr würden, ordnet es Gott, der barmherzige Vater, also, daß der liebe Johannes, wie ein Trompeter vor dem Fürsten, vor dem Herrn Christus herziehen und die Posaune sein sollte. Wenn sie nun die hörten, daß sie alsdann die Augen auftäten, und sehen den, der nun bald auf dem Fuße ihm folgen sollte, der würde der rechte Mann sein. Darum, daß die Juden nun Leute zu ihm schicken, und fragen ihn: Ob er Christus, Elias, oder ein Prophet sei? Antwortet er: «Ich bin’s nicht». Als sie aber weiter fragen: «Was bist du denn? Was sagst du von dir selbst?.» Da antwortete er: Ich will es euch sagen: «ich bin eine rufende Stimme in der Wüste: Bereitet den Weg des Herrn,» das ist, ich bin ein Trompeter vor dem Fürsten. Darum höret fleißig meine Predigt; denn er wird bald nach mir kommen, der vor mir war, und euch mit dem Heiligen Geist taufen, da ich als ein Diener nur mit Wasser taufen kann. Er ist mitten und euch getreten; aber ihr kennet ihn nicht. Darum ist dies mein Amt, dazu ich gekommen bin, daß ich ein rufende Stimme oder ein Prediger in der Wüste sein soll, auf das, wenn ihr den Schall meiner Posaune hört, daß ihr wisset, er sei da. Denn ich bin die rufende Stimme und der Prediger, darauf ihr hören sollt. Der Nächste nun, der nach mir kommt, der ist’s, wie Jesaja auch weissagt am 40. Kapitel, 3: «Es ist eine Stimme eines Predigers in der Wüste: Bereitet dem Herrn den Weg, macht auf dem Gefilde eine ebene Bahn unserm Herrn.» Dieser, sagt Johannes, bin ich, der euch solches sagen soll. Darum sehet darauf, er ist bereits unter euch, aber ihr kennet ihn nicht; ich aber soll es euch lehren, daß ihr ihn kennt und annehmt. Denn der nächste Prediger, der nach mir kommen wird, der ist’s gewißlich; ich bin nur der Vorbote. Solches Amt führe ich jetzt und predige. Er predigt noch nicht; aber bald nach mir wird er sich hören lassen: so schauet nun, daß ihr sein nicht fehlet und ja wohl Achtung auf ihn habt. Wie Johannes gepredigt hat, so ist es ergangen. Denn kurz nach seiner Taufe hat Christus sich mit Wunderzeichen in Galiläa sehen lassen, hat 12 Apostel und sonst 72 Jünger ausgesandt, und gesagt sie sollen predigen: Das Himmelreich sei herbei gekommen, das ist, Christus sei vorhanden, und sei eben der, von dem er zeuge; an denselben hängt euch, und nehmet ihn an, so könnt ihr nicht fehlen. Nach mir wird er kommen, aber er war vor mir. Denn Johannes ist ein halbes Jahr älter gewesen denn Christus der Herr, dennoch sagt er: Er war vor mir. Solches war denn Juden ein lästerliches Wort gewesen, wenn sie es aber damals verstanden hätten; wie man in Johannes 8,58., da er spricht: «Ehe denn Abraham war, bin ich.» Denn es ist so viel gesagt, daß dieser Mensch, ehe er auf Erden geboren, in Ewigkeit wahrer Gottes Sohn gewesen sei. Solches haben die Juden dazumal nicht verstanden. Aber Johannes hat’s gewißlich mit diesen Worten also gemeint, und die göttliche Herrlichkeit der Person rühren wollen; wie er auch damit genug zu verstehen gibt, da er spricht: «Ich bin nicht wert, daß ich seine Schuhriemen auflöse» Da sollten die Juden fein zugefallen und gedacht haben: Was wird doch das für ein Mann sein, was für eine Person, vor der sich Johannes so tief demütigt, und sagt: Er sei nicht wert, daß er ihm im geringsten dienen soll? Lieber Johannes, sollst du es nicht wert sein? Ja, ich, ich, spricht er, bin’s nicht wert; ich sei wer ich will, so bin ich doch gegen diesen Mann nichts. Wirft also alle seine Heiligkeit von sich, und sagt: Er wollte sich an den genügen lassen, wenn er dieses Mannes nur so von fern genießen könnte, daß er ihm die Schuhe wischen sollte. Auf das nun die Juden nicht dächten, er demütige sich gar zuviel, besonders weil er die Taufe angerichtet und ein sonderlicher Prediger war, unterrichtete er sie fein wegen der Taufe, und spricht: Ich habe eben die Zeichen bei mir, wie die anderen Propheten. Jeremia trug ein hölzernes Joch; Jesaja ging barfuß und nackend, als er den Ägyptern und Mohren weissagt, wie sie von ihren Feinden geplündert und ausgezogen werden, Jesaja 20. Also, spricht Johannes, führe ich auch eine neue Predigt und ein neues Zeichen, ich predige: Ihr sollt dem Herrn den Weg bereiten. Solches dürfte ich nicht predigen, wenn der Weg zuvor bereitet wäre. Danach wasche und taufe ich euch, zum Zeichen, daß ihr unrein und unflätig seid. Solches Baden hebe ich an, aber er wird euch ein anderes und besseres Bad zu richten, und euch mit dem Heiligen Geist taufen. So ist es nun alles dahin gerichtet, daß sie diesen Mann nicht sollen vorübergehen, sondern an Johannes Predigt denken. Siehe, Johannes hat es uns gesagt von einem, der nach ihm auftreten wird; der wird es gewißlich sein, der mit Predigen und Zeichen sich so gewaltig sehen läßt. Aber was geschah? Johannes hörten sie wohl; aber glaubten seinem Zeugnis nicht, ja, richteten sie beide hin, Christus und seinen Vorläufer, schlugen Johannes den Kopf ab, und kreuzigten Christus, von den Johannes so treu gepredigt und jedermann vermahnt hatte ihn anzunehmen. Aber solche Frommen sind je und je gewesen, die nicht allein die Predigten der Propheten verachtet, sie verfolgt und darüber totgeschlagen, sondern danach auch Christum den Herrn selbst, den sie verkündigten, gekreuzigt haben. Heute geht es noch genau so; denn Christus muß doch gekreuzigt werden, nicht allein in eigener Person, sondern auch in seinen Gliedern. Wir wollten gern jedermann auf den rechten Weg der Seligkeit mit Johannes weisen, sagen: Es sei außerhalb Christus keine Vergebung der Sünde, noch ewiges Leben. Aber was geschieht? Je stärker wir die Leute von eigenen Werken, auf den rechten Felsen Christum weisen, je heftiger unser Gegenteil uns dafür verdammt. Denn solches stimmt mit ihrer Lehre nicht überein. Sie weisen in die Klöster, lesen Messe, halten Seelmessen, stiften Gottesdienst, laufen Wallfahrten, kaufen Ablaß. Das heißt aber nicht auf Christum gewiesen, sondern neben Christus andere Wege, in den Himmel zukommen. Dagegen reden wir, und vermahnen die Leute, sich an Johannes Zeugnis zu halten, der auf Christum weiset. Das ist dem Papst und seinem Haufen ärgerlich, verdammen uns darüber als Ketzer, und wo sie könnten, würden sie freilich an ihrem Willen nicht mangeln lassen, uns eben so lohnen und danken, wie die Juden dem Heiligen Johannes. Warum aber sind sie uns so feind und können uns so gar nicht leiden? Um keiner anderen Ursache willen, denn daß wir mit Johannes predigen, sie sollen sich demütigen vor Christus, und sich mit all ihrem Gottesdienst und guten Werken nicht wert achten, daß sie ihm die Schuhe auswischen. Denn das müssen sie ja selbst bekennen, Johannes sei viel heiliger gewesen denn sie; dennoch spricht er: Ich will solche Heiligkeit nicht ansehen, könnte ich nur zu der Gnade kommen, daß ich ihm seine Schuhe sollte abziehen oder wischen, daß würden mir genügen. Solche Demut wollten wir gern durch das Evangelium bei jedermann anrichten, ermahnen deswegen, unserem Amt nach, jedermann, er soll sich vor Sünden hüten und fromm sein, doch auf solche Frömmigkeit keinen Trost vor Gott setzen; sondern soll, wie Johannes, seine guten Werke und ehrbares Leben als einen Schuhlumpen achten gegen die hohe reine, vollkommene und große Gerechtigkeit, die unser lieber Herr Christus durch sein Leiden und Sterben uns verdient hat. Darum soll sich niemand daran ärgern, daß die Katholiken zu unserer Zeit des Evangelium verachten und verfolgen. Es ist Johannes, Christus und den Aposteln zu ihrer Zeit selbst so gegangen, daß ihre Lehre nicht allein verachtet worden ist, sondern sie dazu verfolgt und jämmerlich hingerichtet sind. Nun, die Juden haben ihre Strafe empfangen, unsere Verächter und Lästerer werden ihrer Strafe auch nicht entgehen. Dagegen laßt uns Gott danken für seine Gnade, daß wir das reine Wort wieder haben; und auf das erste vornehmlich auf Johannes Wort acht haben, da er spricht: «Bereitet den Weg dem Herrn»; also: «er ist mitten unter euch getreten»; und bald danach: Siehe, das ist Gottes Lamm, welches der Welt Sünde trägt.» Da sagt er nichts von unseren Werken, Verdiensten, sondern zeigt allein auf Christum, in dem wir alles finden und haben. Danach sollen wir auch das Beispiel seiner Demut mit Fleiß merken, daß der heilige Mann, welcher, wie Christus zeugt, seinesgleichen unter allen, so von Weiber geboren sind, nicht hat (so werden in freilich alle Mönche und Pfaffen, die je unter dem Papst gewesen, mit aller ihrer Heiligkeit das Wasser nicht reichen können), sich so tief herunter läßt und demütigt, daß er sagt: Er sei mit aller seiner Heiligkeit und guten Werken nicht wert, daß er sich vor dem Herrn Christum bücke und seine Schuhriemen auflöse. Das soll uns ein Beispiel der Demut von Johannes sein, daß wir uns davor in acht nehmen, und Johannes nachfolgen sollten. Gute Werke sollen wir tun und derselben uns auf das höchste befleißigen, denn Gott hat es befohlen in den zehn Geboten; die hat er nicht vergebens vom Himmel herab gegeben. Es ist sein Wort, darum will er es gehalten haben. Deswegen befleißige sich nur jedermann nach dem besten, daß er danach lebe, und sich so gehorsam und dankbar gegen Gott erzeige, der uns seinen lieben Sohn geschenkt hat, welcher sich um unseretwillen erniedrigt hat, und gehorsam geworden ist bis zum Tod, ja, zum Tod am Kreuz, daran er für uns und aller Welt Sünde genug getan hat. Auf dieses Mannes Gehorsam und Werk verlasse dich und baue fest darauf, und wirf ihm alles, was du je Gutes getan hast, vor seine Füße, und bekenne nur frei von Herzen mit Johannes, es sei nicht wert, daß du dem Herrn Christus damit die Schuhe auswischest. Vor den Menschen ist es wohl fein, sauber, ein schönes Tuch, Kleinod und Tugend, daß du kein Ehebrecher, kein Dieb, kein Mörder bist; das mag und soll man in der Welt bei den Menschen rühmen, und für Samt, seidene und goldene Stücke halten. Aber wenn es vor unsern Herrn Gott und sein Gericht kommt, so sprich: Vor dir, Herr, ist mein bester Samt und goldene Stücke ärger denn ein Bettlerlumpen. Darum richte mich nicht nach meinen Werken, will sie gerne einen alten Lumpen sein lassen, und wollte, daß ich es nur möchte wert sein, ich wollte mich gern daran genügen lassen. Also tut der heilige Paulus auch, Philipper 3, 5-7.: «ich,» spricht er, «bin ein Israeliter, nach dem Gesetz ein Pharisäer, und nach der Gerechtigkeit im Gesetz unsträflich,» daß mich kein Mensch strafen kann. Das lasse etwas besonderes sein, wenn sich vor den Leuten jemand so rühmen kann. «Dennoch achte ich,» spricht er, «alle diese Heiligkeit nun, um Christus willen, für Schaden und Dreck,» und ist meine höchste Freude und bester Trost, daß ich erfunden werden soll, nicht in meiner Gerechtigkeit, die aus dem Gesetz ist; sondern aus der Gerechtigkeit, die durch den Glauben an Christum kommt, die von Gott dem Glauben zugerechnet wird. Daß ich nun solcher Gerechtigkeit meines Herrn genießen kann, achte ich meine Gerechtigkeit für Dreck. Hier macht es Paulus noch gröber denn Johannes; der beschneidet es doch, heißt seine guten Werke einen Schuhlumpen; Paulus aber heißt es Kot und Dreck. Das ist ja unflätig genug von unserem heiligen Leben geredet. Wir sollen aber solche Beispiele uns besonders annehmen, wohl merken und ernstlich danach leben, daß wir vor der Welt in aller Zucht und Ehrbarkeit leben, daß die Leute nichts über uns zu klagen haben. Solches gehört in dies Leben, hier auf Erden, und hört auch hier auf, wie man sieht: einen Frommen Mann beerdigt man ebenso als einen Narren, eine fromme Frau ebenso als eine Hure. Wenn es aber zum ewigen Leben kommen soll, so lerne sprechen: Ich halte mich an meinen Herrn Christum und an seine Heiligkeit, die er in der Taufe, im Wort und Sakrament mir verheißt und schenkt; dabei will ich mich finden lassen, als ein armer und kleiner Wurm. Auf das wir also einen Unterschied machen zwischen unseren zeitlichen Leben und Heiligkeit, und den ewigen Leben der Heiligkeit, die vor Gott gilt. Die Heiden haben auch sich in feiner Zucht und Ehrbarkeit gehalten, und viel um des Vaterlandes willen getan und gelitten; darum sie auch zu rühmen sind. Aber hier, wenn der Tod kommt, da scheidet es sich; da bleibt allen unser Tun und Leiden zurück, denn dadurch erlangen wir nicht Vergebung der Sünden, Gerechtigkeit. Wo sollen wir aber dann die Gerechtigkeit und Heiligkeit nehmen, die vor Gott und in dem ewigen Leben gilt? Da heißt es also, daß wir mit Johannes uns Demütigen und sagen: Herr, hier kommt ein armer Lumpen, alt und zerrissen, oder wie Paulus sagt, ein stinkender Dreck. Vor der Welt mag es wohl Samt und goldene Stücke sein; aber vor dir, Herr, lasse mich einen alten Lumpen sein, da ich deinem Sohn die Schuhe mit wische, und Schenke mir seine Gerechtigkeit, der Samt seiner Gerechtigkeit mein edelster und teuerster Schatz ist. Denn ich weiß, daß ich durch ihn und seine Gerechtigkeit ins Himmelreich komme; daß ich durch meiner Heiligkeit müßte in den Abgrund der Hölle fahren. Daraus folgt, daß wir frei müssen schließen, daß Mönche, Pfaffen, Klöster, und was dergleichen noch genannt ist, alles zum Teufel und in die Hölle gehöre. Denn sie sehen mit ihren guten Werken nicht dahin, daß sie Gott den schuldigen Gehorsam leisten, und niemand ärgerlich seien; sondern daß sie damit denken selig zu werden. Darum verkaufen sie auch ihre guten Werke anderen Leuten. Das heißt aber Christum verleugnen, ja, sein spotten und ihn so verachten, wie die Juden sein spotteten und ihn verachteten. Vor solchem Greuel sollen wir uns hüten, und hier lernen, wie wir solchen Verführern begegnen mögen, daß wir zu ihnen sagen: Du armer Mensch, willst mich mit deinen dreckigen Werken und Heiligkeit selig machen? Hat es doch Johannes, Paulus, Petrus und andere Heilige nicht tun können; sonst würden sie selbst nicht so gering von ihrer Heiligkeit gehalten und gepredigt haben. Wenn man die Klöster noch brauchte als Zuchthäuser, daß man junge Knaben darin aufziehe und in der Schrift studieren ließe, so wäre es ein sehr feiner, köstlicher und nützlicher Brauch. Aber dazu will sie der Papst und sein gottloser Haufen nicht brauchen; sondern sie weisen jedermann mit solchem Klosterleben in den Himmel. Sie werden aber gewiß einen solchen Himmel damit finden, wo die Flamme und das Feuer zum Fenster hinaus schlägt. Darum wäre es viel besser, daß man solche Klöstern abreiße, weil die Leute so von Christus abgewiesen und an Seele und Leib beschädigt werden. So lerne nun in der Summe aus dem heutigen Evangelium, daß wir unter und bei den Leuten züchtig leben, in guten Werken fleißig und emsig sein sollen, und niemand ärgerlich. Solchen Gehorsam fordert Gott durch sein Gesetz und will ihn von uns haben; und wo wir ihn nicht leisten, will er mit dem Henker, mit dem Schwert, und zuletzt auch mit dem höllischen Feuer dazwischen schlagen. Solches zu tun, sage ich, sind wir schuldig aus Gottes Befehl gegen die Leute. Aber wenn du vor Gott kommst, so sprich: Herr, meiner Heiligkeit und Werke wegen bin ich verloren. Ich begehre deswegen, daß ich möchte ein alter Lumpen sein, zu den Füßen meines Herrn Jesus Christus. Wegen meines Lebens wegen bin ich anderes nicht wert, denn daß er mich in die Hölle werfe. Aber ich begehre seiner Heiligkeit, daß er mich heiligen wollen mit einer anderen, besseren und ewigen Heiligkeit; so komme ich gewiß in das ewige Leben. Solches wollen weder Papst noch Bischöfe hören; denn sie sehen wohl, was daraus folgen würde, nämlich, das Stifte und Klöster, Messe und all ihr falscher Gottesdienst nicht lange stehen würden; darum halten sie so steif und fest darüber: mehr um des Bauches willen, der andere und geringere Teil darum, weil sie dadurch hoffen selig zu werden. Solches tut Johannes nicht, Paulus auch nicht, die wollen ihre Gerechtigkeit und Heiligkeit nicht behalten. Also sollen auch alle Christen tun, mit Paulus sagen: Meiner Heiligkeit ist ein stinkender Unflat und Dreck; und mit Johannes: Meine Heiligkeit ist ein Lumpen, wenn ich sie gegen die Heiligkeit und die Werke Christi rechnen will. Aber die Katholiken wollen weder Kot noch Lumpen in ihren Messen, Gelübden, Fasten, Beten sein, schlagen uns darüber tot, daß wir es nicht mit ihnen halten und die Leute auf einen anderen und besseren Weg weisen. Nun, es ist ein Otterngezücht, da nimmermehr etwas Gutes aus wachsen kann, sie werden es finden, was sie suchen. Last aber uns ja sehen auf den Mund und Finger Johannes, da er uns mit zeuget und weiset, auf das wir unseren Herrn und Seligmacher, Jesum Christum, nicht übersehen und nicht seiner fehlen sollen, da er so fleißig und treulich und zu ihm leitet und weiset, daß wir selig werden. Dies ist die vornehmste Lehre aus dem heutigen Evangelium, da Johannes so fleißig von sich zu dem Herrn Christum weiset, sich also hoch demütigt, und Christum so empor hebt und rühmt. Das andere Stück, daß die Pharisäer und Hohenpriester zu Johannes schicken, und ihm das Taufen und Predigen verbieten wollen, weil er selbst sagt: Er sei weder Christus, noch Elias, noch ein Prophet; also, daß er einen Unterschied macht zwischen seiner Taufe, damit er tauft, als ein Knecht, und der Taufe Christi, der selbst der Herr ist und den Geist allein geben kann: solche zwei Stücke sind für den gemeinen Mann etwas zu hoch; ohne daß man dennoch dies daraus lernen und merken soll, wie die Welt, und besonders, was in der Welt weise und hoch ist, Gottes Werken feind ist, und wollten sie gern dämpfen und unterdrücken, wie die Pharisäer und Hohenpriester hier tun. Aber Johannes hat einen rechten Eliasgeist und -kraft, das ist, ein unerschrocken Herz, läßt sich weder Predigen noch Taufen verbieten, bis ihn Herodes bei dem Kopf nimmt, in den Turm wirft, und endlich den Kopf abhauen läßt. Das leidet er um Gottes willen gern und geduldig, der Hoffnung, daß er durch seinen Herrn und Erlöser Christum einen gnädigen Gott und das ewige Leben haben werde. Das verleihe uns unser lieber Herr Gott und Vater durch seinen Sohn Jesu Christum, Amen.   Am Heiligen Christtag von der Geschichte, wie Christus zu Bethlehem geboren ist. Lukas 2,1-15 Es begab sich aber zu der Zeit, daß ein Gebot vom Kaiser Augustus ausging, daß alle Welt geschätzt würde. Und diese Schätzung war die allererste und geschah zu der Zeit, da Cyrenius Landpfleger in Syrien war. Und jedermann ging, daß er sich schätzen ließe, ein jeglicher in seine Stadt. Da machte sich auch auf Josef aus Galiläa, aus der Stadt Nazareth, in das jüdische Land, zur Stadt Davids, die da heißt Bethlehem, darum, daß er von dem Hause und Geschlechte Davids war, auf das er sich schätzen ließe mit Maria, seinem vertrauten Weibe, die war schwanger. Und als sie daselbst waren, kam die Zeit, daß sie gebären sollte. Und sie gebar ihren ersten Sohn und wickelte ihn in Windeln und legte ihn in eine Krippe; denn sie hatten sonst keinen Raum in der Herberge. Und es waren Hirten in derselbigen Gegend dem Felde bei den Hürden, die hüteten des Nachts ihre Herde. Und siehe, des Herrn Engel trat zu ihnen, und die Klarheit des Herrn leuchtete um sie, und sie fürchteten sich sehr. Und der Engel sprach zu ihnen: Fürchtet euch nicht; siehe, ich verkündige euch große Freude, die allem Volk widerfahren wird; denn euch ist heute der Heiland geboren, welcher ist Christus, der Herr, in der Stadt Davids. Und das habt zum Zeichen, ihr werdet finden das Kind in Windeln gewickelt und in einer Krippe liegen. Und alsbald war da bei dem Engel die Menge der himmlischen Heerscharen, die lobten Gott und sprachen: Ehre sei Gott in der Höhe, und Friede auf Erden, und den Menschen ein Wohlgefallen. Dies Fest, von der Geburt unseres lieben Herrn Jesu Christi, ist vornehmlich um der Ursache willen unter den Christen eingesetzt, daß man die Geschichte predigen und wohl lernen soll, daß sie dem jungen Volk und gemeinen Mann im Gedächtnis bleibe, daß sie es wohl in das Herz bilden und ihren Erlöser recht erkennen lernen. Denn obwohl man es jährlich sagt, so kann man nicht genug davon predigen, noch genug lernen. Wir wollen deswegen das Evangelium in zwei Stücke teilen. Zum ersten die Geschichte erzählen auf das einfältigste, wie sie sich zugetragen; danach hören, was die lieben Engeln davon predigen und singen. Das erste Stücke in der Geschichte ist dies: das Christus geboren ist eben zu der Zeit, da unter dem Kaiser Augustus zum erstenmal die Juden und ihr Vermögen geschätzt worden sind. Da hat unser lieber Herr Christus zu regieren, obwohl heimlich, in der Welt angefangen, und muß ihm der große Kaiser Augustus samt seinem Reich dienen, wohl unwissend, und die Ursache mit seinem Gebot dazu geben, daß die Jungfrau Maria samt ihrem vertrauten Mann Josef gen Bethlehem reist, und wie die Propheten zuvor geweissagt hatten, den Heiland der Welt daselbst an das Licht bringt. Sonst, wo solches durchs Kaisers Gebot nicht so verursacht, würde Josef und Maria wohl daheim geblieben sein. Aber Christus sollte zu Bethlehem geboren werden, darum muß der Kaiser dazu die Ursache geben, und also dem Herrn Christus zu seiner Geburt dienen; obwohl weder Kaiser noch die Welt etwas davon wußten. Denn sonst ist die Welt wohl so böse und untreu, daß sie es lieber verhindert, denn gefördert hätte. Aber Gott führt sein Regiment also, daß sie unwissend häufig tun müssen, was sie wissend nie zu Wege bringen würden. Als sie nun, dem Kaiser Gehorsam zu leisten, aus Galiläa in Judäa gen Bethlehem gekommen sind, sagt der Evangelist, sei die Zeit gekommen, daß die Jungfrau Maria gebären sollte. Da sind doch alle Dinge zu der Zeit ganz ungeschickt. Siehe, die zwei Eheleute sind in einem fremden Land, in einer fremden Stadt, da sie weder Haus noch Hof haben, und ob sie schon, wie es wohl anzunehmen ist, Freunde da haben, so haben doch diese an sie nicht gedacht. Über das alles war die Stadt noch so voll, daß, wie der Evangelist sagt, sie keinen Raum hatten in der Herberge, müssen deswegen in den Kuhstall, und sich da wie die armen Leuten behelfen. Da wird weder Schrank, Leinen, Polster, Kissen noch Federbett gewesen sein; ein Bund mit Stroh war noch das Beste, was sie bei dem Vieh finden konnten. Und es war im harten Winter bei Nacht, daß die heilige Frucht, daß Kindlein Jesus, geboren wurde. Dies ist kurz die Geschichte, welche ohne Zweifel der Evangelist so uns erzählen wollte, weil wir sonst so kalt sind, ob er doch ein wenig unsere Herzen erwärmen könnte, weil unser Heiland so elendiglich auf diese Welt geboren ist. Bethlehem wäre wohl wert gewesen, daß sie damals in den Abgrund der Hölle versunken wäre, die nicht so viel die Ehre ihrem Heiland beweise, daß sie ihm irgend eine kleine Kammer und Bett mit einem Kissen leihet. Seine Wiege ist zuerst der lieben Mutter Schoß, danach die Krippe. Die arme Mutter, will sie nicht erfrieren, so wird sie sich mit ihrem Mantel, den sie gehabt, allein zudecken; denn hier ist niemand, der Kind oder Mutter etwas leihen, dienen, oder mit dem Geringsten helfen könnte. Warum malt doch der Evangelist diese Geburt so arm und elend? Darum, daß du daran denken und es nimmermehr vergessen sollst, und es dir durch Dein Herz gehen lassen, und besonders, weil du wir hörst, es ist alles deinetwegen geschehen, daß du darüber fröhlich und Gott auch dankbar dafür bist. Es ist eine weite Reise von Nazareth aus Galiläa nach Bethlehem, ja, soweit als aus Sachsen nach Bayern, wenn nicht noch weiter. Da ist es doch wohl zu denken, daß sie auch nicht viel Hausrat mitgeführt oder getragen haben. So werden die Windeln oder was sonst zu solchem Handel gehört, auch nicht besonders schön gewesen sein, daß sie das Kind vielleicht nur mit ihrem Hemd eingewickelt und ihm die Krippe gelegt hat. Denn sie hat es nicht immer im Schoß halten können, und sich an den Kleidern und Leib der Mutter wärmen, sondern das liebe Kind mußte sich mit Stroh und Heu und einer Krippe behelfen. Josef hat auch das Beste tun müssen, und es wird wohl so gewesen sein, daß eine Magd dem Hause mit Wasser holen und anderen ihnen gedient habe, wie es in der Not üblich ist. Aber solches ist hier nicht geschrieben. Darum ist es zu vermuten, obwohl jedermann wußte, daß ein junges Weib im Kuhstall gelegen, sich doch niemand ihrer angenommen hat. Spuck du dich an, du schändliches Bethlehem, weil du dich so hart und unbarmherzig gegen deinen Heiland stellst, daß du ihm auch den geringsten Dienst nicht erzeigst! Du hättest die Strafe von Sodom und Gomorra besser verdient, daß Schwefel und Feuer vom Himmel herab geregnet wäre und dich zu Grunde vertilgt. Denn obgleich die Jungfrau Maria eine Bettlerin, oder, eine ehrliche Frau gewesen, so sollte man doch in solcher Not und Zeit, ihr zu dienen willig und geneigt gewesen sein. Ja wohl, es wird nichts daraus, dies Kind muß in Tüchern gewickelt und in eine Krippe gelegt werden, dabei bleibt es. So soll dieser Herr auf Erden empfangen werden, wohl die anderen prassen, fressen, große Pracht treiben mit schönen Kleidern, herrlichen Häusern. Das ist das erste Stück von der Geschichte, welche uns darum so vorgeschrieben ist, daß wir das Bild lernen sollen und in unser Herz fassen, wie unser lieber Herr Jesus Christus so elendiglich in dieser Welt geboren ist, auf das wir lernen Gott für solche große Wohltat zu danken und zu loben, daß wir armen, elenden, ja auch verdammten Menschen heut zu so großen Ehren gekommen, daß wir ein Fleisch und Blut mit dem Sohn Gottes geworden sind. Denn eben der ewige Sohn des ewigen Vaters, durch welchen Himmel und Erde aus nichts erschaffen ist, der ist, wie wir hören, Mensch geworden und auf diese Welt geboren wie wir, ohne daß es mit ihm ohne alle Sünde zugegangen ist. Deswegen mögen wir rühmen, daß Gott unser Bruder, ja, unser Fleisch und Blut geworden sei. Diese große Ehre ist nicht den Engeln, sondern uns Menschen widerfahren. Deswegen obwohl die Engeln eine herrlichere Kreatur sind denn wir, so hat doch Gott uns mehr und höher geehrt und sich näher zu uns getan, denn zu den Engeln, weil er nicht ein Engel, sondern ein Mensch geworden ist. Wenn nun wir Menschen solches recht bedenken und von Herzen glauben könnten, so sollte gewißlich solche unaussprechliche Gnade und Wohltat unseres lieben Herrn Gottes eine hohe große Freude machen, und uns treiben, daß wir Gott von Herzen dafür dankten, ihn liebten und gern uns nach seinen Willen halten würden. Im Papsttum hat man eine Geschichte erzählt: Es sei der Teufel auf eine Zeit in eine Kirche zur Messe gekommen, und da man die Worte gesungen habe: «Gottes Sohn ist Mensch geworden,» und die Leute gestanden und sich nicht niedergekniet, hat er ihnen auf das Maul geschlagen, und geschimpft und gesagt: Du grober Bauer, schämst du dich nicht, daß du so stehst wie ein Stock, und nicht vor Freuden niederfällst? Wenn Gottes Sohn unser Bruder geworden wäre wie euer, müßten wir nicht, wo wir vor Freude bleiben sollten. Ich glaube nicht, daß es wahr ist; denn der Teufel ist uns und dem Herrn Christus zu feind: aber daß es gewißlich wahr, der es so gedichtet hat, der hat einen hohen Geist gehabt, und die große Ehre wohl verstanden, welche uns widerfahren ist indem, daß Gottes Sohn ist Mensch geworden: nicht wie Eva noch Adam, der aus Erden ist gemacht worden; sondern er ist uns noch näher gekommen, besonders weil er aus Fleisch und Blut von der Jungfrau Maria geboren ist, wie andere Menschen, ohne daß sie, die Jungfrau, allein gewesen, und vom Heiligen Geist geheiligt, ohne Sünde und vom Heiligen Geist diese selige Frucht empfangen hat. Außer diesem ist er uns gleich und ein rechter natürlicher Weibessohn. Adam und Eva sind nicht geboren, sondern geschaffen. Denn Adam hat Gott aus der Erde gemacht; das Weib aber aus seiner Rippe. Wieviel aber ist Christus uns näher, denn die Eva ihrem Mann Adam, besonders weil er unser Fleisch und Blut ist? Solche Ehre sollten wir hoch achten, und wohl in unsere Herzen bilden, daß der Sohn Gottes ist Fleisch geworden, und gar kein Unterschied zwischen seinem und unserem Fleisch ist, nur das sein Fleisch ohne Sünde ist. Denn er ist von dem Heiligen Geist empfangen, und Gott hat die Seele und den Leib der Jungfrau Maria voll Heiligen Geistes gegossen, daß sie ohne alle Sünde gewesen ist, als sie den Herrn Jesus empfangen und getragen hat. Außer denselben ist alles natürlich an ihm gewesen, wie an anderen Menschen: daß er gegessen, getrunken, ihn gehungert, gedürstet, gefroren hat, wie andere Menschen. Solche und dergleichen natürliche Gebrechen, welche der Sünden wegen auf uns geerbt sind, hat er, der ohne Sünde war, getragen und gehabt, wie wir, wie Paulus sagt: Er sei erfunden in allem ein Mensch wie wir, der gegessen, getrunken, fröhlich und traurig gewesen ist. Das heißt ja sich tief demütigen und herunter lassen. Denn er hätte es wohl machen können, daß er ein Mensch geworden, wie er jetzt im Himmel ist, daß er Fleisch und Blut hat wie wir; aber nicht, was wir tun. Solches hätte er wohl von Anfang an tun können; aber er hat es nicht tun wollen, auf das er uns anzeigt, was für eine Liebe er zu uns hat, daß wir uns darüber freuen, trösten und rühmen können, daß wir einen Bruder im Himmel haben, diesen sollen wir mögen, ja, sollen ihnen annehmen. Denn ein unseliger Mensch ist der, der ihn nicht annimmt, noch diese Freude in seinem Herzen fühlt. So ist nun die Ursache, daß diese Geschichte jährlich gepredigt wird, auf das ein jegliches junges Herz sich solches vorhalte, und Gott dafür danke und spreche: Es hat keine Not mit mir; denn ich habe einen Bruder, der geworden ist wie ich bin. Warum er nun also geworden sei und was er dadurch habe ausrichten wollen, sage ich noch nicht. Denn darum ist’s geschehen, daß er uns errette von der Sünde und ewigen Tod. Aber ich will jetzt allein sagen von der Ehre des ganzen menschlichen Geschlechts, der wir uns mit der Wahrheit rühmen und fröhlich darüber sein sollen, daß der Sohn Gottes Mensch geworden ist. Solcher Ehre können sich alle Menschen rühmen. Die Christen aber haben danach ein Höheres, daß sie solcher Ehre auch in Ewigkeit genießen sollen. Dies Stück sollen wir aufs erste von dieser Geschichte merken. Zum anderen dient dies treffliche hohe Beispiel uns auch dazu: Weil Christus, der Sohn Gottes, sich so demütigt, und alle seine Ehre an das arme Fleisch gewandt, und die göttliche Majestät, davor die Engel zittern, sich so herunter gelassen hat, geht daher wie ein armer Bettler; oben im Himmel beten ihn die Engel an, hier unten auf Erden dient er uns und legt sich in unseren Schlamm: weil nun, sage ich, der Sohn Gottes solches getan hat, so sollen wir auch lernen, ihm zu Lob und Ehren, gern demütig sein, und seinem Wort nach unser Kreuz auf uns nehmen, allerlei Trübsal leiden und ihm also folgen. Denn was kann es uns schaden, oder warum wollten wir uns des Leidens schämen? Weil unser lieber Herr gelitten hat Frost, Hunger und Kummer. Sonderlich aber ging es elendig und armselig zu, wie gesagt, da er auf Erden kam und geboren ward. Da weder Gefäß noch Stube, weder Kissen, Windel noch Bettlergewand; er mußte in einer Krippe liegen, vor den Kühen und Ochsen. So denn nun dein lieber Bruder, der König Himmels und der Erden und aller Kreatur, so elend sich daher legt; spuck du dich mal an, warum wolltest du so herrlich sein und nichts leiden? Wer bist du denn? Ist es nicht wahr, du bist ein armer Sünder, der du nicht wert bist, daß du auf einem Brette liegen solltest. Liegst aber auf einem weichem Bette; aber dein Herr auf hartem Stroh und in einer Krippe. Ist dies nicht ein verdrießlicher Handel? Wir sehen hier, in was für einer Demut und Armut unser Herr Jesus liegt um unseretwillen; und wir wollen Könige sein, frei ausgehen und nichts leiden. Das will sich wohl übel reimen, wenn der Herr in solchem Elend und Armut, uns zu gut, geboren wird, dazu für uns am Kreuz stirbt; und wir faulen Narren wollten immerfort in guter Ruhe und Friede sitzen! Nein, daß reimt sich nicht: «Der Jünger ist nicht über seinen Meister, noch der Knecht über den Herrn,» spricht Christus. Darum sollen wir wohl lernen und mit Ernst bedenken, erstlich, zu was für Ehren wir gekommen in dem, daß Christus Mensch geworden ist. Denn es ist eine solche Ehre, daß wenn einer ein Engel wäre, wünschen möchte, daß er ein Mensch wäre, daß er auch sich rühmen möchte: Mein Fleisch und Blut sitzt über allen Engeln. Darum sollten wir Menschen uns ja billig für selig halten. Gott gebe, daß wir es verstehen, zu Herzen nehmen und Gott dafür dankbar sind. Zum anderen sollen wir das Beispiel von Christus fleißig ansehen, was er, der ein Herr ist über alle Herren, in seiner ersten Zukunft uns armen Menschen bewiesen, und um unseretwillen gelitten hat. Solches würde uns bewegen und treiben, daß wir von Herzen auch anderen Leuten gerne helfen und dienen, ob es uns auch gleich sauer würde, und wir etwas darüber leiden müßten. Dazu helfe uns Gott mit seinem Heiligen Geist, durch unseren lieben Herrn Jesu Christum, Amen.   Am 1. Weihnachtstag Lukas 2, 10-12 Wir haben zuvor die Geschichte gehört, wie Jesus Christus, Gottes Sohn, in diese Welt geboren ist und was wir daraus lernen sollen. Als nun solches zu Bethlehem geschehen, meldet der Evangelist, wie ein Engel vom Himmel zu einigen Hirten, die nahe dabei auf dem Felde bei ihren Herden waren, mit einem herrlichen, großen Licht kommen und von solcher Geburt den Hirten mit diesen Worten gepredigt habe: Fürchtet euch nicht, denn siehe, ich verkündige euch eine große Freude, die allem Volk widerfahren wird. Denn euch ist heute der Heiland geboren, welcher ist Christus, der Herr, in der Stadt David. Und das habt zum Zeichen: Ihr werdet finden das Kind in Windeln gewickelt, und in einer Krippe liegen. Das ist die erste Predigt von diesem geborenen Kindlein, unseren Herrn Jesu, welche von den Engeln vom Himmel zu uns auf Erden gebracht worden ist. Deswegen sie wohl wert ist, daß wir es mit Fleiß lernen, und uns ja davor hüten, daß wir nicht denken, wir könnten es auslernen. Denn ob man es gleich alle Jahre, ja, alle Tage predigt, so werden wir es doch hier auf Erden nicht zu Ende lernen können. Es ist aber diese Engelpredigt sehr nötig gewesen: denn wenn Christus zwanzigmal geboren wäre, so wäre es doch vergebens gewesen, wenn wir nichts davon wüßten. Denn was ist es, daß einer einen Schatz im Hause oder Keller hat, da er nichts von weiß? Dieser Schatz wird ihm wenig Freude machen. Wie das Sprichwort heißt: ein verborgener Schatz ist ein unnützer Schatz, weil man über ihn hinläuft, wie über den Dreck auf der Gasse, den man nicht achtet. Also ist es hier mit dieser heiligen, freudenreichen Geburt auch. Wenn die lieben Engeln nicht davon gepredigt und solchen Schatz den Leuten nicht geoffenbart hätten, hätte niemand diesen Schatz begehren, viel weniger genießen, niemand wäre darüber froh geworden. Ursache, was einer nicht weiß, daß ficht ihn nicht an; es gibt wieder Lust noch Unlust, sondern ist, als wäre es nie gewesen oder sollte es nimmermehr etwas werden. Darum ist dies der vornehmsten Stücke eins in dem heutigen Evangelium, daß der Engel mit seiner Predigt diese Geburt offenbart und zeigt uns diesen Schatz; daß wir nicht so vorüber gehen, den Schatz haben, und dennoch nichts davon wissen, uns weder darüber freuen noch trösten, und spricht: «Ich verkündige euch große Freude.» Diese Worte sind sehr wohl gesetzt. Die Hirten sind über dem großen Licht und Glanz, als über einem ungewöhnlichen Ding, sehr erschrocken, daß Himmel und Erde in einem Augenblick die Nacht so hell als der Tag geworden ist. Solches sieht der Engel, spricht deswegen fröhlich an, und sagt: «Fürchtet euch nicht.» Als sollte er sprechen: Wir habt kein Ursache, daß ihr euch fürchten sollt; daß ihr euch aber fürchtet, ist ein gewisses Zeichen, daß ihr von dem edlen, teuren Schatz noch nichts wisset, den euch Gott geschenkt hat; sonst würdet ihr euch nicht fürchten, ja, ihr würdet euch von Herzen freuen und guter Dinge sein. Denn eben darum bin ich gekommen, daß ich euch eine große Freude verkündigen soll, ein großes Werk und Wunderzeichen, welches, so ihr es recht in euer Herz bilden werdet, so werdet ihr guter Dinge darüber sein und eine große, überschwengliche Freude haben. Daß es also den Engeln vornehmlich darum zu tun ist, daß er gern eine solche Predigt tun wollte, die da haften bleibt und nicht umsonst wäre, sondern ausrichtet, was sie soll. Darum sagt er nicht von einer schlechten, sondern von einer großen Freude und nötigen Sache. Und das darum: denn der Teufel hat durch die Sünde uns Menschen sehr herunter geworfen, und einen schrecklichen Jammer angerichtet, daß wir nicht allein in der Erbsünde stecken und den ewigen Tod auf uns haben, sondern noch täglich in der Welt allerlei Unglück von ihm erwarten müssen; also, daß niemand einen Augenblick sicher ist, weder des Leibes noch des Gutes wegen, welches alles in einer Gefahr schwebet. Über solchen Jammer ist noch ein größerer, wie im Evangelium geschrieben ist, daß der Teufel in die Leute fährt, macht sie toll und töricht, daß man mit Wahrheit sagen kann, ein solcher Mensch sei nichts, denn ein stinkendes heimliches Gefäß des Teufels. So schändlich hat er durch die Sünde uns Menschen zunichte gemacht, daß wir hier auf Erden nicht einen Bissen Brot können mächtig sein, müssen danach recht auch Gottes Zorn und ewigen Tod tragen. Das lasse ein schrecklich, jämmerlich und greulich Teufelsreich sein. Dennoch, wenn wir es recht bedenken und beides gegeneinander abwägen, so ist solcher Jammer, welchen wir vom Teufel haben, keineswegs der Herrlichkeit und diesem trefflichen Schatz und Freude zu vergleichen, da der Engeln hier von predigt, und sagt: «Fürchtet euch nicht, ich verkündige euch große Freude, euch ist der Heiland geboren.» Mit solcher Predigt wollte der Engel gern unseren Herzen abwenden von allem solchen Teufelsjammer auf dies Kindlein; und meint, der hätte alsdann ein Werk eines christlichen Predigers ausgerichtet, wenn er uns dahin bringen könnte, daß wir diesen Heiland recht ansehen und als unser Fleisch und Blut erkennen lernten. Und es ist gewiß wahr: wenn es sein sollte oder könnte, daß dies fröhliche Bild in eines Menschen Herz recht ginge, so würde dieser Schatz allen gering sein, welchen wir vom Teufel haben, ob es gleich ein großer und ewiger Schade sei. Wer nun den Teufel überwinden, sein Gift und Zorn verlachen und vor ihm sicher sein will; der muß es allein mit diesem süßen Anblick und Trost tun, wovon der Engel hier predigt und sagt: Euch ist der Heiland geboren. Wenn dieser Blick recht in das Herz fällt, so ist die Sache schon gewonnen. Denn da denkt der Mensch also: Der Teufel hat mich und alle Menschen geschändet und erwürgt, in Gottes Zorn und ewiges Urteil geworfen: aber so groß ist dieser Schade nicht; der Schatz, welchen mir Gott gegeben hat, ist noch größer, nämlich, daß Gott, mein Herr, nicht das menschliche Geschlecht besitzt, wie der Teufel pflegt die Menschen zu besitzen; sondern er selbst wird wahrer Mensch, daß also aus Gott und menschlicher Natur eine Person wird. So nahe kann der Teufel einem Menschen nicht kommen. Denn ob er gleich einen Menschen besitzt, so bleibt doch der Mensch Mensch, der Teufel Teufel, und so sind zwei unterschiedliche Personen und Naturen. Dagegen ist nun der Sohn Gottes Mensch geworden, daß ich mit der Wahrheit sagen kann: Dieser Mensch ist Gott, und Gott ist Mensch. Deswegen hat sich unser lieber gnädiger Gott im Himmel viel näher zu uns getan und ist viel tiefer in unser Fleisch gekommen, denn als der Teufel hineinkommen kann. Der mag einen Menschen besitzen und martern, aber er kann nicht ein persönlicher Mensch werden, die Naturen bleiben immer geschieden, nicht allein nach dem Wesen, sondern auch in der Personen. Solches aber ist hier eins, der Sohn Gottes ist unser Fleisch um Blut, von Maria, der Jungfrau, geboren, natürlicher Weise, wie ich und du, ausgenommen, daß er ohne männlichen Samen vom Heiligen Geist empfangen, und das Gift des leidigen Teufels nicht mit hat angenommen, sondern hat ein ganz und gar rein unschuldig Fleisch und Blut. Außer diesem einigen Stück, daß unser Fleisch und Blut unrein und sündig ist, ist er ein Mensch wie ich und du, er hat essen müssen, trinken, schlafen, aufwachen, wie andere Menschen von Natur aus tun müssen, wie Paulus sagt: «Der ist erfunden wie ein Mensch»; das wer ihm gehört oder gesehen, hat müssen sagen: Das ist ein wahrhaftiger natürlicher Mensch, kein Gespenst. Denn er hat alle Art dieses Lebens an sich. Das ist die Freude, da der Engel von sagt. Ich rede aber jetzt nur allein von der Ehre, der wir uns freuen sollen, noch nicht von der Frucht, von welcher man predigt, wenn man von seinem Leiden und Auferstehen predigt. Jetzt sagen wir allein von der Ehre, daß Gott uns so nahe geworden ist, daß er unser Fleisch und Blut, und ein persönlicher Mensch ist, wie ich und du sind, allein das ausgenommen, daß er ohne alle Sünde ist. Mit dieser unaussprechlichen Ehre hat er das menschliche Geschlecht geziert. Das wollte der Engel den Leuten gern einbilden und spricht: «Ich verkündige euch große Freude, die allem Volk widerfahren wird.» Der ist fröhlich und guter Dinge darüber, brennt und springt vor lauter Freude, schämt sich der armen Hirten nicht, daß er ihnen predigen soll, sondern ist guter Dinge darüber, und wollte gern, daß jedermann solches zu Herzen ginge, wie ihm, und alle Menschen solche große Ehre erkennen lernten, daß die menschliche Natur zu der Herrlichkeit gekommen ist, daß der Sohn Gottes, durch welchen alles erschaffen ist, die hohe Majestät, unser Fleisch und Blut geworden ist. Denn da wäre nicht wunder, wenn wir gleich sonst nichts davon hätten, daß wir Menschen unter einander uns so lieb gewinnen sollten, daß eines das andere vor Liebe, wie man sagt, fressen sollte. Ich rede aber noch nicht von dem Nutzen und Brauch, sondern allein von der Ehre. Wenn dieselbe uns recht zu Herzen ginge, da sollten wir nie einem Menschen feind sein können. Ursache, wer wollte doch dem Bild feind sein oder Böses tun, das Leib und Seele hat, wie mein und dein Gott? Sollten wir nun nicht um solcher Ehre willen, die Gott uns bewiesen hat, alle Menschen auch lieben und ihnen alles Gute tun? Die Engel sind eine viel herrlichere Kreatur denn wir Menschen; das hat Gott nicht angesehen. Gott ist nicht ein Engel geworden. Dazu sind die Engel auch unschuldige und heilige Geister, die nicht gefallen sind, wie die anderen Engel und wir armen Menschen. Da läßt es sich ansehen, als wäre es billiger gewesen, daß Gott ein Engel sollte geworden sein. So fährt er zu, nimmt die geringe, arme Kreatur an, die in Sünden steckt, in des Teufels Reich und unter des Todes Gewalt ist, die der Teufel auf das äußerste plagt und schändet. Das heißt ja tief sich zu uns herunter gebeugt. Sollte denn uns solches nicht erweichen, daß wir mit aller Brunst unter einander uns lieb hätten, alle Freundschaft und Dienst unter einander beweisen, nicht so unter einander verachten, neideten? Etliche Väter, meinen, der Teufel, der im Himmel gesehen habe, daß der Sohn Gottes soll Mensch werden, habe er aus solcher Ursache einen Neid gegen die Menschen und einen Haß gegen Gott bekommen, daß er nicht mehr ein Engel sein wollte sondern ein Mensch hat werden wollen, sei also aus Hoffart und Neid herunter gefallen. Solches mag wohl ein Gedanke unter wahr sein. Es habe aber dennoch die lieben Väter die große Freude und Ehre damit anzeigen wollen, welches uns in dem widerfahren ist, daß Gott ist ein Mensch geworden, eben das arme Fleisch und Blut an sich genommen hat, daß wir arme Menschen haben, welche vom Teufel besessen und dem Tod der Sünde wegen übergeben waren. Was für unselige Leute müssen diese sein, die von solcher Ehre nichts wissen? Die aber sind viel unseliger, die solches von den Engeln, Aposteln, oder anderen Predigern hören, daß Gott die menschliche Natur so gnädig heimsucht, an sich genommen und über alle Kreatur zum Herren gemacht habe, und haben dennoch keine Freude daran. Ja, unselige Leute müssen es gewiß sein, die solches nicht fühlen, nicht Trost und Freude davon haben. Wenn unter vielen Brüdern einer zum großen Herren wird, wie froh werden die anderen Brüder? Wie können sie sich so hoch trösten? Wie man an Josef seinen Brüdern im ersten Buch Mose sieht, da er sich ihnen zu erkennen gibt. Und ist wahr, solches ist eine natürliche Freude. Wie kommt es aber, daß wir uns dieser unaussprechlichen Ehre und Herrlichkeit nicht auch freuen, daß sie uns nicht zu Herzen gehen will, wir Gott nicht darum loben und danken, daß mein Gott mein Fleisch und Blut geworden, und jetzt droben sitzt zur rechten Hand Gottes, ein Herr über alle Kreatur? Der solches recht in sein Herz fassen könnte, der sollte ja um des Fleisches und Blutes willen, daß droben zur rechten Gottes ist, alles Fleisch und Blut hier auf Erden lieb haben, und keinem Menschen mehr zürnen können. Das also die zarte Menschheit Christi, unseres Gottes, mit einem Anblick alle Herzen billig fröhlich und freundlich machen sollte, es und mit Freude so erfüllen, daß nie mehr ein zorniger Gedanke da sein möchte also, wer in seinem Herzen dies Bild wohl gefaßt hätte, daß Gottes Sohn ist Mensch geworden, der sollte sich nie vom Herrn Christus etwas Böses, sondern nur etwas Gutes erhoffen. Denn ich weiß ja wohl, daß ich nicht gern mit mir selbst zürne, noch mir Arges begehre zu tun. Aber ist Christus eben der, der ich bin, ist auch ein Mensch; wie kann er es denn mit sich selbst, das ist, mit uns, die wir sein Fleisch Blut sind, übel meinen? Also würde solches Bild, wo es recht im Herzen wäre, in einem Augenblick alle greulichen Beispiele des Zornes Gottes verschmelzen, als da ist, die Sintflut, die Strafe von Sodom und Gomorra. Solches alles müßte in dem einigen Bild verschwinden, wenn wir denken an diesen einigen Menschen, der Gott ist, und die arme menschliche Natur so geehrt hat, daß er ist ein Mensch geworden. Sind aber das nicht unselige Leute, wie gesagt, die solches hören, und achten es dennoch nicht, sondern lassen solchen Schatz liegen, denken nur, wie sie den Kasten mit Geld füllen, schöner Häuser bauen und große Pracht führen mögen? Solches kommt daher, daß der leidige Teufel die Herzen blendet, daß sie gar keinen Blick von solcher Freude, da der Engel hiervon predigt, sehen können. Dies ist nun ein Stück, daß uns bewegen sollte zu großer Freude und seliger Hoffart, daß wir also geehrt sind über alle Kreatur, auch über die Engel, daß wir nun können mit der Wahrheit rühmen: Mein Fleisch, mein Blut sitzt zur rechten Gottes und regiert über alles. Solche Ehre hat keine Kreatur, kein Engel nicht, es sie mein Fleisch und Blut aber hat es. Das sollte doch wohl allein schon ein Backofen sein, wo unser Herz drin schmelzen, und eine solche Brunst unter uns Menschen anrichtete, daß wir von Herzen einander liebten. Aber da hat, wie gesagt, der leidige Teufel sein Gespenst, daß wir es in der Kirche hören, danach nicht weiter daran denken, sondern bald vergessen. Das verdirbt uns diese Freude mit anderen Sorgen, auf das wir dies Bild nicht in unser Herz einschließen, wie wir sollten. Wenn wir nun nicht mehr denn diese Ehre hätten, so sollten wir vor Freuden springen und tanzen. Nun aber über diese natürliche Ehre und Freude ist noch dies dabei, daß er, der Mensch Jesus, auch unser Heiland sein will. Das ist aller erst daß Rechte Stück und größte Ursache, daß wir sollen fröhlich sein. Daher sind es unselige Leute, die davon nicht hören noch wissen. Aber wie zuvor gesagt, viel unseliger sind die, die es hören und wissen, und doch nicht achten. Denn diese Worte sollten Himmel und Erde zerschmelzen, und uns aus dem Tode eitel Zucker, und aus allem Unglück, welches doch unzählig ist, eitel köstliche Perlen machen. Denn welcher Mensch ist, der dieses alles ausdenken kann, daß uns ein Heiland geboren ist? Solchen Schatz gibt der Engel nicht allein seiner Mutter, der Jungfrau Maria, sondern uns Menschen allen. «Euch, euch,» spricht er, «ist der Heiland geboren, welcher ist Christus, der Herr.» Der Engeln redet mit den Hirten; die waren Juden und kannten daß Wort «Christus» in ihrer Sprache sehr wohl, daß es heiße einen König und Herrn. Aber da irrte der meiste Teil der Juden, daß sie dachten, er würde ein Herr und Heiland im leiblichen Regiment sein. Das war die Meinung nicht. Der Engel sieht auf ein Höheres, da er spricht: «Euch ist der Heiland geboren»; als wollte er sagen: Ihr seid bisher des Teufels Gefangene gewesen, der hat euch geplagt mit Wasser, Feuer, Pest, Schwert, und wer kann die Unglücke alle erzählen? Da liegt ihr armen Menschen unter seiner Tyrannei. Die Seele verführt er mit Lügen, das ist unzählig mehr schädlicher, denn alle Pestilenz dem Leib sein kann. So hat der arme, dürftige, schwache Leib auch keine Ruhe vor ihm. Wenn er nun Seele und Leib so geplagt hat, so steckt noch der ewige Tod dahinter. Euch nun, spricht der Engel, euch, die ihr mit Seele und Leib unter solchem schädlichen, bösen, giftigen Geist, der der Welt Fürst und Gott ist, gefangen liegt, ist der Heiland geboren. Das Wörtlein «euch» sollte uns ja fröhlich machen. Denn mit wem redet er? Mit Holz oder Steinen? Nein, sondern mit Menschen, und nicht mit einem oder zwei allein, sondern mit allem Volk. Was wollen wir nun daraus machen? Wollen wir auch weiter zweifeln an der Gnade Gottes und sprechen: Über den Heiland mag sich wohl St. Peter und St. Paul freuen; ich darf es nicht tun, ich bin ein armer Sünder, dieser edle, teure Schatz geht mich nicht an? Lieber, wenn du es so willst sagen: Er ist nicht mein; wessen ist der dann? Ist der um der Gänse, Enten oder Kühe willen gekommen? Denn du mußt hier sehen, wer er sei. Hätte er wollen eine anderen Kreatur helfen, so wäre er dieselbe Kreatur geworden. Aber ist allein eines Menschen Sohn geworden. Nun, wer bist du? Wer bin ich? Sind wir nicht Menschen? Ja. Wer soll sich denn dieses Kindleins annehmen, eben die Menschen? Die Engel dürfen nicht, die Teufel wollen sein nicht. Wir aber dürfen sein, unseretwillen ist er Mensch geworden. Deswegen gebührt es uns Menschen, daß wir mit Freuden uns seiner annehmen, wie der Engel hier sagt: «Euch ist der Heiland geboren.» Um kurz davor: «Ich verkündige euch große Freude, welche allem Volk widerfahren wird.» Ist es nicht ein großes, herrliches Ding, daß ein Engel von Himmel solche Botschaft den Menschen bringt? Und danach so viel tausend Engel so fröhlich darüber sind, wünschen und predigen, daß wir Menschen auch sollen fröhlich sein und solche Gnade mit Dank annehmen, wie wir hören werden. Darum ist es ein trefflich, teures Wort, daß wir hier hören: «Euch ist der Heiland geboren.» Als wollte der Engel sagen: Diese Geburt ist nicht mein, darf mich ihrer nicht annehmen, ohne daß ich es euch von Herzen gerne gönne. Aber euer ist’s, die ihr arme, verdorbene und verlorene Menschen seid. Diesen ist er ein Heiland geworden. Darum nehmet ihn an, ihr bedürfet solchen Heiland, so euch von Sünden und Tod sollte geholfen werden. Jenes, davon zuvor gemeldet ist, ist an sich selbst ein herrlich, großes Ding, daß Gott ist ein Mensch geworden. Aber dies ist weit darüber, daß er soll unser geistlicher und ewiger Heiland sein. Wer solches recht fühlt und glaubt, der würde davon zu sagen wissen, was eine rechte Freude wäre, ja, sollten nicht lange vor großer Freude leben können. Aber, wie am Anfang gesagt, wir werden diese Predigt hier auf Erden nicht völlig fassen, noch auslernen können. Dies Leben ist zu eng, so sind unsere Herzen zu schwach dazu. Sonst wenn es möglich wäre, daß es ein Herz recht annehmen könnte, müßte es vor Freude zerspringen, würde auch nimmermehr keinen traurigen Gedanken fühlen. Es sollte, wenn wir glaubten, und zum wenigsten diese Frucht daraus folgen, daß wir freundlich unter einander leben würden, aufhörten mit Lügen und Trügen und allerlei Unrat, um des Bildes willen, daß Gott selbst ist ein Mensch geworden. Aber da sieht man, wie schwach es mit uns fortgeht, daß diese Freuden nicht recht ins Herz will, und wir beide, der Predigt des lieben Engels und des Heilands, vergessen, und der meiste Teil der Menschen dem alten Geiz und anderen nachgehen. Welches ein gewisses Zeichen ist, daß wir solche Predigt nicht fest, oder ja schwach glauben, sonst würden wir fröhlich sein, uns nicht bekümmern, wenn wir glaubten, daß wir einen solchen Heiland hätten. Wie sollte wohl ein Mensch sich freuen wenn die Glocken bei seinem Sterben läuten, wenn er eine gewisse Arznei gegen diesen Tod hätte! Solche Freude würde man fühlen, daß sie von Herzen ginge. Aber hier, der wir eine gewisse Versicherung gegen Sünde und den ewigen Tod haben, freut sich niemand, oder nur wenige. Der meiste Haufe sucht eine andere Freude, daß er hier Friede, Ruhe und gutes Leben habe, und ist sich doch keines Augenblicks hier sicher. Das ist ein Zeichen, daß wir diese freudenreichen Predigt, gleich als im Schlaf, hören, bleiben heillose Leute, die den Schatz vor Augen haben und achten sein doch nicht. Wer nun also geschickt ist, daß er solches hört und keine Freude davon empfindet, der mag sich wohl für einen unseligen Menschen achten. Denn was will doch ein Herz fröhlich machen, wenn es sich dessen nicht freuen, davon der Engel hier sagt: «Euch ist der Heiland geboren»? Wer sich nun dieser Predigt nicht bessern und frömmer werden will, wem dieser Schatz nicht schmecken und dies Feuer das Herz nicht erwärmen will, den mag der Henker frömmer machen, sonst ist ihm nicht zu helfen. Darum so lerne es für ein böses Zeichen zur achten, wo du dich dermaßen so kalt und erstarrst befindest, und bitte ja Gott von Herzen um seine Gnade, daß er durch seinen Heiligen Geist dir dein Herz ändern und helfen wolle. Daß der Engel aber weiter meldet, er sei geboren, dieser Heiland, in der Stadt David, und nennt ihn Christum, den Herrn: mit den Worten weist er uns in die Schrift. Denn also war durch den Propheten Micha zuvor geweissagt, er sollte zu Bethlehem geboren werden. Besonders aber heißt der Engel das Kindlein Jesum einen Herrn. Solches sollen wir nicht verstehen, als würde er ein weltlicher König sein, der sich als ein Tyrann erzeigen würde und mit der Keule dazwischen schlagen. Nein, sondern wie Gott zu Adam spricht: «Des Weibes Same soll der Schlange den Kopf zertreten»; und des Teufels Feind, aber unser Herr und Erlöser sein wolle, der mich und dich für das Seine ansprechen und als die Seinen vom Teufel abfordern wolle, und ihn sagen: Gib mir diesen her, den du gefangen hältst; er ist sich dein, sondern mein eigen Geschöpf, den ich nicht allein erschaffen, sondern auch mit meinem Leib und Blut erkauft habe; darum lasse ihn fahren und gib ihn mir wieder, denn er steht mir zu. Das also Christus ein tröstlicher Herr sei, der dem Teufel in das Regiment mit Gewalt greife, und das Seine zu sich nähme; der ihm unter die Augen trete und sagen: Du verfluchter Geist hast sie geführt in die Sünde und Tod, du betrügst und belügst sie, und sind doch nicht dein; ich bin der Herr, dem es nicht allein von Natur, sondern auch von Rechts wegen gebührt, und dir nicht, daß ich über die Menschen regieren soll, denn sie sind mein verdientes Gut. Ja, sprichst du, hat doch der Sohn Gottes die Engel nicht erlöst, wie kann man denn das Wörtlein Herr also deuten? Antwort: Gegen uns hat solches Wörtlein keinen anderen Verstand, und ist recht also gedeutet. Aber weil der Engel einfach hin redet, und dem Kindlein Jesus einen so hohen Titel gibt, und Herr nennt, so ist es eine gewisse Anzeigung, daß dies Kindlein, von Maria der Jungfrau leiblich geboren, natürlicher, wahrer, ewiger Gott sei, sonst würde der Engel ihn bestimmt nicht Herr heißen. Unser Heiland ist er, und der Engel nicht, wieder Engel hier klar sagt: «Euch ist der Heiland geboren.» Aber ist nicht allein unser Herr, sondern auch der Engel Herr; die sind nun mit uns und wir mit ihnen dieses Herrn Hausgesinde, zählen sich unter diesen Herrn zugleich mit uns, daß wir Menschen, die wir zuvor des Teufels Knechte waren, durch dies Kindlein zu solchen Ehren kommen, daß wir nun in der Bürgschaft der lieben Engeln angenommen sind. Die sind jetzt unsere besten Freunde, daß wir uns mögen rühmen um dieses Kindleins willen, daß wir mit den Engeln und sie mit uns einen einigen Herrn haben, einerlei Hausgesinde miteinander sind. Die lieben Engel sollten billig hoffärtig sein, daß sie viel edler sind denn wir Menschen: erstens ihrer Natur und Wesens wegen, danach auch, daß sie ohne Sünde sind. Aber da spürt man keine Hoffart, sie verachten uns Menschen um unseres Jammers willen nicht, unser Sterben, Sünde und Not ist ihnen von Herzen leid. Darum haben sie auch so eine herzlichen Freude über die Hilfe, so uns durch dies Kindlein widerfährt, gönnen uns die Seligkeit wohl, als sich selbst, daß wir das Kindlein zu eigen bekommen, welches ihr Herr ist, und zu hohen Ehren bringt, daß wir ihre Mitgenossen sein sollen. Sie sagen nicht: Ich mag die Sünder nicht, die stinkenden Toten, die im Grabe liegen, die Hurer, die Buben. Nein, so sagen sie nicht, sondern sind von Herzen fröhlich darüber, daß sie solche Sünder zu Frieden kriegen, und loben Gott darum, daß wir von der Sünden los werden, und zu ihnen in ein Haus und unter einen Herrn gekommen sind. Um solcher Gnade willen danken und preisen sie Gott, deren sie doch nicht genießen. Wie viel mehr will sich’s nun gebühren, daß wir auch Gott dafür danken und loben, und unter einander auch lieben und Dienst beweisen, wie der Sohn Gottes uns bewiesen hat, der unser Fleisch und nächster Freund geworden ist. Wer aber solches nicht achten, den Nächsten nicht auch so lieben und ihm helfen will, dem ist, wie ich oben gesagt habe, nicht zu helfen. Das ist die erste Predigt nach Christi Geburt von diesen Kindlein, die geht nun durch die Welt durch und durch, bis an der Welt Ende. Darum sollt ihr fleißig merken; denn hier steht, wie die lieben Engel unsere Freunde geworden, und mit der fröhlichen Botschaft zu uns gekommen sind, und gesagt: Wir sollen uns nun nicht mehr fürchten, weil das Kindlein uns geboren ist und unser Heiland sein will. Dies ist der rechte, höchste und beste Trost, da man Gottes Gnade und Barmherzigkeit ganz gewiß dran prüfen kann, daß Gott, der allmächtige, ewige Vater, sich über uns erbarmt, und uns seinen Sohn gegeben hat auf eine so freundlicher Weise, durch ein zartes, keines, junges Jungfräulein, den legt er in ihren Schoß hinein, und läßt uns predigen: Er sei unser Heiland; was uns mangelt, daß sollen wir an ihm finden; er wolle unsere Hilfe und Trost sein, daß von nun an zwischen Gott und uns aller Zorn aufgehoben und nur lauter liebe und Freundlichkeit sein soll. Da denke du nun, ob Gott denen unrecht tue, wenn er sie gleich ewig verdammt, die solches hören und sich doch solches nicht annehmen, wie die blinden verstockten Katholiken tun, die sich an diesem Heiland nicht genug sein lassen, suchen sich andere Heilande, darauf sie sich verlassen. Des Engels Predigt lautet anders, nämlich, daß dies Kindlein allein unser Heiland sei, an dem wir allein allen Trost und Freude haben sollen, als an dem höchsten Schatz; wo der ist, da sehen alle Engel und Gott selber hin. Solchen Schatz aber legt er nicht allein der Mutter in den Schoß, sondern mir und dir, und sagt: Er soll dein eigen sein, sollst sein genießen, und alles, was er hat, im Himmel und auf Erden, daß soll dein sein. Wer nun solches hört, doch keine Freude davon hat, oder diesen Heiland fahren läßt und sucht einen anderen, der ist wert, daß ihn der Donner neun Ellen unter die Erde schlage. Deswegen sollen wir Gott um seine Gnade danken und bitten, daß er diese Engelpredigt selbst in unsere Herzen reden und schreiben wolle, auf das wir uns dieses Heilandes recht trösten und durch ihn Tod und Teufel überwinden mögen. Das helfe uns unser lieber Herr und Heiland Christus, Amen.   Am 2. Weihnachtstag Lukas 15 Bisher haben wir von diesem Fest gehört, erstlich die Geschichte, wie der Sohn Gottes Mensch geworden und von der Jungfrau Maria in diese armselige Welt geboren sei; welcher darum geschrieben und jährlich in der Christenheit gepredigt wird, auf das wir dieselbe wohl zur Herzen fassen, und Gott für solche Gnade und herrliche Wohltaten von Herzen lernen danken, die er uns durch solche Geburt seine Sohnes erzeigt hat. Nach der Geschichte haben wir die himmlische Predigt des Engels gehört, durch welche solche Geburt den Hirten verkündigt worden ist, mit großer Klarheit auf dem Felde. Das ist auch etwas Neues, daß Gott die großen Herren zu Jerusalem sitzen läßt, und schickt so eine herrliche Botschaft vom Himmel herunter zu den armen Bettlern, den Hirten, auf das Feld. Das also der heilige Engel sich demütigt dem Beispiel seines Herrn Christi nach, und läßt sich gar nicht verschmähen, daß er den armen Hirten so eine schöne Predigt tun soll, die noch bleibt und bleiben muß unter den Christen, bis an der Welt Ende. An solcher Geschichte lernen wir, wie die lieben Engel sehr feine Geister sind, da keine Hoffart innen ist. Deswegen alle die, so sich gelehrt, heilig und große Herren lassen heißen, billig dieses Beispiel wahrnehmen, und daran lernen sollten, daß sie ihrer Kunst, Weisheit, Gewalt und anderer Gaben sich auch nicht überheben, noch andere darum verachten. Denn so die Gaben zur Hoffart werden sollten, so hätten je die lieben Engel Ursache genug, daß sie solches getan und die armen Hirten verachtet hätten. Aber sie tun es nicht. Ob nun wohl die Hirten geringe, einfältige Leute sind, gleichwohl halten die Engel sich selbst nicht für so heilig und hoch, daß sie nicht sollten von Herzen willig und fröhlich sein, solche Botschaft ihnen anzusagen. Also sollen wir auch tun, und in aller Demut unsere Gaben anderen zu Trost und Hilfe gern brauchen und niemanden verachten. Denn solches heißt dem Beispiel Christi gefolgt, wie wir in der ersten Predigt gehört haben. Der verachtet niemand; sondern gleich wie er vom Himmel herunter arm und elend in diese Welt gekommen ist, also will er auch arme, elende Leute um sich haben, die Hilfe suchen und bedürfen. Denn eben darum führt er auch den Namen, daß er ein Helfer oder Heiland heißt. Solches Heilandes, lassen sich die großen Herren zu Jerusalem bedenken, sie bräuchten sein nicht. Die armen Hirten aber dürfen sein. Darum wird denselben solcher Schatz am ersten vom Engel in seiner kurzen Predigt, verkündigt, in welcher er uns dahin weiset, wie es alles darum zu tun sei, daß wir uns solches Heilandes freuen sollen, der uns von Sünde, Tod, Teufel und Hölle erlösen will. Denn also heißt diese Predigt: «Fürchtet euch nicht. Euch ist heute der Heiland geboren, welcher ist Christus der Herr.» Dies sind nicht Worte, die in eines Menschen Herzen gewachsen sind; denn auch die weisesten Leute auf Erden wissen davon nichts: sondern es sind engelische Worte, vom Himmel herab erschollen, welcher wir, Gott sei ewig Lob, auch sind teilhaftig geworden. Denn es ist eben so viel, du hörst oder liest heute diese Predigt, als hättest du sie vom Himmel selbst gehört. Denn die Hirten haben die Engel auch nicht gesehen; sie haben nur das Licht und den Glanz gesehen. Die Worte aber die der Engel haben sie gehört. Du hörst es noch in der Predigt, du liest es noch im Buch, wenn du nur willst die Augen und Ohren auftun, und solche Predigt lernen und recht brauchen. Es gelingt aber solche Predigt weit anders, denn als Mose Predigt, die er von den Engeln auf dem Berg Sinai gehört hat. Denn hier ist es umgekehrt. Dort war es also getan, daß die Leute sich fürchten mußten, Leibes und Lebens nicht sicher waren vor dem Blitz und Donner und anderen greulichen Wesen. Hier aber predigen sie, die lieben Engel, man soll sich nicht fürchten, sondern guter Dinge sein, trotzig und hoffärtig werden, als man immer kann, um des Kindleins willen, daß unser Heiland ist, und von den Engeln hier mit einem sonderen Namen getauft und «Christus, der Herr» genannt wird. Mit diesem Namen greifen sie in die Schrift, und fassen auf einen Haufen alle Propheten zusammen. Denn alles, was geschrieben ist, zielt dahin, daß man hoffen soll und warten auf den Mann, der da Christus heißt. Denn das Gesetz konnte wieder Sünde und Tod nicht helfen; eigene Werke und Frömmigkeit konnten auch nicht helfen. Solches war allein auf Christum gesetzt, der sollte es tun. Da sehen die Engel hin und predigen hier: Dieser ist es, der es tun soll, an dem jedermann alles finden sollen, was zur Vergebung der Sünden und ewigem Leben gehört. Das heißt hinweggeworfen allerlei Lehre und Religion, dadurch man die Menschen außerhalb von Christus zum ewigen Leben führen will. Denn so es dieser Christus sein soll, so wird es nicht seine Mutter Maria, kein anderer Heiliger, wo doch die Katholiken auf der Heiligen Fürbitte, auf Möncherei und anderes die Leute weisen. Aber wie reimt sich dies mit der Engelpredigt? Ja, wie reimt es sich mit dem schönen Gesang: Ein Kindlein so löblich? Da wird also unserem Herrn Christus zu Ehren, und zum Zetergeschrei über uns selbst, über den Papst und alle Werkheiligen singen: Wär uns das Kindleins nicht geboren, so wären wir alle zumal verloren. Sind wir nun außer Christus alle zumal verloren, so muß ja der Mensch mit seiner Regel, mit seiner Kappe und Messe auch verloren sein. Denn wer alle nennt, schließt niemand aus. Sollen sie aber selig werden, so müssen sie nicht durch Mönchsorden, Fasten, beten selig werden, sondern allein durch Christum, der den Namen hier hat, und heißt ein Seligmacher oder Heiland. Man hat diese Engelpredigt im Papsttum auch gehabt, man hat auch jedes Jahr in Deutschland dies schöne christliche Lied: Kein Kindleins so löblich, überall gesungen, und singt es noch, aber niemand hat es verstanden. Ursache, es hat an treuen Predigern gefehlt. Wo nun der Predigtstuhl liegt und schnarcht, daß der die Worte nicht aufweckt und erklärt, so singt und liest man es zwar, aber ohne allen Verstand. Denn wir müssen bekennen, daß wir auch im Papsttum die Taufe, Sakrament, den Text des Evangelium, daß Vaterunser, den Glauben, die zehn Gebote gehabt haben, und noch heutigen Tages haben die Katholiken es wie wir, ausgenommen, daß sie das Abendmal des Herrn geändert und sein Testament verrückt haben. Aber solches alles schläft bei ihnen, sie haben es und wissen es nicht, was sie haben. Denn sie trösten sich nicht, wie sich Christen solches Schatzes trösten sollen; sondern gehen frei und sicher daher, denken nicht einmal, was die Taufe, Evangelium, Vater Unser und Glauben ist. Darum wissen sie auch nicht, was sie davon singen oder sagen. Woran fehlt es denn? Daran, daß der Predigtstuhl gefallen ist, der den Leuten die Ohren auftun und das Wort aufwecken muß, daß sie verstehen, was sie hören, lesen oder singen. Der nun andere aufwecken soll, muß auch nicht schlafen, sondern wacker und munter sein, sonst kann ein schläfriger Prediger einen lustigen Zuhörer mit sich schläfrig machen. Wie ist es denn mit dem Papst gegangen. Der ist im Rosengarten und Paradies, das ist, in aller Ruhe und Fülle gesessen; darum hat er geschnarcht und geschlafen und diese herrliche Predigt fallen lassen, daß ob sie gleich davon singen und lesen wie wir, dennoch nichts davon wissen oder verstehen. Daß es also beides miteinander bei den Katholiken geht. Im Evangelium lesen sie, wie der Heiland geboren ist. In der Kirche singen sie: Wär uns das Kindlein nicht geboren, so wären wir allzumal verloren, daß Heil ist unser aller. Gehen doch nichts desto weniger hin, rufen die Jungfrau Maria an, Fasten, feiern der Toten Heiligen Feste, bestellen und hören Messe. Das heißt ja andere Heilande machen, und dieses Lied und den Gesang verkehren, und anstatt dieses Heilands oder Kindleins die Jungfrau Maria und anderer Heilige, ja, wohl auch die armen und elenden Menschen Werke setzen. Darum ist es hoch vonnöten, daß man Gott von Herzen bitte, daß er tapfere Prediger geben wolle, die solche Worte in uns aufwecken und erklären, daß wir es nicht allein hören und lesen, sondern auch verstehen. Wo aber solche Prediger nicht sind, da geht es zu wie bei den Katholiken, die das Evangelium, Taufe, Sakrament haben, verstehen aber nichts davon. Darum ist ihnen das Wort «Taufe,» «Sakrament» eben wie ein Schatz, den einer im Hause hat sein doch nicht nutzt, weil er ihm verborgen ist. Des Engels Predigt ist klar und deutlich genug: Euch ist der Heiland geboren. Aber wenn es noch so klar und deutlich wäre, ist es doch dem Papst und seinem Haufen unverständlich, sonst würden sie die Leute nicht heißen die Heiligen anrufen, Menschenwerk und Verdienst kaufen, und anderer Heilande suchen, sondern sie würden sich an diesem Heiland genügen lassen. Wo aber Gott einen wackeren und munteren Prediger gibt, der solche Worte bei den Zuhörern im Herzen recht aufwecken und erklären kann, der bringt aus dieser Engelpredigt die hohe Kunst, daß er allerlei andere falsche Lehre und Geister eigentlich richten und urteilen kann, und ist nicht möglich, daß der Teufel sich sollte so seltsam vertrehen, daß er ihn nicht fassen, kennen und mitten in sein Herz sehen soll, ob er gleich noch so verschlagen und arglistig ist. Daher rühmt Paulus 2. Korinther 2,11., und spricht: «Uns ist nicht unbewußt, was der Satan im Sinn hat.» Also auch wir dürfen nicht mehr zur Sache tun, denn daß wir allerlei Lehre, sie heiße jüdisch, türkisch, katholisch oder wie sie wolle, gegen des Engels Predigt halten, ob sich’s auch mit ihr reimen oder leiden wolle. Das Papsttum hat über die Maßen viel Gepränge mit den Gottesdiensten, auch viel großer, köstlicher Werke. Aber wer sieht nicht, daß es alles Abgötterei ist, besonders weil sie solche Gottesdienste für ihren Heiland halten? Das ist, sie verlassen sich darauf, als hätte Gott einen Gefallen daran, und sie dadurch seine Gnade erlangen und ins Himmelreich kommen könnten; so doch hier vom Kind der Engel predigt, und sonst niemand, sei der Heiland. Deswegen können wir Papst und Bischöfe mit Wahrheit beschuldigen, daß sie in irriger Lehre und Leben sind. Denn es reimt sich weder ihr Leben noch ihre Lehre mit dieser Engelpredigt. Wer sich nun hält und richtet nach des Engels Predigt, der kann nicht fehlen noch irren, er nehme vor sich und urteile, was er wolle. Deswegen mögen wir Gott wohl für solche Gnade danken, und von Herzen bitten, daß er uns wolle bewahren, daß wir dies Kindleins und selig Licht ja nicht aus den Augen und Herzen lassen, welches uns vorleuchtet wider alle List des Teufels und Schalkheit der Welt, daß wir sicher wandeln, und aller anderen Lehren, so dawider sind, leicht und bald urteilen können, daß sie unrecht sind; dürfen nicht mehr tun, denn daß wir sagen: Der Engel predigt nicht so, daß meine, deine oder einiger Kreatur Werke unser Heiland sei; sondern er weist uns auf das Kindlein, von dem er sagt: «euch ist heut der Heiland geboren, welcher ist Christus der Herr,» der hat alles getan und ausgerichtet, was unsere Seligkeit betrifft. Dem englischen Doktor will ich Glauben und mich an seine Predigt halten, sonst keine hören, die anders lautet. Das ist die köstliche Engelpredigt, da kommen viel tausend andere Engel und heben eine schöne Musik an, daß, gleich wie die Predigt eine Meisterpredigt ist, also folgt auch ein schöner Meistergesang darauf, ein englischer Gesang, den man vorher in der Welt nie gehört hat, und lautet also: Ehre sei Gott in der Höhe, Friede auf Erden, und den Menschen ein Wohlgefallen. Amen   Am Sonntag nach Weihnachten Lukas 15 Dieses ist ein sehr schönes Evangelium, in welchen wir sehen, was der richtige Weg, der gewisse Weg zum ewigen Leben ist. Es scheint aber, daß man dieses Evangelium auf diesen heiligen Tag der Dreieinigkeit billigt, daß so fein der Unterschied der Personen angezeigt ist, in dem höchsten und größten Werk das Gott mit uns armen Menschen handelt, daß er uns von Sünden frei, die recht und selig macht. Denn hier steht vom Vater, daß er die Welt geliebt und ihr seinen eingeborenen Sohn geschenkt hat. Das sind die zwei unterschiedlichen Personen, Vater und Sohn, eine jegliche mit ihren besonderen Werk. Der Vater liebt die Welt und schenkt ihr den Sohn; der Sohn läßt sich der Welt schenken, und, wie Christus hier sagt, läßt er sich wie die Schlange in der Wüste am Kreuz erhöhen, auf das alle, die an ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben. Zu solchem Werk kommt danach die dritte Person, der heilige Geist, welcher durch das Wasser der seligen Taufe den Glauben im Herzen anzündet, wohl uns also eine Wiedergeburt zum Reiche Gottes schenkt. Dieses ist eine sehr tröstliche Predigt, die uns ein fröhliches Herz gegen Gott machen; darin wir sehen, daß alle drei Personen, die ganze Gottheit, sich dahin wendet und damit umgeht, daß den armen, elenden Menschen wider die Sünde, dem Tod und Teufel zur Gerechtigkeit, ewigem Leben und dem Reich Gottes geholfen werde. Wie können wir denn vor Gott unserer Sünden wegen uns fürchten? Wie können wir ein böses Herz zudem haben? Wenn er uns unserer Sünde willen verdammen wollte, wie wir immer wieder uns sorgen, besonders wenn das Stündlein kommt: so würde der Vater seinen eingeborenen Sohn nicht gegeben haben, Vater und Sohn würden uns nicht zum Bad der Wiedergeburt und unter das Heiligen Geistes Flügel gefördert haben. Also ist dieser Artikel von der Dreieinigkeit auf das schönste und freundlichste hier angezeigt. Aber davon ist in der nächsten Predigt noch genug gehandelt, wollen deswegen jetzt das Evangelium von Stück zu Stück vor uns nehmen, in welchem wir hören, wie der Herr mit Nikodemus, dem Schriftgelehrten, eine lange Diskussion hat, in welcher der alte gute Mann sich ganz und gar nicht zurecht finden dann. Wir müssen zu erst erkennen, was dem Nikodemus gehindert hat, daß er gar nicht weiß, was der Herr redet und haben will. Eine gute Sache ist es, daß Nikodemus dem Herrn nach geht, und weil er öffentlich nicht darf, geschieht dieses zur Nacht. So sehen wir an seinen Worten auch, daß er es mit dem Herrn Jesus Christus nicht übel meint, sondern sehr viel von ihm hält, ihn hält für einen besonderen Prediger, welchen Gott in die Welt gesendet und seine Lehre mit herrlichen Wunderwerken bestätigt. Solche Worte redet er nicht aus einem falschen Herzen, wie die Pharisäer, Matthäus 22,16: «Meister, wir wissen, daß du wahrhaftig bist, und lehrest den Weg Gottes recht du.» Nein, wie es Nikodemus redet, so meint er es auch in seinem Herzen, daß unser lieber Herr Jesus Christus muß ein besonderer und teurer Lehrer sein, weil Gott mit so trefflichen Wunderzeichen seine Lehre bestätigt. Dieser Gedanke gefällt unseren Heiland wohl. Darum, weil Nikodemus ihn viel den höchsten Lehrer rühmt: also will er ihnen jetzt dafür die höchste Predigt halten, vor dem höchsten und größten Werk, wo man von predigen kann, nämlich, wie man das Reich Gottes sehen könne, das ist, wie man könne von Sünden los werden, zu Gottes Reich kommen und das ewige Leben erlangen. Denn dieses ist die Predigt, welcher allein der Sohn Gottes vom Himmel zu uns auf Erden gebracht hat, wie Johannes sagte: «der eingeborene Sohn, der im Schoß des Vaters ist, der hatten es verkündigt.» Das ist wahr, daß alle Welt je und je sich damit bekümmert, und sich besonderer weisen und Wege gemacht und ausgedacht hat, selig zu werden. Denn Nikodemus selbst kommt mit den Gedanken, er wisse, Gott Lob! Auch ohne Christum, wie er solle und könne selig werden. Meint, weil er ein Jude ist und das Gesetz hat, habe er den Vorteil, der könne wissen, was er tun soll, wenn er Gott zu gefallen leben und den besten Gehorsam erzeigen. An diesem meint er, hat der genug, denkt nicht, daß es eine ganz anderer Meinung hat, wie er jetzt von Christus hören wird. Wie wir auch an den Katholiken sehen. Wenn ein Mönch es soweit bringt, daß er seinem Orden oder Kloster genug bringt, so denkt er, er säße schon bei Gott im Schoß, wie der Pharisäer in Lukas 18. Kapitel, der sein Fasten, Zehnten geben und andere gute Werke rühmt. In der Summe, die Menschenherzen sind so gestaltet. Wenn sie sich fürchten und entsetzen, wenn sie ihre Sünde fühlen: also trauen und hoffen sie, sie sind mit Gott wohl dran, wenn sie äußerlich fromm, und keine bösen Taten haben, wo durch ihr Gewissen erschreckt und zaghaft wird. Darum nimmt sich einer dies, jener ein anderes vor, jeder wie es ihn am besten gefällt, womit er meint vor Gott bestehen zu können. Der Jude hat seinen Mose, ein Mönch sein Kloster. Wir sind alle in dem Wahn, wenn wir die Zehn Gebote halten, so hätten wir keine Not vor Gott. So denkt Nikodemus auch. Aber weil er Christus für einen hohen, besonderen Prediger hält, will Christus sich also gegen ihn beweisen und gibt ihm diesen Unterricht: Wahrlich, wahrlich, ich sage dir, es sei denn, daß jemand von neuem geboren werden, kann er das Reich Gottes nicht sehen. Nun, hier steht der Handel mit klaren, runden Worten, und Christus läßt sich hier hören als ein besonderer Lehrer; denn so etwas hat Nikodemus zuvor nicht gehört, darum versteht er es auch nicht. Dieses aber versteht er wohl, daß er noch nicht wiedergeborenen ist. Wie er aber zur Wiedergeburt kommen soll, davon weiß er nichts. Da denke nun du auch drüber nach, was doch unser Heiland mit diesem Spruch will. Denn so man das Reich Gottes nicht sehen kann, man sei erst wieder geboren: daraus folgt ja, daß wir, geboren sind, mit Vernunft, freien Willen, mit dem Gesetz und allen guten Übungen, welche beides die Vernunft und der Wille kann erfüllen, müssen verdammt sein; dieses alles hilft nicht zum Reiche Gottes. Was ist aber das für ein jämmerlicher Handel, daß man die Leute von dieser Wiedergeburt nichts lehrt, sondern zeigt ihnen bloß, wie der Papst tut, auf eigene Werke, daß sie dadurch selig werden sollen? Wie reimt sich diese Lehre mit Christus hier? Sie sprechen: gute Werke machen selig. Christus spricht: bist du nicht wieder geboren, so wirst du nicht selig. Nun ist es aber wahr und kann man nicht leugnen, daß ein Mensch selbst und aus eigenen Kräften, wie man an den Heiden sieht, die sich zur Zucht, Ehrbarkeit und Tugend gewöhnen. Wie man sieht, daß nicht alle Menschen Mörder, Ehebrecher, Hurer, Diebe, Weinsäufer, Müßiggänger sind, sondern viel frommer, ehrbare Leute vor der Welt sind. Solches sind alles herrliche, schöne Tugenden und Werke, da zu man auch jedermann anhalten soll; denn Gott fordert dieses in den zehn Geboten. Aber das ist beschlossen, es können so viel gute Tugenden und gute Werke sein wie sie wollen, ist die Wiedergeburt nicht da, so gehört alles an Tugenden und Werken zum Teufel und in die Hölle. In den Himmel und in das Reich Gottes geht es dadurch nicht. Dieses sagt Christus selbst und es soll niemand daran zweifeln. Die Vernunft aber ist gefangen, die Vernunft redet, Stehlen, Morden, Ehebrechen mißfällt Gott und er straft es, da muß man ja denken, daß, wenn man diese Sünden meidet es Gott wohl gefällt und er es belohnt, sonst spricht die Vernunft, müßte Gott ungerecht sein. Nun ist es wahr, es gefällt Gott wohl, solche und andere Sünde zu meiden und Gutes zu tun, dieses will er auch nicht unbelohnt lassen. Aber das Himmelreich sehen, da gehört etwas anderes und größeres zu, nämlich, daß man, wie hier steht, anders geboren werde. Darum ist Gott dem Pharisäer in Lukas 18., nicht darum Feind, daß er kein Räuber, kein Ehebrecher noch Ungerechter ist, wie andere Leute, daß der fastet und den zehnten gibt, solches läßt sich Gott wohl gefallen, wo nicht die schändliche Untugend daran hinge, daß er meinte, er würde dadurch in den Himmel kommen, meint auch er wäre viel besser als andere Sünder. Darum ist es hier beschlossen: Vernunft ist ein edel, köstliches Ding, der Willen zum guten ist auch sehr edel und ein köstliches Ding, daß Gesetz und die Zehn Gebote, ein feiner, ehrbarer Wandel sind alles herrliche, große gaben, wofür man Gott danken soll: aber wenn man vom Reich Gottes sagt, wie man dazu kommen soll, da hilft weder Vernunft, Wille, Gesetz, oder andere gute Werke zu; allein das macht es, daß man von neuem geboren wird; anders kann man das Reich Gottes nicht sehen, sondern man muß mit Vernunft, freien Willen, Gesetz und zehn Geboten verdammt sein und bleiben. Ja, sprichst du, so will ich besser gar nichts Gutes tun? Nein, das taugt auch nicht, und wird dir mit dieser Weise das Gericht Gottes nur noch schwerer werden. Darum tue beides, übe dich, die Zehn Gebote zu halten, und bekenne doch mit rechtem Ernst daneben, daß du ein armer Sünder bist, der wegen seines Tuns wegen ewig müßte verdammt sein. Danach wäre uns am Heiland Christo weiter zu, wie er wiederum tröstet, nachdem er, unserer ersten Geburt wegen; uns die Seligkeit so einfach abgesagt hat. Nikodemus fühlt das harte Urteil sehr wohl, er denkt sich, was doch die Wiedergeburt sei, und merkt, daß er in leiblicher Weise nicht noch einmal wieder geboren werden kann von Vater und Mutter, fragt deshalb, wie so etwas zu gehen soll? Denn daraus kann ja nichts werden, spricht er, daß ich noch einmal in meiner Mutter Leib kriechen und auf ein neues sollte geboren werden. Mit solcher Frage bringt er unseren Heiland dahin, daß er lehrt, wie die Wiedergeburt zugehen muß, und spricht: Wahrlich, wahrlich, die sage dir, es sei denn, daß jemand geboren werde aus dem Wasser und Geist, so kann er nicht in das Reich Gottes kommen. Was vom Fleisch geboren ist, das ist Fleisch; und was vom Geist geboren wird, das ist Geist. Hier spricht unser Heiland ein Urteil gegen die erste Geburt, daß diese fleischlich und voller Sünden ist, und zum Reich Gottes nicht gehört. Als wollte er sagen: du fragt, ob du von deiner Mutter anders geboren werden müßtest. Wenn du tausendmal anders von deiner Mutter geboren würdest, so wärest du und bliebest der alte Nikodemus. Von Fleisch denn nichts denn Fleisch geboren werden. Darum gehört zu dieser Wiedergeburt nicht Vater und Mutter, wie beide Fleisch und voll Sünden sind; sondern es gehört dazu Wasser und Geist. Wer also wieder geboren ist, der ist ein neuer Mensch und wird in das Reich Gottes kommen. Dieses werde ohne Zweifel den Nikodemus ein sehr lächerlicher Handel gewesen sein, er wird gedacht haben: nun, soll es meint Vernunft und Wille, und auch das Gesetz und Mosel nicht können, und das Wasser vermag es: was ist dies für eine Meinung? Hier wird der gute Mann so irre, daß er nicht weiß, was er sagen soll, wohl muß frei bekennen, daß er kein Mord versteht, obwohl er Mose und die Zehn Gebote sehr gut versteht, deswegen meint er auch er sei ein großer Lehrer. Laßt uns nun die Worte fleißig merken und den Handel gut zusammen fassen. Beschlossen ist es, gute Werke sollen wir tun, und uns im Gehorsam des Gesetzes üben; aber dadurch sehen wir das Reich Gottes nicht. Wollen wir es aber sehen, so müssen nicht unsere Werke, sondern es muß ein anderer und neuer Mensch werden. Dieses geschieht nicht durch die leibliche Geburt, sondern durch Wasser und Geist; dieses sind die rechten Vater und Mutter zu dieser neuen Frucht Das Wasser nun ist anderes nichts, als die heilige Taufe. Denn also spricht Christus, Markus im 16. Kapitel, Vers 16: «wer glaubt rund getauft wird, der wird selig.» Nun aber hat das Wasser solche reine Kraft nicht von Natur aus. Denn Wasser ist Wasser, das ist, ein Element und Kreatur, die für sich selbst das Herz nicht rühren rund nicht ändern kann, oder die Sünden ab waschen kann. Kleider, und was Unflat an der Haut ist, kann man mit Wasser reinigen und säubern; aber die Seele läßt sich durch Wasser nicht rühren noch reinigen. Das Wasser aber, wovon der Herr hier spricht und wir dazu Taufwasser sagen, ist nicht ein bloßes, natürlich es Wasser; sondern es ist ein Wasser, da Gottes Worte, Befehl und Verheißung drin ist. Da kommen zwei Dinge zusammen, Wasser und Wort, rund werden so ineinander gefügt, daß man keines vom anderen Abschneiden kann. Tust du das Wort vom Wasser, so hast du keine Taufe; tust du das Wasser vom Wort, so hast du auch keine Taufe. Wenn aber Wasser und Worte zusammen bleiben, da ist dann ein solches Wasser, in welchem der heilige Geist ist, und durch dasselbe wirst du zum Reich Gottes wieder geboren, das ist, dir deine Sünde vergeben und dich selig machen will. Darum sollen wir diesen Spruch fleißig merken, hauptsächlich gegen das blinde Volk der Wiedertäufer, welche die Kindertaufe für untüchtig und unfruchtbar achten. Aber wie kann diese Taufe untüchtig sein, so du hier hörst, daß Christus das Wasser dazu auch wird, daß es zur Wiedergeburt durch die Mitwirkung des heiligen Geistes helfen soll? So nun die Kinder bedürfen, daß sie wieder geboren werden, und sonst das Reich Gottes nicht sehen können: warum wollte man doch ihnen die Taufe verweigern? Oder es dafür halten, als sollte solches Wasser, so in Gottes Worte gefaßt und mit Gottes Wort verbunden ist, ihnen zur Wiedergeburt nicht hilfreich sein? Ist es nicht wahr, daß die Worte Christi uns dahin dringen, wer wieder geboren werden will, der muß durch das Wasser wieder geboren werden? Also, obwohl das Wasser ohne den heiligen Geist nichts schafft, so will dennoch der heilige Geist seine Wirkung ohne daß Wasser in uns nicht haben. Deswegen ist es ein schrecklicher großer Irrtum, daß an etlichen Orten etliche Prediger die Kinder ohne Wasser gekauft haben. Denn soll die Taufe richtig sein und der Mensch zur Wiedergeburt kommen, so muß nicht allein Wort, nicht allein Geist, sondern auch Wasser dabei sein. Denn so hat es Christus hier geordnet, und dieser Ordnung soll niemand brechen. Das Wassertaufen sieht man mit den Augen, aber die Wirkung der Wiedergeburt, welche der heilige Geist durch solches taufen dem Herzen anrichtet, sieht man nicht. Auf das man aber um solcher heimlicher, unsichtbarer Wirkung Willen des heiligen Geistes das äußerliche, schlechte, unansehnliche Wassertaufen nicht verachte, darum spricht der Herr zu Nikodemus weiter: Laß dich’s nicht wundern, daß ich dir gesagt habe: ihr müßt von neuem geboren werden. Der Wind bläst, wo er will, und du hörst sein sausen wohl; aber du weißt nicht, von wo er kommt, und wohin er fährt. Also ist ein jeglicher, der aus dem Geist geboren ist. Dieses sind sehr einfältige Worte, wie auch das Werk einfältig und schlecht ist. Denn es hat kein besonderes Ansehen bei unserer Vernunft. Daß man ein Kind, oder einen alten Menschen herbringt, und bekennt, es liege wegen der Sünden unter des Teufels Banden, und kann sich selbst davon nicht freimachen, und soll doch in solcher hoher, großer Not mehr nicht tun, denn das man im Namen des Vaters, des Sohnes und des heiligen Geistes ein wenig ins Wasser tauche oder mit Wasser begieße. Aber, spricht Christus, verachte Jahr niemand um solches schlechten Aussehens willen dieses Werk. Denn der heilige Geist führt sein Werk heimlich; da gehört der Glaube zu, der die Worte faßt, und nicht daran zweifelt, es sei also, wie die Worte hier lauten. Denn mit den Augen wirst du es nie sehen, verstehen noch fassen können. Eben wie es mit dem Wind auch ist: den Wind hörst du sausen; aber das durch ihn so solltest fassen, daß du sagen könntest: hier fängt er an, da hörte auf, das ist nicht möglich. Also geht es hier auch zu. Das äußerliche Werk mit dem Wasser sieht man, und hört das Worte klingen oder sausen, daß es geschehe in Namen Jesu, zur Abwaschung der Sünden. Wer an das Wort sich nicht halten, und den Geist und seine Wirkung anders fassen oder suchen will, der wird fehlen. Denn soll er aus dem Geist geboren werden, so gehört mehr nicht dazu, denn das wer sich taufen läßt mit Wasser, und auf das sausen (das ist, auf das Wort) merke auf dasselbe und mit Glauben annehme; so wird er zu dem Reich Gottes wieder geboren, und durch nichts anderes. Wo sind nun die lästerlichen Rotten und Schwärmer, die mehr nicht können, denn vom Geist schreien und rühmen? Aber der ist der böse Geist, der Teufel selbst, der sie leibhaftig besessen hat, weil sie Taufe, Sakrament, Wort, die uns Christus selbst teuer erworben hat, als unnötige, unnütze Dinge zur Seligkeit, verworfen haben. Gott Strafe den Lästergeist. (Rotten und Schwärmer sind die Wiedertäufer) Also lehrt aber Christus hier nicht, sondern weißt uns auf die heilige Taufe und sausen, das ist, auf das Wort; und warnt, wo wir uns am Wasser und sausen nicht genügen lassen können so werden wir nichts vom heiligen Geist behalten und nie zu einer neuen Geburt kommen. Deswegen laßt uns unsere Taufe und das Wort als unseren höchsten Schatz befohlen sein, da wir gewiß wissen, wenn wir dabei bleiben, daß wir zum Reich Gottes wieder geboren sind. Das ist nun die Lehre, wie man zur Wiedergeburt, das ist, zum Reich Gottes, kommen soll; eine neue, unerhörte Predigt in der Welt, aber die allein gewiß und richtig ist, und uns nicht belügt. Dagegen sind aber alle anderen Lehren falsch und belügen uns, sie haben vor der Welt einen großen Schein. Es hatte auch das Leben der Pharisäer und das Judentum, sowie das ganze Papsttum mit den Mönchen, dieses ist auch ein besonderer Schmuck und großer Schein, wenn Menschen sich fein züchtig, ehrbar und nach den zehn Geboten halten: aber durch dieses alles wird man nicht wieder geboren. Allein das Wasser und der Geist muß es tun, welcher doch sich nicht anders sehen oder merken lassen will, denn wie der Wind durch sein Sausen. Wer das Sausen annimmt, das ist, wer dem Wort glaubt und getauft wird, der ist wieder geboren und wird selig. Aber Nikodemus steckt so tief in seinen Gedanken vom Gesetz und von guten Werken, daß er diese Predigt nicht fassen und verstehen kann. Wie wir ja bei den Katholiken auch sehen, die es richtig meinen und auch nicht böse sind, aber das liegt ihnen im Wege, daß sie denken, soll unser Tun denn nichts sein? Soll es den Gott nicht gefallen, daß wir so viel beten, fasten, Tag und Nacht ihm dienen, so ein strenges Leben führen? Darum fährt Christus den Nikodemus auch härter an, Walter unseren Heiland nicht Glauben und auch nicht weisen lassen will, so spricht er: Bist du ein Meister in Israel, und weißt das nicht? Als wollte er sagen: du bist ein Meister im Volk Gottes, daß du Lehren und ihm den Weg zur Seligkeit zeigen sollst. Ach deines Lehrens und Wegweisens! Du bist nicht einmal so weit gekommen, daß du deine eigene Natur und dein eigenes Wesen gerecht erkennen kannst, dazu noch in den Gedanken stehst, du würdest denn den Himmel kommen, auch wenn du nicht von neuen geboren bist. Damit verwirft unser Heiland den Nikodemus und alle Prediger, die nicht mehr als von Gesetz und guten Werken predigen können, als irrige und verführerische Prediger: nicht darum, als sollte es nicht richtig sein Gute Werke zur Lehren und die Leute dazu vermahnen; denn dieses tut Gott selbst durch sein Gesetz, darum ist es recht gut getan, aber das ist Unrecht, daß man die Leute bei dieser Lehre läßt, als wenn man nicht mehr zum ewigen Leben braucht. Denn hier steht es klar, wenn man Gesetz und Werke aufs beste befolgt, so können Sie doch zum Reich Gottes nicht helfen, das sei denn, daß man wieder geboren wird durch Wasser und Geist. Der Geist nun ist es, der durch das Wasser und Wort anderen Menschen und neue Herzen macht. Das Gesetz und die Werke ändern an den Menschen und an den Herzen nichts. Deswegen, wer die Leute zum Himmelreich richtig unterweisen will, der höre was der Heiland hier sagt, fange es nicht mit Werken und Gesetz an, welche das alte Herz nicht ändern, sondern weise die Menschen zur Taufe und Geist, das ist, zum Wort, dadurch der heilige Geist die Herzen anweht und neu gebiert. Denn eben wie wir von dem Winde mehr nicht erkennen und wissen, als das Sausen: also haben wir vom heiligen Geist auch nicht mehr denn als das Wort; da mögen wir uns dran halten, und des heiligen Geistes und seiner Wirkung warten. Was nun solches Wort sei, und wieder heilige Geist sause, lehrt der Herr Christus weiter, und spricht: Niemand fährt in den Himmel, denn der vom Himmel herunter gekommen ist, nämlich des Menschen Sohn, der im Himmel ist. Hier geht die Predigt an, da der Herr von sagt: «glaubt Ihr mir nicht, wenn ich euch von irdischen Dingen sage; wie werdet Ihr mir glauben, wenn ich euch von himmlischen Dingen sagen würde»? Denn diese Predigt ist nie binnen eines Menschen Herz gekommen, sondern der eingeborene Sohn, in der in des Vaters Schoß ist, hat es uns verkündigt. Nun hat solche Predigt zwei Teile. Der erste Teil ist sehr hart und trefflich; denn da ist kurz beschlossen: « Niemand fährt in den Himmel, denn der hernieder gekommen ist.» Das ist genauso als wenn gesagt ist, wie oben: « Es sei denn, daß jemand wieder geboren werde, so kann er das Reich Gottes nicht sehen.»; das ist, kein Mensch kann zur Vergebung der Sünden, Gerechtigkeit, Seligkeit und ewigem Leben kommen durch das Gesetz, Gute Werke, Vernunft noch freien Willen; ja wenn gleich das Gesetz, gute Werke, Vernunft rund freier Wille auf das beste ist, hilft es doch nicht, wir sind und bleiben arme, verdammte Sünder, und können in den Himmel nicht kommen. Dieses ist ein heller und klarer Spruch, der den Juden und Katholiken, wo sie es glaubten, alles Vertrauen auf eigene Werke und Frömmigkeit nehmen sollte. Denn, sage mir, welcher Mensch ist vom Himmel gekommen? Keiner, Adam und Eva selbst nicht; der eingeborene Sohn Gottes von der Jungfrau Maria ist es, wie Johannes hier sagt. So denn nun niemand in den Himmel fahren soll, denn der vom Himmel heruntergekommen ist, so ist es fest beschlossen, und wird immer mehr kein Mensch es anders machen können. Alle Menschen, wie sie von Vater und Mutter auf diese Welt geboren sind, müssen unten bleiben, und werden in den Himmel so nicht kommen, kommen sie aber in den Himmel nicht, wo werden sie denn bleiben? Auf Erden haben sie auch keine gewisse, beständige Herberge, denn sie müssen sterben. Wenn sie aber nicht in den Himmel kommen, so müssen sie im Tode bleiben. Dieses ist das Urteil, welches Christus über die ganze Welt fällt, niemand ausgenommen, es sei Adam, Eva, Abraham, Mose, David, alle müssen sie hier unten bleiben und können von sich selbst nicht in den Himmel kommen. Denn der allein fährt in den Himmel, der vom Himmel herunter gekommen ist. Wo bleiben denn nun die guten Werke, Verdienst, Gesetz, freier Wille? Alles dieses gehörte in die Hölle, und hilft uns nicht in den Himmel, das ist gewiß. Ja, sprichst du, sollen denn alle Menschen verdammt sein und verloren werden? Ja, ihretwegen ist es unmöglich, daß es könnte anders sein, sie tun und lassen, was sie immer wollen oder können, sie werden doch keinen Weg oder ein Loch in den Himmel machen. Ein einziger Weg aber ist es, den wir nicht machen, sondern der Sohn Gottes. Davon Predigt Christus weiter, und sagt: wie Moses in der Wüste eine Schlange erhöht hat, also muß des Menschen Sohn erhöht werden. Auf das alle, die an ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben. Dieses ist der andere Teil von dieser himmlischen Predigt, und das rechte sausen des heiligen Geistes; und es ist ja so tröstlich, wie der erste Teil schrecklich ist. Denn ein schreckliches Urteil ist es, daß niemand in den Himmel fahren und selig werden soll. Es dient aber solches schreckliches Urteil dazu, daß der Herr damit zeigen will, wie unsere erste Geburt sündhaft ist, und nichts an uns ist, dessen wir des ewigen Lebens wert sind, auf das wir nicht allein sicher, noch hoffärtig werden, sondern in uns schlagen, uns vor Gott demütigen und Gnade begehren. Da geht dann der richtige Trost an, daß, eben wie du vorher gehört hast, kein Mensch in den Himmel kommt: also hörst du hier, daß alle, die da glauben an Jesus Christus, die sollen nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben. Das ist nun das liebliche Sausen, wo man den heiligen Geist spüren und fassen kann. Denn da müssen beide Predigten in der Christenheit gesprochen werden. Die erste, von der Sünde und unserer verdorbenen Art und Natur, daß wir unseres Werkes, Lebens, tun und Lassens wegen ganz verzagt sein müssen, daß wir merken, so kommen wir nicht in den Himmel. Wo nun die Herzen durch solche Predigt richtig getroffen und erschreckt sind, da muß auch der Trost folgen, wie Jesus Christus, der Sohn Gottes, vom Himmel herunter auf die Erde gekommen, unser Fleisch und Blut an sich genommen, und den Tod unserer Sünde erlitten hat, auf das wir dadurch von den Sünden frei und wieder zum Erbe des ewigen Lebens gebracht werden sollen. Wer diese Predigt annimmt, daß er es fürwahr hält und sich tröstet, der ist genesen, daß ihn Christus nicht hier unten auf Erden und im Tode lassen, sondern will ihn mit sich hinauf in den Himmel führen. Dieses ist die Predigt von himmlischen Dingen, diese will aber auch heute nicht in die Leute, und besonders nicht in den Nikodemus, das ist, wenn die, so mit den Gedanken kommen, wenn man das Gesetz halte, so bedarf man weiter zur Seligkeit nichts mehr. Denn diese sind es, die erstlich nicht wissen, obgleich das Gesetz recht und gut ist, daß es doch uns darum nicht helfen und nützen kann, weil wir von Natur böse sind, und um solcher angeborenen mitgebrachten Bosheit bewegen dem Gesetz nicht genug können tun, ob wir auch gleich dem Schein der äußerliche Werke etwas tun. Zum anderen wissen sie das viel weniger, daß wir durch diesen Menschen, den Sohn Marias, der allein vom Himmel gekommen ist, in den Himmel kommen werden. Hier raus wächst ein anderer sehr großer Schaden, daß sie nicht allein sich auf Werke und eigene Gerechtigkeit verlassen, sondern sie verachten und verfolgen die Gerechtigkeit, die da kommt aus dem Glauben an Jesu Christum. Wie wir an den Katholiken sehen, die nichts weniger dulden können, ja gegen nichts heftiger streiten, denn daß wir lehren, wir müssen allein durch den Glauben an Jesus Christum selig werden, mit guten Werken werden wir es nicht ausrichten. Das haben wir nicht erdacht; Christus, unseren Herrn, reden wir das nach, der die Wahrheit selbst ist. Wer diesem nicht glauben will, der lasse es. Im vierten Buch Mose, 21. Kapitel, steht eine solche Geschichte, daß das Volk Israels in der Wüste verdrossen geworden war und gegen Mose gemurrt, und besonders die herrliche Wohltat, daß ihnen Gott in der Wüste ein Himmelsbrot gegebenen hat, verachtet haben. Solche Sünde straft Gott also, daß er giftige Schlangen kommen ließ, die bissen die Israeliten. Von diesem Biß entzündete sich der Leib, und brannte wie das höllische Feuer das sie umfielen und viele davon sterben mußten. Da erkannten sie ihre Sünde, daß sie unrecht getan hatten, und gingen zu Mose, und baten, Mose soll den Herrn bitten, daß er ihnen von der Plage der Schlangen helfen soll. Der Herr befahl Mose, er sollte einen eherne Schlange machen und sie in der Wüste aufrichten, wer dann auf die eherne Schlange sieht, der soll gesund werden und nicht sterben. Diese Geschichte führt der Herr hier ein und zieht sie auf sich, daß er auch also müsse erhöht werden, wie die Schlange. Wer dann das Ansehen, das ist, wie er selbst auslegt, an ihn glauben wird, der soll nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben. Hier laßt uns zum ersten die Ursache des schrecklichen Urteils, daß der Herr vorher zweimal über alle Menschen gefällt hat, da er spricht: niemand fahre in den Himmel, denn des Menschen Sohn, der vom Himmel herunter gekommen ist, also: es sei denn, daß jemand von neuem geboren werde, könne er das Himmelreich nicht sehen. Wo kommt nun dem Menschen dieser Jammer her, daß er nicht so in den Himmel kommen und bleiben kann, so wie er von erster Geburt ist, auf ewig verloren ist? Nirgendwo anders wo her, denn daß die alte Schlange, der Teufel, den ersten Menschen so gebissen und durch die Sünde so vergiftet hat, daß er den Tod am Halse hat, und ist unmöglich, daß er sich selbst eine Arznei geben oder sich selbst helfen könnte. Wie man an den guten sieht, was gebissen war, war des Todes, es gab keine Arznei. Also ist es mit uns allen. Denn der Sünden Sold ist der Tod, und wo Sünde ist, da muß der Tod auch folgen. Weil nun alle Menschen in der ersten Geburt von Vater und Mutter als Sünder geboren werden, müssen sie auch das Urteil tragen und den Tod darum leiden. Wie der Herr dem Adam und Eva mit ausdrücklichen in Worten droht: « Welchen Tag ihr von diesem Baum essen werdet, sollt ihr des Todes sterben.» Aber da läßt Gott seine Barmherzigkeit leuchten, daß der solche arme, vergiftete und zum Tode verurteilte Menschen nicht verderben will, und eben, wie er dort heißt eine eherne Schlange aufrichten, die den anderen Schlangen gleich aussah, aber daß sie kein Gift hatte und wieder dem Gift helfen sollte, also läßt er seinen Sohn erhöhen am Stamm des Kreuzes, auf das alle, die ihn Ansehen, nicht verloren, sondern vom Tode Heil werden und das ewige Leben haben sollen. Unser Heiland führt am Kreuz auch die Gestalt der giftigen Schlange, aber wer ist kein Gift, sondern nur das bloße Ansehen. Denn Christus, ob er wohl unser Fleisch und Blut angenommen hat, so ist es doch ein Fleisch und Blut ohne Gift und Sünde, ja, es dient dazu, daß uns von den Gift und den Sünden geholfen wird. Dieses ist das richtige sausen des Heiligen Geistes, dadurch Christus die neue Geburt im Herzen anrichtet, daß man glaube, und solche eherne Schlange mit gewisser Zuversicht Ansehen und gesund werde. Aber es wird bei den Juden nicht anders gegangen sein, einige werden es verachtet und gesagt haben, meinst du, daß dieser Anblick helfen wird? Ich glaube, wenn man diese oder einer andere Arznei hätte, was aber soll die eherne Schlange für eine Kraft haben? Oder, so eine Kraft bei ihr wäre, wie soll solche Kraft wirken, wenn man die Schlange anfassen und aufs Maul drücken, aber das nur durch das Ansehen uns soll geholfen werden? So geht es noch heutigen Tages mit der rechten ehernen Schlange, unseren Heiland Jesus Christus. Alle Menschen denken, soll ihnen geholfen werden, so kann es das bloße Ansehen oder der Glaube nicht tun. Wer gute Werke tut und sich nicht versündigt, der müßte bei Gott mehr Vorteile haben. Darum predige man, es hilft doch nicht. Dieser nimmt sich dieses vor, ein anderer etwas anderes, denn der Glaube ist nicht jedermanns Ding. Sie wollen einen anderen Weg zu der Gesundheit finden, denn das Ansehen, das ist, den Glauben an Jesu Christus. Aber du lerne: Beschlossen ist es, der Teufel hat dich durch die Sünde so vergiftet, um das du den ewigen Tod am Halse hast; da kannst du nicht weglaufen, sondern mußt schlecht herhalten. Soll dir aber von solchen Gift und dem Tod geholfen werden, so denke du an keine andere Arznei, denn nur an diesen Anblick, daß du den erhöhten Christus am Kreuz mit rechten Augen an siehst, daß er für dich gestorben, sein Leben geopfert, mit seinem Tode für deine Sünde bezahlt, und dich also mit Gott versöhnt hat. Glaubt du das und bist getauft, so bist du richtig wieder geboren durch den Heiligen Geist zum Reich Gottes, da sollst du nicht dran zweifeln. Denn das hast du oben gehört, daß diese Wiedergeburt so zugeht, daß es auch kein anderes Mittel gibt denn nur das Sausen, das ist, an das Wort muß man sich halten, und Glauben, wie es Christus uns vorsagt, daß es also wahr und Amen sei. Also haben wir auf das einfältigste die Lehre des heutigen Evangeliums: daß wir Menschen von Natur Sünder und des ewigen Todes würdig sind. Aber dadurch sollen wir vom ewigen Tod erlöst werden, wenn wir den Menschen Christum Jesum am Kreuz Ansehen, daß er für uns da bezahlt, den Tod erwürgt, und uns mit Gott versöhnt und zum ewigen Leben gebracht hat. Diese Lehre ist es, die andere Menschen und ganze neue Herzen macht, daß wir in Sünden, im Tod und anderen Anfechtung sagen können. «Es ist wahr, die alte Schlange, der Teufel, hat mich übel gebissen und schrecklich vergiftet, aber dagegen tröste ich mich, daß ich weiß, wenn auch mein Herr Jesus Christus seiner Menschheit wegen auch das Ansehen hat, er sei voller Gift wie eine andere Schlange, so hat er doch kein Gift an sich, sondern darum hängt, daß er mich von meinem Gift reinigen, und mir helfen will gegen meine Sünden, Tod und Teufel. Deswegen laß nur den Teufel getrost kommen, laß den Teufel mich fressen und mir alles Unglück anlegen, ich will mich an meinen Herrn und Heiland Jesus Christus halten, und mich dessen Trösten, daß er darum erhöht ist, auf das die, die an ihn Glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben. Wo also dieser Trost gegen das ewige Gift in Herzen ist, da wird auch weiter ein feines, freundliches Leben folgen gegen andere Leute. Wir können so etwas von unseren Herrn Jesus Christus erwarten, daß er uns gegen alles Unglück hilft, so sollen auch wir Hilfe erweisen wo wir können. Denn ein solcher Mensch sieht weit um sich, und ob ihm gleich von anderen Leuten Unrecht geschieht, so läßt er sich doch nicht zum Zorn reizen, sondern erbarmt sich über sie. Denn er sieht, daß solches nirgends anders her kommt, denn von dem Gift, welches wir alles durch den Biß des Teufels empfangen haben, sucht deswegen Mittel, wie er andere auch dahin bringen kann, daß sie zu dieser Arznei kommen und von den schädlichen Gift erlöst werden. Also ist diese Lehre der rechte Brunnen und Quelle, da alle Tugend, alle Trost, alle Freude und Sicherheit her kommt. Gott, der allmächtige, barmherzige Vater, möchte uns um seines lieben Sohnes Christi Willen in dieser Lehre erhalten und daß wir von Tag zu Tag darin wachsen, daß wir ja den Anblick nicht verlieren, und also durch rechten Glauben an Jesus Christus vom ewigen Tode erlöst werden, Amen.   Am Neujahrstag Lukas 2,21 Und da acht Tage um waren, daß das Kind beschnitten würde, da ward sein Name genannt Jesus, welcher genannt war von dem Engel, ehe denn er in Mutterleibe empfangen ward. Am heutigen Fest hat man besonders von zwei Stücken zu predigen. Das erste, von der Beschneidung. Das andere, von dem Namen Jesu, von welchem der Evangelist das besonders meldet, wie er vom Engel genannt sei, ehe denn das Kind in Mutterleib empfangen ist. Darum muß an solchem Namen sehr viel gelegen sein. Wir wollen zuerst von der Beschneidung sagen, einen Unterschied machen, nicht wegen des Werkes, sondern der Person wegen, davon man heute predigt, wie sie beschnitten sei. Nun ist aber zwischen der Beschneidung Christi und der anderen Juden so ein großer Unterschied, soweit Himmel und Erde von einander sind. Ursache, die Personen sind ganz und gar ungleich und unterschieden, wie ihr nachher hören werdet. Nun hat aber die Beschneidung der Juden ihren Ursprung aus der Schrift, wie man im ersten Buch Mosel liest, Kapitel 17,10 ff. Hat dazu auch ihre bestimmte Zeit, wie lange sie währen soll, nämlich bis auf Christus. Mit Abraham hat es angefangen. Dem befahl Gott, er und sein Hausgesinde sollten sich beschneiden lassen. Und was von nun an Knaben geboren würden, sollten aller am achten Tag nach der Geburt auch beschnitten werden. Welche nun solch ein Zeichen der Beschneidung an ihrem Leib hätten, deren Gott wollte er sein, und sich ihrer annehmen wie seines Volkes. Nun ist es nicht ohne besonderen Rat Gottes so geordnet, daß nicht allein Abraham, sondern all sein Gesinde im Hause, was männlich war, sich beschneiden lassen mußte, auf das die Juden nicht rühmten, sie wären allein Gottes Volk. Denn hier nimmt Gott bald im Anfang Abrahams Knechte, welche Heiden waren, auch zu seinem Volk und Kindern an in das Erbe, da Abrahams Blutkinder und Leiberben zugehörten; ja, kommen eher dazu als Isaak, da auf den die Verheißung lautet; so sie doch schlechte erkaufte Knechte von den Heiden gewesen sind. Darum dürfen sich die Juden nicht so hoch rühmen. Denn wenn sie die Beschneidung gleich groß machen, so können sie es nicht leugnen, daß Gott zur selben Zeit auch Heiden, die nicht Abrahams Kinder, sondern seine erkauften Knechte waren, berufen hat. Von dieser Beschneidung kennen wir heute nicht mehr, denn als die bloße Deutung und das Bild des Glaubens. Wie andere Geschichten, die vorüber und vollbracht sind, auch allein zu dem dienen, daß wir die Beispiele des Glaubens und guter Werke daraus lernen sollen. Die Werke dürfen wir nicht tun; dennoch müssen wir denselben Gehorsam und Glauben haben, welchen die gehabt, so damals gelebt haben. Also predigen wir von der Beschneidung heutigen Tages auch, nicht darum, daß wir uns sollen beschneiden lassen, denn solches ist vorbei; sondern daß wir bei der Beschneidung lernen Gott gehorsam sein, wie Abraham gehorsam war. Wenn aber Christus nicht gekommen wäre, so müßten wir uns noch heutiges Tages beschneiden lassen, wenn wir uns als Gottes Volk rühmen lassen wollten. Denn da steht der Befehl klar: «Wer nicht beschnitten ist, des Seele soll ausgerottet werden aus meinem Volk.» Diesen Befehl hat Christus aufgehoben. Befiehlt nun weiter uns, daß wir sein Volk sind, daß wir uns nicht beschneiden, sondern taufen lassen, und glauben sollen, wenn wir Gottes Kinder werden wollen. Das Beispiel aber, daß wir aus der alten Beschneidung nehmen, ist dies: Gott läßt uns hier sehen, wie närrisch er seine Sache pflegt zu beginnen, wenn man der Vernunft nach richten will. Denn bei den stolzen Heiden ist das ein lächerliches und närrisches Ding gewesen, daß je auf Erden gewesen ist, daß Gott die ewige Weisheit, soll dem Menschen so ein lächerliches Gebot auflegen (da wir nicht gern von Reden), besonders aber den alten Leuten. Denn Abraham ist bereits 99 Jahre alt, da er dies Gebot empfing. Aber so soll es gehen, wie wir im nächsten Evangelium auch hören. Alles was Gott vorgibt, daß soll niemand gefallen, jedermann soll darüber lachen und für die größte Narrheit halten. Wiederum, was er nicht vorgibt, und wir für uns selbst tun, ohne seinen Befehl, daß sollte ihm gefallen; so wollten wir es gern haben. Aber Gott will es nicht tun. Da geht es denn, daß die Vernunft sich stößt und ärgert, wie Paulus sagt, 1. Korinther 1,21.: «weil die Welt durch ihre Weisheit Gott in seiner Weisheit nicht erkannte, gefiel es Gott wohl, durch törichte Predigt selig zu machen die, so daran glauben.» Was ist närrischer, wenn die Vernunft urteilen soll, daß sich auch weniger mit ihr reimt, denn das im Abendmal unter dem Brot der Leib Christi, unter dem Wein das Blut Christi soll zur Vergebung der Sünden gegessen und getrunken werden? Was soll ein Schluck Wein, ein Bissen Brot helfen? So denkt die Vernunft; kann es auch nicht anders denken. Aber Gott will es darum nicht ändern. Will es die Vernunft nicht glauben noch annehmen, so mag sie es lassen. Also ist es mit der heiligen Taufe auch. Das ein Kind, so nach dem Befehl Christi in das Wasser getaucht, oder damit begossen wird, soll von Sünden abgewaschen, aus des Teufelsreich in Gottes Reich gerückt werden; wie reimt sich das? Wie kannst du es glauben, wenn du das Wort nach hinten setzen willst, und die Sache mit der Vernunft messen und begreifen? Dann wäre es wohl zu glauben, wenn die Sünde ein schwarzer oder roter Flecken wäre; aber weil die Sünde im Herzen, im Mark und in den Beinen steckt, scheint es, daß Wasser werde langsam hineinkommen und sie abwaschen. Also hätte auch Abraham denken können, da er den Befehl von der Beschneidung bekam: Lieber, was soll mir das zur Seligkeit helfen, daß ich alter Mann mich beschneiden lassen soll? Was sollte es einem Kind helfen? Oder was ist’s besser nach der Beschneidung denn zuvor? Hätte Gott den Leib anders haben wollen, er würde ihn wohl so gemacht haben, daß man nichts davon hätte schneiden dürfen. Vernunft hätte so gesagt; kann auch nichts anderes sagen noch denken, wenn sie am klügsten sein will. Aber wenn man an die Frage kommt: Warum Gott dies oder anderes befohlen habe, so hat der Teufel schon gewonnen; wie man sieht an der Eva im Paradies. Die hatte den Befehl, sie sollte von dem verbotenen Baum nicht essen. Da sie aber solchen Befehl aus den Augen ließ, und hörte dem Teufel zu, warum doch Gott solches sollte verboten haben; da ging sie dahin, fiel in den greulichen Ungehorsam, an dem wir noch alle tragen müssen. Darum sollen wir aus solchem Befehl von der Beschneidung fleißig lernen, uns danach richten: Wenn Gott etwas heißt, sagt oder tut, so sollst du dein Maul halten und auf deine Knie fallen, weiter nichts fragen noch sagen, sondern tun, was er dir heißt, hören, was er dir sagt, und dir gefallen lassen, was er tut. Denn Gott will von uns nicht gemeistert sein, die wir von Natur Kinder des Zorns, Sünder und Lügner sind. Darum ist und sein Rat, Wort und Werk viel zu hoch, daß wir es verstehen könnten. Dazu sind wir noch so blinde, vermessene Narren, die denken, daß sie es nicht allein verstehen, sondern auch wohl noch besser machen könnten. Darum sagt Jeremia wohl: «Des Menschen Herz ist so heillos und tückisch, daß es niemand ausgründen kann.» Weil wir nun solcher Unart von Natur sind, so sollten wir unsere Weisheit bei Seite legen, und in Gottes Sachen und Geboten also denken: Sieht es mich närrisch an, so ist es in Wahrheit keine andere Ursache, denn daß ich ein großer Narr bin, der die göttliche Weisheit nicht verstehen noch fassen kann; denn meine Torheit und Blindheit hindert mich. Also ist nun die alte Beschneidung ein Beispiel eines feinen Glaubens, daß Abraham und seine Knechte über solchem Befehl sich nicht entsetzt, sondern demselben sofort nachgekommen sind. Haben nicht gedacht: Ei, es ist ein närrisches Ding, wenn wir Alten uns beschneiden lassen, Gott wird es nicht so meinen, es muß einen anderen Verstand haben (wie die Sakramentsschänder von der Taufe und dem Abendmahl geredet haben). Was will Gott an dem närrischen Ding haben, daß man den Leib beschneiden soll? Wofür sollte doch dasselbe gut sein? Solches aber haben sie nicht gedacht; sondern sind dem Befehl nach gekommen, und beschlossen: Weil es Gott so befohlen und so haben will, es sei so närrisch es immer will, so werde ich nicht selig, ich folge denn seinem Befehl, wie er geheißen hat. Das also die Beschneidung ein feines Beispiel ist eines festen und rechtschaffenen Glaubens, welchen Abraham und seine Knechte gehabt haben; daraus wir lernen sollen, daß wir dergleichen auch tun, uns unsere Weisheit und Vernunft vom Wort Gottes nicht verführen lassen. Dieses sei von der alten Juden Beschneidung geredet, die nicht länger stehen soll denn als das Gesetz, das ist, bis auf Christus, der es mit dem Gesetz ein Ende gemacht hat. Wie solches fein in dem angezeigt ist, daß die Kinder am achten Tag beschnitten sein mußten. Denn die Schrift hält die Ordnung daß nach sechs Tagen der Sabbat ist, und der Tag, so auf den Sabbat folgt, ist der achte Tag, da eine neue Woche anfängt. Denn unser lieber Herr Christus hat mit der Beschneidung angefangen zu erfüllen die Predigt, die von ihm gesagt war, daß er sollte sein ein Heiland und ein Licht für die Heiden, der nicht im kleinen Winkel des Judentums sein Regiment allein führen, sondern in aller Welt durch sein Evangelium regieren, uns von allen Sünden frei machen, da ist er beschnitten worden, und mit seiner Beschneidung der vorigen ein Ende gemacht hat. Ich habe aber am Anfang gesagt, wenn man von der Beschneidung Christi recht wollte reden, so müsse man ja so einen weiten Unterschied zwischen der Beschneidung Christi und der Juden machen, als zwischen Himmel und Erde. Denn hier sind die Personen ungleich, ob es wohl einerlei Werk ist. Die Beschneidung, eben wie das Gesetz, war denen gegeben, die Sünder und des ewigen Todes schuldig waren. Nun aber ist Christus ohne alle Sünde und ein Herr des Gesetzes, mit dem das Gesetz nicht zu schaffen hat; denn es hat allein mit den Sündern zu schaffen. Er aber ist kein Sünder. Daß er nach dem Gesetz eben wie nun ein ander sündig Kindlein beschnitten wird, im selben vergreift sich das Gesetz an ihm, muß deswegen seine Strafe leiden und aufhören. Wenn es Christus hätte tun wollen, so hätte er das Gesetz wohl mit Gewalt können abschaffen und aufheben; denn er ist ja ein Herr des Gesetzes, mit dem das Gesetz nicht zu schaffen hat, darum, daß er ohne alle Sünde ist. Aber er hat es nicht wollen tun mit Gewalt, sondern mit Liebe und Demut. Solches geschieht nun uns zu gut, daß wir es annehmen und uns trösten sollen. Denn für seine Person hat es unser lieber Herr Christus nicht bedurft; ebensowenig er es für seine Person wegen bedurft hat, daß er Mensch geworden ist oder an das Kreuz sich schlagen ließ. Er tut es um unseretwillen; denn wir bedürften eines solchen Mannes, der ohne Sünde wäre, und für uns das Gesetz erfüllte und also den Zorn Gottes stillte. Wegen dieser Ursache hat er sich unter das Gesetz getan, schenkt solchen Sieg, den er am Gesetz erlangt hat, uns, daß wir sein brauchen und genießen sollen, und fortan all das Recht zum Gesetz durch ihn haben, daß er zum Gesetz hat, daß es uns nicht mehr verdammen noch fangen. Denn wer sich an Christum mit rechtem Glauben hält, der soll durch ihn von solcher Verdammnis erlöst sein. Darum merke diesen Unterschied wohl; denn da ist alles an gelegen. Abraham mußte unter das Gesetz und sich beschneiden lassen; denn er ist ein Sünder, und deswegen hat das Gesetz einen Anspruch an ihn. Christus aber ist kein Sünder, er darf deswegen nicht unter das Gesetz; dennoch tut er sich unter das Gesetz, auf das alle, die sich an ihn mit Glauben halten, durch ihn vom Fluch des Gesetzes frei und ledig sein sollen. Deswegen ist das Fest der Beschneidung Christi ein sehr tröstliches Fest, da man Grund hat Gott zu loben und zu danken, daß ob wir gleich dem Gesetz durch unsere Sünden verfallen sind, dennoch solches an unserer Seelen Seligkeit uns nicht schaden, sondern wir durch Christus von dem Fluch des Gesetzes frei und ledig sein sollen, der um unseretwillen den Fluch des Gesetzes getragen und sich dem Gesetz unterworfen hat. Daß es aber Not gewesen sei, daß wir von dem Gesetz los und frei werden, lehrt Paulus, 1. Korinther 7,19. «Die Beschneidung ist nichts, sondern Gottes Gebote halten.» Das sind sehr stolze Worte, den Juden nicht lieb; denn es ist so viel gesagt: Keiner, der beschnitten ist, erfüllt Gottes Gebot oder hält das Gesetz. Was ist aber das anderes, denn, die beschnitten sind, sind nicht beschnitten; oder, daß ich es noch deutlicher sage: Durch die Beschneidung erfüllt niemand das Gesetz; niemand wird auch dadurch von Sünden frei. Denn obgleich die Juden sich beschneiden lassen haben, steht gleich wohl noch Gottes Gebot und Befehl da: «Du sollst Gott lieben von ganzem Herzen, von ganzer Seele und ganzem Gemüt.» Da gib mir einen Menschen, der sich rühmen könne, daß er es getan habe oder tun könne. Das Gesetz spricht: «Du sollst dich nicht gelüsten lassen.» Gibt mir einen Menschen, der sich könne rühmen, daß er es getan hat oder tun könne. In der Summe: Nimm ein Gebot vor dich, welches du willst, so mußt du bekennen, daß niemand sei, der es vollkommen gehalten habe. Was gehört aber für ein Urteil auf solche Leute, die Gottes Gebot nicht halten, ob sie gleich beschnitten sind? Das zeigt Paulus an aus dem fünften Buch Mose, da also steht: «Verflucht sei jeder Mann, der nicht bleibt in alle dem, daß geschrieben stehet in diesem Buch des Gesetzes, daß er es tue.» Schließt deswegen, daß alle die, so mit des Gesetzes Werken umgehen, sind unter dem Fluch. Ursache, sie können es nicht halten. Denn so man das Gesetz könnte halten, so hätte es nicht Not. Weil man es aber nicht halten kann, so folgt, daß das Gesetz uns verklagt, würgt, dem Teufel gibt, und in die Hölle stößt. Darum muß man eine höhere und bessere Predigt haben, die uns mehr gebe, denn das Gesetz, welches mir nicht kann, denn daß es gebietet: Wir sollen Gott von ganzem Herzen lieben, unseren Nächsten, wie uns selbst, auch wenn er uns Leid tut und wir uns gern rächen wollten. Da wird aber nichts aus. Die Natur regt sich mit Zorn, Unwillen, Ungeduld, Haß, Leid, Hoffart. Darum ist niemand, der solche Predigt könne Folge tun. Und ob man schon so viel tut, als möglich ist, so können wir doch damit vor Gott nicht bestehen. Daß ist nun die Ursache, daß ein Höherer und Größerer kommt, nämlich Christus, der Sohn Gottes; der ist ohne alle Sünde, läßt sich dennoch beschneiden wie andere Sünder, gibt sich also in aller Demut unter das Gesetz, daß er es gar aufhebe und uns davon freimache, die wir nicht konnten solche Last tragen, mußten deswegen unter dem Fluch und Zorn Gottes bleiben. Wie denn nicht allein unserer Erfahrung, sondern auch der Heiligen Propheten Zeugnis am Tag liegt. Denn was hätte sonst den heiligen Propheten David Not getan, da er sagt dem 19. Psalm, 13: «Wer kann merken, wie oft er fehlet? Verzeihe mir die verborgenen Fehler,» da ich nichts von weiß; also Psalm 143,2: «gehe nicht in das Gericht mit deinem Knechte; denn vor dir ist kein lebendiger gerecht»; also, Psalm 130, 3: «so du willst, Herr, Sünde zurechnen, Herr, wer wird bestehen?» Solche und andere mehr Sprüche zeugen genügend, daß es unmöglich ist, daß ein Mensch könne sagen, er habe dem Gesetz genug getan, und sei seiner Werke wegen dem Zorn Gottes entgangen. Weil nun das Gesetz uns dermaßen gefangen hält und läßt uns nicht vor Gott, sondern hindert viel mehr solche Zuversicht, die wir zu Gott haben sollten: so folgt, wo wir vor Gott wollen, daß wir etwas Höheres denn die Gesetzes Predigt haben müssen, nämlich die Predigt des heiligen Evangelium, in welcher unser lieber Herr Christus den Juden und uns verkündigen läßt, daß wir unserer Sünden wegen verdammt sind. Und hilft die Juden nichts, daß sie beschnitten sind; denn solche Beschneidung macht nicht von Sündern frei; wie die Propheten sagen, ob sie gleich am Leib beschnitten sind, daß doch das Herz unbeschnitten und unrein sei. Das aber entledigt uns, daß das Evangelium weiter predigt, wie unser lieber Herr Christus, welcher dem Gesetz nicht schuldig, sondern ohne Sünde war, dennoch sich unter das Gesetz gegeben und sich beschneiden lassen habe, auf das er eine Ursache zum Gesetz gewinne, und zu ihm sagen kann: Hörst du, Gesetz, du machst mich zum Knecht, so ich doch dein Herr bin; darum mußt du mir wieder dienen, mein Knecht und Gefangener wieder sein. Das Recht nun, daß unser lieber Herr Christus zum Gesetz hat seiner Person wegen, daß schenkt er mir und dir; und nimmt dem Gesetz sein Recht, daß es wider uns, als die armen Sünder, hat; spricht uns davon frei und los. Doch nicht darum, daß wir nichts tun, und leben sollen, wie wir wollen; sondern also, daß wo wir nicht getan haben, was wir sollen, solches uns vergeben und nicht zugerechnet und an unserer Seligkeit nicht schaden soll. Deswegen dürfen die, so an Christus glauben, nichts von der Beschneidung. Denn sie sind nicht allein von solchen und anderen Beschwerungen des Gesetzes befreit, sondern haben Vergebung aller Sünden und Verheißung des ewigen Lebens durch Christum. Darum können sie rühmen und sagen: Das Gesetz hilft mir nicht, die Beschneidung auch nicht; das aber hilft, daß ich glaube, daß Christus beschnitten ist; denn solches ist um meinetwillen geschehen, daß ich einen Bürgen habe, der für mich die Schuld trägt, welcher Schuld mich das Gesetz, meiner Sünden wegen, überweisen kann. Darum will ich seiner Unschuld mich trösten und sprechen: Das Gesetz ist eine Zeitlang gleich wie ein Herr im Himmel gewesen; denn es hat uns Menschen vor Gott verklagt; das haben wir müssen also leiden. Uns geschah auch nicht Unrecht, weil wir die Sünden nicht leugnen konnten. Aber jetzt ist es umgekehrt, weil wir durch die Beschneidung von Christi von der Beschneidung und dem Fluch des Gesetzes erlöst sind. Mit meiner Beschneidung, mit meiner Liebe zu Gott und zu den Menschen, mit meinem Gehorsam ist es nicht ausgerichtet, da will ich nicht drauf hoffen, noch mich darauf verlassen. Alle meine Zuversicht aber, Trost und Trotz soll das sein, daß Christus gehorsam, unschuldig und heilig ist. Solche Zuversicht und Hoffnung wird mir nicht fehlen; denn es ist ein gewisser Trost und fester Schirm. Ehe ich den hatte, meinte ich, ich müßte dran und das Gesetz erfüllen, oder verdammt sein. Nun aber weiß ich, daß es eine unmöglich Ding ist, mir und allen Menschen, die wir solche Last nicht können tragen. Christus aber hat sie von uns auf sich genommen, sich unter das Gesetz geworfen und daselbst mit der Beschneidung angefangen, auf das er es erfüllt und nichts zurück ließe, daß Gott uns armen Sündern zum Gehorsam aufgelegt hat; solches ist mein Herz und Trost. Ich soll wohl meinen alten Adam zähmen und dahin halten, daß er tue, was er soll, denn sonst wäre ich ein ungehorsames Kind. Aber es läuft über die maßen viel Ungehorsam bei mir. Wir tun viel, daß wir lassen sollten; lassen viel, daß wir tun sollten; häufig fallen wir auch noch in grobe, schreckliche Sünde. Hier es kein anderer Trost, denn daß wir fliehen unter diesen Schirm, der da heißt: «Christus hat sich unter das Gesetz getan»; und sollen uns trösten, was unserem Gehorsam mangelt, daß es Christus erfüllt habe. Denn mit uns wird es nie dahin kommen, daß wir alles tun, was wir sollen, wie Paulus sagt: «Ich habe Lust an dem Gesetz Gottes nach dem inwendigen Menschen; ich sehe aber ein anderes Gesetz in meinen Gliedern, daß da widerstrebt dem Gesetz in meinem Gemüt, und nimmt mich gefangen in der Sünden Gesetz, welches ist in meinen Gliedern.» Das ist so viel gesagt: Ich muß tun, was das Fleisch will; aber nach dem Glauben tue ich es nicht, sondern es ist mir leid, bin nicht so gern gefangen. Also wird nun die christliche Gerechtigkeit ganz, daß ich mich erkenne für einen armen Sünder, der ich dem Gesetz nie genug tun kann. Aber darum verzweifle ich nicht. Denn hier sehe ich, daß mein Herr Christus sich meiner angenommen, und für mich unter das Gesetz gegeben und dem Gesetz genug getan hat. Darum folgt weiter, daß ein solches Herz sagen muß: Ei, hat das mein Gott um meinetwillen getan? Sollte ich denn nicht auch solchen gnädigen Gott lieb haben? Sollte ich mich seines Willens nicht von Herzen fleißigen und wiederum auch tun, was ihm lieb ist? Also wird man lustig und freundlich gegen Gott, und folgt die rechte Erfüllung des Gesetzes, die nicht gezwungen, sondern willig ist. Ob nun gleich solche Erfüllung, des Fleisches wegen, noch nicht ganz und unvollkommen ist, so läßt es sich Gott doch gefallen, um des Glaubens willen an Christus. Denn was noch unrein und unvollkommen daran ist, daß gehört unter den Deckel und unter den Schirm der Vergebung der Sünden. Also ihr Lieben, habt jetzt von zweierlei Beschneidung gehört. Die erste hat Gott geboten, und bis auf Christus haben die Juden sich unter solche Beschneidung, eben wie unter das Gesetz, mit dem Gehorsam müssen geben. Aber damit sind sie noch nicht selig geworden. Denn niemand hat jemals dem Gesetz können genug tun. Darum, obwohl die Beschneidung da gewesen ist, so hat doch nichts desto weniger das Gesetz alle Juden verklagt und vor Gott verdammt. Dadurch aber wird man selig und heilig, daß man Christus hat, der sich unter das Gesetz gegeben und den Fluch von uns genommen hat. Die Juden nun, so solches geglaubt und ihre Seligkeit auf den verheißenen Samen gestellt haben, denen ist die äußerliche Beschneidung ein Siegel gewesen, daß sie vor Gott gerecht sind, nicht der Beschneidung, sondern des Glaubens wegen an Christus. Darum ist das Fest von der Beschneidung Christi ein tröstliches Fest, an welchen wir lernen, wenn wir vor Gott kommen sollen, daß wir sagen: Herr, du hast den Juden die Beschneidung geboten; den Juden und uns allen hast du geboten, wir sollen dich von ganzem Herzen lieb haben, unseren Nächsten wie uns selbst: aber, lieber Herr, ich habe es leider nicht getan, und kann es auch nicht tun, daß ich darum nach meinem Verdienst, verloren und ewig verdammt sein müßte. Aber das ist mein Trost und Schirm, dahinter fliehe ich mich: Dein lieber Sohn Christus Jesus, mein Herr, hat sich unter das Gesetz gegeben, und sich beschneiden lassen, ein anderer Sünder, und also deinen Willen vollkommen getan; denn sonst hätte er sich nicht, wie ein anderes Kind, am achten Tage beschneiden lassen. Solches ist um meinet- und aller Sünder willen geschehen, und uns geschenkt und zu eigen gegeben. Denn seiner Person wegen hätte er es nicht bedurft. Darum nehme ich mich dieses an, und bitte dich, lieber himmlischer Vater, wollest mir um seinetwillen gnädig sein, und mich seiner Frömmigkeit und Heiligkeit genießen lassen. Das also jedermann lerne auf die Heiligkeit und Unschuld unseres lieben Herrn Christus vertrauen; so fahren wir gewiß, und wird weder Sünde noch Tod gegen uns siegen. Daß verleihe uns unser lieber Herr Christus, Amen.   Epiphanias Matthäus 8,23-27 Und er trat in das Schiff, und seine Jünger folgten ihm. Und siehe, da erhob sich ein Ungestüm im Meer, also, daß auch das Schifflein mit Wellen bedeckt ward; und er schlief. Und die Jünger traten zu ihm und weckten ihn auf und sprachen: Herr, hilft uns, wir verderben. Da sagte er zu ihnen: Ihr Kleingläubigen, warum seid ihr so furchtsam? Und stand auf und bedrohte den Wind und das Meer; da war es ganz stille. Die Menschen aber verwunderten sich und sprachen: Was ist das für ein Mann, daß ihm Wind und Meer gehorsam ist? Wir sehen im heutigen Evangelium, daß uns eine solche Geschichte darin vorgehalten wird, aus welcher wir nicht lernen, was man tun soll; denn von unseren Werken wird hier nichts gehandelt: sondern was man in Not und Widerwärtigkeit glauben, und wie man sich trösten soll. Darum ist es eine hohe Predigt vom Glauben, wovon jedermann sagen könnte, er kenne und könne sie; weil es ein nötiges Ding sei. Darum wollen wir diese Geschichte teilen: zuerst reden vom Kreuz und Leiden; danach vom Herrn Christus und vom Glauben an ihn, daß derselbe allein, als der eine und beste Trost, gelte und helfe; zum dritten, von der Frucht und dem Nutzen, welche nach einer Anfechtung aus dem Glauben folgt. Solche Stücke werden fein anzeigen, was für eine tröstliche Geschichte der Evangelist uns mit so wenig Worten erzählt. Das erste Stück ist, daß der Herr Jesus mit seinen Jüngern in das Schiff tritt. Da ist noch kein Ungewitter, sondern ein feines freundlich, still Wetter; so ist das Meer auch sanft und still. Anders würden sich die Jünger gescheut haben, daß sie nicht ins Schiff getreten wären. Aber kurz nach dem Christus mit seinen Jüngern im Schiff sitzt, und sie vom Land abgestoßen und auf das Meer kommen, da erhebt sich ein großes Ungewitter, daß das Schiff mit Wellen bedeckt wird, als wollte es untergehen. Diese Geschichte laßt uns wohl merken, und ein Sprichwort daraus machen, daß wir sagen: So geht’s; kommt Christus in das Schiff, so wird es nicht lange still bleiben, es wird ein Ungewitter kommen. Denn gewiß geht es also, wie Christus in Lukas 11, 21. 22 auch sagt, daß der starke Gewappnete seinen Palast in Ruhe und Frieden besitzt, bist ein Stärkerer kommt, dann geht der Unfriede an, und es fängt ein Schlagen und Kämpfen an. Also sieht man in dieser Geschichte des Evangeliums auch: wenn es zuvor alles still ist, sobald Christus sich mit einer Predigt hören und mit einem Wunderwerk sehen läßt, da brennt es in allen Gassen. Die Pharisäer, Schriftgelehrten, Hohenpriester rotten sich, wollen ihn einfach tot haben; und besonders der Teufel fängt erst recht an zu toben und zu wüten. Solches sagt Christus lange vorher, Matthäus 10, 34-36.: «ihr sollten nicht meinen, daß ich gekommen bin, Friede zu senden auf Erden. Ich bin nicht gekommen, Friede zu senden, sondern das Schwert. Denn ich bin gekommen, den Menschen zu erregen wider seinen Vater, und die Tochter wieder ihre Mutter, und die Schnur wieder ihre Schwieger. Und des Menschen Feinde werden seine eigenen Haus genossen sein.» Das dient aber alles miteinander dazu, daß du vorher bedenken möchtest, ob du ein Christ sein möchtest, oder nicht. Denn so du ein Christ sein willst, so richte dich auf dieses Ungewitter und diesen Unfrieden, anders wird es nicht werden; wer in Christus gottselig leben will, sagt Paulus, der muß Verfolgung leiden. Daher ermahnt auch Jesus Sirach, Kapitel 2., alle Gläubigen und spricht Vers 1.: «mein Sohn, willst du Gottes Diener sein, so schicke dich zur Anfechtung, halte fest, und leide dich.» Als wollte er sagen: Wenn du Gottes Diener nicht sein willst, so fahre hin, der Teufel wird dich wohl zufrieden lassen, bis zu seiner Zeit. Wiederum aber, so du begehrst Gott zu dienen und ein Christ zu sein, so gib dich willig dahin: das Wetter und die Verfolgung werden nicht ausbleiben. Darum fasse einen Mut, daß du davor, als vor einem plötzlichem Zufall, nicht erschreckst. Fürchte dich vor solchen Wetter nicht, sondern fürchte dich vor Gott, daß du der Welt wegen von seinem Wort nicht abweichst, und wag es trotzig darauf. Es sei um der Welt Gunst willen nicht angefangen; darum wollest ihrer Ungunst und Zorns halben auch nichts unterlassen. Das ist es, daß der Evangelist uns lehren will in dem, da er sagt: das Unwetter habe sich erst erhoben, da Christus in das Schiff getreten, und auf das Meer vom Land weg gekommen sei. Es dient aber solches uns auch dazu, daß wir den bösen unnützen Lästermäulern wissen zu antworten, die nicht mehr können, denn das Evangelium lästern und sprechen: Vorher, ehe diese Lehre aufgekommen, war es alles fein still, jetzt ist so viel Unglück, daß niemand es zählen kann, Rotten, Krieg, Aufruhr, teure Zeit, Türke und aller Jammer. Wer nun solche schändliche Lästermäuler stopfen will, der spreche zu ihnen: Lieber, hast du es nie im Evangelium gelesen, wenn Christus in das Schiff und auf das Meer kommt, daß sich ein Ungewitter erhebt? Nun ist es aber nicht des Herrn Christi, sondern des Teufels Schuld, der ihm feind ist und will ihn nicht leiden. Also ist er dem Evangelium auch feind, will darum so gerne viel Unruhe und Jammer auf Erden anrichten, daß es müßte zu Boden gehen. Aber das blinde, verstockte Volk will solches nicht sehen noch merken. Allein sieht es auf das Unglück und den Mangel, und lästert, es sei das Evangelium daran schuld. Was aber Gutes aus dem Evangelium kommt, wie man Gott dadurch erkennen, zur Vergebung der Sünden kommen und heilig werden kann, solches wollen sie nicht sehen. Eben wie das undankbare, störrige und unbändige Volk, die Juden in der Wüste, auch taten. Da sie in Ägypten waren, und einem die Arbeit von zwei aufgelegt war, da rufen sie zu Gott, er solle ihnen von diesem Jammer helfen, sie wollten fromm sein. Aber was geschah? Da sie Gott von diesem Jammer erlöste und sie in die Wüste kamen, da war alles vergessen. Das aber war das Ärgste, daß alles bei ihnen vergessen war, was und wieviel sie in Ägypten haben arbeiten und leiden müssen. Allein gedachten sie an die Fleischtöpfe und an das Brot in Ägypten. Die konnten die Kunst des Papstes auch, nahmen fein heraus, was sie Gutes gehabt hatten; was sie aber dazu gelitten hatten, darüber konnten sie wohl schweigen. Daher, da ihnen Gott danach das Himmelsbrot gab, verachteten sie es auch, dachten bei sich, es wäre nicht so gut, als das Fleisch in Ägypten. So ist unsere Natur und böse unserer Art durch die Erbsünde verdorben, so mache es Gott mit uns, wie er will, so kann ER es uns nicht recht tun. Darum gehört eine große und göttliche Geduld dazu, daß er solche bösen Buben so lange dulden kann. Wer uns vor zwanzig Jahren gefragt hätte: ob wir lieber ein Jahr Teuerung haben, oder uns von den Menschen und Pfaffen plagen lassen wollten, wie es damals geschehen; meinst du nicht, jedermann würde mit Freuden die Teuerung gewählt haben, daß man der schweren, unerträglichen, dazu, als sie anzusehen war, unendlichen Schinderei von gekommen wäre? Denn da wäre die Hoffnung gewesen, was ein Jahr nicht gewesen, das würde das andere geben; so doch jene Schinderei für und für ging, und von Tag zu Tag je länger je mehr wurde. Solches und anderen Unrat haben wir vergessen, rühmen die Ruhe und das vorige Wesen, sehen nicht, was für eine schreckliche Sache daran hängt, daß man uns nicht allein in solchem Frieden um Geld und Gut, sondern auch um Leib und Seele, durch falsche Lehre und Abgötterei, gebracht hat. Wir haben es nicht erkennen können, denn es sind zur selben Zeit, Teuerung, Pestilenz, Krieg und andere Plagen mit zugeschlagen. Weil jetzt solches auch geschieht, will man dem Evangelium Schuld geben. Wie meinst du aber, daß Gott solches gefallen werde, der doch keinen höheren Schatz hat denn als sein Wort, und uns durch dieses besser nicht helfen nach Raten kann wie wir von Sünde und Tod, denn allein durch das Evangelium: wo es doch so greulich verunehrt und gelästert wird indem, daß man ihm die Schuld gibt, es komme durch dieses das ganze Unglück? Was wird aber für eine Strafe auf solche Lästerung folgen? Diese, das Gott solcher Lästerer Herzen und Augen ganz verblenden wird, daß die herrlichen, großen Wohltaten Gottes nicht sehen, und mit den Juden also müssen verstockt werden und bleiben, daß sie mehr nicht können, denn Gott lästern und zuletzt zum Teufel fahren. Solcher Lohn gehört auf sie, und wird ihnen gewißlich begegnen. Mußt du doch sonst leiden, wo das Evangelium nicht ist, daß ihr nicht jemand hold sei, und du Feindschaft habest. Also hat Rom Krieg und allerlei Unglück leiden müssen, ehe das Evangelium gekommen ist. Darum hat das Evangelium an solchem keine Schuld. Alle Schuld ist des Teufels und unserer Undankbarkeit. Der Teufel kann das Evangelium nicht leiden wollte es gern niedrig halten, darum richtete er so viel Unglück an. Und je mächtiger das Wort geht, desto zorniger wird er darüber. Wenn wir uns nun gegen solchen großen Schatz so undankbar stellen, ihn nicht annehmen noch brauchen, ja, noch hassen und verfolgen wollen, so kann es auch Gott nicht dulden; muß deswegen mit allerlei Strafen und Plagen kommen, daß er dem Undank wehre. Das ist das erste Stück, daß du lernst, so du ein Christ sein willst, daß du dich auf das Ungewitter einstellst. Willst du es aber nicht tun, so fahre hin; du wirst es wohl erfahren, wenn du sterben sollst, was du getan hast. Das andere Stück ist von der rechten Art des Glaubens: der geht in solchem Kampf und Ungewitter her, und findet sich zu Christus, und weckt ihn auf. Das lerne auch wohl merken. Denn unsere Widersacher, die Katholiken, halten den Glauben für ein sehr geringes Ding. Dagegen aber halten sie viel vom freien Willen ich wollte ihnen aber wünschen, daß sie auch mit im Schiff wären, daß sie versuchten, was in solche Angst und Nöten der freie Wille vermag. Die Apostel haben es hier fein gelernt es sei der Glaube so schwach und gering bei ihnen gewesen, wie er wolle; dennoch, wo solcher schwache, geringe Glauben nicht gewesen wäre, hätten sie mit dem freien Willen verzweifeln müssen, und wären in den Abgrund des Meeres gesunken. Aber weil ein kleiner Glaube da ist, wie Christus selbst zeugt, da er spricht: «o ihr Kleingläubigen,» so haben sie eine Hilfe, daß sie nicht ganz verzagen, und laufen zu Christus, wecken ihn auf und begehren seiner Hilfe. So nun solches der kleine, schwache Glaube tut, was sollte wohl der starke, große Glaube tun? Wie vor acht Tagen das Beispiel an dem Aussätzigen und dem Hauptmann zu Kapernaum zeigt. Darum ist es mit dem freien Willen nichts, er verliert sich und kann nicht bestehen, wenn die Züge kommen, und es an das Treffen geht. Denn da sind unsere Gedanken anders nichts, denn daß wir schreien und uns um hundert Meilen Wegs davon wünschen. Das ist, der freie Wille tröstet das Herz nicht, sondern macht es nur je länger je mehr verzagt, daß es sich auch vor einem rauschenden Blatt fürchtet. Aber der Glaube, ob er gleich klein und schwach ist, steht er dennoch und läßt sich nicht gar zu Tode schrecken. Wie man hier an den Jüngern sieht. Der Tod war ihnen vor Augen; denn da schlugen die Wellen so mit Macht überall zu, daß sie das Schifflein gar bedeckten. Wer wollte in solcher Not und Todesgefahr nicht erblassen? Aber der Glaube, wie schwach er auch ist, hält er doch wie eine Mauer, und legt sich wie der kleine David wider Goliath, das ist, wider Tod, Sünde und alle Gefahr, verzagt nicht, sondern sucht Hilfe, da sie zu suchen ist, nämlich, bei dem Herrn Christus, weckt ihn auf, schreit ihn an: «Ach Herr, hilf uns, wir verderben.» Also macht der Glaube, obwohl das Verderben vor Augen ist, daß man dennoch Hilfe erwartet, und betet, wie der Psalm sagt: «ich glaube, darum rede ich.» Denn niemand kann beten, er Glaube denn. Der freie Wille kann es nicht; denn er sieht allein auf die gegenwärtige Not und Gefahr, die Person aber, die in solcher Not und Gefahr helfen kann, sieht er nicht; und muß also des freien Willens wegen der Menschen in seinen Sünden sterben. Der Glaube aber ist es, wenn er gleich klein und schwach ist, der diese Person, den Herrn Christum, ergreift und Hilfe durch ihn erlangt. Wo nun solcher Glaube stark und fest gewesen wäre, wie des Propheten Jonas, der im Walfisch ist an den dritten Tag blieb, so hätten sie zum Meer und Wellen sagen können: Schlagt immer herein; so stark sollt ihr nicht sein, daß ihr das Schiff umstürzt: und wenn er es schon vollendet, wollen wir doch mitten im Meer ein Gewölbe finden, da wir trocknen sitzen und nicht ersaufen. Denn wir haben einen Gott, der kann uns erhalten, nicht allein auf den Meer, sondern in und unter dem Meer. Das heißt ein rechter Glaube, der nicht, wie der freie Wille, allein auf das Gegenwärtige sieht, und deswegen erschrickt und verzagt, sondern er sieht auf das Künftige und das Widerspiel. Darum, wenn er gleich in des Todes Rachen steckt, stärkt er sich doch, und hält sich an diesen Trost, es könne ihm geholfen werden wie wir hier sehen an dem schwachen Glauben der Jünger. Darum ist es nicht eine kleine und geringe Kunst, noch ein schlechtes Ding um den Glauben; es ist eine göttliche Kraft, die nicht vom freien Willen kommt, sondern durchs Wort vom Heiligen Geist uns gegeben wird. Das wissen unsere Widersacher, die Katholiken, nicht; sonst würden sie es nicht zur hart anfechten, wenn wir sprechen: Der Glaube macht allein selig, das ist, der Glaube allein findet Trost, wenn Sünde, Tod und ewige Verdammnis auf uns dringt und zu Boden stoßen will. Darum sieht man, daß sie frech und stolz sind, solange das Meer still und schön das Wetter ist. Wenn habe ein Ungewitter sich erhebt und es übel zu gehen will, da fällt Mut und Trost alles dahin. Denn da ist kein Glaube, sondern der ohnmächtige, trostlose Freiwille, der Gottes und seines Wortes vergißt, und nirgends weiß, wohin. Nun ist es aber hier ein besonderes Unglück, daß Christus eben in solcher Todesnot ruht, und schläft eines rechten, natürlichen, starken Schlafs, der vielleicht ihm daher gekommen ist, daß er sich den Tag müde gearbeitet und gepredigt, oder die Nacht über gebetet und seine Anfechtung gehabt hatte. Denn ich achte es dafür, daß er bei Nacht sehr viel Anfechtung vom Teufel erlitten habe, wie er im Psalm 88,16 klagt «von Jugend auf bin ich Elend gewesen, und habe viel erlitten, ich leide deine Schrecken, daß ich schier verzage.» Darum ist er selten fröhlich gewesen, immer in schweren Gedanken daher gegangen, als der voll Jammers und Traurigkeit gewesen ist; wie zuvor der gleiche Psalm an zeigt, Vers 4: «meine Seele ist voll Jammers, und mein Leben ist nahe bei der Hölle.» Und dennoch obwohl solcher Schlaf recht und natürlich ist, so hatte er dennoch zum Glauben seiner Jünger dienen müssen, wie alle seine Werke. Solches geschieht heute noch alle Tage, daß der Herr sich gegen seine Christen stellt, als sehe er uns nicht, ja, hätte uns gar außer Acht gelassen; wie er hier im Schiff tut, liegt und schläft, bekümmert sich gar nichts um das Wetter, für seine Jünger, noch für das Schiff. Aber er ist dennoch mit im Schiff, ob er gleich schläft. Das sind nun die Anfechtungen, die immer mit zuschlagen, daß unser Herr Christus die Wellen über das Schiff fallen läßt; das ist, er läßt den Teufel und die Welt wider die Christen toben, daß man sich besorgen muß, wie es denn heute auch vor Augen ist, es werde ganz und gar zu Boden gehen. Der Papst und sein Haufe ist dem Worte feind, hetzt die großen Fürsten gegen uns. So läßt der Teufel den Türken auch nicht feiern. Da sitzen wir im Schiff, und haben Wetter und Wind, daß wir denken es könnte besser sein und taugt nicht. Dennoch soll der Herr wohl still dazu sitzen, und sich nicht merken lassen, daß er uns helfen wolle. Das ist sein Schlaf, den er im Schiff tut. Aber da müssen wir uns aufraffen, und denken, es hat keine Not. Denn er ist der Herr, ist auch bei uns im Schiff. Auch er sich nun also stellt, als sehe ER uns nicht, so sollen wir uns so stellen, daß wir ihm sehen, und ihn dafür halten, daß er das Meer still machen kann, wenn es noch so sehr tobt und wütet. Also sollen wir auch tun, in unserer eigenen Gefahr und Anfechtung, die einem jeglichen auf seine Weise begegnen wird. Wenn der Teufel kommt, dir deine Sünde vorhält, und dich mit dem Zorn Gottes erschreckt, und die ewige Verdammnis droht; da denke und zweifle ja nicht: Mein Herr Christus ist nicht weit, aber er schläft. Da gehört denn zu, daß ich mich zu ihm durch ernstes Gebet finde und ihn aufwecke; wie die Jünger hier tun. Denen liegt mehr an ihrem Verderben, denn an des Herrn Schlaf; darum denken sie: Kurz und gut, wir müssen jetzt einen wachenden Christum haben, sonst ist es aus mit uns; lassen ihm deswegen keine Ruhe und wecken ihn. Also lerne du auch tun; denn es muß beides also geschehen. Willst du mit Christus in das Schiff, so wird das Wetter nicht still bleiben, und Christus wird schlafen wollen, auf das wir die Anfechtung recht fühlen. Sonst, wo er nicht schliefe und dem Wetter sobald wehrte, würden wir es nie erfahren, was es um einen Christen wäre, und sollten wohl denken, wir täten es aus unserer Kraft. Hier aber wird der Glaube durch die Versuchung gestärkt, daß man sprechen muß: Keine menschliche Kraft hat helfen können; allein hat es Gott und sein liebes Wort getan. Neben dieser schönen und tröstlichen Lehre wird uns der Herr Christus hier auch vorgebildet wie ein rechter, natürlicher Mensch, der Leib und Seele hat, und deswegen Essen, Trinken, Schlafen, und anderer natürlicher Werke, so ohne Sünde geschehen, bedarf, wie wir: auf das wir nicht in den Irrtum fallen und Christum für ein Gespenst, nicht für einen rechten Menschen hielten. Gleich wie aber der natürliche Schlaf eine gewisse Anzeigung ist, daß der Herr Christus ein rechter, natürlicher Mensch sei: also beweist er seine allmächtige Gottheit in dem, daß er mit einem Wort das Meer stillt, und macht, daß sich der Wind legt; welches nicht ein Menschenwerk ist; es gehört eine göttliche Kraft dazu, daß ungestüme Meer mit einem Wort zu wehren. Das also dies Wunderwerk auch darum uns lieb sein soll, daß wir sehen, wie Gott und Mensch in Christus eine einige Person ist. Darum er in allen Nöten und Anfechtungen helfen kann und will allen, die Hilfe bei ihm suchen. Ob wir nun etwas darüber leiden und wagen müssen, wenn es nicht anders sein kann, was liegt daran? Müssen doch die Gottlosen auch ihr Leiden und Kreuz tragen, dennoch ein böses Gewissen dazu haben und endlich der ewigen Verdammnis warten. Das Drittel Stück ist von der Frucht, die aus solchem Glauben entsteht, nämlich, daß auch andere solche Wunderwerke wahrnehmen, und sprechen: «Was ist das für ein Mann, daß ihm Wind und Meer gehorsam ist?» Diese haben ihn bisher vielleicht für einen schlechten Menschen angesehen und gehalten, und nicht gewußt noch geglaubt, daß man bei ihm in Todesnöten Hilfe suchen und finden soll. Aber jetzt lernen sie ihn erkennen, daß er der höchste und beste Nothelfer sei, wo sonst kein Mensch helfen kann. Also geht es allewege, daß die Anfechtung, je schwerer sie ist, je größere Frucht und Nutz sie schafft. Die Welt setzt uns jetzt sehr hart zu, daß wir immer denken, wir müssen herhalten, daß Meer und Ungewitter werde über uns wachsen und zu Grunde reißen. Aber laßt uns nur fest am Wort und Glauben halten. Was gilts, er solle eine schöne, herrliche Frucht folgen, darüber wir lachen und fröhlich sein werden. Der bittere Haß, der im Papst und Türken steckt wider unsere Kirche, darüber uns, als einem Weib in Kindesnöten, bange ist, kreischen und ächzen müssen, der soll, ob Gott will, etwas mitbringen. Dergleichen soll ein jeder für seine eigene Person auch hoffen, wenn die Anfechtung ihn ergreift, daß sie ohne Frucht nicht werde abgehen. Also ihr Lieben, hier sehen wir wie tröstlich dieses Evangelium ist, und uns eine treffliche und schöne Lehre vorhält, daß so wir wollen Christen sein, mit dem Herrn Christo in der Schiff treten, und da auf das Wetter und Ungewitter warten müssen. Wenn nun solches angeht, daß wir dann im festen Glauben und am Wort halten sollen, und hoffen, daß nicht allein dem Wetter oder der Anfechtung gewehrt und wir davon sollen errettet werden: sondern daß auch eine gewisse Frucht und Nutzen darum folgen soll; das wir nichts anderes wünschen sollen, denn wir hätten es versucht, und durch eigene Erfahrung des Wortes und Glaubens Kraft und Tugend erlernt. Wer wollte denn des Kreuzes sich beschweren, weil so gewisse Hilfe und Frucht folgen soll? Aber es tut dem alten Adam weh, der ärgert sich über solchen bitteren und sauren Trank, und wollte es lieber nicht haben. Darum ist es nötig, daß wir an solche Beispiele oft und viel denken, und mit dem Wort fleißig umgehen, auf das wenn die Anfechtung kommt, wir gefaßt sind, und uns Christus der bei uns schläft und sich stellt, als nehme er sich unser nicht an, finden, Hilfe und Rettung bei ihm durch emsiges Gebet suchen. Solches verleihe uns allen unser lieber Vater im Himmel, um Christus willen, durch seinen Heiligen Geist, Amen.   Sonntag nach Epiphanias Lukas 2,41-52 Und seine Eltern gingen alle Jahre gen Jerusalem auf das Osterfest. Und da er 12 Jahr alt war, gingen sie hinauf denn Jerusalem, nach Gewohnheit des Festes. Und da die Tage vollendet waren, und sie wieder zu Hause gingen, blieb das Kind Jesus zu Jerusalem, und seine Eltern wußten es nicht. Sie meinten aber, er wäre unter den Gefährten, und kamen eine Tagereise und suchten ihn unter den Gefreundeten und Bekannten. Und da sie ihn nicht fanden, gingen sie wiederum gen Jerusalem und suchten ihn. Und es gab sich nach drei Tagen, fanden sie ihn im Tempel sitzen mitten unter den Lehrern, daß er ihnen zuhörte und sie fragte. Und alle, die ihm zuhörten, verwunderten sich seines Verstandes und seiner Antwort. Und da sie in sahen, entsetzten sie sich. Und seine Mutter sprach: Mein Sohn, warum hast du uns das getan? Siehe, dein Vater und ich habe dich mit Schmerzen gesucht. Und er sprach zu ihnen: Was ist es, daß ihr mich gesucht habt? Wisset ihr nicht, daß ich sein muß in dem, daß meines Vaters ist? Und sie verstanden daß Wort nicht, daß er mit ihnen redete. Und erging mit ihnen hinab und kamen gen Nazareth und war ihnen untertan. Und seine Mutter behielt alle diese Worte in ihrem Herzen. Und Jesus nahm zu an Weisheit, Alter und Gnade bei Gott und den Menschen. Dies ist ein Evangelium, daß uns vorhält ein Beispiel des heiligen Kreuzes, wie es mit denen zugeht, die da Christen sind, und wie sich dieselben darin halten sollen. Denn wer ein Christ sein will, muß sich das überlegen, daß er helfe das Kreuz tragen; denn Gott wird ihn zwischen die Sporen fassen und prüfen, ob er weich werde, denn es wird keiner ohne Leiden zu Christus kommen. Darum ist uns hier dieses Beispiel erzählt, dem wir nachfolgen sollen. Das wollen wir hören. Obwohl die Heilige Maria, die hoch begnadet ist, ohne Zweifel die größte Lust und Freude an ihrem Kind gehabt hat, hat sie doch der Herr also regiert, daß sie nicht das Paradies an ihm gehabt hat, und hat es ihr eben genau so aufgespart als den anderen für das zukünftige Leben. Darum hat sie auch auf Erden viel Unglück, Schmerzen und Herzeleid haben müssen. Dieses war der erste Jammer der ihr widerfuhr, daß sie mußte zu Bethlehem gebären an einem fremden Ort, da sie keinen Raum hatte mit ihrem Kinde, denn im Stall zu liegen. Das andere, daß sie bald danach, nach den sechs Wochen, mußte in ein fremdes Land, nach Ägypten mit dem Kind fliehen; welches alles ein schlechter Trost gewesen ist. Diese Stöße wird sie ohne Zweifel viel mehr gehabt haben, die hier aber nicht alle beschrieben sind. Also ist dies hier auch von diesen eins, da er ihr aber ein Unglück auf den Hals legt, bleibt zurück von ihr im Tempel, und läßt sich so lange suchen und sie findet ihn nicht. Das hat sie so erschreckt und betrübt gemacht, daß sie verzagen wollte, wie sie auch sagt: «Ich und dein Vater haben dich mit Schmerzen gesucht.» Denn es ist zu denken, daß ihr Herz also gedacht hat: Siehe, daß Kind ist mein allein, daß weiß ich, das hat mir Gott gegeben, und befohlen, daß ich darauf aufpassen, wie kommt es nun, daß es verloren ist? Es ist nun meine Schuld, daß ich nicht genug Achtung gegeben habe; und vielleicht will Gott nicht, weil ich nicht würdig bin, seine Mutter zu sein, und Gott will es wieder von mir nehmen. Da wird ohne Zweifel ihr Herz erschrocken sein, und voll Schmerz gewesen. Da siehst du, wie es ihr geht, ob sie gleich die Mutter ist und sich des Kindes wohl könnte rühmen vor allen anderen Müttern, also, daß sie eine große Freude wie nie zuvor gehabt hat, doch jetzt siehst du, wie Gott ihr Herz bloß und nackend auszieht, daß sie nicht mehr sagen kann, ich bin seine Mutter; und gemacht, daß sie also einen Schrecken kriegt von dem Kind, daß sie nun gewünscht haben möchte, daß sie ihn nie gesehen noch bekommen hätte, also hätte mögen größere Sünde tun, denn als nie eine andere Mutter getan hat. Also kann unser Herr Gott handeln, daß er uns unsere Freude und Trost nimmt, wann er will, und uns auch damit am meisten erschrecken, davon wir sonst die größte Freude haben; und wiederum, die größte Freude gibt davon, daß uns am meisten erschreckt. Denn das ist ihre größte Freude gewesen, daß sie des Kindes Mutter geworden war, so hat sie jetzt keinen größeren Schrecken, denn eben davon. Also haben wir auch keinen größeren Schrecken, denn von Sünde und Tod; doch kann uns Gott darin also trösten, daß wir uns wie Paulus rühmen dürfen: Römer 7: daß die Sünde eben dazu gedient habe, daß wir rechtfertigt würden, und das wir auch gern wollten tot sein und begehren zu sterben. Also haben wir nun hier die großen Leiden dieser Mutter Christi, daß sie ihres Kindes beraubt war, dazu, daß ihr auch ihre Zuversicht gegen Gott genommen wird; denn sie mußte fürchten, daß Gott mit ihr zürnte und wollte sie nicht zur Mutter seines Sohnes haben. Es wird aber niemand recht verstehen, wie ihr da zu Mute gewesen ist. Darum sollen wir das Beispiel auch auf uns ziehen; denn es ist nicht um ihret-, sondern um unseretwillen geschrieben. Denn Maria braucht es nicht mehr; darum müssen wir uns danach richten, auf das wir uns, wenn uns auch solches widerfährt, dazu gerüstet sind. Also, wenn Gott uns einen feinen starken Glauben gegeben, daß wir daher gehen in starker Zuversicht und sicher sind, daß wir einen gnädigen Gott haben, und auch darauf trotzen können, so sind wir im Paradies. Wenn uns aber Gott das Herz entfallen läßt, daß wir meinen, er wolle uns den Herrn Christum aus dem Herzen reißen; also das unser Gewissen fühlt, daß es ihn verloren habe, und dann zappelt und verzagt, daß die Zuversicht untergeht: dann ist Jammer und Not da. Denn ob das Herz auch schon nichts von Sünden weiß, so kann es doch verzagen, daß es denkt: Wer weiß, ob mich Gott haben will; wie hier die Mutter zweifelt, daß sie nicht weiß, ob er sie noch zur Mutter haben will. Also spricht das Herz auch, wenn es solche Stöße fühlt: Ja, Gott hat dir wohl bisher einen feinen Glauben gegeben; aber vielleicht will er ihn von dir nehmen und dich nicht weiter haben. Aber solche Anstöße zu halten, gehören starke Geister zu, und sind nicht viel Leute, die Gott so angreift. Wir müssen uns aber dennoch darauf trösten, ob es uns auch so ginge, daß wir dann nicht verzweifeln. Und solche Beispiele haben wir auch mehr in der Schrift; als, da wir lesen von Josua Kapitel 7,6.-7. Dem hatte Gott große und starke Verheißungen getan, daß er sollte die Heiden vertilgen, und vermahnt ihn selbst, daß er ja sollte keck sein und frisch gegen die Feinde gehen, wie er auch tat. Was geschah aber? Da er in solchem köstlichen Glauben stand, begab es sich, da er einmal bei 3000 Mann an eine Stadt richtet, daß sie sie gewinnen sollten; die waren auch Stolz weil sie sahen, daß es eine kleine Stadt und wenig Volk darin war. Und da sie nun an die Stadt kamen, brachen die Feinde aus der Stadt heraus und schlugen das Volk weg. Da viel Josua nieder auf die Erde auf sein Angesicht und durfte den ganzen Tag nicht zum Himmel sehen, und fing an zu schreien und klagen zu Gott und sprach: Ach warum hast du uns hierher geführt, daß du uns in die Hände unserer Feinde kommen läßt? Sieh, da lag sein Glaube nieder und wollte verzagen, daß ihn Gott selbst mußte aufrichten. Solches tut Gott mit seinen großen Heiligen, denen nimmt er zuweilen den Christum aus dem Herzen, das ist, ihren Glauben und Zuversicht. Aber das geschieht alles aus überschwenglicher Gnade und Güte, daß wir ja auf allen Seiten spüren sollen, wie freundlich und lieblich der Vater mit uns umgeht und uns bewährt, daß sich unser Glaube übe und je stärker und stärker werde. Und besonders tut er es, die Seinen wieder zweierlei Unglück zu bewahren, die sonst folgen möchten. Zum ersten, wenn sie so starken Geist und trotzig sind, möchten sie zuletzt auf sich selbst fallen, daß sie meinten, sie täten es aus eigenen Kräften. Darum läßt er manchmal ihren Glauben fehlen und niederlegen, daß sie sehen, wer sie sind, und sprechen müssen: Wenn ich schon wollte Glauben, so kann ich nicht. Also demütigt der allmächtige Gott die Heiligen und hält sie in ihrer Erkenntnis. Denn die Natur und Vernunft will immer auf Gottes Gaben fallen und an denselben hängen. Darum muß er somit uns handeln, daß wir sehen, daß er uns den Glauben ins Herz geben muß und wir ihn nicht selbst machen können. Also soll bei einander stehen, beides Gottesfurcht und seine Zuversicht, daß wir durch beides gehen, auf das der Mensch nicht vermessen und sicher werde, und auf sich falle. Dies ist eine Ursache, warum Gott die Heiligen so hoch versucht. Zum anderen, tut er es uns zu einem Beispiel. Denn wenn wir in der Schrift kein Beispiel hätten von den Heiligen, denen es auch so gegangen wäre, so könnten wir solches nicht tragen, und das Gewissen würde also sagen: Ich bin’s allein, der in solchem Leiden steckt und Gott hat nie einen so liegen lassen; darum muß es ein Zeichen sein, daß Gott mich nicht haben will. Weil wir aber sehen, daß es der Jungfrau und anderen Heiligen auch so gegangen ist, so haben wir dennoch einen Trost, daß wir nicht verzagen, und ein Beispiel, daß wir sollen still halten und warten, bis Gott kommt und uns stärkt. Denn von solchem Leiden haben wir mancherlei Beispiele in der Schrift, und daher gehört auch, was der Prophet David sagt im Psalm 31,23: «Ich habe gesagt, da ich entzückt war: Ich bin verworfen von deinem Angesicht»; das ist, wenn das Gewissen also sagt: Gott will mich nicht. Diese Leiden sind über allen Maßen schwer; darum schreien die Heiligen darin auch über die Maßen sehr; denn wenn Gott ihnen nicht heraus hülfe, so wären sie in der Hölle. Die anderen Anfechtungen und Leiden sind alles noch Fuchsschwänze dagegen wenn man einem sein Gut und Ehre nimmt und desgleichen: als, da man die unschuldigen Kindlein tötete und Jesus in Ägypten fliehen mußte. Das sagt der Prophet auch an einem anderen Ort, Psalm 94,17. «Hättest du mir, Herr Gott, nicht geholfen, so hätte es nicht um ein Haar gefehlet, daß meine Seele in der Hölle geblieben wäre.» So groß wird der Schrecken und die Angst in diesen Nöten. Darum läßt es nun Gott also gehen, daß wir solche Beispiele fassen und uns damit trösten, auf das wir nicht verzweifeln; denn wenn der Tod kommen wird, so werden solche Anfechtungen an uns fallen. Darum müssen wir uns darauf rüsten. Das ist die Geschichte und Beispiel des hohen Leidens, daß uns in diesem Evangelium gezeigt ist; aber daneben ist wiederum angezeigt, wo man Trost finden soll. Denn seine Eltern verlieren ihn und kommen eine Tagesreise von ihm, suchen ihn unter den Freunden und Bekannten, da ist er nicht; und gehen weiter gen Jerusalem, da finden sie ihn auch nicht; am dritten Tag in dem Tempel, da läßt er sich finden. Da hat uns Gott angezeigt, wo wir Trost und Stärke finden sollen in allerlei Leiden, und besonders in diesem hohen Leiden, daß wir den Herrn Christum finden können, nämlich, daß wir ihn suchen im Tempel. Denn also spricht er zu ihnen: «Wisset ihr nicht, daß ich sein muß in dem, daß meines Vaters ist?» Und hier ist zu merken, daß Lukas sagt, daß sie das Wort nicht verstanden haben, welches er mit ihnen redete. Denn damit hat er den unnützen Schwätzern das Maul gestopft, die die Jungfrau Maria gar zu hoch heben und preisen, daß sie alles wohl gewußt und nicht hätten irren müssen. Denn hier siehst du, wie sie der Herr fehlen läßt, daß sie ihn lange sucht und doch nicht findet, bis am dritten Tag im Tempel. Da fährt er sie dazu an und spricht: «Was ist es, daß ihr mich sucht; wisset ihr nicht, daß ich sein muß in dem, was meines Vaters ist?» So versteht sie auch das Wort nicht, daß er zu ihr sagt. Darum sind jenes eitel Lügendinge, und die Jungfrau darf des erdichteten Lobes nicht. Gott hat sie also geführt, daß er ihr viel verborgen hat und in viel Unglück geworfen, auf daß er sie in Demut hielte, daß sie sich nicht ließe besser dünken denn andere. Daß ist aber nun hier der Trost, wie ich gesagt habe, daß sich Christus nicht läßt finden denn allein im Tempel, das ist, in dem, daß Gottes ist. Was ist aber Gottes? Sind es nicht alle Kreaturen? Wahr ist es, daß alles Gottes ist: aber eigentlich ist es die heilige Schrift und sein Wort; denn das andere alles ist uns gegeben. So ist nun Summa Summarum hiervon: Niemand soll sich unterstehen, einen anderen Trost zu schöpfen oder zu finden denn als in dem Wort Gottes; denn den Sohn wirst du nirgend finden denn als allein im Tempel. Da siehe nun die Mutter an, die versteht solches noch nicht, weiß nicht, daß sie im Tempel suchen soll, und weil sie ihn sucht unter den Bekannten und Freunden und nicht an dem rechten Orte, so fehlet sie. Darum habe ich oft gesagt und sage noch, daß in der Christenheit nichts gepredigt werden soll denn als das lautere Wort Gottes. Dazu stimmt dies Evangelium auch, daß sie den Herrn nicht finden unter den Bekannten und Freunden. Darum gilt es nicht, wenn man sagt, man müsse glauben, was die Konzilien beschlossen haben, oder was Hieronimus, Augustinus oder andere heilige Väter geschrieben haben; sondern man muß einen Ort anzeigen, da man Christum findet, und kein anderen, nämlich, den er selbst anzeigt und sagt: Er müsse sein in dem, daß seines Vaters ist, das ist, niemand würde ihn finden als allein im Wort Gottes. Darum was die Heiligen Väter lehren, soll man ja nicht so annehmen, daß man mit dem Gewissen darauf vertraue und darin Trost suche. Wenn man nun zu dir sagt: Ei, soll man nicht den Heiligen Väter glauben? So kannst du antworten: Christus läßt sich nicht finden unter den Bekannten und Freunden. Und wäre es wohl recht, daß wir Christen dieses Beispiel aus dem heutigen Evangelium annehmen, um gleich ein Sprichwort daraus nähmen, daß wir brauchten wieder alle Lehre, die nicht Gottes Wort ist. Daß wir aber dies besser behalten, und klar machen, müssen wir sehen, was man uns anderes gelehrt hat denn Gottes Wort. Bisher haben wir dreierlei Lehre gehabt. Zum ersten, ist das die gröbste, so St. Thomas gelehrt hat; welcher aus der heidnischen Lehre und Kunst kommt, von dem großen Licht der Natur, Aristoteles, geschrieben hat. Davon sagen sie so: Das sei wie eine hübsche, helle Tafel, und Christi Wort sei wie die Sonne. Und gleich als die Sonne auf eine solche Tafel scheint, daß sie dann schöner leuchtet und scheint: also scheint auch das göttliche Licht auf das Licht der Natur und erleuchtet es. Mit diesem hübschen Gleichnis haben sie die heidnische Lehre auch in die Christenheit gebracht, daß haben die hohen Schulen allein gelehrt und getrieben, aus dieser Lehre hat man Doktoren und Prediger gemacht. Das hat sie der Teufel gelehrt zu reden. Also ist Gottes Wort zu Füßen gelegen; denn wenn das hervor kommt, so stößt es solche Teufelslehren alle zu Pulver. Zum anderen, hat man uns Menschengesetz gelehrt und geboten, die man jetzt Ordnung und Gebot der heiligen christlichen Kirche heißt; dadurch haben die Narren gemeint, die Welt in den Himmel zu führen, und damit haben sie unser Gewissen trösten wollen und darauf gründen. Das hat man also in Schwung gebracht, daß es ist wie eine Sündflut in die ganze Welt gerissen, und ist alle Welt darin ersoffen, daß fast niemand zu retten ist aus der Hölle Grund.. Denn da schreien sie immer ohne Aufhören, als wären sie unsinnig: Ei, daß haben die heiligen Konzilien beschlossen; das hat die Kirche geboten; das hat man so lange Zeit gehalten, sollen wir denn nicht daran glauben? Darum soll man darauf antworten, wie ich gesagt habe, aus diesem Evangelium: Wenn es gleich Maria, die heilige Jungfrau, selbst getan hätte, wäre es kein Wunder, daß sie geirrt hätte: die war doch eine Mutter Gottes; noch kommt sie in die Unwissenheit, daß sie nicht weiß, wo sie Christum finden soll, die ihn unter den Freunden und Bekannten sucht und fehlt damit, daß sie ihn nicht findet. Hat sie denn nun gefehlt und Christum nicht mögen finden unter den Freunden, sondern mußte zuletzt in den Tempel kommen: wie wollen wir denn ihn finden außer Gottes Wort in Menschenlehren, und das was die Konzilien beschlossen oder Doktoren gelehrt haben? Die Bischöfe und Konzilien haben ohne Zweifel des heiligen Geistes nicht so viel gehabt, als sie. Hat die Jungfrau Maria gefehlt: wie sollten denn jene nicht irren, weil sie Christum meinen anderswo zu finden, denn in dem, daß seines Vaters ist, das ist, in Gottes Wort? Darum wenn du einen hörst, der an den zweierlei Lehren hängt, und glaubt, daß es recht sei, steht und vertraut darauf, so frage ihn, ob er auch gewiß vertraue, daß er seine Seele damit möge trösten, wenn der Tod kommt, oder Gottes Gericht und Zorn, daß er damit unverzagtem Gewissen dürfte sagen: Also hat der Papst und die Bischöfe in den Konzilien gesagt und beschlossen, da verlasse ich mich drauf und bin gewiß, daß ich damit nicht fehle. So wird er bald sagen müssen: Wie kann ich mich dessen gewiß sein? Also, wenn es nun zum Treffen kommt, daß der Tod kommt, wird dein Gewissen sagen: Es ist wohl wahr, die Konzilien haben es beschlossen, ja, wenn sie aber gefehlt haben, wer weiß, ob es recht sei? Wenn du denn in solchen Zweifel kommts, so kannst du nicht bestehen, da kommt der Teufel, und rückt dich herum, und stürzt dich, daß du danieder liegst. Zum dritten, neben diesen zwei Lehren haben sie uns dennoch auf die heilige Schrift geführt, und gesagt, daß ja vor allen Lehren des Papstes Gesetz, und was er schließt und in den Dingen, so dem Glauben angehören, soll gehalten werden; doch ausgenommen etlicher heiligen Väter Lehre, die die Schrift ausgelegt haben, die haben sie dennoch so groß gemacht, daß sie sollen gleich so viel gelten, als der Papst zu Rom, oder ein wenig mehr; und haben aber daneben gesagt, sie könnten nicht irren, und fallen auch darauf, daß sie schreien: Ei, wie sollten diese heiligen Väter die Schrift nicht verstanden haben? Aber laßt die Narren sagen, was sie wollen, und wirf ihnen immer das vor, daß hier Christus spricht: «wisset ihr nicht, daß ich sein muß in dem, daß meines Vaters ist?» Gottes Wort muß man vor allen Dingen haben und allein an dem hangen; denn da will Christus sein und an keinem anderen Ort. Darum ist es vergebens, daß du ihnen anderswo suchst. Denn wie kannst du mich gewiß machen, daß die heiligen Väter das Ding sei, da Christus sein muß? Darum ist dies Evangelium ein harter Stoß wider alle Lehre und allen Trost, und was es sein mag, daß nicht Gottes Wort ist und aus dem Wort fließt. So kannst du nun also sagen: Ich laß geschehen, hebt die Vernunft und das natürliche Licht so hoch als du willst; doch will ich mir vorbehalten, daß ich mich nicht müsse darauf verlassen. Es haben die Konzilien beschlossen und der Papst oder die heiligen Väter gelehrt, was sie wollen, daß lasse ich stehen, ich will mich aber nicht darauf verlassen. Wollen sie mir das zugeben, so wollen wir bald eins sein, daß ich die Freiheit behalte, daß sie schließen und setzen, was sie nur wollen; ich aber darf sagen: Gefällt es mir, so halte ich’s; aber also will ich es nicht halten, als tät ich etwas Köstliches daran. Aber das werden sie uns nicht zugeben; denn sie haben nicht genug daran, daß man es frei dahin halte, sondern wollen den Zusatz dabei haben, daß man sein Vertrauen und Trost darauf setze, und soll so viel gelten, wenn du darauf traust, als du auf Christum und den Heiligen Geist traust. Diese falschen Wahn und Vertrauen sollen wir nicht leiden, da sie meinen: man tue ein gutes Werk, wenn man es hält; und wiederum, wenn man es nicht hält, sei es Sünde. Denn sie sprechen, was der Papst und Kirche gebietet oder lehrt, das ist der heilige Geist und Gottes Wort, darum soll man es glauben und halten: welches eine öffentliche unverschämte Lüge ist; denn wie können sie solches beweisen? Ja, sprechen sie, die christliche Kirche hat ja den Heiligen Geist, der läßt sie nicht irren noch fehlen. Antwort, wie oben gesagt: Die Kirche sei wie sie wolle, so hat sie dennoch nicht so viel Geist gehabt als Maria; und obwohl er sie regiert hat, läßt er sie dennoch auch irren uns zum Beispiel. Wenn die Kirche ungewiß ist, was soll mich gewiß machen? Wo sollen wir denn hin? In den Tempel müssen wir auch kommen, das ist, wir müssen das Wort Gottes fassen, das ist mir gewiß und fehlt nicht, da finde ich Christum gewiß. Darum, wo das Wort ist, da muß ich auch bleiben, wenn ich daran hänge. Wie das Wort mitten in den Tod geht, und durchdringt und lebendig bleibt; so muß ich auch durch den Tod dringen und ins Leben kommen, daß mich nichts aufhalten noch umstoßen kann, weder Sünde, noch Tod, noch Teufel. Den Trost und solchen Trotz, den ich aus Gottes Wort habe, kann mir keine andere Lehre geben; darum ist es mit keinem anderen Weg zu vergleichen. Darum ist es Not, daß man solches wohl fasse und setze weder das Vertrauen auf Menschenlehre und der heiligen Väter. Denn Gott hat solches auch in vielen anderen Beispielen angezeigt, daß man sehe, wie gar nicht auf Menschen zu bauen und zu trauen ist; weil besonders auch die Heiligen fehlen können; als, da wir lesen Apostelgeschichte 15,5 ff., daß kurz nach der Himmelfahrt Christi, ungefähr 18 Jahre später, die Apostel zusammen kamen, und der vornehmste Haufe derer, die da Christen waren da erhob sich eine Frage: Ob man die Heiden müßte zwingen, daß sie sich beschneiden ließen? Und traten auf die obersten aus der Pharisäer Sekte und Gelehrte, die da gläubig geworden waren, und sprachen: man müßte sie beschneiden und gebieten zu halten das Gesetz Mose, und erhob sich darüber ein Streit, daß der ganze Haufe diesen zufallen wollte. Da trat allein Petrus, Paulus, Barnabas und Jakobus auf und traten dem entgegen, und besonders Petrus stand auf und schloß also: Gott hat den Heiden, die aus meinem Mund gehört haben das Evangelium, den Heiligen Geist gegeben, ebensowohl als uns, und hat keinen Unterschied zwischen ihnen und uns gemacht, sondern reinigte ihre Herzen durch den Glauben. Haben sie denn den Heiligen Geist bekommen und sind nie beschnitten gewesen: was wollt ihr sie denn dazu binden, und ein Joch auf ihren Hals legen, welches weder unsere Väter noch wir haben können tragen? Denn wir glauben durch die Gnade des Herrn Christi selig zu werden gleichwie auch sie. Nun siehe, hier sind so viel Christen gewesen, die da geglaubt haben, da die Kirche noch jung war und am besten gestanden ist, Gott läßt sie alle irren ohne diese drei oder vier allein; also wenn sie nicht gewesen wären, so wären da irrige Dinge gelehrt und ein Gebot wider Christum aufgesetzt worden. Noch sind wir solche Narren und so blind, daß wir nichts anderes könnten sagen, denn: das haben die Konzilien und die Kirche geboten, die können nicht irren, und was sie schließen, dem soll man folgen. Mehr lesen wir auch, daß danach die Vornehmsten, beide Petrus und Barnabas, auch fielen und mit ihnen die anderen Juden allesamt; da trat als einziger Mann Paulus auf und strafte ihn öffentlich, wie er selbst schreibt zu den Galatern Kapitel 2,11. Haben nun diese heiligen Konzilien und die heiligen Leute geirrt, was sollen denn wir auf unsere Konzilien vertrauen? Welche, wenn man sie gegen die hält, die von Aposteln gehalten sind, ihnen nicht das Wasser reichen können. Warum läßt denn Gott solches geschehen? Darum tut er es, daß er nicht will, daß wir uns auf einen Menschen verlassen noch trösten auf irgend eines Menschen Wort und Lehre, wie heilig sie auch sein mögen, sondern allein unser Vertrauen auf sein Wort setzen darum, wenn gleich ein Apostel käme, oder gleich ein Engel vom Himmel, wie Paulus sagt: Galater 1,8-9, und etwas anderes lehrt, soll man frei sagen: Das ist nicht Gottes Wort, darum will ich es nicht hören. Und bleib nur dabei, daß man das Kindlein nirgends finden wird denn im Tempel, oder in dem, daß Gottes ist. Maria sucht ihn auch wohl unter den Freunden, das sind freilich große, Gelehrte und fromme Leute; aber da findet sie ihn nicht. Gleiche Beispiele und Figuren haben wir auch an anderen Stellen im Evangelium, welche auch eben das anzeigen, daß man nichts anderes lehren soll denn Gottes Wort, und keine andere Lehre annehmen, weil man Christum nicht findet denn als allein in der Schrift. Also lesen wir im Evangelium am Christtag Lukas 2,12. Da spricht der Engel, der den Hirten verkündigt die Geburt Christi: «Daß sollt ihr zum Zeichen haben: ihr werdet finden das Kind in Windeln gewickelt und in einer Krippe liegen.» Warum gib er nicht die Mutter Maria und Josef zum Zeichen, sondern allein die Windeln und Tücher, und die Krippe? Darum, daß uns Gott auf keinen Heiligen weisen will, auch zu der Mutter selbst nicht; denn das kann alles fehlen. Darum muß er uns einen gewissen Ort anzeigen, da Christus liegt; das ist die Krippe, da findet man ihn gewiß, wenn gleich Josef und Maria nicht da wären. Das ist so viel gesagt: Christus ist in der Schrift eingewickelt durch und durch, gleich wie der Leib in den Tüchern, die Krippe ist nun die Predigt, darin er liegt und gefaßt wird, und daraus man Essen und Futter nimmt. Nun hat es wohl einen größeren Schein, daß das Kind sollte da liegen, da Maria und Josef sind, die großen heiligen Leute; doch zeigt der Engel allein auf die Krippe, die will er nicht verachtet haben. Es ist ein geringes einfältiges Wort: doch liegt Christus darin. Also, daß sehen wir auch in anderen Geschichten; als, von dem heiligen Simeon, der von Gott eine Verheißung hatte, der sollte nicht sterben, er hätte denn zuvor den Christum gesehen. Der kommt aus Anregung des Heiligen Geistes in den Tempel, da findet er das Kind und nimmt es auf seine Arme. Das ist aber allein darum angezeigt, daß er Christum im Tempel findet. Darum ist das Summa Summarum, daß uns Gott vor Menschenlehren warnen will, wie gut sie auch sein mögen, daß man sich ja nicht darauf verlasse, sondern allein dem einigen und rechten Wahrzeichen glaube, welches ist das Wort Gottes. Das andere laß alles fahren. Es mag wohl gut und recht gesagt oder beschlossen sein, doch wollen wir nicht mit dem Herzen darauf vertrauen. Dies ist nun der Trost, den wir haben aus diesem Evangelium, wenn das hohe Leiden anfängt, davon wir oben gesagt haben, daß wir dann wissen, wie kein anderer Trost zu finden ist denn allein in der Schrift und Gottes Wort. Und darum hat es Gott schreiben lassen, daß wir solches daraus lernen, Paulus sagt Römerbrief 15,4.: «was geschrieben ist, das ist uns zur Lehre geschrieben, auf das wir durch Geduld und Trost der Schrift Hoffnung haben.» Da spricht er auch, daß die Schrift tröstlich ist, oder Geduld und Trost gebe, darum kann kein anderes Ding sein, daß die Seele tröstet, auch in den geringsten Anfechtungen. Denn was etwas anderes ist, dadurch sich ein Mensch trösten will, wie groß es auch ist, das ist alles ungewiß; da denkt das Herz immerdar: Ei, wer weiß, ob es recht sei? Ei, wenn ich es doch gewiß wüßte! Aber wenn es an Gottes Wort hängt, so kann es ohne wanken also sagen: Da ist Gottes Wort, das kann nicht genügen noch fehlen, dessen bin ich gewiß. Das ist der höchste Streit, den wir haben, daß wir das Wort behalten und dabei bleiben; wenn das aus dem Herzen gerissen wird, so ist der Mensch verloren. Darum laßt uns ja darauf rüsten, wenn man kommt und uns vorhält, daß die christliche Kirche nicht irren könnte, daß wir dem Wissen zu begegnen, und sprechen: Siehe, das ist nicht Menschen, sondern Gottes Wort; das steht hier im Evangelium, daß die Mutter voll, voll heiligen Geistes ist; und doch fehlt sie. Also, auch in der Apostelgeschichte waren die, die da glaubten und den Geist hatten, und dennoch fehlten, und hätten ein unchristliches Gesetz gemacht, wenn nicht ein paar andere Apostel aufgestanden wären. Darum soll man keinen Konzilien noch anderen Heiligen glauben, wenn sie nicht Gottes Wort bringen. Also haben wir das Hauptstück in der Summe dieses Evangeliums; was aber mehr darin ist, wollen wir denen befehlen zu handeln, die da müßig sind; und wer Achtung darauf hat, wird es leicht selbst finden. Über den Satz, den Lukas sagt: Christus habe zugenommen an Weisheit und Gnade; so er doch Gott gewesen ist und volle Gnade und Weisheit gehabt, sobald er in den Mutterleib gekommen ist, hat man viel gestritten. Da haben sie den Text schändlich verkehrt mit ihren Glossen. Darum laßt solch erdichtetes Gerede fahren, und laßt die Worte liegen, wie sie liegen, ohne alle Glosse, und verstehe es nur aufs einfältigste, daß er immer mehr und mehr gewachsen und stärker geworden ist im Geist, wie ein anderer Mensch, wie oben im Evangelium am Sonntag nach dem Christtag weiter gesagt ist.   Am zweiten Sonntag nach Epiphanias Johannes 2,1-11 Und am dritten Tage ward eine Hochzeit zu Kanaan in Galiläa, und die Mutter Jesu war da. Jesus aber und seine Jünger wurden auch auf die Hochzeit geladen. Und da es an Wein gebrach, spricht die Mutter Jesu zu ihm: Sie haben nicht Wein. Jesus spricht zu ihr: Weibe, was habe ich mit dir zu schaffen? Meine Stunde ist noch nicht gekommen. Seine Mutter spricht zu den Dienern: was er euch sagt, daß tut. Es waren aber allda sechs steinerne Wasserkrüge gesetzt, nach der Weise der jüdischen Reinigung, und gingen in je einen zwei oder drei Maß. Jesus spricht zu ihnen: Füllet die Wasserkrüge mit Wasser. Und sie fülleten sie bis oben an. Und er spricht zu ihnen: Schöpfet nun, und bringt es dem Speisemeister. Uns sie brachtens. Als aber der Speisemeister kostete den Wein, der Wasser gewesen war, und wußte nicht, von wannen er kam (die Diener aber wußtens, die das Wasser geschöpft hatte), ruft der Speisemeister den Bräutigam und spricht: Jedermann gibt zuerst den guten Wein, und wenn sie trunken geworden sind, alsdann den geringeren; du hast den guten Wein bisher behalten. Das ist das erste Zeichen, daß Jesus tat, geschehen zu Kanaan in Galiläa, und offenbarte seine Herrlichkeit. Und seine Jünger glaubten an ihn. Dies ist das erste Wunderzeichen, daß unser lieber Herr Jesus auf Erden getan hat, damit er, wie Johannes selbst meldet, seine Herrlichkeit seinen Jüngern hat wollen offenbaren, auf das sie an solchem Wunderzeichen ihn kennenlernten und für den Sohn Gottes und rechten Messias hielten; besonders weil er das kann, daß sonst kein Mensch auf Erden kann, nämlich die Kreatur ändern und aus Wasser Wein machen. Solche Kunst ist allein Gottes Kunst, der ein Herr über die Kreatur ist; die Menschen können es nicht. Deswegen soll dies Wunderwerken besonders dazu dienen, daß wir unseren lieben Herrn Christus recht kennenlernen, und mit gewisser Zuversicht, wo Mangel und Not sich bei uns findet, zu ihm Zuflucht haben, Hilfe und Gnade bei ihm suchen; die soll uns gewiß zu rechter Zeit widerfahren. Solches ist das vornehmste Stück aus dem heutigen Evangelium. Weil man aber bei allen Wunderwerken Christi solche Lehre und Trost findet, wollen wir jetzt besonders von dem handeln, daß der Herr solches Wunderzeichen eben auf der Hochzeit tut, auf das die Lehre vom Ehestand auch unter den Christen bleibe; denn es ist viel daran gelegen. So ist es auch besonders darum sehr nötig. Denn wie ihr wisset, ist der Ehestand unter dem Papsttum sehr verachtet, und allein die Jungfrauschaft und Keuschheit gepriesen worden. Wie aber Gott die ehelosen Geistlichen wiederum bezahlt und gestraft hat, wissen wir, daß ihnen nicht allein Lust und Liebe zum Ehestand genommen, sondern auch die Liebe zu den Frauen ganz ausgelöscht ist. Daß es ein großes Wunder ist, daß nicht längst der gottlose Sodomitische Haufe in den Stiften und Klöstern im Papsttum allein dieser Sünde wegen, welche aus Verachtung des ehelichen Lebens gefolgt, mit höllischem Feuer angezündet und in den Abgrund der Hölle versenkt ist. Daß wir aber andere Gedanken vom Ehestand fassen, und denselben nicht, wie der Papst, fliehen und hassen, dient dies Evangelium zu; darin wir sehen, daß der Herr sein erstes Wunderzeichen auf der Hochzeit zu Kanaan in Galiläa, eben dem armen kleinen Flecken tut, da er dreißig Jahr alt, von Johannes schon getauft, und jetzt angefangen hatte, ein Prediger zu sein. Nach des Papstes Heiligkeit und Weisheit hätte es dem Herrn Christus viel besser angestanden, daß er es zuvor getan hätte, ehe er in das geistliche Amt getreten, und vom Heiligen Geist zum Prediger gesalbt und berufen worden wäre. Aber es ist solches ein trefflich und nützliches Beispiel, nicht allein gegen des Papstes Irrtum, derweil uns, Gott Lob! Tot und hin ist, sondern auch gegen die zukünftigen Rotten, die es für eine große Heiligkeit halten, den Ehestand und anderes bürgerliches Wesen lassen, und hin in die Wüste oder Einöde laufen, da man bessere und ruhigere Tage hat, denn im Ehestand, da man sich mit Weib, Kindern, Knechten, Mägden, bösen Nachbarn zanken schelten und auch häufig schlagen muß. Daher muß der Ehestand ein mühseliger Stand genannt werden, da Mühe und Arbeit genug ist, wenn du Gottes Geschöpf, Stiftung, Segen und Wort aus den Augen setzen willst. Dagegen haben die Mönche ihr Leben ein heiliges, vollkommenes Leben geheißen. Aber, wie vor Augen ist, ist es wahrhaftig ein faules, gutes und süßes Leben, da sie alles genug haben, ohne die armen Leute in der Welt gelassen haben, die ihre Nahrung müssen sauer verdienen, und haben dennoch den Namen, daß sie in einem guten Stand sind. Wiewohl nun das Beispiel, welches uns Christus hier zeigt, groß und trefflich ist; so hat es doch bei den heillosen Leuten nicht geholfen. Man hat’s in der Kirche gelesen; aber da ist keiner gewesen, der dies Licht hätte können sehen und sagen: wenn es denn so gut ist, in die Wüste gehen, oder in das Kloster laufen, warum ist Christus auf die Hochzeit gegangen? Ist denn das so bös, in der Welt leben und ehelich werden: warum ehret denn Christus in den ehelichen Stand mit seiner Gegenwärtigkeit und mit so einem herrlichen Wunderwerk? Nun hätte es seine Meinung gehabt, wenn solch ein Kloster- oder Einsiedlerleben auf zwei oder drei Wochen, auf ein Jahr oder zwei angestellt wäre. Aber daß man die Ehe nicht nur flieht, sondern auch für alle Ewigkeit absagt, das heißt den ehelichen Stand aufs höchste verachtet und verunehrt, und anstatt desselben nicht einen heiligen Stand, sondern Ruhe und ein stilles Leben gesucht, wider Gottes Befehl und Ordnung. Darum lernet hier, daß unser Herr Gott das vierte Gebot ehrt. Denn wo Hochzeit, das ist, Vater und Mutter ist, da muß ein Haushalten sein, da wird Weib und Kind, Knechte und Mägde, Vieh, Acker, Handwerk und Nahrung sein. Dies alles will der Herr uns, als ein heiliges Leben und seligen Stand, hiermit befohlen haben, daß ihn niemand verachten, sondern ehren und für groß halten soll, wie er ihn ehret. Darum ist dies Evangelium eine rechte Predigt für das junge Volk, daß es lerne, wie man unserem Herrn Gott auch wohl im Hause dienen kann, und es nicht nötig ist, etwas Besonderes anzufangen; wie die Katholiken getan haben. Denn ein Hausvater der sein Haus in Gottesfurcht regiert, seine Kinder zu Gottesfurcht und Erkenntnis, zu Zucht und Ehrbarkeit erzieht, die er ist in einem seligen, heiligen Stande. Also eine Frau, die der Kinder wartet mit Essen, Trinken geben, Wischen, Baden, die darf nach keinem heiligeren, gottseligeren Stand fragen. Knecht und Magd genau so, wenn sie tun, was ihre Herrschaft sie heißt, so dienen sie Gott; und wenn sie an Christum glauben, gefällt es Gott viel besser, wenn sie auch die Stube kehren, oder Schuhe auswischen, denn als aller Mönche Beten, Fasten, und was sie noch alles für hohe Gottesdienste rühmen. Deswegen solle man solch ein Hausleben im Ehestande nicht verachten, noch, wie es die Mönche gelästert haben, wir einen weltlichen, unseligen Stand halten. Denn hier sehen wir, daß der Herr Christus selbst zu Hochzeit geht. Solches gilt aber nicht allein der Hochzeit, sondern dem ganzen Haushalten; das will Gott geehrt haben, wie das vierte Gebot, welches das höchste in der anderen Tafel ist, ausweist. Deswegen, bist du Vater und Mutter, so bleibe in solchem Stande, und lerne, daß Gott ein Gefallen daran geschieht, wenn du tust, was du in solchem Stande tun sollst. Bist du ein Knechte oder Magd, so lerne, daß Gott einen Gefallen an deinem Stand hat. Denn Gott hat den Ehestand selbst gesegnet und geehrt, hat die Hochzeit geehrt mit seiner Gegenwärtigkeit und erstem Wunderwerk, da er schon ein Prediger war. Er hätte ja auch sagen können: Ich will nicht kommen, will meines Predigens warten; es ist etwas weltliches; mir ist ein geistliches Amt befohlen, danach muß ich mich halten. Aber er, der höchste Bischof, läßt das Amt, dem er einen besonderen Befehl hatte, sich nicht beirren, verachtet die Hochzeit nicht, welche des Haushaltens Anfang ist; sondern ehrt, lobt und ehrt also die Werke in solchem Stand, daß jedermann dazu willig sein soll, und sagen: Weil Gott mich so gesetzt und geordert hat, daß ich als eine Magd, als ein Knecht, als ein Kind, als ein Ehemann, als eine Hausmutter soll dem Ehestand und zum Haushalten dienen, so will ich es gern tun und meinem Gott in solchem Stande mit Freuden dienen. Denn ich sehe, daß der hohe Prediger, mein Herr und Gott, Christus Jesus, sich selbst hierher gibt, und auf die Hochzeit, diesem Stand nicht allein zur ehren, sondern auch zur Hilfe und Erhaltung. Diese Lehre ist nötig gewesen wider die Ketzer und dem Papst, ist noch heute not wider die Rottengeister, als da sind die Wiedertäufer und dergleichen, die da kommen, und sagen: Es ist nichts mit dem Haushalten, es geht so und so zu, jetzt hat man untreues Gesinde, jetzt muß man sich mit den Nachbarn zanken, jetzt steht einem ein anderer Unfall mit Weib, Kindern, Nahrung zu; wie kann man bei so viel Unruhe, deren kein Maß noch Ende in ehelichen Leben ist, an Gott denken und Gott dienen? Ich will es nicht ansehen, will in ein Kloster laufen, da will ich aller Unruhe von frei sein. Sind also hingefahren in des Teufels Namen, der in dieses, der andere in ein anderes Kloster. Solches soll man merken, auf das dergleichen tolle Geister nicht wieder kommen. Denn hier steht es klar, wie der Herr Christus selbst, da er auf die Hochzeit kommt, Braut und Bräutigam nicht von einander scheidet, sondern sie bei einander gelassen, und selbst dazu geholfen hat, daß diese Hochzeit desto ehrlicher ausgerichtet werde. Mit solchem schönen Beispiel hat er uns wollen lehren, daß es ihm auch wohl gefällt, wo man zum Haushalten treulich hilft und dient. Denn ob sich auch dort ein Mangel findet, sollst du nicht erschrecken; siehe nur, daß du Christus bei dir hast und nicht gottlos seist: so will er aus Wasser Wein machen, und deinen Stand so segnen, daß du genug haben sollst, und es wird sich endlich finden, was man bedarf, ob es auch wohl eine Weile lang mangelt. Solches sieht man auch in der Erfahrung. Wenn Mann und Weib fein christlich mit einander Leben, so ernährt sie unser Herr Gott so leicht, daß sie mehr kriegen, denn als sie hoffen. Und ich glaube es ist kein Handwerker, der fleißig bei seiner Arbeit und dazu gottesfürchtig ist, wenn man ihm so viel Geld auf einen Haufen auf einen Tisch schüttet, wie viel er im ganzen Jahr erarbeiten kann, der glauben würde er könnte sich damit erhalten. Aber da geht Gottes Segen heimlich, daß man heute einen Pfennig, morgen wieder einen, und sich dabei behilft, daß man Gottes Segen bei solchen stillen Haushalten spüren muß. Das also unser lieber Herr Christus noch heutigen Tages in meinem und deinem Hause (wenn wir nur gottselig und fromm sind, und ihn sorgen lassen) Wasser zu Wein macht. Also, er macht, daß aus einem Stück Brot 10 werden müssen, und ein Rock so lange hält, als sonst drei. Daß wir auch solcher Erfahrung bewegen, wenn wir nur die Augen auftun wollten, sagen sollten: Herr, die Werke der Haushaltung gehören dir, dir dient man damit; denn du hast sie geehrt und ehrst sie noch mit deinem Segen. Darum will ich sie auch nicht verachten, sondern fleißig dazu helfen in meinem Stande. Der Evangelist meldet besonders, wie die Mutter Jesu auch dabei gewesen ist. Die wird vielleicht die Brautmutter auf der Hochzeit gewesen sein. Denn sie kümmert sich um das tun, daß ihr daran alles besonders gelegen sei, weil sie den Mangel sieht. Denn es scheint, als sei es eine große Hochzeit gewesen, auf welcher es nicht an Brot und Wein gemangelt habe. Dann denke du nun, so Gott der Ehestand nicht gefiele, sollte nicht Jesus zu ihr gesagt haben: Ei Mutter, du bist so herrlich und groß, bist unter allen Weibern eine Jungfrau und eine Mutter des Sohnes Gottes, solltest du deswegen allein der Kirche und des Gottesdienstes warten: du begibst dich hierher in diese Arbeit, wie man die Hochzeit wohl verrichte? Und es ist wahr, lächerlich ist es, daß die heilige Mutter sich in dieses geringe Werk geben soll, und auf der Hochzeit eine Magd sein, und den Leuten mit Kochen und anderem dienen. Aber es geschieht alles, wie ich zuvor oft gesagt habe, daß wir daraus lernen, diesen Stand recht zu erkennen, welchen Christus und die Jungfrau Maria so hoch ehren. Dennoch hat solch ein Beispiel nichts im Papsttum geholfen, und hilft bei dem ungehorsamen, untreuen Hausgesinde auch nichts. Denn niemand will es glauben noch für wahr halten, daß damit Gott gedient sei, wenn man im Hause treu und fleißig dient. Sonst würden Knecht und Magd, Kind und Gesinde lustig und guter Dinge sein zu aller Arbeit, und sich aus ihrem Hausdienst ein Paradies machen, und sagen: Ich will meinem Herrn, meiner Frau zu Gefallen tun und lassen, was sie wollen. Ob ich auch dabei beschimpft werde, was schadet es; weil ich doch gewiß weiß, daß mein Stand unserem Herrn Gott ein Dienst und wohlgefälliges Leben ist; denn mein Erlöser, Christus selbst, ist zu Hochzeit gegangen, und hat dieselbe mit seiner Gegenwärtigkeit und seiner Mutter Maria Dienst geehrt: sollte ich nun solchem Stand nicht zu Ehren und Dienst auch so etwas tun und leiden? Aber man findet solche Dienstboten sehr wenig; der meiste Teil ist so verstockt, wenn er auch gleich diese Geschichten hört, daß er es dennoch nicht bedenken, noch sich bewegen lassen will, daß er es im Hause bekommen und haben kann, daß er damit Gott auf das Beste dienen, mehr als eine Nonne oder ein Mensch im Kloster, und wenn es diesen noch so sauer würde. Aber niemand nimmt es zu Herzen, niemand glaubt es. Darum geschieht es alles mit einem Unwillen und Unlust, und ist nicht möglich, das Glück oder Heil bei solchem unbilligen Gesinde sein könne. Denn sollte nicht eine gottesfürchtige und fromme Magd im Hause, die Kochen und anderes tun muß, solchem Beispiel der Mutter Gottes sich trösten und freuen, und sagen: Das ich Kochen und anderes tun muß, das ist eben der lieben Jungfrau Maria Dienst auf der Hochzeit gewesen; die machte sich auch zu schaffen, sah zu, wie alles wohl verrichtet würde. Und ob es wohl ein geringes Werk ist, daß ich im Hause tue, und kein Ansehen hat, so tue ich es doch Gott zu ehren, der das befohlen hat, und will, daß ich solchen Gehorsam und Fleiß tun soll, und weiß, wenn ich dies tue, daß es Gott wohlgefällt. Es achte nun die Welt solchen Gehorsam, wofür sie will; so sollen doch die, so da Christen sein wollen, ihn für groß und einen rechten Gottesdienst halten, und mit allem Willen ausrichten. Also könne eine Magd oder Knecht im Hause sich selbst in seinem Stande über seine Arbeit eine Freude bereiten und Freude dabei haben und Gott ein Wohlgefallen tun, und sagen: Ich danke dir, Herr, daß du mich in diesen Dienst befohlen hast, der ich weiß, daß ich dir damit mehr diene denn alle Mönche und Nonnen, die zu ihrem Dienst keinen Befehl haben. Ich aber habe Gottes Befehl, im vierten Gebot, daß ich Vater und Mutter ehren, Herren und Frauen mit allem Fleiß und Treue dienen, und zum Haushalten helfen soll; will darum mit Lust und Liebe denselben nachkommen. Der sich so zu der Sache stellt, der täte, was er tun soll, mit Freude und Lust, und wäre hier bereits im Paradies; unser Herr Gott würde auch ein Wohlgefallen daran haben, mit allen seinen Engeln. Desgleichen Herr und Frau, die würden wiederum solche Treue und billigen Dienst reichlich belohnen. Denn treues, frommes Gesinde wird überall hoch gehalten. Und da sieht man, daß es dazu nicht kommen will, und es jedermann eher für einen Gottesdienst halten will, wo man in ein Kloster geht, denn daß man Herren und Frauen fleißig zum Haushalten dient. Weil man aber das vierte Gebot so mit Füßen tritt und den Ehestand so verachtet hat, hat Gott recht getan, daß er sie zu Mönchen und Nonnen hat werden lassen und in solchen Stand, daß sie sich jetzt zermartern, Gott den höchsten Ungehorsam damit tun, denn er hat es ihnen nicht befohlen. Darum laßt uns dies Beispiel wohl lernen, daß jedermann willig und gerne diene, und helfe zudem Stand, welchen unser Herr Gott selbst gesetzt und geehrt, und einen Brunnen und Quelle aller anderen Stände auf Erden gemacht hat. Denn das Haushalten oder Ehestand muß alle Könige und Fürsten erhalten: aber nicht allein deshalb, daß Könige und Fürsten aus dem Ehestand kommen, sondern daß man weder Leute noch Zinsen haben würde, wenn die Eheleute nicht wären. Denn der Haushalter muß es erwerben, davon alle Stände in der Welt, vom größten bis auf den kleinsten, erhalten werden. Solches soll man lernen, und willig und Gehorsam dazu sein, daß dieser Stand von uns auch geehrt und gefördert werde; auf das ein jeder Ehemann oder Dienstbote lernen sagen: Herr, es ist dein Wohlgefallen, du bist selbst auf der Hochzeit zu Kanaan gewesen, und deine Mutter, die gesegnete unter allen Weibern, hat eben das auf der Hochzeit getan, daß ich im Haus meines Herrn tue. So sie nun solcher geringen Arbeit sich nicht geschämt, sondern es von sich aus getan: warum wollte ich armer Madensack mich für besser halten, und mich solcher Hausarbeit schämen, denn ich lauter Dreck bin gegen die reine Jungfrau Maria? Besonders aber sollen die Eheleute den Trost hier fassen, wenn sie fromm und gottesfürchtig sind, daß sie Gott nicht lassen, sondern mit seinen Segen gerne bei ihnen helfen will, und allen Mangel wenden, wie er hier tut. Denn es wird nichts anderes daraus, Eheleute müssen viel Anstöße haben auf Nahrung und anderes wegen. Aber hat man Christum auf der Hochzeit, daß man gottesfürchtig ist, so soll der Segen und die Hilfe nicht außen bleiben. Das sollt ihr heute lernen und wissen; denn darum wird es gepredigt, daß ihr desto billiger in den Diensten, so zur Haushaltung geordnet, bleiben sollte, und euch nicht verführen lassen von denen, so kommen und sagen: Haushalten, ehelich werden, ist ein weltliches Ding, wenn Gott dienen will, muß es anders machen, daß es ihm sauer werde und weh tue. Wie die Wiedertäufer, das blinde Volk, wie es zur Zeit tun, laufen von Weib und Kindern weg; solches trüben sie für ein großes Kreuz und große Heiligkeit, weil es weh tut. Aber es ist lauter Büberei mit den Schälken. Ursache, daß tut nicht weh, was sich einer selbst vornimmt und auflegt. Jenes tut viel mehr weh, davor man sich scheut, daß man bei Weib und Kindern bleiben, vom Gesinde, bösen Nachbarn viel leiden muß; denn da ist einer so als wäre er in zwanzig Stricken gefangen. Von solchen Stricken machen die argen Buben sich los und leben nach ihrem eigenen Willen. Das heißt aber sich nicht weh tun. Das aber tut weh, daß nun nach Gottes Befehl gebunden sein mußt an dein Weib, Fürsten, Nachbarn, Dienstboten, da du auf allen Seiten aller Hände voll hast, christliche Liebe und Geduld zu beweisen. Denn da mußt du hören, sehen, leiden, daß du weit dir denkst; du möchtest davon laufen, muß aber dennoch bleiben und sagen: Ich will es alles gern tun und leiden; denn ich weiß, daß Gott bei dem Haushalten mit seinen Gnaden sein will. Ja, ich danke Gott von Herzen, der mich in diesen seligen und ihm wohlgefälligen Stand gesetzt hat. Wird etwas mangeln, so kann er helfen. Und er beweist es hier auf dieser Hochzeit, daß er als gern und mit Lust tun will. Solches sollt ihr aus dem heutigen Evangelium lernen, und Gott um seine Gnade anrufen, daß wir es erhalten, und also christliche uns in unseren Beruf schicken können, Amen.   Am dritten Sonntag nach Epiphanias Matthäus 8,1-13 Da er aber vom Berge herab ging, folgte ihm viel Volks nach. Und siehe, ein Aussätziger kam und betete ihn an und sprach: Herr, so du willst, kannst du mich wohl reinigen. Und Jesus streckte seine Hand aus, rührte ihn an und sprach: Ich will’s tun; sei gereinigt. Und alsbald ward er von seinem Aussatz rein. Und Jesus sprach zu ihm: Siehe zu, sags niemand; sondern gehe hin und zeige dich dem Priester und opfere die Gabe, die Moses befohlen hat, zu einem Zeugnis über sie. Da aber Jesus einging zu Kapernaum, trat ein Hauptmann zu ihm, der bat ihn, und sprach: Herr, mein Knecht liegt zu Hause und ist gichtbrüchig und hat große Qual. Jesus sprach zu ihm: Ich will kommen und ihn gesund machen. Der Hauptmann antwortete und sprach: Herr, ich bin nicht wert, daß du unter mein Dach gehst; sondern sprich nur ein Wort, so wird mein Knecht gesund. Denn ich bin ein Mensch, dazu der Obrigkeit untertan und habe unter mir Kriegsknechte; noch wenn ich sage zu einem: Gehe hin, so geht er; und zum anderen: Komm her, so kommt er; und zu meinem Knecht: Tu das, so tut ers. Da das Jesus hörte, verwunderte er sich und sprach zu denen, die ihm nachfolgten: Wahrlich, ich sage euch, solchen Glauben habe ich in Israel nicht gefunden. Aber ich sage euch: Viele werden kommen vom Morgen und vom Abend und mit Abraham und Isaak und Jakob im Himmelreich sitzen. Aber die Kinder des Reichs werden ausgestoßen in die äußerste Finsternis hinaus, da wird sein Heulen und Zähneklappen. Und Jesus sprach zu dem Hauptmann: Gehe hin, die geschehe, wie du geglaubt hast. Und sein Knecht ward gesund zu derselbigen Stunde. Im heutigen Evangelium werden uns zwei Stücke vorgehalten: das erste von dem Aussätzigen, welchen der Herr rein macht; das andere von einem Hauptmann, der einen kranken Knecht hatte. Solche Wunderzeichen, meldet der Evangelist, habe Christus bald nach der langen Predigt auf dem Berge getan. Denn also sollte es gehen, daß er erst Predigt und danach solche Predigt mit Wunderwerken bezeugt, daß jedermann darüber urteilen kann, daß die Predigt recht und nicht falsch ist, und desto eher geglaubt wird. Wir bedürfen, Gott Lob! Der Wunderzeichen nicht; denn die Lehre ist bereits mit Wunderzeichen so bezeugt, daß niemand daran zweifeln soll. Aber dennoch will es besonders mit denen, die das Wort führen, nötig sein, daß sie nicht allein als Christen reden können, sondern auch als Christen leben, und mit dem Werk der Lehre Zeugnis geben und ihren Glauben sehen lassen. Denn das Reich Gottes stehet nicht, wie Paulus sagt, in den bloßen Worten, sondern in der Kraft. Wo nun Lehre und Werk zusammen stimmen, da schafft es Frucht. Da dagegen jedermann sich ärgern muß, wenn das Leben böse ist und sich mit der Lehre nicht reimt. Nun sind aber solche zwei Wunderwerke hier nicht allein anzusehen als Zeugnis der Lehre (denn weil es solche Werke sind, die über alle menschliche Kraft und Vermögen sind, muß die Vernunft für sich selbst schließen, wie wir an Nikodemus, Johannes 3,2, hören, daß solche Zeichen niemand tun kann, denn Gott sei mit ihm); sondern sind auch anzusehen als Beispiel des Glaubens und der Liebe. Denn wer sieht nicht, was für ein freundliches Herz unser lieber Herr Christus hat, daß er sich mit einem Wort läßt dazu bringen und hilft, wo sonst alle Welt nicht helfen kann? Das ist ja ein Zeichen, daß er es mit den armen, betrübten, elenden Leuten nicht übel meine; sonst würde er tun, wie wir tun, wenn wir unlustig und zornig sind, so man kommt und etwas von uns begehrt oder haben will, geben wir niemand ein gutes Wort. Das tut Christus nicht. Der Aussätzige hat den Mund noch nicht recht aufgetan, bald ist Christus da, rührt ihn an, und sagt, er wolle ihm gern helfen; und hilft ihm auch. Solche Gutwilligkeit soll uns nicht allein reizen, daß wir in unseren Nöten auch Hilfe bei ihm suchen und hoffen, er werde uns nicht lassen, sondern sollte uns vorleuchten, daß wir die gleiche Liebe und Freundlichkeit unserem Nächsten auch beweisen, und in solchem Werk, gleichwie Christus, auf nichts, denn auf den Gehorsam gegen Gott und des Nächsten Not und Besserung sehen. Denn Christus sucht mit solche Hilfe weder Ehre noch Gut; allein sieht er dahin, daß der arme Mensch solcher Hilfe bedarf, und das Gottes Ehre damit gefördert und ihm also der Gehorsam geleistet wird. Damit aber dienst du Gott nicht, wenn du einem etwas zu gute tust, daß er dir wieder dienen und du seiner Wohltat wieder genießen möchtest, sondern du dienst dir damit dann nur selber. Er aber Gott und seinen Nächsten recht will dienen, der sehe nicht auf seinen Nutzen, sondern nur auf die Not, die vorhanden ist, und daß es Gott haben will und so befohlen hat, daß man den Nächsten in der Not nicht soll stecken lassen, wenn man es gleich auch nie genießen, ja, noch allen Undank damit verdienen sollte. Wie wir in einer anderen Geschichte sehen, der Christus zehn Aussätzige reinigt, und nur einer kommt wieder welcher sich für die Wohltat bedankt, die anderen neun hätten ihn nicht angesehen. Das Christus solchen Undank nicht vorher gewußt hätte,, ist nicht möglich. Aber obwohl er von solchem Undank schon vorher wußte, heißt sie ihn bitten, hilft der ihnen und befiehlt das übrige Gott. So mag man auch von der Liebe sagen welche in dem Wunderzeichen mit dem Hauptmann. Christus läßt es geschehen, daß Gottes Gnade und Güte gepriesen und den armen Leuten in ihrer Not geholfen werde. Das heißt eine rechte Liebe, die auf nichts denn auf Gotteswort und Befehl sieht. Das Beispiel des Glaubens ist auch über die Maßen schön, daß der aussätzige Mensch, der sonst wegen des Gesetzes nicht unter die Leute gehen, mit ihnen in der Nähe weder reden noch anderes tun durfte, sich zum Herr Christus ohne alle Scheu findet, fällt vor ihm nieder, und bittet: «Herr, so du willst, so kannst du mich wohl reinigen.» Da sieht man beides: er glaubt fest und ungezweifelt, Christus sei so gütig und daneben so allmächtig, daß er ihm könne helfen in der Krankheit, da sonst allen Menschen und möglich war, daß sie konnten helfen; so doch er, der Herr Christus, gleichwie andere Menschen, daher ging, keine besondere Pracht noch Schein hatte; dennoch, weil er solches fest glaubt, besetzte er solche Bitte dem Herrn Christus an, wo er ihm nicht wolle helfen, das ist, so es wieder Gottes Ehre und seine Seligkeit wäre, so wollte er solchen Jammer gern dulden und tragen. Das heißt nicht allein recht glauben, sondern auch recht beten; so ist es immer bei denen: Wer recht glaubt, der betet auch recht; wer nicht recht glaubt, der kann auch nicht recht beten. Denn mit dem Gebet muß es erstlich so sein, daß das Herz gewiß ist, Gott sei so gnädig und barmherzig, daß er unsere Not gern wenden und uns helfen will. Besonders aber soll solch ein Vertrauen fest und gewiß sein in den Stücken, welche Gottes Ehre und unsere Seligkeit belangen, als da ist, Vergebung der Sünden, Rettung wider den Teufel und Tod, daß Gott seinen Heiligen Geist in unsere Herzen geben, uns in seinem Wort erhalten, in keine Anfechtung sinken, im Glauben und Liebe alle Tage zunehmen lassen will. Solche Stücke dienen vornehmlich zur Ehre Gottes und unserer Seligkeit. Darum soll das Herz nicht zweifeln, wenn man Gott darum bittet, er werde es gern geben und uns solche Bitte nicht versagen. Denn dazu bedürfen wir der Hilfe Gottes, und Gott hat sie uns in seinem Wort versprochen. Wer aber in solchen Sachen bitten wollte, wie der Aussätzige hier: «Herr, so du willst,» so vergib mir meine Sünde, mache mich selig, der betet unrecht. Denn da können wir an Gottes Willen nicht zweifeln, daß er solches tun will, weil er uns in seinem Wort seinen Willen schon offenbart hat, daß er wolle, daß jedermann selig werde, und um dieser Ursache seinen Sohn, unseren Herrn Jesum Christum, am Kreuz für aller Welt Sünde bezahlen lassen hat, und geboten, jedermann soll ihn hören, annehmen und an ihn glauben. Warum stellt der Aussätzige seine Bitte also, daß er dies Wort hinzu setzt, und spricht: «so du willst, so kannst du mich reinigen»? Hier muß man auf die Geschichte sehen, worum es geht. Zuvor habe ich gesagt, was unsere Seligkeit und ohne Mittel Gottes Ehre belangt, da dürfe man das Gebet in keinen Zweifel setzen. Denn Gottes Wille ist offenbar, daß er seine Ehre und unsere Seligkeit will ungehindert haben. Aber eine solche Meinung hat es nicht mit dem Zeitlichen. Es kann einer arm, krank und verachtet sein, und dennoch selig werden, wie es denn mit allen Christen geht. Weil nun an solchen zeitlichen Mangel die Seligkeit nicht liegt, sondern solcher Mangel kann oft zu etwas Gutem dienen, darum wer um Rettung und Hilfe bittet, der soll wohl glauben, daß Gott helfen kann und helfen wird; aber doch soll er seinen Willen in Gottes Willen setzen: wo es zu Gottes Ehre nicht dienen, oder uns an unsere Seligkeit sollte nachteilig sein, so wollten wir solch ein Kreuz gern länger tragen. Das heißt in solchen Sachen recht beten, nämlich glauben, Gott könne helfen; und dennoch Gott weder Zeit, Maß noch Ziel setzen, wie und wann er uns helfen soll. Denn es hat oft mit uns den Mangel, daß wir immer nicht wissen, was und wie wir bitten sollen; wie Paulus sagt Römer 8,26. Dagegen aber müssen wir bekennen, daß Gott wohl wisse, was zu seiner Ehre und unserer Seligkeit am besten sei. Darum sollen wir unseren Willen in seinen setzen, und nicht zweifeln, so solche Bitte zu seiner Ehre und unserer Seligkeit kommen soll, er wird uns gewiß erhören. Darum sollen wir dies Beispiel wohl merken, daß wir auch also lernen beten, und ja in unseren Herzen keinen Zweifel haben, Gott sei uns gnädig, er wisse wohl unsere Not und Jammer, und wolle unsere Not und Anliegen sich befohlen lassen sein. Solches sollen wir fest glauben, und dennoch uns herunter werfen und sprechen: Herr, du weißt Zeit und Stunde, darum tue, was mir nütze und deinen Namen Ehre ist. Wie der Aussätzige hier auch tut: das Christus ihm helfen könne, da zweifelt er nicht daran; das sei ihm helfen wolle, da zweifelt er auch nicht daran; denn sonst würde er ihn nicht angeschrien haben, wenn er an seinem Willen einen Zweifel gehabt hätte. Aber neben dem muß er bekennen, daß ihm nicht gebühren wolle, Ort, Stunde, Weise und Wege zu bestimmen, wann und wie ihm geholfen werden soll. Solcher Glaube und Gehorsam gefällt dem Herrn Christus sehr wohl; darum hilft er dem Armen eben zu der Stunde, an dem Ort und auf die Weise, da er es nicht hätte begehren dürfen. Daher kommen die schönen Sprüche aus den Propheten, Psalm 27, 14.: «Harre des Herrn, sei getrost und unverzagt, und Harre des Herrn»; Psalm 130,5. 6.: «meine Seele wartet auf den Herrn, von einer Morgenröte zur anderen»; Habakuk 2,3: «ob die Verheißung verzieht, so harre ihrer, sie wird gewißlich kommen, und nicht verziehen.» Denn das sieht man in allen Geschichten, daß die Hilfe endlich kommt, wenn es auch eine Zeit dauert. So hat Gott eine besondere Rechnung darauf. Denn darum erhört er nicht so schnell, und verzieht die Hilfe, auf das er Ursache hat, mehr und reichlicher zu geben, als wir beten oder verstehen können, wie Paulus sagt in Epheser 3,20. Was meint aber der Herr damit, nachdem er den Aussätzigen rein gemacht hat, daß er ihn zum Priester schickt, und heißt ihn das Opfer bringen, wie Moses befohlen hat? Es ist nicht falsch geantwortet, daß man sagt: Der Herr Christus habe in diesem Fall uns ein Beispiel der Liebe vorgestellt; weil er, der doch die Macht hatte, den Priestern das nicht entziehen will, was ihnen von Gott gegeben und gegönnt war; das wir auch jedermann bei seinem Rechten bleiben lassen, und niemand was ihm gebührt, entziehen sollen. Aber die vornehmste Ursache dieses Befehls geht dahin, daß der Herr sein Wunderwerk öffentlich bezeugt haben will, auch von seinen Feinden. Denn daß der Priester das Opfer von diesem annimmt, und gibt ihm das Zeugnis, er sei rein, das dient dazu, daß er und alle Menschen Christum sollten angenommen und an ihn geglaubt haben, als den rechten Messias. Denn da standen die Prophezeiungen, Christus sollte solche Wunderwerke tun, wenn er in die Welt kommen würde. Darum führt der Herr diese Worte, und spricht: «Opfere die Gaben, die Moses befohlen hat, zum Zeugnis über sie.» Als sollte er sprechen: Sie werden bekennen müssen, du bist rein und dir sei recht geholfen; daß sie aber dennoch an mich nicht glauben und mich für den Messias halten und annehmen wollen, das ist lauter verstockter Mutwille, der soll wohl gerächt werden. Das Zeugnis aber soll wieder ihnen anderen dienen, daß sie mich annehmen und an mich glauben. Der Papst hat aus diesem Befehl die Beichte gründen wollen, weil die Sünde dem Aussatz verglichen werden kann, daß man sich dem Priester zeigen und also von Sünden reinigen lassen soll. Aber es ist ein sehr fauler Grund. Denn was geht es uns an, was Gott den Juden des Aussatzes wegen geboten hat? Haben wir doch keine solchen Priester. Und wenn wir es schon hätten, so ist es gewiß, die Priester haben die Aussätzigen nicht rein gemacht; sondern wenn sie rein gewesen sind, so haben sie ihnen das Zeugnis gegeben, daß sie rein sind. Wie reimt sich aber das auf die Beichte, weil man sie dafür hält, daß sie zur Vergebung der Sünden sei? Denn die Aussätzigen haben den Priestern nicht den Aussatz, sondern einen schönen reinen Leib zeigen sollen, wenn sie mit dem Opfer vor den Priester gekommen sind. Aber es ist nicht nötig, solche faulen Zoten zu widerlegen. Wer da beichten will, der mag es tun. Wir wissen aber nur von einer rechten und nötigen Beichte, wenn das Herz sich gegen Gott auftut und seine Sünde bekennt. Das ist eine Herzensbeichte, die nicht lügt, wie die Ohren- oder Mundbeichte. Dennoch macht solche Beichte, so gegen Gott geschieht, nicht rein noch fromm; wie könnte es denn die Ohrenbeichte tun? Das aber macht rein und fromm, daß man sich mit dem Glauben an den Herrn Jesu und sein Wort hält, und glaubt in Namen Jesu Vergebung der Sünden, wie dies uns im Wort zugesagt wird. Das sei genug von diesem ersten Beispiel. Das andere Wunderwerk mit dem kranken Knecht ist auch ein Zeugnis der Lehre Christi, daß man bekennen muß, weil Gott mit Wunderwerken es geschehen läßt, daß seine Lehren, recht und gut, und er der rechte Messias oder Christus sei. Aber daneben ist hier ein gutes Beispiel, hohen und großen Glaubens in dem Hauptmann; wie denn der Herr selbst solchen großen Glauben rühmt, daß er desgleichen in Israel und unter dem heiligen Volk nicht gefunden habe. Solchen Glauben spürt man besonders in dem, daß dieser Hauptmann, obwohl er kein Jude war, sondern Heide, dennoch zum Herrn Christus schickt, in vollem Vertrauen, er werde ihn nicht ohne Hilfe lassen; sondern wie er könne, ganz bestimmt helfen. Denn wo diese Zuversicht nicht fest in seinem Herzen gewesen wäre, so würde er, wie Lukas schreibt, die ältesten der Juden nicht bemüht und zu Jesus geschickt haben. Daß er sie aber zu ihm geschickt, ist ein Zeichen, daß er hofft, er wolle etwas bei ihm erlangen. Bei solchem Vertrauen und Glauben steht eine sonderliche und hohe große Demut, daß er sich nicht würdig achtet, daß er selbst zu Christus gehen und ihn bitten soll: sondern schickt zur erst die ältesten der Schulen, und danach, wie er hört, daß der Herr komme, schickt er, wie Lukas sagt, seine Freunde ihm entgegen, läßt ihn bitten, er wolle sich nicht bemühen; denn er erkenne sich unwürdig, daß der Herr ihm nachgehen soll. So könne er, der Herr, die Sache, darum er gebeten sei, mit einem Wort ausrichten, ob er gleich nicht persönlich da sei. Solches glaubt dieser Hauptmann so gewiß, daß er sein eigen Beispiel dazu anzeigt, und spricht: «Ich bin ein Mensch, der Obrigkeit untertan, und habe Kriegsknechte unter mir, und spreche zu einem: Gehe hin, so geht er hin; zum anderen: Komm her, so kommt er; und zum einen Knecht: Tu das, so tut ers.» Ist nun mein Wort so kräftig, der ich ein Mensch bin; wieviel mehr muß kräftig sein, spricht er zu Christus, wenn du ein Wort sagst! Das heißt nicht allein glauben, sondern vom glauben und seiner Art auf das beste und herrlichste predigen und lehren. Darum wäre es wohl zu wünschen, daß wir an Christum dermaßen auch glauben könnten, der durch sein Wort so reichlich bei uns wohnt, ob wir gleich seine Person nicht sehen. Ein sehr feines Beispiel ist es, daß dieser Mann so gewiß auf das Wort Christi bauen kann. Erstlich hofft er von Christus alles Gute; danach bittet er nicht mehr, denn er soll nur ein Wort sagen. Auf dasselbe beharrt er mit höchstem Vertrauen und Freude, als auf den einzigen Schatz; wenn er den habe, daß seinem Knecht nichts mehr fehlen, sondern er frisch und gesund sein werde. Das lerne ihm nachtun, der du das Wort schon hast. Denn da sind die tröstlichen Zusagungen das Gott durch Christum gnädig sein, und wir durch den Glauben an Christum Vergebung der Sünden und das ewige Leben haben sollen. Aber es mangelt uns an dem Herzen, daß dieser Hauptmann hier hat; der denkt: Wenn ich das Wort habe, so habe ich alles, so wird sobald folgen, was das Wort zugesagt. Solches können wir nicht tun; darum folgt, daß wir das Wort nicht achten und dieweil auf andere Dinge gaffen; so doch das Wort allmächtig ist und, wie dieser Hauptmann hier glaubt, nicht lügen kann. Was er verheißt, daß soll gewiß so geschehen und uns widerfahren. Nun ist aber solcher Glaube auch darum um so mehr zu preisen, daß dieser Hauptmann ein Heide ist, der keine Verheißung hat wie die Juden, der darf deswegen die Ehre sich nicht anmaßen noch rühmen, welche die Juden, als das Volk Gottes, hatten. Denn das ist es Glaubens eigene Art, daß er demütige Herzen macht, die von sich nicht viel halten noch hoffärtig sind, und deswegen sich an die bloße Gnade und Barmherzigkeit Gottes hängen. Über solches sollen wir uns trösten, auf das wenn dieser Gedanke in unserer Herzen auch kommt, daß wir bekennen müssen, wie wir arme, elende Sünder sind, und uns keiner Würdigkeit noch Verdienstes rühmen können: wir aber dennoch nicht verzagen, sondern uns an die Verheißung Gottes hängen und seiner Gnade begehren. Solches gefällt Gott wohl, und will es von uns haben. Denn sonst wäre und hieße es nicht Gnade, wenn wir nicht immer unwürdig und unverdient zu der Verheißung kämen. Wie dieser Hauptmann: der kann nicht rühmen, wie die Juden, daß ihm Gott etwas schuldig sei; darum darf er selbst nicht vor den Herrn Christum, sondern denkt: Mit mir ist es verloren, ich muß anderen Leute schicken; hält aber dennoch fest an dem: Der Mann ist so gütig und freundlich, er wird mich nicht lassen. Das heißt und ist ein rechter Glaube und rechte Demut, daß man sich der Unwürdigkeit wegen fürchtet, und dennoch nicht verzagt. Denn Gott will beides von uns haben: daß wir zum einen nicht stolz sein sollen; und zum anderen, daß wir nicht verzweifeln, sondern auf die Gnade warten sollen; wie der Psalm 147,11 sagt: «der Herr hat Wohlgefallen an denen, die ihn fürchten, und die auf seine Güte warten.» Solches taten Juden nicht, die dachten bei sich: das Gott ihnen günstig wäre und alles Gute für sie täte, das müßte er so tun; denn sie meinten sie hielten sich nach seinen Willen, und verdienten es darum; wurden stolz und sicher, und verachteten die Gnade. Darum fällt der Herr so ein schweres Urteil über sie und spricht: «viele werden kommen vom Morgen und vom Abend, und mit Abraham und Isaak und Jakob im Himmelreich sitzen. Aber die Kinder des Reichs werden ausgestoßen in die Finsternis hinaus, da wird ein Heulen und Zähneklappen sein.» Das macht der schändliche Unglaube, daß sie so hoffärtig sind und die Gnade verachten. Darum, es ihnen wenig hilft, daß sie Abrahams Same sind; ebensowenig soll es den Heiden schaden, daß sie nicht Abrahams Kinder sind, wenn sie nur an Christum mit festem Glauben halten und nach der Gnade und Barmherzigkeit seufzen. Denn dazu hat Gott Lust, daß er die, die satt sind, läßt hungern; wiederum aber die Hungrigen sättigen will, unangesehen, es sind Heiden oder Juden. Denn vor Gott gilt weder Heide noch Jude, weder Beschneidung noch Vorhaut, sondern allein der Glaube an Christum, daß man in aller Demut sich herunter werfe und nichts denn Gnade begehre. Also lehrt dies Evangelium neben der Liebe sehr fein vom Glauben, was für eine Art er sei, wie er sich an das Wort halte, auf die Gnade Gottes in aller Demut harre. Wer solches tut, dem wird es gelingen, wie dem Aussätzigen und danach diesem feinen Hauptmann, daß ihm geschehen wird, wie er glaubt; das ist, gleichwie er allein Gottes Güte und Gnade im Herzen hat, derselben begehrt und sich darauf verläßt: also will Gott allein nach Gnaden mit ihm handeln, ihn annehmen und ihm helfen. Gott verleihe uns seinen Heiligen Geist, der solche Zuversicht auf die Gnade durch Christum in unsere Herzen auch erwecken und also uns zur Seligkeit führen wolle, Amen   Am Sonntag Laetare Johannes 6,1-15 Danach fuhr Jesus weg über das Meer an der Stadt Tebrias in Galiläa. Und es zog ihm viel Volks nach, darum, daß sie die Zeichen sein, die er an den Kranken tat. Jesus aber ging hinauf auf einen Berg und setzte sich daselbst mit seinen Jüngern. Es war aber nahe die Ostern, der Juden Fest. Da hob Jesus seine Augen auf, und siehet, daß viel Volks zu ihm kommt, und spricht zu Philippus: Wo kaufen wir Brot, daß diese essen? (Das sagte er aber, ihn zu versuchen; denn er wußte wohl, was er tun wollte.) Philippus antwortete ihm: Zwei Hundert Pfennig Wert Brots ist nicht genug unter sie, daß ein jeglicher unter ihnen ein wenig nehme. Spricht zu ihm einer seiner Jünger, Andreas, der Bruder Simon Petri: Es ist ein Knabe hier, der hat fünf Gerstenbrote und zwei Fische; aber was ist das unter so viele? Jesus aber sprach: Schaffet, daß sich das Volk lagere. Es war aber viel Gras an dem Ort. Da lagerten sich bei fünftausend Mann. Jesus aber nahm die Brote, dankte, und gab sie den Jüngern, die Jünger aber denen, die sich gelagert hatten; desselbigen gleichen auch von den Fischen, wie viel er wollte. Da sie aber satt waren, sprach er zu seinen Jüngern: Sammelt die übrigen Brocken, daß nichts umkomme. Da sammelten sie, und füllten zwölf Körbe mit Brocken, von den fünf Gerstenbroten, die über blieben denen, die gespeist worden. Da nun die Menschen das Zeichen sahen, daß Jesus tat, sprachen sie: Das ist wahrlich der Prophet, der in die Welt kommen soll. Da Jesus nun merkte, daß sie kommen würden und ihn haschen, daß sie ihn zum König machten; entwich er abermal auf den Berg, er selbst alleine. Dieses ist von den Evangelium eines, darum unser lieber Herr Christus seine Christen lehrt, wie sie ihm trauen sollen, daß er sie nicht Hungers sterben, sondern durch seinen Segen ihnen alles genug schaffen wolle, was sie bedürfen. Darum ist eine solche Predigt, welche die Geizigen, die nichts anderes können, denn auf ihren Nutzen denken, nicht wert sind, daß sie es hören, viel weniger, daß sie es glauben sollen. Denn sie hören wohl, wie der Herr hier durch seinen Segen ein großes Wunderwerk getan habe; aber sie wollen es dazu nicht kommen lassen, daß er es mit ihnen auch tun möge. Darum geizen sie, und stellen sich immer so, als könnte oder wollte Christus solch ein Wunder mit ihnen nicht tun, sondern müßten sich selbst versorgen und alles bedenken, sonst möchten sie verloren sein. Mit solchen Leuten hat Christus nichts schaffen. Die aber, die sich an sein Wort halten, tröstet er hier, nicht mit Worten, sondern mit dem Werk, er wolle ihnen zu essen schaffen; auf das wir ja nicht zweifeln, noch denken sollen, wie wir uns ernähren, sondern unser Herz und Vertrauen auf Christum stellen. Solcher Glaube wird uns nicht fehlen. Denn da will Christus bei uns sein, und das Vermögen zu uns bringen, wo gleich nicht mehr denn fünf Brote da sind, daß er es doch so segnen will, daß fünf Tausend Mann, ohne Weib und Kind, sollen satt werden, und dazu noch weit mehr überbleiben, denn im Anfang da gewesen ist. Denn zuvor war kaum ein halber Korb voll Brot da; und bleiben doch zwölf Körbe mit Brocken davon über. Das ist die Summe der Lehre des heutigen Evangeliums: Wir sollen fromm sein, und dem Wort Gottes mit Fleiß nachgehen wie diese Leute hier, und glauben: so will Gott dafür sorgen, daß wir Essen kriegen und Nahrung finden. Wie man in der Geschichte hier sieht, daß ob sie gleich nicht alle fromm sind, weil doch etliche rechte, fromme Herzen darunter sind, und mehr daran denken, wie sie zum Wort kommen können, denn essen, daß der Herr für sie sorgt, und schafft ihnen ohne ihre Gedanken, daß sie auch zu essen haben. Als wollte er sagen: Mein lieber Mensch, lerne und suche am ersten das Reich Gottes, höre mein Wort, glaube an mich, und tue mit Fleiß, was dir zu tun in deinem Stande befohlen ist; so lasse mich für das Übrige sorgen. Bist du nicht reich, so will ich dir doch genug schaffen. Denn Gold, Silber, Geld, Steine kannst du ja nicht essen, es muß Brot sein, daß aus der Erde wächst. Ob du nun aus der Erde das Brot nicht bekommen kannst, weder Haus noch Hof, Acker noch Garten hast: glaube nur und folge mir nach, du sollst Brot genug haben. Dies erfährt man und sieht ist täglich vor Augen. Ein armer Schüler, der fleißig und fromm ist, aus den kann Gott wohl einen großen Doktor machen. Eine arme Dienstmagd, die gottesfürchtig ist und ihrer Herrschaft treu dient, der schenkt Gott einen frommen Mann, gibt ihr Haus und Hof. Von diesen Beispielen sieht man täglich viel, wie Gott armen Leuten hilft. Dagegen die, so Gott nicht fürchten, sein Wort nicht achten, und sonst auch untreu und nicht fleißig sind, müssen arme Bettler bleiben, und können ihr Lebelang auf keinen grünen Zweig kommen. Darum ein böser Bube, der nicht fleißig lernen, böse, mutwillig und untreu sein will, der soll wissen, daß ihn unser Herr Gott gehen läßt, in einen Krieg, wo er vielleicht erstochen oder erschossen wird, oder einen Henker oder sonst einen schlechten Menschen werden läßt. Also eine Magd, die nicht gottesfürchtig sein, sich nicht züchtig halten, nicht gehorsam sein, die läßt Gott in Sünde und Schande fallen, daß ihr Lebelang nichts aus ihr wird. Dieses ist dann rechter verdienter Lohn. Warum sind sie nicht fromm, und glauben an Christum, folgen seinem Wort? So würde Christus bei ihnen sein, und sagen: laß mich sorgen, wie ich dich empor hebe, zu Ehren bringe und reich mache. Das also dies Evangelium uns lehrt an Christum glauben, daß er uns erhalten und genug geben wolle, wenn wir nur fromm sind, auf sein Wort sehen, und mit diesen Leuten hier demselben nachgehen, und etwas darum wagen und leiden. Denn das Werk, daß der Herr hier übt, ist gleich als eine Predigt, als wollte er sprechen: Bist du gottesfürchtig fromm, läßt dir sein Wort lieb sein, so will ich dir zu essen geben, ich will dich nicht verlassen, ich will ganz gewiß etwas aus dir machen. Wo du aber nicht fromm sein willst, mein Wort verachten, oder sonst dich unrecht verhalten, und du dann ein Bettler bleibst; diese Schuld ist dann niemand andere als deine eigene. Oder, ob du schon reich wirst, so mußt du doch zum Teufel, und soll dir dein Geld und Gut nicht helfen. Daß es also so beschlossen sein soll: Wer Gottes Wort verachtet, und nicht tun will, was Gott sagt, da will Gott wiederum nicht tun, was er gern hätte und wohl bedürfte. Solches will der Herr hier uns lehren, daß er mit fünf Broten 5000 Mann, die zu ihm in die Wüste gegangen, mit Weib und Kind speiset, denn an Weib und Kindern sind auch wohl noch bei 5000 gewesen; die haben alle genug und bleibt auch noch viel über. Das heißt nicht mit Worten predigen, wie er bei Matthäus 6,33 tut, als er spricht: «Suchet am ersten das Reich Gottes, so soll euch das andere alles zufallen»; sondern mit der Tat. Als wollte er sagen: Ich bin reich und kann dich wohl nähren; siehe nur du zu, sei fromm, halte dich an Gottes Wort und folge ihm: dann laß mich sorgen, wo du zu essen findest. Das ist die Lehre vom Glauben, so viel wie uns im heutigen Wunderwerk vorgetragen wird. Aber neben solcher Lehre und Trost sind hier zwei Stücke, welche der Evangelist besonders anzeigen will: das erste, daß der Herr die Jünger fragt wie sie über ihn denken; das andere, daß er sagt sie sollen die Brocken aufheben, und will nicht, daß etwas vergebens umkomme. Soviel nun die Jünger Philippus und Andreas betrifft, sieht man, was die Ursache ist: obgleich der Herr durch solchen wunderbaren Segen und zum Glauben reizt, daß dennoch solcher Glaube nicht richtig voran kommen will. Denn es fehlt uns an allen, woran es auch den Jüngern hier fehlt, daß wir nur dahin sehen, wieviel wir bedürfen. Wieviel aber Christus mit seinem Segen geben könne, da können wir nicht hinsehen. Philippus schätzt die Zahl ziemlich genau. Er sagt: Man müsse für 200 Pfennig Brot haben, wenn ein jeder nur ein wenig haben soll. Das ist nach unserer Rechnung heute nicht viel Geld, doch war es damals für die mehr als 5000 Menschen, dazu Weib und Kinder, keine kleine Menge an Geld, auch hat Philippus nicht übermäßig viel Brot für alle gerechnet, sondern nur so viel das der gröbste Hunger gestillt würde. So hat Philippus die Rechnung auch fein und gut gemacht, genau wie wir, denn was wir für unseren Haushalt in einer Woche oder einem Jahr brauchen, daß können wir schnell überschlagen. Aber wenn wir sehen, daß nicht genug Geld da ist, werden wir darüber traurig und kleinmütig, und denken, wir müssen von Haus und Hof lassen, oder gar des Hungers sterben. Also geht es mit Andreas auch: der sieht, wie der Herr dem armen Volk gern helfen will, zeigt deshalb an, es sei ein kleiner Vorrat da, als, fünf Brote und zwei Fische. Als er aber an den großen Haufen, an so viel hungrige Bäuche denkt, ist ihm solcher Vorrat, gleich als wäre nichts da. Was soll das, spricht er, unter so viel? Läßt also wegen seiner Rechnung den Glauben fallen und denkt, es ist dem Volk hier nicht zu helfen. Das ist nun der allgemeine Mangel, den wir noch heute, nicht allein der Nahrung wegen, sondern auch sonst in allerlei Nöten und Anstößen fühlen, daß wir die Rechnung immer machen können, was wir bedürfen, was uns nötig wäre, daß uns Rat geschafft und geholfen würde. Wenn es aber nicht alles da ist, wie wir es gern hätten, so haben wir von solcher Rechnung nichts anderes, denn Unmut und Traurigkeit. Und es wäre viel besser, wir ließen es Gott machen, und dächten nicht daran, was wir bedürfen. Da würde dann nur ein Mangel sein, wenn sich die Not finden würde; und wir mit unseren Sorgen nicht weiter können. Weil die Sorgen über uns herrschen, fressen und nagen uns die Gedanken vor der Not auf, die doch alle vergebens sind. Denn wir werden uns nie reich denken noch sorgen. Wir können uns wohl krank, elend, toll und töricht denken und sorgen, wie man in täglichen Beispielen sieht. Weil nun unsere Vernunft gar nicht anders kann, denn genau rechnen, und dahin sehen, was wir bedürfen, und solches dem Glauben ganz entgegen ist, hat der Evangelist solches nicht verschweigen wollen, auf das wir an der Jünger Beispiel lernen sollen, wie solche Rechnung so ganz und gar falsch und vergebens ist. Der Vernunft nach denken Philippus und Andreas recht, und es ist unmöglich, daß ein vernünftiger Mensch anders denken könnte, oder eine bessere Rechnung machen. Aber wir Christen haben nicht allein Vernunft, sondern haben auch das Wort Gottes. Sollen darum nicht allein genau rechnen, sondern auch gewiß Glauben können. Und wenn wir mit der Rechnung nicht zurecht kommen können, da sollen wir uns an das Wort und an den Glauben halten. Denn siehe, was ein Christ für einen Speisemeister und Haushalter hat an dem Herrn Jesus Christus. Wir können nicht mehr und nicht länger geben, als wir etwas haben. Aber da sagt Johannes von Christus: Er gab vom Brot und Fischen, nicht wie viel da war, sondern wieviel er wollte. Da denke nicht, daß er es allein damals getan habe und wolle es nun nicht mehr unter seinen Christen tun. Denn wie zuvor gemeldet, sehen wir Beispiele dieses Segens auch heute alle Tage: nicht allein mit der Nahrung, daß Gott armen, dürftigen, geringen Leuten, die ihn fürchten und sein Wort lieb und wert haben, Nahrung gibt und noch viel weiter hilft; auch in anderen Nöten, daß er Rat schafft über und über. Denn er ist allmächtig, und hat uns Hilfe und Rettung zugesagt. Darum liegt es nur allein daran, wo uns die Rechnung fehlt, daß wir uns an den Glauben und an das Gebet halten, und uns darüber trösten, daß wir einen solchen Gott haben, der nicht allein einen kleinen Vorrat durch seinen Segen größer macht, wie er der Witwe zu Sarepta Mehl und Öl wunderbar und unverhofft mehrte: sondern er kann auch wohl aus nichts alles machen. Diesen Trost sollen wir wohl merken, und wie Christus in Matthäus 6 sagt, dahin besonders trachten, daß wir am ersten das Reich Gottes und seine Gerechtigkeit suchen. Das andere, was wir zu unserem Unterhalt bedürfen, da sollen wir unseren Vater im Himmel für sorgen lassen, der will es den Seinen, wie der Psalm 127,2 sagt, schlafend geben, das ist, sie sollen den Segen haben, und doch nicht wissen, wie und wo er herkommt auch; wie es auch hier zugegangen ist. Denn es ist ein solches Wunderwerk gewesen, daß das Brot und die Fische unter den Händen dem Herrn Christus gewachsen sind, wenn er ein Stück in zwei Teile gebrochen, und den anderen Teil von sich gegeben hat, ist dasselbe Teil noch einmal so groß geworden. Solches wollte der Herr uns gern in die Augen und Herzen bilden, daß wir doch lernen möchten ihm zu trauen, und nicht allein die Rechnung nach dem machen, daß wir vor Augen sehen oder dem Vorrat haben. Wir sehen, wie jämmerlich es jetzt überall in der Welt steht. Der Türke feiert nicht, kommt immer näher zu uns. Wir aber wachsen von Tag zu Tag, je länger je mehr in Uneinigkeit, nehmen dazu an Leuten und am Geld ab. So feiert der Papst auf der anderen Seite auch nicht, der ist unserem Evangelium so feind, als der Türke der Christenheit. Darum ist kein Aufhören bei ihm und seinem Haufen, nehmen sich immer etwas anderes vor, wie sie die rechte Lehre dämpfen und die alte Abgötterei wieder aufrichten können. Wenn nun ein Christ solch einen Handel sieht, bleibt die Anfechtung nicht aus; Vernunft fängt an zu rechnen und der Sache nachzudenken, sucht Mittel und Wege, wie der Sache wohl zu helfen sei. Weil sich aber Mittel und Wege nicht finden, ist es unmöglich, daß nicht ein Herz darüber betrübt werden sollte, und darüber verzweifeln, als müßte es alles zu Boden gehen und brechen. Weil aber solche Anfechtung nicht ausbleibt (denn Fleisch und Blut kann anderes nicht, wenn wie seine Art ist), so sollen die Christen lernen, wo die Rechnung nicht stimmt, daß sie sich an das Wort halten, und anfangen zu glauben. Was sagt aber das Wort? Also, was sollen wir in solcher Not glauben? Das sollst du glauben, daß Christus die Welt überwunden hat, und daß die Pforten der Hölle seine Gemeinde nicht überwältigen sollen, Matthäus 16,18.; «die Augen des Herrn sehen auf die Gerechten, und seine Ohren auf ihr Gebet,» Psalm 34,16; «wer ist, der euch kann Schaden tun, so ihr dem Guten nachkommt? Und ob ihr auch leidet um Gerechtigkeit willen, so seid ihr doch selig,» 1. Petrus 3,12-14. «Der Herr weiß die Gottseligen aus der Versuchung zu erlösen; die Ungerechten aber zu behalten zum Tag des Gerichts, zu peinigen,» 2. Petrus 2. 9; wie Petrus auch hier mit dem Beispiel des frommen Lot zu Sodom beweist. Wer also Gottes Wort und Zusagung vor sich nimmt und fest darauf baut, dem wird die Rechnung, auch wenn sie ihm fehlt, nicht kleinmütig machen können, noch in Verzweiflung bringen. Denn er sieht einen Herrn über sich, der mitten unter seinen Feinden herrsche, und Lust dazu hat, wo man seinem Wort nicht weichen und seine Christen nicht zufrieden lassen will, daß er seinen Namen und Macht alsdann an seinen Feinden beweise, und alles zu Boden stößt, was sich gegen ihn auflehnt; wie er Pharao und den Ägyptern getan hat. Also kommt man durch die Hilfe des Wortes dahin, daß man Hoffnung haben kann, wo gleich keine Hoffnung ist. Denn Vernunft, weil sie keine Hilfe sieht, muß verzagen. Aber das Wort, das zeigt eine gewisse Hilfe, sofern wir nur an dem Wort treu halten, fromm bleiben und Gott anrufen. Wer aber gottlos ist, in Sünden und bösen Gewissen lebt, und dennoch sich auf Gottes Zusagung, mit welchem er die Frommen tröstet, verlassen wollte, der hat weit gefehlt. Das ist nun der Mangel hier an den Jüngern, daß sie wohl fein rechnen können; sie wollen aber nicht glauben noch sehen, was für einen Herrn sie an Christus haben. Sonst würde Philippus gesagt haben: «Für 200 Pf Brot ist nicht genug, daß ein jeder unter ihnen ein wenig nehme»; aber Gott Lob, daß wir dich bei uns haben, mein lieber Herr Jesus; denn durch deinen Segen und Hilfe, obwohl wir keinen Pfennig haben und in der Wüste sind, wollen wir doch genug Brot haben; denn du kannst eine Kunst, die andere Menschen nicht können. Andreas würde auch also gesagt haben: «Es ist ein Knabe hier, hat fünf Gerstenbrote und zwei Fische»; wenn ich es austeilen sollte, so würde es kaum für zehn genug sein; aber wenn es durch deine Hand geht, so werden diese alle zu essen genug haben, und wird noch viel überbleiben. Solches würde das Wort durch den Glauben sie gelehrt haben. Weil aber Wort und Glauben durch das genaue Rechnen verschwunden ist, sieht man, daß sie keine Zuversicht zum Herrn haben, daß der hier raten könne. Darum heißt es also: Willst du ein Christ sein und kannst dein Rechnen nicht lassen, so nimm das Wort vor dich, halte fest daran und lerne ihm glauben; sonst ist dir nicht zu helfen. Wo nun unser lieber Herr Christus durch seinen Segen sich also bei uns sehen läßt, da sollen wir, wie er die Apostel hier heißt, die Brocken aufheben und nichts umkommen lassen. Denn wie unsere Vernunft im Mangel nur rechnen und nicht glauben will: also wo der Segen Gottes reichlich ist, da kann und will die Welt sich auch nicht danach richten. Etliche mißbrauchen diesen Segen zum Überfluß; wie man sieht, wenn ein Jahr viel Wein bringt, so denkt jedermann, Gott habe es darum gegeben, daß man mehr saufen und umbringen soll. Aber es hat die Meinung gar nicht. Man soll Gottes Segen fleißig aufheben, und nicht verschwenden, sondern auf die künftige Not sparen. Wie Joseph den König von Ägypten lehrt, er soll die sieben guten Jahre dazu brauchen, daß er die sieben bösen Jahre sich und sein Land vor dem Hunger erretten möchte. Also, wo Gott ein Jahr diesem oder einem anderen Handwerk Glück gibt, daß sein Geschäft gut geht, solchen Segen soll man fleißig sparen, und nicht denken, man wolle darum mehr verzehren. Nein, Gottes Segen soll immer in Ehren gehalten und auf künftige Not gespart werden. Weil man es aber nicht tut, sondern den Segen Gottes so schändlich zu Sünden und Schanden mißbraucht, treibt man Gott mit solcher Unart, das er an sich halten, und wo ein gutes Jahr gewesen ist, zwei oder drei böse Jahre darauf geben muß. Denn wie kann Gott sonst der schändlichen bösen Welt und den schrecklichen Mißbrauch wehren? Etliche aber mißbrauchen diesen Segen in dem Stück, daß sie immer nur zur Seite legen und sparen, wenn schlechte Jahre sind, daß sie in der teuren Zeit ihre Nutzen daraus schaffen; die Armen drücken um so ihren Nutzen und Gewinn zu steigern. Das sind auch böse schädliche Leute, die sich gewiß keiner Gnade Gottes sicher sein können, oder sie bessern sich denn; sonst ist es unmöglich, daß Gott nicht heftig über sie zürnen sollte. Denn daß der Herr die Brocken, so über geblieben waren, heißt aufheben, daß will er nicht so verstanden haben, daß man darüber geizen sollte; sondern das du deinem Nächsten zur Not damit dienen, und den armen Leuten, denen es mangelt, leichter helfen kannst. Willst du aber Korn, Wein und anderes darum zu billiger Zeit kaufen und sammeln, wenn es teuer wird, daß du andere Leute damit drücken, deinen Gewinn damit erhöhen, gerade als hätte Gott darum ein gutes Jahr dir gegeben, daß du es allein genießen, und mit anderer Leute Schaden deinen schändlichen Geiz zu mehren. Darum muß Gott hier seine Strafe auch gehen lassen. Der auf sein Wort traut, haben wir gehört, ob er gleich mangelt, so will Gott mit seinen Segen da sein, daß sich das Wenige reichlich vermehrt und noch überbleiben soll. Wiederum, wer scharrt und kratzt, und Gottes Segen zu seinem Geiz mißbrauchen will, den straft Gott so, ob er gleich viel hat, daß es doch alles zerrinnen, und ihm bei aller Fülle nichts anderes sein soll, als wäre er der ärmste Bettler. Wie man denn sieht und erfährt, das die Geizhälse und Wucherer arme elende, geplagte Leute sind. So sauer es ihnen wird, bis sie etwas zuwege bringen: so sauer, ja, viel saurer wird es ihnen, bis sie denken, wie sie es teuer wieder an den Mann bringen. Wenn nun ein Unfall, wie es häufig geschieht, sich zuträgt, daß das Korn auf dem Boden lebendig wird, der Wein im Keller läuft, oder sonst ein Unglück zuschlägt: da haben sie das größte Herzeleid, sie wissen nicht wo aus, nagen und fressen sich das Herz auf; können also über ihren Gewinn nicht froh werden, sondern wenn es ein wenig anders kommt als sie denken, so haben sie die größte Sorge, Mühe, Arbeit und Krankheit davon zum Lohn. Wer wollte aber nicht tausend Mal lieber ein wenig mit Frieden und fröhlichem Herzen, denn viel mit so ängstlicher Unruhe, Sorge und Kümmernis haben? Besonders so man bedenkt, wie der Teufel nicht weit von solchen Leuten ist, und oft sie so voll und töricht macht, wenn das Korn oder der Wein nicht teurer sondern dazu noch billiger wird, daß sie hingehen, und sich vor lauter Leid aufhängen oder sonst umbringen, daß Gott armen Leuten Essen und Trinken beschert. Da folgt denn auf solchen zeitlichen Jammer ein ewiger Jammer. Das hat man davon, wenn man Gottes Segen zum Geiz mißbrauchen will. Verschwenden soll man ihn nicht, sondern genau und fleißig aufheben; auf das wo Mangel einmal kommt, wir anderen armen, dürftigen Leuten um so mehr helfen können. Denn das unser Herr Gott einem mehr beschert denn dem anderen, geschieht nicht darum, daß wir es allein zu unserer Hoffart und Wollust mißbrauchen, sondern daß wir desto billiger anderen, die es bedürfen, helfen und für sie und uns aufsparen sollen. Also haben wir eine tröstliche Lehre, wie wir in Nöten auf unseren Herrn Christum sehen, uns zu seinem Wort halten, und von ihm den Segen erwarten sollen. Gott verleihe seine Gnade, daß wir von Tag zu Tag je länger je frömmer werden, und solchen Segen beide in Nahrung und sonst in allerlei Not erfahren mögen, durch Jesum Christum, unseren Herrn, Amen.   Am Sonntag Septuagesimä Matthäus 20,1-16 Das Himmelreich des gleich einem Hausvater, der am Morgen ausging, Arbeiter zu mieten in seinen Weinberg. Und da er mit den Arbeitern eins ward um einen Groschen zum Tagelohn, sandte er sie in seinen Weinberg. Und ging aus um die dritte Stunde und sah andere an dem Markt müßig stehen, und sprach zu ihnen: Gehet hier auch hin in den Weinberg; ich will euch geben, was recht ist. Und sie gingen hin. Abermal ging er aus um die sechste und neunte Stunde und tat gleich also. Um die elfte Stunde aber ging er aus und fand andere müßig stehen und sprach zu ihnen: Was stehet ihr hier den ganzen Tag müßig? Sie sprachen zu ihm: Es hat uns niemand gedinget. Er sprach zur ihnen: Gehet hier auch hin in den Weinberg, und was recht sein wird, soll euch werden. Da es nun Abend ward, sprach der Herr des Weinbergs zu seinem Schaffner: Rufe in den Arbeitern und gib ihnen den Lohn und heb an den letzten bis zu den ersten. Da kamen, die um die elfte Stunde gedinget waren, und empfing ein jeglicher seinen Groschen. Da aber die ersten kamen, meinten sie, sie würden mehr empfangen; und sie empfingen auch ein jeglicher seinen Groschen. Und da sie den empfingen, murrten sie wider den Hausvater, und sprachen: Diese letzten haben nur eine Stunde gearbeitet, und du hast sieht uns gleich gemacht, die wir des Tages Last und Hitze getragen haben. Er antwortete aber und sagte zu einem unter ihnen: Mein Freund, ich tue dir nicht unrecht. Bist du nicht mit mir eins geworden um einen Groschen? Nimm, was dein ist, und gehe hin. Ich will aber diesem letzten geben gleich wie dir. Oder habe ich nicht Macht, zu tun, was ich will, mit dem Meinen? Siehst du darum scheel, daß ich so gütig bin? Also werden die Letzten die Ersten, und die Ersten die Letzten sein. Denn viele sind berufen; aber wenige sind auserwählt. Das ist ein scharfes Evangelium, aus welchem das junge Volk und schlechte Leute nicht viel lernen können. Dennoch, weil man es auf den heutigen Sonntag liest, wollen wir ein wenig davon sagen. Ihr Lieben, hört in diesem Gleichnis wie der Hausvater am Morgen früh ausgeht, und bestellt Arbeiter in seinen Weinberg, die zwölf Stunden arbeiten; danach andere, die neun; also wieder andere, die nur sechs und drei; zuletzt, die nur eine Stunde arbeiten. Da ist die Arbeit sehr ungleich, und ist doch der Lohn gleich. Denn der Hausvater macht mit keinem eine Absprache, ohne mit den ersten, gibt aber den letzten, die nur eine Stunde arbeiten, eben so viel, als den ersten, mit denen er eins ward um einen Groschen zum Tagelohn. Das taugt vor der Welt gar nichts, wäre auch nicht recht; da hat es sein Maß Regel: Wer viel gearbeitet, dem gibt man viel zum Lohn; wer wenig arbeitet, dem gibt man wenig zum Lohn. Doch also, wo einer seinen vereinbarten Lohn hat, da soll und darf er dem Herren nicht dazwischen reden, ob er gleich einem anderen etwas aus Gutwilligkeit schenkt. Aber natürlich ist es unrecht, den gleichen Lohn geben, da ungleiche Arbeit ist. Nun führt aber der Herrn dies Gleichnis darum, daß er damit sein Reich scheiden will von der Welt Reich, und uns lehren, daß es viel anders in seinem Reich zugehe, denn in der Welt Reich, da es nicht gleich zugehen kann, besonders weil die Personen ungleich sind. Denn daß die Ungleichheit auch in der Welt gefunden wird, daß der Herr im Hause mehr Güter hat denn sein Knecht, und doch der Knecht mehr arbeiten mußten der Herr, das hat seine besondere Meinung; gehört darum nicht hierher zu diesem Gleichnis, in welchem der Herr alle Ungleichheit aufhebt; und will uns lehren, daß in seinem Reich alles gleich sei, und einer so viel haben und gelten soll, als andere. Aber im äußerlichen, weltlichen Leben, da soll die Ungleichheit bleiben; wie denn die Stände ungleich sind. Ein Bauer führt ein anderes Leben und Stand denn als ein Bürger; ein Fürst einen anderen Stand als ein Edelmann. Da ist alles ungleich, und soll ungleich bleiben. Aber im Reich Christi, es sei ein König, ein Fürst, ein Herr, ein Knecht, eine Frau, eine Magd, oder wie sie mögen genannt werden, so sind sie doch alle gleich. Denn keiner hat eine andere Taufe, Evangelium, glauben, Sakrament, Christum oder Gott, denn als der andere. Denn da geht man zur Predigt, und hört ein Knecht, ein Bürger, ein Bauer eben das Wort, welches auch der größte Herr hört. Also die Taufe, die ich habe, die empfängt ein jegliches Kindlein, es sei, wes es wolle. Den glauben den Paulus, Petrus haben, den selben Glauben hat der Schächer am Kreuz auch. Ich und du, wenn wir Christen sind, haben ihn auch. Also eben den Gott und Christum, den Johannes der Täufer hat, den haben alle Sünder, wenn sie sich bekehren. Da ist alles gleich, obgleich einer höher oder geringer ist, denn der andere, seine Standes, Amtes oder Gaben wegen. So ist nun dies das vornehmste Stück dieses Evangeliums, daß wir den Trost daraus fassen sollen, daß wir Christen in Christo alle gleich sind. Vor der Welt muß die Ungleichheit bleiben, daß der Vater mehr als sein Sohn; der Herr mehr denn der Knecht; daß ein König und Fürst mehr sei denn seine Untertanen. Das will Gott so haben, der hat die Stände so geordnet und geschaffen. Wer da will eine Gleichheit machen, daß der Knecht so viel gelten sollte als sein Herr, die Magd so viel Gewalt haben als ihre Frau, ein Bauer so viel als ein Fürst, der würde ein schönes Regiment anrichten; wie wir schon an den aufrührerischen Bauern gesehen haben. Es gehe nun in der Welt so ungleich zu, als es immer kann, so wollen wir uns doch des trösten, ganz gleich welchen Stand wir haben, daß wir alle einen Christum, eine Taufe, ein Evangelium, einen Geist haben; das niemand kein besseres Evangelium, keine bessere Taufe, keinen anderen Christum hat, denn als die geringste Magd und der geringste Knecht. Denn obwohl einer schon mehr Geld hat als der andere, so hat er doch darum nicht einen anderen oder besseren Gott. Das soll man lernen und mit Fleiß merken, auf das jedermann in seinem Stande Gott mit Herzen und Lust diene, und Sprecher: Ich bin kein Kaiser, kein König, habe nicht Städte und Schlösser wie die großen Fürsten; aber ich habe dennoch ebenso eine heilige Taufe, eben den Christum, der für mich gestorben und mir das ewige Leben erworben hat, welchen der Kaiser auch hat. Solche große Güter nun, die wir durch unseren Herrn Jesum Christum haben, sollen uns hoffärtig machen, daß wir die weltliche Herrlichkeit aber lernen verachten, und unseren Trotz und Trost allein an dem haben, daß wir getauft sind im Namen Jesu, und er für uns gestorben ist, und aufgefahren in den Himmel, da er sitzt zur rechten Gottes, daß er uns auch helfen wolle von Sünde, Tod und allem Unglück. Wer nun solches hat, und weiß, daß wir in Christo alle gleich sind, der geht hin an seine Arbeit mit Freuden, und kümmert sich nicht darum, ob er gleich hier auf Erden, diese kurze Zeit, in einem geringeren Wesen und Stand ist, denn ein anderer. Denn da soll es so zugehen, daß im äußerlichen Leben eine Ungleichheit ist, und einer viel, der andere wenig habe; einer Herr, der andere Knecht ist. Dadurch läßt sich ein Christ nicht anfechten, sondern spricht: Im Namen Gottes, auf Erden soll es anders nicht sein; ob ich gleich einen schweren Stand habe, schwerer als Frau und Herr im Hause; ob ich gleich nicht so gewaltig bin, als ein Fürst, König oder Kaiser: so will ich doch nicht darum murren, sondern gern und willig in meinem Stand bleiben, bis es Gott mit mir anders macht, und mich darüber trösten, daß ich weiß, daß weder Kaiser noch König einen anderen Christum oder mehr von Christum haben, denn ich. Wollen sie aber mehr haben, so weiß ich, daß sie in diesem Reich keinen Platz finden; denn da soll es alles gleich sein, besonders weil wir alle nur allein darum Gott angenehm sind, daß Christus Jesus für uns gelitten, und uns alle, einen so viel als den anderen, von unseren Sünden gereinigt hat mit seinem Blut. Den Schatz habe ich ganz unvollkommen. Darum soll mich das nicht anfechten, ob ich in äußerlichen und zeitlichen etwa einen Mangel habe; so nur hier kein Mangel ist, und ich in den ewigen Gütern allen Heiligen gleich sein soll. So sollte nun dies unser Trotz und Trost sein, daß wir wissen, im Reich Christi ist keine Ungleichheit; sollen deswegen in solcher christlichen Hoffart willig hingehen und tun, was wir sollen: so könnte ein jeder fröhliche in seinem Stande und fromm dazu sein. Denn da muß es alles mit Freuden abgehen, wenn ein Christ von Herzen sagen kann: Was soll ich wegen meines Standes murren? Ist es doch auch ein guter Stand, ob er gleich gering und mühsam ist. Denn ob es gleich kein Fürstenstand ist, so ist es doch ein Christenstand; was will ich mehr haben oder begehren? Solches tun diese ersten nicht, die wollen, unser Herr Gott soll ihnen lohnen nach ihren Werken, daß soll er ansehen, wieviel sie mehr getan haben als die anderen, soll sie deswegen höher im Himmel setzen, und ihnen einen anderen, größeren und besseren Christum geben. Denn also haben sie gelehrt: Wenn ein Priester über dem Alter steht, so tue er ein solches Werk, daß er anderen mitteilen und ihnen dadurch auch in den Himmel helfen könne, daß er besser sei und einen besseren Stand im Reich Christi habe, als die einfachen Leute. Diese murren über solche Gleichheit, die im Reich Christi ist, und wollen es zu einer Ungleichheit bringen, wie sie in weltlichen Ständen ist. Weiter haben sie gelehrt: Eine Jungfrau sei besser des Glaubens wegen, denn als eine Ehefrau. Und wer noch heute anders lehrt, den verdammen sie als einen Ketzer. Das ist es, daß die ersten hier murren, und wollen mehr haben denn als die anderen. Zählen unseren Herrn Gott vor, wie lange sie gearbeitet, und sauer es ihnen geworden ist. Aber was sagt er dazu? Des äußerlichen Lebens wegen seid ihr ungleich, da mag einer fleißiger sein und mehr arbeiten, denn als der andere; aber keiner hat eine bessere Taufe und besseren Christum denn als der andere. Auch Predigt man keinem kein anderes noch besseres Evangelium, denn dem anderen. Das nun Mönche und Nonnen sich rühmen, die Eheleute haben nur das gemeine Evangelium und Gebot, sie aber haben das hohe Evangelium, und halten mehr, denn Christen zu halten in gemeinen Stand geboten ist: das ist nicht wahr und ganz und gar wider das Evangelium; denn sie wollen damit eine Ungleichheit aus dem Evangelium machen, so es doch Christus alles gleich macht, und lehrt besonders im heutigen Evangelium, daß in seinem Reich einer ebensoviel gelten soll als der andere. An sich selbst ist es nicht böse, auch wehret oder verbietet es niemand, daß eine Jungfrau bleibe, wer Gnade dazu hat. Aber daß man es vor unserm Gott rühmen, und darum besser sein wollte denn andere, und mehr Lohn erwarten, das ist der Stoß und das Ärgernis, an welchem sich der Papst stößt, und uns darum beschuldigt, wir verbieten gute Werke. Aber er tut uns Gewalt und Unrecht; denn gute Werke verbieten wir nicht. Allein sagen wir, daß im Reich Christi alles gleich ist, darum das Gott mit uns allen nicht nach Verdienst, sondern allein nach Gnaden und Barmherzigkeit, um seines Sohnes Christi Jesu Willen, handeln will. Danach sagen wir, wenn du solche Gleichheit in Christus hast, alsdann, du bist ein Schulmeister oder Prediger, ein Herr oder Frau, ein Knecht oder Magd, so arbeitet, und tue, so viel du kannst in deinem Beruf, und bleibe in solcher Ungleichheit. Aber in Christus sollen wir nicht ungleich, sondern gleich sein. An dem stößt sich die Welt, und die Juden besonders, wollen unsinnig und toll darüber werden, wenn sie hören, daß wir Heiden genau wie sie selig werden sollen, die wir nicht beschnitten sind, den Sabbat nicht halten, als sie, die solche Last mit so großer Mühe tragen, daß sie darüber schwitzen; wie es der Herr im Gleichnis fein anzieht, und sagt: Die ersten meinten, sie wollte mehr empfangen, und wurden darum, da ein jeder seinen Groschen empfing, eben wie die, so nur eine Stunde gearbeitet hatten. Aber Christus will gar keine Ungleichheit leiden. «Freund,» spricht er, «ich tue dir nicht Unrecht; nimm, was dein ist, und gehe hin»; das ist, ihr habt euren Lohn bereits hin, das Land Kanaan; aber jetzt will ich ein anderes und neues Reich anrichten, der soll alles gleich sein. Denn das Gut ist mein; deswegen kann nicht damit machen, was ich will, ihr dürft mich nicht lehren, wie ich meine Knechte halten soll. Also zürnen die Juden über das ewige Leben und wollen mit uns Heiden nicht gleich sein; beschuldigen unseren Herrn Gott darüber, als tue er ihnen Unrecht; daß er sie zurecht weisen muß, und sagen: Ist es doch alles mein Gut, nicht dein; darum gehet es dich nichts an, wie ich mit dem Meinen umgehe. Der Papst und sein Haufe tun auch so, wollen in das Reich nicht, in dem alles gleich sein soll; besonders weil wir alle nur einen Gott, Christum, Heiligen Geist, Evangelium, Taufe, Sakrament, Glauben haben. Solcher Gleichheit wegen ist einer eben so gut, fromm und heilig, als der andere. Wenn wir nun solches haben, sollen wir Gott für solche Gaben danken, und dieselben recht erkennen, rühmen und sagen: Man sehe mich an, wofür man will, man achte mich, so gering man wolle, so habe ich doch so viel, als alle Kaiser und Könige, ja, als alle Heiligen und Engel in Himmel. Wodurch? Durch Christum. Darum will ich hingehen, eine Hausmutter, Hausvater, Knecht oder Magd sein, und mit Freude, mit Lust und Liebe alles tun, was mein Stand erfordert; besonders weil ich einen so großen Schatz an meinem Herrn Christum habe. Das ist die Lehre aus dem heutigen Evangelium, daß wir hier auf Erden ungleich bleiben, gleichwie die Personen ungleich sind. Ein Fürst ist eine andere Person denn ein Prediger; eine Magd eine andere Person denn ihre Frau; ein Schulmeister eine andere Person denn als ein Bürgermeister. Darum sollen oder können sie nicht einerlei Weise oder Wesen führen. Solche Ungleichheit muß bleiben. Aber dort im Reich Christi heißt es: Ich will einem so viel geben, als dem anderen; Ursache: das Himmelreich, die Erlösung vom Tod und Sünden, hat mir kein anderer verdient; darum bin ich niemand schuldig, gebe es aber aus Gnade, wem ich will. Über solchem sollen wir uns hüten, daß wir nicht murren, sondern Gott dafür danken, und solchen Trost in allerlei Gefahr, Mühe und Arbeit, die wir in der äußerlichen Ungleichheit tragen, bedenken, so wird es uns alles sanft und leicht werden. Aus dem letzten Spruch: «viele sind berufen, aber weniger auserwählt,» schöpfen die vorwitzigen Köpfe mancherlei ungereimte und ungöttliche Gedanken, denken so: Wen Gott erwählt hat, der wird ohne Mittel selig; wiederum aber, wen er nicht erwählt hat, der tue Wasser wolle, so ist es ihm verordnet, daß er fallen muß, und kann nicht selig werden: deswegen will ich es gehen lassen, wie es geht. Soll ich selig werden, so geschiehts ohne man Zutun; wo nicht, so ist es doch alles vergebens, was ich tue und mir vornehme. Was nun für unartige, sichere Leute aus solchen gottlosen Gedanken wachsen, kann jedermann bald bei sich selbst erkennen. Nun, am Tag wo die Weisen aus dem Morgenland kommen, und wir den Spruch des Propheten Micha gehört haben, ist es genügend angezeigt, daß man vor solchen Gedanken als vor dem Teufel sich hüten, und nicht anders von Gott denken als uns in der Schrift gezeigt ist. Wenn anders gelehrt wird als in der Schrift, so ist es unmöglich, daß nicht die Menschen geärgert werden, und entweder in Verzweiflung fallen, oder gar gottlos und verwegen werden. Wer aber Gott und seinen Willen recht erkennen will, der soll den rechten Weg gehen, so wird er nicht geärgert, sondern gebessert. Der rechte Weg aber ist der Herr Christus, wie er sagt: «Niemand kommt zum Vater, denn durch mich.» Wer nun den Vater recht kennen und zu ihm kommen will, der komme zuvor zu Christus, und lerne denselben erkennen, nämlich also: Christus ist Gottes Sohn, und allmächtiger, ewiger Gott. Was tut nun der Sohn Gottes? Er wird Mensch um unseretwillen, er gibt sich unter das Gesetz, daß er uns vom Gesetz erlöse, er läßt sich kreuzigen, und stirbt am Kreuz, daß er für unsere Sünde bezahle; und steht wieder auf von den Toten, daß er uns durch seine Auferstehung den Eingang zum ewige Leben mache, und wider den ewigen Tod helfe; uns sitzt zur Rechten Gottes, daß er uns vertrete, und den Heiligen Geist schenke, und durch denselben regiere und führe, und wider alle Anfechtung und Eingeben des Teufels seine Gläubigen bewahre. Das heißt Christum recht erkennen. Wo nun diese Erkenntnis fein und fest im Herzen ist, alsdann fange an und steige hinauf in den Himmel und mache deine Rechnung: Weil der Sohn Gottes solches um der Menschen willen getan hat, wie doch Gottes Herz gegen uns Menschen stehe, weil sein Sohn aus des Vaters Willen und Befehl solches tut. Ist es nicht wahr, da wird dich deine eigene Vernunft zwingen, daß du sagen mußte: Weil Gott seinen eingeborenen Sohn um unseretwillen Sohn hingegeben und sein um unseretwillen nicht verschont hat, so kann er es ja mit uns Menschen nicht böse meinen. Er will ja nicht, daß wir verloren werden; besonders weil er die höchsten Mittel sucht und braucht, daß er und zum Leben helfe. Auf diese Weise kommt man recht zu Gott; wie den Christus selbst predigt, Johannes 3,16.: «Also hat Gott die Welt geliebt, daß er seinen eingeborenen Sohn gab, auf daß alle, so an ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben.» Man halte aber diesen Gedanken gegen jene, so aus der vorigen Meinung wachsen, so wird man finden, daß jene Gedanken des leidigen Teufels Gedanken sind, durch die ein Mensch geärgert werden muß, und entweder verzweifeln, oder verwegen und gottlos werden; denn er kann sich zu Gott nichts Gutes erhoffen. Etliche schöpfen sich andere Gedanken, und deuten die Worte also: «viele sind berufen,» das ist, Gott bietet seine Gnade vielen an, aber «wenige sind auserwählt,» das ist, er läßt aber solche Gnade wenigen widerfahren; denn es werden ihrer wenige selig. Das ist zumal ein gottloser Verstand; denn wie kann es möglich sein, wenn einer von Gott nichts anderes hält und glaubt, daß er Gott nicht sollte darum fein werden, an des Willen es allein fehlt, daß wir nicht alle selig werden? Man halte aber diese Meinung gegen jene, die sich findet, wo man am ersten den Herrn Christum erkennen lernt, so wird man finden, daß es eitel teuflische Lästerungen sind. Deswegen hat es eine weit andere Meinung mit diesem Spruch: «Viele sind berufen.» Denn diese Predigt des Evangelium geht öffentlich, wer es nur hören und annehmen will; und Gott läßt es auch darum so öffentlich predigen, daß jedermann es hören, glauben und annehmen soll, und selig werden. Aber wie geht’s? Wie nachher im Evangelium folgt: «Wenige sind auserwählt,» das ist, weniger halten sich an das Evangelium, daß Gott ein Wohlgefallen an ihnen hat. Denn etliche hörens und achtens nicht; etliche hören es und halten es nicht fest, wollen auch nichts darüber leiden; etliche hörens, nehmen sich aber mehr um Geld und Gut und weltliche Wohllust an. Das gefällt aber Gott nicht, und mag solche Leute nicht. Das heißt Christus: «nicht auserwählt sein,» das ist, sich nicht so halten, daß Gott ein Gefallen an ihnen hätte. Das aber sind auserwählte und Gott wohlgefällige Leute, die das Evangelium fleißig hören, an Christum glauben, den Glauben mit guten Früchten beweisen, und darüber leiden, was sie leiden sollen. Dieser Verstand ist der rechte Verstand, der niemand ärgern kann, sondern besser die Leute, daß sie denken: Wohlan, soll ich Gott wohlgefallen und auserwählt sein; so ist es nicht recht, daß ich in bösem Gewissen lebe, wider Gottes Gebot sündigen und der Sünde nicht wehren wollte; sondern ich muß zur Predigt gehen, Gott um seinen Heiligen Geist bitten, das Wort nicht aus dem Herzen lassen, mich wider den Teufel und seine Eingebungen wehren, und um Schutz, Geduld und Beistand bitten; da werden dann feine Christen werden. Dagegen jene, die dafür halten, daß Gott nicht jedermann die Seligkeit gönne, entweder verzweifelt oder sichere, gottlose Leute werden, die leben wie das Vieh und denken: Es ist doch schon geordnet, ob ich selig werden soll oder nicht; was soll ich mir denn nun noch weh tun? Nein, also; du hast Befehl, du sollst Gottes Wort hören und an Christum glauben, daß er dein Heiland sei, und für deine Sünde bezahlt habe. Dem Befehl gedenke, daß du ihm nachkommst. Findest du dich ungläubig oder schwach: bitte Gott um seinen Heiligen Geist, und zweifle nicht, Christus ist dein Heiland, und du sollst durch ihn, so du man ihn glaubst, das ist, dich fein tröstet, selig werden. Das verleihe uns allen unser lieber Herr Jesus Christus, Amen.   Am Sonntag Estomihi Lukas 18,31-43 Er nahm aber zu sich die Zwölfe und sprach zu ihnen: Sehet, wir gehen hinauf gen Jerusalem, und es wird alles vollendet werden, daß geschrieben ist durch die Propheten von des Menschen Sohn. Denn er wird überantwortet werden den Heiden; und er wird verspottet, und wird geschmähet, und verspeit werden; und sie werden ihn geißeln und töten, und am dritten Tage wird er wieder auferstehen. Sie aber vernahmen der keines, und die Rede war ihnen verborgen, und wußten nicht, was das gesagt war. Es geschah aber, da er nahe zu Jericho kam, saß ein Blinder am Wege und bettelte. Da er aber hörte das Volk, daß durchging ging, forschte er, was das wäre. Da verkündigten sie ihm, Jesus von Nazareth ginge vorüber. Und er rief und sprach: Jesu, du Sohn Davids, erbarme dich mein! Die aber vorne an gingen, bedrohten ihn, er sollte schweigen. Er aber schrie viel mehr: Du Sohn Davids, erbarme dich mein! Jesus aber stand stille und hieß ihn zu sich führen. Da sie ihn aber nahe bei ihn brachten, fragte er ihn, und sprach: Was willst du, daß ich dir tun soll? Er sprach: Herr, daß ich sehen möge. Und Jesus sprach zu ihm: Sei sehend; dein Glaube hat dir geholfen. Und alsbald ward er sehend, und folgte ihm nach, und preiste Gott. Und alles Volk, daß solches sah, lobte Gott. In dem heutigen Evangelium sind zwei Stücke. Das erste ist die Prophezeiung oder Weissagung, in welcher der Herr den zwölf Aposteln von seinem Leiden verkündigt. Und dies sind die Worte, welche die Engel am Ostertag den Frauen bei dem Grab vorhalten, da sie sprechen, Lukas 24, 6. 7.: «gedenket daran, wie er euch sagte, da er noch in Galiläa war, und sprach: Des Menschen Sohn muß überantwortet werden in die Hände der Sünder, und gekreuzigt werden, und am dritten Tage auferstehen.» Denn der Herr Jesus ist eben auf der Reise aus Galiläa nach Jerusalem, da ist er geblieben und gekreuzigt worden. Das andere ist das Wunderwerk an dem Blinden. Von solcher Weissagung meldet der Evangelist wohl dreimal, daß die Jünger es nicht verstanden haben. Denn sie dachten, er redete ungewöhnliche Wörter, die einen besonderen Verstand hätten. Darum war ihnen eben, als würden sie eine fremde, unbekannte Sprache, deren sie kein Wort verstehen konnten. Und das darum; weil ihr Herz so stand, daß sie dachten: Der Mann tut so viel Wunderzeichen, er weckt Tote auf, macht die Blinden sehend, daß wir sehen und greifen müssen, Gott sei mit ihm. Darum muß er ein großer Herr mit der Zeit werden, und wir, seine Diener, werden auch Fürsten und große Herren sein. Denn wer wollte so einem mächtigen Mann, der den Tod und alle Plage mit einem Wort heilen und vertreiben kann, einen Schaden zu fügen? Darum stand ihr Herz so: Gott ist zu wohl an ihm, der wird ihn nichts leiden lassen; das aber seine Worte lauten, als rede er, wie er leiden und sterben solle, das wird eigentlich eine andere Deutung haben. Dieses ist der lieben Apostel Einfalt gewesen. Damit ist nun angezeigt, daß alle Gottes Werke die Art haben, wenn man davon redet, ehe sie geschehen, so sind sie nicht zu begreifen; aber wenn sie geschehen sind, alsdann versteht man sie und siehts. Also meldet Johannes oft, daß die Jünger Christi erst später verstanden haben, was er mit ihnen geredet hat. Darum hören Gottes Wort und Glaube zusammen. Denn wenn Gott redet, so kann er nicht anders reden, denn von Sachen, die weit über die Vernunft, und wir natürlich nicht verstehen noch fassen können; darum soll man es glauben. Wenn mans nun geglaubt hat, alsdann soll mans auch erfahren, daß es wahr sei, und Recht verstehen. Als, daß ich ein Beispiel gebe: Gottes Wort lehrt uns von der Auferstehung der Toten; das versteht die Vernunft nicht. Darum sieht man, das weltweise Leute, und vor allen die Gelehrten, uns verspotten und für Narren halten, daß wir es glauben, und uns bereden lassen, es sei ein Leben nach diesem Leben. Also, daß Gott Mensch geworden und von einer Jungfrau in die Welt geboren ist, daß versteht die Vernunft auch nicht; darum muß es geglaubt sein, bis wir dahin kommen und es sehen werden, und sagen: Nun verstehe ich es, ja, sehe es auch, daß es wahr ist, was ich zuvor geglaubt habe. Also, daß man durch die Wassertaufe Gottes Gunst und Gnade, ohne alles Verdienst erlangen, und Vergebung der Sünde durch die Absolution empfangen soll, lautet vor der Vernunft als eine Lüge; darum hält sie die Christen für toll und töricht, daß sie solches glauben. Denn die Vernunft denkt: Soll man Gott versöhnen, so hört etwas Höheres und Besseres dazu, nämlich gute Werke, die uns sauer werden und weh tun. Wie man bei dem Papst vor Augen hat, der die Leute durch seine Predigt auf eigene Verdienste weist. Denn es will der Vernunft nicht einleuchten, daß sie glauben soll, daß allein durch die Taufe und den Glauben an Christum alles ausgerichtet ist, was zur Seligkeit gehört; denn sie sieht, daß das Wort ein geringes Ding ist; der es führt, ist auch ein armer, gebrechlicher Sünder. Das nun ein Mensch Leib und Leben in Ewigkeit auf solche Wort setzen soll, das ist lächerlich. Darum, ob man gleich Gottes Wort den Leuten so klar und deutlich sagt, es geht der Vernunft nicht ein, sie glaubt es doch nicht. Und muß darum das liebe Evangelium den Namen vor der Welt haben und behalten, es sei Ketzerei und eine Teufelslehre, damit man die Leute verführt, und lehrt sie, daß sie nichts Gutes tun sollen; anders kann die Vernunft darüber nicht urteilen. Darum sollen wir lernen einfältig dem Worte Gottes zu glauben, und in unserem Herzen sprechen: nun, sehe, greife und fühle ich es nicht, daß es also sei, so höre ich es doch, daß es Gott sagt. Er ist aber so mächtig, daß er es wahr machen kann, daß ich es zu seiner Zeit und in jenem Leben fassen und verstehen, ja, sehen und greifen werde, ob ich’s gleich jetzt nicht verstehe. Also sieht man auch in Beispielen. Ehe David den Goliath angreift, glaubt er, er wolle ihn schlagen und erwürgen, wie er zu Saul sagt: «Der Herr, der mich von dem Löwen und Bären errettet hat, er wird mich auch erretten von diesem Philister»; also: «Dieser Philister, der Unbeschnittene, soll gleich sein, in wie der Löwe und der Bär; denn er hat geschändet den Zeug des lebendigen Gottes,» 1. Samuel 17, 36-37. Also, zum Philister selbst sagt er Vers 46.: «heutiges Tages wird dich der Herr in meine Hand überantworten, daß ich die schlage, und nehme dein Haupt von dir.» Diese Worte hat jedermann aus dem Munde Davids gehört, und wenn es nicht Gottes Wort gewesen wäre, so wäre es nichts. Aber es sind Gottes Worte, und David glaubt denselben, ehe er es erfährt. Darum geht es auch so aus, und liegt nichts daran, ob es anderen lächerlich war, und konnten nicht glauben, daß es so gehen sollte und wahr werden. Denn die Vernunft konnte es nicht glauben, daß David, der gegen den Goliath eine geringe Person war, sollte mit einem Stein einen so großen, starken Riesen niederwerfen. Aber David glaubt es und tut es. Da konnte man sehen, ja, greifen, daß es wahr und nicht erlogen war. Aber vorhin, da allein das Wort da war, wo David sagt: «Der Herr wird dich heut mir in meine Hand geben,» da war es die größte Lüge, ja, ein unmögliches Ding. Denn die Vernunft macht ihre Rechnung, wie Saul 1. Samuel 17 also: David ist ein Knabe, ein Hirte, der noch nie in einem Krieg gewesen, und ganz bloß daher kommt mit einem Stock und einer Schleuder, als wollte er einen Hund jagen; wie ihm denn Goliath höhnisch vorwirft und spricht: «Bin ich denn ein Hund, daß du mit einem Stock zu mir kommst? «Aber der Riese kommt mit seinem Harnisch und großem Spieß. Ist solches nicht ein ungleiches Zeug und Rüstung, die lächerlich anzusehen ist, daß solches der kleine junge Schütze David tun soll, daß kein Mann im ganzen Lager sich unterstehen darf? Nun, David sah es selbst nicht, aber er glaubt es, daß Gott die Gotteslästerung an seinem Feinde strafen und ihm helfen würde; und so geschah es. Also geht es durch und durch: Gottes Wort und Werk hält man immer für unmöglich, ehe es geschieht. Dennoch geschieht es, und geht über die Maßen leicht und gering zu, wenn es ins Werk kommt. Ehe es aber ins Werk kommt, solle man es nicht wissen, noch verstehen, sondern einfältig glauben. Denn wie durch die Taufe die Sünde abgewaschen, und wir am jüngsten Tag von den Toten auferstehen werden, daß wird die Vernunft nie verstehen; besonders weil man sieht, daß mancher heilige Mensch von Vögeln gefressen, von Hunden und Wölfen zerrissen wird; einige werden zu Asche verbrannt, und die Asche in das Wasser geworfen: wie der Papst mit dem Heiligen Johannes Hus getan hat. Da denkt die Vernunft so: Wo wird unser Herr Gott den Leib einmal wieder nehmen? Nun, sagt Gott, ich sag es, es ist mein Wort. Das ist mit der Vernunft nicht zu glauben, sondern auch unmöglich zu sehen. Aber glaubst du es, so soll es wahr werden; denn ich bin allmächtig, und kann aus nichts alle Dinge machen. Was sind wir doch vor hundert Jahren gewesen? Ebensowenig als das Kind, daß vor 20,30, 40 Jahren nach uns geboren werden sollte. Weil nun Gott die Kunst kann, aus nichts alle Dinge machen, so wird er ja auch das können, daß der aus dem, daß etwas gewesen, wieder etwas machen wird. Darum soll man nicht danach sehen, ob ein Ding möglich sei; sondern so soll man sagen: Gott hat es gesagt; darum wird es geschehen, wenn es auch sonst nicht möglich wäre. Denn wenn ich es gleich nicht sehen noch ergreifen kann, so ist er doch der Herr, der aus einem Unmöglichen ein Mögliches und aus nichts alles machen kann. Darum sind es über die Maßen verdrießliche Narren, die unserm Herrn Gott sein Wort und Werk nach ihrer Vernunft messen wollen. Denn weil ich einen Toten nicht lebendig machen kann, soll es darum Gott auch nicht können? Darum hüte sich ein jeder davor, daß er Gottes Wort und Vermögen nicht nach seinem Sinn und Vermögen messe. Denn wo es unsere Vernunft alles fassen und begreifen könnte, so hätte unser Herr Gott seinen Mund wohl können zuhalten. Aber weil er redet, so ist das ein Zeichen, daß unsere Vernunft nicht alles weiß noch versteht, und das Gottes Wort über und wider alle Vernunft ist; wie man aus der Erfahrung lernt. Ich verkündige die Vergebung der Sünden, und absolviere und entbinde dich aus dem Befehl Christi. Da hörst du das Wort, und wenn du es gehört und von Sünden entbunden bist, so fühlst du es doch nicht, daß Gott und seine Engel dich anlachen. Von solcher Freude weißt du gar nichts, davon der Herr sagt: «Die Engel im Himmel freuen sich über einen Sünder, der sich bekehrt.» Also, wenn du jetzt getauft bist, hast du dieselbe Haut und das Fleisch nach der Taufe, welches du vor der Taufe hattest. Soll es aber darum beides nicht sein, die Absolution und die Taufe? O nein. Darum lerne also sagen: Gott hat mich getauft. Gott hat durch sein Wort mich absolviert und von Sünden entbunden. Darum glaube ich fest, wenn ich es auch gleich nicht sehe noch fühle, daß Gott mich anlachen seinen Sohn heißt, und Christus, mein Herr heißt mich seinen Bruder; und die lieben Engel haben eine besonders große Freude an mir. Solches, sage ich, glaube ich, und habe ganz und gar keinen Zweifel daran. Will es der Papst nicht glauben, das schadet nicht; ich will es glauben; denn Gott wird mir in seinem Wort nicht lügen. Die Jünger hier konnten diese Kunst nicht; sonst würden sie nicht lange davon diskutiert, oder sich verwundert haben; sie würden beschlossen haben: Eben wie er es redet, also wird es auch gehen; denn der Mann kann nicht lügen, es geschehe gleich, wann oder wie es wolle. Aber der Blinde, von dem der Evangelist meldet, der kann solche Kunst sehr wohl. Seine Augen sind starr und blind, daß er nicht ein Stück damit sieht; aber sobald da das Wort klingt: «sei sehend,» glaubt er es. Darum widerfährt ihm auch, wie er glaubt. Dieses Wort, da es noch allein ist, redet von einem Ding, daß nicht vorhanden ist. Denn die Augen sind dem Blinden noch zu; aber bald auf das Wort, da er es glaubt, folgt das Werk, wie er es geglaubt hat. Also sollten die Jünger auch getan haben. Ob sie gleich nicht sahen, wie es möglich war, sollten sie dennoch geglaubt haben, weil sie sein Wort hatten. Denn auf das Wort gehört nichts denn als allein der Glaube. Das ist das erste Stück, daß wir aus dem heutigen Evangelium lernen sollen, nämlich dem Wort Gottes mit ganzem Herzen, ohne wanken, glauben. Von solchem Glauben weiß der Papst nichts, lehrt auch nichts davon. Ihr aber sollt es wissen und können, daß ein christliches Herz sei, daß da Gottes Wort von Vergebung der Sünden nicht allein hört, sondern auch fest glaubt, und daran nicht zweifelt, wenn es auch nichts davon sieht oder fühlt. Denn dasselbe soll sich erst später finden und folgen. Wenn wir es fest geglaubt haben, wird sich dann die Erfahrung auch finden, daß wir sagen werden: O wohl mir, daß ich geglaubt habe. Die anderen aber, als, Katholiken, Türken, Juden, die Gott nicht geglaubt haben, werden stehen und schreien: Zeter mordio, daß wir nicht geglaubt haben! Wer hätte das gedacht? Werden also dieses am Ende glauben. Aber es wird ihnen nichts nützen, und ihnen nicht mehr helfen, es ist zu lange gewartet. Das ist das erste, daß wir uns nicht ärgern sollen an dem Wort Gottes, ob es gleich wunderbarlich, lügerlich und unmöglich lautet; sondern fest auf dem Bestehen: hat es Gott geredet, so wird es auch geschehen müssen. Denn niemand soll danach fragen, ob es möglich sei, sondern allein dahin sehen, ob es Gott geredet habe. Hat es Gott geredet, so ist er so mächtig und wahrhaftig, daß er es auch tun kann. Darum soll man es glauben; wer es aber nicht glauben will, der lästert Gott auf das höchste. Vor solcher Sünde sollen wir uns fleißig hüten, daß wir an Gottes Wort nicht zweifeln, Gott gebe, es laute so lügerlich als es immer kann. Denn was Gott redet, das wird gewiß wahr. Also haben wir Gottes Wort in der Taufe, im Abendmahl, in der Absolution und in der Predigt; da redet Gott selbst mit uns, spricht uns selbst von Sünden los. Solches sollen wir Glauben und für wahr halten, und ja nicht daran zweifeln. Das ist das erste Stück. Im anderen Stück, von dem Blinden, lehrt uns der Evangelist eine rechte bettlerische Kunst, daß man vor Gott wohl geilen lernen, unverschämt sein, und immer anhalten soll. Denn der blöde ist, der läßt sich bald abweisen und taugt nicht zum Betteln. Man muß die Scham abtun, und denken, unser Herr Gott will es so haben, daß wir geilen und anhalten sollen. Denn es ist seine Lust und Ehre, daß er viel geben will, und gefällt ihm wohl, daß man sich viel Gutes von ihm erhofft. Darum soll man es ja so unverschämt tun, wie er es gern hat. Denn wer so lange warten will, bis er würdig werde, daß ihm Gott etwas gebe, der wird bestimmt nie etwas bitten. Darum ist es am besten, daß man die Scham abziehe, und den Mund schnell auftut, und sage: «Herr, ich stecke hier und da in großer Gefahr und Not meines Leibes und der Seele, bedarf darum deiner Hilfe und Trost; dies willst mir ja nicht versagen, sondern gewiß widerfahren lassen, nach deiner gnädigen Zusage. Die Bettler auf der Straße und Gasse können diese Kunst wohl, aber die Leute haben es nicht gern, sind dessen überdrüssig, und weisen solche Bettler mit bösen Worten ab. Aber unser Herr Gott hat solche Bettler gern, die getrost anhalten und sich nicht abweisen lassen wollen. Wie wir hier an diesem Blinden sehen, der hätte gern gesunde Augen gehabt. Darum, da er das Geschrei hört von denen die vorüber gehen, fragt er, was das wäre. Da er von Jesu hört, fängt er an zu schreien: «Jesu, du Sohn David, erbarme dich mein.» Die nun vorne gehen, bedrohen ihn, er soll schweigen; aber er kümmert sich nicht darum; ja, je mehr man ihm wehrt, desto getroster schreit er. Das ist ein rechter Geiler und feiner Bettler, wie ihn unser Gott gern hat. Darum sollen wir an diesem Beispiel merken, und auch vor den Herrn Christum treten, und ihn bitten: O Herr, ich bin ein armer Sünder, gib, daß dein Reich auch zu mir komme, und vergib mir meine Schuld. Hilf hier, hilf da. Wer so bettelt und unverschämt anhält, der tut recht, und unser Herr Gott hat es gern; denn er ist nicht so wie wir Menschen. Uns kann man mit dem Geilen müde, unlustig und unwillig machen; ihm aber ist es eine große Ehre, daß man ihn für einen großen Herren halte, und nicht ablasse, sondern sage: Herr, es ist deine Ehre, dadurch du gerühmt wirst, daß ich von dir bettle. Darum, lieber Herr, siehe nicht an, daß ich unwürdig bin, sondern das ich deiner Hilfe bedürftig bin, und du der rechte einzige Nothelfer für alle Sünder bist. Darum geschieht es dir zu Ehren, daß ich dich anrufe; so kann deine Hilfe auch nicht fehlen. So ein unverschämtes Gebet, daß fest anhält und sich nicht abschrecken läßt, gefällt Gott wohl. Wie wir hier an dem Blinden sehen, sobald er anfängt zu bitten, schnell fordert der Herr ihn zu sich, muß jedermann aus dem Wege weichen. Und er, der Blinde, schämt sich auch nicht, läßt sich zu ihm leiten. Da fragt der Herr ihn sofort: «was willst du, daß ich dir tun soll?.» Da muß man sehen, wie die Hände dem Herrn offen stehen. Als wollte er sagen: Bitte, was du willst, es soll dir widerfahren. Der Blinde wartet nicht lange, und spricht: Ich bitte, daß ich sehen möge. Da antwortet der Herr: Ja, du sollst sehen. Das heißt ja unverschämt gebeten, aber sehr gnädig erhört. Das sollen wir lernen von dem Blinden, also auch mit unserem Gebet nicht warten und Christus unsere Not bringen, und gewiß glauben, er werde uns erhören und geben. Im Papsttum haben wir selbst unser Gebet verachtet und gedacht: Wo nicht andere für uns bitten, so werden wir nichts erlangen. Aber solches soll kein Christ tun; sondern, sobald die Not da ist, schnell in die Kammer gelaufen und auf die Knie gefallen, und gesagt: Herr, hier komme ich, muß das und jenes haben, ob ich wohl unwürdig bin. Aber siehe meine Not und meinen Jammer, und hilf um deiner Ehre willen. Also lerne unverschämt beten, und zweifle ja nicht, Gott werde dir um Christi willen geben, was dir nützlich und gut ist. Denn da steht die Verheißung klar und gewiß: «Was ihr im Namen Jesu bittet, daß soll euch widerfahren.» Allein, siehe darauf, daß du nicht müde werdest, sondern fest anhaltest.. Je mehr du es tust, je lieber hat es der Herr; er wird durch dein Geilen nicht müde. Ja, dein Gebet möchte so stark und ernst sein, der sollte dir in derselben Stunde geben, was du begehrst, daß er sonst noch nicht täte und noch lange verzöge; aber er erhört und gewährt dich um deines ängstlichen Betens willen. Wie ich hoffe, daß der jüngste Tag nicht so lange ausbleiben soll, sondern durch das ängstliche Seufzen der Christen eher kommen, denn wir es denken können. Wie der Herr in Lukas 18 von der Witwe ein Gleichnis gibt, die nicht nachlassen wollte, da der Richter, der da weder nach Gott noch den Menschen fragte, sagt: ich kann es nicht länger leiden, daß mich die Witwe so bedrängt; ich will ihr helfen, daß ich von ihr loskomme. «Sollte aber Gott,» spricht Christus, «nicht auch erretten seine Auserwählten, die zu ihm Tag und Nacht rufen, und sollte Geduld darüber haben? Ich sage euch, er wird sie erretten in einer Kürze.» Das ist als wollte er sagen: Das Gebet macht, daß Gott eilt, wo er sonst nicht so eilen würde. Darum dient das Gebet dazu, daß man ein Ding desto schneller erlange, welches sonst wohl länger dauern würde, ja, wohl überhaupt nichts daraus würde. Das also dies Beispiel dazu dient, daß wir sollen unverschämte Bettler sein und Geilen lernen, uns nicht lassen müde machen, sondern sagen: Herr, wahr ist es, ich bin ein armer, unwürdiger Sünder, das weiß ich wohl; aber nichtsdestoweniger muß ich dies oder jenes haben; gib mir es. Denn hier gilt kein diskutieren, ob ich fromm bin, das einzige Stück ist genug, daß ich eine Not habe und du gern geben willst, was mir zu Leib und Seele nützlich ist. Wenn du so betest und fest anhältst, so wird er gewiß zu dir sagen, wie zu diesem Blinden: «Was willst du, daß ich tun soll? sei sehend, dein Glaube hat dir geholfen.» Denn beten und nicht glauben, heißt unseren Herrn Gott spotten. Der Glaube aber steht allein auf dem, daß Gott um Christi, seines Sohnes und unseres Herrn, willen uns gnädig sein, erhören, schützen, retten und selig machen werde. Dazu helfe uns unser lieber Herr und Erlöser, Christus Jesus, Amen.   Am Sonntag Invocavit Matthäus 4,1-11 Da ward Jesus vom Geist in die Wüste geführt, auf das er von dem Teufel versucht würde. Und da er vierzig Tage und vierzig Nächte gefastet hatte, hungerte ihn. Und der Versucher trat zu ihm und sprach: Bist du Gottes Sohn, so sprich, daß diese Steine Brot werden. Und er antwortete und sprach: Es steht geschrieben: Der Mensch lebt nicht vom Brot allein, sondern von einem jeglichen Wort, daß durch den Mund Gottes gehet. Da führte ihn der Teufel mit sich in die heilige Stadt und stellte ihn auf die Zinne des Tempels, und sprach zu ihm: Bist du Gottes Sohn, so laß dich hinab; denn es steht geschrieben: Er wird seinen Engeln über dir Befehl tun, und sie werden dich auf den Händen tragen, auf das du deinen Fuß nicht an einen Stein stoßest. Da sprach Jesus zu ihm: Wiederum steht auch geschrieben: Du sollst Gott, deinen Herrn, nicht versuchen. Wiederum führte ihn der Teufel mit sich auf einen sehr hohen Berg und zeigte ihm alle Reiche der Welt und ihre Herrlichkeit. Und er sprach zu ihm: Das alles will ich dir geben, so du niederfällst und mich anbetest. Da sprach Jesus zu ihm: Heb dich weg von mir, Satan; denn es steht geschrieben: Du sollst anbeten Gott, deinen Herrn, und ihm allein dienen. Da verließ ihn der Teufel; und siehe, da traten die Engel zu ihm und dienten ihm. In diesem Evangelium hört ihr, wie der Herr Jesus nach seiner Taufe auf dreierlei Weise versucht worden ist, nachdem er 40 Tage und 40 Nächte in der Wüste gewesen und nichts gegessen hat; oder wie Lukas davon redet, so haben diese drei Anfechtungen die ganzen 40 Tage über gedauert, daß er mit einer etliche Tage umgegangen ist, und vielleicht nicht nach der Ordnung, wie Matthäus hier erzählt. Nun ist aber dies ein weites Evangelium, besonders wenn man es auf die ganze Christenheit ziehen will, die auch durch Hunger und Verfolgung, durch Ketzerei, und endlich mit dem Reich der Welt versucht ist, wie die Geschichte, wer Achtung darauf hat, fein beweist. Aber wir wollen es diesmal nicht so weit bedenken, sondern bei der einfachen Lehre bleiben. Und aufs erste wollen wir dies Beispiel unseres lieben Herrn Christi vor uns nehmen, in welchem wir sehen, daß ein jeder Christ, sobald er getauft, wird er gestellt in das Heer gegen den leidigen Teufel, der wird ihm aufgeladen, und verfolgt ihn, weil er lebt. So es nun der giftige Feind nicht dahin bringen kann durch seine Anfechtung, daß er die Christen zu Fall bringe und über sie siege; so tut er, wie er mit Christus getan hat, und sieht, daß er sie an das Kreuz hängt und umbringt. In solcher Gefahr stehen alle Christen. Denn das ist schnell auszurechnen, weil er den Herrn Christus selbst nicht verschont, sondern sich so trefflich gegen ihn gesetzt hat, wird er viel weniger schonen, da er weiß, daß wir viel schwächer und nicht so gut gerüstet sind. Darum mögen wir uns auf solch eine Gefahr einstellen, und am Herrn Jesus Christus hier lernen, wie wir solchem Feinde auch begegnen sollen, daß er von uns ablassen muß. Das geschieht aber allein durch den Glauben an Gott und sein Wort. Wer solchen Harnisch hat und recht braucht, der ist vor dem Teufel gut geschützt. Wer ihn aber nicht hat oder unrecht braucht, dem ist weder zu raten noch zu helfen gegen den giftigen Feind. Darum soll ein jeder Christ sich fleißig zur Predigt und an dem Wort Gottes halten, daß mit Fleiß lernen und sich darin üben; daneben auch immer Gott in den Ohren mit einem ernstlichen Gebet liegen, daß er sein Reich zu uns kommen lassen, und uns nicht in Versuchung führen soll, sondern vor allem Übel gnädiglich bewahren. Nun steht hier, der Herr Jesus sei vom Geist in die Wüste geführt, das ist, der Heilige Geist habe ihn in die Wüste gerufen. Solches hat der Evangelist besonders anzeigen wollen, daß man sich vor eigener Andacht hüte; besonders weil Christus selbst nicht aus eigener Andacht oder Vornehmen in die Wüste gegangen und da mit dem Teufel gerungen hat; wie viele tun, und sich manches vornehmen, ohne Gottes Wort, aus eigener Andacht. Aber so etwas soll nicht sein. Niemand soll etwas anfangen noch irgendwo hinlaufen, Gott zu dienen, er wisse denn gewiß, daß Gott ihm solches geheißen hat, entweder durch sein Wort, oder durch Menschen, die an Gottes Statt über uns Macht haben. Denn wer ohne solchen Beruf etwas vornimmt, wie Mönche und Nonnen in die Klöster gelaufen sind, der tut nicht allein Gott keinen Dienst, sondern tut wider den Gehorsam Gottes. Darum ist dies Beispiel Christi wohl zu bedenken, daß er nicht von sich selbst ist in die Wüste gelaufen, sondern der heilige Geist hat es ihm geheißen; auf das wir dergleichen auch tun, und nichts aus eigener Andacht vornehmen; sondern in allem, daß wir tun, rühmen und sagen können: Es geschehe im Gehorsam und Befehl des Wortes. Diese Lehre habt ihr oft gehört, daß man besonders danach sehen soll, daß man gewiß sei, Gott habe es befohlen, und außer seinem Wort nichts anfangen. Mit den einfachen Ständen und Werken der Liebe bedarf es keinen neuen Befehls; denn solches ist bereits in den zehn Geboten befohlen. Da heißt uns unser Herr Gott einen jeden, daß er Gottes Wort hören, Gott lieben, Gott anrufen soll, Vater und Mutter gehorsam sein, niemand töten, nicht Unzucht treiben, sondern ehelich werden soll. Solches alles ist Gottes Geschöpf und Befehl; darum darf man da nicht fragen nach dem Heiligen Geist, daß er dich oder mich besonders berufe, und heiße ehelich werden, Vater und Mutter sein. Solch ein Befehl ist schon zuvor da. Aber etwas besonderes anfangen, in ein Kloster laufen, und da Gott dienen wollen, also, nicht Fleisch, Eier, Butter essen, da ist kein Befehl noch Gottes Wort von; deswegen ist es ein stinkender Dreck vor Gott und kein Gottesdienst. Nun wollen wir auch die Anfechtungen nach einander besehen. Die erste ist, daß der Teufel zum Herrn Jesus Christus spricht, da er sieht das ihn hungert: «Bist du Gottes Sohn, so sage, daß diese Steine Brot werden.» Solches scheint nicht so eine harte Anfechtung zu sein. Denn wir denken so: Was hätte es Christus geschadet? Er hätte leicht Steine zu Brot machen können. Hat er doch noch viel größere Dinge getan! Aber er will es darum nicht tun, denn er versteht den Teufel in seiner Sprache sehr wohl, der besonders das nicht sucht, daß Christus ein Wunder tun soll; sondern, wie man aus des Herrn Christi Antwort klar sieht, er wollte ihm gern den Glauben und das Vertrauen auf Gottes Barmherzigkeit nehmen, und ihm den Gedanken in das Herz stecken: Gott hat dich vergessen, er will sich dein nicht annehmen, er will dich des Hungers sterben lassen, und dir nicht ein Stück Brot gönnen. Darum antwortet der Herr: Ei, Teufel, nicht so; «der Mensch lebt nicht allein von dem Brot, sondern von einem jeden Wort, daß da geht aus dem Munde Gottes.» Das also des Teufels Eingeben dies ist, er soll allein auf das Brot denken, und Gottes Wort nicht weiter achten, wenn er Brot habe. Solche Anfechtungen gehen auch noch heute, daß der Teufel den Leuten solche Gedanken in das Herz steckt: Bist du Gottes Sohn, so kann Gott mit dir auch nicht zürnen. Darum so scharre nun getrost und sei geizig, tu wie die Welt tut, schadet alles nichts, du kannst nicht sündigen. Denn sollte Gott dir die Nahrung und das Brot nicht gönnen wollen, so müßte er doch ein schlechter Gott und unbarmherziger Vater sein. Mit solchen Gedanken macht er Bürger und Bauern zu Schälken, daß sie fortfahren mit Scharren und Geizen, und halten es dafür, Gott werden darum nicht zürnen, weil es allein um das tägliche Brot und die Nahrung zu tun ist. Ich muß ja, gedenkt ein jeder, für Weib und Kind sorgen, ihnen genug schaffen. Also macht der Teufel mit dem Wort einen Deckel über die Sünde, daß er spricht: Du bist Gottes Sohn. Als wollte er sagen: Du kannst ja nicht sündigen noch Unrecht tun. Wie man überall in der Welt sieht, daß niemand sich ein Gewissen darüber macht, daß er nach dem Wort ein wenig fragt, und fragt allein nach dem Brot oder der Nahrung. Darum geht diese Anfechtung auch heute noch in der Welt, daß der Teufel das Wort gering macht, und die Leute dahin treibt, daß sie nicht so sehr nach dem Wort fragen, als um das Brot. Da muß man lernen und sich gegen solche Anfechtungen wehren, und sagen: Teufel, du willst mich gern vom Wort bringen; nein, es soll dir nicht gelingen. Denn ehe ich an Gottes Wort Mangel haben wollte, eher wollte ich am Brot Mangel haben und lieber des Hungers sterben. Denn es ist ja besser, daß der Leib verderbe, denn daß er durch Speise erhalten werde, und die Seele ewig sollte sterben und verloren sein. Zu solchen Gedanken läßt der Teufel uns nicht gern kommen, legt sich aber mit der Anfechtung immer in den Weg, und arbeitet dahin, daß wir nur auf den vollen Bauch sehen und Gottes Wort verachten, und denken sollen, es hat keine Not, Gott ist mein Vater, sollte er mir das Brot und die Nahrung nicht gönnen? Wer vor solcher Anfechtung sich bewahren will, der lerne hier von Christus, daß ein Mensch zweierlei Brot habe, das vom Himmel kommt, ist das Wort Gottes. Das andere und geringere ist das zeitliche Brot, daß aus der Erde wächst. Wenn ich nun das erste und beste Himmel-Brot habe, und lasse mich davon nicht bringen, so soll das zeitliche Brot auch nicht fehlen noch außen bleiben: es müßten eher die Steine zu Brot werden. Die anderen aber, die das himmlische Brot fahren lassen, und nehmen sich allein um das zeitliche an: wenn sie den Bauch voll haben, legen sie sich hin und sterben. Sie können das Gut nicht total fressen, sondern müssen es hinter sich lassen und dort ewig Hungers sterben. Es soll aber nicht so sein. Darum ob dich der Teufel anficht durch Verfolgung, Mangel, Hunger und Kummer: leide es und faste mit Christus, weil doch der Geist dich so treibt, und laßt das Vertrauen auf Gottes Gnade nicht fallen. So werden bald die lieben Engel kommen und deine Tischdiener werden; wie der Evangelist hier am Ende von Christus sagt. Das ist das erste Stück, von der ersten Anfechtung, daß man Gottes Wort lernen soll und hoch halten, und demselben glauben, und sich durch kein Unglück und Mangel dahin bewegen lassen, daß man daraus schließen wollte, Gott wäre uns nicht gnädig, er wolle uns nicht helfen, er habe uns ganz und gar vergessen. Gegen solche Anfechtung tröstet uns niemand, denn allein das Wort Gottes. Das ist solch ein Brot und Speise: wer davon ißt, das ist, wer dem Wort glaubt, der hat das ewige Leben. Das merke gut. Wiederum das zeitliche Brot, nach dem alle Welt scharrt, hält nur solange, bis das Stündlein kommt, dann ist es aus, und muß danach in Ewigkeit Hungers sterben. Die andere Anfechtung ist, daß der Teufel den Herrn Jesus führt in die heilige Stadt Jerusalem und stellt ihn oben auf den Tempel, und spricht: Er soll sich herunter fallen lassen, ihm werde kein Leid widerfahren, denn er sei Gottes Sohn; darum müßten eher alle Engel auf ihn warten, ehe er an einen Stein sich stoßen sollte. Das ist eine schwere und geistliche Anfechtung des Glaubens, da der Glaube auf der anderen Seite auch angefochten wird, eben wie er oben mit der Sünde und dem Zorn Gottes angefochten wird. Denn wo es der Teufel dahin nicht bringen kann, daß wir an Gott verzagen, so versucht er es auf der anderen Seite, ob er uns könne vermessen und hoffärtig und kühn machen. Als wollte der Teufel sagen: Willst du mit mir aus Gottes Wort diskutieren; halt, ich kann es auch. Da hast du Gottes Wort: «Er wird seinen Engeln über dir Befehl tun, die müssen dir eine Treppe bauen, und sollen dich auf den Händen tragen.» Nun so spring hinab, laß sehen, ob du auch der Zusage Gottes glaubst. Hier muß man Christum verstehen und als einen Menschen sehen, der die Gottheit in seiner Menschheit verborgen hat. Wie er am Kreuz sich auch so stellt als ein Mensch, klagt und schreit um Hilfe und Erlösung: also stellt er sich hier auch als ein einfacher Mensch. Darum meint der Teufel, er wolle ihn dahin bringen, daß er Gott einem unnötigen Wunderzeichen versuche. Führt darum den 91. Psalm an, zum Zeugnis; läßt aber doch das nötige Stück darin aus: der Herr wird dich bewahren «auf deinem Wege.» Mit solchem Spruch will der Schalk dem Herrn Christus aus den Augen reißen, was ihm befohlen war, und ihn führen auf seine Weise, die ihm nicht befohlen war. Denn Christus ist jetzt in der Wüste, nicht darum, daß er dort Wunder tun soll; sondern das erleiden soll, er soll ein leidender Mensch sein: so will der Teufel ihn aus dem Wege führen, da ihn Gott zu geordnet hat, und bereden, er soll ein unnötiges Wunderwerk tun. Aber Christus treibt ihn zurück und spricht: «Es steht geschrieben: Du sollst Gott nicht versuchen.» Denn da ist eine Treppe; darum ist es nicht nötig, daß ich mich hinunter fallen lasse. Weil ich nun ohne Gefahr die Treppe hinab gehen kann, wäre es unrecht, wo ich mich ohne Not und Befehl Gottes wollte in Gefahr begeben. Das ist auch eine nötige und nützliche Lehre, daß es heißt Gott versuchen, wo jemand von dem ordentlichen Befehl abtreten, und ohne Gottes Wort etwas Neues und Besonderes anfangen will. Wie Mönche und Nonnen tun, die fahren aus eigener Andacht, nehmen sich ein besonderes Leben vor; sagen danach, Christus hat es befohlen, da er sagt: «Verlasse alles, und folge mir nach.» Das ist nicht allein Vernunft, sondern auch Schrift. Aber hier siehst du, daß der Teufel auch die Schrift führen kann um damit die Leute zu betrügen. Aber den Mangel hat es, daß er die Schrift nicht ganz führt, sondern nimmt nur so viel, als ihm zu seiner Sache dient; was ihm nicht dient, daß läßt er aus und schweigt still davon. Die Wiedertäufer tun auch so, führen sehr viel Schrift, wie man auf keine Kreatur sich verlassen noch darauf vertrauen soll. Danach sagen sie: Die Taufe ist auch eine Kreatur; denn es ist nichts anderes als nur Wasser; darum soll man auf die Taufe kein Vertrauen setzen und sich darauf verlassen. Die wollen Gottes Gnade nicht bei der Taufe glauben, sondern mit den Händen fassen. An Schrift fehlt es ihnen nicht, aber daran fehlt es ihnen, daß sie die Schrift nicht recht führen. Denn so Gottes Wort nicht da stünde und so lautete: «Es sei denn, daß jemand wiedergeboren werde durch das Wasser und den Geist, so wird er das Himmelreich nicht sehen»; so wäre es unrecht, Gottes Gnade in der Taufe oder bei dem Wasser suchen. Aber da steht Gottes Wort fest: «Wer da glaubt und getauft wird, der wird selig.» Denn es muß Glaube und Taufe, Wort und Wasser bei einander sein; das wollen die blinden Leute nicht sehen. Also widerspricht Christus dem Teufel auch, und antwortet: Wenn ich auf meinen Wegen gehe, die mir Gott befohlen hat, so weiß ich wohl, daß die Engel bei mir sind, und auf mich sehen müssen und mich bewahren. Also wenn ein Kind in seinem kindlichen Gehorsam geht, Vater und Mutter, Knechte und Mägde in ihrem Amt und Beruf gehen, so ihnen ein Unfall kommt, da will Gott durch seine Engel retten und helfen. Gehen sie aber aus dem Wege, so sollen die Engel nicht da sein; da kann ihnen der Teufel alle Stunden den Hals brechen; wie er denn oft tut, und geschieht ihnen auch recht, denn sie sollten nicht neue noch andere Wege machen; denn das heißt Gott versuchen. Das ist nun solche Anfechtung, die niemand versteht, denn er habe es erfahren. Denn gleich wie die erste auf Verzweiflung treibt, so treibt diese auf Vermessenheit, und auf solche Werke, die Gottes Wort und Befehl nicht haben. Da soll ein Christ die Mittelstraße gehen, daß er weder verzweifle noch vermessen ist, sondern bleibe einfältig bei dem Wort in rechtem Vertrauen und Glauben. So sollen die lieben Engel bei uns sein und sonst nicht. Die dritte Anfechtung ist nun die gröbste, daß der Teufel durch Lehre und Gewalt uns, wieder Gottes Wort, sich untersteht uns in Abgötterei zu bringen. Zu solchem hilft das sehr viel, daß die äußerliche Heiligkeit so einen großen Schein vor der Vernunft hat, und weit schöner scheint, denn aller Gehorsam gegen das Wort Gottes. Denn der Papst hält den Ehestand nicht für ein heiliges Leben, also, Kindern nähren und lehren, im Haus arbeitsam, gehorsam und treu sein, als er es für ein heilig und großes Ding hält, wo einer hingeht, zieht einen grauen Rock oder eine Kappe an, hält sich nicht wie andere Leute, ißt kein Fleisch am Freitag, fastet, geht Wallfahrten. Das hat einen solchen Schein, daß König und Kaiser sich davor bücken. Mit solcher eigenen Andacht und selbst erfundener Geistlichkeit ist der Papst groß geworden, daß er und sein Haufe nicht tun will, was andere Leute tun; denn dasselbe wäre ihnen zu gering. Das hat aber ein besonderes Ansehen, wenn einer in ein Kloster läuft, ein Mönch und unseres Herrn Gottes (wie sie rühmen) eigener Diener wird, da man weder Geld noch Gut sucht und der Welt sich ganz entzieht. Denn so hat man das Leben der Mönche gerühmt; obwohl es eine andere Meinung damit hat, wie jedermann wohl weiß. Aber Summa Summarum, dieses ist eine rechte teuflische Anfechtung. Denn es ist eine nicht befohlene Heiligkeit, und heißt nicht Gott gedient, dem man doch, wie Christus hier sagt, allein dienen soll. Dient man aber Gott nicht allein, so dient man gewiß dem Teufel. Der lohnt auch, wie er Christus hier verheißt, und gibt ein gutes Leben. Wer aber Gott dienen will, der tue, was Gott in seinem Wort befohlen hat. Bist du ein Kind, so Ehre deinen Vater und Mutter. Bist du Magd oder Knecht, so sei gehorsam und treu. Bist du Herr oder Frau, so ärgere deine Knechte nicht mit Worten noch mit Werken; sondern tue, was dir gut ansteht, und halte sie auch zur Furcht Gottes. Das heißt Gott und seinem Wort, und nicht der Person gedient. Denn da ist sein Wort, daß solches befiehlt und haben will. Man heiße es nun vor der Welt, wie man will, daß es Herrn oder Frauen, Vater oder Mutter, Nachbarn oder Kindern gedient sei, so ist es doch ein rechter Gottesdienst. Denn Gott hat sein Wort geschrieben über meines nächsten Haupt und gesagt: Du sollst deinen Nächsten lieben und ihm dienen. Das nun der Papst solches Befehls nicht achtet, und seine besondere Heiligkeit daraus macht, wenn man eine graue Kappe anlegt, keine Butter noch Fleisch ißt, das ist lauter Teufelsdienst. Denn Gottes Befehl und Wort ist nicht da. Dieses reimt sich eben zur Frömmigkeit, die vor Gott gilt, als es sich reimt zu einem steinernen Haus, wenn die Kinder Häuser aus Kartenblättern machen. Ursache, Gott kannst du nicht dienen, du hast denn sein Wort und Befehl. Ist nun sein Wort und Befehl nicht da, so dienst du nicht Gott, sondern deinem eigenen Willen. So sagt nun unser Herr Gott: Wem du dienst, der lohne dir auch; welcher Teufel hat es dir gesagt? Ich heiße dich Vater und Mutter, deiner Obrigkeit und deinem Nächsten dienen; das läßt du gehen, und tust dazu, daß ich nicht befohlen habe; das soll ich mir gefallen lassen? Nein, da wird nichts draus werden. Also ist der Papst und sein Haufe ein lauterer Götzendiener und Teufelsknecht. Denn das Wort verachtet er nicht allein, sondern verfolgt es auch; will dazu noch heilig sein um solches äußerlichen Gottesdienstes willen, den er angerichtet hat mit Kappen und Platten, mit Fasten, Fische essen, Messe lesen, und was dergleichen mehr ist; davon kann ihn niemand bringen. Warum? Darum, daß der Teufel ihm der Welt Reich gewiesen und verheißen hat. Das macht, daß er unserer Predigt und Gottesdienst spottet. Denn wir sind Bettler dabei, und müssen viel leiden. Aber seinen Gottesdienst hebt er in den Himmel; denn da hat er Geld und Gut, Ehre und Gewalt von, und ist ein größerer Herr, denn als ein Kaiser und König sein kann. Da sieht man, wie der Teufel mit dieser Anfechtung so gewaltig ist. Wir aber sollen dem Teufel unter die Augen treten, und ihm sagen, wie Christus sagt: Teufel, heb dich von mir weg, es steht geschrieben: «Du sollst Gott deinem Herrn, allein dienen,» das ist, allein auf Gottes Wort sehen und demselben folgen, und außerhalb desselben keinen Gottesdienst anrichten. Auf diese drei Anfechtungen müssen wir gewappnet sein, weil wir leben. Sollen darum hier lernen, wie wir uns mit Gottes Wort dagegen schützen, daß wir auf der Mittelstraße gehen; und uns darum nicht den Glauben nehmen lassen, daß wir Stein und nicht Brot haben, wenn uns hungerte, noch im Glauben vermessen werden, oder endlich um Geldes um Guts willen vom rechten Gottesdienst abfallen; sondern zugleich im Glauben und in der Furcht Gottes beständig bleiben. Unser lieber Herr Christus, der diese Anfechtung und zu gut selbst überwunden hat, der gebe uns auch Stärke, daß wir es durch ihn überwinden und selig werden mögen, Amen.