Jakob Lorber Robert Blum im Jenseits – Band 2 Eine Geister-Szenerie Gewaltsamer Hintritt des Robert Blum Seine Erfahrungen und Führungen im Jenseits von Nacht zum Licht, – vom Tode zum wahren ewigen Leben bis zu seiner Vollendung; desgleichen seiner Freunde und vieler anderer Weiteste Eröffnung des Vorhanges hinterm Grabe vom Herrn des Lebens zum Heile vieler – der Menschheit kundgegeben – durch Jakob Lorber, auf Veranlassung von Freunden zum Druck bereitet, in Kapitel gebracht, mit Registern versehen und nach Bestätigung von Oben herausgegeben von C.F.L. Neutheosophischer Verlag Johannes Busch Nachfolger, Bietigheim an der Enz, Württemberg, 1898 Des Herrn Wege sind wunderbar und er führt alles herrlich hinaus. Kapitel 151 Hinweis, daß alles bisherige nur ein Voranfang zur Einführung in den wahren Himmel ist. Eingang in das Museum. Ein Hof mit sonderbaren Denkmälern. Dunkle Inschriften auf den Denkmälern Am 19. Dezember 1849 1 Rede Ich: »Ja, du Mein liebster Freund (Cyprian), wenn du schon das für einen vollkommenen Himmel ansiehst, was im Grunde noch so ganz eigentlich kein Himmel ist, sondern nur eine etwas bessere Geisterwelt, in der der eigentliche Himmel erst anfängt, in den Geist des Menschen einzufließen, auf daß er aus demselben heraus erst neu gestaltet wird; was wirst du denn erst dann sagen, so du in den wirklichen Himmel aus dir selbst heraus eingehen wirst? 2 Ich sage dir für ganz bestimmt, daß dies alles nur ein Voranfang des Voranfanges zum Eingange ins wahre Himmelreich ist. Schaue, diese Urväter, Propheten, Apostel und die Mutter Maria mit dem Joseph könntest du ja gar nicht ansehen und behalten das Leben, so sie sich dir zeigeten in ihrer eigentlichen Himmelsgestalt. Aber mache dir deshalb nur nichts daraus, denn deshalb bin Ich Selbst da, um euch alle nach und nach in den wahren Himmel einzuführen, und Ich meine, daß Ich den besten Weg wohl am besten kennen werde.« 3 Spricht der Franziskaner: »Ja, Herr, dann ist der Robert Blum ja doch auch noch lange nicht in dem eigentlichen Himmel?« – Rede Ich: »Ja freilich noch nicht! Dies Haus ist zwar schon seinem Herzen entsprossen, und ist, in so weit wir es jetzt kennen und sehen, schon so ziemlich vollendet; aber da gibt es noch zahllose Fächer und Gemächer, die dem Robert noch ebenso unbekannt sind, als wie dir. Aber mit der Weile und rechten Geduld wird euch noch alles bekannt werden. 4 Nun aber begeben wir uns durch die uns gegenüberstehende große Pforte in das Museum, alldort werden euch allen die Augen ein wenig weiter aufgetan werden.« – 5 Spricht der Franziskaner: »Herr, was werden wir in dem Museum denn doch wohl alles zu sehen bekommen?« – Rede Ich: »Wirst es bald ersehen! Siehe, ein Teil unserer Gäste ist schon darinnen, und du hörst doch deren unbegrenztes Erstaunen. Und wir werden sogleich uns auch darinnen befinden; siehe nur genau durch die Pforte, die hoch und breit genug ist, und du wirst so manches zu erschauen anfangen. Sage Mir aber, was du allenfalls schon erschauest.« 6 Der Franziskaner sieht hier sehr emsig von ferne noch durch die große Pforte, und sagt nach einer Weile: »Herr, das ist ganz verzweifelt sonderbar! Ich kann schauen, wie ich nur immer will, und erschaue nichts, als einen nach meinem dafürhalten nahe endlosen Friedhof mit einer Unzahl von Grabmälern. Wahrlich, ein sehr sonderbares Museum das; und je näher wir der Pforte kommen, desto klarer stellt sich ein unendlicher Friedhof meinen Blicken dar. Ich sehe nun auch schon eine Menge unserer vorangeeilten Gesellschaftsglieder sich um die Denkmäler, die über den Gräbern aufgerichtet sind, herumtummeln; aber von irgend einem freudigen Erstaunen vernehmen meine Ohren nichts, wohl aber hie und da Ausrufe wie von großem Entsetzen. Herr, in diesem Museum werden wir sicherlich ganz verzweifelt wenig Amüsantes finden.« 7 Rede Ich: »O, sei du dessen unbesorgt; Ich sage es dir: da wirst du unaussprechlich viel und wunderbar Amüsantes finden. Und nun schaue recht genau, da wir soeben durch die große Pforte in dies Museum eintreten, und sage Mir abermals, was du nun siehst!« 8 Spricht der Franziskaner: »Herr, was ich früher gesehen habe, das sehe ich nun auch wieder; nur klarer und ausgeprägter tritt nun alles vor meine Augen. – Aber wo sich unsere Gäste schon überall herumtummeln, das ist ja der Welt ungleich. Und nur, wie geschäftig sie sind! Mir kommen sie gerade so vor, als wie eine große Lämmerherde, die im Frühjahre zum ersten Male auf die frische Weide hinausgetrieben wird. Da gibt's des Springens und Blökens auch kein Ende. Muß denn doch einmal so ein recht prachtvolles Grabdenkmal auch so recht fest in den Augenschein nehmen.« 9 Der Franziskaner tritt einem solchen Grabmale näher, und bemerkt sobald eine erhabene Schrift auf einer schwarzen, ovalen, großen Platte; er bemüht sich diese Schrift zu lesen, bringt aber dennoch keinen Sinn heraus, weil da einige ihm ganz unbekannte Buchstaben vorkommen. Ganz demutsvoll wendet er sich dabei an Mich, und bittet Mich, daß Ich ihm dieses Grabmales Schrift lesen und erläutern möchte. 10 Ich aber sage zu ihm: »Mein Freund, so wir in diesem Museum eines jeden Grabmales Denkschrift lesen, und sie aus dem Gelesenen entziffern wollten, da hätten wir die ganze Ewigkeit vollauf bloß allein damit zu tun, und es wäre dies gerade solch eine Arbeit, als so du berechnen wolltest, wie viele Samenkörner für eine künftige Fortpflanzung, die ins vollkommen Unendliche geht, schon in einem Samenkorn sich befinden. Siehe, um solche unendlichen Dinge zu begreifen, muß man nie beim Einzelnen anfangen, auch nicht bei dem Gegenstande, den man ergründen möchte, sondern allemale ganz einfach bei sich selbst; verstehst du dein eigen Wesen, so wirst du auch alles andere verstehen und ergründen können; aber solange du dir selbst nicht zur vollsten Klarheit geworden bist, da kann auch alles andere in dir zu keiner Klarheit werden. Wenn das Auge blind ist, woher solle der Mensch dann ein Licht bekommen und wissen, worauf er steht, und was ihn umgibt; ist aber das Auge hell, dann ist auch alles hell im Menschen, und um den Menschen herum; und gerade so ist es auch hier mit dem Geistmenschen. 11 Die Seele, als die eigentliche äußere substanzielle Form des Menschen, hat in sich eigentlich gar kein Licht, außer das von außen in sie hineindringt von anderen Wesen, die schon lange ein eigenes inneres Licht haben, und ihr Erkennen ist darum auch nur ein stückweises; denn welche Teile in ihr gerade unter den Brennpunkt eines Strahles von außen her zu stehen kommen, die werden dann von der Seele auch in ihrer Einzelheit also erkannt und beurteilt, als wie sie sich der Seele als erleuchtet vorstellen; fällt das Licht aber von irgend einem Teil auf einen anderen Teil, so tritt dadurch eine volle Vergessenheit über das früher Gesehene ein, und etwas ganz anderes taucht dann wie ein Meteor in der Seele auf, und wird von ihr solange erkannt und beurteilt, als wie lange es sich im Lichte befindet; weicht durch eine Wendung das Licht von außen her auch wieder vom zweiten erleuchtet gewesenen Teile, dann ist es auch mit dem Verständnisse der Seele über einen zweiten erleuchteten Teil in ihr gar. Und so könnte die Seele eine Ewigkeit um die andere sich von außen her in einem fort erleuchten lassen, und würde nach einer Ewigkeit noch immer auf demselben Erkenntnispunkte stehen, als auf welchem sie vor einer Ewigkeit gestanden ist. (2.Thimotheus 3,7) 12 Aber etwas für dich bisher noch ganz unbegreiflich anderes ist es, so in der Seele der eigentliche lebendigste Geist vollkommen auftaucht, und die ganze Seele von innen heraus auf das Hellste erleuchtet. Das ist dann ein ewiges hellstes Licht, das da nimmer erlischt, und alle endlosen Teile in der Seele durch und durch erleuchtet, ernähret und wachsen und vollkommen sich entfalten macht; so also das in der Seele bewerkstelliget wird, dann braucht die Seele nicht mehr einzelne Teile zu lernen; sondern da ist dann alles auf einmal in der Seele zur vollen Klarheit gediehen, und der also vollends wiedergeborene Geistmensch braucht dann nicht mehr zu fragen und zu sagen: Herr, was ist dies und was ist jenes? Denn der also wiedergeborene Geistmensch dringt dann selbst in alle Tiefen Meiner göttlichen Weisheit. 13 Damit du aber die Wahrheit des dir nun Gesagten desto gründlicher einsehen magst, so will Ich dir nun auch diese Schrift lesen; und du wirst dadurch sogleich tausend Fragen in dir entstehen sehen. Und so habe denn acht, denn so lautet das hier Geschriebene: 14 »Die Ruhe ruht gleich dem Tode tatlos. Aber dies Ruhen ist dennoch kein Ruhen, sondern eine Hemmung der Bewegung; räumet hinweg die Hemmpunkte, und die Ruhe wird zur Bewegung wieder. Die Bewegung selbst aber ist dennoch keine Bewegung, sondern ein Suchen eines Ruhepunktes; und ist der Ruhepunkt gefunden, und die Bewegung zur Ruhe geworden, dann ist die Ruhe wieder keine Ruhe, sondern ein fortwährendes Streben nach der Bewegung, die auch sobald wieder erfolgt, als wie bald die Hemmpunkte hinweggeschafft werden, durch die aus der Bewegung eine Ruhe ward. Und so gibt es eine Ruhe ohne Ruhe und eine Bewegung ohne Bewegung; die Ruhe ist eine Bewegung und die Bewegung ist eine Ruhe. Ja, es gibt im Grunde weder eine Ruhe noch eine Bewegung; denn beide heben sich fortwährend auf, so wie eine gleich bejahende und eine gleich verneinende Größe. O Welt, die du unter diesem Steine ruhst, du ruhest nicht, sondern bewegest dich in deinem Bestreben, das da ist deine sündige Schwere; jetzt reifest du dem Leben entgegen; deine Hemmbande suchst du unablässig zu zerreißen; und so sie zerrissen sein werden, dann wirst du stürzen hinaus ins Unendliche, und wirst im Unendlichen wieder suchen, was du nun hast. Ein Leben weilt, ein Leben flieht, aber das weilende will fliehen und das fliehende sucht die Weile. Gott, Du Urquell des wahren Lebens, gib' der Ruhe die wahre Ruhe, und der Bewegung die wahre Bewegung!« 15 Sage Mir nun, hast du diese Inschrift nun verstanden?« – Spricht der Franziskaner: »Herr, das war für mich rein japanisch! Mehr kann ich Dir darüber nicht sagen; aber erläutere uns das doch ein wenig mehr!« Kapitel 152 Hinweise über verschiedene Lebensrätsel. Von der Erlösung. Ein Gutgemeinter, aber untauglicher, kurzsichtiger Heilsvorschlag von dem Franziskaner Cyprian Am 23. Dezember 1849 1 Rede Ich: »Sieh, das erläutert dir das Gefühl deines eigenen Lebens, dem Ruhe und Bewegung zu gleichen Teilen beigegeben ist; du kannst natürlich gehen und stehen, sitzen oder gar liegen. So du lange irgend herumgegangen, und dadurch etwas müde geworden bist, was für ein Bedürfnis empfindet dann dein Leben? Antwort: Nach Ruhe. Gut sage Ich dir, und du suchst dann auch Ruhe, und nimmst dir dieselbe. So du aber vollends wieder ausgeruhet hast, und siehst muntere Bewegung um dich herum, als: Eine Herde munterer Lämmer, ihre lebensfrohen Hirten, die Vöglein vom Aste zu Aste durch die bewegte reine Luft schlüpfen, einen Bach ganz rasch durch die Fluren dahin rauschen, und dergleichen mehreres; sage Mir, welch ein Bedürfnis fängt dann dein durch die Ruhe neu gestärktes Leben wieder zu empfinden an? Antwort: O, nach Bewegung, nach viel Bewegung. 2 Wieder gut; da du nun dieses fasset, so wird es dir ja doch auch andererseits aus dieser Inschrift klar sein müssen, daß sowohl die Ruhe wie die Bewegung an und für sich nichts sind, als bloß nur abwechselnde Bedürfnisse jedes Seins und Lebens; Dinge, die notwendig gerichtet sind, müssen freilich sich entweder in einer ununterbrochenen Ruhe oder in einer unausgesetzten Bewegung befinden; aber Wesen, die ein freies Leben in sich bergen, haben Ruhe und Bewegung unter einem Dache, zum freien Gebrauche anheim gestellt. Daher – die Bitte: Herr, gib der Ruhe eine wahre Ruhe, und der Bewegung eine wahre Bewegung nichts anderes besaget, als: – Herr, gib uns die Ruhe und die Bewegung frei, und halte uns nicht mehr im Gerichte. Oder noch deutlicher gesagt: – Führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns vom Übel des Gerichtes. Sage Mir, hast du das nun wohl doch verstanden? oder ist dir etwa auch da noch kein Licht aufgegangen?« 3 Spricht der Franziskaner: »Ja, Herr und Vater, das ist mir nun ganz klar, aber wer sind denn die, welche da unten ruhen, und aus deren lang gefühltem Bedürfnisse solch eine Inschrift sich hier beschaulich vor unseren Augen stellt? Wer sind sie, die hier nach Erlösung dürsten?« 4 Rede Ich: »Höre! alle, die von der Materie gefangen sind, ruhen unter diesen Denkmälern, die ihnen das notwendige Gericht über alle Materie gesetzt hat, zum ewigen Gedächtnis Meiner urgöttlichen Weisheit, Macht und Stärke. 5 Deine Seele ging ebenfalls aus einem solchen Grabe hervor, und wurde gelegt in ein anderes Grab, bereitet aus Blut und Fleisch; in diesem Grabe spann sie sich wie eine Seidenraupe wieder in eine leichtere, und eines sich fortentwickelnden Naturlebens fähige Materie, die sie nach ihrer eigenen Form modulierte und ausbildete; so ihr die Form gelang, da hatte sie dann eine größere Freude an der Form, denn an sich selbst, und hing sich ganz an die tote Form des Fleisches. 6 Das Fleisch aber ist wie alle Materie tot in sich selbst; so denn die Seele mit der Materie eins wird, wie solle sie dann ungerichtet bleiben; so ihre materielle Form wie alle Materie in ihr selbst notwendig dem unvermeidlichen Gerichte anheim fallen muß. In die Seele ist zwar wohl ein neuer Geist gelegt, mit dem die eigentliche Seele alles aufbieten solle, mit ihm eins zu werden. Aber so die Seele nur alles aufbietet, mit ihrer Materie eins zu werden, wie solle dann der Geist in der Seele ein Herr seines Hauses werden? 7 Ich sage es dir: da wird der Geist selbst in die Materie begraben; – und hier siehst du solche begrabenen Geister in einer Unzahl, jedes Grab birgt seinen eigenen, und dessen Worte sind es, die du hier gelesen hast auf der schwarzen, ovalen Tafel und sie ferner noch lesen kannst auf zahllosen anderen Tafeln. Aber der noch lebendige Geist ächzet und seufzet aus seinem harten Grabe um Erlösung. Und da sage du Mir und bezeuge es, was wir hier machen sollen!« – 8 Spricht der Franziskaner: »Herr, wenn so, da wird niemand, der nur einen Funken Liebe in seinem Herzen trägt, um eine rechte Antwort auch nur eine Sekunde verlegen sein können. Man helfe ihnen! so man helfen kann, will und mag; und man helfe ihnen bald, so es möglich, denn eine Hilfe nach einem Verlaufe von einer Ewigkeit dürfte wohl kaum eine Hilfe genannt werden können. Sie sollen hervorgehen aus ihren Gräbern, samt der Materie; die Materie lassen wir wie durch einen chemischen Dampfapparat sich verflüchtigen, und das rein Geistige soll dann frei werden. – 9 Daß die Menschen nun auf der Welt zumeist schlecht und somit gröbst materiell werden, kann ihnen mein Herz durchaus zu keiner besonderen Sünde rechnen. Denn man betrachte nur ihre physische Stellung, ihre unverschuldete Armut, dann in der moralischen Beziehung ihre totale Erziehungslosigkeit, die meist Folge der zu großen allgemeinen physischen Verarmung ist, die wieder rein aus den ehernen Herzen der reichen Geizhälse folget, und man richte dann einen armen aller Not und Verzweiflung preisgegebenen Dieb, eine Hure, die monatelang Dienst suchte, und keinen fand; und fand sie schon einen, so war er sicher schlechter als die Hölle selbst. Bei vielen Dienstgebern werden arme Dienstmädchen zufolge eines zu schlechten Lohnes zu Huren, damit sie sich durch solche Nebenverdienste ihre physische Lage doch ein wenig verbessern, denn von einer Moral und höheren geistigen Bildung kann da keine Rede sein, wo der bei weitem größere Teil der Menschen mit dem besten Gewissen von der Welt sagen kann: Es gibt des Sandes viel an den Ufern des Meeres; aber von uns kann niemand rechtlichermaßen sagen: Siehe, diese Hand voll ist mein, denn so ich ihn mir eigenmächtig nehme, da bin ich ein Sanddieb. Die Erde gehört noch immer à la adamisch und evaisch nur Einzelnen; alle anderen Millionen aber sind hart gehaltene Knechte, Sklaven, Lasttiere und dergleichen Elends mehr, was man nur haben will, und sind somit auch notgedrungen auf der Welt schon sozusagen rein des Teufels. 9 Es gibt wohl hier und da noch Staaten auf der Welt, wo man zur Hintanhaltung zu großer Not wenigstens für den physischen Bedarf der armen Menschheit etwas tut, aber für die Bildung des Geistes – Herr! – da geschieht für die Armen nichts; außer daß sie genötiget werden, in eine sogenannte Kirche an Sonn- und Feiertagen in den lateinischen oder chinesischen Gottesdienst zu gehen, und sich im Winter nicht selten Füße und Hände zu erfrieren, und noch andere Krankheiten abzuholen! 10 Wenn nun die meisten Menschen auf diese Art, wie sie auf der Erde nun allgemein ist, (denn eine Schwalbe hie und da macht noch keinen Sommer), schlecht werden in jeder Hinsicht, wenn sie zu morden, rauben und plündern anfangen, wenn sie sich gegen alles Gesetz empören, ja sogar zu scheußlichen Gottesverächtern oder Gottesleugnern werden, wer kann es ihnen im Ernste verargen, so er diese und noch viele andere die Menschheit von Gott ablenkenden und sich stets schlechter und schlechter machenden Umstände genau erwägt! Ich nicht, wahrlich, bei Deinem heiligsten Namen nicht! Darum helfen, aber wahrhaft helfen, zuerst physisch und dann erst moralisch; dann wird es mit der Erde bald besser aussehen, als es nun aussieht. 11 Die Erde ist nun eine barste Hölle für die Menschheit. Man mache sie wenigstens zu einem Viertel Paradiese, und die Menschen werden Gott wieder anerkennen. Denn in der Hölle tut sich's mit dem Studium der Theosophie und höheren Moral auf keinen Fall mehr; dessen bin ich vollkommen überzeugt. Also helfen, wo zu helfen ist, aber ganz helfen, und dann heraus mit allen, die in den Gräbern schmachten! Das ist und bleibe für ewig mein lebendigster Wahlspruch!« Kapitel 153 Des heiligen Lebensmeisters Belehrung. Beispiel von der Herstellung der Metall- und Glasgewinnung. »Satan!« Der Stammvater der Materie und ein Keimboden der Erdmenschenseelen. Wer bedarf der Erlösung? Am 26. Dezember 1849 1 Rede Ich: »Mein lieber Freund, dein Herz in sich selbst ist gut, weil du ein gebührendes Mitleid mit deinen Brüdern hast; eine Eigenschaft, die gar vielen deiner irdischen Ordens- und Glaubensgenossen mangelt; aber deine Erkenntnis ist noch sozusagen unter dem Hunde. 2 Meinst denn du, Ich kümmere Mich etwa um die Menschheit auf der Erde nicht mehr? Oder glaubst du, daß dein Herz zum Besten der Menschheit mehr Liebe hat, denn das Meinige! oder bin Ich etwa gar dumm und blöde geworden, daß Ich deshalb nicht mehr einsehen könne, was der jeweilig auf der Erde lebenden Menschheit frommen möchte? Siehe, siehe, dein Herz, ja, das ist gut; aber gut wie ein Blinder, der einen Geier kostet in der Meinung, es sei eine sanfte Taube, und eine Natter für einen guten Aalfisch in seine Tasche schiebt. Weißt du wohl schon, woher der Erde meiste Menschen ursprünglich stammen, und wie sie jeweils gehalten und geführt werden müssen, um durch allerlei Erlösungsmittel zu wahren freien Menschengeistern herangebildet zu werden? Siehe, das weißt du nicht, und hast es auch noch nie gewußt und eingesehen; und dennoch willst du Mich so ganz leise beschuldigen, als hätte Ich die Schuld, daß es nun auf der Erde mit der Menschheit so schlecht und elend stünde. Aber siehe, das ist sehr eitel von deines Herzens Weisheit. 3 Hast du denn auf der Erde nie gesehen, wie die Metalle aller Art und wie das Glas bereitet wird? – So du je in einen Schmelzofen geschauet hast, und hast da gesehen das Erz erglühen, und dann brausend, zischend und tobend in ein Becken sich ergießen, was mußte dein Gefühl dabei denken, so es nur an die Möglichkeit dachte, daß solche Materie denn doch etwa irgend eine stumm intellegente Empfindung haben könnte. Welch ein Schmerz muß ihr innewohnen, so durch des Feuers Allgewalt sie in ihrer ersten Form gänzlich zerstört, in eine neue überzugehen genötiget wird. Aber so du dann das abgekühlte, feste, blanke und nützliche Metall ansiehst, wird es dir dabei auch so wehmütig zumute? Siehe, dann hast du eine Freude, und lobest den Verstand der Menschen, die durch die Kraft des Feuers so nützliche Metalle und so herrlich schimmerndes Glasgeschirr zuwegebringen. 4 Siehe, so ist es auch mit der Bildung des Menschen. So er krank ist hie oder da, lahm an den Füßen, kontrakt (verkrümmt) an den Händen, blind, taub, stumm, und manchmal voll Unflates und Aussatzes, da wird ein weiser Arzt alles aufbieten, um den Kranken wieder gesund zu machen;. aber so die Krankheit starke und schmerzliche Heilmittel fordert, ohne die dem Kranken in keinem Falle zu helfen ist, sage oder urteile, ob es vom Arzte wohl weise und liebevoll wäre, aus einem unzeitigen Mitleidsgefühle jene Mittel dem Heilsbedürftigen vorzuenthalten, durch die dem Kranken einzig und allein zu helfen ist. 5 So du ein Paar Ohren zum hören hast, so höre! Der Satan ist als ein ursprünglicher Geistmensch geschaffen worden. Als er aber durch ein Gesetz seine volle Freiheit erkennen und annehmen hätte sollen, da ward er unwillig, und fiel durch die Verachtung des Gesetzes, und somit auch durch die Mißachtung Gottes. Da er aber gleich dem Adam ein Urvater der ferneren Menschen für die Ewigkeit hätte werden sollen, so trug er auch gleich einem Samenkorn zahllose Äonen von künftigen Menschen in sich, und riß sich sogestaltet von Mir, seinem Schöpfer los; und die Folge davon war die materielle Schöpfung aller Welten, welche da ist ein notwendiges Gericht. Er ganz allein für sich kann wohl noch lange bleiben, was er ist; aber die zahllosen Keime der Menschen werden ihm genommen, auf dem freilich harten Wege durch die Materie. Diese Keime aber gehen aus seinem gesamten Wesen hervor, bald aus seinen Haaren, bald aus seinem Haupte, bald aus seinem Halse, seiner Zunge, seinen Zähnen, seiner Brust, aus seinen Eingeweiden, aus seiner Haut, seinen Händen und Füßen. Und siehe, je nachdem die jeweilige Menschheit aus des gefallenen Satans einem oder dem anderen Teile hervorgeht, also muß sie auch entsprechend behandelt und geführet werden, um die Stufe der wahren Vollendung zu erreichen. 6 Wenn man das weiß, dann erst kann man mit Grund gegen Mich auftreten und fragen: Herr, warum hilfst du den Elenden nicht und lässest sie verschmachten und zu Grunde gehen? Sieh, Ich lasse niemanden verschmachten und zu Grunde gehen, selbst den Satan und die barsten Teufel nicht;. aber so lassen kann Ich sie nicht, als wie sie – wider alle Meine Ordnung, von der die Erhaltung aller Dinge abhängt, es in ihrer eigensüchtigsten Blindheit wollen; sondern Ich allein muß auf jede mögliche ordnungsmäßige Weise sorgen, daß sie alle am Ende doch jenes Ziel erreichen müssen, das ihnen von Meiner Ordnung von Ewigkeit her gestellet ist. 7 Meinst du aber etwa, daß da in diesen Gräbern lauter armes Proletariat, das gewisserart wegen seiner Armut zu sündigen genötigt ist, im Gerichte gefangen rastet! O, wenn du sowas meinest, da bist du in großer Irre! Sieh, die da unten sind lauter Großstämmler; – lauter Wesen, die in den verschiedensten Dingen wohl unterrichtet waren; aber da sie alles, was sie kannten und hatten, nur zum Vorteile ihres Hochmutes, ihrer harten Unversöhnlichkeit, ihrer fleischlichen Wohllust, ihres Neides und Geizes verwendet haben, und somit ihre Seele zu sehr vermateriesiert, so stecken sie nun auch in denselben Gräbern des Gerichtes, das sie sich selbst bereitet haben. 8 Dort hinter dem Grabmahle wirst du eine Öffnung entdecken. Gehe hin, und sehe hinein und sage Mir, was du siehst. Dann erst wollen wir weiter diese Sache miteinander erörtern!« Kapitel 154 Widerderlich scheußliche Entdeckungen. Das Geheimnis mancher Graberstätten. Jenseitige Kuren. Leidige, lebendigtote Raritäten dieses Museums. Gnaden-Hinweis über den Zweck dieses Museums 1 Der Franziskaner geht darauf sogleich die besagte Öffnung aufzusuchen, und als er sie findet, schauet er sehr aufmerksam in sie hinein. Anfangs ist alles stockfinster; aber nach einer kleinen Weile wird es dennoch insoweit heller, daß er mit genauer Not etwas ausnehmen kann, was alles sich in der inneren Höhlung vorfindet, und welche Agitationen (Handlungen) an dem Vorgefundenen bemerkbar sind. Die erinnert an die Szene in der Kundgabe »Bischof Martin«, wo der Einblick in das Seelenleben auch durch ein Art Fensterchen im Hinterhaupt der Individuen ermöglicht war. 2 Nach einer Weile seines sehr aufmerksamen Betrachtens fängt der Franziskaner Cyprian an zu reden und spricht: »O Herr, um Deines heiligsten Namens willen, da gibt es aber Geschichten! Ich entdecke das Zimmer eines Gelehrten; in einer Ecke einen ganz wahnsinnig großen Bücherschrank voll mit allerlei sehr bestaubten Scharteken (alte, wertlose Bücher, Urkunden unklarer Herkunft) und in der anderen Ecke einen Schreib- und Studiertisch mit einer Menge übereinander gelegten Schriften; an der hinteren Wand aber befindet sich ein großes Lotterbett, auf dem ein ganz nacktes, fettes, aber sonst sehr unästhetisch aussehendes Weibsbild liegt, und zwar in keiner moralisch zu nennenden Situation, und nun kommt soeben auch der Gelehrte sehr häßlichen Aussehens an das Lotterbett und sagt: Choiba, laß uns des Lebens höchste Wonne genießen! Denn das Leben ist nur dann Leben, so es im Wonnegenusse schwelget! O du verzweifelter Kerl von einem Gelehrten! Nun entkleidet er sich auch, und – ! O du Hauptvieh! Nein, das ist zu arg! Herr, ist denn kein Wasser irgendwo bei der Hand, daß ich damit dem grauslichen Schweinekerl seine wahre Eselsbrunft ein wenig abkühlen könnte! Ich glaubte hier unten etwa einen toten Leichnam zu entdecken; nein, das wäre mir ein sauberer Leichnam! Herr, ist dieses Museum durchaus so bestellet? Das ist wahrlich ein sonderbares Schweine-Museum das! Ich bitte Dich, Herr, verschaffe mir doch so ein gutes Schaff voll Wassers, ich muß den grauslichen Schweinkerl angießen!« 3 Rede Ich: »Lasse du das nur gut sein; denn dadurch würdest du ihn zum Zorn reizen, und an ihm mehr verderben als gut machen; denn solch geile Menschtiere sind sehr zornsüchtig, und es ist nicht gut sie in ihrer Brunst zu stören; so er aber mit seinem Akte fertig sein wird, dann wird ihm seine Natur schon von selbst zeigen, welch sehr schmerzliche Verdienste er sich dadurch gesammelt hat. Warte nur noch ein wenig, er wird mit diesem seinem Wonneakte bald zu Ende sein, und dann wirst du sogleich einen anderen Akt zu sehen bekommen; gebe nun nur Obacht!« – Der Franziskaner gibt nun weiter sehr aufmerksam Obacht und sagt bald darauf: »O, oh, oh, ohhh! o du verzweifelte Mette! Des Gelehrten wie seiner fetten Choiba wollüstiges Wonnegefühl hat einen ganz verzweifelten Ausgang genommen. Schmerz über Schmerz; furchtbares Wehklagen, fürchterliche Verwünschungen dieses Aktes werden nun ganz deutlich vernehmbar, und beide krümmen sich wie getretene Würmer vor Schmerz am Boden herumkriechend. Ach, das ist ein äußerst widerwärtiger Anblick! Wahrlich, so beide nicht gar so schändliche Schweinspelze wären, ich würde Dich, o Herr, für sie um Erbarmung anflehen. Aber da tue ich's gerade nicht. Dies Lumpenpack solle es recht ex fundamento empfinden, was die Unzucht für ein höllisches Labsal ist.« 4 Spricht der Miklosch: »Freund, lasse mir's auch zu, daß ich da ein wenig hineingucke.« – Spricht der Franziskaner: »Komm nur her und schaue!« – Der Miklosch kommt und sieht durch die Öffnung hinein und spricht: »Ach, tausend! das ist wahrlich sehr arg! O Herr, o Herr, die beiden müssen einen ungeheuren Schmerz empfinden! Vielleicht wäre denn doch eine Linderung nicht am unrechten Platze?« 5 Sage Ich: »Lasset das nur gut sein! Wenn solche verknöcherten Buhler sollen gebessert werden, da müssen sie zu Zeiten ganz absonderlich ernst angepackt werden; denn geringe Rupfer sind für solche materiellen Seelen von gar keiner Wirkung. Ich sehe dieser Art Menschenwesen ohnehin lange durch die Finger; aber so alle sanfteren Mahnungen und Rupfer nichts nützen, dann werden sie aber auch mit allem Meinem Vollernste angegriffen, und nur durch die Fülle des Schmerzes fangen sie dann ein wenig an, in sich zu gehen, und werden dann für etwas Höheres aufnahmefähig; daher lassen wir sie nur ganz ruhig genießen die glühschmerzliche Frucht ihrer lustigen Tätigkeit.« – 6 Spricht der Miklosch: »Aber Herr, es ist dir wahrlich nimmer zuzusehen; sie schreien fürchterlich, und fangen vor Verzweiflung förmlich sich zu zerfleischen an. Welche schaudererregende Verwünschungen sie über den begangenen Akt ausstoßen. Ach, das ist wahrlich entsetzlich! Bruder Cyprian, schaue nun nur wieder du diese Geschichte an, denn ich habe mich schon für ewig daran satt gesehen! – Herr, geht es denn unter allen diesen zahllosen Denkmälern und Leichensteinen also zu?« – 7 Rede Ich: »Hie und da noch viel schlechter; aber hie und da auch etwas besser. Denn alle diese haben auf der Erde nicht zu klagen gehabt, als hätten sie kein Licht über das geistige Leben erhalten. Aber da sie das Licht nicht in ihr Herz, sondern nur in ihr loses Gehirn aufnahmen, und dabei die alten Böcke im Herzen geblieben sind, voll geilen Sinnes und danebst auch voll Hochmutes, Mißtrauens, und auch voll geheimen Zornes, so müssen sie in diesem Museum erst wieder ganz neu umgestaltet werden. Nützen alle sanften Operationen nicht, so muß dann leider zu den schärferen vorgegangen werden; ansonst sie nimmer zu retten wären. Lassen wir aber nun diese und gehen zu einem anderen Grabe über!« Am 30. Dezember 1849 8 Spricht einmal der Graf Bathianyi: »Herr, Du bester Vater, da gleich daneben stehet ein ganz vergoldetes Grabmal, und zwar, so ich recht lese, mit der sehr mystischen Inschrift: 9 »Gott, Freiheit, Glückseligkeit; Mensch, Kettenhund, Elend, Tod! Der Mensch ein Schmarotzertier auf dem weiten Gewande der göttlichen Heiligkeit, möchte Gott lieben wie eine Laus den Leib eines Menschen; aber das ist der Gottheit lästig, daher tötet sie in einem fort das menschliche Ungeziefer. Welcher Mensch weiß es denn, welche Liebe die Läuse zu ihm haben? Je mehr Läuse der Mensch über seine Haut bekommt, von desto mehr Lausliebe wird er umfangen sein; aber an solch einer lausigen Liebe hat der große weise Mensch kein Wohlgefallen; daher wendet er alles an, um sich dieser lausigen Liebschaften zu entledigen. Und so tut es die große Gottheit; sie ist stets bemüht, sich der lausigsten Menschenliebe zu entledigen. Aber die Gottheit solle keine Läuse erschaffen, und ihnen kein Bewußtsein geben, so Ihr die Lausliebe ein Greuel ist. Denn ist die Laus auch endlos klein gegen die endlos große Gottheit, so hat sie aber doch ein sehr zartes Gefühl und empfindet den göttlichen Abscheusdruck um eben so viel schmerzlicher, als das schreckliche Übergewicht der göttlichen Machtschwere größer ist, denn das elendste Sein einer Laus (vulgo Mensch). Daher sei gnädig, Du große Gottheit, Deinen Läusen und vernichte sie für ewig ganz und gar.« 10 Wahrlich, eine sehr sonderbar schmutzig merkwürdige Inschrift! Da möchte ich denn selbst eine Einsicht nehmen, von welchem Genus (Geschlecht bzw. Gattung) etwa doch der Einwohner dieses Grabes ist.« 11 Sage Ich: »Mein lieber Ludwig, dieses Vergnügen kann Ich dir sehr leicht gewähren; gehe hin an die Rückseite dieses Grabmales, allwo du sogleich eine schlecht runde Öffnung finden wirst, dort sehe hinein und du wirst sogleich im klaren sein!« – Der Bathianyi Ludwig tritt sogleich hinter das Grabmal und entdeckt auch sogleich die vorbesagte Öffnung; bei dieser Öffnung beugt er sich nieder, und richtet seine Blicke fest durch diese in das Innere des Grabes. Nach einer kurzen Weile spricht er ganz erstaunt über den Inhalt: »O, das ist im höchsten Grade grauslich frappant! Ein äußerst schmutziger Affe, größter Art, ganz mit zerzausten Pfauenfedern behangen, spazieret in einem Saale auf und ab, legt öfter einen Finger auf die Nase und bald wieder auf die sehr niedere Stirn, dieselbe ein wenig philosophisch reibend; und dort auf einem Ruhebette kauern etwa sieben oder acht etwas kleinere, höchst wahrscheinlich weibliche Affen und wispeln sich gegenseitig etwas ins Ohr. Nun aber spricht der Museums-Affe mit einer sehr kreischenden Stimme: »Ja, ja, Russen und Türken taugen nicht für einander, der Bem, der berühmte General, hat sie schon beim Schopf, und hintendrein kommen die Engländer und d’ Franzosen und werden dem Russen zeigen, wie weit's von Europa nach Sibirien ist! Hahaha, das hab' ich immer g'wunschen, und jetzt geschieht's! und 's liebe Österreich wird zu einem schleißigen Abwischfetzen, und wird am Ende tanzen müssen, wie's die andern werd'n haben woll'n, hahaha, no, no, das geht jetzt halt grad so, als wie ich's mir g'wunsch’n hab'! O ihr armen Deutschen, ihr dummen Slaven, ihr welschen Esel, und ihr ungarischen Ochsen! G'schieht euch ganz recht, daß ihr alle miteinander englisch, französisch und türkisch werd't; denn ihr habt's ja so g'handelt, und habt es so hab'n woll'n; itzt wird's euch hernach leichter sein! O, ihr Hauptviecher! Im Parlament habt's nicht einig werden können! Aber am Galgen der allgemeinen Armut und Verzweiflung, und als amerikanische Plantagensklaven werd't ihr euch dann vereinen können! Habt's a fette milchreiche Kuh gehabt, und habt sie statt an den Euterzitzen beim Schweif gemölket, wo's ka Milch hat geb'n können, da nun g'schieht's euch recht, ihr welschen, deutschen, ung'rischen und slavischen Rindviecher! hahaha! Mi geht's zwar nix mehr an, denn ich bin versorgt; aber a Freud' hab' ich ganz unsinnig, daß es itzt so kimmt, wie i's mir auf der Welt oft gedacht hab!« 12 Spricht der Graf weiter: »Ach, Herr, Du guter heiliger Vater, was dieser Affe zusammengeschwärmt, das ist ja der Welt ungleich. Sage uns doch allergnädigst, ob daran denn doch so etwas Wahres sein könnte.« – Sage Ich: »Alles ist möglich auf der Welt, je nachdem die Menschen irgendwo noch mit Mir wandeln oder auf ihre eigen gestaltete Macht vertrauen. Höre du aber diesen Affen nur weiter an!« 13 Der Graf legt Aug und Ohr wieder an die Öffnung, und der Affe spricht nach einigem Räuspern weiter: »Wo nur meine Malla so lange bleibt! Aha, aha, da kommt sie schon, sicher mit einer Menge Neuigkeiten von der Welt. (Die Malla tritt in den Saal.) Grüß dich! No, was gibt's denn Neues auf der Lauswelt?« – 14 Spricht die Malla, die auch sehr äffisch aussieht: »Nit zum sagen, mein Mallwit! Alles is konfus, kaner waß mehr, wer da is Koch oder Kellner! Die Minister in Österreich arbeit's auf anen Türl, wos leicht durchgehe werde können, waons die Suppen gaonz werde versolze hobn. Aus die Klanen mochn's Große, und aus die Groß'n moches Klane; da fluche die Großen, und die großgemochte Klane steh'n wie d’ Ochsen am Berg! Gelt, mein lieber Mallwit, das Ding geht lustig und gaonz nach deinem Wunsch! (Der Mallwit lacht dazu freudig.) 15 Die Reichen werden große Steuern zu zahle kriegen, und schimpfen drum schun hiatzt (jetzt) wie d' Ruhrspatzen; die Geistlichen können über d' Regierung nit gnua fluchen und sie verdammen. D' Landleut wulle von zahle nix wissen; die Künstler und Professionisten geben sich langsam der Verzweiflung hin; das Militär hofft immer auf's Silbergeld und Gold; aber es kimmt holt koan's, und daher haben sie a ka große Fidutz (Vertrauen) auf den Staat. No, und den Spaß! Der Papst hot holt no immer »d' Franzosen«, und hot sich dofür schun von Neapel, Spanien und Österreich Ärzte verschrieben, aber es is glai umsonst, er wird holt von die Franzosen net los, und do moanen die Gescheitern af der Welt: Das wird dem lieben Popstn wuhl 's Goaraus mochn. Hahaha! Net wohr, dös is doch spaßi gnua! Und du, das is a an neuer Spaß: Rußland hätt jetzt mit England an Zwirnhaondelsvertrakt abgeschlossen, und dös dorum, weil's Rußland jetzt in ällen Ort'n den schönsten Zwirn zu scheu......., hätt' bald gsagt, anheben tät. Na du, da gibt's dir Geschicht'n!« 16 Spricht der Affe Mallwit: »Ganz nach meinem Wunsche, wie ich's auf der Welt oft gsagt habe, so, aber grad' so kommt es itzt. Aber der Spaß vom Papst' ist im Ernste nicht schlecht, und es ist so, und es wird, muß und kann's nicht anders werden. Wie leicht wär's im Jahr 1848 gwest, wie wir noch auf der Welt warn, so die dummen Menschen sich nur einigermaßen verstanden hätten oder verstehn hätt'n woll'n. Aber da wollte ein jeder Esel ein Deputierter sein, und überschrie den Philosophen in der Kammer; itzt hab'n sie den saubern Dank. Aber es geschieht ihnen allen vollkommen recht! Itzt aber schau', daß ich was zu essen bekomme, denn ich bin schon ganz verdammt hungrig, und unsre Töchter auch, dort am Sofa.« Am 1. Januar 1850 17 Spricht der Graf weiter: »Jetzt läuft die Äffin Malla bei einer Tür hinaus, bin doch auf das Traktament (Bewirtung) neugierig! Aha, da kommt sie schon wieder mit einem ganzen Korb voll! Aber was das für eine Speise ist, das mag wer anderer bestimmen; dem Gesichte nach zu urteilen sieht die Geschichte wahrlich gerade so aus, als wenn das lauter halbgesottene weibliche und mitunter auch männliche Schamteile wären. Er fällt mit einem Heißhunger über den Korb her, und klaubt sich nun gleich die größten heraus; die kleinen und mageren läßt er im Korbe; die Malla und ihre Töchter aber machen sich über die (Stücke) männlichen Ansehens. Ach, das ist ja doch rein zum wahnsinnig werden. Und mit welcher förmlich neidischen Begierde das alles zusammengepackt und verschlungen wird. Nein, so was hätte sich auf Erden wohl nie ein Mensch träumen können lassen. Jetzt ist er fertig, und macht sehr wollüstige Mienen, als hätte er noch einen größeren Appetit. Aber dennoch sagt er nun: Gott lob, itzt wär' ich wieder satt, das waren vortreffliche Austern! Es müssen auch die marinierten Schnecken recht gut gewesen sein, aber mein Magen verträgt sie nicht. Itzt könnt ihr schon wieder hinaus gehen, so ihr euch im Freien ein wenig vergnügen wollt.« 18 Spricht die Malla: »Lieber Mallwit! Jetzt is net ratsam; denn es streichen allerlei wilde Tiere draußen herum, als wenn d' gaonze Höll los wär'; und waon sie was erwischen, no, Gott sei dem gnädig! Drum moan i, wir bleiben so hübsch fein zu Hause. Wenn d' Höll Jagd holten tut, dann is net gut in's Freie z' geh'n.« – Spricht der Mallwit: »O weh, o wehe! Gute Welt, kannst dich freuen, wann's so ist! Du wirst wieder bald sehr blutig in deinem Gesichte aussehen; aber ich merke, daß da von dem Dunstloche ein sehr unangenehmer Luftzug herab wehet; geh doch ein wenig nachsehen, was (es) etwa da für Geschichten hat.« – Spricht die Malla: »Ach, was wirds denn sein! geht holt a bißl a höllischer Wind; müsse mer holt's Dunstloch zustopfen, da wird der Luftzug sogleich sein End habn!« Die Malla bringt sogleich aus einem Winkel eine Menge schmutziger Fetzen, und bemühet sich also gleich das Loch zu verstopfen; aber es gelingt ihr diese Arbeit nicht.« 19 Spricht der Graf weiter: »Herr, wie wäre es denn, so man sie durch dieses Loch anredete?« 20 Rede Ich: »Das ist noch lange nicht an der Zeit; lassen wir sie aber nun; die Angst ob der vermeintlichen Höllenjagd wird das Beste an ihnen tun. Du mußt von seiner anscheinenden Tugend wegen der Anrufung und Belobung Gottes dir keinen zu großen Begriff machen, wie auch wegen seiner eben so anscheinend politischen Nüchternheit nicht; denn alles das, was er spricht, ist sein Wunsch und seine Liebe; aus seiner Kost aber hast du hinlänglich abnehmen können, wessen Geistes Kind er samt seiner Familie ist. Aus seiner Gestalt hast du das noch sehr Unmenschliche seines Wesens wahrgenommen; daher ist hier vorderhand nichts anderes zu tun, als ihn gehen zu lassen, so wie eine unzeitige Frucht, und abzuwarten, bis er reif wird. 21 Darum aber ist dies ein ganz besonderes Museum, weil hier ganz verdorbene Geister durch einen ganz besonderen Akt Meiner Gnade, wie die Pflanzen in einem Treibhause wieder zum Lichte und Leben zurück geführet werden. Dies Museum oder der Kunstsammelplatz Meiner Gnade und besonderen Erbarmung, hat seine Aufseher und Wärter, die wie echte Kunstgärtner mit aller zu diesem Zwecke nötigen Weisheit bestens versehen sind und du kannst versichert sein, daß alles, was ihrer Pflege anvertraut ist, zur sicheren Reife kommen muß. 22 Und so verlassen wir nun diese Stelle und begeben uns dorthin vorwärts, wo du bei einem großen sehr kunstreichen Denkmale fast alle unsere Gäste versammelt siehst, dort wirst du und ihr alle Meine neu angekommenen Freunde noch deutlicher gewahr werden, warum dieser Ort, der sich eigentlich noch immer unter dem Dache des Robertschen Hauses befindet, das Museum eben dieses Hauses heißt. 23 Ich sagte einst auf der Welt zu Meinen Brüdern: Ich hätte euch noch vieles zu sagen; allein ihr könntet es jetzt nicht ertragen; wenn aber der Geist der Wahrheit zu euch kommen wird, der wird euch in alle geheime und vor den Augen der Welt verborgene Weisheit Gottes leiten. Und siehe, also ist es nun auch hier: Ich kann euch nicht auf einmal alles sagen, zeigen und erläutern; aber durch die Umstände wird der ewigen Wahrheit Geist in euch selbst erwecket und dieser wird euch alles klar machen, was euch jetzt noch dunkel und unerklärlich sein muß; daher gehen wir nun nur schnell weiter dorthin, wo sich alle versammeln; da wird euch allen ein mächtiges Licht angezündet werden. Denn wo ein Aas ist, da sammeln sich die gewaltigen Adler! Und nun vorwärts!« Kapitel 155 Die gesamte Gesellschaft mit dem Vater bei der Pyramide. Vom Wesen des Menschen, was der Leib im Grunde ist. Auferstehung des Fleisches; vom Jüngsten Tage. Notwendigkeit und Zweck der Vollendung, denn wer wahrhaft ein Kind Gottes sein will, der muß Jesus in allem gleichen Am 4. Januar 1850 1 In ein paar Augenblicken sind wir an Ort und Stelle; die vielen anderen Gäste, die von den Aposteln geführet wurden, wie auch die Urväter machen uns in größter Ehrerbietung Platz und wir treten dem großen Denkmale näher, das nahe so aussieht, wie allenfalls eine Pyramide Ägyptens, nur nicht in dem alten, rohen Baustile. 2 Auf der Spitze der Pyramide ist eine große Goldkugel angebracht und jede Stufe der Pyramide ist mit einem breiten Goldreifen umfangen, in welchem allerlei Inschriften eingegraben sind. In die Pyramide führt von der Nordseite her nur eine Tür, durch die man ordnungsmäßigerweise in's Innere gelangen kann. Einige Ellen hinter dem Eingange sind nach rechts und links zwei Seitengänge und noch etwas tiefer hinter diesen beiden Seitengängen befindet sich eine Treppe in die Tiefe hinab und eine in die Höhe hinaufführend. Obschon aber die Pyramide äußerlich von lauter undurchsichtigen schweren Steinen erbauet zu sein scheint, durch die kein Licht ins Innere dieses riesigen Denkmales zu dringen vermöchte, so sind aber im Innern dennoch alle die vielen Räume so gut erleuchtet, daß man alles ganz gut ausnehmen kann, was sich darinnen vorfindet. 3 Der schon überaus neugierige Franziskaner Cyprian fragt Mich, sagend: »O Herr, Du bester Vater, was wohl hat dieses zu bedeuten? So eine ungeheure Pyramide muß auch eine ungeheure Bedeutung haben.« – Rede Ich: »Mein lieber Freund, habe nur eine kleine Geduld! Denn so einen Holzbaum haut kein Holzknecht mit einem Hiebe auseinander; es hat wohl auf der Erde einen heidnischen König von Mazedonien, Namens Alexander, gegeben, der den berühmten gordischen Knoten mit einem mächtigen Schwerthiebe entwirrte, aber auf diese Art und Weise werden hier im Reiche der reinen Geister die Wirrknoten nicht gelöset, sondern mit der gerechten Weile und Geduld; daher also nur ein wenig mehr Geduld, Mein lieber Freund Cyprian!« 4 Der Franziskaner gibt sich auf diese Worte ganz zufrieden und sagt bloß hinzu: »Herr, Du bester Vater, Du hast ewig vollkommen recht! Wir leben ja nun nicht mehr in der naturmäßigen Welt, wo die lose flüchtige Zeit wie ein Sturmwind dahineilt; hier ist die unvergängliche Ewigkeit, und in ihr dürften wir denn doch Weile in größter Fülle haben, um uns alle Einsicht zu verschaffen, die uns hier not tut; was bliebe uns am Ende aber auch übrig, so wir mit einem Schlage in alle die himmlische Weisheit hinein fielen? Alsbald darauf eine ewige Langeweile; daher nun nur langsam voran und voraus, sonst wird aus der ewigen Freude noch eine ew'ge Langeweil daraus!« – Spricht der Graf: »Aber Freund, mir scheint, du fängst schon wieder an ein wenig satirisch zu werden. Ich sag' es dir: Nehme dich in acht, denn der Ort, wo du stehest, ist heilig! Daher lasse endlich ab von solchen faden Witzeleien!« 5 Rede Ich: »Nur keinen Streit hier! Du Bruder Ludwig hast zwar recht; aber des Cyprians Bemerkung hat auch etwas für sich. Daher nun allen Streit beiseite; denn wir haben hier viel wichtigere Dinge vor uns, als einen Streit über eine einzelne Schafswolldecke. Gehe du Freund Cyprian dafür lieber hin zum Robert und beheiße ihn samt seiner Gemahlin zu Mir! Denn er muß hier bei dieser Gelegenheit die Hauptrolle übernehmen.« – 6 Cyprian verneigt sich tiefst vor Mir und richtet schnell den Auftrag an den Robert aus; Robert kommt aber auch samt seiner Helena schnell zu Mir und bittet Mich um die Kundgabe Meines Willens; 7 und Ich sage zu ihm: »Liebster Freund, Bruder und Sohn Robert; siehe dies Museum, das du mit deiner Gemahlin nach allen Richtungen hin mit großer Aufmerksamkeit betrachtet hast, ist auch ein wesentlicher Teil deines Hauses, und Ich will ihn gerade dir ganz besonders an's Herz legen. Du hast bisher schon viel getan und große Dinge vollbracht, so daß Ich mit dir hoch zufrieden zu sein allen Grund habe, dein Geist ist ganz in der schönsten Ordnung; aber deine Seele hat noch hie und da zu wenig Konsistenz, was auch nicht anders sein kann, weil deinen Leib die Verwesung noch nicht vollends aufgelöset hat. Aber hier ist der Ort, wo du zur vollen Konsistenz deiner Seele gelangen kannst und auch gelangen wirst; aber es gehört so manches sehr wohl zu beachten dazu. 8 Siehe, der Leib eines jeden Menschen ist ein wahres Millionengemenge von allen möglichen Leidenschaften der Hölle, die in eine gerichtete Form zusammengefaßt sind. Du hast doch einmal etwas von der Auferstehung der Toten wie der Lebendigen gehört, wie auch von einer Auferstehung des Fleisches und auch nicht minder von einem sogenannten Jüngsten Tage, an dem von Mir alle, die in den Gräbern sind auferweckt werden, entweder zum Leben oder – nach ihren Werken – zum ewigen Tode. 9 Siehe, hier ist der Ort, wo Ich dir diese Geheimnisse eröffnen muß, und das nach deiner eigenen Natur und Beschaffenheit; und durch dich dann erst allen, die hier mit dir aus (wegen) nahe der gleichen Ursache hierher in die Geisterwelt gekommen sind, und in deinem Hause die Aufnahme finden mußten, indem sie schon auf der Erde mehr oder weniger in deinem Geiste lebten, durch Gedanken, Gesinnungen, Worte, Wünsche, und mitunter auch Werke. 10 Du warst aus allen diesen der Erste, den Ich hier aufnahm, und für dein ferneres Bestehen und Fortkommen sorgte; also mußt du auch hier, wo es sich um die endliche Vollendung handelt, auch der Erste sein, der diese an sich zu bewerkstelligen anfängt, und vollführet, auf daß sie dann auch an alle anderen übergehen kann. 11 Ich habe es schon erwähnt, daß deine Seele noch keine eigentliche Konsistenz oder Festigkeit erreicht hat; wie aber solle diese erreichet werden? Ich sage es dir und somit auch allen anderen: 12 Wie Ich als der Herr, Meinem Menschlichem nach euch allenthalben voranging, und eine gute unverwüstbare Bahn legte, so müsset ihr alle Mir auf dieser und derselben in allem nachwandeln, so ihr zum ewigen Leben wahrhaftigst gelangen wollet. 13 Ich bin nicht nur der Seele und dem Geiste nach auferstanden, sondern hauptsächlich dem Leibe nach; denn Meine Seele und Mein urewigster Gottgeist bedurften wohl keiner Auferstehung, da es doch zu der Unmöglichkeiten größten gehört hätte, als Gott getötet werden zu können. Wie Ich Selbst aber also dem Leibe nach auferstanden bin als ein ewiger Sieger über allen Tod, also müsset ihr alle auch euren Leibern nach auferstehen; denn Mich als vollends Gott könnet ihr erst in eurem auferstandenen, geläuterten und verklärten Fleische anschauen. Das Fleisch aber ist im Gericht, und dieses muß dem Fleische benommen werden, ansonst es nimmer zur Festung der Seele dienen möchte. 14 Sieh' an diese Gräber! Siehe, sie alle bergen dein ganz vollkommen eigenes Fleisch, gesondert nach seinen Millionen von gerichteten Teilen, aus denen es zusammengefüget war. Die Wesen, die du unter den Grabmälern entdecket hast, sind im Grunde nur Erscheinlichkeit der verschiedenen Wünsche, Begierden und Leidenschaften, die du in deinem Fleische als gerichtete Teile deines ganzen Naturwesens beherbergtest. Diese müssen nun geläutert werden durch allerlei Mittel, um sodann deiner Seele zu einem wahrhaften, festen, lebendigen Kleide zu werden. 15 Wie aber Ich aus Meiner höchst eigenen Kraft und Macht Mein Fleisch erweckte, also müsset auch ihr alle, durch die Kraft Meines Geistes in euch, an dies wichtigste Werk euch machen, und es zur wahren Vollendung bringen. Denn wer wahrhaft Mein Kind sein will, der muß Mir in allem gleichen, und alles das tun, was Ich getan habe, und noch tue, und tun werde.« – 16 Aber nun machst du, Robert, große Augen und fragst Mich in deinem Herzen: Herr! was ist das, wie werde ich das zu bewerkstelligen imstande sein? – Geduld! du sollst es sogleich erfahren. Kapitel 156 Erklärung der Museums-Pyramide und Roberts Aufgabe dabei. Eine Wanderung in die Unterwelt. Niemand kommt direkt in den Himmel, wohl aber ins Paradies 1 Rede Ich: »Siehst du hier vor uns diese Pyramide, sie ist deines Leibes Herz; wie aber das Herz der Träger aller zahllosen Keime zum Guten und zum Bösen ist, so ist auch dieses Denkmal in der Form einer Pyramide der Inbegriff alles dessen, was da rastete und handelte als Fleischkraft im Fleische deines Naturwesens. – Gehe du nun mit deiner Gemahlin in diese Pyramide, und besehe alles wohl, was sich darinnen aufhält, in der Höhe wie in der Tiefe und an allen den Wänden. 2 So du alles wirst besehen haben, dann komme du sobald wieder zurück und sage es vor allen, was du darinnen alles angetroffen hast; und Ich werde dir die weitere Weisung geben, was dir zu tun noch übrig bleibt. Aber verweilen darfst du bei nichts! Sollte dich aber irgend eine Lust, bei einer oder der anderen Sache länger zu verweilen, anwandeln, so sehe auf deine Helena, und sie wird dich davon abziehen! Nun weißt du, wie du dich zu benehmen hast, 3 und so trete denn nun deine Wanderung in die Unterwelt an, begleitet von Meiner Gnade und Liebe, mutig und voll des besten Trostes! Denn auch Meine Seele mußte vor der Auferstehung Meines Fleisches in die Unterwelt hinabsteigen, und dort alle frei machen, die da harreten im Fleische Meines Fleisches noch der Erlösung.« 4 Nach diesen Worten verneigt sich Robert tief und tritt sogleich seine Wanderung an. 5 Der Franziskaner aber fragt Mich, ob er nicht etwa auch mitgehen dürfte? – Ich aber sage zu ihm: »Mein Bruder, so du ganz reif wirst, dann wird schon auch auf dich ein Gleiches zu tun kommen, wenn schon deiner Beschaffenheit wegen in einer anderen Form. Denn nicht allen ist eine und dieselbe Form entsprechend; diese hängt von der hervorragendsten Begründung ab, die irgend eine oder die andere Seele ihrem Fleische einprägte. Bleibe du daher nur hier und warte da schön ab, was der Robert alles für Dinge hervorbringen wird und dadurch wirst du dann schon auch mehr oder weniger inne werden, auf welche Art du in die Unterwelt steigen wirst.« 6 Spricht der Franziskaner: »Herr! ist denn diese Unterwelt etwa so eine Art Vorhölle, eigentlich sozusagen das gewisse Fegefeuer?« – Rede Ich: »Ja, ja, so was dergleichen; aber dennoch ganz anders, als wie du es in deinem noch ziemlich römisch befangenen Herzen herumträgst.« – 7 Spricht der Franziskaner: »Also kommt denn eigentlich doch niemand sogleich, wie man sagt, vom Mund‘ auf in den Himmel?« – Rede Ich: »Nicht leichtlich, Mein Lieber! Denn so Ich selbst zur Unterwelt mußte, der Ich doch der Herr selbst bin, so wird schon auch ein jedes Meiner Kinder es tun müssen. Denn ein jedes Obst muß eher vollkommen reif sein, bevor man es genießen kann. Blöde und unwissende Kinder meinen freilich, eine Kirsche sei schon reif, wie sie nur ein wenig gerötet aussieht; aber der kundige Gärtner weiß es genau, wie rot die Kirsche aussehen muß, um vollends reif zu sein. Also ist's nichts, durchaus nichts mit dem vom Munde aus gleich in den Himmel kommen. Wohl aber in das geistige Paradies, allwo ihr euch nun an Meiner Seite befindet. Denn es ist genug, so Ich zu einem Sünder sage: Sei getrost, denn heute noch wirst du bei Mir im Paradiese sein! – Aber nun Ruhe, denn Robert wird bald wieder da sein.« Am 7. Januar 1850 8 Der Franziskaner möchte noch gerne etwas sagen auf diese Meine Worte, aber der General, der sich mit dem Dismas und dem verklärten Pater Thomas gerade dem Franziskaner am nächsten befindet, legt sogleich die ganze flache Hand auf den Mund des Franziskaners und sagt nichts als: »Subordination! Der Herr Gott Vater hat es geboten nun stille zu sein, und so heißt es gehorchen! – Verstanden?! – Da heißt es gehorchen!« – 9 Rede Ich: «Lasse das gut sein, Freund Matthia; hier gibt es von Mir aus kein positives Gesetz. Will der Cyprian reden, so solle es ihm nicht verwehret sein.« – Spricht der Franziskaner: »Nein, nein, ich will nicht reden, obschon es mich ein wenig gejuckt hatte; der General Matthia hat nun ganz recht gehabt, daß er mir mit seiner Handfläche 's Maul zugestopfet hat; denn soeben kommt aus der Pyramide der Robert zurück, und ich freue mich nun schon ganz kindlich auf seine Erzählung. Es wäre daher sehr dumm von mir gewesen, so ich zu plaudern angefangen hätte. Aber er steht nun schon vor uns, und macht eben nicht das zufriedenste Gesicht, auch seine Gefährtin nicht; es muß ihnen die Sache nicht ganz zusammen gegangen sein. Aber nun nur stille!« Kapitel 157 Roberts Bericht vom Besuch in seiner Unterwelt. Besteigung der Pyramide von außen, dabei stufenweise Enthüllung des Geheimnisses der Erlösung. Deren wesenhafte Aufnahme in sich und dadurch ihre Erfüllung an einem sebst 1 In diesem Moment tritt der Robert mit seiner Gemahlin vor Mich hin und beginnt wie folgt zu reden: »O Herr! Du guter, heiliger Vater aller Menschen und Engel! da sieht es schlimm, ja sehr schlimm aus; wäre dieser Pyramide Inneres ein Augiasstall, wenn auch noch um's zehnfache ärger, da wäre es ein Leichtes ihn zu reinigen; aber so übersteigt der Sündenmist des Innern, und besonders das Untere dieser Pyramide den Augiasstall ums Millionenfache! Und da ist wahrlich an keine Reinigung mehr zu denken, und könnte man auch alle Flüsse und Bäche der Erde hineinlenken; in den oberen Regionen dieser Pyramide präsentieren sich eine Anzahl von tausenderlei von den allerleichtfertigsten Bildern aus meinem gesamten Erdenleben; die unteren Gemächer aber sind überfüllt von allerlei unbeschreiblichem Unflate, der noch dazu vom übelsten Geruche, respektive Gestank begleitet ist. O weh, o weh! wer wird mir Armen helfen, diesen Stall reinigen?« 2 Rede Ich: »Mein lieber Freund Robert! keine Arbeit ist so groß, als daß sie mit den tauglichen Mitteln nicht könnte verrichtet und in die beste Ordnung gebracht werden, aber es gehört dazu eine rechte Einsicht und Geduld; sehe an die ganze unermeßliche Schöpfung von ihrem Beginne bis zu ihrem einstigen notwendigen Ende, und von ihren notwendigen kleinsten organischen und unorganischen Teilchen, bis zu ihrem für dich unermeßlich großen, geordneten Ganzen und du wirst darinnen für deine gegenwärtige Einsicht doch sicher die fast nimmer mögliche Ausführung, Ordnung, Erhaltung und Leitung zum rechten Endzwecke gewahren; und doch steht dies große Schöpfungsgebäude bestgeordnet da, und kein Atom kann seiner Bestimmung entgehen. Wie aber dies möglich ist, so ist es um so mehr möglich, deinen irdischen Augiasstall zu reinigen; aber, wie gesagt, es gehört dazu die rechte Einsicht und Geduld, und, was sich schon von selbst versteht, ein fester durch nichts beirrbarer Wille. 3 Damit du aber vor allem zur rechten Einsicht gelangen magst, so gehe hin zu den äußeren Staffeln (Stufen) der Pyramide, die mit einem beschriebenen Goldreifen umfasset sind, und lese, was darauf geschrieben stehet; das wird dir sagen, was du da alles zu tun haben wirst.« – 4 Robert gehet hin und liest zuerst die Inschrift des untersten Reifens, und diese lautet: »Kommet alle zu Mir, die ihr mühselig und beladen seid, es solle euch Erquickung werden.« – Und weiter liest er: »Haltet euch an die alleinige Liebe! Wahrlich, so die Zahl eurer Sünden wäre wie die des Sandes am Meere und des Grases auf der Erde, so wird die Liebe sie tilgen ganz und gar; und wäre eure Schande vor Gott gleich wie das Blut der Sündenböcke, so solle sie von der Liebe weiß gewaschen werden wie weiße Wolle und wie der feinste Byssus.« 5 Und weiter liest er an der zweiten Stufe: »Die Liebe ist das Leben, das Gesetz, die Ordnung, die Kraft, die Macht, die Sanftmut, die Demut, die Geduld und dadurch der Kern aller Weisheit! Der Weisheit sind nicht alle Dinge möglich, weil die Weisheit nur einen gewissen Weg gehet und sich mit dem, was unrein ist, nicht befassen kann; aber der Liebe sind alle Dinge möglich; denn sie ergreift auch das, was verworfen ist, mit derselben Innigkeit, als wie das, was in sich selbst schon das Reinste ist. – Die Liebe kann alles gebrauchen – die Weisheit aber nur, was die Liebe gereiniget hat.« 6 Und wieder weiter liest er von der dritten Stufe: »Frage dein Herz, ob es sehr lieben kann, ob es Gott über alles lieben kann, ohne Interesse außer dem süßesten der Liebe selbst? – Frage dein Herz, ob es den Bruder mehr denn sich, um Gottes willen wie einen zweiten kleinen Gott lieben kann. – Frage dein Herz, ob es wahrhaft und vollends rein lieben kann! – Kann es Gott darum lieben, weil Gott – Gott ist, und kann es den Bruder wie aus Gott heraus wegen Gott, und aus purer Liebe zu Gott wie einen Gott lieben? – Kann dein Herz das, so ist deine Verwesung zu Ende, und du selbst stehest vollendet vor Gott deinem Herrn und Vater und Bruder!« 7 Und wieder weiter liest er auf der vierten Stufe: »Gott selbst ist die urewige reinste Liebe, und ihr Feuer ist das Leben und die Weisheit in Gott, und also aus Gott wie in Gott das Leben und das Licht aller Wesen; die Funken aus dem Essenfeuer der reinsten Gottesliebe in Gott sind die Kinder Gottes gleichen Ursprungs aus dem einen Herzen Gottes! – Auch du bist ein solcher Funke; fache dich an zu einem lebendigen Brande, und du wirst in deinem Herzen Gott schauen!« 8 Und weiter liest er auf der fünften Stufe: »Das Wort aus dem Gottes-Herzen ist der Liebe Allkraft; daher ist das Wort und der ewige Sohn aus Gott eins; ja Gott selbst ist das volle Wort, das im Feuer der Liebe gezeuget wird. Du aber bist auch ein Gotteswort erzeugt im Gottes-Herzen; darum werde wieder ein volles Wort Gottes; werde ganz Liebe, volle Liebe in Gott, so wirst du zum Gottes-Sohne gelangen und eins sein mit Ihm. Aber du gelangst nicht zu Ihm, außer durch den Vater, der da ist die Liebe und das Wort selbst in Sich, von Ewigkeit zu Ewigkeit stets Derselbe.« 9 Und weiter liest er auf der sechsten Stufe: »Christus ist allein der Mittler zwischen Gott und der Menschennatur; durch den Tod Seines Fleisches und durch Sein vergossenes Blut hat Er allem Fleische, das da ist die alte Sünde des Satans, den Weg gebahnt zur Auferstehung und Rückkehr zu Gott! Christus aber ist die Grundliebe in Gott, das Hauptwort alles Wortes, das da ist Fleisch geworden, und dadurch geworden zum Fleische alles Fleisches und zum Blute alles Blutes. Dieses Fleisch nahm freiwillig alle Sünde der Welt auf sich und reinigte vor Gott sie durch Sein heilig Blut. Mache dich teilhaftig dieses größten Erlösungswerkes Gottes durch das Fleisch und durch das Blut Christi, so wirst du rein sein vor Gott! Denn kein Wesen und kein Ding kann rein werden durch sich, sondern allein durch die Verdienste Christi, die da sind die höchste Gnade und Erbarmung Gottes. Du allein vermagst nichts, alles aber vermag Christus.« 10 Und weiter liest er auf der siebenten Stufe: »Dein irdisch Wohnhaus ist voll Unflates; wer wird es reinigen? Wer hat die Kraft und die Macht allein? Siehe, Christus, der ewige Hohepriester vor Gott, Seinem ewigen Vater! Denn Christus und der Vater sind eins von Ewigkeit. In Christus allein wohnt alle Fülle der Gottheit körperlich; und diese Fülle ist der Vater als die reinste Gottliebe. Diese ergreife mit deiner Liebe, und sie wird dein Fleisch reinigen und erwecken, wie sie erwecket hat das Fleisch Christi, das sie selbst in sich barg.« 11 Und wieder weiter liest er auf der achten Stufe: »Du erschrickst über die große Menge deiner argen Geister, die auf der Welt beherrschet hatten dein Fleisch und Blut und fragst mit Paulus: Wer wird mich erlösen von meinem Fleische und frei machen von den Banden des Todes? Siehe hin, Christus, der getötet war, ist auferstanden und lebet, ein Herr von Ewigkeit! – Wäre Er im Tode verblieben, so es möglich gewesen wäre, da wäre dir ebenfalls der ewige Tod sicher; aber da Christus auferstanden ist, wie du Ihn nun selbst siehst, so ist es ja unmöglich, daß da jemand im Grabe belassen werden könnte. Denn wie durch die eine Schlange der Tod kam über alles Fleisch, so auch kam das Leben durch den einen Gottmenschen über alles Fleisch der Menschen der Erde; aber auch ein neues Gericht, obschon das alte Gericht, das den Tod in sich barg, durch dieses Einen Auferstehung für ewig vernichtet ward; aber dies neue Gericht ist dennoch auch ein Tod, aber kein Tod zum Tode, sondern ein Tod zum Leben. – Mache dich an die Liebe durch deine Liebe, damit dies neue Gericht deines Fleisches durch die Werke des Einen zu einem wahren Leben wird; du stehest an der Quelle, trinke des lebendigen Wassers in der Fülle!« 12 Und auf der neunten Stufe liest er weiter: »Die pure Weiberliebe ist Eigenliebe; denn wer von der Weiberliebe sich so weit verziehen läßt, daß ihm daneben die Nächstenliebe und aus dieser die Gottesliebe zur Last wird, der liebt sich selbst im Wesen des Weibes; lasse dich daher von der reizenden Gestalt eines Weibes nicht gefangen nehmen über's gerechte Maß, ansonst du untergehest in der Schwäche des Weibes, während doch nur das Weib in deiner Kraft erstehen solle zu einem Wesen mit und in dir! Wie du aber ein oder das andere Glied deines Wesens liebst, also liebe auch das Weib, auf daß es eins werde mit dir; aber Gott liebe du über alles, auf daß du in solcher mächtigsten Liebe neu geboren werdest zu einem wahren freiesten Bürger der reinsten Himmel Gottes für ewig und dein Weib wie ein Wesen mit dir!« 13 Und noch weiter liest er auf der zehnten Stufe: »Suche, suche, suche, daß du dich nicht übernimmst, so du groß wirst! – Siehe an des Herrn Demut, Sanftmut und Güte! Sieh', Er ist der Herr von Ewigkeit; alles, das die Unendlichkeit fasset vom Größten bis zum Kleinsten, vom geistigsten bis zum materiellsten Atom, ist alles Sein höchst eigenstes Werk und Seine Kraft ist so groß, daß alle die zahllosesten Werke der Unermeßlichkeit schon vor dem leisesten Hauche Seines Mundes in ein ewiges Nichts zurücksinken müßten. Und dennoch stehet Er gar so einfach und ganz ohne allen Anspruch bei Seinen Kindlein, als wäre Er nahe der Allergeringste unter ihnen und liebt sie und unterhält sich mit ihnen, als hätte Er bloß sie allein in der ganzen Unendlichkeit, die doch von zahllosen Miriaden der allerwundersamst, herrlichsten und liebweisesten, reinsten Wesen strotzet. – Also suche, suche, suche der Geringste zu sein und zu werden und zu bleiben für ewig!« 14 Auf dieser letzten Stufe wird Robert so mächtig gerührt vor Liebe zu Mir, daß er laut zu weinen anfängt; er sieht bald diese letzte und oberste Inschrift, bald wieder Mich und manchmal auch sein neues Weib an und sagt nach einer staunenden Weile: »O du heilige Inschrift! bist so einfach, ohne allen Wortprunk da auf reinstes Gold geschrieben, und dabei doch so ewig wahr, wie derjenige Selbst, dessen allmächtiger Finger dich hier in dies Gold gegraben hat. O Gott! jetzt, jetzt erst fängt mich eine ungeheure Liebe zu Dir ganz allein durchzudringen an, und in diesem Durchdringen der mächtigsten Liebe zu Dir allein gewahre ich erst so ganz innig, daß ich Dich noch nie vollends wahr geliebet habe. Aber nun ist es anders geworden. Du allein, ja Du ganz allein bist nun der Herr meines Herzens, meines Lebens! – Ewige, unbesiegbarste Liebe Dir allein, Du mein süßester Gott und Vater Jesus! 15 Als Du mir die schönste Helena zu einem neuen Weibe gabst, da fühlte mein Herz zu Dir nur eine innigste Dankbarkeit mehr denn irgend eine rechte Liebe zu Dir; und mit dem pünktlichsten Gehorsame für alle Deine Gebote meinte ich, daß darinnen schon die sichere oberste Vollendung ruhe; aber wie weit war ich da vom wahren Ziele! Ja, ich wußte nicht einmal so recht, wie man Ihn neben der Helena mehr als sie lieben möchte, und hielt solch eine Liebe heimlich bei mir auch für ein wenig albern; aber nun ist es anders geworden. Ich liebe nur Dich allein über alles, und sehe in dieser Liebe ein ganz neues Leben erwachen. O Herr, o Herr, o Herr und Vater Jesus, Du meine einzige Liebe!« Kapitel 158 Roberts Liebesextase läßt ihn sein Weib vergessend zum Herrn eilen. Helenas gute Rede und heilige Scheu vor dem Allerheiligsten. Des Herrn Erwiderung Am 12. Januar 1850 1 Mit diesen Worten springt Robert förmlich von der Höhe der Pyramide, daß er sogar seines schönsten Weibes vergißt. Bei Mir kaum angelangt, will er Mir sogleich zu den Füßen fallen und sein Herz ganz ausschütten vor Mir; aber Ich halte ihn davon ab und mache ihn (darauf) aufmerksam, daß er diesmal der Helena, seines Weibes, vergessen hat; 2 worauf er ganz seligst ergriffen spricht: »O Herr, Vater Jesus, wer kann in Deiner nun von mir wohlbekannten und rein erkannten Nähe für was anderes Sinn und Gedanken haben, als nur allein für Dich! Ich liebe die wahrlich überaus schöne und eben so fromme Helena wie ein gutes Glied meines Wesens oder meines geistigen Leibes; aber mein alles über alles bist nun für ewig Du ganz allein, mein Gott und mein Herr und Vater! Was wäre mir ohne Dich eine ganze Welt voll Helenas? Nichts! Ich würde verzweifeln in ihrer Mitte! Habe ich aber Dich, so kann ich auch ohne eine Helena vollkommen glücklich sein. Aber ich will sie dennoch holen darum, weil sie eine Gabe aus Deiner Hand ist, darum (ist sie) mir auch endlos wert, teuer und angenehm.« – – 3 Rede Ich: »Ja, ja, gehe hin und hole sie; denn sie sieht ganz traurig nach uns her, und meint dich beleidigt zu haben, dieweil du sie so ganz verlassen hast.« 4 Robert geht nun eilends zu der Helena hin und sagt zu ihr: »Komme, komme, mein geliebtes Weibchen! Ich habe nur aus übergroßer Liebe zum Herrn deiner auf ein paar Augenblicke vergessen; aber nun ist schon wieder alles in der schönsten Ordnung. Komme daher nun nur mit mir hin zum Herrn und sei ja nicht mehr traurig!« – 5 Spricht die Helena: »Mein liebend Herz dem Herrn und dir dafür, daß du mich wieder anschauest, denn mir kam wahrlich ein Kummer ins Herz, daß ich in meiner Seele mich irgend versündiget zu haben meinte, dieweil du mich verließest und dich nicht umsahest nach mir; aber nun ist alles wieder gut, und mehr als gut; denn dich zog die allein gerechte und wahre Liebe von mir hin zu Gott, dem heiligen Vater. Nun ziehe aber du auch mich hin vor Ihn, der noch immer der alleinige Besitzer meines Herzens ist und auch ewig verbleiben wird. Lasse unsere Herzen eins werden vor Ihm, der sie zuerst erfüllet hat mit Seiner Liebe, auf daß, so nun dein irdisch Fleisch lauter wird durch die Auferstehung im Feuer der Gottesliebe in deinem Herzen, das meinige auch mitgeläutert werde und wir dann wie ein Herz, ein Sinn, eine Liebe, ein Leben und Wesen vor Ihm – uns des seligsten Lebens erfreuen könnten!« 6 Robert zerfließt nahe vor lauter Liebe und bringt nun die Helena zu Mir. Als sie bei Mir ist, will sie auch auf ihr Angesicht niederfallen; Ich aber hindere sie ebenfalls daran und sage zu ihr: »Ja, Meine allerliebste Helena, getrauest du dich denn Mich nicht mehr so zu lieben, als wie du Mich ehedem geliebet hast? Schau, schau! Ich bin ja stets der gleiche!« – Spricht die Helena ganz weinerlich: »Für's Auge ja, aber für's Herz, da bist Du schon viel anders geworden; viel größer und heiliger! Das Herz bebt nun vor Deiner Größe und Heiligkeit; denn Du bist wahrhaftig der einige Gott!« 7 Rede Ich: »Ja, Meine allerliebste Helena, das hast du denn doch schon früher gewußt und eingesehen und hast doch keine gar so enorme Heiligenscheu vor Mir gehabt, ja du hast Mich sogar – wie Mir und dir nichts – nach deiner ganzen Herzenslust geküßt; wie sollst du denn wohl nun eine solche Heiligenscheue vor Mir überkommen haben? Denke zurück, und bleibe dir gleich, so wie Ich Mir unwandelbar gleich bleibe, so wirst du in keine solche unnötige Furcht vor Meiner göttlichen Majestät verfallen!« 8 Spricht die Helena: »O Herr, Du überguter, heiliger Vater! das tut sich wohl in gar keinem Falle mehr; denn es ist ein großer Unterschied zwischen dem Dich kennen und abermals Dich kennen. Beim ersten Erkennen hat Dein Göttliches doch stets noch mehr so einen menschlichen Anstrich und Du bist zu ertragen für das Herz eines armen Sünders, aber wann einem die stets größer und wunderbarer werdenden Vorkommnisse und Erscheinungen in einem fort bei allen Sinnen einzudonnern anfangen und nur zu klar den endlosen Unterschied zwischen Dir, o Herr, und einem Geschöpfe, das sich selbst frei auszubilden hat, nach den Gesetzen Deiner Ordnung, zeigen; dann ist's mit diesem menschlichen Anstriche gar, und wie nackt in aller Heiligkeit steht dann Deine Gottheit vor unsern erstaunten Augen. Daß uns alle, wenn wir die Sache so recht beim Lichte betrachten wollen, mehr oder weniger eine gewisse Heiligenscheue vor Deiner Gottheit anwandeln muß, das ist ja doch ganz klar. 9 Ich habe sozusagen schon mit den zwei Fällen, die mir zuerst in diesem Hause meines Roberts zu Gesichte kamen, des Wunderbaren zur Übergenüge gehabt, um mich darüber allein schon eine ganze Ewigkeit genüglich zu verwundern und Dich wegen Deiner Güte, Liebe und Weisheit zu preisen; aber da führte uns Deine Liebe, Güte und Weisheit in dieses Museum, durch das das fleischliche Wesen Roberts entsprechend bildlich dargestellt werden solle, und da hat es der Wunder kein Ende, und besonders jene merkwürdigsten Inschriften an den Stufen der großen Pyramide, der erhabene Sinn. Ja, da könnte man ja doch ganz rein bis auf den letzten Tropfen zerfließen vor lauter Ehrfurcht und Achtung, von der das arme erstaunte Herz für Dich, o Herr, ergriffen wird. Daher kann von meiner ersten Stellung, die sich gar so furchtlos gestaltete, wohl keine Rede mehr sein. Siehe, als ich noch auf der Welt, und zwar in der schlechten Wienerwelt ein, wie man's in Wien sagt, schlawutzig's Menschl machte, und um's Geld und um ein gemütlich's Wörtl für alles zu haben war, da ist auch oft ein recht sehr großer Herr zu mir gekommen und ich hatte keine Furcht vor ihm, weil ich nicht sah seine glänzende Umgebung und seine Macht; aber so ich dann und wann zu einem solchen recht großen Herrn etwa gar in seine Amtsstube kam, ja, da konnte ich nicht mehr so furchtlos vor ihm sein, als so er in seiner Einfachheit bei mir war, wo er auch sehr einfach aussah. Man solle hier zwar so einen schmutzigst sündhaften Vergleich nicht aufstellen, da dieser Ort zu heilig ist, aber weil er schon gar so richtig herpaßt, so konnte ich nicht umhin, ihn hier aufzustellen. Herr, Vater! Du wirst mir deshalb ja doch etwa nicht gram werden?« 10 Rede Ich: »Nicht im allerentferntesten Sinne, denn über deine Sünden haben wir schon lange die Rechnung abgeschlossen; aber darum gelten bei Mir deine Entschuldigungen eben nicht gar viel. Was du nun fühlst und noch ferner fühlen wirst, so du noch größerer Wunder gewärtig wirst, das weiß Ich wohl am allerbesten; aber das weiß Ich auch, daß es geschrieben stehet: »Seid vollkommen, wie auch euer Vater vollkommen ist im Himmel!« Wie möglich aber kann das ein Kind, so es vor dem Vater einen noch größeren Ehrfuchtsrespekt hat, als ein Hase vor dem Donnergebrüll eines Löwen? Siehe, du hast Mir ehedem aus deiner schlawutzigen, irdischen Lebenszeit ein gar nicht schlechtes Gleichnis vorgeführt, das da deine Furcht entschuldigen solle, die du nun vor Mir hast.« Kapitel 159 Gleichnis vom Kunstmaler und seiner Schule, deren zweierlei Schülern, die Bewunderer und die Ausüber der Kunst. Helena ergibt sich und Ihre Ehrfurchtsrede darauf. Des Herrn weise Belehrung dagegen bringt sie wieder zur freien reinbräutlichen-kindlichen Liebe 1 Rede ich weiter: »Ich werde dir aber dagegen auch ein anderes Gleichnis erzählen und wir werden sehen, wie sich die Sache, die Ich von Dir verlange, darinnen ausnehmen wird. Höre: 2 Es gab einmal auf der Erde einen großen Meister in der Malerei, dessen Bildern wahrlich nichts abging als das Leben, auf das die dargestellte Sache auch zur vollsten Wahrheit würde. Dieses Meisters Werke zogen aus allen Gegenden der Erde eine große Menge Bewunderer herbei und unter diesen Bewunderern auch so manches Talent, das sich bei dem großen Meister gerne ausbilden möchte; das freute den Meister und er bot auch alles auf, um aus den jungen Talenten etwas zu machen; 3 aber unter den vielen Kunstjüngern dieses Meisters waren einige mit nahe den besten Talenten begabt, welche aber vor der unübertrefflichen Kunstgröße ihres Meisters einen so ungeheuren Respekt hatten und eine derartig große Achtung, daß sie es nur mit größter und demütigster Selbstverleugnung kaum wagten, einen Pinsel zur Hand zu nehmen, denn sie glaubten es einzusehen, daß da alle ihre noch so große Mühe rein vergeblich ist, um ein Atom von der Größe ihres Meisters zu erreichen. Die anderen, minder talentierten aber dachten, und sagten: Wohl wissen wir's, daß unser Meister bis jetzt unerreichbar als einziger und alleiniger in seiner Art dastehet, und wir ihm auch nie s' Wasser reichen werden (können), aber mit dem Respekte vor seiner Kunst wollen wir's dennoch nicht gar so weit treiben, daß wir darob uns nichts zu malen getrauen, wir wollen im Gegenteile ihm sehr zugetan sein und von ihm lernen, so viel wir nur immer imstande sind. Das wird ihn gewiß noch mehr freuen, als so wir bloß als stumme Bewunderer in seinem Kunstatelier von einem Werke zum anderen ganz zerknirscht kriechen würden. Denn es muß dies ja auch ein Lob des großen Meisters sein, wenn Tausende, von seinen großen Kunstwerken hingerissen, sich nach der Möglichkeit ihrer Kräfte beeifern, dem großen Meister in einem oder anderem näher zu kommen. Und siehe du, meine liebe Helena, die ersten von zu großer Ehrfurcht Hingerissenen lernen von dem großen Meister wenig oder nichts, während sich die anderen durch ihren Fleiß und Eifer unter der Leitung des großen Meisters zu ganz tüchtigen Künstlern heranbilden. 4 Sage Mir nun so ganz nach deiner Meinung, welcher von diesen zweien Jüngergattungen wird der Meister den Vorzug geben? Den zu Ehrfurchtsvollsten oder den weniger Ehrfurchtsvollen, aber desto eifrigern Nachahmern seiner Kunst, für die ihr Herz glüht? – 5 Oder wer wäre denn dir lieber für dich, einer, der von deiner Schönheit so niedergedrückt ist, daß er sich um keinen Preis den Mut zu nehmen getraute, dir seine Liebe zu bekennen, sondern bloß einen, sich in einer gewissen Entfernung haltenden stummen Bewunderer macht ? oder einer, den deine Schönheit wohl zur Liebe sehr anfacht, er aber darob dennoch seiner Sinne mächtig bleibt, und den Mut hat, dir zu gestehen, daß er dich unbeschreiblich liebt! Sage Mir dazu deine Ansicht!« 6 Spricht die Helena: »O Herr, die Zweiten, die Zweiten! Ich ergebe mich schon ganz; denn ich sehe nun meinen Irrtum schon ein.« Am 16. Januar 1850 7 Rede Ich: »Nun gut; so du deinen Irrtum einsiehst, was wirst du dann Mir gegenüber tun? Wirst du wohl wieder so zutraulich sein, als ehedem bald nach deiner Erlösung vom Joche deines geistigen Todes?« 8 Spricht die Helena etwas stotternd: »Hm soll freilich, a – b – er hm, wenn Du nur nicht gar so entsetzlich heilig wärest! Wenn ich bedenke, daß Du – Gott der ewig Allmächtige, Heilige und Allweiseste bist und ich eigentlich nichts als bloß nur so ein allerkleinstes Gedankenfünkchen aus Dir bin, da kommt mir so eine ungeheure Ehrfurcht vor Dir, von Deinen heiligsten Augen entgegen, daß ich in was für eine tiefste Tiefe vor Dir versinken könnte. – 9 Du siehst zwar wohl so sanftmütig aus, als wie ein allerfrömmstes Lämmchen und so herzensgut wie eine Großmutter, so ihr ihre liebsten Enkerl die Hände abküssen, aber große Stürme, Blitz, Hagel und Donner und eine Menge erschreckliche Dinge mehr kommen denn doch wohl auch so manchmal aus Deinen allerholdseligsten Augen über die ganze Welt, zum alle Menschen erschreckendsten Vorscheine. Und siehst Du dem außen nach auch gar nicht kräftiger aus als etwa unsereins, aber die hübsch passabel großen und sehr vielen Weltkugerln, besonders die lichten Sonnen, mit denen Du noch viel leichter sozusagen spielest, als ein geschaffener Mensch mit Erbsen, sagen mir so ganz heimlich: Der Allmächtige sieht wohl aus wie ein Mensch; aber Er ist dennoch ganz was anderes als ein Mensch, und Spaß versteht Er schon gar keinen; Er ist wohl unendlich gut denen, die Er liebt; aber mit jenen, die sich Seine Ordnung nicht wollen gefallen lassen, diskutiert Er ganz anders. 10 Und solche Gedanken mehr dringen sich ganz ungebeten meinem Herzen auf und ich kann dann freilich nicht dafür, daß sich meines Wesens stets eine größere Ehrfurcht vor Dir bemächtigt! – – Ja, ich möchte es sogar behaupten, daß Du selbst als Gott nicht einmal so recht geschöpflich begreifen und wahrnehmen kannst, was ein schwaches Geschöpf fühlen muß, so es sich vor Dir befindet. Dir ist es sicher ein wahrer Spaß, vor Trillionen Deiner Geschöpfe zu stehen, und sie ganz frei nach Deiner göttlichen Lust zu lieben; aber wir Geschöpfe können das nur mit einem geheimen Ehrfurchtsschauer. 11 Wenn ich mir's getraute, wie ich's möchte, da könnte ich Dich freilich, wie man so zu sagen pflegt, rein zu Tode lieben und mich in Dich so ganz ordentlich hineinverbeißen. Aber – ja, da ist ein ungeheures aber dazwischen!« 12 Rede Ich: »Aber schau, schau, was du nun für ein grundgescheites Wesen bist; Ich werde bei dir schon noch müssen Unterricht nehmen; aber schau, schau, du furchtsames Lapperl, wenn Ich nicht fühlen könnte, was du als ein Geschöpf zu fühlen vermagst, so du vor Mir, deinem Schöpfer, stehest, von wem anderen könnte dir denn überhaupt ein Gefühl eingepflanzt sein? Schau! Ich habe dich ja ganz und nicht halb erschaffen! Aber Helenerl, jetzt hast du wohl einmal wieder einige Überbleibsel aus deiner Wiener Weisheit hervorgeholt! Schau, du Mein allerliebstes Helenerl, auf der Welt hast du öfter gesagt: Nur keinen schwachen Mann! Wenn der Mann nicht auf einen Streich einen Ochsen niedermacht, so möcht ich ihn gar nicht zu einem Manne. Aber nun hier im Geisterreiche möchtest du etwa gar einen fliegenschwachen Herrgott haben. 13 Schau, schau, zu was wär' denn so ein schwacher Herrgott gut? Der Herrgott muß ja allmächtig sein und über alles weise, sonst müßte Er ja samt dir zu Grunde gehen. Nun, was meinst du denn jetzt, bin Ich noch so fürchterlich oder vielleicht etwa doch nicht?« 14 Hier fängt die Helena wieder an zu schmunzeln und sagt nach einer etwas schämigen Weile: »Na, aber Du liebster, himmlischer Vater, kannst aber einem schon so zureden, daß man am Ende richtig alle übertriebene Furcht vor dir verlieren muß. Aber jetzt sollst Du von mir aber auch geliebt werden ohne Maß und Ziel.« – Am 18. Januar 1850 15 Sage Ich: »Nun so komm her an Meine Brust und mache deinem Herzen Luft!« Die Helena besinnt sich gar nicht mehr und fällt Mir an die Brust und bedeckt diese mit einer großen Masse von Freudentränen, Liebesseufzern und Küssen. Kapitel 160 Pater Cyprian mokiert sich beim Herrn über die Verliebtheit der Helena in Jesus. Doch die Liebe gibt dort den Rang an. Fluch des Liebeneides und der Liebeherrschsucht. Des Franziskaners Pfaffenrest macht ihm Not, des Herrn Hilfe 1 Als Helena eine gute Weile so an Meiner Brust in ihrer Liebe höchstem Enthusiasmus schwelget, so kommt der Pater Cyprian etwas näher hinzu und sagt: »No, no, ich glaube, die will Dich schon ganz allein besitzen! Was wird denn hernach auf uns überkommen? Diese Robertus-Gemahlin scheint Dich, o Herr, nicht nur über alles zu lieben, sondern sie ist in Dich ganz eisen- und nagelfest verliebt und das scheint mir denn doch ein bißchen zu viel zu sein. Siehe, die allerseligste Jungfrau und noch eine Menge hier anwesende seligste Jungfrauen und andere Frauen lieben Dich sicher auch über alles, aber solche Spanbonaden machen sie denn doch nicht. Du bist zwar der Herr, und ich werde Dir ewig nichts vorschreiben, aber etwas sonderbar kommt mir diese Geschichte doch vor, denn die verbeißt sich ja förmlich in Dich. Nein, so ein verliebtes Ding habe ich aber doch in meinem ganzen Naturleben und Geistesleben nicht gesehen. Sie gibt noch nicht nach.« 2 Rede Ich: »Gelt – das nimmt dich wunder, und es wandelt dich auch zugleich so ein kleiner Ärger an; aber Ich sage dir: Es ist nicht gut dem, der an Mir ein Ärgernis nimmt und wieder sage Ich dir's: Wer Mich nicht liebt wie diese Helena, wahrlich, der wird an Meinem Reiche einen ganz geringen Anteil haben! – 3 Liebtest du Mich auch wie diese, so würde dich ihre Liebe nicht ärgern und dir nicht übertrieben vorkommen; aber da du an der wahren Liebe viel ärmer bist denn diese da, so ist dir ihr großer Reichtum ein Dörnchen in deinen Augen und dich geniert darum ihre große Liebe. Aber was dabei Mich selbst betrifft, so sage Ich Dir, daß Mich ihre große Liebe nicht im geringsten geniert; aber deine Bemerkungen haben Mich wahrlich ein wenig zu genieren angefangen. 4 Daß da die Mutter Maria und noch eine Menge andere Weiber ihre innere, inbrünstige Liebe zu Mir nun hier im Paradiese nicht auf eine also offenbar auffallende Weise äußern, liegt der Grund darinen, weil sie als schon lange rein himmlische Wesen dieselbe Liebe innerlich in sich bergen, die diese Helena nun äußerlich erscheinlich kund tut. Nun weißt du genug und trete ein wenig in den Hintergrund, da sonst diese ihrem Herzen nicht den Mir erwünschtesten freien Lauf lassen könnte.« 5 Spricht der Franziskaner, noch ein wenig verweilend: »Herr! so aber mein Herz zu Dir in aller Liebe auch so heftig sich entzünden möchte, als wie das dieser Helena nun, werde ich da auch noch im Hintergrunde zu verbleiben haben oder verweilen müssen?« – 6 Rede Ich: »Die wahre Liebe ist hier der allein gültige Maßstab, nach dem es bemessen wird, wie nahe sich jemand bei Mir befinden kann. Hast du eine rechte, von allem Eigennutze freie Liebe, da bist du Mir auch am nächsten; je mehr Fünklein aber aus deinem Herzen emporsprühen, die da zucken nach Eigennutz, desto weiter kommst du dann von Mir zu stehen! 7 Siehe, die römischen Bischöfe halten nun Sitzungen auf der Erde über ihre kirchlichen Dinge, als da sind Geld, Ansehen, Konzessionen über noch weitere und fernere Verfinsterungen der Menschen; dazu treibt sie der Eigennutz und sie sind daher ungeheuer ferne von Mir, und ihre Sitzungen werden fruchtlos, und ihr Rat unnütz sein und bleiben, und das darum, weil sie sich ein Vorrecht bei Mir anmaßen, und Ich sage dir: diese sind die allerletzten. 8 Wer da vorgibt, daß er Mich liebe, ist aber dabei um Meine Liebe, über die Ich alleine Herr bin, andern neidig, der ist Mein Freund nicht und Meiner Liebe nimmer wert! Und wer da sagt: Nur durch diese oder jene bußfertige Weise kannst du dich der Liebe Gottes und durch sie des ewigen Lebens versichern, der ist ein Lügner und gehört zu seinesgleichen in die Hölle. Denn Ich bin ein Herr, und liebe, wen Ich will, und bin gnädig, wem Ich will, und mache selig, wen Ich will, und binde Mich nie an eine gewisse von herrschsüchtigen, ehrsüchtigen und selbstsüchtigen gemästeten Propheten erfundene, und die schwache Menschheit in schwersten Ketten aller Knechtschaft haltende Art und Weise. Wehe allen solchen, die Meine Liebe an die Menschheit auszuspenden – als dazu angeblich allein das Recht habend – sich erfrechet haben; ihr Recht solle ihnen bald ganz enorm verkürzt werden, und sie werden es ehestens mit allen Laternen suchen und doch keines mehr finden. 9 Und siehe, du Mein Freund Cyprian, gleich wie die römischen Bischöfe nun auf der Erde ihre löblichen Sitzungen und Beratungen halten, durch die sie nichts als bloß nur ihre alte Herrlichkeit, Macht und Glanz reserviert haben, während ihnen um das wahre Heil Meiner Völker noch bei weitem weniger gelegen ist, als dir um den Schnee, der 1.000 Jahre vor Adam der Erde gemäßigten Zonen ein weißes Kleid lieh, ebenso ist in dir auch noch etwas echt römisch-katholisches, das dieser Meiner lieben Tochter Meine Liebe beneidet und dein Herz deshalb mit einem geheimen Ärger erfüllet, und darum sagte Ich auch zu dir, daß du darob in den Hintergrund zurücktreten solltest, weil dein Neid und dein Ärger diese Meine liebe Tochter in ihrer Liebe zu Mir beirret. Aber gebieten will Ich es dir darum dennoch nicht, weil du vor Mir auch schon einige Proben von einer etwas geläuterten Liebe abgelegt hast. Kannst du bleiben, so bleibe; gestatten dir aber dein geheimer Neid und Ärger das Bleiben nicht, da gehe!« 10 Der Franziskaner macht dabei ein ganz trübes Gesicht und sagt so mehr bei sich: »Nein, so strenge hatte ich mir Ihn nimmer vorgestellt! Du mein Gott und mein Herr, was wird denn aus mir, so Er mir die Türe weiset. Ja, ja, Er hat ewig recht, an uns römisch-katholischen Pfaffen ist kein gutes Haar vorhanden. Aber was wird aus uns, was mit uns, so Er uns gehen heißt? In den Hintergrund solle ich zurücktreten; wo ist dieser? Was hat vor Gott dies ominöse Wort zu bedeuten? Aber ich kann ja auch bleiben, sagte Er auch. Bin ich aber auch geeignet zu bleiben? Bin ich frei vom Neide und Ärger? Nein, leider nein, ich bin noch stark ein Pfaffe, aber es soll, es muß anders werden! Ja, ja, der Herr sagte mir auch früher einmal, daß die Menschen ihrer Seele und ihrem Leibe nach aus dem gefallenen und gerichteten Satan sind und das entsprechend aus einem oder dem anderen Teile des Fürsten der Lüge; ich werde sicher aus dessen Hörnern sein, weil in meinem Herzen sich stets von neuem nichts als lauter abstoßendes Zeug beurkundet; und noch andere Dinge werden aus seinem bösesten Herzen selbst sein, weil sie aus nichts, als Neid, Geiz, Herrschsucht, Hochmut und aus noch einer Menge dergleichen Teufeleien zu bestehen scheinen. O Herr! treibe auch bei mir den Satan aus!« 11 Sage Ich: »Nun kannst du schon wieder hier beim Ludwig und seinem Freunde verbleiben; bespreche dich aber unterdessen mit deinem Kollegen Thomas und seinem Freunde Dismas, die werden dir das Teufelsrestchen schon austreiben!« – 12 Der Cyprian tut nun das viel heiteren Angesichtes; Ich aber berufe den Robert zu Mir. Kapitel 161 Wunderbare Verwandlung des Friedhofes in einen Himmel; der Engel bringt ein Sternenkleid für Robert; Robert erhält seinen neuen Namen »Uraniel«, der Herr gibt ihm einen »Landsmann«, den Sahariel als Führer in seinem Museum mit 1 Als der Robert schnell von übergroßer Liebe bemeistert zu Mir kommt und eine beinahe davidisch ausgelassene Freude darüber hat, daß seine Helena vor Mir so viel Gnade gefunden hat, da verschwinden auf einmal alle die Grabmäler, und an ihrer statt steigen mächtige Lichter empor, gleich aufgehenden Sonnen; und diese erheben sich in einer allerlieblichsten Ordnung, aufwärts und aufwärts schwebend, bis sie wie am hohen Himmelsgewölbe als stark leuchtende Sterne allererster Größe in den herrlichsten Gruppen Ruhe nehmen. 2 Nach einer Weile voll Staunens aller Anwesenden kommt aus der Höhe herabschwebenden Fluges ein sehr leuchtender Geist und bleibt auf derselben Stelle stehen, wo ehedem die bekannte Pyramide stand, ein himmelblaues mit vielen leuchtenden Sternen besetztes Faltenkleid in seiner Rechten haltend. 3 Alle die neuen Ankömmlinge überrascht diese Geschichte so, daß sie sich vor lauter Ehrfurcht kaum zu atmen getrauen; der Robert selbst, der sich erst vor wenigen Augenblicken vor lauter Heiterkeit kaum zu helfen wußte, steht nun ganz perplex, wie man sagt, vor Mir und getraut sich kaum die Zunge zu rühren, geschweige erst um etwas über diese Erscheinung zu fragen; nur die Helena, zwar auch voll Staunens, faßt den Mut und fragt Mich: »Was denn dies um Meinetwillen doch zu bedeuten hätte?« – 4 Und Ich sage darauf: »Siehe, Meine Tochter, dies alles kommt aus dem Fleische deines Roberts; und siehe der Engel dort hat daraus ein Gewand zusammengefaßt und hat es auf Mein Geheiß nun dem Robert wie aus den Himmeln überbracht. Zur Erreichung dieses Hauptzwecks hast aber du nun auch sehr viel beigetragen; denn die große Liebemacht deines Herzens half sehr das Fleisch auflösen und reinigen; und daher gehe du denn nun auch zu dem Engel hin und führe ihn hierher, auf daß er vor Meinen Augen das Himmelsgewand dem Robert überreiche und anziehe. Denn das ist schon ein wahres Kleid zum ewigen Leben.« 5 Die Helena, ganz entzückt über diese Erscheinung und noch mehr über Meinen erläuternden Antrag, eilt schnell zum leuchtenden Engel hin und bittet ihn, mit ihr zu Mir hin sich begeben zu wollen. Und der Engel zieht auch sogleich mit ihr zu Mir hin. Als er bei Mir anlangt, macht er eine ehrerbietigst tiefe Verbeugung und überreicht das Kleid freundlichsten Angesichtes dem beinahe vor Liebe und Ehrfurcht zerfließenden Robert, der sich aber auch in dem Augenblicke schon angekleidet erschauet, als ihm der Engel das Kleid überreichet. 6 Als Robert nun also mit dem Kleide der Unsterblichkeit angetan vor Mir stehet, frage Ich ihn, sagend: »Nun, Freund und Bruder Robert Uraniel! wie gefällt dir dieses Gewand ? und wie kommt dir überhaupt diese Verwandlung vor?« Spricht Robert Uraniel: »Herr, Du alleiniger der höchsten und reinsten Liebe vollster heiliger Vater! Ich habe es dann und wann schon auf der Erde, freilich nur ganz dumpf, empfunden, daß es im Verlaufe des reineren Lebens manchmal Augenblicke gibt, die des Menschen Zunge verstummen machen; ja selbst die Gedanken stehen stille, und können sich bei so manchen wunderbaren Begebnissen nicht um ein Haar breit weiter bewegen; und wollte man darüber auch etwas sagen, so findet man keine Worte. So es aber schon auf der gerichteten Erde solche Momente gibt, deren Außerordentlichkeit einem armen Sünder das Maul stopfen muß, um wie viel mehr muß das hier im Geisterreiche, wo sozusagen ein außerordentliches Wunder das andere verdrängt, der Fall sein. Daher wirst Du, o Herr, nun mir wohl vergeben, daß ich hier vor zu großer Freude und Liebe zu Dir nahe ganz sprachunfähig bin. Diese zu heilig erhabenste Sache ist zu plötzlich gekommen, als daß ich darüber mich sogleich fassen könnte, aber so Du, o heiligster Vater, mir eine kleine Weile zur nötigen Fassung gönnen wolltest, so werde ich dann über alles das doch etwa ein nüchterneres Wörtchen zu wege bringen.« – 7 Rede Ich: »Nun gut, so gehe du mit diesem Engel; er wird dir nun dieses ganze Museum als wirklich wahrhaftiges Museum zeigen; am Ende aber komme wieder hierher und sage es allen, was alles du in diesem großen Museum gesehen und gehört haben wirst; auf daß du aber desto eher mit der Mühe fertig wirst, so sollst du an der Seite dieses Meines Engels mit einer wahrhaft geistigen Bewegung wandeln; diese Bewegung aber ist jene Schnelle, von der du auf der Welt schon oft gesprochen hast, und nanntest sie des Gedanken Flug.« Mich an den Engel wendend: »Sahariel! siehe an deinen Bruder Uraniel, führe ihn durch diese Wunder seiner Seele und zeige ihm auch seine erste Erde, von der auch du ausgegangen bist! – Es sei, und es geschehe!« 8 Und der Sahariel spricht zum Robert Uraniel: »Komme Bruder, und schaue und lerne und bewundere des Vaters endloseste Weisheit!« Und sogleich erheben sich beide und verschwinden im Augenblicke vor den Augen aller, die hier als mit Robert Uraniel Neuangekommene anwesend sind. Kapitel 162 Die Reise zweier Engel durch das denkwürdige Museum im Hause Robert Blums. Helena, im intimsten Gespräch mit dem Herrn, und darf Ihn fragen, um sie Interessierendes: über Joh.21, 24+25; den Fall Luzifers und über die Hölle, ob und für wen sie ist? Am 24. Januar 1850 1 Es sieht sich aber auch die Helena nach dem Robert Uraniel um, und da sie ihn nirgends ersieht, so fragt sie Mich gar überaus sanft, wohin nun der Robert mag entschwunden sein samt dem Engel, der ihm das Sternengewand aus dem Himmel gebracht hat. 2 Ich aber frage noch sanfter die Helena, ob es ihr bange sei um den Robert Uraniel? – Und die Helena erwidert: »O Du heiligster, süßester Vater! wie könnte mir das sein an Deiner von der heiligsten, höchsten und reinsten Liebe erfüllten Brust? Wohin könnte Robert auch gelangen, daß er Deinen Augen unsichtbar würde? Wer aber im Lichte Deiner Augen wandelt, der verirrt sich sicher ewig nimmer und kommt wieder begleitet von einer heiligen Freudenträne aus Deinem Vaterauge; und begrüßt von seiner an Deinem Herzen ruhenden Liebe; o, er wird nun sehr viele und sehr große Wunder Deiner Allmacht, Weisheit und Güte schauen; und so er wiederkehren wird, was wird er uns, die wir in Deinem endlosen Geisterreiche noch ganz und gar nicht bewandert sind, alles für Herrlichkeiten zu erzählen wissen! – O das wird recht herrlich sein!« 3 Rede Ich: »Ja, ja, so wird es auch sein; aber was meinst du denn, könnte Ich dir unterdessen etwa nicht auch so einige sehr merkwürdige Wunderdinge erzählen, die vielleicht noch seltsamer wären, als jene, die du nun traulich vom Robert Uraniel erwartest; was meinest du da?« – 4 Spricht die Helena: »O liebster, heiligster Vater, das könntest Du freilich unendlichmale besser, als alle zahllosen Engel aller Deiner Himmel; aber darum Dich zu bitten – würde ich wohl ewig mir nicht getrauen. Denn Du bist da zu endlos groß, mächtig und heilig; und so Du mir etwas erzählen würdest aus Deiner höchst eigenen Gottesgeschichte, so würden wohl etwa Trillionen von Erdjahren erforderlich sein, bis ich etwa nur ein Wort aus Deinem Munde so recht in der Tiefe fassen könnte, obschon ich sehr neugierig wäre, von Dir dem Schöpfer aller Dinge, über so manches etwas zu vernehmen. 5 Von für mein Herz besonders hohem Interesse wäre es, von Dir zu erfahren, worin etwa doch das bestanden haben möchte, was Du, o Herr, mit Deinen lieben Aposteln nach Deiner heiligsten Auferstehung magst gesprochen haben, daß darüber der Evangelist Johannes sagte (Joh.21, 24+25): Du habest aber noch vieles mit ihnen geredet, was er nicht aufgezeichnet habe; denn hätte er es auch aufgeschrieben in viele Bücher, so würde sie die Welt doch nimmer fassen und begreifen mögen! Ich habe auf der Erde einst von einer lutherischen Freundin das Neue Testament zum Lesen bekommen, und muß es hier zu meiner Schande gestehen, daß mir nichts so sehr meine Neugierde unbefriedigt gelassen hat, als eben diese nun erwähnte Schlußbemerkung des Apostels Johannes. Ja, so Du, o heiligster Vater, mir darüber irgend eine Erleuchtung möchtest zukommen lassen; o da mußt Du ja ganz entsetzlich wunderbare Sachen Deinen lieben Aposteln kund getan haben.« 6 Rede Ich: »Ja freilich wohl, Du Meine liebste Helena; aber dieselben Sachen und Geschichten waren dir so großartig und tief, daß du sie auch in der Geisterwelt unmöglich fassen und begreifen könntest; aber es wird schon noch in der Kürze eine Weile kommen, wo du das alles sehen und verstehen wirst; denn in Meiner großen Himmelsbibliothek sind derlei Dinge allergetreuest und bestens aufbewahrt. Wenn du einmal zu dieser Meiner großen Bibliothek gelangen wirst, da wirst du ein vollkommenstes Evangelium zu lesen bekommen! Daher verlange du von Mir nun nur irgend eine andere Geschichte!« 7 Spricht die Helena; »O Du süßester Vater, so erzähle mir etwas von dem Falle des Luzifer; denn das ist auch so etwas, das mir auf der Welt stets dunkel geblieben ist.« – Rede Ich: »Meine Allerliebste! auch das wäre etwas zu früh noch für dein Herz; denn diese Geschichte würde dich zu sehr angreifen! Darum wähle dir lieber etwas anderes!« 8 Spricht die Helena: »O heiligster, liebster Vater! so sage mir denn, da Du mich schon aus deiner höchsten Liebe aufgefordert hast, Dich um etwas anderes zu fragen, was es denn da mit der Hölle, von der auf der Erde von den Geistlichen bei weitem mehr als von den Himmeln geprediget wird, für eine Bewandtnis hat und wer so ganz eigentlich in die Hölle kommt. Oder gibt es eine Hölle oder gibt es keine? Denn sieh, Du liebster und heiligster Vater und Herr und Gott Jesus! ich war auf der Welt doch gewiß schlecht genug, ein schlawutziges Wiener Früchtl, wie man nur eines suchen kann; 10.000 Liguorianer, so sie mich gekannt hätten, samt dem Papste und samt allen anderen Geistlichen hätten mich ohne alle Gnade und Barmherzigkeit in die Hölle festweg verdammt; ich muß es wahrlich jetzt noch zu meiner großen Schande eingestehen, daß ich sie deshalb gar nicht einmal eines Unrechtes in meinem Herzen hätte beschuldigen können; und trotz aller meiner Schlechtigkeit bin ich nun dennoch seligst hier bei Dir, mein Gott und mein Herr! Und so dürften noch so manche hier in Deiner heiligsten Gesellschaft sich des ewigen seligsten Lebens freuen, von denen auf der Erde so mancher Erzpapist sagen würde: Nein, das ist denn doch zu arg! Diese Kerls sind denn doch schon sogar für die Hölle zu schlecht; und siehe, sie sind hier in Deinem Heiligtume, freuen sich ihres Daseins, und loben in ihrem Herzen nun zarten Lämmern gleich Deine unendliche Güte, Weisheit, Macht und Stärke! Wie schlecht müssen sonach jene sein, die da in die Hölle kommen, so es überhaupt eine gibt!« 9 Rede Ich: »Meine allerliebste Helena! sieh', diese deine Frage ist nicht ganz ohne Interesse und die Beantwortung wird nicht ohne Nutzen sein; aber anstatt dir darüber ein Langes und Breites zu erzählen, werde Ich dir so ein höllisches Individuum vorführen lassen, das nun gerade auf dem Sprunge ist, in die Hölle zu kommen, und auch sicher und zwar in die unterste Hölle kommen wird. An diesem argen Wesen wirst du am allereinleuchtendsten ersehen, wer so ganz eigentlich in die Hölle kommt! Denn es gibt eine Hölle, die in 3 Grade geschieden ist; und da ist der unterste der allerschlimmste; und du wirst Mich dann loben, so du ersehen wirst, wer, wie und warum – in die Hölle kommt. Fürchte dich aber nicht; denn der Arge wird sogleich da sein.« Kapitel 163 Der Herr beauftragt Petrus und Paulus, den Kado, einen alten, sehr intelligenten Raubmörder herbeizubringen. Szene mit Kado, einem frechen Teufel, vollreif für die unterste Hölle (bis Kapitel 187 und dann von Kapitel 191 bis 194). Die guten Heilslehren von Petrus an den Kado Am 27. Januar 1850 1 Ich berufe darauf Petrus und Paulus zu Mir und sage zu ihnen: »Ihr beiden gehet hin und bringt Mir den Kado, der vor 14 Erdtagen in diese Welt kam, hierher; es ist für's erste sein Wunsch und für's zweite, damit diesen neuen Brüdern auch der leiseste Schimmer von der Meinung benommen werde, als stecke da hinter Mir trotz aller Meiner Liebe etwas Despotisch-Tyrannisches. Also gehet hin und bringet ihn!« – 2 Die beiden verschwinden nun urplötzlich und sind aber in diesem Moment auch schon bei dem berüchtigten Kado. Als sie sich also wie aus den Wolken gefallen plötzlich bei ihm befinden, so prallt er förmlich zurück und schreit: »Alle Teufel! was sind denn das für zwei Bestien mit Menschen-Larven? Wahrscheinlich so ein paar lumpige, arme Schlucker schon wieder! O du verfluchtes Bestienvolk, das wird mich noch an den Bettelstab bringen!« 3 Spricht Paulus: »Freund! wir kommen nicht, um von dir irgend ein Almosen zu erbetteln oder irgend ein Geld zur Leihe zu nehmen; denn dergleichen bedürfen wir nicht, da uns ohnehin alle Schätze der Himmel und der Erde zu Gebote stehen; aber etwas anderes haben wir mit dir vor, was dir viel heilsamer wäre, denn alle Schätze der Erde, und das besteht darin, dich, so noch möglich vor dem ewigen Tode in der Hölle zu retten. Denn du warst auf der Erde ein vollendeter Teufel in Menschengestalt, und sonach ein schon ganz höllisches Wesen und stehest nun in der Geisterwelt auf dem Sprunge zur untersten Hölle und eigentlich deinem Inneren nach schon lange in ihr; so du es aber nun noch willst, so haben wir die Macht und das Vermögen, dich davon zu retten; aber du mußt uns folgen und alles das willigst tun, was zu tun wir dir anraten werden.« 4 Spricht Kado: »Was! – was – was – faselt ihr zwei Hauptspitzbuben da?! Bin ich denn je gestorben? Bin ich nicht mehr auf der Erde etwa im Besitze aller meiner Güter, meines Goldes und Silbers? O ihr feinen, schwarzen Jesuitenkanaillien! auf welch eine feine Art ihr mir einige Goldstücke herauslocken möchtet für einen Himmel, den es nirgends gibt und mich erretten von einer Hölle, die nichts als eine Erfindung hungriger und arbeitsscheuer Pfaffen ist. Sehet, daß ihr weiter kommet, sonst rufe ich alle meine Hausteufel zusammen und lasse euch mit meinen bösesten Hunden hinaushetzen. Da schaue man einmal solche Lumpen an! Von der Hölle retten und den Himmel verschaffen könnten sie einem um's Geld! Schaut's, daß ihr weiter kommet, sonst werde ich euch sogleich Himmel und Hölle austreiben!« 5 Spricht Paulus: »Freund! solche Rede aus deinem Munde ficht uns nicht an, und, wie du es leicht merken kannst, wir haben keine Furcht vor dir; aber das sei dir gesagt, so du uns nicht gutwillig folgest, da wirst du unsere Gewalt zum Verkosten bekommen; denn für das ist schon gesorgt, daß dir auf dein Rufen keine Teufel zu Hilfe kommen und deine bösen Hunde uns nicht beißen werden. Wir wissen es übrigens sehr wohl, wie du auf der Erde zu deinem großen Reichtum gekommen bist; da waren wohl eine schwere Menge hungriger Teufel in deinen Diensten und ein Heer großer, reißender Hunde umlagerten dein Schloß, fielen Reisende an, hielten sie fest, bis deine Hausteufel kamen und sie um ein bedeutendes Lösegeld von den Bestien befreiten; wohl bist du öfter angeklagt worden; aber die Kläger richteten nichts aus, weil die Richter in deinem Solde standen! O wir könnten dir von deinen Räubereien vieles erzählen, so hier der Ort dazu wäre; aber am rechten Orte wirst du deine unmenschlichsten Greueltaten alle vor dir erschauen und es wird sich da zeigen, ob du vor ihnen einen Abscheu und eine wahre Reue bekommen wirst. Wirst du das, so bist du noch zu retten; wirst du aber das nicht, so ist die unterste Hölle dein Anteil! – Und nun komme mit uns gutwillig, sonst werden wir Gewalt gebrauchen!« 6 Schreiet Kado: »Ihr Hunde! ihr wollt mir Gewalt antun; alle Teufel herbei! Wir wollen sehen, wie weit ihr mit eurer Gewalt ausreichen werdet!« Er harret eine Weile unter gräßlichem Zähneknirschen auf seine Hausteufel; aber es kommt niemand und kein Gebell irgend eines Hundes läßt sich von irgend woher vernehmen; auch sein Schloß, das er bisher noch immer, wie auf der Welt, als sein vermeintliches Eigentum vor sich sah, samt den Gärten und Äckern, Wiesen und Waldungen, fängt an sich ganz neblig zu gestalten und zu verrinnen gleich einer Eisrosette auf einer Glasscheibe, so sie von einer erwärmten Luft bestrichen wird. 7 Als er solches nur zu ersichtlich zu merken beginnt, da schreiet er auf: »Verrat, Verrat, ihr elenden Hunde, ihr habt mir etwas angetan, fort mit euch! Weichet von mir, ihr Hunde! Bei allen Teufeln; ich will euch nicht folgen; ihr seid ein paar Zauberer; ihr habt meine Sinne verhexet, meinen Augen habt ihr Gift eingestreuet! Hinweg, hinweg von mir, ihr Höllenhunde!« – 8 Bei diesen letzten Ausrufen aber befindet sich Kado schon vor Mir und der Helena, wie auch vor allen den anderen Gästen, ohne aber außer Petrus und Paulus uns zu sehen, die Helena erschrickt vor ihm, indem er vor Zorn förmlich glüht und dampft; aber Ich stärke sie, daß sie ihn ruhiger betrachten und behorchen kann. Ich aber gebe nun Petrus den Wink, mit dem Kado einen Bekehrungsversuch zu machen und ihn auf Augenblicke paradiesische Partien schauen zu lassen. 9 Petrus beginnt sogleich äußerst weise gar sanfte Worte an den Kado zu richten und sagt: »Freund Kado, sei vernünftig! sieh', die Erfahrung aller Zeiten muß dich ja belehret haben, daß auf der Erde alle Güter eitel und nur zu sicher und zu bald vergänglich sind und daß am Ende der Reichste, wie der Ärmste das ganz gleiche Los des Sterbens miteinander vollends ungeschmählert teilen; alles Fleisch muß sterben, wie alle Materie vergehen; nur der inwendige Geist bleibet unverwüstbar. Sieh, du bist gestorben dem Leibe nach und lebest nun nur in deiner mit Geist erfüllten Seele unverwüstbar fort; hänge daher nicht mehr an dem, was für dich wie für jeden, der das Zeitliche verlassen mußte, für ewig vergangen ist. Bekenne aber deine großen Weltschulden vor uns und wir wollen für dich Zahler sein und dich dann aufnehmen in unsere bessere, wahre und für ewig beständige Welt, in der es dir ewig nimmer an was immer gebrechen solle. Da sehe hin gen Morgen; alle jene herrlichen Ländereien und Paläste sind unser und du sollst sie haben; aber deine Schulden mußt du uns bekennen, auf daß wir sie auf uns nehmen können!« Am 30. Januar 1850 10 Kado sieht flüchtig gen Morgen hin und beschaut die herrlichen Ländereien; nach einer Weile sagt er ganz höhnisch: »Wisset, Mäuse und Ratten fängt man am leichtesten vermittelst eines Köders und so manche Narren zahlen ein doppeltes Entree ins Theater, so ihnen ein Döbler Nebelbilder zeigt; aber so ein dummer Hecht bin ich nicht, daß ich sogleich in die Angel bisse, so an deren Spitze statt einer Goldmücke ein Pfifferling steckt. Glaubst du, dummer Tagdieb, ich werde deinem Blendwerke irgend einen Beifall zollen? O da bist du in großer Irre! Ich weiß es, was und wer du bist und kenne auch mich sicher sehr genau; so ich nun außer dem Leibe bin, da bin ich um so freier, und werde tun, was mich freuet; aber ein dummer Jude wird mir nie ein Wegweiser sein; verstehst du dieses? Dümmster Esel! so du schon solch eine Macht besitzest, mittelst welcher etwa gar alle Berge der Erde vor dir sich verneigen müssen, was hast du denn nach meinen Schulden auf der Erde zu fragen? Bist du so allmächtig und allweise, so wirst du ja doch auch irgend von woher schon lange erfahren haben, worin sie bestehen! Sehe sie an und berichtige sie dann auch, wenn du schon so eine Lust zum Schuldenzahlen für andere hast. Was geh'n dich aber überhaupt meine Verbrechen an? Habe ich dich denn um deine je gefragt? Schauet, daß ihr bald weiter kommet, sonst werdet ihr an mir den rechten Teufel finden! Hab' ich euch etwa angerufen gleich irgend einer alten Betsau? Nein, das tut ein Kado, der Schrecken der Wüste Armeniens, nimmer! Denn Kado ist mehr, als was ihr dummen Schöpse euch von eurem Gott Abrahams, Jakobs und Isaaks eingebildet habt. Kado ist ein Herr und die Erde bebt vor seinem Namen; aber euer Jehova ist ein Bettler und ein Hauptpfuscher in allen Dingen. Glaubst du, ein Kado kennt etwa den Jehova nicht und seine ans Kreuz gehängte Jesuspfuscherei? O ein Kado kennt alles, sogar seine ganze Lehre kennt er besser als du, der du sein Fels hättest sein sollen für alle Zeiten; aber der Fels ist anstatt aus der festen Steinmasse aus der Schafsbutter angefertigt worden und daher auch zerronnen; und somit ist von diesem Felsen auch nichts anderes übrig geblieben bis auf diese Zeiten, als dessen nichtssagender Name und eine Menge hölzerner Statuen, Bilder und falscher Reliquien! Du bist der Peter und dein Begleiter ist der etwas gescheitere Paul, Saul oder Faul; der letzte Name dürfte der ganz richtige sein. Saget mir lieber, was es denn da mit eurem Meister, also in dieser Geisterwelt, für eine Bewandnis hat. Richtet er noch fleißig die Toten und die Lebendigen? Ist er auch so dumm, als wie ihr es da seid?« 11 Spricht Petrus: »Der hat uns eben an dich abgesandt, auf daß wir dich vor dem ewigen Untergange erretten sollen!« – Spricht Kado: »Warum ist Er denn nicht lieber selbst gekommen? Er hat sich vielleicht bei den jetzt sehr häufig vorkommenden Gerichten verkühlt, und hat darauf einen Schnupfen bekommen, und wird jetzt nicht ausgehen können; daher hat Er euch als seine wahrscheinlich ersten Gesellschafter, die sich schon durch ihren warmen Hauch bei seiner Geburt um Ihn verdient gemacht haben, an mich abgesandt, auf daß ihr auch mich erwärmen sollet durch euren starken Atem. Aber der Kado ist kein Schaf, als wie es der zu Bethlehem in einem Schafstalle geborene Messias der Juden war, darum ihm dann auch seine Landsleute am Kreuze ihre Ehre bezeuget haben. O ihr dummen Schöpse! Meinet ihr denn, daß ein Kado auch so dumm ist und läßt sich bei der Nase herumziehen, als irgend ein hungriger Jude? O weit geirrt, meine lieben Schafe Gottes. Der Kado ist ein Löwe und ewig nimmer ein Gottesschaf. Versteht ihr das? So ihr zu eurem Meister kommet, so richtet Ihm einen schönen Gruß aus von mir, und saget Ihm, daß es mir sehr leid tut, daß er auf der Erde kein Kado, sondern ein ganz gemeines Schaf war.« 12 Spricht Petrus: »Freund! auf diesem Wege wirst du nicht weiter kommen! Dieser dein Weg führt zur Hölle und zur ewigen Qual aus dir selbst; denn du bist verdorben bis in die innerste Faser deines Lebens! Damit du aber weißt, wer nun Jesus der Gekreuzigte ist, war und ewig sein wird, so sage ich es dir, als einer seiner getreuesten Zeugen: Er ist Gott, der Einige und Alleinige, der Ewige, ein Herr und Meister, heilig in der ewigen Unendlichkeit! Er allein kann dich erhalten, aber auch fallen lassen für ewig! Sehe noch einmal hin gen Morgen den Himmel offen; sehe aber auch gen Mitternacht der Hölle Rachen weit aufgetan! Wohin willst du ziehen? Kein Gott wird dich richten, und kein Engel, und wir beide auch nicht; aber dein Wille sei dein Richter!« 13 Spricht Kado: »Also dort der sogenannte Himmel, und da gegen Mitternacht die romantische Hölle? So, so, das ist sehr schön! Was kostet denn dieses von euch hergezaubertes Spektakel? Ihr seid ja ein paar Magier non plus ultra. Saget mir, ist die Hölle alter jüdischer Fasson oder neu-römisch-katholisch, griechisch, türkisch oder ostindisch? Der Himmel ist persisch.« 14 Spricht Petrus: »Kado, Kado! du bist ein frecher Geist und treibst einen schnöden Unfug mit der unendlichen Güte und Erbarmung Gottes. Sieh', wir sind dir überaus wohlwollend gut und bereit dir jeden wahrhaft nach der Ordnung Gottes ersprießlichen Dienst zu leisten, haben dich noch mit keinem nur einigermaßen harten Worte beleidiget, außer daß wir dir zeigten, wie es der Ungerechtigkeit Gottes gegenüber mit dir stehet; und du bist wie ein wütender Tiger gegen uns blutdürstigst entbrannt! Warum denn das, Freund? Sei doch gegen uns in deiner nur zu außerordentlichen Ohnmacht (einsichtig), wie wir im Besitze aller Macht aus Gott gegen dich sind und wir werden uns leichter verständigen, als dies bisher der Fall war. Glaube es mir, der ich dich durch und durch kenne, daß es mit dir wahrlich äußerst schlecht stehet; nicht etwa von uns aus, sondern von der bösesten Liebe deines Herzens aus! Du kannst dir ewig nimmer helfen; denn zu verdorben ist dein Herz; aber so du vor uns alle deine Missetaten bekennest und dadurch dein Herz vor uns auftust, so setzest du uns dadurch in den Stand, daß wir dein Herz ausfegen können; verschließest du es aber stets mehr vor uns, so wird dein arger Unflat im Herzen erstarren und es wird dann nimmer möglich sein, dich zu erretten vor dem ewigen Tode! Kado, bedenke doch diese heilsamsten und sicher freundlichsten Worte!« 15 Spricht Kado: »Ich bitte euch, ersparet euch jede fernere Mühe und ärgert mich nicht vergeblich! Habt ihr es denn nie gehört, daß jene, die schon von Kindheit an gewohnt sind zu herrschen, nimmer gehorchen können und wollen? Ihr könnet von mir nur im Wege meiner Gnade und Großmut etwas erreichen, aber auf dem Wege eures gut sein sollenden Rates werdet ihr ewig nichts von mir erreichen; denn ein rechter König darf sich niemals raten lassen, so er für alle Zeiten sein gebieterisches Ansehen behaupten will; er muß allezeit herrschen.« Kapitel 164 Fortsetzung der Szene mit Kado. Das teuflische Wesen Kados; von der göttlichen Gerichtsordnung; es gibt auch für Teufel nur eine selbstgeschaffene Hölle. Helenas Vorschlag eines geeigneten Gerichtes für arge Seelen. Ein letztes Wort an Kado, danach sein Streben in die Gesellschaft seiner höllischen Sphäre zu kommen Am 1. Februar 1850 1 Spricht darauf abermals Petrus: »Aber du warst doch dein ganzes irdisches Leben hindurch kein König, wie kannst du da vor uns sagen, daß du schon von der Wiege an zum Herrschen geboren gewesen wärest? Du bist nichts als ein Beduinenhäuptling gewesen und das nur in den letzten Jahren deines Lebens; früher warst du ein Schafhirte, und danebst ein getreuer Helfershelfer deiner löblichen Vorgänger und bist erst durch die schmähliche Heirat mit der ältesten Beduinenhäuptlingstochter zum Häuptlinge erhoben worden. Du hast somit auf der Erde gar lange blindlings gehorchen müssen, und hast erst in den letzten Jahren deines Lebens, wie ich schon eher bemerkt habe, eine höchst schnöde Art von einer Herrschaft über dein allerlumpigstes Räubergesindel ausgeübt und über deine echten Bluthunde; und so meine ich denn, daß dir das Herrschen eben nicht in dem Grade möchte angeboren sein, als wie du es uns ehedem gesagt hast!« 2 Spricht Kado: »Das ist gleich, was ich nicht will, das will ich durchaus nicht! und ihr möget selbst Götter sein, so werdet ihr mich doch so lange nicht auf eine andere Idee bringen, als bis ihr mir ein anderes Herz und einen anderen Willen einhauchen werdet! Glaubet ihr denn, daß ich die Hölle fürchte? O, da irret ihr euch sehr an mir! Einem allmächtigen Gotte gehorchen kann ein jeder feige Esel; aber einem allmächtigen Gotte den hartnäckigsten Trotz bieten und alle Seine Weisheit zu Schanden machen, das kann nur ein starker Geist, der keine Furcht kennt, auch vor einem ewigen Schmerze in der ärgsten Hölle nicht; werfet mich in ein kochendes Erz und ich werde euch im höchsten Brandschmerze dieselbe Antwort erteilen, die ihr nun hier vernommen habt. Denn groß ist der Geist, der seinen Schöpfer verachten kann, auch unter den größten Schmerzen; denn welchen Dank solle ich dem Schöpfer auch schuldig sein? Ich bin nur dann gegen jemanden Dankes verpflichtet, so er mir das tat, um was ich ihn ersucht habe; den Schöpfer aber habe ich sicher nie ersucht, daß Er mich hätte erschaffen sollen; Er hat es eigenmächtig getan. Es ist dann Schande genug für Seine angepriesene höchste Weisheit und Macht, daß Er an mir eine barste Pfuscherei von einer Schöpfung zuwege gebracht hat. Oder vielleicht muß ich wegen der Erhaltung des Ganzen gerade so sein, als wie ich bin; und ihr werdet daher weder auf die eine und noch auf eine andere Art mit mir was ausrichten. Sehet daher, daß ihr weiter kommet.« – 3 Hier wird Kado ganz schwarz und seine Gestalt wird enorm häßlich, so daß sich die Helena recht sehr zu fürchten anfängt; seine Augen fangen an wie die eines wütenden Hundes glühend zu werden und er macht Miene, die beiden anzufallen; aber Petrus sagt zu ihm: »Im Namen Jesus des Gekreuzigten gebiete ich dir, daß du dich vor uns ruhig verhaltest, sonst sollst du alsbald die Schärfe des Gotteszornes zum Verkosten bekommen, als wie bald du es wagetest nur einen Finger gegen uns emporzuheben.« 4 Kado bebt nun vor Wut und wird in seinem Innersten ganz glühend, äußerlich aber aller Kleidung bar. So steht er häßlichsten Anblickes vor uns, ohne uns jedoch ansichtig werden zu können. 5 Ich frage nun die Helena und sage: »Nun, Meine geliebteste Tochter, was sagst du zu dieser Seele? Findest du, daß von Meiner Seite auch nur im geringsten etwas unterlassen oder unternommen worden sei, was nicht auf ihre Beseligung beabsichtigt wäre? Du sagst Mir in deinem edelsten Herzen ein gewichtigstes Nein! Und also ist es auch; es ist bei diesem Geiste alles aufgeboten worden, was nur immer als ein Meiner Liebe entsprechendes sanftes Mittel gedacht werden kann; aber, wie du dich nun selbst überzeugt hast, ohne den geringsten Erfolg. Dieser Geist wurde sozusagen auf den Händen getragen; starke Engel wurden zu seiner Bewahrung beordert; aber sein Wille, der frei bleiben muß, war stets mächtiger als Meine Liebefesseln, die Ich ihm durch die mächtigsten Engel anlegen ließ; er zerriß sie alle und spottete ihrer allezeit gräßlich. Es fehlte ihm nicht an der Erkenntnis; er kennt jeden Buchstaben der Schrift und hatte sogar das Vermögen, mit der gesamten Geisterwelt zu korrespondieren; er kennt Mich und Meine Göttlichkeit und kann doch Meiner spotten, für ihn ist jeder Herrscherstuhl ein Fluch, so er ihn nicht sein nennen kann, jedes Gesetz ist ein Greuel für ihn, das nicht er gegeben; er kennt nur seinen Willen, und der Wille eines anderen ist für ihn ein Verbrechen, das er nie zur Genüge rächen könnte! – Sage Mir, was kann da Meine Liebe noch ausrichten bei solch einem Wesen?« 6 Spricht die Helena: »Ach du großer, lieber, heiliger Vater! so ein Wesen verdient denn doch eine fernere Gnade nimmer von Dir, wohl aber solange eine gerechte Züchtigung, bis es nicht mehr sich als etwas zu sein dünken, sondern in aller Demut zum Kreuze kriechen wird.« – 7 Rede Ich: »Wäre alles recht, so die Züchtigung als von Mir ausgehend nicht auch schon ein Gericht wäre. Denn so Ich irgend die Menschen ihrer großen Bosheit wegen züchtige, so muß die Züchtigung ja so gestellet sein, daß sie soviel als nur immer möglich als eine natürliche Folge der Böswilligkeit erscheint, gleich als so sich jemand einen Schlag versetzt, der darauf folgende Schmerz als eine notwendige und ganz natürliche Folge sich darstellen muß, obschon eigentlich von Mir ursprünglich die Natur schon so eingerichtet ist, daß der Schlag auf das Fleisch einen Schmerz nach sich ziehen muß, weil er eine Sünde gegen die bestimmte Ruhe des Fleisches ist. Und so muß jede von Mir ausgehende Züchtigung beschaffen sein, wenn durch sie die Freiheit des Geistes und der Seele nicht untergraben werden solle. 8 Also aber darf auch bei diesem argbösen Geiste keine andere Züchtigung angewendet werden, als die er sich selbst aus seinem höchst eigenen bösen Willen aus der Ausgeburt seiner Liebe geben wird. So er dann aus solch seiner eigenen Schöpfung des Schmerzes satt bekommen und sich gewisserart selbst ersticken wird in seiner Wut, dann erst wird es wieder möglich sein, sich ihm auf einem gelinderen Wege zu nahen. Er kommt somit nach und nach in die unterste und allerärgste Hölle, aber nicht etwa von Mir dahin verdammet, sondern durch sein eigenes Wollen; denn er erschafft sich diese Hölle selbst aus seiner Liebe, was aber jemandes Liebe ist, das ist auch sein Leben und dies darf ihm ewig nimmer genommen werden.« 9 Spricht die Helena: »Aber Herr, Du allein die wahrste und vollkommenste Liebe und Erbarmung! so er aber dann in solcher seiner allerbösesten Liebe für ewig verharret und Dir zum Trotze lieber ewig das Ärgste und Gräßlichste erleidet, als seinen starrsten Willen zu beugen unter Deinen allersanftesten; was dann mit solch einem Geiste? Wäre denn bei solchen gar argen Geistern nicht ein glimpfliches Gericht in eine vielleicht recht sehr nützliche Anwendung zu bringen? Der Geist würde sich mit der Zeit vielleicht daran gewöhnen und am Ende aus solch einer Gewohnheit eine Tugend machen, wie es zu Zeiten auch schon auf der Welt der Fall war. 10 Zum Beispiel eine Dirne findet Versorgung in einem eingezogenen Hause mit der streng gemessenen Weisung, sich von der Zeit ihrer Aufnahme so zu betragen, als wäre sie einem strengen Kloster einverleibt geworden! Und sieh, o Herr, das ist für eine rechte Nachtwandlerin sicher ein kleines Gericht; sie überlegt sich die Sache wohl eine Weile; aber da der Vorteil eines guten geregelten Lebens doch sehr anspricht, so läßt sie sich gerne das Gericht gefallen, gewöhnt sich endlich an die Ordnung und wird darauf eine ganz züchtige Person und bleibt und stirbt dann auch als solche! Und so meine ich denn, daß sowas vielleicht bei diesem Kado auch der Fall sein könnte.« 11 Rede Ich: »Ja, Meine geliebteste Hellena, siehe, das ist bei diesem Geiste schon vielfältigst unter allerlei Modalitäten angewendet worden, aber leider allezeit ohne den allergeringsten Erfolg, wie Ich es dir schon früher bemerket habe; und so bleibt uns nun nichts mehr übrig, als ihn ganz sich selbst zu überlassen; will er durchaus die Hölle, gut, so genieße er sie denn auch in aller Fülle; denn dem, der etwas Böses selbst will, geschieht auch für die nimmer endende Ewigkeit kein Unrecht! Wer in der Hölle verharren will, der verharre! Ich werde keinen bei den Haaren herausziehen wider seinen Willen. So ihm die Geschichte denn doch etwa einmal zu derb wird, da wird er dann schon von sich selbst auch einen Weg daraus bahnen; macht ihm aber die Hölle eine Freude, ist ihm die ewige Nacht lieber, als das ewige alles beseligende Licht, so freue er sich dessen, was ihm Freude macht. Bist du damit einverstanden?« 12 Spricht die Helena: »Herr, du bester Vater! jetzt vollkommen; habe auch ich gar kein Mitleid mehr mit solch einem allerdümmsten Esel! Aber was wird mit diesem wahrhaft dümmsten Teufel denn jetzt geschehen?« – Rede Ich: »Das wirst du nun gleich sehen: Ich werde nun den zwei Aposteln den Wink geben, ihn völlig frei zu lassen, und ihn – aber nur in seiner Sphäre – tun lassen, was er will; und da wirst du dann schon sehen, was da mit diesem Geiste es für einen weiteren Vorgang nehmen wird.« 13 Ich gebe nun den beiden den vorbezeichneten Wink, und der Petrus sagt zu dem Kado: »Da wir beide uns nun zur vollsten Genüge überzeugt haben, daß du dich durch uns, die wir von Gott dem Herrn an dich abgesandt worden sind, nicht willst für die Himmel Gottes vorbereiten lassen, so gehe von hinnen und tue, was dir Freude macht! Denn das will auch dein Gott und unser Gott Jesus Jehova Zebaoth. Von nun an wird Gott keine Boten mehr an dich absenden. Wir beide waren die letzten!« – Nach diesen Worten werden die beiden für ihn unsichtbar, obschon er allen Anwesenden gar wohl sichtbar bleibet, wie auch vernehmbar mit jeglichem Gedanken und Worte. 165.1 Als Kado sich nun allein befindet, so sagt er bei sich: »Dank der Hölle, daß ich diese beiden faden Luder endlich einmal los geworden bin. Ha, da seh' ich ja Bekannte, mehrere meiner Gesellen, ja sogar meinen einstigen Prinzipal. No, das wird ein Jubel sein, so wir zusammen kommen werden und uns gar leicht wieder erkennen. Sehen doch noch alle wie auf der dummen Welt aus!« Kapitel 165 Fortsetzung der Szene mit Kado in der Hölle. Des Herrn Hinweise über Wesen und Grund in der Hölle, wie die Saat, so die Ernte, und über die in der Schöpfung nötigen Extreme und wie daselbst die zugelassene Qual der Hölle auch Gnade ist und zur möglichen Umkehr führt Am 5. Februar 1850 2 Die Schar nähert sich ihm stets mehr und mehr, und sein vormaliger Prinzipal, ihn erkennend, stürzt mit grausamer Hast auf ihn los, packt ihn an der Kehle, und schreiet fürchterlich pfeifend: »Ha! Schurke, elender Hund! bist du einmal hier, damit ich dir's zahle für das, daß du durch ein schändlichstes Mittel dir meine Königstochter zum Weibe zu verschaffen dich erfrechet hast. Warte, du elender Schurke der Schurken, diese Schmach sollst du mir nun in einem Schwitzbade büßen, daß dir darob das Hören und Sehen für ewig vergehen solle. Ich hatte viel auszustehen, unbeschreibliche Schmerzen sind mir hier zugefügt worden, durch Flammen und Glut, aber keiner ärger als der, daß ich hier im Orte der Qualen und Schrecken erfahren mußte, daß ein elendster gemeinster Hund meine erhabendste Königstochter sich zum Weibe gemacht hat. Aber dafür sollst du Hund mir nun auch auf eine Art gezüchtigt werden, wovon der ganzen Hölle noch nie etwas geträumet – hat.« 3 Auf diese Worte macht der Ludwig Bathianyi folgende Bemerkung zum Dismas, Pater Thomas und dem General: »No, das ist ein sehr löblicher Empfang, ganz gehorsamer Diener! Der König Prinzipal scheint auch ein ganz verzweifelt starker Kerl zu sein; denn der Kado kann, trotz alles seines ernstlichen Ringens, aus den mächtigen Krallen seines Prinzipals sich nimmer loswinden. Nun kommen auch wahrscheinlich seine alten Helfershelfer herbei, und o verflucht! nein, da vergeht wahrhaft dem beherztesten Geiste buchstäblich das Hören und Sehen. Mit ganz glühenden Stricken umwickeln sie ihn nun, wie die Spinne mit ihrem zähen Fadenschleime eine Fliege, die sich zufällig in ihr Netz verirret hat. Kado raucht nun von allen Seiten und schreiet erbärmlich um Hilfe. O Herr, das ist gräßlich! Da, da, sehet hin, wie sie ihn vor sich nun stoßen und hinwälzen wie einen Glühknäuel, und dort im finstersten Hintergrunde sehe ich einen Thron wie von ganz weißglühendem Metalle; gegen diesen Thron wälzen sie stets heftiger den sehr zu bedauernden Kado-Knäuel! Was wird denn da geschehen? Sollte etwa da das verheißene Schwitzbad sein? O verflucht! Herr! gar sehr bitte ich dich, vergebe mir meine Sünden! Aber das ist zu arg; sie stellen ihn richtig auf den Thron hinauf, von dem nun von allen Seiten her lichterlohe Flammen schlagen, und er wird extra noch mit glühenden Ketten an den Thron gefesselt; und dies schaudererregendste Schmerzgeheul von Seite des geknebelten Kado! Herr! willst Du mir soviel Macht einräumen, daß ich hingehe, und den Kado frei mache? Und da, da sieh! nun kommen andere mit glühenden Spießen und fangen an ihn von allen Seiten zu durchstoßen; von jeder Wunde fließt eine gräßlich dampfende Glühmasse. Herr! ich bitte Dich um alles, was Du willst, gebe mir Macht, und laß mich hineilen, zu befreien diesen wahrhaftigst ärmsten Teufel.« 4 Rede Ich: »Lasse du das gut sein, und sei froh, daß zwischen uns und ihnen eine unübersteigliche Kluft gestellet ist, sonst würden auch die Auserwählten zur Qual kommen. Warte aber nur ein wenig ab; es wird diese Sache bald ein ganz anderes Gesicht bekommen; denn der zu große, allerunausstehlichste Schmerz wird den Kado bald zum Meister seiner Fesseln machen, dann wirst du den zweiten Akt eines höllischen Dramas zu Gesichte bekommen.« 5 Spricht der Bathianyi: »O Herr! ich bin schon mit diesem über alle Maßen zufrieden, und wie ich's aus allen Gesichtern lese, auch alle anderen hier Seienden. Auch die allerliebste Helena scheint mehr als genug zu haben.« – Spricht die Helena ganz erschüttert: »Mehr als übergenug! Denn das ist gräßlich, übergräßlich!« – 6 Rede Ich: »Meine lieben Kindlein! Ich sage es euch, ihr müsset das sehen, auf daß ihr vollkommen rein werden möget; denn ein jeder Engel muß auch die Hölle kennen, wie sie beschaffen ist, und was da für Früchte aus ihrer bösen Liebe wachsen. Denket ja nicht, als ließe Ich so was geschehen wie aus einer Art Zorn und Rache; o das ist ferne Meinem Vaterherzen; aber ihr wisset es, daß ein jeglicher Same seine bestimmten Früchte trägt, und jede Tat auch eine bestimmte Folge haben muß, wie jedwede Ursache ihre bestimmte Wirkung, das alles wegen der ewigen Ordnung aus Mir selbst, ohne die nie auch ein Atom hätte erschaffen werden können, und ohne die noch viel weniger an irgend eine Erhaltung des Geschaffenen zu denken wäre. Nun aber hat dieser Geist also sehr wider die für ihn freilich notwendig freigestellte Ordnung gehandelt, daß er durch solch sein Handeln sich selbst die notwendig höchst traurige Folge hat bereiten müssen, die wir früher wegen der Erhaltung der allgemeinsten ewigen Ordnung nicht abändern dürfen und können, als bis das Wesen dieses vor unseren Augen nun höchst Unglücklichen durch die schmerzhaftesten Folgen seiner früheren Handlungen zu anderen Handlungen getrieben wird aus ihm selbst, die dann auch andere, entweder bessere oder aber wohl auch noch schlimmere Folgen nach sich ziehen werden! 7 So jemand einen guten Samen in die Erde legt, so wird daraus auch eine gute Frucht erwachsen; legt aber jemand statt des Weizenkornes den Samen einer Tollkirsche ins Erdreich, so wird er wegen der ewigen Ordnung doch auch nur wieder eine Tollkische und keinen Weizen ernten. 8 Es dürfte Mir aber leichtlich jemand einwenden und sagen: Wäre alles recht, o Herr; aber Du hättest Deine Ordnung denn doch nicht in so ungeheuer grelle Extreme treiben sollen. Gut sage Ich, und sage aber dazu bloß fragend: Ist das Lichtextrem einer Sonne darum zu beklagen als ein Fehler Meiner Ordnung, dieweil wegen seiner außerodentlichen Extremität jedes Auge erblindet, das da so toll wäre, stundenlang unverwandt in die Sonne zu schauen? Oder ist das Feuer, das alles verzehrende, etwa doch mit einem zu vehementen Hitzegrad begabt? Ist nicht die Last eines Berges zu groß, die Schnelligkeit des Blitzes zu groß, die Kälte des Eises zu intensiv und die Masse des Meerwassers zu ungeheuer? Wie sähe es aber mit einer Welt aus, auf der die Ordnung in den Elementen nicht so bestellet wäre? So des Feuers höchster Hitzegrad nur lau wäre, könnte es wohl die harten Metalle zerschmelzen? Oder wie weich müßten die Metalle wohl sein, auf daß sie in den Fluß kämen schon bei einer wenig gradigen Wärme? Wären aber die Metalle also weich, wozu könnten sie dann nütze sein? Wäre aber die ganze Erde etwa so weich wie eine Butter, welches Geschöpf von nur einigem Gewichte würde auf so einer butterweichen Welt oder Erde bestehen können? So die Sonne nicht ein so intensivstes Licht besäße, würde sie dann wohl auch imstande sein, auf Entfernungen von sehr vielen Millionen Meilen nach irdischem Maße die für den Planeten erforderliche Wärme, und das über alle Maßen nötige Licht zu bieten? 9 Es möchte vielleicht jemand den Gedanken haben, und bei sich selber sagen: Es sollen ja alle Extreme sein und bestehen, aber wozu ist denn bei den Menschen die enorme Schmerzfähigkeit gut? Warum hat er eine tausendfach größere Empfindlichkeit für Schmerzen und Leiden als wie für Wohltun und für Empfindungen beseligender Reize? Die Antwort auf diese Frage ist eine überaus handgreiflich leichte. Stellet ihr euch die Menschheit als rein schmerzunfähig vor; gebet ihr dann ein vollkommen freies Erkenntnisvermögen und einen vollends freien Willen, sanktionieret dann aber auch die Gesetze wie ihr wollet, und es wird niemand ein Gesetz beachten; denn wer keine Empfänglichkeit für Schmerzen hat, der hat auch keine für was immer für eine Lust. Oder würden geile Menschen, so sie nur mit einer puren Lustempfindlichkeit begabt wären, sich nicht in aller Kürze gänzlich verstümmeln, so sie bei einem allfälligen Abtrennen eines oder des anderen Gliedes, statt des schützenden Schmerzes nur Lust und Wohltuen empfänden? 10 Dieser vor uns nun aus übergroßem Schmerze heulende Kado wäre sicher für ewig verloren, so er schmerzunfähig wäre, so aber wird er in seinem Hochmutswahne wohl vielleicht noch eine sehr geraume Zeit den schroffsten Trotz bieten; aber so ihn am Ende der Schmerz zu intensiv erfassen wird, so wird er am Ende mit sich auch sehr handeln zu lassen anfangen und wird sich auf bessere Wege begeben! 11 Ihr sehet nun aus diesen Meinen Worten sehr leicht, daß da jede Fähigkeit und Beschaffenheit eines Menschen wie auch jeden andern Wesens aus Meiner ewigen Ordnung bestens beraten und berechnet ist, und darf an ihr kein Häkchen fehlen, so der Mensch vollkommen das werden soll, was er werden kann; so aber alles das also sein muß, da müsset ihr aber hier neben Mir auch keine so schiefen Gedanken in euch aufsteigen lassen, sondern sollet stets so denken: Was jemand selbst will, trotz den großen damit verbundenen und ihm wohlbekannten Nachteilen, dem geschieht dann auch ewig kein Unrecht, und ginge es ihm auch noch tausend Male schlechter als es ihm gehet. Nun aber gebet weiter Achtung auf die vor euren Augen vor sich gehende Handlung; und du Meine allerliebste Helena sehe auch hin, und erzähle es uns, was du siehst.« 12 Spricht die Helena: »O Herr, da ist es ja nimmer hin zu sehen! Denn das ist zu ungeheuer gräßlich! O wohl dir Robert Uraniel, daß du das nicht mit uns schauest! Du würdest erstarren vor Grauen!« – Rede Ich: »Meine allerliebste Helena, sorge dich nicht um den Robert; er sieht diese Szene eben so gut, wo nicht noch besser als du; denn im Geisterreiche gibt es keine Ferne, von der aus man irgend ein Faktum weniger klar sehen würde, als so man ganz in der Nähe sich zu befinden meint; in dieser Welt gibt es ganz andere Nähen und Fernen, und diese befinden sich lediglich im Herzen eines jeden Geistes; je inniger sich irgend Geister lieben, desto näher sind sie sich auch; je schwächer aber da ist ihre gegenseitige Liebe, desto ferner sind sie sich auch; verstehest du das? Ja, du verstehest es; darum sehe nun nur mutig die Szene an.« 13 Die Helena schauet nun mit mehr Mut und Ergebung nach der Szene hin, da sie nun einsieht, daß die Sache, wie sie sich auch immer gestalten möge, unmöglich anders sein kann, als wie sie wegen des Gesamtbestandes der ewigen Ordnung zufolge sein muß. Kapitel 166 Höllenszene, nächster Akt. Kado wird frei und nimmt Rache. Echt satanische Höllen-Politik. Vereinigung der Höllengesellen, um den Herrn stürzen zu wollen um Seinen Thron einzunehmen. Kados aufkommende Zweifel 1 Es macht aber auch der Franziskaner Cyprian, mit dem Grafen Bathianyi und dessen Freunde Miklosch eine etwas größere Annäherung zu Mir, und richtet seine Augen scharf nach dem Schreckensorte hin; nach einer Weile unverrückten Betrachtens wird seine Zunge locker, und er fängt unaufgefordert also zu reden an, sagend: »O du entsetzliche Schwerenot! Der Kado von sicher zu namenlosestem Schmerze gedrungen, zerreißt nun alle seine Fesseln, als wären sie ein lockerstes Spinnengewebe, fällt über seine Peiniger wie ein wütender Tiger her, und den er ergreift, den zerreißt er auch in kleine Stücke, und die Stücke krümmen sich und hüpfen am ganz glühend aussehenden Boden herum, als wie abgehauene Stücke einer Schlange; den glühenden Thron zermalmt er zu Staub; die Spieße werden vernichtet, und nun stürzt er sich auf seinen irdischen Prinzipal, der sich zwar zur Wehr stellt und dem wütenden Kado mit gräßlich klingender Stimme entgegen ruft: – 2 »Rühre mich nicht an, Hund! sonst sollst du meine Rache an dir erst in aller ihrer unergründlichsten Tiefe und namenlosen Schärfe kennen lernen! Glaube ja nicht, daß ich hier verlassen nun und ohnmächtig vor dir stehe; wie du mich nur mit einem Finger anrührest, wirst du von Millionen mächtigster Geister umringt werden, und in eine derartige Qual geworfen werden, gegen die alles, was du jetzt verkostet hast, nur ein kühlender Balsam war. Willst du aber, da ich in dir nun einige Kraft entdeckt habe, mit mir gegen einen anderen Fürsten einen Bund machen, so soll der auf der Erde an mir begangene Frevel vollends nachgelassen werden, und es soll hinfür (in Zukunft) von mir gegen dich von keiner weiteren Rache mehr die Rede sein. Du sollst von nun an mein intimer Freund sein, und an meiner Seite mein königliches Ansehen als mein Schwiegersohn im Vollmaße teilen!« – 3 Der Kado wird nun etwas stutzend, und schreiet nach einer kurzen Pause noch sehr grimmig: »Elendster Teufel! so du nun, da du ein kleines Pröbchen von meiner unbesiegbarsten Macht und Kraft gesehen hast, und gar wohl fühlest, daß ich mit dir es nun eben so machen kann, als wie es dir diese zerstreut herum hüpfenden Teile deiner ohnmächtigsten Helfershelfer nur zu klar zeigen, solch friedlich schimmernde Anträge machst, warum hast du denn das nicht eher getan, als ich dir von der Welt herkommend, und an deinem Wiedersehen eine rechte Freude habend, doch so harmlos freundlich als nur immer entgegen kam? Wahrlich, hättest du mir da meine Freundlichkeit erwidert, so hättest du an mir einen Freund gefunden, mit dessen Hilfe du die ganze Schöpfung aus den Angeln hättest heben können; so aber hast du dir an mir einen Feind gezogen, wie die ganze Hölle keinen zweiten solle aufzuweisen haben. Du glaubtest mich vernichten zu können und unschädlich zu machen; bist aber nun gräßlich enttäuscht worden, und machst als weidlichst Besiegter mir nun friedlich schimmernde Anträge; aber Kado kennt seinen Mann, und wird daher deinen Worten auch ein ganz verdammt kleines Gehör schenken, und wird dir's vergelten tausendfach, was du ihm geliehen hast.« – – 4 Hier streckt Kado seine Hände nach dem Prinzipale greifend aus; aber der Prinzipal macht einen Sprung zurück und schreiet: »Blinder Esel! mußte ich dir denn das nicht antun, ansonst du nimmer zu dieser deiner Kraft gekommen wärest? Denn hier, wie auch schon auf der Welt, werden Menschen und Geister nur durch große Leiden geläutert und zu mächtigen Helden umgestaltet; und so habe ich dir durch meine grausamst scheinende Behandlung ja nur einen wahrhaftest großen Freundschaftsdienst geleistet, und nicht meinen vorgeschützten Rachedurst gekühlet; was ich dir aber auch nur wegen der nahen Verwandtschaft tat, auf daß du schnell zu jener Kraft gelangen solltest, ohne die sich in diesem Reiche kein Wesen behaupten kann und mag. So du aber das nicht anerkennen willst, da versuche immerhin dein loses Vorhaben an mir zu vollziehen, und du wirst dich überzeugen, daß du noch lange nicht der mächtigste in dieser Welt bist.« 5 Hier stutzt Kado noch mehr, und sagt nun nach einigem Umherschauen: »Dummes Luder von einem Beduinen-Häuptlinge, wenn sich die Sache so verhält, warum hast du mir denn das nicht gleich anfangs gesagt? Hinten drein, wenn sich eine Sache einmal von selbst durch die Umstände gestaltet hat, kann ein jeder daran beteiligte Esel sagen: Siehe, das war mein wohlberechnetes Werk! Ich will dir's aber in Rücksicht dessen, daß du denn doch mein Schwiegervater bist, in allen Teufelsnamen für jetzt gelten lassen, und halbwegs annehmen, daß es also sei; aber wehe dir, so ich nur irgend je dahinter komme, daß du mich nun, nur um dich vor mir zu schützen, also beredet hast; dann sollst du's mir millionenfach büßen! Verstehest du diese meine allmächtige Sentenz? Aber nun sage mir, wie der Ort heißt, wo wir uns nun befinden, und ob es hier keine Burgen, und keine reichbeladenen Karawanen gibt, die man so um etwas leichter machen könnte. Denn unser irdisches Handwerk werden wir hier ja etwa doch nicht aufgeben müssen.« – 6 Cyprian fährt wieder fort: »Schönes Vorhaben! dieser zwei Kerls, wie sie nur in der untersten Hölle ausgeheckt werden könnnen.« Der Prinzipal bedenket sich nun ein wenig, und sagt dann mit einem mysteriösen Pathos: »Freund! auf der Erde waren wir nur pure Mückenfänger, weil wir Fledermäuse waren; hier aber sind wir zu mächtigen Löwen herangereift; daher hat's da denn auch mit dem verächtlichen Mückenfangen ein Ende, da uns ganz andere Pläne durchzuführen vorgesteckt sind. Du weißt es, daß bis jetzt noch immer die alte Gottheit die drückendst tyrannischeste, aller Freiheit barste, Obergewalt ausgeübet hat, und hat diese durch ihre Menschwerdung neuerlich noch mehr befestigt; wir ersten Geister dieses großen Reiches der unbegrenztesten Freiheit aber haben mit unserer scharfsinnigsten Weisheit die sehr verborgenen allerbedeutendsten Schwächen dieser alten Gottheit aufgefunden, und werden sie nun in aller Kürze von ihrem alten Throne stürzen, und mit ihr machen, wie du ehedem mit diesen deinen Peinigern getan hast; dann werden wir die ganze alte urzopfigste (überholte Einrichtung) Schöpfung zerstören, und an ihre Stelle eine neue und allerfeinste setzen. Wie gefällt dir dieser Plan?« – 7 Kado zuckt hier mit den Achseln, und sagt nur: »Der Plan wäre wohl unser würdig; aber ich zweifle sehr, daß er uns je gelingen wird; denn die alte grausame Gottheit ist stets von größter Schlauheit, und sieht da am besten, wo wir an ihr eine Blindheit zu gewahren wähnen; daher meine ich, daß es mit der Ausführung dieses großartigen Planes schon durchaus nicht gehen wird.« – 8 Spricht nun wieder der Prinzipal: »Du bist hier ein Anfänger, und redest, wie du mit deiner noch sehr beschränkten Einsicht die Sache auffassest; du hast noch zu irdisch mysteriöse Ansichten von der Gottheit, und unterstellest ihr noch jene Providenz und unbegrenzte Macht, die du als ein Hirtenknabe an der Brust deiner schwachen Mutter eingesogen hast. Du siehst die Gottheit noch immer als ein ungeteiltes, und ungeschwächtes allwaltendes Wesen, das nur zu wollen braucht, um eine Myriade neuer wohlbestellter Welten aus sich in ein mächtiges Dasein zu rufen. Das kann sie zwar, und tut es auch immer fleißig, weil das ihr höchstes Vergnügen ist; aber wir kennen das, und wohin solch eine Lust die Gottheit mit der Zeitenfolge bringen muß, so wie ein jeder nur einigermaßen gewandte Politiker, der auch einem sich vom höchsten Luxus und unbegrenzter Prachtliebe hinreißenlassenden Könige es an den Fingern vorzählen wird, wie lange es mit ihm noch währen wird, und wie solch eine unbegrenzte Prachtliebe eines Fürsten seine Hauptschwäche ist, die ihn vom Throne am allerehesten herabfallen machen wird. Sieh' Freund, gerade so verhält es sich auch mit der alten schwach gewordenen Gottheit; sie ist bettelhaftkindisch geworden; ihre Sache ist nur immer erschaffen und erschaffen, gehe es, wie es auch immer gehen mag. Hast du denn auf der Erde nicht schon oft bemerket, wie dann und wann der Gottheit der Zwirn ausgeht? Sie überhäuft die Bäume mit zahllosen Blüten, und hat am Ende zu wenig Stoff, alle Blüten zu einer Frucht zu ernähren, so setzt sie Menschen auf Menschen in die Welt, geht ihr endlich der Erhaltungsfaden aus, so muß sie ihre Lieblinge wieder wie die Fliegen dahinsterben lassen, und in allem und jedem wirst du sicher ähnliche göttliche Verlegenheiten bemerket haben, aber freilich leider nicht ahnen können, worin davon der Grund liegt; wir aber wissen das nur zu gut, und sehen es klarst, wie die Gottheit schwächer und schwächer wird, und samt ihrer großen Haushaltung am Ende auf den Hund kommen muß; und so ist es uns auch möglich Pläne zu entwerfen, die ihren Untergang notwendig befördern müssen.« – Kapitel 167 Teuflisches Zwiegespräch in der Hölle. Kados Scharfsinn und Höllentrotz. Des Höllenkumpans andere Ansicht. Cyprians Verwunderung und Vorschlag. Des Herrn wichtiger Lebensrat zur inneren Ruhe gegenüber allen höllischen Vorgängen. Drachengestalten und Schlangengestalten Am 13. Februar 1850 1 Kado schüttelt abermals den Kopf und sagt: »Freund! das ist noch alles eine Rechnung ohne den Wirt, und die Pläne sind eitel; ich bin zwar der Gottheit entschieden Feind, aber nicht ihrer Schwäche, sondern ihrer nur zu ungeheuren Macht wegen. Ich versichere dir, es ist mein vollkommen freier Wille, entweder hier im Orte der Qualen zu verbleiben oder umzukehren und Besitz zu nehmen von allen möglichen Freuden eines himmlischen Lebens; aber ich ziehe es dennoch vor, hier zu verbleiben, weil ich der Gottheit endloseste und ewige Macht nur zu gut kenne; wäre die Gottheit nur um einen Grad schwächer und besiegbarer als sie es ist, da hielte ich's sogleich mit ihr, und würde sie verteidigen gegen jeden Angriff; aber da sie eben so unendlich mächtig und unbesiegbar ist, so bin ich ihr entschiedenster Feind. Ich weiß es, daß meine Feindschaft gegen die allmächtige Gottheit eine barste Torheit ist, und sie mich vernichten kann jeden Augenblick; aber solange ich einen freien Willen habe, will ich ihr den entschiedensten Trotz bieten, bloß um ihr zu zeigen, daß sie mit aller ihrer Allmacht und Weisheit mit mir dennoch nichts richten kann, solange sie mich in der gegenwärtigen Willensfreiheit beläßt. Es ist für einen Helden wahrlich der größte Hochgenuß, als ein Atom gegen die endloseste Größe Gottes sich derart zu stemmen, daß sie nichts dagegen auszurichten vermag. Ich werde daher auch nie ihre irgend eingebildeten chimärischen Schwächen, sondern nur vor allem ihre unendlichste Kraft aufzusuchen und zu erforschen bemühet sein; und je mehr Kraft und Stärke ich in ihr entdecken werde; desto unbeugsamer werde ich mich ihr gegenüber gebärden. Siehe, das ist mein Sinn, der sich für einen Helden ziemt; aber dein die Gottheit entthronen wollender Plan gehört offenbar zu den größten Lächerlichkeiten, und ist ewig unausführbar. Meinst denn du, daß die wirkliche Gottheit eine persische oder chinesische Pagode (Götze) ist, die jedermann vom Throne oder Altare herabreißen und ins Feuer oder in den Kot werfen kann? Da irrst du dich ganz verdammt gewaltig! Die Gottheit ist das unendlichste Wesen in jeder Hinsicht; daher gebe du deinen lächerlichen Plan auf, und tue, was ich tue, so wirst du dadurch in dir selbst einen Hochgenuß haben, darin und dadurch, daß du dir durch dein Bewußtsein selbst das Zeugnis geben kannst, der höchsten Gottesmacht mit deiner barsten Nullkraft dennoch einen härtesten Trotz bieten zu können.« 2 Spricht der Prinzipal: »O du dummer Esel! meinst denn du, daß du bist, wie du bist, aus dir selbst heraus? Sieh, du bist ja also gerichtet, und kannst nimmer anders wollen, als wie du nun vor mir dich dumm genug ausgesprochen hast; und du meinst dadurch der Gottheit zu trotzen, so du bist, wie sie will, und nicht wie du willst. Komme mit mir, so du frei werden willst! So lange irgend ein Wesen Gesetze und sanktionierte Fesseln binden, ist es nicht frei, sondern ein Sklave einer höheren Macht; und so lange die Gottheit unserem Wirken fortwährend unübersteigliche Grenzen setzt, sind wir die elendesten Sklaven, und von einer Freiheit kann bei uns solange keine Rede sein, solange wir aus unserer eigenen Macht das harte Joch der Gottheit nicht vollends von uns zu weisen imstande sein werden; können wir aber der Gottheit trotzen, und muß die Gottheit diese Schmach erdulden, und kann's nicht ändern, so ist das ja doch sicher ein Zeichen, daß sie schwach ist, ist sie aber in einem schwach, so wird sie auch in vielem andern schwach, und vielleicht noch schwächer sein; daher ist es an uns, alle ihre schwachen Seiten sorglichst auszukundschaften, und sie dann bei diesen mit aller unserer Übermacht anzugreifen und gänzlich zu verderben.« 3 Der Franziskaner Cyprian für sich: »O du ganz verzweifelter Lump, was der für löbliche Ideen hat, schau, schau! Also: hinc illae lacrimae! Ich habe immer noch gemeint, daß die höllischen Geister in ihrer fürchterlichsten Qual eine ewig vergebliche, brennendste Reue über ihre begangenen großen Sünden fühlen müssen, ohne dadurch je an eine Erlösung eine allerleiseste Hoffnung haben zu dürfen; aber so ist die Sache ganz anders; sie wollen das alles selbst, bloß um Dir, o Herr, einen allerhartnäckigsten Trotz bieten zu können; – ach da sieh' einmal jemand solch eine niederträchtigste Lumperei an; die Kerle haben nur eine Freude über ihre grenzenlose Verstockheit! Ach, das ist wahrlich nicht übel! Aber Herr! solchen Lumpen, wie die beiden dort sind, möchte ich an Deiner Stelle denn doch ein bißchen ihre Freude versalzen, so daß sie es über alle Maßen empfinden sollen, wozu ihre Freude gut ist! O ihr Hauptlumpen ihr! Nein, wartet, wartet; dieser seltene Freudenbecher solle euch mit einer Galle gefüllet werden, an der ihr für ewig hinreichend sollet zu lecken haben.« 4 Sage Ich: »Mein lieber Cyprian, diese Erscheinung mußt du ganz leidenschaftslos beobachten können, sonst füllst du dein eigen Herz mit demselben Stoffe, mit welchem der beiden höllischen Geister Herz erfüllet ist; denn Drohung, Rache und Krieg sind Tugenden der Hölle, wie sie sich dir soeben zur Schau stellen. Siehe nur hin, wie soeben eine Horde gleich glühenden Drachen aus einer mächtig qualmenden Höhle zum Vorscheine kommt, und unsere beiden armenischen Räuberhäuptlinge umstellet und begrüßet, und sie belobet ob ihrer gut höllischen Gesinnung, und die beiden sich nun auch in eine ganz gut ausgebildete Drachengestalt zu umwandeln beginnen, was so viel sagen will, daß sie nun vollends in's echte Höllische übergehen, da sich dasselbe nach ihrem gegenseitigen Gespräche zu urteilen nun vollends ausgebildet hat. 5 Ich sage dir's, es bleibt diesen Geistern nichts geschenket; jedes Lästerwort wird zu einem glühenden Steine auf ihrem Haupte, und sie werden bei solch einer Last schon inne nach und nach, ob sie stärker seien als die Gottheit, und ob sie fähig seien, ihre argen Pläne gegen Mich je in eine Ausführung zu bringen. Denke du dir's nur stets also: Gott ist durchgehends die purste Liebe, und aus solcher Liebe die höchste Weisheit, Ordnung und Macht; alles das, und mag es dir noch so arg und schrecklich vorkommen, ist Meine Liebe, Weisheit und Ordnung, und es muß alles also geschehen, damit alles bestehe, und nichts verloren gehe. 6 Die eigentliche Höllenqual wird erst jetzt ihren Anfang nehmen; denn das frühere war nur so eine Art Vorstellung. Du siehst nun auch die ehedem vom Kado zerrissenen Quälgeister sich wieder ergänzen und zusammengreifen, nur nicht in einer Mensch ähnlichen, sondern in einer Schlangengestalt; passe nun nur recht auf, und du wirst sogleich der eigentlichen Hetze ansichtig werden. Aber du Helena darfst nun nicht mehr hinsehen, weil das für dich zu arg wäre. Aber ihr anderen sehet nur alle hin, und du Cyprian kannst auch flüchtig erzählen nebenher, was du siehst und sehen wirst.« Kapitel 168 Des Herrn Warnung an den Cyprian, dessen Dank und Äußerung über die geschauten Greuel. Des Herrn Hinweis über die höllische Art ihre Tücke auszuführen, die himmlische Wache. Von diesen Vorgängen gibt es eine Reflexwirkung auf die Erde 1 Der Franzikaner Cyprian geht nun einige Schritte fürbaß, um also gestaltig die Szene desto ungehinderter betrachten zu können; aber Ich sage zu ihm: »Cyprian! nähern darfst du dich dem Orte des Greuels nicht, weil das einen üblen Eindruck auf dich machen könnte; daher mache du die Schritte nur wieder fein zurück, die du soeben vorwärts gemacht hast; du wirst die Sache auch von deinem früheren Standpunkte ganz gut übersehen können.« – 2 Cyprian tritt auf diese Anrede sogleich zurück und sagt: »O Herr! ich danke Dir für diese Deine väterliche Ermahnung und Zurechtweisung; denn ohne diese wäre ich am Ende noch ganz hingezogen worden, was wahrhaftig etwas höchst unglückliches für mich hätte werden können; denn weit weg von dem Schusse ist immer am sichersten. Aha, aha, es fängt aber nun auch dort die höllische Geschichte an, ein ganz verzweifeltes Aussehen zu bekommen; daher aufgepaßt! O Kreuz, Blitz und Donner und alle nur möglichen Elemente! Diese Nordgegend bekommt nun ein sehr schauderhaftes Aussehen; eine finsterste, weitgähnende Grotte öffnet sich weit durch die schroffsten Wände eines wahrsten Millionengebirges, aus dessen Schluchten, Gräben und gigantischen Spaltungen sich ein stets dichterer und finsterer Qualm zu entwickeln beginnt; auch vernehme ich ein ungemein unheimliches Toben gleich dem eines entfernten großen Seesturmes; Million Blitz und Donner, das fängt an sehr bedenklich zu werden! Aber nun erschaue ich auch zu oberst des Gebirges gerade über der schaudervollsten Grotte zwei Engel sehr düsteren und ernsten Aussehens; wer etwa doch diese zwei Engel sind?« 3 Sage Ich: »Sehe sie nur besser an, und du wirst sie leicht erkennen!« – Cyprian beschaut sie nun schärfer, und erkennt bald den Sahariel und den Robert Uraniel. Er will sie Mir nenen; aber Ich untersage ihm solches, wegen der Helena, deren Herz zu zartfühlend ist, als daß es ohne Vorbereitung das Geschäft ihres Gemahls auf einer für ihre Begriffe so gefährlich scheinenden Stelle mit der rechten Ruhe betrachten könnte. Cyprian versteht solchen Wink und schweiget; aber die Helena, wenn schon an Meiner Brust mit ihrem Gesichte ruhend, fragt dennoch den Cyprian, ob er die zwei Engel noch nicht erkannt habe. Cyprian aber entschuldigt sich recht klug und sagt: »Jawohl; aber ich habe nun vor lauter Schauen keine Weile, dir ihre Namen zu nennen. Gedulde dich nur; sie werden ohnehin bald selbst hierher kommen.« – Die Helena gibt sich damit zufrieden, und verbirgt ihr Gesicht ganz außerordentlich an Meiner Brust vor den angekündigten Greuelszenen der Hölle, damit sie davon ja nichts zu Gesichte bekommen möchte; denn ein stets mächtiger werdendes Tosen und Toben zeigt nur zu bestimmt an, daß die Hölle wieder etwas außerordenlich Arges auszuführen beabsichtige; daher wird auch das Gemüt der Helena sehr eingeschüchtert, so, daß sie sogar an Meiner Brust ein kleines Fieberchen verspüren läßt. – 4 Der Cyprian aber, dem dieses stets mächtiger werdende Toben, Tosen und donnerähnliche Dröhnen ebenfalls nicht munden will, sagt zu Mir: »Aber Herr, Du ewig heiligster, bester Vater! was soll denn endlich aus dieser stets gröber werdenden Brummerei werden? Es fängt sogar dieser Boden, auf dem wir nun stehen, zu beben und sich zu heben an, und dort, wo die schaudererregenste Grotte, aus der nun schon sogar stoßweise Flammen mit einem massenhaften Qualm zu schlagen anfangen, sich weiter und weiter auszudehnen scheint, fangen auch über's Gebirge herab die fürchterlichsten Gewitterwolken sich zu wälzen an gleich losgerissenen großen Felsstücken. Die Sache bekommt ein ganz niederträchtiges Aussehen, obschon die höllische Gruppe sich noch ganz friedlich und wie nichts Arges ahnend vor dem Eingange der ganz verdammtest schrecklich aussehenden Grotte befindet, und nicht einmal eine Miene macht, aus der man einen Schluß ziehen könnte, daß sie etwas zu unternehmen im Sinne hat; ich bitte Dich, Herr, sage es uns doch, was denn da aus dieser sonderbaren Vorbereitung am Ende herauswachsen wird. – Ich schaue mir nun schon fast die Augen aus, und entdecke sonst nichts Neues, als bloß nur stets mehr Flammen aus der Grotte schlagend, und ebenso auch stets mehr des dicksten Rauches aus der Grotte sowohl, wie auch aus anderen Klüften und Ritzen des Gebirges, und auch ein stetes Anwachsen der Gewitterwolken von oben herab. Die beiden Engel zu oberst der höchsten Spitze des Gebirges, und zwar gerade ober der Grotte, sind auch ganz ruhig und scheinen diese grauenhaftesten Vorbereitungen gar nicht zu merken, und der stets unerträglicher werdende Sturmlärm scheint bis zu ihren Ohren nicht zu dringen.« 5 Rede Ich: »Mein lieber Freund! die Hölle ist nie gefährlicher und unheilbringender, als so sie sich äußerlich ganz ruhig verhält, aber dafür innerlich mit einer desto größeren Wut zu toben beginnt, als wie es soeben der Fall ist; dagegen aber ist auch der Himmel nie wachsamer gegen die Hölle gestellt, als so er sich bei solchen inneren Umtrieben der Hölle ganz ruhig und indifferent zu verhalten scheint. So lange die Hölle bloß innerlich gährt und tobt, schreitet der Himmel nicht ein; aber so sie mit der Weile ermutigt – ihre Wut nach außen hin in die Wirksamkeit treten zu lassen beginnt, dann wird schon auch der Himmel seine kräftigsten Gegenmittel in die effektvollste Wirksamkeit treten lassen. Daher gebe nun nur auf alles genau acht, wie die Hölle nun ihren alten Versuch, Mich zu fangen und zu stürzen, ganz tückisch unter dem Deckmantel äußerer Ruhe und Gelassenheit erneuern wird, und wird es viel pfiffiger anstellen wollen, als wie sie es vor ein paar Jahren angestellet hat; aber sie wird dabei um desto wirksamer eingehen (Mißerfolg haben). So du nun einen Blick auf die Erde werfen magst, und zu dem Behufe bloß über deine Achsel links zu schauen brauchst, so wirst du es genau gewahren, wie die Hölle nun auch gleichermaßen an den Höfen tätigst einzuwirken sich bemühet, um die ganz Erde in einen allerverheerendsten Krieg zu entflammen; sie wird solch ihr Vorhaben auch hie und da zum Ausbruche bringen; aber dann passe auf, auf welch eine noch nie dagewesene Weise ihr da das Handwerk gelegt wird. Betrachte aber daher nun nur diesen Ausbruch, und die Folge darauf, so wirst du entsprechend auch leicht schließen können auf die Erde, wie dort sich alles das, was hier nun vorgeht, und vorgehen wird, mit der entsprechenden Weile nachbilden wird. Siehe, der Rumor wird schon wieder stärker, die Flammen in der Grotte werden intensiver, und der Qualm selbst glühend; die Rotte vor der Grotte wird zahlreicher, und fängt an sich zu bewegen, und zwar gegen uns her. Nun wird es bald losgehen.« Kapitel 169 Gefährliches Aussehen des höllischen Schlachtansturm gegen den Himmel. Des Herrn Warnung vor Ärger, als Stütze der Hölle, wo auch Gottes Barmherzigkeit waltet. Die Friedensgeister in der Höhe über der Szene. Miklosch als Höllenschlachtberichterstatter. Die Lavaflut führt zum Untergang der gescheiterten Himmelsstürmer Am 18. Februar 1850 1 Cyprian wendet nun kein Auge ab von der Szene; und Ich gebe Meinen Dienern einen Wink, und diese verstehen, was sie zu tun haben. 2 Nach einer kurzen Weile sagt Cyprian ganz ängstlich: »Herr! wir werden uns am Ende dennoch zu einer Retraite (Rückzug) bequemen müssen; denn die Hölle scheint nun alle ihre viele tausend Jahre alten Gefangenen frei zu lassen, auf daß sie wahrscheinlich mit vereinten Kräften Dich samt dem ganzen Himmel in den Beschlag zu nehmen vermöchten. Sie wandern nun ganz keck auf uns los, und die Gestalten, wahrlich, mitunter lächerlich-gräßlich. Wie sich einige aufblähen, und bald darauf wieder zusammensinken bis zur Größe eines kleinsten Affen. Ach, das ist doch alles, was man sagen kann; auch allerlei Waffen fange ich an zu entdecken: Spieße, Lanzen, Schwerter und Schießgewehre aller Art und Gattung. Das geht ja auf einen ordentlichen Krieg los; aber gegen wen denn? Gegen uns ja etwa doch nicht? Sehen sie uns denn auch, weil sie sich gerade gegen uns herrichten?« 3 Sage Ich: »Freilich gilt der Krieg von Seite der Hölle allezeit (gegen die ewige allmächtigste Gottheit), und somit auch jetzt uns. Aber sehen können sie uns nimmer; wohl aber vermuten sie uns hier, weil sie an der Stelle gegen uns her, die eigentlich der geistige Mittag ist, eine Art Helle wahrnehmen. Aber sie mühen sich vergeblich ab uns näher zu kommen; sie meinen es wohl, daß sie vorwärts gehen; aber ihr scheinbares Vorwärtsgehen ist ein Rückgehen, und ein sich stets mehr Entfernen von uns. Daher lassen wir sie auch traben und sich bewegen, da wir wissen, wie weit, und wohin sie mit dieser Bewegung kommen können und werden. 4 Sie werden aber mit der Weile inne, daß sie um nichts vorwärts kommen trotz alles ihres Mühens; und dies Innewerden wird das Signal zum Ausbruche ihrer inneren Wut sein, in der sie sich selbst gegenseitig anfallen werden, und sich zerreißen gleich wildesten Bestien ohne alle Schonung. Gebe nun nur recht und ganz besonders auf ihre Bewegung acht!« 5 Der Cyprian gibt nun sehr wohl acht auf alles, was sich in der Bewegung der Höllenrotte ergibt; der Miklosch und der Graf Bathianyi aber sagen einstimmig: »Herr! wohl übergroß ist Deine Langmut und Geduld, daß Du solchem Treiben noch stets mit aller Deiner sanftmütigsten Gelassenheit zusehen kannst! So es auf uns ankäme, so würden wir diesem Gesindel einen ganz kuriosen Ernst entgegensenden, der es sicher für ewig gehörig demütigen solle. Nein! solch eine Afrontrie (Verhöhnung), Dir entgegenstürmen zu wollen, ja Dich sogar gänzlich zu vernichten, so es natürlich möglich wäre. Nein, nein, das ist zu überhöllisch oder zu unterhöllisch arg! Solch ein Gedanke würde von uns aus schon einer ewigen Züchtigung wert sein, geschweige erst eine unternommene Handlung in solch einer allerhöllischesten Absicht.« – 6 Rede Ich: »Meine lieben Kindlein, lasset beiseite, was nur immer den Namen Ärger hat; denn sehet, aller noch so geringe Ärger entstammt der Hölle, und verträgt sich nie mit der reinsten Natur Meiner himmlischen, noch kleinen Kindlein, als wie ihr es nun noch seid. Ihr müsset euch überhaupt über gar keine Erscheinung, wie böse sie auch immer aussehen möge, auch nur im geringsten ärgern; denn das Ärgern der Kinder der Himmel verleiht der Hölle einen Vorschub, und gibt ihr Stoff zum Widerärger, den sie nur zu leicht und zu bald vergrößert und in einen neuen Effektivzustand setzt. Denket aber dafür in eurem Herzen, daß dies alles also geschehen muß, so in jene Grotte auch einmal ein sanfteres Licht dringen solle; denket, daß die ganze Hölle aus Wesen bestehet, die gewisserart teils wohl durch ihre Geschichte und zum Teile durch die Geschichte der Weltgroßen zu solchen Teufeln geworden sind, und ihr geistiges Leben gänzlich verwirket haben. Sie sind nun unendlich unglücklich, und werden noch stets unglücklicher werden. An uns aber, die wir alle Macht inne haben, liegt es nun – ihnen so viel als möglich zu helfen, und zwar durch jedes Mittel, durch das eine Hilfe noch als möglich erscheint. 7 Dieser nun bevorstehende Kampf, den sie gegen uns unternehmen, setzt ihr mattestes Scheinleben in eine größere Tätigkeit, durch die sie vor der totalen Auflösung geschützet werden; durch den fehlgeschlagenen Versuch werden sie dann wieder in die Kenntnis gesetzt, daß sie gegen Gott nichts vermögen, und es werden dann viele aus ihrer Rotte bescheidener werden, und sich bei einer ähnlichen künftigen Unternehmung nicht mehr beteiligen; und das ist dann ein wirklicher Vorschritt (Fortschritt) dieser verlorenen Schafe; und für sie stehen uns dann schon wieder eine zahllose Menge der wirksamsten Mittel zu Gebote, sie in eine hellere Belebung zu leiten, ohne sich direkt an ihrem freien Willen, der ihr Leben ist, zu vergreifen; daß aber derlei Bäume nicht mit einem Hiebe gefällt werden dürfen, das werdet ihr hoffentlich einsehen!« 8 Spricht der Miklosch: »O ja, Herr und Vater! nun ist uns schon wieder alles klar, und es ist alles gut, was Du, o Herr, anordnest. Aber nun entdecke ich, daß auf den Spitzen der überhohen Gebirge sich auch lichte Geister stets mehr und mehr anzuhäufen beginnen; auch auf der höchsten Spitze stehen neben den zwei ersten eine Menge anderer uns ganz unbekannter kräftigster Engel; und da, da seht in die Lüfte empor! Ungeheure Scharen schweben in wohlgeordneten Reihen, und haben ein scharfes Auge auf die Bewegungen der höllischen Rotte; und die Höllenrotten scheinen sie zu bemerken, weil sie nun auf einmal ihre allergrimmigsten Gesichter aufwärts richten, und ihre Wurfgeschütze aufwärts zu richten beginnen.« 9 Spricht Cyprian: »Ja, ja, Bruder Miklosch, hast recht; dort nahe an der wahren Teufelsgrotte habe ich schon eine Art Raketen in die Höhe steigen sehen, die aber nicht bis zur Achtelhöhe des Gebirges gekommen sind; auch sehe ich nun, wie ganze Massen an den schwarzgrauen Felswänden aufwärts zu klimmen anfangen, aber ganz verzweifelt schlechte Fortschritte machen; von unten her werden sie ganz entsetzlich bedroht, und zum weiteren Emporklimmen scheinen sie auch keine bedeutende Lust zu haben. Nein, die Geschichte fängt an ein ganz entsetzlich tragisches Aussehen zu bekommen. O Million! nun ist eine ganze Rotte über eine sehr hohe und steile Wand herabgestürzt, und wird nun sogleich wieder angetrieben, neu aufwärts zu klimmen anzufangen, und sie sträubt sich, indem sie an die Unmöglichkeit hinweiset; aber man fängt an, sie mit glühenden Spießen zu touchieren. Ach, das ist schauderhaft!« 10 Rede Ich: »Gebet nun nur alle genau acht; denn nun beginnt die eigentliche Hetze. Nun solle aber der Miklosch, der mehr gelassenen Geistes ist, die Szene weiter erzählen, gerade wie sie vor sich geht, und zwar ohne alle verwunderlichen Nebenexklamationen. Also sei es!« 11 Spricht der Miklosch: »Herr und Vater! ich armes, sündiges Wesen danke Dir aus aller Tiefe meines Herzens für diesen herrlichen und großen Auftrag – den Bruder Cyprian abzulösen, in diesem wahrlich nicht wenig sicher jeden auch noch so standhaften Geistes seienden Beobachter höchst in den Anspruch nehmenden Geschäfte; aber ich muß es danebst aber auch sogleich offen bekennen, daß es mir dabei um nichts besser gehen wird; denn die Erfolge jener höllischen Mühen sind eben für die Hölle und ihre Streiter zu grell und allen möglichen Schauder erregend, als daß selbst das beherzteste und gelassendste Gemüt dabei ohne alle Erschütterung bestehen könnte. Daher bitte ich Dich zu diesem Zwecke wohl um eine ganz besondere Stärkung, so ich da mitten in der Nacherzählung des Geschauten nicht schon beim dritten Satze solle stecken bleiben. In Deinem allmächtigsten und heiligsten Namen will ich's dann versuchen, wie es mir mit dem Nacherzählen gehen wird. 12 Soeben stürzt eine ganze, große Felswand über eine große Menge, die hinaufzuklimmen genötigt wurden, ein, und begräbt und zerschlägt eine große Masse der höllischen Streiter, und hinter der eingestürzten Wand ergießt sich lichterlohe eine gräßlich brausende und zischende Lavaflut, und begräbt in ihrem raschen Vordrange bei weitem mehrere, als ehedem die eingestürzte Wand. Nun erseh' ich auch wieder den schon sehr verunstalteten Kado und dessen Prinzipal; sie scheinen im Vordergrunde Rat zu halten, was da weiteres zu tun und zu unternehmen sein wird, indem da, wie es scheint, kein Teufel mehr eine Lust zeigt, über die schroffsten und steilsten Felsenabhänge hinauf für nichts und wieder nichts zu klettern; die mächtigeren Teufel treiben die schwächeren wohl noch sehr echt höllisch energisch an; aber wie ich es merke, so ist da von irgend einer Obedienz (Gehorsam) gar keine Rede mehr, und ein jeder vor dem Lavastrome fliehend scheint nun allein nur dem eigenen Willen zu gehorchen. Welch ein gräßliches Jammergeschrei, welch ein Elend, welch eine namenlose Not! Es brechen nun aus mehreren Ritzen und Spalten des Gebirges glühende Lavaergüsse hervor, und stürzen gleich gewaltigsten Wasserfällen in die Tiefe herab; dort mehr rechts über eine ungeheure Felsenwand stürzt gleich einem Niagarafalle in Nordamerika eine allerfurchtbarst große Masse des glühendsten, geschmolzenen Erzes unter dem furchtbarsten Krachen und Donner in die Tiefe herab, und die Rotten groß und klein fliehen vor den gegen sie herwogenden Feuerfluten, und heulen und fluchen ganz entsetzlich. 13 Kado und sein Prinzipal machen auch eine ziemlich schnelle Bewegung mehr gegen uns her, und klimmen nun auf einen mäßig hohen Hügel, der sich zu unserer Linken befindet; und der Kado macht dem Prinzipale, wie ich's nun recht deutlich vernehme, recht scharfe Vorwürfe ob dessen von ihm zum Voraus bestens eingesehener und abgeratener Ausführbarkeit eines allerwahnsinnigsten Planes, die allmächtigste Gottheit besiegen zu wollen! Nun habe er den Sieg vor seinen dümmsten Krokodilsaugen! Er solle nun die Löcher zustopfen gehen, daraus die Gottheit über ihn und sein über alle Begriffe maltraitiertes Heer so reichlichst aus allen tausend Schlünden des unersteigbar hohen und steilsten Gebirges so ganz mir und dir nichts Feuerfluten hervorsprudeln läßt, und solle auch die Begrabenen hervorholen. Aber der Prinzipal macht ihm die Bemerkung, daß dies alles bloß nur so ein blinder Lärm wäre, und diese Feuerflut bald erschöpft sein werde. 14 Der Kado lacht dazu gräßlich höhnisch und sagt: »O du verflucht dümmster Teufel! da sieh ein wenig hinauf, wie da stets neue allergewaltigste Quellen sich auftuen, und wie die rasche Glühflut auch in wenig Augenblicken unsern Hügel, der uns bis jetzt noch schützt, umspülen wird, und du wirst es leicht gewahren, wie bald nach deiner dümmsten Idee der Gottheit Zornquellen versiegen werden. Da sieh' hin gegen die Grotte, deren löbliches Innere wahrscheinlich deine Königswohnung ist; sie ist bereits voll des glühendst fließenden Erzes, über dessen wogenden und dampfenden Spiegel sich ganze Scharen deiner mächtigsten Kämpfer allerschaudererregendst schwimmend befinden, und mit des Feuerstromes breiter und rascher Flut höchst wahrscheinlich in einen endlosen Abgrund hinabgeschwemmt werden. Das wäre mir ein Sieg, ganz gehorsamer Diener! Ich hoffe, du wirst doch wieder bald einen Feldzug gegen die Gottheit unternehmen! O Herr Je.......! die Flut hat bereits auch unsern Hügel erreicht, nun heißt es weiter fliehen, sonst werden auch wir beide in diese Schwimmanstalt der Gottheit aufgenommen werden.« – Der Prinzipal ersieht nun die höchste Gefahr und schreit: »Dorthin gen Abend, wo einige tapferste meiner Kämpen hinfliehen, fliehen auch wir, aber nur eiligst, sonst sind wir verloren.« 15 Spricht Kado: »Schöne Tapferkeit bei einem so gräßlichen Fersengelde! O, ich war ein großer Esel und überdümmster Teufel! Zwei so grundehrliche Boten hatte die Gottheit an mich schlechtestes Luder abgesandt, und ich verschmähte sie; nun sehe ich meinen allergräßlichsten Untergang, und kein Retter mehr naht sich mir.« – Schreiet der Prinzipal: »Fliehe! sonst bist du verloren; denn diese Flut ist arg, den sie begräbt, der ist begraben für ewig! Ich fliehe nun!« – Mit diesen Worten stürzt nun der Prinzipal jählings den Hügel hinab. 16 Der Kado aber bleibet, und schreiet dem Prinzipal nach: »Fliehe nur, Satan! Der ewigen, allmächtigen Gottheit wirst du ebensowenig entfliehen, als wie ich, der ich gar nicht fliehen will. Wir beide haben dies Los wohl verdient; daher werden wir ihm auch nicht entfliehen; denn der Gottheit Rachefinger umspannet die Unendlichkeit.« – Kapitel 170 In Kados Gemüt steigen Reueregungen auf. Des Herrn Hinweis auf die Sachlage. Der Geist ist willig, aber das Fleisch ist schwach 1 Kado sieht nun bebend und sehr erschreckt seinem fliehenden Prinzipal nach, und sieht, wie einer mächtigen Feuersglut rascher Wogensturz dem Fliehenden schon sehr nahe an die Fersen nachkommt. Der Fliehende heult nun ganz entsetzlich, und schon so mancher aus der glühenden Flut hervorzuckender Funke leckt an seiner empfindlichen Haut. Das entsetzt den Kado, und es scheint eines jeden Funken Brand, der seines Herrn Prinzipals Haut berührt, auch die seine ganz gewaltigst zu stechen. 2 Nun aber hat die Flut den fliehenden Prinzipal auch erreicht. Und der Kado schreiet: »O Herr Je. . . . ., o Du allmächtige Gottheit, er ist verschlungen! wie ein Tautropfen am glühendsten Erz, so auch ward er sicher allerschmerzlichst verzehrt, und kein Wesen kommt ihm zu Hilfe! Wer aber solle ihm auch zu Hilfe kommen? Seine Mächtigen sind bereits alle begraben; ich bin auf diesem Hügel, der bereits auch zur Hälfte von der gräßlichsten Flut umflossen ist, und wo nur noch ein schmaler Streifen gen Morgen hin schlechtweg passierbar ist, auch auf dem Punkte, in einigen Augenblicken sein Los zu teilen, und wollte ich auch hin an die unglückliche Stelle rennen, so würde ihm das nun dennoch nichts mehr nützen. Kurz, ich bleibe, wo ich bin, und die göttliche Allmacht solle mit mir machen, was Sie will; denn zu entfliehen ist Ihr nimmer. Dies Feuermeer nun muß aber auch eine unermeßliche Brennhitze haben, da es mich schon hier so unausstehlich brennt, wo es doch nach nach meinem Augenmaße mehrere hundert Schritte von mir entfernt sein dürfte. 3 Großer Gott! welch' eine Marter, welche Schmerzen in der höchsten Intensivität werden nur zu bald mein ewiger Anteil sein. Das ist also die fürchterliche Hölle, deren Wurm nimmer stirbt, und deren entsetzlichstes Feuer nimmer erlischt. O Gottheit, o Gottheit! habe Erbarmen mit einem Kinde der Hölle, das zwar überaus schlecht war und ist, aber doch wenigstens seine Greuel erkennt und nun leider zu spät bereuet. Ich habe zwar schon eine entsetzlich schmerzliche Höllentour durchgemacht; aber ich fühlte da im höchsten Schmerzesübermaß eine Kraft in mir, durch die ich mich meine Peiniger habe entledigen können; aber beim Anblicke dieser rein göttlichen Strafmacht hat mich alle Kraft verlassen, und ich fühle nun kaum die Kraft eines Insektes in mir, und muß mich demnach gefangen nehmen lassen von der leider gegen mich gerechten Zornflut des göttlichen Rachefeuers.« 4 Miklosch: »Nun sinkt Kado auf seinem Hügel zusammen und erwartet die ihn verzehrende Flut, die ich zwar wohl noch ganz mächtig hin- und herwogen, aber dennoch nicht mehr steigen sehe; denn bis auf den Kado ist nun alles, was da gegen uns zu Felde ziehen wollte, weidlichst von ihr verschlungen; nur das einzige kommt mir noch unerklärlich vor, daß da die mächtigen Himmelsfürsten sich noch nicht entfernen wollen. Auch die schauerliche Grotte, obschon über die Hälfte erfüllt mit dem Feuerstrom, der nun etwas zu erhärten beginnt, hat ihr scheußlich drohendes Aussehen noch nicht verloren.« 5 Rede Ich: »Der Kampf ist noch nicht zu Ende, und der Kado noch nicht völlig verloren, gebet aber nur acht, was nun weiter geschehen wird; darauf erst solle euch allen eine genügende Aufklärung zuteil werden.« 6 Der Miklosch beobachtet jetzt nur hauptsächlich den Hügel, auf dem der Kado also zusammengekauert liegt, als wäre er tot; aber da die schreckliche Flut denn doch über des Kados beiläufige Berechnung nicht an seine Haut gelangen will, so fängt er langsam sich wieder emporzurichten an, um zu sehen, was es denn nun da mit diesem Zornsturme aus der Gottheit Rachekammern für einen Fortgang nehme. Er ersieht zwar noch das Feuermeer in seiner gleichen wogenden Tätigkeit, nur merkt er, daß es sich nicht mehr weiter ausbreite und auch nicht höher steige, als wie es sich gleich anfangs ausgebreitet hatte über eine unübersehbare weiteste Fläche und gestiegen ist zu einer bedeutenden Höhe. 7 Diese Erscheinung flößt dem Kado mehr Mut ein, und er spricht nun bei sich: »Was haben nun alle diese Esel und Ochsen davon, daß sie sich wieder einmal den argen Spaß gemacht hatten, mit der allmächtigen Gottheit einen Kampf zu wagen? Aber ich selbst bin eigentlich auch ein Esel und Ochse zugleich; warum habe ich denn ehedem den Antrag jener zwei Boten nicht angenommen, denen es von der Gottheit gegeben war – mich zu retten von dem schaudervollsten Untergange. Wo sind diese Herrlichen nun? Rings um mich her ist Nacht, nur das glühende Feuermeer wirft einen matten Zornschimmer über mein verfluchtes bärenzottiges Wesen. Gegen Morgen dort, in weitster Ferne, wie es mir vorkommt, entdecke ich einen freundlicheren Schimmer, als wie dieser da hier ist, der vom Spiegel dieses Qualmeeres über mein Wesen sich verbreitet. Wie es etwa doch wäre, so ich längs dieser Hügelzunge mich dahin zöge? Denn schrecklicher und gefährlicher kann es doch nirgends mehr sein, als eben hier in der Mitte der untersten Hölle.« 8 Nun macht sich Kado auf die Beine, und fängt ganz rasch an sich gegen uns her zu bewegen; aber, wie ich's merke, so gibt seine Bewegung eben nicht sehr aus, und es hat das Ganze seines Bewegens ein Aussehen, als ob er sich selbst mit seiner Schnellfüßlerei foppen möchte; denn er zippelt und zappelt fast immer auf einem und demselben Punkte. Was wohl kann davon die Ursache sein, daß er bei seinem sicher festen Willen nicht weiter kommen kann?« 9 Rede Ich: »Der Grund davon liegt in dem, daß solche Geister auch bei den besten Vorsätzen und bei guter Erkenntnis dennoch ein Herz voll Unflates haben, aus dem fortwährend böse Dünste in die Kammer des Willens aufsteigen, und stets allda einen Rücktritt (Rückschritt) bewirken, wo der bessere aber schwächere Willensanteil einen Fortschritt tun wollte. Es geht ja vielen auf der Welt auch so, sie kennen das Gute und das Wahre, und nehmen sich auch immer vor, es auszuüben; aber gemeiniglich in den Momenten, da sie das Gute und Wahre in ihren Willen aufnehmen wollen, da dunstet dann auch ihr Fleisch am meisten; sie werden schwach, und kommen trotz ihres Strebens nicht vom Flecke; und so ist denn der Geist stets willig, aber das Fleisch ist schwach, und da an diesem Kado habt ihr nun ein lebendiges Beispiel, wie ein Mensch oder Geist aus seiner eigenen Kraft nichts vermag ohne Mich; mit Mir aber vermag er alles!« 6 Der Miklosch beobachtet jetzt nur hauptsächlich den Hügel, auf dem der Kado also zusammengekauert liegt, als wäre er tot; aber da die schreckliche Flut denn doch über des Kados beiläufige Berechnung nicht an seine Haut gelangen will, so fängt er langsam sich wieder emporzurichten an, um zu sehen, was es denn nun da mit diesem Zornsturme aus der Gottheit Rachekammern für einen Fortgang nehme. Er ersieht zwar noch das Feuermeer in seiner gleichen wogenden Tätigkeit, nur merkt er, daß es sich nicht mehr weiter ausbreite und auch nicht höher steige, als wie es sich gleich anfangs ausgebreitet hatte über eine unübersehbare weiteste Fläche und gestiegen ist zu einer bedeutenden Höhe. 7 Diese Erscheinung flößt dem Kado mehr Mut ein, und er spricht nun bei sich: »Was haben nun alle diese Esel und Ochsen davon, daß sie sich wieder einmal den argen Spaß gemacht hatten, mit der allmächtigen Gottheit einen Kampf zu wagen? Aber ich selbst bin eigentlich auch ein Esel und Ochse zugleich; warum habe ich denn ehedem den Antrag jener zwei Boten nicht angenommen, denen es von der Gottheit gegeben war – mich zu retten von dem schaudervollsten Untergange. Wo sind diese Herrlichen nun? Rings um mich her ist Nacht, nur das glühende Feuermeer wirft einen matten Zornschimmer über mein verfluchtes bärenzottiges Wesen. Gegen Morgen dort, in weitster Ferne, wie es mir vorkommt, entdecke ich einen freundlicheren Schimmer, als wie dieser da hier ist, der vom Spiegel dieses Qualmeeres über mein Wesen sich verbreitet. Wie es etwa doch wäre, so ich längs dieser Hügelzunge mich dahin zöge? Denn schrecklicher und gefährlicher kann es doch nirgends mehr sein, als eben hier in der Mitte der untersten Hölle.« 8 Nun macht sich Kado auf die Beine, und fängt ganz rasch an sich gegen uns her zu bewegen; aber, wie ich's merke, so gibt seine Bewegung eben nicht sehr aus, und es hat das Ganze seines Bewegens ein Aussehen, als ob er sich selbst mit seiner Schnellfüßlerei foppen möchte; denn er zippelt und zappelt fast immer auf einem und demselben Punkte. Was wohl kann davon die Ursache sein, daß er bei seinem sicher festen Willen nicht weiter kommen kann?« 9 Rede Ich: »Der Grund davon liegt in dem, daß solche Geister auch bei den besten Vorsätzen und bei guter Erkenntnis dennoch ein Herz voll Unflates haben, aus dem fortwährend böse Dünste in die Kammer des Willens aufsteigen, und stets allda einen Rücktritt (Rückschritt) bewirken, wo der bessere aber schwächere Willensanteil einen Fortschritt tun wollte. Es geht ja vielen auf der Welt auch so, sie kennen das Gute und das Wahre, und nehmen sich auch immer vor, es auszuüben; aber gemeiniglich in den Momenten, da sie das Gute und Wahre in ihren Willen aufnehmen wollen, da dunstet dann auch ihr Fleisch am meisten; sie werden schwach, und kommen trotz ihres Strebens nicht vom Flecke; und so ist denn der Geist stets willig, aber das Fleisch ist schwach, und da an diesem Kado habt ihr nun ein lebendiges Beispiel, wie ein Mensch oder Geist aus seiner eigenen Kraft nichts vermag ohne Mich; mit Mir aber vermag er alles!« Kapitel 171 Veränderte Höllenkampfszene. Ein satanisches Ballet, Kados Ernst, verzweifelte Reue und Bekenntnis seiner törichten Bosheit, sein Ruf nach den zwei himmlischen Boten Am 22. Februar 1850 1 Rede Ich: »Nun aber gebet nur weiter acht, und du, Miklosch, mache den Erzähler; denn es ist hier in dieser Gesellschaft nicht jedem gegeben, zu schauen und zu sehen das Kommende; aber in der Unkenntnis davon solle niemand belassen werden. 2 Miklosch richtet nun wieder ganz fest seine Augen auf die höllische Szene, und fängt nach einer kurzen Weile also zu erzählen an: »He, der Tausend! Ach das ist wahrlich im höchsten Grade tragischkomisch! Aus dem Feuermeere, das noch immer ganz verzweifelt grauenerregend mit donnerartigem Getöse dahin wogt, und aus einer jeden der Milliarden Wellen eine zahllose Menge Blitze entsendet, erheben sich nun ganz muntere Gestalten, und das ebenfalls gleich den Wellen und Blitzen in einer Unzahl. Von vorne sehen sie ganz rar aus, recht anmutig; und vom Rücken aus wie halbverweste Totengerippe. Das starke Wogen der glühenden Flut scheint sie nicht im geringsten zu genieren, und die sicher allerenormste Glühhitze unter ihren Füßen scheint ihnen nur ein höchst angenehmes Gefühl zu verursachen. Die Blitze fahren durch sie hindurch, als wie das Wasser durch ein Sieb, ohne daß sie die muntern Gestalten nur im geringsten inkommodieren möchten; das ist wahrlich im höchsten Grade sonderbar! Ach, ach, sie vermehren sich stets mehr und mehr, und machen einen förmlichen Reigen; eine wahrlich von vorne sehr elegant aussehende Gruppe bewegt sich in den zierlichsten Pas' gegen unsern Kado hin, der diese Erscheinung auch mit der größten Aufmerksamkeit betrachtet, ohne jedoch daran ein sichtliches Wohlgefallen zu haben; aber mit der fruchtlosen Bewegung seiner Füße hat er dennoch einen Einhalt gemacht, und staunet nun ganz verblüfft diese vielen Tänzergruppen an. Die eine Gruppe macht nun schon ganz knapp am Hügel ihre Sprünge und sonstigen graziösen Bewegungen, und scheint den Kado zu unterhalten; denn er hat sie schon ein paar Male nun recht wohlgefällig angelächelt. Aber den Rücken bekommt er nicht zu Gesichte. 3 Nun eilen ein paar Tänzerinnen recht graziösen Ansehens zu ihm auf den Hügel hinauf mit rosenfarbigen Schleifen in ihren Händen, und winken ihm, ihnen auf den glühenden Tanzboden zu folgen. Aber Kado entschuldigt sich, und spricht nun: »Meine Füße würden sich an (auf) solch einem Tanzboden nicht halten; daher bleibe ich, wo ich bin; ihr aber bleibet, wo es euch gut zu gehen scheint; ich brauche von solch einem zu brennheißen Vergüngen wahrlich nichts! Aber die zwei kommen ihm näher, und nehmen sich alle Mühe, ihn auf dies glühende Eis zu locken; aber er bleibt stehen, und gebietet ihnen, sich ihm ja nicht noch mehr zu nahen, ansonst er wider sie Gewalt gebrauchen müßte. Je mehr er aber ihnen droht, desto mehr zeigen sie ihm von ihren Vordergrundsreizen, und bestreben sich, ihn ganz zu bezaubern. Es ist das wahrlich ein ganz sonderbarstes Schauspiel; merkwürdig ist die Haltung dieser veritabelsten Höllengrazien, daß sie bei allen ihren verlockenden Bewegungen doch nicht irgend derart aus der Haltung kommen, daß der Kado ihrer Rückenteile ansichtig werden könnte; no, eine bemüht sich, ihm nun die Schleife um den Hals gleich einer Schlinge zu werfen; 4 er aber weicht zurück einige Schritte, hebt einen Stein auf, und schleudert ihn der Grazie gerade an die Brust, und schreiet nun mit einer wahren Donnerstimme: »Zurück Höllenbestie! Wenn Satan, dein Gebieter, kein besseres Verführungsmittel mehr hat, um einen armen Teufel noch tiefer in die Hölle hinab zu ziehen, als er ihn schon gezogen hat, da solle er sich heimspielen lassen. Glaubt denn dieses uralte der Gottheit widerspenstige Rindvieh, Vögel meines Gelichters werden auch so recht dümmsten Weltfinken, Gimpeln und Zeisigen gleich sich auf seine alten saudummen und alles Leimes baren Spindeln setzen, und sich dann von ihm fangen lassen? Da irrt er sich; ein Aar setzt sich nie auf eine Leimspindel; saget das eurem Ochsen von einem Gebieter!« 5 Aha, nun spricht die zweite Kameradin (Höllengrazie), nach der der Kado noch keinen Stein geworfen hat: »Aber lieber Freund! du irrst dich gewaltig über unsere große Fürstin Minerva; siehe, sie kennet deinen großen Geist, und will dir durch uns, als ihren Genien, eine kleine Vorauszeichnung zuteil werden lassen, nach der sie ihm höchsten Majestätsglanze ihrer Macht und Kraft dir liebreichst entgegen kommen wird, um dich einzuführen zu den allerhöchsten Ehren, dieweil du der einzige warst, der diesen von der alten außer allen Kurs gekommenen Gottheit gegen einige Feiglinge der großen Fürstin gerichteten Feuerwogen den beharrlichsten Widerstand geleistet hat. Erkenne daher die höchste Gnade, die dir deiner unbezwingbaren Kraft wegen die allerhöchste Fürstin der ganzen Unendlichkeit zuerkannt hat!« – 6 Spricht Kado: »Ist eure hohe Fürstin auch so dumm oder vielleicht noch dümmer als ihr hundsgemeinsten Höllenfetzen?!« – Spricht ganz pomphaft die Ungesteinigte: »Was ist doch das für eine entsetzliche Frage! Die hohe Minerva, die Göttin aller Weisheit, bei der sogar alle Götter in die Schule gehen müssen, sogar Zeus und Apoll nicht ausgenommen!« – Spricht Kado: »Oh! ja, das habe ich nicht gewußt, daß hier das alte Göttergesindel auch noch existiert; ihr seid gewiß auch eine Art von Göttinnen?« – Spricht sie: »No freilich, ich bin ja die berühmte Terpsichore (Göttin des Tanzes)! und diese hier, nach der du grausamer Maßen einen Stein geschleudert hast, ist die herrliche Euphrosyne (Göttin des Frohsinns)! Die Arme leidet nun einen starken Schmerz; aber sie leidet ihn geduldig aus großer Liebe zu dir!« – 7 Spricht der Kado: »No, no, nun weiß ich genug, um euch mit aller Macht meines unbeugsamsten Ernstes sagen zu können, daß ich die Minerva im höchsten Grade verachte, und von ihr ewig nie eine Ehre annehmen werde. Saget ihr, ich bin zwar ein entschiedener Feind eines gewissen Juden Je....... – Jes....... ja, ja, so heißt er, Jesus, richtig Jesus heißt Er, und bin auch mehr oder weniger ein Feind seiner Lehre in mancher Hinsicht; aber so ich nun diesem verachteten Judenpropheten als ein Esel Dienste leisten solle, so bin ich dazu bei weitem eher erbötig, als von eurer Minerva die höchste Ehre anzunehmen. Und nun fahret ab, ihr sauberen Geniusinnen; aber sehet zu, daß euer Tanzboden nicht zu heiß wird.« – Spricht sie: »Na warte nur, da wir dich nicht erweichen können, so sollst du die Minerva selbst zu sehen bekommen, aber von ihr keines Blickes gewürdigt werden!« – Spricht Kado: »O, das wird mir sehr angenehm sein, aber hauptsächlich 's letzte, verstanden!?« – 8 Nun entfernen sie sich, und hüpfen ihren Solopas unter die anderen vielen und höchst zahlreichen Gruppen fort; und nun verlieren sie sich so ganz und gar, daß ich sie nimmer irgendwo mehr zu endecken vermag. Aber nun wird das Glühmeer schon wieder unruhiger; die Wogen fagen an stärker zu gehen, und die Oberfäche wird glühender und daher sicher auch leuchtender. Die zahllosen Tänzerinnen fliehen nun wie von höchster Angst gepeitscht in wildester Unordnung über die schreckliche Oberfläche gegen die allerscheußlichst aussehende Grotte hin, und stürzen sich unter gräßlich tönendem Schmerzgestöhne und Schreien des Entsetzens in einen wahrscheinlich alle meine Einbildungskraft weit übersteigend furchtbarsten Abgrund. 9 Der Kado macht hier selbst eine sehr bedenklich kleinlaute Miene, und sagt nun bei sich selbst: »No, no, die Gottheit sei aller Kreatur gnädig! Und so an der Hilfe des Propheten Jesus, der ein Liebling der Gottheit sein solle, etwas reell Wirksames ist, so helfe auch er; denn diese Qualen sind für jedes lebende Wesen, ob Leib, Seele oder Geist, denn doch zu unaussprechlich groß und hart. Übrigens muß die weiseste Minerva diese ihre Dienerschaft eben nicht gar zu artig empfangen haben, weil sie gar so entsetzlich haben Wehe zu klagen angefangen. O Du große, allmächtige Gottheit! habe ich auch eine Strafe verdient, so lasse mir nur ein bißchen Gnade für ein zu scharfes Recht widerfahren. Denn diese Strafe für zeitliche Vergehen, wie sie auch immer beschaffen sein mögen, ist doch als ewig während zu ungeheuer unverhältnismäßig allerschrecklichst grausam. Lasse uns zunichte werden, und wir sind für ewig damit zufrieden; denn der nicht ist, dem ist doch sicher alles recht. Ich habe Dir, Du allmächtigster Gott, wohl ehedem trotzen wollen, als ich noch nicht verkostet hatte des gräßlichsten Schmerzes Macht; aber nun ich schon verkostet habe so eine wahrscheinlich nur höchst geringe Einleitung zum großen, ewig dauernden höllischen Schmerzenstraktamente, so ist mir auch wahrlich für ewig alle Lust vergangen, mich Dir je wieder einmal widerspenstig zu bezeigen. Ich bin gewiß kein Feigling; aber was zu viel, ist zu viel! Zugleich aber danke ich Dir, Du große, allmächtigste Gottheit, als ein wahrlich vielseitig ärmster Teufel für so viel Gnade, daß Du mich bis jetzt noch nicht in den Pfuhl geschleudert hast. O wie gräßlich qualvollsten Anblickes ist doch dies erschrecklichste Glühmeer! Welch unerklärbarste Schmerzen müssen die empfinden, die unter seinen weißglühenden Wogen begraben ruhen, o eine erschrecklichste Ruhe!« – 10 Hier wird Kado stille, und scheint zu weinen; ja, ja, er seufzet recht bitterlichst; und nun ruft er wieder aus in einem sehr klagenden Tone: »O du elendstes Geschöpf! du für den höchsten Schmerz bestens befähigter Spielball in den Händen einer unerforschlichen, ewigen Macht! Was ist dein Los sonst wohl, als eine ewige, allergräßlichste Verzweiflung im Gefühle deiner entschiedensten Ohnmacht! Die Erde ward dir beschieden, auf das du durch ihre tausend Lockungen zu einem Teufel werden mochtest; dann ward dir der elende Leib genommen, und du stehest nun als ein nacktester und allerärmster Teufel, ein ewiger Fluch der unerbittlichsten Gottheit, vor den Pforten der ewigen Qual; und weil du ein Teufel bist, so reicht dir auf all dein Bitten auch keine helfende Macht irgend einen leisesten Hoffnungsstrahl zu einer Erlösung. Wo seid ihr beiden Freunde nun, die ihr mich vor einer noch nicht gar zu langen Weile habt ins Paradies bringen wollen? Damals war ich blind, und nun bin ich sehend; warum kommet ihr denn jetzt nicht zu mir, um mich zu retten als einen Sehenden, da ihr mich doch ehedem als einen Blinden habet retten wollen vor dem Abgrunde des ewigen Entsetzens! Aber ich schreie und weine nun vergeblich, denn das Jammergeschrei aus der verdammten Tiefe eines armen Teufels dringt nimmer an ein göttliches Ohr. Wer verflucht ist, der ist auch verflucht, und die ewige schmerzvollste Verzweiflung ist sein erschrecklichstes Los. Wehe mir! dies ist erst der Anfang, dem aber kein Ende folgen wird.« Kapitel 172 Kados verzweiflungsvolles Selbstgespräch und seine Erdenlebensgeschichte. Die höllische Minerva im Punkwagen naht sich dem Kado, ihre Anrede und seine drohend abweisende Antwort Am 25. Februar 1850 1 Miklosch fährt fort zu berichten: »Nun starrt er wieder ganz trübsinnig vor sich hin, und wirft dann und wann einen Blick nach der entsetzlichen Grotte hin, aus deren schaudervollstem Hintergrunde nun stets gewaltigere Flammen emporzuschlagen anfangen, begleitet von einem fürchterlich unheimlichen Tosen und von zahllosen Stimmen, wie sie nur ein höchster Schmerz einem Gemarterten erpressen kann. 2 Dem Kado stehen die Haare zu Berge; in seiner Miene malt sich Furcht und Verzeiflung, und in seinem Innern wird es zornglühend. Nun faßt Kado einen Stein fest in seine Hand, und spricht mit bebender Stimme: »O komm nur du, mir durch deine Quälteufel beansagte Minerva, du Urgrund alles Übels! Dieser Stein soll dir dein Gehirn messen, wie viel der grausamsten Weisheit etwa doch im selben vorhanden sein möchte. Ein Gott oder ein Teufel gebe mir Antwort: Wer sind die Gequälten, wer quält sie und was ist ihre Schuld? Keine Antwort? auch aus der Hölle keine? Das ist schon die Art der Mächtigen, daß sie die Stimme eines armen Teufels als rein null und nichtig betrachten. Mein Herz, du fragst umsonst; die Hölle ist taub und der Himmel zu entsetzlich ferne von hier. Hier gibt es keinen Trost mehr für dich; du bist verloren, verloren – auf ewig! Gewöhne dich an die Greuel, so hier eine Angewöhnung überhaupt möglich ist; das ist noch der einzige Scheintrost, den ich dir bieten kann. Gewöhne dich an die Verzweiflung, an die Diamanthärte der Beherrscher der Hölle, an die Ferne von Gott, und an die ewige Unzulänglichkeit jeder deiner an den Himmel gerichteten Bitten. Aber welch eine schaudervollste Angewöhnung wird das werden? Auf der Erde ging es zwar, daß ich mich angewöhnen konnte an alle die Greuel, die zu verüben ich von meinem Prinzipal genötigt wurde; aber damals war ich ein rohstes und aller Menschenbildung barstes menschliches Raubtier; ich hatte von keiner Religion auch nur einen allerleisesten Begriff. Erst als ich Selbstherrscher ward, griechisch lesen und schreiben lernte, und dabei zu einer geraubten griechischen Bibel kam, da ward ich auch in meinem Leben zum ersten Male über das Dasein eines allmächtigen Gottes belehret. 3 Ich las das neue Testament, und machte da Bekanntschaft mit dem berühmten Juden Jesus, dessen Lehre sehr viel für sich hatte, bis auf einige Widersprüche. Ich ließ mir einen sogenannten Geistlichen an meinen Hof bringen, daß er mir erläutere diese alte Schrift. Aber was war das für eine Erklärung!? Ein jedes alte Weib hätte mir sicher eine ebenso gute, wo nicht bessere gegeben. Der Pfaffe verlangte von mir bloß Opfer zur Sühne meiner Sünden, und verbot mir das weitere Forschen in solchen Büchern, durch die des Menschen Geist getötet werde. Ich sah, daß der Geistliche ein Lump war, ärger denn ich, und ließ ihn darum gehen, und legte auch die Schrift zur Seite. So ich nun dadurch zu einem Teufel ward, so frage ich, ob ich daran wohl alle Schuld trage? Aber frage, mein Herz, die Allmacht, und sie wird dich keiner Antwort würdigen. – 4 So der Soldat, der mit Schlingen und Ketten zu diesem Stande gezogen ward, auf dem Schlachtfelde Menschen ermorden muß, kann eine höchstweise Gottheit ihm das in sein Schuldbuch schreiben, und ihn dann als einen Mörder rechtens verdammen? Nein, und ewig nein! das kann sie nicht mit dem Rechte wahrer Weisheit. Ist aber der Gottheit Weisheit auch mit dem eitlen Dunste ihres göttlichen Allmachtsdünkel umnebelt, da freilich muß einem armen Teufel in aller seiner Nichtigkeit und Schwäche alles recht sein, was die Allmacht über ihn verfügt. Aber was hadre ich! geht es etwa nicht schon präparativ (vorbildend) für die armen Teufel auf der Erde also zu? Die allmächtige Gottheit ruft sie ins Dasein auf ein Territorium, auf dem für sie kein Gräschen wächst; und nehmen sie sich eines ohne den Willen des privilegierten Besitzers, so haben sie schon das Gesetz als Diebe am Genicke, während der Reiche im eigentlichen Sinn gar nicht stehlen kann, da ja ohnehin alles sein ist. O du schöne Weisheit und Gerechtigkeit, die dem Reichen gibt im Übermaße und den Armen verhungern läßt.« 5 Miklosch weiter: »Nun werden die Flammen sehr tätig, die da aus dem Hintergrunde der Grotte hervorbrechen, und Blitze fahren in einer Unzahl von eben diesen Flammen in alle Richtungen hin über die große Fläche des stets schauderhaft wogenden Glühmeeres. Ich gewahre nun ein starkes Drängen im Hintergrunde der entsetzlichen Grotte; ich kann mir in meinem Gefühle wahrlich nicht helfen; es sieht zwar die Grotte an und für sich betrachtet nicht anders aus, als wie ich auf der Erde schon so manche Grotte gesehen habe, nur mit dem einzigen sichtlichen Unterschiede, daß da diese Grotte voll des allesverzehrendsten Feuers ist; aber alles dessen ungeachtet macht sie auf mein Gemüt dennoch einen allergräßlichsten Eindruck; wie muß sie erst dem Kado vorkommen, der da in der gemeinten sichern Anwartschaft stehet, über kurz oder lang in diese zu gelangen! O tausend, o tausend; nun fängt es aber in der Grotte schon ganz entsetzlich zu toben und zu wüten an. Flammen schießen hervor, als so sie von einer allergewaltigsten Esse getrieben würden und ganze Bündel von den mächtigsten Blitzen fahren empor zu den noch in unverrückter Ordnung weilenden Himmelsscharen, die aller dieser greuelhaftesten Machination ganz gleichgültig zusehen, gleichsam als sehen sie gar nicht, was da alles vor sich geht. 6 Aber nun läßt sich aus der Grotte wie ein gar heftiges Angstgejammer vernehmen! – Das Gejammer kommt näher und näher, und der Kado hält sich die Ohren zu; no, der muß dieses elendste Geschrei, Geheul und Gebrüll gar gut vernehmen. Ach, ach, ach, das ist großartig teuflisch merkwürdig! Nun kommt aus der innersten Grotte ein Prachtexemplar von einem nach Römer Art gemachten kaiserlichen Galawagen von 6 glühenden Drachen bespannt zum Vorscheine und im Wagen, der selbst ganz glühend zu sein scheint, sitzet im Ernste eine Art Minerva, in ihrer Rechten eine Art Zepter und in ihrer Linken eine glühende Lanze haltend. 7 Sie gebietet nun dem Glühmeere Ruhe, und siehe, das Meer scheint ihre Sprache nicht zu verstehen; denn es ist stets gleich unruhig. Aber jetzt winket sie mit dem Zepter in den Hintergrund zurück, und sogleich stürtzen eine Unzahl ganz verzweifelt teuflisch aussehender Geister aus den Flammen unter gräßlichem Geheul hervor. Sie gebietet ihnen, die Wogen des Glühmeeres zu bändigen und niederzuhalten. Die Teufel unter allen erdenklichen Geschmeißgestaltungen werfen sich sogleich auf die glühenden Wogen, und bringen richtig eine etwas bedeutende Ruhe zuwege. Aber es scheint diese Ruhe der Göttin noch nicht zu behagen; deshalb ruft sie noch eine größe Menge solcher Geister hervor; diese stürzen mit großer Wut hervor, und decken mit ihrer Scheußlichkeit nahe die ganze sichtbare Oberfläche des Glutmeeres, und es ist die Oberfläche nun ganz ruhig, so weit sie von diesen Scheusalen bedeckt ist. 8 Nun erst fängt sie an weiter zu fahren, und wie ich's merke, nimmt sie die Richtung gerade gegen den vor Entsetzen schon nahe ganz starr gewordenen Kado. Dieser aber versieht sich nun mit Steinen, und wie ich's merke, so bezeichnet er sie zum Teil mit dem Namen Jeoua (Jehova), und zum Teil auch mit Deinem Namen Jesus von Nazareth, König der Juden. Er sieht ganz verzeifelt grimmig aus, und droht schon von weitem der sich ihm nahenden Minerva. 9 Minerva aber herrscht ihm entgegen: »Wage es nur, meine Majestät zu beleidigen, so du in tausend mal tausend Stücke zerrissen sein willst. Siehe, ich komme zu dir, um dich glücklich zu machen, und du willst mich steinigen! O du elender, blinder Tor! was ist deine Macht gegen die meinige. Sieh', die ganze Schöpfung, alle zahllosen Sterne und Welten sind aus mir; ein Hauch aus meinem Munde verwehet sie auf ewig in einem Nu, und du willst mit mir einen Kampf beginnen? O du tollster Tor! Sehe und höre mich vorerst; dann versuche dich an mir!« – Spricht Kado: »Das ist mir ein Teufel, ob schön oder häßlich oder ob mächtig oder schwächer denn eine Mücke; das ist wie gesagt mir ganz gleich. Ich warne dich, nahe dich mir nicht, sonst sollst du ganz verdammt schlecht bedient werden; denn ich verachte dich bis in den tiefsten Abgrund der Hölle, die von A bis Z dein Werk ist. O du bildschönster Satan von einer Minerva, meinst denn du, mit deiner reizendsten Gestalt wirst du mich bestechen oder verlocken, daß ich mich dir ergebe? Packe ein mit allen deinen Reizen; wahrlich nicht einmal mit meinem Kote möchte ich deiner Haut zarteste Stellen beschmieren. Fahre ab, sonst sollst du die Wurfkraft meiner Hände zum Verkosten bekommen, sieh diesen Stein; Jehoschua ist sein Name!« Kapitel 173 Kado und Minerva führen miteinander ein Steitgespräch über die Wesenheit Minervas Am 27. Februar 1850 1 Miklosch: »Spricht die Minerva: »Aber Kado! für so impertinent, roh und grob hätte ich dich wahrlich nicht gehalten; es haben mir's ein paar Favoritinnen meines Hofes erzählt, welch ein grober und roher Schroll du sein sollest; aber ich nahm ihre Aussagen nicht sogleich als bare Münze an, sondern wollte mich erst selbst von allem überzeugen. Aber da ich mich nun von deiner höchst inhumanen Weise, mit hohen Geistern zu verkehren, selbst überzeugt habe, wo ich dir doch gewiß nicht unartig entgegengekommen bin, so bin ich denn auch genötigt, mit dir in einem ganz anderen Tone zu diskutieren anzufangen; zuerst sollst du einer kleinen Exekution zusehen, und daraus entnehmen, wie ich mit Geistern so ganz von deinem Kaliber umzugehen pflege; und solle dich dieser Anblick für mein Herz noch nicht mürbe machen, so werde ich dann auch dich unverzüglich meine Schärfe verkosten lassen, weil dir meine Herablassung, Milde und Sanftmut nicht munden will.« – 2 Die Minerva winkt, und in einem Augenblicke werden von allerschrecklichst aussehenden Teufeln eine unübersehbare Menge von allen erdenklichen Marterwerkzeugen herbeigeschafft, und in einem weiten Kreise um die Minerva ordnungsmäßig aufgestellt. Auf einen zweiten Wink werden von anderen noch gräßlicher aussehenden Teufeln eine ungeheure Menge von noch ganz menschlich aussehenden Delinquententeufeln auf eine Weise nun aus der schauderhaftesten Grotte herbeigeschleppt, die selbst einen Stein empören müßte. Diese Delinquenten schreien und heulen nun furchtbar, und viele winden sich entsetzlich aus tiefster Verzweiflung bittend vor der Minerva, daß sie ihrer schonen möchte. Aber diese winkt nun ganz stumm den vor Martergier ordentlich glühenden Teufeln, und diese ergreifen mit wildester Hast ihre Opfer, und beginnen soeben dieselben auf das allerunbeschreiblichste zu martern und zu quälen. 3 Ach, Herr! das ist noch der allergräßlichste Anblick! Wenn diese ärmsten Teufel auch so wie wir schmerzfähig sind, so ist das etwas, worüber selbst der tiefweiseste Cherub verstummen muß. Das Martern geht nur sehr langsam und ganz planmäßig vor sich. O Herr, du ewige Liebe! erbarme dich dieser ärmsten und allerunglückseligsten Teufel, und lasse den armen Kado nicht in die vollste Verzweiflung übergehen! Ich höre von ihm nun nichts mehr und nichts anderes als: »O Gott, o Gott, o Gott! wo bist Du? Ist es denn möglich, daß Du so was ruhig mitansehen kannst? Ich bin verloren! ich bin verloren!« Er fällt nun wie ohnmächtig zusammen. 4 Nun ruft dem Kado die Minerva so ganz höhnisch gelassen zu: »No, du tapferster Held, wo ist denn nun dein Mut und dein Starrsinn? Beliebt es dir, mir etwa noch länger trotzen zu wollen? Versuche es, so du nun den Mut besitzest, und ich werde dir dann sogleich meinen Mut und meine Kraft zeigen. Wie gefällt dir dies kleine Pröbchen, das ich nun bloß nur so aus meiner Laune vor deinen Augen aufführen lasse? Nicht wahr, die Sache macht sich?« – 5 Der Kado springt nun plötzlich auf wie neu gestärkt, und heulet der Minerva zu: »Satan, Grund alles Bösen! was haben diese verschuldet vor dir, daß du sie alle quälen lässest? Wenn dir nur ein Funke Weisheit innewohnt, so forsche in dir dem Grunde nach, und gebe mir ihn kund; und so er mich befriedigt, da will ich dich anbeten! Rede! oder ich zerreiße dich in Atome!« – Hier bricht die Minerva in ein gellendes Gelächter aus und sagt darauf: »O du elendster Wurm, du wagst es noch, bei all dem Gesehenen mich als die Herrin der Unendlichkeit um eine förmliche Rechenschaft anzuheulen! Warte! es soll dir sogleich die verheißene Züchtigung zukommen, und diese wird es dir sagen, aus welchem Grunde die Allmacht so manches zu tun pflegt nach ihrem launigen Belieben, ohne ein geschaffenes Wesen eher um eine Genehmigung anzubetteln.« 6 Nun winkt die Minerva ihren Büttelteufeln, daß sie den Kado ergreifen und auf eine allerärgste Martermaschine schleppen sollen, und sogleich springen eine starke Menge der grimmigsten Teufel auf ihn zu, um ihn zur Martermaschine zu schleppen. Aber da sehe man den Kado an; nein, solche Kraft hätte ich in ihm nicht gesucht. Im Augenblicke, als ihn die Teufel ergreifen wollten, warf er allergewaltigst einen Stein unter sie, daß sie dadurch wie durch einen Zauber derart auseinander zerstoben wurden, als wäre ein allergewaltigster Blitz unter sie gefahren; und es scheint keiner mehr die Lust zu haben, einen wiederholten Angriff zu wagen. 7 Als Kado nun ersieht, daß ihm ein mit Deinem Namen, o Herr, bezeichneter Stein einen so ausgiebigen Dienst geleistet hat, legt er die Hände auf seine Brust und sagt: »Nicht mehr du Judenprophet Jesus, sondern Du Gott Jesus! Du hast mir geholfen, Dir sei all mein Dank, und alle meine Achtung auch aus der Hölle, in der ich mich befinde, für ewig geweiht!« 8 Miklosch: »Mehr als überaus merkwürdig ist es aber, daß bei der Nennung Deines allerheiligsten Namens die sämtlichen Teufel samt der Minerva wie von einer Million Blitzen zu Boden geschmettert worden sind und gar keine Lust mehr zeigen, sich wieder zu erheben.« – 9 Kado aber fragt nun die zusammengekauerte Minerva: »No, du holdeste Beherrscherin der Unendlichkeit, wie geht es dir denn nun? Mir scheint, du bist ein wenig angegriffen? Möchtest denn nicht ein wenig näher zu mir dich begeben, vielleicht könnte ich dir helfen mit noch so einem Steine der Weisen!« Am 1. März 1850 10 Die Minerva richtet sich nun wieder auf, findet aber zu ihrem großem Leidwesen, daß ihre Lanze gebrochen und ihr Zepter sehr beschädigt ward, sie betrachtet nun solche ihre Herrschinsignien eine Weile und sagt: »Das ist sehr übel für meine Herrschaft! denn es sagte einst das mächtigste Fatum zu mir: Minerva! du weiseste und mächtigste Königin über alle Sterne, gebe acht auf deine Lanze und auf deinen Zepter! So es je geschehen solle, daß dir deine Lanze gebrochen, und dein Zepter beschädigt würden, dann wird es mit deiner Herrschaft auch ein baldiges Ende nehmen, und du wirst verabscheuet werden ärger den ein Aas. Ja, ja, das Fatum, das unerbittliche Fatum hat wahr gesprochen, Kein Engel der Himmel konnte je meine Macht brechen. Aber einem niedrigsten Teufel, der doch in aller Bosheit ein dümmster Teufel war, wurde es vom Fatum vorbehalten, daß er mich stürze.« – 11 Nach diesem Monologe wendet sie sich nun an den Kado und sagt: »O du dümmster aller Teufel, wie ist es dir denn nun, daß du mich so schmählich hintergangen hast; wirst du nun als das Symbol der rohesten Dummheit die Welten, Sonnen und alle Elemente lenken? Wirst du sie aufhalten, so sie nun bald, da ich sie nicht mehr erhalten kann, über dich hereinstürzen werden? Meinst du, auch eine ganze Welt mit aller ihrer Schwere wird sich im Falle von deinen allerschmutzigsten Steinen aufhalten lassen?« – Spricht nun Kado: »Wenn du als allmächtige Beherrscherin der Unendlichkeit dich vor meinen Steinen nicht schützen konntest, wie werden sich dann deine miserablen Werke schützen vor ihnen? Wer so eine saubere Gottheit, wie du eine, besiegt, für den werden wohl ihre Werke auch nicht unbesiegbar sein! Kümmere dich dessen nicht; da weiß es schon eine andere Gottheit als wie du, was sie aus deinen seinsollenden Werken machen wird. Sage mir aber lieber, wie viele so arme Teufel hinter jener Grotte noch weilen, als wie diese da sind, die du nun so bloß zu deinem Privatvergnügen auf das allerscheußlichste hast martern lassen? und wie viele sind schon von jeher so und vielleicht noch ärger gequälet worden? Sage mir die genaueste Wahrheit, sonst sollst du von mir auf das allerübelste bedienet werden!« – 12 Spricht nun die Minerva: »Sieh, du blinder Tor! Alles das, was du hier gesehen, war nichts als bloß nur eine momentane Ausgeburt meiner Phantasie, also gestellet zur Probe deines Mutes; ich allein bin eine Wirklichkeit; alles andere war ja nur ein Schein und kein Sein; daher hattest du mit dem Scheine auch einen leichten Kampf zu bestehen; denn wäre dir hier eine Wirklichkeit entgegengetreten, da hätten dir deine allerschmutzigsten Steine sicher keinen Sieg verliehen; aus welchem Grunde aber an deinem Siege über mich auch nicht so viel liegt, als wie du nun etwa meinen dürftest; denn du hast nur einen Schein, und keine Wirklichkeit besiegt!« – Hier denkt die Minerva etwas nach und sagt nun nach einer Weile: »Auf deine Frage, wie es sich schon von selbst versteht, kann ich dir daher auch keine Antwort geben, was auch mein gerechter Stolz nie zugeben könnte, daß ich mich mit so einem miserabel dümmsten Teufel in eine Weisheitsberechnung einlassen möchte. Verstehst du miserabel dümmster Teufel solches?« – 13 Spricht nun Kado mit spöttisch lächender Miene: »Schau, schau, was du doch bist für eine kluge Sau! Also nur bloß den Schein, und keine Wirklichkeit hätte ich besiegt durch den Gottnamen Jesus? und doch sagtest du soeben, die du auch total geschlagen bist, von dir selbst aus, daß du eine allmächtige Wirklichkeit bist! Wenn ich mit meinem Steine – nach deiner Behauptung – bloß nur deine allergrausamsten Phantasiebilder besiegt habe, wie kommt es denn, daß du als Wirklichkeit nun auch besiegt und ganz gelähmt vor mir dich befindest? Rede nun, und mache mir diese Sache erklärlich, wie ist das?« 14 Spricht die Minerva: »Das ist auch nur ein Scheinsieg, da ich mich nur so stelle, als wenn ich besiegt wäre, um mit dir ganz aufrichtig zu sprechen; denn wäre ich wirklich besiegt, so stünde ich nicht mit aller meiner vollsten Entschlossenheit vor dir, und wäre nicht bereit, mit dir noch zahllose Male den glühendsten Kampf zu erneuern! – Ich gebrauche gegen dich, der du ein reinstes Nichts gegen mich bist, dieses Scheingefecht nur aus Schonung für dein mir leider zu wohlgefälliges Wesen, welches mein Herz mit der unverdientesten Liebe gegen dich erfüllte, und noch erfüllt; hätte ich nicht diese zarteste Rücksicht für dich, so hätte ich bloß so ein paar allerschwächste Mückengeister über dich gesendet, die alle deine Macht und Kraft rein in nichts verwandelt hätten; und so du mir viel Flausen machst, so werde ich am Ende denn doch noch mit der Wirklichkeit dir entgegenzukommen genötiget sein!« – 15 Spricht der Kado: »Hm, hm, merkwürdig! nein, nein, du bist wirklich ein charmantes Wesen; schau, schau, so viel Herzensgüte hätte ich bei dir nicht erwartet! Daß du überaus gut sein mußt, das haben mir ja deine Phantasiebilder hinreichend bewiesen, wie auch deine schönen Gott zu enthronen beabsichtigenden Ideen, die du früher durch deine Hauptmacht, die nun unter diesem Glutmeere begraben liegt, effektuieren wolltest! – Sage mir, war etwa das auch nur bloß so eine ganz leere Spiegelfechterei? Der erste Empfang von deinen Aposteln war an mir wenigstens ganz verdammt wirklich, was ich zu einer ewigen Witzigung nur zu klar verspüret hatte. Dieselben Apostel aber sind hernach, als sie an mir scheiterten, in einer ungeheuren vermehrten Anzahl gegen die wahre allmächtigste Gottheit zu Felde gezogen, um an ihr höchst wahrscheinlich deinen uralten Plan auszuführen. Aber die liebe allmächtigste Gottheit war gleich so keck, zu öffnen die Feuerschleusen dieses Gebirges, und begrub deine Hauptmacht unter die Wogen dieses Glühmeeres. Sage mir gütigst, ob das auch alles bloß nur so ein Schein war ohne alle Wirklichkeit!« – 16 Spricht die Minerva ganz trotzig und mit zornverbissenen Lippen: »Das war leider kein Schein! Daß es aber so ungünstig für mich ausgefallen (ist), daran ist leider dein dümmster Vorfahre schuld; denn ich habe es ihm tausend Male gesagt, daß es nun noch nicht an der Zeit sei. Aber er ließ sich nicht raten, handelte eigenmächtig, und hat nun den Lohn für seine wahnwitzige Tollkühnheit. Wann wird sich wieder so eine Gelegenheit darbieten?« 17 Spricht Kado: »Ich glaube: in alle Ewigkeit nimmer! Packe daher ein mit deinem allerdümmsten Plane; Gott ist und bleibt Gott ewig, und du ein allerdümmstes Wesen, schlecht und elend genug, so du solch einen allerdümmsten Plan nicht aufgeben wirst; schau, was für ein ungeheuer schönstes Wesen wärest du, wenn du nicht so bösedumm sein möchtest; lege einmal dein uraltes stets fruchtlosestes Handwerk ab, und nehme an den Willen der Allmacht, der du ewig nimmer wirst zu widerstreben imstande sein. Ergebe dich, du sonst deiner Gestalt nach unbeschreiblich Herrliche, und ich selbst will dich mit einer Liebe umfassen, von der unter den geschaffenen Geistern die ganze Unendlichkeit kein Beispiel gesehen hat; ansonst ich dich trotz deiner höchsten Schönheit dennoch allertiefst verachten muß.« 18 Spricht die Minerva etwas weniger leidenschaftlich: »Wüßtest du, was ich weiß, so würdest du von deiner Gottheit anders reden. Aber dennoch hast du recht, daß du also zu mir redest, denn es ist auch also; aber ich kann mich ewig nimmer ändern. Denn ändere ich mich, so ist im nächsten Augenblicke außer Gott und mir kein geschaffenes Wesen mehr in der ganzen Unendlichkeit; keine Sonne und keine Erde mehr! Ich muß daher in der ewigen Qual stecken, auf daß die Geschöpfe aus mir in aller Seligkeit schwelgen können. Aber nun habe ich es satt und es muß denn doch einmal anders werden!« – 19 Spricht Kado: »O du arme Mutter der Unendlichkeit! Geh, komm her zu mir, ich werde dich zu unserem lieben Herrgott Jesus führen; nachher wird schon alles wieder gut werden!« – 20 Schreiet die Minerva: »Nur diesen Namen nenne mir nimmer! Sonst ist es gleich rein ganz aus mit uns beiden, denn dieser Name ist mir ein Greuel!« . . . – . . . (was i au glaub'.) Kapitel 174 Kado und Minerva, Fortsetzung des Streitgespräches, die leidenschaftliche Enthüllung des dummen Satans (Minerva). Die Weisheit Kados gibt ihr den guten Rat sich an Jesus zu wenden Am 11. März 1850 1 Miklosch: »Spricht Kado: »Aber liebe Mutter der Unendlichkeit, allerholdeste und schönste Minerva! Aber warum mußt du denn gerade vor diesem gewiß sehr menschenfreundlich klingenden Namen einen solchen Widerwillen haben? Was hat er denn dir getan? Ich meines Teils finde gerade in diesem Namen sehr viel Tröstendes und Beruhigendes. Also heraus mit der Farbe, was für einen Haken hat es denn da?« – 2 Spricht die Minerva ganz erbost: »Freund! da hat es den allerunendlichst größten Haken, den wohl alle Ewigkeiten nicht gerade biegen werden! Denn in diesem Namen ist die Gottheit wahnsinnig geworden, (Sie) hat ihre Urhöhe und Tiefe verlassen und hat sich aus einer alleralbernsten Liebe zu ihren Phantasiegeschöpfen in einen engen Schlafrock gepfercht, aus dem Sie nun nicht mehr herauszubringen ist! – Denke dir die aus purer Affenliebe zu Ihren Geschöpfen von ihren allermistigsten Kreaturen maltraitierte, an's Kreuz gehängte Gottheit, eine Gottheit, die sich zu einem Aase herunterwürdigt, anstatt auf ihrer unendlichen Höhe und Glorie in meiner lichtvollsten Gesellschaft zu bleiben, und zu herrschen über die vollendedsten Wesen, die da aus mir ihr unverwüstbares Dasein nehmen. Was? frage ich, was kann ich als die höchste noch durch nichts getrübte Weisheit von solch einer toll gewordenen Gottheit denken und halten? Ich könnte vor Schande und Schmach vergehen, wenn ich solch eine entsetzliche Erniedrigung anschaue, und schauen muß, weil sie wirklich da ist. Siehe, Tor! da hat es den Haken! Würde ich auch mit der Gottheit toll, so geht die ganze Unendlichkeit in Trümmer, und alle Wesen haben zu sein aufgehört, wie ich dir's schon früher sagte; siehe das ist der verzweifelte Haken.« 3 Spricht Kado: »Merkwürdig, merkwürdig, merkwürdig! aber was ist denn hier so ganz eigentlich merkwürdig! O nicht die Erniedrigung der Gottheit zu ihren Geschöpfen herab; o nein, das ist in meinen Augen noch lange nicht so merkwürdig, als daß die mir sich als höchstweise darstellende höchste Göttin Minerva so schauderhaft geistesbeschränkt ist, ihr von der großen Gottheit eine gar so saudumme Vorstellung als permanent fixiert zu machen. Erlaube mir, wie kann die Gottheit, als der reinste Urgeist aller Geister, als die mächtigste Urkraft aller Urkräfte und aller der von dieser Kraft ausgehenden sekundären Kräfte, je möglich schwach werden? Sie, die die Unendlichkeit umspannet, und danebst aber der ewigste und festeste Mittelpunkt aller Mittelpunkte ist, könnte je schwach, ja – quod incredibile dictu! – am Ende sogar wahnsinnig werden! Nein, Minerva, dieser Witz ist dir nicht gelungen. Du magst sonst sehr weise sein, ja sogar so weise, als wie du – im Ernste sagst – ungeheuer verführerisch schön bist; aber der Witz mit der göttlichen Schwäche und Tollheit ist dir nicht gelungen, und ich möchte dir beinahe mit dem Ausrufe des alten griechischen Malers – (»Schuster bleib bei deinen Leisten«) dich zurecht weisend entgegenkommen. Aber ob deiner enormen Schönheit, die sicher einen jeden armen Sünder zur Anbetung auffordern müßte, so er dich zu sehen bekäme, verschone ich dich ernstlicher Weise damit. Zudem sehe ich, daß du außerordentlich herrschsüchtig bist, und daß es dir beliebt, mit mir dir einen Spaß zu machen, und so ärgere ich mich auch gar nicht mehr über deine wenigstens mir bezeigte Dummheit. 4 Aber so du es annehmen willst, weil ich schon gar so ein großes Wohlgefallen an deiner allereminentesten Schönheit habe, und dich sogar im Ernste etwas liebe, und noch mehr lieben möchte, so ich mir's getrauete, so gebe ich dir einen Rat, und dieser besteht darin, daß du dich mit dem Gottmenschen Jesus auf einen freundschaftlichen Fuß stellen sollest! Lasse wenigstens Seinen Namen in deinem Reiche oder was es sonst noch ist (?!) öfter ausrufen zu deiner eigenen Überzeugung, was da doch etwa daraus entstehen könnte, aussprechen, und ich bin überzeugt, daß du schon dadurch in aller Kürze für bleibend zu ganz anderen Begriffen und Vorstellungen über die Gottheit gelangen wirst. Siehe, ich bin auch ein Teufel, vielleicht viel ärger noch denn du, und kenne, wie gesagt, Jesus nur dem Namen und einigen Paragraphen Seiner Lehre nach, die wahrlich höchst göttlich weise sind, und sogar jedem nur einigermaßen reell denkenden Geistteufel oder Fleischteufel die höchste Bewunderung abnötigen müssen; aber es kommt mir wahrlich gar nicht schwer an – Ihm die tiefste Achtung zu zollen; warum solle denn das dir gerade schon gar so schwer und unausführbar vorkommen? 5 Geh, und mache nun einmal eine Gescheite; denn dumm warst du ja ohnehin schon lange genug! Schau, wir zwei taugeten denn doch so hübsch für einander. Es wird deswegen noch Schlechtes genug geben, wenn es auch gerade nicht mehr von uns ausgehen wird. Denn für junge Teufel haben wir, glaube ich, doch so hübsch vorgesorgt, und der gute Herrgott wird so noch hübsch eine Weile zu tun haben, bis Er aller unserer Nachkommenschaft vollends Meister wird (!), so auch wir unser nahe ewig währendes Teufelmachungsgeschäfte für immer aufgeben. Es darf dir darum schon wahrlich nimmer leid sein; denn du hast davon noch allezeit einen scheußlichsten Lohn empfangen; und so du dein Geschäft fortsetzest, so wird dafür dein Lohn statt besser, nur immer scheußlicher werden; und am Ende könnte es der allmächtigen Gottheit so bei einer launigen Gelegenheit irgend einmal denn doch einfallen, dich für ewig ganz zu vernageln (!?) und was hättest du dann von allen deinen allersauersten Mühen und Arbeit?* Daher folge meinem Rate, und das um so mehr, da du dabei sicher am wenigsten verlieren kannst, indem du mir doch selbst ehedem deutlich genug zu verstehen gabst, daß dadurch deine Existens für ewig, sowie die der Gottheit unverwüstbar sei.« – 6 Die Minerva ist hierauf stumm, stehet als ein unbeschreiblich schönstes Weib knapp am Hügel auf ihrem Phaeton, und scheint – manchmal einen Blick nach dem Kado werfend – über die Worte desselben nachzudenken.« *Nota bene: (Hier vernehme ich Schreiber deutlich die Worte, auf slavisch also lautend: Vesc! da to sclei stoji? Zu deutsch: Weißt du, daß diese Sache nun stehet? Der Schreiber merkt dies der sicher denkwürdigen Sonderbarkeit wegen hier an, obschon es hier nicht in die Beredung zwischen Kado und Minerva taugt.) Kapitel 175 Kado und Minerva, Fortsetzung des Streitgesprächs, welches immer bedeutender wird. Satanas nicht so dumme Bedingungen zur Ergebung und Kados Erwiderung dazu Am 13. März 1850 1 Miklosch berichtet weiter: »Jetzt nach einer Weile von einigen irdisch währenden Minuten richtet Minerva ihr Angesicht wieder fest gegen den am Hügel weilenden Kado und sagt: »Freund! ich muß dir offen gestehen, daß du mich sehr interessierst, denn es liegt in deiner schönen morgenländischen Gestalt, wie auch in deinen Worten mehr Geist und Wahrheit, als du es selbst nun noch zu ahnen imstande bist; aber dem ungeachtet kann ich deiner Rede nicht eher Gehör bieten, als bis die von mir geschaffene Erzhure des neuen Babel vollends gestürzet ist. Ich habe sie aufgerichtet zu einer von der Gottheit mir gestatteten Feuerprobe für alle, die da auf den mir widrigsten Namen getaufet wurden und wollte der Gottheit gegenüber nur beweisen, daß auch ihre Lehre in ein allerabgefeimt-tollstes Heidentum umgestaltet werden kann. Mir ist scheinbar mein Werk gelungen, und die neuen Babylonier wissen sich nun vor Nacht und Grauen nicht mehr zu raten und zu helfen; sie haben allen Geist verloren; vom Christentume ist keine Spur mehr zu entdecken; sie haben nur noch ein morsches Gerippe vor sich, und erwürgen sich nun der äußersten toten Haut wegen, in der schon seit nahe einem vollen Jahrtausend kein Leib, und um so weniger irgend eine Seele mit ihrem Geiste sich befindet; aber das muß nun also geschehen; meine Greuel müssen durch aus sich gezeugte neue Greuel vernichtet werden, und die Menschheit in eine neue Pflanzschule versetzet werden; wann solches bewerkstelliget wird, dann sollst du mir unter die Arme greifen, und ich werde eines Sinnes sein mit dir ewig!« 2 Nun spricht Kado: »Allerholdeste und reizend schönstes Weib der ganzen Schöpfung Gottes! O mache mir keine so schweren Bedingungen, deren endliche Erfüllung wahrlich nicht abzusehen ist. Lasse das hundemäßige Neubabel; lasse die Gottheit allein walten, der es ein Leichtes sein wird, alle von dir angelegten Krummwege zu ebnen; du aber folge mir, und werde fortan glücklich! Gedenke nicht mehr dessen, was du warst in was immer für einer Hinsicht; sondern gedenke vielmehr, wie glücklich du wieder werden kannst, und wie glücklich ich an deiner unbegreiflich schönsten Seite, und zahllose Miriaden mehr, in der Anschauung deiner unendlichen Schönheit; und du wirst meinen Worten dann leichter Gehör leihen können, als du Herrlichste es dir vorstellest. Denke dir meinen Schmerz, so ich dich verachten müßte, deines tollen Starrsinnes wegen, dich! für die in meinem Herzen Milliarden Sonnen brennen! Ich bitte dich, du unbeschreiblich Schönste, folge meinem Rate! Bei aller Allmacht der Gottheit, und aller deiner unendlichen Schönheit schwöre ich dir, daß du von mir nicht hintergangen sein sollest. Unbeschreiblich holdestes, schönstes Weib, du Zentralsonne alles Lichtes, gehe, verlasse deinen Phaeton, werfe das morsche Zepter und die zerbrochene Lanze von dir, und ziehe an den herrlichen Schild der Liebe! Komme also gerüstet an diese meine Brust, und du sollst für alles Ungemach, das dir je begegnet ist, die reichlichste Entschädigung finden. Mit deiner gegenwärtigen Scheinmacht wirst du mich nie besiegen; aber mit der Liebe wirst du mich zum Sklaven deines Herzens machen.« 3 Spricht nun die Minerva: »Kado, Kado! du wagest mit mir ein gefährliches Spiel! Was wirst du aber dann tun, so dich der eifersüchtige Himmel meinetwegen auf das härteste wird zu verfolgen anfangen? Sehe auf, und du wirst sehen, wie ich von zahllosen Milliarden in meiner Unterredung mit dir belauschet werde, und du mit mir! Meine unbegrenzte mit nichts zu vergleichende Schönheit ist ja eben mein ewiges Unglück! Ich sollte nur einen lieben, für den in meinem Herzen keine Liebe thront; will ich aber meine Liebe jemand anderem zuwenden, dann ist aller Himmel voll Zorn und Rache gegen mich, und gegen den, dem ich mein Herz zuwende. Daher begreife, so ich dich warne, mit mir ein so gewagtes Spiel zu treiben; möglich, daß es dir vielleicht gelingt, da dir schon so manches gelungen ist, aber wehe dir und mir, so es dir nicht gelingen sollte!« 4 Spricht Kado: »Du hast in Hinsicht der Milliarden himmlischer Belauscher ober uns wohl recht; ich ersehe sie nun auch; aber ich ersehe in ihnen Freunde und keine Feinde. Siehe, sie alle winken mir Beifall zu; wahrlich, diese tun uns nichts; und sollte ihre Freudlichkeit eine Kriegslist sein, so werden sie alle es allein mit mir zu tun bekommen! Kurz, ich lasse nimmer ab von dir! Du bist mein, und keine böse Macht solle dich mir nehmen! Denn auch ich bin unverwüstbar, und bin mächtig aus Gott und aus keinem Teufel, der ich selbst einer bin.« 5 Spricht die Minerva: »Kado, Kado, Kado! reize die Götter nicht, denn du bist ein schwacher Mensch! Siehe, die da oben werden mich bald in ein häßlich Kleid werfen, was wirst du dann sagen und tun?« Am 15. März 1850 6 Spricht Kado: »Holdeste! so sie das täten, dann sind sie Teufel, und nie Engel! Nein, nein, sieh hinauf! sie alle geben mir ein Zeugnis, daß sie solch einer Tat unfähig sind; alle die Zahllosen haben eine Freude darüber, daß du so lange verharrest in solch deiner urwahrsten Gestalt, und sie Gelegenheit haben, die erste Urschönheit, den ersten Urgedanken alles Seins aus Gott vor sich zu haben und anzustaunen, mehr denn alles, was außer Gott der höchsten Geister nie erschöpfbare Weisheit als schön bezeichnen kann. O Lichtträgerin alles dessen, was der geschaffene Geist schön nennen und selbst als schön gestalten kann, mache keine Bedingungen mehr und komme! Denn mein Inneres sagt es mir, daß auf deine Rückkehr alle Himmel schon äußerst lange Zeitenläufe vergeblich harreten, und sich nach der Lust sehnten, dich als die Krone endlicher Vollendung aller Dinge und Wesen die Ihrige nennen und ehren zu können. Umstimme daher deinen Willen, lasse erweichen dein Herz, komme, und genieße an meiner Seite der freiesten Seligkeiten höchste. Fühle einmal auch die Wonne, für die als erste und größte und vollendeste Idee, in mächtigst lebendiger Wirklichkeit aus Gott hervorgehend du bestimmt warst und noch bist.« 7 Die Minerva sieht den Kado nun recht freundlich, aber doch immer mit Herrscheraugen an und sagt: »Kado, hast denn du dir's wohl im Ernste vorgenommen, mich schwach zu machen? Meinst denn du, mich zu besiegen, und für was immer für eine Sache geneigt zu machen, sei etwas Leichtes, was so einem aus mir geschaffenen Erdwurm gelingen werde als der Fang einer matt gewordenen Fliege? O, hoffe nicht zu voreilig; denn gar mächtigste größte Geister haben sich an mir versucht, und sind am Ende mit Spott und Schande allerunverrichtester Dinge abgezogen; wie mag es dir denn träumen, mich durch die Macht des Stromes deiner Rede fesseln zu können? Seh', solcher Mignionmanövers gegen mich habe ich schon zahllose bestanden und zurückgeschlagen; wie kann es dir beifallen nun, du werdest mich gewinnen für dein Herz, und am Ende gar für alle die mir über alles verhaßten Himmel, die ich besser kenne denn du, als ein armer, blinder Teufel. Dich allein lasse ich mir gefallen; aber so du mir als Teufel von den Himmeln vorzuschwärmen beginnst, dann bist du von mir aus des Anspützens nicht wert. Jedes Wesen muß sich konsequent bleiben; es muß entweder ein starker Teufel ganz oder umgekehrt ein dummer Himmelsbote sein, der bei mir allezeit nichts ausrichtet, aber von mir dennoch respektiert wird wegen seiner obschon vanen Konsequenz; aber so ein Teufel wie du, der zugleich auch eine Art Engel sein will, muß im Verfolge mir widrig werden, obschon er sonstige Eigenschaften besitzt, vor denen ich selbst eine gerechte Achtung habe. Mein lieber Kado, so du mein Herz für dich gewinnen willst, da mußt du es ganz anders anfangen, als es bisher der Fall war; wahrlich, ich bin dir nicht abgeneigt; willst du mich aber gewinnen, so mußt du mir folgen, und zu mir kommen, aber nicht von mir verlangen, daß ich das tun solle.« 8 Spricht Kado: »Aber Herrlichste! ich will dich ja nur für mich, und nicht für jemand andern gewinnen! Ob sich die dir verhaßten Himmel darob freuen oder ärgern wollen, das ist mir gleich; ich will ja nur dich, und nicht die dir verhaßten Himmel, und beharre für ewig nur bei diesem Verlangen! Aber den evidentest mächtigsten Himmeln trotzen werde ich auch ewig nicht, auch deinetwegen nicht, obschon ich dich mehr liebe, denn alle Gotteschätze der Unendlichkeit. 9 Siehe, ich halte ein jedes Wesen; dich nicht ausgenommen, für höchst dumm, das da mehr tun will, als es vermag; und überaus dumm aber ist ein Wesen, das selbst die bittersten endlos vielen Erfahrungen nicht klüger zu machen imstande sind. Sage mir ganz aufrichtig, was und wie viel wohl hast du gewonnen durch deinen allerunbeugsamsten Starrsinn? Bist du dadurch mächtiger geworden oder reicher oder schöner? Oder waren dir die dezillionenfachen Züchtigungen, derer du allerschärfst teilhaftig wurdest, eine Wollust? Siehe, du gleichest in jeder Hinsicht jenen eselhaften Völkerbeherrschern, die lieber ihr ganzes Reich zu Grunde richten, als daß sich ihre allerhöchst gestellte, aber auch allerevidenteste Dummheit von irgend einem niederen Weisen etwas einraten ließe. 10 Du zwar endlos schönstes, aber dabei, wie ich's nun an dir nur zu klar merke, auch allerdümmstes Weib! Wenn ich dich besiegen wollte, da brauchte ich auch nicht ein Wort mit dir zu verlieren; denn da genügen diese Steine; und da sieh, eine neue Waffe zu meinen Füßen; es ist eine Wurfschlinge, mit der ich umzugehen verstehe! Ich brauche sie nur nach dir zu werfen, und kein Teufel und Gott deines Maßes befreiet dich mehr aus meiner Macht. Aber ich selbst will dich nicht fangen und nötigen, sondern alles dir selbst überlassen, damit der Sieg über dich nicht mein, sondern ganz allein dein freies Werk sein solle. 11 Meinest du denn, daß ich mit dir eine Freude hätte, so du mir zu eigen würdest durch meine Macht über dich? Nein, da möchte ich dich nicht einmal, trotz deiner endlosesten Schönheit. Aber so du meine wohlgemeinten Worte beherzigend dich selbst besiegest, und dich mir gibst zur ewig treuen Gefährtin, dann bist du für mich eine ewige Unendlichkeit aller Seligkeiten. – Was wirst du nun tun? Wirst du in deiner Tollheit noch länger verharren, und dadurch höchst elend sein oder wirst du meinen Worten Folge leisten? Lichtträgerin! um deiner endlosen Schönheit willen bitte ich dich: – ermanne dich, und lasse ab von deinem Starrsinn! Siehe, es nützt dir nichts; du kommst mir ewig nimmer aus. Denn richte ich mit dir nichts durch alle meine Liebe, so werde ich mit meiner Liebe auch die Gewalt gebrauchen, und dich also an mich ketten; denn meiner Gewalt widerstehest du wahrlich ewig nimmer!« 12 Spricht Minerva: »Aber lieber Freund, warum solle denn gerade ich mich besiegen, und mich dir ergeben? Kannst denn du nicht ebenfalls dasselbe frischweg tun? Denn ich sollte für dich denn doch wohl mehr Anlockendes haben, als du für mich! Zudem wäre es denn hoffentlich dennoch ordnungsmäßiger, daß der Bräutigam zur Braut hinginge, als die Braut zu ihm!« 13 Spricht Kado: »O allerdings! ich wäre auch schon lange bei dir, so der Boden, auf dem du stehest, ein anderer wäre. Ich verstehe mich aber wahrlich nicht, auf solch einem Boden zu stehen und zu wandeln, und kann daher nimmer zu dir kommen. Dich aber trägt jeder Boden, und so kannst du hier wohl eher zu mir kommen, denn ich zu dir.« – 14 Spricht die Minerva: »Was wirst du dann aber mit mir machen, so ich zu dir komme?« – Spricht Kado: »Alberne Frage! Lieben und möglichst glücklich machen werde ich dich, und aus diesem Hügel gestalten ein neues Paradies der Gottheit zur Ehre, die mich mit Kraft versieht!« – 15 Spricht die Minerva: »In einem Paradiese bin ich schon einmal eingegangen, und das schändlich! Mein Adam, dieser deiner Erde Erstling, hat mich auf eine Art angesetzt, daß ich mir's wohl für die ganze Ewigkeit gemerket habe. Es war ein Paradies, und das was für eins. Noch auf keinem Weltkörper ist es der Gottheit gelungen, mich so hinter's Licht zu führen, als eben auf dieser Erde; und daran war das schmähliche Paradies schuld. Ich brauche es dir gar nicht weiter zu erzählen, wie dies vor sich ging; aber ich bin da zum ersten Male der Gottheit aufgesessen, und genieße nun durch über 6.000 Jahre die elendsten Früchte davon. Daher komme du mir mit keinem Paradiese, so du mich im Ernste für dich gestimmt machen willst. Ich aber mache dir einen Vorschlag; so du diesen annimmst, dann bin ich die deine für ewig. 16 Der Vorschlag aber lautet: Gelobe es mir, den Namen Jesus, daran ich fast allezeit ersticke, nimmer auszusprechen, und werfe alle die Steine von dir, und die Schlinge auch; so soll dir dafür mein Herz zum Lohne werden, und du sollst an mir Genüsse finden, von denen keiner Gottheit noch je etwas geträumet hat. Tue das, und ich bin dein für ewig, und werde dir allein leben. Fasse meine Schönheit, meine Anmut, meine Reize und meine göttliche Erhabenheit nur einmal recht ins Auge, und in dein Herz, und du müßtest vom härtesten und gefühllosesten Steine sein, so du solchen Reizen widerstehen könntest!« 17 Spricht Kado: »Meine allerdings allerreizendste Minerva! weißt du, bevor du das Lügen erfunden hast, wäre ich auf deinen Vorschlag ohne weiteres eingegangen; den Jesus oder kein Jesus, das wäre mir ein Wind; und diese Steine, und diese Götterschlinge! – Ich könnte sie entbehren, und deiner auch ohne ihre Hilfe Herr sein, verstehst du?! Aber da bekanntester Weise du zu allen Zeiten eine größte Künstlerin im Lügen, Anschmieren und Sitzenlassen warst, und sicher noch bist, was ehedem deine Windexekution hinreichend bewies, so kann ich so lange keinen Vorschlag von dir annehmen, als bis du nicht den ersten von mir annehmen wirst; mache aber bald; denn ich merke, daß die himmlischen Zeugen ober uns unruhig zu werden anfangen. Meinen Willen kennst du nun; entschließe dich bald, sonst wird's bald ein Mordsspektakel absetzen. Denn meine Geduld geht nun auch schon zu Ende.« 18 Micklosch: »Der Minerva Gesicht wird nun finsterer und herrschsüchtiger; sie sinnet nach Widersätzen (Gegenargument); aber es scheint ihr kein rechter unterkommen zu wollen; sie möchte sich vor heimlicher Wut in ihren eigenen Leib verbeißen, so sie sich nicht genierte vor dem Kado. Es ist wahrlich recht komisch anzusehen, wie sich die Erfinderin des Hochmutes und der Lüge alle erdenkliche Mühe gibt, dem Kado ja keine ihrer Schwächen zu verraten; aber der Kado scheint es ihr doch auf ein Haar abzulauschen, da er sie nun keinen Augenblick aus den Augen läßt, und die Wurfschlinge in solcher Bereitschaft hält, daß er sie in jedem Augenblicke loslassen kann. Nein, da bin ich wahrlich neugierig, was nun die Satana für ein Manöver wird ausführen wollen.« Kapitel 176 Fortsetzung der Szene mit Kado und Minerva, denen sich, diesen unsichtbar, zwei Engel, hinter Kado postiert, zugesellen. Eine höllisch-eifersüchtige Unterbrechung 1 Miklosch: »Nun begeben sich aber auch unser Freund Robert Uraniel und sein Gefährte Sahariel ganz unbemerkt auf den Hügel zum Kado hin, der ihrer aber nicht ansichtig ist, da sie sich hinter seinem Rücken postieret haben. 2 Auch die Pseudo-Minerva scheint diese Transemigration der zwei nicht zu merken, weil sie darauf kein Auge verwendet, sondern nur allein den Kado mit verstohlenen Blicken zu mustern scheint, um höchst wahrscheinlich ihm irgend einen schwachen Augenblick abzulauschen. Sie mustert hin und mustert her; aber Kado steht wie eine chinesische Mauer auf seiner Hut. Diese Hut des Kado scheint der Minerva nicht zuzusagen, daher sie denn auch immer auf den Boden hinstarrt und sehr nachdenket, was sie nun tun solle. Sie macht und schneidet allerlei Gesichter; bald ein ernstes, bald ein freundliches, bald ein weises, bald nun wieder ein dominierendes; aber überall schaut der alte heimliche Sünder heraus. 3 Diese Geschichte scheint dem Kado bedeutend langweilig werden zu wollen, und er räuspert sich nun ganz wohlkonditiniert, und fragt nun die Minerva sagend: »No, Holdeste! wie sieht es denn aus, wirst du anbeißen oder nicht? Ich habe nun ein ziemliches Weilchen geharret; aber es kommt von deiner Seite zu keinem Entschlusse, und sonach auch um so weniger zu irgend einer Tat nach meinem Wunsche. Ich gebe dir daher nur noch eine äußerst kurze Bedenkzeit; wird dich diese zu nichts vermögen, dann sollst du sogleich meine Festigkeit im Gebrauche der Wurfschlinge zu bewundern bekommen. Ich sage es dir im vollsten Ernste, seit deinem Sein hast du aus den zahllosen Miriaden von verführten Geistern noch keinen gefunden, der dir ein Meister gewesen wäre; denn sie alle waren deiner List nicht gewachsen; aber an mir wirst du dich ganz verdammt verrechnen. Ich sage dir, trau mir nicht! Denn wo du hindenkst, da bin ich schon vorne; verstehst du diese Sprache? Ich sage dir zum wiederholten Male: Mich fängst du nicht. Es mochte dir wohl einmal ein Erzengel Michael aufgesessen sein, daß er dir halbe Ewigkeiten lange Bedenkzeiten zukommen ließ; aber bei mir ist da nichts. Der Erzengel bebte vor Gott, und ahmte dessen Geduld nach, und gab dir Fristen auf Fristen, die du dazu benutztest, um schlechter und schlechter zu werden. Ein Teufel Kado aber macht sich aus Gott, Tod und Teufel nichts daraus, und Himmel und Hölle sind ihm gleichgültig. Verstehst du das? Der Kado stehet unter keinem Kommando, außer unter dem seines höchst eigenen Verstandes und Willens. Was er tun will, das wird er auch tun, weil er es will und weil er es kann. Verstehst du das?! Daher entschließe dich nun sogleich, sonst fliegt die Schlinge dir an deinen herrlichen Nacken.« 4 Spricht nun die Minerva: »Aber ich bitte dich, lieber Kado, sei doch ein wenig manierlicher! Ich kann ja doch nicht so urplötzlich aus allen meinen alten, üblen Gewohnheiten heraushüpfen wie eine Bachstelze aus ihrem Neste, so eine Natter dasselbe umschleicht. Ich glaube, so du zu deinem Heldentume auch ein wenig mehr Geduld hinzufügst, so wird dir das ja etwa auch nicht schaden. Daß ich so manches zu dir dich für mich prüfend sagte, und dem Scheine nach nicht sogleich einging in deine Ideen und in dein Begehren, das, Freund, hat seinen Grund; denn auch mir muß es zustehen, den durch und durch zu erproben, mit dem ich mich als der ganzen Unendlichkeit erste und unerreichbare größte Schönheit verbinden möchte. Dazu glaube ich dir ein hinreichender Preis für dein bißchen Geduld zu werden. So ich an dir kein Wohlgefallen hätte, wäre ich schon lange eine ganze Ewigkeit von dir entfernt. Aber dein noch nie dagewesenes höchst sonderbarstes Wesen fesselt mich mit zauberischer Gewalt an deine Brust, und ich lasse mir von dir nun schon Dinge gefallen, die ich mir selbst von der Gottheit noch nie habe gefallen lassen; bist du damit noch nicht zufrieden?« 5 Spricht der Kado: »Herrlichste der Schöpfungen Gottes! Ich liebe dich unendlich, und daher habe ich wahrlich keine Geduld mehr. Aber um nicht unartig dir gegenüber zu sein, will ich mich noch einige Augenblicke gedulden; aber länger wolle du meine Geduld nicht erproben!« – 6 Die Minerva lächelt nun und wirft während dem Lächeln ihre zerbrochene Lanze in das beruhigte Glutmeer, auf dem noch immer zahllose breitgeschlagene Geister liegen, und dessen Wogen darnieder halten. 7 Als die Lanze von dem Meere nun verzehret ist, was Kado für ein günstiges Zeichen zu halten scheint, erheben sich auf einmal aus dem Glühpfuhl eine große Menge der allerschrecklichst aussehenden Gestalten, und umlagern die Minerva. Einer, der die Gestalt aller Drachen, und aller der furchtbarsten Bestien in sich vereinigt, donnert nun der Minerva mit dem gräßlichsten tausendstimmigen Wolfsgebürll, Hyänengebrüll, Löwengebrüll und Tigergebrüll zu: 8 »Elendste! ist das dein Dank für die Trillionen getreuesten Dienste, die wir dir durch eine ganze Ewigkeit geleistet, und dir zu liebe kein Opfer, keine Mühe, und selbst die ungeheuersten Schmerzen und Qualen nicht gescheuet haben, um uns nur endlich einmal deiner uns so oft versprochenen Liebe und Hingebung zu versichern, daß du uns nun aus Liebe zu einem neuen, modernsten Teufel, der erst kaum die Nase auf einige Sekunden in die Höhle gesteckt, und für dich noch gar nichts getan hat, schmählichst verlassen willst, und das auf immer?! Nein! schreien wir alle die ersten und mächtigsten Teufel der Hölle, nimmermehr wirst du uns das tun, eher zerstören wir dich, die Hölle, und alle Himmel, bevor du einen Schritt von dieser Stelle tun wirst. Siehe, unsere Diener bändigen dies Meer, und leiden entsetzliche Qual, auf daß du als unsere Gebieterin ruhig auf demselben herumwandeln kannst, und du willst uns verlassen, und ewig nimmer gewähren jene Lust, die du uns so zahllos oft verheißen hast. O wage es nur, du elendste Hure eines elendsten Mastdarmwurmes des schmutzigsten Staubes, Erde genannt. Dir solle von uns dafür ein Lohn werden, von dem selbst der tiefsten Phantasiefülle der höchsten aller Gottheiten nie etwas geträumet hat! Rede nun! was wirst du tun? Schaue nur hin auf jene Mastdarmmilbe auf dem Hügel! Rufe sie dir zur Hilfe. Sie solle nun Gebrauch machen von ihren Waffen, sie versuche uns zu vertreiben, wenn sie so mächtig ist. Sieh nur hinauf, wie dein Held den großen Mut sinken läßt, und sich nun nach allen Seiten umsieht, ob es nicht irgendwo ein Loch zum Durchgehen gäbe. O rufe ihn zur Hilfe dir! Das gestatten wir dir schon, du schönste Hure und Geliebte eines Mastdarmwurmes! Rufe, rufe ihn! warum rufst ihn denn nicht, deinen Erwählten?« 9 Die Minerva scheint vor Schande, Zorn und Wut vergehen zu wollen; sie bebt am ganzen Leibe und scheint vor lauter Grimmfieber keines Wortes fähig zu sein. Der Kado aber gebärdet sich noch grimmiger; und scheint in sich zu beraten, was er nun tun solle. Diese gräßlichsten Giganten flößen ihm denn doch eine Art Respekt ein, so daß er eben nicht die größte Lust hat, sich mit ihnen in einen Kampf einzulassen; und zugleich erfährt er ein Zeugnis über die Minerva, das ihm über deren Treue und Liebe sehr bangen macht. Deshalb ist er denn auch unschlüssig, was er nun tun solle. Aber die Minerva macht so sehnsüchtige Blicke, daß er sich von ihr nicht trennen mag, und er fängt daher an nun seine Steine zu mustern und zu ordnen. Am 19. März 1850 10 Miklosch: »Nach einer kleinen, aber allerschrecklichst aussehenden Weile richtet sich nun Kado auf, und sagt nun zu diesen gräßlichsten Unholden: »Eure Macht kenne ich und eure gegenwärtige Trugkunst ist mir nicht fremd, sie ist nicht euer Werk; denn ihr für euch selbst seid leere Schemen, als pur leere Phantasiegebilde dieser Einen, der ihr eine leere und nichtigste Scheindrohung machet, keiner Tat fähig. Aber wäret ihr wirkliche Wesen, so möchte ich euch sogar belohnen für diesen wichtigen Dienst, den ihr mir nun geleistet habt; denn durch dies euer Benehmen, wie durch eure gräßliche Gestalt und eure Worte, die diese Eine selbst in eurem Rachen geformet hat, bin ich mit ihrem Charakter wieder näher vertraut gemacht worden, und das ist für mich von größter Wichtigkeit, und ich stehe dadurch dem Ziele näher, denn je! Zerreißet sie, so ihr sie könnet; aber ich könnte es tun, so ich es wollte; aber ich will es nicht, weil sie solch einer Mühe von meiner Seite aus gar nicht wert ist. 11 Satana! so dir noch ein Pröbchen ähnlicher Art vor mir auszuführen möglich ist, so tue es nur! Denn dabei bekomme ich desto mehr Gelegenheit, dich so recht durch und durch kennen zu lernen. Mit euch, ihr Schemen, aber werde ich nun im Namen Gottes, Jesus, des Gekreuzigten, sogleich fertig werden. Sehet diesen Stein an! Er ist bezeichnet mit dem Gottnamen Jesus nebst 3 Kreuzen; dieser Stein wird euch sogleich zeigen, wessen Geistes ist seid!« – 12 Hier hebt Kado einen Stein vom Boden, und fängt an, ihn zu schwingen zu einem kräftigen Wurfe. Die Minerva aber schreit nun auf mit ängstlichst heftiger Stimme: »Kado! um alles, was dir heilig ist, tue du nur das nicht! Denn du bist in dem Augenblicke für ewig verloren, als der Stein deine Faust verlassen wird. Die Macht dieser Geister, die du irrig für Ausgeburten meiner Phantasie hältst, ist unbändig; was sie ergreifen, das entreißt ihnen keines Gottes Macht mehr. Verhalte dich ruhig! Vielleicht gelingt es mir, sie zu beschwichtigen, und sodann meine Befreiung mit dir in's Werk zu setzen.« 13 Kado, der nun dem geheimen Einflusse der hinter ihm stehenden zwei Schutzgeister mehr und mehr ausgesetzt ist, spricht nun ganz ernstlichst: »Deine Worte sich gleich wie Seifenblasen, und es ist keine Wahrheit in ihnen! Du bist eine Lügnerin von jeher gewesen; hast aber dadurch niemanden mehr, denn gerade dir selbst geschadet. Darum sei versichert, daß ich allezeit nur das tun werde, was zu tun du mir am meisten widerraten wirst. Daher im Namen meines Gottes, meines Heilandes Jesus!« – 14 Hier wirft Kado den Stein dem ersten großen Unhold an dessen Drachenkopf. Ein fürchterlichster Knall wie aus 1.000 Kanonen vom schwersten Kaliber geschieht, als der Stein den Kopf des Unholden berührt, und alles bis auf die Minerva verschwindet, die nun bebend auf einem Sandhaufen ganz nackt da stehet, und sich vor dem Kado zu verbergen sucht, was ihr aber nicht gelingt. 15 Kado aber fragt sie: »Nun, Holde, wie siehst du nun aus? Wo ist die von dir mir angedrohte Gefahr? und wo sind nun die gar großen drohend aussehenden Machtgeister, die ehedem Himmel, Hölle, Gott und alle Erde mit einem Bisse zerstören wollten, und dich Arme – der Untreue wegen auf das beispielloseste züchtigen? Wo, wo sind sie nun? Sieh, es tut sich's nimmer mit deiner Kunst! Sie ist keines Schußes des schlechtesten Pulvers mehr wert; und es ist alle deine Mühe vergeblich; du kommst mir nicht mehr aus! Sieh', ein anderer würde dir nun fluchen und dich auch züchtigen nach Gebühr, so er meine Macht besäße; aber ich vergebe dir alles; nur folgen mußt du mir; sonst gebrauche ich eine Gewalt, der du mit gar nichts mehr einen Widerstand wirst leisten können. Was wirst du nun tun? Siehe, du bist verlassen von allem, was dir je irgend einen Schein von einer Macht verliehen hat; nichts hast du außer mich, und deine unbeschreibliche formelle Schönheit! Lehne dich daher freiwillig und festwillig an mich, und ich werde dich führen einen rechten Weg; nicht einen Weg der knechtischen Demütigung, sondern einen ganz freien Weg der wahrsten Liebe meines Herzens zu dir. Aber frei folgen mußt du mir!« 16 Spricht die tiefst beschämte Pseudo-Minerva nun: »Ja, ja, ich will, ich werde, ich muß dir folgen! Aber nur einen Schritt näher zu mir tue auch du, so du wirklich eine Liebe in deinem Herzen hast. Denn da ich mich dir schon nun über tausend Schritte genähert habe, so könntest du ja doch auch einen Schritt näher zu mir her wagen.« – 17 Spricht Kado: »Du weißt nun ja, daß ich einer bin, der mit sich auch nicht um ein Haar handeln läßt, und nie eher deinem Verlangen folgen werde, als bis du dich auf dem Standpunkte totalster Umwandlung deiner urbösen und ungetreuesten Gesinnung befinden wirst. Daher unterlasse für die Folge alle deine Anforderungen an mich; denn sie werden kein Gehör finden. Ich bin böser denn du, obschon deine Urbosheit die Unendlichkeit erfüllen hätte können mit dem härtesten Gerichte. Aber da zu deiner Wiedergewinnung aller Engel Mühe an deinem unbeugsamsten Starrsinn scheiterte, so muß dich ein Teufel der Teufel wieder bringen dahin, von wo du ausgegangen. Aber dieser Teufel ist kein Teufel deiner Art, sondern einer ganz anderen Art; seine Macht hat er von oben; aber sein Wesen gehört der Hölle an. Kennest du solch einen Teufel? Du allein bist sein Lohn; den er aber verschmähen wird, so er ihm nicht frei, sondern gezwungen wird. Darum folge mir!« Kapitel 177 Kados Klugheit bringt Satana der Erlösung näher. Gleichnis vom ehelichen Verhältnis, noch einen Schritt näher, die nackte Satana in ihrer Urgestalt verlangt ein Kleid, die weibliche Neugier möchte wissen was in dem roten Bündel ist und Miklosch möchte wissen wie es künftig auf der Erde zu geht. Am 20. März 1850 1 Miklosch: »Spricht die Minerva: »Freund Kado! Wahrlich, ich liebe dich; es ist wohl die erste wahre Liebe, durch die mein Herz noch ehedem bewegt ward; aber so du mir zuliebe denn schon gar nichts tun willst, so tue mir doch den Gefallen, und erkläre den Grund von solcher deiner Hartnäckigkeit gegen mich! Denn es muß da ein großer und zugleich allerfeinster Plan zu Grunde liegen. Man hat mit mir was vor von der allerhöchsten Seite, und du bist deren verkapptes Werkzeug, entweder dir bewußt oder möglicherweise dir auch unbewußt. Der Plan muß mir enthüllet werden, sonst bringst du mich ungezwungen nicht um ein Haar breit weiter von dieser wenn schon höchst lockeren Stelle. Was wird es dir auch nützen, an mir selbst Gewalt aus zu üben? So du dir mein Herz und meinen Willen nicht frei aus mir selbst dienstbar und innigst geneigt machen kannst, so hast du mit all deiner Gewalt an mir wenig oder nichts gewonnen. Denn du weißt, welch einen unbesiegbar hartnäckigsten Trotz ich der Gottheit selbst bieten kann und geboten habe; um wie viel mehr dir! Die Gottheit ist endlos mächtig, und kann aus mir machen, was sie will, aber nur durch ewigen Zwang; aber das Herz und der Wille sind mein und verstehen jeder Macht zu trotzen, und – verstehe! Auch der deinigen, obschon du der einzige bist, der meinem Herzen seit meinem Urbeginne am allernächsten gekommen ist; und wäre es nicht also, so hättest du statt dieser meiner wahren Urgestalt schon lange ein allerhäßlichstes Scheusal vor dir! Nun weißt du, wie ich bin und sein kann; daher gebe mir den verlangten Grund an, warum du, bei aller meiner ersichtlichen Aufrichtigkeit gegen dich, mir gegenüber so unbeugsam bist!« – 2 Spricht Kado: »Was verlangst du von mir das, was ich dir schon sonnenklar dargetan habe frei, ohne daß du mich dazu aufgefordert hast! Ich kann und darf aber in nichts eingehen, was du willst, weil ich dich dann nimmer freimachen könnte. Du mußt zuerst frei und ungezwungen dich in meinen Willen begeben und mußt ihn zu dem deinigen machen; so du das getan haben wirst, dann werde ich auch alles tun, was du aus dir selbst wollen wirst.« 3 Spricht nun die Minerva: »Ja, ja, das ist gewiß, so ich nur das will, was du willst, dann wirst du freilich meinem Willen leicht nachkommen. Aber wo ist denn dann meine höchst eigene Willensfreiheit?« – Spricht Kado: »In dem, daß du frei das willst, was ich will, und sonach deinen Willen mit dem meinigen zur Einheit machst; denn ohne diese ist ewig an keine höhere wahre Wirkung zu denken.« – 4 Spricht die Minerva: »Das ist mir zu dunkel, ich verstehe dich nicht; erläutere die Sache genauer!« – Spricht Kado: »O du sonderbare Trägerin alles Lichtes und Leuchtens, was da ausgegossen ist durch alle endlosen Räume! So du solche Dinge nicht fassest, die doch so klar sind, wie wirst du denn dann Tieferes aus dem ewig unversiegbaren Borne der rein göttlichen freiesten Weisheit zu erfassen imstande sein? Höre denn! So zwei Ehegatten miteinander in einem fortwährenden Hader sich befinden, und das Weib nimmer in den Willen des Mannes eingehen will, so wird solch eine Ehe wahrlich nie zu einer lebendigen Nachkommenschaft kommen. Mann kann da freilich auch sagen: Ja, dasselbe kann ja auch vom Manne gelten! Das ist richtig, so der Mann nachher stutzig würde, und sagen zu seinem Weibe: Ich erkenne meinen alleinigen Willen in deinem Begehren; aber weil er auch nun dein Wille ist, so will ich ihn nicht. Siehe, das wäre eine große Torheit von Seite des Mannes, und das Weib hätte dann das vollste Recht, dem Mann keines seiner Begehren zu erhören. Aber da das Weib schon gleich anfangs der Ehe in das Begehren des Mannes eingehet, ohnedem es nie eines Mannes Weib werden könnte, und dadurch des Mannes Willen zu dem ihrigen macht, so hat dann im Stande der Ehe auch das Weib aus dem vom Manne in sich aufgenommenen Willen das vollste Recht, auch aus ihrem eigensten Willen etwas zu verlangen, was ihr dann ein weiser und redlicher Mann auch sicher gewähren wird, wenn das Verlangte nur irgend mit seinem Willen in einem harmonischen Einklange steht; es müßte des Weibes Verlangen nur an und für sich ganz das Gegenteil wollen von dem, was sich in der Ordnung des männlichen Wollens ausspricht, wo dann der Mann freilich, um sich selbst nicht zu vernichten, nicht dem Begehren des Weibes nachkommen könnte. So ein Begehren des Weibes aber wäre dann auch der alleroffenbarste Ehebruch, durch den der schwächere Teil offenbar dem Gerichte aus ihm selbst verfiele, weil keine Kraft für sich ganz allein sich als wirksam erhalten kann; und so sie erhalten werden solle, auch in eine Gerichtskammer eigesperrt werden muß, wie es mit dir nun schon nahe eine Ewigkeit der Fall ist. Denn wäre über dich nicht sogleich ein hartes Gericht verhängt worden, so beständest du schon ganz entsetzlich lange nimmer. 5 Aber nun sollst du wieder frei werden, und deshalb in eine rechte Ordnung eingehen; und darum mußt du zuerst in meine Willensordnung eintreten, damit dadurch dann auch dein eigener Wille frei wird. Mache wenigsten einen Versuch! Behagt es dir nicht, nun, so kannst du ja immer in dein altes Gericht zurückkehren.« 6 Spricht nun die Minerva heiteren Angesichts: »Nun denn, auf diesen deinen Antrag will ich eingehen, so mir der Rücktritt, wenn mir der neue Zustand nicht behagen solle, nicht verwehret ist, dann sei es, wie du willst! Aber ich bin nackt und schäme mich also vor dich hinzutreten; schaffe mir ein Kleid, und ich werde sogleich zu dir mich hinbegeben!« – Spricht der Kado: »Auch das kann ich dir nicht eher gewähren, als bis du meinem ersten Verlangen nachgekommen sein wirst. Komme her, und sehe, soeben ist ein herrlich Gewand wie vom Himmel herab zu meinen Füßen gefallen; es ist für dich, in einer Art, wie die Himmel noch kein ähnliches gesehen haben. Also komme, und nehme es als ein würdiges Brautkleid aus meinen Händen.« 7 Micklosch berichtet: »Die Minerva stutzt nun ein wenig und richtet ihre großen feurigsten Augen nach der Stelle hin, wo nun im Ernste bei den Füßen Kados ein Gewand in ein rotes Tuch eingewickelt sich befindet; sie möchte es wahrscheinlich näher besichtigen und sehen, ob es ihrer Annahme wert sei. Sie strengt sehr ihre Augen an, um etwas vom eigentlichen Kleide zu erspähen; aber es ist so gut in das rote Tuch eingewickelt, daß darüber hinaus vom Kleide nirgends etwas zu erspähen ist; die Neugierde der Minerva wächst stark. Bin nun denn doch wahrlich selbst sehends voll Neugier, was nun dies allerstutzigste und mit allen allerbösesten Salben geschmierte Satanswesen tun wird. Herr, unser allerbester, liebster, heiligster Vater Jesus! wird dies Wesen, dieser alte Lügner sich wohl einmal bekehren für immer und wird es dann besser werden auf den Weltkörpern, besonders auf unserer Erde?« 8 Rede Ich: »Mein liebster Freund Miklosch! das wird alles die Folge zeigen; betrachte du nur den ferneren Verlauf der Szene und mache dieser Gesellschaft einen Dolmetscher wie bisher, und du wirst samt allen diesen Brüdern und Schwestern darüber ins klare kommen; daher gebe nun nur weiter acht!« äußerlich auch noch so schön, gar so entschieden dumm ist, wie kein zweites mehr in der ganzen Unendlichkeit, da wird es mit dem wahren Ansehen etwa wohl einen so derben Faden haben, als groß da sein dürfte der Durchmesser jenes Ankertaues, an dem die allmächtige Gottheit das große Schiff der ganzen Schöpfung durch die Kraft ihres allmächtigsten Willens befestigt. Rede mir daher ja nimmer von einem vermeintlichen Ansehen, das du dir selbst und sonst noch kein Wesen je gegeben hat! Bilde dir ein, was du willst; aber nur mich verschone mit derlei nahe unausprechlichen Albernheiten!« 12 Spricht die Minerva: »No, no, sei nur nicht gar so aufbrausend! Ich glaube, so ich schon gar so dumm bin, da werde ich aber ja etwa dennoch wert sein, daß du mit mir eine kleine Mühe dir nimmst und mich belehrest, wo es mir fehlet.« – Spricht Kado: »O Liebste, dir fehlet gar viel, ja dir fehlet bloß alles; da werd' ich noch vieles zu reden haben mit dir, obschon ich kein Freund des Redens bin.« – 13 Spricht nun wieder die Minerva-Satana: »No, no, habe nur Geduld! lehre mich recht und habe Geduld mit meiner Dummheit und Schwäche; denn ich meine, so ich dann selbst dir zum Lohne werde, da dürftest du für deine Mühe etwa ja doch hinreichend enschädigt sein?« – Spricht Kado: »O allerdings, so du je zu belehren bist; nimmst du aber wie bisher gar keine Belehrung effektiv an, so ist mir dann mein Hintern lieber als du, trotz aller deiner noch so unendlichen Schönheit! Solches beherzige auch; denn ich bin durchaus kein sinnlicher Teufel!« 14 Die Minerva-Satana kratzt sich nun schon wieder sehr stark hinter den Ohren, als hätte sie Läuse, simuliert ganz gewaltig, reibt sich die Stirne und scheint mit sich sehr uneins zu sein. – Kado aber wendet sein Gesicht nun gerade zu uns herüber und macht eine Miene, als ob er von uns so einen Wind hätte. Was mich aber sehr wundernimmt, ist, daß er, da er doch all die Himmelsgeister ober ihm gar wohl erschauen dürfte, die zwei neben (hinter) ihm stehenden, als den Robert Uraniel und dessen Begleiter Sahariel nicht zu ersehen scheinet; denn da macht er gar keine Miene, als nähme er jemanden hinter sich wahr.« Kapitel 178 Fortsetzung der Szene mit Kado und Minerva, beide dem Ziele nahe. Minerva nähert sich dem Kado; die gute Wirkung dieser Handlung. Minerva macht den Gang zu Kado hin, bis auf drei Schritte 1 Miklosch kehret nun wieder seine Augen der Szene zu und spricht nach einer Weile: »Aha, aha, die Minerva wird nun ganz unruhig und man sieht es aus jeder ihrer Bewegungen, wie nur zu gerne sie das rote Bündel vor sich enthüllet hätte. 2 Kado merkt solches gar wohl und fragt sie nun: »Bist du denn an den Boden geheftet? Erhebe deine Füße und begebe dich hierher! Da wirst du es leichter haben, in das Geheimnis dieses Bündels zu dringen, als von deinem gegenwärtigen Standpunkte (aus). Bist du aber angeschmiedet auf deinem Boden, so sage es mir! Deine Füße will ich dir auch von hier aus frei machen.« – Spricht die Minerva: »Ach; das ist keine Notwendigkeit, denn ich bin frei und kann gehen, wohin ich will. Wie sieht das Kleid aus? Geh, sag' mir's, lieber Kado!« – 3 Spricht Kado: »Nein, das kann nicht sein, wie vorderhand alles nicht, was du willst. Komme und du wirst es sehen, und dich darob sehr erstaunen.« – Spricht die Minerva: »Ei, ei, du bist aber doch hart! Aber was will ich machen? Muß ich aber auch in dich vernarrt werden! Nein, so was hat die Ewigkeit an mir noch nie erlebt. Nun denn, ich will's wagen! Aber so du mir was tust, dann kehre ich sogleich wieder um, und komme nicht je wieder zurück, verstehe, nie wieder!« 4 Nun verläßt die Minerva endlich nach so vielen allerartigen Gegenbestrebungen ihren Standpunkt, eine Art Glühsandhügel, und begibt sich sondierenden Schrittes hinauf zum Kado, hinter dem noch immer die zwei bekannten Freunde verweilen; aber da sieh' einmal hin! Im Augenblicke als die Minerva ihren unbeschreiblich reizend schönen Fuß an den vom Glutmeer freien Hügel setzt, verschwindet nun dieses; auch von der scheußlichen Grotte ist nichts mehr zu erschauen, und das grauliche Gebrause, Gepfeife und Gestöhne, wie das Gekrache und Gedonner sind verstummet. Ach, das tut unsereinem ordentlich wohl! Das Hochgebirge scheint auch etwas niederer geworden zu sein, und hat den Charakter der Schroffheit nahe ganz verloren; nur hie und da sind noch einige nackte Felsen zu entdecken, so man den ganzen Gebirgszug von Punkt zu Punkt recht sorgfältig durchschauet; kurz die ganze Gegend ist gerade nicht stark, aber doch hinreichend erleuchtet. Nun, nun, die Geschichte scheint sich machen zu wollen. 5 Wahrlich der Kado ist ein Künstler in seinem Fache. Denn diese Prinzessin der Ewigkeit in sich verliebt zu machen, ich sage, ein Wesen, dem die Liebe fremder sein mußte, als mir das Ende der Unendlichkeit, zu irgend einer attraktiven Neigung zu bringen, da gehört mehr dazu als zwei Ohren, zwei Augen, eine Nase, ein Mund und zwei Hände. Der Kado ist bis jetzt zwar noch ein sogenannter Teufel; aber ich habe wahrlich allen Respekt vor solch einer Teufelschaft. Nein, das ist ihm gelungen! Es muß aber auch eine Unbeugsamkeit in ihm sein, an der jede noch so diamantene Härte am Ende den unfehlbarsten Schiffbruch erleiden muß; Charakter hat er und einen Mut, der in's grauenhaft Schauderhafteste geht, ja, so man so was nicht selbst gesehen hätte, da wäre solch eine erzählte Date das Unglaublichste, was ein Geist nur immer als unglaublich bezeichnen kann. Aber wir haben das Außerordentliche, noch nie Dagewesene, mit unseren eigenen Augen mit angesehen, und mit unseren offenen Ohren vernommen und können daher nichts anders tun, als staunen, und Dich, o Herr, loben und preisen über alle Maßen, daß Du so was endlich einmal hast geschehen lassen. Nun ist es aber auch zu erwarten, daß die gesamte Erde vielleicht nach wenigen Stürmen in ein solches Stadium übergehen werde, das allen Himmel sicher sehr erwünscht sein wird. 6 Aber gar zu sehr beeilet sich die Minerva gerade nicht bei ihrer Annäherung zum Kado; denn ihre Schritte sind sehr klein und gemessen; Lungensucht wird bei solcher Bewegung sich die Schönste nicht zuziehen. Alle Augenblicke findet sie was am Boden, klaubt es auf, betrachtet es eine Weile, und wirft es dann wieder hastig von sich; mir kommt es vor, als so am Boden gegen den Kado hin geflissentlich allerlei scheinbare Preziosen verstreuet wären, die die Schlaue gewisserart stets näher und näher zum Kado hin locken sollen. Wahrlich, die List ist gar nicht übel! Ich kann mich erinnern, sogar auf der Erde in einer sibyllischen Weissagung gelesen zu haben: So aber der Satan bekehret würde, da wird er auf Perlen und Diamanten einhergehen, und wird sie verschmähen und ihrer nimmer achten. Dann wird die Hölle verschlossen werden, und die Ketten des Wahnes werden schmelzen wie Wachs an der Sonne. 7 Wahrlich, da sieht die Geschichte beinahe also aus. Sie kommt näher und näher, und ist nun keine 40 Schritte mehr vom Kado entfernt. Bin wahrlich höchst neugierig, wie sich diese beiden empfangen werden. Aha, jetzt muß sie was sehr Bedeutendes gefunden haben. Mit großer Hast beugte sie sich zum Boden nieder, und hob etwas wie ein Diadem auf, das sie nun recht beifällig betrachtet und keine Lust zeigt, es ebenso von sich zu schleudern, als die früher aufgeklaubten Dinge. 8 Nun fragt Minerva den Kado, sagend: »Freund! wer hat denn diese vielen Kostbarkeiten hier verstreuet? Sind sie für mich? oder sind sie für wen anderen zu einem neuen Falle geleget? Hier ist ein herrlichstes Diadem meines Hauptes wert; solle ich's behalten oder von mir schleudern?« – Spricht Kado: »Das Gute behalte und das Schlechte nur werfe von dir! Klaube aber nicht zuviel auf! Denn zuviel von derlei Dingen würden dich derartig belasten, daß du kaum einen Schritt vorwärts tun könntest; das Diadem behalte, aber weiter klaube nichts mehr auf! Verstehe das, und sei folgsam!« 9 Spricht die Minerva: »Ja, ja, ich komme schon, ich komme ja; aber da liegt vor mir schon wieder ein allerherrlichstes Armband. Ach, das ist wunderschön! Du Kado? geh, erlaube, daß ich das noch aufhebe; denn das ist meines Armes würdig!?« – Spricht Kado etwas ungeduldig: »Ei, ei, du schmuckgieriges Wesen, lasse liegen das verlockende Armband; denn dein Arm ist ja ohnehin so unendlich schön, daß er für sich allein als ein Schmuck alles Schmuckes betrachtet werden kann; wie könntest du ihn noch mehr schmücken wollen. Hier aber zu meinen Füßen harret deiner ja ohnehin ein Schmuck, dem keiner in der ganzen Unendlichkeit gleich kommt; daher verweile dich nicht über dem Gassenkehrichte, sondern komme! und nehme eiligst von dem Besitz, was für dich bereitet ist.« 10 Die Minerva kommt nun, das Armband von sich werfend, schnell in die Nähe des Kado; nur 3 Schritte trennen sie noch. Sie spricht nun zum Kado: »Freund Kado! sieh, soweit bin ich dir entgegengekommen; es waren sicher bei 3.000 Schritte! Drei einzige Schritte fehlen noch; diese wirst wohl du mir entgegen kommen können. Ich sehe es dir nur zu sehr an, wie du vor mir glühest, und mit welch einer noch nie dagewesenen Liebegier du mich nun an deine Brust drücken möchtest! Meine wahrlich zu mächtigen Reize machen erbeben dein ganzes Wesen; du liebst mich unaussprechlich. Das sagt mir deine glühende Brust; das sagen mir deine Augen. Tue mir daher den kleinen Gefallen und mache nur diese drei kleinen Schritte zu mir (hin)!« – 11 Spricht Kado: »Endlos Schönste! Es werden noch himmlische Zustände kommen gleich wie irdische Zeiten, da ich dir Millionen Schritte entgegeneilen werde; aber hier erheischt es eine allerfesteste für dein alleiniges Wohl berechnete Ordnung, daß ich zuvor keines deiner noch so zu respektierenden Worte erhören darf, als bis du alles das erfüllet haben wirst, was ich von dir verlange und verlangen muß. Daher mache auch noch die kleinen drei Schritte, da du schon die 3.000 hast machen können.« – 12 Spricht die Minerva-Satana: »Wer bemüßigt dich von mir all das zu verlangen? Wer ist dein Gesetzgeber?« – Spricht Kado: »Niemand mir bewußtermaßen kann mir vorschreiben, was ich von dir verlange. Ich selbst bin mein höchst eigener Gesetzgeber und lasse mir weder von irgend einer Gottheit, noch von irgend einem Teufel etwas vorschreiben. Du bist doch der oberste Gebieter aller Teufel, und dazu schön wie ein Augapfel Gottes; und sieh', deine Worte finden kein Gehör bei mir; und ich war ehedem vor Gott durch dessen zwei größten Geister, und sie waren gut und weise, und zeigten mir Himmel und Hölle, auf daß ich mich entschiede für eins oder das andere; und sieh', ich wollte den Himmel nicht, und verstand der Hölle den gerechten Hohn zu sprechen. Ich sah ein wahnsinnigstes Unternehmen, dem ewig nie Gelingen folgen kann; es ward von dir auf mich Fahndung gemacht auf alle mögliche Art und Weise; alle deine Trugkünste scheiterten an der Härte meines Willens, und an der Festigkeit meiner Absicht zu deiner redlichen Freiwerdung vom Joche deiner eigenen Blindheit! Sage, wer doch könnte mir so was vorschreiben? 13 Sieh, in der ganzen Unendlichkeit gibt es kein Wesen, dem ich gehorchen würde, so es mir geböte: Tue dies oder tue jenes! Denn ich bin ein Herr meiner selbst und kümmere mich um niemand anderen, außer allein um dich, weil du mir so unendlich gefällst, und weil du nach Gott als erstes, größtes, vollendetstes und mächtigstes Wesen in der ganzen Unendlichkeit dastehest, das nun im vollsten Sinne wieder das werden solle, was es der ewigen und höchsten Weisheit Gottes zufolge hätte werden sollen. Ich allein fühle in mir die Bestimmung, die ich mir selbst gebe, dich also umzugestalten; aber das geht auf keinem anderen Wege, als gerade auf dem nur, den ich dir vorschreibe; aus welchem Grunde ich dir aber eher in gar nichts nachgeben kann, als bis du allem dem, was ich verlange, bis auf ein Haar nachgekommen sein wirst. Daher also nun keine Zauderei mehr mit den drei Schritten, sonst wirst du noch lange nicht gelangen zu deiner Urschönheit und Würde.« 14 Spricht die Minerva-Satana: »Weißt du, mein wirklich und im vollsten Ernste geliebter Kado; es ist alles richtig und wahr, und gut und herrlich, was du mir nun gesagt hast; ich will, und kann dir da nichts einwenden; aber so uns für alle Zukunft die eigentliche Liebe leiten solle, so verstehe ich nicht, wo du diese hernehmen wirst, da du nun mir zuliebe auch nicht um ein Haar dich von der Stelle rühren wirst! Siehe, ich will noch zwei Schritte tun; den einen letzten aber mußt du tun, und solle ich darauf eine Ewigkeit harren. Denn nun ist ja bei mir ohnehin auf keine Umkehr mehr zu denken, da ich mich dir schon so weit habe gefangen gegeben! Tue daher mir diesen kleinen Gefallen.« Kapitel 179 Das Gespräch zwischen Kado und Minerva-Satana: über den letzten Schritt zur Erlösung aus dem Gericht. Das alte stolze und eitle, hoffährtige Wesen Satans. Die interessierte Gefangene. Die inspirierte Weisheit und die Kraft Kados Am 29. März 1850 1 Miklosch: »Spricht Kado: »Aber allerendlosest Holdeste, warum verlangst du denn etwas von mir, das ich ohne dein Verlangen getan haben würde; aber nun nicht tun kann, weil du es von mir verlangst. O du unverbesserliche Krone der Unendlichkeit! Nun mußt du auch den letzten Schritt tun, ohne Gnade und Erbarmen, den ich sonst unfelhbar getan hätte. Ich bitte dich um deines eigenen höchsten Vorteils wegen, verlange für die Folge nichts mehr von mir; denn ich darf und kann dir nicht eher auch nur den leisesten deiner Wünsche gewähren, und demselben nachkommen, als bevor du nicht vollends in meinen Willen eingegangen sein wirst. Sieh', nur einen Schritt noch, und die ganze Unendlichkeit ist gerettet und befreit vom härtesten Joche eines ewigen Gerichtes, und du sollst als das glücklichste Wesen leuchten mit dem Lichte aller Sonnen, die der unendliche Raum fasset.« – 2 Spricht die Minerva: »Ja, ja, das glaub' ich schon, das könnte wohl sein, wenn ich nur so dumm sein könnte, das zu tun, was da dir beliebt von mir zu verlangen; aber diese Dummheit fehlt mir, und das ist eben sehr traurig für deine stark glänzenden Aussichten für mich. Es fehlt freilich nur mehr ein einziger kleiner Schritt; aber so ich ihn durchaus nicht machen will, aus meinem freiesten Wollen heraus, und jeder deiner Beredungen den weidlichsten Hohn ins Angesicht lachen kann und auch werde, durch welches Mittel wirst du mich dann zu zwingen imstande sein? Äußerlich ja, aber innerlich ewig nimmer! 3 Denn wisse, ich bin ein Wesen, aus dem die Unendlichkeit alle ihre Wesen hat, ich bin ein Wesen der Wesen, die ganz gleiche negative Machtpolarität, als da die Urgottheit die positive ist; ich bin der endlos große Boden, auf dem die Urgottheit ihre Werke bauet; und, verstehe und fasse das wohl, du unendliches Nichts vor mir, du willst mich durch einige elende Worte dir, dem nichtigsten Staube, untertänig und zinsbar machen! und etwa bestechen, durch deine endlos dümmsten Komplimente, an denen wohl eine feile Landdirne ein Wohlbehagen finden kann, aber nicht ich, als das erste und vollendetste Wesen in der ganzen Unendlichkeit. O du elendster Dummkopf! Wohl sehe ich dich beben vor Wollust in allen deinen Eingeweiden, und deine große Gier nach einem Vollgenusse in meiner Umarmung; aber mache dir ja ewig keine schmutzigen Gedanken, so du diesen letzten Schritt für meine Gunst und Liebe nicht wagen willst. Ich mache keine Linie (Millimeter) mehr, mein festester Wille.« 4 Spricht Kado: »Oh, schau, schau, wie gescheit du nun auf einmal bist! Aber schau, so gescheit als du nun bist und allezeit warst, so gescheit ist unsereiner zum Glück wohl auch; du willst mich eine Ewigkeit auf diesen einen und letzten Schritt harren lassen? Ich wünsche dir selbst dazu recht viel Geduld! Denn meiner Geduld wirst du dennoch nie Meisterin werden. Was ist es mir? ich habe dich zu meinem Vergnügen; der eine Schritt impediert (hindert) wenig; aus meinem Wollen heraus kann ich mit dir tun, was mir nur immer beliebt, und somit brauche ich eigentlich nichts mehr, was da meinen Vorteil betrifft; und werde daher wegen dieses einen Schrittes mit dir sehr wenig Worte mehr verlieren; daher verharre du, so es dir beliebt, nur immerhin in deiner Stutzigkeit; ich werde dadurch gar nichts verlieren. In meinen Klauen habe ich dich einmal; in keinen Drachen kannst du dich auch nicht mehr verwandeln, und so ist es mir eigentlich so lieber, wenn du so bleibst, wie du nun dich gestellt hast. Juch‘he, Vik‘toria! na, das wird ein wahrhaft lustig‘s ewig‘s Leben werden! Brot und Wein habe ich auch schon, wie ich's nun bemerke, darum noch einmal juch‘he! Brav, brav, Minervidl, das hast du gut gemacht! Juch‘he, juch‘he, juch‘he!« 5 Spricht die Minerva-Satana ganz verdutzt über solche Verwandlung des Kado: »Das hätte ich nie geglaubt, daß du ein so feiner Halunke wärest; ich möchte nun vor Galle zerbersten, daß ich gerade dir nichts abgewinnen kann! Aber traue dir nicht zu viel zu; so ich in die große Vorratskammer aller meiner Kniffe und Pfiffe greife, so möchtest du wohl sehr übel bedienet werden. Wenn ich aber nur der verdammten Liebe zu dir los werden könnte, da ginge die Sache gleich anders; aber da steckt eben der Knoten, den bisher niemand zu lösen wußte durch alle Räume und Zeiten der Zeiten! und gerade du mußt meine Schwächen durchschauen! Das ist schmählich, überschmählich! Nein, das halte ich nicht aus! Verflucht sei, der dich gebildet hat! Aber warte nur, du sollst an mir noch zu lecken haben, du sollst an mir deinen Satan kennen lernen.« – 6 Spricht Kado nun ganz phlegmatisch: »O! das macht nichts! Juch'he! Ich habe dich einmal, und dazu die endlos größte und reizendste Schönheit, die sich nicht mehr verhäßlichen kann; und das genügt einem Kado vollkommen. Übrigens ist es dir deshalb nicht verwehret, den verlangten letzten Schritt zu tun. Wenn es dir also langweilig genug wird, dann wirst du etwa meinem Verlangen wohl von selbst nachkommen. Bis dahin aber nur juch'he, juch'he, juch’he; denn ich habe dich, du mein allerholdestes Minervidl du!« 7 Die Minerva möchte nun zerbersten vor Zorn; sie möchte sich überaus gerne in ein recht scheußliches Wesen verwandeln; aber es geht nicht, auch möchte sie ihre Scham bedecken; aber sie findet nichts, das sie dazu benutzen könnte; sie bemüht sich zu fliehen von dieser Stelle, aber ihre Füße sind wie an den Boden geheftet; nur gegen den Kado hin kann sie den Fuß erheben; will sie sich aber auf eine andere Seite hin wenden, und ihre Füße zu einer Flucht benutzen, so bringt sie keinen Fuß vom Boden. Sind aber das doch wohlgeformte Füße; diese Rundung, diese zarteste Weichheit, und die unbegreiflich schönste Proportion in allen Teilen! O jemine, o jemine! wahrhaftig wahr, da wird sogar unsereinem sehr warm bei der Betrachtung dieser wahrhaft gigantischen Schönheit! Nein, dem Kado alle meine Achtung! Wie er solch einer ungeheuersten und allerreizendst üppigsten Schönheit gegenüber, die er, nota bene: nun im Ernste ganz in seiner Gewalt hat, eine solche Mäßigung beobachten kann. Da gehört mehr dazu, als was ich bis jetzt begreife. Ich bin auch kein Unzüchtler gewesen auf der Erde, und mich ließen oft die irdischen größten Schönheiten kalt, die freilich gegen diese allerechteste Venus aller Venuse eine Kloake wären; aber vor dieser Schönheit kalt zu bleiben oder sich wenigstens kalt zu zeigen – allen meinen Respekt! 8 Jemines, jemines! wie sich die Minerva nun zornig stellt, und wie sie den armen Kado verächtlich anglotzet; das ist ohne allen Vergleich! Sie bemüht sich über alle Maßen, ihr schönstes Gesicht zu verzerren; aber je mehr sie's verzerrt, desto interessanter wird es, und der Kado sagt auch nun zu ihr: »Holdeste! gebe dir keine Mühe; denn je mehr du dein Gesicht verziehest, desto interessanter und anziehender wirst du für mich; du bist wahrlich eine Göttin!« – 9 Spricht nun die Minerva-Satana nahe weinend vor Zorn: »So, das auch noch dazu? O du verfluchtes Leben, wenn es sich so zu gestalten beginnt! Bin ich denn keine Herrin, keine Fürstin aller Fürsten und Fürstinnen mehr? Muß ich mich von solch einem allerdümmsten Esel beherrschen und bespotten lassen? Kann ich denn nicht zurück, nicht verlassen dich auf ewig? du dümmstes Rhinozeros! Hast du doch früher mir zugestanden, daß ich zurück kann, wann und wie ich will. Was ist es mit dieser deiner Verheißung?« – 10 Spricht Kado: »Mit dieser Verheißung ist so lange nichts, als wie lange du nicht vollends in meinen Willen eingehen wirst. Denn du bist und bleibst so lange im Gerichte, als du deines eigenen Starrsinnes Sklavin bleibst. Sieh', so jemand in einer großen Gefahr sich befindet, und ein in allen Gefahren bewanderter Lotse ihm die Hilfe durch die Kraft seiner Hand bietet, er sie aber nicht ergreifen will, obschon er sich selbst gar nicht helfen kann, so wird er auch eben so lange der Sklave der Gefahr, in der er sich befindet, verbleiben, als wie lange er die angebotene Hilfe des Lotsen nicht ergriffen, und sich derselben bestens bedienet hat. 11 So auch ist es mit dir der Fall; du stehest auf einer über's Meer emporragenden Spitze, auf die dich ein Sturm warf, der in dir selbst ausgeboren ward; ich bin dir ein Lotse, und reiche dir hier meine hilfreiche Hand, um dich von solch einer gräßlichen Gefahr wegzubringen und dich dann in eine vollste Freiheit zu versetzen; aber du verschmähest meine Hilfe, deine blindeste, alles Zweckes bare hochmütige Tollheit läßt dich nicht handeln, wie es dir allein frommen würde, sondern treibt dich nur an, alles das zu unternehmen und zu tun, was doch offenbarst deinen bevorstehenden Untergang früher oder später wird herbeiführen müssen, und darum kannst du auch jetzt nicht mehr zurück, wie es dir beliebete, sondern mußt hier auf dieser Klippe verweilen; und so ich dich nicht verwahrete vor dem Untergange, und hintan hielte die Wogen, die dich von dieser Klippe schon lange weggespület hätten, wo wärest du nun? 12 Du pochtest nun nahe anderthalbtausend Jahre der Erde auf deine Siebenhügelburg. Sie hat dich nun schon nahe zwei Jahre lang ausgewiesen, und du wirst kaum je wieder in deiner ersten blutdürstigen Kraft den alten morschen Thron besteigen, und beherrschen die schwachen Narren der Erde, und die Teufel der Hölle; denn mir, wie gesagt, kommst du nimmer aus, und kannst dich nicht um ein Haar breit entfernen von mir; was willst du dann tun fürder, als die reinste Sklavin meines Willens? Wirst du mir wohl ewig Trotz zu bieten imstande sein?« Kapitel 180 Fortsetzung des Gespräches zwischen Kado und Minerva-Satana über den einen letzten Schritt. Minerva-Satana im alten Starrsinn. Kado macht es sich bequem und erquickt sich am Brot und Wein. Kados sehr deutliche Erklärungen über den Unwert Satanas Am 31. März 1850 1 Miklosch: »Spricht die Minerva-Satana: »Ja, das kann ich, so ich's will; habe ich auch äußerlich hier wirkend keine Macht und Gewalt mehr, so kann ich aber dennoch in meinem Innersten von der hartnäckigsten Widerspenstigkeit sein, und in dieser verharren ewig! Aber ich werde das vielleicht meiner dummen Liebe zu dir wegen dennoch nicht tun, sondern diese Sache reiflicher überdenken, und, so ich darinnen im Ernste einen Vorteil für mein Herz entdecken werde, mich deinem Rate unterordnen; aber wohl gemerkt, ich werde mich noch hübsch lange besinnen!« – Der Kado entgegnet ihr nun ganz gleichgültig und kalt: »Ganz wohl, ganz wohl, meine Liebe! Gesagt habe ich dir bereits alles, und du wirst nun auch sicher alles wissen, was dir allein frommen kann. Je länger du aber auf deine völlige Umkehr wirst warten lassen, desto länger auch wirst du unglücklich verbleiben, und desto schwerer diesen einen letzten Schritt tun. Das beachte auch da nebenher!« 2 Der Kado setzet sich nun nieder, und da es ihn hungert und dürstet, so nimmt er etwas Brot und Wein, verzehret nun beides, und da er dabei ein gar so wohlbehabliches Gesicht macht, so muß seine Stärkung von einer großen Lieblichkeit sein. Die Minerva betrachtet den Konsumenten sehr mißvergnügt und sagt so mehr wie zu sich: »No, no, ein hübsches Geschäftl das! Eine Lebensart hat er, und das eine von der ersten Klasse. Das muß er in der Schule der Bären und Wölfe sich zueigen gemacht haben. Der Kerl frißt ja wie ein echter Wolf und säuft wie ein Walfisch. Er hat noch einen Becher und noch ein sehr gut aussehendes Stück Brot; aber seine Schroffheit läßt es ihm nicht zu, mir damit einen Antrag zu machen. Ich würde von solch einem Esel wohl ohnehin nichts annehmen; aber es schickte sich hoffentlich doch mir, der ersten Zelebrität (Berühmheit) der ganzen Unendlichkeit, damit einen Antrag zu machen. Wie der Kerl aber frißt! Nein, an dem hat sich die Gottheit einen ganz gehörig bestkonditionierten Fresser bereitet. Der ist fähig, die ganze Schöpfung hohl zu fressen. Der Freßgiergeifer rinnt ihm ja wie einem hungrigsten Wolf aus den Mundwinkeln, daß unsereins geradewegs darüber speien könnte. Wenn nur ich mich auch so hinsetzen könnte! Aber nach abwärts dieses Hügels tut sich's nicht, weil das zu unbequem wäre; und anders ist es nicht tunlich, weil ich mich von diesem Esel nicht abwenden kann, da meine armen Füße wie gelähmt an diesen Boden geheftet sind; und kniee ich vor ihm der Rast wegen nieder, so könnte der Ochse das etwa ganz anders auslegen; nein, das tue ich nicht! aber was tue ich denn? Etwas muß ich ja doch auch tun. Wenn ich nur jenes Bündel, in welchem für mich ein non plus ultra Gewand sich befinden solle, näher zu mir herziehen könnte, so hätte ich damit eine gar nicht üble Unterhaltung mit der Durchmusterung desselben. Ist aber merkwürdig, wie dieser Kerl gerade wie mir zum ärgerlichsten Trotze in einem fort frißt und zu jedem Bissen einen tüchtigen Schluck Wein nimmt, und sich nach mir aber auch nicht einmal umsieht. No, der muß eine Liebe zu mir haben, wie ein Holzscheit zum anderen! Anreden will ich ihn auch nicht; denn täte ich das auch, wer steht mir dafür, daß er mir gar keine Antwort gäbe? Und das wäre für mich dann ja doch eine Kränkung, von der noch keiner Unendlichkeit etwas geträumt hätte! 3 Was aber tun? So zuschauen und herlusen, bis er sich wird vollgefressen haben? O das ist eine verflucht dumme Situation! Aber warte nur, du grober Esel, es solle noch ganz anders werden mit der gerechten Folge der künftigen Zeitbewegungen!« Am 1. April 1850 4 Kado ißt noch immer ganz behaglich ein Stückchen Brot um's andere fort, nimmt manchmal einen Schluck Wein dazu, und sagt nun, wie zu sich: »O Gott, das war doch ein herrliches Stückchen Brot und ein Wein! nein, das war ein Wein, der muß auf einer Sonne selbst gewachsen sein! Bin sonst, das ist wahr, ein grundschlechter und böser Kerl, schlechter als die ganz Hölle zusammen, und ich bilde mir darauf sogar etwas ein, daß ich mit meiner allereklatantesten Bosheit den Herrn Satan selbst vor mir zittern mache und gänzlich ratlos und tatlos; aber jetzt wär' i lamperlfromm und gut wie ein Esel! Juch'he, und die Schönste, das heißt respektive den Herrn Satan oder noch besser die Frau Satana, nun umgetaufte »Minerva« bei mir, mir untertänig! Juch'he, itzt geht's gut! – No, no, no! was machst denn du, mein allerholdestes Minervidl, für ein saures Gesichtl dazu, so es mir nun so recht sauwohl geht? Darüber sollst du dich ja nur freuen, und kein solches Sauerampfergesicht schneiden. Geh', und sei guten Mutes, und setze dich so recht behaglich und traulich zu mir her! So du das tust, soll's dir auch für den noch zu machenden letzten Schritt angerechnet sein. Geh', geh', Minervidl und mache mir einmal so eine rechte Freude! Schau! alle himmlischen Wesen freuen sich miteinander und untereinander, daß es schon eine allerhellste Freude ist. Da sieh nur aufwärts, und du wirst es sogleich selbst entdecken, wie bunt es da durcheinander geht; man möchte sogar selbst unter ihnen sein! Und wir beide, endlos edler und vollkommener als dies ganze bunte Himmelsgesindel, hocken da beisammen, wie so ein paar kranke Esel mit ellenlangen Essiggesichtern. Pfui! lassen wir uns doch nicht beschämen, und seien wir noch zehnmal heiterer, als alle die da ober uns! Geh', geh', geh'! und setze dich nur gleich zu mir her!« 5 Spricht die Minerva ganz stolzen und beleidigten Gesichtes: »Halte dein Maul, grober, besoffener Lümmel! Was der Trottel nicht alles möchte‘! Schauet's, nur gleich zu ihm soll ich mich setzen! Es wäre für ihn so eine Unterhaltung freilich wohl so übel nicht; das kann ich mir ungefähr schon so ein bißchen vorstellen; aber nichts da, Lippl! solche Früchte, wie ich etwa bin, werden für derlei Esel wohl sicher ewig nimmer reif werden! Versteht er das?« – 6 »Nicht, nicht so, Minervidl« – spricht Kado weiter – »warum solltest du für mich nicht reif sein oder werden können? O du bist schon sehr reif! denn du bist darum auch schon schön alt geworden. Aber eine Passion wäre das, nun dich so recht con amore abzudrücken! Trillion tausend saprament! diese schönen und fetten, weißesten und zartesten Füße, diese Arme, dieser Nacken, dieser Busen! und dös Gsichtl! Nein, das wäre so eine Freude für unsereinen und nur ein einziges Bußerl von diesen allerechtesten Rosenlippen! Oh, oh, oh! das wäre schon gar über alles! Daher, so gehe und komme! und mache meinem Herzen eine rechte Freude!« – 7 Spricht die Minerva: »O gleich, gleich, mein Herr quasi Gemahl und Gebieter! Sie wissen es ja, wie gerne ich solchen Wesen, wie sie eins zu sein die allersauberste Ehre haben, folge, so sie etwas oder was – wünschen. O, sie können es gar nicht glauben, wie sehr ich sie liebe; beruhigen sie sich daher nur noch ein wenig, so etwa auf einige wenige Ewigkeiteln, dann werde ich ihren besoffenen Wünschen schon nachkommen.Jetzt wäre ich auch noch viel zu jung für eure Majestät. Nicht wahr, das wäre wohl lustig, mich so recht nach Herzenslust mit rhinozerosgroben Händen abzudrücken? Ei, ei, es ist mir wirklich leid, daß ich ihnen nicht sogleich dienen kann. Vertrösten sie sich daher nur auf so ein paar Ewigkeitchen, mein Lieber!« – 8 Spricht Kado: »Wie es dir gefällig ist, das ist mir alles ganz ein und derselbe Teufel, ob um ein paar Ewigkeiteln früher oder später; in meiner unauflösbaren Gewalt bist du einmal und mehr brauche ich zu meinem alleinigen Vergnügen nicht; ich kann mich mit dir unterhalten, wie es mir nur immer beliebt, und du wirst es mir nicht verwehren können, indem ich Kraft, Macht und Gewalt zur größten Übergenüge besitze, dich äußerlich zu meinem Vergnügen zuzurichten, wie es mir nur immer beliebt. Da ich aber nicht selbstsüchtig bin, und mehr auf deine wahre Wohlfahrt sehe, denn auf die meinige; darum auch allein nur möchte ich dich aus deiner ungeheuren Torheit heben, und dich so frei und glücklich, als nur immer möglich machen; aber so du lieber eine Sklavin deiner allerblindesten und abgeschmacktesten Torheit verbleibest, gut, so bleibe, was du bist, nämlich das dümmste und schlechteste Wesen in der ganzen Unendlichkeit; mich wird das äußerst wenig genieren. 9 Hebe deine zwar überschönen, aber sonst über alle Begriffe dümmsten Augen empor, und siehe, wie sich da oben Trillionen ihres göttlichen Daseins freuen, obschon sie wohl wissen, daß du das unglücklichste Wesen in der ganzen Unendlichkeit bist; und so kann auch ich, wenn schon nicht in der edlen himmlischen Art, mich ganz prächtigst nach meiner Art ewig ohne dich beseligen. Ich muß dir auch noch das hinzugestehen, daß ich gerade von nun an gar nicht mehr darauf poche, dich für deine eigene Freiheit in Gott deinem Schöpfer zu gewinnen und dich somit zu bekehren; denn ich weiß es ja so gut wie ein Gott, daß du ein allereigensinnigstes Luder bist und mit dir bis jetzt weder ein Gott, noch irgend ein Teufel je etwas ausgerichtet haben; aber das alles geniert mich nicht; denn ich habe dich einmal, wo und wie ich dich gleich uranfänglich haben wollte; ich für mich bin, wie schon öfter gesagt, ganz vollkommen zufrieden; du bist mein, und bist unschädlich gemacht wie eine Natter, der man das Gift genommen hat; willst du für dich selbst frei und glücklich werden, so weißt du nun zur Genüge, was du zu tun hast. Ewigkeitle du in deiner Dummheit nur fort; denn von nun an wirst du von mir aus keine Einladung mehr erhalten. Gehabe dich nun wohl in deinem Wahne; wie du säest, so wirst du auch ernten! Halte nur daran fest, daß da mir nun alles eins ist.« 10 Nach diesen Worten fängt nun die Minerva sehr stark sich hinter den Ohren zu kratzen an und sagt: »Was wird denn dann mit meinem höchsten Ansehen, das ich bis nun genossen habe in der ganzen ewigen Unendlichkeit?« – 11 Spricht Kado: »Lasse dich um Gotteswillen doch deines eingebildetsten Ansehens wegen nicht auslachen! Da sehe auf meinen Hintern her! Dieser, wahrlich so schmutzig, wie ein Abtritt selbst, ist bisher bei aller Welt und bei allen besseren Geistern in einem unvergleichbar höheren Ansehen gestanden, als du mit aller deiner allergöttlichen Primokreatur. Denn dich beschämt ja, was die reinere Weisheit betrifft, ein jeder Esel und Ochse. Wo aber ein Wesen, so es äußerlich auch noch so schön, gar so entschieden dumm ist, wie kein zweites mehr in der ganzen Unendlichkeit, da wird es mit dem wahren Ansehen etwa wohl einen so derben Faden haben, als groß da sein dürfte der Durchmesser jenes Ankertaues, an dem die allmächtige Gottheit das große Schiff der ganzen Schöpfung durch die Kraft ihres allmächtigsten Willens befestigt. Rede mir daher ja nimmer von einem vermeintlichen Ansehen, das du dir selbst und sonst noch kein Wesen je gegeben hat! Bilde dir ein, was du willst; aber nur mich verschone mit derlei nahe unausprechlichen Albernheiten!« 12 Spricht die Minerva: »No, no, sei nur nicht gar so aufbrausend! Ich glaube, so ich schon gar so dumm bin, da werde ich aber ja etwa dennoch wert sein, daß du mit mir eine kleine Mühe dir nimmst und mich belehrest, wo es mir fehlet.« – Spricht Kado: »O Liebste, dir fehlet gar viel, ja dir fehlet bloß alles; da werd' ich noch vieles zu reden haben mit dir, obschon ich kein Freund des Redens bin.« – 13 Spricht nun wieder die Minerva-Satana: »No, no, habe nur Geduld! lehre mich recht und habe Geduld mit meiner Dummheit und Schwäche; denn ich meine, so ich dann selbst dir zum Lohne werde, da dürftest du für deine Mühe etwa ja doch hinreichend enschädigt sein?« – Spricht Kado: »O allerdings, so du je zu belehren bist; nimmst du aber wie bisher gar keine Belehrung effektiv an, so ist mir dann mein Hintern lieber als du, trotz aller deiner noch so unendlichen Schönheit! Solches beherzige auch; denn ich bin durchaus kein sinnlicher Teufel!« 14 Die Minerva-Satana kratzt sich nun schon wieder sehr stark hinter den Ohren, als hätte sie Läuse, simuliert ganz gewaltig, reibt sich die Stirne und scheint mit sich sehr uneins zu sein. – Kado aber wendet sein Gesicht nun gerade zu uns herüber und macht eine Miene, als ob er von uns so einen Wind hätte. Was mich aber sehr wundernimmt, ist, daß er, da er doch all die Himmelsgeister ober ihm gar wohl erschauen dürfte, die zwei neben (hinter) ihm stehenden, als den Robert Uraniel und dessen Begleiter Sahariel nicht zu ersehen scheinet; denn da macht er gar keine Miene, als nähme er jemanden hinter sich wahr.« Kapitel 181 Die Meinung des Grafen Bathianyi und des Miklosch über die vorherige Szene. Fortsetzung zwischen Kado und Minerva: Der letzte Schritt erst halb, dann ganz vollzogen. Der erste Lohn, das herrlichste Gewand. Eine lichtvolle Erklärung über die Erlösung 1 Sagt einmal der Graf Bathianyi, den diese Szene schon ein wenig zu langweilen beginnt: »Freund Miklosch, du bist wahrlich ein prächtiger Wiedergeber des Geschauten, und es ist äußerst interessant dich anzuhören; aber was wahr ist, das ist wahr; diese Geschichte zwischen dem wohlkonditionierten Kado, und der sogenannten Minerva, die besser Luciferina oder gerade »Satan« hieße, wird etwas langweilig. Ich bewundere nur die ungeheure Geduld des Herrn, wie auch die der Erzväter, der Propheten und Apostel! Diese betrachten diese nun höchst einförmig gewordene Szene, als läge da, Gott der Herr weiß es, was für eine ungeheure Wichtigkeit daran. Ich für mich finde nun stets weniger daran; es fängt die ganze Geschichte nun stets mehr und mehr an, das Gesicht eines allerfadesten Romanes zu bekommen, der so angelegt ist, daß er sich ganz kommod eine ganze Ewigkeit fortspinnen kann. Der Kado verdient wahrlich allen Respekt, aber die Minerva ist ein feines Luder, ein wahrer Proteus, der sich in alle Gestalten, Formen und Elemente verwandeln kann, und somit gar nie zu fangen ist. Kado ist zwar wohl ein höchst politisch feiner Kauz; aber sie ist bei all ihrer Luderei dennoch pfiffiger als er, und ich fürchte sehr, daß es ihm bei aller seiner wahrlich wunderbaren Charakterstärke nie gelingen wird, sie zu diesem letzten Schritte zu bewegen. Sie stellt sich zwar hie und da, als wäre sie blöde; aber von ihrem innersten, verborgenen Plane läßt sie ja weislich nichts merken. Er solle sie lehren. Von dem Unterrichte möchte ich mir auch ein Exemplar ausbitten. Auskosten will sie ihn ganz; dann wird sie schon wissen, was sie tun wird. O, das ist eine Kanaillie non plus ultra! Gib nun nur wieder weiter acht, Bruder und Freund Miklosch; du wirst sehen, daß ich recht habe!« – 2 Sagt Miklosch: »Lassen wir das alles nur dem Herrn über; ich meine, daß dann am Ende schon alles recht werden wird.« Am 5.April 1850 Sagt Bathianyi: »Ja, ja, das meine ich auch; es wird am Ende alles gut werden; aber wann wird dies Ende kommen? Wir werden es wohl sicher erleben, weil wir ewig leben werden; aber der Faden der Ewigkeit ist ein ganz entsetzlich langer, und die Meilenzeiger sind auf diesem ewigen Fadenwege der Ereignisse und Zustände ganz entsetzlich weit auseinander gerückt. Über welchem dieser endlos vielen Meilenzeiger aber der Herr das große Finis eoronat opus geschrieben hat, das weiß nur Sein heiliger Geist; wir alle zusammen aber wissen soviel als nichts; und es ist unsereinem daher sehr gut zu verzeihen, so man bei der nur sicher zu sehr ersichtlichen Lumperei der schönen »Minerva« notgedrungen auf die Idee gerät, der zufolge diese Geschichte zwischen dem Kado und der sogenannten Minerva wohl schwerlich ewig je zu einem Ende kommen werde.« – 3 Spricht Miklosch: »Weißt du, Bruder, was da mich betrifft, so kümmert mich das nun im Grunde sehr wenig; im übrigen interessiert mich diese Geschichte ganz außerordentlich; denn das ist sicher keine Alltagsgeschichte. Zwei allerdurchtriebenste Geister der Hölle liegen sich in den Haaren, und es wird sich da bald zeigen, welcher aus ihnen den Sieg davon tragen wird. Ich halte es noch immer mit Kado.« – Spricht Bathianyi: »Ich auch; denn am Ende, so es überhaupt ein Ende gibt, soll denn doch hoffentlich die gute Sache obenauf zu stehen kommen. Aber für diese steht die Geschichte noch ganz verzweifelt schiefrig da; siehe du aber nun nur wieder hin zu dem sonderbarsten Dunste und erzähle uns nach deiner ausgedehnten Weise, was dort vor sich geht.« 4 Miklosch schauet hin und sagt: »Schaue auch du so wie ich gleichfort hin und du wirst nun ja ebenfalls ersehen können, wie die Minerva nun ganz freundlich dem Kado die schönste Hand reichet und dieser dafür zu ihr sagt: »Das nützt dir nichts, denn alles, was du mir aus deinem Wollen zur Annahme anträgst, kann und darf ich nicht eher annehmen, als bis du alles verlangte, also auch den letzten Schritt gemacht haben wirst. Hebe den Fuß und setze ihn an den meinigen her, dann hast du deine Aufgabe gelöst und bist zu deiner Freiheit wieder gelanget; von da angefangen werde ich dann, wie ich es dir oft genug verspochen habe, auch manches tun können, was du von mir wünschen wirst!« – 5 Spricht die Minerva-Satana: »Nun denn, um zu erfahren, wie du dein Wort halten wirst und was (du) machen wirst mit mir, so hebe ich meinen rechten Fuß vom Boden und setze ihn an den deinigen hin! Alle Himmel und alle Höllen sollen mir ein lautestes Zeugnis geben, ob ich jemandes Willen so weit nachgekommen bin, als dem deinigen. Aber wehe, wehe, wehe dir Kado, so du mich nur im geringsten hintergangen haben solltest, da ich dich liebe! Ich müßte an dir die fürchterlichste Rache nehmen, eine Rache, die noch nie da war!« 6 Die Minerva hebt nun ihren rechten Fuß im Ernste vom Boden und setzt ihn ganz zum Fuße des Kado hin und sagt: »Nun habe ich erfüllet, was du verlangstest von mir; und nun, was wohl wirst du tun?« – 7 Spricht nun Kado: »Hebe auch den anderen, dann erst hast du die dir gegebene Bedingung ganz gelöset, und ich werde dir dann alles sagen, was ich tun werde. Im Grunde habe ich es dir schon ohnehin gesagt, was danach geschehen werde, so du dir meinen Willen wirst eigen gemacht haben; aber da du stets ein sehr kurzes Gedächtnis zu haben scheinst, so werde ich danach das schon zu öftern Malen Gesagte ganz kurz wiederholen. Aber zuvor muß der letzte Schritt ganz und nicht nur bloß zur Hälfte gemacht werden. Darum also noch mit dem anderen Fuße aus der Gefangenschaft und es wird dann sogleich alles andere in der besten Ordnung sich befinden.« – 8 Spricht die Minerva: »Nun, mir scheint es, daß deine sauberen Begehrungen an mich nimmer ein Ende nehmen werden. Wie kann ein ganzer Schritt, der stets nur nach der Vorwärtssetzung des einen Fußes gerechnet wird, darum nur ein halber Schritt sein? Siehe, das ist ein reinster Unsinn! Aber weil ich schon so viel getan habe, so will ich auch noch das tun; aber siehe dich vor, daß ich dich dann ja nicht verlasse; denn du weißt es, daß mir dann der freieste Abzug und Rücktritt in meinen vorigen Zustand gestattet ist, und zwar als eine Hauptbedingung zu dieser meiner mich unter alles Luderwerk entwürdigenden Handlung nach deinem Willen.« 9 Nun hebt Minerva-Satana auch im Ernste den zweiten Fuß nach und sagt: »Jetzt ist es vollbracht; ich habe deinen Willen ganz erfüllet; nun was geschieht jetzt?« – Spricht Kado: »Endlos Holdeste! hier löse das Bündel auf; nehme das Gewand heraus und bedecke deine mein ganzes Wesen zu mächtig aufregenden bloßen Reize!« 10 Die Minerva beugt sich sogleich nieder, löset das Bündel auf und als sie im selben ein karmin-rotes mehr als die Sonne hell strahlendes Kleid mit einer schweren Menge strahlendster Diamanten und Rubinen besetzt erschauet, erschrickt sie vor dieser ungeheuren Lichtmasse, so daß sie in Anwandlung von einer barsten Lustschwäche förmlich zu Boden sinkt und nun in einer Art Betäubung vor dem Kado nahe ohne Regung liegt. 11 Kado fragt sie nun sagend: »Nun Minerva, wie ist es dir? Gefällt dir das urkönigliche Gewand? Habe ich dich angelogen oder – habe ich dir die Wahrheit gesagt? Was hältst du nun von mir?« – 12 Die Minerva vor lauter Staunen kaum der Sprache mächtig, spricht mit einer etwas bebenden Stimme: »Kado, Kado, das ist zu viel, zu groß, zu herrlich! Ich kenne doch alle Himmel und deren Einwohner; aber mit so einem Kleide habe ich allda noch nie jemanden angetan gesehen, nicht einmal die Gottheit in ihrem unzugänglichsten Lichte. Wie solle ich nun aus meiner ärgsten und tiefsten Verworfenheit kaum ein wenig auftauchend solch ein Feuergewand annehmen und am Ende gar zu tragen imstande sein? Ich habe daran zwar eine unbeschreibliche Freude; aber anzuziehen wage ich es wahrlich nicht; denn das Tiefste der Hölle kann nicht sobald mit dem Höchsten der Himmel einen zu schnell veranlaßten Bund eingehen! Da gehört noch eine lange Dauer (dazu), in der ich über mein langes höllisch, grundböses Wirken und Handeln nachdenken und mich über das selbe mehr und mehr werde hinaussetzen können. Denn wohl bedenke, daß ich der Urgrund alles Bösen und alles Gerichtes bin. Wie und wann ich mich aber über diese meine höchst böseste Stellung werde erheben können! O Kado! wie sehr ferne noch ist eines solchen Zeitraums herbeikommen!« 13 Spricht Kado: »Törin! zähle die Sonnen im endlosen Raume, zähle die Planeten alle, die nicht selten zu Trillionen um eine einzige und letztere Zentralsonne wie Atome im Äther umherkreisen, die noch lange keine Haupt-Zentralsonne ist; zähle den gerichteten Sand nur eines kleinsten Planeten; summiere alle die atomistischen Materiepartikel, die im endlosen Äthermeere des ewigen Raumes als gerichtet rasten, und über ihren kleinen Rücken das Licht von einer Unendlichkeit zur anderen tragen müssen; sieh', das alles ist arg gerichtet aus deinem höchst eigenen Gerichte. Wie lange wohl müßtest du da zählen, und wie viel denken, bis du den Grund eines jeden gerichteten Atomes der ganzen Unendlichkeit durchsähest und durchdächtest, um dich in dir selbst dann darüber hinaus erheben zu können! Sieh, das wäre im höchsten Grade eitel und töricht; daher tue du das, was ich dir zu deiner wahren Freiwerdung anrate, und du wirst der ganzen ewigen Großrechnung nicht bedürfen, um wahrhaft frei, dadurch auch der allmächtigen Gottheit in Ihrer Jesus-Menschheit wohlgefällig zu werden.« – 14 Spricht die Minerva-Satana: »Geliebtester Kado, du hast wohl recht, ich sehe es ein; aber nur den gewissen Namen spreche mir nicht mehr aus; denn dieser Name ist für mich im höchsten Grade unerträglich. Ich kann dir's zwar nicht sagen: Warum? aber es ist einmal so. Der Name brennt mich mehr, denn alles Feuer der Hölle.« – 15 Spricht Kado: »Siehe, das ist schon wieder im höchsten Grade dumm und töricht von dir! Gerade in diesem Namen wie ewig in keinem anderen, ist für dich und für mich ein ewig wahres Heil zu erringen. Deshalb lobe und preise du in der Zukunft lieber diesen Namen, so wirst du vollkommen siegen über alles zahllose Böse in deinem Herzen und wirst dann einen wahrsten Triumph feiern über alles, was dich je zu solch einem großen fortlaufenden Abfalle von der ewigen Gottheit mag verleitet haben.« – 16 Spricht die Minerva-Satana: »Guter Kado! du hast wohl viel leichter reden, denn ich, und hast auch recht in allem; aber bedenke, wie viele Äonen ärmster Wesen schmachten nun noch in größter Qual, die ich ihnen bereitet habe. Wie solle ich überhaupt je frei und wahrhaft glücklich werden können, so lange die zahllosen durch mich unglücklich gemachten in aller Qual schmachten müssen? Ich solle nun glänzen in diesem Kleide und zahllose Kinder aus mir sollen meinetwegen schmachten, ewig schmachten; nein, nein, das geht nicht, das kann nicht sein!« – 17 Spricht Kado: »Kümmere dich um was anderes! Seit die Gottheit zum Körpermenschen ward, hat Sie auch die ganze materielle Schöpfung auf ihren Namen genommen und jeden Menschen von dir im höchsten Grade unabhängig, und dem eigenen Gewissen zinsbar gemacht; alle Welt ruht nun auf der Schulter Gottes, und auf denen der freien Menschen, und du stehest mit der Gottheit schon lange in keiner Verrechnung mehr. Daher tue, was ich dir sage und du wirst frei sein in allem!« Kapitel 182 Fortsetzung der Szene zwischen Kado und Minerva. Von der Buße und der Bekehrung. Gleichnis vom Fruchtbäume veredeln. Ein weiteres über die Erlösung Am 10. April 1850 1 Miklosch: »Spricht die Minerva-Satana: »Aber es ist von der Gottheit eine Art Buße zur Vergebung der Sünden angeordnet, ohne die kein Mensch und somit noch um vieles weniger ein Teufel selig werden kann. Siehe, ich aber war und bin noch aller Sünde Grund, und ein Pfeiler des Gerichtes und des Todes; wie solle dann erst ich ohne Buße frei und endlich gar selig werden? Es müßte daher über mich wohl die größte Buße kommen, so ich im Ernste solle frei und selig werden. – Wie aber könnte ich Buße wirken in diesem Lichtgewande? Dazu gehört ein härenes Büßerkleid und Asche und Sack; verschaffe mir ein solches Büßerkleid, und ich will und werde die ernsteste Buße zu wirken anfangen.« – 2 Spricht Kado: »Du wohl du, und s‘ Buße wirken! Das ginge so hübsch zusammen; was verstehst denn du, was da wahre Buße wirken heißt? Meinst denn du: ein härenes Kleid, Asche und Sack machen die Buße aus? Oder glaubst du etwas nach römischer Art tun zu müssen, um zur wahren Sündenvergebung zu gelangen? Möchtets du nicht etwa eine Generalbeichte ablegen, 1.000 Messen zahlen, kommunizieren, auf daß in dir dann alle deine Sünden krepieren? Auf der Erd' unweit meines großen Raubgebietes war ein sogenanntes Franziskanerkloster, sehr schlecht gebaut zwar, aber dennoch tauglich zur Aufnahme von ein paar Dutzend ärgerlichster Müßiggänger, die sich Patres und Fratres nannten; aus derer Munde habe ich solch einen Unsinn von einer wahren der Gottheit wohlgefälligen Buße vernommen, ohne die niemand selig werden könne. Ich aber habe an diesen Kerlen bei guter Gelegenheit eine ganz neue Art Buße ausgeübt, und ich meine, daß sie eben für diese Geistestotschläger wirksamer war, als die, welche sie den armen Teufeln aufdringen wollten, und auch vielfach aufgedrungen haben. Ich, wenn schon gleich dir der Gottheit gegenüber ein Teufel, halte das für die wahre Buße, so man das Schlechte, als das der Gottesordnung widrige, eigenwillig verläßt, und seinen Willen fest und unerschütterlich unter das Panier der ewigen Gottesordnung stellt, und dann selbst das unerschütterlich fest will, was man als solcher göttlichen Ordnung gemäß erkennt. So du so handeln wirst, aus deinem neuen in der Gottesordnung geregelten Willen, dann wirst du auch eine rechte Buße wirken; aber ein härenes Gewand, Asche, Sack, Generalbeichte, Kommunion und wegen meiner eine Million Messen gehören ins Fach der größten Menschentorheiten, weil sie den Menschen nicht besser, sondern nur schlechter und schlechter machen. Nur durch meinen Willen allein kann ich besser werden; alles andere gehört in einen Leibstuhl (Klo), und hat keinen Wert, weder vor besseren Geistern, noch vor Gott. 3 Du weißt es, und siehst es auch ein, was ein jeder Geist durch seine höhere Weisheit genau ersehen kann; wolle sonach nichts aus dir heraus, sondern bloß aus mir heraus oder was ich will, so wirst du deines höchst eigenen Kerkermeisters alsbald loswerden; so lange du aber noch mit deinen eigenen Willenbrocken mir entgegenkommen wirst, da wird es mit dir noch sehr lange nicht besser werden. – Sieh', an der Weisheit, und an einer gediegenen Erkenntnis hat es dir nie gemangelt; aber an einem neuen guten Willen, und darum bist du zum Grunde alles Schlechten und Bösen geworden. So ein Wesen aber gut werden will und edel, da muß es mit seinem ersten wilden Willen dasselbe Experiment machen, als was da macht auf der Erde ein Gärtner mit einem Wildling; er schneidet ihm die Krone ab, spaltet dann den Rumpf, und setzt einen edlen Zweig hinein, und es wird dann ein neuer edler und guter Fruchtbaum daraus. So mußt auch du, wie gesagt, es mit deinem alten Wildling von Willen machen. Wenn es dich auch darauf eine Weile genieren wird, da du die alte Krone dir mußt völlig nehmen lassen, so mache dir aber dennoch nichts daraus; denn du wirst dafür zu einer herrlicheren, besseren und edleren Krone gelangen.« – 4 Spricht die Minerva-Satana: »Kado, Kado! du bist zwar eigensinnig wie ein echter Teufel, aber dabei weise, wie ein Gott! hörst du, wie ein Gott!« – Spricht nun wieder Kado: »Eh! was nützt mir meine Weisheit, so sie außer mir niemand befolgen will? Ich predige tauben Ohren, und vor blinden Augen mache ich Spektakel, und diese merken nichts. Ich habe bis jetzt, bei Gott dem Allmächtigen, geredet zur Übergenüge; aber was nützt alles das? Du hörest mich an wie der Prophet Bileam seinen Esel, wo letzterer auch weiser war als sein blinder, tyrannischer Herr; denn dieser sah und wußte, warum er stehen bleiben mußte; während sein Herr dafür nur desto eifriger des grauen Sehers Rücken in die Arbeit nahm. Ich zeige dir, warum du dich gänzlich meinem Willen unterordnen sollst; aber du hast da stets tausend Ausflüchte, und so du schon was tust, da tust du die Sache aber dennoch nie sogleich, und auch nie ganz also, wie ich es haben will und haben muß. Warum denn das?! So du mich nun weise findest wie einen Gott, warum tust du denn dann nicht sogleich, was ich von dir verlange? Das herrlichste und kostbarste Kleid liegt vor dir, und wirft seinen mächtigsten Strahlenglanz gleich einer Zentralsonne in die weite Unendlichkeit hinaus; aber sein intensivstes Licht, das da bestimmt ist, nach dem Innern deines Wesens den Strahl zu treiben, muß sich noch vergeblich verzehren. Warum denn das? Gebe mir davon einen Grund an!« 5 Spricht die Minerva: »Ich habe dir den Grund ja schon angegeben; du aber hast ihn widerleget mit der Schärfe deiner Weisheit, der ich nun freilich nichts mehr entgegenstellen kann. Aber alles dessen ungeachtet bleibe ich doch bei dem, daß ich mich für dies zu göttliche Gewand als viel zu unwürdig fühle, um es gleich so mir und dir nichts wie einen anderen gemeinen Fetzen anzuziehen. Und das ist ein Hauptgrund, warum ich also mit dem Anziehen zögere. Einen anderen Grund kann ich dir unmöglich angeben, und so du dich darob noch ärgern solltest. Ziehe es du an, wenn du schon so viel Mut besitzest, und gebe mir darinnen ein Beispiel, und ich werde dann diesem deinem Beispiele folgen. À propos! noch etwas: Wie sieht es denn auf der Erde, und in allen anderen Welten dann aus oder wie wird es aussehen, so ich dies Kleid anzöge? Wird es besser oder etwa noch schlimmer den dort neu zu bildenden noch in die gröbste Materie verhüllten Geistern ergehen? Gebe mir davon eine begreifliche Erklärung, und ich werde dann sogleich alles tun, was und wie es du wünschest.« 6 Spricht Kado: »Ich habe es ja gewußt, daß sie richtig noch wieder eine die Sache verzögernde Ausflucht finden wird! O du ganz entsetzlich verzweifeltes Wesen! Was gehen denn uns nun die Erde und alle anderen zahllosen Welten an! Die Gottheit wird es wohl schier wissen, was sie damit machen wird. Uns aber geht weiter weder die Erde noch der Himmel etwas an, und wir haben uns darum nicht im geringsten zu kümmern. – Wie von nun an die Menschen auf der Erde oder auf der Sonne untereinander leben werden; ob kriegerisch oder friedsam, das hat für (mit) uns aber auch nicht die allergeringste Beziehung. Wir leben und handeln bloß nur für uns; alles andere sei und bleibe für uns eine terra incognita solange, als bis wir zufolge etwa eines möglichen höheren Auftrages beordert werden, uns darum zu kümmern. Ich habe dir aber ja auch schon ehedem klarst gesagt, daß du außer allen Einfluß auf die Weltkörper gesetzt wurdest, seit der Menschwerdung der Gottheit, in der ein zweiter Adam in und aus Gott alle Schöpfung, und somit auch alle ihre Übel auf die höchst eigene Schulter nahm, und nun alles also leitet und führet, wie es Seine ewigste Ordnung verlangt. Daher hast du dich von nun an um nichts anderes mehr zu kümmern, als bolß nur allein um dich selbst. Ziehe nun das Gewand an, und es wird sich dann schon sogleich zeigen, was da weiter zu geschehen hat.« 7 Spricht die Minerva-Satana: »O du lebendiges Buch du! du sprichst ja, als so du ein Jünger Salomons wärest! Aber ich sehe es nun rein ein, daß du eines Teils denn doch recht hast, und so will ich denn vor dir mich zu einer Putzgredl umgestalten, und eine recht dumm hochmütige und eitle Personage spielen, da du daran denn schon eine so große Freude hast. Dummer Lippel! wird's dir denn dann besser sein, so du mich vor lauter Glanz gar nicht anschauen wirst können? Ich ziehe es nun an; aber dann komme mir ja nicht sobald wieder mit einem anderen Begehren.« Kapitel 183 Fortsetzung der Szene mit Kado und Minerva, diese im Himmelskleid. Robert und Sahariel und Kado. Roberts Aufklärung an Kado. Eine Aussage über die Freiheit im Gericht Am 12. April 1850 1 Miklosch: »Die Minerva zieht nun wirklich das Gewand an; sie ist nun auch schon angekleidet; o tausend, o tausend! ach! das ist stark! nein, da ist es ja gar nimmer zum aushalten! Aber diese ungeheure Schönheit! Herr und Vater Jesus! mein Gott, mein Gott! sei mir armen Sünder gnädig und barmherzig! Nein, diese allerungeheuerste Schönheit auf eine längere Weile ansehen zu müssen und dabei das Leben zu erhalten, das dürfte wohl kaum möglich sein. Nur diese unbeschreibbar sanftest weiche Zartheit, diese göttlichst, herrliche Form ihres Angesichtes, dieser wallende Busen, dieser Arm! nein, Herr! ich würde entweder tot oder ein Narr, so ich diese zu allerungeheuerste Schönheit nur einige Sekunden noch anschauen müßte. Ach, ach! sie wird immer schöner und schöner! Wie aber ein Kado, und wie die zwei anderen, als der Robert Uraniel und der Sahariel, die ihr doch gar so nahe gekommen sind, solch eine Nähe ohne Verlust ihres Lebens aushalten können, das ist mir ein ungeheures Rätsel. Wohl gehen den beiden Letztgenannten nahe die Augen vor lauter Glanz und Schönheit über, was da sehr begreiflich ist; aber wie der Kado es in ihrer größten Nähe auszuhalten vermag, das begreife, wer es begreifen kann; ich werde es sicher nie begreifen. Denn diese allerungeheuerste Schönheit müßte geradewegs vollends tote Statuen im Augenblicke beleben können. Bruder Bathianyi! Gehe, und suppliere (vertrete) du mich nun eine Weile, denn ich kann es wahrlich nimmer aushalten.« 2 Spricht der Bathianyi: »Mein Freud Miklosch, das kann wohl nicht ausgeführet werden; ich habe nun nur ein paar sicher sehr flüchtige Blicke hingeworfen, und bin deshalb schon ganz schach- und matt, was würde aus mir erst dann werden, so ich mich ganz wohlbehaglich eine längere Weile in sie vergaffete? Ich bedanke mich, liebster Freund, für diesen deinen Antrag. Versehe du nur selbst diesen angenehmsten Dienst; ich werde das meinige mir schon aus deinen Worten nehmen.« – 3 Spricht der Miklosch weiter: »Nun gut, so werde ich ein reiner Narr. Und jetzt, oh, oh, oh! Die beiden machen gar Miene, als ob sie zu uns her sich begeben wollten. Nun, wie so das? Da werde ich ganz bestimmt ein Narr! Aber, Gott! Dir alles Lob! jetzt geben sich die beiden Engel dem Kado und der Minerva zu erkennen, und der Kado, wie die Minerva scheinen gleichzeitig ganz verblüfft darüber zu sein, daß sie nun auf einmal, wie aus den Wolken gefallen, zwei ihnen ganz fremde Gesellschafter bekommen! Kado betrachtet die beiden mit sehr forschenden Blicken vom Kopfe bis zur Zehe und scheint sie fragen zu wollen, woher sie gekommen seien, ob von oben oder von unten? Aber aussprechen will er's noch nicht; aber in seiner höchst klassischen Miene scheint diese Frage unverkennbar zu liegen?! Bin nun höchst gespannt, was da herauskommen wird. 4 Aha, nun wischet sich der Kado mit der rechten Hand die Haare aus dem Gesichte, nimmt eine ganz famose Heldenstellung den beiden gegenüber an und sagt nun: »Woher seid ihr? Was wollet ihr und wer seid ihr? Pünktlich genauesete und wahrste Antwort verlangt der Kado von euch. Verstehet aber wohl! Der Teufel Kado verlangt solches von euch!« 5 Tritt der Robert vor und spricht: »Wir beide sind deine intimsten Freunde, sind von oben, wie auch von unten zugleich her; wir haben dich beobachtet und beschützet insgeheim, ansonst du diese Urkönigin aller Materie nicht so weit gebracht haben würdest; nun du aber sozusagen am Ende deines großen Werkes stehest, so kommen wir dir zu gratulieren, daß dir dies schöne Werk so herrlich gelungen ist, daran die Mühe so vieler mächtiger Brüder gescheitert ist; solltest du dich in was immer, das da gut ist vor Gott, unseres Dienstes bedienen wollen, so stehen wir dir zu Gebote.« – 6 Spricht Kado: »Für euren allfälligen Schutz, den ihr mir geheim geleistet zu haben vorgebet, danke ich euch und so auch für eure Wache über mich; aber ich bekenne es euch beiden auch ganz unverhohlen entgegen, daß es mir bei weitem lieber gewesen wäre, so ihr mich weder beschützet noch bewahret hättet. Denn mir genügt der Name und die Kraft des großen Einen; alles andere ist bei mir eitel nichts; auch ihr beide seid mir gleich einer Null! Einen weitern Dienst von euch kann ich von nun an nimmer in irgend einen Anspruch nehmen, da ich mir selbst zu genügen getraue. Ich ersuche euch darum, daß ihr euch alsogleich von mir entfernet, ansonst ich Gewalt gebrauchen müßte; denn diese meine heißgeliebteste Minerva ist noch lange nicht auf dem Punkte, fremde Gäste, die ein sehr schmarotzerisches Aussehen haben, zu ertragen. Wird sie einmal ganz vollendet sein, dann könnet ihr gleichwohl wieder kommen und euch ihrer Wiedergenesung freuen. Aber nur keine weitere, weder offene und noch weniger geheime Hilfe mehr, denn das würde meine Mühe nur verzögern und keineswegs verkürzen. Also Gott befohlen, meine Freunde!« – 7 Spricht die Minerva: »Freund Kado! da ich nun das urkönigliche Gewand anhabe und somit alles erfüllet habe, was du von mir verlanget hast, so glaube ich hier wohl auch schon wirksam ein Wörtchen reden und etwas frei begehren zu dürfen. Ich begehre sonach, daß diese beiden Weisen von oben und unten her hier verbleiben und mir in so manchem einen Dienst leisten können, so sie's wollen; kurz, ich will und begehre, daß hier ihrem Wunsche willfahret werde.« – 8 Spricht Kado: »Nur das hat zu geschehen, was ich anordne; alles andere unterbleibt. Und muß ich dir nun nachgeben, so bist du von vorneherein wieder auf wenigstens eine halbe Ewigkeit verloren samt mir. Denn vergesse du nur ja nicht, daß wir beide Teufel sind, und eine andere Bahn zu gehen haben, um zur Vollendung zu gelangen, als die Engel Gottes, die schon in ihrer Art vollendet sind. Also, Freunde, tut mir sonach diese purste Freundschaft und gehet! Denn in eurer Gegenwart kann ich die Minerva nimmer weiter führen.« Am 14.April 1850 9 Miklosch: Spricht Robert: »Freund Kado! du kennst uns noch zu wenig, so du meinest, daß wir dir hinderlich sein könnten in Ausführung deines guten Planes mit der Minerva. Siehe, was du bisher geredet und getan hast, das hast du durch uns getan; denn Gott der Herr, dessen Name herrlich ist, überherrlich, hat uns eben dazu die gerechte und hinreichende Kraft und Macht erteilt. Wärst du ganz allein vor dieser sogenannten Minerva-Satana gestanden, da wärest du ihr auch schon lange als ein schnödestes Opfer anheimgefallen. Wir waren es ja, die dir jegliches Wort in den Mund gelegt haben; wir haben deine Steine, die du als Waffe gebrauchtest, gesegnet und gekräftiget, und ließen die Feuerflut nicht höher steigen, auf daß du auf diesem Hügel ein sicheres Asyl finden solltest und auch wirklich gefunden hast, während deine Feinde in den Wogen des Zornmeeres Gottes ihren erschrecklichsten Untergang fanden. Da sich aber all die Sachen also verhalten und nicht anders verhalten können, wie sollen wir dir nun hinderlich sein können bei der ferneren Fortführung deines Planes mit der nun schon sehr hold gewordenen Minerva! Förderlich, ja, das wollen und können wir dir sein bei deinem löblichsten und allen Himmeln gefälligsten Werke; aber dich irgend ableiten das Werk zu vollenden, das könnte uns auch in keinem Traume einfallen, so hier ein Traum möglich wäre. Sei du Kado daher ganz unbesorgt unsertwegen! wir werden dir sicher in etwas um so weniger hinderlich sein, da wir so ganz eigentlich selbst die Urheber davon sind. 10 Wir bleiben aber nun darum hier bei dir eine gerechte Weile, auf daß du nun wirklich frei aus dir selbst das Fernere tun wirst können, was zur Vollendung dieses Großwerkes vonnöten ist; denn ob schon wir dir auch nun mit Rat und Tat zu Diensten stehen werden, so wird aber unser Rat dennoch von nun an nicht mehr heimlich, sondern ganz offen und eine Tat nur auf dein offenes Verlangen geschehen, auf daß du dadurch samt der Minerva wahrhaft frei werden kannst; denn du wirst ganz frei unseren Rat entweder annehmen können – oder denselben von dir weisen. Würden wir wie bisher, in dich heimlich einfließen, so könntest du nimmer frei und dadurch selig werden; denn in diesem Falle bist du bloß nur ein Werkzeug in unseren Händen. Wir aber geben nun das Werkzeug frei und machen es los von den Fesseln des Gerichtes, auf daß es dann wahrhaft frei wirke, und aus sich selbst etwas werde vor dem Herrn. Darum muß aber das an sich zwar sehr taugliche, aber durch sich bisher dennoch höchst schwache Werkzeug das erkennen und danach sich selbst bestimmen, so wird es denn auch in Kürze zur wahren und freien Vollendung gelangen, und nicht weiterhin in der genötigten Knechtschaft verbleiben. Und also sei und verbleibe es, im Namen des Herrn Jesus, des einigen Gottes Himmels und aller Welten!« 11 Spricht Kado: »Wenn so, da freilich wohl bleibet ihr; denn ich muß frei handeln und will selbst frei handeln, um frei zu werden von jeglichem Joche. Ob aber nun die Minerva, die ehedem für euer hierbleiben sehr gestimmt war, auch noch so gestimmt sein und bleiben wird, das ist eine andere Frage.« – 12 Spricht die Minerva: »Die Schritte, die ich nun vorwärts gemacht habe, die bleiben und ich werde sicher keinen Rückgang mehr tun; aber diese beiden himmlischen Filuos müssen mir aus den Augen, darum sie gegen mich nicht offen, sondern nur geheim und hinterlistig gehandelt haben. So sie hier verbleiben werden, werde ich keinen Schritt mehr vorwärts dir zu Gefallen tun.« – 13 Spricht Robert: »Nicht so, nicht so, holdeste Minerva! So wir dir erweislich etwas Arges zugefüget haben, dann wollen wir auch sogleich gehen. Du aber mußt es selbst bekennen, daß wir dir dadurch nur etwas höchst Gutes erwiesen haben durch die Kraft Gottes, die in uns ist mächtig und tatkräftig, daß wir dich insoweit frei gemacht haben von den Fesseln der Hölle, und haben sie mehr und mehr verstummen gemacht in deinem Herzen, in dem ehedem der Grundkeim alles Übels, und somit auch aller Hölle gelegen ist. Bedenke dieses ernstlich und gedenke der schaudervollsten Zeiten Länge, durch die du der Qualen höchste, freilich leider (sozusagen unglaublich) durch dein eigenes starrstes Wollen, durchgelitten hast und unsere für dein künftiges Wohl höchstbesorgte Gegenwart wird dir sicher nicht so unangenehm sein können, als wie du es dir nun einzubilden scheinst.« – 14 Spricht Kado: »Ganz richtig, also denke! und es wird dann alles gut werden. Die beiden müssen nun bleiben, weil ich's ihnen gebiete. Hast du auch gegen mein Gebot etwas einzuwenden?« – Spricht die Minerva-Satana: »O ja, denn du gebietest, weil die beiden dich dazu nötigen.« – 15 Spricht Kado: »Da irrst du dich sehr, ich lasse mich von niemanden bei meinem freien Wissen und Wollen nötigen. Bin ich aber dazu gerichtet, solches tun zu müssen, dann wirst du dich dem um so weniger widersetzen können, was da ausspricht mein gerichteter Wille, indem er da nicht mehr mein, sondern des allmächtigen Gottes ist. Und so denn bleibe es bei dem, was die beiden ehedem selbst bestimmt, und ich nun geboten habe. Kein Jota darf daran geändert werden, verstehst du? Kein Jota!« – 16 Spricht die Minerva: »Ja, ja, im Eigensinne bist du groß, und weißt die Sache also zu drehen, daß du dabei von deinem Ansehen, das du dir gewisserart erstohlen hast, ja nichts verlierest; nur ich, als der Erstling aller Kreatur, soll nun bei dir um ein Ansehen betteln. Aber sei es nun, wie ihm wolle, ich werde mich zwar äußerlich in dein Wollen fügen, wie bisher, weil ich zu schwach bin, dir einen wirksamen Kampf entgegen zu bieten; aber das Innere gehört mir, und das hat von nun an nichts als den alleinigen Fluch für dich, wie auch für diesen deinen Freundschaftsbund, Amen! Verstehst du dieses Amen?« – 17 Spricht Kado: »O ja, so viel Verstand besitze ich gottlob; aber auch noch etwas mehr, gottlob! um wie viel mehr aber (?) brauche ich dir nicht zu sagen. Wird einmal nur dein Äußeres recht durchgegerbet werden, dann wird sich auch dein Inneres dem zuwenden, was ich mit dir nach der unwandelbaren Gottesordnung will; und dazu sage auch ich ein unwandelbares Amen. Verstehst auch du, was ich mit diesem allerunwandelbarsten Amen sagen will und gesagt habe?« Kapitel 184 Fortsetzung der Szene mit Kado und Minerva, Robert Uraniel und Sahriel. Sahariels Rede über das »Amen«. Minerva-Satanas Liebesantrag an den Sahariel und dessen weise Antwort. Gleichnis von den zwei Brunnen. Kado enthüllt die Schlange 1 Miklosch: »Tritt hinzu der Sahariel und sagt: »Höret! auch mir stehet ein Recht zu, über irgend etwas ein gar kräftigstes Amen auszusprechen; aber ich tue es dennoch nicht, weil hinter einem jeden Amen irgend ein Gericht steckt. Ich rate euch daher, eure Amen zurückzunehmen; denn es stehet niemanden ein Recht zu, über irgend etwas, das da mit der göttlichen Ordnung nicht in der Übereinstimmung stehet, aus sich heraus ein Amen auszusprechen; wohl aber darf und kann ein jeder Geist in dem ein ewiges Amen in sich tragen, was da betrifft die göttliche Ordnung und den Willen Gottes. Dies Amen ist das Urleben aller Wesen, ist ihr Wert und ist ihre höchste Freiheit, so sie es sich aus sich heraus vollends zu eigen machen; jedes andere Amen aber ist Gericht, Tod und Hölle und erzeuget Hochmut, Stolz, Verachtung, Geringschätzung alles Wahren, Guten und Göttlichen, und baut Kerker, Gefängnisse, schmiedet Ketten und fachet an das Feuer alles Verderbens. Also nehmet darum euer Amen zurück und begebet euch in ein wahres und ewiges Gottes Amen, dann werdet ihr beide am ehesten frei werden von der Hölle, die nun noch recht stark in euren Herzen tobet und pochet, wie das Feuer eines feuerspeienden Berges. Gehet und befolget diesen meinen Rat und ihr werdet wahrlich nicht schlecht fahren.« – 2 Spricht die Minerva zum Kado gewendet: »Hast du's vernommen? du eingebildeter Weisheitspinsel und äußerst dummer Tropf! Das sind Worte voll echter himmlischer Salbung, auf die man bauen kann; aber auf deine Worte, die keinen Anfang und kein Ende haben, kann man ja nicht einmal ein allerelendestes Kartenhaus setzen. Siehe, ich bin deinen Worten wohl gefolget, weil es sich in denselben zeigte, als wäre dahinter wirklich ein guter Zweck verborgen; aber je mehr ich sie in eine tiefere Erwägung zog, und je näher ich dir kam, desto klarer wurde es mir hernach auch, daß du bloß nur so ein blinder Abenteurer bist, der zwar irgend eine Macht besitzt, sie aber bloß dazu verwendet, um damit zu einem sogenannten Gauklertriumpf zu gelangen, hinter dem aber freilich nichts ist, als die leerste Schalheit. Packe nur ein mit deinen Machtsätzen und Weisheitssätzen; auch diese deine Davidssteine kannst du dir zum ewigen Angedenken aufbewahren; denn nicht deine Steine, sondern diese beiden haben mir die Lanze gebrochen, und mein ewiges Zepter zerschlagen; daher gebührt auch nur ihnen, nicht aber dir der Ruhm und der Preis. Sahariel! Nehme mich hin; ich will dir ein Preis sein; denn du hast dich um mich verdient gemacht.« Am 17. April 1850 3 Spricht Sahariel: »Holdeste aus aller äußeren Schönheitsmitte! mir wie auch meinem Freunde Uraniel gebührt ebensowenig ein Preis, als wie dem Freunde Kado; denn wir sind nur Diener nach dem weisesten Plane des Herrn, Werkzeuge in Seiner Hand; und so wir alles auf's genauste getan haben, so sind wir darob dennoch vor Ihm nichts, als eitel unnütze Knechte. Denn so wir auch etwas tun, das da aussieht, als täten wir es, so ist aber das dennoch nur ein Schein; indem doch nur Er es ist, Der da alles tut und vollbringet. Wie würde ich vor dem Herrn bestehen, so ich für meine nichtigen Taten gleich mir einen so hohen Preis aneigenen würde! Was daher dem Herrn wohlgefällig ist, das geschehe! Du, wie wir alle, sind des Herrn, und sind nach dem Grade unserer Demut vor Ihm und Liebe zu Ihm ein Preis, der allein Ihm gebührt; uns aber gebührt nichts, als was uns Seine große Liebe, Gnade und Erbarmung bietet. Du mußt dich darob aber etwa ja nicht betrüben, daß ich dich als einen zu hohen Preis meiner zu nichtigen Mühe nicht annehmen kann, indem du allein dem Herrn Gott Jesus Jehova Zebaoth angehörst; sollte aber der Herr selbst dich mir aus Seiner zu endlos großen Liebe heraus an mein Herz binden, dann werde ich dich aber auch mit der höchsten und liebedankbarsten Würdigung annehmen für ewig! Ist dir, du gestaltlich schönste Lichtträgerin, das recht und genehm?« – 4 Spricht die Minerva: »Schönster Sahariel! deine Demut und nahe unbegrenzte Bescheidenheit nötigt mir ein gerechtes Erstaunen ab, und deine Rede fordert mein Herz zur wahren und vollsten Bewunderung auf; denn wie Milch und Honig floß deiner himmlischen Rede Süße in meine tiefbewegte Brust, und ich atme nun nur Liebe über Liebe für dich, du mein göttlich schönster Sahariel! Welch' ein schöner, göttlich freundlicher Ernst strahlt aus deinem ewig jugendlich zarten Jünglingsgesicht, welch' ein himmlischer Adel durchweht dein ganzes Wesen, und welch' eine sanfteste Rundung und himmlisch ästhetische Harmonie leuchtet gleich einem Morgensterne aus allen deinen Gliedern! Ich muß es dir gestehen, daß ich dich liebe über alle Maßen. Und so du mir nicht eine Gegenliebe gibst, da bin ich das unglücklichste Wesen in der ganzen Unendlichkeit! Sieh' mich doch recht an! Sieh', ich bin ja auch schön! Gut, freilich bin ich leider nicht! Aber wer weiß es denn, ob ich eben durch dich nicht auch so gut werden kann, als ich nun schön bin. Gerne möchte ich dir das beste und reinste Herz bieten, so ich's hätte; aber nehme es an, wie es ist, und wie ich dir's biete! Vielleicht wird es an deiner Seite auch edel und rein werden. Verschmähe diesen meinen Antrag nicht; denn er entstammt der ersten Liebe meines ewigen langen Seins.« Am 18. April 1850 5 Spricht Sahariel: »Meine allerschönste und strahlend holdeste Minerva! dein Sein ist wohl schon, der irdischen Zeit nach gerechnet, ein recht sehr langes, aber kein ewiges, vom Anfange her ist es nicht. Gott allein ist ewig; alles andere aber hat aus Ihm heraus einen Anfang genommen. Wir alle Zahllosen aus Ihm werden nun wohl ewig fortdauern, aber ewig wie Gott bestehen wir nicht; ob auch jemand aus uns gerade um einige Dezillionen von Erdjahren länger besteht, so ist er aber deshalb noch lange nicht ewig. Du hast dich in deinem Eifer zwar ein wenig verstiegen, aber das macht nichts; wenn du nur sonst eine wahre Liebe zu mir in deinem Herzen verspürest, woran ich zwar noch ein wenig zweifle, so kann ich über solch bloß poetische Übertreibungen schon ganz ruhig hinausschauen. – Du hast mir deine Liebe und dein Herz angetragen, und ich nehme diesen Antrag an. Aber nur eine einzige kleine Bedingung knüpfe ich daran, und diese besteht darin, daß du mir folgest zum Herrn willig und fröhlich und den Freund Kado mitnimmst. Kannst du das tun, so sind wir quitt.« – 6 Spricht die Minerva: »Freund! das ist keine kleine, sondern eine unendlich große, für mich so gut wie rein unausführbare Bedingung. Was denkst du dir? Ich zum Herrn der Unendlichkeit mit dir hinziehen, und den mir nun über alles verhaßten Kado auch dazu mitnehmen? Freund! das tut sich wohl nicht. Alles andere, nur das nicht, weil es mir nun so gut wie unmöglich ist. Du mußt mit mir eher noch sehr (viel) Mühe haben, mußt reinigen und edeln zuvor mein Herz; dann erst kannst du mir mit solchen Bedingung kommen. Es wäre die sogleiche Erfüllung von solch einer Bedingung ja auch für dich keine Ehre vor Gott, da es entweder von einer zu geringen Achtung vor der allmächtigen Gottheit dir ein Zeugnis gäbe oder so das nicht ist, so doch von deiner Dummheit, deren du, wie ich dich bisher kenne, wohl kaum fähig sein dürftest. Ich sage dir, nehme mich unbedingt an; kaufe die Katze im Sacke und du wirst damit keine schlechte Fahrt machen.« 7 Spricht Sahariel: »Das wird sich etwas schwer machen, weil noch zu viel Gerichtes in deinem Herzen rastet, das nur dadurch verringert werden kann, so du Holdeste ganz unbedingt dich stets mehr und mehr unserem in Gott geordneten Wollen frei und ohne Zwang unterwirfst; wird auf diese Art dein Wille vollends in den göttlichen übergehen, dann wirst auch du von mir verlangen können, was dir nur immer belieben wird, und wir werden es dann ohne Verzug sogleich in die vollste Erfüllung bringen. Aber jetzt tut es sich noch nicht; denn täten wir nun, was du willst, so begäben wir uns selbst in dein Gericht, und würden dadurch dasselbe vermehren und härter machen, anstatt daß wir es mildern und verringern sollen. – 8 Die Sache verhält sich gleichnisweise gerade also, als wenn da zwei Brunnen nebeneinander wären, von denen der eine voll ist des reinsten Wassers, der andere aber voll Kloake; wird man das ergiebige Wasser des ersten reinen Brunnens in den zweiten unreinen hineinleiten, so wird dadurch mit der Weile der Pfützengehalt dieses zweiten schlechten Brunnens gereinigt und am Ende selbst zu einem guten Wasser werden; so man aber die Kloake des zweiten Brunnens in den ersten reinen leiten würde, da würden dann beide Brunnen schlecht und unbrauchbar werden! Würde bei solch verkehrter Arbeit wohl jemand etwas gewinnen? – 9 Siehe, du hast nun ein handgreifliches Beispiel aus meinem harmlosesten Munde erhalten, aus dem du leicht ersehen kannst, warum wir das Wasser, deines Willens in den unseren nicht aufnehmen können; aber es muß dir auch sonnenklar sein, warum du zu deinem höchst eigenen Wohle das Wasser unseres Willens in das deines Willens allerreichlichst solltest überströmen lassen! Tue sonach das, was wir wollen, und du wirst gereiniget werden, und voll edlen trinkbaren Wassers! – Hast du doch selbst den Wunsch geäußert, daß du durch mich rein und edel werden möchtest! Ja, du kannst das, so du's willst; aber da mußt du das tun, was ich im Namen des Herrn, wie im Namen aller Himmel dir zu tun vorgeschlagen habe!« – 10 Die Minerva sieht nach dieser wahrlich höchst einfach weisen Belehrung ganz wie stumm vor sich hin, und scheint nach ihren Blicken zu urteilen, darauf zu sinnen, wie sie sich von dieser ihr sehr lästig werdenden Gesellschaft loswinden könnte! 11 Der Kado scheint das auch zu merken und sagt nun zum Sahariel, wie auch zum Robert Uraniel: »Liebe Freunde! obschon ich als selbst ein Teufel nicht wert bin meine Augen zu euch empor zu heben, da ihr wahrlich voll seid der heiligen Wahrheit und Weisheit aus Gott; aber wie ich's nun merke, so werden wir mit dieser Schlange wenig oder nichts ausrichten; denn ihre hartnäckigste böseste Schlauheit übersteiget nun schon alle meine Begriffsgrenzen, die doch nach meinem Dafürhalten eben nicht gar zu enge aneinander geschoben sein dürften; ihr ist es eben so wenig Ernst, in ein besseres Sein überzugehen, als es uns je ein Ernst sein könnte, in ihr ärgstes Gericht überzugehen! Denn dies echte Schlangenwesen ist zu voll des Giftes durch und durch. Was sind ihr schon alles für allertriftigste Vorstellungen gemacht worden, deren Grund und wahre vollkommenste Weisheit sie ebensogut wie wir einsieht; aber ihr alter Satanswille bleibt dabei stets der gleiche. Sie tut wohl, als ob sie in unser Wollen eingehen wollte; aber das tut sie nur zum Scheine und wendet dabei alles an, wodurch sie am Ende uns in ihren Sack schieben könnte; da sage ich: Nichts da – Satanas! – mein Auge sieht schärfer denn das deine; uns wirst du nicht lange mehr herum foppen! – Denn wir kennen dich!!« – Kapitel 185 Fortsetzung der Szene mit Kado und Minerva und Robert Uraniel und Sahariel. Satans Beispiele von positiver und negativer Kraft. Kado zeigt, daß sie ganz entbehrlich ist. Sahariel zeigt die Folgen ihrer Bosheit Am 22. April 1850 1 Miklosch: »Spricht die Minerva: »Schweige! du dümmster Esel! was verstehest und weißt du, was ich zu tun habe und tun muß! Meinst denn du, die göttliche Ordnung sorgt bloß nur für die positive Polarität der Wesen und Dinge?! O du finsterer armenischer Patsch du! muß denn bei den Wesen und Dingen die negative Polarität nicht im gleichen Maße ausgebildet dastehen? Ist nicht alles Leben ein fortwährender Kampf der beiden Polaritäten? Nimm du dummer Esel einem Baume die Wurzel, und frage ihn dann, wie lange er noch Früchte tragen wird? – Haue den Tieren die Füße ab und siehe, wie sie dann ohne Füße weiter kommen werden. So durch eine sogenannte gute oder positive Kraft das Blut zum Herzen zurückgedrängt wird und darauf durch eine sogenannte böse Kraft, die ich als negativ bezeichne, wieder vom Herzen hinausgetrieben werden muß, wenn das physische Leben fortdauern soll, sage mir, welche Kraft ist denn dann die vorzüglichere, die anziehende oder die abstoßende? Siehst, du grober Lümmel, was du in deiner unbegreiflichsten Dummheit alles zusammenredest; es versteht sich wohl von selbst, daß die negative Kraft der positiven subordiniert bleiben muß, weil sie aus ihr hervorgeht; das reine Wasser muß das trübe reinigen und nicht umgekehrt. Aber das alles ist auch Gottes Ordnung, dummer Lippel! Wenn Rom nicht finster wäre wie eine stygische Nacht, so würde die Menschheit nicht nach dem Lichte fragen. Also bin auch ich, wie ich bin, aus Gott, und werde es auch also verbleiben, wie du sicher ein Esel in Ewigkeit.« – 2 Spricht lakonisch Kado: »Ja, ja, den letzten Namen auf dich angewendet, möchte es sich wohl begeben. O du Dummheitsprinzessin aus allen Fixsternen heraus! Du wirst mir was von einer positiven und negativen Kraft und von ihrer gegenseitigen Notwendigkeit etwas vorsagen. Ich müßte mich wahrhaftigst bis über die Ohren hinaus schämen, so ich darinnen von dir eine Belehrung anzunehmen genötigt wäre oder gar sein solle. Sage mir, du schönste Eselinerin, ist Gott eine ganze oder nur eine halbe Macht und Kraft ohne dich? Bist du notwendig , daß Er ist? oder könnte Er vielleicht auch ohne dich bestehen, so wie Er ohne dich Ewigkeiten bestanden hat? O du vor Gott dem Herrn gänzlich zweckloses Geschöpf, du willst mir die Notwendigkeit des Bösen hinaufdisputieren, ohne das es unmöglich irgend etwas Gutes geben könnte. O du dümmstes und blindestes Weib-Vieh; worauf basiert denn hernach die reinste Liebe, Güte und höchste Macht Gottes? Muß etwa die Gottheit, die doch sicher in allem das vollkommenste Wesen ist, auch zuvor böse sein, um hernach gut sein zu können? O lachet, lachet doch alle Himmel über solch eine minervische Weisheit, von der doch ein schon hundsgemeinster Hadernsammler sagen müßte: Ich schaffe mir eine bessere Weisheit, als wie diese sein wollende Weisheitsgöttin sie besitzt. Man erzählt sich von der fabelhaften Minerva solches, daß sie nämlich aus dem Haupte des Jupiters herausgesprungen sei; aber diese oder jene Minerva wirst du sicher nicht sein? Denn für deine Entstehung müßte man ja nicht das Haupt des mächtigen und weisen Zeus, sondern höchstens dessen Hinterleib annehmen. Dein Kleid glänzet freilich wie eine Sonne, aber was nützet das, wenn der Rock noch so glänzt, aber im Rocke ein ganz blitzdummes Wesen steckt; bei dir kann man es wohl mit dem vollsten Rechte sagen: Es ist nicht alles Gold, was da so glänzt wie Gold. Hat dir der himmlische Freund Sahariel die Sache seines Verlangens nicht handgreiflich zur Übergenüge gezeigt, wie sie nur also und nie anders vor sich gehen kann, zu deinem alleinigen Nutzen? Warum folgest du denn seinem Rate nicht? Hast du ihm doch ehedem alle erdenklichen Vorzüge eingeräumt vor mir und scheinst ihn heimlich nun eben so zu verachten als wie mich. O du Haupt aller Bosheit! Ich kenne dich nun ganz und werde auch diejenigen Mittel anzuwenden wissen, die dich mit der rechten Weile denn doch zähmen dürften; denn auskommen wirst du mir wohl ewig nimmer und mit deinem Zurückspringen in die alte Drachenhaut wird sich's auch nimmer tun; denn dafür ist schon durch dieses Strahlengewand gesorgt. Was aber wirst du tun?« – 3 Spricht die Minerva: »Schweige, du dümmster Esel, mit dir zu reden ekelt es mir. Meinst du denn, daß ich in diesem Gewande nicht ebensogut meine Pläne ausführen könne, als wie in der Drachenhaut? Deren ich mich nur auf Augenblicke bei besonderen Gelegenheiten bediente! O da irrst du dich gewaltigst; merke es dir: Jetzt werde ich es euch erst zeigen, was ich kann. – Meine Regimenter unter der Ägide (Leitung), besonders der römischen Hierachie, habe ich noch und ich werde sie spielen lassen; da wirst du dann sehen, was alles ich vermag; Inquisitionen, Galgen, Schaffote und auch die alten Scheiterhaufen sollen wucherisch wieder erstehen und ihr Wesen ums hundertfache ärger treiben, als sie es getrieben haben; und die Herrscher sollen ihre Untertanen mit glühenden Ruten schlagen und sie erwürgen lassen zu Tausenden; daraus wirst du bald ersehen, was ich auch ohne Drachenhaut zu bewirken imstande bin.« – 4 Spricht Kado: »Aber ich sage dazu: Aha! bis hierher und nicht um ein Haar weiter. Nun hast du deine Beichte vor uns gehörig abgelegt und uns in deiner großen Dummheit selbst deine schönen und menschenfreundlichen Pläne verraten; und das war sehr gut von dir; das ist dir einmal gelungen; bravo! Das hast du gut gemacht; mehr brauche ich dir nicht zu sagen; das unsrigre werden dann schon wir zu tun verstehen.« 5 Spricht dazu der Robert: »Die geheimst gehaltenen Vorkehrungen sind bereits getroffen. Diesmal wird sich der Satan selbst den völligen Untergang bereiten; sein Lohn wird ein fürchterlicher sein.« – 6 Spricht Sahariel: »Liebe Freunde, ereifert euch nicht wegen dieser Unverbesserlichen; denn die Hauptmacht ist ihr benommen, und mit ihrer Scheinmacht wird ihr wenig geholfen sein; es wird diese alte Schlange wohl noch etliche beißen und vergiften; aber es wird ihr dann das Handwerk auf ewig gelegt werden; denn der Herr Selbst wird zu den Sterblichen kommen und wird der Schlange das Handwerk legen! – Sie solle nun tun, was sie will; je ärger sie es anfangen wird, desto eher wird sie mit ihrer schnödesten Arbeit fertig werden. Und genug nun der Arbeit mit und in der Hölle; wir werden uns nun auf den Rückweg zum Herrn und unseren lieben Brüdern machen; diese aber solle allein und gänzlich verlassen hier machen, was sie nur immer will und mag; an uns solle sie keine Narren mehr haben, mit denen sie ihr loses Windspiel treiben könnte. – Richte dich auf, Bruder Kado! denn du hast Gnade gefunden vor Gott, darum du dein Böses in dir in Gutes und Wahres verkehret hast; du wirst nun auch mit uns ziehen hin zum Herrn, und Er wird dich annehmen, und wird dir eine große Macht geben, über die Hölle zu wachen. Diese Minerva aber wird dir untertan verbleiben, weil du sie besieget hast mit der Waffe der göttlichen Gerechtigkeit. – Mache dich alsonach auf und wandle in unserer Mitte vor den Herrn hin.« 7 Spricht die Minerva: »So, so, mich also, mich, als die Perle der Unendlichkeit, wollet ihr nun so ganz mir und dir nichts verlassen und gleichsam davonjagen wie eine feile Dirne vom Tanze. O das ist sehr schön und löblich von euch; früher habt ihr durch lauter Lockungen es mit mir soweit getrieben, daß ich nachgab und zu euch her kam; und nun, wo ihr mit meinen Schwächen einige Geduld haben sollet, wollet ihr mich verlassen, weil euch irgend eine kleine Mühe zu sauer ist und ihr der Meinung seid, daß ich rein unverbesserlich bin. Aber dem ist es nicht also; ich bin vielleicht, wie kein zweites Wesen, einer Besserung fähig; aber nur der solle über mich triumphieren, der mir die gehörige und notwendige Geduld und gerechte Liebe erweiset. Ich bin arm geworden und sehr verwaiset, und allenthalben spricht man mit der tiefsten Verachtung von mir; solle ich da nicht voll Mißtrauens sein gegen jegliches Wesen, das sich mir naht, da es mir noch allezeit also ergangen ist, wie nun? Allezeit wurden mir Verheißungen gemacht, auf daß ich umkehrete zu Gott; so ich aber nahe daran war, da verließen mich die anfangs stets mutigst auftretenden Bekehrer und überließen mich meinem Schicksale, so wie auch ihr es nun machen wollet; aber tuet nur, was ihr wollt; ich werde in der Folge denn wohl auch wissen, was ich zu tun haben werde. Kado! willst du bleiben, so bleibe! und ich werde dir dann folgen; aber mit diesen zweien ziehe ich nicht.« Kapitel 186 Fortsetzung der Szene mit Sahariel, Kado, und Minerva, sie disputieren weiter über die Freiwerdung des Luzifers. Die Erlösten sind ungehalten über Minerva, sie ist leider eine in ihrer bösesten Art Am 25. April 1850 1 Miklosch berichtet: »Spricht Kado: »Was ich mit dir effektuierte bisher, das war nicht mein, sondern dieser mächtigen Gottesfreunde Werk; wenn ich nun allein mit dir zu tun bekäme, wohin würde ich kommen, da du mir allein in jeder Hinsicht zu mächtig wärest; daher tue ich nun freudigst, was diese beiden mächtigen Gottesfreunde von mir verlangen. Es gibt nichts mehr, was dir nicht wäre gesagt worden; du hast so viel Lektionen und Witzigungen empfangen, als wie viel es der Welten im endlosesten Raume gibt, aber es war das alles vergeblich, da dir dein hochmütigster Wahn-Sinn stets lieber war, als die strahlendste Weisheit der vielen Gottesboten an dich; deine Sache ist: Alleinherrschaft über alle Himmel, über alle Materie, und über alle Höllen; du willst drei Herrscherkronen, drei Zepter und drei Schwerter, das ist und war, wie gesagt, stets deine Sache und ist für dich auch zugleich das unbesiegbare Hindernis deiner von Gott zu bewerkstelligen beabsichtigten Freiwerdung, zu der du in dieser deiner Natur wohl ewig nimmer gelangen wirst. Und nun soll ich, aus mir selbst nichts als ein ärmster schwächster Teufel, allein bei dir verbleiben, und mit dir alle möglichen bereits erschöpften Bekehrungsversuche machen, auf daß du am Ende mich verschlängest wie eine böseste Riesenschlange ein Kaninchen, was dein eigentlichster geheimer Plan ist, den ich nun nur zu gut und klar durchschaue; o siehe, dazu wird sich ein Kado nimmer gebrauchen lassen. Darum gehe ich mit diesen beiden lieben Gottesfreunden. Du wolltest ja frei sein; und sieh', diese Freiheit ist dir nun eingeräumt, und du kannst tun, was du willst; daß du nichts Gutes tun wirst, davon sind wir alle vollkommen überzeugt; aber wir sind auch davon überzeugt, daß du diesmal dir ein Grab zum ewigen Tode bereiten wirst, dieweil du uns nicht folgen wolltest, und verlangtest von uns, das wir von dir zu verlangen von Gott das Recht hatten, zu deiner Freiwerdung. Tue nun aus deiner eigenen Macht, was du willst; aber erwarte von Gott ja nimmer eine dir zugelassene Gewalt; denn diese wird dir nimmer werden.« – 2 Spricht die Minerva: »So bitte ich euch alle drei, daß ihr noch eine Weile bei mir verbleibet, und Versuche zu meiner doch noch immer möglichen Besserung machet; denn am Willen fehlt es mir ja doch sicher nicht.« 3 Spricht Sahariel: »O ja, das sicher nicht; da du nur viel zu viel Willen hast; aber was für einen? Das ist eine andere Frage. Aber wir wollen, da du es verlangst, deinem Begehren nachkommen, und noch einige Augenblicke mit dir die möglichste Geduld haben; sollen diese an dir nichts ändern, dann wirst du verlassen werden auf immer; also sei es.« – 4 Spricht die Minerva: »Nun denn, da ihr mir das Zugeständniß gemacht habt, so bitte ich euch, daß ihr euch ganz kurz und klar erkläret, was ich zu thun habe, um frei zu werden vor Gott und aller Schöpfung.« – »Spricht Sariel: »Schönste, da brauchst du gar nichts zu thun, sondern so zu bleiben, wie du nun bist; denn frei vor Gott und allen Seinen Geschöpfen warst du seit deinem Anbeginne her. Es fragt sich nur, ob du in Gott deinem Schöpfer und Herrn wahrhaft frei werden willst? Was du aber zu thun hast, um solch eine allein wahre Freiheit zu erlangen, das weißt du so gut als wir; und so kann ich dir darüber auch keinen andern Rath ertheilen, als: Handle darnach freiwillig; wolle und thue das, was wir wollen und thun, so wirst du auch das erlangen, was wir dir im Namen des Herrn verheißen haben. Willst du aber das nicht, so ist unsere Geduld an dir vergeblich.« – 5 »Spricht die Min.: »Ich müßte also zuvor eine Sklavin werden, um also dann erst aus der Sklaverei in die sicher sehr geknechtete Freiheit überzugehen. O das wird sich bei mir sehr schwer thun lassen, weil in mir ein gewisses Gefühl gegen jede Erniedrigung meines Wesens sich auf das allerentschiedenste ausspricht. Giebt es denn keinen anderen Weg, als diesen, den zu wandeln ich unmöglich vermag?« – 6 »Spricht Sariel: »Wie es nur Einen Gott, Eine göttliche Ordnung und nur Eine Wahrheit giebt, so giebt es auch nur einen rechten Weg, der zu Gott und der wahren ewigen Freiheit führt; wer diesen nicht betreten und wandeln will, der bleibt ewig ferne von Gott, Seiner Ordnung, Wahrheit und Freiheit. Wer aber in der einzig alleinigen Wahrheit, die in Gott ist von Ewigkeit, nicht frei wird, der bleibt dir gleich ein elendster Sklave in Ewigkeit. Also, nun sage du aber auch und ganz kurz, bestimmt und entschieden, was du nun thun wirst. Willst du mit uns zum Herrn Jesum hin, oder willst du nicht hin?« – 7 »Spricht die Minerva: »Ich wollte, so ich’s könnte; aber ich kann das nicht, weil es mir vorderhand nun nicht möglich ist. Aber ich will mir, so ihr mir noch eine kurze Geduld schenken wollet, nun alle erdenkliche Mühe geben, euch folgen zu können; so ich euch in der möglichsten Kürze diese Sache bekannt geben werde, ob – oder nicht; dann könnet ihr denn auch sogleich thun, was immer euch eure Ordnung gebietet.« »Spricht Sariel: »Gut, gut; auch noch diesen Gefallen wollen wir dir erweisen. Mache dich daher nur sogleich an die Bekämpfung deines bösesten Hochmutes.« – 8 (Miklosch): »Aha, aha, da sehet nun einmal hin, wie die lose Min. nun druckt und schluckt, und die Augen verdreht, als wenn es ihr noch so ernst wäre, sich zu bessern. O das muß eine allerdurchtriebenst feinste Kanaille sein!« – 9 Spricht der Gr.Bath.: »Freunde, bei der ist, wie man auf der Erde gesagt hat, Taufe samt Krisam in dem Grund und Boden verdorben; bei der alten Hure schaut keine Besserung mehr heraus. Eine dreifache Krone im Herzen und im Kopfe, und dazu eine Besserung durch die Demuth. Ich bitte euch, laßet euch nicht auslachen; so wenig ich je wieder auf der Erde einen Grafen spielen werde, so wenig wird die sich einmal bessern. Ich habe doch alles vernommen, was ehedem Kado allein, und was nun alle Drei mit dieser Prima Donna der Hölle gesprochen und verhandelt haben; wie weit sind sie denn mit ihr gekommen? Auf demselben Flecke stehen sie noch, wo sie mit ihr zu verhandeln angefangen haben. Das Strahlenkleid wohl hat sie angezogen, weil das ihren Stolz und ihre unbegrenzt herrschsüchtige Eitelkeit erhöhet; aber zu etwas, das nach nur irgend einer geringsten Demüthigung riecht, werden die Drei sie nie bewegen; ich meine, daß sogar ein Papst Roms eher zu irgend einer Nachgiebigkeit zu bewegen wäre, natürlich durch sehr viel Gold und Silber, als wie diese echteste Zentralhöllenkanaille. Ich meine, man solle das Luder möglicherweise irgend wohin auf ewig fest bannen, und sich dann weiter nicht mehr um dasselbe umsehen und kümmern; denn bessern wird es sich wohl ewig nimmer.« – 10 Spricht Miklosch: »Weißt du, lieber Freund, lassen wir das dem Herrn über; Er wird es am besten wissen, was Er mit diesem sonderbaren Wesen tun wird. Mich aber interessiert nun aber die Geschichte ganz besonders; für's erste die ungeheure Geduld unsers allgütigsten, liebevollsten, heiligsten Vaters und für's zweite aber auch die wirklich mehr als merkwürdigste Art, wie sich die Pseudominerva überall und zumeist auf eine so gar bescheidene Weise durchwindet, wenn es gilt, daß sie sich umkehren solle. Sie ist wirklich eine Minerva in ihrer freilich leider bösen Art, der keine zweite in die Nähe kommen kann. Ich begreife bloß nur das nicht, wie sie bei ihrem urhäßlichsten Charakter so ungeheuer bis zum rein rasend werden äußerlich schön sein kann. Aber es gibt ja auf der Welt auch ähnliches; die schönsten Tiere sind gewöhnlich auch die bösesten, die schönsten Blumen giftig und die schönsten Weiber gewöhnlich eines sehr schlüpfrigen Charakters. Unter allen kirchlichen Anstalten auf der Erde steht die römische in der äußern Pracht und Schönheit sicher bei weitem oben an und im Innern ist sie ohne Zweifel die schlechteste. Und so scheint es mir wenigstens, daß gerade in der vollendetsten lediglich äußeren Schönheitsform der eigentliche Hauptcharakter des Höllenwesens zu suchen ist.« – 11 Spricht der Graf Bathianyi: »Ja, ja, da hast du ganz recht, es ist also; die schönsten Länder der Erde werden gewöhnlich von den schlechtesten Menschen und bösesten Tieren bewohnt und das Unkraut wuchert ungeheuer. In den schönsten Palästen wohnen zwar äußerlich gewöhnlich die schönsten und üppigsten Menschen; aber welches Geistes Kinder sind sie zu allermeist? Was äußerlich zu sehr glänzt, das ist meistens des Teufels.« – 12 Spricht auch der nebenstehende General: »Ja wohl wahr, wohl wahr; je mehr Orden auf dem Rocke, desto mehr Menschen muß man umgebracht haben, und Tausende zu Sklaven und zu Bettlern gemacht; das weiß ich aus Erfahrung. Die Orden stehen zwar gut; aber unter den Orden das Gewissen stehet schlecht, so noch eins da ist; und das ist auch Satan in deutlichster Art, nicht wahr, liebe Freunde und Brüder im Herrn.« Am 28. April 1850 13 Spricht der Graf Bathianyi: »Ja, ja, es ist hie und da auch manchmal etwas daran, aber freilich nicht allezeit, da es doch auch Männer gibt und gab, die ihre Ehrenzeichen sich auf die redlichste Art von der Welt erworben haben; ich habe zwar auf Orden nie etwas gehalten, und war da ein reiner Nordamerikaner; aber dessen ungeachtet gibt es neben den freilich vielleicht auf eine unrechtliche Art erworbenen Orden auch recht viele Verdienstorden, deren Besitzer rechtliche und biedere Menschen sind, und somit auch auf dem rechtlichsten Wege zu solch ihren Namen und ihre Taten ehrenden Auszeichnungen gekommen sind; und so ist nicht anzunehmen, daß unter jeder mit Orden geschückten Brust ein schlechtes oder gar kein Gewissen zu Hause sei; da hast du Bruder ein wenig zu viel gesagt. In Medio beati, bleiben wir daher schön in der Mitte, so werden wir vor dem Herrn sicher am besten bestehen können.« – 14 Spricht der General: »Du hast in deiner Weise ganz recht, aber ich in meiner auch; denn ich verdamme ja auch nicht jede geschmückte Brust; aber der erste Schmuck jeder Brust ist und bleibt ewig die reinste und wahrste Liebe zu Gott und zu dem Nächsten; wo diese einer noch so rechtlich geschmückten Brust mangelt, da gelten bei mir alle andern noch so rechtlich erworbenen Ehrenanhängsel nichts. So aber der Herr Selbst sagte: So ihr alles getan habt, so bekennet es in euch, daß ihr pur unnütze und faule Knechte waret; wie solle da ein wahrer Nachfolger Christi des Herrn sich ein ehrendes Verdienstzeichen auf seinen Rock können anhängen lassen. Ich meine, gegen den wird doch niemand etwas einzuwenden haben; denn das ist Gottes Wort.« – 15 Spricht Graf Bathianyi etwas, wie man so zu sagen pflegt, touschiert: »Ja, ja, und noch einmal ja, ja, ja; du hast recht; denn Recht bleibt Recht; und es versteht sich von selbst, daß es ohne die Liebe kein Recht, und ohne das Recht auch keine wahre Liebe gibt und geben kann.« – 16 Spricht Miklosch: »Brüder, wie ich's merke, so kommt ihr vor dem Herrn und allein ewig wahren Richter in eine Art Rechtskampf wegen nichts und wieder nichts. Höret, da, wenige Schritte zu eurer Rechten stehet der Herr voll Liebe, Güte und Sanftmut; das ist der allein wahre und vollkommene Richter; Ihn fraget um den rechten Bescheid; und ihr werdet dann sogleich erfahren, wer aus euch das vorzüglichere Recht hat. Wer aber wird hier im Gottesreiche vor dem Herrn Selbst einen irdischen Ordensstreit beginnen wollen, der gerade jetzt bei diesen vielleicht für die ganze Ewigkeit wichtigsten Betrachtungen der Erscheinung dort im Norden eben so am ungeeignetesten Platze ist, wie die Faust eines Riesen auf dem Auge eines zarten und augenkranken Kindes.« Kapitel 187 Fortsetzung der Szene Kado und Minerva. Des Herrn Erläuterung über die Wichtigheit des rechten Momentes. Miklosch berichtet weiter. Minerva bekommt ein Pseudoschwert, will auf der Erde die Menschen bekehren und zieht los. Die Heimkehr der drei Missonare: Sahariel, Uraniel und Kado 1 Rede Ich: »Halt, halt! nur nicht zu weit von allen drei Seiten und nun keinen Lärm; denn die Schwangere ist in Kindesnöten und darf in der Geburt nicht gestört werden; Miklosch, mache dich nur wieder an dein nur mehr sehr kurz dauerndes Geschäft, und mache den Dolmetscher. Ich sage euch, die Ernte ist zur Reife gediehen, sie ist vor der Türe; aber die Schnitter sind auch gerüstet zur Arbeit. Ich merke auf der Erde einen starken Jammer; der Satan möchte sie schlagen mit 10-facher Finsternis. Aber dies und das letzte Mal wird er seine Rechnung nicht finden; denn seine Mühe sei verflucht! Passe du Miklosch nun aber nur auf; denn von nun an wird jeder Schritt des Satans auf sehr kurz von großer Bedeutung sein für die Erde, den Prüfungsort meiner Kinder. Schaue nun nur wieder hin und rede!« 2 Miklosch sieht nun wieder hin und spricht: »Ach! was Welt und alle Wetter! Die Minerva braust nun auf einmal auf und verlangt ein Schwert zum Kampfe auf der Erde wider den Unglauben und wider alle Ketzerei. 3 Der Sahariel aber deutet auf die Zunge und sagt: »So dies lebende Schwert nichts fruchtet, da ist auch jedes andere vergeblich. Das lebendige, so es mit dem Herzen im Verbande steht, wirket für die Ewigkeit, wie auch der Herr sprach: Dieser sichtbare Himmel und diese Erde werden vergehen, aber meine Worte ewig nimmer! Also wenn du es redlich meinst, so wirke durch Worte; das Schwert aber lasse du stehen; denn so du mit dem Schwerte predigen wirst, da wird das Schwert auch dein sicherstes Ende sein; denn der nach dem Schwerte greift, der wird auch durch das Schwert zu Grunde gerichtet werden. Begebe dich in Frieden, sonst wird deine Zeit ganz entsetzlich verkürzt werden.« – 4 Spricht die Minerva: »Ich will ein Schwert und es geschehe darauf, was da wolle! Ich will ein Schwert; ein Schwert, ein Schwert gebt mir! denn nun will ich endlich einmal mit Gewalt, und wie von heute bis morgen die Erde fegen.« – 5 Spricht darauf Robert: »Nun gut denn, du verlangst ein Schwert und hier ist eins; nimm es hin und gebrauche es nach deinem Wissen und Gewissen; der Lohn wird dir diesmal an der Ferse nachfolgen.« – 6 Robert reicht ihr ein Schwert hin. Minerva reißt es ihm völlig aus den Händen und lacht darauf echt satanisch, höhnisch daneben sagend: »Hahaha! ist das ein Schwert! Aus Blei (Blech) oder Pappendeckel? Hahaha! ist das etwa ein Sinnbild eurer himmlischen Macht und Stärke und Festigkeit?« – Spricht Robert: »O nein, Holdeste; wohl aber ist es ein Symbol deiner nunmehrigen Macht. Gehe hin und kämpfe du Elende, und erringe deinen elendsten Sieg! Willst aber du mit uns ziehen, so stehet dir auch der Weg offen. Nun denn Herkul am ew‘gen Scheidewege, erkläre dich nun, was du tun wirst?« – 7 Spricht Minerva: »Ich werde kämpfen auch mit diesem Schwerte; verstehst du? auch mit diesem Schwerte.« – Spricht Robert: »Nur zu mit dieser Waffe! Aber gebe acht, daß sie dir morgen auf der Erde nicht zu kurz wird! Diesmal solle dir der letzte Kampf – aber pur auf deine Rechnung – zugelassen werden. Und genug nun der Worte mit dem Satan! – Gehen wir unseres Weges. Der Herr richte dich nach Seinem Wohlgefallen!« – – 8 Nun verschwand Satana plötzlich und die drei eilen unter Vortritt des Sahariels hierher. – Nun bin ich neugierig, was sie alles etwa von ihren anderweitigen Himmelsbereisungen erzählen werden! Sie kommen, sie kommen schnell!« 9 In dem Augenblicke sind die drei auch schon hier und der Sahariel tritt vor Mich hin, verneiget sich tiefst und spricht: »O Herr! Du allliebender, allmächtiger, bester, heiligster Gott und unser aller Vater! mit dem Bruder Robert Uraniel allein bin ich von Dir und in Deinem Namen hinausgegangen, um ihm zu zeigen ein Fünklein Deiner endlosesten Herrlichkeit; er sah seine Urheimat und hatte eine ungemeinste Freude daran, und alles pries und preiset dort Deinen Namen; aber auf dem Rückwege führte uns Dein heiligster Geist zu einer großen Szene, die für Deine Himmel alle, und für die kleine Erde als Geburtsstätte Deiner Kinder von größter Bedeutung sein wird. Aber diese Szene war ein glühend heißes Werk! Die ganze Hölle empörte sich wider Dich und alle Deine Himmel! Der Satan schmückte sich gewaltig und wurde schön wie Deine Himmel, um durch solche Schönheit alle Himmel an sich zu ziehen. 10 Aber hier steht ein starker Geist, in sich schlecht und recht, und böse und gut, ein Wesen seltener Art; dieser Geist warf zuerst frei aus seinem eigenen Willen heraus der glänzendsten Fürstin der Hölle über die glühendste Flut ihres Grimmes den Fehdehandschuh hin; kämpfte mit ihr wie einst Dein Sohn David mit dem Riesen Goliath; ihr Äußeres bezwang er wie ein Meister; aber das Innere dieser Fürstin blieb wie bisher noch stets dasselbe. Dieser beherzte Geist stehet hier; sein Name ist Kado; und so sind (wir) ich und der Bruder Uraniel Robert um einen Bruder reicher hierher zu Dir heiligster Vater wiedergekehret; wir wollen Dich nicht bitten, daß Du ihn annehmen möchtest in Dein Reich, da Deine unendliche Güte und Liebe uns schon lange zuvorgekommen ist; aber unsere große Freude nur wollen wir hier vor Dir, o heiligster Vater, so ganz nach unserer Herzenslust ausschütten darüber, daß Deine Liebe und Macht uns einen so herrlichen Bruder hat finden und gewinnen lassen! Dank, Lob, Liebe, Preis und alle Ehre Dir allein dafür!« 11 Rede Ich: »Meine Liebe, Meine Gnade und Meinen Segen euch und ihm darum; denn er war schon so wie verloren; aber ein Fünklein war noch in ihm, das da lebendig ward in der Qual, die ihm sein einstig irdischer Vorfahr bereitet hat und das rettete sein Herz, und verlieh ihm eine große Kraft, mit der er Mir dann wahrlich unaufgefordert einen großen Dienst erwies; aber er solle dafür auch einen großen freien Lohn überkommen und werden ein Meister im Kampfe wider die Hölle. 12 Mein geliebter Kado, Ich sage dir, trete näher zu Mir herzu; denn Ich habe dir großes und wichtiges zu geben!« – Kado tritt näher, verneiget sich tief und sagt dann: »Herr! ich hatte von Dir wohl eine ganz andere Vorstellung; aber da ich Dich nun also in der schlichtesten Einfachheit treffe und sehe; so bist du mir unter diesem Bilde auch am allerangenehmsten, und ich frohlocke tiefst in meiner Wonne, daß Du als das allerhöchste Gottwesen so höchst schlicht und einfach bist. So habe ich mir die Gottheit oft in meinem Herzen gewünscht, wenn ich mir von Ihr auch stets eine endlos glänzendst unzugängliche Vorstellung machen mußte, weil meine halb türkischen und halb jüdisch-christlichen Begriffe von der Gottheit mir keine andere Vorstellung ermöglichten. Aber da ich nun hier meinen Gott und meinen allmächtigen Schöpfer so finde, wie ich mir Ihn gar oft im Herzen freilich ganz heimlich nur gewünscht habe, so bin ich nun über die Maßen froh, und stelle sofort Dir, o Herr, meine allerkleinste Kraftwenigkeit zum bereitwilligsten Dienst. Aber nur müßig lasse, o Herr, mich nicht sein; denn meine Freude ist etwas Gutes tun zu haben. – Was wird denn nun mit der sogenannten »Minerva« geschehen? solle sie so verbleiben? oder sollen wir etwa doch noch weitere Besserungsversuche mit ihr machen? Denn so wird sie viel Unheil auf der Erde anstiften, auf was sie auch ganz sicher ausgegangen ist.« 13 Rede Ich: »Sei deshalb ruhig, lieber Kado; diesmal ist ihr, wie allen ihren Sinnes, die endliche Falle gelegt, in der sie sich unausweichbar fangen wird; wir aber werden nun etwas ganz anderes beginnen!« Kapitel 188 Der Herr mit Robert und Helena. Roberts bisherige Führungen als Vorbereitung für Kommendes, beim Besuche des 4.Saales, die Schatzkammer in seinem Haus. Eine Liebesszene Am 1. Mai 1850 1 Der Herr: »Robert! sieh hierher, die du lieb hast, ist die ganze Weile an Meiner Brust gehangen, während der du auswarest. Du hast sehr viel gesehen und hast große Erfahrungen gemacht; aber frage sie, was sie unter der Periode deines wichtigen Ausseins alles gesehen und gehöret hat! Du bist in Meine Himmel gedrungen und diese deine Helena tief in die großen Geheimnisse Meiner Liebe. Was meinst du nun, wer aus euch beiden an tiefen und wichtigsten Erfahrungen alles Lebens wohl die größten und weitesten Fortschritte gemacht hat?« – 2 Spricht Robert Uraniel: »O Herr! sicher nur diese liebste Helena hier; denn der an der Urquelle selbst schöpft, der empfängt sicher des Lebens reinstes Licht; der aber durch Umstände, wie sie Deine heiligste Ordnung erheischet, genötigt wird hinauszugehen und an den weitgedehnten Ausflüssen Deiner Liebe, Weisheit und Macht und Deiner Erbarmungen Wunder zu besehen, der trinket Deine Gnade nur tropfenweise, während eine Helena in den gewaltigsten Zügen ganze Ströme Deines Urlichtes in ihr Herz aufnimmt, und dadurch in den ungeheuersten Sehekreis Deiner endlosen Erbarmungen und Wundertaten geleitet wird; eine flüchtigste Sekunde ihres ungetrübtesten Schauens in Dein Herz muß ihr ja mehr enthüllen, als mir in der sichtlichen Ferne von Dir ein ganzes irdisches Jahrtausend! aber wie werde ich denn nun vor ihr bestehen; ich ein durch winzige Lichttropfen gesättigter Geist, und sie Ströme und Meere des Lichtes aller Weisheit in sich fassend?« – 3 Rede Ich: »Des kümmere dich nicht! So jemand auf Erden ein Weib sich nimmt, so wird sie ihm um so lieber sein, je reicher sie bei anderen gleich guten Eigenschaften ist, und so wird es dir hier wohl auch sicher nicht unangenehm sein, so hier dein rechtes Weib möglichst reich ausgestattet ist, und einen derartigen Schatz von Mir überkommen hat, daß ihr beide daran für die Ewigkeit zur Genüge haben werdet. Ihr Schatz besteht in einer unschätzbarsten Fülle der Liebe; und dein Schatz an Weisheit ist der kleinste nicht. 4 Wohl bist du nur mit Tropfen gespeiset worden, wo sie Ströme in sich eingesogen hat; aber so du einen solchen Tropfen in die Fülle ihrer Liebe tauchen wirst, so wird daraus eine Unzahl von Wundern und neuen Geschöpfen und Werken entstehen, an denen du dich nimmer satt sehen wirst können; und du wirst darinnen dann erst Meine Macht, Größe, Liebe und Weisheit in aller Fülle stets mehr und mehr zu ersehen, zu bewundern und anzubeten beginnen; denn alles, was mit dir bisher geschah, das war nur eine nötige Vorbereitung zu all‘ dem, was du von nun an beginnen wirst! 5 Du sahst dein Haus zuerst von außen und es gefiel dir ganz ungemein; als du aber in den ersten Saal deines Hauses kamst, da gefiel es dir schon bei weitem besser, da du darauf bald zu einer Gesellschaft kamst, die zwar noch sehr roh aussah, als deinem Inwendigen in allem entsprechend; aber sie ward bald sanft, wie dein Innerstes selbst lichter und sanfter wurde; es ward darauf ein zweiter Saal geöffnet, der große Speisesaal, allwo du die Tische zu ordnen hattest, die dir viel Bangens machten; darauf traten wir in einen dritten sehr großen Saal, das Museum benamset; da lerntest du im weitsten Umfange alle deine Mängel, und des Todes Samen in dir kennen, und schafftest sie aus dir nun alle, indem du auf den Grund der Hölle zu dringen hattest, von deinem Urentstehen an, und dich zu reinigen von ihr. Und nun stehest du noch im selben Museumssaale vor Mir. 6 Aber hier ist des Bleibens noch nicht; daher werden wir uns nun in die große Schatzkammer begeben, in der dir die Schätze ersichtlich werden, die du mit der Helena als eine freie Mitgabe von Mir erhältst. Rufe daher die ganze nun sehr große Gesellschaft zusammen und wir werden uns dann sogleich in den vierten großen Saal begeben, der da ist die große Schatzkammer dieses deines Hauses. Grüße aber vorerst deine Helena, die da ist dein himmlisches Weib!« 7 Robert Uraniel begrüßt nun die Helena mit wahrer Engelszärtlichkeit und diese erwidert allerholdseligst den Gruß, ihm freundlich die Hand reichend. Robert Uraniel vergehet nahe vor Wonne und sagt: »O du meine himmlische Helena! wie groß bist du nun und wie klein bin ich vor dir!« 8 Spricht Helena: »Liebster Robert Uraniel! vor Gott dem Herrn, Der da ist unser aller Vater voll der reinsten Liebe, gibt es weder irgend etwas Großes, noch etwas Kleines, sondern alles ist gleich – nur Sein Werk; Er aber gibt dem einen Werke diesen, und einem anderen Werke einen anderen Zweck; wo aber der Zweck göttlich, da ist auch das Mittel, durch das irgend ein solch göttlicher Zweck erreicht wird, gut; ich bin ein Mittel und du bist es auch in der Hand der göttlichen Liebe, und bist so wie ich weder groß noch klein, sondern gleich mit mir in der Liebe vor Gott. Daher machen wir uns gegenseitig keine Lobhudeleien mehr, sondern ergreifen wir uns dahier so recht innigst in Gott, unserem heiligsten Vater; deine Weisheit vermähle sich wahrhaft mit meiner in Gott reif gewordenen Liebe, und werden wir sodann Eins vor Gott, so werden wir ein wahrhaftiges Ehepaar im Himmel, und werden als ein solches leben und wirken nach und in der Ordnung Gottes. Meinst du nicht auch, daß es also besser sei und klüger um vieles, als sich gegenseitig leere nichtssagende Lobhudeleien zu sagen, und sich das Herz damit zu trüben?« 9 Spricht Robert Uraniel: »Du liebste, holdeste Schwester in Gott, dem Herrn und Vater! und Weib meines Herzens! Du hast ganz vollkommen recht! Also ist es und ewig nimmer anders. Ach, wie selig doch haben mich deine Worte gestimmt! ich hätte dir wahrlich jedes deiner Worte vom Munde wegküssen mögen! Denn ich sah mit deinen gar so himmlisch klingenden Worten den Geist der reinsten göttlichen Liebe mit in mein Herz herüberströmen. O welch eine liebliche Harmonie entfaltete das in meiner hochseligsten Brust! O ihr armen Schulvölker der mageren Erde, könntet ihr je so einen harmonischen Sang in euren Ohren vernehmen, da erst würdet ihr es mit euer irdisch Leben zermalmendem Staunen gewahren, welch eine Macht im himmlischen Sange verborgen ist! O Gott, welcher Masse von Seligkeiten gehe ich nun entgegen? Was alles wird meinen über die Maßen erstaunten Augen in der großen geheimen Schatzkammer des Herrn begegnen! O Gott, o Gott, was alles habe ich schon gesehen und was werde ich noch sehen? Seligkeiten ohne Maß, jede von neuen nie geahnten Wundern der göttlichen Liebe, Weisheit und Macht begleitet.« Hier fällt Robert Uraniel der Helena an den Hals und küsset sie dann auf die Stirne. 10 Ich aber segne sie abermals und bedeute dem Robert Uraniel, daß er nun alle zum Weiterzuge aufrufen solle. Kapitel 189 Cyprian beim Herrn; der beste Dank. Mögliche Gerichtswege über Rom Am 4. Mai 1850 1 Robert geht nun zu den sehr vielen Freunden hin und verkündigt ihnen, was nun nach Meinem Willen zu geschehen habe. 2 Während dem aber tritt der Pater Cyprian, seine Freunde, den Dismas und den Pater Thomas samt dem General verlassend – zu Mir hin und sagt: »Herr, Du bester Vater der Menschen und Engel; das rein höllische Zwischenspiel hat ein hübsches Weilchen hindurch gedauert. War aber eben nicht sehr amüsant. Das Beste an der Sache ist, daß da mit dem Verschwinden jenes wirklichen Ursatans auch mein Faksimile (orginalgetreue Nachbildung) nun aus meiner Brust gänzlich verschwunden ist; denn die beiden Brüder, der Dismas und der Thomas, haben mit mir nahe den gleichen Exorzismus ins Werk gesetzt, wie dort im Norden der famose Kado mit der Pseudo-Minerva, und ich bin nun, so weit ich mich nur immer durchforsche, wenigstens von allem dem, was in mir, wie gesagt, römisch war, rein; Geiz, Neid, Habsucht, Herrschsucht und Rechthabegier sind nun ferne von mir; mit einem leichten und freien Gemüte stehe ich, o Herr, nun vor Dir und bitte Dich auch um einen kleinen Segen. Es ist die Bitte wohl ein wenig verwegen, ich sehe es ein; aber da Du schon den guten Bruder Robert gar so übermäßig gesegnet hast, daß er sich nun vor lauter Segligkeit nahe nimmer zu helfen weiß, so wirst du ja auch mir meine Bitte nicht für eine Art Vermessenheit anrechnen.« – 3 Rede Ich: »Nein, nein, das ewig nicht; aber nur kommst du mit deiner Bitte etwas zu spät; denn Ich habe dich schon gesegnet.« – Spricht Pater Cyprian: »So ist es an mir, Dir, o Herr und Vater, zu danken.« – 4 Sage Ich: »Ist auch schon geschehen; denn Ich lese es in deinem Herzen und das ist Mir der gültigste und angenehmste Dank. Hast du Mir aber den besten Dank schon geleistet, wozu nachher noch einen schlechteren hinzufügen wollen?« – Spricht Pater Cyprian: »Ja, aber davon weiß ich ja selbst beinahe kaum etwas; wie solle dann eine mir selbst nahe ganz unbewußte Handlung vor Dir einen Wert haben können.« – Sage Ich: »Weil sie Meiner Lehre im Evangelium gemäß ist, allwonach auch die rechte Hand nicht wissen solle, was Gutes die Linke tut in Meinem Namen. Meinst denn du noch immer: Ein Mir wohlgefällig werden sollender Dank muß Mir – nach Roms Art – unter weithin schallendem Geläute aller Glocken, unter den gewaltigsten Tönen der Orgeln, Pauken, Trompeten und Posaunen, und unter dem gräßlichen, sinnlosesten Geplärre lateinischer Hymnen dargebracht werden. O Freund! sieh', alles das ist vor Mir ein barster Greuel. Wer Mir recht danken will, der danke Mir im Herzen, und zwar also, daß sein hochweiser Verstand dabei nicht viel mehr zu tun hat, als ein gemeiner Handlanger, bei was immer für einer Meisterarbeit. Und solch einen Dank hast du Mir schon dargebracht; nun, so Ich damit überaus zufrieden bin, was willst du nacher denn noch?« – 5 Spricht Cyprian: »Mein Gott und mein Herr! Du bist zu gut, zu gnädig und zu sehr barmherzig, daß Du die puren Gedanken des Herzens als etwas Dir Wohlgefälliges ansehen magst. Ehre, Lob, Liebe und Preis sei darum dir allein ewig; Du ordnest alle Dinge richtig und Deine Kinder führst Du den rechten Weg, daß sie nimmer irren können in der Fülle und verfehlen den rechten Weg. Ich war zwar sehr in der Irre, und mein Herz machte seine Lebensschläge in großer Trübnis; aber Du ließest es nicht zu, daß da erstarrte mein Herz in seiner Nacht, und keiner Pulse der Liebe zu Dir mehr fähig wäre, darum ewig Dir allein allen Preis, allen Ruhm, alle Ehre, alle Anbetung und alle unsere Liebe. – 6 Es geht zwar nun wieder auf der Erde sehr traurig, düster und finster zu, wie ich es jetzt häufig merkte; aber es ist recht also, wie Du, o Herr, es zuläßt; denn es muß ja auch das Unkraut zur Reife kommen, und seine Wurzel dürre werden und tot, auf daß es dann vom Grunde aus zerstöret und vernichtet werden kann. Wie das Gute von Dir, so auch muß das Böse sich tatkräftig äußern, damit es als wahrhaft Böses erkannt und verworfen werden möge; und so läßt Du nun auch die arge Pflanze einen Wuchertrieb tun, auf daß sie desto eher dürr und tot werde. – Ein Stein, der nie in die Höhe geworfen wird, kommt nie zum Falle; so Du aber den Pfaffen sich aufzuschwingen zuläßest höher und höher, so ist ihnen dadurch auch der Fall gegeben. 7 Das Böseste auf der Erde ist nun das römische Pfaffentum; es erhebt sich nun unter der Maske der Frömmigkeit, und steiget und steiget höher und höher; aber so es bald mit seinem stolzen Flügelpaare an die eherne Decke Deiner Himmel schlagen wird, da werden ihm die Flügel zerstöret werden, durch Feuer aus den Himmeln, und es wird da einen erschrecklichen und letzten Fall tun, nach dem keine Erhebung mehr möglich sein wird. Ein trauriger Weg zwar; aber gut, recht und gerecht ist er, und verfehlet nimmer des rechten Zieles Mitte. 8 Ich war falsch, schlecht und böse vor Dir und Deiner Erde, o Herr; und stieg und stieg höher und höher, um desto tiefer zu fallen. Aber als ich gefallen bin vollends, da erst kamst Du, o Herr und halfst mir wieder empor, und machtest so aus einem Teufel einen Menschen nach Deinem Maße und nach Deiner Zahl; und so tust Du, o Herr, fortwährend; darum sei Dir wieder aller Ruhm, alle Ehre, aller Preis, alle Anbetung und alle Liebe; denn Deine Erbarmungen sind unbegrenzt und Deine Liebe und Gnade erfüllen da alle Räume der Unendlichkeit. Den Niederen erniedrigst Du noch mehr, auf daß er vollkommen werde und näher käme Deinem Herzen; aber die Hohen erhöhest Du, und bereitest ihnen den vollkommenen Fall, auf daß sie dann als Gefallene ersehen mögen, wie gar so eitel da war all ihr Mühen, und wie gar nichts sie sind vor Dir, o Herr! Wohl aber denen, die ihren sicheren Fall merken werden, und werden sich demütigen vor Dir; die aber sich in ihrem Falle werden erhalten wollen, denen ein dreifaches Wehe; denn ihr Weg wird ein heißer sein, und ihre Umkehr nahe unmöglich. 9 O Rom, o Rom! du pochest vergeblich an die eherne Pforte deiner alten Macht. Siehe, die Riegel sind verrostet und unbeugsam die Querstangen, mit denen du selbst die Türe zum Gottesreiche verrammelt hast allen, die da hinein wollten. Ich stehe vor Gott, dem Allmächigen, und sein Auge sagt mir: deine letzte Mühe wird dir einen schnöden Lohn bringen. Du dürstest nach Blut, und Feuer willst du speien über der Erde weite Triften; aber wehe dir! Der Herr hat dir eine Nacht vorbereitet, die dich selbst verschlingen wird, wie eine hungrige Schlange einen Sperling!« – 10 Sage Ich darauf: »Amen, ja so sei es; du hast gut, wahr und weise geredet vor Meinem Angesichte und so sei es, wie du nun geredet hast vor Mir!« Kapitel 190 Der Altväter Heilsbitte für die Erde; und die Antwort des Herrn: Ihr kommet zu spät! Von den Vorbereitungen zur Wiederkunft des Herrn Am 10. Mai 1850 1 Treten alle Propheten und Apostel zu Mir dem Herrn hin und sagen: »Ja, Amen! Dein Name werde geheiliget, wie hier in Deinen Himmeln, also auch auf Deiner Erde, die da ist nach Deiner ewigen Ordnung eine wahre Probestätte für die Geschlechter, die da zum ewigen Dasein erkeimen unter Deinem Herzen. Aber nur das, heiliger Vater, bitten wir Dich alle aus einem Herzen und aus einem Munde: Lege dem Satan einmal sein schnödes Handwerk. Nehme hinweg von Deiner Erde den Purpur; und mache verschwinden Gold, Silber und das eitle Edelgestein, auf daß die Menschen nicht mehr nach dem Schimmer dieser unflätigen Dinge gieren sollen, sondern nach reiner Liebe und Wahrheit nur. Welche Schätze des Geistes im Menschen müssen zu Grabe getragen werden, und können nie vom Lichte Deiner Sonne bescheinet werden, weil das Jagen nach all den eitelsten Dingen die Menschheit über die Maßen hindert, ihren Geist zu erwecken nach Deiner heiligen Ordnung, und dann aus ihm zu schöpfen unvergängliche Reichtümer für Zeit und Ewigkeit. 2 Lege sonach endlich einmal dem Satan sein schnödes Handwerk. Mit seinem Verschwinden aus der Sphäre der Wirkung wird und muß die Menschheit zu allem, was da gut und wahr ist, geneigter und geneigter werden, weil wir dadurch einen freieren Wirkungsraum einnehmen können und auch sicherst werden; widrigenfalls die Menschheit stets tiefer und tiefer ins Verderben sinken muß. Wohl sind Deine Ratschlüsse unerforschlich, und unergründlich Deine Wege; niemand außer Dir ist es bekannt, wie Du in solchen Fällen vorgehst, um alles am Ende dem einzigen rechten und besten Ziele zu zuführen, aber bei manchen Wesen wird wohl eine übergedehnte Zeit erfordert, bis sie zu ihrem vorbestimmten Ziele gelangen. Also eine Abkürzung der langen Wege und der Zeiten Dauer, wie Du o Herr sie selbst Deinen Völkern allen verheißen hast, wäre von uns allen Gleichgottgesinnten wohl das sehnlichst Erwünschteste! 3 Es ist wahrlich schade für Deine sonst so schöne Erde, daß sie ihre ihr stets neu geschlagenen Wunden nimmer zu heilen vermag, so du, o Herr, ihr die stets gleichen Quäler nicht vom Leibe schaffest. Was Du aber tun wirst, o Herr und Vater! das tue ja bald; denn sonst verschmachten die Menschen vor der zu bangen Erwartung der Dinge, die da noch über die Erde kommen dürften. Wir warten freilich wohl leicht, da nun auch vor uns ob der zu großen Seligkeit bei Dir, heiliger Vater, 1.000 Erdjahre gleich sind wie ein flüchtiger Lenztag. Aber den armen noch in sterblichen Hüllen lebenden Brüdern auf Erden werden bange Minuten zu Jahren und Jahre zu Ewigkeiten. Daher tue auf, o Vater, den reichen Born Deiner Liebe und Gnade, und suche die Armen auf Erden gnädigst heim und kürze ab diese arge Zeit. Dein allein heiligster Wille geschehe allezeit und ewig!« 4 Rede Ich und sage: »Ihr tuet wohl daran, daß ihr also bittet; aber es geht euch allen bei euren Bitten stets also, wie jenen, die überall zu spät kamen, und da vor Mir auch stets zu spät kommen müssen, weil Ich überall, und ganz besonders hier, in den Himmeln, in allem der Erste bin und sein muß; eine Bedingung, ohne die ihr nimmer einer Bitte und irgend einer Handlung fähig wäret. Ihr seid wie Meines Leibes Glieder, die nicht eher zu handeln vermögen, als bis mein Geist sie zu handeln antreibt; so es aber allenthalben in euch Meines Geistes bedarf, wie könnet ihr es in euch wohl meinen, daß Ich durch eure Bitte erst müßte dazu bewogen werden, um etwas zu bewerkstelligen, dessen Notwendigkeit oder Nichtnotwendigkeit Ich schon lange eher eingesehen habe, bevor noch irgend ein Geist aus Mir sich eines freien Bewußtseins erfreute? Kurz, Meine lieben Kindlein, ihr kommet den schon allemale und überall zu spät; denn so ihr über eine Sache erst so ein wenig nachzudenken beginnet, da habe ich schon um 1.000 Erdjahre vorgesorgt, und alles so in den Gang gesetzt, daß nun die Erfolgs-Effekte eben also zum Vorscheine kommen müssen, weil sonst am Ende der allgemeine Hauptzweck unmöglich erreicht werden könnte, der da ist – ein ewiges, produktives, freiestes Leben, Meiner göttlichen Gegenwart gegenüber. Wenn nun in den meisten römisch-katholischen Staaten auf Erden die sogenannte Religion frei gegeben ist, somit auch die römische, was da bewirkt ist durch Mein Einfließen in die Verständnisse derer, denen das Staatsruder anvertrauet ist, und diese dann solche Anordnungen zu treffen genötiget sind, durch die die herrschsüchtigste Hierarchie zugrunde gehen muß, so meine Ich, daß man da doch unmöglich mehr tun kann!? 5 Solle Ich denn alle Hierarchien durch ein Feuer vom Himmel mit einem Schlage vertilgen? O das gehet im allgemeinen nach dem größten Werke der Erlösung wohl nicht mehr; keine allgemeine Sündflut mehr, und kein Untergang Sodoms und Gomorras mehr! 6 Aber ein jedes Übel der Erde ist nun sein eigener Richter, und die Strafe folgt der Sünde auf der Ferse. Die Hierarchen verlangten ihre alte heidnische, grausame Priesterfreiheit; und sehet, sie sei ihnen, aber ohne materielle Macht; denn auch die materielle Macht des Staates ist frei unter ihrem Regenten, und kann sich nimmer von der Hierarchie knechten lassen. So aber nun die Hierarchien von ihrer grausamen Freiheit auch irgend einen geringsten Gebrauch machen werden, so werden sie dadurch Tausende bewegen, aus ihrer schlechten Gemeinde in eine bessere überzugehen, wozu nun jedermann der freieste Weg mit guter Zurechnung für Seele und Geist gebahnet und gegeben ist; wenn solche Übertritte von Tag zu Tag sich mehren werden, so wird die Hierarchie bald allein mit einigen wenigen Narren dastehen und ihr sicheres Ende an den Fingern zu berechnen anfangen. Wenn Ich aber solches veranlasse, davon jedem die sicherste Folge einleuchtend sein muß, was solle Ich denn da noch mehr tun? Während ihr hier bittet, sind schon Tausende von Rom abgefallen; kann da die Zeit noch mehr verkürzet werden? Wenn der Schlange das Gift gegeben ist, sich selbst zu töten, da sie damit in ihrer Ohnmacht niemand anderen mehr erreichen kann, ist (da) nicht alles getan zu ihrem Untergange, der nun notwendig geworden ist? 7 Wie könnte Ich verheißenermaßen je wieder zur Erde kommen, so nicht der argen Hierarchie auf diese alleinig wirksamste Weise ihr altes Handwerk gänzlich geleget würde. Käme Ich ohne dem zu den Armen, da würden sie Mich womöglich ergreifen und abermals kreuzigen mehrfältig; käme Ich aber zu den Reichen, so würden sie Mich in den Bann tun, und wider Mich alle Hölle entflammen zehnfach ärger, als sie je entflammet war, und alle Welt würde sich in einem langgräßlichsten Kriege zerfleischen. Käme Ich aber als Gott, nun das begreifet ihr doch sicher, daß da die ganze Erde gerichtet würde, und kein Wesen auf ihr eines freien Atemzuges mächtig wäre. 8 So Ich aber zur Erde komme, kann Ich nur zu den Armen kommen, darum muß früher die reiche Hierarchie in allem in die tiefste Armut gelangen; der Verlorene muß mit den Schweinen Kost nehmen, und die Reichen dürfen ihm sogar diese nicht gönnen. Und erst also ist eine rechte, nun baldigste Ausgleichung aller herrschsüchtigen Tendenzen auf der Erde möglich, und daneben auch Meine Entgegenkunft auf der Erde dem Verlorenen. 9 Eure Bitte aber war dennoch recht, denn sie ward euch gegeben; aber Meine Handlung kam ihr viel zuvor. – Nun aber kommt Robert Uraniel mit seinen Scharen daher; daher seit alle bereit zum nötigen Weiterzuge.« Kapitel 191 Die Gesellschaft begibt sich zur Schatzkammer des himmlischen Hauses von Robert Uraniel. Erklärende Weisung des Herrn an Robert Uraniel voranzugehen. Die verschlossene Pforte. Robert Ulaniel und Helena bekommen die verschlossene Pforte nicht auf. Minerva nähert sich der verschlossen Pforte Am 13. Mai 1850 1 Alles begibt sich nun schnell in Meinen Willen, und Robert Uraniel kommt und sagt: »Herr und Vater! es ist alles geordnet nach Deinem Willen, nach Deiner heiligen Ordnung.« – 2 Sage Ich: »Also gehen wir denn dorthin gen Morgen, wo du in scheinbar großer Ferne zwei mächtig große Säulen ersiehst; alldort ist der vierte Großsaal der Vollendung, wo der eigentliche Himmel erst seinen Anfang nimmt für deiner Liebe und Erkenntnis Spähre. Nimm hier dein Weib, auf daß du als vollkommen eingehest in das Reich deiner Liebe und deiner Erkenntnis, aus Meiner besonderen Liebe in dir. Also sei es!« – 3 Auf diese Meine Worte umfaßt Robert Uraniel mit aller Liebe seine Helena und bittet Mich, daß Ich, so es nach Meiner Ordnung anginge, sogleich an seiner Seite und zwar zwischen ihm und der Helena in den Großsaal der Vollendung einziehen möchte.« – Ich aber sage zu ihm: »Du mußt einmal frei zu wandeln anfangen, ansonst du stets eines Gängelbandes bedürfen würdest. Ich aber werde schon ohnehin in dem Großsaale zugegen sein, wenn du in denselben eintreten wirst; sorge dich daher nicht um Mich und denke nicht, ob Ich hier oder dort sei; denn wo du mit der Liebe zu Mir immer dich hinbegeben wirst, da werde Ich bei dir sein, indem deine Liebe zu Mir Ich Selbst bin, und bin da gegenwärtig überall, wo die wahre und reine Liebe in irgend einem Herzen zu Mir gegenwärtig ist in gerechter Fülle. – Und so gehe denn voran und öffne uns allen in der Fülle die Pforte in das Reich der Vollendung deines Herzens.« – 4 Hier macht der Robert eine tiefe Verbeugung vor Mir, und tritt darauf sogleich seine Reise an, und wandelt wohlgemut mit seiner Helena, – die ihn unterwegs fragt, wie es ihm denn hier im Reiche Gottes so ganz eigentlich vorkomme? Ob er sich wohl schon so ganz heimisch fühle, oder ob es ihm dennoch nicht öfter vorkäme, als ob er in der Fremde wäre?« – Sagt darauf Robert Uraniel: »Allerdings komme es ihm manchmal sehr fremd vor, besonders so der Herr nicht neben ihm sich befindet; aber so der Herr sich in seiner Gegenwart sichtlich befindet, da sei er wieder ganz zu Hause. Nun käme es ihm an der Seite der Helena aber dennoch weniger fremd vor, als ehedem an der Seite des Sahariels; nur die Erscheinungen, die da kommen und bald wieder vergehen, kommen mir trotzdem, daß ich sie recht wohl verstehe und begreife, noch immer sehr befremdend vor, weil ihr Auftreten oft gar so unvorbereitet zum Vorscheine kommt; aber das tut nun gar nichts; ich habe mich daran schon gewöhnt. Aber nun ist auch schon die Pforte da und verschlossen; was nun?« – 5 Spricht die Helena: »Nun, die werden wir im Namen des Herrn denn aufzumachen versuchen. Sieh', es steckt ja ein goldener Schlüssel daran; also versuchen wir's.« – Robert Uraniel ergreift sogleich den goldenen Schlüssel und fängt an, ihn nach rechts und nach links zu drehen, aber die gorße Tür will sich nicht öffnen (lassen); er drehet wieder, und stärker als zuvor drückt er mit aller Gewalt an die beiden Türflügel, doch vergebens; nimmer weichen sie seiner Gewalt. 6 Darob wird es dem Robert Uraniel etwas bange und er spricht zu seiner Helena, sagend: »Siehe, mein geliebtes Weib, da ist wieder eine lebendige Antwort auf deine Frage: Ob es mir nicht öfter vorkäme, als ob ich in der Fremde wäre. Ich muß dir hier offen gestehen, daß ich mich nun einmal wieder sehr in der Fremde fühle, ja als wie einer, der ganz verlassen ist von allen seinen früheren Freunden und Helfern in der Not. Sieh dich nur einmal um, und sage mir, ob du selbst in der weitesten Ferne hinter uns jemanden erschauen kannst. Außer dem Freunde Kado, der uns ganz still aus eigenem Antriebe gefolget ist, entdecke ich keine Seele, und somit auch keinen Geist. Was sagst denn du mein Engel zu dieser nun ganz unerwarteten himmlischen Anrennrei?« – Spricht die Helena: »Ist wahrhaft sonderbar! Außer dem Kado sehe ich auch niemanden, und das Tor läßt sich nicht öffnen, und hat uns doch der Herr Selbst da hierher beordert. Geh, versuche es noch einmal zu öffnen die Türe; ich werde dir selbst helfen; vielleicht wird es dann gehen.« 7 Robert macht sich nun wieder an den Goldschlüssel, und drehet ihn nach allen Seiten, während dem die Helena stets an die beiden Flügel recht kräftig drückt. Die Operation gehet eine gute Weile vor sich, aber ohne Effekt. – Als beide schon etwas abgemüdet sind, sagt die Helena: »Weißt du, mein geliebter Robert Uraniel, über die Möglichkeit hinaus kann sich niemand zu einer Tat verpflichtet fühlen. Wir haben bereits alle unsere Kräfte daran verwendet, um zu öffnen diese Himmelspforte; sie läßt sich aber durchaus nicht öffnen, wofür wir doch kaum etwas schulden können; also bleibe sie denn in des Herrn Namen verschlossen. Den Freund Kado könnten wir zwar noch um eine gefällige Mitwirkung ansprechen. Wer weiß, vielleicht weiß er damit besser umzugehen als wir beide.« – Spricht Robert Uraniel: »Du hast aber auch recht; das werde ich aber nun auch sogleich tun.« Am 14. Mai 1850 8 Hier spricht Robert Uraniel den Kado an und sagt: »Liebster Freund, du hast uns sozusagen ganz allein bis hierher ein freundliches Geleit gegeben, während von all den vielen anderen nicht ein bewegliches Atom irgendwo zu ersehen ist; du hast auch des Herrn Auftrag an mich vernommen, wie ich mit meinem Weibe hierher ziehen solle, und hier öffnen dies Tor; allein alle meine noch so kräftigen Versuche scheiterten an der Widerkraft dieses Tores; meines Weibes nicht unkräftige Mithilfe fruchtete auch nichts. Daher will ich dich hiermit ersucht haben, da du schon ohnehin hier bist, daß du mir noch einen, und zwar den dritten Versuch recht kräftig möchtest machen helfen. Vielleicht gelingt's uns dreien, diese riesige Himmelspforte denn doch zu öffenen, dann wohl uns! Gelingt es uns aber wieder nicht, was das offenbar Wahrscheinlichste ist, nun, so mag der Herr dann tun und machen mit uns, was Ihm wohlgefällt.« – 9 Spricht Kado: »Lieber Freud! dieses unermeßliche Meer von Erscheinungen, die sich hier schnell aufeinanderfolgend die Hände bieten, macht aus mir eine Ohnmachtsmücke, und es wird dir mein Wirken sehr wenig Segen bringen. Quod licet Jovi, non licet bovi! Du bist dazu berufen und auserwählt; und ich nicht einmal glattweg berufen. Aber es macht das nichts; ich werde dir dennoch die verlangte Hilfe leisten. Ob es dir aber etwas nützen wird? Natürlich, für das kann ich dir nimmer gut stehen. Du weißt es ja, daß das Himmelreich Gewalt brauchet; nur die werden es besitzen, die es mit Gewalt an sich reißen. Gewalt muß also hier geschehen dieser Pforte; und so gehen wir's denn in Gottes Namen an.« 10 Robert macht sich nun abermals an den Schlüssel und drehet ihn nach links siebenmal, und da dadurch bei allem Kraftaufwande die Pforte noch nicht aufgehet, so dreht Robert den Schlüssel nach rechts solange um, so oft sich der Schlüssel nur immer drehen läßt, und es wird während des Drehens in einem fort kräftigst an die Pforte losgedrückt; allein die Pforte bleibt beharrlich verschlossen. – 11 Robert Uraniel kratzet sich hinter den Ohren und Kado sagt: »Ich habe es dir früher gesagt, daß es nicht gehen wird; denn obschon ich eben noch nicht zu lange hier ein Bewohner des Geisterreiches bin, so weiß ich aber doch, daß diese geistigen Dinge um sehr vieles hartnäckiger sind, denn die irdischen; ein Berg auf der Erde ließe sich eher versetzen, als wie so ein hartnäckiges Geistertor öffnen. Mein Rat wäre hier dieser, nämlich: die Geschichte abwarten. Die Gegend ist hier wahrlich wunderschön, und Gärten und Früchte aller Art gibt es hier auch in großer Fülle; was wollen wir mehr? Daß unsere Bestimmung nicht darin bestehen kann, gleichfort sichtlich dem Herrn Gott Jesus auf der Nase zu sitzen, das werdet ihr hoffentlich ebenso gut einsehen, wie ich es einsehe; es ist uns demnach ein Ort im Gottesreiche angewiesen worden, wo wir so lange zu verharren haben werden, als bis uns von höheren Mächten diese große Himmelspforte aufgetan wird; denn wir werden sie wohl ewig nimmer zu öffnen imstande sein. Was wir aber tun können, wäre meines Erachtens das, daß wir uns auch hier an den evangelischen (christlichen) Rat halten sollen, der nämlich also lautet: Suchet, so werdet ihr's finden; bittet, so wird es euch gegeben, und pochet an, so wird's euch aufgetan! Wer weiß, ob das Tor nicht schon offen stünde vor uns, so wir uns statt des Schlüsseldrehens an diesen evangelischen Rat gehalten hätten. Was meinst du, mein Freund, in dieser Sache?« – 12 Spricht Robert Uraniel: »Ja, ja, Freund! du hast da durchaus recht; dagegen läßt sich gar nichts einwenden; aber daß der Herr mich förmlich genötiget hat, ja eilends voran mich hierher zu begeben und diese Pforte zu öffnen, da uns alle großwichtige Dinge hinter dieser Pforte erwarten. Und nun bin ich hier, erwartend die Eröffnung des Himmels und richte mit der Pforte nichts! Siehe, das ist denn doch »bei Gott« etwas sonderbar. Aber sei ihm nun, wie's ihm wolle, ich werde deinem Rate folgen.« Am 16. Mai 1850 13 Spricht hierzu die Helena: »Freunde! wahrlich wahr, es gehört viel dazu, um in das Himmelreich Gottes eingehen zu können. Wenn man auch schon, wie ich selbst, in der allerwahrsten Glühhitze der reinsten Liebe dem Herrn selbst an der heiligen Brust gelegen hat und da als ein Säugling gesogen die Gnadenmilch des Lebens, so nützt das aber dennoch, wie es hier ersichtlich ist, eben nicht gar viel; denn kommt man dann vor die eigentliche Hauptpforte des Himmelreiches, so findet man diese ebenso gut verschlossen, als einer, der etwa in geradester Linie von unten hergekommen ist. Es ist wahrlich höchst sonderbar; mich geniert nun hier nichts, als dies herrlichste Strahlengewand; wenn ich so ein ganz ordinäres Bauernkleid statt diesem strahlenden hätte, so würde mich diese Verweigerung des Eintrittes in das eigentliche Himmelreich bei weitem weniger genieren. Der Sauhalter muß auch als solcher bekleidet sein, sonst wird ihm entweder sein Amt oder er sich selbst zu einem – Überdrusse werden. Wahrlich wahr, bei dieser Geschichte könnte man auf den Herrn ordentlich ungehalten werden. Früher Milch und Honig von bester Qualität und nun eine tinctura amara darauf, und an der Stelle des Himmelsbrotes, das man ehedem schon im wahren Übermaße genossen, kommt nun eine Hafergrütze, Prosit Mahlzeit! No, gespührest du so was, Robertl? Das wird eine sonderbare himmlische Süßigkeit abgeben. Aber wenn ich arme Närrin nur dieses dummen Kleides loswerden könnte. Mich geniert es nun schon ganz entsetzlich! Gefällt, mein geliebtester Robert, dir noch dein uranisches Sternengewand?« – 14 Spricht Robert: »Wäre mir gleichwohl auch ein anderes um eine ganze Million lieber, aufrichtig wahrgesprochen; ich komme mir nun in diesem göttlichen Sternenkleide wie so ein gefoppter himmlischer Esel vor. Bei Gott, eine lederne Hose und eine Jacke vom gröbsten grauen Tuche wäre mir um ein ganzes Leben lieber. Ich habe mich aber in meinem ganzen irdischen und geistigen Leben nie so impertinent wahrhaft bettpisserisch geschämt, als diesmal in diesem fatalen Himmelsgewande. Wenn ich es nur gegen ein anderes vertauschen könnte.« – Spricht die Helena: »Ich gäbe das meine um den allerschmutzigsten Küchenfetzen her; denn es gibt wahrlich nichts Erbärmlicheres als zu tragen ein Königsgewand auf einer Sauhalterwiese.« 15 Spricht Kado: »Meine liebsten Freunde, ihr redet mir aus dem Herzen; das muß auch Christus als Gott und Herr der Unendlichkeit tief gewollt und gefühlt haben, da Er so oft gegen die Kleiderpracht so sehr geeifert hat und trägt auch als Herr der Unendlichkeit hier im Reiche alles Lichtes wahrlich das lichtloseste ganz allereinfachste Kleid. Ich bin selbst ein größter Feind von jeder Kleiderpracht, mag sie nun auf der Welt materiell oder hier im Reiche des Geistes geistig sein. Wahrscheinlich sind die Prachtgewänder in den Himmeln, mit denen die weisen Engel angetan sind, jene Flecken an ihnen, die das reinste Gottesauge an ihnen ersieht. Denn es heißt irgendwo in der Schrift: Auch an den Engeln erschauet Dein Auge, o Herr, Mängel! Daher gebe ich euch ganz recht, daß ihr euer für hier unpassendes, prachtvollstes Himmelsgewand verabscheuet; aber wo nun ein anderes hernehmen? Daher behaltet es, so lange kein anderes zu bekommen sein wird. Sehen kann uns offenbar doch kein vierter, weil er nicht da ist; wir drei aber wissen es ja, was wir davon zu halten haben. Deshalb sollen euch diese strahlenden Himmelsfetzen auch gar nicht genieren, haben sie nur vorerst in euren Augen keinen Wert, dann ist alles wohl gut und recht; denn in meinen Augen hat solch ein selbst himmlischer Flitter nie einen Wert gehabt. Aber was werden wir nun vor dem Öffnen der Pforte beginnen? Werden wir zu bitten, zu suchen und zu pochen beginnen?« – 16 Spricht die Helena: »Ich meine, das werden wir schön fein bleiben lassen. So sie uns der Herr nicht öffnen will, so solle sie denn gleichwohl verschlossen bleiben in alle Ewigkeit, Amen.« Spricht Robert: »Hast eben nicht ganz unrecht, du meine allergeliebteste Helena; aber weißt du, so man es schon einmal bis zur – sozusagen – letzten Himmelspforte gebracht hat, da solle man sich denn doch noch einige Mühe geben, auch durch diese zu kommen. Bitten ist gerade keine Schande, suchen noch weniger und was am Ende das Anklopfen betrifft, so will ich mich selbst gleich einem irdischen Regimentstambour auf die beiden Flügel hermachen, und einen Lärm machen, der sich gewaschen haben solle. Nein, aber das gefällt mir nun erst; ehedem machte ich schon als selbst ein Engel mit dem Sahariel die gedehntesten Himmelsdurchwanderungen; und nun stehe ich wieder in eurer Gesellschaft als ein barster Ochse am Berge. Es geht uns nun nur noch die famose Minerva ab; das wäre wirklich ein Spaß, diese hier über diese Torsperre losziehen zu hören.« – 17 Spricht Kado: »Nur den Wolf nicht genannt, sonst kommt er gerannt. Und so ich mich nicht irre, so kommt sie schon daher, uns eine Visite zu machen. Nun sehen wir, wie wir ihrer los werden!« – Spricht dazu die Helena ganz verblüfft über diese Erscheinung: »Aber die muß ein feines Gehör haben. Nun, nun, nun, du mein lieber Robert Uraniel, das wird eine hübsche Geschichte werden. Hast aber auch müssen deren Namen so gewisserart als nun in dieser unserer ohnehin zuwidern Lage wißbegierig nennen. Nein, nein, das wird nun eine schöne Mette werden. Am Ende zieht sie uns noch alle drei mit sich in die allerunterste: Gott steh uns bei!« 18 Spricht Kado: »Ach, von dem ist keine Rede; aber das eigentlich etwas Fatale besteht nur darin, daß man ihrer nicht so bald wieder los werden kann, so sie einmal da ist.« – Spricht Robert: »Ja, so versuchen wir es zu verhindern, daß sie nicht her komme; denn mit so viel göttlicher Kraft und Gewalt werden wir ja etwa doch noch ausgerüstet sein!« – Spricht Kado: »Versucht es; aber ich meine, daß dies nichts nützen wird; denn sie wird gleich sagen, daß auch sie das vollste Recht habe, vor die Pforte des Gotteshauses zu kommen und da zu begehren den Einlaß. Ob sie hineigelassen wird, das ist freilich eine andere Frage. Aber an die Pforte zu kommen, kann ihr nicht gewehret werden. Lassen wir sie daher ganz ungehindert forwandeln, und tun nichts dergleichen, als ob wir sie bemerketen; wird sie sich dann etwa an uns machen, nun so werden wir ihr schon etwas zu erzählen wissen, was sie sicher nicht gerne hören wird. Nun aber dürfen wir gegen sie weder freundlich und noch weniger wie richterlich diktatorisch uns benehmen, sondern so ganz gleichgültig, was sie am wenigsten vertragen kann, da werden wir ihrer am ersten los werden. Denn ich glaube sie so ziemlich durch und durch zu kennen.« Kapitel 192 Kado und Minerva, Robert Uraniel und Helena vor der Pforte zum ewigen Lebenssaal. Eine derbe Szene vor dem großen Himmelstor zwischen Robert Uraniel, Helena und Santana 1 Spricht Robert: »Ganz gut, ganz gut, dein Rat ist bei Gott wahrlich sehr gut. Das sieht man aber gleich, daß du mein geliebtester Kado kein Europäer bist; denn diese sind samt mir keiner so evident klarest weisen Ansicht fähig; aber nun nur stille, denn sie kommt schon sehr eilig in unsere Nähe. Aber das herrliche Kleid hat sie noch an, und das Pseudoschwert aus Blech und Pappendeckel; auch von ihrer enormsten Schönheit scheint sie noch nichts eingebüßt zu haben. Wahrlich wahr, das muß man aber bekennen, was da ihre Gestalt anbetrifft, so kann man sich aber wohl unmöglich etwas Schöneres vorstellen. Sie ist wirklich unendlich schön und reizend. Man könnte beinahe die Behauptung aufstellen, daß es der lieben Gottheit gar nicht möglich sein solle, eine noch größere, gestaltliche Schönheit ins Dasein rufen zu können. Aber ich glaube, man darf auch ihre Gestalt nicht gar zu sehr rühmen; sie könnte dadurch denn doch noch eitler und stolzer werden, als sie ohnehin schon ist.« – Spricht Kado: »Ja, ja, überhaupt von und mit ihr nicht reden, sonst bringt man sie nicht leichtlich vom Halse.« 2 Spricht hinter dem Rücken des Kado schon die Minerva, sagend: »Richtig, du triffst den Nagel wohl immer auf den Kopf. O du Hascherl du; du wirst den anderen was lehren, wie sie meiner am ehesten los werden könnten; als ob ich mich etwa jemanden je schon aufgedrungen hätte. Dazu besitze ich wohl zu viel Ehre in mir und bin zu stolz, als daß ich solch kleinlichster Schmutzereien fähig wäre. Und du mein Freund Kado darfst dich schon gar nicht fürchten, meiner etwa schwer los zu werden! Denn weißt du, wir kennen uns schon so hübsch – lange. Solle ich dich etwa bei deinem wahren Namem nennen?« – 3 Spricht Kado: »Schweige, sonst sollst du von meiner dir schon bekannten Höflichkeit sogleich ein neues Pröbchen erfahren. Dort ist die verschlossene Pforte; versuche, ob dich wer hineinlassen wird; denn du gehörest etwa ja auch dort hinein, wo es sicher besser ist, als da außerhalb der verschlossenen Pforte.« – Spricht die Minerva: »Lecke mich, wo ich mich selbst nicht kann; ich tue, was ich will und nie was du willst. Verstehst du das?« 4 Spricht Kado: »O das verstehe ich ganz vollkommen; denn du bist eitel und stolz, und somit auch dumm zur Genüge; wie sollst du da wollen und tun können, was dir für ewig wahrhaftig frommen möchte? Im übrigen aber merke, daß du, seitdem dir das berühmte Schwert des großen Helden Kolofuntius Bratto, der damit ganz glücklich gegen die Gelsen gekämpft haben solle, eingehändigt wurde, an der Höflichkeit gar nicht zugenommen, sondern ganz bedeutend nur abgenommen hast; denn unsereinem, und das in der Gegenwart einer ganz allerliebsten, schönsten, zartesten und bestgeschmückten Himmelsdame, deinen Steiß, als für deine liebe Zunge den allerunzulänglichsten Teil, belecken zu heißen, das ist und bleibet, um gerade heraus zu sprechen – saugrob. Wenn so ein Wort aus dem Maule einer Sau gegrunzt werden würde, da ließe man sich's gefallen; denn von einer Sau läßt sich füglichermaßen wohl nichts besseres erwarten; aber so man, verstehe, so man solch eine höchst unästhetisch klingende A ....... Sentenz von einem so weich und schönst geformten Mund eines allerschönsten weiblichen Geistwesens zu vernehmen bekommt, so wird man wahrlich sehr sonderbar unangenehm berührt. So du mit uns noch etwas zu reden haben solltest, so bitte ich dich um ein wenig gewähltere und bessere Ausdrücke; denn so du schon mich nicht berücksichtigen willst, so berücksichtige unsere hier gegenwärtige allerzarteste wahre Himmelsdame.« 5 Spricht die Minerva: »Fahr' ab mit dieser Lerchenfelderin; das wäre eine rare Himmelsdame. Dieser Lerchenfelder Barrikadenschnepf, diese Sau aus allen Mistlachen, diese allergemeinste Proletariertrud; vor – vor der solle ich am Ende etwa noch gar einen Respekt haben? Ich, das erste Wesen in der ganzen Unendlichkeit! und die – das letzte aus dem allerlumpigst berühmten Lerchenfeld! Nun, nun! du hast einen hübschen Begriff von einer Himmelsdame, wenn du dieses echte Wiener Mistbrettl für eine, sage, Himmelsdame ansiehst. Gratuliere, gratuliere; du hast es in deinem Himmel mit deiner Weisheit wahrlich schon sehr weit gebracht.« 6 Hier unterbricht sie die vor Ärger nahe ganz glühend gewordene Helena, sagend: »Nun, du stolzes A....... eines auf der Simmeringer Sauheide krepierten Pfaffenesels, weißt etwa über mich noch was Schlechteres, du aus der ganzen Unendlichkeit zusammengedroschene Sau du! schau nur gleich, daß dir die ganze Unendlichkeit nicht zu eng wird. Nein, das gefällt mir; will dieses ewige Unendlichkeitsmistviech, dieses Hauptluder aus allen Fixsternen sich über mich hermachen. Na wart'! du bist schon über die Rechte gekommen; ich werde dir deine polierte Quadrateselshaut schon etwas runzliger klopfen, weil sie dich gar so juckt; glaubst du schönes Obers von der höllischen Rindsuppn, ich kenne dich etwa nicht? O da sei du ganz unbesorgt, du schmutzigstes Unterfutter von einer Liguorianerhose; schau, schau, das alte Jesuitenschnupftuch will mich eine Poletariertrud nennen. Jetzt schau nur, daß du bald weiter kommst, sonst zeig ich dir, wo die ewigen Zimmerleut‘ Gottes für dich's Loch gemacht haben.« – 7 Spricht Robert: »Aber ich bitte dich, du meine holdeste Helena, du mein herrlichstes von Gott Selbst in den Himmeln mir gegebenes Weib, ereifre dich nicht! Es wäre ja ewig schade für deinen herrlichsten, schönsten Mund. Schau', mit dieser Pseudo-Minerva richtet Gott Selbst nichts, was erst sollen wir mit ihr richten? Sie ist einmal so, wie sie ist; du weißt es ja, daß auf den Disteln keine Datteln und auf den Dornhecken keine Feigen wachsen; lasse sie daher reden, was sie will; denn in unsere Ohren dringt ihr Stimme wahrlich nicht und somit noch weniger in unsere Herzen!« 8 Sagt die Helena: »Ja, ja, das weiß ich wohl; aber das weiß ich auch, daß man dem Teufel 's Maul stopfen muß als ein ehrlicher Christ, wann er's z‘weit aufmacht. Schau, jetzt ist sie schön sauber still, weil sie sieht, daß sie nimmer gröber werden kann, als unsereins; nein, die solle aber auch nur einmal mehr sich mucksen, so will ich ihr ein echtes Lerchenfelder Liedl anstimmen, daß sie für alle Ewigkeit damit genug haben soll. Nein, dös Giftbratl vom heiligen Erzengel Michael soll mich dann erst kennen lernen. Wahrhaftig wahr, ich könnt' sogar unserm lieben Herrgott und Himmelsvater eine Grobheit um die andere in's G‘sicht sagen, wann er je diesem Leibstuhle Petri eine Gnad' erweisen möchte. Die ist ja schon lange für die Hölle zu schlecht; daher leiden's die andern Teufel auch gar nicht mehr unter ihnen. Hast es aber auch hierher berufen müssen.« 9 Spricht Kado zur vor Zorn ganz bebenden Minerva: »Nun, bist du mit deinem Grobheitslexikon schon am Ende, daß du auf die würdevollen Komplimente, die dir soeben von der lieben Lerchenfelderin zugekommen sind, keine gleichwürdige Erwiderung zuwege bringst? Mir scheint es, daß du eine Meisterin gefunden hast und bekennest nun durch dein Schweigen, daß die Lerchenfelderin recht habe.« – Spricht die Minerva: »Ich bitte dich, rede mir nur von dieser Galgenschnur nichts mehr; denn ich habe sie genossen.« 10 Unterbricht sie die Helena: »Schau nur, daß du weiter kommst, sonst setzt's noch Gelsen und spanische Mucken ab. Kennst du diesen Lerchenfelder Salat? (der Minerva die beiden Fäuste zeigend) Ich sag dir's, wann's nicht bald weiter gehst, so putz ich dir so einen kleinen Tagrebell über dein rotzig's Multi-G'friß ober (herab).« – Spricht Robert: »Aber ich bitte dich, Helena, um Gotteswillen, wir kommen ja anstatt in den reinen Himmel Gottes gar zum Schmierseppl nach Oberlerchenfeld; bedenke doch, wie als ein wahrer Gottesliebling du dem Herrn selbst an der heiligen Brust lagst und alle Gnade von ihm einsogst, und nun bist du, bis auf ein etwas besseres Deutsch, so ganz wieder eine vollendete Lerchenfelderin in optima forma. Schau, das mußt du ganz ablegen, sonst wird die Pforte noch lange nicht aufgehen!« 11 Spricht die Helena: »Nun, ich glaube, dir ist's etwa gar leid, daß ich dieser ewigen Mistsau ein paar Wahrheiten ins G‘sicht g‘sagt habe.« – Spricht Robert Uraniel: »Nein, meine allerliebste Helena, das sicher nicht; aber um deinen nun schon ganz himmlisch gewordenen Mund ist es mir leid, daß er nun wieder, nachdem er schon sogar schon mit Gott gesprochen, und mir manche recht herrliche Lehre in der Liebe gegeben hat, in das rein Oberlerchenfeldische übergehen solle; und das gerade hier, hier an der bedeutungsvollsten Gottesreichstüre zum wahren ewigen Leben.« – 12 Spricht die Helena: »Was! Mund hin, Mund her; die Wahrheit muß einmal heraus! daß sich die Wahrheit auch aus dem schönsten Munde eben nicht am besten ausnimmt, das ist schon was Altes, ob's nun oberlerchenfelderisch oder ob's sächsisch klingt. Aber wie kommt es denn, daß du die Wahrheit gerade aus meinem Munde als übelklingend darstellest, während du die Lüge aus dem ebenfalls sehr schönen Munde jener ewigen Teufelsgredl eben nicht als sehr häßlich gefunden zu haben scheinst. So es um meinen Mund denn dir schon leid ist, wenn er auf Oberlerchenfeldisch dieser ewigen Gottes-Gnadschnipferin und Barmherzigkeitschnipferin eine Wahrheitslektion gibt, wie sich's gehört; um wie viel mehr leid solle es dir dann erst um jenen holdesten Mund sein, über dessen Lippen wohl noch nie ein wahres Wort gekommen ist? Sage lieber ihr einige gute Rügen in's Gesicht und laß mich reden, so ich einmal im Zuge bin.« – 13 Spricht die Minerva: »Bist einmal fertig, du grobes, ungehobeltes Lerchenholz! Du hast die Höflichkeit sicher nie auf einer hohen Schule studieret; denn etwas Gröberes ist wahrlich durch meine Ohren noch nie gedrungen.« Unterbricht sie die Helena: »Nun, schau sie nur gleich, daß sie etwa kein Ohrengeschwür bekommt. Ist sie mir denn etwa gar so höflich gekommen? Ich soll etwa ihre Grobheiten nur gleich so recht von ganzem Herzen demütig einstecken, wie so ein frommes Jesuitenbeichtkind, wann es von seinem Herrn Gottesstellvertreter mit Höll' und Fegfeuer gefüttert wird; da warte du ein bißchen! Ich sag' es dir, wenn du mir nicht sogleich aus den Augen gehst, so wird es zwischen uns beiden noch einen ganzen Mordsspektakel absetzen. Darum sage ich dir nun ein für alle Male, daß du dich nun sogleich aus dem Staube machest, sonst möcht' dein schön‘s Gefriß bald ein anderes Aussehen bekommen.« 14 Sagt Kado: »Sei ruhig, Helena und du auch Freund Robert! Ich werde nun mit der Minerva ganz allein reden und mit ihr etwas sehr Wichtiges abzumachen versuchen. Vielleicht gelingt es mir, sie dem Herrn wieder um einen Schritt näher zu bringen. Aber ihr müsset euch unterdessen ganz ruhig verhalten.« – Spricht Robert Uraniel: »Ja, Bruder, tue das; ich wäre nun schon wahrlich sehr froh, so wir ihrer bald los werden könnten; denn es geht von ihr ein wahrer Zwietrachtssamen in die über, die ihr zu nahe kommen; ich glaube, so es ihr möglich wäre, in die Himmel Gottes zu kommen, da brächte sie in kürzester Zeit alle Engel durch- und untereinander. Ich wünsche dir aber auch zugleich sehr viel Glück zu deinem sicher höchst löblichen Vorhaben. Nur zweifle ich auch an dem geringsten Erfolg deiner vorhabenden Mühe; denn dies Wesen wird nur als genötigt guttun, aber als vollkommen frei nie, ewig nie! Darauf getraute ich beinahe meine ganze Seligkeit zu setzen.« 15 Spricht Kado: »Du dürftes zwar eben nicht ganz unrecht haben; aber meine Seligkeit getrauete ich dennoch nicht darauf zu setzen. Die Ewigkeit ist endlos lang, und in solcher endlosen Zeitenfolge und Zustandsfolge könnte denn doch noch so manches geschehen, von dem bis jetzt noch keinem Geiste etwas durch seinen Sinn gefahren ist. Daher nehmen wir alles als möglich an, was nicht mit der göttlichen Ordnung im handgreiflichst grellsten Widerspruche steht. Aber etwas daran auszusetzen, ob dies oder jenes irgendwann möglich oder unmöglich sein dürfte, wäre unweise und hieße so viel, als in die göttliche Weisheit selbst einen Zweifel setzen. Bei Gott sind alle Dinge möglich, warum auch nicht die volle Umkehr Satans?« Kapitel 193 Eine indische Weisheit über Satan. Mahnung zur Geduld 1 Kado: »Sieh', ich habe einmal ein Buch alter indischer Weisheit gelesen und fand eine sehr denkwürdige Stelle, die ungefähr also lautete: 2 Im urewigen Sein war nur Gott allein, und die Unendlichkeit und Ewigkeit war Er Selbst, im klarsten Schauen Seiner Selbst. Seiner Gedanken und Ideen war kein Ende; aber wie sich kreuzen an einem schwülen Abende zahllose Scharen von allerlei Efimeriden in einer losesten Freiheit, ohne irgend eine wahrnehmende Ordnung, also stiegen auch die Gedanken und Ideen in der Gottheit auf und ab und hin und her, aber der endlose Raum war noch ganz wesenleer; nur Ihre großen Gedanken sah die endlose Gottheit allein in Ihr in gänzlich ungezwungenster Freiheit große Bewegungen machen. Aber der Gottheit bedünkete es, und Sie schied die Ideen von den Gedanken, und das war ein erstes Ordnen in der Gottheit Selbst. Die Ideen stellte Sie nach und nach fest; nur den Gedanken ließ Sie den freien Lauf. – 3 Als aber fester und fester gestellet waren die Ideen, da zeigte es sich, daß sie nicht völlig lauter waren; da beschloß die Gottheit, Ihre Ideen Selbst zu läutern, und schied dann das Lautere von dem Unlautern; als dieses da ward vollkommen bewerkstelliget, so stellte die Gottheit all das Unlautere wie außer Sich, festete es durch Ihr allmächtig Wollen und belebte es durch den Geist Ihrer freiesten Gedanken. 4 Und es ging da hervor ein großer Geist, voll Unlauterkeit, zur Läuterung durch sieben andere Geister, die die Gottheit aus Ihren lautern Ideen in's Dasein rief, durch den freiesten Geist Ihrer Gedanken. – – 5 Und siehe du, Bruder Robert, hier vor uns stehet eben dieser erste große Unlauterkeitsgeist, an dessen Läuterung noch immer gearbeitet wird; daher müssen wir aber auch nicht sogleich zweiflig werden, so etwas eine längere Zeit braucht, als so manches andere. – Dieser Geist ist wohl ganz richtig das Unlauterste, was du dir nur immer vorstellen kannst, aber zu seiner Zeit einer totalen Läuterung eben nicht unfähig. Wir dürfen aber darum nicht ungeduldig werden, weil wir leichter zu läutern waren, als dieser Geist; denn ein kleines Plätzchen kann doch offenbar eher und leichter gefegt werden, als etwa der Boden einer ganzen Welt; dieser Geist aber ist in sich der Totalausdruck der ganzen Schöpfung, während die ganze Erde samt allen ihren Wesen nur kaum als ein Atom seines eigentlichen Wesens anzusehen ist; daß dann ein einzigstes Geistlein, wie du einer bist, leichter und eher zu läutern ist, als dieser allergrößte, geschaffene Urgeist, als der Totalbegriff aller Schöpfung, das wirst du hoffentlich ebensogut einsehen, als wie ich; aber weil zur Läuterung einer solchen Größe etwas mehr erfordert wird, als so sich jemand sein Gesicht wäscht, allenfalls in einer Minute Zeit und mit einer Faust voll Wassers, so muß man aber auch diese Sache Gottes recht wohl bedenken, und sich in aller Geduld in die Anordnungen Gottes fügen. Aber einem Wesen die Möglichkeit des Reinwerdens abzusprechen, das wäre etwas sehr Gewagtes und zugleich etwas sehr Kleinliches, so man die großen Naturen und Verhältnisse aus Gott nach seinem allerkleinsten und winzigsten Maße und Verhältnisse beurteilen würde. Also, lieber Freund, das berücksichtige ein wenig und du wirst dich dann in meine Mühen leichter fügen. – Und nun zur Minerva!« Kapitel 194 Kado und Minerva. Gleichnis von der Geduld Gottes, der Riesendiamant und das Kanarienvögelchen. Satanische Weisheit der Minerva; ihr Gleichnis vom Töpfer. Kados göttliche Weisheit Am 21. Mai 1850 1 Hier wendet sich Kado zur Minerva und sagt: »Wie lange noch Satana, wirst du mißbrauchen unsere Geduld? Willst du selbst denn gar nichts tun außer Arges und Böses nur? Siehe, so die allmächtige und allgütige Gottheit erschaffen hätte einen Diamanten so groß, daß ein Blitzstrahl von einem Pole bis zum anderen eine Zeit von einer Million von Erdjahren bedürfte, um solch eine weite Strecke zu durchfliehen; und erschaffete hierzu aber auch ein kleinstes Kolibrivögelein und bestimmte, daß dies Vöglein alle tausend Erdjahre einmal zu dieser Diamantkugel hinzuflöge und stieße nur einmal mit seinem Schnabel an sie, so hätte das Vöglein der Kugel schon lange einen Garaus gemacht, indem es durch das überoftmalige Berühren die obgleich unnennbare harte Materie derselben mittelst des Schnäbelchens längst bis zum letzten Atom abgenutzt hätte. An dich wurden schon tausend solche Zeitenläufe verwendet und noch bist du ganz dieselbe, die du warest im Anfange und Beginn aller Zeiten der Zeiten. Kein Geist kann es fassen, welche Geduld dir die Gottheit stets erwies und welche Wege eingeschlagen wurden, um dich lauter zu zeihen; aber bisher – hm – ungeheuer undankbar, bisher vergebens. Ich meine, es wäre nun wohl schon einmal an der Zeit, daß du dein ganzes Wesen in jene Ordnung brächtest, die dir von Gott schon von Ewigkeit her getreust und sichtlichst vorgezeichnet ist.« 2 Spricht die Satana-Minerva: »Und was tat ich denn je, das da gewesen wäre wider deine Gottesordnung? Du sprichst fortwährend von einer gewissen Gottesordnung und scheinst im Grunde es selbst auch nicht einmal zu ahnen, was die eigentliche Gottesordnung ist und worin sie besteht. Wenn ich, als der ausgeschiedene unlautere Teil, den fortwährenden Gegensatz zu dem reinen Teile der Gottheit darstelle, und das unverrückt, so wie die Gottheit Selbst unverrückt in ihrer göttlichen Reinheit verbleibet, ist dann das etwas anderes, als eben die Gottesordnung selbst in ihrer Totalumfassung? Und was tue ich denn, das man vor Gott als Unrecht, also als etwas Arges und Böses bezeichnen könnte? – Es ist wahr, ich versuchte stets die Menschheit, ob sie in ihrer Tugend für Gott und Seine Liebe feuerprobehältig sei oder nicht. War sie es, nun so hatte meine Versuchung ohnehin für alle Ewigkeit ein Ende; und war sie es nicht, so ward ihr durch meine Versuchung nichts als eine neue Gelegenheit gegeben, sich in der wahren Tugend zu festigen und feuerprobehältig zu machen. 3 Den Stolzen machte ich noch stolzer, auf daß er durch dieses Laster am Ende in ihm selbst gedemütigt werde; denn nichts heilt dieses Laster besser, als eben die Überschwenglichkeit dieses Lasters selbst, wenn nicht schon auf der materiellen Probewelt, so doch sicher hier, früher oder später, was ein gewisser Kado an sich selbst mag erlebet haben. Also mache ich auch die sinnlichen Gäulböcke noch sinnlicher und gäuler, als sie vom Anfange her sind, und das solange, bis sie sich in eben diesem Laster bis in ihre letzte Lebensfiber selbst gefangen haben, und ihnen eben dieses Laster zur größten Qual und Pein wird, als wann sie dann erst aus höchst eigenem Antriebe diesem Laster den Rücken kehren und den Weg der Keuschheit zu betreten und fortzuwandeln anfangen. Schon auf der Materienwelt habe ich durch gewisse körperliche Krankheiten diesem Laster Grenzen gesetzt, und helfen diese nicht, so habe ich hier schon noch viel stärkere Mittel, den Seelen dieses Lasters am Ende so verächtlich als nur immer möglich zu machen. 4 Und wie ich's mache mit den beiden hier angeführten Lastern, also mache ich es mit jedem Laster. Ich bin ein scheinbarer Beförderer des Lasters, das ist wahr; ich fühle jedem Hiob auf den Zahn; aber nie noch ist von mir aus ein Laster belohnt worden, außer der Lasterhafte war noch zu wenig lasterhaft, um das Laster zu verabscheuen; da freilich wohl mußte ich durch allerlei Lockungen den Lasterhaften noch lasterhafter zu machen streben, um ihn auf den Kulminationspunkt des Lasters zu heben, wo er dann erst das Laster als solches erkennen mußte, es dann verabscheuen und für ewig Abschied nehmen von selbem. Ich und die Gottheit verfolgen ja stets das gleiche Ziel, nämlich die Reinigung der geschaffenen Seelen, damit sie tauglich würden, zu tragen den ungeschaffenen, reinsten und mächtigsten Geist aus Gott. 5 Gott ist der Töpfer, ich aber bin das Feuer; wie aber kein Topf zu gebrauchen ist zum Kochen beim Feuer, der nicht eher im Feuer selbst gefestet worden wäre, also ist auch keine Seele fähig, eher das Feuer der göttlichen Liebe zu ertragen, als bis sie nicht durch mein Feuer gefestet und als feuerbeständig gemacht ward. So ich aber das tue, was ich tun muß, wie kannst du je es nur zu sagen wagen, daß ich nicht nach der Ordnung Gottes, der ich, wie alle Dinge, ewig unterstehe, lebe und handle? Ja, so du mir je nachweisen kannst, daß ich das Laster belohnt habe, dann hast du recht; so ich aber des Lasters größte und unerbitterlichste Züchtigerin bin, da ist deine Rede blind und schabet an der Rinde nur, da sie nie des Kernes ansichtig werden kann. 6 Oder kannst du dir eine Tätigkeit denken aus purer positiver Bewegung; muß nicht ein Fuß unterdessen ruhen, also eine negative Bewegung machen, damit in der Zeit der andere Fuß die frei positive Bewegung machen kann? Ein Fuß muß also stets eine Sünde gegen die Bewegung machen, damit eben aus der Sünde gegen die Bewegung, und aus der Bewegung des je einen Fußes eine vollkommene Bewegung wird. Müssen nicht gewisse Punkte und Stellen sich im Zustande der Ruhe, also im Zustande der Sünde gegen die Bewegung sich befinden, damit sie von dem Wanderer erreicht werden können? Muß es nicht eine Nacht geben, damit der Sehende und Lichtverwandte das Licht schätzen und heiligen lernt? Muß es nicht wenigstens einen scheinbaren Tod geben, auf daß durch ihn das Leben verherrlicht wird; und was wäre denn die Seligkeit für den Geist, dem das Gefühl möglicher Unseligkeit nicht innerwohnete? So es keinen Schmerz gäbe, wie sähe es da mit dem Wohltun der Gesundheit aus? Und gäbe es wenigstens kein scheinbares Böse, wie sehe es dann mit dem Guten aus? Siehe, alles muß seinen Gegensatz haben, damit es sei; und so ich der Grund alles Gegensatzes bin, wie bin ich dann wider die Ordnung Gottes?« 7 Spricht Kado: »Meine liebe Minerva oder was anderes! so du auf einer Universitätskanzel auf der Erde und zwar entweder in Freiburg oder Jena, Stuttgart oder Berlin, eine solche salbungsvolle Rede über die Gottesordnung deines satanischen Wesens gehalten hättest, wahrlich, du hättest bei diesen gelehrten Gremien ein nicht unbedeutendes Aufsehen erregt, ob sie dir schon mit der Bemerkung entgegengekommen wären: daß sie es schon wissen, daß ein Topf eher gebrannt werden müsse, bevor er zum Kochen tauglich sei, wie auch: daß man beim Gehen stets einen Fuß um den anderen aufheben muß, um weiter zu kommen; aber daß du durch deine gegenwärtige Rede mich zu einer guten Überzeugung über dein Wesen hast zu bringen vermeint, da hast du einen äußerst lächerlich starken Fehlschuß gemacht. Denn für's erste zeigtest du, daß du dich selbst noch nie erkannt hast und daher auch gar nicht wissen kannst, wie du beschaffen bist und welche Richtung du dir selbst nach der Gottesordnung geben sollest. Und für's zweite kennest du mich gar nicht, nicht einmal dem Namen nach, daß du solch dummes Zeug vor mir dich auszusprechen getrauest.« – 8 Unterbricht ihn die Minerva: »Du heißest Kado!« – Spricht Kado weiter: »Ja, so heißet mein Rock, den Ich nun anhabe; aber Ich selbst heiße anders! Sage, wie kann es dir je beifallen, daß Gott die Seele durch Laster bessern werde!? oder zulassen, daß sie durch Anhäufung von Lastern auf Laster rein, stark und edel werde, und kräftig zur Tragung Seines Geistes? Siehe, um dir kurz deine Narrheit zu zeigen, so sage Ich dir bloß und frage dich: Ob ein Kleid dadurch besser und vollkommener wird; wenn man Tag für Tag, irdisch genommen, einen neuen Riß in dasselbe macht? oder ob ein weißes Tuch, das ohnehin schon einige Flecken hat, dadurch rein und weiß wird, so man statt es im reinen Wasser zu waschen, nur stets fort frische ganz kohlraben und pechschwarze Flecke hinein macht? oder wird ein schadhaftes Haus dadurch wieder fest und bewohnbar werden, so man statt es mit neuem guten Materiale zu unterstützen und auszubessern, von dem alten ohnehin morschen Materiale stets mehr wegreißt und zerstöret und dadurch die Schadhaftigkeit des Hauses stets mehr und mehr vergrößert? oder wird eine ohnehin schon sehr verstimmte Harfe dadurch reiner klingen, so man statt sie rein zu stimmen, sie nur stets mehr verstimmt, und ihr zu dem noch eine Saite um die andere wegnimmt und zerstört? Wird es lichter in einem Gemache, so man ein Fenster um's andere verstopfet, und ein im Gemache allenfalls noch mattglimmendes Lämpchen auch noch dazu ganz auslöscht? Werden aus einer Schule, in der nichts als huren, fluchen, stehlen, rauben, plündern und morden gelehrt wird, wohl am Ende reine, zarte, sanfte, ehrliche, gute, liebe und moralisch gebildete Menschen hervorgehen? Und wird es mit einem Kranken besser werden, so man ihm durch schädliche und giftige Arzeneien, und durch Schläge und gewaltige andere Züchtigungen zu Hilfe kommen wird? Oder wird ein Bettler reicher, so man ihm noch das wenige, das er sich mühsam erbettelte, wegnehmen wird, anstatt ihm etwas zu geben? 9 O sieh, du Dümmste und Blindeste! zehntausend Beispiele könnte ich dir anführen, wo eines genügt, den krassesten Unsinn deiner Rede mehr denn handgreiflich darzustellen; aber es genügen die wenigen, aus denen du hoffentlich denn doch ersehen mußt, welches dümmsten Geistes deine Rede und quasi Lehre an mich war. Was wolltest du damit beweisen, etwa deine Unschuld? Weil du kein Laster je belohnt hättest! O Unsinn allen Unsinnes! Sage mir, wie möglich könnte man denn den Toten einen Lohn geben? Wie kannst du einen Stein belohnen für einen allfälligen Schweredienst, den er dir, unbewußt irgend einer Eigenschaft und Kraft in ihm, bloß durch seine natürliche in ihm hart gerichtete Schwere geleistet hat? oder welchen Lohn kannst du einem gebratenen Vogel darum geben, daß er sich von dir hat fangen, töten, braten und fressen lassen? O du Unsinnigste aller Unsinnigsten! 10 In solcher Weise also willst du dennoch behaupten, daß du ganz der göttlichen Ordnung gemäß handelst! Und von dir selbst sagen: du! und Gott verfolgen stets eins und dasselbe Ziel! O du Allerelendeste! Gott willst du dich gleichstellen, ja dich Ihm sogar voranstellen, als wärest du nahe vorzüglicher denn Er !! Siehe, meine Liebe, das ist etwas zu arg; das kann für fernerhin nimmer geduldet werden! Daher wird von nun an deine Scheinfreiheit selbst wieder sehr bedeutend eng gestellet werden; denn du hast dich nun an den Rechten Gottes stark vergriffen und vergreifest dich blind auf der Erde mit deinen Baalsdienern, die im Golde und Silber Gott zu dienen vorgeben, und hast dich an den Rechten der Könige und ihrer Völker vergriffen, und darum werden sie dir bald ein vollstes Garaus machen, und dir wird nichts übrig bleiben, als mit einigen wenigen Schweinen der Könige und Fürsten, welche Schweine da sind jene blinden Anhänger deiner Götzenlehre, die du durch deine Reliquien- und Wundermärchen-Moral dazu gezogen und herbeigebracht hast, die bekannten Treber zu fressen. Hebe dich aber nun von dannen; denn deine Gegenwart ist mir zum Ekel geworden.« Kapitel 195 Kado und Minerva, eine derbste Kraftszene zwischen Helena und Minerva. Vom biblischen Grund der Könige. Eine eindrigliche Belehrung und Mahnung an die Minerva-Satana, danach geht sie weg Am 24. Mai 1850 1 Spricht die Minerva, sich vom Kado abwendend und wie schon im sich entfernen begriffen: »Ich werde gehen, so ich es selbst werde wollen; aber gebieten lasse ich mir's von niemanden, weder von Gott noch von jemand anderen, der da wähnt, als habe er über mich irgend eine Gewalt! Verstanden Herr Kado? Ich bin auch eine erste Majestät der ganzen Unendlichkeit und alle Wesen müssen erbeben, so ich mein Haupt und meinen Arm erhebe. Verstanden, Herr Kado? Ich werde mit euch nun in einem ganz anderen Tone zu reden beginnen; denn meine Macht und meine nie besiegbare Kraft erteilen mir dazu das unbestreitbarste Recht; wo aber ist der, der es mir nehmen könnte? Ich allein bin ein Herr; alles andere ist unter meiner gouvernementalen (regierungsfreundlichen) Knechtschaft von Ewigkeit her gewesen!« 2 Unterbricht sie Helena sagend: »Meine lieben Freunde und Brüder! Jetzt halt' ich es aber nimmer aus! Nein, was diese Ewigkeitssau sich alles zu sein einbildet, das ist ja der ganzen Unendlichkeit ungleich! Jetzt will sie sogar mehr als Gott der Herr selber sein! Na, das ginge unsereinem noch ab! O du Mistsau du, höllische du! jetzt schau, daß d' weiter kömmst, sonst werden meine Mandelbäume für dich bald zu blühen anfangen; o du Mistsau du!« – Spricht die Minerva: »Schweige, du Lerchenfelder Jauchenkrott, sonst vernichte ich dich!« – Die Helena förmlich wachsend vor Ärger, spricht darauf sehr laut: »Waaaaaas sagst du, unterhöllisches Zündhölzl! du wunderbare Kasernen-Scheißhauslaterne, du ewige Parfümbüchse aus allen Schmutzwinkeln der ganzen Welt, du dürrster Ast am Baume der Erkenntnis, du alte Badewanne für alle venerischen Arschlöcher, du übergrausliches Schwein du, du willst mich vernichten! Na warte du grausliche, aller höllischen Misthaufen stinkendste Unterlag! Nicht genug, daß sie ohnehin mehr sein will, als alle Menschen und Engel Gottes; nicht genug, daß sie mehr sein will als Gott selbst; nein, das ist dem Satan aller Satane noch viel zu wenig. Er oder sie, was immer ein und derselbe Satan ist, will auch dazu noch alles vernichten, mich auch und euch beide sicher auch. O ganz natürlich, was solle denn so einer allmächtigen Sau nicht alles möglich sein?« 4 Spricht vor Wut ganz bebend die Minerva: »Nein, das ist zu stark! Gott, wie kannst du es je zulassen, daß Dein urerstes vollkommenstes Geschöpf von einem Dreckwurme so gräßlich verlästert wird? Stopfe diesem ekelhaftesten Wurme das Maul, sonst muß ich mich an ihm vergreifen!« 5 Bemerkt die Helena zum Robert: »Aha, läßt schon ein wenig mit sich handeln, die Mistsau! Jetzt ruft sie schon den lieben Herrgott an; aber der wird ihr was pfeifen!« – Hier tritt die Minerva ganz von Wut entbrannt zur Helena hin und sagt mit einer gellenden Schreistimme: »Wenn du nur noch ein Wort redest, so vergreife ich mich an dir, so wahr ein Gott lebt.« 6 Die Helena aber springt hier vor Ärger auf und gibt der Minerva eine derartige wohlgezielte Maulschelle, daß die Minerva niedersinkt und einige Schritte von der Helena hinweg purzelt und da eine Weile ganz erschöpft liegen bleibt. – Die Helena aber, ganz erfreut über ihr gelungenes Zuchtwerk an der Minerva, sagt nach der wohlgeführten Maulschelle: »Da hast du stolzer Wanzenduft aus der Hölle so ein kleines Vorspiel; wann's aber beliebt, so kann's Hauptspiel schon nachfolgen.« – 7 Spricht die Minerva, sich vom Boden erhebend und ihr Gesicht abwischend: »Habe hinreichend genug, um mir den gediegensten Begriff von der Humanität und zartesten Liebenswürdigkeit der lieben Kindlein des Herrn Himmels und aller Erden zu machen. Besonders schön aber ist das von dir Kado, der du mich auf dem bewußten Hügel dort nahe vor lauter Liebe gefressen hättest, daß du mich hier sogleich mir und dir nichts ohrfeigen läßt, als wäre ich irgend auf der Erde noch ein allerletztstes Kuhmensch, um recht gemein zu reden. Es bleibt dir aber angemerkt, verstehe!« 8 Spricht Kado: »Ist dir sehr recht geschehen; warum bist du nicht gegangen, als ich dich zu gehen beheißen habe?« – Spricht die Minerva: »Aber, habe ich denn von Gott deshalb den freiesten Willen empfangen, um ihn für ewig in des Gehorsams engste Zwangsjacke einzupferchen? Hätte es der Schöpfer gewollt, daß ich gehorchen solle, so hätte Er mich doch sicher auch gleich wie dich mit einem gehorsamen Willen begabt; aber da Er das sicher nicht wollte, da bin ich denn auch wie ich bin, nämlich meines eigensten und niemanden gehorchen könnenden allerfreiesten Willens; siehe, so Gott alle Wesen und alle Geister gleich mit einem gehorchenden Willen begabt hätte, wer würde dann den blinden Völkern auf der Erde einen regierenden Kaiser, König, Herzog und Fürsten abgeben können? Denn das wirst du doch wissen, daß auf der Erde die Kaiser, Könige und Herzöge und Fürsten niemanden zu gehorchen pflegen (?!) außer einem guten Rate zu ihren Gunsten.« – 9 Sagt Kado: »O ja, das weiß ich! Darum sprach aber Jehova durch den Mund Samuels zu den Kindern Israels: Zu allen Sünden, die dies Volk vor Meinen Augen schon begangen hat, tut es nun auch diese größte hinzu, daß es gleich den Heiden von Mir einen König verlangt. Ja, es solle einen haben, auf daß er es züchtige und führe in die Gefangenschaft. Siehe, so lautet das Gotteszeugnis über die Könige. – Wie kannst du daraus wohl schließen, daß die gegenwärtigen wie vorgewesenen Regenten aus dem Willen Gottes hervorgegangen sind? Ich sage dir: Die Regenten aller Zeiten, auch die besten, sind nicht aus dem Willen Gottes, sondern lediglich aus dem Willen der Völker der Erde hervorgegangen und bestehen noch gegenwärtig also. Würde ein Volk irgend zu der Erkenntnis kommen, daß es Gott in aller Wahrheit zum ewigen Regenten über sich setzete, so würde Gott solch ein Volk auch sogleich von dieser Zuchtrute frei machen und es Selbst leiten durch Seine Engel in Menschengestalt; aber so die Völker nur um das Gegenteil, also um eine beständige Erhaltung solcher Zuchtrute zu Gott flehen, so müssen sie sich aber auch alle die Schläge gefallen lassen, die ihnen ohne alle Schonung von dieser Rute zugefügt werden. 10 Dein Beispiel also fällt ins Blaue, mittelst dem du deinen Ungehorsam beschönigen wolltest; denn alle die Regenten, mögen sie gut oder böse sein, gehen nicht aus dem Willen Gottes, sondern aus dem Willen und Hochmute der Menschen hervor, die da groß und mächtig sein wollen, durch den Glanz ihres Königs. Aber weil die dummen Menschen lieber einen Menschen über sich gesetzt haben, als Gott, den Herrn aller unendlichen und ewigen Herrlichkeiten der Herrlichkeiten, so verleiht Gott diesem Menschen auch nach der Beschaffenheit der ihm untergebenen Menschen jene diktatorische Gewalt, mit der er sie, die Untergebenen, so ganz nach seinem Willen leiten und züchtigen kann, so sie irgend seine Gesetze nicht beachten; und diese Gewalt ist dann auch von oben und der König muß sie üben, weil er von oben so gerichtet wird; denn es stehet geschrieben: In seinem Zorne gab Gott den Juden einen König. Der Zorn ist aber keine Liebe, die alles frei macht, sondern ein Gericht, das da alles bindet und nötigt. Glaube du ja nicht, daß da ein König wollen kann, was er frei will, sondern glaube, daß ein König wollen muß, wozu ihn der Gotteszorn nötigt; hat ein König auch keinem Menschen zu gehorchen, so muß er aber doch Gott wissentlich oder unwissentlich gehorchen. Aber so er Liebe übt für Recht, so wird Gott Seinen Zorn im gewalthabenden Könige auch sänftigen und in Liebe umwandeln. Verstehst du solches? 11 So du mich verstehest, so werde sanft! und übe Liebe! so wird Gott dich ansehen, und sanfter und sanfter zeihen dein Herz; und ein sanftes Herz wird dich in alle Zukunft bewahren vor einer Mißhandlung, so wie auch sanfte Könige von ihren Völkern am wenigsten zu befürchten haben, so ihre Handlungen im übrigen den Gesetzen nach gerecht sind und keine Blößen haben. Gehe und werde also! so wirst du Ruhe haben und wirst geachtet sein; denn die wahre Achtung wird nur aus der Liebe gezeiht, wie auch jede Freiheit. Der aber ihm eine Achtung erzwingen will, dem wird sie nimmer in der Wahrheit, sondern nur zum Scheine aus Furcht Achtung erweisen; und diese Achtung ist keine Achtung, sondern nur ein Fluch, und zwar derselbe Fluch, der seit deinem Beginne dein Anteil ist. Fasse solches und gehe und ändere dich!« 12 Spricht die Minerva: »Ja, ja, ich gehe und werde mich bestreben, mich wo möglich zu ändern.« – Hier kehret sie den dreien den Rücken zu und geht von dannen, und verliert sich bald aus dem Gesichtskreise der Helena und des Robert, aber nicht auch aus dem des Kado. 13 Als aber die Helena nun von der Minerva nichts mehr ersieht, sagt sie: »Gott dem Herrn allein das Lob, Der mir in eurer Mitte den Mut gegeben hat, daß ich dieser ersten Feindin alles Lebens die Courage habe abgewinnen können. Ich meine, von nun an dürften wir vor ihr endlich einmal wohl Ruhe haben?« – »O ja«, spricht Kado, »wir wohl; aber auf der Erde wird sie noch viel Unheil stiften; aber dann wird sie mehr und mehr in sich gehen durch gewaltige Züchtigungen und Demütigungen. – Aber nun fragt es sich, was wir nun beginnen werden. Denn sehet, die Pforte hat sich noch nicht geöffnet; was werden wir nun tun?« Kapitel 196 Die Prüfung vor der Himmelspforte. Robert Uraniels und Helenas Ärger und Kados Weisheit. Robert Uraniel erkennt nun wie das große Tor leicht aufzumachen ist Am 26. Mai 1850 1 Spricht Robert: »Ja, mein geliebtester Freund! da steht mein Verstand noch immer wie ein Paar junger Ochsen am Berge! Wer sich da auskennt, der muß von weiter her sein als ich. Wenn der Herr gesagt hätte: Dort vor jener Pforte, die in das vierte und größte Gemach deines Hauses führt, harret Meiner, bis Ich nachkomme, und euch öffne das Tor des Lebens! da wäre dieser Wartezustand ein natürlich erträglicher und man könnte sich ein längeres Harren wohl ganz begreiflichermaßen gefallen lassen; aber so sprach der Herr doch ausdrücklich schon von einer offenen Türe und daß ich mit der Helena nur alsogleich voraus eilen solle, und gewisserart mich darinnen umsehen, und für die Aufnahme und für den Empfang der Nachkommenden da sein solle, wie ich es wenigsten aus Seiner klaren Rede entnommen, und hauptsächlich aber sagte Er ausdücklich von der hier nötigen Eile wegen großwichtiger Dinge, die uns da erwarten, und von uns zu versehen und abzumachen seien. – 2 Wir eilten nach aller Möglichkeit hierher voran, um den Willen des Herrn ja pünktlich nachzukommen. Wir kamen, fanden die Pforte aber unaufmachbar und stehen nun schon eine allergeraumste Weile vor der verschlossenen. Frage: Was ist das? was heißt das? und warum denn das also? Wie gesagt: Wer sich da auskennt, der muß von sehr viel weiter irgend woher sein als ich. Das ist denn doch wahrlich etwas zu stark! Ich lasse mir wohl auf der Erde von dummen und aberwitzigen Menschen eine Erste-Aprilsendung gefallen; aber hier im Reiche reiner Geister, und namentlich vom Herrn Selbst sieht diese für meine Erkenntnis, wie es ist, als barste Fopperei doch etwas sonderbar aus. Aber: ultra posse nemo tenetur (von niemand kann man etwas übers Vermögen verlangen). 3 Wir erfüllten bisher, soweit unsere Kräfte genügten, des Herrn Willen doch sicher vollkommen. Es geht nun nicht mehr weiter und so bleiben wir denn auch hier stehen. Versorgt scheinen wir gerade mit allem zu sein, was uns not tut; um's vierte Gemach aber werde ich mich von nun an sehr wenig zu kümmern anfangen. – Freilich heißt es, daß das Himmelreich Gewalt leide und daß man es mit Gewalt an sich reißen muß, um es zu besitzen; aber kann man dem Himmelreiche wohl eine größere Gewalt antun, als sie einem zu Gebote steht? Ich meine: das wäre ein Kunst aller Künste. Wir haben einmal unser Möglichstes geleistet und es ging nicht; nun solle sich jemand anderer daran machen und sein Glück versuchen.« – 4 Spricht die Helena: »Schau! aber gerade dieser Meinung bin ich auch, was einmal durchaus nicht gehen will, davon wende man sich ab und lasse es stehen.« 5 Spricht Kado: »Meine Lieben! ihr räsoniert zwar recht, wie man sagt, vernünftig; aber demungeachtet kann ich mich eurer Meinung nicht anschließen, da ich an der Möglichkeit nicht zweifle, daß diese Pforte eröffnet werden könnte. Haben wir denn schon alles versucht? Ich sage: Nein, das haben wir wahrlich nicht! Und so am Ende die Pforte doch offen wäre und ihr sie nur darum nicht hättet eröffnen können, weil ihr höchst wahrscheinlich, wie es mir nun bei genauerer Betrachtung dieser Pforte ganz klar wird, sie umgekehrt zu eröffnen euch bestrebtet! 6 Ihr habt die Pforte nach öfterer Umdrehung des goldenen Schlüssels wohl mit aller Kraft hineindrückend öffnen wollen und ich selbst half euch, nach eurem Wollen und Erkennen und Begehren; denn ihr wisset, daß hier jede Hilfe sich danach zu richten hat, wie der, dem sie werden solle, sie geleistet zu haben wünscht, indem das die Ordnung der Himmel bedingt; aber ich sehe den Irrtum recht gut ein, konnte ihn aber auch nicht eher aufdecken, als bis ihr nicht selbst durch ein gewisses Suchen, Bitten und Anklopfen dahinter gekommen sein dürftet. Ich habe euch zwar wohl auf diesen evangelischen Rat aufmerksam gemacht; aber ihr habt ihn nicht befolget und so habt ihr auch die Entdeckung nicht machen können, daß diese Pforte nicht nach innen hinein, sondern nur nach außen heraus aufzumachen ist und das aus dem ganz natürlichen Grunde, weil die Pforte auch das Himmelreich im kleinsten Maßstabe vorstellet, das man mit Gewalt an sich reißen; nicht aber von sich hinwegschieben darf. Es ist aber ja natürlich schon so, daß, so man etwas haben will, man dasselbe zu sich nehmen und gewisserart an sich ziehen muß, nicht aber von sich hinwegschieben. 7 In den Himmeln ist einmal in allem und jedem, vom Kleinsten bis zum Größten dieselbe feste, unwandelbare Ordnung, der nirgends und sei es in noch so was Unbedeutendem, wie es nur irgend etwas Unbedeutendes geben kann, dawider gehandelt werden darf; und so ist es auch beim Toraufmachen. Ihr habt dieser Ordnung dawider gehandelt und habt daher nichts ausgerichtet. Versuchet es nun, im Namen des Herrn ordnungsgemäß mit der Eröffnung dieser Pforte vorzugehen und ihr werdet das sicher erreichen, was ihr schon lange hättet erreichen können.« – 8 Spricht Robert Uraniel: »Aber liebster Freund, ich begreife nun meinen gewaltigsten Irrtum; aber etwas anderes begreife ich nicht, und das bist du, liebster Freund, selbst! Woher du solche Weisheit nimmst, vor der ich mit der meinen nun schon zu einer Blattmilbe herabsinke; ich sage: eine Weisheit, vor der sogar der tiefweiseste Cherub einen allergrößten Respekt haben müßte, so er sie hier an meiner Seite vernähme. Wahrlich, das ist mir ein Rätsel der Rätsel! – So der Herr hier wäre, so könnte Er mich unmöglich weiser belehren, als wie du mich nun belehret hast; wahrlich, das ist mir ein Rätsel der Rätsel!« – 9 Spricht auch die Helena hinzu: »Ja, ja, das ist wahr, wie der Freund Kado weise ist, das ist wahrlich allen Himmeln ungleich. Er muß es aber auch sein, sonst hätte der Teufel keinen solchen Respekt vor ihm. O das hat der Freund schon auf jenem Hügel bewiesen, wo er dem Teufel der Teufel ganz kurios die Courage abgekauft hat. Wenn ich auch gerade nicht, wie der Miklosch, immer hingesehen habe, so habe ich aber dennoch alles gesehen, was dort vorgegangen ist; und darum habe ich aber auch einen besonders großen Respekt vor dem Kado.« – 10 Spricht Kado: »Aber meine liebe Freundin! weißt du denn nicht, daß Kado eigentlich selbst ein Teufel war? – und daß sonach auf dem bewußten Hügel des Nordens ein Teufel dem anderen in den Haaren lag?« – Spricht die Helena: »Wenn Kado jemals ein Teufel war, so war ich sicher desgleichen zehnfach; aber Kado war nie ein Teufel im Ernste, sondern vielleicht bloß nur erscheinlich, um dem anderen wahren Teufel desto mehr opponieren zu können; und das ist auch eine große Weisheit, die einem wahren Teufel darum unmöglich ist, weil in ihm keine Liebe wohnet.« 11 »Bravo«, sagt Kado! »das ist dir gut gelungen; so lange im Kado keine Liebe war, war in ihm auch keine Weisheit, wie aber Kado in sich die Liebe aufnahm, da belebte er auch die Weisheit und kämpfte dann mit dieser Waffe wider den Teufel, eine Waffe, vor der jeder Teufel den größten Respekt hat. 12 Aber nun macht euch einmal an die Eröffnung der Pforte. Denn ich sehe dort in wohl noch sehr starker Ferne die ganze große Gesellschaft sich hierher bewegen; was wird sie sagen, so sie uns noch hier vor der uneröffneten Pforte treffen wird?« – 13 Spricht Robert Uraniel: »Ich habe vor der Eröffnung dieser Pforte nur noch einen einzigen evangelischen Anstand, eben mit der Pforte selbst. Es heißt im Worte des Herrn ausdrücklich: Die Pforte aber, die in den Himmel führt, ist enge, ihr müsset durch die enge Pforte ziehen, so ihr in den Himmel kommen wollt, und ungefähr so weiter im Buche des Lebens. Betrachte aber diese Pforte, welche Höhe und welche Breite sie hat? Meinst du wohl, daß dies ein rechter Eingang in den Himmel ist?« – 14 Spricht Kado: »Freund! du hast noch manche materielle Vorstellung vom Gottesworte! Bedeutet denn die enge Pforte im Evangelium nicht die Demut des Herzens und nicht eine wirkliche Tür? Aber schaue doch! Öffne sie nur, diese hohe Pforte; sie wird dir wohl auch noch etwas enge werden.« – 15 Spricht Robert Uraniel: »Es ist doch wahrlich manchmal im hohen Grade merkwürdig, wie dumm man zuweilen wird; ja man wird manchmal wirklich dümmer als ein Ochse! Denn ein Ochse bleibt denn doch vor einem Tore stehen, aber unsereiner wollte sozusagen mit dem Kopfe sogleich durch die Mauer rennen. Und sieh', Bruder, ich war nun unbegreiflicherweise so dumm und wollte diese Pforte stets hinein von mir weg aufmachen; als es mit leichter Mühe nicht gehen wollte, brauchte ich Gewalt, und als es auch mit aller Gewalt nicht ging, da ward ich sogleich verdrießlich, wollte meine Kleider nicht mehr, wünschte mir die Minerva her, auf daß sie mir ein wenig im Schimpfen unter die Arme greifen möchte. Aber daß es mir anstatt all dieser Dummheiten eingefallen wäre, daß die Pforte vielleicht herauswärts zu mir aufzumachen wäre; o von dem wäre mir ja nicht eine Silbe eingefallen! Gelt Helena! du wirst mit mir eine rechte Freude haben, weil ich so schön dumm bin wie zehn Ochsen auf einmal?« 16 »Ach, das ist alles eins,« spricht die nun schon wieder sehr munter aussehende Helena, »ich bin ja eben so dumm; hätte es mir ja doch auch einfallen können, was der Freund Kado uns geraten hat, aber so man schon dumm ist, da ist man dann aber auch recht dumm. Zwar wissen wir beide noch nicht als ganz bestimmt, ob die Pforte herauswärts sich öffnen werde oder nicht; aber es ist dessen ungeachtet schon dumm genug, daß wir beide damit keinen Versuch gemacht haben. Nun aber gehe doch hin und versuche die Geschichte noch einmal, und zwar nach hineinwärts, dann aber erst wie es dir der Freund Kado geraten hat.« – Spricht Robert: »Nein, nach hineinwärts versuch' ich's nimmer, aber nach heraus zu mir solle sogleich ein Versuch gemacht werden.« Kapitel 197 Ein Blick durch die geöffnete Pforte zeigt die erscheinliche Stadt Wien. Ein Wort über Erscheinlichkeiten. Unreines kann nicht in die Himmel eingehen! Kados göttliche Weisheit 1 Damit tritt Robert sogleich zur Pforte hin, macht mit leichter Anstrengung seiner Kräfte den Versuch und der hohen Pforte breite und schwere Flügel gehen ohne allen Anstand auf. – 2 Als nun die Pforte also eröffnet dastehet, fängt der Robert an, hellauf aufzulachen und sagt: »Nun da haben wir nun den Himmel in der für diese Welt wahrlich allerseltsamsten Art vor uns. Nein, das ist wahrlich komisch über komisch! Geh' Helena, komm' her und schaue!« – 3 Helena kommt und sieht schnell mit großer Aufmerksamkeit durch die geöffnete Pforte und sagt nach einer kurzen Weile: »Je, je, das ist ja Wien, wie es leibt und lebt, und wir stehen hier wie am Weinberge bei der Spinnerin am Kreuze. O du himmlische Süßigkeit übereinander! Wien und nichts als Wien! Also das ist das glorreiche vierte himmlische Gemach deines Hauses! Ach, Respekt! Nun, jetzt können wir uns nachher in Wien gleich wieder um ein Dienstl umsehen oder weißt du was, wir fangen auf den Basteien ein bißchen zu spuken an, zünden – natürlich unsichbarer Weise – eine Kanone um die andere los; am End' hebt so was für die armen Wiener den Belagerungsstand auf. Nein, aber Spaß beiseite, komisch ist das wohl, Himmel erwarten und nach Wien auf d' Erd' dafür kommen! Nun, was sagst du dazu?« – 4 Spricht Robert: »Ich hab' es dir ja ehedem gesagt, als du mit der Minerva gar so gewaltig geoberlerchenfeldelt hast: daß wir statt in die reinen Gotteshimmel noch ganz rein nach Oberlerchenfeld kommen werden; und da siehe, meine Prophezeiung ist in die Erfüllung gegangen. Vor Wien stehen wir bereits und so werden wir wohl auch noch nach Oberlerchenfeld kommen! Muß nun aber doch auch unseren Freund Kado herführen, damit er die liebe Wienerstadt sieht.« 5 Robert beruft den Kado, der unterdessen dahin seine Beobachtungen machte, von woher die große Gesellschaft ziehe. Kado geht sogleich hin und Robert sagt zu ihm: »No Freund! wie gefällt dir denn der Himmel des irdischen Hauses Österreich? A saub'res himmlisches Jerusalem das! Siehst du die Pallisaden, die Schießscharten und die schönen Kanonen, Mörser und Bombenkessel; nimmst du die Wachen aus und ihre herrlichen Blockhäuser? Ach, das ist wirklich schön, die himmlische Stadt auch im Belagerungszustand!« – 6 Spricht die Helena: »Du Freund Kado! sage mir, ob wir uns für die Sterblichen nicht könnten auf eine kurze Zeit sichtbar machen, aber gleich darauf wieder unsichtbar? Weißt du, so ein bißchen nur möchte ich mir den Spaß machen, die lustigen Wiener ein wenig zu necken; vielleicht brächte sie so eine Neckerei auch um den Belagerungszustand. Und sollen Robert, ich und du etwa gar in dieser Welt Wohnung nehmen, so werden wir etwa doch den Belagerungszustand eher kassieren?« – Spricht Kado: »Aber liebste Helena! Meinst denn du doch im Ernste, daß dies das wirklich irdische Wien sei? Siehe, das ist ja nur eine Erscheinlichkeit und sonst nichts! Hat doch Robert zuvor von einer engen Pforte geredet, durch die man ins Himmelreich einziehen solle; und siehe, da steht sie schon vor uns! Ihr werdet bei dem Durchgange noch auf so manche Engstellen kommen, die euch sehr genieren werden; aber es wird dennoch zum Durchkommen sein.« – 7 Spricht Robert: »Das meine ich auch, aber wie? Das ist wieder eine andere Frage! Wenigstens muß dies erscheinliche Wien doch eine Abbildung vom wirklichen irdischen sein, sonst könnte es ihm doch nicht gar so auf ein Haar gleich sehen.« Am 30. Mai 1850 Spricht wieder Robert Uraniel nach einer Weile, sagend: »Erlaube mir, lieber Freund, daß ich dich noch mit einer Frage belästige! Du sagtest ehedem, daß dies Wien nur so bloß eine Erscheinlichkeit ist und sonst nichts. Und doch steht es so klar vor uns, als wie wir uns selbst klar gegenüber stehen; sind demnach wir uns gegenseitig auch nur pure Erscheinlichkeiten oder sind wir wirklich das, was wir zu sein scheinen? Ist diese Pforte etwa auch nur eine bloße Erscheinlichkeit und sonst nichts? Ich kann mich hier in den Begriff »Erscheinlichkeit« noch immer nicht finden; denn nach meiner Beurteilung ist eine Erscheinlichkeit nichts anderes, als entweder ein Reflex eines irgend wirklich vorhandenen Dinges oder Wesens oder sie ist zur Erklärung eines Begriffs oder zur Prüfung eines Geistes bloß nur für einen nutzbaren Moment erschaffen; hat sie aber ihren Dienst verrichtet, so tritt sie dann wieder aus der Sphäre jedes Daseins. Das ist so meine Idee über den Begriff »Erscheinlichkeit«; und ich meine, es wird sehr schwer halten, ihr eine andere Erklärung beizulegen. Es muß mir aber darüber vollste Klarheit werden, sonst bin ich genötigt, alles für eine bloße Erscheinlichkeit zu halten, was mir seit meinem überirdischen Hiersein nur immer unter die Augen gekommen ist.« – 8 Spricht Kado: »Du hast ohnehin eine ganz richtige Idee von der Erscheinlichkeit und ich werde dir darüber dann wenig mehr zu sagen brauchen. Nur das ist etwas unrichtig, daß da eine Erscheinlichkeit etwas ganz Leeres sein solle, weil sie vorderhand nur bloß eine Erscheinlichkeit ist. Siehe, eine Erscheinlichkeit ist hier, nach meinem Urteile, entweder wirklich nur ein Abbild eines schon in der Wirklichkeit vorhandenen Dinges oder sie ist ein Probeplan zu einer neuen Schöpfung zuerst beschaulich dem Herrn allein, dann aber auch jedem Geiste, der seinem Innern nach mit der neu erscheinlichen Idee des Herrn in irgend einem sage wesentlichen Liebeauswirkungsverbande steht. Daß aber solch eine Idee mit der moralischen Sphäre des Beschauers auch stets in eine solch entsprechende Stellung kommt wie eine Parabel, das ordnet des Herrn unbegrenzteste Weisheit also und das solange fort, bis der Geist jene Kraft und Stärke erreicht, selbst in dem Erscheinlichen das Wirkliche und Unvergängliche zu konstatieren. 9 Denn der zuerst hier anlangende Geist ist gewisserart noch viel zu zart und schwach, als daß man ihm sogleich die kräftigsten geistigen Wirklichkeiten entgegen stellen könnte, weil er sich an ihnen sehr stoßen und am Ende aufreiben würde, gleich als so man auf der Erde ein neugeborenes Kind, anstatt es in weiche Windeln auf hartes Holz und Steine legen würde, was ihm sicher sehr übel bekommen dürfte. Aber nicht alles, was ein noch mehr oder weniger neu hier angekommener Geist zu Gesichte bekommt, ist pure Erscheinlichkeit, sondern zumeist nach der Kraft des Geistes auch zum größten Teile Wirklichkeit. 10 Die Pforte hier ist eine geistige Wirklichkeit und wir uns gegenüber auch; aber jenes Wien dort ist nur eine Erscheinlichkeit, aber so, als wie du es selbst bemerkt hast, also als ein Abbild der wirklichen irdischen Stadt Wien, das ihr beide von Zug zu Zug in eurer eigenen Seele beschaulich berget; dies Bild aber graviert eure Seele noch dann und wann, und erzeugt auch dann und wann Unlauteres in ihr, das sich in irgend einem etwas mehr gereizten Lebenszustande den Weg bahnt, und in die »redende Erscheinlichkeit« tritt; solches kann aber im reinsten Gottesliebelichte, das da ist der reinste Himmel, nicht Eingang finden und daselbst bestehen, da etwas nur im geringsten Unreines in die Himmel Gottes unmöglich eingehen kann. Und so tritt denn nun aus eurer Seele, die sich vor dem Eingange in die reinsten Gotteshimmel befindet und schon von der reinsten Himmelsluft angewehet wird, das letzte unreine Bild der Stadt Wien heraus, auf daß ihr es beschauen und darauf für immer aus euch verbannen möget und könnet; 11 aber, wie schon früher einmal bemerkt, es wird euch noch einige Mühe und Arbeit kosten! – Aber mit der beständigen Hilfe des Herrn wird sich auch das machen und leichter als ihr es meinet; darum seid mutig im Herrn, so wird alles leicht und fertig gehen.« 12 Spricht Robert Uraniel: »Aber liebster Freund! sage mir bloß das noch, woher du nur deine Weisheit nimmst? Denn das war schon wieder also geredet, als wie aus dem heiligsten Munde des Herrn Selbst; geh' und erkläre mir das! Denn ich bin früher stets der Meinung gewesen, daß du darum mit uns hierher gezogen bist, auf daß du durch mich und die Helena für die Himmel Gottes möchtest vorbereitet und tüchtig gemacht werden. Und nun geschieht gerade das allerblankeste Gegenteil! Du bist unser allervollendetster Meister und wir beide haben kaum die hinreichende Fassungkraft, dich so viel als möglich zu verstehen. Sage mir, bist du wohl im Ernste derselbe Kado, der auf dem Hügel dort im Norden die Minerva schlug mit Wort und Tat oder bist du bloß so als ein Kado maskieret und bist in der Tat irgend ein allererster Erzengel Gottes? Denn nur auf diese Art läßt sich deine Weisheit begreifen; sonst bleibt sie mir ein Rätsel. Ich bin Gott Lob doch auch gerade nicht eines total verschlagenen Kopfes und Herzens; aber so du deinen Mund nur aufmachst, da bin ich schon geschlagen wie mit zehntausend Blitzen auf einen Schlag. Also, liebster Freund, sag' es mir, woher du deine Weisheit borgest!« – 13 Spricht Kado etwas lächelnd: »So es an der rechten Weile sein wird, wirst du alles erfahren; nun aber ist das die Hauptsache nicht; darum kümmere dich vorderhand dessen nicht, indem viel wichtigere Dinge vor dir stehen. Sieh', die große Gesellschaft kommt, trete darum in die Pforte!« – 14 Spricht Robert: »Ganz wohl; ganz überaus wohl, aber du allerliebster Freund mußt auch mit mir gehen; denn du bist doch zehntausend Male reifer für die reinsten Himmel als ich.« – Spricht Kado: »Nun ja, das versteht sich doch von selbst, daß ich dich nicht allein werde gehen lassen und eben so wenig die allerherzlichste Helena, die ich ebenfalls sehr lieb habe.« – Spricht Robert: »Aber wie werde ich denn die große Gesellschaft nun hier in der Pforte stehend empfangen? Mit welchen Worten werde ich sie anreden? Was werde ich zum Herrn sagen, wie mich über meine Dummheit bei Ihm entschuldigen, wie bei den Propheten, bei den Aposteln und wie bei den vielen anderen Weisen, die auch bei dieser wahrhaft heiligsten Gesellschaft sich befinden? O Freund! helfe mir da nur ein wenig aus meiner neuen Not!« – 15 Spricht Kado: »Aber ich bitte dich, Freund Robert, sei nicht läppisch und kindisch! Kindlich magst du zwar sein, so stark du es nur immer sein kannst, aber nur kindisch nicht. Denn kindisch ist der Verstand der Kinder und der ist kein nütze; aber kindlich ist ihr Gemüt und das ist vom größten Werte vor Gott. Ich werde dir es schon heimlich eingeben, was du wirst zu reden haben vielleicht, aber das wenige muß gut sein.« – 16 Spricht Robert: »Ja, wie wirst du mir denn heimlich eingeben können? Da müßtest du ja förmlich ein Gott sein oder der Herr müßte dir zudem eine eigene Kraft verliehen haben.« – Spricht Kado: »Ei, ei, bist du aber doch ein lästiger Grübler! Muß man denn gleich alles bis auf den letzten Grund einsehen? Schau, die Ewigkeit ist ja doch so hübsch lang und es wird sich in ihr noch gewiß sehr viel einsehen und begreifen lassen. Gebe nun acht, die Apostel kommen, voran Petrus, Johannes und Paulus als die ersten; mit ihnen wirst du also zuerst etwas zu tun bekommen.« Kapitel 198 Begrüßungsszene an der Himmelspforte. Eine neue Probe zum Beweise, daß der Herr kommt wie ein Dieb in der Nacht. Das unscheinbare Nächste sucht man oft in der Ferne! Endlich wird das Dunkel hell! 1 Die drei Benannten treten nun schnell vor die Pforte hin, machen eine tiefste Verneigung ihrer Häupter und grüßen dann den Robert und dessen Weib Helena auf das allerherzlichste und zeigen eine große Freude, nun wieder bei Robert zu sein. Die ganze andere übergroße Gesellschaft aber fällt vor der Pforte auf's Angesicht und rufet ein himmlisch harmonisches »Hosianna« dem Herrn entgegen. 2 Robert aber schauet sich nach allen Seiten um, um zu erspähen, von wannen etwa der Herr käme. Aber es will sich eben nun von keiner Seite der Herr sehen lassen, wohl aber ersieht er hinter der Gesellschaft noch jemanden, der dem Kado nahe auf ein Haar gleich sieht. Aber während alledem hört das Hosianna rufen nicht auf und Robert merkt es auch den dreien ersten neben ihm in der Pforte stehenden Aposteln ganz genau an, daß sie in sich geheim von einer übergroßen Ehrfurcht ergriffen und vor lauter Liebe und heiliger Empfindung kaum etwas zu reden imstande sind. 3 Robert Uraniel kann's nun nicht länger mehr aushalten, fragt eiligst den Kado, sagend: »Aber lieber himmlischer Freund und Bruder! Diese alle sind von einer mir unbegreiflich heiligen Scheu hingerissen; die Erzväter, die Propheten alle, die Apostel, bis auf die drei ersten bei uns in der Pforte, die aber vor lauter Ehrfurcht nicht reden können, liegen auf ihren Angesichtern, ja sogar die allerseligste und glorreichste Jungfrau Maria an der Seite ihres allerwürdigsten Josephs macht von allen anderen keine Ausnahme und ich schaue mir nun samt meiner Helena schon beinahe die Augen nach allen Seiten aus und sehe alles, sogar dort im Hintergrunde einen knieenden Geist, der dir frappant gleichsehend – sich auch schon vor lauter Erbauung kaum mehr zu helfen weiß. Sage mir doch, vor wem sind denn diese alle gar so erbaulichst hingerissen, da doch der Herr noch nirgendswo zu ersehen ist. Oder sehen Ihn diese alle schon vielleicht irgendwo in großer Nähe und nur mein Auge allein und etwa das der Helena auch mag noch nichts erschauen? O ich bitte dich, liebster Freund, lasse mich doch jetzt nicht sitzen!« – 4 Spricht Kado: »Ja, aber du mein lieber Freund! was solle ich denn tun? Schau, schau, keine Augengläser gibt es hier mehr und Fernrohre auch nicht; was also solle ich dir tun?« – Spricht Robert: »Uns womöglich den Herrn zeigen und sonsten nichts! Denn zum Herrn muß ich hin und Ihn grüßen aus allen Kräften meines Lebens. Wo, wo, wo ist Er denn, wo steht Er, von wannen kommt Er? der Heiligste aller Himmel?« – 5 Spricht Kado: »Nun, wenn du den Herrn jetzt auch noch nicht siehst, da bist du aber doch wirklich aus dir selbst heraus ein wenig blind. Da frage die drei, vielleicht sehen diese Ihn auch nicht?« – 6 Spricht Robert: »Das ist aber wirklich sonderbar von dir, daß du mir gerade jetzt so halbe Antworten gibst, wo mir gerade eine ganze am dienlichsten wäre. Du verwunderst dich auch nicht darüber, daß diese ganze große Gesellschaft hier vor dieser Pforte gar zerknirscht dahin liegt und sich vor lauter Ehrfurcht nicht einmal aufzuschauen getrauet. Wahrlich, dich bringt nichts aus deiner Fassung, weder der offene Himmel, noch die finsterste Hölle. Wahrlich, du bist klassisch in allem, wie in deiner mir stets unbegreiflicher werdenden Weisheit und in deinem allerlangmütigsten Gleichmute über alles, also auch nun in deinen halben Antworten, die du mir bloß darum zu geben scheinest, um etwas geredet zu haben; aber was? das scheint dir nun ganz einerlei zu sein.« – 7 Spricht Kado: »O nein, nicht so, mein lieber Freund und Bruder! Ich gebe dir wohl ganze Antworten, die aber du leider nur halb verstehest. Warum hast du denn für deine so überaus pressante Angelegenheit nicht, wie ich dir's riet, die drei befragt? Die hätten es dir schon lange gesagt, wo dieses alles hinaus will und wo sich allenfalls der Herr befindet. Aber da fehlet dir, wie es scheint, der Mut; was von dir eigentlich so ein wenig dumm ist. Denn sie werden doch als Bürger der Himmel nicht mehr sein wollen als unsereins. Im Himmel ist alles gleich und der niederste ist der beste, und das ist der Herr Selbst; sehe dich also nach Dem um und du wirst Ihn bald haben, und hast Ihn eigentlich schon; aber Er ist dir zu wenig, so magst du Ihn auch nicht erkennen, obschon du Ihn schon lange siehst. Verstehst du das?« Am 1. Juni 1850 8 Spricht Robert Uraniel: »Obschon ich Ihn schon lange sähe! Ach, das wäre doch im Ernste etwas komisch, Ihn sehen und nicht erkennen. Ihn nicht erkennen? Ich, der ich nun schon die geraumste Weile seit meiner höchst traurigen Ankunft in dieser Geisterwelt von der miserablen Erde um Ihn war, solle Ihn nun auf einmal nicht mehr erkennen mögen, so Er vor mir stünde! Nein, das wäre denn doch im Ernste etwas mehr als zu viel! Freund Kado, du bist wohl sehr weise, aber diese Behauptung scheint dir denn doch auch einmal so ein wenig mißlungen zu sein. Denn nach dieser deiner Behauptung müßtest entweder du selbst oder am Ende gar die Helena der Herr sein; denn ich bin es etwa doch ewig nicht und die drei Apostel neben uns auch nicht; die Helena ist doch ein Weib nur, und kann's darum nicht sein und ist dazu auch eines viel zu himmlischreichen Anzuges; Du bist unter uns wahrlich am einfachsten; denn diese deine nach dem Oriente riechenden höchst unansehnlichen Kleidungsstücke entbehren offenbar jeder Zierde, zieren Deinen Leib auch wahrlich nicht im geringsten, sondern decken bloß nur dessen Blöße und sind daher auch sicher wie Du selbst, im höchsten Grade einfach. Du mußt daher nach Deiner eigenen Behauptung es Selbst sein, obschon Du dem Kado noch immer wie ein Ei dem anderen gleich siehst. Es hat zwar die Physiognomie des Herrn mit deiner Kadoischen eine bedeutende Ähnlichkeit; aber du bist demungeachtet noch stets ganz derselbe Kado, der an jenem Hügel dort mit der Satana kämpfte. – Hm, hm, sollst Du also wirklich – der – Herr – Selbst es sein. 9 Nein, wenn das im Ernste so wäre, so träfe mich beinahe vor Schande ja ein Schlag, trotzdem ich nun ein Geist bin. Denn wie viel Dummes und sogar Schlechtes habe ich vor Dir durcheinander geredet und geschimpfet wie ein Narr. Ja, ja, jetzt geht mir auch noch ein anderes Licht auf; du hast mich überall auf's Evangelium hingewiesen, wo es bei mir zu stocken anfing und nicht weiter gehen wollte; und das hätte denn der eigentliche Kado, der mit der Schrift doch unmöglich so vertraut sein kann, doch nicht so umfassend zuwege bringen können, da es sogar bei mir hie und da hapert, obwohl ich schon von der Wiege an in der Bibel bin unterwiesen worden; und dazu begreife ich nun auch deine ewig unerreichbarste endloseste Weisheit. Ja, ja, Du bist es schon und es kann niemand anderer sein. 10 Aber da Du es bist und niemand anderer es sein kann, was auch diese ganze, große Gesellschaft bezeuget durch ihr unbegrenztes Ergriffensein vor Dir, o Herr! so lasse mich und meine Helena denn nun Dir auch zu Deinen heiligen Füßen hinfallen und Dir unseren lange her schon schuldigsten Dank in aller Zerknirschung unserer Herzen darbringen! Helena, sehe hierher! Dieser unser Begleiter, dieser Freund der Freunde, dieser überweise himmlische Kado ist nicht der eigentliche Kado; bloß nur das Kleid ist wie das des dir bekannten Kado; aber im Kleide steckt vor dir und mir nahe ganz unerkennbar der Herr Selbst. Verstehst du? der Herr Selbst!« – 11 Die Helena, solchen Ruf kaum vernehmend, stürzt sich jählings dem Herrn zu den Füßen und schreit: »O Herr, verdamme mich doch nicht, denn ich war ganz entsetzlich roh und grob vor Deinen Augen; o Gott, o Gott, was habe ich getan?« – Sage Ich noch immer als Kado: »Stehe auf, du meine liebste Tochter; denn Ich liebe dich eben deshalb, weil du so bist und warst, wie du nach Meinem Willen sein mußt. Stehe also nur auf; denn wir müssen nun nach Wien! Verstehest du das?« Kapitel 199 Vorbereitungen zu dem Besuch in dem erscheinlichen Wien. Paßanstände (Ausweiskontrolle). Petrus und der Zöllner; dieser will ihn, Paulus und Johannes ins Narrenhaus senden. Helena als lokalkundige und personenbekannte Vermittlerin, Helena als Heldin Am 2. Juni 1850 1 Spricht Robert: »O Herr! möchtest du mir denn nicht kundgeben, so ein wenig nur, was wir denn so ganz eigentlich in diesem erscheinlichen Wien machen werden und was uns da nun alles begegnen wird? Denn wenn ich gar so unvorbereitet selbst an Deiner göttlich allmächtigen Seite in diese Stadt komme und diese ganze große Gesellschaft mit uns, so weiß ich wahrlich nicht, wie wir da empfangen werden oder wie ich mich bei verschiedenen Vorfällen mißlicher Art, die da wahrscheinlich nicht ausbleiben werden, zu benehmen habe, um nicht in recht allereklatanteste Verlegenheit vor Dir und vor dieser ganzen großen Gesellschaft zu gelangen.« – 2 Rede Ich: »Um alles das hast du dich nicht zu sorgen und zu kümmern, so Ich bei dir bin. Die ganze große Gesellschaft aber geht ohnehin nicht mit, sondern bloß nur Ich, die drei Apostel, du und die Helena; alle anderen bleiben hier, bis zu unserer Wiederkunft. 3 Sehe aber nun nach Wien hin, wie es nicht etwa leer, sondern ganz so bewohnt ist wie auf der Erde und zwar entsprechend von ganz denselben Menschen, die seit dem Erdjahre 1848 bis in dies gegenwärtige Jahr 1850 diese Stadt bewohnt haben und nun noch bewohnen, entweder als Geister oder als noch Materiemenschen. Gehen wir daher nun hin, auf daß du dein »enges Pförtlein« bald magst durchgemacht haben. Aber da zu euren Füßen liegen dunklere Überwurfskleider; diese werfet über eure himmlischen zuvor!« – 4 Robert und dessen Weib tun das sogleich und sehen nun ganz pilgermäßig aus, so wie auch die Apostel, die ganz gut dreien Pilgern allenfalls aus Jerusalem gleichsehen; Meine Kleidung aber gleicht der eines ordinärsten Juden; und also kostümiert treten wir unsere kurze Reise in das ganz vor uns liegende Wien an. 5 Bei der »Zoll-Linie« angelangt und zwar bei derjenigen, die gleich zunächst der sogenannten »Spinnerin am Kreuze« sich befindet, fragt Robert, der knapp bei Mir einhergehet: »Herr! sehen bloß wir die Wachhabenden von allerlei Mannschaften oder sehen sie uns etwa auch? Sollten sie uns etwa auch sehen, da ginge es uns schlecht, wenigstens für's Gesicht; denn wir haben keine Pässe.« – Sage Ich: »Ja, sie sehen uns auch; aber nicht alle; sondern jene nur, die auch schon wirklich in der Geisterwelt sich befinden; aber diese werden durch ein gewisses Einfließen die noch Irdischen auf uns aufmerksam machen und da wird es dann freilich eine kleine Hetze abgeben. Lasse aber nun nur Petrus vorangehen; der weiß es am besten, wie man mit solchen Zöllnern und Einnehmern umzugehen hat.« 6 Petrus geht nun sogleich zum Zöllner hin und sagt zu ihm: »Freund, wir sind Reisende von für dich und deinesgleichen sehr weit her; haben aber keine Pässe, denn in unserem himmlischen Reiche ist volle Freizügigkeit für ewige Zeiten gewährleistet. Wir können dir daher nicht leicht mit Reisepässen aufwarten, da wir keine besitzen; wir sind aber überaus kreuzehrliche Wesen, haben uns nirgends was zu Schulden kommen lassen und sind sonach auch überall noch ohne allen Anstand durchgekommen; daher glaube ich, daß man uns auch hier keine Anstände machen wird.« – 7 Spricht der Zöllner: »Mein Freund, wahrscheinlich aus China, so ihr nichts Mautbares bei euch habt, da könnet ihr von mir aus sogleich ohne allen Anstand weiterziehen. Da vorne weiter ist noch eine Maut; alldort werden die Pässe den Passanten abgenommen und vidimiert (die Einreise beglaubigt). Seit ihr also im Ernste Chinesen?« 8 Spricht Petrus: »Hm, ja; also dort vorne ist das Paßamt? wir sind ihnen für diese Auskunft sehr verbunden!« – Spricht der Zöllner: »Nun, nun, ich glaube gar, dies zerlumpte Bettelgesindel möchte etwa gar groß tun auch noch!« – 9 Spricht Petrus: »Freund! beurteile du die Menschen nie nach dem Rocke; denn du kannst es ja nie wissen, was vielleicht denn doch dann und wann hinter einem schlichten Rocke stecken könnte.« – Spricht der Zöllner: »Sicher höchst selten etwas anderes als Lumpen und Vagabunden, die man aufgreifen muß, und per Schub dahin retourschicken, von wo sie zu Hause sind und wo gerichtsmäßig zuständig; verstanden, mein Herr?« – 10 »Jawohl«, spricht Petrus, »diese Sprache ist nun nur zu häufig gang und gäbe, als daß sie die arme Volksklasse nicht verstehen sollte. Wer hier in einer Prachtschäse vorüberfährt mit bordierter Dienerschaft, mit dem redest du sicher ganz anders, aber mit uns Barfüßlern redest du, als wären wir eine Gattung Tiere nur; und siehe, das ist nicht löblich von dir. Lasse uns aber nun weiter ziehen! Vielleicht werden bei der vorderen Maute die Aufseher nicht so scharf sein als du.« – Spricht der Zöllner: »Ja, ja, dort werden sie mit euch sicher nicht viele Umstände machen. Sehet nun, daß ihr weiter kommt, sonst lasse ich euch selbst arrestieren!« – 11 Spricht der Robert zu Mir: »So sind sie und das ist eher noch einer der besseren! Wenn man mit so einem Menschen zu tun bekommt, wahrlich, vor Grimm und Ärger könnte man da gerade weges zerbersten. O Menschen! o Erde!« – Spricht auch die Helena: »Nein, wenn der noch länger uns mit seinen allerfadesten Geringschätzungsreden belästigt hätte, so hätt' ich ihm was g'sagt; denn ich kenn' diesen Dalken; ist aber gut, daß wir weiter ziehen, sonst wäre ich mit ihm wohl z'sammen g'wachsen. So ein paar Blitzschnelle hätten sich auf seinem Hottentottengesichte gar nicht schlecht g‘macht; no, der hätt' sich verwundert, wenn er so ein gedoppeltes G'sicht bekommen hätt'.« – 12 Sage Ich: »Nur nicht gar zu laut, Mein Töchterchen! denn dieser Zöllner hat sehr lange Ohren; so er das vernähme, da bekämest du ein schweres Tun mit ihm.« – Sagt die Helena: »Aber ärger o Herr, wird er doch etwa nicht sein als die Satana selbst?« – Sage Ich: »Ja, es kommt darauf an. Die Hunde, die die großen Reichen in ihren Höfen als Wächter an den Ketten halten, sind in ihrer Art böser um vieles als ihre Herren; die Herren reden bloß, aber die Hunde beißen. Daher sei du froh, daß dich der Hund seines Herrn nicht gebissen hat. Aber wir kommen nun schon zu der zweiten Maut; Petrus fängt mit der Polizei zu reden an; wir wollen sehen, was da herauskommen wird!« – 13 Sagt die Helena: »O eing'führt werden wir und sonst nichts, so Du, o Herr, von Deiner Macht keinen Gebrauch machen wirst.« – Sage Ich: »Meine liebe Tochter, sei ohne Sorge! Was wär's denn auch, so uns diese Blinden im Ernste einführeten? Sage, welcher Kerker könnte uns wohl festnehmen? Ein leisester Hauch Meines Mundes und die ganze Erde samt allen ihren Kerkern ist nicht mehr; und so haben wir uns vor keinem Kerker zu fürchten.« Aber nun horchen wir auf den Petrus, der so eben befragt wird: »Woher des Weges? Wo sind die Pässe? Reiset die ganze Gesellschaft mit einem oder mit mehreren Passierscheinen? Wo sind sie? Her damit!« – 14 Spricht nun Petrus: »Eine kleine Geduld und eine ganz kurze Frage: Sage mir gefälligst, kann da gar niemand, auch kein Einheimischer ohne Paß in die Stadt?« – Spricht der Polizeisergeant: »Bekannte Einheimische wohl, aber Fremde nie; seid ihr fremd und dieser Stadt Bürger nicht, da müsset ihr einen Paß haben, sonst kommet ihr nicht hinein; gehöret ihr aber dieser Stadt an, so müßet ihr euch durchexaminieren lassen, auf daß ich daraus ersehen kann, wessen Geisteskinder ihr etwa seid.« – 15 Spricht Petrus: »Nur zu, ich werde dir alles ganz genau angeben.« – Hierauf fragt der Sergeant: »Wie heißt er?« – »Simon Juda, Jonas Sohn, genannt Petrus.« – Der Examinator spricht weiter sagend: »Das klingt sonderlich; aber wer ist er denn, was treibt er für ein Gewerbe?« – Spricht Petrus: »Ich bin ein Fischer von Geburt aus und gehe aber nun auf's Menschenfischen aus schon seit nahe 2.000 Jahren.« – 16 Spricht der Sergeant zu einem Gehilfen: »Bewache diesen, denn der gehört ins Narrenhaus! Der Kerl bildet sich ein, daß er Petrus, der berühmte Apostel sei. Nein, was man bei einer »Linie« doch alles erlebt!« – 17 Hierauf wendet sich der Sergeant an den Paulus, fragend: »Wer seid ihr denn? und wie heißt ihr?« Spricht Paulus: »Ich bin ein Teppichweber, dann ein Apostel der Heiden; mein erster Name hieß Saulus und der spätere hieß und heißt noch Paulus.« – Spricht der Sergeant zu einem zweiten Gehilfen: »Bewahre auch den, denn auch dieser ist ganz reif ins Narrenhaus!« – Darauf sich zum Johannes wendend, und diesen fragend: »Wer seid denn ihr? Etwa auch so ein Apostel Christi?« – 18 »Ich«, sagt Johannes, »bin der Evangelist Johannes und zugleich auch Apostel des Herrn Jesu Christi!« – Spricht der Sergeant zu einem dritten Gehilfen: »Gehört auch ins Tollhaus, bewachet sie wohl! Es sind noch drei dort; die werden wohl sicher des gleichen Geistes sein; denn gleich und gleich gesellt sich gern!« – 19 Hier tritt voll Ärgers die Helena vor und sagt zum Sergeanten in ganz echt oberlerchenfeldischer Weise: »Sö Haupttappschädl von an böhmischen Puliquatschenfeldwebl, gebens acht, daß ehna die drei net eper auskämen!« – Spricht der Sergeant ganz spinngiftig über die Anrede der Helena: »Waaaas ist das für eine Kreatur! waaas hat sie gesagt? Na wart' du! dir werden wir das Rohe schon herabarbeiten!« – Hier springt die Helena hin zum Sergeanten und sagt: »No, no, nur geschwind, nur geschwind a Portion Laxenburger Spargel her, du alter Schwefelebertegel aus der höllischen Apotheke; schau nur glei, daß dein böhmisches Zartgefühl kan Leibschadn kriegt! Schau, schau, ehrgeizig a noch mit dem G‘sicht! Laßt sich der Herr 'n Grimm vergehn, sunst sog i ean was, dos ean grod net am besten schmecken möcht'!« – 20 Spricht der Sergeant: »Weß Landes ist sie gebürtig, sie ungehobeltstes Mensch?« – Spricht die Helena: »No denkens nach! können sie sich noch auf das Wirtshäusl erinnern, von dem se dreimal hinausgworfe sans wurde wegen Unzucht und Stänkerei? Schans, dort bin i gebürdi!« – »Waaa – s brodelt sie daher? Ist sie denn ein Oberlechenfelder Früchtl?« – Spricht Helena: »Ja, die Schwarzmaxllenerl, kennens mi denn nemmer?« – 21 Spricht der Sergeant: »Ja, aber sag' mir, wie kommst denn du zu dieser Narrengesellschaft? A das ist gut! die Schwarzmaxllenerl! Aber sag' mir doch, wo bist denn seit der Revolution hingekommen? Man hat von dir ja gar nichts mehr gehört und gesehen!« – Spricht die Helena: »No, gsturbe bin i holt, und hiazt war i wieder als lebendige da, und geh' mit diese meine gute Freund' mei Hamet bsuche, waons nix dawider hobn! Daß aber die kane Noarn san, do steh i eana guat dofur!« – Spricht der Sergeant etwas besänftigter: »Ach, meine Liebste, diese drei sind ganz vollkommen Narren; diese müssen demnach ins Narrenhaus; bei den zwei letzten aber wird es sich erst durch ein gutes Examen zeigen, wessen Geistes Kinder sie etwa sind und ich werde sie mir daher auch gleich vornehmen.« 22 Hier tritt Robert Uraniel von selbst vor und sagt: »Freund! du willst mich und diesen meinen heilig großen Freund vornehmen, und uns untersuchen, ob wir etwa nicht sinnesverrückt seien. O du blinder Hascher! siehe, das hättest du lange schon bei dir selbst tun sollen, auf daß du es wenigstens so weit gebracht hättest in der Einsicht und besseren Erkenntnis, daß du schon lange nicht mehr dem Leibe nach lebest auf der eigentlichen Erde und im eigentlichen Wien, sondern nur in dem entsprechend geistig Erscheinlichen auf der ebenfalls erscheinlich geistigen Erde. Meinst denn du, daß du hier der wirkliche Linienaufseher bist? Ja in deiner Einbildung bist es und sonst gar nichts! Glaubst denn du, daß du irgend eine Gewalt oder irgend ein Recht hast, uns zu untersuchen? Ich sage es dir; du hast kein anderes Recht als das Recht eines Narren, der dazu noch blind und taub zugleich ist; 23 denn du bist ja schon lange gestorben und zwar an der Cholera im Jahre 1849 der Erdzahlrechnung nach. – Abgesandte Geister aus den Himmeln haben es dir im Momente deines Austrittes aus dem irdischen Leibesleben gesagt, daß du dem Leibe nach gestorben bist; aber du lachtest sie aus, und sagtest: Was da, ihr dummen, hirnverrückten Kerls, seht ihr denn nicht, wie ich noch ganz vollkommen und rüstig erster Polizeisergeant bin? Und wollt ihr etwa das nicht einsehen, so stecke ich euch in's Loch, und ihr werdet es dann gleich einsehen, ob ich gestorben bin oder ob ich noch lebe! Bei solcher deiner Gegensprache verließen dich dann aber auch sogleich die Boten aus den Himmeln, und ließen sonach den Narren in seiner Narrheit, in der er nun über ein Erdjahr schon hier verharret, und andere weise ihm helfen wollende Geister als Narren deklariert, dabei aber selbst der größte Narr ist und bleibet. Meinst denn du wohl im Ernste noch, daß du ein leibhaftiger Polizeisergeant der Stadt Wien bist, die auf der Erde des österreichischen Kaisers Residenz ist? Da sehe an den Schrankenbaum! siehst du nicht und merkest es nicht, wie er nun vor uns stets luftiger, durchsichtiger und somit auch nichtiger wird?« – 24 Spricht der Sergeant: »Das ist alles wie leeres Geschwätz, das eine Amtsperson, wie ich zu sein die hohe Kaiserlich-Königliche Ehre habe, nicht anhört, sondern ihr hohes Amt handelt, wie es ihre Amtsinstruktion ihr zu handeln strengst gebietet. Wie heißt er denn? oder hat etwa er einen Paß oder irgend eine sonstige Ausweisung?« »Nein!«, donnert ihm Robert ins Ohr, daß darob der Sergeant ganz schwindlig wird, und um Hilfe zu rufen anfängt. Wieder donnert ihm der Robert Uraniel ins Ohr: »Tor, was willst du, daß ich dir tun solle? Willst du leben oder sterben für ewig? Denn einen zeitlichen Tod gibt es hier nimmer; wer hier stirbt, der stirbt für ewig!« 25 Hier schreit der Sergeant ganz entsetzlich laut um Hilfe; und es erscheinen sogleich drei gemeine Diener aus einer Wachtstube und wollen den Robert in Empfang nehmen; dieser aber donnert über sie so ein gewaltiges: »Halt!« daß darob alle samt dem Sergeanten also zusammen stürzen, als ob sie vom Blitze gerührt worden wären. Und als sie also da am Boden wie ganz bewußtlos dahin liegen, sagt Robert: »Herr, so es auch Dein Wille ist, da können wir nun ganz unbeirrt weiter ziehen; die drei dort, die Petrus, Paulus und Johannes bewachen, blasen wir ein wenig hinweg und wir haben dann den freiesten Abzug von dieser Linie.« – 26 Sage Ich: »Es wäre wohl alles recht; aber dieser Sergeant muß noch Mich Selbst auch eher examinieren; ist dies geschehen, dann werden wir auch, ohne viel blasen zu müssen, weiter kommen, ohne daß uns diese aber auch nur im geringsten irgend ein Hindernis in den Weg zu legen imstande sein sollen.« – Spricht Robert: »Ganz überaus wohl, o Herr; Dein Wille allein ist heilig!« – 27 Hier erhebt sich der Sergeant wieder und sagt voll Grimm: »Wer ist hier ein Herr und wessen Wille ist da heilig? Hier regiert allein der Kaiser, der allein ist der Herr und sein Wille allein muß heilig sein allen seinen Untertanen! Was darunter oder darüber, ist nichts als Asche. He Mannschaft, habt acht! Nehmet dies ganze Gesindel fest und führet es vor das Gericht, und saget demselben alles, wie sich dieses sozialistische Gesindel hier benommen hat. Dieser Schreier aber solle hier noch früher in der Wachstube extra für sein tumultarisches Schreien mit 25 wohlgemessenen Stockstreichen belohnet werden, worüber ihr eine Note von mir eigens an das Gericht zu überbringen habet, welche Note ich auch sogleich während der Exekution verfertigen werde. Ergreifet ihn und schleppet ihn ins Wachtzimmer! Nun der solle ihm (sich) sein Schreien merken!« – 28 Drei Mann umstehen nun den Robert und wollen ihn binden und schließen, aber da springt die Helena hinzu und sagt: »Wer es wagt, Hand an den Robert zu legen, der ist des Todes!« – Als aber einer doch mit der rechten Hand den Robert beim Kragen packt, bekommt er im Augenblicke aber eine solche Maulschelle von der Helena, daß er sogleich wie tot auf den Boden fällt. Nun wollen die zwei anderen die Helena packen, werden aber von ihr derart bedient, daß da beide jählings die Flucht ergreifen und sich so schnell als nur immer möglich aus dem Staube machen; auch jene drei, die da die drei Apostel bewachten, sind nun gehend geworden; und der Sergeant ruft ihnen vergeblich alle Galgen und ein Mordio übers andere nach; aber es kehret sich keiner mehr um; denn diese haben es so ganz leise zu ahnen angefangen, daß es mit unserer Sechsergesellschaft eine ganz sonderbare Bewandtnis haben müsse. Kapitel 200 Der Zollsergeant examiniert den Herrn. Politische Rede des Zöllners über diese sonderbare Gesellschaft. Des Herrn gute Rede an den noch weltpflichteifrigen Zöllner. Der Steuerbeamte geht dem Herrn nach 1 Aber der Sergeant ist noch ganz in Wien, und ganz von den Pflichten seines Amtes durchdrungen, und sieht und hört daher aber auch nichts anderes, als das nur, was seines vermeintlichen Amtes ist. Nur etwas bescheidener wird er nun, weil ihn alle Gehilfen rein im Stiche gelassen haben. Er begibt sich daher zu Mir hin, und fragt Mich, wer denn Ich etwa wäre? wie Ich heiße? und ob Ich keinen Paß oder sonstige Ausweisung besäße?« – 2 Und Ich sage zu ihm: »Wir kommen direkt aus den höchsten Himmeln hierher; Ich bin Christus der Herr, und bin nun gekommen hierher, die Toten zu erwecken, und die Verlorenen aufzusuchen, und die Kranken zu heilen; und allen die eines guten Herzens sind, solle ein großes Heil widerfahren!« – 3 Spricht der Sergeant, zu dem sich auch noch einige Individuen gesellen, die im Mauthause sich befanden: »Gut gesprochen! Du bist noch der gescheiteste Narr aus all den früheren, in denen sich sogar wühlerische Verschmitztheit beurkundete, indem sie ihre Narrheit mehr als einen Deckmantel ihrer verbrecherischen geheimen Absichten vorschoben, und mich so sub bona fide täuschen wollten; aber da ich Argusaugen habe und das Gras wachsen höre, so kann ich nicht so leicht übertölpelt werden. Ich kenne mich aber nun mit euch ganz genau aus, und weiß woran ich bin, und so muß ich euch wegen allerhöchsten geheimen Willens ja wohl passieren lassen. Das heilsame Placetum regii ist aufgehoben, und der katholischen Kirche freiestes Schalten und Walten in ihrer klerikalen Sphäre eingeräumt; und so kann und darf sich auch ein exponierter Sergeant auf einer Linie nicht mehr wundern, so ihm von Zeit zu Zeit nun gewisse verkappte Jesuiten und Liguorianer in allerlei Gestalten vorkommen werden! Es wird bald wieder Ablässe und Wunder zu regnen anfangen; die Jakobsleiter wird wieder repariert und zwischen Erd' und Himmel aufgestellt werden, auf der Engel, Apostel, die seligste Jungfrau, andere Heilige, und nicht minder auch Christus Selbst aufsteigen und absteigen werden, natürlich um's Geld und andere kostbare Buße. Und ihr seid schon die erste Probe! Deo gratias! Ja, ja, wir kennen uns schon aus beim Herausfassen! Schön, schön, das kann sicher so manchen sehr viel Trost gewähren! oder was? 4 Ihr könnet nun schon weiter ziehen; hätte ich das eher gewußt, von welchem Geiste ihr getrieben werdet, so hätte ich euch ja kein Hindernis in den Weg gelegt, wozu ich auch die gemessene geheime Weisung habe. Aber die Zusammenstellung ist wahrlich als vollkommen gelungen zu betrachten bis auf den Robert Blum, und bis auf die unverkennbare Schwarzmaxl-Lenerl, die doch sicher jeder lustige Wiener in vielfacher Hinsicht kennt. Der eigentliche Blum wird zwar von Kopfschmerzen und anderen Schmerzen nicht viel mehr geplagt sein; aber die Erfindung eines Pseudo-Blums ist gut! Denn wer den rechten Paganini nicht hören konnte, der stellt sich nachher doch mit einem falschen recht gemütlich zufrieden; und dieser Name hat noch viel geheimes Gewicht in Wien! Auch eine travestierte (verkleidete) Barrikadenheldin aus Oberlerchenfeld ist wahrlich für eure Zwecke nicht schlecht; denn zum Gimpelfange gehört ja allerdings so ein recht niedlicher Lockvogel mit einem geisterhaft heroisch klingenden Namen. Der Zweck heiligt ja jedes Mittel. Und du bist Christus der Herr Selbst? Oh das ist sehr schön! Nun, wenn solche Christuse wie Du der römisch-katholischen Kirche nicht wieder auf die goldnen Beine helfen werden, dann ade Papst und Rom, und ade Pfaffentum! Ein Dutzend Weihröcke noch dazu, und es wird sich schon alles wieder geben und machen.« 5 Rede Ich: »Freund! Ich weiß, daß du ein sogenannter Protestant bist und denkst übers römische Christentum nicht unbillig; denn dieses ist vom Grunde aus ein Greuel in allen seinen herrschsüchtigsten Mühen vor Gott, von denen ihm aber keine gelingen wird, dafür Ich dir stehen kann; aber Mich und Meine kleine Gesellschaft verkennest du ungeheuer. Ich aber will dir von nun an nichts mehr aufbürden, indem du frei bist und glauben und tun kannst, was du willst. Aber das sei dir noch einmal kund getan, daß du nun nicht mehr auf der Welt der Materie, sondern ganz in allem Ernste in der Geisterwelt dich befindest, und alles das, was du außer Mir und Meiner Begleitung siehst, nichts ist, als leere Erscheinlichkeit, die für dich aber zu geistigen Wirklichkeiten werden könnten, so du dich an Mich schlößest und in Meine Fußstapfen trätest. Aber du bist in deinem Herzen noch zu weit von Meinem Reiche entfernt und kannst Mich daher auch nicht erkennen in deiner Blindheit. Bleibe daher nur, wo und was du bist; vielleicht sehen wir uns später noch irgendwo und irgend einmal wieder!« – 6 Spricht der Sergeant: »Wird mich sehr freuen, wenn nicht in dieser, so vielleicht doch möglicher Weise in einer anderen Welt. Wünsche übrigens eine gute Verrichtung in der Residenzstadt! Der noch immer fest andauernde Belagerungszustand dürfte eurem löblichen Unternehmen günstig sein; darum noch einmal eine gute Verrichtung und einen schönen Gruß nach Maria-Zell! Ade (Adieu)!« 7 Wir begeben uns nun ohne weiteren Anstand in das Innere der Stadt; aber der Sergeant, uns mit seiner Gesellschaft nachschauend, sagt zu den seinen, wie auch zu dem Einnehmer der ersten Verzehrungssteuermaut, der nun auch dazu gekommen ist, um zu erfahren, was es mit diesen sonderbaren Reisenden für eine Bewandnis habe und wer sie etwa seien, ob doch Chinesen oder wenigstens Inder, – folgendes: »Das sind verkappte, feine Jesuiten als fromme Missionärs! Weißt du, seit die Kirche wieder frei ist in unserem lieben, väterlichen Österreich, haben ihre Pfaffen wieder die alte Jakobsleiter aufgefunden, und sie geradewegs am Himmel angelehnt. Mit den alten Kirchenstrafen geht es denn doch wenigstens so geschwinde nicht, und mit der goldenen Buße der Kreuzfahrer auch nicht; daher werden vorderhand Dobler und Bosko zur Leihe genommen, und wir werden bald von den großartigsten Wundern von allen Seiten her die rührendsten Kunden erhalten. 8 So waren z.B. diese sechs nichts weniger als: Der Capo war höchst eigenen Bekenntnisses Christus Selbst, der nun alle Kranken gesund machen wird exempli causa, vielleicht hilft Er auch den Finanzen auf die Beine zum Spazier nach Rom, oder was? Die drei ersten waren Petrus, Paulus und Johannes der Evangelist. Nun! wie g'fallt dir das Gschichtl? Ein recht bildsauberes Menschl haben's auch bei sich g'habt, unter dem Namen Schwarzmaxl-Lenerl, die Barrikadenheldin, und, itzt fall' aber nur um, und werde völlig tot vor Verwunderung, den Robert Blum auch! Nun, ist's Geschichtl nicht lustig? Wie g'fällt dir dieser Spaß? Meine Mannschaft, die etwas schwachen römischen Geistes ist, hat dir im Ernste dabei Reißaus genommen und hat mich allein hier sitzen gelassen. Nun, Freund! – was sagst du zu dieser Errungenschaft vom Jahre 1848?« Am 6. Juni 1850 9 Sagt dazu der Verzehrungs-Steuereinnehmer: »Mein lieber Freund, diese Geschichte sieht wohl dem ersten Anscheine nach etwas spaßhaft aus, aber im Grunde liegt, wie es mir vorkam, und wie es mir mein inneres Gefühl sagte, doch etwas sehr Ernstes in dieser Geschichte. Ich will es schon zugeben, daß die Pfaffen bei der nun wieder erreichten kirchlichen Freiheit so manches versuchen werden, wodurch irgend ein ihn wünschenswerter Volksaberglaube wieder belebt werden könnte; aber auf diese Weise, Freund, Freund, das werden sie fein bleiben lassen! Es mag in den früheren Zeiten sich wohl so mancher gäule Pfaffe in nächtlichen Stunden gegenüber einer schönen jungen Nonne oder sonstigen Betschwester einen Spaß erlaubt haben, der vielleicht sehr nach einer himmlischen Maskerade roch; aber also öffentlich gegenüber offenbar amtlichen Aufsichtsmenschen, und nota bene in einer sich im Belagerungszustande befindlichen Kaiserstadt dürfte sich wohl der verschmitzteste Jesuit so was nimmer erlauben. Ach weißt du, ich bin sicher kein Freund der Pfaffen; aber ich glaube, daß sich zu solch einem Geschäft wohl keiner herbei lassen würde, selbst so er im Ernste die bedeutendsten Vorteile davon zu erwarten hätte. 10 Aber ich halte von dieser mir wahrlich ganz chinesisch vorkommenden Geschichte ganz was anderes, und zwar: – Entweder sind diese sechs verkleidete hohe Personen oder sie sind am Ende im Ernste das, als was sie sich ausgegeben haben. Denn, weißt du, aufrichtig gesagt, mir kommt meine ganze Lebensgeschichte hier in Wien, so ich die Sache bei rechtem Lichte betrachte, etwas sonderbar vor; und das bringt mich heimlich immer mehr auf die Vermutung, daß ich mich entweder in einem Traumleben befinde oder ich werde von irgend einem sonderbaren Schwindel geplagt. Auch eine Menge anderer Bemerkungen habe ich schon gemacht, und mich dabei am Ende, wenn ich die Sachen näher beurteilt habe, höchlichst verwundert, daß derlei Vorkommnisse mir nicht eher aufgefallen sind. So zum Beispiele habe ich dir seit ungefähr einem Zeitraume von zwei Jahren her aber auch nicht einen Fuhrwagen gesehen; und ebensowenig irgend eine Equipage, was gewiß sehr sonderbar ist. So gehen auch äußerst wenige Menschen hier vorüber, und von einem Hineintragen von den gewöhnlichen Viktualien ist auch keine Rede mehr; gewöhnlich werden seltene, mir ganz unbekannte Wurzeln und Kräuter, und geselchte Wölfe, Füchse und kleine Bären vorbei getragen, und noch eine Menge anderes so dummes Zeugs mehr, daß man darüber lachen muß. Ich kann dafür auch von niemanden eine Steuer erheben, weil derlei Dinge in keinem Steuertarife vorkommen; und verhalte ich auch jemanden dazu, so gibt er mir gar keine Rede und Antwort und geht unaufhaltsam seines Weges weiter; mir aber fällt es auch dann gar nicht bei, daß ich jemanden anhalten solle. 11 Letzthin sah ich so in Gedanken vor mich hin, und bemerkte ein großes wertvolles Goldstück von neuester Präge so etliche Schritte vor mir am Boden liegen; ich eile hin, um es aufzuheben. Als ich hinzukam, ist das ganze Goldstück verschwunden, und an seiner Stelle lag eine zertretene ganz kohlschwarze kleine giftige Natter. Ich wollte sie mit meinem Visirstabe hintan schleudern; als ich sie aber noch kaum berührte, so metamorphosierete sie sich augenblicklich in einen recht sonderlich häßlichen Raubvogel, der in dem Augenblick auf und davon flog, als ich den verwunschenen Prinzen von einem Großdukaten mit meinem Visirstabe davon schleudern wollte. Letzthin war ich auch auf eine außergewöhnliche Art von einer Erscheinung affiziert worden; ich sah zum Fenster hinaus und es regnete gewaltig stark; mir fiel es erst auf, daß ich es bis dahin durch sage 2 Jahre, weder regnen und noch weniger schneien gesehen habe. Ich eile schnell hinaus, um mich ein wenig anregnen zu lassen; wie ich aber doch sicher schnell genug hinauskam, da war dir aber vom Regen auch keine Spur mehr; und ich fing erst über die Sonderbarkeit der Witterung an nachzudenken, und es kam mir wahrlich sehr sonderbar vor, daß ich hier noch nie eine Sonne gesehen habe, und wahrlich gar nicht weiß, woher wir das Licht haben. Oder hast du schon einmal eine eigentliche Nacht erlebt oder einen Winter, Frühling, Sommer oder Herbst? Sieh', alles dauert hier so in einem und demselben Zustande fort, und uns fällt es noch dazu am Ende gar nicht auf, daß die Sachen hier eben so sonderbar stehen, an denen wahrlich weder der Belagerungszustand und eben so wenig irgend wo daseiende Jesuiten Schuld tragen können. 12 Siehe, aus diesen Vorkommnissen bin ich um so mehr genötigt und geneigt zu glauben, daß wir für's erste nicht mehr auf der eigentlichen Erde uns befinden, und somit dem Leibe nach schon lange gestorben sind; und für's zweite, daß die sechse danach sehr leicht das sein können, als für was sie sich ausgegeben haben; und, weißt du was, ich werde ihnen nachgehen; sie stehen gerade noch dort vor einem Hause; bei denen muß ich ins klare kommen.« – 13 Spricht der Sergeant: »So warte, ich werde auch mit dir gehen!« – Beide machen sich sogleich auf den Weg und gehen uns eiligst nach; 14 als sie zu uns kommen an der Stelle vor einem Hause, in das wir zuerst den Petrus sandten, auf daß er besuchete die Kranken darinnen und heilte, die zu heilen wären, da sagt der Verzehrsteuer-Einnehmer: »Meine lieben erhabensten Freunde und besonders Du Urweiser von Nazareth! Eure Rede fiel mir auf, und weckte mich insoweit, daß mir gleich darauf auch sehr verschiedenes anderes aufzufallen begann, was mir früher lange nicht aufgefallen wäre, und auch nicht aufgefallen ist, obschon es mir und vielen tausend anderen schon lange hätte auffallen sollen; zugleich durchrieselte mich bei eurer Gegenwart an meiner Maut ein so merkwürdig wohltuendes Gefühl, daß ich mich kaum halten konnte, euch sogleich zu folgen. Ich kämpfte zwar eine Weile ganz männlich gegen dieses Gefühl und schützte ihm meine Kaiserlich-Königlichen Beamtenpflichten vor; aber das Gefühl sagte wie ganz mächtig laut: Was kaiserlich, was königlich; so Gott dich ruft, dann hört der Kaiser und der König für ewig auf. Und ich wandte auf solche Stimme meines Gemütes meinem Kaiserlich-Königlichen Mauthause sogleich den Rücken und bin meinem innersten Triebe gefolgt, und bin nun bei euch, ihr sicher weiseren Freunde, als wie da ist unsereins. Erlaubet mir aber nun auch, daß ich dem Drange meines Gefühles nach bei euch mich wenigstens so lange aufhalten darf, als bis ich durch eure Güte und Weisheit so viel Einsicht erlangen werde, um einzusehen, das ich bisher wirklich nicht eingesehen habe, wo und was ich denn hier so ganz eigentlich bin. Ob das Wirklichkeit oder ob das etwa bloß nur so ein ewiger Traum ist? Lebe ich noch auf der Erde? was ich stets mehr bezweifle, und mich auch stets mehr und mehr Wunder nimmt, daß ich bei so verschiedenartigen von der wirklichen Erdnatur gänzlich abweichenden Erscheinungen es nicht noch bei weitem mehr bezweifle. So es euch möglich ist, was ich durchaus nicht bezweifle, da zündet mir in meinem Gehirnkasten so ein kleines Lichtlein an!« Kapitel 201 Der Steuerkassierer wird vom Herrn aufgenommen und belehrt; der Zöllner wird zurückgewiesen. Des Paulus Missionsgang in das Haus »zum guten Hirten« 1 Rede Ich: »O ja, das tun wir recht gerne! was in unseren Kräften steht, das werden wir auch sicher tun; nur mußt auch du dann deinen Teil zu verrichten nicht unterlassen! Bleibe also deinem Wunsche nach bei uns und gebe auf alles acht, was wir reden und tun werden, und tue das, was dir gut dünken wird, und du wirst auf diese Art bald ins klare kommen.« 2 Hier tritt auch unser Sergeant vor und fragt: »Freund! darf auch ich bleiben? denn ich habe mich auch eines etwas Besseren besonnen!« – Sage Ich zu ihm: »Du bist wie ein Fuchs und trauest dir viel zu; aber es wird nicht ein jeder angenommen, der da kommt und sagt: Freund, auch ich will bei dir bleiben! Der bei Mir bleiben will, der muß eines reineren Herzens sein denn du! Hast du doch nie an Christus geglaubt, wie möchtest du nun dem folgen, den du für einen verschmitzten Jesuiten hältst? Wir werden uns wohl noch einmal wo sehen, aber für jetzt wäre es für dich und deine Erkenntnis noch zu früh; daher gehe du nur wieder auf deinen Kaiserlich-Königlichen Posten zurück, und gebe zuerst dem Kaiser das seine, und sehe, wie du dann Gott das Seine geben wirst! Es stehet aber geschrieben: Zu der Zeit aber werden zwei in einer Mühle sein, der eine wird angenommen, und der andere belassen werden; und zwei werden auf dem Felde sein, der eine wird angenommen, und der andere am Felde belassen werden. Du wardst geladen, und fandst es nicht der Mühe wert, der Einladung zu folgen; darum werden die an den Straßen und Zäunen eher zu Mir kommen und ein Gastmahl halten mit Mir, denn die zuerst Geladenen.« – 3 Spricht der Sergeant: »Bei der Sprach' wird's einem ehrlichen Menschen ohnehin übel, und somit Gott befohlen!« – Hier geht der Sergeant wieder auf seinen Posten zurück, natürlich schimpfend. 4 Der Verzehrsteuer-Einnehmer aber sagt: »Das hätt' ich von diesem Menschen nicht geglaubet, daß er so widerchristlicher Art wäre. Es ist wohl schwer, Christus für den allmächtigen Gott anzunehmen, da man unter dem Begriffe Gott etwas zu unendlich Großes und heiligst Erhabenstes sich vorstellet; während Christus doch nur ganz vollkommen ein Mensch war, so wie ein jedweder andere Mensch, nur mit dem Unterschiede, daß Er mit dem Geiste Gottes sehr erfüllt war; mehr noch denn ein Moses, Samuel, Elias und noch eine Menge andere Propheten. Aber Christus ganz zu verwerfen, ihm nicht einmal die Würde eines Weisen, Der Er doch sicherst war, zu kommen zu lassen, das ist etwas zu stark!« 5 Sage Ich: »Gut, gut, was aber hältst du von Christus?« – Spricht der Einnehmer: »O, ich halte Ihn solange für das höchste Gottwesen, als bis sich nicht irgend ein anderer größerer, besserer und vollkommener Gott wird auffinden lassen. Denn mit einem Gotte, Der zu endlos großen Wesens ist, und den daher auch nie ein geschaffenes endliches Wesen erschauen wird können, ist mir wahrlich wenig gedient. Christus ja, der ist mir schon recht; aber irgendwo ein unendlich großer Gott Vater oder ein noch unbegreiflicher heiliger Geist können von mir aus sein wie sie wollen, mich werden sie nie genieren. Ich halte mich einmal an Christus; das andere wird dann schon Er machen!« 6 Sage Ich: »Nun recht, recht so; halte dich nur recht an Ihn, so fest als dir nur immer möglich (ist); alles andere wird sich dann schon von selbst finden und machen lassen. Nun aber kommt Petrus aus dem Hause; wir wollen hören, welche Effekte er darinnen zuwege gebracht hat.« – Spricht Petrus: »Herr, wahrlich, da sieht es schlimm aus; ohne Gericht wird sich da wenig bezwecken lassen! Denn da gibt es eine Verstocktheit, eine Blindheit und einen Wahn, der selbst in Sodom und Gomorrha kaum anzutreffen gewesen sein möchte, als Du, o Herr, sie mit Schwefel vom Himmel vernichtet hast. Wäre ich angreifbar, wahrlich diese Brut da drin hätte mich in die kleinsten Stücke zerrissen. Herr, die Kranken bedürfen eines kuriosen Arztes und einer ebenso kuriosen Medizin.« 7 Sage Ich: »Nun, gut denn, so lassen wir sie, aufdringen werden wir uns niemandem; und so ziehen wir weiter!« – Spricht Robert: »O Wien, o Wien! auch du hast gerichtet, die zu dir gesandt waren; der Herr vergebe es dir! Ich werde keine Rache je an dir nehmen; aber da du des Herrn vergessen willst, da du dich mächtig wähnest durch die Gewalt deiner Wehrmänner und ihrer Waffen, so wirst du sehr gewaltig heimgesucht werden. Du magst den Herrn nicht annehmen, so Er dich heimsucht und dich heilen will; darum aber wird eine große Trübsal über dich kommen und eine große Not und Schmach; und du wirst dann rufen: Herr, Herr helfe mit! Aber der Herr wird verziehen und die Hilfe wird dir zu spät werden.« – Rede Ich: »Ja, ja, du sollst recht haben! Ich will hier auf diesem Wege nicht vorhersehen, sondern es nehmen, wie wir's hier finden werden; aber solle uns allenthalben ein solcher Empfang werden, dann Robert sollst du vollends recht haben.« Am 8. Juni 1850 8 Wir begeben uns nun weiter und kommen bald wieder zu einem Hause, wo an der Außenmauer ein guter Hirte aufgemalet ist, und die Helena sagt: »Herr! sieh', hier heißt es zum guten Hirten; unter solch einem guten Aushängeschild dürften vielleicht etwas bessere Geister hausen!« – Sage Ich: »Ich will nicht vorhersehen, gehet aber hinein und erforschet es!« – Spricht der Einnehmer: »Meines schwachen Wissens hat dies noch nie etwas besonderes beherberget; ich meine, das wird noch schlechter bestellet sein als das frühere.« – Spricht Robert: »Einen Versuch können wir ja wagen, was kann uns geschehen?« – 9 Sagt Johannes: »So ihr wollt, will ich das Haus betreten.« – Sagt Paulus: »Bruder im Herrn! mit Heiden kann ich am wirksamsten umgehen; daher lasse mich hier einen Versuch machen; denn du, mein geliebtester Bruder, bist viel zu sanft gegenüber solchen Wesen, und würdest auch wenig ausrichten; ich aber bin etwas barsch und ernst, und verlange, wo du zu bitten pflegest. So hier noch was zu richten ist, da werde ich sicher nicht leer ausgehen. Richte ich aber nichts, so werdet ihr, du und Petrus, auch nichts ausrichten.« – Spricht Johannes: »Lieber Bruder im Herrn! sehr gerne gönne ich dir dies Geschäft im Hause Roberts; aber ich meine, daß hier auch deine Schritte vergeblich sein werden; denn wo die Liebe leer ausgeht, da geht der Ernst noch leerer aus.« Kapitel 202 Paulus unter Geistermaterialisten, seine Reden an sie und deren Antworten. Ein durchschlagend anziehendes Wunderchen vom Gold machen. Gleichnis vom Wettrennen 1 Paulus geht nun ins Haus und sagt darinnen zu einem Haufen Menschen, die gerade eine geheime Beratung halten, wie sie eine großartigste Demonstration gegen das Ministerium können ins Werk setzen (?!) : »Der Friede sei mit euch, ich Apostel Paulus, ein Knecht Jesu Christi, vom Herrn Selbst zu euch gesandt, ermahne euch in aller Liebe und Geduld und in der wahren christlichen Sanftmut, die da ist ein rechtes Schild und ein fester Schirm gegen jeden Feind, daß ihr ablasset von euren bösen nichts fruchtenden Beratungen, von euren höchst unlauteren Begierden und daraus hervorgehen sollenden Werken. Kehret eure Herzen dem Herrn zu und traget Ihm vereint eure Not vor und Er wird euch helfen wahrhaft. Noch weiß die Geschichte kein Beispiel, daß der Herr je jemanden, so er sich ernstlich an Ihn gewendet hat, nicht erhöret hätte; und Er wird auch vor euch Sein Ohr und Herz nicht verschließen, so ihr in eurer Not euch an Ihn wendet, und in euren Herzen saget: Herr! Du liebevollster heiliger Vater! helfe uns aus unserer großen Not, denn wir sind ja auch Deine Kinder! So ihr also reden werdet, da auch wird der Herr mitten unter euch sein und wird jedem geben das seinige. Bedenket, daß eine jede Menschenhilfe gar keine Hilfe ist, sondern oft nur ein größerer Schade, als so sie nie einem sie Suchenden zuteil geworden wäre. Suchet also die Hilfe bei Gott dem Herrn aller Herrlichkeit und es wird euch für ewig wahrhaft geholfen werden.« – 2 Tritt einer aus dem Haufen zum Paulus vor und sagt: »Was willst du, verkappter Pfaffe und sicheres Mitglied des verkappten Paulusvereines, der nun schon auf eine allerunverschämteste Weise sein Metier zu treiben anfängt? Sehe, daß du weiter kommst, sonst sollst du hier in optima forma Jesum Christum erst kennen lernen!« – Spricht Paulus: »Lieber Freund! ich sage dir, daß du und deine ganze Gesellschaft euch ja schon durch eine geraume Weile nicht mehr auf der Welt, sondern rein nur im Geisterreiche befindet, und tuet aber noch immer, als wäret ihr in eurem Fleische auf der finstersten Welt. Lasset euch ermahnen und werdet des wahren Zustandes inne, in dem ihr euch befindet!« – 3 Schreiet der Hervorgetretene: »Hinaus mit diesem Schmafuh-Pfaffen! Da schau't einmal so eine Figur an! Jetzt will uns der Kerl begreiflich machen, daß wir schon gestorben wären. Ah' da geht der Spaß zu weit; daß er sich für 'n Paulus ausgibt, das ist sicher eine schwärmerische Finte des neuen Paulusvereins und gehört offenbar ins Narrenhaus; aber daß wir schon Geister seien, das ist zu viel auf einmal, darum hinaus mit solch einem besonderen Paulus!« – 4 Spricht Paulus: »Höret, ich will euch noch ein Wort sagen und danach könnet ihr mich hinaustreiben oder behalten, wie es euch frei belieben wird. Ich selbst, als ich zu Gottes Berufe zu Damaskus in Asien vor nahe 2.000 Jahren zu einem Gesandten Christi ward, da geschah es mir nicht selten, daß ich ebenso, wie nun bei euch hier und manchmal wohl noch ärger angefallen wurde wegen der damals bei den Erzjuden und auch anderen Völkerschaften sehr verhaßt gewordenen Jesus-Heilslehre; aber so ich zu jemandem im Vertrauen sagte: Freund! prüfe die Lehre! und behalte davon, das dir gut dünkt! Sie kostet dich ja nichts, als allein deinen Willen und ein wenig Verstandes zur Prüfung. Und sehet, dadurch ward beruhigt so mancher, der mich im ersten Momente vor Wut und Ärger gleich hätte zerreißen mögen und wurde am Ende selbst ein Eiferer für die Jesu Heilslehre und Lebenslehre. Und also sage ich denn nun auch zu euch: Prüfet eher an euch, was ich zu euch geredet habe und habt ihr etwas gefunden, das sich an euch denn doch erwahren solle; was kann euch dann hindern, es anzunehmen und für die Folge eurer Leben danach zu richten? So ihr dies euer eben nicht zu glänzend glücklich aussehendes Leben gut wähnet, jemand euch aber ein offenbar besseres bietet, wahrlich ihr müßtet ja rein besessen und von allen Sinnen sein, so ihr das, was ihr bei einiger Prüfung als besser findet, von euch weiset und das viel minder Gute behieltet. Darum prüfet, prüfet! und dann erst urteilet! 5 Was aber habe ich mit dem neuen Paulusvereine zu tun? Wahrlich, ich sage es euch: Ich als der wahre Paulus und dieser neue Verein unter meinem Namen haben wohl nichts anderes mit einander gemein, als den an sich selbst ganz toten Namen; in der Lehre und der zwecklichen Tendenz aber ist er von mir noch weiter entfernt, als der geistigste Himmel und die materiellste Erde. Mehr kann ich, als der wirkliche, lebendige und leibhaftige Paulus nicht sagen und ihr könnet von diesem meinem Bekenntnisse hinreichend entnehmen, daß ich weder ein finsterer Pfaffe und noch viel weniger ein Paulusvereinler bin. Prüfet aber alles zuvor und tuet dann erst, was ihr wollet und was euch am besten dünket.« – 6 Sprechen nun mehrere so recht proletarisch rauh: »Ja, ja, die Red' wär' grad' so dumm nicht; aber zwei schlawutzige Sach'n sind denn doch noch dabei, und das ist, daß du der wirkliche Paulus sein willst und daß wir schon g'storb'n wär'n, da hätten wir ja entweder gar keinen Leib mehr und wären pure Geister oder wir wären wohl etwa gar nicht mehr, was das Gewisseste ist. So du aber doch nicht blind bist, da mußt du's ja sehen, daß wir alle ganz vollkommene Leiber haben, mit Haut, Haaren, Fleisch und Knochen. Oder haben denn deine Geister auch Leiber? Wann das, dann magst du recht haben, aber sonst wohl in Ewigkeit nicht.« – 7 Spricht Paulus: »Ich sagte aber ja zu euch: Prüfet! und es wird sich zeigen, ob ich zu euch eine Unwahrheit geredet habe.« – Sprechen mehrere: »Prüfen, prüfen, das ist leicht gesagt; aber wie? das ist eine andere Frage. Wie sollen wir denn das prüfen? Sollen wir das etwa einem Minister unterbreiten?« – 8 Spricht Paulus: »Habt ihr kein Geld bei euch?« – Sprechen die anderen: »Geld!? welch eine dumme Frage! Wie kämen denn wir und s' Geld etwa zusammen, und das in Wien noch dazu, wo schon lange gar kein Geld mehr existiert. Nein, ist aber das wieder eine dumme Frage von dir gewesen! Wien, wir, und s' Geld!? Das ist ja beinahe schon gar nicht mehr wahr, daß in Wien einmal ein Geld existiert hat, und wir sollen nun ein Geld haben. Lumpen ja; aber lange schon kein Geld mehr. Wanns dir mit so einem Geldfetzen gedient ist, so können wir damit schon aufwarten.« – Spricht Paulus: »Lasset sehen, es solle sich zeigen, was sich daraus machen läßt!« – 9 Sprechen die Redner des Klubs: »Schau du, der du schon durchaus der berühmte Paulus sein willst, wir werden jetzt auch ein wenig heiligschriftig mit dir reden. Petrus soll einmal vor der Pforte des Tempels zu Jerusalem zu einem lahmen Bettler gesagt haben, als dieser ihn um einen Almosen anredete: Mein Lieber, Gold und Silber habe ich nicht; aber was ich habe, das gebe ich dir. Sieh nun, du lieber Paulus, das sagen wir nun auch mit sehr vielen und tiefen Gründen: Gold und Silber haben wir schon lange keines mehr; aber was wir haben, nämlich Fetzen, das geben wir dir. Petrus gab zwar dem Bettler die Gesundheit, die wir dir darum nicht geben können, weil du für's erste ohnehin kerngesund bist; und wärest du's auch nicht, so könnten wir dir keine geben, weil wir keine solche Heilkraft in uns besitzen. Da wir dir sonach weder wirkliches Geld noch irgend eine Gesundheit geben können, so nehme denn hin, unseren Gewinn, da ist nichts drin‘n. Sieh, ein barer 10 Kreuzerfetzen. Verwandle ihn, so es dir möglich, in 10 Dukaten dafür und rechne dann auf unsere besondere allseitige Dankbarkeit!« 10 Paulus nimmt den 10 Kreuzerzettel und verwandelt ihn augenblicklich in wirklich 10 allerschönste und gewichtigste Dukaten. Die Klubisten staunen über die Maßen und sagen: »Nein, Freund, du kannst schon mehr als Birnen braten allein. Ach das ist wirklich mehr als zu viel auf einmal! Das übersteigt schon alle Döblers und Boskos! Das wär' so ein Künstler nach dem Herzen des Ministers Kraus und nach dem Herzen Rothschilds und noch sehr vielen Millionen Herzen. Nein, hörst du, Paulus, mit deiner Kunst könntest du auf's österreichische Papier ein wahnsinniges Agio zuwege bringen. Weißt du was, wir behalten dich! Du bist uns wie aus allen Herzen zugleich erwünscht.« – 11 Spricht Paulus: »Nicht so, und deshalb wollen wir (nicht nur) in eine nähere Freundschaft treten, sondern auf daß ihr der Kraft Gottes des Herrn in mir gewahr werden möget und daraus ersehen, daß ich euch kein Lügner und Betrüger bin. Ich verlangte von euch ein Geldstück und ihr alle hattet nicht einmal einen reellen Kreuzer; das zeigt auf euer Leben hin, das ihr noch für ein irdisch materielles haltet, das im Grunde aber nun dennoch trotz aller eurer eingebildeten Behauptung und allerirrigsten Meinung eben so wenig Materielles in sich enthält, als eure Tasche Goldes und Silbers. 12 Aber ihr gabet mir dennoch in der 10 Kreuzernote ein rechtes Zeugnis über den Gehalt eures Lebens. Euer nunmaliges Leben gleicht ganz diesem schlechtesten Papiergelde, dessen innerer Wert natürlich so gut wie gar keiner ist, nur äußerlich hin gilt es auf eine gewisse Zeitdauer so wie diese 10 Kreuzernote. Wie aber nun auf der Welt die Papiergeldbesitzer nichts als Tag und Nacht spekulieren und simulieren, wie sie aus ihren vielen Kreditpapieren klingendes Geld machen könnten, so auch tut ihr und möchtet aus euren falschen in sich völlig wertlosen Leben ein wirkliches herausbeuteln. Aber eure Mühe ist eine rein vergebliche; denn alles Wertlose läßt sich durch ein abermals Wertloses unmöglich verwerten. So ihr für's Papier wieder Papier ausgebet oder einlöset, saget, welchen Wert hat dann das Papier? Ich sage es euch: Gar keinen; denn je mehr neues Papier für's ältere gesetzt wird, desto wertloser werden beide; 13 und gerade so ist es auch mit dem Leben. Das irdische Leben ist ohnehin an und für sich völlig wertlos; sein Wert liegt lediglich darin, daß man durch eine rechte und kluge Spekulation für's irdische nur scheinbare Leben ein wirkliches aus der göttlichen Lebenswechselbank erhalten kann. So ich aber das irdische Leben nur dadurch verwerten will, um diesseits wieder in ein noch schlechteres und leereres Leben einzugehen, so nehme ich’s schlechte Papier für's bessere frühere und bin somit ein Narr und ein unsinnigster Spekulant. 14 Habt ihr aber noch nie ein Wettrennen gesehen, wo gute Läufer innerhalb gewisser Schranken einen Rundlauf machen, eines rechten Preises wegen, den derjenige erhält, der natürlich am schnellsten laufen kann; und somit am ersten das bestimmte Preisziel erreicht. Ich sage es euch: Viele laufen in den Schranken; aber nur einer bekommt den Preis. Ist denn der Preis nur dem einen bestimmt? O, das sei ferne! Der Preis gilt allen; aber die sich die Mühe des besseren Laufens nicht nehmen, die müssen sichs denn am Ende selbst zuschreiben, so sie leer ausgehen. Ich aber sage euch: Laufet alle, der Preis ist groß und reicht für alle hin. So ihr aber gut laufen wollet, da müsset ihr aller eitlen dummen Dinge ledig sein, auf daß euch nichts im Laufe hindere und die Füße nicht vor der Zeit beschwere und müde mache. Der Lauf ist ein ordentlicher Kampf; der aber da kämpfet, der kämpfe vollen Ernstes auf's Bestimmte und Gewisse hin und haue mit seinem Schwerte nicht in die leere Luft. Der Gewinn ist eine gute Sache; aber der ihn nicht ernstlich mit aller Mühe anstrebt, bleibt ein armer Teufel ewig. 15 Ich machte aber auf euer Verlangen aus der 10-Kreuzernote 10 gute Goldstücke und ihr habt darüber eine große Freude! Ich tat das aber durch meine geheime Kraft, nicht um euch zu 10 Dukaten zu verhelfen, sondern um euch zu zeigen, was sich auch aus eurem papierenen Leben machen ließe, so ihr danach auch so, wie nach den 10 Stück Dukaten in euch ein Verlangen trüget. Denn euer hiesiges materiell scheinendes Leben gleicht ganz der 10-Kreuzernote, die wohl einen fingierten und durch die Umstände genötigten, aber keinen reellen Wert inne hat, weil sie an und für sich nichts ist, und auch nichts Reelles im Rücken zur Deckung ihres Nennwertes besitzt, auf das derjenige, der sie in ihrem Nennwerte annimmt, Rechnung machen könnte. Kann aber jemand, wie ich, hinter diese Note 10 reelle Dukaten legen, dann freilich wird sie ein hohes Agio erhalten, wie ihr es selbst bemerket habt; so lasset denn auch ihr euch umwandeln; werfet von euch alles Eitle, Leere, Nichtige! Machet leicht eure Füße, und tretet an – den Wettlauf nach des wahren Lebens Ziele, und es solle euch an meiner Seite ein rechter Preis werden!« Kapitel 203 Die Antworten der gewonnenen sechs Personen. Die Werbung des Paulus um die Restlichen, seine große Rede über die Fleischeslust Am 11. Juni 1850 1 Spricht der zuerst hervorgetretene Klubist zu den andern: »Reden tät er aber schon wie a Buch; und so a bißchen auf die Schwarzkunst verstünde er sich auch und ein prächtig's G'müd häd er auch und so närrisch sonst das Ding auch klingt, daß er uns für Geister und ihn selbst für'n Apostel Paulus hält; aber wißt's, so ganz leer scheint solche seine Behauptung nicht zu sein; denn mir ist auch schon so manch's aufg'fall'n, was i euch nit hab' sagen woll'n, weil's euch so wie mich g'wiß sehr stark geniert hätt'. Aber d' Sach ist amal so, und wir können's leid'r nicht anders mache. Darum mon i halt: Wir soll'n grod diesem Paul folg'n; denn schlecht maont er's nicht mit uns.« – 2 Sagen einige: »Ja, ja, probieren können wir's ja; was kann uns dabei g'scheh'n? Ist was dran, nun, so kann's nichts Schlecht's sein; und ist nichts d'ran, so hab'n wir nichts verlor'n. Also gut, wir fünfe sind mit dir einverstanden; was die anderen, die sich noch nicht erklärt hab'n, machen wollen, das geht uns natürlich nichts an; wir aber sind einmal dabei.« – Sagt der erste: »Wann nur noch aner wär', so machetmer grod die heil'ge Zahl aus. Nun, hat denn von euch keiner a Lust mehr dazu?« – 3 Tritt einer aus der Menge hervor und sagt: »Nun weil ich aus allen, die nicht mit euch stimmen, der Dümmste bin, so will ich in eure heil'ge Zahl treten; und wären nun »die sieben Schwaben« wieder beisammen. Aber das müßt ihr mir schon erlauben, daß ich als der Letzte hinter euch einhergehe und zu euch sage: Jockele, geh du voran, du hast jo Stifln an! Wißt's aber, was die heilige Zahl bedeutet? Ich seh' schon, daß ihr's nicht wißt, d'rum will ich euch's sage. Seht, sieben bedeutet einen Esel: als da sind zwei Eselsohren, zwei ditto Augen, zwei ditto Nasenlöcher und ein Eselsmaul, macht gerade sieben; ich glaube, daß uns keines dieser teuren Stücke fehlet und so sind wir denn auch ganz geeignet, alles das für bare Münze anzunehmen, was uns dieser wahrlich aus den Wolken gefallene Paulus sagt. Nur zu! so lange es gut geht, bin ich überall dabei; wann's aber dann schief zu gehen anfängt, so werde ich als nun Letzter beim Umkehren sicher der Erste sein; wie es auch irgendwo in einem Evangelium heißt: Und so werden dann die Ersten die Letzten und die Letzten die Ersten sein, nämlich beim Davonlaufen. 4 Ihr wisset, daß ich stets ein lustiger Kauz war und noch bin; aber daß wir schon gestorben sein soll'n, das geht mir nicht ein; denn wir müßten da ja doch etwas wissen davon. Denn das Sterben ist ja doch keine gar so unbedeutende Sache, daß sie der Betreffende gar so total vergessen solle können. Aber sei ihm nun, wie's ihm wolle, ich bin beim Dummwerden nun einmal dabei und so sei es denn! Um 10 Dukaten für ein lumpig's 10 Kreuzer Stück kann man ja wohl so etwas mitmachen. Ich hätte selbst noch so ein halb's Dutzend solcher 10 Kreuzerfetzen; vielleicht verwandelt's mir der gute Eskamoteur (Zauberkünstler) Paul auch per Kreuzer in Goldstücke. Wenn das, da bin ich dann vollends zufrieden.« – 5 Hier wendet sich dieser siebente an Paulus und spricht: »Höre, du lieber guter Freund, der du das sonderbare Vermögen besitzest, Papier in reines gediegenes Gold zu verwandeln und zwar auf die Art, daß aus 10 Kreuzer Scheinwert 10 Dukaten werden; sieh, ich habe hier gerade 6 solcher Zehnkreuzerfetzen; möchtest du sie mir nicht auch in Goldstücke umschaffen?« – Spricht Paulus: »Warum denn nicht, so es dir nach deiner freilich offenbar höchstblinden Meinung damit gedienet ist. Wo hast du deine Fetzen?« – 6 Sagt der siebente: »Hier sind sie schon nahe jeden Zusammenhanges ledig.« – Paulus rühret sie an und es werden in dem (selben) Augenblicke 60 Dukaten daraus. Der siebente sinkt nahe bis zum Boden vor Verwunderung und sagt nach einer ziemlichen Staunensweile: »Ja, jetzt ist es klar, das ist ein Wunder in optima forma. Denn beim früheren dachte ich, daß du, um uns in unseren Meinungen über dich gewisserart breit zu schlagen, bloß so ein Boskoisches Trugstückchen produziert hast; aber da höret des Bosko Kunst auf und an ihre Stelle tritt ein reines Wunder. In meiner Hand aus den 6 Zehnkreuzerfetzen augenblicklich 60 Dukaten herzaubern! Das geht über den Horizont alles menschlichen Wissens himmelweit hinaus. Jetzt aber glaube ich auch an die sämtlichen Wunderwerke Christi; ihre Möglichkeit liegt vor meinen Augen auf meiner rechten Hand und so glaube ich nun alles, was ich sonst ewig nie hätte glauben können. Sehe du guter Mann Paulus, nun glaube ich auch, daß du im Ernste der eigentliche und wahrhaftigste Paulus bist, wie auch, daß wir schon im Ernste gestorben sind.« – 7 Sagt der zuerst Hervorgetretene: »Ja, ja, der Meinung bin ich nun auch ganz festweg; aber wahrlich nicht so sehr dieses Wunderwerkes wegen, als vielmehr seiner früheren Rede wegen, die er, als wir ihn wegen der neupaulusvereinlichen Verdächtigung hinaus schoppten, an uns gerichtet hat; denn da hat wirklich der alte Paulus, wie er einst mag geleibt und gelebt haben, haufenweise groß und stark herausgeleuchtet. Mir ist die Rede erst nach und nach so recht in den Leib gedrungen und je mehr ich bei mir darüber nachdenke, desto mehr Paulus finde ich darinnen und desto mehr Wahrheit. Das Dukatenmachen aus den Fetzen ist wohl sehr blendend und breitschlagend; ob's aber deshalb auch gut und wahr ist, das ist eine ganz andere Frage. Ich setze den Fall, daß wir schon ganz sicher in der Welt der Geister uns befinden, in der doch sicher allerlei zauberhafte Dinge zum Vorscheine kommen dürften, da wäre es mit dem Dukatenmachen ein Spaß. Denn der gute Paulus darf sich recht fest zum Beispiele 100 oder 1.000 Dukaten denken und da die Geister Gedanken sehen können, so werden auch wir, so wir im Ernste Geister sind, des Paulus Dukatengedanken beschauen können.« – 8 Sagt der siebente: »Ja, aber wie kommt es denn, daß wir als Geister auch schon seit geraumer Zeit her uns mit lauter klingenden Gedanken beschäftigten und es kam anstatt der Fetzen auch nicht ein schlechtester kupferner Pfennig zum Vorscheine, geschweige ein Dukaten. Siehst du, da bin ich mit dir nicht so ganz einverstanden; es muß also hinter der Paulinischen Dukatenmacherei ganz was anderes stecken, als bloß nur feste Dukatengedanken.« – 9 Sagt der erste: »Ist nicht in Abrede zu stellen; aber dabei bleibe ich dennoch stehen, daß seine Rede besser war als seine Dukatenmacherei.« – Sagt der siebente: »Allerdings; aber er hat in seiner Rede eben gar herrlich auch gezeiget, was so ganz eigentlich seine Dukatenmacherei für uns bedeutet und wir können sie sonach so ziemlich der Rede gleichstellen.« – 10 Spricht Paulus: »Eure ganze Gesellschaft besteht aus 120 Menschen; sieben haben sich meinen Worten und Taten gefügt; somit blieben noch 113, die sich nicht gefügt haben; was ist mit ihnen?« – Sagt einer aus den 113: »Wir bleiben und brauchen nichts mehr von deiner Lehre und von deinem Golde.« – 11 Spricht Paulus: »Nun ist geöffnet die Pforte zum Reiche Gottes; wer da hinein will, der wird hinein kommen; wer aber nun nicht will, der wird dann, so die große Pforte der besonderen Gnade wieder geschlossen wird, schwer hineinkommen. Denn obschon der Herr stets unveränderlich ist in seiner Liebe und großen Erbarmung gegenüber und für alle seine Geschöpfe und Kinder, so ist Er aber dennoch in der Gabe Seiner besonderen Gnade nicht allzeitig gleich; denn für's erste gibt Er diese nicht jedermann gleich und nicht jedweder bekommt sie, sondern nur wenige, die da erwählet sind vom Anfange an und dazu schon also geschaffen und zugerichtet, die besondere Gnade in sich ohne Nachteil für ihr Sein fassen und ertragen können. Aber zu allen Zeiten sind die Propheten nicht da; nicht jedes Erdjahr bringet seine eigenen zum Vorscheine; da gilt es kaum von 100 zu 100 Jahren irdischer Zeitrechnung für die Zulassung besonderer Gnaden in den Propheten, die da sind nach dem Willen des Herrn aus Seiner besonderen Gnade, auf daß sie schauen Dinge des Geistes und hören das Wort aus dem Munde Gottes und dann verkünden beiden – den Schwachen und den Blinden der Erde; damit diese denn auch selig werden mögen und eingehen in die Gnadenhimmel Gottes. 12 Und also höret ihr Tauben! und sehet ihr Blinden! Nun ist wieder eine solche zugelassene Epoche der besonderen Gnade Gottes des Herrn; Boten aus den höchsten Himmeln durchziehen nach allen Richtungen die unteren und untersten Sphären der finstern Geisterwelt; ja der Herr Selbst tut dasselbe, um die Unglücklichen glücklich zu machen; und auf der Erde und in allen Weltkörpern werden nun besondere Propheten und Knechte des Herrn erwecket und geben den anderen Menschen das Licht und das Wort aus den Himmeln. 13 Aber leider kehren sich nur wenige daran; viele aber tun, was ihr tut: sie lachen den Propheten ins Gesicht und spotten ihrer oder drohen ihnen gar. Aber diese Zeit wird bald wieder vergehen und die besondere große Gnadenpforte Gottes wird wieder auf lange hin verschlossen werden den Kinder der Welt und des Gerichtes und so ihr dann rufen werdet in eurer großen Not, da wird euch keine Antwort werden und so ihr auch suchen werdet, da werdet ihr aber dennoch nichts finden und durch all euer Bittten und Flehen werdet ihr dann nichts bekommen. Jetzt aber, da noch die Zeit der besonderen Gnade währet, brauchet ihr weder zu suchen, noch zu rufen, zu bitten und zu pochen, sondern bloß einfach zu wollen nur und ihr werdet angenommen; denn nun werdet ihr gerufen, gesucht, gebeten, und an die Türe eures Herzens wird von uns aus gepochet, und ihr brauchet bloß ernstlich »herein« zu sagen und die Aufnahme in's Gottesreich ist bewerkstelligt. Was wollet ihr mehr? Nun tut der Herr alles, das ihr wollet zu eurer Beseligung für ewig; aber nach dem baldigen Ablaufe dieser besonderen Gnadenzeit werdet ihr alles mögliche tun können und werdet dennoch nichts erlangen, wie ich es euch schon im Verlaufe dieser meiner Belehrung und Beredung gezeiget habe. 14 Aber ich sehe euren Sinn und danach wollet ihr nicht dem Geiste angehören und nicht folgen seiner sanften Stimme aus den geöffneten Himmeln, weil ihr auf die tote Stimme eures vermeintlichen Fleisches höret und wollet Weiber, um mit ihnen den Rest eures Lebens zu verbuhlen. Aber eure bocksgeile Gestalt will den Weibern nicht mehr gefallen und nach denen ihr gieret wie eine Hyäne nach einem Leichname, die haben vor euch einen Ekel wie vor der Pest; und die an euch noch irgend ein Vergnügen fänden, die wollen eurem Sinne nicht behagen, weil ihr zu geile Fleischböcke seid, und nur junges und fettes Fleisch wollt. 15 Wartet aber nur noch ein wenig; denn diese besondere Gnadenzeit wird nimmer lange währen und es werden dann Weiber über euch kommen, denen ihr werdet dienen über alle die Maßen. Da werdet ihr dann zu heulen und zu weheklagen anfangen und werdet euch vom Fleische der Weiber entfernen wollen; aber all euer Bestreben und all euer Heulen und Weheklagen wird dann vergeblich sein. Die Weiber werden um euere Lenden glühende Fesseln, aus Schlangen gemacht, schlagen, und werden euch also versenken in die Grube des Verderbens für ewig, daraus euch dann auch keine künftige Gnadenzeit mehr wird befreien können. Wehe euch und jedem hier in der Geisterwelt, wie auch jedem Geilbocke auf der Welt, so er seinen Sinn von der Gnade abwendet, und seine Augen nach dem fetten und jungen Fleische der Weiber richtet! Wahrlich wahr, so wahr ein Gott lebet, und so wahr Sein Wort durch meinen Mund nun an euch ergehet, so wahr und gewiß wird, das eurer Geilheit nun wie ein Himmel voll Lust und Wonne sich zeiget, und euer Herz verlocket, in aller Kürze für euch und für alle euresgleichen eine Hölle gräßlichster Art werden. 16 Ihr schimpfet darum auch in einem fort über die Regierungen der weltlichen Fürsten, weil ihr Aufwand zu viel der Schätze benötigt, und ihr dabei zu kurz kommet; aber dies Zu-kurz-Kommen geniert euch nur hauptsächlich eures zu unbefriedigten Fleisches wegen. Hättet ihr Millionen, bei Gott dem Herrn, euch wäre jede Regierung recht; denn da würdet ihr euch schon einen Fleischhimmel non plus ultra einrichten können; aber weil eure Finanzen nicht auslangen und ihr gewisserart mit den Schweinen die gemeinen Treber speisen müsset, und das nur selten, so seid ihr darob voll Grimmes gegen die Fürsten, die da die schönsten Weiber haben können, so viel sie nur wollen, mögen und können. 17 Aber das sehet ihr nicht ein, daß das Gott der Herr Selbst also anordnet und geschehen läßt, auf daß ihr zu euch kommen sollet und erkennen, daß euch Gott der Herr für etwas Besseres erschaffen und bestimmet hat, als bloß für die geilsten Werke des Fleisches nur, die der Mann wohl auch, so lange er auf einer Welt lebt, im wahren Fleische des Todes, zu verrichten hat, nach weisem Ziele und Maße, aber nie anzusehen hat als eine Bestimmung seines Seins, sondern als eine zufällige allezeit nüchterne natürliche Verrichtung, wie es deren zur Bedienung des zeitweiligen toten Fleisches mehrere gibt, von all denen diese die unwesentlichste ist. 18 Denn wer da auf einer Welt es tut nach Maß und Ziel, der tut wohl; wer's aber ganz unterläßt, der tut besser. Denn der Herr gab diesen Sinn dem Fleische nicht zu einem Bedürfnisse, sondern als eine Eigenschaft zum nüchternsten und weisesten Gebrauche. Wer aber daraus ein Bedürfnis sich macht, der ist ein elender Sünder, und die Gnade Gottes weicht aus seinem Herzen, da er dem stummen Gesetze des Fleisches gehorcht, und ihm in diesem Gehorsame einen Himmel der Böcke und Hunde nach der Gerechtigkeit des Todes und des Gerichtes erbaut. 19 Fasset es, wer es fassen kann! Wer immer an einem Gesetze, auf dem ein Gericht lastet, eine Wollust findet, und das Gesetz der Wollust wegen beobachtet und danach tut, der hat das Gericht schon in sich; wer aber das Gericht in sich trägt, der ist ein Sklave, und ist für die Freiheit in Gott und aller Wahrheit verflucht. 20 Und darum sollet ihr über dem Gesetze des Fleisches stehen, durch die freie Macht der Selbstverleugnung und durch die Liebe und den lebendigen Glauben an Gott den Herrn, auf daß ihr alles Gesetzes und alles Gerichtes ledig werden möget; denn ein Sklave des Gesetzes, ob natürlich oder moralisch, kann in das Reich Gottes nicht eher eingehen, als bis er jedes Gesetzes ledig geworden ist; denn niemand wird nach dem Gesetze gerichtet; denn das Gesetz selbst ist schon das Gericht; nur wer sich in der Liebe zu Gott über alles Gesetz frei erhebt, der wird auch frei werden in Gott, und in aller Wahrheit; denn die Liebe in Gott ist die alleinige Wahrheit. – 21 Nun habet ihr es alle gehöret, und niemand kann sich entschuldigen, als ob er es nicht vernommen hätte; tuet daher nun, das euch bestens bedünket!« Kapitel 204 Gute Antwort des einen. Paulus letzte Rede an die Hartnäckigen. Der lustige Wiener und ein derber Tiroler. Paulus bringt den Humoristen zurecht. Alle ziehen weiter Am 14. Juni 1850 1 Sagt einer aus der Mitte der 113: »Diese Rede war gewichtig, und deckt mir manches Geheimnis des Lebens auf; denn wer am Gesetze hängt, der hängt auch wie am Galgen des Geistes, und die Sünde wie nach ihr die Strafe sind nichts als Kinder des Gesetzes; je mehr es irgend Gesetze gibt, desto mehr gibt es auch Übertretungen und Strafen. – Warum sind denn nun in Europa nahe alle Kerker mit Verbrechern angestopfet? Weil die Belagerungsstände eine Menge neuer Gesetze erfunden haben, und die Menschheit – der allgemeinen Ordnung und Vermögens- und Lebenssicherheit wegen zur Danachachtung genötigt, – hat aber vom Anfange an dieses Joch abschütteln wollen, und so sind die Menschen dann dafür in die Löcher hineingeschüttelt worden, und sind richtig durch das Gesetz verflucht zur Strafe. Das Gesetz ist für Gesellschaften zwar nötig, aber dabei doch stets ein Übel und ein Fluch in der Gesellschaft. 2 Denn wären die Menschen, wie sie sein sollen – als wahre Menschen, da benötigten sie sicher keines Gesetzes, und stünden dadurch weit über jedem Gesetze; aber da die Menschen eigentlich, wie die allzeitigen Erfahrungen es nur zu hell zeigen und gezeiget haben, mehr Tiere und oft von der bösesten Art als Menschen sind, so bedarf es da freilich auch entsprechender Gesetze, durch die die wilden Leidenschaften der bildungslosen Menschheit gezügelt und gebändigt werden. Was wäre eine Schule ohne Schulgesetze? Was eine große Menschengesellschaft ohne dieselben! Daher müssen wohl Gesetze sein, als ein Übel gegen ein anderes Übel; aber demungeachtet läßt sich immer eine weise Gesellschaft von Menschen denken, die keine Gesetze bedarf, und dadurch auch vollends frei und glücklich ist und sein muß. Das also sehen wir alle hoffentlich recht gut ein, und können diesem Paulus nur alles Recht zusagen und nachsagen. 3 Aber wie kann sich ein Mensch oder 100 Menschen von noch so verschiedener Weisheit übers Gesetz hinaussetzen, mag das Gesetz ein natürliches, oder ein moralisches, oder politisches sein? Hält man das Gesetz, so ist man doch offenbar ein Sklave des Gesetzes; und hält man es nicht, und setzet sich darüber hinaus, so wird man vom Gesetze vor's Gericht gezogen, allwo einem des Gesetzes Fluch zuteil wird. Macht man aber das Gesetz gewisserart zur zweiten Lebensnatur, und hat an der Erfüllung desselben eine förmliche Lust, gleich wie ein Scharfrichter an der Hinrichtung eines armen Sünders, auf die sich mancher Henker oft schon Wochen lange freut, so ist man dadurch sich selbst zum lebendigen Gesetze geworden, und weil das Gesetz selbst ein Fluch ist dem Menschen, so muß ja denn auch ein Mensch, der es zum Selbstgesetze gebracht hat, der hartnäckigste Fluch sein. Wahrlich, da heißt es wohl: Herr! wer wird mich vom Gesetze je erlösen können?! 4 Wir sind aus lauter Soll und Muß zusammengesetzt. Das Muß ist rein des Teufels, und das Soll ist nun nicht vieles besser; denn was einmal geschehen muß nach dem Willen einer allmächtigen Gottheit, das ist schon gerichtet; was aber als dem eigenen menschlichen freien Willen anheimgestellet geschehen soll, das ist zwar noch nicht gerichtet, aber es stehet in der beständigen Erwartung des Gerichtes. 5 Nun frage ich euch als einer eurer besten Freunde: – Was tun wir oder was wollen wir tun? Dieser Mensch mit dem Apostelnamen oder meinetwegen auch derselbe Apostel selbst, so wir hier schon durchaus in der Geisterwelt uns befinden müssen (was mir im Grunde, offen gesagt, gar nicht unangenehm wäre; denn der Gedanke an den Tod war doch stets meine größte Qual) hat uns diese Geschichte wahrlich sehr klar und wahr auseinander gesetzt. Was ist's denn? folgen wir ihm. In die Hölle, die es sicher nirgends gibt, wird er uns nicht führen, und vor kein Gericht auch nicht, und so können wir ihm folgen ja auf die Gasse hinaus; da wird sich's wohl zeigen dann, was er eigentlich mit uns will.« – 6 Sagen die anderen: »Ja, ja, wenn wir schon wirklich in der lieben Ewigkeit sein sollen (?), da wär' es sogar dumm von uns, wenn wir einem g'scheidten Kampel von einem Paulus nicht folgen möchten. Nun, und g'fällt es uns draußen nicht, da können wir ja immer wieder umkehren; denn gezwungen können wir draußen doch ebenso wenig werden, als wie herinnen.« – 7 Spricht nun wieder Paulus, der sich unterdessen ganz ruhig verhielt: »So frei ihr hier seid, eben so frei und noch um vieles freier sollet ihr in dem Befolgen meiner Lehre und meines guten Rates an euch alle sein. Ich sage euch allen, meinen lieben Brüdern in Gott dem Herrn: Was verlieret ihr eigentlich hier, so ihr diese Stube verlasset? Nichts als eine ekelig leere Erwartung einiger geiler Dirnen, die euch bloß eure dumme, das ist so viel als blind erhitzte Einbildung vormalt, sonst aber für euch und für gar viele euresgleichen in solchem naturmäßigen Zustande nirgends in der Wirklichkeit weder zu finden und noch viel weniger zu haben sind. Was ist ein leerstes Phantasiebild gegen die Wahrheit? Ich aber will euch für all das ekelhafte Leere die vollste Wahrheit geben; was solle euch denn hernach noch abhalten können, mir zu folgen in die heiligen Sphären des Lichtes, der Wahrheit und des Leben, welches ist die Liebe in Gott, der da ist Christus, der Ewige, der Wahrhaftige. 8 Ihr seid nun schon eine geraume Weile leibesledig hier, in eurer einbilderischen Erwartung; aber welche Erfolge sind euch geworden? Sehet! gar keine, außer daß sich euch dann und wann ein nebliges Gebilde irgend eines weiblichen Wesens auf einige Augenblicke gezeiget hat, und dann wieder in nichts verrann. Diese Augenblicke sind aber auch alles, was ihr hier als euch Beseligendes aufzuweisen habt; nicht einmal einen schlechtesten Wein, und nicht einen Bissen Brot, und kurz gar nichts habt ihr noch genossen, und dennoch wolltet ihr anfangs nichts hören vom Verlassen dieses leeren Ortes, der zu sonst nichts taugt, als zum noch dümmer und noch elender werden, als ihr es ohnehin schon lange seid. 9 Aber wohl euch nun, daß ihr in euch den guten Entschluß gefaßt habt, mir zu folgen; denn nun werdet ihr erst dahin gelangen, wo die Urwahrheit und Urwirklichkeit alles Seins und Bestehens zu Hause ist. In aller Welt ist alles Lüge und Täuschung, das euch je irgendwo vorgekommen ist; euer Leben selbst, eurer Besitz, eure Wissenschaft, alle eure Künste und Schätze, nichts als Lüge und Trug war es; und wäre die materielle Welt was Besseres, so müßte sie beständig sein, wie die Wahrheit selbst für ewig eine und dieselbe beständig ist und bleibet; was aber bleibet in der Welt als beständig? Ich sage es euch – nicht einmal »das Wort Gottes!« Denn auch dieses wird so viel nur immer möglich von der Lüge der Welt durchtrübet, und dann in allerlei Dummes, Falsches und Böses verkehret. Darum ist es aber den Menschen verhüllt gegeben, auf daß es in seinem Heiligsten nicht verunreinigt werden kann. Die Welt ist nichts als eine gerichtete Lüge, auf eine bestimmte Probezeit; so diese beim Menschen aufhört, dann erst beginnt das Gottesreich der ewigen Wahrheit. Und so machet denn nun auch ihr in euch der Welt ein Ende, auf daß dann in euch das Gottesreich anfangen kann Platz zu greifen. Und so denn folget mir alle!« 10 Sagt einer, der seiner Natur nach eines guten Humors ist, stets mehr lustig als traurig: »So leb' denn wohl du stilles Haus, wir zieh'n von dir vergnügt hinaus! Sollten wir uns irgend wann in der allerliebsten Ewigkeit wiedersehen, so werden uns beiden die Augen offen stehen. O du liebes Gebäude du! wie schön haben wir in dir Hunger und Durst, und an durchaus keinem Geldüberflusse gelitten; ja, wie oft sind wir vor allerlei Rührung zwischen deinen 4 Wänden zu Tränen gekommen, an denen aus purer freisinniger Ökonomie nur zwei schmale und niedere Fenster angebracht sind, jedes aus 6 kleinen Glastafeln bestehend, die aber so vielfach mit Blei durchzogen sind, daß dem Lichte nur sehr kleine Flächen zur beschmutzten Durchpassierung belassen sind. O, das ist rührend! Freunde! daß wir beim Verluste dieses Hauses nicht nur nichts verlieren, sondern nur ungeheuer gewinnen, das wird hoffentlich doch jedem von euch bestens und klarst einleuchtend sein. Mit dem Haus' – ist's also aus; nun werden wir sehen, wie es uns geh'n wird drauß. 11 Das Spaßigste bei der Sache aber ist und bleibt das, daß wir schon sämtlich, wir wir hier sind, unsere Madensäck' abgelegt haben, und bloß Seelen sind, mit Haut, Haaren, Knochen, Hintern und noch was. Auch müssen wir als Seelen die gewöhnlichen Notdurften verrichten, und Hunger und sehr viel Durst verspüren, haben aber wenig, um sie zu stillen. Merkwürdig! daher wird's wahrscheinlich kommen, daß man auf der Welt schon oft sagt: Das ist aber eine arme, hungrige und durstige Seel! Ja, ja, über ein elendes Leben in Wien steht denn doch nichts auf; das dumme Völkl singt mit hungrigem Magen noch immer ein lustig's Liedchen vom Tod. Die Reichen geben nichts her, die Minister schreiben Steuern aus, der Kaiser weiß sich vor lauter Unterhaltungen nicht zu helfen und schaut nur, was der Kaisergroßpapa im Eisbärenlande spricht; das einzige hat ein G'wicht, alles andere ist nichts; und wer da was dawider spräche in seiner Not und Schwäche, der kann's verspüren bald, ob jung er oder alt, mit wem er's hat zu tun im Belag'rungstande nun; der Kaiser ist nicht faul – und gibt ihm ein's auf's Maul. O Nikolaus, o Nikolaus, du großer Mann! Nach Österreich hast dir g'baut die Bahn, und Preußen in der großen Not leckt schon jetzt an deinem Kot; was wird's erst später werden auf der lieben Erden! Das Deutschland in Wirr'n schon schmeißet Zwirn, und's liebe, starke Frankreich, wird auch schon totenbleich; wenn England sich nur rührt, wird Europa gleich verwirrt. O, das sind schöne G'schichten! Sei'n wir froh, daß wir nimmer leben auf der Erd'. O Wien, o Wien, o Wien, wohin, wohin, wohin treibt dein Unsinn, Unsinn, Unsinn? 12 Aha, schau, schau, schau der Mensch! – Während meines Geplausches sind wir nun auch samt und sämtlich auf die Gasse gekommen. Wie war denn das möglich? Denn ich kann mich ja gar nicht erinnern, daß ich aber auch nur einen Fuß in die Höhe gehoben hätte.« – 13 Sagt sein Nachbar, so ein recht derber Patron: »Wie kannscht du aber a so dumm sein, und um so wos frogn? Siegscht denn nit, wos dös ischt! Dös ischt hold ane Zauberei, Gott steh uns bei!« – Sagt der Humorist: »Wenn nur ein Tiroler nie sein Maul auftät'! Denn, wenn ein Tiroler zu reden beginnt, so bebt die ganze Erde vor Dummheit!« – Sagt der Tiroler: »Dös loß du schtean, daß du mi schimpfscht, süscht (sonst) krieagst mi a Fauntsche auf dei Gefriesch, dosch dir die roate Supn obedreantsche (herabrinnen) wird.« – 14 Sagt der Humorist: »O du dummer Kerl von einem Tiroler! siehst denn nicht, daß wir jetzt Geister sind, die bloß Willen und Verstand, aber keine Leiber haben! Wir sind nun so etwas außerordentlich Luftiges. So du mir nun eine allerechteste Tirolerflauntsche gäbest, vor der sonst das gesamte Rindvieh von ganz Europa eine besondere Achtung haben sollt', so würdest du damit dich aber nur lächerlich machen, denn da schlügest du mit deiner Luft auf die meine, und es schlüge da eine Dummheit die andere. Petter! stecke daher ein dein Schwert, es hat ja keinen Wert. Denn wer mit dem Schwert umgeht, der kommt auch durch's Schwert um. Siehst du, das steht geschrieben in der heiligen Schrift, hast du sie einmal gelesen?« – Sagt der Tiroler: »Ober bischt du dümm! Wia kunnt iachs denn lösen, bin do nia in a Schul gongen. Ober dös wäß i wohl, daß iach von da heilge Schrift meh woaß als du!« – 15 Sagt der Humorist: »Nun, nun, werde nur nicht so massiv wie deine Berge in deinem Landl! schau lieber dorthin, wo unser Paulus dort nun gar so freundlich mit einem lieben, schlichten Manne sich bespricht, und wie ihm jener die Hand drückt, aus lauter, wie dankbarer Freude! – Und dann schau dort weiter rechts hin – ein Mädchen, wie's keine zweite mehr wo gibt! – No du, dös wär a so a rechte Tausendelement-Lisl! du, dös wär ein anders Früchtl als deine fünfzähnluckete Nazi beim gschecketen Hirschen! du! da gehen wir ein wenig näher hin! Meiner Seel, die wär' mir schon lieber als wie die österreichische Staatsschuld! Was meinst du blatterstepziger Tiroler?« – Sagt der Tiroler: »Du bischt di hold noch immer a tamasches Luder von an Menschn. Siagscht denn nöt, doß af solchen Bahmern für ünsch kane Feige woxn! Bleibmer, wo wir san, do isch viel gschieder für ünsch.« Am 17. Juni 1850 16 Spricht der Humorist: »Gelt, du hast nur keine Courage nicht, sonst gingest du schon hin. Ja, ja, die Courage, die Courage – die fehlt dir wohl sehr stark; denn ich habe es immer gehört, daß die Tiroler nur hinter den Felsen, wo sie schußsicher sind, couragierte Leute seien; aber im offenen Felde der Davonlauferei sehr ergeben, so es irgend wo ein wenig hitzig herzugehen beginnt. Und so wirst du davon wohl etwa auch keine Ausnahme machen. Ich aber werde wohl hingeh'n, und werde pflichtgemäß dem guten Paul meinen Dank abstatten, daß er uns so gut und zu unserem Wohle ins Freie heraus geführet hat. Wir sind freilich nun noch in unserem lieben Wien, aber da doch wenigstens in einer der belebtesten Straßen, wo es stets sehr lebhaft zugeht, und das ist schon ein ungeheurer Profit und steht viel höher, als das Hocken in einer solchen wahrhaftigen Bleikammer, und sich in derselben von allen Trutten abdrucken lassen. Kurz und gut, Paul hat an uns Großes getan; ich muß ihm darum meinen Dank abstatten.« – Spricht der Tiroler: »Siagscht, siagscht, wosch du vor a Hauptschlawiner bischt! Moanscht, iach kenn' dich epes nöt! Dös Menschle schticht dich in d' Augn, und dößhalben mögschd hingeahn, nöt ober epes n' Paul z' dank'n. Ober schau nuar, döß d' weiter kimmscht, sünscht wirsch dö bald seahn, obs die T'ruller a Courage hobn oder nöt; versteascht mi?« – 17 Spricht der Humorist zu einem anderen Nachbar: »Freund! magst du mit mir hingehen, dem Paulus zu danken, daß er uns aus dieser Bleikammer befreit hat; denn mit diesem vierschrötigen Tiroler ist nichts anzufangen; sagt man ihm etwas, so wird er gleich schlagsüchtig und gebärdet sich wie ein Stier, der gerade im Begriffe ist, seinen Hörnern so ein kleines, unschuldiges Stoßvergnügen zu verschaffen. Also, wanns dich nicht geniert, so gehe mit!« – Spricht der Angeredete: »Ich geh' auch nicht; denn du hast auch mich beleidigt, indem ich auch ein Tiroler bin; freilich mehr gebildet als der andere. Wenn du den Tirolern Mangel an Courage vorwirfst, so bist du ein dummer Mensch, der das nicht weiß, daß die Tiroler die allertapfersten Krieger sind und allezeit waren. Schau, du tamischer Wiener, wann du ein rechter Mensch wärst, der Kopf und Verstand hat, so nähmest du schon von weitem den Hut vor jedem Tiroler ab; denn das sind noch Leute, die in die Welt taugen; ihr Wiener seid sonst nichts als allergemeinste Mistkäfer; und es ist für längere Zeit für keinen ehrlichen Mann eine Ehre, mit euch in Familie zu leben.« – 18 Spricht der Humorist: »O je, o je; itzt hab' ich's gut gemacht. Zwischen zwei Feuern vom gröbsten Kaliber! Jetzt habe ich aber auch die höchste Zeit, daß ich weiter kömme, sonst entleert sich noch ehestens ein echtes Tiroler Hochgewitter über mein Haupt.« – 19 Hier verläßt der Humorist seine Hochgebirgsgesellschaft, und begibt sich schnell zum Paulus hin, und sagt: »Liebwertester Freund! du hast uns allen eine große Wohltat erwiesen, und wie ich's bemerke, so ist es noch keinem eingefallen, daß er sich hier draußen im Freien bei dir bedanket hätte, darum du uns durch die Wahrheit deiner Rede aus unserer wahren Bleikammer befreiet hast. Ich habe daher vom tiefsten Dankgefühle gedrungen mir als erster die Freiheit genommen, dir als unserem allerwertesten Freunde hiermit meinen tiefsten und wärmsten Dank dazubringen.« – 20 Sagt Paulus ein wenig lächelnd: »Schön, schön von dir, aber nur hättest du hier auch den Hauptgrund angeben sollen, der dich vorzüglich ganz besonders zu diesem deinem Dankgefühlsaufschwunge vor mir genötigt hat. Sieh' der grobe Tiroler hatte recht, als er zu dir sagte: nicht der Paulus, sondern das Menschle sticht dir in die Augen. – Also in Zukunft nur alles, was wahr ist; denn hier, vor uns ist es wohl keiner Seele möglich, sich zu verstellen. Gehe aber nun nur auch zum Menschle hin, und mache ihr dein Kompliment! Aber vergesse es nicht, daß sie schon ein Weib eines Mannes ist, und zwar eben desjenigen, der neben ihr stehet.« – 21 Spricht der Humorist: »Lieber Freund! ich danke dir auch für diese Belehrung, denn sie ist wahr, und durchaus wahr; aber daß ich nun dieser wahrlich allerholdesten Dame sogleich ein Kompliment machen solle, während sie mit ihrem Gatten in ein tiefes Gespräch versunken dort stehet, dürfte denn doch ein wenig unschicklich sein. Je mehr ich sie aber betrachte, desto bekannter kommt mir ihr Gesicht vor, wie auch das Seine; es hat, so ich mich nicht irre, eine ganz außerordentlich frappante Ähnlichkeit mit dem berüchtigten, hm – hm – fällt mir aber gerade jetzt der Name nicht ein – no, no, no – kurz, er sieht einem Hauptdemokraten gleich, den ich vor ein paar Jahren oft – oft – in Wien gesehen habe. Vom Sehen aus sind mir also er und sie bestens bekannt, aber natürlich die Namen können mir nicht bekannt sein.« – 22 Spricht Paulus: »Daran liegt auch sehr wenig vorderhand, und wir haben nun gar um sehr vieles wichtigere Dinge zu tun, als uns mit ein paar Namen herumzubalgen, und uns dann drei Tage lang nach ird'schem Gebrauche zu verwundern, daß diese die und die seien. Ich werde dir aber nun einen anderen Rat geben; den befolge du, und es wird dein Schade nicht sein! – Falle du nun vor diesem meinem höchsten und allerbesten Freunde auf deine Knie nieder und sage: »O Herr, sei mir armen Sünder gnädig und barmherzig! nehme mich als ein sehr mächtig verloren gewesenes Schaf in deiner großen Gnade auf, und lasse auch mich genießen die Ausflüsse deiner Liebe und Erbarmung! – Sage aber solches mit aller Wärme deines Herzens aus, und dir solle dafür ein Heil widerfahren!« – 23 Spricht der Humorist: »O Freund! du verlangest sehr viel von mir! Bedenke, wie mich alle meine Bekannten auslachen werden und ansehen für einen barsten Trottel; und so mich dann jemand fragen wird und sagen: Warum tust du wohl solches? – Wer ist denn der, vor dem du wie vor dem allerheiligsten Altarssakramente bei der Wandlung auf die Knie gerutschet bist, und hast vor ihm schon getan, als so er unser Herrgott wäre? – Was werde ich solch einem Fragesteller zur Antwort geben?« – Sagt Paulus: »Nichts als: Tue auch du desgleichen, so wird es für dich besser sein, als solch ein leeres Fragen! Denn Der, vor Dem ich niederfiel, ist Jesus Christus der Herr – Himmels und aller Welten.« 24 Hier fällt unser Humorist am Boden nieder, und sagt hell lachend: »Nein, was z' viel ist, ist z' viel! Entweder bist du zeitweilig ein Narr oder dir beliebt es, mich und uns alle dafür zu halten, und dich also an unserer Schwäche zu belustigen. Es ist genug, daß wir dich unter dem Namen eines alten berühmten Apostels verehren, weil du uns wirklich durch deine Lehre zu einem wahren Apostel geworden bist; aber daß nun dieser dein noch schlichter denn du aussehender Freund nun so ganz mir und dir nichts Christus der Herr sei, und die anderen zwei höchst wahrscheinlich auch ein paar Apostel, und jene Dame etwa gar die allerseligste Jungfrau mit dem heiligen Joseph oder was beißt mich da unter der Achsel, sein solle, sieh, das geht vom Himmelblauen schon rein ins hell Kirschrote über! Lieber Freund, ist das wirklich dein Ernst oder machst du einen Spaß mit uns? – 25 Ich sage dir, Freund, aber nun ganz freundlich ernst: Mit derlei Spässen bleibe du uns vom Halse; denn sie könnten dir mit der Zeit ganz verdammt übel bekommen. Denn wisse du, mein sonst allerhochschätzbarster Freund; obschon ich zwar kein Pharisäer bin, das ist, in der neuen römisch-katholischen Art, die Christum aus Stärkemehl backt, und vor einer Oblate auf's Gesicht fällt, im Herzen, aber Christum und Sein heilig Wort haßt und verachtet, wie auch jeden, der sich rein nach der Gotteslehre Jesu hält; so bin ich aber dennoch ein wahrer innerer Verehrer Christi und bekenne vollkommen Seine unbestreitbare Göttlichkeit; aus welchem Grunde Er mir denn doch viel zu erhaben und zu heilig ist, als daß ich Ihn hier in den weltberühmt allergemeinsten Wienerstraßenkot herabziehen solle. – Glaube mir, obschon ich zwar in manchen Punkten, besonders im Punkte des schönen Geschlechtes kein Trapist bin, und kein Plato und kein Sokrates, aber demungeachtet bin ich ein großer Freund und Verehrer und Anbeter Christi. Daher bitte ich dich wohl, mit diesem Namen aller Namen ein wenig behutsamer umzugehen.« 26 Sagen nun auch die sieben, die sich zuerst an den Paulus angeschlossen haben: »Ja, ja, der Pepi hat recht; Christum den Herrn muß man höher achten, und es ist nicht schön von unserem sonst sehr achtbaren Freunde, daß er den Gottessohn in so einen ganz gewöhnlichen Menschen herabziehen will.« – Sagt Paulus: »Sei nur ruhig! es solle sich übrigens bald zu zeigen anfangen, ob ich recht habe oder nicht! – Ziehen wir nun weiter; denn hier sind wir bereits vollends fertig! Der Herr geht und so denn gehn auch wir!« Kapitel 205 Weitere Vermutungen der noch Blinden; sie kommen der Wahrheit näher. Eine Kompanie schwarzer Strauße kommt heran. In der Nähe zeigen sie sich als uralte Menschengeister 1 Sagt im Gehen der Humorist: »Was solle das wieder heißen? Der Herr geht, also gehen auch wir! Wer ist denn der Herr, was ist er als Herr, warum ist er ein Herr? Der Mensch wird doch etwa nicht im Ernste behaupten wollen, daß dieser echte polnische Schachermann am Ende dennoch Christus der Herr sein solle.« – Sagt ein anderer neben dem Humoristen: »Du Sepl! itzt wird mir die ganze Sache klar, was da mit dieser Gesellschaft es für eine Bewandnis hat.« – Sepl fragt: »Nun, was denn? rede!« – 2 Redet der erste weiter: »So höre denn! – Das sind feine russische Spione unter dem Deckmantel von einer gewissen transzendentalen Pietistik, mit der sie die Menschheit blenden. Es ist wahr, der sogenannte Paulus sprach wie ein Buch und seine zwei Geldwechslungsgeschichten sind von einer Art, hinter der sich entweder wenig oder wohl auch gar kein Betrug solle denken lassen. Aber ich denke da viel schärfer und sage: Eine plumpe Maske ist schlechter als gar keine; daher haben diese Russitschkis eine gar feine Maske gewählt, durch die man sicher ohne sehr vergrößernde Augengläser nicht leichtlich wie durch ein hohles Faß schauen wird. Christus, Paulus, sicher auch Petrus, Jakobus oder Johannes, und gar etwa auch Joseph und Maria! O wie denn anders? – Ein recht rares Sechstet! Der Christus wird so ein Hauptmagier sein, und sehr hieroglyphenartig reden, so er überhaupt etwas redet. Denn gewöhnlich sind solche Hauptmagier stumm gleich wie ein altes Stück Bauholz. Der sogenannte Paulus wird sein nächster Helfershelfer sein; auch in der Magie nicht unbewandert, aber hauptsächlich beim Redezeug zu Hause. Die anderen zwei scheinen mir mehr so Taschenspiels-Adjudanten zu sein, und der ganz vorne mit der schönen Zirkassierin ist höchst sicher so ein feiner Pfiffikoni und kennt sich überall aus; und seine Holdeste ist so ein Lockvögelein und manchmal gegen natürlich viel Geld so ein liebes Zugpflästerchen für gewisse Schmerzen und Anschoppungen im Unterleibe. Zwar alles menschlich, aber der Art nach doch sogar für unser großes Wien etwas selten. Nun Sepl, fangst nun schon an, dich ein wenig auszukennen?« – 3 Sagt der Humorist: »Ja, ja, die Geschichte hat wohl ein solch's Gesicht, daß man schier so was glauben solle; aber für ganz wie für alle Zeiten abgemacht möcht' ich die Sache denn doch nicht annehmen. Denn der Paulus ist wirklich ein Weiser, wie es in ganz Wien keinen zweiten irgendwo mehr geben dürfte; und der sogenannte Christus zwar ganz ein polnischer Jude, scheint aber sonst ein überaus guter Mann zu sein, ohne die geringste kaufmännische Tücke; und die anderen vier, die Zirkassierin mitgezählt, sehen wenigstens sehr honett aus, und man entdeckt nichts Gemein's an ihnen. Auch der Verzehrungssteuer-Einnehmer geht an der Seite des seinsollenden Christus ganz allerbehaglichst mit und scheint sich um sein Amt gar nicht mehr umsehen zu wollen. Also laufen auch wir mit, als ob wir bezahlet würden, ohne daß uns wer bemüßigte. Das sind denn auch Zeichen, die irgend ein Gewicht haben; was meinst du, mein Freund? Die Sache fängt an, für mich ein sehr bedeutend anderes Gesicht zu bekommen, als das im Anfange der Fall war. Schau hinauf an's Firmament! Der Himmel ganz rein, keine Sonne und doch ist Tageshelle vorhanden! Gelt, das frappiert dich nun! Schaue aber diese uns nur zu bekannte Gasse an! Siehst du außer uns aber auch nur eine bekannte Seele wandeln? Siehe, alles ist leer, die Häuser wie ausgestorben und auf der Straße wächst – incredibile dictu – das schönste Gras! sage mir, fällt dir diese Sache nicht auf?« – 4 Sagt der erste: »Allerdings hat die Sache etwas für sich! Am sonderbarsten sieht aber wirklich das Firmament aus, der Himmel ist förmlich lichtindigoblau, und alles ist ganz so beleuchtet, als wie von der Sonne am hellen Mittage; aber nirgends ist etwas zu entdecken, das da der Sonne gleichen möchte; kein Gegenstand wirft einen Schatten, überall gleiches Licht, und nirgends ein leuchtender Körper, weder eine Sonne, noch ein Mond, noch ein Stern! Ja, ja, du hast recht; das ist schon sehr merkwürdig!« Am 20. Juni 1850 5 Sagt der Humorist: »Nun, ich glaub's auch, daß die Sache so ein wenig merkwürdig sein könnte. Die Stadt, die Häuser und Gassen und Plätze sind wohl ganz vollkommen Wien; auch der Belagerungszustand mit seinen verpalissadierten Bastionen und Kanonen dauert in völlig gleicher Gestalt fort; nur ist das wachehabende Militär nicht so strenge gegen die Besucher der Bastionen und läßt sie wandeln ihre Wege; aber sehe dir einmal die Menschen an, so dir irgend welche unterkommen; da kann man wohl mit allem Rechte sagen: S' Mandl und s' Weibl ist nimmer zum auseinander kennen; und sie sind meistens weltfremd, wild und dumm wie die Chinesen, und traurig und wehmütig, als wenn sie schon halben Teils die Cholera hätten. – Dort schaue hin! vor einem Haustore stehen so einige Zigeuner, schaue sie nur an, was die für echte Froschgesichter machen, und wie sie sich dann und wann einander beriechen als wie die Sultl und Spitzl im Frühjahre oder als wie die echten Meckljuden, die ihre Schuldner, die als zahlungsunfähig vor sie um eine Prolongierung (Kreditverlängerung) flehend sich demütigst hinstellen, am Ende zu beriechen anfangen, ob kein Silber oder Gold aus ihnen röche. Sage! hast du so was sonst je im lieben Wien gesehen? Gelt, das ist rar.« – 6 Sagt der Nachbar: »Ist wahr, ist wahr, merkwürdig, sehr merkwürdig! Aber, he, he! dort, dort, wo sich die Gasse etwas beugt, was wandert denn dort wahrlich Wien ganz was Fremdes uns entgegen? Beim Kuckuck! das sind ja große, schwarze Straußvögel! die haben ungeheuer lange Hälse und noch längere Beine; und es gibt ihrer eine Masse. Sie kommen uns näher; wahrlich mit denen möchte ich gerade nicht einen Gassenkampf beginnen! Du Freund Sepl, zupf' du da ein wenig den Herrn Paul; er wird dir darüber wohl etwa eine Auskunft zu geben vermögen.« – Sagt der Sepl: »Zupf du ihn! warum solle das gerade ich tun? Die Vögel werden etwa wohl einer großen Menagerie ausgekommen sein! Der Herr Vetter Holzbamer wird sich doch etwa vor diesen afrikanischen Kapäunen nicht fürchten.« – 7 Sagt der Vetter Holzbamer: »Nein, das gerade nicht; aber wissen möcht' ich's doch, wo etwa diese Viecher her san. Vielleicht sein's etwa gar böse Geister? So wir nun etwa doch in der Geisterwelt uns befinden könnten, da wäre so was ja gar leicht möglich!« – Spricht der Herr Sepl: »Warum nicht gar! Geister werden's wohl sein, aber keine bösen; denn Geist muß alles haben, was da lebt. Aber nun machen die Luder förmlich Front vor uns, und aus ihren sonderbaren Mienen ist eine gewissen Kampfgier gerade nicht unverkennbar. Der Herr Vetter könnt' am Ende mit seinen bösen Geistern noch recht haben auch! Nun muß ich denn doch im Ernste den guten Paulus ein wenig zupfen gehen.« – 8 Hier zupft der Humorist den Paulus und sagt: »Höre, edler Freund! was hat's denn da mit den schwarzen Straußen für eine verzeifelte Bewandnis? Werden sie uns fressen oder was?« – Sagt Paulus: »O nein! sorget euch um nichts, diese werden uns nichts tun! Sie ziehen uns nur in Parade entgegen, um uns zu ersuchen, daß wir sie in ihrem Palaste besuchen sollen. Daher seid ganz zuversichtsvoll ruhig! In der Kürze aber werdet ihr es schon ohnehin erfahren, was es mit diesen Eisenfressern für eine Bewandnis hat.« – 9 Der Sepl gibt sich nun ruhig, und sein Vetter auch, und diese beiden beruhigen auch die anderen, die auch mehr oder weniger über diese Erscheinung stutzen. Als wir aber ganz in die Nähe dieser Vögel kommen, so verlieren sie mehr und mehr ihre Straußengestalt, und werden zu sehr hager aussehenden Menschen, von denen ein Paar vortritt, und den Robert ersuchen, daß er die ganze Gesellschaft in ihren alten, höchst adeligen Palast führen möchte. – 10 Robert sagt darauf freilich wohl, daß er der Herr nicht sei und weiset die beiden an Mich; aber die beiden sagen: »Wonn du nöt Herr, worum voron gahn?« – Und Robert sagt: »Weil es also des Herrn Wille ist; und also ist es auch des Herrn Wille, daß ihr euch an Ihn wenden sollet, so es euch in irgend etwas wahrhaft geholfen werden solle. Wir alle anderen können euch nicht helfen, außer durch Lehre und Rat; die Tat ist des Herrn allein; darum wendet euch an den Herrn; was Er anordnen wird, das wird geschehen.« 11 Auf diesen Bescheid vom Robert verfügen sich die beiden zu Mir und sagen: »Wonn du Herr, so gah mid ons sämtlich deiner Gesellschaft; wür bitten Di dorom!« – Sage Ich: »Was sollen wir bei euch? Wer seid ihr Hohen denn? daß Ich euch nicht kenne? Was waren eure Taten? – Ich kenne die Geister nur nach ihren Taten und nie nach ihrer Gestalt.« – 12 Sagen die zwei: »Wür sund kane Geister noh, wür sund Herzog, und Erzherzog, und König und noh mehr; und wür wohnen alle in einem Höchstadlings-Palast, und do sollst Du mid ons gahn, ond wür werden ons dort besser verstahn.« – Sage Ich zum Robert: »Also führe uns denn dahin, und wir werden sehen, was sich dort alles offenbaren wird.« 13 Robert sagt nun zu den zweien: »So ihr es vernommen habt, was der Herr nun geredet hat, so tretet vor mich hin und führet uns alle in euer Haus.« – Sagen die beiden: »Wür hohn kan Haos, wür hohn nur ann Höchstadlings-Palast, weil wür sund von de höchste Adl.« – 14 Sagt die Helena, die schon etwas pitzlich wird über die höchst langweilige Gesprächsweise dieser Höchstadligen: »No, no; schauts nur gleich, daß euer Höchstadlings-Palast am End' etwa gar so ein recht schmutzigs Saustallerl ist. Jetzt wollen die einen Palast, nein, das ist wohl zum Lachen; so graupige und klein zerlumpte Kerls, und einen Höchstadlings-Palast; no, no, wir werden es wohl sehen, was da für ein Palast herauswachsen wird.« – Sagt einer der Höchstadlings: »Mane Jongfr, sa se stad mid Maul, sonst leg i ane Schlos af ihr Maul! Se moß froh san, wonn sie onser Herrgott lebe laht; had se verstahn?« – 15 Sagt die Helena: »Sie sagen's mir, wie lang ist's denn schon seither, als sie g'storben sind? Sie müssen ihrer Sprache nach zu urteilen doch noch so hübsch viel vor'n Adam auf der Welt g'lebt habn? Nein, ist aber das eine Sprache, bei der man alle Zustände bekommen möchte, besonders so man sie längere Zeit anhören müßte. Nun, wie ich's merke, so geht der Weg ja zu den Kapuzinern! Soll etwa dort der Höchstadlings-Palast sein?« – Sagt der eine Höchstadlings: »Stad sei mid dan Maul! du verstahn ons nöt, du best su jong, dorom hold stad dane Maul! Ba de Kopozenr son mehr wohl, obr nöt of de Erd', sonde ondr de Erd, verstahn du Jongfr!« – 16 Sagt die Helena: »Ja, ja, mir kommt es auch so vor, daß ihr noch so hübsch fest unter der Erde zu Hause sein werdet; das wird wohl s' erste Mal sein, daß ihr euch über der Erde befindet.« – Sagt der eine wieder ganz zornig: »Iche hohn de scho gsagt, daß dei Maul holde sulst, ob du thost de nöt fulge man Word, so werd i de muße ane obe schloga! Host du me verstahn?« – 17 Sagt Robert zur Helena: »Meine Geliebteste! mußt nicht gar zu viel reden mit diesen Wesen; denn sie sind sehr roh und könnten dir am Ende im Ernste etwas Leids antun. Ich sehe aber ja ohnehin, wohin sie uns führen werden, und so braucht man weiter nicht mehr darum zu fragen. Sieh, das sind lauter längst verstorbene Regenten des Hauses Habsburg und Lothringen; nun ruhen sie in der Herrschergruft bei den Kapuzinern, teilweise auch bei den Augustinern, wie auch einige in den Stephansdom-Katakomben, das ist ihr Höchstadlings-Palast. Wir werden nun sogleich bei ihren Särgen uns befinden; daher sei nur ruhig und stille!« Kapitel 206 Eine schwierige Aufgabe, die Erlösung der alten Habsburger. Die himmlische Gesellschaft in der Kapuzinergruft zu Wien. Des Lustigen Ernst 1 Mittlerweile kommen wir aber auch wirklich bei den Kapuzinern in der Gruft an, was einigen von unseren neuen Begleitern eben nicht gar recht zusaget; denn unser Humorist macht gleich die Bemerkung und sagt: »Nun frage ich jeden von euch noch so Unbefangenen aus euch: Was haben wir denn nun bei der Geschichte gewonnen? Gar nichts; von einem Loche hat uns der gute Paulus herausgefoppt, damit wir nun in ein noch ärgeres gesteckt werden mögen. O das Leben ist denn doch schön! Freunde, höret, eine Preisfrage: Was ist das Leben? Da die Antwort euch denn doch einige Mühe kosten könnte, so will ich als Fragesteller zugleich auch selbst die Antwort bringen. Seht! das Leben ist eine eingehülste Beweglichkeit, aus Hunger, Durst und allerlei anderem Elende zusammengesetzt; dies eingehülste Elend, was man Leben nennt, wird stets von einem Loche in ein anderes versetzt, und darin scheint auch die Bestimmung des Lebens zu sein! – Bei der Zeugung nimmt die Lochwanderschaft ihren Anfang, und hört nachher auch ewig nimmer auf; nur so schön fort von einem Loche ins andere in Ewigkeit Amen; 2 dahier in der alten Fürstengruft werden wir’s fangen; da können wir den alten Habsburgern ein bißchen herumspuken helfen. Denn sie allein werden ohnehin keine Spukerei mehr zuwege bringen; und so eine Spukerei von einem Karl oder Rudolf oder Leopold wäre doch sicher ein wahres Labsal für die hungrigen Mägen einiger Kapuziner, denen nun die Messen trotz ihres Kanzellärmens nichts mehr eintragen wollen, und für die freien Zustände der Alleinseligmacherin und Versetzerin und Erheberin der seligst im Herrn Entschlafenen in den Bauernkalenderhimmel. Wenn so eine Geisterspukerei von vielen gesehen und beobachtet werden könnte, und das in der Fürstengruft, welchen Glauben an die Messen würde das wieder mit sich bringen, und an die vollkommenen Ablässe? Also, vivat! Freunde, den Kapuzinern soll's geholfen werden!« – 3 Sagt ein anderer: »Aber Freund! hast du nun aber wieder einen Stiefel zusammen geredet! Wo aber steht denn das geschrieben, daß wir hier deshalb schon bei den Fürstensärgen in der Kapuzinergruft verbleiben sollen oder gar müßten, weil wir hierher gekommen sind mit den Freunden, die uns ehedem aus dem ersteren Quasi-Arreste befreit haben? Das war wohl wieder schwach, mein lieber Freund Sepl! Ich aber meine, diese Fürsten werden wohl auch den Wunsch haben, von ihrem langen Schlafe einmal erweckt zu werden, und haben sich, so gut es ihnen möglich war, an diese sehr wundermächtigen Freunde Gottes gewendet; daß wir denn nun aber auch mit hierher gezottelt sind, das ist unsere Sache, indem wir auch eben so gut hätten draußen bleiben können. Da wir nun aber schon hier sind, so seien wir auch ruhig; und hören, was alles die Wunderfreunde Gottes mit diesen alten Fürstengeistern tun werden.« – 4 Sagt der Zöllner: »Nun, das ist einmal ein Wort, das sich auf so einem ernstvollsten Platze hören läßt! Ein jeder dieser Särge ist eine Weltgeschichte von Völkern, die unter einem oder dem anderen dieser Regenten gelebt, gewebt, gewandelt und gehandelt haben. – Und wo Gott Selbst leibhaftig so einen Ort besucht, da müssen solche Protzer und Patzer, wie wir beide es sind, wohl schön fein s' Maul halten; sonst könnte es für sie am Ende nicht am Besten gehen. Dort schau hin, wie Paulus und der Herr Jesus nebst den zwei noch anderen wahrscheinlich auch Aposteln die alten Särge ganz wehmütig betrachten, und ein Paulus nun sagt: »O Herr, Deine Liebe, Gnade und Erbarmung hat keine Grenzen; aber da gibt es noch sehr viel Totes in den Särgen!« – »Hörst du Sepl? sehr viel Totes gebe es noch in diesen Särgen!« – 5 Spricht der Sepl: »No ja, das wird doch ein jeder Mensch wissen, daß so in einem Sarge keine Tanzreunionen gegeben werden, und es bedarf da keines Paulus, um so was einzusehen. Daß aber diese alten Fürsten mit ihrem oft sehr tyrannischen Herrschen über die armen Völker so manches Stückchen einer haarzubergtreibenden Geschichte zuwege gebracht haben, das Freundchen, weiß ich so gut wie du; und inwieweit diese Särge ehrwürdig oder nicht ehrwürdig sind, das weiß ich auch. Ob aber jener schlichte Jude, mit dem der sogenannte Paulus sich bespricht, Jesus, der bekannte Gottessohn ist oder nicht, das ist eine ganz andere Frage! Möglich ist alles; aber hier mangelt uns noch sehr das, was man für lieber wahr als für unwahr halten möchte. – Meinst du denn, daß ich etwa ein Feind Christi bin oder an Ihn nicht glaube? O, da irrst du dich sehr! – Ich verehre Ihn unendlich hoch; – und eben deshalb trage ich noch immer Bedenken mit diesem Juden da. – Ich gebe auf alles acht; sehe ich aber, daß Er es etwa doch sei, dann sollst du Wunder schauen an meinem Benehmen gegen Ihn; denn weißt du, ich liebe Ihn unendlich.« – 6 Sagt der Zöllner: »Das ist sehr schön von dir, so das dein Ernst ist; aber aus deinen früheren Reden hätte das wohl nicht leichtlich wer herausgefunden!« – Sagt Sepl: »Ja, ja, weil ich über die römischen Pfaffen nicht zu honnett gesprochen habe, so hast du geglaubt, ich sei etwa auch so ein halber Fetzen von einem Antichristen! Aber Freunderl, da hat's Zeit! Wenn der Freunderl n' Antichrist sehen will und den Herrn Teufel, sein'n Bruder, so gehe der Freunderl nach Rom; dort kann er ganze allerechteste Antichristenklumpen beisammen finden, als wanns die Tauben zusammen getragen hätten. Ja du mein Lieber, man kann eben dadurch erst ein lebendiger Verehrer und Anbeter Christi sein, so man im Herzen ein Feind des Papsttums ist; denn Christentum und Paptstum verhalten sich gerade wie ja und nein. Was das eine ist, dem ist das andere schnurgerade entgegengesetzt. Wann du mir das nicht glaubst, so gehe hin zum Paulus; der wird es dir auf Hebräisch sagen; wenn du’s Deutsche nicht verstehen solltest.« – 7 Sagt der Zöllner: »Ich habe die römische Religion wieder nicht gar so schlecht gefunden; und man kann in ihr auch selig werden.« – Sagt der Sepl: »O ja, wenn man mit dem Bauernkalenderhimmel zufrieden sein will; aber hübsch viel Maxen kostet es, und Zeit und Geduld. Nun aber heißt uns Paulus stille sein, und so gehorchen wir ihm!« Kapitel 207 Die Erweckungsrede des Paulus an die schlummernden Regentengeister in der Gruft. Eine gute Prophezeihung über die Wiederkunft Christi. Einige Hinweise von Paulus darüber Am 22. Juni 1850 1 Paulus richtet sich nun auf und sagt zu den Bewohnern der Gruft: »Ihr habt uns von unserer Bahn abgeleitet und berufen, euch gewisserart dringend nötig hierher zu folgen. – Was wollet ihr denn, daß wir euch nun hier tun sollen? – Welches Tatenvermögen trauet ihr uns wohl zu? – und wodurch waret ihr denn genötiget, zu uns zu kommen? – Redet nun, auf daß wir euch helfen nach eurer Not und nach der Rührigkeit eures Gemütes!« 2 Tritt der eine vor und sagt: »Ich bin ein Römisch-Deutscher (die Würde wird bei irdisch höchstgestellten Personen im Geisterreiche nicht leichtlich genannt, manchmal auch die Namen nicht), bin hier meines Namens und der Würde der erste und heiße R. (Rudolf I.); ich sah letzthin eine große Bewegung in der Luft, und ein feuriger Reiter trat zu mir hin und sagte: Dies euer Haus wird euch wüste gelassen werden, und kein Stein auf dem andern. Die Erde wird durch Feuer und Blut gesäubert werden; ein großes Wehe wird erschallen aus dem Munde der Großen, und Feuer und Pest wird zu Millionen hinraffen die Armen, und es solle kommen der Welt Ende. – Das waren die Schreckensworte des feurigen Reiters. Und als der feurige Reiter also geredet hatte, da hat uns alle eine sehr große Furcht angewandelt, so daß wir zu schreien anfingen vor zu großer Angst. 3 Aber der feurige Reiter sagte darauf zu uns: Es wird aber zuvor noch berufen Gott der Herr alle, auch die Verworfensten; im Geisterreiche wird der Herr Selbst kommen, und wird Sich zu erkennen geben allen, die ihre Nacht gefangen hält; die sich an Ihn wenden werden, die wird Er auch erhalten. Es werden Ihm aber vorangehen Seine Knechte Petrus, Paulus und Johannes und werden den Gefangenen verkünden das Licht, welches da kommt aus dem Namen des allmächtigen Gottes. Und die den Namen aufnehmen werden in ihr Herz, die werden selbst einen neuen Namen bekommen, und der Herr wird wieder aufrichten ihre morschen Vesten und zerfallenen Burgen. 4 Also wird der Herr auch kommen auf die Erde, und zwar zuerst auch nur durch's Wort, aus dem Herzen und Munde der Weisen, die Er erwecket hat, und noch mehrere erwecken wird; dann aber, so die Erde geläutert wird sein, auch in Seiner allerhöchstheiligsten Person, zu allen denen, die Ihn lieben und eines reinen, erbarmenden Herzens sind.« – Darauf verließ uns der feurige Reiter, fuhr wie ein Blitz von dannen, und wir sahen ihn dann nicht wieder. 5 Nun aber haben wir vernommen ein Gerücht, daß und zwar in diese unsere alte Residenzstadt Wien über die »Spinnerin am Kreuze« Menschen angekommen seien, die sich für Gottesboten ausgeben und auch Wundertaten verrichten, um durch sie für die Blinden die Wahrheit ihrer Sendung zu bekräftigen; wir sind auch bei dieser Kunde, sogleich diesen unseren Höchstadlings-Palast verlassend, in guter Ordnung hinausgeeilet, um womöglich mit solchen Boten selbst zusammen zukommen; wir sind mit ihnen wirklich zusammen gekommen und haben sie hierher geführet. Ihr selbst seid unleugbar solche Boten! – 6 Wir Fürsten legen darum unser Anliegen dahier zu euren Füßen, daß ihr unsere alten Vesten und Burgen wieder aufrichten und derart befestigen möget, daß sie nimmer von irgend einem Feinde wieder möchten erobert und zerstöret werden. Auch diesen unseren Höchstadlings-Palast möget ihr derart festen, daß ihn nimmer jemand solle verwüsten können. Das ist nun aber auch unser ganzes Anliegen, dessentwegen wir euch entgegenkamen und hierher geführet haben. Denn könnte diesem unsern Höchstadlings-Palaste irgend etwas Übles zugefüget werden, so wäre das auch rückwirkend und vorwirkend ein großes Unglück für die hohe Habsburg-Lothringer Dynastie, und es stünde bald sehr am Spiele um ihren Fortbestand. 7 Im Erdjahre 1848 ward in diesem unsern Höchstadlings-Palaste nur ein einziger Stein ein wenig locker, und sehet, die Dynastie hatte zu tun, um sich in ihrem uralten Ansehen zu behaupten. Sie hat sich nun wieder gefestet und hat den gerechtest redlichen Sinn – ihre Untertanen bestens zu regieren und zu leiten, die Guten zu belohnen und die Bösen ganz rücksichtslos zu bestrafen, nach dem Maße ihrer Vergehen, was gewiß vollkommen dem Willen Gottes gemäß ist und sein muß, weil Er Selbst es also tut und also haben will; es wäre darum wahrlich ein unberechenbares Übel für alle ihr untergebenen Völker, so sie (die Dynastie) nun könnte in irgend etwas gefährdet werden oder am Ende gar um ihren alten Thron kommen.« 8 Sagt Paulus: »Freunde! die Prophezeihung des feurigen Reiters ist richtig wohl, doch noch nicht »gerichtet«; aber eure Bitte und eure Sorge, die euch zu bitten nötigt, ist eitel, übereitel und sehr töricht. – Was können euch die alten Vesten und Burgen auf der Erde mehr nützen, deren viele Tausende durch der Zeiten Walten in Schutt verwandelt worden sind! Es hat wohl der feurige Reiter von der Aufrichtung eurer Vesten und Burgen geredet; aber es sind darunter nicht zu verstehen eure alten irdischen Vesten und Burgen, sondern euer Glaube und eure Hoffnung durch die Macht der Liebe zu Jesus, Gott dem Herrn. Das ist die Veste und die Burg; diese will der Herr bei euch, die ihr hier zufolge eures höchst eignen Wollens in tiefer Geistesnacht schmachtet, schon lange Zeiten, aufrichten und neubeleben. So ihr das wollet, da sage ich zu euch – im Namen des Herrn, Der auch hier ist, aber ihr Ihn nicht erkennet und noch nie erkannt habt: Das wird der Herr euch auch tun; so ihr Ihn darum bitten werdet; 9 auch die irdische Dynastie wird Er erhalten, so lange Er es für gut finden wird, und so lange diese so handeln wird, daß die Völker von ihr aus in keinerlei zu große Not geraten. Sollten die Völker aber in ihrem Herzen zu sehr laut zu klagen anfangen, dann wird der Herr der Dynastie auch sobald ein volles Ende zu machen verstehen. Denn die Dynastie ist vor Gott nichts, und ihr Thron ist auch nichts; und sie ist nicht da des Thrones wegen, und der Thron nicht der Dynastie wegen; sondern sie ist da als ein weise sein sollender Hirte der Kinder Gottes. Kann oder will sie diese Gottesherde nicht hüten vor allerlei Übeln und nimmer Gott geben, was Dessen ist, da ist sie nicht mehr zu brauchen; der Herr wird dann auch wissen einer hochtrabenden Dynastie ein völliges Ende zu bereiten und zu geben.« Kapitel 208 In der Gruft des kapuziner Klosters. Die Reden des Paulus an die Dynasten. Vom Verhältnis der Dynastie zu Gott und Volk. Leget ab euren Herrschersinn und werdet Lämmlein Gottes! Am 25. Juni 1850 1 »Ich, Paulus, ein wahrer Knecht des Herrn Jesus, sage es dir und euch allen: Vor Gott dem Herrn sind alle Throne und Dynastien ein Greuel. Aber so die Dynastie den Willen des Herrn achtet und handelt nach solchen Grundsätzen, die aus dem Worte Gottes und aus Seiner Liebe und Erbarmung abgeleitet sind, dann ist die Dynastie über dem Thron, und dem Herrn recht und genehm; mit solch einer Dynastie ist dann des Herrn Gnade, Macht, Kraft und Stärke, und wehe dem Feinde, der sie angriffe; wahrlich, er wird zu Staub und Asche zermahlen werden. Merket euch das, ihr alten, selbst in eurem Geiste tiefst eingefleischten Dynasten! Keine Dynastie ist an und für sich etwas, und kein Thron hat einen Wert und einen Bestand, so da nicht jemand hauptsächlich von Gottes Gnaden darauf sitzet. 2 Eine Dynastie, die der Herr aber – wie die Habsburger – so lange auf dem Throne beläßt, muß dem Herrn im allgemeinen doch recht sein, ansonst sie schon lange gleich anderen Dynastien sich auf keinem Throne mehr befände. – Ihr aber seid eben deshalb hier so lange in eurer Nacht und Blindheit, weil ihr in euren Herzen die Dynastie als etwas ansehet und für etwas haltet, das da auf der Erde und auch noch in der Geisterwelt das Allerhöchste sei, für dessen Erhaltung und Befestigung der Herr alle Seine Allmacht verwenden solle. – O sehet, das ist ein großes Irrsal in euren Eingeweiden. Der Herr ist freilich wohl die alleinige Stärke und Macht jeglicher Dynastie und jeglichen Thrones, aber nicht der Dynastie und des Thrones wegen, das vor Ihm nichts ist, sondern der Völker wegen, die vor Ihm allein etwas sind. – 3 Gott der Herr tut gegenüber einer jeden Dynastie, was da tut ein Hausvater und Grundherr, der viele Weideplätze, und viele Herden hat. Wenn ein oder mehrere Schafe seiner Herde schlecht sind, so wird sie der Besitzer dennoch pflegen mit aller Sorgfalt, auf das sie gut werden mögen; aber so der Hirte faul wird und schlecht, so wird er mit dem Herrn der Herden übel zu tun bekommen; und bessert er sich nicht, so wird ihn der Herr aus dem Dienste jagen und ihm nimmer eine Herde zur Hut anvertrauen. – Wenn der Herr aber auch hundert Hirten vom Dienste hinwegtut, darum sie schlechte Hirten waren, so wird er aber dennoch nicht ein Schaf darum wegtun, weil es schlecht geworden ist, sondern er wird es behalten und pflegen, aber einen schlechten Hirten wird er nimmer behalten und pflegen, sondern ihn weidlich vom Dienste entfernen. 4 Sehet hin über die ganze Erde; die Völker sind noch dieselben; aber wo sind alle die Dynastien, die einst diese Völker beherrschten? Sie sind schlechte Hirten geworden, und somit auch ihres Dienstes verlustig. – Entfernet sonach ihr aus euren Herzen das, was da töricht ist, und überaus eitel, und nichtig vor Gott! – Ziehet aus wie ein schlechtestes Kleid eure Dynasten, und ziehet an ein neues Gewand der wahren Demut und Erkenntnis, auf daß ihr dadurch möget in die Zahl der Gotteslämmer, die da sind die wahren Gotteskinder, aufgenommen werden! 5 Ihr habet aber alle die Worte vernommen, die der feurige Reiter an euch gerichtet hat. Da hieß es auch, daß bald auf die Boten, denen ihr entgegengegangen seid, der Herr Selbst kommen wird und aufrichten eure zerstörten Vesten und zerfallenen Burgen. Ich Paulus aber sage euch noch sehr viel mehreres denn jener feurige Prophet zu Pferde: 6 Sehet, der Herr, der da nach uns kommen sollte, ist gleich mit uns da! – Dieser hier an der Seite meines Herzens ist es. Zu Diesem gehet hin und traget ihm die Anliegen eurer Herzen vor! – Er allein besitzt die Urquelle des lebendigen Wassers; – so ihr das trinken werdet, da wird es euch nimmer dürsten ewig. – Ich habe euch zwar ein gutes lebendiges Getränk dargereicht; aber es stillet dennoch nicht des Lebensdurstes heißes Verlangen. Aber das Wasser Seines Mundes stillet jeden Durst für ewig. Darum also, da Er Selbst hier ist persönlich wesenhaft gegenwärtig, so gehet hin vor (zu) Ihm! – Er allein kann und wird euch helfen; wir anderen haben keine Hilfe in unserer Macht, wohl aber die Eigenschaft unsere blinden Brüder für die Hilfe aus Gott vorzubereiten.« 7 Sagt darauf der erste Dynast Rudolf: »Vom Anfange her war deine Rede gut, und du hast uns die rechte Sache recht gezeigt; aber daß dieser hier an deiner Herzseite Christus der Herr sein solle, also Gott Selbst von Ewigkeit, das ist dumm von dir. – Wenn ein Herrscher auf der Erde kein Abzeichen, als etwa einen Hausorden und dergleichen trägt, und einhergeht wie ein geringster Stallknecht eines gemeinen Bürgers, dann mag er sich es selbst zuschreiben, so er mit Kot beworfen wird. – So aber ein irdischer König stets auch durch äußeren Glanz zeigen muß, wer er ist, um so mehr wird das wohl beim ewigen Herrscher aller Herrscher der Fall sein. Zudem heißt es ja auch: Gott wohnt im unzugänglichen Lichte.« 8 Spricht Paulus: »O ja, das ist auch also, aber nicht für jedermann. Sieh hin! gerade das Licht, in dem sich der Herr nun befindet, wird für dich und deinesgleichen wohl schier das unzulänglichste sein. Denn das Licht der Demut und der Selbsterniedrigung ist für Wesen euresgleichen wohl schier das unzugänglichste. O, ich Paulus sage es euch, wäre der Herr strahlend wie eine Sonne zu euch gekommen, so hättet ihr Ihn sogleich anerkannt; aber in diesem Kleide ist Er euch unzugänglich. Es wird euch aber fürder schwer werden, in solche Seine Nähe zu kommen. – Ihr wisset nun alles; tuet sonach, was ihr wollt; ich habe ausgeredet vor euch.« Kapitel 209 Szene zwischen einem Dynasten und dem Herrn. Über Wunder und deren Gefahren. Geschichte des wunderbaren Wiener-Merkur und die Bitte um ein Wunder 1 Hierauf tritt einer dieser noch (geistig) toten Dynasten vor Mich hin und sagt: »Du hast es vernommen, was jener Paulus und der alte Rudolf von Dir geredet haben. – Siehe, die Sache klinget selten und nahe unglaublich; aber ich will mich an alledem nicht stoßen und komme daher zu Dir, um von Dir Selbst zu vernehmen, ob vom Zeugnisse des Paulus über Dich etwas Wahres sei im Grunde des Grundes. – Ich will jenen guten Mann, der sonst viel Weisheit besitzt, gerade nicht als einen Lügner ansehen, da er mir dazu viel zu ehrlich aussieht; aber gar leicht kann er für Dich zu sehr eingenommen sein und Dich deshalb in seiner zu starken Liebe zu Dir rein vergöttern; eine Erscheinung, die auf der Erde besonders bei den feurigeren Bewohnern des Südens tausendfach vorgekommen ist. 2 Ich aber will ihn deshalb weder loben noch tadeln, daß er solches von Dir aussagt, dieser gute Mann. Aber prüfen will ich die Geschichte denn doch, da es ja sogar geschrieben stehet, daß man alles prüfen und das Gute behalten solle. – Sage mir daher denn Du Selbst, was ich und respektive wir alle von Dir halten sollen. – Kann Gott wohl in Deinem Anzuge Seinen Geschöpfen erscheinen? – Oder kann Gott der Unendliche überhaupt von Seinen Geschöpfen gesehen und gesprochen werden?« 3 Sage Ich: »Freund, du verlangst von Mir nicht Worte, sondern Taten! Handle Ich vor dir aber wie ein Mensch in seiner Ohnmacht, so wirst du sagen: Das kann jedermann tun, ohne darum ein Gott zu sein; tue Ich vor dir aber Ungewöhnliches, so wirst du Mich entweder für einen Magier halten oder für einen Naturgelehrten und sagen: Das geht ganz natürlich zu, so man von den dazu erforderlichen Vorteilen die rechte Kenntnis und Praxis hat; und man ist deshalb noch lange kein Gott, so man auch anscheinende Wunder an's Tageslicht fördert. Würde Ich vor deinen Augen aber im Ernst eine Tat verrichten, deren ausschließend nur ein Gott fähig sein kann, so würde sie dir aber dennoch nichts nützen, sondern nur ungemein schaden; denn da wärest du gerichtet zum zweiten Male, und zwar sehr leicht zum ewigen Tode. Denn ein Gefesselter kann in Mein Reich, spricht der Herr, nicht eingehen. Glaube also den Worten Pauli, so wirst du leben. – Mehr von Mir sagen aber kann Ich vor dir auch nicht, indem du noch lange nicht reif dazu bist!« 4 Sagt darauf der Dynast: »Du hast wohl recht; aber das sehe ich gerade nicht ein, warum und wie mir ein wirkliches Wunder, als eine von Deiner sein sollenden Gottheit zeugende Tat, schädlich, ja sogar tödlich sein oder werden solle. – Ist doch alles ein Wunder der Allmacht und Weisheit Gottes, was ich nur immer anschaue, und ich bin zunächst mir das größte; und siehe, das alles bringt mich nicht um's Leben. Also, ob nun von Gott zu den zahllosen Wundern eines hinzukommt oder eines weniger wird, das solle bei Gott denn doch eins und dasselbe sein. Denn mich touschiert das wohl gar nicht, in welcher Gestalt die Gottheit sich ihren Geschöpfen zeigen wolle und wirken vor ihren Augen ein außergewöhnliches Werk; ich werde dadurch in meinem Geiste dennoch ganz ungebunden bleiben und denken und handeln wie jetzt, wo ich von Deiner Gottheit noch keine andere Überzeugung habe, als die: so ich daran glauben will oder kann. 5 Du kannst vor mir tun, was Du willst, und ich werde stets derselbe in meinem Tun und Lassen bleiben, der ich nun bin und allezeit war. Bist Du Gott, so bin ich Dein Geschöpf, und werde eine große Freude haben, meinen Schöpfer personaliter kennen zu lernen; und bist Du es aber nicht, nun, so würde ich Dich für keinen schlechten Menschen, wohl aber hie und da für einen überspannten halten, und das wird hoffentlich weder Dich noch mich touschieren. Als ich noch Herrscher war, siehe, da kam einmal ein sonderbarer Mensch am Wege einer erbetenen besonderen Audienz zu mir; und als ich ihn in meiner gewöhnlichen jovialen Weise fragte: Was wollt ihr von mir? Geld, Welt, Land, Sand, eine Ehrenstelle oder meine Seele; wollt ihr auf Erden ein Minister werden oder gar ein Hofnarr? – Da sagte er: Ich bin der Gott Merkur und leiste große Wunderdinge. Wollt ihr Gold? es steht in meinem Sold; wollt ihr Perlen und Edelgestein, wollt ihr Ambra und feinsten Wein? Wollt ihr den Mond auf Erden? es soll nach Wunsch euch werden; wollt eure Feind' ihr sehen? vor euch sie sollen stehen. Wollt Frieden oder Krieg? ich gebe euch den Sieg. – Darauf schwieg er, und ich sagte zu ihm: Vor allem, Freund, ich muß es euch gestehen, möcht ich allein nur meine Feinde sehen, und wissen auch nach altem Brauch, was ihr von mir verlangt dafür? Da sprach er: Ihr seid der Herr, und euer ist das Land; gebt bloß den Glauben mir zum Lohn und Pfand! Ich reichte ihm die Hand und sprach: Wird euch das Werk gelingen, und ich die Feind' bezwingen, dann soll an euch den Glauben kein Wesen mehr mir rauben. Und er bat mich darauf, daß ich in einen großen Spiegel hineinsehen möchte. Ich tat es, und sieh! merkwürdig, übermerkwürdig! Ich ersah auf der Stelle ganz klar und deutlich eine große mir wohlbekannte Menge derselben Menschen, die mir bekanntermaßen abhold waren, und im geheimen fortwährend gegen mich wühlten. Und ich sahe aber auch noch andere, die ich sonst für meine besten Freunde hielt, unter denen, die mich haßten; das war mir etwas zu arg doch. Und ich sagte darauf in großer Erregtheit meines Gemütes: Wenn dir, mein Freund Merkur, schon wirklich irgend ein göttlicher Funke innewohnt, und du im Ernste daraus deine Macht ziehest, so schaffe mir diese Feinde vom Halse; und was nur immer in meiner Macht stehet, will ich dir darum tun. – Da sprach er: Das soll geschehen, doch nicht auf eine übernatürliche Weise, sondern auf die natürlichste und zugleich angenehmste Weise von der Welt. Ihr veranstaltet ein großes Fest, aber lasset am Plafond eures größten Speisesaales eines starke Öffnung machen; und sehet, daß die Türen und Fenster wohl zu versperren sind. Lasset die Tafeln mit Speisen und Getränken bester Art reichlichst besetzen und vergesset nicht die Spieler, Gaukler und Pfeifer, so auch die Sänger und Harfner; so lange ihr an der Tafel bei diesen Gästen sein werdet, solle die vollste Heiterkeit herrschen; aber nach ein paar Stunden lasset ihr die Harfner, Spieler, Gaukler und Sänger abtreten; darauf entfernet auch ihr euch! Lasset darauf den Plafond öffnen und vorerst einen Sphärengesang durch die Öffnung ertönen, darauf aber sogleich große Massen von den allerwohlriechendsten Blüten, als Rosen und Hiazinthen, durch die Öffnung über die Gäste ausschütten, dann diese Öffnung wie alle Türen wohl verschließen; und in einer Stunde werden die Feinde im Dufte dieser Blumenblüten ersticken. – Und ich fragte den Merkur: Und was verlangst du für diesen Rat? – Und er sprach wieder: Nichts als deinen Glauben! Ich aber sagte: Was solle ich denn so ganz eigentlich von dir glauben? Und er erwiderte: Daß ich in aller Wahrheit der Gott Merkur bin, dem du einen Tempel bauen sollest in großer Pracht; an Gold und anderen Schätzen sollest du keinen Mangel haben; denn ich verstehe mich darauf, Schätze der ganzen Erde auf einen Punkt zusammenzubringen. – Ich aber sagte: Du bist ein närrischer Kauz. Ziehe mir den Mond herab, wie du es sagtest, und ich will dir dein Verlangen erfüllen. – Da zog er einen runden Spiegel hervor, stellte ihn auf einen Tisch, der an einem offenen Fenster stand, durch das gerade der Mond hereinzuscheinen begann, indem es schon sehr Abend geworden war; er stellte mich in eine gewisse Entfernung vor den Spiegel, und bei Gott und allen Heiligen, – ich sah den Mond, wie er ist, freischwebend in meinem Audienzsaale so natürlich, wie er am Firmamente zu sehen ist. Und ich sagte darauf zu ihm: – Daß du etwas mehr bist denn ein gewöhnlicher Mensch, das sehe ich nun schon ein und glaube fest, daß du so ein von Gott begabter Weiser bist, wie sie zu Zeiten die Erde getragen hat; aber für einen vollkommenen Gott kann ich dich darum nicht halten, weil du dich bisher, um etwas zu effektuieren, äußerer Mittel bedienet hast; sieh', ein Gott muß aus nichts eine Welt erschaffen können, ansonst er kein Gott ist. Du hast aber auch gesagt, daß du Gold und Edelsteine mir schaffen könntest, so viel dessen, als ich wollte. Also schaffe mir zum Beweise deiner Göttlichkeit aus nichts Gold und Edelgestein. Da sagte aber der Merkur: Meine Gottheit kannst du nicht schauen und danebst behalten dein Leben, darum darf ich vor dir denn auch kein unmittelbares Wunderwerk verrichten, da es dich töten würde. Mit den leichten äußerlichen, sage, nur bloßen Scheinmitteln aber verhülle ich meine Gottheit vor deinen sterblichen Augen. Ich will dir Gold und Edelgestein geben in aller Hülle und Fülle; aber dafür schaffe du mir her Eisen, guten Kalk und viel Kohle. – Ich ließ das alles sogleich herbeischaffen; er aber nahm dann aus einer Tasche ein Fläschchen und benetzte das Eisen mit einigen Tropfen von der Flüssigkeit, die er im Fläschchen hatte; und siehe, das Eisen ward zu blankem Golde. Darauf legte er Kalk und Kohle in ein ziemlich großes Gefäß, und begoß es mit einer anderen Flüßigkeit aus einer anderen großen Flasche, und es fing an zu zischen und zu brausen im Gefäße; und ein sonderbarer Geruch erfüllte bald den großen Saal. Er aber sagte: Dieser Geruch sei unschädlich und ich möge nur eine halbe Stunde Geduld zu Hilfe nehmen; – ich tat seinem Verlangen Genüge, ging aber unterdessen dennoch in ein Nebenzimmer, da mir der Geruch doch etwas unangenehm war. Nach einer halben Stunde aber rief er mich; ich kam und sah im Ernste die schönsten Diamanten im Gefäße, darin früher Kalk und Kohle gelegt ward, vom Kalke und von der Kohle aber war keine Spur mehr zu entdecken und der Saal war vom besten Geruche erfüllt. Ich ließ sogleich meinen Hofjuwelier kommen und untersuchen das Gold und die Edelsteine, und der Juwelier fand zu seinem größten Erstaunen alles echt. Das machte mich stutzig und ich sagte bei mir selbst: Wahrlich, so dieser Wundermann nicht mehr ist als ein gewöhnlicher Mensch nur, so wird das sehr viel sein; denn so was ist mir noch nie vorgekommen. Alle meine Hofchemiker und Apotheker machten große Augen, und wußten sich die Sache nicht zu erklären, und drangen in den Wundermann, daß er ihnen das Geheimnis kund täte. Er aber sprach: Das Geheimnis besteht in dem, daß ich ein Gott bin, ihr aber nur blinde, schwache und sterbliche Menschen. Da zuckten die Apotheker und Chemiker mit den Achseln und sagten: Ob du ein Gott oder ein Mensch seiest, wäre so schwer zu entscheiden nicht; man solle ihn töten wie einen Verbrecher, und der Tod würde da ein ganz unparteiischer Richter sein; stürbe er, so ist er auch ein ganz gewöhnlicher Mensch; und könnte man ihm aber den Tod nicht geben, dann wäre er offenbar ein Gott. Er aber sagte: »Ersparet euch diese Probe an mir! Bedenket, daß es mit Göttern nicht gut ist zu hadern oder zu scherzen! Denn ehe ihr euch's versehen möchtet, würdet ihr auch schon verwandelt sein in Asche und Staub.« Da wollten ihn die Leute ergreifen. Er aber verstieß sie wie Mücklein von sich und entschwand plötzlich aus dem Saale, und ward nachher nicht mehr gesehen. – Freund, das war doch eine sehr seltene Erscheinung; und dennoch blieb ich, was ich war, und mein Glaube nahm keinen Zwang an. Ich dachte mir: Es ist wohl möglich, daß du etwas mehr bist als ein gewöhnlicher Mensch; aber es ist auch möglich, daß du auf Kosten irgend einer geheimen Wissenschaft, die uns fremd ist, dich als ein Gott uns aufdrängen willst, um auf diese Art dann ein Herrscher über die Herrscher zu werden, was dir dann freilich eine bessere Rechnung trüge, als so ich dich für deine Wundertaten noch so kaiserlich belohnen möchte. Und so konnte ich diesen Gott recht gut ansehen samt seinen Wundern und dennoch leben dabei; warum nicht auch bei Dir, mein geehrtester Freund? – 6 Zeige mir denn auch Du etwas Wunderbares; erschaffe mir eine Welt vor den Augen und ich werde dabei gerade so mich verhalten, wie ich mich bis jetzt verhalte; denn bei mir ist kein Wunder größer oder kleiner; und Gott ist und bleibt Gott, ob Er eine Mücke oder einen Elefanten erschaffet, und ob Er im endlosesten Lichtgewande der Sonnen oder in dem eines Bettlers Sich Seinen Geschöpfen offenbaret. Was machte denn Christus mit all seinen Wunderwerken für einen Effekt bei den Juden? Sieh', nahe gar keinen, außer bei einigen für blind gehaltenen Fischern und Anverwandten, alle übrigen hielten ihn für einen Magier, Arzt und alles andere eher als für einen Gott; und doch war Er wirklich Gott Selbst.« Kapitel 210 Des Herrn Aussagen über die Gottes Wunder. Von der Erziehung und Führung der Erdmenschen. Vom Wesen Gottes und vom Wesen des Menschen. Der Dynast erkennt den Herrn als den Weisesten, seine Ansicht von Christus, sein ehrlich gutes Prinzip. Die gute Rede Rudolfs I. an seine Kinder Am 29. Juni 1850 1 Rede Ich: »Freund, was ein Wunder auf dich für einen Eindruck machen würde, das weiß wohl nur Ich am besten; daher solle dir auch keines gezeigt werden! Daß übrigens die gesamte materielle Schöpfung, die Erhaltung und Führung derselben allerdings ein bleibend großes Wunderwerk göttlicher Macht und Weisheit ist, das die Bewohner der Erde tagtäglich schauen und bewundern können, das ist in jedem Falle wahr und richtig. Aber weil die Bewohner der Erde wie aller anderen Weltkörper eben solche Wunder schauen, die daselbst freilich wohl die sprechendsten Gotteszeugen sind, so müssen sie aber auch in diesen Wundern sterben dem Fleische nach, das eben auch ein gleiches Wunder ist. 2 Jedes Wunder ist für die dasselbe beschauende Seele ein Gericht, von dem die Seele nur durch die Macht der möglichst größten Selbstverleugnung wieder befreit werden kann. Nun aber kann diese nur in dem bestehen, daß der Seele alles, was nur immer nach einer Nötigung den leisesten Geruch hat, hinweggenommen wird. Diese Hinwegnahme aber ist eben das, was ihr das Sterben oder den Tod des Leibes oder der Materie nennet. 3 Es muß aus der Seele alles hinaussterben und hinwegsterben, was nicht des Geistes ist; denn so lange irgend eine äußere Nötigung die Seele noch in einigen Lebensfibern gefangen hält, kann der freie Gottesgeist sich nicht in ihr völlig ausbreiten und die Seele frei machen von jeglichem Gerichte. 4 Die Gottheit an und für sich kann freilich wohl, um eine Seele zur Überzeugung zu bringen, Wunder wirken; aber diese Wunder, da sie nur von außen her auf die Seele einwirken können, binden und knebeln dann die Seele aber auch derart, daß diese an eine freie Bewegung sich gar nicht mehr erinnern kann, die doch die alleinige Bedingung des Lebens vor Gott ist; daher muß dann die Seele in einen solchen Zustand kommen, in welchem sie aller Äußerlichkeit ledig wird, auf daß in ihr dasjenige Gott ganz gleiche Wesen, das ist der Geist, sich ausbreiten kann, und die Seele für ewig als beständig zeihen vor Gott; denn Gott gegenüber kann nichts bestehen, als nur das, was selbst Gott ist. – 5 Verstehst du nun, warum ich dir Wunder vorenthalte? Sieh, wenn Gott in die schon vernünftige und einsichtige Seele nicht den Geist gelegt hätte, so könnte sie keinen Augenblick bestehen als ein freies Wesen; es würde ihr ergehen wie einem Wassertropfen auf weißglühendem Eisen; die Tiere aber müssen eben darum ganz dumm und nahe ohne alle Erkenntnis einhergehen, weil sonst ihr Bestehen eine Unmöglichkeit wäre. Verstehst du solches?« 6 Sagt der Dynast: »Ja, Freund, mir kommt es vor, als sollte ich's verstehen, und doch verstehe ich es nicht; denn derart Dinge zu begreifen, dazu gehört mehr, als das man einige Jahre auf der Erd' die Krone und das Zepter getragen hat. Übrigens aber sehe ich das nun sehr wohl ein, aus was für einem Grunde Du der eigentlich erste Deiner kleinen Gesellschaft bist. Denn Du bist bei weitem der Weiseste unter ihnen; Du kennst die Natur dieser Geisterwelt und der Materiewelt aus dem Salze, und siehst die wechselseitigen Beziehungen wohl bestens ein; das muß man offen gestehen; ob aber deshalb Du auch schon Christus der Herr Selbst bist? das ist wieder eine leider freilich wohl ganz andere Frage.« 7 Weißt du nicht, daß man als rechter Christ behutsam sein muß mit der Annahme, daß da ein jeder, der weise ist und vielleicht auch einige Wunderzeichen zuwegebringt, Christus sei? Heißt es doch in der Schrift: »Es werden aber in der Zeit viele falsche Propheten aufstehen und werden Zeichen tun und sagen: »Sieh, hier ist Christus oder dort ist Er!«, aber glaubt es ihnen nicht! Denn des Menschensohnes Ankunft wird sein wie ein Blitz, der da vom Aufgang bis zum Niedergang fährt. Auch wird die Ankunft des Herrn sein wie die eines Diebes zur Nachtzeit!« – die freilich etwas fatal sein möchte. Denn ein Dieb tut nicht Gutes, so er heimlich in ein Haus kommt! 8 Und so, mein Freund, mußt du uns schon zugute halten, so wir mit der Annahme, daß du Christus seist, etwas zaudern. Übrigens haben wir alle gegen die übergroße Weisheit deines Geistes nicht das geringste einzuwenden. Mit den Wundern wird es sich schon so verhalten, wie du es gesagt hast, ebenso auch mit der Materie der Außenwelt. Aber daß du deshalb schon Christus bist, weil du alles uns erklären kannst – das anzunehmen wäre etwas Gewates. Petrus, Paulus, Johannes, Jakobus, das geht alles an; aber Christus? – Freud, da hört aller Scherz auf!« 9 Rede Ich: »Ich verlage das gar nicht, da es völlig genügt, so ihr Christum als Gott und Herrn aller Welten und aller Himmel bekennt. Aber ihr müßt darüber untereinander beraten und fest bestimmen: ob alle Christus als Gott, Herrn und Vater in ihrem Herzen anerkennen, und ob alle hier in dieser Gruft uns folgen wollen um Christus des Herrn willen! Alle andern, die ihr hier seht, sind uns darob gefolgt und werden ihr Heil finden. Tuet desgleichen und ihr sollt auch darob das eurige finden!« 10 Sagt der Dynast: »Gut, das wollen wir gleich in Vollzug bringen! Geht es, so ist’s gut, und geht es nicht vollkommen, so wird es doch unvollkommengehen!« Am 1. Juli 1850 11 Hierauf wendet sich der Dynast an die gesamten Familiengruftbewohner und sagt: »Ihr alle habt es vernommen, was dieser Freund hier geredet hat, und ich brauche es euch deshalb nicht zu wiederholen; ich aber bin der Meinung, indem wir hier wahrhaftig je fernerhin etwas zu gewinnen und an diesem unserem Zustande noch um vieles weniger zu verlieren haben, so sollten wir gut gläubig den Antrag annehmen. Beratet euch deshalb, und gebet mit eurer gesamten Einstimmung mir euren Willen und Entschluß kund, und wir werden dann entweder diesen Ort auf immer verlassen oder aber auch, was sehr traurig wäre, Gott weiß es, wie lange noch in diesem wahrlich nicht angenehmen Orte verbleiben. – 12 Ich war und bin noch ein fester Christ, und meine Losung war stets: Christus oder alles ist verloren. Und so glaube ich denn auch jetzt: Christus müssen wir um jeden Preis des Lebens uns zu erringen streben; denn ist Der nicht unser, oder solle Er nach einiger Meinung uns auch bloß nur eine Fabel sein, dann sind wir die allerunglücklichsten Wesen. Denn wer ist dann Gott, und wie, wann und wo? Wann aber Christus Gott ist und ein Herr Himmels und aller Welt, so haben wir an Ihm einen sichtbaren, ewigen Vater voll Liebe, Güte und Erbarmung, Der seine Kinder nicht so leicht verstößt, als ein irgendwo seiender allmächtiger gerechtester Gott allein, in dem wohl die höchste Weisheit sein müßte, aber keine Vaterliebe und keine Erbarmung. 13 Ich, der erste aus Habsburg, aber denke so, und habe bei mir stets so gedacht: – »Wer in sich selbst voll Stolzes und Hochmutes ist, der will auch einen allerhöchst stolzen und hochmütigsten und allerunzugänglichsten Gott, eine Sünde des Stolzen, die manchmal auch meine Seele beschlichen hat. Aber dieser weiseste Freund hat mir ehedem begreiflich gemacht, worin die Unzugänglichkeit des Lichtes besteht, in welchem Gott wohne, nämlich in der Demut und unbegreiflich tiefsten Herablassung Gottes, die dem Stolzen ein Greuel ist. Und ich sage nun nach meiner eigenen Denkweise: Mea culpa, mea maxima culpa! Ich war einst als Kaiser auch in der Werktat so, obschon ich immer den Hauptgedanken hatte, daß nur der Stolze und Hochmütige sich Gott also denkt; aber nun ist der Gedanke in mir zur Wahrheit geworden, und ich mache euch allen meinen irdischen Kindern den Antrag, diesem gutem Freunde zu folgen. Er sagt von sich Selbst aus, daß Er Christus sei; allein das lassen wir aber unterdessen noch. Möglich ist alles; aber des Evangeliums wegen, das in der Hinsicht die möglichst größte Behutsamkeit anratet, wollen wir diese Sache noch sehr scharf prüfen. – Also was dünket euch? ihr meine lieben Freunde und irdischen Kinder, was werdet ihr tun?« 14 Sagt einer aus der Mitte: »Ich und wir wissen's, daß du Rudolf bist von Habsburg des Namens und der Würd' der erste; aber dein Höchstadlings-Palast ist nicht hier, sondern wo anders; du bist hier nur ein Einwohner und sollst daher hier nicht das Hauptwort und Vorwort führen. Uns vielen behagt es hier; wir sind gerecht, sind auch Christen; daher werden wir denn auch bleiben, bis uns die Posaune zum Jüngsten Gericht hinausrufen wird, allwo uns der liebe Herrgott gnädig und barmherzig sein wolle. – Wir waren zwar nach unserem Gewissen und nach der Möglichkeit der Sachen und Dinge, die wir schlichteten, gerecht und strenge gegen jedermann, der gegen uns gesündigt hatte; aber wir übten auch Gnade sehr oft für Recht; und so möge uns auch der liebe Herrgott Gnade für's Recht ergehen lassen am Jüngsten Tage; bis dahin wir in aller Ruhe verharren wollen.« 15 Fragt der Dynast Rudolf I.: »Warum seid ihr aber dann mit uns ausgezogen, als wir diesen sechsen entgegengezogen sind?« – Sagen einige Hauptthronisten: »Das taten wir allein nur der Parade wegen, und auch aus etwas Furcht ob der damischen Prophezeihung des feurigen Reiters. Allein da wir nun sehen, daß da an der ganzen Sache nichts ist, so bleiben wir wieder in diesem unserem Höchstadlings-Palaste, verstanden? Wir bleiben hier fest.« Kapitel 211 Der Kaiser Rudolf I. stellt eine Frage an seine ehemaligen Nachfolger. Maria Theresia und Josef, Leopold und Franz stimmen zu, und er bittet den Herrn sie hinauszuführen aus der Gruft. Des Herrn gutes Zeugnis über ihn. Vom Grund des langen Harrens der Fürstengeister im Jenseits Am 3. Juli 1850 1 Sagt darauf der Dynast Rudolf I.: »Ich hoffe, daß da unter euch vielen Narren doch einige Gescheite sein werden, und werden mir nachfolgen. Es ist übrigens wahr, es geht in diesem Höchstadlings-Palaste niemanden etwas ab, außer eine gewisse Lebensfreiheit und Lebenslust; indem dies Leben so ganz eigentlich einem Brutleben gleicht. Aber ich für mich bedanke mich für ein solches Schlaraffenleben. Lieber wäre ich ein Schafhalter (Hirte), als solch ein stummer Einwohner solch eines dummen Hochadlings-Palastes. Ihr drei edlen letzten Lothringer, und du auch meine Tochter Maria Theresia, was ist denn mit euch? Werdet auch ihr hier verbleiben, bis zum wahrscheinlich nie erfolgenden Jüngsten Gerichtstage?« – 2 Sagt die Theresia: »Lieber Urgroßohm! ich werde dir folgen, und meine Söhne auch, auch wir sind satt geworden dieses Maulwurfslebens; werde aus uns, was da wolle; nur einmal eine Veränderung, sonst werden wir noch zu lauter Statuen.« – Sagt Josef: »Bin auch vollkommen dieser Meinung. Man muß den Augenblick sich zu Nutze werden lassen; wer diesen versäumet, der hat Krone und Zepter von sich geworfen, und keine Zeit bringt sie ihm je wieder zurück; und so will ich nun denn auch nicht der Letzte sein, diesen günstigsten Augenblick zu ergreifen und ihn treu zu benutzen.« – Sagt d‘rauf Leopold: »Bin auch so gestimmt; einmal muß es ja doch anders werden; denn mit dieser Hockerei und mit diesem Blindenmausfangen heißt es nichts; auf der Erd' ein Sündenbock, und hier ein ew'ger Stock ohne Hemd und Rock, das wird öd' und fad. Darum bin auch ich so frei, und schließe mich der Auswanderung bei.« 3 Sagt dazu auch Franz: »Das werden auch wir machen, und mögen die anderen lachen, so viel sie immer wollen, wir werden uns dennoch davon trollen. Auf der Welt ging's mir schlecht; meine Jugend bestand aus Krieg, Verfolgung, Ärger, Furcht und Zorn; und mein Alter aus Mühseligkeiten aller Art, aus Krankheiten, und endlich aus einem herben Leibestode; hier in der Geisterwelt, eigentlich in diesem Höchstadlings-Elysium verzehrt einen die tödlichste Langeweile. Daher nur hinaus aus diesem Langweilsloche; und das je eher je desto lieber. Ich möchte nun schon lieber fliegen, als gehen von hier.« – 4 Sagt darauf Rudolf I. zu Mir: »Freund! wir sind beisammen, die wir hinaus mit Dir wollen; einige wenige Verwandte werden sich noch anschließen, und so könnten wir, so es Dir genehm ist, uns schon auf den Weg machen.« 5 Rede Ich: »Gleich wird es werden, mein nun wie allezeit recht schätzbarer Freund; Ich sage es dir, daß du Mir stets ein lieber Mann warst, und hast dir nicht zuschulden lassen kommen je eine Ungerechtigkeit, denn du hattest eine große Liebe zu Gott Jesus, dem Herrn; darum du denn auch gesalbet warst zum Leiter der Völker, und hast von der Gotteskraft das Erbrecht für deine Nachkommen erwirkt und erhalten, so daß nun nach etlichen hundert Jahren noch immer deine Nachkommen wenigstens mütterlicherseits auf dem dir von der Gotteskraft verliehenen Throne sitzen, und die Völker leiten gut, recht und schlecht, je nach dem Tun der Völker. 6 Weil du Mir denn aber schon stets ein lieber Mann warst und geleitet hast die Völker gut, recht und schlecht, ja nach ihrem Tun und Lassen, so solle dir denn aber nun auch der Lohn dafür werden, auf den du nun schon etliche Hunderte von Jahren gewartet hast. Es erscheint ein solch langes Harren als eine Art Ungerechtigkeit von der Seite Gottes des Herrn; allein es ist dem nicht also. Ein jeder Herrscher, wenn noch so gerecht, kann auf der Welt unmöglich das Hohe seines Standes in den Staub der Demut herabziehen; er muß wie ein Gott sich ehren und förmlich anbeten lassen; ansonst er kein rechter Herrscher wäre. Das Reich Gottes aber kann nur von denen in Besitz genommen werden, die sich bis in die letzte und kleinste Lebensfiber herab gedemütiget haben. 7 Wer auf der Welt eine höchst geringe Stellung einnahm, dem ist es auch ein leichtes, in der Demut Tiefe hinab zu steigen; aber nicht so für den, der notwendig den höchsten Gipfel der menschlichen Würde und Größe in der Welt eingenommen hat. Die gelehrten Menschen auf der Welt haben z.B. das Meer für die am niedersten stehende Fläche der Erde angenommen, und haben jede Gebirgshöhe von dem Meeresspiegel aus bemessen und ziemlich genau bestimmet, und Ich sage dir, daß sie da den Nagel auf den Kopf getroffen haben. Wer nun am Meere wohnt, der hat wenige Schritte nur, und er befindet sich am Ufer der Segnungen des niederen Meeres; aber wer sich zu gleicher Zeit noch auf einer höchsten Bergspitze der Erde befindet, der wird schon bedeutend länger brauchen, bis er zu den Segnungen des Meeres hinab gelangen wird. 8 Die Herrscher aber befinden sich geistig auf solchen Höhen, und es braucht da mehr, um an's Meer zu kommen, als bei denen, die schon am Meere wohnen. Sieh', David war ein König ganz nach dem Herzen Gottes; er war vollkommen gut, recht und schlecht; und doch mußte er in der Geisterwelt mehrere hundert Jahre harren, bis zu ihm die volle Erlösung kam; und so mußt auch du es nehmen, so wirst du darin die vollste Rechtfertigung der göttlichen Gerechtigkeit, Gnade und Liebe und Weisheit finden zu deiner vollsten Beruhigung. 9 Das aber, was Ich nun dir gesagt habe, gilt allen, die auf der Erd' die Krone über Meine Völker getragen haben; wer aus euch sich darinnen finden will, der finde sich bald und folge Mir! Wer aber nicht will, der bleibe! – Leider gibt es noch manche hier, die sich noch lange nicht finden werden, weil sie sich eigentlich gar nicht finden wollen. Ich aber will nun noch, bevor wir diesen Ort verlassen, durch den Paulus, der da ist Mein Rüstzeug, über diesen Schlaf der Blinden eine Erweckungsstimme erklingen lassen; vielleicht werden davon doch noch einige erwecket. Ihr Wille ist frei wie ihr Geist; darum kann und darf Ich Selbst nicht bestimmen und sagen: diese und so viele! Denn Ich will hier nicht vorsehen, sondern bloß nur nachsehen, und mild sein und voll Erbarmung; denn denen Ich viel zu tragen gab, muß Ich auch eine große Nachsicht erweisen; darum sie sehr müde und schläfrig geworden sind unter ihrer großen Bürde. 10 Darum Paulus! erhebe dich! und erwecke sie! die sich wollen erwecken lassen!« Kapitel 212 Die Erweckungsrede des Paulus an die noch schlummersüchtigen Dynasten in der Gruft, über Starrsinn und den Jüngsten Tag, zeigt denselben ihre Greueltaten und gute Vorbilder wie David. Ein Hartnäckiger beharrt noch auf seinem Dynastentum 1 Hier erhebt Paulus sich und richtet folgende Worte nun an die Höchstadelings, sagend: »Meine geliebten Freunde und Brüder, in Gott Jesus, dem Herrn!« 2 Hier wird er sogleich vom Vater der Theresia unterbrochen, der ihm bitter höhnisch also sagend vorhält: »Wann denn haben wir Schweine miteinander gehalten, daß er, als ein gemeiner Judensohn, sich erfrecht, mich per Bruder nur so gleich mir und dir nichts anzureden? Weiß er denn nicht, wer wir sind? Also mehr Art, er hundsgemeiner Judenpatzen, sonst wird man ihm zeigen, wer da ein Kaiser ist.« 3 Paulus aber achtet nicht darauf, sondern fährt mit seiner Rede fort und sagt: »Es stehet geschrieben: Denen wenig anvertrauet ward, die werden über weniges die Rechnung zu geben haben, und denen vieles, wie euch, anvertraut ward, die werden über sehr vieles die Rechnung zu legen haben! – Ihr aber gehöret allesamt zu denjenigen, denen Gott der Herr sehr vieles anvertrauet hat, und so habt ihr nun auch eine übergroße Rechnung vor Gott dem Herrn zu legen; denn ich Paulus sage es euch, die ihr da noch voll alten verrosteten höchstadeligen Starrsinnes seid, daß für euch alle nun ein eigentlichster Jüngster Tag herbeigekommen ist, an dem man von euch die strengste Rechnung fordern wird, so ihr von eurem Starrsinn nicht lassen werdet; denn Gott Jesus, unser Herr und Vater, obwohl die höchste Liebe, Sanftmut und Geduld, läßt mit Sich nicht spaßen, indem Er allezeit und ewig nur das Allerbeste seiner Kinder will, und dieser Jesus, der uns alle durch Seinen Kreuzestod der Macht des Satans entwunden hat, stehet hier vor euch, zwar noch immer so geduldig und sanft wie ein Lamm; aber Seine Sanftmut und Geduld ist nicht ohne Grenzen. Wehe euch! so Er einmal mit euch wird zu rechten anfangen! Nicht eins werdet ihr Ihm auf tausend antworten können; denn ihr seid allesamt große Sünder vor Ihm. 4 Wie viele habt ihr bloß eures überschwenglichen Hochmutes wegen hinrichten lassen, nicht selten auf eine grausame Weise; wie hart habt ihr stets einen erleuchteten Geist verfolget! Welcher allerschonungslosesten Grausamkeiten habt ihr euch gegen die evangelischen Brüder bedienet, welchen namenlosen Jammer habt ihr nicht selten in tausend mal tausend Familien gebracht! Wie habt ihr in dem dreißigjährigen Religionskriege gewütet, und wie viele andere Ungerechtigkeiten habt ihr auf eurem Gewissen! – Wie sehr habt ihr stets danach gestrebet, euren Glanz zu erhöhen auf Kosten des Lebens und Blutes von Millionen, die eben so gut Gottes Kinder sind und waren, wie ihr. Wie viele Tausende schmachteten in den Kerkern schuldlos durch die Trägheit und Ungeschicklichkeit eurer Richter, die sich unter eurem Protekte (Schutz) gut geschehen ließen, während eure und ihre armen Brüder – sage noch einmal – häufigst schuldlos in den finstersten Kerkern verschmachteten und verzweifeln mußten. Sehet! solche und noch tausend andere allergröbste Sünden habt ihr auf eurem Gewissen. Ströme von ungerecht vergossenem Blute schreien um Rache wider euch zu Gott; und der Herr, so Er nach der ausschließenden Gerechtigkeit richten wollte, müßte euch ja für jede Ungerechtigkeit und herrscherische Grausamkeit, die ihr begangen habt und begehen habt lassen, eine Ewigkeit um die andere im Feurer der Hölle allerschärfst büßen lassen. – 5 Aber Er hat bei sich beschlossen, nun allen Gnade für Recht angedeihen zu lassen, indem Er keine Freude hat an den obschon wohlverdienten Qualen der Sünder. Er betrachtet euch als sehr Kranke, und will euch helfen, und kam daher (als Heiland) Selbst hierher zu euch. Was hält euch denn ab nun, ihr Blinden, daß ihr Seinem Rufe nicht folgen wollet? Was habt ihr hier? Nichts, als was euch eure alte herrscherische Einbildung schafft, und dennoch wollt ihr dem Beispiele jener eurer wahrhaft hohen Brüder nicht folgen, die, wohl wissend, daß vor Gott alle irdische Größe ein purstes Nichts ist, sich sogleich an den Herrn, obschon sie Ihn noch nicht ganz erkennen, angeschlossen haben. 6 Sehet an einen Rudolf, der da war ein Regent nach dem Herzen Gottes, die Theresia, den biedern Josef, den herzlichen Leopold und den leutseligen Franz, und noch einige ihrer Brüder und Schwestern; sie haben auch manches begangen, wie einst ein David, das da nicht in der Ordnung der Gottesliebe war; aber Gott der Herr erwog ihre Bürde, die sie zu tragen hatten, erließ ihnen wie einem David jegliche Schuld, und hat sie nun schon in Sein Reich aufgenommen; denn die bei Ihm sind, die sind auch in Seinem Reiche. Der Herr aber will auch euch allen gnädig sein; warum wollet ihr Seine endlos große Gnade denn nicht annehmen? Ist es denn nicht besser, dem Gnadenrufe des Herrn zu folgen, als sich langsam durch einen unbeugsamen Starrsinn für die Hölle vollends reif zu machen?« – – 7 Durch diese Rede werden bis auf einen – alle erschüttert und fangen an nachzudenken; nur der eine sagt: »Ich bleibe ein Kaiser ewig, auch vor Gott ein Kaiser ewig!« Kapitel 213 Die Rede des Paulus an den ehemaligen »Kaiser« von dem sehr engen Himmelspförtchen, besonders für jenseitige Kaiser! Hellste Beleuchtung des Grundes der Kaiserwürde. Vom Wesen der besonderen Gnade des Herrn 1 Sagt darauf Paulus: »Mein Freund! du magst mit deinem »Kaiser« einen noch viel höheren Begriff verbinden, als wie du ihn schon ohnehin verbunden hast; sage es dir aber selbst, was ein Kaiser ist – ohne Land, Volk und Macht! Ich sage dir, nichts anderes als ein Tor! Ist denn ein Kaiser je aus seinen eigenen Gnaden Kaiser geworden oder aus Gottes Gnaden? Wer gibt denn dem Menschen Macht zu herrschen, und den Willen den Völkern, daß sie ihm gehorchen? Siehe, das tut Gott, der allein der ewige Herr ist aller Macht und Kraft. Wer machte dich zum Kaiser, du dich selbst oder Gott? So dich aber Gott zum Kaiser machte, als der alleinige Herr der Unendlichkeit, was pochst du denn hernach auf deine Kaiserwürde, als hättest du dich selbst zum Kaiser gemacht? 2 Siehe wenn es so leicht wäre, ohne göttliche Kraft und Macht ein Kaiser zu werden, da gäbe es eine große Menge Kaiser auf der Erde. Das wäre aber vor Gott ein Greuel der Greuel; deshalb setzt Er über viele Länder nur einen Kaiser, und versieht ihn mit Macht, Kraft und großem Ansehen, aber nur auf seine herrschensfähige Lebensdauer. 3 Nach dem Leibestode hört der Kaiser für ewig auf! und der Mensch, der da auf Erden ein Kaiser war, wird gleich einem seiner geringsten Untertanen. Er kann aber im Reiche Gottes wieder etwas werden durch die Demut und durch große Liebe – zu Gott, dem Herrn, vorerst, und dann zu allen Brüdern und Schwestern; aber solch starres Beharren auf dem, was jemand auf Erden war, bringet nicht Leben und Wirkung des Lebens, sondern den wirklichen Tod nur, und die Wirkung des Todes. Ich sage dir daher: Bedenke dir's wohl, was du tun wirst! Denn siehe, das Tor der besonderen Gnade und Erbarmung des Herrn ist nicht in einem fort offen, wie es auf Erden auch nicht immer Tag und Sommer ist; im Sommer kannst du den Samen legen in die Furche der Erde, und er wird dir aufgehen und viele Frucht bringen; im Winter aber magst du säen wie du willst, so wird der Same nicht aufgehen, und wird dir auch keine Frucht bringen; denn im Winter ist für einen Teil der Erde das Tor der besonderen Gnade verschlossen und wird im Frühjahre erst wieder eröffnet; auf der Erde geschieht dies Schließen und Öffnen zwar regelmäßig, weil der Herr alldort die Natur also eingerichtet hat; aber nicht so allhier, wo alles frei ist, und am freiesten sicher der Wille Gottes. Da kann niemand zum voraus sagen: Sieh', nun kommt bald das Frühjahr und dann der Gnadensommer, sondern das liegt im Herrn verborgen; wann Er will, so ist es da; Er allein schließet und öffnet, wie und wann Er will. 4 Nun ist es da offen vor euch allen; darum ergreifet und benützet es! Es wird aber wieder verschlossen werden, da wird dann wieder niemand etwas zu ergreifen und zu benutzen bekommen. Glaubst du denn, daß der Herr Tag für Tag auf der Erde körperlich von Seinen allerhöchsten Himmeln herabkommet, und lehrt, heilet und begnadigt Seine Geschöpfe, und macht aus ihnen Seine Kinder? O sieh', das tut der Herr nicht, und Er weiß es allein, warum Er so was tut oder nicht tut. – Er ist zwar stets die Liebe Selbst, und Erbarmung Selbst; aber Seine besondere Gnade gibt Er nicht allezeit gleich und nicht jedem gleich. 5 Sieh', ich war einst der größte und wütendste Verfolger; und Er erwies mir dafür die höchste Gnade, und stärkte mich zu einem Weltapostel, während Er Seine anderen Apostel nur für die Juden zu allermeist gestellet hat; und gar viel, ja ums tausendfache bessere und edlere Menschen hat Er irgend einer besonderen Gnade nicht gewürdigt; den Weisen enthielt Er es vor, und den unmündigen Kindern offenbarte Er Sein Reich und Seine besondere Gnade. 6 Aus dem aber gehet abermals hervor, daß der Herr nach Seiner innersten Weisheit tut, was Er will; Er gibt niemals in großer Überfülle, und entzieht es ein anderes Mal ganz und gar. Der sich oft am sichersten wähnt, ist von tausend Gefahren umringt, und der Furchtsame, der jeden Augenblick fürchtet, von tausend Gefahren verschlungen zu werden, den beschützet der Herr nicht selten derart, daß ihm auch dann nichts geschehen würde, so die ganze Erde in kleine Splitter auseinander gerissen würde. Also tut der Herr, was Er will, und bedarf nie eines Menschen Rat; es ist aber dann auch die größte und unverzeihlichste Torheit, die Gnadengeschenke aus Seiner höchstheilig eigenen Hand nicht anzunehmen, so Er sie jemanden freiwillig verabreichet. 7 Lasse also fahren nun deinen Kaiser und nehme dafür hin des Herrn Gnade, so wirst du leben, sonst aber sterben in deinem Wahne.« 8 Sagt der Starrsinnige: »Du redest wohl recht weise wie ein Minister; aber welch ein Unterschied ist dennoch zwischen einem Minister und einem Kaiser! Führe mir den Herrn selbst vor; ich will Ihn in Gnaden anhören und Ihm ausnahmsweise eine längere Audienz erteilen.« – 9 Spricht Paulus: »Und hast du sonst keine Schmerzen? Ach, das ist wirklich schon alles, was man alles über alles von deiner Gnade erwarten kann. Du wolltest also sogar dem Herrn eine Audienz erteilen, so ich Ihn dir aufführete! O du unsinniger Tor du! Gott deinen Herrn – im Gnadenwege noch dazu – eine Audienz erteilen! Nein Freund, das geht etwas zu weit. Ich ein Paulus erbebe vor diesem Gedanken, und du kannst ihn denken und solches verlangen? – Nein, das kann unmöglich dein Werk, sondern nur ein Werk des Satans sein. Ermanne dich daher und stehe ab von deiner zu ungeheuer großen Torheit. Ich bitte dich, werde ein Mensch – vor Gott!« 10 Spricht der Starrsinnige: »Ein Regent spricht nach seiner gewohnten Weise, und ein Apostel nach der seinen; ich verstehe aber unter einer Audienz nicht gar so etwas Himmelschreiendes, als wie er; und ich meine, daß das unmöglich gar so hoch gefehlt sein kann, so ich den Herrn zu mir bitten lasse; denn auf der Erde schickt man ja auch um einen Geistlichen, daß er dann komme mit Christus, dem Herrn, indem man selbst als ein Kranker nicht zu ihm kommen kann. Mache daher keinen solchen Lärm, als ob deshalb schon Himmel und Erde eingestürzet wären. 11 So du schon ein weiser Lehrer bist, so bedenke dabei, daß zwischen einem Kaiser, der freilich auch nur ein Mensch ist, und einem gewöhnlichen Menschen doch immer ein himmelhoher Unterschied obwalten muß. In welcher Sphäre jemand lebt, in der bildet sich auch sein Leben zu seiner eigentlichen Natur aus; der Adler horstet ganz heimisch und gemütlich auf den schwindelndsten Höhen; trage eine Haushenne hinauf auf eine Felsenspitze, deren Höhestand über die Wolken hinausragt, und sie wird lebendig nimmer in's tiefe Tal hinabkommen; dem Fische ist das Wasser sein Lebenselement; einem Erdtiere ist es der Tod. Was aber physisch sich bewähret, das findet auch physisch unter den Menschen statt; so ich also hier vor dir meiner hohen Seelennatur nach rede, da wird das ja doch nicht so weit gefehlt sein können, als wenn ein anderer gewöhnlicher Mensch sich also zu reden unterfangen würde. 12 Ich war einmal ein Kaiser; das kann mir kein Gott nehmen, so lange Er mir die Rückerinnerung beläßt, und sonach bleibe ich denn ein Kaiser auch vor Gott ewig – in meiner Erinnerung. Daß ich aber hier weiter nichts mehr zu gebieten habe, das weiß ich schon lange, so wie er, mein polternder Freund! Ich brauche daher aber auch nichts weiteres mehr von ihnen; ich werde mich schon selbst weiter fortbringen. Ich habe von jeher nichts weniger leiden können, als irgend jemanden, der mir etwas und wenn es selbst das Beste gewesen wäre, hatte aufdringen wollen; und so bin ich noch ein abgesagter Feind von allem Aufgedrungenen. Wolle mir also gar nichts aufdringen, so werde ich das Gute und Wahre von selbst aufnehmen und danach tun und handeln; sonst aber bleibe ich, wie ich bin, ob gut oder schlecht, das ist eines; verstanden, er Polterpatron?« 13 Sagt Paulus: »O ja, sehr gut; bemerke aber bloß ganz einfach nur hinzu: So lange das Ego (dein ich) als maßgebend und vorwaltend dir zu einem Richter dienen wird, so lange wird das Ego des Herrn nicht Wohnung nehmen in deinem Herzen. Die äußeren Lebensverhältnisse und Unterschiede allein für sich berücksichtigend, hast du recht in allem, was du, wenn auch gegen meine Person sehr anzüglich, in deiner dich entschuldigenden Rede mir vorgesaget hast; aber die inneren Lebensverhältnisse sind von einer ganz anderen Art; diese, weil sie dir ganz fremd sind, mußt du sie dir vorerst aufdringen lassen, sonst kommst du in der Geisterwelt, deren Einwohner du nun schon nahe ein paar hundert Erdjahre bist, nimmer auf ein grünes Plätzchen. Ich bin ja dein Feind nicht, darum ich dir die volle Wahrheit offenbare nach der Beheißung des Herrn; so ich aber dein Feind nicht bin, warum behandelst du mich aber, als so ich dein Feind wäre?« – 14 Sagt der Harte: »Ich behandle dich nicht als Feind; aber du gefällst mir nicht; darum will und muß ich einen anderen haben, und ihn hören, auf daß ich recht weiß, was ich zu tun habe.« Kapitel 214 Erst spricht »Paulus«, danach »Petrus«, und dann »Johannes«. Der Harte zeiht Paulus einer Lüge betr. der Lebenszeitrechnung Jenseits. Ein weltgeschichtlichs Verlangen. Ein Gleichnis von den Taschenspielern. Gefahr der Hofgrandezza des Scheinglanzes. Ein jenseitiger Regentenspiegel Am 7. Juli 1850 1 Spricht Paulus: »Du wirst auch einen anderen erhalten; aber jetzt noch nicht, wo du nahe wie ein Stein materiell in allem deinem Denken, Sinnen und Trachten bist; ich Paulus aber bin darum ein Paulus, der winzige Apostel, weil ich zuerst von den Kindern das grob Materielle hinwegrasple, und von ihnen den ersten Unrat schaffe gleich einer Hebamme, und taufe die schwachen Kinder gewisserart schon im Mutterleibe, auf daß sie dann um desto eher fähig werden möchten, die mächtige Taufe des Geistes zu empfangen; so lange du daher nicht deine zu sehr materievollen Gedanken und Begierden gegen geistige vertauschen wirst, wirst du des Paulus nicht los; denn wie gesagt, das ist des Paulus Geschäft, daß er zuvor den Platz reinigt, auf daß hernach die rechten Bauleute das Gebäude aufführen können, welches dann vom großen Baumeister eigenhändig die entsprechenden Verzierungen und allerlei inneren herrlichen Einrichtungen erhält. 2 Sei du daher anfänglich nur zufrieden mit mir; denn wer einmal den Paulus annimmt, der kommt dann auch zum Petrus, zum Johannes und endlich zum Herrn Selbst; aber jeder, der da anfängt, der fängt mit Paulus an, sonst kommt er nimmer an den Petrus und noch weniger an den Johannes; wer aber nicht an den Johannes kommt, der kommt auch nicht an den Herrn; denn Johannes ist gleich der Liebe des Herrn zu Seinen Kindern.« 3 Sagt der Harte: »Ganz wohl; aber du bist nicht getreu in deinen Angaben, und so kann ich mich auf dich nicht verlassen. Denn »wer einmal lügt, dem glaubt man nicht, und wenn er auch die Wahrheit spricht.« Du sagtest, daß ich schon nahe an zweihundert Jahren nach irdischer Rechnung hier in der Geisterwelt mich aufhielte; und siehe, das ist vollkommen erlogen, denn ich bin erst kaum bei 110 Jahre hier, und es fehlen sonach noch 90 nach deiner Angabe. Sollen denn Geister deiner Art nicht genau anzugeben imstande sein, wie lange irgend ein Geist als ganz bestimmt hier wohnt? Putze dich nun aus dieser Soße, so du's kannst, und ich will dich behalten.« 4 Sagt Paulus: »Das ist eine Schafwoll-Locke, um die du hier mit mir rechten möchtest; aber es solle dir sehr schwer fallen ein solcher Streit; denn wisse, der Paulus ist ein gewaschener und kein ungewaschener Jude, und mit denen ist es nicht gut Kirschen essen; denn da bekommt der in der Wette Mitessende sehr leicht alle Stengel und Steine ins Gesicht. Sag' mir, du ausgehöhlter Hohlborer der hohlsten Materie, wann du in der Geisterwelt das Rechnen gelernst hast, indem du mich einer Lüge beschuldigen willst. Siehe, du Tor, wir rechnen hier in der Geisterwelt also: Von dem Augenblicke an, als vom Herrn deiner Seele der Geist eingelegt ward, was sobald geschieht, als die Seele eines Kindes des ersten Gedankens fähig wird, was bei manchen Kindern schon im ersten Jahr nach der Geburt geschieht. Vor der Zeit der Einlegung des Geistes in die Seele aber ist jeder Mensch auch schon ein Bewohner der Geisterwelt und lebt und webt stets die halbe Lebenszeit vollends in der Geisterwelt, was ihm seine Träume nur zu klar sagen; nur die naturwache Tageszeit ist er zum größten Teile seines Wesens in der Materiewelt, obschon mancher durch geistige Gedanken, Betrachtungen, Gebete, Liebe zu Gott und edle Handlungen sich auch am hellsten Tage rein in der reinen Geisterwelt befindet. Und sieh, von da an beginnt auch die Rechnung, wie wir hier zu rechnen pflegen; und so du das addierst zu deinen 110 Jahren, so wirst du die Annährung an die 200 Jahre wohl doch sicher nicht gar so lügenhaft finden, als wie du es mir, deinem Freunde keck und grob genug ist Gesicht sagtest.« 5 Sagt darauf der Harte: »Das habe ich aber nicht gewußt, daß man hier also rechnet; hättest du mir davon früher eine Anweisung gegeben, so hätte ich dich keinen Lügner genannt, und du mich auch nicht einen ausgehöhlten Hohlbohrer der hohlsten Materie, was auch kein Kompliment ist; und weil du grob warst, da ich grob war, so glaube ich, daß wir uns gegenseitig quittiert haben, und sind demnach einander nichts mehr schuldig. Ich bin nun gut; bist du es auch?« 6 Sagt Paulus: »Ganz vollkommen; aber jetzt mußt du dir von mir dafür aber schon noch einige Worte gefallen lassen.« – Sagt der nun etwas Weichere: »Rede nur, so viel du magst und kannst; ich will dich anhören; sage mir aber auch, wie es nun in der Welt aussieht, und was da meine Nachkommen machen, und wie es ihnen geht. Ich habe vernommen, daß es in Österreich große Bewegungen gegeben habe. Sage mir auch darüber noch etwas näheres, so du das kannst.« – 7 Sagt Paulus: »Wir sind nun in Wien selbst, und werden in dieser Stadt noch manches zu schlichten bekommen, und bei der Gelegenheit auch so manches erfahren, wie es nun auf der materiellen Außenwelt aussieht; vorderhand aber heißt es sich mit dem befassen, was uns viel näher ist als die Materiewelt. Du bist noch ganz von der spanischen, zumeist durch den damals höchst und reichst gestellten Priesterstand promulgierten (verbreiteten) Hofgrandezza der dortigen Herrscher durchdrungen und meinst, daß alles Hohle nur durch einen möglichst erhöhten Glanz, der im Golde und allerlei eitelsten Zeremonien bestehet, aller Welt imponieren kann, um das gemeine Gesindel zum blindesten Gehorsame zu nötigen. Ich aber sage dir, daß es auf der ganzen Welt nichts Grundfalscheres und Irrigeres geben könnte, als eben diese über alle Maßen dumme Annahme. 8 Siehe, ein Taschenspieler unterhält seine geblendeten Zuseher nur so lange, als diese nicht hinter das Nichtige seiner Kunst gelangen; werden sie aber von einem Sachkundigen aufgekläret, dann kann der falsche Zauberer schauen, wie er ein Loch zum Durchgehen findet, sonst werden ihm die Zuschauer etwas erzählen, und sich bei ihm auf eine sicher sehr energische Weise zu bedanken wissen, darum, daß er ihnen eine falsche für eine wirkliche Zauberei verkauft hat. Ach, klar und gewiß etwas anderes ist's, so ein Falschmagier sich auch als solcher ankündigt; da wird ein jeder Zuschauer es wissen, daß diese Zauberei eine reine natürliche ist und wird ganz vergnügt, den Falschkünstler sogar ehrend und lobend, den Schauplatz verlassen; und wird sich auch um die Art und Weise nicht viel kümmern, wie der Falschzauberer ein oder das andere Zauberstück hervorgebracht hat; denn der Zuschauer weiß es ja, daß das ganze nur ein recht fein und pfiffig ausgedachter Sinnentrug ist, und keine Realität. Aber so der Falschkünstler ankündigte, daß er eine wirklich altägyptische Zauberei ohne alle Apparate zum besten geben wird, und man entdeckt aber dann bei der Produktion dennoch allerlei Behelfe, und entdeckt in dem angekündigten wirklichen Zauberer nur einen ganz gewöhnlichen sogenannten Hokuspokuskünstler, da wird dieser einen schweren Stand haben, sich vor seinen betrogenen Zuschauern zu behaupten. 9 Und siehe, ebenso verhält es sich auch mit dem Hofglanze, dieser kann ein wirklicher und auch ein falscher sein; wehe aber dem Regenten, der da durch einen falschen Hofglanz seine Untertanen hat täuschen wollen! So sie dahinter kommen, wie es in Spanien und Frankreich und in vielen anderen Staaten schon gar oft der Fall war, da wird es solch einem Falschglänzer schlecht und übel ergehen. 10 Der wahre Hofglanz aber besteht vorerst in der Weisheit und Herzensgüte des Regenten, in einem gut verteilten und zweckmäßigen Wohlstande der Untertanen, in einer festen und guten Disziplin eines nicht unnötig, bloß der Parade wegen, großzählig gehaltenen Wehrstandes, und in allerlei weisen Staatseinrichtungen, vor denen die ganze Welt einen tiefen Respekt bekommen muß; und nachher auch erst in dem, daß der Regent seiner Würde nach in seiner Wohnung als das erscheint, was er eigentlich ist, nämlich: Ein weiser Regent eines wahrhaft glücklichen großen Volkes. 11 Was nützt es aber einem Regenten, in goldenen Staatswagen herumzufahren, so sein Volk in dürftigste Lumpen gehüllt, traurig, matt und hungrig seufzet, weinet, klaget und von einer Verzweiflung in die andere dahin schmachtet! Was nützt es, den Schwachen alle Bürden aufzulegen, von denen sie erdrückt werden, selbst aber als ein stolzer Aar in hohen Lüften, – der armen Menschheit am harten Erdboden spottend – herumzuschweben und sich zu ergötzen am Elende der schreienden Armut? Die Armut wird sich in ihrem Todeskampfe entsetzlich rächen an solch einem Regenten, der füglicher ein Volksvampir als ein Volksregent genannt zu werden verdiente. 12 Siehe an solch stolze Herrscher, wie da Spanien, Frankreich und England schon einige getragen haben; sie fielen endlich als traurige Opfer einer entfesselten Volkswut! – Du bist aber im eigentlichsten Sinne noch ganz befangen von dieser Hofgrandezza, die weder vor den Menschen und noch viel weniger vor Gott einen Wert hat; lasse sie fahren, denn sie hat dir nie einen Segen gebracht, und wird dir noch weniger für die Ewigkeit je einen bringen; siehe, wäre deine Tochter nicht von einem ganz anderen Geiste durchdrungen worden, als wie von dem deinen, da bestände schon lange kein Österreich mehr; von allen Seiten wären sie über es hergefallen, wie die Raben über ein Aas, und hätten es zerrissen nach allen Seiten, wie sich's hernach auch unter deiner Tochter, ihrem Sohne, unter dem Leopold und Franz praktisch in teilweisem Maße gezeigt hat; und siehe, zu all diesen Übeln hast du den Samen gelegt. Und so lange die nachfolgenden Regenten in deinen Goldwagen fahren werden, werden sie von Prüfungen mancher trüber Art nicht befreit sein. Der Herr kann es zwar ändern und kann die veränderten Wagen segnen; aber leicht geht das nicht, besonders wo ein solches Gerät zu sehr aus den Tränen geheim weinender Völker geschaffen ward. 13 O Karl! du warst ein harter Regent; werde daher nun weich vor Gott deinem Herrn, auf daß du jene Wunden heilen magst, die dein übertriebener Hochmut den Völkern geschlagen hat. Warst du auch gerade kein böser Regent, so warst du aber dennoch ein harter; und darum werde nun weich vor Gott! und ein Balsam allen, die unter dir stark verwundet in eine krasse Nacht gelanget sind; denn es schmachten ihrer noch viele hier im Geisterreiche, die unter dir geblendet worden sind. Gehe daher nun her vor den Herrn, deinen Gott und unser aller Gott und Vater; lege deine große Schuldenlast zu den Füßen Jesus, des Herrn, auf daß Er dich stärke und gesund mache, in allem, wo du als höchst krank vor Ihm erscheinst. Denn bei Ihm sind alle Dinge möglich.« Kapitel 215 Der stolze Karl vor Jesus ist in Verlegenheit. Eine stille Lebensbeichte. Paulus rüttelt den Hochmütigen. Regentensphäre vor Gott. Besser ein Gottes Freund als Volksfreund! Zwiegespräch zwischen dem Kaiser Karl und Jesus. Endlich kommt er zur Gnadenbitte. Der Zug hinaus aus der Gruft Am 9. Juli 1850 1 Spricht Karl: »Wo ist der Je . . . . – Je . . . . – J . . . . – no, no, no, jetzt bring' ich den Namen nicht heraus! Wie, wie heißt er denn noch anders?« – Spricht Paulus: »Jesus Christus, d.h. der Heiland, der Gesalbte. Du kannst diesen Namen nur deshalb nicht aussprechen, weil nichts von Ihm in deinem Herzen ist. Du brauchst aber nicht zu fragen, und stolz zu fragen: Wo ist denn Jesus, zu dem ich hingehen solle? Denn Er stehet ja ohnehin hier knapp bei mir, und ist mir stets der Allernächste! Du brauchst nicht einmal einen Schritt zu tun, sondern dich bloß nur an Ihn zu wenden, und du bist dann schon bei Ihm, so gut als es dir möglich ist, in diesem deinem Zustande dich Ihm zu nahen. Sage wenigstens in deinem Herzen: »Herr! sei mir großem Sünder gnädig und barmherzig; nicht wert bin ich, meine Augen zu Dir empor zu heben!« – Und der Herr wird dir tun, was da des Rechtens und der milden Gerechtigkeit ist.« 2 Sagt Karl: »Also dieser ganz ordinäre Jude solle der Herr sein?« – Sagt Paulus: »Ja dieser ist es, und das einzig und allein!« – 3 Hier fängt der Karl an, sich hinter den Ohren zu kratzen und sagt bei sich so mehr in seinen Gedanken: »Also das solle der Herr und der Schöpfer Himmels und der Erde sein! Nun, nun, das geht gut, also, so sähe der Herr aus, nicht übel! gar nicht übel! Dem hätte ich ja gleich wie einem gemeinsten Bettler etwas geschenket, und das solle – solle – solle wirklich Gott der Herr sein? Zwar manchmal reisen ja auch die hohen Regenten der Erde im strengsten Inkognito; warum solle so was Gott unmöglich sein? Nicht auf meine, sondern auf dieses Paulus Verantwortung will ich es aber dennoch gleichwohl annehmen, obschon mir diese Annahme äußerst fade vorkommt, wie mir auch auf der Welt überhaupt jeder gemeine Kerl unendlich fad vorgekommen ist. Ich habe deshalb auch nur einer Messe beiwohnen können, die mit dem höchsten Pompe aufgeführt worden ist, und wo kein Plebs in die Kirche eingelassen wurde, sondern allein nur der höchste und glänzendste Adel, und die höchsten Staatsbeamten in den glänzendsten Staatskleidern. Ich erteilte darum dem gemeinen Volke des Jahres auch nur eine bis höchstens 4 Audienzen, weil mir dies gemeine Gesindel über alles fade war. Ich errichtete darum auch stehende Heere, damit ich nicht mit dem gemeinen Trosse des Volkes, das gewöhnlich meine Adelinge im Notfalle zusammenrafften, in einem oder dem anderen Gefechte in Berührung kam. Ich verlieh darum auch dem Hofe den größten Glanz, um mich vor der unerträglichen Fadheit zu verwahren; so war mir der eheliche Beischlaf das Unerträglichste, weil ich darauf von einem allermarterlichsten Fadheitsgefühle gequälet worden bin. Und nun solle ich dennoch wieder in die Fadheit mich hineinwerfen gleich wie eine Sau in eine gemeinste Froschlacke! In Gottes Namen denn; so ich schon mich der Fadheit ergeben muß, so sei es denn! O du entsetzliche Fadheit! Dieser gemeine Jude – überhaupt ein Jude – das ist mir schon das Allerunerträglichste! Ich hätte als Kaiser alle Juden können hinrichten lassen, und jetzt solle ich einen gemeinen Juden als Gott den Herrn anerkennen und anbeten und lieben? – O du entsetzliche, furchtbarste Fadheit aller Fadheiten!« 4 Sagt Paulus: »Siehe zu, daß dir am Ende nicht etwas anderes fade wird! Meinst denn du, der Herr ist etwa auch ein solcher Erzaristokrat wie du und findet alles fade, was sich nicht als hochadelig legitimieren kann! Ich aber sage dir etwas anderes: Siehe zu, daß du dem Herrn nicht fade und unerträglich wirst! Denn so der Fall eintreten würde, da wärest du das unglücklichste Wesen unter den zahllosen glücklichen! Denn wer Gottes Einrichtungen und Anordnungen fade findet, der ist ein Kind des Hochmutes und des Stolzes, und also ein Greuel vor Gott dem Herrn. – Der Herr ist stets dem Kleinen zugewendet; und wer da nicht wird wie das Kind eines gemeinsten Bettlers, wird nie einen Anteil an dem Reiche Gottes haben. 5 Meinst denn du, der Herr liebe die Regenten der Erde? – O da irrst du dich sehr! Sieh, der Herr duldet sie wohl, als ein Übel den Völkern, die selbst übel und böse sind; aber Seine Liebe sind sie nicht, sondern Sein gerechter Zorn. Denn Er Selbst sprach durch den Mund des Propheten Samuel, als das jüdische Volk auch einen König von Gott verlangte: Zu allen Sünden, die dieses Volk vor Mir beging, tut es auch diese hinzu, das es einen König verlangt. Ich werde ihm auch einen König geben in Meinem Zorne. – Sieh', nicht in der Liebe, sondern im Zorne gab Gott den törichten Juden, die auch durch eines Königs Glanz ein großes Volk sein wollten, einen König, der sie hernach knechtete und zu lauter gemeinen Dienern und Sklaven machte. Daraus aber gehet hervor, daß die Könige dem Volke nicht so sehr ein Segen, als vielmehr eine Strafe sind, weil die Menschen noch immer die Welt mehr als Gott lieben. 6 Da es aber also ist, was bildest denn du dir hernach gar so viel ein auf das, daß du auf der Erde ein Regent warst? Gott allein ist Regent; alle Menschen aber sind Brüder und Schwestern! – Gehe hin und bekenne vor Gott deine Schuld, sonst sieht es schlimm aus mit dir!« 7 Sagt Karl: »Warum solle es übel mit mir aussehen! Ich habe als Regent so gelebt und gehandelt, daß mir alle Weltgeschichte ein rühmendstes Zeugnis vor Gott und den Menschen geben muß; was solle ich deshalb dann zu fürchten haben? Besaß ich nicht die Liebe meiner Völker und zwar in dem Maße, daß ich sie buchstäblich mit ins Grab nehmen konnte, und wurden meine Anordnungen nicht pünktlich befolgt? Was Arges habe ich denn hernach angestellet, weshalb ich ein Übel zu erwarten haben solle?« – 8 Sagt Paulus: »Was deine Regentschaft betrifft, so war sie – wie jede andere – eine von Gott zugelassene, zur Züchtigung eines stark entarteten Volkes, und wir wollen darüber keine weitere Kritik anstellen; denn es handelt sich hier weniger darum, was du deinen Untertanen gegenüber, als vielmehr, was du dir und deinem innersten Leben selbst warst; sagst du: Ich habe geherrschet aus meiner Macht! dann war deine ganze Herrschaft schlecht! Sagt du aber: Gottes Kraft und Macht hat mich so und nicht anders zu herrschen bestimmt! dann hat die Sache sogleich ein anderes Gesicht, denn der Herr sieht nie auf die Handlung allein, sondern hauptsächlich auf den Grund und auf die Absicht der Handlung. 9 Mag eine Handlung an und für sich noch so gerecht sein, der Vollführer derselben aber verrichtet sie auf seine Ehre und nicht auf die Ehre Gottes, so ist sie schlecht für den Vollführer; denn der Herr Selbst sagt es: Und so ihr alles getan habt, so saget: Wir sind unnütze und faule Knechte gewesen! So der Herr Selbst aber ein solches Bekenntnis von uns verlangt, was können wir Ihm dawider entgegnen? So du sagst: ich war ein Regent, da handelst du schon wider Gott, und gibst dir selbst ein arges Zeugnis wider dich; sagst du aber: ich war nur ein schlechtes Werkzeug in der Hand Gottes, und der Herr war der Regent durch meinen Willen, und machte aus meinem schlechten Samen eine gute Frucht, dann bist du gerechtfertigt vor Gott, ° wie ein David, der aus sich auch war schlecht und allein nur durch Gott recht und gerecht. Sieh', du hast durch deine mehrjährigen Kriege nicht so viele Menschen geschlachtet, als David oft an einem Tage; und doch war David ein Mann nach dem Herzen Gottes, du aber nicht; weil du aus deiner eigenen Kraft und Macht zu handeln wähntest, während David sich solch eines Vergehens nur ein einziges Mal zu Schulden hatte kommen lassen, wegen des Urias Weibe, dafür er aber dann auch viel Buße tat. 10 Du besaßest wohl deines Volkes Gunst, besonders des hochadeligen; aber es wäre besser gewesen, so du die Gunst und Liebe des Herrn besessen hättest. Also Freund! nicht wir, sondern der Herr allein ist alles in allem, und ganz und gar nichts sind alle Menschen vor Ihm. – Dies fasse in dein Herz und wende dich also an den Herrn, so wird es mit dir vorwärts gehen! Ich habe nun geredet; der Herr sei mit dir!« – 11 Karl über diese Worte sehr zum Denken getrieben, wendet sich nach einer Weile zu Mir und sagt: »Du wärest nach der Aussage dieses Paulus also wirklich Christus der Herr, der einst zu Jerusalem gekreuziget wurde von den bösen Juden, die noch deshalb fortwährend meine größte Antipathie sind, und zwar derart, daß es mir nun noch leid tut, daß ich diese Brut wenigstens in meinem Reiche nicht vertilgt habe.« – Sage Ich: »Ja; hast du aber dagegen etwas einzuwenden, so rede, und sage, was Mir noch abgeht, um vor dir, du großer Herr, würdig als Christus auftreten zu können.« – 12 Sagt Karl: »Das ist eine sehr sonderbare Frage, die einem Menschen wohl kaum in einem Traume einfallen könnte. Nach meiner irdischen Art zu urteilen ginge dir wohl gar vieles ab, um vor mir würdig als Christus, ein Herr Himmels und der Erde – auftreten zu können, und von mir als solcher auch anerkannt zu werden. Aber hier bin ich nun nicht mehr gar so delikat, und nehme bald irgend einen Prügel für einen Zepter, und eine Schlafmütze für eine Krone an, warum nicht auch Dich für Christus, den Herrn! So lange bis mir irgend ein Besserer vorkommt bin ich mit dir ganz vollkommen zufrieden; kommt aber irgend wann ein anderer und ein tüchtigerer vor, nun, so läßt sich die Sache dann ja auch sehr leicht ändern; der Rechte wird angenommen und der Falsche sitzen gelassen werden. Aber übrigens muß ich dir sagen, daß Du mir unterdessen als Christus recht gut gefällst; wenigsten verstehst du so recht gut die Rolle desselben zu spielen. Dein gewisser leutseliger Ernst, und Dein recht majestätisch schöner Kopf mit den großen blauen Augen macht sich sehr gut, und Du bist somit ein recht würdiger Repräsentant dessen, was Du hier vorstellest; ob Du nun auch möglicher Weise wirklich das bist, was Du vorstellest, das zu bestimmen und zu behaupten vermag ich nimmer; aber auf die Gefahr dessen, der Dich mir als den wirklichen Christus anzeigte, will ich auch das annehmen, und falle daher als der größte gewesene Kaiser des römisch-deutschen Reichs Dir zu den Füßen und sage: »Herr, sei mir Sünder vor Dir gnädig und barmherzig!« – 13 Sage Ich: »Freund, Ich bin zufrieden, daß es nun mit dir so weit gekommen ist und wir nun aus dieser Gruft der Toten hinaus ins Freie uns begeben können; denn hier wo die Toten hausen, kann man nicht viel vom Leben sprechen. Draußen, wo ein reineres Licht das endlose All der Geisterwelt durchdringet, läßt sich auch reiner schauen und wahrnehmen und empfinden, Wer Der ist, Der hier nun mit dir redet; und so verlassen wir denn nun diesen Ort und begeben uns ins Freie.« – 14 Schreien nun alle: »Heil Dir, o Herr, daß Du solches an uns tust! Denn nun fangen wir erst an einzusehen, wo wir waren und wie es uns ergangen ist; Du allein bist unser Erlöser! – Dir ganz allein daher auch alle unsere Liebe, Ehre und Anbetung; denn Du allein bist es würdig, dieses alles von uns allen zu empfangen und allergnädigst hinzunehmen.« – Sagt Karl, sich nun vom Boden wieder erhebend: »Herr, bei diesem Gruße bin auch ich vollkommen dabei, und das nun wirklich aus vollem Herzen; aber wohin wirst Du uns nun führen?« – 15 Sage Ich: »Nun hinaus in die Gassen Wiens, und da wird es sich dann schon zeigen, wo wir etwa einkehren werden. – Robert, gehe nun mit der Helena wieder voran!« Kapitel 216 Die Szene mit den geldgierigen, glaubenslosen und hartherzigen Mönchen am Ausgang der Gruft 1 Robert geht nun voran, und am Eingange der Gruft stehen zwei Mönche mit einer tüchtigen Geldbüchse, und reden den Robert um ein Trinkgeld für die armen Seelen im Fegfeuer an. Robert entschuldigt sich und sagt, daß er kein Geld habe. Die Mönche schmunzeln und sagen ganz heimlich: »Ja, ja, holt wieder an Schmutzpack mehr auf der Welt!« – Kommen nun die Dynasten an den Ausgang, und werden auch angesprochen, die den Mönchen aber auch nichts geben, natürlich aus dem Grunde weil sie nichts haben, und die Mönche sagen: »Ja, ja! bei diesen muß man holt allezeit bittschriftli einkummen, und nochher kriegt maon erst noch nix ols höchstns an obweislichen allergnädigsten Bescheid um a paar Joahrlen später; no, dös kennen wir schon; ober hiazt kummen die vier ganz Fremden; vielleicht lossen döi a bisserl ani Hoar!« 2 Komme nun Ich mit Paulus, Petrus und Johannes, und wir werden auch sogleich um einen Beitrag für die armen Seelen im Fegfeuer angeredet. Paulus aber fragt die Mönche, »wo denn das Fegfeuer für die armen Seelen wäre.« – Und ein Mönch sagt ganz gravitätisch: »Zweihundert Meilen tief unter der Erd, und noch um 100 Meilen tiefer kummt dann d' Höll mit den Verdammten, die dort ewig brennen, weil sie nie für d' armen Seelen im Fegfeuer was tun wollten.« – 3 Sagt Paulus darauf: »Und gelt, da habt ihr wohl eine rechte Freude darüber!« – Sagen die beiden Mönche: »O ja, das wuhl sicherli, und won mer ihne a helfe kunnte, so that mers deno nit; denn die schmutzgn harten Ludern sulln nur ewig brennen; wir möchten jo kannen Vaterunser beten für sener.« – Sagt Paulus: »Aber ihr seid eben nicht gar sehr barmherzig, wie ich es sehe; wie wäre es denn, so ihr in der 400 Meilen tiefen Höll unter der Erd' wäret? Wäre es euch angenehm, so jemand gar so unbarmherzig mit euch umginge? Möchtet ihr euch so ewig sieden und braten sehen (braten lassen)?« – Sagt der eine: »I bitt ihnen, euer Gnoden, dos war aber a dumme Frag. Wie kann mer ober so wos frogn, wos net gschehen kann? Ei Mönch‘ kimmt jo net so leicht in d' Höll wie an onderer Mensch, denn den schützen schon die vielen heiligen Messn, die er für d' armen Seele glesn hat; verstandn euer Gnoden!« Am 12. Juli 1850 4 Sagt Paulus notgedrungen etwas scherzhaft: »Ah, das ja, das ist freilich etwas ganz anderes, richtig, richtig, an die heiligen Messen habe ich gar nicht gedacht; ja, ja, die mögen wohl freilich für alles mögliche gut sein. Habt ihr beiden schon so recht viele heilige Messen gelesen, und das mehr gezahlte oder mehr ungezahlte?« 5 Sagen die Mönche: »Dös is scho wieder ani ung'schickte dumme Frog. Wer wird denn in Wean ani ungezohlte Meß lesen! Mer wird mit de g'zohlten net firti, nocher soll mer epers a noch ung'zohlti lesen. Waß der gnäd'ge Herr dös net, daß sich die Reichn n' Himmel kaufen müssen, und nur d' armen Teufel werdn umsonst hineingeloss'n. Jo mein lieb'r gnädger Herr! d' reich'n Luidern sulln nur zohln, wonns a in Himmel inein wulln, sonst wird wuhl a Komel ehenter durch a Nodlloch schliefen, als a Reicher ins Himmelreich! Wer 'n Himmel af der Erd hot, dem g'bührt in d'r and'rn Welt die Höll, und woan er scho a durt den Himml hobn will, so müaß ern ihma kaufe, und dös net epers wuhlfli, sondern so theuer, als nuar immer migli is. Und mer Priestr Gottes hob'ns Recht den Himmel aufz'than, ode zu z'mochn; daß wir ihn ober fur d' Reiche net umsist aufthun werdn, dös werdn d' gnäd'gen Herrn doch epers begreife! De schmutzigen Luiden sulln zohln, doß inna d' Augen übergeahn, befur sie in den Himml inein g'lossn werdn. Jo, dös thuan wir, und wir hobn's Recht dozu!« – 6 Sagt Paulus: »Und wer hat euch denn das Recht gegeben?« – Sagt der Mönch: »Na, is ober dos wieder a Frog! Wer wird's denn gebe hobn? Der Popst, ols der Stellvertreter Christi auf Erdn; und der hots Recht von Gott. Dos werdns jo epers doh wissn, wonns kan Erzketzer san!« 7 Sagt Paulus: »Nun gut, gut, wir verstehen uns schon, und benötigen deshalb keines Lärms; aber das einzige sagt mir noch, ob ihr das wisset, daß ihr euch nun nicht mehr auf der Erde, sondern rein nur in der Geisterwelt befindet.« – Sagen die Mönche laut lachend: »Uns scheints, doß beim gnädgen Herrn, wie wir so urdinär weg sag'n, es z'raplen anfangt. Won wir in dr Giest'rwelt war'n, so warn wir entweder im Himmel oder im Fegfeuer oder gor in d'r Höll, und thät mer neamer ane heilge Meß les'n; do ober sicht (sieht) der gni Herr jo do, doß mer hiazt in aner Kirchn san, und sanst nirgends; und do ist kane Giesterwelt, hod der gnä Herr dos verstaonden?« 8 Sagt Paulus: »Ja ich habe euch verstanden und eingesehen, daß ihr noch für eine lange Zeit unheilbar seid, daher wir euch auch so belassen wollen, wie wir euch gefunden haben. Ich bin zwar Paulus, der weltbekannte Apostel des Herrn; die zwei hinter mir sind Petrus und Johannes, und in ihrer Mitte ist Christus, der Herr Selbst, Der euch helfen wollte; aber ihr seid dafür noch viel zu blind; euch wird nur das Loch des äußersten Abends heilen, wo Heulen und Zähneknischen sein wird. Gehabt euch wohl! In einigen Hundert von Erdjahren werden wir uns wieder sehen.« 9 Paulus geht nun; und als Ich mit Petrus und Johannes zu den Mönchen komme, so reden sie auch Mich um ein Almosen für die armen Seelen im Fegfeuer an; Ich aber gebe ihnen keine Antwort und gebe ihnen auch nichts, wie auch meine Begleiter nicht; da fangen die beiden Mönche uns in die Hölle zu verwünschen an, und heißen uns schmutzige Luder hin und her und auf und ab. – Da kommen aber alle die Wiener nach, die wir schon früher gewonnen haben, packen die beiden Mönche und wollen sie recht wacker durchprügeln. Ich aber sage zu ihnen: »Lasset sie! diese sind geschlagen zur Genüge; alle ihre Mühe sowohl auf Erden, als wie besonders hier im Geisterreiche ist von nun an eine vergebliche; sie werden langsam verdorren wie ein gemähtes Gras, und werden zu Futter für die Tiere aufgespeichert werden im äußersten Abende. Gehen wir nun hinaus! Ich sehe noch einige fruchtbare Gärten; in denen müssen wir noch eine Ernte machen.« Kapitel 217 Die himmlische Gesellschaft vor dem Stephansdom. Gute Bittrede der erlösten Dynasten zum Heile ihrer kirchlichen Kollegen. Des Herrn Antwort über die Schwierigkeit solcher Aufgabe. Besuch der Katakomben. Robert ist bedrückt 1 Wir gehen nun vorwärts und befinden uns nach einigem Gehen vor dem sogenannten Stephansdom; 2 da treten einige Dynasten zu Mir und sagen: »Herr, da es Dir schon wohlgefallen hat, diese unsere Residenzstadt zu besuchen, und die in ihr noch vielfach hausenden und herumirrenden blinden Geister zu beleben mit Deiner Liebe, Gnade und Erbarmung, und sie zu befreien aus der Nacht des Todes; o, so wolle denn du nun auch noch dieser Armen gedenken, die hier unter diesem Bethause in den Katakomben physisch und geistig begraben liegen, wir sehen es jetzt nur schon zu klar ein, daß bei Dir alles, was auf der Welt niedrig gestellet war, einen leichten Vorgangsstand hat; denn aller niedergestellten Menschen Vergehen liegen zumeist in dem Mangel an einer rechten zweckmäßigen Erziehung; aber bei den Hochgestellten rühren ihre Sünden sicher nicht von einer verwahrlosten Erziehung, sondern wohl lediglich von ihrem Hochmute und schnöden Eigennutze her, und sind daher auch sicher hartnäckiger als bei den Niederen; daher bedarf es hier aber auch ausschließend eines Arztes, wie Du, o Herr, Selbst es bist, damit solchen Schwerkranken geholfen werde. Besuche daher auch diese Armen hier unter den Katakomben; vielleicht, Dir, o Herr, ist ja nichts unmöglich, werden auch hier einige sich erwecken lassen.« 3 Sage Ich: »Meine recht sehr lieben Freunde, die ihr auf der Welt sehr vielfach nach Meinem Herzen gelebt und gehandelt habt; von euch freuet es Mich ungemein, daß ihr euch dieser Toten hier erinnert, und Ich werde auch sogleich dem schönsten Wunsche eures Herzens nachkommen; aber nur das sage Ich im voraus: In diesem Garten werden wir eine sehr magere Ernte halten. Denn nichts ist schwerer aus einer Seele zu bringen, ohne ihr zu schaden oder sie auch ganz zu vernichten, als der sogenannte theosophische (theologische) Hochmut. 4 Ein Kaiser, ein König, ein Fürst dünkt sich wohl unter den Menschen der Höchste und der Unantastbare zu sein, das aber liegt seinem Stande auch natürlich höchst nahe, der von ihm das zu sein auch naturgerecht und pflichtgemäß verlangt. Aber ganz anders ist es bei diesen da unten. Das sind zumeist alte eingefleischte Hierarchen aus den finstersten Zeiten. Diese halten sich fortwährend für Wesen, denen die Gottheit selbst gehorchen muß. Zu dieser wahnsinnigsten Idee kamen sie meist durch die Irrlehre Roms, die jeden Priester als zwei Male höher stellt als die Mutter Maria und diese an der Macht zwei Mal über Mich selbst, und das also, daß Ich nur durch sie zu etwas zu bewegen sei. Dazu kommen ihre Messen, in denen sie mit Mir gewisserart machen können, was sie wollen, und dabei wie ein Papst Alexander ausrufen: Wer kann es wagen, mit mir zu rechten? Die ganze Erde, die ich trete, erbebt unter meiner Sohle und Gott habe ich in meiner Rechten. 5 Ihr könnet aus dem leicht begreifen, wie schwer es dann ist, solche Geister zur rechten Demut zurückzuführen, die sich selbst nicht nur als Selbst-Götter, sondern als barste Gebieter über Gott halten. Und eben solche hausen recht viele da unten. Es wird daher recht schwer gehen, bei ihnen etwas auszurichten; vielleicht ein paar, diese dürften etwas sanfter sein; aber die anderen! Da werdet ihr alle Wunder der Hartnäckigkeit sehen! Aber ärgern dürfet ihr euch nicht, sondern euch gerade so benehmen, als ob ihr in einem Irrenhause unter lauter Irrsinnigen euch befändet. Auch sollet ihr in keine Furcht geraten; denn sie werden auch Zeichen tun durch Fixierung ihrer Phantasie; aber ihr müsset das alles als ein Trugwerk ansehen, das da vollends nichts ist, und keine Realität hat und haben kann. Und so denn, da ihr das wisset, wollen wir uns ganz ruhig da hinab begeben. Es sei!« 6 Wir gehen nun hinab in die finstern Katakomben und lassen nur so viel Licht in denselben entstehen, als es nötig ist für die neuaufgenommenen Dynasten, auf daß sie sehen können die Einwohner dieser unterirdischen Gewölbe. – 7 Als wir nun alle im Zentrum der Gewölbe uns befinden, kommt Robert mit der Helena zu Mir und sagt: »Herr, Du unser aller heiliger, liebevollster Vater! Erlaube uns nun ganz nahe bei Dir zu sein; denn ich muß Dir bei meiner unbegrenzten Liebe zu Dir gestehen: Weder je auf der Erde, noch in der Geisterwelt, die ich doch schon in so manchen Nuancen durchgekostet habe, hat mich so eine Furcht angewandelt, als hier in diesen Gewölben. Ich sehe noch niemanden; nur hie und da grinst uns irgend ein halbverfaulter (halbverwester) Totenschädel aus einem zerfallenen Sage an, und ein höchst unangenehmer Moderduft beschleicht unsere Nüstern; und doch durchrieselt ein sonderbares Bangen mein ganzes Wesen; sogar die Haare am Haupte kommen in eine gewisse bergansteigende Bewegung. Das ist wahrlich höchst sonderbar! Als ich vor ein paar Erdjahren vom General Windischgrätz bin zum Tode verurteilt worden, habe ich keine solche Angst empfunden, als nun. Nun, da wird es gut werden! Du lieber Vater erlaubst es wohl, daß wir uns bei dieser Expedition in Deiner nächsten Nähe befinden dürfen!« 8 Sag Ich: »Ganz in der Ordnung, mein lieber Sohn Robert! Denn das will Ich ja stets, daß da ein jeder zu Mir kommen solle, der irgendwo belastet ist, auf daß er bei Mir erquicket werde. Bleibe also nur hier; denn der Haupttanz wird bald angehen.« Kapitel 218 Josefs Rede über seine Erfahrungen mit der Klerisei. Grund des frühen Todes Kaiser Josefs, welcher nun als Engel des Gerichtes gegen Rom bestellt wird 1 Hier tritt der Kaiser Josef (Josef II. 13.03.1741 bis 20.02.1790, Sohn der Maria Theresia) hin zu Mir und sagt: »Herr, sei mir Sünder gnädig! Ich sollte zwar nicht über andere etwas reden; denn ich bin selbst noch voll von allerlei Schulden; aber da es sich hier um den römischen hohen Klerus handelt, da, Herr, vergib mir alle meine Sünden, kann ich unmöglich schweigen. Ich habe diese Brut kennengelernt, wie keiner vor und nicht leicht einer nach mir; sie ist aber von mir auch auf eine Art gesalbt worden, die ihr in ewigem Angedenken bleiben dürfte. O Herr! es ist mir vor Dir nahe unmöglich, alles zu beschreiben, was ich als Kaiser mit diesen Wesen alles erlebt habe. Die Schändlichkeit und barste Gewissenlosigkeit erreicht bei dieser Kaste einen solchen Grad, daß man, um sie zu beschreiben, wahrlich keine Worte finden kann; denn ihre Betrügereien auf Kosten Deines allerheiligsten Namens sind wahrlich von der Art, daß sie bisher noch mit keinem tauglichen Namen bezeichnet werden. Wahrlich, so ich hätte tun können und dürfen, wie ich es als höchst nötig angesehen haben mußte, 2 da es mir als Bekenner Deiner reinen Lehre, in der ich wohl bewandert war, nur zu grell einleuchtend war, welch ein Unterschied zwischen der Lehre Roms und zwischen Deiner reinsten hervortrat, so hätte ich der allerfalschesten Römerin für alle Zeiten ein Garaus gemacht; und wäre es mir vergönnt gewesen, nur noch 10 Jahre zu leben auf der Erde, bei Deinem heiligsten Namen, da hätte ich's auch getan! – Aber eben diese Luder, denen ich zum ärgsten Steine des bittersten Anstoßes geworden bin, haben gewußt, sich wie ein böses Krebsgewürm hinter meinen irdischen Lebensfaden zu schleichen und ihn vor der Zeit durchzunagen und so mußte mein Vorhaben unterm Wege verbleiben. 3 Aber es freuet mich dennoch, daß ich wenigstens den Weg zu ihrem Verfalle gebahnt habe und er hat gute Folgen; denn so oft ich nur in dieser Welt von der Erde Kunde erhalte, so heißt es allezeit, daß die Hure Babels an der unheilbarsten Abzehrung leide; und das ist für mich eine Wonne, ja ein völliger Himmel. O Herr! segne Du meine Arbeit, auf daß sie auf Deiner Erde gute Früchte trage; das wird meine größte Freude sein, so Du es mir sagst, daß ich Dir auf der Erde kein ganz unnützer Knecht war.« 4 Sage Ich: »Mein liebster Bruder Josef! Ich kann dir vorderhand nichts anderes sagen, als: Du warst Mir ein Knecht wie wenige vor und bisher keiner mehr nach dir; du handeltest ganz nach Meinem Herzen, und warst treu in dem dir anvertrauten Haushalte; daß ich es zuließ, daß du nur eine kurze Zeit auf der Erde Mir zu dienen hattest, das hatte seinen Grund darinnen, weil die Menschheit deiner nicht wert war; denn sie war zu schlecht; darum Ich sie aber dann auch durch Kriege und allerlei andere Nöte und Trübsale heimgesucht habe, wodurch sie durch die Bank hoch und nieder gedemütigt ward, wie nicht leichtlich irgendwann vorher; und diese Demütigungen sollen fortdauern, bis der letzte böse Same von der Erde vertilgt sein wird. 5 Dir aber werde Ich erst jetzt ein rechtes Schwert geben, mit dem du der Hure Babels ganz anders wirst zusetzen können, als du es auf der Erde je hättest zu tun vermocht; denn du bist Mir ein rechter Kämpfer für diese allerwichtigste Sache. Was aber Babel und dessen schwarze und scharlachroten und purpurroten Knechte alles für Greuel getrieben haben, brauchst du Mir gar nicht hier wieder zu erzählen; denn alles das weiß Ich am allerbesten, darum aber nun auch die Zeit des Gerichtes über sie gekommen ist. – 6 Jetzt aber gebe acht; dort aus einem überaus finsteren Gewölbe trabt ein Erzbischof aus deiner Zeit zu uns hervor; du wirst ihn sogleich erkennen; auch er dich; dem gebe eine gemessene Antwort, wie Ich sie dir in den Mund legen werde.« Kapitel 219 Der Herr belehrt Josef über seinen Erbischof Migatzi, den Direktor des Papstes; Zwiegespräch zwischen diesem und Josef. Migatzi: Beispiel des ägyptischen Religionsschwindels, Chinesen und Japaner. Römische Geistesschlafpolitik Am 16. Juli 1850 1 Spricht Josef: »Ja, ja, ich erkenne ihn an seinem Gang, er ist es. O Herr, wie sieht der aus! Das ist ja eine wahre Schreckensgestalt! Über einem förmlichen Totengerippe hängt ein alter sogenannter Vespermantel, und auf einem Totenschädel klappert eine Bischofsmütze voll Schmutzes und Unflates; so trabt diese Schreckensgestalt langsamen und sichtlich überaus wankenden Schrittes auf uns zu. Nun, nun, da bin ich denn doch neugierig, was dieses Monstrum vor uns tun wird.« 2 Sage Ich: »Es wird dir zu schaffen genug geben; aber nur mußt du dich über nichts ärgern; denn alle diese Wesen sind mehr oder weniger als Irrsinnige anzusehen.« 3 Spricht Josef: »Aber was mich bei diesem Menschen wundert, ist, daß er auf der Welt gerade einer von den hellsten Köpfen, und mit mir mehr als alle anderen Bischöfe meines irdischen Regierungsreiches – einverstanden war; mir haben die Erzbischöfe von Salzburg, Prag, Olmütz, Gran-Erlau, Agram, Triest, Venedig, Trient und Mailand bei weitem mehr Mucken gemacht, als mein Wiener; ja ich muß es offen gestehen, daß er mir in mancher Hinsicht bei meiner Purifikationsarbeit viele gute Dienste geleistet hat; und ich kann eben deshalb schwer begreifen, wie dieser Mann in einen so jammervollen Zustand geraten ist.« 4 Sage Ich: »Mein lieber Bruder, dieser Erzbischof Migatzi war einer, der es am meisten verstand, den Mantel nach dem Winde zu drehen, und sah sich die Prügel wohl an, und beurteilte scharf, ob sie über's Knie zu brechen wären oder nicht; war ihm einer zu massiv und stark, so legte er ihn ja nicht an's Knie, sondern ließ ihn als ganzen vergolden, damit für's erste ja keine Seele merken solle, daß so ein gewaltiger Prügel auch zu der Zahl derjenigen gehörte, die ihm unter die Füße geworfen wurden; und zweitens, daß dann beim Anblicke solch eines gewaltigen vergoldeten Prügels jedermann nur eine neue Macht in seinen Händen ersehen und erkennen möchte; denn wer auf der Erde mit einem gewaltigen Kaiser Hand in Hand einhergehet, vor dem hat jedermann schon nahe eben so viel Respekt, als wie vor dem Kaiser selbst. 5 Unser Erzbischof Migatzi sah es recht gut ein, daß man unter deiner Regierung sich nur lächerlich machen würde, so man mit dem Papste, der damals sehr von Österreich abhing, und dir auch beispielloser Weise selbst persönlich noch einen für's zeitliche Wohl der Hierarchie wohlberechneten Besuch abstattete, zu sehr Hand in Hand ginge; daher schloß er sich lieber an dich an und wurde geheim ein Gesetzgeber des Papstes! Denn er korrespondierte fleißig mit dem Stuhle, und sagte diesem, was er zu tun habe, um sich gegenüber deiner Macht und Erkenntnis aufrecht zu erhalten. Weil aber der Papst sich danach richten mußte, so war das unseres Erzbischofes Migatzi größter Triumph, daß er alsogestaltig gewisserart ein Papst über dem Papst war. Und er hatte seine größte Freude daran, daß endlich einmal einer in Rom tanzen mußte, wie ein Erzbischof Migatzi in Wien pfiff. 6 Sieh', das war der Grund, warum Wiens Erzbischof Migatzi mit dir hielt. Die Prügel, die du ihm hinlegtest, wußte er sehr gut aufzuklauben, und sie allesamt zu vergolden; und machte sie dann zu lauter Zeptern, die ihm große Zinsen trugen, und eine große Macht und großes Ansehen verliehen. Aber so du meinen würdest, daß er auch innerlich also gesinnt gewesen sei, als wie er sich äußerlich zeigte, da wärest du in einer großen Irre; denn da war er mehr Papst als der Papst selbst, und bei weitem mehr ultramontan als alle seine Kollegen. Ja, Ich sage dir, daß er dich insgeheim haßte mehr als den Tod; aber weil er durch dich gewisserart ein Gesetzgeber dem Papste geworden ist, so hielt er es mit dir, und unterstützte dich in deinen Unternehmungen. – Kennest du nun den Mann, der mit dir auf der Erde Hand in Hand ging?« 7 Spricht Josef: »Ach, so stehen die Aktien! O du verschmitzter Kerl! Nein, da hätte ich mir doch eher alles, als wie so was von diesem Manne eingebildet! Ja, ja, wer die sogenannte schwarze Politik erlernen und darinnen ein Meister werden will, der gehe zu den schwarzen und scharlachroten und zu allen den Purpurmäntlern, da findet er sie sicher in einem so hohen Grade ausgebildet, wie sie kaum im Kopfe des Satans zu Hause sein dürfte. – Nun warte, du Schwarzpolitiker, du sollst an mir einen sehr harten Knochen zum Abnagen bekommen!« – 8 Sage Ich: »Gebe aber ja wohl acht darauf, daß er dir nicht um vieles härter wird, als wie du ihm! Denn Ich sage dir, daß dies einer ist, der sich mit allen Salben gesalbet hat, und es für jeden noch so durchleuchteten Geist wahrlich keine geringe Aufgabe ist, einen also gesalbten auf einen rechten Weg zu bringen. Fasse dich aber nun, er kommt uns schon sehr nahe; sogleich wird er deiner und auch unser ansichtig werden.« – 9 Josef faßt sich; der Erzbischof Migatzi wird nun seiner ansichtig, tritt rascher zu ihm hin, und sagt mit einer stark kreischenden Stimme: »Ich grüße dich, Bruder Josef! aber wie kommst denn du hierher in dieses elendste Loch?« – Sagt Josef: »Um dich zu besuchen, Bruder.« – Sagt der Erzbischof Migatzi: »Das ist sehr schön von dir; aber wenn du noch also ein Erzketzer bist, wie du es auf der Erde warst, da wirst du hier ganz verdammt übel aufgenommen werden.« – 10 Spricht Josef: »Das macht einem Josef nichts; denn du weißt es ja, daß sich ein Josef überall eine gute Aufnahme zu verschaffen versteht. Du magst mir sagen, was du willst, und ich werde dir stets jene Antwort geben, die ich dem Patriarchen von Venedig gab, als er mir ein Gemälde zeigte, das da die merkwürdige Szene vorstellte, wo der Papst über den Nacken eines schwachgewordenen Kaisers auf sein Maultier steigt, und den Kaiser mit dem stolzesten Gesichte verächtlich anblickt.« – Fragt der Erzbischof Migatzi: »Und wie lautete diese Antwort?« – Sagt Josef: »Tempi passati! (das sind vergangene Zeiten.) Jetzt diskutiert man anders; und solch eine Antwort wirst auch du von mir erhalten, so du mir mit etwas kommen solltest, was mir nicht munden sollte; denn weißt du, ich habe dir gegenüber noch nicht aufgehört, ein Kaiser zu sein. Sage mir aber nun, wie es dir hier geht, und was du hier machst.« – 11 Spricht der Erbischof Migatzi: »Eine dalkete Frage, wie's unsereinem hier ginge, und was man mache. Sehe mein Gesicht an, das bis zu den Knochen herabgemagert ist, und dir muß die Antwort doch von selbst werden, meine Arbeit aber siehst du doch an meiner Kleidung. Mundus vult decipi, ergo decipiatur! (Die Welt will ja betrogen sein, also betrüge man sie!) Das ist unser Geschäft von jeher gewest, und ist es daher noch jetzt. Die Menschheit will vom größten Wunder in ihr, das da ist die göttliche Vernunft und der ihr gleich göttliche Verstand, keinen Gebrauch machen; ein noch so dumm angestelltes Spektakel ist ihr lieber, sie will nicht denken, ist lange schon zu träge dazu; sie will einen durch Wunder hineingezauberten Glauben, damit sie dabei das mühsamere Denken entbehren kann. Also ist es ja klar, daß sie betrogen sein will. Volenti autem non fit injuria, also sei sie denn auch betrogen! Lasse du Musiker, Maler, Dichter und Schauspieler bester Art in einem Saale spielen, malen, dichten und deklamieren, in einem anderen Saale aber vom berühmten Magier Philadelfus Zaubereien aus dem Gebiete der ganz natürlichen Magie produzieren; ich versichere dir, der Zauberer wird das allermeiste und größte Auditorium haben, während die wahren Verstandes- und Gemütskünstler ihr Publikum sehr leicht werden überzählen können. 12 Jedes Stück des Magiers ist ein Trug, aber das macht dem dummen Menschen nichts, wenn er nur etwas Wunderähnliches angaffen kann, so geschieht es ihm schon leichter; wie ein Ochse tritt er die Großwunder Gottes leichtsinnigst mit seinen schmutzigsten Füßen, die machen auf ihn nahe gar keinen Eindruck; die Sonne, der Mond, die Sterne, die herrliche Erde mit ihren Wundern ohne Zahl und Maß, das ist dem ochsigen Menschen rein Pomade; aber in einen scheinbar leeren Becher eine Kugel hineinwerfen, und hernach à la Hokuspokus drei herauswerfen; das ist Wunder über Wunder. Und siehe, so war die Menschheit, so ist sie jetzt, und so wird sie sein, so lange auf der Erde Menschen existieren werden; daher ist der Grundsatz der Jesuiten das Beste, was je die menschliche Vernunft erfunden hat; denn er ist von der eingentlichsten Natur der Menschheit herausgenommen. 13 Die weisen Ägypter haben eine der besten Religionen aufgestellt, weil sie rein auf Mysterien und Zaubereien aller Art basiert war. Sie hielt sich aber deshalb auch über zweitausend Jahre; als aber gewisse Volksfreunde unter dem Volke aufgestanden sind und dasselbe über den Betrug ihrer heiligst gehaltenen Religion aufzuklären angefangen haben, da gab es dann nur zu bald auch eine Masse Feinde der Priester und ihrer Religion; die Tempel wurden zerstört, und die Priester häufig getötet oder im besten Falle aus dem Lande vertrieben; frage: Was aber hat das Volk dabei gewonnen? Nichts, als: Not, Elend, Trostlosigkeit, Verzweiflung, und am Ende den totalen Verfall ihrer Nationalität und ihrer uralten nahe göttlichen Berühmheit. Wäre es denn nicht besser, so diese unzeitigen Volksbeglücker mit ihrer Verstandesschärfe unter dem ägyptischen Volke nie aufgestanden wären? Das Volk wäre bei seinen wunderreichen Festen in seiner Dummheit glücklich geblieben, und die Priesterschaft, die eigentlich allein weiß, daß der Mensch nichts ist und auch ewig nichts zu erwarten hat, hätte dafür, daß sie die Sicherheit und das traurige Gefühl für sich allein in die Verwahrung nimmt, daß nach dem Tode jeden Menschen die ewige Vernichtung erwartet, aber dabei doch unermüdlich bestrebet ist, den Glauben an einen Gott, und an die Unsterblichkeit bei dem blinden Volke durch jedes taugliche Mittel aufrecht zu erhalten, und ihm dadurch eine recht hoffnungsreiche und fröhliche Existenz zu sichern, wohl ihre Einkünfte ungestört genießen können, indem sie von dem Volke denn doch die größte Last auf ihren höchst eigenen Nacken nimmt, und allein mit jedem Tage und mit jeder Minute der ewigen Vernichtung entgegen sieht. 14 Lasset beim Volke die Einsicht lebendig und überzeugend aufkommen, daß es nach dem Tode kein Leben mehr gibt, und ihr werdet dann das Volk sogleich in alle erdenklichen Entartungen übergehen sehen; ja in einigen Augenblicken werden viele aus dem Volke zu Tigern und Hyänen. Der Priesterstand nimmt das alles auf seine Haut; er allein sieht der ewigen Vernichtung mutig entgegen, weil er allein den großen Vorteil des Nichtseins vor dem Sein allerklarst einsieht; und sonach ist es wohl der größte Undank gegen diese größten Wohltäter der Menschheit, so sie von gewissen Volksaufklärern entlarvt und als offenbare Betrüger dem Volke denunziert werden. Sie sind es allerdings, aber nicht zum Nachteile, sondern nur zum entschiedenen Wohle der Völker. 15 Warum sind die Chinesen, und hauptsächlich die Japaner nahe die glücklichsten Völker der Erde? Weil sie in ihrer Dummheit noch nie gestört worden sind, indem ihre weisen Regenten dafür eine Hauptsorge tragen, daß ihre Völker ja nie zu irgend einer Aufklärung gelangen; einige wenige, die es wagten, diesen Völkern ein sogenanntes Lichtlein anzuzünden, wurden arg bedienet, und so haben sich denn doch nicht so leicht wieder andere eingefunden, die es gewagt hätten, dem Volke ein Licht anzuzünden. 16 Du mein sonst überaus schätzbarer Freund hast aber als Regent selbst, statt mit der Priesterschaft ungestört Hand in Hand zu gehen, ihr eine Wunde geschlagen, die ihr schwerlich je eine Zeit wieder verheilen wird; was solle da ein wahrer Erzbischof von dir urteilen? Ja, was die ganze vernünftigere Menschheit? Du nahmst ihr das eine, und gabst ihr nichts Besseres dafür. 17 Wenn ein Mensch in seiner Dummheit glücklich ist, warum ihn aufwecken, auf daß er unglücklich werde? Alle Menschen sind zum Tode ausgesetzte Delinquenten; wenn der Delinquent aber schläft, so ist er glücklich in seinem Traume; wird er aber wach, was dann? Sieh', da faßt der Todesgedanke ihn, und er ist sogleich unaussprechlich unglücklich. Sage, hat der dem Delinquenten eine Wohltat erwiesen, der ihn aus dem Schlafe gerüttelt hat? 18 Nicht umsonst nennt sich die Kirche eine Mutter; denn sie ist den Völkern wirklich das, was die Mutter ihren Kindern ist; sie gibt den Völkern allerlei sanft zum Schlafen lockende Speisen und Getränke, auf daß sie der Welt gräßlichsten Jammer nie fühlen und schmecken sollen; denn wer fest an der Kirche hängt, und ihre Mittel gebraucht, der wird wahrlich den eigentlichen Todesschmerz nie empfinden; wehe aber jedem Volksaufklärer! Der Tod wird sich schrecklich rächen an ihm. Was dünket dich nun? Wirst du mir da auch mit deinem törichten tempi passati kommen können?« 19 Sagt Josef ganz kurz und lakonisch: »Freund! durch diese deine sehr gehaltlosen Worte hast du eigentlich nichts anderes gesagt als: daß eben die Priesterschaft sich stets in ihrer krassesten Ignoranz befindet, und diese ums teure Geld auch allen Völkern aufzubürden bemühet ist. Sieh, ich und Tausende, die so dachten wie ich, haben an der Unsterblichkeit unserer Seelen nie gezweifelt, obschon wir gottlob sehr aufgeklärt waren; aber unser Glaube war kein blinder, sondern ein hellstsehender. Wir empfanden aber, daß alle Menschen das einsehen könnten, so sie nicht von der blindesten Geistlichkeit davon abgehalten würden; und das, Freund, war der Grund zu unserem »tempi passati«, und es freuet uns nun sehr, daß wir die »tempi passati«, so viel als nur möglich war, an das klare Licht gestellt haben.« Kapitel 220 Josefs gute Rede an Migatzi. Ein Gleichnis über die modernen Erfindung einer Stecknadel. Josef als Reformator, weist den Migatzi an den Herrn. Migatzi erklärt das Jenseits für einen Trug, den Josef für verrückt, und will ihn kurieren. Etwas über Josefs letzte Krankheit und seinen Tod Am 18. Juli 1850 1 Kaiser Josef: »Schaue Freund, wie dumm und gänzlich gehaltlos deine Gründe sind, mit denen du deine Kirche – natürlich nur mir gegenüber beschönigen willst, erhellt aus dem allein schon zur Übergenüge, daß gottlob wir beide dem Leibe nach schon vor 60 Erdjahren gestorben sind, und nun nach diesem Leibestode hier ganz wohl erhalten frisch und gesund fortleben. Würde das Volk im wahren, lichten Glauben unterwiesen sein, so würde es sich auch leichter leiten lassen, und wäre mutiger in allen seinen Unternehmungen, und emsiger in allem Guten, Wahren und Schönen; da es aber statt zu wachen und zu schauen alle Dinge in ihrer Wirklichkeit, nur schläft, und sich von einem Traume in den anderen hineinschnarcht, so ist bei solch einem Volke an einen wahren geistigen Fortschritt gar nicht zu gedenken. Wie schnell erblühten in England die zweckmäßigsten Erfindungen aller Art, als der Geist dieses Volkes nur zu einiger Freiheit gelanget war; was aber haben wir in Österreich unter der Regierung meiner Mutter aufzuweisen? Nichts, und noch tausendmale nichts; Wir können nichts als schlechte Taschenveitel (Taschenmesser) fabrizieren. Mein erster Minister fragte mich einmal, als er zuvor eine zeitlang eine Stecknadel betrachtet hatte, ganz im Vertrauen, wie etwa doch diese beknöpften Stifte verfertigt werden. Und, so wahr ich da stehe, ich konnte ihm selbst keine Antwort geben, denn ich sogar als Kaiser hatte davon wirklich keinen Begriff, dachte aber bei mir: Mit der Aufklärung meines großen Staates muß es verdammt schlecht stehen, da sogar ich als Kaiser nicht weiß, wie eine wahrlich lausige Stecknadel geschaffen wird. 2 Zudem habe ich auch noch in die Erfahrung gebracht, wie ein Kapuziner gegen den Gebrauch der Stecknadeln mit höllischem Morde und Brande auf der Kanzel geeifert hatte, indem er sie als eine reine Zauberei ansah. Der hat doch sicher auch keinen Begriff gehabt, wie die Stecknadeln verfertigt werden. Er habe es selbst einmal versucht, und hätte eine ganze Woche sich die unsäglichste Mühe gegeben, eine solche Nadel zu verfertigen, wäre aber um alle Welt nicht imstande gewesen, auch nur eine zu Wege zu bringen; aber in seiner törichten Mühe sei der leibhaftige Gottstehunsbei zu ihm gekommen und habe gesagt: Verschreib mir deine Seel', und ich will dir die Kunst lehren, Stecknadeln tausendweise zu machen. Darüber habe er sich so gewaltig erschreckt, daß er vor Angst umgesunken sei, und wäre ihm nicht die allerseligste »Maria auf der Stiege«, die er stets am meisten verehrt habe, zu Hilfe gekommen, so wäre er offenbar verloren gewesen. 3 Wenn nun das arme Volk solchen ungeheuren Ochsen von Geistlichen überlassen ist, frage: welche Früchte lassen sich von solch' einem Volke erwarten? Und siehe, dieser und 10.000 ähnliche Anlässe sind mir zu Ohren gekommen, und bestimmten mich denn auch notwendig, solchem krassesten Unfuge für alle Zeiten ein Ende zu machen. Und gottlob, der Herr hat meine Mühe gesegnet, und sie mir zu keiner Sünde gerechnet. Der Papst bekommt nun eine Ohrfeige um die andere von der lieben Welt, und hat bei Millionen bereits gottlob alles Ansehen weidlichst verloren; ja ein Prinz Schnudi und Piripinker stehen in einem größeren Respekte als der Papst mit allem seinem Anhange, und dazu habe ich den ersten Hauptgrundstein gelegt, den freilich früher ein Luther, Calvin, Huß und Melanchthon schon behauen haben. Bin dafür von Rom aus freilich wohl etliche Millionen Male bis in die unterste Hölle verdammt geworden; aber gottlob, es brachte mir das keinen Schaden; denn da sieh' her, der hier fest neben mir stehet, ist Christus der Herr, Himmels und der Erde Selbst, und ich glaube: wer so, wie ich, bei Ihm ist, der wird ja etwa doch so ein bißchen selig sein.« 4 Sagt nun der Erzbischof ganz aufgeregt: »Du warst schon im Mutterleibe ein Ketzer, und wirst als solcher in der Hölle auch verbleiben in Ewigkeit. Du meinst, daß wir schon gestorben sind. O du Narr! für die Welt politisch genommen sind wir freilich gestorben, weil wir uns in den Ruhestand zurückgezogen haben; aber nicht so in der Wirklichkeit, da wir doch noch alle in dem sichtbaren Wien leben, und herumgehen und fahren, so wir eine Gelegenheit bekommen, bin ich doch erst unlängst in Hiezing gewest; und habe mir dort recht wohl geschehen lassen, und das wird doch nicht etwa in der Geisterwelt, – so du es mir erlaubst zu sagen – gewesen sein! Oder gibt es etwa auch in der Geisterwelt ein natürliches Wien, ein Hiezing, einen »Heurigen« und »bach'ne Händln« mit einem delikaten Häupelsalat? Geh', laß dich nicht auslachen! Ich als ein Erzbischof werde es doch besser wissen, was es mit der Geisterwelt für eine Bewandtnis haben müßte, so es eine gäbe; aber da es nach dem Tode kein Leben mehr gibt und geben kann, so fällt die ganze Geisterwelt ja von selbst ins rein blaue hinein, und mit der Gottheit Christi wird's etwa doch den allerallmächtigsten Faden haben. Wie weit aber mußt du es in deiner Narrheit gebracht haben, daß du einen echt polnischen Zinbeljuden für den Nazarener hältst, der am Kreuze lange gut gestorben ist, und in alle Ewigkeit nimmer lebendig wird. Es ist wirklich viel, daß du dich nicht selbst schon lange für Christus gehalten hast; denn ein Narr zur Genüge wärst du schon lange dazu gewest. 5 Weißt du denn nicht, und hat dein traurig leidender Zustand dir denn dein Erinnerungsvermögen so ganz und gar verstöret, daß du nun dich nimmer entsinnen kannst, daß du ein Narr geworden bist, und als solcher gekommen in die geheime kaiserlich-königliche Irrenanstalt! Sieh, dies Ereignis wird dir das Gefühl gemacht haben, als seiest du gestorben; aber dem ist nicht also; du bist nur irrsinnig geworden, was du noch mehr oder weniger bist, und das erzeugt in dir das Gefühl des schon Gestorbenseins. – So du aber wolltest, da könnte ich dich bald heilen, auf daß du dann wieder des Lebens goldene Freiheit genießen könntest; du weißt es ja, so dir noch irgend eine Erinnerung geblieben ist, daß ich nie ein sogenannter Zelote war, am wenigsten dir gegenüber. Geh, biedrer Freund, und laß dich kurieren!« 6 Spricht Josef: »Mein Freund! du behauptest Dinge hier, die einem Spinoza (lebte von 1632 bis 1677 und schuf ein System des philosophischem Monoismus, in der Gott oder die Natur die absolute Substanz ist) den doch die Kirche selbst, nachdem er schon mehrere Jahre begraben war, wieder ausgraben; öffentlich verdammen und dann verbrennen ließ, wahrlich keine Schande gemacht hätte. Ich ein Narr!? Nein, das ist alles, was man sagen kann! Das ist dir gelungen. Schau', ich habe doch schon so manches über mich lügen gehört; aber so was ist mir noch nicht vorgekommen; daß du an die Unsterblichkeit und an Christus nicht glaubst, und – salva venia – auch nie geglaubt hast, das geniert mich eigentlich gar nicht, und ich will mir da auch keine Mühe geben, dich in diesen Glauben einzuführen; aber daß du behauptest, ich sei auf der Welt irrsinnig geworden, das geniert mich, indem ich nur zu bestimmt weiß, wie und auf welche Weise ich so ganz eigentlich das Zeitliche mit dem Ewigen vertauscht habe. 7 Siehe, durch nur zu gewisse Sorge von eurer kirchlichen Seite habe ich höchst wahrscheinlich entweder durch das Beriechen eines seltenen Blumenbukettes oder einer Prise Spaniols ein Übel in meinem Kopfe wahrzunehmen angefangen, das sich wie ein starker Kopfkatarrh zu äußern begann; ich achtete dieser Sache nicht, und dachte, dieser Schnupfen wird so vergehen, als wie sonst bei mir noch jeder vergangen ist; aber dem war es nicht so. Als der Schnupfen mir zu lange andauerte, und statt besser nur von Tag zu Tag schlimmer ward, ließ ich natürlich meinen Hofarzt kommen, der aber auch nichts anderes sah als ich, nämlich einen recht hartnäckigen Kopfkatarrh; ich mußte ins Bett, mußte schwitzen und Tee saufen, und allerlei Dunst in die Nase ziehen; es ward mir darauf wohl etwas besser; aber einen gewissen Druck gerade wie auf's Gehirn im Oberhaupte verspürte ich von Tag zu Tag fühlbarer, auf den ich aber anfangs auch zu wenig achtete, bis sich nahe an derselben Stelle auch äußerlich ein Tuberkulum malum (bösartiges Geschwür), wie es meine Hofärzte nannten, zu entwickeln begann, und trotz aller ärztlichen Mühe und emsigster Behandlung von Tag zu Tag schlimmer ward. 8 Man tröstete mich, so gut man konnte, berief aber endlich doch ein Ärzte-Konzil zusammen; das Konzil erkannte an meinem Kopfabszeße nichts Gefährliches bis auf einen gewissen schlichten Arzt namens Quarin; dieser schüttelte hinter der Tür mit seinem Kopfe verneinend, wurde von mir im gegenüberhängenden Spiegel entdeckt und sogleich hervor gerufen und gefragt, ob das Übel zu heilen sei. Und Quarin sagte entschieden: Nein, wofür er von mir auch geadelt und bestens dotiert ward. Von da an ward es mit meinem Leibe von Stunde zu Stunde schlechter, und ich starb bald danach bei meinem vollsten Bewußtsein ohne die geringste Furcht vor dem sichersten Tode; als ich starb, da kam es mir vor, als ob ich ganz süß eingeschlafen wäre; erwachte aber bald darauf, nur gottlob, nicht mehr in der materiellen, sondern in der geistigen Welt, in der ich noch zu sein und ewig zu verbleiben die Ehre habe. 9 Ich meine, aus dem dürfte dir denn doch klar sein, daß mein Erinnerungsvermögen nicht so ganz und gar pfutsch ist, als wie du es soeben behauptest hast. He, was meinst du da? rede nun!« Kapitel 221 Fortsetzung der Szene zwischen Josef und Migatzi. Letzterer als Jesuit und Freimaurer; wie dieser die Todeskrankheit Josefs erklärt, Josef warnt ihn, im Angesichte des Herrn zu sündigen. Migatzi verlangt Beweise. Josefs gute Rede vom Gottesbeweis: der Antichrist. Josef als guter Anwalt der Lehre Christi Am 20. Juli 1850 1 Spricht der Erzbischof Migatzi: »Mein lieber, guter Freund, du kannst zwar reden, was du willst, und magst und kannst, das macht mir nichts; denn ich war keiner von jenen Pfaffen, die dir bei deinen kirchlichen Purifikationsarbeiten je irgend in den Weg getreten wären, obschon ich als Erzbischof und Kardinal zugleich es hätte tun können; kurz, alles was du mir hier gesagt hast, beleidigt mich nicht; aber daß du mich so gewisserart eines Attentats auf deine Persönlichkeit beschuldigst, das ärgert mich. Denn ich meine, daß ich wohl dein intimster Freund, und ganz im strengsten Inkognito eben so gut ein Freimaurer war, als wie du es warst, und daher auch wohl wußte, warum ich auf der Welt war, und warum einverstanden mit deinen Purifikationen. Ich erkläre es dir daher als ein allzeitig helldenkender Ehrenmann, daß du mit deinem Attentatsglauben rein am Holzwege bist (?). 2 Sieh', das Ganze deines Übels war für's erste schon ein angeborener Organfehler, bestehend in einer Art Kopf-Skrofeln, die aber dir so lange gerade keine besonderen Anstände machten, als du hinsichtlich der Venus dich mehr zurückhaltend benahmst; als du aber dieser sehr zu huldigen angefangen hast, und letzterer Zeit auch von einer gewissen Reizendsten so comme il faut angesteckt worden bist, da hat dein Kopfübel von diesem Gifte etwas eingesogen; du achtetest die Sache zu wenig, und die Ärzte haben wie gewöhnlich das Übel nicht erkannt, und dich ganz falsch behandelt, und so war es denn auch nicht anders möglich, als daß du am Ende ein Opfer deines Übels werden mußtest. Also du selbst, und niemand anderer war schuld an deinem entweder eingetretenen Irrsinne oder so du schon gestorben sein willst, an deines Leibes Tode. Beschuldige also fortan die Kirche nicht mehr; denn sie ist ganz unschuldig an deinem Übel, das dich so oder so zu Grunde gerichtet hätte. 3 Mir wäre es im höchsten Grade angenehm gewesen, wenn wir noch viele Jahre miteinander hätten Österreichs Völker leiten können; aber ein Fatum hat es so gewollt, daß du und ich samt dir vom großen Schauplatze unseres Wirkens haben abtreten müssen. Wir können die Gesetze der Unendlichkeit und ihrer Zeiten nicht verändern, und so sind wir beide entweder, wie du behauptest, gestorben oder nach meinem richtigeren Dafürhalten pensoniert und in eine geheime Irrenanstalt gebracht worden, aus der wir im strengsten Inkognito alle Jahre ein paar Male in's Freie hinaus einen Spaziergang machen dürfen und allein etwas genießen. Josef, sei gescheit! und halte diese Juden doch nicht für mehr als sie sind! Sollte dies aber auch die Geisterwelt und an Christus etwas gelegen sein, so wird sich dieser, gegenüber einem Kaiser und einem Kardinale, doch etwas anders präsentieren, als wie ein gemeinster Binkeljude! Was für Beweise hast denn du für deine Behauptung? Christus, ein Binkeljude! Aber ich bitte dich!« Am 21. Juli 1850 4 Spricht Josef: »Aber ich bitte dich auch, eben in der allerhöchsten persönlichen Gegenwart Jesu, des Herrn, dich ein wenig anders zu benehmen, sonst wird es mit deiner Kardinalschaft bald aus sein. Die Geduld des Herrn muß zwar unergründlich groß sein, daß Er so gelassen solch einen Unsinn, wie er zwischen uns beiden zum Vorscheine kommt, anhören mag und kann; aber ob sie gerade ohne alle Grenzen ist, das möchte ich wohl äußerst stark bezweifeln; denn so oft Menschen und Geister zu lange, zu grell und zu hartnäckig zu sündigen anfangen, und von ihren törichten Bosheiten sich nimmer abwenden wollen, dann, glaube ich, wird Er solche Späße nicht gar zu lange Sich gefallen lassen. Hätte z.B. ich selbst auf der Erde den Anreizungen der Venus ein paar Jahre früher schon kein Gehör gegeben, wie der gute himmlische Vater mich durch allerlei Vorkommnisse meines Lebens davor wohl zu öftern Malen hatte zu deutlich wahrnehmbar machen lassen, so hätte ich vielleicht trotz allen Nachstellungen aller meiner Feinde um etliche zehn bis zwanzig Jahre länger leben und die Völker im Namen Gottes bestens regieren können; aber da ich diese heilsamsten Mahnungen des Herrn nur zu leicht in den Wind schlug, so ist dem Herrn über mich die Geduld nur so um ein ganz geringes ausgegangen, und ich mußte ohne Gnade und Pardon dem Leibe nach ins Gras beißen, und das schmerzlich und bitter genug. Also, Freund, setze die Geduld des Herrn nicht auf eine zu lange Probe!« 5 Sagt der Erzbischof Migatzi: »Aber lieber Freund! das mag ja alles sein, aber bevor ich mich vor Ihm als Christus, dem Herrn, gehörig zusammen nehmen kann, muß ich ja doch erst einsehen, daß Er es wirklich ist. Was nützt mir dein Reden? Beweise mir's zuvor, daß Er es wirklich ist, dann werde ich gleich anders zu denken und zu reden anfangen; ich habe dich ja nur um den Beweis gebeten; nicht aber daß ich von dir erführe, wie kurz oder wie lang etwa die Geduld des Herrn ist. Gebe mir Beweise, und es solle sich dann zeigen, ob ich da auch noch so dumm in den Tag hinein reden werde, wie nun.« 6 Spricht Josef: »So lange es dir dein eigenes Herz durch den Geist der Liebe nicht sagen läßt: Dieser ist es! so lange nützen dir auch alle Beweise nichts. Wird es dir aber dein Herz sagen: Dieser ist es! dann bedarfst du aber auch keines anderen Beweises; denn wer Jesus erkennen will, der muß Ihn lieben; wer aber Jesus liebt, der hat Ihn auch lebendig in sich; und das ist eben der alleinige Beweis, durch den jedermann Christus am ersten und am ungezweifeltsten erkennen kann und erkennen muß. Liebe Christus in diesem dir so sehr gering vorkommenden Juden zuvor aus allen deinen Lebenskräften, und es wird sich dann ja zeigen, ob hinter diesem Juden bloß ein Jude oder vielleicht denn doch etwas mehr steckt.« 7 Sagt der Erzbischof Migatzi: »Du bist aber doch ein närrischer Kauz. Wie kann denn ich in diesem Juden zuvor Christus zu lieben anfangen, als (bis) ich es weiß, daß Er es wirklich ist. Hieße denn das nicht die Gottheit Christi, so Er schon wirklich Gott ist, wie es die alte Mythe uns tradierte, tiefst herabsetzen und entheiligen, so man gleich ohne alles weitere Forschen und Denken in jedem nächstbesten Juden Christus, den Herrn, zu lieben und zu verehren anfinge? Christus unter jenen Gestalten des Brotes und Weines zu lieben, zu verehren und anzubeten, da tut sich's, indem Er Selbst diese Gestalten an seine Stelle als äquivalent eingesetzet hat; aber Christus in einem ganz gewöhnlichen Menschen, und Juden noch dazu, zu lieben, zu verehren und anzubeten anfangen, das Freund, hieße mit der Liebe zu Christus wahrhaftigst Schindluder treiben. Das werde ich wenigstens nicht tun; denn ist entweder Christus bloß nur eine fromme Volksfabel, so ist das eine wie das andere eine Dummheit; ist aber Christus im Ernste das, was uns die Mythe von Ihm überliefert hat, so wäre ein Nachkommen deiner Anforderung doch offenbar die gräßlichste Gotteslästerung, die mit der untersten Hölle bestraft werden müßte.« Am 22. Juli 1850 8 Spricht Josef: »So, wäre (das) nicht übel! Was lehrt denn Christus Selbst? Sieh, du echter Pharisäer Roms! Er sagt: So aber jemand ein armes Kind oder einen armen Bruder aufnimmt in Meinem Namen, wahrlich, Ich sage es euch: Der nimmt Mich auf; wer aber Mich aufnimmt, der nimmt auch Den auf, Der Mich gesandt hat. So aber also der Herr Selbst Sich mit unsern armen Brüdern identifiziert, und sie Ihm Selbst wie unter Eins gleichstellt, was sollen denn hernach wir eines anderen Sinnes sein? Ich sage es dir: Nichts als unser Hochmut ist es, der einen allerglänzendsten und allergrößt erhabensten Gott sich einbildet, und läßt Christus in einer niedrigeren Bekleidung fahren, weil des Menschen hochmütige Seele nichts Niederes und demütig Aussehendes ertragen kann. Der Hochmütige nur wünscht sich einen Gott mit Krone und Zepter; der Demütige aber also, daß auch er sich's getrauen könnte, die Augen zu seinem freundlich und mehr ihm gleich aussehenden Gott zu erheben, und zu sagen: O Herr! wohl kommst Du im Kleide der herzlichen Demut zu mir armem Sünder; aber dennoch bin ich ewig nicht wert, meine Augen zu Dir emporzuheben. Was meinst du wohl, welcher aus beiden dürfte Christus dem Herrn der bei weitem Angenehmere sein?« Kapitel 222 Ein offenes Selbstgespräch und eine stille Beichte. Josefinische edle Worte an den geistig toten Kardinal, deren gute Wirkung. Josef als milder Richter, seine zwei Todesurteile. Migatzi nimmt den Herrn an 1 Sagt der Erzbischof: »Wart' ein wenig; da muß ich ein wenig nachdenken, um dir eine würdige Antwort geben zu können.« – Hierauf legt der Erzbischof drei Finger der rechten Hand auf seine Stirne, reibt diese recht tüchtig auf und ab und hin und her, und sagt in sich zu sich: »Bei meinem armseligsten Leben, dieser Josef ist am Ende orthodoxer als ich, der ich doch ein Erzbischof und Kardinal zugleich bin; und so ich mich nicht genierte, wär' ich beinahe genötigt, das anzunehmen, was er mir von diesem Juden vorsagte. Wenn ich allein wäre, so wär's auch schon geschehen; aber meine sehr zahlreichen Kollegen, die hier mit mir diesen Vatikan bewohnen, würden über mich ja alle Teufel aus der Hölle heraufbeschwören, wenn ich so was täte. Hm, hm, hm! wenn ich nur wüßt', was da des rechtens zu machen wäre. Meine Kollegen, die ohnehin immer einen Spitz auf mich haben, bewachen mich mit Argusaugen und behorchen mich mit Midasohren; ich dürfte nur eine Miene machen, mich an diese Gesellschaft anzuschließen, so würden die Kerls sogleich also über mich herfallen, wie die hungrigsten Hunde über einen schweißenden Hasen. O Josef, du hast ganz recht in allem, was du über Rom gesagt (hast); es ist also, und nicht anders, das weiß ich am besten; aber was kann einer machen, der eben auch zu ihrem Gremium gehört? 2 Man muß dem Volke einen großartigen blauen Dunst vor die Augen machen, Handlungen verrichten, die einem zum Speien fade und dumm sind, und dem Volke etwas glauben machen, was man selbst doch um alle Schätze der Welt nicht glauben könnte; man muß sich ferner mit einem gottähnlichen Nimbus umgeben, während man im Grunde bei weitem unter dem Werte eines Sauhalters steht. Denn was ist man denn als ein Erzbischof und Kardinal? Nichts, gar nichts! Man kann nichts, man weiß fast nichts mehr von allem dem, was man in den Studien gelernt hat, und auf der erzbischöflichen Höhe lernt man auch nichts mehr, als höchstens seine Finanzen in der sehr interessierten Ordnung zu erhalten, und sein hochkirchliches Regiment mit einer alles zermalmenden Hochwürde zu versehen, und die Hölle stets offener zu halten als den Himmel. Das ist das hohe Amt eines Erzbischofs, man stellt einen Apostelissimus vor, dem schon quasi vor dem natürlich blinden Volke die Gottheit Selbst gehorchen müßte, und ist aber in und bei sich selbst in re vera im Grunde des Grundes gar nichts, ja ein diplomiertes Nichts, das vor allem Volke in den höchsten gottähnlichen Ehren dastehet, vor sich selbst sich aber doch offenbar insgeheim ärger schämen muß, als ein Bettpisser, 2 indem man sich doch bei nur irgend einem Gewissen alle Tage hundert Male ins Ohr raunen muß: Du bist nichts! Denn das was du vorstellst, ist an und für sich nichts; ohne Schuster und Schneider könnten die Menschen schwer bestehen, aber ohne einen Erzbischof unendlich leicht. Das ist eine unbestreitbare Wahrheit; aber wer dürfte es wagen, sie offen auszusprechen? Darin liegt eben der große Höllenhund begraben, daß selbst des redlichsten Priesters Mühe dahin gerichtet sein muß, das Nichts als ungeheuer Großes aufrecht zu erhalten, und es stets für großes Geld an das dumme Volk zu verkaufen. Wahrlich, ein schönes Geschäft für einen Ehrenmann! 3 O Josef, du hast recht; aber ich darf dir nicht recht geben. Denn gäbe ich dir recht, so werden sie über mich herfallen von allen Seiten und Winkeln, und mir den Mund gehörig zu stopfen verstehen. Hm, hm, hm, wenn ich nur wüßte, wie ich mich aus den Schlingen dieser meiner Lauskollegen los machen könnte; mit dem größten Vergnügen täte ich's. Nicht nur diesen recht ehrlich aussehenden Juden, der neben Josef stehend sich mit einem Manne und Weibe bespricht, sondern einen jeden Schusterjungen möchte ich als einen Halbgott mir gegenüber verehren und anbeten, der ich im Grunde gar nichts bin; aber meine allerfinstersten und bösesten Kollegen! O Gott, wie würde mir's da ergehen? Ich weiß, mein lieber Freund Josef, so gut als du, daß ich dem Leibe nach gestorben bin; und mich schon bei (seit) 60 Jahren und vielleicht schon darüber hier in der Geisterwelt befinde, obschon ich auf der Welt nicht daran geglaubet habe, daß so 'was möglich wäre; aber wehe mir, wenn ich vor meinen Kollegen so 'was fallen ließe; ich glaube, die Kerls würden mich vor Wut und Grimm in Stücke zerreißen, weil sie noch immer in der vollen Idee leben, daß sie noch Erzbischöfe und Kardinäle auf der Erde sind. 4 O Josef, helfe mir weg von meinen Kollegen, und du sollst deinen Migatzi gleich in einem anderen Lichte erblicken. Migatzi war nie ein Freund Roms in seinem Herzen; mußte aber äußerlich tun, als wäre er es. Auch du, guter Josef, kanntest deinen Migatzi nicht; aber dein Migatzi kannte dich, und bot dir auch stets, so viel es möglich war, die hilfreiche Hand. Aber es ist traurig, daß ich mit dir anders reden muß, als ich denke, und so ganz eigentlich mit dir reden möchte. Du kennest Rom wohl; aber ich kenne es besser; du kennst nur, was du gesehen und gehört hast; aber ich kenne den Grund, auf dem Rom steht; den kannst du nicht kennen, und siehe, eben darin liegt der große Höllenhund begraben. So lange über den nicht ein Herkules kommt, und ihn um seine Köpfe kürzer macht, wird es nie vollends Tag auf der lieben Erde werden.« 5 Auf dies Selbstgespräch macht der Erzbischof einen Seufzer, und sagt zum Josef: »Lieber Freund, ich habe dich auf eine würdige Antwort ein wenig zu warten geheißen; du hast darauf auch ganz geduldig gewartet; aber ich kann dir dennoch trotz all meines Denkens keine Antwort geben; denn es gibt Dinge zwischen dem Monde und der Sonne, von denen sich noch keine menschliche Weisheit etwas träumen hat lassen; ich hoffe, du wirst mich verstehen?« – 6 Sagt Josef: »Ja, ja, ich verstehe dich, und in diesen Räumen gibt es noch eine große Menge Erzpfaffen, vor denen du eine unsägliche Furcht hast, die aber eben so eitel und leer ist, als deine erzbischöfliche Hochwürde. Siehe, der Herr hat mir das Ohr meines Herzens aufgetan, und ich vernahm deine Gedankenrede; daher du mir nun denn auch keine Antwort mehr zu geben brauchst, indem ich die Antwort schon habe. Von nun an aber bist du auch ganz mein liebster Freund, und der Herr hier wird das an dir gut machen, was dir noch fehlet. Lasse aber ab von der törichten Furcht vor deinen finstern Kollegen; sie werden dir nichts tun; dafür steh' ich dir! Ihrewegen sind wir auch nicht hierher gekommen, sondern deinetwegen, weil ich dich kenne; bist du unser, dann sind wir hier aber auch schon fertig; wende dich aber nun an den Herrn; Er wird dich mit einem Worte ganz gesund machen. Gehe, und tue das!« Am 23. Juli 1850 7 Spricht der Erzbischof: »Lieber Freund Josef! du weißt, daß ich mit dir in allem, was mein Innerstes betrifft, vollkommen einverstanden bin, was du als recht, gut und wahr erkennst: nur mit dem, daß dieser dein sonst überaus bieder aussehender Abrahamssohn – Jesus der göttliche Meister aus Nazareth sei, kann ich mich noch nicht ganz einverstehen; Jesus, der Herr, sollte denn doch etwas von der Herrlichkeit Seines himmlischen Vaters durchblicken lassen. Aber bei Diesem da schaut doch eben so wenig irgend etwas Göttliches heraus, als wie bei sonst was immer für einem ganz gewöhnlichen Menschen. 8 Aber, sei ihm nun, wie ihm wolle, Christus, der Gesalbte Gottes, der wahre Hohepriester in Ewigkeit, ist die Liebe Gottes zu den Menschen; so Er mir armen Sünder vor Ihm die Liebe erweisen wird, so ist Er dann aber auch um alles, was du haben willst, mein Christus und mein Heiland in Ewigkeit, und wäre Er auch im Kostüme eines Schusterjungen vor mir. Erweiset Er mir aber keine Liebe, und wird Er mit mir verfahren wie ein römischer Pfaffe, dann gebe ich nichts für Ihn. 9 Leider war ich selbst auch ein römischer Hochpfaffe, und mußte auch von der alleinseligmachenden Kirche predigen, und alles verdammen, was nicht vor der Tiara die Knie beugte; aber gottlob, wie du's immer sagst, mir war es bei solchen Verdammungen wohl eben so wenig Ernst, als wie bei einem Vater, der auch zu seinen Kindern äußerlich hindonnert: Wenn ihr nicht brav sein werdet, so werde ich den schwarzen Juden kommen lassen, der wird euch mit Ketten binden, und euch in einen finstern Wald bringen, und daselbst umbringen. So ungefähr war es mir bei solch einer Verdammungspredigt zu Mute. Denn für's erste glaubte ich doch durch mein ganzes Leben nie an ein Fegfeuer und noch weniger an eine Hölle, weil ich weder das eine und noch weniger das andere mit der göttlichen Liebe und Weisheit in eine Übereinstimmung bringen konnte; und für's zweite liebte ich die Menschen zu sehr, als daß es mir je Ernst sein könnte, auch den bösesten aus ihnen auf ewig zu verdammen; 10 denn auch der Böseste hat nur eine gewisse Zeit hindurch böse sein können, und besaß höchst wahrscheinlich ein solches Naturell, nicht anders handeln zu können; wird ein solcher Bösewicht nach genauer Durchsuchung seiner Natur, seiner Erziehung, der Handlungsbeweggründe, der Umstände, in denen er sich befand, zu einer zweckmäßigen Strafe zeitlich verurteilet, entweder auf der Erde schon oder nach dem Abfalle des Fleisches hier im Reiche der Geister auf so lange, als er sich vollends bessert, dann ist eine Strafe gut und gerecht; aber eine ewige Strafe für ein zeitliches Vergehen kann doch unmöglich je angenommen und noch viel weniger von der höchsten Weisheit und Liebe Gottes angeordnet sein; denn so was ziemte wohl einem Erztyrannen, aber einem Gott der Liebe ewig nimmer. 11 Du siehst hieraus, daß ich in mir durchaus kein eigentlicher Pfaffe war; denn davor bewahrten mich meine durch und durch philantropischen Grundsätze; finde ich nun Christus, wie Er ist, und nicht wie Ihn Rom predigt, so ist Er Christus auch im Gewande eines Schusterjungen. Ist Er aber Christus nach römischer Art, dann sei uns gnädig und barmherzig wer da wolle; denn dann ist unser Los entschieden: die ewig lichterlohbrennende Hölle, aus der natürlich ewig kein Ausweg mehr zugelassen wird. Guten Appetit! wem solch eine Gerechtigheitskost schmeckt. Ich für meinen Teil schaffe ewig nichts davon, und wünsche mit dem vollsten Ernste von der Welt aller Geister mit solch einem Christuse ewig nicht zusammenzukommen. Denn der kann mir, wie die lustigen Wiener sagen, mit Haut und Haaren gestohlen werden.« 12 Sagt Josef: »Bin ganz deiner Ansicht und deines Verlangens; aber bei eben Diesem wirst du das finden, was du finden willst, einen Herrn, der dir wie uns allen vollends ans Herz gewachsen ist. Kurz, einen weiseren und besseren Christus kannst du dir in Ewigkeit nicht denken und noch viel weniger wünschen, als wie dieser allein Wahre und Einzige es ist. Daß aber auch ich keinen rachesüchtigen Strafgott mir je denken habe können, sondern nur einen weisen und milden Vater voll ernster Liebe, beweiset ja mein mildes Strafgesetz, da ich die entsetzliche Todesstrafe gänzlich aufhob und selbst die gröbsten Verbrecher nur mit solchen Strafen belegte, durch die sie wieder zu Menschen werden konnten; die Todesstrafe ließ ich bloß im Anfange an ein paar gar zu teuflisch mutwillig allergräßlichst bösesten Verbrechern vollführen; der eine hatte sein Weib oder Geliebte, was sie sein mochte, bloß aus Mutwillen bei lebendigem Leibe anatomiert (zerlegt), und die Leibesteile dann zur nächtlichen Weile auf den Gassen herum zerstreuet; und der andere war ein Herzblutsauger, ein Vampyr in optima forma. Bei diesen beiden mußte ein Beispiel statuiert werden. Und dennoch gereuete es mich nachderhand; hätte ich sie zum Galeerenzuge gegeben, so hätten sie vielleicht auch noch können zu Menschen umwandelt werden; aber nicht so sehr ich, als vielmehr das Volk verlangte die Hinrichtung dieser Ungeheuer, und so dachte ich: Vox populi, vox dei, und ließ sie exemplarisch töten. Ob ich da vollends recht gehandelt habe, weiß ich kaum; aber das weiß ich, daß ich dabei durchaus keinen argen und rachesüchtigen Willen hatte. Du siehst also hieraus,« – 13 hier unterbricht den Josef der Erzbischof und sagt: »Ja, ja, ja, ich sehe, daß du ein vollkommen edelster Regent warst, und ein echter Mensch nach dem Willen Gottes; und so denn nehme ich denn auch diesen deinen Freund als Christus an, und möge mir nun schon geschehen, was da nur immer wolle. Meine Kollegen werden nun bald ein Zetergeschrei erheben und wie die Teufel über mich herfallen; aber Migatzi wird bleiben bei dem, was er nun angenommen hat. Ich höre sie schon kommen; nun, das wird eine saubere Mette werden!« Kapitel 223 Eine traurig-komische Szene, der Ansturm der Bischofsrotte. Roberts Ansicht, des Herrn Belehrung über diese Sache. Migatzis Bekenntnis vor dem Herrn, Der ihn segnend aufnimmt, ihn belehrt über das römische Übel und ihn beruhigt. Blinder Lärm und Höllenspuk. Helenas Kritik darüber 1 Es stürzen nun auf einmal bei 100 skelettartige Wesen in sehr zerfetzten Vespermänteln und zerquetschten Bischofsmützen aus allen Winkeln hervor, erheben in größter Aufregung ein Zetergeschrei, und einer, mit einem mehr einem Esel als einem Menschen ähnlichen Gesichte, der zugleich ihr Präsident ist, zwar der dümmste aus allen, aber das macht dort nichts; denn sie ernennen deshalb immer den Dümmsten, damit sie selbst unumschränkter tun können, was sie wollen, wie es auch bei der Wahl der Päpste noch stets der Fall war, wo die pfiffigen Kardinäle sich auch allezeit den schwächsten und borniertesten Ultramontanisten herausgestochen haben. Also solch einer springt hastigst zum Migatzi hin, macht ein ernstes Gesicht, das aber erst in solch einer Position am allerdümmsten auszusehen anfängt, so daß darob die ganze andere Gesellschaft in ein helles Lachen ausbricht; als der hervorgetretene Präsident sich auslachen ersieht, da wird sein Gesicht noch ernster, und daher auch lächerlichst dümmer anzusehen, was das Lachen der Gesellschaft überaus befördert, daß sie wirklich aus vollem Halse zu lachen anfängt. 2 Aber nun wird es völlig aus beim Präsidenten; er reißt das Maul gut eine halbe Spanne weit auf, und strengt sich an, einen so recht römisch-apostolisch kräftigen Fluch herauszustoßen; aber ich mache ihm einen kleinen Strich durch die Rechnung, und der Herr Präsident bringt nichts als ein sehr heiser knurrendes ia, i-a, i-a heraus; Helena und Robert ersticken fast vor Lachen, sogar Petrus, Paulus und Johannes können sich des Lachens nicht ganz enthalten; die Monarchen lachen auch über Hals und Kopf, und Josef macht die Bemerkung, daß ihm durch sein ganzes Leben nie eine lächerlichere Visage untergekommen ist, als die dieses zornvollen Präsidenten. 3 Auch Robert sagt zu Mir: »Herr, ich begreife aber nur das nicht, wie ich mich beim Eintritte in diese Gruft gar so scheußlich fürchten habe können; und nun muß ich fast zum Zerbersten lachen über diese unendlich dumme Physiognomie und über's ganz vollkommen allerechteste Eselsgeplärr. Das ist aber in der Entsprechung auch so höchst wahr bezeichnend, daß man sich schon nichts treffender Wahreres vorstellen kann; wie mächtig hat Rom geschrien vor Grimm und Wut zu Luthers Zeiten, und wie mächtig schreit es nun den Rongeanern gegenüber; aber das Geschrei ist immer gleichfort nichts, als das ganz unveränderte Eselsgeplärr! Und dieser Präsident, ein so gelungenes und getreuestes Bild des Papsttums, wie man sich aber schon nichts Gelungeneres und Getreueres vorstellen könnte!« 4 Sage Ich: »Das wird auch der Effekt der gegenwärtigen Mühe und des Eifers des Papsttums sein; die Menschen werden die Diener weidlichst zu belachen anfangen, und je mehr sich diese ärgern werden, desto mehr werden sie verlachet werden, bis sie am Ende ihr eigener Grimm verzehren wird; was du hier siehst im Kleinen, das wird auf der Erde geschehen im Großen. Die Diener Balaams werden alles aufbieten, werden Wundermagie treiben und schreien und plärren, wie dieser hier, und das Volk aber wird sich erbauen, wie diese unsere Gesellschaft nun hier im Angesichte dieses i-a – plärrenden Esels. Und diese Demütigung wird das beste Heilmittel für diese Narren sein. 5 Aber du wirst es nun auch bald sehen, warum du dich ehedem gar so gefürchtet hast. Es wird nun bald das Innere dieser Pfaffen heraustreten, und du wirst dich hoch erstaunen über die Trugkünste, die dir diese Wesen produzieren werden; Ich aber werde die Gesellschaft beleben dahin, daß sie sich gegenüber solchen Trugkünsten benehmen wird wie ein mutwilliges Publikum in einer schlechten, mißlungenen Komödie, und das wird von gutem Erfolge sein.« 6 Hier tritt Migatzi vor Mich hin und sagt: »Herr Jesus, Du bist es wahrhaftig; nun erst erkenne ich Dich vollkommen; Ehre sei Dir allein ewig!« – Ich aber fasse ihn bei der Hand und sage: »Bruder, werde vollkommen!« – Und Migatzi bekommt sogleich ein recht gutes und gesundes Aussehen. Am 25. Juli 1850 7 Als Migatzi sich nun also in einem besseren Aussehen befindet, da wird es ihm auch überaus wohl, er fühlt sich ganz leicht und gestärkt und heller und heller wird sein Auge; nur das Gewand bleibt noch dasselbe sehr zerlumpte erzbischöfliche, was ihn sichtlich stets mehr und mehr geniert; er beschauet sich, und sagt nach einer Weile zu Mir, voll der innigsten Liebe und des festesten Vertrauens: »Herr Jesus, Du wahrhaftigster Gott und ewiger Sohn Deines ewigen Vaters! Da Du mir schon ohne alle Verdienste um Deine Ehre und um Deinen allerheiligsten Namen so gnädig bist, und hast mich erlöset aus diesem wahrhaftigsten Pfuhle des Verderbens, so erlöse mich auch von dem Reste, der einen widerlichen Anblick meinen Augen und einen ekeligen Geruch meinen Nüstern bereitet. Siehe dies mich im höchsten Grade anwidernde Gewand, ein Gewand des Hochmutes und des Truges! Befreie mich davon und gib mir dafür ein allergemeinstes Bettlergewand, und ich werde mich darinnen ganz selig fühlen!« 8 Sage Ich: »Sieh', mein lieber Bruder, dies Gewand ist ein Gewand des Hochmutes und des Truges zwar gewesen für den, der es hochmütig und übellästig trug; du aber hast es nicht in diese Art getragen, sondern nur des vorgeschriebenen Ritus wegen, weil es die römisch-kirchliche Regel also vorschreibt, und so war es für dich ein wahres Ehrenkleid, und somit nicht verächtlich, wie du es meinst. 9 Denn sieh, gar alles ist nicht schlecht an der Römerin, nur das ist ein Greuel, so sie des irdischen Mammons wegen zu Mitteln greift, die rein höllischer Natur sind, als falsche Wunder, falsche Heilmittel, Ablässe, Reliquien und Bilderdienst, Amulettes, frömmlich klingende Zaubersprüche, allerlei blinde Zeremonien, Gnadenwallfahrtsorte, Kirchenschätze bloß für leeren kirchlichen Luxus, hohe Ämter und Ehrenstellen, und die ausgedehnteste Herrschsucht, und die hartnäckigste Alleinrechthaberei. Ich will von ihren Meßopfern nichts sagen, nichts von ihrer Ohrenbeichte, nichts von ihren Tempeln, Glocken und Orgeln, nichts von würdigen Kunstwerken, nichts von der Heilighaltung ihrer Bethäuser, und nichts von den pomphaften Begräbnis-Zeremonien ihrer Verstorbenen; denn dies alles im reinen Sinne würdig benutzt, ist eben nicht untauglich das menschliche Gemüt zu erheben und zu veredeln; aber daß die Römerin diese an und für sich reinen Dinge dazu mitgebraucht, das menschliche Herz zu verdummen und blind zu machen, und zu glauben, daß man durch den sorgfältigsten Gebrauch alles dessen zum Leben in den Himmeln, und nur durch sie zu Meiner Gnade gelangen könne, das ist schlecht; denn dadurch werde Ich bei den Kindern als Vater zu einem Tyrannen, den die Dummheit wohl fürchtet, aber nie liebt; die Verständigen und Gelehrten, und Weltläufigen aber fangen dann Meiner sich zu schä- men an, und wollen oft von einem solchen Erlöser, wie ihn die Römerin schildert, nichts mehr hören und wissen, und verwerfen sodann das Kind samt dem Bade; und sieh, das bewirkt die römische Kirche durch ihre eigenmächtigen Lehren, Satzungen, Zugeständnisse und Privilegien, die sie als von Mir empfangen vorgibt, und durch allerlei geduldeten und gepredigten Aberglauben. Und das ist es aber auch, wodurch sie selbst sich zu Grunde richtet, und eigentlich schon zu Grunde gerichtet ist. 10 Das alles aber liegt nicht am Kleide, sondern am gewaltigen Mißbrauche desselben; daher behalte du nur unterdessen dein Gewand; so wir bald von diesem Wien uns hinweg begeben werden, und werden unterwegs noch einem Orte einen kleinen Besuch geistig abstatten, da wird sich dein Kleid schon in ein anderes umgestalten.« – Damit gibt sich Migatzi auch ganz zufrieden, und dankt Mir sehr über diese ihn über alle Maßen tröstende Belehrung. 11 Zugleich aber ertönt aus den finstern Winkel ein gellend Geschrei: »Hinaus mit diesen Ketzern, mit diesen Gottesleugnern, mit diesen Vermaledeiten in Ewigkeit!« – Migatzi fällt in eine förmliche Ohnmacht und sagt ganz bebend: »Aber, o Herr, um Deines allerheiligsten Namens willen, kannst du das anhören, ohne sie alle mit Feuer und Schwefel zu vernichten? O um Deines allerheiligsten Namens willen! was wird daraus werden?« 12 Sage Ich: »Gar nichts! denn sieh, Ich bin ja nicht wie ein Mensch, der gleich alles mit Feuer und Schwert verheeren möchte, so ihm etwas in die Quere kommt. Welche Menschen und Geister trägt die Erde? Und dennoch lasse ich täglich die Sonne auf und niedergehen, und beleuchten und erwärmen die Erde an allen ihren Punkten nach dem Maße der natürlichen Notwendigkeit. Siehe, in der Geduld und Liebe liegt die größte Kraft; wer diese nie aus den Augen läßt, wird große Dinge erreichen; und so müssen denn auch wir Geduld und Liebe haben mit allem, was schwach ist, so wird unsere Mühe stets der beste Effekt lohnen; lassen wir sie schreien, sie werden schon aufhören, so sie genug sich werden ausgeschrien haben. Und somit keine Furcht und keinen Ärger mehr!« 13 In diesem Augenblick, als Ich das letzte Wort dem Migatzi sage, fängt es im Hintergrund zu blitzen und ganz gewaltig zu donnern an; glühende Riesenschlangen fangen an, aus verschiedenen Winkeln hervorzukriechen und wütende Krümmungen zu machen; feurige Totengerippe klappern und Nachteulen und Fledermäuse fehlen nicht, und im Hintergrunde ist ein gräßlichst aussehender riesigster Rachen mit furchtbar großen und nahe weßlühenden Hauzähnen zu erschauen; aus dem Rachen schlagen fortwährend Rauch und Flammen empor, und auf der Stirne dieses Höllendrachen stehet es mit rotglühender Schrift geschrieben: Ich bin der ewige Höllendrache, zu verschlingen alle frechen Ketzer! Alle Lutheraner, alle Calviner, alle Melanchthoniden, alle Hussiten, alle nicht unierten Griechen, alle Herrnhuter, alle Quäker, alle Mährischen Brüder, alle verfluchten Freimaurer und andere ketzerischen Pietisten, alle fluchwürdigen Puritaner und Anglikaner, so wie auch alle Sofisten und Gelehrten, die auf die römische alleinseligmachende Kirche nichts halten, und ihre heiligen 5 Gebote belachen, und sich darüber lustig machen, dann alle Neukatholiken, Hegelianer und Staußianer, alle Mathematiker, Mechaniker und Astronomen werden von mir auf ewig gefressen. – 14 Über solche Inschrift geschieht schon eine gewaltige Lache, und sogar die anfangs sehr furchtsame Helena fängt zu lachen an und sagt: »Diese Szene würde im Prater und zwar im Affentheater recht viel Aufsehen machen. Aber der Stephansdom steht ja auf einem recht schönen Grund. Nein, wenn ich aber auf der Welt davon nur eine schwache Ahnung gehabt hätte, so wäre ich doch bei Deinem heiligsten Namen die erste gewesen, die so einen Tempel mit einer brennenden Fackel heimgesucht hätte; da schaue man einmal diese Kerls an, was die alles treiben, um arme und schwache Geister in ihre habsüchtigen und herrschsüchtigsten Netze zu treiben! Ach, ach, da kommen sie nun in einer großen Schar, in ihren erzbischöflichen Ornaten, und eine große Menge Dienerschaft mit ihnen; was sie etwa nun tun werden?« – Sage Ich: »Sei ruhig, meine Tochter, und horche und siehe!« Kapitel 224 Die ohnmächtige Wut dieser blinden Römlinge in der Stephansdom-Krypta. Josef probiert ihre Barmherzigkeit; ihre Habgier und Dummheit enthüllt sich vollends, wie auch Josef den Papst für den Antichrist erklärend. Zwei römisch-katholische Wunderbilder. Daniel und Jesaja 1 Hier weicht auch der vielbelachte i-a Schreier von uns zurück; alle machen eine tiefe Reverenz vor ihm und sagen: »Allerhochwürdigster apostolischer Nunzius des heiligen Vaters aus Rom! Wie kannst du zaudern noch mit diesen Ketzern? Verfluche sie, und treibe sie alle in die Hölle ohne Gnade und Erbarmen!« – 2 Sagt dieser mit einer häßlich kreischenden Stimme: »Ich hab's ja schon getan, was ihr wollt, und danach ihr fraget; aber die Teufel sind euch ganz entsetzlich hartnäckig und wollten nicht tun, was ich ihnen gebiete, sondern lachen mich oben darauf noch recht brav und tüchtig aus. O, das sind harte Teufel!« »Auch vor unseren Blitzen und Donnern, wie auch vor unsrer Höll' haben sie keine Furcht, sondern schauen diese doch allererschrecklichsten Dinge so ganz gleichgültig an, als wann gar nichts daran wäre; o, o, das sind schlimme, harte und unverbesserliche Teufel! Am 29. Juli 1850 3 Und einen haben's uns doch weggefischt; o du armer Teufel, wie bist du jetzt auf ewig verloren, und wenn du dich auch jetzt eine Zeitlang wehrest vor der Höll', was dir nichts nützt, so wirst du aber mit der Zeit dennoch ohne Gnade und Barmherzigkeit samt diesen deinen Gesellen hinein müssen auf ewig. Ja, ja, hinein, hinein werden die alle müssen! Da ist keine Gnade und kein Erbarmen mehr.« 4 Hier tritt Kaiser Josef vor und sagt: »Hört, meine Hochwürdigen! wäre es denn nicht genug, so ihr uns bloß nur so auf einige Erdentage lang ins Fegfeuer werfen möchtet? Denn sehet: uns sogleich mir und dir nichts in die Hölle hinein verdammen, von der ewig kein Herauskommen mehr sein solle, ist denn doch von euch allen zu hart. Habt daher Gnade und Erbarmen für uns! Bedenket doch, wie einem armen Teufel das höllische Feuer gar unbeschreiblich schreckliche Schmerzen bereitet! Es geht einer armen Seele im Fegfeuer zwar auch durchaus nicht gut; aber von da heraus ist doch eine Erlösung zu erhoffen; aus der Hölle aber ewig keine. Darum erbarmet euch unser und befreiet uns von der Hölle!« – 5 Schreien darauf alle: »Nichts da, ihr Vermaledeiten! nur hinein mit euch in die Hölle, und das in die allerunterste, wo vor lauter Hitze der Diamant und s' weiße Gold schmilzt. Bei uns ist kein Erbarmen mehr für euch Teufel. Wir werden euch schon lehren, was es heißt, die heilige, römische, alleinseligmachende Kirche verspotten und verlachen. Darum nur geschwind hinein mit euch allen!« – Spricht Josef: »So wir für uns aber, sage zehntausend allerkräftigste sogenannte 100 Dukaten-Messen zahleten, saget, ginge da die Geschichte auch nicht mit der Höllenbefreiung?« – Schreien alle: »Das ist viel zu wenig, um von der Hölle befreiet zu werden; da müßtet ihr gerade zehnmal so viele Papstmessen lesen lassen; da wäre vielleicht noch was zu machen; aber wohlfeiler auch um keinen roten Heller; denn das wissen wir, was es heißt, einen Teufel aus der Hölle zu erlösen.« – 6 Spricht Josef: »Was müßten wir denn unterdessen tun, bis die, also 100.000 Hundertdukatenmessen könnten gelesen werden, – etwa hier verbleiben?« – Schreien wieder alle: »Dumme Teufel! Wenn ihr derweil da verbliebet und nicht in die Hölle hineinginget, wie kunnten wir euch denn da aus der Hölle erlösen, waon ihr nicht in der Höll' wäret? Waon ihr aus der Höll' erlöst werden wullt, so müßt ihr fruher drein sein. Zohlts also früher die 100.000 kräftigsten Papstmessen und gehet dann geschwind in die Höll', sunst könnt ihr nicht erlöset werden!« 7 Spricht Josef: »Aber wie lange wird es denn hergehen, bis die 100.000 Messen gelesen werden?« Schreien die Erzbischöfe und die anderen ihnen dienenden Pfaffen alle: »Von sulchene allerheiligsten Messen können nur drei, und zwar unmittelbar vom heiligen Vater selbst in einem Jahre gelesen werden; nur er allein hat da das ausschließende Recht und die Macht dazu. Jetzt rechnets selber z'sammen, wie lang's da hergehen kann. Unter 30.000 Jahren ist gar keine Rede; denn die Hölle ist und bleibt Hölle; wer amol drinnen ist, der kummt nicht so leicht wieder heraus.« – 8 Sagt Josef: »Nun, nun, nun, jetzt bin ich schon im klaren mit euch und den 100.000 Messen; nur den Grund möchte ich noch wissen, warum denn gerade die drei Papstmessen von einer so ungeheuren Kraft sind. Denn man sollte es ja doch glauben, daß da, was die Würde und den Wert eines Meßopfers betrifft, eine Messe so gut ist wie die andere.« – Sagt nun der frühere i-a Plärrpfaffe: »Das ist so; und das weiß nur ein Nunzius: Bei der Messenlesung durch die anderen Geistlichen, welcher Würde sie auch sein mögen, opfert sich nur allein der Gottsohn seinem himmlischen Gottvater auf für die armen Seelen im Fegfeuer und für bußfertige Sünder auf Erden; da ist in der Hostie nur Gottsohn ganz allein gegenwärtig; bei der Papstmesse aber tritt die ganze allerheiligste Dreifaltigkeit in die Hostie, und darin liegt dann die ungeheure Kraft einer Papstmesse, bei welcher nur die Erzengel ministrieren dürfen, und zwar nur dann, wenn sie von der allerseeligsten Jungfrau Maria zu diesem allerheiligsten Dienste auserkoren werden. Also darin liegt es, und daher können nicht mehr als eigentlich gültig in einem Jahre nur drei solche Messen gelesen werden. So ist es; hat mich der Herr Kaiser verstanden?« – 9 Sagt Josef: »Beinahe, aber doch noch nicht ganz, und darum möchte ich denn auch noch das wissen, warum denn ein Papst nicht mehr als drei Messen lesen darf, und das eigentlich nicht ganz, indem er eigentlich nicht selbst die Messe liest, sondern nur bei derselben, die entweder von einem Kardinal oder von einem kardinalisierten Erzbischofe gelesen wird, glorificaliter assistieret. Das möchte ich noch so recht klar von dir erfahren.« – Sagt der Nunzius: »Ist aber das eine verfluchte ketzerische Frage! Auf der Welt könnte ich ihm darauf gar keine Antwort geben; aber hier, wo er schon ohnehin mit Haut und Haaren dem Teufel zugehört, und sich im nächsten Augenblick in der Höll' befinden wird, da kann ihm so was schon g'sagt werden, damit er dadurch desto tiefer in die Höll' kommen kann. Und so merke sich das der Herr Kaiser! – Der Papst kann deswegen nicht mehr als drei Messen lesen, weil dadurch die allerheiligste Dreifaltigkeit als lebendig für alle Zeiten der Zeiten auf der Erde in der alleinseligmachenden Kirche dargestellt und erhalten wird. Daß aber der Papst nicht unmittelbar ganz selbst die allerheiligste Dreifaltigkeits-Messe liest, sondern dabei pontifiziert, glorifiziert und assistiert, kommt daher, weil er ein Knecht der Knechte Gottes und der Stellvertreter Jusu Christi auf Erden ist, der allen dient und sich nicht darf bedienen lassen. So ist die Sache! Jetzt wird Er's doch verstehen.« – 10 Sagt Josef: »Ja jetzt bin ich im klaren und weiß nun vollkommen, was ich vom Papsttume zu halten habe.« – Sagt der Nunzius: »Nun, und was haltet man denn nun vom Papste?« – Sagt Josef: »Nichts anderes als: daß gerade er der vollkommene Antichrist ist, und ihr alle seine getreuesten Helfershelfer seid. Denn wäret ihr Christen, so wie es sich gebührt, und nun auch gottlob ich einer bin, so würdet ihr Christus, den Herrn, Der hier fest neben mir stehet, sicher sogleich erkannt haben, aber da ihr in aller Fülle die vollendesten Antichristen seid, so verdammt ihr uns, samt Christus, in die Hölle, während ihr selbst schon sehr lange euch darinnen mit Haut und Haaren befindet. 11 O ihr elenden Schurken! ihr habt Christus, der als die ewige, reine Liebe, als Gott und Schöpfer in die Welt, die Er gemacht hat, kam, um allen Blinden die Augen zu öffnen, nach eurem eigenen Urteile zu einem Teufel umgestaltet und habt Ihn, den Rechten, verflucht. Denn euer Christus, den ihr ehret und begehret, heißt Gold und Silber; der wahre aber, der am Kreuz für alle Menschen blutend Seine göttlichen Arme ausgestreckt hat, und allen Seinen Feinden vergab, und den ewigen Vater in Ihm für sie um Vergebung bat, ist euch zum Ekel geworden derart, daß ihr alle, die Ihm und nicht euch, die ihr euch frechst und gewissenlosest Seine Diener nennt, anhangen, ohne alles Bedenken mordet, senget und brennet, und am Ende noch in die unterste Hölle verdammet. O ihr Schlangen und Otterngezüchte! Welcher Teufel hat euch denn gezeuget? Wahrlich, wäre der Herr nicht von einer endlosen Geduld, Sanftmut und Liebe, welche Hölle gäbe es denn, die schlecht genug wäre euch aufzunehmen? 12 Ich will und darf euch kein Richter sein; der Herr tue euch nach euren schändlichsten Verdiensten. Würde ich euch aber richten, wahrlich, ich sage es hier laut im Angesichte Gottes, ich würde über euern Nacken eine Züchtigung verhängen, daß sich darüber die ganze Unendlichkeit Gottes verwundern solle. Bei Deinem allmächtigsten Namen, o Herr, Du kennst mich; ich habe allezeit alle Geduld und Nachsicht gehabt mit den Schwächen meiner mir untergebenen Brüder; aber bei dieser Brut der Hölle, bei diesem Auswurfe Deiner Schöpfung erschaudere ich, und alle meine Geduld und Nachsicht hat da ihr entschiedenes Ende gefunden. 13 Schon auf der Erde, wo sich diese Brut maskierte, wo sich diese reißendsten Wehrwölfe in Schafspelze verkrochen, und nur ganz im Geheimen ihr schnödstes Unwesen trieben, habe ich sie von einer Seite kennen gelernt, die ganz vollkommen der untersten Hölle glich; ich habe selbst mit eigener Hand ein Kruzifix, das ums teure Geld Blut schwitzte, und ein anderes, das sich immer den Bart wachsen ließ, zerstöret. Denn es war doch zu heillos zu sehen, wie diese besoldeten Knechte des Antichristen den armen blindesten Menschen den letzten Kreuzer aus dem Sacke herauspreßten durch allerlei Lug und Trug. Ich tat dagegen mein Möglichstes. Aber auf der Erde sah nach der Zurechtweisung doch noch bei manchem Pfaffen so ein Mignionmensch heraus, und man hatte mit ihm dann auch eine gerechte Geduld. Hier aber zeigt sich diese Brut in ihrer wahren Gestalt, ist gräßlichst anzuschauen und noch gräßlicher anzuhören. Herr, Dein Wille geschehe, aber meine Geduld ist da zu Ende!« 14 Sage Ich: »Mein Bruder, sei nur ruhig und ärgere dich nicht; denn sieh, es muß alles so kommen, sonst wären Daniel und Jesaja ja Lügner. Die haben von ihnen geweissaget, und ihre Weissagung muß erfüllet werden; in der Folge wirst du es einsehen, warum alles dies also kam und kommen mußte. Nun aber gebe nur weiter acht; denn es wird nun gleich eine andere Szene zum Vorscheine kommen, von der du recht viel lernen wirst; aber ärgern darfst du dich fürder nicht.« 15 Auf obige energische Rede Josefs haben sich die Pfaffen alle, samt ihren untern und viel niedern klerikanischen Helfershelfern in ihre Winkel zurückgezogen, um allda über die ihnen angetane Beleidigung sich zu beraten, mit welch einer gelingbaren Rache sie uns für den ihnen angetanen Frevel bedienen sollen, und wie sie uns wirksam in ihre vermeintliche Hölle hineinbringen könnten. Kapitel 225 Der Orgel-Exzorzismus. Dummheit und Bosheit. Die Willensfreiheit muß bewahrt bleiben. Jesus Wunder und deren Wirkung. Ein gutes Wort findet auch bei dieser Mission einen guten Ort. Eine Kur der Stolzen. Beispiel vom Feldherrn. Plötzlich im Stephansdom 1 Nach einer Weile vernehmen wir Orgeltöne, und zwar die Melodie des sogenannten Tedeum laudamus. Josef fragt Mich, sagend: »Herr, Du bester, heiligster Vater, was solle denn das bedeuten? Welchen Gott loben denn diese, Deine offenbarsten Widersacher? Denn von Dir kann da doch ewig keine Rede sein, welchen Gott also haben sie denn?« – 2 Sage Ich: »Ja du, Mein lieber Bruder, meinst denn du, daß sich die je um irgend einen Gott bekümmert haben? Sieh, Gott ist ihnen ganz etwas Gleichgültiges; dieses Loblied gehört zu ihrer leeren Zeremonie, und hat für sie als Sache selbst gar keinen Wert, außer daß es ihnen, so es außerordentlich geschieht, Geld, und das nicht wenig trägt. Hier aber soll es bloß als ein Schreckmittel Dienste tun, um uns als vermeinte Teufel in die Flucht zu treiben, indem sie der Meinung sind, daß die Teufel überaus dumm sind und sich auch schon durch scheinbar frömmliche Dinge sogleich in die Flucht treiben lassen. Auf diese Dinge halten zwar die meisten Pfaffen bei sich selbst nichts; aber sie üben sie dennoch deshalb aus, um damit die Dummheit noch breiter zu machen, als sie es ohnehin schon ist. Also das ist der Grund denn auch nun, daß wir bei solchen geweihten Tönnen sogleich davon laufen sollen.« – 3 Sagt Josef: »Nicht übel, nicht übel! Aber gibt es denn nichts, um diesen Kerlen einen so recht derben Schabernack entgegen zu senden, so daß sie vor Angst speien sollen? Vielleicht könnte so etwas diese Wesen auf andere Gesinnungen bringen.« – 4 Sage Ich: »Das darf aus zwei Hauptgründen nicht geschehen; erstens: Um sie nicht in ihrer Freiheit zu stören, da kein gebundener Geist mehr irgend etwas zu seiner Besserung leisten kann, und an und für sich so gut wie tot ist; und zweitens könnte man diese Geister, die selbst an gar keine Wunder glauben, obschon sie das Volk durch lauter Wunder blenden möchten, auch durch was immer für ein auch noch so reines Wunderwerk nie zu irgend einem Glauben bringen; denn sie würden die großartigsten Wunder gerade so ansehen, als wie zu Meiner Zeit auf der Erde die Priester und Schriftgelehrten alle Meine Wundertaten aufgenommen und angesehen haben. 5 Siehe, bei Meinem Tode zerriß der Vorhang im Tempel von oben bis unten in zwei Teile; die Bundeslade verschwand und ward hernach nicht mehr irgendwo gesehen; Sonne und Mond verloren ihr Licht; die Gräber öffneten sich, und die Verstorbenen kamen aus den Gräbern, und verkündigten vielen Meine Ehre; viele Heiden schlugen sich an die Brust und sagten: Dies war wahrhaftig ein Gott! und glaubten darauf fest an Meinen Namen. Aber die Priester und Schriftgelehrten wurden darauf nur noch härter und verfolgten mit aller Energie Meine Schüler und Meine Lehre. Mehr kann man denn doch nicht tun, als einen Lazarus, der bereits vier Tage im Grabe gemodert hatte, vom doch gewiß sichersten Leibestode erwecken, und ihn frisch und gesund den Seinen wieder geben. Welchen Effekt aber hat diese gewiß keinem Menschen mögliche Tat bei den Priestern, Pharisäern und Schriftgelehrten zuwege gebracht? Nichts anderes, als daß sie hernach desto energischer zu beraten anfingen, Mich aus der Welt zu schaffen. Aus dem kannst du, Mein lieber Bruder, schon ersehen, wie wenig bei diesen Wesen, die noch zehnmal ärger sind als die jüdischen Priester, Schriftgelehrten und Pharisäer zu Jerusalem es je waren, ein wie immer geartetes Wunder wirken würde. Ein gute, wahrheitsvolle Rede ist und bleibt noch immer das beste und allerunschuldigste Mittel, um solche Wesen auf einen besseren Weg zu bringen, obschon vorderhand bei diesen hier nicht viel zu erhoffen sein wird.« – 6 Sagt Josef: »Ja, das ist gewiß und wahr, bei diesen wird sich wenig machen lassen! Neugierig aber bin ich doch, was die Kerls nun machen werden, und womit sie zum Vorscheine kommen.« – Sage Ich: »Siehe nur hin dort, wo noch der Höllenrachen in künstlicher Glut sich befindet; von dort aus wird nach plötzlicher Verwandlung dieser höllischen Spektakelszene die neue Prozedur beginnen; aber nur mußt du dich nicht ärgern; denn diese legen es geflissentlich darauf an, daß wir uns wohl recht in die Haut hinein ärgern sollen, und so wir uns darob wirklich ärgern würden, so würde das für sie gerade ein Triumph sein. Diesen aber ersparen wie ihnen, so wir uns auch nicht im geringsten ärgern, und dafür den Ärger zu ihnen selbst zurücckehren lassen, der ihnen dann am ersten ihre vollste Ohnmacht zeigt, und sie zu demütigen beginnt. 7 Einen stolzen Geist kann man durch nichts eher zur Demut bringen, als wenn man ihm von allen seinen Plänen aber auch nicht einen gelingen läßt. Siehe an die stolzen Feldherrn, welch eine ungeheure Meinung haben sie von sich, wenn sie irgendwo über den Feind einen Sieg erfochten haben; trete wer zu ihnen, und sage es, daß der Sieg nur ein zufälliger war und durch ein glückliches Ungefähr herbeigeführt wurde; von Mir darf da freilich schon gar keine Erwähnung geschehen. Nun, der einem Feldherrn so was sagen würde, dem möchte es doch nicht am besten ergehen. Ich aber lasse so einem Feldherrn hernach eine Niederlage um die andere überkommen, und der große Mann sitzt dann bald irgendwo ganz ruhig, und verzehrt ganz gemächlich seine Pension, und vergißt am Ende alle seine Heldentaten, und wird oft ein recht lieber und artiger Mensch. Und so wollen wir es auch nun mit diesen Pfaffen, wie mit allen auf der Erde machen, und du wirst es sehen, das wird die möglichst beste Kur für sie sein. Darum denn nur keinen Ärger über sie, lieber Freund und Bruder!« Am 1. August 1850 8 Spricht Josef: »O Herr, ich sehe es nun klarst ein, daß Du ganz vollkommen allein in allen Punkten Recht hast; ja, so ist es am besten, und so allein nur kann es gehen; aber wegen dem Sich-Ärgern oder Nicht-Ärgern, da hat es seine geweisten Wege. Wenn Du, o Herr und Vater, nicht jemandes Herz ganz mit Deiner Sanftmut erfüllest, der kann tun, was er will, mag und kann, und denken so viel es ihm nur immer möglich ist, so wird er sich vor dem Ärger dennoch nicht völlig enthalten können, wenn er diese Wesen so schmähliche Sachen und Dinge durch lauter selbstsüchtigsten Trug, und die eigennützigste Lage zuwege bringen sieht. Habe ich doch auf der natürlichen Erde viele Hunderte von den miserabelsten Gelegenheiten gehabt, wie eben die Pfaffen von oben bis unten mir am meisten mit ihren Gesuchen und Rekursen (Einsprüchen) in den Ohren gelegen sind, und mir aus den selbstsüchtigsten Gründen, die man von weitem erkennen mußte, derart lästig geworden sind, daß ich sie alle hätte totschießen mögen. Jeder andere Mensch hatte vor mir, als einem Kaiser, seinen gemessenen Respekt und die möglichst höchste Achtung; – aber diese Brut, besonders so es etwas Kirchliches galt, woraus für ihren Sack ein bedeutender Vorteil heraussah, war dir doch so dreist, als wie eine Sommerfliege, und gab eher keine Ruhe, als bis sie, so es nimmer gerade gehen konnte, auf den allerverschmitztesten Kriechwegen, Schleichwegen und Krummwegen am Ende dennoch das erreichte, was sie hatte erreichen wollen. Und so ich dann hinter so etwas kam, ja da mußte ich mich denn doch wieder ärgern bis zum Grün- und Gelbwerden. Hier in dieser Welt aber kommt das noch viel ärgerlicher heraus, indem man sogleich bei jeder geringsten Bewegung nur zu klar einsieht, welch eine allerniedrigste Absicht diese geistigen Lumpen und Spitzbuben mit jeder ihrer Handlungen, ja mit jeder ihrer Mienen verbinden. 9 Sie spielen die Frommen, um's zahlende Vertrauen ihrer Schafe zu wecken; sie gehen barfuß einher; um den Schafen glauben zu machen, daß sie demütig sind und daß ihre Demut sehr viel Geld wert ist; sie beten öffentlich mit andachtsvollen Mienen, um die Goldminen ihrer gläubigen Schafe locker und transzendent zu machen; sie machen bei ihren Messen ganz entsetzlich tiefe Referenzen; und beugen ihr Haupt nahe bis zur Erde, um den Schafen zu zeigen, von welch einer allerunbegrenztesten Hochachtung und Ehrfurcht sie vor dem Tische Gottes durchdrungen seien; aber bei ihnen selbst glauben sie nichts, und tun das nur, um desto mehr Meßopfer anzulocken; denn die Blindschafe meinen, daß eine Messe mit solch einer sichtlichen Andacht gelesen schon für alle Übel, die nur immer auf der Erde gang und gäbe sind, gut sein muß. So sind die sogenannten schönen und gewöhnlich neueren kirchlichen Paramente (Altardecke bzw. Fahne) viel stärker geweiht, und haben die geheime doppelte Weihe, weil sie angerührt sind; deshalb aber kosten sie auch mehr, als die alten schon mehr zerlumpten und beschmutzten. 10 O Herr, eine zahllose Menge solcher Dinge gibt es bei dieser echten Gespensterkaste, über die, so man auf ihren Grund gekommen, man sich über alle Maßen ärgern muß! Aber was kann man dabei tun? Nichts als zusehen eine zeitlang, und wenns einem am Ende zu arg wird, drein schlagen wie ein ägyptisches Donnerwetter. Es ist richtig, daß diese Lumpen es darauf anlegen werden, uns zu ärgern, und wir uns aber dennoch nicht ärgern sollen, um ihnen keinen Sieg über uns einzuräumen. Aber der Kuckuck halte es aus! So ich nur einen sehe, da dreht sich bei mir schon alles fest weg um und um. Wie gesagt, Herr und Vater, so Du mich nicht besonderns hältst, kann ich nicht gut stehen, ob ich mich nicht ärgern werde. 11 Aha, aha! nun ist die Hölle schon ganz verschwunden, und wir stehen nun auf einmal ganz in optima forma inmitten des Stephansdomes, der noch ganz so aussieht, wie er bei meinen Lebzeiten ausgesehen hat. Jetzt kommen die rotbemäntelten Kirchendiener, um Kerzen anzuzünden; sie zünden alle Kerzen an, und decken den Hochaltar ab. Nun, am Ende werden sie uns gar mit einem levitierten Amte hinausheizen wollen. Die Geschichte wird ja recht lustig und possierlich. Freund Migatzi, wie kommt denn dir diese Geschichte vor?« – 12 Sagt Migatzi: »Wie solle sie mir wohl je anders als dumm überdumm vorkommen! Aber ärgern kann ich mich wahrlich nimmer darüber, weil die Sache zu ungeheuer dumm ist; aber lachen, ja, so viel du nur immer willst. Denn darüber kann sich kein Mensch mehr ärgern, so diese allerborniertesten römischen Dummköpfe sich auch als Geister nicht wollen kurieren lassen. Lassen wir das alles unserem lieben, guten Herrn und Vater über, und seien wir guten Mutes und guter Dinge; diese Wesen aber lassen wir ungestört machen, was sie wollen: das wird für sie auch sicher die beste Kur sein. Was nützt uns da all das Aufzählen von den allerungebührlichsten Sachen und Dingen, von allen den Lügen und Betrügereien, von allen den Filustückeln und Grausamkeiten dieser Wesen und ihrer Konsorten? Sie sind darum dennoch, wie sie waren, und wie sie auch höchstwahrscheinlich verbleiben werden: denn wir zwei werden nichts ändern an ihnen.« 13 Sagt Josef: »Da hast du allerdings recht; denn an diesen ist im buchstäblichen Sinne des Wortes und der Bedeutung nach die Taufe und das Chrisam lange total verdorben, und es wird an ihnen darum auch schwerlich je etwas zu bessern sein; aber ich selbst bin von der Art, daß es mir gerade leichter geschieht, wenn ich mich so ein wenig meines Ärgers dadurch entledige, wenn ich hier vor dem Herrn, und eben auch vor den Ohren jener Weltlumpen ihre Hauptstückchen ihnen ins Gedächtnis zurückrufe, auf daß an ihnen erfüllet werde, was der Herr Selbst auf der Welt allen solchen Hauptlumpen verheißen hatte, da Er ganz ausdrücklich sagte: Von den Dächern herab wird man's euch laut verkündigen, was ihr im Geheimen Arges getan habt! Sie halten nun ein gespenstisches Hochamt; bis sie fertig sein werden, kann ich mich noch von so manchem entledigen, was mich drückt.« Kapitel 226 Aussagen über das Meßopfer und über die ewigen Strafen. Vom ewigen Feuer und vom Wurm, der nicht stirbt 1 Josef: »Herr, Du bester Vater aller Menschengeister, sage es mir doch, so Du mich als irgend dafür wert findest, ob denn an dem sogenannten Meßopfer, von dem einem Petrus doch sicher nie etwas geträumet hat, und in keiner heiligen Schrift etwas davon stehet, denn doch etwas daran sei? Denn es könnte vielleicht, wie ich es mir oft auf der Erde gedacht habe, doch wohl etwas daran sein, besonders wenn so recht stillen Orts ein recht herzlich guter Priester gläubig und in der besten Meinung von der Welt Dir Gott dem Herrn ein wahrhaft andächtiges Meßopferchen darbringet, das er aber umsonst verrichtet, da sich ganze Monate lang kein Zahlender einfindet, der Priester auch überhaupt von dem Schrote und Korne ist, sich kein Meßopfer zahlen zu lassen, weil er es wirklich als zu heilig erachtet und seinen lieben Heiland um keine Silberlinge mehr verkaufen will. Ich meine, so ein Meßopfer dürfte bei Dir, o Herr, denn doch nicht ganz ohne Wert sein!« 2 Sage Ich: »Mein liebster Freund! was kann wohl bei Mir ohne Wert sein, so es im rechten Sinne verrichtet wird. So Ich dir einen jeden Becher frischen Wassers, den du einem Durstigen reichtest, so er unvermögend war sich selbst ein Wasser an irgend einer Quelle zu schöpfen, hundertfach belohnen will, um wie viel mehr werde Ich ein andächtig verrichtetes Meßopfer eines wirklich frommen und edelherzigen Priesters, deren es aber freilich leider nur sehr wenige gibt, mit dem wohlgefälligsten Herzen ansehen, und werde segnen den Priester, wie sein Opfer. Denn Ich sehe ja nur allezeit auf's Herz und nie auf die Form. Denn durch ein liebevolles und gerechtes Herz wird auch jede äußere Form, wie sie auch immer beschaffen sein möchte, gerecht und gut vor Mir, obschon an der Form, möge sie was immer für ein Gesicht haben, gar nichts liegt; und sie auch keinen Wert hat und haben kann, weder äußerlich noch innerlich. 3 Ich habe nur einmal, und das für alle Menschen gleich, Mich Dem geopfert, Der in Mir ein heiliger Vater von Ewigkeit ist; von diesem einigen und einzigen Opfer an gibt es für ewig kein zweites und diesem ähnliches mehr. Aber so irgend gute und wahrhaft fromme Kinderchen eines großen Helden nach ihrer Erkenntnis und Fähigkeit eine größte Heldentat ihres Vaters in eine entsprechende Szene bringen und sie dem Vater mit wonnetrunkenen Augen vorführen, sage selbst, ob so was den Vater freuen wird oder nicht! Sieh, er wird sicher eine recht große Freude daran haben, obschon durch diese Aufführung kein gedrücktes Volk mehr vom harten Joche eines Tyrannen befreiet wird. Und sieh, gerade also ist es auch bei Mir. Durch's Meßopfer wird nichts zuwege gebracht; aber durch das edle Herz dessen, der es verrichtet, sehr vieles; denn da wird es von Mir wahrhaft gesegnet, nicht aber etwa als ein Opfer, sondern als eine Szene Meines Erdenlebens; denn ein (nochmaliges) Opfer kann es nimmer geben, weil, wie gesagt, dieses schon einmal als gültig für ewig vollbracht wurde, weshalb Ich auch am Kreuze zum letzten Male ausrief: Es ist vollbracht! Was aber einmal vollbracht und vollendet ist für alle Zeiten der Zeiten, das kann dann nie wieder noch einmal vollbracht und vollendet werden. 4 Ist aber an und für sich ein rechtschaffener Priester vermöge des erhaltenen Unterrichtes dennoch der Meinung, daß er ein gleiches Opfer in seiner Messe verrichte, wie Ich es verrichtet habe am Kreuze; nun, so werden wir ihm das wohl zu keiner Sünde anrechnen, sondern zu ihm sagen: Es sei dir vergeben; denn du wußtest es ja nicht, was du getan hast! Wohl aber solle es jenen angerechnet werden, die bei sich über's ganze Opfer lachten und sagten: Mundus vult decipi, ergo decipiatur! Denn wer jemanden des eigenen Vorteils wegen will etwas unter Hölle, Mord und Brand glauben machen, worüber er bei sich selbst lacht, der ist kein Priester, sondern wahrhaft ein Teufel; dessen Lohn wird gleich sein seiner falschen Mühe und seinem falschen Eifer. Hast du das alles wohl verstanden, Mein lieber Bruder Josef?« 5 Spricht Josef: »Ja, mein Herr und Vater, wie solle ich das auch nicht verstanden haben, indem Du die Sache mir nahe auf ein Haar also gezeiget hast, als wie ich mir sie oft vorgestellet habe. Also ist es und kann unmöglich je anders sein. O ich danke Dir, daß Du Deine Ordnung gerade also eingerichtet hast, als wie ich sie bei meinen irdischen Lebzeiten gar oft gedacht und mir vorgestellt habe. 6 Nur eines geht mir noch ab zur vollen Ruhe meines Herzens, und das ist eine Aufhellung über den fast in allen christlichen Religionssekten vorkommenden Begriff von einer sogenannten ewigen Strafe. – Gibt es eine solche oder gibt es keine? Denn so man für die irdischen Minuten ehrlichen und rechtlichen Lebenswandels eine ewige Belohnung erhält, so kann man nicht leichtlich umhin auch anzunehmen, daß es gegenüber einer ewigen Belohnung auch füglicherweise eine ewige Strafe geben müsse; denn gebührt hier im Reiche der Geister einer kurzen edlen Tat ein ewiger Lohn, so gebührt dem gegenüber auch für eine kurz dauernde böse Tat ein ewiger Strafzustand in der Hölle oder wo immer? Ich finde diese Annahme ganz logisch richtig.« 7 Sage Ich: »Du schon, aber Ich nicht, indem Ich mit all dem, was Ich geschaffen habe, doch unmöglich mehr als nur einen Zweck vor Augen haben konnte. – Der Ich Selbst nur das ewigste Leben bin, so konnte Ich ja nie Wesen für den ewigen Tod erschaffen haben. Eine sogenannte Strafe, wo sie auch immer vorkommen mag, kann daher nur als ein Mittel zur Erreichung des einen Grund- und Hauptzweckes, ewig nie aber als ein quasi feindseligster Gegenhauptzweck sein; daher denn auch von einer ewigen Strafe nie die Rede sein kann. Verstehst du, lieber Bruder, nun dieses?« 8 Spricht Josef: »Ja, Dir o Herr ewig Dank, Liebe, Lob und Ehre, das verstehe ich nun ganz; und es wäre mir nun nahe unmöglich, es nicht zu verstehen; aber in der Schrift, und zwar aus Deinem allerheiligsten Munde selbst stehet es nur zu deutlich geschrieben von einem ewigen Feuer, das nimmerdar erlischt, von einem Wurme, der nimmer stirbt; ja es stehet geschrieben: Weichet von Mir, ihr Verfluchten, in das ewige Feuer, das dem Teufel und seinen Dienern bereitet ist. Ja Herr, ich kenne eine Menge Texte, wo der Hölle und ihres ewigen Feuers sehr handgreiflich gedacht wird. So es nun denn aber keine ewige Strafe gibt, ja, so dieses sogar von dem Sträfling selbst abhängt, in derselben zu verbleiben so lange er mag und will, da sehe ich denn durchaus nicht ein, wie da von einem ewigen Feuer, das nimmer verlicht, und von einem Wurme, der nimmer stirbt, die Rede in der Schrift sein kann.« 9 Rede Ich: »Mein liebster Freund und Bruder! Es steht wohl geschrieben von einem ewigen Tode, welcher da ist ein ewig festes Gericht, und dieses Gericht geht hervor aus Meiner ewig unwandelbaren Ordnung, und diese aber ist das sogenannte Zornfeuer oder besser Eiferfeuer Meines Willens, der ganz natürlich also für ewig unwandelbar verbleiben muß, ansonst es mit allem Geschaffenen auf einmal gar aus wäre. 10 Wer sich aber von der Welt und von ihrer Materie hinreißen läßt, der ist freilich so lange als verloren und tot zu betrachen, als wie lange er sich von der gerichteten Materie nicht trennen will. Es muß also der Geschaffenen wegen wohl ein ewiges Gericht, ein ewiges Feuer und einen also lautenden ewigen Tod geben; aber darin liegt eben so wenig die Folge, daß ein darin gefangener Geist so lange gefangen bleiben muß, als wie lange dieses Gericht an und für sich dauern muß; wie auch, so du auf Erden ein allerfestetes Gefängnis erbaut hättest, das gleich einer ägyptischen Pyramide Jahrtausenden trotzen solle, die Gefangenen deshalb nicht auf die ganze mögliche Dauer des Gefängnisses verurteilt werden sollen. 11 Ist denn Gefängnis und Gefangenschaft nicht doch für jedermann ersichtlich zweierlei? Das Gefängnis ist und bleibt freilich ewig, und das Feuer Meines Eifers darf nimmer erlöschen; aber die Gefangenen bleiben nur so lange im Gefängnis, als bis sie sich bekehrt und gebessert haben. 12 Übrigens steht in der ganzen Schrift aber auch nicht eine Silbe irgendwo von einer ewigen Verwerfung oder Verdammnis eines Geistes, sondern nur von einer ewigen Verdammnis der Nichtordnung gegenüber Meiner ewigen Ordnung, die notwendig ist, weil sonst nichts bestehen könnte. Das Laster als Unordnung oder Widerordnung ist wahrlich ewig verdammt, aber der Lasterhafte nur so lange, als er sich im Laster befindet. Also gibt es auch in aller Wahrheit eine ewige Hölle, aber keinen Geist, der seiner Laster wegen ewig zur Hölle verdammt wäre, sondern nur bis zu seiner Besserung. Ich habe wohl zu den Pharisäern gesagt: Darum werdet ihr desto mehr oder eine längere Verdammnis überkommen; aber nie: Darum werdet ihr auf ewig verdammt werden. – Verstehst du nun deine so gefährlich aussehenden Schrifttexte? Oder verstehst du etwa noch etwas nicht?« Kapitel 227 Der Herr erklärt den Sinn von der unübersteigbaren Kluft. Josef als milder Richter und als Freimaurer Am 5. August 1850 1 Spricht Josef: »O Herr, was du nun geredet hast, habe ich wieder ganz vollkommen verstanden; aber noch einen einzigen kleinen Punkt in der Schrift verstehe ich nicht ganz, wie man ihn eigentlich verstehen solle, und das ist die unübersteigliche Kluft in der Parabel vom reichen Prasser, den Du, o Herr, vor den Augen der Welt in die Hölle gestellt hast; das ist eben dieser fragliche Punkt. So denn zwischen denen, die im Schoße Abrahams, Isaaks und Jakobs im Himmel sich befinden, und zwischen denen, deren schrecklichstes Los die Hölle ist, eine ewig nimmer übersteigbare Kluft sich befindet, darüber niemand mehr weder hinkommen noch herkommen kann, wie wird dann wohl eine Erlösung aus der Hölle möglich sein? Daß aber aus der Hölle schwerlich je eine Erlösung stattfinden dürfte, leuchtet auch noch aus einem anderen Lehrtexte der Schrift (Markus 3,29) hervor, wo nämlich den Sündern gegen Deinen heiligen Geist entweder eine nur sehr schwere oder auch gar keine Erlösung zugesichert ist, und das ausdrücklich, o Herr, aus Deinem heiligsten höchst eigenen Munde. Was hat es sonach mit der unübersteiglichen Kluft, und mit den Sündern gegen Deinen heiligen Geist für eine Bewandtnis?« 2 Sage Ich: »Dasselbe, wie da die sogenannten Rechtsgelehrten in der Welt sagen: Volenti non fit injuria. Wer es selbst also will, dem geschieht kein Unrecht. Die Kluft aber bedeutet wieder den nie übersteigbaren Unterschied zwischen Meiner freiesten Ordnung in den Himmeln und der ihr in allem schnurgerade widerstrebenden Unordnung in der Hölle. Dieser Text bezeichnet also nur die Unvereinbarkeit der Ordnung und der Unordnung, nicht aber eine quasi ewige Torsperre für denjenigen, der sich darin befindet. 3 Daß aber einer, der schon so schlecht ist, daß er sich selbst schon vollkommen zur Hölle wird vermöge seines freiwilligen Übergehens aus Meiner freiesten Ordnung in die notwendigst für ewig gerichtete Widerordnung, eben nicht gar zu bald und gar zu leicht aus der Hölle kommen wird, das versteht sich von selbst, indem es dir nur zu bekannt sein muß, wie schwer und hart es einem Bösestolzen und in allem Herrschsuchtshochmute Gefangenen ist, in die Sanftmut und Demut der Himmel überzugehen. Es ist so was gerade wohl keine Unmöglichkeit, aber dennoch eine große Schwierigkeit. Du wirst in der Zukunft es nur gar zu oft noch erfahren, wie schwer es hergeht, jemanden vollends aus der Hölle zu heben. Der Stolze kehrt immer wieder zum Stolze zurück, der Unkeusche zur Unkeuschheit, der Träge zur Trägheit, der Neider zum Neid, der Geizhals zum Geize, der Lügner zur Lüge, der Prasser und Schwelger zum Prassen und Schwelgen, der Dieb zum Stehlen, der Räuber zum Raube, der Mörder zum Morde, der Rohe zur Roheit, der Wollüstling zur Wollust usw. Wenn man ihnen die unordentlichen Eigenschaften auch tausendmal rügt, so verfallen sie alsobald wieder in die gleichen sündigsten Leidenschaften, als ihnen zu ihrer nötigen Sichselbstrichtung die für's ewige freie Leben bedungene Freiheit gegeben wird; und je öfter sie wieder in einen Rückfall kommen, desto schwächer werden sie stets, und desto schwerer wird es ihnen auch, sich aus den bösen Leidenschaften zu erheben und als lautere Geister in Meine wahre, ewige, göttliche Freiheit überzugehen. 4 Aber bei den Menschengeistern ist wohl gar vieles unmöglich, was aber Mir am Ende dennoch gar wohl möglich ist und sein wird; denn bei Mir sind alle Dinge möglich. Verstehst du dieses?« 5 Spricht Josef: »Ja, mein Herr, mein Gott, mein heiliger Vater! Jetzt sind mir alle jene Texte klar, die ich auf der Erde wohl geglaubt habe; aber sie haben auf mich nie einen wohltätigen Eindruck gemacht, obschon ich als ein irdisch plenipotenter (uneingeschränkter) bevollmächtigter Kaiser selbst alles auf die gewissenhafteste Gerechtigkeit halten mußte, und durfte nicht Gnade üben, wo mir irgend ein harter Sünder unterkam. 6 Merkwürdig aber war das doch stets in meinem Gemüte, daß ich keinen harten und strengen Richter leiden konnte. Wer aus meinen vielen Amtsrichtern die in dem ihm angewiesenen Bezirke vorkommenden Sünder zu scharf richtete, dem war meine Gunst ferne; wer aber die Sünder nach ihren Vergehungen also richtete, daß er dem Sünder wohl die Größe und Schwere seiner Sünde recht genau zeigte, wie auch aus dem Strafkodex zeigte, welcher Strafe er verfallen, darauf aber bei den Reuigen auf meinen Namen hin den Akt der Gnade übte, und dem Sünder statt fünf Jahre schweren Kerker nur ein Jahr im milderen und leichteren Kerker als korrektive Strafe gab, der wurde bei mir im weißen Buche vorgemerkt, und hatte an mir seinen sicheren Freund; 7 und so war es denn auch, wenn ich das Evangelium las. Wenn ich die Verse durchging vom verlorenen Sohne, vom guten Hirten; wenn ich die Ehebrecherin in dem Tempel vor Dir betrachtete, den Zachäus vom Baume herabrufen hörte, den gerechtfertigten Zöllner im Tempel sagen hörte: O Herr! ich bin nicht wert, meine Augen zu Dir emporzuheben; und Dich, o Herr, mit dem samaritanischen Weibe am Jakobsbrunnen allerbedeutungsvollste heilige Worte tauschen vernahm, da konnte ich mich nie der Tränen erwehren. O welch ein Gefühl hat Dein Wort am Kreuze: »Herr! vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun«, in mir stets rege gemacht. Aber die Stellen, wo Du, wenn schon gerechtester Maßen, die Sünder mit schärfsten Fluch-Sentenzen zur Hölle wiesest, und wo ich überhaupt von Deiner Seite (Herr! vergib mir, daß ich so frei von Dir mir zu reden getraue) eine gewisse Unversöhnlichkeit entnahm, machten auf mein Gemüt wahrlich keinen guten Eindruck. Ich sah darin wohl einen gerechten, allmächtigen Gott walten, aber Ihm gegenüber nichts als allerohnmächtigste Wesen, die sich die endloseste Machtschwere ihres Schöpfers und ewigen Richters müssen gefallen lassen. 8 Ich zwang mein Herz, diesen allmächtigen Gott wohl aus allen Kräften zu lieben, und stellte mir auch die schrecklichsten Folgen so recht lebendig vor, so mein Herz Gott nicht über alles liebete; aber ich muß zu meiner Schande und zu meinem Ärger gestehen, mein Herz wollte sich in dieser Liebe nicht finden; und so ich ein hübsches, gemütliches Mädchen vor mir sah, und mein Herz emsiger pulsen vernahm, so fragte ich mich gleich wieder: Wie sieht es nun mit deiner Liebe zu Gott aus? Ist sie stärker oder schwächer als die zu diesem Mädchen? Und das zartfühlende Herz, ich muß es offen gestehen, fand in dem holden, sanften Mädchen unwillkürlich mehr Anziehendes, als in der die schärfste Gerechtigkeit donnernden Gottheit. Ich wurde durch solche Selbstprüfungen und Vergleiche denn auch ein Freimaurer, um da zur tieferen Kenntnis Gottes zu gelangen. Ich habe dabei wohl recht viel gewonnen, aber der allmächtige schärfest gerechteste Richter wollte um keinen Preis ein sanfteres Gesicht mir zeigen. Ich las viel von der reinen Liebe zu und in Gott; aber der ewig unerbittliche Richter wollte durchaus nicht untergehen, und die Hölle nicht verlöschen. 9 So stellte ich mir auch oft recht lebendig Dein Leiden und Sterben vor, und wie Du, Der Du aus Liebe zu den Menschen so viel leiden wolltest, um sie glücklich zu machen, eine gerechteste Ursache haben magst, mit den Sündern unbarmherzig zu sein, und ihre Sünden, die ein Grund Deiner Leiden waren, unerbittlich strenge zu ahnden; aber mein dummes Herz wollte sich alles dessen ungeachtet in die non plus ultra Liebe zu Dir dennoch nie ganz finden. Kapitel 228 Dummheit der blinden Nachtgeister; Josef, Robert, Helena, Franz staunen darüber. Des Herren Wink an diese. Vergebliche Mühe der Exorzisten Am 8. August 1850 1 Aber nun, o Herr, Dir allein alle Liebe, alles Lob, bin ich erst auf dem rechten Wege; jetzt verstehe ich Dein heiliges Wort, und Du, o Herr, bist mir nun erst die Liebe aller Liebe! Kurz, ich bin nun ganz geheilt, und wollte, daß alle Menschen es also wären. – Aber nun geht das Meßopfer dieser Pfaffen auch zu Ende; was wird darauf etwa nun geschehen?« 2 Sage Ich: »Mein lieber Bruder! du wirst es sogleich sehen, wie sie nun einen sogenannten Exorzismus an uns ausüben wollen werden; aber wir werden ihn nicht annehmen und dafür an ihnen einen sonderlichen Gegenexorzismus in die Anwendung bringen, und da wirst du deine Wunder sehen, was da alles zum Vorscheine kommen wird. Aber, wie gesagt, nur keinen Ärger dabei; das ist eine Grundbedingung, ohne die wir wenig oder nichts ausrichten würden; denn bei diesen bedarf es einer scharfen Feile.« 3 Nun ist der letzte Monstranzensegen mit seinem nichtssagenden »Genitori, Genitoque« zu Ende, und wir als die vermeintlichen bösen Geister sind nicht geflohen. Das ärgert nun die Pfaffen ganz entsetzlich, und ihre reichliche und zahlreiche Dienerschaft fängt an gegen dies gehaltenen Hochamt verschiedene Verdächtigungen zu machen. Einige meinen, daß das heilige Geschirr eher von ungeweihten Händen angerührt worden sei, und daß deshalb das ganze Amt vor Gott keinen Wert haben kann und somit keine Kraft. Ein anderer sagt, vielleicht habe etwa die heilige Wäsche eine Hure oder eine Ehebrecherin oder gar eine Lutheranerin gewaschen und dadurch das heilige Meßgerät tiefst entheiliget, und da könnte der Teufel freilich lachen, wenn er solch ein Meßopfer verrichten sieht. Ein anderer meint, der Hauptfungierende habe zu wenig tiefe Reverenzen gemacht, und sich dadurch der allerheiligsten Himmelskönigin mißfällig erwiesen; sie habe darum ihre Gnade nicht hinzugegeben, und so sei das Meßopfer ohne Kraft und Wirkung gewesen. Man solle nur noch ein Amt halten, aber mit den allertiefsten Reverenzen, was der allerseligsten Himmelskönigin am besten gefiele, und er stehe dafür, daß bei einem solchen tiefst reverenzierten Amte die Teufel nicht gegenwärtig bleiben werden. – 4 Ein anderer wieder will bemerkt haben, daß ein Ministrant beim Confiteor und namentlich beim »Mea culpa« zu wenig an die Brust geschlagen habe; ja, einen Schlag habe er sich etwa eines teuflischen Flohes wegen auf den Bauch gegeben, und das zerstöre etwa auch die Wirkung der Messe; denn man solle es kaum glauben, von welcher Kleinigkeit oft die Wirkung oder Nichtwirkung einer Messe abhinge; ihm habe das einmal ein alter, frommer Kapuziner ganz haarklein auseinander gesezt. – 5 Einer bemerkt gar etwas Lächerliches, und sagt: Der Epistelpolster sei beim Infundieren verkehrt worden, was er wohl bemerkt habe; und wenn so etwas geschieht, so ist die Messe ohne Kraft; denn auf den Epistelpolster legt die glorreichste Mutter, so das heilige Meßbuch auf den Evangeliumspolster übertragen wird, das Christkindlein; wird aber der Polster verkehrt, so nimmt sie das Christkindlein wieder weg, und die Messe ist ohne Wirkung. Daher sei es auch notwendig, daß diese heiligen Polster, und zwar der linke mit dem Namenszeichen Jesus und der rechte mit dem der allerheiligsten Jungfrau Maria mit Gold gestickt bezeichnet sind, auf daß da ja keine Verwechslungen und Verkehrungen statthaben können, weil so was dem Meßopfer einen entschiedenen Nachteil brächte. – 6 Ein Zeremoniarius fragt, ob nicht etwa jemand die Stola verkehrt übers Kreuz mit dem Cingulum überbunden habe? Man untersucht und findet richtig bei einem bevespermantelten Assistenten, daß der linke Stolateil über dem rechten, statt unter demselben liegt, und diesem Umstande wird nun die Mißwirkung der Messe zugeschrieben; und dieser Assistent, so er nicht ein Kardinal wäre, hätte in jedem Falle eine Strafe erhalten; aber einem Kardinale kann man so was denn doch nicht mehr antun. – Aber ein Kapuzinerprior sagt doch: Ja, wenn man bei der heiligsten Handlung so unvorsichtig ist, da könnte sich unsereiner zu Tode ministrieren, so würde das aber dennoch nichts nützen. Nein, die Stola verkehren! das ist ja schon was Altes, daß da sogleich alle Engel, die unsichtbar bei der heiligsten Handlung ministrieren, vom Altare zurücktreten und ihre heiligen Gesichter abwenden, und die heiligste Mutter Gottes kann da gar nicht zum Altare kommen, weil durch eine solche Unvorsichtigkeit sie alle ihre sieben Schmerzen wieder empfindet. 7 Hier wird es Meinem lieben Josef förmlich unwohl; auch der Robert und die Helena können sich des hellen Lachens kaum mehr enthalten. Hier tritt auch der Kaiser Franz zu Mir hin und sagt: »Herr! ich habe zwar nie viel gehalten auf die Pfafferei; nur des blinden Volkes willen mußte ich so manches tun, was diese Brut von mir verlangte, denn ich kenne den Papst und seinen Stuhl besser, als tausend andere. Aber hätte ich diese Dummheiten je auf der Erde gehört, wie hier nun, da hätte ich sicher das vollendet, was mein Onkel Josef begonnen hat. Nein, aber so was wäre mir auch im Traume nie eingefallen!« – 8 Sage Ich: »Seid nur ruhig; das ist alles noch nichts. Bei dem bald über uns ergehenden Exorzismus werdet ihr erst die großartigsten Wunder der Dummheit der Pfaffen kennen lernen; denn von der römisch-katholischen Teufelsaustreiberei habt ihr alle keinen Begriff, besonders so nach ihren dümmsten Begriffen die Teufel irgend einen sogenannten Gottestempel in den Besitz genommen haben. Habet nur auf alles acht! Die Sache wird zwar von keiner langen Dauer sein, aber für euch alle dennoch sehr belehrend; denn ihr Kaiser müsset das vorzugsweise sehen, weil ihr solche Dummheiten, die ihr leicht hättet abstellen können, für nichts und wieder nichts geduldet, und hie und da sogar kräftigst befördert habet. Gebet nun nur acht; der famose Exorzismus wird sogleich beginnen.« Am 9. August 1850 9 Ein Levit entfernt sich nun, und mit ihm einige Dienstbare. In wenigen Augenblicken bringt er ein schwarzes Buch, das auf beiden Deckeln äußerlich mit einem weißgrauen Totenkopfe geziert ist; die Diener aber bringen eine Menge schwarzer sogenannter Requiem- und Exequiem-Gewänder. Diese werden nun unter einigen lateinischen Murmeleien gewechselt und in wenig Augenblicken steht die ganze Hohepriesterschaft ganz schwarz vor uns. Es wird auch ein sogenannter Katafalk aufgerichtet, aber verkehrt, und eine Menge schwarzer Kerzen werden auf schwarze Leuchter so unordentlich als nur möglich gesteckt; ein schwarzes Rauchfaß und ein ebenso schwarzer Weihbronnkessel fehlt nicht samt einem ganz schwarzborstigen Sprengbartstocke. 10 Nun tritt der Hauptfungator vor und murmelt aus dem ihm ehrerbietigst vorgehaltenen Buche, und die anderen sagen alle Augenblicke Amen dazwischen. Nach solcher ziemlich lange anhaltenden Murmelei wird die Hälfte der Kerzen angezündet, mit dem Rauchfasse beräuchert und mit dem Weihwasser besprengt. Dies Murmeln, Rauchen und Besprengen geschieht noch zweimal; darauf wird ein schwarzer Strick hingelegt; der Hauptfungator tritt im Namen Mariä auf den Strick, andeutend, daß er nun der Schlange den Kopf zertritt. Darauf wird eine große schwarze Schüssel mit glühenden Kohlen von den Dienern herbeigeschafft; das Feuer wird dreimal verflucht, und der Strick wird darauf in dieses Feuer geworfen. Nach dieser Operation wird wieder aus dem Buche gemurmelt, und darauf das Feuer mit dem verbrannten Stricke aus der Kirche geschafft. Nun aber werden eine Menge Knittel aus der Sakristei gebracht; ein jeder nimmt einen solchen in die Hand; bei dieser Gelegenheit wird auch die andere Hälfte der Kerzen angezündet, aber dafür die schon brennende zuerst angezündete Hälfte ausgelöscht. Nach diesem Akte werden die Knittel geweiht, beräuchert, besprengt und angerührt. Als dies beendet ist, sagt der Hauptfungator: Hiscum fustibus percutiantur omnia! Das heißt: Mit diesen Stöcken muß jetzt alles zerschlagen werden, was die Teufel entheiliget haben. Auf dies Wort werden zuerst die Leuchter umgeschlagen; darauf wird der Katafalk ganz zertrümmert und das Bahrtuch in Stücke zerrissen; zugleich macht auch der Hauptfungator einen kleinen Riß in das weiße Unterkleid. Darauf beginnt ein wilder Lärm; ein jeder schreit was er nur kann, natürlich uns Quasiteufel aus der Kirche hinaus verfluchend. Daneben wird mit diesen Knitteln auf allen Bänken herumgeschlagen, was nur immer möglich ist; nur die Altäre werden geschont und die Orgel; aber die armen Bänke müssen bei dieser Operation viel aushalten. So lange die Knittel nicht ganz zerschlagen sind, wird mit dieser Agitation nicht innegehalten, 11 aber als nach ein paar Stunden irdischer Zeitrechnung die Knittel zu Ende sind, und wir denn doch noch fest dastehen und nicht um eine Haarbreit weichen wollen, beruft der Hauptfungator alle die Teufelsaustreiber zu sich und sagt: »Höret! wir haben nun alles getan; mehr können wir nicht tun; aber leider hat all' unsere Mühe nichts gefruchtet. Ich bin daher der Meinung, daß wir noch die große lauretanische Litanei beten sollen, und zwar vor dem Bilde der allerschmerzhaftesten Mutter Gottes. Holet sie aus der geheimen Kammer der Schätze Mariens und stellet sie gerade vor das Tabernakulum hin; zündet nun alle Kerzen an, auf daß wir mit der Litanei sogleich beginnen können. Maria ist und bleibt unser Schutz und Schirm, und unsere letzte Zuflucht.« – 12 Sagt einer aus der Mitte: »Wenn aber das etwa auch nichts nützen sollte, was werden wir dann tun? Denn so dieser Generalexorzismus nichts gefruchtet hat, der doch ganz auf dem Namen der allerseligsten Jungfrau sich fußet, was wird dann das tote Bild der Schmerzhaftesten und die große Litanei fruchten? – Ich bin gar nicht mehr dafür, übrigens kommen mir diese Wesen auch gar nicht als Teufel vor. Man betrachte sie nur genauer, und man wird sich bald überzeugen, daß da hinter ihnen gar nichts Teuflisches zu stecken scheint.« – Sagt der Hauptfungator: »Teufel können auch Engelsgestalten annehmen; darum heißt es hier alles versuchen, und daraus das Gute behalten. Darum gehet nur ganz geschwinde, und bringet mir die Allerschmerzhafteste herbei! Amen dico vobis!« Ein paar Diener begeben sich nun sogleich nach dem Orte hin, wo sich das Bild der allerschmerzhaftesten Mutter befindet. Am 10. August 1850 13 Als sie aber das scheinbar hölzerne Bild herbeischaffen, da zeigt es sich, daß es ganz außerordentlich schadhaft ist. Es fehlen dem Bilde die sieben Schmerzen, die gewöhnlich durch sieben in den Leib der Maria hineingestoßene Schwerter ausgedrückt werden; dann fehlt dem Bilde die Krone, der halbe Kopf, eine Hand, und der ganze tote Heiland, den sie auf ihrem Schoße trägt. Von einer Farbe und Vergoldung ist keine Rede mehr; dafür aber ist das, was noch von der Allerschmerzhaftesten da ist, desto wurmstichiger, und die ganze Figur wäre kaum mehr zur Beheizung eines kleinen Kamins zu gebrauchen. 14 Als der Großfungator dies zerstörte Bild ansieht, sagt er ganz verdrießlich: »Aber um des Himmels willen! Was ist denn mit diesem glorreichen außerordentlich mirakulösen Gnadenbilde geschehen? Das sieht ja doch so jämmerlich aus als wie die sieben teuren Zeiten in Ägypten. Mein Gott und mein Herr! Wie hast denn Du dies heilige Bild Deiner allerseligsten Mutter gar so zu Grunde können gehen lassen? Ei, ei, ei! Was wird nun da zu machen sein? Saget mir, gibt es denn nirgends eine andere? Denn mit dieser ist es nichts mehr.« – 15 Sagt ein Diener: »Eure Eminenz! da unten in einer Seitenkapelle ist wohl eine ohnehin zur öffentlichen Verehrung ausgestellte. Wie wäre es denn, so wir uns dahin begäben?« – Sagt der Großfungator: »Das ist nichts! Es muß eine Übertragbare sein, damit man sie vor's Tabernakulum stellen kann. Die Festangemachte auf einem Altare ist wohl für eine allgemeine Verehrung gut genug; aber für außerordentliche Gelegenheiten muß auch etwas Außerordentliches da sein, sonst macht es keine Wirkung. Traget dies Bild weg, und sehet, daß ihr mir ein anderes heibeischaffet. Das wäre nicht übel, wenn in dieser Kirche weiten Räumen nicht noch irgend eine besser erhaltene Schmerzhafteste solle aufzufinden sein. Gehet und durchsuchet mir alle Winkel!« 16 Die Diener tragen das zerstörte Bild wieder hinaus, kommen nach einer Weile mit ganz betrübten Gesichtern und vermelden allerehrfurchstvollst, daß sie alle Winkel durchsucht haben und nichts Schmerzhaftes irgendwo antreffen können. Darob wird der Großfungator ganz unwillig, und macht die Dienerschaft zum Zerfallen aus, sagend: »So ist es, wenn lauter Esel man zu Kirchendienern hat! Wie die Ochsen rennen sie von einem Winkel zum anderen und finden halt nichts! Dumme Tölpel! Gehe wer anderer suchen; es muß noch was geben.« Kapitel 229 Des helleren Kirchendieners Erklärung und strafende Lichtrede an seine alten Glaubensgenossen 1 Sagt einer von den Kirchendienern: »Ja, ja, 'sollen nur suchen gehen, werden halt auch nur einen Dreck finden, so wie wir ihn gefunden haben! Da könnt' einer ein ganzes Jahr in allen Winkeln und Löchern dieser großen Kirche herumsuchen, und am Ende dennoch nichts finden. Ich finde das schon jetzt selbst dumm, daß sich eure Eminenz gerade auf so eine Mutter Gottes kaprizieren, als wenn zwischen der Maria und wieder ganz derselben Maria ein Unterschied wäre. Die Bilder können ja ohnehin keine Wunder wirken, und der wirklichen Mutter Gottes wird es wohl vernünftigermaßen ganz gleich sein, ob sie durch was immer für ein Bild verehrt wird. Ich muß es hier offen gestehen, daß ich nie etwas besonderes auch selbst bei den besten Bildern gefunden habe. 2 Ein Bild ist wohl dazu gut, daß man durch dasselbe an so manches Würdige der heiligen Religion erinnert wird; aber den Bildern eine gewisse Wunderkraft zuzuschreiben, das ist heidnisch; und da kann mir einer sagen, was er will, und wenn's der Papst auch selber mir in's Gesicht sagen möchte, daß die toten Bilder Wunder wirken können, so glaubete ich ihm nicht. Können die lebendigen Menschen kein Wunder wirken, wie hernach erst die toten Bilder? Ich meine, daß das sogar ein Stockblinder einsehen müßte, um wieviel mehr so hochgelehrte und hochstudierte Herrn. Was ist denn mehr, so ein oft sehr schlechtes entweder geschnitztes oder gemaltes Bild oder ein Mensch? Der Bilder wegen ist unser lieber Herrgott gewiß nicht auf die Welt gekommen, sondern bloß nur der Menschen wegen, und darum müssen die Menschen doch mehr wert sein, als so ein dummes, totes Heiligenbild. 3 In der Wirklichkeit ist mir ja eine Schmeißfliege lieber, als das schönste Bild; denn die erste hat Leben und ist wirklich ein wunderbares Werk der göttlichen Allmacht, Liebe und Weisheit, während ein Bild nichts ist, als ein Werk der grellsten menschlichen Dummheit, die einen ewig lebendigen Gott und die das ewige Leben habenden reinen Geister durch vollends tote Bilder vorstellen will. Das ist meine Ansicht und mein Glaube; und die Herren können mit mir machen, was sie wollen; das ist mir gleich. Daß ich aber kein altes Bild mehr irgendwohin suchen gehen werde, darauf schwör' ich! Von nun an bleibe dumm, wer da will; ich aber werde niemanden mehr einen Narren machen.« 4 Jetzt fahren alle über diesen Ketzer her, und drohen ihn zu züchtigen auf das Schauderhafteste; und der Großfungator sagt in einem ganz prophetisch-pathetischen Tone: »So das am grünen Holz geschieht, was wird es mit dem Reisig werden? Darum muß ein solcher Ketzer zum abschreckenden Beispiele gezüchtiget und sodann öffentlich den Teufeln zur ewigen Pein und Marter übergeben werden; denn er hat die Heiligtümer der Kirche Gottes beschimpfet und ist dadurch ein Sünder wider den heiligen Geist geworden; ein Sünder wider den heiligen Geist aber hat weder hier noch jenseits eine Vergebung zu erwarten. Daher hinaus in's Gerichtshaus mit ihm; von dort in die geheime Totenkammer, und von dieser zu allen Teufeln mit ihm. Fiat!« 5 Hier wird der Kirchendiener ganz entsetzlich rabbiat, hebt einen tüchtigen Stock vom Boden und sagt in einem all' den Pfaffen Respekt einflößenden Tone zum Großfungator: »He da! (mit dem keulenartigen Stocke drohend) wenn du, böser Pfaffe, es wagen solltest mich anrühren zu lassen, so sollst du und jeder, der seine Hand an mich legen sollte, mich von einer Seite kennen lernen, daß euch allen auf ewig das Hören und Sehen vergehen solle. O ihr vermaledeiten Lumpen und Spitzbuben der allerersten Klasse! Ihr alten Gottesschänder, Kaiserschänder und Volksschänder! Mich wollt ihr in euer schmählichstes Richthaus schicken? Mir den Tod und die Hölle geben deshalb, daß ich nun die Wahrheit vor Gott und aller Welt euch in's Gesicht gesagt habe? 6 Wer seid ihr denn, ihr schlechten Kujons?! Meinet ihr denn, man hat eine Achtung etwa vor euren Goldborden und heidnischen Bischofsmützen? Ja, man achtet sie wohl, aber also wie einen wütenden Hund oder wie den Biß einer Klapperschlange. Ihr wollet mich allen Teufeln übergeben? Wer seid denn ihr? Kann es noch irgend ärgere Teufel geben, als ihr es seid? Ihr seid die reißenden Wölfe in Schafsfellen, ihr – ihr die verkleideten Teufel! Ihr wollet jene allerachtbarsten Menschen als Teufel aus dieser Kirche treiben, und ihr selbst seid die allerärgsten Teufel?! Treibet euch selbst aus, dann werdet ihr des Rechtens handeln; aber nicht jene sichtlichsten Ehrenmänner, die hunderttausendmal eher verdienten als Heilige auf die Altäre gesetzt zu werden, als eure schlechten Götzenbilder! 7 Heißt denn das Gott, dem reinsten Geiste, dienen, so man vor geschnitzten Bildern die Knie beugt, um das Volk zu täuschen und ihm glauben zu machen, daß man als ein Gottesgelehrter selbst daran glaubt, während man von der hochgeistlichen Seite doch nicht ein Jota glaubt von allem, was man dem Volke zu glauben aufbürdet. Ihr seid es, von denen Christus im Tempel sagte: »Ihr bürdet den Armen und Schwachen unerträgliche Lasten auf, aber ihr selbst wollet sie auch nicht mit einem Finger anrühren. Ihr schützet den armen Witwen und Waisen lange Gebete vor, auf daß sie könnten in's Himmelreich kommen, ein Reich, an das ihr noch nie geglaubt habt, und verzehret dafür ihre Häuser und ihr Vermögen! Ihr seid es, die da die Mücken säugen (seien bzw. absieben) und dafür Kamele verschlingen. Dafür solle aber auch desto mehr Verdammnis über euch kommen! – 8 Euer Gottesdienst ist und muß allezeit ein Greuel vor Gott gewesen sein, denn Christus Selbst hat ausdrücklich gesagt: »Was ihr den Armen tut, das tut ihr Mir.« So ich aber nicht ginge an einem Sonn- und Feiertage in euren Gottesdienst, besuchete aber dafür die Armen und täte ihnen Gutes nach meinen Kräften, beichtete aber hernach, so würdet ihr mich richten; und doch kann nur das ein rechter Gottesdienst sein, wenn man den Armen dient im Namen Gottes des Herrn. Wessen Diener aber seid ihr, so ihr den wahren von Gott Selbst klarst bestimmten Gottesdienst richtet und gleichwohl heuchlerisch saget, man solle das eine wohl tun, aber das andere darum nicht weglassen, weil eines ohne das andere keinen Wert hätte? O ihr Toren! Also redeten auch die Pharisäer. – Was ist denn vor Gott besser, das tun, was Er Selbst angeordnet und geboten und gerühmt hat oder Ihn mit den Lippen ehren, das Herz aber ferne halten von den Armen und Leidenden? Ich habe mich selbst überzeugt, wie man in der Stadt die Bettler mit Gerichtsknechten abfangen und ihnen Strafe geben ließ, so sie irgend während des sogenannten Gottesdienstes jemanden um einen Almosen anflehten; und so hat man die wahren und lebendigen Gottesaltäre, an denen allein man den wahren Gottesdienst hätte verrichten sollen, zur Strafe eingesperrt, und dann schmählich per Schub fortgeschickt, und brachte dafür Götzen ein Opfer! Meint ihr wohl, daß an solch einem Opfer Gott je ein Wohlgefallen hat haben können? O ihr blindesten Toren! Wann habt ihr wohl Gott gedient, da ihr Sein Wort und Sein Gesetz noch nie angenommen habet? – Ihr seid allezeit selbstsüchtige und herrschsüchtige blinde Blindenleiter gewesen und seid am Ende mit ihnen in die Grube gefallen. 9 Ihr habet an Christus nie geglaubt; denn hättet ihr an Christus je geglaubt, so hättet ihr das getan, was Er gelehrt hat; ihr aber hieltet nur auf eure Satzungen, diese waren euch ein kostbares Bild, zu dem Christus bloß einen schlechten, abgeschabene Rahmen abgeben durfte. O ihr schändlichen Volksbetrüger und Volksverführer! Ihr haltet euch Göttern gleich und verdammet alles, was da eurem großen Geldbeutel als gefährlich erscheint; und so verdammet ihr auch das Wort Gottes selbst, so es nicht für euren Beutel taugt. O ihr Heuchler! Warum enthaltet ihr denn das reine Wort Gottes den Gläubigen vor, und verdammet den, der es läse? Ihr saget wohl heuchlerisch genug, daß dies wegen der falschen Auslegung geschähe, und nur der Priester es dem Volke vorzutragen habe. 10 O ihr Heuchler! Wisset ihr den Grund, warum ihr dem Volke das Gotteswort vorenthaltet? Sehet, des Geldes wegen tut ihr das, und aus Furcht, das Wort Gottes könnte dem Volke die Augen öffnen und euch entlarven vor ihm; darum verbietet ihr es und weil ihr selbst es nicht glaubet. Aber darum kommt das Wort doch unter's Volk, und dieses kennt nun nur zu gut wessen Geistes ihr seid. Am 13. August 1850 11 Greifet mich, so ihr euch getrauet; ich werde mich gegen euch zu stellen wissen!« Warum zaudert ihr denn nun? Hat seine Eminenz doch eher – als ich mich wider das gräßliche Bilderwesen ausgesprochen habe, sogleich – wahrscheinlich aus purer christlicher Nächstenliebe, wonach man dem Nächsten nichts wünschen und tun solle, was man sich selbst sicher nicht gewünscht und getan haben möchte, – zu allen Teufeln haben wollen; warum zaudert sie denn jetzt? Ich werde es der Eminenz aber sagen, worin der Grund davon steckt: – Die Eminenz hat nun, da ich so frei war, ihre Schande und Bosheit vor jenen Ehrenmännern, die die Eminenz als Teufel aus der Kirche exorzismieren hat wollen, aufzudecken, die sogenannte ganz eigentümliche Spitzbuben-Trema bekommen, und traut sich daher nichts mehr zu unternehmen gegen einen Mann, der ihr sehr in allem, was Kraft und Verstand heißt, überlegen ist. Die Eminenz wirft wohl Blicke auf mich, wie so ein hungriges Krokodil, und möchte mich gerne zerreißen; aber es tut sich denn doch nicht mehr; ja, ja, die Diebe und Räuber sind auch von größter Wut beseelt, so sie verraten und ertappt werden; aber das macht nichts; im Kerker werden sie hernach schon sanfter. 12 Siehe die Eminenz! Warum hat sie denn so ganz eigentlich diese mißlungene exorzistische Handlung gegen jene Ehrenmänner vorgenommen, die sie als Teufel deklariert hat? Sie wird es freilich nicht sagen; aber dafür werde ich so frei sein, es ihr gerade in's Gesicht zu sagen. Sehe sie, diese Ehrenmänner, die dort stehen und entweder die Kirche oder unsere unbegrenzte Dummheit in den Augenschein nehmen, hat sie bei sich selbst durchaus nicht als Teufel angesehen, da sie doch selbst nie an einen Teufel geglaubt hat, sondern für höchst weise und in allen Dingen wohl erfahrene Leute, denen es vor jeder Dummheit ekeln muß. Obschon eine lateinische Messe mit allerlei Zeremonie und Geplärr zwar für einen wahren und reinen Christen des Dummen schon so viel enthält, daß es ihm dabei übel werden muß, so er die Sache nur einigermaßen beim Lichte des helleren Verstandes betrachtet. 13 So hat aber diese Dummheit, da sie etwas Alltägliches ist und durch die Gewohnheit erträglich geworden ist, auch den von der Eminenz erwünschten Erfolg nicht gehabt. Die Ehrenmänner haben sie ganz geduldig angehört und ganz im Stillen unter sich ihre Bemerkungen gemacht. Das machte die Eminenz beinahe schäumen vor Wut, und eine ungebührlich über's Kreuz gelegte Stola mußte am Ende den Sündenbock machen, obschon die Eminenz bei sich gar wohl gewußt hat, daß sich solche Männer nicht mehr vor einem Fetzenkrampus fürchten werden, wohl aber sich vor einer zu grellen Dummheit werden zurückziehen müssen. Die Eminenz suchte also nur durch eine Exzentrizität der Dummheit auf jene Ehrenschar natürlich so wirdrig als nur immer möglich einzuwirken, da sie früher durch alle die falschen Höllenspektakel nichts hat ausrichten können, da diese Ehrenmänner die pappendeckelne Hölle und die Kolophoniumflamme (Balsamharzflamme), nur zu geschwinde gemerkt haben. Aber mit der großen Plärrmesse ging es wie Figura zeigt, durchaus niche, sagen die Preußen; es ward daher zum echt römisch-katholischen Exorzismus geschritten, der in seiner Art einzig als Krone der menschlichen Dummheiten dasteht, und als das auch auf jene weisesten Ehrenmänner einen entschieden alleranekelndsten Eindruck hätte machen sollen; aber die Ehrenmänner müssen sich zum Grundsatze gemacht haben, auch vor der größten Dummheit nicht zu weichen, und sie blieben denn auch so zu seiner Eminenz größtem Ärgernisse hier. Was blieb der Eminenz nun noch übrig? 14 Die Eminenz dachte bei sich: Der Exorzismus ist zwar wohl aller Dummheit Krone; aber da es dabei so misteryös spektakelhaft zugeht, so kann auch der Gebildetste solch eine Obszönität sich einmal ganz behaglich mit ansehen; denn es fehlt dieser Handlung das eigentliche fade Element. Das Fadeste des Fadesten und das Langweiligste des Langweiligsten ist und bleibt denn doch ewig eine langsam herabgebrodelte Lauretanische Litanei und ein altes Mirakelbild; das halten diese Weisen nicht aus, da werden sie gehen müssen, so sie nicht von der allerfadesten Langeweile getötet werden wollen. Aber oha! hat der gute Zufall dazu gesagt. Das alte Mirakelbild, durch den Zahn der Zeit zu sehr entstellt, obschon es zu den Meisterwerken ohnehin nicht und nie gehört hat und sonach ohnehin ein wahres Schmafubild war, an dem sich auch nicht einmal ein allerdümmster Kerl hätte je erbauen können, konnte wegen zu schreiender Miserabilität denn doch nicht mehr vor's Tabernakulum gestellt werden, das die Protestanten schon lange den römisch-katholischen Herrgottsarrest genannt haben, und so blieb denn auch bis jetzt das Fadeste des Fadesten, die Lauretanische Litanei beiseite; und wie es sich nun zeigt, werden diese Ehrenmänner auch nicht mehr damit geplagt werden. Wie befinden sich nun eure Eminenz? Werden sie mich nicht in die Höll' hineinschieben?« Kapitel 230 Fortsetzung der Szene zwischen den Haupt-Pfaffengeistern und dem ehemaligen Kirchendiener; dessen weitere Reden an seinen gewesenen Herrn. Des Erzbischofs Antwort. Der Meßner gibt denselben noch mehr Licht 1 Spricht ein dem Kardinal zunächst stehender Pfaffe: »Elender! nur der unendlichen Sanftmut und Geduld der alleinheiligen und seligmachenden Kirche hast du es zu verdanken, die im Stillen für dich verlorenes Schaf zu Gott betete, während du dich bemühtest, ihr tötliche Stiche beizubringen; höre aber nun auf, die festlich geschmückte Braut Gottes zu verunglimpfen, sonst wird die Kirche dich in ihrem beständigen Gebete um dein Seelenheil fallen lassen; dann wird sich der Erdboden unter deinen Füßen öffnen und dich auf ewig verschlingen!« 2 Hier fängt der Kirchendiener hell zu lachen an und sagt dann in einem ganz lakonischen Tone: »O, du allersanftmütigstes Mutterl du!! Oh, oh, oh! wenn sie mit der höllischesten Grausamkeit, und solle diese nichts fruchten, darauf mit der Dummheit nichts ausrichtet, dann wird der Wolf sogleich wieder in das zarteste Lammfell eingenäht, und muß ein so sanftes Gesicht machen, als wie die Naturgeschichte vom Kuckuck erzählt, daß er die Vögelein bloß durch seine Sanftmut vom Nestchen treibe, um dann ungestört ihre Eier austrinken zu können, und dann seine eigenen dafür einzulegen. O über so eine Sanftmut und Geduld steht doch wohl nichts auf! 3 Wie sanft ist die Kirche geworden bei den berühmten Kreuzzügen? Wie freudig hat sie die verlassenen Witwen und Waisen, deren Männer sie im Morgenlande durch die damals übermächtigen Sarazenen umbringen ließ, in wohlverwahrte Klöster aufgenommen, nachdem sie sich vorerst ihre Güter und Schätze schenken ließ, um keine Erbsteuer zahlen zu dürfen. O du göttliche Sanftmut, die du der heiligen Kirche um's bare Geld noch nie gemangelt hast! Als ich noch auf der Welt gelebt habe (denn das werden die Herren doch hoffentlich wissen, daß wir alle schon lange nicht mehr auf der eigentlichen materiellen Erde im Fleische uns befinden)« – 4 Sagt ein Pfaffe dazwischen: »Das ist erlogen! Wir leben noch alle in der Welt, denn sonst müßten wir entweder in der Hölle oder im Fegfeuer oder gar im Himmel uns befinden.« – 5 Spricht der Kirchendiener: »Das ist nun gleich, wir sind einmal in der Geisterwelt, ob ihr es glaubet oder nicht, und darum sage ich: Als ich noch auf der Welt war, da glaubte ich der Kirche auch so manches; aber als zu uns die Nachrichten von der heiligen spanischen Inquisition gekommen sind, wie zart und sanft sie daselbst mit ihren verlorenen Lämmern umgehe, da habe ich von der heiligen Kirche sogleich ganz andere Begriffe bekommen. Was haben denn Hunderttausende verschuldet, daß sie so grausamst ad majorem Dei gloriam mußten verbrannt werden? So fragte ich ganz erstaunt um den Grund solch eines Attentates auf die Menschheit; und die Antwort auf solch meine Frage lautete schroff und laut genug, um sie vom Nordpol bis zum Südpol der Erde vernehmen zu können: Weil sie die Bibel gelesen haben und somit zu den allerverdammlichsten Ketzern geworden sind! – O Herr! rief ich in mir aus, ist es denn möglich, daß Menschen, die sich um Dein heiligstes Wort bewarben, von den römischen Bestialpfaffen solch einen Lohn auf dieser Welt finden müssen? Herr! hast Du keinen Schwefel, keine Blitze und keine Sündflut mehr, um Spanien und Rom zu vertilgen für ewig? 6 Aber die Antwort Gottes kam langsam, aber sicher aus den hohen Himmeln. Ich erlebte sie auf der Erde zwar nicht mehr, aber dafür desto heller in dieser Geisterwelt. Wo ist nun das stolze, übermütige Rom? Was ist nun der Papst? Bis auf einige wenige stockblinde Esel und Ochsen, die ihm, dem stolzesten Stellvertreter Gottes, noch anhängen, lacht man ihm in's Gesicht, und hat vor ihm gerade einen solchen Respekt, wie vor der schwarzen Pest, und haßt und verachtet ihn aller Orten. Dieser primo Padrone aus den Abruzzen kann nun die Sanftmut predigen, wie er will; die wahren Vögelein des Himmels kennen nun nur zu gut ihren Kuckuck; und wie er sich einem Menschen nur nähert, so werden ihm sogleich eine Masse Federn mit den kleinen, aber scharfen Schnäbelchen ausgerupft, die ihm dann wohl nimmer wachsen dürften, und er dadurch von Tag zu Tag unfähiger wird, sich in die hohen Lüfte von neuem emporschwingen zu können. 7 Schon fängt man selbst in Italien einen Erzbischof um den anderen an einzunä- hen, und das mit vollstem Rechte; denn für die Herrscher aus den Abruzzen gebührt sich nichts anderes; denn sie waren allezeit und sind noch immer die größten Feinde der Menschheit, aber dafür desto größere Freunde des Goldes und des Silbers, und der kostbaren Perlen und Edelsteine. 8 Ein Petrus, als dessen Nachfolger sich ein jeder Papst ausposaunt, sagte einst zu einem armen Teufel, der – ich weiß es nicht recht genau – lahm oder blind war und den guten Petrus um ein Almosen anging: »Gold und Silber habe ich nicht; aber was ich habe, das gebe ich dir.« Könnte das wohl ein Papst, ohne bis zur kleinen Zehe schamrot zu werden, auch einem Armen sagen? Und er nennt sich einen Nachfolger Petri! O du verfluchte Nachfolgerschaft Petri! So ein sauberer Nachfolger Petri könnte nur sagen: »Ich habe zwar des Goldes und des Silbers im höchsten Überflusse, aber das gebe ich dir nicht, sondern meinen apostolischen Segen, der mich nichts kostet, den gebe ich dir, und dann fahre hin im Frieden! So du unterwegs auch vor Hunger stirbst, so wird deine Seele aber dennoch nach einem dreitägigen Fegfeuer sogleich in's Paradies kommen, wo es dir dann gut genug gehen wird.« – Und so ein Papst also sagen würde, so redete er einmal die einzige Wahrheit, die je über seine Lippen gekommen ist; denn sonst darf ein jeder Papst die Wahrheit, die er vor dem Volke geredet hat, mit allen Laternen suchen gehen, und er wird sie nicht finden, dafür stehe ich ihm. 9 Hat der große Paulus nicht geeifert wie ein Löwe wider die Feiertage und verbrämten Kleider, so über jede Würde, die sich die Menschen nur gar zu gern beilegen? Wann hat Christus, Der Selbst sagte: »Es kommt die Stunde, und ist schon da, wo man Gott weder im Tempel zu Jerusalem, noch auf dem Berge Garizim anbeten wird; denn Gott ist ein Geist, und muß im Geiste und in der Wahrheit angebetet werden« – anbefohlen, Tempel und Bethäuser um's sündigst teure Geld zu erbauen und dafür tausend Arme verhungern zu lassen? Welcher Apostel hat die lateinische Sprache denn zur göttlichen erhoben, als ob Gott der Herr, Der sicher alle Sprachen versteht, nur bloß an der lateinischen das größte Wohlgefallen hätte? Beweiset mir das aus der Schrift, dann will ich's euch glauben; könnet ihr aber das nicht, wie ich's zu Gott hoffe, so seid ihr die leibhaftesten Antichristen, wie sie Daniel und der Apostel Johannes in seiner Offenbarung nur zu klar beschrieben hat.« 10 Sagt darauf ein vor geheimer Wut stark schnaubender, sehr alt aussehender Erzbischof: »Hat Christus der Herr nicht Seiner Kirche, d.h. Petrus und all' dessen Nachfolgern, vor Seinen Aszension die ausschließende Macht zu lösen und zu binden gegeben? Er hauchte Seine Apostel an und sprach: »Nehmet hin den heiligen Geist! Denen ihr die Sünden erlassen werdet, denen sollen sie auch erlassen sein; denen ihr aber die Sünden vorenthalten werdet, denen sollen sie auch vorenthalten sein.« – Und ein anderesmal sagt Jesus ebenfalls zu Seinen Aposteln: »Was ihr lösen oder binden werdet auf Erden, das solle auch im Himmel gelöset oder gebunden sein.« Ich meine, darin liege des Beweises zur genüge, daß es da der wahren Kirche von Gott aus ganz übervoll rechtlich zusteht, neue Gesetze zu geben, so sie es für nötig erachtet, und andere selbst von Gott dem Herrn gegebene aufzuheben, so sie sieht, daß sie unter gewissen Verhältnissen dem Heile der Seelen nicht gedeihlich sind. 11 Daß die Kirche aber in ihrem gottesdienstlichen Ritus sich der lateinischen Sprache bedient, hat einen höchst weisen Doppelgrund: Für's erste ist das allezeit die ausgebildeteste Sprache gewesen, somit auch die einstimmig würdigste, um Gott besonders damit zu ehren und anzubeten; und für's zweite ward die lateinische Sprache gegenüber dem gemeinsten und ungläubigsten Pöbel als eine Schutzwehr für die besonders heiligen Kraftgeheimnisse des Wortes Gottes aufgestellt, auf daß solche Kraftgeheimnisse vom Pöbel nicht könnten profanisiert werden. Das sind die zwei Kardinalgründe; ein dritter aber besteht in der Plenipotenz (Vollmacht) der Kirche, der zufolge sie auch gesetzlich die lateinische Sprache zur allgemeinen Ritualsprache fest und unabänderlich bestimmen kann. Ich meine, das wird etwa doch aus der heiligen Schrift genug erwiesen sein, mein hochweiser Herr Kirchendiener!« 12 Sagt der Kirchendiener: »Aus der heiligen Schrift waren die zwei angeführten Texte wohl; nur haben sie alles eher bewiesen als das, was eure Eminenz damit entweder gern bewiesen hätten oder beweisen haben wollen. Hätte Christus der Herr auf die Art, wie eure Emiminz es auffassen, der Kirche eine Plenipotenz erteilen wollen, da hätte Er wahrlich nicht nötig gehabt, drei volle Jahre und vielleicht auch schon bei früheren Gelegenheiten im Schweiße Seines Angesichtes die Apostel und noch gar viele andere Jünger zu lehren das große Gesetz der Liebe, das Gesetz des Lebens und die großen Geheimnisse des Himmelreiches; sondern da würde Er bloß Seinen Aposteln und Jüngern ohne vorhergehenden Unterricht die Plenipotenz in dem Maße erteilt haben, daß sie als von Ihm bloß Aufgenommene nun tun können, was sie wollen, und es wird dem Vater im Himmel alles ganz vollkommen recht sein. Sagen eure Eminenz sich selbst, ob es wohl von einer Gottheit möglich zu denken ist, daß sie so eine unter aller Kritik elendeste Plenipotenz Ihren Jüngern je habe erteilen können in dem Sinne, wie eure Eminenz es verstehen? Ich frage dabei bloß, zu was die Gottheit Selbst ehedem durch drei Jahre ein weisestes Lehramt ausgeübt habe? Zu was eine heilige Lehre des Lebens den Menschen durch Ihren höchst eigenen Mund geoffenbart, so Sie, die Gottheit nämlich, hernach durch einen einzigen Text, der quasi eine unumschränkte Gewalt den Jüngern einräumt, alles dies über den Haufen würfe, 13 wie es sich auch bei der römischen Kirche buchstäblich zeigt, da eben in dieser Kirche außer dem Namen des Herrn und Seiner Jünger nichts mehr anzutreffen ist; keine Demut, keine Sanftmut, kein Funke von einer Geduld, und noch weniger von einer Liebe zu dem Nächsten. Vom Glauben reden wir ohnehin keine Silbe mehr; von einem Glauben an die Macht des Goldes und des Silbers ja; der steht noch fest; nur solle er jetzt auch schon sehr schwach geworden sein, weil etwa die Menschen glauben sollen, daß das Papier auch Silber oder Gold sei. Auch der gegenwärtige Papst solle von einer gewissen Not gedrungen sein, sich solch einem papiernen Glauben in die Arme zu werfen. – Vielleicht ist so ein papiernes Glaubenspflaster gerade dazu gut, um den Papst einmal zu dem Glauben zu bringen, daß das Reich Gottes nicht in den großen Schätzen der Welt, sondern allein nur in denen eines reinen, demütigen, mit Liebe erfüllten Herzen besteht. 14 Die Plenipotenz, die der Herr Seinen Jüngern scheinbar erteilt hat, war und ist nur eine Plenipotenz des heiligen Geistes Gottes im Menschen. Wer nach dem Worte Gottes lebt, durch das alle Dinge und Wesen gemacht worden sind, der überkommt auch den Geist Gottes; denn Gottes Wort ist eben der heilige Geist, aus dem Munde Gottes in alle Menschenherzen übergehend, die das Gotteswort werktätig in sich aufnehmen. – Mit solchem Besitze des Gottesgeistes, der mein Herz zu einem Tempel der tiefsten Weisheit aus Gott macht, kann ich dann gleichwohl zu einem sündigen Bruder sagen, so er Reue und Besserung zeigt: Deine Sünde ist dir vergeben! Ist er aber hartnäckig und will nicht lassen von der Falschheit und Bosheit, die gewöhnlich eine Tochter der ersteren ist, so kann der vom Gottesgeiste Erfüllte auch sagen: Freund! bei solch deiner bösen Beharrlichkeit kann dir die Sünde nicht erlassen werden. – Aber zu glauben, man überkomme den heiligen Geist durch eine gewisse sakramentalische Zeremonie, als da ist die nichtige leere Wassertaufe, die Backenstreichfirmung und gar die allerläppischeste auf eine pure Zeremonie berechnete und darauf beruhende Priesterweihe, nach der der Neugeweihte eben so ein Strumpf bleibt, als er ehedem war, das gehört doch auf den allermorschesten Holzweg, und hat nichts als eine schmählichste und unerträgliche rein ägyptische Kastenbildung zur Folge, von der der heilige Geist bei weitem ferner ist, als Himmel und Erde von einander abstehen. So ein neugebackener Alumnus hat noch nie aus höchst eigenem Ernste auch nur einen einzigen Vers des Evangeliums, außer dem der vermeintlichen Plenipotenz, zu seiner Lebensrichtschnur gemacht und auch nicht machen können, da er für's erste alles unter einem gewissen kirchlichen Kastenzwange hat studieren und tun müssen, und für's zweite gar noch nie eine volle heilige Schrift zu Gesichte bekam, aus der allein er die Wege zum Empfange des heiligen Geistes hätte ausfindig machen können. 15 Der Herr sagt: »Seid nicht eitle Hörer, sondern Täter Meiner Lehre, Meines Wortes, so werdet ihr erst in ihr die Kraft des Gottesgeistes erkennen lernen.« Wie solle aber solch ein neugeweihter Alumnus je zu dieser heiligen Erkenntnis gelangen, so ihm das Lesen der Bibel sogar bei scharfer Ahndung untersagt ist? – Er kann sonach nicht einmal auch vielleicht beim besten Willen ein eitler Hörer, geschweige denn erst ein Täter des Wortes Gottes werden. So er aber dieser bedingenden lauten Anforderung Christi nicht Folge leisten kann, sage, woher solle ihm dann jener mächtige Geist Gottes werden, ohne den man sich nur als ein Frevler alles Frevels eine göttliche Plenipotenz usurpatorisch anmaßen kann, aber in der Wirklichkeit von ihr unendlich weit entfernt ist und bleibt? – 16 O du meine liebe Eminenz! Denke nach, wie schlecht jene Texte auf die heidnischeste Kastenkirche in Rom passen und sage: Mea culpa, mea quam maxima culpa! Ich bin leider auch so ein recht bocksbeinfester heiligen Geistes Usurpator gewesen; Herr! vergib es mir, denn ich war stockblind, geblendet von allerlei Anlockungen der Welt und des Teufels, und wußte daher auch nicht, was ich tat! – Vielleicht erbarmt sich der Herr deiner armseligsten Menschheit, wenn schon sicher nimmer deiner kardinalischen Eminenz; denn Eminenzen hat Christus der Herr wohl nie eingesetzt; auch der Petrus und der Paulus nicht.« Kapitel 231 Fortsetzung der Szene zwischen den Schwarzen und dem hellen Meßner im Stephansdom. Die Sache bekommt närrischen Anschein. Ein echtrömisches Fluchgeschwätz. Des klugen Meßners Herzprobe an diese finsteren Geister 1 Nach dieser Rede kratzt sich die Eminenz, aber nicht der Großfungator, bei den Ohren, und sagt nach einer Weile zu seinem Kollegen: »Dieser Kirchendiener ist ein ganz verdammter Kerl; bei meiner armen Seele, so ich kein Kardinal wäre, möchte ich ihm beinahe recht geben. Aber natürlich, als Kardinal kann man sich denn doch nicht von einem Meßner belehren lassen.« – Spricht der Meßner: »O meine liebe Eminenz! Wir sind hier, so wahr ein Gott lebt, nicht mehr auf der Erde, sondern wie ich schon ehedem einmal erwähnt habe, wir sind samt und sämtlich mit Haut und Haaren in der Welt der Geister, was eure Eminenz aus gar mancherlei Erscheinungen und Vorkommnissen gar leicht hätten merken können, so sie es hätten merken wollen.« – 2 Sagt die Eminenz inzwischen: »Wie hätte ich denn das sollen merken können? Ich müßte ja doch davon aus einer wohl wahrnehmbaren Empfindung etwas verspürt haben, daß ich gestorben bin, das doch offenbar vorausgehen muß, bevor man in irgend eine Geisterwelt kommt; und so man dann in einer Geisterwelt sich befinden würde, da würde man sich doch als ein Geist, nicht aber als ein rein materieller Mensch mit Haut, Haaren und Knochen befinden? Das alles aber trifft bei keinem von uns ein und zu; wie könnten wir dann in einer Geisterwelt uns befinden? Mein lieber, hochweiser Meßner! Wie es mir immer klarer wird, so ist er ein Narr, und gehört in ein Narrenhaus.« 3 Sagt der Meßner: »Das hat nicht not, denn so lange ich mich unter euch befinde, bin ich in einem ganz vollkommen ausgebildeten Narrenkollegium, und somit auch in optima forma in einem Narrenhause. Denn wenn sie das nicht einsehen, daß sie sich schon lange in der Geisterwelt befinden, so müssen die Eminenzen erstens stockblind und zweitens vollends begriffsunfähigste Narren sein. 4 Sagen sie mir: Wie viele Erzbischöfe und Kardinäle waren denn auf der Welt auf einmal am Stephansdom zu Wien angestellt? Hier seid ihr als Hochgeistliche allein nahe knapp an Hundert beisammen; wann wären denn in Wien einmal so viele Erzbischöfe und Kardinäle auf einmal effektiv angestellt gewesen? Ich weiß nur von einem auf einmal; von mehreren auf einmal meldet keine Geschichte, auch die der römischen Kirche und Päpste nicht eine Silbe. – So die Eminenzen aber hier schon so eine geraume Weile von einigen Hunderten von Jahren der Erde beisammen hocken, wie die Frösche in ihrem Winterschlafe in irgend einem Schlammwinkel einer zugefrorenen Pfütze, so wird ja so was etwa doch nicht auf der natürlichen Welt stattfinden können, sondern rein nur in der Geisterwelt; 5 und da sage ich als ein von eurer Eminenz deklarierter Narr: Hier sind wir uns alle gleich, wenn auch die Narrheit der Welt uns auf der finstern Erde dem Stande nach außerordentlich hoch und weit geschieden hat, was freilich nach der reinen Lehre Jesu auch nie hätte geschehen dürfen; denn Jesus der Herr hat Seinen Jüngern, als diese Ihn töricht genug angegangen sind, wer da unter ihnen der Erste sein solle, ausdrücklich gesagt und geboten: »Wer unter euch der Geringste ist und euch dienet, der ist vor Mir der Erste. Wahrlich sage ich euch: Wer in seiner Einbildung, Idee und handelnden Wirklichkeit nicht einem Kinde gleichen wird, wird keinen Teil am Reiche Gottes haben. Nur Einer ist eurer Herr; ihr alle aber seid ganz gleiche und unterschiedslose Brüder! – Daran aber wird man euch erkennen, daß ihr Meine Jünger seid, daß ihr euch untereinander als wahrhaft vollends gleiche Brüder liebet. – Ein jeder aber, der den Nebenmenschen als Bruder liebt und sich über ihn nicht erhebt, außer allein in der Liebe zu ihm, der ist Mein Jünger und hat das Reich Gottes schon in sich.« 6 Meine Eminenzen! das sind Worte Christi des Herrn, in denen nur zu klar dargetan ist, daß es auf der Erde selbst nie, besonders in geistigen Dingen hätte Standesunterschiede geben sollen. Nie hat Christus der Herr von einer geistlichen Eminenz etwas gesagt, noch weniger je etwas von einem Papste. Alle sollen gleich sein vor Ihm, indem Er allein der Herr ist über die totale Unendlichkeit materiell und geistig. 7 Woher und wie entstanden denn sonach in der sogenannten allein wahren Kirche so ungeheure Standesunterschiede, wie sonst in der ganzen Welt nirgends, da doch das offenbare Gebot des Herrn jeden Standesunterschied zwischen seinen Jüngern verbietet? Sehen die Eminenzen! Das bewirkte die Hölle! – Der von oben kam, Der diente allen und opferte Sich für alle, und das war Gott Jesus, der Herr der Ewigkeit selbst! Der aber als ein schroffester Gegner des heiligsten Ersten von unten heraufkam, der will von allen bedient sein und macht solcher Standesunterschiede so viele, damit sein Stand desto höher erscheine und desto unerreichbarer. ° Daß der Herr aus Seinen Kindern die besten und weisesten zu Königen über sein Volk mit aller Macht ausgestattet und gesalbt hat, das wissen wir, und sind daher auch verpflichtet, diesen von Gott gesalbten Königen und Herrn der Erde zu gehorchen, denn ihre Macht ist von oben her; 8 aber die Macht, die sich die Päpste selbst usurpatorisch gegeben haben, ist nicht von oben, sondern von unten her; denn sie sind eben die Ersten, die die heiligsten Brudergesetze mit den Füßen zertreten; denn wer kann, wer darf sich einem Papste gleichstellen? Wer kann, wer darf zu ihm »Lieber Bruder« sagen? Muß nicht ein jeder Katholik den Namen des Papstes gleichwie den Gottesnamen mit der größten Hochachtung und Ehrfurcht aussprechen, und so er nach Rom käme, sich's zur allerhöchsten Gnade rechnen, zum Pantoffelkusse zugelassen zu werden? Fraget euch selbst: Wo sind da die Gebote Christi: »Ihr alle seid Brüder und nur einer (Christus) ist euer Herr?« 9 Die Eminenzen werden daraus leicht ersehen, daß sie auf der Erde von der größten antichristlichen Torheit gefangen genommen worden sind und sind in dieser Torheit denn auch Bürger der Geisterwelt geworden. Diese ihnen noch fest anklebende Torheit ist aber auch hauptsächlich der Grund, aus dem sie noch immer in dem Wahne leben, als wären sie nicht gestorben. Ich aber sage ihnen: Legen sie ab diesen Wahn, der der heiligsten Absicht Christi des Herrn schurgerade zuwider ist; 10 und sie werden dann auch leicht einsehen, daß ein schlichter Meßner eben so gut eine Eminenz belehren kann, wie eine Eminenz einen Meßner; und ich möchte behaupten, daß ein Meßner ein größeres Recht hat nach der heiligsten Lehre, einen Kardinal zu belehren, der so lange blind und dumm bleibt, als ihm an der großen Würde, die er widerchristlich auf der Welt begleitet hat, etwas gelegen ist. Der Meßner hingegen ist tief genug, Gottlob, unter der Würde eines Kardinals, und ist daher auch der christlichen Anforderung näher als jeder noch so kleine Kaplan und ungeheuer um sehr vieles näher als eine über alles hochmütige Eminenz.« 11 Sagt die Eminenz: »Wer sich selbst erhöht, der wird erniedriget werden. Das steht auch geschrieben. Versteht er das, er naseweiser Meßner, er?« – Sagt der Meßner: »O ja, ich verstehe das sehr gut, und habe es schon lange an mir selbst praktisch verstanden; denn bei mir war von einer Erhöhung wohl nie die Rede. So ich aber Christum rühme und Sein heilig Wort eurer sehr unchristlichen Eminenz gegenüber, so ist das doch sicher keine Erhebung meiner selbst, sondern eine Erhebung Christi vor euren Augen. Sie lassen sich noch immer Eminenz titulieren, und wissen, daß Christus der Herr doch ewig nie eine Eminenz eingesetzt hat. Das ist eigenmächtige Selbsterhöhung, und somit ein Greuel vor Gott. Aber ein allen Kirchenstaub schluckender Meßner ist und bleibt ein Null, und das ist viel christlicher als eine Eminenz. Verstehen sie das?« 12 Spricht der Großfungator: »Ich bitte euch, meine lieben Brüder, die ihr samt mir auf der Erde schon auf den goldenen Thronen der Himmel Gottes sitzet, gleich den zwölf heiligen Aposteln, um zu richten die Geschlechter der Erde, lasset ab mit diesem Ketzer euch zu zanken! Ihr wisset ja, welche Macht ihr habet. Was nützt es dem Juden, so er uns höhnt und zerlästert? Wir verdammen ihn im Konklave, und er ist für ewig des Teufels. Was nützt es allen Protestanten, daß sie wider uns sind? Wir haben sie alle verdammt, und sie sind des Teufels zeitlich und ewig. Was hat Martin Luther davon, daß er sich einer Hure wegen von uns losgemacht hat und gestiftet das Ketzertum? Millionen, die seiner Lehre wegen gefallen sind, schreien fortwährend um Rache gegen ihn und er sitzt in der ärgsten Hölle, und verflucht fortwährend den Tag, an dem ihm das Dasein gegeben ward. Warum ist er in der Hölle? Weil wir ihn im heiligen Konklave für ewig in die Hölle verdammt haben. Kurz, was nützt es all' unseren Widersachern, daß sie wider uns sind? Sie sind alle sämlich von uns per Bausch und Bogen verdammt, und können daher unmöglich je in das Himmelreich gelangen. 13 Also verdammen wir denn auch diesen alleranmaßendsten verfluchten Ketzer, und er solle dann nur sehen, wie er in die Himmel Gottes kommen wird. Ich sage nun in eurer Mitte: Haeretice infamis! Esto maledictus per omnia saeculorum! Und ihr habt dazu »Amen« gesagt, und er hat schon seinen Teil in der Hölle! Sehet, so müssen wir handeln und nicht irdisch zanken, sondern sogleich von der uns von Gott verliehenen geistigen Waffe ohne alles Bedenken bei solchen Ketzern den vollsten Gebrauch machen; dann werden wir am meisten ausrichten. Sie sollen gleichwohl auf der Welt noch herumlaufen wie herrenlose Hunde; in der anderen Welt aber werden sie in der Gesellschaft der Teufel schon zu verspüren anfangen, was die alleinseligmachende Kirche ihnen nützen hätte können, so sie ihr getreu geblieben wären, und welchen ewigen Schaden sie nun erleiden, so sie von allen Teufeln in die Hölle gezogen werden. Da werden sie dann ihre Hände nach uns ausstrecken, daß wir ihnen hülfen, wir aber werden zu ihnen sagen: Nichts da! Ihr habt uns auf der Welt nicht hören wollen, und nun hören wir euch auch nicht. Weichet von uns auf ewig, ihr Verfluchten! Dann werden sie schreien: »O helfet uns, ihr heiligen Päpste, Kardinäle, Erzbischöfe und Weihbischöfe, und alle ihr heiligen Priester Gottes! Wir waren auf der Erde ja blind, und wußten nicht, was wir an euch getan haben. Nun sehen wir erst ein, was heilig Großes ihr bei Gott seid, und was für ein scheußliches und elendes Nichts wir vor euch sind. Gebet uns auf hunderttausend Jahre in's ärgste Fegfeuer; nur die Hölle, die ewig allerschrecklichste, erlasset uns!« 14 Aber dann werden wir zu ihnen sagen: Wir haben euch auf der Welt gelehret und ermahnet genug; wir sandten einen Hirtenbrief um den anderen an euch, gaben euch um kleine Opfer, die ihr allezeit leicht hättet erschwingen können, Ablässe in Hülle und Fülle, und wiesen euch allerernstlich zu den Beichtstühlen und zur Buße, aber ihr habt uns nur ausgehöhnt, ausgelacht und beschimpft, denn ihr waret ja großenteils freie und große Herren, und tatet, was ihr gewollt habet; nun hier in der Geisterwelt vor Gott aber sind wir zu großen und allmächtigen Herren geworden und könnten euch helfen, so wir wollten; aber wir wollen es nicht, und so will es auch Gott nicht; und somit weichet von uns, ihr Verfluchten, in das ewige Feuer, was den Teufeln und all' seinen ketzerischen Dienern bereitet ist. Da wird sich der Boden unter ihren Füßen öffnen und der ewige Abgrund wird sie samt den Teufeln verschlingen und ihrer Namen wird dann ewig fürder nicht mehr gedacht werden. Amen dico vobis! Sehet, das tun wir; das ist unser Schild; und das haben wir auch bereits getan an diesem vermaledeiten Ketzer; er solle nur schauen, wie er der Hölle entrinnen wird.« 15 Sagt darauf der Meßner: »Aber ein bißchen werdet ihr ja doch handeln lassen mit euch; ich nehme ja auch ein hunderttausendjähriges Fegfeuer anstatt der ganzen Hölle; gebt mir also das Fegfeuer anstatt der Hölle. Was wird es denn sein, ob so ein Lauskerl, wie da unsereins ist, mehr oder weniger in der Hölle siedet oder bratet?« – Schreit der Großfungator: »Aha, bestia infamis infernalisque! Das Höllenfeuer fängt schon an seiner verdammten Seele zu lecken an, und das verspürt er und möchte nun eine Erlösung von uns; aber nichts da; fort mit ihm zur Hölle und zu allen Teufeln!« Kapitel 232 Der Herr nimmt den neuen Apostel gnädig auf und zeigt Sich den harten Richtern als Richter. Die erscheinliche Hölle tut sich ihnen auf; aber ihre Dummheit bleibt; der neue Apostel Johann belehrt sie weiter am Höllenrand. Die Höllenhitze erweicht sie; Petri Rede an sie. Verzweiflung der Argen, und Gnadenakt des Herrn für sie. Die himmlische Gesellschaft geht hinaus aus den Stephansdom 1 In diesem Moment trete Ich zum Meßner hin, der Mich sogleich erkennt, und sage: »Mein lieber Bruder Johann! Es ist genug; diesen ist nun alles gesagt worden durch deinen Mund; aber sie sind geblieben, wie sie allezeit waren; daher komme du zu Mir in Mein Reich! Diese aber sollen sich ihren Himmel und ihren Gott suchen und machen, wie es ihnen beliebt. Zu Mir werden sie schwerlich je kommen! Was sie aber dir vermeinten, das sollen sie eine Weile selbst genießen, auf daß sie es an sich selbst erfahren, wie gut sie es mit ihren Brüdern meinen.« 2 Hier zeige Ich Mich auch diesen harten Pfaffen nach ihrer Vorstellung als der Herr Himmels und der Erde, und sage in einem geflissentlich sehr ernsten Tone: »Kennet ihr Mich nun?« – 3 Sie sagen alle bebend: »Ja, nun erkennen wir Dich erst, Du erschrecklicher Richter! Sei uns, Deinen Dienern, gnädig und barmherzig!« – 4 Ich aber sage sehr ernst zu ihnen: »Habt ihr nie gelesen, wo es steht: »Seid barmherzig, so werdet auch ihr Barmherzigkeit erlangen?« Wie sah es mit eurer Barmherzigkeit aus? Habet ihr je die Hungrigen gespeiset, die Durstigen getränket, die Nackten bekleidet, die Gefangenen erlöset, und die Kleinmütigen getröstet? Nein, das habt ihr nie getan. Mit der Hölle ja, und mit dem nicht viel besseren Fegfeuer aber nur diejenigen, die euch recht viele Opfer brachten. Ihr waret allezeit weidlichst wider Mich, tratet Meine Lehre mit Füßen, und setztet dafür nur dümmstes Zeug auf den Altar. Darum denn, weil ihr also hart und unverbesserlich seid, so geschehe euch, was ihr aus eurer unbegrenzten Herzenshärte diesem Meinem wirklichen Bruder gegeben habt. Und dazu sage Ich: Amen dico vobis!« 5 Hier öffnete sich plötzlich der Boden der Kirche; Flammen schlagen empor aus der weiten Kluft, mehrere dienstbare Geister erscheinen, die sogleich bei der Hand sind, und die harten Pfaffen gegen die flammende Kluft langsam hinzudrängen beginnen, die dabei ein allerjämmerlichstes Geheul anfangen und den Meßner Johann um Erbarmen und Fürbitte anflehen. 6 Der Meßner aber sagt: »Ihr habt doch immer gesagt, gelehrt und von allen Menschen verlangt, daß sie bei Strafe der sicheren ewigen Verdammnis das von euch glauben sollen, daß ihr ganz allein die Schlüssel zum Himmelreiche und auch die zur Hölle habet. Sperret euch nun die Himmel auf, und verschließet die offene Pforte der Hölle, die Christus, der Herr von Ewigkeit, vor euch aufgetan hat, damit sie euch aufnähme in ihren sanften echt römisch-katholischen Schoß. Habt ihr mich doch erst vor einigen Minuten für ewig in die Hölle verdammt; wie solle denn nun ich für euch einen Fürbitter bei Gott machen? Die Verdammten stehen ja doch nicht in eurer Fürbitterlitanei?! Der Herr tue mit euch nach Seinem heiligsten Willen und nach Seiner Liebe und Gerechtigkeit. Ich bin euch um ein besseres Los sicher nicht neidig, will auch nicht unbarmherzig sein gegen euch; aber Besseres als vom Herrn sollet ihr von mir ewig nimmer erwarten. Gott allein ist gut, wir alle aber sind schlecht und können daher unmöglich Ihm in dem vorgreifen, wozu Ihm allein das ewige Recht zukommt, nämlich gut und barmherzig zu sein. Daher wendet euch an Ihn; Er ganz allein kann euch helfen!« – Am 13. August 1850 7 Nun heulen die schon stark zur flammenden Kluft hingedrängten Pfaffen: »Lieber Johann! bei Gott gibt es ja für die, so von Ihm verdammt worden sind, keine Erbarmung mehr; wie könnten wir uns da an Ihn uns wenden?« – Sagt der Johann: »Ihr Narren! so ihr von Gott dem Herrn keine Erbarmung erwartet, wo solle ich sie dann hernehmen, da ja doch das höchst Wenige in mir rein nur aus Gott ist?« – Heulen die Pfaffen: »Nein, nein, bei Gott kann keine Erbarmung jenseits des Grabes über eine Seele ausgegossen werden; denn die Liebe Gottes dauert nur bis zum Grabe; nachher nimmt Seine allerstrengste Gerechtigkeit den Platz der Liebe ein.« – 8 Sagt Johann: »Ihr dummen Narren! hat denn Gott der Herr zwei Herzen, ein kleines voll der höchsten Liebe und Erbarmung und ein großes dann voll Zorn und gerechter, ewiger, allerunerbittlichster Strafgier?! – Habt ihr doch selbst gelehrt, daß Gott ewig unveränderlich ist; wie könnt ihr Ihm dann gleich daneben solch eine allerentsetzlichste Veränderlichkeit beilegen? Wie kann Gott, das urallervollkommenste Wesen der Wesen, zu gleicher Zeit aus einem und demselben Herzen den höchsten, nie versöhnbaren Zorn und die allerhöchste Sanftmut und Liebe ausfließen lassen? Wie kann Gott einen Geist nur so lange lieben, als derselbe im sündigen Fleische gefangen lebt und webt; nachher aber ihn ewig hassen wegen einiger Fehler, zu denen ihn sein Fleisch als die von Gott angeordnete Freiheitsprobenatur verleitet hat? 9 Ich aber sage euch: Der Herr und Gott Jesus Christus von Ewigkeit, Der hier dreimal überheilig vor mir und euch leibhaftigst gegenwärtig, ist zeitlich und noch mehr ewig die reinste Liebe und die höchste Erbarmung Selbst. Nur euer rö- misch-katholischer Dreipersonen-Gott ist so gesinnt, wie ihr es seid. Bei dem gibt es wie bei euch keine Gnade und keine Erbarmung. Wohl mir und allen meinesgleichen, daß solch ein Gott sonst nirgends als allein nur in eurem bösen und überharten Herzen zu Hause ist!« 10 Hiernach drängen die dienstbaren Geister die Pfaffen wieder etwas näher zu der stets stärker flammenden Kluft, und Ich lasse es zu, daß die sich sträubenden und über alle Maßen heulenden Pfaffen der Flammen mächtige Hitze zu verspüren anfangen. Da schreien sie: »Jesus, Maria und Joseph! Jesus, Maria und Joseph! Ihr alle lieben Heiligen und Märtyrer Gottes, kommet uns zur Hilfe! Helfet uns armen Teufeln! Wie erschrecklich heiß ist doch das Feuer der Hölle, und wir sollen nun ewig darinnen brennen?! O Jesus, Maria und Joseph! O Jesus, Maria und Joseph! O Jesus, Maria und Joseph! O Christe Jesu! Erbarme Dich unser! O sancta Maria mater alma, ora pro nobis!« – 11 Hier gebe Ich den die Pfaffen drängenden Geistern den Wink, sie nicht mehr zu drängen, und es tritt Petrus vor und sagt zu den Pfaffen: »Sehet mich an! Ich bin der leibhaftige wirkliche Petrus, der Fels des Glaubens, den der Herr Himmels und aller Welten dazu erwählt und bestimmt hat. Ihr und euer Papst nennet euch meine Nachfolger. Wann aber habe ich euch ein Richteramt übertragen, und wie hätte ich als ein Fels im Glauben an das Wort Gottes euch auch je ein Richteramt übertragen können, indem ich doch selbst nie eines vom Herrn überkommen habe und überkommen konnte, da uns allen der Herr das Richten bei Strafe des Gerichtes über uns selbst verboten hat, indem Er ausdrücklich sagte: »Richtet nicht, auf daß ihr dereinst nicht gerichtet werdet!?« So der Herr aber Selbst also lehrte, und solches strenge von uns bei Ahndung eines Gegengerichtes forderte, wie solle Er uns dann zu Richtern über unsere Brüder gemacht haben? So aber wir nie auch nur im Traume ein Richteramt ausgeübt haben, wie hätten wir es dann auf euch übertragen können? Ihr wäret als meine Nachfolger so gut wie meine Erben; so ihr das seid, wie möchtet ihr denn von mir mehr geerbt haben, als ich euch hinterlassen konnte? 12 So aber der Herr Selbst von Sich aussagte, daß Er nicht gekommen sei, um die Welt zu richten, sondern selig zu machen alle, die nur immer durch den Glauben an Ihn selig werden wollen, woher habet denn hernach ihr euch das Recht genommen, eure schwachen Brüder zu richten, und – kaum glaublich zu sagen – für ewig in die Hölle zu verdammen? Sehet, das habt ihr euch selbst angemaßt aus Herrschsucht und unbegrenzter Geldgier, und es tut denn nun auch der Herr an euch, was ihr allerwiderrechtlichster Maßen an euren armen Brüdern getan habet. Denn mit welchem Maße ihr ausgemessen habet, mit demselben Maße wird euch nun wieder eingemessen werden. Verstehet ihr das?« 13 Sagt der ehemalige Großfungator unter größter Angst und unter dem furchtbarsten Beben: »O heiligster Apostel Petrus! Du Fels Gottes! Bitte doch du den Herrn für uns arme Sünder, daß wir doch nicht in die Hölle, sondern dafür lieber auf eine ganze Million Jahre möchten in's Fegfeuer geworfen werden. Wir sehen es jetzt ja alle ein, daß wir alle greuelhaft gesündigt haben, wir empfinden auch die tiefste Reue über unsere so große irdische Verblendung; wir wissen es aber auch erst jetzt, daß wir dem Leibe nach wirklich gestorben sind. Hätten wir das eher gewußt und eingesehen, so hätten wir auch gewiß die ganze Weile in dieser Welt uns der allermächtigsten Reue und der strengsten Buße unterzogen; aber wir wußten ja nichts anderes, als daß wir noch immer auf der Welt wären, und blieben daher auch bisher die alten verstockten Sünder. Du siehst ja doch, daß wir alle hier nun voll der tiefsten Reue sind. – Sei uns daher auch doch nur ein wenig gnädiger und barmherziger! Wir wollen ja alles tun, was nur immer der Herr von uns verlangen möchte, aber nur mit der Hölle möchte Er uns verschonen.« 14 Sagt darauf Petrus: »Ja, ja, das wissen wir alle lange schon, was du nun geredet hast; daß ihr eine brennende Reue empfindet, das muß so kommen; denn eben die in Ewigkeit stets wachsende und brennender werdende Reue gehört ja – nach euren Dogmen – sogar mit zur Höllenqual, und meldet sich nun vor der Pforte der Hölle schon bei euch an, und wird euch sogestaltig auch ewig nicht mehr verlassen; und solch eine Reue, die da von der Furcht vor der Strafe erzeugt wird, hat ja ohnehin keinen Wert vor uns, denn die vor uns gültige Reue muß der Liebe zu Gott, nicht aber der Furcht vor der Hölle entstammen. 15 Also steht es auch mit der Buße. Vor uns hat nur die freie Buße, die da entspringt aus dem lebendigen Glauben und der wahren Liebe zu Gott und zu allen Menschen einen Wert; die von der Furcht vor der Hölle erzwungene ist vollends ohne Nutzen und Wert, und wäre sie selbst ärger um vieles, als alle die erschrecklichsten ewigen Qualen und Martern der Hölle, die ihr, so Gott der Herr es will, bald werdet zu verkosten bekommen.« 16 Durch diese wenig Trost einflößenden Worte Petri werden die QuasiAdspektanten der Hölle in eine solche Angst versetzt, daß sie allesamt zu Boden sinken und da nur stöhnend die Worte: O Je ... sus, Maaaarri . . . a und Jo . . . seph! – Gna . . . de! – Gna . . . de! – herausbringen. 17 Während sie da so in einer Betäubung am Boden liegen, lasse Ich die Erscheinlichkeit der flammenden Kluft verschwinden und an ihre Stelle einen großen Becher Wein hinstellen und sieben große Laibe des besten Brotes mit einer schriftlichen Anweisung, daß sie sich daran ohne Unterschied erlaben und stärken, und sodann auf alle Zeiten der Zeiten diese Kirche verlassen sollen, deren irdische Großartigkeit bloß dazu dient, den Hochmut der in ihr fungierenden Pfaffen in's kaum Glaubliche zu erhöhen. So sie aber im Freien sein werden, da wird schon jemand zu ihnen kommen, der ihnen angeben werde, was sie zu tun haben werden, um den Strafen der Hölle zu entrinnen. 18 Nachdem dieses alles also bestellt ist, entfernen wir uns von dieser vor Angst halbtot daniederkauernden Pfaffenrotte und gehen in's Freie; auch der Meßner Johann natürlich als ein von Meiner Liebe und Weisheit durchglühter Bruder. Kapitel 233 Jenseitiges Militär. Was weiter mit jenen Dompfaffen geschieht, ihr Ziel. Über das Wesen der Weisheitsgeister und wie schwer solche zur Liebetat kommen. Die heran kommende Militärpatrouille Am 21. August 1850 1 Als wir draußen auf dem sogenannten Stephansplatze uns befinden, zieht gerade eine Rotte Militärs an uns vorüber. 2 Robert tritt zu Mir und sagt: »Lieber Vater! Dies Militär sieht doch etwas sonderbar aus; ist es aus einer früheren oder aus der jetzigen Zeit? Wahrlich, das wäre schwer zu bestimmen. Aus meiner Erdenzeit ist es einmal nicht; damals war die Adjustierung eine ganz andere; aus den älteren Zeiten scheint es auch nicht zu sein, da mir die Adjustierungen aus jener Zeit aus gar vielen Gemälden und Zeichnungen nur zu bekannt sind. Es muß denn etwa doch aus der Jetztzeit sein, etwa so nach dem Geschmacke des jungen Kaisers, der jetzt in Österreich das Zepter führt.« – 3 Sage Ich: »Ja, ja, also ist es; in diesem Jahre sind viele aus dem Militärstande durch die Typhusseuche und durch die Cholera und durch noch eine Menge anderer Krankheiten aus ihren Leibern erlöst worden. Da sie aber einmal schon zu dem Militärstande gehörten, so bleiben sie nach der Ablegung des Leibes auch noch diesem Stande getreu und erscheinen hier als Soldaten. Sie wissen auch nichts von dem, als wären sie gestorben. Wohl wissen sie, daß sie als Kranke in's Spital gekommen sind, und daß sie sich vor dem Sterben gefürchtet haben. Aber auf eine gute Medizin seien sie in einen stärkenden Schlaf gekommen, und hätten recht tüchtig geschwitzt, und seien dann am Morgen so ganz frisch und gesund aufgestanden, als ob ihnen nie etwas gefehlt hätte. Von dem aber, daß sie gestorben sind, wissen sie keine Silbe. 4 Es ist auch gut so, daß sie es nicht wissen, weil das Wissen für sie ein Gericht wäre. Sie müssen erst, nachdem sie hier ihren Dienstabschied erhalten haben werden, nach und nach ganz unvermerkt eingeleitet werden, und das anfangs nur durch Erscheinlichkeiten, durch die sie so gewisse Stupfer bekommen werden, daß ihnen dadurch die Welt, in der sie nun leben, stets mehr und mehr befremdlich vorkommen muß. Das macht sie stutzen, und ihr Gemüt wird unruhiger und unruhiger. Sie kommen dann auch in allerlei Unannehmlichkeiten und scheinbare Gefahren, suchen dann Schutz und Hilfe, und suchen sich oft vor scheinbaren Verfolgungen zu retten; aber sie finden keinen rechten Zufluchtsort und sind dann nicht selten genötigt, sich an die Verfolger zu ergeben. Manchmal aber verlaufen sie sich in unabsehbare Wüsten, auf denen sie dann kaum ein Ende finden, und kommen sie schon zu irgend einem Ende, so ist dieses gewöhnlich noch um vieles ärger, als die Wüste selbst. Kurz, alle diese noch ganz in der Naturmäßigkeit sich befindenden Seelen müssen noch eine Art förmlichen Todes durchmachen, bis ihr Geist in ihnen frei wird. 5 Also hast du es nun auch bei diesen Pfaffen gesehen; die Angst vor der Erscheinlichkeit der flammenden Höllenpforte hat sie beinahe wie ganz tot gemacht; nach einer Weile werden sie wieder erwachen, und sich in der Kirche zwar noch befinden, aber das Geschehene wird ihnen wie ein heller schrecklicher Traum vorkommen. Sie werden da Wein und das Brot antreffen, und da sie sehr hungrig und durstig sein werden, was stets der Fall ist, so der Geist in der Seele freier wird, und wacher und wacher, so werden sie auch gierig danach greifen und es verzehren. Die offene Schrift, die sie auch sogleich neben den Broten ersehen werden, wird ihnen schnell die Anweisung geben, was sie zu tun haben, um der Hölle zu entrinnen, vor der sie eine ganz entsetzliche Furcht haben, weil sie sich diese Hölle also ganz lebendig vorstellen, als sie sich dieselbe auf der Erde gläubig oder auch selbst als ungläubig vorgemalt haben; denn ob einige bei ihren irdischen Lebzeiten an die Hölle auch nicht geglaubt haben, so blieb ihnen doch das Bild. – Nun haben sie den geöffneten Rachen und die ihnen ganz entsetzlich vorkommenden Flammen aus denselben schlagen gesehen, und somit ihr böses Bild in der Verwirklichung wahrgenommen. Dadurch ist ihr Unglaube an die Hölle wieder zum Vollglauben geworden. Darum aber werden sie nach der abgelesenen schriftlichen Anordnung sich auch keine Sekunde mehr aufhalten in der Kirche, sondern eiligst aufbrechen und sich in's weite Freie machen. 6 So sie aus der Kirche treten, werden sie auch sogleich keine Stadt irgend mehr ersehen, sondern bloß nur ein offenes freies Land; allda werden sie dann schon hie und da auf gewisse Reisende stoßen, die sie weiter zu ihren Bestimmungen leiten und führen werden in Meinem Namen. Um diese haben wir uns denn nun auch gar nicht mehr besonders zu kümmern; in einigen und dreißig Jahren werden sie für den unteren Weisheitshimmel ganz geeignet sein. – Höher hinauf aber werden sie wohl schwerlich je kommen, weil bei ihnen das Organ der Liebe, weil es nie geübt und gestärkt worden ist, zu unentwickelt und schwach ist. Dafür aber hat freilich das Organ der weitwendigen Weisheit eine viel zu große Ausdehnung, und kann daher nie von der enorm schwachen Liebe überwältigt werden. Denn so bei solchen die Liebe, sozusagen, um sieben Ellen wächst, so wächst die Weisheit daneben schon um's dreifache, und es kann daher nie jenes Verhältnis zwischen Liebe und Weisheit hergestellt werden, welches notwendig ist, um in einen höheren Himmel aufsteigen zu können. 7 Es ist zwar wohl gerade keine absolute Unmöglichkeit, daß auch Geister des untersten Weisheitshimmels in einen höheren Himmel übergehen können; aber es geht so was immer sehr schwer, weil die Weisheit sich stets mehr in der Spekulation, als in der wirklichen Tat gefällt. Der Weise hat nur ein Wohlgefallen, so er vor anderen seine tiefen Einsichten auskramen kann, während der eigentliche Liebegeist nur nach dem Guten und Wahren handeln will. Der pure Weisheitsheld ist gewisserart das, was das Publikum in einem Theater ist. Er hört die Komödie an und betrachtet mit scharfem Kennerauge alles, was oben auf der Bühne vor sich geht. Er versteht auch gewöhnlich alles besser, als der auf der Bühne handelnde Komödiant; man stelle ihn aber nur einmal auf die Schaubühne, und er wird kaum einen letzten sogenannten Statisten vorzustellen imstande sein. Da aber das Zuschauen, Betrachten und danach Raissonieren viel leichter als das Handeln ist, so sind die Geister des untersten Himmels auch stets sehr schwer in einen höheren Himmel zu bringen; denn die meistens tatlose Bequemlichkeit ist ihnen lieber, als die schönste und beste Handlung. Solche Geister können nur durch eine gewisse Einförmigkeit der ihnen vor die Augen gestellten Erscheinungen, dann aber auch durch erheiternde Handlungsexempel zur Tat angespornet werden. Sind sie einmal beim Handeln, wenn anfangs auch noch so spießig, so geht dann die Sache schon vorwärts; aber nur im Anfange wehrt sie sich ganz entsetzlich. 8 Und so, Mein lieber Robert, wird es auch mit diesen Pfaffen gehen, wenn es gut geht, wie man so sagt; aber eher wird es also sein, wie Ich es ehedem dir gezeigt habe. Sie werden zwar noch manchen Brocken zum Verschlucken bekommen, bis sie in den untersten Weisheitshimmel gelangen werden. 9 Mit dieser Rotte werden wir es viel leichter haben. Sie hat nun nach einigen Hin- und Herschwenkungen vor uns Halt gemacht, da wir ihr aufgefallen sind. Sie übt hier eine Art Patrouille aus, und hat nun den Sinn gefaßt, uns zu fragen, was wir hier vorhätten, weil unsere Gesellschaft auf einem Flecke des Platzes ihr ein wenig zu stark vorkommt, besonders in einer Stadt, die sich leider noch im Belagerungszustande befindet. Bei der Gelegenheit ihrer Anfrage an uns werden wir ihr denn auch sogleich der Wahrheit getreuest kundtun, wer wir sind, und was wir so ganz eigentlich hier wollen, und werden sie dann auch sogleich unter einem einladen, uns zu folgen in das Reich des Lebens. Aber da kommt, Mein lieber Robert, die Reihe wieder einmal an dich. Du mußt hier für uns alle den Wortführer machen; daher nimm dich nur recht zusammen!« Kapitel 234 Robert an einem engen Pförtchen; sein Widerwille gegen das Militär, und deshalb seine Aufgabe, nun diese Rotte mit Liebe zu gewinnen. Des Herrn Rede über die ausnahmslos allgemeine Menschenliebe. Des Herrn fortwährendes Opfer um der Gewinnung der Verirrten willen Am 24. August 1850 1 Spricht Robert: »O Herr! das wird, wie ich es so im voraus betrachte, eben von meiner Seite aus nicht am besten gehen, denn der Soldatenstand ist eben meine schwache Seite nie gewesen; und wo ich nur immer einen Soldaten gesehen habe, da hat sich auch allezeit ein ganz eigener Ingrimm meines Herzens bemächtigt, dessen ich beim besten Willen nicht Meister werden konnte. Denselben Ingrimm empfinde ich auch jetzt noch, obschon ich mich durch Deine Gnade zu wenigstens halbvollendeten Geistern zählen darf. Solle ich nun diese Soldaten bekehren, so müßte ich irgend eine Liebe oder doch wenigstens einen gewissen Geschmack ihnen abgewinnen können; das aber scheint mir, je mehr ich mich mit meinem Herzen beratschlage, eine reine Unmöglichkeit zu sein; denn diese Art Menschen sind nichts als pure Maschinen, die sich wie abgerichtete Tiere nach einem gewissen Kommando bewegen; was ihnen befohlen wird, das tun sie, ohne sich auch nur zu fragen, ob es recht war oder nicht. Nehmen wir den Belagerungszustand an; jede Wache hat die Weisung, jedermann ohne Ausnahme, der auf ein dreimaliges Anrufen keine Antwort gibt, sogleich niederzuschießen. Setzen wir aber den Fall, der sehr möglich ist, und sich auch schon öfter wirklich ereignet hat, daß ein Taubstummer sich einem besonders heiklichen Posten der Wache unwissend über die Gebühr nähert; die Wache ruft ihn nach Vorschrift dreimal an; der Angerufene kann ihr natürlich keine Antwort geben, was geschieht nun? Der Posten oder der Wachsoldat zielt, und schießt den Taubstummen ohne weiteres Knall und Fall über den Haufen. Frage: Wie ist solch eine Handlung zu betrachten? Was für ein Herz gehört dazu, das nach einer Hinrichtung eines armen Bruders so ganz mir und dir nichts seinen mechanischen Dienst weiter fort verrichten kann; als ob da gar nichts vorgefallen wäre? 2 Ich weiß wohl, daß der Soldat gezwungen ist, also zu handeln, aber das entschuldigt die Sache bei mir durchaus nicht; denn es ist schlecht, daß man Menschen als Hunde gebraucht, und eben so schlecht ist es, daß sich Menschen als Hunde und reißende Wölfe gebrauchen lassen. Leider, daß da Millionen denselben Weg wandeln, und bis jetzt noch keine Abänderung weder von der einen, noch von der anderen Seite geschehen ist. 3 Du siehst also, wie Du es schon lange gesehen hast, daß ich unmöglich ein Freund des Soldatenstandes werden kann, und somit auch mit dieser vor uns stehenden Truppe sicher sehr schlechte Geschäfte machen würde, so ich mit ihr belehrend zu unterhandeln anfinge; darum bitte ich Dich, o Herr, übertrage dies Geschäft an irgend jemand Tauglicheren; denn mein ganzes Gemüt sträubt sich ganz gewaltig dagegen, besonders hier in dieser Stadt, in der ich, wie Dir die Gründe nur zu bekannt sein müssen, eben den Soldatenstand von einer zu elenden und überschmählichen Seite habe müssen kennen lernen. Ich habe es ihnen wohl vergeben, die an mich die Hand gelegt haben, aber dem Stande selbst kann ich nimmer ein Freund werden.« 4 Sage Ich: »Eben deshalb, weil dir dieser Stand noch gleichfort ein Dorn in den Augen ist, übertrage Ich dir dieses Geschäft. – Ich sage dir, Mein lieber Sohn, du könntest nicht wahrhaft eingehen in Mein Reich, so du diesen Dorn nicht aus deinen Augen brächtest. In Meinem Reiche herrscht nichts als nur die allerreinste Liebe, die vollends frei sein muß von allem, was auch den allerleisesten Schein nach irgend einer Unversöhnlichkeit hat. Du mußt der Welt, was ihr angehört, eher alles bis auf den letzten Heller zurückerstatten, bevor du ein Bürger Meines Reiches in Hülle und Fülle werden kannst. 5 Weg also mit allem, das noch irgend einer Unversöhnbarkeit nur allerleisest riecht! In jeder Sekunde mußt du aus deinem ganzen Gemüte deine Arme für Millionen ausbreiten können; dein Bruderkuß muß allen Wesen der ganzen Schöpfung gelten, ob sie dir genehm oder nicht genehm sind; ob Freunde oder Feinde, das muß dir vollends ein ganz gleiches sein; denn so es in Meinem reinsten Liebereiche auch gewisse bedenkliche Rücksichten gäbe, wie sähe es dann bald mit der Weltenregierung aus? 6 Auf der Erde hast du oft sehen können, wie Ich Meine Sonne über Gute und Böse habe scheinen lassen, ohne den geringsten Unterschied, und den Regen goß auf das Feld Meiner Verächter eben so gut, wie über's Feld Meiner intimsten Verehrer und Anbeter. Warum aber tat Ich das? was Ich auch recht gut hätte anders machen können; weil Ich Selbst die allerreinste Liebe bin, und in Mir ewig nie eine Rache oder auch nur der leiseste Schein von irgend einer Unversöhnlichkeit Platz greifen kann. Mein innerster Wunsch und Wille geht unverwandt dahin aus, alle Wesen so frei und so selig als nur immer möglich zu machen! und solle, so es möglich wäre, dies auch auf Kosten Meiner höchst eigenen Seligkeit geschehen, wie es auch zeitweilig schon geschehen ist, und noch geschieht. ° Ich gehe nun schon eine geraume Weile mit dir um, und du kannst nicht sagen, daß Ich Mich oft dir entzogen habe. 7 Für Mich als das urvollkommenste Wesen der Wesen ist es sicher nicht so selig unter unvollendeten Wesen, die Mich nur zu oft gar nicht erkennen und nicht erkennen wollen, zu weilen, und sie mit aller Geduld und zartesten Sanftmut zu leiten, als so Ich Mich unter Meinen vollendetsten Söhnen und Brüdern befinde, in Meinem Reiche der reinsten Liebe und des hellsten Lichtes, aus dem Zentrum Meines Herzens ausstrahlend; aber Ich tue es dennoch, weil Meine höchst eigenste reinste Liebe es Mir zu einer Pflicht auferlegt. Also mußt auch du dir so manches gefallen lassen, und stets dahin trachten, Mir in allem vollends ähnlich zu werden. – 8 Siehe, ein Soldat ist zwar an und für sich ein Feuer, welches zerstört, tötet und verwüstet; aber denke dir ein Land, in dem es durchaus unmöglich wäre, ein Feuer zu erhalten und zu unterhalten; könnte in solch einem Lande wohl jemand bestehen? Sicher nicht, denn wo kein Feuer bestehen kann, da gibt es auch keine Lebensluft, und ohne die kein animalisches Leben. So aber in einem großen Volksstaate es keine Waffenleute gäbe, wo wäre da die Sicherheit des nötigen Eigentums, des Lebens, und der Aufrechterhaltung der Odnungsgesetze zu suchen? Siehe, das was dem Leben zwar im Übermaße gefährlich werden kann, das muß auch hauptsächlich das Leben erhalten, und deshalb ist der Soldatenstand durchaus nicht so schlecht, als wie du es meinest; im Gegenteile ist der Soldatenstand für jeden Völkerstaat nur sehr nützlich und unentbehrlich, und daher mußt du ihn durchaus nicht mehr mit feindlichen Augen betrachten, sondern mit den Augen der reinen Liebe, der wahren Gerechtigkeit und Ordnung, und dir dabei denken: Auch ein Soldat ist mein Bruder! Daß er eine Maschine des Gesetzes ist, das geht dich nichts an, und darf dich nichts angehen; denn es muß ja Maschinen des Gesetzes geben, auf daß aus und unter dem Gesetze eine wahre und für ewig dauernde Freiheit erkeimen und erwachsen kann. 9 Muß von Mir aus nicht ein jeder Weltkörper eine Gesetzesmaschine sein, auf daß auf demselben freie Wesen ungestört zum wahren Leben heranreifen können? Was wäre aber mit den Menschen, so die Weltkörper keine Gesetzesmaschinen wären? Denke dir eine freischwebende Erde voll freien und unbeschränkten Willens, wie würde die mit ihren Schmarotzereinwohnern verfahren, so sie ihr fühlbar lästig werden würden? Also Freund! bedenke das alles, und du wirst dem Soldatenstande sicher geneigter werden, als wie du es bis jetzt warst, und wirst dich nun auch leichter an das dir anbefohlene Geschäft machen, was unumgänglich nötig ist zu deiner gänzlichen Vollendung, ohne die du in Mein Reich nicht eingehen könntest. Denn siehe, darin liegt eben der Hauptgrund, warum du noch einmal mit Mir Selbst nach Wien dich hast begeben müssen. Fasse dich, und mache dich an das Geschäft; Ich sage dir, daß es besser gehen wird, als du es meinst; denn Gesetzesmaschinen sind allezeit leichter zu leiten, als jene, die da Gesetze geben.« Kapitel 235 Robert zaudert. Helenas aneifernde Rede und nennt den Namen »Blum«. Erregung in der Truppe, der löst den Bann bei Robert; seine Rede an dieselben über sich und seine Mörder. Der Offizier berichtet eine Blumsage. Robert erzählt seine Erfahrungen im Jenseits und fordert sie zur Ablegung der Waffen auf 1 Robert etwas betroffen über solche Meine Zurechtweisung dankt Mir zwar recht inbrünstig dafür; aber er hat dennoch keinen rechten Mut, eher mit den vor uns stehenden Soldaten ein Gespräch anzuknüpfen, als bis sie ihm dazu einen Anlaß geben würden. Die Soldaten aber merken das, denn sie haben Meine Worte vernommen, die ihnen gefielen, und sind darum stille und warten, bis Robert sie angehen würde, und so schaut nun Robert die Soldaten an, und die Soldaten den Robert; kein Teil will die Offensive ergreifen. 2 Nach einer Weile tritt die schöne Helena, die stets voll der innigsten Liebe zu Mir ist, hervor und sagt zum Robert: »Aber lieber Robert! bist du ein Hasenfuß oder bist du keiner? Wie könnte ich aber auch nur eine Sekunde es auf den Vollzug des Willens des Herrn anstehen lassen? Schau, hätte der Herr mir so einen Auftrag gegeben, ich wäre damit schon lange zu Ende; du aber bringst erst eine lange Wurst von eitlen Entschuldigungen vor, obschon du weißt, daß der Herr niemals mit Sich handeln läßt und lassen kann, denn Sein mildestes Wort geht allezeit aus Seiner liebweisesten Ordnung hervor und muß erfüllt werden, ohne welche Erfüllung unmöglich je an ein Heil zu denken ist, wie es dir soeben der allgütigste Herr und Vater nur zu klar gezeigt hat. So du aber das aus dem Munde Gottes Selbst vernimmst, was zauderst du denn hernach, den allerheiligsten Willen in den Vollzug zu bringen? Rühre dich doch, daß die achtbare Truppe es merke, daß du ein Leben hast! Es wäre mir sonst wirklich zum Ärger, so einen Mann zu haben; denke bei solchen Gelegenheiten an den mutigsten Kado zurück, der selbst dem Satan seine Courage ganz kurios abgekauft hat. Damals hast du schon den schönen Dienst eines Schutzgeistes versehen, und nun hast du eine Trema (Zagen) vor dieser kaum hundert Mann zählenden Truppe! O das ziert den großen Namen Robert Blum wohl gar nicht.« 3 Als die Truppe den Namen »Blum« vernimmt, da tritt sie uns näher und sagt und fragt ganz barsch: »Was ist das für ein Blum? Doch nicht der große Staatsverbrecher, den der Fürst General von Windischgrätz hat erschießen lassen?« 4 Diese Frage entzündet den Robert, und er tritt sogleich ganz keck vor die Truppe hin und sagt mit einer sehr lauten Stimme: »Ja, derselbe Blum steht vor euch; aber nicht mehr sterblich, sondern ewig unsterblich! Robert Blum aber war nie ein Staatsverbrecher; das Zeugnis gibt mir der Herr, und das ganze Königreich Sachsen, und das ganze bessere Deutschland. Aber der General, der mich hier in Wien hat erschießen lassen, in seinem übertriebenen Hochmutseifer, ist wohl gar nicht lange darauf zu einem wirklichen Staatsverbrecher geworden. Nur sein alter hoher Adel und einige patriotische Vortaten haben ihn vor dem Kerker verwahrt. Wäre er nun kein Fürst Windischgrätz, so hätte er sein Vergehen in Ungarn gewiß auf eine härtere Art zu sühnen bekommen, als so. Tausende hier in Wien können mir das Zeugnis geben, daß ich am Ende, als Wien ohnehin schon so gut wie verloren war, allen abgeraten habe, sich fernerhin über die nur zu sichtliche Übermacht zu erheben; aber man schalt mich dafür einen Feigling; da ergriff ich wieder das Schwert und sprach: So ziehe denn mit mir, wer den sichern Tod nicht scheut. Ist das bei euch ein Staatsverbrechen? Redet und glaubet nicht, daß Robert Blum je ein Feigling war!« 5 Auf diese scharfe Rede Blums tritt der Offizier zu ihm hin, und sagt: »Mein Freund! es hat sich zu der Zeit des Jahres 1848 die Sage verbreitet, daß er nicht erschossen, sondern vom Fürsten heimlich in die Freiheit gesetzt wurde, und ein anderer Verbrecher in seinen Kleidern erschossen worden sei unter dem Namen Blum; er aber sei dann in fremden Kleidern mit strengster Weisung über Berlin und Hamburg für ewige Zeiten nach Amerika unter einem fremden Namen und zugleich rasiert und geschoren transportiert worden. Sein Wiedererscheinen in dieser Stadt gibt für mich der Vermutung Raum, daß an dieser Mythe etwas Wahres sei. Sage er mir genau, getreu und wahr wie sich sein wirkliches, unverkennbares Wiedererscheinen in dieser Stadt mit der ihm nun kund gegebenen Mythe verhält. Rede er mir aber die reine Wahrheit, sonst . . . . !« 6 Spricht Robert: »Freund! diese Mythe ist nichts als ein leeres Geplausch alter müßiger Weiber, besonders in Sachsen und Preußen. Ich bin so gut wie tausend andere im Angesichte von vielen Zuschauern, die mich gar wohl kannten, erschossen worden, worüber hoffentlich auch in ganz Europa und Amerika kein Zweifel mehr obwaltet. Das, was du nun aber hier vor dir siehst, ist kein irdisch Fleisch und Blut mehr, sondern das ist Robert Blums ewig lebender Geist, hier dazu von Gott dem Herrn berufen, wie du es ehedem selbst vernommen haben wirst, euch dahin zu belehren, daß auch ihr alle das seid, was ich nun bin, nämlich bloß unsterbliche Geister im großen Reiche der Ewigkeit. 7 Ich selbst konnte nach dem mir gewaltsam entrissenen Leibe lange nicht inne werden, ob ich wohl gestorben sei oder nicht. Lange umgab mich eine dichteste Finsternis; ich erinnere mich ihrer noch stets mit einem nicht unbedeutenden Grauen. Nur Gottes Allgüte und Erbarmung führte mich aus solcher Nacht zum heiligen Lichte alles Lebens empor, und ich ward erst in solchem Lichte inne, daß und wie so ganz eigentlich und sicherlichst ich gestorben bin. 8 Derselbe Herr und Gott ist seit derselben Zeit noch immer beinahe unverwandt bei mir; mehrere tausend von der Erde abgeschiedene Geister haben bei dieser meiner Gelegenheit und unter diesem heiligsten Panier die vollste Freiheit des ewigen Lebens erreicht. Viele bewohnen schon die allerfreiesten Staaten der Himmel Gottes, die wahrlich keine Chimäre sind, wie wir es auf der Erde leider gedacht und am Ende für wahr gehalten haben. Nur eine geringste Anzahl in der beständigen Gegenwart Gottes des Herrn ist vor dem vollen Eingange in die freiesten Himmel hierher nachgekommen, um allen Guten die Erlösung zu bringen und zu geben. 9 Die keineswegs geringe Gesellschaft, die ihr hier erschauet, sind schon lauter Erlöste dieser Stadt, in der manche, noch von irdischem Wahne belebt, schon einige hunderte von Jahren traurig und elend genug zugebracht haben. Durch die alles durchleuchtende Kraft des göttlichen Wortes sind sie ihres Irrwahnes inne geworden, haben das wahre Licht des Lebens erkannt und sind dann freiwillig durch ihre eigene Überzeugung gedrungen Dem gefolgt, Der allein ein Herr alles Lebens ist von Ewigkeit. 10 Tuet ihr desgleichen; denn auf der Erde, die ihr noch zu bewohnen wähnet, ist ewig kein Heil mehr für euch. Glaubet es mir; ich würde es euch sicher nicht sagen, wenn es nicht also wäre. Leget ab eure Waffen! Ihr werdet in der Art keine mehr gebrauchen, denn in alle ewigen Zukünfte wird allein des Herrn Name euere mächtigste Waffe sein. Brüder! bedenket euch kurz und folget mir! ich habe euch die vollste Wahrheit gezeigt.« Kapitel 236 Die Antwortrede des ungläubigen Offiziers. Dessen Zwiesprache mit Helena und Robert Am 27. August 1850 1 Spricht der Offizier: »Du bist zwar ein guter Mensch, aber dabei ein närrischer Kauz! Du sagtest, daß wir schon lange gestorben wären und nun hier nur als Geister herumwandeln; aber schau, schau! da steht der herrliche Stephansdom, wie er sozusagen leibt und lebt; der hohe gotische Turm, gerade so, wie er seit seiner notwendigen Restauration ausgesehen hat; nicht einmal ein Schwalbennest fehlt unter seinen vielen Gesimsen und durchbrochenen Verzierungen. Da rings herum die seit alters her nur schon zu bekannten Häuser; dort der unverkennbare Stockameisen (Stock im Eisen). Das alles müßte denn auch Seele und Geist haben und gestorben sein, und auf der Welt gar nicht mehr vorhanden sein, um hier, also in deiner Geisterwelt, für ewig fortbestehen zu können. Schau, schau, für so dumm mußt du unsereins denn doch nicht halten, und verlangen, daß man dir so etwas sogleich mir und dir nichts glauben könnte. 2 Also schwärmtest du auch von Gott, daß Er sich hier unter euch befinde, und hier in Wien die altgebannten Geister aus ihrer Nacht befreite, um sie dann in die Himmel aufwärts zu führen. Aber wo tust du dich hin mit solch allerburleskesten Behauptungen? Das gehört ja doch in einen siebenten Stock des allerersten Irrenhauses. 3 Gott, das unendliche, für kein endliches Geschöpf je begreifliche Wesen, ist eine heiligste Urkraft, die die ganze Unendlichkeit durchdringt, und solle hier in der höchst beschränkten Gestalt eines Menschen und noch dazu in einer sterblichen Umhüllung sich befinden?! Mein Freund! so was zu glauben, wäre ja noch bei weitem über eine Mariazeller Wallfahrt ob irgend einer Gnade. Du bist doch, so du im Ernste der berühmte Blum bist, kein Mensch eines echt römisch-katholischen Leichtglaubens und Aberglaubens gewesen; denn du warst ein Deutschkatholik. Wie möglich kamst du, wahrscheinlich in Amerika oder England dazu, solch ein Zelot zu werden? Haben dich denn etwa gar die Irländer, die wahrlich nicht umsonst diesen Namen tragen, dazu umgewandelt? Haha, es ist wahrlich schon zum Tollwerden! So etwas zu glauben! 4 Schau, Freund, ich könnte dich nun zwar samt deinem lieben Herrgott arretieren, aber ich unterlasse das; denn du bist mit deinen echt irländischen Ideen keinem Menschen mehr gefährlich. Sogar die Liguorianer und Jesuiten können mit dir Arm in Arm herumwandeln und haben von dir bei so bewandten echt irischen Umständen nichts zu befürchten; dein lieber Herrgott scheint auch ein wirklich ganz unschuldiges Lamm zu sein, so wie die ganze übrige für eine Mariazeller Wallfahrt ganz reife Gesellschaft. Das Beste, nicht an dir, sondern bei dir, hörst du, wäre dein allerliebstes Weiberl. Beim Styx! der zu lieb machte ich am Ende noch selber eine Mariazeller Wallfahrt mit. Ist das etwa auch eine Irländerin? Sie wird es wahrscheinlich sein, sonst hätte sie bei ihren gewaltigen Schönheitsvorzügen unmöglich dich geheiratet, vorausgesetzt, daß ihr wirklich verheiratet seid. Sage mir doch, was sie für eine Landsmännin ist; ist sie eine Inglismännin (Engländerin) oder was sonst?« 5 Sagt die Helena: »Ich heiße Helena und bin aus echt Oberlerchenfeld gebürtig, waon's was gspürn! Das ist das gewöhnliche »Irrland« für die armen Wiener Sünder! Verstehn's mich?« – Sagt der Offizier: »O Kotz (Potz) Kreuz Bomben und alle Granten! Potz Blitz und alle Elemente zu Wasser und zu Lande! Also eine Lerchenfelder Zirkassierin! O verfluchte Geschichte! Aber wie kommt denn das, daß sie nun sein Weib sein solle, indem meines Wissens er ja ohnehin ein Weib und mit demselben auch mehrere Kinder in Sachsen hat?« 6 Sagt die Helena ganz echt wienerisch: »No wissen's denn das nicht, sie Kreuzblitzer von an' Offizier? So lang' man auf der Erd' ist, hat man freilich ein gültig's Weib und soll für Rechtswegen ka zweite daneben haben; verstehn's mich? Wenn man aber amal g'storben is und mit Gottes Gnad' und Barmherzigkeit in den Himmel kommen is, da kriegt man nachher gleich an anders Weiberl, aber halt von der Erd' ani; denn im Himmel droben wachsen kani Madeln, wann's nit ehender auf der Erd' geboren worden san. – Schaun's nur, daß a bald in Himmel eini kommen, da wird sich vielleicht für ihnen a no so a recht sauber's Weiberl auftreiben lassen; aber unsern allerliebsten Herrgott müssen's ehender wohl über alles recht lieb haben, sonst is nix, mein lieber Herr Offizier!« 7 Sagt der Offizier: »Schade um das schöne Kind, daß sie eine gar so hundsgemeine Sprache spricht. Das ist ja ein schrecklicher Dialekt der edlen deutschen Sprache. Sagen sie, echte Lerchenfelderin, sprechen im Himmel alle Frauenzimmer so wie sie? Wenn das der Fall wäre, da bliebe ich schon lieber in gebildeten Zirkeln auf der Erde. Nein, ist aber das doch eine Hundssprache, wie es nur immer irgendwo eine geben kann.« 8 Spricht die Helena: »No, ich bitt' sie, was meinen's denn, was sie für a politiertes Deutsch sprechen? Schaun's, a jede Sprach' is schön und gut, wann's nur aus an ehrlichen Herzen und Mund kommt; aber wann a Sprach' a noch so politiert ist und kommt aber aus an rechten Spitzbubenherzen, was is sie nachher wert? Was wär' ihnen denn lieber, wann ich so recht hochdeutsch redete, sie aber dann auch auf hochdeutsch anschmierete oder wann ich so recht gemein weg oberlerchenfelderisch red', und es dabei mit ihnen kreuzehrlich mein'? Schaun's, a so a recht hochdeutsche Sprach', besonders hier in Wien, is g'wöhnlich a Verstellung. Der red't hochdeutsch, weil er möcht' die Leut' von ihm meinen machen, daß er a G'lehrter is, bei ihm selber aber is er an Esel in allen 4 Elementen. Sagen's, is so was nit a rechte Spitzbüberei, wann man die Leut' mehr von sich meinen machen will, als man is? An anderer spricht hochdeutsch, um beim schönen G'schlecht Eroberungen zu machen, hat dabei aber g'wöhnlich die schmutzigsten Absichten, wie ich's nur gar zu oft erfahren hab'. Sagen's is das nit wieder a recht grausliche Spitzbüberei? An and'rer is bloß nur a Kommis in einer Zeughandlung; wann recht noble und schöne Mädchen und Damen hineinkommen, um was zu kaufen, so kegelt er sich völli den Mund vor lauter Hochdeutsch aus und lobt sein' Waar' auf echt sächsisch oder gar preußisch, um die Mädchen und Damen ja für sein' Waar' und vielleicht für noch was zu g'winnen. Sagen's, is dann so a Sprach' nit schon wieder a recht hochdeutsche Spitzbüberei? So geht's auch in den Ämtern und Kanzleien zu; diejenigen Beamten, die so recht hochdeutsch reden, sind g'wöhnlich die gröbsten, stolzesten und dümmsten zugleich und wollen durch ihre hohe Sprach' nix als ihre Fehler unsichtbar machen. Sagen's, is so was nit schon wieder a rechte Spitzbüberei? Und das heißen sie a gebildete Sprach', die die Leut' brauchen, um anander recht tüchtig anzuschmieren? Jetzt hören's mir nur bald auf, sonst wird's mir übel!« 9 Spricht der Offizier: »Nein, nein, mein liebes Kind, so meine ich es aber ja auch nicht! Sieh', ich meine es nur also, daß man in einer gebildeten guten Welt wenigstens also reden solle, wie man schreibt, aber nicht gar also provinzialisch, was einem gebildeten Ohre gerade so unangenehm klingen muß, als wie schlechte, und im Grund und Boden falsche Musik. Schau, du bist, je länger ich dich betrachte, ein schönes Kind, daß ich wahrlich in meinem ganzen Leben noch nie ein schöneres Wesen gesehen habe, was doch gewiß sehr viel sagen will, da ich in der Art beinahe in ganz Europa sehr viel gesehen habe. Hättest du auch eine mehr gebildete Sprache, so wärest du eine reine Göttin; aber wann du redest, so streifst du den ganzen himmlischen Schönheitsnimbus herab und man wird dadurch von der höchsten göttlichen Poesie in die alleralltäglichste Prosa versetzt. – Schau du hast dich ehedem als eine Himmelsbewohnerin ausgegeben, was ich dir deiner Gestalt nach auch gar nicht in Abrede stellen möchte; denn sie ist schön genug, um auch in einem noch so phantastisch schönen Himmel Aufsehen zu erregen, schön genug, um in den goldenen Gärten der Hesperiden zu glänzen. Aber so du dann mit deiner hundsgemeinen Sprache kommst, so fällt dann ein hochlyrisch-poetisches Gemüt, wie das meine, ja gleich von einem siebenten Himmel in den schmutzigsten Patsch der Erde zurück. Daher, so du schon durchaus ein himmlisches Wesen sein willst, so mußt du auch wirklich durchaus himmlisch sein, in der Sprache wie in der Gestalt, sonst glaubt dir's ewig kein Kuckuck, daß du eine Bewohnerin des Äthers menschlich lyrischer Phantasie bist.« 10 Spricht die Helena: »Ich bitt' ihnen, reden's nit gar so g'schwollen und lahmlaket; mit ihren Komplimenten können's ihnen a bald hamleuchten lassen. Manen's denn, ich bin etwa a so ani, die sich mit so an Komplimentenköder fangen laßt? Sie, wann's das meinen, da sag' i ihnen glei: da schaut unser liebe Herrgott zum Fenster hinaus, und sagt, es wird nix d'raus. Sie, i bin a Durchge'wixte! Verstehen's mich? Auf der Simringer Haid' gibt's Maisen g'nug, die sie fangen können; aber in Oberlerchenfeld muß man anders reden, wann man so noch wo an überblieb'nes Ganserl fangen will. Meinen's denn, ich kenn' etwa ihre Begierden nit? Gehn's und schaun's, daß sie mir nit g'stohlen werden! Ihnen g'fallt nur mein G'frieß, mein Herz aber g'hört vor ihren Augen der Katz' zu! Das geniert ihnen freili, daß ich nit so fein gesprächig bin wie so an aufgeputzte Stadtfräule, aber das is justament gut für unser an's, denn dadurch verschaff' i mir a Ruh vor ihnen. Da reden's mit mein' Mann; der kann schon besser hochdeutsch, als wie i. Glauben's aber, was er ihnen sagt, sonst werden's no lang kan Himmel zu sehen bekommen!« 11 Spricht der Offizier, sich die Ohren zuhaltend: »Gottlob, daß sie ausgeredet hat! Die treibt einen gebildeten Mann bei Gott zur Verzweiflung mit dieser Hundesprache. O du verzweifelter allerechtester Lerchenfelder Rostbraten mit Knoblauch und echt böhmischem Rapunselsalat! O Gott, o Gott! Mann! Robert! Freund! Bruder! Bist du taub? Was sagen deine Ohren zu solcher Ästhetik? Du feingebildeter Sachse, du Hofmann! Du kannst selig sein an der Seite dieses Rostbratens? Gott verleihe dir die höchste Geduld dazu! Mich brächte so eine Ehehälfte in wenigen Stunden zur Verzweiflung! Nein, hörst du diese Sprache! Und je länger sie spricht, desto hundsgemeiner! Hier könnte ich mit dem göttlichen Schiller ausrufen: »Das Leben ist der Güter höchstes nicht«, aber der Übel größtes ist ein dummes, ungebildetes Weib! Sage, Freund, wie wird es dir denn, so sie mit dir spricht, obschon du ein ziemlich starker Irländer geworden bist? Wahrlich, so diese sonst ganz überirdisch schönste Gestalt ganz stumm wäre und durch Zeichen und Mimik redete, wäre sie bei weitem interessanter, als so mit solch einer Hundesprache. Nein, hörst du, die ist fest affekuriert vor mir, und du darfst dich durchaus nicht fürchten, daß die je jemand zu irgend einer Untreue bereden wird; denn die ist zu ungeheuer dumm!« 12 Spricht Robert: »O da irrst du dich sehr; die ist nur zu durchtrieben gescheit, und hat dir einen Mut über zehn ganze Husarenregimenter! Sie redet auch nicht immer also, sondern nur wann sie will. O sie kann dir auch gar wunderschön reden, so es ihr am rechten Orte und Platze zu sein dünkt; ergibt sich aber dann wieder eine sie etwas genierende Gelegenheit, da wird sie wieder ganz Lerchenfelderin. Füge du dich nur dem, was ich dir gesagt habe, gehe hin und rede mit Gott, dem Herrn, Jesus Christus selbst, überzeuge dich von allem selbst, dann erst rede und handle nach deiner subjektiven Überzeugung.« 13 Spricht der Offizier: »Weißt du, das klingt alles wohl sehr närrisch und rätselhaft, aber führe mich doch hin, ich will mich von allem überzeugen. Sollte es so sein, wie du mir sagtest, so sollet ihr an mir den wärmsten Teilnehmer finden, im Gegenteile aber einen, der sich auch der Narren annehmen kann und wird.« Kapitel 237 Des Offiziers Rede vor dem Herrn, den er jedoch noch nicht erkennt; seine warme Liebe zu Ihm, läßt vor Ihm »präsentieren«. Herrliche Szene zwischen dem Vater von Ewigkeit und dem erweckten Sohne. Die Bruderliebe des Offiziers bittet für seine Soldaten Am 29. August 1850 1 Robert führt den Offizier zu Mir hin und sagt: »Dieser ist es, von dem die großen Schöpfungen zeugen, alle Propheten und Sein eigenes heiliges Wort, ein Wort aller Worte, das große Wort vom Vater, von der ewigsten reinsten Liebe!« – 2 Spricht der Offizier: »Aha, also dieser solle es ein?! Ja, ja, das ist ja derselbe, der ehedem den Soldatenstand, als du über denselben losgezogen hast, sehr lobend in den Schutz nahm. Ach, der Mann gefällt mir sehr wohl, auch ohne deshalb ein Gott sein zu müssen! Schau, Robert, wenn aus eines Mannes Brust Gerechtigkeit, richtige Beurteilung jedes Standes und jeder Sachlage, gute Gesinnung, Liebe für Ordnung und Recht und rechte Liebe zum Nächsten wie aus einem reichen Borne hervorquillt in stets gleicher ungeschwächter Kraft und Fülle durch Wort und Tat, so ist er, wenn auch gerade selbst kein Gott, aber dennoch sicher erfüllt von einem starken Geiste aus Gott, und verdient daher die höchste Achtung und Liebe eines jeden rechtlich und bieder denkenden Mannes; und diese zolle ich auch diesem Manne, bei dem ich ehedem solche Eigenschaften hocherfreulich entdeckt habe, aus allen Kräften meines Lebens. 3 He! Soldaten, habt acht! Präsentiert vor diesem Manne! Er trägt zwar kein goldenes Porte epée auf dem Degengriffe, aber dafür ein zehnfaches in seinem Herzen, und vor so einem Manne muß man dreimal »Gewehr aus!« rufen, den Grenadiermarsch schlagen und dreimal präsentieren; denn derlei Männer sind in der Zeit rar geworden. – Komm' her an meine rauhe Soldatenbrust, du biederer Ehrenmann! Die Brust eines Kriegers ist zwar rauh anzufühlen; sie ist eine wahre Gesetzesmaschine; aber hinter der Maschine schlägt oft ein Herz sehr warm für Gott, Kaiser, Vaterland, Recht und Ordnung, und an so ein Herz in meiner Brust drücke ich denn auch dich, du Edelster der Edelsten!« 4 Hier umarmt er Mich, und küßt Mich, so zu sagen, klein ab, und sagt darauf: »O du selten heiliger Genuß! Wahrlich, es gibt viel Schönes auf Gottes weiter Erde und viel, was so manches Herz oft mit Wonne, oft mit süßer Wehmut erfüllt, aber das Herrlichste des Herrlichsten ist doch der erste warme Freundschaftskuß zweier sich wohl erkannt habenden Biedermänner. Darum sei du mir auch so warm als nur immer möglich gegrüßt; denn deine früheren Worte an den Robert haben dich mir als einen Mann gezeigt, der Kopf und Herz am rechten Flecke hat. He! Soldaten, noch einmal – dreimal Gewehr aus! Grenadiermarsch! und präsentiert!« 5 Bei dieser etwas lärmenden Gelegenheit werden mehrere Menschen beiderlei Geschlechtes aus den Häusern gelockt, und die Neugierde treibt sie an, sich an Ort und Stelle zu begeben, um zu sehen, was da geschähe. – Als wir so ziemlich von Zuschauern aller Art umlagert sind, will der Offizier den Soldaten befehlen, die gafflustige Menge auseinander zutreiben; Ich aber sage zu ihm: »Freund! lasse das; auch diese Müßiggänger und Pflastertreter sollen sehen, wie da aussieht das Heil der Welt! Das sind halbtote Wesen, die niemanden etwas nützen, noch eben auch etwas schaden können; lassen wir sie daher gaffen!« 6 Der Offizier befolgt Meinen Rat und sagt zu Mir: »Mein herrlichster Freund! es tut mir sehr leid, daß ich dich verlassen muß; aber du weißt, daß des Kriegers Zeit auf die Minuten berechnet ist, und ich daher mit meiner Truppe weiterziehen muß, nach dem Orte unserer militärischen Bestimmung. Lebe daher wohl! und meine größte Freude wird es sein, dich ehestens irgendwo wieder zu treffen!« – Hier umarmt Mich der Offizier noch einmal, und küßt Mich mit tränenfeuchten Augen, und will sich darauf entfernen mit sichtlich schwerem Herzen. 7 Ich aber sage zu ihm mit weitgeöffneten Armen: »Mein Sohn! Ich sage dir: Du bleibst hier! denn du hast nicht umsonst solche Liebe zu Mir empfunden, die dich an Meine Brust gezogen hat. Ich bin ja dein wahrer Vater von Ewigkeit. Die Binde, die deine Augen hinderte, Mich sogleich zu erkennen, sei dir für ewig genommen! Und der Vater freut sich nun, einen so lieben Sohn an seine Brust drücken zu können! Dies steht allezeit beim Sohne, und nicht beim allmächtigen Vater. Der Sohn muß frei sein, sonst erträgt er nicht die Allmacht des Vaters! Du bist aber nun frei geworden, daher komme her an die lang' ersehnte Brust deines ewigen, allmächtigen, allein wahren Vaters!« 8 Hier erkennt Mich der Offizier, stößt einen Schrei der höchsten Freude aus, und fällt vor Mir auf den Boden hin und sagt: »O Du mein großer Gott! Ich bin ja ein Sünder; wie solle ich nun an Deine heiligste Brust kommen?!« 9 Ich aber sage: »Stehe auf, Mein Sohn, und komm! So Ich dich »Sohn« heiße, da bist du ohne Sünde denn wer so wie du in seinem Herzen Liebe trägt, der hat keine Sünde mehr, und hätte er Sünden gehabt, so viel des Sandes ist im Meere und des Grases auf der Erde, so sind sie ihm alle vergeben darum, weil er die Liebe hat in seinem Herzen!« 10 Nach diesen Worten erhebt sich der Offizier vom Boden, sieht wie trunken nach Mir hin und sagt mit hoher Begeisterung: »Es ist ja dieselbe heilige Brust, die ich früher unwürdigster Weise als Blinder zweimal umarmt habe; warum solle ich mich nun fürchten vor ihr, da ich sie erkenne?! O Du mein heiligster Vater! Du bist ja mein, mein, mein lieber, guter, heiliger Vater ewig!« – Hier fällt er Mir wieder an die Brust und sagt: »O welch ein Glück, welch eine Seligkeit, den wahren Vater gefunden zu haben! O Vaterliebe, du heiligstes, größtes Wort! Was birgst du in deinen ewig unergründlichen heiligen Tiefen!« – Hierauf weint er vor Liebe zum Vater; Ich aber stärke ihn, daß er Meine Liebe ertragen kann. 11 Nach einer Weile läßt Mich der Offizier wieder aus und sagt mit ganz verweinten Augen: »O lieber Vater! Du heilige, ewige Güte! Siehe, ich bin zwar nun so selig, als nur je ein Wesen selig sein kann, aber da sieh' gnädig hin auf meine recht brave Truppe! Nimm sie auch an, denke nicht ihrer Gebrechen; sei ihr wie mir gnädig und barmherzig!« 12 Sage Ich: »Mein geliebtester Sohn! Bist schon etwas zu spät gekommen mit deiner Bitte; denn Ich habe sie schon alle angenommen. Du aber wirst auch in Meinem Reiche ihr Führer und Lehrer sein, und wirst an diesen deinen Waffenbrüdern Freude haben für ewig. Sie haben viele Schätze in sich, die du erst wirst kennen lernen, so du sie von Stufe zu Stufe höher erheben wirst. Ich sage dir: Einer schon faßt mehr in sich, als alles, was dein irdisch Auge in Meinen Schöpfungen je geschaut hat!« 13 Der Offizier aber bemerkt auch, wie die herbeigeeilte schaulustige Menge ganz gerührt diese Szene zwischen Sohn und dem wiedergefundenen Vater betrachtet, denn die Menge meint, dieser Offizier habe etwa seinen natürlichen Vater, den er schon lange nicht gesehen und gesprochen hatte, gefunden, und sei darob nun so gerührt, und dann sagt der Offizier zu Mir: »Vater sieh' hin! die Halbtoten scheinen lebendiger werden zu wollen, wie wäre es denn, so wir auch sie bei uns bleiben hießen? Mich dauern sie von ganzem Herzen; ich möchte sie gleich auch alle zu mir nehmen. Ist auch irgend ein etwas räudiges Schäflein darunter, das wird sich ja wohl etwa mit gerechten Mitteln reinigen lassen.« – 14 Sage Ich: »Mein geliebtester Sohn! Auch das ist schon geschehen, und du sollst sie alle unter dein Regiment bekommen und ihr Führer und ihr Lehrer sein. Ich ließ sie deshalb von dir ja nicht auseinandertreiben; gehe hin und sage ihnen, was du nun gesehen und erfahren hast, und sie werden dir folgen.« Kapitel 238 Der Offizier als tatkräftiger Heilsverkünder an die schaulustige Menge; derselbe treibt ihre Zweifel mathematisch aus, führt sie aus dem »Tal Josaphat« und danach zum Herrn Am 30. August 1850 1 Der Offizier verneigt sich tiefst vor Mir und all' den anderen, und geht unter die Menge, und verkündet ihr das Heil auf eine sehr kräftige und energische Weise, so daß darob alle in eine Art Schwindel geraten, und die Weiber zu schluchzen und zu weinen anfangen. Denn einige Schwache meinen, es werde nun offenbar der Jüngste Tag kommen, an dem sie erweckt und gerichtet werden. – 2 Aber der Offizier herrscht sie ordentlich an und sagt: »O ihr albernen Weiber und Betschwestern übereinander! Wie fällt euch denn gar so etwas Dummes ein? Glaubet ihr denn, daß der Jüngste Tag gerade so aussehen muß, als wie die Pfaffen ihn euch vorgemalt haben? Es ist hier allerdings ein Jüngster Tag für uns alle, weil wir bis jetzt in der stockfinstersten Nacht gelebt haben, und Gott der Herr Selbst hat uns auferweckt an diesem Tage, ansonst wir in der ewigen Nacht der Weltirrtümer geblieben wären; und sehet, das ist ein rechter Jüngster Tag, an dem uns Heil für ewig widerfahren ist. Es ist und gibt auch wohl ein Gericht zum Tode, in dem wir eben ohnehin mit Haut und Haar gesteckt sind; aber das ist ein Gericht aus uns selbst und nicht aus Gott. Das Gotteswort selbst, durch das wir geworden sind, und die uns verliehene Willensfreiheit sind das, was uns richtet und richten muß, ansonst wir Steine ohne Leben wären. Haben wir uns aber aus unserem höchst freien Willen den Todesstoß gegeben, und können uns dann im Tode von selbst nimmer helfen, so kommt dann der Vater von oben mit Seinen Engeln und hilft den Toten wieder zum Leben. Wenn die Toten im Geiste dann wieder erwachen im neuen Tage zum ewigen Leben, so ist das für jeden Erweckten und Erwachten dann ein wahrhaftester Jüngster Tag, so wie auch für ein jedes neugeborne Kind jener Tag, an dem es in die Welt hinausgeboren ward, ein irdischer »Jüngster Tag«, wie dieser für uns alle nun ein geistiger ist zum ewigen unvergänglichen Leben in und bei Gott! Darum fürchtet euch nicht mehr so albern vor einem gewissen Schreckenstage, der wenigstens in dieser geistigen Welt ewig nimmer zum Vorscheine kommen wird und kommen kann. Heißt es denn nicht in der Schrift, so viel ich mich derselben noch entsinnen kann: »Und ich, spricht der Herr, werde ihn am Jüngsten Tage erwecken,« und nicht: Und ich werde ihn am Jüngsten Tage umbringen und verdammen. Schauet, schauet, wie albern ihr doch seid. Hätte Gott je gewollt, daß eine gewisse Art Wesen die Gräber der Toten bewohnen solle und gleich daneben die Hölle, so hätte Er diese Wesen auch sicher also eingerichtet, daß sie für Tod und Hölle ganz geeignet wären, so wie der Fisch für's Wasser und der Vogel für die Luft. 3 Uns Menschen aber hat Gott der Herr für's Licht erschaffen und nicht für eine ewige Todesnacht und Qualnacht; und so erweckt Er Selbst auch alle, die im Tode noch begraben daniederliegen. Seid daher weise und lasset euch belehren! Der Herr hat allen Menschen durch Seine göttliche Lehre das Beste vermeint; daß sie die Menschen aus Torheit und noch mehr aus Habsucht grundfalsch ausgelegt haben, da kann der Herr nichts dafür, denn Er läßt jedem den freien Willen. Also weg mit allen Skrupeln und folget mir zum Herrn hin! Er wird euch alle selig machen, nach dem Maße der Fähigkeit eines jeden aus euch.« 4 Sagen die Weiber: »Aber lieber Freund! es steht ja ausdrücklich in der heiligen Schrift, daß nach der Auferstehung alle im Tale Josaphat werden zusammengetrieben werden, von Adam angefangen bis auf den letzten Menschen, der auf der Erde leben wird; und dort werden sie sehen den Sohn Gottes ankommen in der Mitte Seiner heiligen Apostel, aller sonstigen Heiligen und Märtyrer, begleitet von zahllosen Engelscharen, und da wird sich dann der erschreckliche Richter auf den Richtstuhl setzen, und richten die Toten und die Lebendigen. Siehe, das steht auch in der heiligen Schrift. Wie erklärst denn du dir solche Schreckensworte?« – 5 Sagt der Offizier: »Meine lieben Weiber! könnet ihr es glauben, daß unser lieber Gott und Vater eine viereckige Kugel erschaffen kann oder machen, daß ein Kinderröckchen, ohne daß es größer wird, einem Riesen am Leibe schlottern werde? Ohne den Riesen so klein zu machen als wie ein Kind oder das Kleid riesenhaft auszudehnen wird es sich nicht tun. Was meinet ihr?« – »Ja, ja,« sagen die Weiber und Männer, »das möchte sich freilich nicht tun, und mit einer viereckigen Kugel möchte es doch etwas hart hergehen.« 6 »Gut,« sagt der Offizier weiter, »wir sind nun schon Geister in der Geisterwelt; kommet ihr euch größer oder kleiner vor, als wie ihr auf der Welt waret?« – Sagen alle: »Da finden wir gar keinen Unterschied, vorausgesetzt, daß wir denn in Gottesnamen schon wirklich gestorben sein sollen.« – Sagt der Offizier: »Nun gut; nur eine kleine Geduld! Jetzt werden wir bald dort sein, wo wir sein müssen, um das Tal Josaphat besser zu begreifen. Daß wir Gottlob alle wirklich in der Geisterwelt uns befinden, welche besser »die Welt der Wahrheit« heißen sollte, ist nun schon zu evident hell und klar, und bedarf durchaus keines Beweises mehr; aber ob wir auch wirklich so groß sind, als wie groß wir auf der Welt waren, das muß sich ein wenig vergleichsweise erörtern lassen; aber wie? 7 Ich meine, das solle eben nicht eine zu schwere Aufgabe sein. Versuchen wir die Geschichte! Sehet, da steht der Stephansturm, der Dom, die Häuser alle noch gerade also vor uns, als wie wir sie auf der Welt in unseren Leibern viele tausend Male gesehen haben, und wir stehen hinsichtlich unserer Größe im selben Verhältnisse zu ihnen, als wie wir auf der Welt zu ihnen gestanden sind. Ich habe noch meine fünf Schuhe und etliche Striche, als wie ich sie auf der Welt gehabt habe. Also bemerke ich auch bei euch die ganz natürliche Größe, wie ihr sie auf der Welt gehabt habet. Kurz und gut, wir sind hier der Gestalt nach eher größer als kleiner geworden. Der größte Beweis aber liegt darin, daß dort Gott der Herr Selbst, Dessen Gestalt sicher kein Trug ist, eben so groß ist, als wie wir es sind. Nun, auch über diesen Skrupel wären wir hinaus. Jetzt aber gebet acht, denn nun werden wir ein wenig rechnen. 8 Ich war noch als Kadett einmal bei einer Expedition in Asien und habe das gute Tal Josaphat gesehen, es liegt eben nicht sehr ferne von Jerusalem, und ich dachte mir so meinen Teil dabei; denn die Täler des gelobten Landes sind durchaus schmal, ziemlich steinig, und gar nicht lang. Ein Tal von mehreren Meilen Länge und etwa von einer halben Meile Breite gehört dort zu den größten Seltenheiten. Weiter über Damaskus hinaus gegen Babylonien und gar Persien hin gibt es dann schon sehr lange und breite Täler; aber im gelobten Lande, als Judäa, Mesopotamien, und wie die einzelnen Landstriche alle heißen, findet man nur mehr schmale Schluchten und Gräben; selbst das Tal am Jordan, eines der ansehnlichsten, ist durchaus nicht breit und eben auch gar nicht lang; und das ist eben auch das Tal Josaphat, nicht breit und nicht lang. 9 Wenn ich in das Tal 200.000 Mann lege, so darf die Mannschaft sich schon um einen Platz umschauen, wo sie ihr Lager aufrichten wird. So ich aber erst eine ganze Armee von 5 bis 6 mal hunderttausend Mann hineinlege, so würden die Soldaten wie die Pickelheringe beisammen stehen und das ganze Tal so ausfüllen, daß sich wegen des Gedränges kaum jemand würde umdrehen können. Eine Million Menschen im Tale Josaphat müßte vor lauter Gedränge Blut zu schwitzen anfangen. Nun denket euch aber hundert Millionen Menschen ins Tal Josaphat hinein! Frage, wo würden diese Platz finden? Seht, mit hundert Millionen Menschen bevölkere ich das ganze große Kaisertum Österreich so, daß es ob der Häuseranzahl einer nahe kompletten Stadt gleichen wird. Wohin also mit hundert Millionen im Tälchen Josaphat? Nun denket euch aber erst tausend Millionen Menschen, die fest aneinandergestellt wenigstens einen Flächenraum von sieben Quadratmeilen vollends bedecken würden. Wir rechnen aber jetzt wenigstens 5.000 Jahre, während welchem bedeutenden Zeitraume auf der Erde in runder Zahl genommen wenigstens zwei bis dreimal hunderttausend Millionen Menschen gelebt haben; und wie viel noch darauf leben werden, das wird unser lieber Herrgott wohl am besten wissen! Und diese erschreckliche Menschenmasse solle im Tälchen Josaphat am jüngsten Gerichtstage natürlicher Maßen Platz haben?! 10 Schaut, schaut, Leutchen! und denket nur ein kleines bißchen nach, und euch muß ja doch die große Ungereimtheit auffallen! Wenn so was möglich sein solle, so müßte entweder die ganze Erde zum Tale Josaphat umwandelt werden oder die Menschen müßten in die Größe der Infusionstierchen zurückgedrängt werden, um im Tale Josaphat auf einmal Platz zu haben; den lieben Engeln Gottes müßte aber dann geraten werden, sich ja mit den besten Himmelsmikroskopen zu versehen, um bei dem Absonderungsgeschäfte nach dem ergangenen erschrecklichsten Urteile die Guten von den Bösen zu scheiden; und das wäre wirklich eine kurios saure Arbeit für die guten lieben Engel Gottes. Würde aber die ganze Erde zum Tale Josaphat umgewandelt werden, da könnten ja dann nicht alle zugleich den allergestrengsten Richter sehen, und das schreckliche Urteil auch nicht auf einmal vernehmen, sondern erst nach dem Ablaufe von 24 Stunden, und der Herr müßte da das Urteil wenigstens alle Sekunden einmal aussprechen, und schon mit einer ungeheuer starken Stimme, denn die Erde macht in jeder Sekunde eine Rotationsbewegung von ungefähr fünf deutschen Meilen, und es gehört, wenn man die ganze Schriftsache materiell auslegen will, so ein hübsches Kanonenstimmchen dazu, um auf nur wenigstens drei Meilen vernommen zu werden. 11 Ihr sehet nun leicht ein, welche Albernheiten da am Ende heraus kommen müssen, wenn man das Wort Gottes, das doch nur den allerreinst geistigen Sinn haben muß, ganz buchstäblich und somit materiell nimmt. Man muß das Wort Gottes, weil es durchgängig geistig ist, auch stets geistig nehmen, so man zur Wahrheit gelangen will, die allein erst das menschliche Gemüt von allen Albernheiten und absurdesten Dummheiten frei macht. 12 Sehet, das Tal Josaphat seiner besonderen Lage und seines Charakters wegen, und auch wegen der geringen Fruchtbarkeit ist häufig zu Begräbnissen von angesehenen Familien benutzt worden, und wie man bei uns sagt: Am Friedhofe kommen am Ende alle zusammen, Groß und Klein, Reich und Arm, Jung und Alt, und Freund und Feind; das Gleiche bezeichnet man auch mit dem »Tale Josaphat«. Auch bezeichnet im engeren Sinne dieses Tal wegen seiner Enge und Unwirtlichkeit das Grab selbst, und im geistigen Sinne die Geisterwelt in so weit, als wie wir uns bis jetzt in der selben befunden haben; denn auch die Geisterwelt ist solange ein Totengrab für den Geist des Menschen, bis diesen Gott der Herr durch Seinen heiligen, allmächtigen Liebewillen, wie nun uns, daraus erweckt hat. 13 Wir waren also bis jetzt im eigentlichen Tale Josaphat; nun kam aber der Herr mit aller Herrlichkeit Seiner unbegrenzten Liebe und Erbarmung, und hat uns durch Seine Gnade eine lebendige Richtung gegeben. Daher sollen wir denn nun auch nicht mehr an das denken, was nicht ist, sondern wie wir Ihm danken sollen für solche endlose Gnade. Kommet daher nun mit mir und gebet dem Herrn die Ehre, da Er euch nun aus dem Tale des Todes und Gerichtes erlöset hat!« Kapitel 239 Einige irdisch-menschliche Torheiten und Schwachheiten kommen zum Vorschein. Ein Landmann, einige Gaflustige, eine Hausfrau, eine Betschwester mit einen Gebetbuch und einen Rosenkranz Am 1. September 1850 1 Tritt ein Mensch, mehr dem Landvolke als dem der Stadt gehörig, ziemlich ältlichen Aussehens und durchaus kein Genius, zum Offizier hin und sagt in einer Art süßem Bauerntrema: »He, he, he, sö san a g'waltige g'scheidta Mann! Sö hab'n g'sagt, daß unsa liabi Herrgott da wär! He, he, he, sag'ns ma, der welche war's denn? Bitt' um Verzeihung, euer Gnoden!« – Der Offizier kommt hier beinahe aus der Fassung vor Unterdrückung der Lache, die sich seiner hier bemächtigen will ob der komischen Frageweise dieses Landmannes; aber er erholt sich bald und sagt darauf: »Mein lieber Freund! da seht hin; derselbe, der nun dort unter der Ecke des Hauses steht, und sich mit einem gewissen Robert Blum und gleich daneben auch mit dem seligen Kaiser Josef bespricht, und sehr schöne blonde Haare hat, wie sonst kein anderer um ihn herum. No, wie gefällt er euch denn?« – 2 Sagt der Landmann: »He, he, he, was sogen sö? Das wär' unser liabi Herrgott?! Du mein Gott, du mein Gott! Hätt' mir Ihn a ganz anderst vorg'stellt! Nix größer, als unser ans, und denno so allmächti dabei! Wahrhaftig, das is rar! So a klaner Herrgott und doch so allmächti! Das is wirkli rar! Wer sähet' Ihm das an?! Aber nix für unguet, euer Gnoden, i red' halt, wie ich's versteh'n tu!« – 3 Sagt der Offizier: »Ja, ja, mein lieber Freund, so ist es denn; man sieht es Ihm freilich nicht an, aber Er ist es dennoch. Aber nun seid ihr nur schön still, und begebet euch mit mir samt den anderen hin zu Ihm; ich werde euch alle Ihm vorführen, wie Er mir auch den Auftrag an euch alle gegeben hat. Er Selbst wird euch am allerbesten und am allerschnellsten belehren, und euch eurer Bestimmung am schnellsten zuführen. Lasset Ihn aber ja nicht lange warten, weil Ihm sonst am Ende denn doch die Geduld ausgehen könnte, und das wäre dann wahrlich kein Spaß mehr für uns; verstehet das wohl, meine lieben Freunde!« – 4 Treten ein paar andere hinzu und sagen: »Wir haben nur zu Hause, wie wir da den Lärm gehört haben, alles in der Unordnung verlassen; die unsrigen wußten nichts, wo wir hingekommen waren. Wenn wir nur einen Sprung noch nach Hause machen könnten, um den unsrigen etwas davon zu sagen, sonst werden sie in großen Sorgen sein, und werden nicht wissen, ob wir in die Luft oder in's Wasser gekommen sind.« – 5 Sagt der Offizier: »Ihr Toren! So ihr zu Gott dem Herrn kommen könnet, was kann euch wohl noch mächtiger am Herzen liegen? Euer ganzes Haus ist hier ja so nichts anderes, als eine eitel genug eingebildete nichtigste Chimäre. Die Wahrheit und Wirklichkeit fängt ja ohnehin erst hier an; alles bisherige war ja sonst nichts als ein eitel nichtiger Traum! Wollt ihr also den Traum pflegen, und dafür die große heilige Wirklichkeit auf's Spiel setzen? Habt ihr denn nicht gelesen, wo es geschrieben steht: Wer zu der Zeit aus dem Hause ist, der kehre nicht zurück, seinen Rock zu holen; wer auf dem Dache ist, der steige nicht herab usw. Wenn Gott der Herr uns beruft, so müssen wir augenblicklich alles verlassen können und Ihm folgen, sonst sind wir Seiner ewig nicht wert. Versteht ihr dieses? – ° Sehet, ich bin ein Offizier; wie oft habe ich mich in einer oder der anderen Station, in der Meinung, da werde ich nun etwa ein paar Jahre verbleiben, ganz kavalierment eingerichtet; um mir da recht gütlich tun zu können; in sechs Tagen in der Nacht kam der Befehl: Binnen drei Stunden muß alles marschfertig dastehen. Was habe ich machen wollen? Ich mußte, ohne auf einen Ersatz Rechnung machen zu dürfen, alles stante pede verlassen, und meine Füße nach der Trommel zu rühren anfangen; und was war am Ende der Grund von solch schneller Translozierung (Umsetzung)? Nichts als die Laune eines KriegsministeriumsPraktikanten oder Adjutanten. Und ich mußte mich zufriedenstellen. 6 Hier aber ruft Gott der Herr alles Lebens Selbst, und will uns für all' das Nichts, das wir je als etwas zu besitzen wähnten, Unaussprechliches für ewig geben. Ihr Toren! Was könnet ihr wohl verlassen Gott zu liebe, das Er euch nicht tausendfältig wieder zu erzetzen imstande wäre. Verstehet doch die Ordnung Gottes einmal; lasset ab von euren Torheiten, und erkennet was falsch und was wahr ist. Lasset Liebe zu Gott in euer Herz! und kommet mir mit keiner Torheit mehr, sondern folget mir zu Gott dem Herrn hin, sonst lasse ich euch stehen und sitzen in eurem Tale Josaphat.« 7 Sagt noch eine alte Dame, die ein Gebetbuch und einen Rosenkranz in der Hand hält: »Aber sie, gnädiger Herr Offizier! Glauben sie denn nicht, daß man unterwegs die 30 Schritte, zum wenigsten die heiligen Tagzeiten zu der allerseligsten Jungfrau Maria beten solle oder zum wenigsten einen halben Rosenkranz vom bitteren Leiden?« – 8 Sagt der Offizier: »O Gott! verleih' mir Geduld; jetzt kommt die alte Betschwester auch noch mit ihren Anständen!« Zu der Alten gewandt: »Möchten‘s nicht noch etwa auch beichten und kommunizieren früher? Wenn der wirkliche Herr und Gott da vor uns steht, werden wir doch hoffentlich keinen Gebackenen mehr brauchen! Schau, du alte Schlafhaube, ich bin nur ein bißchen gescheiter als du, und mir kommt dein Antrag schon sehr dumm und fade vor; wie dumm und fade muß er erst vor unserem lieben und allerweisesten Herrn und Gott erscheinen? 9 Werfet von euch alle die Geist und Seele tötenden Pfaffen-Instrumente, und gehet mit uns zu Dem hin, Der allein das Leben ist, und das Leben gibt aus Sich. Der wird es euch sagen, was ihr tun sollet. Glaubet ihr denn, der Herr habe eine Freude an solchen Dummheiten? Er hat mit den Torheiten der blinden Menschen wohl alle mögliche Geduld und Nachsicht, aber von einer Freude und von einem Wohlgefallen kann da doch ewig keine Rede sein; denn in der Geduld, die eigentlich nichts als ein von der großen Liebe gesänfteter und unterdrückter Ärger ist, kann keine Freude stecken. Geduld kommt vom Dulden her, und Dulden heißt Leiden aus Liebe, so der göttlichen Weisheit die zweckwidrigsten und dümmsten Sachen vorgemacht werden, und daran kann Gott ewig kein Wohlgefallen haben. Ich habe es euch aber schon früher gesagt, daß ihr mir mit keinen Dummheiten mehr kommen sollet, sonst lasse ich euch stehen. Nun sage ich's euch zum letzten Male, wenn mir jemand noch mit einer Dummheit kommt hier in diesem allerheiligsten und wichtigsten Momente für die Ewigkeit, der wird ohne weiters von dieser Gesellschaft ausgewiesen werden, und kann nach seiner Phantasiebehausung zurücckehren und sich für die ganze Ewigkeit Phantasie-Erdäpfel sieden und braten!« – 10 Sagt die Alte: »No, no, no, bitt' um Verzeihung, Herr Offizier! Ich hab's ja nicht gewußt, daß das Beten gar so was Gefehltes wäre. Ich hab's in meiner Meinung ja nur gut gemeint; ich weiß wohl das auch, daß das Beten gerade nichts Angenehmes ist, und daß man damit keinem Menschen eine besondere Freude machen kann; aber eben deswegen hab' ich gemeint, weil s' Beten was Unangenehmes ist, daß man sich selbst verleugnen solle, das Kreuz des Betens auf sich nehmen und Christus dem Herrn nachfolgen; und die vermöglichen Stadtleut' haben sonst halt wohl kein anderes besonderes Kreuz gehabt, als das liebe Beten; und wenn wir halt das auch nicht getragen hätten, da hätten wir dann ja gar kein Verdienst vor Gott! Und wann wir halt das Wegerl dahin auch noch so ein bissel von einem Kreuzerl getragen hätten, da hab' ich halt gemeint, hätten wir dann auch noch so ein kleines Verdiensterl dazu. Aber ich sehe jetzt nun schon, daß der Herr Offizier die heiligen Sachen besser verstehen als unsereins, und so tun wir denn auch das, was der Herr Offizier wollen!« – 11 Sagt der Offizier: »Bleibet mir ewig mit dem »Herr« weg; denn nur Gott allein ist der Herr; wir alle aber sind Brüder und Schwestern. O Herr! wie entsetzlich dumm sind doch Deine Menschen geworden! Das Gebet, die über alles entzückende Erhebung des Herzens zu Dir, heiliger Vater, den himmlischesten Akt des armen Menschen auf Erden wie hier in der Welt der Geister, halten sie für eine Art Bußkasteiung, für ein drückendes Kreuz. Ach, das ist denn doch etwas zu stark! Aber leider, ihre höchst geistlose und sinnlose Art zu beten, wodurch der Geist nicht belebt, sondern nur getötet wird, ist auch im Grunde bei Gott nichts anderes. Die Leute urteilen wenigstens über ihr Beten ganz richtig. Diese Menschen meinen es nach ihrem freilich höchst beschränkten Verständnisse nicht schlecht, und so muß man mit ihnen ja Geduld haben; aber so ein bißchen aufrütteln muß man sie denn doch, sonst würden sie schimmelig vor Dummheit. Herr, habe Geduld mit der Dummheit der Armen! Schlecht sind sie gerade nicht, aber dumm wie die Nacht. Das solle aber nichts machen, denn sie lassen sich ja belehren, nur muß man oft wider Willen einen etwas festeren Rüttler über sie kommen lassen, dann lassen sie ihre Dummheiten um desto eher fahren. Vielleicht kommen noch so ein paar alte Weiber her? Nun, ein bißchen rütteln; nachher tut es sich schon wieder.« 12 Kaum hat der Offizier diese Worte so mehr vor sich hin ausgesprochen, so kommt schon wieder eine andere Alte mit einem silbernen Reliquienkreuze zu ihm und sagt: »Verzeihen sie eine Frage: Das Kreuz da, vom Papste selbst dreimal geweiht und angerührt, hat mir ein hochwürdigster Pater Quardian der Kapuziner gegen dem verehrt, daß ich eine Schuld für's Kloster, es waren bloß so bei 600 Gulden C.M., bezahlt habe; und in diesem Kreuze sind bloß nur Reliquien von Christus dem Herrn drinnen. Was meinen sie denn, könnte ich etwa dieses mein teures Kleinod nicht Christus dem Herrn nun als eine Art Präsent vermachen?« – Der Offizier springt hier förmlich auf vor Ärger und sagt: »Nur zu so in der Dicke! O Gott, o Gott! sind diese Menschen aber doch so unbegreiflich dumm, wie man sie sich aber schon nicht noch dümmer vorstellen kann!« Dann spricht er zum Weibe: »Macht's nur immerhin euer Präsentl! In Gottes Namen! Nur so fort in der Dicke!« Kapitel 240 Weitere Geduldsproben für den Offizier. Noch einige Weiblein mit ihren Lebensgeschichteln, Begebenheiten und allerlei Anständen aus deren Leben Am 3. September 1850 1 Es kommt aber auch sogleich ein drittes Weibsbild zum Offizier hin und sagt: »Sie, Herr Offizier!« – Der Offizier: »Was gibt es noch in Gottes Namen?« – 2 Spricht das Weibsbild weiter: »Sehen sie, ich bin halt richtig gestorben auf der Welt in meinem 27. Lebensjahre, und zwar im Kindbett'; aber ich war nicht verheiratet, sondern war nur Köchin und Stubenmädl in einer Person bei einem Witwer, und stellen sie sich vor, bei der Nacht hab' ich dann dem Witwer auch müssen ein Weib abgeben, und er hat mir immer gesagt, wenn ich ein Kind mit ihm bekäme, so tät er mich hernach sogleich heiraten, aber der alte Kerl, schon bei den Sechzig, hat nichts mehr vermocht, er hat wohl alle Tag' bei der Nacht mit mir herumg'frett, daß es schon eine helle Schand' war, aber es war rein alles umsonst. Ich hätt' aber den alten Schippel doch heiraten mögen, weil er viel Geld gehabt hat. Ich hab' aber auch einen anderen festen Liebhaber gehabt; den ich noch nie d'rüber lassen habe, damit er von mir eine bessere Meinung haben soll; weil ich aber jetzt den Alten hab' heiraten wollen, so ist mir am G'schatz des Jungen nicht mehr so viel gelegen gewesen, und ich hab' ihm halt das getan, was er lange schon gerne gehabt hätt'. Da bin ich denn hernach auch schwanger worden, und hab' dann die Schuld auf den Alten geschoben, damit er mich heiraten soll; aber bei der Geschicht' hab' ich mich selbst ganz abscheulich angeschmiert. Der alte Schippel hats auch richtig geglaubt, und hätt' mich auch geheiratet; aber da hat der liebe Herrgott uns beiden einen gewaltigen Strich durch die Rechnung gemacht. Ich bin im Kindbett' gestorben, und der Alte hat sich nachher gewiß eine andere genommen. 3 Wie ich aber in diese Geister-Welt gekommen bin, da hat mir sogleich eine andere gesagt: »Du nimm dich zusammen, denn du bist gestorben auf der Welt, und von nun an wirst du ewig nimmer auf diese materielle Welt zurückgesetzt werden, auf der du bis jetzt über 26 Erdjahre lang in jeder Hinsicht schlecht genug gelebt hast. Fasse, daß du nun für alle Ewigkeit eine pure arme Seele bist, voll Sünden groß und klein! Was wirst du nun tun?« – Nach dieser schrecklichen Frag' bin ich ohnmächtig geworden, daß ich eine Weile nichts von mir selber gewußt habe, aber nach einer Weile ist mir die Besinnung schon wieder gekommen. Die schreckliche Person, die mir eine solche Nachricht gegeben hat, war unterdessen verschwunden, und ich hab' mich wieder ganz gut auf der Erd' und zwar in Wien, wie jetzt, befunden; nur das kam mir etwas spaßig vor, daß ich mein Quartier und meinen Dienstgeber noch bis zur Stunde nicht habe ausfindig machen können, wie auch meine Freundinnen nicht, mit denen ich doch immer den schönsten Umgang gehabt habe. Ich war bis jetzt so halb hin, halb her; ich weiß es, daß ich in der Geisterwelt bin, und doch weiß ich es wieder nicht! Denn manches hat mich immer befremdet; manches ist aber dagegen wieder ganz natürlich; jetzt aber, mein bester Offizier, kommt erst das Wahre!« 4 Sagt der Offizier: »Was? noch nicht gar? no, so rede nur zu!« – Spricht sie: »Sehen sie, mein bester Freund! Ich bin halt eine große Sünderin worden, und da hab' ich halt die Höll' verdient und den Himmel verscherzt; denn ich hab' das Handwerk der schlechten Lieb' schon in meinem dreizehnten Jahr' ganz heimlich ang‘fangen und gleich von Anfang mit einem Soldaten von der Artillerie; und das, wie oft ich allerlei Leut' in einem Jahr nur hab' bei mir schlafen lassen, das ging schon ins Unglaubliche. Auf der Erd', wie ich also gestorben war, ist die Geschicht' halt gar so geschwind gegangen, daß ich nicht einmal mit den Sterbsakramenten habe können versehen werden. Hier in dieser Welt bin ich nun schon in allen Kirchen, die noch ganz die alten sind außen und inwendig herumgerennt, und hab' beichten und kommunizieren wollen, aber da ist nirgends ein Geistlicher anzutreffen gewesen; bloß einen hab' ich gefunden, und der hat dafür so viel Geld verlangt, daß ich es wahrlich in Ewigkeit nicht zusammen hätte bringen können; und so bin ich halt noch voller Sünden da, und trau' mich nicht zu unserem lieben Herrgott hin; ich hab' wohl schon oft die lebendigste Reu' und Leid erweckt, aber was hilft das, wenn man halt nicht gebeichtet und kommuniziert hat, und auch keine letzte Ölung hat kriegen können! O du mein Gott! o du mein Gott! was wird jetzt aus mir werden? 5 Das tut mich halt am meisten drücken, daß ich meinen guten Liebhaber, der es so gut mit mir gemeint hat, ganz hinterlistig hab' aufsitzen lassen wegen dem alten Schippel; dieser alte Esel aber hätt' mich so gewiß nicht geheiratet; denn dem war's nur um's umhergaulen zu tun. Schaun's, Herr Offizier! ein arm's Madl ist und bleibt halt a dumm's Vieh bis an ihr letztes End'. Ich hätt's ja lang' schon mit Händen greifen können, daß mich der alte Schippel nie heiraten wird, und wenn ich auch schon zehn Kinder mit ihm gehabt hätt'; aber dennoch hab' ich müssen versuchen, den alten Saumagen d'ranzukriegen. O ich arme Seel', wer wird mir jetzt helfen? Wann aber nur unser lieber Herrgott solchen alten, gewissenlosen Saukerl'n doch schon auf der Erd' a rechte Straf schickete, daß sie leiden müßten wie ein schäbiger Hund, weil sie sich gar kein Gewissen daraus machen, ein armes Mädel mit ihrem tausendmal verfluchten Geld unglücklich zu machen. 6 Hätte dieser alte Saumagen mich denn nicht also heiraten können, ohne daß er zuvor eine Todsünd' als Bedingung hat setzen müssen? Der hat recht wohl gewußt, daß er nichts mehr machen kann, d'rum hat er eine solche Bedingung gesetzt, aus der nie was hätt' daraus werden können, und er hätt' da schön sein Lebtag mit mir herumgäulen können. Wie ich nachher wirklich schwanger war, o da hat er schön sauber vom Heiraten kein Wort mehr gered't. Wenn ich ihn daran gemahnt hab', da hat er sich immer mit allerlei entschuldigt, wegen der Welt, wegen seiner Stellung, wegen seinen Verwandten, wegen seiner Tochter, die wo in Ungarn verheiratet war; und dann hätt' er einen Prozeß, den er noch eher gewinnen muß, was schon bei einer nächsten Tagsatzung hätt' ausgemacht werden sollen; aber diese nächste Tagsatzung ist halt immer überlegt worden, und so bin ich denn eher gestorben, als bis die erlog'ne Tagsatzung gekommen ist. 7 Ich sag' ihnen, Herr Offizier, mich hat eigentlich so mehr die Gall' über diesen alten Lumpen umgebracht, als das Kindbett. Und glauben sie, daß (es) ihm etwa leid war um mich? O da sein sie ruhig! Er hat nur eine große Freude d'ran g'habt, daß er meiner auf so eine unschuldige Art loß worden ist. Na, ich bin noch so giftig auf diesen Schweinekerl, daß ich ihn quintelweis zerreißen könnt', wenn ich ihn nur so wo erwischen könnt'. Wann ich ihn so bei den Haaren packen könnt' und mit ihm in die Höll' fahren, ich machete mir aus der ganzen Höll' nichts draus.« 8 Sagt der Offizier schon ganz halbsteif vor Ungeduld und zugleich auch vor Ärger über den Alten, der dies Mädl so mißbraucht hat: »Ich bitte euch um Gott, des Herrn willen! Höret einmal auf! Daß es euch unrecht ergangen ist, das ist ganz klar, aber ganz unschuldig seid ihr denn bei dieser Geschichte doch auch nicht; für euren schlechten Teil seid ihr bereits durch die gnädigste Zulassung Gottes gezüchtiget worden, und habet sonach die Folgen eures schlechten Anteils genossen, und ihm (dem Alten) wird der Herr auch nicht ein Haar schuldig bleiben. Daher sei du nur ruhig. Vergib dem Alten von ganzem Herzen, und komme nun mit mir zu Gott dem Herrn hin; Er wird schon alles wieder gut machen. Denn Er Selbst spricht ja: »Kommet alle zu Mir, die ihr mühselig und beladen seid; Ich werde euch alle erquicken!« Aber Zorn dürfet ihr nicht haben in eurem Herzen, sondern Liebe sogar zu den größten Feinden, dann werdet auch ihr volle Liebe bei dem Herrn unserem Gott finden.« – 9 Sagt das Mädchen: »Ja, ja, sie, Herr Offizier, sind wohl ein recht guter und gescheiter Herr! Mit ihnen könnt' ein ehrlich's Mädl schon a rechte Freud' haben! Schaun's, es ist halt doch gut, daß ich mich vor ihnen so recht ausgered't hab', denn jetzt ist mir viel leichter um's Herz, und ich hab' auf den dummen Alten auch gar keinen Zorn mehr. Unser liebe Herrgott wird schon wissen, was Er mit ihm tun wird. Ich bedank' mich recht gehorsamst für die schöne Lehr', die sie mir gegeben haben.« – Sagt der Offizier: »Ist schon gut, schon gut; sehen wir jetzt nur, daß wir zum Herrn kommen! So ihr alle bereit seid, da gehen wir; denn ich stehe schon auf Nadeln vor Ungeduld!« – 10 Es kommt aber noch eine vierte Alte hin zum Offizier und sagt: »Monsieur! Je vous prie.« Sagt der Offizier: »Nur deutsch und kein Wort französisch mehr; denn wir sind nun in Wien und nicht in Paris!« – 11 Sagt die Alte: »Ja, ja, Herr Offizier, es ist nur so meine Gewohnheit; denn ich kann weiter so kein Wort französisch mehr, und verstehe sogar von den vier Wörtern nicht alle. Wir haben einmal so eine französische Amme gehabt, und die hat immer diese Worte gesagt, und da habe ich es mir denn so gemerkt. Aber jetzt ist's schon gut von dem, und daher nun von etwas anderem. Sehen sie, Herr Offizier, wie ich noch auf der Welt war, da habe ich ein kleines Hündchen gehabt, und das habe ich denn wahrlich ganz förmlich geliebt, weil es ein gar so rares Tierl war, und hab' es im Winter sogar bei mir im Bette schlafen lassen, und hätte es mir nie im Traume einfallen lassen, daß so 'was eine Sünde sein solle. Aber da ist einmal ein Liguorianer zu mir gekommen, und hat das Hunderl im Bette liegend gefunden; na, hören sie, da war's aus. Der Liguorianer hat darum über alle Maßen zu fulminieren angefangen, und ich hab' müssen das Hunderl gleich wegtun, beichten und kommunizieren, und zehn schwere Messen zahlen. Ich hab' das alles wohl getan und habe meine Sünd' bereut, aber manchmal ist's mir denn doch um's Hunderl leid gewesen, und da meine ich denn, daß das eine Sünde wäre, und habe kein ruhiges Gewissen. Sagen's mir, was ich da tun solle, um ein ruhiges Gewissen zu bekommen.« 12 Der Offizier springt hier völlig auf vor Ungeduld und sagt: »O Herr! Du hast wahrlich ganz kuriose Kostgänger; nein, das ist für einen ehrlichen Menschen auf einmal zu viel. Eine Hundskomödie ist schon da; am Ende kommt noch eine Katzenmusik auch zum Vorschein. Ich gehe, machet ihr alten Weiber, was ihr wollt. O du verzweifelte Hexengeschichte! Jetzt macht die sich ein Gewissen daraus, daß es ihr um ein Hündchen leid war, trotzdem, daß sie gebeichtet und kommuniziert hat, und wenigstens eine gute halbe Million Rosenkränze heruntergeschnattert, denn die hat ein vollendetes Rosenkranzgesicht. O Herr! ich bitte Dich, lasse mich prügeln, aber nur kein Rosenkranzgesicht mehr; denn das ist für mich das Allerfurchtbarste«. Der Offizier spricht zum Weibe: »Gehet zum Plunder mit eurem Finnetterlgewissen und werdet gescheidter, sonst muß man einen Ekel vor euch bekommen. – Jetzt gehen wir, sonst kommen wir richtig noch auf eine Katzengeschichte, denn da hinterher lugt schon wieder so eine Alte herüber auf mich. Die könnte sehr leicht so eine Katzbalgerei zuwege und zum Vorschein bringen. Wer mir folgen will, der folge mir; denn von nun an harre ich keine Sekunde mehr!« 13 Der Offizier macht sich nun auf den Weg, aber eine fünfte Alte vertritt ihm den Weg, und bittet nur sie noch gütigst anhören zu wollen; denn sie habe ihm 'was ganz Wichtiges anzuvertrauen. Kapitel 241 Eine denkwürdige Lebensgeschichte einer Frau, die den Offizier besonders interessiert. Der Offizier Peter Peter vermutet seine Mathilde in dieser Alten und rät ihr Gott über alles zu lieben Am 6. September 1850 1 Der Offizier bleibt stehen und fragt sie hastig und geflissentlich noch ungeduldiger scheinend, als er im Grunde ungeduldig ist, was sie denn für ein sicher ebenso wichtiges Anliegen habe, wie es die früheren viere gehabt haben. 2 Sagt die Alte: »Mein bester Herr Offizier! das Leben auf der Welt war für mich stets eine Sache des größten Ernstes, und ich habe in meinem Hauswesen Gottlob alles also eingerichtet, daß da alles, was sich nur immer in meinem Hause dienstlich befand, das Leben also in der besten Ordnung voll Ernstes nehmen mußte, wie ich es selbst genommen habe. Die Dienstleute murrten zwar, besonders anfangs; aber wann sie sich einmal in die Ordnung sozusagen hineingewöhnt und hineingelebt haben, dann konnten sie es sonst nirgends so leicht aushalten, als wie eben bei mir. 3 Viele Leute hielten mich zwar für eine Pedantin, wo nicht gar für eine Halbnärrin; aber das machte auf mich gar keinen Eindruck, und ich blieb bei meiner Ordnung nagelfest; und wich nicht um ein Haar breit davon ab; denn ich habe in meiner Jugend einen sehr weisen Lehrer gehabt, der die Fähigkeit hatte, sogar sich zu gewissen Zeiten in den Verkehr mit guten Geistern zu setzen, von denen er mir nicht selten Wunderdinge erzählet hat. Obwohl ich mich aber anfangs vor solch unheimlichen Gästen meines Lehrers sehr gescheut habe, so wußte er mir aber nach und nach dennoch so viel Mut und Begeisterung für die Bewohner der reinen Lichtsphären einzuflößen, und schilderte mir ihre Schönheit, Anmut und Grazie derart anziehend, daß ich bald alle Furcht vor den Geistern verlor, und in mir eine große Sehnsucht rege wurde, selbst mit den Bewohnern der Lichtsphären Gottes konversieren zu können. 4 Mein Lehrer war zwar ein Mann in die 40 von Jahren, aber wohlgestaltet, ward mir aber auch derart zu einem Bedürfnisse, daß ich ohne ihn mir das Leben für rein unmöglich vorzustellen begann, obschon ich damals erst 14 Frühlinge zählte. Für die eigentliche Welt taugte ich zwar durchaus nicht, was mir meine ziemlich weltlich gesinnten Eltern von Tag zu Tag mehr auszustellen begannen; aber das war mir gleichgültig, denn ich fand ja in jedem Worte meines heißgeliebten Lehrers aus seinem schönen Munde den tausendfachen Ersatz für jeden eitlen Verlust der Welt, die mir gegen das, was mir mein Lehrer bot, so trocken und leer vorkam, als wie ein altes Faß, in dem über hundert Jahre kein Tropfen Wein mehr existiert hat. 5 Wie aber auf der bösen Welt alles Erhabene, Wahre, Große und Edle angefeindet wird, und am Ende sogar wo möglich gekreuzigt und getötet, so erging es denn auch nur zu bald mir und meinem, ich könnte sagen, beinahe heiligen Lehrer. Meine sonst guten Eltern, freilich mehr von ihren superklugen Freunden aufgehetzt, fingen an bedeutenden Verdacht zu schöpfen, als würde sich zwischen mir und meinem Lehrer eine feste Liebe zu entfalten beginnen, beriefen heimlich, daß ich es nicht merken und hören solle, den guten Lehrer auf ihr Zimmer, und hielten ihm die Sache ganz ernstlich vor, was ich in einem Nebenzimmer aufmerksamst und ängstlichst lauschend genau vernahm. – 6 Der Vater, ein ziemlich barscher Mann, sagte: »Mein Freund! sie sind zwar ein äußerst und wahrlich seltener geschickter Mann, wohlunterrichtet in allen möglichen Künsten und Wissenschaften; aber eine scheint ihnen zu mangeln, und das ist die Kenntnis der Welt und dessen, was sie von uns Menschen von einem gewissen Stande zu fordern sogar berechtigt ist. Sie machen aus unserem schönen und guten Kinde zwar wohl eine ganz förmliche Gelehrte, aber leider in einer Art, wie sie für die hohe Welt, der wir angehören, am allerwenigsten taugt. Das Mädchen schwärmt nun schon wie eine Sapho in Gott was für Regionen herum, und stellt uns tausend Dinge aus, die sie des unsterblichen Menschen für unwürdig findet. Ja, sie lacht uns manchmal sogar aus, besonders so wir von den vor aller Welt anerkannten historischen Vorzügen des Adels sprechen. Mein Freund! so sie unserem Kinde solche Ideen beibringen, da können wir sie in keinem Falle mehr brauchen. – 7 Und zudem sind wir noch hinter ein anderes Geheimnis gekommen, was uns anfangs zwar unmöglich geschienen, da sie ein Mann von etlichen 40 Jahren sind, und unsere Tochter erst ein Mädchen von 14 ¼ Jahren ist, und schön und reizend wie ein Engel. Aber festere und anhaltende Beobachtungen haben dies Rätsel in ein völlig klares Licht gestellt, und zwar derart, daß das arme von ihnen im buchstäblichen Sinne verführte Mädchen in sie mehr verliebt ist, als sie in das Mädchen; denn sie verstehen es mehr aus alter Erfahrung, ihre Liebe zu maskieren, und es scheint daher, daß sie in das Mädchen weniger verliebt sind, als das Mädchen in sie; aber das entschudigt sie vor uns nicht, denn sie müssen dem Kinde ganz kurios das Köpfchen verrückt zu machen gewußt haben, daß es nun bloß nur nach ihnen seufzet, und ohne sie ihm die Welt zu einer Null wird. – 8 Sie werden also einsehen, daß wir unter solchen nur zu klaren Umständen das Mädchen nicht mehr unter ihrer Leitung belassen können, sondern es anderen Händen anvertrauen müssen, so wir das Mädchen in kurzer Zeit nicht zu einer barsten Närrin gemacht sehen wollen. Verlassen sie daher heute noch unser Haus, und empfangen sie hier die Remuneration (Vergütung) für ihre wahrlich nicht nach unserem Sinne angewandte Mühe an unserem Kinde. Hüten sie sich aber, irgend auf Schleichwegen unserem Kinde sich zu nahen, denn eine solche Keckheit könnte ihnen teuer zu stehen kommen; für das Bisherige aber sei ihnen hiermit volle Amnestie gewährt. Hier ist ihr Geld, und somit Gott befohlen!« – – 9 So ward mein Engel in meinem elterlichen Hause abgefertigt; der göttliche Mann, von dem ein Hauch seines Mundes bei weitem mehr wog in der Schule der göttlichen Wahrheit und Gerechtigkeit als tausend Weltgedanken, die bei meinen leider hochadligen Eltern aus und ein liefen, wie die Schmarotzerfliegen, wurde also, wie ein feile Dirne vom Tanze, aus meinem elterlichen Hause gejagt, und ich Arme bekam dann Lehrer und Meister; vor denen mir stets mehr ekelte und graute, je mehr ich sie nur zu bald kennen lernte!« – 10 Spricht der Offizier: »Sagen sie mir, liebe Frau, hat denn ihr Lehrer die Geschichte wohl so mir und dir nichts hingenommen? Erzählen sie mir das umständlich, denn ihre Sache fängt an mich bedeutend zu interessieren.« 11 Sagt die Frau: »Mein hochschätzenswerter Freund! Was hätte der Edelste wohl darauf sagen sollen? Er wußte ja nur zu gut, wie viel mit Aristokraten, besonders in solchen Dingen, zu reden ist. Das Einzige, was ich mit dem gebrochensten Herzen vernehmen konnte, war, daß er sich für alles Gute, das er in diesem Hause genossen habe, weinend bedankt hat, und am Ende hinzufügte: »Gnädigste Eltern des besten und edelsten Kindes! Ich habe es euch ja gleich anfangs gesagt, daß ich mit meinen der Welt leider völlig fremden Grundsätzen und Lehrmaximen für euch schwerlich taugen werde; ich habe euer Haus, Gott weiß es, nie gesucht. Ihr habet mich durch allerlei glänzende Versprechungen, und als diese bei mir kein Gehör fanden, durch andere meinem Gemüte mehr zusagende Vorteile für euch, sozusagen um jeden Preis zu gewinnen gesucht, und habet mich denn auch gewonnen. Als ich dann mit Sack und Pack in euer Haus kam, legte ich euch als ein ehrlicher Mann meine Erziehungsmaximen sonnenklar vor eure Augen, und ihr waret, bis zu Tränen gerührt, damit zufrieden, und sagtet dann, mich an euer Herz drückend: »Freund! wir sind reich und haben Güter; sie sind bei uns für ihr ganzes Leben versorgt.« 12 Allein ich lebte nun kaum nur drei Jahre in ihrem Hause, und habe meinen Grundsätzen und Maximen als Mensch und Lehrer vor Gott und der Welt nach meinem durch nichts befleckten Gewissen derart getreuest gehandelt, daß ich davon aber auch nicht um ein Haar groß etwas wegnahm noch hinzufügte; denn Wahrheit gibt es nur eine, die weder einen Zusatz, noch eine Wegnahme duldet; und nun werde ich unter einer gewiß höchst unliebsamen, weil höchst ungerechten Anschuldigung aus diesem Hause, das mir ein volles Jahr nachrannte, hinausversorgt. – Allein das macht mir nichts; denn ungerecht dulden und leiden war in der Welt ja stets der Gerechten und Reinen Los. Und ich freue mich deshalb; denn das gibt mir ja wieder einen neuen Beweis, daß mich Christus der Herr, in Dem ich lebe und sterbe, für einen Seiner Jünger als würdig befunden hat. Er, der Herr der Unendlichkeit, hat ja Selbst den Lohn des schwärzesten Undankes von den Menschen geerntet, und Er vergab es ihnen, weil Er wohl wußte, daß sie nicht wußten, was sie taten. Warum solle ich, ein sündiger Mensch, es euch für übel nehmen, so ihr an mir nun eine Handlung begehet, die mir auf der Welt zwar zum offenbaren Nachteile gereicht; aber ich, der ich nie den Vorteilen der Welt nachgejagt habe, sondern allein denen, die mir mein Gott und mein Erlöser gezeigt hat, verschmerze das leicht, was ich ohnehin nie gesucht habe, und auch künftighin nie suchen werde. 13 Daß Sie mir ihr Haus verbieten, schmerzt mich wohl am meisten; denn ich habe mir an ihrer Tochter eine wahre Freundin des inneren Lebens in Christus dem Herrn erzogen, ein Etwas, das in der gegenwärtigen Welt schwer irgendwo mehr zu bewerkstelligen ist. Aber auch das macht nichts; denn wer immer um des Herrn willen etwas verliert, wird es zu seiner Zeit tausendfach wiedernehmen können. – 14 Dies armselige Geld aber, auf das ihr einen besonderen Wert leget, behaltet, und tuet damit, was ihr wollet; denn das, was ich durch die Gnade Gottes eurer Tochter gab, ist mehr wert, als eine ganze Welt voll Goldes! Ihr kennet zwar den Wert nicht; aber eure liebste Tochter kennt ihn; und so wahr ein Gott lebt, so sie auch alle Schätze dieser Welt verlöre, die ohnehin eine eitle Chimäre sind, so wird sie mit dem Schatze des Geistes, den sie von mir empfing, glücklicher sein als ein Krösus, der sich durch seine unermeßlichen Schätze goldene Paläste bauen konnte! – – O Menschen, o Menschen! wie blind und schwach seid ihr doch! Die Sonne glänzt euch zu mächtig, und wärmet zu sehr das Feld der Gottessaat, darum sehnet ihr euch nach den Irrlichtern der Nacht, denn diese blenden und wärmen nicht. – Leben sie wohl; vielleicht sehen wir uns in der anderen Welt wieder!« 15 Der Vater, etwas ungehalten über diese rein himmlischen Worte meines göttlichen Lehrers, nahm das Geld, was ich aus dem Geklingle rückgefallener Münzen wahrnahm, und wollte es mit Gewalt dem guten Lehrer aufdringen, dieser aber wies es zu meiner Freude entschieden zurück und ging zur Türe hinaus, das Haus für immer verlassend. So war die Endgeschichte mit meinem Lehrer, den ich dann leider nie wieder zu Gesichte bekam. 16 Wie ich aber schon früher bemerkt habe, so waren meine nachherigen Lehrer und Meister wirklich so dumm, so aufgebläht, und dabei aber auch so höchst (des)interessiert, daß es wahrlich eine allerbarste Schande war. Sie bewegten sich so gefühllos wie eine Maschine, und ich doch ein Mädchen von der zartesten und weichsten Art machte auf sie gerade so viel Eindruck, als wie eine Erbse an eine Marmorwand geworfen in den harten Marmor. Ich war ihnen bloß ein Mittel, durch das sie recht viel Geld erwarben und sonst nichts. – Aber ich lernte auch danach zur leidigen Galle meiner blinden Eltern (nichts). Aber dafür strebte ich, je älter ich wurde, desto inniger allen jenen Grundsätzen nach, um sie in mir zu verwirklichen, die mir mein himmlischer Lehrer und Meister auf eine wahrhaft allezeit himmlische Weise beigebracht hat; denn seine Lehrstunden waren für mich ein wahres Sein in dem Paradiese Gottes. – 17 In meiner späteren Zeit, wo ich leider schon Witwe geworden bin, habe ich in die Erfahrung gebracht, daß dieser mein göttlicher Lehrer durch eine besondere Verwendung als Offizier zum General-Kommando gekommen ist, und von da zur Armee als Hauptmann; wohin aber, und ob er noch lebe, konnte ich nicht mehr erfahren. Er hätte damals kaum etliche und 60 Jahre als sein können; denn ich habe mit meinem achtzehnten Jahre leider heiraten müssen, und ward aber auch in meinem 25. Jahr eine Witwe. O hätte ich da meinen Lehrer irgendwo finden können! Wie glücklich wäre ich dann geworden! Aber Gott der Herr ließ es nicht zu; ich blieb hernach unverheiratet mit einer Tochter, die so ziemlich in allem mein Ebenbild war, bis an mein irdisches Lebensende. Vor ein paar Jahren habe ich, das Zeitliche verlassend, diese ewige Welt betreten, und erkundigte mich hier überall nach meinem Lehrer, ob er möglicherweise auch schon da wäre; konnte aber leider bisher noch keine Silbe von ihm erfahren. Er hieß Peter und abermals Peter. Ob er noch irgend einen anderen Namen hatte, konnte ich nie von ihm erfahren, auch meine Eltern nicht. Die einzige Sonderbarkeit, die dieser Lehrer der Lehrer besaß. – Nun hier in der Geisterwelt, so es möglich wäre, möchte ich denn doch von diesem Lehrer etwas erfahren. Sie sind ein so weiser Mann, ganz wie mein Peter Peter; vielleicht könnten sie mir von ihm eine Auskunft geben. O wenn ich nur mit diesem edelsten Geiste noch einmal zusammenkäme!« – 18 Der Offizier wendet sich nun ein wenig ab von dem Weibe und sagt staunend zu sich selbst: »Wäre es denn möglich?! Dies gar armselig aussehende Weibsbild solle jene einst auf der Welt so herrliche Mathilde sein?! Die beinahe himmlische Tochter eines borniertesten reichen Erzaristokraten, ein so gutes und edles, geistvolles Kind, wie es in Wien sicher kein zweites gegeben hat? Und hier in einem so miserablen Zustande!? – O Gott, du bester Vater aller Menschen und Engel! Was hat denn dieser Engel verbrochen, daß er hier gar so armseligst ankommen mußte?! Die Stimme und das Benehmen sind noch so ziemlich erkenntlich; aber die Gestalt! Was wären da die sieben mageren Kühe vom Traume Pharaos gegen diese entsetzliche Magerkeit? O das wären gemästete Ochsen dagegen! O du arme Mathilde! der Herr möge dir gnädig und barmherzig sein! Wahrscheinlich wird ihre für sie sicher allerungünstigste Ehe sie dahin gebracht haben. Ärger, Unmut über nichtigste aristokratische Dummheiten, die unheilbar sind, eine unsanfte Behandlung, Untreue und Rohheit von Seite ihres Gemahles mögen zu solch einer Abmagerung ihrer sonst so schönen Seele wohl das meiste beigetragen haben. Nun, bei Gott sind ja alle Dinge möglich. Sie gehört ja nun auch zu den vom Herrn Berufenen; Er wird sie schon wieder zurechte bringen. 19 So aber hier auch so ganz eigentlich »himmlische Ehen« statthaben sollen, so werde ich sie auf jeden Fall vom Herrn Selbst zum Weibe erbitten, und solle sich auch ihre Gestalt um gar nichts ändern, denn ihr Geist ist noch ganz so voll hoher Ideen, als er war zu den Zeiten, als sie meine Schülerin war. Ach, das war wahrlich wahr eine herrliche Zeit! Damals konservierte ich mit Geistern aus den Himmeln; ja mit Engeln führte ich Zwiesprache. Damals war sie ein Engel mit; denn die Lehre der Engel strahlte erst dann ganz himmlisch, wenn ich sie in ihre unvergleichlich schöne Seele legte. O was war das für ein herrliches Strahlen und Widerstrahlen des Lichtes aus den Himmeln! Da empfand ich in solch seligen Momenten so ganz, was ein Engel empfinden kann, wenn er vom süßen Geschäfte der Liebe müde hinsinkt an des allmächtigen Vaters heilige Brust, um sich da neue Kräfte und neue ungeahnte Seligkeiten zu holen. O heilige Momente des Erdenwallens! Die Himmel Gottes müssen zwar von unnennbarer Schönheit sein; aber auch die Erde Gottes ist schön für den, der in seinem Herzen ohne falsch ist, der seinen Gott erkennt, und Ihn aus allen seinen Kräften wahrhaft liebt. O Mathilde! was warst du auf der Erde? Eine Sonne unter den holdesten Wesen deines Geschlechtes. Und was bist du nun? Nichts als ein erbärmlichster Schatten einer dürren Distelstaude, vom Halblichte des letzten Mondviertels beschienen. O Herr! o Herr! Wesen, die nach einem Jahrhunderte dem Grabe entsteigen, könnten doch unmöglich elender ausehen.« 20 Nach diesen Worten kehrt der Offizier sich wieder zur Mathilde, und sagt laut: »Ich habe jetzt nachgedacht über dein Anliegen und bin dem gewissen Manne im Ernste auf die Spur gekommen; er ist auch schon hier, und wir werden ihn sicher finden, nur mußt du M . . . . – (leise zu sich: hätte mich bald verschnappt) dir eine recht große Portion Geduld aneignen, und alles, was nur immer nach einer Leidenschaft riecht, rein aus dir verbannen. Alles aber, was Liebe heißt, mußt du dem Herrn zuwenden, und den Peter Peter ganz Peter Peter sein lassen; so wird dann schon der Herr dafür sorgen, daß du ganz glücklich wirst; denn siehe, bei Gott sind ja alle Dinge möglich. Du hast einst Gott gefürchtet, und das war gut; denn Gottesfurcht ist die erste Stufe zur Weisheit. Nun mußt du aber Gott lieben – über alles und das wird dir geben die höchste Seligkeit und eine himmlische Schönheit für ewig!« Kapitel 242 Fortsetzung der Lebensgeschichte der Mathilde. Gegenseitige, vorerst stille Überraschungen und dann Enthüllungen sehr trauriger Art, danach naht das Heil Am 8. September 1850 1 Spricht die Mathilde, so wie in sich, etwas abgewendet vom Offizier: »Das sind ja ganz die Worte von meinem himmlischen Lehrer: »Bei Gott sind alle Dinge möglich,« das war sein Wahlspruch; dann der herrlichste Satz: »Gottesfurcht ist die erste Stufe zur Weisheit; Gott über alles lieben aber ist der Weisheit Vollendung und somit die höchste Seligkeit,« das ist ja wieder ganz der meines Lehrers. Er sieht ihm auch so ziemlich ähnlich; nur etwas zu jung kommt er mir vor, sonst wäre alles ganz frappant übereinstimmend. So mag er ausgesehen haben, als er etliche und zwanzig Jahre alt war. Ich möchte schon alles darauf setzen, daß er es ist; aber nur stille, mein armes Herz! Du darfst ihn ja nicht merken lassen, als ahntest du, daß er es ist; befolge aber seine göttliche Lehre, und du wirst sie dann sicher ernten – die goldene Frucht, die aus den vom himmlischen Lichte umstrahlten Ästen solcher Lehre, so sie befolgt wird, reichlichst hervorknospet. Ach Gott, ach Gott! Das kann nur er sein, nur in seinem engelreinsten Herzen können solche Lehren gleich den hellsten Sternen der Himmel Gottes emporkeimen, und in seines Geistes Gotteslichte und Lebenswärme schnell heranreifen zur gesegnesten Tat, zur heiligen Gottähnlichkeit.« 2 Der Offizier sagt bei sich, da er diese Worte in sich auch vernimmt: »O welch ein herrlicher Geist in dieser aber gar so entsetzlichen Seele! Wenn ich aber nur erfahren könnte, wo es denn bei der stecken muß! Wie kann ein solch herrlicher Geist voll Liebe, Wahrheit und Demut seine Seele denn gar so entsetzlich vernachlässiget haben? Mann sollte ja doch der Meinung sein, daß vor Gott dem Herrn ein reines Herz, ein Herz voll Liebe, Wahrheit, Duldsamkeit und Demut schon die vollste Vollendung der Seele zur Folge haben müßte, aber wie Figura zeigt, ist es hier durchaus nicht der Fall; sonderbar, sonderbar! Es muß mit ihr in der späteren Zeit, die mir nicht mehr bekannt ist, etwas vorgefallen sein, sonst könnte ich mir die Sache unmöglich erklären. Nein, wenn ich so zurückdenke, wie dies Wesen zwar freilich noch in ihrem Fleische als Mädchen doch gar so strotzend üppig war! Kurz, sie hätte jedem Maler, dem eine Aufgabe würde – die reizendste Schönheit in der blühendsten Fülle der Gesundheit zu malen, als ein bestes Modell dienen können, und jedem Engel als Gesellschafterin; und nun hier, o Gott, o Gott, ist sie ein Bild des größten Elends und der größten Not! – Dürftigste Lumpen bedecken ihre Skelettform, kaum hinreichend ihre Scham zu verbergen. Mein Gott, mein Gott, sei doch diesem armen Wesen gnädig und barmherzig!« 3 Nach diesen Worten wendet sich der Offizier wieder ganz freundlich zur Mathilde und sagt: »Höre, du meine liebe Freundin! Möchtest du mir denn nicht so im Vertrauen sagen, wie es denn doch etwa kommen konnte, daß du gar so in deiner Seele, wie man sagt, ganz rein auf den Hund gekommen bist? Denn ich erinnere mich, dich in der Blüte deiner irdischen Jahre hier in Wien irgendwo gesehen zu haben; da warest du ja ein Muster weiblicher Fülle und Üppigkeit, und alles war glücklich, dich nur von Ferne ansehen zu dürfen; und nun? Kurz, da ist gar nichts zu reden; ich mache dich nur traurig, ja über die Maßen traurig, so ich dich daran erinnere. Also, so es dich nicht etwa zu sehr geniert, da gib mir den Grund an, wie und warum du gar so herabgekommen bist in deiner Seele bei einem so herrlichen Geiste.« 4 Sagt die Mathilde: »Edler Freund, der du mit mir viel Mitleid zu haben scheinst, ich habe hier wohl keinen Grund mehr, mich irgendwie beschönigen zu wollen, denn das Elend ist der Tod der Schamhaftigkeit schon an und für sich, und hier in der Geisterwelt gar, wo einem von den Dächern verkündet wird, wie man auf der Erde im Fleische gelebt hat. Es ist wahr, daß mein Geist gewiß zu denjenigen gehört und gehört hat, die wahrlich der schlechtesten Gattung nicht angehören; aber diesem Geiste ward leider eine zu üppige Fleischmasse gegeben, die, je ausgebildeter sie wurde, auch desto sinnlich begehrender ward. – Mein Stand erlaubte es aber nicht, mein Fleisch auf jene natürliche Weise zu befriedigen, auf welche Weise tausend gemeine und feile Dirnen dem Begehren ihres Fleisches zu Hilfe kommen. Ich war teils durch einen verderblichen Umgang mit Mädchen meines Standes, Wesen, die schon frühzeitig die schlechte Pariserschule müssen durchgemacht haben, und teils durch meine sehr geil gewordene Natur auf Mittel gekommen, mich künstlich zu befriedigen. Das schadete aber meiner Natur derart, daß ich in kurzer Zeit darauf die sogenannte Bleichsucht über alle Maßen bekam. Die Eltern wußten sich nicht zu helfen, noch zu raten. Ein Arzt um den anderen ward geholt und gefragt; da regnete es Rezepte und Medizinen, durch die meine Natur noch aufgeregter ward, als sonst, und ich desto anhaltender mit der künstlichen Selbstbefriedigung, deren ich mich heimlich bedienen mußte, um nicht zu verzweifeln. 5 So wahr ich lebe, zweimal war ich daran, mir das Leben zu nehmen! Schon in meinem 17. Jahre hat mein Fleisch einen solchen Grad der Geilheit erreicht, daß ich mir aus purster Geilheit mit einer unbeschreiblichen Wollust hätte mögen selbst ein Stück Fleisch um das andere vom Leibe schneiden. Wenn ich mir dann und wann mit einer Hundspeitsche auf die nackte Haut nur einige Schläge, die mich zwar sehr schmerzten, habe versetzen können, so geschah mir sogleich leichter. Kurz, wenn ich nicht nach dem Rate eines vernünftigen Arztes noch im selben Jahre geheiratet hätte, so wäre ich im nächsten Jahre darauf sicher als eine verstümmelte Leiche irgendwo aufgefunden worden. 6 Es ist merkwürdig! – Mein Geist blieb dabei stets hell und voll der besten Vorsätze, aber sie waren leider zu ohnmächtig, um den Stürmen des Fleisches Widerstand zu leisten, wann dieselben zu toben und zu wüten begannen. Ich weinte oft wie ein Kind im geheimen über meine Unnatur; aber das half alles nichts; es mußte ein Mann mir werden, sonst gab es keine Ruh' und keine Rast in meinem Fleische. – Wie schon gesagt, ich bekam zum Glücke meines Fleisches einen sehr sinnlichen Mann; der heilte zwar mein Fleisch mit dem, daß er mich im ersten Jahre schwängerte und somit aus meinem entarteten Fleische die letzte doch noch übrig gebliebene Frucht sich holte, und in kurzer Zeit darauf den Tod. 7 Ich ward darauf zwar nüchternen Fleisches, und bekam auch wieder ein recht gutes Aussehen, aber in meiner Seele gewahrte ich dennoch fort und fort ein gewisses ganz unbehagliches Siechen, das sich durch eine gewisse Unlust zu allem Schönen, Guten und Wahren nur zu fühlbar aussprach. – Ich besuchte Gesellschaften, Theater, Konzerte, reiste im Sommer von einem Bade zum anderen, versammelte im Winter um mich einen Kreis von den geistreichsten Damen und Männern; aber es war umsonst, meiner Seele Zehrfieber war nimmer zu verscheuchen. 8 Nur der geheime Gedanke an meinen einstigen Lehrer vermochte allein meine Seele auf Augenblicke in eine bessere Stimmung zu bringen, aber leider nur auf Augenblicke, die sehr jenen wärmlichen sonnigen Mittagsstunden des Novembers glichen, auf die nur zu bald Frost und Kälte und der starre Winter folgen. Mein Geist ward wohl der gleiche, voll des besten Willens, aber das Fleisch der Seele ist ganz impertinent schwach geworden, und ich konnte mich trotz des besten Willens nicht mehr erholen, weder auf der Erde, und noch weniger dieseits in der Geisterwelt, ° die zwar bis jetzt der Naturwelt so gleichgesehen hat, wie beinahe ein Auge dem anderen, aber nichts weniger als eine Naturwelt ist, weil es denn doch nebst dem, daß die Formen ihr Aussehen behalten, recht viele und manchmal nur zu handgreifliche Unterschiede gibt zwischen den Erscheinungen dieser und zwischen jenen der früheren Naturwelt. 9 Nun wissen sie alles, und ich meine, sie werden nun leicht den Grund einsehen, warum ich zu dieser elenden Gestalt gekommen bin. Wäre mein Lehrer nie von meiner Seite gekommen, da stünde es um mich nun sicher anders; aber Gott dem Herrn gefiel es wahrscheinlich nicht, einen Engel in einem Hause des Hochmutes und des Stolzes fallen zu lassen; daher nahm Er dem Hause den Schutzengel, und das Haus verfiel darauf bald in allerlei Laster der Großen und der Toren, und ich, dessen einzige Tochter, mit. – Ich bin zwar nun da, so elend als möglich; wo aber etwa meine Eltern sich befinden, und wie es ihnen etwa ergeht, und auch meinem Gemahle, das wird der Vater im Himmel sicher besser wissen, denn ich arme, elende Seele. Ich wünsche zwar allen ein besseres Sein, als wie da ist das meinige; aber leider, mein Gefühl sagt es mir, wird es ihnen wohl kaum besser ergehen, denn mir. Wenn sie nur samt und sämtlich nicht irgend ganz und gar verloren sind!« 10 Sagt der Offizier: »Meine Liebste! da hat es mit dir leider eine schlimme Bewandnis gehabt, aber verzweifle deshalb nicht, sondern gehe nun sogleich mit mir zum Herrn hin, Der hier ist, um allen zu helfen, die Seinen Namen anrufen und sich an Ihn wenden. Folge mir aber ohne Furcht und Scheu, denn niemand kann dir helfen, als Gott der Herr allein; denn nur bei Ihm sind alle Dinge möglich; darum also folge mir.« – 11 Der Offizier eilt nun mit der Mathilde schnell zu Mir hin und sagt: »Herr, Du allerheiligster bester Vater! Ich brauche Dir sicher nicht kundzutun, was diesem Wesen fehlt; denn Du, Dem alle Dinge, Sachen und Verhältnisse schon von Ewigkeit her bekannt sind, weiß es am besten. Ich kann darum auch hier nichts anderes tun, als Dich, o Herr, kniefälligst mit dem teilnehmendsten Herzen bitten, daß Du diesem Wesen, diesem armen Weibe gnädig und barmherzig sein wollest. Dein heiligster Vaterwille geschehe!« 12 Sage Ich: »Weib, was willst du denn, daß Ich dir tun solle? Rede!« – Sagt die Mathilde: »Herr! Du allmächtiger ewiger Gott, Schöpfer aller Kreatur und heiligster Vater aller Menschen und Engel! Du siehst hier eine große geheime Sünderin vor Dir. Du wirst am besten wissen, welche Geister, ja welche Teufel mein Fleisch und mit diesem auch die Seele so übel zugerichtet haben. Ich war es nicht; denn mein Wille war nach meiner reinen Erkenntnis stets dagegen, und ich warnte jeden Menschen vor dem großen Übel der Selbstbefriedigung; und doch war aber ich gerade wie ausersehen für dies fürchterliche Übel; ich – im Geiste die größte Feindin davon – mußte dem Drachen des Fleisches geradewegs zum Opfer werden. 13 O Herr, das ist hart; das ist sehr hart! Wer pflanzte denn solch einen verderblichen Stachel in mein Fleisch? Ich selbst unmöglich! Ich war ja nur das höchst leidige Opfer dieses Stachels. Ich ward getrieben wie mit glühenden Ruten, und gerade wann ich mir oft die ernstesten Vorsätze gemacht habe, dies Übel um Deines heiligsten Namens willen nicht mehr zu begehen, da erst erwachte bald die Gier des Fleisches mit zehnfacher Heftigkeit, und ich unterlag dem Drange ärger denn irgend ein früheres Mal. Nach solch satanisch stummer Befriedigung kam dann freilich allezeit die Reue, diese höchst stiefmütterliche Elegie armer unglücklicher Herzen, über mich, und zerfleischte jede Regung in mir, die mein Innerstes auch nur mit dem leisesten Strahle einer besseren Hoffnung hätte emporrichten können. O Herr, o heiliger Vater! Warum, warum mußte denn gerade ich gar so unglücklich werden? (Es ist doch viel Eigenliebe noch da.) 14 Ich war ja doch bis in mein beinahe 16. Jahr eine so reine Unschuld, wie es deren wenige geben dürfte. Warum mußte ich meinen wahren Schutzgeist von einem Lehrer verlieren? Warum durfte denn der Satan gerade gegen den Mann, der ein Engel war, in der aristokratischen Brust meiner blinden Eltern Verdacht und Haß erregen, und hernach an des Engels Statt und Stelle mir Geister aus der Hölle zu Lehrern geben? O Gott, o Gott, Du Barmherziger! Warum mußte denn ich so unglücklich sein und noch mehr werden zeitlich und vielleicht auch ewig?« – – 15 Rede Ich: »Ja, Meine liebe Tochter! Wie es mit dir steht und wie es mit dir gestanden ist, das habe Ich wohl gar lange schon gewußt, und wie und warum und wodurch auch. Ich fragte dich also nicht darum, sondern nur: »Was willst du, daß Ich dir tun solle;« und siehe, auf diese Frage hast du Mir noch keine Antwort gegeben. Das also, Meine Liebe, rede zuvor; hernach wird sich in der Ewigkeit noch Zeit genug finden, wo du über deine irdischen Lebenserscheinungen in's klare kommen wirst.« – Sagt die Mathilde: »O Herr, Du heiligster Vater! Du siehst es ja am besten, wo es mir fehlt. So es Dein heiligster Wille ist, so hilf mir da, wo es mir fehlt; denn nur Dir allein, o heiligster Vater, sind alle Dinge möglich!« 16 Rede Ich: »Aber glaubst du es wohl, daß Ich eben der so ganz eigentliche wahre, ewige Gott, Schöpfer und Vater bin, bei Dem alle Dinge möglich sind? Denn siehe, Ich bin ja nur ein Mensch, wie du deren hier viele siehst; wie kann denn ein Mensch Gott sein oder ist denn Gott auch nur ein Mensch?!« – 17 Sagt die Mathilde: »Du bist Christus, genannt Jesus, der Heiland der Menschen, und jedes Wort aus Deinem Munde hat das Leben in sich, und dem Du Dein Wort gibst, der hat von Dir auch das ewige Leben empfangen; denn Deine Worte sind nicht wie die Worte eines Menschen, die da tot sind, und kein Leben haben. So aber Deine Worte das Leben in sich tragen, und jedem, der sie aufnimmt, das ewige Leben geben, wie sollest Du hernach nicht Derjenige sein, Dem alle Engel, Sonnen und Welten als ihren alleinig wahren, ewigen, heiligen Vater, Gott, Schöpfer und Richter im Staube ihrer Nichtigkeit anbeten?! Denn ihr Sein bist ja nur Du durch Dein allmächtiges Wort! 18 Als Du, o Herr und Vater, auf der Erde den Weg des Fleisches aus Deiner unendlichen Machtvollkommenheit, Weisheit und Liebe durchmachtest, da sagtest Du eben als auch nur ein Mensch: »Wer Mich sieht, der sieht auch den Vater!« »Denn Ich und der Vater sind eins.« So Du, o Herr Jesus, damals im Fleische eins warst mit dem Vater, wie sollest Du es nun nicht sein? Du allein bist es, und niemand mehr ist Dir gleich! Mein Herz sagt es mir, daß Du die ewige Liebe bist! O so nimm mich in Deine Liebe gnädig auf, Du heiliger Vater!« Kapitel 243 Die Gnade und Barmherzigkeit des Vater in Jesus erquicket die Elenden, eine herrliche Szene, wie zwei durch die Welt Getrennte sich selig vor Gott wiederfinden. Etwas vom Reiche Gottes Am 11. September 1850 1 Rede Ich: »O Weib! O Tochter! Dein Glaube ist groß und viel Liebe wohnt in deinem Herzen; dir werde es nach deinem Glauben und nach der Macht deiner Liebe! – Meine liebe Tochter, du stehst nun hungrig, durstig und nackt vor Mir, denn das, mit dem du auf der Erde deine Seele gesättiget hast, war eine schlechte und magere Kost. Wärest du nicht in der ersten Zeit deines Erdenlebens im Geiste vorgenährt worden, und wäre deine Seele mit ganz stummem Geiste in das Pfützenleben und Kloakenleben des gemeinsten und ekelhaftesten Gewürmes übergegangen, so wärest du wohl verloren, und es wäre beinahe unmöglich geworden, dich je retten zu können; denn so unmöglich es ist, einen Fisch außer dem Wasser in der freien Luft am Leben zu erhalten, eben so unmöglich ist es auch, Seelen, die sich selbst zum Pfützengeschmeiß und Kloakengeschmeiß hinabgelebt und hineingelebt haben, in dem Lichtäther der Himmel am Leben zu erhalten; denn wo der Drache lebt ein totes Leben, da lebt dem Tode auch sein Gewürm. 2 Aber du bist in deinem Geiste vorgenährt worden, und die nachträgliche Kloakenkost, die deiner Seele gereicht wurde, war nicht vermögend, deine Seele ganz zu verderben; denn die Vornahrung deines Geistes würzte nach Möglichkeit und äußerst nötigem Bedarfe die elendeste Weltkost deiner Seele und benahm ihr das tötende Gift. Daß aber deine Seele bei solcher Kost sich kein Fett sammeln konnte, das wirst du nun hoffentlich einsehen. – Nun aber will Ich dir Nahrung geben aus den Himmeln, und ein besseres Kleid wegen deines Glaubens und wegen deiner Liebe, und das wird dir dann schon zu einem besseren Ansehen und Aussehen verhelfen. – Robert! schaffe Brot und Wein und ein neues Kleid her!« 3 Als Ich solches kaum ausspreche, ersieht Robert hinter sich wie eine Krämerbude, die beladen ist mit Brot und Wein, und ein Bündel, darinnen sich das verlangte Gewand befindet. Er bringt Brot und Wein, und sein Weib das Bündel mit dem Gewand. – Ich segne Brot und Wein, und lasse es verabreichen der Mathilde und dem Offizier. Als sie mit unaussprechlichem Dankgefühle mit dem Offizier das Brot und den Wein verzehrt, wird sie augenblicklich voller und voller, bekommt ein wundervoll schönes, jugendliches Aussehen, und weiß sich aus lauter Dank nicht mehr zu helfen. Nun bekommt sie auch ein schönes azurblaues Kleid mit purpurroter Verbrämung, was sie sehr schön zieret. 4 Als Mathilde nun so versorgt dasteht, fängt sie an laut zu weinen vor Dankbarkeit, Liebe und Seligkeit. Sie fällt nun, schon so schön wie eine schöne Blume der Himmel, vor Mir auf ihre Knie nieder, breitet die Hände weit aus und sagt schluchzend: »O Du heiligster Vater! mein Herz kann es nur fühlen, aber die noch viel zu matte Zunge nimmer aussprechen, was ich nun für Dich, o Du heiligster Vater, fühle! Deine Liebe, Deine Gnade ist zu endlos groß, als daß sie eine geschaffene endliche Zunge je auszusprechen vermöchte; so weit aber nun das Gefühl und die Empfindung dieses von Dir, o heiligster Vater, mir nun neu gegebenen und durch Deine Gnade neu erweckten Lebens reicht, fühle und empfinde ich nur Dich, Du heilige, ewige, weiseste Liebe! O Vater, o Vater, o Du lieber heiligster Vater! Dein heiligster Name Jesus werde geheiligt ewig, ewig, ewig !!!« – Bei diesen Worten übermannt sie ihre Liebe zu Mir so mächtig, daß sie vor Mir mit dem Gesichte ganz auf den Boden niedersinkt; 5 aber auch der Offizier wird so von der Liebe übermannt, daß auch er zu weinen beginnt. Aber Ich ermahne ihn, sagend: »Freund! ermanne dich; denn die Beseligte wird bald deiner Kraft bedürfen. Du hast sie bis hierher gebracht, und wirst daher ihr weiterer Führer sein. Achte ihren Geist!« 6 Spricht der Offizier: »Ja, Du mein ewig bester Vater, Herr und Gott! Dein Wort, allezeit neue Seligkeit schaffend, soll ewig das alleinige Leben im Zentrum meines Herzens sein! Es ist zu viel Liebe und Gnade von Dir, o heiliger Vater, auf uns niedergegangen, so daß wir in unserem Gemüte noch viel zu klein und schwach sind, solche eine Masse von Seligkeit zu ertragen; aber Deines ewigen Reiches heilige Zeit, eine Zeit, die kein Ende hat, und auch keinen materiellen Anfang, wird uns mit Deiner zu großen Liebe, Gnade und Huld schon vertrauter und kräftiger machen; mein ganzes Wesen aber sei ein ewiger Dank für solche Liebe und Gnade von Dir an uns arme Sünder. Was können wir Dir anderes, o Du heiliger Vater, wohl tun, als Dir ewig danken, und Dich lieben, und loben und preisen über alles! Und so sei denn unser nun so überseliges Leben Dir, o lieber, heiliger Vater, ein ewiger Lobgesang! Große Weisheit wird zwar unsere Sache nicht sein, denn dazu hast Du, o heiliger Vater, Dir Engel geschaffen aus der Flamme Deines Lichtes, von dem der Welten Sonnen ihren gebrochenen Schimmer borgen, daß sie die unendliche Majestät Deiner Werke besingen, und allezeit lobpreisend sagen: Heilig, heilig, heilig ist unser Herr und Gott Zebaoth; die Himmel sind Seiner Ehre voll, darum ewig Ehre, Lob und Preis Ihm ewig! Wir aber wollen Dich dafür preisen über alles in unseren Herzen; denn Du allein bist alle unsere Liebe und all' unser Leben!« – Hierauf wendet er sich zur Mathilde und sagt: »Liebste Schwester Mathilde! stehe auf und schaue, wie gar so endlos gut, liebevoll, mild und sanft unser alleinig wahrer, heiliger Vater ist!« 7 Hierauf erhebt sich die Mathilde, sieht ganz wonnetrunken um sich her, und erkennt nun in dem Offizier sogleich ihren Lehrer Peter Peter und sagt, noch auf ihren Knien am Boden ruhend: »O Gott, o Vater! Du bist denn doch wahrlich zu ungeheuer gut und liebevoll! Nicht nur, daß Du mich hier als eine unwürdigste Sünderin namenlos selig gemacht hast dadurch, daß Du mir ein unnennbares Übermaß Deiner Gnade, Liebe und Erbarmung hast zukommen lassen, sondern ich darf auch den Lehrer hier vor Deinem allerheiligsten Angesichte treffen, der mir schon auf der Erde zuerst die Wege zu Dir gezeigt hat. Diesem Lehrer werde ich nun von Dir zur weiteren Ausbildung übergeben; o welch eine Wonne, welch eine Seligkeit. Wie Herrliches, Schönes und Erhabenes werde ich von ihm erfahren, reiner und reiner werden, und würdiger anzuschauen Dein allerheiligstes, allergöttlich-schönstes Angesicht! Noch bin ich zwar hier in der Stadt, in der ich geboren und endlich irdisch und auch seelisch unglücklich geworden bin; aber der Ort macht für mich nicht den Himmel aus, sondern Deine sichtbare allerheiligste Gegenwart. Wo Du bist, o Herr, da ist auch der höchste Himmel! Mein Herz, mein ganzes Wesen sei Dir, o heiligster Vater, allein geweiht! Dein heiligster Name Jesus werde geheiliget!« 8 Tritt aus dem Hintergrunde zu Mir hin der Erzbischof Migatzi und sagt: »Herr und Vater, heilig, überheilig! Dieses Wesen, nun so hold und schön, wie ein schönster Stern Deiner Himmel, beschämt uns wirklich alle, wie wir da sind. Wie die Stöcke stehen wir hier, während diese nunmehrige Blume der Himmel in der Deiner würdigen Lobpreisung wahrlich einen David zu Schanden reden würde. Nein, das habe ich noch nie gesehen und gehört. Diese Anmut, diese feierlichste Würde, dieser echt himmlische Anstand vor Dir, diese heilige Reinheit in ihrer Sprache, diese englische Wahl der Worte, ihre unbegrenzte Liebe und Dankbarkeit, kurz, in allen ihren nunmehrigen Gebärden liegt eine so wahrhaft magische Würde, daß wir alle ganz hingerissen sind. Sie lehrt uns alle Dich erst so ganz und recht erkennen. Ach, das ist ja ein rein himmlisches Wesen, an dem sich nun nichts Mangelhaftes mehr zeigt. O Herr, Du ewige, reinste Liebe! Welch' großen Dank sind wir alle Dir für diese Verklärung schuldig! O Du liebstes, holdestes, rein himmlisches Wesen! Und ihr Lehrer neben ihr nicht minder!« 9 Sage Ich zum Migatzi: »Mein Freund und Bruder! Das gibt nicht die Weisheit, sondern allein nur die Liebe; daher haltet euch alle an die Liebe, wollet ihr in den Himmeln bei Mir sein. Ihr werdet zwar in jedem der drei Haupthimmel bei Mir sein und leben und wandeln vor Meinem Angesichte, aber so wie hier nur in und durch die alleinige Liebe. Diese Mathilde aber hat den rechten Grad der Liebe, und wird demnach auch so wie hier in den Himmeln bei Mir sein, allwohin wir nun bald gelangen werden. Gehe aber hin und verkünde das allen, die hier sind!« 10 Migatzi dankt Mir inbrünstigst für diese Belehrung, und geht sogleich hin zu der großen Menge, und verkündet das allen. 11 Der Offizier aber sagt zu Mir in seiner großen Liebe: »Herr, siehe, wir sind nun so selig als nur immer möglich; aber da stehen noch in Reih' und Glied meine Soldaten. Was solle nun mit ihnen geschehen?« – Sage Ich: »Gehe hin und lasse sie die Gewehre ablegen; denn fortan werden sie diese Waffen nicht mehr gebrauchen; denn in Meinem Reiche kämpft man allein mit den Waffen der Liebe ewig!« Kapitel 244 Peter Peter beruft seine Soldaten zum Appell vor den Herrn, Der sie segnet. Der jüdische Feldwebel, ein selten begabter poetischer Redner im Geiste Davids 1 Der Offizier geht nun sogleich hin zu den in Reihe und Glied stehenden Kriegern und sagt: »Habet acht, Brüder! bisher war ich noch immer euer Hauptmann und ihr gehorchtet mir, wie es biederen und rechtlichen Kriegern gehört; denn der pünktlichste Gehorsam des Untergebenen gegen seinen Vorgesetzten ist die eigentliche Hauptmacht, mit der ein weiser Feldherr jeden Feind besiegen kann. Weil ihr aber eben in der Tugend des Gehorsams groß waret, und ich über euch, die ihr hier stehet, nie eine Klage zu führen bekam, so hat es Gott dem Herrn also wohlgefallen, daß Er euch auch nach eures Leibes Tode in der Geisterwelt so lange unter meinem Kommando beließ, bis ihr durch meine oft an euch gerichteten Lehren und Ermahnungen auf den Punkt gebracht worden seid, von dem aus ihr einer anderen freieren Lebensanschauung fähig wurdet. In dieser Anschauung habe ich euch, selbst nicht wissend wie und warum, auf diese Stelle gebracht, wo ihr noch stehet. 2 Wir waren alle mehr oder weniger noch von den Pflichtverhältnissen der Welt befangen gehalten, obschon wir gar wohl wußten, daß wir uns in der geistigen Welt schon seit einer geraumen Zeit befanden. Wir dienten noch dem Kaiser, obschon wir keine Pflicht mehr gegen ihn zu beobachten gehabt hätten, und wir leisteten ihm sogar gute Dienste, denn die geheimsten Verschwörungen entdeckten doch nur wir zuerst und wirkten dann auf die noch auf der Welt lebenden Invigilanten (Amtspersonen) leicht also ein, daß diese dann alsbald auf die auch noch so heimlich gehaltenen Machinationen bösgesinnter Gesetzesfeinde und Ordnungsfeinde gewisserart mit der Nase stoßen mußten. Wir konnten dafür vom auf der Erde lebenden und herrschenden Kaiser freilich wohl keinen Sold mehr beziehen; aber dafür erhielten wir von unserem Gewissen den schönsten Lohn, und zwar in dem sicheren Bewußtsein, so manches sehr gräßlich werden könnende Unheil von dem Staate abgewendet zu haben, der uns geboren, ernährt und erzogen hat; und so übten wir denn noch als Geister für den irdischen Staat einen guten Dienst, bis zu diesem Zeitpunkte, in dem wir uns jetzt befinden. 3 Aber von nun an tritt für uns alle ein ganz anderes Lebensverhältnis ein. Der Weltdienst hört nun für ewig auf! und ein rein geistiger im Namen Gottes des Herrn tritt an seine Stelle. Diese Waffen, wie ihr sie nun traget, werdet ihr fürder nimmer gebrauchen. Wir werden zwar fortan auch kämpfen im Reiche Gottes, aber nicht mehr mit den Waffen zum Tode, sondern mit den Waffen zum Leben; und diese neuen, herrlichsten und mächtigsten Waffen heißen die Liebe zu Gott dem Herrn und die Liebe zu unseren Brüdern und Schwestern, die noch irgendwo in großer Armut ihres Geistes stecken. Leget daher nun diese Waffen ab; sie sind ohnehin nichts als pure Gedankenstriche unserer noch von der Erde her mitgenommenen Einbildungskraft und es liegt daher an ihrem scheinbaren Verluste um so weniger etwas, da sie an und für sich nichts sind. 4 Dort aber sehet hin! Ein herrlichst gestalteter Mann, der soeben sich mit einer himmlischen Jungfrau bespricht, die vor ihm wie von der Wonne aller Himmel auf einmal durchglüht also überselig dasteht, – dieser Mann ist Jesus, der große Heiland der Welt und ist zugleich in einer und derselben Person Gott, das allerhöchste Wesen Selbst, der alleinige Schöpfer aller Geisterwelten und Materiewelten. Dieser ewige und alleinige Herr der Unendlichkeit läßt euch nun durch mich zu Sich rufen, auf daß Er euch gäbe das ewige Leben. Leget also nun sogleich die Waffen ab und folget mir zu Gott, dem allmächtigen Vater und Schöpfer der Unendlichkeit.« 5 Auf diese wirklich kräftige und geistvolle Rede des Offiziers legen alle die Waffen vor sich auf den Boden hin und begeben sich sogleich mit dem Offizier zu Mir hin. Als sie in einem ziemlich gedehnten Halbkreise um Mich gestellt sich befinden, segne Ich sie sogleich alle und alle loben Mich nun einstimmig mit den herrlichsten und rührendsten Lebensworten, ganz besonders aber darunter ein Feldwebel, der auch bei dieser Gelegenheit einen glänzend vollendeten Vorredner und Vorsprecher macht. Am 14. September 1850 6 Dieser Feldwebel war auf der Erde seinem Glaubensbekenntisse nach ein Jude und hielt fest dafür, daß der Messias erst noch kommen werde und daß nun eben die Zeit gekommen sei, nach einer mystischen Berechnung der jüdischen Kabala, in der der Messias ganz unfehlbar in die Welt kommen müsse, um Sein Volk, das die Juden seien, wieder zusammenzubringen in das gelobte Land und es da zu erheben zum ersten und mächtigsten Volke der Erde. – Mit solchem Glauben ist also auch unser Feldwebel in die Geisterwelt übergegangen und wartete da auch sehnsüchtigst auf den großen Messias. – Als der Offizier aber der noch unter Waffen stehenden Mannschaft von Mir die Kunde brachte und die Berufung in Mein Reich, so meinte der Feldwebel anfangs, daß Ich der erwartete große Messias der Juden sei, nur frappierte ihn das, daß Ich auch die anderen berief, die da keine Juden waren. 7 Als aber der Offizier vor der Truppe Meinen Namen nannte, da ging dem Feldwebel ein mächtiges Licht auf und er sagte zu einem Kameraden, der auch ein Jude war und ein eifriger Erwarter des Messias: »Du! mir scheint nun nur zu klar, wir haben Ihn denn doch verpaßt. An dem Jesus fanden sich am meisten und am leichtesten die Weissagungen zurecht; aber die Dummheit: »Aus Galiläa steht kein Prophet auf!« hat Millionen geblendet. Es mag ja so sein, daß aus Galiläa kein Prophet erstehe; aber warum solle deshalb der Messias, Der mit dem Prophetentume nichts gemein hat, nicht aus Galiläa gekommen sein? Der Messias ist nach David Jehova Selbst und braucht nicht unter dem Mantel eines Propheten zu Seinem Volke zu kommen, sondern alsogleich als Jehova; und dazu kann Er gerade Galiläa wählen, damit die Menschen, die dummen Menschen, nicht verleitet werden sollen, am Ende auch den Herrn aller Menschen und Propheten, für einen Propheten zu halten, weil Er gerade von dort herkam, von woher nie ein Prophet kommen kann. Kurz und gut, Jesus aus Nazareth in Galiläa gebürtig war der erwartete Messias; aber wir haben Ihn allezeit verpaßt und unsere Brüder werden Ihn noch gar oft verpassen; wir beide aber werden Ihn nicht mehr verpassen. So wir hin vor Ihn treten werden, da lasse mich reden; ich werde Ihm unsere grobe Blindheit gehörig darstellen und dann für alle ein gebührliches Lob ganz nach Davids Art aussprechen.« – 8 Danach hat denn hernach aber auch er, wie schon früher erwähnt, den Hauptvorredner gemacht und ist nun eben einer Meiner glühendsten Anbeter, so daß sich alles hoch verwundert über seine echt orientalisch erhabenste Wohlredenheit.« 9 Der Offizier sagt nach einer Weile: »Ich war auf der Erde und auch hier in dieser Welt sein Vorgesetzter und er ist nun in der Weisheit ein Seraph (ein Gott anbetender und Ihn umschwebender sechsflügliger Engel), und ich bei all' meiner auf der Erde erworbenen theosophischen Kenntnis, die dazu hier noch eine große Ausbildung bekam, ein Esel, ganz glattweg! Seht nur diese herrlichen Bilder, diese Weichheit, Zartheit, dieser ungezwungenste Schmelz seiner so herrlich angebrachten historischen Episoden. Nein, so man ein Stein wäre, so müßte man bei solch einer Rede ätherweich werden! O wenn er diese Rede nur aufgeschrieben hätte; wahrlich ich könnte sie gerade tausendmal nacheinander lesen. Wie herrlich ist z.B. doch der Satz: 10 »Dorthin, Du ewiger Vater, wo der Sterne zahllose Myriaden von heiligem Schauer gedrungen ihr reines Angesicht mit dem dunklen Schleier der Nacht umhüllen, wo der lichte Aar und der glanzvolle Schwan an dem Gotteswege ewige Wache halten und ewig erstaunt in die nie gemessenen Tiefen Deiner Werke schauen, dorthin war auch oft mein mattes und von heiliger Wehmut tränenfeucht gewordenes Auge gerichtet und harrte also mit Adler und Schwan am großen Wege Jehovas, des großen Verheißenen!« 11 Und so weiter; das habe ich mir so gemerkt, und durchdachte nur so ganz flüchtig dies eine Bild und fand eine Größe, eine Tiefe, und eine so hohe Weisheit und Wahrheit darinnen, daß es mich geradewegs zu schaudern begann! O Herr, Du heiligster Vater! Wie kam denn dieser Jude nun auf einmal zu solch einer Weisheit und echt himmlischer Lyrik? Nein, auch das Bild von der alten Zeder Libanons, von der Zinne Ararats, vom Euphrat und Ganges, von der Wiege Judas, von der Blume der Wüste, o Gott, was liegt da in solchen Bildern. O Herr, gib mir auch nur etwas weniges von der Weisheit meines früheren Feldwebels!« Kapitel 245 Die Liebe ist die Quelle der echten Poesie. Das Gleichnis vom Schrank und von einem Keller. Torheit der Weltweisheit. Die Liebe, das Größte, sie ist Gott im Menschen 1 Sage Ich: »Mein Freund! hast du auf der Erde es nie gemerkt, daß Menschen, die so recht kernfest in der Liebe stecken, die zartesten Dichter sind? Also ist die Liebe die eigentlichste und beinahe stets alleinige Mutter der wahren Lyrik. Ein David brannte vor Liebe zu Mir, wie auch zu den Menschen und ward darum auch einer der größten Lyriker, die je auf der Erde gelebt haben. Sein Sohn Salomon war, so lange er liebte, auch weise dem wahren Sinn des Wortes und der Bedeutung nach; als er aber dann seine rechte Liebe in die Geilheit der Weiber versenkte, ward er bald dumm und schwach in Wort und Tat. 2 Betrachte meinen Johannes! Dieser Apostel hatte die mächtigste Liebe zu Mir und darum auch die größte Glut in der Darstellung Meines Wortes; und in seinen Worten liegt auch die größte Weisheit, wie bei keinem anderen Apostel; ihm ward darum auch die tiefste Offenbarung gegeben; und du kannst die ganze Geschichte der Erde durchgehen, und du wirst stets und nie wandelbar bei jenen Menschen die wahre Lyrik und Weisheit antreffen, die das Herz, wie man zu sagen pflegt, am rechten Flecke haben. 3 Es dichten wohl auch die Verstandesmenschen und machen ein Langes und Breites; aber in dem Langen und Breiten steckt nichts als ein höchst mühevolles Suchen eines verlorenen Groschens in der Nacht ihres Herzens. Sie kommen wohl manchmal dem Groschen auf die Sprur, so sie ihn aber ergreifen wollen, da gleiten sie aus, weil der Grund, auf dem sie stehen, ein höchst lockerer ist und verlieren auf die Art auch nur zu bald alle (jede) Spur, da etwa der verlorene Groschen liegen könnte. 4 Daher ist denn auch alle die sogenannte Weltweisheit eine größte Torheit vor Mir; denn was der Mensch mit dem Verstande in hundert Jahren bei aller Mühe kaum erreicht, das gibt dir die rechte Liebe in einer Sekunde; denn die Liebe bin Ich Selbst im Menschen! Je vollkommener seine Liebe wird, desto entfalteter auch Mein Ebenbild in ihm. 5 Der Verstand aber ist nur ein Schrank (Speicher), in dem die Liebe ihre erworbenen Schätze aufbewahrt. Was kann aber die Seele in dem Schranke finden, so die Liebe zuvor nichts hineingelegt hat? Oder was solle die Seele in dem Schranke finden, so das, was noch irgend eine vergangene oder erloschene Liebe in einer früheren und besseren Zeit hineingelegt hatte, in solch unerleuchteten Gemächern höchst zerstreut und verrostet daliegt, daß auch die mühevollste Arbeit der Seele entweder nur höchst wenig oder auch wohl gar nichts effektuieren kann? Gehe du in einen finstern Keller und suche darin einen verlorenen Groschen und du wirst ihn nicht finden. So du aber ein gutes Licht anzündest, so wirst du den Groschen bald finden, so du recht suchest und eine rechte Geduld im Suchen hast. 6 Also siehe nun, Mein lieber Freund! Dieser Feldwebel hatte allezeit eine rechte Liebe zu Gott dem Herrn, den er nur also kannte, wie er Ihn aus der Schrift des Vorbundes kennen lernte. Er liebte also die Gottheit, ohne Sie zu kennen, schon über die Maßen; wie groß muß dann erst seine Liebe zur Gottheit werden, so er mit derselben volle persönliche Bekanntschaft macht, wie es nun der Fall ist?! Und diese Liebe gibt ihm eine solche lyrische Weisheit; willst du aber auch solch eine Weisheit, so mußt du auch solch eine Liebe dir aneignen, dann wird es schon gehen. Du liebst Mich wohl sehr mächtig; aber der Feldwebel liebt Mich mehr. Wie dies aber möglich ist, das alles wird dir die nächte Folge klar darstellen.« 7 Sagt der Offizier: »Herr! das verstehe ich wahrlich nicht, wie das möglich sein könnte, Dich noch mehr zu lieben; denn bei Deinem heiligsten Namen, ich liebe Dich aus allen meinen Kräften über alles, und ich könnte mich nun rein auf den Kopf stellen, so wäre es mir allerreinst unmöglich, Dich, o Herr und Vater, noch mehr über alles zu lieben. Mir käme überhaupt eine solche Liebe so vor, als so ein Mensch eine Tausendzentnerlast mit der ihm verliehenen puren menschlichen Kraft weiterschaffen sollte. – Herr, erweitere mein Herz und vermehre die Liebelebensflammen im selben, dann werde ich auch in der Liebe zu Dir werden gleich einem Altlas, der nach der Fabel bestimmt war, den ganzen Himmel auf seinen Schultern zu tragen.« 8 Sage Ich: »Mein lieber Freund! Das, was du von Mir willst, ist dir selbst anheimgestellt, denn von nun an wirst du allein der Schöpfer und Umgestalter deines Wesens und deiner Liebe sein. Frage aber den Feldwebel: Wie? und er wird es dir sagen.« Kapitel 246 Der Offizier und sein Feldwebel im Gedankenaustausch über die wahre Weisheit aus der Liebe. Vom Geheimnis des Himmelsschatzes und wie derselbe zu suchen, zu finden und zu bewahren ist 1 Der Offizier wendet sich nun an seinen ehemaligen Feldwebel und sagt zu ihm: »Höre du, mein allerschätzbarster Freund! Du warst einige Jahre direkt bei meiner Kompanie und versahest deinen Dienst stets zu meiner vollsten Zufriedenheit. Hätte uns im Felde der Tod nicht ereilt, so wärest du zufolge meiner Verwendung ohne weiteres Offizier geworden. In dieser Welt aber, in der wir alle ex propriis dienten, war natürlich schon nach der göttlichen Ordnung, die gleich beim ersten Eintritte in diese Welt überaus fühlbar vorzuwalten beginnt, an kein Avancement eher zu denken, als bis derjenige Herr, dem alle Weltämter und Himmelsämter der ganzen Unendlichkeit untergeordnet sind, uns zu einem Avancement verhelfen werde. 2 Wir sind nun glücklich vor das allerheiligste Angesicht des großen Alleinbeherrschers der Unendlichkeit gelangt durch Seine alleinige Güte, Gnade und Barmherzigkeit. Wir haben Ihn kennen gelernt von einer Seite, von der Ihn wohl die ganze Erde im allgemeinen, wie im besonderen kaum kennen dürfte und haben Gnade, ohne die geringsten Verdienste – vor Ihm gefunden. 3 Du aber, wie es scheint, bist Ihm vor uns allen sicher am nächsten gekommen; denn als du mit Ihm in einer noch nie dagewesenen allererhabensten Art ehedem geredet hast, habe ich selbst Tränen im allerheiligsten Auge Gottes entdeckt; und Freund, das ist etwas, was die ganze Unendlichkeit kaum je fassen wird. 4 Sage mir denn, wie du es denn angestellt hast, daß dir solch eine ungeheure Weisheit zuteil geworden ist. Hast du diese etwa schon gar auf der Welt besessen und ließest davon nie etwas merken oder ist sie dir erst nach und nach in dieser Welt zuteil geworden, durch den allmächtigen Einfluß Jesus Christus, des Herrn von Ewigkeit? Wohl weiß ich es auch aus dem allerheiligsten Munde Gottes Selbst, daß dir deine große Liebe zu Ihm zu solcher Weisheit verhalf; aber nun erst kommt die Hauptfrage: 5 Wie bist du zu solch einer immensesten Liebe gelangt? Aus der in deinem Herzen eine solche Weisheit sprühet, wie sie kaum in der Flammenbrust des feurigsten Cherubs anzutreffen sein dürfte? Der Herr Selbst hat mich in dieser Angelegenheit an dich gewiesen. Sei demnach so gut und gib mir dazu eine gehörige Anleitung; denn ich liebe Jesus den Herrn wahrlich über alles, aus allen meinen Kräften, und ich wüßte wahrlich nicht, wie ich Ihn noch mehr lieben könnte. Du aber wirst es wohl wissen, weil dir der Herr Selbst darinnen das Zeugnis gibt. Weil du es aber weißt, so sage es mir, wie das mir bisher unmöglich Scheinende am Ende doch noch möglich sein kann.« 6 Sagt der Feldwebel: »Mein Hauptmann, mein Freund! Dein eigener Wahlspruch: »Bei Gott sind alle Dinge möglich,« sollte dir ja doch am ersten zeigen, daß die Liebe zu Gott dem Herrn eben so wenig zu begrenzen ist, als die Erkenntnisse über Gott selbst, die auch ewig keine Grenzen haben können. Wie möglich kommst du zu solch einer Frage? Kannst du denn irgend mehr sehen, als das Licht es dir gestattet? Und kann das Licht stärker sein, als das, was das Licht erzeuget? So du aber ein Material hast, zu erleuchten ein großes Gemach, dessen allein du bedarfst zu deiner Arbeit, warum zerteilst du dann das Material, zu erleuchten auch andere Gemächer, in denen du vorderhand nichts zu tun hast? 7 Sammle das Material nur allein für die Erleuchtung bloß des einen Gemaches und ist das einmal also erleuchtet, daß du darinnen alles wie am hellsten Tageslichte ausnehmen kannst, dann öffne Türen und Fenster und es wird aus dem einen Hauptgemache von selbst ein hinreichend Licht in die Nebengemächer dringen und dieselben erleuchten zur Genüge. So du nicht sammelst, da zerstreuest du schon deshalb, weil du nicht sammelst. Sammle also, auf daß dir ein reicher Schatz werde. Wer nicht sammelt und sparet, kommt nie zum Reichtume. Du mußt also sammeln und sparen, so du zu einem großen Reichtume gelangen willst. (echtjüdisch.) 8 Die Liebe ist der Himmel größter Reichtum; nach der muß man geizen und hat man sie, da muß man sie nicht sogleich aller Welt preisgeben. Die Nächstenliebe ist zwar gleich der Gottesliebe; aber sie muß nur wegen Gott in Werken bestehen, nie aber in der Flamme des Herzens unmittelbar an den Nächsten selbst gerichtet, sondern nie anders wie allein nur durch Gott, denn sonst schwächt das die Liebe zu Gott. Sieh' an deine schönste Mathilde! Siehe, siehe, die hat (bei dir) drei Viertel von dem, was der Herr allein haben solle! Merkst du den Grund deiner Liebesschwäche?« Kapitel 247 Fortsetzung: Peter Peter mit dem Feldwebel im Gespräch. Menschliche Ausflüchte der Eigenliebe auch von Seite Edelster, vor dem entscheidenden Opfer des Selbst. Ein wahres Licht über die Liebe zu Gott und den Menschen, mit Beispielen. Weltmenschliche Schwächen schwächen den Geist 1 Sagt der Offizier: »Ich danke dir, lieber Bruder, für deine gar sehr herrliche Erklärung. Nun ist es mir schon klar, wo es bei mir steckt. Ja, ja, du hast ganz vollkommen recht; die geschöpfliche Liebe ist bei mir noch bei weitem stärker, als die Liebe zu Gott dem Herrn, Der doch der Urgrund aller Liebe ist. – Die Weiber aber haben es auch mit der Liebe zu Gott dem Herrn viel leichter, als wir rein männlichen Wesen, denn sie lieben in Gott wohl doch den endlosest vollkommenen Mann, das sich ganz mit ihrer antimännlichen Polaritätsnatur sehr wohl verträgt; aber bei uns Männern ist die Sache ein wenig anders. Wir können in ein noch so vollkommenes Mannswesen nie so ganz radikal verliebt werden, wie in ein weibliches Wesen, weil das schon so in der Natur gegründet ist. 2 Daher meine ich, obschon ich nun einsehe, wo es bei mir so ganz eigentlich steckt, daß da zwischen der Liebe zum Weibe und der zu Gott ein bedeutender Unterschied sein müsse? Man wird Gott, das höchste Urwesen, denn doch ganz anders lieben müssen, als ein Weib; und so glaube ich denn, daß eine höchst bescheidene Liebe zu einem wunderlieben Weibe gar wohl neben der allmächtigsten Liebe zu Gott existieren kann. Die Liebe zu Gott muß von höchster Reinheit sein, während die Liebe zum Weibe immer etwas, wie man zu sagen pflegt, mehr schmutzig sein kann, das heißt: Die Liebe zum Weibe hängt größ- tenteils an der Form, also an etwas, was mehr den äußeren Sinnen entspricht, während die Liebe zu Gott eine rein allerinnerste Beschauung der unendlichen Vollkommenheiten der Gottheit ist, eine entzückende Bewunderung alles dessen, was die Gottheit aus Ihren Macht- und Weisheitsvollkommenheiten in das beschauliche Dasein aus Sich Selbst hervorrief und ein erhabenstes Lob der reinsten Liebe und Güte der Gottheit! Ich meine, daß das im Grunde eine wahre Gottesbeleidigung wäre, so man Gott eben mit der Empfindung liebete, als wie man ein Weib liebt? 3 Ich bin daher auch der Meinung, daß die nun gerettete Mathilde mir in der Liebe zum Herrn nicht den geringsten Eintrag machen kann, im Gegenteile mir nur zu noch größerer Liebe zu Ihm verhelfen kann.« (?) 4 Spricht der Feldwebel: »Glauben und stark meinen macht zwar auch selig; aber ich halte es mit der Seligkeit der reinen Liebe zu Gott und in Gott ganz allein. Weil der Mensch nur ein Herz und somit auch nur eine rechte Liebe haben kann, aus der hernach, so die Hauptliebe reif geworden ist, alle anderen Seitenliebearten in der reinsten göttlichen Ordnung hervorgehen können, so bin ich der maßgeblichen Meinung, man müsse zuvor in der Liebe zu Gott vollends fest stehen; dann erst läßt sich alles andere in der schönsten Ordnung ergreifen. Ist man aber in der Liebe zu Gott noch schwankend und weiß man es etwa kaum erst, wie man Gott mehr solle lieben können, als ein schönst gestaltetes Weib, da, Freund, ist die rechte Weisheit des Geistes noch etwas fern, und du wirst sie noch nicht so bald überkommen. 5 Siehe, das Herz hat nur eine Kammer für die Liebe und diese muß gleich sein wie für Gott als auch für den Nächsten; ebenso auch umgekehrt. So du recht liebest, da kannst du Gott nicht anders als wie ein Weib lieben und ein rechtes Weib nicht anders lieben als wie Gott, weil das Herz des Menschen nur einer rechten Liebe fähig ist. Was daneben ist, gehört dann schon zur Selbstliebe und taugt nicht in das Reich Gottes. 6 Siehe hin! wie hat denn ein Johannes, ein Jakobus, ein Petrus, wie auch ein Paulus den Herrn geliebt? Wie liebte z.B. eine Magdalena und tausend andere mehr? Siehe, diese waren in den Herrn ganz vollkommen verliebt, ungefähr noch um einige Grade stärker, wie du nun in deine allerholdeste Mathilde; und siehe, eben solch ein förmliches Verliebtsein in den Herrn hat in diesen obbenannten Wesen und zwar deutlich, den dir gezeigten Grund gehabt, daß sie als solche rechte Liebhaber des Herrn hernach auch ehestmöglich zu Seinen intimsten Freunden und zu Meistern in der rechten Liebe und Weisheit geworden sind. Dort gleich hinter dem Herrn stehen Petrus, Paulus und Johannes; gehe hin und frage sie, ob ich nur in einer Silbe unwahr geredet habe.« 7 Sagt der Offizier: »Was sagst du? Paulus, Petrus und Johannes, der die berühmte Offenbarung geschrieben hat, wären da und zwar die drei ernsten Männer hinter dem Herrn?« – Sagt der Feldwebel: »Ja, ja und noch einmal ja! Sie sind es, wie sie geleibt und gelebt haben.« – Spricht der Offizier weiter: »No, da muß ich ihnen freilich sogleich mein Kompliment machen gehen. Ich halte zwar nichts auf die Komplimente; aber wo sie einen Grund haben, da sind sie auch ganz in der Ordnung und dürfen nicht ausbleiben. Ehre dem, dem sie gebührt!« 8 Sagt der Feldwebel: »Freund! hier aber, soviel es mir mein Herz sagt, gibt es nur ein Kompliment und das besteht für alle in der reinen Liebe. Hast du aber Liebe zu Gott dem Herrn, was allein ein ewig wahrstes und bestes Kompliment ist, so fassestes du in dieser Liebe auch den Petrus, Paulus und Johannes, wie auch alle Himmel ein. Mit den sonstigen irdisch gearteten Komplimenten und Aufwartungen aber ist's hier nichts; daher meine ich, daß du allein nur dem Herrn die Aufwartung zu machen hast; alles andere macht sich dann schon wie von selbst.« 9 Sagt der Offizier: »Ja, ja, du hast recht; du hast ganz vollkommen recht; und du mußt auch in allem recht haben, weil du in der wahren Weisheit so tief eingeweiht bist, um alles was hier recht heißt, bis auf den innersten Grund einzusehen, aber schaden, glaube ich, könnte es denn doch gerade nicht, so man sich mit jenen drei ersten Aposteln des Herrn in ein freundlichstes Einvernehmen setzen würde; denn das müssen wir denn doch immer annehmen, daß diese drei nach Gott dem Herrn die ersten Geister in der ganzen Unendlichkeit sind, daher es denn meiner Meinung nach sich denn doch schickete, ihnen eine Aufwartung zu machen, d.h. sich ihnen doch wenigstens vorzustellen und sie als die ersten Freunde des Herrn freundlichst zu begrüßen!« 10 Spricht der Feldwebel: »Tue du, was du willst; ich habe dir nur gesagt, was hier ganz allein not tut. – Nun winkt dir aber der Herr Selbst! Gehe hin; aus Seinem Munde allein strömt die höchste Weisheit in den klarsten bescheidenen Bächlein. Fasse sie recht in's Herz und lebe danach!« Kapitel 248 Der Herr belehrt den Peter Peter selbst über das rechte Lebensverhältnis der heiligen Liebe zu Ihm und den Menschen. Der blinden Leidenschaft »warum?« Gleichnis vom engen Pförtchen und der großen Bürde. Peter Peter und Mathilde sprechen ein Vaterunser der Liebe zum Vater 1 Der Offizier begibt sich nun schnell zu Mir hin und sagt: – »Heiligster, bester Vater! Du riefst mich und ich stehe in aller Liebe zu Dir, vor Dir, und erwarte aus Deinem heiligsten Munde Deinen hochheiligsten Willen an mich zu vernehmen.« 2 Rede Ich: »Mein lieber Peter Peter! Du mußt für's erste nicht immer heilig und allerheiligst vor Mir im Munde führen; und für's zweite mußt du dir die ganz irdisch klingende Komplimentensprache vollends abgewöhnen; denn hier, wo alle gleich sind, wo es nur einen Herrn gibt, alles andere aber vollends gleich ist, da ist jedes Kompliment eine Torheit. Der Feldwebel hat dir ganz richtig und recht die Sache und das Lebensverhältnis Meiner Himmel erörtert; aber du hast so ganz leiseweg denn doch immer etwas dagegen einzuwenden gehabt; und siehe, das ist nicht recht. – So Ich Selbst dir jemanden anempfehle, daß er dich belehre in dem, was dir noch fremd ist, so mußt du ihn bloß hören, und nach dem, was du gehört hast, dein Leben einrichten; aber so du immer mit Einwendungen kommst, und auch was anderes für recht und gut darstellst, was nach Meiner ewigen Ordnung dennoch nie vollends gut und recht sein kann, so wirst du mit dir selbst nie ins klare kommen. 3 Der Feldwebel hat dir unter anderem auch gesagt, wie die Liebe zu Mir beschaffen sein muß, so sie dir die rechten Früchte tragen solle, aber du meintest dann wieder anders; und siehe, dennoch muß es also sein, wie es der Feldwebel dir ganz einfach erklärt hat. 4 Siehe, die holde Mathilde liebst du nun ganz leidenschaftlich; Ich begreife das wohl, daß du dich solcher Liebe nun kaum erwehren kannst; aber du mußt vorderhand dennoch die Mathilde ganz aufgeben! und mußt für deinen Teil ganz Mir allein angehören so wie die Mathilde für ihren Teil; sonst könntest du samt der Mathilde nimmer in Mein Reich einziehen! – 5 So du die Mathilde nicht aus Meinen Händen bekommst, kann sie dir nicht zum Heile und zur Kraft aus Mir behilflich sein, wohl aber nach und nach zum Unheile und zur bedeutenden Schwäche. 6 Daher gehe hin, führe sie zu Mir und übergib sie Mir! Dann erst wirst du frei sein – zur Aufnahme einer rechten Liebe aus Mir zu Mir.« Am 19. September 1850 7 Spricht der Offizier: »Herr und Vater! das ich Deinem Worte auf das Allerpünktlichste nachkommen werde, das versteht sich lange schon von selbst; aber nur um das möchte ich Dich bitten, daß Du mir, weil Du mir nun schon die höchste Gnade mit mir zu reden erwiesen hast, aber auch noch nur mit wenigen Worten hinzufügen möchtest, warum, ganz aufrichtig gesprochen, ich so ganz eigentlich die Mathilde eher zu Dir führen und sie Dir ganz übergeben muß, bevor sie hernach erst durch Deine Hand vollends mein werden kann. Zum Weibe kann ich sie hier im Geisterreiche ja ohnehin nie nehmen, indem hier nach Deinen Worten niemand freien und sich freien lassen kann. Zur weiteren Fortbildung in diesem Deinem Reiche, o Herr, hast Du mir sie aber ja Selbst übergeben, und ich habe sie denn auch mit tausend Freuden übernommen. Das ich sie erstens als eine Gabe aus Deiner Hand und zweitens als ein wirklich himmlisch allerliebstes Wesen liebe, und zwar himmelweit entfernt von jedem sinnlichen Gedanken, das finde ich doch so in der Ordnung, als nur immer etwas, das sich mit dem besten Gewissen Ordnung nennen läßt. 8 Herr! vergib mir armen Sünder solche Fragen; aber ich kann wahrlich nicht dafür, daß ich so denke und von allem eher den Grund sehen will, bevor ich zur Handlung schreite. Ich weiß zwar nur zu überzeugend klar, daß man Deinem Willen ganz unbedingt darum nachkommen solle, weil Du allezeit das Beste Deiner Kinder willst, und daß man nicht erst fragen solle, warum; aber alles dessen ungeachtet finde ich in mir dennoch den Trieb, von allem, was ich tun solle, den Grund und das Ziel zu erforschen, um hernach die Handlung desto energischer beginnen zu können. Wenn es also Dein Wille wäre, mir davon etwas kund zu tun, wäre es mir wohl äußerst erwünscht!« 9 Rede Ich: »Mir aber nicht, Mein lieber Freund und Sohn! Denn so es nötig wäre, dir davon den Grund zu sagen, so hätte Ich ihn dir schon sogleich vollauf kund getan; denn für so weise wirst du Mich hoffentlich wohl halten, daß Ich wohl einsehen werde, was da nötig und nicht nötig ist. – Ich sage dir aber den Grund davon aus dem besten Grunde nicht. Hast du etwa da auch noch irgend etwas einzuwenden? 10 So du aber eine Bürde trägst, die einen bedeutenden Umfang hat, und kommst damit zu einer engen Pforte, durch diese Pforte aber mußt du gehen, so du das Ziel des Lebens erreichen willst; nun ist aber hinter dir deine umfangreiche Bürde, die du auf deine Schultern geladen hast; sage Mir, was wirst du nun tun, um das hohe Ziel deines Lebens zu erreichen?« 11 Der Offizier macht hier etwas große Augen und sagt nach einer Weile: »So ich die Bürde durchaus nicht durch die enge Pforte bringen kann, so werde ich auf jeden Fall die Bürde vor der Pforte niederlegen und mich ganz ohne sie durch die Pforte zu zwängen versuchen; denn das Ziel des Lebens steht höher, als jede noch so wertvoll scheinende oder auch seiende Bürde.« – Sage Ich: »Gut, Mein Sohn! Gehe hin und tue also, so wirst du leben!« 12 Hier begibt sich der Offizier sogleich zur Mathilde und sagt zu ihr: »Mathilde! der Herr will dich; so komme denn mit mir, auf daß ich dich in Seine heiligsten Hände übergebe.« – Sagt die Mathilde: »Auch ich bin nur eine zwar unwürdigste Magd des Herrn; Sein allezeit heiligster Wille geschehe!« – 13 Mit diesen Worten führt der Peter Peter die Mathilde hin zu Mir und sagt: »Mein Herr, mein Gott und mein heiliger Vater! Hier ist sie, die Du verlangtest; ich übergebe sie Dir mit großer Freude meines Herzens; denn ich weiß es, daß du mit ihr die besten Absichten hast und daher auch zu ihrem ewigen Lebensglücke das Beste verfügen wirst. Dein Name werde geheiligt, und Dein allein heiliger Wille geschehe!« 14 Die Mathilde aber voll Furcht und Liebe zu Mir sagt: »Heiliger Vater, Der Du in den Himmeln wohnest, Dein heiliger Name werde allezeit und ewig stets mehr und mehr erkannt und geheiligt! Dein Reich der Liebe, der Weisheit und des ewigen Lebens komme zu uns allen! Dein allein heiliger Wille werde von allen freien Geistern, Wesen und Menschen in den Himmeln wie auf allen Weltkörpern auf das pünktlichste befolget! Gib, o heiliger Vater, allen Kindern dein Himmelsbrot alles Lebens zu essen mit reinem Munde! Vergib uns allen unsere Schwä- chen und Sünden, gleich wie wir all' denen vergeben, die uns je beleidiget haben! Lasse auch nicht zu, daß wir – mit noch allerlei Schwächen behafteten Kinder – über unsere Kräfte irgend sollen versucht werden; so aber ein Übel Deine Kinder zu verderben droht, da wende es ab und befreie sie von allem, was ihnen Übles zufügen könnte! Denn Dein allein ist alle Macht und Kraft ewig! Dir sei aller Ruhm, aller Preis, alle Ehre und Anbetung; Dir allein alle unsere Liebe und alles Lob ewig. Amen!« Kapitel 249 Ein himmlisches Wort des heiligen Vaters an zwei liebe Kinder! Die Urquelle alles Lebens und aller Seligkeiten; vom Liebemut. Helena und Mathilde an der Lebensmilch-Mutterbrust des himmlischen Vaters Am 20. September 1850 1 Sage Ich zur Mathilde und auch zugleich zum Offizier: »So ist es recht und solch ein Gebet gefällt Mir; denn da ist alles vorgetragen, was jedem Menschen nötig ist, auch jedem Geiste und jedem noch so vollkommenen Engel. Komme her, Mathilde, an Meine Brust und stärke da dein Leben; denn siehe, aus dieser Brust ist alles, das erfüllt den unendlichen Raum, und der unendliche Raum selbst hervorgegangen. Alles saugt an dieser Brust und sättiget sich; so komme denn auch du, Mein Töchterchen, her und sauge ein – in starken Zügen das ewige Leben voll Liebe, Weisheit und Macht!« 2 Siehst du, Mein Sohn Peter Peter, die Mathilde hat vor Mir die beste Rede gehalten und ist daher auch am weitesten gekommen. Du aber wolltest eher weise werden, bevor dein Herz noch fähig war, die rechte Weisheit zu ertragen; daher bist du nun ziemlich weit hinter der Mathilde, obschon du ehedem vorne warst. Siehe aber, daß deine Liebe zu Mir gleich wird der mächtigen Liebe dieser Mathilde, dann wirst auch du dahin gelangen, wohin nun die Mathilde gelangt ist. 3 Du, Meine holdeste Tochter aber, habe keine Furcht vor Mir, darum daß Ich das allerhöchste Gottwesen bin, denn siehe, eben darum, da Ich das bin, bin Ich der sanfteste, demütigste, freundlichste, herablassendste, liebevollste und allerbeste Geist und Mensch zugleich. Komme nur her und fürchte dich nicht!« 4 Die Mathilde bebt vor süßer Furcht und brennendster Liebe, kann sich aber dennoch nicht Mut genug verschaffen, um an Meine ihr zu heilig vorkommende Brust zu fallen. Ich aber berufe die Helena und sage zu ihr, daß sie dieser Mathilde zeigen solle, wie es die Auserwählten im Himmel machen. 5 Helena fällt sogleich mit offenen Armen an Meine Brust und sagt: »O Du mein süßester Vater! Das ist mir so schon unaussprechlich stark abgegangen! O Du lieber Vater! O Du meine einzige Liebe! Du meine unaussprechliche Schönheit aller Schönheiten! Du ewiger Honigseim aller Süßigkeiten des Lebens! O wie süß ist es an dieser Deiner Brust zu ruhen und einzusaugen des Lebens höchste Kräfte!« – Nach solchen Worten fällt Mir die Helena an die Brust, und verbeißt sich, wie man sagt, förmlich vor Liebe in dieselbe. 6 Als die Mathilde das sieht, sagt sie: »Aber mein Gott und mein Vater! Hat aber diese doch einen Mut, der dem Erzengel Michael sicher nicht eigen ist. Mit welch einer Heftigkeit sie doch hingestürzt ist und tut nun, als ob sie schon ganz und gar in die allerheiligste Brust hineinsteigen wollte. Ach, ach, das ist denn doch ein wenig zu stark! Ich möchte das freilich auch tun, wenn ich dazu nur den erforderlichen Mut hätte. Nein, aber die treibt mir's denn doch einmal zu bunt!« 7 Sage Ich: »Nun, Mathilde, so komme und tue wie diese!« – Nun läßt sich die Mathilde nicht mehr zum zweiten Male rufen und fällt ebenfalls an Meine Brust. Da aber die Helena sich beinahe über die ganze Brust her breit macht, findet sie Mathilde etwas zu wenig Platz und sagt gar sanft zur Helena: »Aber liebe, holdeste Schwester! so lasse doch mir auch ein Plätzchen übrig; ich bin ja auch dir gleich hierher berufen worden.« 8 Sagt darauf die Helena: »Siehe, wer zuerst kommt, der mahlt denn auch zuerst! Wenn man zu etwas so Gutem berufen wird, o da muß man sich durch nichts abhalten lassen; und fehlt einem die Courage, so muß man sie von irgend woher zur Leihe nehmen. Komme nur her da, wir werden schon Platz finden; denn schaue, an dieser Brust haben gar viele auf einmal Platz!« 9 Sagt die Mathilde, die nun auch schon ihr Köpfchen an Meine linke Brustseite gelegt hat: »Jetzt ist es schon gut! O Gott, o Gott, welch eine süße Ruhe! Ja, ja, wer wahrhaft ruhen will, der ruhe in Gott! O Du heilige Brust! Was fühle ich nun! Ach mein Herz ist viel zu enge, um zu fassen die Fülle dieser heiligen zu großen Empfindung. Wer könnte aber auch solcher Gnade und Liebe Tiefe je fassen und ergründen!« 10 Sagt die Helena: »Ist auch gar nicht nötig; denn schau! die rechte Liebe will nichts ergründen und nichts bis auf den Grund erschöpfen. Wenn wir da ergründen wollten, wie heilig und erhaben diese Brust ist, an der wir nun ruhen, da hätten wir Ewigkeiten um Ewigkeiten zu tun! Und das wäre denn doch sicher eine noch talketere Arbeit als die eines hungrigen Philosophen, der das Brot zuvor in seine Atome zerlegen wollte, ehe er sich seinen Hunger damit zu stillen begann, aber dabei verhungerte. – Wer da fragt, was etwa doch die Liebe sei, der liebt gewiß ganz verzweifelt wenig. Die wahre Liebe ist stumm und redet nicht viel um einen Groschen, sondern sie faßt ihren Gegenstand wie ein Polyp seine Beute und saugt so lange daran, bis sie satt geworden ist. Hernach kommt dann schon auch wieder die Philosophie. Darum mußt du jetzt nicht viel reden, sondern bloß genießen, da dir die Gelegenheit geboten ist; sonst kommst du neben mir offenbar ein wenig zu kurz.« 11 Sagt die Mathilde: »Sorge dich nicht darum, ich verstehe es schon auch, wie man lieben muß. Schaue nur, daß am Ende du nicht zu kurz kommst! Ich bin auf der Erde von der Liebe ganz kurios geplagt worden, rein und unrein, und habe nirgends eine rechte Sättigung finden können. Nun aber empfinde ich alle Sättigung in mir, und mein Herz leidet keinen Hunger mehr. Daher sorge dich nicht um mein Zukurzkommen; denn so ich an der Tafel bin, da verstehe ich schon auch zu essen und besonders an dieser, an der zahllose Myriaden ihren belebenden Nektar saugen!« 12 Sagt die Helena: »Nur nicht gar so poetisch, meine liebe Schwester! Denn schau', ich bin eine ganz gemeine Person von meiner irdischen Geburt her und verstehe mich nicht auf so hohe Ausdrücke; und schau! der Herr hat das nicht einmal gar zu gern; je einfacher, desto lieber ist es Ihm, weil in einer so hohen Sprache oft auch ein Art Eitelkeit zugrunde liegt. Daher nur so hübsch ordinär weg, meine holdeste Schwester! Das ist dem Herrn am liebsten!« 13 Sagt die Mathilde: »Ja, ja, du hast recht, ganz recht; aber nur ein bißchen mehr Platz lasse mir noch!« – Sagt die Helena: »Ei, ei, liebste Schwester! Hast denn noch nicht Platz genug? Ich glaube, daß du diese ganze heilige, süße Brust allein in den Besitz nehmen möchtest? – No dir zulieb, weil du gar lieb und herzig aussiehst, mache ich noch einen kleinen Rucker; aber hernach mußt du mich in meiner Seligkeit nicht mehr stören, liebe, holdeste Schwester!« 14 Sagt die Mathilde: »Nein, nein, jetzt haben wir beide Platz genug; ich bin dir sogar sehr vielen Dank schuldig, daß du mir den Mut gemacht und den Weg gezeigt hast. Ich habe von dem, wie man eigentlich würdigster Weise Gott lieben müsse, mir nie eine rechte Vorstellung machen können. Ich meinte bei mir nur zu oft und sogar hier noch, Gott müsse man bloß in einer Art allererhabenster und frömmster Schwärmerei lieben. Ich machte denn daher aber auch sonderbar große Augen, als der Herr Gott und Vater mich vor dir berief, an Seine seligkeitsvollste, heiligste Brust zu kommen. Ich stellte mir solch eine Annäherung für ewig unmöglich vor. Aber nun sehe ich erst recht klar ein, wie bei Gott dem Herrn am Ende dennoch alle Dinge möglich sind. Ihm darum ewig alle meine Liebe!« 15 Sagt die Helena: »Also für deinen Peter Peter nichts mehr? Wie wird denn ihm hernach die Sache schmecken? Oder sollen etwa in diesem Punkte für dich bei Gott auch alle Dinge möglich sein?« – Sagt die Mathilde: »Aber liebe, schönste Schwester, warum mußt denn du aber auch stets ein wenig sticheln auf mein Herz? Macht dir das denn irgend ein Vergnügen? Ich meine, der Peter Peter wird hoffentlich wohl selbst meinem Beispiele folgen; denn er sieht sicher besser als wir beide ein, daß man Gott den Herrn und alleinig wahren Vater mehr lieben müsse, als alle noch so vollkommenen Geschöpfe. So lange man Gott nicht hat, muß man leider die Geschöpfe wegen ihrer formellen Ähnlichkeit mit Gott lieben. Hat man aber den wahren, urewigen Grund der Liebe, ja die reinste und die wahrste Liebe Selbst gefunden, dann ist es mit der geschöpflichen Liebe für ewig gar! Verstehst du mich?« 16 Sagt die Helena: »O ja, das verstehe ich wohl; aber so ganz und gar aus ist es dennoch nicht; denn die Nächstenliebe, die Bruderliebe und Schwesterliebe hört darum nicht auf, weil eben in der Liebe zu Gott die Liebe des Nächsten eine vorzügliche Bedingung ausmacht. Denn so wenig man Gott lieben könnte, so man hassete seinen Bruder, eben so wenig kann man den Bruder wahrhaft lieben, so man zu Gott keine oder wenigstens eine dumme Liebe hätte, wie solche bei vielen borniert zelotischen römischen Katholiken anzutreffen ist, die da besser den Namen Gotteshaß als Gottesliebe verdienete. – Aber diese Menschen können nicht dafür, daß sie so sehr dumm sind; denn sie werden schon von Kindheit an also erzogen. – 17 Ich war einmal selbst so dumm und glaubte eine Zeitlang, daß einem ein Pfaffe den Himmel zubringen kann. Als ich mich aber hernach nur zu bald überzeugte, welches Geistes Kinder die Pfaffen sind, da hat sich natürlich auch mein Denken in allem geändert. In dem berühmten Jahre 1848 stand ich wohlbewaffnet selbst allen Feinden der Wahrheit und der göttlichen Freiheit auf den Barrikaden gegenüber, und fand da auch den Tod meines wenig werten Leibes. – 18 Also meine liebste und lieblichste Schwester! Es ist sehr recht, daß du nun Gott, den Herrn, unseren allerliebsten, heiligsten Vater, also liebst, daß du darob aller geschöpflichen Liebe bar bist; aber du mußt dabei denn doch noch stets so viel Besinnung behalten, daß du in solcher Liebe auch der ärmeren Brüder und Schwestern nicht vergißt, die noch lange das Glück nicht haben, also an der Quelle der Liebe höchste und belebendste Segnung und Seligkeit zu genießen. Verstehst du, meine lieblichste Schwester, das?« 19 Sagt die Mathilde: »O und ob ich dich verstehe! Du hast schon recht und bist schon sehr weise geworden, das ich noch lange nicht bin; aber ich hoffe, daß auch ich bald so weise werden werde; aber jetzt ist mein Herz zu voll von Liebe zum Herrn, und die Weisheit hat daher nun gut ruhen bei mir.« Kapitel 250 Peter Peter und Robert über das Wesen der Liebe. Das Beispiel vom Verliebten. Der Phönix aus der Asche. Gleichnis vom Weinkeltern 1 Der Offizier sieht dieser Szene zu und bewundert die ihm wohlbekannte Helena, daß diese eine so ganz gebildete Sprache spricht. Er wendet sich zum Robert und sagt: »Nun, du mußt unterdessen deiner Helena schön zugeheizt haben, daß du ihr ihre frühere allerhäßlichste Lerchenfelder Proletariatssprache ordentlich wie Wanzen aus einer alten Bettstätte hinausgebrannt hast; denn wahrlich, sie spricht nun ein ganz gutes und schönes Deutsch.« – Spricht Robert: »Freund! das hat sie früher auch schon gekonnt; sie spricht aber nur dann ihren Lerchenfelder Dialekt, so es ihr darum zu tun ist, jemanden um Gottes Willen so recht zu demütigen. Sie ist sonst das sanfteste, zarteste und vom Herrn Selbst bestgebildete und feinstgebildete Wesen, schön wie eine Morgenröte und herzlich und lieb wie eine Taube.« 2 Sagt der Offizier: »Ja, ja, das sieht ihr nun wohl alles gleich. Aber lieber Freund! Nun noch eine Frage: Ich liebe Jesus so mächtig nun wegen Seiner unbegreiflichen Liebe zu uns, Seinen Geschöpfen. Diese Liebe drängt mich sehr; was solle ich denn tun, um mein Herz zufriedenzustellen?« – Sagt Robert: »Tue das nicht, lasse dein Herz vor Liebe zerbesten, dann wird dadurch dein Geist frei werden, der nun noch in deinem Herzen eingeengt ist. Wird aber dein Geist frei, dann wirst auch du frei in allem deinem Wesen, was dir vor allem nottut, so du dich dem Herrn vollends nähern willst. 3 Das Herz vor der Zeit beruhigen und zufriedenstellen heißt seinen Geist wieder schlafen legen und ein schlafender Geist hat dann wenig Hand zum Freiwerden. Man hat schon auf der Erde ähnliche Miniaturbeispiele. So jemand zum Exempel in ein liebes, gutes Mädchen so recht sterbensverliebt ist, bekommt aber keine Gelegenheit, seine Liebe auf dem gewöhnlichen Sinnlichkeitswege zu befriedigen und ihre stark gespannten Saiten herabzustimmen, so wird dessen Liebe stets intensiver und er wird dann alle Mittel anwenden, um sein liebes Mädchen zum Weibe zu bekommen. Ist er aber früher zu einer Befriedigung gekommen, so wird dann sein matrimonielles Bestreben um sehr vieles kühler werden, wo nicht gar am Ende ganz erlöschen; und siehe, also ist es auch hier der Fall. Man muß hier im Gnadenreiche der Liebe die Liebe ganz frei walten lassen; was da aus ihrem Walten auch immer herauskomme, kann nicht anders als nur gut sein, weil die Liebe eine heilige Kraft ist aus Gott, und nur die besten Effekte des Lebens in's Werk stellen kann. Lasse dich daher nur drängen von der Liebe des Herrn! Sie wird dein ganzes Wesen ganz zurecht umgestalten. Hast du mich wohl verstanden?« 4 Spricht der Offizier: »Freund! Du hast nun freilich gut predigen und predigst auch in der größten und wahrsten Ordnung, weil du die Schule schon durchgemacht hast; aber unsereiner, der sich gerade im Glühofen der Liebe befindet, findet in einem solchen Geduldszustande ein ganz absonderlich unbehagliches Drängen und kann die Sache nicht so leicht ertragen, als ein freier Geist ihm vorpredigt. Du wirst es zwar auch so gut empfunden haben, als wie ich es nun empfinde, aber das mildert meine Sache nicht im geringsten. Mache lieber, daß ich Jesus umarmen kann, so hast du mir mehr geholfen, als mit der schönsten Lehrpredigt. Rede die herrlichsten Worte in ein brennendes Haus und du wirst damit das Feuer nicht löschen. So du aber statt der Worte einen Wassereimer nimmst und begießest damit fleißig die Glut, so wirst du dadurch einen offenbar besseren Zweck erreichen.« 5 Sagt Robert: »Lieber Freund! das ist es aber eben, daß ich dein Feuer nicht löschen, sondern nur vielmehr anfachen will; denn du mußt in diesem Feuer gleich einem Phönix zuvor völlig verzehrt werden und aus der Asche deiner Demut neu erstehen, ehe du ohne Schaden an deinem Wesen dich Gott in der Fülle nähern kannst. 6 Hast du denn auf der Erde nie dem Weinkeltern zugesehen? Sieh, die Traube kommt unter eine ganz entsetzlich schwer drückende Presse, durch die sie ganz zerquetscht wird und ihr der letzte Tropfen ihres edlen Saftes genommen wird. Daß die Traube eine Empfindung hat, daran haben wenigstens wir frei stehenden Geister keinen Zweifel, indem alles, was durch einen offenbaren Lebensprozeß in's Dasein gelangt und ein belebendes Prinzip in sich enthält, das zu einem anderen Leben sich gesellend dasselbe stärkt und erhöht, auch selbst ein Leben haben muß, das ohne eine bestimmte Empfindung kein Leben wäre und daher auch nichts beleben könnte. Mag nun unter der schweren Presse die schöne Traube einen noch so mächtigen Druck wie immer schmerzhaft empfinden, so ist dieser Druck aber dennoch für die rechte Erhaltung und Vermehrung ihres belebenden Geistes höchst nötig; denn würde diese drückende Operation an der Traube nicht verübt, so würde ihr Geist nimmer frei, und könnte nicht den ganzen Saft also durchsättigen, daß dann ein jeder, der den Saft zu sich nimmt, den belebenden Geist im selben gar bald in seinem ganzen Wesen verspürt und manchmal, so man zu viel des reinen Saftes zu sich nimmt, nur zu heftig (berauscht wird). 7 So du aber den Wein liebst und dessen entzückend belebende Kraft, kannst du dann ein Feind des Kelterns sein? Ich sage dir, ohne Druck geht es nicht; der belebende Saft verkümmert in der Hülse und gelangt nie zu einer selbsttätigen Kraft. Nur wenn durch den Druck auch der Geist genötiget wird, in den seelenartigen Saft überzugehen, dann wird erst die Seele selbst Leben im eigenen Besitze der Kraft und Macht. Verstehst du dies Bild?« 8 Sagt der Offizier: »Ja, nun verstehe ich dich und werde mich auch danach benehmen. Ich danke dir, lieber Bruder, für diese wahrlich sehr weise und praktische Belehrung.« 9 Darauf bescheide Ich die Helena und die Mathilde hin zu jenen Weibern, mit denen eher der Offizier Peter Peter seine Anstände gehabt hat, und von denen eine Mir mit einem Reliquienkreuze aus Silber ein Präsent machen will. Die beiden küssen zuvor Meine Brust klein ab und begeben sich dann sogleich an das ihnen anvertraute Liebeswerk, und machen auch die besten Effekte. Kapitel 251 Noch eine herrliche Liebesszene: der Vater und der Sohn Peter Peter. Eine Lobpreisung der Liebe des himmlischen Vaters. Wehmütige Abschiedsworte über Wien. Es ziegt sich hier wiedereinmal: »Viele sind berufen, aber nur wenige auserwählt« 1 Unterdessen aber berufe Ich den Offizier zu Mir und frage ihn, sagend: »Wie ist dir nun wohl zu Mute?« – Er antwortet: »Heiliger Vater! Du Urquell der reinsten und mächtigsten Liebe! Mir ist überaus himmlisch wohl zu Mute; aber ich kann es nun vor Liebe zu Dir nicht mehr aushalten. O lasse Dich auch von mir umarmen! Mich drängt es mächtig zu Dir hin! Ich vermag es nun nimmer, diesem Drange zu widerstehen. Tue, o Vater, mit mir denn, was Du willst; strafe mich mit der Hölle für meine Vermessenheit! Aber wehre es mir nicht, Dich, Du Liebe aller Liebe, nach dem Drange meines Herzens zu umarmen.« 2 Hier fällt der Peter Peter unaufhaltsam an Meine Brust und weint vor größter Liebe. Ich aber umarme ihn auch und sage zu ihm: »Mein Bruder! Du liebst Mich mächtig; aber Ich liebe dich noch viel mehr! Und siehe, diese Erwiderung Meiner Liebe für die deine ist Meine süße Strafe für dich! Sage Mir, bist du mit deiner Strafe zufrieden?« 3 Sagt der Offizier: »O Herr und Vater! also ist es, wie man es von Dir erwarten kann und muß. Du bist ja die ewige allerreinste, von jeder Rache, von jedem Zorne, Ärger, von jeder Ungeduld, und von jedem Zwange endlos weit entfernte Liebe. Wie könnte man von Dir je etwas anderes erwarten, als allein das nur, was die reinste Liebe in Dir und aus Dir heraus schaffet. 4 Du bist der alleinige Rettungsanker für alle Verirrten und für alle, die auf des Lebens sturmbewegten Wogen von einer wüsten Klippe zur anderen geschleudert werden. Du lässest niemanden zugrunde gehen, und den Abtrünnigen setzt Deine ewige Liebe und Weisheit Dämme, auf daß sie nicht gleich einem angeschwollenen Strome die edle Saat verderben können und am Ende ihres Tobens selbst in ein Meer verlaufen müssen, wo ihrem Treiben ein Ziel gesetzt ist und sie in der Ruhe zur Einsicht gelangen, daß man gegen Deine ewige Allmacht nicht zu Felde ziehen kann. Und so ist Dein Bestreben nach Deiner urewigsten heiligen Ordnung, den Verderber zur rechten Erkenntnis zurückzuführen und alles zurechtzubringen, was da schon verdorben war; kurz, mein heiligster, liebevollster Vater, Du suchest stests das verlorene Schaf, und nimmst Tag für Tag eine Unzahl von verlorenen Söhnen auf, und rufest ebenso tote Lazarusse aus den Gräbern zum Leben hervor. 5 Darum aber ist es auch billig, daß Dich ein jedes Herz liebe über alles; denn Du ganz allein bist gut und heilig, überheilig; alle anderen Wesen aber nur allein durch die Liebe zu Dir. Liebt ein Wesen aber irgend etwas anderes mehr denn Dich, heiliger Vater, so ist es schon schlecht; denn alle Liebe muß Dir zugewandt sein. Liebe ich ein Geschöpf des Geschöpfes wegen, so ist meine Liebe schon eine Sünde; liebe ich aber ein Geschöpf allein Deinetwegen, dann ist meine Liebe eine rechte Tugend und gibt dem Herzen eine bleibende Seligkeit. – Du bist allein Liebe, und hast uns aus Liebe und für die Liebe geschaffen; daher gebührt Dir allein auch alle unsere Liebe. – – Wer Dich liebt, der betet Dich auch recht an, und eine Null ist jedes andere Gebet. 6 Nicht umsonst sprachst Du schon durch den Mund des Propheten Jesajas: »Dies Volk verehret Mich mit den Lippen, aber sein Herz ist ferne von Mir.« – – Nicht umsonst erteiltest Du der Sünderin Magdalena große Gnaden, denn sie hatte ihr Herz Dir zugewandt; und nicht umsonst riefst Du den Sünder Zachäus vom Maulbeerbaum, denn die Liebe zu Dir hieß ihn den Baum ersteigen. Du, o Vater, warst allezeit Liebe, und alle Sünder, die in ihrem Herzen Deinen Namen anriefen, sind nicht zu Schanden geworden. Darum sei Dir allein alle meine Liebe, denn Du allein bist wert, alle Liebe zu nehmen von Menschen und Engeln. Weinen, heulen und wehklagen aber sollen alle, die ihre Herzen von Dir abgewandt haben und sie nicht wieder zu Dir wenden wollen, das sie doch leicht könnten.« 7 Sage Ich: »Ganz gut, ganz gut, Mein lieber Bruder! Du hast den rechten Weg gefunden. Leider aber leben in dieser Stadt gar viele, denen dieser Weg fremd ist, und was aber das Traurigste ist, das ist – das er ihnen noch lange fremd bleiben wird. Was da reif war, das habe ich nun geerntet; alles andere aber ist noch unreif und muß daher auch noch am Felde belassen werden. 8 Wir werden uns daher auch nicht länger mehr an diesem Orte aufhalten, sondern sogleich nach der Beilegung unserer Geschäfte, die in etwas ganz Geringem noch bestehen, in eine andere Stadt verfügen, deren Namen Ich euch aber erst dann nennen werde, so wir uns in ihrer Nähe befinden werden.« 9 Spricht der Offizier etwas wehmütig: »O du heiliger, lieber Vater! Diese Stadt zählt nun mehrere Hunderttausende von Einwohnern, und unser werden hier samt und sämtlich kaum etwas über Tausend sein. Wenn ich dazu noch alle jene bedenke, deren Staub die Asche der Friedhöfe deckt, also eine Verwesung die andere; was wird mit denen allen geschehen? Es mögen darunter wohl einige sich schon lange im ewigen Lebenslichte sonnen, aber Millionen sicher nicht aus diesem Orte. Was geschieht mit diesen? wo sind sie? was wird aus ihnen? werden sie je erstehen?« 10 Sage Ich: »Sorge dich um alle diese nicht! Ich habe gar viele Diener, die diese Schafe weiden und zu führen haben. Es ist daher auch nicht an dem, daß gerade wir alle führen sollen, sondern nur jene, die bei ihren Lebzeiten auf der Erde sich hauptsächlich um Meinen Namen bekümmert haben, ob auf falschen oder rechten Wegen, das ist hier gleich. Wenn nur ein Glaube da war, so können wir diesen immer brauchen, ihn zurechtbringen und die Liebe erwecken; aber wo gar kein Glaube vorhanden ist oder ein zu dicker Aberglaube, da können und dürfen wir zunächst nicht die Führer und sichtlichen Erwecker machen, denn dazu habe Ich Millionen von Dienern, denen solche Geschäfte in die Hände gelegt werden. Aber es ist dennoch dann ein Unterschied zwischen denen, die Ich Selbst unmittelbar erwecke und führe, und zwischen jenen vielen, die von Meinen Engel und Dienern erweckt und geführt werden; denn da gilt das: »Viele sind berufen, aber nur wenige auserwählet!« Kapitel 252 Gleichnis vom strenggerechten König, den schließlich die Liebe überwindet Am 24. September 1850 1 Spricht der Offizier: »O Vater! viel zu viel Gnade für uns arme Sünder! Wie aber können oder sollen wir Dir je zur Genüge danken können für solche Gnade? Was sollen wir tun? Wie sollen wir es denn anstellen, um solcher Gnade würdiger zu werden?« – Sage Ich: »Freund und Bruder! Ein mit Liebe zu Mir erfülltes Herz ist Mir der größte und vollkommenste Dienst, den Mir zu Gefallen ein Mensch tun kann. Ich sage dir, bei Mir reduziert sich am Ende alles auf die Liebe. 2 Es war einmal auf der Erde ein mächtiger König, in allem seinem Tuen und Lassen unerbittlich streng und gerecht. Nie nahm er ein Wort, das er einmal ausgesprochen hat, zurück. Sein Volk gehorchte ihm aus Furcht, da es wohl wußte, daß bei ihm jedes Vergehen strenge bestraft wird ohne allen Unterschied des Standes; aber von einer Liebe zu solch einem allergestrengsten Herrscher war wahrlich keine Rede. Man lobte wohl seine unbestechlichste Gerechtigkeit, aber dennoch scheute sich alles vor ihm und zitterte und bebte, so er den Richterstuhl bestieg. So wie aber dieser König beschaffen war, waren es auch seine Beamten; die übten das strengste Recht; aber von einem Nachlasse irgend einer Strafe war da nie eine Rede. 3 Es befand sich aber in der Stadt auch ein ganz einfacher Mensch, der sich mit allerlei nützlichen Wissenschaften abgab und hie und da auch so manches an's Tageslicht brachte, das den Menschen gar manchen Nutzen bereitete. Ein Gebot des Königs aber bestand darin, daß da ein jeder Künstler oder Gelehrte alle seine Werke eher dem Könige zur Prüfung unterbreiten solle, damit nicht etwa irgend etwas unter's Volk käme, was bei unkundigem Gebrauche solch eines Werkes demselben einen Schaden physisch oder moralisch bringen könnte. Dieser Mensch aber wußte kaum, daß da ein solches Gesetz bestehe und brachte daher ohne Vorwissen des Königs mehrere seiner sehr nützlichen Werke unter das Volk, das da nicht unterließ, den Künstler zu loben über alle Maßen. 4 Es kam aber das auch dem Könige zu Ohren und dieser sandte sogleich seine Diener hin und ließ gefangen nehmen den Künstler und ihn bringen vor des Königs Richterstuhl, um ihm hier das gemessene Gesetz vorzulesen und zugleich auch die auf solche wissentliche oder unwissentliche Übertretung gelegte Strafe. Nach der Diktierung der Strafe warf sich das anwesende zahlreiche Volk vor dem Könige nieder und bat ihn, bei diesem Manne, der so viel Gutes und Nützliches in's Leben rief durch seine Talente und Geschicklichkeiten, Gnade für Recht ergehen zu lassen; aber es half nichts; des Königs Wort war wie ein Fels unbeugsam. 5 Da das Volk durch sein dringend Flehen beim Könige aber nichts ausrichtete, so fing es über die Härte des Königs laut zu murren an und bedrohte ihn wohl gar in großer Masse. – 6 Da stand der einfache nun zur Strafe bestimmte Mensch auf und sprach: »Großer, gerechtester König! gestatte mir nun, bevor ich in meine wohlverdiente Strafe abgeführt werde, einige Worte an dies dein aufgeregtes Volk zurichten.« – 7 Der König gewährte dem der Strafe Verfallenen diese Bitte und dieser sagte zum Volke: »Liebe Freunde und Brüder! murret nicht über euren für euer Bestes über alles besorgten Vater. Meinet ihr denn, daß er seinetwegen so strenge und gerecht ist? O ihr irret euch darin aller äußerst mächtig! Aus zu großer Liebe zu euch ist er in allem so strenge. Ich habe euch zwar Gutes erwiesen; ihr habet es anerkannt und seid mir nun dafür dankbar. Ich hätte euch aber auch Gift für Balsam verkaufen können; ihr hättet es anfangs nicht erkannt und hättet euch damit weidlichst töten können. War es bei mir auch durchaus gerade kein böser Wille, des Königs heilsames Gesetz zu übertreten, so war es dennoch eine sträfliche Fahrlässigkeit, daß ich mich nach dem heilsamen Gesetze so wenig erkundigt habe, und habe dadurch nicht geachtet des weisen und guten Vaters Liebe und Sorge für's Wohl seiner Kinder; und so trifft mich die Strafe ganz gerecht. Lobet und liebet darum den weisesten König, als euren für euer stetes Wohl nur zu ängstlich besorgten Vater; so werdet ihr dadurch ihm den besten Tribut in euren Herzen zollen.« 8 Sich zum Könige wendend: »Dir, du guter weiser Vater deiner Völker, aber danke ich mit dem liebeerfülltesten Herzen für diese gerechte Strafe. Mein Auge sagt es dir, daß ich dich liebe mehr denn mein Leben! Erlaube mir zuvor noch, bevor ich den verdienten Kerker besteige und im selben die verdiente Zuchtrute über meinen Schultern verkoste, aus großer Liebe zu dir den Saum deines Gewandes mit meinen Lippen zu berühren und mit den Tränen meiner großen Liebe zu dir zu benetzen!« 9 Hier steht der König auf, öffnet seine Arme und sagt: »Mein Sohn! in deinem Munde bewegt sich keine Schlangenzunge, denn dein tränenfeuchtes Auge und dessen ernstsanfter Blick ist mir ein getreuester Bürge, daß du mich aus allen deinen Kräften liebest. Komme her in meine Arme; die Liebe bedecket die Menge der Sünden! – Mein Herz ist nun auch voll Freude, aus meinen vielen Kindern einmal eines gefunden zu haben, das in mir den liebenden Vater erkannt hat. Weil du mir mit Liebe entgegenkamst, so sollst auch du bei mir Liebe gefunden haben. Anstatt dich zu strafen nun, sollst du mit königlichen Ehrenkleidern angetan werden und wandeln an meiner Seite.« 10 Siehe nun, du Mein lieber Bruder! Gerade also ist es auch bei Mir. Jedes Meiner Worte bleibt zwar ewig unwandelbar in dem Bereiche Meiner Ordnung und Weisheit; aber wer durch die Liebe zu Mir kommt, dem wird alles nachgesehen; denn – bin Ich schon in der Weisheit ein Diamant, so bin Ich aber in der Liebe dennoch weicher wie Wachs und lasse sehr mit Mir handeln!« – – Kapitel 253 Des Peter Peters Dank- und Lobrede an den Herrn, der in der Liebe sanft ist. Reflexion über diesbezügliche Gerichte im alten und neuen Bunde. Bedeusame Hinweise auf die Liebe und Weisheit Gottes. Peter Peter und Mathilde Eljah. Der Magnet und seine stärkende Wirkung Am 25. September 1850 1 Sagt der Offizier: »O wie herrlich und überheilig süß ist es, von einem solchen Herrn abzuhängen, Der in der Weisheit über alle Wesen ewig unerreichbar oben ansteht und daher auch zur Erreichung Seiner heiligen Zwecke stets die tauglichsten Mittel wählt und dabei aber doch – insoweit es die zwar freie, aber dabei dennoch weiseste und unwandelbarste Ordnung aller Dinge und Wesen gestattet, – der Liebe die höchste Freiheit einräumt und sie so stellt, daß sie gar nicht fehlen kann, so sie auch fehlen wollte. – Ja, ja, das ist endlos groß, erhaben und heilig! 2 Daß Du, o Herr und Vater, mit dir in der Liebe und eben durch die Liebe selbst hast handeln lassen, darüber findet sich ja eine Unzahl von Beispielen in der heiligen Schrift. Ich will jener Beispiele des alten Bundes gar nicht gedenken, wo Du die Sahra erhört hast, dem liebenden Jakob gabst das Vorrecht der Erstgeburt, den Joseph, der Dich liebte, zum Wohltäter seiner Brüder machtest, darauf den Moses, der von jeher ein Sohn der Liebe war und durch die Liebe gerettet ward, und endlich durch den Drang seines Herzens, das Elend seiner Brüder nicht mehr sehen wollend, zu Dir im brennenden Dornstrauche kam und allda erst vollends zum Werkzeuge Deiner Liebe und Erbarmung ward. 3 Ja, es gäbe im alten Bunde Tausende von Beispielen, in denen von der Milde und Weichheit Deiner Liebe gar sehr ersichtlich gehandelt wird; aber ich gedenke hauptsächlich des neuen Bundes, wo Du unmittelbar Selbst mit Dir hast derart handeln lassen durch die Liebe, daß sich darob oft Deine Jünger und Apostel weidlichst geärgert haben. Wie hätten sie es gerne gesehen, so Du bei so manchen ärgerlichen Gelegenheiten Feuer und Schwefel vom Himmel herab hättest regnen lassen; aber Du verwiesest es ihnen und heiltest, wo sie erwarteten, daß Du verwunden möchtest. – O Herr, eine ganze Ewigkeit ist viel zu kurz, um alle die Wundertaten Deiner Liebe aufzuzählen! Aber was kann man tun? Nichts, als Dich nur lieben und lieben, weil Du Selbst nur Liebe und wieder Liebe in allem bist!« 4 Sage Ich: »Gut, gut, Mein Bruder, Mein Sohn! was die Liebe tut, ist wohlgetan; lasse dich daher stets allein nur von der Liebe leiten; wohin immer diese dich ziehen wird, wirst du als am rechten Orte anlangend schon auch völlig zu Hause sein. Mein Reich ist pur Liebe und wo die Liebe waltet, da bin auch Ich zu Hause. Daher kommt aber auch niemand ohne Liebe je in Mein Reich und noch weniger unmittelbar zu Mir. Das Licht Meiner Augen durchströmt wohl die vollste Unendlichkeit, und das ist der ewig strahlende Diamant Meiner Weisheit; aber die Liebe ist nur da, wo Ich unmittelbar Selbst zu Hause bin körperlich und wohl unterscheidbar wesenhaft. 5 Der Sonne Licht durchdringt auch einen beinahe unmeßbaren Raum; aber ihre Wärme genießen nur jene Weltköper, die sich in ihrer Nähe befinden; über ihren Planetenkreis hinaus aber dringt keine Wärme mehr. Die Körper aber, die von der Sonne wollen erwärmt werden, müssen zuvor selbst Wärme in sich haben, sonst ist's mit der Erwärmung nichts; denn ein Eisklumpen nimmt, so lange er ein Eisklumpen ist, keine Wärme an, außer er schmilzt ehedem zu Wasser, das da schon fähig ist, Wärme in sich aufzunehmen. 6 Was also Liebe hat, das wird auch Liebe finden und aufnehmen in sich, wie zum vollen Eigentume; was aber keine Liebe hat, das kann auch keine Liebe in sich aufnehmen. – Hätte ein Stein kein Feuer in sich, nimmer könnte er glühend gemacht werden, so wenig als ein Eisklumpen, – da er aber Feuer in sich hat, so kann er auch glühend gemacht werden. 7 Bleibe also in der Liebe, da du die Liebe in dir hast und gehe nun hin, und nimm die Mathilde Eljah, damit alle deine Liebe zu Mir eine ewige Nahrung habe! – Denn so der Magnet als das Symbol der Kraft der Liebe keine Nahrung hat, da wird er schwach; hängt man ihm aber eine Speise an, so wird er stärker und stärker. – Also solle dir auch die Mathilde Eljah eine stärkende Speisung sein. Es sei!« Kapitel 254 Von der Segensbitte vor dem Speisen. Über Swedenborgs Schriften. Segen über das Haus Habsburg und dessen Schutzgeister. Über die Einwirkung der Geister und Engel auf die Menschen. Wesen der Drei-Einigkeit. Von der Willensfreiheit und Führung der Menschen Am 26. September 1850 1 Der Offizier Peter Peter tut nun sogleich, was Ich ihm angeraten habe, bringt aber die Mathilde Eljah auch sogleich wieder zu Mir hin und sagt: »O Vater, hier ist sie, die Dich – wie ich – über alles liebt. Du hast sie mir zwar gegeben durch Dein heiliges Wort und ich könnte sie auch alsogleich an meine Brust ziehen; aber ich weiß doch nicht, ob es hier also in der Ordnung ist. – Es kommt mir im Herzen so vor, daß ich Dich zuvor um den Segen anflehen solle und ich die Mathilde Eljah erst dann als vollends die meine ansehen kann, so ich sie aus Deiner Hand erhalten habe. – 2 Als eine Speise für mein Herz hast Du, o lieber Vater, sie mir beschert; also bescherst Du auch allen Menschen auf Erden Speise und Trank. Die da vor der Zusichnahme der Speise zu Dir in ihrem Herzen kommen und Dir danken und um Deinen besonderen Segen flehen, die werden von der Speise dann auch wahrhaft genährt; die aber meinen, so was sei gar nicht mehr nötig, denn eine Speise, die einmal am Tische sich befindet, sei ohnehin schon gesegnet und es sei eine abergläubige Dummheit, die Speise noch einmal nachgesegnet haben zu wollen, denen gereicht sie zu keinem Segen, weder leiblich noch geistig; denn man kann Dich nie genug loben, lieben, Dir danken und Dich preisen; und die Fülle Deines Segens kann niemanden Schaden bringen. Darum segne uns nur noch einmal, o Du heiliger Vater!« 3 Rede Ich: »Mein Sohn! um was du gebeten, ist schon geschehen; daher sei nun ganz beruhigt und getröstet; denn bei dir ist nun schon alles in der Ordnung. Nur etliche sind noch in unserer Gesellschaft, die zwar noch nicht ganz in der Ordnung sind, aber sie haben Liebe im Herzen, und das ist schon gut. Es wird da nicht viel mehr brauchen, daß auch sie völlig in die Ordnung kommen werden. 4 Dir hat das Lesen der Bücher des deutschen Weisen Imanuel Swedenborg sehr genützet darum, weil du das Gelesene zugleich auch in's Werk gesetzet hast; aber diese hier haben weder Mein Wort und noch weniger das, was Ich dem Imanuel Swedenborg über Mein Wort veroffenbart habe, gelesen und müssen daher hier wie die Ochsen am Wege stehen. Aber wie gesagt, das macht unterdessen nichts, denn wir werden sie noch unterwegs zurechtbringen. 5 Wir könnten uns zwar nun hier in dieser Stadt (noch) einige Zeit aufhalten, auch besuchen das regierende Haus und es segnen für alle Zeiten der Zeiten; aber es fleht uns darum niemand an und so sei es nur gesegnet, ganz einfach, durch unsere Gegenwart in dieser Stadt, wodurch es aber auch dennoch besser daran ist, als alle anderen regierenden Häuser in der ganzen Welt. Es wird zwar dieses Haus noch eine Probe zu bestehen haben; aber dann soll es zum Segen von Europa erhoben werden. – Wir sind also hier mit dem fertig; daher machen wir uns nun auf die vorbestimmte Weiterreise und zwar nach Süden hin.« 6 Hier treten die Kaiser Josef, Leopold und Franz zu Mir hin und bitten Mich inständigst um den besonderen Segen über das Haus Österreich und über alle Völker dieses Staates; und Ich tue das nach der weisen Bitte dieser drei einstmaligen Regenten und sage: 7 »Du ergrautes Haus! Bleibe! dein Panier sei die Liebe, Sanftmut und Geduld! Werde und bleibe fest im wahren Glauben! und scheue das Licht des Geistes nicht! denn dies Licht wird dich erheben über alle Fürsten Europas! Lasse dich nimmer von Rom betören und knechten; denn dich setze und segne Ich zu einem Regenten und über dich bin nur Ich und sonst niemand auf der Erde. Ich kenne kein gebietendes und alle Fürsten in's Schlepptau nehmen wollendes und über alles herrschsüchtiges und darum allerfinsterstes Rom. Nur ein demütiges, nicht mit drei Kronen gekröntes Rom, das da auf Mein Wort hielte, würde Ich kennen; aber ein Rom, das die Vertilgung aller jener Brüder begehrt, die sich die Bürde von drei Kronen auf einem Haupte nimmer wollen gefallen lassen und heller denken, als der Fürst der Nacht zu Rom, – ist vor Mir ein Greuel der Verwüstung an der heiligen Stätte alles Lebens aus Mir! Mein Haus! du hast nun schon so manches getan; tue alles, so wird deine Macht wachsen wie eine Zeder auf Libanon! Mein Segen und Meine Kraft mit dir! Es sei!« – 8 Hier fallen die drei Fürsten vor Mir nieder, sagen Amen und loben und preisen Mich aus allen ihren Kräften. 9 Sage Ich: »Stehet auf, Freunde! ein jeder tue, was er kann. Ich weiß am besten, wie die Sachen gestanden sind und wie sie nun stehen; aber sie werden nicht lange mehr so stehen, wie sie bisher gestanden sind. Euch dreien aber werde Ich die Macht geben, auf euer Haus in der Welt nach der freien Ordnung, nach dem freien Rechte und nach der rechten Billigkeit einwirken zu können, ohne dadurch des jeweiligen herrschenden Regenten freien Willen zu beeinträchtigen. 10 Solches geschieht aber also, daß man bei jedem Menschen nur auf sein Erkenntnisvermögen, nie aber auch nur in dem entferntesten Sinne auf den Willen entweder hemmend oder befördernd einwirkt; denn ein unterstützter Wille ist ebenso als ein gerichteter zu betrachten als wie ein gehemmter. Die Hölle, ja, die packt die Menschen beim Willen und zerret sie beim selben in's Verderben, in's Gericht und in den Tod! – Aber also darf es bei uns nicht sein; denn von uns aus muß die vollste Freiheit des Willens auf das Äußerste respektiert werden. Daher müsset auch ihr dort, dahin ihr bemächtiget seid, nie auf den Willen, sondern allein nur auf das Erkennen des Menschen einwirken. Der Mensch kann sein Erkennen aber noch so hoch steigern, so wird sein Wille in sich denn doch bleiben, wie er ist und wie er war; und also muß es sein, weil es also Meine ewige Ordnung haben will. 11 So der Mensch aber zu einem rechten Erkennen gelangt, da wird dies Erkennen schon ohnehin den Willen, wie ein guter Reiter sein Pferd, leiten; und der Wille wird dann schon das mehr und mehr zu wollen anfangen, was sein Erkennen als wahr, gut und somit zweckdienlich findet. Dadurch werden der Wille und das Erkennen einander stets befreundeter, bis sie endlich völlig eins werden, was denn auch schon die Vollendung des Menschen abgibt. Der Wille aber ist das Leben der Seele, und das Erkennen liegt im ewig in sich freien Geiste. Werden Geist und Seele eins, dann ist die zum ewigen Leben bedungene Freiheit durch diese geistige Wiedergeburt auch da, und der Mensch lebt da schon in Meinem Reiche, das da ist die Wahrheit und das ewige Leben. 12 Drei aber sind, die solches bezeugen: das Wort, die Erkenntnis und der Wille, und diese drei müssen eins werden, wie Ich Selbst eins bin als Vater, Sohn und Geist. Der Vater ist das ewige Wort wesenhaft. Der Sohn ist die Aufnahme des Wortes und dadurch die ewige Weisheit selbst. Der Geist oder Wille oder die Kraft aber geht dann aus beiden hervor und ist auch vollkommen eins mit Vater und Sohn, und das alles in einem Wesen, das da in Mir vor euch steht und euch belehrt. 13 Darum müsset ihr euch das recht wohl zu Gemüte nehmen und diese Meine unwandelbarste Ordnung recht fassen, sonst würdet ihr, so ihr bei einem noch auf der Welt lebenden Menschen Einfluß nähmet, bei demselben viel mehr verderben, als irgend gut machen. Jeder auch nur durch eine äußere Gewalt gezähmte Wille ist kein nütze, geschweige durch eine innere. Rom hat sich wie das Heidentum allerlei Zwangsmittel bedient, um den Willen der Menschen zu bändigen. Was hat es aber damit erreicht? Die baldige Auflösung und allseitigste tiefste Verachtung. Was es nun auch tun mag, so wird es sich doch nimmer erholen und erheben. 14 Also muß solches ganz besonders von unserer rein geistigen, also innersten Machtsphäre auf das Genaueste beobachtet werden. Innerlich dürfen wir nie jemandem einen Zwang anlegen, wohl aber, so es sehr nötig ist, um der Hölle einen Damm zu setzen, äußerlich durch allerlei Übel für's sinnliche Fleisch, Krieg, Hungersnot und Pestilenz, durch Mißwuchs bald der einen, bald einer anderen Nährfrucht. Es ist zwar dies auch schon ein Gericht und seine Früchte sind nur schlecht, aber so euch nur zwischen zwei Übeln die Wahl bleibt, da wählet allemal das kleinere. Ein äußeres Gericht läßt sich wieder auf rechtem Wege gut machen, aber ein inneres nur höchst schwer oder häufig wohl auch für die wahre Freiheit Meiner Himmel gar nicht. 15 Darum also nehmet, wohl und allezeit beachtend diese Meine Worte, denn auch hin die Macht – zu wecken die guten Geister eures Hauses! und benützet sie nach der euch nun gegebenen Anweisung! Es sei!« – – 16 Die drei danken nun Mir wieder für die ihnen erteilte Lehre und Macht und geloben nun vor allen Anwesenden, daß sie von solcher nun ihnen zuteil gewordenen Gnade stets den möglichst weisesten Gebrauch machen werden. Kapitel 255 Mathilde Eljah und Peter Peter vor dem Herrn. Winke über Form und Wesen der Liebe. Geist der Liebe ist Gottes-Geist. Liebe aus Licht und Licht aus Liebe bilden den ewigen Lebensring 1 Es kommt aber nun wieder die Mathilde Eljah mit ihrem Peter Peter und dankt mir noch einmal allerinbrünstigst für die Gnade, daß Ich ihr ihren einstigen irdischen Lehrer, den sie schon als Kind geliebt hatte, nun im Himmelreiche zum bleibenden Führer gegeben habe. 2 Ich aber sage: »Du bist eine gute Kost für ihn und er für dich; aber nur lasset euch von der äußeren Form nicht mehr als (sondern) von eurem Geiste der Liebe leiten; denn die Form kann auch im Himmel verändert werden, je nach dem Wachstume der Liebe oder nach dem Bedürnisse irgend einer auszuführenden Liebetat; aber die Liebe bleibt ewig unveränderlich. Auch gewöhnt sich der äußere Sinn bald an eine noch so schöne Form, wo sie ihm dann gleichgültig wird. Die Liebe aber, da sie stets neue Weisheit und ein neues Wunder um das andere schafft, wird anziehender von Stunde zu Stunde oder hier besser gesagt, von Weile zu Weile. Haltet euch daher stets an den inneren Geist der Liebe, der wird euch das wahre ewige Himmelsbrot sein und wird euch kräftigen und stärken stets mehr und mehr ohne Unterlaß; denn solcher Geist in euren Herzen ist Mein Geist!« 3 Die Mathilde Eljah ist über solche Meine Belehrung im höchsten Grade ergriffen, die große Wahrheit derselben wohl einsehend. – Sie sagt darauf zum Peter Peter: »Edler Bruder! hast du diese heilige Wahrheit auch gehört und wohl begriffen?« – Spricht der Peter Peter: »Mathilde Eljah! warum fragst du darum? Fürchtest du etwa, ich möchte irgend etwas anderes, als der Herr will oder irgend etwas wider des Herrn Willen tun wollen. O sorge dich nicht darum; ich habe des Vaters heiligstes Wort tiefst in mein Herz eingegraben und lebe nun ganz allein aus diesem Worte in mir. Es wäre mir nun unmöglich etwas anderes zu denken oder zu wollen, als was da ganz einzig und allein nur der Herr will. Habe darum keine Sorge! Wo es mir mit der Liebe irgend noch fehlen könnte, da wirst du bei mir das Fehlende ersetzen und sollte dir noch irgend 'was abgehen mit der Weile, da werde ich dir das Gleiche tun. Sollte aber uns beiden irgend etwas abgehen, da werden wir vereint den heiligen Vater darum bitten und Er wird uns aus Seinem ewig unversiegbaren Borne alles geben, was uns not tun würde. Daher also ohne Sorge, meine liebste Mathilde! Dein Peter Peter hat alles wohl verstanden.« – 4 Spricht sie: »Ja, ja, du bist denn doch stets mein Meister in allem, wie in der Weisheit also auch in der Liebe. Du hast zwar auf der Erde zuerst durch deine Weisheit die Liebe in mir zu dir angefacht; nun aber scheint mir, daß die große und reine Liebe in deinem Herzen in mir die Weisheit anfachen wird. Hm, was meinst denn du darüber?« 5 Sagt Peter Peter: »Meine allerholdeste Mathilde Eljah! Siehe, das ist ja eben jener große Kreislauf, in dem sich alle Dinge bewegen und regen: Die Liebe erzeugt die Weisheit, und die Weisheit erzeugt wieder die Liebe. Der Urgrund alles Lichtes ist natürlich die Liebe als die ewige Lebenswärme der Gottheit. Ist aber die Wärme uns gegeben, so erzeugt sie dann immer gleichfort auch Licht in dem Grade, als sich die Wärme in uns vermehrt. Die Wärme aber vermehrt sich eben durch das reicher werdende Licht; denn du weißt, daß das Licht, so es stärker und stärker wird, wieder die Wärme erzeugt, und es geht stets das eine aus dem anderen hervor, das Licht aus der Wärme und die Wärme wieder aus dem Lichte. 6 Wie aber diese beiden Urelemente alles Lebens sich gegenseitig neu erzeugen und gebären, ernähren, kräftigen und erhalten, ebenso sind denn auch wir im kleinsten Maßstabe bestimmt, uns gegenseitig durch Liebe und Weisheit zu kräftigen. Das ist der Wille und die ewige Ordnung des Herrn, die vorerst Sein unerforschliches Sein und aus ihm das Sein aller Wesen bedingt, denen Sein Wort das Dasein gab. Sorge dich also um nichts, ich verstehe nun schon auch – durch die Gnade des Vater – zu leben ein rechtes Leben in Gott.« 7 Sage darauf Ich: »Amen! So ist es recht, das ist des Lebens rechtes Verständnis; in diesem verbleibet alle! – Nun aber, Meine lieben Freunde alle, heißt es weiterziehen. Stellet euch in eine gewisse Ordnung! Robert! Das alles ist noch in deinem Hause. Du bist der Hausherr; daher kommt denn nun schon wieder die Reihe an dich, die ganze große Gesellschaft zu führen. Nimm aber diesen Freund, den Peter Peter, mit seiner Eljah, wie auch deine Helena zu dir, sie werden dir am Wege gute Dienste leisten.« Kapitel 256 Die hohe Gesellschaft verläßt Wien, zieht den Alpen zu. Am Semmering. Josef über die Hindernisse im Fortschritt der Menschen, auch im Natürlichen. Blick in die Steiermark und ein offenes Wort über dessen Volk 1 Nach diesen Worten ordnet sich alles und der Weitermarsch beginnt sogleich und zwar auf der Straße nach der Steiermark. In kurzer Zeit darauf kommen wir an den Fuß des sogenannten Berges Semmering und die ganze Gesellschaft, weil sie nun in der Fähigkeit ist, die naturmäßige Erde zu sehen, macht hier einen Halt. 2 Und es tritt der Kaiser Josef hervor und sagt zu Mir: »Herr! diesen Berg habe ich einigemal überfahren und habe für eine bessere Straße über ihn so manches angeordnet; denn vor mir war so manche Straße zu Wagen ohne Lebensgefahr nicht zu befahren. Damals schlugen die Leute ihre Hände über den Kopf zusammen und schrien darob sich heiser; die weise sein Wollenden sagten: Ja, ja, nur die Straßen schön eben, glatt und breit machen, damit der Teufel eine leichtere Mühe haben werde, auf solch höllischer Straße einherzufahren. Man sah zu meiner Zeit eine breite Straße noch sehr stark als eine zur Hölle führende an, und ein so recht eingefleischter Erzkatholik wäre um keinen Preis auf eine breite Straße zu bringen gewesen. Ja, es gab sogar in Wien Menschen, die in einer breiten Staße keine Wohnung genommen hätten und so sie dafür auch noch obendrauf bezahlt worden wären. 3 Es genügt, diese Dummheit der Menschen insoweit berührt zu haben, um dadurch anzuzeigen, welche Mühe es mich gekostet hat, um die Menschheit zu geläuterteren Begriffen zu erheben; ich will die Sache übergehen, daß sogar Priester über die Errichtung von bequemen und breiten Straßen nichts hören und wissen wollten, sondern dagegen hie und da ein wahres Zetergeschrei erhoben und mich samt den Straßen in die unterste Hölle verdammten, und jedem, der in der Beichte aussagte, daß er eine breite Straße betreten hat, ohne weiteres die Absolution auf längere Zeit verweigerten und den Eintritt in die Kirche, weil sie ihn für einen Verunreinigten erklärten. Es wäre beinahe nötig gewesen, das mosaische Operat von der rötlichen Kuh (4. Mose, Kap.19) ins Werk zu setzen, die vor dem Lager verbrannt werden mußte und deren Asche in ein reines Gefäß voll reinen Wassers getan, zur reinigenden Besprengung alles Unreinen diente. – Nun aber, was sagen denn die Pfaffen und die Menschen jetzt zu den sogenannten Eisenbahnen und besonders zu dieser hier über den Berg Semmering? Wahrlich Herr! so 'was hätte vor 100 Jahren ja doch keinem Menschen im Traume vorkommen können.« 4 Sage Ich: »Früher zu deinen Zeiten waren die Menschen zwar wohl sehr dumm; aber sie waren gläubiger wie jetzt. Sie faßten zwar alles grobmateriel auf und wußten vom Geistigen sozusagen nichts. Die rötliche Kuh Arons und Eleasars und was mit ihr zu geschehen hatte, nahmen sie wörtlich, und es hat in den katholischen Bethäusern noch heut zu Tage sehr vieles mit dem jüdischen Sprengwasser gemein; nur wird keine Asche einer keuschen und unbejochten rötlichen Kuh mit Ysop hineingemengt. Aber um was nun die Menschen weiser geworden sind, um das sind sie auch ungläubiger. Mir aber ist der Glaube, und wäre er noch so blind, dennoch lieber als ein sogenannter Weltgelehrter; denn im Glauben ist der irdische Mensch frei und hat seine Seele nicht in irgend etwas gerichtet; aber in der Wissenschaft liegt schon ein Gericht. So lange das Kind glaubt, daß zwei mal fünf (gleich) zehn sind, ist es frei vom Zwange; nicht so der Mathematiker, bei dem laut Beweis 2 mal 5 zehn sein müssen. Also schreien die Menschen nun nicht mehr über solche Bauten; denn sie sehen deren Natur ein, 5 aber dafür schreien sie desto mehr über die Teuerung und über die Geldnot; und der Glaube ist ganz bedeutend rar geworden. Wohl weiß die Welt nun sehr bedeutend mehr, als sie zu deiner Zeit gewußt hat, aber sie ist darum nicht besser und durchaus nicht reicher geworden, weder naturmäßig und noch viel weniger geistig. Daher lassen wir nun diese Straßen das sein, was sie sind, mehr Prunkwerk als Nutzwerk, besonders diese da über diesen Berg, bei der die Rechnung ohne den Wirt gemacht worden ist, und begeben uns weiter.« Am 30. September 1850 6 Der Weg wird nun wieder weiter fortgesetzt, und in kurzer Zeit wird des Berges Höhe erreicht, allwo das bekannte Grenzmonument steht. Hier wird wieder eine kleine Siesta gemacht, und der Kaiser Karl tritt hervor und sagt: »Herr und Vater! siehe an dieses Zeichen; es ist ein Werk aus meiner irdischen Zeit. Der Grund davon waren stete Grenzreibungen. Um solchen Reibungen ein Ende zu machen, habe ich an besonders streitigen Punkten Grenzsteine setzen lassen, und hie und da hat man sie dann auch mir zu Ehren gesetzt. Sage mir armen Sünder vor Dir, ob ich da wohl recht gehandelt habe?« 7 Sage Ich: »Mein Freund, Grenzsteine sind nichts als Aushängeschilde der Härte menschlicher Herzen. Es ist traurig genug, so ein Bruder dem anderen sagen muß: Bis hierher und dann nicht weiter! Aber so die Menschen einmal vom bösen Geiste der Selbstsucht besessen sind, da werden sanktionierte Grenzsteine eine Notwendigkeit, weil sie der unersättlichen Habgier der Menschen gewisse Schranken ziehen, über die hinaus sie ungestraft nichts mehr als ihr Eigentum ansehen dürfen. Also sind denn Marksteine zwischen Provinzen eine Notwendigkeit geworden. Was aber notwendig ist, das ist denn auch aus eben dem Gesichtspunkte der Notwendigkeit betrachtet gut, obschon an und für sich schlecht, weil der Grund, der sie notwendig macht, schlecht ist. 8 Lebten die Menschen nach Meiner überaus leicht verständlichen Lehre und pulseten in ihrer Brust wahre von Meinem Geiste erfüllte Bruderherzen, da wäre auf der ganzen Erde kein Grenzstein vonnöten; denn dem, was da gut ist, darf man wohl ewig nie eine Grenze ziehen; wohl aber dem, was da schlecht ist. Die Habsucht, Herrschgier, der Geiz, der Neid und der Hochmut aber sind ganz grundböse Dinge, daher müssen ihnen Grenzen gezogen werden; auf daß sie nicht ausarten und wie ein Krebsschade stets weiter um sich greifen. Aus dem aber kannst du nun ganz leicht beurteilen, ob deine Grenzmarken gut oder schlecht waren. Ich sage dir, sie sind beides zugleich, so wie ein Gericht und der Grund des Gerichtes, nämlich das Gesetz; denn gäbe es kein Gesetz, so gäbe es auch kein Gericht. Was aber das Gesetz notwenig macht, das macht auch das Gericht notwendig, aber weder das Gesetz noch das Gericht sind gut, weil beides eine Folge des Bösen und Schlechten des menschlichen Herzens ist. 9 Siehe, in Meinem Reiche gibt es kein Gesetz und somit auch kein Gericht mehr; denn das Gesetz und das Gericht sind nur Wächter und halten das Falsche, Schlechte und Böse in den bestimmten Schranken. Sind aber die Wächter auch schon notwendig wegen des Bösen im Menschen, so sind sie aber darum doch nichts Gutes; denn in den Himmeln können weder Gesetze und noch weniger irgend ein Gericht Platz haben, außer das der reinen Liebe, welches Gesetz aber die höchste Freiheit selbst ist. Ich sehe daher Grenzsteine sehr ungern an, weil sie nichts als Denksteine der Härte und Lieblosigkeit des Menschenherzens sind. – Nun weißt du, lieber Freund, alles und brauchst daher über solche Nichtigkeiten nicht weiter mehr nachzudenken. 10 Sehet aber dafür lieber alle hin gegen Süden das schöne Land, das da ist wie ein Kanaan; es heißet die Steiermark. Die Bewohner dieses Landes sind zum größten Teile noch sehr dumm; denn wo der Mensch von der Not nicht zu sehr geplagt wird, da gleicht er einem Faultiere und kümmert sich weder um's Physische und noch weniger um's Geistige; und das ist eben in diesem schönen und guten Lande sehr der Fall. Es nährt seine wenigen Bewohner zu gut; daher sind sie träge und tun nur so viel, als da gerade zur Befriedigung ihrer Haut vonnöten ist. In den Städten ist hie und da wohl etwas mehr Leben anzutreffen, aber dafür auch desto mehr Bosheit und Sünde aller Art. Nur einige wenige leben in den Städten dieses Landes, derentwegen wir dies Land besuchen; und so denn setzen wir wieder unseren Weg weiter fort!« Kapitel 257 Die hohe Gesellschaft zu Spital am Semmering; über Wohltätigkeitssinn und Gewinnsinn. Beamtenstreber; welche Beamten sind segensreich? Kaiser Rudolf über Straßenschulden und Eisenbahnschulden. Luxus bringt Not und Elend. Kalte Verstandesherrschaft. Die Welt ist stets schlecht, doch gab es daneben auch gute Menschen Am 1. Oktober 1850 1 Wir bewegen uns wieder weiter bergabwärts und erreichen den Ort Spital gerade am Fuße des Semmerings. 2 Kaiser Karl tritt abermals hervor und sagt: »O Herr und Vater, der Du heilig bist, überheilig! Sieh' an diesen Ort; zu meiner Zeit war es ein Ort menschlichen Wohltuens; dieser Ort war wirklich ein Asyl für arme Leidende; ich selbst habe ihn öfter bei meinen Reisen nach dem Süden besucht und beschenkt; aber mit mir hat sich denn auch bald alles verloren, was da zum Nutzen und Frommen der Menschen bestimmt war; denn der Wohltätigkeitssinn der bemittelteren Steierer hat sich nur zu schnell in einen Gewinnsinn verwandelt. Die Leute wollten reich werden und vergaßen nur zu bald, daß der Arme nichts hat und sonach auch nicht leben kann. Es hat aber das dem Lande wenig Segen gebracht; zu meiner Zeit war es eines der reichsten Länder des ganzen Reiches und nun wird es bald zu den ärmsten gehören. – So die Schranken zwischen Ungarn und diesem Lande fallen, so ist es ein Land für Bettler, und das geschieht dem Lande recht; denn sein Sinn für's Wohltun der Armen ist erloschen. Pfennigspenden gibt es noch; aber die wahren Wohltäter sind gestorben.« 3 Sage Ich darauf: »Ja, ja, in dieser Hinsicht hast du nicht ganz unrecht. Es gibt wohl einige wenige, die noch so Erkleckliches leisten; aber im allgemeinen wird es nicht bald in irgend einem Lande so viele Selbstsüchtler geben, als eben in diesem. Auch ist das Grenzsteinverrücken nirgends so gang und gäbe als in diesem Lande. Sein Hochlandsteil ist noch der bessere, aber das Unterland ist schlecht bestellt. Gewinnsucht, Geilsinn, Unzucht, Unglaube auf der einen, der krasseste Aberglaube auf der anderen Seite, wenig Liebe, Eigennutz, oft starre Gefühlslosigkeit gegen die arme Menschheit und für alles, was den Geist mehr wecken könnte, Schelsucht, Geiz und Neid und stete Mißachtung des Nächsten sind so die Hauptgrundzüge dieses Landes. Darum aber besuchen wir dies kranke Völkchen, um es möglicherweise ein wenig gesünder zu machen. In Wien ist der Belagerungszustand noch nicht aufgehoben, und siehe, es hat uns in der Stadt doch gelitten; aber in diesem Lande wird es uns (wie) in der Stadt dieses Landes nicht leiden, daher werden wir auch außerhalb herum unser Quartier suchen für die kurze Weile unseres Aufenhaltes.« 4 Sagt Karl: »Herr! da schlage Donner und Blitz in diese Stadt! Das müssen ja rechte Teufel von Menschen sein. Gibt es denn keine Beamten, keine Behörden, kein Militär, keine Polizei darinnen?« 5 Sage Ich: »O genug, aber wenige Menschen darunter! Die Beamten dienen um's Geld und möchten nur zu bald schon große Herren sein, um mehr Geld zu bekommen. Daher sind ihre Herzen auch meistens aus Stein und üben häufig ihr Amt unerbittlich strenge, um dadurch als tüchtige Männer von ihrem Fache angesehen zu werden, auf daß man bei einer nächsten Vorrückung ihrer gedenken möchte. Wenige nur gibt es, die mit dem zufrieden sind, was sie sind und was sie haben; das aber zählt eben nicht viel. Die meisten wollen nur steigen und steigen, und siehe, das ist ein großes Übel; da sieht ganz entsetzlich wenig Liebe und noch weniger wahre Gerechtigkeit heraus, besonders bei dieser neuen Umgestaltung der Staatsverfassung, wo der Beamte eines Teiles lieber fluchen als arbeiten und anderen Teiles aber doch gern ein sehr großer Herr sein (wollen), gut leben und nicht viel tun, und einen kleinen Herrscher machen möchte. Und so, mein Freund, ist da mit dem Beamtenvolke eben nicht viel ausgerichtet. 6 Wäre in dieser Stadt nicht so manches von militärischer Gewalt vorhanden, da ginge es dem Beamtenstande im allgemeinen schlecht; denn er ist durchaus nicht beliebt. Denn solle der Beamte Segen streuen im Staate, so muß er viel Liebe haben; hat er diese nicht, so säet er nur Unkraut und Disteln an, wo er wirkt. Er erzeugt Haß und Verachtung bei den Untertanen gegen ihren Fürsten und am Ende Schelsucht und Zwietracht unter den Beamten und unter den Untertanen; daher dann die Masse der unseligsten Prozesse, bei denen bloß die sogenannten Rechtsfreunde gewinnen und die Parteien aber verlieren.« 7 Sagt der hervortretende Rudolf von Habsburg: »Aber Herr! da sieh' an die zwei breiten Staßen; die eine für's gewöhnliche Fuhrwerk und die andere für die eisernen Wagen. Wie viel schönes Land nehmen sie ein, während zu meiner Zeit alle Straßen nur enge sein und über sonst zu nichts verwendbare Landstellen gehen mußten. Ich hatte keine Staatsschulden und hatte doch auch manchen Krieg zuführen. Die aber nun auf so breiten Straßen so schnell wie der Wind einherfahren und ihre Sachen schnell weiter schaffen, sind nun aller Welt schuldig. Wahrlich, das begreife ich nicht!« 8 Sage Ich: »Das besteht ganz einfach darin: weil sie keine Liebe haben, so können sie auch unmöglich ein rechtes Licht haben. Wer aber kein rechtes Licht hat und baut eine Brücke über einen Strom zur Nachtzeit, der wird eines gefahrvollen Weges wandeln über den Strom. Wenn die Menschen lebeten nach dem Bedürfnisse, so hätten sie alle genug; weil sie aber dem Luxus leben und der Hoffart, so leiden sie Not und Elend, und werden aller Welt Schuldner. Verstehst du diese ganz einfache Grundwahrheit?« – 9 Sagt Rudolf: »O Herr! leider verstehe ich sie. Es wird wohl nun eben die Zeit auf Erden sein, von der Du vorausgesagt hast, daß in ihr die Liebe erkalten und kein Glaube bestehen wird. O aus all' den Einrichtungen, die ich bis jetzt gesehen habe, geht das nur zu klar hervor! Nichts als eitle Pracht, Hoffart und Luxus über Luxus! Ein jeder will sich vor dem anderen hervortun; alles geht in feinsten Kleidern einher, sogar die Tochter eines Bettlers steht nicht selten gleich einer Hofdame geputzt da und sucht durch ihren üppigen Anzug die Sinnlichkeit der Männer und Jünglinge noch reger zu machen, als sie es ohnehin schon ist. Man sehe aber auch die Männer, Jünglinge und Knaben an; wie sehen diese aus? 10 Wenn ich auf meine Zeit zurücksehe, so war da auch in der Tracht eine Ordnung. Ein jeder mußte nach der Vorschrift seinem Stande gemäß sich kleiden, und dadurch war dem Hochmute und der verschwenderischen Luxuspracht sehr gesteuert; jetzt aber, wo besonders an Sonn- und Feiertagen man den Hausknecht nicht mehr von einem Prinzen unterscheiden kann, hat die gegenseitige Achtung, die Liebe, das Vertrauen, der Glaube, die Barmherzigkeit aufgehört, und der kalte allergefühlloseste Verstand beherrscht die Herzen der Menschen nicht nur hier, sondern überall, wohin man nur immer sein Auge wenden mag. 11 Zu meiner Zeit waren an den Straßen freie Tabernen (Gasthäuser) eingeführt, in denen arme Reisende unentgeldlich verpflegt wurden; jedermann hatte einen rechtlichen Anspruch auf die Gastfreundschaft seines Glaubensbruders; nur Juden und Heiden mußten dem Wirte einer solchen Taberne für die Bewirtung einen kleinen Tribut entrichten. Der Tabernenwirt aber hatte das Recht, gleich wie nun noch die Barmherzigen Brüder, in die benachbarten Gemeinden Sammler auszusenden, die ihn reichlich mit allem versahen; und das war gewiß eine gute Einrichtung. Jetzt ist von so etwas keine Spur mehr; hat der Reisende kein Geld, so ist er dem Hungertode verfallen. O Menschheit! wie weit von dem Wege zum Himmelreiche Gottes hast du dich entfernt! 12 O Herr! ich glaube, mit diesen gegenwärtig die liebe schöne Erde bewohnenden Menschen wird wenig mehr zu richten sein, denn da trägt ja schon fast ein jeder das Gericht des Todes auf seiner Stirne, wie in seinem Herzen geschrieben. Wo einmal eine solche gefühllose Härte des Herzens eingetreten ist, wo so zu sagen niemand mehr die Not seines Nächsten einsieht, wo die laute Klage des Elends überhört wird – vor dem lautesten Prunkgeräusche der Welt, da ist, wie man zu sagen pflegt, Grün und Gras beim Kuckuck. Daher meine ich, daß man da mit dieser geistig beinahe toten Menschheit gar keine besonderen Umstände mehr machen solle, sondern sie naturmäßig ganz aussterben lassen durch allerlei Seuchen, und nur die wenigen Guten, die hie und da zerstreut wie die Lämmer unter den Wölfen leben, erhalten, durch die dann die Erde doch wieder zu besseren Bewohnern käme.« 13 Sage Ich: »Du, Mein lieber Freund! hast wohl ganz recht; es ist wahrlich ein Elend, wie es nun in der Welt aussieht! Ich sage dir, ärger um ein bedeutendes, als zu Noahs und zu Lots Zeiten, aber was kann man da anderes tun, als Geduld über Geduld haben. Lasse sie heute alle sterben, so werden sie im Geisterreiche um kein Haar besser sein als auf der Erde. Läßt du sie aber auf der Erde eine Zeitlang herumzappeln und sie durch ihre Torheit recht elend werden, da gehen dann doch viele wieder in sich und kriechen, wie man sagt, zum Kreuze. 14 Hie und da gibt es dann aber schon noch recht wohltätige Menschen auch, die, wann sie gleichwohl in besseren Kleidern einhergehen, denn doch ihren armen Brüdern und Schwestern recht viel Gutes tun. Es waren zu deiner Zeit, mein lieber Rudolf, wohl manche recht gute Einrichtungen, aber dafür auch manche wieder recht schlechte und so ist es auch jetzt noch der Fall. 15 Ich sage dir, die Welt war nie gut, sondern stets nur einige wenige Menschen in ihr, und so ist es auch jetzt. Was da einmal schlecht ist, das ist und bleibt schlecht. Auf Dornen und Disteln wachsen keine Trauben und Feigen, und möchtest du sie auch ins beste Erdreich versetzen. Auf Reben und Feigenbäumen aber wirst du stets edle Früchte ernten. Kümmern wir uns daher der Welt wegen auch gar nicht! Je toller und bunter sie ihre Sachen treibt, desto ärger wird sie sich am Ende selbst strafen. Wer hoch steigt und sich am Ende aus den höchsten und steilsten Felsspitzen nichts daraus macht, dem werden die Felsspitzen nur zu bald selbst zu erzählen anfangen, wie hoch und wie lebensgefährlich sie sind. Wir aber besuchen nun nur kranke Menschen, die Welt aber kümmert uns gar nicht, denn die war, wie gesagt, noch allezeit unter aller Kritik schlecht. – Gehen wir daher nur wieder weiter.« Kapitel 258 In Mürzzuschlag. Josefs Betrachtung über einst und jetzt. Wie es eigentlich sein sollte. Einige Freunde in der Eisenbahn gesegnet. Weiterreise in Richtung Graz, nach Bruck an der Mur und Frohnleiten. Die himmlischen Quartiermeister melden sie bei Jakob Lorber Am 3. Oktober 1850 1 Wir kommen nun gegen den Ort Mürzzuschlag, und alles bewundert das Gebäudewerk in diesem sonst sehr eingeengten Orte, der von Bergen nach allen Seiten hin umlagert ist. – 2 Sagt der gleich hinter Mir, sozusagen in Meine Fußtritte seine Füße setzende Josef: »Herr und Vater! ich war doch auch gerade kein dummer Kerl und hatte große Meister in der Maschinenbaukunst in meinen Landen. So war z.B. ein gewisser Mälzl, der wahrlich Sachen zuwegebrachte, über die jedermann über Hals und Kopf erstaunen mußte. Warum aber fiel damals niemanden diese Maschinenart ein, durch die der Wasserdampf zu der so kräftigen Wirkung gelangt? In meinem Jahrhunderte hat es sonst große Geister gegeben; ja man könnte sagen, daß dies Jahrhundert ein wahres goldenes Zeitalter Deutschlands war; aber die glückliche Benutzung des Dampfes war dem Jahrhundert fremd geblieben. Wahrlich, wenn unter meiner Regierung auch diese Erfindung zustande gekommen wäre, so wäre es auch mit dem reinen Christentume anders gestanden. Freilich wohl hätte daneben der Aberglaube mir so manches zu schaffen gemacht, aber dessen wäre ich schon auch noch Meister geworden. Wäre der Aberglaube einmal besiegt worden, und das finstere Pfaffentum rein zu Boden gestreckt, da wäre es dann mit der rein geistigen Bildung ebenso schnell vorwärts gegangen, als wie schnell über die zwei eisernen Zeilen (Schienen) die ehernen Wagen dahinrollen. 3 Es ist wirklich eine selbst für Geister nicht uninteressante Sache, zu sehen, wie ihre jüngsten Erdenbrüder Dinge erfinden, die durchaus keine Kleinigkeit sind. – Dort in weiter Ferne entdecke ich nun soeben, wie ein ganzer langer Wagenzug pfeilschnell sich bewegt. Eine volle Tagreise hätte man zu meiner Zeit gebraucht, um solch eine Strecke zu überfahren; und nun, während ich hier rede, ist die ganze Strecke schon über die Hälfte zurückgelegt. – Herr! Du mußt denn doch auch irgend eine Freude daran haben, so Deine unmündigen Kindlein auf Erden aus ihrem noch höchst unreifen Verstande so respektable Dinge entdecken und zuwegebringen; denn diese genaue Berechnung zwischen Ursache, Kraft und Wirkung ist auch etwas, das Deinem Geiste im Menschen große Ehre macht. O Herr! habe ist recht oder nicht?« 4 Sage Ich: »Mein lieber Freund! du hast wohl recht, und Ich hätte auch eine rechte Freude daran, so die Menschen bei solchen Werken Mir die Ehre gäben, und solche Werke auf den Pfeilern der Liebe erbaueten; aber so denkt von allen denen, die ein solches Werk zustande bringen, kaum einer an Mich und gibt Mir die Ehre. Die ganze Fahrerei ist mit so strengen Gesetzen eingeschränkt, daß nur derjenige davon Gebrauch machen kann, der sich solchen Gesetzen auf das Genaueste unterzieht. Er muß zuerst zu der bestimmten Zeit sein Fahrgeld entrichten; eine Minute zu spät, und ein Pfennig zu wenig schließt dich schon von der Benutzung dieser Schnellfahrgelegenheit aus. Gratis wird kein Mensch auch nur um eine Elle weiter befördert. 5 Was wäre es denn, so bei jedem Wagenzuge ein Gratiswagen angekoppelt würde für ganz arme Menschen, denen es eine große Wohltat wäre, so schnell als möglich in ihre Heimat zu gelangen, wo ihrer Not, die sie in der Fremde erduldeten, schnell ein Ende gesetzt würde. Aber so was läßt sich diese Anstalt nicht träumen, geschweige in's Werk setzen. Siehe, so ein Gratiswaggon wäre ein Segen für die Unternehmer, und ihre Aktien, die stets sehr schlecht stehen, würden gar bald zu den besten und wertvollsten zu rechnen sein, aber Ich sage: »Solange Arme nicht unentgeltlich Teil daran nehmen dürfen, wird diese Anstalt nie die langerwünschten und stark benötigten Prozente abwerfen.« Merke dir diesen Satz: Wo keine Liebe ist, da ist auch kein Gewinn! Denn die Liebe allein nur verschafft den rechten, ausgiebigen und bleibenden Gewinn. 6 Ich sage dir, diese Anstalt, so sie noch lange also bleibt, wie sie nun ist, wird das ganze Land in ein großes Elend versetzen. Ich habe zwar einem irdischen Knechte Meiner Lehre und Offenbarung an die Menschen der Zeit eine neue Art gezeigt. Diese ist gut und vollkommen brauchbar; aber so lange Arme nicht unentgeltlich befördert werden, solle diese Straße von Mir keinen Segen haben, außer den alle Welt im allgemeinen hat. 7 Da aber kommt mit diesem Zuge ein guter Freund von Mir aus Covacz aus der Gegend bei Cilli, auch noch einer (zwei, die Wilhelm heißen); diese drei müssen wir segnen. Sie werden uns natürlich nicht sehen, aber in ihrem Herzen sollen sie eine bedeutende Regung verspüren. Es sind aber auch noch drei andere darinnen, die sind auch nicht schlecht, aber doch nicht recht, weder im Glauben noch in der Liebe; aber dessen ungeachtet soll ihnen unser Segen nicht vorenthalten sein. Auch ein Weib sitzt darinnen, die das Vermögen hat, Geister zu sehen, und es würde uns auch zu sehen bekommen, so dessen Auge auf diese Seite gerichtet wäre. Es versteht sich von selbst, daß hier nur von den Augen des Gemütes die Rede ist. Auch ihr solle unser Segen zukommen; 8 und nun, Meine Freunde, ziehen wir wieder weiter! Der für diese schon ziemlich späte Jahreszeit warme Wind aus Osten, auf dessen Flügeln sich Milliarden Geister wiegen in Gestalt der Wolken, aus denen, das nächste Jahr segnend, ein reicher Regen zur Erde fällt, solle unseren wenigen Freunden in Graz anzeigen, daß wir uns diesem Orte nahen. Zuerst werden wir nordwärts von diesem Orte auf einem Hügel unser Lager machen. In der Vollnähe solle dieser Hügel näher bezeichet werden. 9 Wir kommen nun nach Bruck an der Mur, einer kleinen Stadt, die aber sehr groß tut; da werden wir gar keine Siesta machen, sondern gleich fortziehen.« Am 4. Oktober 1850 10 »Wir kommen nun gegen Frohnleiten, einen zwar gläubigen, aber durch die Liguorianer äußerst verfinsterten Flecken, während der Robert und der Offizier Peter Peter mit ihren beiden Weibern sich vorauszubegeben hatten, um gewisserart in der Nähe des Ortes Graz für Mich und die ganze Gesellschaft Quartier zu machen. 11 Heute Morgen um 6.00 Uhr sind diese 4 Personen in der Nähe von Graz angekommen. Die drei starken Schläge an die Türe bei dir, Meinem Knechte, waren das Signal der Ankunft dieser vier Gäste. Sie machten gewissermaßen einen Abstecher in die Vorstadt und sogar in das von dir bewohnte Haus, und weckten dich durch drei starke Schläge an die Türe, um dir anzuzeigen, daß sie angekommen sind. Von da zogen sie sogleich an den Ort ihrer Bestimmung, der aber erst bei Meiner Ankunft näher bezeichnet wird.« Kapitel 259 Eine echtrömische Geisterszene vor der Pfarrkirche in Frohnleiten 1 Wir aber befinden uns nun im Flecken Frohnleiten, allwo uns eine Menge Geister aus der dortigen Pfarrkirche zulaufen und uns sorgfältig ausforschen, woher wir kämen, wohin wir gingen und wer wir wären. – 2 Tritt Petrus vor und sagt: »Wir kommen von oben her und ziehen auf eine kurze Frist nach unten, um die verlorenen Schafe und Lämmer zu suchen, die Böcke zu züchtigen und die Wölfe zu verderben.« – Sagen die Geister: »Aha, aha, ihr seid also sicher wirkliche Missionare aus Rom, also vom Papste selbst für dies hochwichtigste Amt geweiht?!« – 3 Sagt Petrus: »O meine Lieben! wir sind wohl Missionare, aber nicht von eurem blinden Papste dazu verordnet und geweiht, sondern von Gott dem Herrn Jesus Christus unmittelbar Selbst. Wer von euch uns folgen will, der wird von uns sogleich aufgenommen für das wahre Reich Gottes; der uns aber nicht folgen will, aus was immer für einem Grunde, der wird auf der wüsten Erde belassen werden. Frage uns aber ja keiner mehr, wer wir seien oder wie wir heißen; denn wer hier nicht unbedingt dem folget, das wir verlangen, der wird nicht angenommen werden.« 4 Sagen die Geister: »O so ihr nicht vom heiligen Papste aus geweiht und gesandt seid, da können wir euch unmöglich folgen, denn Gott der Herr hat ja alles ihm in die Hände gelegt. Was er bindet auf Erden, das ist auch gebunden im Himmel und was er löset auf Erden, das ist auch gelöset im Himmel. Wenn ihr also nicht vom Papste aus hierher gesandt seid, so könnet ihr um so weniger von Gott gesandt sein, sondern von der Hölle, von der alle Ketzer und Protestanten ausgehen, und auch frevelhaftigst sagen, sie gehen von Gott aus und Er sei ihr Vater, während doch nur der »Gott steh uns bei« ihr Vater ist. Ziehet nur wieder weiter; denn in diesem Orte wächst für euch eben so wenig ein Geschäftchen, als für die Rongeaner.« 5 Sagt Petrus: »Woher wisset ihr denn, daß der Papst von Gott dem Herrn eine so ungeheure Macht überkommen hat?« – Sagt ein Weib mit einem zweipfündigen Gebetbuche in der Hand: »Nun, das weiß doch die ganze Welt! Gott hat dem Petrus alle Gewalt gegeben, und Petrus hernach einem Papste um den anderen; und darum ist ein jeder Papst gleich so viel wie der heilige Petrus selbst. Hat der Herr das verstanden?« – 6 Sagt Petrus: »Das klingt sehr spaßhaft, und das namentlich vor meinen Ohren, indem ich doch selbst ebenderselbe Petrus bin, in dessen Hände Gott der Herr die geistigen Schlüssel zum Himmelreiche geleget hat. Ich weiß nichts von solch einer Übergabe der mir von Gott erteilten Macht an den römischen Papst, wie ich auch nie in Rom war. Paulus, als ein Apostel der Heiden, hat wohl längere Zeit sich in Rom und zwar unter der tyrannischen Regierung des Kaisers Nero aufgehalten; aber ich, als der wahre und wirkliche Petrus, nie. Wie sollte ich dann einen Papst zu meinem Nachfolger ernannt und ihm alle mir von Gott Selbst eingeräumte Macht übergeben haben?« 7 Schreiet das Weib: »Hinweg Satan! Da schaut's einmal den Kerl an! Jetzt will der sogar der heilige Petrus selber sein! Na, so was ist in der Welt doch noch nie erhört worden. Nicht genug, daß sie die Lehre Christi, die der Papst allein hat, als grausliche, höllische Ketzer verachten; sie wollen am Ende noch der liebe Herrgott selber sein! Jetzt aber schaut's nur, daß ihr weiter kommet, sonst werdet ihr mit Gewalt hinausgestäubt!« 8 Sage Ich: »Bruder Simon! da ist vorderhand jede Mühe vergeblich; die brauchen noch 200 Jahre, bis sie etwas heller werden. Diese sind von den Liguorianern gehörig vernagelt worden. Begeben wir uns daher nur wieder weiter! Nur werde Ich dich eher auf ein paar Augenblicke himmlisch erglänzen lassen und zulassen, daß diese Vernagelten dich erkennen; dann aber werden wir vor ihren Augen plötzlich verschwinden. Dies Gesicht solle ihnen ein Leitstern sein, bei dessen Schimmer sie nach und nach den wahren Weg des Lebens finden sollen.« – 9 In diesem Augenblick erglänzt Petrus gleich der Sonne am reinsten Mittage. Alle die Geister fahren vor Schreck auf und zusammen; wir aber verschwinden. Als diese Geister wieder aufwachen und vor uns niederfallen wollen, sehen sie niemanden mehr. Da fangen sie alsbald zu weinen und zu heulen an und verwünschen ihre Blindheit. 10 Aber ein ganzes Gremium von den Liguorianern begibt sich, der Kirche enteilend, zu diesen Weinenden, Heulenden und Klagenden und belehrt sie auf streng päpstliche Weise und erklärt ihre ausgesagte Erscheinung für ein Spukwerk der Hölle. Die Geister aber vergreifen sich an den Mönchen und wollen sie massakrieren; die Mönche aber nehmen ganz lustig Reißaus und fliehen gleich den Orangutangs in ihr Kloster. Die Geister lachen sie aus und entfernen sich dann von diesem Orte und begeben sich auf die Berge. 11 So endet die Szene in Frohnleiten; wir aber ziehen nun weiter und werden abends um 6.00 Uhr in die Nähe von Graz kommen und zwar Platz nehmen am sogenannten Rainerkogel, allwo die vier Vorangegangenen schon Quartier gemacht haben. Kapitel 260 Eine andere Geisterszene mit ehemaligen Polizisten. Diese und die Kaiserschar. Josef und der Wortführer. Allerlei Geisterscharen. Der Herr mit den Seinen auf dem Rainerkogel in Graz Am 5. Oktober 1850 1 Unterwegs von dem Orte Frohnleiten bis in die Nähe von Graz machten wir noch eine kleine Ruhe, allwo uns eine bedeutende Menge von allerlei bunt durcheinander gemengten Geistern unterkommt, meistens aufseherischer Art, d.h. es sind Seelen verstorbener Aufseher, Grenzwächter, Bahnwächter, auch Polizeiknechte und Gerichtsdiener. Diese stellen sich auf und wollen von uns die Pässe und Passierscheine, ansonst sie uns ergreifen möchten; denn man sei jetzt der Fremden wegen äußerst strenge. Sie könnten zwar nichts dafür; aber weil ihr Gesetz also lautet, so könnten sie bei Verlust ihres Amtes, das ihnen Brot verschafft, unmöglich anders, als das Gesetz allerstrengst handhaben. 2 Hier treten vom Rudolf von Habsburg angefangen alle Kaiser ganz als Kaiser orniert vor und sagen zur Wachmannschaft: »Reisen bei euch auch Kaiser mit Pässen und Passierscheinen?« Hier prallt die Wache zurück vor Schreck und Entsetzen; nur einer fragt ganz schüchtern: »Ja aber wie viele Kaiser regieren denn jetzt auf einmal? Um Gotteswillen! da gibt es ja schon beinahe mehr Kaiser als Untertanen, die ihnen gehorchen sollen. Ja, da ist freilich nichts mit dem Paßabverlangen, es könnte ja gar leicht der Kaiser von Rußland dabei sein und da kämen wir in eine schöne Wäsche.« – 3 Sagt ein anderer, der sich so ein bißchen von seinem Schrecken erholt hat: »Aber das kommt mir doch ein bißchen verdächtig vor, daß diese großen Herrn zu Fuß daher kommen.« – Sagt der erstere: »Dummer Kerl! sie werden die Bahnstrecke besehen wollen und gehen deshalb zu Fuß.« – Sagt ein anderer: »Ja, ja, so wird es sein! Aber wer etwa die anderen sind? Es müssen ihrer gut bei Dreitausend sein.« – 4 Sagt der erste: »Nur keine dumme Frage mehr! Es wird halt wo ein großer Kongreß sein wegen der Rebellen in Deutschland und wegen der Franzosen und Engländer; und darum kommen jetzt alle Potentaten zusammen und werden sich darüber beraten. Seid nur sogleich alle schön mäuschenstille und rühret euch nicht, sonst können wir morgen alle miteinander zwei Schuh hoch von der Erde ohne Atem in freier Luft schweben. Ich allein werde hingehen und sagen, daß die Majestäten allergnädigst allsogleich allerungehinderst weiter ihre hohe Reise fortzusetzen geruhen wollen.« – Die anderen ziehen sich nun sogleich zurück; nur der erste geht hin in der gebeugtesten Stellung und macht stotternd seine obige Anrede. 5 Kaiser Josef aber sagt zu ihm: »Also du bist bloß darum so amtsstrenge weil dir dein Amt ein Brot verschafft? Am Gesetze selbst würde dir sicher wenig gelegen sein. Ich sage dir: du bist ein schlechter Diener deines Herrn. Wer das Gute nicht des Guten wegen tut, der ist nie eines Lohnes wert. Merke dir das; in der Zukunft beobachte du das Gesetz des Gesetzes wegen und nie deines Amtsbrotes wegen, so wirst du ein rechter Diener dessen sein, der das Recht hat, Gesetze zu geben. Und nun Gott befohlen; sehe er, daß er weiterkommt!« – 6 Der Amtsdiener entfernt sich nun und holt bald seine Gehilfen ein und erzählt ihnen, was zu ihm ein sehr strenger Kaiser gesagt hat. Die anderen aber sagen: »Seien wir froh, daß wir da so gut davongekommen sind! Sie ziehen nun Gottlob weiter.« – Von diesen Geistern war auch noch keiner reif; aber durch diesen Zusammenstoß haben sie wenigstens einen geheimen Wink erhalten, der sie nachgiebiger macht, und sie ziehen sich nun auch mehr auf die Berge, wo sie zu der Einsicht gelangen werden, daß sie sich nunmehr in der Geisterwelt befinden. – 7 Nach dieser Begebenheit ziehen wir denn ganz gemach unter mannigfachen Besprechungen weiter und gelangen genau um 6.00 Uhr abends, den 4. Oktober 1850, zu dem vorbestimmten Platze, um welche Zeit ihr, Meine Freunde, euch am Schloßberge befandet und durch allerlei vorübergehende Zeichen in der Form, dann durch ein in euch gewecktes Gefühl, das euch stärkte, durch die Ruhe der Natur, durch die ehrfurchtsvolle Stellung der Wolken, wie auch durch die freundliche Beleuchtung und Reinigung des Hügels Meine Ankunft überaus gut und wohl verspürbar habet merken können. 8 Gleich bei Meiner Ankunft fingen Massen von Geistern aller Art an, sich an den Hügel zu drängen; viele darunter ganz böser Art; diese wurden jedoch schnell gegen Abend hin gedrängt. Die Verdunklung des Plabutschberges durch schwarze Dünste benachrichtigte eure Sinne sogar davon; ja sogar Satana war unter diesem Auswurfe. – Mehr um den Fuß des Hügels lagerten sich bessere Wesen und baten um eine Verbesserung ihres Loses, die ihnen auch gewährt ward. Nach der Gewährung zogen sie dankbar ab. 9 Darauf kam vom Schöckelberge her eine ganze Legion Geister, noch sehr dem Naturreiche angehörend. Ihre Ankunft mochtet ihr durch eine Feuerröte an der rechten Seite gegen dreiviertel auf 7.00 Uhr recht deutlich ausnehmen. Diese verlangten ganz ungestüm die volle Erlösung vom beschwerlichen Bergdienste; sie wurde ihnen zum Teile gewährt und sie gaben sich zufrieden, was ihr durch das Verschwinden dieser Helle habet abnehmen können. – 10 Darauf kam eine Menge Geister von allen Gegenden der Umgebung dieses Ortes und sie baten um die Segnung dieser ganzen Gegend; sie wurde ihnen auch noch vor der siebenten Stunde gewährt. Ihr habet diese Segnung mitempfangen und habet sie durch einen regenbogenfarbenen Lichtausguß über's flache Land sehr wohl merken können. 11 Der Freund Andreas Hüttenbrenner Wortwillig hat auch in Gestalt von Sternchen die Anwesenheit der vielen Monarchen gesehen, die sich gegen Süden hin am Berge gelagert haben. Du, Mein Knecht, aber hast gegen Osten hin ganz auf der Höhe einen weißen Lichtschimmer gesehen; das war Ich zwischen den vier Quartiermachern und den drei Aposteln. – 12 Durch die Nacht hin ist noch eine Menge unzufriedener Geister beruhigt und abgefertigt worden und sie haben sich mehr zur Ruhe begeben, was auch bald die für euch sichtbar heitere Nacht zur Folge gehabt hat, wie auch den heutigen reinen Morgen und darauf folgenden Tag. – Es werden sich zwar immer Wolken zeigen, das sind Geister, die noch immer etwas mehr wollen, als sie schon empfangen haben; aber ihre Liebe ist noch schwach, daher auch ihr Gewinn nicht stärker. 13 Und heute, den 5. Oktober 1850 um halb 10.00 Uhr, kam eine Schar starker Geister durch die Luft, gab Mir Ehre, Lob und Preis, und errichtete Mir schnell ein erhabenes Wohnhaus, denn, sagte ihr Anführer: »Es ist nicht fein, den Herrn der Herrlichkeit am schmutzigen Erdgrunde weilen zu lassen.« – 14 Ich aber sagte zu ihnen: »Lasset ab von eurem Eifer; Ich weiß, warum Ich also handle und warum Ich nun die Erde berühre mit Meinen Füßen. Ziehet ein dies Gezelt! – Wollte Ich eine Wohnung, so stünde sie sogleich Meiner würdig da. Erbauet aber dafür lieber in eurem Herzen Mir ein rechtes Haus, das werde Ich dann schon zur Wohnung nehmen; aber dieses luftige Taubenhaus ist Mir durchaus nicht anständig, daher reißet es nur alsogleich wieder ab, wie ihr es errichtet habet!« – 15 Diese Geister taten, wie Ich es ihnen geboten habe, und fuhren dann wieder etwas unvergnügt ab. Du, Mein Knecht, hast es auch gesehen und schlechtweg schnell aufgezeichnet. – Die violetfarbigen Wölklein zu beiden Seiten dieses Taubenhauses waren eben die besprochenen Geister, die darauf bald verschwanden oder besser gesagt, sich zurückzogen. 16 Robert macht soeben die Bemerkung, daß es ihn hier sehr befremde, daß sich hier solche Massen von allerlei Geistern fortwährend an den Hügel hindrängen, während man in Wien sie eigens habe aufsuchen müssen, um mit ihnen irgend eine Verhandlung vornehmen zu können; woher denn das komme; warum also hier, und warum in Wien nicht? 17 Ich aber sage zu ihm: »Siehe, das ist ein Gebirgsland. Geister, die auf den Höhen der Berge sich lagern, haben schon eine hellere Sehe und wissen woran sie sind und kommen daher scharenweise zu vielen Tausenden und bitten um eine baldige Verbesserung ihres Bestandes; aber es ist noch in manchen eine tüchtige Portion Selbstsucht, daher darf man ihnen auch nur so viel tun, als es gerade zu ihrem Heile unumgänglich nötig ist. Würde man ihnen zu viel tun, so würden sie darauf übermütig und fingen allerlei Spektakel an. So aber, so sie mehr in der Dürftigkeit gehalten werden, bleiben sie nüchtern und reifen der Vollendung schneller entgegen. Da wirst du noch so manches in aller Kürze erfahren, was dir bisher noch ganz fremd war. Nun nur wieder ruhig; es kommen schon wieder neue Scharen an!« Kapitel 261 Warum hier im Gebirge der Herr direckt mit den Geistern redet. Warum gibt es Gnadenspenden in Wallfahrtsorten? Die zwölf Jünger des Herrn von Anno 1850 mit dem Knechte Jakob Lorber in der Nähe der himmlischen Gesellschaft. Sie werden in kurzer Zeit die Taten des himmlischen Vater kundtun Am 6. Oktober 1850 1 Fragt Robert: »Woher sind denn diese und was wollen sie? O Herr und Vater aller Engel und Menschen! Vergib mir, daß ich Dir fast beständig mit allerlei Fragen in den Ohren liege; aber ich kann wahrlich nicht umhin; denn was ich da schon für allerlei Wesen gesehen habe, das geht schon sogar für uns vollendetere Geister in's beinahe Unglaubliche über. Wahrlich, hier zeigt sich Deine Macht, Würde und Herrlichkeit auf eine vor meinen Augen noch nicht dagewesene Weise; denn fast überall hast Du Dich wenigstens vor meinen Augen so passiv als möglich verhalten. Alles mußten wir anderen freilich nur nach Deinem Worte vollziehen; hier aber gleichen wir alle nun dem schaulustigen Volke in irgend einer Komödie, das den Künstler anstaunt und wohl mit dessen Gefühle mitgeht, aber ihn in seiner Kunst sonst nirgendwo unterstützen und ihm behilflich sein kann. – O Herr, sage mir doch, wie denn das nun so kommt in diesem Gebirgslande.« 2 Sage Ich: »Mein lieber Bruder! das rührt daher, weil Geister aus Gebirgsländern mit geringer Ausnahme stets mit einer helleren Sehe begabt sind, als die mehr abgestumpften der Flachländer. Diese uns nun zu vielen Hunderttausenden umschwärmenden Geister wissen genau, daß sie sich in der Geisterwelt befinden und machen sich diesen ihnen wohl bewußten Zustand, so gut es nur immer gehen kann und mag, zu Nutzen. Sie sind freilich wohl noch von vielen abergläubigen Dingen umgarnt und sehen nicht selten den Floh für einen Elefanten an; aber das macht eben nicht viel; denn anderseits sind sie dann aber darum auch fassungskräfiger und begreifen eher einen Wink, als ein Flachländer eine ganz große mit allen Argumenten bestbestellte Unterrichtsrede über den alleinigen Umstand, daß sie gestorben sind. 3 Wo demnach so derbmaterielle Menschengeister vorkommen, dort müsset ihr wohl eher Mir den Weg bahnen, weil das Allergeistigste sich mit dem Materiellen nie sogleich unmittelbar in die Berührung setzen kann und darf, Meiner Ordnung zufolge; und siehe, da eben seid ihr dann als eine Mittelstufe vonnöten; aber hier, wo die Geister gar wohl wissen, was sie sind, da kann dann schon, ohne ihnen zu schaden, sogleich Ich Selbst mit ihnen zweckdienlich verkehren. Wie aber die Bewohner der Berge schon auf der Erde im Grunde bei weitem genügsamer sind und leben, als die nimmer satt werden wollenden Bewohner der Flachländer, eben so sind auch die Geister der Bergbewohner. Sie sind leicht zufriedengestellt. So sie bitten, muß man ihnen allezeit etwas tun und sie sind dann sogleich zufrieden. Gäbe man ihnen aber nichts, so wäre es gefehlt, denn das würde sie zu sehr traurig und am Ende dennoch wieder sehr ungestüm machen und ihnen alles Vertrauen nehmen. 4 Aus dem Grunde geschieht es ja auch dann und wann, daß solchen Menschen auf der Erde in den sogenannten Wallfahrtsorten irgend eine erbetene Gnade zuteil wird. Es ist zwar eine solche Zulassung durchaus nicht gutzuheißen, weil sie die Flehenden nur in ihrem Aberglauben bestärkt; aber lasse Ich so 'was gar nicht zu, so verlieren sie am Ende alles, was nur immer irgend mit dem Namen Glauben belegt werden kann und mag; und siehe, das wäre dann noch schlimmer. Wenn man nur bloß zwischen einem großen und zwischen einem kleinen Übel zu wählen hat, so ist es doch sicherlich besser, das kleine denn das große zu wählen. Meinst du nicht auch also, Mein Bruder Robert?« 5 Sagt Robert: »O Du mein liebevollster Vater! Das versteht sich ja allezeit von selbst; das kann ja auch gar nicht anders sein. – Aber was wollten denn gestern Abend nach dem irdischen Kalender die zwölfe, die so gegen halb 6 Uhr von der Stadt zu uns heraufkamen? Einen kenne ich wohl schon; das ist der, der da in Deinem Namen Brot und Wein mit sich brachte. Das ist so ein schwaches irdisches Knechtlein von Dir und schreibt, was Du ihm durch irgend einen Engel in Deinem Namen in die Feder diktierest; aber die anderen waren mir ganz fremd.« 6 Sage Ich: »Das waren eben diejenigen wenigen Freunde in dieser Stadt, derentwegen wir hauptsächlich von Wien aus diesen Abstecher gemacht haben. (Die Namen der zwölfe: Jakob Lorber, Andreas Hüttenbrenner Wortwillg, Anselm Hüttenbrenner Wortemsig und dessen 6 Kinder: die vier Töchter Wilhelmine, Julie, Alexandrine, Angelika, und zwei Söhne Peter und Felix; dann Cölestin Hüttenbrenner und die zwei Frauen: Mathilde Esswein und Eleonore Irschinger.) Siehe, diese lieben Mich und haben einen guten Glauben, obschon sie Mich nicht sehen. Hätte Ich Mich ihnen gezeigt, so hätten sie aus Liebe zu Mir sogleich das Leben ihres Leibes hier am Berge gelassen. Aber das darf nicht sein in dieser Zeit, sie haben auf der Welt noch manche Arbeit in Meinem Namen zu verrichten und Ich habe sie lieb und lasse ihnen noch manche Zeit auf der Erde zu ihrer Vollendung. – 7 Sie werden mit der Zeit diese unsere Handlung der Welt kundtun in kurzer Zeit; da werden viele ihr Heil darinnen finden; aber viele der reinen Weltkinder werden sich darob auch sehr ärgern, werden aber dabei zu Grunde gehen physisch und moralisch; denn solche werden fürder kein Licht unmittelbar aus den Himmeln irgendwo mehr finden. Hast du aber auch die zwei Weiblein beobachtet, die da mitwaren? Sahst du ihre glühenden Herzen?« – 8 Sagt Robert: »O ja, Herr und Vater! Das war wirklich ein Paar von solch einer Schönheit, wie ich seit Deiner irdischen Mutter Maria noch keine gesehen habe. Wahrlich da wäre meine Helena und des Peter Peters Mathilde wohl so zu sagen nichts dagegen. Es waren auch die anderen fünfe sehr himmlisch schön, aber die beiden waren gar ungemein schön und herrlich. Aber eine aus den fünfen konnte ich nicht so recht ausnehmen; sie wandte ihr Angesicht stets ab von mir; wer war denn die?« – 9 Sage Ich: »Das war die irdische Mutter (Elisabeth Hüttenbrenner, gestorben am 29. November 1848) der vier Töchter und der zwei Söhne des Anselm Hüttenbrenner Wortemsig; diese aber ist keine Bürgerin der Erde mehr, sondern eine reine Bürgerin der Himmel. Sie wandte deshalb auch stets ihr Gesicht von dir ab, weil ihre zu große Schönheit dir sogar schädlich hätte werden können; denn das ist ein ungemein schöner Engel. Sie wollte bei dieser Gelegenheit auch teilnehmen an der Freude ihrer Familie und fand sich darum auch in dem Kreise ein, natürlich durch Meine besondere Zulassung.« 10 Sagt Robert: »Was waren denn hernach das für junge Böcklein, die da ganz ungebärdig auf diese Höhe kamen und einige Minuten lang herumsprangen, als wenn ihnen nur sogleich die ganze Welt zugehört hätte?« – Sage Ich: »Das waren so ein paar naseweise Schmeißfliegen, die noch einige Überpuppungen werden durchmachen müssen, bis ihre Seele die volle menschliche Form überkommen wird. Derlei Wesen haben vor uns noch keine andere Bedeutung, als die der Schmarotzerpflanzen auf den saftigen Ästen der Fruchtbäume; daher auch kein Wort mehr über derlei Nullen eines schmutzigen Daseins.« Kapitel 262 Wandergeister aus einer fernen Welt. Lichtprodukte haben wenig Unterschied. Etwas vom Schnee, eine Lichtgeheimnis. Wärme aus Licht wirkt böse, Licht aus Wärme und Wärme aus Warmlicht ist gut 1 Rede Ich: »Wie gefällt dir aber die große Menge von Geistern besserer Art, die uns heute schon am frühesten Morgen der Erde haben in großen Scharen zu besuchen angefangen, im Grunde nichts verlangten, sondern uns bloß nur so eine stumme Aufwartung machten, sich hernach gegen Abend hinzogen und auf dem Berge Plabutsch über dem Murstrome eine kurze Ruhe nahmen?« – 2 Sagt Robert: »Das waren für mich ganz fremde Wesen. Sie sahen wohl wie Menschen aus, aber sonst kalt und beinahe alles Gefühles bar. Herr! was waren sie denn? und was hatte sie eigentlich hierher geführt?« 3 Sage Ich: »Das waren Geister aus einem anderen Planeten und zwar nicht eines Planeten dieser vor uns stehenden Erdsonne, sondern einer ganz weit entfernten, die sich im Sternbilde des sogenannten Hasen befindet. Von jener Sonne der nächste nicht unansehnlich große Planet, von ihr beinahe eben so weit entfernt, als der Merkur von der Sonne dieser Erde, ist dieser Geister Geburtswelt. Wer diese Sonne näher kennenlernen will, der lasse sich das Sternbild des Hasen weisen. In dessen linkem Ohre wird er einen ganz kleinen Stern kaum fünfter Größe entdecken. Das ist dieselbe Sonne, von deren nächststehenden Planeten diese Geister her sind. Es sind Wandergeister, deren größte Seligkeit darin besteht, stets auf der Wanderschaft zu sein, aber so sie zu dieser Erde kommen, was aber nur selten der Fall ist, so nehmen sie Ruhe und suchen Bekanntschaft mit Meinen Kindern zu machen. 4 Manchmal geschieht es, daß sogar manche sich hier wieder inkarnieren lassen, aber dann in der Anwartschaft, daß sie Meine Kinder würden, gleichen sie den neugefangenen Vögeln im Käfige; sie haben keine Rast und keine Ruhe. Es ist ihnen beinahe unmöglich, bei irgend etwas zu bleiben. Reisen und Wandern ist ihre größte Lust; wird ihnen diese durch was immer beschränkt, da sind sie dann sogleich sehr unglücklich. Daher ist auch bei ihrem Erscheinen auf dieser Erde selten ein anderer Grund vorhanden, als der dir nun bekannt gegebene; nur diesmal sind sie durch eine dumpfe Ahnung, als sei Ich hier, hierher getrieben worden. Von großer Ferne schon merkten die Weiseren unter ihnen Meine Gegenwart und sind daher hierher geeilt, um Mir die Aufwartung zu machen. – Darin besteht aber auch all ihr Gottesdienst, daß sie zu gewissen Zeiten Gott dem Herrn ihre Aufwartung und ihre Komplimente machen und ihm bei solcher Gelegenheit einige sehr gezierte Lobesworte vorsagen. Im Reiche des Lichtes ist der Botendienst derjenige, der ihnen am meisten zusagt. Nun weißt du, was das für Wesen sind und was sie hier wollten.« 5 Spricht Robert: »Ja, Herr und Vater! aber merkwürdig ist das Zusammentreffen der Unruhe dieser Geister mit der Unruhe eben desselben Erdtieres, mit dessen eben keinen Helden bezeichnenden Namen dies Sternenbild benamset wird. – Das sind also, wie man sagt, so rechte »Springinsfelde.« Einige Gestalten unter ihnen waren aber gar nicht übel; ob es aber weibliche oder männliche waren, das habe ich nicht beurteilen können; denn wahrlich, sie sahen einander doch alle so ähnlich, wie auf der Erde, dieser unserer Leibesmutter, die Sperlinge. Sehen denn auf anderen Weltkörpern die Menschen einander eben so ähnlich, wie diese Geister sich ähnlich sehen oder gibt es auch bei ihnen formelle Unterschiede?« 6 Sage Ich: »Geister aus den Sphären der puren Weisheit sehen sich einander stets so ähnlich wie ein Auge dem anderen, denn ihr Urbestandselement ist ja nur das Licht, das sich mit höchst wenigen Färbungsverschiedenheiten in allem vollends gleich ist. – Wie aber das pure Licht sich überall sehr ähnlich ist, so sind und sehen sich auch seine Produkte gleich. Nur die Liebe macht das endlos Mannigfache in den Formen aus; das Licht aber nur das höchst Einförmige. Siehe an auf dieser Erde den Schnee; der ist ein Produkt des puren Lichtes; eine Flocke ist wie die andere; nur so sich viele aneinanderhängen, wird oft eine größer als die andere und selbst das geschieht nur dann, wenn zwischen solchen kalten Lichtproduktionen etwas von irgend einer der Liebe verwandten Wärme vorhanden ist. Mangelt diese sehr oder ganz, da fallen lauter Flockensternlein von ganz gleicher Größe und Gestalt zur Erde. Also wird auch das Eis stets eine und dieselbe Grundform annehmen, weil dabei bloß nur das kalte Licht als Schöpfer tätig ist; 7 und so ist alles, das da mehr dem puren Lichte verwandt ist, in seiner Form und Beschaffenheit einförmig; nur das, was mehr und mehr von der der Liebe verwandten Wärme in sich birgt, wird mannigfaltiger und verschiedener in der Form. Es erzeugt freilich wohl auch das Licht, so es sich sehr potenziert, eine Wärme, aber das ist keine gute, sondern eine böse Wärme, die nicht belebt, sondern tötet. Nur das Licht, dessen Grund die Wärme ist, ist gut; und die Wärme, die dann aus dem Lichte strömt, ist gut und belebend. 8 Alle reißenden Tiere und giftigen Tiere und Pflanzen sind Produkte des puren Lichtes und dessen nach außen wirkender Wärme, die böse ist und Böses bewirkt, bei allem, das da nicht neu gezeugt ist von der Liebe und deren nach innen wirkendem Lichte. Aber bei den Wesen der Liebe wird solches Licht dann auch wieder in Gutes verkehrt und nimmt dadurch seine Urbeschaffenheit wieder an. 9 Aus dieser Erläuterung kannst du nun leicht ersehen und erkennen, warum diese Geister sich einander wie die Sperlinge gleichsehen. Sie sind aber sehr bescheiden und ihr Verlangen ist nur fort und fort zu wandern, was da auch entsprechend dem beständigen Fortschreiten des puren Lichtes gleicht. Wie das Licht keine Ruhe hat, sondern in die unendlichen Räume weiter und weiter wandert, also auch seine Geschöpfe. Es sind aber von Mir solchem Bemühen wohl auch Grenzen gesetzt; wo es dann heißt: »Bis hierher und nicht weiter!« Aber da gibt es dann freilich oft sehr gewaltige Kämpfe ab, bis solche Wesen zur Ruhe gebracht werden. Und nun gut von dem! Diese Geister sind nun abgezogen und es kommen schon wieder Legionen andere her. 10 Heute als am Montag der Erde aber werden wir eben nicht viel vornehmen. Auch ist mit diesen Geistern eben nicht viel zu machen, da sie noch sehr kühler Art sind; nur am Abende werden wir etwas Wärme unter sie lassen, und sie werden sich dann unter heiterem Himmel wie ein leichter Tauregen auf die Fläche der Erde demütig niederlagern und uns die Ehre geben. – Morgen als am Dienstag werden drei Bischöfe dieser Stadt uns besuchen; da wird es ein bißchen freurig hergehen, aber erst gegen Abend.« Kapitel 263 Bischöfe von Graz auf Wolken. Ein allerhochmütigster Esel und Mitschuldträger von 1848. Ein Jesuit und Jesus. Die zwei besseren Bischöfe. Des Herr Gericht über die schwarzen Teufel Am 9. Oktober 1850 1 Sagt der daneben stehende Kaiser Josef: »O Gott! drei Bischöfe auf einmal und das aus Graz auch noch dazu! Nun, nun, nun, das wird gehen! Armer Hügel! Diese Last wird dein Haupt vom Angstschweiße triefen machen. Drei Bischöfe, sage aus Graz – auf einmal! O Herr, gedenke der Spektakel in den Katakomben des Domes zu Wien und am Ende in dessen Bethalle selbst; und das waren bis auf meinen Migatzi noch lauter Gleichgesinnte. Das aber ist bei den Grazer Bischöfen von jeher der löbliche Brauch, daß ein Nachfolger stets ein abgesagter Feind seines Vorfahrers (Vorgänger) war. Ich weiß es aus meiner irdischen Lebensperiode, wie gerade in dieser Stadt ein nachfolgender Bischof stets die Einrichtungen seines Vorgängers in einem oder dem anderen Punkte als rein verdammlich erklärte. Nun drei solche hund- und katzische Bischöfe auf einmal! Nun Herr und Vater, greife nun nur recht tief in Deinen heiligen Schatzkasten der Gnade und Erbarmung, da wird sie uns allen vonnöten sein im höchsten Grade.« 2 Sage Ich: »Ja, ja, du Mein lieber Freund! dürftest zwar nicht ganz unrecht haben; aber unter den dreien gibt es nur einen Hauptrenitenten, die anderen zwei sind ein paar ganz rare Geister. Da kommen sie schon als Ockupanten auf einer auch für Fleischaugen ersichtlichen Wolke, deren besonders gegen die nördliche Seite hin dunkle Färbung es nur zu deutlich beurkundet, welcher Beschaffenheit ihre Passagiere sind. Die beiden besseren haben zwar nur eine kleine Leibgarde, die aber, wie man in der Welt sagt, fest bei der Hand ist; 3 aber der eine im Hintergrunde voll stark nächtlichen Dunkels hat eine starke Leibwache bei sich, die gerade so fühlt, denkt und will, wie er selbst; ja sie imitiert ihn sogar im Atemholen und Kopfdrehen. Beobachte ihn nur, wie stolz er daherfährt auf seiner dunklen Wolke, die von der vorigen lichteren etwas entfernt ist, als ob er über Himmel und Erde zu gebieten hätte! Was sagst du zu solch einem Benehmen? Er ist nun bei drei Jahre ein Bewohner dieser Welt, und weiß, daß er es ist, ansonst er nicht auf den Wolken einherführe; aber er hat von seiner ultramontanen Gesinnung auch noch um kein Haar breit in etwas wenigem nur nachgegeben. Er ist noch in Pleno ein päpstlicher Hausprälat. Diese Würde nimmt ihm so leicht niemand. Denn das geht ihm bei weitem über Petrus und Paulus und Johannes, auch um sehr vieles über Maria und Joseph; denn nach seinem allerborniertesten Glauben gilt vor Gott Vater natürlich ein Bischof, besonders von seinem Kaliber, 364 mal so viel als die Maria selbst, die Christus in ihrem Leben nur einmal gebar, während er Christus schon für seine eigene hochpriesterliche Person wenigstens 365 mal in einem Gemeinjahre und natürlich 366 mal in einem Schaltjahre gebiert und daher auch in solch einem Jahre 365 mal mehr wert ist, denn die Maria; der anderen Geistlichen nicht zu gedenken, die seine Hand zu tagtäglichen Christusgebärer gemacht hat, welche Christusgeburten aber natürlich ihm wie eine Tantième zu Gute kommen und seinen Wert vor allen Engeln um's Unglaubliche erhöhen. Und in einem solchen Hochwertsgefühle fährt er nun langsam zu uns herüber und erwartet von uns die ehrerbietigste Aufnahme. Wie gefällt dir dieser Geist?« 4 Sagt Josef: »Wahrlich ein nettes Exemplar von einer allerborniertesten Dummheit! Den solltest Du, o Herr, denn doch ohne weiteres in irgend eine Selchanstalt (Räucherkammer) geben; denn so ein Kerl gäbe ja doch eine sehenswerte Rarität in irgend einem wie immer bestellten Museum ab. Nein, ist aber das ein Kerl!« Am 10. Oktober 1850 5 Sagt auch der Robert: »Ich habe von diesem Zeloten sogar bis nach Sachsen die seltsamsten Stücke vernommen und bedauerte sehr die vor uns liegende Stadt und dies wahrhaft paradiesisch schöne Land, daß es von solch einem Finsterlinge in kirchlicher Hinsicht beherrscht und noch dümmer gemacht wird, als es ohnhin schon seit dem allen gebildeten Steiermärkern nur zu bekannten Kaiser Ferdinand war. Dieser verschmitzte Kerl von einem Bischofe wußte sich bei dem Hofweibervolke einzuschmeicheln und einzunisten, setzte auf diesem Wege unter der Schürze alles durch und bildete sich so nach und nach zu einem förmlichen Kirchentyrannen aus. Er vergrößerte seinen Hofstaat mit vielen in dieser Stadt und in diesem Lande schon lange aufgehobenen Orden, die er wieder einführte und dadurch gar viele besser und heller denkende im geheimen auf das äußerste empörte. Er, dieser Kerl, hat zu dem Aufstande des Jahres 1848 nicht geringes beigetragen, und es ist wahrlich jammerschade, daß er auf der Welt den vollen Ausbruch nicht erlebt hat. So ein paar Katzenkonzerte hätten ihm für seine Bemühungen durchaus nicht schaden können. Ist das ein Kerl gewesen, und ist es wahrscheinlich auch noch in diesem Reiche. 6 Jetzt aber schwebt er schon über uns und tut, als bemerkete er uns gar nicht. Was will er denn mit seiner fortwährenden Zweifingerkreuzschlagerei, und was sollen seine roten Strümpfe, seine weiße Bischofsmütze, sein goldener Mantel und sein silberner Hirtenstab für eine Bedeutung haben? Auf der Erde war das wohl ein Blendwerk für blinde Menschen, aber hier im Geisterreiche, wen will er denn hier damit breitschlagen?« 7 Sage Ich: »Nur eine kleine Ruhe nun, Meine lieben Kinder, Freunde und Brüder! Wir werden ihn bald hier haben, und er wird uns zu tun geben. Gebet acht! Aus seiner Frage werdet ihr es leicht erkennen, wie der ziemlich hoch über der Erde schwebende Bischof nun über uns denkt. – Er ist da; daher nun nur aufgepaßt!« 8 Ein unverkennbarer Jesuit und noch ein Helfershelfer mit ihm treten ganz keck vor uns hin, und der erste fragt: »Was seid ihr denn für ein elendes Zigeunergesindel, daß ihr vor einem von Gott mit aller Macht ausgerüsteten Kirchenfürsten, so er auf den Himmelswolken die Erde segnend einherzieht, nicht einmal die Hüte abnehmet und augenblicklich auf eure verdammlichen Knie niedersinket?« 9 Sage Ich: »Du sagst, dieser Bischof sei mit aller Macht von Gott ausgerüstet? Wenn es so wäre, da müßte Ich denn doch auch etwas davon wissen; und ob die Wolke, auf der er steht und schwebt, gerade eine Himmelswolke ist, auch davon weiß Ich nichts; und doch sollte Ich es am ersten wissen.« 10 Spricht der Jesuit: »Warum gerade Du, Zigeunerbube? Dir wird es der große Gott gerade auf die Nase binden, gehe, du dummer Zigeuner du! Weißt du denn nicht, daß alle Zigeuner von Gott schon auf der Welt für ewig verdammt sind?« – Sage Ich: »Nein, Mein Lieber! auch davon weiß Ich keine Silbe; und doch sollte Ich am allerersten etwas davon wissen. Merkwürdig, was du doch alles weißt und Ich nicht! Und doch sollte Ich bei weitem mehr wissen, denn du. Sage Mir, warst du denn zugegen, als Gott diesem Bischofe solch eine unbegrenzte Macht über die Erde eingeräumet hat?« – 11 Sagt der Jesuit: »Gott erteilt solche Macht stets unsichtbar; man muß ihre Gegenwart erst aus den mannigfachen Wirkungen erkennen. Gott aber wohnet im unzugänglichen Lichte und außer den heiligen ersten Engeln, die stets um Seinen Thron auf Seine Befehle harren und »heilig, heilig, heilig« rufen, darf niemand sich Ihm nahen. Verstehst du die Tiefe dieser Weisheit?« 12 Sage Ich: »Scheint eben nicht sehr tief zu sein, diese deine Weisheit! Und Ich muß dir schon wieder gestehen, daß Ich von allem dem nichts weiß. Merkwürdig! Aber das weiß Ich wohl, daß dein Bischof Sebastian ein Ochs ist und du ein Esel! Tiere, eben nicht böser Art, aber über alle Maßen dumm. Für uns alle, wie wir da sind, ist Gott nicht unsichtbar, sondern sehr sichtbar, und Er wohnt durchaus nicht im unzugänglichen Lichte, sondern in einem gar sehr zugänglichen; nur den auf der Welt noch sehr stark im Fleische Lebenden muß Gott wegen der Willensfreiheit der angehenden Menschen unsichtbar bleiben, so lange sie nicht des Geistes volle Wiedergeburt erlangt haben. Er bleibt aber auch Geistern eures Gelichters unsichtbar, weil ihr nicht rein und wiedergeboren seid, und Er ist daher für euch noch sehr stark im unzugänglichen Lichte wohnend und wird es noch hübsch lange bleiben.« 13 Sagt der Jesuit: »In welcher Gegend sehet ihr demnach Gott?« Sage Ich: »Gerade in derselben, in der ihr Ihn nicht sehet und noch lange nicht sehen werdet; und so Er euch auch schon auf der Nase säße, so werdet ihr Ihn aber dennoch nicht erkennen, auf daß ihr Ihn dann sähet. Gehe hin zu deinem blinden Bischofe und sage ihm: Hier wohnt das Heil der Menschen; so er auch ein Mensch ist, so komme er her, gebe Gott die Ehre und nehme teil am Heile der Menschen; sonst dürfte er samt euch allen zum Anteile des Todes gelangen. Sage ihm: Gott der Herr braucht keinen Seine Macht ockupieren wollenden Weltsegner. Er segnet die Welt schon Selbst. Der Bischof solle nur sein eigenes Herz mit aller Demut segnen und nicht hochtrabend auf den Wolken herumfahren, als wenn er selbst die Welt erschaffen hätte. Sage ihm: Gott der Herr Selbst wandelt nun auf der Erde herum und es schicke sich daher gar nicht, daß sich ein schlechter Knecht der Wolken bedient. Gehe und sage ihm das!« 14 Sagt der Jesuit: »Wer bist denn du zigeunerähnliches Wesen, daß du es wagst, gegen mich, einen Gottesdiener, und gegen eine kirchlichfürstliche Autorität also keck dich zu gebärden, als ob du selbst die Kirche eingesetzt hättest? Ich frage dich, du unheimliches Zigeunerwesen: Wer bist du denn und wer diese deine Gesellschaft?« 15 Sagt Josef geheim zu Mir: »O Herr, du lieber Vater! meine Geduld wird nun schon so dünn, als wie ein allerfeinster Spinnefaden. Sie reißt ohne weiteres im nächsten Augenblicke, so dieser Feind des freien Liebelebens in Dir sich nicht bald aus dem Staube machen wird.« – 16 Sage Ich: "Sei du, lieber Freund, nun nur ruhig und ärgere dich nicht! Kannst du von einem Esel wohl je etwas anderes verlangen, als das nur, was in die Tätigkeitssphäre eines Esels gehört? Er hat nun schon vernommen, was er tun solle; will er das, so ist es wohl und gut, und will er es nicht, nun, so wird es wohl noch ein Mittel geben, dieses Lasttieres los zu werden.« – 17 Sagt der Jesuit: »Bekomme ich eine Antwort oder nicht?« – 18 Sage Ich zu ihm so ziemlich gewaltig: »Nein, hebe dich, sonst wirst du gehoben werden!« 19 Auf diese gewaltigeren Worte macht er ein sehr saures Gesicht und entfernt sich zu seinem Bischofe hin und gibt ihm beinahe bis zur Zehenspitze mit dem Kopfe gebeugt das alles kund, das er allhier gesehen und gehört hat, natürlich zu seinem großten Überdrusse. – Sehet aber nun den Bischof an, was der nun für ein gelehrtes und echt epistopalisches weises Gesicht macht, als ob er in sich beschlösse: Solle ich die Erde noch leben lassen oder nicht? Und gibt es keine Blitze mehr, daß ich sie schleudere unter diese frevelnde Menge. Es fällt ihm aber eben nichts Brauchbares zur Kühlung seiner Rache ein; daher macht er Miene, unverrichteter Dinge weiter zu ziehen. – 20 Aber nun umringen ihn die zwei anderen Bischöfe mit ihrem ganz ehrenhaft aussehenden Gefolge, und der Große namens Waldstein, sagt zu ihm: »Freund Kollega! Was ist es mit dir? Was willst du tun? Erkennst du die lichte Schar denn nicht, die da unten die Kuppe des Hügels mit ihrer Gegenwart segnend deckt? Siehst du denn noch nicht so klar und deutlich wie eine Sonne am Mittagshimmel Christus den Herrn, drei Seiner ersten Apostel, alle Kaiser aus dem Hause Habsburg, den berühmten Erzbischof Migatzi und noch eine große Menge vollendeter Geister?« 21 Hier wird der Bischof Sebastian ganz glühend vor Zorn und sagt: »Ich kenne euch beiden Ketzer! Das kirchliche Verderben, das ihr in diesem Lande angerichtet, habe ich durch zwanzig Jahre nicht vermocht auszumerzen, und ihr wollet mich Christus kennen lehren?! Mich, der ich ganz erfüllt von Seinem heiligen Geiste bin und die Schlüssel zum Himmel und zur Hölle in meinen Händen herumtrage? Wer kann Christus wohl besser kennen als ich?« – 22 Sagt Waldstein: »Freund! ich sage dir: Wenn du eine solche Rede führst, so hast du Christus nie gekannt und wirst Ihn auch nie kennen lernen; denn mit solch einem Hochmute wandelt der Geist des Herrn nimmer. – Du warst und bist noch nichts (anderes) als ein herrschsüchtiger, stolzer Pfaffe! und hast dich behufs dessen auch gehörig mit einer schwärzesten Pfaffenrotte umgeben, um durch die Masse zu deinem vorgesteckten Ziele zu gelangen, weil es dir dazu an der Kraft des Verstandes allezeit gemangelt hat. Aber der Herr machte dir einen gewaltigen Strich durch die Rechnung, und du hast durch deine Mühe gerade das Gegenteil nur erreicht von dem, was du eigentlich hast erreichen wollen, nämlich eine allerabsoluteste Pfaffenherrschaft über die ganze Erde! – Und du gibst uns vor, daß du ein Alleinbesitzer des heiligen Geistes bist! O du elender Wicht! Du bist wohl im Alleinbesitze des Höllengeistes, welcher Lüge und Hochmut heißt; aber den Geist Christi hast du noch nie erkannt, denn du bist ja ein abgesagter Feind dieses Geistes.« – 23 Auf diese energische Rede Waldsteins wird Sebastian stets glühender und ebenso auch sein sehr zahlreiches Gefolge. Waldstein und Arko (Graf Arko, Bischof zu Graz vor Sebastian Zängerle und Waldstein) senken sich nun zur Erde nieder. Als sie die Erde berühren, entsende Ich sogleich den Robert an sie, auf daß er sie führe zu Mir hin. Sie gehorchen sogleich und begeben sich in tiefster Ehrfurcht zu Mir hin. Ich gehe ihnen aber schon bis an den halben Weg entgegen und führe sie Selbst auf die Kuppe des Hügels. 24 Allda angelangt wollen sie auf ihr Angesicht zu Boden sinken; Ich aber stärke sie sogleich und verhindere sie daran und sage: »Freunde! das ein anderesmal; nun aber haben wir viel wichtigere Dinge vor uns. Dieser Sebastian hat recht böse Absichten und will der Erde übles zufügen. Heute ist Donnerstagabend; am Mittwoch ruhte er und auch wir. Heute noch will er auf der Erde alles ihm Unterkommende verheeren der großen ihm angetanen Beleidigung wegen; aber Ich habe bereits schon den starken Friedensgeistern den Wink gegeben. In dieser Nacht noch wird er geknebelt samt seinem Millionenanhange zur Erde niedergeschleudert und dort gehörig abgekühlt werden.« – 25 Spricht Waldstein: »O Du heiligster Vater! wie wird das wohl zugehen und wie werden wir es erkennen mögen, da wir noch sehr viel Blindheit in uns haben?« – 26 Sage Ich: »Hebet empor eure Augen und sehet die weißen Geister des Friedens, wie sie schon von allen Seiten her sich in bester Ordnung aufstellen! – In Blitzesschnelle werden diese Wüteriche unter Sebastian samt ihm geknebelt an den Boden der Erde geschleudert werden. So ihr morgen die hohen Berge rings herum mit Schnee bedeckt erschauen werdet, so wisset und saget: Da liegt Sebastian in seinem Triumphe auf dem besten Zornfeuerabkühlungsapparate, nämlich unter der Decke, die ihm die Friedensgeister vom Norden zu einem nützlichen Präsente hergebracht haben.« – 27 Sagt Waldstein: »Also hat der Schnee denn doch auch eine geistige Bedeutung?« – 28 Sage Ich: »O sicher! Alles was nur immer auf der Erde in die Erscheinlichkeit tritt, hat durchgängig vorerst eine geistige Wichtigkeit, dann erst auch eine naturmäßige. – Nun aber gebet nur acht; die wilde Jagd wird sogleich beginnen.« Kapitel 264 Der gefangene schwarze Wüterich. Die Ausrüstung der Friedensgeister. Die Schneekühldecke als Sondergericht für Meuterer gegen die Gottesordnung Am 12. Oktober 1850 1 Die beiden Bischöfe Waldstein und Arko verwundern sich sehr darüber und erheben mit ihrem ganzen höchst demütigen Anhange ihre Augen aufwärts; als sie aber kaum noch den Sebastian in's Auge fassen, ist er schon ein Gefangener der Friedensgeister samt seinem Anhange. – Er bäumt und krümmt sich nun wie ein getretener Wurm und schleudert einen Fluch über den anderen auf das Haupt dieser Geister, die so frevelnd keck sind, sich an ihm, als einem Manne nach dem Herzen Gottes, zu vergreifen. Aber das geniert Meine Friedensgeister nicht; ihre eiserne Gemütsruhe macht sie all' das Toben und Schimpfen ganz überhören, und sie handeln wie ein Uhrwerk und lassen mit sich auch nicht um eine Terzie (Fechthieb) handeln. – 2 Der Bischof Waldstein sagt: »O Herr! das kommt mir gerade so vor, als so ich auf der Erde nicht selten einer Kreuzspinne zugesehen habe, wie sie die Fliegen in ihrem Netze gefangen hat. In einem Nu ist die Fliege von allen Seiten her umgarnt und somit vollkommen gefangen. So scheinen es auch diese famosen Friedensgeister nun getan zu haben. Sie müssen schon früher ganz unsichtbar ein Netz weit und breit ausgespannt haben; sonst wäre es mir kaum begreiflich, wie sie nun mit dem Sebastian und dessen Anhange gar so plötzlich haben fertig werden können. – Aber wie der Sebastian nun flucht und seine Schar mit ihm! Das ist ja ganz unerhört.« 3 Sage Ich: »Ist nichts Neues von Wesen seiner Art; hat er doch auf der Welt jeden verflucht in den Grund der Hölle, der nicht nach seinen Noten pfeifen und tanzen wollte, wie sollte er dann hier anders handeln können gegen jeden Geist, der es wagt, seinem Hochmute in die Nähe zu treten. O das ist ein dummböser Pfaffe, ein Geist, der in der größten Gemütsruhe eine Million Menschen als Ketzer auf dem Scheiterhaufen hätte mit einer wahren Wollust können verbrennen sehen. Das macht ihn nun aber auch so wütend, weil er sich nirgends mehr Luft machen kann. 4 Sehet, wie die Geister ihn nun durch die Luft gegen Obersteier hinschieben; sie werden ihn auf einer Hochalpe versorgen; die geringeren Geister aber auch auf niederen Gebirgshöhen, als da sind die des Schöckels, des Rabenwalds, des Kulms und noch einer Menge anderer. – Sehet, nun haben sie schon die Höhen erreicht; und sehet nun, wie die Rücken der Berge grau werden und nach und nach weißer. – Wie gefällt euch das?« – 5 Sagt Wadstein: »Diese Geschichte sieht wahrlich etwas traurig und düster aus! Wie lange werden diese Geister wohl unter solch einer Kühldecke zu verbleiben haben? Etwa gar ewig?« – 6 Sage Ich: »O mit nichten! Bis sie zur Einsicht aus sich selbst gelangen, daß sie grundfalsch und irrig daran sind, und sich in ihren Herzen an Mich wenden, da sollen sie von solch einem Gerichte sogleich befreit werden; aber eher auch nicht um eine Sekunde Zeit. Der Sebastian aber wird schon noch unter's Eis der Gletscher gebracht werden müssen, bis er gehörig abgekühlt wird; denn der hat des Hochmutes viel in sich und ist dabei sehr dumm, so daß er seinen Hochmut am Ende sogar für gottesverdienstlich ansieht. Mit solchen Narren ist es schwer weiter zu kommen, aber dessen ungeachtet dürfen wir ihnen gegenüber unsere Geduld, Gnade, Liebe und Erbarmung nie auf die Seite setzen, weil sie denn doch auch unsere Brüder sind, für deren Heil wir vorzüglich sorgen müssen.« 7 Spricht Robert, der hinter den beiden Bischöfen die Szene der Gefangennehmung und der Expedition des Sebastian und dessen starken Anhanges betrachtet hatte: »Herr! Du allgütigster, bester Vater! ich sehe nun, so weit mein Auge reicht, alle Berge und Höhen mit Schnee bedeckt. Solle das alles dieses Sebastians wegen also sein? Alle höheren Berge Steiermarks, Kärntens, Tirols, Salzburgs sind durch und durch hoch überscheint. – Das kann denn doch wohl unmöglich alles des Sebastians falscher Grund und Boden sein!« 8 Sage Ich: »Das freilich wohl nicht, aber solcher Narren, wie er einer war und noch ist, gibt es in allen Landen gar viele. Bei diesen Geistern aber geht die Sache wie durch einen elektrischen Rapport. So auch in einem allerverborgensten Winkel irgend ein Geist in was immer erregt wird, so werden im selben Augenblicke alle Geister gleicher Art erregt und in die besondere Tätigkeit versetzt. Ist diese in etwas Meiner Ordnung schroff zuwider, so werden dann auch alle solchen Geister auf einmal in allen Landen gepackt und zurechtgewiesen durch ganz taugliche Mittel; aber mit dem Besserwerden geht es dann nicht also gleichartig und momentan, als wie mit dem gleichzeitigen Erregtwerden zum Bösen; sondern da geht es dann sehr sukzessiv (allmählich) vorwärts, beinahe also, als wenn auf einem Felde tausend Menschen in Reihe und Glied stünden, die durch einen plötzlichen Erdstoß auch plötzlich umgeworfen werden würden. – Fallen werden sie sicher alle zugleich; aber mit dem Aufstehen, was dann natürlich einem jeden frei zusteht, wird es wohl schwerlich also gehen. Einige werden sich sogleich wieder aufrichten, besonders so sie durch den Fall keine Verletzung erlitten haben. Andere hingegen, die sich mehr oder weniger beschädigt haben, werden sich mühsam erst nach und nach langsam emporzurichten anfangen; und einige, die dabei schwer verletzt worden sind, die werden zum Aufstehen wohl sehr viel Zeit und Mühe brauchen; ja einige darunter werden als Totgewordene liegen bleiben; und siehe, gerade also geht es auch bei diesen Sondergerichten. Gefangen werden sie alle sozusagen auf einmal; aber frei werden sie nicht also, weil das Freiwerden nicht von einer äußeren Macht, sondern rein nur von ihrer eigensten Lebenskraft abhängt. 9 Also ersiehst du denn auch nun, wie auf einen Schlag alle Berge der Erde voll Schnee, der da ist eine Kühldecke für zu hitzige Geister, an und für sich aber im eigentlichsten Sinn des Wortes und der entsprechenden Bedeutung nach als die erscheinliche Kraft der Friedensgeister, welche Kraft aber dann wieder zu rechter Zeit von den Geistern zurückgezogen wird, wo dann die mitgefangenen Naturgeister als Wasser zerfließen; die unter diesen Naturgeistern aber gefangenen wirklichen Geister werden dann wieder frei und können tun, was sie wollen. Wenden sie sich dem Guten zu, so ist es eben gut und wohl für sie; wenden sie sich aber wieder dem Schlechten zu, nun so ergeht es ihnen den auch natürlich wieder nicht anders als schlecht. Verstehst du das?« Kapitel 265 Des Herrn Aussage über den Werdegang der Naturgeister als Grundstoff für spätere Seelen, die zuletzt Menschen werden. Es kommen siebenzehn ehemalige Prälaten des Stiftes Rain auf den Rainerkogel. Robert Blum ist mit ihnen als Uranide geistig verwandt. Auf dem Berg Schöckel: Robert Blum Uraniel ist ein Märtyrer und hat daher eine Vorrangstellung vor seinen Mitbrüdern Am 14. Oktober 1850 1 Sagt Robert: »Herr! das verstehe ich nun ganz klar; aber Du hast soeben auch etwas von den Naturgeistern gesprochen, die dann, so die drückende Kraft der Friedensgeister nachläßt, als Wasser zerfließen. Wer und was sind denn eigentlich diese Geister?« – 2 Sage Ich: »Das sind geistige Spezifikalpotenzen oder einzelne Ideen Meines Herzens. Wann sie erst durch allerlei Kleingerichte gehörig vorbereitet und durch allerlei ihnen gegebene Tätigkeiten in Meiner Liebe ausgegohren wurden, dann werden sie auch in Formen gehüllt und werden am Ende ihres Kreisweges zu Seelen der Menschen mit aller Intelligenz, auf daß in ihnen dann Mein eigenster Liebegeist zu einem d. i. mit solchen Seelen auf ewig unzertrennbar verbundenen Wesen werde. – 3 Deine Seele ist schon auch so etwas, nur eben nicht von dieser Erde, sondern von einer anderen. Etwas davon, das mit dem Fleische deines Leibes zusammenhing, ist wohl von dieser Erde hinzugekommen, aber im Ganzen gehörst du zu den Seelen der Erdenwelt, die da heißet Uranus. 4 Es haben wohl alle Seelen auf dieser Erde etwas aus allen Sternen in sich; aber vorherrschend bleibt nur das, was sie aus der Natur derjenigen Erdenwelt haben, aus der sie zuerst als komplette Menschenseelen ausgebildet worden sind. Begreifst du nun, was es mit den Naturgeistern für eine Bewandnis hat?« 5 Spricht Robert: »Ja, mein Herr, mein Gott und mein Vater! Diese Sache ist mir nun ganz klar; nur begreife ich noch immer nicht so ganz klar, wie aus Dir, Der Du doch in allem das vollkommenste Wesen bist, auch unlautere und unvollkommene Wesen hervorgehen können; denn es kann ja doch nichts irgendwo etwas da sein, was nicht aus Dir hervorgegangen ist.« Sage Ich: »Freund! denke nach; diese Sache habe Ich schon bei einer früheren Gelegenheit ganz hell gezeigt. Rufe es in dir hervor und dir wird alles klar sein.« 6 Spricht Robert: »Ach ja, richtig, richtig, ich weiß es schon. Wo Du, o Herr, uns den Unterschied zwischen Deinen Gedanken und Ideen kundgetan hast; ja, ja, nun weiß ich es schon. Jeder Gedanke an und für sich als die Grundlinie zu einer Idee ist rein; aber weil man aus den Grundlinien, die an und für sich immer rein verbleiben, auch unlautere Bilder formen kann, so sind die Bilder oder die Ideen schon darum Nr.2 und mehr unlauter als die Gedanken, weil sie Unreines darstellen können, was natürlich bei den Grundlinien an und für sich unmöglich ist; denn eine pure Linie bleibt eine Linie; aber nicht also eine Figur, die durch Kombination der Linien entsteht. Ja, ja, also ist es; jetzt ist mir alles klar! – 7 Aber, Herr! heute ist schon Montag und wir haben außer der Besichtigung der Bischof Sebastianschen Geschichte eben nicht viel anderes getan, gesehen und gehört. Wie wäre es denn, wenn wir einmal auf einige Stunden einem anderen Punkt irgend einen kurzen Besuch macheten?« – 8 Sage Ich: »Du sorgest gut; aber heute werden uns siebzehn Prälaten aus dem Stifte Rain besuchen; mit denen haben wir etwas abzumachen. Morgen erst werden wir auf einige Stunden einen anderen Ort besuchen; welchen aber, das wird euch erst beim Aufbruche kundgetan werden. Nun aber verhalten wir uns alle ganz ruhig, denn die 17 Prälaten sind schon am Wege zu uns her.« 9 Sagt der Bischof Waldstein: »Wenn sie nicht zu sehr aus der früheren Zeitperiode sind, so dürfte ich etwa wohl jemanden aus ihnen erkennen?« – Sage Ich: »Das wirst du kaum; denn diese gehören alle der ersten Periode der Entstehung dieses Stiftes an. Die deiner Zeitperiode Angehörenden sind noch lange nicht reif, um dahin gelangen zu können, wo wir uns befinden. Aber nun kommen sie ganz ernsten Gemütes daher; darum wollen denn auch wir sie ganz ernstlichen Angesichtes empfangen und ihnen zeigen, daß auch wir ein gutes Recht haben, uns auf dieses Hügels Kuppe aufzuhalten, solange es uns beliebt. 10 Dieser Hügel gehörte einst ganz diesem Stift zu (daher der Name »Rainerkogel) und war südwestlicherseits mit kleinen Rebanlagen und Winzereien kultiviert, während die nördliche und östliche Seite der guten und bequemen Jagd wegen stets bewaldet blieb; aber in der späteren Zeit hat sich da freilich gar manches geändert und ist gar manche Besitzung aus den Händen dieses Stiftes gekommen. Diese Prälaten aber sind in ihrer Idee noch stets im Vollbesitze alles dessen, was einst zu diesem Stifte gehörte. Auf diesen Hügel waren sie sehr stolz und sahen es nicht gerne, so er von Weltlichen besucht wurde, und das bloß wegen der Wildhege, denn da wurden die Rehe und Hirsche förmlich gemästet und sonach als noch lebend (schlachtfrisch) für den Prälatentisch zubereitet. Diese siebzehn meinen, wir wären verkappte Wilddiebe, aus welchem Grunde sie denn auch so ernsten Angesichtes und Gemütes auf uns zueilen, Willens, uns von dieser Höhe zu verschrecken, aber wir werden uns denn nicht so leicht verschrecken lassen! Gebet nun acht! Sie kommen uns schon sehr in die Nähe; die Hetze wird sogleich angehen.« 11 Sagt Robert: »Herr! wäre für diese Helden etwa nicht die Helena, die sich nun stets mit der Mathilde Eljah und mit dem Peter Peter bestens unterhält, wegen ihrer bekannten Wiener Schroffheit zu gebrauchen? Die könnte diesen Hirschund Rehsüchtigen Dummköpfen so recht auf plattdeutsch (wienerisch) die Wahrheit in's Gesicht schleudern.« – Sage Ich: »Wäre hier nicht rätlich; denn diese siebzehn verstehen das Wienerische nicht und sind ungeheure Zeloten, bei denen das »Omnia ad majorem Dei gloriam« noch sehr stark gang und gäbe ist. Sie stammen aus den Zeiten der sogenannten heiligen Inquisition; man würde sie sehr böse machen, so man ihnen eine Gelegenheit böte, die in ihrem Gemüte jenen schlummernden Eifer weckete, durch den so viele treue Seelen auf das empörendste ad majorem Dei gloriam sind gemartert worden. Was konnte man aber tun? Diese Pfaffen waren wirklich so dumm zu glauben, daß sie durch solche gräßlichen Handlungen Gott einen angenehmen Dienst erweisen und je strenger und unerbittlicher so ein Pfaffe war, für desto näher bei Mir und für desto heiliger auch dachte er sich, und ward auch von allen anderen Finsterlingen dafür gehalten. Redet daher in Gegenwart dieser siebzehn gar nichts; verhaltet euch ganz indifferent, als gäbet ihr darauf gar nicht acht, was Ich mit ihnen abmachen werde. Aber nun nur ganz ruhig! Sie stehen schon vor uns, und messen uns mit echt inquisitorischen Augen.« 12 Nach dieser Rede tritt sogleich ein Prälatus, zu seiner Zeit titulierter auch gewesener Primas regni und Salvator Hierarchiae periculis circumdatae hervor. Dieser Erzpapist mißt Mich vom Kopf bis zur Zehe nach der echt pfäffischen Art mit abgewandter Brust verächtlichen Blickes über die linke Achsel und sagt nach einer Weile: »Wer erlaubte euch diese heilige Höhe zu betreten und mein Wild scheu zu machen, das ebenfalls heilig ist, weil es für die eifrigen Diener Gottes bestimmt ist? Rede, sonst gibt es Loch, Tod und Verdammnis!« 13 Sage Ich: »Der Herr der Welt hat überall das Recht, Sich niederzulassen, wo immer es Ihm beliebt und hat nie vonnöten, die weltlichen Pseudobesitzer um die gnädige Erlaubnis zu bitten; und so hat Er sich denn auch jetzt das freie Recht genommen, ohne eure Erlaubnis hier Platz zu nehmen, und das darum, weil dieser Hügel von allen in der ganzen Umgebung dieser Stadt der am wenigsten Entheiligte ist durch schmähliche Handlungen der argen Menschen. – Ich bin Christus der Herr! Bin gekommen, der argen Welt ein Gericht zu geben und Meinen getreuen Bekennern Meine Gnade, Vergebung ihrer Sünden, und das ewige Leben. Wer Mich erkennt, annimmt und sich an Mir nicht ärgert, der solle nicht zugrunde gehen; wer sich aber an Mir ärgert und nicht glaubt, daß Ich es bin, der Erste und der Letzte, der Anfang und das Ende, das Alpha und das Omega, der wird verloren gehen. – Nun wisset ihr alles, was euch vor allem zu wissen not tut; was werdet ihr nun tun?« – 14 Sagt der Primus regni: »Gib uns ein Zeichen und wir wollen Deinen Worten glauben.« – Sage Ich: »Es gibt der Zeichen viele vor euren Augen; betrachtet sie und sie werden euch Licht schaffen; denn ihr seid gerade nicht böse, aber dafür sehr blind und dumm. Wisset ihr wohl schon, daß ihr alle lange schon gestorben seid?« – Sagt der Prälatus Primas regni, minister Caesaris, protector custos salvatorque ecclesiae sacrosanotae: »Wie! was! wer? wer, wer ist gestorben? wie, wo und wann? Cur? quomodo? quando?! Lebe ich etwa jetzt nicht? Bin ich tot? Wer vermag mir denn das zu beweisen? Weder Plato, Sokrates, noch der göttliche Aristoteles! Also Zeichen und Beweise für alles, sonst sollet ihr alle als Gauner und Wilddiebe eingesperrt werden!« 15 Sage Ich: »Nur nicht so hitzig, Meine Lieben, sonst könntet ihr Mich auch in eine Hitze bringen, und bei der könnte es euch wohl etwas zu warm werden. – Weil ihr aber denn schon eine so enorme Furcht habet für euer Wild, das nur bloß noch in eurer Einbildung existiert und sonst nirgends mehr, so wollen wir alle auf eine kurze Zeit von etlichen Stunden diesen Hügel verlassen und auf den Berg Schöckel uns hin begeben. Dort werden euch auf einige Augenblicke die Augen geöffnet werden, damit ihr sehen sollet, ob ihr wohl noch Herren des Stiftes Rain seid oder ob dieses nicht schon lange von einem ganz neuen Prälaten dominiert und administriert wird.« 16 Sagt der Primas: »Was?! Auf jenen montem altissimum Stiriae, den noch nie eines Sterblichen Fuß betreten hat, wegen seiner Höhe und wegen der vielen Hexen und bösen Geister, die dort ihre böse Burg haben, sollen wir uns hinbegeben?« – Sage Ich: »Ich habe euch schon gesagt, daß ihr zwar wohl gerade nicht böse, aber dafür ganz ungeheuer dumm seid; und eben darum müßet ihr dorthin, um von drei Hauptdummheiten, die eure Sehe gefangen halten, geheilt zu werden, und zwar zuerst von der wahnsinngen Meinung, als lebetet ihr noch auf der Erde, und für's zweite, daß der Schöckel bei weitem kein höchster Berg dieses Landes ist und daß dort weder Hexen noch böse Geister hausen. Darauf erst werdet ihr einsehen, daß auch dieser Hügel durchaus nicht mehr euer Eigentum ist, und das Stift gegenwärtig auf der Fläche dieses Hügels ganz verzweifelt wenig mehr besitzt, und daß es hier auch durchaus kein sogenanntes Rotwild mehr gibt, und man daher auf diesem sogar spatzenlosen Hügel durchaus keinen Wilddieb machen und abgeben kann.« 17 Spricht der Primas: »Wie werden wir aber da hinaufkommen auf solch eine erschreckliche Höhe? Da werden wir ja mehrere Tagreisen brauchen!« – Sage Ich: »O nein! das werden wir nicht; zum Beweise, daß auch ihr nun nicht mehr Leibesmenschen, sondern Geistmenschen seid, werden wir diese Reise in einem Augenblicke zurücklegen. Ich sage bloß: Es sei! und sehet, wir sind auch schon da, wohin zu ziehen ihr meintet, daß wir mehrere Tagreisen werden dazu verwenden müssen. Nun, wie gefällt es euch hier?« 18 Sagt der Primas ganz verblüfft: »Ach, ach, das ist stark! Ja, wie sind wir denn gar so plötzlich hierher gekommen? Das war nur ein Zucker, wie ein Blitz schießt, so auch kam es mir vor, sind wir vom Rainerhügel hierher übersetzt worden. Ja, ja, jetzt fängt mir schon ein Lichtel an aufzugehen! Wir alle siebzehn sind wirklich schon vor vielen Jahren leiblos geworden. Aber daß uns das nicht früher eingefallen ist! Wir hätten es ja doch aus dem abnehmen können, daß dieses Stift doch nie mehr als nur einen Prälaten gehabt hat, und wir waren unser siebzehn und etliche, die später dazu gewachsen sind. Ist aber doch merkwürdig, wie man eine so geraume Zeit dumm und blind sein kann. Was dahier für eine herrliche Aussicht ist! Alles schön frei! – Und jetzt merke ich wohl, daß es noch viel höhere Berge gibt, als dieser Schöckel da ist, und von Hexen und bösen Geistern keine Spur! – Ja, ja, wir müssen jetzt aber schon diesem wunderbaren Führer sehr zu danken anfangen! Ist er aber auch etwa doch nicht so ganz Christus der Herr Selbst, so wird er aber dennoch ein sehr mächtiger Geist sein, der von Gott aus an uns gesandt ist, um uns zu erlösen von unserer Dummheit.« – Hier fallen alle vor Mir auf ihr Angesicht und loben Gottes Kraft in Mir. 19 Robert aber fragt: »Herr! was habe ich denn eigentlich mit diesen gemein?« – Sage Ich: »Es sind auch Uraniden wie du und darum sehr hartnäckig; und du mußt sie darum auch aufnehmen in dein Haus. Kennst und verstehst du nun den Grund und die Ursache von dieser Erscheinung?« – 20 Spricht Robert: »Ja, Herr und Vater! jetzt verstehe ich den Grund und die Ursache freilich wohl. Sind etwa die früheren Geister, mit denen wir schon auf jener Höhe dort unten waren, auch meine Urlandsleute?« – Sage Ich: »Nein, das gerade nicht; aber sie sind dir in der Liebe gleichartig und gehören deshalb auch in deinen Verein; denn Ich sage dir: Du bist von nun an ein Hauptpfeiler eines neuen Vereines. Das ist ein Lohn, der allen jenen zuteil wird, die auf der Welt aus einem redlichen und guten Grunde in Meinem Weinberge gearbeitet haben.« 21 Bemerken die beiden Bischöfe ganz demütig: »Herr! wir haben ja doch auch in Deinem Weinberge gearbeitet; sollen wir hier denn nicht auch irgend ein Ämtchen zu versehen bekommen?« – Sage Ich: »Ihr waret zwar auch Arbeiter, aber die Welt gab euch darum einen guten Lohn; dieser aber arbeitete ohne weltlichen Lohn; für seine Mühe aber ward er von der Welt mit dem Tode bezahlt, und das macht einen großen Unterschied zwischen euch und ihm. Er ist ein Märtyrer; seid es auch ihr? Er ist gefallen als ein Opfer seiner Liebe für die Brüder; seid es auch ihr?« Kapitel 266 Die beiden Bischöfe Graf Arko und Waldstein werden von ihrem Heiligenwahne kuriert. Mit den siebzehn Prälaten auf dem Berg Schöckel. Vom Wesen des Himmels und der Hölle; vom Satan und noch schlimmeren Geistern. Wieder auf dem Rainerkogel. Das Heer finsterer Geister wird in die Gebiete des schwarzen Meeres geschickt Am 18. Oktober 1850 1 Sagen die beiden Bischöfe zugleich wie aus einem Munde: »O Herr! da sind wir gegen ihn reine Nullen; denn uns ist es, außer in einer Krankheit, wohl nie schlecht gegangen auf der Erde. So dieser Sohn Deiner Liebe, o Herr, dieser Robert Uraniel, aber ein großer Geist vor Dir ist, da wird er uns denn doch vergeben, so wir unwissendermaßen ihm viel zu wenig die ihm gebührende Ehre bezeigt haben. Wir werden das in der Zukunft schon allerreichlichst einholen, was wir bis jetzt in der kurzen Periode unseres Beisammenseins verabsäumt haben; nur begreifen wir nicht, wie wir solcher unendlichen Gnade haben würdig befunden werden können, in den Himmelsverein eines so großen Heiligen aufgenommen zu werden; denn wie groß muß der sein, der stets so nahe an Deiner Seite wandelt und handelt nach Deinem Willen und wird stets in allem von Dir belehret!« 2 Sage Ich: »Ihr waret doch recht achtbare Bischöfe auf der Erde und redet nun gerade, als so ihr bei irgend einer griesgrämigen alten Betschwester wenigstens durch zehn Jahre in die Schule gegangen wäret. Wer ist denn ein Heiliger bei Mir? Wisset ihr denn nicht, daß es außer Gott niemanden gibt, der da heilig wäre. Gott allein ist heilig und gut; alles andere aber ist Bruder und Schwester, und der Geringste aber ist stets der Größte in Meinem Reiche. Die Ehre aber gebührt nur Gott allein, alles andere hat sich zu erfassen und zu begreifen nur in und durch die Liebe. 3 Nun aber lassen wir das weitere, denn wir haben eine ganze Ewigkeit vor uns und in der wird sich noch so manches aufklären lassen. Wir sind nun schon bei drei Stunden nach irdischem Maße hier auf dieser Höhe (Berg Schöckel) und die 17 Prälaten liegen noch auf ihren Angesichtern. Nun muß ihnen geholfen werden, und wir müssen dann schnell wieder auf unseren Hügel eilen. Dort befinden sich nun einige unserer irdischen Freunde und verlassen nun auch schon den Hügel, aber das macht nichts; unseren Segen, der an dem Hügel haftet, haben sie dennoch empfangen. Jetzt also an die Prälaten! 4 Stehet auf, ihr siebzehn Brüder des Stiftes Rain! Ihr habet nun neue Augen empfangen, zu schauen das rechte Licht und zu begreifen die Wahrheit, darum kehret das neue Licht eurer Augen nicht in der Erde finsteren Boden, sondern beschauet mit eurem Lichte das Licht alles Lichtes und verstehet es und begreifet es!« 5 Hier erheben sich die siebzehn und schauen ganz voll Staunens um sich herum; und der Primas als der Wortführer sagt: »Herr, Gott und Vater! nun erst erkennen wir es ganz, daß Du es bist, von Dem alle Himmel und alle Erden voll Herrlichkeiten der Herrlichkeiten zeugen. O Vater! was sollen wir denn nun tun, um Deiner über alles heiligen Nähe würdiger zu sein?« – Sage Ich: »Von nun an Mich lieben über alles, da eure Liebe zu Mir euer wahres, ewiges Leben ist, und alle Brüder und Schwestern aber wie euch selbst (lieben)! Denn die gegenseitige Brüderliebe und Schwesterliebe bedingt eure Seligkeit. Je mehr ihr der wahren, tätigen Liebe euch gegenseitig, gemäß Meiner ewigen Ordnung, erweisen werdet, desto seliger werdet ihr sein! 6 Alle Himmel mit allen ihren Seligkeiten ohne Zahl und Maß und Namen gehen aus der gegenseitigen wahren Nächstenliebe hervor, so wie im Gegenfalle auch alle Qualen und Martern der Hölle aus der Eigenliebe. Gäbe es keine Eigenliebe, so gäbe es auch keine Hölle, und auf der Erde keinen Krieg, keine Hungersnot und also auch durchaus keine Pest. Weil aber die Menschen voll Selbstsucht sind und voll der allerverderblichsten Selbstliebe, aus der die Hölle gemacht ist durch die Menschen und nicht etwa durch Mich, so müssen sich solche Menschen auch all' das Üble gefallen lassen, was da hervorgeht aus der Eigenliebe und aus der Selbstsucht. 7 Wohl ist zwar noch der alte Satan der Chef der Hölle, wie er auch ihr erster Gründer war; aber er hat schon lange die Macht nicht mehr, die Menschen zu verderben; aber die Menschen sind nun schon seine Meister geworden. Seit die Menschen allein von ihrem höchsteigenen, freiesten Willen abhängen, gibt es recht viele unter ihnen, zu denen der alte Satan in die Schule gehen könnte; besonders unter dem hohen römischen Klerus und unter den Jesuiten, wo sie noch irgend einen Bestand haben. Ich kenne welche, vor denen sogar der Satan einen solchen Respekt hat, als wie eine nervenschwache, furchtsame Jungfrau vor einer Klapperschlange. Solche Wesen aber nennen sich auch »Diener Gottes.« Wie gefällt euch das?« – 8 Sagt der Primas: »Herr! erschrecklich, erschrecklich ist so ‘was aus Deinem Munde zu vernehmen!« Sage Ich: »Ja wohl, aber es ist einmal also, und es läßt sich dagegen vorderhand nicht viel tun. Nun aber wird es halb 6 Uhr; darum kehren wir wieder auf unseren Hügel zurück. 9 Es sei! Es geschehe! Und sehet, da sind wir nun schon wieder (auf dem Rainerkogel); aber nun erhebt sich über der Stadt eine dichte Wolke und aus allen Friedhöfen dieser Stadt erheben sich leichtere Nebel. Was meinet ihr, was das zu bedeuten hat?« – Alles sagt: »Herr, wir wissen es nicht; deute uns das!« 10 Sage Ich: »Das schwarze Gewölk über der Stadt ist ein Gremium von wenigsten 10.000 Mönchen und anderen Pfaffen; die seit 400 Jahren hier in dieser Gegend sich aufhielten und zufolge ihrer groben Blindheit auch nirgends einen Ausweg finden konnten; darunter gibt es auch einige Bischöfe, Prälaten und Pröbste. Diesen werden wir nun Flöße geben und sie samt und sämtlich stromabwärts in die Gebiete des schwarzen Meeres expedieren; denn hier würden sie mit der Weile gar manches Unheil zu stiften beginnen, indem sie nun bei dieser besonderen Gelegenheit Meiner persönlichen Anwesenheit etwas wacher und sehender geworden sind. Im Meere werden sie nach etlichen hundert Jahren wohl ganz zu sich selbst kommen, und es wird dann mit ihnen schon etwas zu machen sein. Die leichten Nebelchen über den Friedhöfen aber enthalten ganz arme, kranke Seelen, die nach Heilung dürsten, denen solle auch in dieser irdischen Nacht vom Mittwoch bis zum Donnerstag völlig geholfen werden. Ich will, daß sie sich uns nahen sollen; und sehet, sie fangen an sich gegen uns her zu bewegen!« Kapitel 267 Wer Arme aufnimmt, der nimmt Jesus auf! Heilung, Bekleidung, Speisung mit geistiger Milch und danach mit Brot und Wein. Szene mit der Jesus liebenden Jungfrau, deren Bittgebet und Beichtgebet enhüllt ihr irdisches Leben und ist die Mutter von Mathilde Eljah Am 19. Oktober 1850 1 Spricht Robert: »Herr und Vater! je mehr Gäste sich unter das Dach meines Hauses ziehen, desto größer wird meine Freude und Seligkeit; aber nur möchte ich wieder wissen, wie die Seelen des Steierlandes mit mir in irgend einer Entsprechungsverwandtschaft stehen; sind das etwa auch Uraniden?« – Sage Ich: »O nein! Das sind sie nicht und brauchen es auch nicht zu sein. Das sind Arme und als solche stehen sie ja wohl am allernächsten. Auch hier gilt der Grundsatz: »Wer einen Armen aufnimmt in Meinem Namen, der nimmt Mich auf.« Ich meine, Bruder Robert, darin liegt wohl ein allermeister Hauptgrund, warum Ich es also zulasse, daß auch solche armen Seelchen in deinem großen Hause eine rechte Aufnahme finden sollen.« – 2 Sagt Robert: »O Herr und Vater! dann nur alles, was da arm ist auf der Erde, in mein Haus, denn an Raum im selben fehlt es wahrlich nicht. Wenn in einem Hause Sonne, Mond und Sterne und die ganz Erde Platz haben, da können wohl gar viele Arme Platz finden und haben. Ja, wo Du, o Herr, Dich Selbst schon so lange fast ununterbrochen aufhälst, da hat die ganze Unendlichkeit Platz in Genüge.« 3 Nach dieser guten Bemerkung Roberts kommen mehrere Tausende von armen Seelen und lagern sich in gedehnten Reihen um den Hügel und bitten um Hilfe und um eine rechte Genesung von ihren mannigfachen irdischen Übeln, die an der Haut ihrer Seele noch von der losen Welt her hängen geblieben sind. Diese Bitte wird auch alsogleich erhört und in's erwünschte Werk gesetzt. Sogleich bekommen diese Seelen ein ganz gutes Aussehen und werden mit weißen Kleidern angetan, wovon der männliche Teil grün verbrämt und der weibliche rot verbrämt erscheint. 4 Nachdem die Armen alle so gut hergestellt sind, wird von uns aus ein Bote an sie gesandt mit der Weisung, sie alle auf die Höhe des Plabutschberges zu führen, allwo sie schon alles nötige finden werden, als Milch, Brot und Wein; denn solche schwachen Geister müssen zuvor mit der geistigen Milch gesättigt werden, damit sie aus solcher Kost so viel Kraft erlangen, um bald darauf Brot und Wein vertragen zu können. Der Bote aber ist einer der Einnehmer, der uns in Wien zuerst folgte. Er bringt sie alle in schnellster Bewegung auf die Höhe dieses vorbezeichneten Berges, wo die Armen alles in der reichsten Bereitschaft antreffen, was ihnen nottut. 5 Als sie gesättigt sind, zum ersten Male im Geistesleben, da können sie nicht danken genug und wissen nicht, was alles für Liebes und Angenehmes sie dem Boten tun sollen. Dieser aber verweiset sie gar sehr freundlich auf Mich, den alleinigen Geber aller guten Gaben, und zeigt ihnen an, daß Ich Selbst sie bald besuchen werde, und sie da mit ihren Augen zum erstenmal Gott, den Herrn, ihren Schöpfer und Vater sehen und von Ihm Selbst für ewig werden gesegnet werden. Als sie das vernehmen, da ist es völlig aus vor Freude bei ihnen. 6 Ein Wesen aber von ungewöhnlicher Schönheit, eine Jungfrau, wird ganz schwermütig, als sie die Nachricht von Mir erhält. Ihr Herz, das schon auf dieser Welt stets nach Mir gekehret war, wird voll Feuer, und ihre Liebe zu Mir wird heftiger und heftiger, so daß sie sich nicht zu helfen weiß. In einem äußerst sanften Tone sagt sie zum Boten: »Edler Freund meines allergeliebtesten Jesus! Ich bitte dich, führe mich zu Ihm hin. Ich lebe nur für Ihn; Er allein ist mein alles; Er ist mein Gott, mein Vater, meine Liebe !!!« – 7 Sagt der Bote: »Meine allerschönste, teuerste Schwester! siehe, ich bin nur ein Knecht des Herrn und darf nur das tun, was mir vom Herrn geboten wird. Aber ich kehre nun eben zu dem Herrn zurück und werde ihm allerinständigst dein Anliegen vortragen. Sei ganz versichert, ich werde deiner nicht vergessen; denn du hast dich auch in mein Herz zu wundertief eingegraben, und ich weiß kaum, ob du daraus je wieder den Ausweg finden wirst, daher kann ich deiner ja unmöglich vergessen. Lebe wohl unterdessen, vielleicht sehen wir uns schon in wenigen Augenblicken wieder.« 8 Hiermit verläßt der Bote die schwermütige Schönste und begibt sich zurück. Als er aber kaum den halben Berg herabkommt, sieht er sich um und sieht die Schwermütige ihm nahe an der Ferse folgen. Da bleibt er stehen und sagt: »Aber meine himmlisch Schönste, was tust du? Du weißt denn ja doch, daß ich nicht mehr tun darf, als wie weit mir ein Gebot gegeben ist. Warum verfolgst du mich denn?« – Sagt sie: »O Freund! hast du denn auch ein Gebot erhalten, mich auf meinem Wege aufzuhalten?« – Sagt der Bote: »Nein, das gerade nicht.« – Sagt sie: »Nun, so lasse mich gehen den süßen Weg meines Herzens!« Am 21. Oktober 1850 9 Der Bote weiß auf diese Äußerung der schwermütigen Jungfrau nichts weiteres mehr zu erwidern, sondern geht ganz naturmäßig seinen Weg weiter; aber kaum ein paar hundert Schritte weiter an der Stelle, wo es am halben Berge (der Höhe nach) auf dem gewöhnlichen Wege der Bewohner der Stadt durch den Steinbruch bei der »schönen Aussicht« heißt, komme Ich Selbst und zwar diesmal ganz allein dem Boten entgegen, der Mich denn auch gleich ersieht und erkennt und Mir auch sogleich seine Not mit der Schwermütigen klagt, die ihm nachgehe, obschon er es ihr gesagt hätte, daß er dafür kein Gebot erhalten habe, sie nach sich wandeln zu lassen. 10 Ich aber sage: »Hat sie dir denn nicht gesagt, daß sie dir nachwandle den süßen Weg ihres Herzens? Sie liebt Mich über alles und möchte an deiner Seite desto eher dahin gelangen, wo Ich als der einzige Gegenstand ihrer Liebe Mich befinde. Das mußt du in der Zukunft dir wohl recht sehr merken: Wo du solche Liebe findest, da darfst du ihr ja nie mehr den Weg zu Mir verwehren wollen; denn wo solch eine Liebe in einem Herzen wohnt, da wohnt auch schon die Vollendung des Geistes; wo aber ein Geist die Vollendung in sich trägt, da trägt er auch schon Mich in sich und kann ohne Furcht und Scheu sich Meiner eigentlichsten freien Wesenheit nahen. Wer selbst zum Feuer geworden ist, darf das Feuer nimmer fürchten. Wo ist nun die Geliebte Meines Herzens?« – 11 Sagt der Bote etwas betroffen: »O Herr! Etwa ein paar hundert Schritte hinter mir wird sie nun höchst wahrscheinlich klagen und weinen, weil sie sich denn doch nicht getraut hat, mir weiter zu folgen, obschon ich es ihr gerade weiter nicht mehr widerraten habe.« – Sage Ich: »Ei, ei, Mein lieber Freund, das darfst du ja wohl nicht mehr tun! Siehe die Arme leidet nun viel; darum führe Mich ja augenblicklich zu ihr hin!« – 12 Sagt der Bote: »Wohl weißt Du, o Herr, wo die Arme in der Liebe zu Dir beinahe sterbend Deines Wortes: »Komme zu Mir, Geliebte!« harret und hast noch nie eines Führers benötigt; aber Du, o Herr, hast mir es nun befohlen, und so wage ich es also zu tun, wie da lautet Dein heiligster Wille, von dem das Sein aller Wesen abhängt.« 13 Nach diesen Worten geht der Bote voran und Ich folge ihm und in einigen irdischen Sekunden Zeit sind wir beide an Ort und Stelle. Da finden wir die Liebste auf ihren Knien, ihr himmlischschönes Anlitz nach oben gekehrt und mit gefalteten Händen schluchzend und weinend und dazwischen also betend: »O Du meine alleinige, ewige Liebe, du mein Jesus, Du mein Gott und mein Herr! wie lange schmachtet mein Herz schon nach Dir, und noch immer kann ich nicht zu der Gnade gelangen, nur eine Minute lang Dein heilig Angesicht zu schauen! Ich muß zwar gestehen, daß mir durch sicher schon mehr denn zwölf Jahre in dieser Geisterwelt nichts abgegangen ist. Ich hatte recht viele Freuden an den guten Seelen, die sich von mir über Dich, o mein Herr, und über Dein heiliges Wort haben belehren lassen. Alle diese meine geliebten Schüler sind mir nun auch gefolgt und harren bei etlichen Tausenden auf dieses Berges Höhe des Herrn. Alles, alles haben wir getan, was wir, o Gott, aus Deinem Worte nur immer entnehmen konnten, das uns zur Anschauung Deines Angesichtes bringen könnte. Im letzten Stadium unseres Seins in dieser Welt fingen wir sogar zu fasten und uns förmlich zu kasteien an, aus sicher purster Liebe zu Dir, die stets mehr und mehr unsere Sehnsucht nach Dir belebte, aber es war bis jetzt alles vergebens. O Gott, o Vater! zeige uns doch aus Deiner stets so überschwenglich großen Gnade, welche Sünden denn an uns und ganz besonders an mir noch kleben! 14 Auf der Welt war ich in den etlichen letzten Jahren meines Lebens eine recht angesehene Frau, ward adelig, weil mein alter Gemahl adelig war, und genoß gar manche Auszeichnung; aber ich habe mir darauf nie etwas eingebildet. Einem Lehrer meiner Tochter habe ich wohl ein ziemliches Unrecht angetan, das war ein grober Undank von mir, denn er war ja wie von Dir in der Zeit der größten Finsternis als ein Licht vom Himmel in mein Haus gesandt und lehrte mich durch Wort und durch gewählte außerordentliche Lektüre, Dich, den heiligen Vater, in der Fülle der Wahrheit erkennen. Aber wie oft habe ich diesen Fehler bereut und beweint, wie oft heimlich auf der Erde noch und wie oft hier. 15 Die Ewigkeit ist ja lang, o Herr; gib mir nur die Gnade und die Gelegenheit; ich will alle meine irdischen Fehler und Gebrechen in Deinem allerheiligsten Namen gutmachen. War ich auch auf der Erde leider keine Jungfrau, so bin ich es doch aber hier; denn bis jetzt hat mich noch kein menschlicher Geist anrühren dürfen. Meine Liebe zu Dir, o Vater, war meine stets mächtige Beschützerin! O du Bote, du harter Bote des Himmels, der du mich dir nicht folgen ließest, wann, wann wirst du wiederkehren und mir Nachricht bringen von dem, den allein ich über alles liebe?! Du warst wohl sonst ein lieber Bote; aber hart, sehr hart warst du!« – Nach diesen Worten fängt sie wieder an zu weinen und verhüllt sich das Gesicht mit ihren Händen. Kapitel 268 Die zwei Boten bei der neuen Maria. Herrliche Szene ähnelt der Szene mit Chanchah in Bischof Martin. Etwas über die Geisterreise. Gleichnis vom Apfel, dem Gras und der Eiche. Reine Liebe und solche mit Sauerteig. Geistiger Zustand der Erde. Drohung mit dem Feuergericht 1 Ich aber trete nun zu ihr hin und sage: »Maria! siehe der Bote ist schon wieder zurückgekehrt; darum weine nicht. Der Bote ist wohl genau, aber hart ist er nicht.« Hier tut sie schnell ihre Hände von ihrem Angesichte und erhebt sich vom Boden, uns beide etwas verwirrt ansehend. Nach einer kurzen Pause sagt sie ganz schüchtern: »Nun sind aber zwei Boten da; der welche bringt mir die süßeste Nachricht von Dem, Den allein ich liebe über alles? Wo ist Er, Der die Liebe Selbst ist? Wann werden meine Augen zur Anschauung Seines allerheiligsten Anlitzes gelangen?« – 2 Sage Ich: »Nur noch eine kleine Geduld, Meine geliebte Tochter! Siehe, der Herr ist wie ein recht kluger Gärtner, der die weniger schön geratenen Früchte von seinen Bäumen eher einliest und in seine Kammer legt, auf daß sie dort die Vollreife erlangen, die schönen Früchte aber länger am Baume hängen läßt, auf daß der Süßstoff in ihnen sich mehre und der Geist und das Leben reif werde in der Fülle in dem Keime, den das Samenkorn in sich birgt. So auch wird das Kleingras der Erde in kurzer Zeit reif, aber es dauert darum auch nur eine kurze Zeit. Wann dann kommen des Winters Fröste und gewaltige Stürme, da stirbt es bald und behält nur ein schwaches Leben in der von der Erde bedeckten Wurzel. 3 Die Eiche aber braucht viele Jahre, bis sie ein Früchte zu tragen fähiger Baum ist. Ist sie aber einmal als ein fruchttragfähiger Baum in der Fülle wohlgereifter Kraft da, dann können Stürme und des Winters Fröste um sie toben mit all' ihrer Gewalt, so trotzt sie ihnen wie mit eherner Brust und lacht über solch Toben und Wüten. Und siehe, also bist auch du nun durch ein etwas längeres Harren zu einer vollreifen Frucht und zu einer Eiche geworden, und es wird dir nun ein Leichtes sein, die Nähe Gottes zu ertragen, die niemand ertragen kann, so er nicht zuvor in sich den göttlichen Geist vollends Gott in allem ähnlich gemacht hat auf den von Gott Selbst gezeigten Wegen, die du wohl kennest. Du hast es aber nun dahin gebracht, bist mächtig geworden in der Liebe und bist auf diese Art eben vollreif geworden im Geiste der Liebe zu Gott; und deshalb sind wir beide denn auch zu dir hierher geeilt, um dich als eine köstliche Frucht einzulesen für die Speisekammer des Herrn. Aber jetzt wollen wir noch eher auf die Höhe zu deinen Jüngern und Jüngerinnen gehen und wollen ihnen eine frohe Botschaft bringen.« 4 Spricht die Maria: »O lieber Freund! deine Stimme klingt unnennbar lieblich, und Deine Weisheit durchleuchtet wie eine Sonne alle meine Irrsale. Wahrlich, o Du himmlischer Freund, Du allein wärest fähig, mir auf noch zwölf Jahre und vielleicht auf noch länger die Verzichtleistung auf den Anblick meines Herrn Jesus Christus erträglich zu machen; denn wahrlich wahr, weiser und angenehmer, und stärkender und belebender kann ja doch schon fast unmöglich der Herr Selbst reden. O nur gar so himmlisch gut, sanft und lieb siehst Du aus! Möchtest Du es mir denn nicht gestatten, daß ich Dich anrührete? Mich drängt es allergewaltigst danach!« 5 Sage Ich: »Nun so komme her und lasse dich von Mir auf die Höhe geleiten; bei dieser Gelegenheit wirst du Mich wohl anrühren können. Meinst du denn, daß du Mir etwa minder angenehm bist, als Ich dir? O denke dir nur so 'was nicht; denn viel eher, als du Mich geliebt hast, liebte Ich dich mit aller Lebensglut Meines Herzens! Aber hier ist der Ort nicht, um dir ganz förmlich alle Seiten Meiner Liebe darzutun. Auf der Höhe werden wir uns erst näher kennen lernen und uns auch unsere gegenseitige Liebe ganz eingestehen.« 6 Sie tritt nun zu Mir, ganz zerknirscht vor Liebe, ohne zu wissen, daß Ich eigentlich schon der Rechte bin. Als sie Meinen Arm berührt, da sinkt sie vor Wonne beinahe zusammen und sagt: »Freund! lasse ab von mir; ich bin viel zu schwach, um Deiner Liebe zu widerstehen. Du könntest mir noch alle Liebe zu Jesus dem Herrn nehmen und an Dein Wesen hinziehen.« – Sage Ich: »Das macht nichts, Ich und der Herr werden uns deinetwegen schon auf's beste ausgleichen.« – 7 Sagt sie: »Ja, ja, ach ja wohl wirst Du das tun können; aber meinem Herzen kann es am Ende dennoch nicht gleichgültig sein, ob ich den Herrn Selbst oder nur einen Seiner zahllos vielen großen Freunde liebe; und doch kommt es mir nun schon so vor, daß ich außer Dir beinahe kein Wesen mehr lieben könnte. Ich balge mein Herz zu einem Knäuel zusammen; ich zwinge und drücke es zu Gott hin, und ich finde da nirgends einen Grund. Meine Liebe verliert sich mehr und mehr im Unendlichen; ja ich kann mich nun, seit ich bei Dir bin, im Herzen noch so zwängen zu Gott hin, so erglüht es dennoch nicht; denn alle Glut geht nun auf Dich über! Ich will Dich ja nicht lieben; Gott nur will und muß ich lieben. Aber je mehr ich mich bestrebe, Dich nicht zu lieben, desto glühender wird mein Herz für Dich. Ja, ja, mag Gott mit mir machen, was Er will; ich kann ja nicht dafür, daß mein Herz so gewaltig nur allein mehr für Dich erglüht. O Du himmlischer Freund! Sage doch, wie es denn ist, daß ich Dich gar so lieben muß. Stets mehr und mehr fühle ich es, daß Du allein mir alles in allem wirst und nun schon bist. O was wird aus solcher Liebe werden?!« 8 Sage Ich: »Sei nur ruhig und kümmere dich nicht, wie und wen du nun liebst; es genüge dir, daß deine Liebe rein und gut ist. Jede Liebe aber, die an und für sich rein ist, kann nicht anders als nur gut sein. Rein aber ist die Liebe, so sie nichts von einer Selbstliebe in sich hat; kommt aber zur reinen Liebe nur etwas weniges Selbstliebe, so durchsäuert diese leider allezeit nur zu bald die reine Liebe und macht aus ihr dann einen Sauerteig der Pharisäer, welcher da ist ein sehr elender Lebensgrund, oft schlechter als gar keiner. 9 Und siehe, du Meine geliebte Maria! von solch einem Sauerteige ist nun die ganze Erde voll. Aus ihm entstehen lauter böse Geschwüre und Beulen, aus deren Eiter nichts als schändliches Freßgewürm sich erzeugt, oft Polypen mit tausend Saugrüsseln. Darum sieh' dich nur ein wenig um, und du wirst trillionen Feuergeister entdecken, die mit aller Gewalt kaum zurückgehalten werden, diese Erde samt allem, was in ihr, auf ihr und über ihr sich befindet, mit aller Macht ihres nicht ungerechten Grimmes in Asche und Staub zu verwandeln. 10 Bei den Menschen ist keine Beständigkeit mehr; sie sind alle zu einem Sauerteige der Pharisäer geworden; ihre Herzen sind kalt und finster geworden, weil aus dem gährenden Sauerteige ihrer Herzen sich eine böse Luft entwickelt hat, die da alles Leben erdrückt, d.h. alles wahre Leben in Gott. Aber Ich sage dir, es wird nun auch Gott dem Herrn Selbst die Geduld bald zu kurz werden. 11 Nur einige höchst wenige trägt die Erde noch, um deren willen Gott nun auf eine Zeit lang der gänzlichen Zerstörung dieser Erde vorbeugen will und wird. Wie aber diese entweder von der Erde in Gottes Freundlichkeit abgehen oder am Ende selbst zum Sauerteige werden, was Gott nun gar nicht voraus sehen will, so wird die Erde den Feuergeistern übergeben, und sie sollen dann mit dieser Sündenträgerin tun, was sie nur immer wollen. 12 Aus dem Staube dieser Sündenmutter aber solle dann ewig kein mitzerstörter Geist jewann mehr zum Leben erstehen. Der Wucher und die Besteuerung haben nun beinahe auf der ganzen Erde eine solche Höhe erreicht, daß es beinahe zur Unmöglichkeit wird, daß die arme Menschheit, die bisher noch immer eine wahre Stellvertreterin Gottes war und das eigentliche Volk Gottes auf der Erde ausmachte, mehr bestehen kann. Gott gab der Erde gute Jahre; die Reichen aber machten sie durch ihren Wuchergeist zu schlechten und trieben mit den Nahrungsmitteln schändlichen Wucher, und die Armen mußten im Elende schmachten. – 13 Ich aber werde nun eine magere Zeit über die Erde kommen lassen, auf daß die Armen von der Erde sterben sollen. Gott wird es aber wohl merken, was da die Reichen tun werden. Werden sie sich der Armut annehmen und den Wucher einstellen, dann sollen auch die Gerichte aufgehalten werden, und der Erde wieder gute Zeiten gegeben werden; im Gegenfalle aber solle alles in's Verderben gestürzt werden, denn es ist auch schon die Erde selbst zu einem Sauerteige geworden. 14 Wahrlich, Ich befinde Mich nun wirkend auf außerordentlichen Wegen und bekomme von Tag zu Tag mehr Ekel an den Fleischmenschen dieser Erde, und an dieser Erde selbst. Heute ist der Erde Donnerstag; bis zum Samstag in die Nacht nur werde Ich Mich noch auf diesem Sündenboden aufhalten und bis dahin noch heilen und annehmen, was zu heilen und anzunehmen ist. Nach Meinem schnellen Abzuge aber übergebe Ich diesen finsteren Boden Meinen mächtigen Friedensgeistern, und sie sollen darauf handeln nach ihrem Gutdünken. 15 Nun wirst du wohl einsehen, was für ein Unterschied da ist zwischen der reinen und somit guten, und zwischen der unreinen und somit schlechten Liebe. Ich aber sagte dir und sage es dir nun wieder, daß deine Liebe zu Mir rein und gut ist, weil du Mich Meiner Selbst willen liebst; daher ist deine Liebe denn auch gerecht vor Gott, und Gott überaus angenehm; denn also solle jede rechte Liebe geartet sein und solle nicht sein gleich einem Sauerteige der Pharisäer. 16 Wir sind nun bei dieser Gelegenheit aber auch auf die Höhe dieses Berges gelangt und siehe, dort vorne unter den Bäumen lagern deine Jünger und Jüngerinnen. Gehe hin und sage ihnen, daß Ich und der frühere Bote da seien, um sie vollends zu erheben zum ewigen Leben, in Folge der puren Gnade des Herrn!« Kapitel 269 Maria staunt über die Macht und Weisheit dieses Boten. Vom argen Wucher mit Lebensmitteln. Das blinde Herz ist verständiger als der gebildete Verstand. Der große Segen für die beseligten Armen. Deren Lobgebet und Dankgebet 1 Sagt die Maria: »O Freund! Du mußt schon ein ungeheuer mächtiger Freund des Herrn sein, daß dir eine solche Gewalt eingeräumt ist! Auch ist deine Art zu reden und zu belehren ganz die des Herrn; nur kommst du mir etwas strenger vor, als es der Herr Selbst sein dürfte. Der sonach mit dir gut abkommt, der kommt sicher auch mit dem Herrn gut ab. Aber so strenge und genau scheinst du mir denn doch wieder nicht zu sein, als wie strenge da ist dein Freund, der mich ehedem ihm gar nicht folgen ließ, weil er dazu kein Gebot erhielt.« 2 Sage Ich: »Woher hältst du Mich denn für strenger als den Herrn Selbst?« – Sagt die Maria: »Weil Du gewisserart ein ordentliches Vergnügen zu haben scheinst, die ganze Erde in Kürze in Staub und Asche vor Dir zu sehen. Strafe die reichen Wucherer und hilf im Namen des Herrn den Armen, und die Erde wird sich wieder gut gestalten.« – Sage Ich: »Ja, ja, also wird es auch geschehen; du sollst recht haben! Diesmal wird über die Wucherer ein Gericht ergehen. Diese Erdmäuse und Maulwürfe der Erde sollen alle durch eine Flut des Gotteszornes, der über sie ausgegossen wird, ersäufet werden, inmitten ihrer betrügerischen nächtlichen Machinationen. 3 O du, Meine Geliebte! Ich vernehme gar wohl die Klagen und das Weinen der Armut; Ich sehe, wie der Bäcker und der Müller geheim um vieles wohlfeileres Getreide aus dem benachbarten Lande an sich kaufen und deshalb aber dennoch ihr Brot nicht um ein Lot ergiebiger machen. Ich sehe, wie die allergewissenlosesten Fleischer dem Landmanne das Schlachtvieh bis zu einem Spottpreise herabdrücken und beim Kaufe sich in einem Tage tausendmal selbst verdammen und verfluchen, so sie einen Kreuzer gewännen. Ja, sie stellen sich, als ob sie schon am nächsten Tage zu Bettlern würden; sie bitten auch den Verkäufer um etwas Essen, indem sie nicht so viel gewännen, um sich einen Löffel Suppe kaufen zu können. Sie kaufen den Ochsen nicht selten um einen solchen Preis, daß ihnen das Pfund Fleisch nicht höher als auf vier, höchsten fünf Kreuzer zu stehen kommen kann und verkaufen nachher in der Stadt, wo die Armut am größten ist, das Pfund um zwölf Kreuzer. Meine liebe Maria! das ist ein himmelschreiender Wucher. Und siehe, so tun nun fast alle, die nun mit Lebensmitteln handeln. 4 Andere Reiche, die sonst noch die Armen und Dürftigen unterstützten, ziehen sich auch mehr und mehr zurück und suchen sich einzuschränken, so viel sie das nur immer können; aber alle diese leben gut; nur die Armen müssen all' das Elend, das rein nur die Wucherer erzeugen, zehnfach empfinden. Sieh, das wird den lange schlafenden Zorn Gottes in der Kürze erwecken und ein namenloses Gericht über alle Wechsler, Mäkler, Holzwucherer und Nährmittelwucherer, und auch über alle Reichen, die über die Not und Gebühr sich vor ihren armen Brüdern einschränken oder ihnen gar ihr Herz und Haus gänzlich verschließen. Ich sage dir, diesmal solle es also kommen, daß die Armen Gott preisen werden, und die Reichen aber fluchen allem, das ihnen entgegenkommen wird; aber das wird ihnen nichts helfen!« 5 Sagt die Maria: »Aber liebster Freud! woher weißt Du denn das so genau und sogar auch das, was der Herr tun wird? Bist Du denn gar so erfüllt von dem Geiste Gottes, daß Du alles das gerade so weißt, als wenn Du der Herr Selbst wärest?« – Sage Ich: »Nun, nun, jetzt gehe nur hin zu deinen Jüngern und berufe sie hierher, auf daß wir mit ihnen einmal in die volle Ordnung kommen.« 6 Nun geht die Maria hin und beruft die vielen Jünger sagend: »Meine lieben Brüder und Schwestern! Der Herr hat unser Flehen erhört und hat Boten aus den Himmeln an uns gesandt, auf daß sie uns weiter hinführen möchten in die Gefilde des Lichtes, des Lebens und der Wahrheit in Gott, Der das ewige Endziel aller unserer Bestrebungen und Mühen ist, und unsere Liebe für ewig! Erhebet euch alle und ziehet mit mir hin zu den zwei Boten!« 7 Alles frohlockt und zieht in guter Ordnung hin zu Mir und stellt sich in einem weiten Kreise in siebenfacher Reihe auf. Die Maria aber kommt wieder zu Mir und sagt: »Freund! siehe, da sind alle und es ist meines Wissens niemand darunter, der da nicht angetan wäre mit einem hochzeitlichen Gewande, und alle fühlen und denken so wie ich. So gut ich es verstand, habe ich sie auch unterrichtet und geführt bis hierher. Sie weiter zu führen wäre mir unmöglich, da mir fernerhin kein Weg mehr bekannt ist. Du bist erfüllt von der Liebe und der Kraft des Herrn so, daß mich die Liebe zu Dir verzehrt. O so lasse uns auch von der Überfülle der Liebe des Herrn zu Seinen Kindern, die Du in überschwenglicher Fülle in Dir birgst, in gnädigem Maße zukommen, und enthülle uns den heiligen Willen des Herrn, auf daß wir wissen und erkennen möchten, was uns für fernerhin zu tun übrig bleiben wird.« 8 Sage Ich: »Meine Liebe! Die Zeit drängt; der Donnerstag geht zu Ende, denn der Erde Sonne hat schon lange den abendlichen Horizont verlassen; daher werde Ich euch auch in aller Kürze dartun, woran ihr seid und was künftighin euer Geschäft sein wird; und so höret Mich denn: – 9 Der Herr, Den du so sehr liebst, Der nun dein alles ist, Den zu lieben aber du dich nun zwingen mußt, weil dein Herz Mich erfaßt hat, und Mich auch nimmer auslassen will und kann, bin eben – Ich Selbst! Hier sinkt die Maria auf ihre Knie. Und euer Geschäft ist, daß ihr Mir nun folget auf jenen Hügel dort nach Osten, allwo viele unser harren. Dort werdet ihr gesegnet und gestärkt werden mit Meiner Liebe, Gnade, Kraft und Macht!« Am 24. Oktober 1850 10 Nach diesen Meinen Worten erholt sich die Maria ein wenig, richtet ihr Haupt empor und sagt mit liebegebrochenem Herzen: »Herr! Herr! Mein Gott, mein Vater! Jetzt erst begreife ich es, warum mein Herz nur für Dich also glühend ward; und als ich mittels meines Verstandes mich bemühte, das Herz zu Gott hin zu wenden, so war das Herz in sich verständiger als meine Sehe, und wollte von Dir nimmer ablassen. O darum sollen die Menschen auch stets mehr auf die rechte Bildung ihres Herzens als auf die ihres Verstandes halten; denn so das Herz in seiner Blindheit schon mehr sieht, als der gebildetste Verstand mit offenen Augen am hellen Mittage; was würde dann erst ein wohlgebildetes Herz alles zu schauen imstande sein! O Herr, Du ewige Liebe, Du Liebe der Liebe meines Herzens! Vergib es der großen Blindheit meines Verstandes, daß ich Dich nicht erkannt habe mit meiner Sehe, da Dich doch mein blindes Herz so leicht und so bald erkannt hat, als es Deine Nähe gewahrte!« 11 Sage Ich: »Sei nur ruhig, Meine liebe Maria! es ist nun schon alles in der besten und schönsten Ordnung. Stehe aber auf und sage deinen Jüngern, daß sie uns folgen sollen.« Maria erhebt sich nun sogleich mit dem von aller Freude und Liebe erfülltesten Herzen und gibt Meinen Willen schnell ihren Jüngern kund. Diese fallen alle auf ihre Angesichter und erheben ein starkes Lobgeschrei; die Maria aber redet sie sehr weise an, und sie horchen auf ihre Stimme, erheben sich vom Boden und sagen: »Heiliger Vater! sieh uns gnädig an und nimm uns als die allergeringsten Deiner Diener auf!« 12 Sage Ich: »Aller und jeder Friede sei mit euch! Eure Sorge ruht auf Meinen Schultern und Meine Gnade und Liebe sei euer Leben ewig! Das aber sei euer Geschäft, daß ihr Mich liebet! und alle eure Brüder und Schwestern wie euch selbst! Denn Mein Gesetz für die Erde ist auch ein Gesetz für alle Himmel! Nun aber folget Mir; ihr wisset schon wohin!« 13 Nun erheben sich alle und folgen Mir. – In wenigen Minuten sind wir an dem bekannten Punkte und werden von allen hoch begrüßt. Als wir alle am Rainerkogel uns befinden und diesen Punkt nun freilich bis in die Ebene herab einnehmen, segne Ich alle diese Neugewonnenen und lasse durch Robert ihnen das wahrhaftige Brot und den wahren Wein aus den Himmeln verabreichen. Alles, was nun mit Mir auf dieser Höhe sich befindet, wird nun sehr rührig und bedient diese neuen Ankömmlinge. 14 Als alle gesättigt sind, da erheben sie wieder einen Lob- und Dankgesang, der sich bis zum Aufgange des Freitages erhält. Beim Aufgange der irdischen Sonne aber versinken alle die Neuangekommenen in eine tiefe Andacht und beten zu Mir in der Tiefe ihrer Herzen und hören mit diesem schönen Beten erst gegen Mittag auf, in welcher Zeit eine beinahe zahllose Menge von lauter Mönchen aller Art von allen Seiten her sich dem Hügel zu nahen beginnt. Kapitel 270 Große Scharen finsterer Mönchsgeister. Die drei Anführer. Disputation über die Dreieinigkeit. Der Herr verliest den Schwarzen die Leviten. Judas ein Heiliger 1 Hier fragt Mich die fest neben Mir im bekannten Baumrondo sich befindende Marie, was denn nun dies bedeute und wer diese zahllos vielen schwarzen Wesen seien. Ich aber sage ihr: »Weißt du denn nicht, wie geschrieben steht: Wo das Aas ist, da auch sammeln sich die Adler! Denn diese suchen in Mir nicht, was du gesucht hast; sie wissen aber, daß Ich hier bin, aber für sie bin Ich nicht, was Ich für dich bin. Für diese bin Ich gerade das Gegenteil; Ich bin ihnen ein Widerchrist, ein Oberster aller Ketzerei; daher suchen sie Mich zu umringen und so es möglich wäre, gänzlich zu verderben. Ich wäre ihnen also ein wohlschmeckendes Aas für den bösen Magen ihres Grimmes und ihrer Herrschwut. 2 Aber es ist schon gesorgt für ihre Unterkunft; sieh' empor, und du wirst große mächtige Scharen entdecken; das sind die Friedensengel; diese werden diese schwarze Brut fangen, knebeln und binden und ihre Wut sehr abkühlen. O das ist eine böse verstockte Rotte. Diese muß erst ganz zur Ruhe gewiesen werden; bei der werden noch gar viele Jahrhunderte vonnöten sein, bis es unter ihrem Dache zu dämmern anfangen wird. Fürchte dich aber nicht, sie werden uns nicht in die Nähe zu kommen imstande sein!« 3 Sagt die Maria: »O Herr! o Vater! es werden ihrer ja von Minute zu Minute mehr; das Firmament wird schon ganz dunkel; von der irdischen Sonne ist keine Spur mehr zu gewahren und doch steigen an allen Seiten gleich unheilschwere Gewitterwolken auf. Man kann ja beinahe keine Gestalt mehr ausnehmen. Wie viele Trillionen mögen ihrer denn sein?« – 4 Sage Ich: »O was fällt dir ein! Trillionen?! Wann die ganze Erde zu Menschen umstaltet würde, so gäbe das erst kaum deine große Zahl ab. Daß hier zwar sehr viele böse Geister beisammen sind, ist allerdings wahr; aber wo sind die Trillionen, und wo ist dagegen dieser Argen ihre ungeheuer kleine Zahl von etlichen Siebzigtausend? Über ihnen aber stehen wohl über eine Million Friedensgeister, die mit diesem Gesindel in einigen Erdtagen vollends in der Ordnung sein werden. Die Friedensgeister könnten zwar auch in einem Augenblicke mit diesem Gesindel fertig werden; aber das darf wegen der Ordnung nicht geschehen, der zufolge jeder Geist, mag er gut oder böse sein, im Gebrauche seines freien Willens nicht gehemmt werden darf. 5 Es gibt viele unter diesen Geistern, die etwas besser sind als die größere Zahl, und die nur so mehr im allgemeinen Schwalle mitgerissen wurden, wie es auch bei Aufständen auf der Erde zu sein und zu geschehen pflegt, wie auch in einem aufständischen Haufen, so er aus tausend Köpfen besteht, es sicher wenigstens vierhundert darunter gibt, die durchaus keine Absicht haben, etwas Arges zu tun. – Dieser also nicht gar sehr bösgesinnten Geister wegen, da sie noch geeignet sind, irgend eine Belehrung anzunehmen, muß die Gefangennehmung der eigentlich Argen nicht auf einmal, sondern nur sukzessive geschehen und wird daher sicherlich auch für die Erdmenschen in Gestalt von Wolken, Schnee und Regen wohl einige Tage andauern. Die allerärgsten werden freilich wohl beinahe auf einmal zusammengepackt werden, aber mit den weniger Argen wird es dann schon weiliger (langsamer) vor sich gegangen werden. 6 Da sieh' hin gen Mittag! Drei Abgeordnete kommen zu uns; es sind drei alte Karmeliter. Wir werden sehen, was die von uns begehren werden. Aber das merket euch: Außer Mir, Paulus, Johannes und Petrus, die hier neben Mir stehen, darf niemand ein Wort mit ihnen verlieren, weil da noch niemand so stark ist, daß er es aushielte vor diesen; eher vor dem Satan als vor diesen, weil der Satan schon oft bitterst gewitziget wurde, diese aber nie. Sie werden sehr weise tun; aber wir haben für ihre Hacke schon einen rechten Stiel. Sie sind uns schon ganz nahe; daher heißt es sich nun zusammenfassen!« 7 In diesem Augenblicke stellen sich die drei ganz keck vor Mich hin und fragen Mich mit höhnendem Tone, wer Ich wäre; Ich aber entgegne ihnen: »Ich bin gerade das, was ihr nicht seid. Nun aber frage Ich euch, wer ihr seid, und was ihr so kecken und frechen Willens hier suchet und wollet?« – Sagen die drei: »Wie sind hier zu erforschen, welcher Religion du bist und dein ganzes Gesindel zusammen. Und somit stellen wir die Frage, ob du an einen dreieinigen Gott glaubst und an Seine alleinseligmachende, heilige, apostolische und somit katholische Kirche unter dem Oberhaupte, dem römischen Papste?« 8 Sage Ich: »Was ist das: der dreieinige Gott?« – Sagen die drei: »So du das nicht weißt, so ist es mit dir eo ipso schon gar. Weißt du denn nicht, daß Gott aus drei Personen besteht! Nämlich aus dem Vater, aus dem Sohne, und aus dem aus beiden zugleich hervorgehenden heiligen Geiste!« – Sage Ich: »O ja, das weiß Ich wohl, daß ihr solchen Glaubens seid. Ich und diese alle aber halten gerade das Gegenteil für die Wahrheit. Wir halten dafür, wie es auch ist, daß Gott nur eine einzige Person ist, welche Person aber in sich Selbst eigentlich sozusagen aus drei Göttern besteht. Tres in uno!« Schreien die drei: »Ketzer, Ketzer, Ketzer !!!« – Am 26. Oktober 1850 9 Sage Ich: »Warum solle denn das eine Ketzerei sein? Ist ja doch der Mensch selbst, als nach dem Ebenmaße Gottes geschaffen, eine solche Dreieinigkeit in einer und derselben Person. Hat er nicht einen Leib, der da ausmachet seine äußere Form; eine Seele, die diese Form und deren Organismus belebt und endlich in der Seele einen göttlichen Geist, der der Seele gibt den Verstand, den Willen und jegliche Kraft! Würdet ihr es nicht dumm finden und die Sache als eine allerkrasseste Narrheit bezeichnen, so da herkämen drei Menschen und würden vor euch auf Leben und Tod behaupten, daß sie ganz vollkommen nur ein Mensch seien, obschon ein jeder aus ihnen eine ganz seinen Talenten entsprechende eigentümliche Verrichtung vollzöge, von welcher der Zweite und der Dritte keine besondere Kenntnis hätte und auch die Fähigkeit nicht, sie zu vollziehen in irgend einer Tat? So ihr aber eine solche Behauptung von Seite dreier bornierter Menschen als im höchsten Grade dumm finden müßtet, wie kommt es hernach, daß ihr eine solche allerschreiendste Torheit der unendlich weisen Gottheit aufbürdet? Würde euch nicht sogar das Tierreich auslachen und als Wahnsinnige aller Wahnsinnigen erklären, so ihr die Gottheit, vorausgesetzt, daß ihr an eine glaubet, des Wahnsinnes und der Torheit verdächtigen möchtet mit Worten und Lehren? 10 Wie ist es aber, so ihr saget und lehret: »Gott ist die höchste und tiefste Weisheit Selbst,« – stellet aber Seine Wesenheit unter dem Bilde des allerdicksten Wahnsinns euren Jüngern und euch selbst vor, und machet auf diese Weise aus der Gottheit ein derartiges Unding, an das wohl nur die Blindheit der Wiege glauben kann; jedem Denker muß es aber in kurzer Zeit zum barsten Ekel werden. 11 Was seid aber dann ihr? frage Ich, die ihr also eure Glaubensgenossen die Gottheit erkennen lehret, wie sie ewig nie bestanden ist und auch ewig nie bestehen wird? Sehet, gerade ihr selbst seid dadurch die ärgsten Gottesleugner! Denn der mit Feuer und Schwert einen Gott lehret, wie es nie einen Gott geben kann, und hindert gewaltsam Millionen an der rechten Erkenntnis Gottes, der ist kein Diener im Weinberge Gottes, sondern nur ein feiler Knecht Satans und hilft ihm verderben die grünen Saaten und bereiten Stoppelfelder und Wüsten, auf denen nichts denn Dornen und Disteln vorkommen. 12 Wer aus euch hat je Gott gesehen und mit Ihm gesprochen? Oder wer aus euch kann mit gutem Gewissen sagen, daß er von Gott belehrt worden ist? Ja, ihr habet wohl das Wort Gottes gelesen, habet es aber verdreht und daraus gemacht, was ihr gewollt habet, daß es dann taugete für euren unersättlichen Geldbeutel, und das ist nun eure Nacht. Judas verriet nur einmal den Herrn, weil er sich vom Satan hatte überwältigen lassen, und dieser fuhr in seinen Bauch und tötete ihn. Ich aber frage euch: Ein wie großer Heiliger ist wohl Judas euch gegenüber, die ihr Gott tagtäglich vor aller Welt hundertmal verrietet und verleugnetet? Ihr alle habet den Judas in die Hölle gesetzt, der Mich doch nur einmal verriet und bald darauf die brennendste Reue empfand; wohin solle Ich denn euch dann setzen, ihr Millionenverräter Gottes. Ihr hießet Mich einen Ketzer, wer seid denn dann ihr millionfachen Gottesverräter und Gottesleugner? Was wollet ihr hier?« – 13 Auf diese Meine Rede fangen die drei sehr zu stutzen an und keiner weiß dem anderen Bescheid zu geben. Sie betrachten Mich vom Kopfe bis zum kleinen Zehe, und kennen sich nicht aus, und wissen nicht was sie aus Mir machen sollen, denn Meine Worte kommen ihnen vor wie glühende Pfeile und sie erkennen darinnen die tiefe Weisheit. Kapitel 271 Die ersten drei erwachen. Die zweiten drei (Doktoren der Theologie) kommen in noch schärfere Lichtbeize. Der Herr weist sie von sich und preiset Seine armen Brüder! Der drei ersten energische Anrede an die zweiten drei; deren Gnadenschrei aus Furcht, danach ihre Probearbeit 1 Es kommen aber in diesem Momente noch drei andere Geister zu diesen und fragen diese, was sie denn so lange hier macheten. 2 Die drei ersten aber sagen: »Wir behorchten die Weisheit dieses vor uns stehenden Mannes. Seine Worte drangen wie glühende Pfeile in unsere Herzen und wir erkennen, daß in diesem Manne die Wahrheit ist, bei der wir verbleiben wollen. Ihr möget tun, was ihr wollet; wir aber werden bleiben bei und in dieser Wahrheit.« – Die anderen drei aber fragen: »Wie lautet denn diese?« – Und die ersten drei sagen: »Hier steht Er vor euch, der die Wahrheit also geredet hat, wir sind nicht berufen sie euch zu verkünden. Fraget Ihn darum!« – 3 Die drei Neuangelangten wenden sich an Mich und sagen: »Wie lautet denn hernach Deine Wahrheit, von der diese unsere drei Brüder gar so durchdrungen sind?« Sage Ich: »Es heißt in der Schrift: Jetzt ergeht das Gericht über die Welt, und der Fürst dieser Welt wird ausgestoßen werden. Verstehet ihr diese Worte?« – 4 Sagen die drei: »Was gehen uns die Fürsten der Welt mehr an? Wir sind Geister und haben mit der dummen Welt nichts mehr zu tun. Ein Fürst oder tausend Fürsten der Welt können alle Tage gerichtet werden, das ist uns gleich. Wir haben erst dann mit ihnen so manches zu tun, so sie in unser Reich kommen. Wir wollten nur jene Wahrheit aus Deinem Munde erfahren, die Du unseren drei Brüdern kund getan hast. Bibeltexte kennen wir selbst genug und verstehen sie auch, da wir Doktores der Theologie sind.« 5 Sage Ich: »Verstündet ihr die Schrift nach der Wahrheit, so würdet ihr Mich erkennen, denn Ich Selbst bin die Wahrheit und das Leben aus der Wahrheit; aber da in euch keine Wahrheit ist, so erkennet ihr Mich auch nicht und würdet daher auch nicht fassen, was Ich euch enthüllete aus der Wahrheit. Ihr selbst aber seid eben des Fürsten der Welt, des Vaters der Lüge, des Betruges und des Hochmutes. Über diesen Fürsten und über alle seines Hauses aber ist gekommen und kommt noch stets ein Gericht. Daher ist denn auch ein jeder, der in seinem Herzen der Welt dient, in ihrem Gerichte und wird hinausgestoßen werden in die äußerste Finsternis. 6 Entfernet euch daher, ihr Kinder der Welt, von Mir! und suchet euch euren Gott, dem ihr gedient habet mit Leib, Seele und Geist; denn für Mich seid ihr Fremde und Ich habe euch noch nie erkannt. Ihr waret Diener um's Geld; auch nicht drei Worte habet ihr je gebetet aus innerem Antriebe der Liebe zu Gott. Jedes Paternoster mußte euch bezahlt werden; und jedes Begräbnis als ein sein sollender Liebesdienst an einem Bruder mußte euch teuer bezahlt werden, und jede Messe, die ihr für den höchsten und Gott wohlgefälligsten Dienst hieltet und jedermann das zu glauben und zu halten mit Feuer und Schwert aufdranget, mußte euch klassenmäßig sogar teuer bezahlt werden. Dadurch aber habet ihr euch schon lange selbst euren Lohn genommen und habet sonach hier keinen mehr zu erwarten! Entfernet euch daher! Meine Zeit geht auf die Neige für diese Welt, denn sie achtet nicht auf Meine Stimme mehr und Meine Knechte sind ihr eine Last und ein Dorn im Auge geworden, und die Welt möchte sie weit entfernt von sich wissen! – 7 O Meine auf der Welt armen Brüder! Klaget nicht! Die Zeit ist gekommen zu eurem und Meinem Jubel. Von nun an sollet ihr auch auf der Erde reich werden an allem. Dafür aber werden arm werden die harten Reichen! und so sie dann eine große Klage und ein starkes Geheul erheben werden, da werde Ich sie nicht anhören; und so sie kommen werden zu Meinen Knechten, da werden diese sagen: Was sind wir euch schuldig? Und die Klagenden werden sagen: Dies und jenes. Da werden ihnen Meine Knechte bezahlen die Schuld und dann hinter sich verschließen die Türe, durch die dann niemand hinein gelassen wird; denn die Türe in die Wohnung Meiner Knechte ist auch zugleich eine Pforte in Mein Reich! 8 Wahrlich sage Ich euch: Vor den Fremden werden sie die Wohnung offen halten, aber vor den heimischen Brüdern wird sie verschlossen sein! Ihr seid auch die Heimischen, aber die Pforte wird euch nicht aufgetan werden; denn ihr habet euch allezeit nur um das gesorgt, was der Welt war und noch ist. Das Reich Gottes war für euch nichts, darum lebet denn nun auch von dem, was euch die Welt bietet. – Große Kapitalien Geldes habet ihr euch gesammelt, und eure Sorge war, diese stets zu vergrößern. Ging's mit den Kursen und Zinsen irgendwo nicht nach Wunsch, so habet ihr Zeter geschrien, euch beschränket und alle eure ohnehin mageren Wohltaten an die Armen eingestellt, und habet dann strenge Buße gepredigt, und die Gläubigen zu reichen Opfern aufgefordert, und eure gläubigen Schuldner mit Exekutionen (Vollstreckungen) überhäuft. 9 Eure Sorge war daher ganz nur die Welt; sie solle euch den Lohn geben, den ihr euch dort zu bereiten strebtet. Ja, der Welt Gericht solle auch das eurige sein! Den Lohn; den nun alle Welt breit und weit ernten wird in bälde, sollet auch ihr ernten! Und alle noch auf der Welt Lebenden sollen ihn mit euch ernten; ob sie Geistliche oder Weltliche seien, das ist Mir eins. Wer für die Motten und Würmer gesorgt hat, der solle seinen Lohn auch eben bei den Motten und Würmern suchen. Wer für seine irdischen Kinder gesorgt hat, der solle den Lohn auch bei den Kindern wieder nehmen, wann er und seine Kinder am Hungertuche nagen werden. Wer für seine Verwandten gesorgt hat, der solle es nur von den Verwandten wieder nehmen. Wahrlich, wer nicht für Meine auf der Welt armen Brüder und Schwestern mit Eifer gesorgt hat, der hat seinen Lohn schon dahin und hat bei Mir keinen mehr zu gewärtigen. Ihr drei aber seid solcher Art; daher habet ihr bei Mir nichts mehr zu suchen und zu bekommen. Entfernet euch daher von Mir; denn euch kenne Ich nicht!« Am 28. Oktober 1850 11 Sagen die drei ersten mit sehr geängstigter Stimme: »Ihr Toren voll Blindheit! Was forschet und was redet ihr? Sehet ihr denn nicht, daß dies der Herr Himmels und der Erde selbst ist, Der euch soeben traurig genug von Sich wies? Wie wollet ihr dem Allmächtigen drohen? O ihr elenden Toren, was wollet ihr tun? Seid ihr nicht sämtlich in Seiner allmächtigen Hand? Was wollet ihr tun, ihr Toren? Euer Sein sind ja Seine Gedanken, so Er euch in Seinen Gedanken fallen läßt, wer wird euch dann ein Sein und einen Bestand geben? In dem Momente, als Er euch fallen läßt, seid ihr ja auch schon nicht mehr. O ihr Toren! Was wollet ihr tun? Er, dessen leisester Hauch schon zahllosen Myriaden von Welten und Engeln gebietet, ist alles in allem. Er ist die Urmacht aller Mächte, die Urkraft aller Kräfte, und ihr waget es, vor Ihm eine Drohung auszusprechen! Anstatt daß ihr vor Ihm sogleich auf die Knie niedergefallen wäret und mit dem reuigsten und zerknirschtesten Herzen sagtet: 12 O Herr, sänftige Deinen gerechten Zorn gegen uns und sei uns armen Sündern gnädig und barmherzig, denn wir haben auf der Erde sehr viel Arges angerichtet! Vergib es uns, denn daselbst waren wir stockblind; nun wir aber sehend geworden sind und solches einsehen und erkennen, so können wir nun nichts tun, als uns an Deine Milde, Gnade und Erbarmung wenden. Waren wir auch selbst sehr unbarmherzig gegen alle unsere Brüder, so sei aber doch Du barmherziger gegen uns, denn Du, o Herr, weißt es ja, wie sehr dumm und blind wir waren! Sehet, also sollet ihr tun und reden, nicht aber drohen dem Allmächtigen ins Angesicht! Was wird es Ihm denn sein, daß Er euch verderben ließe? Werdet ihr Nichtse euch je an Ihm rächen können? Wer wird Ihn zur Verantwortung ziehen, so Er euch in die Hölle tausendfältig verdammet?« 13 Hier fallen die zweiten drei bebend vor Mir nieder, und fangen ganz jämmerlich zu heulen an und bitten um Gnade und Erbarmen. Ich aber sage zu ihnen: »Erhebet euch; denn es ziemt sich nicht für Teufel, daß sie also heulen und beten aus einem Herzen, in dem keine Liebe wohnt. Tätet ihr das, was ihr nun tut, aus Liebe, anstatt aus Furcht, so sollte die Hilfe für euch nicht unterwegs bleiben; aber da euch dazu nur die Furcht vor der Strafe treibt, so hat euer Geheul vor Mir keinen Wert. – »Der zu Mir den Weg durch die Liebe nicht findet, der kommt auch nicht zu Mir und hätte er auch die Weisheit aller Engel.« – 14 Gehet aber hin zu eurer Schar, saget ihr, was ihr gehört und gesehen habt, und Ich werde euch dann geben nach solchem eurem Werke den Lohn, wie ihr ihn euch werdet verdient haben. Das aber sage Ich euch: Da es viele gibt in eurer Schar, die auf der Erde viel mit Weibern zu tun hatten und mit ihnen lebten, so ein Solcher euch hören wird und dann sagen: »Wartet, ich will mich zuvor mit meinem Weibe besprechen;« den lasset nicht mehr vor euch; denn wem das Wort seines Weibes mehr ist als das Meine, und der sein Weib nicht um Meines Namens willen verlassen kann, der ist Meiner ewig nicht wert; und wer da sagt: »Lasset mir Zeit, auf daß ich mich berate mit meinen Freunden;« den nehmet auch nicht mehr an, denn dem die Freunde mehr sind, denn Ich und der, den Ich sende, der ist Meiner nicht wert. Und so denn gehet nun; nach dem Maße eurer Ernte für Mich solle euch auch der Lohn werden.« Kapitel 272 Schwierige Mission der drei Doktoren der Theologie bei ihren schwarzen Scharen. Gleichnis vom Fernrohr. Einige Missionsregeln und Missionsschwierigkeiten. Der beste Weg 1 Nach diesen Meinen Worten entfernen sich nun die drei zweiten, zu ihrer großen Schar zurücckehrend und beginnen dort sogleich mit entschiedenem Ernste das ihnen gegebene Amt zu verwalten; aber sie finden durchgängig eine sehr schlechte Aufnahme. Fast alles fängt an zurückzugehen und verwünscht die Apostel. 2 Nur einige wenige sagen: »Ja, so wir das aus Seinem Munde vernähmen, dann ginge es mit unserer Glaubensänderung sicher besser vonstatten; aber so kommt die Sache uns eben doch sehr ketzerisch vor, und wir finden es zu gewagt, uns euch sogleich anzuschließen. Es liegt in eurer Aussage zwar sehr viele Konsequenz; es kommt da wirklich an auf eins, zwei, und auf zwei, drei und so fort. Das sehen wir recht gut ein, aber die Sache an und für sich ist zu wenig orthodox und zu undogmatisch und kann vor dem Forum des Papstes nicht auftreten und noch weniger angenommen werden.« – 3 Sagen die drei Gesandten: »Sind wir denn etwa noch auf der Erde, wo der Papst das sichtbare Oberhaupt der Kirche ist oder wenigstens sein will und von vielen blinden Narren dafür gehalten wird, zu denen weiland auch wir gehörten? Wir leben nun ja schon eine geraume Zeit in der Geisterwelt und wir kennen kein Dogma, das an uns die Forderung stellete, den Papst auch nach dem Leibestode in der Geisterwelt als das Oberhaupt der Christenheit anzusehen. Es genügt, daß wir uns auf der Erde vom Papste haben breitschlagen und blauschlagen lassen. Hier hat der Papst ein Ende und wir gehören allein Gott, dem Herrn Jesus Christus, an. Dem aber wird es etwa doch freistehen, für die Geister an Seiner irdischen Lehre so manches zu ändern und den einzelnen Lehren eine ganz andere Exegese zu geben, indem Geist und Materie denn doch sehr stark zweierlei sind. Oder meinet ihr denn etwa doch im Ernste, daß sich Christus der Herr auch hier in Seinem Reiche den dummen und selbstsüchtigen Anordnungen eines Papstes unterziehen wird? Wahrlich, mit solch einer allerwahnsinnigsten Meinung wäret ihr doch auf dem allervermodersten Holzwege!« 4 Auf diese ganz energisch gehaltene Rede fangen mehrere hinter den Ohren sich sehr stark zu kratzen an und sagen: »Bei Gott, ihr redet keine leeren Worte; da ist etwas daran; aber habet eine kleine Geduld, wir wollen uns zuvor mit unseren Weibern und Freunden besprechen und beraten und sehen, was diese dazu sagen werden.« – Sagen die drei: »Dann fahret nur ab, denn so euch am Rate eurer Weiber und Freunde mehr gelegen ist, als an der Wahrheit Gottes, da seid ihr Gottes auch nicht wert und könnet daher euer künftiges Wohl auch bei euren Weibern und Freunden suchen; aber von Gott werdet ihr keines zu erhoffen haben.« Am 30. Oktober 1850 5 Sagen die sich Entschuldigenden: »Aber unsere Weiber, die wir freilich erst in der Geisterwelt uns genommen haben, weil uns auf der Welt der über alle menschlichen Begriffe dumme Zölibat daran hinderte und unsere sonstigen Freunde – sind denn ja doch auch berufen, die Wahrheit zu vernehmen und also zur rechten Religion und zu einem lebendigen Glauben zu gelangen; wir gehen daher ja gerade nicht deshalb allein hin, um uns mit ihnen zu besprechen und zu beraten, sondern um sie vielmehr für die Wahrheit mit zu gewinnen.« – 6 Sage die drei Abgesandten: »Da muß zuvor die Wahrheit in euch sein und ihr müsset vollends ihr angehören; ist aber die Wahrheit noch lange nicht in euch, und könnet ihr derselben somit auch nicht angehören, wie wollet ihr dann eure ganz verkehrten Weiber und Freunde in die Wahrheit aus und in Gott führen und sie in ihr erhalten? – Sehet, alle Wahrheit gleicht einem Fernrohre mit einer tausendmaligen Vergößerung. Sieht man am rechten Orte durch dasselbe nach den Sternen, so werden die Sterne groß und hell erscheinen, und auf einem Flecke, da man mit freiem Auge nur einen einzigen kleinen Stern zu sehen wähnte, wird man einen sogenannten Nebelfleck in Millionen Sternlein aufgelöst erschauen. Sieht man aber durch dasselbe Fernrohr in verkehrter Art, d.h. technisch gesprochen, durch das Objektivglas, so entweichen alle Sterne in eine unermeßliche Tiefe zurück und das Auge des Beschauers gewahrt dann sogar von den Sternen erster Größe nichts mehr. Ja, sogar die große Sonne also verkehrt durch das Fernrohr gesehen, wird zu einem Schimmerpunkte in des Himmels Tiefe zurückgedrängt, daß dadurch ihr Licht und ihre Wärme tief unter alle Nullen zu stehen kommen wird. 7 So ihr aber nun euren Weibern und Freunden wollet durch bei euch selbst noch sehr verkehrte Fernrohre die Himmelslichter der ewigen Wahrheit erschauen lassen, da fraget euch selbst, was eure Weiber und Freunde zu sehen bekommen werden? Ihr seid also noch gleich den verkehrt gegen die Sterne des Himmels aufgestellten Fernrohre und niemand mag durch euch eine Wahrheit erschauen. Das große Licht der Sonne, das da gleichbedeutend ist mit dem ersten klaren Begriffe von Gott, wird bei euch sogestaltig noch sehr in Frage gestellt, ob es wohl die Sonne und nicht den Mond darstelle. Wie solle es dann bei euch mit den zahllosen anderen Lichtern aussehen, von denen ihr doch unmöglich bei euren bisherigen ganz verkehrten Betrachtungen eine Spur haben könnet? Ihr wisset nun, wie ihr stehet; tuet, was ihr wollet. Gehet! Ob ihr aber wiederkehren werdet, das ziehen wir in einen sehr starken Zweifel; denn wir kennen die Macht eurer Weiber über euch!« 8 Hier fangen die Entschuldiger noch mehr hinter den Ohren zu kratzen an und einer aus ihnen sagt: »Freunde, die reden wie ein Buch Gottes! Nicht mit einer Silbe könnte ich ihnen eine Einwendung machen. Wie wäre es denn, so wir hier blieben und ließen die drei zu unseren Weibern und Freunden hinziehen?« – Sagt ein anderer: »Da haben wir unsere Weiber ehedem zum letztenmale gesehen und gesprochen.« – Sagt der erste: »Und was liegt daran? Ein bißchen Hölle weniger um uns her kann uns doch nur eher nützen als schaden; denn für das bißchen schmutzigen Vergnügens, was uns unsere Weiber gewähren, finden wir bald irgend einen Ersatz. Ich bleibe einmal; wer noch?« – Sagt ein anderer: »Bruder! Wenn du bleibst, da bleibe auch ich; und die anderen sollen machen, was sie wollen.« 9 Sagen die drei: »So ist es recht; niemandem einen Zwang in der Sache des Glaubens antun, den rechten Weg zeigen und die Gefahren des unrechten Weges auch; dann sich aber um niemanden mehr kümmern, sondern dafür lieber selbst am rechten Wege bleiben! Denn unseres Dafürhaltens (nach) ist es besser, selbst auf den Wegen des Lichtes und des Lebens zu wandeln, als Tausende auf den rechten Weg hinzudrängen, dabei aber selbst in den Pfützen und Morästen, wo man leicht versinken kann, herumzutaumeln und einen festen Grund dort zu suchen, wo es sicher keinen gibt. Wer etwas Schweres heben will, muß einen festen Boden zu allererst haben, sonst versinkt er samt der Last in den Boden; hat er aber einen festen Boden gefunden, so darf er sich nicht über eine größere Last wagen, als nur über eine solche, für die seine Kräfte ausreichen; sonst wird die Last ein Meister seiner Kräfte und er wird unterliegen; und wer endlich jemanden, der blind ist, führen will, der muß sehen; denn so ein Blinder den anderen führt, da werden gar bald beide in der Grube sich befinden. Was man geben will, das muß man zuvor selbst haben, sonst wird das Geben eine leere Maulmacherei und eine der lächerlichsten Lügen. Oder kann ein Weib dem anderen Weib eine Frucht erwecken? Weiber können wohl auch mit einander gäulen und Onanie treiben, aber mit der Frucht wird es ewig einen allernichtigsten Faden haben. So ihr also beide bleibet, da tut ihr wohl; aber bereden sollet ihr die anderen nicht, daß sie auch bleiben sollen.« 10 Die zwei bleiben nun, und die anderen gehen ab, um ihren Weibern und Freunden das zu vermelden, was sie nun gehört haben; aber sie kommen da sehr übel an; denn für's erste werden sie wegen ihres längeren Ausbleibens sehr hart zur Rede gestellt und weidlichst beschimpft und verlacht; und für's zweite werden sie mit geschickt gestellten Gegensätzen so bearbeitet, daß sie alles das, was sie von den dreien gehört hatten, alsbald selbst zu bezweifeln und zu belachen anfangen; und so ist ihr zweiter Zustand ärger, als da war ihr erster. 11 Zwei aber haben sie, das heist die drei, dennoch zu ihren Jüngern gemacht und sie fangen nun zu beraten an, wie sie es anstellen sollen, um auf die große Masse günstig einzuwirken. Der eine meint, Wunderwerke würden hier vielleicht am wirksamsten sich erweisen. Ein zweiter meint, Wunderwerke wären allerdings von keiner geringen Bedeutung und Wirkung, aber es werde dazu für's erste die Fähigkeit in hohem Grade dazu erfordert, solche in der großartigsten Form verüben zu können, und für's zweite gehörete dazu wohl die gewissenhafteste Redlichkeit und ein göttlich allerbester Wille, das Volk der niederen Geisterwelt nicht nur blenden und dadurch gewinnen, sondern rein nur belehren zu wollen. 12 Das ist aber eben etwas, was nach meinem unmaßgeblichen Dafürhalten nur der Gottheit allein möglich ist und sonst keinem geschaffenen Geiste, da ein jeder Geist beim Gelingen eines außerordentlichen Werkes sich für einen kleinen Gott zu halten anfängt oder wenigstens für erfüllt mit besonderen göttlichen Eigenschaften und darin liegt eben der erste Keim des Hochmutes und des darauf folgenden Verderbens, und dadurch wird dann ein Wunderwerk an der Stelle des Segens nur ein bares Gericht, und das zwar zunächst für den, der es verübt hat, und darauf auch für jene, die durch so ein Wunderwerk sowohl in ihrem Erkennen wie in ihrem Wollen breitgeschlagen worden sind. 13 Sage einer aus uns, ob die freie Erkenntnis und das freie Wollen durch ein Wunderwerk nicht einen bei weitem größeren Schaden erleidet, als wie groß da ist der Nutzen, der für den Geist aus dem Wunderwerke hervorgeht; und endlich geht noch ein Nachteil aus jedem nicht von Gott Selbst verrichteten Wunderwerke für den geschaffenen Geist hervor, und dieser besteht für's erste in einer unersättlichen Spektakelsucht in stets außerordentlicheren Formen, und für's zweite die Gier, auch selbst Wunder wirken zu können, hinter welcher Gier aber schon wieder der verderbliche Hochmut weilt; denn der einmal ein Wundertäter ist, der ist damit gar nicht zufrieden, daß er ein Wundertäter ist, sondern er will oder möchte wenigstens ein unübertrefflicher Wundertäter sein, und das ist schon ein Kitzel des Hochmutes und somit verderben bringend und daher durchaus schlecht. Meine Freunde! so meine und erkenne ich es; es steht euch aber frei, die Sache auch anders auszubeuten, so ihr das imstande seid.« 14 Sagt ein dritter: »Bruder! wir teilen da ganz vollkommen deine Ansicht. Es ist also, wie du nun geredet hast; aber es fragt sich hier nur: Wie werden wir dieser großen Masse von Millionen mit der reinen Lehre von Gott und daraus über ihre wahre Anwendung zu imponieren imstande sein? Wodurch werden wir sie bewegen, das sie unseren Worten glauben, und uns danach folgen?« – 15 Sagt ein vierter: »Ich meine, wir bleiben ganz einfach nur bei der reinen Wahrheit in Wort und Tat. Wer sich danach richten will, der wird wohltun; wer sich aber danach nicht richten will oder das Wort gar nicht annimmt, der geht uns dann weiter auch in was immer gar nichts mehr an, und der Herr der Ewigkeit solle mit ihm dann tun, was Sein allmächtiger Wille für gut findet.« – 16 Sagt ein fünfter: »Uns aber ist der Lohn nur nach dem Maße des Werkes zugemessen. Wird unser Werk gering sein, so wird auch der Lohn sicher nicht um ein Haar größer und besser ausfallen.« – Sagt der vierte: »Ei, hole der Kuckuck den Lohn! Ich will das Gute des Guten wegen tun und nie eines wie immer gearteten Lohnes wegen. Kommt irgend ein Lohn am Ende heraus, so werde ich ihn ohne Taxirung, ob groß oder klein, dankbarst annehmen, aber als ein Motiv zu einer edlen Handlung solle und wird er mir nie dienen.« – 17 Sagen nun alle vier: »Das ist edel gedacht und sehr edel gesprochen. Bei dem solle es denn auch bei uns allen verbleiben für ewig. Also wollen wir von nun an auch samt und sämtlich handeln.« – Sagt der fünfte: »Aber wohl gemerkt, ohne uns darauf etwas einbilden zu wollen!« – 18 Sagen alle anderen vier: »Hole der Kuckuck alles, was nur immer Einbildung heißt! Wir tun, was da gut ist und recht, nur des Guten und des Rechten selbst willen, weil es also Gott Selbst so will, alles andere geht uns nichts an.« – 19 Auf solche Äußerung kommen sogleich bei etliche dreißig herbei und wollen erfahren, was denn für gar so Gutes und Rechtes diese Fünfe nun ihren Freunden auf eine gar so uneigennützige Weise erweisen wollen. Kapitel 273 Gute Missionsrede an die dreißig. Letztere glauben, doch sündenbeladen scheuen sie sich, vor den Herrn zu treten. Doch plötzlich ist Er da und vergibt ihnen. Bescheid an die drei. Der Sabbath und die neuen Gäste Am 1. November 1850 1 Die Fünfe aber merken wohl, was die dreißig herbei gezogen hat und sagen wie aus einem Munde: »Freunde! wir alle stehen in der Luft und unsere Füße haben keinen Grund. Wir haben wohl Füße; aber diese haben keine Unterlage und sind uns daher so wenig nützlich, als hätten wir keine. – Also haben wir auch Hände, aber es gibt für sie keine Arbeit. Wir haben Augen, mit denen wir sehen könnten, so wir wollten, aber wir legen die flachen Hände über die Augen und machen uns dadurch blind, auf daß wir ja nichts von all den Wundern erschauen mögen, die uns doch so reichlichst nach allen Seiten hin umgeben. Also haben wir auch sehr feine Ohren zum Hören; aber wir verstopfen sie, auf daß das Wort Gottes ja nicht eindringe in unsere Herzen und sie reinige und belebe für Gott. 2 Suchen wir daher zuerst einen festen Grund zu fassen für unsere Füße, welcher Grund da ist der Herr Jesus, der Christ Selbst, in dem rechten Verständnisse Seines Wortes. Haben wir auf diesem Grunde einmal unsere Füße festgestellt und uns auf demselben ordentlich wie heimisch zu bewegen angefangen, dann werden unsere Hände unsere Augen und Ohren vollauf zu tun bekommen und aus solcher Tätigkeit bald den größten Gewinn ziehen.« – 3 Sagen die dreißig: »Ja, wo ist denn hernach Jesus, der Christ, Der da sein solle Gott und Mensch zugleich? Zeiget uns Ihn, und wir wollen Ihn sogleich zu unserem alleinigen Lebensgrunde annehmen; aber da muß Er doch erst sein. Der Glaube an Ihn, ohne Ihn Selbst, ist eine eitle Sache. Wir haben es ja auf der Erde nur zu oft erfahren, wie schwer es geht, den Menschengeist in einem blinden Glauben zu erhalten. Macht es aber schon bei den unerfahrensten blinden Geistern große Schwierigkeiten, den Blindglauben aufrecht zu erhalten, um wie viel schwieriger ist es bei uns, die wir doch mit so vielen Erfahrungen bereichert in diese Welt eingewandert sind?! Also zeiget uns Christus und wir glauben euch dann alles.« 4 Sagen die fünf: "Sehet hinab dahier gleich vor uns auf die Erde; ihr werdet daselbst einen Hügel erblicken. Auf der Spitze dieses Hügels befindet sich nun der Herr Jesus Jehova Zebaoth Selbst in der Mitte einer großen überglücklichen Schar. Diese, sicher nichts anderes als Engelsgeister, spielen und schäckern um Ihn herum, als wenn sie schon ganz das wären, was Er Selbst ist. Sie drängen sich zu Ihm hin wie Kinder zu ihrem Vater, und Er redet und spielt gleichso mit ihnen, als wären sie lauter Brüder und Schwestern zu Ihm. Brüder! gehet hin und überzeuget euch, daß es also ist, und kommet wieder, sodann erst werden wir mit euch von der ferneren Weisheit Gottes zu reden imstande sein.« – 5 Sagen die dreißig: »Wie aber können wir gefahrlos dahin gelangen?« – Sagen die fünfe nun: »Auf dem Wege zum Herrn hin gibt es ewig keine Gefahren; wohl aber am Wege, der den Geist vom Herrn ableitet und entfernt; daher möget ihr euch ohne Scheu und Furcht hinbegeben. Habet ihr aber in der finstersten Nacht ferne vom Herrn eben nie noch eine Furcht gezeigt, wie solle sie euch übermannen können in der Nähe dessen, der euch das ewige Leben geben will, so ihr es nur annehmen wollet.« – 6 Sagen die dreißig: »Ja, ja, das wäre alles recht, so wir nur keine gar so groben Sünder wären, aber wir sind grobe Sünder, und da fragt es sich, wie wir als solche vor Ihm bestehen werden, so Er es wirklich sein solle?« – Sagen die fünf: »Wo sind denn die, die vor Gott sagen könnten: Herr, sieh' uns an, wir haben nie eine Sünde vor Dir begangen und sind deshalb ganz rein. Gib uns darum den verheißenen ewigen Lohn!« – 7 Sagen die dreißig: »Ja, ja, das ist wohl wahr, aber dessen ungeachtet hat es bei uns einen gewaltigen Hacken. Es gibt wohl viele, ja alle könnte man füglich sagen, die nun die größte Seligkeit bei Gott genießen und auf der Erde sicher nicht ganz sündenfrei gelebt und gewandelt haben; aber das waren dennoch für's erste sicher keine so groben Sünder wie wir, und für's zweite, so sie auch schon gesündigt haben, da haben sie dann sicher eine rechte Buße gewirkt und sind dadurch in den Zustand der heiligmachenden Gnade gelangt, in welchem Zustande sie dann natürlich wieder zu Freunden Gottes und dadurch auch selig geworden sind. Von dem allen aber war bei uns sozusagen der Wahrheit nach keine Spur. Wir sind alle mehr oder minder in unseren Sünden gestorben und haben als Geister noch hier in dieser Welt ohne Rast und Ruhe fleißig fortgesündigt. Jetzt aber sollen wir also mir und dir nichts vor den Herrn hintreten? Ach, das tut sich wohl in keinem Falle. 8 Wir wollen recht gern von euch lernen alle Sünde zu meiden und unser diesfälliges Geisterleben nach jener Ordnung und Norm einzurichten, wie es Gott, dem Herrn, wohlgefällig ist; aber in solchem unseren allersündigsten Zustande vor den Herrn hintreten, hieße geradezu allen unseren ohnehin allergröbsten Sünden die allergrößte Sünde der Vermessenheit hinzufügen, um dann desto eher und sicherer in die Hölle zu gelangen, aus der dann ewig keine Erlösung mehr zu erwarten ist. Nein, nein, Freunde, da ist nichts! Entweder ist jener Mensch dort auf des Hügels Spitze wirklich der Herr, wie ihr (es) uns gesagt habet; in dem Falle könnten wir doch sichtbarer und wohl begreiflicher Maßen unmöglich vor Ihn hintreten. Ist Er aber das nicht, was ihr uns von Ihm kundgetan habet, noch etwa auch nicht ein besonderer Freund des Herrn, da wäre unser Hintritt ohnehin ein vergeblicher. So wollen wir denn hier in eurer Gesellschaft verbleiben, bis wir uns möglicherweise einmal für würdiger fühlen werden, vor den Herrn alles Lebens hinzutreten.« – 9 Sagen die fünfe: »Eure Entschuldigung läßt sich hören und macht uns eine rechte Freude. Tuet, was ihr wollet; denn ihr seid frei, und wir haben nur ein Recht von Gott aus, nämlich zu belehren und zu raten, aber ja niemanden zu nötigen. Wir meinen aber, daß, so wir, die wir doch viel schlechter sind als der letzte Geist in der Nähe des Herrn, euch nicht verdammen eurer Sünden wegen, euch der Herr um so weniger verdammen wird, so ihr vor Ihm, wie hier vor uns, eure Schuld bekennet und Ihn um Vergebung derselben bittet.« – 10 Sagen die dreißig: »Ihr könnet uns leicht vergeben, da ihr für's erste unsere Sünden nicht kennet, und wir für's zweite gegen euch uns auch nie versündiget haben. Aber ganz anders ist es vor dem Herrn, Der für's erste unsere Sünden durch und durch kennt und dessen allergröbste Schuldner wir sind. Wenn auf der Welt jemand einem Gläubiger viel schuldet, so hat nur dieser allein ein Recht, die Schuld von ihm zu verlangen und zu sagen: Der Termin ist verstrichen, daher zahle mich, sonst lasse ich dich in den Schuldenarrest stecken, und es wird der Schuldner mit seinem Gläubiger durch Bitten und Flehen nicht wohl zurecht kommen, solange er die Schuld nicht abgetragen hat. Der Schuldner aber kann jedem anderen Menschen gegenüber ein recht achtbarer, angenehmer Mann sein, daß da wider ihn niemand eine Klage erheben wird, aber das hebt seine Schuld zu dem einen Gläubiger nicht auf, sein Recht bleibt. 11 Man kann freilich wohl annehmen, daß der Gläubiger aus Mitleid und Barmherzigkeit die ganze Schuld nachlassen kann, aber das ist pur ein Werk des guten Gläubigers, aber der Schuldner hat wenig Recht, solch eine edle Handlung wie immer oder unter was immer für einem Grunde und Namen zu verlangen. Er ist und bleibt so lange ein Schuldner, bis die Schuld abgetragen ist. Aus dem Grunde haben wir denn auch leicht reden mit euch; denn ihr seid unsere Gläubiger nicht. Der Herr aber steht uns mit einer ungeheuren Forderung vollrechtlichst gegenüber, daher es denn wohl auch um sehr vieles schwieriger sein dürfte, mit Ihm zu reden als mit euch, denen wir nie etwas schuldig waren.« 12 In diesem Augenblicke stehe Ich vor den dreißigen und zwar auf dem bekannten Hügel, auf den sie, ohne es zu gewahren, samt ihren Lehrern gezogen worden sind. Die dreißig erkennen mich sogleich und beben vor großer Angst zusammen. Ich aber sage zuerst zu den dreien: »Ihr habet eure Aufgabe gut gelöset im Kleinen, es solle euch deshalb ein mehreres anvertraut werden. Also seid auch ihr beide, die ihr euch zuerst den dreien angeschlossen habet, fähig, mit ihnen Meine Geschäfte im gleichen Maße zu besorgen. Ihr dreißig aber seid zwar wohl sehr starke Schuldner zu Mir und wir hätten vieles zu verrechnen miteinander, aber da ihr ganz treuherzig eure Schuld einbekannt habet, so erlasse Ich sie euch ganz. Gehet aber nun auch mit den Fünfen und bearbeitet Meinen Weinberg und Ich werde euch dann geben, was da des Rechtens sein wird. Seid ihr damit wohl ganz vollkommen zufrieden?« 13 Sagen die dreißig: »O Herr, Gott, Schöpfer und Vater aller Wesen! Wie endlos groß muß Deine Liebe und Erbarmung sein, daß Du uns arge Sünder sogar fragen magst, ob wir mit dem zufrieden seien, was Deine endloseste Gnade und Güte uns allerunverdientester Maßen bescheret? O Herr, o Du bester Vater! Wir sind schon damit zufrieden, daß Du uns nicht, wie wir es tausend und tausendmal verdient hätten, in die Hölle geworfen hast; wie sollten wir mit einer noch größeren Gnade, die Du, o heiligster Vater, uns willst zukommen lassen, nicht zufrieden sein? Für jeden Tautropfen auf unsere dürstenden Herzen Dir, o heiligster Vater, alle unsere Liebe, allen unseren Dank! Denn auch der Tautropfen rann aus Deiner Hand, o Du heiliger, allmächtiger Vater. Welch ein Lohn ist das schon! 14 Welche Welt, welche Sonne, ja welcher Himmel wiegt wohl den Wert auf, der für uns in dem besteht, daß unsere blöden und noch immer sterblichen Augen einmal Dich, o Du ewig, heiliger Vater, geschaut haben; und daß unsere Ohren vernommen haben den über alle Himmel erhabensten Klang Deiner Vaterstimme; daher, o heiligster Vater, ja keinen Lohn mehr für uns; denn wir sind schon jetzt so hoch belohnt, daß wir diesen hohen Lohn ewig nie durch all' unsere künftige Tätigkeit werden abdienen können. Wie sollen wir je auf noch irgend einen höheren Lohn einen Anspruch machen können? Wir würden ja jede Hoffnung für eine Todsünde halten. Gib, o Vater, uns nur das nötigste tägliche Brot und wir haben dann alles, was sich unsere Herzen nur immer wünschen können. Dein allein heiliger Wille geschehe!« 15 Sage Ich zu Robert: »Bruder! wenn solche Gäste zu uns kommen, dann darf es an Brot und Wein nicht fehlen. Geh' und bringe vom Brote und Weine ein rechtes Maß, auf daß sie alle gestärkt werden zu ihrem starken Amte; denn diese vielen Millionen sollen ihnen anvertraut sein, die nun schon über die meisten Länder der nördlichen Erde sich auszubreiten beginnen.« – 16 Robert schafft sogleich Brot und Wein herbei, und Ich Selbst teile es unter diese in allem 35 Personen aus. Mit dem dankerfülltesten Gemüte verzehren sie es und loben über die Maßen Meine große Güte, Liebe, Gnade und Erbarmung. – 17 Sage Ich: »Wahrlich, ein solcher Sünder, der wahre Buße im Herzen tut und sich demütiget, ist Mir um sehr vieles lieber, als 99 Gerechte, die der Buße zwar nicht bedürfen; denn der Gerechte ist gerecht aus Furcht, denn er scheuet sich zu stehlen (fehlen); der Sünder aber wird gerecht durch die Buße der Liebe zu Mir, und das ist Mir lieber um vieles.« – 18 Unter den tiefsten Lobpreisungen ziehen die Fünfundreißig nun wieder ab, geleitet von Meinem Segen, und machen sich voll Mutes an das ihnen anvertraute Werk. – Es treten aber auch die ersten Drei hin zu Mir in der allertiefsten Achtung und sagen: »Herr! auch wir, so Du uns für tüchtig ansähest, möchten in Deinem allmächtigen, heiligsten Namen zum Wohle unserer Brüder tätig sein. Wenn es Dein heiliger Wille wäre, so lasse uns nachziehen unseren Brüdern!« – 19 Sage Ich: »Meine Freunde! Ich meine, daß euch ja hier bei Mir auch nichts abgeht. Wartet nur! so Ich euch rufen werde, dann werdet ihr schon auch in Hülle und Fülle zu tun bekommen; jetzt aber haben wir auf diesem Hügel noch andere Dinge abzumachen. Der irdische Freitag (18. Oktober 1850) geht zu Ende und der Sabbath ist im Anzuge, und da wird es noch so manches zu schlichten geben. 20 Die fünfunddreißig Boten beginnen die Hände an ihr Werk zu legen, es wird deshalb auch schon sehr unruhig in den Regionen des unteren Gewölkes. Sehet euch vor, denn diese dunklen Geister werden sehr bald ihr arges Metier beginnen. Aber es ist schon vorgesorgt, daß sie sich nicht zu sehr verderblich werden erheben können. Ober ihnen harren Milliarden der überaus mächtigen Friedensgeister und (sie) werden gar wohl verstehen, die Unruhigsten sogleich zur Ordnung und Ruhe zu treiben. Die Berge werden es euch bald erzählen, wie es eigentlich mit diesen Unholden stehen wird. Habet aber keine Furcht; denn in allen solchen Geistern, die sich außer Meiner Ordnung befinden, ist keine Kraft und nicht die geringste Macht vorhanden.« – 21 Die Drei geben sich nun vollends zufrieden und loben Meine Liebe, Güte, Weisheit und Macht. Robert kommt aber auch für diese drei mit einer Portion Brot und Wein, und gibt es ihnen zur Stärkung zum ewigen Leben. Sie getrauen sich aber nicht zu nehmen weder das Brot noch den Wein, bis Ich es ihnen zu nehmen förmlich, wie einst dem Petrus die Fußwaschung, gebiete. Als sie das Brot und den Wein vollends verzehren, fühlen sie sich ganz gewaltig gestärkt und fangen darauf denn auch an Mich über alle Maßen zu loben und zu preisen. Kapitel 274 Die roten Kriegsgeister im Streitgespräch mit den blaugrauen Lügengeistern. Wesen der Standesunterschiede. Aggressive und Defensive. Eine Art GeisterKomödie Am 5. November 1850 1 Nach der Beendigung solchen Lobens und Preisens aber bricht auch der Sabbath an, und es nahet sich eine Menge rotgekleideter Geister von der Nordgegend her dem Hügel, und diese tragen eine rote und eine weiße Fahne. 2 Robert fragt Mich sagend: »Herr! das ist eine ganz neue Erscheinung; was solle mit diesen Geistern geschehen? Bei Deinem allerheiligsten Namen! Da geht es nun ja doch schon beinahe gerade so zu, als wie ich es auf der Erde einmal in dem bekannten Märchenromane »Tausend und eine Nacht« gelesen und mit den Augen meiner Phantasie gesehen habe. Was bringt denn diese Roten daher mit ihrer roten und weißen Fahne?« – 3 Sage Ich: »Das sind lauter Kriegslustige; denn es gibt dir sowohl auf der Erde Menschen beiderlei Geschlechtes, bei denen ein Krieg das größte Vergnügen ist, und eben also gibt es denn auch in der Geisterwelt Geister, die außer dem Wesen des Krieges keine Seligkeit kennen und wollen. Wenn es auf der Erde recht kriegerisch zugeht, so sind diese Geister am glücklichsten. Sie gewinnen zwar durch den Krieg nichts, aber dennoch ist ihnen der Kriegslärm über alles angenehm. Sie sind deshalb auch die besten Propagandisten und verstehen sich sehr wohl darauf, in den Gemütern der Völker sowohl wie in den Gemütern der Könige die Kriegslust anzufachen. Die mit der weißen Fahne sind defensiv kriegerisch gesinnt und die mit der roten offensiv. Sie haben in die Erfahrung gebracht, daß Ich Mich persönlich wesenhaft auf der Erde befinde, und zwar in der Nähe der Provinzialhauptstadt Graz und kommen daher in einer ganz gut aussehenden Ordnung hierher, um sich zu erkundigen bei den uns nahestehenden Geistern, ob sie nichts wüßten, daß Ich etwa ein Gericht über die Erde verhängen wolle oder werde; denn ihnen ist alles willkommen, was da irgend ein bedeutendes Spektakel abgäbe. 4 Du siehst aber auch, wie sich diesen Kriegslustigen andere Geister in dunkelblaugrauen, etwas schmutzigen Gewändern nahen. Das sind so rechte Maulhelden und ihre Lust besteht darin, die Neugierigen und Spektakelsüchtigen bis zum blauwerden und grauwerden anzulügen, und das nicht selten mit einer solchen Beredsamkeit, daß manche aus ihnen am Ende sogar selbst zu glauben anfangen, was sie gelogen haben. – Diese Geister sind zwar nicht böser Art; sie sind sogenannte Spaßmacher. Sie können zwar niemandem einen bedeutenden Schaden zufügen, obschon gerade auch keinen Nutzen. Von diesen Geistern werden nun die Kriegsrufer allerweidlichst angesetzt werden, und das wird dann eine Haupthetze abgeben; denn es werden auch einige Wahrheitsfreunde von Mittag herbeikommen und werden die Kiegslustigen darüber belehren, daß sie von diesen Blaugrauen allerweidlichst angelogen worden sind. Die Kriegsgeister werden dann aufbegehren und Genugtuung verlangen, und das wird dann der Moment sein, in dem wir ihnen auf einem bestimmten Wege werden beikommen können.« 5 Sagt Robert: »Ach, das ist aber denn doch im Ernste komisch! Da möchte ich dabei sein, um zu hören, wie etwa doch die Blaugrauen die Roten werden anlaufen lassen.« – Sage Ich: »Das ist dein Geschäft, und Ich habe dich darauf eigens aufmerksam gemacht. Begib dich daher mit dem Peter Peter hinab und nehmet beide eure Weiber mit. Suchet irgend jemanden zu gewinnen, auf daß er dann ein Friedensrichter werde unter den Parteien, so sie recht zu streiten beginnen werden; denn es wird am Ende unter ihnen ganz heiß und stürmisch werden.« 6 Robert und Peter Peter begeben sich nun schnell hinab und kommen gerade zu der ersten Begegnung. Ein Roter eilt den Blaugrauen entgegen und sagt: »Freunde! wir haben vernommen, daß sich der allmächtige Geist des berühmten Nazaräers namens Jesus (hier erschrecken die Blaugrauen ein wenig) in dieser Gegend persönlich aufhalte mit einer großen Menge anderer Machtgeister. Könnet ihr uns denn diese Gegend nicht näher bezeichnen und sagen, was alles etwa dieser Machtgeist nun über die böse und harte Menschheit der Erde zu unternehmen im Schilde führt. Wir haben auf unserer Hierherwanderung vernommen, daß Er über ganz Europa den Krieg in einer allererbittersten Art will entstehen lassen. Ihr werdet da sicher etwas näheres schon erfahren haben. So ihr da etwas Verläßliches wisset, so teilet es uns mit; denn wir haben das dann sogleich der ganzen Welt zu hinterbringen, auf daß sie sich gehörig vorbereiten könne.« – 7 Sagt ein blaugrauer Lügengeist: »Ja, ja, der große Machtgeist befindet sich nun hier in dieser Gegend, und zwar in Gesellschaft von vielen Millionen Geistern, die alle ganz ungeheuer mächtig sein müssen. Wo gerade der Punkt ist, den sein Fuß berührt, das wissen wir wohl nicht anzugeben. Weit von hier ist er in keinem Falle; aber wo gerade, damit können wir euch nicht dienen. Aber sehet nur einmal aufwärts und ihr werdet die Luft voll Geister erschauen.« – 8 (Die Roten tun das und erstaunen über das zahllose Heer.) Ein Blaugrauer sagt weiter: »Von einem europäischen Kriege haben wir zwar noch eben nicht so viel vernommen, aber dafür von einem allgemeinen Weltkriege über alle Länder der Erde. Dieser Krieg wird wie eine Noahische Sündflut bis auf etliche wenige Menschen und Tiere alles vertilgen, was da lebt und atmet; denn die Menschheit ist von A bis Z zu toll und zu böse geworden!« – 9 Über diese Nachricht machen alle Roten ganz enorm heitere Gesichter und sagen: »Ja, ja, so wird es ganz gewiß werden, und der Hebel für den Beginn aber dürfte wohl die rein politische Spiegelfechterei zwischen Österreich und Preußen sein. Wir haben uns Einsichten in die geheimen Kabinettsverhandlungen zu verschaffen gewußt und daraus ersehen, daß diese gegenseitigen offenen Zwistigkeiten zwischen den oben benannten zwei Mächten nichts als leere optische Täuschungen für Frankreich seien. Unter dem Vorwande, daß diese zwei deutschen Mächte sich mit den Waffen zurechtweisen wollen, rüsten sich beide und zwar in einer allerintensivsten Art. Preußen sucht pro forma sogar wider Österreich mit Frankreich in ein Bündnis zu treten, was aber Frankreich, das nun den Braten zu riechen beginnt, nicht annimmt, sich aber dafür geheim derart armiert (bewaffnet), wie es noch nie armiert war. Werden nun die beiden Mächte ganz armiert dastehen, dann werden sie, sich an Rußland stützend, gemeinschaftlich über die Republiken in Europa sich werfen und werden daraus feste Monarchien bilden, so es gut gehen wird. Wird ihr Unternehmen aber scheitern, was auch sehr leicht geschehen kann und wir möchten es nahezu sogar behaupten, dann ist der Weltkrieg fertig. Ein unübersehbarer Kampf zwischen der Sklaverei des Absolutismus und der unbedingten Freiheit des reinen Weltbürgertums. Da wird die Nacht mit dem Lichte so lange ringen, bis sie ganz untergehen wird und dem Licht am Ende der volle Sieg zuteil wird. Was meinet ihr dazu? Kann das euren Weltkrieg geben oder nicht?« – 10 Sagen die Blaugrauen: »Ja, ja, ihr sollet recht haben; aber wir haben noch etwas anderes vernommen.« – »Was denn, was denn?« fragen die Roten hastig; »vielleicht noch etwas Ärgeres als einen Weltkrieg?« – 11 Sagen die Blaugrauen: »O, ganz gewiß! Wir haben von glaubwürdigen Geistern vernommen, daß der Machtgeist im Ernste es vorhabe, das große allgemeine Weltengericht in der ganzen Unendlichkeit ergehen zu lassen und daß dazu schon alle möglichen uns freilich unbegreiflichen Vorkehrungen getroffen werden.« – Hier fahren die Roten vor Entsetzen zurück und schreien: »Nein, nein, daß ist nicht möglich. Um des allmächtigen Gottes willen! Ihr meinet doch nicht etwa das Gericht, vor dem Sonne und Mond verfinstert werden und alle Sterne vom Himmel auf diese Erde fallen werden wie die Schneeflocken im Winter?« – 12 Sagen die Blaugrauen: »Ja, ja, dasselbe Gericht solle nun im Anzuge sein und damit die Auflösung aller Natur.« – Sagen die Roten: »Wo, wo und von wem habet ihr so etwas vernommen? Hat etwa der große Machtgeist Selbst so was jemandem anvertraut oder haben das etwa gar Seine Geister ex officio divino getan? Sind vielleicht gar schon Posaunen vernommen worden?« – 13 Sagen die Blaugrauen: »Das gerade eben noch nicht, so viel wir es wissen; d.h. von daher wissen wir noch nichts; aber eine Menge anderer Geister hat uns darüber gar sehr bedeutende Winke gegeben und es dürfte daher wohl sehr etwas daran sein.« Hier machen die Roten sehr verdutzte Gesichter und vergessen ganz des Krieges. – Fragen die Blaugrauen die Roten: »Warum erschrecket ihr denn bei solcher Kunde gar so sehr, da ihr doch bei der Nachricht eines Weltkrieges ganz heitere Gesichter gemacht habet? Geniert euch denn das große verheißene Weltengericht, das der große Machtgeist Jesus halten wird, wie Er es Selbst vorhergesagt hat bei Seinen Leibeslebzeiten auf dieser Erde und zwar im Angesichte der Stadt Jerusalem?« 14 Sagt ein Roter: »Ja, Freunde, das geniert uns ungeheuer! Denn nach solch einem Gerichte hören alle Welten, und was sie hervorbringen, auf. Keine Menschen werden mehr den Erdboden betreten und von einem ergötzlichen Kriege wird dann auch sicher ewig keine Rede mehr sein. Was sollen wir aber dann anfangen, wenn keine Kriege mehr geführt werden? Kriege sind ja unser Leben; ohne Kriege gibt es auch überhaupt gar kein Leben, keinen Gewinn und kein Vergnügen. Dieser nun bevorstehende Weltkrieg wäre sonach der letzte, der auf dieser Erde Boden, der auch vergehen wird, zustande käme?« – 15 Sagen die Blaugrauen: »Ganz gewiß; denn wenn keine Menschen mehr existieren werden, wer solle da denn hernach wohl noch einen Krieg führen? Selbst wenn auch noch nach dem Weltkriege, der nun in Kürze beginnen wird, etliche und dreißig Menschen und vielleicht noch weniger am Leben bleiben würden und die Erde noch etliche und 50 Jahre erhalten werden möchte, so kann auf ihr schon darum kein Krieg mehr stattfinden, weil die wenigen Menschen Land genug besitzen werden und daher nicht nötig haben, sich wegen des Besitzes von mehr oder weniger Land einander gegenseitig zu bekriegen, um Länder durch den Krieg an sich zu reißen und darüber zu triumphieren. So aber die wenigen Übriggebliebenen dazu noch im Lichte Gottes sein werden und leben nach Dessen Geboten leicht, ja sehr leicht, weil dann viele tausend Versuchungen, die die Menschheit nun wider das Gottesgesetz zu handeln anfachen, von selbst hinwegfallen werden, wer solle dann auch an einen Krieg denken können? Also von einem Kriege nach dem großen Weltkriege wird gar keine Rede mehr sein können, 16 und das halten wir für überaus gut; denn aus einem selbst allerglücklichsten Kriege ist noch nie ein Glück für die Menschheit hervorgegangen, daher ist ein ewiges Ende aller Kriege nur über alles zu erwünschen. Ob das allgemeine Weltengericht auch so segensreiche Folgen haben wird als das gänzliche Aufhören der Kriege, das ist eine sehr bedeutend andere Frage. Wenigstens dürften dabei so kriegslustige Helden, denen das größte Unglück der Menschheit Vergnügen schafft, eben nicht am besten bestehen.« – 17 Fragen ganz heftig die Roten: »Und warum denn? Sind denn die Kriegshelden nicht stets die verdienstlichsten Menschen auf der Erde gewesen? Machen nicht sie allein den Ruhm aller Völker aus? Sind Ordenszeichen und Siegestrophäen nichts in euren Augen? Nur ruhmgekrönte Helden leben in der Geschichte und in der Erinnerung der Völker ewig fort; alles andere aber ist Asche und Spreu, und vergeht wie eine Tagesfliege, und lebt in keines Menschen Erinnerung fort.« – 18 Sagen die Blaugrauen: »Und was habt ihr Helden nun davon, so ihr etwa noch im Gedächtnisse schwacher Erdmenschen gleich mattesten Schattenbildern um ein paar Jahrhunderte länger fortbestehet als ein anderer armer Teufel? Auch ihr werdet vergessen werden; und so der Krieg alles zerstören wird, werden da wohl die Geschichtsbücher bleiben? Und so sie auch bleiben, saget, wer sie dann lesen wird, so alles Leben aufhört? Hier im Geisterreiche aber hat ohnehin jeder Unterschied aufgehört, und wo er besteht, da ist die Hölle. So ihr aber auch hier Standesunterschiede suchet, da seid ihr Geister der Hölle und habet Zeit, euch von uns zu entfernen. Sonst dürfte es geschehen, daß ihr von uns entfernt werdet.« – 19 Hier werden die Roten vor Ärger ganz stumm; nur die unter der weißen Fahne Stehenden treten hervor und sagen: »Wir sind keine Krieger aus Lust, sondern aus Not. Wir sind pure Verteidiger; wir rufen den Krieg nicht. So er uns aber geboten wird, dann stehen wir freilich beim Zeuge und verstehen es dem Feinde die allerheißeste Stirne zu bieten. Gelten deshalb etwa unsere Auszeichnungen und unsere Helden hier auch um nichts mehr, denn ein anderer ganz gewöhnlicher verdienstloser Mensch?« – 20 Sagen die Blaugrauen: »Das ist hier vollkommen eines. Ihr seid um gar nichts besser als die anderen; denn ihr seid eben so ruhmsüchtig als eure Gegner. Eure Gegner suchen den Krieg, und ihr erwartet die Kriegssucher mit brennender Gier, um euch mit ihnen messen zu können. Was für ein Unterschied ist wohl darin, so ein hochmütiger Teufel den anderen, der ihn beleidigte, herausfordert, und der Herausgeforderte nimmt den Kampf begierig an; saget, derwelche oder wer aus beiden ist da wohl der Verdienstvollere, Bessere und Schätzungswertere? Wir meinen, die Geschichte hebt sich hier so ziemlich auf, und ein Unterschied ist da wohl beinahe gar nicht bemerkbar; da ist schon ein Teufel wie der andere.« – 21 Hier fahren auch die mit der weißen Fahne auf vor Zorn und wollen sogleich die Blaugrauen zu massakrieren beginnen; aber hier treten Robert und der Peter Peter vor, und drängen die Roten auf gute hundert Schritte zurück, und bedrohen sie. Aber darauf werden die Roten alle gemeinschaftlich erst so recht kriegstoll. Kapitel 275 Robert Uraniel und Peter Peter bearbeiten die blaugrauen Spaßmacher. Diese bekennen und entschuldigen sich. Menschen-Gericht und Gottes-Gericht. Der Bote von oben, sein Machtwort voll Heil und Gnade Am 9. November 1850 1 Die Roten getrauen sich aber dennoch nichts zu unternehmen, da sie nun erfahren haben, daß die beiden eine besondere Kraft haben müssen, die sie so unwiderstehlich zurückgedrängt hat. Aber dafür treten sie recht eng zusammen und halten Rat, was sie nun tun sollen, um ihrem Grimme doch ein wenig Luft machen zu können. – 2 Unterdessen aber wenden sich die beiden an die Blaugrauen und sagen: »Freunde! wie wir es jetzt erfahren haben, so seid ihr dem Reiche Gottes näher, als ihr es bei euch meinen möchtet, aber es geht euch noch so manches ab, das ihr aber sehr leicht gewinnen könntet; und sehet, dieses manche besteht lediglich darin, daß ihr ganz ausschließend der Wahrheit euch bestrebet und fürder keine Lust daran haben sollet, in der Zukunft jemanden anlaufen zu lassen, wie ihr es mit diesen roten Geistern gemacht habet. Sehet, es ist für den Blinden genug des Elendes, daß er blind ist; wozu dann daran eine Lust haben, sich aus der Blindheit des Blinden einen nichtssagenden Spaß bereiten zu wollen, der am Ende dennoch zu allerlei Ärgernissen und Verdrießlichkeiten, die sicher in der wahren Nächstenliebe nicht gegründet sind, Anlaß geben können und oft unausweichlich geben müssen? Also weg mit dem, was weiseren Geistern wie ihr es seid, nicht ziemt! 3 Sehet, die Folge eines oft noch so harmlosen Spaßes oder Scherzes, den man sich gegen einen etwas Schwachsinnigen erlaubt hat, kann nicht selten eine recht bittere sein. Der Gefoppte merkt es am Ende, daß er gefoppt ward, wird darüber erbost und denkt dann nur darüber (nach), wie er sich revanchieren könnte. Er findet bald einen Weg dazu und handelt dann rücksichtslos; denn so ein Esel einmal toll wird, so bringt er den Tiger zum Weichen. So 'was erbittert dann das Gemüt der früheren Spaßmacher ganz entsetzlich, daß sie dann auch schonungslos zuzuhauen anfangen, und die Folge davon ist? Wir brauchen sie euch nicht näher zu detaillieren, denn ihr seid selbst so klug, daß ihr sie in all' ihrer bittersten oft endlosen Ausdehnung übersehen könnet. Daher lasset in der Zukunft das und wendet euch dafür ganz lebhaft zum Herrn, Den ihr recht wohl kennet, und ihr sollet von Ihm in Sein Reich aufgenommen werden.« 4 Die Blaugrauen danken den beiden für diese wahre und sehr freundliche Zurechtweisung und fragen sie aber auch zugleich, was sie nun diesen roten Geistern tun sollen, indem sie dieselben denn doch etwas zu stark haben anlaufen lassen, wie mit dem Weltkriege und am Ende gar mit dem allgemeinen Weltengerichte. – 5 Sagen die beiden: »Das war freilich etwas stark; aber da diese Anlaufenlasserei bei diesen Kriegssuchern denn doch einen gewissen moralischen Eindruck gemacht hat, so kann man es vorderhand dabei bewenden lassen. Bei einer nächsten Gelegenheit wird sich dann das schon wieder gut machen lassen; sie aber jetzt aufzuklären, könnte sehr üble Folgen haben. Es wird nun ein starker Krieg über die Erde zugelassen werden und wird wüten hie und da zum Teile moralisch und zum großen Teile auch natürlich. Also wird sich auch ein besonders starkes Gericht über die Großen und zu selbstsüchtigen Reichen ergießen. Auch werden hie und da große irdische Eruptionen statthaben, und so wird sich diese eure Fopperei für den Sinn dieser Geister bewahrheiten. – – Aber nun ziehet euch zurück und tuet das, was wir euch angeraten haben, so werdet ihr einen großen Vorteil für euer Leben ernten. Ihr seid also näher dem Reiche Gottes, als ihr es meinet. Tuet danach, wie es recht ist nach der heiligen Ordnung Gottes, und ihr werdet in dieses Reich alles Lebens eingehen. Wir waren auch, wie ihr nun seid; der Herr aber hat uns erhoben, und wir sind nun bei Ihm für ewig. Folget uns! und ihr sollet von Ihm nicht verstoßen werden! Denn wahrlich, in Seinem Hause gibt es gar viele Wohnungen!« Am 11. November 1850 6 Sagen die Blaugrauen: »Wir waren in diesem Orte stets ehrliche Bürger bei unserem Leibesleben sowohl als auch nun als des schweren Leibes entledigte Seelen oder Geister. Nur diese sonderliche Schwachheit hatten wir alle mehr oder weniger, daß wir gerne Kasperladen ausgeübt haben, freilich stets weit entfernt von irgend einer bösen Absicht. Unseres Wissens ist aus all' unseren ausgeführten Späßen auch nie für jemanden etwas Übles hervorgegangen; und hatte sich auch nur irgend ein Schein von einem Schaden gezeigt, so haben wir ihn sicher wieder gut gemacht. Bei manchen etwas stark eingebildeten Leuten haben unsere Stand-, Sach-, Tat- und Wortwitze sogar eine gute moralische Wirkung zuwege gebracht. So manche hoch aufgetriebenen Blasebälge sind dadurch ihrer überflüssigen Hochluft entledigt worden, was da sicher nicht schlecht war, weil sie hernach recht artige und freudliche Menschen geworden sind. Wir wollten durch unsere Scherze auch nie einen auch noch so geringen Menschen entehren; sondern unsere Sache war vorerst freilich nur, einen erheiternden Spaß auszuführen – und danach aber auch so manche gar zu alberne Dummheiten jener vielen Menschen sanft durchzugeißeln und dadurch einen etwas geläuterten Sinn bei den Trübsinnigen zu bewerkstelligen; 7 und so erhoffen wir denn auch, daß Gott der Herr, Der der menschlichen Seele auch den Heiterkeitssinn eingepflanzet hat, mit uns etwa doch nicht gar zu scharfrichterlich umgehen werde. Sagte ja auch der weise Apostel Paulus im Namen Gottes, daß man mit den Heiteren heiter sein solle und weinen mit den Weinenden. Vom Weinen war bei uns freilich wohl gar leicht nicht die Rede, aber heiter waren wir stets, und der zu uns kam, hatte sicher nie eine Ursache zum Weinen gefunden; und hatte er auch vor unserer Türe geweint, so wußten wir ihm seine Tränen auch bald zu trocknen, entweder durch eine Unterstützung oder durch unsere stets ungetrübte gute und heitere Laune. Wir finden daher an uns zwar wohl geradewegs nichts, was man mit gutem Gewissen loben könnte, aber ebenso auch nichts, was da ex fundamento zu verdammen wäre, 8 und erhoffen daher von Gott, dem Allgerechten, wenn schon nichts, das da ein Gesicht wie ein Lohn hätte, so doch aber auch keine ewige Verdammnis. Das ist so unsere Meinung, was saget ihr dazu? – Ob wir also zu reden hier ein Recht haben, das ist freilich eine ganz andere Sache; aber das glauben wir fest und haben es trotz der Höllenpredigten unserer Pfaffen allezeit geglaubt, daß Gott der Herr kein so unerbittlicher Richter sein wird, als wie da waren und noch sind die Richter auf der Welt. Diese richten die Armen schonungslos nach dem Buchstaben des Gesetzes und kennen weder Schonung, Gnade und Erbarmung. Bei Gott aber dürfte es ja doch bei der völligen Besserung einer sündigen Seele etwas gnädiger hergehen.« 9 Sagt Robert: »Allerdings; des Herrn Gericht ist ein angelegter Weg zur Besserung und Vollendung des Geistes; aber der Menschen Gericht gebiert Verderben und den Tod der Seele. Folget uns daher nur auf die Höhe dieses vor uns stehenden Hügels; dort sollet ihr es vom Herrn Selbst erfahren, wie gar sehr verschieden Seine Gerichte von den Gerichten der Menschen sind. Die Gerichte des Herrn sind ein Balsam zur Heilung aller Wunden, die je einer Seele geschlagen worden sind; die Gerichte der Welt aber gleichen den wilden Raubtieren, die ihre Opfer ohne alle Schonung anfallen und dieselben zerreißen und mit großer Gier verzehren, was ich selbst wohl erfahren habe. Folget uns daher nur ganz ohne Furcht, denn hinter uns erwartet euch ein sanfter Richter und keine mit scharfer Ladung zum Tode wohl versehene Schützen.« 10 Sagen die Blaugrauen: »Ihr lieben Freunde! Wenn es zuverlässig also ist, als wie ihr es uns nun kundgemacht habet, da folgen wir euch sogleich ganz unbedingt. Aber da wir schon einmal mit euch reden, so möchten wir denn doch auch erfahren, wer denn etwa die zwei gar wunderschönen Damen hinter euch sind. Wir sahen sie mit euch kommen, auch wichen sie nicht von eurer Seite. Sie besprechen sich untereinander ganz stille; mit euch aber sahen wir sie noch nicht ein Wörtchen wechseln. Das kommt uns etwas sonderbar vor; daher möchten wir wissen, wer die beiden Engelsschönheiten sind? und was sie bei euch zu tun haben? Am Ende sind das etwa so ein paar himmlische Spione, die es sich zum Geschäfte machen, uns zu bespitzeln? und hernach bei der himmlischen Polizei uns anzuzeigen; so uns etwa irgend ein unrechtes Wort über die Lippen geflossen wäre; das wäre so eine ganz verzweifelte Bescherung!« 11 Sagt Robert: »Habet vor diesen beiden Weibern keine leere und törichte Angst; sie sind unsere von Gott dem Herrn uns für ewig angetrauten Weiber und begleiten uns überall auf unseren Wegen und Stegen, die wir allezeit im Namen des Herrn zu machen haben. Von irgend einer Spitzlerei aber kann hier schon darum ewig keine Rede sein, weil für's erste der Herr allwissend und allsehend und allhörend ist, und für's zweite auch wir als Seine Boten jeden Geist, mit dem wir zu tun haben, durch und durch schauen können und daher ganz genau wissen, wie er mit all' seinen Gesinnungen, Gedanken, Worten und Werken bestellt ist. Wir aber gehören noch lange nicht zu den vollendeten Geistern und doch sehen und hören wir sozusagen, das Gras wachsen und verstehen die Sprache der Infusionstierchen, um wie viel mehr versteht das erst der Herr Selbst und Seine vollendeten Geister. 12 Aus dem aber könnet ihr gar überaus klar entnehmen, daß man im Reiche Gottes durchaus keine Denunzianten braucht und keine Ohrenbeicht, um hinter die geheimsten Gedanken, Wünsche und Triebe der noch so gesinnungsverschiedenen Geister zu gelangen. Wir kennen euch nun durch und durch; sähen wir, daß ihr untüchtig wäret zum Gottesreiche, so würden wir euch eben so wenig uns zu folgen bereden, als wie wenig oder gar nicht wir jene roten Geister uns zu folgen bereden, die noch große und sehr bittere Lebensproben durchmachen werden müssen, bis sie fähig werden, in's Reich Gottes aufgenommen zu werden. Da wir aber in euch die Fähigkeit ersehen, vermöge der ihr – nicht etwa »würdig«, sondern einfach bloß nur, wie gesagt, fähig seid, in's Gottesreich aufgenommen zu werden, so bereden wir euch denn auch, daß ihr uns zum Herrn hin folgen sollet, tun euch aber ja keinen Zwang an. 13 Ihr könnet noch immer tun, was ihr wollet; wollt ihr mit uns ziehen, so könnet ihr das ganz frei ohne allen Zwang tun; wollt ihr aber lieber also verbleiben, so steht es euch auch ganz frei. Aber so ihr uns folgen wollet, da müsset ihr euch wohl sogleich dazu bequemen, denn die Zeit fängt an, uns zu drängen. Der Sabbath geht dem Ende zu; die irdische Sonne beugt sich schon sehr stark in ihrer Tagesbahn dem Untergange zu. In dieser Nacht noch geschieht unser Abzug von hier, daher hätten wir nun nur sehr wenig oder nun schon auch keine Zeit mehr, uns für nichts und wieder nichts mit euch noch länger abzugeben; kommet daher sogleich oder bleibet!« 14 Sagen die Blaugrauen: »Wir gehen mit euch ohne alle weiteren Bemerkungen; der Herr wird uns gnädig und barmherzig sein. – Aber da kommt soeben ein Bote von oben herab; den müssen wir denn etwa doch noch abwarten; der könnte vielleicht gar wichtige Dinge uns zu hinterbringen haben. Er sieht zwar sehr freundlich aus, aber in seinen Augen ist dennoch ein gewisser Ernst zu entnehmen, aus dem gar wichtige Dinge hervorgehen können. Er naht sich uns mit schnellen Tritten; er wird sogleich bei uns sein.« – Sagt Robert: »Ja, den Boten müssen wir freilich noch abwarten. Der wird uns wohl das Wichtigste zu berichten haben.« – 15 Der Bote tritt nun in die Mitte der Blaugrauen und sagt: »Seid mit uns voll guten Mutes; denn ihr habet den Weg zum Heile des Heiles gefunden. Eure Gewänder sollen lichtblau werden und eure Herzen beständig in der Liebe zu Gott dem Herrn und zu euren Brüdern und Schwestern. Werdet frei in allem! und tuet Gutes jedermann. Niemand sei euch zu gering, aber auch niemand zu groß. Denn im Gottesreiche herrschet die vollste Gleichberechtigung aller Stände und aller Nationen; daher folget uns ohne Furcht und ohne Zaudern!« Kapitel 276 Das Staunen der Lichtblauen ob der Macht des Wortes dieses Boten. Bei Gott ist alles möglich! Selbst Fromme erkennen oft den Herrn persönlich nicht. Warum nicht? Am 13. November 1850 1 Sagen die nun sogleich mit lichtblauen Gewändern Angetanen, die nun nicht begreifen können, wie möglich ihre Kleider gar so plötzlich sich haben verändern und umfärben können: »Freund! Du kommst uns ganz sonderbar vor; was du sagst, das geschieht. Unsere Kleider, merkwürdig! Dein Wort erging über sie, und wir konnten es nicht einmal merken, wann sie so ganz eigentlich umgewandelt worden sind. Auch hat sich unsere Gesinnung ganz umgeändert; wir sehen nun manches bis auf den Grund ein, wovon wir früher keine Spur hatten. Du mußt ein gar überaus mächtiger Freund des Herrn sein. Die beiden früheren Freunde, d.h. die vor dir zu uns kamen mit den beiden Weibern, waren wohl auch so hübsch mächtig, denn jene rote Schar, die uns von weitem her ganz verzweifelt kriegslustig angrinseten, haben sie ganz allmächtig scheinend zurückgedrängt, und jene haben sich darauf uns nimmer nahen können. Diese Tat zeugt wahrlich auch von einer ungeheuren Willensmacht; aber sie scheint doch nur mehr darin bloß zu bestehen, daß sie hindert und gewissen Begierden und Handlungen ein schroffes Ziel setzt, gleich einem sanktionierten Gesetze aus dem Munde eines Feldherrn. Aber Dinge durch ein leichtes Wort zauberisch wunderbar verwandeln – ach – das gehört auf ein anderes Blatt! Es kann ein mächtiger Feldherr durch sein Donnerwort wohl einen halben Erdkreis erbeben machen, aber eine rote oder gelbe Blume durch sein Machtwort blau zu umfärben vermag er nicht, da gehört mehr dazu als einem Heere von Millionen zu gebieten, daß sie Berge abtragen sollen und den großen Strom Euphrat austrocknen. 2 Sage, du liebster Freund, mit welcher sonderbaren Macht tust denn du solch ein wahres Wunder? Siehe, wir glaubten auf der Welt eben nicht zu fest an die Wunder Christi, wohl aber an Seine Lehre, die wahrlich rein göttlicher Art ist. Aber nun werden uns auch alle Seine Wunderwerke einleuchtend; das ist schon rein göttlich. Nur möchten wir auch einsehen, wie denn doch so 'was möglich ist.« – 3 Sagt der dritte Bote: »Ich kann euch darüber vorderhand keine andere Erklä- rung geben als diese: »Bei Gott sind alle Dinge möglich!« Wer aber Gott über alles liebt und durch solche Liebe mit Gott eines ist, dem ist dann so wie Gott Selbst auch alles möglich. – Sagte nicht Christus auf der Welt: »Um was immer ihr den Vater in Meinem Namen bitten werdet, das wird euch gewährt werden.« Wer also in und durch die Liebe mit Gott eins ist, der kann auch tun, was Gott Selbst tut. Werdet alsonach voll Liebe zu Gott dem Herrn, so werdet ihr auch eben so mächtig werden, als wie mächtig Ich nun vor euch stehe. Alle Macht besteht einzig und allein nur in der Liebe. Die endlose Macht Gottes besteht auch nur in dessen unbegrenzter Liebe; und so kann ein jeder Geist durch die Liebe allein zu einer eben so großen Macht gelangen, als wie groß da ist seine Liebe in Gott und zu Gott; ohne Liebe aber gibt es weder ein Leben noch irgend eine Macht desselben. Habet ihr das nun wohl verstanden?« – 4 Sagen die nun Lichtblauen: »Herrlicher Freund! Wer solle deine Worte nicht verstehen? Sie fließen ja wie ein feinster Balsam in unsere Herzen. Wir bitten dich, führe uns nur sogleich zu Jesus dem Herrn hin auf diese Höhe, auf der Er Sich nun befinden solle. Wir brennen vor Liebe und großer Begierde Ihn zu sehen, und wo möglich mit Ihm vielleicht auch ein paar Wörtlein zu wechseln, wenn Er auch nun rein im Geiste so ist, wie Er auf der Erde war, nämlich voll Liebe und voll der größten Sanftmut!« 5 Sagt der Bote: »Aber als Er aus dem Tempel die Käufer und Verkäufer trieb und den Taubenkrämern und Wechslern ihre Buden umstieß, da war Er eben nicht von der größten Sanftmut beseelt, wie auch damals nicht, als Er den fruchtleeren Feigenbaum verfluchte und den heuchlerischen Pharisäern ihre Schandtaten vorhielt. Was meinet ihr dazu?« – 6 Sagen die Lichtblauen: »O Freund! da war Er erst ganz ungeheuer sanft und nachgiebig; wir an Seiner Stelle, so wir im Besitze Seiner Macht gewesen wären, hätten da eine ganz andere Wirtschaft angerichtet. Das jüdische Krämergesindel und Wechslergesindel hätten wir wie Wanzen und Schabenkäfer mit Feuer behandelt, und das jüdische Pfaffentum wäre von uns aus ganz à la Sodoma und Gomorrha behandelt worden. Die Kerls hätten braten müssen, wie ein kälberner Schlegel am Ostersonntage. Was aber den fruchtlosen Feigenbaum betrifft, so stellte Er dadurch ja ohnehin nur ein Symbol auf, wahrscheinlich von der rö- misch-katholischen Kirche, die auch voll von lauter heidnischen Zeremonienblättern ist, hinter denen keine Frucht bemerkbar ist. Also nur zu Ihm hin auf Gnade und Ungnade! Er muß sich von uns über Hals und Kopf lieben lassen.« – 7 Sagt der Bote: »Nun denn auf eure Verantwortung! Wie wollen also unser Glück versuchen.« – Sagen die Lichtblauen: »Nur zu! Wir werden dich schon verantworten; wir fürchten uns nicht vor Ihm, denn wir lieben Ihn ja über Hals und Kopf!« 8 Auf diese Äußerung der nun Lichtblauen, deren Zahl 30 Mann hoch ist nebst einer ziemlichen Zahl ihrer Dienerschaft, wird nun hurtig der Hügel erstiegen. Als wir oben im bekannten Baumrondo ankommen durch die vielen Reihen von Geistern aller guten Art, da stehen die drei Apostel, die Kaiser und etliche Bischöfe, und machen eine tiefe Verbeugung vor uns. Da fragen die Lichtblauen den vermeintlichen Boten: »Freund, vor wem verneigen sich denn diese Geister, vorausgesetzt, daß sie auch Geister sind? Am Ende sehen sie schon irgendwo Christus den Herrn, den wir als Folge unserer zu tiefen Unwürdigkeit noch nicht sehen können? Wenn das der Fall wäre, o da zeige uns wenigstens die Stelle, von welcher Er herkommt, auf daß wir uns vor Ihm sogleich niederwerfen und Ihm im Staube unserer gänzlichen Nichtigkeit unsere Ehre geben!« – 9 Sagt der vermeintliche Bote: »Wahrscheinlich werden diese den Herrn sehen und kennen zugleich, weshalb sie sich also verneigen vor Ihm; denn es gibt recht sehr viele, die wirklich den Herrn sehen und sprechen oft viele Tage und manchmal sogar Jahre lang, aber weil ihr Herz noch blind ist, so erkennen sie Ihn nicht. Diese fragen dann auch in einem fort und sagen: O, wenn wir doch nur einmal das große Glück hätten, den Herrn Jesus zu sehen, dann verlangeten wir keine andere Seligkeit mehr. Wir würden im Staube vor Ihm aus lauter Demutstiefe uns herumwälzen und Ihn preisen und loben mit allen Psalmen Davids und hohen Liedern Salomons. Das sagen sie dem Herrn, den sie wohl sehen und sprechen, aber nicht kennen, in's Gesicht und harren immer Seiner, während sie doch mit ihren Nasen hundert und tausend Male an Ihn gestoßen sind. 10 Aber was nützt das Sehen allein, so das Erkennen nicht dabei ist? Das Erkennen ist aber zumeist darum recht sehr erschwert, weil das menschliche Herz, das in seinen Tiefen noch so manchen Hochmutsbrocken birgt, sich in dem sehr schwer findet, sich die Gottheit etwas menschlicher vorzustellen als es gewöhnlich der Fall ist, wonach die Gottheit etwas ganz verzweifelt Außerordentliches sein muß. Wenn sie auch schon der Form nach aussehe, wie ein vollkommenster Mensch, so solle sie aber nach dem Erwarten und Einbilden der Menschen doch wenigstens glänzen wie eine Sonne. 11 Der Mensch kann sich die Gottheit nur als etwas ungeheuer Außerordentliches vorstellen. Die Ursache davon ist erstens die Anschauung der Materienwelt in all' ihren Verhältnissen, sowohl der Masse wie der Größe und ihrer Einrichtung nach. Der gestirnte Himmel zeugt von einem überriesenhaft großen Gottwesen, die Sonne von Seinem Lichte, die Erde von Seiner Macht und Stärke. Der Papst, die Kardinäle, Bischöfe und anderen geistlichen Korporationen aller Konfessionen verkünden Ihn auch als etwas, das der Mensch sich kaum zu denken getrauen solle. Am Ende kommt noch der Hochmut des eigenen Herzens und dessen feiner Weltverstand dazu, der sich so ganz eigentlich eines unansehnlichen Gottes schämt, nicht gern in einer angesehenen Gesellschaft den Namen Jesus ausspricht und noch weniger Dessen unbestreitbarste Göttlichkeit fest behauptet; 12 und so kommt es denn auch ganz besonders hier im Geisterreiche, wie auch dann und wann auf der Erde vor, daß der Herr Selbst lange mit sonst weisen Geistern wie auch mit Menschen auf der Erde umgeht, aber sie erkennen Ihn nicht aus den angeführten Gründen. Die Erdmenschen verlangen oft noch mehr als die Geister, sie wollen große Wunder, denn kleine taugeten ja nicht für ihren großen Gott, dessen Namen Jesus sie sich, wie gesagt, in einer noblen Gesellschaft nicht auszusprechen getrauen, weil ihnen der Herr Jesus ein denn doch ein bißchen zu kleiner Gott ist. Da heißt es nur, wenn schon von Gott die Rede ist: Großer, allmächtiger Gott! Großer Schöpfer der Unendlichkeit, Weltenlenker, Vater der Äonen! und der gleichen. Wenn nun Jesus den Menschen auf der Erde als ein ganz gewöhnlicher, manchmal dem Anscheine nach sogar mit manchen Schwächen behafteter, dürftiger Mensch entgegenkommt, sich oft länger bei ihnen aufhält und nicht alsbald echt zauberisch verschwindet und geisterartig, wohl sehr weise, so es not tut, spricht, mit ihnen ißt und trinkt, aber keine Wunder wirkt; da erkennt Ihn sicher niemand, obschon Er Selbst also bis an das Weltende bei den Seinen zu bleiben versprach; 13 denn nur im Kleide der Armut kommt der Herr zu Seinen Kindern auf die Erde gar oft; aber sie erkennen Ihn nicht, weil ihre Begriffe von Gott an und für sich schon Hochmut sind, gleichwie ein Adeliger sich's wohl gefallen läßt, wann ein Hochadeliger von 16 Ahnen und darüber über ihn herrscht; man unterstelle ihn aber nur einem Unadeligen, und sein Gehorsam und besonders sein Respekt hat, wenigstens moralisch genommen, sein Ende erreicht. Also, wie gesagt, geht es mit der Gottheit bei den vom Hochmute Aufgeblähten; hat der Herr vor ihren Augen nichts ihren hohen Forderungen gemäßes und glänzendst Außerordentliches, etwa so was von einer echt orientalischen oder wenigstens spanischen Grandezza an sich, etwa nichts von einem echt stoischen Ernste, und nichts Wunderähnliches; gehen Seinem Erscheinen nicht Feuer, Sturmwind, Blitz und Donner allerdickster Art voran, dann ist es mit Seiner Gottheit aus. Manche sonst sogar sehr gottergebene Seelen ließen sich eher martern, bevor sie sich anzunehmen getraueten, daß der Herr sie in der Gestalt irgend eines in der Welt ganz bedeutungslosen Menschen heimgesucht hat. 14 Ja, Ich sage euch: Es ist dem Herrn auf der Welt seit 1.800 Jahren das schon gar oft widerfahren, daß Er sogar von sonst ganz gemütlichen Gottergebenen hinausgeprügelt worden ist; und doch war es wirklich der Herr des Himmels und der Erde Selbst, den sie hinausgeprügelt haben. Daher es denn auch fast stets schwerer wird, daß sich der Herr den Menschen auf der Erde nähere. Als ein Lügner gegen sein Wort kann der Herr die Menschen nicht besuchen; kommt Er aber in Seiner harmlosesten Weise, da mag Ihn niemand erkennen. Was soll man dann tun und wie Sich Selbst richten, daß man erkannt werden möchte? 15 Sehet, im Himmelreiche Gottes ist nur Der der Erste und Vorzüglichste, der aus allen der Geringste und der Unbedeutendste zu sein scheint. Wie solle bei solcher ewigen Ordnung Gottes Er als das allererste und vorzüglichste Wesen von dieser goldensten Regel eine Ausnahme machen wollen? Fraget euch nun selbst, ob bezüglich der Gotteserkenntnis nicht etwa auch bei euch ganz derselbe Fall vorhanden ist. – Ihr sehet Christus, den Herrn, vielleicht schon eine geraume Weile, möget Ihn aber nicht erkennen, weil Er euch ganz sicher viel zu wenig göttlich nobel aussieht.« – 16 Hier erst fangen sie den Boten schärfer zu betrachten an und sagen: »Du wirst es aber etwa ja doch nicht sein? Ach, das wäre wirklich ein sehr fataler Spaß! Wenn Du es wärest, was dann mit uns Sündern? Aus Deinen Worten aber könnten wir fast entnehmen, daß, o Gott, es also wäre!« Kapitel 277 Gefahren der Weisheit. Wie manche Menschen sich Gott vorstellen und wie Er ist! Oder vom Wesen des Lichtes und von dem der Liebe Am 15. November 1850 1 Sagt der Bote: »Diese ängstliche Verwunderung ist schon wieder eine Folge eurer ursprünglichen endlos allerhöchsten Begriffe von Gott. Ich sage euch aber: Diese Begriffe von der Gottheit taugen nicht zum wahren Leben aus und in der Liebe. Was geht euch denn das Unendliche des göttlichen Wesens an? Haltet euch bloß nur an die Liebe, die alles in engen Kreisen um sich herum versammelt haben will, was sie einmal angezogen hat. 2 Die Liebe ist ein rechtes Feuer, das da sammelt und nicht zerstört und zerstreuet; das Licht aber, das da ausgehet von der hellen Flamme der Liebe, wallt freilich wohl in geraden Strahlen endlos und ewig fort und weiter und weiter und kehrt nicht zurück, außer die Liebe Gottes hat demselben Schranken gesetzt, an denen es sich stößt und den Rückweg zu seinem Ursprunge antritt. So ihr aber die Gottheit nach der freilich endlosen Ausdehnung Ihres Lichtausströmens beurteilet und dadurch wahre »Lichtreiter« seid, auf den endlosen Flügeln des Geistes aus der Gottesliebe die endlosen Räume durchflieget und das Dasein der großen Gottheit suchet, da bleibet euch freilich die wahre Bekanntwerdung mit dem eigentlichen Gottwesen ewig fern, und ihr müsset endlich vor der endlosesten Gottesgröße erliegen und möget euch nimmer aufrichten in euren Herzen, auf daß ihr schauen und fassen möchtet das wirkliche Wesen Gottes, eures Vaters. Steht aber dann ein Wesen wie Ich vor euch und sagt zu euch: Ich bin es, Den ihr so lange vergeblich im Unendlichen gesucht habet, so erschrecket ihr und fahret wie ohnmächtig zusammen. Warum denn das? Die Ursache liegt am Tage: Weil ihr das Wesen, das sich euch als die wahre Gottheit in Ihrem Ursein vorstellt, noch immer mit den Unendlichkeitsaugen angaffet und an diesem Wesen von neuem euer Gemüt wie einen elastischen Ballon in's Endlose auszutreiben beginnet mit der Luft eurer eitlen Einbildung. 3 Es ist wohl recht, daß ein Geist oder ein Mensch das Gottwesen betrachtet in den Werken; aber er solle sich von ihnen nicht verschlingen lassen. – Sehet, in der ersteren Zeit der Erde haben die Menschen ihre Lust gehabt, riesenhafte Bauten aufzuführen. Ein Nimrod baute Babylon und einen über die Berge ragenden Turm. Eine Semiramis ließ Berge abtragen; ein Ninus erbaute das große Ninive; die alten Pharaonen überschwemmten Ägypten mit den kolossalsten Bauten und Bildern. Die Chinesen erbauten eine Mauer von vielen hunderten Meilen Länge, um ihr Land vor dem Eindringen fremder, feindlicher Völker zu verwahren. Wollte man nun solche Erbauer eben so groß sich vorstellen, als wie groß da waren ihre Werke, so müßte man denn doch von jedem nur einigermaßen heller denkenden Manne für einen barsten Narren gehalten werden. Sehet, diese Urbaumeister der großen Gebäude der Erde waren als Menschen um nichts größer als ihr; nur ihre Kräfte verstanden sie in's sehr Große auszudehnen und wirksam zu machen, während sie an und für sich dasselbe Maß hatten wie jeder andere Mensch. 4 So aber schon die kleinen geschaffenen Menschen große Werke zuwege bringen und dabei dennoch nicht größer werden auch nicht um ein Haar, und erbaueten sie auch Türme und Pyramiden, die mit ihren Spitzen an den Mond stießen; warum solle denn dann die Gottheit in Ihrem Urwesen eben so groß sein als wie groß da sind ihre Bauten? Da es doch heißt: »Und Gott schuf den Menschen nach Seinem Ebenmaße;« warum solle denn Gott ein Riese und die nach Seinem Maße geschaffenen Menschen gegen Sein Maß pure atomistische Tierlein sein, die zu Trillionen ganz bequem einen Tautropfen bewohnen können? 5 War denn Christus, Der doch in aller Fülle Gott und Mensch zugleich war, ein Riese, als Er auf der Erde das Werk der Erlösung vollzog? O Er war der Gestalt nach durchaus kein Riese, obschon Seine Werke von für euch nie meßbarer Größe waren. Und sehet, derselbe durchaus nicht riesenhafte Jesus steht auch jetzt vor euch, mit echtem Fleische und Blute sogar. Nur Sein Geist, der also aus Ihm strömt wie das Licht aus der Sonne, wirkt in der ganzen Unendlichkeit mit ungeschwächter Kraft ewig; aber dieser Schöpfergeist geht euch nichts an und kann euch auch nichts angehen; so ihr aber bei dem Urquell euch befindet oder so ihr beim Herrn alles Geistes seid, so fasset Ihn nach Seiner Liebe und nicht nach Seinem ausströmenden Lichte; dann seid ihr wahrhaft Seine Kinder, wie Er euer aller Vater ist; aber draußen in der Unendlichkeit habet ihr rein nichts zu tun. 6 Wäre es von den Astronomen nicht sehr dumm, so sie die Sonne bemessen wollten nach dem Durchmesser, wie weit da reichen ihre Lichtstrahlen? Diese dringen fort und fort durch die endlosen Tiefen des ewigen Raumes, und ihr Maß wird größer stets von Sekunde zu Sekunde. Mit welchem Maßstabe wäre solch eine törichte Bemessung wohl möglich? – Die Sonne selbst messen die Sternkundigen, da ihr Maß ein stetiges und bleibendes ist. 7 Also tuet auch ihr! Mich, wie Ich nun vor euch stehe, messet mit dem rechten Maße der Liebe in euren Herzen und habet keine närrisch übertriebene und läppische Furcht vor Mir, Der Ich doch ganz euer Maß habe und euch liebe aus aller Kraft Meines Herzens; dann seid ihr Mir angenehm, und ihr könnet dann also über alle Maßen selig sein im engen Kreise der Liebe, außer dem es für euch nirgends eine wahre Seligkeit gibt und geben kann. – Saget nun, habt ihr Mich wohl verstanden oder ist euch noch irgend etwas dunkel geblieben?« 8 Sagen nun die selig Staunenden: »O Herr! wie ganz anders bist Du doch, als wir leider dumm genug Dich uns vorgestellt haben! Ja, so kann man Dich, so muß man Dich ja aus dem freiesten Herzen von selbst über alles lieben. Da braucht man wahrlich kein Fegfeuer, keine Hölle und keinen Himmel dazu. Wer Dich nicht erkennt, wie Du bist, der trägt in seiner Blindheit und Dummheit Fegfeuer und Hölle in sich; wer Dich aber erkennt, wie wir nun, bei dem haben sich mit einem Schlage Fegfeuer und Hölle in den Himmel der Himmel verwandelt. 9 Aber wer kann dafür, daß die Menschen auf der Erde gar so dumme Begriffe von Dir haben? Am meisten trägt dazu wohl die Lehre Roms bei; diese lehrt ihre Bekenner einen Gott kennen, von Dem man wohl, so man glaubt, die scheußlichste Angst, nie aber eine Liebe zu Ihm haben kann. Man wird dabei wohl voll von aller Hölle und ihren Schrecken; aber von der Liebe kann da keine Rede sein; denn wo die Furcht das Zepter führt, da ist die Liebe fern. Wir dachten oft darüber auf der Welt nach, worin denn davon der Grund liegen könne, daß man sich als ein schlichter Bürger doch unmöglich in eine stolze Prinzessin verlieben könnte, und so man es im Herzen auch versucht, so geht es eben so wenig als wie mit einer Fahrt in den Mond. Kommt man aber zu einer so recht freundlichen, hochmutslosen, schlichten Bürgerstochter, da gibt es im Herzen sogleich Feuer und Flammen der heißesten Liebe im größten Überflusse. 10 Jetzt begreifen wir das auf ein Haar. Die Liebe webt und wirkt nur in engen, aber in sehr klaren Kreisen, sie erwärmt nur also den Großen wie den Kleinen, den Künstler und den Weisen. Wahrlich, sie allein ist alles in allem; sie ist die wirkliche Sonne; alles andere ist nur Schein und ein wesenloses Abbild. O Herr, wie gut bist Du!« Kapitel 278 Von den Bedingungen des Glückes. Das Reich Gottes schlummert im Herzen. Grund der Unglückseligkeit der Höllengeister. Der kürzeste Weg zum Himmel beträgt etwa 1/3 Meter Am 17. November 1850 1 Rede Ich: »Ja, ja, also ist es. Nur auf dem engen Pfade und am engen Plätzchen ist jedes Menschen wahres Glück und wahre Seligkeit zu erreichen. Wer es auf den breiten Straßen sucht und der Meinung ist, daß die Seligkeit nur am großen Platze voll Glanzes zu finden ist, der findet das Gesuchte nimmer. Nur der Hochmut baut breite Straßen des Verderbens und errichtet große Plätze; aber auf diesen Plätzen werden auch große Gerichtshäuser, Gefängnisse und Galgen neben den Palästen der Großen errichtet und derlei Einrichtungen bedingen wohl nicht das Glück der Menschen, weder materiell noch geistig. – 2 Ihr habet auf der Welt oft gesehen, wie in den Palästen sich die Großen auf Kosten der Kleinen und Armen mästen; ihr habet gesehen die prunkvollen Bethäuser, Kirchen genannt; wer aber ward noch glücklich durch deren Gold, Silber und Edelstein? Ich sage euch: Niemand. Der Pfaffe nicht, der darinnen schaltet und waltet; denn seine Ruhmsucht und seine Habgier findet viel zu wenig Sättigung, und trachten Tag und Nacht, wie er zu noch mehr Glanz und Ruhm und zu den Reichtümern eines Großmoguls gelangen könnte. Diese Sorgen plagen ihn und machen ihn unzufrieden; wer aber unzufrieden ist, der ist auch nicht glücklich und kann es auch nicht werden; denn ein großer und breiter Platz braucht viel, bis er voll wird; und wird er hie und da auch voll, so genügt er dann dem Besitzer nicht mehr. Dieser strebt nun nach der Erweiterung des Platzes, und ist dieser erweitert, da wird dann sogleich wieder nach der Anfüllung des erweiterten Platzes getrachtet, und so treibt da ein verderblicher Keil den anderen, und es ist da nicht möglich, daß da solche Menschen je an ein Ziel gelangen könnten, wo sie einmal ein wahres Glück finden würden. 3 Was macht denn so ganz eigentlich das größte Unglück aller Höllengeister aus? Es ist das Streben nach dem Unendlichen; die Unendlichkeit aber hat keine Rückwand und somit keine Grenzen, daher ist es denn auch sicher für jeden nur einigermaßen denkenden Geist leicht klar ersichtlich und überleicht begreiflich, daß so ein von der Hölle erfüllter Geist unmöglich zu einer Glückseligkeit gelangen kann. Denn wer die Seligkeit im Unendlichen sucht, der kann sie unmöglich je finden; denn je weiter er dringt, einen desto endloseren Abgrund ersieht er vor sich und eine Kluft, über die er ewig nicht gelangen wird. 4 »Mein Reich ist daher in eines jeden Menschen kleines Herz gelegt,« wer nun da hineinkommen will, der muß in sein eigen Herz eingehen und sich da ein Plätzchen der Ruhe gründen, das da heißet Demut, Liebe und Zufriedenheit; ist er mit diesem Plätzchen in der Ordnung, so ist auch sein Glück für ewig gemacht. Er wird dann auf diesem Plätzchen gar bald um sehr vieles mehr finden, als er je erwartet hat; denn ein kleines Häuschen ist doch gewiß leichter mit allem einzurichten, was zum Hauswesen gehört, als ein großer Palast, der noch sehr leer aussieht, und wenn auch schon um viele tausend Gulden Einrichtungsstücke sich darin befinden. 5 Ihr müsset euch daher auch von Meinen Himmeln keine gar zu breiten und endlosen Gedanken machen ungefähr wie bei den Keuschlern (Hüttenbewohnern) auf der Erde; da werdet ihr dann darinnen die wahre Glückseligkeit finden. Das Herz voll Liebe zu Mir, und zu den Brüdern und Schwestern, und ein stets tätigkeitslustiger und tätigkeitsvoller Sinn, glaubet es Mir, das wird für jeden aus euch die wahre, ewige Seligkeit begründen. 6 Also sollet ihr euch Meine Himmel auch nicht irgendwo noch als recht weit entfernt vorstellen, sondern ganz nahe; der ganze Weg beträgt höchstens drei Spannen Maß; es ist das die Entfernung vom Kopfe bis in's Zentrum des Herzens. Habet ihr diese kleine Strecke zurückgelegt, da seid ihr auch dann, wie man sagt, mit Haut und Haaren darinnen. Denket ja nicht, daß wir etwa eine Aszension (Himmelfahrt) über alle Sterne hinauf und hinaus machen werden; sondern denket euch, daß wir bloß eine Deszension (Niedersteigung) in unser Herz machen werden und da werden wir unsere Himmel und das wahre, ewige Leben finden!« Kapitel 279 Die Lichtblauen preisen den Herrn und sein Wort. Der hochmütige Kopfverstand und der sanfte Geist der Liebe im Herzen sind Lebensextreme. Gleichnis vom Früchtepflücken des Vaters und seiner Kinder 1 Sagen die Lichtblauen: »Daß Du es bist, der wahrhaftige und ewige Gott, Herr, Schöpfer und Erlöser von allen Himmeln, Sonnen und Erden, darüber haben wir nun auch in den geheimsten Winkeln unserer Herzen keinen Zweifel und keine Bedenken mehr; denn so man Dich sonst auch nicht erkennete, da darf man Dich aber nur reden hören und alle Zweifel schwinden gleich wie Nebel im starken Lichte der Sonne. Denn wie Du redetest durch den Mund der Propheten, und wie Du Selbst gesprochen hattest auf der Erde unnachahmlich und unerreichbar für jeden geschaffenen Geist, also sprichst Du nun auch vor uns. In der einfachsten, prunklosesten Redeweise sprudeln Ströme der höchsten und göttlichen Wahrheit und Weisheit, gleich den mächtigsten Quellen, aus denen der Ozean seine unversiegbare Nahrung nimmt, aus Dir hervor. 2 Wie herrlich ist die Darstellung des Weges in Dein Reich! Nur geht es uns dabei wie einst dem Nikodemus, der auch nicht wußte, als Du, o Herr, von der Wiedergeburt mit ihm sprachest, was er aus ihr machen solle. Der Weg vom Kopfe bis in's rechte Zentrum des Herzens wäre wahrlich so kurz als ein Weg nur immer kurz sein kann; aber wie ihn antreten? Das ist eine ganz andere Frage. – Die Sache mit den ganz natürlich gesunden Sinnen betrachtet, liegt trotz der darin verborgenen tiefsten Weisheit sehr rätselhaft, und wir möchten hier auch mit Nikodemus fragen und sagen: Herr, wie kann das sein? Wie können wir mit unseren höchsteigenen Füßen in unseren eigenen Leib, ja am Ende sogar in's Zentrum unseres Herzens hineinsteigen? So wir wären wie die Regenwürmer oder wie eine Schlange, da wäre so eine Operation wenigstens logisch denkbar möglich, aber bei dieser unserer Konstruktion wird solch eine Reise wohl zu dem Unmöglichen des Unmöglichsten gehören, und es wäre vielleicht doch leichter, in den allerletzten Stern Deiner endlosen Schöpfungen zu gelangen, als wie sozusagen mit Stiefel und Sporn in unser eigenes Herz hinein. Diese Geschichte wird sich offenbar etwas schwer machen. – 3 Da müssen wir Dich, o Herr, schon um eine nähere Beleuchtung anflehen, wie es auch öfter Deine Apostel auf der Erde getan haben, denen auch gar nicht selten Deine allerweisesten Lehren wie funkelnagelneue spanische Dörfer vorkamen, bei denen sich auch kein Fremder auskennt, ob sie aus Hütten für Menschen oder für's pure Vieh bestehen; wo der Eingang ist? wo das Dach? wo die Küche? und wie da aussehen mag der Bauplan? – Herr, erkläre uns diese Sache ein wenig näher!« 4 Sage Ich: »Das ihr solches nicht verstehet, daran schuldet nur euer noch sehr nach echt Irdischem riechender Sinn. So gescheid aber solltet ihr dennoch wohl schon ein, daß ihr euch denken könntet, daß da von keinem naturgemäßen Gehen mit den Füßen die Rede sein kann, sondern nur rein von einer reingeistigen Reise im Gemüte. – Nikodemus war noch ein rein irdisch materieller Mensch und es war begreiflich, daß er mit seinen total irdischen Begriffen den Mutterleib als eine Notwendigkeit ansah, um aus demselben zum zweiten Male wiedergeboren werden zu können; aber ihr seid nun schon selbst in eurem ganzen Wesen vollends aller groben irdischen Materie bare Wesen. Wie möget ihr als Geister gar so materiell denken!? 5 Habt ihr an euch denn nie eine doppelte Art geistiger Tätigkeit entdeckt, nämlich eine im Kopfe und eine andere im Herzen? Sehet, im Kopfe sitzt der Seele kalt berechnender Verstand und sein Handlager die Vernunft, die da gleich ist einem weitausgreifenden Arme voll Augen und Ohren am seelischen Verstandesleibe. Der Verstand verlängert diesen Arm stets mehr und mehr und will mit demselben am Ende die ganze Unendlichkeit an sich reißen. Dies eiteltolle Bestreben des Verstandes aber ist eben jene gefährliche, Tod und Gericht bringende Eigenschaft der Seele an und für sich, die da mit dem Worte Hochmut bezeichnet wird. Im Herzen aber ruht die Liebe, als ein Geist, aus Meines Herzens Geist genommen. Dieser Geist hat aber, so wie Mein höchsteigener, ohnehin schon alles, was die Unendlichkeit vom Größten bis zum Kleinsten enthält, zahllosfältig in sich. 6 Wenn nun der hochtrabende Verstand, das Eitle seiner törichten Bemühungen einsehend, seinen vorbezeichneten Arm, der da ist seine Vernunft, oder noch deutscher gesprochen, sein Vernehmvermögen, anstatt selbes in die Unendlichkeit hinaus zu strecken und das Unerreichbare erreichen zu wollen, demütig und bescheiden zurückzieht (gleichwie eine Schnecke ihre mit Augen versehenen Fühlhörner, die sie auch öfter nach der Sonne ausstreckt, weil sie aber die Sonne wegen ihrer naturmäßigen zu großen Ferne nicht erreichen kann, eben diese Vernehmarme ihres Kopfes wieder in sich hineinzieht), diesen Arm aber dann nicht mehr eitel in die Unendlichkeit hinausstreckt, sondern ihn in das Herz als die Wohnung Meines Geistes im Menschen lenkt und leitet, so macht man die von Mir bezeichnete drei Spannen lange Reise und gelangt auf solchem Wege zum wahren, ewigen Leben, zu der wahren seligen Ruhe desselben, und findet dann allda alles beisammen, was da enthält die ganze Unendlichkeit. 7 Dieses wird dann freilich erst nach und nach, wie eines nach dem anderen offenbar, gleichwie die Gewächse aus dem kleinen Keime, der im Zentrum des Samenkornes verborgen ist. Ob aus diesem im Geiste zugrunde liegenden Keime aber eher oder später und reicher oder minder reich die Saat Meiner Werke voll Entwicklung und Reife aufgehen wird, das hängt lediglich von der Stärke der Liebe zu Mir ab, wie auch von der Liebe des Nächsten; denn die Liebe des Herzens zu Mir ist gleich dem Lichte und der Wärme der Sonne und die Liebe zum Nächsten ist der notwendig fruchtbare Regen. So aber Sonne und Regen in gerechter Ordnung miteinander wirken, so wird sicher jede Saat bestens gedeihen und in der Bälde zur Reife gelangen. 8 Ich will euch zum besseren Verständnisse dieser Sache aber noch ein gar leicht faßliches Bild geben, und so sehet! Es verhält sich mit dieser Sache auch also, als wenn ein Vater seine Kindlein ausführete im Sommer in seinen Garten, der da voll ist von den mit reifen Früchten belasteten Bäumen. Die Kinder werden nun voll Begierde und möchten sogleich auf die Bäume steigen und die Früchte mit großer Hast abpflücken und essen im Übermaße. Der weise Vater aber sagt zu den unerfahrenen Kindlein: »Kinderchen! bleibet nur schön fein bei mir; würdet ihr allein mit euren schwachen Kräften auf die Bäume steigen und euch die Früchte nehmen, so würdet ihr leicht von dem Baume, auf dem ihr euch befändet, fallen, euch Hände und Füße brechen oder euch gar zu Tode fallen. Ich und meine Knechte aber sind groß und stark genug und wissen es, wie die Früchte von den Bäumen zu lesen sind. Wartet daher ganz ruhig; ich selbst werde sie von den hohen Bäumen herablesen und sie legen in euren Schoß; da werdet ihr sie dann ohne alle Mühe ganz ruhig genießen können. Wann ihr aber einmal selbst groß und stark werden werdet, dann werdet ihr schon auch selbst Meister der hohen Bäume werden. – Versteht ihr dieses Bild?« 9 Sagen die Lichtblauen: »Dank Dir, heiligster, weiser, bester Vater, ewig Dank! Nun ist uns alles sonnenklar und wir wissen nun nichts, danach wir noch um eine Aufhellung bitten möchten.« Kapitel 280 »Befolgt ihr diesen Lehrweg, so kommt ihr ans Ziel.« Brot und Wein zur Stärkung für die Reise. Gut Handeln ist besser als viel Wissen. Gleichnis vom Töpfer. Der Glaube ist die Wissenschaft des Herzens. Tätigkeitsauftrag an die Gestärkten. Ein Hinweis auf Missionswerke im Geisterreich Am 19. November 1850 1 Sage Ich: »Nun denn, so ihr das begriffen habet, da müsset ihr aber auch danach tun und handeln, ansonst ihr von dieser Meiner Lehre keinen Nutzen ernten würdet. Ich werde euch nun ein rechtes Brot und einen rechten Wein geben lassen. Das Brot ist auch hier wie Mein Leib und der Wein wie Mein Blut. Diese Nahrung wird euch stärken und ihr werdet hinfort keinen Tod mehr weder fühlen noch riechen, sondern das ewige Leben wird in euch sein ewig.« Danach sage Ich zum Robert: »Du, Bruder Robert, aber gehe und schaffe abermals Brot und Wein her!« 2 Robert geht im Wäldchen einige Schritte gegen Süden und findet auf einer freien Stelle ein ganzes Eimerfäßchen voll des besten Weines, daneben eine rechte Menge Trinkgläser und bei fünfzig Laibe schönsten Weizenbrotes. Als Robert solche Menge himmlischer Nähr- und Stärkemittel hier ersieht, beruft er seinen neuen Gehilfen Peter Peter und sein Weib, daß sie ihm alles das auf die rechte Stelle hin transportieren helfen sollen. Die Gerufenen kommen auch sogleich, aber alle vier sind nicht imstande, alles das Vorhandene auf den rechten Fleck hinzuschaffen. – 3 Das sehen aber auch die Geister der Kaiser, die sich bis jetzt über mannigfache Einrichtungen der Himmel und des himmlischen Jerusalems mit den drei Aposteln besprachen, eilen schnell hinzu, und helfen dem Robert alles auf den rechten Ort hinzuschaffen, und wetteifern dann in der Bedienung der lichtblauen Geister, die mit großem und dankbarstem Behagen das Brot essen und den Wein in vollen Zügen trinken. 4 Ich aber sage darauf zu den Monarchen: »Meine lieben Freunde und Brüder! Es ist wohl sehr schön, löblich und gut, sich von Mir und Meinem Reiche zu besprechen, aber noch schöner, löblicher und besser ist es, sich in den Geschäften der Himmel recht wacker zu üben. Das Wissen geht natürlich dem Geschäfte voraus; weiß man aber einmal, was man zu tun hat, dann muß man handeln; und es ist dann schon eine kleine, gute Handlung besser, als ein großes Wissen für sich ohne Handlung; denn aus einer noch so kleinen Handlung wird schon etwas zum Vorschein kommen; der Handlung folgt stets ein Werk, aber dem puren Wissen folgt nichts, so es nicht in's Handeln übergeht. 5 Was nützete es einem Töpfer, so er noch so ausgezeichnet in der Kunst, Töpfe zu formen, bewandert wäre, aber nie einen Lehm auf die Drehscheibe gäbe und versuchete seine Wissenschaft ins Werk zu übertragen? Also ist auch der Glaube eine Wissenschaft des Herzens. So lange sie nicht in's Werk gesetzt wird, ist sie so gut wie tot, nur das nach ihr vollbrachte Werk gibt ihr erst das Leben; und so denn macht Mir das nun eine rechte Freude, daß ihr ohne Geheiß in einem guten Dienste tätig geworden seid. Wahrlich sage Ich euch allen: Auch ein Trunk frischen Wassers, den ihr einem Durstigen gereicht habet, wird von Mir hoch angerechnet werden; denn Ich sehe weniger auf das Wissen als auf das Handeln! 6 Wer einmal etwas Rechtes weiß und nicht danach handelt, der ist ein Sünder, so gut als der, welcher wider das Rechte handelt, das er zwar als Recht wohl erkennt, aber es dennoch nicht will, weil es mit seinem Bequemlichkeitsgefühle nicht im Einklange steht. – Man muß sich daher, um ein rechter Bürger Meines Reiches zu sein, über das Bequemlichkeitsgefühl allezeit hinaussetzen, und das recht nach der gerechten Wissenschaft üben; dann ist man erst ganz das, was man nach Meiner ewigen Ordnung werden und sein solle. 7 Zu den Lichtblauen: »Und da ihr nun gesättiget und hinreichend gestärkt seid, so begebet euch noch einmal hinab in die Tiefe, wecket dort, was noch zu wecken ist, und suchet die erhitzten Gemüter zu besänftigen, auf daß noch möglicherweise ein Krieg unter den Erdmenschen vermieden werde. – Bei nur einigem Gelingen dieses Meines Wunsches, den Ich euch nun kundtat, solle euch ein großer Lohn erwarten in Meinen Himmeln, in die ihr leicht gelangen könnet, da Ich Selbst euch den nie verfehlbaren Weg dahin gezeigt und nach eurer eigenen Aussage klar genug beschrieben habe. 8 Sehet euch aber vor, daß ihr jenen feuerroten Geistern allenthalben zuvorkommet, denn die werden sich nun alle mögliche Mühe geben, den Krieg zwischen den Regenten anzufachen. Ihr werdet zwar nicht alles verhindern können, aber so ihr in Meinem Namen recht tätig seid, doch sehr vieles, das die Menschheit in ein zu dickes Elend stürzen würde. Nach vollbrachtem Werke aber begebet euch wieder hierher auf diese Stelle, da wird euch ein Bote erwarten, der euch beim vollen Eingehen in Mein Reich hilfreiche Hand in Meinem Namen bieten wird, und nun machet euch an das Werk. Es sei!« 9 Sagt beim Abgange noch einer von den Lichtblauen: »O Herr und Vater! Wenn es uns aber in der Folge wieder hungern und dürsten sollte nach solch' einem Brote und Weine, denn wir können im voraus denn doch nicht wissen, wie lange wir zu tun haben werden; woher werden wir dann Brot und Wein nehmen?« – 10 Sage Ich: »Da frage den Robert und seinen Gefährten, wie lange es schon her ist, daß sie so wie ihr nun mit Brot und Wein gespeist worden sind und ob es sie bisher je gehungert und gedürstet hat. Wer Mein Brot einmal gegessen und Meinen Wein einmal getrunken hat, den wird es weder hungern noch dürsten in Ewigkeit, denn Mein Brot ist ein lebendiges Brot und also eine wahrhafte Speise, die sich in dem Magen deiner Seele stets von neuem wieder zeugt, nährend Seele und Geist; und also ist auch Mein Wein ein rechter Trank, dem kein Durst mehr folgt. Daher könnet ihr nun denn auch ganz getrost hinausziehen auf euer Geschäft, denn von nun an wird euch nimmerdar hungern und dürsten.« – 11 Auf diese Meine Belehrung und Versicherung gehen sie nun voll Trostes und Mutes an ihr zu verrichtendes Werk. Ob sie viel ausrichten werden, steht wohl sehr in der Frage, da die vielen roten Geister schon überall die vollste Tätigkeit zur Erreichung ihres Zweckes zu entwickeln angefangen haben; aber mildern können sie die Sache dennoch um ein sehr Bedeutendes. 12 Spricht der Herr: »Es muß aber nun eine große Züchtigung kommen über alle, die es ganz verlernt haben, Mich in der Not wie allezeit anzurufen und anzuerkennen den Wert des Menschen, der eines ganz anderen Zweckes wegen von Mir in die Welt gesetzt worden ist, als sich wegen des Glanzes einer Krone und eines Thrones totschießen zu lassen. Diesmal solle dem Volke, wenn es nüchtern handelt, für alle Zeiten der Sieg eingeräumt werden; dann erst kommt Mein Reich in die Welt. Sollte aber das Volk unnüchtern und grausam sein, was Ich weder vorhersehen noch vorherbestimmen will, so wird es schwer zum endlichen Siege gelangen. Mit dem Papsttume aber wird vorerst moralisch und endlich auch physisch ein totales Garaus gemacht werden, denn sein gegenwärtiges Streben ist scheußlicher als es je war. Zur Zeit der greuelhaftesten Inquisition war es bei weitem nicht so scheußlich als jetzt. Wenn Ich dir, Meinem irdischen Knechte, einen Blick in die römischen Gefängnisse, wie auch in die Neapels machen ließe, und dir gewährete eine Einsicht in die geheimen Beratungen der hohen Pfaffen des sogenannten heiligen Konklaves, dich träfe augenblicklich der Schlag vor Grimm, Wut und Zorn. Gib aber nun acht und du wirst bald sehen, wie es diesem Hierachentume zu Rom ergehen wird. Wahrlich, das solle, wenn es sein Spiel auf's äußerste treibt, (so wird es von) Mir mit Feuer aus den Wolken gleich Sodom und Gomorrah vertilgt werden. Ich will ihm nur noch eine ganz kurze Frist geben; beharret es – trotz der vielen Ermahnungen, die es nun von allen Seiten bekommt – in seinem tollsten und bösesten Starrsinn, so lasse Ich alle Schleusen Meines Zorngerichtes öffnen, und von den Fluten alles Feuers begraben werden diesen Ort des Verderbens der Welt, und das physisch und moralisch. Wehe dann allem römischen Pfaffentum in der ganzen Naturwelt! Doch nun nichts mehr weiter von dem Orte Meines Zornes!« Kapitel 281 Hinweise auf die Führung der Menschheit. Annäherung des Gottesreiches auf Erden und nötige Vorbereitungen dazu. Wohlgeordnete Abreise von der Erde, auf der neuen Lichtbahn direkt zum Himmelstor. Abschiedssegen 1 Tritt der Robert zu Mir und sagt: »O Herr, was sollen wir nun tun? Alles, was sich uns genaht hat, ist gewisserart bis auf ein in der Folge kommendes Weiteres abgefertigt worden. Die gestärkten einstmaligen Priester auf der Erde machen nun unter den Millionenscharen ihresgleichen, wie es sich zeigt, recht erwünschte Erfolge. Die nun zuletzt gestärkten lichtblauen Geister tun schon auf das emsigste, was ihnen zu tun anbefohlen war; und ich sehe keine neuen Scharen mehr, die sich uns näherten. Müßig sein ist für mich aber etwas kaum Erträgliches; daher bitte ich Dich, o mein Herr, mein Gott und mein Vater, gib mir doch etwas zu tun!« 2 Ich sage aber darauf: »Mein Freund und Bruder! Die Tätigkeit ist zwar das eigentlichste Hauptwesen des Geistes; aber dann und wann ist es auch gut, daß er ein wenig ruht, denn in der Ruhe sammeln sich wieder die erschöpften Kräfte der Seele, die da ist ein Organ des Geistes zur neuen Tätigkeit. Daher ist denn auch euch hier eine kleine Ruhe von nöten, auf daß ihr alle euch stärket zu großen, neuen Tätigkeiten in Meinem Reiche. Der Sabbath geht zu Ende; was hier nötigst zu schlichten war, das haben wir geschlichtet; wir haben somit auf dieser Erde ein Tagewerk vollbracht, und dort sehet hin gegen Osten! Das bekannte Tor, das du nicht öffnen konntest, steht offen; alle die früheren Freunde erwarten uns schon mit größter Sehnsucht; daher Meine lieben Freunde, Brüder und Kinder, werden wir uns auf den Weg zum Abzuge von diesem irdischen Hügel anschicken und eingehen durch jene Pforte in Mein Reich, das da nun als ein neuer Verein hervorgegangen ist aus Deinem Herzen, du, Mein lieber Bruder Robert Uraniel! – 3 Und da wir nun alle durch eine kleine Ruhe neugestärkt sind, so treten wir in guter Ordnung den Weg an. Wie ihr aber sehet, so brauchen wir nicht die dazwischen liegenden Täler und Hügel zu übersteigen, sondern auf der geraden Bahn, die Ich nun dahin aus lauter Licht gestaltet habe, uns fortzubewegen, und wir werden das uns scheinbar weit abstehende Tor in aller Bälde erreichen. Du Uraniel, aber als oberster und erster Inhaber und Leiter dieses Vereins gehst voran mit deinem Gehilfen (Peter Peter) und deinem und seinem Weibe. Ich aber werde mit den drei Brüdern (Paulus, Petrus und Johannes) dir nachgehen; Mir folgen dann zunächst alle die Monarchen und Bischöfe und diesen die große Volksschar beiderlei Geschlechtes. – 4 Nach dieser Meiner angezeigten Ordnung ordnet euch nun und tretet den neuen Weg an, den Ich nun vorerst für euch und nach euch für viele gebaut habe. Unser Segen den Guten dieser Erde! Und nun vorwärts. Es sei!« Kapitel 282 Roberts Staunen über die neuen Himmelsgegenden. Der dritte Stock im Hause Roberts; die neue Himmelsbrücke. Der zweite Stock im Hause Roberts, seine himmlische und irdische Mission. Die ausdrückliche Segenung des Gnadenhügels Rainerkogel durch den Herrn Am 22. November 1850 1 Die Reise beginnt, und nach kurzer Dauer der wohlgeordneten Fortbewegung wird das Tor erreicht. Am Tore erwarten uns viele Tausende und loben Mich ob Meiner großen Güte, Gnade, Liebe und Erbarmung, und ob Meines allein gerechten Gerichtes, demnach jedem durch das Wort der ewigen Ordnung der Richter in die eigene Burst gelegt ist. 2 Robert tritt nun zu Mir zurück und sagt: »O heiliger Vater! Wir stehen nun vor dem Eingange; unabsehbare Reihen breiten sich strahlenförmig innerhalb des Tores über die himmlischen Gefilde aus. Aus ihrem Munde tönt ein Lob Dir. Alles ist voll des Lichtes und des höchsten himmlischen Glanzes; im tiefsten Hintergrunde zeigt sich auch etwas wie eine Stadt; aber zufolge ihres zu mächtigen Glanzes ist es meinen Augen nicht möglich, ihre Form näher auszunehmen. O Vater! Was ist das wohl für eine Gegend; was für ein Land, gegen das selbst Gegenden und Länder der Sonne, die ich wohl besehen habe bei meiner Reise mit Sahariel, der mich vom bekannten Museum meines Hauses in den Uranus geführt hat, wie eine trübste Nacht gegen den hellsten Tag sich ausnehmen müßten? O Vater! welch' namenloseste und allerunbeschreiblichste Herrlichkeiten wallen uns da entgegen! Das muß der Himmel höchster sein!« 3 Sage Ich: »Ja, ja, also ist es, und zugleich ist es aber auch das dritte Stockwerk deines Hauses, das du gleich im Anfange deiner Entwicklung in diesem Reiche zuerst äußerlich geschaut und bald darauf als Eigentum in den vollen Besitz genommen hast. Also stellt diese Gegend auch den Verein dar, den du aus deinem wohlwollenden Herzen gegründet und bestens nach Meiner Ordnung geordnet und geregelt hast. In diesem Verein wirst du nun ewig als Oberhaupt wirken und sorgen, daß darin alles in der besten Ordnung vor sich gehen wird. Zugleich aber sollst du auch von diesem deinem Vereine aus eine machtvolle Aufsicht über einen Teil der Erde führen, der dir als stammesverwandt am nächsten liegt. Die beiden Orte, die wir nun auf der Erde betreten haben, sollen dir vorerst stets ein Augapfel bleiben: In Wien, wo du irdisch Übles überkamst, übe du Gutes und Edles! Das zweite Land aber, das wir zuletzt betreten (betraten), benütze du als Läuterungsanstalt für unlautere Geister, mögen sie von wo immer herkommen. – 4 Die Brücke aber, die Ich nun von einem niederen Hügel hierher gesetzt habe, solle bleiben. Wer auf derselben sich hierher bewegen wird, solle nicht zurückgewiesen werden. Auf den Hügel aber stelle fortan eine Wache auf, auf daß jeder, der im guten Sinne diesen Hügel geistig als Geist betritt, einen Freund finde und einen rechten Wegweiser. Naturmenschen aber, die noch im Fleische wandeln auf der materiellen Erde, solle auf diesem Hügel eine Stärkung im Glauben werden, und sie sollen in der Liebe erweckt werden, jedoch ohne Gericht und ohne Band; und Kranke sollen Linderung ihrer Schmerzen und die Guten und Gläubigen sieben Male ihre Gesundheit wieder gewinnen. 5 So die Menschen auf der Erde uns in der Folge der Zeiten auf dem besagten Hügel ein Erinnerungszeichen errichten wollten, so sollen sie daran gerade nicht gehindert, aber auch nicht unterstützt werden; denn jedes äußere Denkmal an eine himmlische Erscheinung auf der Welt wird nur zu bald zu einem Platze der Gewinnsucht und des Betruges umgewandelt. Will aber schon jemand ein Denkmal setzen, no so solle er daran auch nicht gehindert werden, denn die Sinais, Tabors und Ölberge sollen zum steten Angedenken den irdischen Menschen als das belassen werden, als was und wozu sie von Mir bestimmt worden sind. Und nun treten wir ein in das Reich des wahren ewigen Lebens!« – Kapitel 283 Die neue Himmelssphäre. Jeder bezieht seine ewige Hütte. Robert Uraniel und Peter Peter begleiten mit drei Freunden den Herrn zur Stadt, dem himmlischen Jerusalem, die heilige Stadt. Kado, als erster Wachposten auf dem Rainerkogel. Die himmlische Sonne 1 Alle gehen nun hinein und jeden durchdringt des Lebens höchstes Wonnegefühl und alles lobt Meine große Güte und Weisheit. Die überweit gedehnte Gegend ist voll kleiner, niedlicher Wohnhäuser, und es wird jedem das seinige gezeigt und ihm zum vollsten Eigentum übergeben; sogleich ergreifen auch alle mit der höchsten Freude ihren neuen himmlischen Grund und Boden, der allenthalben bestens hergerichtet ist. 2 Nur Robert Uraniel und dessen Gehilfe sehen kein Haus für sie in Bereitschaft übrig und fragen Mich, wo sie denn so ganz eigentlich für gewöhnlich wohnen werden. 3 Ich aber sage zum Robert: »Siehe, dies alles ist ja dein Haus; du bist überall zu Hause in deinem Hause und dein Freund mit dir. Sonst aber hast du deine Wohnung dort in jener Stadt, in der Ich Selbst beständig zu wohnen pflege. Es ist das das neue himmlische Jerusalem, die Stadt deines Gottes, deines Herrn, deines Vaters, und im Geiste der Liebe deines Bruders. Von dort aus wirst du stets dies dein eigen Haus besorgen und bestellen; und von Mir aus wirst du dazu stets reichlichst mit allen erforderlichen Mitteln versehen werden. 4 Folge Mir daher nun, nachdem alle, die wir von der Erde hierher gebracht haben, Kleine und Große, bestens versorgt sind, hin in jene Stadt! So du aber von den Mitgekommenen jemand mitnehmen willst, so steht es dir frei. Ich sehe wohl, daß du alle mit dir ziehen möchtest; aber das tut sich jetzt noch nicht; aber den Josef, und den Leopold, und Rudolf den Ersten nimm mit; ihre Wohnungen befinden sich hier zunächst der Hauptstraße; diese berufe und sie sollen mit uns nach der Stadt der Himmel sich begeben.« 5 Robert beruft die drei, sie treten sogleich aus ihren Häusern, deren innere Einrichtung sie nicht genug rühmen können, und machen sich mit uns auf den Weg nach der Stadt. Robert aber fragt mich, wo jene Geister wären, die vor uns mit den Erzvätern in dies Reich eingegangen sind. 6 Ich aber zeige ihm die Gegend gen Mittag hin und sage: »Dort wirst du sie alle treffen, denn auch sie wohnen in deinem Hause. Die Erzväter aber wohnen in eigenen Großhäusern, die du mit der Weile alle wirst kennen lernen; denn solche Häuser, wie dies dein neues nun ist, gibt es in meinem Reiche endlos viele. Du wirst ewig mit deren Bekanntwerdung zu keinem Ende gelangen. In Meinem großen Hause jedoch wirst du sie zu sehen bekommen nach dem Maße der himmlischen Bedürfnisse. Kennst du aber diesen Geist, der uns nun auf der Straße entgegeneilt?« – 7 Sagt Robert: »Das ist ja der berühmte Kado, der im Museum der Satana so unverdauliche Brocken zum Verschlucken gab.« – Sage Ich: »Ja, derselbe ist es. Diesem gib nun zuerst die Wache auf dem Hügel, denn er hat viel Kraft und Mut; aber über ein irdisches Jahr solle keiner auf Erden Wache halten, und somit auch dieser Kado nicht.« – 8 In diesem Augenblicke tritt Kado vor uns hin und sagt: »Herr! ich habe meine Bestimmung schon vernommen, und beeile mich, ihr getreuest nachzukommen.« – Robert küßt ihn und sagt: »Sei gut, gerecht und strenge, denn die Erde liegt sehr im argen!« – Kado verneigt sich und eilt nach dem Orte seiner ersten Bestimmung. 9 Wir aber gehen auf der allergeradesten Straße, die da aussieht als wie ein sieben Klafter breites Goldband, in das wie aus feinster Seide die Farben des Regenbogens eingewebt sind und sich dem Auge überraschend herrlich präsentieren, der heiligen Stadt zu, die da für keinen noch im Fleische steckenden Geist beschreibbar ist, denn ihre Herrlichkeit, ihre Größe und das Maß der in ihr herrschenden Seligkeiten und Wonnen ist unendlich; aber die Gestalt von außen her ersichtlich erscheint, wie ein Mensch, dennoch in begrenzter Form, obschon das Innere eines jeden Hauses unendlich ist, gleichwie da ist unendlich das Innere des Keimes in jedem Samenkorn, und wie da ist noch unendlicher in aller Mannigfaltigkeit das Herz des Geistes. 10 Robert, sein Gehilfe Peter Peter, ihre Weiber, Josef, Leopold und Rudolf sind voll Staunens über die große Herrlichkeit der Stadt. Je näher wir ihr kommen, desto herrlicher wird ihre Gestalt, und von allen Seiten her duftet allen die größte Liebfreundlichkeit entgegen. 11 Robert fragt Mich in aller Liebe, da er über der Stadt – der herrlichsten Sonne aller Sonnen ansichtig wird, von der das Licht in alle Unendlichkeit ausgeht, – was denn das für eine Sonne wäre? Indem ihr Licht viel heller wäre, als das der irdischen Natursonne, aber dabei dennoch so lieblich anzusehen wie das Licht des schönsten Morgensternes! 12 Und Ich sage zu ihm: »Siehe, diese Sonne bin Ich im Grunde Selbst. Es gibt unter uns noch zwei Himmelssphären, und zwar gegen Abend hin einen puren Weisheitshimmel, und gegen Mittag hin einen Liebe- und Weisheitshimmel. Die Bewohner dieser beiden Himmel sehen Mich nur als eine Sonne, und zwar ebendiese, die du und alle anderen nun sehen in der Mitte über der Stadt leuchten. 13 Nur hier im allerhöchsten Himmel bin Ich außerhalb der Sonne, obschon auch in der Sonne. Außer der Sonne bin Ich, wie ihr alle Mich nun sehet, unter euch; in der Sonne aber bin Ich pur geistig durch und in der Kraft Meines Willens, Meiner Liebe und Weisheit. Ich Selbst bin im Grunde des Grundes in dieser Sonne, und die Sonne bin Ich Selbst; aber dennoch ist ein Unterschied zwischen Mir und dieser Sonne. Ich bin der Grund, und diese Sonne ist gleich einer Ausstrahlung Meines Geistes, der von hier und also aus Mir alle Unendlichkeit in ungeschwächter Kraft durchströmt und allenthalben Meine ewige Ordnung schafft. – 14 Nun aber sehet hin auf die großen Scharen, die uns aus der Stadt entgegeneilen und ihre höchste Liebfreundlichkeit ersichtlich uns entgegentragen.« – Sagt Robert: »O Herr! ich vergehe vor Wonne und Liebe, wenn ich Dich anschaue. Du bist bei uns, und das ist alles Dein Werk. O Herr, was sind wir denn, daß Du uns gar so endlos gnädig bist?! O Gott, o Gott! Wie groß, herrlich und heilig bist Du!« Kapitel 284 Gute Vergleichsrede Rudolf I. von der Größe des Nichts im Himmel und von der Kleinstheit des Höchsten auf Erden. Ein gerechter Beruf wird dort in himmlische Art erneuert. Näheres über die himmlische Stadt Am 24. November 1850 1 Tritt der Kaiser Rudolf I. zu Mir, lobet und preiset Mich aus vollem Herzen und sagt zum Schlusse: »O wie ganz anders sind doch die Dinge und Verhältnisse dieser Geisterwelt, als wie jene kleinlichsten auf der Erde. Was hat man auf der Welt sich alles eingebildet zu sein und war im Grunde des Grundes doch nichts. Denn so lange ein Mensch, mag er Kaiser oder Bettler sein, im Kleide des Todes herumwandelt und in was immer für einem Weltstande vergänglich ist, kann sein Sein nichts als eine Null sein. Ich war auf der Welt ein großer Kaiser, als aber der Tod über mich kam, was war ich dann? Nichts als eine Handvoll Staub und Asche. Hier bin ich aber nun doch sicher nichts, wenigstens nicht um ein Haar mehr, als da ist ein geringster Bürger dieser Welt, dieses ewigen Reiches, dieser Gottesstadt; und ich dünke mich erhabener in aller meiner Nichtigkeit, als stünde ich auf der Erde, über tausend Kronen und Throne gebietend als ein mächtigster Regent, vor dem Erde und Meere bebeten. 2 Wie lange hat der irdische Dünkel selbst nach dem Abfalle meines Leibes mich berückt! Einem Freien – aus der Freiheit der Wahrheit ward es vorbehalten, den alten schon morsch gewordenen Fels aus dem harten Schlafe zu rütteln. Der Fels zerstob, und ich stehe nun hier in all' meiner Nichtigkeit vor Dir, o Herr, wie ein neugeborenes Kind vor dem Schoße seiner Mutter, und staune eine neue Welt an und ihre heiligen Verhältnisse. Ich bin zwar nun auch gleichwie ein neugeborenes Kind in allem, was da dieses herrlichsten Reiches ist; aber um wie vieles hat dies Kind voraus vor allen noch so weisen und mächtigen Herrschern der Erde. Ja, ich möchte behaupten, daß hier eine Mücke schon mehr zu bedeuten hat als auf der Erde ein Elefant. Mir kommt hier alles gar so groß und erhaben und gar so überaus bedeutungsvoll vor. O Herrlichkeiten über Herrlichkeiten ohne Namen und ohne Zahl! Das Kleinste will ich auf die Erde setzen, und die Erde wird zerquetscht von der Schwere der zu großen Bedeutung dessen, was hier beinahe wie eine volle Nichtigkeit dasteht. O Vater, wie groß und heilig bist Du!« 3 Sage Ich: »Ja, ja, du hast recht! Auf der Erde aber müssen Unterschiede sein, sonst wäre sie nicht, was sie sein muß. Hier aber ist alles gleich; da gibt es einmal keinen Rang, außer dem, daß ihr alle Meine Kinder seid und Ich eurer aller Vater und Herr. Aber dessen ungeachtet gibt es hier auch Unterschiede, und niemand solle von dem etwas verlieren, was er redlich auf der Erde besessen hat. Du warst auf der Erde ein rechter Kaiser; und siehe, du wirst wieder Kaiser werden, aber über ein sehr bedeutend größeres Reich, als dies auf der Erde der Fall war. Auf der Erde maß dein Reich in allem wohl einige tausend Quadratmeilen; hier aber wirst du gesetzt werden über eine ganze Sonne, in der eine Trillion Erden Platz hätte. In der Stadt und zwar in deinem Hause wirst du erst deine künftige Bestimmung näher kennen lernen. 4 Nun aber stehen wir schon am Tore; daher lasset uns beim Harfenklange in sie ziehen!« 5 Wir ziehen nun in die Stadt, die da ist eine Stadt voll Lichtes und Lebens, in der ewig an keine Not an was immer für einem Lebensbedürfnisse mehr gedacht wird, weil in ihr alles in höchster Überfülle vorhanden ist und ewig vorhanden sein muß; denn aus dieser Stadt bezieht alle Unendlichkeit eben auch ihre Nahrung physisch und geistig. 6 Robert und alle staunen über die große Lieblichkeit der Wohnungen, deren es eine solche Anzahl gibt, daß sie von niemand mehr gezählt werden können; denn sie nehmen wohl einen Anfang, aber hinter dem Anfange nimmer ein Ende. Wohl ist im Anfange (Beginn) diese Stadt (alles) also gestellt, daß sie ein vollkommenes Viereck bildet, aber hinter dem Vierecke dehnt sie sich parabolisch aus und hat nirgends und nimmer ein Ende. 7 Nach lange anhaltendem Staunen sagt Robert: »Ja, jetzt verstehe ich es erst so ein wenig tiefer und besser, was das heißt: Kein Auge hat es je gesehen, kein Ohr gehört, und in keines Menschen Sinn ist es gekommen, was der Herr denen bereitet hat, die Ihn lieben. Wenn die Menschen auf der Erde aber auch nur eine leiseste Ahnung hätten von dem, was sie hier erwartet. Jede Sekunde irdischen Lebens würde ihnen zu einer unerträglichen Bürde werden und tausendmal sterben wäre ihnen lieber, als ein auch nur minutenlanges Leben auf der Erde. Aber des Herrn große Liebe und Weisheit verbirgt solches vor den Augen der Sterblichen, auf daß sie ihre Probe durchmachen und eine rechte Befestigung (Festigkeit) ihres Geistes erlangen können, ohne die es ihnen unmöglich wäre, eine solche Wonnefülle zu ertragen. 8 O Herr, nun begreife ich auch, wie es hier gar leicht möglich ist, daß manchmal Geister meinesgleichen auf die leichteste und erklärlichste Weise ihrer sterblichen Brüder gewisserart ein wenig vergessen und sich ihnen nur sehr selten zeigen. Wer könnte über solch einer Wonnefülle nicht der bösen und finsteren Erde nur zu bald gänzlich vergessen, so er nicht von Dir, o Herr und Vater, von Weile zu Weile ermahnet würde, zur rechten Zeit auch der noch sterblichen Brüder auf Erden zu gedenken.« Kapitel 285 Das Vaterhaus in der himmlischen Stadt. Josefs Eindruck über die Pracht der Vorhalle, die Einfachheit des Herrn in Seiner Hausordnung. Robert ist fast aufgelöst beim Eröffnen der Wohnungstür. Verherrlichung der sieben neuen Gäste 1 Robert spricht weiter: »O Herr und Vater voll Liebe, Sanftmut und Geduld! Was ist denn das für ein gar so endlos herrlicher Palast, der auf ein paar hundert Schritte uns gerade gegenüber gen Morgen hin steht?« – Sage Ich: »Das ist Mein höchsteigentümliches Haus; aber darinnen gibt es gar viele Wohnungen, von denen nun auch du eine beziehen wirst für ewig; und ihr alle, die ihr nun mit Mir seid, werdet wohnen darinnen; diese Wohnungen werden euch allen sehr gefallen.« – 2 Sagt Kaiser Josef: »Was, bei Dir, in Deiner nächsten Nähe, o heiligster Vater, sollen wir sein?! Nein, nein, das wäre zu endlos viel Seligkeit für uns arme Sünder! Wir sind schon mit einem letzten Winkel in dieser Stadt vollends und überseligst zufrieden!« – Sage Ich: »Mein lieber Bruder! siehe, es steht ja geschrieben: »Wo Ich bin, da werden auch die sein, die Mich lieben über alles;« ihr aber liebet Mich nun über alles und habet Mich in euren Herzen stets mehr geliebt, als ihr Mich zu lieben glaubtet; und so müsset ihr denn auch dort wohnen, wo Ich Selbst wohne, und wirken mit Mir in ewiger Gemeinschaft. Ihr werdet da gar viele antreffen, die ebenfalls in Meinem Hause wohnen; denn dies Mein Haus ist gar groß und zählt sehr viele Wohnungen. Betreten wir sie nun; die drei Brüder (Paulus, Petrus und Johannes) gehen voran!« 3 Wir treten nun in eine große Vorhalle des Hauses; der Boden ist aus reinstem durchscheinenden Golde. Zu beiden Seiten stehen 12 Säulen, die die Decke der großen Vorhalle tragen. Die Säulen leuchten wie die Sonne und spielen im höchsten Glanze alle Farben des Regenbogens; ihre Masse ist reinster Diamant. Die Wände der Vorhalle sind reinster Porphyr, und die Decke ist Smaragd, und die Stufen in den ersten Stock (das Haus hat drei Hauptstockwerke) sind aus reinstem Rubin mit Gold gerändert und führen in geradester Neigung zu einer großen Tür, die niemand außer Mir öffnen kann. 4 Alle, die da mit sind, können sich über die allerhöchste Pracht dieser Halle, wie sie sich ausdrücken, nicht genug erstaunen, und Josef sagt: »Bruder! wären wohl alle Kaiser und Könige der Erde, so sie alle Schätze aufbieten würden, imstande, solch eine Vorhalle mit bloß irdischem, diesem himmlischen gleichenden Materiale zu erbauen? O Gott, welch eine namenloseste Pracht und unbeschreibliche Majestät! – 5 Und der Herr aber bleibt dennoch stets gleich in Seiner höchsten Schlichtheit. Wie Er auf der Erde einst bekleidet herumging und die Menschen lehrte und ihnen zeigte die Wege des Lebens, so wandelt Er auch hier in Seinen Himmeln der Himmel. Kein Glanz, kein Leuchten und kein glänzender Hofstaat von Myriaden Engeln umgibt Ihn, wir sind hier fast Seine einzige nächste Begleitung. Draußen auf den Gassen geht es wohl sehr bunt zu; aus Millionen Kehlen erschallen die lieblichsten Lobpreisungen unter dem harmonischesten Klange der allerwohlklingendsten Harfen. Die ganze Himmelsluft ist ganz durch und durch erfüllt von den herrlichsten Gesängen und Harmonien. Man sollte schon beinahe zu glauben anfangen, alle diese Himmel seien bloß Gesang und die allerreinste und herrlichste Harmonie. Man sollte schon nur hören. 6 Ja, in der Stadt geht es wahrlich höchst lebendig zu, aber hier beim Herrn aller Herrlichkeiten, bei Gott, dem allmächtigen Schöpfer und Vater der Unendlichkeit, ist es bis auf die unendliche Pracht des Hauses ganz einfach. Keine Hofdienerschaft, keine glänzende Begleitung, kein dem Herrn der Ewigkeit gebührender Empfang ist irgendwo bemerkbar. Fangen daher doch wir ein bißchen einen Lärm zu schlagen an, auf daß die sicher vielen Bewohner dieses Hauses auf die Ankunft des Herrn aufmerksam gemacht werden.« 7 Sage Ich: »Lasset das gut sein, liebe Brüder! Die vielen Bewohner dieses Hauses wissen gar wohl, was sie bei Meiner Ankunft zu tun haben. Ihr seid auf der Erde an das Lärmen gewöhnt worden und denket euch, es müsse daher auch hier bei Meiner Ankunft in allen Himmeln ein ungeheurer Lärm geschlagen werden. O dessen bedarf es hier durchaus nicht. Wenn bei Meiner Ankunft nach irgend einem auf Erden und in deren geistigen Regionen vollbrachten Werke Mir nur ganz im Stillen die Herzen Meiner süßen Kindlein entgegenpochen voll Liebe, Dank und Leben, dann ist für Mich des feierlichsten Lärmens schon in aller Überfülle vorhanden. So wir die Gemächer betreten werden, da werden sie uns schon entgegentreten und werden uns grüßen auf die lieblichste Weise von allen Himmeln.« 8 Ich öffne nun die Türe, und Meine Freunde fallen nieder auf ihre Angesichter auf den Stufen, auf denen sie noch stehen, und Robert sagt mit bebendem Herzen: »O Vater, das ist zu viel auf einmal für einen geschaffenen kleinen Geist, für ein winzigstes Lebensatom in Deiner Unendlichkeit. O dieses Licht, diese Herrlichkeit, und diese überhimmlisch schönsten Engel, die mit tränenfeuchten Augen ihre gar zu unendlich schönsten, weichsten Arme nach Dir und nach uns ausstrecken! Wir sind ja gegen sie rein wie gestaltlos, bei all' unserem auch schon etwas himmlischen Aussehen.« 9 Hier sieht sich Robert nach seiner Helena um, um zwischen ihr und den Bewohnern Meines Hauses einen Vergleich zu machen. Die Helena ist aber da schon auch mit der Schönheit Meiner Kinder versehen. – Robert erschrickt davor ordentlich und sagt: »O Herr, was ist denn mit der Helena geschehen und mit der Mathilde Eljah? Sie sind ja auch schon so schön, daß ich sie mir gar nicht mehr anzusehen getraue.« – 10 Sage Ich: »Erhebet euch nun alle und verwundert euch nicht gar so sehr, denn ihr selbst seid ja nun auch schon so schön gestaltet!« – Hier erheben sich die sieben, beschauen sich und kennen sich selbst kaum mehr vor Schönheit; und Robert sagt voll Staunens: »Bin ich es denn wohl?« – Sage Ich: »Ja, ja, du bist es, aber nun gehen wir in das erste Gemach!« Kapitel 286 Eintritt in das Innere himmlischen Wohnung. Roberts Empfang als neuer Erzengel und Himmelsfürst. Roberts Bescheidenheit und Weisheit. Des Herrn gute Entscheidung Am 27. November 1850 1 Wir treten nun in's erste Gemach, d.h. in eben dasselbe, in das die verschlossen gewesene Türe führet, zu der man auf den Rubinstufen zuerst gelangt. 2 Robert und sein Gehilfe Peter Peter sind ganz weg, wie man sagt, vor lauter Verwunderung über Verwunderung. Beide aus dem Uranus abstammend, was aber Peter Peter aus einem guten Grunde noch nicht weiß, sind sie natürlich große Freunde von Bauwerken, besonders von so recht großen; sind aber solche Bauwerke dazu noch mit entsprechender Pracht und Majestät versehen, so ist das für unsere beiden Freunde gar etwas enormes. Beide haben nun ihre Augen auf die hohen Galerien und auf die kunstvollsten Säulen, die die Galerien tragen, geheftet und merken von der allerherrlichsten und liebevollsten himmlischesten großen Gesellschaft kaum etwas, die in Robert einen neuen Erzengel begrüßet, und einen Vorsteher eines neuen großen Vereines. 3 Hier stupft die Helena den Robert und sagt: »Aber du, mein liebster Robert, verschaue dich doch nicht gar zu sehr! Da siehe, wie du empfangen wirst!« Auf diesen Stupfer kommt Robert von seiner Verwunderung wieder zu sich und sieht, wie ihm die schönsten Liebeengel auf einem rotstrahlenden Polster eine herrlichste Krone überbringen und ein Zepter aus reinstem durchsichtigen Golde, das einen Glanz um sich wirft wie eine aufgehende Sonne, und zuletzt auch ein Schwert, das von einer unverlöschbaren Flamme umflossen ist. 4 Die Überbringer dieser Insignien verneigen sich nun vor Robert Uraniel und sagen gar liebfreundlichst: »Herr, liebster, herrlichster Bruder, empfange du den gerechten Lohn, den dir der Vater schon von Anbeginn der Welt vorbereitet hat. Um des Sinnes der Lehre Christi auf Erden wegen bist du ein Märtyrer geworden. Wohl hättest du das vermeiden können, so du es gewollt hättest; aber du wolltest das nicht, und so warst du ein Märtyrer zumeist des guten Sinnes der reinen Lehre des Herrn Jesus, unseres Gottes und unseres allerliebevollsten und allerheiligsten Vaters von Ewigkeit zu Ewigkeit wegen. 5 Du glaubtest auf der Erde zwar nicht, daß Jesus, zu Bethlehem geboren, von dir »der Weise aus Nazareth« genannt, Gott der Herr Selbst gewesen sei, aber du liebtest diesen Weisen dennoch ganz besonders und sahest Seine Göttlichkeit in deinem Herzen wohl, obschon dein Verstand da mit deinem Herzen nicht übereinstimmen wollte, und das behielt dir Seine Liebe und Gnade, die dich nun zu einem großen Fürsten der Himmel macht. – Daher nimm nun hin die Krone, Zepter und das Schwert der Kraft, Macht, Liebe, Weisheit und Gerechtigkeit, und werde ein rechter und weiser Regent deines großen und neuen Vereines. Der Herr hat dich gesegnet und derselbe Herr will es also!« 6 Robert, ganz verblüfft über diese Erscheinung, sagt aus seiner Demutstiefe: »Meine lieben, allerhimmlischesten Freunde und Freundinnen! Hättet ihr mir anstatt dieser königlichen Insignen die eines Schuhputzers überbracht, ich hätte sie mit der größten Rührung meines Herzens angenommen, aber diese um keinen Preis der Himmel. Trägt der Herr und König Himmels und aller Welten keine Krone, Zepter und kein Schwert, wie solle ich das als ein armer Sünder? Da sehet hin! Es stehen neben mir drei Kaiser, die schon von der Erde her gewohnt sind, Kronen zu tragen, denen reichet die Insignien hin, diese werden nicht eitler durch sie, ich aber könnte am Ende eitler werden, und das wäre wahrlich kein Gewinn weder für mich noch für euch und für den Verein oder für das Gottesreich in meinem Herzen; das ist mein rechtes Haus, dem ich vorzustehen und zu gebieten habe in der Ordnung und im Namen meines und eures Herrn und Vaters. Darum lasset ab von dem, was mir ewig nicht gebührt.« 7 Sagen die Überbringer: »Freund! es ist also des Herrn Wille! willst du dich diesem widersetzen?« – Sagt Robert auf Mich hindeutend: »Mein Herr und mein Gott hat noch nichts gesagt, so Er es mir sagen wird, dann in Seinem Namen will ich es wohl tun, aber ohne Sein Wort tue ich nichts; denn Er ganz allein ist mir alles, ohne Ihn sind mir alle Himmel nichts. Es steht geschrieben: »Ihr müsset alle von Gott belehret sein. Den Er als Vater nicht erzieht, der taugt nicht für die Himmel und kommt nicht zum Sohne, Der da ist des ewigen Vaters ewiges Reich!« 8 Kommen die Träger der Insignien zu Mir und sagen: »Vater! was sollen wir nun tun? Er nimmt diese Auszeichnungen nicht an.« – Sage Ich: »So er will bleiben Mir gleich, so lasset ab von der Nötigung; denn hier gibt es ewig keine Nötigung mehr, sondern die vollste unbedingteste Freiheit. Dieser Bruder aber ist ganz gewiß kein Alltagsgeist, wie er – gibt es wenige; daher müssen wir ihn schon auch etwas gelten lassen. Leget aber diese Insignien in sein Gemach; so es nötig sein wird, wird er sie schon gebrauchen. Aber nun bringet für die drei irdischen Regenten ihre eigenen Kronen, Zepter und Schwerter und Purpur. Es sei!« Kapitel 287 Die drei gerechten Regenten erhalten nun auch ihre Insignien. Des Herrn Belehrung über deren Bedeutung und über den Zweck der Repräsentation bei Sendungen im Universum Am 28. November 1850 1 Alsogleich werden die Reichsinsignien herbeigeschafft; auf rotstrahlenden Polstern werden sie den dreien vorgehalten, auf daß sie dieselben nehmen sollen zum Zeichen der Verherrlichung dessen, das sie auf Erden wohlberufen waren. Aber auch diese drei irdischen Kaiser weigern sich entschieden, in Meinem Hause und gar an Meiner Seite Kronen, Zepter, Schwert und Purpur zu tragen, indem doch Ich als ein König aller Könige und als ein wahrster und vollkommenster Herr aller Herrlichkeit weder eine Krone noch ein Zepter und noch weniger ein Schwert und einen Purpur trüge. 2 Ich aber sage zu ihnen: »Meine lieben Freunde! von einem beständigen Tragen dieser Insignien ist ja ohnehin keine Rede; aber annehmen und haben müsset ihr so etwas dennoch. Es gibt hier gar sehr verschiedenartige Situationen des Lebens, oft die großartigsten Besuche aus all' den zahllosesten Weltgebieten und sehr viele Sendungen in verschiedene Welten und Sonnen. Also gibt es auch Sendungen in die zwei unermeßlichsten unteren Himmel und sonderlich in ihre zahllosen Vereine, und Sendungen in alle die zahllosen Geisterweltregionen der Welten aller Art und Maß ohne Zahl. Für solche Gelegenheiten müssen von hier abgesandte Erzengel mit Insignien versehen sein und sie tragen zu einem großen Zeichen, daß sie selbst den mächtigsten Sieg über sich erfochten haben und nun mit Mir Herren sind über die ganze Unendlichkeit. 3 Bei Sendungen auf die Erde, allda Meine Kinder wachsen und erzogen werden, ist das freilich wohl nicht nötig, denn diese müssen in der möglichst größten Einfachheit erzogen werden; daher sie denn auch von hier aus mit nichts Strahlendem dürfen aus ihrer ohnehin sehr mühsam gehaltenen Demut geweckt werden. Aber ganz anders ist es bei Geistern, die da Bewohner großer Mittelsonnen sind, die schon im größten Lichte und Glanze geboren werden und in Wohnungen leben, gegen die alles, was ihr sogar hier sehet, wie eine ärmliche Hütte dasteht. Da heißt es dann auch zu Zeiten, so es nötig ist, in höchster Pracht und im höchsten Glanze auftreten; 4 und sehet, bei solchen eben nicht zu selten vorkommenden Fällen brauchet ihr dann auch solche Insignien, durch die ihr den betreffenden Geistern kund tuet, daß ihr Fürsten aus den allerhöchsten Himmeln und gleichsam Brüder des allerhöchsten Gottesgeistes seid. Unter dem Tritte eurer Füße müssen Sonnengebiete erbeben und eures Mundes Stimme muß gleichen dem Donner jener Gewitter, die auf den größten Sonnenwelten die Flammengemüter ihrer großen und mächtigsten Bewohner im tiefsten Respekte erhalten. Ich meine, ihr werdet nun wohl begreifen, warum euch hier solche Zeichen eingehändigt werden. 5 Die Krone ist ein Zeichen, daß ihr der Seele nach, die da nun ist euer geläuterter Leib, Meine Kinder, und dem Geiste nach, der aus Meinem Herzen stammt und Mein Ich in euch ist, Meine Brüder seid. Das Zepter aber zeigt an, daß ihr, da ihr Mein Ich in euch habet, mit Mir gleiche Regenten der Unendlichkeit seid für ewig. Das Schwert aber ist ein Zeichen von der Macht und Gewalt, die euch von Mir gegeben, und für immer eingeräumt ist; und der Purpur aber bezeugt, daß euer Äußerstes wie euer Innerstes pur Liebe ist, und ihr gleich Mir überall nur durch die Macht der Liebe alles ordnen, bändigen und beherrschen wollet. Und so denn möget ihr nun ohne alles Bedenken diese Insignien annehmen.« 6 Sagt Rudolf: »O Herr und Vater voll Güte, Liebe und Erbarmung! Wir drei sind nun wohl so sehr ausgezeichnet, daß wir Dir dafür ewig nie in nur einiger Genü- ge werden danken können; aber siehe, meine anderen irdischen Kinder sind, obschon in diesen allerhöchsten Himmel aufgenommen, aber dennoch außer dieser Stadt gestellt worden und können unmöglich eben so glücklich sein als wir; wäre es denn nicht tunlich, daß auch sie hierher kommen dürften und gestellt werden uns gleich?« 7 Sage Ich: »Mein Bruder! du sorgst dich etwas zu spät; sieh' dich nur nach der Türe um, durch die wir herreingekommen sind, und du wirst sie alle sehen mit den gleichen Insignien bekleidet. Sie kommen voll Wonne Mir dafür zu danken. Es ist zwischen ihnen und euch dreien nur der Unterschied, daß sie diese Insignien ein wenig früher als ihr in ihren majestätischen Wohnungen überkommen haben, daher sie dieselben auch schon tragen, während ihr sie noch nicht angenommen habet. Wie gefällt euch das?« – Sagt Rudolf: »O Herr und Vater! Deine Güte und Macht ist zu groß; ich finde keine Worte, Dir meinen Dank auszudrücken. Sie haben also auch die gleiche Bestimmung mit uns?« – 8 Sage Ich: »Ganz natürlich! Alle Bewohner dieses Meines allerhöchsten Himmels haben die gleiche übergroße Bestimmung; aber freilich haben die am meinsten zu tun, die in Meiner nächsten Nähe in Meinem höchsteigenen Hause wohnen, gleichwie auch diejenigen Lebensnerven des Menschen in fortwährend größter Tätigkeit sind und sein müssen, die dem Herzen zunächst liegen.« 9 Rudolf und alle danken Mir nun aus allen Kräften; Ich aber berufe den Robert und sage zu ihm: »Mein lieber Bruder! gehe mit den 3 Brüdern Petrus, Paulus und Johannes, die den Hausbrauch schon kennen, und bestelle dort einen guten Tisch; du verstehst Mich, was ich meine; nehmet aber ja den größten, denn wir werden unser sehr viele sein, die daran teilnehmen werden.« Kapitel 288 Von der Freiheit aller im Himmel. Robert und Petrus. Die Speisehalle und der Tisch mit Brot, Wein und Früchten. Der große Muster- und Stammgarten und mancherlei himmlische Geheimnisse Am 29. November 1850 1 Robert Uraniel fragt, ob er seinen Freund Peter Peter auch mitnehmen solle und die beiden Weiber? – Sage Ich: »Hast du denn nicht ehedem, als du Krone, Zepter und Schwert nicht annehmen wolltest, vernommen, daß hier für jedermann die vollkommenste Freiheit gang und gäbe ist? So aber dies, wozu dann solche Fragen? Hier kannst du tun, wie auf der Erde, was du nur immer willst, und es ist alles recht getan, denn siehe, es kommt ja sonst niemand hier her, als ein solcher nur, der seinen irdischen Weltwillen ganz aus sich herausgeschafft hat und hat dafür vollends für ewig den Meinen in sich und sein ganzes Leben aufgenommen. Hättest du das nicht getan, so wärest du nicht hier bei Mir in aller Himmel höchstem; da du aber solches getan hast, so bist du hier, und kannst unmöglich etwas anderes wollen, als was Ich Selbst will. Nun aber besteht ewig nirgends und niemals eine höhere und vollkommenere Freiheit, als wie die da ist Meines höchst eigenen Willens; da du diesen aber vollends inne hast, wie solltest du da bei was immer für einem Handeln nach deinem Wollen, was eigentlich nur Mein Wollen ist, beschränkt sein können? 2 Ohne die höchste, unbedingteste Freiheit wären Ich und alle, die da mit Mir vollends eins geworden sind, eine reine Chimäre, und die vollste Glückseligkeit Meiner Kinder wäre eine Lüge. Daher kannst du dich hier ganz so benehmen, als wenn du vollends Herr im Hause wärest, und andere auch also; denn hier in diesem Meinem Hause bestehen keine Rangstufen. Was einer ist, das ist auch der andere. Hier ist alles vollkommen Bruder und Schwester, nur Ich allein bin eurer aller Herr und Vater; dem Geiste aber, wie der innersten Wahrheit nach bin Ich auch eurer Bruder. Nun weißt du alles; daher handle und frage nicht wieder!« 3 Robert nimmt nun den Peter Peter und die Helena und Eljah mit, und begibt sich mit Petrus, Paulus und Johannes in das nächste Gemach, und kann sich wieder vor lauter Verwunderung gar nicht zurechtfinden, und sagt zum Petrus: »Freund, Bruder! du trittst so ganz mir nichts und dir nichts herein und scheinst alle die zahllosen Herrlichkeiten, die vom Kleinsten bis zum Größten dies Gemach oder besser gesagt diese ungeheuer große Halle Gottes zieren, gar nicht zu berücksichtigen. Das ist wirklich merkwürdig. Schau', für mich wäre diese Halle ein Gegenstand ewigens Betrachtens und Studierens.« – 4 Sagt Petrus: »O du irrest dich, lieber Bruder, so du mich in der Mitte der höchsten Wunderwerke des Herrn für unempfänglich halten oder dir von mir denken würdest, daß mir die Gewohnheit diese Werke gewisserart alltäglich und weniger beachtenswert gemacht hätte. O gerade das Gegenteil! Aber ich betrachte alles das mit einer gewissen Ruhe meines Geistes und verkünde in meinem Herzen des Herren Lob. Du aber bist nun hier noch ein Neuling, kennst den rechten Hausbrauch noch nicht, und bist sonst auch eines sehr lebendigen und enthusiastischen Geistes; daher ist bei dir auch sogleich alles in Flammen. Wann du aber mit der Weile das große Haus des ewigen Vaters näher wirst erkannt haben und dessen liebevollsten Hausbrauch, dann wirst du mein Benehmen sicher ganz in der besten Ordnung finden. 5 Übrigens gefällst du mir überaus wohl deines Eifers wegen, denn dein Geist ist ganz wie der unseres Bruders Paulus, der ebenso wie du – noch immer voll Feuers ist, und der stets gleiche Enthusiast. Mir gefallen solche Geister sehr, aber ich bin deshalb nicht minder ein Enthusiast für alles, was da ist des Herrn; aber nur erscheine ich dabei stets ruhiger und mache außer mir weniger Lärm, aber dafür geheim in meinem Herzen desto mehr. 6 Aber jetzt zur Tat! Siehe dort den großen Tisch, aus purstem durchsichtigstem Golde, diesen werden wir in die volle Mitte dieses Saales stellen, und werden ihn dann allerreichlichst bestellen mit Brot und Wein und mit allerlei himmlischen Früchten, die wir dort an der Mittagswand im großen Schranke in höchster Überfülle antreffen werden.« – 7 Auf diese Rede Petri gibt sich Robert zufrieden, und alle begeben sich zur Tat und bestellen den Tisch in wenigen Augenblicken. – Als Robert die herrlichen Früchte aller Art ersieht, sagt er: »Wahrlich, was auf allen besseren Weltkörpern sicher als das edelste Obst vorkommt, ist hier in höchster Reife und in größter Überfülle vorhanden. Die Ananas unserer Erde ist hier die mir allein bekannte Frucht. Am 30. November 1850 8 Sagt Petrus: »Hast du denn auf der Erde nie Trauben gesehen, nie Feigen und sogenannte persische Äpfel, insgemein Pfirsische und keine Melonen? Derlei gibt es hier ja auch, und da komme her an dieses Fenster gen Mittag, und besieh dir den großen Garten, und du wirst darin alle erdenklichen Fruchtgattungen ersehen, die du je irgendwo auf der Erde entweder in der Natur oder im Bilde gesehen hast.« 9 Robert geht hin und ersieht aus dem Fenster einen ungeheuer großen Garten in vollster Üppigkeit. Ganz wie versteinert bleibt er da stehen und sagt nach einer Weile: »Höre, Bruder! das wird denn doch ein Garten aller Gärten der ganzen Unendlichkeit sein; der muß ja allein so groß sein, als alle Gärten der Erde zusammengenommen. Welch eine unabsehbare Ausdehnung! Welche Ordnung und welche reichste Fülle von zahllosen Arten und Gattungen der edelsten und seltensten Früchte! Wahrlich aus diesem Garten könnte die ganze Erde mit einer nur einmaligen Ernte wenigstens auf tausend Jahre reichlichst versorgt werden. Aber sage mir, Bruder, wer kann denn diese beinahe grauenerregende Menge verzehren? Wo sind denn die Konsumenten?« – 10 Sagt Petrus: »Die ersten Konsumenten sind wir; die zweiten alle die Bewohner dieser Stadt, die wahrlich weiter und weiter gegen Osten hin kein Ende hat, und die dritten Konsumenten die zwei unteren Himmel; durch diese hinab dann auch die ganze Geisterwelt, und durch sie die ganze Naturwelt; denn das ist ein Mustergarten für die ganze Unendlichkeit. Kennst du dich jetzt aus?« 11 Sagt Robert: »Ja, Bruder! also habe ich es mir auch sogleich gedacht, daß es so sein wird; aber jetzt möchte ich nur die Arbeiter kennen, die da solch einen Garten bearbeiten und also bestellen natürlich im Namen des Herrn.« – Sagt Petrus: »Das alles tut der Herr Selbst durch Seinen allmächtigen Willen. Er will es und es ist da, was Er will! Aber eine Weiterverpflanzung geschieht dann wohl durch eigens dazu bestimmte Geister und Engel, denen die Befruchtung aller Weltkörper anvertraut ist. 12 Aber diese Geister und Engel bleiben auch nicht immer das, sondern werden von Weile zu Weile abgelöst und durch neue ersetzt. Den Abgelösten wird aber dann wieder sogleich eine andere Bestimmung vermittelt; denn von irgend einer Monotonie ist nie eine Rede. Überall herrscht die freieste allermannigfaltigste Abwechslung. Wozu jemand die meiste Lust hat, mit dem beschäftigt er sich, so lange es ihm eine Freude und Seligkeit macht. Freut ihn dann irgend eine Beschäftigung nicht mehr gar sehr, so hat er sogleich eine große Auswahl vor sich und kann sich wählen und nehmen, was er nur immer will. Das wird doch der Freiheit in Übergenüge abgeben?« 13 Sagt Robert: »Bei Gott ja! Das heiße ich ein freies Leben. O Erde! Von einer solch grenzenlosesten Freiheit hat dir wohl doch sicher nie etwas geträumt. Aber was geschieht nun? Der Tisch ist bestellt; sollen wir etwa ein Zeichen geben?« – Sagt Petrus: »Freund! das war noch ein sehr irdischer Gedanke von dir. Meinst du denn, der Herr und die anderen Bewohner dieses Hauses wissen etwa nicht, ob wir mit unserer Arbeit zu Ende sind oder nicht?« 14 Sagt Robert: »Ja, ja, du hast recht; der Herr weiß es ganz sicher; aber wie erfahren das die anderen Bewohner dieses Hauses?« – Sagt Petrus: »Siehe, da ist schon eine solche Einrichtung getroffen; in jedem der beinahe zahllos vielen Gemächer dieses Hauses, und zwar durch alle die drei Hauptstockwerke, befindet sich eine sogenannte Direktionstafel; auf dieser Tafel wird vom Herrn aus signalisiert, was da zu geschehen hat, und ein jeder Bewohner richtet sich dann allerseligst augenblicklich danach. – 15 Eine gleiche Einrichtung ist aber dann auch in allen Himmeln getroffen, nur in einem nach wohlberechneten Verhältnissen minderen Grade als hier im Hause des Vaters. Du wirst das alles noch genauer kennen lernen, denn glaube es mir: Hier lernt man nie aus; man bleibt ein Schüler in Ewigkeit, denn unsere Vollendung besteht nur in der Liebe und in der Empfänglichkeit für die stets wachsende Gnade des Vaters. Aber im Wissen und im Erfahrungen machen bleiben wir ewig Jünger des Herrn. Nur der Herr allein ist allwissend; wir aber nur insoweit als es der Herr will und für gut und zweckdienlich findet. 16 Daher gibt es hier denn auch neben dem großartigsten Wissen der Geister dennoch ein fortwährendes Fragen und Erklären der mannigfachsten Erscheinungen und Dinge aller Arten und Weisen. Du wirst sicher mit den Fragen auch ewig nie zu einem Ende gelangen. Am leichtesten kommt man daraus, so man sich stets mehr in der Liebe zu befestigen sucht als im Wissen, denn die Liebe befriediget, aber das Wissen ewig nimmer!« Kapitel 289 Roberts Frage an Petrus, wie er und die Kaiser in einen Verein kamen? Vorzüge der Erbthrone vor den Wahlthronen. Gesegnetes Verhältnis zwischen Regierung und Volk. Wann der Himmel eingreift Am 1. Dezember 1850 1 Sagt Robert: »Das aber ist eben auch vom Herrn endlos weise eingerichtet; denn würde man mit dem Wissen je zu einem vollsten Ende gelangen können, und gäbe es endlich gar nichts mehr, danach man fragen könnte, so wäre einem ehrlichen Geiste mit der Weile das Dasein ja noch bei weitem unerträglicher als alles, was man für's bewußte und intelligente Leben nur immer unerträglich nennen kann und mag, aber so ist man selbst als ein vollendeter Geist, obschon man hier mehr weiß, versteht und einsieht als alle Menschen auf der Erde in tausend Jahren, im Wissen, besonders hier im Hause des Herrn, wo ein Wunder das andere verdrängt, äußerst beschränkt; ja man ist eigentlich eine barste Null und begreift sogar das nicht, was einem doch sozusagen auf der Nase sitzt; und das ist gut, weil dadurch das Herz und der Geist in einer immerwährenden Tätigkeit erhalten werden. 2 So habe ich bei mir schon einigemal nachgedacht, was denn ich so ganz eigentlich mit den römischdeutschen und österreichischen Kaisern zu tun habe. Wie komme ich in ihre und sie in meine Gemeinschaft? Was habe ich je mit Rudolf dem I. zu tun gehabt, was mit seinen Deszendenten (Abkömmlingen)? Ich kann mir wohl solche Geister als für meinen Verein tauglich denken, die entweder in meine irdische Lebensperiode fallen, meiner Denkweise waren und in Österreichs Staaten bei der Gelegenheit in die Geisterwelt kamen, als ich in Wien nach diesseits befördert worden bin, wofür ich nun meinen irdischen Feinden nicht genug danken kann; aber wie die Regenten Österreichs, mit denen ich noch nie in irgend einer Konnexion habe stehen können, da doch die meisten viel vor mir auf der Erde ihre Herrschaft ausgeübt haben, in meinen Verein kommen, und neben ihnen auch so manche römische Bischöfe, das ist mir ein Rätsel. So sie allenfalls mich in ihren Verein aufgenommen hätten, so ließe sich das erklären; aber daß ich sie in meinen Verein aufnehme, und daß sie gewisserart zu mir kommen und wenigstens anfänglich in meinem Hause Wohnung genommen haben, den Grund davon begreife, wer ihn will; ich begreife ihn trotz aller meiner geistigen Vollendung nicht. Begreifst vielleicht du ihn, mein liebster Freund und Bruder?« 3 Sagt Petrus: »Der Grund davon ist ganz einfach: Siehe, du warst stets der Dynastie der Habsburger, wie man sagt, von der Wurzel an ein wahrer Feind; ihr allein schriebst du alle Übelstände von Europa zu. Mit solch einem Grolle aber hättest du nimmer ein Bewohner dieses Reiches der reinsten ewigen Liebe werden können. Der Herr verschaffte dir daher die Gelegenheit, dich mit solchen deinen Antipatien auszusöhnen, ihren Wert anzuerkennen, und sie als echte Brüder in dein Herz aufzunehmen, und sie zu achten und zu lieben, wie dich selbst; und siehe, darum kamen sie denn auch in dein Haus. Verstehst du nun den Grund?« 4 Sagt Robert: »Ja so, jetzt verstehe ich den Grund freilich wohl nur zu klar, könnte ich sagen: Richtig, richtig! Die vom Rudolf errichtete Erbfolge der Kaiserwürde war mir ein Greuel der Verwüstung beinahe sämtlicher Menschenrechte; denn bei einer erblichen Herrscherwürde werden alle anderen Geister zurückgesetzt, so sie auch tausendmal weiser wären als der Geist dessen, der am Throne sitzt. Ein Kronprinz wird dadurch schon im Mutterleibe ein Regent; der sonst weiseste Mann im Reiche aber muß schweigen und wird vom Regenten, der sich allezeit auch als erbrechtlich für einen Salomo hält, gar nicht erkannt und zum Wohle der Völker gebraucht. Siehe, solche und noch tausend andere beachtenswerte Gründe haben mich stets mit Groll gegen die Habsburger erfüllt, und es regte sich alles in mir, so ich des herrschsüchtigen Rudolf gedachte, dem es nicht genügte, daß er zum Kaiser gewählt wurde, er wollte fortherrschen in seinen spätesten Nachkommen, bis wo möglich an's Ende der Welt. 5 Nun ist mir freilich ein anderes Rechtslicht aufgegangen, aus dem heraus ich klar und deutlich ersehe, daß ein mittelmäßiges Erbkaiserreich denn doch um sehr vieles besser ist als ein bestes Wahlreich, bei dem die zur Kaiserwahl Berechtigten allezeit Feinde dessen werden, den das Los aus ihrer Mitte auf den Thron setzte. Ja, ja, also ist es! Daß aber gerade darin die Ursache hätte verborgen sein sollen, darauf wäre ich aus mir selbst noch lange nicht gekommen. Es mag wohl solches der Herr nicht nur allein zugelassen, sondern auch wirklich Selbst gewollt haben, daß die Wahlreiche aufgehört und dafür die Erbreiche den Anfang genommen haben. 6 Ob aber nun nicht ein wenigstens sehr nahe scheinendes, wo nicht schon wirklich seiendes Ende der Erbdynastien und ihrer Reiche vorhanden ist, das hat der Herr Selbst erst jüngsthin eben nicht gar zu unverständlich aus Seinen mannigfachen heiligen Reden durchleuchten lassen. Was meinst du über diesen Punkt?« – 7 Sagt Petrus: »Mein Freund! das kümmert uns hier wohl enorm wenig. Die Menschen auf der Erde in ihrem irdisch politischen Verbande und in ihren staatlichen Verhältnissen sind frei und können sich diese einrichten, wie sie wollen. Nur so sie eine Obrigkeit haben, so sollen sie dieser gehorchen und sollen eins sein mit ihr, so werden sie Ruhe und Frieden haben. Alle Bürger eines Staates sollen mit ihrem Regenten ein Leib sein und sollen eben dem Regenten im Falle der Not auch bereitwilligst mit ihrer Habe, mit ihrem Mute und Blute zur Hand stehen, so werden sie ein glückliches Volk sein und werden reich sein in allen Dingen auf Erden; aber ein Volk, das seinen Regenten verachtet und bei allen bitteren Vorkommnissen, die es aus höchsteigenem Verschulden treffen, die Schuld auf den Regenten schiebt, wird von einem Glücke weniger mehr zu erzählen haben; denn wo immer die Völker mit ihren Regenten haben zu hadern angefangen, da bekamen bald dessen Feinde die Gelegenheit zum Lachen. Es haben aber die Menschen der Erde ohnehin ein Gebot, nach dem sie der weltlichen Obrigkeit gehorchen sollen. 8 Tun sie das nicht, so müssen sie sich dann nur selbst zuschreiben, so über sie dann böse Zeiten kommen. Der Herr läßt solche Zeiten zwar nie als ein Gericht Seines Willens über die Menschen kommen; aber so die Menschen sich selbst solche Zeiten bereiten, da tritt Er nicht hindernd entgegen, sondern läßt die Menschen dieselben Früchte ernten, die sie ausgesäet haben. 9 Wir können wohl sehen, was die Menschen ausführen wollen, und können auch wohl ermessen die Folgen, die daraus entstehen müssen, aber wir hindern sie dennoch nicht, zu handeln wie sie wollen; denn die Menschen der Erde sind freiesten Willens; ja sogar die Erde liegt in ihren Händen. Beleidigen sie diese, so wird diese sie auch strafen, wie zu den Zeiten Noahs. So es aber Menschen gibt, die sich deshalb an den Herrn wenden und Ihn bitten um eine gute Regierung, um Ruhe, Frieden und gute Ordnung; dann greifen wir schon auch in die Zügel des Regenten und leiten dann ihn und sein Volk auf den Weg, auf dem allein alles Glück erreicht werden kann. Darum sollen die Menschen ihren Regenten nie grollen und sie gar hassen, da auch die Regenten Menschen sind. Sie sollen sie dafür lieber segnen und den Herrn bitten, daß Er sie als ihre irdischen Herrscher lenke und segne; dann werden sie glücklich sein in Hülle und Fülle. Nun was meinst du, Bruder? Habe ich recht geredet oder nicht?« Kapitel 290 Roberts politischer Eifer regt sich nochmals in Anbetracht geistbedrückender Herrschsucht. Bei Gott ist alles möglich, bittet, so wird die Erlösung kommen! Beispiele aus der Geschichte. Alles hat seine Zeit. Der himmlische Vater kommt ungerufen Am 3. Dezember 1850 1 Sagt Robert: »O ja, du hast ganz recht, also ist es auch. Jeder Mensch für sich tut wohl daran, so er seiner vorgesetzten Obrigkeit gehorcht in weltlichen Dingen und sich friedfertig verhält bei allen oft noch so traurigen Lagen des irdischen Lebens; denn es steht auch geschrieben: Selig sind die Friedfertigen, sie werden darum das Erdreich besitzen. Aber was sollen die armen Menschen auf der Erde dann machen, wenn ihre Herrscher aus Furcht, Thron und Glanz zu verlieren, in ihren Untergebenen auch die Sphäre des Geistes angreifen, dieselbe knechten und fesseln, und der Seele und dem Geiste die Sehe verfinstern, die reine Lehre des Herrn auf Erden in ein Götzentum verwandeln und dadurch die ihnen gehorchen müssende Menschheit mit aller Blindheit schlagen? Frage noch einmal: Was sollen da sogestaltigst geknechtete Menschen tun, so die herrschsüchtigsten Kronenträger für die vom Herrn Selbst erweckten Geister Scheiterhaufen errichten, Galgen und mindestens harte Kerker und Gefängnisse? 2 Solle den Menschen auch da aus den Himmeln kein unverantwortliches Recht zuständig sein, sich der Geistesmörder zu entledigen? Ist solch ein Handeln auch wider die Ordnung der Himmel, so muß man andererseits ja doch notwendig supponieren (annehmen), daß es dem Herrn am Ende einerlei ist, ob der Mensch auf der Welt ein Fetischdiener, ein finsterer Heide oder ein reiner Christ sei; ist aber das der Fall, so sehe ich die ganze Erlösungsgeschichte, alle die Propheten und die reine Wunderlehre des Lebens aus dem Munde Gottes nicht ein; denn da ist das alles vergeblich und die Menschheit hätte lieber in ihrer Urnacht verbleiben sollen. Millionen von Menschen, die sich Christen nennen, haben von Christus dem Herrn nicht den allerleisesten Begriff und von Seiner Lehre ebenfalls nicht. Der Papst ist ihr Gott und der Regent ist sein Handlager. Beide sorgen nach Kräften für die Verfinsterung der Menschen und feiern Triumphe, so es ihnen gelang, jeden Funken Geistes in ihren Untertanen zu ersticken. Sage, Freund: Haben die im Geheimen sich noch irgendwo vorfindenden, helleren Gesellschaften auch da keinen Funken Rechtes, sich gegen solch eine allergrausamste Tyrannei zu erheben, sie zu schlagen und zu vernichten?« 3 Sagt Petrus: »So sie es vermögen, warum nicht? Vermögen sie aber so 'was nicht, so wird ihnen ihr Versuch bitter zu stehen kommen, und sie werden dann in der Folge noch zehnfach mehr geknechtet werden, als sie es früher waren. Ich sage dir, es bleibt ewig bei dem, daß Menschen für sich allein gar nichts tun können, und tun sie doch etwas, so machen sie nur, das ihr Zustand verschlimmert, nie aber gebessert wird. Aber ganz 'was anderes ist es, so solch eine reinere Gesellschaft von Menschen, die dem Herrn ergeben sind, Ihn um Hilfe und Schutz anflehen, da legt dann schon der Herr Selbst die Hand an solch ein Werk und mit der von dir vorbeschriebenen Tyrannei hat es dann für immer ein Ende; denn nur die Allmacht kann jede andere Macht schlagen; des Menschen Ohnmacht aber vermag nichts ohne den Herrn. Im übrigen weiß der Herr schon auch, in wie weit Er solch eine Tyrannei fortkommen lassen kann. ° Sieh' an den Pharao und sein Tun und Handeln; sieh' an tausend andere Tyrannen! Sie gaben sich alle Mühe, ihre Völker bis auf den tiefsten Abgrund aller Finsternis zu schleudern, und wo sie meinten, da werden sie ihr Ziel erreichen, eben da stellte der Herr dann in der Tiefe der von den Tyrannen vermeinten Nacht ein großes Licht auf, stärkte solche gedrückte Völker, und diese erhoben sich dann, und die Tyrannen flohen vor ihnen, wie lose Spreu vor dem Sturmwinde, und man nannte darauf ihren Namen kaum mehr, und so sie auch irgend genannt wurden, so wurden sie nur zur Schande, aber nimmer zur Ehre ihrer Handlungen genannt, und wurden verabscheut von jedermann. 4 Ich sage dir: Der Herr mißt eines jeden Zeit, und so ist auch aller Tyrannen Zeit genauest bemessen. Es fehlt oft nur der letzte Tropfen, fällt dieser, dann ist die Zeit zu Ende. Darum sorge dich nun nicht mehr um die Verhältnisse der Erde; der Herr versteht sie am besten zu leiten und zu schlichten. 5 Wie oft habe ich schon von besseren Erdmenschen den Wunsch vernommen, daß der Herr dem Papsttume doch endlich einmal ein Ende machen möchte, aber der Herr säumt noch immer, und Er weiß es gar wohl, warum Er also säumt. Daß Er aber gar nicht lange mehr säumen wird, dessen kannst du ganz vollends versichert sein. Rom meint wohl einem Phönix gleich zu sein, der sich selbst verbrennt und dann aus seiner Asche wieder herrlicher, denn früher ersteht; aber diesmal wird es am Ende bei der Asche verbleiben, und so wird es nun gar manchen anderen ergehen auf der Erde. Verstehst du das?« 6 Sagt Robert: »Ja, nun erst bin ich in allem klarst berichtet und unterwiesen; aber nun kommt der Herr! Darum nichts mehr weiter von dem.« 7 Robert geht mit der ganzen Gesellschaft von sieben Personen, er selbst mitgerechnet, Mir entgegen und sagt: »Herr! Vater! wie Du es befohlen hast, steht alles in der Bereitschaft.« – 8 Sage Ich: »Mein lieber Bruder! das habe Ich schon gesehen, aber so Ich nicht Selbst gekommen wäre, so hättest du Mich und die große Gesellschaft noch hübsch lange warten lassen und wärest nicht gekommen Mir zu sagen vor der Gesellschaft: »Herr und Vater komme, es ist alles bereitet!« – 9 Sagt Robert: »Herr! das habe ich ja ohnehin gewollt, aber der Bruder Petrus hat mich im allereigentlichsten Sinne davon abgehalten.« – Sage Ich: »Ei, ei, wenn du auf eine kleine Hausprobe gestellt wirst, so darfst du nicht gleich so nachgiebig sein.« – 10 Sagt die Helena: »Siehe, ich habe dir noch mit den Augen gewinkt; aber du legtest den Finger auf den Mund und zeigtest mir dadurch an, daß ich hier schweigen solle, wo der erste Bruder des Herrn das Wort führe. Ihr habet dann recht lange miteinander über Verschiedenes gesprochen, bis nun der liebe Herr Vater von Selbst gekommen ist, ohne von euch Weisen gerufen worden zu sein. O es geschieht euch schon recht, so euch der liebe Herr Vater ein wenig putzt.« – 11 Sage Ich: »Nun, nun, Meine liebste Tochter Helena, es ist schon lange alles wieder in der besten Ordnung. Robert ist gerecht, da er dem Bruder Petrus folgte. Der Bruder Petrus ist ebenfalls gerecht; denn er weiß, was er bei solchen besonderen Gelegenheiten zu tun hat; und du bist auch gerecht, weil du Mich durch deinen Robert wolltest hereingerufen haben. Ich Selbst aber bin noch nie ungerecht gewesen, und so haben wir alle uns in der Zukunft nichts mehr vorzuwerfen. Es ist schon alles recht also; daher werden wir nun das Mahl einnehmen. Gehet und berufet die Gesellschaft; und du Bruder Petrus öffne alle Türen, die in diesen Speisesaal führen.« Kapitel 291 Die ankommenden Gäste zum himmlischen Mahl. Die gutbesetzten Tische. Das Loblied. Das Himmelskonzert. David als himmlischer Musikdirektor. Josefs Lob der herrlichen Melodien und Modulationen. Wo mögen die berühmten Musikmeister sein? 1 Als nun dies alles schnell geschieht, so fangen ganze Prozessionen von allen Seiten her sich in den großen Speisesaal in bester Ordnung zu bewegen an. In kurzer Weile stehen viele Tausende im Saale, und noch immer ziehen neue Prozessionen von Tausenden und abermals Tausenden in den Saal. Robert und die ganze ebenfalls bedeutende Gesellschaft, die sich zunächst an Mir befindet, fängt an große Augen zu machen, als des zahlreichsten Zuzuges noch immer kein Ende werden will, und Robert fragt Mich ganz leise sagend: »Aber um Deines allmächtigsten Namens willen! Der Saal ist schon ganz angestopft mit Menschen herrlichster Gestaltung, und noch ist kein Ende zu ersehen. Wo werden sie denn am Ende Platz finden? Wir haben den größten Tisch wohl so reich als möglich bestellt, aber was wird er bieten für diese ungeheure Volksmenge?« 2 Sage Ich: »Sei nur ruhig! Hast du doch auch auf der Erde schon öfter vernommen, daß da viele friedliche Schafe Platz haben in einem Schafstalle. Also werden auch diese Bewohner dieses Meines Hauses am Ende hinreichenden Platz finden.« – Sagt Robert ganz erstaunt: »Was! Diese alle sind bloß Bewohner dieses Deines einen Hauses? Um Deines Namens willen! Ja, wie viele wohnen denn eigentlich herinnen? Es müssen ja Millionen sein. Ach, ach, noch immer kein Ende! Aber was merke ich denn nun? Der Saal wird ja auch stets größer und größer oder kommt es mir bloß so vor? Nun fangen sich auch die Galerien zu füllen an; mir ist der Saal wohl früher auch ganz ungeheuer groß vorgekommen; aber nun kommt er mir noch um vieles größer vor. Ach, jetzt erst wird ein Ende des Zuges durch die offenen Türen ersichtlich. O Herr! wie viele möchten doch nun ihrer in diesem großen Saale sich befinden?« 3 Sage Ich: »So du willst die Zahl, da sieh', und du wirst es finden, daß da sind ihrer 12 x 100.000; aber das sind bei weitem nicht alle, die dies Mein Haus bewohnen. Mehr als zehnmal so viel sind in wichtigen Geschäften abwesend und haben zu tun auf den verschiedenen Welten und Sonnen in allen den Himmeln und deren zahllos vielen Vereinen. Verstehe aber wohl: Diese dir nun Genannten sind ausschließlich nur Bewohner dieses Meines Hauses, das Ich Selbst bewohne und allda Ich sorge für Meine Kinder. 4 Du siehst aber, daß diese Stadt bloß nur in ihrem Hauptteile eine übergroße Menge der herrlichsten Häuser hat. Ein jedes Haus steht frei und hat einen großen Raum um sich (herum), der da gleich ist einem schönsten Garten, und ist wohlbestellt mit allerlei Fruchtbäumen und anderen Gewächsen, die eine Zierde der Gärten sind und den höchsten Wohlgeruch ausströmen. Solche Häuser sind auch vollauf bewohnt, und die Bewohner sind ebenfalls Meine Kinder und besuchen Mich in diesem Meinem Hause, wann sie wollen; und ich habe eine große Freude an ihnen, und sie sind alle voll der reinsten Liebe zu Mir und zu allen den Brüdern, die da stets wohnen in diesem Meinem höchsteigenen Hause. 5 Weiter ersiehst du eine große Vorstadt gegen Osten, die da nimmer ein eigentliches Ende hat. Diese Vorstadt ist eben auch voll Häuser und Gebäude aller Art, wie sie auf allen den Weltkörpern in bester Form gang und gäbe sind. In dieser Vorstadt und ihren zahllos mannigfaltigsten Gebäuden wirst du vollendete Geister aus allen Welten der Unendlichkeit antreffen, die ebenfalls überselig sind nach der Art ihrer Liebe und inneren Vollendung. Zugleich befindet sich aber auch in einem jeden Hause dieser großen Vorstadt eine solche Einrichtung, eine Türe und eine Brücke, durch die und mittels der die seligsten Bewohner auf jenen Weltkörpern schauen und gelangen können, den sie in ihrem Fleische bewohnt haben. 6 In diesen Häusern der Hauptstadt aber ist die Einrichtung also getroffen, daß jeder Bewohner derselben durch zwölf innerhalb des Gemaches angebrachte Türen in alle Weltkörper der ganzen Unendlichkeit gelangen, und also auch wieder zurückgelangen kann, und das im Augenblicke, so der Bewohner es will. Aber es ist dabei dennoch zu bemerken, daß solche Türen zu den Weltkörpern in jedem Hause nur in den Gemächern zu ebener Erde angebracht sind, niemals etwa auch in einem höheren Stockwerke. Daher hat denn auch jedes Gemach eines höheren Stockwerkes ein entsprechendes zu ebener Erde. Das Wunderbare solcher Einrichtung aber wirst du erst in der Folge genauer kennen lernen, je nachdem sich dein Innerstes mehr und mehr entfalten wird. 7 Nun aber siehe, während dieser Unterredung haben sich die 12 x 1.000 am großen Tische geordnet, und mehrere kleinere Tische sind ebenfalls nun nachträglich bestellt und besetzt worden, und du merkest doch sicher kein Gedränge.« – 8 Spricht Robert: »Überaus wunderbar merkwürdig! Aber der große Tisch hat denn auch eine Länge, die man auf der Erde nur nach Meilen-Längen messen müßte. O Herr, Du wunderbarst bester, heiliger Vater! Der Tisch ist aber schön ausgezogen worden; auch die kleineren Tische sind stundenlang geworden, und der Saal hat nun eine Länge, Höhe und Breite, daß man ja ganz London und Paris ganz bequem hineinstellen könnte. Wahrlich, das hört schon auf ein Saal zu sein, sondern er ist wie eine ganze Welt!« 9 Sage Ich: »Ja, ja, Mein Bruder; hier geben wir's denn auch ein wenig großartiger, als auf der Erde am Rainerkogel. Was meinest du?« – Sagt Robert: »O Vater, Du bist zu gütig und gnädig! Ja, da sähe es, wie man sagt, schon etwas besser aus, als wie bei einem Keuschler auf der armseligen Mutter-Erde. O Vater! ein Funke dieses Lichtes auf die Erde gebracht, würde sie also erglänzen machen, daß die Sonne zum finsteren Klumpen würde neben der also erleuchteten Erde. Aber haben die auf den zwei hohen Galerien ober uns auch Tische und Speise und Trank?« – 10 Sage Ich: »Ganz sicher; Mein Haus hat, wie du es von außen wirst bemerkt haben drei Stockwerke; von jedem kann man auf die mit dem Stockwerke gleichlaufende Galerie dieses Speisesaales gelangen, der die Höhe von allen drei Stockwerken hat. Dies ist aber nicht der einzige Saal in diesem Hause, es gibt deren noch gar viele, die also eingerichtet sind, wie sie für die verschiedenartigen Zwecke eingerichtet sein müssen. Du wirst sie nach und nach alle kennen lernen. Jetzt aber sehen wir auch, daß wir irgend einen guten Platz am großen Tische bekommen.« 11 Sagt Robert: »Herr! so irgend ein kleines Katzentischchen wäre mir lieber, denn dort am großen Tische sieht wohl nirgends mehr von einem günstigen Plätzchen etwas heraus.« – Sage Ich: »Hast auch recht, da ist gerade noch ein freier, ziemlich umfangreicher Tisch. Diesen versorge, und wir werden alle, die wir von der Erde daher gekommen sind, an ihm Platz nehmen. Von diesem Tische aus übersehen wir auch ganz gut alle die Gäste und können auch von ihnen am besten gesehen und bemerkt werden.« 12 Robert und sein Gehilfe richten sogleich den Tisch zurecht, und Ich, die Monarchen, und noch einige andere, nebst Robert, dessen Gehilfe Peter Peter und die zwei Weiber setzen uns dazu, und essen und trinken von allem, was sich auf dem Tische befindet. Nach dem Essen aber erheben sich alle die vielen Gäste und stimmen Mir ein großes Loblied an, das dem Robert überaus gut gefällt. Am 6. Dezember 1850 13 Als das gar liebliche Loblied, das von durchaus zarteste Liebe atmenden Redensarten strotzte, zu Ende ist, beginnt erst ein sogenanntes, aber hier allerwahrstes Himmelskonzert von den Galerien herab zu ertönen. Den Anfang macht eine gar herrliche Kantate mit Begleitung von vielen allerreinst gestimmten Harfen, deren Ton aber so rein und hellsanft klingt, daß sich auf der Erde wohl kein Toninstrument befindet, das da vermöchte einen Ton in solch einer Reinheit hervorzugeben. Das ähnlichste wäre noch der Ton einer sehr wohl konstruierten sogenannten Äolsharfe, so ein ganz reiner und gleichmäßiger Wind von mittlerer Stärke der reinen Saiten harmonische Punkte zu ertönen nötigt. 14 Robert weiß sich vor lauter Wonne nicht zu helfen; die zwei Weiber weinen vor Rührung, und die Helena sagt ganz zerknirschten Gemütes: »O Gott, o Gott! ist aber das doch eine so ergreifendste Musik, daß man dabei ganz zerfließen könnte. Jeder Ton dringt aber schon so entzückend zum Herzen, als wie ein erster Kuß der feurigsten Liebe zwischen zwei sich über alles liebenden Seelen. Robert! das klingt ein bißchen anders, als eine noch so schöne Oper im Kärntnertortheater und schon gar unendlich besser als auf der Erde eine türkische Musik.« – 15 Sagt Robert lächelnd: »Jetzt geh', du Tschaperl! Wie kann man bei dieser unbeschreiblich herrlichsten Symphonie auch nur einer irdischen Musik, besonders einer türkischen, gedenken.« – Sagt die Helena: »Du hast wohl recht; aber ich habe diesen Vergleich ja nur deshalb gemacht, weil so eine türkische Musik ja auf der Erde auch zu der allerletzten gehört; denn nach ihr kommen sogleich die Bettlerwerkeln (Drehorgeln und Leierkästen). Meine Art und Weise ist schon also, wenn ich etwas Allerherrlichstes recht herausheben will, so setze ich diesem scherzhafter Weise stets die allerletzten derselben Art entgegen, und ich meine, daß so was nicht unrecht ist.« – Sagt Robert: »Ja, ja, du hast schon auch recht; aber jetzt sei schön stille, denn bei dieser Musik kann man nicht genug Herz und Ohr sein.« 16 Fragt Mich ganz leise der Kaiser Josef: »O Herr und Vater! von wem ist denn doch diese Kantate komponiert?" – Sage Ich: »Sieht du dort vorne auf einem Vorsprunge den Direktor nicht?« – Sagt Josef: »O ja, lieber Vater! den sehe ich wohl; aber wie er heißt? Und wer er auf der Erde war? das weiß ich nicht und kann es sicherlich auch nicht wissen.« – Sage Ich: »Das ist David, der einstige König in Israel. Dieser ist hier ein Hauptdirektor der Musik und zugleich der auserlesenste Komponist solcher Tonwerke, die Mir wahrlich stets ein großes Vergnügen machen.« – 17 Sagt Josef: »Ja, das will ich aber auch eine Komposition heißen. Es klingt in der großartigsten Ganzheit wie eine allergrößte Gesangs- und Instrumentalsymphonie; inmitten oder im Durchtönen der Einzelheiten aber vernimmt man alles, was nur immer im Gebiete der Töne gehört werden kann. Ein jeder einzelne große Ton der Gesamtheit klingt wie eine ganze, aber ganz leise durchgeführte Sonate. Wenn ich auf der Erde ja etwas freilich nur im entferntesten Sinne sich annäherndes vernommen habe, so wäre es das harmonische Tönen der sogenannten Mundtrommeln mit den feinsten Silberzungen, die imgrunde auch nur einen bestimmten Hauptton besitzen, aber innerhalb dieses Haupttones entfalten sich, gleich durchgleitenden Liebesgeistern in den zartesten Schwingungen alle möglichen Melodien und Modulationen, ohne dem eigentlichen Haupttone nur den allergeringsten Eintrag zu machen. Also kommt es mir auch hier vor. Die Haupttöne bieten harmonisch die Hauptkantate; aber ein jeder einzelne Hauptton ist belebt von den wunderherrlichsten Sonaten und Sonatinen. 18 Ich möchte aber nun noch etwas von Dir Selbst erfahren, und das ist: Wo etwa jene Musikmeister sich befinden, und was sie machen, die vor und zu meiner Zeit auf der Erde wirklich das Herrlichste in der Musik geleistet haben, als z.B. ein Händel, Bach, Gluck, Salieri, Mozart, und beide Haydn, und noch einige andere, deren Namen jedoch weniger bekannt sind?« – Sage Ich: »So du in den ersten und zweiten Himmel bei Gelegenheiten kommen wirst, wo du auch die gropßartigsten Herrlichkeiten antreffen wirst, da wirst du jene Geister schon auch antreffen. Nun aber gib acht! Es kommt nun eine andere Nummer des Konzertes.« Kapitel 292 Das Orgelkonzert mit Tonbildern, Hymne, Kantate, Präludium. Hinweise auf die Geheimnisse des Ton- und Formenwesens. Die Liebe macht Gott schaubar. Himmlisch-philosophische Fragen und Antworten. Gleichnisse: Sonne und Auge. Der Riese und die Fliege. Kraft und Gegenkraft. Wind und Regen. Schluß der Zusammenkunft Am 7. Demzember 1850 1 Josef mit allen anderen einstigen Kaisern auf Erden, und Robert, sein Gehilfe, und die beiden Weiber passen nun auf mit aller Attention (Aufnerksamkeit), was da nun kommen werde. 2 Nach einer kurzen Weile ertönen gar mächtige Ackorde einer Orgel, und wie da die Ackorde melodisch sich ineinander verschlingen, so werden im freien Raume die wunderherrlichsten Formen ersichtlich, ungefähr in der Art, als wie man auf der Erde auf dem Wege der Kamera obskura Bilder schafft. Je nachdem dies optische Instrument so oder so gedreht wird, kommt auch nach und nach ein anderes Bild zum Vorscheine. Ein Unterschied bestünde darin, daß die Kamera obskura nur Abbilder von schon daseienden Gegenständen wiedergeben kann, während hier durch die Harmonie der Töne stets neue Formen geschaffen werden, insoweit aus den Tönen stets neue Kombinationen gezeugt werden. Natürlich, wie es sich schon von selbst versteht, bringen wiederholte schon dagewesene Tonkombinationen auch stets dieselben Formen wieder zum Vorscheine. Diese Tonbilder aber sind hier überaus hell und wechseln stets in den allerlebhaftesten Farben und ergreifendst schönsten Formen miteinander ab; dadurch wird nicht nur das Ohr und das Gemüt auf eine allerherrlichste und erbaulichste Weise entzückt, sondern auch das Auge, und der mit demselben zusammenhängende Verstand der Seele, der in der Seele ist gleich wie das Auge des Geistes. 3 Es fragt Mich aber nun Robert und sagt: »Aber wie ist denn das? Bei der ersten Kantate haben wir keine solche Formen und wunderherrlichsten Bilder zu sehen bekommen; erst jetzt beim großen harmonischen Tönen der Orgel kommen sie zum Vorscheine.« – Sage Ich: »Weil das in Meiner ewigen Ordnung schon also eingerichtet ist, daß da nichts ohne eine Vorwirkung, Nachwirkung und Gegenwirkung entstehen und zum Vorschein kommen kann. Die Danksagungshymne von Seite der Gäste, die da am großen Tische gespeist haben, war eine Vorwirkung, die große Kantate von den Galerien war die Nachwirkung, und das große Präludium auf der Orgel ist die Gegenwirkung, weil sowohl die Töne anderer Art sind, und zugleich durch dieses Präludium die Gegenthemen von der früheren Danksagungshymne wie von der nachfolgenden Kantate vorführen. Diese Gegensätze stoßen sich, und wo sie sich berühren, da werden sie auch sichtbar und machen ersichtlich, was sie sind und was sie sagen. 4 Siehe, auch auf der Erde hat die freilich sehr unvollkommene Musik beinahe eine ähnliche Wirkung. Die Zuhörer werden oft ganz unwillkürlich in ganz fremde Regionen in ihrem Gemüte versetzt, und es kommt ihnen vor, als ob sie da oder dort wären. Das bewirken die Formen, die durch verschiedene Tonkombinationen in der Seele erzeugt werden und diese dann geistig in solche in ihr aufgetauchte Formen und daraus gebildete Regionen versetzen. Würde sich nun der Orgelspieler in ganz neuen Tonkombinationen zu bewegen anfangen, denen keine entsprechende Vor- und Nachwirkung vorangegangen ist, so würden diese herrlichen Bilder auch alsbald aufhören, und ihr würdet dann bloß nur ganz herrliche Töne vernehmen, aber ohne daraus hervorgehende Formen. 5 Es entwickelt zwar ein jeder Ton eine bestimmte Form, aber diese wird erst dann sichtbar, so sie sich auf eine vorangehende Form gewisserart anlehnen kann. Es ist ungefähr mit den Lichtbildern derselbe Fall. Wenn sich ihnen kein Gegenstand in den Weg stellt, durch den sie aufgehalten werden, so fliehen sie unsichtbar in's Unendliche unaufhaltsam hinaus. Mein Auge kann wohl alles schauen, aber nicht so das Auge eines geschaffenen Geistes, das selbst nicht sein könnte, so es an Mir nicht einen Stützpunkt hätte. Nur ein Erstes kann ein Erstes sehen, ein Zweites nur ein Zweites, und ein Erstes kann es nur dann sehen, wann ein Erstes die Gestalt eines Zweiten angenommen hat. 6 So könnet ihr Mich als ein pur göttliches Wesen nie sehen; da Ich aber von Selbst ein zweites Geschöpfliches angenommen habe, so könnet ihr Mich sehen, insoweit Ich nun Selbst ein Zweites Geschöpfliches angenommen habe, und ein vollkommenes und bleibendes Zweites geworden bin aus Mir Selbst. 7 Also wird es auch sein, so ihr in einen der zwei unteren Himmel kommen werdet. So lange ihr nicht das Element dieser Himmel annehmen werdet, werdet ihr stets unsichtbar verbleiben, wogegen ihr aber dennoch alles sehen werdet, was sich dort vorfindet, indem ihr als Bewohner dieses obersten Himmels auch gegenüber einem zweiten und gar dritten Himmel ein erstes seid. Saget Mir nun, ob ihr das alles wohl verstanden habet? Das Konzert ist zu Ende, und so können wir nun schon wieder weiter uns miteinander besprechen über die Dinge Meiner Himmel.« Am 8. Dezember 1850 8 Sagt Robert: »Herr und Vater! Das es also ist, und nicht anders sein kann, das sehen wir recht klar ein, auch das wie sehen wir ein, aber freilich so recht urgründlich noch lange nicht, denn mit den nötigen Gegensätzen oder Objekten, die zur Sichtbarmachung von irgend etwas als ein erstes Daseiendem erforderlich sind, will es sich wenigstens bei mir nicht so ganz und richtig zusammenreimen lassen. Ein erstes muß doch notwendig etwas ganz Gediegenstes sein, ansonst aus ihm nie ein zweites hervorgehen könnte. Nun fragt es sich, warum dies erste aus dem von ihm ausgehenden zweiten zu seiner eigenen Manifestierung ein Objekt bilden muß, um einem gegenüberstehenden zweiten sichtbar zu werden?« – 9 Sage Ich: »Das liegt als ewige Ordnung in einer jeden einfachsten Grundkraft; jede Kraft ist unauflösbar in jeder Art ihres Grundseines. Weil aber jede Kraft unauflösbar ist, so ist es klar, daß sie fortbestehen muß in sich und aus sich heraus. Die Kraft ist sonach stets da, ob sie sich äußert oder nicht. So lange sich aber eine Kraft nicht äußert oder nicht äußern kann, besteht sie in sich selbst nur als eine stumme Kraft, und ist so in ihrem Bestande, als ob sie gar nicht da wäre. Solle die Kraft aber als bestehend auftreten, so muß ihr ein Gegensatz gestellt werden, und dieser Gegensatz kann kein anderer als eine Gegenkraft sein, durch die die erste in ihrem ruhigen Fortflusse gestört wird. Wo ein solcher störender Konflikt geschieht, da wird auch die eine wie die andere Kraft als daseiend ersichtlich. Die Erste geht aber da unfehlbar in eine Zweite über, und die Zweite umgekehrt in die Erste; und erst auf diese Weise werden die beiden Kräfte einander gegenseitig wahrnehmbar und somit auch in der Art und Weise ihrer Tätigkeit ersichtlich. 10 Einige kleine Bilder sollen euch diese wichtige Sache näher und näher beleuchten. Betrachtet das ausströmende Licht aus einer Sonne. Denket euch, die Sonne wäre wirklich da, wie sie ist in ihrem Sein und Bestehen; aber in der ganzen Unendlichkeit gäbe es kein der Sonne verwandtes Auge, das sich als eine sekundäre Kräft der Sonne gegenüber stellete und auffinge das aus der Sonne strömende Licht, durch das die Sonne im Auge ihres Gleichen bildet und dadurch als Primitivkraft in eine sekunkäre Kraft übergeht. Wäre da die Sonne nicht so gut als gar nicht? Hat sich aber ein Auge gebildet, in dem die Sonne sich gewisserart selbst wiederfindet, so tritt dann die Sonne als eine Primitivkraft (Primärkraft) dem Auge gegenüber in ein erscheinliches Dasein. Schließt sich das Auge, und kann sich die Sonne in dem ihr verwandten Auge nicht finden, so ist für's erste das Auge für die Sonne wie gar nicht da, und die Sonne selbst hat für's Auge das erscheinliche Dasein verloren. Ich meine, Freund Robert, das solle dir nun wohl recht einleuchtend sein. 11 Aber Ich will dir dennoch ein anderes Bild geben. Stelle dir einen überaus starken Riesen vor; setze ihn in einen leeren Raum, in dem sich kein Gegenstand vorfindet, an dem der Riese seine Kraft auf die Probe setzen könnte. Stelle ihm eine Fliege als Gegenkraft vor, doch also, daß er sie mit seinen Händen nicht erreichen kann, und die Fliege wird mit dem Riesen in einer ganz gleichen Kraft dastehen und wird den Riesen zu einem Zweikampfe herausfordern können, so sie einen Stützpunkt hat. Hat aber der Riese einen solchen, so werden Millionen Fliegen ihm nichts anhaben können, und so muß jede Kraft erst eine Gegenkraft finden, sonst kann sie sich nicht äußern und in die Erscheinlichkeit treten. Eine Kraft muß sich an der anderen versuchen, sonst ist sie wie gar nicht da. 12 Wenn auf der Erde in einem fort nur ein Wind (aus einer Richtung) ginge, so käme es ewig zu keinem Regen; kommt aber diesem einen Winde ein anderer entgegen, da werden dadurch sogleich Verdichtungen in der Luft geschehen, und werden als Nebelchen und am Ende als regenschwere Wolken ersichtlich. Die Wolken aber sehen den Wind an und für sich nicht, so lange der Wind pur Wind bleibt; hat aber einmal der Wind aus sich die Wolken geschaffen und hat sich mit ihnen bekleidet, da sehen dann freilich auch die Wolken den Wind und zeigen durch ihre Bewegungen seinen Zug an. Ich meine nun, Freunde und Brüder, diese Sache solle euch nun wohl schon sehr klar geworden sein.« – 13 Sagt Robert: »Ja, Herr und Vater, nun sind wir darüber ganz vollkommen im reinen, aber es hat dazu etwas gebraucht. Nun aber verlassen diese Gäste wieder diesen Saal; wohin werden sie sich nun begeben, und was werden sie tun?« – – 14 Sage Ich: »Sie gehen dankbarst und höchst selig in ihre Wohngemächer zurück. Dort aber werden sie auf den Tafeln schon finden, was sie zu tun haben werden. Mit der Weile wirst du und ihr alle das schon viel genauer kennen lernen. Gehen wir aber nun ein wenig hinab in die Gemächer zu ebener Erde, dort werde Ich euch die Türen zeigen, durch die ein jeder Geist auf dem kürzesten Wege in alle naturmäßigen Welten gelangen kann. Dort in der abendlichen Ecke dieses Saales befindet sich eine sehr gut konstruierte Wendeltreppe; begeben wir uns also dorthin. Wir werden über sie sehr leicht in die ebenerdigen Gemächer gelangen, in die von außen her kein Eingang führt, und so begeben wir uns denn nun ganz wohlgemut hinab. Es sei!« Kapitel 293 Die Lobrede Robert Uraniels und seiner Freunde an den himmlischen Vater und die Mahnrufe an die Kinder der Erde. Die Wichtigkeit der Urindividualität zur Gotteskindschaft 1 Sagt Robert und die anderen alle mit ihm: »O Du lieber, heiliger Vater, Du! Ach, es ist gar nicht auszusprechen, wie unendlich selig wir sind. Du Selbst, und gleichfort Du Selbst führest uns, und zeigest mit Deiner höchsteigenen Hand die endlosen Wunderwerke Deiner allmächtigen Liebe, und erklärst uns aus Deinem allerheiligsten Munde Deine heiligen Werke so natürlich und wohlverständlich, daß wir uns schon am Ende über uns selbst zu verwundern anfangen und sagen müssen, wie es denn doch möglich sein kann, solche Dinge zu begreifen, die für viele Millionen noch ganze Ewigkeiten ein unauflösbares Rätsel verbleiben werden. 2 O der unbegreiflichen Dummheit der Menschen auf Erden! Das Gold der Himmel, das Gold des Lebens achten sie nicht und treten es mit den Füßen; dafür aber führen sie Kriege um den Kot der Straßen, und des Unflates wegen zerfleischen sie sich. Hierher, hierher ihr armen Sünder und ihr stockblinden Teufel alle! Da lernet Demut und Herablassung von Dem, Dessen Mundes leisester Hauch euch in einem allerkürzesten Augenblicke samt eurer sündigen Unterlage, Erde genannt, auf ewig in's reinste Nichts und Nimmersein verwehen kann. 3 Aber ihr saget: Was sollen wir? So wir auch bitten und beten, da wird es mit uns dennoch nicht anders; wir sehen nichts und wir vernehmen nichts. Unser Flehen wird von der Luft verzehrt, und wir starren dann nachher so wie ehedem in die weite und tiefe Unendlichkeit fruchtlos hinein und staunen trostlos und weisheitslos die unerforschlichen Werke Gottes also an wie die Kälber ein neues Stalltor. Wir sorgen uns daher nur bloß nun darum, was unserem Leibe nottut, und das zunächst unserem höchsteigenen; um alles andere kümmere sich, wer da will. Der Mensch muß was zu essen und zu trinken haben, und einen Rock und eine Wohnung, das ist nötig; alles andere steht im tiefsten Hintergrunde und ist daher entbehrlich. – 4 Ja wohl entbehrlich für euch Erdwürmer, die ihr alle gleichet dem reichen Jünglinge im Evangelium. Dieser betete auch und bat den Herrn um die Erteilung des Gottesreiches; als aber der Herr zu ihm sprach: Trenne dich von deinen Erdengütern, überlasse sie den dürftigen Kindern der Welt, und du folge Mir! Da brach dem jungen Menschen das Herz, und er kehrte sofort zu seinen süßen Erdgütern zurück, und ließ Gott den Herren ziehen, und kümmerte sich nimmer um Ihn, sondern nur um seine Erdgüter, und ward hernach härter denn früher, was der Herr gar deutlich dadurch zu verstehen gab, daß Er nur zu deutlich bemerkte, wie schwierig es sei für einen Erdgüterliebhaber, in's Reich Gottes einzugehen. 5 Hierher, hierher also, ihr Geister der Erde! Hierher in eurem Herzen! Da werdet ihr Schätze und Reichtümer finden in solch endloser Fülle, daß sie keine Ewigkeit je verzehren wird. Hierher, hierher, ihr Ehrsüchtigen alle, in der rechten Demut eurer Herzen! Da ist eine rechte und ewig dauernde und stets zunehmende Ehre aller Ehren der Erde zu Hause. Was sind all' eure Kronen, Throne und Zepter gegen ein freundliches Wort Dessen, Der das Nichts zu einem unendlichen Raume ausgespannt und durch Seine Macht und Weisheit diesen Raum erfüllt hat mit Wunderwerken ohne Zahl und Maß. 6 O bedenket den unendlichen Unterschied zwischen unserem vollendeten ewigen Leben in der beständigen Gesellschaft des allmächtigen Vaters und Schöpfers aller Himmel und Welten und alles dessen, was sie tragen, und zwischen eurem vergänglichen, das vom Morgen bis gegen Abend dauert. Wie könnet ihr hängen an einem Leben, das da eher den Namen Tod als Leben verdient? Das irdische Leben ist ja nur ein fortwährendes Sterben schon von der Wiege an. Dies wahre Leben aber ist ein stetes Lebendigerwerden in Gott, dem heiligen Vater; und dies wahre Leben ist euch so nahe; ihr könntet es in jedem Augenblicke ergreifen für ewig; aber ihr seid blind; eure Erdgüterliebe verblendet die heilige Sehe eures Herzens, darum wähnet ihr das Reich des ewigen Lebens fern von euch, während es euch doch sozusagen auf der Nase sitzt. Wir sind euch gar so nahe, und ihr wähnet uns fern von euch. O wie blind seid ihr doch! 7 Des Herrn Knechte auf Erden kennen uns, sehen uns, und unterreden sich mit uns, wann sie wollen; und ihre Füße sind dem Erdboden eben so nahe als die eurigen, aber sie haben die Sehe und das Ohr ihres Herzens offen, weil sie nicht geblendet sind von der Last des reichen Jünglings im Evangelium. Ihr anderen aber seid reiche Erdjungen, und so euch der Herr beruft, da kommen euch Tränen in die Augen, mit denen ihr die öde Welt gar so gern beschauet. O diese Welt sehen auch wir und noch viel mehr Welten hinzu; der Herr schenkt uns tausend solche Welten, so wir sie nur annähmen; aber wer wird nach einem gemalten Stücke Goldes greifen, so er einen tausendmal größeren ganz gediegenen Goldklumpen vor sich zum ewigen Eigentume hat? 8 Steiget mit uns an der Hand des allmächtigen Vaters hinab in die heiligste Tiefe und schauet mit den Augen des Herzens den kühnsten Brückenbau von einer Welt zur anderen, von einem Himmel zum anderen, und von einem Herzen zum anderen. Und ihr werdet, obschon noch in sterbliches Fleisch eingehüllt, mit uns Wonne und Seligkeit fühlen und durch sie beleben eure Seele. O, Herr! warum müssen denn wir gar so selig sein, und Millionen Brüder sind blind und taub?« 9 Sage Ich: »Freund und Bruder! Jedes wahre Leben hat das in sich, daß es unmöglich anders als nur überaus selig sein kann und muß. Ein Leben aber, das noch der Tod wie ein Bräutigam seine Braut unter dem Arme führt, aber freilich nicht in's heimliche reizende Brautgemach, sondern wie ein Scherge einen armen Sünder zum Hochgerichte, kann nur als vollends geblendet noch irgend eine Lust empfinden. Würdest du es aber entblenden, so würde es zurückschaudern, so es ersähe, wohin es sein Begleiter führt. Darum ist es eines Teiles besser, daß die Menschen der Erde blind und taub sind, denn so mögen sie doch das spannenlange, von Tod zu Tod gleitende Leben mit einiger Scheinruhe genießen; 10 denn Ich sage euch allen: Für viele Millionen folget ihrem Scheinleben ewig kein weiteres Leben mehr; denn so gut es ein ewiges Leben gibt, ebenso gut gibt es auch einen ewigen Tod. Es gibt ja Bäume auf der Erde, auf denen gar süße und herrliche Früchte in kurzer Zeit reif werden, und keine Blüte auf den Zweigen hat vergeblich geblüht; aber es gibt auch Bäume, die zwar reichlich blühen und sehr viele Früchte ansetzen, aber da solche Bäume meistens saftarm sind und ihre unschmackhaften Früchte lange auf ihren Zweigen behalten müssen, bis diese die erwünschte Reife erhalten, so fallen erstens wegen Mangel an Nahrung und zweitens wegen der zu langen Reifwerdungsfrist sicher drei Vierteile eher vom Baume, bevor sie die Reife erlangen können; und Ich sage euch: Für die Wiederbelebung solcher unreif herabgefallenen Früchte ist sehr wenig heilsames Kraut gewachsen. Wenn ein Teil solcher Früchte etwa kurz vor der Vollreifezeit vom Baume fällt, so kann man sie sammeln, und abliegen (nachreifen), lassen, und sie werden dadurch wenigstens eine Notreife erlangen, die doch noch immer besser als gar keine ist. Aber Früchte, die bald nach der Blüte wegen Mangel an Nahrung von den Zweigen gefallen sind, für die gibt es kein Heilmittel mehr. 11 Ich sage euch hier aber nicht also, als könnten Kinder, die bald nach der leiblichen Geburt sterben dem Leibe nach, nicht das ewige Leben erlangen; denn mit der irdischen Geburt und Reife hat dies Mein Gleichnis nichts zu tun, sondern hier handelt es sich um solche Seelen, die auf der Erde in Meinem Gnadenlichte schon überaus schön geblüht haben und haben im Anfange gierig den Saft des Lebens aus Meiner Gnade eingesogen; als aber dann kam die notwendige Zeit der Probung, da verschlossen sie hart ihren Mund und ihre sonstigen Nährorgane und wollten nimmer einsaugen das freilich herbe schmeckende Salz des Lebens. Die Folge davon aber war hernach alsbald die volle Abtrennung von den sie nährenden Zweigen und der für jede Wiederbelebung unfähige Tod. Lassen wir daher solche Früchte taub und blind ihr kurzes Leben genießen, es ist noch immer lang genug dauernd für ihre volle Nichtigkeit.« 12 Sagt Robert: »Aber so wahr die Sache immer ist und sein wird, so kommt sie mir aber dennoch ungefähr also vor, wie ein Gesetz bei den Chinesen und Japanern, vermöge dessen kein Elternpaar mehr als 6, höchsten 7 Kinder aufziehen darf; alle über diese gesetzliche Zahl Geborenen müssen ersäuft oder auf eine sonstige Art um's Leben gebracht werden.« 13 Sage Ich: »Mein Freund, das verstehst du noch nicht! Siehe, so ein Töpfer einen Topf auf seiner Scheibe formt aus Lehm, der Topf aber mißrät ihm ob eines wie zufälligen Umstandes wegen; der Topf aber war schon über die Hälfte geformt; was tut da der Töpfer? Sieh', er schlägt den halbfertigen Topf zusammen, nimmt den Lehm von der Scheibe, vermengt ihn mit einem anderen frischen Lehme und gibt ihn dann wieder auf die Scheibe, und fängt daraus ein anderes minder heikles Gefäß zu formen an, das ihm auch wohl gelingt, und so geht zwar wohl der Stoff nicht und unmöglich je verloren, aber die eigentümliche Individualität des zuerst begonnenen Werkes ist für ewig vollkommen dahin und tot. Kurz, das erste Ich ist vollends dahin, und das ist im eigentlichen Sinne der ewige Tod, den keine Liebe und keine Erinnerung an's Ursein wiederbeleben kann; wo aber dies nimmer geschehen kann, da kann auch ewig an keine vollkommene endliche Vollendung mehr gedacht werden. An der Beibehaltung der Urindividualität aber liegt gar unaussprechlich viel, denn ohne sie kann die Kindschaft Gottes nie erreicht werden; denn eine Sekundogenitur wird ewig keine Primogenitur mehr. Verstehest du das?« Kapitel 294 Aussagen über »verlorene« Seelen für die wahre Gotteskindschaft. Primogenitur( Originalwesen) und Sekundogenitur (umgeschaffene) Wesen. Das Gleichnis vom faulen Apfel. Vertrauen auf die Barmherzigkeit des Herrn. Von Strafgerichten und deren Folgen. Im unteren Gemach mit den zwölf Türen mit dem Blick in den großen Schöpfungsraum Am 11. Dezember 1850 1 Sagt Robert und auch alle anderen schon knapp an der Wendeltreppe stehend: »O Herr, Du bester, liebevollster, weisester Vater! Es fehlt uns an Worten und an Begriffen, Dir für solch eine Aufklärung nach Recht und bester Gebühr zu danken. Man kann sich also im derartigen ewigen Tode sogar als lebend und glücklich in irgend einem Himmel befinden; nur ist dabei das eigentliche Ur-Ich nicht mehr vorhanden. O das ist ja dennoch Gnade über Gnade von Dir! Wir verstanden unter dem Ausdrucke: ewiger Tod festweg die Hölle, aus der ewig kein Ausweg mehr führt; und so es schon einen gibt nach dem Maße, wie da bei Dir am Ende doch alle Dinge möglich sind, so kann dieser unmöglich anders als nur ein höchst beschwerlicher sein. Nun aber bekommt die Sache auf der Stelle ein ganz anderes Gesicht, und zwar gerade ein solches, wie man es von Dir schon lange hätte erwarten sollen. O Dank über Dank Dir und Liebe für diese herrliche Belehrung!« 2 Sage Ich: »Es macht Mir eine ganz besondere Freude, daß ihr das alles so wohl aufnehmet; aber die Gnade bei der Gabe des ewigen Todes an ein verunglücktes Wesen der Welt ist gar so groß nicht als ihr es meinet; denn es wäre für manchen die Hölle auf 1.000.000 Erdjahre mit beibehaltener Primogenitur besser als der eigentliche ewige Tod. Ist aber mit der Hölle dritten Grades auch die Primogenitur als für ewig im Verluste, dann ist sie freilich noch schlimmer als der pure ewige Tod für sich allein. 3 Soviel Ich aber merke, so begreifet ihr nun wohl, was so ganz eigentlich der ewige Tod an und für sich ist und sein muß. Aber das eigentliche Übel diese Zustandes sehet ihr noch nicht ein, und so muß Ich euch hier beim Hinabsteigen über diese Wendeltreppe noch einiges hinzufügen, und so höret: 4 Wer als das, was er uranfänglich war, wegen Verkehrtheit seiner Liebe in einem ersten oder zweiten Grade der Hölle sich befindet, der kann nach vielen allerbittersten Erfahrungen wieder das werden, was er uranfänglich war. Sein Bewußtsein wird ihm belassen und seine Erinnerung bleibt ihm, und er kann zur Vollendung gelangen. 5 Aber so der Mensch durch die Mir allerunerträglichste Lauheit weder kalt noch warm ist, sich um nichts kümmert, weder um was Gutes noch um etwas Böses oder es ist ihm das eine wie das andere, so daß er auf der einen Seite ganz kaltblütig die größten Greuel und so auch manchmal etwas Gutes ausüben kann; dem da gleich ist Gott oder Teufel, Tag oder Nacht, Leben oder Tod, Wahrheit oder Lüge, der ist dem eigentlichen ewigen Tode verfallen und befindet sich so ganz eigentlich in der alleruntersten Hölle, aus der in einer Urwesenheit kein Auskommen mehr denkbar ist. 6 Der Grund solch eines Zustandes ist eigentlich der allerkonzentrierteste Hochmut, der alle Grade der Selbstsucht und Eigenliebe durchgemacht hat, und sich in solcher Konzentriertheit gewisserart selbst erdrückt, und sogestaltig sich um das Urleben des Geistes gebracht hat; und eben darin besteht der eigentliche ewige Tod, welcher das Schlimmste alles Schlimmen ist, weil da das eigentliche Sein ein völliges Ende nimmt. 7 Solch eine Seele ist dann gänzlich verdorben; ihre erste Totalität muß durch des Feuers Gewalt in ihre einzelnen Spezifikalpotenzen aufgelöst und darauf mit ganz neuen gemengt auf langen Wegen durch die Pflanzenwelt und Tierwelt eines anderen Planeten in einem ganz fremden Sonnengebiete in eine höchst untergeordnete Form eines Menschen übertragen werden. Auf diese Weise bleibt dann von der Urwesenheit solch einer Seele ganz verzweifelt wenig mehr übrig, und das ist das eigentliche Schlimmste, denn solch eine Seele kann dann auch unmöglich mehr je zu Meiner Anschauung gelangen, weil sie dann bloß nur Seele ohne Meinen Geist in ihr ist und bleibt. 8 Kurz, die Sache ist ungefähr also zu nehmen, wie da auch ein unreifer, fauler Apfel in einen Schimmel und Schwamm übergehen kann, aber aus dem Schimmel und Schwamme kann kein Apfel mehr werden, höchstens im besten Falle eine Schmarotzerpflanze, und diese hat wohl wenig Ähnlichkeit mehr mit dem Urbaume und mit der Urfrucht. Saget Mir, ob ihr das wohl vollkommen verstanden habet?« 9 Sagen alle wie ein Mann: »Herr und Vater! jetzt ist uns alles ganz vollkommen klar. Es ist zwar über den Zustand solch einer selbstischen Verlorenheit für ewig nicht viel Erfreuliches zu erwähnen, aber dessen ungeachtet sieht denn doch immer Deine große Liebe und Erbarmung heraus, und bei Dir sind ja alle Dinge möglich; es kann nach freilich undenkbar langen Zeiträumen denn doch auch für diese Wesen ein Stündchen kommen, in dem sie sich und Dich mehr und mehr urzuständlich werden zu erkennen und zu lieben anfangen und von da fortschreiten in der Erkenntnis wie in der Liebe. 10 Wie oft hast Du durch den Mund Deiner Propheten und Knechte den Kindern der Welt alle erdenklichen Gerichte und schlimmsten Folgen ihrer bösen Handlungen prophezeihen lassen; so sich aber dann nur einige wenige Bessere an Dich in ihrem Herzen wandten, da zogst Du sogleich wieder Deine scharfe Zuchtrute zurück, und segnetest darauf den Erdkreis für die Guten und Bösen gleich, und schlugest dann für die Besserung der Bösen einen ganz anderen Weg ein, als den Du durch Deine Propheten und Knechte der Welt anzeigen ließest. Jonas und Jeremias geben Dir dafür das untrüglichste Zeugnis. In allen guten Verheißungen hast Du noch allezeit das Wort gehalten; aber in den Verheißungen oder vielmehr Androhungen von Strafen nur dann, so die Menschen Dich gänzlich aus den Augen gelassen haben, wie es z.B. noch heut zu Tage auf der Erde mit den Juden der Fall ist; denn diese können sich trotz ihrer großen Reichtümer kein Königreich mehr verschaffen und kein freies, unabhängiges Volk werden. Niemand führt sie mehr aus Ägypten, und niemand macht sie mehr frei von der babylonischen Gefangenschaft.« 11 Sage Ich: »Ja, ja, ihr habet vollkommen recht; also ist es auch; daß Ich angedrohte Strafen und Gerichte oft nicht erfolgen lasse, davon liegt hauptsächlich der Grund darin, weil Ich es wohl weiß, daß wirklich erfolgte Strafen die Menschheit selten bessern, sondern meistens nur verschlimmern, und so lasse Ich denn, so sich nur einige wenige Gerechte gläubig an Mich wenden, die Drohungen recht gerne in Segnungen umwandeln. Deshalb aber lasse Ich die Strafen und Gerichte auch allezeit nur bedingungsweise ankündigen und androhen. Finden sie Ohren und Herzen, die sie hören und die Bedingungen nur einigermaßen erfüllen, so tut es sich dann schon wieder, und Ich segne für wenige Gute auch viele Schlechte mit, damit sie nicht Gelegenheit bekommen sollen, noch schlechter zu werden, wie das gewöhnlich bei Kriegen der Fall ist; denn Kriege sind stets die beste Nahrung für den unersättlichen Wuchergeist gefühlloser Kaufleute und die beste Schule der Grausamkeit und des teuflischesten Hochmutes. 12 Es ist leider oft der Fall, daß die sanfte Mahnstimme Meiner Engel an den starren Ohren der Weltmenschen ungehört vorübergleitet, und Ich dann genötigt bin, die Stimme der Teufel unter die tauben Menschen fahren zu lassen. Findet aber die sanfte Mahnstimme aus den Himmeln nur irgend ein kleines Gehör, so lasse ich gern die Stimme der Teufel verstummen; denn ein Vater bleibt ja doch stets der sanfteste Richter seiner leider oft nur zu strafwürdigen Kinder und schlägt nicht sogleich drein, wenn er auch schon die Zuchtrute drohend erhebt. Die Richter auf der Erde richten freilich wohl unerbittlich und ihr einmaliger Ausspruch muß vollführt werden, aber nicht also darf es bei uns sein. Es ist besser, zehn, auch zwanzig Jahre drohen und durch die Finger sehen, als ein Jahr lang strafen; denn die Pflanzen auf unserer Erde sind von der zartesten Art und müssen mit großer Schonung behandelt und gepflegt werden; denn die Geburtsstätte der Kinder Meines Herzens ist eine andere als die Meines Afters. Ihr müsset das stets vor Augen haben, daß die kleine Erde die Geburtsstätte der Kinder Meines Herzens ist. 13 Aber nun sind wir auch vollends am Boden des ebenerdigen Gemaches und wollen da sogleich die nötigsten Beobachtungen machen. Besehet die 4 großen Wände; an jeder Wand ersehet ihr drei Türen; durch diese Türen könnet ihr zu all' den Welten und Himmeln und deren Vereinen gelangen, die unter uns und ober uns in der ganzen Unendlichkeit sich befinden; nur zu diesem höchsten und innersten Himmel nicht, in dem ihr nun seid. Kommet nun gegen Norden; da wollen wir in aller Kürze den Anfang machen.« Kapitel 295 In dem Gemach mit den zwölf Türen. Unser Mond und die Sterne. Engel im freien Raum. Der rätselhafte Balkon. Von den Engel-Missionen. Kados Wirkungskreis Am 14. Dezember 1850 1 Rede Ich: "Robert, öffne sogleich die erste Türe (an der Mitternachtsseite), und wir wollen dann sogleich einen Blick hinaus machen und sehen, was alles da den Strahlen unserer Augen begegnen wird.« – 2 Robert öffnet nun die erste der drei Türen und fährt vor großer Verwunderung wie von einem förmlichen Schwindel ergriffen zurück. Nach einer kurzen Weile sagt er: »O Herr, o Freunde! das ist wahrlich zu viel auf einmal für das Auge eines geschaffenen Geistes! Ich ersah den Mond der Erde, wie er leibt und lebt, am hohen Firmamente; er war im Vollichte und sah ungemein lieblich aus. Gar zarte Silberwölkchen umschwebten ihn, und im tiefen Hintergrunde erblickte ich noch eine Menge sehr hell leuchtender Sterne. Die Plejaden erkannte ich sogleich, und den Orion, und den großen Hund. Auch die Milchstraße war ganz hell, aber nicht als ein Schimmerdunst, sondern wie ein breites Band voll der herrlichsten Sternbilder ersichtlich. O Freunde! von hier aus so was zu erschauen, gewährt eine unbeschreibliche Lust im Hinblicke auf Dich, o Herr, Der Du die Unendlichkeit also herrlich erfüllt hast mit so glänzenden Werken Deiner Liebe, Weisheit und Macht. 3 Der große unendliche Raum aber ist nicht unausgefüllt zwischen den Weltkörpern; denn ich erblickte da Geister in großer Schnelligkeit hin und her schweben, von denen einige mir sehr nahe kamen und mich gar herzlichst begrüßten. Ach, da sieht es wirklich im höchsten Grade tätig aus, und das ist eben meine große Lust, Tätigkeit zu sehen und selbst nach Kräften Tätigkeit zu üben.« 4 Alle drängen sich nun zur Türe und durch sie auf einen großen Balkon, der vor jeder Türe sich befindet. Von diesem Balkon beschauen sie mit großer Lust den ganzen gestirnten Himmel und besprechen sich mit den Geistern, die im freien Raume umherschweben und dem Balkon nahe kommen, was sie allezeit um so lieber tun, so sie Mich am Balkon gewahren. 5 Robert fragt Mich, ob er, so er über das Geländer hinausstiege, auch so frei herumschweben könnte. – Sage Ich: »Versuche es, vielleicht geht es auch.« 6 Robert besieht sich die Tiefe unter ihm, weicht schnell vom Geländer zurück und sagt: »Herr! das werde ich nun bleiben lassen; denn unter uns ist eine große Tiefe.« Am 16. Dezember 1850 7 ja, da gäbe es schon wieder Tausende von Fragen aller Art. z.B., wir sind denn doch, als wir von der Erde hier in dieser Stadt ankamen, auch ebenerdig in Dein heiliges Haus getreten und haben da von keinem solchen Balkon etwas bemerkt; und wir sind nun in selbem zu ebener Erde, und siehe da, das Zimmer sicher so groß und herrlich als der Saal ober uns; zwölf Türen, durch die man auf die Aussichtsbalkone gelangt, von denen zuvor aber auch nicht die leiseste Spur zu entdecken war; und man entdeckt da, daß dieses Haus gleich einem Weltkörper, anstatt auf irgend einem Grunde zu stehen, frei im Äther herumschwebt, während man dann von einer weiteren Stadt, die doch eine endlose Ausdehnung hat, nicht ein Häuschen mehr erblicken kann. Also gehen auch in gleicher Linie ganz gleiche drei Tore an einer und derselben Wand in diese sehr rätselhafte Freie heraus und siehe da, ich sehe sie nicht. Herr und Vater! das ist wahrlich wahr etwas stark. Wer das so recht ex fundamento (aus dem Grunde) begreift, der muß wahrlich, wie man sagt, ein Kind guter Eltern sein. 8 Nein, nein, Himmel hin, Himmel her! Aber das geht einmal in meinen Sinn nicht ein. Ja, ich sehe da nicht einmal die Möglichkeit ein, das je begreifen zu können. Ist das bloß eine geistige Art Phantasmagorie? oder eine Art geistigen Dioramas? oder ist das eine sonstige Art geistig optischer Täuschung? Denn sonst ist mir die Sache unerklärlich; denn Wirklichkeit kann das unmöglich sein. Entweder ist der Himmel wahr, und das muß dann bloß nur eine Illusion sein oder das ist wahr und der Himmel eine Illusion. O Herr und Vater! Da bitte ich Dich wohl im Namen aller um eine schnelle Aufklärung, sonst verzehrt mich die Ungeduld. 9 Es sind wohl beim Eintritte in die Geisterwelt mir auch oft gar sonderbare Erscheinungen aufgestoßen, und zwar hauptsächlich in meinem ersten Hause; aber ich konnte sie nach und nach fassen, weil sie eigentlich korrespondierend mit meinem Innersten in die Erscheinlichkeit traten. Aber da bin ich ja eigentlich mein Allerinnerstes selbst, hinter dem sich doch sicher nichts mehr noch Inneres verbergen kann. Woher dann diese so seltsame Erscheinung?« 10 Sage Ich: »Nur Geduld, mein lieber Freund! Mit der Weile wird dir schon all' dieses klar werden, obschon du hernach ewig fort noch gar endlos vieles ebenso wenig begreifen wirst, wie dieses Leichte nun. Nun aber treten wir wieder in's Gemach und tun da einen Blick durch die zweite Türe.« 11 Alle treten nun schnell zurück, und Kaiser Rudolf fragt Mich im Gemache, sagend: »Herr und Vater! Was da die vom Bruder Robert angeführten Unwißtümlichkeiten betrifft, so haben sie mich imgrunde gar nicht geniert, denn ich dachte bei mir: Unbegreiflich ist es freilich wohl, und die Bestandsverhältnisse kontrastieren hier auf eine wunderbarste Weise, und dürften für geschaffene Geister wohl noch so ziemlich lange unbegreiflich bleiben, darüber ich mich im Grunde gar nicht aufhalte, denn so lange ich den Vollgrund einer Sache oder einer Erscheinung nicht einsehe, bleibt sie für mich im stets gleich hohen Interesse; sehe ich aber endlich einmal so was ein, dann ist das Hauptinteresse auch schon dahin; denn nur das unbegreiflich Wunderbare nimmt stets alle unsere Aufmerksamkeit in den vollsten Anspruch; das verstandene Natürliche aber wird ganz gleichgültig, denn da wir es verstehen, wie es ist und geschieht, so denken wir dann entweder auch gar nicht oder nur sehr wenig darüber nach, und das stört das Vergnügen samt der durch dasselbe bedingten Seligkeit. Nur das Unbegreifliche ist und bleibt sehr interessant; ° das einmal vom Grunde aus Wohlbegriffene aber, wenigstens für mich, nimmer. Ich habe daher auf der Erde auch nie hinter so manche Geheimnisse der Künstler, die an meinem Hofe lebten, dringen gewollt, denn hätte ich so wie sie ihre Geschichten und Sachen verstanden und eingesehen, so hätten sie für mich auch alsbald alles Interessante verloren, und solch ein Künstler wäre dann von mir auch bald pensioniert worden. 12 Also mich juckt es nicht also wie den Bruder Robert, die Gründe von all' diesen Wundern einzusehen, nur etwas möchte ich wissen, und das ist, wer etwa doch jene Geister sind, die vor uns im freien Äther gespielt haben? Daß sie in ihrer Art auch sehr glücklich sein müssen, habe ich aus der großen Freundlichkeit ihrer Gesichter abgenommen; aber wer sie eigentlich sind und was ihre Bestimmung ist, das kann Dir, o Herr und Vater, ganz allein nur bekannt sein. Wenn es Dir genehm wäre, so möchte ich darüber wohl selbst einen kleinen Aufschluß haben.« 13 Sage Ich: »Das sind im Geschäfte stehende Engel dieses obersten Himmels. So ihr dazu mit der erforderlichen Weisheit werdet ausgerüstet sein, dann werdet auch ihr von Periode zu Periode in ihr Geschäft treten. Sie stehen für die Erhaltung aller Welten und sind deren oberste Leiter und Führer. Siehe, solch ein munterer Engel ist nicht selten ein Herr und Regent eines ganzen Sonnengebietes; um aber solch eine Regentschaft antreten zu können, muß er vorher freilich sehr vieles kennen lernen und muß viele Schulen durchmachen. Unser Kado, ein sehr talentierter Geist, hat bereits auf der Erde zu dienen und zu regieren angefangen. Er macht seine Sachen gut und versteht die verschiedenen Geister im vollen Respekte zu erhalten; deshalb aber bekommt er auch einen stets größeren Wirkungskreis. 14 Im Anfange wird jedem nur ein kleiner Kreis zugewiesen; ist er in diesem treu und vollauf tätig, so wird er dann bald über Größeres gesetzt werden. Dem Kado war anfangs nur ein kleiner Kreis aus kaum zwei ganz kleinen Ländern, die du kennst, zur Leitung und Überwachung anvertraut; und siehe, nun streckt er sein Zepter schon über mehr als halb Europa aus, und wird, wenn er so fortfährt, bald die ganze Erde unter der Macht seines Willens haben. Hat er bei der Erde bewiesen, daß er mit der ihm verliehenen Macht umzugehen versteht, so wird er dann die Sonne zur Leitung bekommen; endlich mit ihr das ganze Planetentum, und so fort, bis er ein Herr eines ganzen Sonnengebietes ist. Verstehst du nun, wer die Geister, die draußen vor uns vorübergeschwebt sind, so ganz eigentlich sind?« 15 Spricht Kaiser Rudolf: »Ja, Herr und Vater! Ich verstehe es nun, aber ich schaffe (habe) für mich von dieser Würde eben nicht gar vieles, denn so ein Engel hat ja dann aber auch nie eine Weile hierher zu kommen, um allda ein wenig auszuruhen von seinen großen Anstrengungen.« – Sage Ich: »Ach, da sorge du dich um 'was anderes! Ein jeder solcher Engel hat Millionen unter sich, die da vollbringen seinen Willen, und er kann, so oft er will, hierher kommen und von Mir Selbst fernere Verhaltungsmaßregeln und dazu die nötigen Stärkungen einnehmen. Beim ehedem abgehaltenen großen Mahle hast du viele gesehen, die nun schon wieder an den Orten ihrer Tätigkeit sich befinden. 16 Aber nun einen Blick durch diese zweite Türe! Sie ist schon offen, und so treten wir denn hinaus. Da stehen wir schon am zweiten Balkon; was sehet ihr hier?« 17 Alle staunen über die Maßen, denn sie sehen hier das wunderherrliche Land des Mittelgürtels der Sonne, und können sich nicht genug verwundern über dessen Herrlichkeit. Sie sehen auch Menschen, aber für jetzt noch in einer solchen weiten Ferne, daß sie deren Formen nicht wohl ausnehmen können; denn für diese wären sie im Ganzen noch zu wenig festen Herzens. 18 Es tritt nun auch der Robert wieder zu Mir, und sagt: »O mein lieber, heiligster Vater! Der Bruder Rudolf hat imgrunde wahrlich nicht unrecht; auch ich sehe nun ein, daß bei solchen Erscheinungen alles Fragen vollkommen eitel ist und sein muß. Da gibt es nun des Wunderbaren noch um vieles mehr als bei der früheren Türe; mit den Fragen würde man da wohl in alle Ewigkeit nicht fertig, deshalb ist es wahrlich besser, diese Sache der Himmel seligst und ruhig zu genießen und dabei in einer allersüßesten Geduld dahin abzuwarten, bis es Dir, o Herr und Vater, genehm sein wird, uns darüber ein helleres Licht geben zu wollen. Aber die Menschen müssen da sehr schön sein; ich kann zwar ihre Formen nicht näher ausnehmen; aber so viel merke ich schon, daß sie ganz ungeheuer schön sein müssen.« 19 Sage Ich: »Siehe, das ist die Sonne und ihre eigentlichen Bewohner. Die etwas Dunkleren sind noch in der Materie; die Lichteren aber sind Geister und hausen auch in der Sonne. Später wirst du schon noch alles ganz vollkommen lernen; aber für jetzt wäre es noch etwas zu früh. Gesehen haben wir nun, was die zweite Türe verschließt; daher begeben wir uns nun sogleich zur dritten Türe dieser Wand.« 20 Wir treten sogleich wieder in's Gemach, und allda in die dritte schon offen stehende Türe. Uns am Balkone dieser Türe befindend, ersehen wir eine ganz natürlich erleuchtete Welt, ganz nahe am dritten Aussichtsbalkon. Es kann von ihr natürlich wie früher bei der Sonne nur ein kleiner Landstrich auf einmal übersehen werden. Robert fragt sogleich, was denn das so ganz eigentlich für eine Welt wäre, ob vielleicht noch ein dunklerer Teil der Sonnenwelt? – 21 Sage Ich: »O nein! Das ist der Erde Mond; siehe dessen düsteres Land und dort in einiger Ferne eine kleine Gruppe zwerghafter menschlicher Wesen. Es sind das die eigentlichen Einwohner der von der Erde stets abgewandten Seite. Ihre größte Lust sind ihre Weibchen, die sie auch aus purer Liebe und Zärtlichkeit zumeist auf ihren Schultern herumtragen. Ober ihnen, einige Klafter hoch, sehet ihr ganz muntere Geister herumschweben. Das sind die Seelen verstorbener Mondmenschlein; ihre Freude ist, ihren noch sterblichen Brüdern Gutes zu tun und sie vor mannigfachen Gefahren zu schützen. Hauptsächlich richten sie ihr Augenmerk darauf, daß die sehr materiellen Geister, die die der Erde stets zugewandte kahle Seite des Mondes sehr kastenmäßig bewohnen, nicht zu den Bewohnern der negativen Seite des Mondes gelangen können, wo sie ihnen bedeutende Gefahren in's Haus bringen würden, das in einer unterirdischen Höhle besteht. 22 Für jetzt wisset ihr genug von der Einrichtung dieses kleinen Weltkörpers; in der Folge und auf den Wegen der euch zukommenden Beschäftigung werdet ihr das alles durch und durch kennen lernen; daher wollen wir uns nun auch nicht länger mit der Besichtigung dieser kleinen Welt abgeben, sondern uns sogleich in die erste Türe an der abendlichen Wand begeben, und von dort wieder eine neue Betrachtung der Außenwelt machen.« Kapitel 296 Auf dem Balkon der zweiten Tür: Unsere Sonnenwelt und ihre Bewohner. Dritter Balkon: Die Mondwelt und ihre materiellen Bewohner. Die vierte Tür zeigt eine Mittelsonne. Von der technischen Einrichtung dieses himmlischen Wunderkaninettes als ein geistiges Diorama mit himmlischer Optik 1 Alle treten nun wieder in's Gemach, und die erste Türe an der abendlichen Wand steht schon offen, ohne daß sie jemand eigens mit der Hand geöffnet hätte. Das ist für unseren Robert schon wieder ein neuer Stein des Anstoßes, und er fragt Mich sogleich um die allfällige mechanische Einrichtung, durch welche die Türen wie von selbst geöffnet wurden. 2 Ich aber sage zu ihm: »Freund, kannst du dir denn noch immer keinen vollkommenen Begriff von der Allmacht Meines Willens machen?« – Sagt Robert: »O vergib mir, bester Vater! Siehe, bei Deiner gar so großen Freundlichkeit und unglaublichsten Herablassung vergißt man oft ganz, daß Du allmächtig bist. Aber nun ist schon alles wieder in der schönsten Ordnung, und die Mechanik der von selbst aufgehenden Türe ist mir nun völlig klar.« 3 Auf die Erwiderung Roberts treten wir sogleich in die Türe und vor den Blicken der neuen Bewohner des himmlischen Jerusalems dehnen sich unabsehbare Ländereien aus. Große Ströme durchfluten diese unabsehbar weit gedehnten Ländereien und ihre Gewässer strahlen stärker denn alles Licht der Erdsonne auf einen Punkt zusammengedrängt. Überaus große und prachtvollst bestellte Gärten werden nach und nach bei größerer Gewöhnung an das starke Licht der Ströme ersichtlich, und in der Mitte solcher Gärten erglänzen die großartigsten Prachtgebäude, in denen die Menschen dieser Lichtwelt zu wohnen pflegen. Über den Lichtströmen aber sieht man überaus mächtig strahlende Menschengestalten schweben; ihre Formen sind unbeschreiblich schön. Robert und noch einige halten sich die Hand vor die Augen, weil sie den zu mächtigen Lichtglanz nicht ertragen können und fragen Mich, was denn das etwa für eine Welt sei. Am 19. Dezember 1850 4 Sage Ich: »Das ist eine Mittelonne, um die in weiten Kreisen Millionen von kleineren Planetarsonnen bahnen. Ihre anziehende Kraft ist so groß, daß sie alle die Millionen Planetarsonnen samt ihren Planeten in den vorgezeichneten Bahnen erhält, und noch mehrere eben mit der gleichen ungeschwächten Kraft erhalten könnte. Was ist aber alle solche Kraft gegen die Kraft eines der geringsten Meiner Kinder! Ich sage euch: Sonnenalle sind ein Spielzeug zum Tändeln in den Händen Meiner Kinder. Nun wisset ihr, was ihr nun schauet; und da ihr dieses nun wisset, so wollen wir den Balkon wieder verlassen und zur zweiten Türe dieser abendlichen Wand übergehen.« 5 Sagt Robert: »Herr und Vater! so ein bißchen möchte ich denn doch von der Möglichkeit einen Begriff haben, wie denn das bestellt ist, daß man hier von jeder Türe nun einen eigenen großen Weltkörper ersieht, und doch steht eine Tür von der anderen nur einige Schritte ab. Wie ist das möglich? Wie können solche Weltkolosse nebeneinander bestehen, und das auf einem Raume von wenigen Schritten? Herr! ich bändige meine Geduld, was ich nur immer kann, aber es nützt leider nichts. Ich muß da ein kleines Lichtlein bekommen, sonst werde ich sogar hier im Reiche des vollkommensten Lebens krank.« 6 Sage Ich: »Nun, nun, krank sollst du denn doch nicht gerade werden; und das für's erste, weil hier eine Krankheit rein unmöglich ist; und für's zweite, weil Ich dir nun denn doch darüber ein kleines Lichtlein geben will, und so höre denn! – Du hast schon ehedem von einem geistigen Diorama etwas erwähnt, und so denn sage Ich dir, es ist dies auch solch ein geistiges Diorama, das aber freilich auf ganz anderen optischen Grundsätzen beruht als irgend ein irdisches. 7 Siehe, jede dieser Türen ist gewisserart ein geistiger Hohlspiegel. So die Tür aufgemacht wird, so ersiehst du das, was einer gewissen ewigen Ordnung nach in deinem eigenen Herzen in kleinster Form, aber dabei doch in vollendester, wohnet. Trittst du nun vor einen dieser Hohlspiegel, so ersiehst du den höchst vergrößerten Wiederschein dessen, was nach einer genauest berechneten entsprechenden Ordnung sich aus deinem Vorrate auf der reinsten Fläche des Spiegels gewisserart abspiegelt. Der Spiegel ist hier aber nicht etwa wie auf der Erde ein Glas, sondern eine reinste Himmelsluft, die also geglättet ist, daß sie für den rechten Bedarf eine hellste Wand bildet, an der das wiederstrahlt, was bei ihrer eigensten Konstruktion von ihr der Ordnung nach aufgenommen werden kann. 8 Auf der Erde gibt es freilich wohl nichts Ähnliches. Die sogenannten Fata Morganas wären wohl nebenbei in irgend eine Betrachtung zu ziehen; sie sind wohl auch Luftspiegelungen; aber sie stehen dennoch in allem diesen Spiegelungen himmelweit nach; denn sie nehmen jedes Objekt auf, was sich ihnen vorstellt; diese hier in Meinem Hause aber nur, was ihnen entspricht. Etwas ähnlicher wäre wohl die verschiedene Farbenreflexion durch einen prismatischen Spiegel, wo eine bestimmte Fläche bei gleicher Wendung nur entweder eine rote, gelbe, blaue, grüne usw. Farbe zurückwirft. Was aber solch ein Spiegel mit den freilich formlosen Farben tut, das tut ein solcher Spiegel hier mit den Formen, die aus dem Herzen der vor ihm stehenden Engelsgeister auf seine Fläche überstrahlend eben seiner eigens konstruierten Fläche zur Wiederstrahlung entsprechen. 9 So Ich nun diesen oder auch einen anderen Spiegel destruieren (wegnehmen) will, so wirst du durch solch eine Türe nur das sehen, was natürlich dies mein Haus, das nach allen Seiten hin in der Mitte der großen Stadt frei ist, zunächst umgibt; denn das gewöhnliche Schauen und Sehen beruht hier auf denselben Grundsätzen, wie das Schauen und Sehen auf der Erde, nur natürlich in der höchst reinsten Potenz. 10 Da aber solch ein Spiegel durchaus keine feste Wand bildet, so ist allda die Einrichtung also getroffen, daß ein jeder Geist im Falle der Notwendigkeit auch alsbald auf jenen wirklichen Weltkörper in größter Gedankenschnelle hingelangen kann, den er im Spiegel ersieht. Das geschieht auf dem Wege eines himmlisch geistigen Rapportes; wie aber dieser beschaffen ist, und wie er bewerkstellig wird, das, Mein lieber Freund, wird dir alles mit der Weile klar werden. Nun, wie sieht es nun mit deiner Krankheit aus? Meinst du etwa wohl noch, daß dich noch so ein Ungeduldsfieber packen wird?« 11 Sagt Robert: »O Herr und Vater! Du Liebe aller Liebe! Jetzt ist schon wieder alles in der schönsten Ordnung. Ich bin nun schon wieder um tausend irdische Unterrichtsjahre weiser und verständiger. Dir allein alle unsere Liebe und Anbetung ewig.« – Sage Ich: »Nun denn, so es dir nun leichter ist um's Herz, da gehen wir sogleich in die zweite Türe; sehet, sie ist schon geöffnet!« Kapitel 297 Die geöffnete fünfte Tür im himmlischen Wunderkabinett zeigt eine höhere Zentralsonne. Die Schaunot aus Lichtüberfülle. Eljahs Eindrücke darüber. Peter Peters weise Bemerkungen dazu 1 Alle bewegen sich nun in diese zweite Türe an der Abendwand und erschauen da nun eine zweite Zentralsonne höheren Ranges, um die ganze Sonnengebiete, ihren Mittelsonnen anhängend, gleich den Planeten um ihre Planetarsonne in übergroßen Bahnen kreisen. 2 Hier heben alle die Hände empor und schreien: »O Herr, o Herr! zurück, zurück mit uns! Das ist nicht mehr zu ertragen; das ist ja ein Licht, welches das der früheren Zentralsonne ums trillionenfache übertreffen muß. Wir ersehen hier kein Ende mehr und können auch keine Formen mehr ausnehmen. O Gott, o Gott! Du allmächtigster Herr der Unendlichkeit! Welch ein massenhaftes Licht; welch eine Intensivität!« 3 Sage Ich: »Schauet nur eine Weile hinein, und ihr werdet eure jungen Augen schon daran gewöhnen, und werdet dann auch Formen entdecken.« – Sagt Robert: »Es wäre alles recht, wenn man es nur aushalten könnte! Das ist ja eine derartige Lichtstärke, daß sie, so dieses Licht in dieser Intensivität auf die Erde fiele, dieselbe in einem kaum denkbar schnellsten Momente in ein purstes Nichts auflösen müßte. Unsere Augen sind, Dir o Herr und Vater allen Dank, alle Liebe und Ehre, doch schon sozusagen ziemlich ganz an's Licht stärksten Kalibers gewöhnt worden; aber da erleiden sie einen ordentlichen Schiffbruch, und ich kann tun, was ich will, so ist es mir rein unmöglich, auch nur eine volle Sekunde lang kontinuierlich hinein zu sehen. Wenn Du nicht eine Art Blende vor unsere Augen schaffst, so können wir ein volles irdisches Jahrtausend unsere Augen schulen, und wir werden dann sicher noch lange nicht imstande sein, eine ganze Minute lang dies erschrecklich starke Licht anzuschauen.« 4 Sage Ich: »Ei, ei, daß du doch allemal eine Sache besser verstehen willst, als wie Ich sie verstehe. So sieh' in das Licht nur einige Augenblicke lang, und du wirst dich ja dann überzeugen, ob es denn durchaus nicht zu ertragen sein wird; denn siehe, ihr müsset euch hier auch das stärkste Licht zu schauen angewöhnen; es geschieht dann und wann, daß Ich Selbst im Lichte der Gottheit in Mir erscheine, gegen das all' dies Licht eine barste Nacht ist. Wie könntest du dann Mich in solchem Lichte schauen, so dich schon dies geringe gar so geniert? Darum nur mutig hineingeschaut, es wird sich schon alles geben.« 5 Auf diese Worte fängt Robert an, mit anfangs freilich stark blinzelnden Augen in diese zweite große Zentralsonne hineinzusehen und sagt nach einer Weile: »O Gott, Vater! ich danke Dir für solche Deine große Gnade; jetzt fängt bei mir die Sache schon so ein bißchen sich zu machen an, und ich ersehe nun auch schon Formen, aber sie halten sich noch nicht; denn des Lichtes Macht wischt sie noch von Periode zu Periode weg, aber sie kommen nun doch als stets die gleichen wieder zum Vorscheine. O das muß eine gar überaus wunderbar herrliche Welt sein! Wahrlich, so eine Welt ist auch schon ein Himmel, denn da muß es sich überaus herrlich leben lassen, so man einmal das Licht gewöhnt ist. 6 Ach, ach, jetzt entdecke ich eine ungeheuer große Stadt, von den allergroßartigsten und wundervollsten Bauwerken überfüllt. Die Stadt hat eine Ähnlichkeit mit dieser Deiner heiligen Stadt aller Städte der ganzen Unendlichkeit. Merkwürdig, merkwürdig! und siehe, so weit nun schon meine durch dies mächtige Licht gewisserart getöteten Augen reichen, sehe ich Gärten und die herrlichsten in einem mir ganz fremden Baustille erbauten Paläste. Ungeheure Arkaden ziehen sich nach allen Richtungen hin, und auf diesen stehen die herrlichsten Säulen, und über diesen prangen erst Paläste von unbeschreiblicher Pracht. O, o, das ist herrlich, überherrlich!« 7 Nun fangen auch alle anderen mehr konstant in das Licht dieser zweiten Zentralsonne zu schauen an und entdecken auch nach und nach das, was Robert entdeckt hat; ja einige entdecken noch mehr. Sie entdecken eine überaus herrliche Pflanzenwelt, eine große Menge der merkwürdigsten Tiere aller erdenklichen Art, und über den Arkaden und in den Gärten lustwandelt eine Menge unbeschreiblich schön gestalteter Menschen. Aus ihren freien und munteren Bewegungen läßt sich wahrnehmen, daß sie äußerst glücklich und zufrieden sein müssen; 8 besonders bemerkt solches die Mathilde Eljah, sagend: »O Gott! Welch ein ewig nie vergleichbarer Unterschied zwischen solch einer Welt und zwischen unserer Erde! Da ist alles ein vollkommener Himmel, auf der Erde aber alles im Vergleiche mit dieser Welt eine barste Hölle. O Gott, o Vater! Das müssen ja gar überaus gute und weise Menschen sein. Auf dieser Welt wird es wohl sicher keinen Tod geben. Es scheint darauf auch nichts zu altern; allenthalben strahlt ein ewiger Frühling, und jede Gestalt strotzt in aller Fülle der heitersten und ungezwungensten Jugend. – O Gott, o Vater! Welch eine Welt! Auch die Tiere sehen überaus gutmütig aus; wie die frommsten Lämmer wandeln sie miteinander und suchen auf den für sie bestimmten Plätzen das ihnen zusagende und ihren Naturen sicher überaus süß schmeckende Futter. – 9 O Herr! Da muß es doch für jedes Deiner Kinder eine hohe Lust sein, ein Regent solch einer Welt zu werden. Ja, Dir Selbst muß es eine große Freude machen, die lichtvollsten Gefilde solch einer Welt zu betreten. Nein, da dürfte ich nicht lange hineinsehen. Das könnte mich wahrlich so schwach machen, daß ich nolens volens diese Welt betreten und nähere Bekanntschaft machen müßte mit deren gar wunderschönsten Menschen.« – 10 Sagt Peter Peter: »Du kannst die Geschichte ja versuchen, wirst aber nach meinem Dafürhalten eine schlechte Ressourse finden. Diese Wesen sehen wohl ihresgleichen untereinander, aber dich als einen Geist aus dem obersten aller Himmel dürften sie wohl durchaus nicht sehen können, weil sie dennoch mehr oder weniger von der Materie ihrer Welt umfangen sind; und da hättest du ein schlechtes Vergnügen, so du nur sie sehen könntest, sie aber dich nimmer; denn ich nach meiner gegründeten Mutmaßung halte dafür, daß diese Menschen gar keinen Tod haben, d.h. gar keine Verwandlung. Sie werden so, wie du sie nun erschaust, schon von ihrem ersten Entstehen an ein ihnen zusagendes ewiges Leben zu leben beginnen. Ihre Werke zeigen zwar, daß unter ihnen recht sehr viel Weisheit zu Hause sein wird, aber als Regel möchte ich das geradewegs auch nicht annehmen; denn es gibt ja auf der Erde Tiere und Tierchen aller Art, die im Ernste Dinge zuwege bringen, die ihnen ein noch so weiser und erfahrenster Künstler nie nachmachen wird. Wäre es aber folgerichtig, so man solchen Tieren und Tierchen eine übersalomonische Weisheit zumuten möchte? Siehe, eben so mehr oder weniger kann das auch bei diesen Menschen der Fall sein. Sie können gar leicht mehr Instinktsmenschen als Weisheitsmenschen sein, und in solchem Falle würde dann unsereiner bei ihnen eben nicht viel Amüsantes finden. Was sagst du zu diesem meinem nicht ungegründeten Dafürhalten?« – 11 Sagt die Eljah: »Ja, ja, du dürftest da gerade nicht ganz unrecht haben. Nur nach der großen Mannigfaltigkeit des da Vorkommenden zu urteilen scheint es denn doch, daß diese Menschen mehr in einer wirklichen Weisheit sich befinden, als in irgend einer Art noch so ausgebildeten Instinktes; denn solche Bauten in einem allerkühnsten Baustile, diese herrlichen Gartenanlagen geben einen hinreichenden Beweis, daß bei diesen, stets vom mächtigsten Lichte umflossenen Menschen mehr als ein purer Instinkt zu Hause ist.« – Sagt Peter Peter: »Ja, ja, du magst in dieser Hinsicht auch nicht unrecht haben; aber ich bleibe hier so ziemlich fest bei meiner Ansicht.« – 12 Sage Ich: »Ihr habet in wechselweiser Beziehung beide recht; aber da Ich nun schon die dritte Türe eröffnet habe, so verlassen wir nun diese Türe und treten sogleich in die schon geöffnete dritte Türe.« Kapitel 298 In der sechsten Türöffnung zeigt sich eine Allmittelsonne mit Flammenlicht. Kurzer Blick in die Ordnung des Weltenuniversums. Wohnungen der Feuergeister Am 21. Dezember 1850 1 Alle treten nun in die dritte westliche Türe, und wie sie einen Blick hinauswerfen, kehren sie sich sogleich wieder um, und die Weiber machen einen starken Schrei, als wie einer, der sich über etwas mächtig entsetzte; denn das hier entgegenstrahlende Licht ist wieder um's gar unvergleichbare mächtiger als das in der früheren Türe; 2 und Robert und mehrere andere mit ihm sagen: »O Herr, o Gott, o Vater! Unserer Augen, die nun das Licht der früheren Sonne am Ende schon ganz leicht haben ertragen können, vermögen nun dies unbeschreiblich mächtigste Licht nicht mehr zu ertragen. Das Licht der früheren Sonne war doch ein ruhiges, obschon anfangs auch beinahe unerträglich stark. Dies Licht aber gleicht den mächtigst wallenden Flammen und sticht gar übergewaltig in die Augen, so daß man es nimmer zu ertragen vermag. Was ist das wohl für ein Licht? Ist das etwa auch wieder eine Zentralsonne?« – 3 Sage Ich: »Allerdings, und das wieder eine einer höheren Ordnung. Damit ihr aber das recht begreifet, so müsset ihr euch die Ordnung also machen: 4 Die vielen Millionen Planetarsonnen, um die sich die Planeten wie eure Erde bewegen, machen mit ihrer eigenen Zentralsonne ein Sonnengebiet aus, und desse Zentralsonne ist stets so groß, daß sie den körperlichen Inhalt ihrer um sie bahnenden Sonnen samt deren Planeten manchmal um's beinahe Hundertfache, manchmal gar um's Tausendfache, ja manchmal wohl auch um's Millionenfache übertrifft, denn es gibt größere und kleinere Gebiete. Je größer aber ein Sonnengebiet ist, desto größer muß auch verhältnismäßig eine Zentralsonne sein in allen Teilen gegen das totale Körperverhältnis ihrer Nebensonnen, um sie ob der größeren Entfernungen von ihr in den bestimmten Bahnen zu erhalten; denn in dem Verhältnisse sich die Anzahl und die notwendigen Entfernungen der Nebensonnen mehren, desto verhältnismäßig größer muß auch das Volumen einer solchen Zentralsonne sein, um Meister all' der sie umbahnenden Planetarsonnen zu sein. 5 Viele solcher nun näher beschriebenen Sonnengebiete aber haben dann wieder eine gemeinsame Mittelsonne und bahnen von ihrer Mittelsonne getragen wieder in natürlich unvergleichbar größeren Kreisen um ihre gemeinsame Mittelsonne, die ganz natürlich wieder um's Verhältnismäßige vielfach größer sein muß, als alle ihre Sonnengebiete zusammen genommen, deren oft viele Tausende um eine solche zweite Mittelsonne, wie wir in der zweiten Türe eine gesehen haben, kreisen. Alle solche Sonnengebiete samt ihrer Mittelsonne ergeben dann ein Sonnenall. 6 Aber wieder haben viele Tausende solcher Sonnenalle einen gemeinsamen Mittelpunkt oder eine Mittelsonne, die im gleichen Verhältnisse wieder oft um's Tausendfache größer ist in ihrem Volumen, als alle die sie umbahnenden Sonnenalle; und solch eine Allmittelsonne ist eben diese hier, die wir nun sehen. 7 Wie sich aber die Größen solcher Mittelsonnen steigern, also steigert sich auch ihr Licht. Ihr könnet das Verhältnis ungefähr also annehmen: Ist z.B. eine Planetarmittelsonne so groß, das ihr Durchmesser eine volle Billion irdischer Meilen zählt, so zählt der Durchmesser einer zweiten Sonnengebietsmittelsonne das Zehnhunderttausendfache oder Millionfache, was da eins und dasselbe ist, des Durchmessers einer Planetarmittelsonne, also eine volle Trillion irdischer Meilen; und eine solche Sonne, wie wir sie nun in dieser dritten Türe schauen, wächst dann wieder, je nachdem sie mehr oder weniger ganze Sonnenalle beherrscht, ums Millionenfache, manchmal sogar um's Billionfache in jeglichem Verhältnisse sowohl der notwenigen Größe als wie eben also des Lichtes, und kann dann wohl eine Quatrillion, manchmal sogar eine Quintillion irdischer Meilen im Durchmesser fassen. 8 Sonnen dieser Art haben schon vollkommen ein eigenes Feuerlicht und sind zur Bewohnung materieller Wesen auf ihrer für euch beinahe unermeßbar weiten Oberfläche nicht geeignet, dafür wohnen aber desto mehr Feuergeister ganz glücklich und behaglich in solch einem unermeßlich ausgedehnten Feuermeere und haben da ihre Wohnungen und ihre Herrschgebiete. Wohl aber bewohnen auch Körpermenschen solch eine Sonne, aber nicht die äußerste Oberfläche einer solchen Sonne, sondern eine mehr innere; denn alle Sonnen bestehen aus mehreren Sonnen, die inwendig in der äußeren Sonne ungefähr also sich befinden, wie der Planet Saturn innerhalb seiner Ringe. Wie aber alles das sich verhält und warum, werdet ihr in der Folge ganz auf ein Haar genau kennen lernen. 9 Nun aber bemühet euch, auch das Licht dieser Sonne zu ertragen; denn ihr müsset in der Folge unendlichmal stärkere Lichter ertragen, um endlich auch Mein eigenstes Gottlicht ertragen zu können. Versuchet es nur, es wird schon gehen; der Anfang ist stets schwer!« Am 24. Dezember 1850 10 Auf diese Meine Aneiferung wenden sich alle wieder nach dieser Sonne hin und beginnen zu versuchen, ob es etwa wohl möglich sein solle, am Ende auch dieser Sonne Licht zu ertragen. 11 Robert, dessen Augen gar sehr empfindlich sind, wendet sich an die stets anwesenden drei Apostel und sagt: »Liebe Freude! wie machet ihr es denn nun so ganz eigentlich, daß ihr gar so ungeniert in dies Licht schauen könnet? Ich weiß auch, daß das Beschauen dieses mächtigsten Lichtes meinen Augen durchaus keinen Schaden bringen kann, aber dennoch vermag ich vor zu großer Lichtstärke es nicht zwei kontinuierliche Sekunden lang anzuschauen. Es macht mir auch gerade keinen Schmerz, so ich in dies Licht einen Blick werfe, aber die ungeheure allerstechendste Lichtstärke selbst verwehrt es ordentlich meinen Augen, ihre Majestät länger als eine flüchtige Sekunde lang anzugaffen. Saget, ihr lieben Brüder, wie ihr es so ganz eigentlich machet, daß euch ein solches Licht aber auch nicht im geringsten geniert?« 12 Sagt Paulus: »Mein lieber Bruder! Ich sage dir nichts als das: Sei festen Willens! dann geht alles. Meinst du etwa, daß wir an unserer Sehe etwa schon derart abgestumpft sind, daß uns ein solches und ein noch um's unvergleichbare stärkeres Licht gar nicht mehr genieren kann! O da wärest du in einer sehr bedeutenden Irre! Solch eines Lichtes ungeheure Kraft und Stärke empfinden auch wir gleich wie du selbst; aber unser Wille hat bei solchen Gelegenheiten jene entschiedene Stärke, die es mit jeder Lichtstärke aufnehmen kann, mit der alleinigen Ausnahme der Lichtstärke in der innersten Gottheit des Herrn Selbst, die auch wir bei all' unserer Willensbeharrlichkeit nie länger als drei kurze Augenblicke nur ertragen können. Du mußt demnach nicht so sehr bemüht sein, deine Sehe, sondern vielmehr nur deinen Willen zu stärken; dann wirst du jedes Licht ansehen können und es wird dich keines mehr behindern. Versuche das, und du wirst dich sogleich überzeugen, daß ich ganz recht habe!« – 13 Sagt Robert: »Will es versuchen und sehen, wie weit ich die Sache treiben kann.« Hier setzt sich Robert fest an, und fängt ganz glühenden Angesichtes in dies Sonnenlicht hinein zu starren an, und sagt dann nach einer Weile: »Brüder! ihr habet denn doch richtig ganz vollkommen recht; nicht im Auge, sondern an meines Willens schwacher Entschiedenheit lag es. Als nun mein Wille entschiedener auftrat, da ging es anfangs freilich wohl sehr schlecht; aber nach einigen Minuten hatte sich alles Behindernde verloren, 14 und ich schaue nun auch dies Licht mit einer großen Leichtigkeit an und habe darob eine ganz unbändig große Freude; denn ich fange nun an durch überaus klarste Ätherflammen eine ganz ungeheure Wunderwelt zu entdecken und sehe ungeheuer weitgedehnte Wohngebäude, in denen wahrscheinlich die vom Herrn ehedem bezeichneten Feuergeister wohnen werden. Merkwürdigermaßen besteht ein solches Gebäude eigentlich aus einer Unzahl von symmetrisch errichteten ungeheuer hohen Türmen, die untereinander mit unzählbar vielen Arkaden nebeneinander und übereinander verbunden sind; und nun ersehe ich auch wirklich menschenähnliche Wesen auf den Arkaden herumwandeln; ihre Bewegung ist aber schon eine ungemein schnelle; das geht ja wie Blitze hin und her! Haben denn diese Geister gar so dringende Geschäfte, weil sie gar so hin und her rennen, als ob sie so ein wenig, wie man auf der Erde sagt – besessen wären?« 15 Sagt Paulus: »Ja, mein Freund, auf solch einer Sonne gibt es schon ganz kurios viel zu tun, was du nun freilich noch nicht zu fassen imstande bist; aber aus diesen übergroßen und weitgedehnten Gebäuden kannst du schon den füglichsten Schluß ziehen, daß es in dieser Sonne gar ungeheuer viel zu tun geben müsse, und daher denn auch die große Emsigkeit dieser Geister. Siehe, auf dieser ungeheuer großen Sonne brennt das allerreinste Gas und dieses muß in stets gehörigster Überfülle vorhanden sein in den großen untersonnigen (unterirdischen) Gasometern; und so ersiehst du hier vor uns nichts anderes als eine große Gasbereitungsanstalt, dergleichen es auf dieser Sonne Trillionen gibt. Auch auf der Erde bereiten gewisse Geister in den inneren Gemächern der sogenannten feuerspeienden Berge das brennbare Gas, und zünden es auch an, wenn es einmal in einer gerechten Menge vorhanden ist. Das Gas selbst aber besteht imgrunde aus puren einfachsten Naturgeistern, die eine solche Läuterung zuvor durchmachen müssen, bevor sie in eine schon bestimmtere Wesenheit übergehen sollen. Auf der Erde aber sieht das alles krud und roh aus, was hier in der allergeordnetsten Weise verrichtet wird. Nun weißt du vorderhand genug und die mit dir; darum machet euch zusammen, denn wir werden uns nun sogleich südwärts wenden.« Kapitel 299 Aus der geöffneten siebenten Tür an der Südseite strömt ein allerstechend blendendstes Licht einer Urzentralsonne. Von deren Riesenverhältnissen. Dort lebende Wesen sind wie Sonnenballwerfer Am 26. Dezember 1850 1 Sage Ich darauf: »Ja, ja, also ist es! Siehe hin, Robert, auf die erste Türe an der südlichen Wand; sie ist bereits geöffnet; der noch bei weitem mächtigere Lichtglanz, der durch diese erst geöffnete Türe an der südlichen Wand dringt, beurkundet, daß wir dort mit einer noch für dich kaum begreifbar größeren Sonne als hier diese Mittelsonne ist, zu tun bekommen werden. Dort werden wir auch am Schlusse der Ordnung materieller Schöpfungen Meines Willens und Meiner Weisheit uns befinden, daher begeben wir uns nun denn auch sogleich in diese Türe.« 2 Alle gehen wir nun mit einer förmlichen Furcht in diese Türe, natürlich mit Ausnahme von Paulus, Petrus und Johannes, denen alles das schon durch und durch bekannt ist. Als wir nun in die Türe kommen, kehren sich anfangs alle sogleich und hell aufschreiend um und beteuern die volle Unmöglichkeit, in dies Licht auch nur einen allerkürzesten Blick mehr wagen zu können, denn dieses Licht komme ihnen um viele Millionenmal, ja Trillionenmal stärker vor als das Licht der früheren Sonnenuniversums-Mittelsonne. 3 Sage Ich: »Ja, ja, das kann Ich euch durchaus nicht in Abrede stellen; aber es wird sich bei dieser letzten Haupt- und Urzentralsonne ebenso tun, als wie es sich bei den früheren getan hat. Nur festen Willen, Mut und Beharrlichkeit, und es tut sich dann alles. Nun, Freund Robert, hast auch du keinen Mut?« – 4 Sagt Robert: »O Herr! es wird sich hier kaum tun; der Glanz ist zu stechend intensiv; man wird hier förmlich zurückgeworfen; aber ich will es in Deinem allerheiligsten und allmächtigsten Namen versuchen. Ich werde anfangs die Augen förmlich schließen und sie nach und nach zu öffnen anfangen, vielleicht wird es dann gehen.« – Sage Ich: »Tue wie es dir rätlich dünkt; aber besser ist es, wenn du gleich volloffenen Auges in dies Licht zu schauen beginnst. Ein paar Minuten Kampf und du hast auch dieses mächtigste alles materiellen Lichtes überwunden.« – 5 Sagt Robert: »Auch gut; es soll geschehen! was Du, o Herr und Vater, willst und anordnest, muß ewig das Beste und Zweckdienlichste sein; und so denn nun nur aufgeschaut, meine lichtscheuen Augen! Jetzt wird ein tüchtigster Lichtsturm euch etwas zu schaffen machen.« Mit diesen Worten kehrt er sich schnell um und schaut natürlich anfangs stark blinzelnd in dies Licht. 6 Nach einer Weile spricht Robert hocherfreut auch über diesen Sieg: »Vater, Dir allen Dank, alle Ehre und alle Liebe! Auch dieses Licht gehorcht nun meinen ganz kleinen Augen. O ich habe eine übergroße Freude daran. So sind denn bei Dir, o heiligster Vater, doch im allervollsten Ernste sogar die allerunmöglichst scheinenden Dinge vollstauf möglich. O Menschen auf der armseligsten Erde! Euer Auge erblindet beim Anblicke eurer kleinen Erdsonne, deren Licht nicht die dezillionste Stärke von einem Funken dieses Lichtes hat. Was würdet ihr sagen, so ihr nur einen kleinsten Funken von diesem Lichte in eurem Naturzustande zu Gesichte bekämet? Ich sage euch: Ein Funke würde genügen, um die ganze Erde im schnellsten Augenblicke in ein wahres Nichts zu verwandeln. 7 O Herr und Vater! wie ist denn wohl solch eine über alle menschliche Berechnungsfähigkeit stehende Kondensierung des Lichtes möglich? Bei meinem nun allerglücklichsten ewigen Leben! Ein Kubikzoll groß des Lichtes aus dieser Sonne hat im Grunde schon mehr Lichtintensität als das Licht der ganzen irdischen Sonne auf einen gleichen Kubikzoll zusammengedrängt. Das ist doch für jeden noch auf der Erde wandelnden Doktor eine sicher unbegreiflichste Proportion; und dennoch ist es also. Jetzt sehe ich doch schon eine recht geraume Weile, und zwar schon ganz leicht in dieses Licht, aber es will im Grunde durch die Angewöhnung meiner Augen an dasselbe nicht schwächer werden. O Herr, o Vater! ist das doch eine Kraft des Lichtes! Wie groß doch muß etwa diese Sonne sein, wo muß sie sich befinden und welch einen furchtbarst großen Zweck ihres ungeheuersten Daseins mag sie haben?« 8 Sage Ich: »Das ist eine Haupt- und Urzentralsonne, um die sich genau sieben Millionen Sonnenuniversen drehen und bewegen. Sie ist aber auch genau um eine Million Mal größer als alle die sieben Millionen Sonnenuniversen zusammen. Ihr Durchmesser beträgt bei zwei Oktillionen irdischer Wegmeilen; das Licht in größter elektro-magnetischer Schnelligkeit, auf die Sekunde zwölftausend irdische Wegmeilen gerechnet, hätte viele tausend Trillionen Jahre der Erde zu tun, um von einem Pole zum anderen dieser Sonne zu gelangen!« – 9 Hierauf fahren alle vor Entsetzen zusammen, und Robert sagt ganz zerknirscht: »Und solch ein Sonnenkoloß aller Kolosse (Herr, verzeihe mir diese dumme Frage!) ist auch von Dir erschaffen? Von Dir, Der Du hier so ganz allerherablassendst und gemütlichst von diesen Größen redest, als hättest Du bloß so mit einer Hand voll Erbsen, einer sehr unbedeutenden Frucht der Erde, zu tun!« 10 Sage Ich: »Ja, ja, Mein lieber Bruder! Nicht nur diese, sondern noch zahllose viele andere, die noch um vieles größer sind als diese, die du nun schauest, denn diese ist geradewegs die Kleinste unter allen.« – Sagt Robert: »Ich küsse Dir Deine Hände! O Gott, o Gott, das zu denken ist wohl keinem geschaffenen Geiste möglich!« – Sage Ich: »Doch, doch, frage nur einen von Meinen drei Brüdern; sie werden es dir schon sagen, ob so was möglich oder nicht möglich sei.« – 11 Sagt Robert: »Ja, ja, es wird wohl schon alles möglich sein, denn bei Dir ist alles möglich; aber daß das trotz der sichersten Möglichkeit etwas so ungeheuer Großes ist, daß darob sicher ein jeder Geist bis in sein Innerstes allergewaltigst erbeben muß, besonders so er ein erstes Mal solche Größen zu Gesichte bekommt, das kann weder Petrus noch Paulus und ebenso wenig der tiefstweise Bruder Johannes in Abrede stellen. Viele tausend Trillionen Jahre hätte das schnellste Licht zu tun, um von einem Pole zum anderen zu gelangen; o Herr, o Gott, welch ein schauderhaftes Volumen! Nein, nein, das wird in meinem Kopfe nie Platz haben. Wie weit muß denn hernach so eine Sonne von unserer Erde abstehen, um von ihr aus als ein leuchtender Punkt gesehen zu werden?« – Sage Ich: »Eine Dezillion Meilen genügt, um sie bis zum scheinbaren Durchmesser der Venus zusammenzudrücken; eine weitere Rechnung sei dir selbst zu einem Vergnügen.« 12 Sagt Robert und auch der Peter Peter mit ihm: »O Herr! mit solchen Berechnungen werden wir beide uns je weder unsere Köpfe und noch viel weniger unsere Herzen zerbrechen. Es sei wie es ist nach Deinem allerheiligsten Willen; aber wir werden uns damit nicht gar zu sehr mehr abgeben; denn solche Größen verschlingen zu sehr all' unser Denkvermögen und Begriffsvermögen.« 13 Sagt Robert allein: »Nun, o Herr und Vater, fange ich auch in dieser Sonne an eine Menge großer Menschwesen zu entdecken; sie müssen auch durch und durch überglühend sein; aber von irgend einer Art von Gebäuden entdecke ich nirgends etwas. Mit großer Hast wallen diese ganz entsetzlich großen Wesen in den allermächtigsten Flammen herum und scheinen bei solch einer sicher sehr heißen Tätigkeit überaus guten Mutes zu sein. Einige erheben sich von Weile zu Weile ziemlich hoch über das Lichtmeer und schleudern sehr stark glühende Bälle in die Unendlichkeit hinaus; eine sonderbare Beschäftigung und Belustigung dieser Wesen. Sie scheinen auch eben nicht gar zu mathematisch zu berechnen, wohin sie ihre Feuerkugeln und himmlischen Granaten werfen. Die Geschichte scheint ganz dem Zufalle überlassen zu sein; es könnte daher so ein Granatchen auch unter uns hierher so eine Reise unternehmen. Wahrlich, der erste möchte ich gerade nicht sein, trotz meiner nun rein geistigen Beschaffenheit, der von solch einem runden Gaste eine Kopfvisite bekäme. Diese Granaten dürften wohl auch hübsch umfangreich sein; denn mit gar zu besonderen Kleinigkeiten werden sich diese Riesen kaum abgeben. Wie groß etwa im Verhältnisse unserer Erde so ein Feuermensch dieser Sonne aller Sonnen doch ist?« 14 Sage Ich: »Wird hübsch groß sein, Mein lieber Robert; denn fast jede Kugel, die du von ihnen hintanschleudern siehst, ist größer als die Sonne der Erde, manche aber wohl auch kleiner.« – 15 Sagt Robert: »Ganz gehorsamster Diener! Diese Leutchen schnellen auf diesem Weltkörper nur gleich so mir und dir nichts Sonnen in die hübsch weite Unendlichkeit hinaus. Bravo, bravo, es kommt immer besser! Wenn demnach so ein Menschchen auf der Erde stünde, die für seine zarten Füße bloß so ein ganz kleinstes Sandkörnchen sein müßte, müßte es für ihn ein wahrer Spaß sein, den Bewohnern des Miron (Neptun) den Schweiß von der Stirne zu wischen, und so es ihm am Ende beliebte, auch die ganze Sonne samt allen ihren Planeten, Monden und Kometen ganz bequem in seine Westentasche zu stecken. Ganz gehorsamster Diener! Ich meine, mein Gott, mein Herr und mein allerliebster, heiliger Vater, mit diesen Leutchen wird unsereiner wohl nie Bruderschaft zu trinken imstande sein. Herr, Du lieber Vater! Du mußt mir's schon vergeben, so ich bei solchen Anlässen ein wenig humoristisch werde, aber man kann sich dessen nicht enthalten, wenn man diese Größen mit den Größen der Erde vergleicht, denn das geht schon ein für allemal in's Allerfabelhafteste über. Wohin aber fallen dann diese glühenden Kügelchen, die diese Menschlein so mir und dir nichts in die Unendlichkeit hinausschnellen?« 16 Sage Ich: »Die meisten fallen wieder zurück auf den Boden dieser Sonne, hie und da aber auch einige in den endlosen Raum und werden dort in irgend einer Raumestiefe zu Sonnen im Gebiete irgend einer Zentralsonne.« – Sagt Robert: »Aber da müßte denn doch auch zufälligerweise irgendwann eine einmal in die Nähe der Erde geraten, wovon aber in den Geschichtsbüchern der Erde wahrlich nichts zu finden ist.« 17 Sage Ich: »Mein Freund! für's erste hast du noch gar lange nicht alle solche Bücher auf der Erde gelesen, und für's zweite sind solche Erscheinungen von den gleichzeitig lebenden Völkern auch nicht getreu genug aufgezeichnet worden und erhielten sich bloß traditionell unter den noch wenig gebildeten Völkerhorden. Es sind aber dennoch schon mehrere solche Kügelchen als außerordentliche Kometen von der Erde aus gesehen worden, und es wird eben nicht zu lange mehr dauern, daß ein Gast durch das Gebiet der fernsten Planeten (zu) der Erdsonne eine Reise machen wird und wird sogar am hellen Tage gesehen werden. 18 Es sind aber noch keine dreitausend Jahre (her), als ein solcher Sonnenkomet durch das Gebiet der Saturnbahn und Uranusbahn zog und auf die Erde ein so starkes Licht warf, daß neben ihm die Sonne ganz mattleuchtend aussah. Freilich dauerte dieses Phänomen in seinem Vollglanze nur kaum einige Tage und konnte wegen der zu großen Schnelligkeit dieses Passanten nicht länger geschaut und beobachtet werden. Vor ungefähr kaum einigen hundert Jahren ging auch ein solcher Gast durch und konnte auch am hellen Tage gesehen werden. Alle Tage, Mein Freund, aber kann so 'was nicht statthaben. Wie und warum solches geschieht, das wirst du alles in der Folge kennen lernen. Betrachte aber nun diese Sonne nur noch eine kleine Weile; du wirst noch so manches entdecken, was dich hoch wundernehmen wird.« Kapitel 300 Betrachtung der weitere Tätigkeiten der Feuerriesen auf der Urzentralsonne. Entstehung einer Urzentralsonne. Robert Uraniel drückt solchen Größen gegenüber das Gefühl seiner Nichtigkeit aus Am 28. Dezember 1850 1 Robert betrachtet noch eine Weile diese Sonne recht sehr aufmerksam und sagt nach einer Weile: »Ich kann schauen, wie ich nur immer mag und will, so komme ich aber dennoch auf keinen Grund. Eine Lichtwoge drängt die andere, und die Feuerriesen scheinen mehr in diesem Lichtmeere herum zu schwimmen, als etwa auf irgend einem festen Boden sich wie Ballettänzer herum zu bewegen. Ich möchte nur das sehen, woher sie ihre Glühkugeln nehmen, und wie diese also ganz vollkommen mathematisch rund geformt werden, als hätte sie ein Kunstdrechsler nach dem besten Zirkel abgedreht. 2 Aha, aha, was geschieht nun dort in einer ziemlichen Ferne von hier? Mehrere Feuerriesen richten ein ungeheuer großes Rohr in die Höhe. Dieses Rohr hat ohnehin schon eine überaus große Mündung, aber die Riesen ziehen diese noch stets mehr und mehr auseinander. Das ganze ungeheure Rohr muß aus einer sehr dehnbaren Masse sein, sonst ließe es sich schwerlich also wie auf der Erde ein Gummi elasticum auseinander dehnen. Jetzt scheint es die rechte Weite zu haben; tausend! tausend! das muß nach irdischem Maße eine ungeheure Weite haben, weil diese Riesen zu mehreren Hunderten nun um dies Rohr stehen; und es ist zwischen einem und dem anderen noch eine ziemliche Strecke leer, in der noch ganz gut zwanzig solche Riesen Platz hätten. Was etwa da nun geschehen wird? Nun sehe ich, daß die Riesen ihren Mund öffnen, und dem Munde entströ- men verschiedenartige Lichtformen. Was bedeutet das wohl?« 3 Sage Ich: »Das ist die Sprache dieser Wesen, und sie geben nun einander zu verstehen, daß nun bald eine große Sonne, das ist eine Zentralsonne, die ganze Sonnenalle in sich trägt, ausgeboren wird. Du wirst sie auch alsbald aus der weiten Mündung steigen sehen; gib nur acht!« – 4 Robert sieht hin, und ersieht auch nun einen mächtigen Lichtball aus dem großen Rohre emporsteigen und sich dann mit großer Schnelligkeit von der Oberfläche dieser Sonne hinweg bewegen. Über solche Erscheinung hoch staunend, sage er: »Freunde! das ist im vollen Ernste nichts Kleines; wir sahen nun mit unseren höchsteigenen, unsterblichen Augen die Entstehung einer Zentralsonne, und das sicher einer solchen, die unter ihres gleichen nicht die Kleinste sein dürfte; sie ist bestimmt, als eine Allsmittelsonne zu dienen, um die in Zeiten der Zeiten sich Trillionen Welten und Welten bewegen werden, und werden aus ihr schöpfen ihr Licht, ihre Wärme, ihr Leben und ihre Nahrung. Ach, das ist eine große Erscheinung! Aber wohin wird sie gesetzt werden? In welchem Gebiete wird sie ihren großen Kreislauf beginnen? O Herr! Das sind Dinge, vor denen es sogar den größten und ältesten Erzengeln allerehrfurchtsvollst grauen muß. Hier sieht man buchstäblich, wie neue Schöpfungen unter Deinen Blicken, o Herr entstehen, große Wohnungen für Milliarden freier Wesen, die sie einst bewohnen werden. O Herr, das ist zu groß für uns winzige Geistleins! 5 Aber nun möchte ich, damit doch so ein bißchen Ordnung in meinem Denken bewerkstelligt wird, nur das noch wissen, wie das auseinander zu klauben ist: Diese Wesen werfen in einem fort kleine Sonnen aus; d.h. Planetarsonnen und solch eine Sonne, wie diese nun durch das große Rohr getriebene Allsmittelsonne, gebiert dann mit den Zeiten der Zeiten auch wieder sowohl Zentralsonnen unterer Gattung und Ordnung, und diese dann in noch ferneren Zeiten der Zeiten unter ihnen stehende Gebietsmittelsonnen, und diese ihre etlichen Millionen Planetarsonnen; nun, wie unterscheiden sich dann jene ordnungsmäßig ausgeborenen Sonnen von dieser von hier ausgeworfenen? Ein Unterschied muß denn da doch sein?« 6 Sage Ich: »Siehe, jeder solcher Komplex von Sonnen- und Weltenuniversen, die sich in den weitesten Kreisen um solch eine Urmittelsonne bewegen, ist in tiefster Ferne von all den Sonnenuniversen mit einer festen Hülse umfangen, durch die kein materielles Wesen dringen kann. Diese Hülse besteht aus einer eigensten diamantartigen durchsichtigen Materie und ist nach innen höchst spiegelglatt. Alles Licht nun, das von allen zahllos vielen Sonnen hinausgeht und von keiner Erde noch Sonne aufgefangen wird, wird dann von dieser Hülse aufgefangen und wieder zurückgeworfen. Da aber solch eine Hülse mit der Zeit auf ihrer inneren Spiegelfläche dennoch matter und matter werden könnte und darauf ihren Dienst nicht vollauf verrichten möchte, so werden eben von dieser Urmittelsonne stets solche Lichtbälle von diesen riesigsten Geistern mit der entsprechenden Macht hinausgeschleudert, so daß sie mit der Zeit bis zu der besprochenen Hülsenfläche gelangen; dort werden sie dann zur Reinigung solcher Hülse verwendet. Die Reiniger aber dort sind wieder eigens dazu bestimmte mächtige und große Geister, die in größter Anzahl vorhanden sind, und die ihr alle in der Folge ganz genau werdet kennen lernen. Denn, siehe alles, was da geschieht in der ganzen Unendlichkeit, geschieht durch Meine Geister und großen Engel. Meine Kinder aber sind die Größten und Mächtigsten unter allen. Verstehst du das?« 7 Sagt Robert: »Herr! Da bin ich sicher kein Kind von Dir; denn, bei Deinem allerheiligsten Namen, ich komme mir nun schon ganz entsetzlich klein vor und denke und fühle, daß es nun unter mir und über mir nichts mehr noch Kleineres geben kann, als wie ich es nun bin. Ich darf an diese nun geschauten Größen gar nicht denken, sonst, so ich daran denke, werde ich noch zu einem pursten Nichts. Ich habe schon an dieser beinahe dezillionmeiligen Urmittelsonne genug, um ihre Größe und Beschaffenheit ewig nie ganz zu begreifen. Am Ende kommt noch die sicher dezillionenmal Dezillionen Sonnen und andere Welten in sich fassende Hülse hinzu, gegen die diese Sonne in gar keinem Größenverhältnissse steht und ist auch noch dazu bewohnt von mächtigen Geisterheeren. O Herr, o Vater! Da bleibt all' mein Verständnis still wie der Tod selbst. 8 Ich habe mir in meiner natürlichen Beschränktheit die ganze Unendlichkeit kaum größer vorgestellt, und Du aber sagtest, daß es im unendlichen Raume zahllos viele solche Hülsen gebe. O Herr! Ich rede nun nichts mehr; denn das geht in das Fabelhafte alles dessen, was nur als fabelhaft bezeichnet werden kann. Ich bin daher nun rein vernichtet und alle meine allergrößtmöglichsten Gedanken ruhen nun gleich den jungen Schwalben in ihrem Neste. Den Schwalben werden zwar Flügel wachsen, mit denen sie zu sehr geschickten Luftseglern werden. Diese Auszeichnung dürfte meinen Gedanken schwerlich je wieder einmal zuteil werden. Ich meine, an dieser nun eingenommenen großartigsten Kost werden meine Gedanken auf ewig genug zu verdauen haben. Hier kann man nichts mehr tun und sagen als: Herr Gott Zebaoth! Groß bist Du und groß die Werke Deiner Hände! Darum bist Du aber auch ganz allein alles in allem, und alles ist in Dir und aus Dir, Du bester, ewiger, heiliger Vater! Wir, Deine Kindlein aber sind nur groß in Deiner Liebe, die da ist unser Leben; für uns selbst aber sind wir die pursten Nullen vor Dir, o heiligster Vater!« 9 Sage Ich: »Schön, schön von dir, Mein lieber Freund Robert, daß du nun solches fühlest, aber dessen ungeachtet mußt du dennoch auch mit der ganzen Gesellschaft dich nun in die zweite Türe dieser Wand begeben, wo du noch Größeres schauen wirst; und so denn machen wir uns nun nur wieder weiter auf den Weg; denn siehe, die Türe steht bereits offen und harret unseres Eintrittes über ihre breite Schwelle; und so denn gehen wir weiter. Es sei!« Kapitel 301 In der achten Tür (zweite Tür in der Mittagsseite). Totalbild des Makrokosmos in Gestalt des verlorenen Sohnes und dessen Geheimnis Am 30. Dezember 1850 1 Alle begeben sich darauf sogleich mit großer Wißbegierde in die zweite Mittagstüre, und als sie da anlangen, sagen alle: »Ach, da ist gut hinausschauen; denn da haben unsere Augen mit keinem gar so mächtigen Lichte zu kämpfen. So was tut sich; aber bei diesen Sonnen war es, besonders bei den letzten zweien, schon gar nicht mehr auszuhalten. Es fragt sich hier bloß, was wir hier denn so ganz eigentlich sehen? Es ist ein matt schimmernder Hintergrund, ungefähr also, wie auf der Erde die sogenannte Milchstraße schimmert in einer heiteren Sommernacht; aber was hinter diesem Schimmer verborgen sein solle, das möchten wir nun erfahren, so es Dir, o bester, liebevollster Vater, genehm wäre.« – Sage Ich: »Darum sind wir ja hier; tretet aber alle hier nur recht weit auf den Balkon hinaus, ansonst ihr das ganze Bild nicht völlig übersehen könnet.« 2 Auf diese Beheißung gehen nun alle bis an den Rand des großen Balkons hinaus, und Robert überschaut zuerst das große Schimmerbild, und sagt: »Merkwürdig, merkwürdig! Das ist ja eine vollkommene Menschengestalt; die Knie etwas vorgebogen; die Hände hängen ganz nachlässig herab, und das Haupt, mit langen Absalomshaaren versehen, ist wie das eines Trauernden nach vorwärts und in die bodenlose Tiefe hinabsehend geneigt. Die Lenden sind mit einer sehr zerrissen aussehenden Schürze zur Not bedeckt, kurz, die ganze Gestalt macht auf mich einen wehmütigen Eindruck. Die ungeheuerste Größe könnte einen gewisserart auf die Idee führen, als sei dies die Außengestalt des allwirkenden Geistes aus Dir, o Herr! aber die Trauergestalt sagt mir, daß dies unmöglich der Fall sein dürfte. Also müßte in Deinen Geiste, o Herr, auch ein Leben verspürbar sein; von so was aber ist bei dieser Großgestalt keine Spur zu entdecken. Es ist wahrlich nur wie ein Phosphorbild, durch Deine Allmacht, o Herr, an's unermeßliche Firmament hingehaucht, und wird seinen wichtigen Grund haben, den aber freilich außer Dir wohl niemand kennen wird. Herr! bitte, erläutere uns dies Bild.« 3 Sage Ich: »Ich möchte es wohl, aber du hast eine noch zu große Achtung vor materiellen Größen, und so möchtest du bei nur einiger Erklärung denn doch etwa ein wenig zu sehr zu fiebern anfangen, und da wäre es mir leid, dich hier in Meinem Reiche krank zu machen. Frage dich daher, ob du das Allerungeheuerste aus dem Reiche der Materie ertragen kannst oder es zu ertragen dir getrauest; sodann will Ich sogleich euch dies Bild ein wenig näher enthüllen.« 4 Sagt Robert: »Herr und Vater voll der höchsten Liebe! Jetzt ist schon alles eins; ich bin nun schon einmal in diesen Größen darinnen, und mein Gemüt ist damit auch schon ganz gehörig breit geschlagen. Jetzt ertrage ich schon gleichwohl noch einige Dutzend solcher Hülsengloben, in deren jeder meinetwegen dezillionenmal Dezillionen Sonnen kreisen sollen, wie sie wollen.« 5 Sage Ich: »Nun gut, so sieh' näher hin und sage Mir, was du nun erschauest?« – Sagt Robert: »Ich ersehe durchgehends die ganze ungeheure Gestalt, die nun beinahe alle Tiefen des endlosen Raumes auszufüllen scheint, wie sie aus lauter kleinsten, glitzelnden Sandkörnchen allerdichtest aufeinander gestreut besteht. Die Zahl dieser Glitzelpunkte ist offenbarst eine ewig unendliche oder doch sicher eine solche, die kein geschaffener Geist sich mehr vorstellen und versinnbildlichen kann. Die ganze Gestalt aber nimmt sich nun auch um vieles besser aus; denn dieses Glitzeln verleiht ihr nun einen ganz eigentümlichen Majestätsnimbus. Aber nun fragt es sich abermals, was da dieses alles besaget.« 6 Sage Ich: »Nun, so vernehmet denn alle das große Geheimnis! Dieser Mensch in seinem ganzen Gehalte ist der urgeschaffene Geist, den die Schrift Luzifer (Lichtträger) nennt, der noch immer im Vollbesitze seines großen Selbstbewußtseins, aber nicht mehr im Besitze seiner Urkraft ist. Er ist gefangen und gerichtet in allen seinen Teilen. Nur ein Weg steht ihm stets frei, und das ist der zu Meinem Vaterherzen. Für jeden anderen aber ist er gerichtet und so gut wie tot, und vermag keinen Fuß und keine Hand auch nur um ein Haar breit weiter wohin zu bewegen.« Am 31. Dezember 1850 7 »Das aber, was dir wie glitzelnde Sandkörnchen vorkommt, sind lauter Hülsengloben, in deren jeder Dezillionen mal Dezillionen Sonnen und dazu noch um's Millionenfache mehr Planeten, Monde und Kometen sind geschoben. Die Entfernung einer solchen Hülsenglobe von der anderen aber beträgt in einer runden Zahl durchschnittlich genommen fast stets eine Million Durchmesser einer Hülsenglobe. Daß sie hier dicht an einander gereiht erscheinen, das macht für's erste die scheinbar große Entfernung und mehr aber noch als diese das, weil du auch jene im Hintergrunde dieses Bildes erblickest und auf die Art auch alle, aus denen dieser ganze große Leib besteht, ungefähr also, wie man auf der Erde und eigentlich von der Erde den gestirnten Himmel sieht, der für's Auge auch wie eine gewölbte Fläche erscheint, die mit dicht aneinander gereihten Sternengruppen übersäet ist, während in der Wirklichkeit oft zwei scheinbar fest neben einander stehende Sternlein (eigentlich hinterienander) ganz gut mehrere Trillionen Meilen von einander abstehen können. 8 Das aber dieser Geist nun in sich also, wie gezeigt, in lauter solche feste Globen gesondert ist, das ist sein Gericht; und sein Leben, das dadurch in beinahe endlos viele abgeschlossene Teile getrennt ist, ist auch als kein Ganzes, sondern als ein höchst geteiltes anzusehen; denn nur in jeder Globe ist ist Leben, außer ihr aber kein anderes, außer das Meines ewig unwandelbar festen Gottwillens. Jede Globe steht fest und kann ihr Standverhältnis gegen ihre nächsten Nachbargloben auch nicht um ein Haar breit ändern. 9 Zu allerunterst in der kleinen linken Zehe aber ersiehst du einen etwas rötlich glitzelnden Punkt. Das ist eben jene Globe, in welcher sich naturmäßig unsere Erde und all' das Sonnenwerk, das wir bis jetzt geschaut haben, befindet; 10 und in eben diese Globe und darinnen nur auf den Punkt Erde ist das gesamte Leben dieses größten urgeschaffenen Geistes nun gebannt. Will er sich dort demütigen und zu Mir wiederkehren, so solle sein Urleben wieder frei gegeben werden, und dieser große Mensch wird dann wie von einem ganz freiesten Leben durchweht sein; will aber dieser Urgeist Meiner Schöpfungen in seinem hochmütigsten Starrsinne verharren, so mag diese Ordnung, wie sie nun bestellt ist, auch ewig verbleiben. Im günstigeren Falle aber wenigstens so lange, als bis die ganze Materie in ein neues endlos vervielfachtes Seelenleben und Geisterleben sich wird aufgelöst haben. 11 Diese letzte Ordnung wird aber auch dann fortbestehen, so der urgeschaffene große Geist eine rechte Umkehr machen würde. Er kann nunmehr nur als ein ganz einfacher Geist gedemütigt umkehren und muß dann frei aus sich seine Urtotalität für ewig fahren lassen, wofür ihm aber freilich eine unermeßbar größere, aber wie jedem anderen Menschengeiste nur ganz einfache zuteil würde. 12 Das Hülsen- und Schottenwerk, das ohnehin bloß nur aus Meinem ewig festesten und unwandelbarsten Willen besteht, aber wird dann bleiben, entblödet (entledigt) alles nun in sich gehaltenen Seelenlebens und Geisterlebens als feste Unterlage und als ein ewiges Denkmal unseres großen Wirkens, an das sich dann ewig neue und rein geistige Schöpfungen reihen sollen. – Robert und all' die anderen, saget, ob ihr das nun wohl ordentlich aufgefaßt und begriffen habet?« 13 Robert und alle anderen getrauen sich nun kaum zu atmen vor lauter Ehrfurcht; nur Robert allein sagt nach einer langen Weile des höchsten Staunens: »O Herr, o Gott, o heiligster Vater! Ich komme mir jetzt gerade so vor, als wie ein in sich selbst endlosfältig vernichtetes Nichts. O guter Vater! Lasse uns eher ein wenig zu uns selbst wieder kommen, bis Du uns etwa noch zu einer anderen Türe führst; denn das, was wir hier nun gesehen und gehört haben, hat uns alle zu sehr vernichtet, als daß wir nun imstande wären, noch etwas weiteres zu schauen und dasselbe begreifen. O Gott, wie groß und endlos erhaben bist Du doch! Nein, nein, das verträgt kein Geist, das alles ist zu ungeheuer! O Gott, o Gott, o Herr, o Vater!« Kapitel 302 Gestalt des verlorenen Sohnes und das Verhältnisses der Gotteskinder dazu. Gleichnis vom künstlich gemachten Riesenkorn und vom natürlichen Weizenkörnlein. An der dritten Tür der Mittagsseite: Ein Blick in die neue Schöpfung Gottes Am 1. Januar 1851 1 Sage Ich: »Ja, ja, groß ist alles, was ihr nun geschauet habt, für alle hier in Meinem wahrsten ewigen Reiche noch jungen Bewohner, die noch zu wenig in ihres Lebens eigene Gemächer haben schauen können; werden sie aber einmal mit ihrem innersten Leben oder eigentlich mit Meiner Liebe in ihnen vertrauter, dann wird ihnen so was, das der gerichteten Materie angehört, ganz klein vorkommen, indem ein kleinster Funke Meiner Liebe alle diese Materien in einem nie berechenbaren Verhältnis übertrifft, sowohl an der wirklichen wahren Größe als wie auch in der Beschaffenheit. Ein kleines Bild solle euch diese Sache anschaulich machen. 2 Sehet, ein Künstler in der Bildnerei von verschiedenartigen Natursachen betrachtete auf der Welt durch ein gutes sogenanntes Mikroskop ein Weizenkorn und bildete es dann aus einer eigenen Kittmasse in einem sehr vergrößerten Maßstabe von Pore zu Pore ab, so daß er dadurch ein wahres Riesenweizenkorn vor sich hatte, das an Größe das natürliche Original um mehrere Millionenmale übertraf. Er stellte dieses riesige Produnkt seiner Kunst auch zur Schau und erklärte dabei um einen kleinen Lohn den künstlichen Bau solch eines Weizenkornes. Da kam aber auch ein weiser Mann hin, zu betrachten dieses künstliche Riesenkorn. Als er es beschaut und den Künstler belobt, sagt er weiter: »Freund! ihr habet neben dem großen künstlichen Korn auch mehrere natürliche; welches dünkt euch in der Wahrheit größer zu sein, euer künstliches oder so ein natürliches in seiner bestandlichen Winzigkeit?« Warauf dann der Künstler spricht: »Freund! so eure Augen messen können, da vergleichet eines mit dem anderen und ihr werdet ohne ein Wort von mir darüber nötig zu haben, gar leicht selbst euch den Bescheid zu geben imstande sein.« Worauf der Weise spricht: »Wohlan, so höret es denn! Ein jedes der kleinen Weizenkörner ist endlosmal größer denn euer künstliches; denn in jedem kleinen Korne wohnt im Keimeshülschen Gottes Kraft, die aus jedem Korne endlos viele zu schaffen imstande ist, die am Ende zusammengenommen, euer totes Riesenkorn um's Allerendlosete an allem übertreffen müssen; denn alles, was in sich nicht groß ist, weil ohne Leben, ist höchst klein, und wäre es dem Volumen nach auch größer als eine ganze Welt. Das Kleinste aber, das in sich birgt Gottes Kraft und Leben, ist größer als eine ganze tote Unendlichkeit.« 3 Was dieser Weise dem Künstler sagte, dasselbe sage Ich nun auch euch. Diese materielle Schöpfung ist wahrlich groß, und wer ihrer achtet in gerechter Weise, wird eine große Freude an ihr haben; aber in eines jeden Menschenherzen liegt endlos Größeres als da ist das alles, was ihr nun sehet, denn das wird nimmer größer als es ist; ihr aber werdet wachsen ewig in euren Herzen an der Liebe; Erkenntnis und Weisheit. Ihr könnet nun schon diesen großen Schöpfungsmenschen überschauen und ihn berechnen und verstehen; er aber ist tot und vermag das nimmer. Dazu wisset ihr auch noch, daß eben dieses große Bild aus euch selbst hier widerstrahlet; so aber das alles in euch ist und nicht außer euch, wie groß müsset dann ihr sein, da solches alles in eurem Herzen Platz hat?! Wundert euch daher nicht zu sehr über solche Größen; denn ihr wisset ja und müsset es wissen, daß es vor Mir nichts Großes gibt und geben kann, außer allein die Liebe in den Herzen Meiner Kinder zu Mir, ihrem Vater. 4 Wäre solch eine Schöpfung für Mich groß genug, so möchte Ich ewig keiner zweiten mehr gedenken; aber ihr sehet, das große Bild hat seine Grenzen, ohne die es kein Bild wäre. Außer dem Bilde aber sehet ihr nichts als einen allerunendlichsten leeren Raum gegen diesen Großmenschen; uns gegenüber aber ist er nicht leer, sondern schon ziemlich gefüllt. 5 Kommet nun in die dritte Türe der Mittagsseite, und ihr sollet das sogleich mit euren höchst eigenen Augen schauen. Die Türe steht bereits offen, und ihr ersehet nun schon bei der Annäherung zu dieser Türe ein gar liebliches Licht euch entgegenströmen, aus dem ihr schließen könnet, daß dies Licht euch aus einer zweiten Schöpfung Meiner Liebe entgegenkommt und nicht mehr aus Meiner ersten, deren Licht den Flammen Meines Zornfeuers entströmt und nichts schaffet denn Gericht über Gericht. Gehet und schauet euch sonach den Beginn der zweiten wahrhaft endlos großen Schöpfung an und saget, was ihr alles sehet und fühlet.« Kapitel 303 Die neunte Tür (dritte Tür in der Mittagsseite). Der große Universalmensch der zweiten Schöpfung. Schlußaussage zu dieser Kundgabe Am 2. Januar 1851 1 Alle eilen nun nach Meinem Worte in die dritte Türe und sehen da wieder einen endlos großen Menschen von durchaus allersanftest und lieblichst strahlendem Lichte umfloßen; nur aus der Gegend des Herzens dringt ein mächtiges Licht hervor, das aber das Auge nicht beleidigt, sondern im selben nur ein überaus wonnigstes Gefühl hervorruft. Unter dem linken Fuße aber ist in einer halb liegenden, mit dem Kopfe abwärts gewandten Stellung eine ganz kleine Menschengestalt zu ersehen, die jener in der zweiten Türe ganz ähnlich ist und hier von einem höchst matten, etwas rötlichen Schimmer umgeben ist. 2 Robert fragt natürlich sogleich, was dies alles vorstelle. – Und Ich sage: »Da hast du die erste und die zweite Schöpfung neben einander. Der große Lichtmensch stellt die neue Schöpfung dar, einen neuen Himmel und eine neue Erde, die da nicht mehr in der untersten und kleinsten Fußzehe sich befindet, wie dies bei der ersten materiellen Schöpfung der Fall war und noch ist, sondern im Zentrum des Herzens dieser neuen Schöpfung. Das mächtige Licht aus der Gegend des Herzens entflammt der neuen Erde, die ein ewiges Wohnhaus bleiben wird Meiner Liebe und aller Meiner Kinder. 3 So du diesen übergroßen Menschen alldort voll hellsten Lichtes genauer betrachtest, so wirst du leicht entdecken, daß auch er aus zahllos vielen herrlichsten Sternen besteht, sein Gewand sowohl als sein ganzer Leib. Dieser Sterne einer ist größer um unberechenbar vieles als der ganze in der achten Türe gesehene Mensch mit all' seinen zahllosen Hülsengloben, in deren jeder, wie dir nun schon bekannt ist, dezillionenmal Dezillionen Sonnen und noch um's viele Millionenfache mehr Erden bahnen; denn diese Sterne sind Vereine, von seligsten Geistmenschen bewohnt, von denen jeder kleinste um's tausendfache größer und mächtiger ist als jener erste Mensch, dessen Bild du auch hier im rechten Verhältnis zu diesem zweiten Himmelsmenschen unter dessen kleinster Fußzehe gleich einem gekrümmten Würmchen ersiehst. Er ist gegen die wirkliche Größe dieses zweiten Menschen kaum das, was da ist ein irdisch Sandkorn gegen die Größe des ganzen Hülsenglobenmenschen. 4 Dieser zweite Mensch aber stellt im Grunde des Grundes Mich Selbst in Meiner Wirkung dar, auf einem schon vollbestellten Acker. 5 Du siehst aber, daß auch die Form dieses zweiten Menschen notwendig eine Begrenzung haben muß, ansonst du dir daraus keinen Menschen erschauen könntest. Was ersiehst du aber über diese Form hinaus, die vollauf in all' ihren Teilen pur Leben ist?« 6 Sagt Robert ganz zerknirscht: »Herr und Vater! Ich sehe Licht und Licht, so weit das Auge reicht.« – Sage Ich: »Das ist alles Mein Geist, Meine Macht, Meine Liebe! In dieser werden noch zahllose Myriaden solcher Großmenschen den allergeräumigsten Platz finden und haben; denn alle Meine Kinder müssen ja auch Raum haben, ihre Schöpfungen unterbringen zu können. – – – 7 Nun aber, Meine lieben Kindlein und Brüderchen, wissen wir vorderhand und für die erste Stunde eures Seins in Meinem Hause genug; daher werden wir auch die drei Türen gen Osten jetzt nicht öffnen, denn ihr würdet das jetzt noch nicht ertragen, was diese verschließen. Wann ihr aber einmal einheimischer und mit allen den Einrichtungen dieses Meines Vaterhauses werdet vertrauter sein, dann werdet ihr auch den Inhalt dieser drei Türen gen Osten beschauen können. 8 So viel aber sage Ich euch dennoch in aller Kürze, daß die erste das ganze gesamte Geisterreich der Erde vorerst, dann aber auch aller anderen zahllosen Sonnen, Erden und Monde jeder einzelnen Hülsenglobe enthält; die zweite Türe im Vordergrunde den ersten oder untersten Weisheitshimmel unserer Erde und im Hintergrunde dieselben Himmel aller Welten aller Globen. Im gleichen Verhältnis enthält die dritte Türe den zweiten oder Liebe- und Weisheitshimmel vorerst der Erde und im Hintergrunde aller Hülsengloben. Für den dritten und obersten reinen Liebehimmel, in dem ihr euch befindet und auch ewig befinden werdet, aber findet sich hier keine Türe, und das darum, weil wir ohnehin im selben uns vollauf befinden. In den unteren Himmeln aber befindet sich in eines jeden Engelsgeistes Wohnung auch eine Türe in den dritten Himmel, ist aber jedoch sehr schwer und manchmal gar nicht zu öffnen, was besonders im untersten Himmel oft der Fall ist und ganz besonders in dem anderer Welten. 9 Nun aber wisset ihr auch, wie gesagt, im allgemeinsten vorderhand genug und beinahe alles, was ein jeder Engelsgeist dieses obersten aller Himmel wissen muß. Die sonderheitliche und spezielle Einsichtsgewinnung, von ewig stets steigendem Interesse begleitet, aber nimmt hiermit ohnehin ihren Anfang; und dauert dann ewig fort und fort, stets größere Seligkeiten der Seligkeiten nach sich ziehend. 10 Begeben wir uns daher nun wieder hinauf in den großen Saal, von wo aus ihr dann mit Meinen Brüdern euch in der großen Stadt umsehen könnet und euch vergnügen ganz frei nach jeglicher Lustliebe eurer Herzen. 11 Mich aber werdet ihr stets daheim antreffen. 12 Zugleich werden euch die drei Brüder eure für ewig bleibenden Wohnzimmer und ihre Einrichtung zeigen und zuweisen, zugleich aber auch vorderhand dir, Bruder Robert, eine geheime Türe, durch die du allezeit zu deinem Vereine gelangen kannst, wann immer du willst. Dort ordne und richte du alles vollkommen in Meinem Namen ordentlich ein und sei all' deinen dir Untergebenen ein rechter Führer und Bruder! 13 Genießet von nun an ein jeder aus euch die vollste Freiheit und vergnüget euch mit allem, daran euer Herz ein Wohlgefallen findet; denn hier herrscht die vollste Freiheit, da gibt es für den Geist kein Gesetz mehr und somit auch ewig keine Sünde. 14 So denn geschehe nun, was Ich von Ewigkeit angeordnet habe!« – 15 Mit diesen Worten begeben wir uns alle hinauf in den Saal, allwo uns eine große Menge seligster Brüder und Schwestern auf das allerfreundlichste begrüßet. Hier erst nimmt dann auch die freundlichste himmlische Konversation ihren Anfang, und alle verfügen sich nach und nach allerseligst und glücklichst in ihre ewigen, allerwunderbarst herrlichsten Wohngemächer und bringen Mir ein großes Lob dar. 16 Das aber ist denn nun auch die in aller umständlichsten Hülle und Fülle gezeigte Führung eines großen Geistes in der Geisterwelt. 17 Wohl dem, der sie mit redlichem Herzen betrachtet und sein Leben danach einrichtet! Er wird dereinst auch diesen Weg zu machen haben, so er redlichen Herzens ist. Hat er ihn aber hier getreu mitgemacht, so wird er dereinst nur einen sehr kurzen Weg zu wandeln haben. 18 Jeder aber lese das mit dem Herzen und nicht mit dem Kopfe, so wird er dadurch zu einem großen Segen gelangen in seinem Leben, und der Tod wird weichen aus seinen Lenden. Wer es aber lesen wird mit purem Verstande, der wird darinnen seinen Tod finden, aus dem er schwerlich je wieder erwachen wird. – 19 Damit ist denn aber auch diese elfte Szene aus dem Geisterreiche als vollkommen beendet anzusehen. Wohl denen, die sich daran nicht stoßen werden! Amen, Amen, Amen! – – – * * * Dir, o Herr und Vater, allen ewigen Dank für diese übergroße Enthüllung, deren wir arme, sündigste Menschen nicht im geringsten wert sind. O Herr, segne aber alle, die sie mit gläubigem und freudigen Herzen aufnehmen werden! Jokob Lorber ENDE