Fritz Reuter De meckelnbörgschen Montecchi un Capuletti oder De Reis' nah Konstantinopel. Von Fritz Reuter. Besonderer Abdruck aus der Volks-Ausgabe der sämmtl. Werke. 4. Auflage. Wismar. Hinstorff'sche Hofbuchhandlung Verlagsconto. 1891. An minen leiwen Fründ, Gisbert, Friherr von Vincke .             De Einen säden: 't is en Fluß, De Annern säden: Hexenschuß, De Drüdden säden: 't is de Gicht, Ok Rheumatismus is 't villicht. Mi dücht, de Nam' is einerlei, Wenn Einen recht dat Krüz deiht weih; De Nam' verdriwwt Di keine Pin, Un ok woll nich de Medizin. Ne, ganz wat anners möt dat sin. – Wenn Einer up den Rücken liggt, Vör Weihdag' binah lud'hals' schriggt, Un 't kümmt tau em en leiwen Mann Un sett't sick an sin Bedd heran Un redt mit em en fründlich Wurt, Slickt sick de Weihdag' sachten furt. . – Dat hest Du dahn vör en por Johr. As richt'ge Dokter sattst Du dor, As dunntaumal de Hex mi schaten. Dunn redst Du fründlich, unverdraten Von dit un dat un denn noch wat, Un all de Weihdag', de ick hatt, De gung dor so bi lütten fläuten Vör Dine truen Fründlichkeiten. – Dunn heww ick 't so bi mi bedacht: Din true Gaudheit ded dat sacht, Un ded tau mine annern Gören Dat jüngste ut de Döp mi böhren. Un is de Jung' ok noch so dumm, Denn helpt dat nich! Nu Vadder kumm! En gauden Nam' kann doch nich schaden – Un Din , süh, de geföllt mi sihr – Un tau 'ne lust'ge Kindelbir, Dor will'n w' de Rezensenten laden. Isenack , den 18sten in den Augustmand 1868. Fritz Reuter. Je, Rostock! – Jeden Meckelnbörger geiht dat Hart up un männigmal ok de Geldbüdel, wenn von Rostock de Red' is. Wat in ollen Tiden Tyrus un Sidon was för de Welt wegen den Handel, wat vördem Athen was för de Welt wegen Kunst un Wissenschaft, dat is up Stunns Rostock för den Meckelnbörger, un Warnemünn' is sin Piräus, un 't Spill Winde, Spindel, Gangspill. Auf dem westlichen, in die Ostsee vorragenden Hafendamm vor Warnemünde befindet sich eine solche Winde großen Maßstabes, um bei schwerem Wetter Schiffe vermittels eines Taues in den Hafen zu befördern. Nach dieser Winde wird auch der ganze Hafendamm Spill genannt. müßt eigentlich Sunium döfft warden, un dor, wo 't nah Papendörp 'rute geiht, müßt de Akropolis stahn, un unner de Swibbagens von dat Rathhus müßt Aristoteles mit sine Schäulers ümmer up un dal, up un dal gahn, ahn dat em en Krewt Krebs; die Rostocker Stadtsoldaten (Polizeidiener) trugen früher eine rothe Uniform und wurden deshalb spottweise »Krebse«, später, in blauer Uniform, »Hechte« genannt. wat tau befehlen hadd. De Landmann seggt: »en beten nah Rostock führen«, de Avkat seggt: »en beten nah Rostock führen«, un wenn wi des' beiden Stänn' in Meckelnborg in 't Og' fat't hewwen, denn bruken wi uns üm dat, wat de annern seggen, nich vel tau bekümmern. – De Seestadt Rostock is de Up un Dal-Sprung för jeden richtigen Meckelnbörger. – Ok min Upsprung is sei mal west, as ick von de groten Schaulen mal 'ne Tram' höger up de Universetät hüppen ded; æwer dat is all lang' her, un wi weiten uns nich mihr recht dorup tau besinnen, vör Allen nich up Professer Elwersen sine Institutschonen. Aewer dat weit ick doch noch, dat wi Studenten en idel lustig Lewen führen deden, dat wi uns bi Nachtslapentid mit de Krewt 'rümme jogen, dese ollen, braven, städtschen Krigsknechts, de dunn nich mihr roth, ne, all blag wiren, un dat wi ok Finstern insmeten. Wi lös'ten de grote, sociale Frag' un stift'ten 'ne ›Allgemeinheit‹ unner uns, de de ßackermentschen Constantisten un Vandalen schändliche Wis' de ›Gemeinheit‹ näumen deden. Wi lös'ten noch annere sihr wichtige Fragen, wenn wi in unsere ›Kränzchen‹ tausamen seten, tau 'm Exempel up mine Stuw' de wichtige Frag': ›Was ist die Ehre?‹, würden æwer so bald nich slüssig doræwer, as Sir John; æwer mi treckten sei dorbi 'ne Kus' ut, denn, as mine allgemeinen Frünn' von mi furt gungen, hadd ick as Voß ›die Ehre‹, de Zech tau betahlen. Wi gungen mit Fackeln von Korlshoff in de Stadt herin un sungen dat erhebende Lied: ›Höret die Geschichte von der Wasserfluth‹, un as wi up den ollen Mark kemen gegen den ollen, scheiwen Petrithorm, dunn wiren de Vers' all, un ick makte in de Geschwindigkeit noch einen dortau: »Da schickt der Noah 'ne Taub' hinaus, Die bracht' en grünes Blatt nach Haus.« Un wat uns' Öbberst was, de sel Pastor Knitzky tau Groten-Varchow, de kamm nah mi 'ranne un kloppte mi up de Schuller un säd: so süll ick man bibliwen, denn würd woll wat ut mi warden, un wenn ick so 'ne Vers' mihr maken künn, so smet dat en Licht up de Allgemeinheit, un 't gereikte ehr tau 'ne Freud' un tau 'ne Ihr; un ick makte denn ok noch fix en Stückerner fiw Vers' wider, de ick æwer – Gott sei Dank! – vergeten heww; un ick glöwte em dat ok All ihrlich tau, denn ick was man Voß, un hei was all in sin achtes Semester. Un dunn treckten wi up den nigen Mark un smeten uns' Fackeln up en Hümpel un sungen: »Freiheit, die ich meine«, un de Krewt stunnen üm uns 'rüm, säden æwer nicks; un as sei nahsten fragt wiren, worüm sei nicks gegen den Stratenspektakel dahn hadden, hadden sei jo seggt, 't wir tau fierlich west, sei hadden 't dauhn wullt , æwer as sei 't hadden dauhn wullt, dunn hadd dat Lied ehr æwernamen, un 't wir ehr ordentlich den Puckel dalkrapen. – So was 't dunn; æwer 't is all lang' her, un Vele, de dunn up den Ball, den wi de braven Rostocker Philisters bi Schleuders gewen, un up den de olle, gaude Professer Fritsche noch fröhlich nah de Melodie danzte: »Ich und mein Fläschchen sind immer beisammen«, danzen nu nich mihr, un annere Tiden sünd nu æwer de Welt kamen.  – Ok för Rostock sünd annere Tiden kamen, ick will hoffen: betere; denn in Rostock is sörredeß 'ne Inwanderung gescheihn, de vel in den Munn' führt, wat grad' nich nödig wir, æwer sei führt ok vel in de Tasch, un dat is ümmer nödig. Dat is de Inwanderung von de Fetthamel, de uns eben so vel tau raden upgiwwt, as de Inwanderung von de Hyksos in Aegypten, de Herakliden in den Peloponnes, de Ziguner un Juden in Europa. – As ick in Rostock in den Anfang von de dörtiger Johren noch begäng' was, kemen sei all vör, æwer man sprangwis so tau Termins- un Pingstmarks-Tiden. zu Termins- und Pfingsmarkts-Zeiten. In Mecklenburg sind der Antoni- und Johannestermin (17.–23. Jan. und 24.–30. Juni) die landesüblichen Termine für Abwickelung der hypothekarischen Geldgeschäfte, in Anlaß deren, wie bei dem 14tägigen Pfingstmarkt in Rostock ein besonders lebhafter Fremdenverkehr stattfindet. Ehre Hauptinwanderung möt so, nah minen dummen Verstand un Aewerslag, in de virtiger Johren fallen un hett sörredeß ümmer taunamen. – Nu willen æwer anner Lüd' ok woll girn weiten, wat dit för 'ne besondere Ort is, un wil dat sick nu de Ansicht in 'n Allgemeinen fast sett't hett, dat de plattdütsche Sprak sick nich tau gelihrte Saken paßt, so will ick de Beschriwung von den richtigem Fetthamel ut 'ne hochdütsche Naturgeschicht afschriwen un hir her setten. – »Der gemeine Fetthammel ( caper ovinus pinguis, genuis: homo, Linné ) weicht im Aeußern nur wenig von seinen stammverwandten Arten ab, so daß viele Naturforscher keine besondere Species in ihm erblicken wollen, dem wir jedoch nicht beistimmen können, weil er sich durch Lebensweise und Gewohnheiten hinlänglich unterscheidet. Wenn er geht, geht er auf zwei Beinen, seine Bewegungen sind langsam und bedächtig, die Hände legt er in den Schoß; im ungereizten Zustande ist er ganz ungefährlich, im gereizten kann er bösartig werden. Die Nackenmuskeln sind bei ihm sehr ausgebildet, weswegen er denn auch gezwungen ist, Kopf und Nase sehr hoch zu halten. Er ist im Ganzen von langweiligem und verdrießlichem Naturell, nur zur Futterstunde wird er aufgeweckt. Er lebt in Herden in der Societé Societé, stattliches Gebäude einer geschlossenen Gesellschaft gehörig, die besonders Kaufleute, Gelehrte und Rentiers zu ihren Mitgliedern zählt. und am Markt in der Sonne bald über und bald unter der Erde, im Tunnel. Kunstsinn ist ihm nicht ganz abzusprechen, er läßt sich an seinen Wohnplätzen des Abends im Zwielichten Walzer und Schottische vorspielen, liebt auch Bilder, wenn sie bunt und in Kartenformat sind. Von den Wissenschaften hält er nichts, es sei denn die Rechnenkunst; der Metallreiz verfehlt nie seinen Eindruck auf ihn zu üben; schneidet auch coupons .« Dit seggt de hochdütsche Naturforscher; de Hauptsak æwer vergett hei, hei seggt nicks von de swore Last, de dese armen Minschen tau dragen hewwen, nicks von de grote Arbeit un de velen Geschäften, de up ehr liggen. – So as de Fetthamel des Morgens sin ›blühendes Lager‹ verlett (as de oll Homer seggt), denn geiht sine Noth an. Irst möt hei Koffe drinken, un sine leiwe Fru fängt sick mit em an tau schellen, dat hei sick mit Koffebohnen hett anführen laten; denn möt hei Winters un Sommers 'rute un möt de Häuner faudern, sin Nahwer faudert denn sine Kuhnen, un de drüdde Nahwer sine Ahnten un Gäus', un de virte sine Duwen; en beten Veih möten sei æwerall üm sick hewwen. Wenn dit tau Schick is, geiht hei ut, geiht nah 'n nigen Mark un fröggt, wat de Botter gelt, wat de Tüften gellen, wat dat Bund Peiterßill gelt. Dit deiht hei nich tau sinen, dit deiht hei tau 'm besten von de ganze Welt, dat Handel un Wandel nich stockt; hei köfft des Morgens noch nich glik, indem dat gegen Middag, wenn de ollen Wiwer sick mör seten hewwen, wollfeiler warden möt. Hei geiht de Blaudstrat dal nah den Hoppenmark un fröggt nah de Kurnpris', dat heit quantswis; hei ward jo doch kein Narr sin un Kurn köpen, hei kriggt jo naug Kurn von sinen Herrn Sæhn Krischan, de nu dat Gaud bewirthschaft't. Hei geiht wedder t'rügg un föllt in den Tunnel un möt nu dor abslutemang wat vertehren; hei mag nich recht, æwer dennoch: hei is sinen Stand dat schüllig, hei is fruges comsumere natus un so ett hei Frühstück. Jochen Bohm seggt tau em: »Kumm mit nah Kopmann Berkholzen, dor is Ohm un Sohm un Drohm ok, will'n uns dor en beten vertellen«; un hei geiht mit, un dor sitten sei nu bet Middag den armen Kopmann, de ok sine Geschäften hett, up de Wracksid, hollen den Mann von de Arbeit af un fragen nah Geld un Kurnkurs. – Wenn hei denn æwer den nigen Mark nah Hus geiht un de Botter wollfeil köpen will, denn is sei weg – de ßackermentschen Upköpers! Dor künn de Polizei doch ok woll wat gegen dauhn: »Warum keine Prügelbank für die Kerls einrichten?« – Nu geiht hei in Sorgen, wat sine leiwe Fru seggen ward, tau Hus. Ja hei hett sine swore Last! – Sine Fru seggt hüt nicks, denn sei is sihr in Angst, dat hei mit Botter andragen kümmt, un dat künn ehr nich passen, Herr Sæhn Krischan hett weck von dat Gaud schickt. – De Fauderstunn' geiht denn ok ganz fidel hen. – Nah Disch möt hei en beten rauhn up de vele Arbeit; hei will dat Bauk lesen, wat hei sick vör en Wochener vir ut de Leihbibliothek halt hett, un wat sick betitelt: ›Ueber die Slechtigkeit der Menschen und der menschlichen Einrichtungen‹; æwer hei slöppt dorbi in, denn de Kirl seggt em nicks Nig's; dat, wat de seggt, weit hei all lang' ut eig'ne Erfahrung. – Ja, de Minschen sünd slicht, slicht, sihr slicht, un hei slöppt den Slap der Gerechten. Wenn hei denn mäuhsam upwakt, denn follt em in, dat dat sine Schülligkeit is, sick för sine Fomilie tau erhollen, un dat de Dokter seggt hett, hei müßte wegen Korthalsigkeit spaziren gahn. Na, nah so vel Arbeit kann hei sick ok woll 'ne lütte Verlöschung günnen; hei geiht up den Wall spaziren, nu wenn 't dull kümmt, ward hei en Strandlöper. Ohm un Bohm un Sohm un Drohm kamen em entgegen, un as hei dit fründschaftliche Publikum üm sick hett, fängt hei an tau reden un redt as en Bauk, hei stört't sick tau 'm Besten von de Minschheit un de Seestadt Rostock ahn Besinnen köpplings in de städtschen Angelegenheiten, hei makt up den Wall de prächtigsten nigen Anlagen, haut hir Böm af un plant't dor wedder weck hen, hei bugt för de gauden Rostocker de schönsten städtschen Gebüde, hei verwalt't de ganze Kämmeri un löppt in de Rostocker Haid' as Holtwohrer 'rümmer, un tauletzt sett't hei den Herrn Senator Blanken as irsten Burmeister in; Allens för ümsünst, ahn dat hei einen Gröschen Gehalt verlangt. Wenn hei dit taurecht hett, smitt hei sick up dat ganze Land Meckelnborg un seggt tau den Großherzog: »Königliche Hoheiten, nemen S' nich æwel, æwer ick help Sei en beten bi 't Regiren.« Un ick weit nich, wenn ick so Großherzog wir, wat ick mi den Mann nich as Finanzminister tauläd: so 'n Fetthamel as Finanzminister müßte den meckelnbörgschen Staatskredit hellschen up de Strümp bringen. So wirkt hei nu 'rümmer un ward ›zu seiner Last noch And'rer Lasten tragen;‹ æwer angripen deiht dat doch, hei möt sick en beten verhalen, hei geiht also in de Societé un versammelt sick dor. Hei lett sick en Glas heites, forsches Gedränk gewen, wat hei ›Krock‹ näumt un sett't sick mit Ohmen un Bohmen un Sohmen an den Lommerdisch un arbeit't nu dor wedder förfötsch d'rup los. Ditmal nich tau 'm allgemeinen Besten, ditmal tau 'm Besten von sine Fomili, denn dat is hei ehr schüllig. – Is hei noch jung un en geburnen Fetthamel, dat heit so ein, de dat Geld von wegen sine Herrn Öllern her hett un sick bether sülwst mit dat Geldverdeinen nich afgewen hett, denn separirt hei sick gegen Klock hen tau teihn ut de Societé, sleiht den Kragen von sinen Mantäng æwer den Kopp, wegen de Polezei, un slickt un drückt sick dörch de Straten, bet hei dat Hus finnt, wo grad' denn' Abend swore Geschäften mit rechtsch un linksch bedrewen warden, un lett sick tau 'm Besten von de Minschheit dor utposen. So deilt de richtige un brave Fetthamel sine schöne Tid schön in, in sure Arbeit un säute Wolldahten för de Minschheit. Dormit will ick æwer nich seggen, dat dat dormit bi Jedwereinen afdahn is; ne! weck leggen sick noch swore Lasten as Nebengeschäften up: so heww ick einen kennt, de hadd sick jo von de Rostocker Kämmeri de Jagd up den nigen Mark pacht't un schot nu dor den Dag æwer ümmer ümschichtig ut dat rechte un ut dat linke Näs'lock nah Sparlings 'rümmer, un wenn hei des Abends paddenmäud' in sin Bedd lagg, denn dankte hei unsen Herrgott för sine Gnaden, dat hei em so 'n schönes duwwellöpiges Gewehr midden in 't Gesicht sett't hadd. – Ja, de ein' bedriwwt dit, de anner dat as Nebengeschäft. Aewer wat bedriwwst Du mit dese ganze Fetthameli? – Mine leiwen Frünn', wenn Einer en langen Strämel von en por Fetthamel vertellen will, denn möt hei irst seggen, wat dese Ort in 'n Allgemeinen beseggen will; Utnamen sünd jo dormit nich utslaten, un wenn Ji dit Blatt ümslagen willt, denn wardt Ji so 'ne Utnamen von de Regel ok finnen, un ick denk, Ji sælt mit dese Utnamen woll taufreden sin, tau 'm wenigsten mit dat ein' Part, un sei sülwst warden keinen Haß up mi smiten, wil dat ick en por lustige Geschichten von ehr vertellt heww. – »Und sollte noch Eener – ich glob' aber, es ward Keener,« as de Schüttenkönig tau Triptis hir in Thüringen in sine Red' säd; denn hei möt bedenken, wat sall up de Letzt ut mine ganze Schriftstelleri warden, wenn sick Keiner mihr ut pure Minschenleiw' dortau hergiwwt, dat ick mal von em reden darw. – Vertell ick 'ne Geschicht von en Eddelmann un en Riddergaudsbesitter, denn dreih'n sei mi den Rüggen tau un seggen: »Herr, Sie sind ein Demokrat, Sie scheuen weder menschliche noch göttliche Einrichtungen!« – Vertell ick 'ne Preistergeschicht, denn seggt de Ort: »Herr, Sie sind kein Christ, Sie sind ein Heide!« un de Pott is intwei. – Segg ick mal wat von de Burmeisters, denn seggt ein oder de anner von ehr: »Schämen S' sick wat! Dat 's en slichten Vagel, de sin eigen Nest besmutzt. – Sei sünd jo sülwst en Burmeistersæhn. – Mak ick mi mal an so 'n Schaulmeister un Semeristen 'ranner, denn heit dat: »Dat 's kein Kunst, so 'n gedrückten un geplagten Stand noch wider dal tau drücken!« un de Semerist sett't noch woll spitz hentau: »Sie glauben auch wohl, Sie sind was Besseres, als wir; aber Sie sind doch auch Schulmeister gewesen.« Un ick segg denn: »»dor hewwen Sei Recht. – Aewer – nemen S' nich æwel – Sei kamen ok in des' Geschicht vör, æwer nich bösortig, blot plesirlich.«« – Vertell ick mal von en Börger, denn seggt hei: »Herr, uns laten S' taufreden: Wi möten uns' Stüern un Afgawen dragen, un nu sælen wi sogor noch nahvertollen.« nachverzollen; beim Eintritt Mecklenburgs in den Zollverein, 1868, wurde von den zollpflichtigen Waaren eine die betreffenden Geschäftsleute empfindlich schädigende »Nachsteuer« erhoben. – So bliwen mi denn nu man blot noch de Buren un de Daglöhners æwrig, un de ollen Buren willen nu ok nich mihr ehren breiden Puckel herhollen, dat Einer dor lustig up danzen kann, un seggen tau so 'n Schriftsteller: »Snurrerwohr! Wi sünd de längste Tid dumme Buren west; wi warden nu Erbzins'pächters , Seit 1867 ist im Mecklenburgischen Domanium mit der allgemeinen Vererbpachtung der bis dahin im Zeitpachtbesitz gewesenen Bauerstellen begonnen. un dat klauke .« – Un de Daglöhners seggen: »So is 't recht! Wo de Tun am sidsten is, springen de Hunn' æwer. – Gahn S' hen nah de Annern, von uns is kein Fett tau halen.« Un de Lüd' hewwen Recht; worum sall ick mi in de Kathens von de misera contribuens plebs 'rümmer driwen, wenn ick en Flag weit, wo mi idel Fett entgegenbläuht? – Dorüm heww ick mi also mit de ollen Herrn bemengt, de sei Fetthamel nennen. Un nu kümmt de Geschicht. Kapittel 1. Wat for eine de Fru Jeannette Groterjahn is, un wo sei eigentlich heit. – Wo sei ehren Gemahl bestrafen will un doran schüllig ward, dat hei mit den Regenschirm in 't Glasschapp tau sitten kümmt. – Wer dei dor is, un worüm bi em dor ümmer æwer de Schullern wis't ward. – Wo de Herr Baron von Unkenstein ankümmt, sick æwer as en ollen Seepenseider utwis't, un worüm des' oll Herr Unkel irst in den Rönnstein föllt un nahsten drei Gläser stiwen Grog utdrinkt, wat süs in 'ne ümgekihrte Folg' tau scheihn pleggt. – »Wat willt Ji in Konstantinopel?« Tau Rostock in de Alexandrinenstrat Alexandrinenstraße, in der vielfach von Rentiers bewohnten Steinthorvörstadt, an der auch das Societätsgebäude belegen ist. satt an desen Abend in 'ne schöne, warme Stuw' Fru Jeannette Groterjahn – sei heit eigentlich ›Hanne‹, un so was sei ok von lütt up an näumt, æwer sei hadd sick ümdöfft un schrew sick nu ›Jeannette‹ – un bi ehr satt ehre einzige Dochter Helene, de sei ok ümdöfft hadd, denn sei näumte sei bald ›Hella‹, bald ›Ellen‹, wat sick wegen de Afwesselung in 'n Ganzen sihr gaud utnemen ded. Achter 'n Aben kek noch 'ne lütte, stuwe Näs 'rute, de hürte Fru Groterjahnen ehren drütteihnjöhrigen Herrn Sæhn Paul tau, den Fru Groterjahnen ut jichtenseinen vernünftigen Grund ›Poll‹ näumen ded; Herr Groterjahn säd ›Paulus‹, wil dat dordörch up em sick en lichten Schin von sogenannte klassische Bildung smiten künn.  – Buten got de Regen in Gæten dal, de Wind kloppte an de Finsterladen, as wull hei Jeden vermahnen, sick vör em in Acht tau nemen, un Helene schudderte tausam un slog ehren warmem Dauk faster üm de Schullern. – Dat kunn nu æwer ok en annern Grund hewwen, denn ehr leiw' Mutting hadd ehr eben en langes, frostiges Kapittel von Vörlesung æwer de Frag' hollen: woans sick en jung' Mäten in Herren-Gesellschaften tau verhollen hadd, wenn sei tau 'm Klavirspill upföddert würd, un sei slot ehre Reden mit de Würd': »Früher, mein Kind, als Du noch Kind warst, mußtest Du Dir verschiedene Bücher auf den Stuhl legen, um anzukommen; jetzt thut das nicht mehr nöthig, Du setzest Dich auf einen gewöhnlichen Rohrstuhl und läßt Dir die Noten von den Herrn umschlagen. – Aber, Gott im Himmel! – Nein. – Diese Rücksichtslosigkeit von Vater! läßt uns hier in dem Wetter allein sitzen!« – Helene kek von ehr Stickarbeit tau Höchten, as wull sei wat seggen, sweg æwer still, un Paul kreihte achter 'n Aben 'rute: »»Oh, Mutting, wi sitten jo ganz warm.«« – »Poll,« säd Mutting, »wie oft habe ich Dir schon gesagt: ich verbitte mir das Plattdeutsche. So lange Du in Groß-Barkow warst, habe ich es mir gefallen lassen, denn unsere Nachbaren waren ungebildet. Hier aber in Rostock . . . . Der Mensch soll sich bilden.« – Hadd Paul en Bort hatt, so hadd hei woll dorinner brummt, so æwer kamm 't ganz glatt 'rute: »»Ach, Mutter, bilden! Was hilft das Bilden? Die Jungens sagen doch immer ›dumm Hans von 'n Lann'‹ zu mir.«« – »Dann dreh' den ungezogenen Buben den Rücken zu und straf' sie mit verdienter Verachtung.« – »»Ne,«« säd Paul, »»ich geb' ihr lieber eins an 's Maul.«« – »Poll,« fung Fru Groterjahn wedder an, æwer Helene sprung up: »»Der Vater kommt, ich höre seine Tritte.«« – »Mein Kind, Du bleibst ruhig sitzen, wir müssen Deinem Vater es deutlich merken lassen, daß wir seine Rücksichtslosigkeit stark empfinden.« – »»Ach, Mutter . . . .«« – »Du setzest Dich nieder.« – Un Helene sett'te sick. – In de Husdör puste nu æwer wat herinne, düller as de Sturmwind, un 'ne forsche Stimm rev: »»Donnerwetter, so komm doch Einer mit Licht, ich kann ja nicht Hand vör Augen sehn.«« – Helene kek ehr Mutter an, de Ollsch rögte nich Hand noch Faut. – ›Kling!‹ gung dat buten. – »So,« rep Paul un ret sine leiwe Mutting de Lamp vör de Näs' weg, »nu sitt Vatting all in 't Glasschapp!« – Hei ret de Stuwendör up, un Herr Groterjahn kamm in de Dör un schull: »»Was kommt Ihr denn nicht mit Licht? Nu hab' ich schon 'ne Scheibe mit dem Regenschirm eingestoßen.«« – Helene was upsprungen un hadd ehren Vader trotz sine natten Kledagen rund ümfat't un gaww em en Kuß, un Paul gnurrte: »Je, wi süllen jo nich. Mutting wull Di jo en beten strafen.« – »»Für Deine Rücksichtslosigkeit, Anton, uns hier bei diesem Wetter ganz allein sitzen zu lassen,«« säd Fru Jeannette Groterjahnen un reckte sick noch en beten sturer in Enn'. »Das kann ich nicht anders,« säd Herr Groterjahn un treckte sick verdreitlich den Aewertrecker af, wobi em Helene hulp, »sie haben mich in den Vorstand gewählt, und so ist es meine Schuldigkeit, die Societé auf den Strumpf zu bringen. Meinst Du, daß dabei ein Vergnügen ist? – Nein, da hab' ich meine schwere Last. – Ich habe mich heute Abend dort geärgert, daß ich schwarz werden möchte.« – Fru Groterjahnen nickte mit den Kopp, wat so vel bedüden süll: so wir 't ganz recht, un dat schadte em nicks. Helene frog: »»Worüber denn, Vater?«« – »Nu über ihn, über den da,« säd Vater un wis'te mit den Dumen æwer de Schuller: – »»Haha,«« säd Paul, »»æwer oll Jahnen.«« – »Poll,« föll hir Mutting scharp in, »wie oft habe ich es Dir schon gesagt: der Name soll hier in unserm Hause gar nicht genannt werden. – Was hat er denn nun wieder für Schlechtigkeiten ausgeübt?« frog sei ehren Eheherrn. – »»Denke Dir,«« säd hei, »»er ließ sich eine halbe Pottelje Rothwein geben und setzte sich mit ihr mir grade gegenüber. – Ich war grade in einem gebildeten Gespräch mit dem Doktor Salter über die Schafpocken und die Klauenseuche, und der Doktor sagte, die Klauenseuche könne sich auch auf Menschen vererben . . . .«« – »Vatting, Vatting,« rep Paul achter 'n Aben 'rut, »dor hett de Dokter recht, weitst woll noch, as wi noch tau Groten-Barkow wiren, dunn kreg Hanne Kuglers von 't Melken ok de Klabensük.« – »»Poll,«« rep Fru Groterjahnen, »»Du bist ein unausstehlicher Bengel, so laß Deinen Vater doch weiter erzählen! – Na, wie . . . .?«« – »Je,« säd Anton, »ich hatte mir mein gebräuchliches Glas Krock geben lassen, und er seinen Rothwein, un nu saß er mir gegenüber un kuckte mir immer an. Er sagte nichts, und ich sagte auch nichts: aber über diese verdammte Kuckerei mußte ich mich doch ärgern.« – »»Anton,«« säd sine leiwe Fru mit Nahdruck, »»da siehest Du wieder, wie sehr ich recht habe, wenn ich sage, der Umgang mit ihm «« – hir wis'te sei ok æwer de Schuller – »»paßt sich nicht für uns.«« – Hir süfzte Helene deip up. – »»Mein Kind Hella,«« säd ehr Mutting, »»was seufzest Du, was hast Du zu seufzen, wenn Dein lieber Vater sich mit Recht geärgert hat?«« – »Darüber grade, Mutter, seufze ich,« säd Helene un let ehre Stickeri un kek ehre Mutter mit en por grote, schöne, düsterblage Ogen so irnstlich un uprichtig in 't Gesicht, un dorbi flog so 'n hellen Schin æwer ehr ganzes Wesen, as stünn sei in de Abendsünn up en hoges Sloß un kek ut wide Firn' in en glückseliges Land, »ach, wie war das schön, als wir noch in Großen-Barkow wohnten, und der alte Jahn mit seiner seligen Frau von Kleinen-Barkow zu uns herüber kam, und wir wieder zu ihnen, als wir Kinder mit einander fröhlich spielten, und – und . . . .« Hir smet Fru Groterjahnen ehren Anton ein utdrückliches Plinkog' tau, un Anton hauste so verluren, wat heiten süll: ick weit Bescheid. – »»Ja,«« föll Paul hir in, »»un wat hadden sei in Lütten-Barkow för schöne Plummen!«« – »Poll,« rep sin Mutter, »so wie Du noch einmal plattdeutsch sprichst und solche Bemerkungen machst, gehst Du gleich zu Bett. – Und Du, mein Kind, Hella, laß Dir es gesagt sein – Deine Mutter urtheilt nur gerecht – die Verhältnisse ändern sich; was früher paßte, paßt nun nicht mehr. Der da,« un sei wis'te wedder æwer de Schuller – »ist ein alter Pächter geblieben; dein Vater ist Gutsbesitzer, hat eine Stimme auf dem Landtage, und das ändert die Sache.« – Herr Groterjahn was wildeß, dat sin Fru predigen ded, upstahn, hadd sin leiw' Döchting in den Arm fat't un küßte sei up de Stirn: »»Helene, Mutter hat Recht, Deine liebe Mutter hat immer Recht, der alte . . . .«« – »Vatting,« kreihte Paul dormang, »weitst, wat Jochen Klæhn seggt? – Jochen Klæhn sagt, sein Herr, der alte Jahn, is gar nicht bös auf uns.« – »»Poll, Du gehst gleich zu Bett!«« – »Halt mal!« rep Herr Groterjahn, »schweigt doch mal still! Da hält ja ein Wagen vör unserm Hause.« – »»Ein Wagen? Ein Wagen?«« frog Fru Groterjahnen un kek ehre beiden Kinner an, denn ehren Gemahl kunn sei nich ankiken, wil dat de all 'rute nah de Strat was. »»Kinder, Ihr sollt sehn, das ist der Baron von Unkenstein, den wir auf der Eisenbahn trafen. Das ist der Baron von Unkenstein, er versprach es zu fest, er wolle uns besuchen, das ist der Baron von Unkenstein.«« – »Das ist der Baron von Unkenstein!« rep Paul un kamm achter 'n Aben 'rut, »das ist der Baron von Unkenstein, der Dich so gerne leiden mochte, Lening.« – »»Poll, Du ungezogener Junge, Du sollst nicht ›Lening‹ sagen, Deine Schwester heißt ›Hella‹,«« säd de Fru Mutter un namm de Lamp von den Disch, un lep dormit nah de Del 'rute, den Herrn Baron tau lüchten. – Buten up de Strat hürte sei en langem Palawer. – As Herr Groterjahn 'rute kamm, rappelte sick ut den Rönnstein en lüttes, dickes Klugen tau Höchten, un de Kutscher stunn dorbi un wunnerwarkte: »Gott in den hogen Himmel! Makt mi hir de Mann dat Elend un föllt mi hir ut de Kutsch in den Rönnstein!« – Un de olle, lütte, dicke Proppen von Kirl stellte sick vör de Kutsch hen un rep: »»Na, dat müggt ick denn nu doch woll weiten, wo de Justizrath Schröder in desen Wagen 'rin un 'rut kümmt!«« – »Mein Gott, is dat nich Unkel Josep?« frog Herr Groterjahn. – »»Unkel Josep Bors, Herr Vedder. Denken S' sick, dor bün ick dörch de oll lütte, enge Dör in 'n Düstern in den Wagen 'rinne krapen, 't gung man knapp, un nu wull ick wedder 'rute: na, rügglings wull 't nich gahn, ick kröp also mit den Kopp vöran, un dor verlür ick de Blansirung un möt hir so schändlich henfallen. – Na, wo æwer de Justizrath Schröder hir 'rin un 'rut kümmt, de 's doch noch dicker, as ick, un führt ümmer in desen Wagen!«« – »Je, Herr Bors,« seggt de Kutscher, »de makt sick æwerst dat Finster æwer den Slag noch up un stiggt denn ganz gelimplich 'rin un 'rut.« – »»Dat Finster? – dat geiht ok up? – Na, dat weit der Deuwel! – Ne, mit de ollen nimod'schen Wagens heww ick doch nicks in den Sinn.«« – »Nu kamen S' man 'rin, Herr Vedder,« säd Herr Groterjahn un leddte mit den lütten Kirl af. Na, ick denk, Fru Groterjahnen lett vör Schreck de Lamp fallen, as sei ehren leiwen Mutter-Brauder süht, un Paul danzt up einen Bein achter ehr 'rümmer: »»und das ist der Herr Baron von Unkenstein, un nu is 't Unkel Bors!«« – »Gu'n Abend, Hanning,« säd de oll würdig Seepenseider tau sine Swester-Dochter, »ick kann Di noch keinen Kuß gewen, ick seih noch tau dreckig ut. – Gu'n Abend, Lening! – Na, dat is recht, help mi den Mantäng man irst af. So! – Nu will'n em hir æwer de beiden Stäul decken un gegen den Aben leggen, dat hei drögen deiht, denn wenn 'n em natt afwischt, denn frett sick de Dreck so fast, dat en meindag' nich wedder 'rut kriggt.« – Fru Groterjahnen wrüng de Hänn', Herr Groterjahn kek blot ümmer sin Fru an, un Unkel Bors gung nu up sin Swester-Dochter Jeannette Groterjahn los un säd: »So, Hanning, nu giww mi en Kuß! – Ick sall Di ok velmals grüßen von Unkel Knappen.« – »»Wie geht es dem?«« frog Fru Groterjahnen, üm wat tau seggen. – »Je, hei hett den Namen mit de Daht, knapp geiht em dat man, de oll Pötter -Arbeit ward up Stunns ok nich recht betahlt, hei möt sick so dörchschüren.« – »»Wie geht es denn Ihnen, Herr Vetter?«« frog Herr Groterjahn. »Dank velmals, Herr Vedder, min Geschäft geiht sihr gaud; je mihr Bildung in de Welt kümmt, je mihr Seep ward verbrukt. Dor is en Mann, ick glöw', nu is hei jo woll in München, de Mann heit Liebig, mi hett dat min Dokter seggt, de hett dat utfünnig makt, dat Seep un Bildung tausamen hüren, un sörre de Tid wascht sick nu Allens mit Seep, wat sick vördem gor nich wascht hett.« – Paul hadd sick wildeß tüschen de Knei von sinen ollen Unkel stellt un strakte em an den struwen Bort herümmer: »»Unkel, hüt Abend vertell en beten von Dine Reisen.«« Un Helene kamm mit en Glas Grog an un säd recht fründlich: »Probir mal, Onkel, der wird wohl nach Deinem Geschmack sein.« – »»Prächtig,«« säd de Oll, »»prächtig, Lening, blot noch en lütten Schuß Rum mihr.«« Na, dat würd denn nu besorgt, un Paul fung wedder an: »Unkel, vertell en beten, vertell en beten von Konstantinopel. Wi reisen ok hen.« – »»Wat?«« frog Unkel Bors un kek sick de Gesellschaft Ein nah den Annern an. – »Ja,« säd Paul, »wi reisen All hen; ick kam ok mit.« – »»Ja,«« säd Herr Groterjahn un reckte sick en beten höger, »»es ist die Gesellschaftsreise, die von dem Redigeur eines Blattes in Wien, der zu gleicher Zeit ein ungarischer Magnat sein soll, veranstaltet wird.«« – »Ja,« säd sine leiwe Fru dortau, »er ist aus einer sehr achtbaren Familie, sonst würden wir seiner Unternehmung unsere Unterstützung nicht angedeihen lassen.« – »»Hanning, ick bidd Di üm Gotteswillen! Herr Vedder, wat willt Ji in Konstantinopel? – Geschäften kænt Ji dor doch nich hewwen?«« säd Unkel Bors un drunk sin Glas Grog ut. – »Was wir in Konstantinopel wollen?« frog Herr Groterjahn en beten hastig. » Geschäften? – Geschäften hab' ich hier genug.« – »»Schweig still, Anton!«« föll sin leiwe Fru em in de Red', »»ich denke, die Sache ist beschlossen und abgemacht. Wir reisen zu unserm Vergnügen, wir reisen, weil es die Bildung verlangt.«« – Un nu würd sei spitz: »»Wenn Deine Seife mit der Bildung Hand in Hand geht, dann gehört unser Reichthum auch zur Bildung, und wir wollen . . . . wollen, sage ich . . . .«« – »Hanning,« föll ehr Unkel in, »wat willst Du Di doræwer iwern? Reis' in Gotts Namen, reis' minentwegen nah 'n Blocksbarg, mi ganz parti egal . . . . Dank Di, Lening! Ja, so is hei gaud – blot noch en lütten Schuß Rum mihr.« – Helene hadd 't gaud maken wullt un hadd em dreivirtel Rum in sin Glas Grog gaten. – »Aewer, Kinnings, Konstantinopel?« – »»Ja, Onkel, da wollen wir den Soldan besehn und die ollen Türken, und was sie sind, die Türkinnen, die sollen ja so hübsch sein,«« säd Paul. »Ungezogener Schlingel,« rep Fru Mutter, »was weißt Du von Türkinnen?« – »»Mutter, das les' ich aus die Bücher, die Du mir gegeben hast.«« – »Ja, die Türkinnen!« säd Herr Groterjahn, un so 'n wollgefälligen Schin spelte üm sinen Mund, »die sollen ja sehr schön sein.« – »»Herr Vedder,«« säd Unkel un ded en deipen Drunk ut sin Glas, »stellenwis mægen sei schön sin; æwer wat ick dorvon seihn heww, dat lett sick hir bi uns gor nich seihn. Wenn ick Ehre Fru, min leiw' Swesterdochter Hanning, so anseihn dauh, un ick seih dorgegen 'ne Türkin an, denn kænen sick de Türkinnen wat malen laten.«« – »Also damit ist es auch nichts,« säd Herr Groterjahn. – »»Anton,«« säd sine leiwe Fru un kek em scharp an, »»diese Bemerkung . . .,«« æwer sei fot sick un säd tau Unkeln mit en fründlichen Schin: »»Also, Onkel, glaubst Du, daß ich mich in Konstantinopel sehen lassen kann, ohne gegen die schönen Türkinnen abzustechen?«« Hirbi plinkte sei Helene tau: ja, sei süll Unkeln noch en frisch Glas Grog inschenken, hei wir doch en recht höflichen, ollen Unkel. – Aewer Paul sprung vör tau un makte Unkeln dat Glas Grog taurecht, dat ganze Glas von idel reinen Rum un frog: »Na, Unkel, wo smeckt dit?« – »»Schön, Paul, sihr schön, æwer noch en lütten Schuß Rum. – Nu segg mi æwerst mal, Hanning, üm Gotteswillen! Wat willt Ji in Konstantinopel?«« – »Du bist ja auch da gewesen, Onkel«, säd Hanning spitz. – »»Dat was wat anners. – Ick bün dor mit dat Fellisen up den Nacken 'rinne wandert, dat ick mine Nohrung dor säuken wull. Wi arbeit'ten dor meistendeils in türkschen Talg, kamm ok russ'schen vör, un 't was en gruglichen Smerkram, æwer ick verdeinte schönes Geld, un Jug ward dat schön Geld kosten, denn 't is dor entfamten dür.«« – »Wir haben 's ja,« säd Herr Groterjahn. – »»Ja, Herr Vedder,«« säd Unkel, »»æwer Sei sünd süs doch hellschen tag in Geldsaken un smiten Ehr Geld nich up de Strat. Sei will'n doch wat för Ehr Geld hewwen, un Johr un Dag warden S' doch dor nich bliwen willen, un süs krigen S' nicks tau seihn«« – »Wir nehmen uns einen gebildeten, kenntnißreichen, jungen Menschen mit, der uns Alles erklären soll,« säd Fru Groterjahnen. – »»So? – Ok dat noch! – Un wat wir denn dat woll för Ein?«« – »Er heißt Herr Nemlich,« säd sine Swesterdochter. – »»Wat? – Is dat en Sæhn von den ollen Köster tau Zippelmannshagen, de nu bi den ollen Semmlow as Semerist deint?«« »Er ist freilich nur ein Seminarist, aber er übersieht in den Wissenschaften seinen eignen Pastor bedeutend.« – »»Mutting,«« säd Paul hir mang, »»weißst, was Jochen Klæhn sagt? – Jochen Klæhn sagt, er ist mit ihm in die Küsterschul gegangen und er is en großen Schafskopp. Jochen Klæhn hat immer über ihm gesessen; aber er bildt sich hellschen viel ein.«« – »Poll!« rep de Mama. – »»Aber Mutter,«« foll Helene in, »»Paul hat doch in diesem Falle Recht: er soll doch ein sehr eingebildeter Mensch sein, wie wir gehört haben.«« – »Mein Kind,« rep de Fru Mutter, »Ellen, mein Kind! Ich habe Dich erzogen, als Du erst so groß warst« – hir wis'te sei de Grött an den Staulbein – »ja, da habe ich Dich schon erzogen, und da hab' ich Dich immer fort erzogen, und erzieh' Dich noch heute, denn das Wesen des Menschen besteht in seinem innersten Sein, in der Erziehung und in der Bildung, wobei es ganz gleichgültig ist, ob Einer gebildet oder eingebildet ist, Bildung ist zu beiden nöthig.« – »»Hanning,«« säd ehr Mutter-Brauder, »»dit müggt ick mi girn marken, dit segg noch mal.«« – »Mutting,« rep Paul, »Jochen Klæhn seggt . . . .« – »»Paul, Du unausstehlicher Junge! Du sollst nicht sagen, was Jochen Klähn sagt; Du sollst gar keinen Umgang mit dem Kerl haben. – Es ist der Bediente von dem da,« sett'te sei för Unkeln tau un wis'te æwer de Schuller, »»von unserm Nachbar.«« – »Von Jahnen,« säd Herr Groterjahn. – »»Anton,«« säd sine leiwe Fru un kek em sihr scharp an, »»wenn Deine Frau so viele Rücksichten für die Würde und die Ehre Deines Hauses hat und den Namen nicht nennt, dann solltest Du doch . . . .«« – »Oh, liebe Frau, ich meinte man,« föll ehr Herr Groterjahn in de Red'. – Un Paul ded datsülwige un rep: »»Vatting, Vatting! Gistern, as ick ut de Schaul kamm, begegent mi oll Jahn un strakte mi æwer un frog, wat Helening maken ded.«« – »Poll!« – »»Paulus!«« – »»Paulus!«« – »Poll!« So rep Vatting un Mutting dörchenanner, bet Mutting ehre gebildte Stimm denn doch tauletzt de Aewerhand kreg un rep: »Ungezogener Bengel! – Nun gehst Du mir aber gleich zu Bett!« – Un Helene stunn up un gung an ehren lütten Brauder 'ranne un säd: »»Komm, Paul, komm! Es ist Zeit, wir wollen zu Bette gehn.«« – Un de lütte Slüngel fot dat grote, schöne Mäten rund üm un gaww ehr en Kuß un säd: »Ja, Helening, Du büst doch ümmer de Allerbest'.« – Un 't was en schön Bild, as dat schöne Mäten mit den lütten, dristigen Slüngel »gu'n Nacht« säd un ut de Dör gung. – Un 't was grad' so för den ollen Seepenseider-Unkel, as för mi; wenn gaude, fröhliche Frünn' von mi weg gahn, denn is 't, as wenn alle Lichter in de Stuw' utpust sünd, un blot noch 'ne olle Thranfunzel in de Stuw' brennt. Un Unkeln sin ›Krock‹ was un ok utdrunken, un hei stunn up: »Na, gu'n Nacht ok, Hanning! Gu'n Nacht, Herr Vedder! Bemäuh Di nich, Hanning, ick weit Bescheid; ick slap jo woll wedder in de blage Stuw'?« un as hei ut de Dör gung, dunn hürten Herr un Fru Groterjahn blot noch so 'n deipes Lachen: »Nah Konstantinopel! Nah Konstantinopel!« – – Un nu hadden jo de beiden Ehlüd' ok tau Bedd gahn kunnt; æwer 't gung noch nich, un nahsten hadd jo Jochen Klæhn vertellt, as hei dor an de Finsterladen vörbigahn was, dunn hadd sei, wat Fru Groterjahnen wir, noch 'ne lütte, nüdliche Predigt hollen, dat Anton sick den ollen Unkel gegenæwer nich gebildt naug bedragen hadd, un wat hei æwerall den Ollen in 't Hus bröcht hadd. – Un Anton hadd seggt: Je, 't wir doch ehr eigen Mutter-Brauder. Un dunn hadd sei noch wider predigt. Den annern Morgen ganz tidig was Unkel all wedder afreis't. Kapittel 2. Wer dei dor was, un in wat for en Verhültniß en gewisse Jochen Klæhn tau em stunn. – Jochen is en Schapskopp, lihren deiht hei 't æwer All. – Wo Vader un Sæhn tausamen kamen, un Beid' sick mit de Hoffnung dragen: »'T kümmt All taurecht!« – Woans dat Band tüschen Groten-Barkow un Lütten-Barkow von Windhunn'n un Pagelunen terreten ward. – Ok nah Konstantinopel! – Jochen stellt för de Nacht 'ne Maschin' up un tellt des Morgens de Schorstein' in de Alexandrinenstrat tau Rostock. – Paul makt sine Herrn Öllern de bittersten Vörwürw' wegen ehre findseligen Gesinnungen un geiht tauletzt mit Hängen und Wörgen in de Schaul. – Worüm Fru Groterjahnen 'ne Extra-Predigt höll, un Antonen as 'ne Opposition tau Maud' würd. – Helene ward bi dese Gelegenheit Muttern ehr, un Paul Vatern sin Erziehungs-Substrat. – Anton halt de Rutsch, un sine Fru regt sick geistig wedder an. Fiw Minuten späder, as Herr Groterjahn in den vullen Regen nah Hus kamm, gung en Mann in de Dör von dat Nahwershus herin; de Wind hadd em den grisen Kragen von sinen Mantel æwer den Kopp weiht, un 't was jo ok ganz gaud, denn hei hadd keinen Regenschirm. As hei in de düstere Stuw 'rinne kamm, grawwelte hei hir un dor nah Füertüg herümmer, funn æwer nicks: »Wedder nich!« rep hei verdreitlich, »wedder nich! – Wo de Bengel nu woll wedder is?« un hei tast'te de Wand lang nah den Klingeltog un ret doran för de Gewalt; æwer Keiner kamm up sin Klingeln. – Dunn besunn hei sick, dat hei noch Swewelsticken in de Tasch hadd, un hei makte sick Licht an. – Hei smet sinen Mantel æwer 'n Staul un gung mit dat Licht in 'ne Nebenstuw', wo en einfach Bedd stunn, un langte unner dat Bedd un söchte dor wat, hei lücht'te dorunner, funn æwer nicks. – »Ok dat nich mal!« rep hei, »ick heww ein un ein för alle Mal seggt, hei sall mi de Pantüffeln hir unner 't Bedd setten, dat ick sei in 'n Düstern finnen kann; æwer is dat nu woll tau krigen?« Hei namm dat Licht un gung argerlich in de Wahnstuw', un gung dor up un dal, sick de Fäut warm tau pedden. – »Un dat sall nu 'ne Bequemlichkeit för mi sin, so 'n dummen Jungen üm mi tau hewwen! – Ick bruk kein Upwohrung, ick heww meindag' kein nödig hatt, un nu so 'n Kümmel von 'n Lann', de nich Hül noch Hott weit!« – Hei gung up un dal; hei was en groten, magern Mann von starke Knaken, hei was öller as Herr Groterjahn, sin Hor was all gris, un de grisen Ogenbranen hungen em æwer de Ogen, sine Schullern wiren en beten vöræwer bögt, un deipe Falten trocken sick dörch sin düster Gesicht; æwer wat em ok de Schullern bögt hadd, un wat em ok de Falten dörch dat Gesicht treckt hadd, den ganzen Kirl hadd 't nich angripen kunnt, denn sin Gang was fast un seker. – Em kemen allerlei Gedanken, un Ein hadd em 't anseihn kunnt, dat hei sick mit de Gedanken quälen ded. – »Nicks as puren Schawernack,« säd hei vör sick hen, »hei weit, ick sitt ümmer up dat sülwige Flag, wat sett't hei sick denn dorhen, mi grad' gegenæwer, wenn hei nicks mit mi tau dauhn hewwen will? – Wo? Meint hei, ick sall mi üm sinentwegen en annern Platz säuken? – Ne, so is 't nich fuchten; ick bruk em nich ut den Weg' tau gahn. – Wat kek hei mi hüt Abend ümmer an? Wat hett hei tau kiken? De ollen Tiden kamen nich wedder. – Ja, wenn 't en Kirl wir, de en Willen hadd, un en gauden Willen hadd! Aewer hei is en Kind, 'ne oll Gelenkepopp, de dat Wiw an en Band regirt. – Ick wull, ick wahnte teihn Mil' von em; un nich up sin Nahwerschaft; æwer ick süll mi dat beiden laten? ick süll den Huskop taurügg gahn laten, den ick richtig afmakt hadd, wil dat ehr so geföll? wil sei sick in den Kopp sett't hadd, grad dit Hus tau hewwen? – Ja, wenn sei mi dorüm beden hadden, æwer so? – Ne! – Mit Prozessen lat ick mi nicks afwringen. – Un dese Nahwerschaft is nu mine Freud' un min Vergnäugen!« lachte hei ingrimmig. »Oh, ick wull, dat ick keinen Faut in dit ßackermentsch Nest sett't hadd! Lang'wil un Arger, un Arger un Lang'wil von 's Morrns bet 's Abends, un de Dokters seggen, dat sall för mi 'ne Verlöschung sin, 'ne ›Zerstreuung‹ seggen sei, ick sall mit Minschen verkihren. – Mit Minschen! – Mi hewwen de Minschen meindag' noch nich vel Gauds in 't Hus dragen. – Ach, ja vördem – vördem, dunn  . . . .«– Dunn klingelte de Husdör. – »Nu kümmt de Slüngel,« säd hei un stunn vör de Stuwendör still, un herinne stört'te, ganz ut de Pust, en jungen Burß von en Johrener twintig mit knallrode Backen un Flaßhor un grote, blage Ogen. Hei hadd 'ne Ort von Halfliwreh an, de em ut sinen Herrn sine Kledaschen wohrschinlich up den Tauwaß tausneden was, denn sei slackerte em in hellsche Falten üm de prallen Glider, un in de Hand drog hei 'ne lütte Kinner-Armbost. – »Wat?« rep de Oll, »wat hest nu wedder? wat dröggst mi hir in 't Hus 'rin?« un ret em dat Ding ut de Hand, »wat sall dat Kinnerspill hir bi mi?« – »»Je, Herr Jahn, nemen S' nich æwel, æwer lütt Paul, de säd . . . .«« – »Wat! lütt Paul! – Wat gelt mi lütt Paul an? Büst Du bi lütt Paulen in Lohn un Brod, oder bi mi?« – »»Bi Sei, Herr; æwer lütt Paul säd tau mi . . . .«« – »Ick will nich weiten, wat lütt Paul säd; heww ick Di æwer nich seggt, Du sallst mi ein för alle Mal dat Füertüg up den Disch stellen?« – »»Ja, Herr.«« – »Steiht dat hir?« – »»Ne, Herr. – Ick heww 't hüt Nahmiddag mit 'rut namen, as ick Koffewater heit maken ded.«« – »Heww ick Di nich seggt, Du sallst mi de Morgenschauh unner 't Bedd stellen? – Stahn sei dor?« – »»Ne, Herr.«« – »Wo sünd sei?« – »»Herr,«« säd Jochen Klæhn un makte en hellschen pfiffiges Gesicht, as wull hei seggen: ditmal warst Du woll taufreden mit mi sin, »»Herr, de heww ick vermorrntau nah unsen Schauster bröcht, de wiren jo intwei.«« – »Worüm hest Du s' denn nich wedder halt?« – »»Je, Herr, ick wull jo hengahn, un dunn sach ick hir Licht in de Stuw', un dunn dacht ick: sallst man fix 'rin lopen, hei ward di woll nödig hewwen.«« – »Wotau ick Di, Schapskopp, woll grot nödig heww! – Wo büst Du den ganzen Abend west?« – »»Je, Herr, lütt Paul säd jo hüt morrn tau mi, sin Flitzbagen wir intwei, wat ick em dor nich en nigen Bægel inmaken wull, un dor bün ick denn un nah Jehann Smidten lopen – unsen Jehann Smidten ut unsen Dörp – de is hir bi Böttcher Drewsen, un dor heww ick em en nigen Bægel intreckt. – Ick dacht ok nich, dat Sei so drad' tau Hus kamen würden, un nu möt ick mi doch wunnern, dat Sei all hir sünd.«« – »Du büst en Schapskopp un bliwwst en Schapskopp.« – »»Ja, Herr, in so 'ne städtschen Bedeintersaken bün ick woll man noch en beten dumm; æwer Sei sælen seihn, ick lihr 't All,«« säd Jochen un kek dorbi sinen Herrn mit de blagen Ogen so irnstfast an, dat den Ollen binah lächerlich tau Maud' würd. »Na,« säd de Herr, vel sachtmäudiger, »nu nimm dat Kinnerspill ut de Stuw' un lop nah den Schauster un hal de Schauh.« – »»Ja, Herr,«« säd Jochen fröhlich un wull ut de Stuw 'rut, kihrte æwer in de Dör wedder üm un sett'te so 'n recht pfiffiges Gesicht up: »»Herr, hüt Nahmiddag gung Paulen sin Helene hir vörbi, un ick stunn in de Dör, un dunn grüßte sei mi un frog, wat Sei maken deden, un dunn nahsten frog sei: wat uns' jung' Herr nich hüt Abend kamen ded, denn dat hadd ick Paulen vertellt.«« – »Kümmer Di üm Dinen Kram, un nu lop nah den Schauster.« – Un Jochen fohrte ut de Dör herute un rönnte in den vullen Regen un in en vullen Draww nah den Schauster, un kamm natt, as 'ne Katt in den Sot, un lustig, as en Vagel in den Bom, wedder taurügg un bröchte de Schauh: »»Hir sünd s', Herr. – Nu täuwen S', un will ick Sei de Steweln uttrecken.«« – »Dat verlang' ick nich von Di,« säd de Oll un wehrte mit de Hand af, »dat kann ick allein. Gah hen un hal den Stewelknecht.« – Un Jochen bröchte em un stunn un dor un kek tau, wo d^ Oll sick mit sine Beinen tau dauhn makte, so sorgsam, as wir sin Herr en lütten Jung', de tau 'm irsten Mal Schritschauh lopen süll, un hei wir von sine Öllern mitschickt, dat hei dorup seihn süll, dat de Lütt de Schritschauh ok ordentlich an de Bein' kreg, dormit dat hei nich fallen ded. – »»Oh, ha!«« rep hei un grep den Ollen unner den Arm, as de bi dat Geschäft en beten wackeln ded. – »Ih, so lat doch!« säd de Oll. – »»Herr,«« säd Jochen, »»weiten S', wat lütt Paul seggt? – Sei dor«« – un hir wis'te hei mit den Dumen æwer de Schuller nah dat Nahwershus tau – »»willen æwer Frühjohr 'ne grote Reis' maken, den Namen heww ick vergeten, ick weit ok nich, wo 't oll Lock heit, æwer dat popelt sick so.«« – »Ick will Di dat nu noch mal seggen, wat ick Di all vördem seggt heww, ick will von dat, wat de Lüd' hir bian bedriwen, nicks nich weiten, un Du sallst gor kein Umgängniß mit dat Kind hewwen, denn dor kümmt nicks bi 'rute, as Snackeri, un de will ick nich. – Hest un verstahn?« – »»Ja, Herr,«« säd Jochen bedräuwt un gung ut de Dör. De Oll sett'te sick in den Lehnstaul an den warmen Aben un säd tau sick: »Dit is dat Beste so; hei makt mi in sine gaudmäudige Dæmlichkeit süs noch allerlei Streich. – Un wotau sall dat nütten? – Anners ward dat doch nich. – Minschen verännern sick. – De Ollen künn ick woll missen, æwer de Kinner! Sei sünd mit min' tausamen upwussen, ick heww sei as min eigen anseihn. – De Oll is gaudmäudig, æwer swack, sihr swack; hei 's ümmer mihr unner de Hand von sine Fru kamen, un sei is verrückt. – Verrückt? « un hei lachte ingrimmig vör sick hen un drückte de Hand an den Kopp. – » Verrückt? Un wat seggen de Lüd' von di?« – Un em kemen allerlei Gedanken; hei kek stiw up ein Flag, un ut de ollen, grisen Stuwendelen stegen allerlei Biller tau Höchten, tauirst wunnerschöne Biller, all' in den goldenen Rahmen von Glück un Taufredenheit, all' in dat helle Licht von fröhliche Hoffnung up sekere Taukunft, up en gesegnetes Öller. Hei sach gräune Feller un goldne Saaten, hei hadd 'ne schöne junge Fru an den Arm, un en por gesunne Kinner spelten üm em 'rümmer; hei gung mit de junge Fru dörch de Saaten un wis'te ehr, wat hei tau Gottes Ihr un sine eigene Ihr as Mann dortau dahn hadd, un de Meihers kemen un streken de Seißen vör sine Fru, un de Binners kemen un bünnen em mit den Kurnband, un bedten ehren Spruch un wünschten Gottes Segen up sine Fru un up em, un up sin ganzes Hus; un denn gaww hei ehr wat, dat sei sick freuen süllen an den sülwigen Dag. – Des Sünndags gung hei denn tau sinen Fründ Groterjahn, den hei mal as jungen Minschen beraden hadd un mit sine eigenen knappen Middel up 'ne Pachtung insetten hulpen, un sin Nahwer was dankbor gegen em, un sine Fru was fründlich gegen em un sin leiwes Wiw. – Un Johr up Johr steg ut de ollen Stuwendelen tau Höchten; de golden Rahmen von de Biller würd düster, as wenn en swores Swark sick üm den Sünnenschin leggt; hei was krank worden un was 't Johre lang; de Dokters hadden von Hypochondri redt. – Dunn treckte dat Swark ganz æwer de Sünn, sine Fru was storben, dat Letzte wat hei sach, was en Sark un en Graww; dunn was 't Nacht üm em worden, hei kunn in den Düstern sine Kinner nich mihr seihn. – Sei hadden em in 'ne Anstalt bringen müßt, dor hadd hei bald towt, denn de Minschen wullen em an 't Lewen, bald hadd hei för sick henseten. Dat hadd Johre lang wohrt, tauletzt un tauletzt was hei upwakt ut den sworen Drom, un hei was up sine Pachtung taurügg gahn. Aewer as hei tau Hus kamm, dunn was dat ganz anners, as vördem. Sin Hus was em so grot, in sine Stuwen stunnen so vele Stäul, un kein Minsch satt dorup. Hei gung tau Frühjohrstid in den Goren, hei horkte an de Lilg', hei horkte an den Rosenbusch, sei hadden em süs so schön wat vertellt, sei säden em nicks, sei säden em gor nicks. – Hei gung up sin Feld, dor arbeit'ten sine Daglöhners – hei hadd gaude Lüd' – sei arbeit'ten flitig; æwer as hei kamm, dunn stütt'ten sei sick up ehre Schüppen, un Jeder kek em mit en still Gesicht an. Hei gung vöræwer un grüßte sei. – »Schön Dank ok, Herr, schön Dank ok!« so säden sei all ut einen Munn'; æwer as hei üm de Heck gung, dunn hürte hei, dat de ein' tau den annern säd: »Ja, Vadder, 't is en Leiden, seggt Lemk, vördem so un nu so! « – Hei gung tau Hus; sine beiden Jungs wiren ankamen, 't wiren en por Prachtjungs, de Öllst was all bi de Landwirthschaft; sei föllen em üm den Hals, hei schow sei taurügg, hei müggt sine eigenen Kinner nich liden. – »»Vadding,«« säd de Öllst, »»ick heww Di en por Windhunn' mitbröcht, de Dokter seggt, Du sallst Di vele Bewegung maken . . . .«« – »Swig mi still von de Dokters! – Ick heww naug mit de Dokters tau dauhn hatt.« – Den Nahmiddag kamm Groterjahn mit sine Fru un sine Kinner, in 'ne grote Staatskutsch; süs wiren s' den Fautstig entlang in ehr däglich Huskled kamen. De beiden Ollen kemen em frömd vör, un sei hadden sick ok verännert: Groterjahn was en riken Mann worden – æwer Nacht – hei hadd 'ne grote Arwschaft dahn, un dat Gaud, wat hei em sülwst mit Hängen un Wörgen as 'ne Pachtung verschafft hadd, dat hürte em nu in Scheiden un Grenzen tau eigen tau, un dat vertellte hei em mit en beten Prahlen un vel Behagen. – Sei vertellte von ehre vornehmen Bekanntschaften mit de Herrn von so un so, un hadd 't mit de Bildung kregen – ok æwer Nacht – un munsterte an dat Bedragen von ehre Kinner 'rümmer, un redte von de Bäuker, un hei verstunn nicks dorvon. – Dat Einzigste, wat hei von de ganze Gesellschaft verstunn, dat was, as Helene sachten an em heran kamm, em up de Stirn küßte, un hei 'ne warme Thran up sin Gesicht fäuhlte. – Hei kek sick üm, sei sett'te sick an en Finster dal un kek wid in de Firn'. Groterjahn un sine Fomili führten nah Hus; hei was mit sine beiden Kinner allein. – De Lüd' seggen, Lachen stickt an, un 't is ok wohr; æwer lat't Jug mal 'ne warme Thran' up dat Gesicht fallen, denn ward't Ji weiten, wat mihr anstickt. – Em was so warm un weik tau Sinn, hei fot sine beiden Jungs rund üm un treckte sei up sinen Schot, jeden up einen Knei: »Ach, wenn Jug' Mutter doch hir wir!« wider säd hei nicks; æwer de beiden Kinner fäuhlten, dat Allens so was, as 't sin sall. In de negste Woch was sin Dokter ut Swerin kamen, de em ut den sworen Drom uprüttelt hadd; de ordnirte nu an, hei süll sülwst wedder wirtschaften, dat hei up annere Gedanken kem'. – »Sie müssen sich Bewegung machen,« hadd hei seggt, »bis zur vollständigem Ermüdung, und wenn Sie des Gehens genug haben, dann reiten Sie. Ich habe hier auf dem Hofe ein paar Windhunde gesehen, warum hetzen Sie nicht?« – »»Ach, Herr Dokter, ick un jagden!«« – »Sie sollen's ja nicht zum Vergnügen, Sie sollen's zu Ihrer Gesundheit.« – En por Dag' dorup let hei den Inspekter gahn, de so lang' för em wirthschaft't hadd, un fung wedder sülwst dormit an. – »»Ganz so, as vördem,«« säden de Daglöhners. – Den Nahmiddag red hei up de Hetzjagd, as hüng sin Lewen von den ollen Hasen af, de vör em henlöp. – »»Gott bewohr uns,«« säden de Daglöhners, »»wat follt em nu in?«« – Aewer 't bekamm em gaud, hei kamm up annere Gedanken, blot mit Minschen müggt hei nicks tau dauhn hewwen. Hei kamm woll noch af un an mit sinen Nahwer Groterjahn tausamen; æwer 't was nich mihr, as 't west was, un nah en por Johr brok de Umgang snubbs af. So hadd hei nu woll einsam furt lewen un furt wirtschaften kunnt, æwer dunn passirte em wat, wat em dat Wirthschaften ganz verleden ded. – Sine Daglöhners kemen eines Sünndagsmorgens alltausamen tau em un künnigten em tau negsten Jehanni, sei wullen all' nah Amerika gahn. – Hei hadd sine Lüd' gaud hollen, hei was mit ehr in Gelimplichkeit ümgahn, hei was up Städen, wenn 't mal Noth ded, as Vader tau ehr west, un nu dit! – Hei verföll in den sülwigen Irrdaum, in den so vele gaude Herrn bi uns verfallen – von de slichten red ick nich – de dat för Undankborkeit estimiren, wat wider nicks is, as de ewige Drift un Drang, de in jeden Minschen sitt, dat hei sin eigen Herr warden will. Nu süll hei frömde Gesichter üm sick seihn, nu süll hei mit Lüd' tau dauhn hewwen, de hei nich kennte; hei wull nich mihr wirthschaften. – De Dokter hadd den Kopp dortau schüddelt, hadd æwer tauletzt doch inseihn, dat dat woll nich güng, un hadd den Rath gewen, nah 'ne grötere Stadt tau teihn, wo hei Afwesselung un Unnerhollung hadd; un so was hei nah Rostock gahn. – Jochen Klæhnen hadd hei ut olle Anhänglichkeit mit sick namen, denn Jochen un sin oll Mutter wiren de Einzigsten west, de nich mit utwannert wiren. – – As hei so in deipen Gedanken satt, klingelte de Husdör, un in de Stuw' kamm en groten, ranken, jungen Mann herin, in en Regenrock, mit helle Hor un frische Backen, den de Regendruppen in den blonden Backenbort blitzten: »Gu'n Abend, Vatting.« – »»Gu'n Abend, min Sæhn,«« säd de Oll un stunn up un gaww em de Hand, »»wo? Du kümmst jo hüt gor tau lat.«« – »Je, de Weg' sünd so slicht, dat tægerte sick hüt Morgen so hen, ihre wi an de Schosseh 'ran kemen,« säd de Sæhn un treckte sick den Regenrock af. – »»Dat will ick glöwen. Du büst woll schön natt worden? Na, kumm her, sett Di hir in den Lehnstaul an den warmen Aben.«« – »Ne, dat ward mi dor tau heit. – Sett Du Di man wedder hen.« – »»Wat makt Gustav?«« – »Oh, de wirtschafte as en Kirl. – Nu is hei bi 't Mergeln.« – »»So? So? – Na, dat is schön. – Ward denn woll en Landmann ut em?«« – »Ih, Vatting, den kann ick de ganze Wirtschaft æwergewen, dor bruk ick kein Og' hentauslagen.« – »»Dat is schön. – Dat freu't mi. – Wo süht dat denn up den Felln ut? – Nich wohr? de ßackermentschen Müs'!«« – »Ja, dat Rackertüg hett uns den Roggen schön schert, æwer ick denk, wenn wi 'n gaudes Frühjohr krigen, denn heilt hei woll noch ut; æwer de Klewer is all weg.« – »»Je, Korl, dat is so mit uns' Geschäft, wenn wi meinen, wi hewwen uns' Dingen gaud dahn, un Allens schickt sick wotau an, denn kümmt dor ümmer noch so 'n Impaß. Dit Johr ward dat mit de Stallfauderung so glatt nich gahn, as vergangen Johr.«« – »Ih, dat ward doch woll noch; ick beholl noch en schönen Posten olles Heu æwrig, un för 't Aewrige möt sorgt warden. – Aewer wat makst Du denn, Vatting?« – »»Ach, Korl, dor frag' gor nich nah; mit mi is 't noch ümmer so: wenn ick kein Langenwil' heww, denn heww ick Arger, un wenn ick keinen Arger heww, denn heww ick Langenwil'. – Ick lop des Morgens spaziren, ick lop des Nahmiddags spaziren; oh, ick gah ok männigmal in de Sozieteh; æwer wat kümmt dorbi 'rut? Nicks as Arger. – So sett't sick Groterjahn hüt Abend an den Disch, wo hei doch weit, dat ick ümmer sitten dauh. – Worüm deiht hei dat. Ut pure Gehässigkeit deiht hei dat. Meint hei, dat ick vör em upstahn sall? Dat heww ick nich nödig, ick bün mi kein Unrecht gegen em bewußt. Nu kam ick tau Hus, un hett de Jung' mi kein Swewelsticken henstellt, hei is æwer alle Barg', un kann ick min Morgenschauh nich finnen, de hett hei nah den Schauster bröcht. – So geiht 't den ganzen Dag.«« – »Ih, denn möt jo den Jungen dat Dunnerwetter regiren,« säd de jung' Mann un lüdte an de Klingel, »wotau is hei denn hir, wat hett hei wider uptaupassen as Di?« – Un Jochen stört'te in de Dör herinner, dat ganze Gesicht vull Freud': »»Gu'n Abend ok, jung' Herr! – Herre Je, wat ick mi freu! – Seggen S', wat makt min oll Mutter?«« – »Dei is gaud tau Weg'; æwer wat makst Du hir för dummes Tüg, Du sallst minen Vatter uppassen un löppst herüm?« – »»Herr Je, jung' Herr!«« rep Jochen, as hadd em Einer ganz wat Nig's vertellt, »»ick pleg' em jo, ick räuk em jo, ick holl em jo, as 'ne Kinnjespopp holl ick em, æwer dat is man . . . .«« – »Ach, wat! Snack! Wenn Du nich . . . .« – »»Ne, Korl, ne!«« foll de Oll hir in un treckte den Sæhn an den Arm taurügg, »»nu is 't naug, hei hett all sin Schell von mi kregen. Nu gah man,«« säd hei tau Jochen, de denn ok ganz bedräuwt ut de Stuw' gung. – »Wat hett hei denn eigentlich, Vatting?« – »»Ach, wat hett hei? – Kinneri hett hei. – Nu hett hei 't mit den oll lütten Paul hir bian. – Ick mag sülwst dat lütt Jüngschen girn liden, un wenn 'ck em seih, denn gew ick em de Hand, un wenn 'ck sin Swester seih, denn müggt ick ehr en Kuß gewen, denn sei is en ganz prächtiges Mäten.«« – »Dat is sei,« rep Korl un gung rasch dörch de Stuw' un stellte sick an 't düstere Finster un kek up de taumakten Laden, as wiren sine Ogen Frittbohrers un künnen dörch de Breder kiken, un den Ollen sine Ogen nemen so 'n weiken, mitledigen Schin an, un hei stunn up un läd sine Hand up de Schuller von sinen Öllsten un säd: »»Korl, 't kümmt All taurecht!«« – Un de Sæhn dreihte sick üm un kek den Ollen truhartig in de Ogen un säd mit rechten hellen, frischen Ton: »Ja, Vatting, 't kümmt ok All taurecht! æwer,« säd hei mit en deipen Süfzer, »worüm is dat eigentlich so kamen? Ick was dunn nich tau Hus; ick weit gor nich, wo Ji tauirst so utenanner kamen sid, sei weit 't jo ok woll nich, süs hadd sei 't mi jo woll mal schrewen in den einen Breif, den ick mal von ehr kregen heww.« – »»Ach, min Sæhn, wo kümmt dat? Wo kamen Minschen utenanner un wo kamen Minschen tausam? – Süh, Du hest 'ne schöne, gräune Wisch, un nu kümmt de böse Find un smitt vör de klore Bek, de dor dörch flütt, 'ne Stau vör, un nu sammelt sick Druppen an Druppen, un ihre Du Di 't versühst, is Dine gräune Wisch en Sump, 'ne stinkerige Pütt worden, un Du fröggst Di vergews: wo is dat so kamen? – De Anfang is ümmer dat Irste bi 'ne Sak un is ok meistendeils dat Unbedüdenste, un weitst Du, wer hir anfungen hett? – Dine Windhunn' hewwen anfungen.«« – »Oh Vatting . . . .« – »»Ja, min Sæhn, so is 't. Süh, as Groterjahn dunn Gaudsbesitter worden was, dunn wull sei ,«« un hir namm sin Gesicht, wat bet hirhen so 'n stillen, halftrurigen Utdruck hatt hadd, so 'n rechten harten Schin an – »»dunn wull sei jo gefährlich hoch herute, un sei schaffte sick Pagelunen an, denn Pagelunen sünd en vörnehm Veih, min Sæhn, un vörnehm süll jo dat nu Allens wesen. Un de ollen Dinger, de plegte sei nu jo sülwst un hotterte dor nu sülwst tau Harwsttiden up de Stoppeln mit 'rümmer, dat sei ehr Vergnäugen doran hewwen wull, un nu müßt mi dat passiren, dat ick grad' up de Hetz reden was, un – dat is nu mine Schuld – de ollen Hunn' löpen æwer uns' Scheid' un beten Fru Groterjahnen ehre Pagelunen dod. – Na, Windhunn' laten sick woll hitzen , æwer nich locken; ick kunn nicks dortau dauhn, ick kamm anreden un säd un bed un versprok, ick wull ehr dorför annere anschaffen; æwer ne! – Sei was as 'ne Furi gegen mi, sei let sick nich bedüden, un nu kamm hei jo noch dortau – olle Klas! – un den stenzte sei jo nu, un hei tred gegen mi up un frog mi so æwer de Schuller weg, wat ick up sinen Rebeit tau jagen hadd? Un wat ick nich wüßt, dat ick sine ›Gerechtsame‹, – so säd hei – æwerschreden hadd? – Un de Hanswust hett æwer teihn Johr min Jagd beschaten, as ick mi üm den ollen Lus'kram noch nich kümmern ded! – Dat was de Anfang, un tausam sünd wi sörredeß nich wedder kamen. – Dunn kamm de Tid, dat ick hir nah Rostock her trecken wull, un dat ick dit Hus hir up den Handel kreg, un sei wull'n jo ok hirher nah Rostock trecken un hadden up dat sülwige Hus handelt, denn dat oll liderliche Gewes' stunn jo in de Zeitung; un de Herr Verköper, de Herr Bäckermeister Dutzkopp, hadd jo nu nah de Mæglichkeit dit olle, kolle Lock utpepern wullt un hadd halw mit mi afslaten un halw jo mit den Spitzbauwen von Avkaten, den hei sick dortau utsöcht hadd – na, dat weitst Du jo, dat ick irst en langen Prozeß mit em doræwer heww utfechten müßt, ihre ick de ›Gerechtsame‹«« – hir lachte hei recht ingrimmig – »»dörchsetten ded, hir Winters tau friren.«« – »Vatting, as alle Lüd' seggen, in den Prozeß hest Du Recht hatt.« – »»Is mæglich, min Sæhn, un ick wull ok Recht hewwen. – Aewer wat deden s' – sei kunnen en anner Hus krigen – ne! sei köfften sick dat hir bian. Worum? – Ut Schawernack! – Dat sei mi min Lewen sur maken wullen.«« – »Oh, Vatting, so is 't doch ok woll nich meint west.« – »»Meint? – Ick heww man af un an in minen Lewen en Minschen funnen, de 't gaud mit mi meint hett.«« – »Vatting, versünnig Di nich, Du hest so vele Frünn'! So vele Bekannten Du hest, so vele Frünn' hest Du ok. – Vergangen Woch was ick nah Swerin wegen Gustaven sine Soldatengeschicht, dunn drop ick unsen Dokter, hei let nich locker, ick müßt mit em kamen un müßt von Di vertellen. – Wat hett de Mann fragt, wat hett hei sick üm Di kümmert.« – »»Na, wat hett hei denn fragt?«« frog de Oll un kek den Sæhn so lurig in de Ogen. – »Je, wat süll hei anners fragt hewwen, as: wo 't Di güng, wat Du in Rostock taufreden wirst, un wo Du Din Tid mit bedrewst?« – »»Na,«« säd de Oll, un sin Gesicht würd noch spitzer utseihn, »»un wat sädst Du denn?«« – »Je, ick säd . . . .« un hir würd Korl denn tau sinen Schrecken gewohr, dat hei schon up 't Glattis kamen was, »je, ick säd . . . .«– »»Na, dat will ick grad' weiten. – Wat sädst Du?«« – »Vatting, ick heww Di meindag' nich wat vörlagen, ok nich tau 'm Gauden, ick säd tau den Dokter de reine Wohrheit un segg s' nu ok tau Di. Ick säd, Du argertst Di den ganzen Dag un Du söchtst dor ordentlich wat in.« – »»So? – Un wat säd hei dunn?«« – »Je, Vatting, hei lachte un säd, so wir 't gaud, Du süllst Di man düchtig argern, wenn de Freud en Minschen nich up annere Gedanken bringen ded, denn müßte dat de Arger dauhn.« – »»Ach, so herüm! – denn hewwt Ji mi woll derentwegen Jochen Klæhnen hirher sett't, dormit dat ick ut den Arger gor nich 'rut kam?«« – »Wat Du Di ok glik denkst! – Ne, so was 't nich! – De Dokter kamm nu noch mit en Vörslag tau Rum' un hett mi dat anbefahlen, ick süll Di dortau bestimmen, dat Du dorup ingüngst. – Dor is 'ne Gesellschaftsreis' inricht't, æwer Wien un Triest nah Konstantinopel, un de Dokter meint, dat wir so wat för Di, dor kemst Du mit Lüd' tausam un kregst wat tau seihn, un ut Dinen ewigen Arger hir in Rostock künn 'ne grote Freud' in Konstantinopel warden.« – »»Wat?«« rep de Oll un sprung pil in 'n Enn', »» ick? – As Ick? – un Konstantinopel? – Willt Ji mi tau 'ne Uhl maken? – In minen ollen Dagen tau 'ne Uhl? «« – »Vatting, sett Di dal,« säd Korl un fot den Ollen rund üm, »de Sak is doch gor nich slimm. – Süh, hir kümmst Du ok mit frömde Lüd' tausamen, mit Bohmen . . .« – »»Ja,«« föll de Oll giftig in, »»mit Bohmen un Ohmen un Sohmen un Drohmen.«« – »Süh,« säd Korl wider, »»dat Geld hest Du jo doch, dat hest Du Di jo sur verdeint dat kann 't jo nich utmaken, un Du kriggst de schönste Gegend tau seihn, un dat Du Dine Bequemlichkeiten kriggst, dorför will'n wi woll sorgen: Jochen Klæhn sall mit.« – »» Jochen Klæhn un ick, beid' nah Konstantinopel! – Ja, för den Arger hewwt Ji gaud sorgt.«« – Un hei löp an de Klingel un lüdte, un Jochen kamm herin. – »»Jochen, weitst wat Niges? Ick sall 'ne grote Reis' maken, un Du sallst mit, mit æwer 't Water,«« un dorbi lachte hei so gelbunt up, »»ja, Du sallst mit.«« – »Herr,« säd Jochen un kek em so gründlich an, »æwer 't Water? – Früchten S' sick nich, ick bün en seebefohren Mann; ick bün tau Boltenhagen alle Morgen mit Fritz Swarten un Ketelhaunen tau 'm Fischen führt. Ne, mit 't Water weit 'ck Bescheid.« – »»Gah man, Jochen!«« säd Korl, un as Jochen 'rute gahn was, säd hei: »»Vatting, dat is jo nich nödig, dat Du so mit einem Mal dorup inplumpst, bedenk Di de Sak irst; Du hest bet gegen Ostern noch Tid naug tau æwerleggen.«« – »Ach wat! – Will'n man von wat Anners reden. – Wennihr möst Du wedder weg von mi?« – »»Morgen vör Dau un Dag'; ick heww den Slachter morgen Vormiddag bestellt, dat ick de Fettkäuh an em verköpen will.«« – »Na, schön! æwer denn geihst Du mi nu glik tau Bedd. Du hest hüt Strapazen naug hatt un büst in de Johren, wo de Minsch sine Rauh verlangt. – Leiwer Gott, wenn ick in jenne Johren nich so quält wir, ick glöw', ick wir meindag' nich krank worden; æwer dat wiren dunn annere Tiden. – Un nu, min Sæhn, wenn ick Di morgen früh nich mihr seihn süll, denn ick slap länger, wil ick 's Abends nich inslapen kann, denn lew' recht woll un« – hir wis'te hei mit den Dumen æwer de Schuller nah dat Nahwershus tau – »derentwegen sett Di nicks in den Kopp un lat Di dat nich tau sihr tau Harten gahn, dat besorgt uns' Herrgott all, un wat ick dortau dauhn kann . . .« – »»Vatting, dat weit ick, un ick bün ganz ruhig, un sei is 't ok, denn kamen möt dat, un täuwen kænen wi jo.«« – »Na, denn gu'n Nacht, min Sæhn, un Adjüs!« – »»Adjüs, Vatting!«« – As de Sæhn gahn was, klingelte de Oll un Jochen Klæhn kamm 'rin. – »Jochen, Korl möt morgen früh tidig furt, sorg' dorför, dat hei tau rechter Tid sinen Koffe kriegt. – Aewer Du verslöppst de Tid woll.« – »»Ja, Herr, dat dauh 'ck woll; æwer denn bliw ick leiwer de Nacht up.«« – »Ne, dat sallst Du nich, denn büst Du morgen den ganzen Dag nich tau bruken. Denn ward ick jo woll upwaken.« – »»Ne, Herr, dat sælen Sei nich, denn richt ick mi leiwerst min Maschin' up.«« – »Wat is dat wedder?« – »»Heww ick mi All allein utdacht. Seihn S', æwer 't Koppenn' von min Bedd heww ick mi en Nagel in den Bæhn slagen, un dor binn ick en Band an, un dor binn ick einen von min Stewel an, dat hei mi dicht vör de Näs' bammelt, un wenn 'ck mi denn ümdreih, denn stöt ick mit de Näs' an den Stewel un denn wak ick up.«« – »Na, denn mak dat.« – Jochen gung, makte dat, stödd mit de Näs' an den Stewel, makte Koffe, un Korl reis'te af; un as Jochen so hentau Klock achten sinen ollen Herrn ok den Koffe bröcht hadd, stellte hei sick in de Husdör un kek de Strat en beten entlang. Paul Groterjahn kamm antaugahn, de nah de Schaul wull: »»Gu'n Morrn.«« – »Gu'n Morrn,« säd Jochen, so kolt, as hadd 't de Nacht froren, un hei wir mit infroren, un kek wid æwer Paulen weg in de Firn', as wull hei de Schorsteins in de Alexandrinenstrat tellen. – »»Wat is Di, Jochen?«« frog Paul un grawwelte nah sine Hand herümmer. »Nicks is mi,« säd Jochen, tog de Hand furt un tellte wider. – »»Mein Gott, Jochen, wat hest Du?«« – »Wat ick heww?« un Jochen kek em un fohrte em giftig an, »Schell heww 'ck kregen, den ganzen Abend Schell. Du schünnst mi ümmer allerlei an, un ick bün so 'n Narr un dauh 't ok, un nu hett mi Herr Jahn verbaden, ick sall gor nicks mihr tau dauhn hewwen mit Di, un von Din Helene will hei ok nicks mihr weiten, un da!« – hei langte achter de Dör – »da, dor hest Dinen Flitzbagen un nu reis' man!« – »»Jochen, Jochen,«« säd Paul un de Thranen treden em in de Ogen. – »Ne, reis' man, ick will nicks von Di weiten.« – »»Jochen,«« säd Paul, un de Thranen lepen em de Backen dal, »»Du büst . . . Du büst en rechten Schapskopp!«« un dunn brok dat Weinen stärker bi em ut, un hei verget de Schaul un lep nah Hus, un as hei in de Stuw 'rin kamm, wo de Fomili noch bi den Koffe satt, smet hei sine Bäuker up den Disch, de Armbost in 'ne Eck un bröllte lud'hals'. – Dat is dine irste Fründschaft, Paul, de de Welt terreten hett, 't warden woll noch mihr in dinen Lewen braken warden; æwer dat irste Mal deiht sihr weih, un wenn 't ok man Jochen Klæhn is. »Poll,« rep Fru Groterjahnen, »was heißt dies? Warum bist Du nicht in der Schule?« – »»Ja,«« säd Herr Groterjahn, un kek sinen Sæhn so recht streng' as Vader an, »»was heißt dies? und warum bist Du nicht in der Schule?«« – »Und das kommt davon, und das kommt von der alten dummen Feindschaft her,« rohrte Paul wider, »nu will Jochen Klæhn nichts mehr mit mir und mit Helene zu thun haben, und der alte Jahn hat's ihm verboten.« – Helene was upstahn un strakte an Paulen 'rümmer: »»Laß gut sein Paul, Jochen Klæhn wird wohl wieder mit Dir reden und der alte Jahn auch.«« – »Wenn ich Kinder hätte,« rep Fru Groterjahn, »die Ehrgefühl besäßen oder auch nur den geringsten, kindlichen Gehorsam, dann hätten sie sich einer solchen Demüthigung von einem Bauernlümmel nicht ausgesetzt.« – »»Ja,«« seid Herr Groterjahn un sach noch ümmer streng' as Vader ut, »»Mutter hat Recht, Paulus, warum setzest Du Dich einer Demüthigung aus? und auch Du Helene?«« – Hir würd sin strenges Utseihn all en beten weikmäudiger. – »Vater,« säd Helene un makte sick noch ümmer mit Paulen tau dauhn, »ich habe dem jungen Burschen auf seinen Gruß gedankt und habe mich bei ihm öfter nach dem Befinden seines Herrn erkundigt; ich mache auch gar kein Hehl daraus, daß ich mich öfter mit dem alten Jahn selbst unterhalten habe; ich habe keinen Haß gegen ihn, und die Freundlichkeit, die er mir früher erwiesen hat, steht mir noch zu lebendig vor Augen, als daß ich sie mit Undank erwidern möchte.« – »»Was höre ich?«« rep Fru Groterjahn un slog de Hänn' tausam, »»meine Kinder, mein Sohn Poll, mein Kind Hella conzipiren . . . con . . . con . . . conspiriren gegen mich mit dem Erbfeind unseres Hauses, und Du, Groterjahn, Du sitzst dabei und sagst nichts dazu?«« – Dorin hadd sei nu Recht, Herr Groterjahn hadd nicks seggt un hadd ok dorbi seten, hei hadd blot denn sine Fru un denn sine Kinner anseihn, un 't was ogenschinlich, dat hei de ganze Wichtigkeit von de Sak noch gor nich mal recht inseihn hadd; nu æwersten kamm 't æwer em, hei stunn up un säd forsch tau sine Kinner: »Ja, Ihr conspirirt! Und Du, Paulus, gehst mir gleich in die Schule!« – »»Du gehst mir gleich in die Schule,«« säd ok de Fru Mutter, »»Dein Bildungsgang wird sonst unterbrochen.«« – »Ja, Pauling, geh in die Schule,« säd ok Helene. – Paul kek sine Swester an, drögte sick de Ogen, süfzte en por Mal deip up, namm sine Bauker un gung in de Schaul. Aewer hei gung glik dwars æwer de Strat, dat hei nich an Jochen sinen Hus' vörbikamm; hei wull mit Jochen Klæhnen nu ok gor nicks tau dauhn hewwen. As Paul weg was, plinkte Fru Groterjahn ehren Eheherrn utdrücklich tau un wis'te mit den Dumen æwer de Schuller nah ehr Nahwershus tau. – »Ja,« brummte Herr Groterjahn in den Bort. »Ellen, mein Kind,« säd hei, »Deine Mutter befindet sich nicht wohl, ihre Nerven sind durch diese Scene in Aufruhr gekommen, sieh Du heute Morgen einmal nach der Küche,« as wenn Helene dat nich Morgen för Morgen dauhn müßte. – »»Ja, Vater,«« was de Antwurt; sei gung, smet æwer noch en langem Blick up ehren Vader, de em sihr in Verlegenheit setten ded. – »Anton,« fung sine leiwe Fru an, as Helene 'rute gahn was, un ehre Nerven sett'ten sick hellschen in Positur, »ich habe mit Dir zu reden.« – »»Hm,«« säd Herr Groterjahn, wat so vel heiten süll, as: Dit wir jo extra, ehre gesetzliche Tid wir eigentlich jo blot 's Abends nah den Taubeddgahn, un dit brukte hei sick nich gefallen tau laten; dortau kamm nu noch Helene ehr Blick, de em so as 'ne stumme Bed' vörkamen was, un so was em denn binah as 'ne Opposition tau Maud'. – »Anton,« säd Fru Groterjahn, »Du weißt, ich mische mich nie in Deine Angelegenheiten, Du hast die Erziehung von Paul übernommen und Du sollst sie auch behalten; für mich ist Paul kein Object der Erziehung – wie sagte der Professor doch noch? – kein Substrat, ihm fehlt das Höhere, er huldigt dem Gemeinen, Jochen Klähnen und Andern, darum kannst Du ihn erziehen, so viel Du willst; aber Helene ist mein Kind, ich sorge für ihre Erziehung, ich leite ihren Bildungsgang, wie ich ihn schon immer geleitet habe. Oder habe ich das nicht?« – »»Ja, aber . . . .«« dat wir doch hoffentlich ok sin Kind, wull hei wider seggen; æwer sei led nich, dat sine obsternatschen Inwendungen tau 'm Utbruch kemen. – »Schweig still, Anton; Helene ist jetzt in das Stadium getreten, wo über die Zukunft des Weibes der Würfel geworfen wird, wo sie entweder an der Seite eines gebildeten Mannes die Palme aller menschlichen Erziehung erlangt, oder an der Seite eines ungebildeten in den Schmutz und den Staub des gemeinen Lebens zurückgeschleudert wird. – Ich weiß, wie weh das thut!« – »»Hm,«« säd Vater Groterjahn, wat so vel heiten süll, as: Du geihst mi doch en beten tau wid – ungebildten Mann? – ick heww Di nich taurügg sleudert. – »Jetzt ist bei Helenen periculum in mores ,« redte sei wider: »was so viel heißen will, als: es ist die höchste Zeit, daß der Umgang und jegliche Beziehung mit dem Sohne von dem da,« hir wis'te sei æwer de Schuller, »abgebrochen wird, daß mein Kind mit andern hochgebildeten, jungen Männern in Berührung kommt – ach, der Baron von Unkenstein! – aber Du warst nicht zuvorkommend genug gegen den liebenswürdigen, jungen Mann.« – »»Aewer,«« brok nu de Opposition los, »»wat süll ick dorbi dauhn? – Ick weit den Deuwel . . . .«« – »Sprich hochdeutsch, Anton! Ich meine, die Sache ist von solcher Wichtigkeit, daß sie wohl hochdeutsch verhandelt werden könnte.« – »»Meinentwegent,«« säd Herr Groterjahn, un sine Opposition slog den Mittelweg in, indem dat sei sick missingsch vernemen let. – »Darum bin ich so sehr für diese Reise nach Konstantinopel, weil sie uns und Helene mit gebildeten Leuten zusammen führen wird. – Die gehörige Vorbildung zu einer solchen Reise besitzt Helene, sie versteht Englisch, Französisch und Musik; das Einzige, was ich bedauere, ist, daß ich ihr nicht noch Privatstunden in der Baukunst habe geben lassen, damit ihr ein innerstes, seelisches Verständniß für die erhabenen Tempel und Moscheen des Alterthums aufginge; aber auch die beste mütterliche Erziehung kann nicht an Alles denken, und mein Kind ist leider zu indolent, um selbst an so etwas zu denken. – Hier aber muß sie fort, wenigstens eine Zeitlang, denn ich sehe Alles, ich durchschaue das Ganze, der da,« sei wis'te æwer de Schuller, »hat sich zum Zwischenträger dieser kindischen, sogenannten Liebe aufgeworfen.« – »»Ne,«« säd Anton, sprok plattdütsch un sprung up, wat en düdlich Teiken was, dat hei sick up de Achterbeinen setten wull, »»dat deiht hei nich , dortau is hei vel tau stolz. – Wenn hei dat nich wir, denn hadd hei sick unner Dine vörnehmere Bildung woll bögt, un denn wir 't woll noch Allens so, as 't west is. – Ne, dortau is hei tau stolz un sin Korl ok.«« – »Anton!« rep Fru Groterjahn un ehre Nerven sprungen pil von den Sopha in Enn' un makten vör Wuth Antonen en ganz blages Gesicht tau, dat de olle gaudmäudige Fetthamel an Slag un Unglück denken müßt; un wat süll 't oll Worm denn woll in de Welt anfangen, noch dortau mit so 'n Gewissen up de Seel? Hei stek also fix de Pip in den Sack un fung an, sine Fru tau begäuschen un säd: hei hadd man so meint, æwer sine Meinung wir dat nich, un wat sei mit ehr Kind upstellen wull, dat künn sei jo, un hei künn sick jo ok nich besweren, dat hei in 't Achtergeleg' schawen wir, hei hadd jo sin vullup Deil mit sin Kind tau dauhn, mit Paulen. Un dunn kumpelmentirte hei ehre Nerven wedder up den weiken Sopha dal un föll bi ehr up de Knei, nich wegen Afgötteri un Leiwsanbedung, denn de Tiden hadd hei hatt un sei ok, un sei verlangte dat ok nich mihr, denn sei was mitdewil ut 'ne sihr schöne 'ne sihr verstännige Fru worden, un hei stek den Kopp unner den Sopha, nich ut Feigheit, as de Vagel Strauß deiht, dat hei sick vör sine Fru unsichtbor maken wull, ne! dit was All wegen de Rutsch. Un hei halte de Rutsch unner den Sopha 'rute un stellte sine leiwe Fru ehre leiwen Beinen dorup, recht sacht, denn hei kennte dat, indem dat all' ehre lütten Scharmützels dormit en Enn' nemen, dat hei de Rutsch halen müßt. Un as dit beschafft was, dunn beruhigten sick de Nerven von de Beinen an upwarts, un sei was ganz blassing worden un lagg smachtig in de Sophaeck, un nu was hei ganz blag von 't Bücken un puste as 'ne Adder, un sei säd sihr sachtmäudig: »Anton, Du bist der Vater meiner Kinder, beruhige Dich; aber verlaß mich jetzt, ich bin sehr abgespannt, ich muß mich erst geistig wieder anregen.« – Un Herr Groterjahn puste 'rute, nich von wegen sine Boshaftigkeit, blot von wegen dat Bücken: ja, dat wull hei, un hei wull sick hensetten un wull en Breif schriwen an den Paster tau Grote-Barkow wegen dat Meß-Kurn, un denn wull hei tauglik en Breid mit inleggen an den Herrn Nemlich wegen de Reis' nah Konstantinopel, wat hei de Erklärung æwer sick nemen wull un biher ok Paulen sinen Unnerricht, »»denn,«« säd hei, »»wie Du heute Morgen so schön sagtest, sein Bildungsgang darf nicht unterbrochen werden.«« – Un dit kettelte ehr, dat Anton ditmal ehre Redensort so schön behollen hadd, wat süs sin Sak velmals nich was, un sei winkte em gnedig 'rute ut de Dör un säd: »Thu das! Poll gehört Dir , Hella mir als Erziehungs-Substrat.« – Un hei gung 'rute, un as hei de Trepp nah sine Stuw 'ruppe gung, säd hei bi jede Stuf' »»Substrat! – Substrat!«« – Hei wull sick dat Wurt marken, dat hei ehr dor 'ne Freud' mit maken wull. – Un sei lagg up den Sopha un regte sick geistig wedder an. – – Kapittel 3. Wer Herr Nemlich is, un worüm sick de Jung' de Stewel scheiw lopen hett. – Wat de Lüd' seggen. – Worüm Herr Nemlich den ollen Köster Beerbom sine Munde in en verbeterten Culturstand bringen will. – Wat Uhlen ok singen? – Worüm de ›Herr Verfasser‹, Eugehn Züh, den Titel ›Schaulmeister‹ as Oekelnamen vernutzt, un wat de ›Instinct der Vernichtung‹ för 'ne Ort von Dirt is? – Wo de Düwel den ollen Köster in de Klawen hett, un sine Fru ehr blag'wörpeltes Aewerbedd in den Hus' herümme späukt. – Herr Nemlich kriggt en Raup nah Konstantinopel; nah Zwiebelsdörp wir Munde'n leiwer west. – De arme Paster! – Adjüs! Munde for ever! Nu möt ick an mine leiwen Lesers ein wat utverschamtes Verlangen stellen; sei möten bi dit Weder – dat regent hüt den ganzen Dag, blot gegen Abend ward dat klor – un bi desen Weg – de Holtwagens hewwen em en beten mitnamen – mit mi 'ne Reis' nah Groten-Barkow maken. – 'T is vel verlangt; æwer 't helpt doch nich, wi hewwen dor nothwennige Geschäften bi den ollen Köster Beerbom, un hüt is Sünndag, hüt hett de Mann de meiste Tid, Warkeldags möt hei de Kinner slagen. Den Nahmiddag vörher hett sick bi den Köster all Herr Nemlich, Huslihrer bi den ollen Semmlow tau Quistörp, infunnen. De Lüd' seggen jo, hei stækert nah den Köster sine öllste Dochter, Munde, 'rümmer; Breiw' schriwwt hei ehr tau 'm wenigsten, dat weit ick, denn de Jung' ut den ollen Semmlow sinen Veihstall seggt, hei hett sick sine nigen Stewel in den deipen Weg tüschen Quistörp un Groten-Barkow ganz scheiw lopen un will nu nich mihr, un fröggt, wer em dor wat för giwwt? Herr Nemlich giwwt em nämlich man blitzwenig för sin Aportendrägen, kann em ok man blitzwenig gewen, denn hei brukt sine Gröschens nothwendig sülwst tau 'm Upvijolen von sine Perßohn, un de Leiwspresente an Munde tehren em ok an den Geldbüdel. – De Lüd' seggen ok, de oll Köster will noch nich 'ranne an 'ne regelrechte Verlawung un hött noch mit sinen väterlichen Segen 'rümmer, as de Scheper mit de Schap an en Weitenslag entlang; æwer wat will dat seggen? seggen de Lüd'; wat sei is, de Kösterfru, stimmt dorför, un vör Allen Munde sülwst. – Aewer, seggen de Lüd', warden kann dor doch nicks ut, denn Munde steckt tau sihr gegen em af, sei is woll en gesunnes un ok en smuckes Mäten, æwer ehr geiht dat ›Feine‹ af, wat ›Cultur der Welt‹ bi em utbrött hett. – Hei, Herr Nemlich, fäuhlt den Afstand mæglicher Wis' sülwst, un hei stanzelt nu mit Hänn'n un Fäuten dornah, Munde in en verbeterten Culturtaustand tau bringen, un hett gistern Nahmiddag de Geheimnissen von Paris von Eugehn Züh mitbröcht, dat hei ehr dormit in Bildungsangelegenheiten unner de Arm gripen will. – Hei hett gistern Nahmiddag bet 's Nachtens hentau halw twölwen in einen Ritt vörlesen, un as dunn tauletzt Vader Köster seggt hett: un wir 't naug, morgen wir ok en Dag, hett Keiner von de ganze Gesellschaft tau Bedd gahn wullt, so hewwen sei sick grugt. Un tauletzt is de Utkunft drapen worden, dat de Kösterfru un Munde un dat halfutgewussene Deinstmäten, Stin-Durtig, un den Köster sine æwrigen söß lütten Fomilien all ehr Beddgeschirr in de Schaulstuw' tausamen dragen hewwen, un hewwen dor de Nacht sick an enanner tröst't; blot Herr Nemlich un de Köster hewwen de Nacht allein legen! De Köster æwer ok man bet hentau halwig Ein, dunn is 't ok æwer em kamen, un hei is mit sine Bedden up den Kopp ok nah de Schaulstuw' utwannert. Un as hei dor ankloppt hett, dat sei em 'rinner laten süllen, hewwen sei sick All so grugt, dat Keiner Antwurt gewen hett, un as hei nu düller anbullert hett un sick namkünnig makt hett, hett sick de Kösterfru tauletzt en Hart fat't un hett de Dör upmakt, æwer as sei nu stats ehren Mann ehr eigenes blag'wörpeltes Aewerbedd hett dorümmer späuken seihn, hett sei sick so dägern verfirt, dat sei in de Huk dalsackt is, un de söß lütten Beerboms-Fomilien hewwen en Geschrei anstimmt, dat Herr Nemlich in korten Tüg' von den Bæhn 'raf kamen is, in de Meinung, dor wir Füer; denn grugen deiht Herr Nemlich sick nämlich nich, dortau is hei nich allein tau gebildt, ne, ok tau upperklärt. – Un för sinen Heldenmaud is hei sihr säut belohnt worden, denn hei hett tau 'm irsten Mal sine Leiwste in en Bedd liggen seihn; dat heit, hei hett nicks von ehr seihn, nich mal ehre Nachtmütz, denn sei is unner krapen west; æwer hei hett doch ehr Bedd seihn. – So hewwen de Lüd' vertellt, un ick weit 't nich, wat dat wohr is oder nich. Aewer wat nu kümmt is wohr, dat hett de oll Köster mi sülwst vertellt. Den annern Morgen, den Sünndag, langte Herr Nemlich all bi den Koffe wedder nah dat Bauk, üm de Bildung furttausetten, æwer de Köster namm em 't ut de Hand un slot dat in sin Schapp un säd: hei höll dat bi sinen Stand nich för paßlich, dat vör de Predigt so wat bedrewen würd, irst müßt hei ok sine geistlichen Geschäften besorgen, dat Lüden up den Thorm un den Gesang in de Kirch, un hei wull 't ok mit anhüren. Dat hülp denn nu nich, de Gesellschaft müßt sick dorin finnen, un satt nu 'rüm un hulwakte wegen de slimme Nacht, de sei hatt hadd; Munde kunn sick gor nich in de Schicksalen von de ›Schallerin‹ un in den Edelmaud von den Fürsten von Geroldstein finnen, un Stin-Durtig, dat halfutgewussene Deinstmäten, gung mit grote, runne Ogen un rugen Kopp in den Huf' herümmer un säd ümmer vör sick hen: »De Uhl, dat oll Uhlenminsch! – Fru, dat 's doch woll 'ne Hex west,« un hadd gor keine Ahnung dorvon, dat sei sülwst as en leibhaftiges Uhlenküken utsach. Na, tauletzt un tauletzt was denn nu de Predigt un de Kirch tau Enn', un ick glöw' nich, dat in jichtens ein sündig un verwohrlos't Hus in de ganze Gemein so 'n Janken nah dit Enn' west is, as in dat Kösterhus, wat doch en geistlich sin sall. De oll Vader Köster hett mi nahsten unner groten Jammer un Ledwesen ingestahn, em för sine Perßohn hadd de Düwel ganz in de Krallen hatt, hei hadd bi sinen geistlichen Gesang an nicks wider dacht, as an de Spitzbauwenwirthschaft tau Paris, un as de Herr Pastur sine Predigt en beten vüllig mit lange Lin' hadd utlopen laten, wat hei bi weck Gelegenheiten, wo hei en beten mihr as gewöhnlich Staat maken wull, so an sick hadd, dunn wir em so tau Maud' west, as hadd hei den Herrn Pasturen woll an den Tolor rügglings von de Kanzel trecken müggt, so hadd de Düwel in em späukt. As de Köster tau Hus kamm, stunnen sine Fru un Munde un Herr Nemlich un dat halfutgewussene Deinstmäten un de söß lütten Fomilien vör de Dör tau sinen Schapp, as wi in unsen Jungsjohren nah de Schaul vör de Spiskamerdör, un jankten nah dat Bauk, as wi nah Botterbrod, un de Köster brok mit starken Schritten dörch de Reih, grad' as uns' Tanten Schæning tau dauhn plegte, slot dat Schapp up, halte dat Bauk, gaww dat Herrn Nemlichen, grad' as uns' Tanten Schæning, as wenn dat Bauk en Botterbrod wir. Herr Nemlich sett'te sick nu in den Lehnstaul baben an den Disch, de Köster mit sine Fru up den Sopha un de Annern up Stäul üm den Disch 'rüm; dat halfutgewussene Deinstmäten satt unnen an, Herr Nemlichen grad' gegenæwer, un kek em mit ehre runnen Ogen an. – Keiner ded Handswark, kein Knütt un kein Nicks rögte sick, un ut einem Munn' säden s' All: »Na, nu man tau!« – Herr Nemlich slog dat Bauk up un fung an: »»Wir sind gestern bei der schauderhaft ergreifenden Stelle stehen geblieben, wo der Schulmeister, dem der edle Rudolf die Augen ausgestochen hat, mit dem kleinen Lahmen und der Eule zusammentrifft.«« – »Dat oll Uhlenminsch!« säd dat halfutgewussene Deinstmäten vör sick hen, »ritt de Gören de Tähnen ut!« – »»Still!«« säd Munde. – »Herr Nemlich,« säd de Köster, »nehmen Sie 's nich übel; aber ich betrachte das Buch als eine Belehrung, und nu will mir das nicht in den Kopf herein – nehmen Sie mal an, es ist doch ein stark Stück, daß ein Mensch dem andern die Augen aussticht und doch ein edler Mensch ist. – Was Du nicht willst, daß Dir geschicht, das thu auch keinem Andern nicht.« – »»Ach, Vadding, nu lat dat!«« säd de Kösterfru, »»wi willen hüren, wo 't wider kümmt.«« – »Nein,« säd Herr Nemlich, »das ist mir immer lieb, wenn ich in solcher Weise gestört werde. – Sie müssen nur bedenken, mein lieber Herr Beerbom, daß dieser edle Rudolf ein Fürst ist, und daß er für die ganze Menschheit sich aufopfert, indem daß er so ein grausames Ungeheuer in blinde Nacht versenkt.« – »»Ja,«« säd de Köster, »»is All recht gut, abersten uns' Großherzog is auch ein regierender Fürst und läßt doch die Leute nicht die Augen ausstechen. – Na, man weiter!«« säd hei, denn sine Fru hadd em en Fuck in de Ribben gewen. Un Herr Nemlich las: Der Schulmeister machte eine Pause. Die Eule stieß einen so gräßlichen Schrei aus, daß der kleine Lahme entsetzt auf der steinernen Stufe aufsprang. Das entsetzliche Geschrei der Eule – »wenn hei s' man dodmaken ded!« säd dat halfutgewussene Deinstmäten vör sick hen – schien die wahnsinnige Wuth des Schulmeisters auf den höchsten Grad zu steigern. Singe nur – sagte er leise – singe nur Eule – singe . . . Dein Todtenlied. – Du bist glücklich – Du siehst die drei Gespenster – unserer Ermordeten nicht mehr – den kleinen Alten in der Ru–e du Ro–ule – die ersäufte Frau – den Viehhändler. – Aber ich – ich sehe sie – sie kommen heran – sie greifen mich an! – Oh – wie kalt sie sind! »Fru,« frog dat halfutgewussene Deinstmäten, »singen de Uhlen ok?« – »»Wenn Du noch mal dor mang inredst, denn geihst Du mi ut de Stuw 'rute.«« – »Aber wie natürlich ist dies!« rep Munde ut, as hadd sei dit All mal sülwst mit dörchmakt. – »»Ja,«« säd Vader Köster, »»natürlich ist es sehr,«« as hadd hei ok all mal en halw Dutzend Minschen ümbröcht, un wüßt un, wo 't ded, wenn hei sei mit blinne Ogen vör sick 'rümspäuken sach. – »»Na, man weiter!«« säd hei, denn hei was sick en frischen Fuck von sine Fru vermauden. – Der letzte Schein der Vernunft des Bösewichts erlosch in diesem Schrei des Entsetzens. Von nun an sprach der Schulmeister nicht mehr, er rannte umher, er brüllte wie ein wildes Thier und gehorchte nur noch dem Instinct der Vernichtung. »»Halt!«« säd Vader Beerbom, »»Instinct der Vernichtung! was meint er damit?«« – »Ach, Vatting,« säd sine leiwe Fru, »ein Jeder kann sick jo dorbi denken, wat hei Lust hett. – Süh, dat Du von den Instinct der Vernichtung en annern Begriff hest, as uns' lütt Franz, dat versteiht sick von sülwst; æwer wi kamen jo dorbi nich ut de Städ'.« – »»Nur noch ein Wort, Katharine,«« säd Beerbom un wendte sick an den Vorleser: »»Den ausgezeichneten Herrn Verfasser in allen Ehren; aber es ist mich sehr entgegen, daß er den schauderhaftigsten Bösewicht mit dem Namen ›Schulmeister‹ benennt; es widerstreitet unserm Stand.«« – »Es ist mir im Anfang auch so gewesen,« säd Herr Nemlich, »aber wenn Sie bedenken, daß der Mörder jetzt schon in der Reue ist, und daß er sich bessern kann, und daß er zuletzt noch ein sehr edler Mensch werden kann, und daß er den Namen nur deßwegen führt, weil er, wie es im Anfang des Buches gesagt ist, eine sehr schöne Hand schreibt, so können wir uns dabei beruhigen, indem das doch nur ein bloßer Oekelname ist.« – »»Ja, das ist es gerade, daß der Titel ›Schulmeister‹ als ein Oekelname vermißbraucht wird!«« – »Ne, Vatting,« säd sine Fru, »Du geihst tau wid, Du geihst würklich tau wid, un wi kamen nich wider.« – »»Ja, Vating,«« säd Munde, »»wir müssen und müssen nu weiter.«« – Un de lütten söß Fomilien säden, wenn sei sick grugeln süllen, denn wullen sei sick ok ahn Vatting sine Inwendungen grugeln, un dat halfutgewussene Deinstmäten säd: sei dürwte nicks von de Uhl seggen, un de Herr wull noch vel von den Schaulmeister seggen. – De oll Köster müßt sick denn nu sacht gewen, hei versprok denn ok den Mund nich uptaudauhn, un dat Vorlesen gung wider; de Klock würd twölw, de Klock würd ein, de Klock würd twei – dunn kunn 't de Köster æwer nich wider uthollen, hei frog, wo 't denn mit dat Middageten stünn, æwer dor kamm hei schön an. – Sine Fru frog em, wat hei so wenig Interess' an de Geschicht nem', dat hei doræwer nich Eten un Drinken vergeten künn. – Un Munde säd, sei hadd dor ok nich an denken künnt, un dat Deinstmäten säd grad'tau: sei güng nich 'rut, sei wull ok weiten, wo de Geschicht uthauen ded. – Tauletzt würd de Utkunft drapen, dat halfutgewussene Deinstmäten süll nah de Kæk gahn un süll Koffe kaken, un sei künnen denn All bi 't Lesen Koffe trinken, un de Köster künn dortau stippen, dat hei wat Fastes in 'n Liw' kreg'. Aewer de Voß was ehr tau klauk. – »Ja,« säd Stin-Durtig, »dat Ji denn widerlesen willt, wenn ick 'rut bün. Ne, so geiht 't nich los! – Munde möt ok mit,« denn de Racker hadd dat in dat richtige Gefäuhl, ahn Munde würd Herr Nemlich nich lesen. So müßt denn un Munde als Sekerheits-Pand för dat halfutgewussene Deinstmäten in de Kæk an den Koffepott stahn, bet de Koffe farig was. – Un nu stippte de Köster, un Herr Nemlich las ahn alle Stürung bet in den deipen Schummerabend herin. – Mit einem Mal sprung Munde up: »»Herr Pastohr kommt!«« – Herr Nemlich klappte dat Bauk tau, de Köster un de ganz Gesellschaft flog in Enn', un de Herr Pastur kamm in de Dör 'rin: »Guten Abend! Ich höre so eben, Herr Nemlich sei hier bei Ihnen. – Ach, da! – Guten Abend! – Ich habe einen Brief an Sie abzugeben von unserm Gutsherrn, Herrn Groterjahn. Hier! – Er hat mich mit dem Inhalt desselben bekannt gemacht. – Der Brief wird Ihnen gewiß viele Freude machen, aber er legt Ihnen auch gewisse Verpflichtungen auf, bei denen ich mich in Ihrer Stelle etwas bedenken würde.« – »»Wollen Herr Pastor sich nicht ein Bischen setzen?«« säd Vader Köster un schow de Lehnstaul taurecht. »»Besorg' doch en Bischen Licht,«« säd hei tau Munde. – »Oh, nein, lassen Sie!« säd de Paster tau Munde ehre Freud', denn ehr grugte, in 'n Düstern allein 'rut tau gahn. – »Was haben Sie denn da?« frog hei wider un langte nah dat Bauk. – »»Oh, es ist ein Buch eines gewissen Herrn Verfassers, mit Namen Eugehn Züh, welches sich die Geheimnissen von Paris benennt, Herr Nemlich lies't uns das vor,«« säd Beerbom, »»es ist sehr schön.«« – »Es ist sehr schön!« säd de Kösterfru. – »»Reizend,«« säd Munde – dit ßackermentsche Wurt hadd sei ok all von Herrn Nemlichen lihrt, kann ok sin, dat sei mal in Treptow oder Nigen-Bramborg tau 'm Besäuk west was, denn dor is Allens ›reizend‹, ok en Gräfniß, wenn 't man mit vele Kräns' un mit 'ne fierliche Likenred': ›Eingetreten in des Kirchhofs stille Räume . . . .‹ begahn ward. – »Ich kenne das Buch nicht,« säd de Paster un läd 't up den Disch. – »»Oh, Herr Pastor,«« föll Herr Neulich mit groten Swung in, »»das müssen Sie lesen, der Verfasser geht noch über den großen Franzosen Dumas, eine Spannung wechselt immer die andere ab, der Mensch kommt gar nicht zur Besinnung, und als ich's zum ersten Mal durch hatte, bin ich drei Tage in Unruhe herumgelaufen wegen der schauderhaften Slechtigkeit der menschlichen Natur, denn dies ist das Thema.«« – »Dann les' ich's gewiß nicht,« säd de Paster en beten sihr käuhl, »die Verdorbenheit der menschlichen Natur brauchen wir nicht erst in Büchern aufzusuchen.« – »»Ja, aber Herr Pastohr,«« säd Vader Beerbom, de glöwte, hei müßte Herr Nemlichen en beten unner de Arm gripen, »es dient doch sehr zur Belehrung.«« – »Mein lieber, alter Beerbom,« säd de Paster un kloppte den Ollen fründlich up de Schuller, »in Ihrem Alter schadet diese Art von Büchern nicht mehr so sehr viel, aber für die Jugend ist sie gefährlich; ich möchte meinen Kindern das Buch nicht in die Hand geben, wenn es so wirkt, wie Herr Nemlich sagt. – Nun, guten Abend! Ich will noch meinen Spaziergang abmachen, das Wetter ist jetzt besser geworden. – Guten Abend!« Dormit gung hei. – »»Das glaub' ich sacht!«« säd Herr Nemlich, as de Paster ut de Dör was; »»daß seine Jungs nichts davon verstehen werden, ist mir sehr klar, denn bei der Methode, die er gebraucht, da lernen sie nichts als Lateinsch und Griechsch und Mathematik und so was; von der allgemeinen menschlichen Bildung ist nicht die Rede. Da frage ich neulich seinen Fritz, was er zur Unterhaltung lesen thäte, da sagt der Junge: den Robinson. – Ein vierzehnjähriger Junge den Robinson! – Aber ich vergesse meinen Brief. – Liebes Fräulein, theure Rosamunde, ein bischen Licht; aber Sie grauen sich, ich werde Sie begleiten.«« – De oll Köster protestirte dor so halw gegen, æwer de Beiden wiren all ut de Dör, un nu würd dor in de Kæk en lütt Kapittel von Bildung achter 'n Füerhird afhollen, wat Munden ehre Backen en beten roder as gewöhnlich upfarwt hadd, as sei endlich mit Licht herinner kamm. – Herr Nemlich las sinen Breif; sine Ogen würden ümmer gröter, hei sprung up: »Nein dies ist . . . .,« hei sett'te sick wedder dal: »Nein dies ist . . . .« – »»Was? Wat?«« frog dat dörchenanner; Herr Nemlich antwurt'te nich, hei las sinen Breif unner allerlei Wunnerwarken tau Enn', dunn sprung hei up un deklamirte in de Stuw' herümmer: »Das sag' ich man! Das sag' ich man! – Mein Talent, meine Kenntnisse, meine Bildung, sie kommen doch zuletzt zur Geltung. – Oh, der Herr Pastohr! – Ja, der hat mich nicht erkannt; was sagte er? Er würde sich an meiner Stelle erst bedenken: – Ich bedenke mich gar nicht, ich nehm's an! ich nehm's an!« – »»Ach,«« säd de Kösterfru, »»Sei hewwen gewiß de Städ' as drüdde Hülpslihrer tau Zwiebelsdörp kregen,«« un dorbi kek sei Munde an, un Munde was ganz blaß worden, un dat arme Kind folgte de Hänn' in den Schot, un ehr was tau Maud', as wiren alle Gnaden von unsern Herrgott unverdeint up ehr utgaten worden, denn Munde was trotz Eugehn Züh un Bildung en hartensgaudes Mäten blewen. – »Nein mehr, viel mehr!« rep Herr Nemlich un stellte sick midden in de Stuw': »ich habe einen Ruf nach Konstantinopel gekriggt!« – »»Gott sall mi bewohren!«« rep de Kösterfru, »»dat is jo woll bi den Türken.«« – Un Munde ded ehr Hänn' utenanner un kek em unseker an; ehr wir Zwiebelsdörp leiwer west. – »Na, nu aber sagen Sie, was das ist,« säd Beerbom. – »»Ich soll mit dem Herrn Rittergutsbesitzer Groterjahn und seiner Familie nach Konstantinopel reisen und in die umliegenden Gegenden, ich soll ihnen da Alles erklären und dem jüngsten Sohn, Paul, auf der Reise Unterricht ertheilen, damit sein Bildungsgang nicht unterbrochen wird.«« – »Das ist aber ein großes Glück,« säd de Köster, stunn up un schüddelte Herr Nemlichen de Hand, üm em tau gratuliren, un wenn Herr Nemlich in desen stolzen Ogenblick üm Munde ehre Hand anhollen hadd, de oll Köster hadd ›ja‹ seggt. – »»Wat krigen Sei dorför?«« frog de Kösterfru, de mihr för dat Praktische was. – »Ich kriege freie Reise, freie Zehrung und alle Tage 10 Sgr. für meine Extra-Ausgaben, als Wäsche, Cigarren u. s. w.« – »»Und was haben Sie dagegen zu leisten?«« frog de Köster. – »Also erstlich die Erklärung der Städte und Gegenden, dann den Unterricht von dem jungen Herrn, dann die Aufsicht auf das Gepäck, das Billetauslösen auf der Eisenbahn, Vorlesen bei der gnädigen Frau Groterjahn, wenn's Regenwetter ist, oder ihre Nerven abgespannt sind, Feueranmachen für Cigarren und Pfeifen, und sonst noch kleine Bestellungen ausrichten.« – »»Na, hören Sie,«« säd de Köster, »»da haben Sie denn aber auch vollkommen Ihre Last mit. Das Andere ginge All; aber das Vorlesen bei ihr, das is en beswerlich Stück. Ich kenne ihr, sie hat zu viele Ideen. – Abersten wenn All das auch wär', bedenken Sie auch, daß Sie mit Ihrer Reise wegen Ihrer Bewerbung um die Stelle in Zwiebelsdörp in einen Nachtheil kommen können? Unsere geistliche Regierung wird Ihnen nicht nach Konstantinopel nachflöten.«« – Munde kek em recht trurig an, as wiren all ehr Utsichten up ehr lütt, bescheiden Glück æwer Nacht verhagelt. – Aewer – Du leiwer Gott! – en jungen Minschen stiggt so wat tau Kopp, un Herr Nemlichen was de Reis' all mit vulle Utrüstung, mit Aewertrecker un wull'ne Halsdäuker un warme Decken, in den Kopp treden un hadd sick dor ›zweite Klasse für Raucher‹ behaglich in 'ne weike Eck 'rin sett't, un nu süll hei upstahn un nah Zwiebelsdörp gahn un dor Kinner lihren? – Dat was nich tau verlangen, un wenn Munde ok noch so trurig utsach. – Hei redte also noch vel von de groten Verhältnissen, in de hei dörch de gebildte Groterjahnsche Fomili kamen würd, un dat Ministerium würd woll tau weiten krigen, dat hei wegen sine utgeteikenten Kenntnissen tau so en vörnehmem Posten beraupen wir, un dat hei stark doran denken ded, de lütten Hülpslihrer-Städen mit en grotorigen Sprung tau æwerhüppen un vörlöpig up en recht gauden Kanterposten los tau gahn. Un as em Munde bi sinen Afschid ut de Dör lüchten ded, gaww hei ehr so 'n fixen Ströper-Kuß un flustert ehr tau: »Was meinst Du?« – denn wenn de Köster nich dorbi was un in sine Breiw' nennte hei sei all Du – »was meinst Du zu dem alten Müschen seine Stelle; er wird schon alt, und wenn ich sie kriege, dann . . . . für die standesgemäße Einrichtung ist auch schon gesorgt: Herr Groterjahn giebt mir nach der Reise ein großartiges Duzöhr. – Das behalt für Dich, da will ich später Deinen Vater mit überraschen.« – Munde gung mit beklemmten Harten in de Stuw' taurügg, un hei gung in 'n Düstern nah Quistörp tau un redte lud' mit sick sülwst von den groten Christoffer un satt hoch tau Pird', bet hei tauletzt in en Grawen föll, wat em in so wid afkäuhlen ded, dat hei tau Hus sinen Prinzipahl sine eigenen Utsichten vörstellig maken kunn. – De oll Semmlow was en gaudmäudig Mann, un as em Herr Nemlich versprok' en gauden Fründ von sick in sine Städ' tau stellen, makte hei wider keine Inwendungen, ok dunn nich, as em Herr Nemlich anmauden was, den Fründ glik antaunemen un em sülwst biher mit uttaufaudern, denn hei müßte noch för sine grote Upgaw' hellschen vele Studien – so säd hei – maken. Den sülwigen Abend schrew hei an Herr Groterjahnen: ja, hei wull, wir mit Allens taufreden un bedung sick blot noch expreß 'ne gebildte Behandlung ut. – Den annern Morgen müßte de Jung' mit de scheiwen Steweln den Breif up de Post bringen, Herr Nemlich makte ›Studien‹, un stats de Kinner tau lihren, lihrte hei sick sülwst; Eugehn Züh kek em as ewige Jud', den hei noch nich kennte, woll sihr leiwlich an, æwer för ditmal müßte de Mann sick gedüllen. Hei verföll nu natürlich tauirst up de Landkort. »Hir Meckelnborg, Quistörp,« säd hei; denn wenn hei mir sick sülwst redte, redte hei Plattdütsch, ut pure Ökonomi, hei brukte sine hochdütschen Kräft nich för sick sülwst aftaustrapziren, hei wüßt jo, hei kunn. – »Hir Berlin – Bennewitz is all in Berlin west – oh, Bennewitz, Du jammerst mi! – hir Dresden, Königreich Sachsen; Prag – wat is noch in Prag? – Prag? – Ach so! Prager Studenten. – Wien – ach, Wien, ›'s giebt nur a Kaiserstadt, 's giebt nur a Wien!‹ – Triest – hir geiht 't los – Adriatisches Meer – Korfu – wo is Korfu? – Nah Korfu sünd wi up den Seminor gor nich kamen – ah, hir; un nu geiht 't hir 'rüm« – dormit sus'te hei üm dat Kap Matapan 'rümmer, dat em de Hor up den Kopp simmen deden, »un hir,« säd hei, »liggt Konstantinopel!« un sett'te sinen Finger up dat Flag mit so 'n Gewicht, as sett'te hei sinen Faut up den Nacken von den Erbfind von de ganze Christenheit, up den groten Soldan sülwst. As hei sick hir mit sine Gedanken en tidlang 'rümmer drewen hadd, was hei so verstännig, wedder an de Rüggreis' tau denken, de hei æwer Smyrna un Athen un Venedig inslog. – As hei in Athen ankamen was, rep hei: »Dunnerwetter, hir in Athen möt öltlings mal wat passirt sin! – Aewer wat denn?« – Hei lep hen un halte sin Geschichtsbauk, ›kleine Weltgeschichte für Töchterschulen von Friedrich Nösselt, Breslau 1834, sechste Auflage;‹ hei slog hen un her, kunn æwer up den Sturz ok nich finnen, wat hei söchte. – »Na,« säd hei, »das würde denn Gegenstand meiner Studien sein.« – Hir möt nu Einer woll beachten, dat hei hochdütsch mit sick reden ded; hei ded dat ut grote Hochachtung för dat Wurt ›Studien‹. – As hei mit de Landkort farig was, langte hei sick sin Geographi-Bauk von Cannabich von sin Eten-Spind 'runner, wo em Fru Semmlow'n ümmer tau Tid en halw Pund Botter un en halw Brod 'rinner leggen let, dat hei Frühstück un Vesperbrod doran hewwen süll, flog Konstantinopel up un fung nu irnstlich an utwennig tau lihren: »Konstantinopel, von den Türken Stambul, auch Istambol genannt, ist die Hauptstadt des türkischen Reichs; sie hat 6–700,000 Einwohner, genau weiß man das nicht – 6–700,000 Einwohner, genau weiß man das nicht – genau weiß man das nicht.« – So studirte hei un den utgeslagenen Dag lang, bet 's Abends Korl Bennewitz kamm, de em bi Herr Semmlow'n aflösen süll. – Na, un würd denn vel vertellt, von sine grote Reis', von sine Leiw' tau Munde, de Korl Bennewitz all eben so gaud utwennig wüßte, as hei Konstantinopel, un von de Studien, de hei noch maken müßte. As de Red' bilöpig up Athen un Griechenland kamm, säd Korl Bennewitz, hei hadd sine Bäuker mitbröcht, un dor wir de ›Olymp‹ mit unner ›oder Mythologie der Aegypter, Griechen und Römer, zum Selbstunterricht für die erwachsene Jugend und angehende Künstler, von Petiscus, Professor;‹ wenn hei em dormit deinen künn, nich mihr as girn; dor wiren ok Biller in. – Dat würd denn nu mit Dank annamen, un Herr Nemlich lihrte nu ümschichtig ut den lütten Cannabich, ut den lütten Nösselt un ut den lütten Petiscus, un 't gung ganz glatt; blot wenn de lütt Petiscus an de Reih' kamm, un hei de Biller besach, kregen de irnstlichen ›Studien‹ en lütten Knick, un sine Gedanken swewten æwer den dreckigen Weg, wo sick de Jung' all de Steweln up scheiw lopen hadd, nah Groten-Barkow in dat Kösterhus 'ræwer, denn bi dat Bild von de Minerva in den lütten Petiscus müßte hei ümmer an Munde in den Kösterhus' denken, wegen de grote Ähnlichkeit tüschen de beiden. – Dat heit – verstah mi hir Einer recht! – blot de Gesichter wiren ähnlich, nich de Kledagen un de Utrüstung; denn Munde gung nich för gewöhnlich mit Helm un Sper un Schild in den Hus' herümmer un drog ok en ordentlich Kled, wat sei sick sülwst makt hadd, denn sei hadd Snidern lihrt, wat ok mit de Göttin tausam stimmte, denn in den lütten Petiscus stunn utdrücklich, ›daß sie die Kunst des Webens, Nähens und Strickens lehrte;‹ un ok de Uhl an ehre Sid stimmte, denn Herr Neulich brukte sick blot dat halfutgewussene Deinstmäten mit den rugen Kopp un de groten, runnen Ogen vörstellig tau maken, un de Uhl was farig. – So kamm denn nu de Tid tau sine Afreis' ümmer neger; den Dag æwer lihrte hei sick utwennig, un den Abend disputirte hei mit Korl Bennewitzen æwer sine ›Studien‹, denn hei hadd ok man, as Schiller seggt, en korten Darm; wat hei den Dag æwer tau sick namen hadd, müßte hei 's Abends wedder von sick gewen. – Hei was öfter mal nah den ollen Köster Beerbom 'ræwer lopen un hadd Munde besöcht, æwer ümmer man up de Uhlenflucht; nu æwer, an einen Sünndag, makte hei 'ne längere Vesit un namm Afschid. Munde was sihr trurig, wegen de Afreis' un wegen de Utsichten up Zwiebelsdörp, sei let sick 't æwer nich marken, dormit dat sei sine Freud' nich vergällen wull. De oll Köster æwer un vör Allen de Kösterfru, de hellschen prick wüßte, wo de Has' lep, drängten bi den Afschid dorup, dat hei bi den Paster Adjüs seggen, un sin Gedächtniß bi em upwarmen süll, dormit hei wegen Zwiebelsdörp nich in Vergetniß kem', wenn alle bi Herr Groterjahnen un sine vörnehmen Bekanntschaften angeschirrten Strängen riten süllen. – Herr Nemlich küßte nu den Köster un sine Fru un de söß lütten Fomilien un tauletzt ok Munde, un de Köster ded hüt dorgegen keine Insprak, woll ut Erbarmen mit sin Kind, denn Munde weinte bitterlich un stamerte mäuhsam de Würd' herut: »Schreib' auch mal.« – Sei hadd in ehre Weihdag' ehren Vader ganz ut de Obacht laten un nennte em ›Du‹ – Herr Nemlich versprok dit un bedrog sick in 'n Ganzen sihr gefaßt. – Hei gung nu tau den Herrn Pasturen un säd, hei wull sick nu bi em empfehlen, denn æwermorgen güng de Reis' los, un morgen müßte hei noch packen, un hei wull em bidden, dat hei för em bi 'ne paßliche Städ' – von de Hülpslihrer-Städ' in Zwiebelsdörp säd hei nicks – sine Försprak günnen süll. – »Also,« säd de Paster, »wollen Sie wirklich die Reise machen. – Haben Sie sich nun auch hinlänglich klar gemacht, was man für Ansprüche an Sie erhebt, und werden Sie denen genügen können?« – Dat was denn nu jo 'ne rechte dæmliche Frag' von den Paster: Herr Nemlich hadd drei Wochen in einen Ritt utwennig lihrt, un nu süll hei noch nich mal ›genügen‹! – Herr Nemlich fäuhlte sick denn ok sihr kränkt un säd sihr bestimmt: »»Herr Pastohr, Sie können mich fragen, wo Sie wollen, von Venedig, von Athen, von Ithaka, von Ulissessen, von Periklessen, von Themistoklessen un Alcibiadessen; z. B. von Konstantinopel, wo ich mit angefangen habe, und was schon über drei Wochen her ist: Konstantinopel, von den Türken Stambul, auch Istambol genannt, ist die Hauptstadt des türkischen Reichs; sie hat 6–700,000 Einwohner, genau weiß man das nicht – genau weiß man das nicht.«« – »Lassen Sie! Lassen Sie!« säd de Paster un grifflachte so 'n beten, »das kommt ja auf die Frage: wie hoch ist der Berg Sinai? hinaus. – Ja, das ist Alles recht gut; aber es werden wohl viele Fragen an Sie gerichtet werden, die Ihre Bücher nicht beantworten.« – »»Herr Pastohr,«« säd Herr Nemlich, »»wenn Sie ein Buch haben, wo das drin steht, so bitte ich Sie, mir das zu leihen, ich will's sehr in Acht nehmen. Ich lerne das All«« – un dorbi kamm hei ganz up sinen Schaulkameraden, Jochen Klæhnen, sine Sprüng', denn, as wi seihn hewwen, de lihrt ok Allens. – Up Jochen Klæhnen, fürcht ick, is in de Ort keinen rechten Verlat; æwer up Herr Nemlichen sett ick en grot Tauvertrugen, denn dat heww ick ümmer seihn: so 'n jungen, upgeweckten Semerist, wenn de man blot en insläg'sches Bauk hett, denn wohrt dat nich lang', denn weit hei de ganze Wissenschaft utwennig. – So 'n Bauk hadd nu de Paster nich, säd æwer, hei wull bi Zwiebelsdörp an em denken, un Herr Nemlich säd nu noch allerlei von hogen Dingen, säd tauletzt adjüs un gung nah Quistörp. Unnerwegs brok hei æwer in en Sülwstgespräk ut: »Dat is nu so! – dor sitt hei nu den ganzen Dag un studirt; æwer von dat, wat würklich interessant is, weit hei nich de Spur – nich mal Eugehn Züh kennt hei: – na, gaudmäudig is hei, blot sihr afsprekend. – Aewer dat hett för nicks Höheres Interess', wenn dat de ollen, dummen Buren Sünndags wat vörpredigt hett, denn glöwt dat, nu is de Welt farig!« Arme Paster! möst Di dat æwer von so 'n Mann as Herr Nemlich gefallen laten, worüm büst Du, gegen em hollen, so einfoltig! – Den tweiten Dag nahher satt Herr Nemlich up de Post un führte nah Rostock. Munde hadd em noch vörher dörch dat Uhlenküken von Deinstmäten en fründlichen Breif schickt; æwer hei hadd tau vel mit Packen un Besorgen tau dauhn, as dat hei sick vel dormit afgewen künn. – Nu up den Postwagen halte hei em wedder 'rut un säd still vör sick hen: Munde wir doch en gaud Mäten, un säd lud' in 'ne Ort Begeisterung: »Munde for ever! « – »» Speak You english? «« frog en langen, drögen Herr, mit en Gesicht as en glattrasirten Swinkopp, de em gegenæwer satt. – »Nein – ich – ich sagte man so!« Kapittel 4. Woans Jochen Klæhn de Nahricht von de grote Reis' upnimmt, un woran sin anschlägsche Kopp bi dese Gelegenheit Allens denkt. – Korl kümmt un seggt Adjüs, un hett keine Ahnung dorvon, dat em en Festmahl achter Fru Groterjahnen ehre petistmusselinenen Gardinen deckt is. – Herr Nemlich trett gebildt in de gebildte Fomili up. Hei ward up den Bahnhof arretirt. – Herr Jahn mit den irsten, Herr Groterjahn mit den tweiten Tog. – Barlin. – Allerlei Fragen: Hoff oder Daubitz? Wat Apen ok snacken kænen? Gott bewohre! Paul, wo kümmst Du nah Barlin? Wo kann Schiller so 'n Dræhnsnack seggen? »Jochen,« säd üm dese Tid eins Morgens de oll Herr Jahn tau sinen Burßen, as de vör 't Abenlock satt un in de Kahlen pust'te; denn sörre lütt Aschenpüster ehr Tid hett sick – glöw ick – kein Schock von Blas'balkens un Püsters in Land Meckelnborg upsmeten, indem dat dor noch för gewöhnlich de Püster vernutzt ward, den uns' Herr Gott den Minschen in de Bost sett't hett; un de Meckelnbörger hett noch Rægen in de Bost – »Jochen,« frog Herr Jahn, »wat is 't buten för Weder?« as hei ut sine Slapstuw' kamm. – »»Je, Herr, dat knippt en beten, un för teihn Dag' vör Ostern dücht mi dat wat utverschamten. – De Balbirer lep hüt vermorrn hir vörbi – wo drawte hei in sin lütt fipperig Röckschen! – un rep mi tau, wi hadden æwer Nacht sæben Toll Küll hatt.«« – »Na,« brummte de Oll vör sick hen, » de Reis' fängt gaud an; æwer wider 'runner mag 't jo woll warmer warden. – Bring den Koffe 'rinner!« – As Jochen 'rute was, gung hei an 't Finster un kek heruter up de Strat: »'t is en Uhlenspeigelstück, wat ick abstellen dauh, æwer denn helpt dat nich! – All de Minschen, de wat von mi hollen, de würklich wat von mi Rollen, drängen mi tau de Reis', un in 'n Ganzen is 't ganz egal; ick kenn de Minschen hir eben so wenig, as de, de ick dor drapen ward. – Un dat möt ick seggen, de Bäuker, de mi de Dokter schickt hett von de Türkei un Grichenland, un de Geschichten von Venedig, hewwen mi grad' nich vör den Kopp stött, un seihn müggt ick de schönen Gebüden un de Gegenden ok woll; æwer leiwer müggt ick doch noch weiten, wo sick dat dor regirt, wo de Minschen dor lewen, un wat dor up den Fellen waßt.« – Nu sach hei up Jensid von de Strat lütt Paulen nah de Schaul gahn, wat hei all vördem bemarkt hadd. – »Jochen,« frog hei, as de mit den Koffe 'rinner kamm, »worüm geiht lütt Paul up Stunns ümmer up Jensid von de Strat? – Hei pleggt jo süs nah de Schaul vör unsen Hus' vörbi tau gahn.« – »»Je, Herr, hei 's tücksch. Sörre de Tid, dat ick em dunn seggen müßt, ick süll nicks mihr mit em tau dauhn hewwen, hadden Sei seggt, geiht hei ümmer up Jensid, un wenn hei mi in de Dör stahn süht, denn dreiht hei sin Gesicht von mi as un kickt so stiw in den Laden von de Putzmamsell herinner, as wenn hei stark üm 'ne nige Huw' benödigt wir.«« – »Ih, wat makst Du? So heww ick dat jo nich meint; ick wull man nich, dat Du Di in Snackeri mit em inlaten, un dat Du wegen sinen Kram min Geschäften nich in de Hor drögen laten süllst.« – »»Ne, Herr, dat geiht nich. – Ganz mit em utenanner oder gor nich. – Denn, seihn S', hei is so 'n Gast: hei haspelt mi mit sine dæmlichen Fragen Allens ut den Hals 'rut, wat hei weiten will, un wenn hei wat von mi hewwen will, denn weit hei mi so üm den Bort tau gahn . . . .«« – »Du hest jo noch keinen.« – »»Ne, Herr, en ordentlichen noch nich; æwer hei ward all. – Un dat weit hei recht gaud – de Racker! – dat wi Beiden, ick un Sei, vel von em un sine Helene hollen dauhn. – Herr, sall 'ck mi mal en Snurrbort stahn laten?«« un dorbi kek Jochen sinen Herrn so lüftig an, as hadd em Einer mit sinen eigenen Snurrbort en unverhofftes Geschenk makt. – »Jochen,« säd Herr Jahn un lachte dorbi so 'n beten, »wo wullst Du dat woll anfangen? – Nu æwer irnstlich. – Morgen reisen wi, wi führen mit den irsten Tog, un hüt möst Du den Kopp en beten bruken, dat wi Allens ordentlich packt krigen un nicks vergeten.« – »»Tau de grote Reis'?«« – »Ja, dit ward de grote Reis'.« – »»Herr, denn möt 'ck mi woll en rein Hemd mit nemen?«« – »Gewiß. – Wo vel Hemden hest Du?« – »»Oh, Herr, min Mutting hett mi jo dunn söß ganz nige Hemden makt, as ick hir her kamm.«« – »Denn nimm Di minen lütten Reis'kuffert – den lütten! – un denn pack sei all söß in.« – »»Oh, Herr, Sei spaßen. – All söß? Dor möt ick mi doch æwer wunnern, Herr! – Wat würden de Lüd' seggen?«« – »Na, de warden sick vel üm Din Hemden kümmern! Un denn packst Du Din best Tüg in un Strümp un Steweln, dat Du 'ne duwwelte Utrüstung bi Di hest.« – »»Herr, wo geiht 't denn hen?«« – »Dat wardst Du woll tau weiten krigen. – Tauirst führen wi nah Berlin.« – »»Füüüüh!«« fläut'te Jochen, »»nah Barlin. – Herr, dat is jo preusch! – Dor is uns' Jehann Smidt, de hir bi Böttcher Drewsen is, ok all west, un weiten S', wat de seggt. De Barliner, seggt hei, sünd uns tau klauk; æwer Einer möt ehr man ordentlich upspucken, denn gewen sei sick. – Herr, sall 'ck mi denn man mine nige Mütz mit den gräunen Sanftbräm upsetten.«« – »Ja, dat kannst Du; nu gah hen un pack Dinen Kram, nahst will'n wi minen packen.« – Jochen gung; æwer 't wohrte nich lang', dunn kamm hei wedder 'rin. »»Herr, sall 'ck uns' Wichsgeschirr mitnemen?«« – »Ja.« – Un dunn kamm hei wedder: »»De Klederböst ok?«« – »Ja.« – »»Den Kloppstock ok?«« – »Ih, wat! – De kann hir bliwen.« – Un dunn kamm hei wedder: »»Herr, wo ward 't mit uns' Koffemaschin'?«« – »Ih, wat! Du nimmst mi am Enn' noch Schöttel un Pött mit.« – »»Je, Herr, wenn 't noch achter Barlin geiht.«« – »Na, nu mak man un pack Din Saken in.« – »»Herr, dor kümmt uns' jung'n Herr,«« rep Jochen, un Korl kamm in de Stuw' herinner. – »Na, Vatting,« säd de Sæhn, »Gustav is vörgistern hir west un hett Di Adjüs seggt, ick möt hüt woll kamen. – Wenn sick bi dit Weder ok nich vel dauhn lett, 't is doch ümmer gaud, wenn Ein von uns up den Hof is, dorüm sünd wi nich Beid' tauglik kamen.« – »Dat is ok gaud, min Sæhn.«« – »Na, Vatting, büst Du denn un dorin fast, dat Du morgen afreisen willst?« – »Je, Korl, denn helpt mi dat jo woll nich anners, denn möt ick Jug jo woll tau Willen sin.« – Aewer – weiß Gott – ick dauh 't üm Jugentwillen, mi sleiht kein Ader nah de Reis'. – Ih, ja! – Seihn müggt ick dat ok woll mal, un in de letzte Tid bün ick recht gesund west, un dor hett sick ok de Lust dortau en beten rögt; un wenn de Dokter seggt, entweder ick möt de Reis' maken, oder ick möt den Sommer æwer in so 'n Bad, denn will ick dusendmal leiwer up Reisen gahn, as dor in so 'n engelschen Goren un in so 'ne Anlagen Mulapen verköpen. – Blot mit Jochen Klæhnen will mi dat nich in den Kopp.«« – »Ne, Vatting, dat lat so! – För uns is dat doch 'ne Beruhigung, dat Du en trugen Minschen üm Di hest, wenn Di wat taustöten süll. – Tru un ihrlich is hei, un hei is ok eigentlich gor nich so dumm.« – »»Ih, hei is den Deuwel dumm, up Schelmenstücken is hei klauk naug; hei is mi man noch tau kinnerig un kalwerig.«« – »Ih, dat ward sick ok gewen, wenn hei man irst en beten in de Welt west is. Du möst em man en beten bet anfaten un tausamen stuken; Du büst em tau nahsichtig.« – »»Je, dat seggst Du woll, Korl, æwer wenn de oll Jung' Einen so ihrlich mit sine groten, blagen Ogen ankickt, oder hei fängt so recht tauvertrulich an tau dræhnen, denn mag em der Deuwel wat seggen, un nu möt ick en so un so all mitnemen, denn ick heww em all seggt, dat hei mit sall, un wenn 'ck en nu hir let, ick glöw', hei bröcht sick von Dagen. – Aewer, min Sæhn, kumm! – 't is hüt so 'n kloren Frostdag, de Sünn schint so schön – wi willen en beten in den Achtergoren up un dal gahn.«« – Dat geschach, un as Korlen sine Tid üm was, dat hei furt müßte, halte hei en Metz ut de Tasch un fung an, sihr iwrig en lütten Awtbom intaustutzen, indem dat hei sick von sinen Vader afwennte un säd: »Dat möt nu ok gescheihn, un ick ward dorför sorgen, dat dat geschüht, un dat hir nicks versümt ward. – Un, Vatting, hest Du mi denn nicks tau seggen? nicks?« – un hei bückte sick deiper, dat em de Oll nich in 't Gesicht seihn kunn – »nicks von Helene?« – »»Ne, min Sæhn, ick heww sei lang' nich seihn, un spraken gor nich; æwer gesund is sei, dat weit ick, un in dat Anner möst Du Di gewen. – Wenn Du dat Mäten hewwen willst wegen Geld un Gaud oder Rang un Stand, denn müggt Di jo woll uns' Herrgott in sinen Gnaden männigen Stein in den Weg smiten, den Du nich wegrümen künnst; æwer so, as dat mit Di steiht, brukst Du nich tau verzagen.«« – »Dat dauh ick ok nich,« säd Korl un dreihte sick nah sinen Vader üm, »æwer 't is hart, so up 't Ungewisse hen täuwen un de Hänn' in den Schot leggen tau möten, wil man nicks dortau dauhn kann.« – »»Na, wer weit, dor kann mal 'ne Gelegenheit kamen, dat ick mal dor wat tau dauhn kann, un denn sall 't gescheihn, denn sall 't gescheihn, Korl! «« säd de Vader recht indringlich un fot den Sæhn rund üm, »»un nu Adjüs! Will'n uns dat Hart nich weik maken,«« un dreihte sick üm un gung den Gorenstig entlanken. – »Adjüs Vatting,« säd Korl un gung trurig ut de Dör, recht trurig. – – Ja, wenn wi 't man ümmer wüßten, wenn wi trurig sünd, dat tau de sülwige Stunn' up en unbekanntes Flag uns von unsichtbore Hand de Disch tau en Fest deckt un mit Blaumen bekräns't ward, denn würd sick uns' Lewen mihr utgliken un sachter henfleiten. – Aewer wir dat en Glück? – Ick segg »ne.« – De Lüd' seggen, 't sall up unsere Ird' Gegenden gewen, wo ewig dat Frühjohr bläuht, wo Einer kein Hitt un kein Küll kennt; æwer – frag ick – hewwen de Lüd' dor de grote Freud', dat nah Winterstorm de Frühjohrsluft weiht, dat Wisch un Bom dörch Is un Snei gräun herute breckt? – De Wessel von Freud' un Truer, von Fürchten und Hoffen stimmt tausam mit de swacke Minschennatur, un de Einklang von den Wessel mit ehr is dat Glück. – – Hadd Korl nah de ein' Achterstuw' in Groterjahnen sinen Hus' 'ruppe keken, un hadd hei dörch de petistmusselinen Gardinen kiken kunnt, denn wir hei woll nich so trurig furt gahn, denn dor was em en Freudendisch deckt; un achter de Gardinen stunn Helene un kek mit schöne, fründliche Ogen up em 'runner, un ehr Hart flog höger, as sei em sach, un as sei em trurig furtgahn sach, würd ehr ok gor tau trurig tau Sinn, un sei sett'te sick dal un deckte de Hand æwer de Ogen, un ut dat Düster un de Truer bläuhte allmählich de Hoffnung up Wedderseihn, up Nümmerverlaten, as en schönes Frühjohr tau Höchten, un ehr Hart würd getrost un fröhlich in desen Wessel, un de Wessel is dat Glück. – Sei was kein' von de Ort, de Gott gefällig tau sin glöwen, wenn sei nah Weihdag janken un in Leiden swelgen, sei was en fröhlich Kind, un ehr Hart was fast un gesund, dor kunn ihrliche Tru un Gottvertrugen woll wassen. – Un de beiden plegte sei un hegte sei mit Flit un Utduer, nich as min Nahwersch ehren Blaumenpott, de dor in 'n Hus' mit 'rümmer dröggt, as wir 't en Wickelkind, dat hei hir en beten Sünn kriggt un dor en beten Sünn, un denn acht Dag' lang nich an em denkt, ne! sei hadd ehre beiden Blaumenstöck ein för alle mal en gauden, fasten Stand gewen, un dor plegte sei sei, un nu täuwte sei gedüllig, dat sei Blaumen un Frücht bröchten. – Bi de Ort tau sin un tau denken kunn sei sick ok recht ut vullen Harten tau de Reis' freuen, sei brukte nich wegen de lütte Trennung tau versmachten un tau versmölten; un sei stunn up un packte ehren Reis'kuffert, denn morgen süll 't mit den tweiten Tog furtgahn, as ehre Mutter bi ehr 'rinner kamm: »Hella, mein Kind, so eben ist Herr Nemlich angekommen; er logirt diese Nacht bei uns, Dein Vater war wieder so voreilig, ihn einzuladen.« – »»Nun, wie gefällt er Dir, Mutter?«« – »Ellen, Du weißt, es ist bei Deiner Mutter feststehende Lebensregel, niemals voreilig ein Urtheil abzugeben, sie sieht und beobachtet. Ich thue das nie ; aber er hat etwas Feines in seinem Aeußern, ist entschieden gebildet und hat auch gewiß ein gutes Herz, denn er hat sich gleich mit Paul abgegeben, der sich natürlich wieder so unpassend, wie möglich, beträgt. – Komm nun herunter, mein Kind; und nimm so wenig Sachen, wie möglich, mit. Ich habe es neulich gelesen: der Mensch ist der glücklichste, der die wenigsten Bedürfnisse hat.« – Helene hadd dat all lang' in 't richtige Gefäuhl hatt, dat sei woll nich dortau kamen würd, up dat Schipp mit schöne Kleder Eroberungen tau maken oder dormit tau Konstantinopel den groten Soldan de Ogen tau verblennen; sei hadd sick ganz bescheiden inricht't, was nu mit den ganzen Kram farig un gung mit ehre Mutter nah unnen dal. – 'T is ganz natürlich, dat de Minsch sick von en annern Minschen, mit den hei 'ne Tidlang tausamen lewen sall, en Bild utmalt; un wenn Helene mit Herr Nemlichen ok nich vel tau deilen hadd, so wüßte sei doch, dat ehr Brauder Paul, von den sei so vel höll, in sine Hand un sine Upsicht gewen warden süll, un as sei nu Herr Nemlichen tau seihn kreg, stimmte dat mit ehr Bild gor nich, un mit dat, wat ehr Mutter ehr vörmalt hadd, ok man swack tausam. – Nich, dat ehr Herr Nemlich utbannig häßlich vörkamm, dat nich! – Dat wir ok för uns Beid', för Munde un mi sülwst, de wi em Beid' mit grote Leiw' tau betrachten gewennt sünd, sihr kränkend west; æwer hei hadd wat an sick, wat nah ehre Meinung mit sinen Rock un sine Vatermörder nich tausamen stimmen ded, denn dese beiden wiren untadelig. – Herr Nemlich was man kort geraden, de Natur hadd æwersten ehr Verseihn inseihn, was in sick gahn un hadd em dorför sine beiden Enns, Kopp un Fäut , desto gröter makt. – Hei hadd swarte, lange Hor, de hei halw geistlich un halw weltlich achter de Uhren dal hängen let, hadd 'ne gelihrte, gele Farw' in 't Gesicht un hadd sick in de letzte Tid en Vullbort stahn laten. So nennte hei em wenigstens, 't was æwer man 'ne Ort gadliche Schonung, as ick sei vördem man in de Niederlausnitz seihn heww, wo hir en lütten Drümpel Dannen tau Höchten schütt un dor en lütten Drümpel Dannen, unner de Einer den gelen Sand ümmer so hellweg dörchlüchten süht. Indessen müßt Helene sick ingestahn, dat Herr Nemlich sick för den Anfang ganz paßlich tau benemen wüßte; denn hei blew ehr drei Schritt von den Liw'. Gegen Herr Groterjahnen was hei bi allen Respekt mit Tautrulichkeit un Deinstfarigkeit, denn hei höll em en Fidibus up de Pip, wat hei kuntraktlich noch gor nich nödig hadd, wil dat hei mit em noch gor nich up Reisen was; gegen Fru Jeannette Groterjahn was hei mit pure Hochachtung, un de namm tau, as em de Dam' ehre sæbenteihn Gepäckstücken æwergaww, dat hei dor von nu an Obacht up gewen süll, un dorbi ümmer ehren Grundsatz von glücklich sin un von wenig Bedürfnissen utsprok. – Wat müßte de för Bedürfnissen hewwen, wenn 't ehr mal inföll, dat sei unglücklich sin wull! – Gegen Paulen was hei mit Liebreichigkeit, hei strek em æwer de Hor un frog em, wo de Accusativ Pluralis von mensa heiten ded, wat hei kuntraktlich ok nich nödig hadd, indem dat hei up 't Latinsche nich annamen was un ok nicks dorvon verstunn, wil dat up 't Seminor nich bedrewen ward. – Paul wüßte den Accusativ recht gaud, hei säd em æwer nich, un Herr Nemlich strakte em wedder æwer de Hor un säd, dat schadte nich, dat würd hei All noch tau weiten krigen. – Nu was 't ok hir All in de Reih', un morgen mit den tweiten Tog süll de Reis' los gahn. – – Den annern Morgen satt de oll Herr Jahn recht warm in en Pelz in de tweite Klass' von de Iserbahn un führte nah Berlin. Jochen Klæhn hadd de beiden Kufferts besorgt un satt in de drüdde Klass' un vertellte dor alle Lüd', de 't noch nich wüßten, dat hei nah Barlin führen ded. »Aewersten dat is noch gor nicks,« säd hei, »ick führ noch wider.« – Un wenn em de Lüd' frogen: wohen denn? denn makte hei en geheimnißvulles Gesicht, wat hei sihr natürlich taurecht kreg, wil dat dat för em ok noch en Geheimniß was. – As sei tau Berlin ankamen wiren un sick en Gasthof upsöcht hadden, säd de oll Jahn: »Jochen, ick bün mäud' un will hüt tau Hus bliwen; æwer Du kannst en beten in de Straten 'rümmer gahn un Di Berlin anseihn.« – »»Ne, Herr, dat dauh 'ck nich. – Wo Sei bliwen, bliw ick ok. – Dat 's nich üm Ehrentwillen, dat 's üm minentwillen, denn dat weit ick all vörher, ick verlop mi.«« – »Je, denn möst Du bet morgen täuwen, morgen bliwen wi noch hir.« – Den sülwigen Dag, an den Jahn afreis't was, wull ok Herr Groterjahn reisen, æwer mit den tweiten Tog. – Hei kamm mit vulle Utrüstung, mit Pelz un Pudelmütz, in de Stuw', wo Helene un Paul all reis'farig täuwten, un 't fehlte nu blot noch Fru Jeannette; denn Herr Nemlich stunn all up de Del' un tellte sine Kisten un Kasten un Schachteln æwer. – Na, endlich, as de beiden Wagens all vör de Dör höllen, denn de ein' was för 't Gepäck bestimmt, kamm denn Fru Groterjahnen ok herin, fohrte æwer glik up ehren Gemahl los: »Anton, was soll das? Du im Pelz? – Sieh mich an, habe ich einen angezogen?« – »»Je,«« säd Anton ganz verstutzt, »»das ist ja aber kalt.«« – »Anton, ich bitte Dich, wir fahren ja nach dem heißen Süden.« – Je, säd Anton, dor wiren sei man noch nich. – Aewer sine Fru led 't nich un säd, sei wullen sick nich tau 'm Gespött von de Welt maken, un Anton treckte den Pelz ut, un steg mit den bloten Aewertrecker in den Wagen. – As sei Alle dorin seten, wull Herr Nemlich up den Buck stigen, æwer Fru Groterjahnen led 't nich, hei müßte up den Packwagen stigen, denn sei hadd 'ne grote Angst, dat de Fuhrmann 'ne Schachtel verliren kunn. – Bi dat Inschippen up de Iserbahn gung Allens ganz gaud, blot Herr Nemlich würd arretirt, nich von de Polizei, ne! von 'ne öllerhafte Dam', de hei en lütten Reis'kuffert entführen wull, as wir dat ein von sin unnergewenen Kasten. Herr Nemlich wull den Kuffert tauirst nich 'rute gewen; æwer de olle Dam' was tau resolvirt, sei läd Hand an ehr Eigendaum un redte Herr Nemlichen mit ›junger Mensch‹ an. Up dese Beleidigung wull hei nu irst mit en richtigen Driw'kil up en grawen Klotz antwurten; æwer as hei sach, dat de olle Dam', ahn sick en Spirken tau schaniren, sick in den sülwigen Wagen von de tweite Klass 'rinner plant'te, wo de Fomili Groterjahn satt, sweg hei leiwerst un steg in de drüdde Klass' un führte nah Berlin. Den annern Dag gegen Morgens hen tau Klock teihn, denn Fru Groterjahnen kunn des Morgens wegen ehre Nerven nich tidiger ut den Bedd 'ruter finnen, makte de Fomili Groterjahn en vörlöpigen Plan, woans sei den Dag henbringen wullen tau Berlin. Irstlich müßten sei allerlei inköpen. Fru Groterjahnen was von ehren Dokter tau Hus up allerlei Middel gegen ehre Nerven un annere Unbequemlichkeiten upmarksam makt, sei wull also sick mit Flöhpulwer – dat säd sei æwer nich lud' – un denn mit en Middel gegen de Seekrankheit verseihn, wat en Dokter utfünnig makt hadd, de noch kein anner Water tau seihn kregen hadd, as wat in de Spree un in sine Waschschöttel tau seihn was, un denn müßte sei sick gegen de Nerven noch 'ne Kist ›Hoff'schen Malzextract‹ mitnemen, wotau sei Antonen ok bereden wull; de was un æwer nich för Hoffen, de was mihr för Daubitzen, un wull sick mit den finen Lakür up de Bein' bringen un sett'te dat ok ditmal richtig dörch. – Helene wull sick 'ne lütte Leddertasch tau 'm Umhängen köpen, dormit dat sei allerlei nothwennige, lütte Kleinigkeiten, as Neihgeschirr, Slætel, klein Geld un so wat ümmer glik tau Hand hadd, un Paul säd, sin Vader süll em man sin Deil in bor Geld gewen, em würd ok woll noch wat sihr Nothwenniges infallen. – Vader Groterjahn ded 't ok. – Nahsten wullen sei denn dat Museum beseihn un den Abend in 't Schauspillhus gahn, wo Don Karlos gewen würd. – Paul würd von 't Museum dörch sin leiw' Mutting utslaten, wil dat sine Bildung för de Apollos un Venussen noch nich rip was, un kreg de Erlaubniß mit Herr Nemlichen in de Apen un Boren von den zoolog'schen Goren tau gahn. – De oll Jahn was den Morgen all tidig utgahn, Jochen Klæhn mit em, un was in den Dirgoren 'rinner geraden, un dor 'rümmer wankt, üm sick de Faut tau verpedden, un so was hei ok in den zoologischen Goren kamen. – Jochen Klæhn kamm denn nu hir ut dat Wunnerwarken gor nich 'rut: »Herr,« rep hei ein æwer 't anner Mal, »wat sünd 't för Kreturen! – Nu kiken S' desen blot,« rep hei, as hei 'ne Hyän' tau seihn kreg, »wat hett hei för Anstalten! Nu hüren S', hei lacht ordentlich. – Ne, wo gruglich! – Je, Du büst de rechte! – Nu kiken S' de Vægel blot an, ne, wo bunt, wo bunting! – Hewwen S' hürt? De snacken ordentlich.« Un as hei nu nah den Apenkasten kamm, stunn hei ganz verbas't un flusterte tauletzt sinen Herrn ganz lising tau: »Herr, verstahn sei dat, wenn wi mit enanner reden?« – »»Ne, Jochen.«« – »Herr, lihren de Apen ok snacken?« – »»Ne,«« säd Herr Jahn un lachte, un hadd sine Freud' an sinen Jochen, un wenn em dat ok sülwst Spaß maken ded, de Hauptspaß was för em doch, gewohr tau warden, wo krus dat Allens dörch Jochen sinen Kopp schot, un wo sick dat dorin küselte un dreihte. Un as sei sick endlich up den Rüggweg makten, dunn dreihte sick Jochen üm un süfzte deip up, as wir de zoolog'sche Goren de Paradisgoren, un hei wir dorute drewen as Adam, un säd: »Herr, dit 's allein all dat Geld wirth nah Barlin tau reisen.« – Mitdewil was Paul mit sinen Herrn Perzepter Nemlich den sülwigen Weg nah den zoolog'schen Goren 'rute gahn, den de annern Beiden wedder taurügg gungen, un as hei nu an den Weg 'ne Hækerfru mit Appeln sitten sach, föll em in, dat hei jo Geld hadd, un dat Appeln wat Nothwennigs tau köpen wiren; hei köffte sick also weck. – Hei hadd en schönen Handel makt, denn 't wiren so vel, dat hei sei mit de ganze Göps vör sick an den Liw' hollen müßte, un dese unbehülpliche Lag' makte sick nu so 'n dristigen Berliner Schausterjung' tau Nutz, treckte höflich de Mütz vör em af un säd: »Juten Morjen, Kleener! Ick werde Dir helfen;« un dormit grapste hei sick en Appel un stödd em de annern ut de Hänn'. – »»Täuw!«« rep Paul, »»ick will Di bi ›Kleenern!‹«« fohrte up den Schausterjungen los un let Appeln Appeln sin. – Dit würd denn nu 'ne wunderschöne, natürliche Prügeli, un Herr Nemlich lep als Perzepter dorbi 'rümmer: »»Paul! Paul! – Ich bitte Sie um Gotteswillen! – Hier in Berlin, Sitz der höchsten Bildung, eine Schlägerei! Was wird Ihre Frau Mutter dazu sagen?«« – Paul slog sick æwersten düchtig wider; de Schausterjung' was em frilich æwer, denn hei was öller un gröter, hadd em den Rockkragen æwer den Kopp treckt un mengte em nu achter up; æwer as Paul en Ogenblick Luft kreg, fohrte hei unverzagt wedder up den Schausterjungen los: »Du entfamte Spitzbauw', Du!« – Grad' in desen Ogenblick müßte dat nu gescheihn, dat up de anner Sid von de Schassee Jochen Klæhn twintig Schritt achter sinen Herrn un in deipe Gedanken æwer de Apen un Boren hergung; dunn weckten em dese ›Klänge aus der Heimath‹: »Du entfamte Spitzbauw', Du!« ut sinen säuten Apen un Boren-Drom, un as hei nu lütt Paulen genæwer sach, vergatt hei Apen un Boren un de letzten Twistigkeiten mit Paulen, stört'te up den Schausterjungen los, bröchte den Bengel mit en por dägte Mulschellen in regelrechte Flucht, strakte sinen lütten Paul æwer den Kopp un frog: »Gott bewohr uns, Paul – dat möt mi denn doch wunnern – wo kümmst Du nah Barlin? un wo kümmst Du in 'ne Slägeri?« – »»Hei hett mi ok minen Appel wegnamen,«« säd Paul noch in vulle Hitz. – »Un dat sühst Du mit an, Franz Nemlich, un steihst lütt Paulen nich bi? Du büst jo en rechten Schapskopp!« säd Jochen tau den Perzepter. De wull nu vel seggen, æwer Paul frog dor mang: »»Aewer, Jochen, wo kümmst Du hir her?«« – »Holt Din Mul, ick sall nich mit Di reden! – Süh, dor steiht min Herr un täuwt all. – Aewer,« rep hei all in 'n Weglopen, »gah in de Apen- un Boren-Geschicht, dat is dat Schönste, dat is dat Schönste! wat . . . .« – Dat Aewrige verweihte de Wind. – »»Wat hest Du wedder?«« frog de oll Jahn, as Jochen ut de Pust 'ran nah em kamm, »»Du hest Di jo woll gor in 'ne Slägeri mengt. Dat lat mi denn doch unnerwegs.«« – »Herr, 't was lütt Paul.« – »»Wer?«« – »Je, uns' lütt Paul.« – »»Paul Groterjahn?«« – »Ja, Herr, de sülwige, un en groten Jung' hadd em unner, un dat kunn 'ck doch nich liden.« – »»Wo kümmt de hir æwer in aller Welt her?«« – »Je, dat seggen S' man mal! Ick hadd em woll fragt, æwer ick sall jo nich mit em reden.« – »»Ach, Du büst nich recht klauk, Du sallst Di man nich in Snackeri von Hus tau Hus mit em inlaten.«« – »Herr, sall 'ck taurügg lopen un em fragen?« – »»Ne, kumm!«« un so gungen sei denn in de Stadt herin. Ok de Groterjahnsche Fomili kreg tau weiten, dat de oll Jahn in Berlin was, denn as sei sick tau den Gang nah Don Karlos anschickte un sick Helene mit Nadel un Faden an Paulen sin Vörhemd tau dauhn makte, säd Paul: »Mutting, weißst was? – Jochen Klæhn ist auch hier.« – »»Poll,«« säd Fru Groterjahnen, »»ich weiß nicht, wie mich das hier in Berlin interessiren könnte, daß Jochen Klähn hier ist. – Aber was hast Du denn da?«« frog sei, as sei sin terreten Vörhemd tau seihn kreg. – »Oh, nichts,« säd Paul. – »»'S ist schon Alles wieder gut,«« säd Helene un schow Paulen bi Sid, dat hei de Mama ut de Ogen kamen süll. – De æwer wendte sick an Herr Nemlichen mit de sülwige Frag', un Herr Nemlich vertellte denn den Hergang von den Scharmützel un stellte sine Sorg' üm Paulen in dat gehürig Licht. – »Oll Anmeller!« säd Paul vör sick hen, dat Helene dat blot hüren kunn, »wenn 't nah em gahn wir, ick hadd schöne Schacht kregen,« un säd lud' tau sin Mutter: »ja, ich hatte aber doch Recht, und wenn der alte Jahn Jochen Klæhnen nicht gerufen hätte, denn hätte der Jung' noch mehr gekriegt.« – Dat hei de ollen Jahn mit infligen ded, was Paulen sin Glück, süs wir hei gewiß hüt Abend nich in den Don Karlos kamen, un hadd tau Straf' tau Hus bliwen müßt; æwer dat de oll Jahn ok in Berlin wir, dat rögte Fru Groterjahnen ehre Nerven so up, dat sei Paulen ganz verget, un nah langes Hen- un Her-Reden mit ehren Gemahl kamm sei tau den Sluß, dit wir wedder 'ne nige Utverschamtheit von den ollen Jahn, dat hei sick unnerstunn, an den sülwigen Dag tau Berlin tau sin, wo sei dor wiren. – As sei des Abends ut dat Theater nah Hus gungen, säd Herr Groterjahn tau Herr Nemlichen, denn de was ok mitnamen worden: »Nu erklären Sie mich aber mal das Ganze. – Wie kann ein Mensch wie Schiller so ein unmoralisches Verhältniß beschreiben, daß der Sohn mit der eigenen Mutter – und wenn 's auch man 'ne Stiefmutter ist – ein Verhältniß hat?« – »»Ja, das ist wahr, unmoralisch ist es; aber bei einem Trauerspiel, was man auch tragisch nennt, ist was Unmoralisches erlaubt, indem die Dichter sonst gar kein Trauerspiel schreiben können; bei einem Lustspiel aber muß Alles moralisch sein, und die neusten Lustspiele sind alle sehr moralisch und voll lauter Witze. Das habe ich vordem jeden Abend im Theater zu Kröplin gesehn, wo ich dazumal conditionirte.«« – »Das sag' ich man!« säd Herr Groterjahn. – »Ich for mein Part gehe auch viel lieber in ein Lustspiel, meine Frau aber ist mehr für das Trauerspiel und die großen Opern, wegen Helene ihre Bildung. – Mir hat das Stück heut Abend man sehr mäßig angesprochen.« – »»Ja,«« säd Herr Nemlich, »»ich begreife Schillern auch nicht, wie er mit solchen alten, abgedroschenen Redensarten auftreten kann, als zum Exempel: ›Die schönen Tage von Aranjuez sind nun vorüber,‹ oder ›der Knabe Karl fängt an, mir fürchterlich zu werdend‹«« – »Das sag' ich man!« rep Herr Groterjahn, »und das soll nu ein großer Dichter sein! – Wo oft hab' ich zu meinem Paulus gesagt, wenn die Ferien aus waren: die schönen Tage von Aranjuez sünd nun vorüber, und denn setzte ich noch die andere Redensart hinzu: und Haß und Rache kommen an die Reihe. Und wo oft hat meine Frau nicht gesagt, wenn Paulus sich in einer großen Gesellschaft unpassend betrug: der Knabe Poll fängt an, mir fürchterlich zu werden. – Ne,« säd hei un kloppte Herr Nemlichen up de Schuller, »ich seh' schon, wir stimmen miteinander.« – – Kapittel 5. Wien un dat witte Roß in de Leopoldstadt. – Wo Herr Groterjahn einen ollen Fründ mit 'ne Sempsauß vertehrt. Wat de Propyläen tau Athen ›Popoläum‹ oder ›Propoläum‹ heiten, un wat dat en passenden Platz för Spickgaus is. – Allens verkräumelt sick bet up Fru Groterjahnen, un twei olle Frünn' begegnen sick. – Fru Groterjahnen ehr Blitz sleiht in 'ne grise Wederstang' in. – Jochen Klæhn ist hier! und der alte Jahn auch! un de olle grise Dam' führt nah Konstantinopel! – Werthers Leiden un de Fischführer mit de Trumpet. – Wat Sömmering oder Siemerling richtiger is. – Der Mensch soll den andern Menschen nicht im Schlafe stören. Den annern Dag gung de Reis' von beide Deil' wider, Herr Jahn mit den irsten Tog, de Groterjahns mit den tweiten, Herr Jahn recht warm in en Pelz, Herr Groterjahn mit Tähnklappen in en Aewertrecker, un alle Beid' sihr untaufreden; Herr Groterjahn, dat de warme Süden nich kamen wull, Herr Jahn, dat hei nicks besonders up den Felln tau seihn kreg, denn Sachsen un Böhmen segen unner Snei un Is ok man so ut, as Meckelnborg üm dese Tid. – In Wien führte de oll Jahn in 't witte Roß in de Leopoldstadt, wil em sin Wirth in Berlin dat rekummandirt hadd; in Wien führte Herr Groterjahn ok in de Leopoldstadt, ok in 't witte Roß, wil Bädeker en Krüz dorbi makt hadd, un Herr Nemlich doruter lesen hadd, dat dor de Norddütschen ehren Tog hen hadden un dat dat dor schöne Fisch gew', unner annern ok ›Schill‹, den Herr Groterjahn nich kennte, den sine Bekanntschaft hei æwer woll maken müggte, wil dat hei æwerall sihr för Fisch was. As sei nu ankamen wiren, un de Damens sick en beten von de Reise verpust't un upklavirt hadden, treckte Groterjahn denn an de Spitz von sine Gesellschaft in dat Ettimmer 'rinner un frog sine leiwe Fru, wat sei tau ›Schill‹ meinen ded. – »Anton,« säd Fru Jeannette, »ich habe schon vor unserer Abreise die Ansicht ausgesprochen, daß es Pflicht von jedem Reisenden sein müßte, sich aus Grundsatz den verschiedenen Eigenthümlichkeiten der Individuellialitäten – es ist dies ein unangenehm langes und schweres Wort – von den verschiedenen Völkerschaften anzuschließen, auch in Speise und Trank. In Berlin habe ich deßwegen Pfannkuchen gegessen und Weißbier dazu getrunken, was mir freilich nicht sonderlich bekommen ist; hier in Wien denke ich Backhänel zu essen.« – »»Das wollen wir ja auch, mein Süßing,«« säd Anton, »»aber was meinst Du? vorher ein Stück Fisch? Schill? – Bei uns giebt's keinen Schill.«« – »Nun meinetwegen!« säd Fru Jeannette, »Du weißt, ich gebe Dir immer nach. – Aber es ist für mich ein Gräuel, die alte Dame, die mit uns in Rostock einstieg, in jedem individuellen Lande ihren Eßkober mit Mettwurst und Schinken hervorziehn zu sehn und Deine darauf gerichteten, verlangenden Blicke gewahr zu werden. – Ich glaube, Du und die alte, überlästige Dame setzten Euch ja wohl in der gebildetsten Stadt von ganz Griechenland, in Athen, auf den Po – po . . . Popoläum und äßet Spickgans.« – »»Sie meinen gewiß die Propoläen,«« säd Herr Nemlich – beten vörlud. – »Es ist möglich, daß es so heißt; aber Popoläum scheint mir richtiger und auch vornehmer, denn wir sagen nicht propulace , sondern populace . Sie können übrigens meinem Mann und meinen Kindern immer Ihre Erklärungen angedeihen lassen; für mich ist dies gerade nicht nöthig, ich werde mir dieselben nötigen Falls erbitten.« – So, Franz Nemlich! Dor hest Du nu tau 'm irsten Mal Dinen richtigen Tappen; worüm hest Du ok so schön utwennig lihrt! De Gesellschaft satt an den Disch, un de Fisch würd bröcht, ein Jeder hadd en lütten Finzel up den Teller, un Herr Groterjahn kek sin Deil an un rep endlich: »»Kellnöhr! Wir haben ja nicht eine halbe, wir haben ja eine ganze Portion bestellt.«« – De Kellner säd: ja, dat wir ok 'ne ganze. – »»Muß ein sehr seltener und theurer Fisch sein,«« säd Herr Groterjahn un makte sick ordentlich mit Andacht an den Fisch heranner, »»denn die Portion kostet einen Gulden, twölw Krüzer.«« – »Vatting, weitst wat?« kreihte Paul, de sick an sin Deil 'ranner makt hadd, æwer den Disch 'ræmer, »dat is Sannat.« – »»Poll!«« rep de Fru Mutter em tau, wegen sine dumme Meinung un wegen sin dummes Plattdütsch. – Herr Groterjahn hadd sin Stück all so en beten unseker ankeken, un as hei nu mit Metz un Gawel doran gung, un as dat Fleisch von den Fisch so glatt von enanner bläderte, dunn würd em so swack un weikmäudig tau Maud', as süll hei einen von sine besten un langjöhrigsten Frünn' vertehren: »Helene,« frog hei, »was sagst Du?« – »»Ja, Vater, Paul hat Recht,«« lachte Helene, »»'s ist unser alter, mecklenburgischer Sannat.«« – Herr Groterjahn kek sine Fru mit en jammervullen Blick an. »Süßing, nimm das nicht übel! Ich kann auch nicht dafür. Sannat! und den nennen sie hier Schill?« – »»Anton,«« säd sine leiwe Fru un lachte dorbi so recht sülwsttaufreden, »»ich habe mich in Deinen Willen gefügt, wie ich es immer thue, obgleich ich mehr für ›Fogasch‹ gewesen wäre, von dem Bädeker auch spricht, und der mir für die kaiserlich-königlichen östreichischen Staaten individueller zu sein scheint. – Schill ist ja ein bekannter Name für uns.«« – »Doch nicht für einen Fisch,« säd Anton, »und denn der Preis, pro Portion einen Gulden, zwölf Kreuzer!« – Un dese schöne Pris smeckte em as 'ne Ort von Sempsauß bi jeden Happen dörch, as hei nu et. As Herr Groterjahn de Fisch betahlt hadd, wat hei ümmer glik ded, un ihre de Backhänel kemen, was Paul mal 'rute gahn. Sin Backhänel lagg all lang' up sinen Teller, Herr Groterjahn hadd sinen all vertehrt un sach sick all nah den tweiten üm, mæglich ok all nah den drüdden; æwer Paul kamm nich wedder. Dit müßte denn nu sihr upfallen, denn Paul was en richtigen Meckelnbörger, wenn ok man noch en lütten; hei was an 't Brod gewennt, un wenn de Schöttel up den Disch stunn, denn wiren hei un de Fleigen ümmer de irsten, de sick doran höllen, un hei pleggte ok bet up de Letzt uttauhollen. »Er ist noch zu jung,« säd Herr Groterjahn, »und für meinen Geschmack ist er auch zu sehr in den weichen Teig umgekehrt,« womit hei dat Backhänel un nich Paulen meinte. »Aber wo ist Paulus?« frog hei. – »»Ich will ihn suchen,«« säd Helene un was all ut de Dör, as ehr Mutting ok frog, wo Poll wir, un Herr Nemlichen dorbi ankek, wil Paul em æwergewen was, un hei för em upkamen müßte. – Herr Nemlich stunn nu ok up un gung ut de Dör, un as nah 'ne Wil' Keiner wedder taurügg kamm, gung Herr Groterjahn ok herute, üm de Annern tau säuken, un de gnedige Fru satt nu ganz allein mit ehren Backhänel un mit ehren Arger, dat sei so abscheulich von ehren Mann un ehre Kinner vernahlässigt würd. As Helene den Gang entlang nah ehr Logis tau gung, un in den hellen Schin von 'ne Gasflamm kamm, stunn 'ne grote Gestalt vör ehr, un as sei dor mit ehren lichten Faut an vörbiflitschen wull, reckten sick er en por Hänn' entgegen, un 'ne olle, true Stimm rep: »Helening!« – Sei kek tau Höcht. »»Onkel Jahn! – Herr Jahn!«« – »Worüm seggst Du Herr? – Bün ick denn Din Unkel nich mihr?« säd de olle Mann un slog sinen Arm üm ehr un bögte sick dal un küßte sei: »Min leiw', lütt Lening!« – »»Onkel Jahn! Onkel Jahn! – Wie kommst Du hier her nach Wien?«« – »Je, dat denk Di mal! – Eben, in desen Ogenblick heww ick von Paulen tau weiten kregen, dat Ji nah Konstantinopel reis't, un ick reis' ok hen, up dat sülwige Schipp, un Keiner weit 't, as Du allein .« – »»Ach Gott, was wird das aber werden? Meine Eltern und Du . . . .«« – »Gaud ward 't warden! Gaud!« rep de Oll, un schow dat junge Mäten en Schritt von sick un kek sei von baben bet unnen mit so 'ne tauversichtliche Min' an. – Dunn kamm Herr Nemlich an: »»Fräulein Helene, haben Sie Paulen . . . . – Herre Je, das is ja Herr Jahn! – Herr Jahn, wie . . . .?«« – »Je,« föll de oll Herr em in 't Wurt, »un is dat nich de Köstersæhn ut Zippelmannshagen? – Wo karrt sei der Deuwel hir nah Wien hen?« – »»Ich – ich bin engagirt als Erklärer von Herr Groterjahn.«« – »So – o – o,« treckte de Oll so lang weg, »sælen sei denn för Herr Groterjahnen de annern Lüd' erklären, oder för de annern Lüd' Herr Groterjahnen?« frog de Oll so en beten spitz, un as hei gewohr würd, dat Helene de Frag' woll weih dauhn künn, un dat Herr Nemlich sei nich recht verstunn, säd hei: »Nu gahn S' man hen nah Nummer Sæben, dor werden S' Paulen woll finnen, wenn Sei den säuken, hei vertellt sick dor en Strämel mit minen Jochen Klæhnen. – Ja,« säd hei, as Herr Nemlich nah Nummer Sæben gahn was, un reckte Helene wedder de Hänn' entgegen, »'t ward All wedder gaud warden, min Kind! – Aewer vörlöpig segg Du noch nich, dat ick mit Jug tausam reis'.« – »»Je, Onkel, aber Paul . . . .«« – »Ih, de weit nicks dorvon, denn Jochen Klæhn weit ok noch nicks.« – Hei wull doch wider wat seggen; æwer dunn pust'te Herr Groterjahn ganz ut den Athen wegen 't Treppenstigen heranne: »»Helene, wo ist . . . .? Wo . . . . wo . . . .? – wo ist? – Herr Gott, noch einmal! Das ist ja woll Jahn?«« – »Ja, Groterjahn,« säd de oll Herr ruhig, »dat is Din olle, frühere Fründ Jahn.« – »»Hm – hm –«« säd Herr Groterjahn in sine grote Verlegenheit, »»ja – ja – ja – Helene, wo ist unser Paulus?«« – »Komm, Vater,« säd Helene, »Paul ist auf Nummer Sieben und Herr Nemlich auch;« un as sei dor an de Dör 'ranner kemen, kamm Herr Nemlich ehr all mit Paulen entgegen, un Jochen Klæhn stunn in de Dör un säd: »Paul, kumm Du man ümmer wedder, ick un min Herr mægen Di girn liden; æwer Franz Nemlichen brukst Du nich mittaubringen; dat 's en groten Schapskopp! Nennt mi ümmer Sie un Herr un Herr Klähn , un wi hewwen uns ümmer mit enanner schacht?« – As Fru Groterjahnen so allein mit ehren Arger satt, denn de Backhänel was ok nich mihr dor, den hadd sei all vertehrt, un nu so allmählich de Gift un de Gall un de Nerven æwer de Rücksichtslosigkeit von de Ehrigen in ehr tau Höchten stegen, un sei ut ehre mütterlichen Ogen all de scharpsten Blitzen up de unschüllige Stuwendör schot, wo de Verbreker gegen ehre Fomilien-Ihren un Würden herinner kamen müßten, hadd dat Schicksal in sine unbegriplich Weisheit all för en Blitzafleiter sorgt. – De oll Dam', de Herr Nemlichen all in Rostock mit den Kasten arretirt hadd, un nahsten binah ümmer mit de Groterjahns in den sülwigen Wagen de Reis' mitmakt hadd, plant'te sick stiw un stur as 'ne Ort von Wederstang' tau 'm Besten von de Verbrekers an Fru Groterjahnen ehre Sid: »Guten Abend, meine Liebe! – Ich sehe, Sie sitzen hier so allein, und da wir nun doch schon so lange Reisegefährten sind . . . .,« sei wull nu noch wat Fründliches seggen; æwer Fru Groterjahnen ehre Blitze slogen babenwarts in ehre grisen Hor, fohrten an ehren ollen, magern Liw' un den grisen Ümslageldauk un dat grise Kled bet up de grawen Snürstewel dal, dat sick de oll Dam' ordentlich verfirte, ehre Fründlichkeit vergatt un ehr stats dessen mit de utverschamte Frag' grad' in dat Gesicht herinner fuhrwarkte: »Sünd Sei bös, min leiw' Dochter?« – Na, dat weit jo nu doch jeder Minsch, de jichtens mal bös west is, dat Einer irst recht bös ward, wenn hei nah sin Bössin fragt ward; un nu kamm dortau noch, dat de ungebildte, olle Dam' sei so wenig estimirte un sei mit Plattdütsch anredte un ok mit ›Dochter‹. – Dit wir nu grad' noch nich so slimm west, denn jede Fru in gewissen Johren ward sick leiwer ›Dochter‹ as ›Mutter‹ schellen laten; æwer doch woll nich von Jedwereinen. – Sei , de Gaudsbesitzerin Groterjahnen, süll sick von de olle, stiwe Wederstang' von Frugenzimmer ›Dochter‹ nennen laten? Dat kunn doch up ehre gebildten Verhältnissen en snurrig Licht smiten. Sei säd also – un ehr Blitz fohrte nu mal wegen de Afwesselung von unnen nah baben an de oll Dam' tau Höchten – sei wüßte gor nich . . . . »Ick weit all, min leiw' Dochter, wat Sei seggen willen,« föll de oll Dam' in, »Sie wissen gar nicht, wie Sie zu der Ehre kommen, daß ich mich um Sie kümmere; æwer ick will Sei dat seggen, worüm: Sie haben ein paar so prächtige Kinder . . .« – De olle Dam' kamm ok nich tau de vulle Utführung von ehre Red', denn in desen Ogenblick stört'te Paul in de Dör herinner, stellte sick vör sine Mutter hen, lachte æwer dat ganze Gesicht un säd: »»Mutting, weißst was? – Jochen Klæhn is hier! – Den alten Jahnen sein Jo – chen Klæhn is hier, und der alte Jahn ist auch hier!«« 'T is, grad'tau geseggt, schändlich in de Welt! – Mutter oder Dochter Groterjahnen, sei wüßte in ehre Hast ok nich mihr, wat sei eigentlich was, hadd den schönsten Trumpf in de Hand, den sei gegen de oll, utverschamte Dam' utspelen wull, un nu kamm de dumme Jung' von Paul, un achter em Helene un Herr Nemlich, in tauletzt noch ehr eigene, angetrugte Mann, Groterjahn sülwst, un säden All, de oll Jahn wir dor, un Herr Nemlich – wohrschinlich üm sick mit genauere Utkunft beleiwt tau maken, wat em æwer nich gelung – säd, de oll Jahn logirte up Nummer Sæben, un sin Bedd stünn grad' an de Wand, wo Fru Groterjahnen ehr up Nummer Acht stünn, so dat sei sick bequem afkloppen künnen. – Fru Groterjahnen satt bi dese angenehmen Nahrichten ganz verbas't dor; allmählich verhalte sei sick æwer, un wählte ut de ganze Gesellschaft den würdigsten Gegenstand för ehren Arger un Zorn heruter un verföll natürlich ut olle Gewohnheit dorbi up ehren Ehegemahl, de so frech un dummdrist vör ehr stunn, as wir hei unschüllig, as en nigeburnes Kind. – »Groterjahn,« rep sei un schow den Teller mit de Knaken von de Backhänel in vulle Entrüstung von sick, »Du mißhandelst Deine Frau!« – Anton stamerte nu wat taurecht: hei künn jo ok nich dorför, dat de oll Jahn hir wir, un Paul kreihte dor mang: »»Mutting, weißst was ich möcht'? ich möcht', Jochen Klæhn und der alte Jahn reis'ten auch mit nach Konstantinopel.«« – »Unverschämt genug wär' er dazu,« rep Fru Jeannette, un kek de Gesellschaft de Reih' lang an, wer sick woll unnerstünn, hir gegen wat tau seggen, bet ehr Blick stiw un starr an de olle, magere Dam' hacken blew, indem sei sick dat in ehren Geist æwerläd: je, wenn 't nu würklich wohr wir, wat de dumme Jung', de Paul, in sinen Unverstand so herut slagen hadd! – »»Sei kiken mi an, mine leiwe Dochter,«« säd de olle Dam', »»an mir ist nicht viel zu sehen, und an Ihrer Verdrießlichkeit bin ich ganz unschuldig. Wie ich aber merke, ist Ihre Nachbarschaft daran Schuld, und da ließe sich ja leicht eine Änderung treffen, wir können ja mit Zimmern tauschen, in dem meinigen stehen auch zwei Betten, un ick mak mi dor gor nicks ut, mit den ollen – wo heit hei noch?«« – »Jahn,« säd Paul. – »»Poll!«« rep sin Mutter. – »Also mit den ollen Jahnen Wand an Wand tau slapen.« – »Das ist sehr freundlich von Ihnen,«« säd Helene un gung up de olle Dam' tau, un läd ehr de Hand up de Schuller, » »Mutter wird Ihr gütiges Anerbieten mit großem Dank annehmen.«« – Grot was de Dank nu grad' nich, den Mutter tau 'm Bestem gaww, 't was en gnedigstes Vöræwerbögen, wat sinen Scharnier in 't Sittgelenk hadd. – »Worüm nich? worüm nich, mine leiwe Dochter?« säd de oll Dam' tau Helenen un strek Helene ehre lütte, weike Hand mit ehre ollen, knækerigen Knæweln, »Einer muß dem Andern gefällig sein, und Sie werden 's mir noch wohl vergelten können, da wir noch lange Reisegefährten bleiben, denn, wie ich höre, wollen Sie ja auch nach Konstantinopel.« – Na, so wat krüppt doch up den bæwelsten Bæhn nich! dese olle, grise Dam' wull ok nah Konstantinopel! – Fru Jeannette kek sei denn nu ok an, as hadd sei den utverschamtesten Ingriff in ehre Rechte begahn; sei , de Fru Groterjahnen, reis'te wegen den forschen Drang nah Bildung, æwer dese olle Perßon, de noch keinen Faut in de Bildung 'rinner sett't hadd, weßwegen wull dese olle Kretur nah Konstantinopel? – Sülwst Helene verfirte sick æwer dit Unnernemen un platzte herute: »»Mein Gott, in Ihrem Alter!«« – »Ja, mine leiwe Dochter, wat Einer in sine jungen Johren versümt hett, möt hei in 'n Öller nahhalen. – Ich habe seit meiner frühesten Jugend den heißen Wunsch gehabt, Gott in der Natur kennen zu lernen und ihn in seinen Werken zu bewundern und anzubeten; aber ich mußte mich auf einen kleinen Raum beschränken – up de Wismer, min Dochter – denn mir fehlte das Geld. – Nun bin ich aber durch einen unglücklichen Sterbefall in meiner Familie – 't is mine einzigste Swester, min leiw' Döchting – in den Stand gesetzt worden, meinen Wünschen zu genügen.« – »»Haben Sie denn niemals früher Reisen gemacht?«« frog Helene dortüschen. – »Ne, ick bün ut de Wismer nich 'rute kamen. Was ich von der Welt weiß, weiß ich aus Büchern. – Ja, in meiner Jugend, als ich so alt war, wie Sie jetzt sind, da bin ich einmal von Wismar nach Sternberg gereis't, zu Ball , mein liebes Kind« – hir spelte so 'n schelmisches Lachen üm ehre welken Lippen – »ja, zum Königsschuß. – Es war ein schöner Juni-Abend, als wir aus Wismar fortfuhren – Sei möten weiten, min leiw' Döchting, Eisenbahnen und Chausseen gab es damals noch nicht; die Post ging auch nur zweimal in der Woche, ich fuhr deßhalb mit einem Fischfahrer – wir fuhren des Abends aus, dormit em de Fisch in de heiten Dag' nich stinken würden. Langsam ging's nur, denn die Räder an seinem Wagen waren nicht taktfest, wie er sagte; auch hatte er sich eine kleine Sense mitgenommen, und wenn wir an ein Kleefeld kamen, dann stieg er ab und mähte Klee und fütterte die Pferde. – 'T was Unrecht von den Gesellen, min leiw' Dochter, denn de Klewer hürte em nich. Un as wi an en Dik 'ran kemen, dunn führte hei den Wagen bet an de Ass' in den Dik – damit die Räder Wasser anziehen sollten – un hei steg ut mit sine langen Fischer-Smerstewel, un läd sick unner 'ne Wid' un slep dor en Strämel, un ick satt dor mit min wittes Ballkled un de rosenrode Scherf bi de Fisch un in en Dik. – Aber ich bin ihm nicht bös darüber, denn es war eine schöne Nacht, und die Sterne strahlten vom Himmel, und ich betete die Allmacht Gottes an. – Und als der Morgen herauf kam, fuhren wir weiter – nich den geraden Weg, min leiw' Döchting, ne, ümmer up de Kirchdörper 'rümmer, denn hei wull jo sin Fisch los warden – es war eine herrliche Fahrt, denn es war ein schöner Sonntag-Morgen, und die Kirchglocken tönten über Feld und Wald, und so kamen wir denn in ein großes Kirchdorf, da stieg ich ab und setzte mich auf dem Kirchhof auf ein längst vergessenes Grab und las in Werthers Leiden, un hei halte sick sin Trumpet ut den Wagen un blos Fisch ut, und ich weinte mich recht satt. Gegen Abend kamen wir denn auch richtig in Sternberg bei meinen Verwandten an, und ich ging zu Ball und habe recht tüchtig getanzt. Dat seihn sei mi nu nich mihr an, min leiw' Döchting. Ja, 't is ok all lang' her; aber man sagte mir doch zu der Zeit viel Schönes über mein Tanzen.« As nu vör 't Taubeddgahn de Ümkateri mit de Stuwen besorgt was, un de olle Dam' in ehren Heldenmaud ruhig un seker in ehre Stuw' gahn was, üm Wand an Wand mit den gefährlichen, ollen Jahn tau slapen, un de Groterjahns ›Gu'n Nacht‹ seggt hadd; säd Helene bi 't Taubeddgahn tau ehre Mutter: »Mutter, was ist das für eine alte, interessante Dame! und so freundlich und gefällig und in ihrem hohen Alter noch so kindlich. Ich freue mich sehr auf ihre Reisegesellschaft, ich werde mich recht an sie anschließen.« – »»Ellen, mein Kind, Du weißt, Deine Mutter giebt nie voreilig ihr Urtheil über Personen ab; aber mit dieser alten Person war ich schon in Rostock im Klaren, als ich sah, mit welcher Rücksichtslosigkeit sie von Herrn Nemlich ihren Koffer zurückverlangte. Als wenn Jemand aus unserer Gesellschaft sie bestehlen wollte!«« – »Aber, Mutter, sie hatte doch Recht, nach ihrem Koffer zu sehn.« – »»Dann hätte sie es mit der gebührenden Rücksicht gegen uns thun können. – Nein, sie ist eine alte, ungebildete, zudringliche Person. Wie kann sie sich hier so, ohne vorgestellt zu sein, zu mir setzen? wie kann sie mich immer ›min Dochter‹, ›min leiw' Dochter‹ anreden? – Und die will nach Konstantinopel! – Denn kann ja jede Krämerfrau aus einer kleinen Stadt solche Reise machen.«« – »Mutter, unsere Großmutter . . .« – »»Hella, mein Kind, Du weißt, ich gehe gerne auf eine Unterhaltung mit Dir ein, um Dir Gelegenheit zu geben, nach jeder Richtung hin Deinen Geist zu bilden; dies Kapitel aber verbitte ich mir.«« Somit was denn nu de Unnerhollung tau Enn'; Mutter gung verdreitlich, un Helene still tau Bedd. – Mutter Groterjahnen dachte doræwer nah, woans sei den Glanz von ›ihrem Hause‹ up den Strump bringen süll, un Helene let ehre Gedanken von Süden nah Nurden trecken as flinke Swælken, de Grüß' bringen ut warme Gegend, un up ehre lichten Flüchten den Sünnenschin in 't kolle Land dragen. Nebenan gung Herr Groterjahn mit Herr Nemlichen un Paulen ok tau Bedd. – »Vatting,« säd Paul, »weitst wat? de oll Fru, de mag ick girn liden; de kann mal spaßig vertellen.« – »»Paulus,«« säd de Oll, »»Du hast wohl bemerkt, daß Deine liebe Mutter mit der neuen Bekanntschaft nicht sehr zufrieden ist. Der Mensch soll sich nicht wegwerfen, mein Sohn.«« – »Ja, Vatting, 't schadt nich; æwer liden mag ick s' doch.« – »»Herr Nemlich,«« säd Vatting, »»wir wollen unsere Rechnung machen.«« – Un as dit nu besorgt was, un Herr Nemlich sine teihn Sülwergroschen för morgen kregen hadd, säd Herr Groterjahn: »»Also von hier reisen wir nun über den großen Siemerling.«« – »Bitte um Entschuldigung, es heißt: Sömmering.« – Dor kamm hei nu æwer schön an: Herr Groterjahn hadd sick woll markt, wo sine Fru em mit dat Popoläum aftrumpft hadd, un wat sei kunn, kunn hei ok un müßte hei ok, hei säd also: »»Sömmering ist meines Wissens gar kein Name, aber Siemerling ist ein Name, ich habe viele Geschäften mit dem Dokter Siemerling in Neubrandenburg gemacht, und so werden Sie mir doch wohl erlauben, daß ich Siemerling sage.«« – So was denn un ok hir dat Ei entwei; æwer 't wohrte nich lang', dunn slep Allens förfötsch furt; blot midden in de Nacht wakte Paul up un rep: »Vatting! Vatting! Weitst wat? – Nu will'n wi ümmer Schill un lütte, bradene Hahns eten.« – »»Paulus,«« säd de Oll, »»wie oft habe ich Dir schon gesagt, der Mensch soll den andern Menschen nicht im Schlafe stören,« un snorkte wider. Kapittel 6. De Reis' geiht wider. – De oll Dam' ward regardirt, perhorrescirt un exkludirt. – Twei Landslüd' maken Bekanntschaft. – Adelsberg.– Worüm sick Jochen hir en Zemander köpen will un nahsten de Meinung is, dat de oll Dam' lüggt. – Wat 'ne Bora för ne Ort Kretur is. – Worüm Mutter as en Leggelhaun herümmer löppt, un Helene sick up den ollen Jahn sinen Schot sett't. – De Zorn is blind, hei dröppt den Unrechten. – De adriatische See, un wo sick Jochen Klæhn tau 'm irsten Mal up de ganze Reis' nich wunnern deiht. – Baben de Ird' is 't kein Kunst, æwer unner de Ird'. – Triest. – Twei Dag' dorup rüst'ten de Groterjahns denn nu wedder tau de Afreis'; 't süll nu æwer den groten Siemerling nah Triest gahn. – As sei up den Bahnhof kemen, stunn de olle Dam' in ehren grisen Mantel ok all dor, ahn sei gewohr tau warden, denn sei stunn mit de Puckelsid nah ehr hen, un Helene säd: »Sieh, Mutter, da ist unsere alte, gute Nachbarin auch schon;« un schinte grote Lust tau hewwen, ehr gu'n Dag tau seggen. – Dor würd denn nu nicks ut, denn Fru Jeannette schücherte mit ehr in den irsten, besten Wagen 'rinner, un Paul, de ok all grote Lust hadd, de olle Dam' fründschaftlich antaurönnen, würd von sinen leiwen Vader köpplings in de Wagendör smeten, denn Herr Groterjahn hadd einen ungeheuer finen Takt för dat, wat sine Fru geföll un nich geföll, un nu las hei up ehren Gesicht, dat hei, wenn de oll Dam' in den sülwigen Wagen kem', den ganzen Dag Unweder uttaustahn hadd. – De Gegenstand von Fru Groterjahnen ehren Grugel gung nu noch 'ne Tidlang mit grote Sekerheit un ahn alle Schanirung tüschen de Telegraphenstangen up un dal, as wiren de ollen Stangen ehre Swestern un Bräuder un steg, as klingt was, in den irsten, besten Wagen, wo sei von einen öllerhaften Herrn gegenæwer ehren Platz kreg. Sei hadd nicks wider bi sick as 'ne lütte, meckelnbörgsche Kip', de sei sihr leiw hewwen müßte, denn sei hadd sei den ganzen Dag æwer up den Schot. – De Lüd' wirkten up den Felln un in de Winbarg' herümmer, un Einer künn woll seihn, dat dat schön hir sin müßte, wenn dat Frühjohr kem, so æwer was dat noch gris un dod un stats dat gräune Kled, wat de Ird' sick all hadd von Rechtsweg antrecken müßt, lücht'ten de Barg' von Süden her in en Sneikled heræwer, un de oll Herr treckte sinen Pelz dichter üm sick tausam, kek ut dat Finster un säd so halw vör sick hen: »Der Klee ist hier auch noch weit zurück; aber Mäuse haben sie hier – Gott sei Dank! – nicht!« – »»Dat möt en Landmann sin,«« säd de oll Dam' tau sick, »»un sine Sprak hürt sick so an, as wenn hei nich wid von mi jung worden is. – Na, will'n doch mal en beten uppassen.«« – De Bahn fung un an tau stigen, un ümmer höger, bald hen und bald her, klatterte de Tog an de Barg in de Höh, un ümmer wider, ümmer prächtiger würd de Utsicht. – De oll Herr let dat Finster dal. – »»Dank Ihnen! Dank Ihnen!«« rep de olle Dam', »»wunderschön! wunderschön!«« – »Ja woll,« säd de oll Herr, »davon hat Unsereiner bisher gar keinen Begriff gehabt. – Mein Gott! Wer hätte gedacht, daß es auf den Bergen so schön sein könnte!« – »»Ich nicht, mein lieber Herr, ich nicht! Beschreibungen sind bloße Worte; aber dies mit eigenen Augen zu sehen . . . . Sehn Sie da! da!«« rep de olle Dam', as de Tog üm 'ne Barg'eck 'rümmer bögte, un sick 'ne nige Utsicht vör ehr upded.  – So wunnerwarkten de beiden ollen Seelen gegen einanner up, un wer dat mit anhürt hadd, hadd glöwen müßt, de olle Dam' hadd sick blot vermaskerirt un wir eigentlich irst 17 Johr olt, un de oll Mann hadd sick vördem man verstellt, as drückte em wat, un hei hadd eigentlich en recht fröhlich Hart in de Bost. – As de Tog up den höchsten Punkt still höll, sprungen lütte, nüdliche Kinner an den Wagen 'ranner un reckten Blaumenstrüz in den Slag herinner, un de beiden ollen Lüd' köfften sei, un gewen in ehre Hartensfreud' riklich, un de olle Dam' säd: »Dies sind andere Blumen, als wir sie kennen, dies sind Alpenblumen. Un nu kiken S' mal: De ollen lütten, nüdlichen Kinner!« – »Der Dausend noch einmal!«« rep de oll Herr, »»Sei spreken plattdütsch? Denn sünd Sei doch ok woll nich von hir un ut dese Gegend?«« – »Ne, min leiw' Herr, ick bün ut Meckelnborg, ut de Wismer, und Sie ein Landsmann von mir, wie ich schon gemerkt habe, und ein Landmann.« – »»Dat hewwen Sei richtig raden.«« – »Und wie heißen Sie, wenn ich fragen darf?« – »»Min Nam' is Jahn.«« – »Süh! – Nu kik mal Einer – Also Sei sünd de oll Jahn?« – »»Wo? kennen Sei mi?«« – »Wider nich, min leiw' Herr Jahn, as dat ick dese Nacht mit Sei Wand an Wand slapen heww; aber gestern war von Ihnen die Rede bei der Frau Groterjahn. Sie müssen sich mit dieser Dame arg über den Fuß gespannt haben.« – »»Dat weit de leiw' Gott! Aewer ick bün dor ok nich an Schuld, ick . . .«« – »Vertellen S' mi dat nich, Herr Jahn. – Ich habe mir für diese Reise zur Regel gemacht, jegliche alte Verdrießlichkeit zu Hause zu lassen, und neue will ich mir unterwegs nicht aufhalsen, un ick gew Sei den Rath, dauhn S' dat ok.« – »»Ja, wer dat man künn!«« säd de Oll un kek stiw ut den Wagen herute. – »»Un Sei willen am Enn' ok nah Konstantinopel?«« frog hei nah 'ne Wil'. – »Ja, min leiw' Herr Jahn.« – »»Na,«« säd de Oll, as wir em en Stein von den Harten follen, »denn mak ick doch nich so 'n groten, dummen Streich, as ick mi vermauden was, denn wenn Sei . . . .«« – »Sei meinen,« föll de oll Dam' in, »wenn so 'n oll Frugenstimmer, as ick, de Reis' maken kann, denn kænen Sei s' ok maken. Und darin haben Sie Recht! – För de Freud' an Braden un Kauken un Schampagner ward de Minsch mit de Wil' tau olt, min leiw' Herr Jahn, für die Freude an schönem Menschen-Werk und Gottes Herrlichkeit wird er nie zu alt.« – »»Hüren S' mal!«« rep de Oll un fot ehre Hand, »nu möten S' mi Ehren Namen æwer ok seggen.«« – »Leiwer Gott,« säd de oll Dam' un lachte æwer dat ganze Gesicht, »mit minen Namen is 't nich wid her, den führen vel Lüd' in de Welt, ich heiße nämlich Müller, Karoline Müller, und so werde ich auch nur in den Aufschriften auf Briefen genannt, för gewöhnlich heit ick Tanten Line, un mit desen Namen kam ick ok ganz gaud ut, denn es giebt nur wenige Menschen, die sich um mich bekümmern.« – »»Na,«« säd de oll Jahn, »denn ward ick ok Tanten Line tau Sei seggen, denn ick ward mi vel üm Sei bekümmern. – Nu, seggen S' mal, reisen Sei ok hüt bet Triest?«« – »Nein, ich habe mich bloß bis Adelsberg einschreiben lassen.« – »»So? Sei willen woll de Nacht nich dörchführen?«« – »Ne, dat nich; ich habe, Gott sei Dank, einen guten Schlaf im Waggon. – Nein! ich will die berühmten Adelsberger Höhlen besehn.« – »»Wat för Dinger? – Dorvon heww ick noch gor nicks hürt.«« – »Oh, denn müssen Sie bleiben! Die Höhlen müssen Sie sehn!« – »»Hüren S' mal, ick glöw', ick dauh 't; ick heww en hellsches Tauvertrugen tau Sei fat't; ick ward mi woll noch oft üm Rath bi Sei ümseihn.«« – »Denn warden Sei woll oft mit 'ne leddige Kip' aftrecken möten. – Aewer gaud, dat ick von Kip' segg,« rep Tanten Line un böhrte ehr lüttes, æwer gaud gespicktes Schotkind tau Höchten, »ick weit nich, mi is so hollliwig tau Maud', ick möt en beten eten. – Ich habe mir nämlich einige Fourage mitgenommen, nich ut Giz, min leiw' Herr Jahn, ne, ut Bequemlichkeit. Nu bruk ick doch nich üm dat leiwe Eten willen ut den Wagen tau stigen; un kann Einer hir woll æwerall wat krigen? un wat is dat hir för eine Unrendlichkeit.« – »»Ja,«« säd ehr Reis'gefährte, »»'t is 'ne grugliche Swineri hir. – 'T is en schön Land, en sihr schön Land, æwer dorüm willn wi uns' nich verachten. Tau tadeln giwwt dat dor ok naug un mit Recht; æwer wenn Einer in en frömd Hus kümmt, denn findt hei ümmer wat, wat hei anners hadd inrichten müggt. Aewer Unrendlichkeit up de Bahnhæw' bi uns sall sick indessen Keiner besweren; ick will man blot von den Kleinenschen Bahnhof seggen, wat is dat för 'ne Lust, den Wirth – Bomann heit hei – mit sine lütte, smucke Fru achter den saubern Disch mang de Gerichten herüm handtiren tau seihn. De Minsch kriggt Apptit, wenn hei ok gor keinen Hunger hett.«« – »Na, denn langen S' tau! – Diese Wurst ist von reinlicher Hand, von meiner Schwester-Tochter bereitet. – Langen S' tau! – Ich habe noch mehr, ich habe davon noch im Koffer und denke, sie wird in Konstantinopel auch noch schmecken.« – So eten de beiden Ollen nu gegen einanner up un räuhmten gegen einanner ehr Vaderland. – Un ick weit nich, 't mag jo woll ümmer so sin, wenn en por Landslüd' sick in de Frömd drapen; æwer von de Meckelnbörger weit ick 't, blot von de Politik un de geistlichen Angelegenheiten darw nich de Red' sin, denn will 't man af un an tausam klingen. – So wiren sei denn bet Adelsberg kamen un stegen dor ut. De oll Jahn kreg ordentlich ritterliche Turen, hei besorgte de olle Dam' ehre Gepäck-Angelegenheit, Jochen Klæhn müßte ehren Kuffert mit nah den Gasthof besorgen, un de Oll böd ehr den Arm mit so'n Swung, as wiren ut ehren un sinen Lewenskalenner en Johrener virtig utstreken. – För Lüchtung in de Höhlen würd sorgt, un wil dat noch mihrere Frömde dor wiren, de mit herinne wullen, süll sei ganz staatsch utfallen. – In de letzten Stunn'n was Regenweder infollen, un as sei an de Höhlen 'ranne kemen, brus'te en Strom dorhen mit swartes Water, vull bet an de Burt. »Dies ist der Poik,« säd Tanten Line. – »»Herr,«« säd Jochen Klæhn, de ok mitnamen was, »»dit 's narsch; hir möt 'ck mi doch wunnern. – Ick heww doch ok all bi uns de Warnow seihn un ok all de Nebel; æwer de fleiten verstännig un sachten furt; æwer dit Water ward hir jo mit enmal all; wo? dat stört't sick jo woll hir in de Unnerwelt.«« – »Dor hest Du Recht, min Sæhn,« säd de olle Dam' un wendte sick an Jahnen, »der Poik stürzt sich hier in die Unterwelt und fließt durch die Höhlen.« – Herr Jahnen wunnerte dat æwrigens grad' so, as sinen Jochen; von sowat hadd hei seindag' noch nicks hürt, un wat em nebenbi noch wunnern ded, dat was, dat Tanten Line, as 't usach, ganz gaud Bescheid wüßt. – Sei gungen 'rinner in de Höhlen; Lüd' mit Lichter lepen vörup un steken de Belüchtung an, un Jochen Klæhn säd: »»Herre Je! buten regen 't, un hir is 't ganz drög.«« – »Zuerst kommen wir nun zu dem Tanzplatz, wo wirklich zuweilen Tanzpartieen arrangirt worden sind. – Mi dücht, de Lüd' künnen woll mihr Respekt vör so wat bewisen.« – »»Wovon sei dit woll All weit?«« säd Herr Jahn tau sick. – Un sei kemen in 'ne grote Hall un gungen æwer 'ne Brügg, un unner de Brügg dörch dunnerte de Strom; swart mit blitzende Lichter, ümmer 'runner, ümmer wider 'runner, as müßt hei sick in den deipsten Afgrund störten, un nah baben verbisterte sick dat Og' in de deipste Finsterniß, un helle Säulen un Pilers schoten ut dat Düster dal, bet up den Grund, as hadd sei de Bumeister makt, dat Ganze tau dragen. – Jochen Klæhn säd kein Wurt, hei holt sick dicht an sinen Herrn; Tanten Line sweg ok, ehr Gesicht würd fierlich utseihn, un Jahn namm den Haut af un folgte de Hänn'; em was, as wir hei in de Kirch, un de Ördel müßte glik von baben herunner schallen. – Un hei was ok in de Kirch, in 'ne Kirch, de uns' Herrgott sülwst bugt hett, un de Ördel schallte, dat was de Strom, de in den Afgrund herunner dunnerte. De Führer bröchte sei wider, von Höhlen tau Höhlen, un ümmer reiner un ümmer heller würden de Säulen un Pilers, de Wänn' un dat Gestein; 't was, as wenn de Minsch sick in de düstern, unergründlichen Fragen von dat Wesen in Lewen un Religion stört't; hei arbeit't mit Maud un mit Kraft sick wider, 't ward ok ümmer heller üm em, de Piler von sinen Globen stahn reiner un dichter, æwer dat Enn' findt hei nicht. – »Hosianna! Hosianna!« rep Tanten Line, as sei in de Höhl kemen, de de Dom näumt würd, un breidte de ollen, magern Arm ut, as müßte sei all dese Herrlichkeit un den, de 't schaffen hadd, an ehr olles Hart drücken. Den ollen Jahn hungen de Thranen an de grisen Ogenwimpern. Sei gungen wider, 't was, as wenn sei dörch en Tempel gungen, de tau 'm Fest utsmückt was, lichte Decken un Fahnen mit bunte Kanten hungen von de Pilers herunner; Allens was still, blot de Druppen föllen in gliken Takt ein nah enanner von dat Gewölw' heraf, as wir 't en Parpendikelslaag ut de Ewigkeit, un ut de Firn' dunnerte de Strom, as wir hei de unergründliche Born, wo alle vergahenen Tiden tausam strömten, un alle taukünftigen ehren Ursprung nemen. Sei kemen in en großen Rum, un in de Midd von den Rum' how sick en lütten Aeuwer tau Höcht; up den stunnen sei un segen sick rund üm, un so wid dat Og' dörch dat Düster dringen kunn, segen sei Likenstein' un halfgebrakene Säulen un Postamente, as wir 't en groten Kirchhof, un de olle Dam' säd lising: »Dies ist Golgatha.« – Dat Og' kunn dat Enn' von de Gräwer nich afseihn, un 't let, as wenn de Gräwer sick ümmer wider hen reckten, as wir de ganze Welt tau 'm Kirchhof worden, un de bange Seel horkte up den Posaunenton, dat de Gräwer sick up deden, un all de Minschen uperstünnen, de mal begrawen wiren. – »Heute ist Charfreitag,« säd de olle Dam'. – »»Ick weit 't,«« säd de olle Mann. Still wiren sei wedder taurügg gahn; un as sei wedder herute kemen an 't Dagslicht, dunn athente de Bost deip up, un 't was doch unnen nich beklummen west, un de Luft was frisch un fri; æwer dat Sünnenlicht fehlte, un dat is 't, wat de Minsch bi sine Geburt tauirst begrüßt, un wonah hei up den Dodenbedd tauletzt verlangt. – Nah den Regen was nu Sünnenschin kamen, un unner sinen Strahl däueten de Harten allmählich ut de Irnsthaftigkeit tau Fröhlichkeit up, un Jochen Klæhn gung de Annern dorin vörup; denn as de ein' von de Führers en groten, roden Salamander tau 'm Verkop anböd, de blot hir unnen in de Höhlen funnen ward, un kein Ogen hewwen sall, säd Jochen: »Herr will'n uns den köpen.« – »»Wat wull'n wi woll dormit, Jochen?«« – »Ih, Herr! – Lüd' dormit grugen maken.« Ick heww mal en lütten Hund hatt, en rugen Apenpinscher, un ick was dunn noch jünger un makte noch mihr dumme Streich un stunn in de Meinung, as de oll Oberstleutnant von Bülow säd: ›Die Natur muß corrigirt werden‹ – dunn sned hei en ganzen Satz von lütte Teckels de Uhren un de Swäns' af – un scherte minen lütten ›Schüten‹, wohrschinlich, dat hei hübscher utseihn süll, un dat lütte Dirt fohrte nu, as dat Wark farig was, wegen de Ungewenntheit unner minen Slaprock un wull sick nich verdriwen laten; grad' so hadd Jochen Klæhn wegen de Ungewenntheit unner de Ird' sick dicht an sinen Herrn hollen, as wull hei em in de Tasch krupen, un grad' so as min lütt Schüten, as ick nahsten mit em spaziren gung, hen un her fohrte, rönnte nu Jochen bald hir, bald dor hen in den Sünnenschin, as wull hei seggen: »So, Gott Lob! dat hewwen wi nu achter uns, un ick bün recht froh, dat ick de Last los bün.« Den Abend satt dat oll Pörken in dat Gasthus bi 'n warmen Aben tautrulich tausamen un vertellte sick wat, un Jochen Klæhn, de tauirst achter de Stuwendör vergews den Versäuk makt hadd, in en uterwähltes Hochdütsch, so gaud as hei 't in de Kösterschaul lihrt hadd, för dat wendische Deinstmäten en por dickdriftige Kumpelmenten æwer ehre runnen Arm taurecht tau schaustern, sett'te sick, as hei gewohr würd, dat hir sin Latin utgahn was, en beten ut de Firn' von de Beiden un hürte nipping tau. – »Na,« säd hei vör sick hen, »wenn dat All wohr is, wat de Ollsch dor vertellt, denn kann 't gaud warden. – Sei deiht jo, as wenn sei hir mit Allens Bescheid weit, as wir sei hir buren un tagen, ok von den ollen, roden Zemander, den de Kirl in de Buddel hadd, wüßt sei. – Na, æwer ick glöw', sei lüggt.« – »»Und morgen, mein lieber Herr Jahn, fahren wir nun über den Karst. Das ist eine der ödesten Gegenden in ganz Deutschland; de Lünebörger Haid' sall en würklichen Lustgoren dorgegen sin, un wenn de olle Nordwestwind ok dor häßlich 'ræwer pusten deiht, so sall dat gegen de Bora, de hir ehr Wesen hett, man as so 'n Mailüfting sin.«« – Den annern Morgen führten sei denn nu æwer den Karst; de Bahn wünn sick an den Bargrüggen tau Höchten, un je höger sei kemen, desto willer un wenster würd de Gegend. Grote Blöck von grisen Kalkstein legen herümmer, as hadd sei de Düwel ut Schawernack gegen de Minschen utstreu't un utsei't, un wo de Minschenhand tüschen de saubere Saat en beten uprümt un hir en lütten Flicken un dor en lütten Flicken tau Ackerland bestellt hadd, hadd sei ok glik mit Steinmuren dorför sorgen müßt, dat ehr de Stormwind nich de Saat un den Acker sülwst æwerall wegpusten kunn. – Un de Storm brus'te hir schön æwer de Rüm', un Jochen Klæhn klapperte in de drüdde Klass' mit de Tähnen un säd: »Ne, lagen hett de Ollsch nich;« un de oll Jahn deckte Tanten Line de Slipp von sinen Pelz æwer den Schot, dat sei warmer sitten süll, un säd: »»Sei hewwen Recht, so 'n weustes un unlanniges Stück Ird' heww ick meindag' nich seihn, dor kann sick de Lünebörger Haid' noch ümmer gegen seihn laten – ick kenn sei, ick heww dor en Stück Fründschaft wahnen – dor waßt doch noch Haid'krut; æwer hir waßt doch rein gor nicks.«« – As sei in Nebresina ankemen, wo de Bahn nah Triest sick linksch von de italjensche Bahn aftwält, sach de olle Dam' de ganze Groterjahnsche Fomili an de Wagen entlang lopen, nah vör un wedder taurügg, de Ollsch vörup as en Leggelhaun. wat nich weit, in wecker Nest dat sin Ei leggen sall; sei kek in jeden Wagen 'rin, de Gesellschaft stunn ehr narends an; æwer de Tid was kort, un as de olle Dam' all raupen wull: sei süllen doch nah ehr kamen, ret de Schaffner ok all richtig ehre Dör up un proppte Antonen 'rin in de Dör, wohrschinlich wil dat hei em tau 'm Bahnbreken am paßlichsten schinen ded, un dunn de Fru Jeannette un de beiden Kinner, un tauletzt Herr Nemlichen, den æwer ut Verseihn, wil dat hei eigentlich för de drüdde Klass' bestimmt was. – Bautz! würd de Dör tauslagen, un Fru Groterjahnen satt mit den ollen Jahn in einen Wagen. Dat heit, sei satt noch nich, un 't was de Frag', wat sei æwerall tau'm Sitten kem'; denn drei Sittplätz wiren æwerhaupt man noch leddig, un sei wiren ehre fiw, wenn Herr Nemlich as dat föfte Rad an den Wagen mittellt würd. – Sei hewwen in Oesterreich up de Südbahn hellsch indrägliche Grundsätz, sei proppen in de Wagens Allens tausam, wat paßt un wat nich paßt, wat Platz hett un wat nich Platz hett, un as de Tog nu furt gung, un Fru Jeannette un Herr Groterjahn, un dummer Wis' ok Herr Nemlich, ehren Platz namen hadden, stunnen Paul un Helene dor, as wiren sei en por junge Majurs, de bi en Regiment aggregirt wiren, un wüßten ok nich recht, wat för 'ne Städ' sei eigentlich utfüllen süllen. Paul was kort resolvirt, hei sett'te sick drist up den Knei von sinen ›Erzeuger‹; æwer wo würd 't nu mit Helenen? – Up Herr Nemlichen sinen Schot? dat gung nich; Vater hadd all en Assesser, Mutter namm keinen, de olle Dam' kunn sei doch nich beswerlich fallen, un de drei Judenjungs, de noch extra in den Wagen seten, gewen doch ok man hellschen smerige Sittplätz af; dunn reckte sick den ollen Jahn sin Arm nah ehr hen, un hei säd: »Kumm, Helennig, sett Di up minen Schot, Du hest vördem all oft dorup seten.« – Un sei sett'te sick. – Na, von Muttern ehren ogenblicklichen Taustand will ick nu wider nicks seggen; æwer Jedwerein ward mi verstahn, wenn ick vertell, wat de arme Fru in de letzten twölw Stunn'n utstahn hadd. – Gistern Abend, as sei tau Nebresina ankamen wiren, hadd Anton sick vullstännig up den Jüchstock smeten; hei hadd erklärt, wider reis'te hei nich, worüm sei em nich sinen Pelz hadden mitnemen laten, hei wir ganz verklamt un müßte en por Gläser Krock drinken un denn in 't warme Bedd herinner. Ehr eigen Kind, Hella, hadd dat för Antonen ok nödig hollen. – Den annern Morgen hadd sei sick wegen den Koffe mit den Timmerkellner 'rümmer streden, sei up Hochdütsch, un hei up Italjensch, un nu hadd sei dat Gefäuhl, dat de Kirl groww gegen ehr west was; sei wüßte nu æwer nich, wat de Kirl tau ehr eigentlich seggt hadd; un dat 's en unheimlich Gefäuhl, dat 's grad' so, as wenn Einer in de Lotteri gewunnen hett un hett sin Nummer verluren un kann nu sinen Gewinn nich glik förfötsch inkassiren. Anton hadd den Morgen ümmer blot versekert, hei hadd wunderschön slapen, un hei wir en ganz annern Kirl as gistern Abend; Paul hadd in den Hus' herümmer sprungen un hadd ok nich de Spur von Mitgefäuhl gegen sine Mutter bewis't. – Un nu satt sei mit den Dodfind von ›ihrem Hause‹ in ein un den sülwigen Wagen, Helene satt up sinen Schot; Anton fäuhlte ogenschinlich gor nich dat Unpassende von dese Inrichtung, de olle Dam' nickköppte ehr ümmer tau, de drei Judenjungs keken ehr frech in 't Gesicht, un Herr Nemlich, de in de drüdde Klass 'rinner hürte, satt preißlich an ehre Sid, as wenn hei en würkliches un stimmberechtigtes Mitglid von ehre Fomili was. – Mutter schot nu mit de uterwähltesten, dreitackigen Blitzen in den Wagen 'rümmer, un ehre Ogen funkelten un gläuhten, as wiren sei bet baben an de Mündung mit Swewel un Zepeter laden un söchten sick blot irst dat passendste Slachtopfer ut, un denn wullen sei losscheiten. – Wer was dit? – Natürlich verföll sei tauirst up Antonen un Paulen; æwer de beiden seten so ruhig dor, dat sei so vel Gift un Gall, as sei tausambru't hadd, nich an ehr verswennen kunn. Helene was nu en würdigen Gegenstand; sei namm ogenblicklich 'ne höchst unpassende Stellung in, æwer sei hadd ehre Mutter den Rüggen taukihrt un sach up den Rath von de olle Dam' ut dat Finster nah Süden mit grote Ogen un hellfarwte Backen, denn dor müßte nu bald dat Adriatische Meer tau seihn sin. Nu is dat æwer bi 'n Utbruch von en richtigen Zorn dörchut nothwennig, dat Ein den Annern in de Ogen süht, süs bluckt dat Pulwer von de Pann. – Den ollen Jahn kunn sei nich angripen, de was tau sihr Dodfind von ehr, un dortau hürten ganz annere Vörbereitungen un Anstalten, üm den antaugahn. – De drei Judenjungs hadden 't woll verdeint wegen ehre Dummdristigkeit, mit de sei ehr in de Ogen keken, un de olle Dam' irst recht; æwer de Haken fehlte, an den sei dat utgeachtete Slachtopfer uphängen kunn. – Un doch würd uns' oll Tanten Lining doran Schuld, dat dese schöne Zorn för de Welt nich ganz verluren gahn süll; sei frog de Fru Groterjahnen nämlich so recht tauvertrulich: »Min leiw' Dochter, worüm sünd Sei denn hir in dat olle Nest de Nacht blewen, worüm nich in Adelsbarg un hewwen dor de wunderboren Höhlen beseihn?« – Höhlen? – Adelsbarg? – Dat was nich ehre Sak, dor müßte Herr Nemlich för upkamen; hei hadd gistern Abend sine teihn Sülwergröschen richtig kregen, also ok för de Adelsbarger Höhlen, un dorför kunn wat verlangt warden. – Sei kek also dat un utfünnig makte Slachtopfer un dat Gefäß von ehren gerechten Zorn æwer de Schuller an, un smet em en por Ogen tau, de den armen Herrn Nemlich all en pormal as Stein' in den Weg von sine schöne Reis' smeten wiren. »Warum sind wir nicht in Adelsberg die Nacht geblieben? Warum haben andere Leute die Höhlen besehn, die wir nicht gesehn haben?« – Na, dat was denn nu doch grad' so, as hadd sei fragt: worüm sei nich vergangen Nacht up dat Nurdkap seten hadden un hadden sick dor en por lütte Isborn infungen. – Herr Nemlich wüßte nämlich gewiß von den Nurdkap vel mihr, as von de Adelsbarger Höhlen; hei stamerte also 'rute: hei hadd mit grötste Sorgsamkeit den lütten Nösselt un den lütten Cannabich un den lütten Petiscus studirt; æwer dorin wir von de Höhlen gor nich de Red'. Den Bädeker hadd hei ok up de Reis' studirt, æwer bet Adelsbarg wir hei noch nich dorin kamen. – »Warum haben wir Sie denn mitgenommen?« frog Mutter spitz. »Warum haben Sie denn heute Morgen meinen Sohn Poll nicht wissenschaftlich beschäftigt, anstatt ihn mit Kellnern und Hausknechten im Hause herumlaufen zu lassen?« un dorbi kek sei Antonen an, as wull sei seggen: un segg Du ok wat – süs  . . . – Un Anton hadd sick dörch de driftigen Vermahnungen von sine leiwe Fru all so vel Lewensort beschafft, dat hei anfung: »»Ja, für das viele Geld . . . .«« – Dunn brok mit einem Mal Helene in en Jubel ut, as de Tog üm 'ne Eck herümmer wendte: »Oh, oh! Da ist das Meer, da ist das stürmische Meer! Da ist Triest! und hier unten, ach, seht doch!« – »»Min leiw' Dochter,«« säd de olle Dam' un stek den Kopp bi ehren ut dat Finster, un de Ogen lücht'ten ehr, as wir sei noch eben so jung as Helene: »»Das ist Miramar.«« – De olle Jahn kek en beten æwer de Beiden henæwer; hei säd nicks, æwer 't was, as wenn en Frühjohrsgruß em dat Gesicht küßt hadd. Allens was vergeten, wat em bedrückt hadd; dor lagg de schöne Welt, un in sinen Arm lagg dat schöne Mäten, wat em mal de ollen Dag' tau junge Dag' maken süll. Un achter desen schönen Vörhang, den de drei seligen Gesichter utmakten, satt de Fru Groterjahnen in ehren grotorigen Zorn, un de arme Herr Nemlich in dat nichtswürdige Gefäuhl von 't föfte Rad an den Wagen, un Herr Groterjahn in dat glückliche Bewußtsin: dit Mal hadd hei sine Fru Gemahlin mal wedder richtig verstahn. – Aewer sei seten all in 'n Düstern un kregen nicks tau seihn. – Blot Paul was von den Knei von sinen Vader upsprungen un hadd sick tüschen de Kreolin' von sine Swester un den ollen Jahnen sinen Pelz dörchdrängt, so dat hei grad' mit sine lütte, stuwe Näs' æwer den Finsterslag 'ræwer kiken kunn un rep nu: »Helening, Helening! Dit is doch anners as in Warnemünn'.« Un as em de olle Jahn nu wider nah vör schow, dat hei 't beter seihn kunn, rep hei: »Herr Jahn, Onkel Jahn! – Was Jochen Klæhn woll dazu sagt!« Jochen Klæhn säd æwer in desen Ogenblick gor nicks, hei satt an 't Finster in de drüdde Klass'; un as de Adriatische See tau 'm Vörschin kamm, smet hei so 'n verlurnen Blick dornah hen un säd vör sick hen: »»Weit ick. – Kenn ick All! – Ick bün jo en seebefohren Minsch, un wenn wat Niges kümmt, lihr ick 't All.«« – Un as sei den Abend in Triest in den swarten Adler Alltausamen inkihrten, un hei Paulen up den Ogenblick frod würd, säd hei: »»Paul, baben de Ird' , dat 's kein Kunst; æwer unner de Ird' , dat versäuk Di mal!«« – Kapittel 7. Fru Jeannette un Ludwig Napoleon. – Fru Jeannette studirt 'ne Frag' un brött 'ne Aewerraschung ut. – Helene geiht ut un finnt up de Strat en stuwnäsigen Schutz. – De Baron von Unkenstein trett up, æwer för 't irst blot von achter. – Helene un Paul fallen in 't Water un sünd 'ne Tid lang verdrunken. – Jahn un Jochen gabeln sei up, un Paul bedröggt sick gegen sinen Fründ frech. – Worüm Herr Nemlich in de Barg', un Groterjahn mit en halfbalbirten Bort in de Straten herummerlöppt. un worüm hei tau 'm irsten Mal in apenbore Weddersetzlichkeit gegen sine Fru utbreckt. – Hei will sick den Hals afsniden. – Mutter kümmt mit ehre Aewerraschung tau Rum', sleiht æwer man halfweg' dormit dörch. – Herr Nemlich in Nöthen. – Twei slagen up den Sack un meinen den Esel. Fru Jeannette Groterjahnen was von de Natur tau groten Dingen bestimmt, sei was mit 'ne Glückshuw' up de Welt kamen. All in ehre irsten Kinnerjohren hadden alle Lüd', Unkel Bors an de Spitz, prophenzeiht, sei lewte nich lang', denn sei wir tau klauk, un wenn de Prophenzeihung ok nich indrapen was, de Grund, weswegen sei nich lang' lewen süll, was dennoch en richtigen Grund, denn sei was würklich sihr klauk, hadd von Jugend up en hellschen Drang tau 't Regiren, un fung dorbi mit ehren leiwen Vatting un Mutting tauirst an, indem dat sei sick doran tauirst inäuwte, dormit dat sei in späderen Tiden en forsches Regiment uprichten künn. – Sei hadd 'ne grote Aehnlichkeit mit Ludwig Napoleonnen; sei hadd 'ne hellsche Phantasie, æwersten ut den blagen Dunst, de in ehr tauwilen tau Höchten steg, kristallisirte sick tauletzt 'ne ordentliche Frag' tausam, un dese Fragen studirte sei denn mit allen Flit; sei hadd ebenso gaud, as de französche Kaiser, ehre orientalische un mexikanische Frag', ok ehre dütsche un Luxembörger, un läd ok dormit, as hei, tauwilen in den Nettel; æwersten dat schadete nich, sei was nu einmal, as hei, 'ne Fründin von Aewerraschungen, un dat prestige wull sei absolutemang uprecht erhollen. Ehr leiw' Anton was, so tau seggen, ehre tweite Kammer, de ümmer dat man von ehre studirten Fragen tau weiten kreg, wat sei weiten süll. Vördem hadd dese Kammer dat Recht hatt, bescheidene Adressen an ehr tau richten, æwer dit Recht was mit Recht wegen Tidersporniß afkamen, as dunn tau malen de roden Strümp; ehr was blot dat Recht blewen, mit beschränkte Interpellationen sick tau behelpen, dat heit, sei hadd Antonen, as wir hei en ollen Hahn, de nicks as Undäg' anrichtete, de ein' Flücht afsneden, un wenn hei sick nu up den Wim von ›authentischen Thatsachen‹ 'ruppe swingen wull, denn kreg hei in de Luft dat Torkeln un föll unsacht up sinen Meß wedder taurügg. – Sei hadd ok ebenso as Ludwig Napoleon ehre Weltutstellung för Kunst un Kunstflit un Gewarw', de sei in de sæbenteihn Kisten un Kasten un Schachteln mit sick führte, un de Lüd' dormit in ›besonderen Abtheilungen‹ unner de Ogen gung. An desen Abend hadd nu Fru Jeannette ein' Afdeilung von ehre Weltutstellung deils up den Staul vör ehr Bedd, deils an en Rigel hängt, hadd dat Utstellungs-Gebüd' tau Rauh leggt, de Lichter dorin utpust't, dat Ganze sorgsam mit dat Deckbedd tauslaten, un 't let nu so, as wir dat heilige Graww gaud verwohrt; æwersten dat let man so, denn selige Rauh was dor nich, allerlei Geister un Gespenster bedrewen in den blagen Dunst von ehre Phantasie ehr Unwesen, sei sunn up nige Fragen un Aewerraschungen för ehre Unnergewenen. – Tauirst wiren dat blot dæmliche, poetische Phantasieen, de in ehr upstegen, un sei brödd ut den blagen Dunst tauirst den markwürdigen, nigen Gedanken ut, 'ne Reis' wir eigentlich mit dat menschliche Lewen tau vergliken, de Anfang wir de Kinnertid, dat Enn' dat Öller, un dat minschliche Lewen let sick ebenso gaud in Poststationen un Iserbahnhæw' indeilen, as 'ne Reis'. Allmählich fung nu ut desen poetischen Urnebel sick de Frag' an tau kristallisiren, wat dat nich gaud wir, dat de Minsch sick up jeden gröteren Lewensbahnhof mal verpustete, sick mal ümkek un ut sine Lewenserfohrungen sick mal dat Facit treckte. Dese Frag' beantwurtete sei mit ein einfaches, vernehmliches ›Ja!‹ Un de tweite Frag', de ut dese up natürliche Wis' geburen warden müßte: wat dat nich ok gaud up 'ne Reis' wir, von Tid tau Tid ut de Reis'erfohrungen dat Facit tau trecken, würd ok mit ›Ja!‹ beantwurt't, un so kamm sei nu ok tau eine unverhoffte Aewerraschung för ehre Unnerdahnen. – Anton, Helene, Paul un Herr Nemlich süllen hir up de Triester Station afsluten mit de Flegeljohren von de Reis' un mit Dütschland, un dat Facit in Gestalt von Breiw' nah Meckelnborg inschicken, Paul süll æwersten uterdem noch Material för de Taukunft sammeln un en Dag'bauk führen. Na, för Paulen, de gewissermaßen dat demokratische Element hir vertrett, ward de Aewerraschung stark naug wesen, un wider hadd dat jo denn nu ok keinen Zweck. Wenn ick desen Verglik tüschen Ludwigen un Jeannetten man swack dörchführt heww, so möt mi de billige Leser dat tau Gauden hollen, denn de plattdütsche Sprak langt för de höhere Politik nich ut, un wi Meckelnbörger stahn mit Utnam' von de Riddergaudsbesitters un weck Burmeisters man up hellschen swacke, politsche Beinen, as Gott un ganz Dütschland weit. Fru Jeannette slep nu mit dese vörbereiteten Aewerraschungen in, un slep so lang', dat Helene ehr dorin keinen Gegenstand leisten kunn; dese stunn also ganz lising up, kek ut dat Finster; en wunderschöne Dag glänzte ehr entgegen, sei treckte sick an un gung lising ut de Dör; ehr tog dat in den Sünnenschin nah den frischen Seestrand. Sei säd dat Stuwenmäten Bescheid von ehr Vörnemen, för den Fall, dat ehr Mutter nah ehr fragen süll, æwer as sei ut de Husdör von ehren Gasthof gahn wull, höll sei an; ehr föll dat swor up 't Hart, wat sei nich unbedachtsam handeln ded, dat sei sick so allein in de wildfrömde Stadt herinner wagen ded; æwer de Sünn schinte so hell, Jugend hett Glück, un Unschuld finnt allentwegen ehren Schutz; sei gung ut de Dör. Un as sei ut de Dör tred, süh dor, dor stunn ehr Schutz all parat! 'T was man en lütten Schutz, un hadd 'ne stuwe Näs' un Flaßhor, drog 'ne korte Jack un kek ganz nipping un oltverstännig tau, wo en por Arbeitslüd' Rillen in de Kalkstein-Flisen slogen, mit de de Strat afdämmt was. – »Paul!« rep sei, denn Paul was ehr lütte, unverhoffte Schutz, un de sprung nu heranner: »»Lening, wo kümmst Du all her? kik mal hir! dit 's de verkihrte Welt; wenn 't bi uns glatt is, denn maken wi de Pird' scharp, un hir maken sei den Damm scharp, dat de Pird' nich utglitschen.«« – »Wie kommst Du denn aber so zeitig schon auf die Straße? Ist Vater schon auf?« – »»Ne, Lening, de snorkt noch, un Nemlich ok.«« – »Komm, Paul, wir wollen zusammen spazieren gehen und zusehen, daß wir an den Strand kommen.« – »»Ja, kumm!«« – »Aber, Pauling,« säd Helene, as sei wider gungen, un fot em an de Hand: »Du mußt wirklich von nun an anfangen immer Hochdeutsch zu sprechen. Mutter wünscht das doch so sehr, und hier versteht kein Mensch das Plattdeutsche.« – »»Ja, denn kann ich ja das auch immer thun, man bloß, daß Jochen Klæhn immer Plattdeutsch anfängt. – Lening, heute Morgen habe ich mal en Spaß gehabt. Sieh, Nemlich steckte heute Morgen seine Nase so aus dem Bett heraus, und da hab' ich mich 'ne Haar ausgerissen und hab' ihn die in das eine Nas'loch gesteckt und da immer ein bischen mit gewriwwelt, und da hättst mal sehn sollen, was er for Gesichter schnitt.«« – »Aber, Junge, was machst Du für Streiche!« rep Helene un ret en beten unsacht an sinen Arm, »wenn das Mutter nun wüßte! – Wer hat Dich denn dazu wieder angestiftet?« – »»Das hat mich Jochen Klæhn gelernt. – Weißst was Jochen sagt? Er weiß noch ein Mittel, das könnt ich auch mal probiren, ich werd' mich aber wohl hüten. Süh, da nimmt Einer sich des Nachts ein weißes Laken über'n Kopf und hält sich en Licht vor's Gesicht und geht an einen Andern sein Bett un winkt immer stillsweigend; denn steht der Andere in den Slaf auf und geht immer hinterher, wo er ihn hin winkt. – Das hat Jochen Klæhn mal mit Adolf Groten gemacht, hat aber hellische Schacht dabei gekriggt. Ja, aber ich werd' mich hüten.«« – »Du solltest Dich nur überhaupt mehr vor Jochen Klæhnen in Acht nehmen, der hetzt Dich zu allerlei Unheil auf.« – »»Ja, Helening, weißst was Jochen aber sagt? Der sagt, ich schünn ihm immer lauter Undäg' an. – Aber da ist das Wasser! das schöne Wasser. Sieh, die Schiffe!«« – Ja, dor lagg de schöne Golf von Triest vör ehre Ogen, gräun, as en Roggenfeld, wenn 't in 't Bläuhen steiht, un de lise Sommerwind doræwer treckt, as wir de adriatsche See unschüllig as en Weigenkind, wat nah den Storm von gistern lis' in den Slap sungen was; un de Dünung how sick sachten up un dal, as wiren 't de Athentæg' von dat slapende Kind. Un rings üm de Weig' hadd de Mutter frische, gräune, bläuhende Büsche steken tau 'ne Freud' för dat Kind und tau säute Käuhlung; rings üm dat Äuwer gräunten de Büsche un Böm, un witt glänzte dat von de blagen Barg' herunner; 't was æwer kein Snei, 't wiren Mandeln un Kirschen. Un dat Allens swemmte in en goldenes Licht, un de frische Athen von de Welt spelte mit den Morgennebel æwer de gräune Flauth un redte von Regung un Lewen, un 't was Oster-Morgen. Helene sach in de Welt herinner, as seg' sei tau 'm irsten Mal ehre Wunner, ehre Ogen lücht'ten, un de Backen farwten sick höger; 't was, as wenn in ehr ok Frühjohr würd, un all de seligen Schuer, de de Welt tau frischen Lewen upwecken, sick in ehre Seel senkten, ok tau 'm nigen Lewen. – Sei hadd jo all oft dat Frühjohr seihn un dat Gottesgeschenk an ehr junges Hart drückt, æwer dit was anners, as süs, in so 'ne Pracht was ehr dat Geschenk noch nich entgegen dragen, un ehr Hart was noch nich so willig west, all de Seligkeit as 'ne Gottessaat in sick uptaunemen; nu hadd æwer de Leiw' den Acker bestellt, un de Saat gräunte fröhlich an 't Dagslicht. – Ja, 't was Oster-Morgen, un all de Klocken von de grote Stadt klüngen, un de Schall bewte æwer dat Water un mischte sick mit de lichte Nebelschicht, de doræwer lagg. – »»Ach, Lening!«« rep Paul, un sei drückte ehren lütten Brauder faster an sick, as dankte sei Gott, dat sei Einen hadd, in den sei dat Aewermat von ehre Leiw' utgeiten künn. – Un sei gungen wider, un Paul hadd sick los makt un sprung as en Fahlen an den irsten Maidag, in de Koppel herümmer un kamm wedder 'ranner: »»Lening, komm bloß mal mit; da ist mal was! Da, wo die alten Weiber sitzen, da sind ganz rothe Fische und grüne und blaue, und solche snurrige Muscheln und andere Biester. Komm doch und sieh Dir das doch an!«« – »Nein, laß mich, Paul! – Geh Du nur und besieh Dir das, ich will die Mole hier hinaufgehn und das Meer und die Gegend ansehn. Aber vergiß nicht, mich hier abzurufen, und merk Dir's genau: da oben am Ende wirst Du mich treffen. – Un Paul sprung von ehr up den Fischmark. As Helene 'ne Tidlang an de Spitz von den Hawenbu stahn hadd, un ehr glückseliges Hart un de glückselige Welt mit einanner heræwer un henæwer redten un kein Enn' funnen in säuten Twisprak, läd sick 'ne Hand up ehre Schuller, un de olle Dam', de sick sülwst Tanten Line näumte, stunn an ehre Sid mit helle, lüchtende Ogen, as wenn dörch den grisen Regendag en warmen Sünnenstrahl breckt, un rep: »Min leiwe Dochter, wat seggen Sei? wat seggen Sei tau de schöne Welt?« – »»Guten Morgen!«« säd Helene un drückte de Hand von de olle Dam'. – »»Ach, ich weiß gar nicht, wie mir ist; so glücklich bin ich ja wohl noch nie gewesen.«« – »Also ok. – Ja, ja! Sei sünd jung, min leiw' Dochter. – Bei mir mischt sich schon Trauer mit dem Entzücken; kein bitterer Schmerz, nein, nur ein tiefes Bedauern, daß ich dies Alles nicht habe in der Jugend sehn können. Ick glöw', ick wir beter worden, ick wir en betern Minsch worden, wenn ick dat vördem seihn un genaten hadd; denn ich gehöre zu den Menschen, die da glauben, daß eine reine Freude uns unserm Herrgott ebenso nahe bringt, als ein tiefer Schmerz. – Von de letzte Ort heww ick tämlich vel tau kosten kregen, von de Freuden weniger. Aewer, verstahn S' mi recht, ick will nich undankbor sin, 't is ümmer noch mihr, as ick verdeint heww, un uns' Herrgott weit am besten, wat en Minschen gaud is. – Wer weiß, wenn ich mit allerlei Freuden überschüttet wäre, ich wäre vielleicht ein leichtsinniges Frauenzimmer geworden, lichthartig bün ick noch. – Aber ich störe Sie in Ihren Betrachtungen und in Ihrem Genuß, und außerdem habe ich hier noch ein recht ernsthaftes Geschäft bei dem preußischen Consul abzuwickeln, und da will ich denn . . . .« Bumm! knallte en Kanonenschuß æwer de See heræwer. Bumm! folgte en tweite, un en drüdde, de Pulwerdamp wölterte sick dick un swor æwer den glatten Seespeigel 'ræwer, as wenn sick de Mort up den säuten Slap leggt, un verflatterte tauletzt in lichte Wolken, as wenn sick de swore Angst tauletzt in lichte Dröm' uplös't. Un up de twölw Kanonenschüss' von dat Schipp her antwurt'ten twölw Schüss' ut de Festung, un de olle Dam' säd: »Seihn S', min leiwe Dochter, dat is en Franzos', de dor schaten hett, es ist ein Kriegsschiff, sehn Sie, mit der französischen Flagge; dat möt wat tau bedüden hewwen, ick möt doch mal fragen;« un sei gnug an einen Matrosen 'ranner, de ok in Gedanken verluren æwer dat Bollwark kek. As sei wedder kamm, säd sei: »Allens heww ick nich verstahn, wat hei säd – de Minsch is en Italjener – æwer so vel weit ick, dat Schipp is 'ne französche Fregatt un hett den nigen Kaiser von Mexico, Maximilianen, von Marseille herbröcht. Haben Sie schon ein Kriegsschiff gesehen? – Ne? – Wat meinen Sei, will'n wi uns en Boot nemen un mal nah den Franzosen 'ræwer führen?« – »»Ach nein, ich muß wohl nach Hause, und Paul ist noch nicht hier – und dann muß ich gestehen: der Kanonendonner ist mir in das feierliche Glockengeläut und in meine Festfreude recht unangenehm hineingefallen.«« – »Dorin hewwen Sei Recht; Kanonendunner is nich angenehm, taumal wenn hei irnstlich meint is; aber darin haben Sie Unrecht, daß Sie das Schiff nicht besehen wollen. Up de Reis' möt Einer Allens mitnemen, denn auch selbst das Störende und Unangenehme wird in der Erinnerung später eine Quelle von Vergnügen. Aewer, seihn S', dor kümmt Ehr lütt Brauder, dat oll lütt, fröhlich Jüngschen.« – Paul kamm 'ranner: »»Lening, hast's woll gehört? Sie haben mit Kanonen geschossen.«« – »Ja, Paul,« lachte Helene un strakte em de willen Hor glatt ut dat Gesicht, »das mußte doch wohl Jeder hören.« – »»Un Lening, rath mal, wer woll hir is, hir up desen Damm.«« – »Nun, wohl Jochen Klæhn.« – »»Ne, höger 'rup!«« – »Der alte Jahn.« – »»Noch höger 'rup!«« – »Denn weiß ich's nicht.« – »»Der Ba–ron von Un–ken–stein! Sieh, da steht er. – Der da! Der mit dem braunen Ueberzieher und den dünnen, grauen Beinen, der uns den Rücken zukehrt.«« – Ach Gott! wo würd Helenen tau Maud'; æwer kort fat'te sei sick un frog hastig: »Hast Du mit ihm gesprochen?« – »»Nein, gesprochen nich; aber ich habe ganz dicht bei ihm gestanden und ihm in's Gesicht 'rin gekuckt.«« – Dat was doch wat Tröstlichs, de Baron wüßte so doch nich, dat sei hir was; æwer wenn sei taurügg an em vörbi gung, kunn hei sick ümdreihn un sei gewohr warden; sei wendte sick also rasch tau Tanten Line üm un säd, sei wir bereit, mit ehr nah dat Krigsschipp tau führen; Paul stimmte natürlich ut vullen Harten in, un 't wohrte nich lang', dunn seten sei tau Boot, un de Fohrt gung nah dat Schipp. 'Ne Bootfohrt up 'ne glatte See bi schönes, warmes Weder is woll ein von de Ding'n, de den Minschen am besten tau Rauh weigt; æwer in Helene ehre Seel treckte de Rauh nich in; ehr Hart flog ängstlich hen un her, as wir 't 'ne Duw', de de Hæwk jöggt; sei was von ehr leiw' Mutting tau sihr mit den Herrn Baron ängstigt worden, un nu kemen ehr de bangsten Fragen: wo kamm de Minsch hirher? Wat wull hei? Würd sei em ut den Weg' kamen? – Up de französche Fregatt würden sei fründlich upnamen un herümmer wis't; Tanten Line besach sick Allens ganz genau, as hadd sei in den Sinn, späder mal en Examen æwer de Sak aftauleggen; un Paul was up den besten Weg, dat Bugsprit entlang tau riden un in 't Water tau fallen, wenn hei nich noch glücklich infungen worden wir; æwer Helene kek æwer Burt nah den Platz, wo de Mann stahn hadd, den ehr Paul wis't hadd; un as sei taurügg führten, bestunn sei mit groten Iwer dorup, dat sei wid von dor anlegten süllen. Dat geschach denn ok; un as de oll Dam' gahn was, ehre Geschäften tau besorgen, un Helene allein mit Paulen tau Hus gung, säd sei: »Pauling, sag' heute – bloß heute – nichts davon, daß Du den Baron gesehen hast.« – »»Ja, Lening, aber warum? – Du siehst ja so ängstlich aus.«« – »Pauling, komm! Wir sind viel zu lange fortgeblieben; mein Gott, was wird Mutter sagen?« – – Mutter hadd nu æwer all so vel seggt, wovon sei gor keine Ahnung hadd; sei hadd ganz gaud slapen, bildte sick æwer in, sei hadd sihr slicht slapen un hadd Grund verdreitlich tau sin. As sei nu Helene nich in de Stuw' gewohr würd, hadd sei Grund, sihr verdreitlich tau sin; sei lüd'te also för Gewalt an de Klingel, un as dat Stuwenmäten kamm un up ehr Fragen säd, dat jung Frölen wir all tidig an den Strand gahn, höll sei dit för en unschickliches, lichtsinniges Bedragen un för 'ne grenzenlose Rücksichtslosigkeit. Dat ganze Gasthus würd in Upregung versetzt, un as ein Husknecht utseggt hadd, de lütt jung' Herr wir mit de junge Dam' tausamen weg gahn, kamm de arme Fru up den ganz natürlichen Gedanken, Paul wir in sine Unbännigkeit un Unverstand in 't Water follen, Helene hadd em 'rute trecken wullt, wir mit herinner reten, un nu lagg ehr un Antonen sin Erziehungs-Substrat deip unnen up käuhlen Grund, un sei sach de Minschen ganz düdlich, de mit Haken un Stangen dorbi wiren de Verunglückten an 't Land tau schaffen. – Nu was dat denn ok wedder ganz natürlich, dat sei lud' æwer ehr Kind! ehr Kind! tau schrigen un tau jammern anfung, dat Anton mit en halfbalbirten Bort un in swacke Bekledung tau ehr 'rümmer störten ded, un dat in Herr Nämlichen, as hei dat Uhr an de Dör, de tüschen de beiden Stuwen was, leggt hadd un dat Schrigen üm de Kinner mit anhürte, de Angst upsteg, wenn Paul verdrunken wir, künn sine Stellung am Enn' benahdeiligt warden, un dat hei ut de Dör stört'te, üm wo mæglich sinen Elewen noch nah dräglich tau redden. – Up de Trepp begegnete hei Jochen Klæhnen, den sine niedrige Stellung hei in sine Angst vergatt un em taurep: Paul un Helene wiren beid' verdrunken; un dormit lep hei ut de Dör up de Strat un ümmer wider in sine Dodesangst ümmer bargan, as wir de adriatsche See 'ne geographische Naturmarkwürdigkeit, de sick baben up de Felsen un de Barg' breit makte. – Jochen Klæhn lep natürlich glik nah sinen Herrn un kunn tauirst vör Schreck nich reden; æwer as hei man irst mit de Redensort »Herr, weiten S' wat?« tau Rum' was, kamm dat Anner fluggs achterer: »Paul un sine Helene sünd beid' verdrunken.« – »»Wat?«« rep de Oll un sprung pil achter den Koffedisch tau Höchten. – »Franz Nemlich hett mi 't tauraupen un is nu jo woll hen un söcht s',« säd Jochen ganz blaß, un stunn, as wir hei verbas't, vör sinen Herrn. – »»Kumm!«« rep de un smet sick en Rock æwer, »»kumm! nah den Strand!«« – un so ut de Dör; Jochen em nah. – »Hüren S', wo sei jammert!« rep hei, as sei an Fru Groterjahnen ehre Dör vörbi lepen. – »Herr, ick glöw 't nich, Paul is en tau verstännig Minsch, de ward sick hir nich in frömden Lann' versöpen.« – De oll Jahn grep mit groten Schritten stillswigends up de Strat ut. – »Herr, hei kann köpplings 'rin schaten sin, ahn dat en Anner oder hei sülwst dat gewohr worden is,« säd Jochen, un nah 'ne Wil': »Herr, ängstigen Sei sick nich! – Hei is jo nich so dæmlich, hei ward sick woll an wat begrepen hewwen.« – De oll Mann antwurt'te nich un hürte ok nich; hei lep förfötsch wider. – »Hei kann sick in en Kahn sett't hewwen un hett sick dorin hen un her wippt; dat hett hei vördem all oft dahn, un ick heww em all ümmer seggt: Paul, säd ick, wenn Di dat man nich mal begrismult!« säd Jochen, as sei an den Strom kemen, un hei de Booten dor hen un her scheiten sach. – De oll Jahn stunn still un kek sick üm; narends was en Uplop von Minschen tau seihn, Allens stunn ruhig oder gung sine Weg'; hei wüßt nich, nah wecker Sid hei sick wennen süll. Mit einem Mal rep Jochen: »Herr, seihn S', dor hinnen, dor kümmt de Gast an, un sin Helene dorbi. Je, de süll sick versöpen! Ne, dor 's hei vel tau klauk dortau. Na, säd ick Sei nich ümmer, Sei süllen sick nich ängstigen? – Ick segg man, Franz Nemlich hett 't mi vörlagen. – Na, täuw man! dat snid ick Di All up Dinen Schalm!« De Oll was stracks up de Beiden taulopen, un as hei an ehr 'ranner kamm, rep hei: »»Lening, Lening, wat hewwen Ji uns för Angst makt! – Gott sei Dank, dat sei unnödig west is!«« – »Was ist denn . . . .?« frog Helene un sach bang' in dat upgeregte Gesicht von den Ollen. – »»Sei glöwen All, Ji wir't up 't Water tau Schaden kamen.«« – »Mein Gott, ich habe ja ausdrücklich gesagt, ich wollte an den Strand gehen; ich bin ja mit Paulen . . . .« hir brok sei in Thranen ut, »ach Gott, ich bin ja nicht Schuld daran!« – »»Kumm! kumm!«« säd de Oll un slog den Arm üm ehr, »»'t is gaud, dat 't so aflopen is, æwer kumm! Din Mutter bangt sick üm Jug; un süh dor hinn'n kümmt Din Vader all an.«« Jochen was wildeß up Paulen losgahn, sine Ogen lücht'ten vör idel Freud'; æwer as hei an sinen jungen Fründ dichter 'ranner kamm, sett'te hei en hellsch verdreitlich Gesicht up. »So geihst Du gaud, Paul! – So bliw man bi! Makst uns so 'n Spermang, dat min Herr sinen Koffe stahn laten möt?« – »»Wat hest Du denn?«« frog Paul ganz frech. – »Wat ick heww? Nicks heww ick; æwer ick heww Di dat vördem all ümmer seggt, Du süllst dat ßackermentsche Wippwappen mit den Kahn sin laten.« – »»Ick heww jo ok nich wippwappt.«« – »Dat is Schad', dat Du 't nich dahn hest, denn wirst Du gaud unnerdümpelt worden, un denn höddst Du Di vör 't tweite Mal. – Nu mak, dat Du nah Hus kommst; Din Mutter, de schriggt för Gewalt üm Jug, un paß up, wenn Du hir kein natt Johr kregen hest, dor tau Hus kriggst ein.« – »»Du büst en rechten Schapskopp,«« rep Paul un kek sick scheiw æwer de Schuller, »»wi hewwen jo gor nicks dahn.«« – »So? – Na, süh, dor kümmt Din Vader all antaupusten. – Wo de oll Mann sick bangt! – Aewer Du leggst Di jowoll ganz un gor up de rug' Sid.« Un Herr Groterjahn kamm denn nu ganz uter Athen 'ranne un rep: »»Um Gotteswillen, was macht Ihr? was macht Ihr? Mutter ist in Verzweiflung!«« – »Ach, Vater, wir können nicht dafür, wir wollten nur den Morgen genießen,« rep Helene un föll den Vader üm den Hals. – »»Ih, Vatting, wo Ji Jug hewwt,«« kreihte Paul dormang, »»wi sünd jo blot man nah dat Schipp henwest, wo de Kanonen schoten, un oll Unkel Jahn un Jochen hewwen uns jo all funnen.«« – Herr Groterjahn kek sick üm; dor stunn sin oll Fründ Jahn, un dat de wegen sine Kinner hir up den Damm was, kunn hei sick licht tausam rimen; sin Haß, de æwerall nich von Bedüden was, un as en lack Fatt ümmer frisch wedder upfüllt warden müßte, tred as en lütt bescheiden Kind en Schritt rüggwarts, un de olle Gaudmäudigkeit makte sick as en stämmigen Kirl mit beide Ellbagen Platz nah vör; hei gung up Jahnen tau un säd: »ich danke Dir auch vielmal, Jahn, daß Du . . . .« stamerte hei achterher, »daß Du meine Kinder gefunden hast,« æwer de Hand reckte hei nich nah em ut. – »»Oh, dorför nich, Groterjahn, dat was en Taufall. – Adjüs Helening! – Kumm Jochen!«« säd de Oll kolt, de sick woll en annern Sluß von de Red' vermauden west was, un gung mit Jochen af. 'T is en jämmerlichen Kram mit den Minschen; wenn sine gaude Natur em den richtigsten Weg wis't hett, up den hei för sick un för annere Lüd' tau en glücklich Enn' kamen kann, denn stahn ›Rücksichten un Verhältnisse‹ as Grabens un Slagböm em in 'n Weg', un hei lenkt von de richtige Strat af. – Dit sünd nu æwer – bilöpig seggt – de beiden niederträchtigsten un liederlichsten Würd', de de hochdütsche Sprak utfünnig makt hett, un de plattdütsche ok all munter tau bruken anfängt. Jeder Hallunk, de tau wat kamen will, hett ›Rücksichten‹ tau nemen, un jeder Lump sitt in ›Verhältnissen‹, ut de hei sick nich 'rutewickeln kann. – Herr Groterjahn keken in den Ogenblick, as hei warm würd un den ollen Fründ danken wull, de ›Rücksichten‹ von wegen sine Gemahlin æwer de Schuller, un de Hänn', de hei utrecken wull, wiren von de ›Fomilienverhältnissen‹ umtüdert. – Hei was hellschen falsch up sick sülwst, dat hei nich warm blewen was, un dat hei sick as 'ne slichte Tass' vull Kamellenthee hadd afkäuhlen laten, so dat kein Düwel sei dalwörgen kunn. Hei was hellschen falsch up sine Gemahlin, dat sei mit ehr Jammern un Jautern em unnödiger Wis' in 'ne ›scheiwe Stellung‹ bröcht hadd – ok en gaud Wurt! – un wenn hei ok minschliches Vadergefäuhl naug in sick hadd, dat hei sick in 'n Ganzen sihr æwer dat Lewen von sine beiden Kinner freuen ded, so was hei doch tau sihr uter Pust un uter Rauh kamen, as dat hei nich tau den fasten Entsluß kamen wir, ditmal sine Fru ehren Unverstand irnstlich tau verwisen. – »Der Mensch soll sich nicht ängstigen!« säd hei, »ja, ich werde Mutter das ernstlich sagen: der Mensch soll sich nicht ängstigen!« – Tauletzt æwer würd em bi Helenen ehre Bidden un Klagen ganz weikmäudig, un Paulen sin dumme Snack munterte em up; hei küßte sine Kinner beid' nu ümmer wedder, un as Paul sick nah dat Küssen vör em henstellte un säd: »»Vatting, wo sühst Du ut? Du hest Di jo man halw balbirt,«« lachte hei ok all, begrep sick æwer un säd väterlich: »Ja, daran bist Du Schuld, Paulus. – Merk Dir das: der eine Mensch soll den andern nie in Unruhe versetzen.« – Un as sei in den Gasthof taurügg kemen, was hei ganz Leiw' un Lustigkeit æwer sin Glück, un hei treckte de beiden Kinner in sine Freud' in den Spis'saal herinner, un dat Vadergefäuhl flot bi em æwer, un hei frog: »Helening, willst Du 'ne Flasche Champagner trinken? – Paulus, was willst Du essen, Paulus?« – »»Wedder Schill, Vatting, un so 'ne lütte braden Hahns.«« – Aewer Helene drew: »ach, kommt zu Mutter! kommt!« un 't kamm so bang 'rut, dat Paul sine Gelüsten upstütten müßte, un Vatern de ganze, schreckliche Lag' un sin verwogene Entsluß wedder in 't Gewissen schawen würd. As sei in de Stuw' kemen, lagg Mutter up den Sopha; ehre Nerven hadden sei ahn alle Fisematenten bi den Kragen kregen un hadden sei dor verlangs hensmeten. Sei bangte sick üm ehre Kinner; æwer eigentlich glöwte sei an ehre eigene Angst nich recht, un doræwer was sei verdreitlich; am verdreitlichsten was sei æwer doræwer, dat Keiner dor was, de Mitled mit ehre Angst von Rechtswegen hewwen müßte, as tau 'm Exempel ehr weglopen Anton oder de beiden verdrunkenen Kinner sülwst, denn dat Stuwenmäten ut den Gasthof, wat vör ehr stunn, was tau 'm Reinmaken un Beddenmaken un nich tau 'm Mitled meid't un ded blot ein Aewriges un Verstänniges, wenn dat ehr mit 'ne Buddel von Hoff'schen Malzextract unner de Ogen gung; denn dit Middel helpt gegen Allens, ok gegen en por verdrunkene Kinner. – Helene stört'te in de Dör un foll bi dat swore Lager von ehre Mutter up de Knei un klagte sick up 't Irnstlichste wegen de Unrauh an, de sei in Unbedachtsamkeit ehre Öllern makt hadd, un Paul stunn dor achter un makte en Gesicht, wat so de Scheid' tüschen Lachen un de Furcht vör en natt Johr höll, un säd: »Mutting, laß man sein! Wir sünd jo nu wieder hier, und ich will nun auch ümmer Hochdeutsch snacken.« – »»Poll,«« rep sin Mutter, »unverständiger, gefühlloser Knabe! Du zerfleischest Deiner Mutter Herz, ist das gleichgültig und unbedeutend?«« – »Das nicht,« säd Anton, denn em föll in, dat hei tau den fasten Entsluß kamen was, sine Fru mal ordentlich Bescheid tau seggen; »aber die ganze Geschichte war unnöthig,« brummte hei so achter nah. – »»Was? Unnöthig?«« rep Fru Jeannette un bömte sick mit en Ruck von den Sopha tau Höcht, dat ehre Nerven rechtsch un linksch von ehr afföllen, as wenn 't Spennwewen wiren, »»ist die Mutterliebe unnöthig? die Mutterliebe ist eine Tigerin, die in der Gefahr ihre Jungen beschützt;«« un dorbi makte sei de Tigerin tämlich natürlich nah, blot dat sei Antonen noch nich an de Gördel fohrte. – »Aber der Mensch soll . . . .« rep Anton, ümmer fast in sinen Entsluß. – »»Was soll er, Anton? – Schweigen soll er, wenn aus der Mutter die Angst um ihre Kinder spricht.«« – »Aber der Mensch soll sich nicht . . . .« rep Anton un bet de Tähnen tausam, as hadd hei sinen Entsluß dortüschen un müßte em fastklemmen, dat hei em nich afhannen kamen ded. – »»Was? Was?«« rep Jeannette in grote Bisterniß denn Antonen sine Anstalten wiren so ungewöhnlich un fürchterlich, dat sei ganz blaß worden was un de Ogen afwennen müßte. Dese föllen nu up Helene, de sick vergews afmäuhte, sei tau Rauh tau bringen un mit den Raup: »»Mein Kind! Mein Kind!«« stört'ten ehr de Thranen ut de Ogen. – So, de wir nu tau Rauh! æwer in Antonen was jo woll de Bös' mit Hütt un Mütt un Hün un Perdün etwa: mit Haut und Haar und Sack und Pack; in der Seemannssprache gebraucht, wenn die See das ganze Deck überschwemmt und alles Holzwerk (Hütte \&c.) und die Takelage wegreißt; Perdunen heißen die großen Seitentaue, mit denen der Mast am Schiffsbord befestigt ist. 'rinnen fohrt; ahn alle Rührung un Gewissen stunn hei dor, stampte mit den Faut up de Ird' un rep, as hei up de Dör tau gung: »Ich, ich . . . . ich werde jetzt hingehn und mich endlich mal rasiren.« – Nu kreg Mutter dat æwer mit de Angst, Anton künn sick mit dat Balbirmetz den Hals afsniden; sei tröst'te sick un frilich dormit, hei hadd vördem so wat seindag' noch nich dahn, æwer hei was ok vördem seindag' noch nich gegen ehr so uptreden, ein Mal wir 't irste Mal. Sei säd dat frilich nich lud' tau ehre Kinner, schickte æwer Paulen doch tau Sekerheit den Ollen nah, villicht dat de Anblick von sinen Leiwling em von so 'ne Schanddaht taurügg höll; denn sei was 'ne sihr æwerleggte Fru. As nu ut de Stuw' bian, wo Anton mit dat Balbirmetz handtirte, sick kein Jammern un Schrigen upsmet, würd Fru Groterjahnen denn ok ruhiger; Helene ded mit alle Leiw' dat ehrige, üm ehre unschüllige Schuld vergeten tau maken, so dat Mutter sick allmählich up de Aewerraschung besinnen kunn, de sei den Abend vörher in dat Bedd utbrött hadd. – Sei kamm nu, as Anton un Paul sick tau 'm Koffe infunnen hadden, mit ehre Reis'stationen un Lewensstationen un Facit-trecken un Breiw'schriwen tau Rum'. – »Ja, Mutter, ja, ich will gleich schreiben,« rep Helene, »ich schreibe an Emma Regen und will ihr ausführlich melden, wie's uns bisher ergangen ist.« – »»Gut, mein Kind,«« säd Mutter, »»aber ich wünsche, daß Du die Grundabsicht Deiner Mutter berücksichtigst, daß Du nicht bloß von den Reisestationen, sondern auch von den Lebensstationen berichtest, und daß Du das Facit ziehst.«« – Ja, säd Helene, ok dat wull sei dauhn, so gaud sei künn. – Aewer sei was ok de einzigste, de sick willig wis'te; in ehren Vader späukte de Bös' noch ümmer heimlich furt, sine Ogen wiren bi sine Fru ehre Aewerraschung tauirst ümmer gröter worden, un nahsten hadden sick dicke Schrumpeln doræwer leggt, un hei säd tauletzt falsch: »Ich weiß den Deuwel von Lebensstationen und weiß auch Keinen, an den ich schreiben soll. Was mich passirt is, das erzähl ich nachher Ohmen un Sohmen un Drohmen in der Sozieteh.« – »»Ja,«« säd Paul un süfzte up, as wir em dörch de obsternatsche Erklärung von sinen leiwen Vater 'ne grote Last von den Harten namen, »»ja, ich weiß auch Keinen, und die Jungs erzähl ich das auch nachher,«« un dit säd hei so drist, as hadd hei de faste Aewertügung, dat hei en rechten gehursamen Sæhn wir, de sick sinen braven Vader as en helllüchtend Vorbild namen hadd, un nu ok ümmer furt in sine Fauttappen wandeln wull. – Aewer hei kamm schön an. – »Du?« säd Mutter, »Du sollst auch keine Briefe schreiben, Du sollst von jetzt ab ein Tagebuch führen, und Herr Nemlich soll darauf sehen, daß es geschieht. – Wo ist Herr Nemlich?« – Ja, wo 's Herr Nemlich? – Dat wüßt kein Minsch, Herr Nemlich sülwst nich, dat wüßt blot de leiw' Gott, un de ok man, wenn hei mal taufällig up de allerbistrigten Straten von Triest en Blick smet, denn 't was 'ne gottverlatene Gegend. – Hir stunn de Herr Perzepter mit dat Gesicht an 'ne Mur, in so 'ne Ort von Bullenwinkel, un kunn nich rügg- noch vörwarts; vörwarts nich wegen de Mur, un rüggwarts nich wegen en Hümpel Bedelgören, de em richtig as Frömden taxirt hadden un em nu noch 'ne Tax up den Geldbüdel leggen wullen, nahdem sei em in den Bullenwinkel 'rinner manöverirt hadden. – Herr Nemlich was tauirst in grote Verlegenheit, æwer 't wohrte nich lang', dunn grep hei nah dat gründlichste Middel gegen so 'ne Lag'; hei stellte sick mit den Puckel gegen de Mur, höll en vör Krüzer tau Höcht un rep: »aquila nero! aquila nero!« bet tauletzt so 'n halfwassen Jung', de as en Orang-Utang in Zevilkledung utsach un ok de paßlichsten Gesichter dortau sned, sin Italjensch un sin Geld verstunn, sick tau em dörchdrängte un em nu mit Mul un Poten – gu'n Dag, Ap! – bedüdte, hei wull em nah den swarten Adler taurügg bringen. – Na, dat geschah – Herr Nemlich rückte mit sine Ihrenwach vör den swarten Adler un kamm grad' tau de Tid, wo Fru Groterjahnen ehre Sehnsucht nah em utpraken hadd. Hir würd em un von de Dam' utenannersett't, dat hei hüt Breiw' schriwen müßt, an wen wir ganz glik, æwer schriwen müßt hei, sei schrewen hüt All. – Dat was nu nich wohr, denn sei sülwst schrew nich wegen ehre Nerven, un Anton un Paul nich wegen pure Fulheit, sei wiren desprat un obsternat afgahn. So schrewen denn nu blot Helene un Herr Nemlich, un – markwürdig! – beide slogen mit ehre Breiw' up den Sack un meinten den Esel: Helene schrew an ehre Fründin, Emma Regen, de dicht bi Groten-Barkow as Erzieherin was, un meinte Korl Jahnen, de oft mit ehr tausamen kamm, un Herr Nemlich schrew an den ollen Köster Beerbom un meinte Munde. Un nu wir denn so wid nu Allens will un woll, wenn ick blot den unpaßlichen Verglik mit den Esel nich makt hadd. – Na, ick denk, Munde un Korl Jahn warden mit mi in Gelegenheit seihn un mi dit Stück nich alltausihr æwel nemen. – – Kapittel 8. Wi gahn tau Water. – Wat weck Dickköpp in minen Vaderlann' meinen. – Worüm de Herr Student Beier æwer un æwer gel un gräun utsach un för en angahnden Sprüttenmeister gellen kunn. – De Herr Baron von Unkenstein, nu æwerst all von vören. – »Gu'n Dag, Hanning!« – Worüm Mutter sick ümmer de Näs' stöten ded. – »Bette! Bette recht sehr.« – Wat de Hauptmann Micheli för 'ne Niederträchtigkeit mit den Schellen-Ober utäuwt hett. – Herr Klähn. – Jochen un Paul verswören sick up dat Bucksprit. Süh so, nu was Allens besorgt, un de leiwe Fomili was bereit up dat Schipp tau gahn, blot Herr Nemlich nich. Herr Nemlich führte nämlich un satt baben up de sæbenteihn Kisten un Kasten, un sach ut as 'ne Ort von Utteiknung, as 'ne Ort von goldenen Knop, den en Bumeister baben up sin Gebüd' sett't hett, trotzdem dat de Unnergrund en beten wackeln deiht. – Fru Jeannette triumpfirte an de Spitz mit en Sünnenschirm vull allerlei Troddelwark, Groterjahn gung en halben Schritt achter ehr, dormit dat hei den Schatten von den Schirm kreg', nich dat hei ehr den Vörtritt æwerall laten wull, denn hei was mitdewil in de Frömd so sülwstständig worden, dat desen Morgen, as hei sine Stewel up den Vörplatz stahn sach un herin halen wull, un sine Fru ehre Snürstewel dorneben, hei den Afsatz von sinen Stewel namm un – schändlich! – ahn dat sei 't wüßt, grad' up dat Flag von den Snürstewel drückte, wo de Likdurn von sine Fru satt. – Helene gung achter de Ollen her; wo smet sei de Ogen! Allens was ni, Allens was schön! Sei kek den ollen, grisen Snurrer, de an de Eck stunn, dat olle, gele Ziguner-Gesicht, wat bi ehren Appelsinenkorf satt, mit so 'ne Leiw' an, as annere junge Damen blot bi würkliche Anbeders dauhn, de ok würklich wat achter de Hand hewwen. De ganze Fomili, as sei so an den Strand hen gung, hadd so wat wunderschön Meckelnbörgisches an sick, as güng sei in ehr leiwes Vaderland en beten von Groten-Barkow nah Lütten-Barkow un von Lütten-Barkow nah Groten-Barkow æwer 't Feld; sülwst de Hund fehlte nich, den besorgte Paul, de bald vörup, denn wedder taurügg lep, hir en Striptog nah den Fischmark makte, un dor in en Appelsinenkorf 'rin kek. – »Herr,« säd Jochen Klæhn, de mit sinen Herrn achter de Gesellschaft her gung, »meinen Sei, dat hei dat ut reine, pure Wollust deiht? – Ne, dat deiht hei ut Milddähtigkeit, denn wenn hei so wat hett, denn giwwt hei mi ümmer wat af.« – So, nu will ick mal wat besorgen, wat ick sünst nich girn dauh; ick will mal, as de Hochdütschen dat näumen, ›ne Reflexion‹ maken, 't ward æwer sihr swack un en beten mit en Tægel utfallen: weck Dickköpp in minen leiwen Vaderland sünd noch ümmer de Meinung, ick heww de Lüd', mine eigenen Landslüd', lächerlich makt, wenn ick lustige Geschichten von ehr vertellt heww; æwer wo? – Wenn ick Groterjahnen, sine Gemahlin, sine Dochter un Paulen so vör den Leser vörbi spaziren lat, dat Jedwerein süht, dat is von meckelnbörgsche Ort, en Bild ut isernfastes Metall gaten, hett hir un dor sine besonderen Schrullen un Tacken, is æwer vergullt von en prächtigen Schin von Eigenort, heit dat slicht maken? – Desen gullenen Schin von Eigenort lat't Jug æwer nich afschüren von de upverklorte Welt, hei is en seker Teiken, dat en Volk sick däftig un kräftig fäuhlt, un dat dat in den Stann' is, sick mang de annern Völker mit den Ellbagen Platz tau maken, un wenn ok denn mal af un an wat passirt, wat för annere Lüd' lustig in de Ogen follt. – As sei an dat Schipp kemen, föll ehr sülwst en lustigen Schin in de Ogen; denn up dat Deck seten en por smucke, junge Burßen, jeder mit en bunten, blanken Käppel up den Kopp, so dat sei sick nich irst sülwsten för Studenten uttaugewen brukten, denn sei würden Jeden dörch ehre Feddern künnig. Sei bedrewen sihr iwrig en ungewennt Geschäft; sei seten up platte Ird' mit gekrüzte Beinen, as de Türken, un äuwten sick in 't Roken un spelten all vörweg en beten Orient. Roken kunnen sei all lang', æwer ut 'ne türksche Waterpip tau roken, dat 's keinen gemeinen Hund, dat 's en finen Mops. – As de Groterjahnsche Fomili an ehr vörbi gung, blew Helene en lütten Ogenblick still stahn un kek den Einen von ehr an, as wull sei seggen: »Mein Gott, wo sühst Du ut? un wo kümmst Du her?« sei gung æwer wider, recht fröhlich in ehren Harten, denn 't was 'ne fröhliche Aewerraschung. De jung' Minsch hadd sei nich seihn, denn hei was, wat jeder Minsch sin süll, iwrig bi sin Geschäft. As æwer de oll Jahn mit sinen Jochen ankamm, sach de Herr Student taufällig mal tau Höchten un sprung nu up, dat heit, hei wull upspringen, 't gung æwer nich, hei tummelte up, denn wecker Deuwel hadd em heiten Orient tau spelen, un sick de Beinen dow tau sitten? Dorbi hadd hei nu den langen Slauch von de Waterpip in de Hand un sach ut as en jungen, angahnden Sprüttenmeister, de sin Sprütt probirt, blot dat de Water in de Sprütt hett, un hei hadd kein Water in sin Waterpip, denn hei hadd sick irst up drög inäuwt. – »Gotts ein Dunner! Herr Jahn, wo kamen Sei her? – Kennen Sei mi noch?« – »»Dausend noch mal! Sund Sei nich . . . .? – Wohrhaftig hei is 't. – Herr Beier, wo kamen Sei hir her, un wo seihn Sei ut?«« – »Ick bün up Stunns bi de Frankonen in Jena, un wi dragen Gräun un Roth un Gold.« – »»Je, dat seih ick, Sei sünd jo gräun un gel æwer 'n ganzen Liw'; æwer Sei sünd jo doch Landmann un kein Student?«« – »Ick studir up Stunns Ökonomi in Jena.« – »»So? Na, hewwen Sei denn all utfünnig makt, mit wecker Ort von künstlichen Meß Einer am fixsten den Geldbüdel klor makt?«« lachte de Oll un schüddelte den jungen Mann sine Hand recht von Hartem – »Ne, dat grad' nich! – Aewer seggen Sei mal, wat makt Korl?« – Schad'! Wi hewwen kein Tid länger dat Gespräk mit antauhüren, denn wi möten von en anner Wedderseihn berichten. Helene hadd den braven, truhartigen Fründ von ehren Korl glik herute kennt, trotzdem dat ut de düstere Landmannsrup en buntem Studenten-Bottervagel sick herute puppt hadd. – Sei was doræwer fröhlich, denn 't is as en Gruß, den de Taufall an uns bestellt, wenn wi in de Firn' en Minschen drapen, de wider nicks an sick hett, as dat hei dat Leiwste kennt, wat wi up de Welt hewwen. – Ick bün jo mal binah sülwst einen apenboren Vagelbunten üm den Hals follen, wil dat hei ut dat Dörp was, wo mine leiwe Fru buren is un tagen, denn ick stek dunntaumalen ebenso deip in de Leiw', as hei mæglicher Wis' in de Spitzbäuweri. Un wenn mi nu de Kirl bi de Gelegenheit den Geldbüdel ut de Tasch treckt hadd, denn wir ut Freud' woll Leid worden, woll eben so rasch, as bi Helenen, denn as sei sick ümdreihte von Korlen sinen Fründ, wer stunn vör ehr? de Herr Baron von Unkenstein! Helene hadd gor keinen Grund sick tau verfiren, un dat sei 't ded, möt jede Mutter von dat Kind ehr tau 'm puren Unverstand anreken. – De Herr Baron was en sihr schönen Mann, hei hadd schöne, swarte Ogen, de grad' as bi de Krewt en beten wid ut den Kopp 'rute stunnen; sin Mund was so lütt, dat hei högstens för en Knoplock gellen künn, wat em en Snider von Gotts Gnaden midden in 't Gesicht sett't hadd, denn sin südwartsiges Gesichtsdeil was en beten tau lang geraden, un üm dit schöne Knoplock hadd em de sülwige Snider Frangen makt, feine, nüdliche, de hei æwer in sinen Unverstand mit allerlei Smerkram upwichst hadd. – Kortüm, hei sach ut, as hadd min leiwe Fründ, de Apteiker, Dokter Grischow in Stemhagen – dunn lewte hei noch – den dæmlichsten von alle Gardeleutnants namen, hadd en sauber in lütte Finzel sneden, hadd en in den Distellir-Kolben smeten, drei mal æwer distellirt, denn up Buddeln tappt, twei Snidergesellen dortau gaten, un verköfft em nu as Brekmiddel. – Dat is scharpen Toback, ward Männigein seggen, un ick segg 't ok, æwer Mutter Groterjahn was nich de Meinung; denn kum würd sei den Herrn Baron ansichtig, as sei ok up em los fohrte, un – hir möt ick nu seggen, dat Bildung doch wat Schönes is – hadd sick de Bildung nich so deip bi ehr infreten, sei wir em üm den Hals follen un hadd em küßt, nich üm ehrentwegen, ne! üm Helene ehrentwegen. – »Mein Gott, Herr Baron, Herr Baron . . . .!« – »»Aah!«« – »Herr Baron, diese Ueberraschung . . . .!« – »»Aah!«« – »Herr Baron, wie haben wir dies Glück . . . .?« – »»Ja, Glück,«« säd Anton. – »Famos, aah!« – »»Wie ist es möglich, daß Sie . . . . – Herr Baron, hier – meine Tochter Ellen . . . .«« Dormit wull sei nu de beseggte Dochter vörstellen, æwer sei was dörch de Begegnung so in Upregung, dat sei sick in de Hänn' vergrep un, stats Helene ehre Hand, Paulen sine Knæwel tau faten kreg, un ihre sei sick dat versach, stunn de Slüngel vör den Herrn Baron, kek em von unnen an un rep: »Das ist der Herr Baron von Unkenstein. – Oh, ich hab' Ihnen gestern schon gesehen, Sie standen rückwärts mit en braune Paletoh. Ich hab's Lening gleich gesagt, aber Lening wollt jo nich.« – Oh, Du heillose Slüngel, rungenirst de schönste Begegnung! Dine eigene Mutter ehre Freud'! De Slüngel hadd 't wüßt, Helene hadd 't wüßt, un sei wüßt von gor nicks! – Aewer 'ne Fru, de würkliche Nerven hett, un en beten Gall un en lütt Stück Lewer un en ganz Stück Bildung, de kümmt bald æwer 'ne Verdreitlichkeit weg, un Anton hülp düchtig dortau, hei flusterte ehr de sülwigen Würd' in de Uhren, de hei alle Abend säd bi Taubeddgahnstid: »Fat Di kort! Fat Di kort, mine theure Jeannette!« Un sei fot sick un fung an: »»Herr Baron, diese Ueberraschung . . . .«« »Je, dat segg man mal,« säd 'ne fette Stimm achter ehr, »dat haddst Du Di doch woll nich dacht, Hanning, dat Din oll Mutterbrauder ok mit reisen ded,« un Unkel Bors tründelte in den Kreis herinner. »»Und das is Unkel Bors, und das is Unkel Bors,«« rep Paul un danzte as en Wepstirt üm den Kreis herümmer. »Ja, Hanning,« säd de oll Seepenseider, »süh, ick dacht ok so, din Geschäft hest du afgewen, dat besorgen de drei Jungens, nämlich Zamel slacht't de Ossen un liwert de Talg, un Adolf, den ick nu in min Geschäft insett't heww, gütt Lichter un kakt Seep dorut, un Birnhard, wat min Öllst is, de Kopmann, de sett't de Sak in Zirkelatschon. Un dunn dacht ick so, sallst di ok mal en Plesir günnen, sallst dat Flag doch mal wedder anseihn, wo du tauirst brav wat verdeint hest, un wat ward din Swesterdochter, Hanning, sick freuen, wenn sei di tau seihn kriggt.« Dor was nu abslutemang nicks von tau marken. Hanning hadd vör Schreck de Arm an den Liw' dal sacken laten, un 't was natürlich. Wenn Einer de brennende Zigar verkihrt in de Mund 'rin steckt, 't is eklich; wenn Einer in 'ne Buddel mit Olewang rüken will, un hei vergrippt sick un höllt sick 'ne Buddel mit Salmijak-Spiritus unner de Näs', 't is ok eklich; æwer gortauvel eklicher is 't, wenn Einer eben an so 'n Baron raken hett, un 't ward Einen denn so 'n ollen Seepenseider unner de Näs' stött. Fru Jeannetten was denn ok tau Maud', as süll sei vör Schimp un Schann' vör den Herrn Baron in de Ird' sacken; von butwennig let sei sick dat nich alltausihr marken, æwer inwennig wrung sei de Hänn' un smet up Antonen en Blick, den Anton sick ganz richtig æwersett'te: »Nu stah mi bi, Du olle Dæs'bartel!« – Un Anton fung an: »»Aber mein lieber . . . . äh . . . . lieber . . . . äh . . . .«« – »Ja,« säd Unkel Bors, »un an Sei, Herr Vedder, heww ick ok dacht; ick dacht, wenn Groterjahn nah Konstantinopel henkümmt, denn rönnt hei sick mit sinen dicken Kopp fast, as en Oß, de mit de Hürn' dörch 'ne Kleimwand will, möst man mit. – Un, Herr Vedder, verlaten S' sick ganz up mi, ick help Sei allentwegen dörch. – Mein Gott! Is dat nich oll Jahn von Lütten-Barkow?« un dormit tründelte dat olle, lütte Ungedäum up Jahnen los, de jüstement mit sinen jungen, gel-gräunen Fründ von Bottervagel an de Gesellschaft vörbigung. – »Wat, der Dausend?« rep de oll Jahn, »is denn hir de Kræpliner Johrmark up 't Schipp, dat de oll Seepenseider, den ick ümmer sin Talglichter afköfft heww, hir 'rümmer späukt?« – »»Je, dat seggen S' man mal! æwer oll Lüd' sünd wunderlich, wenn 't regent, denn führen s' tau Heu. – Un nu kik mal!«« un dormit fohrte hei up den bunten Studenten los, »»Jung' Herr Beier! – Leiwer Götting nich mal, heww so oft mit Ehren seligen Herrn Vader tau dauhn hatt; köffte ümmer teihn Lispund Lichter mit enmal, was so gaud as bor Geld, un nu möt ick den Sæhn hir in de Frömd antreffen, in so 'n Uptog!«« un hei schüddelte vör Beduren mit den Kopp. »»Na, 't schadt nich! Aewer 't is grad' so, as wenn sick ganz Land Meckelnborg hir tausam finnen will, un fehlt blot noch, dat en Avkat hir wir.«« – »Hir steiht ein,« säd 'ne ruhige Stimm achter em. – De lütte Kirl fohrt 'rüm, as en Brummküsel, un schot up en lütten Mann los: »»Also Sei sünd en meckelnbörgschen Avkat?«« – »Oh, bette, bette recht sehr! – Mit unserer Macht ist nichts gethan. Ja, ja, ich hab' nicht die Gewalt; die Herrn Advokaten haben die Gewalt.« – »»Aewer Sei sünd jo doch kein Meckelnbörger?«« – »Bette, bette recht sehr! Thüringer – Kaufmann – Schwofel ist mein Name.«« – »Ne, hir Olling!« un en jungen Mann drängte sick an de Gesellschaft heran. Ick denk, de Oll follt up den Rüggen vör idel Verwunnerung. – »»Na, so slag Gott den Düwel dod! Min eigen Avkat, Herr Speit! Herr Avkat Speit ut Swerin, min eigen Avkat! Na seggen S' mal, möt de Kirl betahlen? – Gott bewohre! – Ick denk, hei sitt bet en den Hals in mine Akten, un hei stangelt ok nah Konstantinopel. – Hüren S', Sei kænen hir en gaud Wark stiften – wo nennen Sei dat noch, wenn sick Twei verdragen sælen?«« – »Sei meinen woll en ›Sühnungsversuch‹.« – »»Richtig, Sei sælen en Sühnungsversuch maken tüschen Herr Jahnen hir un tüschen min Swesterdochter, Hanning. Wo 's Hanning?«« – Aewer Hanning was nich mihr in Sicht. Helene hadd, as sei de grote Upregung von ehre Mutter seihn hadd, sei rund ümfat't un hadd sei de Kajütentrepp 'runne leddt: »Komm Mutter, komm, liebe Mutter, wir wollen unser Quartier suchen.« – Dat was denn nu bald in de ein' Damenkabin' funnen; æwer stats de Rauh, de sei söchten, funnen sei blot de olle grise Dam', de sick up ehren lütten Reis'kuffert, den sei in de hoge Kant stellt hadd, ganz hüslich inricht't hadd. – »'T freut mi, min leiwe Dochter, dat wi tausamen logiren; aber ich habe hier so meine Betrachtungen. Seihn Sei mi an, ick bün drög as en Hiring un von Krinolinen werden Sie keine Spur bei mir entdecken, un doch bün ick unrauhig in minen Gemäuth, wo hir teihn Mann – dat heit Frugenstimmers – unnerbröcht warden sælen.« – Mutter Groterjahnen hadd wat Anners in den Kopp tau nemen, as sick mit den Dræhnsnack von de olle Dam' aftaugewen, ehre Nerven verlangten 'ne Sophaeck, un unnerwegs hadden sei jo ok in jeden Gasthof dese funnen; æwer hir? Du leiwer Gott! Hir sach 't jo ut, as in en Laden von 'ne Putzmamsell, wo ümmer ein' Schachtel æwer de anner steiht, dat wiren de Kojen, de rings üm an de Wänn' fast makt wiren. – ›Meine Ruh ist hin, mein Herz ist schwer, ich finde sie nimmer und nimmer mehr.‹ – Ne, sei funn sei nich; mit ehre Nerven kunn sei doch nich in de bæwelste Schachtel 'ruppe woltigiren, un as sei sick up de scharpe Kant von de ündelste Schachtel dal sett't hadd, stödden ehre Nerven ümmer mit den Kopp gegen de bæwelste Schachtel. – »Hella, mein Kind, der Baron und nun der Seif . . . .« bautz – stödd sei gegen de Schachtel. – »»Wat is, min leiwe Dochter? Is Sei wat passirt? Is Sei wat Verdreitlichs passirt? – Wat seggen Sei von den Baron un von Seep? Hett de Kirl sick nich wuschen?«« – »Nein, Tante Line, kommen Sie, helfen Sie mir, wir wollen Mutter hier auf das unterste Lager legen, Mutter ist krank.« – »Ja woll, min leiw' Dochter, nemen Sei dat Koppenn', un ick nem de Beinen. – So, nu schuwen Sei sei man sachten unner. – Un Sei, min leiw' Dochter, möten un ganz stilling liggen, süs warden Sei sick baben de Näs' stöten. Ja, wie gesagt, knapp wird's hier werden.«« – Nu slog de Stimm von ehren Vader an Helene ehr Uhr, un was 't Füer up en anner Flag utbraken. – »Herr, das leide ich nicht!« rep ehr Vader. – »»Aber Herr Jahn . . . .«« was de Antwurt von einen Kellner. – »Der Deuwel ist Ihr Herr schlechtweg ›Jahn‹; mein Name ist Groter jahn, und mit dem Herrn Jahn will ich nicht in einer Kabine schlafen, Herr Nemlich soll bei mir und meinem Sohne schlafen.« – »»Herr Groterjahn, das geht nicht, der Herr, den Sie eben genannt haben, ist im Vorschiff untergebracht, wo alle jungen Herren schlafen.«« – »Wo kümmt mein Herr zu slafen?« frog 'ne Stimm, de Helene för Jochen Klæhnen sin estimiren müßte. – »»Hir,«« säd de Kellner. – »Das leide ich nicht!« rep Herr Groterjahn dormang, un Helene sprung tau Höcht, üm Unglück tau möten: »»Vater, laß das; das kommt Alles zurecht. und Du, Jochen, setz Deine Sachen vorläufig hierher, ich will erst mit Deinem Herrn sprechen.«« – »Ja, Mamselling, minentwegen, æwer ick bün expreh von unsern jungen Herrn, Korl, dortau sett't, dat ick minen Herrn verwachten sall.« – »»Wo is Din Herr?«« – »Je, wo süll hei sin? Baben steiht hei un kickt mit den bunten Vagel in 't Water 'rin.« – Un Helene sprung de Kajütentrepp in de Höcht: »»Onkel Jahn, lieber Onkel Jahn, der Zufall hat es so gefügt, daß Du mit meinem Vater in einer Kabine schlafen sollst, und das geht doch nicht.«« – »Ne, min Döchting, dat geiht nich.« – »Willst Du denn nicht mit einem andern Herrn tauschen?«« – »Girn, min Döchting, wenn 'ck man einen wüßt.« – »»Ich wollte gerne,«« säd Herr Beier sihr orig tau Helene, »»aber ich schlafe im Vorschiff.«« – »Holt,« säd de Oll un gung up den lütten, fründlichen Kopmann ut Thüringen tau. »Mein lieber Herr, Sie haben ein so freundliches Wesen . . . .« – »»Oh, bette, bette recht sehr«« – »daß ich Ihnen einen Vorschlag machen möchte, wollten Sie vielleicht Ihre Kabine mit meiner vertauschen? Sie kämen dadurch mit dem Vater dieser jungen Dame hier zusammen.« – »»Oh, bette, die Damen haben immer die Gewalt, ja, ja, immer die Gewalt. – Und wie heißt der Herr, wenn ich fragen darf?«« – »Es ist der Gutsbesitzer Groterjahn aus Mecklenburg.« – »»Allewetschkäs'! Gutsbesitzer aus Mecklenburg, ja, ja, die haben die Gewalt.«« – Also können wir annehmen, daß Sie auf den Tausch eingehn?« – »»Bette, bette recht sehr! Herr Du meines Lebens, warum denn nicht?«« – – Dormit gung de Gesellschaft denn nah de Kajüt dal; de oll Jahn gung an sinen früheren Fründ vörbi, rep Jochen un säd: »Bring' de Saken hirher.« – »»Ja, mi is 't egal, Herr, mi is 't All egal; æwer Jung'-Herr, Korl, säd: . . . .«« – »So. – Nu sett den Nachtsack hir man 'rinner un nimm den lütten Herrn sinen un drag em dorhen, wo Groterjahn slöppt.« – »»Ja, dat kann ick jo denn ok dauhn, Herr, mi 's 't All egal; æwer lütt Paul seggt . . . .«« – »Nu mak, dat Du dat besorgt kriggst, un denn kannst Du Dinen Kram besorgen, ick bruk Di nu nich wider.« Dat was nu düdlich naug, un Jochen was en uperweckten Minschen, hei verstunn glik, dat länger Reden nu nich mihr paßlich wir, hei drog de Saken in de anner Kabin' un kamm just tau de Tid, as Herr Groterjahn anfung, sick mit den lütten thüringschen Kopmann tau berüken. – Groterjahn befunn sick in 'ne erhabene Stimmung; hei hadd en groten Sig utfuchten, Jahn was utquartirt, un hei hadd sinen Willen kregen. – Dat passirte em nich oft, un 't was, as wenn de Geist von sine Fru æwer em kamen wir, hei traktirte den lütten Kopmann up dat Gebildetste un Vornehmste, un wil hei sick dat nich anners denken kunn, as dat jeder Kopmann, de 'ne Reis' nah Konstantinopel maken ded, tau 'm wenigsten Kommerzienrath wesen müßt, säd hei: »Freut mich recht sehr, Herr Kommerzienrath.« – »»Oh, bette, bette recht sehr, ich bin der gemeune Mann – bloß Schwofel – Kommerzienrath? – Herr Du meines Lebens! Na nu sehn Sie mal! Sie haben also auch schon in Meckelnburg davon gehört, Herr Grobian?«« – »Groterjahn,« säd Groterjahn. – »»Oh, bette! – Na, un sehn Sie mal, der Racker, der Hauptmann Micheli macht mich zum Kommerzienrath; aber – Herr Du meines Lebens! – mit unserer Macht ist nichts gethan, er hat ja nicht die Gewalt – die Gewalt hat der Großherzog. – Ja, ja, der Hauptmann Micheli! Allewetschkäs'! Macht er mir neulich wieder so 'n Spaß! Wir haben ein Kränzchen im Löwen, ein Kegelkränzchen, ich will nach Hause gehen, ich sag' also zu meinem Freund, dem Herrn Oberbürgermeister: »Herr Oberbürgermeister,« sag' ich, »thu mir den Gefallen, gieb mir mal meinen Hut her« – 's ist, wie Sie söhen ein weußer – sind in ganz Eisenach eigentlich nur dree weuße Hüte. Sr. Königlichen Hoheit tragen eunen, das heußt, wenn Sie da sind, der Herr O'Kelly tragen den zweuten, und ich den drütten – 's sind allerdings noch mehrere da, aber düs sind die bedeutenderen. – Also der Herr Oberbürgermeister giebt mir meinen Hut, ich setz ihn auf und gehe nach Hause, und nun sehn Sie mal! Als ich zu Hause komme, habe ich den Schellenober an dem Hut, hat mir der Hauptmann Micheli den Schellenober an den Hut gesteckt. – Na, nu sehn Sie mal, so machen sie's, ja, ja, so machen sie 's. – Oh, Ihr Männer, Ihr Männer!«« – As dit Gespräk afhollen würd, stunn Jochen Klæhn un Paul vörn an 't Bucksprit un redten ok en por vernünftige Würd' mit einanner. – »Paul,« säd Jochen, »süh so: nu liggst Du mit Dinen Vater un den lütten, utländischen Kopmann tausam, un ick ligg mit Franz Nemlichen in ein un de sülwige Koje, ick baben, un hei unnen.« – »»Je, so is 't jo ok ganz recht, Du hest jo ok in de Kösterschaul ümmer baben em seten.«« – »Je, Paul, Du büst en schönen Gast mit Dine slichten Witzen! – Weitst wat hei nu deiht? Nu nennt hei mi ümmer ›Herr Klähn‹. – Herr Klähn, seggt hei, wir müssen auf Stunns hellsche Freundschaft mit einander halten. – Minentwegent, segg ick, Du möst dor unnen den Kopp man wohren, wenn ick utspuck. – Na, Paul, Du geihst gaud!« rep hei mit en mal dormang, denn Paul was up dat Bucksprit 'ruppe hüppt un rutschte nu gemüthlich dorup entlang. – »Paul,« rep Jochen, »ick segg Di, dat ward Di begrismulen, un dormit kletterte hei ok up dat Bucksprit un rutschte Paulen nah, »Jung', ick segg Di, Du föllst mi noch in dat Water, un denn seggt min Herr, ick hadd Di möten süllt, un denn mag ick 't Unglück gor nich seihn, hei jöggt mi jo woll von hir nah Land Meckelborg.« – »»So,«« säd Paul as sei binah bet an dat bütelste Enn' rutscht wiren, »»Jochen, nu sitten wi schön allein, nu kænen wi uns allerlei Heimlichs vertellen.«« – »Ja, dat künnen wi, wenn 't man nich so wacklig wir.« – »»Jochen, hest Du irst woll den Kirl seihn mit den brunen Paletoh?«« frog Paul mit Flustern. – »Ja,« säd Jochen ebenso, »up den Din Mutter los forte.« – »»Ja, dat is hei. Süh, dat is de Baron von Unkenstein, un de mag Lening so girn liden.«« – »Wat? – Din Helene? – Na so geiht hei gaud! Dat glöw ick sacht! Dor sünd mir, de de liden mægen; ick ok; æwer denn sallst Du seihn, denn ward hei sei ok woll frigen willen. Frag Du ehr man mal.« – »»Ne, sei seggt mi süs Allens; æwer dit seggt sei mi nich.«« – »Paul,« säd Jochen un flusterte noch sachter, »denn will ick Di wat seggen: uns' Korl will sei ok frigen.« – »»Wat? Korl Jahn?«« – »Ja, uns' Korl,« säd Jochen un lachte so swinplitsch, »sei meinen ümmer, ick bün so dumm. – Je,« säd hei un lachte noch heimlicher un nickköppte so vergnäuglich, »wer mi för dumm verköfft, de . . . . un dit kann jo doch en oll Wiw mit en Stock fäuhlen. – Ne, Paul, un denn is uns' Korl doch en ganz annern Kirl, as des' oll Pipenbuck.« – »»Ja, dat is hei, un ick mag Korl Jahnen girn liden.«« – »Na, dunn sünd wi uns jo ok ganz einig, dat wi sei tausam gewen willen, un denn will'n wi uns hir leiwerst man glik beid' verswören, dat wi den Baron ümmer von Din Helene afmöten will'n, un em ümmer allerlei Schawernack andauhn.« – »»Ja, dat will'n wi!«« rep Paul ganz lud' ut. – »Paul, Du büst jo doch einen gottlosen Slüngel,« flusterte Jochen, »dat hüren jo weck. – Süh, ick heww em irst all schön schawernackt, as ick an em vörbi gung.« – »»Na, wat hest denn dahn? Hest em stött?«« – »Ne.« – »»Hest em knepen?«« – »Ne.« – »»Hest em mit 'ne Nadel prickelt?«« – »Ne, ick spuckt em up den Stewel.« – »»Herunter von dem Bugspriet!«« rep 'ne utländsche Stimm, un ein von de Schippsoffzirers stunn dor un makte en hellsch borborsches Gesicht. – »Kumm, Paul, de Kirl brukt Irnst,« säd Jochen un red rüggwartsig taurügg, un Paul mit em. – – Kapittel 9. Von en Weigenkind un von en Riesen, von en Königssæhn un 'ne Scheperdochter. – Wo de oll Jahn sinen Korl sinen Gegenbuhler tau seihn kriggt, un Jochen achter de Trepp sitt un rohrt. – Wat sick de Herr Paster dormit to bemengen hett, un dat Jochen sine olle Mutter in witte, ledderne Hosen as Ridknecht vör de Gräwin up riden sall. – Storm; un bi Jochen geiht de jüngste Dag an. – Und das soll ein Vergnügen sein! – Paul höllt en Ball mit de Spuckbeckens. – De oll Dam' ward anfucht't. – Wo is Unkel Jahn? – De Damper lagg up weike Wellen un let sick weigen, as wir hei en Kind, æwer inwennig sus'te un brus'te dat in em, as leg' en Ries' up sinen Lager, de Murd up Murd in de Welt begahn, un nu in den Slap stæhnte, as wenn de Mort em riden ded. – Endlich gung de Fohrt los, un vörn an den Bug fung dat an tau flustern un tau snacken; un ut dat Snacken würd en Gesang, un de Wellen krüs'ten sick un deilten sick un foten dat Schipp üm, as wiren sei lustige Kinner mit witte Blaumenkräns' in de Hor, de Kringelkranz-Rosendanz danzten; un hinnen up dat Deck stunnen de Reisenden un keken henæwer nah dat schöne Triest mit sine witten Hüser un gräune Böm, mit sine witten Barg' un sin gräunes Water; un Däuker weihten dörch de Luft tau 'm Afschid von 'ræwer un 'næwer, un de Weihmaud treckte in de Seelen von de Minschen, as wir 't en Afschidnemen up Nümmerwedderseihn, as leg' de schönste Deil von ehren Lewen achter ehr, un wat nu kamen süll, wir vull Bangen un Ängsten. Ach, wo Männigeinen, de von desen Strand in de Welt herin segelte, mag dit Bangen un Ängsten drapen hewwen, mæglich noch wat Slimmeres; von twei Minschen æwer weit dat de Welt, von Maximilian un Charlotte; achter dat Stüer lagg dat schöne, ruhige Miramar, un æwer den Vödderstewen winkte ut wide, ut newlige Firn 'ne Kaiserkron', un dortüschen lagg de unergründliche See, ebenso unergründlich, as Taufall un Schicksal. – Ok Helene stunn up dat Achterdeck, un Paul hadd sei ümfat't, un sei kek in irnsthaften Gedanken nah den Strand 'ræwer, de ümmer schöner würd, je wider sei in de See kemen: Minschenwark gung unner, un Gotteswark gung up. Ehre Gedanken wiren irnsthaft, æwer sei wiren doch licht un hell un swewten æwer Barg un Dal dörch en goldenen Dag, as de Sommermetten, un wewten Triest un Lütten-Barkow tausam, un sei verbunn sei in ehren Gedanken mit enanner, as trugte sei en Königssæhn mit 'ne Scheperdochter tausam, un wenn ehre Leiw' so wat farig kreg, worüm süll sei denn nich up ehr un ehren Korlen sin Glück bugen? Un de oll Jahn kamm nah ehr 'ranne un säd: »Lening, ick heww hüt Morgen en Breif ut Lütten-Barkow kregen un sall ok velmal grüßen, un, Paul, hir is en Breif an minen Jochen – ick weit nich, wo de Bengel wedder steken mag, Du wardst dat woll weiten – de hett för de oll Klæhnen uns' Paster schrewen, giww em den.« – Paul sprung furt, un de Oll säd wider: »Ja, Korl lett Di velmal grüßen.« – »»Ach, Onkel Jahn, ich habe wohl vielen Muth und viel Vertrauen; aber werden die Eltern es wohl jemals zugeben?«« – »Min Döchting, wat Gott tausam fügt hett, sall de Minsch nich scheiden; un mi kümmt dat grad' so vör, as wenn uns' Herrgott sine Hand an Jug leggt hett, nich, as wenn hei so wat Besonderes gegen Jug utäuwt un Jug bi de Hor tausam treckt hadd, ne, sin Wirken is still un einfach west, un dat is för mi en Teiken, dat dat von em kümmt. – Un Du magst Di woll wunnern, dat ick achter den Rüggen von Dine Öllern Di gegen ehren Willen girn tau 'ne Swigerdochter hewwen will, un wenn Du in Vermægen un in Stand nich mit minen Jungen tausam stimmtst, denn würd ick mi woll häuden, mine Fingern dormang tau steken, so æwer estimir ick Allens, wat dor entgegen steiht, as 'ne pure Dummheit, as en Stein, den den narschen Pötter sin Brauder uns in den Weg smeten hett, un den smiten wi woll wedder 'rute.« – Helene wull dorup wat inwenn'n, kamm æwer nich dortau, denn de Herr Baron von Unkenstein strahlte mit ein in 't Og' geknepenes Glas up sei los, un sei rep: »»Ach Gott, der Baron!«« – »Wer is denn dat? « frog de oll Jahn, kreg æwer keine Antwurt, denn de Baron was all tau neg' un as hei nochmal indringlicher fragen wull, kamm hei dormit ok nich tau Platz, denn up em stüerte pilgrad' Tanten Line los: »Gu'n Dag, min leiw' Herr Jahn.« – »»Freut mich sehr, gnädigstes Fräulein,«« kumpelmentirte sick de Herr Baron heranner un let den Kiker ut dat Og' fallen, »»ich habe Sie und Ihre liebenswürdig Frau Mutter gesucht, wie . . . . auf Ehre wie . . . . wie . . . .«« – »As en por Knöpnadeln,« säd Tanten Line. – »»Wahrhaftig ja, ja – sehr richtig! – Bitte, gnädigstes Fräulein, mich vorzustellen.«« Helene müßte nu woll, also: »Herr Baron von Unkenstein – Herr Jahn – Fräulein . . . .« – »»Tanten Line,«« föll Tanten Line in. – »»Ich muß Sie schon einmal gesehen haben, Herr Baron; æwer 't is doch woll nich mal mæglich, vornehme Bekanntschaften heww ick meindag 'nich hatt, und Sie müßten denn einmal in Wismar gewesen sein.«« – »Durchaus nicht,« säd de Herr Baron un dreihte sick snubbs üm un got up Helenen en ordentlichen Regen von seine Redensorten herunner. – De oll Jahn hadd vörhen seihn, wo Mutter Groterjahnen up den Herrn Baron losfohrt was, hei hadd Helenen ehre Verlegenheit seihn, un hei wüßte ganz genau, dat Mutter mit ehre Dochter hoch heruter wull, dat sei 't unner en Baron nich ded, un em steg allmählich de Gedank up, dit künn mæglicher Wis' de Mann sin, mit den sin olle gaude Korl mal en Häunken tau plücken kreg, un Tanten Line makte 'ne halwe Wendung üm den ollen Jahn herümmer, dat sei den Herrn Baron wedder in dat Gesicht kiken kunn, un säd dunn so halflud' vör sick hen: »»un seihn heww ick em doch all mal!«« – Nu kamm Paul ansprungen: »Onkel Jahn, weißst, was Jochen Klæhn sagt, als er den Brief gelesen hatte? er sagt, es wär' ihm so rührsam, un nu sitzt er vorn im Schiff achter die Trepp un rohrt.« – »»Ih, wat hett hei denn wedder? – Sin oll Mutter ward doch woll nicks taustött sin, dat süll mi denn doch Led dauhn,«« un somit gung hei stracks nah vör. – Helene benutzte de Gelegenheit, sick von den Herrn Baron los tau maken, un Tanten Line stakte achter an un säd tau sick: »'T is mi grad' so, as wenn ick 's Abends in 't Bedd ligg un kann mi up en Namen nich recht besinnen.« – »»Na, wat is Di denn?«« frog de oll Jahn sinen Jochen, as hei em achter de Kajütentrepp funnen hadd. – »Je, Herr, mi is vel, mi is gor tau vel,« säd Jochen, un de Thranen lepen em düller ut de Ogen. – »»Din Mutter is doch gesund? Wat?«« – »Ih, de Ollsch fehlt nicks, de sinnt jo woll dor ordentlich up, dat sei mi in Unverlegenheiten setten will, un denn, dat de Herr Paster sick tau so 'ne Saken hergewen deiht!« – »»Na, wat is denn?«« frog de oll Jahn un schüddelte em. »Je, Herr, ick sall Ridknecht warden bi den Grafen tau Bartelshagen.« – »»Un doræwer rohrst Du?«« lachte de oll Jahn. – »Ja, Herr, Sei hewwen gaud Lachen. Wat fragen Sei dornah, wat ick Ridknecht bün oder nich; æwer mi kann dat nich egal sin, dat ick Sei hir so in de Frömd un in de Noth steken laten sall. Wat würd uns' Korl woll seggen, wenn ick Sei hir so verlaten ded.« – »»Du büst jo woll rein unklauk,«« säd de Oll un strakte em æwer de Flaßhor, »»meinst Du, dat Du hir so slank weg von 't Schipp gahn kannst un Ridknecht warden? – Ne, nu möst Du uthollen, bet de Reis' tau Enn' is.«« – »Ja, dat is mi denn ok ganz egal, un uns' Korl hett mi jo dat up den Kopp anbefahlen, dat ick för Sei upkamen sall, un dat Ganze kümmt jo blot von den ollen Dutzen-Didrich her, de hett de Ollsch dat in den Kopp sett't, un sei hett jo all ümmer dorvon redt, dat sei dat mal erlewen wull, dat ick mit witte, ledderne Büxen vör de Gräwin upriden süll; æwer dat sick de Herr Paster dortau hergewen deiht, mi so 'n Elend tau maken . . . .! –« – »»Wo is denn hir Elend? Du bliwwst bi mi, so lang' Du willst, ick jag' Di nich.«« – »Na, denn is 't jo ok All gaud, Herr, denn kann de Ollsch minentwegen sülwst Ridknecht warden; ick bliw' bi Sei un bi Paulen!« rep Jochen un sprung up un dreihte sick nah Paulen üm un säd: »Un Du büst mi en schönen Gast, Paul, dat Du glik henlöppst un dat vertellst.« – Un Paul fot em rund üm un säd: »»Ih wat, Jochen, nu is 't jo All gaud,«« un tog em an de Schanz un dor keken sei henæwer nah de Küst von Istrien un segen mit de Annern Stadt nah Stadt kamen un verswinnen, bet de letzte Spitz achter ehr versackte un sei herute stüerten in de apenbore See. – Un 't was Abend worden, un Allens söchte de Rauh. De annere Dag was nich so, as de irste; was de Dag vörher west, as en säuten Leiwskuß mit Lachen üm den schönen Mund, denn was des' as en gestrengen Herr, de mit kruse Stirn sine Knechts harte un kolle Befehle tausmitt un von Inwendungen nich recht wat weiten will. Hart un kolt brus'te de Bora von Nurden æwer de See, un de Wind flækerte un von Urt tau Urt, bet hei tauletzt dat Schipp grad' in de Tähnen herinne pust'te. De Schippsmannschaft kek vel nah den Hewen, still, as wüßte sei recht gaud Bescheid; de Kaptain stunn baben up de Galeri von den Radkasten un hadd kein unnütze Würd' för de taudringlichen Fragen von de Gesellschaft; de Kellners lepen herüm un makten fast, wat losbännig was, un de Reis'gesellschaft makte blasse, lange Gesichter un söchte stille Flæg' up, wo sei wat afmaken kunn, wat sick süs in gaude Gesellschaft nich recht afmaken lett. – De Abend kamm heranner, ein Jeder kröp in sine Koje, as de Snickermus in ehr Hüschen, de Bülgen flogen æwer dat Vörschipp weg, fauthoch stunn dat Verdeck unner Water, un dorunner lagg Franz Nemlich un stæhnte grote Stücken, hei was ok gor tau krank, un æwer em lagg Jochen Klæhn un hadd sinen Kopp nah afwarts bögt un säd: »Lat Du dat man sin, Franz, dat giwwt sick Allens; dit 's en Aewergang, säd de Voß, as sei em dat Fell æwer de Uhren trocken; æwer indessen dennoch – ick bün en seebefohren Minsch, mit Fritz Swarten un Ketelhannen, æwer so wat is mi meindag' noch nich passirt. – Aewer wat lur ick hir? – Ick süll mi nah minen Herrn ümseihn,« un as hei sick so halw tau Höchten richt't hadd, kamm en Stot, un hei fohrte ut de Koje, as wir hei mit Pulwer 'rute schaten, un föll up den Disch, un von den Disch up de Ird', un rep »Franz Nemlich, nu nimm Di in Acht, ick ligg hir unner Di!« un nu torkelte hei dor 'rümmer un ret sin Beddtüg ut de Koje un platzirte sick ünner den Disch un säd: »Ick will den Deuwel! ick bliw' hir unnen liggen,« un 'ne rechte forsche Bülg' got de Kajütentrepp dal un dat æwer em weg un smet en por losbännige Stäul un anner Geschirr gegen den Disch un em up den Liw', un hei rep wedder: »So, nu geiht woll de jüngste Dag los! denn möt 'ck æwer bi minen Herrn sin;« un hei krawwelte sick de Trepp in de Höcht. – Un dor wiren Vele up dat Schipp, de glöwten, dat de jüngste Dag anbreken ded, un sei legen stilling un leten Allens æwer sick ergahn. – Groterjahn lagg ok mit den Kopp ut sin Lager 'ruter, un ümmer kamm ein Schuß nah den annern bi em tau Platz, un achter jeden stæhnte hei ganz weikmäudig: »Und das soll ein Vergnügen sein!« – Un de lütte, fründliche Kopmann ut Thüringen ded em gründlich dorin Gegenstand, un 't was 'ne schöne Swineri. Un dat Schipp knackte un knasterte, as süll de oll Kasten ut de Faugen gahn, un de Bülgen bröllten, un de Storm ras'te, un de lütte Kopmann stæhnte dormang: »»Herr Du meines Lebens! – Ja, der hat die Gewalt! – Mit unsrer Macht ist nichts gethan.«« – Un Groterjahn, de in de Richtung von den Kil langs lagg un nu ganz erbärmlich von de ein' Sid up de anner smeten würd, jammerte: »Herr Kommerzienrath . . . .« – »»Bette – Hup! Hup! – bin bloß der gemeune Mann, aber ein sehr unglücklicher.«« – »Sie können wohl lachen, Sie werden doch nicht so schauderhaften hin und hergesmissen.« – »»Bette, Herr Grobian, ich seh nicht ein, warum ich lachen sollte, stellenweis sind meine Füße bis an den Boden und stellenweis mein Kopf. – Hup! – Hup! – Oh, das hat die Gewalt!«« – »'Ne Vergnügungsreise soll das sin!« rep Groterjahn wedder dormang; un unner de beiden ollen, armen Wörm danzten de Spuckbecken un allerlei anner Geschirr 'rümmer, as höllen sei en groten Ball, un bian, in de Kajüt, flogen de Laternen in dusend Stücken, as müßten sei Musik dortau maken, un wiren de Muskanten up den Ball; un ümmer unverdraten lepen de italjenschen Kellners 'rümmer un hülpen hir un stürten dor, un Keiner up dat ganze Schipp was so fidel as Paul, de eben von en dägten Stot upwakt was un nu rep: »Weitst wat, Vatting? – Ick bün ganz gaud tau Weg'. – Weitst, wat 'ck nu dauh? – Nu treck ick mi an un seih tau, wat Lening un Mutting maken, ick weit, wo sei slapen; dor hängt 'ne Gardin' vör, dor kann ick mit ehr dörch reden.« – Schön, Paul! Din Will is gaud, Paul, æwer nimm Di nicks vör, denn sleiht Di nicks fehl; süh so! un liggst Di jo all dor un danzst mit de Spuckbecken 'rümmer, as haddst Du sei Di eigens tau 'm Walzer upföddert, un de lütt Kopmann röppt: »Herr Du meines Lebens!« un Herr Groterjahn stamert: »» Vergnügungs tour!«« un Paul röppt: »Vatting, weitst wat? Hosen heww 'ck all an; æwer nu de Steweln.« – Bautz! – Dor foll wat. – Ja, 't was Paul, de in de Kajüt 'rinner follen was un nu in 't Tründeln kamm, un ut de bütelste Eck heræwer kreihte: »Vatting, weitst wat – de einen Stewel heww ick nu ok all an.« – Un Paul kreg ok den tweiten an, un as hei man irst in sine Steweln stunn, dunn stütt'te un stamerte hei sick den Disch entlang nah de ein' Damen-Kabin', de up Jensid von de Kajütentrepp lagg, un rep dörch den Vorhang: »Helening! – Helening! – Was macht Ihr, Du un Mutter?« – Un nah en beten schow sick en Arm dörch de Gardinen, un Helene kek 'rute: »»Ach, Pauling, Mutter ist gar zu krank, sie will durchaus auf's Verdeck gebracht sein, und ich glaube selbst, daß frische Luft ihr gut thun wird. – Wo ist Vater? kann der nicht helfen?«« – »Ne, dor denk nich d'ran; Vatting un de lütt Kopmann sünd beid' heil un deil intwei.« – »»Ach Gott, und Mutter ist gar zu krank. Wo ist Onkel Jahn? – Wenn der doch hier wäre!«« – Dormit gung Helene in de Kabin' taurügg, dormit dat sei ehre Mutter räuken un plegen wull. – – Ja, Mutter was krank, sihr krank, un de ganze Kabin' was in en sihr bedräuwten Taustand, un von Minut tau Minut, un von Stunn' tau Stunn' hadd dat taunamen, un de Fru Starostin ut de Moldau, de sick man swack mit de dütsche Sprak behelpen kunn, stæhnte: »Oh, ich armes, feiges Mensch, was muß ich fahren auf Wasser! – Oh, die Sturm, die Sturm!« – Un Herminie, de italiensche Cameriera, de sick ok man swack mit de dütsche Sprak behelpen kunn, un ut Gnad' un Barmhartigkeit von de Damen bi sick upnamen was, antwurt'te: »»Oh, nicht Sturm , dies sein bloß groß Wind .«« – Klapp! flog dat lütte, runne Kabinenfinster up, un de See sus'te in en mannsdicken Strahl herinne. – »Dat ward jo utverschamt!« rep Tanten Line, denn sei hadd sick mit de Cameriera in desen natten Segen deilt, un sprung up, so gaud, as dat mit ehre ollen, stiwen Knaken gahn wull, un hülp Herminie dat Finster dicht maken. – »Da bin ich doch recht naß geworden,« säd de oll Dam' un kröp in ehr Nest, wat ok schön anfucht was. – »»Sie sich wohl nicht fürchten?«« frog de Fru Starostin. – »Ne, min leiw' Dochter, fürchten nich! æwer natt bün ick worden. – Nein,« säd sei, as ehr inföll, dat de, de man knapp mit dat Hochdütsch bewandt was, mæglicher Wis' gor kein Plattdütsch verstahn künn, »ich fürchte mich nicht, ich habe in Triest mein Testament bei dem preußischen Konsul niedergelegt, denn mein bischen Vermögen steht im Preußischen, und seit der Zeit bin ich ganz ruhig in meinem Gemüthe.« – Un wedder flog dat Finster up, un wedder sus'te de See herinner, un 't was, as wenn dit All tau de Unnerhollung von de Damen anstift't würd, dat sei nich up den Drögen kem'. Un mitdewil würd denn nu de Dag ok all gragen, un dunn kamm Paul un rep Helene, un as de Beiden noch mit enanner redten, foll wat de Kajütentrepp dal, un as dat unnen ankamen was, stæhnte dat grote Stücken, un rappelte sick tauletzt tau Höchten un säd: »Gott bewohr uns! Dat spelt jo woll hir mit Einen Kuhl-Sæg'?« ein Ballspiel, bei dem der Ball (die Sæg' = Sau) von den Mitspielenden in eine Vertiefung (Kuhle) zu treiben gesucht und so hin und her geschlagen wird. – Un Paul frog: »»Jochen büst Du dat?«« – »Un dat mit Recht,« säd Jochen. – »Aewer, Paul, wat deihst Du hir? Kannst Du nich in Din Lock liggen? Du büst jo woll schir grad' so as min Herr? De sitt ok baben un steckt de Näs' in den Wind un kickt in de Bülgen 'rinner. – Herr, segg ick, kamen S' 'runner un leggen S' sick tau Bedd. Meinst, dat hei wull? Sei verküllen sick hir, segg ick. Dummes Tüg! seggt hei. – Ja, segg ick, Sei hewwen gaud Reden; æwer ick krig' nahsten de Schell von unsen Korl. Dunn jog hei mi weg, un ick heww de ganze Nacht achter den Schorstein seten, dat ick em in 't Og' behöll. Einmal steg dat ok bi mi so 'n beten tau Höchten, æwer ick verbet mi dat. – Na, æwer Paul! As de beiden Segel æwer Burt gungen, un de halwe Schanz vorn wegreten würd, un de Koje, de up den Radkasten stunn, un as de Bülgen all in den Füerrum flogen. – Je, markst wat? – Süh, dunn würd mi doch ok gräun un gel vör de Ogen, obschonst ick en seebefohren Minsch bün mit Fritz Swarten un Ketelhaunen. Aewersten dat ick den ollen, utländschen Kaptain noch ümmer baben mi up de Galeri 'rümmer hausiren sach, süh, dat höll mi, un ick würd denn ok gewohr, dat sei wennen deden, un nu führen wi munter nah Triest, oder wo 't oll Lock heit, wedder taurügg, denn dat möt ick weiten, wil dat ick en seebefohren Minsch bün. – Nu, dat de Dag an tau gragen fängt, hett sick de Wind leggt, æwer de Bülgen gahn, hest mi nich seihn! – Du büst jo en Fründ von Schockreipen un Wippwappen, gah man 'ruppe, von de Ort kannst dor baben naug krigen.« Paul was en lütten, tapfern Slüngel; æwer as Jochen em dit so recht indringlich vertellte, fung 't em doch an so 'n beten tau gräsen, hei verget æwer doch Helene ehren Updrag wegen Muttern nich un frog: »»Is de oll Jahn noch baben?«« – »Wat Du fröggst, Paul! – Je, dei! dei frücht sick nich, dei sitt dor, stiw as en Pahl, dei rüppt un rögt sick nich un deiht jo grad', as wenn hei 't Ganze kummandiren möt.« – »»Na, denn kumm!«« un dormit klatterte dat lütt Jüngschen de Kajütentrepp tau Höchten. – »Na, Du geihst gaud Paul!« säd Jochen. »Wo? Du fängst jo woll nu ok all an?« un hei klatterte achter em her. – Baben paspelten sei sick an dat Gelänner von 'ne fastnagelte Bänk entlang bet nah dat annere Enn', wo de oll Jahn in sinen Pelz deip in Gedanken satt un in de swarten Bülgen herinnerkek, de sick in ehre rauhlose Hast mit de witten Huwen æwerstört'ten, as wiren sei de hastigen Pulssläg' von en Hart, wat in rauhlosen Iwer un unverstahne Wuth dornah tracht't, sick sülwst tau Schann'n tau maken, un Allens in de eigene Düp mit sick 'rinner ritt, wat sick em entgegen stemmt. – »»Unkel Jahn,«« fung Paul an; de Oll antwurt'te nich; hei was wid weg, sine böse Stunn' was æwer em kamen, de wille Waterweust hadd sei in un weckt, un up jede düstere Bülg' was en swarten Gedanken em entgegen swemmt. – »»Unkel Jahn,«« säd Paul wedder un läd em de Hand up de Schuller», »leiw' Unkel Jahn, Helening seggt . . . .«« – »Wat? Wat?« frog de Oll, un kek em an mit en por Ogen, as wir Allens, wat süs achter un in de Ogen lagg, in Keden un Bann' slagen un wid weg in trostlose Länner bannt. – »»Helening seggt . . . .«« – »Wat? wat will Helening?« un langsam lös'ten sick Keden un Bann', as wir en Bannwurt utspraken, un de Gedanken kihrten ut de Weusten taurügg, un in dat Og' speigelte sick dat Verständniß von 't Lewen üm em her. »Wat will Helening?« – »»Mutting is so krank un will an de frische Luft bröcht warden, un Vatting kann sick sülwst nich helpen, un nu fröggt Helening nah Di.«« – De oll Mann was nu ganz wedder tau sick kamen, hei stunn up: »Kumm, min Sæhning, kumm! Un Du, Jochen kumm ok mit.« Dormit gungen sei de Kajütentrepp dal. Helene würd raupen; sei gaww den Ollen de Hand: »»Lieber Onkel Jahn, willst Du nicht Mutter auf's Verdeck tragen helfen?«« – »Ja, min Döchting, recht girn, wenn sei 't man von mi annimmt.« – »»Ach, sie ist so krank, sie wird Dich gar nicht einmal kennen.«« – »Na, Jochen, denn kumm!« säd Jahn un fot nu Fru Jeannette unner de Arm, un Jochen bemengte sick mit de Beinen, un so gung de Reis' nah baben. Hir würd sei up de Bänk leggt, un Helene un Paul möt'ten sei dor, dat sei nich 'runner scheiten ded. – Tante Line was ok mit kamen. – Kapittel 10. De oll Dam' as 'ne Mus in 'ne Dis'-Heid'. – Caffè Bombay! – Gravoso. – All die kleinen Kikelhähnchen versoffen! – Gottlob! Mutter fängt doch all wedder an tau schellen; sei nimmt de Tægel wedder in ehre Hand. – Paulen sin Dag'bauk; Jochen helpt em dorbi. – Mutter giwwt sick tau 'ne Brügg her. – Meckelnborg möt 'ne Republik warden. – De frien Republikaner un de östreichschen Sklaven. – Worüm de olle Dam' keine frie Republikanerin warden will. – Herr Nemlichen geiht en Licht up, un Munde kickt æwer ehren Vader sinen Swinskaben nah Zwiebelsdörp henæwer. Jochen Klæhn hadd ganz recht vertellt: dat Schipp was up den graden Rüggweg, un slenkerte mang de Bülgen, dat Jochen halflud' tau Paulen säd. »»Paul, weitst wo mi tau Maud' is? Mi is, as set ick tau Lütten-Barkow in dat Aderborsnest up de Weitenschün' un kek nu mal eins up de ein' Sid dat Schündack dal un denn mal up de anner Sid.«« – Un Tanten Line säd: »Und Sie, mein lieber Herr Jahn, sind die ganze Nacht hier oben gewesen? Worüm hewwen Sei mi dat nich seggt? un worüm bün ick so dæmlich west un heww mi dor unnen inspunnen laten?« – »»Je,«« säd de Oll, »»beter is beter. Hir baben wiren Sei doch woll schön natt worden.«« – »Dat sünd wi dor unnen ok, wir haben auch unser Theil empfangen.« – »»Weiß Gott,«« säd de Oll, de nu gewohr würd, dat sin oll Reis'kumpan schön begaten was, »»Sei sünd jo klatschennatt, Sei kænen sick jo up den Dod verküllen. Kamen S' her!«« un dormit treckte hei sick sinen Pelz ut, un wat Tanten Line ok för Sperenzen makte, sei müßte 'rinner in de warme Hüll. Un nu satt dat oll Worm dor, as de Hiring in den Rockeluhr, un kek baben ut den rugen Kragen, as de Mus ut de Dis'-Heid'; un dorbi kek sei so irnsthaft un fierlich in dat wille Waterwesen üm ehr 'rümmer, un as de Sünn blaudroth achter swarte Barg' langsam tau Höchten steg, folgte sei de Hänn' un säd vör sick hen: »Erhaben! erhaben!« – Un de Minschen würden still, un de Bülgen bröllten un broken sick, æwer de schümigen Kämm wiren rosenroth anfarwt, as hadd de ewige Leiw' Rosenbläder æwer de wille Wuth streu't, dat sei tau Rauh kamen süll. Un ok Helenen ehr bleikes Gesicht was rosenroth anstrahlt, un ok sei folgte de Hänn', un ehr erlös'tes Hart stamerte en Dankgebett: ja, nu was de Gefohr vöræwer; Gottes Sünn stunn an den Hewen, un de grüßt dat bange Minschenhart un predigt von den Urquell von allen Gnaden. – Un nu kamm denn so mitdewil Allens, wat sick jichtens up de Beinen noch hollen kunn, up dat Deck heruppe krapen, un dat fröstelte un hulwakte dor herüm, denn nah 'ne dörchwakte Nacht is dat bi Sünnenupgang, as wenn dat in den minschlichen Liw' ok mit allerlei Gruseln tau schummern anfängt; un nu rögte sick ok tau rechter Tid Signor Vincenzio, wat de Oberkellner up den Bombay was, un kamm mit en groten Pott vull swarten Koffe andragen un rep: » Caffè nero! Caffè Bombay! « – Un Alltausamen langten nah dat erquickliche Gedränk, blot Paul wull nich, dat smeckt em tau bitter, säd hei. Aewer Jochen Klæhn säd em gehürig Bescheid: »»Süh, Du süllst Di wat schämen, Paul, dat möt ick Di doch schir tau 'ne pure Säutmüligkeit anreken; wi drinken jo All von den Koffe, un kik mal de olle, klauke Dam' an, wo nürig sei dorin drinkt, un dei is doch so vel öller as Du. Ick wull, Du wirst man mal en vir Wochen bi min Mutter in de Kost, de würd Di woll anlihren. Ick wull mal kein dick Arwten eten, »Leckertähn,« säd s', »magst ok gräun Seep?« un dunn kreg s' mi tau faten un proppt mi de dicken Arwten in den Hals, un ick müßt sluken, ick müggt willen oder nich.«« – Nu würd denn æwer ok de Meisten, as sei sick de Havari up dat Schipp ansegen, un as sei de Inseln un Klippen üm dat Schipp 'rümmer gewohr würden, recht düdlich klor, in wat för 'ne grote Gefohr sei de Nacht æwer swewt hadden; denn 't was 'ne gruglich gefährliche Küst, un blot den ollen, ümsichtigen, italjenschen Kaptain was dat tau verdanken, dat noch mal de Sünn æwer so vele Minschenlewen upgung. – Ümmer dichter würden de Klippen; æwer ok ümmer stiller würd dat Water, un as sei in den Haven von Ragusa, Gravoso, inlepen, was 't, as wiren s' in en Landsee. Hir kamm denn nu Allens up dat Deck tau Rum', un ok de Kranken würden 'ruppe bröcht. Herr Groterjahn würd grad'æwer von sine leiwe Fru leggt, so dat sei sick in de bedräuwten Gesichter seihn kunnen, un sei fierten en recht weihmäudiges un stillswigendes Wedderseihn. Herr Nemlich würd von Jochen Klæhnen 'ranner slept un sackte in einen Dutt tausamen, as hei 'ne Bänk tau faten hadd. De Herr Baron von Unkenstein satt up en Feldstaul un kek stiw vör sick hen, as hedd hei Helene un alle Weltlust vergeten, un wir in deipe Betrachtungen æwer 't minschliche Elend versunken; de lütte thüringsche Kopmann glitschte up dat natte Deck ut un sett'te sick hellschen unsacht dal, un as hei sick wedder tau Höcht rappelt hadd, kek hei sick dat Flag an un säd in sine ungeheure Höflichkeit: »Bette, bette recht sehr!« Un nu satt hei up dat Vörschipp vör de Haunerkasten mit en Gesicht as en Likenbidder un jammerte: »Herr, Du meines Lebens, all die kleinen Kikelhähnchen versoffen. – Oh, Ihr Männer! Ihr Männer! – Ja, ja! – Mit unsrer Macht ist nichts gethan,« un dicht bi em was Unkel Bors ok up dat gliwwrige Deck utglitscht un satt nu mit den Puckel gegen den Haunerkasten, un 't was ogenschinlich, dat hei gor nich markte, woans hei ümmer denn un wenn von unnen up 't Frisch anfucht't würd, un bi em lagg verlangs in de sülwige Sauß en ollen Pollack un stæhnte: »» Jach ich liege, jach mir gut ist, jach ich stehe, jach mir schlecht ist.«« – Un t'ens den sinen Kopp satt wedder Herr Gumpert, wat Antonen sin Genæwer bi Disch was, un säd blot: »Schauderhaft! – Schau–der–haft! « – Ja, 't was 'ne rechte glückliche Reis'gesellschaft, de tau Gravoso an desen gesegneten Dag utschippt würd! An den Lann' verhalten sick de Kranken ok bald un verdorten sick so wid, dat sei nah Ragusa gahn un führen kunnen. – Fru Jeannette kamm ok allmählich sowid æwer Enn' un tau Besinnung, dat sei ehren Anton en staatschen Vers doræwer maken kunn, dat hei ehr in ehre Noth nich bistahn hadd. Herr Nemlich kreg Schell, dat hei de Nacht æwer nich bi Paulen west wir, un Paul kregt Schell, dat hei nich bi Herr Nemlichen west wir, un as sei vör dat Gasthus tau Ragusa in en Lehnstaul satt, un de oll Jahn taufällig dor vörbi gung, steg in ehr so 'ne düstere Erinnerung up, as hadd sei in de vergangene Nacht den ollen Jahn seihn, un de hadd sick mit ehr jichtens wat tau dauhn makt. – »Hella, mein Kind,« frog sei Helene – baff! – vör den Kopp, »wer hat mich diese Nacht auf's Verdeck getragen?« – »»Ach Gott, Mutter, quäl Dich darum nicht! – Die frische Luft hat Dir wirklich gut gethan, und wenn Du mit mir dorthin an den Fels gehen wolltest, wo die Wellen sich so schrecklich schön brechen, würde Dir bald wieder ganz wohl werden.«« – Aewer Mutter Groterjahnen let nich locker, ehr wiren de Tægel von dat Regiment in de letzten viruntwintig Stunn'n ut de Hänn' follen, nu rapte sei sei æwer wedder up un tog sei stramm an: »Ellen, mein Kind, ich will wissen, wer mich getragen hat.« – »»Nun, dann muß ich es Dir sagen: Onkel Jahn hat Dich hinaufgetragen, ich habe ihn durch Paul darum bitten lassen.«« – Hadd Mutter nu en Gefäuhl för dat Klassische hatt, denn hadd sei nu ehr ›Antlitz verhüllen‹ müßt, so æwer schoten mal wedder Blitzen ut ehre Ogen, un sei rep: »Meine Kinder, meine eigenen Kinder conspiriren gegen mich mit dem Feinde unseres Hauses.« – »»Ja, Helening,«« säd Anton, de nu von Rechtswegen ok wat seggen müßte, »»der Mensch soll mit de Feinde . . . .«« – »Schweig still, Anton, Du bist daran Schuld! Wie kannst Du dulden, daß der da « – un sei wis'te up den ollen Jahn, de in de Brandung 'rinner kek un ehr ganz unschüllig sin breiden Puckel tau kihrte – »wie kannst Du dulden, daß der da Hand an Deine Gattin legt?« – Anton wull seggen, hei hadd ehr jo doch nicks tau Leden dahn, un Helene säd: »»Du solltest dem alten Manne danken, Mutter, daß er Dir beigestanden hat, und bereitwillig beigestanden hat.«« – Aewer Mutter wull nich danken, un as sei mit ehren Zorn un Gift noch wider üm sick 'rümmer spillunken wull, kamm ehr tau sinen Unglück Paul vör Ogen, un ehr föll in, dat hei ok en Verbreker was, un dat sei bi em ok de Tægel antrecken müßte: »Poll!« rep sei, »hast Du gestern Dein Tagebuch geführt?« – Paul verfirte sick nich slicht, hei stürte grad' up sinen Fründ Jochen los, de ganz in de Neg' mit den Puckel gegen en Bom stunn, un wull den tau wat anstiften oder sick von den tau wat anstiften laten; hei antwurt'te also mit 'ne Gegenfrag': »»Aber, Mutting, wo kann ich en Tagebuch führen, wenn ich beinah alle Augenblick versaufen soll?«« – Helene hadd ehre Mutter bi de Frag' sihr nipp ankeken. Anton hadd en Lud von sick gewen, den hei uttaustöten pleggte, wenn hei Inwendungen maken wull, un Mutter sach, dat sei bi desen Fisch up allerlei Graden stöten würd, sei fot also de Tægel en beten loser un frog: »Hast Du überhaupt schon mit dem Tagebuch begonnen?« – Paul murrte vör sick hen: wo hei denn schriwen süll, up dat Schipp künn hei doch nich schriwen, un en Tintfatt hadd hei ok nich. Helene bed för Paulen, dat Mutter em dat Dag'bauk schenken süll, un Vadder Groterjahn säd, hei hadd in sinen Lewen kein anner Dag'bauk führt, as den Wochenzettel von den Kurnbæhn, un den Vurthel von en Dag'bauk seg' hei gor nich in. Mutter antwurt'te em dorup sihr spitz: sei wull keinen ungebildten Minschen ut ehren Sæhn upfäuden, un Poll süll sick in dat Wirthshus Tint un Fedder un Poppir gewen laten un mit dat Dag'bauk snart anfangen. Herr Nemlich stimmte dormit in: en Dag'bauk wir en Bildungsmiddel; Paul smet em dorför en trotzigen Blick tau un treckte af as de düre Tid, un schow sick sachten in de Dör von dat Wirthshus herin. Hei wir æwer woll so gaudwillig nich gahn, wenn em Jochen Klæhn achter den mütterlichen Puckel nich plinkt un winkt hadd, dat hei för sin Part wat in den Schild' führte. Jochen folgte em denn un ok un säd: »Paul, Du büst en ollen Has'; wat makst Du dor en sur Gesicht tau, dat is jo 'ne Kleinigkeit, ick help Di dorbi.« Un as nu Schriwtüg un en stilles Flag anschafft was, säd Jochen wider: »Paul, schriwen möst Du sülwst; ick schriw 'ne sihr schöne Schrift, un dat künn sei denn marken; æwer ick will Di 't diktiren, as uns' Köster ded.« – Un Jochen fung an: »Kurzes . . . ., hest Du dat? – Mein Gott, Paul, wat makst Du för 'ne ›K‹? So möst Du 'ne grote ›K‹ maken,« un hei schrew em ein vör. »Na, man wider! – Dagebuch – mit 'ne ›D‹ – von Paulen. Hest Du dat?« – »»Ja, Jochen, æwer worüm ›kurzes‹?«« – »Paul, Du büst doch ein rechten Schapskopp, sælen wi denn en ›langes‹ schriwen? Dor ward uns jo Tid un Wil' lang bi; ick heww tau 'm wenigsten kein Lust, den ganzen Dag hir tau sitten un mi tau termaudbarsten.« – Dit sach Paul denn ok in, un de beiden Schriftstellers arbeiteten denn nu förfötsch wider, un Jochen höll dorup, dat Paul widlüftig schriwen süll, dormit dat dat Schriftstück gröter utseihn würd, kunn 't æwer nich hinnern, dat Paul baben linksch anfung un binah unnen rechtsch uphürte, wil dat kein Lineal tau Hand was, un as Allens farig was, las Jochen vör, as folgt: Kurzes Tagebuch von Paulen. Triest, den ersten Osterdag: Diese Stadt ist voll von viel Volk, auch voll Snurrers, welche aus kleine Kinder und alte Weiber bestehen. Diese haben den Herrn Studenten Bauer for einen vornehmen Fürsten estimirt, indem er eine bunte Mütze und einen bunten Rock anhatte, dieses hat er mich nemlich erzählt. Den Mittag hat Vating wieder Fische gegessen, sie haben aber so gesmeckt, as wenn die Dirn die Oellamp in die Sauß gegossen hat. Wir Andern aßen Rinderbraten. Wir haben auch ein Kriegsschipp besehen, die alte Dam' hat uns das angeschünnt, und Helening hat viel Schelt von Mutting gekriegt; ich aber auch. Vating un Jochen un der alte Jahn haben sich aber sehr gefreut; Vating sollte eine Buddel Schipander zum Besten geben. – Triest, den zweiten Osterdag . Herr Nemlich hat viel Schelt gekriegt, weil daß er noch nicht gepackt hätte. Ich habe auch wieder Schelt gekriegt, weil daß ich auf den Fischmark gelaufen war, daß ich da die erbärmlichen wilden Seethiere besehen wollte. Des Mittags haben wir nichts gegessen, indem daß wir schon Vormittags auf das Schipp mußten; es nennt sich ›Bumbi‹. Vating ist aber still weggegangen und hat uns stehen gelassen und hat heimlich in ein Wirthshaus Frühstück mit warme Bratkartoffeln gegessen, un Mutting hat ihn auch dafor orndlich ausgescholten. Auf das Schipp haben wir getroffen 1) Jochen Klæhnen, 2) Unkel Borßen, 3) Unkel Jahnen, 4) den Herrn Studenten Bayer, 5) einen Herrn Avkaten, 6) den Herrn Baron von Unkenstein, den Mutting ganz allein leiden mag, und 7) einen kleinen Komerzionsrath aus Thüringen, der Vating immer den alten und mir den jungen ›Grobian‹ benennt, indem daß er ›Groterjahn‹ in seine Sprache nicht sagen kann. Die Nacht hat sich ein grauwelliger Sturm erhebt, und die Bülgen haben man immer so über das Schipp geslagen. Vating und der kleine Komerzionsrath haben jämmerlich gestæhnt, denn das ist die Seekrankheit, und ich habe man knapp die Stiebel angekrigt. Unkel Jahn und Jochen haben Mutting oben 'rauf getragen, und Vating hat heute Schelt gekrigt, daß er das gelitten hat. Die alte Dam' sah mal putzlistig aus in Unkel Jahnen seinen Pelz. Ragusa, den Dag nach Ostern . Nu sind wir hier. – – »Ja,« säd Jochen, as hei tau Enn' lesen hadd, »'t is richtig: nu sünd wi hir.« – »»Je, Jochen,«« säd Paul, »»hir müßt woll eigentlich noch en beten wat achter an.«« – »Dat seih ick mit mine Insichten nich in, Paul; mi dücht, Din Mutter kann dor woll mit taufreden sin. – ›Wi sünd nu hir‹, dat kænen wi schriwen; æwer wat uns hir nu noch wider passiren deiht, dat kænen wi nich weiten. – Wi künnen frilich woll noch en beten up en vörweg schriwen, ›ich habe heute wider Schelt gekriggt‹, denn dat Du de kriggst, dat is gewiß; æwer Du kannst ok mæglich Schacht krigen un denn stimmt dat nich. – Ne, nu drag' dat Poppir man hen nah Din Muttern; ick ward mi in de Husdör stellen un mal Obacht gewen, woans ehr dat woll gefallen deiht.« – Paul bröchte denn nu ok sine Mutter dat Schriftstück un hadd dat all vörweg in 't Gefäuhl, dat hei woll en natt Johr krigen würd, æwer 't süll gnedig afgahn: Mutter namm in deipe Gedanken em dat Poppir ut de Hand, kek 't gor nich an un sett'te ehre Unnerhollung mit den Baron von Unkenstein un Helenen furt, denn sei was in 'ne Haupt- un Staatsakschon begrepen; sei wull, as sei tau sick sülwst säd, ›ein innigeres Verständniß‹ tüschen de Beiden anstiften, un so gaww sei sick denn mit ehren swacken, kranken Liw' tau 'ne Brügg her, up de de Beiden sick entgegen gahn un en Verdrag sluten kunnen. – De Herr Baron danzte denn ok lustig mit de uterwähltsten Kumpelmenten up de Brügg vör, æwer Helene wull nich. Was dat nu, dat sei de Brügg nich trugen ded, oder was dat, dat sei den ollen Jahn, de ehr ut de Firn' ümmer so nahdenklich ankek, nich vör den Kopp stöten wull, genaug, sei dreihte sick snubbs üm un wendte sick an Herr Nemlichen: wat hei nich so gefällig sin wull, un sei en beten dörch de Stadt begleiten un up dat olle Sloß dor baben; sei wull doch mal de Gegend un ok dat Volk sick anseihn. Natürlich! Versteiht sick! Herr Nemlich sprung mit beide Beinen tau Höcht; æwer hei kek doch hellschen unseker nah de Fru Prinzipalin henæwer: ›ob sie mir nichts gebeut?‹ – Mutter was tau swack, as dat sei mitgahn kunn, un de Herr Baron was tau klauk, mit tau gahn, denn hei wüßte, wer de Dochter krigen will, möt 't mit de Mutter hollen, hei blew also un fädelte sinen Faden in Mutter ehre Nadel in. Helene un Herr Nemlich gungen af. Herr Nemlich was so wat noch nich passirt; hei wadte bet an de Knei in luter Entzücken 'rümmer, nich wegen de Stadt un de Gegend, ne, wegen de Begleitung un de Utteiknung. – Taufällig wüßte hei ut den lütten Cannabich, dat Ragusa öltlings 'ne Republik west was, un dat Montenegro, wat hir ganz dicht bi leg, so tau seggen, noch ein' was, un so höll hei Helenen 'ne grote Vörlesung doræwer, wat 'ne Republik eigentlich för en Geschäft wir, un kamm tau den Sluß, Meckelnborg müßte ok 'ne Republik warden, un 't wir gor nich mihr so wid dorvon af, 't wir up den besten Weg dortau, denn den Landdag hadden sei jo all, un hei un Korl Bennewitz un Krischan Schult un Ferdinand Schröder hadden dat all vör sæben Johr seggt, as sei noch gor nich mal up 't Seminor west wiren. – Helene hadd nich vel von dese Weisheit profentirt; sei hadd stumm in de Brandung 'rinne keken, de sick Well up Well, as wir jedwereine en Kil, tüschen de Felsen dörchbängte, un sick denn mit ehren witten Gischt in vulle Wuth gegen de ollen Thörm von de Festungswark tau Höchten bömte, as wir sei dortau beropen, dese ollen Teiken von vergahene Macht uttaulöschen un wedder mal tau bewisen, dat kein Minschenwark, so fast dat ok gründt is, vör de Gewalt von de Natur bestahn kann. – So 'n Anblick weckt Weihmaud un Trurigkeit in de Minschenbost, un as dat junge Mäten sick afwennte tau rauhigere, stillere Utsichten, wo kein Wuth un Strid towten un Sünnenschin d'ræwer lagg, sprok sei warm un weik tau Herr Nämlichen, de nu ok mit de meckelnbörgsche Republik slüssig worden was, un frog em nah sinen Öllern un ehren Husstand, un 't kamm dit All mit so vel Mitgefäuhl 'rute, dat Herr Nemlich ümmer deiper in dat Entzücken 'rinner sackte. – Sei gungen up dat olle Sloß un keken up Jensid 'ræwer, wo kahle nakte Barg' in den prallen Sünnenschin steidel tau Höchten stegen, un Tanten Line, de all sörre den ganzen Morgen de Gegend afströpt hadd, stunn ok all hir un kek des sülwigen Wegs doræwer un kamm 'ranner un säd: »Min leiwe Dochter, seihn Sei, dor achter de Barg', dor liggt nu dat oll, lütte Land Montenegro, und, sehen Sie, da zieht ein österreichisches Commando langsam den Berg hinauf – de mit de witten Röck mein ick – un de Landlüd', de dor in den bunten Upputz den Barg herunner kamen, dat warden woll weck von de Montenegriner sin.« – »»Oh,«« rep Herr Nemlich, »»das sind die freien Republikaner, sehn Sie, mein Fräulein, wie kühn sie einherschreiten, und sehn Sie, wie die Sklaven der Gewalt, diese östreichschen Soldaten, dort gedrückt und mühsam herumkriechen!«« – »Ja, min leiw' Herr,« säd Tanten Line recht ruhig, »de Einen lopen bargdal, un de Annern klattern bargup. – Und sehn Sie dort oben woll das kleine Häuschen? Dat is de östreichsche Wachtposten, dor möten dese frien Republikaner an de östreichschen ›Sklaven der Gewalt‹ all ehr Scheitgewehr afgewen, dormit dat sei hir unnen in de Stadt kein Elend anrichten kænen. – Aber wir wollen uns diese freien Republikaner doch mal in der Nähe besehn.« – Dormit gungen sei nu 'runner in de Straten von de Stadt. – In eine Sak hadd denn nu Herr Nemlich Recht; 't wiren prachtvulle Kirls, breitschullerig, mager un rank, nicks as Knaken un Sehnen un ›kühn‹ genaug gungen se dor rümmer, villicht en beten tau ›kühn‹, denn ut de brunen Gesichter un swarte Ogen von Herr Nemlichen sine republikanischem Bräuder lücht'te so wat Besonderes herute, wat Herr Nemlichen so slicht geföll, dat hei ümmer dorup bedacht was, tüschen sick un so 'n Montenegriner Brauder de oll Dam' tau platziren. De gung ganz drist dor mang 'rümmer un säd tau Helenen, indem dat sei up en Hümpel von smutzige, gruglich häßliche Wiwer wis'te, von de 'ne jede eine swore Last up den Puckel slepte: »Min leiwe Dochter, wo geföllt Sei dat? Ick glöw', wi bliwen, wat wi sünd, wir lassen uns nicht einrangiren in die Reihe dieser Republikanerinnen;« un wendte sick an Herr Nemlichen: »Das ist hier das sogenannte, schöne Geschlecht.« – Un as sei nu wider gungen, hadden sei ok bald en stattlich Geleit von Snurrers un Prachers üm sick, gesunne, starke Kirls, de blot einen ap'nen Schaden hedden, nämlich en groten Grugel vör de Arbeit. – Sei gungen an 'ne Kirch vörbi, un Tanten Line säd: »Ich bin heute schon in der Kirche gewesen, ich wollte Gott für unsere Rettung danken; æwer dor bün ick schön ankamen, mine Andacht is mi von de Örgel rein wegspelt worden. – Nun, ich habe wohl gelesen, daß der König David auf Psalter und Geigen gespielt hat, und daß er in einem leinenen Leibrock vor der Bundeslade getanzt hat; æwer en Schottschen ward hei doch woll nich spelt un danzt hewwen, un dit, min leiw' Dochter, was en würklichen Schottschen, de de Örgel anstimmte. Ich mußte aus der Kirche hinaus, ich konnte es nicht aushalten.« Tauletzt kemen sei denn nu wedder tau dat Flag, von wo sei utgahn wiren, tau dat Wirthshus, wat vör dat Dur von Ragusa lagg; sei segen ok de Städ', wo Mutter vördem mit den Herrn Baron seten hadd; æwer Mutter was nich mihr dor, un de Herr Baron ok nich. – Mutter hadd bi Weg' lang ehren Anton upgawelt un was mit em ut jichtens einen verdreitlichen, æwer gewiß vernünftigen Grund nah Gravoso un von dor up dat Schipp taurügg führt. – Paul hadd ok mit süllt, was æwer tau sinen Glücke nich tau finnen, un dit was sihr natürlich; hei gung Muttern wegen sin Dag'bauk ut den Weg' un satt ogenblicklich baben in so 'n utländschen Plantanenbom – dit was em nämlich ganz wat Nig's, hei hadd in so 'ne Ort noch nich seten – hadd sick de Tasch vull lütte Stein' un Muscheln steken un smet nu ümmer dormit nah Jochen Klæhnen, de mit den Puckel an den Bom stunn un sick nu des Dods verwunnern ded, wo de Wind von desen utlännischen Bom Muscheln schüdden künn. – Oll Vatter Jahn was ok nah Gravoso taurügg gahn un hadd unnerwegs de Bekanntschaft von einen ollen Schippskaptain makt, de gaud dütsch sprok un sick in einen wunderschönen Goren in Gravoso tau Rauh sett't hadd; un as Helene mit Tanten Line un Herr Nemlichen an desen Goren vörbi gung, kamm oll Unkel Jahn dor herute mit en por wunderschöne Rosenstrüz: »Da, Tanten Lining, Sei krigen de witten, un Du, min leiw' Lening, Du kriggst de roden!« – Herr Nemlich kreg nicks, hadd æwer all vel tau vel Schönes kregen, un as hei nahsten vören wedder up dat Deck satt, gung em doræwer en wunderbores Licht up. – Ja, dat lücht'te em hell un klor in de Ogen: Helene was in em verleiwt. – Worüm . . . .? – un hei frog jede enzelne Well, de an de Schipp späulte, un hei frog de ganze Landschaft rings herüm un jeden enzelnen Bom, de dorin stunn – worüm hadd sei süs de Herrn Baron verlaten un em sick tau de Begleitung uterwählt? – Worüm hadd sei so deipsinnig in Gedanken dor stahn, as hei sine Ansichten æwer de meckelnbörgsche Republik utspunn? – Worüm hadd sei so weik un warm tau em spraken? – Wat hadd sei nah sinen Vader un nah sine Mutter tau fragen, wenn sei nich anners blot weiten wull, in wat för 'ne Fründschaft sei dörch de Frigeratschon 'rinne kem'? – Worüm hadd sei ümmer, as de oll Dam' so 'n beten spitz gegen em würd, fründliche Anred' an em hollen? – Worüm? worüm? worüm? – Un dese ›Worüms‹, de sett'ten sick so fast bi em, as wiren 't Zwiweln un Kohl, de hei den Middag eten hadd. – Hei kek wid æwer de schöne Landschaft weg, un dor hinnen bugte sick 'ne schöne Paleh up, un hei stunn dorin mit Helene up en hogen Balkan: : ›Dies Alles ist mir unterthänig.‹ – – Ach, de arme Munde! – Sei satt in desen Ogenblick in de Kösterkæk tau Groten-Barkow un schrapte Räuben tau 't Abendbrod un kek up ehren leiwen Vader sinen Swinkaben, un wenn sei achter desen wat Schönes tau Höcht stigen sach, denn was 't de Hülpslihrerstäd' tau Zwiebelsdörp. Kapittel 11. Wo de Herr Baron mit enmal en groten Grugel vör 't Water kriggt. – Anton köfft Helene von em fri. – Unkel Bors makt en grot Geschäft in Fettossen. – De Herr Baron fangt an den helligen Dag an tau späuken. – Woans Fru Groterjahnen ehre Rach an ehren Anton utlett un sick dorbi en Snuppen halt. – Worüm Anton bi den Baron sin Spel-Spill mit sick sülwst in Twispalt kümmt un Unkel Bors em dorin nahfolgt. – De oll Jahn markt Müs', un sin Jochen stellt Unkel Borßen for Paulen as Ogenspeigel up. – Worüm de Herr Wilhelm August Schwofel den Titel ›Kommerzienrath‹ woll verdeint hett. Den drüdden Dag süll denn nu de Reis' wider gahn, æwer vele von de leiwen Reisenden hadden einen stillen Grugel vör Wind un Water kregen un wiren ogenschinlich mit dese Inrichtung von unsen Herrgott man slicht taufreden. – Vör Allen was de Herr Baron von Unkenstein slicht dorup tau spreken; hei wull nich mihr mit un säd unsen ollen, gauden Anton dat, hei säd, as hei man von den östreichschen Herrn Leutnant Grafen von Zittmannsdörp hürt hadd, den hei sihr gaud ut früheren Verhältnissen kennte, as hei sick dunntaumalen einige Johren in Wien uphollen hadd, un de noch en ollen Dutzbrauder von em wir, so güng kein Iserbahn un kein Post von Ragusa nah Triest; hei müßte nu frilich tau Water wedder taurügg, æwer kein teihn Pird' treckten em up dit Unglücksschipp wedder 'ruppe; hei wull in Ragusa bliwen bet tau de gaude Johrestid un denn sin Lewen wagen. Uns' oll, ihrliche Anton was sine Fru gegenæwer man einfoltig tau taxiren; æwer annere Lüd' gegenæwer was hei hellschen plitsch, hei sach denn un ok glik in, dit wir 'ne schöne Gelegenheit, üm Helene ehrentwillen den Baron los tau warden, un achter Mutter ehren Rüggen sinen Willen dörchtausetten un ehr en Schäw' tau riten, denn wenn hei ok nich wull, dat Jahnen sin Korl sine Dochter hewwen süll, so süll de Baron sei ok nich hewwen. Hei wull woll, dat sine Dochter en Eddelmann kreg', æwer desen nich, denn de höll dat tau stiw mit Muttern, un em let hei linksch liggen un behandelte em nich as taukünftigen Vater, so dat hei vörutsach, hei würd ok bi den as föftes Rad mit lopen möten. – Hei säd also: dat wir recht! un hei sülwst, Anton, würd ok dorbliwen, wenn hei man künn, so æwer, as de Has' lep, müßte hei sin Lewen up de Wag' leggen un sick för sin Fomili opfern, denn sin Fru blew' nich taurügg, sei hadd en tau hochwogenden Geist. – Ja, säd de Baron, dat wir so wid All recht schön, æwer hei wir dor nich up inricht't, hei hadd dat Geld för de Fort jo betahlt, un dat wir jo nu verluren; hei hadd woll noch extra Geld, æwer dat reckte nich för so 'n langen Upentholt, hei wir also in 'ne ogenblickliche Verlegenheit, wat Anton em nich so'n föftig Luggerdur vörscheiten künn? – Na, Anton hadd doch schir mit en Dummbüdel kloppt sin müßt, wenn hei dese Sak nich richtig befunnen un nich wüßt hadd, dat en Baron, wenn hei jung is, sick nich velmals in 'ne ogenblickliche Verlegenheit befinnen süll, dat heit blot in 'ne ogenblickliche , un dat dit en natürlichen Taustand wir, ok dat dese Ort nich anners as mit Luggerdurs reken künn. – Dortau kamm nu noch, dat hei würklich sine leiwe Helene vör de Baron wohren wull; hei hadd nu vörher all ›a‹ seggt, hei säd nu also ok ›b‹, gung hen un halte de föftig Luggerdur; de Baron schrew em 'ne Schuldverschriwung up Ihrenwurt, un somit was de Geschicht gaud. De Herr Baron gung nu up 't Schipp un wull dor blot noch sine Saken afhalen. As hei bi dit Geschäft an de Häunerkasten vörbi gung, satt Unkel Bors dor grad' un fauderte de Häuner, denn dit nützliche Geschäft hadd hei æwernamen, hadd ok sine Tid to Ragusa gaud dortau anwennt, frischen Vörrath von dit lütt Veih inköpen tau helpen, un nu plegte hei sine Leiwlinge. – Unkel Bors satt in deipen Gedanken; mit en Mal fäuhlte hei 'ne Hand up sine Schuller, hei kek tau Höchten, de Herr Baron, mit den hei in Antonen sine Gesellschaft all öfter spraken hadd, stunn – baff! – vör em. – Wenn den Minschen up en Sturz so wat vör Ogen kümmt, denn süht hei de Sak tau 'm pricksten un genausten, nahsten kann Einer noch so vel kiken, von de ein' Sid un von de anner Sid, de Sak ward em ümmer schämeriger vör de Ogen, je länger hei kickt, de irste Anblick gaww em dat Bild un düdlichsten. – So gung dat Unkel Borßen ok in desen Ogenblick: hei sprung pil in Enn' un rep: »Dat Di der Deuwel – Ick möt Sei vördem all mal seihn hewwen. – Sünd Sei mal up den Kramermark tau Kræplin west?« – »»Nein.«« – »Oder tau Nigen-Bukow?« – »»Nein.«« – »Oder tau Dobberan?« – »»Das könnte möglich sein, ich bin wenigstens oft in Dobberan gewesen, vorzüglich zur Zeit des Pferderennens. – Wissen S'«« – dit Wurt hadd hei sick all von en östreichschen Grafen, de mit up dat Schipp was, anwennt – »»ich hatte damals die beiden Güter Groß- und Klein-Zapelow. – Famose Güter – sehr gut; aber nicht gelegen, keine Jagd; verkauft – 450,000 Thaler. Bei Schwerin wieder ankaufen, steh schon im Handel, erwarte alle Augenblick den Zuschlag.«« – »Wahrhaftig! – Süh, nu kik mal Einer!« rep Unkel Bors, »ick bün ok ut Swerin, ick heww dor drei Sæhns wahnen, einen Slachter un en Seepenseider un en Kopmann,« un nu schot em 'ne Spekulatschon dörch den Kopp; denn so kort hei ok man von Liw' was, sine Gedanken wiren lang un wid vörutsichtlich in de Taukunft. – »Herr Baron,« säd hei un halte 'ne Breiw'tasch tau 'm Vörschin, de butwennig recht schön fett von Talg un Seep un inwennig recht schön fett von Poppirgeld was, un grawwelte dor en por Korten herute, »seihn S' hir! dit is min Adolf, min Jüngst, den ick nu min Geschäft æwergewen heww, bi den kænen Sei Ehre Seep un Ehre Lichter krigen, un dit is min Birnhard, min Kopmann, hett Allens, schir Allens: Zucker un Koffe un Zyrob un Hiring – schir Allens! Un dit is min Slachter, min Zamel kann Sei de Fettossen afköpen un de Swin', köfft ok Hamel wenn sei gaud sünd.« – »»Ja, wissen S',«« fung de Herr Baron an, denn hei hadd den Meckelnbörger ganz afströpt un den Oestreicher antreckt, denn sünst hadd hei, as Unkel Bors, sine Rede mit ›Seihn S'‹ anfangen müßt, »»wissen S', mein Leben nicht exponiren, kurze Bekanntschaft leider abbrechen, hier bleiben, in diesem Loch, Ragusa, die gute Jahreszeit abwarten. Fatale Geschichte! Wechsel auf Konstantinopel, augenblickliche, häßliche Verlegenheit,«« un dorbi rew hei sick de Hor vörn up den Kopp, as günnte hei de por ollen Wörm, de dor noch kümmerlich wussen, nich mal de Städ'. – »Ja, seihn S', Herr Baron 't is en fatal Stück, wenn Ein' dat lütt Geld knapp ward; 't is mi ok oft so gahn,« säd Unkel Bors un stek sin Breiw'tasch bi Sid. – »»Wissen S',«« fung de Baron wedder an un redte nu ganz vernünftig as en annern Minsch – Geschäftssaken ledden den Minschen ümmer in de Läus' von dat gewöhnliche Lewen taurügg – »»vielleicht könnten wir schon jetzt unsere Geschäftsbeziehungen beginnen, vielleicht könnten Sie mir einen kleinen Vorschuß von ein paar hundert Thalern machen; wir könnten ja später, wenn Ihr Sohn die Ochsen kauft, wieder zurückrechnen.«« – »Ja, seihn S', Herr Baron,« säd Unkel Bors un knöpte sick vörn den Rock tau, denn hei was en vörsichtigen Geschäftsmann, »dat wir woll so, æwer je dennoch – Dunnerwetter! – ick möt Se vördem doch all mal seihn hewwen.« – »»Möglich,«« säd de Baron, langte in de Tasch un let Antonen sine föftig Luggerdur so verluren dörch de Fingern lopen, »»Sie scheinen keine Lust zu dem Geschäfte zu haben, wissen S', ich komme am Ende hiermit auch aus. – Empfehle mich Ihnen.«« – »Halt! Stopp!« rep Unkel Bors; denn hei was woll en vörsichtigen, æwer, as ick all seggt heww, ok en vörutsichtlichen Geschäftsmann, un as hei nu sach, dat de Baron doch Geld hadd un kein Snurrer was, un bedachte, dat hei eigentlich doch en ollen Bekannten von em was, ok dat sin Herr Sæhn Zamel mal en grotes Ossengeschäft mit em maken künn, dunn höll hei dat för 'ne Dummheit von sick un för 'ne Sünn' gegen sinen Sæhn Zamel, wenn hei nich den Herrn Baron mit en por hunnert Daler an sine Fomili ankedte. »Hir sünd sei,« säd hei un halte de fette Breiw'tasch wedder 'rute; »æwer en lütten Wessel, wenn ick bidden darw.« – De was denn nu bald schrewen, un de Baron namm en rechten trurigen Afschid von em; un hei sett'te sick wedder vör den Häunerkasten un kek stiw herinner, un vör sine vörutsichtlichen Ogen würden de ollen lütten, hochbeinigen, magern Kreturen, de dorin seten, ümmer gröter un fetter, bet sei tauletzt tau idel Fettossen würden, un Herr Sæhn Zamel drew dormit nah Swerin herinner un hängte einen nah den annern an den Haken un slog dat gele Talg von binnen nah buten 'rute, dat de Lüd' doch segen, wat passiren ded; un Herr Sæhn Adolf smörte un bradte mang dat Talg 'rümmer, as 'ne fette Gaus üm Martini ut; un Herr Sæhn Birnhard schickte ümmertau, ümmertau Zucker un Koffe un Hiringstunnen nah den Herrn Baron sin Gaud 'rute, ok Spiretus, wenn 't verlangt würd; un hei sülwst reis'te denn 'rute nah den Herrn Baron un halte ümmertau, ümmertau vel Geld, denn de Geldsaken von de drei Geschäften hadd hei sick för sin Part vörbehollen. – 'T geiht doch nicks æwer so 'ne rechte Vorfreud'! – – De Bombay dampte ut den Haven von Gravoso 'rute; Fru Jeannette stunn mit Helene hinner dat Stüerrad, un Helene kek nah de wille Küst un nah de düster-swarten Barg', de sick dor achter in de Firn' tau Höchten smeten un dachte an de willen, stolzen Gesellen, de dor ehr Wesen hadden, un de Ogen würden ehr fucht, sei wüßt nich worüm; æwer en Hart, wat vull Leiw' is, is licht rührt, un wenn sei ok keine Seel missen süll, de ehr dor leiw worden was, so was ehr de Gegend doch leiw worden, un dat mag jo woll för en warmes Hart naug sin. – Nich wid dorvon stunn de oll Jahn mit Tanten Line; hei kek ok nah de Küst 'ræwer, in irnsten Gedanken, hei dachte ok an den ollen Einsiedler von Schippskaptain, wo de so still vergnäugt in sinen schönen Goren seten hadd, un hei makte sick en Glikniß tüschen den un tüschen sick un süfzte deip up. Ja, so hadd hei sick in de besten Stunn'n sine Taukunft dacht un sin Öller, dat Hus un den Goren hadd hei jo ok; æwer . . . . Ach, wenn hei so afsluten künn mit dat, wat eins west was, æwer . . . . – Tanten Line sach, dat hei sick mit swore Gedanken slog, sei dreihte em üm un wis'te nah vören: »Nun fahren wir nach Korfu;« un nu vertellte sei von de schöne Insel, un dat verleden Johr de junge Kaiserin von Oestreich dor wahnt un sick Gesundheit halt hadd, un vertellte von de ollen, grichschen un venetianischen Tiden un bröcht em up annere Gedanken. – Un nu gung Anton mit Herr Nemlichen un Paulen an ehr vörbi, un Paul lep up den ollen Jahn tau un säd em gu'n Dag, un Herr Nemlich kek Antonen an, wat hei woll grüßen ded, denn wull hei ok, un Anton was in Verlegenheit, wat hei süll , oder wat hei nich süll , un slog en Middelweg in: hei fot an den Haut, treckte em æwer nich, hei kek Jahnen an un säd tau Tanten Line: »Jetzt fahren wir weiter, mein Fräulein.« – »»Ja,«« was de Antwurt, »»dat marken wi nahgradens ok, Herr Groterjahn.«« – Un Anton säd: »Poll, komm! Mutter wartet auf uns.« – Dit säd hei sihr lud', dormit dat Mutter dat ok hüren süll. – Mutter hürte dat nu woll; æwer sei hadd ok den halwen Gruß von Antonen seihn, un sei frog em sihr spitz, as hei an ehr 'ranner kamm: sörre wecker Tid hei denn mit den olle Jahn up den Grüßkummang stünn. – Anton hadd sick hir nu schön verdeffendiren künnt: Grüßen wir 'ne blote Höflichkeit, de wider nicks tau bedüden hadd, un sin Gruß hadd blot de olle Dam' gullen, un wat hei sünst nich noch för klauke Inwennungen hadd maken kunnt, æwer hei versmadte jedweder Utflücht, hei hadd en tau schöne Trumpf in de Hand, un hei spelte em sine leiwe Jeannette grad' in 't Gesicht: »der Herr Baron von Unkenstein läßt sich Euch bestens empfehlen; er ist in Ragusa geblieben.« – »»Wat?«« oder beter »»Wie? Wo? Wen? Was?«« dese Fragen, de min oll Fründ, de Timmermeister Penkun an Jedwereinen bi jedwereine Gelegenheit richten deiht, schoten dörch Fru Groterjahnen ehren Kopp, ehr sackten de Hänn' an den Liw' hendal, un sei sülwst sackte up den Feldstaul dal, as wir sei en Klackeierkauken, den de Kæksch hadd in de Asch fallen laten. All ehre Pött wiren intwei, Allens, was sei dese Dag' æwer planisirt hadd, was in Ragusa hacken blewen, un blot den trurigen Trost hadd sei, dat sei mit ehre frühern Ansichten æwer de Falschheit un Slichtigkeit von de Mannslüd' in den Rechten wir. – Up Helene makte de Nahricht en ganz annern Indruck, un – Schad', dat wi 't seggen möten – sei wis'te för 'n gebildetes, junges Mäten sihr wenig Gefäuhl, denn, stats mit ehre leiwe Mutter in de Trurigkeit Weddbahn tau jagen, fung sei an, in utgelatene Lustigkeit mit Herr Nemlichen ehren Spaß tau bedriwen, so dat Herr Nemlich gor nich wüßt, wo em geschach, æwer doch dat selige Gefäuhl hadd, de glücklichste Ogenblick in sinen ganzen Lewen wir dese, wo mit em Spaß drewen würd. – Anton stunn dorbi as brave Vader, æwer as slichte Ehmann un slichte Christ, denn hei hægte sick nich allein æwer de Freud' von sine Dochter, hei hægte sick ok æwer de Weihdag' von sine Gemahlin. – För gewöhnlich hett uns' Herrgott æwer de Raud' all in de Hand, wenn hei so 'ne openbore Niederträchtigkeit süht, as Anton hir begung, un den Herrn Gaudsbesitter süll 't denn ok nich schenkt warden. – As sin Hægen so recht in 't Bläuhen stunn, un so'n rechtes, fettes Lachen üm sinen Mund un ut de tasamgeknepenen Ogen spelte, was dat mit enmal, as hadd em Einer dat fette Lachen mit en Swamm von de Mund wischt, un de lütten Ogen würden grot un ümmer gröter, bet tauletzt so vel Witts in 't Og' was, as wiren sei ut Eierschell makt, un en Grugel schudderte em dörch de Knaken. Un hei hadd woll gauden Grund dortau: dor kamm wat de Kajütentrepp tau Höcht, Stuf' för Stuf' schot dat länger un düdlicher em in de Ogen un up dat Deck herupper, bet de ganze Baron von Unkenstein lewenslänglich mit sinen natürlichen Liw' un sinen natürlichen Kniper in de Ogen dor stunn, un nu anfung, an den hellichten Dag' mang so vele Minschen un up de apenbore See herümtauspäuken un grad' up sine Gesellschaft los tau gahn. – Knapp würd Mutter dat Gespenst gewohr, as sei ok up un up em los sprang: »Mein Gott, Herr Baron, wo kommen Sie her?« – »»Gar nicht fort gewesen.«« – »Ich meine,« un hir smet sei Antonen einen schrecklichen Blick tau, »Sie wollten in Ragusa bleiben.« – »»Bloße Idee – aufgegeben – liebenswürdig Gesellschaft nicht verlassen«« – hir kreg Mutter un Helene en Diner; Anton un Herr Nemlich nich. – Anton was nu up den Feldstaul dalsackt un satt nu dor as Klackeierkauken Nummer twei; de Baron gung up em tau, gaww em de Hand un drückte sei em recht bieder – Anton dachte: recht frech – as müßte hei em æwertügen, dat hei von Fleisch un Bein wir. Helene hadd sick rasch fat't, sei grüßte den jungen Herrn sihr von Firn', gung up Herr Nemlichen tau un födderte em up, mit ehr up dat Vörschipp tau gahn un – weiß Gott! – Herr Nemlich ded 't un ded 't girn. – Nu hadd Mutter denn so vel tau seggen un tau fragen, ehr Klapper- un Plapper-Mæhl hadd so vel Aewerwater kregen, dat sei för 't Irste an Antonen sine irnstliche Bestrafung wegen den Schreck, den hei ehr injagt hadd, noch nich denken kunn, un de olle gaude Gaudsbesitter hadd nu 'ne recht rauhige Stunn' fiern kunnt, wenn em drei Fragen nich ümmer as Bremsen üm den Kopp summt hadden: wat ward nu ut min Lening? Wat de verfluchte Kirl min föftig Luggerdur woll in de Tasch hett? Un wat de verfluchte Kirl de föftig Luggerdur mi nu woll wedder gewen ward? – Vörn bi den Häunerkasten satt ok Ein, de sick dat Späuk sihr genau betrachten ded, hei bögte sick bald rechtsch un kek so dörch, un hei bögte sick bald linksch un kek so dörch, un as Helene an em vörbigung, frog hei: »Lening, is dat würklich de Baron, de mit Hanning dor reden deiht?« – »»Ja, Onkel«« – Dunn dreihte sick Unkel Bors ratsch üm un kek wedder de ollen hochbeinigen Häuner in den Kasten an un säd vör sick: »Schöne, fette Ossen sünd dat! – Wenn de Jungs dit Stück nu so tau weiten krigen, sei nemen mi jo de Geldgeschäften af. – Man jo nicks seggen, süs lachen mi noch de Häuner ut, un all de Lumpen up dat ganze Schipp warden kamen un willen Water ut minen dummen Sot dragen. – Aewer so dumm bün 'ck doch nich, dat ick hir kein Müs' marken süll. – Wat? hei will in Ragusa bliwen un brukt Geld dortau, un nu is hei hir? – Na, täuw!« – – Korfu kamm in Sicht. De Insel lagg dor, schön as en italjensches Gedicht von Goethe, æwer up Löschpoppir drückt, denn æwer ehr legen grise Newelwulken, un as de Gesellschaft an 't Land steg, dunn was Quatsch unnen un Quatsch baben, un so 'n schönen dreidrähtigen Regen fisselte kunterbirlich up ehr dal. – Anton wull üm kihren oder tau 'm wenigsten an kihren un säd, wenn hei dat wull un sick dörchregen laten wull, denn hadd hei nah Groten-Barkow gahn un sick bi 'n Meßwagen henstellen kunnt, denn dor würden s' woll up Stunns bi 't Meßführen sin. – Aewer, grad' as wenn sine leiwe Fru ordentlich dorup lurt hadd, nu brok dat Gewitter æwer em los; dat slichte Weder, de Ümstand, dat de Herr Baron nich mit an 't Land hadd wullt, un dat Poll mal wedder ahn Erlaubniß sine eigenen Gäng' besorgen ded, hadden sei in den richtigen Verfat sett't, üm Antonen dat düdlich tau maken, dat sei em noch ümmer an den Strick hadd. – Hei kreg nu tau weiten, wo rücksichtslos sin Bedragen west was, as hei ehr den Afgang von den Baron anzeigt hadd, sei säd 't em grad' in 't Gesicht, sei wir de Meinung, hei hadd ehr dat derowegen so unverbläumt vör den Kopp seggt, dat sei sick tau 'm Dod' verfiren süll, un nu müßt Anton denn mit, Barg' up un Barg' dal, dörch Dick un dörch Dünn. – Hir künn nu Einer glöwen, dese Strapazen wiren gegen Muttern ehre Natur west, sei wir man weiklich; ja, dat was sei sünst ok, æwer wo dat up ehr Regiment ankamm, dor was sei 'ne Jungfru von Orleans un 'ne Brunhild un 'ne Chriemhild in eine Person, denn schonte sei ehren armen, gebrecklichen Körper nich un nich Strümp un Schauh un Unnerrock. – Vörwarts gung sei, Helene an ehre Sid; Anton, mit den Strick üm de Hürn' folgte, un achter den tüffelte Herr Nemlich her, den Rockkragen in de Höcht slagen, denn hei hadd keinen Regenschirm, un verhürte sick den lütten Cannabich: »Korfu, Insel, früher Korkyra, ehmals auch Drepane genannt, der Küste von Epirus gegenüber; Viele halten sie auch für das Land der Phäaken, von denen Homer sagt – von denen Homer sagt – Homer sagt.« – Wider kamm hei nich, denn Herr Gumpert kamm ehr entgegen un Anton brummte em an: »»Na, wie ist's denn de oben auf das alte Sloß?«« – »Schauderhaft!« antwurt'te Herr Gumpert un gung wider. – Annere von de Gesellschaft, de taurügg up 't Schipp gungen, kemen ehr entgegen mit de Nahricht, 't wir dor baben gor nich dörch tau kamen, nicks rührte Muttern – vörwarts! – Paul, natürlich mit Jochen Klæhnen, kamm ansprungen mit en groten Struz vull natte Blaumen un drückte sei sine leiwe Swester in de Hand, wohrschinlich dormit dat sei doch en Grund hadd, sick en Por nige Hanschen köpen tau kænen: »»Da, Lening!«« – Hei würd von Muttern arretirt, un wenn Jochen Klæhn ok noch so winken un plinken ded, 't hulp nich, 't gung nich. – De oll Jahn un Tanten Line kemen ok taurügg, un Tanten Line wadte up Fru Groterjahnen los: »Min leiwe Dochter, kihren S' üm! Es ist nicht durchzukommen.« – »»Ja, Mutter,«« säd Helene, »»laß uns umkehren, Du kannst Dich auf den Tod erkälten.«« – »Hella, mein Kind, Du kommst mit!« – »»Ick kihr üm,«« säd Anton plattdütsch un steinpöttig, »»ick will den Deuwel un mi Snuppen un Hausten halen; ick ward so all en por Gläs' Krock drinken möten, wenn 'ck up 't Schipp kam;«« un dormit dreihte hei üm: »»Paulus komm!«« Dor hung hei hen mit Paulen, Herr Nemlich gung achter Helene her. – Mutter bewerte vör Frost un vör Arger; æwer dennoch – vörwarts! – bet sei bet an de Enkel in den Leim stunn un sick gewen müßt. – ›Mit uns'rer Macht ist nichts gethan!‹ hadd de lütte, thüringsche Kopmann woll seggt. – As sei sick tau 'm Taurüggweg bequemen müßt, hadd sei noch dat Vergnäugen, Antonen in den schönsten Freden mit den ollen Jahn un de olle Dam' vörupgahn tau seihn. – Oh Anton! Anton! du büst en Aftrünniger, du lettst din beteres Deil in den Stich; wat nich deilt warden darf, hest du deilt; du büst doran Schuld, dat dine leiwe Fru von nu an – so tau seggen – up einen Bein dörch de Welt hinken möt! – – As Mutter up dat Schipp kamm, müßte sei sick in ehre Schachtel von Koje wedder inpacken laten; ehre Nerven spektakelten nich slicht in ehren armen Liw' herümmer, un en Snuppen treckte langsam un seker, as en allgemeinen Landregen, an ehre Gesundheitshewen tau Höchten. Helene was sorgsam üm ehr 'rümme; æwer Anton kümmerte sick gor nich üm sine Fru. – Na, wi willen nich tau hart æwer Antonen afurtheln; as hei up dat Schipp taurügg kamm, was em wat passirt, wat ok woll jeden Minschen alle annern Gedanken ut den Kopp slagen würd. – As hei unnen in de Kajüt kamm, satt dor 'ne nüdliche Gesellschaft, de sick wegen dat Regenweder un de Langewil' mit en lütten einfoltig Spel-Spill von Rechtsch un Linksch de Tid verdriwen ded. – De Baron hadd Bank upleggt, un vör em lagg allerlei lütt Geld, un en lütten Stapel von Luggerdurs stunn patzig dormang. – »Dat sünd min föftig Luggerdurs,« säd Anton vör sick hen, süfzte deip up un kek mit en rechten hartlichen Sluck deip in sin Glas Krock herin. – »Wer hält?« – »»Ich halte die Hälfte.«« – »Ich halte das Ganze.« – »»Aß gewinnt, Sieben verliert.«« – So gung dat nu an den Disch herümmer, ümmer de Reih nah. – Nu kamm 't an Antonen. »Herr Groterjahn, halten Sie?« frog de Baron ganz frech. – »»Ich spiele nicht,«« säd Anton trotzig. Hei hadd den Dag æwer all so vele Schanddahten gegen sine Fru utäuwt, dat hei nu ok nich noch sick gegen sine Kinner un ehr taukünftiges Vermægen versünnigen wull. Dat was hei ehr schüllig, un hei kek leiwerst tau. Aewer ok dese unschüllige Unnerhollung süll em tau 'ne Pin warden. – Jeder ordentliche Taukiker bi 'n Spill nimmt, ahn dat hei sick dor wat bi denkt, sine Parti gegen oder vör den einen un den annern Speler. – Anton hadd allen Grund gegen den frechen Kirl von Baron tau wünschen, æwer de Luggerdurs, de up 't Spill stunnen, wiren nu wedder sin; wat süll hei nu in so 'ne Verlegenheit dauhn? So drad' hei sick för sin eigen Geld intressirte, gaww hei sick tau 'ne heimliche Rüggstärkung för den infamen Kirl her, un stimmte hei in sine Seel gegen desen, denn smet hei – so tau seggen – sin eigenen schönen Luggerdurs up de Strat. – Na, alltaulang süll dese abscheuliche Pin nu nich duren, uns' Herrgott brukte en Inseihn un makte de Sak kort af: den gauden Anton sine Luggerdurs gungen af as de warmen Semmel, de letzten por Plüggen händigte sick en Graf ut Böhmen in, un Antonen sine Rach was stillt, was æwer 'n beten dür mit föftig Luggerdur betahlt. – Aewer nu kik mal Einer; de ßackermentsche Kirl, de Baron, halt ut sin Taschenbauk twei Hunnertdalerschins 'rute. – Süh, dacht Anton, de Racker hett jo doch anner Geld, hei kann di am Enn' doch noch betahlen. – Achter den Baron sinen Staul stunn Unkel Bors un spelte ok den Taukiker. – So lang' dat üm de Luggerdurs gung, was hei ganz taufreden, ja hei freute sick ordentlich, denn de noble, glikgültige Ort un Wis', mit de de Herr Baron sin Geld verlur, güllen em för den besten Bewis, dat hei 't mit en riken Mann tau dauhn hadd; æwer as nu sine beiden Hunnertdalerschins tau Platz kemen, kamm hei in de sülwige Lag', in de Anton eben west was; un de Baron, grad' as wenn hei sick dorup prekavirte, de beiden ollen Gesellen up ehre eigenen Gerichte tau nödigen, frog em ok ganz frech: »Mein Herr – äh – äh« – so 'n vörnehmen Baron kann de Namen nich recht behollen – »wollen Sie halten?« – Dat de Mann, de noch vör korten so vertrulich mit em west was, dat hei em anpumpt un dat grote Fettossen-Geschäft mit em makt hadd, nu sinen Namen nich mal wüßt un em ›äh – äh‹ näumt hadd un nu sine beiden schönen, sur verdeinten Hunnertdalerschins so lichtsinnig up de Wahl läd, müßte em doch argern, un hei säd: »»Dank velmal! Von allen Gerichten möt en nich eten. – Ick ward doch nich min eigen Geld hollen!«« – Dit Letzte brummte he so halw vör sick hen, un dormit dreihte hei sick üm un gung af. – Keiner hadd up den ollen Unkel sine Reden Obacht gewen; mæglich, dat s' ok Keiner mal hürt hadd, blot Einer hadd tau dicht bi em stahn, as dat hei dat Brummen von den Ollen hadd æwerhüren künnt, dat was de oll Jahn; un as Unkel furt gung, gung hei em nah un frog em: »Seggen S' mal, Herr Bors, wat wullen Sei mit ›dat eigen Geld hollen‹ seggen?« – »»Oh,«« säd Unkel verdreitlich, as hadd em Einer up den Tehnen peddt; æwer mit ein Mal würd hei falsch, as hadd de em ok grad' up de Likdürn' drapen, un rep: »»Un is dat nich schändlich, Herr Jahn? – Sei weiten ok, wat sur verdeintes Geld heit, un min is sur verdeint, un so 'n Bengel, so 'n Baron, de smitt dormit 'rümmer, as hadd ick 't up de Strat funnen?«« – »Na, hewwen Sei em denn dat leihnt?« – »»Wat wull ick nich? – Sei kann ick dat woll seggen, Sei hewwen ok Jungs, Sei warden 't nich an mine drei vertellen, denn Sei weiten, dat wi den Respekt bruken.«« – »Na, kennen Sei denn den Baron?« – »»Kennen? – Wat wull 'ck em nich kennen! – Ick heww 'n grad' nich ut de Döp böhrt, æwer hei is jo ümmer üm min Swesterdochter Hanning so klew'an, as de Flisen an de Flaumen, un de ward sick mit en unbekannten Minschen nich afgewen, denn sei was jo all in de Weig' so klauk, dat uns' Herrgott sülwst sick doræwer wunnern möt, dat sei æwerall grot worden is. – Un denn hett hei jo de groten Gäuder in de Dobberaner Gegend verköfft un will sick jo nu in de Sweriner wedder anköpen, un an minen Slachter-Sæhn Zamel will hei jo all sine Fettossen verhandeln, un up dat Geschäft hen heww ick em jo de twei Hunnert Daler vörschaten.«« – Hir süfzte Unkel, æwer nah desen Stotsüfzer lachte hei so ingrimmig: »»Un de verspelt hei nu!«« – »Na, hüren S' mal, oll Fründ,« säd Jahn, »mit de Gäuder in de Dobberaner Gegend, dat 's woll Wind, denn ick bün jo sülwst ut de Gegend un weit von keinen Baron von Unkenstein, un mit de in de Sweriner Gegend ward dat woll jüst so sin, dat müßten wi Landlüd' in Rostock jo sünst weiten, denn de Gäuderhandel is bi uns jo de dägliche Unnerhollung, un so warden denn woll Ehre Fettossen noch in den Man' 'rümmer grasen. – Ne, oll Fründ, ick fürcht, Sei sünd vör de unrichtige Smäd' west.« – »»Gotts ein Dunner!«« rep Unkel, »»denn gah 'ck hen un blamir den Kirl, vör de ganze Gesellschaft!«« – »Dat laten Sei hübsch bliwen, süs warden Sei tau 'm Schaden den Schimp noch austen.« – »»Denn gah 'ck nah minen Avkaten, de hir up dat Schipp is.«« – »Dat dauhn Sei minentwegen.« – Un Unkel gung. Wat de em nu Trost baden hadd, weit ick nich; ick weit man, dat nah 'ne Wil' Unkel wedder vör den Häunerkasten satt un so stiw un sinnig dorinner kek, dat Jochen Klæhn tau Paulen säd. »Süh, Paul, dor sitt Din Unkel Bors nu wedder still un andächtig, as en frames Kind, un sorgt för dat lütt Veih, un deiht Nümms wat tau Leden; dor süllst Du Di en Ogenspeigel an nemen! Aewer, stats dessen rangst Du allentwegent 'rümmer; un kik mal, wo Din Hosen wedder utseihn! Wenn Din Mutter dat süht, denn giwwt dat wedder wat.« – – In de Kajüt sach 't ok man so gadlich ut, as mit Paulen sine Hosen, tau 'm wenigsten bi weck von de Spelers, un wenn ehre Mutter dat seihn hadd, denn hadd dat ok woll wat gewen. – De Herr Baron hadd de beiden Hunnertdalerschins richtig an den Mann bröcht, hei was upstahn un säd, hei wull sick baben up 't Deck de Fäut en beten verpedden – mit de Fäut meinte hei sinen Arger – de Annern folgten em, un as sei 'ruppe kemen, segen sei em ok dor, æwer nich gahn, ne, stahn. – Hei stunn mit den lütten, thüringschen Kopmann achter 't Stüerrad tausam, un redte ogenschinlich so christlich un indringlich up em in, as wir hei den lütten Herrn Kopmann sin Bichtvader un wull em dat Gewissen rühren wegen all den lütten Profit, den de sick sin Lew'lang bi 't Inmeten un Afwägen makt hadd. – Sin Bichtkind was æwer leider sihr tag, dat wull nich tau Gott; denn wenn de Spazirgängers in de Nahwerschaft von de Beiden kemen, denn hürten sei blot ümmer den lütten Kopmann seggen: »Bette, bette recht sehr; Herr Baron, bette,« un dat wiren sine Anstalten all. – Herr Wilhelm August Schwofel was en æwermaten höflichen un gefälligen Mann, hei wadte in de Höflichkeit un Gefälligkeit unbeseihns bet an de Knei herinner, æwer wider nich, hei hödd sick verdeuwelt, dat em dat Water nich in de Hosentasch 'rinne lep, wo hei sinen Geldbüdel d'rin hadd. – Mi dücht, so 'n Mann, as hei, hadd den Titel ›Kommerzienrath‹ woll verdeint – von Antonen un Unkel Borßen kann natürlich in dese Hinsichten gor kein Red' sin. – Kapittel 12. Ithaka. – Weck seihn vel, un weck seihn nicks. – De oll Dam' vertellt 'ne Geschicht. – Jochen arretirt Paulen, un Herr Nemlich höllt en Vordrag, den kein Minsch glöwen will. – Wat de meckelnbörgische Insel Poel dat ›Land der Phäaken‹ is. – Anton schämt sick nich, sine Fru vör Ogen tau kamen, nimmt dat Bitt mang de Tähnen un ward stüerlos. – De Herr Baron ward drister un redt sogor von sinen erbärmlichen Harten. – Jochen Klæhn stift't Paulen tau wat Slichtes an, weswegen denn Paul ok tau Bedd bröcht ward. – Tanten Line un de oll Jahn, un dat irnsthaft. – Kap Matapan. Den annern Dag führten sei an 'ne Insel vörbi, de utsach as en groten, riesigen Reis'kuffert, de unverseihns in de See follen was, mit en hogen Deckel, von den all de Hor afschürt wiren, un unsere beiden meckelnbörgschen Landlüd', Groterjahn un Jahn, kemen stillswigend in Gedanken mit ehren Ansichten æwerein: wo dat mæglich wir, dat so 'n Land in de Welt afsistiren künn, wo sick nich mal Buck un nich mal Snuck dorup ernähren künn; æwer in de Schippsgesellschaft gung de Red' hen un her: »Ithaka, das ist Ithaka, Ithaka.« – Allens was niglich, Allens drängte sick an de linke Burt un kek henæwer nah de olle, nakte Insel, as wir dor gräune Wald un gräune Wisch tau seihn, un Gorens un Feller un frische Borns un Beken, de von de Höh' as Sülwerfaden, Fall up Fall, herunnerstrudelten bet in de blage See. – Weck segen nicks, weck segen dit All un noch mihr; sei segen dor schöne, herrliche Minschen wandeln in Königspracht un Heldendracht, olle Manns in grise Weisheit un strewige Jünglings in smidige Kraft, leiwe Frugens in Sittsamkeit un helle Jungfrugens in Rosenkräns'. – Sei kennten sei all; en olle Dichter hadd mal von sei vertellt un warme Grüß' an ehr junges Hart bestellt, un dunn segen sei stats de olle, dumpige Schaulstuw', de ebenso kahl un leddig vör ehren Ogen lagg, as nu de verwunschene Insel, ok en Bild von 'ne selige Insel un von prächtige Minschen, un dit Bild, wat sei in ehren jungen Johren wid ut de Firn' heræwer lüchten segen, dat strahlte ehr nu an Urt un Städ' entgegen, so warm un so hell, as wir 't de pure Würklichkeit. – De olle, grise Dam' hürte tau de , de dit All segen, un ehre Ogen füllten sick mit Thranen, un Helene stunn bi ehr un slog den Arm üm sei, un as de olle Dam' dat warme Mitgefäuhl von dat junge Mäten gewohr würd, dunn föll sei ehr üm den Hals un weinte bitterlich. Up de annere Sid stunn de Herr Baron, hadd sick de Lorjett in dat Og' klemmt un kek sei an mit en spöttsches Lachen, wat de Dummheit upsett't, wenn ehr wat Unverständlichs vör de Ogen kümmt. – »Kommen Sie,« säd Helene, as sei dit Grinen sach, un treckte de olle Dam' von de Städ' furt un leddte sei an 'ne Bänk, wo de oll Jahn in Gedanken satt; hei hürte nich tau de , de dor d'ræben wat anners segen, as kahle Felsen un unfruchtbore Barg', hei hadd sick d'ræwer verwunnert, wat de Lüd' doran segen, un was in sinen Gedanken doræwer tau den Sluß kamen, up de Insel künn mægliche Wis' öltlings mal wat passirt sin, wat de Gesellschaft so in Upregung bröchte, æwer wat? dat was sinen Ogen verborgen. – As hei nu sine olle Fründin so ganz intwei sach, rückte hei neger an ehr 'ranne un frog recht indringlich: »»Wat is, Tanten Lining? – Wat is passirt, Helening?«« – »Ich weiß nicht, Onkel.« – »»Ne,«« säd de olle Dam' un fot sick allmählich bet tausam, »»Sei weiten 't nich, min leiwe Dochter, Sei kænen 't ok nich weiten; ick glöw', dat weit ok up Stunns kein Minsch mihr, de dor lewt, as ick allein. – 'T is all lang' her. – De Anblick von de Insel hett mi nich so rührt, ne! blot dat, wat mi dorbi inföll. – Ach, ick bün en olles, unverstänniges Frugenstimmer, dat mi so wat noch un ollen Dagen æwernemen möt! – Aber, mein lieber Herr Jahn, wir weinen ja am Grabe unserer Freunde und Geliebten, warum sollte unser Herz nicht trauern, wenn's all seine Hoffnungen und Wünsche für immer zur Ruhe bestattet hat? – Ne,«« rep sei, »»nich för ümmer! – Wir glauben an ein Wiedersehen unserer Geliebten in reinerer Gestalt, warum sollte das Herz nicht auf die Auferstehung seiner Hoffnungen und Wünsche bauen, auch in reinerer Gestalt!«« – Helene fot sei üm un tog sei sacht an ehr Hart un kek nu bang' æwer sei 'ræwer nah den ollen Jahn; un sei hadd woll Recht, ängstlich tau sin, denn æwer den Ollen was bi de Würd' von Tanten Line sine swarte Stunn' kamen. Düster satt hei dor un kek up ein Flag' – »Onkel Jahn,« säd Helene un reckte em ehre frie Hand hen, »das ist ein tröstlicher Glaube.« – De Oll nickte mit den Kopp un kek vör sick hen. – »»Dat freut mi, min leiw' Dochter, dat Sei so denken, dat Sei in Ehren jungen Harten all so denken. – Ach, bei mir hat das länger gewährt, und es ist eine lange Geschichte, dat heit för mi is sei lang, för annere Lüd' mag sei kort naug wesen, un wat Besonders is sei æwerall nich. – Ja! – In meinen jungen Jahren lebte ich auch wie manche Andere in den Tag hinein – ja, min leiwe Dochter, ick bün ok mal jung west, und die Leute sagten, ich wäre ein recht hübsches Mädchen. Ich hatte aber einen entfernten Verwandten, de säd dat nich von mi, æwer ick fung em an tau jammern, dat min Lewen so in de Rappus' gahn süll. Er war ein Philologe und bereitete sich in meiner Vaterstadt zu einem schweren Examen vor; hei hadd keinen Ümgang, blot in min Öllernhus kamm hei, und dann erzählte er des Abends bald von Diesem und bald von Jenem aus der Geschichte, von dem ich nie etwas gehört hatte – denn, min leiwe Dochter, wat lihrte dunn en junges Mäten! – Ick würd niglich, ick freute mi up den Abend, wenn hei kamm, ick gung nich mihr in de fröhlichen Mätensgesellschaften. – Na, eines Abends erzählte er denn von dem trojanischen Krieg und den Irrfahrten des Odysseus und von der Treue der Penelope, er wurde immer begeisterter, seine Augen leuchteten, un hei was en schönen Mann. – Mi würd so markwürdig tau Maud', un ick brok in Weinen ut, dunn stunn hei up un strakte mi æwer de Hor, un den annern Morgen schickte hei mi de Aewersettung von Johann Heinrich Voß von den Homer. – Un ick las un las – ach, ick heww sei woll teihn Mal lesen! – Ach, wat dorin stunn, was so schön, un denn – sei kamm von em! – Ja, min leiw Dochter,«« – hir drückte sei Helene an sick – »»ich verfiel in den alten Irrthum, Güte und Mitleid für Liebe zu halten. – Mit de Tid müßt hei mi woll wat anmarken, hei kamm nich wedder, hei schrew en korten Afschidsbreif an mine Öllern un reis'te af, un nah einige Tid hürten wi denn ok, dat hei sick mit en anner Mäten verspraken hadd. – Das war für mich eine Zeit der Verzweiflung, un swor heww ick mi dunn an unsere Herrgott versünnigt: ick kunn 't nich begripen, ick kunn 't nich faten, dat en Hart vull reine Leiw' so allein dörch de Welt gahn süll.«« – »Ick ok nich,« säd de oll Jahn düster vör sick hen. – »»Ich war dem Wahnsinne nahe,«« redte Tanten Line wider, »»alle meine Gedanken drehten sich um einen Punkt, meine Seele wurde schwindlig; dunn gaww æwer Gott in sinen Gnaden, dat de oll Paster, bi den ick tau 'm Beden gahn was, up mi upmarksam würd, hei kamm, hei sprok tröstliche, christliche Würd' tau mi, hei drückte mi de Bibel in de Hand un säd, dit wir de Weg, den süll ick wandeln. – Ick ded 't, ick las, up jede Sid stunn: ›Entsagen‹, un ümmer wedder: ›Entsagen‹! – ach, un ick kunn 't doch nich! – In mir war Kampf und Streit, und um mich her war auch Kampf und Streit: die Freiheitskriege waren ausgebrochen; er war auch mit gegen den Landesfeind gezogen, un mine Angst üm em was grot; æwer ick müßt mi seggen: hei entseggt jo doch ok, hei höllt doch ok noch wat Anners för wichtiger, as de Leiw' un dat hüsliche Glück. – Mein Gemüth ward ruhiger, und als er nach dem Kriege geheirathet hatte und mit seiner jungen Frau zum Besuche zu uns kam, und diese in ihrer Schönheit und Güte mir entgegentrat, dunn, min leiw' Dochter, müßt ick mi seggen: »de is vel beter as Du büst,« un ick gung in mine Kamer, föll up de Knei un slog mi an de Bost un säd: »Line, Line! Wenn Du doch so 'ne Leiw' för em hest, wo kannst Du wünschen, dat hei Di erwählt hadd?« – Un mine leiwe Dochter, dunn hadd ick wunnen!«« – Helenen wiren bi de Vertellung von ehre olle Fründin de Ogen fucht worden, sei hadd woll de warmsten Würd' tau de olle Dam' reden müggt, æwer vör den Ogenblick drängte de Sorg' för den ollen Jahn Allens taurügg; sei stunn up un treckte em von sinen Sitz tau Höcht: »Komm, Onkel, komm auch mit!« – De Oll kek ehr starr in 't fründliche Og', hei let sick æwer tau Höchten trecken un folgte. – »Wollen auf's Vorschiff gehen; es sieht sich dort so schön weit hinaus, 's ist, als wenn man in glückliche Zukunft blickt, und wenn heute die Wellen auch noch so hoch gehen, morgen wird's besser,« un dorbi strakte sei mit ehre weike Hand ümschichtig de Backen von de beiden Ollen, as wull sei Kinner-Led mit Mutter-Hand trösten. As sei vörn ankemen, begegnete ehr Jochen Klæhn, de Paulen an den Kragen fat't hadd un mit em furt slepte: »»Dat helpt Di nu All nich! Din Vater hett dat nu einmal seggt, ick sall Di bringen, un süh, dor kümmt nu ok Din Helene.«« – »Was soll er, Jochen?« frog Helene. – »»Je, nu seihn S' mal! Franz Nemlich sall Herr Groterjahnen dat hir von dese olle, verwunschene Insel erklären, un dat sall hei mit anhüren, dat hei dor nahsten Bescheid von weit, un dat will hei nich.«« – »Nein!« rep Paul un wennte sick an Helene, »was Herr Nemlich da sagen kann, das weiß ich schon, das haben wir All schon beim Herrn Subrektor gehabt, von Odysseussen und Telemachen und all die Andern, und da brauch ich nicht hinzugehen.« – »»Na,«« säd Jochen un nickte Helene tau, »»süh dor! Nu hüren Sei 't! – 'T is einen gottlosen Slüngel. – Sin Vater . . . .«« – »Ja, Paul,« föll Helene irnsthaft in, »Vater hat's nun einmal gesagt, und Du gehst gleich auf der Stelle.« – »»Oh, Lening . . . .«« – »Nein, auf der Stelle!« dormit gung sei af. – »»Sett Di in kein Unverlegenheit,«« säd Jochen un fot em wedder in den Kragen, »»pariren möst Du. – Ick wull blot, Du wirst ein acht Dag' bi min Mutter, de würd Di 't bibringen. – Wenn ick mi noch so schön in den Dörp 'rüm driwen ded un minen Lust doran hadd, un ick sull nah Hus kamen, meinst, dat s' mi rep? ne, sei fläut't mi blot. Denn stunn s' in de Husdör un fläut't up ehren ollen, hollen Kuffertslætel un gnad' mi Gott, wenn 'ck nich kamm. – Nu kumm!«« un Paul folgte. – »»Süh,«« säd Jochen, »»dat Du vel kläuker büst, as Franz Nemlich, dor strid ick gor nich gegen, æwer – Wo sädst Du noch? wo heit de Kirl, de hir up de Insel west is?«« – »Dat was en König, de heit Odysseus.« – »»En König? – Na, wenn hei nich mihr hatt hett, as dese Insel, denn hett hei ok man en hellsch smallbackt Regiment führt. – Ne, Barlin, dat 's för 'n König doch en annern Snack! Un denn so 'n karjosen Nam'! – Ick glöw' nich, dat Franz Nemlich sick so 'n bunten Namen utdenken kann; æwer Di will 'ck wat seggen, süh, nu kannst Du Di Din Dag'bauk alleine schriwen, ick help Di nich mihr, denn Du büst mi denn doch tau klauk. – Hir!«« rep hei, as sei an Vatern 'ranne kemen, »»hir, Herr Groterjahn, is de Vagel! Hei wull nich recht, un wenn sin Helene nich . . . .«« – »Ja, Vater,« foll Paul in, »aber das weiß ich ja schon All.« – »»Paulus,«« säd Herr Groterjahn irnsthaft, »»wenn ich – ich selbst in meinen alten Tagen mich belernen lasse, so wirst Du doch woll auch zuhören können? Der Mensch soll immer zulernen.«« – Jochen nickte Paulen tau, as wull hei seggen: süh, dat schadt Di nicks. – »»Nun?«« wennte sick Herr Groterjahn an Herr Nemlichen. – Herr Nemlich hadd wildeß in 'n Stillen sine Uhr uptagen, nu stödd hei den Parpendikel an, un nu gung 't los: »Ithaka, von den Türken Teaki genannt, eine kleine Felseninsel zwischen Kephalonia und der Küste, mit dem Vorgebirge Neïon und dem Hafen Rheitron, einst das Reich des Ulysses . . .« – »»Nein,«« rep Paul dormang, »»er heißt Odysseus.«« – Jochen lachte un plinkte em tau: so wir 't Recht. – Herr Groterjahn kek irst Paulen un nahsten Herr Nemlichen an: »Woher weißt Du das, Paulus?« – »»Der Herr Subrekter hat 's uns so gesagt.«« – »Im Cannabich steht ›Ulysses,‹ säd Herr Nemlich. – »»Na,«« säd Herr Groterjahn, »»das hat nu woll weiter nicht viel zu bedeuten, dieser kann möglicher Weise ein Sohn von dem andern König sein; in Preußen heißen sie ja auch bald ›Friedrich‹ und denn ›Friedrich Wilhelm‹ un denn man slechtweg ›Wilhelm‹. – Na man weiter!«« – Herr Nemlich gung nu von de Geographie tau de Geschicht æwer un fung an: »Wenn wir uns nun diesen Ulysses betrachten, so stellt sich uns zuerst der Trojanische Krieg vor, von dem der Herr Professor Petiscus uns in seinen Werken berichtet. – Ulysses war ein Sohn des Laërtes und der Anticilia und war König von Ithaka und den umliegenden Gegenden. Die Geschichte dieses Heroen ist mit manchem Fabelhaften durchwebt.« – »»Ja,«« säd Herr Groterjahn, »»Lügen sind woll viele damang.«« »Ja, Herr,« föll Jochen ganz drist in, »un wat anner Lüd' nich lagen hewwen, dat lüggt Franz Nemlich dortau.« – Dor würd nu nich up hürt, un Herr Nemlich vertellte nu von den Trojanischen Krieg, un 't gung in sine Ort ganz glatt weg, blot dat Paul af un an mit sine vörluden Kunterversen dortüschen schot, wo Jochen denn ümmer æwer dat ganze Gesicht lachte, mit den Kopp nickte un ok woll hen un wenn säd: »dat 's Recht!« um sin leiw' Vader sick æwer sinen klauken Sæhn freu'te. – Bi de Geschicht von dat hölterne Pird schüddelte uns' Gaudsbesitter hellschen mit den Kopp, säd æwer: »»Na, 's schadt nich, 's sind ja doch man Läuschen.«« Un as nu de Vördrag up de Irrfohrten von den Ulysses kamm, un dat de twintig Johr durt hadden, dunn wackelte sin Glowen düller, un as Herr Nemlich von de Penelope vertellte, dat sei twintig Johr up em täuwt hadd un up keine nige Frigeratschon hadd ingahn wullt, säd hei: »»na, in die Jahren ist sie denn doch auch schon gewesen, indem daß sie schon einen erwachsenen Kronprinzen gehabt hat;«« æwer as Herr Nemlich tauletzt vertellte, woans Ulysses sin Rik wedder gewunn, un dat hei mit den ›göttlichen Sauhirten‹ Kumpagnischaft makt hadd, dunn was 't all. – »»Herr,«« rep Groterjahn, »»nu hören Sie auf! – Ja, ich hab' allmeindag' gerne solche Märchens gehört, zum Exempel, wie ein Schneidergesell König geworden ist; und wenn 's nicht wahr ist, so ist die Menschen-Möglichkeit noch da. Aber daß sich ein König so gemein machen sollte und – so zu sagen – mit en Schweinehirten Brüderschaft machen sollte, das mag der Deuwel glauben. – Herr, ich bin kein König, bin nicht einmal Großherzog, bin bloß meckelnburgscher Rittergutsbesitzer aus Großen-Barkow; aber mein Schweinehirt bleibt mir vor der Thür, und wenn er sich gut geschickt hat un meldt mir, daß die eine Sau en Dutzend oder so 'rum Ferkel gekriegt hat, denn kriegt er en Schuhs und en Butterbrod und damit Boston! – En Schweinehirt ist auch en Mensch, das weiß ich, aber ein Unterschied unter die Stände muß sein, und wer was dawider sagt, ist en verfluchter Demokrat; und weiter will ich nu nichts wissen, nu hören Sie auf.«« – »Nu ist's auch aus,« säd Nemlich sihr geslagen. »Nur wollt ich mir noch mit Ihrer Erlaubniß die Bemerkung erlauben, daß ein sehr gelehrter Herr Doktor die Behauptung gemacht hat, daß Ulysses auf seinen Irrfahrten auch nach Meckelnburg gekommen ist, und daß das Land der Phäaken, wo sie so gut gelebt haben, eigentlich unsere Insel Poel bedeutet.« – »»Hm!«« säd Groterjahn, »»Poel? – Möglich wäre das: die alten Bauern da auf Poel, die leben nicht slecht. – Ich weiß noch von meinem Vater her, daß sie fünf Kart – fünf Scheffel Weizen gespielt haben, und das zu einer Zeit, wo der Scheffel vier Daler zweiundzwanzig Schilling gekost't hat. – Ja, das kann immer möglich sein.«« »Herr!« rep Jochen un wull sick ümmer dod lachen, »hei lügt Sei wat vör. – Wo? Ick heww jo en Mutter-Brauder up Poel wahnen, un de is oft bi min oll Mutter west un hett uns vel von dor vertellt; æwer dat dor so 'n Ströper von König ankamen is, dat hett hei seindag' nich seggt. – Ne, Korl Nemlich lüggt, un sin gelihrte Dokter lüggt ok.« – Jochen hadd nich en Spir Gefäul för dat, wat sick schickt, un woher süll hei dat ok hewwen? Kumpelmentir-Bäuker wiren em seindag' nich in de Hänn' follen, un wenn hei mit sin vörludes Wesen bi sinen ollen Herrn tau Rum' kamm, denn hadd de woll mit den Kopp schüddelt, hadd 't æwer leden. – Herr Nemlich hadd velen Sinn för de Schicklichkeit, hei wis'te also Jochen ganz gehürig in sine Scheiden un Grenzen taurügg; Jochen antwurt'te unbescheiden wedder, un so würd dat denn tüschen de beiden ollen Schaulkameraden en so nüdlichen un lewigen Strid, dat Anton, de ok velen Sinn för dat Schickliche hadd, dat nich länger för passend höll, tautauhüren, üm sick den Respekt nich tau vergewen; hei gung af nah sine leiwe Fru dal. – Paul slog sick nu ut natürlichen Wedderwillen gegen sinen Herrn Lihrer un ut olle Fründschaft för Jochen ganz up desen sine Sid un bödd dat Füer ümmer bet an, so dat bi Jochen tauletzt de ›Schapsköppe‹ un de ›dummen Bengels‹ as Funken herümmer flogen, un Herr Nemlich ehr ut den Weg' gahn müßt; wat hei mit de Redensort: »Jedes Band zwischen uns ist zerrissen« besluten ded. – Anton was frömden Strid ut den Weg' gahn, üm den eigenen unnen bi sine leiwe Jeannette tau finnen. – Fru Groterjahnen was von ehren natten Spazirgang mit drei sihr unbequeme Dingen taurügg kamen: mit en Snuppen in de Liw', mit Arger in de Harten un den fasten Vörsatz in de Seel, bi Antonen de Tægel so stramm antautrecken, dat em seindag' nich wedder infallen süll, ehre Gesellschaft gegen den ollen Jahnen sin un de oll Dam' ehr tau vertuschen. Anton hadd nu frilich dat unheimliche Gefäuhl, dat hei sick man gadlich wegen sin Verbreken deffendiren würd; æwer von sine Fru ehren Vörsatz un de Middel un Weg', de sei inslagen wull, hadd hei nich de Nagelprauw' von Ahnung. – As nu Helene ehre Mutter tau Bedd bröcht hadd, ret hei in sinen hellen Drang von Mitled un minschliches Gefäuhl de Gardinen von de Damenkabin' von enanner, müßt æwer wegen sinen Sinn för Schicklichkeit wedder taurügg, denn in de Kabin' wiren grad' en por junge Damen in ehren däglichen Geschäft, sick en pormal ümtaukleden, begrepen. – Hei gung, täuwte 'ne halwe Stunn' un kamm wedder; 't was noch ebenso, hei sach up den irsten Blick, sei wiren noch lang' nich farig – Hei kamm wedder un wedder – sine Fru rekente em dit ut natürlichen Grünn' tau sinen Nahdeil an – un as hei so twei Stunn'n lang Storm up de swacke Gardin' lopen hadd, drung hei tauletzt in dat Heiligdaum in un stunn an 't Bedd von sine Fru. – Dese hadd nu wildeß naug Tid hatt, ehren Slachtplan tau maken; hei was sihr einfach, æwer nicks weniger as einfältig: as Anton 'rinne kamm, makte sei in den Bedd 'ne korte Wennung nah rechtsch, dreihte em den Rüggen tau un kek stiw an de Wand. – Anton frog: wo 't ehr güng? Sei antwurt'te nich. – Anton säd: so 'n Snuppen wir wat Gauds, de brök 'ne annere, swore Krankheit den Kopp af. Sei antwurt'te nich. – Anton säd: in ehre Städ' würd hei en por Gläser Krock drinken. Sei antwurt'te nich. – Tauletzt gung hei in 'ne deipe Bedenklichkeit af, nich wegen ehre Krankheit, ne, wegen den Zorn-Utbruch, den hei sick vermauden was; denn dat wüßt hei, wenn sick de Zorn bi ehr versett't hadd, denn was 't grad' so, as wenn en Gewitter nich æwer 'n See kamen kann, dat steiht fast un möt sick mit Dunner un Lüchtung irst utladen, bet denn tauletzt de Regen in Gæten gütt; denn ward de Natur wedder ruhig. – As Anton nu tau sine leiwe Jeannette in de Kabin' kamen was – hei was all etzliche Mal dor west, was æwer nich annamen – makte sine leiwe Fru wedder 'ne halwe Wennung in ehren Bedd, ditmal æwer nah linksch, un kek nu den Sünner grad' in dat Angesicht, un Jedwerein kunn 't seihn, dat sei den Vertheidigungskrieg upgewen hadd un nu mit Pauken un Trumpeten up den Angrep losgahn wull. – Nu bedenk mal Einer, wat de Fru för 'ne Krasch' hewwen müßt, wenn sei von den Bedd ut den groten, dicken Anton angripen wull? æwer sei ded 't. »Schämst Du Dich nicht, mir so vor Augen zu kommen?« – Dat was ehr erste Kanonenschuß, hei sus'te an Antonen vörbi un drop nich, denn Anton kek sick von baben bet unnen an, wat hei wat an sick hadd, oder wat hei wat nich an sick hadd, wovor hei sick schämen müßt, un as hei nu sach, dat sine Kledungsstücken in alle Ordnung wiren, säd hei sihr käuhl: »»Nein.«« – Nu brok 't æwer bi ehr los, sei feuerte ut all ehre Batterien, un 't Dunnerweder kamm æwer em. – Hei hadd keine annere Deckung, as blot de Würd': »Fat Di kort, mine leiwe Jeannette, fat Di kort!« denn hei hadd dat unangenehme Gefäuhl, achter de Gardin' künn 'ne ganze Gesellschaft stahn un dese Gardinenpredigt mit anhüren; de Sak sülwst was em hellschen glikgültig. – Nu sett'te sei sick æwerst in ehre Beddschachtel æwer Enn', dat de Sak mihr Nahdruck kreg', un achter jeden Blitz, den sei los schot, folgt de Dunner achter her. »»Hast Du nicht mit dem alten Jahn gesprochen?«« Allens kann æwerdrewen warden, nich allein dat Reden æwer eine Sak, ne, ok dat ewige Fragen nah ein' un de sülwige Sak. – Antonen stunn dit Gefrag' nah den ollen Jahn all bet an den Hals; hei was gor nich mihr so 'n ruhigen, gehursamen Ehmann, as sine leiwe Fru sick dachte, hei was all längst, ahn dat sei 't gewohr worden was, ut de Sträng' slagen, un as Mutter em nu mit de Pietsch von ehre Fragen ümmer up ein' un dat sülwige Flag drop, namm hei 't Bitt mang de Tähnen, fung an tau bucken, ret dat Geschirr intwei un ehr de Tægel ut de Hänn' un – heidi! – gung hei, slankweg de Kajüten-Trepp tau Höchten, puste mit wide Nüstern drei mal üm dat Deck herüm, as wir 't 'ne gräune Weid', un hei wull sick so recht æwer sine Friheit freu'n, höll tauletzt bi den ollen Jahn an un frog: »Wie geht's Dich, Jahn?« wat so vel heiten süll, as. »Nu 's mi Allens ganz egal!« Dat wohrte æwer nich lang', dunn kamm Mutter up 't Deck; nah dat scharpe Gewitter was en sachten Thranenregen bi ehr utbraken, un as sei nu baben stunn, höll sei ehren fuchten Snuwdauk in de Hand, as wir 't en Tom, womit sei Antonen wedder infangen wull; æwer de Fangeltom sackte ehr ut de Hand, as sei em mit den ollen Jahn up de gräune Weid' tausamen grasen sach; sei vertwifelte an ehr Vörnemen, denn tüschen ehr un em wiren gor tau vele Grawens, un de wiren all frisch afburt't un upsmeten. In desen bedräuwten Taustand funn Helene ehre Mutter, un as sei knapp anfungen hadd tau fragen, wat ehr schaden ded, kamm de Herr Baron dortau un makte de gewöhnlichen, langwiligsten Redensorten, de hei hüt æwer mit ganz ungewöhnliche Hitt un Hilligkeit bi Helene anzubringen söchte. – Wir Fru Groterjahnen nich in so en kümmerlichen Taustand west, so hadd sei woll dorup regardirt un hadd hir un dor en beten nahhulpen, so æwer kann ehr Keiner dat verdenken, wenn sei för desen Ogenblick mihr an dat ›zerrissene Verhältniß‹, as an dat ›neu angeknüpfte Verhältniß‹ dachte. – De Herr Baron hadd also, dor Herr Nemlich nich begäng' was, ganz fri Feld. Hei hadd sick bether woll en beten an Helene 'ranne slängelt un sick allmählich en beten drister 'ranne swenkt, 't was æwer ümmer so west, as hadd hei en heimlichen Grugel, düdlich mit de Sprak herute tau rücken, hei hadd Helene blot de schönsten Stunn'n mit sinen dæmlichen Dræhnsnack stahlen, un wider hadd dat keinen Zweck; hüt æwer fung hei mit den Anfang an, un redte so kläglich von sinen Harten, dat Helene dachte, 't müßt en jämmerlich Ding sin, wat hei unner de linke Westentasch harbargte, un gewiß hadd sei in ehren frischen, fröhlichen Sinn sick allerlei Spaß mit den verdrögten Povist erlauwt, den hei up dit Flag unnerknöpt hadd, wenn ehr nich dat Bedenken upstegen wir, ehr leiw' Mutting kunn ut ehren ogenschinlich bedrängten Taustand upwaken un sick wedder mit de Regirungsgeschäften bemengen. Mit ehre Mutter æwer sick in so 'ne Saken æwer den Faut tau spannen, dorvör hadd sei eine kindliche Schu; sei würd also en beten unruhig, un 't was, as wenn sei sick nah Hülp ümkiken ded; un de süll ehr denn ok warden. – Dat brennte nu mal wedder in unsere meckelnbörgsche Gesellschaft an allen Ecken, ok bi Jochen Klæhnen fung 't all an tau swälen; dicke Qualm steg in sinen Bregen up, æwer hell Füer wull noch nich tau Höchten blucken, hei kunn sick ok keinen Vers dorup maken: up de ein' Sid stunn Groterjahn mit sinen Herrn tausam un redten ganz christlich mit enanner, dit was en unnatürlichen Taustand; up de anner Sid stunn, wat sei was, de Groterjahnen, kek stiw un stramm nah de Beiden hen un rögte nich Hand un Faut; des' Taustand was noch unnatürlicher. – Hei kek bald nah de ein Sid un bald nah de anner Sid un dreihte den Kopp bald linksch un dreihte den Kopp bald rechtsch, un bi dit Dreihn, bi dat hei up de Läng' hadd düsig warden müßt, kamm em Paul vör de Ogen. – »Paul,« säd hei, »süh, kik, dor steiht Din Vater mit minen Herrn tausam un reden so unschüllig mit enanner, as en por nigeburne Kinner. – Wat seggst Du?« – Bi Paulen fung 't ok an tau roken: sin Vatting ded dat nu sülwst, wat hei em so streng' verbaden hadd. – »Paul,« säd Jochen, »wunner Di noch nich! 'T kümmt noch stripiger, süh, kik, dor steiht Din Mutter, kickt dat mit an un rögt nich Hand un Faut. – Wat seggst nu?« – Paul säd nicks, hei dreihte ok mit den Kopp linksch un rechtsch, un 't rokte düller; tauletzt säd hei: »»Un kik, Jochen, min Helene kickt hir 'ræwer nah uns, un wat süht sei ängstlich ut!«« – »Heww ick ok all bemarkt, denn ick sitt hir all 'ne gaude Virtelstunn'; Du sallst seihn, dat is wegen den ollen knakschäligen Baron, un wat hest Du mi tausworen, as Du up den ollen Bucksprit dorrümmer redst, Du wullst Di ümmer tau rechter Tid dormang steken? nu gah hen un spuck em ok mal up den Stewel.« – Paul gung denn ok in de redliche Absicht, Jochen sinen Rath tau befolgen un den Baron so velen Schawernack an tau dauhn, as hei jichtens uptauwennen hadd, un dit was en ganz Deil. As hei neger kamm, reckte Helene em de Hand entgegen un treckte em an ehre Sid; hei ded ok ganz glimplich, läd sinen Kopp an ehr Hart un kek so unschüllig unner ehren Arm 'rute, as en Nestüken, wat unner de Flunken von sin Mutter sitt. – Mit den Baron sine Redensorten was dat denn nu vörbi; mit utdrückliche Würd' kunn sin jämmerlich Hart nich mihr tau Helenen ehr reden, hei müßte sick up Telegraphiren inschränken un wull in de Ort Paulen as Draht tau dat Hart von sine Swester vernutzen, denn dat de vel von den Brauder höll, hadd hei all bemarken kunnt. – »Wahrhaftig! Auf Ehre! ein netter Knabe!« säd hei. – De ›Knabe‹ paßte Paulen æwer ganz un gor nich; nah sine Meinung was en ›Knabe‹ so 'n lütt Worm, wat noch in de Kinner-Pi herümmer lep un noch wat mit de Raud' achter 'n Speigel kreg', hei säd also patzig: »»Selbst ein Knabe!«« – »Paul!« rep Helene, »wirst Du ungezogen?« – Aewer de Herr Baron was so gnedig, dit gor nich tau estimiren, hei säd: »»wir werden noch gute Freunde. – Nicht wahr?«« un läd sine Hand up Paulen sinen Kopp; de æwer slog dornah un wehrte sei af. – »Paul!« rep Helene, »gleich bist Du artig!« – »»Nein, Lening,«« rep de Slüngel, »»ich laß mir aber nich von Jeden in die Haar fassen!«« un dorbi kek hei nah Jochen Klæhnen 'ræwer, wat de woll dortau meinen ded. – De was denn nu sihr taufreden mit em un nickte em ümmer tau: so wir 't Recht, so süll hei man bibliwen! – Un hei ded 't ok un würd ümmer unbescheidener. So 'n Jungs-Haß hett för gewöhnlich en beten wat sihr Ludes an sick, tau 'm wenigsten makt hei mihr Larm, as ›die junge Liebe,‹ un wenn Mutter dese ehr Flustern ok æwerhürt hadd, den Utbruch von de Haß müßte sei hüren. – Sei kamm also 'ranne: »Poll!« æwer von de anner Sid kamm Anton ok 'ranne: »»Paulus!«« – »Gleich kommst Du 'runter und gehst zu Bett!« – »»Ja,«« säd ok Anton, »»gleich kommst Du 'runter und gehst zu Bett!«« Denn hei hadd dat Gefäuhl von sine Schanddahten un wull mit sine Fru Freden sluten, un wir 't ok up Kosten von sin eigen Kind. – Paul müßte mit; Mutter gung vörup, un Vater achter d'rin, as sick dat gehürt, un säd: »»Paul, der Mensch soll gehorchen lernen. Mutter hat 's nun einmal gesagt, und dunkel wird 's nun auch schon.«« – Nu hadd de Herr Baron denn wedder fri Spill bi Helenen; æwer 't wull nich recht wat dorut warden, denn jedes Mal, wenn sick sin jämmerlich Hart æwergewen wull, reckten sick up de Neg' en por lange Uhren tau Höchten, de eigentlich Jochen Klæhnen sin oll Mutter in Meckelnborg hürten, denn ehr leiw' Sæhn was 't, de sine Anstalten hir bedriwen ded. – Hei hürte eigentlich nich up dat Achterdeck, æwer 't wull all düster warden, un denn hadd hei sick ok mit up dat Bucksprit versworen un dormit verdeffendirte hei sick vör sick sülwst. – Nu kamm æwer de olle Dam', un de ehr Mundwark lös'ten sine Uhren af. – »Seihn Sei, mine leiwe Dochter,« rep sei all ut de Firn', »dese Klüft un Grünn' un Felsen un Barg', dat is Messenien! – Oh, da hat man auch einmal gestritten, furchtbar gestritten, und wenn ich in früheren Jahren zur Zeit der Freiheitskriege die Zeitungen las, dann sind mir immer die messenischen Kriege eingefallen. – Ja, min leiw' Dochter, von de Franzosen was dat up uns grad' so afseihn, as von de Spartaner up de Messenier, æwer – Gottlob! – wi sünd kein Heloten worden, denn wir hatten mehr als einen Aristomenes auszuspielen, und die Franzosen waren auch gerade keine Spartaner. – Ach Gott! Dat hett hei mi All dunn vertellt. – Kamen S' mit nah de annere Sid 'ræwer; ick vertell Sei dat dor.« – Helene makte den Baron so 'n verluren Diner tau, namm den Arm von de olle Dam' un gung mit ehr. – As sei nu allein stunnen un henæwer segen nah de düstere Barg' mit ehre willen Felsenklüft' un herunter up de swarte, jonische See, de sick hir un dor witt tau Höchten krüs'te, as wiren olle Erinnerungen mit en Sarkdauk taudeckt, un sei bömten sick unner dat Leilak tau Höchten, dat sei helle Kunn' gewen wullen von ollen Tiden, dunn kemen langsame Tritten heranne, un 'ne sachte Stimm frog: »Darw ick ok tauhüren, Tanten Line?« – »»Ja woll, min leiw' Herr Jahn.«« – Un nu vertellte sei von de messenischen Krieg' un von Sparta so düdlich un lewig, as hadd sei sülwst mal mitspelt in dit Truerspill, un dat junge Mäten un de oll Mann hürten tau, as wiren sei en por Kinner un seten wid baben in 'n Nurden in de Kinnerstuw' vör en gläugniges Abenlock, un buten brus'te de Storm dörch de Nacht, un de olle Kinnerfru vertellte ehr Geschichten. – »Ach Gott!« ret sick Helene tauletzt los, »ich muß hinunter zu Mutter, sie wird schon böse sein, daß ich so lange gewartet habe. – Dank! Dank! Gute Nacht! Gute Nacht!« – Nu stunnen de beiden Ollen allein, un Jahn säd: »»'T was schön, Tanten Line, un de Minsch, de dit Allens weit, ward sick ok vel dorut entnemen kænen, ick bün æwer tau olt dortau. Mine jungen Johren sünd hengahn mit Sorgen för den Ogenblick, un as ick de æwerwunnen hadd, dunn drop mi dat Schicksal. – Ne,«« säd hei nah 'ne Wil', »»Ehre Geschieht von hüt Nahmiddag hett mine Seel mihr drapen, as de Ding'n, de hir vör Johren passirt sünd, de was so, as güng sei mi an – un sei geiht mi ok wat an!«« säd hei hastig, »»denn hüren S'!«« – Un wat hei seindag' nich dahn hadd, hei vertellte sin Unglück un läd den Taustand, in den sine Seel geraden was, so gaud, as hei 't kunn, klor vör ehre Ogen. – »»Un,«« slot hei, »»Sei hewwen dat verwunnen, un ick kann 't nich.«« – Wo warm un weik sprok de olle Dam' tau em; sei predigte nich up em in, sei wis'te em ut ehr eigen Lewen nah, wo en ihrlich Gottvertrugen sick endlich lohnen ded, sei rückte em lis' vör den Sinn un läd 't em an 't Hart, wat uns' Herrgott em all laten hadd; »un,« säd sei, »min leiw' Herr Jahn, sünd unsern Herrn sine Gnaden dormit all? Wat hewwen Sei för 'ne Utsicht up Glück, wenn Sei irst dit junge Mäten, wat eben von uns gahn is, Ehre Swigerdochter nennen!« – »»Ja, ja; ick hoff dat ok, ick hoff, dat de olle, kindische Strid tau Enn' kamen ward; æwer min Gemäuth is tau unruhig, as dat ick den ganzen Segen ümmer vör Ogen hewwen künn.«« – »Denn lesen S' in de Bibel, Herr Jahn.« – »»In de Bibel? – Sei säden doch sülwst, dat dor up jede Sid blot ›Entsagen! Entsagen!‹ stünn.«« – »Ja, so kamm 't mi vör, as ick in de wille Gähr was, as de Leidenschaft ut mi sprok, nahsten heww ick æwer funnen, dat för dit ›Entsagen‹ uns en groten Trost baden ward. – Gottes Weg' sünd wunderlich, wi kænen sei nich begripen, æwer sei führen den Minschen, de 't ihrlich meint, tauletzt doch tau 'n selig End'.« – »»Kap Matapan!«« rep en Matros' ehr tau, de an ehr vörbigung. – »Seihn S',« säd de olle Dam', un wenn 't heller west wir, hadd Jahn up ehren Gesicht en fröhlichen, friedlichen Tog schämern seihn, »Gottes Weg' sünd wunderlich. – Wo hadd ick mi vör en Johr noch drömen laten kunnt, dat ick dat bütelste Enn' von Europa tau seihn kreg'! Un nu doch! un gu'n Nacht, Herr Jahn!« – 'T is wat Wunderbores üm de Red' von 'ne olle Fru, de sick en jung' Hart bewohrt hett; sei spreckt tau uns un unsere willen Gedanken sacht as en Weigenlied. Denkt mal an Jug' eigen, olle Mutter! – Den ollen Mann was so wundersam weikmäudig tau Sinn worden. Unner em flog de düstere See woll noch in groten Bülgen, un swarte Flauthen bömten sick tau Höchten, æwer baben an den ruhigen Hewen spannte de Man' in den irsten Virtel sinen goldenen Bagen, un von den Hewen heraf weihte en warmen Südwind un spelte in sin grises Hor. – Hei müßte bitterlich weinen. – – Kapittel 13. Wat de Dardanellen en por türksche Prinzen sünd. – Gleiches von Gleichem läßt Gleiches. – Jochen sett't Paulen sin Dag'bauk en Strämel an, den kein Düwel verstahn kann. – Paul un ick stimmen as Schriftstellers akkerat tausamen. – Unkel Bors in vullen Glanz. – Fru Groterjahnen un Paul as Venus un Amor. – Helene sall absolutemang wegen ehre Bildung in den Harem von Omer Pascha, sei will nich, æwer Mutter will; Anton sleiht sick in 't Middel, kümmt dorbi ut allen Verfat, so dat hei luter verkihrte Antwurten giwwt. – Wat in de Türkei ok en Thierquälerverein besteiht. – De olle Dam' springt mit beide Bein' in den Dreck. – De Bugurlu-Dagh un de aseatschen Hunn'-Kamellen. – Mutter streckt dat Gewehr, sei is lütt worden un Anton grot. An den gütigen Dag gung de Reis' nu snurstracks mang de grichschen Inseln dörch, grad' up de Dardanellen los, de bilöpig seggt – nich, as weck Lüd' glöwen, de iwrig de Zeitungen lesen, en por türksche Prinzen sünd. Ne, 't sünd en por lütte, æwer hellschen boshafte Festungen, de sick genæwer liggen un all vel Elend anricht't hewwen. – Herr Nemlich kunn nich in de beseggte Verwesselung geraden, denn hei satt unnen in sine Koje un æwerhürte sick sine Lex ut den lütten Cannabich æwer de Dardanellen un Konstantinopel, un wat dor süs noch bi 'rümmer bammelt. – As hei dit farig hadd, bunn hei sick sin gaudes, warmes Halsdauk af, sned dat in luter lütte Strämel un säd vör sick hen: »dor kann ick ok mit deinen;« denn hei hadd bemarkt, dat de Baron en Band üm den Hals drog, wat sei up Stunns en Slips näumen, un nu wull hei em ok dorin Gegenstand leisten. – Un nu sett'te hei sick hen un neihte un sömte, denn dese Kunst hadd hei von sinen Vader, den Köster, lihrt, de eigentlich von Geburt en Snider was, sei was em anarwt; hei äuwte sei æwer ut Bescheidenheit blot in 'n Verborgenen ut. – Na, bi de Ort Lüd', de ehr Brod in 'n Sitten verdeinen, as Snider un Schauster un Schriftsteller, stellen sick bi dat Geschäft allerlei Gedanken in. – So denn ok bi em; æwer wenn einer glöwt, dat hei sick dormit inkommodirt hadd, sei æwer See un Land bet nah Meckelnborg tau de arme Munde tau schicken, denn sitt hei sihr in Bisterniß. Ne, dat hadd hei bequemer, hei schickte sei blot bet tau Helenen, un dor hadden sei de Hüll un Füll tau dauhn. – Ja, worüm hadd sei em ümmer utteikent, worüm hadd sei sick ümmer mit ehre Red' an em un nich an sinen Gegenbuhler wendt? worüm hadd sei em ümmer upföddert, mit ehr tau gahn, un seindag' nich den Baron? Dat müßte wat up sick hewwen. – Un worüm süll 't ok nich? – Hadd hei nich oft in de Zeitungen lesen, dat sick en Eddelfrölen mit en Kannedaten von de Theologie verspraken hadd? Un stunn nich en börgerlichen Gaudsbesitter in den sülwigen Verhältniß tau en Eddelmann, as en Semerist tau en Kannedaten? Un wenn hei nu den börgerlichen Gaudsbesitter von den Eddelmann subtrahiren ded un den Semeristen von den Kannedaten, stimmte denn de Reknung nich? – »Woll,« säd hei, »denn Gleiches von Gleichem läßt Gleiches, und wenn 's nicht ganz stimmt, denn ist bei mir noch ein Ueberschuß.« – Dormit, dat hei æwer ganz seker gung, tellte hei de Sak an de Knöp von sinen Rock af, un dorbi befunn sick dat denn, dat de olle, truge Rock, up den hei sick all etzliche Johren hadd verlaten müßt, ümmer ›Ja‹ säd, hei müggt von unnen oder von baben anfangen. – Hei bunn sinen käuhlen Strämel Slips mit en staatschen Knuppen üm den Hals, gung up 't Deck un frür; ok sine heite Erwartung up Helenen frür allmählich in, sei kamm nich, denn 't was en grusiges Weder. De Meisten von de Gesellschaft blewen unnen in de warmen Kojen, un de von ehr, de up 't Deck gahn wiren, wiren verdreitlich, un von 'ne ›Vergnügungsreise‹ was wenig tau seihn. – Herr Gumpert kamm 'ruppe, stek de Näs' in den Wind: »schauderhaft!« un gung wedder 'runner. – De lütte, thürnigsche Kopmann rew sick de Hänn': »»wir müssen uns d'rin finden, mit unserer Macht ist nichts gethan,«« un ded dat sülwige. – Unkel Bors kamm 'ruppe mit 'ne rode Bedd'deck æwer de Schullern, de achter em her slepte, as wir hei en römschen Triumphator, den en dæmliche Snider in de Krümp kregen hadd, un hei wir nu inlopen, un sine natürliche Läng' wir tau 'ne unnatürliche Dick tausam schreut. Hei lep in 'ne Ort von Zuckeldraww nah de Häunerkasten, besorgte hastig sin Veih un säd dorbi: »de Welt hett sick dreiht, de Welt hett sick dreiht, wat heww ick vördem hir sweiten müßt, un was doch noch nich so kumplett, as nu.« – »»Unkel,«« rep Paul, as hei em vörbi un de Trepp wedder dallep, »»bliw doch hir!«« – »Will den Deuwel,« was de Antwurt. – »»Paul,«« säd Jochen Klæhn, »»süh, Du büst doch süs ümmer so klauk un hest mi von de warme Gegend vertellt, wo wi hen kamen; so, nu warm' Di an de warme Gegend, ick sett mi wildeß hir an den warmen Schorstein.«« – »Dat kann ick ok,« säd Paul un sett'te sick bi em. »Un dat dat hir süs warmer sin möt, as hüt, dat kannst Du all an de groten Dire seihn, de hir üm dat Schipp 'rümmer spaddeln, dat sünd Delphinen, un stahn ok in min Naturgeschicht, de ick von Vatting tau 'm Wihnacht kregen heww.« – »»Heww ick ok all bemarkt,«« säd Jochen, »»un ick heww mi all wunnert, wo de Lüd' hir tau Lann' de Beister woll fangen. Wo? de möten jo doch jedwer Wad' un jedwer Angelgeschirr intwei riten. Aewer ick heww mi so dacht, Din Mutter künnst Du doch en grot Vergnäugen dormit maken, wenn Du ehr de Beister so in Din Dag'bauk 'rinnen setten dedst.«« – »Von dat Dag'bauk swig man ganz still, ick heww hüt Morgen all Verdreitlichkeiten naug dorvon hatt.« – »»Hest Schacht kregen?«« – »Ne, dat grad' nich; en por Mulschellen heww 'ck kregen.« – »»Von Din Muttern?«« – »Ne, von Vatting sülwst. – Hei 's hellschen falsch hüt Morgen.« – »»Hm,«« säd Jochen un satt in Gedanken», »dor möt ick mi doch wedder æwer wunnern; denn as ick Di gistern säd, dat ick mi doræwer wunnern müßt, dat de beiden so eindrächtig tausamen stunnen, dunn dacht ick, dat dat tüschen de Beiden up en Verdrag 'rute lopen würd, un dat sei dor ehre Lust an hewwen würden. Un bi minen ollen Herrn is 't ok so, de hett denn ok hüt Morrn so velen Spaß mit mi bedrewen, dat ick mi ordentlich doræwer heww wunnern müßt; un nu möt ick mi doch wunnern, dat dat bi Dinen Vater nich ebenso is.«« – »Ach, 't is All wegen dat oll dæmliche Dag'bauk.« – »»Paul, folg' Du oll Lüd': hüt is hir doch nicks tau seihn, kumm 'runner nah min Koi, will'n dor dat Dag'bauk widerschriwen, denn hest Du nahsten in Konstantinopel Respüt.«« – »Je, wat sall ick man schriwen?« – »»Ih, dat finnt sick. – Kumm Du man nah min Koi.«« – »Dor kümmt Herr Nemlich hen.« – »»Den willen wi woll utlüchten. – Noch is hei jo doch baben.«« Hir gung denn nu Paulen sine Schriftstelleri mit Jochen sine Hülp flott von Statten, un dat Dag'bauk namm sick ungefihr so ut: Fortsetzung : »In Ragusa blieben wir drei Tage, indem wir uns Alles besahn. Hir stehen viele Oelbäume und auch östreichsche Offiziere; auch habe ich hier Montegriner gesehen, indem diese von den Bergen herunter in die Stadt zum Verkauf kommen, sie sind noch wild. – Von Ragusa fuhren wir nach Korfu, welches eine Insel ist und auch in der Geograpfie steht. – Diese soll für gewöhnlich sehr schön sein, was wir aber nicht zu sehen kriegten, indem es regnete und wir in dem tiefen Lehm hacken blieben, worauf Vater sagte, es wäre geborner Weizenboden, und Mutter nachher den Schnupfen kriegte. – Von hier fuhren wir nach Ithaka, welches auch eine Insel ist, von welcher der Herr Subrekter uns schon in Rostock viel erzählt hatte, auch von Odysseussen und die Andern, den Herr Nemlich immer Ulysses nannte, indem er Vater das erklären sollte, was ich aber schon wußte. Vater hat das aber nicht All geglaubt und Jochen Klæhn auch nicht, nämlich von der Insel Poel, weswegen er sich derentwegen mit Herr Nemlichen beinah geprügelt hätte.« – »»Paul,«« säd Jochen, »»dat strik doch leiwerst wedder ut, dat künn doch wen tau lesen krigen un künn glöwen, ick makte nicks as Stänkeri.«« – »Ne,« säd Paul, de bi sin Schriftstelleri ok mihr för 't Schriwen, as för 't Striken was, »dat möt. Aewer ick will wat dortausetten, dat Du nich in Verlegenheit kümmst,« un hei schrew wider: »Jochen hatte aber Recht. – Na, büst Du nu taufreden?« – »»Ja, denn – is mi dat denn nu wider ok nich entgegen.«« – Un Paul schrew wider: »In der Nacht fuhren wir um das Kap Matapan herum, welches ich aber nicht zu sehen kriegte, indem Vater und Mutter mich zu Bette jagten, und welche das auswendigste Ende von ganz Europa ist, welches hier nämlich aufhört, und auf der Landkarte an der andern Seite nach obenhin erst wieder anfängt.« – »»Paul,«« säd Jochen, »»Du weitst, ick bün en seebefohren Minsch un möt dat weiten; Du seggst: ›fuhren wir um das Kap Mataplan herum‹, Du möst seggen: ›kemen wir in Sicht‹, so hürt sick dat.«« – »Je, ick heww doch nicks tau seihn kregen, ick müßt jo dor unnen in 'n Düstern liggen.« – »»Schadt nich! æwer jedes Ding will sin Recht hewwen.«« – – Paul ännerte denn nu sine Schrift un schrew wider. »Heute ist uns nun nichts weiter passirt, als einige Biester von Delphinen, welche sich um das Schiff herum tummelten, weswegen sie auch Tummler heißen; die Matrosen nennen sie auch Meersweine. – Es sind dies aber andere, wie Karl Beselin wie Kaninchens in einen Kasten hat; sie haben keine vier Beine, sondern Fische.« – »So!« säd Paul un läd de Fedder hen, »nu weit ick nicks wider.« – »»Ih,«« säd Jochen, »»'t is jo nu ok naug; æwer wullst Du woll nich noch en lütten Strämel von den Baron un Din Helene mit infleiten laten?«« – »Ick ward mi woll häuden!« rep Paul, »min Mutter würd en schön Gesicht dortau maken.« – »»Paul,«« säd Jochen, »»Du büst doch süs ümmer so klauk! – Ick möt mi doch wunnern, dat Du meinst, dat ick Di in Unverlegenheiten bringen ward, dat Du mit klore Würd' uns' Verswörung un wat wi süs noch weiten, upschriwen sallst. Ne, dat möt so fein stellt werden, dat kein Minsch dat marken kann, wat wi eigentlich meint hewwen. – Schriw Du man, ick will Di dictiren. »»Auf die ganze Reis' – hest Du dat?«« – »Ja.« – »»hat sich ein Gewisser – mit einer Gewissen bemengt – hest Du dat?«« – »Ja, æwer . . . .« – »»Lat doch! dat kümmt noch vel bistriger. – Bemengt – bemengt; abersten sie hat ihn veracht't und hat sich ümmer an einen andern Gewissen gerichtet – hest Du dat?«« – »Ja, æwer wer sall dat sin?« – »»Un dat weitst Du nich? un geihst hir up dat Deck herüm un markst nich, dat dat Franz Nemlich is?«« – »Ja, æwer . . . .« – »»Schrie wider, Paul! – Dieser Gewisse stickt sich ümmer roth an, und seine Augen sehn ümmer so glorig aus, wenn die Gewisse mit ihm spricht. – Hest Du dat?«« – »Ja, æwer hest Du dat markt?« – »»Schriw wider: Sie hat nichts davon gemerkt und ihn nicht estimirt; aber zwei Gewisse haben es gemerkt und sich versworen, daß ein Gewisser in Meckelnborg ihr zur Frau haben soll. So! nu mak en Punktum, un mi süll doch wunnern, wenn Din Mutter oder süs en anner Minsch hir dull oder klauk ut warden süll.«« Paulen was dese Anhang tau sinen Dag'bauk nich ganz mit, un slog – grad' as mi – dat Gewissen, dat hei sine taukünftigen Lesers eigentlich bedreigen ded: sin Dag'bauk süll eigentlich – so was dat Afkamen mit Muttern – nicks wider sin, as 'ne Reis'beschriwung, un nu mengte hei allerlei annern Kram dormit 'rinne, un düstere Schatten stegen – grad' as vör mi – vör em up, höllen em de Fust vör de Näs' un säden: »Täuw Du Racker! Wat gellen Di de Lüd' an un ehre Leiwsgeschichten? Hürt dat in 'ne Reis'beschriwung? – Du hest uns blot tau vertellen von Land un Water, von Kirchen un Städer un von de Inwahners, un wovon sick de redlich ernähren, un, wenn 't hoch kümmt, von 't leiwe Veih, wat dor begäng' is, un von dat, wat up de Feller waßt; kannst ok schriwen, wo vel Lohgarwers un Seepenseiders in 'ne Stadt sünd, un wat dat süs noch för allerlei Nutzbores giwwt.« – Un Paul ward seggen – grad' as ick: »»»Kinnings, slaht mi nahsten, irst lat't mi seggen: dortau bün ick tau dumm, dat krig ick nich farig,«« un wenn hei all up Universitäten Institutionen hürt hadd, hadd hei tausett't: ultra posse nemo obligatur , wat up dütsch heit: von en Ossen is nich mihr as Rindfleisch tau verlangen; un dorüm möt Ji denn ok bi Paulen un mi in Gelegenheit seihn. Dorüm makt uns kein scheiw Gesicht tau, wenn wi von Konstantinopel blot dat vertellen, wat uns paßt: dat de Gesellschaft bi nachtslapende Tid ankamm, dat sei an den annern Morgen dat guldne Hürn vör sick liggen sach, un dat de Anblick von desen Hawen un de ganze Stadt so was, dat woll Nümms em seindag' vergeten ward. – Ja, seindag nich vergeten ward! – As de ganze Gesellschaft up einen Hümpel was, treckte sei in fierlichen Uptog, æwer ahn allen Staat, denn 't was kolt, un de Meisten hadden æwer ehren Glanz enen grisen Ümslageldauk smeten, nah den östreichschen Konsul sinen Hus'. Ein Jeder hadd wat Besonders, up wat hei regardirte, un Jeder hadd sin Gedanken för sick, un wenn dese Gedanken all in Musik sett't un lud worden wiren, denn hadd Konstantinopel de schönste Katten- un Janitschoren-Musik tau hüren kregen, de all seindag' de Minschen de Uhren verdöwt hett. – Up dat Konsulat was för de Gesellschaft en grichschen Dollmetscher as Führer mitgewen, de sei in de för ehr bestimmten Quartire bringen süll. Dat was denn nu sowid recht gaud, æwer nu drängte sick Allens üm den Kirl 'rüm, un de dumme Kirl glöwte jo un woll, dat hei, Gott weit, wat för en grotes Dirt wir, un höll dor 'ne ordentliche Predigt, as wir hei de Apostel Paulus, de tau Athen vör dat Volk von den unbekannten Gott redte. – »Dat 's All dumm Tüg, un bang' maken gelt nich!« rep 'ne fette Stimm von achter her, »de Hunn' dauhn keinen Minschen wat, wenn ehr man Keiner up den Swanz un up de Beinen peddt; æwer denn biten uns' tau Hus ok.« – Allens dreihte sick üm un kek Unkel Borßen an, de dit spraken hadd. – »Bullebülderi« un so wider, un so wider, rep Unkel Bors den Dollmetscher up Türksch tau, wat so vel heiten ded: »Lægen verbidden wi uns, un ick ward uppassen.« De Grich' treckte denn nu ut Hochachtung sine Mütz vör Unkeln, un de ganze Gesellschaft treckte sei in Gedanken mit: »»Wat?«« frog dat unner enanner, »»dese olle, einfoltige Mann, de sick up de ganze Reis' blot mit Häunerfaudern afgewen hett, de kann Türksch?«« Un as nu gor tau Rum' kamm, dat hei in Konstantinopel, so tau seggen, tau Hus was, dunn let Allens den Grichen stahn un dreihte sick üm den lütten, dicken Middelpunkt von Unkeln sine Perßon. – So geiht dat in de Welt: wenn Einer man – un stünn hei up de ündelste Tram' von de grote Minschenledder – so vel Geduld hett, dat hei up den richtigen Tidpunkt täuwt, wo hei mit sine Weisheit tau Rum' kamen darw, denn sleiht hei dörch. – Unkel hadd dese Kunst verstahn un was dörchslagen, sogor bi sine Swesterdochter Hanning; denn de let Antonen sinen Arm fohren, drängte sick dörch den Hümpel, kreg Unkel sinen Arm fat't un säd: »Komm Onkel!« Denn nah sinen groten Erfolg in de türksche Sprak schanirte sei sick gor nich, em vör alle Lüd' as Mutterbrauder antauerkennen. »Und Du, mein Kind,« rep sei Helenen tau, »nimm den andern Arm von Onkeln und achte auf das, was er sagt. Vor Allem achte auf die hiesige Baukunst. – Es ist Schade,« säd sei tau Unkeln, as sei mit em un de Spitz von de Gesellschaft vörup trecken ded, »daß ich Hella nicht Privatstunden in der Baukunst habe geben lassen.« – Unkel gung nu de Stufen nah Pera 'ruppe voran un vertellte von allen Dingen, de ehr upstödden. – De lütte, thüringsche Kopmann stek männigmal sine Näs', as künn hei mit de hüren, tüschen Helene un Unkeln un säd denn: »»Ja, ja, der Herr Bars weiß Bescheid, der hat die Gewalt.«« – Up de annere Sid tüschen sine Fru un Unkeln stek af un an Anton sinen Kopp, dat hei ok wat profentiren wull, un as ehr 'ne grugliche, swarte Gestalt mit en witt verbünzeltes Gesicht entgegen kamm, de utsach, as wull sei Kinner grugen maken, frog hei: »Wat 's dat?« – »»Dat 's ein' von Ehre schönen Türkinnen, Herr Vedder.«« – »De heww 'ck mi ok ganz anners dacht,« säd Anton tau den lütten Kopmann. – »»Ich auch,«« was de Antwurt, »»oh, Ihr Männer! Ihr Männer.«« – »Schauderhaft!« säd Herr Gumpert, hei meinte æwer nich de türkschen Frugens, hei meinte den Stratendamm, denn hei hadd Likdürn'. – Herr Nemlich drängte sick an Helenen 'ran, un Jochen Klæhn säd tau Paulen, de mit em vörup lopen was: »»Paul, dat süll mi doch wunnern, wenn Du noch nicks markst, kik Franz Nemlichen mal an! Nu!«« rep hei un stunn still, »»un nu kik Di mal de beiden ollen Türken an! De beiden Kirls dragen hir en Mæhlenstein de Stufen 'ruppe. Ick heww doch Franz Blocken seihn, dat hei söß Schepel Arwten nah den Bæhn 'ruppe dragen hett; æwer Mæhlenstein' . . . .?«« – »Dat sünd armen'sche Lastdrägers,« rep Unkel em tau, »tau 'm Führen is hir dat nich, hir ward Allens dragen.« – »»Dat bemark ick!«« rep Jochen un schot vöræwer, denn em was 'ne ganze Ladenutrüstung, de vir Kirls dörch de enge Strat drogen, in 't Gnick fohrt. – De oll Jahn hadd sine olle Fründin, Tanten Line, unner'n Arm un was so fidel un lustig un makte so velen unschülligen Spaß mit ehr, un sei wedder mit em, dat sin Jochen, as hei sick von sinen Stot verpust hadd, tau Paulen säd: »»Paul, kik minen ollen Herrn mal an! – De Lüd' säden vördem, dat wir mit em nich richtig; ick segg æwer, dat is nu mit em nich richtig; ok würd mi gor nich wunnern, wenn hei up sine ollen Dagen de olle Dam' noch frigen ded.«« – De Gesellschaft deilte sick nu; ein Part würd in dit, dat anner in en anner Gasthus unnerbröcht. Unsere Bekannten, mit Utnam' von den Herrn Baron, würden All in ein Gasthus inquartirt, blot Fru Groterjahnen un Helene kregen ehre schöne, bequeme Wahnung grad'æwer bi 'ne östreichsche Putzmakerin, vörn nah de Strat herute. – Ach wat was Helene glücklich! Sei was up einige Tid den Baron los un kunn nu up de Hauptstrat von Pera herafseihn, wo alle Drachten un Völkerschaften von Europa un Asien sick stödden un drängten, wo vörnehme türksche Haremsdamen in sülwerbeslagene Kutschen binah ahn Sleuer seten un olle, ihrwürdig utseihnde Pascha's up lütte, dralle, arabische Pird' bedächtig de Strat entlang reden, wo fränkische Frugens in helle, sidene Kleder tüschen de swarten Späukgestalten von türksche Frugens sick licht dörchwünnen, as Blaumengirlanden an Gefängnißtrallingen; ehr was tau Sinn, as wir ehr tau Gefallen en groten Maskeradenball anstellt. – Ja, hir gaww 't vel tau seihn von den Höchsten bet tau 'm Sid'sten, hir kunn sick Einer in de heil'ge Sophienkirch henstellen un de ut einen Stein hau'ten Säulen anseihn, de de Kaiser Konstantin von den Dianentempel tau Ephesus un von den Apollotempel tau Delphi tausamen slept hett, un wenn hei en beten von Inbillungskraft hatt hadd, denn hadd hei en grot Stück von de grichsche Geschicht vör sick liggen seihn; oder hei kunn sick ok den irsten, besten, ollen, türkschen Daglöhner oder Kameeldriwer nemen un sick den finen Kaftan anseihn, un wenn hei denn ok en beten Inbillungskraft hatt hadd, denn hadd hei em ok ut de enzelnen bunten Flicken 'ne ganze Geschicht von den Puckel aflesen kunnt. Hir kunn sick nu ok ein Jeder utwählen, wat hei vör Allen seihn wull; de Ein' lep in den Bazar, de Anner red üm de Stadtmuren, de Drüdde besach sick dat olle Serail un de Virte Tophane; un wo de Gesellschaft sick wedder tausam finnen müßte, as bi dat Beseihn von de Sophienkirch un von den Soldan sin niges Theater, oder bi den Ritt von den Soldan in de Moschee un de Fohrt up de Bosporus, hadd ein Jeder so vel för sick tau regardiren, dat hei sick üm den Annern blitzwenig kümmerte; un wenn sick dat ok All recht schön vertellen lett, so bringt uns dat in uns' Geschicht nich einen Schritt wider, denn de Leiwsgeschichten stunnen hir in Konstantinopel vullstännig still, as 'ne Stuwenklock, von de de Gewichte afhängt sünd; ok stimmte dat Weder slicht tau Leiwsgedanken, denn 't was gruglich nattkolt, un wenn de Minsch bet an de Enkel in den Stratensmutz waden un up de Beinen regardiren un up den Taurop von de Lastdräger hüren möt, dat hei ut den Weg gahn sall, denn hürt hei in so 'n Larm verdeuwelt wenig von dat, wat dat Hart tau em spreckt. – So tau 'm Exempel stunnen bi den Soldan sinen Ritt in de Moschee uns' beiden verleiwten, jungen Herrn, de Herr Baron un Herr Nemlich, wid af von Helenen un früren in den Sneiregen, de von baben dal fisselte, Herr Nemlich an den Hals wegen den nigen Slips, de Herr Baron an de Fäut wegen de Glanzsteweln. Anton stunn ok wid af von sine leiwe Fru un sach sick vör Allen de lütte arabischen Schimmel an, de von de Leibgard' reden würden. De lütte, thüringsche Kopmann taxirte in de Geswindigkeit de goldne Tömung von de Pascha-Pird' un den groten Demantstirn, den de Soldan up de Bost drog, un rep ein æwer 't anner Mal: »Oh, Ihr Männer! Ihr Männer! – Ja, der Sultan hat die Gewalt!« Herr Gumpert säd: »»Schauderhaft!«« meinte æwer nich den Soldan, meinte dat Weder dormit, un Jochen Klæhn säd nicks un wunnerte sick. Unkel Bors stunn tau Fru Groterjahnen ehren Arger wid af von de Gesellschaft un hadd sick, indem dese Uptog nicks Nig's för em was, de Rockslipp vull Stuten köfft un fauderte nu stats de Häuner de willen Hunn', grad' as wir hei en ollen, verkledten, framen Muselmann, denn de erbarmen sick in dese Ort æwer dat hungrige Veih. De olle Dam' hadd sick vorher bi den grichschen Dollmetscher nah de Reihenfolg' in den Tog erkundigt, un kunn nu den ollen Jahn un Helene Omer Pascha un Fuad Effendi un de annern vornehmen Paschas wisen. Fru Groterjahnen, de nah lange Dag' Paulen mal wedder habhaft worden was, stellte sick, dat sei beter seihn, ok mæglicher Wis' beter seihn warden künn, mit ehren Sæhn up en Postament von 'ne Gorenmur, un de Beiden hadden nu, wenn sei de nimod'sche Kreolin' un den Regenschirm nich hatt, un Paul sinen Flitzbagen hatt hadd, för en Standbild von Venus un Amor gellen kunnt. De Soldan müßte sei denn ok woll so hoch taxiren, denn as hei vörbi red, kek hei sei stramm an, läd dunn de Fingern up de Bost un makte ehr as Muselmann sin Kumpelment; dat Snuwdauk smet hei ehr æwer nich tau. – Dit is denn nu noch bet up den gütigen Dag för ehr en reinen, schönen Quell von säute Erinnerungen, un wenn Anton nich will, wat sei will, denn süfzt sei irst, un denn kriggt hei 't tau hüren. – So vergungen de fiw bet söß Dag' tau Konstantinopel. – Fru Groterjahnen hadd in dese ganze Tid vorzüglich up Helene ehr Andringen ehren ollen Mutterbrauder in 't Strick, dat hei sei ümmer ledden un Allens wisen müßt. – Hei, Groterjahn, was ganz von Herr Nemlichen sine Erklärungen afsprungen, un hadd sick meistens ümmer an de olle Dam' wendt, wenn em wat düster vör de Ogen was, un dat was binah ümmer de Fall. De olle Dam' hadd denn nu ok Mitled mit em, dat hei dor nich as Blinn'kauh 'rümmer lep, un so kamm 't denn, dat hei ok ümmer mit den ollen Jahn tausamen was, un wil Fru Groterjahnen ehre Upsicht un Regiment fehlte, würden de beiden findlichen Bräuder tauletzt so umgänglich mit enanner, as wenn vördem nicks passirt was. – Groterjahn was noch en beten blöd' un unseker, Jahn æwer schanirte sick gor nich un bedrog sick so, as wahnten sei beid' noch tau Groten- un Lütten-Barkow, un sine Windhunn' hadden seindag' nich de Pagelunen dod beten. – – An den letzten Dag makte de olle Dam', de in ehre dädige Unrauh de Bekanntschaft mit einen dütschen Baukhändler makt hadd, den Vörslag, wat sei nich unner Anführung von desen fründlichen Mann mit ehr nah de asiatsche Sid, nah Scutari 'ræwer un von dor ut den Bugurlu-Dagh bestigen wullen. – De oll Jahn was dorbi glik up den Platz, un ok Anton was dat taufreden, indessen glöwte hei denn doch dat sine ehelichen Verhältnisse schüllig tau sin, dat hei sine Fru dese Extratur anzeigte un sei dortau ebenfalls upfödderte. – Hei gung also 'ræwer nah ehr Quartir. – All up de Trepp hürte Anton sine leiwe Fru ehre Stimm, sei predigte mal wedder; un wil Anton dese Wolldaht all so oft genaten hadd, un sin Gewissen in desen Ogenblick nich ganz fri was – denn hei hadd eigentlich vör, sine Fru de Reis' up den Barg so nattkolt un dreckig uptaudischen, dat ehr de Lust dortau vergahn süll – wull hei sick all up de Flucht begewen, as sine Jeannette ut de Stuw' kamm un von den Süll taurügg rep: »Und, mein Kind, dabei bleibt es, und ich werde mich sogleich an den Unternehmer und den Kapitän wenden.« – De Flucht was Antonen nu afsneden, hei müßt in 't Füer, un dat dat heit hergahn würd, kunn hei an sine Fru gewohr warden. – »»Was ist denn los?«« frog hei, as hei in de Stuw' kamm un Helene ganz benau't un bedräuwt sitten sach. – »Es sind Frauenangelegenheiten, Anton, und am besten ist es, Du kümmerst Dich nicht darum.« – Nu was æwer Fru Groterjahnen seindag' süs nich gegen Helene hastig, dit müßte em also doch upfallen, un hei fung an: »»Ja, aber . . . .«« – »Ach, Mutter verlangt . . . .« föll Helene in. – »»Mein Kind,«« foll nu wedder Mutter in, »»wenn Deine Mutter es für passend hält, Deinen Vater in unsere Unterredung einzuweihen, so wirst Du ihr das Wort lassen. – Die Sache ist diese: unsere Wirthin ist Modistin und hat die Lieferungen für viele Pascha-Damen, so auch für den Harem von Omer Pascha. Nun ist sie auf morgen Nachmittag dahin bestellt und hat sich freundlich erboten, mich und Hella dahin mitzunehmen. Ich habe das dankbar angenommen, und nun macht mir mein Kind Einwendungen dagegen.«« – »Ja, aber,« fung Anton wedder an, »das Schiff . . . .« – »»Ich weiß, was Du sagen willst, Anton: das Schiff soll schon heute Abend abgehen; aber ich werde mit dem Unternehmer und dem Kapitän sprechen, und diese werden nicht so rücksichtslos gegen mich sein, wie Du es gegen mich bist, Anton. – Und sollten sie es doch sein, so bleiben wir hier – es bleiben Viele von der Gesellschaft hier und fahren mit einem andern Dampfschiff nach. – Diese Gelegenheit zur Bildung meiner Tochter werde ich mir nicht entgehen lassen, und was kann für eine zukünftige Gattin bildender sein, als der Anblick dieser durch Männerroheit entwürdigten Geschöpfe in den Harems? – Mein Kind wird sich ein Beispiel daran nehmen; sie soll es besser haben, als ich, sie soll nicht so entwürdigt werden, wie ihre unglückliche Mutter.«« – Nu was sei, as Anton markte, in dat richtige Fohrwater, un hei hadd nu woll Pahl treckt, wenn em Helene nich tau sihr jammert hadd, hei fot also up 't Frisch wedder nah: »Meine liebe Jeannette, der Mensch soll . . . .« – »»Bleib mir mit Deinen Gemeinplätzen vom Leibe!«« unnerbrok em sine Fru – »»sie mögen für Paulen passen, für mich sind sie nicht.«« – »Mutter,« rep Helene, »liebe Mutter!« un sprung up un fot ehre Mutter üm, »ich weiß, Du meinst es gut mit mir; Du meinst es besser, als ich es verdiene; aber bedenke doch, was uns in den fremden Verhältnissen für Unannehmlichkeiten passiren können, und wir sind ohne allen Schutz.« – »»Schutz?«« frog Mutter, un richt'te sick in Enn', »»bist Du nicht im Schutze Deiner Mutter? Und Unannehmlichkeiten? – Wenn der Großsultan selbst Deine Mutter mit Achtung grüßt, so werden sich sein Untergebener, Omer Pascha, und dessen Frauen wohl hüten, sie anders als mit Auszeichnung zu empfangen.«« – Dorgegen let sick nu gor nicks seggen, ok Anton verzagte dorup, æwer mit Ingrimm wegen de Unmæglichkeit; hei fot den Drücker, gung ut de Dör, un de Ingrimm slog bi em dörch, hei stek den Kopp wedder taurügg dörch de Dörenritz un rep roh un plattdütsch: »Un dat Schipp geiht hüt Abend, un wi führen mit dat Schipp.« So! Nu hadd hei sinen Trumpf utspelt; æwer dese Anstrengung hadd em so in Upregung versett't, dat hei sick noch gor nich recht besinnen kunn, un dat hei luter verquere Antwurten gaww; denn as de olle Dam' em frog: »»Na, min leiw' Herr Groterjahn, Sei führen also mit?«« säd hei: »Dat Schipp führt hüt Abend.« – »»Nein, nein lieber Herr Groterjahn, das kleine Dampfschiff, welches uns von der Galatabrücke nach Scutari bringt, fährt in einer halben Stunde.«« – »Un nah Omer Pascha sinen Harem sælen sei nich! « – »»Wer will denn in den Harem? wi willen jo up den Bugurlu-Dagh,«« lachte Tanten Line. – »Un Helene sall dor nich hen.« – »»Mein Gott, wat is dit? – Wenn Ehr lütt, leiw' Lening mit will, worüm sall sei denn nich? – Nu kamen S' æwer; 't is de höchste Tid.«« – Na, tauletzt un tauletzt würd de arme Groterjahn denn doch so ruhig, dat hei æwersichtlich vertellen kunn, wo 't em gahn was. – »»Ehre Dochter is en lüttes verstänniges Mäten,«« säd Tanten Line. – »Un mine Fru?« frog Anton argwæhnsch, denn em gung dat ok so, as männigen annern Ehmann; wenn hei mit sine Fru tausam was, stred hei sick mit ehr, un wenn hei mit Annern tausam was, stred hei för ehr. – De oll Jahn un Jochen Klæhn un Paul, de sick up eigene Hand an Jochen anslaten hadd, wiren all vörup, un de Beiden folgten nu. – De Damper gung bald af, un ick segg nicks von dat eigene Gefäuhl, wenn de Minsch tau 'm irsten Mal den Faut in einen annern Weltdeil sett't, ick will blot seggen, dat de dütsche Baukhändler up Allens schön upmarksam un den Dollmetscher maken ded. De Gesellschaft führte nu dörch Scutari, wat in Verhältniß vel stärker von Türken bewahnt ward, as Konstantinopel, un wo sei noch vel strenger up ehre ollen Gebrüke hollen, as dor. – In den einen Einspänner satt de oll Jahn, Jochen un Paul; in den annern Tanten Line, Groterjahn un de Baukhändler. As sei ut de Stadt un von den Damm wiren, föllen de Rad' deip in den Leimweg, un de olle türksche Fuhrmann sprung von sinen Sitz 'runne un knedte bet an de Enkel in den Leim, dat hei sin lütt, tanger Pird dat lichter maken wull. – »Das freu't mich doch recht,« säd Groterjahn, »daß so 'n Türk doch ein christliches Erbarmen mit sein Veih hat.« – De Baukhändler lachte. – »Was lachen Sie?« frog Anton. – »»Herr Groterjahn, wenn die Türken nicht mehr Erbarmen mit ihrem Vieh hätten, als die Christen, denn hätte unser Fuhrmann wohl schon lange die Peitsche zur Hand genommen, aber, wie Sie sehen, führt er gar keine mit sich.«« – »Das wär' der Deuwel!« säd Anton, »womit treibt er denn das Pferd an, wenn's stätsch wird?« – »»Hören Sie nicht, wie er mit ihm spricht?«« – »Na, was sagt er denn?« – ›Schön, mein Apfelchen, schön, meine kleine Rose! Du kommst durch! – Nur Muth, mein Apfelchen! Nachher giebt's goldene Gerste.‹ – »Hören Sie, das ist mir doch sehr bemerkenswerth, denn haben Sie hier auch wohl einen Thierquälerverein, wie in Meckelnburg. – Neulich noch hat der, was der Öbberste von ihnen ist, Polonius aus Swerin, an mich geschrieben, was ich nicht auch in Rostock so einen einrichten wollte, ich habe aber man noch so viel was Anders zu thun.« – »»Einen solchen Verein kennt man hier nicht, die gute Behandlung der Thiere liegt bei den Türken in der Religion.«« – »Hm,« säd Anton, »das habe ich mir nicht gedacht, ich habe die türksche Religion für eine rechte blutgierige gehalten.« – »»In mancher Beziehung würden wir als Christen wohl nicht mit derselben tauschen können, aber an der gebotenen Freundlichkeit gegen die Thiere könnten wir uns immer ein Beispiel nehmen, und wie Sie sehn, unser Türke kommt mit freundlichen Worten weiter als ein mecklenburgscher Knecht mit der Peitsche.«« – »Ja, wahrhaftig!« säd Anton, »ein meckelnburgsches Pferd hätte in diesem tiefen Weg schon den Zug versagt.« – »»Un denn laten wi uns as Christen,«« frog de oll Dam', »»hir von dat arme Dirt dörchslepen? un schämen uns nich vör den Türken, de dor nebenbi wadt? – Holt!«« rep sei, un as de Türk dit nich verstunn, rep sei »»Purr!«« un makte den ollen Burßen so 'ne wunderbore Teiken un Maföken tau, dat de all allein ut reine Verwunnerung doræwer de Lin' antreckte. »»So!«« säd sei un sprung ut de Wagen, un stunn ok glik bet an de Enkel in den Leim; de Annern folgten nah, ok de ut den annern Wagen; un nu gung denn ein Waden dörch de deipen Weg' un ein Klattern dörch Steinbrüch un æwer Felsen los, dat dat Water unnen in de Stewel un von den Kopp as Sweit dallep. – Tanten Line makte æwer Allens tapfer mit dörch. – Un nu stunnen sei baben up den Barg; de Baukhändler hadd ümmer beden, sick nich ümtauseihn, æwer nu dreihte hei Tanten üm, un dor legen denn nu vör ehren Ogen all de Herrlichkeiten von dese Welt, nich as sei de Düwel unsern Herrn Christus wis'te tau 'm Verlocken, ne! as sei uns' Herrgott den Minschen wis't, dat hei sine ›Werke‹ un sine ›Stärke‹ erkennen mag. – Ja, dor, wo de beiden för de Minschheit wichtigsten Ird'deils sick scheiden, dor hett de Herr sine Hand vull Pracht un Herrlichkeit updahn un hett sei utschüddt æwer Land un Meer, dor hett hei 'ne Brügg spannt vull Licht un Farwen, as de Regenbogen, wo von de ein Sid de Religionen 'ræwer treckt sünd, dat de Wildheit tamm würd, un von de anner Sid Maud un Kraft, dat de Fulheit niges, frisches Lewen kreg. – Ja, dor lagg Konstantinopel as en groten Halwring, den sine Enns dat blage Water bespäulte, un de sinen höchsten Rüggen düster swarte Barg' infat'ten, mit all sine breiden Kuppeln un spitzen Minarets, un jeder Stein von ehr redte von dat, wat öltlings mal hir gescheihn was. – Dreih di rechtsch herüm! – Dor liggt de Bosporus! – Ja, wi Dütschen kænen stolz sin up unsern Rhein, dat wi em hewwen, un noch stolzer dorup, dat wi em uns nich nemen laten! æwer wat is de Rhein mit sine Borgen un Sagen gegen dit Water, an den sinen Burt mal Grichen un Perser un Römer un Venetianer un Türken, alle Völker ut unsere Welt, streden un leden hewwen? wo Gottfrid von Bouillon mit sine Krüzfohrers sin Lager slog un de Soldan Mohammed sin Pird up den Altor in de heilige Sophienkirch sin Fauder gaww? – Kikt wider, kikt wider! – dor liggen de beiden türkschen Festungen Rumeli- un Anadoli-Hissar so breitspurig genæwer, as hadd sick dat Türkenvolk dormit för ewige Tiden up dit Flag fastsetten wullt; æwer kikt wider! Dor achter liggt dat swarte Meer, wat den Namen mit de Daht hett, un dor achter – stahn de Russen. – Un nu kikt nich wider, denn dor achter swenkt sick 'ne Fahn dörch de Luft, wo uns' Herr Christus up malt is; hei hett æwer nicks dorbi tau dauhn, denn hei leggt sine Hänn' woll leiwer up dat Volk, wat an Muhamed glöwt, as up dat, wat mal einen Iwan geburen hett. – Dreih Di üm! – Nah linksch üm! – Dor liggt dat Marmormeer, de Propontis, süs in Licht un Rosenglanz, hüt æwer in deipen Schatten; un swart, as wiren 't Likensarks, swemmen de Prinzeninseln dorin, un sünd sei 't nich? – Dor begröwen de verkamenen, von de jitzige Welt verdammten Grichen-Kaiser ehre Döchter. – Schöne Döchter! – Un sei begröwen s grad' so, as unsere Meckelnbörgschen Eddellüd' ehre Döchter in Kloster Dobbertin un Malchow, un dachten ok nich doran, dat en warmes, lewiges Hart slicht mit 'ne Reknung stimmt, de ›zur Ehre des Hauses‹ upricht't is. – Aewer kikt wider! Dor strahlt Jug in witten Sneiglanz de kleinasiatsche Olymp entgegen! Hoch! Hoch! Dat hei Jug mal erinnern kann an de annern in Grichenland, wo mal öltlings Götter up wahnten. – Ja, seiht en Jug mal an, lang' an! Un denn lat't Jug mal von den Baukhändler ümdreihn, dat Ji achter Jug seiht. – Wat? – Dor liggt de Weust! de Weust in rosenroden Schin! – Uns' Herrgott hett sei in sinen Gnaden verklärt, un Abraum hett dorin wandert, un Moses hett de Gesetztafeln dorin dat Volk wis't, un Christus hett dorin den Düwel æwerwunnen. – Ach, all dat Schöne rechtsch un linksch, worüm sick Völker streden hewwen, wo Minschen up Minschen henslacht würden, dat Allens packt nich so, as wenn Einer dat Flag süht, worin ein einsamer Minsch wandelt in Gedanken, de tau Gott willen. – Tanten Line stunn un kek un kek, bet ehr dat Water in de Ogen stunn un sacht dal drüppte as en Mairegen, unner de sine Wolldaht Allens gräunt un bläuht tau unsern Herrgott sin Pris un Ihr. Dat wiren frame Thranen un unner ehren Segen bläuhten gaude Dahten tau Höcht, denn ehr warmes Hart was so kräftig un brav, dat em en frames Swelgen nich genäugen kunn; ehr Gefäuhl würd glik tau 'ne Daht, de sei an Minschen äuwen müßt. – »Ach,« rep sei ut, »dat is rührend, hir möt jedweder Minschenhart rührt warden! Und wer hier steht und dies sieht und dann noch Haß gegen seinen Bruder im Herzen trägt, de is nich wirth, dat em so 'ne Gottesgnaden æwerkamen.« – »»Sei hewwen Recht,«« säd de oll Jahn an ehre Sid un gung in deipen, gauden Gedanken von ehr furt up Groterjahnen tau, de en beten afsid stunn, ok in gauden Gedanken. – »»Groterjahn,«« säd hei, »»Anton! – As Du noch en unbedarwten, jungen Minsch wirst un Hülp bruktest un Hülp verlangtest, heww ick dunn nich tru un ihrlich vör Dinen Tun stahn un Unglück möt't, dat dat nich in Din Feld kem'?«« – »Dat hest Du dahn,« rep Anton mit den dat Hart weglöp, un slog in Jahnen sine Hand, »dat hest Du dahn as en truen, ihrlichen Fründ.« – »»Un is dat nich 'ne Sünn',«« frog de oll Jahn, »»dat wi uns dörch pure Kinnerien – denn sörre en por Dag' seih ick de Sak so an – hewwen utenanner bringen laten? – Ick was Schuld doran; æwer Du möst mit mi in Gelegenheit seihn, ick was nich fri, ick lagg in sworen Banden.«« – »Ne, ick was Schuld,« säd Anton, »æwer ick was ok nich fri: Du weitst, mit mine Fru . . . . un nu hett sei dat mit Dinen Korl un uns' Helene utfünnig makt, un hett sick dat mit den Baron in den Kopp sett't, un . . . .« – »»Lat dat, Anton! Dat steiht up de Taukunft. Nebenzwecken heww ick nich bi desen Schritt, den ick Di entgegen kamen bün, mi is allein dorüm tau dauhn, dat Du keinen Zorn mihr gegen mi in den Harten hest.«« – »Ne, dat heww ick nich; æwer nu kik mal mit mine Fru . . . .« – »»Ick weit Allens, wat Du seggen willst, Anton, ick will Di ok kein Ungelegenheiten mit Dine Fru maken, gah Du minetwegen, as vördem, still an mi vörbi; ick weit jo nu, wo Di üm 't Hart is,«« säd de Oll un gung. – Anton wüßt ok, wo em üm 't Hart was, em was tau Sinn, as wir dorch Jahnen sine letzten Würd' em en Zentnerstein von de Seel namen, denn bi all de Freud', de in em von wegen den Verdrag sprok, sprok ok ümmer de Angst vör sine Fru mit; em was, as stunn sei achter em un säd ümmer: schämst Du Dich nicht? Schämst Du Dich nicht? – 'T is recht jämmerlich, recht erbärmlich, dat de Minschen, wenn uns' Herrgott einmal ehre Harten rührt, dat sei fri æwer- un inenanner fleiten kænen, unsern Herrgott ehre lumpigen ›Wenn‹ un ›Aewer‹ in den Weg smiten un dat schöne Gottes-Geschenk glik in den Smutz von de Ird' herunnertrecken! – Ut de Himmel, in de sick de Gesellschaft 'rinne keken hadd, süll sei denn nu ok wedder up de Ird' taurügg treckt warden, un dit besorg Paul. – Kinner, taumal Jungs, hewwen för 'ne schöne Gegend In 'n Groten un Ganzen, un von den Indruck, den sei up dat Gemäuth makt, noch keinen Verstand; dat Enzelne in de Natur: en Gewitter, en hogen Fels, en Waterfall, en schönes Pird, en groten Bom, packt sei ebenso as de öllern Lüd'; æwer 't is, as wenn so 'ne unbännige Jungsseel irst von de Johren, wo de Leiw' in den Harten bläuht, tomrecht makt werden möt, dat sei willig de Herrschaft von de Natur üm ehr 'rüm æwer sich anerkennt, un dese sick ruhig in sick speigeln lett. – Paul hadd sick ok de Gegend beseihn, so gaud as Einer; æwer 't wohrte nich lang', dunn was hei iwrig dorbi, allerlei utländsche Blaumen tau säuken, un 't was en ollen gauden Jung'; denn hei wull sine Swester Lening dor 'ne Freud' mit maken, un dorbi stödd hei denn up en Busch von Hunn'-Kamellen – Wiß un wohrhaftig, 't wiren Hunn'-Kamellen. – »Jochen, kik, hir stahn Hunn'-Kamellen.« – »»Ja, Paul, dorför möt ick sei ok taxiren.«« – »Ja, wo kamen denn uns' Hunn'-Kamellen hir nach Asien hen.« – »»Ja, Paul, 't Takeltüg ward sick vel an Asien kihren! – Wo dat einmal Ort hett, dat schanirt sick gor nich. – Weitst woll noch, vör drei Johr up Jugen frischen Klewerslag tau Groten-Barkow? – Min Mutter seggt: de kann Einer ümmertau up den Kopp pedden je breider warden s' de sünd noch düller as Unvertrad'.«« – »Vatting, Vatting,« rep Paul un lep up sinen Vader tau, »hir stahn ordentliche, natürliche Hunn'-Kamellen!« – »»Paulus, der Mensch soll den andern Menschen in einer schöne Gegend nicht in der Natur stören.«« – »Ja, Vatting, æwer nu möt wi doch nah Hus, 't is de höchste Tid, wi sælen jo tau Klock vir up 't Schipp sin.« – »»Ja, wahrhaftig, Du hast Recht,«« säd de Oll un kek nah de Klock. »»Wir müssen nach Hause,«« rep hei de annere Gesellschaft tau. – Un mit trurigen un sehnsüchtigen Harten nemen sei Afschid von dat Flag, un 't was. as wenn dörch de Seelen en schöne Gesang tönte, vull Erinnerung un Weihmaud, un ümmer wider, ümmer wider ut de Firn', bet hei tauletzt verhallte un sturw, un de Seelen in Truer let üm dat, wat west was. – Oh, worüm so bald, worüm so bald! – Paulen was nu grad' nich so tau Sinn; hei vermißte Jochen Klæhnen un rep: »Jochen kumm doch!« – »»Glik!«« rep Jochen un purrte up de Barg in de Ird' herüm. – Aewer 't wohrte nich lang, dunn kamm hei ansprungen mit en Hunn'-Kamellen-Busch, de hei mit Wörteln 'rute purrt hadd: »Da, Paul, den nimm Du mit.«« – »Wat sall ick dormit?« – »»Wat Du dormit sallst? – Den sallst Du Di in Groten-Barkow up 't Feld planten.«« – »Ih, dor hewwen wi naug von dat Tüg.« – »»Paul, wat büst Du dumm! – Süh, wat kann dat nich för en Stolt för Di sin, wenn Du in ollen Dagen mal dat ganze Feld vull Hunn'-Kamellen hest, un Din Nahwers kamen un lachen Di dormit ut, un Du kannst seggen: lacht Ji man, dat sünd keine gewöhnlichen, dese sünd von de aseatsche Ort.«« Paul namm ok richtig den Busch, säd æwer nicks, denn dortau was kein Tid, un wat hei nahsten den Busch in Groten-Barkow inplant't hett, so dat sick dor en sorglichen Landmann mit frische Hunn'-Kamellen-Saat versorgen kunn, weit ick nich; ick weit blot, dat dat nu tau Faut un tau Wagen æwer Hals un Kopp nah den Bosporus dal gung, un dat sick hir twei un twei in so 'n smallen, spitzen, türkschen Kahn sett'ten, den sei ›Kaik‹ näumen, un dorin nah Konstantinopel henæwer flitschten denn de Dinger scheiten so flink un so licht æwer dat Water hen, as de Swælken in de Luft. As Anton mit Paulen tau sine Fru ehr Quartir kamm, trippelte Herr Nemlich dor buten vör de Stubendör up un dal, un binnen höll Fru Groterjahnen wedder en groten Palawer, un mankedörch blaffte Unkel Borßen sine Stimm dortüschen: »Dat geiht nich, Hanning,« un »wi möten tau Schipp,« un »mak doch keine Sperenzen!« – »»Was ist los?«« frog Groterjahn Herr Nemlichen. – »Die gnädige Frau wollen nicht auf 's Schiff, sie wollen in den Harem.« – »»Ih, so soll doch . . . .«« rep Anton un gung in de Stuw', un dat nich mit vele Manir, denn hei hadd sick ut de Pust lopen un Allens, wat hei säd, bullerte hei nu herute, as wir hei in de höchste Wuth. – Mutter verfirte sick dägern vör Antonen sine Ort un Wis', Unkel stunn em tapfer bi un rep up Türksch ut dat Finster nah en Lastdräger, un Helene, de vörsorglich Allens packt hadd, läd sick up dat instännigste Bidden. Noch höll Mutter wacker Stand gegen alle Drei; æwer as de olle Türk noch dortau 'ruppe kamm, un Unkel em mit ›Büllebülderi‹ un so wider sine Befehle gaww, un hei nu mit Kisten un Kasten afslepte, dunn würd ehr de Aewermacht tau grot, dunn streckte sei 't Gewehr, halte ehr Snuwdauk ut de Tasch, fung an tau rohren un kreg 't mit Nerven. – Helene fot sei üm un wull sei trösten, sei weinte æwer den ganzen Weg nah 't Schipp, sei was tau sihr slagen; nich dat Upgewen von den Harem-Besäuk was 't, ne! sei fäuhlte, dat up dit Slachtfeld ehre Macht braken was. Oh, wat hadd de verwünschte Reis' ut ehr makt un ut Antonen! Wat sei ehr unner de Fäut wegtreckt hadd, hadd sei Antonen an 't Koppenn' taugewen, sei was lütt worden, un hei grot, de Fahn, de sei hadd sacken laten, swenkte hei in de Luft, »und roh,« säd sei vör sick hen, »setzt er den Fuß auf den Nacken der Besiegten;« – sei hadd nich mal mihr de Kurasch', dit lud' tau seggen. – Kapittel 14. Troja, Troja!– Was ist's mit diesem Troja? – Helene un Helehne. – Wat öltlings emanzipirt was, un wat nu emanzipirt is. – Dat Räthsel von Wulf un Kohlkopp un Lamm. – Fräulein Helene, ich liebe Sie. – Wo de grote Slang' achter Herr Nemlichen her krüppt. – Wo Jochen irst Dütsch mit Herr Nemlichen un nahsten Italjensch mit den Matterosen un den Kellner redt. – Paul up en Kameel. – Wo Jochen sin Zigarenstummel blew, un wo hei tauletzt ut 'ne türksche Waterpip rokt. 'T wohrte lang', ihre dat Schipp in Fohrt kamm, Allens was verdreitlich, dat Einen nich von den Kaptain de Tid an den Lann' günnt was, de hir nu mit Aewerburtkiken vertrödelt warden müßt. De Ein' wir noch so girn einmal üm de Sophien-Moschee, de Anner üm de Achmet-Moschee, de Drüdde up den Atmaidan herümmer gahn, de Virte hadd noch wat in den Bazar tau köpen vergeten, un de Föfte durte doræwer, dat hei hir up 't Deck mit luter Lüd' tausam stünn, de hei alle Dag' tau Berlin oder Wien seihn kunn, wildeß hei up de Galata-Brügg allerlei Mords-Kirls an sick hadd vörbi gahn laten künnt: Tscherkessen un Arnauten, Grichen un Parser, Kreter un Araber, swarte un witte, un gele un brune un gräune. – Na gegen de Nacht hen gung 't denn wider, un bi 't Morgengragen wiren de Dardanellen passirt, un nu gung 't an de kleinaseatsche Küst entlang. De Dag was för so 'ne Reis' schön, de Hewen stimmte in sinen Wessel von Sünnenschin un Regenschuer ganz gaud mit de bunte, terretene Küst un de Inseln, de dor herümmerlegen, un de Wolkenschatten, de denn un wenn æwer de Gegend flog, let den Sünnenschin up de Spitzen von de Sneibarg' heller lüchten un wid æwer de Schatten henstrahlen, as wir hei en Sänger ut de Vörtid, de von Gott entzündt, de Erinnerung an olle, mächtige Dahten in de Uhren von en düsteres, verkamenes Geschlecht sung. – Un grad' so, as vördem, bi Ithaka, gung 't hir von Mund tau Mund: »Troja, Troja, Troja!« – »»Was ist das mit diesem Troja?«« frog Anton Herr Nemlichen, de bi em stunn un all lang' dorup luerte, dat hei fragt würd. – »Ja, das ist:« fung Herr Nemlich denn nu sine Litanei wedder an un vertellte, wat em ut den lütten Petiscus tauflaten was. As hei æwer bi dat hölterne Pird ankamm, dreihte sick Anton falsch üm un brummte em æwer de Schuller tau: »»Diese alten Läuschen haben Sie mir bei der andern Insel schon mal erzählt, glauben Sie, daß ich so dumm bin, so'n Snack zu glauben?«« – Dormit gung hei af. – Helene hadd dorbi stahn, as de arme Minsch so vör den Kopp stött würd; ehr jammerte dat, un sei wendte sick an em: »Erzählen Sie mir das, Herr Nemlich.« – Herr Nemlich was sihr kränkt, hei was ebenso empfindlich, as jeder annere junge Minsch, de vel weit un sine Weisheit nich an den Mann bringen kann; æwer dese fründlichen Würd' ut desen fründlichen Mund versett'ten em mit einen Slag ut dat irdische Trübsal in dat Himmelrik, as dat ok woll annere junge Lüd' passirt wir. – Hei fung also wedder von vörn an, æwer en ganz Deil anners. – Wat hadd sine Vertellung för en Tog! Wo smet hei sick up! Wo swucht't hei sick mit Redensorten tau Höchten! De Leiw', de em in de Harten still upkint was, makte em tau 'n lütten Homer – man en ganz lütten, æwer 't was doch einer. – Un wenn hei von de schöne Helena vertellen ded, de hei ümmer › Helehne ‹ näumte – 't kunn jo sin, dat hei drist naug was, dat mit Afsicht tau seggen, 't kunn jo ok sin, dat hei 't blot in puren Unverstand ded – denn lücht'ten sine Ogen un schinten Helene grad' in 't Gesicht. – Un as hei nu mit sinen Vördrag farig was, dunn makte hei noch tauletzt 'ne schöne Nutzanwennung un säd: »Sie sehen, mein Fräulein, daß diese griechsche Helehne durch ihre Schönheit viel Elend angerichtet hat, wie auch der Herr Professor Petiscus sagt; was er aber nicht sagt, und was ich sage, ist, daß unsere meckelnburgschen Helehnen ebenso viel anrichten können.« Dorbi würd hei roth, makte en Diner, fot sick mit de rechte Hand tüschen West un Vorhemd, as hadd em dor 'ne Nadel steken, un gung as lütte Paris mit en groten Kopp un grote Fäut nah de annere Sid von den Schippsburt. – Helene kek em ganz kunsternirt nah: Herr Nemlich was so sonderbor west, sine Nutzanwendung so stripig, dat sei all beduren wull, em tau de Vertellung upföddert tau hewwen; æwer sei kamm nich dortau, denn Tanten Line kamm up ehr tau un wis'te mit helllüchtende Ogen 'ræwer nah de Küst: »Seihn S', min leiw' Dochter! Das ist der Tumulus des Achilleus; sin Grawwmal, min leiw' Dochter; æwer wat dat wohr is, weit ick nich.« – Un nu redte sei in ehre Ort wider von All dat, wat sei vör sick segen, von Simois un Skamander, de sei nich segen, un von Tenedos, dat up de rechte Sid lagg; un wischte so den Indruck von den Uptritt, den Helene eben hatt hadd, ut ehr Gedächtniß, un Herr Nemlich hadd up de Ort ganz ümsüs Paris un Helene spelt. Helene müßte nu nah unnen gahn, dat sei ehre Mutter 'rup halte, denn Fru Groterjahnen was noch in so 'ne desprate Lun', dat sei woll zornig up ehr leiwstes Kind worden wir, wenn dat nich Allens dahn hadd, wat dat ehr an de Ogen afseihn kunn. De arme Fru was sihr tau beduren, sei kunn sick in den Umswung, den de Sak namen hadd, nich finnen, un dorbi hadd sei tau ehren Unglück Verstand naug, vullstännig intauseihn, dat sei nah allen Kanten hen depossedirt was, dat sei seindag' nich wedder ehr schönes Rik in Scheiden un Grenzen taurügg erobern würd, un dat ehr nicks Anners æwrig blew', as Antonen hir un dor mal denn un wenn en lütten Stein up den Weg von sinen Triumpfwagen tau smiten. – Dit wull sei denn ok ihrlich dauhn, denn dat was sei ehren früheren Ruhm schüllig; sei säd æwer nicks von ehre Vörnemen, un as Helene 'runne kamm, satt sei dor mit tausamknepene Lippen, as wir sei 'ne Portmoneh von en Gizhals un wull nich, dat ehr kostbore Inholt för Jedwereinen up de Strat smeten würd. Blot, as sei mit ehr Kind de Trepp nah 't Deck 'ruppe gung, dunn lös'ten sick för den Ogenblick de Knippen von de Tasch, un deip un dump kamm 't ut den Grunn' tau Höchten: » Ich füge mich in Alles. – Mein Los kenne ich; aber mein Kind will ich vor einem solchen bewahren.« – Un dunn kamm noch wat von ›Löwin‹ un ›Junges‹ achter d'rin, wat tworsten nich ganz tau verstahn was, wat æwer doch sihr irnstlich meint sin müßte, denn, as sei up 't Deck, un de lütte, höfliche Kopmann ut Thüringen ehr mit en fründlichen Gruß entgegen kamm, grüßte sei em nich wedder un kek em mit so 'n Por fürige Ogen an, dat hei taurügg prallte un ganz ängstlich säd: »»Bette, bette! Bette recht sehr!«« un ehr nah kek un mit den Kopp schüddelte: »»Ja, ja! – Oh, Ihr Männer, Ihr Männer! – Ja, die Frau Grobian haben die Gewalt!«« – Baben stellte sei sick allein, fastslaten, in Slachtordnung up, un sülwst Helene, de ehr de einen Flügel decken wull, würd detaschirt, denn sei was tau tapfer, as dat sei en Hülpskur nödig hadd. – »Seihn Sei, min leiw' Dochter,« säd de olle Dam', as Helene wedder an ehre Sid stunn un ein' von de schönste Turen up de ganze Reis' ehr vör Ogen lagg, »dit is Lesbos un hir, de Fels, de sick hir in de See 'rinne reckt, dat is de Leukadische Fels, von den sick mal 'ne gewisse Perßohn, mit Namen Sappho, wat 'ne Dichterin west sin sall, grad' as Lowise Brachmann von de Gibichenstein bi Halle, in dat Water 'rinner stört't hett. – Sei seggen, dat sall ut Leiw' gescheihn sin. Glöwen Sei dat nich, min leiw' Dochter; dat möt 'ne snurrige Ort von Leiw' west sin. Die wahre, reine Liebe zerstört nicht, sie erhält, sie pflanzt und pflegt und wartet fromm und demüthig die Zeit ab, wo das Gepflanzte seine Früchte bringt. – Un nu denken S' sick en Frugensminsch, wat mit 'ne Leier in'n Arm von baben in dat Water 'rinner springt. – Na, wi dörben uns up Stunns ok nich vel doræwer monkiren, denn nu springen jo weck Frugenslüd' all mit de brennende Zigar in 't Water. – Sei nennen de Ort emanzipirt. – Minetwegen! Ick bün ok emanzipirt, mi hett dat Schicksal up minen eigenen Kopp stellt; æwer derowegen rok ick doch kein Zigaren un gah ok nich tau Water. – So 'ne Emzipatschon, min leiwe Dochter, is en slicht Geschäft, ick rad Sei nich dortau.« Je wider dat Schipp vorwärts kamm, desto schöner würd de Insel: en riken Kranz von Zitronen- un Pommeranzen- un Oel-Böm treckte sick üm den Faut von hoge Barg' bet an de blage See, un ut dat düstergräune Low lüchteten witte Städer un Dörper herute, un hoch æwer de fruchtbore Küst howen sick wild un terreten steile Barg' tau Höchten un reckten de witten Sneispitzen in Enn'. De höchste von ehr ward ok Olymp näumt; denn in Grichenland was dat öltlings Mod', dat jede Landschaft ehren eigenen Provat-Olymp hewwen müßt, un 't was dormit binah ebenso wid tau, as up Stunns bi uns, wo nu ok all binah jeder Schriftsteller sinen Provat-Parnaß hett, up den sine Spitz hei sick mal denn un wenn setten deiht un von dor mitledig up dat Gekrauwel von dat annere Wormtüg herunner kickt. – Den Abend smet dat Schipp Anker in den Haven von Smyrna, un wil dat tau 'm Landen tau späd' was, müßte sick de Gesellschaft bet tau 'm annern Morgen gedüllen. Dunn was 't æwer dorför ok en groten Upstand, un Allens drängte mit Gewalt un Hast, dat dat tau Boot kamm; ok Fru Jeannette was hüt vermorrntau tau rechter Tid up den Platz, un Paul rep sinen trugen Fründ Jochen von 't Boot ut tau: »So spaud Di doch, Jochen, un kumm! Hir is noch en Platz för Di.« – »»För ditmal nich , Paul!«« rep Jochen von dat Schipp herunner. »»Ick möt mi doch wunnern, dat Du dat nich gewohr worden büst, dat min Herr sick vörgistern up den ßackermentschen Barg' de ein' Stewelsahl afreten un gistern den ganzen Dag' dorup herümmer lumpt hett. Dat 's mi denn doch æwer tau respektirlich, ick will em 't oll Ding, so gaud as 't geiht, wedder fastmaken.«« – Ja, 't Gedräng' was grot un de Hast ok, un ok bi Fru Groterjahnen; denn as sei an 't Land kamm, hadd sei ehr Handbauk von Moritz Buschen æwer dat Morgenland vergeten, un as Helene sei doræwer trösten wull un ehr säd, sei süll man mitkamen, de annere Gesellschaft würd woll Bescheid weiten, un denn wir jo dor uterdem noch en Führer, frog sei ehre Dochter ganz spitz: wat sei, ehr Kind , ehr Vergnäugen doran hewwen wull, dat sei, de Mutter von dat Kind , mit 'ne Binn' vör de Ogen in 'ne frömde aseatsche Stadt herümlopen süll. – »Mutter,« rep Helene, »dem läßt sich ja leicht abhelfen, ich fahre zurück und hole de Buch.« – »»Ja wahrhaftig!«« knurrte dor wat los, »»und ich werde – äh – äh . . . .«« – »Danke! danke!« säd Helene tau den Herrn Baron, de sick dese Mäuh gaww un sick dese Umstänn' maken wull, »Herr Nemlich, nicht wahr? Sie sind so freundlich mich zu begleiten.« – Oh, Helene, Helene! wat büst Du dumm! – Hest Du meindag nich von dat Räthsel hürt, wo en Lamm un en Kohlkopp un en Wulf æwer dat Water führt warden sælen? Worüm führst Du nich mit den Kohlkopp von Baron? Worüm trugst Du den Wulf Nemlich? – Hei hett Di! – Kik, wo hei Di ankickt, as Du, Lamm, mit em nah dat Schipp 'ræwer führst, wo fast, wo seker! – Un Herr Nemlich was nu sine Sak ok seker: Helene hadd de Nutzanwennung von gistern verstahn un hadd sick hüt all em in de Arm smeten, un de Wulf lachte æwer 't ganze Gesicht un wis'te de witten Tähnen, Paris entführte Helena! Un an den Äuwer stunn de Baron un Menelaos un de Kohlkopp in eine Perßohn un tröst'te sick dormit: ick holl 't mit de Mutter! – – Lamm-Helene sprung de Trepp unner dat Deck dal, dat Bauk tau halen; Wulf Nemlich folgte, un unnen in de Kajüt, wo up Stunns keine minschliche Hülp aftauraupen was, stellte hei sei, un, stats sei nah ungebildte Wulfsort an de Gördel tau packen un tau wörgen, föll hei as gebildte Wulf vör ehr up de Knei un rep: »Fräulein Helene, ich liebe Sie! ich liebe Sie! Gott allein sieht . . . .« – Weg was sei, de Trepp tau Höchten, 'rin in de Boot, un dat Lamm was borgen. – Aewer 't was en ollen schönen Gott, de dat mit anseihn hadd; achter de Gardin' hadd hei sin göttlich Gesicht vörsteken un hadd en Stewel in de Hand, un kamm nu tau 'm Vörschin: »Na, Du makst Di gaud, Franz Nemlich! So bliw man noch en Strämel bi! – Ick ward mi nu mal vör Di henstellen un ward so dauhn, as wir ick Helene, un denn kannst Du jo Din Lex wider seggen. Du hest sei jo woll ebenso as de annern utwennig lihrt.« – Herr Nemlich was upsprungen un lep nu in de Kajüt herümmer, mit de Hänn' vör 't Gesicht, sine Backen brennten, sin Hart æwer noch vel mihr. »»Gemeiner Kerl,«« rep hei. – »Dat seggst Du , Franz Nemlich! – Süh,« was Jochen sine Antwurt, de sihr ruhig un halw mitledig tau Rum' kamm, »ick heww Di ümmer för dumm taxirt; æwer ick möt mi æwer mi sülwst wunnern, dat ick Di noch wid unner 'n Pris taxirt heww: Du büst jo dæmlich.« – Herr Nemlich rönnte de Trepp nah 't Deck tau Höcht; Jochen gung ganz sachting achter em her. Franz Nemlich kunn em nich entgahn. – Jochen was, as ein' von de groten Slangen, de ehre Row langsam æwer seker, ümmer Toll för Toll, æwersluken. – Herr Nemlich was up 't Vörschipp lopen; 't wohrte nich lang, dunn kröp dese Slang' an em 'ranner un säd: »Ja, kik Du man, Franz Nemlich! – Süh, dor swemmt uns' Helene hen, un wi Beide sitten hir, as en por Maikäwers, de in 't Water follen sünd un Gott danken, dat sei noch en Ruhrhalm tau faten kregen hewwen.« – Herr Nemlich dreihte sick von em af, hei kamm sick gor nich as en Maikäwer vör, hei höll sick in desen Ogenblick för en Galeerenslaven, de mit en wohren Scheusal, mit en Afschum von de Minschheit up ein' Bank smädt was un wid æwer dat Water weg alle Glückseligkeiten liggen sach. – Hei lep nah 't Achterdeck. – Jochen kröp em langsam un seker nah. – »Franz Nemlich, süh, ick heww Di seggt, Du büst dæmlich. – Büst Du dat nich? – Wo kannst Du Dine Hand nah uns' Helene utrecken? – Süh, Du hest mi 't all oft unner de Näs' rewen, ick wir man en Bedeinter, un Du höllst Di jo woll all för so 'n rechten klauken Perfesser ut Rostock, de sick blot unnen an de Fingern tau strippen brukt, dat hei de Weisheit up Buddel trecken kann. – Dat schadt em æwer nich, Franz! – Dæmlich büst Du nu einmal west, dat 's gewiß, æwer wi hewwen doch einmal in de Schaul up de sülwige Bänk seten, un hewwen uns jo ok denn un wenn mal in aller Freud' un Fründschaft mit enanner schacht't, un süh, dat sett't unner dat Fell so 'n säutes, mitlediges Smolt an, so dat ick nich anners seggen kann, as. Franz Nemlich, Du jammerst mi!« – »»Dat hest Du gor nich nödig, mi tau seggen.«« – »So? also up de Ort? – Na, denn möt ick Di en beten drister un stripiger kamen.« – Hir richt'te sick Jochen so hoch in Enn' dat hei binah as ein von de Perfessers in Rostock utsach. – »Schämst Du Di nich, Franz Nemlich? – Irst löppst Du den ollen, ihrlichen Köster Beerbom dat Hus in wegen Munde, un settst dat Mäten allerlei in den Kopp wegen Zwiebelsdörp, un knapp büst Du æwer de meckelnbörgsche Grenz, dunn sleihst Du üm? – Oh, ick heww ok ümslagen: ick heww in Barlin 'ne ganz annere Ansicht von Apen un Boren kregen un hir von de Törken; æwer dat ick up de Infall kamen bün, dörch 'ne Frigeratschon en Gaudsbesitter tau warden un up den Landag tau kamen, dat is mi in de Seel nich infollen. – Na, de Landags-Herren würden sick æwer ok sihr tau Di freu'n.« – – Herr Nemlich lep up 't Vörschipp, Jochen natürlich achter em her. »Franz Nemlich, bedenk Di de Sak irst ordentlich, wat Du Landstand warden willst. – 'T is up Stunns ok nich mihr so; un denn denk mal an de gaude, leiwe Munde, un wat würd dat woll för en Elend warden in unsen ollen Köster Beerbom sinen Hus'. – Ja, kik Du man! – Dor leggt uns' Helene eben an. – Oh, Du Schapskopp!« – Herr Nemlich kek stiw un starr nah den Punkt, wo de letzt Funken von Helene verglummen was. – »Ja,« säd Jochen, »'ne schöne Gegend is dat hir, æwer dat heww ick nu ok all lihrt – ick lihr 't All! – De schönste Gegend helpt uns nicks, wenn wi nich mit uns' Gewissen in 'n Kloren sünd,« un de oll Jung' würd gor tau irnstfast utseihn. »Süh, Franz, ick bün man en dummen Bengel, man en Bedeinter; æwer, as ick all seggt heww, Du jammerst mi. Worüm? – Wil dat Du nah de Duw' grippst un den lütten Sparling ut de Hand lettst. – Du süllst de Grappen laten un Di mit de lütten Sparling en Nest in Zwiebelsdörp bugen.« – »»Ich muß an's Land!«« rep Herr Nemlich, »»ich muß an's Land!«« – »Wenn Du möst, Franz Nemlich, denn helpt dat nich, un ick ward mal mit einen von de Matterosen reden;« un dormit gung hei up einen von de italjenschen Schippslüd' tau, slog em up de Schuller, reckte den Dumen so æwer dat Water 'ræwer, wis'te up dat Schippsboot un halte för so en halben preußschen Daler Piaster 'rut. – Dat verstunn de brave Mann, un Jochen kamm an Franz Nemlichen 'ranner un säd: »Allens besorgt! Ick heww up Italjensch mit em spraken. – Süh, dor liggt dat Boot! Un nu kumm!« – Sei führten an 't Land; æwer, as sei anleggt hadden, was dor ok nich 'ne Spur von de Gesellschaft tau hüren un tau seihn. – Je, wat nu? – Herr Nemlich was tau sihr slagen, as dat hei sick vel üm ehre Verlatenheit kümmern süll; sine Gedanken floten in en bisterigen, unbestimmten Newel tausam, un blot ein Punkt kek dorute, de was dorför ok in en rechtes, schönes, helles Licht stellt: Du hest en schönen, dummen Streich makt! – »Ich muß und muß das Fräulein sprechen!« rep hei. – »»Dat Du noch mihr dummes Tüg maken wullst!«« säd Jochen, »»æwer Franz Nemlich, Du jammerst mi, un wenn Du mi verspreckst, dat Du Di wedder an den ollen Köster sine Munde 'ranner swenken willst, denn will ick mal seihn, wat wi de Schauw' nich updriwen kænen. – Wenn ick blot irst Paulen habhaft warden künn. – Na, täuw mal! De Markür hir in dat Wirthshus is en Italjener, hei redte irst mit den Matterosen, un Italjensch kann ick all en beten. – Kumm mal mit!«« – Hei gung nu an den Kellner 'ranner, nam de Fust un slog em ganz sachten dormit in 't Gnick, blot üm em upmarksam tau maken, langte in de Tasch un drückte em en por Piaster in de Hand; kek üm sick herüm, as söchte hei wat, makte dunn 'ne Bewegung mit de beiden Hänn' in de Runn' un treckte mit de Achseln, wat so vel heiten süll, hei wir sihr in Verlegenheit, denn hei seg' hir keinen Minschen, wis'te dunn mit de Hand rechtsch un linksch, ret dat Mul up un kek den Kirl grad' in 't Gesicht, wat de Frag' bedüden süll: »Wo sünd sei blewen?« säd æwer, üm de Sak em noch düdlicher tau maken, lud': »Dumme Hund, hest mi nu verstahn?« – Un de brave Italjener verstunn em: › canaglia! ‹ säd hei, stek æwer dat Geld in de Tasch un wis'te nu mit de Hand grad'ut un denn rechtsch un denn linksch un denn wedder ümschichtig anners, un Jochen nickköppte em tau, un fung an un ok frag'wis' tau wisen, un dunn nickköppte de Italjener wedder, un so redten sei mit enanner, un tauletzt säd Jochen: »So, Franz Nemlich, nu kumm! In dit oll Lock weit ick nu ok all gaud Bescheid.« – Un Jochen gung nu tapfer vöran, grad'ut de Strat entlang, un as sei tau Enn' was, stunn hei still un säd: »Je, Franz Nemlich, wenn 'ck em recht verstahn heww, denn müßten wi uns nu ok woll mal eins linksch swenken.« – Un dicht an sine Sid säd 'ne Stimm: »»Liebe Schwester, es sind Deutsche – lauter Deutsche – und dies sind Plattdeutsche.«« – »Wo, Deuwel!« rep Jochen. »»Mein Gott!«« rep Herr Nemlich, un beid' keken sick üm; un dor stunnen in de Husdör twei öllerhafte Mätens, so sauber un so rendlich in swarte, wullene Kleder, mit en slohwittes Dauk æwer de Kopp, un keken sei so fründlich an un so vull Freuden, as wiren sei olle Bekannte, un Jochen säd: »Ja, Madamming, Dütsche sünd auch mit mang, wir sünd abersten Mecklenbürger.« – Un de beiden Damen säden, so vel sei wüßten, wiren dat jo doch ok Dütsche, un nödigten sei fründlich 'rinne in ehr Hus, un Herr Nemlich kamm in en gebildetes Gespräk mit ehr, un dor kregen sei denn nu tau weiten, dat ehre drei Swestern von den Rhein her, ut Kaiserswerth, hir ut pure Minschenfründlichkeit för Christen un Heiden, Juden un Türken 'ne Schaul up ehre eig'ne, swacke Hand upricht't hadden, un dat Gottes Segen nich utblewen was. – As sei nu noch gewohr würden, dat de beiden ollen dummen Jungs hellschen in Verlegenheit wiren, woans sei ehre Gesellschaft wedder finnen süllen, schafften sei ehr en Führer an, en ollen Wiener Bierschenken, un as Jochen sick mit den bespreken wull, verstunn hei kein Wurt un säd: »Franz Nemlich, wi Meckelnbörger, seggen sei jo, sünd ok Dütsche, un dit will jo nu ok sick för en Dütschen utgewen, æwer ick verstah kein Wurt; hir kannst Du Di mit behewwen, mit de Italjener ward ick farig.« – – Un nu gungen sei mit den ollen, braven Wiener nah de Brügg, wo de Kameelen beladen warden, un Jochen säd: »Wenn wi Paulen drapen, denn drapen wi em hir, denn hei is sihr för Veih.« – Un richtig! Dor was Paul mang en Hümpel von Bedowinen-Arabers un satt baben up en Kameel, so reis'farig, as süll 't nah Mekka un Medina losgahn. »Gott bewohr uns, Paul,« rep Jochen, »Du schanirst Di doch gor nich. – Wo kümmst Du up dat Beist heruppe?« – »»Ick bün 'ruppe klattert.«« – »Wat sädst Du denn tau de Kirls?« – »»Ick säd nicks, ick gaww ehr en Drinkgeld.«« – »So,« säd Jochen tau Franz Nemlichen, »nu kann de all Törksch. – Wo sünd denn nu de Annern?« – »»Weit nich, Jochen.«« – »Na, denn kumm 'run, mit uns, süs verlöppst Du Di.« – Un sei gungen nu butwarts von de Stadt an de Barg' tau Höchten, indem dat de olle Führer sick nah den Weg befragt hadd, den de Gesellschaft namen hadd. – As sei nu so de Barg' tau Höchten stegen un den schönsten Sünnenschin, un de Stadt un de blage See mit ehre Inseln un rechtsch un linksch noch högere Barg' tau ehr 'ræwer keken mit so 'ne klore Farw', as wenn sei dörchsichtig was, un Herr Nemlich mit en deipen Süfzer still stunn, dat hei sin armes, bläudiges Hart dormit käuhlte, dunn stunn Jochen ok still un säd: »Paul, süll Di dat woll nich wunnern, dat hir un den Prillmand de Tüften all bläuhn? Un kik mal: de Gasten steiht all in Ohren! – Wenn 'ck dat min Mutter vertell, denn glöwt sei mir jo dat nich; æwerst Du hest dat jo nu ok seihn.« – »»Jochen,«« rep dat von wid her, »»Jochen Klæhn!«« – »Wat sall hei? Hir hängt hei!« rep Jochen taurügg. »Sall ick mi nu woll nich wunnern, Paul, dat sei mi in desen Gegenden ok all kennen?« – »»Jochen hir!«« rep dat wedder. – »Gott bewohr uns, dat is min Herr, un dor sitt hei baben mit de olle grise Dam'! – Nu kumm!« – Dormit smet Jochen sine Zigar weg, denn dit Geschäft hadd hei ok all lihrt – hei lihrte Allens – dormit hei sinen Herrn mit Anständigkeit unner de Ogen kem', un wull nu eben bargan, as Paul rep: »»Ne, Jochen, nu kik!«« – Un dor was würklich wat tau kiken: twei so 'ne brun angelopene Kreter- un Araber-Jungs un en wat stiwere Muhrenjüngling hadden sick dor in den krusen Poll un plückten sick de Feddern ut un slogen sick üm Jochen sinen Zigarenstummel, bet de swarte Muhr Herr dorvon würd un Jochen sinen Stummel vör sinen sichtlichen Ogen upfret. – »Gott, Du bewohre!« rep Jochen, »Franz Nemlich, wenn wi vördem beswören wullen, dat wat wohr un wiß wir, denn säden wi: ick bün en ewigen Deuwel un Füerfreter! Dor hest nu einen. – Swart süht hei ut as de Düwel, un Füer frett hei – frett 'ne Zigar up, as wir 't en Zuckerstengel.« – As de Gesellschaft nah baben tau den ollen Jahn an den Barg 'ruppe klatterte, säd Jochen ümmer vör sick hen: »Wo de sick woll wunnern ward! Wenn 'ck em dat vertell, hei glöwt mi jo dat nich; æwer – Gott sei Dank! – Paul is min Tüg'« un as hei nu baben tau sinen Herrn un de olle Dam' kamm, säd hei: »Herr, mitbröcht heww ick em nich .« – »»Wen, Jochen?«« – »Den Stewel, Herr. – Aewer besorgt heww 'ck em ordentlich: ick heww irst Ehren witten Strump antagen un de Stewel doræwer, un wo de witte Strump dörchschinte, dor heww ick Wichs upsmert, so dick, dat Einer hellschen nipp taukiken möt, wenn hei seihn will, wat Stewel un wat Strump is. – Aewer einen Annern heww 'ck uns mitbröcht, hir!« – un dormit slepte hei den ollen Wiener Bierschenken 'ranner – »de sall hir nu gauden Bescheid weiten, æwer, Herr, glöwen S' em nich, hei möt sick ümmer bi annere Lüd' befragen, un wer Deuwel kann den Dæs'kopp verstahn? – Herr, ick frag' den Kirl, wo dit oll Lock heit, dunn seggt hei: ›Smyrna‹ – Smyrna? is dat en Nam' för 'ne Stadt? – Ne, Tessin un Penzlin un Malchin, dat lat 'ck mi gefallen, æwer Smyrna?« un dormit gung Jochen af un resonnirte noch inwendig, grad' as so 'n ollen, trugen Hofhund, de dat Bleken besorgt hett un sick nu noch nich ganz tau Rauh gewen kann, dat em sin Geschäft von en Annern afnamen is. – Un dit was gescheihn: Tanten Line hadd de Aflösung æwernamen un hadd sick mit den ollen ›Bruder meiniges‹ – denn de olle Wiener was eigentlich en Kroat – in en dütsches un düdliches Verständniß begewen, un de olle Burß hadd so vel begrepen, dat hei de Gesellschaft von de Barg' wedder 'runner in de Türkenstadt un denn in de Grichenstadt bet taurügg in den Hawen führen süll, wo de Franken wahnen. – Na, dit geschach denn nu; æwer hir was dat doch en beten anners as in Konstantinopel; wenn ehr dor 'ne Törkin begegnet was, denn hadd sei ehr drist ankeken, un sei ehr ok, un de schönen Türkinnen hadden ehr ok woll männigmal en leiwliches, scheiwes Mul tau makt un de Tung' utreckt un ehr de fründschaftlichen Gruß ›Giauri‹! tauraupen; æwer hir was 't anners, hir dreihten sei ehr de Achtersid tau un stellten sick mit dat Gesicht in 'ne Eck, un Jochen säd gaudmäudig tau sinen ollen Schaulkameraden: »Franz Nemlich, kihr Di dor nich an, sei schaniren sick blot, un Du denk blot an den Köster sine Munde.« – So kemen sei denn nu an en törksches Koffehus vörbi, un Tanten Line rep: »Wir müssen Alles sehn. – Hier gehn wir hinein!« un dormit stakte de olle, tapfere Dam' dörch en hellschen dreckiges Vörhus dörch un rep: »Kommen Sie nur mit!« un as de Gesellschaft sick dor dörchslagen hadd, stunn sei up en wunderschönen Hof, de mit Marmor utleggt was, wo en käuhlen Springbrunnen sprung, un wo de schönsten Böm in hellen Bläuhen stunnen. – Ach, 't was en Gruß von unsen schönen, dütschen Frühling! – Un dor legen en por olle, ihrwürdige Törken un fierten ehren ›Kef‹ un rokten Toback, villicht ok en beten Opium dormang – wer weit 't – un twei Grichen seten dor un spelten Tarock un kregen sick af un an dorbi in de Hor un tulten sick – æwer de grötste Aewerraschung was doch för de Gesellschaft: dor satt de bunte Bottervagel von Jenenser Franken, Herr Beier, un Herr Gumpert un rokten Toback ut 'ne Waterpip. – »Wie geht's Ihnen, junger Freund?« säd de olle Jahn un gaww den Bottervagel de Hand. – »»Wunderschön,«« säd Herr Beier, denn hei was einer von de glücklich situatisirten Ick weit recht gaud, daß dit schöne Wurt nich ut Meckelnborg stammt; æwer, wil 't en Leiwlingswurt von den Herrn Commerzionsrath Schwofel is, »so habe ich den Wortschatz deutscher Nation damit zu bereichern gesucht.« Lüd', de seindag' nicks fehlt, wenn sei gaud mit Eten un Drinken besorgt sünd. – »Und Ihnen, Herr Gumpert?« frog Tanten Line. – »»Schauderhaft!«« was de Antwurt, un dat blasse Gesicht sach ganz nah de Antwurt ut. – »»Der Herr Beier hat mich dazu überredet, ich soll aus einer türkischen Wasserpfeife rauchen, und da soll ich den Rauch immer in die Lunge hineinziehen. – Zigarren rauche ich ja alle Tage; aber dies . . . .«« – »Herr,« säd Jochen un drängte sick en beten nah vörwarts, »Zigaren, dat heww ick nu all lihrt,« – un hei bet æwer de rechte Schuller 'ræwer – »Paul, Du swig ganz still! – Un wenn Sei 't verlöwen, Herr, denn bring' ick em dat Ding in den Gang', hei hett keinen Tog- un keinen Soghaken.« – Un dormit sett'te sick Jochen hen un rokte ut de Waterpip, un as Herr Gumpert sei nich wedder nemen wull, rokte hei tapfer wider un säd tau Paulen heimlich bi Sid: »Paul, wenn min Mutter dit so mit anseg', wat würd sei sick wunnern, dat ick nu ok all up Törksch roken kann.« – De Gesellschaft würd nu up desen schönen Hof so munter; de oll Jahn was so fidel, as wenn hei sinen Apen Zucker gewen hadd, hei spaßte mit Herr Beiern, un de bunte Bottervagel let mit sick spaßen; Paul stunn tüschen sine Knei un lachte em ümmer hell in 't Gesicht, un nu Tanten Line! – De olle Dam' was rein ut Rand un Band vör luter Freud' un Wollbehagen; ehr Hart flog gegen de ollen, magern Ribben, as müßte dat dor nah lange Johren mal dörchspringen un sick as en Kind mal in Bläuthen un Blaumen herümmer wöltern. – Aewer sei hadd ok Ursak dortau, denn Jochen Klæhn satt ehr genæwer un kek ümmer nah de beiden ollen Türken 'ræwer, de ehren ›Kef‹ besorgten, un makte den mæglichsten Versäuk, ehr Allens genau nahtaumaken, un as wull hei nu up de Letzt sinen ihrlichen, braven Christenglowen afswören un › All Illalah! Muhamed resoul Allah! ‹ raupen. – Wat ut en meckelnbörgschen Buerjungen Allens warden kann. – Aewer nicks is vullkamen in de Welt, keine Freud' unvergällt; achter de fröhliche Gesellschaft satt Herr Gumpert mit dat blasse, türksche Tobacks-Gesicht: schauderhaft! un achter em stunn oll ›Bruder meiniges‹ mit en Gesicht so suer, as 't Wiener Bier, wat hei hir vördem verschenkt hadd – denn hei hadd noch kein Drinkgeld kregen – un nu müßte de allerfröhlichste Gesell von de ganze Gesellschaft, Paul, noch en Stein in de klore Bek von de Fröhlichkeit smiten: »Ach, wenn Helening doch hir wir!« – »»Ja,«« säd de olle Jahn, »wenn de hir wir.«« – »Ja,« säd de olle Dam' un stunn up, »wenn de hir wir! – Aewer wi möten furt, wi möten gahn! Dat Schipp geiht af.« – »»Ja, ja!«« rep Allens un gung an de köpperne Schal', de an den Springbronnen hängen ded, un drunk un smet einen dankboren Blick up dat Flag, wo sei mal ut vullen Harten froh west wiren. – Blot Jochen Klæhn säd heimlich tau Paulen: »Paul, 't paßt mi nich ganz. – De oll Dam' hett woll recht, wi möten tau Schipp, un sei is kläuker, as ick sei vördem taxirt heww; æwer ick was in den besten Tog, un dat versäuk Di mal, so 'n Ding irst in den Swung tau bringen.« Kapittel 15. Athen, un wat de Piräus oder Warnemünn' schöner is. – Worüm de olle Dam' en Dolch tau sick steckt, un Herr Beier un Unkel Bors nich an 't Land willen. – De olle Dam' hofft up 'ne lütte Revolutschon, un Jochen Klæhn schellt up de Sniders in Athen. – Woans sick Sparta von 't Schipp ut utnimmt. – Methone. – Was war's mit diesem Pythagoras? – Anton vertürnt sick mit Herr Nemlichen dägern æwer de Seelenwanderung. – Herr Nemlich sall sick tau Abend de Harmonie der Sphären up 't Botterbrod smeren un en scharfen Kæm dorup drinken. – Corfu tau 'm annern Mal. – Jochen wünscht, dat sine olle Mutter bi em in 't Gras leg'. – Venedig. – De meckelnbörgsche Gesellschaft will sick hir verpusten, ok Herr Gumpert bliwwt hir. Also wedder up dat Schipp, dörch dat ägäische Meer, hen nah Athen! Ja, wenn ick nu so 'n uterwählten, klassischen Dichter wir, denn stellte ick nu den einen oder den annern ollen Bekannten, as Herr Gumperten oder ok minentwegen ok Unkel Borßen, oder wenn 't ok man Jochen Klæhn wir, achter dat Stüerrad von dat Schipp un gew' em 'ne Lyra in de Hand, dat hei sin Vergnäugen doran hadd: ›Arion war der Töne Meister, \&c.‹, – ›Delphine waren nachgezogen‹, æwer mine ganze klassische Bildung is mi mit dat sure Kommißbrod up de preußschen Festungen so versurt worden, dat ut säutes Smolt ranzig Fett worden is, un so was 't denn woll ut jichtens einen annern Grund bi de ganze Gesellschaft, denn wenn ok en ganzen Hümpel von ›Delphinen‹ üm dat Schipp herümmer spillunkten – de de Matterosen up klassisches Dütsch ›Meerswin‹ benäumen, so hadd doch Keiner up dat ganze Schipp – sülwst Paul nich – dat irnstliche Verlangen, sick up den nattkollen Puckel von so 'n wateriges Sänger-Roß tau setten un dor Lyra up tau spelen. – Annere Tiden – annere Lüden! – Aewer nich blot annere Lüden , ne, ok anner Bedüden . – Dit kunn de Gesellschaft recht seihn, as sei an Euböa vörbi führte – wat hadd de Tid un de verkamenen Minschen in dese Tid ut de Kurnkamer von Athen makt! –Ick heww all mal den Verglik mit de Lünebörger Haid' makt, bi Gelegenheit von den Karst, æwer so wenig as de Verglik dor paßte, paßt hei hir. Dor, in de glückseligen Gefilden von Gifhorn un Celle, bläuht frilich ok nich vel wat Anners, as Haid'krut, æwer de Minsch kann sick doch an de roden Bläumen freu'n, un wer en beten von Inbildungskraft is, kann sick mit sine Minona dorinne leggen un von Finghal un Vater Ossian drömen; hir sall hei 't woll bliwen laten, denn dat durntackige Tüg von Akazienstrüpp giwwt en slicht Lager för den Drom un för de Leiw' af. – Un nu wider! dor liggt Sunium, dat heit, dor stahn söß verlatene Säulen, de trurig herunner kiken in dat ewige Meer, as wiren sei Likenstein', unner de eine ganze Geschicht begrawen liggt. – Man wider! – Dor is Ägina, dor 's de Piräus! – »Paul,« säd Jochen Klæhn, »dit, seggt jo de oll Dam', sall jo woll nu noch ganz wat Besonders sin; kann ick just nich finnen: Warnemünn' is mi leiwer. – Un nu kik dit Volk an, wo sick dat hir mit de Kahns üm dat Schipp drängt! – Wo? dat is jo grad', as wenn wi hir enzeln up de Aukschon bröcht warden sælen.« – Un nu man 'rin in den Kahn, un denn man 'rin in den Wagen! – »»Tanten Line, was stecken Sie da zu sich?«« frog Helene. – »Blot en lütten Dolch, min leiw' Dochter.« – »»Warum das?«« – »Mi tau wehren, min leiw' Dochter. – As ick in Konstantinopel lesen heww, hewwen de braven Nahkamen von Aristidessen hir tüschen den Piräus un Athen vör acht Dag' en französchen Kaptain un twei Mann gefangen namen un in de Barg' slept, und ich will mich nicht gefangen geben; irst will 'ck mi wehren.« – »»Herr Beier,«« rep de olle Jahn, »»willen Sei nich mit?«« – »Ne. – De verdammte Kirl von Unnernemer hett uns all so oft bedragen, un nu hett hei dat wedder so inricht't, dat hei dat Middageten sporen will, dat schenk ick em nich.« – »»Ick ok nich,«« säd Unkel Bors. – De Herr Baron dacht jo woll ebenso, un en Stückener dörtig Annere ok; sei wullen irst morgen an 't Land. Un nu Athen! Un nu de Akropolis! – Un hir hadd sick nu Fru Jeannette Groterjahn up dat Popoläum in ehre Kreolin' hensetten un as nimod'sche Niobe dat Höwt verdecken künnt, un sei hadd Recht dahn: dor wiren de Fauttappen tau seihn von de groten Grichen, von Perikles bet up Demosthenes, un dor stunn dat Parthenon, as 'ne blasse Jungfru, de von eine schändliche Hand üm ehre Kleder un ehre Zierathen berowt is. – Nich de Tid hadd ehre dristen Hänn' doranner leggt; 't was de freche Hand von de Minschen, un von de wedder nich so sihr de Hänn' von de willen Gothen un Türken, ne, de von de gebildetste Utgeburt von unsere hütige Tid, von de Kunstsammlers, von den schottschen Lord Elgin un sine annere Röwerbann'. – Un hir kann Einer dat verstahn, wenn Lord Byron seggt: › quod non fecerunt Gothi, hoc fecerunt Scoti! « – Un nu dat Volk! – Gaude Lüd' un ok so 'n, de 't weiten kænen, wil dat sei lang' dorunner wahnt hewwen, hewwen mi seggt, dat de gemeine Mann ebenso gaud as annerswo ihrlich un tru is; æwer wat sick hir vörnehm schellen lett, dat 's denn so 'ne Raß', an de sick Einer Hänn' un Fäut warmen kann, de de Düwel ut Afgunst un Raffigkeit tau einen Klump tausam backte un nahsten mit 'ne Sauß von Niederträchtigkeit begaten hett. – Mit so 'n Ministerium in Athen hett dat ungefihr de sülwige Bewandtniß, as vördem bi uns Jungs up den Turnplatz: Einer stiggt up den Swew'bom, denn kümmt de Anner un sleiht em stracks herunner, denn kümmt de Drüdde un sleiht den Annern 'runner un so geiht dat Spill ümmer wider, recht fix un mit en forschen Grats. Blot mit den Unnerscheid, dat wi Jungs uns vorher nicks in de Tasch steken kunnen, ihre wi von den Swew'bom slagen würden. – Na, mit de Königs schint jo dat ok all so 'n förfötschen Anfang tau nemen. – »Min leiw' Herr Jahn,« säd Tanten Line tau den ollen Mann, as sei 's Abends unner einen swartblagen Hewen un grote Stirn', de vel schöner lüchten, as bi uns in den Nurden, dörch de Äolusstrat gungen, »ick bün mäud', wat hir in den einen Dag tau seihn was, dat heww ick seihn; wat meinen Sei? Will'n wi nich in uns' Gasthus taurügg gahn? – Sei sticken sick 'ne Zigar an, un wi setten uns en beten mit Helening up den Balkong, un wenn uns' Herrgott uns günstig is, denn günnt hei uns 'ne lütte Revolutschon; dat Weder is dortau andahn, un nah de Zeitungen hett dit Ministerium all gaud acht Dag' æwer de Tid regirt, för 'n jedes virteihn Dag' in 'n pohlschen Bogen berekent.« – »»Herr,«« säd Jochen, de bedächtig un tru achter den ollen Jahn herpeddte, »»dit 's en snaksches Lock. – Ick lat mi hir in den einen Kraug en Glas Win gewen wegen den Stohm, de mi up de Bost follen was, weiten S', wo dat smeckt? – As Bramwin un Tarpentinöl, wo wi in Lütten-Barkow bi de Klabensük de Ossen mit insmerten.«« – »Ih, Jochen, sei hewwen sick villicht in de Buddel vergrepen.« – »»Dor strid ick gor nich gegen, Herr; æwer mit de Sniders hir!«« – »Wat hest denn mit de? « – »»Ick för min Part nicks nich, Herr; æwer dat oll lütt Wormtüg von wrampige Rekruten, wat dor in de hellblage Mondirung 'rümmer exiren müßt – Gott bewohr uns! wo sach dat jämmerlich Volk ut: 'ne Matt Achterdeil un en Schepel Büx. – Herr, wenn 'ck dorgegen uns' Ort anseih, de will'n jo all dörch de Nath dörchplatzen, as 'ne Kastann' tau Frühjohrstid. – Ne, wenn ick hir so König wir – de verfluchten Sniders!«« – »Na, Tanten Line« lachte de oll Jahn, »Sei weiten so tämlich Allens, dit weiten S' doch nich; dit weit ick .« – »»Oh, ick weit 't ok,«« lachte de oll Dam' em entgegen, »»dat sünd de Uniformen von de ollen, groten, dicken Bayern, die haben sie nun den kleinen Nachkommen der Helden von Marathon und Salamis angezogen.«« – »Gott bewohre! – Sei weit Allens,« säd de oll Jahn. – »»Je, dei! «« säd Jochen. – Un as de Gesellschaft des Abends an den annern Dag wedder up dat Schipp stunn, un de Fohrt unner de groten Stirn' un den swartblagen Hewen üm Ägina herüm an de Küst von Argolis entlanke gung, dunn was 't, as wenn ok up den Unbedüdensten von ehr de Erinnerung 'ne lütte Slipp vull Weihmaud utschüddt hadd, un Allens kek rüggwarts, Keiner nah vör, Allens wull dat Land noch einmal seihn, wat in sine lütten, engen Scheiden un Grenzen mal so grot un so schön west was. Un villicht de Unbedüdenste von dat Ganze, wat Kunst un Wissenschaft bedröppt, was Unkel Bors; æwer hei hadd eben so gaud 'ne Erinnerung an Athen, as de Annern, un hei säd tau sine Swesterdochter: »Hanning, ick denk noch ümmer an den Dag, as ick hir tau 'm irsten Mal von den Piräus nah de Stadt as Handwarksburß mit den Ränzel up den Puckel 'rinner wannern ded. – Leiwer Gott! – Ick was dunn ok man noch so 'n lütten Setter un was ok nich gröter, as ick up Stunns bün; æwer ick hadd doch den Grats un de Drift, vörwarts tau kamen; æwer – Du leiwer Gott! – dor schaff mal Einer wat vör sick, wenn dat Volk sick nich wascht un kein Seep brukt un nicks brennt as Oel. – Ne, ick gung unner de Türken nah Konstantinopel, un dor is 't mi gaud gahn.« – Arme Unkel! – Nich, wil Du mal en verkihrten Trumpf utspelt hest, ne, wil Du Dinen letzten Trumpf utspelt hest, Din beten Türksch, wat hir nich mihr gelt. – Dine Swesterdochter hett Di, as 'ne utgedrückte Citteron', bi Sid smeten, denn sei hett den Baron fat't oder de ehr, un sei kiken Di Beid' an, as wirst Du so 'n lütten, fetten Schampinjon-Poggenstaul, de æwer Nacht upschaten is, in den æwer des Abends de Maden all kamen sünd. – Ne, Du gah hen un denk an Dinen Smerkram tau Swerin, un wenn Du Di en Vergnäugen maken willst, denn kannst Du ok an all de fetten Ossen von den Herrn Baron denken. – Ne, wi Drei, Mutter, de Herr Baron un ick, hewwen wat Anners up dat Tapet, wi wollen weisen Rath æwer den Herrn Baron sinen endlichen Andrag: wat hei nich . . . . un worüm hei nich . . . . dat heit in de negsten Dagen . . . . villicht in Venedig . . . . auf die Erfüllung seiner Wünsche . . . . das heißt, ohne Zwang auszuüben . . . . hoffen dürfte. – Un Mutter seggt: wat Sei dortau dauhn künn . . . . æwer ehr Kind wir tau indolent, un Anton tau obsternat un . . . . æwer wat Sei dortau dauhn künn . . . . æwer Venedig? . . . . Sei hadd den Bodden unner de Fäut verluren, sei müßte irst, as de berühmte Ries' Antonius – so näumte sei em –, vaterländisch-meckelnbörgschen Grund unner ehre Beinen fäuhlen, ihre sei ehren eigenen Antonius, de sick up de Letzt as 'ne Ort von Herkules upsmeten hadd, besiegen kunn. – Un ick, as de Drüdde in den Rath, segg: Essig! – Kikt Jug doch mal üm: dor steiht Helene un hett den Kopp an de olle Dam' ehre Bost leggt un klagt ehr ehr Led, dat sei nu den letzten Notanker, Herr Nemlichen, verluren hett, un de olle Dam' seggt, sei süll ehren Haken in ehr Holt anslagen, dat wir olt un tag un höll wat. – Un dicht dorbi steiht Groterjahn mit Jahnen, un Groterjahn seggt tau Jahnen: »Wo is Dich, Jahn?« – Un Jahn seggt: »»Mi is, Groterjahn, as hadd des' Reis' ut min en ganz annern Kirl makt.«« – Un Groterjahn seggt tau Jahnen: »Mich ist es auch so, Jahn.« – So, Fru Jeannette, dor stek Din Fingern mal tüschen! – Un achter up de Bänk seten noch Twei, dat wiren de beiden Verswurenen von dat Bucksprit, un Jochen Klæhn säd tau Paulen: »Paul, dor in Barlin, in den Apenkasten, in den Goren, dor heww ick bemarkt, dat de ein' Ap den annern ümmer an den Start fast höll un em gor nich los let, so dat sei ümmer tausam wiren, un so kümmt mi dat ümmer mit Din Mutter un den Baron vör.« – »»Du, Schapskopp, Du! Wo kannst Du min Mutter mit en Apen in en Verglik stellen!«« – »Paul, ick möt mi doch wunnern, dat Du so dumm büst! Du büst doch süs so klauk! – Mein' ick Din Mutter mit den Apen? – Ick mein jo blot den Baron.« – Un gegen all Dese willst Du Di upbömen, Jeannette Groterjahn? – Armes, swackes Gefäß! – Sei werden Di den Bodden inslagen, dat Du lack wardst, un Dine Macht un Herrlichkeit druppwis' in den Sand löppt, bet Du in den Sünnenschin von annere Lüd' Glück knakendrög dorsteihst, bet Du röppst: »Kinnings, üm Gottes willen, füllt mi en beten wedder up, ick müggt ok girn min beten Plesir hewwen!« – Un nu gung de Vullmand up, un sin Licht läd sick so vull un so weik up Meer un up Inseln un up de Küst un up den Wald von Argolis, wo mal in ollen Tiden Agamemnon, ›Haupt der Coalition,‹ tau Mykene, wat dunnemals Paris was, de trojanische Frag' studirte. – Aewer – ›doch des Kummers schwarze Wolke trübte seinen Herrscherblick, von dem hergeführten Volke bracht er Wenige zurück,‹ womit Schiller nah minen dummen Verstand woll Mexiko meint hett. – Ja, so weik un so vull schinte de Man', dat uns' braven Meckelnbörger sick ankeken un mit Koppschüddeln sick frogen: wat dit woll ehr eigen olle Stirnbarger Mæning der liebe Sternberger Mond; ein Reisender aus der meckl. Landtagsstadt Sternberg soll sich, so erzählt man, in der Fremde darüber gefreut haben, auch dort den »lieben Sternberger Mond« zu erblicken. wir, unner den sinen Schin sei sick mal verleiwt un verlawt hadden. Un in desen Twifel gungen sei tau Bedd. De annern Morgen, as de Dag gragte, stunn de olle, tapfere, grise Dam' all wedder up 't Deck un kek linksch nah de Venusinsel, Cythere, 'ræwer un säd tau sick: »mit Di heww ick nicks tau schaffen, ick will mal rechtsch nah Sparta 'ræwer kiken, wat ick dor woll wat gewohr ward, wat mi an de olle Tid erinnert.« – Un langsam kamm en fasten, sworen Tritt de Kajütentrepp tau Höchten, un licht un behend' folgte en annere, un de olle Jahn un Helening treden an de olle Dam' heran, un Jahn säd: »Segg ick 't nich? Dor is sei all wedder!« – »»Worüm nich? – As wi hir dunn vörbi führten, was 't düstere Nacht, un ick heww nicks tau seihn kregen; na, vel ward 't ok ditmal woll nich warden, gewiß noch weniger as tau Athen. – Hir, Herr Jahn,«« un dormit gaww sei den Ollen ehr Kikglas, »»kiken S' mal dörch – wat seihn Sei?«« – »Wat ick seih?« frog de Oll un schüddelte mit Lachen den Kopp. – »En ollen Thorm seih ick, den sei bi uns ›Fangelthorm‹ Gefängnißthurm oder Warte, Fanalthurm, d. i. mittelalterlich, um von dort Fanale oder Feuerzeichen bei drohender Gefahr zu geben. näumen, en por olle, hölterne Schuppen, un üm de herum en swacken Hümpel Schap', un wenn ick doræwer von hir ut mine Meinung afgewen sall, denn kann ick sei ok nich höger taxiren, as de in de Lünebörger Haid'.« – »» Peuple sauvage, nommé Haidsnuck, «« säd Tanten. – »»Leiwer Gott, wat is ut dit Land worden! – Sollte Einer wohl denken, daß die Menschen aus einem Lande, worüber Gott hier im schönen Süden seinen Segen mit vollen Händen ausgeschüttet hat, ein solches gemacht haben, wie wir's nur im hohen Norden, in den schottischen Hochlanden wieder finden?«« – »Na, dor sünd Sei doch nich west?« frog de oll Jahn. – »»Ne, min leiw' Herr Jahn, aber ich habe einen Lieblingsdichter, dat is Walter Scott, de hett mi vel von dat Hochland vertellt, un nu weit ick dor ganz gaud Bescheid.«« – »Und de ist Ihr Lieblingsdichter? – Meiner auch,« rep Helene, un de Ogen lücht'ten ehr, »und wenn Sie die beiden Länder mit einander vergleichen, dann können Sie' s mit den Völkern ebenso: Räuber sind hier und Räuber waren da, und – wie ich gelesen habe – giebt's hier auch Clane, wie im Hochland.« Un as sei dit seggt hadd, würd sei füerroth, as hadd sei unbescheiden ehre Weisheit tau Mark bröcht, un wendte sick af un gung up de annere Sid von den Schippsburt un kek 'ræwer nah Cythere. – »»Sei hett Recht,«« säd Tanten Line. – De oll Jahn stunn en Ogenblick in Gedanken un dreihte sick dunn snubbs üm un säd: »Tanten Line, Sei weiten, wovel ick von dit lütt Mäten holl, un worüm ick so vel von ehr holl; æwer ick müggt, dat sei ein einfach Kind blew', dat sei nich alltauvel wüßte, un dat sei mi nich in de Fauttappen von ehre Mutter peddte, denn de is hei denn doch tau klauk.« – »»Hm,«« hauste de olle Dam', »»ja, de Mutter weit von velen Dingen tau reden, æwer sei weit Alles halw, un wenn de junge Minsch – Nemlich heit hei jo woll? – sick en Frugensrock antrecken wull, un sei sick Hosen, denn süllen Sei lang' raden, wen Sei vör sick hadden. – Ne, min leiw' Herr Jahn, Ehr Helening weit vel mihr, as sei seggt, un dorup kümmt dat an. – Bi 'n Mann kann dat all recht verdreitlich warden, wenn hei æwer Allens in 't Blage 'rinner redt; aber bei einer Frau wird es geradezu scheußlich, wenn sie die halbverdauete Speise wieder von sich giebt. – Ne, min leiw' Herr Jahn, bi dat lütt Lening is dat nich so; sie war angeregt durch die Erinnerung an ihren Lieblingsdichter und platzte mit einer richtigen Bemerkung heraus, un nu, dat sei 't dahn hett, is ehr dat schanirlich, un sei wendt sick von uns af. – Twintig Johr un sæbentig Johr is en Unnerscheid: wi ollen Jumfern kænen mit Allens tau Rum' kamen, ahn dat wi nödig hewwen, uns de Mäuh tau gewen, roth tau warden.«« – De olle Jahn gung von ehr furt tau sin Helening un sprok sachte, fründliche Würd' tau ehr. – » Caffè nero! Caffè Bombay! « rep dat, un dormit würd dat gewöhnliche, dägliche Lewen von Berlin un Wien up dat Schipp versett't. – »Methone!« rep de tweite Kaptain, as sei an 'ne lütte Festung vörbi führten, de wid in de See 'rinner schawen was. – »»Was?«« dreihte sick Anton kort üm un wull sick an den Kaptain wennen, æwer den hadden all Annere mit Beslag beleggt, denn de armen Schippsoffizirers un Matterosen, de Dütsch künnen, wiren tau keine Stunn' ehres Lewens seker, sei würden von de Schipps-Gesellschaft as Maikäwers traktirt un würden Stück för Stück un Bein för Bein allmählich tau Dod' quält. Denn dat, woför wi as Jungs en rechten, gehürigen Puckel vull von uns' Öllern kregen, nämlich för de Dirquäleri, wenn wi Fleigen un Maikäwers de Beinen utreten, dat näumen sei up Stunns ›Forschungstrieb‹ un Wißbegierde‹, un de Ollen freuen sick doræwer un seihn in so 'n fiwjöhrigen Slüngel all den lütten Humboldt. – Antonen föll nu in, dat hei gor nich nödig hadd, frömde Lüd' tau fragen, hei hadd jo sinen Provat-Erklärer, Herr Nemlichen, de dorför betahlt würd. – Aewer, wo was Herr Nemlich? – Herr Nemlich hadd sick in de letzten Dagen bi sine Prinzipalität gornich seihn laten: Anton hadd em nich verlangt, Paul ok nich; vör de Fru Groterjahnen ehre Klaukheit hadd hei en heimlichen Grugel, un de , de un süs noch ümmer de Stang' hollen hadd, Helene, gung em ogenschinlich ut den Weg'. – Anton drop em denn tauletzt up dat Vörschipp, wo hei sick mang Tau- un Segel-Wark 'rinner pusselt hadd, as wir hei nu mit sin vergangenes, lichtfariges Bottervagel-Lewen affunnen un wull sick nu för en niges Lewen verpuppen. – »Sagen Sie mich mal,« frog de Prinzipal, »was is das mit diesem Ding da?« – Herr Nemlich wickelte sick ut sine anfungene Verpuppung 'rute un säd: »Methone, eine kleine, unbedeutende Festung, die kein Wasser hat, berühmt als Geburtsstadt des Pythagoras.« – »»Py . . . .? Py . . . .? – Wie heißt der Kerl? und was war's mit diesem Kerl?«« – »Pythagoras war ein berühmter Schulmeister im Alterthum, der eine eigene Schule gestiftet hat.« – »»Also 'ne Provatschule,«« säd Anton. – »Ja, und er verbot seinen Schülern, große Bohnen zu essen.« – »»Also was wir Saubohnen nennen. – Na, hören Sie, es ist doch markwürdig, sehr markwürdig, daß die Schulmeister in alter Zeit justement solche Grappen gehabt haben, als unsere auch. – Na, Art läßt nicht von Art.«« – »Ja,« säd Herr Nemlich en beten verlegen, »und denn hat er auch einen Lehrsatz gemacht, und als er den ausfündig gemacht hatte, da opferte er hundert Ochsen.« – »»Was? – En Provat-Schulmeister hundert Ochsen? – Herr, glauben Sie, daß ich dumm bin? – Sie fangen schon schön wieder an: da mit das Pferd und hier mit die Ochsen!«« – »Herr Groterjahn, ich sage bloß, was ich weiß, und mit dem Lehrsatz hat das seine Richtigkeit.« – »»Na, das will ich mich denn auch gefallen lassen, denn Sätze machen die ßackermentschen Schulmeister auch heut und diesen Tag noch. – Was machen die verfluchten Kerls so 'n Rittergutsbesitzer for Ärger! – Sie wollen sogar klüger sein als ihr Herr.«« – Herr Nemlich säd nicks dorgegen, hei treckte blot mit de Schuller un säd: »Und denn hat dieser berühmte Pythagoras noch zwei Dinge erfunden: erstens die Seelenwanderung, und zweitens die Harmonie der Sphären.« – »»Na nu halten Sie man an!«« rep Anton un kek in de blage Luft un ret dat Mul up, grad' as en Karpen, de tidlewens unnen up den Grund in den Slamm 'rümmer wäuhlt hett, un nu tau 'm irsten Mal ut den Dik in de frische Luft 'rinne snappt, »»Seelenwanderung – Was meinen Sie mit dieser Seelenwanderung?«« – »Je,« säd Herr Nemlich un würd ut natürliche Bescheidenheit ümmer lütter, »es ist ein sehr schwieriges Thema; aber es heißt ungefähr: wenn zum Exempel ein Thier stirbt, so fährt die Seele von dem Thier in ein neugeborenes Kind.« – »»Also, so herum! – Na, nu will ich Ihnen sagen, das ist wieder nichts als die niederträchtigste Demokraterie. – Also, wenn ich zu einem Ochsen von Tagelöhner sage, der Allens verkehrt macht: Kerl, Du bist en Ochs; denn stellt er sich vör mir hin, nimmt gar keinen Hut ab und sagt: dafor kann ich nicht, in mir ist mal eine Ochsenseele hineingefahren, und will der Kerl niederträchtig sein, denn sagt er: und die Seele von meinem Kammeraden auf der Hott-Seite, der is in Ihnen hineingefahren. – Und un prügel mal Einer so 'n Kerl! denn nimmt sich so 'n Kerl en Avkaten an, und dieser Kerl von Avkat beweis't am Ende, daß die beiden Ochsenseelen in uns hineingefahren sind. – Herr, Sie . . . . Sie frag' ich nicht mehr. – Ihre Harmonie – wie heißt's noch? – Spähren, die schmieren Sie sich heut Abend auf's Butterbrod und da trinken Sie en scharfen Kümmel drauf. – Mit Ihnen bin ich nu auch fertig.«« – – Gegen Abend kamm Zante in Sicht un den annern Morgen steg de Gesellschaft tau 'm tweiten Mal tau Corfu an 't Land, un Allens gung nu dörch de Stadt tau Höcht up de Barg'. Dor lagg dat blage Meer, un tackige Halwinseln un Spitzen un Felskanten un olle venetianische Muren un Thörm sprüngen dorinner vör, as wenn dit oll Gewes' wedder jung worden wir un müßt mal as jung Mäten in den Speigel kiken, wo 't ehr laten ded; un dor lagg de schöne Goren, wo sick mal de junge, leiwliche Kaiserin von Oestreich Freden un Gesundheit halt hett, un wat wi in den Nurden mit Mäuh un Noth in heite, dunstige Driwhüser tau halwe Kræpel upfäuden, dat wuß hir fri un frank ut Gottes Hand tau Höchten in den blagen Hewen un gaww sinen Dank as Wollgeruch an de weike, warme Luft af. – »Tanten Line,« rep Helene, »dies ist ein Stück Himmel auf Erden.« – »»Ja, min leiw' Dochter, hett sick baben loslös't un is hir in 't Water follen.«« – »Paul,« rep Jochen Klæhn un rekelte sick mang Zinthen un Akzischen, »rönn mi nich ümmer vör de Ogen 'rümmer, Du verdarwst mi de ganze Utsicht, legg Di hir bi mi dal un kik Di dat mal an. – Dit 's en annern Snack, as dunn, as wi hir in den deipen Leim 'rümmer knedten, as de Fleigen in den Honnig. – Ick glöw', so wat hewwen sei in Barlin nich mal. – Kik, süs hest Du ümmer de Appelsinen in en Korw seihn, un dor bammelte en oll Wiw an, un hir sitten s' natürlich an de Böm. – Paul, dit schriw in Din Dag'bauk un dor mak drei Krüzen bi. – Gott bewohr uns! wat min Mutter woll säd, wenn sei hir bi mi up den Rüggen leg': de Ollsch let jo woll Doden upstahn.« – – Aewer dat Schipp gung wedder furt, un de tücksche Adria kihrte sick nich an den sehnsüchtigen Blick, den Männigein taurügg smet up dat Stückschen Himmel; sei bröchte wedder Storm un Ungemack, un as tauletzt de Gesellschaft halw rädert un ganz seekrank in Venedig ankamm, säd Anton: »Jahn, wo is es mit Dich? – Unsereins hat doch Rücksichten. – Meine Frau will hier mit Helenen 'ne Zeit lang Akademie studiren und die Baukunst betrachten, und ich mich en bischen verpusten, un Unkel Bors will das Nämliche, denn, wie er sagt, ist er von unten auf rädert.« – »»Je, Groterjahn, ick heww ok kein Lust, mit dat Schipp wedder nah Triest taurügg tau führen un de sülwige Tur taurügg tau maken; ick bliw ok 'ne Tidlang hir, un min olle Fründin bliwwt ok hir.«« – »Is woll 'ne alte, plesirliche Dam'?« – »»Ja, Groterjahn, plesirlich is sei, för mi is sei æwer mihr, ick heww noch meindag' nich en Minschenkind kennen lihrt, wat so 'ne Gewalt up mi utäuwt hett, as dit olle, einfache Frugenstimmer.«« – »Denn is sie woll Eine von Die, die Romanen machen, as Burmeister Füllern seine Tochter aus Neubrandenburg, Louise Mühlbach (Clara Mundt, geb. Müller) [1814-73, Autorin von 290 Romanen im Geschmack ihrer Zeit] die sich ja, wie meine Frau sagt, ganz und gar auf diesem Fache gesmissen hat.« – »»Dat glöw ick nich, Groterjahn, dortau is sei vel tau bescheiden. – Ick glöw' sogar, sei les't nich mal en Roman.«« – »Denn laß Dir sagen, Jahn, denn ist sie auch man ungebildt. – Meine Frau sagt, wer nicht mit der Zeit vorangeht und die neuesten Produkte lies't, verdient gar nicht mal den Namen ›Mensch‹, womit sie mir eigentlich meint; aber – Du lieber Gott! – bei meinen vielen Geschäften, ich kann nicht dazu kommen. – Aber – Apropoh – wo wohnst Du?« – »»Ick wahn mit de oll Dam' bi einen Dütschen mit Namen ›Schwarznagel‹.«« – »Hm,« säd Anton, »Swarznagel, ja, das scheint mich en deutscher Namen zu sein; wir wohnen in einem italjenischen, entweder heißt er ›Lina‹ oder ›Luna‹; so herum ist es, ich muß mich aber genauer darnach befragen.« – »»Wahnt de Baron ok dor?«« frog de oll Jahn. – »Hm,« hauste Anton un kek den Ollen so en beten unseker an, »warum fragst Du darnach? – Hat er Dich auch angepumpt?« – »»Dat nich, Groterjahn, ick frog blot üm Din lütt Helening ehrentwegen.«« – »Das nehm ich Dich gut, Jahn, und – siehst Du – bloß um ihn los zu werden, habe ich ihm Geld gepumpt, denn er steckt mit meiner Frau immer unter einer Decke, und ich habe das so in's Gefühl, da kann ein großes Malheur aus entstehen, wenn sie zusammen was ausbrüten. Hat mich aber nich geholfen, denn der Kerl sitzt hellschen klew'an. – Unkel Borßen ist er auch mit allerlei Aussichten auf fette Ossen unter die Augen gegangen und hat ihn auch über'n Löffel balbirt.« – »»Weit ick,«« säd de Oll. – »»Wo wahnt Herr Bors?«« – »Wohnt auch bei einem Deutschen, mit Namen Bauer, und da wohnt auch unser Tischnachbar, der Herr Gumpert, der ümmer ›schauderhaft‹ sagt.« – »»Na, gu'n Abend, Groterjahn.«« – »Gu'n Abend, Jahn. – Na, wir reden noch mit einander.« – Un Jeder gung in sin Quartir. – – Kapittel 16. Worüm up den nigen Mark tau Rostock sülwerne Theelepel stahlen warden, up den Markusplatz tau Venedig æwer nich. – Worüm Herr Gumpert nich mihr ›schauderhaft‹ seggt. – Herr Gumpert, sluten S' des Nachtens ok Ehr Dör tau! – De Palast Pesaro. – De Rialto un de Jud' Shylock. – Dat Pund Eddelmannsfleisch taunächst den Harten un de arme Herr Nemlich. – Worüm bemengt sick de Herr Baron mit venetianschen Damast? – Tanten Line hett wat vergeten, besinnt sick æwer. – Herr Gumpert is unglücklich doræwer, dat sin Fründ en Lock in de Tasch hett. – Jahn schriwwt an sinen Korl, un sin Korl schriwwt an em. In Venedig gung nu jede Partie von de Gesellschaft ehren eigenen Weg; sei müßten sick æwer oft drapen, denn up den Markusplatz was dat Caffè Quadri, wo de östreichschen Offizirers ehren Verkihr hadden, un wo meistendeils dütsch redt würd, so 'ne Ort von Angelpunkt, üm den sick de utenanner sprengte Schippsgesellschaft dreihte. – Hir vör de Dör satt denn nu nah gaud acht Dag' eines Abends de oll Jahn mit Tanten Line un sinen Jochen üm einen Disch herümmer un eten en Glas mit Is, wat Jochen irst ümmer puste, as wenn 't em tau heit wir. – Jochen was mitdewil dörch de Reis' in en sonderboren Taustand versett't worden; hei was ut Rostock as Bedeinter afreis't, æwer hei hadd Tid un Umstänn' gaud utnutzt, un dat hadd den Anschin, as güng hei stark dormit üm, as en jungen Herr wedder dorhen taurügg tau kamen. – De oll Jahn hadd in sine Gaudmäudigkeit em de Tægel hellschen lang scheiten laten, un wenn nu de Bedeinter von vördem sine Schülligkeit ok tru ded un sinen Herrn up alle Tritten folgte un uppaßte, so gung em dat doch binah grad' so, as jennen ollen, meckelnbörgschen Pächter, de mal tau den Herrn Drosten un den Herrn Amtmann säd: »Je, mine Herrn, wo lang' is 't her? Dunn stunn ick bi Disch achter 'n Staul un müßt upwohren, un nu bün ick Pensionor un sitt mit de Herrn an 'n Disch.« – »»Jochen,«« säd de oll Jahn, »»gah mal nah de dütschen Kellner un segg em, wi wullen en beten hir up den Platz herümmer spaziren, hei süll herkamen un süll de sülwern Theelepel in Sekerheit bringen, de kænen hir jo stahlen warden.«« – »Herr,« säd Jochen, as hei von sinen Updrag taurügg kamm, »weiten S', wat hei seggt? ›Lassen Sie man geruhig stehen,‹ seggt hei, ›stahlen wird hier überall nicht.‹ – Na, doræwer möt 'ck mi æwer doch wunnern; dor süll Einer mal tau Rostock up den nigen Mark sülwerne Theelepel stahn laten, wo de woll blewen?« – »»Ja,«« säd de Oll, »»Tanten Line, dit 's ok würklich sonderbor: bi uns, wenn von Italjener de Red' is, denn heit dat ümmer Spitzbauben un Röwers, un nu hir . . . .«« – »Ja, wohr is 't,« säd Tanten Line, »æwer sörre gistern Abend weit ick den Grund. – Ich spreche nämlich gerne mit unserer Wirthin, die eine sehr verständige Frau ist, denn aus Volkesmund wird manch Geheimniß kund, un dor hett sei mi denn gistern vertellt, dat hir in Venedig dat Gesetz gelt, wer einmal hier auf dem Markusplatz gestohlen hat, darf nie wieder den Platz betreten, und weil dies nun so ziemlich der einzige Platz ist, wo Einer sick de Beinen en beten verpedden kann, so hött sick ein Jeder.« – »»Guten Abend,«« säd 'ne fröhliche Stimm achter ehr, un as sei sick ümdreihten, stunn Herr Gumpert vör ehr. – Mein Gott, wat was ut Herr Gumperten worden! – Weg was dat bleike Gesicht, weg was de Verdreitlichkeit, de wil de ganze Reis' em as en grises Spennwew' æwerspunnen hadd, un hei sach so fidel un kregel ut, as en ollen Junggesell von virtig Johren, de sick 'ne Brut von achteihn anhandelt hett. – »Na,« säd Tanten Line, »Sie sind ja gar nicht wieder zu erkennen. – Nich wohr, min leiw' Herr Gumpert? Hir is dat nich schauderhaft,« un dorbi smet sei so 'n dankbaren Blick up den Marmor-Platz, de von dusend Lichter belücht was, as wir 't en wunderboren Ballsaal, wo de Danz glik losgahn süll – de Musik was all dor, un 't swewte un wewte porwis up un dal, as wir 't de Anfang von 'ne Polonais', de alle Völkerschaften von Europa hir upführen wullen. – »»Nein,«« säd Herr Gumpert mit so 'n rechten, frischen Swung, »»ich bin hier sehr zufrieden, ich habe seit gestern einen Freund gefunden, einen wahren Freund.«« – »So?« säd de olle Dam', un Einer kunn 't ehr anseihn, dat sei sick æwer Herr Gumperten sin Glück recht von Harten freu'te. – »Wem der große Wurf gelungen, eines Freundes Freund zu sein, un so wider; un wer is denn dat, wenn ick fragen darw?« – »»Ach, Sie kennen ihn gewiß auch, es ist der Herr Baron, der Herr Baron von Unkenstein, der auf dem Schiff so viel mit der andern meckelnburgischen Familie verkehrte; man sagt ja, und er läugnet es auch nicht, und darum kann ich auch wohl darauf nachreden, daß die freundschaftlichen Beziehungen durch eine Heirath . . . .«« – »Ach, so herum,« föll em Tanten Line in 't Wurt, »na ja, wi weiten 't all. – Also de is dat!« – »»Ja, er wohnt mit mir Stube an Stube, und wir haben noch gestern Abend bis gegen ein Uhr vertraulich zusammen gesessen und da hat er wir denn sein ganzes Herz ausgeschüttet. – Ein edler Mensch!«« – »Ih,« rep de oll Jahn, de tauirst gor nich up dat Gespräk Obacht gewen hadd, æwer bi den Namen von den Baron verdeuwelt hellhürig worden was, »de wahnt jo in de Luna.« – »»Hat er auch,«« säd Herr Gumpert, »»er hat sich aber mit dem Wirth in der Luna verunwillt, und ist nun in's Hotel Bauer gezogen.«« – »So?« frog Tanten Line en beten sihr käuhlhaftig, »hett sick verunwillt? – Ja, so wat kümmt jo öfter vör, un de Gastwirtes sünd jo unner Umstänn'n nich sauber, un de in de Luna mag jo woll grad' so 'n Renommeh hewwen as vördem de Postmeister in Krossen. – »»Ja, er soll sehr grob sein. – Sie kennen den Herrn Baron nicht, wollen Sie mir nicht erlauben, daß ich Ihnen denselben vorstelle?«« – »Ne, min leiw' Herr Gumpert, von allen Gerichten möt en nich eten, dank vel mal. – Wi hewwen hir so vel Nig's tau seihn, dat uns nah nige Bekanntschaften nich gelüsten kann,« säd de olle Dam' un dreihte sick mit en Ruck nah em üm, dat sei em grad' in 't Gesicht seihn kunn un frog: »Sei sluten doch des Nachts, wenn Sei tau Bedd gahn, von binnen regelmäßig Ehr Dör tau?« – »»Ja, aber was . . . .«« – »Oh, nicks, min leiw' Herr Gumpert. – Ick heww blot up dat Schipp de Bekanntschaft von den Doktor Wille ut de Sweiz makt, der en braver Mann ist, der ein sehr braver Mann ist, un de hett mi seggt, dat hei Ehr Öllern kennen ded, un dat sælen rike Lüd' sin, un dor heww ick mi denn so dacht, de würden ehren Sæhn woll nich anners up Reisen schicken, as wenn sei em vörher ordentlich spickt hadden; und wo das Aas ist, da sammeln sich die Adler, un in so 'n Gasthof giwwt dat männigmal snurrige Vægel, ok Adlers. – Sei kennen doch den Dokter Wille? – De is dat mit de velen Smissen in 't Gesicht, de sei up dat Schipp den Spitznamen le Balafré gewen hewwen, un von den de Dichter Heine vertellt, dat sine Frünn' sick nich blot in sin Stammbauk, ne, ok in sin Gesicht inschrewen hewwen.« – »»Ja, aber ich weiß nicht . . . .«« – »Is ok nich nödig,« säd de olle Dam' un fot Jahnen unner den Arm un gung mit em af, »de Hauptsak is, sluten S' man ümmer Ehr Dör tau.« – Sei gungen nu noch 'ne Tidlang mit Herr Gumperten tausam up un dal un säden sick dunn gu'n Nacht. – Dat kunn woll en drei, vir Dag' späder sin, dunn kamm den ollen Jahn sin Wirth, Schwarznagel, tau em un frog, wat hei un de olle Dam' Vergnäugen doran hadden, de innere Inrichtung von so 'n ollen, venetianischen Palast tau beseihn, hei wir von eine Fomili ut de Luna dortau bestellt, dat hei ehr den Palast Pesaro wisen süll – denn de Mann was nebenbi ok noch Frömdenführer – un de Palast un sine Inrichtung stünn ogenblicklich tau 'm Verkop, un so künn ein Jeder em beseihn, un de Sak wir ohne vele Umstänn'. – Na, de beiden ollen Lüd' langten denn tau, as wir de Palast Pesaro en warmen Semmel; un as sei nu mit Jochen Klæhnen vör de Luna up un dal gungen, dat sei up de anner Gesellschaft täuwten, un sick nicks Slimmes vermauden wiren, strahlte Fru Jeannette Groterjahn in Sammt un in Sid' ut de Husdör, un Anton tüffelte achter her. As Fru Jeannette den ollen Jahn un de olle Dam' sach, dreihte sei sick snubbs üm un frog de Führer, sei hadd doch nah ehre Meinung em för sick un ehre Fomili bestellt, un wo denn dese frömde Gesellschaft dortau kem'. – Herr Schwarznagel was denn irst in 'ne lütte Verlegenheit, æwer so 'n Frömdenführer weit sick ümmer tau helpen, hei säd: as hei hürt hadd, wir de gnedige Fru 'ne Meckelnbörgerin, un wil sin Inliggers ok Meckelnbörger wiren, so hadd hei sick dacht, dit paßte tausam. – »Das paßt mir aber nicht! « rep Mutter; æwer dunn schow sick de olle dicke Anton dortüschen un säd sihr ruhig: »»Mich paßt es aber, und wenn die Beiden mitgehn, denn werd ich viel mehr Plaisir haben, als wenn ich mit Dir allein geh.«« – Un de lütte, säute Helene kamm un strakte ehre Mutter æwer dat Gesicht, un Paul rönnte an ehr vörbi un fohrte up Jochen Klæhnen los, un Anton säd: »So, nu man zu!« – »»Zum Hotel Bauer!«« rep Mutter. – »Wo so?« frog Anton. – Un Mutter makte ein Gesicht, as wir sei 'ne regirende Fürstin, un frog so spitz, as wir sei 'ne Schausterfru, de ehren Mann up unrechten Wehen bedrapen hadd: »»Wenn Du Deine Freunde um Dich hast, warum soll ich meine nicht um mich sehen? Wir holen dort den Herrn Baron ab.«« – »So,« fläut'te Anton, »also diesen wieder?« – Helene schudderte sick ordentlich un fot ehren Vader unner den Arm, un de säd recht weihmäudig tau ehr: »Dich ist es auch wohl nicht recht mit? – Aber Du weißt, Mutter hat jetzt wieder das Regiment, denn seitdem sie von's Schiff ist, fängt sie ganz nüdlich wieder an.« Na, de Herr Baron würd afhalt, Herr Gumpert kamm mit, un de Gesellschaft gung in den Palast Pesaro. – Hir was nu jedes Bild, jede Kasten, jede Staul mit 'ne Nummer un mit den Pris verteikent, un ein jeder demokratische Lump kunn nu de aristokratische Herrlichkeiten för fiw norddütsche rothbackige Sülwergröschen köpen. – »Ein jämmerliches Ende!« säd Tanten Line. »Sehn Sie mal den Canal entlang. Diese drei Paläste gehören der Taglioni, die hat sie sich mit ihren Beinen erworben.« – »»So,«« säd Anton un knöpte sick de Hosentasch fast tau, un smet so 'n forschen Blick up sine Fru, »»Du smeißst mir so 'ne sonderbaren Augen auf all die Kisten und Kasten, die hier aus alter Zeit stehen. Ich kaufe nichts nich! Das können wir viel billiger bei Pip-Smidt in Neubrandenburg kriegen.«« – Anton was de reine Opposition! – »Meine Herren,« säd de Führer, »nun gehn wir über den Rialto.« – »»So?«« säd Anton, »» der is das,«« as wir de Rialto 'ne Ort von Fründschaft von em, up den sine Bekanntschaft hei sick all lang freut hadd. – »Ja,« säd fr Führer, »und hier auf der Brücke sehn Sie Verkaufsbude an Bude, und hier soll auch der berüchtigte Jude Shylock früher hinter dem Ladentische gestanden haben.« – »»Shylock?«« frog Anton, »»en snurriger Name for en Juden, bei uns heißen sie alle Moses oder Levin oder Jakob oder so herum.«« – »Es ist dieses der berühmte Jude,« säd Herr Nemlich, de sin Brod as Erklärer nich ümsüs vertehren wull, »der nach den Gesetzen das Recht hatte, sich von einem vornehmen Edelmann ein Pfund Fleisch zunächst bei dem Herzen bei lebendigem Leibe auszuschneiden. – Ich habe es selbst gelesen.« – »»Herr,«« rep Anton, brunroth vör Zorn, »»wollen Sie mich zum besten haben? – Wollen Sie, daß ich Ihre verdammten Lügen glauben soll?«« – De arme Herr Nemlich! – Helene kunn em nu nich sülwst mihr tröstlich tau Hülp kamen, sei läd ehre Hand up den Arm von den ollen Jahn un bed mit en Blick up Herr Nemlichen, »Onkel Jahn . . . .« – De oll Jahn verstunn dit ok glik, gung an Groterjahnen 'ranne un säd: »»Groterjahn, oh Groterjahn, lat doch; de Mann hett 't jo gaud meint, un wenn de Geschicht nich wohr is, denn is hei jo doch tauirst dormit anführt.«« – Na, Anton was kein Unminsch, sine Hitz was verflagen, un hei säd tau Nemlichen: »Na, lassen Sie man. Wenn ich's auch nicht glaube, so bin ich doch nicht bös darüber.« – Wildeß dit up de ein' Städ' passirte, süll up 'ne anner Städ von de Rialto noch wat Snurrigeres passiren. – Jeannette Groterjahn, de Herr Baron, Herr Gumpert, Helene un de olle Dam' wiren mit den Führer wider gahn, un as sei an 'ne Baud' vörbi gungen, säd Herr Gumpert: »Meine Damen, sehn Sie mal, was für reiche Seidenstoffe hier ausliegen.« – Jeannette kek mit hellschen begehrliche Ogen de Herrlichkeiten an un wis'te up en Stück kostboren Damast: »»Oh, sehn Sie mal, Herr Baron!«« – »Ja, meine Gnädige, das ist aber auch von der allerschwersten, venetianischen Seide, davon kostet die Elle gewiß drei Thaler. – Ich habe nur einmal . . . .« hir snappte hei af un würd æwer un æwer roth. – »»Herr Jesus!«« rep Tanten Line un slog sick mit de Hand vör den Kopp, un as de Gesellschaft sick nah ehr ümdreihte, sach sei blot noch de Rüggsid von de olle Dam', de snurstracks up den ollen Jahn losstürte. – »Sie hat wohl etwas vergessen,« säd Helene. – »»Ich finde es aber doch sehr unpassend, uns so zu verlassen,«« säd ehre Mutter, un fot den Herrn Baron unner den Arm un gung mit em vöran. – »Tanten Line, wat is Sei?« frog de oll Jahn, »wat iwern Sei sick? – Hett Sei wen wat dahn?« – »»Ne, ne,«« was de Antwort. – »Mein Gott, Sei sünd jo ganz blaß; so reden S' doch.« – »»Hir nich, hir nich! – Ick glöw', dit is en grotes Glück. – Min leiw' Herr Jahn, will'n von de Gesellschaft furt, will'n uns 'ne Gondel nemen, denn will ick Sei 't vertellen.«« – »Oh, ick heww Tid tau täuwen,« säd de Oll un winkte 'ne Gondel 'ranne, un as sei dorinner seten, frog hei: »Na?« – »»Dat 's kein Baron, dat 's ein Kopmannsdeiner.«« – »Wat?« frog de Oll hellschen iwrig, »meinen Sei den Baron von Unkenstein?« – »»Densülwigen.«« – »Tanten Line,« säd de oll Jahn, »Sei sünd 'ne klauke Dam', æwer dat kläukste Haun leggt männigmal doch in den Nettel, süllen Sei hirbi ok woll en beten in Bisterniß geraden sin?« – Tanten Line vertellte nu ahn alle Hitz un Upregung den Ümstand vör de Baud' mit dat siden Tüg un slot ehre Red': »»Herr Jahn, Sei weiten, dat ick de ganze Reis' æwer ümmer seggt heww, ick müßte den Baron all in minen Lewen mal seihn hewwen, ick wüßt em man blot nich hentaubringen. – Aewer so as hei von dat siden Tüg anfung, un wat de Ehl dorvon kosten ded, dunn wüßt ick sin Flag wo hei henhürt: hei hett vör en Johrener vir oder fiw bi den Sidenhändler Kölzow in de Wismer in Konditschon stahn, den ick dunntaumalen grad' gegenæwer wahnte, un ick will Sei ok seggen, wo hei heit: hei heit Bössow. – Lieber Herr Jahn, wer verfällt darauf, zu Triest in einem Baron einen Ladendiener aus Wismar wieder zu finden? Un nu hett sick de Racker noch so 'n vörnehmen Bort stahn laten un hett sick en Kniper tauleggt un hett sick 'ne Sprak anwennt, as wenn en Apenpinscher gnurrt. – Nein, mein lieber Herr Jahn, ich irre mich nicht, ich habe ihn zu oft in der Thür stehen sehn, un heww mi oft naug æwer em ärgert, dat hei jedes junges Mäten ehren lütten, verdreihten Kopp dörch sine Kumpelmenten noch verdreihter maken ded.«« – »Wenn dat so is,« säd de Oll, »denn möt hir wat gescheihn, hir kann süs en Unglück ut entstahn. – Weiten Sei nich genau, wo lang de Groterjahns hir noch bliwen, un wecke Tur sei taurügg nemen willen?« – »»Wider nich genau as dörch dat, wat mi Helening seggt hett, un de säd, en teihn, twölw Dag' wollen sei hir noch bliwen, un denn wullen sei æwer Verona un Tirol wedder nah Hus.«« – »Na, wenn de 't seggt, denn ward 't ok woll so wesen. – De Ollsch künn frilich en Impaß dorin maken, denn sei hett ehre Mucken, un sei springt von de Stang' af, æwer wo 't up ehr Plesir ankümmt, dor höllt sei tanger wiß.« – »»Na, wat will'n Sei denn?«« – »Tanten Line,« säd de Oll un grifflachte so 'n beten, »Sei sünd so 'ne olle, klauke Dam', nu will ick mal seihn, wat Sei dit Radels woll raden.« – »»Na, will'n seihn,«« säd Tanten. – Den Nahmiddag let de oll Jahn sick Schriwgeschirr up sine Stuw' bringen un slot sick in, hei müßte also woll wat sihr Heimlichs vör hewwen. – Keiner kreg dat tau weiten; æwer wat wi Schriftstellers un Redigörs von de Zeitungen un Berichterstatters sünd, drängen uns in jedweder Geheimniß in, un as de oll Jahn sick tau 'm Schriwen hensett'te, kek ick em, ahn dat hei 't ahnte, æwer de Schuller un las sinen Breif. – Hei schrew: Mein lieber Karl! Steck Dir mal alsogleich 500 Thaler in preußischem Papiergeld in die Tasche, denn das steht hier augenblicklich sehr gut, und mach Dich reisefertig, und denn fahre mit den beiden Vorderpferden von unserm Kutschgespann – denn die sind am fixesten zu Bein – nach Wismar. – Ich weiß wohl, daß Du in der hildesten Frühjahrs-Saatzeit bist. Aber das hilft nicht, Gustav muß das besorgen. – In Wismar gehst Du zu dem Seidenhändler Kölzow – der Mann kennt mich von früher her und ist ein freundlicher und gefälliger Mann – grüß ihn von mir und frag ihn: was er nicht vor ungefähr vier, fünf Jahren einen sogenannten Handlungscommis, mit Nahmen Bössow, als Ladendiener gehabt habe, und wo dieser Mensch woll geblieben wäre. – Und wenn er Dir darüber Auskunft gegeben hat, dann gehe zu dem Potografen, Herrn Kälcke, und frag ihn, was er Dir nicht eine Potografi von diesem Bössow verschaffen könnte; ich wollte sie ihm gut bezahlen, und wenn Du diese hast, denn schreibe mir dies Alles ganz genau und schicke mir den Brief poste restante hierher nach Venedig; ich hole mir ihn dann selbst von der Post. – Dann setzest Du Dich auf die Eisenbahn, und fährst Tag und Nacht nach Verona in Italien, und logirst in Colombo doro , woselbst Du bleibst und mir Nachricht von da giebst, daß Du angekommen bist. – In diesem Gasthofe treffen wir uns, und Alles wird gut werden, mein lieber Sohn. – Die Geschichte ist bunt, aber ich habe unterwegs eine alte Freundin errungen, und die ist zu klug, als daß uns was fehlschlagen könnte. – Näheres erfährst Du perßöhnlich von Venedig den so und so vielten. Das Datum weiß ich nicht, denn wir leben hier in den Tag hinein, wie die wahren Taugenichtse.                             Deinem                     treuen Vater Joachim Jahn. As hei dit Schriftstück farig hadd, bröchte hei 't sülwst up de Post, un as hei sick nahsten Tanten Line upsöchte, sach sei an sine Minen un sin ganzes Wesen, dat hei recht sihr mit sick taufreden was. – Sei freute sick doræwer, frog em æwer nich, denn wenn sei ok Allens girn weiten müggt, so was sei doch grad' nich niglich. – In de irsten vir, fiw Dagen was de oll Jahn sihr ruhig un fröhlich, hei bummelte ahn alle Wedderred' tau Faut un tau Gondel in de Stadt un de Ümgegend herümmer, grad' as dat Tanten Line inföll. – Aewer, wo sei ok hen gungen, de Groterjahns dropen sei narens. – Un dat hadd sinen gauden Grund: Fru Jeannette hadd einen so 'n ollen, halw angefulten un ganz mit den Dummbüdel kloppten Burßen upgawelt, de sick Perfesser schimpen let, un hadd em för Helene ehre Bildung in Lohn un Brod namen. – Dit oll Worm hadd denn nu gegen so un so vel bor Geld verspraken, en ordentlichen Cursus in de Kunst mit Helene dörch tau maken, un wil dit Wurt Muttern vör allen Dingen geföll, was hei annahmen worden. – Knapp gragte de Morgen, denn rep Mutter. »Mein Kind, wir müssen uns rasch anziehen, wir müssen den Cursus beginnen.« Un denn gung 't nu los, denn gung 't mit strewige Schritten nah de sogenannte Akademie, wo de Perfesser all up sei täuwte, un Anton cursirte hellschen verdreitlich achter her; æwer man bet tau de groten Saal, wo de schönsten Biller von Titian hängen, nich grad' dat de 't am andahn hadden, ne, dor stunn en groten, weiken Diwahn, up den sett'te hei sick, schimpte tauirst inwendig up all de Perfessers un ehren Dræhnsnack, denn vör Allen up sine Fru un ehre Bildung, beruhigte sick denn bi lütten un slep tauletzt sanft un selig in. – Desto öfter dropen uns' beiden ollen Reiskumpans Herr Gumperten un den Herrn Baron, ok Unkel Borßen, wenn sei de Piazetta entlanke gungen, denn dor stunn Unkel Bors gewöhnlich mit den Puckel an 'ne Säul den halwen Dag' spaziren. – Un wenn denn de beiden ollen Lüd' den Weg entlanke gungen, denn kunnen sei all von Firn' seihn, wo de olle Knaw' sick freute, en minschlich Angesicht un noch dortau en meckelnbörgsches tau seihn, un wenn denn Tanten Line tau em säd: »Gu'n Dag, Herr Bors, mein Gott, sünd Sei noch hir?« – denn was de Antwurt: »»Wat sall ick dauhn? Wat sall ick maken? – Sall ick hir aftrecken, as de Katt von den Duwenslag, un mi dat Mul afwischen un seggen: gesegnete Maltid, Herr Baron? –Wer weit, de Kirl kann jo doch mæglicher Wis' noch betahlen. – Tweimal heww 'ck em all mahnt, denn kümmt hei mi æwer ümmer mit de verfluchten Fettossen, un dat letzte Mal säd hei, sin Fründ, Herr Gumpert, würd dat gewiß för em in Ordnung bringen. – De hett Geld, dat weit ick, denn uns' Gastwirth, Herr Bauer, hett mi unner de Hand vertellt, dat hei von em Dusend Daler in Verwohrsam hett. – Aewer wat helpt mi dat, de Mann is mi jo nicks schüllig, wo kann ick den anfaten? – Herr Jahn, dauhn S' mi den einzigen Gefallen – ick bün en ollen Fründ von Sei – nemen S' sick mi as Ogenspeigel un borgen S' den Kirl kein Geld, hei kann Sei mæglich ok mit Fettossen unner de Ogen gahn.«« – »Ne, ick denk,« säd de Oll, »ick ward mi woll häuden. – Aewer Sei wullen jo mit Ehren Avkaten reden, wat säd denn de? « – »»Ja, wat säd hei? – Dat 's ok so 'n Kujon! – Hei säd, wat ick glöwte, dat de Avkaten dortau in de Welt sett't wiren, dat sei de Dummheiten von aller Lüd' wedder grad' maken süllen? – Dor meinte hei mi mit. – Aewer nu kiken S' dor! – Dor kamen s' Beid' wedder an, Herr Gumpert un de Herr Baron. – Oh, Du verfluchte Karnallg', Du stehst mi all bet an de Hals!«« – Aewer nich ümmer was de Herr Gumpert mit den Herrn Baron tausam: einmal, as de oll Jahn mal wedder nah de Post lopen was, dat hei en Breif von sinen Korl afhalen wull – wat hei in de letzten Dagen däglich en por Mal ded – drop hei up den Rüggweg Herr Gumperten allein. – Up Herr Gumperten sin Gesicht was ogenschinlich wedder ›schauderhaft‹ tau lesen. – De Oll was gaudmäudig, hei bed also den jungen Minschen, hei süll mit em kamen, Tanten Line set vör 't Caffè Quadri, un dor wullen sei denn tausam 'ne Taß Koffe drinken. – Herr Gumpert ded 't; æwer as sei bi Tanten Line ankamen deden, stunn de oll Dam' up un säd fründlich tau Herr Gumperten: »Mein Gott, Herr Gumpert, was fehlt Ihnen? – Sie waren in der letzten Zeit so fröhlich, un nu seihn Sei wedder ut as en Pott vull Müs'. Wo haben Sie denn Ihren Freund?« – »»Freund? – Na, was heißt Freund? – Ich dank für solche Freunde!«« – »Wat? – Hewwen Sei sick mit em æwer 'n Faut spannt?« – »»Das grade nicht; aber sehn Sie, das ist 'ne karjose Geschichte: wenn ich mit ihm ausgehe und laß mir 'ne Tasse Kaffee geben, denn läßt er sich auch eine geben, und denn sagt er, ich soll für ihn auslegen.«« – »Na,« smet de oll Jahn hen, »dat 's doch ok kein Gefährlichkeit.« – »»Nein, das nicht, aber sehn Sie, dann kommt er und sagt, ich soll ihm so viel dazu geben, daß es einen Gulden macht, sonst vergißt er es.«« – »Süh,« säd Tanten Line, »up so vel Gewissenhaftigkeit heww ick den Herrn Baron gor nich mal anseihn.« – »»Ja, sehn Sie, wenn ich ihm den nun gegeben habe, dann kommt er nach kurzer Zeit wieder und fordert sich den Gulden noch einmal, er hat den ersten verloren, er hat ein Loch in der Tasche.«« – »En Lock in de Tasch!« rep Tanten Line. »Laten S' em dat doch tauneihen.« – »»Hüren S' mal, Herr Gumpert,«« säd de oll Jahn, »»sörre einige Tid heww ick de beste Meinung von de Minschen; æwer desen hir würd ick mi doch en beten von den Liw' hollen.«« – »Das sagt Herr Bauer auch. Herr Bauer sagt, mein Freund ist von dem Wirth in der Luna 'rausgeschmissen worden, weil er nicht hat bezahlen können. – Es ist ein großer Spektakel gewesen, bis zuletzt die Frau Groterjahn für ihn bezahlt hat.« – »»Denn laten Sei ehr: de Fru is olt naug, de möt nahgradens weiten, wat sei tau laten un wat sei tau dauhn hett; Sei sünd æwer en jungen Mann, de de Welt nich kennt, un so einen möten wi Ollen beraden. – Ick segg Sei, maken S' sick von den Kirl los.«« – »Das kann ich nicht.« – »»Worüm denn nich?«« – »Nein, er ist zu freundlich zu mir; er hat sich heute Morgen dazu erboten, er will mit mir auf eine Stube ziehn.« – »»Gott bewohr uns!«« rep Tanten Line, »»willen Sei denn abslut, dat eines Morgens Ehr Uhr un Ehr Geldbüdel un Ehr Kledagen fläuten gahn sünd?«« – »Das sagt Herr Bauer auch. Herr Bauer sagt: so was ist hier in Venedig gar nicht ungewöhnlich.« – »»Na, denn hüren S' doch up den Mann! Un nu will ick Sei wat seggen: nu gahn Sei nah den Kirl hen un seggen Sei em, dese Dam' hir un ick, wie hadden Sei den Rath gewen – hei ward uns woll kennen – Sei süllen sick von em los maken, un dat wullen Sei denn ok, un wenn hei wider wat wull, denn süll hei sick an uns wennen, wi wiren dortau in 'n Stand, em Ogen un Uhren en beten uptauknöpen.«« – »Das kann ich nicht.« – »»Worüm denn nich?«« – »Er ist zu freundlich zu mir, er hat mir gestern Abend noch angeboten, er will die ganze Reise durch Italien mit mir zusammen machen.« – »»Na, denn reisen S' mit Gott,«« säd de Oll, »»wen nich tau raden is, den is nich tau helpen,«« un ratsch dreihte de Oll sick üm un fot Tanten Line unner den Arm un gung mit ehr den Markusplatz dal. – »»Tanten Line,«« säd hei, »»nu weit ick gewiß, dat Sei Recht hewwen: dat is kein Baron, dat is en Swindler.«« – »Je, æwer de arme, junge Minsch!« – »»Vörlöpig is hirbi nicks tau maken; æwer wi möten up de Beiden en Og' hewwen.«« – – So vergungen denn wedder etzliche Dag'; de Oll lep ümmer wedder nah de Post; æwer tauletzt kamm hei mal recht fröhlich tau Hus, hei hadd en Breif in sine Bosttasch, un mit den gung hei denn up sine Stuw' un slot sick dor in un las: Mein lieber Vater! Den herzlichsten Gruß an Dich, mein treuer Vater! Oh, wenn Du wüßtest, wie oft und wie redlich und sehnlich ich an Dich und das Schiff gedacht habe, welches Euch nach Konstantinopel geführt hat! – Alles, was Du mir geheißen hast, habe ich nach Kräften besorgt. – Ich habe den Herrn Kölzow aufgesucht, der in freundlichster Weise mir Antwort auf Deine Fragen gegeben hat. – Ja, er hat vor ungefähr vier Jahren einen Ladendiener, mit Namen Bössow, in seinem Geschäft gehabt. Der Mann ist – wie er sagt – zuerst durchaus zuverlässig und brauchbar gewesen, da hat er sich aber einmal Urlaub, um seine Eltern zu besuchen, erbeten, ist aber nicht zu diesen, sondern nach Dobberan gereis't, und hat – wie Herr Kölzow nachträglich erfahren – dort an der Bank gespielt und eine für ihn sehr bedeutende Summe gewonnen. Seit der Zeit hat er das Geschäft durchaus vernachlässigt, hat hie und da herum gespielt, hier in diesem alten, ernsthaften Wismar selbst Bank aufgelegt, und hat diese Geschichten so weit getrieben, daß Herr Kölzow die Kondition ihm hat kündigen müssen. – Was weiter aus ihm geworden ist, weiß man nicht genau; Herr Kölzow meint aber, er habe gehört, daß er sich später in Hamburg und Altona als Spieler herum getrieben habe. – Bei dem Photographen, Herrn Kälcke, war die Erkundigung etwas schwieriger. – Er wußte freilich ganz genau, daß er die Photographie des jungen Mannes aufgenommen habe, aber die Platte war verloren gegangen, und da hieß es denn nun, an wen der Herr Bössow seine Photographie hier in Wismar vielleicht verschenkt haben könne, und dabei erinnerte sich der Herr Kälcke, daß vor einigen Jahren das Gerücht gegangen sei, daß Bössow mit der sehr schönen Putzmacherin Tz . . . in Verbindung stehe; wenn Eine , so müßte diese eine Photographie von ihm besitzen. Ich ging also zu diesem jungen Mädchen – Vater, Du weißt, daß ich niemals mit Putzmacherinnen Bekanntschaft gemacht habe, und deshalb war ich auch sehr befangen – zumal das Mädchen eine überaus liebliche Erscheinung war, schön, sehr schön, aber dabei einfach in Wesen und Worten. – Als ich bei ihr mein Anliegen vorbrachte, stand sie von ihrem Arbeitsstuhl auf, ging an eine Kommode und holte dort unter Flor und Gaze und verblichenen Rosen und zerbröckelten Kränzen ein Stammbuch hervor, schlug es auf, sah lange auf ein Blatt, nahm dann eine Photographie daraus hervor, und sagte: »Nein, Herr, er ist mein verlobter Bräutigam, und er hat mich belogen und betrogen und hat mich dann schädlich verlassen; aber dennoch – und obgleich Sie ein ehrliches Gesicht haben, und ich nicht glauben kann, daß Sie mit dem Bilde Mißbrauch treiben werden – dennoch kann ich mich nicht von demselben trennen. – Aber hier bei dem Conditor G. ist ein Mädchen in Condition, die besitzt auch ein Bild von ihm, und die wird das ihrige leichter hergeben.« – Und damit setzte sie sich wieder auf ihren Stuhl und kramte zwischen Zeugflicken und künstlichen Blumen herum und warf auf mich einen langen, traurigen Blick; den Blick vergeß ich zeitlebens nicht. – Vater, Vater, was Du auch vorhast, richt die Sache so ein, daß das arme Mädchen nicht noch unglücklicher wird. Mit der andern Mamsell ging's besser. Sie reichte mir mit Lachen die beiliegende Photographie und fragte, was ich mit dem Lumpen wollte, schenkte mir dann für mein Geld ein Glas Bischof ein, und ich ging mit meinem Geschenk von dannen. – Heute Abend mit dem letzten Zuge fahre ich ab, und wenn Du diesen Brief erhältst, werde ich wohl schon in Verona, in dem bezeichneten Gasthofe sein. – Jedenfalls schreibe ich gleich nach meiner Ankunft von dort an Dich. – Und nun ein baldiges, fröhliches Wiedersehn! Grüße brauche ich Dir wohl nicht aufzutragen! Lebe bis dahin wohl! Dein                   treuer Sohn Karl Jahn.         »Ja,« säd de Oll, as hei de Photographie ankek, »dat is hei. – Leiwer Gott! wat hadd hir för en Elend ut entstahn kunnt. – Un dat Allens blot, wil 'ne Mutter mit ehre Dochter höger herut will, as dat vernünftig un paßlich is.« – Nah ein por Dag' kamm denn ok en Breif von sinen Korl mit de Nahricht, dat hei in Verona richtig ankamen wir. – »Tanten Line,« frog de Oll, »hewwen Sei nich hürt, wennihr führen Groterjahns af?« – »»Aewermorgen, min leiw' Herr Jahn, Helening hett mi 't gistern seggt. – Ach, sei was so unglücklich: de Baron führt ok mit.«« – »Schönen Baron,« säd de Oll. – »Kiken S' hir!« un hei wis'te ehr de Photographie, »dit heww ick ut de Wismar schickt kregen, dat is dat Bild von Ehren Ladendeiner Bössow.« – De oll Dam' bekek sick dat Bild genau un frog dunn: »»Na, heww ick nu Recht?«« – »Sei hewwen Recht, un wenn 't Sei so paßt, denn führen wi æwermorgen ok.« – »»Minentwegen,«« säd de olle Dam' – – Kapittel 17. Sluß. Tau den fastsett'ten Dag' was bi de beiden ollen Lüd' Allens tau de Afreis' parat, dunn säd de Oll mit einem Mal: »Tanten Line, mit den irsten Tog kænen wi nich reisen, wi reisen mit den tweiten; ick heww noch wat vergeten, un dorbi möten Sei mi helpen, dat dat in de Reih' kümmt.« – »»Natürlich,«« säd Tanten Line, »un wat is denn dat?«« – »Frugenskram; ick will so 'n beten Putzkram för Frugenslüd köpen.« – »»Doch woll kein Mützen un Spitzen un Kragens?«« – »Ne, 't sall en Halsband sin un en Armband.« – »»Na, dor wenn'n Sei sick denn doch æwerst an de Unrechte. – Ih, ja, ich kann wohl sagen, was mir gefällt; aber was der Mode jetzt gefällt, davon weiß ich nichts.«« – Sei sælen ok man seggen, wat Sei geföllt. – Ick denk, wi gahn. – Un Jochen, Du, gah hen un säuk Di unsen ollen Gondelführer, un denn dragt dat Gepäck in sin Gondel, dat wi glik führen kænen un den tweiten Tog nich verpassen. – Du kennst den Burßen doch?« – »»Oh Herr,«« lachte Jochen, »»Italjensch kann ick jo all, un kennen dauh 'ck em ganz genau: mit Vornamen heit hei ›Novanto‹ un mit Vadersnamen ›Quattro‹ .«« – »Na, denn mak dat.« – As de Inkop in einen Juwelirladen up den Markusplatz besorgt was, gungen de beiden ollen Lüd' nah de Piazetta un sett'ten sick in ehr Gondel, wo Jochen all up ehr täuwte. Novanto Quattro führte los, den groten Canal entlang, nah den Bahnhof hentau. – Knapp wiren sei up de Hälft in de Gegend von den Rialto, dunn sus'te ehr dor 'ne Gondel mit twei Räuders vörbi, un wer satt dorin? – Herr Gumpert. – »De möt 't ilig hewwen,« säd de Oll, »will ok woll mit de Tog furt un hett sick in de Klock verbistert. – As sei up den Bahnhof ankemen, lep Herr Gumpert dor up un dal. – »Guten Tag, Herr Gumpert,« säd Tanten Line, »wenn Sie auch mit diesem Zug wollen, denn sind Sie viel zu früh gekommen.« – »»Wo will'n Sei denn hen?«« frog de oll Jahn. – »Ich? . . . . Ich will nach Verona.« – »»So? – Ih, denn reisen wi tausam.«« – »Wo haben Sie denn Ihren Freund?« frog Tanten Line. – »»Meinen Freund?«« frog Herr Gumpert, un dorbi lachte hei so gel'bunt in sick 'rinne, »»mein Freund ist auch in Verona; der Kellner in der Luna hat mir gesagt, er ist heute Morgen mit der Groterjahnschen Familie dahin abgereis't.«« – »Herr Jesus!« rep Tanten Line, »dat is jo en wohres Glück för Sei, denn laten Sei em doch dor; wat jagen Sei denn achter Ehr eigen Unglück her?« – »»Nein, das kann ich nicht, ich habe noch ein paar Worte mit ihm zu sprechen.«« – De Ollsch säd nicks, æwer sei makte ein hellschen ärgerliches Gesicht un knöpte un bünzelte mit Sleufen un Knuppen an ehren ollen Arbeitsbüdel 'rümmer, as süll de för de Taukunft dat unvermeidliche un unuplösliche Schicksal vörstellen. – Dunn kamm Jochen an un meldte, dat Gepäck wir besorgt, un hir wiren de Baljetts. »Herr,« säd hei, »denken S' sick mal, de ein' Kirl hir wull all uns' un de Dam' ehr Saken utpacken, un ick wull all grad' anfangen un mit em reden un hadd ok all en italjensches Achtgröschenstück in de Fingern, dunn fängt de Kirl mit enmal an Dütsch tau reden. – Na, ut Freud', dat ick hir en Landsmann drap, gaww ick em denn dat Achtgröschenstück, un weiten S', wat hei seggt? – Reisen S' mit Gott! seggt hei, Sie haben keine steuerbare Sachen, un denken S' sick, de Kirl hett gor nich visentirt.« – De Tog gung af, Herr Gumpert führte mit de beiden ollen Lüd' tausam; hei was æwer sihr still, un up sin Gesicht stunn wedder tau lesen: ›schauderhaft!‹ – – Gegen Schummerabend kemen sei in Verona an. – As sei vör de Colomba d'oro höllen, säd Jahn: »Jochen, besorg', dat uns' Gepäck tausam von den Wagen kümmt, un Sei, Tanten Line, gahn S' in de Gaststuw', ick ward för Sei 'ne Taß Koffe bestellen, un ward dat Quartir besorgen.« – De oll Dam' wull irst Inwennungen maken, sei wull dat besorgen; æwer Jahn led 't nich, un as hei de grote Husdel' entlang gung, begegnete em en Kellner, de Dütsch verstunn; un as hei den frog, wat hir nich sörre vir, fiw Dag' en jungen Mann ut Nurddütschland loschirte, un de all anfung: ja, dat wir woll de up Nr. . . . ., dunn stört'te dor wat de Trepp hendal, un Korl fot sinen Vader rundting üm un rep: »Vatting, Vatting, wat ick mi freu, dat ick Di wedder seih! – Vatting, Vatting, wo is Di de Reis' bekamen?« – »»Gaud, min Sæhn, sihr gaud! – Nu kumm æwer nah Din Stuw 'rup; ick heww Di wat allein tau seggen.«« – As sei baben wiren, kunn Korl sick nich länger hollen, de Thranen stört'ten em ut de Ogen, un hei frog mit bewerige Stimm: »Vatting, wo steiht min Sak?« – »»Min Sæhn, dat weit uns' Herrgott am besten; æwer so vel wi Minschen weiten, steiht Din Sak gaud.«« – »Vatting, ick heww sei seihn.« – »»Wen, Korl?«« – »Helene. – Ick was vördem all up den Bahnhof, wil dat ick glöwte, Du würdst mit den irsten Tog kamen; Du wirst nich dor, æwer sei was dor mit ehre Öllern un Franz Nemlichen un denn mit den Minschen, von den ick Di de Photographie heww anschaffen müßt. – Wat heit dit All?« – »»Dat kriggst Du All tau weiten, Korl. – Hewwen sei Di seihn?«« – »Ne, ick stunn ganz von Firn', un kreg sei ok man tau seihn, as sei in den Hotelwagen stegen, un as ick dor hen lep, führte de Wagen af.« – »»Loschiren sei hir?«« – »Ne, up den Wagen stunn ›Torre di Londra‹ .« – »»Dat is gaud. – Nu will ick Di æwer mal wat seggen: nu fat Di mal in Dine Unrauh. – Du weitst, ick würd Di meindag' nich bedreigen, un ick segg Di, Du hest kein Ursak, Di tau beängstigen. – Ick will hüt Abend hir mal minen Spaß hewwen, un dortau möst Du mi verhelpen.«« – »Vatting,« säd Korl un kek den Ollen so 'n beten unseker an, » Du Spaß? « – »»Ja, min Sæhn, so is mi up Stunns tau Sinn.«« – »Gott segen Di,« rep de olle truhartige Jung' un foll sinen Vader an de Bost, »denn is 't gaud, denn weit ick, denn is Allens gaud! – Wat sall ick dauhn?« – »»Nicks wider, Korl, as Du geihst 'runner in de Gaststuw', dor wardst Du 'ne olle Dam' finnen, mit de vertellst Du Di wat, seggst æwer nich , dat Du min Sæhn büst, un wenn ick ok dortau kamen süll, denn kennst Du mi nich. – Hest Du 't verstahn?«« – »Ja, Vatting, æwer wat . . . .?« – »»Ick segg Di jo, ick will minen Spaß hewwen.«« – »Na, denn man tau!« rep Korl un küßte sinen Vader, »wenn Du so gesunnen büst, denn denk ick, ward ick min Ungeduld mit Fragen ok woll 'ne Tidlang törnen kænen,« un dormit gung hei in de Gaststuw' dal. – Unnen in de Gaststuw' satt Tanten Line bi 'n Koffepott; ehr was ogenschinlich ganz behaglich tau Sinn, un wenn ehr wat fehlen ded, denn was 't de oll Jahn; sei wüßt nich, wo hei blewen was; æwer sei tröst'te sick dormit, hei wir all tau olt, as dat hei sick von en Krabbenwagen æwerführen laten sich von einem Krabbenwagen (Wägelchen, auf welchem Krabben – kleine Seekrebse, Garneelen – zu Markte gebracht werden) überfahren lassen; sprichw. für: sich von jeder Kleinigkeit schädigen lassen, zu Schaden kommen. würd, hei würd woll kamen; un in dese Hoffnung stippte sei ehren Kringel in den Koffe – jedweder richtige, olle Jumfer stippt. – Nu gung de Dör up, hei dreihte sick üm – ne, dat was de oll Jahn nich, dat was en blaudjungen Minsch, den de Gesundheit un de Fröhlichkeit ut Backen un Ogen strahlten; æwer hei was wat drist, hei sett'te sick ehr grad' gegenæwer, makte ehr en Diner tau un fung en Gespräk mit ehr an. – Dit Gespräk was nich witzig, was nich gelihrt, was ok nich – wat sei up Stunns intressant näumen; æwer in den frischen Jungen sinen Harten, dor bläuhte dat, hei was as en jungen Appelbom, de de rosenroden Bläder von sine Blaumen linksch un rechtsch üm sick streut, so dat Tanten Line tau sick sülwst säd: en smucken Jung', hett æwer woll en Glas Win drunken. – Aewer mit de Tid würd sei hellhüriger: »Mein Gott!« rep sei, »Sie sind ein Norddeutscher, vielleicht ein Hamburger Kaufmann?« – »»Nein, ich bin ein Mecklenburger.«« – »So? – meckelnbörger Kopmann?« – »»Ne, en Landmann.«« – »Na, dor hürt Allens up! – Dor is irst de oll Groterjahn, denn de oll Jahn, denn de jung' Herr Beier, un nu Sei ok noch, dat 's doch grad', as wenn de meckelnbörgschen Landlüd' hir liken.« – (Herr Beier was nämlich ok mit den sülwigen Tog ankamen.) – Dunn gung de Dör up un de oll Jahn kamm 'rinner. – »Herr Jahn!« rep Tanten Line, »hir is en Landsmann von uns un en Kolleg von Sei.« – »»So?«« frog de Oll un sett'te sick verdreitlich en Enn' von de Beiden af. – »Hm,« säd Tanten Line vör sick hen, »wat den nu woll wedder is! – Na, lat em, hei ward sick woll wedder besinnen.« – Un sei snackte lustig wider mit den jungen Minschen: de Oll satt en beten in den Schatten un regardirte mit Uhr un Og' up Allens. – Nah 'ne Wil' stunn hei up un säd. »Tanten Line, ein Wurt,« un leddte de olle Dam' in 'ne Eck 'rin un säd: »Wat hewwen S' sick dor nu wedder upgawelt? – Dat is jo so en richtigen meckelnbörgschen Strom.« – »»Herre Jesus! Herr Jahn, wo kamen Sei mi vör? Dat is jo so en lütten nüdlichen, frischen Kirl, un dor is ok nich de Spir von unnützes Wesen an.«« – »Na, denn gahn S' man wedder nah em hen.« – »»Ja, dat dauh ick ok, den lat ick mi nich verachten.«« – De Red' gung wedder lustig wider; de Oll satt up de Lur, un wer weit, wo lang dat noch wohrt hadd, dunn schickte uns' Herrgott – oder wer weit – ok de Düwel karrte Jochen Klæhnen in de Dör 'rinne: »Herr, dit Por Steweln . . . .« – baff – let hei de Steweln in de Stuw 'rin fallen, ret dat Mul up, un stunn dor as en Olgötz: »Herr . . . .! Herr . . .! Dat 's jo uns' Korl! – Ja, dat 's uns' Korl!« un nu up Korlen los: »Jung' Herr! Jung' Herr! wo kamen Sei in dit verfluchte Lock her?« un dörbi müßte hei sick de Ogen wischen un rep ümmer ein æwer 't anner Mal: »Wo? Dor möt ick mi æwer doch wunnern! Wo? Hir kümmt jo woll Pingsten un Ostern up einen Dag?« – Tanten Line kek den Ollen so recht pfiffig an un säd: »»Ja, Herr Jahn, ditmal hewwen S' mi mal richtig anführt, un dit Radels heww ick nich raden.«« – »Ja, Tanten Line,« säd de Oll fröhlich, »dat möt ick ingestahn, en Spaß wull ick mi mit Sei maken, æwer« – hir würd hei sihr irnsthaft utseihn – »kiken S' up de anner Sid von 't Blatt, dor warden Sei groten Irnst up stahn seihn. – Ick kenn keinen Minschen up de ganze Welt, den ick mihr tautru, dat hei in den Minschenharten tau lesen versteiht, as Sei, un dor wull ick girn weiten, wat Sei von den Jungen höllen, ick wull weiten, wat min Korl ok woll dat leiwe Mäten wirth is. – Na, Sei hewwen spraken, tau sinen un minen Glück spraken, un nu ward ick mi kein Gewissen dorut maken kænen, wenn ick mi vullends mit de Sak wider bemeng'.« – Korl fot sinen Vader üm un Tanten Line läd em de Hand up de Schuller un wull wat seggen, dunn brok Jochen Klæhn los, de de Oll ganz ut de Obacht laten hadd: »Herr, segg ick 't nich? Uns' Korl is doch en ganz annern Kirl, as de olle, knakschälige Swepstock von Baron! – Ick un Paul hewwen uns ok Beide för unsen jungen Herrn verswuren.«« – »Wat deihst Du hir?« frog de Oll argerlich. – »»Herr,«« säd Jochen recht tauversichtlich, »»in so 'ne Saken is vör mine Ogen nicks verborgen. Dat weit ick All. – Un seihn S', mi is up de Reis' ok männigmal de Lus æwer de Lewer lopen, wenn ick den Kirl . . . .«« – Hir snappte hei af, denn achter em gung de Dör up, un Herr Gumpert kamm 'rinne, un dat hadd hei in sinen Gefäuhl, de hürte nich tau de Fomili, un in den sin Bisin dürwt von so wat nich redt warden. – De Red kreg nu 'ne annere Wendung; de Oll let sick von Meckelnborg vertellen un von den Stand von de Wintersaat, un Korl von de Reis', un as sei all tau Bedd gahn wullen, dunn pust' dor wat in de Dör herinner, un 'rinner kugelte Unkel Bors, un achter em stakte so 'n langen Kirl von italjenschen Frömdenführer un höll Unkeln, so tau seggen, an de Rockslippen fat't. – »Gott bewohr uns!« rep de lütte Talglümmel von Seepenseider, »schafft mi den verfluchten Kirl von Liw': sörre vir Stunn'n rönnt mi de ßackermentsche Kirl mit sine langen Bein' ut Pust un Athen.« – »»Na, na, Herr Bors, besinn'n S' sick,«« säd Jahn, »»wat is Sei denn?«« – »Ick säuk Sei jo un dese Dam' sörre vir Stunn' as 'ne Knöpnadel. – De Minsch will jo doch unner Minschen sin.« – »»Na, wo sünd Sei denn west?«« frog Tanten Line. – »Ja, wo bün ick west? in Londra bün 'ck west, bi min Swesterdochter, bi Hanning,« hir lachte Unkel Bors hell up, »un dor hett mi Helening seggt, dat Sei hir hüt ok herkemen.« – »»Na, worüm sünd Sei denn dor nich blewen?«« frog Tanten Line wider. – »Dor blewen? – Ne, de Minsch will tau 'm Minschen , un mine Swesterdochter is kein Minsch , dat is en Unminsch . – Wat? As ick dat gaud mein un ehr en lütten Wink mit en Tulpenstengel gaww, dat de Baron en Swindler is, un dat hei mi mit sine verdammten Fettossen tweihunnert Daler ut de Tasch 'rut lockt hett, dunn ward sei groww un wis't mi de Dör? Un dat so , dat dat den ollen lütten Jungen, ehren lütten Paul, so jammern ded, dat hei mi rund ümfaten würd un em de Thranen in de Ogen stunn'n? – Un dat Anton sülwst mit de Bein' an tau trampsen fung? – Ne, Hanning, ick bün en ollen Seepenseider, un Din sel Vader was en Pötter, un en ihrlichen Kirl was hei, un wenn Du Din Dochter an so 'n Herrn Baron verkopslagen willst – na, minentwegen! Ick heww Di gaud naug raden.« – »»Na, so hastig geiht 't denn doch woll nich los,«« säd Jahn un läd sick in sinen Staul taurügg, as wull hei 't ruhig aftäuwen. – »Dorup verlaten S' sick nich, Herr Jahn! – Hanning seggt, sei hett 'ne Idee – wat dat is, weit ick nich; æwer 't ward woll nah dat sülwige henstangeln, wat wi Lunen un Schrullen un Mafökens näumen – un dor hett sei nu vördem mal en Bauk lesen, dor hett instahn, dat hir öltlings mal wat mit en jung Mäten passirt is – ick weit nich – de ollen Nam's! – mi is æwer, as wenn sei: ›Jule‹ säd, un dor sall jo hir noch dat Sark dorvon tau seihn sin – dor hett s' den ganzen Weg æwer von redt – un dor sall jo nu morgen früh Klock elben de richtige Verlawung vör sick gahn. – Sei seggt, ›daß es für ihr Kind und zukünftigen Swigersohn einen unauslöschbaren Eindruck machen soll.‹ – Anton seggt, hei will nich; æwer wat Anton hüt seggt, is morgen nich wohr. – Un Sei sælen seihn, dat Unminsch von Swesterdochter kriggt dat farig un kihrt sick nich an dat olle leiwe, lütte Lening un nich an den Swindel von mine Fettossen.« – »»Na,«« säd Herr Gumpert, un hellschen giftig sach hei ut, wat süs gor nich sine Ort was, »»lassen Sie sein! Lassen Sie! – Ich bin morgen um elf Uhr auch da; ich hab' auch noch ein paar Worte mit dem Herrn Baron zu sprechen.«« – »Je, wat sall dat helpen,« säd Unkel Bors, »wenn min Swesterdochter, Hanning, sick wat in den Kopp sett't, denn . . . .« – Korl sach sinen Vader en beten sihr beängstlich an; de Oll satt ruhig dor un plinkte em ganz behaglich tau. – Nu kamm Jochen Klæhn in de Dör 'rinner, de mit den italjenschen Führer vorher 'rute gahn was, un säd: »Nemen S' nich æwel, Herr Bors, æwer de Kirl will nu Geld hewwen.« – »»Schaffen S' mi den Kirl von den Liw'! De Kirl hett mi binah dod makt.«« – »Dat 's 'ne Kleinigkeit,« säd Jochen, »langen S' man in de Tasch herin un halen S' en por Blockstücken 'rut, denn red' ick mit em.« – Na, Unkel müßte nu 'ran; von Handeln was hir woll nich vel de Red', un de Gesellschaft, mäud' as sei was, gung utenanner. Vader un Sæhn slepen æwer tausam, un dor würd noch vel hen un her redt in dese Nacht vull Sorgen un Bedenken. – – Ja, un Sorgen un Bedenken wiren nich blot in de Colomba d'oro , sei späukten de Nacht dörch ok in den torre di Londra , un üm dat Bedd von de arme Helene gung 't dull her. – Fru Groterjahnen hadd mit ehre Dochter noch nich grad'ut spraken, wat sei bi Antonen denn doch för nödig hollen hadd; æwer sei hadd so vele, lütte Anspelungen makt, dat Helene gaud naug marken kunn, worup de Sak zielte. Un dese Anspelungen danzten de lange Nacht dörch üm Helene ehr Bedd 'rümmer, as wiren 't Hampelmänner, de bald lütt wiren un bald grot würden, so dat kein Og vull Slap ehr tauflot. – Un as nu de goldene Morgen an den italjenschen, blagen Hewen tau Höchten treckte, un de Larm von dat dägliche Gewarw' sick von de Strat ut vernemen let, dunn was woll dat Späukwesen von ehre Beddstäd' furt schüchert; æwer nu drängte de Würklichkeit mit fürchterliche Angst up ehr in, sei sprung up, smet sick en Morgenkled æwer un stört'te in de Stuw' von ehren Vader 'rinner. – Anton was all up un stunn vör de Speigel un balbirte sick. – »Vater!« rep dat leiwe Kind in de schreckliche Unrauh, »lieber Vater! Was will Mutter eigentlich? – Ach, ich bin ihr ja von Jugend auf gehorsam gewesen und habe immer gethan, was sie von mir verlangt hat; aber das kann ich nicht und das werd ich niemals thun!« – Anton läd dat Balbirmetz bi Sid, wischte sick de ingeseepten Bort af, fot sin lütt Döchting üm un drückte dat ängstliche Kind an sin grundihrlich Hart un säd: »»Laß man! Laß man, mein lieb Döchting! – Süh, ich hab' auch ümmer gethan, was Deine Mutter von mich verlangt hat, aber dies thu ich auch nich! So 'n Kerl, wie der Baron, soll mich meinlebstaglang nich Swiegervater schimpfen.«« – Dunn rögte sick dor wat in den Bedd; Paul was bi dat Wurt ›Baron‹ upwakt, rew sick de Ogen un rep ut de Küssen 'rut: »Vatting, weitst, wat Jochen Klæhn seggt? De seggt, de Baron is en groten Schapskopp.« – Nu was de Red' tüschen Vader un Dochter tau Enn'; Helene sackte up en Staul tausam; æwer de Vader bögte sick æwer ehr un flusterte ehr in de Uhren: »»Wenn heut Deine Mutter spricht, denn sollst Du auch gewahr werden, daß Du einen Vater hast, der auch sprechen kann.«« – Gegen Klock teihn satt de Groterjahnsche Fomili mit de Herrn Baron in de Arena, un wo vördem mal unschüllige Christen in ehren truen Glowen mit wille Dire striden müßten, dor müßte an desen Morgen ok ein unschüllig Hart gegen de wildsten Gedanken anstriden. – Aewer, wat 's dor? – Wat is dor grad' gegenæwer? – Dat is de olle Dam', dat is de olle Jahn! – Aewer, wer is dor bi em? Wer is dat mit de lockigen, blonden Hor? – Ach Gott! un de Thranen stört'ten ut dat Og' von dat unschüllige Kind; ne, nu kunn nicks mihr verdorben warden, dit was de Finger von unsen Herrgott, de ehr winken ded tau Glück un tau selige Rauh. – De Lüd' vertellen sick, dat sick in so 'ne Arena de willen Dire bögt hewwen vör 'ne unschüllige Jungfru, un 't möt woll wohr sin, denn de willen Gedanken, de slimmer sünd as de willen Dire, bögten sick vör de lütte, säute Helene, un fröhlich as en Kind un stolz as 'ne Königin gung sei von dannen. – Mutter hadd sick den mæglichst dæmlichen Führer anhandelt, de æwer en beten östreichsches Dütsch verstund un quälte nu dat arme Worm mit Romeo un Julie. – »Ja,« säd de olle Burß, »mit Romeo un den Montecchis ist das hier alle geworden, von denen weiß kein Mensch mehr was, aber Julie und die Capuletti . . . . kommen Sie hier gefälligst mit mir.« – Un dormit bröcht hei sei in 'ne Ort von Anspannung, wo Pird' un Ossen un Esel truhartig tausam stunn'n un säd: »Sehn Sie, dies ist das Paleh der Capuletti, da sehn Sie die Mütze in Sandstein ausgehauen, das ist ihr Wappen.« – Mutter stunn dorvör un kek dat Ding an, as de Kauh dat nige Dur, un Anton säd. »»Paleh? – Na, hören Sie mal, wenn jede Krugwirthschaft en Paleh is, denn haben wir in Mecklenburg auch was von Palehs aufzuweisen.«« – Anton säd dit so giftig dat dat ogenschinlich was, hei wir wedder in de forscheste Opposition. – »Mein Kind!« rep Mutter un fot den Herrn Baron unner den Arm, »nimm den andern Arm von dem Herrn Baron, wir gehen jetzt zu dem Sarge Julia's.« – »»Nein, Mutter, wir versperren dann den Leuten die Straße, ich gehe hier mit Paulen und – Herrn Nemlich.«« – Dit kamm so 'n beten tægerig herute, æwer dorbi smet sei so einen fründlichen, vergebenden Blick up den armen Semeristen, as blot en leiwes Mätenhart in ehr gründliche Unschuld up en jungen Minschen utstrahlen laten kann, de mal 'ne Dummheit makt hett. – – De oll Führer bröchte sine unnergewene Gesellschaft von de Ossen- un Esel-Station nah en por annere dreckige Hæw', un as sei de glücklich up Lopbred' passirt hadden, leddte hei sei in einen Goren. – En Lustgoren was dat nu grad' nich, ne, 't was dat, wat wi en Kohlgoren näumen, wo bi Kohl un Räuben Zipollen un Burre wassen, un wo vör allen Dingen de Knuwwlock sinen Dæg' hadd, kortüm, 't was en sihr nutzbares Grundstück. – Mutter was en beten vör den Kopp slagen. – Je, Jeannette Groterjahn, ick kann Di nich helpen, dit is dat irste Mal, wo sei Di Mus'dreck stats Peper gewen, ick fürcht æwer, dat kümmt noch stripiger. – »Wir gehn hier bloß durch,« säd sei tau ehre Gesellschaft, »und dann wird uns der Führer das Grabmal Julias zeigen.« – Je, säd de olle Burß nu, dat wir so 'ne Sak, von en Grawwmal wir æwerall kein Red', wat hir wis't würd, wir blot dat Sark; un dit hir, säd hei, wir dat. Dormit wis'te hei up en ollen Watertrog, de wegen de velen Ritzen un Sprüng' un Löcker so wenig dicht höll, dat hei sine Lewensupgaw' vullstännig verfehlen ded, denn wenn de brave Gärtner, den Trog un Grundstück hüren ded, em wegen sinen Inholt tau 'm Begeiten en beten antappen wull, hadd dese lichtfarige Gesell sine Gnaden un Gaben an de ringsüm befindliche Ird' verswennt, de sick dorför dankborlichst in Dreck verwandeln ded. – »»Na,«« säd Anton, »dies ist denn doch auch die Sache nicht werth,«« un dreihte sick üm, as wull hei gahn. – »Tritt näher, Anton,« säd Mutter, »kannst Du denn nicht sehen? Dies ist eine alte Antiquität von Marmor;« un as sei nu mit gauden Bispill vörangahn wull, stunn sei mit enmal bet an de Enkel in den dankboren Bodden. Dit hadd sick Fru Jeannette ok en beten anners dacht, sei zupfte denn ok taurügg, fot sick æwer bald, denn wenn sei ok tau Water swacke Stunn'n hadd, so hadd sei doch en gewaltigen Geist, so drad' sei wedder up den Drögen stunn. – Sei säd: indessen – dit wiren Nebensaken, dorüm wir sei nich hir; hir süll en inniges Fomilien-Verhältniß fiert werden, un de Tid wir de richtige, denn Julia, Julia – dit säd sei twei Mal – de arme, unglückliche Julia – dat was nu dat drüdde Mal – hadd hirin as ein von de Welt malträtirtes Geschöpf legen, un dorüm hadd sei dese Städ' wählt, dat ehr Kind, ehre Dochter, sick hiran en Ogenspeigel nemen un sick bileiwe nich so unglücklich maken süll, as de arme Julia – dat was nu 't virte Mal. – Drei Mal is recht, dat virte Mal en Schinnerknecht. – So kamm 't denn un ok hir: bi Antonen bömte sick wat up. – »Wenn hir en Fomilien-Verhältniß abgehalten werden soll, denn bün ich als Vater auch noch da,« rep hei. – »»Anton, Du schweigst,«« säd Mutter ruhig un bestimmt, »»Du weißt, Hella ist mein Erziehungssubstrat, Paulen kannst Du meinetwegen verloben zu jeder Zeit, und mit wem Du willst. – Und was weißt Du denn überhaupt von Julia?«« – Dat was denn nu wedder so 'ne dæmliche Frag', de Antonen grad' in 't Gesicht 'rinne slog; hei wüßt den Deuwel von Julia. Aewer hei was indessen dennoch in 'n Vörsprung vör sine Fru; denn wenn de ok wat von Julia'n wüßt, so was dat, wat sei wüßt, doch idel verdreihtes Tüg. – Sei hadd nämlich en pormal de Oper ›Romeo un Julia‹ seihn un hadd sick doræwer freut, wo nüdlich sick de beiden jungen Lüd' up de Schot seten un sick den ganzen Abend küßt hadden – ganz unschüllig! denn Romeo was 'ne verkledte Frugensperson. – Von dat wunderschönste Gedicht, wat enmal ein Minsch den annern Minschen tau 'm Brutgeschenk gewen hett, dorvon wüßt Anton nicks, dorvon wüßt Jeannette nicks, un de Einzige, in de ehren Harten dat Gedicht mal lücht't un gläuht hadd, stunn dor un hadd de Hand in ehren lütten Brauder Paul sine Hand leggt – sei grep nah en Strohhalm – un dor stunn sei, bald roth un bald blaß, un smet up ehren Vader den Blick, den de Landmann tau Sommerstid, wenn Weiden un Feller versengt sünd, an den Hewen vull Wulken smitt: »Ach, breck los, breck los, Du schönes Gewitter! Lat dat minentwegen blitzen un dunnern, æwer mak uns fri von de swaule Luft, un giww Regen, Regen, dat de Natur wedder rauhig un frisch ward.« – Mutter stunn dor as 'ne olle Götzenpreisterin ut de Vörtid; sei hadd den einen Snürstewel wid vörstreckt, un dat let just so, as wull de, obschonst in en dreckigen Taustand, de Wichtigkeit von de Sak in 't richtige Licht stellen. – »Treten Sie näher, Herr Baron,« säd sei. – De Herr Baron ded ehr den Gefallen. – »Komm her, mein Kind.« – Helene würd blaß, ehre Hand tuckte in Paulen sin, un dat lütte Jüngschen smet sick ehr entgegen un rep: »»Du sallst nich! Helening, Du sallst nich!«« – Helene smet en trostlosen Blick up ehren Vader: breck los, Du schönes Gewitter! – Un 't brok los, mit Blitz un Dunner un Stormwind un Hagel rasterte dat Muttern grad' in de Finstern 'rinner. – »Sei sall nich!« rep Anton, »sei is ebenso gaud min Kind, as Din Kind. Gegen ehren Willen sall ehr kein Mann upnödigt werden, un wenn hei teihnmal en Baron is.« – Mutter was in desen bedenklichen Ogenblick de reine Groterjahnen; en beten mihr smet sei den Kopp achter æwer, de Snürstewel stunn indessen fast up sinen Platz un ›bewußt und groß,‹ as Göthe up den ollen Blücherten sin Postament tau Rostock schrewen hett, säd sei. »»Tritt näher, Hella.«« – »Dor sall doch ein Dunnerwetter! . . . .« fung Anton an, dunn säd 'ne Stimm, de achter 'n lütt Buschwark herute kamm: »» ruhig Anton! Ut dese Verlawung sall nu un allmeinlebsdag' nicks warden.«« – Un achter den Busch kamm de oll Jahn, grad' as vördem de oll Ziethen, herute, un an sine Sid Tanten Line, un achter de Herr Gumpert un Unkel Bors, un achter de Korl Jahn un Herr Beier un tauletzt Jochen Klæhn mit en Gesicht ebenso ›bewußt un groß‹ as de Groterjahnen ehr: wat dit bedüdt, weit ick All! – So, nu was 't mit den Groterjahnschen Fomilien-Congreß tau Enn', justament grad' so, as dunntaumalen mit den Wiener, as de oll Opolium ut Elba dörchbreken ded. – Hir æwernamm Unkel Bors dit Geschäft, hei brok tüschen den ollen Jahn un Tanten Line dörch un fohrte up den Baron los: »Sei verdammte, smerige, ranzige Kirl! – Sei will'n en Baron sin? – Wo sünd mine tweihunnert Daler? – Wo sünd mine Fettossen?« – Un achter den brok Herr Gumpert los, as dunntaumalen Jochen Mürat achter den ollen Opolium, blot dat hei nich as Mameluck verkledt was, un rep: »»Sie wollen ein Freund zu mir sein un stehlen mir meine goldene Uhr? – Oh, ich hab' wohl gesehn, wie Sie in der Westentasch 'rum gefuschert haben, und hier ist sie,«« un dormit treckte hei em de Uhr ut de Rocktasch 'rute, »»hier ist sie! – Schauderhaft! – Herr Bauer sagt . . . .«« – »Still nu!« säd de oll Jahn un drängte sick tüschen de Beiden, »Herr Gumpert, Sei hewwen vörlöpig Ehre Uhr wedder; wi möten hir nu æwer Rekenschaft afleggen, dat hir nich von einen Baron, ne, dat hir von einen gewöhnlichen Swindler de Red' is. – Fru Groterjahnen,« hir gung hei an sine olle, ingefleischte Findin 'ranne un höll ehr en Bild vör de Ogen, »is dat nich dat richtige Bild von den Minschen, den Sei sick tau 'm Swigersæhn utsöcht hewwen, un de sick Baron schellen lett? Dit is dat Bild von den Kopmannsdeiner Bössow ut de Wismer un is von den Potografen Kälcke, un de Mann kümmt dorför up. – Fru Nachborin, Sei hewwen vel Schuld, æwer ick ok. – Sei kænen hir seihn, wat bi en Haß 'rute kamen kann; kamen S' her,« hir höll hei ehr de Hand hen, »slagen S' in, will'n mal seihn, wat bi de Leiw 'rute kümmt.« – Aewer Jeannette slog nich in, sei hadd ehre beide Hänn' nödig, ehr Angesicht tau verdecken, ehr was tau Maud', as Wellingtons in de Slacht von Waterloo – ›ich wollte es wäre Nacht, oder die Preußen kämen‹ – un unner de Preußen verstunn sei en lütt Stück Hewen, wat dal fallen süll un de ganze Geschicht begraben. – Un Helene hadd sick an ehres Vaders Bost smeten un weinte de bittersten un doch trostvullsten Thranen. – Tanten Line was an de Groterjahnen 'ranne treden un strakte un eiete mit ehr 'rümmer: »»Min leiw' Dochter, Sei süllen sick in desen Ogenblick nich so unglücklich fäuhlen, Sei süllen Gott danken, de dit Unglück an Sei vörbi gahn is.«« – Dat was recht still worden nah desen Storm, un Jochen Klæhn flusterte recht beklummen Paulen tau: »Paul, wat heww ick Di ümmer seggt? – Dit kümmt anners, as mit de sel Fru. – Ja, wenn wi uns dunntaumalen nich up dat Bucksprit verswuren hadden, wat hadd 't för Elend gewen künnt!« – – Un in dese swaule Still stunn dor dat unselige Minschenkind, wat in Durheit un Gewissenlosigkeit de Hand nah den schönsten Pris utreckt hadd un nu vör Schimp un Schand' in de Ird' sacken müggt. – Je, wer kann Di doræwer weghelpen? – Hei kek Keinen in 't Gesicht, hei hadd de Arm in enanner slagen, as wir hei up Allens gewärtig, un kek blaß vör sick up de Ird' dal, as hadd hei unner de Ird' mihr tau säuken, as unner unsern Herrgott sinen blagen Hewen. – De oll Jahn gung up em tau: »Herr Bössow, glöwen S' nich, dat dat, wat ick dahn heww, ut Rachsucht scheihn is; en Vergnäugen is dat nich för mi west, Sei hir as Bedreiger un Spitzbauw' hentaustellen; æwer üm dat Glück von dit leiwe, junge Mäten was dat mine Schülligkeit, dat ick mine Hand in dese Slichtigkeiten herinner stek. – Ick will mine Hand æwer noch in 'ne annere Sak herinner steken, de mi mihr Vergnäugen makt – Korl, min Sæhn, giww mi mal min Breiw'tasch her! – Seihn S', Herr Bössow, wenn wi Sei hir nu so lopen leten, denn müßten Sei furt bedreigen un stehlen, blot üm dat beten lumpige Lewen uprecht tau erhollen, bet Sei tauletzt vullstännig för den Galgen rip wiren. – Dat sælen Sei æwer nich! un wir 't ok man blot dessentwegen, dat Sei mal in dat unschüllige Og' von dit leiwe Kind seihn un dese true Hand drückt hewwen. – Hir sünd tweihunnert Daler, de nemen Sei un reisen dormit nah Meckelnborg oder Pommern, æwer in keine grote Stadt, nich nah Rostock, dor sünd wi Fetthamel un spelen dor forsch mit Rechtsch un Linksch, säuken S' sick dor 'ne Konditschon un fangen S' grad' up dat Flag wedder an, wo Sei dunnmals uphürten, as Sei tau 'm irsten Mal nah Dobberan an de Spelbank reis'ten.« – De unglückliche Minsch namm dat Geld, hei kek den Ollen nich grad' in 't Gesicht, hei kek em so von de Sid an, hei säd nicks, hei dankte nich un wull eben furt gahn, dunn tründelte Unkel Bors bet nah vör un frog: »»Wo bliwen æwer min tweihunnert Daler?«« – »Herr Bors,« säd de oll Jahn, »ick denk dor, wo Ehre Fettossen blewen sünd. – Aewer laten S' desen Mann Tid; ok de ihrlichste Kirl möt männigmal üm Tid bidden, dat hei sine Schülligkeit nahkamen kann. – Un dese Mann is ihrlich, von dese Stunn' an is hei en ihrlichen Kirl, un en Hundsvott unner uns is de , de von desen Mann æwerall mal wat Slichts vertellt. Ji Annern wardt woll doræwer swigen – Paul un Jochen, hürt Ji? – Aewer Sei, Herr Bors, Sei künnen am Enn' mal wegen de tweihunnert Daler dat Mul upriten – ick bidd Sei, dauhn S' dat nich , ick schick Sei süs de drei Jungs æwer 'n Hals, un de Ort würd Sei bald von de Geldgeschäften losbännig maken.« – De arme Sünner kek nu den ollen Jahn grad' in 't Gesicht, drückte em de Hand, säd æwer nicks un smet en Blick in de Rund', up Helene un up de Fru Mutter. – Helene hadd em den Rüggen taukihrt – ut Taufall – æwer Mutter gaww em up sinen Afschidsgruß einen Blick taurügg, in desen Blick kænen sick alle Barons deilen, de en börgerlich Mäten blot wegen ehr Geld frigen willen, un denn hett jeder noch sin gaud Deil. – »»Paul,«« säd Jochen, as de unselige Kirl furt gung, »»ick heww mi ümmer wünscht, dat ick den ollen Swekspohn so mal allein hadd, dat ick em dor mal eins so bi Weg' lang en Stückner drei oder vir in 't Gnick gewen künn; æwer meinst Du, dat ick in desen Ogenblick dortau kapawel wir? – Ne, min oll Mutter säd ümmer: Jochen, Du büst tau weikmülig.«« – Un hei was gahn, de Minsch , villicht en nigen Minsch! – As de Groterjahnen ehren scharpen Blick vull Haß un Gift up den unglücklichen Ladendeiner verschaten hadd, kamm de Schimp æwer ehr, dat sei sick von so 'n Minschen an de Näs' hadd 'rümmer ledden laten, un 'ne grote Swackmäudigkeit deckte sick æwer ehre Seel, dat sei von nu an woll de Sorg' för Helene ehr Glück in annere Hänn' afgewen müßte; sei läd de Hänn' æwer ehre Ogen. Helene fot sei üm un weinte an ehren Hals', de olle Dam' hadd de Hand up ehre Schuller leggt, un sei stamerte: »Mein Kind, mein Kind, ich bin nicht Schuld, ich wollte nur Dein Glück . – Oh, wie hatte ich mir das schön gedacht! – Ich wollte Dich aus dem Staube des gemeinen Lebens in die Familie derer von Unkenstein emporheben, die Poesie sollte Eurer Verbindung die rechte Weihe geben, hier an dem Grabe Julia's sollte der Bund geschlossen werden und nun . . . .« – Helene säd nicks, æwer de olle Dam' namm dat Wurt: »Min leiwe Dochter, wenn Sei sick dat so schön dacht hewwen, dat grad' up dit Flag de lütte Helene ehr Glück tau Stann' bröcht warden sall, denn kænen Sei dat ümmer noch. Seihn S' hir,«« dormit gung sei nah Korl Jahnen 'ranner un bröchte em an de Sid von Helenen, »»seihn S' hir, dit is kein Baron, de sick nahsten as Swindler utwisen ward, dit is en jungen, frischen Minschen, de Farw' höllt, un dat weiten Sei am besten, denn Sei kennen em all von lütt up an. Worum willen Sei dat Glück von Ehre Dochter nich an dese true Hand un an dit gesunne Hart knüppen?«« – »Fru Groterjahnen,« säd de oll Jahn un tred 'ranner un reckte ehr de Hand wedder hen, de sei æwer nich sach. »wi sünd unverstännig west, un hewwen in desen Unverstand dat Gaude, wat uns' Herrgott uns baden hett, true Fründschaft un gaude Nahwerschaft, mit Fäuten von uns stött un hewwen dorför Haß un Findschaft inwesselt – en slichten Tusch! – Laten S' den Grull fohren! un de ollen, gauden Tiden warden mit dat Glück von unsere Kinner ok wedder æwer uns kamen. – Kamm S' her, slagen S' in!« – De Groterjahnen rögt sick nich; Helene hadd ehre Mutter loslaten un weinte an Korlen sinen Harten. De stunn strack un stur dor; æwer de Thranen lepen em ok de Backen dal; hei fung an: »»Frau Groterjahn . . . .«« kamm æwer nich wider, denn nu was Anton neger 'ranner kamen; æwer knapp fung hei an: »Liebe Jeannette . . . .« dunn sackten de Hänn' von sine Fru ehre Ogen, sei kek em fast an, un en Wedderschin von vergah'ne Hoheit un Herrlichkeit flog æwer ehr Gesicht, sei smet den Kopp taurügg, as wir sei en Slachtroß, wat, tau 'm Dod' drapen, dor liggt, æwer bi de Ton von de Trumpet noch mal tau gaude Letzt stolz de Kopp upböhrt, un ehr Blick sprok: ›Du Worm! – Ok Du , Worm?‹ – Aewer Anton let sick nich verblüffen, un Jochen Klæhn flusterte Paulen tau: »»Paul, nu kümmt de Sak tau 'm Swur.«« – Un Anton fot up 't Frisch nah: »Liebe Jeannette, sieh Dir doch das Bild an, ist Dich das nicht rührsam? – Sieh, seit ihren jungen Jahren lieben sie sich schon, Lütten-Barkow un Groten-Barkow liegen dicht zusammen, durch ihre Zusammenkunft und ihre wechselseitige Hand würden die beiden Güter auch in eine Hand zusammen kommen, denn unser Paul hat große Anlagen zum Studiren – meinentwegen Avkat oder auch Dokter. – Ich achte dies für einen Fingerzeig Gottes, und, liebe Jeannette, der Mensch soll solche Fingerzeige . . . .« – »»Laß mich, Anton,«« säd sei un gung stolz as 'ne Königin up dat Por los, denn sei hadd 't in 't Gefäuhl, de Geschicht künn ahn ehr tau Stann' kamen, un sei hadd denn blot nahdräglich ›Ja‹ tau seggen; so wull sei æwer nich aftreden, sei läd de Hand up Helene ehren Kopp: »»Mein Kind, Du hast gewählt, Deine Mutter giebt Dir ihren Segen.«« – »Paul,« säd Jochen Klæhn, »ick kann mi nich helpen, æwer ick möt rohren. – Ick heww Din Mutter unner ehren Pris taxirt; kik blot dese Anstalten!« – Aewer Paul hürte nicks dorvon, hei was up sin Swester los sprungen, hadd sei ümfat't un rep: »»Helening, Helening!«« Dat was sin Segen. – Nu wull Anton, as Vader, ok wat dortau dauhn; æwer Jahn kreg em unner den Arm fat't: »Lat dat sin, Anton, un lat Din Fru. Du hest nahsten Tid un Gelegenheit naug, Din Dochter tau begrüßen. – Nu lat Din Fru, sei is up gauden Wegen, wenn Du Di æwer dor mang mengst, künn sick ehr Stolz wedder rögen, un dat wir slimm.« – Un de Gesellschaft gung taurügg nah Groterjahns ehren Gasthof; dat junge Por gung vörup, selig bet in 't deipste Hart, un Helene smet den dankborsten Blick up dat Flag, wo sick ehr Schicksal tau 'm Gauden wennt hadd, un up den ollen Ossentrog, as wir hei en Glückspott, ut den sinen Grunn' sei mal unner Fürchten un Hoffen dat grote Loß treckt hadd. – De oll Jahn gung up Fru Groterjahnen tau un böd ehr den Arm, sei kek em schu von de Sid an un makte en Gesicht, as en Patschent, de 'ne bittere Medizin innemen sall; æwer wat möt, dat möt; sei hadd ›a‹ seggt, sei müßt nu ›b‹ seggen; sei namm den Arm, kek em æwer wider nich an un redte ok nich. – Desto mihr redte dat folgende Por: sinen Segen hadd Groterjahn up Jahnen sinen Rath an sick hollen, æwer sin Glück? – Ne, dat gung nich, dat bullerte so man in 'n Vullen ut em 'rute, un dorbi stödd hei Tanten Line ümmer mit den Ellbagen in de Ribben un höll de frie Hand vör den Mund un lachte heimlich un wis'te up Jahnen un sine leiwe Fru. – Un dorup folgte Herr Nemlich mit Herr Beiern; sei paßten æwer nich tausam: Herr Beier was utgelaten lustig un rep denn un wenn æwer de ganze Gesellschaft 'ræwer: »Korl Jahn!« un wenn sick de denn ümkiken ded, denn nickköppte hei em tau, hei hadd sin Sak gaud makt; æwer Herr Nemlichen sin Wesen hadd sick æwer 'ne sachte Swermaud leggt; männig stille Süfzer steg in em tau Höchten, un hei sach ut as en milden Harwstabend, wenn de Sünn Afschid nemen will, un en lisen Wind dörch de affollenen Bläder russelt. – Dorup kamm Herr Bors un Herr Gumpert, un tauletzt makte Jochen Klæhn un Paul den Sluß, un Paul frog: »»Jochen, wat seggst Du nu? «« – »Paul, dat fröggst Du woll! – Freuen dauh 'ck mi æwer unsen Korl un Din Helene, denn dat is en natürlichen Taustand; æwer wunnern dauh 'ck mi ok æwer minen Herrn un Din Muttern, denn dat 's en unnatürlichen Taustand.« – – Nah annerthalben Stunn'n satt de ganze Gesellschaft up de Isenbahn, un de Fohrt gung nah Nurden tau in 't gelobte Land Meckelnborg, blot Herr Beier reis'te noch irst en beten nah Mailand, un Herr Gumpert taurügg nah Venedig tau sinen Herrn Bauer; ok von Unkel Borßen hadden de Reisenden nich vel, hei führte drüdde Klass' un loschirte des Nachts ümmer in allerlei verdächtig Harbargen, un as Groterjahn em doræwer Vörstellungen makte, säd hei: »Sei hewwen gaud Lachen, Herr Vedder, Sei hewwen kein drei Jungs, de Sei up de Fingern kiken. – Ne, ick möt up den Schalm von de tweihunnert Daler so vel as mæglich sporen.« In de Wagen seten nu Jahn un Groterjahn tausamen un hadden ehr Taschenbäuker 'rute treckt, un de anner Gesellschaft hürte mal denn un wenn enzelne Würd' as: Obligatschonen un Hypotheken un von dat Kaptal, wat bi den stünn, un von dat Kaptal, wat dor indragen was, un as sei in München ankamen wiren, säd Groterjahn tau sine Fru: »»Jahn ist doch ein hellschen nobler Kerl, sieh, da hat er sich nun erboten . . . .«« – »Das will ich gar nicht wissen, Anton, aber das sage ich Dir, komm mir nie vor die Augen, wenn Du nicht noch nobler bist, als er; das verlangt unsere Ehre.« – Un nu gung denn tuschen de beiden ollen Knaben en ordentlich Weddbahnjagen in de Großmuth un Nobligkeit los, so dat de beiden jungen Lüd' mit ehre Insettung woll taufreden sin kunnen; un as sei in Rostock ankemen, dunn was Allens klipp un klor: Korl un Helene süllen Groten-Barkow hewwen un süllen dor wahnen, un Korl süll Lütten-Barkow mit bewirtschaften, bet Gustav so wid wir, dat hei 't æwernemen künn. – »Aewer nu noch Paul?« frog de oll Jahn. – »»Oh, den laß man!«« säd Groterjahn, »»Du sollst sehn, Paulus studirt Avkat.«« – »Na, dat glöw 'ck noch nich,« säd de Oll, »hei ward ok woll Landmann warden; æwer bet dorhen ward ok woll Rath!« – »Je, Tanten Line,« säd de oll Jahn, as sei tau Rostock ut den Wagen stegen, »hüt un morgen möten Sei denn nu woll bi mi vörleiw nemen, denn in 'n Wirthshus warden Sei hir doch woll nich wahnen willen, dat dauhn Sei mi doch woll nich tau Leden. – Jochen, besorg' de Dam' ehre Saken nah unsen Hus'; wi gahn vörup.« – Nu würd de Groterjahns en schönen Adjüs seggt, un as sei in den Ollen sin Hus kamen wiren, ret de Oll Finstern un Dören up un säd: »Hir is 't gor tau beklummen, will'n nah den Goren gahn; æwer de ward ok schön utseihn!« – Dorin hadd hei nu æwer nich recht raden, denn Gustav hadd en Gärtner 'ranner kregen, un dat schöne Frühjohr lachte ehr ut den Goren sauber un rendlich entgegen. – »»Seihn S', Herr Jahn,«« säd de olle Dam', »»hir bläuhn de Kirschböm ok all; sörre dat wi in Venedig west sünd, hett uns de Kirschenbläuth nich verlaten.«« – »Täuwen S',« säd de Oll, »setten S' sick hir en beten in de Lauw', ick kam glik wedder.« – Un as hei wedder kamm, kamm hei nich allein, hei kamm mit 'ne annere olle Dam' unner 'n Arm, olt un stöwig, un hadd 'ne verschatene, rode Mütz up un 'ne düstergräune Kreolin' an, un bürtig was sei ut Ungerland un stammte ut dat edle un widlüftige Geschlecht derer von Buddeln. Un hei namm ehr de rode Mütz af un nödigte sei en Diener vör Tanten Line tau maken un Hals tau gewen von dat, wat sei up den Harten hadd. Un hei namm en Glas un stödd an dat anner an un säd: »Tanten Line, ick bring' Sei den Willkamen! – Sei säden eben, de Kirschenbläuth hadd uns up de letzte Reis' nich verlaten, de Bläuten von unsen Lewen æwer hewwen uns all lang' verlaten, wo wir 't, wenn wi in de ollen Dagen uns nu nich mir verleten? – Sei hewwen keine negeren Angehürigen, Platz hewwen wi naug hir in den Hus', un bequem sall Sei dat inricht't warden. – Kamen S' her, slagen S' in!« – Tanten Line kek em irst so 'n beten frag'wis an; sei was æwer kein' von de ollen, zimperlichen Jumfern, de irst vel Sperenzen maken, ihre sei ›Ja‹ seggen, sei slog frisch un fröhlich in un säd: »»Ick bliw bi Sei.«« – Un de Sak was afmakt, un en nigen Bund was slaten, un de schöne Frühjohrsdag un de olle, ungersche Dam' redten en Würtken dormit in, un twei olle Harten wiren jung worden. – As sei den annern Morgen tausam seten, un Jochen den Koffe 'rinner bröcht, säd sin Herr: »Jochen, wi passen nu woll nich länger tausam: Du büst up dese Reis' sülwst so 'ne Ort von Herr worden, un dat paßt mi nich; dat Best is woll, wi gewen uns utenanner.« – Tau 'm groten Glücken hadd Jochen dat Koffegeschirr all up den Disch sett't, süs hadd hei 't in de Stuw' fallen laten; hei stunn dor, verbomt un verbas't, un stamerte: »»Herr, Herr! Wat heww ick Sei tau Leden dahn?«« un de Thranen stört'ten em ut de Ogen. – De Oll stunn up un läd em de Hand up den Kopp: »Nicks hest Du mi tau Leden dahn, min Sæhn, un so is dat nich meint. – Süh, ick möt mi up Stunns stats en Bedeinter en Deinstmäten hollen, un 'ne Schört un 'ne dreistückige Mütz würd Di doch woll nich recht paßlich sin. – För Di is æwer all sorgt, ick heww mit Korlen spraken, Du sallst nah Lütten-Barkow un sallst dor de Wirtschaft lihren. – Ick weit woll, dat hett süs kein Ort, un de Respekt, de litt dorunner, wenn en Daglöhnerkind æwer de annern Daglöhners kummandiren sall; æwer hir is dat anners: de Lüd', de Du kennt hest un de Di kennt hewwen, sünd nah Amerika, un de Du von nu an unner Di hest, kennen Di un Din dummem Streich von vördem nich, un so denk ick, ward dat denn woll gahn; æwer Mäuh möst Du Di gewen, un in Schriwen un Reken möst Du up 't Frisch wedder nahfaten.« – »»Herr, schriwen kann 'ck un reken ok, un dat Anner lihr 'ck ok All,«« un de Ogen lücht'ten em, æwer mit en Mal würd hei trurig, »»æwer Herr, Sei sall ick laten, Herr?«« – »Dat lat man, Du wardst mi oft naug tau seihn krigen.« – »»Na, denn is mi 't ok All egal! – Gott bewohre! Wat min oll Mutter woll seggt? – De wull ut mi en Ridknecht maken, un nu ward ick jo woll mit de Tid noch gor en Entspekter!«« – In den Hus' bian würd an desen Morgen ok 'ne Aflöhnung hollen: Herr Nemlich kreg sinen verspraknen Duzöhr; un Mutter em den riklich utbetahlt hadd, stek em Anton in de Freud' von sinen Harten noch en Fiwuntwintig-Dalerschin in de Hand, dat süll dat Plaster sin up de velen Löcker, de em unnerwegs sine Growwheit slagen hadd. – Herr Nemlich kamm den Abend bi den ollen Köster Beerbom richtig an, un ick segg nicks von Munde ehre Freud' un von de Fründlichkeit un den Stolz, mit den de olle, brave, taukünftige Swigervader em upnamm; ick will blot vertellen, dat hei dörch gaude Vörsprak von den Herrn Paster richtig de Hülpslihrerstäd' tau Zwiebelsdörp kregen hett. – Na, dor sitt hei denn nu noch, æwer ganz allein, denn tau 'm Frigen is de Städ' nich ; indessen dennoch, as ick man in dat Rostocker Dag'blatt lesen heww, hett hei de sekere Utsicht up 'ne schöne Lihrstäd', un denn sall Hochtid warden. – Von sine Reis' nah Konstantinopel vertellt hei girn un schön, hett æwer doch veles so dägern vergeten, dat hei sick gor nich dorup besinnen kann, so tau 'm Exempel sinen Fautfall tau Smyrna, von den hei Munde nich mal wat vertellt hett. – Hei hett æwer up de Reis' doch vel lihrt; hei hett sick sörre den Fautfall Männigerlei irnstlich dörch den Kopp gahn laten un hett inseihn, dat dat Lesen von Eugehn Szüh den Kopp ihre düsiger as klorer makt, un is gewohr worden, dat de Minsch ut de Bäuker allein wenig lihrt, un wenn hei ok den lütten Petiscus un den lütten Cannabich un den lütten Nösselt utwennig weit. – Hei hett sick ganz up sin Schaul smeten, un wenn hei sick dor mäud' arbeit't hett, denn handtirt hei tüschen Immenrümp un Bomschaulen herümmer. – Ja, wenn hei so bibliwwt, un dorför ward Munde woll sorgen, denn ward de brave, ihrenwirthe Stand, tau den hei tellt, mit Freud' un Stolz em tau sick reken, un ward em un mi dat nich æwel nemen, dat hei etzliche dumme Streich makt hett, un dat ick sei vertellt heww. – De Hochtid von Korl un Helene is lang' west; sei wahnen, glücklich dörch Sorgen för einanner, gesund dörch Flit un beleiwt dörch Minschenfründlichkeit, tau Groten-Barkow. – Jahn un Groterjahn un Tanten Line reisen oft dorhen un freuen sick æwer dat Glück, wat dor gräunt; Paul kümmt denn mit. Mutter führt ok woll mal hen, æwer man sprangwis, sei lett sick leiwer von ehr Kind besäuken; sei is woll taufreden mit dat Ganze, indessen is ehr dat doch sihr entgegen, dat sei de Sak nich infädelt hett, dat sei den Piler nich spitzt hett, den sei tauletzt doch mit so velen Glanz afscheiten ded. Einen Trost hett sei æwer; sei hett dörch de Sorg' för de Utstüer, wotau natürlich Anton ümmer ›Ja‹ seggen ded, all dat strittige Land wedder taurügg erobert, wat sei up de Reis' verluren hett, sei is wedder de reine Ludwig Napoleon, dat heit, wenn hei de Rheingränz irst wedder hett. – Männigmal, wenn sei tau forsch regirt, löppt Groterjahn in 'n Horen nah Jahnen 'rümmer un klagt den sin Led. – »Ih,« seggt de oll Jahn denn, »Anton, Du süllst Gott danken, dat sei Di de Geschäften afnimmt.« – »»Geschäften? – Meine Geschäfte nimmt sie mich doch nicht ab. Ich hab' so viel Geschäften! – Da haben sie mich nu wieder zum Vorstand in der Sozieteh gewählt, kann 's aber nicht annehmen, hab' keine Zeit dazu.«« – Wenn 't æwer mit dat Regiment tau dull ward, denn geiht Tanten Line tau Fru Jeannetten 'rümmer un bringt de Sak in de Reih, denn vör de hett Fru Groterjahnen en hellschen Respekt, un de is ebenso allmählich kamen, as Antonen sin vör ehr. – En por Johr nah de Reis' würden in 'ne Middelstadt von Pommern twei Breiw' up de Post gewen; de ein' was addressirt: ›Herrn Jahn, Particulier zu Rostock‹, de anner ›Herrn Bars, Seifensiederei-Besitzer zu Schwerin, hierin 75 Thlr.‹ – As de oll Jahn sinen Breif upmakt un em lesen hadd, reckte hei em Tanten Line hen, de Ogen wiren em fucht worden; Tanten Line las em, sei fot den Ollen unner 'n Arm un gung mit em in den Goren un de beiden Lüd' fierten einen glücklichen Dag. – As Unkel Bors den Breif upmaken ded, was sin Sæhn, de Kopmann, dorbi un besach dat Couvert: »Mein Gott, Vatting, wo kriggst Du ut de Stadt Geld schickt?« – »»Kümmert Di dat wat? Ick denk, min Geldangelegenheiten besorg' ick sülwst,«« säd de Vader un gung in de annere Stuw' un las den Breif tau Enn' un säd vör sick hen: »Weiß Gott, de Kirl is ihrlich, un wenn 't Glück gaud is, kam 'ck am Enn' noch tau min tweihunnert Daler.« – – Desen Sommer was Paulen sin Subrekter bi mi; ick frog em, wat Paul woll tau 'm Studiren kem'; hei lachte un schüddelte den Kopp: »Paul Groterjahn ist en guter, braver Junge, aber zum Studiren kommt der nie , er wird Landmann.« – Un dat is nu von dat ganze Lied dat Enn '.