Ludwig I., König von Bayern 1825 – 1848 Der Haunstein Sehet dort auf jenen Höhen, An des Klausners Zell' vorbei, Trümmerndes Gemäuer stehen, Ragen in die Lüfte frey. Gräßlich thut's dort oben hausen, Dumpfes Stöhnen wird gehört, Schauervoll vernimmt man's sausen, Wo das Bergschloß liegt zerstört. Land in dieses Schlosses Mitte, Hohen Muthes, ungeschwächt, Treu der alten biedern Sitte, War ein ritterlich Geschlecht; Lebte froh und lebte bieder, Bis von Habsucht arg gefaßt, Die zwei letzten, welche Brüder, Mordbegierig sich gehaßt. Unfern von den grünen Wiesen, Die hindurch ein Bach sich schmiegt, Sich die Brüder niederstießen, Wo die schale Stelle liegt. Drum verweilet tiefe Trauer, Wehet immer grausend da In den Lüften Geisterschauer, Wo die blut'ge That geschah. Jährlich an demselben Tage Flammen werden zwei gesehn; Mit dem mitternächt'gen Schlage Gräuich hört man dort es gehn. Und die Flammen kommen wieder, Wo geschah der Brüdermord, Bis sich gegenseitig Brüder Einst das Leben retten dort.