Richard Wagner Götterdämmerung Dritter Tag des Bühnenfestspiels «Der Ring des Nibelungen» Personen: Siegfried Gunther Hagen Alberich Brünnhilde Gutrune Waltraute Die drei Nornen Die Rheintöchter: Woglinde, Wellgunde, Flosshilde Mannen und Frauen Vorspiel 1. Aufzug 2. Aufzug 3. Aufzug Vorspiel Auf dem Walkürenfelsen Die drei Nornen Die erste Norn Welch Licht leuchtet dort? Die zweite Norn Dämmert der Tag schon auf? Die dritte Norn Loges Heer lodert feurig um den Fels. Noch ist's Nacht. Was spinnen und singen wir nicht? Die zweite Norn (zu der ersten) Wollen wir spinnen und singen, woran spannst du das Seil? Die erste Norn So gut und schlimm es geh', schling' ich das Seil und singe. An der Weltesche wob ich einst, da groß und stark dem Stamm entgrünte weihlicher Äste Wald. Im kühlen Schatten rauscht' ein Quell, Weisheit raunend rann sein Gewell'; da sang ich heiligen Sinn. Ein kühner Gott trat zum Trunk an den Quell; seiner Augen eines zahlt' er als ewigen Zoll. Von der Weltesche brach da Wotan einen Ast; eines Speeres Schaft entschnitt der Starke dem Stamm. In langer Zeiten Lauf zehrte die Wunde den Wald; falb fielen die Blätter, dürr darbte der Baum, traurig versiegte des Quelles Trank: trüben Sinnes ward mein Gesang. Doch, web' ich heut an der Weltesche nicht mehr, muß mir die Tanne taugen zu fesseln das Seil: singe, Schwester, dir werf' ich's zu. Weißt du, wie das wird? Die zweite Norn Treu beratner Verträge Runen schnitt Wotan in des Speeres Schaft: den hielt er als Haft der Welt. Ein kühner Held zerhieb im Kampfe den Speer; in Trümmer sprang der Verträge heiliger Haft. Da hieß Wotan Walhalls Helden der Weltesche welkes Geäst mit dem Stamm in Stücke zu fällen. Die Esche sank, ewig versiegte der Quell! Fessle ich heut an den scharfen Fels das Seil: singe, Schwester, dir werf' ich's zu. Weißt du, wie das wird? Die dritte Norn Es ragt die Burg, von Riesen gebaut: mit der Götter und Helden heiliger Sippe sitzt dort Wotan im Saal. Gehau'ner Scheite hohe Schicht ragt zuhauf rings um die Halle: die Weltesche war dies einst! Brennt das Holz heilig brünstig und hell, sengt die Glut sehrend den glänzenden Saal: der ewigen Götter Ende dämmert ewig da auf. Wisset ihr noch, so windet von neuem das Seil; von Norden wieder werf' ich's dir nach. Spinne, Schwester, und singe! Die erste Norn Dämmert der Tag? Oder leuchtet die Lohe? Getrübt trügt sich mein Blick; nicht hell eracht' ich das heilig Alte, da Loge einst entbrannte in lichter Glut. Weißt du, was aus ihm ward? Die zweite Norn Durch des Speeres Zauber zähmte ihn Wotan; Räte raunt' er dem Gott. An des Schaftes Runen, frei sich zu raten, nagte zehrend sein Zahn: da, mit des Speeres zwingender Spitze bannte ihn Wotan, Brünnhildes Fels zu umbrennen. Weißt du, was aus ihm wird? Die dritte Norn Des zerschlagnen Speeres stechende Splitter taucht' einst Wotan dem Brünstigen tief in die Brust: zehrender Brand zündet da auf; den wirft der Gott in der Weltesche zuhauf geschichtete Scheite. Wollt ihr wissen, wann das wird? Schwinget, Schwestern, das Seil! Die erste Norn Die Nacht weicht; nichts mehr gewahr' ich: des Seiles Fäden find' ich nicht mehr; verflochten ist das Geflecht. Ein wüstes Gesicht wirrt mir wütend den Sinn. Das Rheingold raubte Alberich einst. Weißt du, was aus ihm ward? Die zweite Norn Des Steines Schärfe schnitt in das Seil; nicht fest spannt mehr der Fäden Gespinst; verwirrt ist das Geweb'. Aus Not und Neid ragt mir des Niblungen Ring: ein rächender Fluch nagt meiner Fäden Geflecht. Weißt du, was daraus wird? Die dritte Norn Zu locker das Seil, mir langt es nicht. Soll ich nach Norden neigen das Ende, straffer sei es gestreckt! Es riß! Die zweite Norn Es riß! Die erste Norn Es riß! Die drei Nornen Zu End' ewiges Wissen! Der Welt melden Weise nichts mehr. Die dritte Norn Hinab! Die zweite Norn Zur Mutter! Die erste Norn Hinab! (Sie verschwinden.) Brünnhilde und Siegfried Brünnhilde Zu neuen Taten, teurer Helde, wie liebt' ich dich, ließ ich dich nicht? Ein einzig' Sorgen läßt mich säumen: daß dir zu wenig mein Wert gewann! Was Götter mich wiesen, gab ich dir: heiliger Runen reichen Hort; doch meiner Stärke magdlichen Stamm nahm mir der Held, dem ich nun mich neige. Des Wissens bar, doch des Wunsches voll: an Liebe reich, doch ledig der Kraft: mögst du die Arme nicht verachten, die dir nur gönnen, nicht geben mehr kann! Siegfried Mehr gabst du, Wunderfrau, als ich zu wahren weiß. Nicht zürne, wenn dein Lehren mich unbelehret ließ! Ein Wissen doch wahr' ich wohl: daß mir Brünnhilde lebt; eine Lehre lernt' ich leicht: Brünnhildes zu gedenken! Brünnhilde Willst du mir Minne schenken, gedenke deiner nur, gedenke deiner Taten: gedenk' des wilden Feuers, das furchtlos du durchschrittest, da den Fels es rings umbrann. Siegfried Brünnhilde zu gewinnen! Brünnhilde Gedenk' der beschildeten Frau, die in tiefem Schlaf du fandest, der den festen Helm du erbrachst. Siegfried Brünnhilde zu erwecken! Brünnhilde Gedenk' der Eide, die uns einen; gedenk' der Treue, die wir tragen; gedenk' der Liebe, der wir leben: Brünnhilde brennt dann ewig heilig dir in der Brust! Siegfried Lass' ich, Liebste, dich hier in der Lohe heiliger Hut; (er hat den Ring Alberichs von seinem Finger gezogen und reicht ihn jetzt Brünnhilde dar) zum Tausche deiner Runen reich' ich dir diesen Ring. Was der Taten je ich schuf, des Tugend schließt er ein. Ich erschlug einen wilden Wurm, der grimmig lang ihn bewacht. Nun wahre du seine Kraft als Weihegruß meiner Treu'! Brünnhilde (voll Entzücken den Ring sich ansteckend) Ihn geiz' ich als einziges Gut! Für den Ring nimm nun auch mein Roß! Ging sein Lauf mit mir einst kühn durch die Lüfte mit mir verlor es die mächt'ge Art; über Wolken hin auf blitzenden Wettern nicht mehr schwingt es sich mutig des Wegs; doch wohin du ihn führst, – sei es durchs Feuer – grauenlos folgt dir Grane; denn dir, o Helde, soll er gehorchen! Du hüt ihn wohl; er hört dein Wort: o bringe Grane oft Brünnhildes Gruß! Siegfried Durch deine Tugend allein soll so ich Taten noch wirken? Meine Kämpfe kiesest du, meine Siege kehren zu dir: auf deines Rosses Rücken, in deines Schildes Schirm, nicht Siegfried acht' ich mich mehr, ich bin nur Brünnhildes Arm. Brünnhilde O wäre Brünnhild' deine Seele! Siegfried Durch sie entbrennt mir der Mut. Brünnhilde So wärst du Siegfried und Brünnhild'? Siegfried Wo ich bin, bergen sich beide. Brünnhilde So verödet mein Felsensaal? Siegfried Vereint, faßt er uns zwei! Brünnhilde O heilige Götter! Hehre Geschlechter! Weidet eu'r Aug' an dem weihvollen Paar! Getrennt – wer will es scheiden? Geschieden – trennt es sich nie! Siegfried Heil dir, Brünnhilde, prangender Stern! Heil, strahlende Liebe! Brünnhilde Heil dir, Siegfried, siegendes Licht! Heil, strahlendes Leben! Beide Heil! Heil! Heil! Heil! Erster Aufzug Die Halle der Gibichungen am Rhein Erste Szene Gunther, Hagen und Gutrune Gunther Nun hör, Hagen, sage mir, Held: sitz' ich herrlich am Rhein, Gunther zu Gibichs Ruhm? Hagen Dich echt genannten acht' ich zu neiden: die beid' uns Brüder gebar, Frau Grimhild' ließ mich's begreifen. Gunther Dich neide ich: nicht neide mich du! Erbt' ich Erstlingsart, Weisheit ward dir allein: Halbbrüderzwist bezwang sich nie besser. Deinem Rat nur red' ich Lob, frag' ich dich nach meinem Ruhm. Hagen So schelt' ich den Rat, da schlecht noch dein Ruhm; denn hohe Güter weiß ich, die der Gibichung noch nicht gewann. Gunther Verschwiegst du sie, so schelt' auch ich. Hagen In sommerlich reifer Stärke seh' ich Gibichs Stamm, dich, Gunther, unbeweibt, dich, Gutrun', ohne Mann. Gunther Wen rätst du nun zu frein, daß unsrem Ruhm es fromm'? Hagen Ein Weib weiß ich, das herrlichste der Welt: auf Felsen hoch ihr Sitz; ein Feuer umbrennt ihren Saal; nur wer durch das Feuer bricht, darf Brünnhildes Freier sein. Gunther Vermag das mein Mut zu bestehn? Hagen Einem Stärkren noch ist's nur bestimmt. Gunther Wer ist der streitlichste Mann? Hagen Siegfried, der Wälsungen Sproß: der ist der stärkste Held. Ein Zwillingspaar, von Liebe bezwungen, Siegmund und Sieglinde, zeugten den echtesten Sohn. Der im Walde mächtig erwuchs, den wünsch' ich Gutrun' zum Mann. Gutrune Welche Tat schuf er so tapfer, daß als herrlichster Held er genannt? Hagen Vor Neidhöhle den Niblungenhort bewachte ein riesiger Wurm: Siegfried schloß ihm den freislichen Schlund, erschlug ihn mit siegendem Schwert. Solch ungeheurer Tat enttagte des Helden Ruhm. Gunther Vom Niblungenhort vernahm ich: er birgt den neidlichsten Schatz? Hagen Wer wohl ihn zu nützen wüßt', dem neigte sich wahrlich die Welt. Gunther Und Siegfried hat ihn erkämpft? Hagen Knecht sind die Niblungen ihm. Gunther Und Brünnhild' gewänne nur er? Hagen Keinem andren wiche die Brunst. Gunther Was weckst du Zweifel und Zwist! Was ich nicht zwingen soll, darnach zu verlangen machst du mir Lust? Hagen Brächte Siegfried die Braut dir heim, wär' dann nicht Brünnhilde dein? Gunther Was zwänge den frohen Mann, für mich die Braut zu frein? Hagen Ihn zwänge bald deine Bitte, bänd' ihn Gutrun' zuvor. Gutrune Du Spötter, böser Hagen, wie sollt' ich Siegfried binden? Ist er der herrlichste Held der Welt, der Erde holdeste Frauen friedeten längst ihn schon. Hagen Gedenk des Trankes im Schrein; vertraue mir, der ihn gewann: den Helden, des du verlangst, bindet er liebend an dich. Träte nun Siegfried ein, genöss' er des würzigen Tranks, daß vor dir ein Weib er ersah, daß je ein Weib ihm genaht, vergessen müßt' er des ganz. Nun redet: wie dünkt euch Hagens Rat? Gunther Gepriesen sei Grimhild', die uns den Bruder gab! Gutrune Möcht' ich Siegfried je ersehn! Gunther Wie fänden ihn wir auf? Hagen Jagt er auf Taten wonnig umher, zum engen Tann wird ihm die Welt: wohl stürmt er in rastloser Jagd auch zu Gibichs Strand an den Rhein. Gunther Willkommen hieß' ich ihn gern. Vom Rhein her tönt das Horn. Hagen In einem Nachen Held und Roß! Der bläst so munter das Horn! Ein gemächlicher Schlag, wie von müßiger Hand, treibt jach den Kahn wider den Strom; so rüstiger Kraft in des Ruders Schwung rühmt sich nur der, der den Wurm erschlug. Siegfried ist es, sicher kein andrer! Gunther Jagt er vorbei? Hagen Hoiho! Wohin, du heitrer Held? Siegfrieds Stimme Zu Gibichs starkem Sohne. Hagen Zu seiner Halle entbiet' ich dich. Hieher! Hier lege an! Zweite Szene Siegfried, Hagen, Gunther und Gutrune Hagen Heil! Siegfried, teurer Held! Siegfried Wer ist Gibichs Sohn? Gunther Gunther, ich, den du suchst. Siegfried Dich hört' ich rühmen weit am Rhein: nun ficht mit mir oder sei mein Freund! Gunther Laß den Kampf! Sei willkommen Siegfried Wo berg' ich mein Roß? Hagen Ich biet' ihm Rast. Siegfried Du riefst mich Siegfried: sahst du mich schon? Hagen Ich kannte dich nur an deiner Kraft. Siegfried Wohl hüte mir Grane! Du hieltest nie von edlerer Zucht am Zaume ein Roß. Gunther Begrüße froh, o Held, die Halle meines Vaters; wohin du schreitest, was du ersiehst, das achte nun dein Eigen: dein ist mein Erbe, Land und Leut' hilf, mein Leib, meinem Eide! Mich selbst geb' ich zum Mann. Siegfried Nicht Land noch Leute biete ich noch Vaters Haus und Hof: einzig erbt' ich den eignen Leib; lebend zehr' ich den auf. Nur ein Schwert hab' ich, selbst geschmiedet: hilf, mein Schwert, meinem Eide! Das biet' ich mit mir zum Bund. Hagen Doch des Niblungenhortes nennt die Märe dich Herrn? Siegfried (zu Hagen) Des Schatzes vergaß ich fast: so schätz' ich sein müß'ges Gut! In einer Höhle ließ ich's liegen, wo ein Wurm es einst bewacht'. Hagen Und nichts entnahmst du ihm? Siegfried Dies Gewirk, unkund seiner Kraft. Hagen Den Tarnhelm kenn' ich, der Niblungen künstliches Werk: er taugt, bedeckt er dein Haupt, dir zu tauschen jede Gestalt; verlangt dich's an fernsten Ort, er entführt flugs dich dahin. Sonst nichts entnahmst du dem Hort? Siegfried Einen Ring. Hagen Den hütest du wohl? Siegfried Den hütet ein hehres Weib. Hagen (für sich) Brünnhild'!... Gunther Nicht, Siegfried, sollst du mir tauschen: Tand gäb' ich für dein Geschmeid, nähmst all mein Gut du dafür. Ohn' Entgelt dien' ich dir gern. Gutrune Willkommen, Gast, in Gibichs Haus! Seine Tochter reicht dir den Trank. Siegfried Vergäß' ich alles, was du mir gabst, von einer Lehre lass' ich doch nie! Den ersten Trunk zu treuer Minne, Brünnhilde, bring' ich dir! (Er setzt das Trinkhorn an und trinkt in einem langen Zuge. Er reicht das Horn an Gutrune zurück, die verschämt und verwirrt ihre Augen vor ihm niederschlägt. Siegfried heftet den Blick mit schnell entbrannter Leidenschaft auf sie.) Die so mit dem Blitz den Blick du mir sengst, was senkst du dein Auge vor mir? (Gutrune schlägt errötend das Auge zu ihm auf.) Ha, schönstes Weib! Schließe den Blick; das Herz in der Brust brennt mir sein Strahl: zu feurigen Strömen fühl' ich ihn zehrend zünden mein Blut! Gunther, wie heißt deine Schwester? Gunther Gutrune. Siegfried Sind's gute Runen, die ihrem Aug' ich entrate? Deinem Bruder bot ich mich zum Mann: der Stolze schlug mich aus; trügst du, wie er, mir Übermut, böt' ich mich dir zum Bund? (Gutrune trifft unwillkürlich auf Hagens Blick. Sie neigt demütig das Haupt, und mit einer Gebärde, als fühle sie sich seiner nicht wert, verläßt sie schwankenden Schrittes wieder die Halle.) Hast du, Gunther, ein Weib? Gunther Nicht freit' ich noch, und einer Frau soll ich mich schwerlich freun! Auf eine setz ich den Sinn, die kein Rat mir je gewinnt. Siegfried Was wär dir versagt, steh' ich zu dir? Gunther Auf Felsen hoch ihr Sitz – Siegfried »Auf Felsen hoch ihr Sitz;« Gunther ein Feuer umbrennt den Saal – Siegfried »ein Feuer umbrennt den Saal.«...? Gunther Nur wer durch das Feuer bricht – Siegfried »Nur wer durch das Feuer bricht«...? Gunther – darf Brünnhildes Freier sein. (Siegfried drückt durch eine Gebärde aus, daß bei Nennung von Brünnhildes Namen die Erinnerung ihm vollends ganz schwindet.) Nun darf ich den Fels nicht erklimmen; das Feuer verglimmt mir nie! Siegfried Ich – fürchte kein Feuer, für dich frei' ich die Frau; denn dein Mann bin ich, und mein Mut ist dein, gewinn' ich mir Gutrun' zum Weib. Gunther Gutrune gönn' ich dir gerne. Siegfried Brünnhilde bring' ich dir. Gunther Wie willst du sie täuschen? Siegfried Durch des Tarnhelms Trug tausch' ich mir deine Gestalt. Gunther So stelle Eide zum Schwur! Siegfried Blut-Brüderschaft schwöre ein Eid! (Hagen füllt ein Trinkhorn mit frischem Wein; dieses hält er dann Siegfried und Gunther bin, welche sich mit ihren Schwertern die Arme ritzen und diese eine kurze Zeit über die Öffnung des Trinkhorns halten. Siegfried und Gunther legen zwei ihrer Finger auf das Horn, welches Hagen fortwährend in ihrer Mitte hält.) Blühenden Lebens labendes Blut träufelt ich in den Trank. Gunther Bruder-brünstig mutig gemischt, blüh' im Trank unser Blut. Beide Treue trink' ich dem Freund. Froh und frei entblühe dem Bund Blut-Brüderschaft heut! Gunther Bricht ein Bruder den Bund: Siegfried Trügt den Treuen der Freund: Beide Was in Tropfen heut hold wir tranken, in Strahlen ström es dahin, fromme Sühne dem Freund! Gunther So – biet' ich den Bund. Siegfried So – trink' ich dir Treu'! (betrachtet Hagen, welcher während des Schwures hinter ihm gestanden) Was nahmst du am Eide nicht teil? Hagen Mein Blut verdürb' euch den Trank; nicht fließt mir's echt und edel wie euch; störrisch und kalt stockt's in mir; nicht will's die Wange mir röten. Drum bleib' ich fern vom feurigen Bund. Gunther Laß den unfrohen Mann! Siegfried Frisch auf die Fahrt! Dort liegt mein Schiff; schnell führt es zum Felsen. Eine Nacht am Ufer harrst du im Nachen; die Frau fährst du dann heim. Gunther Rastest du nicht zuvor? Siegfried Um die Rückkehr ist's mir jach! (Er geht zum Ufer, um das Schiff loszubinden.) Gunther Du, Hagen, bewache die Halle! (Er folgt Siegfried zum Ufer. Gutrune erscheint an der Tür ihres Gemachs, als soeben Siegfried das Schiff abstößt, welches sogleich der Mitte des Stromes zutreibt.) Gutrune Wohin eilen die Schnellen? Hagen Zu Schiff – Brünnhild' zu frein. Gutrune Siegfried? Hagen Sieh, wie's ihn treibt, zum Weib dich zu gewinnen! Gutrune Siegfried – mein! (Sie geht, lebhaft erregt, in ihr Gemach zurück.) Hagen Hier sitz' ich zur Wacht, wahre den Hof, wehre die Halle dem Feind. Gibichs Sohne wehet der Wind, auf Werben fährt er dahin. Ihm führt das Steuer ein starker Held, Gefahr ihm will er bestehn. Die eigne Braut ihm bringt er zum Rhein; mir aber bringt er – den Ring! Ihr freien Söhne, frohe Gesellen, segelt nur lustig dahin! Dünkt er euch niedrig, ihr dient ihm doch, des Niblungen Sohn. Dritte Szene Die Felsenhöhe wie im Vorspiel Brünnhilde, Waltraute, Siegfried Brünnhilde Altgewohntes Geräusch raunt meinem Ohr die Ferne. Ein Luftroß jagt im Laufe daher; auf der Wolke fährt es wetternd zum Fels. Wer fand mich Einsame auf? Waltrautes Stimme Brünnhilde! Schwester! Schläfst oder wachst du? Brünnhilde Waltrautes Ruf, so wonnig mir kund! Kommst du, Schwester? Schwingst dich kühn zu mir her? Dort im Tann – dir noch vertraut – steige vom Roß und stell den Renner zur Rast! Kommst du zu mir? Bist du so kühn, magst ohne Grauen Brünnhild' bieten den Gruß? Waltraute Einzig dir nur galt meine Eil'! Brünnhilde So wagtest du, Brünnhild' zulieb, Walvaters Bann zu brechen? Oder wie – o sag – wär' wider mich Wotans Sinn erweicht? Als dem Gott entgegen Siegmund ich schützte, fehlend – ich weiß es – erfüllt' ich doch seinen Wunsch. Daß sein Zorn sich verzogen, weiß ich auch; denn verschloß er mich gleich in Schlaf, fesselt' er mich auf den Fels, wies er dem Mann mich zur Magd, der am Weg mich fänd' und erweckt', meiner bangen Bitte doch gab er Gunst: mit zehrendem Feuer umgab er den Fels, dem Zagen zu wehren den Weg. So zur Seligsten schuf mich die Strafe: der herrlichste Held gewann mich zum Weib! In seiner Liebe leucht' und lach' ich heut' auf. Lockte dich, Schwester, mein Los? An meiner Wonne willst du dich weiden, teilen, was mich betraf? Waltraute Teilen den Taumel, der dich Törin erfaßt? Ein andres bewog mich in Angst, zu brechen Wotans Gebot. Brünnhilde Angst und Furcht fesseln dich Arme? So verzieh der Strenge noch nicht? Du zagst vor des Strafenden Zorn? Waltraute Dürft' ich ihn fürchten, meiner Angst fänd' ich ein End'! Brünnhilde Staunend versteh' ich dich nicht! Waltraute Wehre der Wallung, achtsam höre mich an! Nach Walhall wieder treibt mich die Angst, die von Walhall hierher mich trieb. Brünnhilde Was ist's mit den ewigen Göttern? Waltraute Höre mit Sinn, was ich dir sage! Seit er von dir geschieden, zur Schlacht nicht mehr schickte uns Wotan; irr und ratlos ritten wir ängstlich zu Heer; Walhalls mutige Helden mied Walvater. Einsam zu Roß, ohne Ruh' noch Rast, durchstreift er als Wandrer die Welt. Jüngst kehrte er heim; in der Hand hielt er seines Speeres Splitter: die hatte ein Held ihm geschlagen. Mit stummem Wink Walhalls Edle wies er zum Forst, die Weltesche zu fällen. Des Stammes Scheite hieß er sie schichten zu ragendem Hauf rings um der Seligen Saal. Der Götter Rat ließ er berufen; den Hochsitz nahm heilig er ein: ihm zu Seiten hieß er die Bangen sich setzen, in Ring und Reih' die Hall' erfüllen die Helden. So sitzt er, sagt kein Wort, auf hehrem Sitze stumm und ernst, des Speeres Splitter fest in der Faust; Holdas Äpfel rührt er nicht an. Staunen und Bangen binden starr die Götter. Seine Raben beide sandt' er auf Reise: kehrten die einst mit guter Kunde zurück, dann noch einmal, zum letztenmal, lächelte ewig der Gott. Seine Knie umwindend, liegen wir Walküren; blind bleibt er den flehenden Blicken; uns alle verzehrt Zagen und endlose Angst. An seine Brust preßt' ich mich weinend: da brach sich sein Blick – er gedachte, Brünnhilde, dein! Tief seufzt' er auf, schloß das Auge, und wie im Traume raunt' er das Wort: »Des tiefen Rheines Töchtern gäbe den Ring sie wieder zurück, von des Fluches Last erlöst wäre Gott und Welt!« Da sann ich nach: von seiner Seite durch stumme Reihen stahl ich mich fort; in heimlicher Hast bestieg ich mein Roß und ritt im Sturme zu dir. Dich, o Schwester, beschwör ich nun: was du vermagst, vollend es dein Mut! Ende der Ewigen Qual! Brünnhilde Welch banger Träume Mären meldest du Traurige mir! Der Götter heiligem Himmelsnebel bin ich Törin enttaucht: nicht fass' ich, was ich erfahre. Wirr und wüst scheint mir dein Sinn; in deinem Aug', so übermüde, glänzt flackernde Glut. Mit blasser Wange, du bleiche Schwester, was willst du Wilde von mir? Waltraute An deiner Hand, der Ring, er ist's; hör meinen Rat: für Wotan wirf ihn von dir! Brünnhilde Den Ring? Von mir? Waltraute Den Rheintöchtern gib ihn zurück! Brünnhilde Den Rheintöchtern, ich, den Ring? Siegfrieds Liebespfand? Bist du von Sinnen? Waltraute Hör mich, hör meine Angst! Der Welt Unheil haftet sicher an ihm. Wirf ihn von dir, fort in die Welle! Walhalls Elend zu enden, den verfluchten wirf in die Flut! Brünnhilde Ha, weißt du, was er mir ist? Wie kannst du's fassen, fühllose Maid! Mehr als Walhalls Wonne, mehr als der Ewigen Ruhm ist mir der Ring: ein Blick auf sein helles Gold, ein Blitz aus dem hehren Glanz gilt mir werter als aller Götter ewig währendes Glück! Denn selig aus ihm leuchtet mir Siegfrieds Liebe: Siegfrieds Liebe! O ließ' sich die Wonne dir sagen! Sie – wahrt mir der Reif. Geh hin zu der Götter heiligem Rat! Von meinem Ringe raune ihnen zu: Die Liebe ließe ich nie, mir nähmen nie sie die Liebe, stürzt' auch in Trümmern Walhalls strahlende Pracht! Waltraute Dies deine Treue? So in Trauer entlässest du lieblos die Schwester? Brünnhilde Schwinge dich fort! Fliege zu Roß! Den Ring entführst du mir nicht! Waltraute Wehe! Wehe! Weh dir, Schwester! Walhalls Göttern weh! (Sie stürzt fort.) Brünnhilde Blitzend Gewölk, vom Wind getragen, stürme dahin: zu mir nie steure mehr her! Abendlich Dämmern deckt den Himmel; heller leuchtet die hütende Lohe herauf. Was leckt so wütend die lodernde Welle zum Wall? Zur Felsenspitze wälzt sich der feurige Schwall. Siegfried! Siegfried zurück? Seinen Ruf sendet er her! Auf! – Auf! Ihm entgegen! In meines Gottes Arm! (Sie eilt in höchstem Entzücken dem Felsrande zu. Feuerflammen schlagen herauf: aus ihnen springt Siegfried auf einen hochragenden Felsstein empor, worauf die Flammen sogleich wieder zurückweichen und abermals nur aus der Tiefe heraufleuchten. Siegfried, auf dem Haupte den Tarnhelm, der ihm bis zur Hälfte das Gesicht verdeckt und nur die Augen freiläßt, erscheint in Gunthers Gestalt.) Verrat! – Wer drang zu mir? Siegfried Brünnhild'! Ein Freier kam, den dein Feuer nicht geschreckt. Dich werb' ich nun zum Weib: du folge willig mir! Brünnhilde Wer ist der Mann, der das vermochte, was dem Stärksten nur bestimmt? Siegfried Ein HeIde, der dich zähmt, bezwingt Gewalt dich nur. Brünnhilde Ein Unhold schwang sich auf jenen Stein! Ein Aar kam geflogen, mich zu zerfleischen! Wer bist du, Schrecklicher? Stammst du von Menschen? Kommst du von Hellas nächtlichem Heer? Siegfried Ein Gibichung bin ich, und Gunther heißt der Held, dem, Frau, du folgen sollst. Brünnhilde Wotan! Ergrimmter, grausamer Gott! Weh! Nun erseh' ich der Strafe Sinn; zu Hohn und Jammer jagst du mich hin! Siegfried Die Nacht bricht an: in deinem Gemach mußt du dich mit mir vermählen! Brünnhilde (indem sie den Finger, an dem sie Siegfrieds Ring trägt, drohend ausstreckt) Bleib fern! Fürchte dies Zeichen! Zur Schande zwingst du mich nicht, solang der Ring mich beschützt. Siegfried Mannesrecht gebe er Gunther, durch den Ring sei ihm vermählt! Brünnhilde Zurück, du Räuber! Frevelnder Dieb! Erfreche dich nicht, mir zu nahn! Stärker als Stahl macht mich der Ring: nie – raubst du ihn mir! Siegfried Von dir ihn zu lösen, lehrst du mich nun! (Er dringt auf sie ein; sie ringen miteinander. Brünnhilde windet sich los, flieht und wendet sich um, wie zur Wehr. Siegfried greift sie von neuem an. Sie flieht, er erreicht sie. Beide ringen heftig miteinander. Er faßt sie bei der Hand und entzieht ihrem Finger den Ring. Sie schreit heftig auf. Als sie wie zerbrochen in seinen Armen niedersinkt, streift ihr Blick bewußtlos die Augen Siegfrieds.) Siegfried Jetzt bist du mein, Brünnhilde, Gunthers Braut – gönne mir nun dein Gemach! Brünnhilde Was könntest du wehren, elendes Weib! (Siegfried treibt sie mit einer gebietenden Bewegung an. Zitternd und wankenden Schrittes geht sie in das Gemach.) Siegfried (das Schwert ziehend – mit seiner natürlichen Stimme) Nun, Notung, zeuge du, daß ich in Züchten warb. Die Treue wahrend dem Bruder, trenne mich von seiner Braut! (Er folgt Brünnhilde nach.) Zweiter Aufzug Uferraum vor der Halle der Gibichungen Erste Szene Hagen, Alberich Alberich Schläfst du, Hagen, mein Sohn? Du schläfst und hörst mich nicht, den Ruh' und Schlaf verriet? Hagen Ich höre dich, schlimmer Albe: was hast du meinem Schlaf zu sagen? Alberich Gemahnt sei der Macht, der du gebietest, bist du so mutig, wie die Mutter dich mir gebar! Hagen Gab mir die Mutter Mut, nicht mag ich ihr doch danken, daß deiner List sie erlag: frühalt, fahl und bleich, hass' ich die Frohen, freue mich nie! Alberich Hagen, mein Sohn! Hasse die Frohen! Mich Lustfreien, Leidbelasteten liebst du so, wie du sollst! Bist du kräftig, kühn und klug: die wir bekämpfen mit nächtigem Krieg, schon gibt ihnen Not unser Neid. Der einst den Ring mir entriß, Wotan, der wütende Räuber, vom eignen Geschlechte ward er geschlagen an den Wälsung verlor er Macht und Gewalt; mit der Götter ganzer Sippe in Angst ersieht er sein Ende. Nicht ihn fürcht' ich mehr: fallen muß er mit allen! Schläfst du, Hagen, mein Sohn? Hagen Der Ewigen Macht, wer erbte sie? Alberich Ich – und du! Wir erben die Welt. Trüg' ich mich nicht in deiner Treu', teilst du meinen Gram und Grimm. Woraus Speer zerspellte der Wälsung, der Fafner, den Wurm, im Kampfe gefällt und kindisch den Reif sich errang. Jede Gewalt hat er gewonnen; Walhall und Nibelheim neigen sich ihm. An dem furchtlosen Helden erlahmt selbst mein Fluch: denn nicht kennt er des Ringes Wert, zu nichts nützt er die neidlichste Macht. Lachend in liebender Brunst, brennt er lebend dahin. Ihn zu verderben, taugt uns nun einzig! Schläfst du, Hagen, mein Sohn? Hagen Zu seinem Verderben dient er mir schon. Alberich Den goldnen Ring, den Reif gilt's zu erringen! Ein weises Weib lebt dem Wälsung zulieb: riet es ihm je des Rheines Töchtern, die in Wassers Tiefen einst mich betört, zurückzugeben den Ring, verloren ging' mir das Gold, keine List erlangte es je. Drum, ohne Zögern ziel auf den Reif! Dich Zaglosen zeugt' ich mir ja, daß wider Helden hart du mir hieltest. Zwar stark nicht genug, den Wurm zu bestehn, was allein dem Wälsung bestimmt, zu zähem Haß doch erzog ich Hagen, der soll mich nun rächen, den Ring gewinnen dem Wälsung und Wotan zum Hohn! Schwörst du mir's, Hagen, mein Sohn? Hagen Den Ring soll ich haben: harre in Ruh'! Alberich Schwörst du mir's, Hagen, mein Held? Hagen Mir selbst schwör' ich's; schweige die Sorge! Alberich Sei treu, Hagen, mein Sohn! Trauter Helde! – Sei treu! Sei treu! – Treu! (Alberich ist gänzlich verschwunden.) Zweite Szene Siegfried, Hagen, Gutrune Siegfried Hoiho, Hagen! Müder Mann! Siehst du mich kommen? Hagen Hei, Siegfried! Geschwinder Helde! Wo brausest du her? Siegfried Vom Brünnhildenstein! Dort sog ich den Atem ein, mit dem ich dich rief: so schnell war meine Fahrt! Langsamer folgt mir ein Paar: zu Schiff gelangt das her! Hagen So zwangst du Brünnhild'? Siegfried Wacht Gutrune? Hagen Hoiho, Gutrune, komm heraus! Siegfried ist da: was säumst du drin? Siegfried Euch beiden meld' ich, wie ich Brünnhild' band. (Gutrune tritt ihm aus der Halle entgegen.) Heiß mich willkommen, Gibichskind! Ein guter Bote bin ich dir. Gutrune Freia grüße dich zu aller Frauen Ehre! Siegfried Frei und hold sei nun mir Frohem: zum Weib gewann ich dich heut. Gutrune So folgt Brünnhild' meinem Bruder? Siegfried Leicht ward die Frau ihm gefreit. Gutrune Sengte das Feuer ihn nicht? Siegfried Ihn hätt' es auch nicht versehrt, doch ich durchschritt es für ihn, da dich ich wollt' erwerben. Gutrune Und dich hat es verschont? Siegfried Mich freute die schwelende Brunst Gutrune Hielt Brünnhild' dich für Gunther? Siegfried Ihm glich ich auf ein Haar: der Tarnhelm wirkte das, wie Hagen tüchtig es wies. Hagen Dir gab ich guten Rat. Gutrune So zwangst du das kühne Weib? Siegfried Sie wich – Gunthers Kraft. Gutrune Und vermählte sie sich dir? Siegfried Ihrem Mann gehorchte Brünnhild' eine volle bräutliche Nacht. Gutrune Als ihr Mann doch galtest du? Siegfried Bei Gutrune weilte Siegfried. Gutrune Doch zur Seite war ihm Brünnhild'? Siegfried (auf sein Schwert deutend) Zwischen Ost und West der Nord: so nah – war Brünnhild' ihm fern. Gutrune Wie empfing Gunther sie nun von dir? Siegfried Durch des Feuers verlöschende Lohe, im Frühnebel vom Felsen folgte sie mir zu Tal; dem Strande nah, flugs die Stelle tauschte Gunther mit mir: durch des Geschmeides Tugend wünscht' ich mich schnell hieher. Ein starker Wind nun treibt die Trauten den Rhein herauf: drum rüstet jetzt den Empfang! Gutrune Siegfried, mächtigster Mann! Wie faßt mich Furcht vor dir! Hagen In der Ferne seh' ich ein Segel. Siegfried So sagt dem Boten Dank! Gutrune Lasset uns sie hold empfangen, daß heiter sie und gern hier weile! Du, Hagen, minnig rufe die Mannen nach Gibichs Hof zur Hochzeit! Frohe Frauen ruf' ich zum Fest: der Freudigen folgen sie gern. Rastest du, schlimmer Held? Siegfried Dir zu helfen, ruh' ich aus. Dritte Szene Hagen, Mannen Hagen Hoiho! Hoihohoho! Ihr Gibichsmannen, machet euch auf! Wehe! Wehe! Waffen! Waffen! Waffen durchs Land! Gute Waffen! Starke Waffen, scharf zum Streit. Not ist da! Not! Wehe! Wehe! Hoiho! Hoihohoho! Mannen Was tost das Horn? Was ruft es zu Heer? Wir kommen mit Wehr, wir kommen mit Waffen! Hagen! Hagen! Hoiho! Hoiho! Welche Not ist da? Welcher Feind ist nah? Wer gibt uns Streit? Ist Gunther in Not? Wir kommen mit Waffen, mit scharfer Wehr. Hoiho! Ho! Hagen! Hagen Rüstet euch wohl und rastet nicht; Gunther sollt ihr empfahn: ein Weib hat der gefreit. Mannen Drohet ihm Not? Drängt ihn der Feind? Hagen Ein freisliches Weib führet er heim. Mannen Ihm folgen der Magen feindliche Mannen? Hagen Einsam fährt er: keiner folgt. Mannen So bestand er die Not? So bestand er den Kampf? Sag' es an! Hagen Der Wurmtöter wehrte der Not: Siegfried, der Held, der schuf ihm Heil! Mannen Was soll ihm das Heer nun noch helfen? Was hilft ihm nun das Heer? Hagen Starke Stiere sollt ihr schlachten; am Weihstein fließe Wotan ihr Blut! Mannen Was, Hagen, was heißest du uns dann? Was soll es dann? Was heißest du uns dann? Hagen Einen Eber fällen sollt ihr für Froh! Einen stämmigen Bock stechen für Donner! Schafe aber schlachtet für Fricka, daß gute Ehe sie gebe! Mannen Schlugen wir Tiere, was schaffen wir dann? Hagen Das Trinkhorn nehmt, von trauten Frau'n mit Met und Wein wonnig gefüllt! Mannen Das Trinkhorn zur Hand, wie halten wir es dann? Hagen Rüstig gezecht, bis der Rausch euch zähmt! Alles den Göttern zu Ehren, daß gute Ehe sie geben! Mannen Groß Glück und Heil lacht nun dem Rhein, da Hagen, der Grimme, so lustig mag sein! Der Hagedorn sticht nun nicht mehr; zum Hochzeitsrufer ward er bestellt. Hagen Nun laßt das Lachen, mut'ge Mannen! Empfangt Gunthers Braut! Brünnhilde naht dort mit ihm. Hold seid der Herrin, helfet ihr treu: traf sie ein Leid, rasch seid zur Rache! (Er wendet sich langsam zur Seite, in den Hintergrund. Während des Folgenden kommt der Nachen mit Gunther und Brünnhilde auf dem Rheine an.) Mannen Heil! Heil! Willkommen! Willkommen! Willkommen! Gunther! Heil! Heil! Vierte Szene Gunther, Siegfried, Brünnhilde, Hagen, Gutrune, Mannen, Frauen Mannen Heil dir, Gunther! Heil dir und deiner Braut! Willkommen! Gunther Brünnhild', die hehrste Frau, bring' ich euch her zum Rhein. Ein edleres Weib ward nie gewonnen. Der Gibichungen Geschlecht, gaben die Götter ihm Gunst, zum höchsten Ruhm rag es nun auf! Mannen Heil! Heil dir, glücklicher Gibichung! (Gunther geleitet Brünnhilde, die nie aufblickt, zur Halle, aus welcher jetzt Siegfried und Gutrune, von Frauen begleitet, heraustreten.) Gunther Gegrüßt sei, teurer Held; gegrüßt, holde Schwester! Dich seh' ich froh ihm zur Seite, der dich zum Weib gewann. Zwei sel'ge Paare seh' ich hier prangen: Brünnhild' und Gunther, Gutrun' und Siegfried! (Brünnhilde schlägt erschreckt die Augen auf und erblickt Siegfried; wie in Erstaunen bleibt ihr Blick auf ihn gerichtet. Gunther, welcher Brünnhildes heftig zuckende Hand losgelassen hat, sowie alle übrigen zeigen starre Betroffenheit über Brünnhildes Benehmen.) Mannen Was ist ihr? Ist sie entrückt? Siegfried Was müht Brünnhildens Blick? Brünnhilde Siegfried... hier...! Gutrune...? Siegfried Gunthers milde Schwester: mir vermählt wie Gunther du. Brünnhilde Ich... Gunther...? Du lügst! Mir schwindet das Licht... Siegfried – kennt mich nicht? Siegfried Gunther, deinem Weib ist übel! (Gunther tritt hinzu.) Erwache, Frau! Hier steht dein Gatte. Brünnhilde (erblickt am Finger Siegfrieds den Ring und schrickt mit furchtbarer Heftigkeit auf) Ha! – Der Ring, an seiner Hand! Er –? Siegfried –? Mannen Was ist? Was ist? Hagen Jetzt merket klug, was die Frau euch klagt! Brünnhilde Einen Ring sah ich an deiner Hand. Nicht dir gehört er, ihn entriß mir (auf Gunther deutend) dieser Mann! Wie mochtest von ihm den Ring du empfahn? Siegfried Den Ring empfing ich nicht von ihm. Brünnhilde (zu Gunther) Nahmst du von mir den Ring, durch den ich dir vermählt; so melde ihm dein Recht, fordre zurück das Pfand! Gunther Den Ring? Ich gab ihm keinen: Doch – kennst du ihn auch gut? Brünnhilde Wo bärgest du den Ring, den du von mir erbeutet? (Gunther schweigt in höchster Betroffenheit.) Ha! – Dieser war es, der mir den Ring entriß: Siegfried, der trugvolle Dieb! Siegfried Von keinem Weib kam mir der Reif; noch war's ein Weib, dem ich ihn abgewann: genau erkenn' ich des Kampfes Lohn, den vor Neidhöhl' einst ich bestand, als den starken Wurm ich erschlug. Hagen Brünnhild', kühne Frau, kennst du genau den Ring? Ist's der, den du Gunther gabst, so ist er sein, und Siegfried gewann ihn durch Trug, den der Treulose büßen sollt'! Brünnhilde Betrug! Betrug! Schändlichster Betrug! Verrat! Verrat! Wie noch nie er gerächt! Gutrune Verrat? An wem? Mannen Verrat? Verrat? Frauen Verrat? An wem? Brünnhilde Heil'ge Götter, himmlische Lenker! Rauntet ihr dies in eurem Rat? Lehrt ihr mich Leiden, wie keiner sie litt? Schuft ihr mir Schmach, wie nie sie geschmerzt? Ratet nun Rache, wie nie sie gerast! Zündet mir Zorn, wie noch nie er gezähmt! Heißet Brünnhild' ihr Herz zu zerbrechen, den zu zertrümmern, der sie betrog! Gunther Brünnhild', Gemahlin! Mäß'ge dich! Brünnhilde Weich fern, Verräter! Selbst Verratner! Wisset denn alle: nicht ihm – dem Manne dort bin ich vermählt. Frauen Siegfried? Gutruns Gemahl? Mannen Gutruns Gemahl? Brünnhilde Er zwang mir Lust und Liebe ab. Siegfried Achtest du so der eignen Ehre? Die Zunge, die sie lästert, muß ich der Lüge sie zeihen? Hört, ob ich Treue brach! Blutbrüderschaft hab' ich Gunther geschworen: Notung, das werte Schwert, wahrte der Treue Eid; mich trennte seine Schärfe von diesem traur'gen Weib. Brünnhilde Du listiger Held, sieh, wie du lügst! Wie auf dein Schwert du schlecht dich berufst! Wohl kenn' ich seine Schärfe, doch kenn' auch die Scheide, darin so wonnig ruht' an der Wand Notung, der treue Freund, als die Traute sein Herr sich gewann. Mannen Wie? Brach er die Treue? Trübte er Gunthers Ehre? Frauen Brach er die Treue? Gunther (zu Siegfried) Geschändet wär' ich, schmählich bewahrt, gäbst du die Rede nicht ihr zurück! Gutrune Treulos, Siegfried, sannest du Trug? Bezeuge, daß jene falsch dich zeiht! Mannen Reinige dich, bist du im Recht! Schweige die Klage! Schwöre den Eid! Siegfried Schweig' ich die Klage, schwör' ich den Eid: wer von euch wagt seine Waffe daran? Hagen Meines Speeres Spitze wag' ich daran: sie wahr' in Ehren den Eid. Siegfried Helle Wehr! Heilige Waffe! Hilf meinem ewigen Eide! Bei des Speeres Spitze sprech' ich den Eid: Spitze, achte des Spruchs! Wo Scharfes mich schneidet, schneide du mich; wo der Tod mich soll treffen, treffe du mich: klagte das Weib dort wahr, brach ich dem Bruder den Eid! Brünnhilde Helle Wehr! Heilige Waffe! Hilf meinem ewigen Eide! Bei des Speeres Spitze sprech' ich den Eid: Spitze, achte des Spruchs! Ich weihe deine Wucht, daß sie ihn werfe! Deine Schärfe segne ich, daß sie ihn schneide: denn, brach seine Eide er all', schwur Meineid jetzt dieser Mann! Mannen Hilf, Donner, tose dein Wetter, zu schweigen die wütende Schmach! Siegfried Gunther, wehr deinem Weibe, das schamlos Schande dir lügt! Gönnt ihr Weil' und Ruh', der wilden Felsenfrau, daß ihre freche Wut sich lege, die eines Unholds arge List wider uns alle erregt! Ihr Mannen, kehret euch ab! Laßt das Weibergekeif! Als Zage weichen wir gern, gilt es mit Zungen den Streit. (Er tritt dicht zu Gunther.) Glaub, mehr zürnt es mich als dich, daß schlecht ich sie getäuscht: der Tarnhelm, dünkt mich fast, hat halb mich nur gehehlt. Doch Frauengroll friedet sich bald: daß ich dir es gewann, dankt dir gewiß noch das Weib. (Er wendet sich wieder zu den Mannen.) Munter, ihr Mannen! Folgt mir zum Mahl! (Zu den Frauen.) Froh zur Hochzeit helfet, ihr Frauen! Wonnige Lust lache nun auf! In Hof und Hain, heiter vor allen sollt ihr heute mich sehn. Wen die Minne freut, meinem frohen Mute tu es der Glückliche gleich! (Er schlingt in ausgelassenem Übermute seinen Arm um Gutrune und zieht sie mit sich in die Halle fort. Die Mannen und Frauen, von seinem Beispiele hingerissen, folgen ihm nach.) Fünfte Szene Brünnhilde, Hagen, Gunther Brünnhilde Welches Unholds List liegt hier verhohlen? Welches Zaubrers Rat regte dies auf? Wo ist nun mein Wissen gegen dies Wirrsal? Wo sind meine Runen gegen dies Rätsel? Ach Jammer! Jammer! Weh, ach Wehe! All mein Wissen wies ich ihm zu! In seiner Macht hält er die Magd; in seinen Banden hält er die Beute, die, jammernd ob ihrer Schmach, jauchzend der Reiche verschenkt! Wer bietet mir nun das Schwert, mit dem ich die Bande zerschnitt? Hagen Vertraue mir, betrogne Frau! Wer dich verriet, das räche ich. Brünnhilde An wem? Hagen An Siegfried, der dich betrog. Brünnhilde An Siegfried?... du? Ein einziger Blick seines blitzenden Auges, das selbst durch die Lügengestalt leuchtend strahlte zu mir, deinen besten Mut machte er bangen! Hagen Doch meinem Speere spart ihn sein Meineid! Brünnhilde Eid und Meineid, müßige Acht! Nach Stärkrem späh, deinen Speer zu waffnen, willst du den Stärksten bestehn! Hagen Wohl kenn' ich Siegfrieds siegende Kraft, wie schwer im Kampf er zu fällen; drum raune nun du mir guten Rat, wie doch der Recke mir wich'? Brünnhilde O Undank, schändlichster Lohn! Nicht eine Kunst war mir bekannt, die zum Heil nicht half seinem Leib! Unwissend zähmt' ihn mein Zauberspiel, das ihn vor Wunden nun gewahrt. Hagen So kann keine Wehr ihm schaden? Brünnhilde Im Kampfe nicht; doch träfst du im Rücken ihn... Niemals, das wußt' ich, wich' er dem Feind, nie reicht' er fliehend ihm den Rücken: an ihm drum spart' ich den Segen. Hagen Und dort trifft ihn mein Speer! Auf, Gunther, edler Gibichung! Hier steht dein starkes Weib: was hängst du dort in Harm? Gunther O Schmach! O Schande! Wehe mir, dem jammervollsten Manne! Hagen In Schande liegst du; leugn' ich das? Brünnhilde (zu Gunther) O feiger Mann! falscher Genoss'! Hinter dem Helden hehltest du dich, daß Preise des Ruhmes er dir erränge! Tief wohl sank das teure Geschlecht, das solche Zagen gezeugt! Gunther Betrüger ich – und betrogen! Verräter ich – und verraten! Zermalmt mir das Mark! Zerbrecht mir die Brust! Hilf, Hagen! Hilf meiner Ehre! Hilf deiner Mutter, die mich – auch ja gebar! Hagen Dir hilft kein Hirn, dir hilft keine Hand: dir hilft nur – Siegfrieds Tod! Gunther Siegfrieds Tod! Hagen Nur der sühnt deine Schmach! Gunther Blutbrüderschaft schwuren wir uns! Hagen Des Bundes Bruch söhne nun Blut! Gunther Brach er den Bund? Hagen Da er dich verriet! Gunther Verriet er mich? Brünnhilde Dich verriet er, und mich verrietet ihr alle! Wär' ich gerecht, alles Blut der Welt büßte mir nicht eure Schuld! Doch des einen Tod taugt mir für alle: Siegfried falle zur Sühne für sich und euch! Hagen (heimlich zu Gunther) Er falle – dir zum Heil! Ungeheure Macht wird dir, gewinnst von ihm du den Ring, den der Tod ihm wohl nur entreißt. Gunther Brünnhildes Ring? Hagen Des Nibelungen Reif. Gunther So wär' es Siegfrieds Ende! Hagen Uns allen frommt Sein Tod. Gunther Doch Gutrune, ach, der ich ihn gönnte! Straften den Gatten wir so, wie bestanden wir vor ihr? Brünnhilde Was riet mir mein Wissen? Was wiesen mich Runen? Im hilflosen Elend achtet mir's hell: Gutrune heißt der Zauber, der den Gatten mir entzückt! Angst treffe sie! Hagen (zu Gunther) Muß sein Tod sie betrüben, verhehlt sei ihr die Tat. Auf muntres Jagen ziehen wir morgen: der Edle braust uns voran, ein Eber bracht' ihn da um. Gunther und Brünnhilde So soll es sein! Siegfried falle! Sühn er die Schmach, die er mir schuf! Des Eides Treue hat er getrogen: mit seinem Blut büß er die Schuld! Allrauner, rächender Gott! Schwurwissender Eideshort! Wotan! Wende dich her! Weise die schrecklich heilige Schar, hieher zu horchen dem Racheschwur! Hagen Sterb er dahin, der strahlende Held! Mein ist der Hort, mir muß er gehören. Drum sei der Reif ihm entrissen. Alben-Vater, gefallner Fürst! Nachthüter! Niblungenherr! Alberich! Achte auf mich! Weise von neuem der Niblungen Schar, dir zu gehorchen, des Ringes Herrn! Dritter Aufzug Wildes Wald- und Felsental am Rheine Erste Szene Die drei Rheintöchter, Siegfried Die drei Rheintöchter Frau Sonne sendet lichte Strahlen; Nacht liegt in der Tiefe: einst war sie hell, da heil und hehr des Vaters Gold noch in ihr glänzte. Rheingold! Klares Gold! Wie hell du einstens strahltest, hehrer Stern der Tiefe! Weialala leia, wallala leialala. Frau Sonne, sende uns den Helden, der das Gold uns wiedergäbe! Ließ' er es uns, sein lichtes Auge neideten dann wir nicht länger. Rheingold! Klares Gold! Wie froh du dann strahltest, freier Stern der Tiefe! Woglinde Ich höre sein Horn. Wellgunde Der Helde naht. Flosshilde Laßt uns beraten! (Sie tauchen alle drei schnell unter. Siegfried erscheint auf dem Abhange in vollen Waffen.) Siegfried Ein Albe führte mich irr, daß ich die Fährte verlor: He, Schelm, in welchem Berge bargst du so schnell mir das Wild? Die drei Rheintöchter (tauchen wieder auf und schwimmen im Reigen) Siegfried! Flosshilde Was schiltst du so in den Grund? Wellgunde Welchem Alben bist du gram? Woglinde Hat dich ein Nicker geneckt? Alle drei Sag es, Siegfried, sag es uns! Siegfried Entzücktet ihr zu euch den zottigen Gesellen, der mir verschwand? Ist's euer Friedel, euch lustigen Frauen lass' ich ihn gern. Woglinde Siegfried, was gibst du uns, wenn wir das Wild dir gönnen? Siegfried Noch bin ich beutelos; so bittet, was ihr begehrt. Wellgunde Ein goldner Ring ragt dir am Finger! Die drei Mädchen Den gib uns! Siegfried Einen Riesenwurm erschlug ich um den Reif: für eines schlechten Bären Tatzen böt ich ihn nun zum Tausch? Woglinde Bist du so karg? Wellgunde So geizig beim Kauf? Flosshilde Freigebig solltest Frauen du sein. Siegfried Verzehrt' ich an euch mein Gut, des zürnte mir wohl mein Weib. Flosshilde Sie ist wohl schlimm? Wellgunde Sie schlägt dich wohl? Woglinde Ihre Hand fühlt schon der Held! Siegfried Nun lacht nur lustig zu! In Harm lass' ich euch doch: denn giert ihr nach dem Ring, euch Nickern geh' ich ihn nie! Flosshilde So schön! Wellgunde So stark! Woglinde So gehrenswert! Alle drei Wie schade, daß er geizig ist! (Lachend tauchen sie unter.) Siegfried Was leid' ich doch das karge Lob? Lass' ich so mich schmähn? Kämen sie wieder zum Wasserrand, den Ring könnten sie haben. He! he, he! Ihr muntren Wasserminnen! Kommt rasch! Ich schenk' euch den Ring! (Er hat den Ring vom Finger gezogen und hält ihn in die Höhe. Die drei Rheintöchter tauchen wieder auf. Sie sind ernst und feierlich.) Flosshilde Behalt ihn, Held, und wahr ihn wohl, bis du das Unheil errätst – Woglinde und Wellgunde Das in dem Ring du hegst. Alle drei Froh fühlst du dich dann, befrein wir dich von dem Fluch. Siegfried (steckt gelassen den Ring wieder an seinen Finger) So singet, was ihr wißt! Alle drei Siegfried! Siegfried! Siegfried! Schlimmes wissen wir dir. Wellgunde Zu deinem Unheil wahrst du den Reif! Alle drei Aus des Rheines Gold ist der Ring geglüht. Wellgunde Der ihn listig geschmiedet und schmählich verlor – Alle drei Der verfluchte ihn, in fernster Zeit zu zeugen den Tod dem, der ihn trüg'. Flosshilde Wie den Wurm du fälltest – Wellgunde und Flosshilde So fällst auch du – Alle drei Und heute noch; So heißen wir's dir tauschest den Ring du uns nicht – Wellgunde und Flosshilde Im tiefen Rhein ihn zu bergen. Alle drei Nur seine Flut sühnet den Fluch! Siegfried Ihr listigen Frauen, laßt das sein! Traut' ich kaum eurem Schmeicheln, euer Drohen schreckt mich noch mindern Alle drei Siegfried! Siegfried! Wir weisen dich wahr. Weiche, weiche dem Fluch! Ihn flochten nächtlich webende Nornen in des Urgesetzes Seil! Siegfried Mein Schwert zerschwang einen Speer: des Urgesetzes ewiges Seil, flochten sie wilde Flüche hinein, Notung zerhaut es den Nornen! Wohl warnte mich einst vor dem Fluch ein Wurm, doch das Fürchten lehrt' er mich nicht! (Er betrachtet den Ring.) Der Welt Erbe gewänne mir ein Ring: für der Minne Gunst miss' ich ihn gern; ich geb' ihn euch, gönnt ihr mir Gunst. Doch bedroht ihr mir Leben und Leib: faßte er nicht eines Fingers Wert, den Reif entringt ihr mir nicht! Denn Leben und Leib, seht: – so – werf' ich sie weit von mir! (Er hebt eine Erdscholle vom Boden auf, hält sie über seinem Haupte und wirft sie mit den letzten Worten hinter sich.) Alle drei Kommt Schwestern! Schwindet dem Toren! So weise und stark verwähnt sich der Held, als gebunden und blind er doch ist. Eide schwor er – und achtet sie nicht! Runen weiß er – und rät sie nicht! Flosshilde , dann Woglinde Ein hehrstes Gut ward ihm vergönnt. Alle drei Daß er's verworfen, weiß er nicht. Flosshilde Nur den Ring – Wellgunde Der zum Tod ihm taugt – Alle drei Den Reif nur will er sich wahren! Leb wohl, Siegfried! Ein stolzes Weib wird noch heute dich Argen beerben: sie beut uns bessres Gehör. Zu ihr! Zu ihr! Zu ihr! Alle drei Weialala leia, wallala leialala. Siegfried Im Wasser wie am Lande lernte nun ich Weiberart: wer nicht ihrem Schmeicheln traut, den schrecken sie mit Drohen; wer dem nun kühnlich trotzt, dem kommt dann ihr Keifen dran. (Die Rheintöchter sind hier gänzlich verschwunden.) Und doch, trüg' ich nicht Gutrun' Treu', der zieren Frauen eine hätt' ich mir frisch gezähmt! Zweite Szene Siegfried, Hagen, Gunther, Mannen Hagens Stimme Hoiho! Mannen Hoiho! Hoiho! Siegfried Hoiho! Hoiho! Hoihe! Hagen (kommt auf der Höhe hervor. Gunther folgt ihm, Siegfried erblickend.) Finden wir endlich, wohin du flogest? Siegfried Kommt herab! Hier ist's frisch und kühl! (Die Mannen kommen alle auf der Höhe an und steigen nun mit Hagen und Gunther herab.) Hagen Hier rasten wir und rüsten das Mahl. Laßt ruhn die Beute und bietet die Schläuche! Der uns das Wild verscheuchte, nun sollt ihr Wunder hören, was Siegfried sich erjagt. Siegfried Schlimm steht es um mein Mahl: von eurer Beute bitte ich für mich. Hagen Du beutelos? Siegfried Auf Waldjagd zog ich aus, doch Wasserwild zeigte sich nur. War ich dazu recht beraten, drei wilde Wasservögel hätt' ich euch wohl gefangen, die dort auf dem Rhein mir sangen, erschlagen würd' ich noch heut. Hagen Das wäre üble Jagd, wenn den beutelosen selbst ein lauernd Wild erlegte! Siegfried Mich dürstet! Hagen (indem er für Siegfried ein Trinkhorn füllen läßt und es diesem dann darreicht) . Ich hörte sagen, Siegfried, der Vögel Sangessprache verstündest du wohl: so wäre das wahr? Siegfried Seit lange acht' ich des Lallens nicht mehr. (Er faßt das Trinkhorn und wendet sich damit zu Gunther. Er trinkt und reicht das Horn Gunther bin.) Trink, Gunther, trink! Dein Bruder bringt es dir! Gunther Du mischtest matt und bleich dein Blut allein darin! Siegfried So misch es mit dem deinen! (Er gießt aus Gunthers Horn in das seine, so daß dieses überläuft.) Nun floß gemischt es über: der Mutter Erde laß das ein Labsal sein! Gunther Du überfroher Held! Siegfried (leise zu Hagen) Ihm macht Brünnhilde Müh? Hagen (leise zu Siegfried) Verstünd' er sie so gut, wie du der Vögel Sang! Siegfried Seit Frauen ich singen hörte, vergaß ich der Vöglein ganz. Hagen Doch einst vernahmst du sie? Siegfried (sich lebhaft zu Gunther wendend) Hei, Gunther, grämlicher Mann! Dankst du es mir, so sing' ich dir Mären aus meinen jungen Tagen. Gunther Die hör' ich gern. Hagen So singe, Held! Siegfried Mime hieß ein mürrischer Zwerg: in des Neides Zwang zog er mich auf, daß einst das Kind, wann kühn es erwuchs, einen Wurm ihm fällt' im Wald, der lang schon hütet einen Hort. Er lehrte mich schmieden und Erze schmelzen; doch was der Künstler selber nicht konnt', des Lehrlings Mute mußt' es gelingen: eines zerschlagnen Stahles Stücke neu zu schmieden zum Schwert. Des Vaters Wehr fügt' ich mir neu: nagelfest schuf ich mir Notung. Tüchtig zum Kampf dünkt' er dem Zwerg; der führte mich nun zum Wald: dort fällt' ich Fafner, den Wurm. Jetzt aber merkt wohl auf die Mär: Wunder muß ich euch melden. Von des Wurmes Blut mir brannten die Finger; sie führt ich kühlend zum Mund: kaum netzt' ein wenig die Zunge das Naß, was da die Vöglein sangen, das konnt' ich flugs verstehn. Auf den Ästen saß es und sang: »Hei! Siegfried gehört nun der Nibelungen Hort! Oh! fänd' in der Höhle den Hort er jetzt! Wollt' er den Tarnhelm gewinnen, der taugt' ihm zu wonniger Tat! Doch möcht' er den Ring sich erraten, der macht' ihn zum Walter der Welt!« Hagen Ring und Tarnhelm trugst du nun fort? Mannen Das Vöglein hörtest du wieder? Siegfried Ring und Tarnhelm hatt' ich gerafft: da lauscht' ich wieder dem wonnigen Laller; der saß im Wipfel und sang: »Hei, Siegfried gehört nun der Helm und der Ring. Oh, traute er Mime, dem Treulosen, nicht! Ihm sollt' er den Hort nur erheben; nun lauert er listig am Weg: nach dem Leben trachtet er Siegfried. Oh, traute Siegfried nicht Mime!« Hagen Es mahnte dich gut? Mannen Vergaltest du Mime? Siegfried Mit tödlichem Tranke trat er zu mir; bang und stotternd gestand er mir Böses: Notung streckte den Strolch! Hagen Was nicht er geschmiedet, schmeckte doch Mime! Mannen Was wies das Vöglein dich wieder? Hagen (läßt ein Trinkhorn neu füllen und träufelt den Saft eines Krautes hinein) Trink erst, Held, aus meinem Horn: ich würzte dir holden Trank, die Erinnerung hell dir zu wecken, (er reicht Siegfried das Horn) daß Fernes nicht dir entfalle! Siegfried (blickt gedankenvoll in das Horn und trinkt dann langsam) In Leid zu dem Wipfel lauscht' ich hinauf; da saß es noch und sang: »Hei, Siegfried erschlug nun den schlimmen Zwerg! Jetzt wüßt' ich ihm noch das herrlichste Weib. Auf hohem Felsen sie schläft, Feuer umbrennt ihren Saal; durchschritt' er die Brunst, weckt' er die Braut, Brünnhilde wäre dann sein!« Hagen Und folgtest du des Vögleins Rate? Siegfried Rasch ohne Zögern zog ich nun aus, bis den feurigen Fels ich traf: die Lohe durchschritt ich und fand zum Lohn schlafend ein wonniges Weib in lichter Waffen Gewand. Den Helm löst' ich der herrlichen Maid; mein Kuß erweckte sie kühn: oh, wie mich brünstig da umschlang der schönen Brünnhilde Arm! Gunther Was hör' ich! (Zwei Raben fliegen aus einem Busche auf, kreisen über Siegfried und fliegen dann, dem Rheine zu, davon.) Hagen Errätst du auch dieser Raben Geraun'? (Siegfried fährt heftig auf und blickt, Hagen den Rücken zukehrend, den Raben nach.) Rache rieten sie mir! (Er stößt seinen Speer in Siegfrieds Rücken.) Mannen Hagen, was tust du? Was tatest du? Gunther Hagen, was tatest du? Hagen Meineid rächt' ich! Siegfried Brünnhilde, heilige Braut! Wach auf! Öffne dein Auge! Wer verschloß dich wieder in Schlaf? Wer band dich in Schlummer so bang? Der Wecker kam; er küßt dich wach, und aber der Braut bricht er die Bande: da lacht ihm Brünnhildes Lust! Ach! Dieses Auge, ewig nun offen! Ach, dieses Atems wonniges Wehen! Süßes Vergehen, seliges Grauen: Brünnhild' bietet mir – Gruß! (Er sinkt zurück und stirbt.) Dritte Szene Die Halle der Gibichungen Gutrune, Hagen, Gunther, Brünnhilde Gutrune War das sein Horn? Nein! Noch kehrt er nicht heim. Schlimme Träume störten mir den Schlaf! Wild wieherte sein Roß; Lachen Brünnhildes weckte mich auf. Wer war das Weib, das ich zum Ufer schreiten sah? Ich fürchte Brünnhild'! Ist sie daheim? Brünnhild'! Brünnhild'! Bist du wach? Leer das Gemach. So war es sie, die ich zum Rheine schreiten sah! War das sein Horn? Nein! öd alles! Säh' ich Siegfried nur bald! Hagen Hoiho! Hoiho! Wacht auf! Wacht auf! Lichte! Lichte! Helle Brände! Jagdbeute bringen wir heim. Hoiho! Hoiho! (betritt die Halle) Auf Gutrun'! Begrüße Siegfried! Der starke Held, er kehret heim! Gutrune Was geschah? Hagen! Nicht hört' ich sein Horn! (Männer und Frauen, mit Lichtern und Feuerbränden, geleiten den Zug der mit Siegfrieds Leiche Heimkehrenden, unter denen Gunther.) Hagen Der bleiche Held, nicht bläst er es mehr; nicht stürmt er zur Jagd, zum Streite nicht mehr, noch wirbt er um wonnige Frauen. Gutrune Was bringen die? (Der Zug gelangt in die Mitte der Halle, und die Mannen setzen dort die Leiche auf einer Erhöhung nieder.) Hagen Eines wilden Ebers Beute: Siegfried, deinen toten Mann. (Gutrune schreit auf und stürzt über die Leiche. Allgemeine Erschütterung und Trauer.) Gunther (bemüht sich um die Ohnmächtige) Gutrun', holde Schwester, hebe dein Auge, schweige mir nicht! Gutrune Siegfried – Siegfried erschlagen! Fort, treuloser Bruder, du Mörder meines Mannes! O Hilfe! Hilfe! Wehe! Wehe! Sie haben Siegfried erschlagen! Gunther Nicht klage wider mich! Dort klage wider Hagen; er ist der verfluchte Eber, der diesen Edlen zerfleischt'. Hagen Bist du mir gram darum? Gunther Angst und Unheil greife dich immer! Hagen Ja denn! Ich hab' ihn erschlagen. Ich, Hagen, schlug ihn zu Tod. Meinem Speer war er gespart, bei dem er Meineid sprach. Heiliges Beuterecht hab' ich mir nun errungen: drum fordr' ich hier diesen Ring. Gunther Zurück! Was mir verfiel, sollst nimmer du empfahn. Hagen Ihr Mannen, richtet mein Recht! Gunther Rührst du an Gutrunes Erbe, schamloser Albensohn? Hagen (sein Schwert ziehend) . Des Alben Erbe fordert so sein Sohn! (Er dringt auf Gunther ein, dieser wehrt sich; sie fechten. Mannen werfen sich dazwischen. Gunther fällt von einem Streiche Hagens.) Her den Ring! (Er greift nach Siegfrieds Hand; diese hebt sich drohend empor. Alles bleibt in Schauder regungslos gefesselt. Vom Hintergrunde her schreitet Brünnhilde fest und feierlich dem Vordergrunde zu.) Brünnhilde Schweigt eures Jammers Jauchzenden Schwall. Das ihr alle verrietet, zur Rache schreitet sein Weib. Kinder hört' ich greinen nach der Mutter, da süße Milch sie verschüttet: doch nicht erklang mir würdige Klage, des hehrsten Helden wert. Gutrune Brünnhilde! Neiderboste! Du brachtest uns diese Not: die du die Männer ihm verhetztest, weh, daß du dem Haus genaht! Brünnhilde Armselige, schweig! Sein Eheweib warst du nie, als Buhlerin bandest du ihn. Sein Mannesgemahl bin ich, der ewige Eide er schwur, eh Siegfried je dich ersah. Gutrune Verfluchter Hagen, daß du das Gift mir rietest, das ihr den Gatten entrückt! Ach, Jammer! Wie jäh nun weiß ich's, Brünnhild' war die Traute, die durch den Trank er vergaß! Brünnhilde (allein in der Mitte; nachdem sie lange, zuerst mit tiefer Erschütterung, dann mit fast überwältigender Wehmut das Angesicht Siegfrieds betrachtet, wendet sie sich mit feierlicher Erhebung an die Männer und Frauen) Starke Scheite schichtet mir dort am Rande des Rheins zuhauf! Hoch und hell lodre die Glut, die den edlen Leib des hehrsten Helden verzehrt. Sein Roß führet daher, daß mit mir dem Recken es folge; denn des Helden heiligste Ehre zu teilen, verlangt mein eigener Leib. Vollbringt Brünnhildes Wunsch! (Die jüngeren Männer errichten während des Folgenden vor der Halle nahe am Rheinufer einen mächtigen Scheiterhaufen, Frauen schmücken ihn mit Decken, auf die sie Kräuter und Blumen streuen.) Wie Sonne lauter strahlt mir sein Licht: der Reinste war er, der mich verriet! Die Gattin trügend, treu dem Freunde, von der eignen Trauten, einzig ihm teuer, schied er sich durch sein Schwert. Echter als er schwur keiner Eide; treuer als er hielt keiner Verträge; lautrer als er liebte kein andrer: und doch, alle Eide, alle Verträge, die treueste Liebe trog keiner wie er! Wißt ihr, wie das ward? (Nach oben blickend.) O ihr, der Eide ewige Hüter! Lenkt euren Blick auf mein blühendes Leid, erschaut eure ewige Schuld! Meine Klage hör, du hehrster Gott! Durch seine tapferste Tat, dir so tauglich erwünscht, weihtest du den, der sie gewirkt, dem Fluche, dem du verfielest: mich mußte der Reinste verraten, daß wissend würde ein Weib! Weiß ich nun, was dir frommt? Alles, alles, alles weiß ich, alles ward mir nun frei! Auch deine Raben hör' ich rauschen; mit bang ersehnter Botschaft send' ich die beiden nun heim. Ruhe, ruhe, du Gott! (Sie winkt den Mannen, Siegfrieds Leiche auf den Scheiterhaufen zu tragen; zugleich zieht sie von Siegfrieds Finger den Ring und betrachtet ihn sinnend.) Mein Erbe nun nehm' ich zu eigen. Verfluchter Reif! Furchtbarer Ring! Dein Gold fass' ich und geb' es nun fort. Der Wassertiefe weise Schwestern, des Rheines schwimmende Töchter, euch dank' ich redlichen Rat. Was ihr begehrt, ich geb es euch: aus meiner Asche nehmt es zu eigen! Das Feuer, das mich verbrennt, rein'ge vom Fluch den Ring! Ihr in der Flut löset ihn auf, und lauter bewahrt das lichte Gold, das euch zum Unheil geraubt. (Sie hat sich den Ring angesteckt und wendet sich jetzt zu dem Scheiterhaufen, auf dem Siegfrieds Leiche ausgestreckt liegt. Sie entreißt einem Manne den mächtigen Feuerbrand, schwingt diesen und deutet nach dem Hintergrund.) Fliegt heim, ihr Raben! Raunt es eurem Herren, was hier am Rhein ihr gehört! An Brünnhildes Felsen fahrt vorbei. Der dort noch lodert, weiset Loge nach Walhall! Denn der Götter Ende dämmert nun auf. So – werf' ich den Brand in Walhalls prangende Burg. (Sie schleudert den Brand in den Holzstoß, der sich schnell hell entzündet. Zwei Raben sind vom Felsen am Ufer ausgeflogen und verschwinden nach dem Hintergrunde zu. Brünnhilde gewahrt ihr Roß, welches zwei junge Männer hereinführen. Sie ist ihm entgegengesprungen, faßt es und entzäumt es schnell; dann neigt sie sich traulich zu ihm.) Grane, mein Roß, sei mir gegrüßt! Weißt du auch, mein Freund, wohin ich dich führe? Im Feuer leuchtend, liegt dort dein Herr, Siegfried, mein seliger Held. Dem Freunde zu folgen, wieherst du freudig? Lockt dich zu ihm die lachende Lohe? Fühl meine Brust auch, wie sie entbrennt; helles Feuer das Herz mir erfaßt, ihn zu umschlingen, umschlossen von ihm, in mächtigster Minne vermählt ihm zu sein! Heiajoho! Grane! Grüß deinen Herren! Siegfried! Siegfried! Sieh! Selig grüßt dich dein Weib! (Sie hat sich auf das Roß geschwungen und sprengt mit einem Satze in den brennenden Scheiterhaufen. Sogleich steigt prasselnd der Brand hoch auf, so daß das Feuer den ganzen Raum vor der Halle erfüllt und diese selbst schon zu ergreifen scheint. Entsetzt drängen sich die Männer und Frauen nach dem äußersten Vordergrunde. Als der ganze Bühnenraum nur noch von Feuer erfüllt erscheint, verlischt plötzlich der Glutschein, so daß bald bloß ein Dampfgewölk zurückbleibt, welches sich dem Hintergrunde zu verzieht und dort am Horizont sich als finstere Wolkenschicht lagert. Zugleich ist vom Ufer her der Rhein mächtig angeschwollen und hat seine Flut über die Brandstätte gewälzt. Auf den Wogen sind die drei Rheintöchter herbeigeschwommen und erscheinen jetzt über der Brandstätte. Hagen, der seit dem Vorgange mit dem Ringe Brünnhildes Benehmen mit wachsender Angst beobachtet hat, gerät beim Anblick der Rheintöchter in höchsten Schreck. Er wirft hastig Speer, Schild und Helm von sich und stürzt wie wahnsinnig sich in die Flut.) Hagen Zurück vom Ring! (Woglinde und Wellgunde umschlingen mit ihren Armen seinen Nacken und ziehen ihn so, zurückschwimmend, mit sich in die Tiefe. Floßhilde, den anderen voran dem Hintergrunde zuschwimmend, hält jubelnd den gewonnenen Ring in die Höhe. Durch die Wolkenschicht, welche sich am Horizont gelagert, bricht ein rötlicher Glutschein mit wachsender Helligkeit aus. Von dieser Helligkeit beleuchtet, sieht man die drei Rheintöchter auf den ruhigeren Wellen des allmählich wieder in sein Bett zurückgetretenen Rheines, lustig mit dem Ringe spielend, im Reigen schwimmen. Aus den Trümmern der zusammengestürzten Halle sehen die Männer und Frauen in höchster Ergriffenheit dem wachsenden Feuerschein am Himmel zu. Als dieser endlich in lichtester Helligkeit leuchtet, erblickt man darin den Saal Walhalls, in welchem die Götter und Helden, ganz nach der Schilderung Waltrautes im ersten Aufzuge, versammelt sitzen. Helle Flammen scheinen in dem Saal der Götter aufzuschlagen. Als die Götter von den Flammen gänzlich verhüllt sind, fällt der Vorhang.)