Ludwig I., König von Bayern 1825 – 1848 Kaiser Karl im Untersberg Sehet die ganz eigenen Gestalten, Die des Unterberges Umriß zeigt; Und ihr fühlet ein unheimlich Walten Bey dem Anblick, dem kein and'rer gleicht. Seyd ihr hingestiegen, um zu lauschen An des wunderbaren Berges Mund, Höret ihr es furchtbar unten rauschen In dem finstern unvermess'nen Schlund. Diese hohen Marmorfelsenwände, Schimmernd in des Farbenglanzes Pracht, Brachten Manchem schon sein frühes Ende, Stürzend in den Schooß der ew'gen Nacht. Mannichfaltig sind die vielen Sagen Seiner innern, seiner äußern Welt, Die aus tiefer Vorzeit zu uns ragen, Uns ein Grauen immerhin befällt. Schätze sind in dieses Berges Klüften; Oefters haben Wand'rer sie geseh'n, Nicht zu holen sind sie aus den Grüften, Selbst die Hoffnung muß darnach vergeh'n. Züge kleiner Männer nächtlich ziehen Nach dem Kirchlein hin von Unterstein; Wehe denen, die nicht eilig fliehen" Denn sie müssen mit in ihre Reih'n, Müssen mit, und niemals losgelassen Werden Sie, noch Keiner wiederkam, Unverzüglich müssen sie erblassen, Die der Untersberger Zug entnahm. Kaiser Karl der Große muß verweilen In des zaubervollen Berges Schloß, Wie vorbey Jahrhunderte auch eilen, Bleibt Erstarrung doch sein altes Loos. Bis einst um die große Tafelrunde Dreymal sich gewunden hat sein Bart, Dann erst schlägt ihm die Erlösungsstunde, Wie dem Heere, das um ihn geschaart. Und es öffnen sich die Marmorwände, mit dem Heere auf das Walserfeld Zieht der Kaiser, und dann ist das Ende Auch zugleich gekommen dieser Welt.