La Fontaine Der vielköpfige und der vielschwänzige Drache Es pries einst vor der Höflinge Schar Frankreichs Gesandter, der in Wien beglaubigt war, die eigene Macht vor der des Deutschen Reiches. Ein Deutscher sprach: »Trotz des Vergleiches wisset: Unsers Kaisers Banner trug schon mancher Mann, selbst stark genug, auf eigne Faust ein Heer zum Kampf zu rüsten.« Drauf Frankreichs Pascha, fein und klug, erwidert': »Als ob wir nicht wüßten, was jeder Kurfürst an Soldaten stellen kann! Das mahnt mich unwillkürlich an etwas, das ich erlebt, mag's wunderbar auch klingen. Ich stand an sichrem Ort, da sah durch einen Hag die hundert Häupter ich der Hydra plötzlich dringen. Mein Blut erstarrt' – so etwas mag zur Furcht den Tapfersten wohl bringen! Doch mir geschah kein Leid: So sehr sie sich auch wanden, die vielen Köpfe keinen Weg her fanden. Dann seh' ein zweites Tier, ein vielgeschweiftes, ich, das bohrt sein Drachenhaupt, sein einz'ges, durch die Hecken.. Zum zweiten Male fühlt' ich mich von Angst erfaßt und starrem Schrecken. Haupt, Leib und jeder Schwanz – eins brach dem andern Bahn, so ward die Fortbewegung leicht dem Tier, dem ungeheuren. Seht, ganz so scheint's mir angetan mit unserm Reich und mit dem Euren.«