Ferdinand Raimund Der Barometermacher auf der Zauberinsel Zauberposse mit Gesang in zwei Aufzügen Personen Fee Rosalinde . Lidi , erste Nymphe . Tutu , Beherrscher einer Zauberinsel . Zoraide , seine Tochter . Linda , ihre Kammerzofe . Hassan , Tutus Leibdiener . Bartholomäus Quecksilber , Barometermacher aus Wien . Zunko , Anführer von Tutus Leibwache . Der Leibarzt des Tutu . Zadi , ein Waldbewohner . Ein Anführer der Zauberarmee . Erster und Zweiter Matrose . Ein Anführer der Zwergenarmee . Erster, Zweiter, Dritter und Vierter Zwerg . Erste, Zweite, Dritte und Vierte Amazone . Ein Sklave . Eine Wache . Schärpe, Horn und Stab, Stimmen . Nymphen. Amazonen. Tutus Dienerschaft. Volk. Matrosen. Soldaten der Zwergenarmee. Genien . Erster Aufzug Zweiter Aufzug Erster Aufzug. Erste Szene. Feenpalast. Fee Rosalinde auf einem Blumenthron. Lidi und Nymphen gruppieren sich um sie herum. Musik. Tanz. Lidi (nach dem Tanze) . Vergiß nicht, erhabne Fee, daß heute wieder hundert Jahre verflossen sind, und daß du dich entschließen mußt, die Zaubergaben wieder einem der Sterblichen zu verleihen. Fee . Verdienen denn die Menschen der heutigen Zeit, daß eine Fee ihrer noch gedenkt? Lidi . Es gibt mitunter noch recht artige Menschen, denen ich gar nicht feind bin. Fee . Du schienst von jeher mehr Vorliebe für sie zu haben, als der Feenwelt anzugehören. Ich bedaure dich, denn ich kenne diese Menschen; uns Feen selbst schont ihre Sucht zu spotten nicht mehr. Müßte ich nicht den Spruch des Schicksals erfüllen, ich würde die Zaubergaben auf ewig in ihrer Vergessenheit ruhen lassen. Lidi . Wem willst du sie denn zuwenden? Du mußt dich dazu entschließen. Fee . Ein verhaßter Zwang! Wer verdient noch glücklich zu werden? Bin ich nicht immer betrogen worden? Beglückte ich einen Armen, so mißbrauchte er im frechen Übermute meine Gaben; wandte ich sie einem Reichen zu, so waren sie für ihn nur eine neue Quelle, den Armen zu höhnen. Wem soll ich sie verleihen? Lidi . Überlasse es dem Zufall. Lasse sie jenen finden, der in diesem Augenblicke sich am nächsten bei den Ruinen im Palmentale, in welchem diese Zaubergaben aufbewahret sind, befindet. Fee . Lidi hat recht; nach Zufall will ich meine Gaben spenden. Ich will sehen, wer in diesem Augenblicke bei den Ruinen weilt. (Musik. Die Hinterwand geht auf; man sieht in einer ovalen Öffnung die nächstkommende Szene en miniature abgebildet, und Quecksilber auf einer Ruine sitzen. Die Musik spielt sehr piano den Gesang von Quecksilbers nachfolgender Arie. Nach der Musik sprechen:) Alle Nymphen . Das ist ein spaßiger Mensch. Fee . Wenn mich meine Feenkraft nicht trügt, so ist es ein lebenslustiger Mensch, der dem Scherze huldigt; solche Menschen sind in der Regel nicht die schlimmsten. Lidi . Er hat sich just etwas Lustiges gedacht. Fee (winkt, und die Erscheinung verschwindet) . Schlagt in dem Lexikon der Menschheit nach, wer der Fremdling eigentlich sei? Lidi (befolgt es) . Er nennt sich Bartholomäus Quecksilber, ist ein zugrundgegangener Barometermacher, sehr verliebt, von sehr lustigem Humor, welcher Schiffbruch gelitten und auf dem Wege ist, sein Glück zu suchen. Fee . Es soll ihm geholfen werden. Umgebt mich; ich wende dem Fremdling die Gaben zu. (Musik. Sie zieht mit ihrem Stabe einen Kreis.) Melodram .       Horn, Stab und Schärpe soll er finden, Du, Lidi, sollst ihm den Gebrauch verkünden; Empfiehl ihm wohl, sie weise zu benützen, Will er sie lang und vorteilhaft besitzen. (Die Fee, Lidi und die Nymphen entfernen sich.)   Zweite Szene. Ruinen, wie sie vorher en miniature zu sehen waren. Im Hintergrunde die See. Man hört das Ritornell von Quecksilbers Arie. Quecksilber, einen Barometer in der Hand, tritt vor. Arie .           Was braucht man Barometer Auf dieser Welt noch mehr? Ein jeder macht sich's Wetter, So wie's ihm g'fällt, daher; Auf Schön zeigt's bei den Reichen, Bei Stutzern zeigt's auf Wind, Auf Regen steht das Zeichen, Wo arme Schlucker sind. Bei Schönen, in der Regel, Zeigt's auf veränderlich, Auf Stürme bei dem Flegel, Und Schnee bedeut's für mich; Doch Schicksal, es ist schade, Daß d' mich verfolgst mit G'walt! Solang der Gönner Gnade Nicht auf den G'frierpunkt fallt. Das ist eine prächtige Profession, das Barometermachen, man kann verhungern alle Tag'. Hab' ich unglückseliger Mensch aufs Meer gehn müssen, um die wilden Völker des Erdbodens durch meine Kunst in Erstaunen zu setzen, und jetzt wirft mich das Schicksal auf diese Zauberinsel, wo ich noch nichts g'sehen hab', als ein paar Kanarivögel, oder was sie waren, und einen Elefanten mit drei Füß'. Na, die werden doch keinen Barometer brauchen! – Weil ich nicht z'grunde gangen bin, so ist wenigstens das Schiff z'grund gangen, bloß weil ich Unglücksvogel drauf war. Die Matrosen haben schon von weitem die Feeninsel verwünscht, weil ein jedes Schiff scheitert, das in ihre Näh' kommt. Richtig war's so; sie haben sich in einem Schinakl g'rettet, und ich hab' mich an mein' Barometer ang'halten und bin daherg'schwommen. Das war noch mein größtes Glück, daß ich den vorigen Sommer zweimal im Prater in der Schwimmschul' war und zug'schaut hab'; da hab' ich's abg'spickt, sonst wär's nicht möglich g'wesen. Aber mir geschieht recht! O mir g'schieht recht! – Mein erstes Unglück war mein neuer Buchdrucker, der laßt mir unglücklicherweis' auf meinen Zetteln auf die Barometer überall den ersten Buchstaben aus. Zum Beispiel, statt kalter Wind, laßt er das K aus, steht droben; alter Wind; – so bei warmes Wetter – armes Wetter. Ich sieh's nicht, verkauf's, die Leute glauben, ich bin ein Narr, lassen nichts mehr bei mir machen. Kein Verdienst! Wie ich eine Weile im Wirtshaus nichts gezahlt hab' und hab' vom Kellner was begehrt, so ist der Barometer seiner Dienstfertigkeit aufs Hinauswerfen g'stiegen, und wann ich mich nicht g'schwind aus dem Staub' g'macht hätt', so wär' er auf Schläg' g'fallen. – Was war also zu tun, als mein bissel zu verkaufen und in die weite Welt zu gehen. – Da stehe ich nun allein und verlassen, ein Fruchtbaum in der Wüste. (Weint.) Doch von all dem rauschenden Geleite, wer harret noch liebend bei mir aus? Dieser edle Magen! Der einzige Schmarotzer, der mir die Ungelegenheit macht, treu zu bleiben. Just gibt er wieder eine Bittschrift ein, um was zu essen. – Schicksal, wenn du eine Ehr' im Leib' hast, so laß mich nicht verhungern. (Man hört eine unterirdische Musik leise ertönen. Was ist das? Eine musikalische Akademie unter der Erd'? Stimme des Horns . Wer will auf mir blasen? Quecksilber . Eine kuriose Frag'! Stimme der Schärpe . Wer will mich tragen? Quecksilber . Den soll man tragen, der kann vielleicht siebzig Zentner schwer sein. Stimme des Stabes . Wer will mich schwingen? Quecksilber . Jetzt will der wieder geschwinget sein! Was heißt denn das? Stimme des Horns . Geh, blase! Stimme der Schärpe . Geh, trag mich! Stimme des Stabes . Geh, schwing mich! Alle drei zusammen . Dein Glück wird es sein. Quecksilber . Ich weiß nicht, was ich denken soll? Blasen – tragen – und schwingen? Man kann sich dabei denken, was man will. Aber es soll mein Glück sein, also frisch! Ich blas' dich! Ich trag' dich! Ich schwing' dich! Herauf! Herauf! (Donnerschlag. Musik. Es steigen drei Postamente aus der Erde, auf denen ein silbernes Waldhorn, eine schwarze Schärpe mit Zaubercharakteren und ein goldenes Stäbchen liegen.) Quecksilber . Ein Waldhörndel? Sonderbar! Die Hörner haben eine rasende Passion auf mich. – Eine Binden mit Ochsenaugen garniert? – Und ein goldenes Ausklopfstaberl? – Was sind denn das für Kindereien? Einen Menschen so für ein' Narren zu halten! Was ist denn das für ein unterirdischer Sozius? Wenn er nur heraufkäm', ich nähmet mir die Freiheit und schlaget ihm mein' Barometer an den Kopf, daß die Scherben davonfliegeten. (Donnerschlag. Die Ruinen verwandeln sich in ein hellrotes Wolkenzelt, mit weißen Rosen garniert. Kurze Musik.) Lidi (tritt mit drei Genien heraus) . Undankbarer, frevle nicht. Quecksilber . Himmel, was ist das für eine krudèlschöne Person! Nymphe des Waldes, oder Donna del Lago ! Nimm die Huldigung des miserabelsten aller Barometermacher. (Die drei Genien stehen nach der Reihe mit den Zaubergaben da.) Lidi . Horch' auf! Die Gaben, die du siehst, von großem Zauberwert, Sind durch des Zufalls Macht dir zum Gebrauch beschert. Quecksilber . Die spricht in Versen! Da muß ich auch ein paar Reim' loslassen. Verzeihe mir den Schimpf, Hochwohlgeborne Nymph'! Daß ich auf deine Gab' Vorher geschmälet hab'. Doch wie soll ich's denn machen Mit diesen Zaubersachen, Daß sie mir nützlich sind, Ich bitte dich geschwind, Verehrungswürd'ge Fee, O sag' es mir! geh! geh! Die drei Genien (lachen ihn aus) . Ha, ha, ha! Quecksilber (sieht sich beleidigt um) . Jetzt schaut's die Kinder an aus dem verwunschenen Waisenhaus. Lachen die einen gebildeten Mann aus, der in Knittelversen spricht. Lidi .         Wenn du den Stab hier schwingst, ist dir der Zauber hold, Was du mit ihm berührst, verwandelt sich in Gold. Quecksilber Das ist ein hübscher Vers! Lidi .         Du kannst durch seine Macht Die höchste Kleiderpracht, Brillanten dir erwinken, Läßt du den Stab nur sinken. Und dürstest du vielleicht Einmal nach Kriegestaten, So bringt ein Stoß ins Horn Dir tapfere Soldaten. Bedeckt die Binde dich, Und wünschest du dich fort, So findest du dich flugs An dem ersehnten Ort. Bewahr' die Gaben wohl, Wenn sie dir einmal schwinden, Kannst du durch eigne Kraft Allein sie wiederfinden. (Sie geht zurück in das Zelt, welches sich wieder in die Ruine verwandelt. Die Genien geben ihm die Gaben und rufen ihm, mit den Finger drohend, zu: Du. und gehen dann alle drei lachend ab.) Quecksilber (allein) . Das ist eine unartige Brut! Nun ja, solche Feenkinder! Die Eltern schaun ja nicht drauf, lassen s' halt bloßfüßig herumlaufen. – Aber das Glück! Das Glück! Wer hätte sich morgen das gedacht, daß ich heut so glücklich werden sollt'? Wenn nur jetzt g'schwind jemand da wär', den ich für Freuden embrassieren oder massakrieren könnt'.   Dritte Szene. Matrosen (kommen in einem Boote angefahren) . Voriger . Chor .       Freude! Freude! Freude! Freunde, hier ist Land! Laßt die See nur brausen, Und die Winde sausen, Eilet an den Strand! (Alle sind ausgestiegen.) Erster Matrose . Diesmal sind wir glücklich davongekommen. War das ein Sturm! Einen ganzen Tag haben wir vergebens herumgerudert, und doch hat uns der Zufall aus dieser verwünschten Feeninsel landen lassen. Einen Menschen hier zu sehen, ist, soviel ich sehe, gar keine Hoffnung! Quecksilber . Bedank' mich; also muß ich einem Vieh gleichsehn? Erster Matrose (sieht den Barometer auf der Erde liegen, den Quecksilber vorher fallen ließ) . Kameraden, seht, da liegt ein Barometer auf der Erde! Hebt ihn auf! Quecksilber (tritt vor) . Lassen Sie andrer Leut' Sachen stehn. Alle Matrosen . Der Barometermacher! Erster Matrose . Wie kommt denn der Schuft daher? Er ist ohnehin an unserem Malheur schuld, weil wir die Mißgeburt auf dem Schiffe hatten. Quecksilber . Das wird der erste sein, den ich bronzier'; der kriegt goldene Schläg'! Erster Matrose . Was? Du Wallroß! Du Meerschwein! Quecksilber . Ich bitt' einzuhalten mit Ihren ästhetischen Benennungen. Jetzt werden wir gleich aus einem andern Ton sprechen. Nieder mit euch, ihr Wasserpolaken! Erkennt in mir euren Gebieter! Eine mächtige Fee hat mir diesen Zauberstab gegeben; alles, was ich damit berühr', kann ich in Gold verwandeln. Alle (lachen) . Ha, ha, ha! Erster Matrose . Der Bursche muß Tollpflanze gegessen haben, er ist närrisch geworden. Quecksilber . Was? Nicht glauben wollt ihr's? Ich werd' gleich so einen Lümmel in Gold verwandeln. Wenn nur g'schwind etwas da wär'! (Läuft zu dem Boot, berührt es, dieses verwandelt sich schnell in ein segelfertiges Schiff von gediegenem Golde.) Nun? (Alle Matrosen fallen auf die Knie.) Erster Matrose . Herr, wir sehen deine Macht! Kannst du uns verzeihen? Quecksilber . Oui ! Steht auf, ihr seid von nun an in meinen Diensten. An Geld soll's euch nicht fehlen, und wer sich besonders gut aufführt, den lass' ich zum Lohn im Feuer vergolden. Alle . Hurra! Quecksilber . Und jetzt sagt mir, was ihr von dieser Insel wißt! Erster Matrose . Sie steht unter dem Schutz einer mächtigen Fee, und es gelingt nur selten einem Fremden, hier zu landen, Tausende haben schon in diesen Wellen ihr Grab gefunden. Unser Kapitän nur war so kühn und so glücklich, auf der Ostseite an den Strand zu kommen, und erzählte; daß sich ein mächtiges Reich dort befindet, dessen Fürst eine sehr schöne Prinzessin zur Tochter hat, welche die Natur mit außerordentlichem Verstande beschenkt haben soll. Quecksilber . Gar so viel Verstand? Da ist von dem meinigen auch eine Portion dabei; darum ist mir immer etwas abgegangen. Also bon ! Dieses Wunder will ich kennen lernen, und weil auf dieser Insel kein Auskunftskontor ist, so fahren wir längs der Küste so lang herum, bis wir Leut' entdecken. Ich nenne mich dort Fürst Maikäfer aus dem Kantharidengeschlechte und bin Beherrscher von verschiedenen Heuschrecken-Inseln. Aber jetzt fort, zu Schiff, denn sonst verhungert der ganze Hofstaat. Alle Matrosen . Hurra! Chor . Zu Schiffe! Es schwellen die Segel, Es weht schon ein günstiger Wind! Bald sehn wir belebte Gestade, Vertrauet dem Glück, es ist blind. (Alle steigen in das Schiff und fahren ab.)   Vierte Szene. Ein analoges Gemach. Sklaven kommen und bereiten mittels Polster eine Art Ruhelager. Sklavinnen kommen, tanzen mit großen Fächern; endlich Tutu , der sich auf die zubereiteten Polster niederlaßt. Musik. Tutu . Ich erliege unter der Last der Geschäfte! Seid's still, damit ich schlafend mich beschäftigen kann. – Ich mag mich schon hinlegen, wo ich will, es tut mir alles vom Liegen weh. Den ganzen Tag muß ich so in Geschäften hinbringen. (Man hört Lärm hinter der Szene.) Was ist denn das? Wer stört mich in meiner Weisheit? Da hat gewiß wieder meine Prinzessin Tochter was angestellt.   Fünfte Szene. Linda . Tutu . Linda (stürzt herein und wirft sich ihm zu Füßen) . Ach, schützen Sie mich doch, gnädiger Herr! Tutu . Wenn's nicht viel Arbeit macht, so schütz' ich dich. Linda . Mit Ihrer Prinzessin Tochter ist's nimmermehr zum Aushalten; es muß noch alles davonlaufen.   Sechste Szene. Zoraide . Vorige . Zoraide . Was seh' ich? Sie selbst nehmen die Frevlerin in Schutz, die meine Freier abredet? Aber freue dich, wie ich mit deinen Reizen umgehn will. Von morgen an darf kein schönes Gesicht im ganzen Lande mehr existieren. Tutu . Du, das wird ohne Spektakel nicht angehen. Wenn du den Weibern ihre Schönheit attackierst, so wehren sie sich bis auf den letzten Mann. Zoraide . Aber ich will's! Ich will's! Ich will's! Alle, alle werd' ich noch zu meinen Füßen sehn. Mich allein müssen alle lieben, und vor Liebe vergehn.   Siebente Szene. Hassan . Vorige . Hassan . Mächtiger Tutu! Vergib, daß sich meine Schönheit dir zu Füßen wirft. Es ist ein Fremder angekommen, der ein entsetzliches Aufsehen macht. Zoraide . Also schon wieder einer? O! die verliebten Mannsbilder gehen nicht aus. Tutu . Nur weiter! Was macht er für Aufsehen? Man kann auch ein Aussehen machen, wenn man auf dem Kopf geht, oder Purzelbäum' macht. Hassan . Seine Schiffe sind gediegenes Gold. Das Vorderteil ist mit lauter Solitärs besetzt. Auf dem Weg vom Ufer bis zum Palast hat er und sein Gefolge lauter Dukaten gestreut. Zoraide . Das muß ein schöner Mann sein. Hassan . Vergeben Sie, Zoraide, in der Schönheit kann er mit mir keine Vergleichungen aushalten; aber sehr lustig muß er sein; er will Sie sehen und will Sie heiraten. Zoraide . Schau', das ist alles zu viel Gnade. Tutu . So müssen wir uns also wieder strapazieren. Wir wollen ihn ansehen. Zoraide, geh, mach' der G'schicht' ein End' und nimm ihn, denn sonst bleibst am End' da sitzen. Es ist noch allen so gegangen, die gar so herumg'sucht haben. (Geht mit Hassan ab.) (Hassan wirft im Abgehen Linda Küsse zu.)   Achte Szene. Zoraide . Linda . Zoraide . Besitzt er solche Reichtümer? Sie müssen mein sein, dann mag er hingehn, wo er hergekommen ist. (Geht ab.) Linda (allein) . Wart', du Schlange! Den will ich warnen, den sollst du nicht foppen. – Ich weiß überhaupt nicht, was sie davon hat, daß sie die Männer so papierlt. Wär' ich Prinzessin, ich wüßt' schon was Bessers z'tun. Lied .             O wär' ich Prinzessin heut an deiner Stell', Ich wüßt' mich vor Freuden nicht aus, meiner Seel! Ich hänget mir Spitzen und Perlen hinauf, Als käm' ich lebendig zu Markt auf ein' Kauf. Das war' ein Leben, Juhe! \&c. \&c. Mit sechsen, da fahret ich täglich spaziern, Heiducken, die müßten am Schlag paradiern, Vier Laufer voraus, ja die renneten her, Grad als wenn im Prater der erste Mai wär'. Das war' ein Leben, Juhe! \&c. \&c. Ich wollt' mir die Insel ganz richten nach Wien, Ein Graben, an Kohlmarkt, den machet ich hin. Theater, Redouten, das kostet kein' Müh', Ein Volksgarten, Prater, a Wasserglacis. Das war' ein Leben, Juhe! \&c. \&c. Weil einmal im Jahr sich gern jedes erholt, Wenn man zu elf Monat' zu Haus brummt und grollt, So baut' ich ein Baden mir auch ohne Gnad', Da schicket der Bassa sein' Frau halt ins Bad. Das war' ein Leben, Juhe! \&c. \&c.   Neunte Szene. (Platz vor dem Palast.) (Eine Menge Leute raufen sich um das ausgeworfene Geld. Quecksilber Gefolge wirft Geld aus; sie sind sehr elegant in Goldlivreen gekleidet.) Chor .           Sie fallen darüber, sie stürzen sich drein, Schlagt man ihnen d' Augen mit Münzen auch ein. Volk . Und bleib' ich gleich liegen und brech' ich ein Bein, Es müssen Dukaten in Menge mein sein.   Zehnte Szene. Tutu . Zoraide . Hassan . Vorige . Tutu . Na, da geht's ja schrecklich zu! Hat er wirklich Dukaten ausg'worfen, oder sind's nur Tantes vielleicht? Hassan . Herr, vom feinsten Gold. Tutu . Also von Numero drei? Nun, da muß ich mich auch schon ein wenig sehn lassen. Man kann ihnen später aus meinem Schatz einige goldene G'schirr an den Kopf werfen. Zoraide . Nu, die Dienerschaft passiert. Aber wo bleibt denn der ausländische Stutzer? Muß er sich vielleicht erst eine Red' einstudieren? Hassan . Er naht sich. Tutu . Was? Er naht sich jetzt noch? Da muß er schön z'rissen sein, wenn er sich erst z'sammnaht. Hassan . Bei meiner Schönheit, einen solchen Glanz hab' ich noch nie g'sehn. Tutu . Halt' Er sein Maul mit seiner Schönheit. Ja, was hab' ich denn sagen wollen? – Man juble! Volk . Es lebe Tutu! Quecksilbers Leute . Hurra! Zoraide . Stimmen haben s' wie die Bären. Was ist denn das für eine Sprach'; Hurra? Tutu . Hurra? – Das ist französisch, und heißt auf italienisch: G'wehr' 'raus! Still, man kommt.   Elfte Szene. Quecksilber . Vorige . Quecksilber als Stutzer. Er trägt einen modernen Frack von Golddock, eine silberne Weste mit blaugestickten Borten und ebensolche Pantalons, einen dreieckigen Hut mit Diamanten garniert. Quecksilber . Arie . (Zum Eingang spielt die Musik das Ritornell aus der ersten Arie des Figaro im »Barbier von Sevilla«.) Rezitativ .               Prinzessin! Wie soll ich dich nennen? Für die Kalmücken selbst entbrennen! Euphemia, Amarantia oder Rosel? Wie du auch heißest, gilt mir gleich; Mich trug der Rhein und auch die Mosel Auf einem Dampfschiff in das Reich. Arie . (Melodie: Ich bin etwas verliebter Laune usw.) Ich besitze viel tausend Millionen, Und reise durch die halbe Welt, In den kältsten und heißesten Zonen Hab' überall ich Schätze gestellt. Um in England recht zu verschwenden, Verschenkt' ich die Sterling in Zenten, Denn vom Auszahlen an mich wird die Bank Auf die Letzt vor Strapaze noch krank! In Italien recht mächtig zu werden, Erkauft' ich die herrlichsten Gärten, Pomeranzen von Gold, das ist wahr, Einen Wald von Salami sogar. In Tirol auf der Alma, Wenn'st z'frieden willst sein, Da hab' ich drei Hütten, Die sind zwar nur klein; Dort nützen die Schätz' nichts, Da bringt man s' nit an, Da macht ein treu's Herz nur Zum glücklichsten Mann. Doch im schönen Ungarland Bin als Krösus ich bekannt, Auf meiner Pußta zähle ich Zehntausend Büffel ohne mich. Im Öst'rreicher Landl, Da bin ich zu Haus, Da geht mir das Glück Und die Freude nie aus! Ich besitz' dorten Auen und Wälder, Auf der Schmelz drauß' die herrlichsten Felder, Und die Brühl, die so schön, wie die Schweiz, Die g'hört mein bis nach Heilignkrenz. Und in Wien hab' ich Häuser sehr viele, Das ist halt schon so meine Grille, Daß ich immer in einem fort bau', Doch die meisten sind in der Roßau. Auf dem Thuri hab' ich ganze Straßen, Von der Wied'n kann ich d' Hälfte verlassen, Und um ein spottwohlfeiles Geld Hab' ich zwanzig kauft in Lerchenfeld. Die Jägerzeil' lieb' ich vor allen, Dort wünsch' ich den Leuten zu g'fallen, Dort hab' ich ein einziges Haus, Da zieh' ich mein Lebtag nicht aus. Zoraide . Also, das ist der unmenschlich reiche Mann? Der sieht aus, wie ein ang'legter Aff! Tutu . Man hat mir deine Ankunft auf unserer Insel gemeldet. Was suchst du hier? Es ist nicht viel zu finden. Quecksilber . Per du redt er mit mir? – Der Ruf von der entsetzlichen Schönheit dero Mademoisell' Tochter hat mich hierhergelockt. Tutu . Da kann man sehn, wie die Lugen herumkommen! Das Anschaun kostet nichts, schau sie an, da steht sie. Zoraide . Ich hoff', du wirst mich sehr schön finden. Quecksilber . Jetzt sagt die auch wieder du! – Prinzessin, Sie sind eine magnifique Personage, wie auch Ihr Herr Vater; es tut einem zwischen ihm und dem Spadi-Do die Wahl weh. Aber wenn Sie nur die Güte haben wollten, und wollten nicht immer du zu mir sagen. Wenn Sie nicht Herr von sagen mögen, so heißen Sie mich wenigstens: Sie. Zoraide . Das ist ein impertinenter Patron. Tutu . Sei still! So lang, bis wir sehn, ob er Geld hat, sagen wir Sie; wenn er keins hat, so kann man ihm hernach noch immer alle Grobheiten antun. Zoraide . Nun also! Sagen Sie mir halt – Sie, mein Sie, weil sie nicht mein Du sein mögen; was wünschen Sie denn eigentlich von mir? Quecksilber . Ich bin hier, um Ihre schöne Hand anzuhalten. Zoraide . Dazu g'hören drei Eigenschaften; geistig, wie Jamaika-Rum; reich, wie ein Inka von Peru, und schön, wie der deutsche Alcibiades. Quecksilber . Nun, was den Verstand und Reichtum anbetrifft, hat's keinen Anstand, aber mit dem deutschen Alcibiades wird's schlecht ausschaun, da werden Sie schon mit ein' Wallachischen vorlieb nehmen müssen. Zoraide . Wer sind Sie denn eigentlich? Quecksilber . Ich bin ein Millionär! Tutu . Ist keine schlechte Profession Zoraide . Haben S' studiert? Quecksilber . Zweihundert Schulen. Tutu . Das ist viel. Wir haben eine einzige, und zufälligerweis' habe ich auch in der nichts g'lernt. Da haben Sie eine schöne Karriere g'macht. Zoraide . Aber, wie sieht's denn mit den Beweisen des Reichtums aus? Denn die Dukaten, die Sie ausg'worfen haben, können vielleicht Ihre letzten sein. Es sind schon allerhand Streichmacher bei uns g'wesen. Quecksilber . Soll ich Ihren Palast in Gold verwandeln? Tutu . Nein, sie tragen mir ihn sonst bei der Nacht davon. Quecksilber . Wenigstens die Torflügel sollen Gold sein. (Berührt das Tor, welches sich in Gold verwandelt.) (Alle verwundern sich.) Tutu . Mir bleibt der Verstand aus! Quecksilber . Die hölzernen Säulen können wir auch noch renovieren, die sollen sich in Silber verwandeln. (Berührt die Säulen, sie verwandeln sich in Silber.) Zoraide (für sich) . Das ist ein Talisman, den muß ich besitzen. Hassan . Der muß auf unsrer indianischen G'stätten Holzversilbrer werden. Quecksilber (zu Hassan) . Sagen Sie mir, brauchen Sie Ihren Kopf notwendig? Hassan . Ja, ich hab' halt nur unterdessen den, und man weiß halt doch nicht, ob nicht was auskommt. Quecksilber . Zum Vergolden wär' das ein prächtiger Schafskopf! Finden Sie das nicht auch, Herr Schwiegerpapa? Tutu . Warum denn? Er braucht nichts B'sonder's, ist ja der Ihrige auch nicht vergoldet. Lassen Sie ihn nur gehn, man muß nicht jeden Narren vergolden. Zoraidel, wie ist dir? Zoraide . Fremdling, du hast mein Herz g'wonnen. Eine unwiderstehliche Macht zieht mich zu dir hin. Ich könnt' goldene Tränen weinen. Quecksilber . Also, voulez-vous mein sein? Zoraide . Wenn du mir die Beweise deiner Liebe gibst, die ich von dir fordre. Tutu . Mit Erlaubnis! (Tritt in die Mitte.) Der Diskurs dauert mir ein wenig zu lang. Also, mein scharmanter Herr Schwiegersohn, vulgo Goldarbeiter, à revoir ! Ich werd' Befehl erteilen, daß man in dem Palast Ihre Zimmer ausreibt, austapezieren können Sie sich s' selbst, dann muß ich mich niederlegen und ausruhn. Der gefühlvolle Auftritt hat mich zu sehr angegriffen. Leben Sie wohl. Vergolden Sie mein ganzes Reich, und wenn ich vielleicht heut' noch munter werden sollt', so hab' ich das Vergnügen, Sie zu sehn. Also: à revoir ! Und weil mir in der Geschwindigkeit gerad' nichts Französisches mehr einfallt, noch einmal: à revoir ! (Geht ab, alles folgt ihm, bis auf:)   Zwölfte Szene. Zoraide . Quecksilber . Zoraide . Du bist also wirklich entschlossen, Jüngling, an meiner Hand auf der holperichten Landstraße dieses Lebens einher zu wandeln, ohne zu ermüden? Quecksilber . Wir halten uns halt einen Einspänner. Zoraide . Wie nennst du dich? Quecksilber . Bartholomäus! Zoraide . Bartholomäus und Zoraide, das gibt einen herrlichen Roman. Quecksilber . Ich glaub's. Zoraide . Auf dem Titelkupfer eine indianische Schweizergegend, vom Mond beleuchtet. Zu meinen Füßen liegt ein jugendlicher Schäfer und im Hintergrunde erscheinest du – Quecksilber . Mit einem Ochsenzehn in der Hand. Das wird eine schöne Vignette sein. Zoraide . Nein, Spaß apart, ich bin Dichterin, ich habe alle europäischen Dichter ins Indische übersetzt. Quecksilber . Das muß schön sein. Zoraide . Sie müssen mir Ihre Geschichte erzählen, ich werd' sie in vierfüßigen Jamben bearbeiten und dann dem Druck übergeben. Pränumeranten werden sich schon finden. Quecksilber . Sein S' so gut! Wenn die Leut' all die Dummheiten lesen müßten, die ich in meinem Leben ang'stellt hab', ich dürft' mich gar nicht mehr auf der Gassen sehn lassen. Zoraide . Wie? Können Sie sich eine größere Ehre wünschen, als im Druck zu erscheinen? Quecksilber . Ach was, Druck. Wenn ich mich will drucken lassen, geh' ich in ein Freitheater. Zoraide Nein, verzeihen Sie, mit Ihnen zu parlieren gehört eine kuriose Geduld dazu, Sie haben ja nicht um sechs Pfennige Galanterie im Leib. Ich möcht' einen galanten Mann, einen Mann von Geist. Quecksilber . Da hätten Sie sich sollen einen Galanteriewarenhändler verschreiben, auf dem Kohlmarkt gibt's prächtige, ob Sie Ihnen aber mögen, das weiß ich nicht. Zoraide . Gehen Sie, Sie haben nicht im geringsten einen, wie sagt man denn, einen phantasierenden Sinn. Quecksilber . So? Ich habe einmal das hitzige Fieber g'habt, da hätten Sie mich hören sollen, da habe ich fünf Tag' und Nacht' phantasiert. Zoraide (für sich) . Wenn ich nur das Staberl erwischen könnt'! (Freundlich.) Lassen Sie uns Frieden schließen, trauter Bartholomäus! Ich will dein Herz umranken, wie die Rebe den Kastanienbaum. (umarmt ihn.) O ihr Götter, die ihr da unten wohnt, seht auf uns herab! – Nicht wahr, du wirst deine Zoraide nie verlassen? Dein Herz wird kein Retourbillett verlangen, oder sich gar das Entree seiner Treu' bei Amors Kassa zurückzahlen lassen? Quecksilber . Sie ist doch eine gute Seel'. Zoraide (für sich) . Nur das Staberl möcht' ich haben. Quecksilber . Nun schlagen Sie ein, aber nicht ins G'sicht. Geben Sie mir zum Drangeld ein einschichtiges Busserl, und wir sind d'accord ! Zoraide . Jetzt nicht. Das bekommen Sie nach der Tafel zum Konfekt. Quecksilber . Gut, ist auch recht. Was essen Sie denn zum Konfekt? Zoraide . Die edelsten indianischen Früchte. Quecksilber . Da freu' ich mich! Für mich sind die edelsten Früchte die Hetschabetsch, die iss' ich so gern. Mein liebstes Essen aber sind die Birn', wissen Sie, die kleinen, die Muskatellerbirndl, die sind gut. Zoraide . Wer wird denn so einen gemeinen Gusto haben! (sehr hochdeutsch.) Wie kennen Sie denn Bern essen? Quecksilber . Keine Bären ess' ich nicht, da bin ich froh, wann mich keiner anpackt. – Birn'! Ist denn das ein übler Gusto? Birn' ißt ja die ganze Welt, ein jeder eine andere Gattung. Die Patrioten essen Kaiserbirn'; die Reichen Dukatenbirn'; die sich stark parfümieren Bergamottenbirn'; die Schuster Lederbirn'; die Kutscher Haberbirn'; die Tischler Holzbirn'; die Barbierer Issinbart, und wer einen Fehler macht, der ißt Plutzerbirn'. Kurz, du bist einmal mein, dabei bleibt's. Zoraide . Ich schwimm' in einem Meer von Wonne. (Umarmt ihn.)   Dreizehnte Szene. Linda , aus dem Palaste. Vorige . Linda . Prinzessin, Sie sollen hinaufgehn, daß Ihnen die Nachtluft nicht schadt. (Beiseite.) Wenn ich ihm nur einen Wink geben könnt'. Er ist ein recht hübscher Mensch. Zoraide (beiseite) . Erwünschte Gelegenheit! (Laut.) Wie kann Sie sich unterstehn, in diesem mir so herrlichen Augenblick vor meine Augen zu kommen? Sie kecke Person! Linda . Aber, Gebieterin! – Quecksilber . So sind S' doch nur vernünftig, was hat sie Ihnen denn getan? Zoraide . Halten Sie's Maul! – Sie will noch widersprechen? Ich vergreif' mich an ihr – Himmel, was tu' ich? Vergeben Sie mir diese Schwärmerei. Quecksilber . Erlauben S', das ist eine kuriose Schwärmerei. So schwärmen bei uns die Trager auf der Hauptmaut. Zoraide . Sie nehmen sie in Protektion? – Ich glaub' gar, sie liebäugelt mit Ihnen? – Gefallt sie Ihnen? – Nicht wahr, die G'stalt hat eine schöne Figur, oder vielmehr, diese Figur hat eine schöne G'stalt? – So können Sie mich herabsetzen mit dieser Meerkatz'? Quecksilber . Ach was, Katze, Sie sind auch kein Königelhase. Zoraide . Welche Beleidigung! Wie wird mir? Meine Sinne schwinden – ich sinke! Linda . Um alles in der Welt, sie wird ohnmächtig! Zoraide (schnell) . Unterstehn Sie sich, mich anzurühren! Den Augenblick aus meinen Augen. Fort, sag' ich! Sie zögert noch? (Linda entflieht.) Zoraide (entreißt Quecksilber den Stab) . Ich verwandl' sie in einen goldenen Drachen, wenn ich sie erreich'. Fort! Fort! (Eilt Linda nach in den Palast, die Tore schließen sich.)   Vierzehnte Szene. Quecksilber allein, später Wache . Quecksilber . He! He! Wo laufen S' denn hin? Mein Staberl! Sie ist imstand' und schlagt's an ihr ab, hernach könnt' ich als Vergolder eine verzauberte Krida ansagen. Ich muß ihr nach. (Geht zum Tor.) Es ist ja zu. – Es ist ja noch nicht zehn Uhr. Da sperren s' die Haustör' schon vorm Essen zu. He, Hausmeister, aufg'macht. Auf! (Er pocht an.) Eine Wache (erscheint auf der Mauer) . Was ist das für ein Lärmen? Quecksilber . Nu aufgemacht, ich g'hör' hinein. Wache . Ich rat' dir es gutwillig, echappier'! Quecksilber . Warum soll ich denn echappieren? Ich hab' ja in dem Land noch keine Schulden. Ich bin der Prinzessin Gemahl. Wache . Ein Narr kannst du sein. Die Prinzessin ist mit ihrem Vater auf ihre Lieblingsinsel gefahren und läßt dir sagen: Wenn du dich nicht aus dem Staub' machst, so wird man einige junge Tiger auf dich herauslassen. Herein kommst du nicht. (Verschwindet von der Mauer.) Quecksilber (allein) . O, indianische Bagag'! Ich unglückseliger Barometermacher, was hab' ich getan? Ich vergolde ihnen die Tor', und sie sperren s' mir vor der Nasen zu. Ich bin betrogen. Wenn ich nur hinein könnt', ich massakrieret alles zusammen! Halt! Da fallt mir was ein! Ich kann eine Armee herblasen! Viktoria! O Pizichi, blas anstatt meiner Fagott! – Wart', du undankbares Volk! (Bläst ins Horn.)   Fünfzehnte Szene. Ein lebhafter Marsch fällt ein. Eine Schar von idealen Soldaten kommt schnell aufmarschiert. Die Leibgarde bildet sich von Zwergen , welche sich um Quecksilber reihen. Anführer . General, was kommandierst du? Quecksilber . Richt' euch! Nein, richt's euch nicht, es ist noch Zeit. (Zu den Zwergen.) Was ist denn das für eine Mannschaft? Die müssen s' ja erst anbaut haben, die sind ja noch nicht ausg'wachsen? Sind das Soldaten? Anführer . Das ist deine Leibgarde. Quecksilber . Die? Die hab' ich für anzogene Frösch' g'halten. Anführer . Sie wird dich schützen. Quecksilber . Da bin ich nur bis daher sicher (deutet auf die Brust) , außer ich nehm' zwei auf 'n Arm. Nun also! Man wird mit beiden Füßen zugleich gegen den Palast marschieren, Zoraide und ihren Vater g'fangen nehmen. Alles wird massakriert! Die Wiegen im Kind wird nicht einmal verschont! Rechts g'schaut – links marschiert – attackiert – kanoniert – Hahn im Arm – bei Fuß! Anführer . General, du verstehst nichts von der Taktik, laß nur mich kommandieren. – Zum Sturm! (Schlachtmusik beginnt. Sie legen Leitern an den Palast und stürmen hinaus. Die Zwerge bringen einen großen Mauerbrecher und stoßen damit das goldene Tor ein. In der Luft erscheinen zwei Kanonen in Wolken, wobei ein Genius als Kanonier sich befindet. Wie sie den Palast erstiegen haben, nimmt Quecksilber von den beiden Zwergen, welche bei ihm zurückgeblieben sind, einen auf den Arm und so verteidigen die Zwerge ihn gegen einen auf ihn eindringenden Insulaner. Das Gefecht wird auf der Bühne allgemein. Der Palast steht in Flammen, Tutu und Zoraide werden herausgebracht. Gruppe des Sieges der Zaubermannschaft. Lidi erscheint ober ihnen in einem schönen Wolkenzelt als Kriegerin gekleidet, von vier Genien umgeben, welche kleine Fahnen schwingen; sie haben auf dem Haupte kleine Helme, wovon jeder einen transparenten Buchstaben enthält, welche das Wort Sieg formieren.) (Allgemeine Gruppe.) Ende des ersten Aufzuges. Zweiter Aufzug. Erste Szene. Saal im indianischen Geschmacke. An der Seite ein Thronstuhl, worauf Quecksilber sitzt, neben ihm Soldaten, gegenüber Zwerge . Tutus Dienerschaft kniend zu Quecksilbers Füßen. Hassan . Chor .     Huldiget alle dem Sieger, Weihet ihm Leben und Blut, Gegen bezauberte Krieger Kämpfet umsonst euer Mut. Hassan . Hoher Fremdling, der du unter dem Schutze übernatürlicher Mächte stehst, vernimm aus dem unwürdigen Munde deines demütigsten Sklaven die Huldigung aller Bewohner dieser Insel. Alles beugt sich vor deiner Übermacht; Männer, Weiber und Kinder; Elefanten, Tiger und Affen. Quecksilber . Ich versteht schon, das Blatt hat sich g'wendet. Hassan . Herr, und nun wagt es noch zum Überflusse dein Sklave, sich in dem Bewußtsein seiner Schönheit zu deinen Füßen zu werfen und seine Huldigung dir ganz insbesonders darzubringen. Quecksilber . Warum will Er etwas Extra's haben, ich hab' geglaubt, Er ist schon bei den Affen dabei. Hassan . Nein, Herr, ich möchte mich erkühnen, dir meine Unterwerfung in Versen vorzutragen. Quecksilber . Was? in Versen will Er mit mir reden? Tu' Er mir doch das nicht an, da laß' ich mich lieber schlagen. Er in Versen reden? Das kommt mir gerade so vor, als wenn ein Ochse fliegen will. Hassan . So wahr ich ein schöner Mann bin, das ist stark. Quecksilber . G'nug für jetzt! Auf die Nacht wird ein großes Feuerwerk veranstaltet, eine brennende Pyramiden mit zweihundert Feuerrädern, und den – (auf Hassan deutend) setzt man mit seiner Schönheit oben hinauf. Nun entfernt euch! (Alles ab bis auf die vier Zwerge.) Und ihr führt mir Tutu herauf. (Die vier Zwerge ab.) Zuerst werde ich dem Alten noch den Text recht lesen, hernach ihr, dieser undankbaren Person.   Zweite Szene. Tutu wird von vier Zwergen gebracht. Vorige . Erster Zwerg . Halt! Stehen geblieben, sag' ich! Tutu (sieht auf ihn herab) . Was ist denn das für ein Lärm da herunten? Jetzt hab' ich's schon g'nug! Erster Zwerg . Still! Nicht mucksen, oder ich lasse dir fünfundzwanzig herabmessen. Tutu . Was ist denn das, Herr Schwiegersohn, wo steht denn das g'schrieben, daß man mich so fidonmäßig behandelt? G'schieht das auf Ihren Befehl? Quecksilber . Oui ! Tutu . Oui ? Da kann ich Ihnen nichts darauf antworten als pfui! Quecksilber . Ich kann es nicht hindern. Du bist in den Händen meiner Armee. Tutu (zu den Zwergen) . Meine beste Armee, es freut mich, Sie kennen zu lernen! – Wenn ich's nur g'wußt hätt', ich hätt' sie alle g'fangt. Nur einige Mausfallen aufrichten, so g'hören sie mein. Erster Zwerg . Schweig, oder es kostet deinen Kopf. (Zieht den Säbel.) Tutu . Schreit schon wieder herauf auf mich in' vierten Stock. Quecksilber . Nehmt ihm die Fessel ab. (Es geschieht.) Laßt uns allein. Erster Zwerg . Ganz wohl. (Tritt zornig vor Tutu hin.) Teremtete ! (Stößt den Säbel in die Scheide und geht mit den andern dreien ab.) Ebata ! Tutu (sieht ihm nach) . Ha! Ha! Fisolen von einem Menschen!   Dritte Szene. Tutu . Quecksilber . Quecksilber . Jetzt wollen wir ein bissel eine Abrechnung halten. – Wo haben denn Sie und Ihre Mademoiselle Tochter die Lebensart g'lernt, ehrlichen Leuten ihre Kostbarkeiten zu stehlen? Bin ich deswegen in Ihr Land kommen? Tutu . Wer hat's Ihnen g'schafft, daß Sie kommen sollen? Wären Sie wegblieben. Quecksilber . Ist das der Dank, daß ich Ihnen alle Vogelhäuseln, alle Hühnersteigen vergolden hab' wollen, alle Seekarpfen in Goldfisch' verwandeln, damit Sie s' hätten versetzen können, wenn Ihnen 's Geld ausgangen wär'? Tutu . Warum machen Sie denn mich aus? Was geht mich denn Ihr Staberl an? Geben Sie besser acht auf Ihre Sachen; warum haben Sie so herumg'schlagen damit, daß man neben Ihnen nicht sicher war. Quecksilber . Warum haben Sie ihr's nicht weggenommen? – Hätten Sie s' besser erziehen lassen. Tutu . Was kann ich mehr tun? Sie hat drei Gouvernanten g'habt; eine von Paris, die andere von Lyon und eine von Breitenfeld. Sie ist sehr gut erzogen, darum darf ich ihr auch nichts sagen, sonst macht sie mich aus. Quecksilber . Kurzum, Sie sind ein undankbarer Mensch, und ich nehm' Ihre Tochter jetzt nicht mehr. Tutu . So sind Sie ein schmutziger Mann! Quecksilber . O, Sie tuschieren mich nicht. Ich kann gar nicht schmutzig sein, denn ich bin ein reicher Mensch und folglich ein Kerl, der sich gewaschen hat. Wo soll da ein Schmutz herkommen? Tutu . Sie sind auf meine Insel kommen, Sie haben ja nicht einmal einen Paß g'habt. Quecksilber . Das macht alles nichts, wenn ich auch keinen Baß und keinen Tenor hab', eine schön're Stimme hab' ich doch als Sie. Tutu . Ja, da bilden Sie sich was drauf ein, wenn ein solcher Stutzer einen alten Mann, wie ich bin, eins anhängen kann. Meine Tochter ist unschuldig an dem Betrug, Sie sein schuld, warum haben S' just ein goldenes Staberl mitgebracht; hätten S' mit ein' Haslinger so herumg'schlagen, kein Mensch hätte ihn verlangt. Und müssen S' denn just aufs Stubenmädel so hinüberblinzeln? Da muß sie ja eifersüchtig werden. Das müssen Sie sich abg'wöhnen, das ist nicht schön. Meine arme Zoraide ist ohnehin aus Lieb' zu Ihnen völlig damisch. Ich weiß nicht, was sie an Ihnen schön findt? Ich muß ihnen aufrichtig sagen, ich möcht' Sie nicht, es ist nichts an Ihnen. Sie haben ja schon gar keine aufrichtige Physiognomie! Da schaun S' mich an, wie alles offen ist. Quecksilber . Ja, bis daher (deutet auf die Stirne) , aber da ist's zu.   Vierte Szene. Zoraide . Vorige . Zoraide (ganz blaß, tritt langsam vor) . Lassen Sie uns allein, Papa. Tutu . Da schauen Sie s' an, Sie Tyrann! Vor Kummer hat sie sich nicht einmal g'schminkt. Sehn Sie die blassen Wangen? Der Frühling ihres Lebens hat eine Gavott' darauf getanzt, und jetzt haben sie sich in einen alten Weibersommer verwandelt! Hab' ich ihr deswegen so empfindsame Romane lesen lassen? den indianischen Eulenspiegel – die schöne Melusina – damit Sie die zarten Gefühle wieder vernichten, die diese Meisterstücke in ihrer Seele zurückg'lassen haben? Hat sie deswegen die vier Spezies gelernt, damit sie zu ihren glücklich durchlebten achtundzwanzig Jahren – Zoraide (schnell einfallend) . Zwanzig – Tutu . Will ich sagen zwanzig. – Acht Jahre ist sie in die Schul' gangen, die gelten nichts. Die unglücklichen Momente Ihrer Bekanntschaft dazu addieren, mit ihren Tränen multiplizieren und mit Ihrer Wortbrüchigkeit diese Summe dividieren, und das Fazit, das herauskommt; daß sie eine alte Mamsell bleiben muß, weil sie niemand mehr nimmt, wenn sie mit Ihnen Bekanntschaft g'habt hat. Ich hätt' Ihnen noch verschiedene Vorwürf zu machen, aber ich muß mich jetzt ein wenig niederlegen, um auszuruh'n; aber das sag' ich Ihnen, wie Sie dastehn in Ihrem goldpapier'nen Frack – wir sind hier auf einer Zauberinsel. Ich werd' jetzt gleich nachschaun, und wenn ich wo in einem bezauberten Winkel eine übertragene Fee find', die sich meiner annimmt, so sollen Sie mich kennen lernen, Sie Bösewicht, Sie! (Geht ab.)   Fünfte Szene. Zoraide . Quecksilber . Quecksilber . Comment vous portez-vous, ma chère Princesse? Je suis victeur sur Isle de Monsieur Tutu. Zoraide . O, ich versteh'! Weil Sie mich recht peinigen wollen, darum reden Sie Französisch. Sie wissen schon, daß das kein Mensch aushalten kann. Hier bring' ich Ihr goldenes Staberl zurück; Sie hätten's auch, ohne daß Sie mit Ihrer Zwergelarmee unsern Palast verwüstet haben, wieder bekommen. Quecksilber . Haben Sie mir nicht das Tor vor der Nasen zug'schlagen? Haben Sie mir nicht sagen lassen, ich soll mich aus dem Staub' machen, oder Sie lassen junge Tiger auf mich aus? Zoraide . Davon hab' ich nichts g'wußt, es war ein Mißverständnis. Quecksilber . Nein, der Portier hat mir's g'sagt. Zoraide . Da kann ich nichts dafür. Ein besonderes Zutreffen von Umständen – Quecksilber . Die sind? – Zoraide . Der Portier hat einen Rausch g'habt. Quecksilber . Das ist mir auch schon einmal passiert. Zoraide . Wirklich? Sie haben sich einen Rausch trunken? Quecksilber . Ja! War das nicht ein schöner Zug von mir? Doch wir kommen von der Hauptsach' ab. Was Sie mir antan haben, will ich Ihnen großmütig verzeih'n. Ich hab' meinen Stab wieder, und somit sind wir g'schiedne Leut', und damit Ihnen meine kleine Armee in Ihrem Palaste keine Ung'legenheit mehr macht, so soll sie verschwinden. (Winkt in die Kulisse.) Der erste Zwerg erscheint. Quecksilber . Ihr könnt zum Rückzug blasen; wenn ich euch brauch', werd' ich euch schon wieder rufen. (deutet aufs Horn.) Erster Zwerg . Ganz recht. (Geht ab.) Zoraide (bemerkt das Horn, für sich) . Ha, dieses Horn muß ich haben. Quecksilber . Jetzt werd' ich mein segelfertiges Boot besteigen, und somit Mademoiselle, adieu pour jamais ! (Will ab.) Zoraide . Wie? Sie wollen mich verlassen? Quecksilber . Haben Sie etwas dagegen einzuwenden? Zoraide . Ob ich etwas dagegen einzuwenden hab', fragst du? Hast du dich denn nicht verbindlich gemacht, der Sklave meines Herzens zu sein? Und jetzt sagst du mir nicht einmal den Dienst auf, wie sich's g'hört, rennst davon, ohne deine vierzehn Täg' abzuwarten? Quecksilber . Ich bin ja keine Köchin. Zoraide . Und doch willst du mir die Suppen versalzen und mich blandieren, mich, die ich so unschuldig bin wie ein Lamm? Quecksilber (für sich) . Wenn sie nur nicht so hübsch war! (Laut.) Was soll das? Lassen Sie mich, Sie falsche Personag'! Was haben Sie für Beweise Ihrer Unschuld? Zoraide . Hast du den Rausch schon vergessen? Quecksilber . Pah, Larifari! Das ist bei mir gar keine Entschuldigung. Zoraide . Nicht? Ist denn die Lieb' nicht auch ein Rausch, und sagt darum nicht Schiller: Wer niemals einen Rausch hat g'habt, das ist kein braver Mann? Quecksilber . Der Schiller sagt das bei Ihnen? Bei mir singt das der Hausmeister im Neusonntagskind. Zoraide . Gleichviel! Was kümmern mich alle Hausmeister von der ganzen Welt, da die Doppeltür deines Herzens verschlossen ist. Öffne sie deiner Zoraide. Quecksilber . Ich hab' keinen Schlüssel dazu. Schicken S' nach dem Schlosser. Zoraide . Du spottest meiner noch? Quecksilber . Lassen Sie mich gehn. Zoraide . Halt! (Für sich.) Jetzt weiß ich nichts mehr, als ich fall' in Ohnmacht. – Weh mir! Wie wird mir? Quecksilber . Nun, was ist's? Zoraide . Ich sinke! (Fällt in Quecksilbers Arme.) Quecksilber . Sie sinkt schon wieder. Liegt schon da! – Sie, so sind Sie doch gescheit! – Also hier halte ich den Brillant in meinen Armen, der in Falschheit à jour gefaßt ist? – Da kann man wirklich sagen, das ist ein Augenblick von G'wicht. – Und ich bin halt doch in sie verliebt! – Aber das dauert mir schon ein wenig zu lang mit der Ohnmacht, ich muß mich doch anfragen. Sie, möchten S' nicht ein wenig aufstehn? – Na, so werden S' nur munter, ich geb' Ihnen mein Wort, ich bleib' Ihnen treu, und will Sie wieder lieben, wie vorher. Zoraide (erwacht) . Ach, was hör' ich? Ist es auch dein Ernst? Ihr Götter, ich dank' euch, er ist wieder moi . Nie werd' ich diesen Augenblick vergessen! Quecksilber . Ich auch nicht. Zoraide . Also nichts kann uns mehr trennen? Aber mein Vater ist aufgebracht; wenn er sich unsrer Verbindung widersetzte? Quecksilber . O, darum sorg' dich nicht. Dem werd' ich schon etwas vorblasen, daß er g'nug hat. Zoraide . Blasen? Ich versteh' dich nicht. Quecksilber . Wie er sich muckst, so blas' ich in mein Horn, und meine Zwergenarmee ist wieder da. Zoraide . Ach, das ist schön, das möcht' ich sehen. O, mach' mir doch eine kleine Prob' damit, ich kann's nicht glauben. Quecksilber . Nicht? Ich werd' dir gleich eine Kompagnie herblasen. (Nimmt das Horn herab.) Zoraide . O laß es mich doch versuchen, ob ich es auch kann. Ich bitte dich, ich will nur einige rufen. Quecksilber . Meinetwegen. Aber acht geben. (Gibt ihr das Horn.) (Zoraide bläst in das Horn.) (Musik.)   Sechste Szene. Vorige . Sechs Amazonen erscheinen mit Lanzen und Schilden. Zoraide . Schützt mich vor dem Grimme dieses Narren! Das Horn ist mein. Erkennst du nun Zoraide? Hahaha! Quecksilber . Ha, Schlange! Die Amazonen (halten ihre Lanzen vor und rufen) : Zurück! (Quecksilber stürzt zu Boden. Die Amazonen eilen Zoraiden nach.)   Siebente Szene. Linda . Quecksilber . Linda . Was hör' ich denn für einen Lärm da herinnen? Wer liegt denn da auf dem Boden? Der Fremde! – Ach, der arme Narr, er rührt sich gar nicht. Er wird doch nicht tot sein? Mir wird völlig angst! (Rüttelt ihn.) Sie! Gnädiger Herr! – Leben Sie noch? – Machen Sie mir doch nicht so angst. Wenn S' tot sind, so sagen Sie's. Quecksilber (richtet sich auf) . Wo bin ich, leb' ich noch? Linda (ängstlich) . Ich weiß 's nicht. Quecksilber . Wer ist hier? Ha, ein Frauenzimmer? Aus meinen Augen, Schlange! Linda . Du lieber Himmel, er hat den Verstand verloren. Quecksilber . Ich den Verstand? Ha, ha, ha! Kann der Elefant seine Flügel verlieren? die Katz' ihre Aufrichtigkeit? der Has' seinen Mut? das Kamel seine schlanke Taille? Linda . Gehn S', richten S' die Tier' nicht so aus. Quecksilber . Kannst du einem Sesseltrager seine Zartheit, einem Kipfelweib ihre Verschwiegenheit und einem Schusterbuben seine Bescheidenheit rauben? Kannst du einem Menschen seine Zufriedenheit entreißen, der gerade fünfundzwanzig bekommen soll? Linda . Nein, was Sie z'sammenreden – Quecksilber . Eh' ich einen Verstand verlier', eh' wird sich der Mond einen Karbonari, und die Sonne eine Wildschur machen lassen. Linda . Ich bitt' Sie, hörn S' nur einmal auf von dem unsinnigen Diskurs. Ich hab' Ihnen für einen so guten Menschen g'halten. Quecksilber . O! ich hab' sie auch für gut gehalten. Linda . Wen? Quecksilber Wen? Deine Gebieterin! Die saubre Mamsell. Linda . Was hat s' Ihnen denn getan? Quecksilber . Sie hat mir das Zauberhorn entfremdet. Linda . Nun, da haben wir's, so bin ich schon zu spät kommen. Ich habe Sie warnen wollen vor ihrer List, sie macht es allen Leuten so. Hätten Sie sich nur nicht in sie verliebt, wären Sie gleich zu mir kommen. Quecksilber . Lassen Sie mich gehn, ich bin zu desperat. Linda . Sein S' gut, ich bitt' Ihnen! – Hören S'! Quecksilber . Mich so zu betriegen! (Sieht Linda an.) Sie ist ein sauberes Mädel! – So zu hintergehn! – (Wie vorn.) Und was s' für schöne Augen hat! – (Heftig.) Nein, nein! (Linda ansehend.) Das Mädel g'fallt mir, bei der bleib' ich. Linda . Ich werd' Sie g'wiß recht gern haben. Sie haben Ihr Horn verloren? Machen Sie sich nichts draus. Quecksilber . Sie setzen mir g'wiß ein andres auf? Linda . Ich will Ihnen mein Herz dafür schenken. Sie können freilich damit keine Armeen herblasen, aber einen einzelnen Verteidiger werden S' ewig an ihm haben. Tausend Getreue werden Ihnen nimmer zu Gebot' stehn, aber wenn Sie an das Herzenstürl anklopfen, so wird Ihnen eine treue Person entgegenkommen, und Sie werden sehn, wenn Sie mich heiraten, so werden Sie noch glücklich werden, und Sie werden auf alle Hörner vergessen. Quecksilber . O, du liebes Maderl du! Wie heißst denn? Linda . Linda. Quecksilber . O, du lieber Narr! Linda – der Nam' ist so lind wie eine samtne Schlafhauben. Nun gut, du sollst mein werden; aber Rache muß ich haben! Mein Zauberhorn muß ich erobern, das Zauberstaberl soll mir helfen. Ruf' meine Bedienten und alles, was du im Palaste von Männern findst, z'sammen. Jedem will ich eine Million geben zum Geschenk, wenn sie mir mein Horn erobern, und dir versprech' ich goldne Berg' zur Belohnung. Linda . Vivat! Jetzt bekomm' ich einen Mann. O, du goldner Mann. Ich bin gleich wieder da. (Geht ab.)   Achte Szene. Quecksilber (allein) . Das Madel ist brav, die heirat' ich. Wart', Prinzessin, du sollst mich kennen lernen! Ich überfall' diese Nacht mit meinen Leuten das Schloß, erober' das Zauberhorn und laß' Zoraide und ihren Vater in den tiefsten Kerker setzen, auf den Boden hinauf oder zwischen die Winterfenster, nimm 's Horn auf den Arm, das Mädel auf den Rücken und dann fort aus dem Haus' der Falschheit und der Papierlerei!   Neunte Szene. Voriger . Linda mit Quecksilbers Leuten und mehreren von Tutus Gefolge . Chor . Linda .         Ihr Freunde, folget nur, Ihr seid auf goldner Spur! Ihr sollt es nicht bereun, Sein Lohn wird euch erfreun.   Chor . Wir wollen uns bestreben Ums herrliche Metall, Und wagen selbst das Leben, Erzähl' uns nur den Fall!   Linda . Zu hohem Preise, Listiger Weise, Ward ihm entwandt Ein silbernes Horn.   Chor . Sollen mit den Waffen Wir dir's verschaffen? Gib nur Befehle, Gleich packen wir an!   Quecksilber . Ich will euch lohnen Mit Millionen, Schwöret mir Treue In meine Hand.   Chor . Wir schwören zur Stelle, Wir bleiben dir treu, Doch schaffe nur schnelle Die Schätze herbei! Rezitativ . Quecksilber . Wohlan! Haltet eure Turbans hoch, Hiernieden drücke euch kein Joch; Jauchzt im fröhlichen Verein, Ein goldner Regen fällt hinein!   Chor .         Jauchzt im fröhlichen Verein, Ein goldner Regen fällt hinein!         Quecksilber . Liebes Staberl, sei mir hold! Chor und Linda . Liebes Staberl, sei ihm hold! Quecksilber . Hohe Freude schafft dein Gold! Chor und Linda . Hohe Freude schafft dein Gold! Quecksilber .         Schnell die Mützen in die Höh'. Stab, bring' einen goldnen Schnee. Winkt mit dem Stab, alle halten die Turbans hoch und sind in gespannter Pause.) Quecksilber . Linda . Chor . Linda .     Es kommt nichts von oben, Es kommt nichts von unten, Die Macht seines Stabes Ist gänzlich verschwunden.   Quecksilber . Was ihr auch plauscht, Der Stab ist vertauscht. Meiner war stark, Und dieser ist ein Quark. (Zerbricht den Stab.) Chor .     Ha, komme nur noch einmal her Du verdorbner Millionär, Halten wir dir unsre Treu, Schlagn den Rücken dir entzwei. (Alle gehen hohnlachend ab.)   Zehnte Szene. Quecksilber . Linda . Dann Hassan . Linda . Aber was haben S' denn gemacht? Warum hat es denn keine Dukaten g'regnet? Quecksilber . Still! Ich bin froh, daß's keine Schläge g'regnet hat! Zum Tröpfeln hat's schon ang'fangen. Aber was nutzt das? Ich bin doch ein g'schlagener Mann. Die Falsche hat mir meinen Stock vertauscht. Linda . Es gibt ja noch mehr Stöck' in der Welt, vergessen Sie sich selbst nicht. Quecksilber . Was nützen mir jetzt alle Stöck' in dieser Welt! Alle Weinstöck', alle Haubenstöck', alle Hackstöck', dieser war der erste! Linda . Nun, so lassen Sie jetzt den ersten Stock gehn, und ziehn wir uns in' zweiten oder dritten hinauf, so hab'n wir eine schönre Aussicht. Quecksilber . Ach, du bist noch die einzige treue Seel', die ich hab'. Meine Dienerschaft hat mich verlassen. Linda . Verlassen Sie sich auf mich, ich geh' mit Ihnen durch, wann S' wollen. Hassan (erscheint an der Tür und horcht) . Nun wart', du Katz'! Quecksilber . Ich weiß jetzt nichts zu tun, als daß ich mein goldnes Schiff ins Versatzamt schick', damit wir ein Reisegeld kriegen. Linda . Aber wie kommen wir denn fort? Quecksilber . Da setzen wir uns z'sammen, hängen diesen bezauberten Schal um, und wo wir uns hinwünschen, können wir sein. Hassan (für sich) . Der Kerl beutelt die Talismane nur aus dem Ärmel heraus. Linda . Nun, und da bist du so mutlos und willst davonlaufen? Das ist ja Kinderei. Mit dieser Binde wünschest du dich in das Kabinett der Zoraide, wenn sie allein ist, drohst sie umz'bringen, wenn sie dir dein Horn und deinen Stab nicht gibt, und du wirst sehn, sie bittet dich noch um Pardon. Hassan . Ein sauberer Plan. Das entdecke ich augenblicklich meiner Gebieterin. Wart', du Hex'! (Geht ab.) Quecksilber . Richtig, du hast recht, so geht's prächtig! Da wär' ich mit meinem Plutzerkopf nicht drauf kommen. Maderl, du bleibst schon bei mir, und wenn ich wieder reich bin, so vergold' ich dir den Trattnerhof in der Stadt, und mach' dir'n zum Präsent. Duett . Quecksilber . O liebes Maderl, sieh mich an, Und denke dir, der schönste Mann, Der Füße hat, als wie ein Pfau, Macht dich zu einer gnäd'gen Frau. Linda . Dann geb' ich täglich Assemblee! Und meine Schalen zum Kaffee, Die müssen von Brillanten sein, Und goldne Kipfel tunkt man ein! Quecksilber . Dann fahren wir mit Roß und Wagen; Die Pferd' lass' ich mit Silber b'schlagen. Linda . Ich lad' die schönsten Herren ins Haus. Quecksilber . Und ich, ich wirf sie wieder 'naus. Beide . Die Möbeln sind von Ebenholz, Und wir sind beide schrecklich stolz. Ich steig' daher, als wie ein Hahn, Und schau' gar keinen Menschen an. Quecksilber . Die Binde hier trägt uns mit flüchtigem Sinn In einem Tag durch die vier Weltteile hin. Linda . Im Morgenland nehmen das Frühstück wir ein. Quecksilber . Und ich trink' in Grinzing g'schwind ein Glas Wein. Linda . Dann bleibn wir in Holland ein wenig zu Haus. Quecksilber . Und schaun in Brasilien zum Fenster heraus. Linda . Des Mittags, da speisen wir beide allein. Quecksilber . Da kehrn wir beim Sperl in Afrika ein. Linda . Ein G'frornes sollt' doch auf die Jausen wohl sein? Quecksilber . Da setz' ich dich mitten ins Eismeer hinein. Linda . Und wann's zum Soupiern aufn Abend wird kühl? Quecksilber . Da essen wir in Ofen, da friert uns nicht viel. Linda . Doch gehen wir schlafen, Das fällt mir nicht ein, Wo wird unsre Ruhe Am sichersten sein? Quecksilber . Das sollst du schon wissen. Das ist ja bekannt, Am sichersten ruht sich's Im Österreicher -Land. (Beide ab.)   Elfte Szene. Gemach der Zoraide mit zwei Seitenfenstern, von einer Lampe beleuchtet. Zoraide und Hassan treten ein. Zoraide . Er hat also gut verstanden? Daß nicht hernach wieder eine Dummheit herauskommt, wie gewöhnlich, wenn man Ihm etwas glaubt. Hassan . Nein, meine Gebieterin. Ich schwör' es bei meiner Schönheit, daß ein jedes Wort sich so verhält. Er besitzt die Zauberbinde und will dich in deinem Gemach überfallen, um seine Talismane zurück zu fordern. Zoraide .. Und meine Kammermamsell hat richtig mit ihm eine Amour? Hassan . Richtig! Sie hat ihn noch zu dieser List beredet. Zoraide . Die Undankbare, ist das mein Lohn? Hab' ich ihr nicht erst zu ihrem Namenstage fünf Gulden und ein musselinenes Kleid von mir gegeben? Hassan . Richtig. Es ist enorm! Zoraide . Was ich dieser Person alles getan hab'! Hassan . Wenn ich bedenk', die vielen Ohrfeigen, die Sie ihr gegeben haben. Zoraide . Ah. das ist das wenigste. Hassan . Für mich wäre es das meiste. Zoraide . Die Person wagt es mir den Rang abzulaufen? Hassan . Mir einen andern vorzuziehn? Zoraide . Bei allen Göttern, das ist zu viel! Hassan . Bei meiner Schönheit, das ist zu viel. Zoraide . Jetzt marschier' Er mir hinaus, denn sich mit Ihm auch noch ärgern, das ging' mir just noch ab. Fort! Alle zwei hinaus! – Er und Seine Schönheit! Hassan (für sich) . Das ist der Neid. Was kann ich dafür, daß die Natur mich mit diesen Reizen ausgestattet hat? (Will ab.) Zoraide . Halt! Man gebe sogleich Befehl, daß die Wachen im Vorsaale lauern, und wenn ich ruf', so wird er gepackt und festgehalten, den Talisman werde ich ihm schon früher zu entreißen suchen. (Hassan ab.)   Zwölfte Szene. Zoraide (allein) . Jetzt steigt herauf, ihr Furien der Rache! Du sollst mir nicht zu pfiffig werden, und wenn ihm noch hundert Zaubermittel zu Gebot stünden. Der Zauber, den unsere Anmut bewirkt, macht alle zu schanden. – Was rauscht denn im Garten? Was seh' ich? Bin ich denn auf dem Blocksberg? Wer reitet denn da durch die Luft? Er selbst. (Man hört einen Hahn krähen.) Auf einem Hahn! Und wie schön er oben sitzt, wie ein englischer Reiter. O du herrlicher Talisman, dich will ich besitzen! (Musik.) Nun wart'! (Setzt sich auf den Stuhl und stellt sich schlafend.)   Dreizehnte Szene. Vorige . Quecksilber kommt auf einem großen Hahn zum Fenster hereingeflogen. Wie der Hahn im Gemache ist, steigt Quecksilber ab, der Hahn fliegt wieder zum entgegengesetzten Fenster hinaus und kräht. Quecksilber . Still! Du vertraktes Tier! Kräht der Kerl, daß einem die Ohren zerspringen möchten. Wenn die Fee keine andern Pferd' im Stall hat, das ist eine fatale Expedition. Auf keinem Hahn wird nimmer ausg'ritten. Melodram . Quecksilber (sieht Zoraiden) . Ha, da ist sie! Sie schläft! (Die Musik drückt das Schnarchen aus.) Welch' ein sanfter Schlaf! Ach, warum ist sie so falsch und so schön? Zoraide . Er ist doch noch verliebt, der Gimpel! Quecksilber . Sie spricht im Schlaf'! Es muß ihr von mir geträumt haben; – doch Quecksilber, nimm dich in acht! Heda, aufg'standen! Zoraide (als ob sie sich ermunterte) . Was ist das? Wer ist hier? Quecksilber . Ego sum . Zoraide . Was willst du hier? Quecksilber . Ich hab' Ihnen fragen wollen, wieviel Uhr es ist. Zoraide . Welche Frechheit! Laß mich hinaus! Quecksilber . Nicht von der Stell'! Wie Sie um Hilf' rufen, so werf' ich Sie zum Fenster hinaus. Mein Horn will ich haben und mein spanisches Röhrl, oder Sie kommen nicht ganz aus dem Kabinett. Zoraide . Welch' unerhörte Keckheit! Entflieh, oder dieser Dolch – Quecksilber . Wart', du meineidiges Gareisel! (Springt um den Dolch.) Zoraide (ersieht ihren Vorteil, entreißt ihm die Binde und ruft in dem Augenblick:) Wache!   Vierzehnte Szene. Vorige . Wache stürzt herein und ergreift schnell Quecksilber. Später Hassan . Zoraide . Haltet ihn. (Eilt mit der Binde ins Gemach.) Quecksilber . Laßt mich! Ich bin Ludwig der Springer. (Reißt sich los und springt zum Fenster hinaus.) Hassan (eilt herbei) . Habt ihr ihn schon? Nur nicht loslassen, das rat' ich euch. Wache . Er ist entflohn. Hassan . Was? Wache . Durchs Fenster. Hassan . Richtig, dort lauft er. (Ruft.) He! Wart' Er ein wenig, daß ich Ihn einholen kann. Zoraide (kommt zurück) . Fort mit ihm. Hassan . Er ist schon fort. (Deutet auf das Fenster.) Zoraide . Was, entflohn? Das ist nicht möglich. Hassan . Bei meiner Schönheit, es ist so. Zoraide . Nun auch recht, weil ich nur seine Gaben habe.   Fünfzehnte Szene. Tutu . Vorige . Tutu (in einer Art Schlafrock, eine große bunte Laterne in der Hand) . Was macht ihr denn bei der Nacht für ein Revolter? Nicht einmal ausruhn kann man sich ordentlich. Zoraide . Papa! Freuen Sie sich mit mir. Tutu . Über was soll ich mich denn freuen? Ich weiß ja von nichts. Zoraide . Ich hab' dem Fremden seine Zaubergaben abgelockt, und nun hat er nichts mehr, alle sind in meiner Hand. Er selbst ist entflohn zum Fenster hinaus. Tutu . Das sein Geschichten! Aber warum sagt mir denn niemand etwas davon? Zoraide . Wann soll man Ihnen denn was sagen? Alle drei Wochen werden S' einmal munter, hernach setzen Sie sich zum Essen und nach dem Essen legen Sie sich wieder nieder. Tutu . Ein jeder Mensch hat seine Passion, ich bin am lustigsten, wenn ich schlaf'. Zoraide . Niemand wird diese Nacht mehr schlafen. Ein großes Freudenfest wird bereitet, welches morgen den ganzen Tag nicht enden soll. Gedichte auf die Größe meines Verstandes müssen auf allen Straßen ausgestreut werden. Freude muß diese Insel beleben! So freuen Sie sich doch ein wenig mit Ihrem kannefaßenen Schlafrock. Tutu . Nun, wenn ich mich nicht freu', so weiß ich's auch nicht. Vor Freuden tut mir schon ordentlich der Magen weh. Zoraide . Ich geh' mich jetzt umzukleiden. Triumph, es ist gelungen. (Eilt ab.) Tutu . Jetzt richtet alles zum Fest' her, meine roßhaarenen Polster nicht zu vergessen. Im chinesischen Lusthaus wird gespeist auf einhundertundfünfzig Personen. Nach Tisch wird großer Ball, und wenn ich vielleicht einschlummern sollt', so wird der Menuett mit dem Paukenschlag g'macht. Mit Stiefel und Sporn wird nicht getanzt. Auch bittet man keine Hunde mitzunehmen. (Alle ab.)   Sechzehnte Szene. Indische Gegend. Auf einer Seite ein Feigenbaum, auf der andern eine praktikable Quelle. Im Hintergründe eine Strohhütte. Quecksilber sitzt auf dem Feigenbaum, sieht überall herum und steigt herab. Dem Himmel sei Dank, es kommt niemand nach. Jetzt steh' ich frisch! Jetzt hab' ich kein Horn, keinen Stab, keinen Gürtel und 's Stubenmädel ist auch beim Guckguck. Mir bleibt nichts, als das schöne Bewußtsein, daß ich ein Esel war und hab' mich anführen lassen. Aber g'loffen bin ich, wie ein Windspiel. Hingegen, wie ich ausseh', das ist schrecklich! Meine Füß' sind totenblaß, und einen Hunger hab' ich, daß ich die Goldborden auf meiner Weste aufessen möcht'. Ich geh' gerad' auf den Feigenbaum los, in fünf Minuten ist keine einzige mehr oben. (Steigt hinauf.) Ach, jetzt wollen wir dem Hunger die Feigen zeigen. (Er ißt.) Prächtig! Herrlich! Klassisch! (Pflückt einige und steigt herab. Seine Nase hat sich um vieles vergrößert, so daß sie noch ganz proportioniert bleibt, und nicht zur Karikatur wird. Er ißt noch eine Weile fort.) Ich weiß nicht, mich blendt immer was vor den Augen. (Greift an die Nase.) Was ist denn das? Ich habe ja eine völlige Pfundnasen? O ich unglückseliger Mensch, was wird mir noch alles geschehn? Am End' muß ich noch mit einer langen Nasen auch abziehn. Die Nasen! Wenn ich da die Strauchen bekomm', das wird eine Todeskrankheit. Wenn ich mich nur sehn könnt'! Jetzt sollt' ich halt in der Spiegelgassen sein. Ist denn niemand hier? (klopft an die Hütte.)   Siebzehnte Szene. Zadi . Voriger . Zadi (von innen) . Wer klopft? Quecksilber . Ich! Zadi . Was willst du? Quecksilber . Ich bitt' Sie, haben Sie keinen Trumeauspiegel? Zadi . Kerl, wenn ich hinauskomm', so schlag' ich dir die Nase entzwei. Quecksilber . Der will mir die Nasen entzwei schlagen! Diese Nasen! Frage, wie ist das möglich? Zadi (kommt aus der Hütte mit einer Keule, die er schwingt) . Wart', du verdamm— Haha! Da seh' ein Mensch den närrischen Kerl, wie er aussieht. Quecksilber . Der merkt's schon. Zadi . Besieh dich dort in jener Quelle, wie du aussiehst. Quecksilber (tut es) . O Spektakel! Ich hab' eine ordentliche Plutzerbirn' im G'sicht. Wenn ich mit dieser Nasen nach Wien komm', so lassen s' mich bei gar keiner Linie hinein. Zadi . Du hast gewiß von diesen Feigen gegessen? Quecksilber . Freilich! Zadi . Das hätt' ich dir vorher sagen können. Wie kommst du in diese Gegend, die ich allein bewohne, und zu diesem Baum'? Quecksilber . Das ist jetzt nicht die Frag', wie ich zu dem Baum' komm', die Frag' ist, wie ich von dieser Nasen komm'. Zadi . Diese komische Nase und dein komisches Aussehn haben dich gerettet. – Mich hat die Menschenscheu in dieses Zaubertal geführt, das ich nie verlasse, und das aus Vorurteil seit hundert Jahren kein menschlicher Fuß betreten hat. Ich lebe hier lieber unter den Tieren, und hätte dich verjagt, wenn ich nicht über deine Nase und dein komisches Aussehn hätte lachen müssen. (Sieht in die Kulisse.) Sieh, hier kommt noch jemand. Quecksilber . Das ist mein Stubenmadel. G'schwind! – Nun? – Sie bleibt stehn. Zadi . Siehst du denn nicht, sie kann ja nicht über den tiefen Graben. Quecksilber . So soll sie über die hohe Brücke gehn. Zadi . Ich will ihr helfen. (Eilt ab.) Quecksilber . Jetzt, wenn die mich mit der Nasen sieht, die kann mich nicht mehr gern haben, es ist unmöglich!   Achtzehnte Szene. Linda . Zadi . Quecksilber . Linda . Hab' ich dich endlich g'funden! (Sieht ihn an und schreit.) Ach Himmel! Wie siehst du aus? Quecksilber Hat's schon g'sehn. Ein Aug' hat sie, wie ein Falk. Linda . O du abscheulicher Mensch, was hast du denn getan? Quecksilber . Ich bitt' dich um alles in der Welt, verzeih mir's nur diesmal, ich werd's in meinem Leben nicht mehr tun. Ich hab' dort von diesen Feigen gessen, und da ist mir die Nasen g'wachsen. Linda . Nein, so mag ich dich nicht. Jetzt bin ich ihm nachg'loffen und bin vor Angst völlig krank worden, bis ich ihn eing'holt hab', und jetzt sieht er so aus. Quecksilber (kniet) . Linderl! Ich bitt' dich, sei nur g'scheit! Jetzt kannst mich doch bei der Nasen herumführen. Wenn mich jemand bei der Nasen erwischt, dem komm' ich nicht mehr aus. Linda . O, du Unglücksvogel! Fort, ich kann dich nicht mehr ansehn. Zadi . Nu, ich will dich nicht länger leiden lassen. Trink dort aus jener Quelle, und du wirst sie wieder verlieren. Wie ich diese Gegend bezogen habe, ist es mir auch so ergangen. Quecksilber . Ist das wahr? Dem Himmel sei Dank! (Läuft zur Quelle, trinkt, die Nase verschwindet, er springt vorwärts.) Ist schon weg! Ach, das ist eine Freud'! Quecksilber und Linda (zugleich) . Das ist eine Freud'! (Hüpfen vor Freude.) (Wie sich ihre Gesichter begegnen, hören sie mitten unter dem Lachen auf, Quecksilber bleibt plötzlich ernsthaft stehen, und Linda ist betroffen.) Quecksilber . Was ist's? Was wollen Sie? Sie mögen mich ja nicht mehr. Linda . Ach ja, jetzt mag ich dich schon wieder. Quecksilber . Da haben wir's! Wie ich mit meiner Schönheit Krida hab' ang'sagt g'habt, hat sie nichts mehr von mir wissen wollen, jetzt, weil ich wieder rangiert bin, jetzt möcht s' mich wieder. Was willst du denn jetzt mit mir machen? Ich bin ja Betteltutti! (Zu Zadi.) Lieber Freund, wie soll ich Ihnen meinen Dank abstatten? Wollen Sie mir nicht zweihundert Gulden leihen? Zadi . Zweihundert Prügel kannst du haben. Quecksilber . Ich weiß nicht, wie die Münzen bei Ihnen heißen. Linda . Ach, wir werden nicht verhungern. Weißt du was? Ich verkauf' den Leuten solche Feigen, und wenn sie verschandelt sind, so kommst du als Doktor und kurierst sie mit dem Wasser wieder, so bekommen wir Geld in Menge. Quecksilber . Halt! Laß mich nachdenken. – Wie? – Was? Ja, ich hab's, mein Glück, ich hab's g'fangt! Zadi . So halt's fest. Quecksilber . Lieber Freund, tu mir nur den einzigen G'fallen, nimm einen Korb, füll' ihn mit solchen Feigen an, und zwei Flaschen mit Zauberwasser, ich werd' dich reichlich belohnen, aber nur g'schwind. Zadi . Nu, nu, den Gefallen kann ich dir schon tun. (Geht in die Hütte und holt Korb und Flasche, die er füllt.) Linda . Aber was ist's denn? Quecksilber . Linderl! Jetzt nimm dich z'sammen. Vermißt man dich schon im Palast? Linda . O nein! Es geht ja alles drunter und drüber wegen dem Fest. Quecksilber . Ein Fest? Das ist herrlich. Kennt man auf der Insel die Wirkung der Feigen? Linda . Ich hab' noch nie was davon g'hört. Diese Gegend ist behext, darum getraut sich auch niemand hierher zu gehn, und nur weil ich dich von weitem laufen g'sehen hab', bin ich dir gefolgt. Quecksilber . Du mußt wieder zurück zum Fest. Du nimmst einen Korb voll solcher Feigen und bringst sie deiner Prinzessin und ihrem Vater als Geschenk zum Konfekt. Sie sind so schön, daß sie g'wiß davon essen. Linda . Nun, und dann? Quecksilber . Dann kriegen s' große Nasen, du verschaffst mir Kleider; wenn sie hernach verzweifeln, so bringst du mich als Wunderdoktor, und ich kurier' sie nicht eher, bis sie mir meine Zaubergaben zurückgibt. Linda . Das ist ein prächtiger Plan! Ich freu' mich! Wenn sie nur recht häßlich wurd', weil s' immer die Schönste sein will. 's g'schieht ihr schon recht. Quecksilber . Das ist ein Wasser aus der ihr' Mühl'. Ja, die Frauenzimmer! –   Neunzehnte Szene. Vorige . Zadi . Zadi (hat nun den Korb mit Feigen und die Flasche mit Wasser gefüllt und tritt vor) . Nun, hier hast du alles! Quecksilber . Bruder, ich dank' dir! (Umarmt ihn.) Ich kann dir unterdessen nichts dafür geben, als hier dieses silberne Schnupftüchel, was mir von meinem Reichtum noch überblieben ist. (Zieht eines aus der Rocktasche.) Zadi . Ich brauche nichts. Quecksilber (gibt Linda den Korb) . Das nimmst du; so, und wenn's gelingt; Viktoria im Schwabenland! Zadi . Aber was machst du denn damit? Quecksilber . Das geht dich nichts an. Ich hab' einen guten Freund, und der muß mir eine Nasen bekommen, daß man sie mit der Ellen ausmessen kann. Jetzt, Linderl, komm, es ist keine Zeit zu verlieren. Waldteufel, adieu! Zadi . Du bist ein närrischer Kerl, lebe wohl. (Ab in die Hütte.) Quecksilber . Linderl, jetzt fahr' ab. Ich werd' gleich nachkommen. Miteinander dürfen wir nicht fort, damit uns niemand sieht. Linda . Verlaß dich nur auf mich. Ein g'scheits Madel setzt alles durch. (Geht mit dem Korb ab.) Quecksilber (allein) . Jetzt ist mir wieder leicht. Es geht halt nichts über die Hoffnung. Jetzt bin ich so froh, daß ich alle Menschen könnt' beim Kopf nehmen und könnt' s' küssen. Diese Welt ist das Beste auf der Welt. Arie .             In der Welt ist's recht schön             Glauben Sie's mir! Man tanzt einen Langaus durchs Leben dahin, Bewahrt man sich immer den lustigen Sinn.             Glauben Sie's mir! Und die Weiber sind schon brav,             Glauben Sie's mir! Und zwingt auch der Eh'stand die Freiheit ins Joch, Die Weiber versüßen das Leben uns doch.             Glauben Sie's mir! Und die Männer, es passiert auch,             Glauben Sie's mir! Bleiben's brav, meine Damen, beim untreuen Blick, Dann sehn wir erst ein und kehrn selber zurück.             Glauben Sie's mir! Zwar, das Glück ist oft falsch!             Glauben Sie's mir! Doch hoff' ich, daß niemals mein Glück sich verdreht, Weil in Ihrer Freude mein Glück nur besteht.             Glauben Sie's mir! Und mein Herz ist so voll,             Glauben Sie's mir! Es klopft etwas drinnen, es möcht' gern heraus, Und gäb' Ihnen gern seinen Dank mit nach Haus.             Glauben Sie's mir!             Glauben Sie's mir!   Zwanzigste Szene. Großer indischer Garten. Auf der einen Seite ein Blumenthron für Zoraide, auf der andern der praktikable Eingang in ein schön verziertes chinesisches Lusthaus. Großer Einzug. Tänzer und Tänzerinnen voraus, dann Gefolge. Sklaven, Sklavinnen; zum Schlusse Tutu , Zoraide , Hassan . Zoraide besteigt den Thron, die Zaubergaben werden auf drei Kissen nachgetragen. Chor .           Lange herrsche Zoraide Durch des Geistes Strahlenkranz, Unser Jubel werd' nie müde Zu verkünden ihren Glanz. Zoraide (stolz) . Ich dank' euch! Obwohl es mir durchaus keine Neuigkeit mehr ist, daß mein Witz und meine Schönheit sich mit allen weiblichen Vorzügen auf dieser Erde messen können; so will ich doch nicht so unbescheiden sein, es heut' nicht noch einmal aus eurem jauchzenden Mund' zu hören. Alle . Heil Zoraide! Zoraide . Papa, nehmen Sie jetzt das Wort. Tutu . Still! Ich nehm' jetzt das Wort. – Alle meine Herren und Frauen, laßt euch sagen; wir sind hier versammelt, um ein Fest zu feiern, welches wir veranstaltet haben, weil meine Tochter durch die außerordentlichen Gaben ihres Verstandes, welcher sogar den meinigen noch übertrifft, dem übermütigen Fremdling, der auf unsre Insel gekommen ist, drei Zaubergaben von hohem Werte abgenommen hat. – Weil dieser Fremdling nun – nicht wahr, meine Tochter? – weil dieser Fremdling – so undankbar an uns gehandelt hat, so – o, weiß ich vor Zorn gar nicht mehr, was ich reden soll. (Auf Zoraide deutend.) Die Fortsetzung folgt. Zoraide . Hier sind die Zaubergaben. Durch dieses Horn ist unsre Insel vor jedem Überfall gesichert. Dieses Staberl birgt eine goldne Welt, und die Binden bringt mit Blitzesschnelle den, der sie tragt, an den entferntesten Ort. Alle diese Gaben werd' ich vorzüglich zu eurem Glück' anwenden. Alle . Heil Tutu! Heil Zoraide! Hassan . Nehmen Sie, gnädigste Gebieterin, hier die Früchte unsrer Muse, welche in den größten indianischen Köpfen erst heute morgens reif geworden sind. Zoraide . Wo sind sie? (Vier Sklaven bringen einen großen goldenen Korb, worin eine Menge Papierrollen von verschiedenen Farben aufgehäuft sind.) Hassan . Hier ist das poetische Ragout! Zoraide (nimmt mehrere in die Hand, ohne sie anzusehen) . Was enthalten sie? Hassan . Die ungeheuersten Lobsprüche auf deine Liebenswürdigkeit und deinen Verstand. Zoraide (selbstgefällig lächelnd) . Sie gefallen mir. Eine schöne Schreibart; ich bin ganz zufrieden damit. Tutu (wiegt einige in der Hand) . Ach ja, sie sein recht gut, sein recht gut. Sein mitunter recht frische dabei, wie man jetzt sagt; mit humoristischer Frische. Hassan . Und nun erlaube auch, daß meine Schönheit es wagt, dir auch eine Poesie zu übergeben. Zoraide . Was ist's denn? Hassan . Es ist eine Elegie auf deine Liebenswürdigkeit. Tutu . Das hat Er gewiß wo abg'schrieben. Das trau' ich Ihm nicht zu, daß Er ein Negligé machen kann, oder wie das heißt. Hassan . Herr, bei meiner Schönheit, ich hab' es selbst verfaßt. Zoraide . Genug, ich werd' Ihm hernach schon etwas schenken. Tragt die Gedichte auf mein Gemach. (Es geschieht.) Die Gaben hier hinein, ich werd' sie bewahren. Ein Sklave . Herr, die Tafel ist bereitet. Tutu . Ach, du hast ein schönes Wort gesprochen. (Laut zu allen.) Die Tafel ist bereitet. Alle . Ach! Tutu . Komm, meine Tochter! Der Geist hat seine Mahlzeit eing'nommen, jetzt wollen wir dem Magen auch eine kleine Vorlesung halten. Man schreie; Heil Zoraide! Heil Tutu! Alle . Heil Tutu! Heil Zoraide! Tutu . Ich dank' euch, ihr habt mich überrascht. Man folge uns! (Alles geht ab, bis auf Hassan und die Tänzer.)   Einundzwanzigste Szene. Linda . Vorige . Linda (kommt mit zwei Teller Feigen) . Hassan, Hassan! Hassan . Du Katze, wo steckst du denn? Zoraide wird deine Backen schön bewillkommen, wenn du ihr vor die Augen kommst. Linda . Sei nur nicht bös', lieber Hassan. Ich hab' es schon recht oft bereut, daß ich mich von dem Landstreicher hab' bezaubern lassen, dir abtrünnig zu werden. Hassan . Nun, das ist dein Glück. Was hast du denn da für schöne Feigen? Linda . Sie sind von unserm Hofgärtner und g'hören nur für Tutu und Zoraide. Sie sind äußerst selten. Trag sie auf die Tafel und übergib sie nur unsrem Herrn und der Prinzessin; ich hoff damit sie wieder gut zu machen. Hassan . Bei meiner Schönheit, das sind herrliche Feigen! Da will ich mich damit einschmeicheln; ich werde sagen, ich habe sie selbst gepflanzt. Linda . Nur g'schwind! Hassan . Ja, ja, geh nur. (Linda geht zurück.) Hassan . Da muß ich auch ein paar davon stibitzen. (Steckt zwei Feigen ein.) Das wird ein herrlicher Schmaus für meine Schönheit sein. (Ab ins Lusthaus.) Linda (tritt vor) . Wart', du Spitzbub', du wirst schön ankommen. – Er kommt schon zurück. Nun? Hassan (kommt) . Alles ist in Ordnung, Tutu hat eine rasende Freude. Linda (für sich) . Das hast du prächtig g'macht. Es ist gelungen. Jetzt zu meinem Geliebten. (Hüpft ab.) Hassan . Jetzt werd' ich meine Feigen verzehren; daß mich nur niemand belauscht. (Geht ab.) .   Zweiundzwanzigste Szene. Zoraide . Vorige . Gefolge . Zoraide (stürzt heraus; ihre Nase hat sich vergrößert, doch nur so, wie man auf einem öffentlichen Ball eine falsche Nase als Maske nimmt, durchaus nicht Karikatur. Gleich darauf Gefolge) . Hilfe! Hilfe! Was hab' ich g'sehn! Es ist nicht möglich, es muß ein Blendwerk sein. Schaut mich nur an – wie seh' ich denn aus? (Die Tänzer erschrecken.) Was ist das? (Alle suchen das Lachen zu verbergen.) Was, Spott? Mich ergreift der Wahnsinn. Spiegel herbei! (Man bringt einen Spiegel, sie sieht hinein und fällt mit einem Schrei in Ohnmacht.)   Dreiundzwanzigste Szene. Vorige . Tutu . Tutu (kommt auch mit einer vergrößerten Nase) . Was ist denn g'schehen? Ich sitz' da drinnen ruhig bei meinen Feigen und schlummre ein wenig, und auf einmal lauft alles fort. (Alle lachen.) Jetzt, was soll das Lachen? Sie ist ja ohnmächtig! Tochter, was ist dir denn? (Eilt auf sie zu und prallt zurück.) Himmel, wie sieht die aus! Ah, das ist a Spaß! Hahaha! Zoraide (erwacht) . O, ich unglücklichs Madel! (Weint.) Wer hat mir das getan? (Sieht Tutu.) Aber Papa! Hahaha! Tutu . Sie hat eine Freud' drüber! Ein spaßiges G'sicht hat s', mir g'fallt's! Zoraide . So sehn Sie sich doch in den Spiegel. (Man hält ihm einen vor.) Tutu . Halt's mich! Mich trifft der Schlag! G'schwind' fort um meinen Leibarzt. Zoraide . Man hol' alle Ärzte der Insel. Tutu . Nur g'schwind' ein Konsilium. (Man eilt ab.) Zoraide . Ich ertrag' es nicht. Jetzt soll der Ball angehn. Tutu . Ich unglücklicher Mann, ich bin verschandelt. Zoraide . Das muß Zauberei sein.   Vierundzwanzigste Szene. Linda . Vorige . Linda . Gebieterin! (Erschrickt.) Ach, wie sehn Sie aus? Zoraide . Aus meinen Augen, wenn dir die deinigen lieb sind.   Fünfundzwanzigste Szene. Leibarzt . Vorige . Alle (rufen) . Der Leibarzt kommt! Tutu , Zoraide (zugleich, sehr kläglich) . Ach, helfen Sie uns. Leibarzt (erschrickt) . Vergib, mächt'ge Zoraide, da kann ich nicht helfen. Wo die Natur solche Bocksprünge macht, hat meine Kunst geendet. Zoraide . Ich verzweifle! Tutu (zugleich) . Ich geh' durch, mit samt der Nasen!   Sechsundzwanzigste Szene. Hassan . Vorige . Hassan (mit einer großen Nase) . Mächtiger Tutu! (Erschrickt.) Alle guten Geister! Was ist das? Diese Nase – (Alle lachen.) Zoraide . Halt Er sein Maul! Untersteh Er sich nicht, unsern Nasen etwas Schlechtes nachzureden. Tutu . Er hat noch eine größere. Hassan (greift an die Nase) . Bei meiner Schönheit! (Voll Angst.) Das ist Hexenwerk. Tutu . Was hat Er melden wollen? Hassan . Es ist ein außerordentlicher Arzt hier, der dich sprechen will. Zoraide und Tutu . Wo? Wo? Hassan . Hier ist er schon.   Siebenundzwanzigste Szene. Vorige . Quecksilber als Arzt, mit einer Art Flaschenkeller, in dem sich das Wasser befindet. Quecksilber . Servus humilissimus ! Sie sehn in mir den berühmten Arzt Barometrianus, der sich in allen Teilen der Welt berühmt gemacht. Von allen diesen Weltteilen werd' ich hernach schon die Ehre haben, Ihnen verschiedene G'schichten zu erzählen. Jetzt sagen Sie mir, bin ich so glücklich, den mächt'gen Tutu vor mir zu sehn? Tutu . Bei mir können Sie jetzt nicht mehr fehlen, Sie dürfen nur der Nasen nachgehn. Quecksilber . Weil Sie grade von der Nase sprechen, so lassen Sie mich nicht vergessen, daß ich Ihnen hernach eine G'schichte davon erzähl'. Hab' ich die hohe Ehre, meine Angebetete, in Ihnen die schöne Zoraide zu bewundern? Zoraide (schluchzend) . Ja – ich – bin – die schöne – Zoraide. Quecksilber . Hm! Sie scheinen mir eine Gemütskrankheit zu haben! Das ist eine üble Krankheit, da könnt' ich Ihnen eine G'schicht' erzählen, welche sich in Nordamerika zugetragen hat. Da war einmal ein Mann, der hat siebenundzwanzig Töchter g'habt. Jetzt will ich Ihnen nur in der Geschwindigkeit die Geschichten aller dieser Töchter erzählen. Tutu . Verzeihn Sie, wir werden ein andres Mal darum bitten. Wir wünschten zuerst Ihren Rat zu hören. Quecksilber . Hören Sie, weil Sie gerade von Rat sprechen, erlauben Sie, da fällt mir eine prächtige G'schichte ein, an deren Erzählung mich aber die Bemerkung hindert, daß Ihre Nasen sich in einer etwas massiven Form produzieren, darum entsteht die große Frage; ob Sie schon sind damit auf die Welt gekommen, oder ob sich das erst kürzlich ereignet hat? Zoraide . Das ist ein langweiliger Mensch! Ja, ja, erst vor kurzem. Tutu . Ja, wir haben sie so unter der Hand bekommen. Quecksilber . Gut also! Da kann ich Ihnen zum Troste sagen, daß Sie nicht die einzigen Menschen auf der Welt sind, welche große Nasen haben. Es gibt Leute, welche sich auf der Nase herumtanzen lassen. Warten Sie, da werd' ich Ihnen eine G'schicht' erzählen. Vor vielen tausend Jahren hat einmal ein Mann gelebt. Der hat einen Pudel gehabt – Tutu . Können Sie uns kurieren oder nicht? Nur das wollen wir wissen. Quecksilber . Erlauben Sie, wie können Sie sich unterstehn, daran zu zweifeln? Ich kuriere Sie, und wenn Ihre Nase so groß wäre, als der Chimborasso in Amerika, das ist der höchste Berg der Welt. Ihre Nasen müssen nach den Regeln des Aristoteles kuriert werden. Zoraide . Das ist uns alles eins – Quecksilber . Erlauben Sie, das ist nicht alles eins! Darüber werd' ich Ihnen eine G'schicht' erzählen. Hippokrates und Galenus haben darüber ganze Ries Papier verschrieben, weil auf der Universität die Streitfrage entstanden ist; ob der Mensch die Nase mitten im Gesicht' hätte oder nicht. Tutu . Aber wir kennen ja die Herren nicht. Quecksilber . Hippokrates war ein berühmter Apotheker zu Straubing, und Galenus ein großer Regimentsarzt bei den chinesischen Truppen. Nun haben Sie nur die Güte, mir Ihren Puls fühlen zu lassen. Tutu . Aber was hat der Puls mit unsren Nasen z' tun? Quecksilber . Erlauben Sie! Alles in der Natur steht miteinander in Verbindung. So hat Ihre Gurgel Einfluß auf Ihren Magen, die Hände auf die Backen, der Mund auf die Füße. Ich will Ihnen gleich einen Beweis geben, daß der Mund die Füße in Bewegung setzen kann. Ich hab' zum Beispiel über einen ein loses Maul; er nimmt einen Stock und prügelt mich tüchtig durch, so bleibt mir nichts übrig, als davonzulaufen. Also war mein Mund daran schuld, daß sich meine Füße in Bewegung gesetzt haben. Zoraide . Nein, das ist nicht zum Aushalten! Jetzt hören S' einmal mit Ihren G'schichten auf, wir wollen keine G'schichten hören. Unsre Nasen ist die unglücklichste G'schicht', die man erleben kann. Quecksilber . Sie wollen also Ihre Nasen verlieren? Warum haben Sie das nicht gleich gesagt? (Zu Tutu) Trinken Sie hier aus dieser Flasche. Zoraide . Nun endlich bringt er doch was heraus. Tutu . Da bin ich kurios. (Trinkt, die Nase fällt weg.) Quecksilber . Na! Na! Was sagen Sie jetzt? Die große Nase ist fort! Tutu . Bei meiner Seel'! Alle . Wunder über Wunder! Tutu . O, Sie goldner Doktor, das ist die schönste G'schichte, die Sie mir erzählt haben. Zoraide . Ist's möglich! O, Sie liebes Mannerl, helfen Sie mir auch. Nur g'schwind', nur geschwind'! Quecksilber . Da sollt' ich Ihnen doch vorher noch eine G'schich— Zoraide (hält ihm den Mund zu) . Nicht! Nicht! Gut's Mannerl sein! Keine G'schichterl erzählen – trinken lassen. Quecksilber (für sich) . Der gib ich nur ein Brunnwasser, das hilft nicht. (Laut.) Da trinken Sie auf die Gesundheit Ihrer Nase. Zoraide . Es lebe die Schönheit! Hassan (verbeugt sich) . Gratias ! Zoraide (trinkt) . Nun? (Es wirkt nicht.) Es hilft ja nicht. Quecksilber . Trinken Sie noch einmal. Zoraide (trinkt) . Es hilft nichts! Es ist umsonst. Tutu . Sie laßt nicht nach, die Nasen. Quecksilber . Ich begreife nicht, die Nase muß eine besondere Anhänglichkeit an Sie haben. Ich bin so betroffen, daß mir nicht einmal eine G'schichte einfallt, womit ich Sie trösten könnt'. Zoraide . Und ich muß meine Schönheit wieder haben! Sie müssen mir helfen. Quecksilber . Wenn ich nur wüßte, wie? Das ist das einzige Mittel. Erlauben Sie, besitzen Sie vielleicht einen Talisman , der durch die Macht seines Besitzes meinen magischen Kräften entgegenstrebt? Den müssen Sie von sich werfen. Zoraide . Wie? Meine Zaubergaben? Quecksilber . Die müssen Sie verschenken. Zoraide . Das ist unmöglich. Quecksilber . So kann Ihnen auch nicht g'holfen werden. Zoraide . Was soll ich machen? Tutu . Wirf s' weg. Zoraide (entschlossen) . Wohlan, ich will meinen Reizen auch dieses Opfer bringen. (Zieht einen Schlüssel aus dem Busen und geht ab.) Tutu . Das ist eine verwickelte Sach'. Quecksilber . Sie wird schon klar werden. Ich werd' Ihnen heut' noch sonderbare G'schichten erzählen.. Zoraide (bringt die Gaben) . Wohlan, hier liegen sie. Wenn du mir meine vorige Gestalt wieder verschaffst, so gehören sie dein. Quecksilber (rafft die Gaben von der Erde auf) . Sie g'hören mein. (Er bläst ins Horn und wirft die Maske ab. Ideale Krieger erscheinen unter Musik. Nur einige Takte Musik.) Schützt mich! – Kennen Sie mich? Aus dem Quacksalber ist der Quecksilber geworden. Ich nehm' zurück, um was Sie mich betrogen haben, und Ihnen laß ich Ihr falsches Herz und Ihre große Nasen. Tutu . Da hast es! Jetzt sind wir im klaren. Zoraide . Also so wär' ich betrogen, und von Ihnen? Von einem Menschen, von dem man nicht weiß, ob er einen Kopf oder eine Wassermelone zwischen den Schultern hat. Hoffen Sie Ihren Namen auch einmal in dem Buche der Menschheit zu lesen? Nein, ein eingebogenes Eselohr wird statt dessen zu lesen sein. O wendet euch weg, ihr Elemente, (auf ihre Nase deutend) von dieser ausgearteten Tochter der Natur! Verstumme, o Muse, die du sie besingest, Donner, die ihr sie umbrauset, Winde, die ihr sie umsauset, Sonne, die du sie beleuchtest, Regen, der du sie befeuchtest. Doch tyrannisch soll sie in dem Reiche der Schönheit herrschen. Alle Spiegel müssen ihr zum Opfer fallen; in einen Maskenball will ich diese Insel umg'stalten, und alle Schönen müssen solche Nasen tragen, nur ich will mich in eine Camera obscura verschließen und Rache brüten über dich, du Nasenfabrikant. (Wütend ab.) Quecksilber . Linderl, du hast deine Sachen g'scheit g'macht; wir sind a Paar. Linda . Nun, das ist ein Glück, daß du Wort haltst. Quecksilber . Jetzt zu Ihnen. Wie steht's mit uns, alter Herr? Tutu . Sein wir gut. Seitdem Sie das Staberl wieder haben, hab' ich eine außerordentliche Lieb' zu Ihnen g'faßt. Vielleicht ist die Kur für meine Tochter grad' gut. Hassan (kniet) . Euer Gnaden! Ich bin auch eine Partei aus dem schmeckenden Wurmhof. Quecksilber . Da nimm das Wasser, und trink dir einen Rausch. (Gibt ihm von dem Zauberwasser.) Hassan . Gratias ! Meine Schönheit ist gerettet. (Eilt ab.) Quecksilber . Vivat! Jetzt zeigt mein Barometer auf schönes Wetter. Morgen verlassen wir diese Insel, aber heut will ich meine Verlobung noch hier auf goldnem Hügel feiern. Linderl, du hast dir bei mir goldne Berge versprochen, du sollst sie haben. (Er winkt, das Theater verwandelt sich in goldne Hügel mit silbernen Quellen. Auf dem mittleren größten Hügel erhebt sich ein silberner Tempel mit einem Opferaltar, wobei Hymen mit der Fackel steht, Genien gruppieren sich auf den Hügeln. Die Kulissen bilden Bäume mit goldnen Früchten. Das Ganze bildet ein imposantes Tableau.) Schlußgesang .             Man muß stets lustig sein, Und sich des Lebens freun, Außer man hat kein Geld, Nachher ist's freilich g'fehlt.         Hab' ich nicht recht?         Na, wenn S' erlaub'n! D' Madeln sind freundlich gern, B'sonders mit jungen Herrn, Liebt eine nur nicht zwei, Bleibt ihr Herz einem treu,         Hab' ich nicht recht?         Na, wenn S' erlaub'n! D' Weiber sind manchmal bös', Machen oft viel Getös'; Und wenn man widerspricht, Weiß man schon, was oft g'schieht.         Hab' ich nicht recht?         Na, wenn S' erlaub'n! D' Männer sind gar superb, Die hab'n schon's schönste G'werb, Wie s' wo ein Madel sehn, Bleib'n s' auf kein Fleck mehr stehn.         Hab' ich nicht recht?         Na, wenn S' erlaub'n! Mir geht's heut gar nicht schlecht, Alle Tag wär's so recht, 's wird doch was Schönes sein, Wann man brav Geld nimmt ein.         Hab' ich nicht recht?         Na, wenn S' erlaub'n! (Der Vorhang fällt.)