Matthäus Merian Merians anmüthige Städte-Chronik   Leser, sey indächtig –   Merians anmuthige Städte-Chronik das ist Historische und wahrhaffte Beschreibung und zugleich künstliche Abcontrafeyung zwanzig vornehmbster und bekantester in unserm geliebten Vatterland gelegenen Stätte Aus des Matthaeus Merian Seel. und seiner sämptlichen Erben Anno 1642 erstlich in offenen Truck außgangenen Topographia Germaniae ausgewählt von Hartfrid Voß und neu ans Tageslicht gebracht vom Verlag Wilhelm Langewiesche-Brandt Vorrede Großgünstig-geneigter Leser und Liebhaber der deutschen Sachen: Wann man der alten Skribenten uns überbliebene Schrifften von Teutschen Sachen durchgehet, so findet sich in denselben, daß unser Hochgeehrtes Vatterland vor Alters sehr rauh und wüst gewesen und von den Ausländern für eine finstere Wildnuß, traurigste Wohnung, ungeschlachtes und mehrentheils unerbautes Erdreich gehalten worden, darinnen keine Stadt und Schlösser zu sehen, keine fruchttragende Bäume und dergleichen, aber wol viel Morast, große Walde, wilde Seen und unfruchtbare Berge anzutreffen. Aber nachdem unsere Vorfahren ihre kriegerische und wilde Art nach und nach hinweg gelegt, sich angefangen höflicher Sitten zu gebrauchen, etwas in Künsten und Sprachen zu lernen und zur Vermeidung des Müssiggangs das Erdreich zu pflanzen und zu bauen, da hat Teutschland, sonderlich als die wahre Christliche Religion in demselben herfür zu leuchten begunte und die höchste Würde des Römischen Reichs an dasselbe gelangte, herrlich zu grünen und von Tag zu Tag an Macht, Gewalt, Schönheit und aller Dingen Überfluß zuzunehmen angefangen. Also daß hernach, gleich wie in der ganzen Welt nichts Herrlichers als Europa, auch in Europa nichts Edlers und welches in allen Dingen so vollkommen wäre als Teutschland, zu finden gewesen. Dann es ist dermassen erbauet, und mit solcher schönen Gelegenheit gezieret worden, daß es diß Orts keinem Lande etwas nachgegeben, und war nicht zu glauben, wie viel ummauerte, und mit schönen, lustigen, herrlichen und gewaltigen Gebäuen zugerichte Städte, Vestungen, Schlösser, Clöster, Flecken, Dörffer, Weiler, und in denselben ansehnliche, und mit köstlichem Kirchen-Ornat begabte Tempel, Collegia und Schulhäuser, stattliche Bibliotheken, schön erbaute Kirchhöfe, reiche Spitäl, wohlangeordnete Waisen und andere dergleichen den Armen und Preßhafften zu gutem gewidmete Ort und Wohnungen, prächtige Palläst, wohlerbaute, fein disponirte und stattlich ausstaffirte Rath-Zeug- und Kauffhäuser, Märckte, Korn-Schütte, Marställ, Mühlen, Bäder, künstliche Thürn und Uhrwerck, Schauplätz, Wasserkünste, Meerhäfen, Brünn, Brücken, Schießhütten, Ballzucht- und Wirtshäuser, Kunst-Cammern, Antiquitäten, Monumenten, Münzwerck, stattliche Privat-Wohnungen, lustige und nützliche Gärten, künstliche Gemälde, und viel anders mehr, in solchem anzutreffen: Allda man Höflichkeit, rechte Adeliche Übungen, Sitten, Tugenden, schöne, gravitätische und ernstliche Ceremonien, gute Gesetz und Ordnungen, hohe Künste, Weißheit und Sprachen, und wie, neben der Christlichen Religions-Übung, man Land und Leute wohl regieren, auch im Nothfall zu Land und Wasser den Krieg führen, mit grossem Nutzen Gewerb und Handlungen treiben; allerley Handwercke erlernen, und die Haußhaltung wol bestellen solle, studiren können. Es werden auch da fruchtbare Berg, grossen Nutzen tragende, und zum Jagen gantz bequemliche Wälde, berühmte, grosse Goldführende und Schiffreiche Flüß, See und andere Wasser, und darinn auserlesene Fisch, als Lachs, Murenen, Stör, Hausen etc. Item, heilsame warme und andere Bäder, Saurbrünn, Gold, Silber, Eisen, Zinn, Bley und Kupfferreiche Bergwerck, Edelstein, Mineralien, Schwefel, Alaun, Steinkolen, Schifferstein, Mühlstein, Grabstein, Schleiffstein, Alabaster, Marmol und andere Steinbrüch, Salzbrünn und Gruben, treffliche Waide, köstlicher Weinwachs, allerley gutes Getraid und Früchte, seltzam und wunderbarliches Erdgewächs, heilsame und gesunde Kräuter, herrliches Obst, Mandel, Castanien, Saffran, Süßholtz, Myrrhen, Weyrauch, etc. allerhand zahme und wilde Thier, und viel anders mehr, angetroffen. Weil dann dieses mächtige, schöne fruchtbare und wolerbaute Land wol würdig, daß es absonderlich beschrieben werde, als hat unser lieber Vater Matthaeus Merian, Buchverleger und Kunststecher Seel. Anno 1650 bey deß H. Reichs-Wahl- und Handels-Stadt Franckfurt am Mayn, als ein besonderer Freund und Liebhaber aller löblicher, insonderheit aber Mathematischer und Geographischer Künsten wie auch Historischer Beschreibungen, sich dahin bearbeitet / neben vielen andern sehr nutzlichen und anmüthigen Büchern und Operibus vor etlichen Jahren auch ein Topographiam oder Topographisches Werck, das ist eine Historische Beschreibung und zugleich künstlich ins Kupffer gestochene Abcontrafeyung unterschiedlicher in unserm geliebten Vatterland Teutscher Nation gelegener Provinzen, Länder, Königreichen, zumalen aber in specie deren darin gelegenen nit allein ansehnlichsten und fürtrefflichsten Haupt-, Reichs-, Residentz- und anderer considerabler Städten, sondern auch der übrigen mittelmässigen und geringeren Land-Städten, dem gemeinen Nutzen zum besten, zu publiciren und in offenen Truck außgehen zu lassen. Wiewol es Anfangs eben schwer damit hergegangen und ziemliche Zeit, Mühe und Unkosten um schrifftlichen Bericht und Abriß hin und wieder zu schreiben solches erfordert hat, weilen von so viel ansehnlichen in den hochwollöblichen Händern sich befindenden Orten biß dahero, so zu verwundern, wenige oder gar keine Beschreibungen und noch viel wenigere derselben Abbildungen an das Taglicht kommen seyn / so haben wir, seine Hinterbliebene Kinder und Erben, also auch auß Lieb, Inclination und Neygung zur Beförderung erstgedachter Künsten und Wissenschaften, uns ebenmässig verbunden zu seyn erachtet, ihme bey solch seinem löblich angefangenem Topographischen Werck auff dem Fußstapffen gleichsam nachzufolgen, und auch die noch übrige Länder und darinn gelegene Städt und Plätz, in gleichmässiger Form beschrieben und abgebildet, nach und nach folgends an des Tages Liecht zu bringen. Hoffend, daß solch ein löbliches Vornehmen vielen hohen, mittlern und niedrigen Stands-Personen sehr lieb und angenehm seyn möge. Franckfurt am Mayn den 14. Aprilis, im Jahr Christi 1652 Matthaei Meriani, deß Aeltern seel. hinterbliebene sämptliche Erben     Da nun aber dies hochwollöbliche Werck, die Topographia Germaniae des Matthaeus Merian Seel. und seiner Erben gar groß und nur schwer und wenigen zugänglich, als hat sich der untenermelte Herausgeber für nützlich und ersprießlich erachtet, einen geringen und kurtzen Außzug darauß zu geben und denselben zu mehrer Commodität und Vergnügung deß liebhabenden Lesers in eine zierliche Form zu bringen, nicht zweiffelnd, diese curiose Beschreybung vornehmster und bekanntester Oerthen in Teutschland aus der Zeit, da das flammende dreißigjährige Kriegsfeuer mählich durch einen grünenden Frieden ersetzt worden, jedermänniglich und insonderheit den Inwohnern der beschriebenen Städte beliebet seyn werde. Anno 1935 Hartfrid Voß Augsburg Augspurg/Augusta Vindelicorum Es ligt diese Statt auff einem lustigen Bühel, hat gegen Orient über den Lech das Bayrische Stättlein Friedberg, gegen Mittag die Algäuische Alpen und das Stättlein Landsperg, gegen Mitternacht die Thonau und gegen der Sonnen Nidergang stößt sie an die Marggraffschaft Burgau, und endet sich zu Augspurg das Schwabenland, darinn sie noch ligen thut. Hat eine freye heilsame Lufft und ist der Boden herumb gar eben und fruchtbar an allerhand Früchten, jedoch ohne Weinwachs. Hat umb und umb eine weitschweifige Weyd, ein feyst letticht Erdreich, lustige Felder, zum Gevögel und anderem Wildpret bequem, mit den schönesten Forsten umbgeben. Es wird diese Gegend ringsumb mit lustigen fliessenden Bächen von lauteren und klaren Brunnenwassern begossen, mit den schönesten Gärten und Lußthäusern darinnen gezieret. Diese der Licatier Vindelicier Haupt-Statt, so Licatiorum Damasia vor Zeiten geheissen, haben die Römer eyngenommen und hieher ein Coloniam (oder Römisch erbauende Menge) 12 Jahr, zween Monate und siebenundzwantzig Tag vor Christi Geburt geführet. Und bekame sie vom Kayser Augusto den Namen Augustae. Was den Teutschen Nahmen anbetrifft, so ist auß dem Augusta und Burg mit der Zeit Augspurg worden, so soviel als Augusti Statt heisset. Und ist denckwürdig, daß auß unzählbaren Stätten, welche deß Kaysers Augusti Nahmen hin und wieder in der Welt bekommen und für andern berühmbt gewesen, fast allein diese einige Statt noch übrig ist, so ihren Namen in so viel hundert Iahren nicht verändert hat. Es führet die Statt zum Wappen ein Pine, Trauben oder Apfel, und ist zu vermuthen, weiln diese Landsart spitzige Nußbäume als Dannen, Fiechten, Fohren und Lerchenbäum hat, dessen zu gedencken eine dergleichen Frucht in das Statt-Wappen kommen seye. Sie ist, von der oben gemelten Colonia an zu rechnen, ungefehr fünfhundert und fünffzig Jahr in der Römer und Gothen Gewalt gewesen, von denen sie unter der Francken Beherrschung kommen, biß daß das Römische Reich auff die deutschen Kayser gelanget, unter denen folgends diese Statt unter denen von ihnen gesetzten und belehneten Hertzogen in Schwaben gewesen ist, biß sie sich von dem letzten Conradino mit vilem Gelt frey gemacht und von den Kaysern hernach herrliche Privilegien erlanget hat. Anno 1272 hat der Bischoff die Jurisdiction und zwey Jahr darnach noch viel andere Gerechtigkeiten mehr dem Rath umb eine benandte Summe Gelts und auff eine bestimpte Zeit verliehen und versetzt. Anno 1426 hat ein Rath allhie beym Kayser Sigismundo erlangt, daß die Vogtey der Statt Augspurg von keinen Kayser nimmermehr verkaufft oder verpfändet werden möchte. Anno 1551 gab Kayser Carolus V. der Statt das Privilegium, daß sie Zollfrey seyn sollte mit allen ihren Sachen, was sie dahin führeten und wie sie es gleich herbrächten. Was aber sonsten das Regiment dieser weitberühmbten Reichs Statt betrifft, so ist solches vor Zeiten bey den Patritiis oder Geschlechtern gewesen, und wurden die beide Stattpfleger alle Jahr neu erwählet. Aber Anno 1368, als Graf Ulrich von Helffenstein Landvogt allhier waren, entstund ein Aufflauff von der Bürgerschaft und wurde darauff den Geschlechtern ihre Gewalt beschnitten und geordnet, daß die Geschlechter nicht allein deß Statt-Regiments wie bißhero fähig seyn, sondern hinfort in hundert Jahren und einem Tag (mit welcher Zeit der deutsche gemeinlich dasjenige, so ewig wären sollte, bestimpt) zween Burgermeister, einer auß dem Herren Geschlecht, der andere auß den Zünfften jahrlich erwöhlet würden, welche auch gleichen Gewalt hätten. Und solches Regiment währete biß auffs Jahr 1548, in welchem Kayser Carolus V. dasselbe wider änderte, hernach die Zünffte auffgehoben und die Zunfftmeister abgeschafft hat. Von weltlichen Gebäuen ist sonderlich das gewaltige Rathhauß zu besichtigen, so man Anno 1616 zu bauen angefangen, dessen Säl und Zimmer auffs Stattlichst und über die massen zier- und köstlich erbauet und zugerichtet seyn. Und stehet bey diesem Rathhauß der künstliche Perlachthurn, so sonderliche Anzeig gewisser Jahreszeiten gibt, bey dreihundert Staffeln hoch ist, und man die Statt davon wol besichtigen kann. Und von diesem Thurn wird der Platz, darauff das Rathhauß stehet, der Perlach und insgemein Perle genant, von dessen Worts Ursprung theils meynen, er werde darumb der Berlach genant, dieweiln vorzeiten Bären allda auffzogen worden, wie noch etliche alte Gemälde außweisen. Sonsten seyn noch zween stattliche Brunnen allhie, auf dem Weinmarckt und vor dem Korn- und Weberhauß, welches auch wol erbauet, weil die Weberzunfft die grösste allhie seyn solle. Als in welcher zu Kaysers Maximiliani deß Andern Zeiten 1600 Meister und darüber gezehlet worden, welche alle viel Knecht und ein groß Gesind zu halten pflegen, so allerley des hüpschten und besten Barchet und Pommesin bereyten und machen. Die Metzig ist ein Kayserlich Beneficium und wird den Bürgern dises Handwerck durch die Herren Truchsessen von Waldpurg verliehen. Vor dem Jacober Thor und in selbiger Vorstatt ist die Fuggerey, daher den Nahmen, weiln Ulrich, Georg und Jacob die Fugger Gebrüder umbs Jahr 1519 etliche viel Gärten, Höf und Häuser erkaufft und hundertundzehn Gemach allda erbauet, darinnen allein haußarme Leut, so das Almosen nit nehmen, jährlich einer umb ein Gülden unterhalten werden. Zu Anfang des 1642. Jahres waren zweyundfünffzig Häuser, deren jedes hat zwey Gemach, das untere ein Höfflein oder Gärtlein, das obere aber darfür einen Boden. Gibt ein Gemach deß Jahres ein Gülden Zinß. Und wann ein Genoß von dem andern stirbt, so bleiben Wittiber und Wittib ohnvertrieben. Wann aber ein solche Person wieder verheiratet, so muß sie alsbald herauß. Es haben sich in dieser Statt je und allezeit viel denckwürdige Sachen zugetragen, deren wir allein Kürze halber etliche weniger gedencken. Als daß man will, daß diese Statt Anno Christi 451 vom Attila übel verwüstet worden seyn solle. Zun Zeyten Kaysers Ottonis des Grossen ist sie von seines Sohns Luitolphi und Tochtermanns Cunradi rebellischen Anhängern eyngenommen und mit Schwerdt und Feuer übel zugerichtet worden. Besagter Kayser hat Anno 955 bey dieser Statt auf dem Lechfeld die Ungarn gäntzlich erlegt. Und weiln die Weberzunfft eines Ungarischen Obersten, so in der Schlacht geblieben, Schild und Waffen unter andern Beuten erobert, als führet sie dieselbige noch heutigs Tags in ihrem Wappen, und seyn der Schild und Helm mit roth und gelben Querstrichen abgetheilet. Anno 1084 ist die Statt von Marggraf Leopold auß Oesterreich und Hertzog Hermann auß Schwaben zerrissen und zum guten Theil verbrant worden. Und kaum nach 4 Jahren hat Herzog Welph auß Bayern das übrige zerschleisst, verbrant, die Mauren eyngeworffen und dem Boden eben gemacht. Anno 1415 seyn die Gassen und Strassen erstlich zu Augspurg gepflastert worden. Anno 1418 war es allhie gar wolfeyl, daß ein Pfund Rindfleisch 3 Heller, ein Pfundt Schmaltz umb 4 Pfenning, ein zweypfündig Maß Neckerwein umb 3 Pfenning, ein Karren voll Scheidtholtz umb 10 Groschen und 3 Hennen-Eyer umb einen Heller verkaufft wurden. An. 1420 sturben allhie an der Pest 16 000 Personen, item An. 1642 in die eylfftausend Personen, welche Kranckheit auch das folgend Jahr beynahend den vierdten Theil der Menschen hinweg genommen. Anno 1473 gab man ein Maß Wein umb 3 Pfenning und seyn selbiger Zeit 120 Wirth oder Weinschencken allda gewesen. Drauff Anno 74 die Schenckmaß kleiner gemacht worden. Von Ostern Anno 1559 biß Ostern 1560 und also in einem Jahr wurden allhie dreyzehentausend Ochsen geschlachtet. Es war gleichwol auch in besagtem 59. Jahr ein Reichstag allda. Anno 1565 war die erste Leichpredigt bey der Begräbnuß Thomae Stahls allhie gehalten. Anno 1632 ist diese Statt im Aprilen vom König Adolpho auß Schweden belägert und eyngenommen, folgends aber von den Kayserischen Anno 1634 und 35 also blocquirt gehalten worden, daß sie sich wegen grosser Hungersnoth hat ergeben müssen. Bremen Bremmen / Ptolomaei Phabiranum Diese vornehme und berühmbte Reichs- und Hansee-Statt, allda grosser Handel getrieben wird, halten theils für des Ptolomaei Phabiranum , und führen den jetzigen Nahmen von den Brombeer-Stauden her, die vor Zeiten in großer Menge da gewachsen seyn sollen. Sonsten hat sie in ihrem Wappen Schlüssel, weilen sie sampt ihrem Gebiet dem Meer nahend ist und die Weser beschützet und befreyet. Dann diese Statt bey der Weser an einem zu der Kauffmannschafft auß der West- und Nord-See bequemen, lustigen und fruchtbaren Ort gelegen, da es auch gute Viehweide, davon die Burger jährlich grossen Gewinn haben. Es gibet gleichwol auch viel Sümpff herumb. Sonsten ist die Statt in ablänglicher Form gebauet, hat schöne weite Gassen, beiderseits nach der Ordnung mit herrlichen und unzählbaren Burger-Häusern besetzt, wiewol einer meldt, daß sie ziemlich unflätig gehalten werden, welches vielleicht von dem vielen Viehe, so da ist, herkommen möge. Ist im übrigen von Werckern, kunst- und natürlichem Lager gar fest. Hat einem weiten grossen Marckt, in welches Mitte eines Kaysers und Königs Bildnuß, das bloß Schwerdt in der Hand haltende, zu sehen; wovon hernach zu lesen. Die eine Seiten des Marckts zieret die Domkirch, die ander das Rath-Hauß, welches ein köstliches und angenehmes Fundament, nämlich den öffentlichen Weinkeller hat, in welchem E. E. Rath unter eines darzu bestellten Auffsicht den Wein umb ein leidenlich Gelt hergibet. Welches dann bey vielen Sächsischen und Westphälischen Stätten im Brauch ist, daß die Außschenckung des Weins bey dem Rath, die gemeine Beschwerde dadurch zu tragen, stehet. Es hat aber diese Statt auch sonsten gutes Einkommen und ein schönes Gebiet, und nicht geringe Aempter oder Vogteyen, als Viehland, Hollerland, Werderland, Blockland, Borchfeld, Blumenthal, Nyenkercken, Bederhusen oder Berxen, in welchem etliche Schlösser, viel Dörffer, Pfarren, See, Holtz und dergleichen, so theils ziemlich weit von der Statt gelegen seyn. Der Port oder Hafen allhie wird Vegesack genant, und ist an dem Ort, wo die Wumma oder wie man sie allda nennet, die Lessem oder Lesmona, sich in die Weser ergiesset. Dann die Last-Schiffe nicht gar an Bremen kommen können, sondern daselbst ausgeladen werden. Die Statt Bremen selbsten erstrecket sich jetzt viel weiter gegen Mittag über die Weser als vorhin, also daß sie auff selbiger Seiten gleichsam eine neue Gestalt bekommen, und wird solche Neue mit der Alten Statt durch eine hültzerne Brücken vereinbaret, welche Brücke künstlich erbauet, also, daß nach der ganzen Länge etliche Mühlen unter derselben seyn, auch ein Rad von wunderlicher Größe gesehen wird, so das Wasser aus der Weser schöpffet und in der Statt Häuser durch verborgene Teuchel oder Rinnen zum Gebrauch der Burger laitet. Sie hat fünff Thor, deren das Erste, gegen Morgen, mit einem Bollwerck und Thurn starck befestiget ist, das Andere, von Jenem gegen Mitternacht gelegen, wegen deß den Bürgern erblich gehörigen Feldes fürs Vieh das Herden-Thor genant wird, daran dieser denckwürdige Vers geschrieben stehet: Bremia ut sis sospes, sis hospita fortior hospes. Bremen sey indächtig, laß nicht mehr ein, du seyst denn ihrer mächtig. Das dritte Thor hat von dem nahend gelegenen Tempel Anscharii den Nahmen, welchen Hartvicus zur Gedächtnuß des vierdten Bischoffs allhie, des H. Anscharii, sampt einem kleinern Capitul im Jahr 1182 angerichtet hat. Das Vierdte Thor wird Porta Divana und das Fünffte S. Stephani, wegen der benachbarten Collegiat-Kirchen dieses Nahmens genennet und ist gegen Abend gelegen, allda man Anno 1602 ein starckes Bollwerck gebauet hat. Es hat auch ein Kollegium für die studierende Jugend, item allerhand Gebäu für die Arme, Krancke und Findelkinder allda. Sonsten seyn ausser des oberwehnten Rathhauses zu sehen: das Kauffhauß, das Zollhauß, des Raths Apotheck, das Zeughauß, die offentliche Speicher oder Kornschütte, und umb den Marckt, gegen dem Rathauß über, die Schüttung, da die 16 Elterleute zusammen kommen, wann etwas wegen gemeiner Stadt aus Bewilligung des Raths zu berathschlagen fürfällt. Es seyn die Burger einer gutthätigen Natur und gastfrey gegen die Fremden, in Vermehrung des Gewerbs gar arbeitsam und embsig, wie dann der meiste Theil von der Kauffmannschaft theils auch von ihren Erb-Aeckern und oben angedeuter Viehzucht und dem Biersieden leben. Welches Bier, so röthlich und weiß, herrlich gut ist und in die benachbarte Länder, auch Holland und weiters, überflüssig verführet wird, weilen es so wol geschmack- und annehmlich ist, keine Wind und Reissen in den Därmen (sonderlich das, so im Frühling gebrauen ist) leichtlich verursachet. Der Magistrat bestehet von 24 Personen und vier Burgermeistern, deren zween ein Jahr lang regieren, und wird der, so das halbe Jahr durch den Fürtrag und die Direction hat, der Praesident genant. Den ganzen Rath aber mit seinen Theilen nennen sie die Witheit, Weißheit oder gleichsam der Weisen Rath, in welchem meistentheils die fürnehmsten, das ist die nützesten und besten unter der Burgerschafft, sonderlich der Burger Söhne, so gestudiert, doch also, daß der halbe Theil von Kauffleuten ist, gezogen werden. Und siehet man da in derselben Erwöhlung nicht auff Gunst, Schwäger und Blut-Freundschafft, sondern auff Verdienst, Tugenden und Geschicklichkeit. Sonsten ist auch Anno 1641 ein Bericht, daß nämlich unverneynlich seye, daß E. E. Rath der Stadt Bremen ihre eigene freye Stadt-Regierung in Geist- und Weltlichen Sachen ohne Zuthun der Herren Ertzbischöffe verwalten. So seye auch mit untadeligen alten und neuen Documentis Kayserlichen Concessionibus und Confirmationibus zu belegen, daß die Stadt Bremen mit anderen hohen vortrefflichen Regalien zu Wasser und Lande, unter denen mit der jurisdiction, pacification und protection der königlichen Heerstraßen und fürnehmen Flusses des Weserstroms, von der Stadt Bremen an biß in die Saltzene See, item der Müntz-Gerechtigkeit, Zöllen, Staffelgerechtigkeit, gleitlicher Obrigkeit und allen anderen Regalien, welche eine dem Reich immediate unterworffene Statt haben kann, privilegiret und versehen. Unter anderm gesagt wird, als Kayser Carl der Grosse Anno 805 einen grossen Landtag bey Magdeburg an der Elbe gehalten, hab er daselbst mit den Sachsen einen neuen ewigen Frieden auffgerichtet, worin die Sächsischen Lande und Stätte in den Schutz des Reichs abermals genommen, und verabschiedet, daß sie bey ihren alten Freyheiten gelassen werden, ihnen auch in specie an das Reich zu appelliren frey seyn sollte; in particulari die Statt Bremen betreffend, dieselbe mit einer Statua Rolandina, welche noch biß auff heutigen Tag am offenen Marckte mit einem Adeler im Schilde und mit diesen Worten: Vryheit do ick Ju openbahr De Carll, und mannig Fürst vorwahr, Dieser Statt ghegheven hat, Deß dancket Gode, ist min Rath. auffgerichtet stehet, begabet. Was die Historie dieser Statt anbelangt, so schreibet man, daß ums Jahr 915 die Hunnen Bremen überfallen, die Priester bey den Altären erschlagen und endlich alle Kirchen angezündet. Es hab aber Gott ein groß Ungewitter erreget und die Schindeln von den halb verbrandten Kirchen den ungläubigen Heyden unter das Gesicht geworffen, daß sie davon geflohen und entweder im Wasser ersoffen oder ihren Feinden zu theil worden seyn. Wiewol sie, die Hunnen, Anno 923 wieder kommen und übel da gehausset haben sollen. Es ist aber Bremen zu selbiger Zeit noch schlecht, und vorher bey Kayser Carls deß Grossen ein offener Fleck, wiewol vor Andern in Sachsen selbiges mal schon vornehm und berühmt gewesen, doch vor dem Jahr 990 zu ummauern nicht angefangen worden. Theils wollen, daß ums Jahr 1000 oder 1010 diesen Ort mit einem Graben und Wall Bischoff Umanus eingefangen, theils daß der Bischoff Libentius das erste Fundament der Mauren gelegt, weiln vorhero die besagten Hunnen, item die Normannen und Wenden mit ihrer Grausamkeit hierzu Ursach gegeben. Bischoff Bezelinus haben das Werck fortgetrieben aber nicht gar vollendet, in dessem letzten Jahr, als das Bistum nun fast 270 Jahr gestanden, die gantze Statt ausgebronnen sey. Man liset aber, daß ums Jahr 1100 allbereit grosser Handel von den frembden Kauffleuten auff hieher gewesen. Und, wie mächtig diese Statt folgende worden, ist daraus zu sehen, dieweil die Bremer drey Meerfahrten gethan: eine in das Jüdische Land, die andere nach Portugal, da sie ums Jahr 1141 den Saracenern die Statt Lisabona hinweg genommen, und die dritte wiederum in das gelobte Land ums Jahr 1189, zu welcher Zeit, nach der Bremer lobwürdigem Exempel, man sich der krancken Reisenden angenommen und der Teutsche Ritters-Orden seinen Anfang bekommen hat. Breslau Breßlau / Wratislawia Dies ist die Hauptstadt nicht allein in dem Hertzogthum dieses Namens, so Anno 1337 ledig gestorben und an die Böhmische Cammer gefallen, sondern auch deß ganzen Landes Schlesien, von dannen man 12 Meilen nach Glatz und 33 nach Prag rechnet. Sie lieget an der Ola und Oder, so allda unter der Stadt zusammen fiiessen in einem schönem und ebenen Lande, da ihr von keinem Berge einiger Schade kann zugefüget werden. Und wird sie unter die vesteste und schönste Städte in Teutschland gezehlet, und der Weite oder Größe nach ungefehrlich mit Augspurg verglichen. Sie hat ringsherum ausserhalb der neuen Pasteyen ein altfränckische grade Stadtmauer, mit vielen alten Thürnen darzwischen, alle von gebackenen Steinen erbauet, und ist an den drei Seiten mit einem ziemlich weiten Wasser-Graben umfangen. An der vierdten Seite, gegen Mitternacht, fliesset die Oder hart an der Stadt hinweg, welche den Thurn und was dabey liget und die Stadt voneinander scheidet. Wer sie an dieses Orts Stelle erbauet habe, seynd die Skribenten nicht einig. Indem theils zum Erbauer oder Wieder-Erheber den Pohlnischen Heryog Mieslaum, andere den Wratislaum, des Böhmischen Hertzogs Boleslai Sohn machen, welcher von der Judith, einer Teutschin, gebohren, nach Absterben seines Vattern ein Herr über Mähren und Schlesien worden, den auch Kayser Heinrich der Vierdte zum ersten König in Böhmen gemacht hat. Und von diesem solle der Stadt Name (Wratislawia), so Böhmisch ist, herkommen, wie sie dann auch Ehrn- und Gedächtnuß halber deß Königlichen Namens ersten Buchstaben im Wappen führet. Die Stadt wird ausser eines Hauptmanns, der über das Breßlauische Fürstenthum zu gebieten hat, von acht Burgermeistern, eylff Schöffen und zweyen Sindicis regirt, welche Regimentsform und Statum Aristocraticum allhie man sonderlich lobet; und solches Regiment Kayser Sigismund »ein Regul der Sitten, ein Exempel und Spiegel aller Zucht menschlichen Lebens und einen hellen Morgenstern, der unter andern Städten herfür leuchte«, genant hat. Und wird diese Stadt auch wegen guter Bestellung der Kirchen und Schulen sonderlich gerühmt, von dannen gelehrte Leute und darunter Johannes Crato von Crafftheim, ein berühmter kayserlicher Medicus, und Jacobus Monavius entsprungen seyn. So haben auch die Weibs-Personen allda wegen ihrer Schönheit und Tugenden und daß sie wol kochen können, ein herrliches Lob. Und will Cureus im 2. Teil seiner Schlesischen Chronik, daß man nicht bald einen Ort finden solle, da man reinlicher, besser und köstlichere Speise zurichte und da es in Haußhaltungen ordentlicher und richtiger zugehe als in dieser Stadt. Es ist diese Stadt auch vor Jahren ein Glied des Hanseatischen Bunds gewesen, wie es dann einen sehr grossen Handel mit Kauffmannswaaren allhie gibt, auch die Gelegenheit daselbst mit Teutschen, Böhmen, Polacken und Ungarn zu handthieren gar gut und die Stadt volckreich ist. Hergegen aber gibt es auch allda allerley Kranckheiten. Dann, obwoln, wie gemeldt, dieser Ort in einem weit ebenen Felde über der Oder nach Mittag gelegen, so wird sie doch auch, nach Mitternacht, mit vielen pfützigten feuchten Sümpffen umbgeben, wie man dann sagt, daß die Stadt auf einem ausgetruckneten Pfuhl erbauet seye. So ist allda das Ufer der Oder sehr niedrig und abschüssig, und hat es nahe bey der Stadt einen fetten und feuchten Boden, und ist die Lufft laulecht, so sich zu einer mercklichen Feuchtigkeit ländet (dessen Kälte durch irdische und sumpffichte Dämpffe, die eine warmliche Feuchtigkeit haben, und dann durch warmer Winde Anstreichen gemiltert wird), und gebrauchen sich die Leute überdies überflüssiger Speise, darzu auch der Tranck kommt, der ein safftiges Bier ist, das viel und schleunige Nahrung gibt, und dann starcke dünstige und milde Wein, als Ungarisch-Oesterreich-Mährische und Francken Wein. Daher allhie diese Kranckheiten, als Neygung zu harten Fiebern (aus leichtem Uebergriff), der Nierenstein, die Gicht und das Reissen in Gliedmassen und Gelencken gemeyn sind. Besagtes Bier wird der Scheps genant. Es seyn allhie vornemlich zu sehen: die Bischoffliche oder Haupt-Kirche zu S. Johann in der Insul, ausser der Stadt und über der Oder, dabey eine Schul. Es ist dieses ein sehr herrlich, prächtig und vester Bau, den die Römisch-Catholischen innen haben. Ist mit 2 hohen schönen Thürnen, so oben durchsichtig, gezieret, auch mit einem ganz kupffernen Dach wol verwahret, und inwendig der Chor, vom Domherren Bernhard Edlern wunderschön erneuert, die Capellen daran mit trefflichen wolzugerichteten Altären und Gemählden versehen, der Predigt-Stul sehr künstlich aufgeführt, viel Grabschrifften und Denckmahlen an allen Pfeilern, Orten und Enden, von Gold, Silber und anderen köstlichen Farben, zu lesen und zu sehen. Es ist auch bey dieser Kirchen eine gewaltige grosse und fürtreffliche Bibliotheck vorhanden. Und obschon dieser Dom in dem jetzigen Teutschen Krieg eingenommen worden und etwas Schaden mag gelitten haben, so werden doch, sonder Zweiffel, die beste Sachen bey Zeiten in die Stadt seyn geflehnet worden, die man nie einbekommen hat. Es werden über diese noch viele weitere große und kleine Kirchen gezehlet, item auch unterschiedliche teutsche Schulen, Spitäl für alte Leut und Kinder, und ist unterwerts der Stadt, an der Oder, ein grosser steinerner Palast für die Inficirten zur Pest-Zeit. Von weltlichen Gebäuen ist sonderlich zu sehen: die Königliche Burgk an der Oder, so Kayser Sigismund angefangen und Ferdinand der Erste ausgebauet; auf dem grossen und ansehnlichen Ring oder Marckt das schöne, hohe und weite Rathhauß, darinn die Fürsten-Täg gehalten werden. Dabey ist ein schöner Thurn und drauff ein Schlag-Uhr, welche auf alle 4 Theilen des Marckts die Stunde richtig zeiget, und zwar nach der halben Uhr, welche Anno 1580, den 24. Heumonats, eingeführet und die ganze Uhr abgeschafft worden ist. Es hat sonsten noch zween weite und zierliche Ring oder Plätz, als den Saltz-Ring und den Neu-Marckt. So seynd da zwey grosse und wolversehene Zeughäuser, item unterschiedliche Kornhäuser, darauß in der Theurung der Burgerschafft mildiglich geholfen wird, item die Wage, das Kauffhauß, das Schmetterhauß und die Wasserkünste, in welchen aus der Oder und Ola das Wasser in die Höhe gebracht und durch Röhren in die Stadt und fast in alle Häuser geführet wird. Außer dem Oder-Thor im Schießwerder übet sich die Burgerschafft fast täglich mit den Büchsen und Musqueten, und kann das junge Volck im Burger-Werder auch seine absonderliche Lust haben. Es gibt auch schöne Gärten in und ausser der Stadt. Die Häuser an sich selbsten seyn prächtig, weit, hoch und ordentlich, sonderlich am grossen und dem Saltzring oder Marckt erbauet. An der Oder siehet man drey oder vier sehr alte Häuser mit Thürnen, darinnen wie man vermeynt der alten Schwäbischen Innwohner Fürsten, ehe die Slaven hierher kommen seyn, sollen gewohnet haben. Es haben sich allhie, als in einer grossen Stadt viel Sachen zugetragen, davon wir etlicher weniger gedencken wollen. Ums Jahr 1163 hielt sich Breßlau noch der Pohlnischen Sprach und war noch auff pohlnische Manier und nicht so prächtig, wie folgende, gebauet, daher sie dann auch unterschiedliche Feuersbrünsten als in den Jahren 1172, 1176, 1200 und 1219 ausgestanden hat. Anno 1241 zur Zeit der Tartarn Einfall in Schlesien haben die Burger die Stadt verlassen, sie angezündet und sich ins Schloß begeben, so die Tartarn nicht erobern konnten. Nach diesem ward bewilliget, daß sich die Stadt, zu desto zeitlicherm ihrem Auffnehmen, Teutschen Rechtens gebrauchen möchte, da dann die alte unbillige Gesetze und die Pohlnische dienstbare Beschwerungen abgeschafft und aufgehoben und die Stadt mit Freiheiten, wie andere deutsche Städte begabet und versehen worden. Damit hat nun Breßlau an Einwohnern trefflich zugenommen und ist umbs Jahr 1260 wieder mit neuen Gebäuen geziret worden. Aber Anno 1341 brante sie wieder schier gar aus. Nach dem Brand ward sie, wie Cureus schreibt, vom Kayser Carl den Vierdten, König in Böheim, Anno 1353 auffs neu erbauet und über die Oels hinaus ein groß Theil erweitert, zu welcher Zeit er auch die obgedachte schöne Kirch zu S. Dorotheen erbauet. Und Cureus sagt ferner, daß dieser Kayser die Gassen und Plätze in Breßlau so ordentlich abgetheilet habe, daß diese Stadt an Zierde und lustiger Gelegenheit keiner Stadt in Teutschland etwas nachgebe. Er finde auch, daß bey dieses Kaysers Regierung die Teutsche Sprach dieser Orten (sonderlich) angangen und daß man Teutsche Briefs zu schreiben angefangen, da man vorhin in privat und öffentlichen Schrifften der Lateinischen Sprach sich gebraucht hatte. Im Jahr 1418 den 18. Heumonats erhub sich allhie eine grosse Auffruhr. Dann der gemeine Mann stürmete mit gewapneter Hand das Rathhauß, den mehrern Theil der Rathsherrn erschlugen sie oder liessen sie den Hencker hinrichten; einen fürnehmen Rathsherrn warffen sie vom Rathhauß hinab, der fiel in die Spiesse derer, so drunten auffwarteten. Darnach wähleten sie einen Rath ihres Gefallens. Aber Anno 1420 kam Kayser Sigismund hieher und ließ den 6. Mertz 22 Burger, mehrentheils Handwercks- und Zunfftmeister, welche die Auffruhr angestifftet, hinrichten; ihr viel wurden verwiesen und ihr Gut zum gemeinen Nutzen genommen. Der Hussitischen Lehr hat sich diese Stadt starck widersetzt, aber des D. Luthers hat sie zeitlich in den Jahren 1525 und 26 angenommen. Anno 1646 haben auf fürgehende Königliche Crönung Herrn Ferdinandi IV. zu Prag Massen allhie zu Breßlau am 26. Augusti in allen Evangelischen Kirchen das Tedeum laudamus gesungen, folgends auf dem Rath-Thurn, gantz in der Höhe auff einer Bühne die Heerpaucken geschlagen, die Trompeten geblasen und hernach sehr schön musiciret worden. Dergleichen ist auff dem Thurn zu S. Elisabeth auch geschehen. Hierauff, als das Zeichen gegeben worden, hat man die Stück um und um die Vestung gelöset, auf welches vier Compagnien Stadt-Soldaten, nachdem sie zierlich in der Ordnung um den Platz gezogen und mit ihren fliegenden Fahnen sich bei der Burgk gestellet, eine sehr schöne Salve geben, darauff an allen 4 Ecken die Burgerschafft in acht Compagnien mit fliegenden Fahnen gefolget. Danzig Dantiscum, Danstick, Godanium, Gdansko Woher dieser gewaltigen und hochberühmten Stadt, dahin manche Jahr zu 4, 5 auch 600 Schiffe gelangen, Nahme komme und wer sie erbauet, seynd die Gelehrten nicht einig. Philippus Cluverius will, daß diese Stadt vorzeiten Danzke geheissen und den Namen von Gott, den die Alten auch Dan, Codan und Godan genannt, bekommen habe: wie dann auch die Oost-See als ein Theil Maris Balthici Sinus Codanus genannt wird. Und sagt er, daß die Wenden noch heutigs Tags diese Stadt Gdansk und Gdansko, von Gdan, das ist Gott, nennen thäten. Und obwoln sie der Handthierung halber viel hundert Jahr berühmt, so seye sie doch nur ein Dorff gewesen, bis sie Anno Christi 1295 von Primislao in Polen zu einer Stadt gemacht und endlich An. 1343 mit einer Mauer umbgeben worden, und daß Dantzig unter allen Städten gegen Mitternacht die älteste seye, was auch Thorn, Elbingen und andere hirzu sagen mögen. Mit dem aber andere nicht zufrieden seyn, welche vermeynen, er habe seinem Vatterland gar zuviel zugeeignet, und führen sie das Wort Dantzig von Dänen her, als den ersten Anfängern des Schlosses allhie umbs Jahr 1164, wie dann theils Dantzig für Danswijk oder der Dähnen Flecken oder Buesen lesen, darauß Danstick oder Danzigk endlich worden seye. Theils führen den lateinischen Namen Dantiscum von danzen, saltando , und den anderen, Gedanum, auß der Polnischen Sprach her, welche den Buchstaben D das G vorzusetzen pfleget. Der Pommersche Historicus Micraelius sagt also: Der König von Dennemarck fuhr mit seinen Schiffen in Hinter-Pommern, und weil Fürst Zubißlaff seinen Vettern, dem Vorpommerschen Fürsten Hülffe zugesandt hette, legete er ihm zuwidern das Schloß Dantzig oder Danswijck, das ist die Dänische Wycke, an und fügete darauß den Pommern und Preussen viel Schaden zu; welches doch bald darauff Fürst Zubißlaff wieder eroberte und es fester bauete. Und dieses sagt er weiter, daß Dantzig von den Hertzogen in Pommern an die Marggrafen zu Brandenburg, item an Polen und endlich an den Teutschen Orden kommen, von welchem sich aber die Stadt mit der Zeit, nämblich Anno 1454 ledig gemacht. Es liget aber Dantzig nahend bey und an den drey Wasseren Weissel, Motlau und der Rodaune. Die Motlau ist nicht sonderlich breit und fällt eine halbe oder eine gute viertel Meil unter der Stadt in die Weissel, von dannen noch eine halbe Meil in die See ist. Und können die gar grossen Schiffe nicht wol biß zur Stadt kommen, sondern müssen besser abwerts unter der Stadt liegen bleiben. Gegen Abend hat es hohe Sandberg, als den Hagelsberg, Dölberg und Bischoffsberg, die so nahe an der Stadt, daß man auff solchen über die Wälln in die Stadt hinein sehen und mit einem Stein in die Wassergräben werffen kann, darumb auch an demselbigen Orth die Stadt sonderlich mit tieffen Wassergräben, hohen Wällen und starcken Pasteyen oder Bollwercken zimblich wolbefestigt ist. D. Frölich schreibet, wann man deß Danzigischen Walls Grösse und Breite besehe, so werde man keine Stadt in Teutschland finden, auch Straßburg nicht, so mit Danzig könne verglichen werden. Gegen Mitternacht und Mittag ist eine schön Ebene und gegen Morgen ist der Fluß. Es hat die Stadt einen grossen Umbfang und liegt an der Motlau etwas nach der Länge. Die alte Stadt hat inwendig noch grosse Thürne, Mauren auch Gräben herumb. Die Häuser seynd vornen herauß mit Gibeln gar zierlich gebauet, und gehet man von der Gassen etliche Treppen in die Häuser hinauff, welches dann eine Ursach, daß die Gassen zimlich eng seyn, die auch unsauber gehalten und alles vor die Thüren herauß, auch todte Katzen und Hunde geworffen werden. Welches dann bey dieser sonst edlen Stadt ein sonderlicher Uebelstand, wann es anders wahr ist, was man berichten thut. In der langen Gassen, so die schönste, seynd viel herrliche Gebäu, außwendig mit Farben und Gold gemahlet. Der Dom oder die Hauptkirche ist ein schön groß Gebäude, inwendig sehr hoch und durchaus gantz hell, und ist die Orgel darinn ein überauß groß Werck. In einer Reiß-Verzeichnus wird gelesen, es seye die vornehmste evangelische Kirch allda zur lieben Maria, darinnen ein Taufstein von gantzem Messing zusampt den Gitter herumb, auch eine Tafel, welche an hohen Festen gezeiget werde, und darauff das Jüngste Gericht gar künstlich gemahlet seye, also daß kein Mahler zu finden, der es nachmahlen oder solche gleichsam lebende Farben zurichten könne, und soll sie ein Schiffmann in der See gefunden haben. Sonsten hat es andere Kirchen deren unterschiedliche, und Spitälen, auch allhie drey Clöster. Es hat auch ein feines Collegium und berühmtes Gymnasium allhie, bey welchem vor der Zeit Bartholomaeus Keckermannus und M. Petrus Krügerus gelehret haben, und welches nicht allein Teutsche und Polen, sondern auch Ungarn und Sibenbürger besuchen. Nicht weit von dem gedachten Dom ist der Marckt, so zwar nicht sonderlich groß, aber es stehet darauff das sehr prächtig mit großem Unkosten erbaute Rathhauß. Oben am Ende ist ein schöner Thurn, daran die Uhr, und ist er oben hinauß mit Gängen und gar artlich durchsichtig gebauet, hat eine dreyfache Cron übergoldet herumb, und hangen auff solchem viel grosser und kleiner Glocken, welche ehe die Uhr schlägt, allezeit ein Geistlich Lied machen. Nächst daran ist der Juncker-Hoff, so ein zimlich grosser hochgewölbter Saal mit Steinen außgesetzet. Man steiget etliche lange Stuffen am Marck hinauff, und stehen dreymal gedoppelte Bäncke auf beiden Seiten längs den Saal herab. An der Wand ist ein schön Tafel-Werck. Oben an den Seiten herumb seyn viel kunstreiche schöne Gemälde, auch schöne Hirschgeweihe. Item etliche schöne Rüstungen, so zum Scharffrennen gebraucht werden. In der Mitte hangen etliche kleine Schiff mit neun, zehn und elf Segeln, mit aller Zugehörung gar künstlich gemachet. Sollen kleine messingne Stücklein darinnen liegen, so bißweilen losgeschossen werden. Der eiserne Ofen in solchem Saal ist einer verwunderlichen Höhe, daran ein altes Weib, so sich hinderwerts im Spiegel sihet. Und dieses Wahrzeichen nehmen die reisenden Handwercksgesellen sonderlich in acht. Allhie pflegen die fürnehmsten der Stadt das gute Danzger Bier zu trincken. Sie gehen zu einer gewissen Stund deß Abends dahin und auch wieder hinweg, und gibt einer ein Geldt, so Anno 1605 zween polnische Groschen gewesen, dafür er von drey bis auff neun Uhr hat trincken mögen, soviel ihn gelüstet hat. Man solle auch eine herrliche Music von allerley Instrumenten darbey haben. Von gemeinen Handwercksleuthen darf niemand dahin kommen, diese haben aber auch ihre besondere Orth, da sie zusammen kommen und trincken. Man zehlet allhie über die dreissig Sorten Biere, deren etliche die Stadt selbsten brauet, unter denen sonderlich das Juncker- und Doppelbier trefflich gelobet und hoch gehalten wird. Obgedachter Cluverius schreibet, daß er eines von 60 Jahren alt, so gar schwartz und dick gewesen, gesehen, welches man nicht mehr für den Durst, sondern zu den Kranckheiten gebraucht habe. Gleich den Marckt hinab ist die Wage nächst am Wasser, ein groß schön Gebäu, so samt anderen schönen Häusern herum den Marckt ein schön Ansehn gibt. Wann man die Gassen oben am Marckt hinauß gehet, so ist bald auff der rechten Hand ein herrlich schön Zeughauß, so unten durchaus gewölbet, und ruhen die Gewölbe auf vielen Pfeilern. Die schöne Mühl auf der Raden, mit 18 Gängen, ist auch zu sehen, ingleichem der Juncker-Garten und in solchem der sehr schöne Brunn. Und ligen sonderlich über der Motlau-Brücken in der grossen langen Vorstadt, Schotland genandt, viel hundert Speicher oder Schütthäuser, so meistentheils 5 auch 6 Böden übereinander haben und gar schön von Steinen auffgebauet seyn; und sollen bißweilen allhie über 15 Tonnen Golds Werth Korn im Vorrath liegen. Es hat des Volcks allhie eine grosse Menge, nicht allein Teutsche, deren die meisten, sondern auch Polacken, die sich der Handthierung halber da auffhalten. Viel Leuthe, sonderlich die Arme wohnen unterm Boden in den Kellern. Und gleichwol bey einer solchen grossen Menge lebet man untereinander friedlich. Die größte Gewerbschaft allhie ist, wie oben angedeutet, mit Getreid, also, daß man dafür hält, daß jährlich 365tausend Last desselben da verkaufft werden. Man handelt da auch mit Holtz und Bier. Auß Reussen kommet hieher allerley Fell- und Beltzwerck, aus Dennemarck allerhand gesaltzene Fische, auß Engelland das köstliche Tuch, auß Niderland, Portugal, Hispania und Franckreich Gewürtz und allerley Wein, dessen, wie man sagt, offt soviel daselbst oder mehrers als frisches Brunnenwasser zu finden. Und holen die Polen, so deß Korns und anderer Victualien ein unglaubliche Menge stätigs zuführen, den Wein und sonderlich den Malvasir allhie hergegen ab. Auß Italia kompt die Seidenwaar wie auch von andern Orthen. Daß daher diese Stadt nicht allein wegen ihrer Grösse, Reichthum, Gewalt, Veste, sondern auch so grossen Handels halber unter den vier auß schreibenden Hansee-Städten eine nicht unbillich ist. Als eine freye Reichs-Stadt hat sie ihre sonderbare Freyheiten. Ihr Regiment ist Aristocratisch, wiewol mit der Democratia temperiret. Sie hat über ihre Städtlein, Flecken und Dörffer alle hohe und niedere Obrigkeit, mag selbsten Gesetz machen, die Burger und Unterthanen mit Steuern und Anlagen belegen, Paßgelt nehmen, Engelländer, Italiäner und andere Frembde zu Burgern auffnehmen, bey den Landtagen erscheinen, güldene und silberne Müntz schlagen und ihre Gesandten schicken, wohin sie will; hat auch ihre freye Religions-Übung, deren dreyerley allda öffentlich getrieben werden, als die Lutherische, Papistische, Calvinische. Und seynd die Inwohner gemeinlich freundlich, gastfrey und sonderliche Liebhaber der Gelehrten. Beneben aber haben sie gern, daß man sie ehret, also daß einer allhie nicht wol fortkommen soll, wann er nicht einen jeden Schiffsmann oder Schweffelhöltzlein-Krämer einen Juncker nennet. Dresden Dreßden / Dresen Das Ländlein, so über Meissen um Dreßden und besser hinauff gelegen, ist vor Zeiten Nisen genannt worden. Heutigs Tags wird die Gegend um die Churfürstlich-Sächsische Residentz Stadt und Haupt-Vestung Meissen insgemein genant; sonsten aber ist sie in dem Theil des Meißner Landes gelegen, so eigentlich der Meißnische Craisse genant wird. Die Burggrafen zu Dohna, denen das zerstörte Schloß Donyn in Meissen gehört, haben etwan vor Zeiten hierum zu gebieten und die Zollgerechtigkeit auf der Brücken zu Dreßden über die Elb gehabt, die erst durch Churfürst August gar abgelöst worden ist. Sonsten aber hat Dreßden vorhin bald zum Stifft Meissen, bald zum Marggrafthum Meissen item zu Böheim und Brandeburg gehört. Dresserus sagt, daß das Wort Dresda in der Wendischen Sprach ein Ort einer Außforderung zur Schlacht bedeute; wiewol es der Wahrheit ähnlicher, wann man diese Stadt Dresen nenne, von den drey Seen, die noch heutiges Tags übrig seyen. In den Historien werde dieser Ort Nisen oder Nisic genant, und hab es das Ansehen, daß Alt-Dresen von den Wenden erbauet worden seye. Mit der Zeit ist auch die neue und jetzigerechte Stadt Dreßden aufkommen, darin das Churfürstliche Schloß ist, so man nach und nach zu bevestigen angefangen, und haben sonderlich die beyden Gebrüder Mauritius und Augustus, Hertzoge zu Sachsen, Anno 1544 und 50 den Vestungs- und Schloßbau fortgesetzt und in dem letzten Jahr auß Alt- und Neu-Dreßden eine Stadt gemacht, und geordnet, daß sie beyde von einem Rath mit gleichem Recht sollen regiert werden und sich eines Sigils gebrauchen. Anno 1119 ward zu Dreßden die steinerne Brücke angefangen zu bauen, und hat solcher Bau gewähret biß er vollzogen 30 Jahr und hat 19 Schwibbögen. Es hat die Vestung oder Neu Dreßden 3 Thor: das Alt-Dreßnische oder Elbthor, da man über die Brück nach der alten Stadt gehet; das neue Thor, daran Churfürst Christian der Erste zu Roß; und das Wildische Thor, vor welchem der Churfürstin Garten. Es ist der Boden rings um die Stadt mit fruchtbaren Aeckern, schönen Lustgärten, allerley Bäumen und Kräutern geschmückt. Und seyn gemeiniglich die Lustgärten mit allerley fruchtbringenden Hecken, welche mit kunstreichen Händen durch und durch eingeflochten, umzogen. Von weltlichen Gebäuen ist vornehmlich das Churfürstliche Schloß zu besichtigen, welches Anno 1551 vom Churfürst Moritzen, die Kirch aber darinnen im Jahr 1554 vom Churfürst Augusto vollendet worden, darinn der schöne Altar, Predigtstuhl und die Orgel wol zu sehen. Hinter der Orgel hat es ein Gewölblein, darinn das Jüngste Gericht gemahlet ist, in welche bißweilen die Trommeter und Heerpaucker stehen, welche zu hohen Festen zugleich in die Orgel und Music spielen müssen. An diesem Gewölblein ist ein Stüblein und Kämmerlein, so man das Propheten Stüblein heißet, darinn man junge frembde Herrschaften und Gesandten losiret. Der grosse Tantz-Saal ist mit Conterfehtischen grossen Risen, so die Decke tragen, gemahlet, und an der Decken seyn Bäume mit Früchten und Thieren. An diesem Saal ist ein Tafelstuben mit hübschen Tapezereyen behenckt, darin stehet ein hübsche lange gemahlte Tafel mit Herculis Leben und Stärcke, darob ein rothsammeter Teppich lieget, daß sie sauber bleibe. Von dannen ist die Zwergenstuben, allda drey grosse schöne Tafeln von Zwergen, die mit einem Riesen kämpfen, und Albrecht Dürer gemahlet hat, hangen. In der Cammer daran seyn Tapezereyen von wilden Leuten und stehet darinn ein hübsche außgehauene Bettstadt. An der Cammer ist der steinerne Saal, hernach das Brandeburgische Losament, darinn in Tapezereyen Biblische Historien und die vier Jahr Zeiten in der Decken. In der Tafelstuben dabey und in der Cammer ist ein schöner Prospekt, sonderlich gleich für die Fenster hinunter in den Hirschgraben. Ueber deß Herren Churfürsten Zimmer ist die Kunst-Cammer, die in sieben Gemächer abgetheilet ist, darinn von Gold, Silber, Alabaster, Ebenholtz, Marmol, Meßing, Kupffer und andern Metallen unzehlich viel Kunststück, Uhrwerck, Schreibtisch, Trinckgeschirr, Positiff, Regal, Instrumenten, Tische mit Perlmutter eingelegt, Schreinerwerck, Drechslerey von Helffenbein, Mathematische Instrumenten, Balbierzeug, Instrumenten die grosse Stück Geschütz damit zu richten, Thür und Thor aufzusprengen, neben vielen schönen kunstreichen Gemälden und Conterfehten, Nachtstücken, Historien, Landschafften und dergleichen mit Verwunderung zu sehen. Fürnehmlich aber ist daselbst zu sehen ein sehr grosses wahrhafftiges Einhorn sampt einem Pfeil von Einhorn, so wegen seiner Grösse und Rarität mit einer güldenen Kette daselbst auffgehänget ist. Item ein Ey von einer Schilkrotten, so gantz rund und als ein Ganß-Ey groß ist. Ob der Kunst-Cammer ist die Anatomie-Cammer, die unter dem Dach. Auß welcher man in die Churfürstl. Apotheck, in das Brauhauß, Rauchhauß, auff die Meel- und Haberböden, ins Goldhauß, Ballhauß, auff die Bahn für die junge Pferde, auff den Hof, da man die Bauern einfurirt, auff das Vorwerck, Fasanenhauß, in den Garten und schier fast in die ganye Stadt sehen kann. Die Churfürstliche Bibliothec in diesem Schloß ist wegen vielen Raritäten auch nicht fürbey zu gehen. Wer die Gelegenheit hirzu hat, der kan ferners zu Dreßden auch sehen der Herren Churfürsten Inventionhauß, darinn vielerley Thier, Triumphwagen und Schiffe, und mancherley Auffzüge; item das Gießhauß, den Zimmer-Hof, das Zeughauß, welches drey Stantzen zum grossen Geschütz hat, daselbsten auch Feuerspritzen, Feuermörsel und andere Kriegs-Instrumenten seyn. Die Gemach, darinn die grosse Stück stehen, seyn gewölbet und stehen noch auf andern Gewölbern und Weinkellern. Wie dann die Frembde pflegen auß dem Zeughauß in die Kellerey zu gehen. In der alten Stadt Dreßden, welche vor einigen Jahren durch eine ongefehr entstandene Feuersbrunst grossen theils abgebrant, nunmehr aber fast gantz repariret und fast in bessern Stand als sie vormals war gebracht worden, ist auch das neuerbaute Jägerhauß, wie ingleichen die Zeughäuser mit den Zeugwägen zu den Tüchern, Netzen und Garen, zu sehen; und waren der Wägen noch vor wenig Jahren 200 und konnte man auff 15 Meil wegs mit diesem Zeug stellen. Und seyn bey solchen Zeug-Häusern auch Thierhäuser, darinnen man Bären, Wölff, Füchs und andere Thier, sondernlich einen großen Hauffen Jagdhunde zu halten pflegt. Frankfurt a. M. Franckfurt/Helenopolis Diese des Heiligen Römischen Reichs hochberümbte Stadt ligt zwischen dem Franckenland, Oberhessen und dem Rhein, in dem Theil der Wetterau, so die Drey-Eiche oder Ayche genannt wird, fast an den Fränckischen Grentzen auff einem schönen Boden und an dem schiffreichen und vornehmen Fluß Mayn, der sie in zween ungleiche Theil abtheilet, deren der kleinere Sachsenhausen genannt und dem Grösseren mit einer steinern Brücken, so Anno 1035 zu bauen angefangen worden, angehenget wird. Es wollen theils, daß diese Statt vor Zeiten Helenopolis geheissen und sagen, daß ihr solcher Nam von des Kaysers Constantini Magni Mutter, der Helena, herkommen seye, und soviel heisse als Helenen Stadt. Aber dessen haben sie keinen Grund und Beweiß, gleichwie auch die nicht, so da vermeynen, daß solcher Nam erst unter Kayser Carlen den Grossen auffkommen, als derselbe mit seinen Francken auff einer Seite des Mayns und die rebellischen Sachsen auff der andern Seiten gelegen, und er einen Furth durch das Wasser, damalen noch keine Brück daselbsten gewesen, erfunden, durch welchen er seine Francken geführt, die Sachsen unversehens überfallen und einen herrlichen Sieg erlangt habe. Wie aber wir dieses letzte nicht strittig zu machen begehren, also können wir auch mit andern nicht zugeben, daß der Stadt erst damalen dieser Nahm Franckfurt gegeben worden seye, weil längst zuvor die Francken hierumb gewohnet, von welchen nicht allein diese Stadt, sondern auch viel andere Ort, als Franckenstein an der Bergstrassen, Franckeneck, Franckenbach, Franckenau und andere vielmehr seyn erbauet und nach ihnen und jedes Orts Lager und Gelegenheit also genannt worden. Ob dann wol von dem Anfang dieser Stadt Franckfurt und zu welcher Zeit sie erbauet worden man keine gründliche Nachrichtung haben und erlangen mag, so ist aber doch aus den Historien gnugsam bekannt, daß sie auch vor Kayser Caroli Magni Zeiten und also vor nunmehr 900 Jahren berümbt gewesen, wie dann Pipinus König in Franckreich, gemeltes Caroli Magni Vetter, ein Capell in honoris Salvatoris in dieser Stadt gestifftet, welche hernach Carolus Magnus in An. 796 bey damals gehaltenen Synodo wider den Ketzer Felicem mit stattlichen Gütern und Gefällen vermehrt, so zu einem vornehmen Stifft worden und zu S. Bartholomes genennt wird. Daß aber Franckfurt, nachdem sie ein lange Zeit unter der Fränckisch und Franckreichischen, auch nachmals der Königl. Teutschen Regierung gewesen, gar frühe ein Freye Reichsstatt worden, wollen wir mit andern gern glauben, weil es sich befindet, das diese Stadt sonsten einem einigen Bischoff, Fürsten oder Graven jemals unterwürffig gewest seye. Daher sie auch zeytlich eine Wahlstatt der Röm. König und dazu hernach durch Kayser Carlen den IV. in der Gülden Bull bestimbt und bestättiget worden ist. Es pfleget die erste Wahl von dem Herrn Churfürsten anfangs auff dem Rathhauß, der Römer genannt, fürgenommen zu werden. Alsdann kommt man erst in die obgedachte S. Bartholomaei Kirchen oder den Thumb, in dessen Sacristey, so zwar zu einem solchen hohen Werck zimlich eng ist, endlich ein gewisser Römischer König erwöhlet wird. Das Pancket wird hernach auch auff gedachtem Rathhauß in dem Saal gehalten, vor welchem, nämlich auff dem Platz, man den Ochsen brätet und dahin eine grosse Menge Habern schüttet. Laufft auch zu solcher Zeit der Röhrkasten oder springende Brunnen von roth- und weissem Wein. Es wollen aber etliche, daß vor der Zeit ein Römischer König nicht in S. Bartholomaei Kirchen und in der Stadt Franckfurt, so die Zeit der Wahl über verschlossen bliben, sondern draussen auff freyem Felde erwöhlet, und wann die Wahl einhellig gewesen, darauff in die Stadt gelassen worden sey, so aber durch mißhellige Wahl ihrer zween erwöhlet, daß deren die Bürger gar keinen in die Stadt gelassen, es habe dann zuvor der eine von den Erwöhlten seinem Widersacher mit Krieg angriffen oder sonsten den Sachen Rath geschafft, also daß der Eine mächtig regierte, der Andere aber mit Spott und Furcht abgezogen. Von denckwürdigen Sachen und zwar erstlich von Kirchen seyn zu sehen außer obgedachten Thumb zu S. Bartholomaeo das Stifft St. Leonshard, unser lieben Frauen Stifft, das deutsche Hauß und Kirch, die Barfüsser Kirch, das weise Frauen-Closter, Anno 1350 gestifftet, S. Niclas-Spital und Kirch zum H. Geist, S. Catharinä-Closter, das Prediger Closter, Anno 1260 zu erbauen angefangen (in deme ein treffliches Kunststück von der Himmelfahrt der Jungfrauen Maria, von den kunstreichisten Mahlern mit Verwunderung vor diesem besichtiget worden, so der hochberühmbte Albrecht Dürer gemahlet, die Münche aber vor wenig Jahren anderwerts begeben und eine Copey dagegen hingesetzt haben), und noch viel andere Gottshäuser von beyden Religionen. Und von andern Sachen seyn zu sehen die Bevestungen umb beyde Stätte, das obgedachte Rathauß, das Zeughauß, und die ansehenliche steinerne Brück über den Mayn, darüber man von einer Stadt in die andere füglich gehen, reiten und fahren kann. Ferners wird jährlich allhie umb den Tag S. Marien Geburt das Pfeiffer-Gericht gehalten, so ein sehr altes Herkommen, und hat den Namen daher, weil die 3 Städt Nürnberg, Wormbs und Bamberg jährlichen in der Herbst-Meß, den nächsten Gerichts-Tag vor Mariae Geburt, vor sitzendem Gericht, von des H. Reichs und Stadtgerichts Schultheissen, als zu dessen Ampt solches von Altershero gehörig, ihre Zoll-Freyheiten, so sie allda zu Franckfurt haben, mit Pfeiffern auffholen müssen. Gegen solche Zoll-Befreyung geben obgemelte Städte, und jede besonders, dem Schultheissen einen weissen höltzernen Becher, darinn ein Pfund Pfeffer, einen alten weissen Biberhut, zween weisse Handschuch und ein weiß Stäblein. Den Hut oder Filtze, welchen Wormbs allein gibt, lösen sie jedesmals mit einem Goldgulden wiederumb auß und verbleiben solche Stück des Schultheissen. Neben obgemelter Hochzeit, daß nemlich die Römische König allhie sollen erwöhlet werden, hat diese Stadt auch sonsten herrliche Privilegia. Zu den ansehenlichen und in gantz Teutschland vornehmsten Jahr-Messen oder Märckten kommen jährlich im Frühjahr und Herbst fast aus allen Christlichen Ländern in Europa Kauffleuthe, und handeln dahin mit allerhand Waaren, die man nur begehret. Hergegen wird aber auch viel Gold und Silber aus dem Lande in die Frembde geführt, darüber schon vor längsten geklaget worden. Es ist aber insonderheit der Buchhandel zu loben, der zu solcher Zeit in der Buchgassen allhie getrieben und dadurch mehrers Geld ins Reich als darauß gebracht wird, andern Nutzens, so man darvon hat, zu geschweigen. Göttingen Gootdingen/Gothungam Die Stadt Göttingen ist die Hauptstadt deß Fürstenthums Braunschweig-Göttingen oder Oberwald genant, so zum Fürstenthum Calenberg gehörig, ist gelegen an einem sehr fruchtbaren Ort, hat gegen Orient das Eichsfeld, gegen Mittag den Werrastrom und gegen Mitternacht die Städte Northeim und Eimbeck; durch die Stadt fliesset der Leinastrom. Vom Ursprung dieser Stadt und wann sie erbauet, kann man zwar keine eigentliche Nachricht haben, wird aber insgemein dafür gehalten, daß sie von den Gothen ihren Anfang auch Nahmen erlanget, und zwar zu der Zeit, als dieselben Welsch- und andere Länder durchstreiften, unterschiedliche Provincien mit grosser Macht eingenommen und unter sich vertheilet gehabt, wie sie aber dieselben endlich wieder räumen müssen, hätten sie sich in Westphalen, Sachsen und Thüringen niedergeschlagen und in Sachsen Göttingen, in Thüringen aber Gotha erbauet. Dahero erscheinet, daß diß eine uhralte Stadt sey, dann von Historicis davor gehalten wird, daß die Rückkunfft der Gothen um das Jahr Christi 448 geschehen. Soviel sonsten den Nahmen anlanget, seyn andere der Meynung, daß derselbe à honitate agri herkomme und Göttingen quasi Gootdingen oder Gutdingen genennet. So findet sich, daß Kaiser Fridericus Barbarossa in einem mit seiner Hand geschriebenen Briefe Göttingen Gutding genennet habe. Franciscus Modius beschreibet weitläufftig, daß, nachdem lange Zeit vorhero um das Jahr Christi 925 der Kaiser Henricus I. die Hunnen (welche von grössten Theils Teutschlands jährlichen Tribut gefordert und auff deß Kaisers Befehl geschehener Verweigerung, mit Hülffe der Tartarn, Russen und andern, theils vorberührter Länder nebst Thüringen auch Sachsen-Land sich bemächtiget, dieselbe außgeraubet und darin viel tausend Menschen ermordet) durch eine herrliche Victori erlegt und diesem Hand Ruhe verschaffet, mit seinem gantzen Heer zurückgangen biß auff Gothungam sic Göttingen, daselbsten denen in großer Anzahl bey sich habenden Reichs-Fürsten, Grafen, Herren und Rittern Triumph- und Freuden-Fest, herrliche Panquet und Ritterspiel angestellet, und wie das Turnierbuch meldet, allda den ersten Turnier gehalten. Auch damals, diese Gäste umb soviel mehr zu contentiren, in dergleichen Nothfall wider die Feinde deß Römischen Reichs und der Christenheit williger und freudiger zu machen, sodann zu ritterlichen Tugenden und Uebung anzufrischen, diese vor der Zeit bey den Teutschen ungewöhnlichen Turniere und Ritterspiele, wie dieselbe hinkünfftig sollen gehalten werden, mit gewissen Gesetzen gefasset, und sowol ausser dem Reich als darinn gesessene Potentaten, Fürsten, Grafen, Herren und andere Rittermässige Personen dazu berufen und eingeladen. Es sey aber um den Nahmen wie es wolle, muß dero Zeit Göttingen allbereit ein feine Stadt, darinnen der Kaiser so vielen ansehentlichen Fürsten, Graffen und Herren einen bequemen Hoff bestellen können, gewesen seyn. Wie nun diese Stadt auff den Frontieren und Gräntzen Thüringer- und Hessen-Landes gelegen, also hat sie bey den Kriegszeiten gemeinlich den ersten Anstoß und dannenhero groß Unglück und Widerwärtigkeit außstehen müssen, welches dann sich schon zu der Zeit, wie zwischen Kaiser Heinrich den Vierdten und Hertzog Otten zu Bayern, so ein Herr dieses Fürstenthums gewesen, um das Jahr Christi 1068 schwere Kriege geführet, angefangen, die etliche Jahr hernach gewähret, biß sich endlich Hertzog Otto des Bayrischen Hertzogthums und Tituls begeben und mit diesem Lande contentiren lassen. Nicht weniger Widerwärtigkeit hat sie gelitten, als Heinrich deß Löwen Sohn, Hertzog Otto Anno 1208 zum Römischen König erwöhlet, deme sich Philippus, Hertzog in Schwaben widersetzt und darüber beschwerliche Kriege entstanden. Als nach Absterben Hertzog Ernsten Hertzog Otto, den man den Quaden genennet, Anno 1367 zur Regierung komen, hat derselbe in Göttingen im Jahr 1368, 1370, 1374 und 1376 herrliche Ritterspiel und Freudenfeste mit rennen, stechen, turnieren ec. angestellet, dazu von Fürsten, Grafen, Rittern und Edelleuten, nebst ihren Gemahlinnen und Frauenzimmern, wie auch auß Ihrer Fürstlichen Gnaden Städten eine große Menge sich eingefunden. Es seynd auch für langen Jahren die Calands Einkünffte zu Anrichtung einer Schul und Paedagogii daselbst angewendet worden, wie dann auch mit Consens deß gnädigen Regierenden Landes-Fürsten geschehen, daß in dem Pauliner Closter beregtes Paedagogium angestellet und in gewisse Ordnung verfasset, also, daß darin offtmals Doctores Juris der Pädagogiarchen Stell vertretten, auch sonsten vornehme gelahrte Leute angenommen, durch deren Fleiß die Jugend informiret und feine geschickte Leute darin erzogen worden. Was diese Stadt in Anno 1626 biß 33 wegen deß empor geschwebten Teutschen schweren Krieges außgestanden, was sie für grossen Schaden, theils von Belagerung, Eroberung und Außplünderung gelitten, und wie Anno 1641 gegen harte Belägerung deß Herrn Ertzhertzogs Leopold Wilhelm in Oesterreich durch Gottes Gnad und tapffere Resistenz deß damahligen Commendanten nebenst anderen bey sich gehabten Officierern und Soldaten, auch unerschrockenen Bürgerschafft und Landvolcks, bey ihres natürlichen Landesfürsten getreuer Devotion conservieret, solches ist männiglich bekannt und werden die Historienschreiber auff die Posterität rühmlich fortzupflanzen wissen. So viel Nahrung, Handel und Wandel dieser Stadt betrifft, findet man gute Nachricht, daß vor drey und vierhundert Jahren daselbst der Stapel und Niederlage der von Lübeck, Hamburg, Lüneburg, Nürnberg, Franckfurt verführten Waaren, und sie selbst eine vornehme Handelstadt gewesen, daselbst grosse Märckte, sonderlich das Freymarckt in der Faßnacht gehalten, welches von vorbenannten Oertern wie auch von vielen anderen Städten, von Kauffleuten und Krämern gar häufig besuchet worden. Sonsten ist neben dem Brauwerck und andern Handthierungen, welche vor Jahren allhie in vollen Schwange gangen, sonderlich das Wollenweber- oder Tuchmacher-Handwerck sehr starck getrieben, also, daß um das Jahr Christi 1475 an die 800 allein Meister von diesem Handwerck in der Stadt gewohnet, und seynd die allhie gemachten Tücher häuffig weg- und in andere Länder geführet worden, welches der Stadt eine stattliche Nahrung gebracht, nunmehr aber der Welt Lauff nach eine grosse Veränderung hat erfahren müssen. Hamburg Hammeburg / Hainburg Woher dieser weltberühmten Statt Nahmen komme, seyndt die Skribenten unterschiedlicher Meynung. Theils führen denselben her von den Hammen oder Schuncken oder geräuchertem Schweinen Fleisch, welches die Benachbarte häuffig dahin gebracht und den Schiffleuthen, so sich allda auff die Meerfahrten proviantirt, verkaufft haben. Ein anderer wil, daß dieser Nahm eine Burg am Hammen oder Lande der Elb bedeute. Und dann, so vermeynt Dresserus, daß solcher Nahm vom Wörtlein Hain, das ist ein Luft- oder geheiligter Wald, herkomme, und Hamburg soviel als Hainburg seye. Wie dann andere auch wollen, das dieser Statt ihr Nahmen von dem Wald Hamme, so vor Zeiten zwischen den Wassern Bille und Alster gewesen, herkommen seye, welchen die Herren von Hamm innen gehabt und bey Regierung Kaysers Carls des Grossen an diesem Orth ein Schloß erbauet, welches Hammeburg oder Hamburg genannt worden. Theils sagen, es seye diese gewaltige Gewerb- und Hanse-Statt das Haupt in gantz Nord-Albingen, und vor Kayser Carls des Grossen Zeiten, unter dem Nord-Albingischen Hertzog Albione, so mit dem König Witekindo zu Minden getaufft worden, nur ein Dorff gewest. Aber als Anno 735 nach dem Tode dieses Albions Kayser Carl den Uchonem solcher Handschafft vorgesetzt, Hamburg von demselben Anno 788 oder 89 zu befestigen angefangen worden, damit der Heryog allda sicher wohnen möchte, dann er des Kaysers Stell vertreten und sein Amptmann da gewesen. Und als die Wenden Anno 810 die Statt gantz zerstört, habe sie im folgenden Jahr gedachter Carolus M. wieder erbauet, und sein Sohn Ludovicus Pius sie zu einer Haupt-Statt gemacht und ihr Ansgarium ums Jahr 833 zum Ersten Ertzbischoff gegeben, nachdem allbereit vorher in diesen Landen durch etliche das Evangelium gepredigt worden. Kayser Ferdinandus II. hat des Kaysers Friedrich I. Privilegium der Statt, daß sie zu ewigen Tagen auff der Elbe von Hamburg aus biß in die offene See mit keinen Zollen belegt werden solle, gegeben, extendiert. Entgegen sollen die von Hamburg schuldig und pflichtig seyn, solchen Elbstrom von der Statt Hamburg biß in die offene See von allen Meerräubern, auch deß Kaysers und deß Reichs Feinden widerwärthigen Schiffen so viel sie vermögen, rein zu behalten, zu schützen und zu defendieren. Vom Kayser Friderico III. ist Hamburg privilegirt, daß niemand den Elbstrom auff- oder ab, weder Weitzen, Korn, Rocken, Gersten, Mehl noch andere Getreyd, auch weder Wein noch Bier noch sonst gar keine Waaren für der Statt vorbeyführen, sondern solche Waaren allda auszulegen oder zu verkauffen und zu verhandlen schuldig seyn solle. So vermag auch Hamburg vermög zweyer Privilegien, ihr von den Kaysern Sigismundo und Friderico gegeben, neben der silbern auch güldene Müntz schlagen. Von Geschichten und Händeln, so allhie vorgeloffen, wie nemblich die Statt anfangs etlichemal von den Heydnischen Völckern verheeret, die Lehrer der Christlichen Religion von hinnen in die benachbarte Länder und übers Meer seyn geschickt worden; wie Anno 1181 Hamburg mehr als halb ausgebronnen und viel Menschen in dem Feuer todt geblieben; wie im Jahr 1335 ein großer Aufflauff allhie wegen der Geistlichkeit, die sich wider die Weltliche Obrigkeit gesetzt, gewesen, und vielen dergleichen mehr siehe des Albertum Crantzium, des Johan Petersen und Andrae Angeli Hollsteinische Chronicken. Denn alles allhie einzubringen, diese der Statt Beschreibung zu weitläufftig machen würde, sonderlich weil noch ein mehrers von ihrer Gelegenheit und was allhie insonderheit zu sehen zu vermelden übrig ist. Es ligt aber Hamburg 10 Meilen von Lübeck und eine gute Meil von Stillhorn, einem beschlossenen Land und Insul in der Elb. Ist eine schöne und ansehnlich Stadt, die jetzt in die alte und Neue getheilet wird, darzwischen inwendig ein Wall ist, beide aber wol befestiget seyn und wegen der hohen Thürnen fast nur eine Stadt zu seyn scheinen. Auf beiden Seiten, sonderlich auss der, daran die Elb herfließt, ist ein über die massen lustiger Prospekt hinauß. Dann da ist der breite Fluß, die Thäler und die Wälder, von Mittag, item die Stättlein, Märckt und Dörfer, so herumb liegen, mit sonderbarer Anmüthigkeit von den Wällen und hohen Orten zu sehen. Gegen Mitternacht hat sie auch nicht weniger ihre Lustbarkeit, dieweilen daselbsten die Alster in die Stadt kompt, welcher Fluß ihr viel gute Gelegenheiten, der Mühlen halber, bringet, damit ein so grosse Menge Volcks, dergleichen in keiner Stadt Teutschlands ist, mit Meel versorget werden könne. Zu Franckfurt am Mayn gibt, wann es wol und friedlich stehet, in den Messen eine mächtige Anzahl Volcks, aber zu Hamburg ist schier täglich Meß, dieweil von unterschiedlichen Orten und Ländern viel Güter und Waaren hieher gebracht. Wer umb den Mittag oder auff den Abend in die Burs oder Börß (ein zierlich Gebäu, so theils bedeckt, theils offene Spatzier-Plätz hat) gehet, der wird sagen, daß täglich mehr als ein Leipziger Meß da seye und daß kein dergleichen Zusammenkunfft der Kauffleute geschehe, da nicht etlich Tonnen Goldes werth Waaren kaufft, verkaufft und vertauscht werden. Wie man dann von zwölff Haupt-Schreibstuben gesagt hat, in welchen allezeit zur Notturfft Gold und Silber vorhanden gewesen, und sonders Zweiffels noch einen Kauffmann, der etwan zu einem wichtigen Handels Gelts bedörfftig, damit zu helffen. So ist auch, auf dem Rathhause ein offentlicher Geltkasten, so sie nach Art der Amsterdamer, Venediger und anderer den Bancum oder Banco nennen, in welchem zu allen Zeiten auff gewisse Versicherung man den Jenigen, denen man trauen darff, grosse Summen Gelts fürstrecken thuet. Und solche Erfindung ist der Statt, dem gemeinen Mann und der Gewerbschafft sehr ersprießlich. Und kan einer, der gern sein Gelt in Sicherheit und Verwahrung hätte, es dahin bringen oder legen. So hat die Admiralität auch ihre Gelter, so die Kauffleuthe freywillig zusammen tragen, damit Munition erkaufft und die Schiffe nach Spanien wider die Seeräuber versichert und versorget werden. Und hat dannenhero, wegen der Kauffmannschaft und auch der Menge deß Volcks E. E. Rath ein großjährliches Einkommen. Ferners hat diese Stadt auch ein feines Gebiet und in der Elb etliche Insuln, auch nutzbare Aempter oder Vogteyen am Gestade der Elb, umb die Alster, die Bilda und anderswo. Und hat sie sonderlich auff der Elb, nahend Winsen, einen Zoll mit der Ueberfahrt, so ein nicht geringes Regale ist, und welcher berühmter Ort wegen des besagten Zolls der Tollenspicker genant wird. Der fürnehmste Theil der Alten Statt ist bey S. Peter, der ander bei S. Catharina, der dritte bey S. Niclas und der vierdte bey S. Jacob, so fast der allerweitigste Theil ist. Aber in der Neuen Statt ist zu S. Michael, da die gantze Gemein zusammen kompt, noch viel ein grössere Weite. Beide Stätte haben in ihrem Umbkreise 21 Bollwercke, so man Castellen nennet, deren 16 groß und gar sichtbar, die übrige fünff aber nicht so groß, gleichwol mit dem Wall gar fest umbgeben. Es seynd in der Statt viel Brücken, weiln, wegen Anlauffs der Elb und der Alster Durchgang, die Statt in etliche Insuln unterschieden ist, deßwegen sie auch etlichmal in etlichen Gassen grossen Schaden von dem außfliessenden Wasser erlitten, welches meistentheils geschiehet, wann im Neumonden der Abendwind ein schweres Wetter erreget, da des Meeres Ab- und Zufluß sich gantz scheinbarlich sehen läßt, daß alle Tag in 6 Stunden und einer Viertelstund das Wasser zu und in soviel folgenden wieder abnimmt. Deren Zeit Gelegenheiten nicht allein die Schiffleute, sondern alle daran wohnende und die Fischer gar fleissig in acht zu nehmen und die Schiffahrten füglich anzustellen wissen. Der Abfluß wird von ihnen Ebbe und der Zufluß Fluet genant. Auf dem Wall kan man die Statt in einer Stund kaum herumb gehen. Und hat sie doch nicht mehr als vier Thor, nemlich: gegen Abend in der Neustatt das Altenauer Thor, zu welchem man aus der alten Statt durch das Millerthor, wie es insgemein genent wird, kommen thuet. Das andere Thor, gegen Mitternacht, heißt Dam-Thor oder Porta valli. Das dritte liegt gegen Morgen und wird das Stein-Thor genant. Das vierdte, gegen Mittag, so Dihiane geheissen wird und neben dem Elbgestade gelegen ist. Es seynd allhie die Gassen meistentheils krumm, die mit ansehnlichen Häusern gezieret. Die Statt-Gräben umb den Wall seynd also tieff und weit, das sie Einem, der erstlich hinabsiehet, einen Schrecken einzujagen beduncken, daher auch die Brücken bey den Thoren auf sehr grossen Bäumen und Balcken liegen, und seyn die Bollwercke am Wall wie die Berge, sonderlich auf der Seiten, da man von Altenau zur Statt reiset, anzusehen. Dieses verwunderliche Werck ist erst vor kurtzer Zeit angefangen und meistentheils innerhalb vier Jahren zu Ende gebracht worden. Darauß dann der Statt Macht und der Burger Reichthum zu ermessen. Ist alles nach der Meßschnur und Baukunst auffs genauist und fleissigst verfertigt, also, daß man dafür halt, es habe Hamburg ihresgleichen von grossen Stätten, so also fest erbauet wären, in Teutschland nicht. Wassers hat sie genug und gehen noch darzu künstliche Laitungen unter der Erden aus Altenau biß in die Statt. Der Häuser, darinn Bier gesotten wird, ist ein grosse Menge, welches vor andern eines so lieblichen Geschmacks ist, daß es allenthalben in den benachbarten Ländern am meisten geliebet wird, sondernlich in Holstein, da man vermeynet, daß man ohne Hamburger Bier nicht leben könne. Es wird auch dasselbe zu Lübeck hochgehalten. Sonsten findet man zu Hamburg fast alles, so man begehrt, auch gute Schnabelweid und Leckerbissen. Und haben die Inwohner, nachdem die Holländer wegen der Kauffmannschaft ihre Haußhaltung aufgemachten Vertrag mit der Obrigkeit allhie angestellt, auch angefangen, allerley Küchenspeise in den Gärten zu pflantzen; also daß an diesem Ort für anderen benachbarten Stätten am besten zu leben ist. Wie man dann auf unterschiedlichen der Statt-Plätzen oder Märckten von Morgens frühe an biß auf den Abend alles zu kauffen findet, was man in der Küchen an allerhand Früchten und unterschiedlichen Fischen bedarff. Und bringet sonderlich die Menge der Schiff aus unterschiedlichen Theilen der Welt so viel Kauffmanns-Waaren, daß dieselbe von hinnen durch gantz Deutschland verführet werden. Heidelberg Heydelberg / Heidelberga Es liegt diese Hauptstadt der Untern-Pfaltz im Craichgow und also noch in Schwaben, und theilt der Neckar alllhie Francken und Schwaben, also daß Schwaben dißseits und Francken jenseits des Neckars und der Brücken, nemlich zur Rechten lieget. Theils führen den Namen her von den Heyden, theils von den Bergen, womit diese Stadt umgeben, theils anderswoher; die meisten aber von den Heidelbeeren, so allda auf dem Geißberg und hinter dem Schloß in grossen Mengen wachsen. Und ist von den Alten allhier erzehlt worden, daß sie auf dem Stadt-Rathhauß allda, in der Stadt alten Fahnen, ein Wasser-Jungfräulein auf einem Heidelbeerberg stehend, gesehen. Es ist diese Stadt ihrer Gegend von frischer gesunder Lufft, so durch das Berg- und Neckerthal durchwehet und davon gereinigt wird. An beiderseits Gebürgen hat es Weinwachs. Gegen Abend und Mittag Getraid, gegen Morgen und Nord im Odenwald Holtz und Schnabelweid, gegen Mittag im Craichgow Fische im Neckerstrom und Vieh in derselben Gegend. Es hat allerley lustige Spatziergänge und gegen Abend eine Ebene. Sonsten ist sie aber wie gemeldt mit zimlichen Bergen und Wäldern gleichsam umringet. Die Stadt selbsten ist den Römern und Francken nicht, aber wol der Berg, Castell, Warten ec. darauff bekannt gewesen, und kann man nicht wissen, wer Heydelberg erbauet habe. Doch findet man, daß Kaysers Friderici I. Bruder Cunradus, so von ihme die Pfaltz bekommen und Anno 1192 gestorben und im Closter Schönau, eine Meil von Heydelberg begraben worden ist, zu Heydelberg gewohnt hat. Im Jahre 1225 hat Hertzog Ludwig in Bayern, Pfaltzgraf Otten von Wittelsbach Sohn, von dem Kayser Friederichen die Pfaltz am Rhein erlangt, das Castell und Städtlein Heydelberg und die Graffschaft Stalbühel zu Lehen empfangen. Im Jahre 1392 hat Pfaltzgraf Ruprecht der Aeltere die Stadt Heydelberg erweitert und das nechst dabey gelegene Dorfs Bergheim, so schon um Kayser Karl des Grossen Zeiten gestanden, jetzt aber davon nichts dann eine Mühl übrig, dazu genommen. Es seynd allhie zu sehen 1. das Augustiner Closter, so schon gestanden, da entweder Heydelberg nur ein Fischers Dorff oder doch sonsten ein geringer Flecken war, und ist zu der H. Jungfrau in der Wüsten genandt worden. 2. Der Minoriten oder Franciscaner, so erstlich außer der Stadtmauer, bey dem Oberthor gestanden, hernach von Churfürsts Friderici I. des Siegreichen Mutter, einer Hertzogin von Savoja, in die Stadt versetzt worden, darin Churfürst Friedrich ruhet. 3. Der Domicaner oder Prediger, in der Vorstadt, so von jetzt gemeldter Hertzogin aus Savoja, Frau Mechthild ums Jahr ungefehr 1450 gestifftet und begabet. 4. Das Stifft zu Ehren des H. Geistes auf dem Marckt, so Kayser Rupertus, damals noch Pfaltzgraf, gestifftet, darinn er auch mit vielen andern Chur- und Fürstlichen Personen im Chor begraben liget. Und ist allda sonderlich Churfürst Otto Heinrichs Monument, von weissem und schwartzem Marmor und Alabastrinen Bildern zu betrachten, daran das Wahrzeichen zwo Hände, einander bey den Haaren haltende. Und allhie in dem obern Theil dieser Kirchen ist die durch gantz Europa berühmte Bibliothec gewesen, von welcher Trithemius, gewesenen Abtes daselbsten, meldet: daß in gantz Teutschland keine solche Bibliothec seye, in welcher so viel seltsame und gar alte Bücher, von allerhand Wissenschafften, auch unterschiedlicher Sprachen, als der Hebräischen, Griechischen, Lateinischen, Caldäischen, Arabischen, Indianischen, Frantzösischen, Böhmischen und andern, so wol getruckten als auf Pergament geschriebenen zu finden. D. Joh. Schmidt schreibet in seiner dritten Predigt, Anno 1640 zu Straßburg, von der Heydelberger Liberey also: »Die Mutter aller Bibliothecen, nicht nur in Deutschland, sondern auch in vielen anderen Landen und Königreichen, so zu Heydelberg im obern Theil der Kirchen zum H. Geist gestanden, ist theils geraubt, theils sonst verderbet worden. Ein Schatz, so nicht zu schätzen. Ein Schatz, welchen das Röm. Reich nicht mehr zuwegen bringen wird. Allein die Manuscripta oder geschriebene Bücher hat man so 80 000 Cronen werth erachtet. Summa sie hat mit Ehr den Namen geführt: Optimus Germaniae Literatae Thesaurius . Diese Mutter-Bibliothec ist hin; die theuren Manuscripta guten theils zerrissen und verderbt, auch wie man bericht, den Pferden in Ställen untergestreuet, daß also davon in Ewigkeit nichts mehr zu hoffen, worüber viel gelehrte Leute noch diesen Tag lamentieren. Ist eine unfehlbare Anzeigung großen Zornes Gottes gewesen, welchen der Mißbrauch solches Schatzes, wo er auch gesteckt oder wie er mag vergangen seyn, verursacht.« Nach den Kirchen seynd die Collegia der Hohen Schul allhie zu sehen, so aber finstere Les-Stuben haben und alt seyn und hat alleyn das Collegium Casimirianum etwas Ansehens. Wann aber besagte hohe Schul gestifftet worden, sind die Skribenten nicht einer Meynung, indem theils solche Fundation ins Jahr 1387 setzen, theils sagen, daß der Anfang 40 Jahr zuvor gemacht worden. Der Stiffter Churfürst Pfaltzgraf Ruprecht hat sie nach der Pariserischen regulirt und ist der erste Rector und Professor Marsilius von Ingen, ein vornehmer Theol. und Philosophus von Paris berufen gewesen, den theils für einen Engelländer, theils Italiäner, theils für einen Teutschen halten, so allhie den 15. Aug. An. 1394 gestorben. Und haben hernach viel vornehme Leute allhie gelehret. Anno 1394 hat Pfaltzgraf Ruprecht Churfürst, des vorigen Ruperti Vetter und Bruders Sohn, die Juden zu Heydelberg ausgetrieben und ihre 11 Häuser der Universität eigenthümlich geschenkt, wie auch 5 Gärten. Bey seines Sohns, Churfürst Ludwigs des Bartigen Regierung ist ein solcher Lärm zwischen den Hoffbursch, denen auch die Burger beygestanden, und den Studenten entstanden, daß diese unter die Dächer und in die Winckel sich haben verkriechen müssen; so aber durch den Churfürsten gestillt worden. Item wegen der Frag, ob die H. Jungfrau Maria in Sünden oder ohne Sünden empfangen worden, item zwischen den Realisten und Nominalisten hatte die Schul auch Anstöß und gab es Schlägereyen und blutige Köpff. Anno 1587 war großer Lärm zwischen den Burgern und Studenten allhier der Privilegien halber, so man den Studenten-Krieg genannt, und ist die Universität etwas zerstöbert worden, hat auch sonsten mehrere Anstöß als letztlich im Böhmischen Krieg gehabt. Von weltlichen Gebäuen ist allhie insonderheit das Schloß zu sehen, das Churfürst Ludwig der Sechste vor hundert und etliche Jahren angefangen zu bauen, ein herrlich vestes Gebäu, zimlich hoch von der Stadt gelegen, und dahero das Aussehen in dieselbe und auf das umliegend Land, sonderlich gegen Speyer wärts desto schöner und anmuthiger ist. Gedachter Pfalzgraf hat auch damals den grossen, runden, dicken Thurn gebaut, so noch allda ein Zierd, und nach dem Thurn zu Bourges in Franckreich kein grösserer gefunden werden solle. Fast vierzig Jahr nach ermeldten Pfalzgrafen hat Pfalzgraf Otto Heinrich mitten im Schloß gegen Auffgang der Sonnen einen Königlichen Pallast mit stattlich ausgehauenen steinern Bildern, grossen lustigen Sälen und sehr füglich ineinander gerichten Gemachen erbauet, deren aber das Obertheil folgender Zeit und neulich verbronnen. Wiederum vierzig Jahr hernach, hat Churfürst Friedrich der Vierdte gegen Mitternacht einen neuen stattlichen Bau mit desgleichen künstlich ausgehauenen steinern Bildern von Grund auf von Stein gesetzt, darunter auch das grosse Faß, so bey einhundertdreyssig und drey Fuder Weins hält, in einem sonderlichen Gewölb verwahret wird. Das Zeughauß und der Marstall seynd auch zu sehen, wie auch die Canzley ausserhalb des Schlosses. Ueber den Necker gehet ein künstliche Brücke, deren Wahrzeichen ist gewesen, und vielleicht noch, ein alter Aff, von welchem diese Reimen gemacht worden: Was thustu mich hie angaffen? Hastu nicht gesehen den alten Affen Zu Heydelberg, siech dich hin und her, Da findestu wol meines gleichen mehr. Köln Cölln / Colonia Agrippina Es haben vorzeiten die Ubii die Wetterau und den Westerwald, sampt einem Theil Hessenlands, da Marburg und Giessen liegen, innen gehabt. Weilen sie aber keinen Fried vor den Hessen hatten, so haben sie ums Jahr vor Christi Geburt 35 erlangt, daß sie möchten übern Rhein in Galliam ziehen; allda aus Vergünstigung Kaisers Augusti ihnen die Felder, so vorhin die Condrusi innen gehabt, eingegeben worden, also daß sie einen guten Theil vom Hertzogthum Gülch und das Stifft Cölln fast gantz eingehabt haben. Und werden sie, sonder Zweiffel, gleich nach ihrer Hinüberkunfft die Stadt Cölln erbauet haben, dahin, nach fünf und achtzig Jahren, nemlich im Jahr nach Christi Geburt 50 aus Befehl Juliae Agrippinae, eine Tochter Germanici, Kaisers Claudii Gemahlin und Kaisers Neroni Mutter, so daselbst gebohren, ein Römisch erbauendes Volck oder Colonia ist geführet worden. Daher diese Stadt Cölln von den dahin gesetzten Römern und ihr, der Kaiserin Nahme, Colonia Agrippina und die obgedachten Ubii selbsten nachmahls Agrippinenses seyn genannt worden. Und daher vergleicht sich noch dieser des heiligen Römischen Reichs- und Germaniae Secundae Hauptstadt Regiment in vielen Stücken mit dem vor Zeiten wol angestellten und gewesten Römischen. Wir wollen an diesem Ort allein etwas wenigs von den fürnehmsten Geschichten dieser Stadt gedencken: Als daß Vitellius bey dieser Stadt von den Kriegsknechten erwehlet und für einen Kaiser ausgeruffen worden ist. Also hat Trajanus allhie sein Kaiserthum angefangen, der auch diese Stadt auf Römische Art erbauen lassen und sie mit dem Römischen Recht und Freyheiten begabet hat. Und ist sie hernach unter den Römern in Ehr und Würde gesessen, biß unter dem Kaiser Constantino des Grossen die Francken sie belägert, erobert und diese vorhin sehr reiche und veste Stadt vertilget haben; sie sich gleichwol wieder erholet, also daß sie bey Regierung Kaisers Juliani wieder an das Reich kommen, aber unter den Kaisern Gratiano und Valentiniano abermals den Francken zutheil worden ist. Da sie dann folgende viel Ungemach ausstehen müssen, bis Kaiser Otto der Grosse sie im Jahr 949 wieder dem Reich zugestellet und mit Freyheiten begabet, auch seinem Brudern, dem Ertzbischoff Brunen, zu beschützen übergeben, welcher die steinerne Brücken allhie, so von der Stadt nach Tuitsch oder Duyts über den Rhein gienge, aus Befehl des Kaisers, (wie man wil, weiln viel Todschläge und Räuberey bey Nachts da vorgiengen) hinweg gethan und zu Cölln das Kloster Panthaleonis erbauet hat. Anno 1288 ist eine Schlacht geschehen auf der Wöringer Heyde zwischen den von Cölln und dem Bischoff um die Schlüssel der Stadt, und die Schlüssel seynd auf einem sonderlich darzu gerüsten Wagen mitgeführet. Hat ein Blutigen Streit geben und die Cöllner haben sie ritterlich erhalten, zu dessen ewigen Gedächtniß sie S. Bonifacii Kirchen in S. Severins Gassen erbauet haben, in welcher forthin jährlich deßwegen ein Fest von dem gantzen Rath gehalten worden sey. Im übrigen ist zu wissen, daß ein Stadt von Cölln ein freye Reichsstadt, ihre besondere Freyheiten, Regalien und Policey-Ordnungen hat, und alle Bürger freye Königliche Bürger seynd. Und ist ihr, der Stadt monatlich einfacher Reichs-Anschlag gewesen 25 zu Roß und 200 zu Fuß. Es ist Cölln auch eine Hansee-Stadt und zwar das Haupt deren, so in den Niderlanden und Westphalen ligen. Ist in den Hanseatischen Bund ums Jahr Christi 1201 kommen. Sie führet in ihrem Schild drey Kronen, das dreyfache Regiment in der Stadt dardurch anzuzeigen: als deß Herrn Ertzbischoffs, des Raths und des Rectoris der hohen Schul allda. Sie, die Stadt, wird Bürgerlich also regiert: es ist die gantze Bürgerschafft in 22 Zünfften eingetheilet, so sie Gaffelen nennen, und keiner, er sey Edel, gelehrt oder wie er seyn mag, das Bürgerrecht erlangen kann, wann er sich nicht in eine der gemeldten Zünffte begiebet. Dann das Regiment dieser Stadt bestehet nicht aus sonderbaren Geschlechten, sondern aus dem Volck, aus welchem oder den Zünfften 49 Personen in den Rath erkieset werden. Die übrige, so nicht Bürger, werden Beygeschworne genannt. Jährlich auf S. Johannis des Täuffers Tag wird die Wahl vorgenommen und diejenigen, so verständig, fromm und mit Tugenden begabt, auch gutes Leutmunds seyn, ohne Ansehung des Stands den Zünfften erwehlet. Es hat jede Zunfft ihr eigen Hauß (wie zu Straßburg), da sie zusammen kommen und an den Sonntagen ein gutes Gespräch und mäßigen Trunck anstellen und halten. Im übrigen hat eine jede Zunfft ihren Bannerherrn oder Fendrich, und ein jeder derselben einen Schlüssel zu dem Gemach, in welchem der Stadt Freyheiten und Hauptbrief verschlossen liegen; wie auch einen Schlüssel zu der Stadt Schatz- und Rents-Cammer, daß man zu aller Zeit, wenn es die Nothdurfft erfordert oder etwan ein Argwohn verspüret wird, bey Nacht und Tag visitiren und darauff den Zünfften aufrichtigen Bericht erstatten könne. In Justizsachen bestehet das Ertzbischöfliche Hochgericht von 10 Personen, dessen Vorsteher oder Präsident nach alter Gewohnheit der Graf genandt wird, und der neun Beysitzer oder Schöffen hat, welche alle nicht allein Einwohner zu Cölln, sondern auch liegend Güter allda haben müssen. Endlich, was die dritte Obrigkeit allhie, nemlich den Rectorn der hohen Schul oder Universität anbelangt, so hat er, sampt den 4 Decanis Facultatum bey derselben völligen Gewalt über diejenigen, so solcher hohen Schul unterworffen, so wol in Criminal- oder Peinlichen-, als auch in Civil- oder denen Sachen, so unter die vorige nicht gerechnet werden. Und ist er nicht allein Richter, sondern auch ein Verwahrer und Beschützer der hohen Schul Freyheiten, welche eine Tochter der Parisischen und eine Mutter deren zu Löwen in Braband ist, und welche ein Rath allhie auf seine Unkosten im Jahr 1388 eingeführet und dieselbe Pabst Urbanus IV. befreyet hat. Man hält Cölln vor die größte Stadt in gantz Teutschland so wol diß- als jenseits des Rheins. Hat keine Vorstädte, ligt wie ein Bogen nach der Länge am Rhein, über welchen Kaiser Constantinus da eine Brücken geschlagen, die aber Kaiser Otto der Grosse wie bereits oben vermeldt, mit bedachtem Rath wieder hinweg gethan hat. Anno 1180 ist die Stadt erweitert worden, hat jetzt 82 oder 83 Thürn zur Beschützung herum, item einen doppelten Graben und starcke hohe Mauren mit bedeckten Gängen, innerhalb derselben auch hin und wieder Weingärten, Apffel und andere fruchtbare Bäume, schöne Spatziergäng und Lustbarkeiten; und 34 Thor. Ist sonsten auch wol erbauet und stehen sonderlich um das Rathauß auf dem Marckt ansehnliche Häuser, ingleichem auch auf dem Heumarckt. Die Gassen seyn schön weyt und mit breiten Steinen gepflastert. Es hat dort 19 Pfarrkirchen, 10 Stifftkirchen, 15 Mönchsklöster, 22 Jungfrauen Clöster (unter welchen acht, die auf dem Haupt schwarze Wielen tragen), 60 anderer Bäginnen oder Nonnen und alte Weiber Convent, 30 Capellen, 2 Gästhäuser oder Hospitäl, 2 Siechen oder Krankenhäuser, 8 Häuser, darin Alters halben Unvermögens Männer und Weiber versorget werden, item ein Findelhauß und das Hauß, darinn man die Unsinnige gefangen hält, so die Cöllner das Hundshauß nennen. Zum Beschluß sei insonderheit der Ertzbischofflichen Kirchen oder Dom zu S. Peter gedacht. Es wird in solcher nach altem Herkommen jedes Jahr der Churfürstlichen Regierung ein neuer Stecken angehangen, damit andeutend, wie viel Jahr ein jeglicher Churfürst dem Ertzbisthum fürgestanden sey. Es werden auch hierin die Cörper der H. drey König, wie mans insgemein nennet oder der Weisen aus Morgenland in einer rings herum mit starckem Eisen vergitterten Capelln, mit vielen stattlichen Pokaln, gewiesen, die der Ertzbischoff Reinholdus von Dasselt vom Kaiser Friderico I., als er Meyland eingenommen, ausgebäten und hieher geführet hat. Man findet auch da vieler Hertzogen, Fürsten und Bischöffe Monumenta von Ertz und Alabaster. Und ist Anno 1248 zu bauen angefangen, aber bisdaher nicht ausgebauet worden, sonsten solche, wegen ihrer Weitläufftigkeit und Grösse alle in Teutschland übertreffen würde, und könnte solche Kirch unter die Wunderwerck in Europa gezehlet werden. Leipzig Lipz Die Stadt Leipzig ist alter Herkunfft. Ungefehr sechs hundert Jahr nach Christi Geburt haben sich der Oerter herum an der Hermunduren Statt ein slavonisch Volck, die Sorabi oder Sorben, Wenden genannt, niedergelassen, daselbst ihre Hütten gebauet und den Nahmen Lipz gegeben, weil damals an diesem Ort viel Linden gestanden, und das Lipz in Wendischer Sprache eine Linde oder Lindenbusch heissen solle. Auß dem Dorff ist hernach ein Marckflecken entstanden, und haben Anno 926 die Wenden denselben erweitert und mit einer schlechten und geringen Mauer und starcken Zäunen umher verwahret. Sie seyn aber folgends vertrieben und Teutsche hieher gesetzt worden; darüber später zu lesen. Leipzig ist im Land zu Meissen, unter den himmlischen Zeichen deß Stiers in einem feinen ebenen flachen Felde an einem schönen lustigen fruchtbaren Ort gelegen. Ist um und um mit geschmeidigen Mauren, Pasteyen und Thürnen auß gebackenen Steinen umgeben. Hat ziemlich tieffe und weite Graben und vier Thor: das Peters, Grimmische, Hallische und Ranstädtische, und drey Pforten: das Parfüsser, Thomaser und Hallische Pförtlein, dardurch mit Wagen nicht gefahren wird. In der Ringmauer seynd zu finden 945 Häuser und 36 Gassen groß und klein. Die Vorstädte sind auch groß und nach dem Anno 1631 erlittenen Brandschaden widerum sauber aufgebauet worden. So seynd auch um sie her viel stattliche Vorwercker und Dörffer zu befinden, sonderlich aber die fünff Kohlgärten, welche durchs gantze Jahr die Stadt mit Milch, Käse, Butter, Kraut, weissen, rothen und gelben Rüben, Zwiebeln, Obst und dergleichen Zugemüse versehen. An schönen Gärten, guten Aeckern, herrlichen und schönen grünen Auen und Wiesen, item schönem Gehöltz und Wäldern ist auch kein Mangel. So fliessen auch nahe bey der Stadt drey ziemliche Wasser: die Pleisse, Elster und Barde. An der Pleisse sind zwei kunstreiche Wasserthürn, darinnen das Wasser gehoben, durch Röhren in die Stadt geleitet und unter die Bürgerschafft dermassen vertheilet wird, daß fast alle fürnehmste Häuser mit Wasser versehen. Auff gedachter Pleisse ist auch eine stattliche Holtzflösse, da jährlich etliche tausend Klaffter Holtz auß den äussersten Voigtländischen Wäldern auff eine halbe Vierthel-Meil wegs, ja wohl näher an die Stadt geflösset und der Bürgerschafft käufflichen gelassen wird. Die Häuser und Gebäue der Stadt seyn groß, geraum, ordentlich, stattlich und wolgebauet, auch ein groß Theil steinern und gemeiniglich drey Gemächer hoch und mit Ziegeln gedeckt; inwendig aber in den Stuben und Zimmern sauber, zierlich und ansehnlich, und mit Zinn, Teppichen und schönen kostbahrem Taffelwerck sowol auch anderm Zierath mehr geschmücket und geputzt. Die Strassen und Gassen sind lang, eben, reinlich, mit Steinen gepflastert und abgängig, davon das Wasser allzeit seinen Abschuß haben mag. Hat zwey grosse Pfarrkirchen, eine zu S. Niclas, die ander zu S. Thomas genannt, so gantz steinern mit hohen Pfeilern und Werckstücken auffgeführet und oben gewölbet, auch mit fürtrefflichen schönen Orgeln, Predigtstühlen, Altarn, Tauffsteinen, Vorkirchen und vielen herrlichen Epitaphiis gezieret. Die dritte Kirch ist am Pauliner Collegio und der Universität zuständig, darinnen unter andern ein schöner Predigtstuhl und Altar beneben einer grossen fürtrefflichen schönen Orgel, welche Anno 1627 auffs neu wieder gebauet und angerichtet worden, zu finden. Es seyn ferner noch andere 2 Kirchen in der Stadt als zu S. Peter und die Barfüsser Kirche, die aber in langer Zeit nicht gebraucht worden und sehr eingangen seyn. Insonderheit aber ist allhie eine Hohe-Schul oder Universität, so sechs herrliche und wolgebaute Collegia hat. Als wegen der Uneinigkeit zwischen der Teutschen und Böhmischen Nation die Hohe Schul zu Prag zerstreuet wurde und sich davon 2000 Studenten anhero nach Leipzig Anno 1409 gewendet und sich unter den Schutz der beyden Marggrafen Friedrichs und Wilhelms Gebrüder begeben, so seynd von denselben ihnen zur Wohnung eingeräumet worden zwey Häuser, eines in der Ritter Strassen, das andere in der Peter Strassen, welches die Fürsten mit Freyheiten wider alle Beschwerungen begabet und also die Universität fundiret. Und ist erstgedachtes Fürsten-Collegium in der Ritter Strassen auß einem Hauß, genannt Fuchszagel, gebauet worden, darin hernach die Collegiaten auß dem Peters Closter gezogen seyn. Und ward selbiges Hauß in der Peter Strassen das Paedagogium genennet, biß auffs Jahr 1515, da Hertzog Georg zu Sachsen ein Juristen-Collegium darauß gemacht, welche zuvor in der Thomaser Kirchen gelehret hatten. Für das Paedagogium aber ist das neue Collegium, so Anno 1513 auß deß Raths Marstall erbauet, gegeben worden. Das Vorder-Gebäu aber hat die Philosophische Facultät auf ihren eigenen Unkosten bauen lassen. Auf diese Weise sind fünff Collegia worden: das grosse und kleine Fürsten-Collegium, das Frauen-Collegium, das Neue und das Petrinum, welche Nahmen sie auch biß anhero behalten. Zu welchen endlich auch das Paulinum kommen ist. Ferners ist da das Schloß oder die Vestung Pleissenburg, so von der Pleissen, die beyher fleußt, den Nahmen hat, zu sehen. Liegt im Morrast am Ende der Stadt oder an der Stadtmauer vom Petrus und Thomas-Thor. Hat einen grossen Platz in sich und ist mit einer festen Pasteyen und einem starcken runden Thurn, darauf viel grosse Geschütz stehen, befestigt, auch mit einem von Kriegs-Munition wolangerichtem und vollem Rüst- oder Zeughause versehen. Hat über diß eine künstliche Mühle und einen schönen Röhrkasten. Dieses Hauß ist auß dem Grunde durch und durch gewölbet, hat herrliche ansehnliche artliche Stuben und Losamenter, auch stattliche grosse Keller darin, unter andern ein gewaltig grosses Faß mit starcken eisernen Reiffen belegt, darein allein 805 Eymer Wein gehen. Der grosse Marckt in der Stadt, da allerley verkaufft wird, ist ein schöner, grosser ebener Platz, sauber mit Pflastersteinen außgesetzet. Nahe bey demselben haben die Kauff-Leuthe in einem Gewölbe ihre sonderliche Zusammenkunfft, welche man die Börse nennet. An dem Marckt aber liegt das Rathhauß um und um frey, hat von Grund aus zwey Gewölb übereinander und sind alle Fenster mit starcken eisernen Gittern wohl verwahret. Hat oben einen herrlichen schönen langen Saal neben viel zierlichen Stuben. An diesem Hause ist auch ein Thurn gebauet, welchen man den Rathsturn zu nennen pfleget, daran stehen drey Zeiger Uhren, deren zwey auff den seiten des Thurns, die dritte und mittlere aber gerad auff den grossen Marckt zu-sehen, und über derselben die Schlag-Uhr, welche biß auf 12 weisen und schlagen thun. Etwas höher hinauff ist ein Gänglein, darauff die Stadt-Pfeiffer des Tags zweymal mit Posaunen und Zincken blasen. Oben aber auf dem Dach ist ein Thürnlein, in welchem zwey Glocken hangen, deren eine zur Schlaguhr gehörig, die andere aber die Bürger Glocke, weil dardurch die Bürger in fürfallenden wichtigen Sachen auffs Rathhauß zusammen gefordert werden, genennet wird. Hinter dem Rathhause ist der Fisch, Fleisch und Nasch-Marckt, zwo stattliche Garküchen, da frembde und einheimische in und außer dem Marckt (Jahrmarckt) um Geld gespeiset werden. Nechst an dem sind die Fleischbäncke in einem grossen steinern Gewölbe anzutreffen. Darnach findet man den Burg-Keller, darinn viel gute frembde Bier verzapffet werden; darbey unten eine grosse Trinckstube für gemeine Leuthe und oben darüber eine andere so Anno 1621 erbauet und die Zunfft- und Brüderstube genennet wird, darinnen die Bürgerschaft, sonderlich aber die Zünffte ihre Lust und Ergötzlichkeit haben mögen. Ferner ist da das herrliche und weitberühmte Hauß, so anfänglich von Doctor Heinrich Auerbachen erkaufft und derowegen noch heutiges Tags der Auerbachs Hoff genennet wird, so von vielen Gewölben, Kammern und Sälen stattlich erbauet, auch mit grossem Gut und vielen Waaren so reichlich versehen, daß es wol einem besondern stattlichen Marckt könnte verglichen werden. Allhie stehen auch folgende Verß: »Doctor Faustus zu dieser frist »Auß Auerbachs Keller geritten ist »Auf einem Faß mit Wein geschwind. »Welches gesehen viel Menschen Kind. »Solches durch sein subtil Kunst gethan. »Und deß Teuffels Lohn empfieng davon.« Es hat auch der Hoff zu besserer Forsetzung Handels und Wandels einen sonderlichen Durchgang, durch welchen er alle Jahrmärckte beydes von Frembden und Einheimischen fleissig besuchet und im selbigen ein grosses Gewerb an Waaren getrieben und dafür ein groß Geld angeleget und außgegeben wird. Hinter obgedachtem Hoffe findet man noch andere drey wolerbaute steinerne Häuser. Erstlich das Kornhauß, da ein stattlicher Vorrath an Früchten von vielen Jahren gesammlet. Das ander der Marstall, darinnen deß Raths-Reissige und Fuhrpferde ec. Das dritte ist das Gewandhauß, welches groß und weit umfangen, auch durch und durch gewölbet und mit eisernen Gittern und Fensterladen wol verwahret. Auff solchen haben in den Messen oder Jahrmärckten die frembde Tuchmacher und Leinwandhändler ihr Gewand und Tuch zu verkauffen. Es werden auch die Fecht-Schulen da gehalten. Ferners hat die Stadt drey stattliche wolerbaute und wolangerichtete Apothecken, so jährlich mit Fleiß visitiret werden. Im untern Theil der Stadt am Ranstätter Thore ist eine schöne steinerne Badstube gantz gewölbet, darinnen viel grosse kupfferne Wannen, bey dero jeder ein hoher messinger Hahn, auß welchem das frische Wasser auf deß Badegasts Begehren nach aller Lust springen thut. Damit auch frembde Leute in den drey Messen desto besser möchten beherberget werden, so ist da die Menge an schönen herrlichen Wirths- oder Gast-Häusern. Der Gottesacker vor dem Grimmischen Thor, darauff der verstorbenen Leichen mit Predigen, Singen und anderen Zeremonien christlich und ehrlich zur Erden bestattet werden, ist sehr groß und stehet darauff eine schöne stattliche Kirche, so Anno 1548 von Grund auf neu erbauet worden. Dieser Gottesacker ist von aussen mit einer Mauer und eisernen Gitter Thüren wol verwahret, inwendig aber um und um mit vielen artigen Schwibbögen und künstlichen schönen Epitaphiis gezieret, daß seinesgleichen in gantz Europa schwerlich zu finden. Was die Historie dieser Stadt anbelangt, so sey kurtz vermerckt, daß Marggraf Otto, zugenannt der Reiche, Anno 1174 bey Regierung Kaisers Friderici Barbarossa solchen Ort oder Flecken erweitert und mit einer rechten Mauer umgeben, ihn auch mit Stadt-Recht und Statuten versehen. Nach ihm hat sein Sohn Albertus und nach dessen Absterben sein Bruder Marggraf Dieterich Leipzig beherrschet. Anno 1210 eroberte Kaiser Otto IV. Leipzig, schleifte die Mauren und zerstörte das Schloß oder die alte Burg. Aber Marggraf Dieterich, der es mit Kaiser Friderico II. wieder Ottonem hielte, bekam Leipzig wieder in seine Gewalt und bauete hernach Anno 1222 das herrliche Closter allda zu Sanct Thomas. Und ist hierauff Leipzig bey seinem Geschlecht blieben. Und nahme diese Stadt sonderlich zu, als der Jahrmarckt oder die Messe, so vorhin zu Merseburg, hernach zu Grimma und Taucha gehalten, hieher geleget und von Marggraf Dieterichen mit einem Privilegio begabet worden, die hernach Anno 1496, 97 und 1507 Kaiser Maximilian und Anno 1521 Kaiser Carolus V. stattlich confirmiret und mit herrlichen Privilegien begnadet und befreyet, also, daß sie des Jahrs über dreymal, im Frühling, im Herbst und auffs Neue Jahr zu allen Zeiten gehalten und besucht werden kann und soll. Magdeburg Maydeburg Die Statt Magdeburg ist sehr alt, und wird dafür gehalten, daß diese weitberühmte Ertzbischoffliche und Hansee-Statt anfangs vom Druso erbauet worden, an dem Ort, da hernach S. Marien Magdalenen-Closter, in der Rinckmauren der Alten Statt, an S. Peters Kirchhofe neben der Elbe gestanden. Und soll der alte rothe Thurn, der aus gebranten Ziegelsteinen gemacht ist, noch von derselben alten Römischen Burg übrig seyn. Der Nahm ist aus zwey Wörtern zusammen gesetzt, als Mägde und Burg. Nun ist der Römer Brauch gewesen, ihrer Götter und Göttinnen Tempel in oder neben ihre Burgen zu setzen und dieselben nach den Abgöttern zu nennen. Weyl denn bey der alten Römischen Burg allhie auch die Abgöttin Venus, welche auch Magada, wie Brotuff schreibet, geheissen, sampt den Gratiis, ihren Mägden gestanden und ihr auch sonsten Mägde zu Priesterinnen und Dienerinnen zugeordnet gewesen, ist kein Zweiffel, daß der Nahme Maydeburg oder Magdeburg von der Venere und ihren Mägden und der dabey ligenden Burg gekommen und der Statt biß daher geblieben sey. Und diese Venus ist von den alten Einwohnern dieser Lande im Heydenthum, sonderlich allhie im Holtzkreis zwischen der Elbe, Bode, Saale, Aler und Ortha für eine Göttin geehret und angebetet worden, die Braunschweigische Chronick beschreibet obvermeldtes Venusbild also: Es stund auff einem gulden Wagen ein nackend Weib, mit klaren lieblichen Augen und gelben langen Haaren, so fein voneinander gekemmet waren und ihr biß in die Knie hieng. Auff ihrem Haupt trug Sie einen Krantz von Mirrhen mit roten Rosen umgeflochten, und auff ihrem Hertzen ein brennende Fackel und helle Strahlen. In ihrem lachenden Munde hielt sie eine beschlossene Rose, in ihrer rechten Hand die gantze Welt, in Himmel, Erden und Meer getheilet, und in der lincken Hand drey gulden Aepffel. Bey ihr auff dem gulden Wagen stunden ihre drey Töchter oder Mägde, die Charites oder Gratiae, die waren nackend und hatten einander lieblich in die Arme gefasset, und hielten einander mit abgewendeten Angesichten (welches bedeut, daß die Liebe blind ist) Gaben zu, nemlich drey gulden Aepffel. Für den gülden Wagen, darauff sie stunden, giengen zween weisse Schwanen und zwo weisse Tauben. Und soll diese Venus in einem besonderen Tempel etwas weiter von der Burgk nach der Elbe abwärts gestanden haben, biß zur Zeit Caroli Magni, welcher diesen Tempel sampt der Venere zerstört und das Geld und Schatz zur Erbauung S. Stephans Kirche, die er dahin gelegt, wiederum angewendet hat. Welche Kirch aber sampt Magdeburg Anno 782 von den Wenden, Hunen und Böhmen in grund zerstöret und verbrannt worden. Darnach hat sich die Elb ergossen und was dem Feuer am Mauerwerck und sonsten entkommen war, vollends eingewaschen und niedergeworfen. Folgende hat Kayser Otten deß Ersten Gemahlin Editta aus Engelland Magdeburg, deren Morgengab es war, mit Vergünstigung deß Kaysers Anno 940 zu einer Statt zu erbauen, und der Kayser Otto selbsten auch die Mauren um die Statt zu ziehen angefangen; aber dieselben bey seinem Leben nicht gäntzlich vollendet, sondern einen großen Schatz zur Vollführung deß angefangenen Wercks hinter ihm gelassen. Darum nachmahls Bischoff Gero, als deß Kaysers Testamentarius, sie folgende von solchem verlassenen Schatze vollenzogen hat. Ums Jahr 936 hat gedachter Kayser allhie ein herrliches Closter S. Benedicti gestifftet, an der Stätte, da jetzund die hohe Stifftkirche oder der Dom lieget. Die jetzige Stifftkirchen aber oder der Dom zu S. Moritzen und S. Catharinen ist erst nach dem grossen Brande, der allhie Anno 1208 (al. 1210) gewesen, da die Stifft- und Pfarrkirchen abgebrandt seyn, erbauet worden. Anno 1211 ist das Fundament, vom Bischoff Alberto, gelegt worden. Von den 4 Thürnen, so er hat bekommen sollen, seyn die zween gegen Abend gelegen herrlich auffgeführet, die andere beyde aber gegen Morgen, hinter dem Chor, sind kaum auff die Helffte gebracht, wie zu sehen. Die Kirche ist aus eitel Werckstücken, einer grossen Höhe und Weite und in zierlicher Proportion gebauet. Denn so hoch das Mittelgewölbe ist, so breit ist die Kirche an ihr selber, und so lang sie ist, so hoch sind auch die auffgeführte Thürme gegen Abend. Und haben diese Thürme ihre drey schichte Umgänge, von welchen man, im Papsttumb, das Heiligthum dem Volcke, so sich auff dem großen Platze für den Thume versammlet, mit grossem Gepränge am Tag S. Mauritii im Anfang der Heermesse gezeiget hat. Und wird noch heutig Tags auff demselbigen Plan der grosse Magdeburgische Jahrmarkt oder die Heermesse gehalten, von welchem Jahrmarckt auch der Nahme deß Neuen Marckts gekommen, weil man sonst die andern Jahrmärckte und Wochenmärckt allein auff dem alten Stattmarckt hält. Und diese Heer- oder Herrenmesse, so jährlich von Mauritii an biß auf Michaelis gehalten wird, ist der Magdeburger bester Jahrmarckt. In dem Dom seynd unweit von dem Chor zwey Gewölbe oder Keller beyeinander, der eine ist gantz finster und kan kein Licht darinn brennen, da man doch da keine Lufft spüret, so solches ausbläst; in dem andern ist es zwar liecht und brennt auch Liecht darinn, so mans anzündet, man fühlet aber einen stätigen Wind und Brausen darinnen, wie eines grossen Wassers, man kan aber gantz nichts sehen oder vernehmen, wo solches herkomme. Ferners seyn in dieser Kirchen, in einer sonderlichen Capellen zu sehen, die zehen Jungfrauen sehr köstlich und artig in Steine gehauen, also, daß die fünff Thörichten mit unterwärts gekehrten Lampen und weinenden Augen sehr kläglich anzusehen, hingegen die Klugen mit auffwärts brennenden Lampen und lachenden Gesichtern so artig gemacht seynd, daß wer es ansiehet, des Mitlachens sich nicht enthalten kann. Magdeburg ist unter die fürnehmste Stätte in ganz Sachsen gezehlet worden, wie auch Johann Angelius Werdenhagen schreibet; Magdeburg seye in Sachsen eine ›Metropolis‹, mit herrlichen Privilegia vor andern Stätten. So seye dort auch ein Scabinatius oder Schöppen-Stuel, von dem nicht allein von den Sachsen, sondern auch den Böhmen, Pohlen, Lausnitzern, Schlesiern ec. in schweren Fällen vielmahls guter Rath und Bescheid abgeholet worden. Weßwegen auch des Rulands Bilde hieher kommen, als ein Weichbild, das ist eine solche Statua, dardurch angedeutet wird, daß an solchem Ort seye ein Mallstätt, da man frey Kayserlich Gericht hält. Anno 1631 ist Magdeburg mit ganzem Ernst von dem Kayserlich- und Chur-Bayrischen Generaln, Herrn Johann Tscherclaes, Graffen von Tilly belagert und den 10., 20. May mit Sturm erobert worden. Es haben die Kayserischen, den Bürgern zum Schrecken, das Feuer an unterschiedlichen Stellen eingelegt und seyn dardurch sechs schöne grosse Pfarrkirchen beneben allen Stifften und Closter-Kirchen wie auch die Statt selbsten gantz in die Aschen gelegt worden, biß auf 139 Häuser, die mehrertheils am Fischer-Ufer gelegen und kleine Hüttlein waren, ohn etliche wenige an dem Dom und Lieben Frauen, welche beede Kirchen noch vom Feuer unversehrt geblieben. Sihe von solcher Belagerung und wie schröcklich in der Statt von den Soldaten gehauset worden, die davon vorhandenen Relationen. Tilly hat es die Magdeburger Hochzeit genannt. Anno 1632 besetzte der Schwedische Feld-Marschall Johann Banner die Statt mit schwedischen Volck und seyn die überbliebene Bürger nach und nach wieder hierher kommen, denen die Benachbarte alle Hülff gethan haben. Wie dann die schöne Gelegenheit hierum, die Fruchtbarkeit und der Elbstrom den Inwohnern bald um etwas wieder hat auffhelfen können. München Mönchen Ist nicht allein die Hauptstatt in Ober- sondern auch in gantz Bayern und derzeit die Churfürstliche Residentz und Hoffhaltung; da ingleichem eine Fürstliche Lands-Regierung Rentampt und das obriste Hoffgericht ist. Vom Namen und Anfang dieser löblichen Statt Mönchen schreibet Aventinus in seiner Bayrischen Chronik also: Hertzog Heinrich der XII. in Bayern hatt die Statt Mönchen gebauet, auff das von Closter Schefflarn Grund, darumb man es die Statt Mönchen hat genennet, und führet einen Mönch für ihr Wappen. Damals war deß Saltzhandels Niederlag zu Pfering, underhalb Mönchen gieng die Straß von Reichenthal durch Wasserburg. Hertzog Heinrich verbrennet die Statt Pfering, brach die Brück über die Isar ab, legt Maut und Zoll, die Straß und allen Handel in seine Statt Mönchen. Dieses sagt Aventinus. Andreas Brunner sagt, daß vorhin allhie an dem Gestade der Isar ein Meyer Hoff (oder Weyler) gestanden, der von den Mönchen zu Schefftlarn, als denen er gehöret, den Namen gehabt. Hertzog Heinrich der Löw habe den Saltzzoll auff der Veringer Brück, so in der Bischoffe von Freising Cammer pflegte zu kommen, von dannen zu bringen gedacht; darüber es zu den Waffen gerathen, Veringen vertilget und die Brück abgeworffen worden. Welches dann die Gelegenheit gewesen, auß besagtem Weyler umb das Jahr 1175 diese Statt Mönchen zu erbauen. In einer geschriebenen Verzeichnuß stehen folgende Wort: Es ligt Mönchen in Vindelicia, am Wasser Isara, so auß dem Anstoß des Italianischen Gebürgs entspringet, zwischen zweyen berühmbten Flüssen, dem Lech, gegen West, und dem Inn, gegen Ost. Gegen Mittag siehet die Statt das Tyrolisch Gebürg an, gegen Auffgang schöne liebliche Gärten, mit Bächlein dahin geleytet. Ist ein überauß schöne Statt und wird erachtet, daß kein schönere Fürsten Statt in Teutschland zufinden seye. Auß der Isar lauffen etliche Canäl durch die Statt, in welcher es viel Mühlen, schönes Brunnenwerk mit springenden Röhren und außgehauenen Bildern hat. Die Handwercker, sonderlich Glaser und Seidenweber, seynd da im Wolstand, und vor kurtzer Zeit über 18000 Heerdstätte sampt einer grossen Menge Volcks, auch viel frembde ansehnliche Fürsten, Graffen, Herrn und vom Adel allda gewesen. Die Häuser seyn groß, schön und prächtig erbauet, haben artige Manier mit den Wasser-Eymern das Wasser hinauff zu ziehen und zu schöpfen und seyn solche, sonderlich auff dem Marckt schön gemahlet. Es hat umb die Statt von Jagen, Weydwerk und Fischern ein sehr lustige Gelegenheit, liebliche Wäld, viel See und Weyher. Zu welchem andere thun: der Lufft seye allda gar gesund, habe einen schönen Markt, auff welchem unlängsten von rotem Marmor ein Säul auffgerichtet worden, auff dessen Spitz oder Höhe die Mutter Gottes mit dem Kindlein Jesu, im Mond stehend, alles stattlich vergüldet, zu sehen; gebe allda stattlichen Handel mit Wein, Saltz und Getreyd, und werden jährlich zween vornehme Märckt oder Messen gehalten, die erste am Sonntag nach der H. drey König Tag, die ander auff S. Jacobi im Sommer, zu welchen Zeiten Comoedien, Ritterspiel, Schlittenfahrt und Auffzüge der Geschlechter mit ihren Frauen und Kindern durch die Statt, öffentliche Gastunge auff dem Rahthause, Tänze und dergleichen gehalten werden. Was etwan dieser Statt für Unfäll begegnet und allda vorgeloffen, darüber schreibet Aventinus: Anno 1327, den 14. Hornung, ist zu Mitternacht ein groß Feuer bey Anger in dem Frauen Kloster auffgangen und wol der dritte Theil der Statt sampt S. Peters Kirch mit dem Chor und Spittal, auch das Thal und die alte Veste verbronnen. Anno 1403 nahmen Herzog Ernst und Wilhelm Gebrüder, so vor fünff Jahren von hinnen vertrieben worden, diese Statt wieder ein, ließen vier Rathsfreund köpffen, die übrigen so man bekommen, mußten ein gantzes Jahr einen Strick am Halß tragen. Anno 1632, den 17. Maij ist der König auß Schweden, Gustavus Adolphus, auff getroffenen Accord, allhie eingeritten und hat mit Pfalzgraff Friderico \& co. sein Losament im Schloß genommen und ward umb die Statt ein Läger geschlagen. Den 8. Maij ist er in die Zeughäuser gangen und hat die schönste herrlichste Stück und darunter theils mit sonderbaren Wappen, so vergraben gewesen, durch Verrähtereyen etlicher Bauren, in grosser Anzahl gefunden, so er auffladen lassen, und hat die Statt ein grosse Summa Gelts vor die Plünderung geben müssen. Am Auffarths Tag war die erste Lutherische Predigt im Schloß, die neue Veste genandt, gehalten, darbey der König mitgesungen: »Nun freud euch lieben Christen gemein«. Es hat vor Zeiten auch Juden allhie gehabt, deren Anno 1285 mehr als 180 mit sampt ihrer Synagog oder Schul verbrandt und an dasselbe Orth ein Christen Kirch solle erbauet worden seyn. Von weltlichen Gebäuen ist allhie sonderlich das Churfürstliche Schloß oder Pallast zu besichtigen. Die Stuben in dieser neuen Veste haben schöne durchscheinende Öfen, dabey allwegen eine Cammer, und hat jedes Gemach noch ein Gemächlein. Unter andern Zimmern ist auch ein große Tafelstuben, darinn stehet ein lange Tafel, darob man essen kan, mit einem Musicalischen Instrument darin, welches, wann man die Nägel zeucht, die besteckte Wellen aufflöset und die Blasbälge auftreibet, von sich selbst spielet. Hat auch dort einen schönen großen gevierdten Garten, zu Ende dessen ein schöner Fischweyher mit Blau gefütert. Und stehet auff Felsen ein großer metalliner Mann, item ein Weib, die halten miteinander einen großen Delphin umb den Leib, welcher zum Maul auß hauffenweiß Wasser speyet und geusset. Auff Nebenfelsen seyn Wald-Teuffel, die spritzen auch Wasser. Und hat es noch kleine Nebenberglein mit spritzenden Bildern, würde aber allhie zu lang, wann man alles beschreiben wollte. Unter denen Sachen, so weiters vornemblich zu sehen, leuchtet herfür die Hauptkirchen zu unser Frauen, welches ein schönes großes Gebäu mit einer schönen Cantzel und zwei hohen gleichen Thürnen gezieret ist, deren jeder 333 Werckschuh hoch ist, darinnen seine Glocken, auch in der Kirchen sehr schöne Altär und ein schöne Orgel so sehr grosse Buchsbäume geträhete Pfeiffen hat. Ist erstlich eine Capell gewesen, hernach Anno 1271 von S. Peters Pfarrkirch abgesondert, und selbsten zu einer Pfarr gemacht, folgends solche alte Capell abgebrochen und Anno 1648 diese herrliche schöne Kirchen, wie sie jetzo zu sehen, zu erbauen angefangen. Zum andern ist zu sehen die Jesuiter Kirchen, auf Italianische Manier sehr schön gebauet, die hüpsche Gemählde, schöne Altär, sonderlich einen grossen im Chor hat, vor welchem Chor ein schöne silberne Oel-Ampel, so 50 Marck Silbers wiegen soll, hanget. Neben dieser ist auch S. Peters Pfarr und andere Kirchen und darunter der Franciscaner zu sehen, allda ein schönes Uhrwerck, so den englischen Gruß schlägt, dazu ein Engel posaunet. Münster Mayland / Mimingarvorde Diese weltberühmte, schön- und wolerbaute, auch von Natur und der Hand sehr feste und in einer fruchtbaren Ebene gelegene Bischöfliche und Hansee-Statt, so für das Haupt in gantz Westphalen gehalten wird, solle Anfangs von denjenigen Sachsen, die man Tencteros genannt und die mit den Longobarden in Italien gezogen, aber folgende mit grosser Beut wieder in ihr alte Heimat, nemlich in Westphalen zurück kommen, mitten zwischen dem Rhein und der Weser und inmitten ihres Lands umbs Jahr 584 nach Christi Geburt seyn erbauet und Mayland genannt worden, welcher Name ihr biß auffs Jahr 696 ungefähr geblieben, umb welches sie Mimingarvorde, nicht wissend, auß was Ursachen, geheissen zu werden angefangen worden; nemlich zu der Zeit, als der heilige Swiberus den Christlichen Glauben allhie erstlich gepredigt und ein reiche Frau, so das Gicht hatte, gesund gemacht, die folgend hart bey ihrer Behausung eine Kirch in die Ehr S. Pauli (weiln sie eben an S. Pauli Bekehrungs-Tag bekehret und gesund worden) erbauen lassen. Hernach umbs Jahr 772 hat Kayser Carolus Magnus Mimingarvorden bekrieget und sie ihm unterthänig gemacht, und mit neuer Bestellung der Kirchendiener die Christliche Religion mehrers allda außgebreitet. Und dieweiln die Leut dieser Orten, so ohne Leibeserben verstorben, ihre Häuser, Höff, Land und Sand Gott und seinen Dienern williglich gegeben oder dieselbe sonsten den Geistlichen umb einen billigen Kauff überlassen, auch besagte Statt Mimingarvorde oder wie sie Theils nennen Mimingerode oder Mimingardefurde an Inwohnern zugenommen: so hat er auch ein Bischthumb Anno 785 allda auffgerichtet und einen prächtigen Tempel zusampt einen Kloster für die Geistlichkeit, so man das Münster genannt, erbauet, nach welchem auch die Statt selbsten forthin Münster anstatt Mimingarvorde geheissen zu werden angefangen hat. Sie ist beynahe gantz rund. Hat acht Pfordten oder Thor, nemlich das Horster, S. Moritz, S. Servatii, S. Ludger, S. Aegidii, Unser Lieben Frauen, das Judenfeld (so von den Juden, deren es vor Zeiten, ehe sie von hinnen vertrieben worden, allhie viel gehabt, den Namen hat) und das Neuenbrücker-Thor. Vor Jahren seyn noch drey Pfordten gewesen, die aber zugemauert worden. Es seyn allhie fünff Collegia oder Stiffter, als das besagte hohe Stifft oder der Thumb; das zu S. Paul im alten Thumb; das zu S. Ludger, dabey auch eine Pfarrkirch; das zu S. Moritz ausser der Stadt; und das zu S. Martin, in dessen Bezirk ein Minoriten Kloster ist. Der Kerspel oder Pfarrkirchen seyn ausser der auss dem Thumbhoff zu S. Jakob sechs, darunter die zu S. Lampert oder Lamprecht beynahe mitten in der Statt gelegen. Der erste Stein des Chors dieser Kirchen ist Anno 1375 gelegt worden, die übrige Höhe hat ein Todtengräber, Cornelius genannt, gebauet. Auff den Thurn wird allezeit eine Wacht gehalten, auch alle Stund mit der Schallmeyen ein Lied gespielet, und hanget in solchem die Brandglocken, so in Feindes- und Feuersgefahr geschlagen wird, wie auch die Nachtglock und die Sturmglock, so man leutet,wann man einem zum Tode verurtheilen thut. Anno 1536, den 22. Januarii ist der Widertäufferische König und falscher Lügenprophet Johann von Leyden allhie mit heissen Zangen zerrissen und nach langer Marter ihme ein Messer in die Brust gestossen, er auff einer Schlaiffen durch die Statt geschlaiffet und in einem eisernen Korbe hoch an diesem S. Lamprechts-Thurn gehencket worden. Ferners hat es allhie vier Mannsklöster und sieben Jungfrauen-Klöster, aus welch letzteren das zu Ueberwasser oder das trans aquas sehr berühmbt ist, welches Anno 1041 der 14. Bischoff Hermanus I. gestifftet und es Marienthal genennet hat. Es hat dieses Kloster auch eine Freyung, daß, wann nemlich einer durch Unglück einen todt schlaget und hierein laufft, man ihn ein Jahr darinn auffhalten darff. Aber öffentliche Mörder werden von E. E. Rath allda nicht gestattet. Es hat zu Münster auch viel feine Häuser für die Armen, presthaffte, inficierte und dergleichen Personen, darunter das Hospital ist, zwischen den Brücken zu Ueberwasser. Ist von aller Schätzung und Dienste befreyet und dörffen die, so in solchem sterben, kein Testament machen, sondern es bleibet alles dem Spital. Von weltlichen Gebäuen und Sachen seyn allhie zu sehen die vier Märckte, und auff dem ersten das Rathhauß, so unter allen Häusern das höheste ist und auff runden Pfeilern stehet, auch mit schönen Bildern gezieret und erst neulich wieder stattlich ausgebutzet worden ist. Alle Mon- und Freytag wird in solchem Rath gehalten, und ist des Raths Weinkeller darunter. Auff dem Fischmarckt ist das schönste Hauß, in welchem die Olderleut und Gildenmeister zusammen kommen. Es seyn überdas auch sechs Frühmarckt, deren drey außer der Statt und drey in derselben gehalten werden, so von den Kaysern große Freyheit haben, wer einen blutrüstig auff denselben schlägt, der hat den Halß verwircket. Die Bürgershäuser seyn zum Theil auch schön von Bamberger Stein (so ein Ort, zwo Meilen von Münster) gebauet. Nicht weniger zieren die Statt die Bogen, so auf dem Thurmbhoff nach Osten liegen und fast den halben Theil desselben begreiffen. Und seynd die Häuser vornen alle auff Pfeiler gesetzet, darunter man hingehet und darinnen meistentheils Krämer wohnen, deren Frauen und Töchter man Bogenfrauen und Jungfrauen nennet, welche, weil sie höfflicher Sitten und gleichsam mitten in der Statt wohnen, andern gemeiniglich vorgezogen werden. Es hat allhie zu Münster zweierlei Gerichte, das Geist- und Weltliche. Das Geistliche gehöret dem Bischoff zu, vor welchem nicht allein Geistliche, sondern auch Weltliche Sachen tractiert und die Schuldner von dem Official mit geistlichen Briefen vorgefordert werden, daß sie bezahlen müssen. Das weltliche oder Niedergericht wird von dem Rathhauß, zwischen zwey Bäumen unter den Bogen sowol in Bürgerlichen als Halßsachen gehalten. Der Ort des Gerichts oder der Platz wird das Paradeiß genannt. Wenn einer zur Zeit des Gerichts da fürüber gehet, so höret er wegen Menge Volcks ein groß Gemurmel und Getöß. Was endlich das Bischthumb allhie anbelanget, so schreibet Johannes Angelius à Werdenhagen nachfolgende Wort: Es müssen die Thumbherren des Hohen Stiffts alle vom Adel von acht Ahnen, nicht allein Vatter- sondern auch Mutter-halb seyn und solches mit einem Eyd vor dem gantzen Capitul bezeugen. Ueberdas muß auch ein solcher mit Briefs und Siegel beweisen, daß er erstlich ein gantzes Jahr und Tag über dem Gebürge in Italien oder Franckreich auff einer Hohen Schul studiert habe. Die Thumbherren haben ihre eigene Aempter und Prälaten, so sie unter sich austheilen. Dann es ist da ein Probst, Dechant, Scholaster, Thumb-Custor, Vitzthumb, Thumb-Kellner, Seckelmeister, Cantor, Uebermeister, Regent der Krancken, welcher vor Zeiten durch das gantze Jahr Schweinen-Köpff in der Sultze liegen lassen mußte, auff daß, wann ein Thumbherr läge und also seine Kirchenrechte empfangen hatte, man ihme solcher Köpffe einen neben Weißbrod, Bier und einer Wachskerzen drey Tage lang präsentieren konnte, sofern er anders so lang lebte, aber weiters nicht. Welcher Gewohnheit man unterschiedliche Ursachen giebet. Wann sie aus ihren Höfen gehen, haben sie viel Diener hinter sich. Tragen gemeiniglich sammete Barettlein, daß man sie leichtlich vor andern kennen kann. Gehen auff Pantoffeln, so mit Tuch gefüttert seyn. Ausser der Statt gebrauchen sie sich der Wagen oder der Pferde. Wie sie dann dem Waidwerck obliegen, auch in Zeit der Noth gute Kriegsleuthe geben. Sie tragen güldene Ketten am Halse und sind ihre Finger mit vielen Ringen gezieret, darinn allerhand Edelgesteine und ihre Wappen geschnitten, damit sie die Brieff verpetschieren. Sie haben aber auch gute Auffsicht auff die Schüler in der Thumbschul und auff die Armen, und halten deßwegen ihren Almosen-Pfleger. Sie, die Thumbherren, haben allein Macht, einen neuen Bischoff zu erwehlen, und biß solches geschieht, so stehet das Regiment bey ihnen, wie dann, ohne das, ihnen das gantze Stifft, die Ritterschafft, ja auch der Fürst oder Bischoff selbsten vereydet seyn. Also, daß in denen Sachen, so das Stifft angehen, ohne der Thumbherren wissen und Willen nichts geschehen kann. Nürnberg Neroberg / Nordenberg / Nörnberg Es liegt die weitberühmte deß Heiligen Römischen Reichs Stadt Nürnberg im Fränckischen Creiß an der Pegnitz, so bey Fürth in die Regnitz und diese förters in den Mayn fallet, auff einem sandigten gar harten Boden, da weder Weinwachs noch Schiffarth ist, die auch nicht eben, sondern auf etlichen Berglein erbauet, deren Hand jedoch durch alle Land gehet. Woher aber ihr Name kommt und wer sie erbauet, davon seynd unterschiedliche Meynungen. Theils vermeynen, daß sie vorzeiten Nahrungsberg, andere, daß sie Nerckelsberg geheissen; theils nennens Nur-ein-Berg, andere wollen Drusum Neronem, Kaysers Tiberii Brudern zu ihrem Urheber machen, dahero der Name Nero-Berg und Nero-Werck entsprungen seye. Andere aber verwerffen diese Meynung: dann es haben vorzeiten diese Gegend die Schwäbische Hermunduri bewohnet, deren Nachbarn die Norici in der obern Pfaltz gewesen. Die Norici aber haben nachmals und zwar lang nach Christi Geburt, als die Hunni einen Theil Oesterreich, Speyer, Kärnten, das Saltzburgische Bisthumb und angräntzende Länder verwüstet, wegen mehrer Sicherheit in dieser Gegend, allda sich auch theils der Bojen oder Bayern vorhero niedergelassen hatten, begeben und wegen Bequemlichkeit der zweyen Wasser Pegnitz und Regnitz ihre Hämmer und Schmiden (auff welche Kunst sie sich sonderlich verstanden) daherumb auffgerichtet, und ferner zu ihrer Sicherheit auff den Berg, auf welchem noch heutiges Tags das Schloß stehet, anfangs ein schlechtes Castell aufgeführet, dahin folgende ein Flecken und also fortan eine Stadt erbauet worden, welches Castell, so in den alten Brieffen Castrum Noricum genennet wird, unter dem Fränckischen Gebiet gewesen und allbereit zu den Zeiten Kayser Carols deß Grossen gestanden ist. Dahero ist man auch wegen der Zeit deß ersten Anfangs, wann Nürnberg erbauet worden, ungleicher Meynung, indem etliche wollen, es seye zur Zeit nicht Neronis, sondern Attilae geschehen, umb welche Zeit auch die Stadt Venedig seye erbauet worden, und also, sagen sie, habe Nürnberg den Namen von den Noricis, nicht von den Neronibus, die weder hieher noch in Thüringen jemals kommen seyn sollen. Den rechten Außschlag lassen wir dißmahln dahin gestellt seyn und halten es mit denen, welche Nürnberg von Nordgau quasi Nordenberg oder Nörnberg derwiren, und kann dannoch der Thurn auff der Vesten von Tiberio Nerone den Namen haben; davon ein mehrers zu anderer Zeit. Umb das Jahr Christi 912, haben die deutsche Kayser, dieweilen es umb selbige Gegend der Stadt sehr unsicher worden, eine Besatzung ins Schloß gelegt und den Inwohnern gewisse Gesetz fürgeschrieben. Insonderheit Kayser Conrad der Erste, welcher die Stadt alten verständigen Männern ehrliches Herkommens zu regiren und die Wälder von der Rauberey sauber zu halten befohlen, welche zu solchem Ende etliche Söldner angenommen und unterhalten, so täglichen die Wälder und Strassen durchstreifften und wann sie schädliche Leuth anträfen, dieselbe in die Stadt führen sollen. Inmassen bey der Stadt Nürnberg noch heutiges Tags gebräuchlich. Umb berührter Ursachen willen, daß die Stadt Nürnberg der Rauberey mächtig gewehret, haben sich zu erwehnter Zeit auch viel Adeliche dapffere Geschlecht dahin gethan, durch welche die Stadt hernacher jederzeit in guter Policey und Ordnung erhalten worden. Zu den Kayser Carol deß Vierdten umbs Jahr Christi 1350 ist Nürnberg gewaltig erweitert, mit neuen Mauren umbgeben und folgends, wie jetzt zu sehen, mit doppelten starcken Mauren, weiten und tieffen Gräben, mächtigen Thürnen, stattlichen Brustwehren, Pasteyen und dergleichen bevestiget worden. Deren Thürnen sollen groß und klein 365 und zwar 183 grosse von Quatersteinen seyn. Sie hat 6 grosse starcke wolverwahrte Thor, als das Laufferthor, Thiergartnerthor, Neuethor, Schloßthor, Frauenthor, Spitlerthor, und zwo Pforten, als das Hallerthürlein und Wörtherthürlein. Es werden in dieser Stadt 528 Gassen und Gäßlein, 4 Schlagklocken und 4 kleine Uhren, elff steinerne Brücken und Steg, 7 höltzern Brücken und Steg, 12 Berg, zehn Märckt oder Plätz, da man allerhand feyl hat, auf die 116 Schöpfbrunnen, 12 Röhrkästen (ausser was für Wasser in der Burger Häusern ist) und 13 gemeine oder offene Bäder, darunter eine Gesundbad ist, gezehlet. Das obgedachte Wasser, die Pegnitz, so durch die Stadt rinnet, treibet 68 Mühlräder, ohne was sie bey den Schleiff-, Pallier-, Säg-, Rothschmied-, Papier-, Drexelmühlen, den Drotziehern, allerley Hämmern in und ausser der Stadt vor einen Nutzen schaffet, und dabey auch Insulen, lustige Bleichen, Spatzier- und ehrliche Spielplätz machet. Die Stadt ist nicht gantz rund, sondern, wie man will, mit Fleiß eckicht erbauet worden, daß sie desto schwerer zu gewinnen. Es ist eine grosse Menge Volcks zu Nürnberg, wiewoln dessen vor dem jetzigen Krieg und dem Sterben, so in den neulichsten Jahren, als Anno 1632 und 1643 allda grassirt hat, ein mehrers gewesen. Man schreibet, daß entweder Kayser Friedrich der Vierdte oder Kayser Ferdinand der Erste oder sie alle beyde (dann ein Ding wol von mehrern geschehen kann), einen Rathsherrn, Herrn Antonium Tucher, solle gefragt haben, welcher Gestalt sie eine so grosse Meng Volcks regieren könnten? Darauff der Rathsherr geantwortet: Mit guten Worten und schweren Strafen . Es ist des Volcks ein grosser Theil künstlicher Arbeiter in allerley Sachen und hat sich fast jederman allda, als die Handthierungen noch starck zu Friedenszeiten gangen seynd, wol ernehren können, und läßt man die Leute nicht müssig gehen, ist auch gute Vorsehung, daß kein grosses Zusammenlauffen, außgenommen in den Kirchen, bey Begräbnussen und zu gewisser Zeit erlaubten Kurtzweilen, geschehe oder auch grosse Panqueten und Gastereyen, ausser den Hochzeit-Mahlzeiten angestellt werden. Es wird auch dem gemeinen Volck, so von Natur eines frölichen Gemüts, allerley Freudenspiel und Kurtzweil zu gebührenden Zeiten nicht verwehret, wie dann auch ausser der Stadt ein schöner lustiger Spielplatz, die Haller-Wiesen genannt, darauff lustige Bäume und Brunnen stehen. Allein muß solches Kurtzweilen mit Maß geschehen. Die Kauffleuthe, welche seit deß 1300. Jahrs, da sie erstlich in frembde Länder zu handlen angefangen, haben daselbsten zu Friedens-Zeiten vor diesem sehr zugenommen, und ist derselben Bancho nach dem Venedischen gerichtet. Die Nürnbergische Waaren werden nicht allein durch gantz Europam, sondern gar in beyde Indien geführet. Es ist auch diese Stadt mit herrlichen Freyheiten versehen, sonderlich soll ein jeder Römischer Kayser seinen ersten Reichstag darinnen halten. Daselbst ist auch von Kayser Carolo IV. Anno 1356 die Güldene Bull gemacht worden, in einem Hauß auf dem Ponersberg, so noch heutige Tags zum güldenen Schild genennet wird. Die Stadt hat auch deß Heil. Röm. Reichs Kleynodien in Verwahrung, so sie zur Kayserlichen Crönung zu schicken pflegt, als da seynd die Königliche Cron, Kaysers Caroli Magni Dalmatischer Rock, Choralkappen, der Mantel oder Kayserliche Wappenrock und anders, so darzu gehöret, item den Reichsapffel, deß Kaysers Caroli Magni Schwerdt und den güldenen Scepter. Darbey hat sie auch die weitberühmbte Reliqien, nemblich ein Stück vom Creutz Christi, das Eisen vom Speer, damit deß Herrn Seiten geöffnet worden, und andere, die aber ausser gar hohen Standts-Personen nicht leichtlich gewiesen werden. Ferners seynd in Nürnberg viel schöne und vornehme Sachen zu sehen, und zwar von Kirchen: S. Sebald, als die älteste in dieser Stadt, so anfangs zu S. Peter geheissen und erbauet worden, nachdem diese Stadt den christlichen Glauben angenommen umb das Jahr Christi 740; S. Laurentzen, erbauet, als man die Stadt nach ihrer Zerstörung erweitert hat. Hieß vorzeiten zum Heiligen Grab. In dem Chor dieser Kirchen ist ein künstlich und zierlich Werck von zartem Stein Anno 1496 gemacht: der Werckmeister, Adam Krafft genant, hat sich sampt zweyen Gesellen dabey conterfaytet, wie sie darunter von Stein kniend noch heutiges Tags zu sehen. Anlangend die Weltliche Gebäu, so daselbsten zu sehen, so ist zuforderst das Schloß oder die Kayserliche Vesten, auff welcher vorzeiten der Kayserliche Landvogt oder Reichs-Amptmann gewohnet hat. Gegen dieser Vesten an dem Berg herauff hat es beyderseits wie auch sonsten viel schöne Häuser. Fürs andere ist unter den Weltlichen Gebäuen noch insonderheit zu sehen das Rathhauß, von Quaterstücken herrlich gebauet, darinnen viel schöne Sachen und von künstlichen Meistern schöne unzahlbare Abbildungen, Tapezereyen und künstliche Figurwerck, unter denen deß sinnreichen Mahlers Albrecht Dürern, weyland Burgern allda, so Anno 1528 gestorben, nicht das geringste anzuschauen ist, nemlich auf einem Stück die menschliche Form Grösse und Gestalt unserer ersten Eltern, Adams und Evae, darüber ein verständiger Anschauer schier verstürtzt da stehet und fast nicht weiß, ob er stehen bleiben oder hinweg gehen soll. Ferners noch viele ansehentliche Gebäuen, als das Zeughauß, die Kornhäuser, das neue Theatrum auff der Schütt (so eine Insul), die Fleischbrucken, insonderlich berühmbt, weil sie von einem einzigen sehr flachen Schwibbogen über den Pegnitz-Fluß geführet worden, das wolerbaute Tuch- und Fleischhauß, der schöne Brunn auff dem Herrn-Marckt ec., zu denen noch viel zu sagen, wenn nicht diese unsere Beschreibung diß Orts zu weitläufftig seyn würde. Wolermeldte Stadt Nürnberg hat jederzeit die gelehrte Leuth und gute Künsten in Ehren gehalten, gegen dieselbe sich freygebig erzeigt und sie befördert. Was für sonderbaren Ruhm die Stadt dardurch erlangt, zu gedencken, so lobt Lutherus die Stadt Nürnberg, an Lazarum Spengler, Sindicum zu Nürnberg, Anno 1530 geschrieben, und bezeuget, daß sie, die Stadt in gantz Teutschland leuchte wie eine Sonne unter Mond und Sternen. Regensburg Ingramsheim / Reginbirg / Ratispona Woher diese alte und berühmbte, deß Heil. Röm. Reichs freye und in dem Bayrischen Crayß einige Statt, ihren Nahmen führe, seynd die Skribenten nicht einhälliger Meynung. Etliche sagen, man finde, daß im 14. Jahr vor Christi Geburt, des Kaysers Augusti Stieff Sohn Tiberius diese Statt entweder über die Thonau gegen Mittag, wie sie jetzt stehet, versetzt, und von neuem gantz erbauet, oder aber das Dorff oder Flecken, so allbereit da gestanden seyn möchte, den Teutschen mit Gewalt abgezwungen, erweitert, » Augustam Coloniam Tiberiam « genandt, und › Legionem quartam Italicam ‹ dahin verordnet habe; wie zwei alte Schrifft, eine am äussersten Thurn der steinern Brück, die ander in eim Thurn bey Weichsant Peter Thor bezeugen; und seye dieser Orth hernach von dem gleichen Römischen Kriegsvolck bey 521 Jahren aneinander bewohnet worden. Andere aber wiederlegen solche Meynung und sagen, daß Tacitus, zu seiner Zeit, nur ein »Coloniam« in ganz Rhaetia, nemblich Augspurg, setze. Theils wollen, sie seye vom Teutschen König Hermann, andere, vom Ingram erbauet, und daher Hermannsheim oder Ingramsheim, und von den Germanen auch Germannsheim genandt worden; aber alles ohne Grund. In den Tabulis wird sie Reginum, in der Notitia Imperij aber Vastra Regina, vom Wasser Regen, so daselbst unterhalb der Statt in die Thonau fleusset, geheissen; wiewol etliche der Meynung, als sollte sie von Herzogs Diethen in Bayern Gemahlin Regina, Reginbirg oder Reginoburgum, ein an der Regina festes wolverwahrtes Hauß oder Schloß, seyn genandt worden. Sie wird auch von etlichen Regina, Reginopolis, von den Rhaetis Rheatobona, heutig Tags aber lateinisch Ratispona geheissen; weil sie zur Schiffahrt tauglich ist, und man die Schiff und Flöß allda wol anlegen kann. Im übrigen ist es unleugbar, daß die Römer solche Statt lang inngehabt, bis sie etwan umbs Jahr Christi 508, wie theils wollen, der Bojer Hauptstatt und eine Wohnung der alten Bayrischen König und Fürsten worden, auch in solchem Stande, bis auf Kaiser Friederichen den Ersten verblieben ist; und noch heutigen Tags für die älteste Statt in Bayern und an der Thonau gehalten wird, allda sich etwan unterschiedliche Völker auffgehalten, von denen theils Gassen und Strassen noch heutig Tags als der Engelländer, Italianer und vieler andern mehr ihren Nahmen haben. Und ist die Gelegenheit, ein grosse Menge Volcks allhie zu erhalten, gar gut. Denn oberhalb gegen Nidergang fallen die Laber und Nab in die Thonau, deren die erste gute Fisch und Krebs hat, die Nab aber, wie auch obgedachter Regen, schiffreych sein. Ueber gemelten Regen ist vor Zeiten eine steinerne Brücke gewesen, die aber im Jahr 1573 durch ein grosses Gewässer eingeworffen und meistentheils zu Grund gangen, und jetziger Zeit mit Holtz überlegt ist, wiewol noch etliche steinerne Joch von der steinern Brücken daselbst gesehen werden. Ueber die Thonau aber geht noch ein steinerne Brücken, von welcher unten gesagt wird. Es hat umb die Statt gar einen geschlachten und fruchtbaren Boden, Weinwachs, gute Viehweyde und einen gewaltigen Traydboden. Die schöne Gärten aber, so es vorhin umb die Statt gehabt, seyn, neben den Bäumen und darunder den zweyen grossen Linden Bäumen vor St. Jacobs Thor – da der schöne Schießplatz gestanden, auff welchem man mit dem Stahl zu schiessen pflegte, und der mit einem lustigen Garten und schönem Hauß eingefasst war – in dem jetzigen deutschen Krieg und dieser Statt Belagerungen sampt dem Siechenhaus, der Kirchen und dem Freudhoff, zu S. Lazarus genandt, da viel vortreffliche Epitaphia gestanden, alles drauffgangen und abgebrandt worden. Und war da vorhin, gegen Nidergang, die Vorstatt an der Thonau, in welcher die Haffner, Schiffmacher, Ziegelbrenner ec. wohnten, darvon zwar der Platz noch zu sehen, das ander aber alles liegt im Staub und der Erden gleich, wiewol man hofft, daß es wider mit der Zeit in den alten Standt gerichtet werden möchte. Was besagte steinerne Brück anbelangt, so ist solche under den drey fürnembsten in Teutschland eine, die vor die stärckste derselben gehalten wird, dergleichen über die Thonau und Rheinstrom keine zu finden. Sie ist durch Hertzog Heinrichen dem Zehenden in Bayern von den Bürgern zu Regenspurg im Jahr Christi 1135 zu bauen angefangen und 1146 vollendet worden. Hat 15 weiter und hoher Schwibbogen von lauter grossen Quaterstücken gegen der Thonau, mit dreieckichten auch mit dergleichen steinern aufgeführten Pfeilern wol verwahret, daran sich das Wasser und im Winter das Eyß zerstößt und mit schnellem Lauff und grossem Geräusch hindurch fällt. Die Wahrzeichen seyn das kleine blosse und gleichsamb auß dem kalten Bad der Thonau heraufflauffend steinern Männlein, das auf einer Schleifmühle sitzet, und in einer Hand einen Zettel hat. Ferners ist auch ein Wahrzeichen der groß und kleineste Stein ineinander, damit der Brückmeister anzeigen wollen, der grösst und kleinst außgehauen Stein an dieser Brücken habe einer die Form wie der ander. Und man vermeynt, daß wer solches Werck nicht weiß oder dessen Ursach geben könne, derselbe sey zu Regenspurg nicht gewesen. Weilen Regenspurg vor Zeiten eine gewaltige Handels- und viellange Jahr die Hoff-Statt der Bayerischen, und die Bischoffe und andere vornehme Herrn stäts umb die Hertzoge gewesen, so haben dieselbe als der von Saltzburg, Brixen, Passau, Freysing, Augspurg, Aichstatt, Seccau und Bamberg grosse und ansehnliche Palläst, ingleichem auch andere Herren weite Häuser und Gebäu mit ihren hohen Thüren, wie noch zu sehen, erbauet. Hat einen grossen Adel und viel alte Geschlechter allhie geben. Und weiß man, daß umbs Jahr 1320 der Rath meistentheils von Adels-Personen besetzt gewesen, deren Geschlecht noch neulich etliche in der Pfaltz und Bayern gewohnet. Es hat auch allhie ansehentliche Zeug- und Kornhäuser oder Speicher, sondernlich den Traidkasten, »Lär den Beutel« genandt, Saltzstädel, Fisch-, Korn-, Obst- und Holtzmarckt, Fleischhauß, Ballenhauß, stattliche Gasthäuser, lustige Gärten, schöne gemeine Bäder, grosse und weitere saubere Gassen und Plätz, in denen fast überall Röhrkästen mit springenden Wassern gefunden werden. Im Rathauß ist ein schöne weite Saal zu sehen, auff welchem der Kayser sampt Churfürsten und anderen Ständen deß H. Röm. Reichs sich zu samblen pflegen, und da ein lustiger Prospekt biß auf den Platz ist, da die Wänd umb und umb mit herrlichen Tapezereyen und gestickter Arbeit umbhänget, die Stül und Bänck mit gülden, silbern und sammeten Stücken überlegt und alles auffs prächtigst pflegt gezieret zu seyn. In der Rathstuben ist unter anderm auch ein fein Kunststück und Abbildung der Tugenden, so zu einem wolbestallten Regiment gehören. Ehe man zur Rathstuben hineingehet, stehen auff einer schwartzen Tafel folgende Reimen, mit güldenen Buchstaben geschrieben, dardurch die Herrn des Raths gleichsamb täglich ihres Ampts erinnert werden: Ein jeder Rathsherr, der da gaht, Von seines Ampts wegen in den Rath, Soll seyn ohn alle böse Affect, Dardurch sein Hertz nit werd bewegt, Als Freundschafft, Zorn und Heuchlerey, Neyd, Gunst, Gewalt und Tyranney, Und seyn durchaus ein gleiche Person, Dem armen und dem reichen Mann, Durch Sorgen für die gantze Gemeyn Derselben Nutz betrachten rein. Dann, wie er richten wird auff Erden, So wird ihn Gott auch richten werden Am Jüngsten Tag nach seinem Rath, Den ewig er beschlossen hat. Stettin Stitin Ist die Hauptstadt in Pommern, wie Stralsund im Fürstenthum Rügen, hat den Namen von den alten Sidinern, die in dieser Gegend gewohnet und an diesem Orth ihre meiste Versamblung gehabt und einem gantzen Hertzogthumb, welches das erste ist in dem Fürstlich Pommerischen Titul, den Namen gegeben haben. Da noch die Wenden, nachdem sie die Gothische oder Suevische Sidiner zu ihrer Sprache und Sitten gezogen, diese Stadt bewohneten, hatte sie zwar eine andere Form und war noch vor 400 Jahren also gebauet, daß die S. Peters Kirche ihren mittelen Theil begriff und ein starck Fürstlich Schloß an dem Orthe stand, da jetzund die Stifft-Kirche S. Marien gebaut ist, also daß das Kirchspiel so zu S. Jakob gehöret, ausser der alten Stettinischen Burg und also ausser der Stadt gelegen war. Endlich kamen durch Beförderung der Fürsten Sächsische Völcker darzu, und legeten die Stadt in einen drey- oder fast viereckigem Grund, also daß S. Peters Kirche ausser der Ringmauren nebenst den Wycken und Lastadien blieb, in denen doch vorzeiten die Stadt meistentheils bestand. Doch sind folgende Zeit die gemeldte Wycken, deren eine die Oder, die andere die Unterwycke heisset und die grosse und Schiffbauer Lastadie ziemblich volckreich geblieben, ehe die jetzige Kriegsfluten so wol andere als auch diese Stadt in bekanntes Abnehmen gebracht. Es lieget diese Stadt in einer sehr lustigen schönen Gegend, an einem etwas erhabnen Hügel, davon ein Theil der Oltböterberg heisset beym Fürstlichen Schloß, der ander der Rödenberg beym Passowischen Thor. An der Seite leuffet die Oder in vier Strömen, darunter man den, so grade die Stadt berühret und in den Damantzke fället, die Oder eigentlich heisset. Die andere werden genannt die Parnitz, die grosse und kleine Regelitz, und fallen alle in den Dammischen See. Ueber besagte vier Oderströme und dann über die Plöne vorm Damm müssen sechs Brücken gehalten werden, unter welchen die lange Brück 210 Nürnbergische Elln hält. Zwischen diesen Brücken ist ein Steindamm einer gantz grossen Meil wegs lang gemachet, auff dessen Mitten das Zollhauß geleget und wol befestiget ist. Die Stadt hat Magdeburgisch Recht, wie ihnen das Barnimus I. im Jahr 1243 ertheilet hat. Doch ist drinnen noch ein anders Municipal-Recht vom Jahr 1464 im Schwange; so müssen alle politischen Händel fürm Rath geschlichtet werden, die Kauffhändel aber werden auff dem Seglerhausse (da man sonst Kurtzweil halber zusammen kompt) von acht Alterleuten deß Kauffmanns in der ersten Instantz erörtert. Sonst hat diese Stadt sehr herrliche Privilegia zu Wasser und zu Lande. Man findet in der Ringmauren wolgebaute Kirchen, unter denen ist der Thurn zu S. Marien im Jahr 1261 von Barnimo I. und seiner Gemahlin Mechtilde erbauet und gestifftet. Demselben ist der Thurm zu S. Otten incorpiert und noch darzu das herrliche Kleinod deß Landes, das Fürstlich Paedagogium, Anno 1541 gestifftet. Die Schloßkirche ist eben die alte S. Otten Rirche von Barmino III. im Jahr 1347 erbauet und mit anderer Manier an der alten Stadt von Hertzog Johann Friederich an dem Schlosse außgeführet. S. Johannis Kirche hat Mechtildis, die Fürstin, im Jahr 1210 neben einem schönen Closter daran zugerichtet, welches den armen Bürgern, so darbey erhalten werden, viel gutes thut. Was neben diesen Kirchen für andere herrliche Palatia und Gebäude in der Stadt gefunden werden, und insonderheit die kostbaren Wercke, die zur Defension der Stadt, theils von Alters her, theils nach der Ankunfft des Königs von Schweden mit unglaublichen Unkosten auffgeführet, sind besser zu beschauen als zu beschreiben. Insonderheit auch das Schloß, auf deme vor diesem die Landesfürsten gemeinlich Hoff gehalten, welches Herzog Johann Friederich herrlich ausgeführet; und an demselben die letzten Fürsten Philippus, Franciscus und Bogislaus noch immer mehr und mehr gebauet, biß es in diese Form gebracht, darinn man es anjetzo siehet. Ausser der Stadt ist S. Peters Kirche, schon zu S. Ottonis Zeiten im Jahr 1124 gestifftet. Zu obgedachter Kirche wäre aus der Pommerischen Kirchen-Historie einiges zu vermeldten, nämblich, daß Anno 1121 Hertzog Boleslaff aus Polen unversehens übers Eiß nach Stettin kommen und nicht allein die Bürger Tribut herzulangen gezwungen, sondern auch viel junger Leute, deren etlicher wol achttausend zehlen, mit sich genommen, die er tauffen und in sein Hand versetzen ließ, und verband die Stettinischen, daß sie ihme zusagen mussten, den Christlichen Glauben anzunehmen. Anno 1124 kompt Bischoff Otto von Bamberg über das Frische Haff nach Stettin, hat aber mit seiner Predigt in den ersten 2 Monaten nichts sonderlichen ausgerichtet, biß er endlich etliche Kinder mit sonderlichen Verehrungen an sich gezogen, sie im Christenthum unterrichtet und getauffet. Und da der Herzog von Polen durch seinen Gesandten den Stettinischen den aufferlegten Tribut erließ, wo sie sich zu Christo bekehren würden, ist die ganze Stadt dadurch willig gemacht worden und hat Bischoff Otto die Tauffe zu verrichten angefangen, die Heydnische Tempel verstöret, den dreyköpffichten güldenen Götzen, den sie vor einen Gott dreyer Völcker als der Stitiner, Pommern und Slaven hielten und Triglaff nenneten, zu einer Verehrung für den Papste zu sich genommen, ein neue Kirche mitten am Marckt in S. Adelberts Ehre wie auch die oben ermelte Kirche zu S. Peter aufgeleget und eine Schul für die Jugend angerichtet. Die Stettinischen wurden desto eyfriger, das heydnische Wesen abzuschaffen, weil sie sahen, daß Ratibor, ein Heyden-Pfaffe, der wider Bischoff Otten hefftig geredet hatte, deß Nachts todt gefunden ward. Aber bald nach deß Bischoffs Abschied, da eine sterbende Seuch einriß, vermeyneten die zu Stettin, solche Straf wäre wegen der neuangekommenen Lehre über sie verhänget, und brachen deßwegen S. Adelberts Kirche biß ans Chor nieder und bauten dem Abgott Triglaff eine Capelle dabey, vermeynend, man müsste den einen Gott so ehren, daß man deß andern nit vergesse. Wobey auch diß sich begab, welches hernach für ein Wundwerck geacht worden, daß, da einer die Axt ergriff, auch das Chor in S. Adelberti Kirche niederzuhauen, weil es nur auff einer höltzern Seule stand, ihme alsfort die Hand erstaunet und erstarret ist und er seinem bösen Vornehmen hat abstehen müssen. Anno 1128 kompt Bischoff Otto zum andern mal in Pommern, zu welchem die Stettiner auff den angestelten Landtag zu Usedom ihre Gesandten geschickt, ihren Abfall bekant und Absolution vom Bischoff erhalten. Er kam folgends selbsten wieder auff Stettin und hat sich daselbst deß Triglaffs neulich erbauete Capelle in Grund brechen lassen. Ist aber als er einen Nußbaum, dabey die Leut viel Abgötterey trieben, umbzuhauen Befehl gab, in grosse Lebensgefahr gerathen. Folgends nahm die Christliche Religion je länger je mehr zu. Stuttgart Stutengarten Diß ist die HauptStatt im Würtemberg, welches Hertzogthumbs Gräntzen seyn: von Morgen Eiwangen und Giengen, vom Abend das Margrafthumb Baden, der Schwartzwald und das Elsaß, von Mittag die Thonau und das Ulmer Ländlein, von Mitternacht Wimpffen, Unterpfaltz und Franckenland. Hat gar viel Stätt und Stättlein, auch vorhin bey die 40 Vogteyen gehabt, item ansehnliche reiche Klöster, als Hirschau, Lorch, Maulbronn, Bebenhausen, Blaubeuren, HerrnAlb, Pfullingen und andere mehr. Obgedachte deß Lands Haupt- und Fürstliche Residentz-Statt Stutgart ligt schier mitten im Land, nicht weit vom Necker und ein halbe oder gar kleine Meil von Canstatt. Marggraf Rudolff von Baden solle sie im Jahre 1119 zu bauen und zu befestigen angefangen haben. Ist vorher nur ein Meyerhof allda gewesen, da man die Stuten gleichsam in einem Garten aufferzogen, daher sie ihren Namen bekommen und noch eine Stuten oder Mutterpferd zum Wappen führet. Ist folgends durch Heurath an daß Hauß Würtemberg umbs Jahr 1141 kommen. Sie ist (ausser den zwo grossen Vorstätten) an ihr selbsten nit sonderlich groß. Ligt im Grund und hat etliche tausendt Jauchart Weinberg und schöne Gärten herumb. Item 5 Thor: das Dätzlinger, Eßlinger, Oberthor, Kleinthörlein und das Thor zum Neuen Gang. S. Leonhards Vorstatt hat auch zwey Thor, das äusser Eßlinger und das Hauptstätter Thor. Die andere oder Thurnierackers-Vorstatt hat fünff Thor. In der Statt seyn 3 Kirchen, als der Stifft, so vorhin zu Beutelspach gewesen, von dannen die Canonici hieher gesetzt worden seyn. Und wird solche Collegiat- oder Stiffts-Kirchen derzeit von den Römisch- und Evangelisch-Catholischen gebraucht. Es seyn darinn die Gräflich Würtembergischen Begräbnussen biß auff Eberharden mit dem Bart, item die Fürstliche von Hertzog Friederichen an zu rechnen. Die übrige Fürstliche Personen, von besagtem Eberhardo Barbato an biß auff gemelten Fridericum und seinen H. Sohn Hertzog Johann Friderichen ligen zu Tübingen. Und ist diese Stutgartische Haupt-Kirche auß einer Hültzernen zu einer Steinern An. 1460 zu erbauen angefangen worden. Die andere Kirch in der Statt ist in dem Bebenhauser Hof und die dritt im alten Spital. In dem Schloß ist auch eine Capell. Anno 1435 hat Graff Ulrich von Würtemberg, der Geliebte zugenant, das Rathhauß allhie auf dem Marckt erbauet, daran sein hültzern Bildnuß mit deß H. Röm. Reichs Banner und andere der alten Grafen zu Würtemberg Bilder und Wappen, so Anno 1580 renoviert worden. Man hat folgende in demselben Hochzeiten, Täntz, Comoedien ec. gehalten, auch die Hochzeitsgast einlosiert und bewirtet. Es seyn in der Statt auch 2 Fürstlich Marställ. Item Roßzeugkammern und der neue Bau zur Fürstlichen Rüst- und Kunstkammer. Die Burgerhäuser seyn nicht sonderlich wol angelegt. Es seyn in dieser Statt der 26 Thurnier gehalten worden. Und hat sie An. 1282 Kayser Rudolphus I. belägert, und sein Läger auf der Eßlinger Staig gehabt, daher noch daselbst die Weingärten auff der Wagenburg genant werden. Es hielten sich damals die Stutgarter mannlich, aber endlich wurde die Statt durch Graf Eberharden dem Kayser übergeben und die Sach vertragen. Was das Fürstliche Schloß allhie anbelangt, so kompt man in dasselbe auß der Stadt über eine Brücken, so über den Schloßgraben gemacht ist. Davor heraussen zur lincken Hand, wann man hinein will, die Fürstlich Cantzley ist, in welche man über einen Gang auß dem Schloß gelangen kann. Es hat in diesem Schloß 3 Schnecken, eine zur Lincken im Hineingehen, neben der Küchen, die andere zur Rechten, wo die Capellen und darüber die Uhr ist. Und die dritte zwischen den andern beyden, die so breyt, daß zwey miteinander hinauff biß zur Ritterstuben reiten können. Zu unterst, wo dise letzte Schneckenstiegen, ist ein gar lange weite hohe Stuben wie eine Kirche, die man die Tyrnitz nennet, dieweil man etwan im Winter oder bey Regenwetter darinn turniert hat. In den Graben umb das Schloß hat es zum theil Fisch, Schwanen und allerley Wasservögel, zum theil Kranich, Bären, so auffrecht gangen, als denen die vordere Füß gebunden waren, und andere Thier, vor disem gehabt, dieweil der Theil des Schloßgrabens gegen den Garten ohne Wasser ist, in welchen Garten man über eine andere Brücken auß dem Schloß kommen kann. In dem und bey demselben, vor dem jetzigen Krieg der Nördlinger Schlacht und darauff erfolgter Kayserlicher Occupierung diser Statt und des Schlosses, zu sehen waren : lustige Sommerhäuser, frische Brunnen, allerley wunderbarlich seltzam und frembde Gewächs, Baumgärten, Ballenhauß, das alte Lusthauß und gleich daran die alte Rennbahn, das Schieß- und Armbrusthauß, der Irrgarten mit einem lustigen Sommerhauß und Brunnenwerck, und andere gewaltige künstlich, herrlich und köstliche Sachen gehabt, welche folgends zum theil verwüstet worden, hinweg kommen und vergangen, zum theil noch stehet. Anno 1508 ist ein so grosses Wetter allhie gewesen und hat von starcken Platz-Regen das Wasser die Statt so angefüllt, daß man vermeint gehabt, es würde dieselbe undergehen. Etliche Menschen und Viehe seyn ertruncken, auch ist die Stattmauer an etlichen Orthen eingefallen und seyn die Keller mit Wasser angefüllet worden. An. 1648 im Eingang des Monats Augusti hat es auff drey Meilen umb Stutgart ein unerhörtes Wetter gehabt, in welchem es stachlichte Steine zu 4 in 5 Pfunden schwer geworffen, das Getraid, viel Vieh und Menschen im Feld erschlagen, auch einen guten Theil Häuser beschädigte, von der Wassers-Noth allhie des Jahres 1652 ist in dem Schwäbischen Zeitbüchlein etwas einkommen. So hat auch diese Statt im nächsten Krieg nach der An. 1634 beschehenen Einnehmung wol etwas erlitten. Anno 1638 hat solche der weymarische General Tupadel occupirt und sich deßwegen die Kayserliche Regierung wider von hinnen weg begeben. Aber als hernach sie ihrem Erbfürsten Herren Eberharden wieder eingeantwortet worden, so erholet sie sich allgemach wider. So ist auch die Stiffts Kirchen allhie nunmehr völlig wieder in der Evangelischen Händen; wie dann vermög des General-Friedens hochernannt Ihro Fürstl. Gnaden alle andere Stiffter, Clöster und Oerter und also das gantze Hertzogthumb wieder restituirt worden. Ulm Ulm Woher dieser weitberühmbten Reichs Statt Nahmen kommen und wer sie erbauet habe, darinn seyn die Gelehrte nicht einerley Meynung. Folgends ist sonders Zweiffels, daß dieser jetzige Nahm von den Ulmen oder Rüst-Bäumen entstanden, deren es sehr viel in dieser Gegend, als in einem Erdfeuchten Land geben, so nach der Ordnung wie die Weidenbäum gestanden und noch darvon die Ulmergassen allhie den Namen haben solle. Es wollen Theils, daß zwischen den Jahren Christi 345 und 352 sie zu einer Statt sey gemacht worden. Wann deme also, so muß folgen, daß sie nämlich zun Zeiten Königs Ludwigs oder Clodowigs deß Grossen in Franckreich umb das Jahr Christi 500 verwüstet und in die Dienstbarkeit gesetzt worden, weil sie lange Zeit hernach von Kayser Carle dem Grossen Anno 813 ein Flecken oder Dorff genennet, gleichwol ein Königlichs oder ein Reichsflecken, als die keinem Fürsten, Grafen oder jemands anderm, sondern allein ihme dem Kayser und Fränckischen König unterworffen gewesen. Wer aber sie folgende zu einer Statt und mit Mauren umbgeben habe, das kann man auch nicht eigentlich wissen. Das findet sich wol, als vom Kayser Lothario II und seinem Tochtermann Hertzog Heinrichen dem Zehenden auß Bayern und Sachsen, zugenandt dem Hoffärtigen, Anno 1129 belagert, erobert, verbrandt und zerstöret worden, daß sie nur zweytausendt ein hundert Schritt in ihrem Umbkreyß gehabt hat. Wiewoln damaln allein Reiche und vom Adel darinnen in Ruhe und Stille von ihren Renten, heraussen aber in den Vorstätten die Handwercksleuth und andere sollen gewohnet haben. Und obwoln nach dieser Niederlag Hertzog Conrad von Schwaben, deme sie so treulich wider den besagten Kayser Lother beygestanden, als er völlig zur Kayserlichen Regierung kommen, ihr stattlich geholfen und sie umb viel erweitert, so ist sie doch wie ein Dorff biß auffs Jahr 1300 ohne Mauren gestanden und hat nur einen Graben und Zaun herumb gehabt. Folgends aber ist sie mit Mauren und anderm dergleichen versehen worden, seythero deß 1605. Jahres viel mehro bevestiget und mit neuen ansehentlichen und gewaltigen Aussenwercken, Pasteyen und Wällen versehen worden. Hat fünff Thor: als gegen Mitternacht das Frauen- und Neunthor, gegen Abend das Glöckner, gegen Mittag das Heerdbrucker oder Thonau-Thor, und dann gegen Morgen das Gänßthor. Und noch darzu einen Einlaß. Und gehet bey gemelten Heerdbrucker insgemein Herrbelthor genant über die Thonau eine wider feindlichen Anfall wolverwahrte und gepflasterte Brücke, mit steinern Pfeilern unterstützet. Die Statt an ihr selbsten ligt etwas uneben, so man aber von aussen nicht wol mercken kann, und ist mehrers in die Hänge als Breyte erbauet. Unter den Kirchen und Gottshäusern leuchtet herfür das gewaltige Münster oder die Hauptkirche, fast mitten in der Statt gelegen, die wenig ihresgleichen, ja in Teutschland keine findet, so ihr an Grösse, Höhe, Länge und Breyte gleich wäre. Ist mit fünff schönen steinern Gewölben neben und aneinander geschlossen, welche auff sechs und dreyssig starcken wolgezierten Quadersteinen-Säulen stehen, je neun in der Länge. Hat am hellen Liecht 57 offene Fenster, ohne die, so in der Sacristey und den 3 Neben-Capellen zu finden. Dannenhero es allenthalben darinn hell und liecht, wie dann auch kein dunckeler Winckel und Nebenabseite, als etwan sonsten in andern alten großen Kirchen zu sehen. Hat Anfangs zweiundfünffzig Altär gehabt. Anno 1377 den letzten Junij, Morgens früh nach 3 Uhren ist das erste Fundament gelegt, und der Bau, wie man sagt, in 112 Jahren zu Ende gebracht worden, und hat dennoch nicht mehr, wegen der wolfeylen Zeit und Freygebigkeit der Leuthe, als 9 Tonnen Golds gekostet. Der viereckichte Thurn daran, so mit lauter Quaderstücken auff das zierlichst und prächtigst auffgeführet ist, hat in der Höhe biß an den Ring oder Umbgang zweyhundert und vierunddreyssig Werckschuh. Die Orgel in dieser Kirchen ist neben der Cantzel, Tauffstein, Monstrantz oder Sacramenthäußlein und dem Oelberg voraussen sonderlich berühmt. Der Pfeiffen seyn über die dreytausend, alle von dem besten englischen Zinn und Metall, außgenommen den sechszehen-schühigen Einbaß, welcher hültzin. Die größte Pfeiff ist vier und zwantzig Werckschuh hoch, in welche dreyhundert und fünffzehen Ulmische Eychmasse gehen. Man kann auff solcher Orgel wegen ihrer grossen weite mit drey und vier Choren musicieren. Von weltlichen Gebäuen ist sonderlich das Rathauß allda, daran alte Gemälde und darauf ein feines Uhrwerck, darunter aber die Metzig oder Fleischbänck und herum der Fischmarckt und andere Märckt. Es hat auch viel und gute Gastherbergen und Wirthäuser und neben diesen auch feine wolgebaute Burgers oder Privathäuser, darunter nunmehr vil von Stein seyn, in welcher Zahl auch Herren Joseph Furtenbachs, deß Raths und Bauherrns (welcher sich durch seine in der Bau- und anderen Künsten hohe Experientz, so er auf seinen Reysen und sonsten, sonderlich die 10 Jahr über, in welchen er sich in Italia auffgehalten, mit seinem unverdrossenen und fast unglaublichen Fleiß und stätiger Arbeit erlangt und in sieben underschiedlichen ans Tagliecht gegeben schönen und sehr nutzlichen Büchern weit und breyt, auch bey hohen Standtspersonen, Fürsten und Herren berühmbt, bekandt und beliebt gemacht hat) Hauß nahend dem neuen Thor gelegen ist. Welches wegen seines bequemen Lägers, künstlichen Erbauung, sehr guten Commoditäten und Gelegenheiten, so ein Hauß immer haben soll, item wegen der Rüst- und Kunst-Kammer, so mit mancherlei Modellen, Instrumenten, Architectonischen Handrissen, rar- und wunderlichen Natur und künstlichen Sachen besetzt und gezieret, wie auch und sonderlich Frühling- und Sommerszeiten wegen deß schönen Blumengärtleins und darinn zugerichten künstlich und anmüthigen Grotten und Wasserwercks wol zu besichtigen ist. Ferners so hat Ulm auch einen gesunden guten Lufft. Der Boden herumb ist geschlacht und gut, da allerhand herrliches Getreyd und Früchten wachsen, auch die Gärtner allerley zu feylem Kauff auff den grossen Platz vor dem gemeldten Münster bringen, und von andern Orthen, sonderlich zu Friedenszeiten alle Nothdurfft zugeführet wirdt, daß man umb ein zimliches fein allda zu leben hat. Und obwohln ausser eines geringen hierumb kein Wein wächst, so wird doch derselbe vom Rhein, dem Necker, Bodensee, Veltlin in der Menge hieher gebracht, und ist der Weinmarckt allhie vor andern in Teutschland berühmbt. Darneben macht man auch zu Ulm gut braun und weisses Bier und zimlichen Meth. An gutem gesunden Wasser, Röhrkästen und Schöpfbrunnen hat es allda keinen Mangel, und wird sonderlich das bey den alten Röhren gelobt. Die Inwohner belangend, so seyn sie nicht einer Ankunfft, diejenige aber, deren Vorältern viel hundert Jahre in dieser Statt säßhafft gewesen, mögen vielleicht noch von den alten Schwäbischen Hermunduris herkommen. Insgemeyn seyn die Manns- und Weibspersonen meistentheils wol gestaltet, freundlich, gutthätig, sonderlich gegen die Armen, also daß wenig Statt in Teutschland zu finden seyn werden, die es hierin dieser zuvor thun sollten. Sie arbeiten gern, seyn auch sinnreich und zu allerhand guten Wissenschafften, Künsten und Verrichtungen nicht untauglich. So hat ingleichem dieser Orth sonsten viel gelehrter Leuth geben, die sich auch in die Ferne berühmbt und bekandt gemacht und ihrer theils weitgelegene Länder besichtiget und einen gut Theil von Europa, Asia, Africa und America durchreyset haben. Würzburg Beda Wirceburg / Würtzburg / Herbipolis Die Alten haben diese an dem Mayn schön gelegene und berühmbte Stadt Würtzburg, Beda Wirceburg, Sigebertus Wirtiburgum und Wirtziburgum genandt. Die den Namen mit U und Würtzburg schreiben, die wollen solchen von dem Kraut oder Gewürtz oder aber von den Most, dessen viel auff dem Schloßberg und anderen Bergen herumb wachst und auch von etlichen Würtz geheissen wird, herführen, deren Meynung aber deßwegen von theils verworffen wird, weilen da kein Gewürtz noch Wein vorzeiten gewachsen, sondern diese Gelegenheit ein dicker Wald und Forst gewesen ist. Andere wollen, es werde die Stadt ihren Namen vielleicht von deß Schlosses entweder ersten oder doch desselben vornehmen Herren einem, welcher Wiricus oder Wircus geheissen, bekommen haben; dergleichen vorzeiten nicht ungewohnt gewesen, auch viel Schlösser und Städte nach den Menschen genannt worden seyn. Und findet man bey den Alten gebräuchlicher und öfter Wirtzburg als Würtzburg geschrieben. Was nun den Erbauer anbelangt, so hat man hievon nichts gewisses, als daß man dafür hält, das Schloß seye längst vor der Stadt gestanden. Andreas Goldmayer saget in seiner Historischer Astronomischer und Astrologischer Beschreibung der Stadt Würtzburg also: Würtzburg erbauet in dem Jahr der Welt 3782 im 3. Jahr vor Christi Geburt, im 42. Jahr der Regierung Kaysers Augusti, im 26. Jahr der Regierung Franci, deß 17. Fränckischen Königs, den 27. Hornung umb 11 Uhr 33 Minuten vor Mittag unter der Höhe des Poli 49. Grad 45 Minuten. Trithenius und Irenicus vermeynen, es seye die Stadt von dem ersten Hertzogen in Mayngau, dem Genebaldo, im Jahr Christi 326 erbauet worden. Die Stadt Würtzburg, welche in der Ebene ligt, ist mit fruchtbaren Hügeln, schönen Gärten, lustigen Auen und stattlichem Weinwachs umbgeben. Man hält insgemein dreyerley Weinwachs am Rhein und dem Mayn für die beste, nemblich Bacharach am Rhein, Klingenberg am Mayn und Würtzburg am Stein, welches ein sonderbarer Orth ist, allda der beste Wein umb Würtzburg wachsen thut. Es seynd viel Brünne in dieser Stadt, welche vor dem jetzigen Teutschen Krieg gar volckreich gewesen, dieweil auch der Lufft allda gar gut seyn solle, und die Hofhaltung sowol auch die hohe Schul den Inwohnern ihre Nahrung vermehren thut. Sonsten obwoln die Stadt mit Gräben, Mauren, Thürnen und Bollwercken wol verwahret ist, so kann sie doch der Berg halber vor grosser Gewalt sich nicht halten. Der Bischoff ist ihr Herr in Geist- und Weltlichem. Es hat gleichwol auch die Stadt ihren Magistrat und werden unterschiedliche Gericht allhie gezehlet. Und gibt es ansehnliche Burgers- und andere Häusser allda, deßwegen auch allhie etliche Reichstage, von den Kaysern Friederico I. und II. und Othone IV. seyn gehalten worden. Von Kirchen seynd insonderheit zu sehen: die Thumb oder die Bischöfliche Kirche, darinn die Bischöffe ihre Begräbnuß haben, wiewol das Eingeweid in die Schloßkirchen und das Hertz in dem Closter Eberach in einer hierzu verordneten Capellen begraben wird. Man schleust solches Herz ein in einen bleyernen Sarck, legte auf einen Wagen, thut einen alten getreuen Diener dazu und läßts mit vier Pferden dahin führen. Der Wagen und die Pferde bleiben im Closter, hergegen wird der besagte Diener in demselben sein lebenlang wie ein Convent-Bruder gehalten. Das S. Jacobs-Closter; das Carmeliten-Closter; Augustiner-Closter; Prediger-Closter; der Jesuiter-Kirch und Collegium, allda vor dem jetzigen Krieg ein ansehnliche Bibliotheck war; das deutsche Hauß; die Carthauß; Barfüsser-Closter; das Burger Spital und viel andere Clöster, Kirchen, Spital und Gottshäuser mehr. Die hohe Schul ist erstlich, wie theils wollen, Anno 1403 eingeführet worden, wiewol andere solche viel älter machen, und Nicolaus Serarius schreibt, daß der Churfürst und Erzbischoff zu Maynz Johannes, ein Graff von Nassau, dieselbe Anno 1398 wegen der Burger zu Würzburg vielfältigen Unruhen von hinnen auf Erfurt transferirt, aber Bischoff Julius zu Würzburg in dem vorigen sêculo , Anno 1589, wieder allhie eingeführt habe. Und meldet ein ander Epistel, daß gedachter Bischoff Julius 150 Kirchen in seinem Gebiet erbauet und sein Stipendiaten-Hauß mit solchen stattlichen Einkommen versehen habe, daß hundert Studenten der Heiligen Schrifft und 25 vom Adel, so allhie studierenshalber sich befinden, genügsame Unterhaltung haben. Außerhalb der Stadt liget das ansehnliche und veste Bischöffliche Schloß auff dem Berg, auff einem sehr hohen Felsen, so mit starcken Rundeln, Schanzen, Lauff- und andern Gräben über die Massen künstlich und wol versehen und auffs herrlichste gebauet. Inwendig ist es mit den stattlichsten Zimmern, Säulen und dergleichen prächtig gezieret. Hat einen ansehnlichen Marstall, gewaltiges Zeughauß und einen grossen tieffen Keller, mit vieler Mühe und Arbeit in den Berg gemacht, in welchem sehr grosse und weite Weinfässer, so mit eysernen Raiffen von 300 und mehr Pfunden, in den vorigen Zeiten, umbgeben gewesen und vielleicht noch, auß welchen man den Frembden die beste und ältiste Wein vor diesem zu kosten geben hat. Es haben sich zu Würtzburg viel Sachen zugetragen, von denen zu lesen seyn: Zwischen den Bischöffen und der Burgerschafft allda hat es offt Zwietracht geben, so auch zusampt den Bauren das Schloß unterschiedlichmal gestürmet, aber allwegen vergebens haben abziehen müssen. Anno 1628 vor und hernach hat man allhie wider die Zauberer, Unholten und Hexen scharff procedirt, deren sehr viel und darunter auch Knaben von 11, 10, 9 und 8 Jahren verbrennt worden seyn. Anno 1629, den 17. Julij, ist ein grosses Ungewitter allhie gewesen und hat das Wasser sehr grossen Schaden gethan. Anno 1631 hat der König auß Schweden, nachdem er den 5. Octobris die Stadt einbekommen, auch hierauff das gedachte Schloß mit Sturm erobert, darinn er einen grossen Schatz neben vielen Proviant auff viel Jahr lang einen Vorrath gefunden haben solle. Es seyn in solchem Sturm in die 1500 Soldaten sampt den Ausschuß und etliche 20 Mönche niedergemacht worden. Den 18. Januarij Anno 1625 haben dieses Schloß die Bischofflichen mit Accord wieder erobert. Die Stadt hat gleichwol hernach auch noch Anstöß etlichemal gehabt, wiewol keine rechte Belägerung, nachdem ihr Herr sie im vorigen Jahren wieder bekommen, da vorgenommen worden ist. Einige kurze Angaben über Merian und sein Werk Matthäus Merian wurde 1593 in Basel als Sohn eines städtischen Ratsherrn geboren, lernte bei dem Kupferstecher Dietrich Meyer in Zürich, arbeitete in Frankreich und den Niederlanden und kam 1624 nach Frankfurt a.M., wo er die Kunst- und Buchhandlung seines Schwiegervaters Johannes Theodor de Bry übernahm. Da die Wirren des Dreißigjährigen Krieges ihn zu ausgedehnten Geschäftsreisen durch Deutschland zwangen, so benutzte er die Gelegenheit, wo er auch hinkam, Ansichten der Städte und Landschaften aufzunehmen. 1642 begann er diese Ansichten, mit teilweise eigenem oder von M. Zeiller versehenem Text, unter dem Titel »Topographia« zu veröffentlichen. Das Werk fand großen Anklang und wurde nach seinem Tod (1650 zu Bad Schwalbach) von seinen Erben fortgeführt. Der letzte Band erschien 1688. Die »Topographia« oder »Topographia Germaniae« wie Merian sie selbst oft bezeichnet, ist herausgeberisch wie verlegerisch eine außerordentliche Leistung, denn sie umfaßt 15 Bände in Großfolioformat mit 31 Teilen, 2142 Einzelansichten und 92 Karten (ein Register erschien 1726). Heute ist die Ausgabe fast nur noch in den großen Bibliotheken einzusehen. Die für unser Buch als Vorlage dienende Ausgabe wurde uns freundlicherweise von der Bayrischen Staatsbibliothek zur Verfügung gestellt. Aus den verschiedenen Bänden wurden zwanzig Städtebeschreibungen mit je einem Kupferstich in das vorliegende Buch aufgenommen. Der Text wurde teilweise gekürzt und umgestellt, jedoch wurde an den Originalsätzen nichts geändert. Ebenso wurde die Schreibweise möglichst ganz beibehalten und nur da geändert, wo es das Verständnis unbedingt erforderte. Dagegen ist die Interpunktion der besseren Lesbarkeit halber modern gesetzt. Eine Erklärung einzelner Worte, die anfangs vielleicht nicht verständlich erscheinen, ist mit Absicht nicht gegeben, da der Leser mit nur wenig Geduld und Mühe von selbst auf die Bedeutung des fraglichen Wortes kommen wird, und wir ihm den Reiz nicht nehmen wollen, auf diese Weise selber den Ursprung manches Wortes rückwärts zu verfolgen oder die Wandelbarkeit in der Sinngebung zu entdecken. Die vorliegende Auswahl geschah nach dem Grundsatz, möglichst aus allen Gegenden Deutschlands eine Stadtbeschreibung zu bringen und neben großen Städten auch kleinere und Universitätsstädte zu berücksichtigen. Was nun die Städte anbelangt, die in diesem Buch nicht aufgeführt sind, obwohl sie an Bedeutung mancher beschriebenen Stadt überlegen scheinen, so bitten wir um Entschuldigung, und werden dies, falls »solches Vornehmen dem geehrten publico beliebet seyn werde«, in einem Fortsetzungsband gern nachholen. Herausgeber und Verlag