Johann Nepomuk Nestroy Einen Jux will er sich machen Posse mit Gesang in vier Aufzügen Erstaufführung am 10. März 1842 Personenverzeichnis Zangler , Gewürzkrämer in einer kleinen Stadt Marie , dessen Nichte und Mündel Weinberl , Handlungsdiener bei Zangler Christopherl , Lehrjung bei Zangler Kraps , Hausknecht bei Zangler Frau Gertrud , Wirtschafterin bei Zangler Melchior , ein vazierender Hausknecht August Sonders Hupfer , ein Schneidermeister Madame Knorr , Modewarenhändlerin in der Hauptstadt Frau von Fischer , Witwe Fräulein von Blumenblatt , Zanglers Schwägerin Brunninger , Kaufmann Philippine , Putzmacherin Lisette , Stubenmädchen bei Fräulein von Blumenblatt Ein Hausmeister Ein Lohnkutscher Ein Wächter Rab , ein Gauner Erster und Zweiter Kellner Die Handlung spielt im ersten Aufzug in Zanglers Wohnung in einer kleinen Stadt, dann in der nahegelegenen Hauptstadt, gegen Schluß wieder bei Zangler. Erster Aufzug Zimmer in Herrn Zanglers Hause; die allgemeine Eingangstüre im Prospekt, jedoch gegen die rechte Seite; links am Prospekt ein ziemlich breiter Ofenschirm, rechts und links eine Seitentüre, zu beiden Seiten Tisch und Stuhl Erster Auftritt Zangler , August Sonders Zangler Ich habe Ihnen jetzt ein für allemal g'sagt – Sonders Und ich Ihnen ein für allemal erklärt – Zangler Daß Sie meine Nichte und Mündel nicht kriegen! Sonders Daß Marie die Meine werden muß! Zangler Das werd' ich zu verhindern wissen! Sonders Schwerlich so sicher, als ich es durchzusetzen weiß! Zangler Kecker Jüngling! Sonders Hartherziger Mann! Was haben Sie gegen mich? Meine Tante in Brüssel ist reich. Zangler Gratulier'! Sonders Ich werde sie beerben. Zangler Aber wann? Sonders Sonderbare Frage! Nach ihrem Tode. Zangler Und bis wann wird sie sterb'n? Aha, da stockt die Antwort. So eine Tant' in Brüssel kann leben, so lang sie will. Sonders Das wünsch' ich ihr vom Herzen, denn ich weiß, daß sie auch bei Lebzeiten reichlich zu meinem Glücke beitragen wird. Zangler Reichlich beitragen – wieviel is das in Brüssel? Reichlich beitragen is hier das unbestimmteste Zahlwort, was es gibt, und in unbestimmten Zahlen schließ' ich kein Geschäft. Und kurz und gut, ins Ausland lass' ich meine Mündel schon durchaus nicht heiraten. Sonders So heirate ich sie und bleibe hier. Zangler Und derweil schnappt dort ein anderer die Erbschaft weg, das wär' erst gar das Wahre! Mit ei'm Wort, g'horsamer Diener! Plagen Sie sich auch nicht zu sehr mit unnötigem Herumspekulier'n um mein Haus! Meine Nichte is heut' früh an den Ort ihrer Bestimmung abgereist. Sonders Wie, Marie fort –? Zangler Ja, nach Dingsda – logiert in der ungenannten Gassen, Numero soundso viel, im beliebigen Stock, rechts bei der zug'sperrten Türe, da können S' anläuten, so oft S' wollen, hineinlassen wer'n s' Ihnen aber nicht. Zweiter Auftritt Gertrud ; die Vorigen Gertrud (tritt zur Mitte ein) Das geht gut, der neue Hausknecht is noch nicht da, und der alte sagt, er will nichts mehr tun. Zangler Was ist's denn? Gertrud Die Koffer müssen ja vom Boden heruntergetragen werden, wenn die Mamsell Marie schon übermorgen in die Stadt zu Fräulein Blumenblatt soll. Zangler (verlegen und ärgerlich) Es ist – Sie hat – geh' Sie zum Teufel – Sonders Also übermorgen erst? In die Stadt zu Fräulein Blumenblatt? Gehorsamer Diener! (Geht zur Mitteltüre.) Zangler He, mein Herr – das wird Ihnen nix nutzen, daß – der Aufenthalt meiner – mit einem Wort – Sonders (schon in der Türe) Gehorsamer Diener! (Ab.) Dritter Auftritt Zangler , Gertrud Zangler (sehr aufgebracht) Da hab'n wir's – jetzt weiß er, daß sie noch da is und wo sie hinkommt – ich wollt', die Frau Gertrud wär' – Gertrud Was hab' ich denn getan? Zangler Gar nix hat Sie getan, g'red't hat Sie. Das is, was die Weiber immer tun und nie tun sollten. Zur Unzeit hat Sie g'red't. Man sollt' gar nicht glauben, daß so eine überreife Person so unzeitig reden könnt'. Gertrud I hab' aber nit g'wußt – Zangler Daß das der Liebhaber von meiner Mündel is? Aber jetzt weiß Sie's, weiß, daß ich morgen in aller Fruh' in die Stadt fahr', weiß, daß Sie jetzt mit hundertfacher Vorsicht über die Marie wachen muß, weiß, daß ich Sie zermalme, wenn während meiner Abwesenheit die zwei Leut' nur mit einem Aug' sich sehn. Wo is die Marie? Gertrud Im Garten bei den Bienen. Zangler Da halt't sie sich immer auf, ich glaub', bloß deswegen, weil die Bienen schwärmen! Soll sich ein Beispiel nehmen, das sind nur Tiere und schwärmen auf eine so nützliche Weise – und Frauenzimmer, die sich einbilden, halbete Engel zu sein, haben eine so hirnlose Schwärmerei in sich. Sie soll heraufgehen, es fangt an, dunkel zu werden. Und der Herr Weinberl und der Christoph sollen auch heraufkommen, wenn sie 's G'wölb' zugesperrt hab'n. Und meine Schützenuniform bring' Sie mir herein, der Kasten wird offen sein. Gertrud Gleich, Herr von Zangler, gleich! (Zur Mitte ab.) Vierter Auftritt Zangler , dann Kraps Zangler (allein) 's is zum Totärgern. Heut' großes Quartal-Souper der Schützengesellschaft, und der Schneider laßt mich sitzen. Ich als diesjähriger Schützenkönig muß in der alten Uniform erscheinen. O Schneider, Schneider! Wann werd't's ihr in eurer Sphäre bleiben und euch bloß aufs Kleidermachen und nicht aufs Maulmachen verlegen! Dreimal hab' ich schon g'schickt und – Kraps (zur Mitte eintretend, bringt einen dreieckigen Hut und Hirschfänger mit Gehänge) Es war wieder umsonst. Da is der neue Hut und der neue Hirschfänger, aber der Schützenfrack wird nit fertig, hat noch keine Knöpf' und kein Futter. Wann S' 'n so anlegen woll'n – Zangler Ich glaub', der Schneider is ein Narr, ich werd' doch kein' Frack ohne Futter anlegen – Kraps (für sich, indem er Hut und Hirschfänger auf den Tisch links legt) Ich glaub', wann er den Rock zu der Fresserei anlegt, wird Futter g'nug hineinkommen. (Laut.) Jetzt bitt' ich um mein' Lohn und um a Trinkgeld. Zangler Was, Trinkgeld? Kraps Ich hab' heut' vor vierzehn Tagen aufg'sagt, aber um acht Uhr in der Früh, Sie haben mich also jetzt schon eilf Stunden über die Zeit mißbraucht. Zangler (gibt ihm Geld) Da hat Er! Übrigens irr' Er sich nicht, ich hab' Ihm aufg'sagt, nicht Er mir. Kraps Kann sein! Ich hab' aber z'erst durch Nachlässigkeit und Unwillen zu erkennen gegeben, daß mir der Dienst nit mehr g'fallt. Daß Sie dann g'sagt hab'n, ich kann mich in vierzehn Tagen zum Teufel scher'n, das war nur eine natürliche Folge davon. Zangler Pack' Er sich, ich bin froh, daß ich Ihn los hab', ich hab' Ihn nur kurze Zeit g'habt, aber – ich will nicht sagen, was ich mir denk', aber – Kraps No, sein S' so gut! Zangler Er ist ein ganz unverläßlicher Mensch, und – Kraps O, sehr verläßlich, ich verlass' alle drei Wochen ein' Dienst, das kann ich durch viele Zeugnisse beweisen. Empfehl' mich gehorsamst – ich bleib' nicht gern lang an ein' Ort. (Mitte ab.) Zangler (allein) Der wird schon noch an ein' Ort kommen, wo er lang bleiben muß, das prophezei' ich ihm. Fünfter Auftritt Zangler , Gertrud Gertrud (zur Mitte eintretend) Das is das Schützenkönigg'wand. (Legt einen grünen bordierten Rock, einen Hut und Hirschfänger auf den Tisch rechts.) Zangler (unwillig) Auf meine Mündel soll Sie Obacht geben, hab' ich g'sagt. Gertrud No ja, Sie hab'n aber auch befohlen – Zangler Daß Sie der Marie nicht ein' Schritt von der Seiten geht! Hirschfänger und Hut war unnötig, ich hab' einen neuchen. Gertrud Na, so will ich den wieder – (will zum Tisch, um Hirschfänger und Hut wieder fortzutragen.) Zangler (heftig) Zu der Marie soll Sie schaun, hab' ich g'sagt. Gertrud (erschrocken zurückweichend) Nein, man weiß wirklich nit, wo einem der Kopf steht. (Im Abgehen.) Jetzt hätt' ich bald vergessen – (zu Zangler) der neue Hausknecht is da. Zangler Soll hereinkommen – (Gertrud zur Mitte ab.) Zangler (allein) Nichts als Odiosa, Geschäfte, Unwesen im Hauswesen, umgeben von albernen Wesen, langweiligen Wesen, schlechten Wesen, ich bin wirklich ein geplagtes Wesen. (Es wird an der Türe geklopft.) Herein! Sechster Auftritt Zangler , Melchior Melchior (schüchtern eintretend, zur Mitte) Ich bitt', sein Euer Gnaden der G'würzkramer? Zangler Eins zuwenig, 's andre zuviel, ich bin nicht Euer Gnaden, sondern nur Herr Zangler, ich bin aber kein Kramer, sondern vermischter Warenhändler. Melchior Ich hab' g'hört, daß der Herr vermischte Warenhändler einen Hausknecht g'habt hab'n, der ein reiner Lump war. Zangler Ich hab' ihn fortgejagt. Melchior Und da, hab' ich g'hört, sind Sie in Desperation, daß Sie kein' Hausknecht haben. Zangler In Desperation? Das is gar eine dumme Red', ich glaub' an solchen Schlingeln is keine Not. Melchior Das is wahr, eher wird's an Prinzipal' eine Not sein. Ein Hausknecht halt't lang, aber Prinzipal geht alle Augenblick' einer z'grund'. Zangler Er is etwas vorlaut, scheint mir – Melchior Nein, das war nur so eine merkantilische Bemerkung. Zangler Wo hat Er sein Dienstzeugnis? Melchior Im Sack. Zangler So geb' Er's her. Melchior (gibt ihm das Zeugnis, ein ganz zusammengeknittertes Papier) Es ist etwas verkribelt, ich trag's schon vier Wochen herum. Zangler Hat Er Kenntnisse in der vermischten Warenhandlung? (Durchsieht das Zeugnis.) Melchior O, sehr viel! Wir hab'n zwar da, wo ich war, nur einen Artikel g'habt, aber der war ungeheuer vermischt, ich bin aus einer Weinhandlung. Zangler Hm! Sein Zeugnis lautet ja ganz vorzüglich gut. Melchior Ja, meine Aufführung war klassisch. Zangler (in dem Zeugnis lesend) Treu, redlich, fleißig, willig, wachsam aufs Haus, obachtsam auf die Kinder – Melchior Ja, das waren klassische Bub'n, jeder in einer andern Klass' und doch jeder die dritte Klass', das wird man nicht bald finden. Zangler Er ist aufgenommen. Melchior Ich küss' die Hand. Zangler Sechs Gulden Monatslohn, Kost, Quartier, Wäsch! Melchior No jetzt, Wasch' und Quartier, das ist das geringste, aber die Kost, die war halt dort, wo ich war, klassisch. Zangler Bei mir leid't auch niemand Hunger. – Suppen, Rindfleisch, Zuspeis und was drauf. Melchior Aber nur viel drauf. Und weg'n Fruhstuck – dort hab' ich halt immer Kaffee g'habt. Zangler Das war bei mir nicht der Brauch, daß der Hausknecht Kaffee – Melchior Schaun S', Sie hab'n g'wiß auch einen Rosoli unter Ihren vermischten Sachen. Zangler O ja, aber – Melchior Na, sehn Sie, dann is es ja unser beiderseitiger Vorteil, wann S' mir ein' Kaffee geb'n, denn Sie verleiteten mich ja sonst mit G'walt zu die geistigen Getränk'. Zangler Na, da gäbet's schon noch Mittel – übrigens, wenn Er brav is – Melchior Klassisch! Zangler So soll Er ein' Kaffee hab'n. Melchior Versteht sich, süß, und ein Kipfel. O, an dem Ort, wo ich war, das war ein klassischer Kaffee. Zangler Was hat Er denn immer mit dem dummen Wort klassisch? Melchior Ah, das Wort is nit dumm, es wird nur oft dumm angewendet. Zangler Ja, das hör' ich, das muß Er ablegen, ich begreif' nicht, wie man in zwei Minuten fünfzigmal dasselbe Wort repetieren kann. Melchior Ja, das ist klassisch. Und dann bitt' ich mir zu sagen, was ich alles zu tun hab'. Zangler Was wird Er zu tun haben? Was halt einem Hausknecht zukommt. Melchior Kisten und Fässer aus'n Magazin holen – Zangler Botengänge machen, das G'wölb' rein halten, und im Haus – Melchior Wenn's in der Kuchel was gibt, kleins Holz machen, allenfalls Boden reib'n. Zangler Und meine Person bedienen. Melchior Na ja, halt alles, was zur groben Arbeit gehört. Na, ich hoff', wir wer'n kein' Streit hab'n. Zangler Das hoff' ich auch. Melchior Ich war immer sehr gut mit meinen Herrn, also wer' ich bei Ihnen keine Ausnahm' – und nicht wahr, wenn ich was aus Privatfleiß tu', zum Beispiel der Köchin Wasser trag'n, dem Herrn Kommis die Stiefel putzen, da krieg' ich extra ein Honorar – Zangler Das mach' Er mit dem Kommis aus und mit der Köchin. Jetzt hilf Er mir anziehen, den Schneider soll der Teufel holen. Siebenter Auftritt Hupfer ; die Vorigen Hupfer (mit einem Pack unter dem Arm) Da bin ich, das Meisterwerk is vollendet! Zangler (sehr freundlich) Also doch fertig? Sie hab'n mich warten lassen, lieber Herr Hupfer. Melchior (zu Zangler) Ist das der, den der Teufel hol'n soll? Hupfer Wie? Was? Zangler (zu Melchior) Halt Er 's Maul! (Zu Hupfer.) Das is nur so eine Redensart ungeduldiger Erwartung. Melchior Freilich nur Redensart, und das weiß auch der Teufel recht gut. Wenn er gleich jeden Schneider holet, wie man's sagt, so möcht' der Teufel Schneider sein. Hupfer (indem er die Schützenuniform auspackt und das Umschlagpapier von den Knöpfen und Borten reißt) Mit Hilfe zweier plötzlicher unverhoffter Schneiderg'sellen habe ich das Unmögliche möglich gemacht. Melchior Sind s' heut' erst an'kommen? Hupfer Ja. Melchior Nicht wahr, einer is krump, der andere hat ein schwarzes und ein blaues Aug', das schwarze Natur, das blaue g'schlag'n? Hupfer Kann schon sein. Melchior Die kenn' ich, sie hab'n g'fochten unterwegs. Hupfer Das is so der Brauch. Melchior Ich hab' ihnen einen Silberzehner geb'n und g'sagt, daß s' mir sechs Groschen herausgeb'n soll'n, das hab'n s' aber in der Hitze des Gefechts überhört und sind weitergegangen. Wollen Sie ihnen nicht sagen – Hupfer (ohne auf Melchior zu hören, zu Zangler) Jetzt bitt' ich nur gefälligst anzuprobieren. Zangler (hat seinen Überrock abgelegt und schlüpft mit Hupfers Hilfe in den Schützenfrack, indem er zu Melchior sagt) Merk' Er auf, damit Er lernt, wie man eine Uniform – (zu Hupfer) etwas eng, scheint mir – Melchior Das is fesch – Hupfer Freilich! Zangler Unterm Arm schneid't das Ding ein, das tut weh. Melchior Macht sich aber fesch! Zangler Und hinten gehn die Schößeln zu weit auseinand'. Melchior Das is gar fesch! Zangler Wie gesagt, zu eng! Bei der Tafel wer'n mir alle Knöpf' aufspringen. Hupfer Ich begreif' nicht – Zangler Sie haben mir doch die Maß genommen. Melchior Mein Gott, das Maßnehmen is eine alte Gewohnheit, die die Schneider doch nicht hindert, jedes neue G'wand zu verpfuschen. Zangler (zu Melchior) Nun, wie schau' ich aus? Melchior Ich derf's nit sag'n. Zangler Wenn ich Ihm's befehl'! Wie schau' ich aus? Melchior Klassisch! Hupfer Am Himmel hab'n s' ein Sternbild, das heißt der Schütz, das is aber bei weitem nicht so geschmackvoll wie dieser Schütz. Melchior Das is klassisch! Zangler Für heut' tut's es, aber morgen müssen Sie mir den Rock weiter machen. Hupfer Warum nicht gar, eine Uniform muß eng sein. Zangler Aber ich erstick' ja. Hupfer Macht nichts; Sie haben einmal von der Natur eine Art Taille erhalten, und es ist die Pflicht der Kunst, dieses Geschenk der Natur in das günstigste Licht zu stellen. Rekommandier' mich bestens. (Zur Mitte ab.) Achter Auftritt Die Vorigen ohne Hupfer Melchior Er hat halt allweil recht und gibt nicht nach. Man glaubet's nicht, wie so ein Schneider bockbeinig ist. Zangler Jetzt, mein Lieber – wie heißt Er? Melchior Melchior. Zangler Mein lieber Melchior, fahr' Er gleich wieder z'ruck in die Stadt! Melchior Was? Ich hab' glaubt, Sie haben mich aufg'nommen? Zangler Freilich, aber ich fahr' morgen in aller Fruh' auch in die Stadt. Da steigt Er gleich bei der Linie im Gasthaus bei der Sonn' ab, sagt nur meinen Namen, daß das gewöhnliche Zimmer für mich herg'richt't wird, und erwart't mich. Da hat Er Geld – (gibt ihm) mach' Er aber g'schwind, in einer Viertelstund' geht der Stellwagen. Melchior Gut! Aber könnt' ich nicht vorher noch meinen übrigen Vorgesetzten, dem Kommis und dem Lehrbub'n, die Aufwartung machen? Zangler Nix, Er versäumt sonst den Wagen. Melchior No, so geh' ich halt. Sie sind bei einer Tafel eing'laden, Herr von Zangler, geb'n S' acht auf 'n neuen Rock, daß S' Ihnen nicht antrenzen! Zangler Was red't Er denn für dumm's Zeug –!? Melchior Schön 's Serviett' vornehmen und auseinand'breiten, die Bratlfetten geht hart heraus. Zangler Glaubt Er denn, ich bin ein Kind? Er is wirklich zu dumm! Melchior Aber meine Aufführung is halt klass – Zangler Mach' Er jetzt weiter! Melchior Das hat mein voriger Herr auch immer g'sagt: dumm, aber klassisch. (Zur Mitte ab.) Zangler (allein, den neuen Hirschfänger umschnallend) Schon wieder?! – Nein, was ich die Sprichwörter nicht ausstehen kann! – Mich hat einmal ein Sprichwort abscheulich ang'setzt, nämlich das »jung gefreit, hat niemand bereut«, das wird schier, wenn man alle Sprichwörter nach der Dummheit klassifiziert, 's erste Prämium kriegen. Und dem Sprichwort zum Trotz geh' ich jetzt als Alter wieder auf Freiersfüßen, und ich werd's g'wiß nicht bereuen. Wart' nur, Sprichwort, dich bring' ich noch ganz um den Kredit. (Geht durch die Seitentüre links ab.) Neunter Auftritt Gertrud Gertrud (allein, kommt mit Lichtern zur Mitteltüre herein) Kaum viertel auf achte und schon völlig Nacht! (Stellt ein Licht auf den Tisch links.) 's fangt auf einmal zum Herbst'ln an. (Geht mit dem andern Licht in die Seitentüre links ab.) Zangler (nach einer kleinen Pause von innen) Auf meine Mündel soll Sie schaun, hab' ich Ihr g'schafft. Gertrud (von innen) Das tu' ich ja so! (Erscheint wieder unter der Türe, hineinsprechend.) Wie kann ich denn schaun auf sie, wann ich kein Licht anzünd'! (Kommt heraus.) So ein großes Mädl könnt', glaub' ich, schon selbst auf sich schaun. Sie geht mir nicht herauf aus 'n Garten, und da soll ich ihre Schmiseln begeln! Ja, überall z'gleich kann ich nicht sein! (Geht in die Seitentüre rechts ab.) Zehnter Auftritt Weinberl (allein, tritt während dem Ritornell des folgenden Liedes zur Mitte ein. Er ist dunkelgrau gekleidet, mit einer grünen Schürze) Lied 1.                 Es sind gewiß in unsrer Zeit Die meisten Menschen Handelsleut', Und wer das Ding so observiert, Muß sag'n: der Handelsstand floriert. – 's versetzt ein Vater sein' Kaput Und führt drei Töchter auf d' Redout', Damit er s' vorteilhaft bringt an, Na, das ist doch ein Handelsmann! »Sie krieg'n mein' Tochter, wenn S' vor all'n Dem Vater seine Schulden zahl'n.« – »Das kann ich nicht.« – »Dann sag' ich: nein.« Das wird doch ferm gehandelt sein! »Ich hab' dich g'wiß« – sagt eine Braut, Indem sie so au'm Bräut'gam schaut – »In zwanzig Jahr'n wie heut' so gern!« – Da wird wohl auch was g'handelt wer'n. 2. 's Weib sagt zum Mann: »Du gehst jetzt aus Und kommst vor neune nicht nach Haus!« – »Ja«, sagt er – »wennst mir an Zwanz'ger gibst.« So a Handel ist ja allerliebst. – A alte Schachtel hat viel Geld, 's heirat't s' ein junger Guckind'welt, Verkauft sein' Freiheit und sein' Ruh' – Der Handel kummt gar häufig vur. 's sagt eine' »I bin zwanzg'g Jahr'.« – »Oha, Ich hab' ja Ihren Taufschein da.« – »So?« sagt s' – und g'steht ein' Vierz'ger ein – Das wird doch tüchtig g'handelt sein! Es prahlet eine Schwärm'rin sich: »Wenn ich nicht liebe, könnten mich Zehn Millionen nicht betör'n«, Da wurd' wohl auch was g'handelt wer'n. (Nach dem Liede.) Vor dem Handelsstand kriegt man erst den wahren Respekt, wenn man zwischen Handelsstand und Menschheit überhaupt eine Bilanz zieht. Schaun wir auf 'n Handelsstand, wieviel gibt's da Großhandlungen, und schaun wir auf die Menschheit, wie wenig große Handlungen kommen da vor! – Schaun wir auf 'n Handelsstand, vorzüglich in der Stadt, diese Menge wunderschöne Handlungen, und schaun wir auf d' Menschheit, wie schütter sind da die wahrhaft schönen Handlungen ang'sät! – Schauen wir auf 'n Handelsstand, diese vielen Galanteriehandlungen, und schaun wir auf d' Menschheit, wie handeln s' da oft ohne alle Galanterie, wie wird namentlich der zarte, gefühlvolle, auf alle Galanterie Anspruch machende Teil von dem gebildetseinsollenden, spornbegabten, zigarrozuzelnden, roßstreichelnden, jagdhundkaschulierenden Teil so ganz ohne Galanterie behandelt! – Jetzt, wenn man erst die Handlungen der Menschheit mit Gas beleuchten wollt' – ich frag', wieviel menschliche Handlungen halten denn eine Beleuchtung als wie eine Handlung auf 'n Stock-im-Eisen-Platz aus? – Kurzum, man mag Vergleiche anstellen, wie man will, der Handelsstand is was Erhabenes, wir haben einen hohen Standpunkt, wir von der Handlung, und ich glaub', bloß wegen dieser schwindelnden Höhe fallen so viel' von der Handlung! – Der Christopherl tandelt wieder mit 'n G'wölb'zusperr'n. Elfter Auftritt Christopherl ; der Vorige Christopherl (zur Mitte hereinlaufend) Mussi Weinberl, der G'wölb'schlüssel war voll Wachs, grad als wie wann ein Bandit einen Abdruck hätt' mach'n woll'n. Weinberl Dummer Pursch, du hast halt den Schlüssel wieder wohin g'worfen, ohne zu schaun, ob's sauber is. Von Rechts wegen unterliegest jetzt einer Straf'. Christopherl O, ein Lehrjung' unterliegt nicht so g'schwind, durch G'wohnheit verträgt man viel. Weinberl (in etwas feierlichem Tone) Die Verhältnisse haben indes eine andere G'stalt gewonnen. Der deutsche Handelsstand wird bald um einen Lehrjung' weniger hab'n. Christopherl No, sein S' so gut, bringen S' mich um! Weinberl Im Gegenteil, ich werde Sie bei einem freundschaftlichen Glas Wein leben lassen. Christopherl (erstaunt) Wie g'schieht Ihnen denn, Mussi Weinberl? Weinberl Nenn Sie mich in Zukunft Herr Weinberl, denn ich habe Hoffnung, zum Buchhalter zu avancieren, und Sie selbst werden von heut' an per Mussi tituliert. Christopherl Warum sagen denn Sie »Sie« zu mir? Weinberl Ahnen Sie nichts, glücklicher Kommerzzögling? Mit dem heutigen Schopfbeutler habe ich auf ewige Zeiten Abschied genommen von Ihrem Kakadu. Christopherl Darum war Ihre Hand so heftig bewegt, als wenn sie sich gar nit trennen könnt'. Weinberl Sie sind unter meiner fünfthalbjährigen Leitung g'waltig ausgebildet worden, haben das Kommerz von seinen verschiedenen Seiten kennengelernt und haben kritische Perioden mitgemacht. Wenn die Geschäfte stocken, 's G'wölb' leer is und der Handel- und Wandelbeflissene bloß dasteht, a paar Stanitzln macht und gedankenlos auf die Gass'n hinausschaut, da is es leicht! Aber plötzlich tritt neues Leben ins Merkantilische, in fünf Minuten steht 's ganze G'wölb' voll Leut', da will eins anderthalb Lot Kaffee, da eins um zwei Groschen Gabri, der ein' frischen Aal, die ein' g'faulten Lemonie, da kommt ein zartes Wesen um ein' Bärnzucker, da ein Kuchelbär um ein Rosenöl, da lispelt ein brustdefekter Jüngling: »Ein' Zuckerkandl«, da schreit ein kräftiger Alter: »A Flaschel Schlibowitz!«, da will ein üppiges Wesen a Halstüchel, da eine Zaundürre Fischbeiner zu ein' ausg'schnittnen Leibel hab'n; da geht a Alte auf 'n Kas los und schreit: »Mir ein' halb'n Vierting Schweizer!«, da kommt ein gemeiner Dienstbot' ein' Haring austauschen, den ihr ihre noble Frau ins G'sicht g'worfen hat, weil's kein Milchner war – in solchen Momenten muß der Kommis zeigen, was ein Kommis is, d' Leut' z'samm'schrein lassen, wie s' woll'n, und mit einer ruhigen, ans Unerträgliche grenzenden Gelassenheit eins nach 'n andern bedienen. Christopherl Jetzt weiß ich aber noch allweil nicht, was is's denn eigentlich mit mir? Weinberl Ruhig, der Prinzipal wird es Ihnen notifizieren. Zwölfter Auftritt Zangler ; die Vorigen Zangler (zur Seitentüre links kommend) Ah, Sie sind schon da! Weinberl Der Herr Prinzipal haben befohlen – Christopherl Befohlen – Weinberl Wir sind daher in corpore erschienen. Christopherl (leise zu Weinberl) In was sind wir erschienen? Weinberl (zu Christopherl) Halten Sie 's Maul, in corpore! Zangler Ich muß Sie von einer Veränderung, mein Haus betreffend, in Kenntnis setzen. Sie haben bis jetzt nur einen Herrn gehabt, bald werden Sie auch eine Frau bekommen. Christopherl Eine Frau? Ich bin ja noch viel zu jung. Weinberl (zu Christopherl) Reden Sie nicht so albern, der Herr Prinzipal wird sich verehelichen, und seine Frau wird auch die unsre sein, unsre Prinzipalin, unsre Prinzipal-Gebieterin. Zangler Ganz recht! Christopherl Ah, so is das! Zangler Dieses wichtige Ereignis will ich nun durch Beförderungen in meinem Personale verherrlichen. Sie, Mussi Christoph – Christopherl (für sich) Der sagt auch »Sie« und »Mussi« – Zangler Sie haben aufs G'wand gelernt, müßten daher eigentlich noch ein halbes Jahr Lehrjung' bleiben! Diesen Zeitraum schenk' ich Ihnen und ernenn' Sie zum Kommis. Weinberl So eine Auszeichnung wird wenigen zuteil. (Zu Christopherl.) Bedanken Sie sich doch! Christopherl (küßt Zangler die Hand) Die Gunst des Prinzipals zu bestreben, ferneres Benehmen, würdig zu sein, Fleiß und Ausdauer zu erringen – Zangler Schon gut, ich wünsch', daß das nicht bloß schöne Worte sind – Weinberl Nein, das sind sie gewiß nicht, ich glaube mit Grund, daß er sowohl Ihnen, Herr Prinzipal, und mir, seinem unmittelbaren Vorgesetzten, wie auch dem Kontinentalhandel überhaupt Ehre machen wird. Zangler (zu Christopherl) Sie waren immer fleißig. Weinberl Passabel. Zangler (zu Christopherl) Ehrlich, das ist die Hauptsach'. Weinberl Das is wahr, er hat in der Lehrzeit manche Watschen kriegt, aber keine auf Veranlassung einer Watschen, die er der Budel gegeben hätt'. Zangler (zu Christopherl) Es fehlt Ihnen nichts, als daß Sie sich mehr Manier gegen die Kundschaften aneignen. Weinberl (zu Christopherl) Darüber hab' ich Ihnen oft Lehren gegeben. Christopherl (sich mit der Hand durch den Kakadu fahrend) Ja, sehr oft. Weinberl (zu Christopherl) Hübsch mit »Euer Gnaden« und »Gnädige Frau« herumwerfen, die War' mit Anstand überreichen, zu jedem Rammel »Schatz« sag'n, 's kleine Geld zierlich mit Zeigefinger und Daum' herausgeben, die andern drei Finger werden bloß auf Händedrücke für Köchinnen verwend't. Zangler Das wird sich hoffentlich geben. Christopherl O ja, so was begreift ein junger Kommis sehr g'schwind. Zangler (zu Weinberl) Ihnen, Herr Weinberl, der schon seit Jahren mein ganzes Zutrauen besitzt, der seit Jahren das Geschäft zu meiner vollsten Zufriedenheit leitet, Ihnen ernenn' ich zu meinem Associé. Weinberl (äußerst überrascht) Ich Associé? Zangler Bei meiner Rückkunft werden wir den nötigen Kontrakt auf- und der neuen Firma »\& Kompanie« beisetzen. Ich verreise nämlich auf drei Tag', teils meiner Heiratsangelegenheit wegen, teils anderer Angelegenheiten halber. Unter dieser Zeit übergebe ich Ihnen das ganze Geschäft, schaun Sie auf alles, daß weder Unordnungen in den Magazinen noch in der Korrespondenz – Christopherl Seit drei Wochen hab'n wir kein' Brief kriegt, wie leicht könnt' grad diese Tag' – Zangler (ohne auf Christopherl zu hören, zu Weinberl) Mit einem Wort, Sie sind ein solider Mensch, ich weiß, daß ich mich auf Ihnen verlassen kann. Jetzt muß ich zum Schützensouper. (Setzt den neuen bordierten Hut auf.) Morgen früh um vier Uhr fahr' ich fort – Christopherl Sollten wir also nicht mehr die Ehre hab'n, den Prinzipal zu sehn, so wünschen wir jetzt glückliche Reis' – Weinberl (noch ganz perplex) Associé –! Zangler Ja, ja! Fassen Sie sich nur, mein lieber Weinberl! Sie sind vom Tage meiner Verheiratung an mein Associé. Adieu! Also nochmals: während meiner Abwesenheit strenge Ordnung und Pünktlichkeit! Christopherl (indem er ihn an die Türe begleitet) Wir machen unser Kompliment, Herr Prinzipal! Dreizehnter Auftritt Die Vorigen ohne Zangler Weinberl (wonnetrunken und stolz sich mit einer Hand am Tische stützend) Associé! Hast du's gehört, Gremium von Europa! Ich bin Associé! Christopherl Unser Herr heirat't, Sie wer'n Kompagnon, nachher haben wir zwei Prinzipal', eine Prinzipalin, und ich allein bin der ganze Personalstand. Weinberl Buchhalter, das war immer der Chimborasso meiner Wünsche, und jetzt blickt der Associé wie aus einem Wolkenthron mitleidig auf den Buchhalterstandpunkt herab. Christopherl Ich mach' meine Gratulation. Weinberl Und sonderbar! Gerad jetzt – jetzt – Christopherl Jetzt sind Sie's ja noch nicht, erst bis der Prinzipal heirat't. Weinberl Gerade jetzt, wo das Berufsglück sein ganzes Füllhorn ausschütt't über mich, werden in mir Wünsche roglich wie Kisten, die auf einem Schubkarren schlecht auf'packt sind. Christopherl Aha! Ich g'spann', was der Associé wünscht. Weinberl Eine Associéin? O nein! Das irritiert mich nicht, so was kommt von selbst, und wenn es nicht kommt, so ist es auch noch kein Unglück. Christopherl Also das is es nicht? Na, nachher gib ich 's Raten auf. Mein Kopf is von der Lehrzeit her zu sehr angegriffen, als daß ich mir'n jetzt gleich zerbrechen möcht'. Weinberl Glauben Sie mir, junger Mann! Der Kommis hat auch Stunden, wo er sich auf ein Zuckerfaß lehnt und in süße Träumereien versinkt. Da fallt es ihm dann wie ein Fünfundzwanzig-Pfund-Gewicht aufs Herz, daß er von Jugend auf ans G'wölb' gefesselt war wie ein Blassel an die Hütten. Wenn man nur aus unkompletten Makulaturbüchern etwas vom Weltleben weiß, wenn man den Sonnenaufgang nur vom Bodenfensterl, die Abendröte nur aus Erzählungen der Kundschaften kennt, da bleibt eine Leere im Innern, die alle Ölfässer des Südens, alle Heringfässer des Nordens nicht ausfüllen, eine Abgeschmacktheit, die alle Muskatblüt' Indiens nicht würzen kann. Christopherl Das wird jetzt ein anders G'sicht kriegen als Kompagnon. Weinberl Weiß nicht. Der Diener ist Sklav' des Herrn, der Herr Sklav' des Geschäfts. Erhaben ist die zweite Sklaverei, aber so biglem mit Genuß begabt als wie die erste. – Wenn ich nur einen wiffen Punkt wüßt' in meinem Leben, wenn ich nur von ein paar Tag' sagen könnt': da bin ich ein verfluchter Kerl g'wesen – aber nein! Ich war nie verfluchter Kerl. Wie schön wär' das, wenn ich einmal als alter Handelsherr mit die andern alten Handelsherren beim jungen Wein sitz', wenn so im traulichen Gespräch das Eis aufg'hackt wird vor dem Magazin der Erinnerung, wenn die G'wölb'tür der Vorzeit wieder aufgesperrt und die Budel der Phantasie voll ang'ramt wird mit Waren von ehmals, wenn ich dann beim lebhaften Ausverkauf alter G'schichten sagen könnt': »Oh! Ich war auch einmal ein verfluchter Kerl, ein Teuxelsmensch, ein Schwerack!« – Ich muß – ich muß um jeden Preis dieses Verfluchtekerlbewußtsein mir erringen. Christopherl Von mir aus hätten Sie dieses Bewußtsein schon lange; sooft Sie sich in meine Frisur verkrampelt haben, hab' ich mir denkt: »Das is ein verfluchter Kerl, den holt –« Weinberl Was Sie denken, geht mich nix an, ich muß es denken, muß es fühlen. Christopherl So beuteln S' Ihnen selber den Schopf. Weinberl (von einer Idee ergriffen) Halt! Ich hab's –! Christopherl Na, was denn? Weinberl Ich mach' mir einen Jux. Christopherl Ein' Jux? Weinberl Grad jetzt auf der Grenze zwischen Knechtschaft und Herrschaft mach' ich mir einen Jux. Für die ganze Zukunft will ich mir die leeren Wände meines Herzens mit Bildern der Erinnerung schmücken – ich mach' mir einen Jux! Christopherl Wie wer'n Sie aber das anstellen? Weinberl Woll'n Sie dabei sein, Mussi Christoph? Christopherl Warum nicht? Ich bin freig'sprochen worden: kann man die Freiheit schöner als durch ein' Jux zelebrieren?! Weinberl Wir sperr'n 's G'wölb' zu, während der Prinzipal aus ist! Sind Sie dabei? Christopherl 's G'wölb'zusperr'n war immer meine Leidenschaft, solang ich bei der Handlung bin. Weinberl Wir fahren in die Stadt und suchen fidele Abenteuer auf! Sind Sie dabei? Christopherl Freilich! Ich riskier' nix. Sie sind Kompagnon; indem ich Ihnen folg', erfüll' ich nur meine Pflicht. Jetzt, was Sie riskier'n, das tuschiert mich nicht. Ich bin dabei. Weinberl Halt, Jüngling! Sie setzen mir da einen Floh ins Ohr, den ich erst fangen und töten muß. Kann es der Prinzipal erfahren? Er kommt nie mit die Nachbarsleut' zusamm', er sitzt immer in der Schreibstub'n, disk'riert nie mit die Kundschaften, geht an keinen öffentlichen Ort, außer alle Quartal' zu der Schützengesellschaft. Er kann es nicht erfahren – Christopherl Wenn uns aber zufällig der Prinzipal in der Stadt sieht? Weinberl Er ist ein alter Herr, der heirat't, folglich mit Blindheit g'schlagen. Und wissen wir denn auch, ob er in die Stadt fahrt? Und dann geht er auch Geschäften, wir bloß dem Vergnügen nach; sein Weg geht tschihi, unserer dahott, wie die Seeleute sagen, sprich ich, wie die Fuhrleute sagen. Christopherl Wenn uns aber die Fräul'n Marie verrat't? Weinberl Die hat Liebesaffären, is folglich froh, wann sie nicht verraten wird. Christopherl Wann aber die alte Gertrud plauscht? Weinberl Das Hindernis is unübersteiglich, sie is ein altes Weib, sie muß plauschen. – Aber wenn wir – halt – so geht's – die Alte muß gerade die Assekuranz sein bei unserer Unternehmung. Helfen Sie mir g'schwind in dem Herrn seine Schützenuniform hinein! (Kleidet sich während des Folgenden schnell mit Christopherls Beihilfe in die auf dem Tische liegende alte Schützenuniform Zanglers, schnallt den Hirschfänger um und setzt den Hut auf.) Christopherl Wegen was denn? Weinberl Weil ich den Herrn Zangler vorstellen will! Damit s' die Stimme nicht kennt, stell' ich mich bös, und Sie sagen ihr den Auftrag, den ich als Zangler geb' und den sie dann an mich ausrichten muß, wenn ich wieder Weinberl bin. Christopherl Ich bin mir nicht g'scheit g'nug. Weinberl Stellen Sie's Licht auf den Tisch hinüber! Christopherl Gleich. (Nimmt eilig das Licht vom Tische links und stellt es auf den Tisch rechts.) (Weinberl wirft sich in den am Tische links stehenden Stuhl und läutet heftig mit der Tischglocke.) Vierzehnter Auftritt Gertrud ; die Vorigen Gertrud (aus der Seitentüre rechts kommend, für sich) Das is wieder eine Läuterei, als ob alles taub wär'. (Laut.) Was schaffen S', Herr von Zangler? (Beiseite.) I war schon froh, hab' glaubt, er is fort. Christopherl (welchem Weinberl leise etwas erklärt hat, zu Gertrud) D' Frau Gertrud hat den Herrn wieder kurios bös g'macht. Gertrud Ich weiß aber nicht – (Weinberl hustet und brummt ärgerlich einige unverständliche Worte.) Christopherl Hat'n d' Frau g'hört? Er will gar nicht reden mit Ihr, drum gibt er Ihr durch mich den Auftrag, Sie soll morgen in aller Fruh' dem Herrn Weinberl sagen – Gertrud Der Christopherl wird doch heut' noch selber den Herrn Weinberl sehn, folglich kann ihm ja der Christopherl – Christopherl Mussi Christoph, bitt' ich mir aus. (Weinberl hustet und brummt noch heftiger als früher. Gertrud erschrickt.) Christopherl Hat'n d' Frau g'hört? Der Herr hat mir andere G'schäft' gegeben, die meinen ganzen Hirnkasten in B'schlag nehmen. Weil ich also drauf vergessen könnt', so soll durchaus die Frau Gertrud – (Weinberl hustet und brummt wie vorher.) Christopherl Hat'n d' Frau g'hört? – Die Frau Gertrud soll also morgen in aller Fruh dem Herrn Weinberl sagen, der Herr Zangler läßt ihm strengstens anbefehl'n, daß er während seiner Abwesenheit durch zwei Tag' das G'wölb' ja nicht aufsperren soll. Verstanden? Gertrud Na freilich, 's G'wölb' darf nicht aufgesperrt wer'n, das wird doch nicht schwer zu verstehn sein. (Weinberl murmelt etwas zu Christopherl, welcher sich seinem Stuhle etwas genähert hat.) Christopherl Frau Gertrud soll schaun, daß s' weiter kommt, und soll ihm nicht mehr vor Augen – Gertrud Na ja! (Weinberl hustet und brummt noch ungestümer als vorher.) Christopherl Hat'n d' Frau g'hört? Gertrud (erschrocken zur Seitentüre rechts gehend) Der Mann is heut' in einer Laune, das is schon aus der Weis'. (Ab.) Fünfzehnter Auftritt Die Vorigen ohne Gertrud Weinberl (lachend vom Stuhl aufstehend) Sehn Sie, jetzt sind wir gedeckt. Erfahrt im schlimmsten Fall der Prinzipal, daß's G'wölb' zugesperrt war, so berufen wir uns auf seinen Befehl, den wir durch die Frau Gertrud erhalten haben. Christopherl Dann glaubt er, die Alte is verruckt. Weinberl Das verschlage ihr nix, denn für g'scheit hat er s' nie g'halten. Christopherl Meiner Seel', pfiffig ausspekuliert! Na, Sie sind ja auch einmal Lehrjung' g'west, sonst könnt' das G'wixte nicht in Ihnen stecken. Weinberl Richten Sie sich jetzt das Sonntagsg'wand! Was zur Eleganz fehlt, Krawattel, Schmisel, Handschuh' und Schnopftüchel werd' ich Ihnen leihn. Christopherl Juchhe, das wird ein Jux wer'n morgen! (Geht zur Mitte ab.) (Man hört von außen Zangler räuspern und husten.) Christopherl (erschrocken zurückprallend) O jegerl, der Alte kommt! Weinberl (erschrocken) Der Herr Zangler – wann er mich in dem Aufzug sieht – Christopherl Ich retirier' mich zu der Frau Gertrud hinein. Weinberl Aber was tu' denn ich? Ich kann mich so weder vor der Frau Gertrud noch vor 'n Herrn Zangler zeigen. Christopherl Ich geh' zu der Frau Gertrud, ich riskier' nix, aber ich bin dabei. (Geht zur Seitentüre rechts ab.) Weinberl Mir bleibt nix übrig – (löscht schnell das Licht aus und eilt hinter den Ofenschirm links im Hintergrunde.) Sechzehnter Auftritt Zangler , Weinberl (hinter dem Schirm) Zangler (zur Mitte eintretend) Ich hab' mir das Ding anders überlegt, zur Schützentafel komm' ich später auch noch z'recht. Wie leicht könnt' der saubre Herr Sonders diesen Abend zu einem Rendezvous benützen wollen. Ich werd' an meinem Fenster ein wenig aufpassen. Wir haben Vollmond, da seh' ich's prächtig, wenn er allenfalls ins Haus hereinschleichen wollt'! Der saubere Herr Sonders, der! (Geht in die Seitentüre links ab.) Siebzehnter Auftritt Weinberl , dann Marie und Sonders Weinberl (kommt hinter dem Schirm hervor) Er is drin, jetzt kann ich mich ausg'schirren. Sonders (von außen) Nein, nein Marie! So geh' ich nicht von dir. Weinberl (erschreckend) Verdammt, da kommt wieder wer – ich komm' als Associé in die Sauce – ich muß abermal – (läuft wieder hinter den Schirm.) Marie (mit Sonders zur Mitte eintretend) Aber, August – Sonders Versprich mir, in meinen Plan zu willigen. Marie Ich soll dem Vormund durchgehn –? Sonders Fliehen sollst du mit mir. Marie Das schickt sich nicht. Sonders Marie! Marie Fliehen, durchgehen und auf und davonlaufen is eins, und das schickt sich nicht! Sonders Du hierbleiben, mir entrissen werden und ich mir eine Kugel vor den Kopf brennen, ist auch eins, und das schickt sich so gewiß, wenn du nicht Mut hast – Marie August, du bist ein fürchterlicher Mensch. Sonders Des Alten Eigensinn läßt uns nichts anderes übrig. Marie Wenn ich dir aber sage, es schickt sich nicht! Du sollst eigentlich schon lang fort sein, ich hab' dir nur erlaubt, bis es Abend wird, und hier ist nicht einmal Licht. Sonders Haben Liebende je eines andern Lichtes bedurft als des Mondes, der eben freundlich durch die Fenster blickt? Marie Der Mondschein schickt sich nicht. Du gehst entweder sogleich fort oder gehst mit mir zur Frau Gertrud hinein, die hat Licht. Sonders Die darf ja nicht erfahren – Marie Warum nicht? Machen wir sie zur Vertrauten unserer Liebe. Sonders Ich traue alten Weibern nie. (Nach der Türe rechts horchend.) Da hör' ich jemand an der Türe! Marie Am End' gar der neugierige Christoph – Sonders Wir wollen einen Augenblick uns hier verbergen. (Nimmt Marie bei der Hand und geht mit ihr von der rechten Seite hinter den Schirm.) Marie (indem August sie nach sich zieht) Ach Gott, das schickt sich nicht! (Weinberl, der hinter dem Schirm steht, drückt sich soviel als möglich gegen die linke Seite, ohne sich zu getrauen, sein Versteck zu verlassen.) Achtzehnter Auftritt Gertrud ; die Vorigen (hinter dem Schirm) Gertrud (aus der Seitentüre rechts kommend) Was ist das? Kein Licht da? Ah, das wird der Herr ausgelöscht haben, wie er fort is. Ich muß schaun, daß ich dem Mussi Weinberl heut' noch den Befehl ausrichten kann, daß 's G'wölb' zugesperrt bleibt, bis morgen könnt' ich vergessen, da wär's nachher wieder ein Lärm! O, der Alte – das ist ja ein – (geht zur Mitte ab.) Neunzehnter Auftritt Weinberl , Sonders , Marie Sonders (Weinberl hervorziehend) Da hat uns einer belauscht, nur hervor! Marie (ebenfalls vorkommend, erschrickt, indem sie Weinberl der Schützenuniform wegen für Zangler hält) Himmel, der Vormund –! Sonders (betroffen) Herr Zangler – Marie (Weinberl zu Füßen fallend) Lieber Herr Onkel-Vormund, sein Sie nicht bös, ich kann nichts davor, ich weiß, daß es sich nicht schickt, aber – Sonders Ich habe Marien gegen ihren Willen bis in die Stube verfolgt, zürnen Sie daher mir doppelt und dreifach, wenn Sie wollen, doch Marien dürfen Sie keine Schuld zumessen. Marie Nein, gar nichts zumessen! – Verzeihung, lieber Herr Onkel und Vormund! – Sie schweigen? Diese schauerliche Stille verkündet einen furchtbaren Sturm. Weinberl (welcher in größter Verlegenheit dagestanden, indem er jeden Augenblick fürchtet, trotz der Dunkelheit von Marien erkannt zu werden, weiß sich nicht anders zu helfen, nimmt zuerst Mariens, dann Sonder's Hand und fügt ihre beiden Händen segnend ineinander) Sonders (auf höchste erstaunt und freudig überrascht) Ist's möglich –!? Diese Sinnesänderung –? Sie segnen unsern Bund –? Marie Ach, lieber, göttlicher Herr Onkel und Vormund! Weinberl (hebt die noch immer kniende Marie empor und legt sie in Sonders' Arm) Marie August! Sonders Marie! (Weinberl benutzt den Moment, während die Liebenden sich in den Armen halten, und eilt leise und mit großen Schritten zur Mitteltüre hinaus.) Zwanzigster Auftritt Die Vorigen ohne Weinberl Sonders Jetzt bist du meine Braut – Marie (sich aus Sonders' Armen erhebend) Wie soll ich Ihnen danken, Herr Onkel? Sonders (beinahe zugleich mit voriger Rede) Vortrefflicher, herrlicher Mann –! (Beide bemerken mit Staunen, daß niemand mehr da ist.) Marie Was is denn das? Sonders Er ist fort! Marie Wo ist er denn hin? Sonders Ohne Zweifel auf sein Zimmer. Der gute Mann will das erste Entzücken beglückter Liebe nicht stören. Marie, komm in meine Arme! Marie Von Herzen gern, jetzt schickt es sich ja. Sonders (sie umarmend) Liebes, teures Mädchen! Einundzwanzigster Auftritt Zangler , später Weinberl und Christopherl ; Die Vorigen Zangler (kommt mit Licht aus der Seitentüre links) Was gibt's denn da –? Ich glaub' gar – (ergrimmt) Himmel-Mordtausend-Element –! Herr, Sie unterstehen sich – Marie (wie aus den Wolken gefallen) Aber, lieber Herr Onkel – Sie haben ja selbst – Zangler Entartetes Mädel! (Sie zur Seitentüre links schleudernd.) Da hinein! Sonders Haben Sie nicht erst in diesem Augenblick – Zangler (wütend) Verwegener Landstreicher! (Auf die Mitteltüre zeigend.) Da hinaus! (Weinberl tritt, bereits wieder umgekleidet, zur Mitte ein und sieht, im Hintergrunde rechts stehend, dem Auftritte zu, ebenso Christopherl, welcher auf den Lärm neugierig aus der Seitentüre rechts tritt; beide stehen so, daß Sonders ihnen das Gesicht nicht zuwendet.) Marie Das kann Ihr Ernst nicht sein! Zangler (immer wütender) Hinein! Sonders Entweder Sie halten uns jetzt zum besten oder haben früher – Zangler (wie oben) Hinaus! Marie (weinend zur Seitentüre links gehend) Der Vormund is verhext! (Ab.) Zangler (ihr nachrufend) Hinein!! Sonders Sie sind verrückt, Herr, aber Geduld, ich werde – Zangler (mit den Füßen stampfend) Hinaus! Sonders Es ist zu arg! (Geht in großer Aufregung zur Mitte ab.) Zangler (indem er in die Seitentüre links abgeht) Wart', ungeratenes Geschöpf, dich wird meine Schwägerin koramisieren! (Ab.) Weinberl (vortretend) Das is eine Historie –! Christopherl (in ausgelassener Freude springend) Ich vergönn' ihr's! Warum heißt s' mich immer einen dalketen Bub'n! Weinberl Mir scheint, ich fang' schon an, verfluchter Kerl zu sein! Das is der Vorgeschmack vom Jux. (Im Orchester beginnt heitere Musik.) Der Vorhang fällt. Zweiter Aufzug Straßendekoration, nur zwei Kulissen tief. Der Prospekt stellt die gerade über die Bühne laufende Häuserreihe einer Gasse vor, ohne alles Perspektiv. An dem mitten im Prospekt sich befindenden Hause ist das Tor offen, so daß man weiter hinten eine praktikable Stiege sieht; in der Einfahrt rechts ist eine Türe, die zur Hausmeisterwohnung führt. Über dem Haustore ist eine Tafel mit großer Aufschrift: »ANNA KNORRS MODEWAREN-VERLAG« Erster Auftritt Weinberl , Christopherl (Christopherl in seinem Sonntagsanzug von grauem Tuche mit roter Krawatte und blauem Schal geschmacklos geputzt. Weinberl in blauem Frack, weißen Pantalon, aber in geschmackloser Gala, treten von links auf.) Christopherl Das wär'n Abenteuer? Ich dank' – Weinberl Ja, lieber Freund, ich kann Ihnen die Abenteuer nicht herzaubern. Glauben Sie, mir is das ang'nehm, da herumz'gehn wie a Waserl, mir, dem obendrein noch jedes offene G'würzg'wölb einen heimlichen Gewissensbiß macht? Christopherl Den ganzen Vormittag is uns nix unter'kommen, nix aufgestoßen. Weinberl Wir wollen die Hoffnung nicht sinken lassen – vielleicht stoßt uns jetzt Nachmittag was auf. Arg wär' das, wenn wir vier Stund' weit herfahreten, einen ganzen Tag in der Residenz zubrächten, ohne einen Jux 's Geld verjuxt – Christopherl Das wär' a Jux! Vor allem andern müssen wir doch wieder unter die Leut' gehn! In dem öden Gassel da wer'n wir nix erleb'n. Weinberl O Freund, in die öden Gasseln erlebt man allerhand! Das is ja grad' das Abenteuerliche! Wie oft hab' ich gelesen in die Bücher: »Er befand sich, ohne zu wissen wie, in einem engen, abgelegenen Gäßchen, plötzlich gewahrte er an der Ecke einen Mann in einem Mantel, ihm war's, als ob er ihm gewunken – an der andern Ecke sieht er auch einen Mann, ihm deucht', als hätt' er ihm gewinkt, unentschlossen steht er da, er weiß nicht, soll er dem folgen, der ihm gewinkt, oder dem, der ihm gewunken – da öffnen sich plötzlich die Fenster –« (A tempo öffnet Philippine das Fenster im Hause der Madame Knorr im Prospekt.) Weinberl (ohne dies zu bemerken, fährt fort) »Und eine zarte weibliche Hand –« (Philippine hat eilig am Fenster ein Glas mit Wasser ausgespült, schüttet es, ohne herabzusehen, auf die Straße und schlägt sogleich wieder das Fenster zu.) Weinberl (den es beinahe getroffen, erschrocken zur Seite springend) Na, sein S' so gut – Christopherl Das ging' mir grad noch ab – Weinberl Wenn ich jetzt einen halben Schritt weiter links g'standen wär', so könnt' ich sagen, daß ich in der Residenz überschüttet worden bin, mit was, das braucht kein Mensch z' wissen. Christopherl Was logiert denn für ein Völkel da drob'n? Weinberl (liest das Schild) »Anna Knorrs Modewaren-Verlag« – Christopherl Das is eine schöne Mod', daß man d' Leut' anschütt't. Weinberl (nach rechts in die Szene sehend) Sieh, dort steht ein Mann. Christopherl Winkt uns aber nicht! Weinberl Er kommt näher – er bleibt wieder stehn – das is ja – Christopherl Meiner Seel' – Weinberl Das is der Herr von Brunninger – Christopherl Der öfters zu unserm Prinzipal kommt? Weinberl Der kennet uns gleich – Christopherl Fahr'n wir ab! – (Beide wollen links ab.) Weinberl Halt! (Bleibt wie vom Donner gerührt stehen.) Das is Blendwerk, das kann nicht sein! – (Zeigt erstarrt in die Szene links.) Christopherl (erschrocken) Der Herr Zangler! Weinberl Der Prinzipal! – Christopherl G'schwind da ins Haus hinein Weinberl Dem Abenteuer weichen wir aus! (Beide eilen in das offene Haustor mitten im Prospekt und bleiben unter der Einfahrt, sich links drückend, stehn.) Christopherl Er wird gleich vorbei sein. Weinberl Nur ruhig! Zweiter Auftritt Hausmeister ; die Vorigen Hausmeister (aus der Türe rechts unter dem Tore wegtretend) Was gibt's da? Christopherl Nix, gar nix. Weinberl Wir wollen – Christopherl Nix, gar nix. Hausmeister Wieder passen auf d' Weibsbilder? – Weiter um a Haus! – Christopherl Nit um a G'schloß! – Weinberl Wir müssen da hinauf – Hausmeister Zu wem? Weinberl (im Zweifel, was er sagen soll) Zu – zu – na, was da draußt auf der Tafel steht – Christopherl Madame Knorr, Modewarenverlagsniederlagverschleißhändlerin – Hausmeister Die logiert im ersten Stock und nit unter der Einfahrt. Christopherl Eben deßtwegen gehen wir ja hinauf. Weinberl (zum Hausmeister) Ja, hab'n Sie glaubt, daß wir nit hinaufgehn? – Hausmeister Ersten Stock, rechts die Tür! Weinberl Dank' Ihnen. (Geht zögernd die Stiege hinauf.) Christopherl Also gehn wir! (Indem er Weinberln folgt.) Wir können nit fehl'n, rechts die Tür! (Man sieht beide die Stiege hinaufgehen.) Hausmeister (nach einer kleinen Pause) Denen geh' ich nach, i muß sehn, ob's mi nit ang'logen hab'n. (Geht ebenfalls die Stiege hinauf.) Dritter Auftritt Zangler , dann Brunninger Zangler (von links kommend) Das wär' getan – das auch – zur Schwägerin hab' ich hing'schickt, also – (geht in das Haus, wo Christopherl und Weinberl hineingegangen sind.) Brunninger (eilig von rechts kommend) Herr von Zangler! Herr von Zangler! Zangler (bereits unter dem Torweg, sich wieder umwendend) Wer ruft denn? Brunninger (auf ihn zueilend) So hab' ich halt doch recht g'sehn! – Zangler Herr von Brunninger! Freut mich! Brunninger Seit wann in der Stadt? Kommen wie gerufen, müssen gleich jetzt mit mir zum Advokaten, es is wegen der Krüglischen Sache. Zangler Freund, das lassen wir bis später – jetzt muß ich – Brunninger Nein, Freund, ich lass' Ihnen nicht aus, die Krüglische Sache – Zangler Liegt mir bei weitem nicht so am Herzen als wie – Brunninger Hat sich aufs vorteilhafteste gestaltet, wir kommen alle zwei zu unserm Geld. – Zangler Ich weiß – Brunninger Die Krüglische Sache – Zangler Muß jetzt, aufrichtig, g'sagt, einer Herzenssache nachstehn. Brunninger Was?! Zangler Ich heirat'! Brunninger Wem? – Zangler Noch weiß es kein Mensch und doch steht's mit großmächtige Buchstaben angeschrieben auf der Gassen. Brunninger Wo? Zangler (auf die Tafel über dem Haustor deutend) Da – Madame Knorr – Brunninger Is das die Erwählte? Gratulier', aber – Zangler (eilig) Ich muß jetzt zu ihr – Brunninger Da vergessen S' mir ganz auf die Krüglische Sache – nix da, ich lass' Ihnen nicht aus – Zangler Aber, Freund – Brunninger In zehn Minuten is es abgetan. Zangler Aber g'wiß nit länger? Brunninger (ihn unter dem Arm nehmend) Nein, sag' ich, kommen S' nur g'schwind! Zangler Meinetwegen, aber – Brunninger (mit Zangler abgehend) Sie werden sich wundern, Freund, ich sag' Ihnen, die Krüglische Sache – Zangler Länger als zehn Minuten kann ich nicht – (Beide ab.) Verwandlung Zimmer bei Madame Knorr, mit Mittel- und Seitentüren Vierter Auftritt Philippine , Weinberl , Christopherl Philippine Wollen die Herren da hereinspazieren? Ich werd's gleich der Madame sagen. (Geht in Seitentüre links ab.) Weinberl Da wär'n wir! Sehn Sie, das sieht schon ein' Abenteuer gleich. Christopherl Was sagen wir denn aber, wenn die Madame kommt? Weinberl Was uns einfallt! Christopherl Wenn uns aber nix G'scheits einfallt? Weinberl So sagen wir was Dumms. Unsere Lag' erfordert mehr Hardiesse als G'scheitheit. Christopherl Freilich, ein gescheiter Mensch laßt sich auf so Sachen gar nicht ein – Weinberl Sie kommt! – Fünfter Auftritt Madame Knorr , Philippine ; die Vorigen Philippine (mit Madame Knorr aus der Seitentüre rechts kommend) Das sind die Herren! (Geht zur Mitte ab.) (Weinberl und Christopherl machen Madame Knorr stumme Komplimente.) Christopherl (zu Weinberl, leise) Wenn Sie nit zum Reden anfangen, ich fang' nit an. Weinberl Nur Geduld! – Madame Knorr Was steht zu Diensten, meine Herren? Weinberl Hab' ich die Ehre, Madame Knorr –? Madame Knorr O, ich bitte, die Ehr' ist meinerseits! Christopherl (beiseite) Der Anfang ist sehr ehrenvoll. Madame Knorr Wünschen die Herren vielleicht in meinem Warenlager eine kleine Auswahl zu treffen? Christopherl (leise zu Weinberl) Sie, das tut's nit, 's könnt' uns 's Geld z'wenig wer'n. Weinberl Wir kommen eigentlich weniger, um zu kaufen – Christopherl Noch eigentlicher, um gar nix zu kaufen. Weinberl Sondern vielmehr, gekaufte Sachen zu bezahlen. Madame Knorr (sehr freundlich) O, ich bitte! – Christopherl Das heißt eigentlich nicht zu bezahlen – Weinberl Sondern eigentlich nur, um uns über eine Rechnung zu informieren, wieviel sie betragt, und dieser Tage dann zu bezahlen. Madame Knorr Wie es gefällig ist, aber was für eine Rechnung meinen Sie denn eigentlich? Weinberl Die Rechnung von – (beiseite zu Christopherl) sie wird doch eine Kundschaft haben, die Schmidt heißt. (Laut) Die Rechnung nämlich von der Frau von Schmidt – Madame Knorr Das muß ein Irrtum sein, ich habe keine Kundschaft, die Frau von Schmidt heißt. Weinberl Jetzt is's recht. (Laut.) Ich habe mich nur versprochen, Frau von Müller, hab' ich sagen wollen. – (Beiseite.) Da wird's doch eine haben? – Madame Knorr Verzeihn Sie, ich hab' auch keine Frau von Müller zu bedienen. Weinberl (beiseite) Da soll doch der Teufel - ! (Laut.) Ich bin aber heut' so zerstreut, Frau von Fischer heißt diejenige – Madame Knorr Ah, Frau von Fischer, ja, das ist was anders, ja, die Frau von Fischer meinen Sie? – Weinberl (leise zu Christopherl) Sehn S', jetzt hab' ich's halt doch troffen. Christopherl (leise zu Weinberl) Es is aber unbegreiflich, wie man nicht gleich Frau von Fischer sagen kann; das gibt doch die Vernunft. Madame Knorr Aber wie kommt das? Frau von Fischer ist mehr meine Freundin als bloß Kundschaft – Weinberl Bitte, wenn die Freundin was kauft, is sie Kundschaft und muß zahlen; wenn das nicht wär', so hätten die Kaufleut' lauter Freund' und gar keine Kundschaften. Madame Knorr Aber es pressiert ja nicht. Frau von Fischer verrechnet sich alle Jahr' mit mir – und jetzt muß ich mir schon die Freiheit nehmen, zu fragen, wer Dieselben sind und wie Sie dazu kommen, für die Frau von Fischer bezahlen zu wollen? – Weinberl Sie ist also Ihre Freundin? – Madame Knorr Das glaub' ich; noch wie ihr seliger Mann gelebt hat, und gar jetzt die drei Jahr', als sie Witwe ist. – Weinberl (leise zu Christopherl) Jetzt geben Sie acht, was ich der Sach' für eine Wendung geb'! – (Laut.) Drei Jahr' war sie Witwe, ganz recht, aber seit drei Täg' ist sie's nicht mehr. Madame Knorr (erstaunt) Wieso? Weinberl Ich bin ihr Gemahl! Madame Knorr (aufs äußerste überrascht) Was!? – Christopherl (für sich) Ah, das is ein kecker Ding! – Madame Knorr Wär's möglich! Vor drei Tagen hat meine Freundin Fischer geheirat't!? Weinberl Ich bin der Glückliche von drei Täg'!- (Leise zu Christopherl, triumphierend.) Sehn Sie, das heißt halt Geist. Madame Knorr (hat etwas von diesen Worten gehört) Wer heißt Geist? – Weinberl Geist? – Ich heiße Geist. (Für sich.) 's is all's eins, ich kann heißen, wie ich will. Madame Knorr Ich bin so überrascht, Herr von Geist – Christopherl (für sich) Man sähet ihm's nicht an. Madame Knorr Und dieser junge Herr? (Auf Christopherl zeigend.) Weinberl Ein meiniger Verwandter. Madame Knorr Aber warum hat man so eine wichtige Sach' vor einer intimen Freundin verheimlicht? – Weinberl Sie sollen alles erfahren! Aber wollen Sie jetzt nur wegen der Rechnung nachschaun. Madame Knorr Gleich, gleich! (Will Seitentüre rechts ab, zögert aber.) Weinberl (leise zu Christopherl) Derweil fahr'n wir ab! Christopherl (leise zu Weinberl) Recht, dem Alten begegnen wir jetzt nicht mehr. Madame Knorr Nein, ich kann mich noch gar nicht erholen von dem Erstaunen und der Überraschung. Sechster Auftritt Philippine ; Vorige Philippine (zur Mitte eintretend) Madame, die Frau von Fischer is da, sie will aber nicht herein, weil Herren da sind. Christopherl (für sich) Jetzt geht's z'samm'!- Weinberl (ganz verblüfft) Wer is da –? Madame Knorr Ihre liebe Frau. (Zu Philippine.) Sie soll nur hereinkommen, es is ja ihr Gemahl – Weinberl (verlegen) Nein, sagen Sie ihr – Madame Knorr Zu was diese Sachen? (Zu Philippine.) Sie soll kommen, ihr Gemahl, ihr lieber Geist is da. (Philippine geht zur Mitte ab.) Weinberl (in großer Verlegenheit, für sich) Ich wollt', ich wär' ein Geist, daß ich verschwinden könnt'. Madame Knorr Ich begreif' nicht – wozu diese Zurückhaltung, dieses geheimnisvolle Wesen –? Weinberl Meine Frau, die hat das, Sie werden sehn, sie wird jetzt noch tun, als ob ich ihr ein fremder Mensch wär'. Christopherl (für sich) Ja, sie wird so dergleichen tun. Madame Knorr Am End' is sie obstinat und bleibt draußten. Weinberl (für sich) Das wär' a Glück! – Madame Knorr Da muß ich gleich – wär' nicht übel! – (Geht zur Mitteltüre.) Weinberl (zu Christopherl) Ich bin sehr gespannt auf meine Frau. Madame Knorr (Frau von Fischer unter der Türe empfangend) Nur her da, komm' in meine offenen Arme, du Verschlossene! Siebenter Auftritt Frau von Fischer (tritt befremdet zur Mitte ein); Die Vorigen Philippine (zu Frau von Fischer) Jetzt sehn Sie, daß ich kein' Spaß hab' g'macht. Madame Knorr Nein, es is Ernst, da steht er, dein Gemahl, der Herr von Geist – Frau von Fischer Mein Gemahl –? Und er hat dir selbst gesagt –? Madame Knorr Daß du seit drei Tagen die Seinige bist – jetzt nutzt keine Verstellung mehr. – (Zu Philippine.) Philippine, lassen Sie g'schwind Kaffee machen und dann soll – (gibt ihr leise mehrere Aufträge.) (Frau von Fischer betrachtet Weinberl scharf. Weinberl zieht sich verlegen immer mehr links zur Seite.) Frau von Fischer (nach einer Pause vortretend, für sich) Das ist entweder eine exzentrische Art, den Anbeter machen zu wollen, oder der Mensch erlaubt sich einen Scherz mit mir; im ersten Fall verdient die Sache nähere Erwägung, im zweiten Fall verdient die Keckheit Strafe; in jedem Fall aber muß ich ins klare kommen, und das kann ich am besten, wenn ich in seine Idee einzugehen scheine, vor meiner Freundin seine Frau spiele und die Gelegenheit abwarte, ihn in die Enge zu treiben. Philippine (zu Madame Knorr) Schon recht, Madame! – (Geht zur Mitte ab.) Madame Knorr (zu Frau von Fischer) Und jetzt zu dir, du garstige Freundin – Weinberl (leise zu Christopherl) Die garstige Freundin ist eigentlich sehr sauber. Christopherl (leise zu Weinberl) Was nützt das, wir kommen doch in eine wilde G'schicht'. – Madame Knorr (zu Frau von Fischer) Wie hast du das übers Herz bringen können, zu heiraten, ohne daß ich was weiß? Frau von Fischer Es war ein Grund – den dir mein lieber Mann sagen wird. Weinberl (verblüfft für sich) Sie sagt »lieber Mann« – sie tut richtig so – Madame Knorr Nun, Herr von Geist? Weinberl (verlegen) O, den Grund, den kann Ihnen meine liebe Frau ebensogut sagen. Frau von Fischer Nein, lieber Mann, sag' du es nur. Weinberl (wie oben) Ah, geh, liebe Frau, sag' du's! Frau von Fischer Es war eine Laune von meinem lieben Mann – Weinberl (sich mehr und mehr fassend) Und zugleich auch eine Laune von meiner lieben Frau – Madame Knorr Es is aber unerklärbar – Weinberl Daß zwei Leut' wie wir bei Laune sind, das is gar nicht unerklärbar. Madame Knorr Die Bekanntschaft muß aber doch schon viel länger – Frau von Fischer Ach, das nicht, wir kennen uns erst sehr kurze Zeit. Weinberl Unglaublich kurz! Die G'schicht' war so über Hals und Kopf. Christopherl (leise zu Weinberl) Jawohl is s' uns über 'n Hals kommen, den Kopf aber heißt's jetzt aus der Schlinge ziehn. Madame Knorr Da kann man sehen, die Ehen werden im Himmel geschlossen. Weinberl Richtig bemerkt, im Himmel werden s' geschlossen, darum erfordert dieser Stand auch meistens eine überirdische Geduld. Frau von Fischer Sehr unrichtig bemerkt, denn du hast dich hoffentlich nicht über mich zu beklagen. Weinberl O nein! – Frau von Fischer Hab' ich dir schon ein einziges Mal widersprochen? Weinberl Nein, das is wahr. Frau von Fischer (mit Beziehung) Suche ich nicht in deine Ideen einzugehn – selbst wenn ich keinen stichhaltigen Grund herausfinde? Weinberl Das ist auch wahr! – Christopherl (leise zu Weinberl) Das is a feine Kundschaft, fahr'n wir ab! Weinberl (zu Frau von Fischer) Weil du mir nie widersprichst, so wirst du auch nix dagegen haben, wenn ich dich jetzt bei deiner Freundin lass' und meinen Geschäften nachgehe. Frau von Fischer O, da würd' ich sehr viel dagegen haben. Du hast für heute kein Geschäft mehr, als für unser Vergnügen zu sorgen! Zum ersten Male muß es jetzt nach meinem Willen gehen. Weinberl Aber ich muß – Frau von Fischer (imponierend) Für diesmal unbedingt den Befehlen der Frau gehorchen! Weinberl (verblüfft) Ja, ja, gehorchen, sag' nur, was du eigentlich schaffst? Christopherl (leise zu Weinberl) Aber was treiben S' denn? Weinberl (leise zu Christopherl) Ich trau' mich nicht zu widersprechen. Christopherl (wie zuvor) Zwei Minuten stellen S' jetzt ein' Ehmann vor und sind schon Simandl, Sie haben eine großartige Anlag'. Madame Knorr (welche leise mit Frau von Fischer gesprochen) Scharmant, dort fahren wir hin, der Garten is prächtig, die Bedienung ist einzig – Frau von Fischer Mein Mann soll uns dort traktieren. Madame Knorr Da hinaus eine Partie zu machen, das ist eine Idee von dir, die wirklich einen Kuß verdient, den dir dein Mann auch allsogleich – Weinberl (zu Madame Knorr) Glauben Sie? Ja, ich bin der Mann, der niemandem sein Verdienst abstreiten will. Wenn Sie also der Meinung sind, daß sie ein' Kuß verdient – Madame Knorr Ohne weiteres! (Zu Frau von Fischer.) Nur keine Umständ' g'macht vor einer Freundin! Weinberl So geh, Gemahlin! (Küßt Frau von Fischer, welche verlegen zögert.) Madame Knorr So seh' ich's gern von junge Eheleut'. Weinberl (für sich) Das is ein Götterweib. (Zu Frau von Fischer.) Gemahlin, wenn du recht bald wieder eine Idee hast, die einen Kuß verdient, so gibt ich dir gleich ein paar à conto auf deine nächsten Ideen. Madame Knorr Ein Schalerl Kaffee müssen wir aber noch trinken, eh' wir ausfahren. Der Herr Cousin kann gleich um ein Wagen gehen, und Sie (zu Weinberl) spazieren indessen (nach rechts zeigend) in mein Zimmer hinein, ich muß Ihrer Frau im Atelier draußen eine neue Form von Hauberln zeig'n, von Hauberln –! Wir werden Ihnen nicht zu lang warten lassen, Sie verliebter Gemahl, Sie. (Geht mit Frau von Fischer und Christopherl durch die Mitte ab.) Achter Auftritt Weinberl Weinberl Ich muß sagen, ich und die Meinige, wir leben sehr gut miteinand'. Es rentiert sich kurios, wenn man a verfluchter Kerl is. – Den Wagen wird wohl die Madame Knorr zahlen – ah, freilich, sie hat ja drum g'schickt. Übrigens, daß ich jetzt da so aus dem Stegreif einen Gemahl vorstell', das is a verruckte Idee! – Macht nix, ich bin ja nicht der einzige, es gibt mehr Leut', die verruckte Ideen haben. 1.             A Mann führt sein' Frau 's ganze Jahr nirgends hin, Unterhalt't sich auf andre Art, ganz nach sein' Sinn, Prätendiert aber, wenn er geht, soll s' freundlich sein, Weil s' ihm sonst den Humor verdirbt im vorhinein, Wenn er heimkommt, soll s' lächeln, recht heiter und mild, Er wird Flegel, sobald sie sich unglücklich fühlt, Sie soll höchst zufrieden sein in dieser Eh': Das is a verruckte Idee! 2. Ein' eitle Mama hat a Tochter wie a Perl', Der Tochter ihr Amant ist a pfiffiger Kerl. So wie 'n Haushund der Dieb mit Savlati besticht, Wer'n von ihm an d' Mama a paar Flatusen gericht't, Und d' Alte is selig, die Aug'n tun ihr funkeln, »Ach Gott«, denkt s', »ich tu' meine Tochter verdunkeln, Für mich tut sein Herz nur schlagen unterm Gilet«: Das is a verruckte Idee! 3. »Den Herrn seh' ich täglich zu Ihrer Frau gehn!« Ja wissen S', das macht nix, es is ihr Cousin.« »In der Dämmrung, da sieht man s' oft beieinand' stehn!« »Was schad't denn die Dämmrung, 's is ja ihr Cousin!« »Sie tut ihm die Hand drucken und tut ihm schön.« »Warum soll s' ihn nit drucken, 's ja ihr Cousin! Wär er nit ihr Cousin, ließ' ich ihr 'n g'wiß nit in d' Näh'« Das is a verruckte Idee! 4. 's is jetzt fast Auszeichnung, wenn man sagen kann dahier. »Mein Sohn is zwölf Jahr' und spielt gar nicht Klavier!« Wer nicht ferm Doktor-Faust-Stückeln jetzt machen kann, Sondern nur Virtuos is, den hört man kaum an, Und doch liest man »Klavierkonzert« fast alle Tag' An allen Ecken, aber im Preis geben s' dem Liszt nit viel nach, Drei Gulden Münz' für ein'n Sperrsitz, zwei Gulden Entree: Das is a verruckte Idee! 5. 's hat einer ein'n kleinen Gehalt, kommt nicht draus, Verliebt sich romantisch und rechnet sich's aus: Als a Lediger kommt mich 's Kaffeehaus hoch, Da kommt mich ja d' Frau etwas billiger noch! Denn 's Kinderernähren, meint er, wird sich schon finden. Das Rechnungsexempel is schön g'fehlt vorn und hinten, A Familie und sechshundert Gulden W. W.: Das is a verruckte Idee! (In die Seitentüre rechts ab.) Verwandlung Eleganter Gartensalon in einem Gasthausetablissement außer der Stadt. Im Prospekt ist ein großes Fenster, links eine große Glastüre, beide nehmen beinahe den ganzen Prospekt ein, so daß man durch selbe die Aussicht in den Garten hat, wo man an mehreren Tischen Gäste sitzen sieht. Von außen, ganz nahe an dem Fenster am Prospekte, sieht man einen geschlossenen Wagen stehen, dessen Pferde in der Kulisse angenommen werden. Im Gartensalon rechts und links ein Tisch und Stuhle, links ein Fenster Neunter Auftritt Zangler , Melchior Zangler (erzürnt in den Salon mit Melchior eintretend) Das also hier is der Ort? – Melchior Wenn Euer Gnaden recht verstanden hab'n, was der Herr dem Kutscher zug'ruft hat – Zangler Ob ich ihn verstanden hab'! Es war grad in dem Moment, wie er 's Wagentürl zugeschlagen hat, ich schrei': »Halt!« – Melchior Aber man war nicht so dumm, Ihnen zu gehorchen. Zangler Ich stürz' in mein Gasthaus – Melchior Ich stürz' Ihnen entgegen, und nach kurzer Erklärung stürzen wir all' zwei fort, stürzen in ein' Wagen, und wenn der Wagen auch g'stürzt wär', wären wir noch nicht da. Jetzt denken Euer Gnaden, wenn Sie mich nicht hätten – Zangler So wär' ein anderer mit mir heraus. Melchior Es ist ein wahres Glück, daß Euer Gnaden mich haben. Zangler Das Frauenzimmer war offenbar sie. Melchior Und der Mann war offenbar er. Zangler Durchgehen! Melchior Das is klassisch! Zangler Schändlich is es, aber ich will ihr zeigen – Melchior Wenn eine Mündel so den Mündelgehorsam verletzt, wenn eine Nichte so die nichtigen Pflichten vergißt, da muß man – Zangler Da muß man nicht viel reden, sondern schaun, daß man sie kriegt. Melchior Nur kein Aufsehen! Es is ein wahres Glück, daß Euer Gnaden mich haben. Zangler Meine Mündel will ich haben, Tölpel! Melchior Gut, aber was täten Euer Gnaden, wenn Sie mich nicht hätten? Zangler Einen G'scheiteren tät' ich schicken, daß er augenblicklich jeden Saal, jedes Salettel, jeden Salon, jede Salaterie durchsucht und mir die Überzeugung bringt, daß sie da sind. Melchior Aber nur kein Aufsehen! Wir müssen zuerst – Zangler (den Wagen vor dem Salonfester erblickend) Ha, das is der Wagen – jetzt haben wir s', sie sind da! Melchior Das is klassisch! 's ist ein wahres Glück, daß Euer Gnaden mich haben. Zangler (ruft) He, Kutscher! He! (Will ab.) Melchior (ihn zurückhaltend) Schreien Sie nit so – bleib'n Sie! Zangler Lass' Er mich, oder ich schlag' mein spanisches Rohr an Ihm ab! Melchior Vermeiden Sie das Aufsehen! Sie entkommen uns ja nicht. Die Pferd' nehmen hier Erfrischungen zu sich, das dauert a Weil'. Zangler (ruft noch lauter) He, Kutscher! He! Kutscher (von außen) Was schaffen S'? Melchior Na sehn S', er kommt schon, es is ein wahres Glück, daß Euer Gnaden mich – Zangler (grimmig) Halt' Er 's Maul oder – Melchior Kein Aufsehen! – Zehnter Auftritt Kutscher ; die Vorigen Kutscher (tritt ein) Euer Gnad'n! Zangler Geh' Er her! Kutscher Ich hab' schon a Fuhr. Zangler Eben deine Fuhr will ich – Kutscher Sein denn Euer Gnaden a Kutscher? Zangler Er versteht mich nicht – Melchior (zu Zangler) So reden S' ordentlich mit ihm; ich seh' schon, da hab'n Euer Gnaden kein' Begriff – Zangler Du hast einen Herrn und ein Frauenzimmer geführt? Kutscher Ja, die sitzen im Garten. Zangler Und weißt du, in welcher Absicht dieser Herr und dieses – Kutscher Was geht denn das mich an! Melchior Wenn a Kutscher in das eingehen wollt'! Ah, da hab'n Euer Gnaden kein' Begriff – Zangler (zum Kutscher) Weißt du, Helfershelfer, daß du kriminalistisch bist? Kutscher Lassen S' Ihnen nit auslachen! Melchior (zu Zangler) Sehn S', jetzt lacht er Ihnen aus, Euer Gnaden hab'n keinen Begriff – Zangler (zum Kutscher) Hier hat Er zehn Gulden. Melchior Der Kutscher wird jetzt gleich ein' Begriff krieg'n. Kutscher Euer Exzellenz! Zangler (zum Kutscher) Er führt diese zwei Leut', wenn sie wieder einsteigen, nicht wohin sie wollen, sondern wohin ich Ihm sagen werde. Kutscher Wenn s' mich aber nachher verklag'n? Zangler (ihm einen Zettel gebend) Das is die Adress' von meiner Schwägerin, da führst du sie hin, und um dir zu zeigen, daß die Sache im Wege Rechtens vor sich geht, geh' ich jetzt zum Wachter, der muß hint' aufstehen und Gewalt brauchen, wenn sie nicht gutwillig in das Haus wollen, wo ich sie hinbringen lass'. Dem Wachter werd' ich schon erklären – Melchior (mit Beziehung auf das Trinkgeld) O, der Wachter begreift ebenso wie der Kutscher. Zangler (zum Kutscher) Bleib' Er jetzt beim Wagen. Er muß jeden Augenblick in Bereitschaft sein. Kutscher Euer Gnaden können sich verlassen. (Ab.) Zangler (grimmig) Ich fahre dann nach, und hab' ich den kecken Burschen im Haus meiner Schwägerin, dann lass' ich ihn durch einen Herrn Kommissarius ohne Aufsehen – Melchior Das is ja das, was ich immer sag': ohne Aufsehen! Sehn Euer Gnaden jetzt ein, was das für ein Glück is, daß Sie mich haben? Zangler (wie zuvor) Unerträglicher Kerl, ich zerreiß' Ihn! Melchior Gehn S', Sie machen schon wieder ein Aufsehn. Zangler Schad', daß ich mich ärger', denn Er ist so dumm, so – Melchior Da haben Sie gar keinen Begriff, wenn Sie sagen – Zangler Daß Er ein Stockfisch ist, den ich zum Teufel jag', wie wir nach Hause kommen, das sag' ich. (Geht wütend ab.) Elfter Auftritt Melchior , dann Sonders und Marie Melchior (allein) Der wird es nie einsehn, mit dem Mann plag' ich mich umsonst. Er halt't mich partout für einen Stockfisch, und man glaubt gar nicht, was das is, wenn man einmal auf ein' Menschen einen Verdacht hat. – Ich könnt' mich aber doch durch was in Respekt setzen bei ihm: wenn ich die Liebenden, die ich in meinem Leben nicht g'sehen hab', entdecket, ihre Gespräche und Pläne belauschet und so – da kommen zwei –! (In den Garten hinaussehend.) Er red't in sie hinein, sie seufzt aus sich selbst heraus – das sind Liebende, jetzt fragt's sich nur, ob es die unsrigen sind, ob's die sind, die wir suchen? (Zieht sich rechts gegen das Fenster zurück.) Sonders (mit Marie zur Glastüre eintretend) Sei doch nicht so ängstlich, liebe Marie! Marie (trägt einen Burnus und Hut mit Schleier) Ach Gott, die vielen Leut' – Sonders Kennen uns nicht, wir sind hier beide fremd. Marie Ich glaub', jeder Mensch sieht mir's im G'sicht an – Melchior (für sich) Das is klassisch. Marie Und bei jedem Schritt glaub' ich, der Vormund steht vor mir. Melchior (für sich) Sie hat einen Vormund, die sind's schon! Sonders Hier ist der Sammelplatz der eleganten Welt, gerade hier sind wir sicher, so einem Spießbürger, wie er ist, nicht zu begegnen. Marie Ach, August, wozu hast du mich verleitet?! Und ich hab' dir doch immer gesagt, es schickt sich nicht. Melchior (für sich) Das is klassisch. Sonders Mache dir deshalb keine Vorwürfe, dein Vormund ist ein Tyrann. Melchior (für sich) Was? Auf die Art sind die's doch nicht. Unserer ihr Vormund is a G'würzkramer und der ihrer is a Tyrann. Das sind Liebende, die uns gar nix angehen. Sonders Er selbst hat uns gezwungen zu diesem Schritt. Melchior (für sich) Die sind dazu gezwungen worden, und die unsrigen sein freiwillig fort, ja, das sind ganz andere Verhältnisse. Marie Du wirst sehen, August, mir geht's im Geist vor – Sonders Beruhige dich, liebes Mädchen, wir haben nichts zu befürchten. Melchior (für sich) Die haben nichts zu befürchten, und die unsrigen haben sehr viel zu befürchten – wie gesagt, das sind hier ganz andere Verhältnisse. Marie Daß ich aber mit dir in der Welt herumlauf', das schickt sich nicht. Melchior (für sich) Das is klassisch. Sonders Dafür ist gesorgt, ich erwarte hier nur die Antwort von einem Freunde, dessen Schloß zwei Stunden von hier gelegen; bei seiner Gattin findest du ein freundliches Asyl, bis ich, nach Beseitigung aller Hindernisse, dich als Gattin in die Arme meiner Tante führe. Melchior (für sich) Die gehen zu einer Tant', und die unsrigen kommen von ein' Onkel – na, ja, das sind ja ganz andere Verhältnisse. Sonders (Melchior bemerkend) Wer spricht hier? Melchior Nein, nein, sind Sie ruhig – Ihnen tun wir nix. Sonders Er hat uns behorcht! Melchior Kein Gedanken! Sonders Was will Er also hier? Melchior Sie müssen wissen, sowohl Sie als das Fräulein müssen wissen, ich bin da mit mein' Herrn! Sonders Was geht das uns an? Melchior Na ja, wenn Sie die wären, die – dann ging's Ihnen wohl sehr viel an, aber wie gesagt, bei Ihnen sind es ganz andere Verhältnisse. – Sonders Ich glaube, Er ist betrunken. Zwölfter Auftritt Ein Kellner ; die Vorigen Kellner Die Schokolade ist serviert. Sonders Wo hast du für uns gedeckt? Kellner Wo Euer Gnaden früher gesessen sind, in der Laube. Sonders Komm, liebe Marie! Marie Ach, August, es schickt sich nicht. (Beide ab, der Kellner folgt.) Dreizehnter Auftritt Melchior Melchior (allein) Die sagt immer: »Es schickt sich nicht«, geht aber doch wieder in die Laube, das is klassisch! (Ab.) Vierzehnter Auftritt Madame Knorr , Frau von Fischer , Weinberl , Christopherl (Frau von Fischer, von Weinberl, Madame Knorr, von Christopherl geführt, treten ein; Frau von Fischer trägt Hut und Burnus von derselben Farbe, wie Marie hatte.) Frau von Fischer (zu Weinberl) Ich begreife nicht, mein Lieber, was dir eingefallen ist, daß du den Wag'n fortfahren ließest? Madame Knorr Hier bekommen wir ja wieder Wägen, soviel wir wollen. Christopherl O ja, wenn man kein Geld anschaut. Weinberl (leise zu Christopherl) Ich werd' sehr bald kein Geld anschauen, denn ich werd' gleich keins mehr haben. (Laut zu Frau von Fischer.) Weißt du, Liebe, ich hab' geglaubt, es ist angenehmer, wenn wir zu Fuß nach Hause gehen. Frau von Fischer Zu Fuß? Madame Knorr Aha, im Mondenschein mit dir dahinschlendern und schwärmen hat er wollen. Weinberl Ja, schlendern und schwärmen. Christopherl (zu Madame Knorr) Und wir hätten auch das Unsrige geschwärmt. Madame Knorr O, Sie schlimmer Cousin! Weinberl Ja, ja, gehen wir zu Fuß, das is so schwärmerisch (beiseite) und so billig! Frau von Fischer Warum nicht gar, der Abend ist kühl, willst du mich morgen krank wissen? Madame Knorr In der Hinsicht soll man wohl nicht sparen. Eine Krankheit kommt höher als zehn Fiaker. Weinberl (für sich) Mich kommt wieder ein Fiaker höher, als wenns' morgen zehn Krankheiten kriegt. Frau von Fischer (zu Weinberl) Ohne Widerrede, wir fahren. Madame Knorr (zu Frau von Fischer) War das aber ein guter Rat von mir, daß ich g'sagt hab', du sollst um den Mantel nach Haus schicken. Frau von Fischer Jawohl, aber hier will ich doch ablegen. (Geht zu einem am Fenster stehenden Stuhl und legt den Burnus ab, wobei ihr Madame Knorr behilflich ist.) Weinberl (im Vordergrund zu Christopherl) Christoph, Sie haben doch etwas Geld bei sich? Christopherl Nein, gar keins. Weinberl Sie sind ein – auf Ehr', wenn Sie nicht schon Kommis wären, jetzt beutlet ich Ihnen, daß – Christopherl Und wenn S' mich noch so beuteln, so fallt kein Kreuzer heraus! Ich hab' mich auf Ihnen verlassen, wie viel haben S' denn? Weinberl Ich hab' mir von z' Haus zehn Gulden mitgenommen. Christopherl Und mit zehn Gulden hab'n Sie wollen ein verfluchter Kerl sein? Weinberl Hab' ich das ahnen können, wie ich in der Fruh' so ledig aus'gangen bin, daß ich gegen Abend a Frau hab'? Sonst sagt man: 's Unglück kommt über Nacht, mir is es über Mittag kommen! – Und daß ich alles zahlen muß, hab' ich mir auch nicht denkt – jetzt hab' ich grad noch zwei Gulden. Christopherl Und jetzt brauchen wir a Jausen auf vier Person', Wagen nach Haus und unser' Ruckreis' – Weinberl Da schaut offenbar a Krida heraus. Frau von Fischer (mit Madame Knorr vorkommend) Nun, lieber Mann, du vergißt ja, den Kellner zu rufen? Weinberl Nein, ich hab' grad drauf denkt. – (Zögernd.) Du glaubst also wirklich, daß wir hier jausnen sollen? Frau von Fischer Was sonst? Weinberl (verlegen) Nein, nein, sonst nix – (Beiseite.) Mir is das z'viel! Frau von Fischer So rufe doch – Weinberl (mit unsicherer Stimme) He, Kellner! Frau von Fischer So wird dich niemand hören. Weinberl Ich hab' so was Erschöpftes in mir – gar nicht das rechte Organ, ein' Kellner zu rufen. (Ruft wie freier.) He, Kellner! Christopherl (laut) Kellner! Frau von Fischer (zu Madame Knorr) Mein Mann macht sich öfters den Spaß, den Knickrigen zu spielen, die Jause soll dich vom Gegenteil überzeugen. (Für sich.) Ich glaube, der Mensch wollte mich zum besten halten, das soll er mir büßen. Fünfzehnter Auftritt Kellner ; die Vorigen Kellner Was schaffen Euer Gnaden? Weinberl Sie sind der Kellner? Haben Sie die Gewogenheit, nehmen Sie es nicht ungütig, daß wir Sie hieher bemühen – Kellner Euer Gnaden scherzen – Weinberl O nein, warum soll ich Ihnen nicht mit Achtung behandeln – Christopherl (leise zu Weinberl) Was treiben S' denn? Kellner (zu Weinberl) Bitte, Euer Gnaden, so zart geht kein Gast mit ein' Kellner um. Weinberl O, ich bitte! – (Leise zu Christopherl.) Jetzt hab' ich doch Hoffnung, daß er mit mir auch zart umgehen wird, wenn es zum Äußersten kommt. Frau von Fischer (welche indes mit Madame Knorr gesprochen) : Nun, was ist denn angeschafft worden? Kellner Bis jetzt noch nichts. Weinberl Wir deliberieren grad, ich glaube, zwei Schalen Kaffee – Frau von Fischer Kaffee haben wir ja schon bei meiner Freundin getrunken. Du mußt eine Jause bestellen, die gleich als Souper dienen kann. Weinberl Aha –! (Zum Kellner.) So bringen Sie uns Butter und Rettig und drei Seitel Bier, zwei für uns und eins für die Damen. (Für sich.) Das kommt billig. Frau von Fischer Was wär' das? Du willst uns so ordinär –? Madame Knorr Ich trinke nie Bier – Weinberl (zum Kellner) Also nur für uns Bier, für die Damen Wasser. (Für sich.) Das is noch billiger. Frau von Fischer Aber, Mann!? Madame Knorr Ich darf nicht kalt soupier'n. Weinberl Also was Warmes? (Zum Kellner.) Haben Sie kein Beuschl? Christopherl Oder ein halbes Gulasch? Kellner Das möcht' ich nicht raten, es ist schlecht. Weinberl (für sich) Das wär' eigentlich gut, da esseten s' nicht viel. – Frau von Fischer (ernst zu Weinberl) Mann, jetzt sag' ich dir zum letztenmal – Weinberl (mit Resignation zum Kellner) Also bringen Sie zwei Schnitzel, für uns Bier und für die Damen ein Seitel Achter. (Für sich.) Die zwei Gulden sind überschritten – die Krida geht an. Frau von Fischer (zu Madame Knorr) Heut' hat mein Mann wieder seinen närrischen Tag. (Zu Weinberl.) Herr Gemahl, jetzt hab' ich's satt! Weinberl (für sich) Das wär' ein Glück – Frau von Fischer So schafft man nicht an, wenn man Damen ausführt. Kellner, Sie bestellen uns ein' Fasan – Kellner Den Augenblick kommt einer vom Spieß. Frau von Fischer Dazu Kompott, dann Torte und sonstiges Dessert, zuerst Rheinwein, am Schluß Champagner. Kellner Sehr wohl, Euer Gnaden. (Ruft, indem er abgeht.) Anton, vier Gedeck' im Salon. (Ab.) Sechzehnter Auftritt Die Vorigen ohne Kellner Frau von Fischer (zu Madame Knorr) Nun, hab' ich deinen Gusto getroffen? Madame Knorr 's ist aber zu viel. Christopherl (zu Weinberl) Wie g'schieht Ihnen denn? Weinberl Mir g'schieht gar nicht mehr, ich bin stumpf. Christopherl Und ich bin scharf aufs Abfahr'n bedacht. Weinberl (von dieser Idee ergriffen) Abfahren? – Sie haben recht, Krida ist da, also verschwinden – das kommt im Merkantilischen häufig vor! Christopherl Der Kellner soll sich dann mit der Zech' an die Frauen halten. Weinberl Recht so, wir lassen alles auf die Frauen schreiben, das is wieder merkantilisch. Christopherl Warum stürzen s' uns so in Depensen, diese Weiber! Weinberl Das sind ja Verschwenderinnen, reine Gourmaninnen. Christopherl Aber nur kein' Verlegenheit g'spür'n lassen und Cour gemacht aus Leibeskräften! (Zweiter Kellner kommt und deckt den Tisch rechts, rückt ihn aber vorher etwas gegen die Mitte der Bühne.) Weinberl (zu Frau von Fischer) Du glaubst nicht, meine Liebe, wie wohl mir jetzt ist, es ist ein Vorgefühl in mir – Madame Knorr Daß Sie noch viele solche frohe Tage an der Seite Ihrer Frau – das nenn' ich eine Lieb' – Christopherl (zärtlich zu Madame Knorr) Können Sie bei diesem Anblick gefühllos bleiben? Madame Knorr Junger Mensch, ich hab' Ihnen schon gesagt, daß ich eine Braut bin, ich lebe nur für diesen einen Mann. Christopherl Daß Sie für einen Mann leben, gibt Ihnen das das Recht, einen Jüngling zu töten? Madame Knorr Hören Sie auf, Sie sind ein schlimmer Cousin! Siebzehnter Auftritt Kellner ; die Vorigen , dann Melchior Kellner (Fasan und Rheinwein bringend) Wenn es Euer Gnaden gefällig ist. (Stellt alles auf den Tisch.) Frau von Fischer O ja! (Zu Madame Knorr.) Komm liebe Freundin! Weinberl (zum Kellner) Sie können auch einen wällischen Salat bringen. Christopherl Überhaupt, was gut und teuer ist – Weinberl Uns is das egal, was es kost't, Sie werden sehn, wir binden uns an keinen Preis. (Für sich.) Wart't's, Gourmaninnen! Kellner Sehr wohl, Euer Gnaden! (Geht ab.) Melchior (tritt mit dem zweiten Kellner, welcher ein Gedeck trägt, ein) Was is denn das? Ich will da für mein' Herrn aufdecken lassen und jetzt setzen sich andere herein – Weinberl Ich glaub', an einem öffentlichen Ort hat jeder das Recht – Melchior Ah, das is indiskret! Zweiter Kellner In dem Salon hab'n ja zwanzig Personen Platz. Melchior Mein Herr will aber allein sein. Christopherl Dann soll er an keinen öffentlichen Ort gehn. Melchior Ah, das is indiskret! Sie können sich ja hinaus in den Garten setzen. Frau von Fischer Das kann Sein Herr auch tun. Melchior Mein Herr muß von hier aus jemand beobachten, und mit einem Wort, mein Herr wird sich nicht wegen Ihnen vieren genieren. Weinberl Und wir viere werden uns noch weniger wegen Sein' Herrn genieren. Melchior Ah, das is aber indiskret. Da muß mein Herr sitzen wegen der Aussicht auf die Tür. – (Rückt den Tisch, welchen der Kellner deckte, von links gegen die Mitte ziemlich nahe an den Tisch der Gesellschaft.) Madame Knorr Das gilt uns gleich. Melchior Wenn der dumme Salon nur in der Mitte eine Abteilung hätt' – Weinberl Na, ja, Sein Herr soll halt gleich eine Mauer aufführen lassen, wenn er wo einkehrt. Zweiter Kellner Man könnte allenfalls – es zieht manchmal den Gästen zu stark, da wird dann (auf die zwischen Fenster und Türe lehnende zusammengelegte spanische Wand zeigend) die spanische Wand gebraucht. Wenn man die in der Mitte aufstellt, so wäre ja die gewünschte Absonderung geschehn. Frau von Fischer Machen Sie das, wie Sie wollen! (Zu Madame Knorr.) Legen wir unsere Hüte ab und setzen wir uns! (Geht mit Madame Knorr zu einem Stuhl rechts, wo sie während des Folgenden ihre Hüte ablegen.) Christopherl (zu Weinberl) Das sieht kurios aus, das können wir uns vor den Frauen nicht antun lassen. Weinberl (zu Melchior, welcher die spanische Wand aufstellen will) Wenn Er mit der spanischen Wand nicht weitergeht, so werf' ich Ihn an die wirkliche! – Melchior Ah, das is klassisch! Weinberl Wir werden uns da wie die wilden Tier' in einer Menagerie absperren lassen! Melchior Na, warten S', das sag' ich meinem Herrn! Christopherl Was kümmert uns Sein Herr? Weinberl Er soll nur kommen, wir werden ihm zeigen – Melchior Da kommt er grad die Allee herauf. (Drohend zu Weinberl und Christopherl.) Warten S'! Weinberl (hingehend und heftig erschreckend) Kontinent, tu dich auf! – Christopherl (der ebenfalls hingesehen) Auweh! – und verschling' uns! – Weinberl und Christopherl (zugleich) Der Prinzipal! Weinberl (zu Melchior) Lieber Freund, Sie haben erst recht mit der spanischen Wand – Christopherl Ja, 's besser, stell'n wir s' auf. Weinberl Aber nur g'schwind, Kellner, helfen S'! (Der Kellner, Christopherl, Weinberl und Melchior stellen mit vieler Eile, wobei einer dem andern hinderlich ist, die Wand auf.) Melchior Jetzt sehen Sie's ein und eher haben S' so G'schichten – nein, wie Sie indiskret sein! Madame Knorr (zu Frau von Fischer) Aber schau nur her, was sie da für Umständ' machen! Weinberl (zu den Frauen) Es ist, wissen Sie – es zieht hier so stark nach der Luft – Frau von Fischer Ich spüre nichts. Madame Knorr Wir sind ja nicht rheumatisch. Weinberl (zu Christopherl) Aber uns reißt's ungeheuer. Christopherl Setzen wir uns! (Alle vier setzen sich zu Tisch, die spanische Wand ist aufgestellt und teilt die Bühne in der Mitte ab. Der Tisch der Gesellschaft und der für Zangler bestimmte Tisch sind ziemlich nahe und nur durch die Wand getrennt.) Achtzehnter Auftritt Zangler ; die Vorigen Zangler (eintretend) Alles in Ordnung! Melchior! Melchior Euer Gnad'n? Zangler Der Wachter steht schon draußen auf der Pass'. Wie meine Mündel mit ihrem Entführer in Wagen steigt, steigt der Kutscher auf den Bock und der Wachter hint' auf. Melchior Das ist klassisch! Madame Knorr Sehr ein gutes Kompott! Weinberl (mit gedämpfter Stimme) Ich werd' den Fasan transchieren. Christopherl (ebenfalls mit gedämpfter Stimme) Und ich werd schau'n, ob der wällische Salat noch nicht bald kommt. – Madame Knorr Ach ja! Zangler Was is denn das mit der spanischen Wand? Melchior Da darneben sind indiskrete Leut', zwei Weibsbilder mit ihre Liebhaber, damit Euer Gnaden nicht geniert sind. Zangler Gut! (Zweiter Kellner bringt Wein und Aufgeschnittenes, stellt es auf den Tisch. Zangler setzt sich.) Melchior (mit dem Finger darauf zeigend) Das hab' ich für Euer Gnaden angeschafft. Zangler Gut! Melchior Gott, was wären Euer Gnaden ohne mich! Zangler Die Zeitung! (Für sich.) Wer weiß, wie lang das noch dauert. – (Kellner bringt Zangler die Zeitung und geht ab.) Melchior Ich werd' patrouillieren. (Geht in den Garten hinaus.) Frau von Fischer Der Fasan scheint sehr gut zu sein. Weinberl (mit gedämpfter Stimme) Die Zähigkeit abgerechnet, delikat – Madame Knorr Kommt der Kellner noch nicht? Christopherl (mit gedämpfter Stimme) Nein, das ist ein langsamer Kerl. Madame Knorr Warum reden denn die Herren so still, so heiser? Weinberl (wie oben) Die Zugluft hat das gemacht. Christopherl (wie oben) Es is ein wahres Glück, daß die Wand aufgestellt is. Weinberl (wie oben) Ja, sonst hätt's uns die Sprach' gänzlich verschlagen. Madame Knorr Nein, wie die Herren jetzt heiklich sind – Melchior (hereinlaufend) Euer Gnad'n! Euer Gnad'n! Zangler Was ist's? – Melchior Ich seh' noch nichts – Zangler Dummkopf! Melchior Früher waren zwei da herin, das waren aber andere. Zangler Die ich such', sitzen draußen, ich hab' sie von weitem gesehn. Geh hinaus, stell' dich in einige Entfernung vom Wagen, und wie sie fortfahren, sagst du mir's, wir fahren dann gleich nach. – Melchior Das wird klassisch! (Geht ab in den Garten.) Christopherl (hat während der letzten Reden schnell den Burnus der Frau von Fischer umgenommen und ihren Hut aufgesetzt) So kann ich neben unserm Alten vorbeipassier'n. Frau von Fischer (zu Weinberl) Du schenkst ja unserer Freundin gar nichts ein? Weinberl (welcher bemerkt hat, wie Christopherl sich ankleidet, zu Frau von Fischer) Aber, Liebe, ich kann ja nicht transchieren und einschenken zugleich. (Christopherl hat den hinteren Teil der spanischen Wand geöffnet und schlüpft so in die andere Hälfte der Bühne hinüber, wo Zangler sitzt, welcher, in die Zeitung vertieft, ihn nicht bemerkt.) Zangler (in der Zeitung lesend) »Verwegener Kleiderdiebstahl durch einen jungen Purschen.« (Spricht.) Nein, was man jetzt alles liest, die Halunken werden immer pfiffiger. (Christopherl hat sich an der Rückwand zur Glastüre hin in den Garten hinausgeschlichen.) Madame Knorr Wo ist denn der Cousin hin'kommen? Weinberl (Madame Knorr den Fasan offerierend) Bitte sich zu bedienen! (Läßt, indem er nach dem Fenster sieht, eine Gabel von der Schüssel und auf das Kleid der Frau von Fischer fallen.) Frau von Fischer Himmel! Mein neues Kleid! Weinberl Pardon! Es wird nichts machen als einen fetten Fleck. Frau von Fischer Der nie mehr herausgeht. Madame Knorr Nur gleich mit der Serviett' reiben. (Ist Frau von Fischer dabei behilflich.) (Christopherl steigt außerhalb dem Glasfenster in Sonders' Wagen.) Weinberl (dies bemerkend, steht auf und sagt für sich, indem er sich dem Fenster nähert) Der steigt in den Wagen, das is ein g'scheiter Einfall, der Kutscher muß uns fahren bis aufs Feld hinaus, dann geb' ich ihm einen Gulden und lass' ihn umkehren. – Wie komm' ich aber hinaus? Dort der Prinzipal, da die Frauen – Gott sei Dank, der Fleck is so fett, daß die mich nicht bemerken. Frau von Fischer Das geht nie mehr aus. – Weinberl (einen raschen Entschluß fassend) Aber was anders geht aus! – (Steigt zum Fenster hinaus.) Madame Knorr (Weinberl bemerkend) Freundin, da schau her, was dein Mann – Frau von Fischer (betroffen) Er ist aus dem Fenster gestiegen!? Madame Knorr Und steigt in den Wagen ein. (Man sieht Weinberl in den Wagen steigen.) Frau von Fischer (will hinausrufen) Mein Herr –! (Man sieht den Wächter in Uniform hinten auf den Wagen steigen.) Madame Knorr Was is das, der Ortswachter –!? Er stellt sich hinten auf – Frau von Fischer Eine Arretierung (Man hört schnalzen, der Wagen fährt ab.) Madame Knorr Fort ist er! (Beide Frauen bleiben erschrocken an ihren Stühlen stehen indem sie starr dem abgefahrenen Wagen nachblicken.) Melchior (zur Glastür eintretend) Das is klassisch! Wir haben s' schon, der Kutscher und der Wachter lassen s' nimmer aus. Zangler Wir fahren gleich nach. Kellner, zahlen! Neunzehnter Auftritt Sonders , Marie ; die Vorigen Sonders (mit Marie zur Glastüre hereintretend, ohne Zangler zu bemerken) Kellner, zahlen! Wo stecken denn die Schlingel? Zangler (springt wütend auf) Höllen-Element! Da sind s'! Marie Ach, der Vormund! – (Wankt und sinkt Sonders in die Arme.) Sonders (zugleich) Verdammt! Madame Knorr (über Zanglers Ausruf betroffen) Was für eine Stimm'!? – Frau von Fischer (zugleich, über den daneben entstandenen Lärm erschrocken) Was geht da vor!? – Melchior (zu Zangler) Das sind ja die andern! – Zangler Meine Mündel! – Der Teufel soll – (Will vorstürzen, schiebt den Stuhl wütend zurück, so daß die spanische Wand umfällt. Die beiden Frauen springen, laut schreiend, auf die Seite.) Zangler (indem er hinübersieht, äußerst erstaunt, als er Madame Knorr erkennt) Meine Braut!? Madame Knorr (erschrocken und verlegen) Zangler – Melchior (verblüfft) Seine Braut – seine Mündel – das die Mündel, das die Braut – das is klassisch! (Die zwei Kellner sind hereingekommen. Allgemeine Gruppe des Erstaunens und der Verwirrung, die im Garten sitzenden Gäste haben sich lachend dem Eingang des Salons genähert – im Orchester fällt passende Musik ein.) Der Vorhang fällt. Dritter Aufzug Elegantes Zimmer im Hause des Fräuleins von Blumenblatt mit zwei Mitteltüren, rechts und links eine Seitentüre. Es ist Abend, Lichter stehen auf dem Tisch. Erster Auftritt Lisette , Sonders Sonders Es war also ein guter Genius, der mir den Gedanken zuflüsterte, ganz unbekannterweise das Stubenmädchen des alten Fräuleins zur Vertrauten zu wählen. Nimm einstweilen diese Börse, mehr noch wird folgen. Lisette Sehr verbunden! Übrigens hätte ich auch aus gutem Herzen zwei Liebende in meine Provision genommen, denn wenn es herzlose Väter, Mütter, Tanten, sogar herzlose Liebhaber in Menge gibt, von herzlosen Stubenmädln, glaub' ich, kommt kein Beispiel vor. Sonders Wenn nur deine Gebieterin – Lisette Hoffen Sie das beste! Sie ist durchaus nicht das, was man sich gewöhnlich unter dem Ausdruck »alte Jungfer« vorstellt. Wo ist aber jetzt Ihre Geliebte? Sonders In den Krallen ihres Vormunds, der sie mir auf eine impertinente Weise entrissen und sie vielleicht heute noch hieher bringen wird. – Doch nein, selbst bringen wird er sie kaum, der alte Narr ist, wie ich gesehen, in eine grimmige Eifersuchtsgeschichte mit seiner Braut verwickelt, hat geschworen, ihr nie mehr von der Seite zu gehen. Darum vermut' ich, er wird sein Mündel bloß in sicherer Begleitung euch übersenden. Lisette Sei dem, wie ihm wolle, entfernen Sie sich nicht weit vom Hause und überlegen Sie, auf welche Weise Sie sich, wenn Ihre Marie einmal hier ist, bei meiner Gebieterin introduzieren wollen. Sonders Ich werde mich sogleich in ein Hotel in der Nähe einlogieren und von dort aus die nötigen Erkundigungen einziehn. Lisette (nach der Türe rechts horchend) Ich glaube – ja, ja, meine Gebieterin kommt – gehen Sie jetzt! Sonders Auf baldiges Wiedersehn, du liebes, dienstfertiges Wesen! (Zur Mitte links ab.) Zweiter Auftritt Fräulein von Blumenblatt , Lisette Fräulein von Blumenblatt (aus der Seitentüre rechts kommend) Wer war denn hier, Lisette? Lisette Niemand, Euer Gnaden. Fräulein von Blumenblatt (Tabakschnupfend) Niemand? Und ich hätte darauf geschworen, es war jemand. Wie doch unser ganzes Leben aus Täuschungen besteht! So glaubte ich auch nach dem gestrigen Brief meines Schwagers, das Mädchen würde sicher heute ankommen, ich freute mich, das liebe Kind nach zehn Jahren wiederzusehen – Täuschung, nichts als Täuschung. (Schnupft.) Lisette Nun, es ist ja noch nicht so spät, wer weiß – Fräulein von Blumenblatt Die Arme! Mein Schwager Zangler irrt sich, wenn er glaubt, ich werde sie mit Strenge behandeln. Sie hat ja ganz mein Schicksal: ihr Herz ist schwach, ihre Liebe stark, die Hoffnung klein, die Hindernisse groß – ganz mein Schicksal! (Schnupft.) Lisette Bei Ihrer Liebe, Euer Gnaden, war es aber doch ganz anders. Fräulein von Blumenblatt Weshalb schickt man sie? Aus keinem andern Grunde, als daß sie ferne vom Gegenstand ihrer Neigung schmachten soll. Ist das nicht ganz mein Schicksal? (Schnupft.) Lisette Bei Ihnen, Euer Gnaden, ist ja, wie Sie mir erzählt, der Gegenstand Ihrer Neigung von Ihnen geflohn. Fräulein von Blumenblatt Das ist wahr, aber es kam doch auf eins hinaus, wir waren getrennt, und drum will ich das Mädchen sanft und mit Nachsicht behandeln, wenn auch, wie in dem Briefe steht, ihr Liebhaber sie mit dem obstinatesten Eifer verfolgt, denn das erinnert mich ja wieder an mein Schicksal. (Schnupft.) Lisette Der Liebhaber von Ihnen, Euer Gnaden, scheint aber sehr eifrig gerade die entgegengesetzte Richtung verfolgt zu haben. Fräulein von Blumenblatt Wenn auch, Verfolgung war es doch! – Wie gesagt, ganz mein Schicksal. (Schnupft.) Lisette Euer Gnaden, ich glaube – ich höre Leute im Vorzimmer – am Ende bringt man sie. Fräulein von Blumenblatt Sieh doch nach! (Lisette will zur Mitteltüre links.) Dritter Auftritt Weinberl , Christopherl , Kutscher , Wachter ; Die Vorigen (Christopherl hat von Frau Fischer den Burnus um und den Hut auf dem Kopfe.) Wachter (von außen) Nur keine Umständ', ich weiß schon, was ich zu tun hab'! (Öffnet die Türe und läßt Weinberl und Christopherl vor sich eintreten.) Weinberl Aber erlauben Sie – Wachter Hier hat niemand was zu erlauben! Fräulein von Blumenblatt Ausgenommen ich, drum frag' ich, was der Herr sich hier erlaubt? Wachter Da sind zwei Leut', die müssen dableiben. Kutscher Bald hätten wir nicht herg'funden! Was wir umg'fahr'n sein! Fräulein von Blumenblatt Mit Wache und in männlicher Begleitung – das kann doch nicht – Freund, das ist offenbar ein Irrtum in der Wohnung. Weinberl Ich sag', es is auch ein Irrtum in die Personen. Christopherl Ich will den Herrn Wachter nicht beleidigen, aber es scheint hier ein Rausch im Spiel zu sein. Weinberl Gewiß, man hält uns für ein Menschenpaar, welches wir nicht sind. Wachter (zu Weinberl) Das wird sich zeigen, in dem Briefe steht alles drin. (Gibt Fräulein von Blumenblatt einen Brief.) Fräulein von Blumenblatt Ein Brief – (die Adresse besehend) an mich –? (Erbricht den Brief und sieht nach der Unterschrift.) Von meinem Schwager –? (Liest still.) Christopherl Na, also, jetzt wird sich alles aufklären. Weinberl Man wird uns freien Abzug bewilligen. Christopherl Auf d' Letzt' krieg'n wir noch eine Entschädigung, daß wir nach Haus fahren können. Weinberl Die klettenartige Anhänglichkeit der Damen, die Größe der Zech', die Nähe des Prinzipals, das waren Gefahren! Das hier is eine Kinderei, das hab' ich ja gleich g'sagt, ein wachterischer Balawatsch. (Zum Wachter.) Freund, Sie haben uns mit Bedeckung hieher gebracht und sich selbst eine bedeutende Blöße gegeben. Kutscher (zum Wachter) Wann das nicht der rechte Ort is, wo krieg' ich dann meine fünf Gulden? Fräulein von Blumenblatt (nachdem sie gelesen) Ah, jetzt bin ich im klaren. Weinberl Na also – Kutscher (zu Fräulein von Blumenblatt) Euer Gnaden, ich soll fünf Gulden kriegen. Fräulein von Blumenblatt Lisette, bezahle den Mann! Kutscher (zum Wachter) Jetzt is es halt doch der rechte Ort! (Mit Lisetten links ab.) Weinberl (zu Fräulein von Blumenblatt) Nehmen's Euer Gnaden nicht ungütig. Christopherl Wir können nix davor. (Wollen beide ab.) Wachter (ihnen entgegentretend) Halt! Fräulein von Blumenblatt (zu Christopherl und Weinberl) Sie bleiben, beide! Weinberl (erstaunt) Was –?! Fräulein von Blumenblatt (zu Weinberl) Sie, mein Herr, sind eigentlich der Schuldige, doch auch das Mädchen (auf Christopherl zeigend) ist nicht minder strafbar. Christopherl (verblüfft zu Weinberl) Ich bin ein strafbares Mädchen?! Weinberl (verblüfft zu Christopherl) Und ich ein schuldiger Herr? Fräulein von Blumenblatt (zum Wachter) Für das Mädchen steh' ich – Wachter Und für den Herrn steh' ich Schildwacht vor der Haustür auf der Stiegen draußt. (Im Abgehen zu Weinberl.) Gibt sich so leider keine Blöße, der Wachter! (Geht zur Mitteltüre links ab.) Vierter Auftritt Fräulein von Blumenblatt , Weinberl , Christopherl Christopherl Euer Gnaden! Weinberl Wollen Euer Gnaden nicht die Gewogenheit haben – Christopherl Uns mitzuteilen – Weinberl Was eigentlich in dem Briefe steht. Fräulein von Blumenblatt Das können Sie sich wohl denken, was ein Onkel schreibt, dem man die Nichte entführt. Weinberl Ja, warum hat der Mann nicht besser acht geben, aber ich seh' nicht ein, warum wir – Christopherl So ein alter Schliffl ist halt meistens sekkant, bis es einem Mädl z'viel wird. Fräulein von Blumenblatt Mamsell, in welchem Tone sprechen Sie von Ihrem Onkel? Nachdem Sie sein Haus auf eine Weise verließen – Christopherl Ja so, ich bin also die Nichte, die durch'gangen is? Weinberl Und ich bin der, der dieses Frauenzimmer (auf Christopherl deutend) auf Abwege gebracht hat? Fräulein von Blumenblatt Wollen Sie mich mit dieser Frage zum besten halten? Weinberl Kein Gedanke, aber wir sind einmal hier in einer Art Gefangenschaft, und da möcht' man halt doch gern wissen, warum. (Leise zu Christopherl.) Soll'n wir ihr sagen, wer wir sind? Christopherl (leise zu Weinberl) Das wär' riskiert, der Teufel könnt' sein Spiel hab'n, daß der Prinzipal durch die dritte Hand was erfahret. (Laut zu Fräulein von Blumenblatt.) Der Onkel wird wohl nicht lang ausbleiben? Fräulein von Blumenblatt Er soll jeden Augenblick hier sein. Weinberl (leise zu Christopherl) So lang können wir warten. Christopherl (leise zu Weinberl) Da kommt dann die Konfusion von selbst ins reine. Weinberl (zu Christopherl) Freilich, wie dieser Onkel uns sieht, hat die G'schicht' ein End'. Fräulein von Blumenblatt (welche die letzten Worte gehört hat) Und ich sag' Ihnen: nein, sie soll kein Ende haben! Ich kann ja nicht grausam sein, wenn ich Liebende sehe, das Bündnis Ihrer Herzen soll nicht zerrissen werden! (Schnupft.) Weinberl Es kann eigentlich nichts zerreißen, weil – Fräulein von Blumenblatt Weil ich, obschon Ihr hartnäckiges Leugnen meine Güte nicht verdient, alles vermitteln und den Zorn meines Schwagers besänftigen will. Weinberl Also haben Sie einen Schwager, der zornig is? Fräulein von Blumenblatt Wie können Sie fragen? Doch fassen Sie Mut, junger Mann! Weinberl Wenn Sie erlauben – Fräulein von Blumenblatt Hoffen Sie, liebes Mädchen! Christopherl Was soll ich denn eigentlich hoffen? Fräulein von Blumenblatt Das Beste! Ihr seid Flüchtlinge, euer Schicksal rührt mich, denn es ist ja ganz wie mein Schicksal. (Schnupft.) Auch ich hab' einst geliebt. Christopherl Das kann ich mir denken. Fräulein von Blumenblatt Und der Mann, der mich liebte – Weinberl (beiseite) Das kann ich mir nicht denken. Fräulein von Blumenblatt War auch fürs Entfliehen eingenommen wie Sie, nur mit dem Unterschied, daß er allein geflohen ist. (Schnupft.) Weinberl (für sich) Ah, jetzt kann ich mir's denken. Fräulein von Blumenblatt Flucht war es einmal, das ist gewiß. Und wie gesagt, ich will nicht ruhen, bis ich so mit euch (nimmt beider Hände) vor den versöhnten Oheim eintreten, eure Hände ineinanderfügen (tut es) und ein glückliches Paar segnen kann. (Macht eine segnende Attitüde.) Weinberl Christopherl! (Christopherl kichert laut.) Fräulein von Blumenblatt (zu Weinberl) Was für ein Scherz? Wie können Sie in einem so ernsten Augenblick zu Ihrer Braut Christopherl sagen? (Christopherl platzt in lautes Gelächter aus.) Fräulein von Blumenblatt (sehr ernst zu Christopherl) Lachen Sie nicht, Mamsell! Fünfter Auftritt Lisette , Melchior ; die Vorigen Lisette (mit Melchior zur Mitteltüre links eintretend) Euer Gnaden, der Mensch läßt sich nicht abweisen. (Zu Melchior, auf ihre Gebieterin zeigend.) Hier ist das gnädige Fräulein. (Geht zur Mitteltüre links ab.) Melchior Das is ein Fräule? Das is klassisch. Fräulein von Blumenblatt Was will Er? Melchior Mein Herr schickt mich her, ich soll der Euergnadenfräul'n sag'n – Weinberl (sich der Person Melchiors besinnend) Christopherl, das is ja – Melchior (Weinberl und Christopherl betrachtend) Sie sein 's? Ah, das is stark. Fräulein von Blumenblatt (zu Weinberl) Ist Ihnen der Mensch bekannt, Herr von Sonders? Weinberl Das heißt, ich hab' ihn wohl g'sehen. – (Leise zu Christopherl.) Herr von Sonders hat s' zu mir g'sagt, wenn ich mich nicht irr'- ich kenn' ihn zwar nicht – Christopherl (leise zu Weinberl) Ich auch nicht. Weinberl (leise zu Christopherl) Aber so heißt ja der – Christopherl (leise zu Weinberl) Der unsrer Fräuler z' Haus nachsteigt – Melchior (zu Weinberl) Schamen Sie sich! Das is eine Aufführung! Fräulein von Blumenblatt Wie kommt Er dazu, diesem Herrn ein Reperement – Melchior Weil mein Herr dem Herrn seine Zech' hat müssen zahl'n. Fräulein von Blumenblatt Eine Zeche? Melchior Ja, sonst hätt' der Kellner die Damen pfänd't. Fräulein von Blumenblatt Was für Damen? Melchior Nicht eigentliche Damen, sondern nur, was man so sagt. Dieser Herr – (zu Weinberl) schamen Sie sich! – (zu Fräulein von Blumenblatt) war in einem Garten mit zwei Frauenzimmern, die ich anfangs für Weibsbilder g'halten hab', wo sich's aber nachher gezeigt hat, daß es Witwen waren. (Zu Weinberl.) Schamen Sie sich! Fräulein von Blumenblatt Wer soll aus diesem Gewäsch klug werden? Melchior (in verächtlichem Tone zu Weinberl) Mit Damen wohin gehen und nicht zahlen! Schamen Sie sich! Fräulein von Blumenblatt (zu Melchior) Werd' ich jetzt erfahren –? Melchior (wie oben zu Weinberl) Mit Damen und nicht zahlen, das is klassisch! Fräulein von Blumenblatt (ärgerlich zu Melchior) Jetzt frag' ich Ihn zum letztenmal – Melchior (wie oben zu Weinberl) Schamen Sie sich! Fräulein von Blumenblatt (wie oben) Wer ist Sein Herr? Melchior Der Herr von Zangler. Fräulein von Blumenblatt Und kommt Sein Herr zu mir? Melchior Euergnadenfräuler, da hat er nix g'sagt. Weinberl (für sich) Gott sei Dank! Christopherl (leise zu Weinberl) Wenn er aber doch – Fräulein von Blumenblatt Was ist also eigentlich Seine Sendung? Melchior Der Herr von Zangler laßt Ihnen sagen, er hat Ihnen da zwei Leut' g'schickt – Weinberl und Christopherl (erschrocken) Der Prinzipal hat uns –? Melchior Er hat nämlich den (auf Weinberl zeigend) für 'n Herrn von Sonders und diese (auf Christopherl zeigend) für seine durchgegangene Mündel gehalten; sie sein's aber nicht, drum soll'n s' die Euergnadenfräuler fortlassen. Weinberl und Christopherl Das is g'scheit! Fräulein von Blumenblatt Wie? Das ist ja das Gegenteil von dem, was in dem soeben erhaltenen Briefe steht. (Zu Weinberl und Christopherl.) Ich lasse Sie nicht fort. Christopherl Was? Fräulein von Blumenblatt Dieser Mensch da scheint mir unter der Maske der Dummheit einen schlauen Plan zu verbergen; scheint mit Ihnen einverstanden, Sie von hier fortzubringen. Draus wird aber nichts, Vermittlerin will ich sein, aber – Melchior Aber, Euergnadenfräul'n, das is ja der, der sich schamen soll – Christopherl Wenn der Alte selbst sagen laßt – Fräulein von Blumenblatt Zum letzten Male, Marie, schweigen Sie! Sechster Auftritt Lisette ; die Vorigen Lisette (zur Mitteltüre eintretend) Euer Gnaden, es is ein Herr Weinberl draußen. Weinberl Was, draußt is ein Weinberl? Fräulein von Blumenblatt Und was will der Mensch? Lisette Der Mensch kommt von Herrn von Zangler. Melchior Ich komme von Herrn von Zangler. Das is ja Widerspruch! Fräulein von Blumenblatt (zu Lisetten) Mein Schwager also hat mir den Menschen geschickt? Melchior (zu Fräulein von Blumenblatt) Der Schwager hat mich geschickt, und die sagt, er hat einen Menschen geschickt, das ist ja Widerspruch! Lisette Euer Gnaden möchten ihm Zutritt in Ihrem Hause gestatten, denn sein Auftrag ist, das Benehmen des Fräulein Zangler (auf Christopherl zeigend) zu beobachten und darüber Herrn von Zangler zu rapportieren. Fräulein von Blumenblatt (sich besinnend) Weinberl –? Ach, jetzt erinnere ich mich, das ist ja sein Kommis, den er mir oft als ein Muster von Solidität gerühmt, auf den er sich verlassen kann wie auf sich selbst – o, nur herein, er ist mir willkommen. (Lisette geht zur Mitteltüre links ab.) Weinberl (zu Christopherl) Jetzt kommt's auf, wie solid ich bin; aber auf den Weinberl bin ich begierig. Melchior Das sind ja aber lauter Widersprüche! Fräulein von Blumenblatt (böse zu Melchior) Kein Wort mehr! (Zu Weinberl.) Für meine Vermittlungspläne ist es mir lieber, daß der Herr Weinberl kommt, als wenn Schwager Zangler selbst gekommen wäre. Weinberl Das wär' auf alle Fäll' das Unangenehmste gewesen. Siebenter Auftritt Sonders , Lisette ; die Vorigen Sonders (von Lisetten hereingeführt, zu Fräulein von Blumenblatt) Gnädiges Fräulein – Fräulein von Blumenblatt (zu Sonders) Ich bin sehr erfreut, Ihre persönliche Bekanntschaft – (präsentiert dem Weinberl, den sie für Sonders hält, diesen als Herrn Weinberl, und dem wirklichen Sonders, den sie für Weinberl hält, den Weinberl als Herrn von Sonders, folglich verkehrt.) Hier Herr Weinberl, hier Herr von Sonders – doch die Herren kennen sich wohl? (Sonders und Weinberl machen sich gegenseitig sehr befremdet das Kompliment.) Sonders Ich hab' nicht die Ehre, den Herrn von Sonders – Weinberl Und ich hab' nicht die Ehre, den Herrn von Weinberl zu kennen. Melchior (welcher links steht, Sonders, der auf der rechten Seite steht, betrachtend) Den soll ich – das is ja – Sonders (für sich) Da hat sich einer für mich ausgegeben! Wie kommt er aber dazu, Begleiter meiner Marie zu sein? (Auf den verschleierten Christopherl hinübersehend.) Sie gibt mir kein Zeichen –! Fräulein von Blumenblatt (zu Sonders) Wird mein Schwager Zangler zu mir kommen? Sonders Ich glaube, nicht so bald. (Für sich.) Ich hoffe es wenigstens! Fräulein von Blumenblatt (sich zu Weinberl wendend) Nun sehen Sie, Herr von Sonders – (spricht leise mit Weinberl weiter.) Melchior Ah, das wär' zu keck! (Schleicht näher zu Sonders.) Sonders (benutzt den Augenblick, wo Fräulein von Blumenblatt mit Weinberl spricht, und ruft mit unterdrückter Stimme auf den an der linken Ecke der Bühne stehenden Christopherl, den er für Marien hält, zu) Marie! (Gibt durch Zeichen zu verstehen, daß er nicht wisse, wie sie zu dieser Begleitung gekommen.) Christopherl (der dies bemerkt, für sich) Ich rühr' mich nicht. Sonders (für sich) Wenn sie nur den Schleier wegtäte, daß ich in ihren Blicken lesen könnt'! Melchior (Sonders anpackend) Das is der Eigentliche! Entdeckung, Betrug, falsche Vorspieglung! Sonders (Melchior zurückstoßend) Was untersteht Er sich? Fräulein von Blumenblatt (über Melchiors Kühnheit entrüstet) Was soll das? Melchior Euer Gnad'n! (Auf Sonders deutend.) Der hat mit Ihnen falsche Vorspieglung getrieben, hier ist von Weinberl keine Spur. Sonders Was will dieser Mensch? Wer ist Er? Fräulein von Blumenblatt (zu Sonders) Was, Sie kennen ihn nicht? Und er hat sich für einen Diener des Herrn von Zangler ausgegeben! Da herrscht Betrug! Da herrscht Betrug! Lisette, schicke sogleich den Wachter herein! (Lisette geht zur Mitteltüre links ab.) Weinberl (zu Christopherl) Da gibt's Spektakel, währenddem kriegen wir Luft. Melchior (zu Fräulein von Blumenblatt) Euer Gnaden lassen den Wachter holen, ich will doch nicht hoffen – Fräulein von Blumenblatt (erzürnt) Seine Frechheit soll Ihm teuer zu stehen kommen. Melchior Wer is frech? (Auf Sonders zeigend.) Der is frech, denn da is von Weinberl keine Spur – (auf Weinberl zeigend) der is frech, denn da is von Zech'zahl'n keine Spur, aber ich – Achter Auftritt Der Wachter ; die Vorigen , dann Lisette Wachter (tritt zur Mitteltüre links ein) Ich soll wem hinauswerfen? Fräulein von Blumenblatt (auf Melchior zeigend) Bemächtige Er sich dieses Betrügers! Melchior Was?! Weinberl (leise zu Christopherl) Bei der Gelegenheit fahr'n wir ab. Melchior Den Wachter schicken S' über mich! Hier wimmelt's von Frevlern, ich bin vielleicht der einzige Unschuldige im ganzen Zimmer, und mich führen s' ein – ah, das is klassisch! Wachter Nur nicht viel G'schichten g'macht! Melchior (während ihn der Wachter gegen die Mitteltüre links führt) Wenn das mein Herr sähet! Wachter – lieber Wachter! (Christopherl und Weinberl haben sich ebenfalls, um während des Tumultes zu echappieren, derselben Türe genähert.) Lisette (läuft zur Mitteltüre links herein) Der Herr von Zangler is da! Weinberl , Christopherl , Sonders (erschrocken, jeder für sich) Der Zangler –!!? (Alle drei stürzen a tempo, Sonders zur Mitteltüre rechts, Weinberl zur Seitentüre rechts, Christopherl zur Seitentüre links, ab.) Melchior Das ist g'scheit! Lisette Aber, Fräul'n –! (Eilt Christopherl nach.) Fräulein von Blumenblatt Mein Schwager – alles läuft davon – Herr Weinberl fort –? Neunter Auftritt Fräulein von Blumenblatt , Melchior , Wachter , dazu Zangler , Madame Knorr , Frau von Fischer , Marie (Frau von Fischer ist ohne Hut und Mantel in Häubchen und Schal) Zangler (mit beiden Frauen am Arme, zur Mitteltüre links eintretend) Schwägerin, da sind wir – was is das? Der Wachter hat mein' Melchior beim Schößel –? Fräulein von Blumenblatt (auf Melchior zeigend) Also wäre das –? Melchior (zu Zangler) O, sagen S' ihr's, wer ich bin! Zangler (zu Fräulein von Blumenblatt) Mein dummer Hausknecht. Melchior (zu Fräulein von Blumenblatt) Sehn Sie, Schwägerin meines Herrn? (Zu Zangler.) Hab'n Sie einen Kommis, der Weinberl heißt? Zangler Ja. Melchior Und wo is der Weinberl? Zangler Zu Haus, beim G'schäft. Melchior (zu Fräulein von Blumenblatt) Sehn Sie, Schwägerin meines Herrn? Zangler (zu Fräulein von Blumenblatt) Aber jetzt sag' mir – Melchior (zu Zangler, ihn unterbrechend) Ruhig! War das nicht ein unrechts Paar Leut', die Sie herg'schickt hab'n? Zangler Freilich! Melchior (zu Fräulein von Blumenblatt) Sehn Sie, Schwägerin meines Herrn? Fräulein von Blumenblatt Ja, wenn's so ist – Zangler (zu Fräulein von Blumenblatt) jetzt muß ich dir aber vor allem hier meine Braut und hier ihre Freundin, Frau von Fischer, vorstellen. Fräulein von Blumenblatt Ah, scharmant! Frau von Fischer und Madame Knorr Freut uns unendlich, die Ehre zu haben. Zangler Morgen ist Hochzeit. Fräulein von Blumenblatt Du weißt, ich geh' zu keiner Hochzeit, denn mein Schicksal –! (Schnupft.) Aber wie kommt das so schnell? Zangler Ja, ich geh' der Meinigen nicht mehr von der Seiten, es sind Gründe – Madame Knorr (leise zu Zangler) Blamieren Sie mich doch nicht! Zangler (zu Melchior) Du fahrst jetzt gleich zu mir nach Haus, rebellst alles auf, daß schleunigst zu die Hochzeitsanstalten g'schaut wird. (Zu den beiden Frauen.) Wir soupieren bei meiner Schwägerin und fahr'n dann gleich nach. (Zu Melchior.) Mit Tagesanbruch kommen wir an. Melchior Wird alles besorgt, aber – Fräulein von Blumenblatt (zu Melchior) Freund, nimm Er das, weil ich Ihm Unrecht getan. (Reicht ihm Geld.) Melchior Sie sehn es ein, das ist mir genug. (Nimmt das Geld. Zu Zangler.) Aber sagen Sie ihr nur das noch – Zangler Daß du ein Esel bist. Melchior (will Zangler etwas sagen, unterdrückt es aber) Die Schwägerin sieht es ein, das ist mir genug! (Geht zur Mitte links ab.) Zehnter Auftritt Die Vorigen ohne Melchior Fräulein von Blumenblatt Aber wie ist denn das? Du hast mir also nicht deine Mündel geschickt? Zangler (auf Marien zeigend) Nein, hier bring' ich dir die Mißratne und übergeb' sie deiner Obhut. Marie Gnädige Frau Tant'-! (Küßt ihr die Hand.) Fräulein von Blumenblatt (zu Zangler) Was waren denn das hernach für Leute? Zangler Das weiß ich nicht. Fräulein von Blumenblatt Sie sind noch hier. Zangler So? Bei denen muß ich mich ja entschuldigen. Fräulein von Blumenblatt Wie sie hörten, daß du kommst, sind sie, jedes zu einer andern Tür, hinausgestürzt. Zangler Das is kurios! Elfter Auftritt Lisette ; die Vorigen Lisette (einen Schleier in der Hand, kommt aus der Seitentüre links) Die Fräul'n Zangler ist in das gelbe Kabinett gelaufen und hat von innen zugeriegelt. Sie macht um keinen Preis auf; der Schleier von ihrem Hute ist an der Türschnalle hängengeblieben. Fräulein von Blumenblatt (zu Zangler) Was sagst du dazu? Zangler Hm! Hm! – Frau von Fischer (den Schleier besehend) Das ist der Schleier von meinem Hut. Madame Knorr (ebenfalls den Schleier betrachtend) Freilich, da ist der Rostfleck. Frau von Fischer Hat die Person nicht auch einen Mantel, gerade so (auf Marie deutend) wie die Fräul'n hier? Fräulein von Blumenblatt Ja, braun quadrilliert, ganz so. Madame Knorr 's sind beide in meinem Magazin gekauft. Frau von Fischer (zu Fräulein von Blumenblatt) Sie müssen wissen, ich bin schändlich bestohlen worden. Zangler Da müssen wir auf den Grund – (zu Lisette) Mamsell, sperr'n Sie die Türe, wo die Person drin is, g'schwind von auswendig zu. Lisette Sogleich. (Eilt zur Seitentüre links ab.) Zangler Und dann – he, Wachter! Wachter Befehl'n? Zangler Er holt Assistenz und sperrt von außen die Haustür' zu. Wachter Sehr wohl. (Zur Mitteltüre links ab.) Fräulein von Blumenblatt Ich zittere. Zangler Kommen Sie, meine Damen, hier gibt's eine Spitzbüberei, die ins Abnorme geht. (Mit sämtlichen Frauenzimmern zur Seitentüre rechts ab.) Verwandlung Garten im Hause des Fräuleins von Blumenblatt, im Hintergrunde zieht sich die Gartenmauer über die ganze Bühne. Rechts ist ein vorgebauter praktikabler Teil des Hauses, ein Stock hoch, mit Glasfenstern sowohl nach vorne als gegen die Seite. Durch die Fenster sieht man in das früher besprochene gelbe Kabinett, welches jedoch nicht erleuchtet ist; die Bühne ist ganz finster. Zwölfter Auftritt Weinberl , später Christopherl am Fenster Weinberl (allein, aus dem Hintergrunde links auftretend) Es ist umsonst, der Ort, wo der Zimmermann 's Loch g'macht hat, is nicht zu finden. Fluch dem Schlosser, der dieses Haustor vollendet, dreimal Fluch dem Maurer, der diesen Garten umzäunt, und hundertfünfzigmal Fluch denen anderthalb Zenten Leib'sg'wicht, die mich hindern, auf den Flügeln der Angst hinüber zu saltomortalisieren. In jedem Schatten seh' ich einen Zangler, in jedem Geräusch hör' ich einen Zangler, die ganze Natur hat sich für mich in ein Schrecknis aufgelöst, und das heißt Zangler! Diese Mauer muß eine weitschichtige Mahm von der chinesischen sein – ich muß doch noch amal (versucht die Mauer zu erklettern) – es ist zu hoch, ich kann nicht hinauf. Christopherl (im Frauenzimmer-Mantel und Hut, wie früher, öffnet das Fenster und sieht heraus) Es ist zu hoch, ich kann nicht herab. Weinberl Christoph, sind Sie's? Christopherl Ja, ich bin's. Herr Weinberl, sind Sie's? Weinberl Ja, ich bin's. Christopherl Helfen S' mir, ich riskier' jeden Augenblick, daß man die Türe einsprengt und mich vor den Prinzipal schleppt. Weinberl Mein Risiko ist dasselbe. Christopherl Wir sind also vorderhand verloren. Weinberl Wenn keine Leiter vom Himmel fällt, wenn nicht durch ein Wunder sich Sprisseln in der Luft gestalten, rettungslos verloren. Christopherl (sich zum Fenster herausbeugend) Da kommt wer – Weinberl (erschrocken) Der Zangler –! (Verbirgt sich links hinter einem Gebüsch.) Dreizehnter Auftritt Sonders ; die Vorigen , später Zangler , Wachter und mehrere Leute Sonders (kommt mit einer Leiter aus dem Vordergrunde rechts) Der Fund kam zur gelegenen Zeit, auf dieser Gartenleiter gelang' ich über die Mauer, dann heißt es wieder einen günstigen Moment, wo ich mich meiner Marie nähern kann, mit Geduld abwarten. Geduld – verdammtes Wort! – Im Wörterbuch der Liebenden ist's nicht zu finden. (Will sich der Mauer nähern.) Weinberl (für sich) Soll ich ihn anreden –? Christopherl Pst! Pst! Sonders Geht das mich an –? (Sieht zum Fenster hinauf.) Ein Frauenzimmer! – Täuscht mich die Dunkelheit –!? Nein, Marie, du bist's, meine geliebte Marie! Christopherl (mit gedämpfter, verstellter Stimme) Ja, ich bin's! Weinberl (für sich) Das is auf die Art niemand anderer als der Herr von Sonders. Sonders O, komm herab, die Leiter soll dich in meine Arme und dann uns beide ins Freie führen. Christopherl (wie oben) Wohlan! Sonders (lehnt die Leiter an das Haus) So steig nur mutig zum Fenster heraus. (Christopherl steigt herab.) Sonders Zittre nicht, ich werde die Leiter halten. Und nicht wahr, liebe Marie, das Paket mit den Dokumenten, die wir zur Trauung brauchen, hast du? Christopherl Nein. (Ist eben auf der untersten Sprosse angelangt.) Sonders (bestürzt) Wo ließest du's? Christopherl (auf das Fenster hinaufzeigend) Dort – Sonders Vergessen dort oben? – Das muß ich holen. (Eilt die Leiter hinan und steigt rasch zum Fenster hinein.) Christopherl Auf'n Tisch rechts. (Nachdem Sonders ins Fenster gestiegen.) G'schwind, Weinberl, die Leiter is erobert! Weinberl (hervorkommend) Die Nächstenlieb' fangt bei sich selbst an. Christopherl (indem er mit Weinberl die Leiter zur Gartenmauer trägt) Ich bring' unser Fräuler Marie ihren Liebhaber in die Brisil, das is Satisfaktion für das, daß sie mich immer einen dalketen Bub'n heißt. (Hat mit Weinberl die Leiter an die Gartenmauer gelehnt.) Weinberl Ich steig' voran. Christopherl Nur g'schwind! Weinberl (steigt sehr schnell die Leiter hinauf und schwingt sich von derselben auf die Mauer, auf welcher er in reitender Stellung sitzenbleibt) Kraxeln S' nach, Christopherl! (A tempo tritt der Mond aus den Wolken, es wird heller auf der Bühne.) Christopherl (ebenfalls eilig die Leiter hinaufsteigend) Da bin ich schon. (Wie er oben auf der Leiter ist, nimmt er den Frauenzimmer-Mantel und Hut ab und wickelt beides in einen Knäuel zusammen.) Weinberl Was machen S' denn? Christopherl Geduld, jetzt kann uns nix mehr g'schehen. Sonders (ans Fenster kommend) Marie! Ich kann das Paket nicht finden. Christopherl (in natürlicher Stimme) Nicht finden können Sie's? No, so nehmen S' das derweil. (Wirft Mantel und Hut zum Fenster hinein und steigt von der Leiter auf die Mauer, auf welcher er in sitzender Stellung bleibt.) Sonders Was seh' ich, ein Mann –?! Ich bin schmählich betrogen. Weinberl Jetzt ziehn wir die Leiter herauf und lassen s' auf der andern Seiten herunter. (Tut es mit Christopherls Beihilfe.) Sonders Die Leiter – wo ist die Leiter? (Langt zum Fenster heraus und merkt, daß die Leiter fortgetragen ist.) Verdammt! (Man hört im Hause mehrere Stimmen untereinander.) Sonders Man kommt –! (Man hört im Zimmer oben die Türe einbrechen, Zangler mit dem Wachter und noch ein paar Leuten erscheinen mit Lichtern im Kabinett.) Zangler Ein Mann ist's Wachter Nur angepackt! Zangler Herr Sonders –! Teufel, jetzt wird's mir zu arg! Wachter und die Übrigen Angepackt! Nur angepackt! Christopherl Sie hab'n ihn schon. Das ist ein Jux! (Im Orchester fällt passende Musik ein. – Weinberl und Christopherl verschwinden während dem im Kabinett statthabenden Tumulte außerhalb der Mauer.) Der Vorhang fällt. Vierter Aufzug Straße vor Zanglers Haus – der Mond beleuchtet die Bühne; links im Vordergrunde ist Zanglers Haus, ein Stockwerk hoch, Vorne ein praktikables Glasfenster, unter dem Fenster sieht man die verschlossene Gewölbetüre, darüber die Tafel mit der Aufschrift: »B. ZANGLERS VERMISCHTE WARENHANDLUNG«. Etwas weiter zurück als die Gewölbetüre ist das Haustor. Erster Auftritt Melchior , dann Gertrud Melchior (allein, tritt von der Seite rechts aus dem Hintergrunde auf) Ah – den ganzen Weg hab' ich superb verschlafen (gähnt) und bin jetzt so munter, als wann's hellichter Tag wär'. – Da is ja 's Haus – richtig – ich muß anläuten. (Sucht an beiden Seiten des Haustores.) Was is denn das –? Keine Glocken? – Ah, da hab' ich Respekt, hier hab'n s' noch keine Hausmeister, die werden doch schön z'ruck sein in der Kultur. (Klopft an das Tor.) He, aufgemacht (Klopft stärker.) Aufg'macht! – Es hört kein Mensch. – Wenn ich nur die Wirtschafterin aufrebell'n könnt', das is die einzige Person, die mich kennt im Haus. Auf d' Letzt' lassen s' mich gar nicht hinein – ich werd' mit einem Sandkörndl ans Fenster werfen. (Nimmt eines vom Boden auf und wirft an das Glasfenster vorn.) Es hört mich niemand – ich muß ein Steinl nehmen. (Nimmt eines vom Boden auf und wirft es ans Fenster.) 's nutzt noch nix – ich muß's mit ein' größern Steinl probier'n. (Nimmt einen Stein auf und wirft ihn ins Fenster, die Scherben fallen herab, man hört von innen einen Schrei von Gertrud.) Jetzt, glaub' ich, hat mich wer g'hört. Frau Gertrud! Frau Gertrud! Gertrud (von innen) Wo brennt's? Melchior Nirgends! Komm' d' Frau Gertrud nur zum Fenster! Gertrud (eine Nachthaube auf dem Kopf, schaut zum Fenster heraus) Was is's denn, um alles in der Welt!? Melchior Sein S' so gut, machen S' mir 's Tor auf. Gertrud Impertinenter Mensch, wer is Er? Melchior Der neue Hausknecht bin ich, der Melchior. Gertrud Den Tod könnt' man haben durch den Schrocken! Melchior Von Tod is gar kein' Red', Hochzeit is! Vor Tagesanbruch kommt der Herr. Gertrud Er hat einen Rausch. Melchior Den müßt' er sich erst trunken haben, ich hab' ihn alser nüchterner verlassen. Machen S' nur auf! Gertrud Mir is es in alle Glieder g'fahr'n! Das is doch gar entsetzlich! Was glaubt denn so ein Mensch? (Entfernt sich brummend vom Fenster.) Melchior (allein) Das sind die Folgen, wenn in ein' Haus kein Hausmeister is! Mir is das alles eins, ich zahl' die Fensterscheiben nicht. Mir scheint, ich hör' s' schon. Gertrud (man hört sie von innen das Haus aufsperren und dabei brummen) Das werd' ich dem Herrn sagen, ob das recht is, daß man jemanden so aus 'n Schlaf – Melchior (von außen, am Haustor stehend) Nur gelassen, Frau Gertrud! Gertrud (von innen, wie oben) Das ist keine Manier, das is keine Art, bei später Nacht dieser Schrocken! Melchior (von außen) Schaun S', der Zorn schad't Ihnen. (Das Haustor öffnet sich, Melchior geht hinein.) Gertrud (von innen, indem man sie wieder zuschließen hört) Wer'n wir schon sehen, was der Herr dazu sagt, das lass' ich nicht so hingehn. Melchior (von innen) Ah, hör'n S' auf! (Man hört beider Stimmen immer schwächer, bis es ganz ruhig wird.) Zweiter Auftritt Christopherl und Weinberl (kommen rechts aus dem Hintergrund) Weinberl Hab'n S' g'hört, Christoph? Wenn sich der Hahn nicht verkräht hat um a Stund', so geht's schon auf 'n Tag los. Christopherl Macht nix, wir sind einmal da, wir können sagen, wir haben das Ziel erreicht. Weinberl Ja, was denn eigentlich für ein Ziel, wenn man's recht betracht't? Christopherl No, wir hab'n uns ein' Jux g'macht und kommen im übrigen grad so g'scheit wieder z' Haus, als wir aus'gangen sein. Weinberl Jetzt frag' ich aber, zahlt sich so ein Jux aus, wenn man ihn mit einer Furcht, mit drei Schrocken, fünf Verlegenheiten und sieben Todesängsten erkauft? Is so a G'schäft nicht noch weit dümmer, als wenn man für a Lot Salami ein' Gulden, für ein Vierting Bockshörndl ein' Taler, für a halbete Sardellen ein' doppelten Dukaten zahlt? Wann wir aber das jetzt gehörig einsehn, dann kommen wir ja doch um ein Alzel g'scheiter nach Haus. Christopherl Ich bin ja noch zu jung, um das richtig zu beurteil'n. Weinberl Ah – ich bin ganz zerlext von die Gemütsbewegungen. Christopherl Ich auch! Und für mich ist das noch weit gefährlicher, weil ich so stark im Wachsen bin. Schaun wir, daß wir ins Bett kommen! Soll ich anpumpern beim Haustor? Weinberl Warum nicht gar! Wir schleichen uns ganz in der Still' ins Gewölb' und duseln ein bißl auf der Budel. In zwei Stund' wird's ohnedem Zeit zum Aufsperr'n sein. Ich hab' den G'wölb'schlüssel bei mir. (Sucht in den Taschen.) Da nein, da – oder da – Teufel hinein, ich hab' den Schlüssel verlor'n. Christopherl Sein S' so gut! Weinberl Wie ich den Kutscher, der uns herg'führt hat, mit meiner silbernen Uhr aus'zahlt hab', muß er mir herausg'fall'n sein. Christopherl Na, das is ja keine dreihundert Schritt! Warten S', ich geh' z'ruck, ich weiß 's Platzl genau, werd' ihn gleich finden. (Geht in den Hintergrund rechts ab.) Dritter Auftritt Weinberl (allein) Weinberl Jetzt habe ich das Glück genossen, ein verfluchter Kerl zu sein, und die ganze Ausbeute von dem Glück is, daß ich um keinen Preis mehr ein verfluchter Kerl sein möcht'. Für einen Kommis schickt sich so was nicht! Das kommt mir vor wie unser Fräule, die sagt auch immer: »Es schickt sich nicht«, und derweil – es g'schieht halt allerhand bei der Zeit, was sich nicht schickt. Lied 1.               's hat einer a Geld herg'liehen ohne Interessen, Der Schuldner tut aber aufs Zahl'n rein vergessen. Der Gläubiger mahnt ihn stets mit Höflichkeit, Doch der Schuldner, der find't sich beleidigt und schreit: »Pressier'n Sie mich nicht, Sie wer'n 's Geld schon noch krieg'n, Sie Esel, ich werf' Ihnen gleich über d'Stieg'n!« Man glaubt nicht, wie häufig das g'schicht, Und es schickt sich doch offenbar nicht. 2. Man muß sehn im Kaffeehaus, wenn Karten g'spielt wird, Wie s' zuschaun und dreinplauschen ganz ungeniert, Schaun zwei'n in die Karten und raten dem dritten, Ob er Karo oder Pick spiel'n soll – da muß i bitten! Und tut sich bei ein' Spieler ein Ultimo zeig'n, Dem tun d' Zuschauer völlig am Buckel auffisteig'n. Diese Unart fast überall g'schicht, Und es schickt sich doch offenbar nicht. 3. A jungs und schlanks Töchterl, na, der steht es gut, Wann s' auch wie a B'sessene umtanzen tut, Doch was soll man sag'n, wenn d' Mama mit fufz'g Jahr'n Umafludert mit frische Kamelien in Haar'n. So a Frau wägt drei Zentner oft – Sie, das is viel! – Hupft aber noch neckisch mit in der Quadrill'. Man glaubt nicht, wie häufig das g'schicht, Und es schickt sich doch offenbar nicht. 4. 's gibt Leut', die ein' gern nur was Unang'nehms sag'n: »Ach, Sie schaun schlecht aus, Ihnen hat's schön beim Krag'n!« – »Gestern hat auf ein' andern g'schmacht't Ihre Herzensdam'.« – »Wer hat Ihnen den Rock g'macht, Sie, der steht infam!« – »Der Wag'n, den Sie kauft hab'n, ach, das is a Karr'n!« – »Ihr Stück hab' ich g'lesen, Sie, das is a Schmarn!« So sagen s' alles den Leuten ins G'sicht, Na, das schickt sich doch offenbar nicht. 5. Das steht so gut, wann die gebildeten Herrn Recht freundlich und zärtlich mit Dienstboten wer'n Und ganz franchement rennen beim hellichten Tag Wie die Windspiel' ein' schlampeten Kuchelbär'n nach Und drucken ihr d'Bratzen und lassen s' nit aus: »O Engel, sagen S' mir's, sein S' allein heut' zu Haus?« Man glaubt nicht, wie häufig das g'schicht, Und es schickt sich doch offenbar nicht. 6. Bei einer Art G'schwufen is viel Witz jetzt zu Haus, Sie lassen ihn sogar an Godscheberbuben aus, Sie kaufen a Pomeranzen und stecken s' in Sack Und sagen: »Wannst dein Geld willst, so rauch' erst Tabak!« Der Bua raucht, die Herren lach'n und machen sich brad, Bis ihr Witz dem Godscheber den Magen umdraht, 's soll erst unlängst g'schehn sein, so a G'schicht', Und es schickt sich doch offenbar nicht. (Im Hintergrund rechts ab.) Vierter Auftritt Kraps und Rab (kommen links aus dem Hintergrund. Rab trägt eine Blendlaterne, Kraps hat einen Mantel um und eine dunkle Larve vor dem Gesicht) Rab Mir scheint gar, Kerl, du zitterst? Kraps Nein, ich klappr' nur mit die Zähn'. Rab Hasenfuß, da hättest du mich sehen soll'n, wie ich oft – Kraps Das will ich wohl glauben, aber – du, lassen wir's auf ein anders Mal – Rab Schämst du dich nicht? Hat der Kerl den genial'n Einfall, den Schlüssel in Wachs abzudrücken, und bei der Ausführung verliert er die Courage! Kraps Es ist nur heut', schau, ein anders Mal – Rab Nichts da! Nimm die Latern' und leuchte mir! Kraps (zitternd die Laterne nehmend) Schau, Brüderl – Rab Frisch ans Werk! (Sperrt während des Folgenden die Schlösser an den Gewölbestangen auf.) Fünfter Auftritt Weinberl und Christopherl ; die Vorigen (Beide kommen aus dem Hintergrundstücke rechts und sehen, was an der Gewölbetüre vorgeht.) Weinberl und Christopherl (erschrocken mit unterdrückter Stimme) Was ist das –!? Rab (ohne die eben Angekommenen zu bemerken, in seinem Geschäft und in seiner Rede fortfahrend) So leuchte doch daher! Siehst du denn nicht –? Aber, Narr – hahaha, wozu, Strohkopf, nimmst du denn eine Larve? Kraps Wann's schelch geht, es sehet uns wer, und wir müßten echappier'n – mein G'sicht ist zu bekannt in dem Haus! Rab (der immer fortgearbeitet hat, macht einen Flügel der Gewölbetüre auf) Die Tür ist offen! Jetzt hinein und vor allem der Kassa eine Visit' gemacht! Gib mir die Latern' – die Schreibstube ist hinten links? Kraps (ihm die Laterne gebend) Ja. (Weinberl und Christopherl, die anfangs wie versteinert stehengeblieben sind, sich aber dann rechts nach dem Vordergrunde gezogen, zugleich) Weinberl Christoph! Christopherl Weinberl! Kraps Aber, Brüderl, lassen wir's auf ein anders Mal! Rab Wäre nicht übel! Umkehren auf halbem Weg! Du bleibst noch ein paar Minuten hier stehen und siehst dich um, ob nicht etwa über unser Geräusch sich irgendwo ein Licht zeigt, dann kommst du mir nach! Aber zittre doch nicht, du Hasenfuß! Klugheit im Kopf, Schnaps im Magen und Pistolen in der Tasche, da geht alles gut. (Geht ins Gewölbe ab.) Sechster Auftritt Die Vorigen ohne Rab Kraps Ich hab' kein Wort g'hört, was er g'sagt hat. – Die Angst! Ich hab' glaubt, ich hab' Anlag', aber ich bin nix zu dem G'schäft – wenn er nur wenigstens – ich sag' halt, es wär' besser gewesen, ein anders Mal – Weinberl (ihn an der Gurgel fassend) Nein, jetzt is's am besten! Kraps Barmherzigkeit Christopherl (hat ihn ebenfalls gepackt) Still, oder – Weinberl Ich erdrossel' dich. Kraps Herr Weinberl – Mussi Christoph – Weinberl Das is ja – Kraps (die Larve abnehmend) Der Hausknecht, der Kraps. Weinberl und Christopherl Du Spitzbub'- Kraps Ich will ein ehrlicher Mann wer'n. Weinberl Ich seh's, du bist grad auf 'n Weg dazu. Kraps Das war mein Anfang und mein B'schluß – so wahr als Barmherzigkeit! Christopherl (zu Weinberl) Lassen wir'n laufen. Weinberl Das müssen wir jetzt wohl, sonst lamentiert er uns den andern heraus. (Zu Kraps.) Dein' Mantel, Hut und Larven her! Kraps Da, da is alles, mein bester, edelster, großmütigster Herr von Weinberl. (Gibt ihm, was er verlangt.) Weinberl jetzt fahr ab! Kraps (ihm die Hand küssend) Sie glauben's nicht, aber ich werd' jetzt schrecklich ehrlich wer'n! (Läuft im Hintergrunde links ab.) Siebenter Auftritt Die Vorigen ohne Kraps Weinberl Den ehrlichen Mann wer'n s' schon durch die Aussagen seines Spießg'sellen kriegen. – (Hüllt sich in Kraps' Mantel ein und setzt sich dessen Hut auf.) Christopherl Was tun S' denn da? Weinberl Den andern muß ich erwischen. Christopherl Sperr'n wir 's G'wölb' zu, so is er g'fangt! Weinberl Daß er drin eine Tür eintritt, wen totschießt und doch am Ende ein' Ausweg findet! Nix, ich weiß schon, was ich tu'. Wecken Sie nur derweil den Nachtwachter auf und machen S' g'schwind Arretierungsanstalten. Christopherl Gut! Aber is das a Glück – auf unserm Bodenkammerl hätten wir den Einbruch rein verschlafen. Weinberl Jetzt war der Jux doch zu was gut! Rab (von innen, sich der Tür nähernd) Wo zum Teufel bleibst denn du so lang? Weinberl (nimmt die Larve vor, wodurch sich seine Stimme ändert) Ich komm' schon, ich komm' schon! (Winkt Christopherl, daß er forteilen soll, und geht ins Gewölbe ab.) (Christopherl läuft im Hintergrunde rechts ab.) Verwandlung Zanglers Wohnzimmer, rechts eine Seitentüre, im Prospekt eine Tür, welche in das Gewölbe hinabführt. Rechts vorne steht ein Silberkasten, links vorne ein Fenster mit Vorhang. Am Prospekt ist Zanglers Bett. Achter Auftritt Melchior (allein, tritt mit Licht aus der Seitentüre rechts) Melchior Da soll man Anstalten zur Hochzeit machen! Die Wirtschafterin sperrt sich ein in ihr Zimmer, gibt mir gar kein Gehör und schimpft so lang, bis s' zum Schnarchen anfangt! Die Köchin hab' ich g'funden, ah, das Weibsbild hat gar einen klassischen Schlaf! Ich muß sagen, das is mir noch nicht unterkommen. Wenn ich mein Kammerl wüßt', ging' ich auch schlafen. Ich könnt' mich zwar da in'n Herrn sein Bett legen, aber wer weiß, wär's ihm recht, 's tut's ja da im Armsessel auch. (Man hört ein Geräusch im Hintergrunde.) Was war denn das? – Ah, ich weiß schon – nix wird's g'wesen sein. 's is völlig entrisch, allein wach sein in so ein' verschlafnen Haus. (Das Geräusch wiederholt sich.) Jetzt war's aber – ja, es war was! (Nach dem Hintergrunde zeigend.) Von da unten hört man's herauf! Mensch oder Geist, was steht mir bevor? – Wenn es ein Mensch ist, o, da bin ich ein Kerl, der Courage hat, wann's aber a Geist – da wär's aus mit mir, Geist ist mir ein zu fremdartiges Wesen. (Ängstlich herumgehend.) Wo kann ich denn –? Aha – (läuft zum Fenster und setzt sich, während man außen dumpfe Stimmen hört, schnell auf das Fensterbrett, so daß ihn die herabhängenden Gardinen bedecken.) Neunter Auftritt Rab , Weinberl (mit Mantel, Hut, Larve und Blendlaterne); Der Vorige (Rab und Weinberl kommen auf den Zehen zur Mitteltüre herein.) Melchior (hinter den Fenstergardinen hervorguckend, schaudernd für sich) Den leichten Tritt, man hört's gar nicht: es sind Geister! Rab Wirklich, Bursche, das überrascht mich von dir, 's ist ein Wagstück, bis hierher zu dringen, und du hast's proponiert. Weinberl 's is wegen dem Silberkasten, dort is er! Rab Ich meinesteils mache mich immer gleich aus dem Staub, wenn ich das Geld habe, denn nur Geld, Geld – Melchior (für sich) Sie gehn aufs Geld, es sind Menschen. Rab Mit Pretiosen befass' ich mich nicht so gern. (Nimmt von Weinberl die Laterne und nähert sich dem Silberkasten.) Weinberl Ah was, Silber is auch nicht zu verachten, je mehr, desto besser, man hat nie genug. Melchior (für sich) Sie haben nie genug – es sind Menschen! Rab Der Schlüssel steckt, räumen wir aus! (Öffnet die Glastüre des Kastens.) Da hab' ich aus dem Gewölb' einen Sack mit heraufgenommen, da pack' alles hinein! (Wirft ihm einen Leinwandsack zu, nimmt während des Folgenden aus dem Kasten Kaffeemaschine, Leuchter, Löffel usw. heraus und gibt es Weinberl, welcher es in den Leinwandsack steckt.) Melchior (für sich) Sie packen ein, es sind Menschen, aber was für eine! Rab Nur schnell! Weinberl (beiseite) Nur langsam, sag' ich, ich muß ihn aufhalten, bis der Christopherl mit die Arretierer kommt. Rab (scherzend) Einen Kaffeelöffel sollten wir ihm liegen lassen, als Souvenir de Silberkasten. Melchior (für sich) Der hat doch noch menschliches Gefühl. Weinberl Ah was, nur alles mitg'nommen! Im andern Zimmer drin wär' auch noch was! Melchior (für sich) Der mit der Larven is ganz Teufel. Rab Nein, das wäre zu riskiert, mich überfällt schon eine Unruhe – und das ist immer ein Zeichen – Melchior (für sich) Bei dem is noch Besserung möglich. Weinberl Die Stockuhr da drin sollten wir nicht auslassen. Melchior (für sich) Der hat ein verhärtetes Gemüt! Rab Nichts da, wir müssen fort! – (Bleibt stehen.) Hörst du? (Horcht gespannt.) Weinberl Es is nix, es kann nix sein! Melchior (über Weinberl erbost, die Faust ballend, für sich) Wenn ich nur den – (wirft durch seine unvorsichtige Bewegung einen Blumentopf vom Fenster herab.) Rab Man kommt zum Fenster herein – schnell das Fersengeld! (Läuft zur Mitteltüre ab.) Weinberl (für sich) Du darfst mir nicht auskommen! (Läßt den Sack liegen und läuft Rab nach.) Melchior (springt aus seinem Versteck hervor und packt Weinberl, als er eben die Türe erreicht hat, am Genick) Hab' ich dich?! Weinberl Au weh! Was ist das?! Melchior Weil ich nur den hab'! (Zieht ihn mehr nach vorne.) Weinberl Auslassen, sag' ich! Der andere is ja – Melchior Ein Schnipfer, der zu Hoffnungen berechtigt. Du aber bist ein Scheusal – Weinberl Er erwürgt mich – zu Hilf'! Zu Hilf'! Melchior Mir gehen vor Wut die Kräften aus – zu Hilf'! Zu Hilf'! Beide Zu Hilf'! Zu Hilf'! Zehnter Auftritt Zangler , Madame Knorr , Frau von Fischer , Christopherl , Sonders , Marie ; die Vorigen ohne Rab Christopherl (mit einer Laterne) Der Rauber is solo g'fangt, die Wachter hab'n ihn schon! (Zündet auf dem Tische rechts Licht an.) Melchior Ich hab' den wahren. – Zangler Was gibt's denn da für ein' Rumor?! Weinberl (hat die Larve abgenommen) Herr Prinzipal – Zangler (Melchior, welcher Weinberl noch immer festhalten will, beiseite schleudernd) Pack' du dich und nicht den da! (Zu Weinberl.) Der Christopherl hat mir alles gesagt – an mein Herz, edler Mann! (Umarmt Weinberl.) Melchior Der umarmt den entlarvten Bösewicht! Das is klassisch! Christopherl (zu Madame Knorr, bittend) Verschwiegenheit, Prinzipalin! Madame Knorr (Christopherl erkennend) Ah, das is stark –! Melchior (zu Zangler) Aber schaun S' nur, wie er Ihr Silber – Zangler Durch dieses Silber hat er mir das Gold seiner Treue bewährt. Melchior Das is klassisch! Frau von Fischer und Madame Knorr (Weinberl erkennend) Was is denn das –!? Das is ja – Zangler (der Madame Knorr und Frau von Fischer Weinberl vorstellend) Mein ehemaliger Kommis, gegenwärtig mein Associé, Herr Weinberl, der während meiner Abwesenheit mein Haus so treu bewacht. Frau von Fischer und Madame Knorr (zu Zangler) Erlauben Sie, das ist – Melchior (zu den Frauen) O, sag'n Sie ihm's, auf meine Reden gibt er nichts. Weinberl (in ängstlicher Verlegenheit bittend, leise zu Frau von Fischer und Madame Knorr) Verschwiegenheit und Schonung, meine Gnädigen! Frau von Fischer (böse) Was –? (Zu Zangler.) Das ist der Mensch, der es gewagt hat – Weinberl (hat einen raschen Entschluß gefaßt und fällt ihr in die Rede) Ja, ich bin der, der es gewagt hat, wie Sie, Herr Prinzipal, mich einmal in die Stadt geschickt haben, hab' ich es gewagt, mich in diese reizende Witwe zu verlieben, und jetzt als Associé wag' ich es, ihr Herz und Hand zu Füßen zu legen. Frau von Fischer (überrascht) Wie –? Wenn das Ihr Ernst wäre – Weinberl So wahr ich Weinberl bin. Zangler Na, das freut mich – Melchior (zu Zangler) Aber, Euer Gnaden! Zangler Noch ein Wort und ich jag' Ihn aus 'n Dienst. Melchior (bemerkt in dem Augenblick, als er sich wendet, Sonders, welcher Marien umschlungen hält) O je, da schaun S' her! Zangler (auf die Liebenden deutend) Aus diesem Grunde freut's mich doppelt, Herr Weinberl, daß Sie schon eine Wahl getroffen, denn Ihnen hab' ich meine Mündel zugedacht, aber 's Mädl hat sich in den Herrn vergafft, und grad, wie ich ihn als Entführer arretieren lassen will, klärt sich's durch den Herrn Kommissarius auf, daß seine Tante bereits gestorben und die große Erbschaft gerichtlich für ihn hier deponiert is. No, da hab' ich dann nicht anders können. Sonders Der liebe Herr Zangler! Marie (zugleich) Der gute Vormund! Weinberl Also hat sich der Fall schon wieder ereignet? Nein, was 's Jahr Onkel und Tanten sterben müssen, bloß damit alles gut ausgeht –! Melchior Das is klassisch! Zangler (Madame Knorr bei der Hand nehmend und auf die beiden Paare zeigend) Mit einem Wort: es gibt eine dreifache Hochzeit. Weinberl Dreifache Hochzeit, das is der wahre Jux! (Unter einigen Takten fröhlicher Musik fällt der Vorhang.) Ende