Neues Kasperl-Theater von Franz Pocci. Stuttgart. Gebrüder Scheitlin. 1855. Druck von Blum und Vogel in Stuttgart. Inhalt Prolog. I. Kasperles Heldenthaten. Ein Ritterstück aus dem finstern Mittelalter. II. Kasperl als Professor. Ein philosophisches Lustspiel. III. Madame Kasperl. Ein Schauspiel, in welchem auch der Teufel in Person vorkommt. IV. Kasperl als Nachtwächter. Ein Nachtstück. V. Kasperl in China. VI. Die Prüfung. Ein beispielloses Spektakelstück Prolog. Von Kasperl gesprochen. Hochgeehrtes Publikum! Mein Freund, der Verfasser dieser Komödien, welche er privatim für mich gedichtet und in welchselben ich mit ganz besonderem Beifalle und zur Zufriedenheit vieler hoher Potentaten, eines hochlöblichen Adels und sonstigen respektirlichen und despektirlichen Publikums schon zu öfteren Malen auf- und abgetreten bin – mein Freund, welcher Ihnen schon durch mehrere seiner Schriften bekannt zu seyn sich schmeicheln dürfte – mein Freund, mit welchem ich schon manches Gläsl getrunken hab, weil er's bezahlt hat, – mein Freund – (jetzt hätt' ich bald nimmer gewußt was ich sagen soll!) – laßt sich Ihnen gehorsamst empfehlen! Dieses unser Werk soll ein Gemeingut des gesammtdeutschen Vaterlandes seyn und wer so gescheit ist und kauft sich das Büchl, dem gehört's von Haus aus. Und jetzt mach ich mein untertänigstes Kompliment; denn ich getrau mir nit Alles zu sagen, was mein Freund mir aufgetragen hat. Sie wissen schon warum! Aber so viel weiß ich, daß Sie gewiß befriedigt aus dem Schauspiel nach Haus gehen werden, entweder weil's Ihnen g'fallen hat oder weil's froh sind, daß 's aus ist. So, und das sagt der Kasperl!! I. Kasperles Heldenthaten. Ein Ritterstück aus dem finstern Mittelalter. (Wald) Ein Eremit Das seht ihr schon meiner Kutten an, daß ich ein Einsiedler bin. Ich lebe nun schon über hundert Jahre in dieser Waldeinsamkeit und habe die größte Langeweile; ja mich wundert's wirklich, daß ich nicht aus Langeweile schon gestorben bin! Ich nähre mich, wie es in meinem Stande üblich ist, nur von Wurzeln und Kräutern, und mein Getränk ist aus der Felsenquelle. Höchst selten setzt es ein Gläsl Schnaps ab von dem guten Kirschenwasser, das mir bisweilen ein Tiroler bringt, dem ich dafür die Vögel überlasse, welche ich im Wald fange. Nebenbei gebe ich mich etwas mit Guitarrespielen und Singen ab, wie zum Beispiel: (singt zur Laute) Ich bin ein alter Eremit Und leb' in diesem Walde, Im Sommer ist es oft sehr heiß, Im Winter aber kalde! Hab' eine braune Kutten an, Mein Bart, der ist sehr lange, Und weil ich bin so ganz allein, Wird mir zuweilen bange. Denn manchmal kommt ein wildes Thier Ganz nah' an meine Klause; Ich aber schrei zum Fenster 'naus: »Der Herr ist nicht zu Hause!« Da kehrt das wilde Thier gleich um Und lauft als wie besessen, Und ich dank meinem lieben Gott, Daß ich nicht ward gefressen. Kasperl (hinter der Scene, schreit) : Heda! Niemand da? Eremit Da kommt wieder so eine Bestie und tribulirt meine stille Einsamkeit. Diese Vieher sind höchst fatal. Geschwind lauf' ich in meine Klause und schieb' den Riegel vor. (Geht ab.) Kasperl (mit Hellebarde und Hüfthorn.) He da! Niemand da! Was ist denn das für e Wirthschaft? Jetzt lauf ich schon drei Stunden im Wald 'rum und hab noch keine arme Seel g'seh'n, vielweniger ein menschliches Wesen auf zwei Füß! Ein dutzend wilde Bären hab ich begegnet, die sind aber gleich davon g'laufen vor mei'm Spieß. Kein Weg ist im ganzen Wald nit zu finden! Weiß der Teufel, wo ich wieder hinaus komm! Auf d' Letzt muß ich gar verhungern! Meiner Lebtag werd ich kein Schildknapp mehr; mein Ritter kann allein in der Welt 'rumreiten. Heda! Niemand da! gut Freund! gut Freund! Kasperl . Eremit . Eremit Was ist denn das für ein mordalisches Geschrei? Kasperl No! Ich werd' doch einen Monolog halten dürfen? Eremit Was? Monologisch oder mongolisch, ich will wissen, was Ihr hier wollt. Kasperl. Nix will ich, als was zu essen, denn mich hungert's und was z' trinken, denn mich durst's. Eremit. Und deßwegen geht Ihr in den Wald heraus, wo's eigentlich sehr wenig Eßbares gibt? Habt Ihr keine Waldbeeren gepflückt? Kasperl. Wär nit übel! die Waldbären hätten ja mich aufgfressen, wenn ich's nit mit meinem langen Spazierspieß davongejagt hätt'. Eremit. Freund, Du scheinst mich nicht verstanden zu haben. Doch sage mir, wer Du bist. Kasperl. No, ich bin halt der Kasperl und Leibknapp oder eigentlich Bedienter beim Ritter Kuno von Felsenburg, der auf Abenteuer herumreist. Eremit. Dieses ritterliche Geschlecht ist mir unbekannt. Kasperl. Mir auch. Aber jetzt hör'n wir auf mit dem Discurs; zuerst möcht ich was zu essen, nachher muß ich meinen Herrn hercitiren. Ein Blaser in mein Hüfthorn und er wird gleich da seyn. Eremit Rufe doch zuerst Deinen Herrn her; dann will ich Euch Beiden einen kleinen Imbiß reichen. Kasperl Da wird nix draus. Zuerst muß ich mich stärken; denn wenn der Ritter vor mir ißt, bleibt mir gewöhnlich nix übrig, der verschlingt Riesenbissen. Heut machen wir's umgekehrt. Eremit So komm' mit mir in meine Klause. Kasperl So ist's recht, alter Dattel! geh'n wir! (Beide ab.) Ritter Kuno (mit Schwert und Schild). (Muß in sehr erhabenem Tone gesprochen werden.) Bei allen Höllendrachen! Wo bleibt mein Knappe Kaspar? Ich habe ihn ausgeschickt, den Weg zu suchen, und nun muß ich ihn selbst suchen. Vielleicht ist die Memme von einem wilden Thiere gefressen worden, während ich in dieser Wildniß schon einen Drachen, ein Einhorn und zwei Eber erlegt habe! Jetzt bin ich aber so erschöpft, daß ich kaum mehr weiter kann. Kaspar, Kaspar! wo bist Du? (ab) Kasperl (mit einer Flasche und einer Bratwurst). Das ist ein rechter Kalfakter, der alte Eremitaner! Zuerst sagt er, daß er nix zu essen hat als Wurzeln und Kräuteln und nach und nach hat er allerhand dahergebracht, wie ich ihm mit'm Todtschlag'n gedroht hab'; denn so macht's mein Herr auch, wann er was hab'n will und kein Geld hat und dieß geschieht ihm ziemlich oft. (Thut einen Zug aus der Flasche.) Das Kirschwasser ist aber delicat, ich hab schon einen halben Dusl. Jetzt muß ich gleich Eins singen aus Lustbarkeit, denn ich bin kreuzfidel. Der Kasperl ist überall zu Haus, Wo's was zu trinken gibt, Und wenn er was zu essen hat Er's gleich in's Maul 'nein schiebt. Im Wald allein herumspazier'n, Das wollt' mir gar net g'fall'n, Denn so ein wilder Bär erwischt Ein'n gleich mit seinen Krall'n. Der Eremit, der brave Mann, Der ließ mich gleich herein Und hat in seinem Kellerloch Den besten Brandewein! Juhe! Juhe! Eremit. Kasperl. Eremit Oho! da geht's ja lustig her beim Kasperl! Nun, mich freut's, wenn mein Trunk geschmeckt hat! Kasperl. Ja, was geht's denn Dich an, alter langweiliger Kerl, wenn ich beim Trinken mein Stückl sing. Eremit. Ich will Dir's auch nicht verwehren! Kasperl. Und ich will Dir's lehren. (Gibt ihm eine Maulschelle.) Eremit. Wie, Du Undankbarer, dafür, daß ich Dich gespeist und getränkt habe, dafür schlägst Du mich? Kasperl. Schlagst Du mich, hau ich Dich! (Schlägt ihn wieder.) Eremit. Unverschämter! warte, ich hole meinen Prügel! Kasperl (stößt ihn mit seinem Fuße). Undank ist der Welt Lohn! Heut' hab' ich schon so en lustigen Humor, daß ich alle Leut' aus lauter Freud' maltraittiren möcht! Eremit Wart' Schlingel, ich komm' Dir schon und will Dich Mores lehren. (Erhebt seinen Stock.) Kasperl Das auch noch?! Ich spieß Dich sammt Deiner Kutten an meine Hellebarden wie einen Kranawetvogel! (Gegenseitige Prügelei und Geschrei, endlich nimmt Kasperl einen Anlauf und rennt dem Eremiten die Hellebarde durch den Leib.) Kasperl Da hast Du's jetzt, eigensinniger Kopf! Die Heldenthat wird aber meinen Herrn freu'n. So! geh'n wir mit einander fort (nimmt den Spieß, an welchem der Eremit steckt, über die Schulter), jetzt will ich aber auch gleich Trompeten blasen, damit der Ritter Kuno weiß, wo ich bin. (Stößt in's Hüfthorn. In der Ferne ebenfalls Hornruf.) Aha! hab'n wir'n schon! Der ist auch nit weit! Trallala, trallala (geht singend ab). (Vor einer Höhle.) Der Zauberer Murischuripixtimixtistopheles. Zauberer Jetzt hab' ich schon den halben Tag gezaubert und doch noch nichts zu Stande gebracht. Ich glaub', daß die nasse Witterung mein Zauberstaberl etwas verbogen hat, weil's nicht mehr recht ziehen will! Blitzdonnerwetter, was war denn das? Und hat mich so viel Geld gekostet! Jetzt will ich einmal durch mein Zauberperspektiv schau'n, ob denn gar nichts zu machen ist. (Sieht durch ein großes Perspektiv) Oho! da kommt ja Etwas! Drei Stunden von hier seh ich einen Ritter mit seinem Knappen! Das wären so ein paar Braten für meine Hexenküch'! Ich will sie mit meinen Zauberkünsten herbeizulocken suchen. (Zaubert) : Kommt herbei, Alle zwei; Ritter, Knapp, Schnell im Trapp! Spadifankerl hilf dazu! Wasser, Luft, Hexenduft, Stiefelwichs Macht es fix! Spadifankerl hilf dazu! (Ein Teufels-Kopf erscheint unter Flammen.) Mein Zauber ist gelungen, denn mein Freund und Gönner Spadifankerl ist aus der Unterwelt erschienen. Ich will mich in den Hinterhalt verstecken, um Beide zu beobachten; dann fall ich in der Gestalt eines wilden Thieres über sie her und fresse sie mit Haut und Haaren auf! (Geht ab.) Kasperl (den Eremiten am Spieß tragend) . No! jetzt hab' ich schon wieder meinen Herrn verloren. Der hat aus lauter Hunger ein Eichkätzl gefangen und hat sich's gerupft und gebraten. Bei der Kost hab' ich ihn sitzen lassen und bin nun ein Wegerl weiter voraus gangen. Zauberer (hinter der Scene brummend) . Muh, muh, brrrrr. Kasperl. Auweh, da brummt was, wie ein wilder Ochs! Wenn der kommt, gib ich ihm mein Eremiten zu fressen, derweil kann ich davon laufen. Zauberer (erscheint in Gestalt eines Ungeheuers) . Muh, muh! brrrrr! muh! muh! Kasperl. No, no – nur nit so grob, Monsieur! Haben's nur ein wenig Geduld. Ich werd' gleich aufwarten mit einem frischen Braten. Zauberer. Muh, muh! brrrrr! Kasperl. Da ist ein frischabgestochener Einsiedler, wenn's ihn gnädigst verspeisen woll'n! (Hält ihm den Eremiten am Spieß vor.) Zauberer. Muh, Muh – (Daran schnufelnd.) Kasperl. Nun? wie riecht der Braten? Zauberer. Muh, muh, brrrrr! Kasperl. Möchten's vielleicht einen Salat dazu? damit kann ich freilich nicht dienen. Zauberer (verschlingt den Eremiten auf einen Schluck). Kasperl. Ah das ist ein saubers Appettittl gwesen! Sie müssen schon acht Tag nix z'essen g'habt haben. Zauberer (auf Kasperl losfahrend). Muh, muh! brrrrr! Kasperl. Oho! Ich mein', der Bissen war doch nit schlecht! Möchten's mich auch noch als Zuspeis'. (Schlägt ihn auf's Maul.) Da ist's Voressen! Zauberer (sperrt den Rachen auf). Kasperl. Aber Sie hab'n ein schönes Gebiß; oder sind das vielleicht eingesetzte Zähn? Zauberer. Muh, muh! Kasperl. Muh, Muh, muh! gehn's mir mit dem Muhmuh! da wird mir ja angst und bang! (Schlägt ihn mit seinem Fuß, abermals Rauferei.) Wart' nur komm ich erst mit der Hellbarden; nachher ist's gleich aus! (Pufft mit dem Spieß so lange auf ihn, bis er todt hinfällt.) Numero zwei – abgemuxt! Zuerst einen sanften Eremitaner und jetzt einen wilden Drachen! Und derzeit frißt der Herr Ritter Eichkätzeln! Wer ist jetzt eigentlich der Held in der Komödie? Der Ritter oder der Kasperl? (Man hört den Ruf des Hornes.) So, so, jetzt kommt der Ritter. (Ruft.) Herr Ritter Kuno, Herr Ritter Kuno! da bin ich! Zu Hülfe, Hülfe, mich hat ein Drach' g'fressen! Zu Hülfe! Kuno (stürzt mit dem Schwert in der Hand herein). Ha! wo gibt es was zu kämpfen! (Haut mit dem Schwert herum.) Ha! Drachenblut muß fließen! Mord und Tod! Kasperl. Nur nit so hitzig! Er liegt schon lang todt da, und der Klausner liegt ihm im Magen! Kuno. Wer hat diese Waffenthat vollbracht? Kasperl. Ich hab' diese Waffelthat vollbracht. Kuno. Ist das auch wahr und gewiß? Kasperl. Ja auf ein Haar, mit diesem Spieß! Kuno. Wie kommst Du dazu! Kasperl. Mit lauter muh, muh! Kuno. Bursche, Du lügst und schmückst Dich mit fremden Federn! Kasperl. Mit Federn kann ich gar net umgeh'n, ich hab' ja's Schreiben nicht gelernt! Kuno. Solltest Du mich wirklich nicht belügen! Kasperl. Nu, Sie seh'n ja den Drachen liegen! Kuno. Das war eine Heldenthat, sonder Gleichen! Ich werde Dich dafür zum Ritter schlagen! Kasperl. Nein, hörn's auf mit dem Schlagen; ich hab' heut' schon genug Schläg' bekommen bei meinen Heldenthaten! Zauberer (erscheint in seiner wirklichen Gestalt). Nichts da! Du hast nur ein Scheinbild getödtet! Ich bin der Zauberer Murischuripixtimixtistopheles. Kasperl. Was wär denn das für eine Neuigkeit? Ja, und wo ist denn der Eremit hingekommen? Zauberer. Den hab ich verschlungen und verdaut! Kasperl. Ach! Sie müss'n aber en guten Magen haben! Zauberer. Lassen wir diese absurden Bemerkungen bei Seite! Ihr seid meine Gefangenen. Kuno. Ha! das kann ein Ritter nicht ertragen! (Lauft davon.) Kasperl. Halt, halt! Lassen's mich auch mit! (will fort.) Zauberer. Nein, Bursche! So leicht läßt sich der große Zauberer Murischuripirtimirtistopheles nicht abfinden. Kasperl. Erlaub'n's, verzeih'n's, aber Sie hab'n en kuriosen Namen. Mit dem wär die Polizeidirektion weiter nit in Verlegenheit! Gehn's, sagen Sie mir noch einmal, wie Sie heißen. Zauberer. Ja, ich bin der große Magicus Murischuripixtimixtistopheles. Kasperl. Der große Tragikus Knurifuri – – Zauberer. Murischuri – Kasperl. Schnuriburi – Zauberer. Murischuripixtimixti – Kasperl. Schuriburistrixtiwixti – Zauberer. Murischurimixtipixtistopheles. Kasperl. Schuriburistrixtiwixtikropfeles. Zauberer. Esel – Du kannst die großartige Idee meines magischen Namens nicht in Dich aufnehmen. Kasperl. Ich kann den moosbartigen Piké Deines tragischen Namens nicht in mich aufnehmen! Zauberer. Einerlei – Du bleibst jetzt da! Eine Beute muß ich haben. Kasperl. Ich bin aber keine Beute, ich bin ja der Kasperl! Zauberer. Was Kasperl! Ich brauche einen Braten in meine Zauberküche, in der täglich einige Zentner Menschenfleisch gekocht werden, damit ich die berühmte Lebenstinktur bereiten kann. Kasperl. Ja was ist denn das für ein Getränk! Zauberer. Die tinctura Theophrastica . Kasperl. Die tinctura Gummielastica . Zauberer. Weißt Du, Esel, denn nichts vom Steine der Weisen? Kasperl. Ich weiß nur was vom Wein und von Speisen! Zauberer. Kennst Du nicht den lapis philosophorum? Kasperl. Tapis asinorum? Zauberer. Das aurum potabile ! Die Panakée ! Kasperl. Was? Ein Kanapee? Zauberer (bei Seite). Dieser Bursche ist so tölpelhaft, daß ich ihn als Gehülfen brauchen könnte; er würde meine Zaubergeheimnisse nicht ausplaudern. (Laut.) Heda! Bursche! Kasperl. No, was woll'n S' denn? Zauberer. Höre ein gescheidtes Wort. Kasperl. No – da bin ich aber begierig d'rauf. Zauberer. Willst Du mein Diener werden? Kasperl. Ich hab' schon ein' Herrn. Zwei zugleich kann ich nit Stiefel wichsen und Kleider ausbürsten. Zauberer. Dessen bedarf ich nicht. Ich frage Dich: willst Du mein Famulus werden? Kasperl. Was ist denn das für ein Thier auf »us«? Zauberer. Du bekommst gut Essen und Trinken und hast nichts zu thun, als Feuer schüren und Kessel rühren! Kasperl. Was? Sessel rühren? Zauberer. Verstehst Du denn gar nichts richtig? – Versuch's einmal und komm mit mir in mein Laboratorium. Kasperl. In's Schnabulatorium? Das laß ich mir gefall'n; da bin ich gleich dabei; denn da gibt's was zu Schnabuliren. (Ein großer Kessel, Feuer darunter, steigt aus dem Boden.) Kasperl. Ach! was ist denn das für eine Punschbodali? Zauberer. Jetzt merk auf: laß das Feuer nicht ausgehen und rühre fleißig den Brei um, bis er siedet, dann rufe mich. Rufe nur »Meister erscheine.« (Ab.) Kasperl (allein) . Na, das is eine saubere G'schicht! Jetzt bin ich – ich weiß gar net wie – auf einmal ein Kuchelmensch g'word'n. Woll'n wir's halt probiren! (Schaut in den Kessel hinein.) Pfuiteufel, das stinkt. Ich muß das Umrühren ein bißl probiren. (Rührt, Flammen spritzen aus dem Kessel.) Oho! die Suppen ist aber heiß! (Rührt und singt monoton.) Lirum, larum Löffelstiel, Rührum, rarum Besenstiel, Steht die Köchin an dem Heerd Nimmt den Löffel umgekehrt!     (Rührt immer fort.) Lirum, larum Besenstiel, Mahlt der Müller in der Mühl', Köchin, koch mir einen Strud'l, Oder eine Kirchweihnud'l! Das Rühren macht aber curios müd! Jetzt muß ich einmal die Suppen kosten. (Nimmt einen Löffel voll, Flammen sprühen auf und der Teufel schaut aus dem Kessel.) Auweh, auweh! das ist eine curiose Dampfnud'l! Teufel. Prrrrrrrrrr. (Stößt mit den Hörnern.) Kasperl. Wart, Du verflixter Leberknöd'l. (Stößt ihn hinein. Teufel fährt wieder heraus und packt den Kasperl.) Auweh, auweh! – Meister, erschein, erschein! Zauberer. Kasperl. Zauberer. Ha! ich merke, Du hast die Probe nicht bestanden! Kasperl. Freilich hab' ich nix verstanden, was der Kerl da drin g'wollt hat. Zauberer. Wenn Du mir nicht besser dienst, so werde ich Dich selbst in diesem Kessel sieden. Kasperl. So? mich, in dem Suppenhafen da? Zauberer. Ja! Allein zuvor ist es nöthig, daß ich Dich in einer Retorte zersetze. Kasperl. Was? in einer Rehtorten zersetzen? Was ist denn das? da war mir doch lieber, wenn S' mich in ein' Punschtorten stecken wollten. Zauberer. Weißt Du nicht, was eine Retorte ist? Kasperl. Nein! Zauberer. Ein Gefäß, meistens aus Glas, in welchem die Chemiker ihre Analysen machen. Kasperl. Gehn's, hörn's auf mit dem dummen Zeug. Zauberer. Kurz und gut. Auch ohne Retorte; in diesem Kessel wirst Du versotten. Kasperl. Da hätt' ich ja nicht einmal Platz drin! Zauberer. Du, nicht Platz darin? D'rinnen habe ich schon die größten Riesen verkocht! Kasperl. Ich bin aber kein Ries. Steck'n S' nur selbst die Nasen hinein. Die Maschin ist ja schon ganz voll. Zauberer. Ei was, das kann nicht seyn; denn es fehlen noch dreitausend Ingredenzien zur Mixtur. (Schaut in den Kessel, indem er sich hinüberbeugt.) Kasperl. So, nur recht hineing'schaut! Geben's Acht, daß Sie sich die Nasen nit verbrennen. (Stößt ihn von rückwärts in den Kessel. Explosion, wobei Kasperl in die Luft fliegt und nach einiger Zeit wieder herabfällt.) Auweh, auweh! das war aber eine Luftfahrt! bis an den Mond hinauf! No! aber da schaut's aus in dem Mond d'rin! Das ist gar kein Spaß da oben. Erstens gibt's nix als mondsüchtige Leut und Mondkälber. Es ist nur ein Wunder, daß mich die nit g'fressn haben. Aber vor den Wirthshäusern hab' ich allen Respekt. Ich bin in drei Gasthöfen eingekehrt: Zuerst im silbernen Mondhörnl. Prächtig! – Nachher im goldenen Mondschein! Ach! da wär' ich bald nimmer herausgekommen! Und zuletzt in der schwarzen Mondsfinsterniß, das ist eigentlich ein gemeines Bierhaus! Da hat mich der große Mann im Mond gleich 'nausg'worfen und so bin ich auf die geschwind'ste Manier wieder auf die Erden herunter gefall'n. Aber jetzt hab ich en g'waltigen Durst! wo ist denn das nächste Wirthshäusl! Na ich geh' gleich zum »Abenthum« oder zum »blauen Stern« da drüben. Vielleicht sitzt der Ritter Kuno auch schon beim Bier. Und Ihnen, meine großen und kleinen Herrschaften habe ich die Ehre eine recht gute Nacht zu wünschen. Juhe! Und jetzt ist die Comödie aus! II. Kasperl als Professor. Ein philosophisches Lustspiel. (Ein Studierzimmer.) Kasperl. O langweiliges Leben! Bedienter bei einem gelehrten Professor zu seyn! Das ist etwas Schreckliches! Erstens: darf man den ganzen Tag nicht muxen; rührt man sich nur ein wenig, so heißt's gleich: »Still Bursche! Du störst meinen Ideengang!« und was ist denn eigentlich so ein Ideengang? Ich kenn' nur den Gang in's Wirthshaus. Zweitens: krieg ich keinen Lohn, aber dafür auch nichts zu essen; denn mein Herr sagt immer, das Essen sey eigentlich ungesund; denn es laßt den Geist nit aufkommen. Ich verlang' mir aber keinen Geist, sondern was für den Magen oder einen Branntweingeist. Aber mein Herr kann furchtbar hungern. Ich glaub' sein Magen muß mit lauter Geist ausgefüllt seyn. Ich werd' noch aus Verzweiflung so ein paar alte Bücherschartecken auffressen. Wenn's gekocht ist, muß das Pergament gar nicht schlecht schmecken. Ich will's einmal probiren. So! etwas in Wasser gesotten, gibt das eine Art Rumfortersuppen. Auweh! jetzt hör' ich den Professor aus dem Collegium kommen. Er trappt schon die Stiegen herauf. Professor Wassermaier (tritt ein) Kasperl. Kasperl. Was befehlen Sie, Herr Professor? Professor. Bringe mir mein Frühstück! Kasperl. Ja, was soll ich denn bringen? Es ist ja nichts Genießbares im ganzen Logis. Professor. Gehe an den Brunnen und hole mir ein Glas Wasser; Wasser, Wasser ist der Quell des Lebens. Wasser ist der Urstoff der Schöpfung; Wasser ist das elementare Fluidum, aus welchem sich alle Stoffe entwickelt haben und in den wieder zurückkehren. Kasperl. Sie kommen mir allweil mit dem Urstoff. Von mir aus können Sie d'ran satt werden, aber meinerseits dank' ich gehorsamst dafür. Professor. Das verstehst Du nicht! Geh', bringe mir ein Glas Wasser! Kasperl (geht ab). Professor. Endlich hoffe ich mit meinem System der Philosophie durchzudringen. Meine Gegner werden bald schweigen müssen. Ja! Wasser als Grundlage alles Geschaffenen angenommen – das ist etwas Neues! Die Centralisirung auf das Flüssige läßt sich schon auf chemischem Wege aus der Natur selbst nachweisen; denn Alles ist zuletzt lösbar in flüssiger Materie! Kasperl (kömmt mit einem Glas Wasser). Da ist Ihr Frühstück, Herr Professor! Ich wünsch' guten Appetit. Professor (geht mit dem Glas Wasser ab). Nun will ich ein wenig ruhen! Kasperl (allein). Ruhen Sie von mir aus, so lang Sie wollen. Ich muß einstweilen wie gewöhnlich hungern; da kann mein Magen ruhen. (Es schellt am Hause.) Hoho, wer läut't denn! Gewiß wieder eine Visite von einem gelehrten Narren; denn ein gescheidter Mensch kommt doch das ganze Jahr nit in's Haus. (Ruft hinaus.) Wer will herein? (Stimme von außen.) Wohnt hier der Herr Professor Wassermaier? Kasperl. Aha! ein fremder Gelehrter! Den will ich etwas fexiren. (Ruft.) Nur herauf, die Thür ist offen. Jetzt zieh' ich den alten Schlafrock meines Herrn an und stell' den Herrn Professor vor. (Verkleidet sich.) Weil mich der Herr Professor halb aushungern laßt, so werd' ich es versuchen, diesem unvorsichtigen Fremdling durch List oder Gewalt einiges Geld zu entlocken. Tintenklexer. Kasperl. Tintenklexer (unter Verbeugungen eintretend). Habe ich die Ehre, den Herrn Professor Wassermaier zu sprechen? Kasperl (immer in affektirtem Hochdeutsch). Sie haben die Oehre. Tintenklexer. O, wie glücklich schätze ich mich, solch' einen berühmten Mann kennen zu lernen. Kasperl (mit Herablassung) . Und wen habe ich die Oehre bei mir zu sehen. Tintenklexer. Ich bin Tourist und mein Name ist Tintenklexer. Kasperl. Sie sind also Schnurrist und Ihr Name ist – – ? Tintenklexer. Tintenklexer – Kasperl. Tintenklexer? – Aha, ich verstehe: Ihre Beschäftigung ist also Tintenklexe zu machen. Tintenklexer. Verzeihen Sie, verehrtester Herr Professor – ich begreife nicht – – ich bin, wie gesagt – Tourist und beschäftige mich, alles Interessante auf meinen Reisen zu sammeln – Kasperl. Ich finde das sehr interessirt von Ihnen. Tintenklexer (für sich). Ein sonderbarer Mann! (Zu Kasperl.) Vor Allem war es mir von höchstem Werthe bei meinem hiesigen Aufenthalte, den Erfinder des neuen neptunischen Philosophems persönlich kennen zu lernen. Kasperl (sich vergessend). Was schwatzen Sie daher? – (Sich besinnend). Ja so! Ich verstöhe. Allerdings, gewissermaßen – Allein demungeachtet insoferne nicht nur allein, sondern auch – Tintenklexer. Es wäre mir höchst wichtig, aus Ihrem Munde einige nähere Erörterungen zu vernehmen, inwiefern Sie den Vulkanismus so ganz und gar umgehen können. Ich bin darüber ganz und gar nicht im Klaren. Kasperl. Ich auch nicht. Doch lassen wir das. Sagen Sie mir lieber, ob Sie Geld bei sich haben? Tintenklexer. Wie? Herr Professor, ich verstehe Sie nicht. Kasperl. Ich werde mich also deutlicher ausdrücken. Leihen Sie mir gefälligst fünf Gulden. Tintenklexer. Herr Professor? Ich finde es sehr sonderbar, daß Sie, nachdem Sie kaum meine Bekanntschaft gemacht haben, mit derlei sonderbaren Zumuthungen – – – Kasperl. Ich finde es auch sehr sonderbar; aber wenn Sie mir nicht gleich die fünf Gulden geben, so schlage ich Ihnen Eine auf Ihren Schädel hinauf, daß Sie daran denken werden. Tintenklexer. Welche Arroganz! und wie – Sie sollten wirklich der berühmte Wassermaier seyn? Kasperl (im alten Tone) . Wassermaier hin, Wassermaier her; ich versteh' kein' G'spaß und das werd' ich Ihnen gleich beweisen. (Gibt ihm eine Ohrfeige.) Tintenklexer. Unverschämt. Ich verlange Genugthuung! Kasperl. Wenn Sie noch nicht genug haben, kann ich mit mehr aufwarten. (Prügelt ihn.) Tintenklexer. Weh mir! Welche Rohheit! Kasperl. Was Rohheit! (Balgerei; Kasperl schlägt ihn zu Boden.) Da liegt der Tintenklex! – Jetzt nur gleich seine Taschen visitirt. Aha! Ein Geldbeutel! bis er von seiner Ohnmacht wieder aufwacht, werd' ich dieses unfreiwillige Staatsanlehen auf nationalökonomische Zwecke verwenden, d. h. in's Wirthshäusl gehen. (Ab.) Tintenklexer (erwacht allmählig). Ha! welch' schmähliche Behandlung! So Etwas ist mir unter den Wilden nicht geschehen! Und dieß ein Professor, ein Philosoph! Ich werde mich rächen und die Hülfe der Gerichte in Anspruch nehmen, damit dieser Frevler bestraft werde. (Ab.) Professor Wassermaier. Der Schlaf hat mich gestärkt! Das Fluidum hat geruht, um zu neuen Wellenbewegungen des Geistes zu erwachen. Ich fühle schon, wie ein Tropfen nach dem andern aus dem Meere des Lichtes herabfällt, um sich an der Gehirnhöhle zu cristallisiren. – Nun will ich an dem zweitausendsten Paragraphe meines Systems arbeiten. (Schlägt ein Heft auf.) »Aha! das Wasser in der vierten Schöpfungsperiode als verkörperter Organismus sich setzend und Niederschläge bildend« – – (Es klopft stark an der Thüre.) Wer klopft? Kann ich keine Ruhe haben? Kasperl, wo bist Du? Ein Polizeidiener (tritt ein) Sie sind arretirt. Professor Wie? Ich arretirt? – aus welchem Grunde? Polizeidiener. Man hat eine hohe Polizei nie nach dem Grund zu fragen. Sie gehen mit mir. Es ist keine Manier, die Leute in Ihrer Wohnung zu prügeln. Professor. Unverschämt! Sie müssen durch eine unrechte Thüre gegangen seyn. Ich bin Professor Wassermaier. Polizeidiener. Ja, Wassermaier! das ist mein Mann! (Packt ihn beim Kragen und schleppt ihn fort.) Professor (schreit). Gerechtigkeit! Gerechtigkeit! Ein Irrthum in der Person! (Beide ab.) Kasperl. Juhe! Jetzt hab' ich gerad' meinen Herren begegnet, wie man ihn auf die Polizei geführt hat. Da werden's ihm seine Wasserphilosophie schon austreiben; denn ich hoff', daß er für mich eine ordentliche Portion Prügel bekommt. Geschieht ihm aber gerad recht: warum hat er mich in seinen Diensten so aushungern lassen, daß ich selber beinah zu einem Wassergeist worden bin. Ich geh' in einen andern Dienst und find' ich keinen Herrn, so bleib ich mein eigener Herr und schaff mir selbst an. (An's Publikum gewendet.) Wenn vielleicht von Ihnen da unten Jemand einen treuen, soliden Bedienten braucht, so steh' ich gleich zu Diensten und sehe mehr auf gute Behandlung als auf guten Lohn. Wenn ich nur alle Stunden Etwas zum Essen und Trinken und nix zu arbeiten hab', dann wird gewiß meine Herrschaft mit mir zufrieden seyn. So – und jetzt mach ich mein höfliches Kompliment. Wenn Ihnen die Komödie etwas zu gelehrt war, so ist das nur Ihre eigene Schuld – da müßten Sie halt für ein anders Mal zuvor zum Herrn Professor Wassermaier in die Schul gehen. III. Madame Kasperl. Ein Schauspiel, in welchem auch der Teufel in Person vorkommt. Kasperl (kommt aus seinem Hause heraus). Jetzt hab' ich aber bald das Leben satt. Mit meiner Grethl halt' ich's nimmer aus. Schlipperment nochemal! wenn ich sechs Knödl essen will, so kocht s' mir nur drei und von denen ißt sie selber zwei und den dritten hebt sie zum Nachtessen auf. Frag' ich: was bleibt nachher mir, dem Kasperl? – Die leere Schüssel! Lass' ich mir zwei Mäßl Bier hol'n, so probirt sie so lang d'ran, ob's gut ist, bis nix mehr im Krug ist. Frag ich: was bleibt nachher dem Kasperl übrig? – s' Hineinschau'n und der Durst! Will ich eine Wurst essen – und das ist doch meine Leibspeis von Haus aus, weil ich der Wurstl bin – nun, so frißt sie die Wurst und mir gibt sie die Haut! Schlipperdibix! Aber jetzt weiß ich, was ich thu. Ich geh' in die Welt hinaus und laß mein Grethl allein zu Haus, nachher wird sie schon sehen, daß der Kasperl ihr abgeht; und wenn's vor Sehnsucht nach mir beinahe die Schwindsucht hat, komm ich wieder heim. Da wird sie's wohlfeiler geb'n. (Ruft.) Grethl! Herzensschneckerl, komm e bißl runter zu mir! Grethl (von Innen). Nu', was gibt's dann wieder? kann ich en ganzen Tag keine Ruhe haben vor Dir! Kasperl. Herzensweiberl, Goldkäfer! – ich muß Dir was Wichtiges sagen. Ich kann aber die Stieg'n nit steigen, denn ich hab mir meinen linken Däumling verrenkt. Grethl Oho! das ist gewiß wieder nicht wahr. Aber wart, ich komm' schon mit 'm Kehrbesen! Kasperl. O Du lieb's Mauserl! (für sich) alte Katz – laß Dich jetzt noch Einmal umarmen. Grethl. Was sind denn das wieder für Spaß? Kasperl. Keine G'spaß – schwarzhaftiger Ernst! Gib mir ein Bußl auf meine heißglühenden Abschiedswangerln! Grethl. Du bist und bleibst ein Narr. Kasperl. (weint). O Grethl! Leb wohl! (ich muß mich nur verstellen) Leb wohl! Ich muß eine wichtige Reis machen. Grethl. Was Reis? da bleibst! wer soll mir denn's Wasser tragen, wenn Du fort bist? Kasperl. (weint immer heftiger). Nix mehr Wasser tragen! Ich muß fort. Ich hab' einen Brief kriegt und da steht nix drin; aber ein weitläuftiger Verwandter hat mir geschrieb'n, daß ich eine Erbschaft gemacht hab' und die muß ich abholen. Grethl. Das ist wieder eine Lüg'. Ich wett' drauf. Kasperl. Weiberl! ich lüg niemals; höchstens geh' ich ein bißl mit der Wahrheit spazieren, siehst es, drum muß ich fort. Ich bring' Dir einen Sack Geld mit. Grethl. So? einen Sack Geld? Ja woher denn? Kasperl. Nun, ich hab Dir's ja g'sagt! von mei'm verstorbenen Amerikanischen Millioneservetter. Grethl. Dießmal will ich Dich fortlassen; wenn Du aber ohne Geld heimkommst, nachher paß auf! Kasperl. Ich paß alleweil auf und hab noch nix erpaßt. Grethl. Kurz und gut! Du kennst mich – also richt Dich darnach. Adie! Aber länger als 8 Tag darfst mir nit ausbleib'n. Kasperl. Ich komm so bald ich kann. Adie! Adie! (weint wieder. Umarmung.) Grethl. (geht ins Haus). Kasperl. Juhe! Meinen Urlaub hab' ich! Jetzt geh' ich aber gleich ins Wirthshaus in den »blauen Bock« und bockulire ein wenig. Und nachher geh' ich wieder nach Haus und schau nach meiner Grethl, ob's ihren Kasperl noch nit vergessen hat. Oho! was kommt denn da für e Figur daher? Jude (mit einem Sack auf dem Rücken). Nix zu handle, schöner Herr? keine alte Kleider, oder sonst was? Kasperl. Bonjour, Monsieur Jud! Kommen Sie von Jerusalem? Jude Komm ich net aus Jerusalem, komm ich grad von Frankfurt her, über Nürnberg. Kasperl. Über Hirnberg, nicht weit vom Capitolium. Jude Wird doch der Herr wissen, wo die grauße Handlungsstadt Nürnberg liegt. Kasperl. Die grauße Stadt Nürnberg, wo die Nürnbergerleckern an die Bäum' wachsen? Jude Hab ich doch nie gehört, daß die Nürngeberger Lebkuchen an die Bäum gewachsen sind. Kasperl. So was versteht freilich ein Jud nit. He, Judus, gib mir Deinen Sack. Jude Was soll ich hergeben meinen Sack? Ist der Sack doch mein Sack zum Masematten machen. Kasperl. Da hast Du ein paar Masematten. (Schlägt ihn.) Jude Auwai geschrieen! was schlägt mich der Herr! Kasperl. Ich bin kein Herr, ich bin der Kasperl! (Pufft ihn.) Jude Auwai geschrie'n! Was haut mich der Herr Kasperl? Kasperl. Ich bin nit der Kasperl, ich bin der Hanswurstl. (Schlägt wieder) Jude Auwai geschrie'n! Weiß ich noch net, wie ich soll heißen den Herrn Kasperl Hanswurstl. Kasperl. Dem Zweifel woll'n wir gleich ein End machen! Wart nur, Du verflixter Masemattenjud! (Schlägt ihn todt.) So – jetzt ist der Jud todt! Was will der Jud mehr? Hinein mit ihm in sein' Sack. Im Wirthshaus wird die Fortsetzung meines Triumphes gefeiert mit verschiedenen Opfern, als da sind zwölf Maaß Bier und zwei dutzend g'salzene Bretzeln! (Ab.) Offizier (spricht sehr affektirt). So ebigen ist mir gemeldet wordigen, daß ein Jud erschlagigen wurde! Ha! meine Pflicht ist es, den unschuldigen Mörder dieses Handelsmannigen auszuforschen. Potz Donner und Kanonenpulver!! Grethl. Was ist denn das für ein Geschrei? Offizier Wissen Sie vielleicht Madamigen, ob hier ein Jude erschlagigen wordigen ist? Grethl. Ich hab die Ehre mein Compliment zu machen, Herr Offizier. Offizier Ich habe ebenfallsigen die Oehre! und frage nochmaligen wegen dieser abscheulichen Unthat. Grethl. Ich bin ganz ruhig beim Caffe g'sessen und da hab ich auf einmal ein furchtbares Geschrei gehört und bald darauf hab ich nichts mehr gehört. Offizier Dieses Geschrei scheint mir schon verdächtigen und ich wittere Blutspurigen! Blitzflintenlauf! Grethl. Ach: verschrecken S' mich nit so! Ich fürcht' überhaupt das Militär ungeheuer. Offizier. Sie habigen nichts zu fürchten, Madamigen. Ich liebe das schönigen Geschlechtigen sehr und ein Offizier bleibt immer ein Offizier! Grethl. O wie gütig und höflich Sie sind! Darf ich Sie vielleicht einladen, bei mir ein Tass' Caffe zu trinken? Offizier. Der Caffe ist zwar ein weibisches Getränk, jedoch ausnahmsweisigen will ich mich herbeilassigen. Kasperl (schaut herein). Grethl. Ich werde dem Herrn Hauptmann auch ein Glas Liqueur vorsetzen. Kasperl (hereinschauend). Oho! was war' denn das! Ich kriegs ganz' Jahr z' Haus kein Liqueur zu riechen. Offizier. O Madame, Sie beschämigen mich durch Ihre Gastfreundlichkeit. Mit Vergnügigen folg' ich Ihnen in's Haus. Grethl. G'horsamste Dienerin. (Mit dem Offizier ab.) Kasperl. Oho, oho! das ist a G'spaß! Kaum bin ich aus 'm Haus, so kommen schon Caffe-Visiten zu meiner Frau auf eine Schnapsparthie! Diesem Offizierlinge sey ewige Rache geschworen; aber wenn ich nur wüßt' wie ich's anfangen soll? Ja wenn der Offizier nit ein Militär wär, hätt' ich schon Schneid; aber den Säbel fürcht' ich. Jetzt muß ich schau'n, daß ich mich verkleiden kann, damit 's mich nit kennen, nachher woll'n wir schon sehn, was weiter z' machen ist. Wenn ich als Bett'lweib komm, werd' ich wohl am besten thun. So – jetzt hol' ich mir von der dicken Obstlerin einen Unterrock – nachher kennt mich kein Mensch. Wart', treulose Grethl, heut' kehr' ich den Stiel einmal um! (Ab.) Offizier (kommt etwas benebelt aus Kasperls Haus und singt): Das ist ja ganz charmantigen, Ein bischen auch betrunkigen, Der Caffe war sehr gut! Frau Kasperl allerliebstigen Gab mir den besten Schnapsigen, Ganz heiß wallt nun mein Blut! Charmant, charmant! das ist eine vortreffliche Frau, die Madame Kasperl! – ich werde öfters bei ihr einkehrigen, denn da gibt's guten Caffe und trefflichen Branntewein! Aber wie sie mir sagt, ihrem einfältigen Männigen gibt sie niemals dergleichigen! Kasperl, (als altes Weib, mit einer Butten, ein Wickelkind darin, das immer schreit, singt): Ich bin ein altes Bettelweib Und komm mit einer Kraxen, Ich zitter' schon am ganzen Leib, Kaum tragen mich die Haxen. Und meine Kraxen ist wohl schwer Weil drinnen liegt ein Kindl, Vor Hunger schreit das Kindl sehr Und macht in seine Windl. Ihr guten Leut' schenkt mir doch was, Hab' weder Schmalz noch Eier, Der Hunger ist halt gar kein G'spaß Und's Korn ist jetzt so theuer! Gehn's, schöner Herr, schenken S' mir ein paar Kreuzer, ich hab' den ganzen Tag nix gegessen (für sich) aber desto mehr trunken – (laut) schenken S' mir was! Offizier. Potz Bomben und Kartätschenelement! Was ist das für eine Bettelei! Marsch, alte Hexe! Kasperl. Ich bin kein' alte Hex – aber Sie sind ein Fex! Offizier. Wie? Was? Welche Impertinenzigen muß ich hören? Kasperl. Ich bin halt ein altes Weib und hab's Complimentenmachen nit g'lernt. Offizier. Was Complimenten? Potzgrenadiergardelement, ich will ihr die Höflichkeit lehrigen! (Will schlagen.) Kasperl. Warten's e wenig, Sie uniformirter Grobian. Ihnen werd' ich doch noch Herr! Offizier. Ha! ich muß lachigen, wenn ich so etwas höre! Mache sie sich aus dem Staubigen, Weibsbild! Kasperl. Wer hat dan Ihnen erlaubt, während der Herr von Kasperl vereist ist, ihm seinen Kaffe und sein Likori wegzutrinken? Offizier. Wie, was? wegtrinkigen? Was geht Dich das an, altes Bettelweib. Kasperl. (schlägt ihn in's Gesicht). So viel geht's mich an! Offizier. Ha! ich werde meinen Säbel ziehen und Dich mit flacher Klinge züchtigen. Kasperl. Und ich werd' mein Kindl aus der Kraxn nehmen und den Herrn Säbel-Inhaber recht 'rumhauen! Offizier. Versuch' es, Elende. (Schlägerei, bei welcher Kasperl dem Offizier die Butte über den Kopf stürzt.) Kasperl. So, Du Eisenfresser, jetzt hab ich Dich sammt mei'm Caffe und meinem Schnapslikori in meiner Butten drin. Offizier. (aus der Butte schreiend). Verdammte Hexe! laß mich heraus'. Kasperl. Nix heraus! Offizier. Ich werde ersticken! Kasperl. Das wird mich nicht viel zwicken! Offizier. Ich fange an zu sterbigen. Kasperl. Sterbige, rauher Krieger! Offizier. (mit matter Stimme). Auweh! auweh! ich bin todt! Kasperl. Ha! jetzt ist mein Rachedurst gesättigt! – Juhe! jetzt lauf ich mit meinem erschlagenen Feind fort und werf'n in den nächsten Bach. Stimme (in der Butte). Weh, weh! mäh, mäh! Kasperl. Was ist denn das? hat sich der Offizier in en Geißbock verwandelt? – da muß ich gleich nachschaun. (Kasperl kehrt die Butte um. Teufel springt heraus.) Teufel. Prrrrrrrr! Kasperl. Oho! was ist denn das für ein schwarzer Tintenwischer! Teufel. Prrrrrr! (Stößt den Kasperl.) Kasperl. Prrrrr! (Schlägt und stößt den Teufel.) (Gegenseitiges Hin- und Herstoßen, endlich stößt Kasperl den Teufel in die Butte, stürzt sie um und setzt sich drauf.) Kasperl. (singt): Der Teufel in der Kraxen drin – Und ich sitz da heraußen; Darum weil ich der Kasperl bin, Mach ich nit viele Flausen! Jetzt schrei ich gleich so, daß mein Grethl meint, ich steck am Spieß, nachher laß ich den Teufel auf sie los, damit ich sie los werd. (Ruft.) Grethl, Weiberl, Zuckerl, Engerl! ich bin wieder da – aber ich kann das Geld, das ich mitgebracht hab, nit allein hinauftragen! Grethl (von innen). Mein Kasperl! bist wieder da? Kasperl. Ja freilich bin ich wieder da und zweitausend Dukaten hab' ich mitgebracht. Grethl (kömmt). O Du Herzenskasperl! Dukatenkasperl! komm an mein Herz! Kasperl. Komm Du an das meinige! Ich kann nit von der Butten herunter, sonst fliegt mir das Geld davon! Grethl. Ich komm schon! Jetzt sind wir reiche Leute! (Duett): Grethl. Wie glücklich werden wir jetzt seyn! Kasperl. Ich sauf den allerbesten Wein. Grethl. Wir kaufen uns ein eig'nes Haus. Kasperl. Da schauen dann zwei Affen 'raus. Grethl. O lieber Ka– Ka– Ka– Ka– Ka– Ka– Kasperl! Kasperl. O liebes He– He– He– He– Herzenshasperl! Beide. Wir werden glü– glü– glü– glücklich seyn! (Sie tanzen.) Kasperl. Aber jetzt schau einmal hinein in die Geldbutten; gib aber Acht', daß Dich die Dukaten nit blenden; 's könnt Dir die Augen verderben. (Grethl schaut unter die Butten, Kasperl läßt den Teufel heraus, der die Grethl schopfbeutelt und mit ihr unter Flammen versinkt.) Kasperl. Das war eine geschwinde Expedition! So, jetzt hat – wie man zu sagen pflegt – der Teufel Eine geholt! Arme Grethl! (Fangt zu weinen an.) So war's nicht gemeint! wenn er Dich nur so etwas am Schopf g'nommen hätt, ich war' auch zufrieden g'wesen! Nun – ich muß mir halt en andere Frau wählen; vielleicht hätt' eins von den hübschen Mäderln da unten (ans Publikum gewandt) Lust, mich z'heirathen! bin ich nicht ein schöner junger Mann! bin ich nicht der Kasperl – alleweil lustig und fidel? – – Nu! – hab'ns keine Kuraschi? – – Wissen Sie was? wollen wir uns bis morgen besinnen! Und wenn mich Eine von Ihnen heiraspeln will, so lassen's mir's morgen früh sagen! Einstweilen mach ich mein schönes Compliment. IV. Kasperl als Nachtwächter Ein Nachtstück. (Stadt. Nacht.) Kasperl (etwas benebelt vor seiner Thür und singt): Jetzt komm ich halt grad aus'm Wirthshäusl 'raus, Ich hab ein kleines Räuscherl und mach mir nix d'raus! Du herzliebe Grethl, laß mich jetzt hinein, Der Hausschlüss'l sperrt nit, das Loch ist zu klein! Grethl, Grethl! Herzallerliebstes Weiberl! Mach mir's Hausthor auf! Ich Hab mich ein bißt verspätet auf dem Spaziergang! Grethl (schreit aus dem Fenster). Wart' Du Lump! Du kommst mir nicht herein heut! Kannst im Wirthshaus schlafen oder auf der Straße! Kasperl. O Du zuckersüßes Herzkäferl, verstoße Deinen treuen Gatten nicht! Ich will gewiß recht brav seyn! Ich bitt Dich gar schön! Nur dießmal verzeih mir! – – Sie hört nicht! (Weint.) Was fang' ich jetzt an, ganz allein in der großen Stadt? Das ist kein G'spaß bei der Nacht da herzusteh'n! Nachtwächter (hinter der Szene). Ihr Herren und Frauen laßt euch sagen, Der Hammer hat zwölf Uhr g'schlagen! (Die Thurmuhr schlägt zwölf Uhr.) Kasperl. Auhweh! jetzt schlagt's Mitternacht! Das ist die Stunde, wo die Geister aus dem Caffehaus nach Haus geh'n! Auweh! Und der Nachtwächter kommt auch daher! Den muß ich ein bißl erschrecken. (Versteckt sich.) Nachtwächter (mit Spieß und Laterne). Ihr Herren und Frauen laßt euch sagen, Der Hammer hat zwölf Uhr geschlagen! Gebt Acht auf Zündhölzl und auf Licht, Damit nicht ein Malheur geschicht! Denn die Zündhölzeln brennen gar gern! Alle guten Geister loben Gott den Herrn! Kasperl (mit schauerlicher Stimme). Brum, brum, brum! Nachtwächter. Was ist denn das für eine verdächtige Stimme? Kasperl. Dumm, dumm, dumm! Nachtwächter. Wenn's nur kein Gespenst ist! Mit dem will ich nix zu schaffen haben und's steht auch nix in meiner magistratischen Nachtwächter-Instruktion von wegen der Gespenster was drinnen. Ich hab's nur mit Feuer und Licht und mit Dieben zu thun. Von einem Geist oder so was hab' ich aufm Rathhaus noch nie was gehört. Kasperl. Weh, weh, weh! Ich bin ein Geist! Nachtwächter. Wenn ich nur wüßt wie er heißt! Kasperl. Ich bin der Geist des verstorbenen Spritzenmeisters, der sich in der Feuerspritzen ersäuft hat, und muß jetzt umgeh'n! Nachtwächter. Auweh! Ein Selbstmörder! die fressen alle Nachtwächter, hab ich gehört. (Läßt Spieß und Laterne fallen und läuft davon.) Kasperl. No, das ist einmal ein Hasenfuß! Jetzt mach ich den Nachtwächter. (Nimmt Spieß und Laterne und schreit): Ihr Herren und Frauen laßt euch klagen, Der Kasperl hat nix mehr im Magen, Die Glocken hat jetzt zwölf Uhr g'schlagen, Der Teufel nimmt euch all' beim Kragen! Oho! was kommt denn da für ein kurioser Kerl daher, der muß aber bedeutend zuviel in's Glas gekuckt haben, denn sein Gesicht ist ganz burgunderweintransparent und seine Nasen glüht wie Karfunkel. Ich will mich etwas retiriren und unbemerkt ihn observiren. Der Vollmond (tritt auf). Heut steh ich im Kalender nicht, Der Himmel brauchet nicht mein Licht, Drum mach ich in der freien Stunde Für mich allein nun eine Runde! Vielleicht find ich wo einen Schatz, Der mir gibt einen süßen Schmatz, Der Himmel ist ja stockpechdunkel, Da laßt sich machen ein Gemunkel! Die Sternlein, meine Amts-Kollegen, Die haben sich in's Bett gelegen; Verliebt ist nur der Mond allein, Romantisch ist sein Herzensschein! Wenn mir nur kein Poet begegnet, Damit's nicht ein Gedichtlein regnet, Mein Zimmer ist austapezirt Mit Liedern, so mir dedizirt!     (Er nießt) Kasperl. Zur Gesundheit! Mond. Vergelts Gott! – Ja! die Nachtluft kalt Die bringt den Schnupfen gar zu bald. Am Himmel aber ist's so schwül, Daß 's mir auf Erden schon zu kühl!     (Nießt wieder.) Kasperl. Zur Gesundheit! – ich wünsch' recht guten Abend. Wer sind Sie denn eigentlich? Wissen Sie nicht, daß die Nachtschwärmerei polizeilich verboten ist und daß der Nachtwächter Sie veraretiren wird. Mond. O Freund! laß mir die Schwärmerei! Kasperl. Was kümmert mich die Narretei! Mond. Laß ungestört mich zieh'n den Weg! Kasperl. Zuvor bekommst Du aber Schläg'! Mond. O sey nicht grausam! schone mein; Ich bin der sanfte Mondenschein! Kasperl. Mir ist viel lieber ein Gläsl Wein! Marsch fort! sonst schlag ich gleich darein! Jetzt hörn's auf mit dem Versmachen da! Ich versteh' keinen Spaß. (Sticht ihm mit der Hellebarde in's Gesicht, welches verdunkelt.) Mond. Weh mir! erloschen ist mein Licht, Er stach mich mitten in's Gesicht! (Verschwindet.) Kasperl. So, das ist eine saubere Geschicht! Jetzt hab' ich Einem die Augen ausgestochen. Ob der noch nach Haus findt, das weiß ich nicht! Nun, so geht's ihm halt wie mir, der muß auf der Straßen übernachten; schad't ihm auch nichts – Oho! Da kommt ja wieder eine Figur zum Vorschein! Tod (in einen Mantel gehüllt). Schauerlich ist's in der Nacht, Wo kein Stern am Himmel lacht; Da kann ich mich amüsiren Und vortrefflich spioniren, Ob ich nicht ein Opfer find', Es zu rauben ganz geschwind. Kasperl. Wer da? Tod. Der da! Kasperl (hält den Spieß vor). Der da! wer ist »der da«? Antwort, oder ich spieß drauf los! Tod. Magst Du spießen wie Du willst, Sterblicher, an mir prallen Deine Waffen ab! Kasperl. Was ist das für ein Windbeutel? Tod. Vergebens spießest Du auf mich los, Unmächtig ist des Spießes Stoß! Kasperl. Das war auch wieder was Neues! wenn's nicht mit dem Spießen geht, so kehr' ich den Stiel um und klopf Dich auf den Schädel! Tod. Verwegener, klopfe nur und klopf, Ich nehme Dich sogleich beim Schopf! Kasperl. Klopf, Schopf – wart' nur elender Tropf! (Handgemeng und Prügelei, der Tod fällt und verschwindet.) Da liegt der Lümmel, dem hab' ich den Garaus gemacht! Ihr Herr'n und Frauen laßt euch sagen, Der Kasperl hat Ein'n todt geschlagen!     (Der Hahn kräht.) Jetzt kräht auch schon der Gockelhahn, Steht auf! es bricht der Morgen an! Der Gockelhahn (tritt auf). Kikeriki, kikeriki! Kasperl. Ah! schön guten Morgen, Herr Gockelhahn! Sind Sie auch schon auf? Hahn. Kikeriki, kikeriki! Kasperl. Ich wünsch' wohl aufgestanden zu haben! Auf was für einem Dunghaufen haben Sie denn heut Nacht zu ruhen geruht! Hahn. Kikeriki, kikeriki! Kasperl. Ja, können Sie denn gar nichts anders herausbringen, als das dumme kikeriki, kikeriki? das ist ja ungeheuer langweilig! Hahn. Kikeriki, kikeriki! Kasperl. Ja, wissen Sie was? dem Geschrei woll'n wir gleich ein End machen. Ein gebratener Gockelhahn ist auch kein schlechtes Essen! Und wenn ich meiner Grethl einen Braten nach Haus bring, da wird sie gleich wieder guten Humors werden. (Sticht den Hahn todt.) Hahn (sterbend). Kikeriki, kikeri, ki, ki, ki, ki! Kasperl. So! jetzt ist's aus mit dem kikeriki, und die Leut' können noch ein Stündl ruhig schlafen! Grethl, Grethl! mach auf! Grethl (aus dem Fenster). Was gibt's wieder, liederlicher Bursch? Kasperl. Nix da liederlicher Bursch! Ich war auf der Jagd und hab' Dir einen Braten mitgebracht! Grethl. So? Das ist was anders! Jetzt darfst schon herein zu mir, guter Kasperl! Kasperl. Aha! jetzt bin ich wieder »Dein guter Kasperl« – weil ich Dir was zum Essen heimbring'! Jetzt heiß' ich wohl der liebe Mann, Weil ich Dir bringe einen Hahn, Den Spieß zum Braten auch dabei, Der Hahn, der Spieß und ich – sind drei! Dem hochgeehrten Publikum Mach ich mit meinem Buckel krumm Ein allerschönstes Compliment – Nun ist das schöne Stück zu End! V. Kasperl in China. Kasperl. Ds ist eine fatale G'schicht! Jetzt bin ich unter die Chinesen kommen – ich weiß gar nicht wie! Zu Haus hat's mir nimmer g'fallen, seit's überall ein so miserabl's Bier hergeben und die Batzenweckeln so klein sind, und da hat mich der Verdruß so weit gebracht, daß ich mich entschlossen hab', nach Amerika auszuwandern. So bin ich halt eine Zeitlang umeinander gewandert bis ich eine sogenannte Schiffsgelegenheit g'funden hab und da habens mich in ein leeres Brandweinfaßl hineing'steckt und auf ein Schiff gebracht. Mitten im Meer drin haben's das Faßl und mich in's Wasser g'worfen und an der chinesischen Grenz bin ich ausg'stiegen, wie's mein Faßl an's Ufer hinausg'spült hat, wo mich gleich die Schlavenhändler aufpackt hab'n und jetzt bin ich schon über zwei Monat Budienter oder Flurirschütz bei einem Mandarin! S'wär nit übel, aber alleweil Thee und immer nix als Thee, das will mir gar nit g'fall'n und täglich mei'm Herrn den Haarzopf wixen, das ist eine langweilige Beschäftigung für den Hanswurstl, und mit der Sprach komm ich auch nit recht fort! Und der dumme Nam', den mein Herr hat: »Quingquing!« Und mich heißen's »Tschingtsching« – da möcht' Einer ja gleich davonlaufen! Mandarin (von Innen rufend): Tschingtsching! Kasperl. Aha! da ruft mich schon mein Herr wieder. Quingquing! warten's e bißl, ich komm gleich. Vermutlich muß ich wieder ein paar Maaß Thee im Caffeehaus holen! Mandarin. Tschingtsching! Kasperl. Quingquing Exlenz, was schaffens? Mandarin. Tschaopipipipizopfilipomadirling. Kasperl. Tscha, tscha, tscha, tscha, ich muß erst den Pomaditigl holen. Mandarin. Pipipipitschingtsching! Kasperl. Pipipipipi, setz'n Ihnen derweil nieder! Mandarin (setzt sich und Kasperl nimmt ihn beim Zopf). Kasperl. So, Exlenzquingquing, halten's nur still! Mandarin. Wixlipixlitschaotschao! (Kasperl wichst den Zopf.) Kasperl. Exlenzquingquing müssen vermuthlich zum Kaiser hinein nach Hof, weil Sie sich so aufputzen? Mandarin. Tschatschatscha! Kasperl. Soll ich Ihnen vielleicht auch die neuen gelben Pantoffel holen und den himmelblauen Schlafrock mit dem goldenen Stern und Sonn und Mond darauf? Mandarin. Tschatschatscha. Kasperl. Ja, ja, ja. Mandarin. Hongtongmonglongpipi. Kasperl. Das versteh' ich nit! Sprechen's deutsch. Mandarin. Hongtongmonglongtschingtsching! Kasperl (gibt ihm eine Ohrfeige). Hongtongmonglong – wart' e bißl! (Mandarin fällt um.) Auweh! Jetzt hab ich – glaub ich – meinen Herrn todt g'schlag'n! Aber, daß so ein Chines nicht einmal eine einfache germanische Ohrfeig aushalten kann. (Beguckt ihn.) Richtig! der ist mauserltodt! – Was fang ich jetzt an, damit sie mich nit einfangen? – Ich zieh den blauen Schlafrock an und geh zum chinesischen Kaiser hinein, vielleicht erkennt er mich nicht und sieht mich für seinen Minister Quingquing an. Das wär' ein Mordgaudium! (Ab.) Kaiser von China Schunschi (mit einem großen Parapluie). Schunschi. Potz tausend Element! Heut ist's aber warm! Wo ist mein Premierminister Quingquing? Warum bleibt er so lang aus mit seinem Portefeuille der verwickelten Angelegenheiten. Kämmerling Kakao. Vermutlich hat er wieder einen Opium-Rausch auszuschlafen, großer Kaiser. Schunschi. Hab' ich nicht schon längst das Opiumtrinken verboten? Was soll das gemeine Volk, wenn meine Minister selbst mit dem schlechten Beispiel vorangehen? – Ich werde den Minister der verwickelten Angelegenheiten hängen lassen. Kakao. Aber er ist ein trefflicher Geschäftsmann, der sich ganz besonders durch seine Energie auszeichnet! Schunschi. Ich liebe zwar Energie an meinen Ministern, weil ich selbst zu sanfter Natur bin, aber potz tausend Element! das Opium hab ich eben deßhalb verboten, weil es alle Energie lähmt! – Ha! da kommt mein Premier! Kasperl (als Minister im blauen Schlafrock, ein Portefeuille unter dem Arm, unter Verbeugungen) . Ich hab die Ehre einen guten Morgen zu wünschen, großer Kaiser aller chinesischen Völker. Schunschi. Warum heut so spät, mein Bester? Kasperl (spricht affektirt hochdeutsch) . O ja! ich habe mich etwas verspötet, jedoch aber immerhin dennoch gewissermaßen – Schunschi. Genug der Entschuldigungen. Für dießmal will ich es passiren lassen. Das nächste Mal werden Sie baumeln. Kasperl. Taumeln – ja getaumelt hab ich schon oft! Schunschi. Zur Sache! Was haben Sie heute zu referiren? Kasperl. Nix hab ich zu despektiren. Schunschi. Wie steh'n die verwickelten Angelegenheiten? Kasperl. Die verzwickelten Angelegenheiten steh'n halt so und so. Schunschi. So? Kasperl. So! – Schunschi. O! Kasperl. O! Schunschi. Erläutern Sie mir diesen Gegenstand. Kasperl. Den Gegenstand kann ich nicht erweitern, denn er ist schon weit genug. Schunschi. Wie so? Ich verstehe Sie nicht ganz. Kasperl. Ich auch nicht. Es ist halt so eine Geschicht mit den verzwickelten Angelegenheiten. Schunschi. Sie kommen mir heute sehr sonderbar vor; Ihr Vortrag ist so verworren. Kasperl. Und Sie kommen mir auch sehr sonderbar vor. Jetzt bin ich schon über e halbe Stund' da und hab noch nix zu trinken kriegt! Schunschi. Welche Unverschämtheit! – Ich erwarte, daß Sie nach solch einem Benehmen Ihr Portefeuille niederlegen. Kasperl. Ja, das kann ich gleich niederlegen, aber wenn ich's niederglegt hab', möcht ich was z' trinken haben. Schunschi. Sie sind von Sinnen! Heda! Kakao! Kakao. Was befehlen Euer kaiserl. Majestät? Schunschi. Fort mit diesem unverschämten Menschen! In's Gefängniß mit ihm! Kasperl. Oho! das ist doch e bißl gar zu arg! Ich beruf mich auf meine Konstitution! Das leid ich nit. (Prügelt den Kakao und wirft ihn hinaus.) So, der ist abgethan. Was schaffen S' jetzt noch? Schunschi. Ihr Benehmen setzt mich in das größte Staunen! Wie? Sie wollen noch Minister seyn? Es ist unmöglich. Sie haben sich unmöglich gemacht. Kasperl. Möglich oder unmöglich – ich bin halt der Kasperl! Schunschi (wüthend). Sie sind ein Narr! (Geht ab.) Kasperl. Jetzt bin ich so gescheit wie zuvor; aber so ganz umsonst möcht ich doch nit Minister g'wesen seyn. (Schreit.) Heda! Heda! Ein Sklave (tritt auf) Was befehlen Euer Excellenz! Kasperl Elender Gschlav! Augenblicklich begib Dich in die Hofkellerei und bring mir was zu trinken. Sklave (ab) Kasperl Ministerbesoldung hab' ich keine, also will ich mir die Gagi heraustrinken. Sklave (kommt mit einem großen Fasse) Hier bring ich ein ganzes Faß vom Besten! Kasperl Brav gemacht! Trinkt der Mensch gleich aus dem Faß und man braucht nit einzuschenken. Wenn das Faß ausgetrunken, wirst Du Dein Trinkgeld erhalten. Einstweilen entferne Dich, damit ich in meinen Minsterbetrachtungen da nicht gestört bin. Sklave (ab) Kasperl (betrachtet das Faß von allen Seiten) Dieses Faß hat zwar eine brandweinartige Ausdünstung, aber das ist doch chinesisch, daß ich kein Spundloch find und überhaupt nix wo was h'rauslaufen kann! Kehr' ich's um, wie ich's will – ich finde keine beliebige Gelegenheit mir den fraglichen Inhalt zuzueignen. Das Kürzeste ist: ich schlag den Boden ein. (Springt hinauf und schlägt mit dem Fuß drein. Aus dem Fasse schaut der Geist des Tschingtsching heraus.) Oho! – das wär mir eine saubere Geschicht! Ja, was thun denn Sie darin, verstorbene selige Exlenz? Mandarin Tschaopipipipi. Kasperl Auweh! geht der Discurs wieder an? (Stößt ihn hinein) Marsch, in das Reich der Unterwelt zurück! Vermessener, Du gehörst nicht mehr diesem Leben an! Mandarin (erscheint wieder) Tschaopipipipi. Kasperl Tschaopipipipi! wart das wird gleich anders werden. (Zieht ihn heraus und pufft dessen Kopf auf die Brüstung) So, jetzt ist's gut. (Wirft ihn wieder in das Faß.) Was hab ich aber jetzt davon? Die Tschingtschingexlenz kann ich doch nit trinken? Es bleibt mir nichts übrig, als daß ich ins Caffehäusl geh, mich unter das dumme chinesische Volk setz' und mir mit einigen Maaß Thee den Durst lösch. Aber nachher mach' ich, daß ich z' Haus komm in mein geliebtes Vaterland; vielleicht kann ich dort ein Ministerium übernehmen, wenn Ein's vakant ist. Aber da beding' ich mir gleich mein richtiges Deputat zum Trinken aus und laß mich nit mit so einem Faßl Tschingtsching abfinden! (Macht sein Compliment gegen das Publikum) VI. Die Prüfung Ein beispielloses Spektakelstück Kasperl. Nein! das muß ich sag'n: meine Grethl ist halt doch das Muster aller Frauenspersonen. Wie die für mich sorgt – das ist kaum mehr zum aushalten! Ich glaub, daß sie mich nächstens aus Lieb frißt; aber mir gibt's nichts zum Essen aus purer Sorgfalt für meine Gesundheit. Möcht' ich Frühmorgens mein' Caffe, da sagts gleich: Nein, lieber Kasperl, ich geb Dir keinen, Du könntest Dir den Magen verderben. Iß lieber eine Wassersuppen. Da sitz ich denn vor meiner Wassersuppen und sie trinkt meinen Caffe. Mittag's schnappt sie mir die besten Bissen weg aus lauter Angst, daß ich zu viel erwisch' und mir eine Indischestion zuzieh! Und so muß ich denn immer in's Wirthshäusl geh'n, damit ich mich restaurir; denn mein Magen ist oft wirklich wie mein Geldbeutel: alleweil larifari, das heißt: nix drin. Jetzt ist mein Grethl auf'n Markt gangen um einzukaufen, da muß ich mir auch ein G'schäft machen und in mein Bureau geh'n, in den »goldnen Stiefel« – da ist das beste Bier. Ha! da kommt grad auch mein Herzensbrüderl, dessen Bekanntschaft ich erst gestern gemacht hab! Oh, das ist eine treue Seel! Wenn ich ihm's Bier zahl, so geht er mir nimmer von der Seit! Solche Freundschaft lass' ich mir gefall'n. Er sagt, daß er ein vacirender Jäger ist. Bon jourl, bon jourl, Freund Thomerl! Jäger Ebenfalls bon jourl, Monsieur Kasperl! Wohin denn schon so früh am Tag? Kasperl Ja, wissen Sie, Herr Thomerl – – (für sich) , wenn ich ihm sag', daß ich in's Wirthshäusl geh, so muß ich ihm wieder Bier zahlen – (laut) ja, wissens, Herr Thomerl, ich hab halt die Melankolerie zu Haus g'habt, weil meine Grethl ausgegangen ist, da bin ich ein bißl auf d'Straßen herunter und hab den Fliegen abgewehrt, die in mein Haus hineing'wollt haben. Jäger Ei was Fliegen und Mucken! Sie müssen sich aufheitern, Herr Kasperl! Sie sind als zu solid! Kasperl Nun, das ist auch das erste Mal, daß mir Jemand das Laster vorwirft! Könnt' aber doch seyn! Wissens, Herr Thomerl, ich kann halt ein für allemal das Gstudieren nit lassen. Da sitz ich Ihnen oft ein' ganzen halben oder einen halben ganzen Tag vor einem Gstudierbuch und bring nix raus und nix in meinen Schedl hinein. Jetzt hab ich zum Beispiel eine Naturg'schicht gelesen und ich weiß doch noch nicht, warum die Menschen die Nasen mitten im G'sicht haben. Jäger Gehn's mir mit den philosophischen Forschungen. Kasperl Richtig! Von den tropfischen Forstungen steht auch was drin in der Naturg'schicht! Jäger Wissen's, Herr Kasperl, wo man studieren muß? – Im Wirthshaus. Da lernt man Menschenkenntnis. Da zeigt sich die wahre Naturg'schicht! Da ist der Mensch im Naturzustand! Da wachen die eigentlichen Lebensgeister auf! Kasperl Schaun's, Herr Thomerl, da hab'n Sie wieder recht! Sie sind ein ganz gescheiter Kerl! Aber heut hab' ich zu dem Menschenstudium kein Geld im Sack! Meine Grethl hat mir keinen Kreuzer g'lassen. Jäger Thut nix, Herr Kasperl! Heut mach' ich die Honneurs. Kasperl Juhe! Das ist der rechte Professor in der Naturg'schicht, der's Bier und 'n Wein zahlt! Kommen's, geh'n wir nur gleich zum Gstudieren! In den »goldenen Stiefel!« Beide (singen) In den goldenen Stiefel! Gehen wir Gleich zum Bier, Du mit mir, Ich mit Dir – In den goldnen Stiefel! Sti, sti, sti, sti, Stiefel! (Beide ab.) Grethl (die schon einige Zeit gelauscht hat) In den goldenen Sti, sti, sti, sti, Stiefel! – Wart, Du Erzlump, Du liederliches Tuch! Schon am frühen Morgen in's Wirthshaus, während ich mich den ganzen Vormittag aufm Markt herumgeplackt hab' und zur Stärkung im Schnapsladl kaum ein paar Gläsl Magenliqueur trinken hab' können. Wart! komm Du mir heut nach Haus! da kriegst Du Dein Fett, aber nicht in der Supp, sondern auf'n Buckel! Uebrigens weil er denn doch nicht zu Haus ist, werd' ich davon profitiren und meine guten Freundinnen auf e Kaffeeparthie einladen und der Herr Fuhrwesenlieutenant Pulvermann darf auch nicht dabei fehlen. Wart nur, Kasperl, was dem Einen recht ist, das ist dem Andern billig. Sitzst Du im Wirthshaus mit Deinen Saufbrüderln, so wird's mir wohl erlaubt seyn, zu Hause eine anständige Kaffeegesellschaft zu haben. Jetzt muß ich nur gleich Alles herrichten; heut werden wir wohl so beiläufig sechs Maaß Kaffee brauchen. (Ab) Kasperl. Jäger (Ersterer etwas benebelt) Kasperl Juhei!– Das laß ich mir gefall'n! Zuerst Bier, nachher Wein, zum Schluß gebrannten Wein, das heißt: Branntwein! Edler Mensch! (umarmt den Jäger) laß Dich an mein Herz drücken! Edelster aller edelsten Menschen! Ja Du bist würdig, ein Mensch zu seyn! Du Musterbursch aller zweibeinigen mit Vernunft begabten Wesen der Schöpfung! Edles geschöpftes Geschöpf! Jäger Schon gut, schon gut, Freund Kasperl! mich freut's wenn's Dir geschmeckt hat! Ich hab Dir nur einen kleinen Beweis geben wollen von meiner Anhänglichkeit! Kasperl Oh, diese Anhänglichkeit! Lassen wir sie niemals hängen! Laß uns auf ewig Freunde bleiben! (für sich) so lang er mir Bier und Wein zahlt! Jäger Allerdings ist es um Anhänglichkeit und Liebe so eine eigene Sache. Man darf nicht immer darauf bauen! Kasperl Das versteh' ich nit recht. Gewöhnlich baut man ja die Häuser aufn Erdboden. Jäger Ich meine dieß allegorisch. Kasperl Obligatorisch also? – Ja was die Liebe betrifft, so bin ich ein glücklicher Mensch; denn wer ein Weib hat, wie ich, der ist versorgt, wie die Engel im Himmel! Jäger Nu, nu, nu! Hast Du Deine Grethl schon einmal auf die Probe gestellt mit ihrer Liebe? Kasperl Das braucht's gar nit. Jäger Bist Du so fest überzeugt! Kasperl Ueberzogen oder nicht überzogen, ich glaub's einmal. Jäger Wie wär's, wenn Du es doch einmal auf eine Probe ankommen ließest? Kasperl Das Bier probirt man; den Wein probirt man – der Gedanken war auch nicht übel, daß ich einmal mein Grethel probir – ob sie Stich halt'. Jäger Gut, mein Freund; die Prüfung wird euere gegenseitige Liebe nur noch mehr befestigen und stärken. Kasperl Und wenn's aber die Prüfung nit aushalt, dann wird sie meine Faust befestigen und stärken; denn nachher setzt's Prügel ab. Jäger Ich werde als treuer Freund Dir stets zur Seite steh'n. Kasperl Aber, Freund! Jetzt sag mir einmal: Wie fangen wir's mit der Prüfung an? Jäger. Das einfachste ist – Du stirbst – – Kasperl. Wär nit übel? Ich soll sterb'n? Jäger. Versteh mich recht! Du sollst zuerst eine Krankheit fingiren. Kasperl. Eine Krankheit stringiren – Jäger. Dann wirst Du scheinbar immer schlechter und schlechter und stellst Dich endlich, als ob Du g'storben wärst. Kasperl. Und nachher? – dank recht schön, da krieg ich nix z' essen und zu trinken und vielleicht kommt gar der Todtengraber und grabt mich ein. Das ist ja gar keine Prüfung für meine Frau. Schlagen wir die zuerst todt und schau'n wir nachher was sie sagt? Jäger. Dein Scheintod wird Dir ihre wahren Gesinnungen offenbaren; glaub mir, und was das Uebrige anbelangt, laß mich sorgen. Ich laß Dich nicht verhungern, nicht verdursten und nicht lebendig eingraben; denn ich werde mich als Doktor verkleiden, um diese ganze Intrigue zu dirigiren. Kasperl Nun, so will ich mir's gefall'n lassen, wenn Du mir hilfst. Ich werde mit der feinen Intrigue eines Rausches beginnen, nachher kommt die Ohnmacht von selbst dazu. Drum geh'n wir nur gleich wieder in's Wirthshaus! Jäger Nein Freund! bei dieser Operation mußt Du den Kopf beisammen haben und nüchtern seyn, sonst könntest Du Dich ja verrathen. Kasperl Das ist auch wieder wahr! Jäger Geh' jetzt nach Haus, sage, Du seyst unwohl, leg Dich ins Bett, laß den Doktor holen – der bin ich – das Weitere wird sich schon geben. Kasperl Der bin ich, das Weitere wird sich schon geben. Also wollen wir's probiren. Jetzt thu ich gleich, als ob ich recht Bauchweh hätt' – das Weitere wird sich schon geben! (Beide ab) (In Kasperls Wohnung) Grethl Das war einmal eine lustige Kaffeeparthie. Jetzt hab ich auch Alles so hübsch wieder zusammengeräumt, daß der Kasperl gar nichts davon merkt, wenn er nach Haus kommt. Nun, der wird so wieder seinen Rausch mitbringen wie gewöhnlich. Ich bin nur froh, daß er heut gar so lang ausbleibt, er hätt' mir mitten in die Gesellschaft hineinfallen können und das war ein Spektakel geworden! Da hätt's wieder Prügel gegeben! Kasperl (von Außen.) Grethl, Grethl! mach auf! Ich hab meinen Hausschlüssel vergessen! Grethl. Ja richtig! Du wirst wohl's Schlüsselloch nit finden! Kasperl. Mach auf, mach auf! Mir ist nit wohl! Grethl. Aha? hast schon wieder Einen bei Dir, der Dir Kopfweh macht. (Oeffnet die Thüre.) Kasperl (eintretend). Ach, mein liebe Grethl! mir ist todtenübel! Grethl. Glaub's gern, wenn man immer zu viel trinkt! Kasperl. Ach, meine liebe Grethl! Ich hab heut gar nix trinken können und bin nur meinem Kameraden zu lieb sitzen geblieben im Wirthshaus! Ich bitt Dich, mach mir nur gleich einen Thee! Grethl. Du willst einen Thee? Nu, da mußt' wirklich krank seyn. Willst ein' Kamomillenthee? Kasperl. Ein' Kamorillenthee? Grethl. Oder einen Hollunder? einen Münzenthee? Kasperl. Was für Münzen nimmst denn dazu? Pfenning oder Kreuzer, die kann ich besser schlucken. Grethl. Was nit gar, Kronenthaler?! Kasperl. Auweh, auweh, mich zwickts! Au, au – au! Grethl. Du wirst Dich halt verkältet hab'n; oder hast wieder z' viel durcheinander gegessen? Kasperl. Schau Grethl, was hab ich heut gessen? Zuerst eine Schoklatsuppen mit Weinbierl und Bratwürsteln drin; nachher eine Portion Schweinefleisch mit Sauerkraut und gelbe Rüben; nachher e bißl einen Kaffee; nachher ein halbes Gansl mit Kartoffelsalat und zum Schluß ein paar Salvenati! Grethl So, und da soll Dir der Bauch nit weh thun? Das ist ja ein Durcheinander, der ein Pferd umbringt! Kasperl Aber ich bin ja kein Pferd. Das Bauchweh muß einen andern Grund haben. Ich hab glaub ich zu wenig getrunken. Grethl Ei was! Du führst eine unordentliche Lebensweise, da kann der Mensch nicht g'sund bleiben. Kasperl Auweh, auweh! mich zwickt's als ob ich glühende Beißzangen verschluckt hätt', au, au, au! Mach mir mein Bett und hol mir den Doktor! Auweh, auweh – ich muß sterben. (Weint) Grethl Lieber Kasperl, thu mir das nit an! ich müßt gleich mit Dir sterben! Kasperl Au, au, au, auweh! zu Hülf! es zerreißt mich! Grethl Leg Dich nur gleich ins Bett und nimm ein warmes Hafendeckerl. Ich hol g'schwind den Doktor! (Ab.) Kasperl (gerührt). Und die Frau soll mich nit lieb hab'n! – Nein, Thomerl, Du thust ihr Unrecht. Aber die Prob muß ausghalten werden! Schad't ihr nichts! So, jetzt will ich mich geduldig in's Bett legen und schlafen, bis die Grethl den Doktor bringt. (Legt sich in's Bett und fangt gleich zu schnarchen an.) (Träumend.) So, so – das ist aber ein Durst – – ich – halts nit aus – Kellnerin, eing'schenkt – mein Krug ist leer – le – le – le – leer. (Musik.) Grethl mit dem Jäger (welcher als Doktor verkleidet ist, und eine große Klystirspritze unter dem Arm hat). Grethl. So, lieber Kasperl, da ist der Herr Doktor. Ich hab gleich den ersten besten mitgenommen, dem ich auf der Straße begegnet bin. Jäger. Herr Kasperl! Nun wo fehlt's Ihnen denn? – – Herr Kasperl! Schlafen Sie denn? Hören Sie mich nicht? Ich bin der Doktor. (Kasperl thut immer dergleichen, als ob er nicht hörte.) Herr Kasperl! Wachen S' auf, daß ich Ihnen den Puls fühlen kann. (Kasperl streckt den Fuß aus der Decke heraus.) Den kann ich nit brauchen. (Kasperl streckt das andere Bein heraus.) Die Hand müssen Sie mir herausstrecken! (Kasperl reckt den Arm heraus und seufzt) So, jetzt wollen wir sehen, ob Fieber da ist. (Greift den Puls.) Kasperl Au, au, auweh! mir zerspringt der Bauch! Jäger Geduld, Geduld! (Greift unter die Decke.) Ihr Unterleib ist sehr gespannt und aufgebläht. Wir werden ein Clisterium Scheidwasserianum appliciren. Kasperl (schreit). Nein, nein! Da dank ich! Das hab'n wir nit miteinander ausg'macht! Mir fehlt nix! Jäger Ruhig, Ruhig! Herr Kasperl! (Ihm ins Ohr) Verrathe Dich nit, sonst merkt's Deine Frau. (Laut) Clisterium und dann ein Purgatorium Wienertranklianum! (Bei Seite zu Grethl) Madame Kasperl, der Fall ist sehr bedenklich. Es ist eine gefährliche inflammatio trommularia ventriculosa – nämlich eine Bauchtrommelfellentzündung! Grethl Nein, das ist ein Unglück! Ach, retten Sie mir meinen Kasperl, Herr Doktor! Kasperl. Ich hab' ja keine Trommel verschluckt! Das ist nit möglich! Jäger (pulsgreifend). Das Fieber wird immer heftiger! Ich muß gleich etwas Medizin einschütten, die ich draußen stehen habe. Madame Kasperl, holen Sie's gefälligst herein. Grethl. Gleich, gleich! (Geht hinaus, Kasperl springt aus dem Bett.) Kasperl. Nein, Kamerad, das leid ich nit. Ich laß mir keine Medizin einschütten. S'is nix mit der Prob. Jäger. Nur still – ich schütt Dir ja nur Bier ein! Kasperl (springt wieder ins Bett). Das laß ich mir gefallen! Aber nachher werd' ich mich todt stellen. Jäger. Ich sag Dir schon, wenn's Zeit ist. Grethl (bringt eine große Flasche und einen Trichter herein). So, da ist die Medizin! Jäger. So, so! Wir wollen jetzt gleich zum Werk schreiten. Stecken Sie den Trichter dem Herrn Kasperl in's Maul. (Grethl hält den Trichter, der Jäger schüttet ein.) Kasperl. Ah – das war gut! wenigstens zwei Maaß! Herr Doktor, noch so eine Portion! – Au weh! zwick! Auweh! Mir verbrennt der Magen! Ich stirb! Jäger. Delirium tremens ! Frau Kasperl! Da kann die Kunst nicht mehr helfen. (Kasperl hüpft einigemale vom Bett in die Höhe.) Grethl (jammernd). Auweh! auweh! – Kasperl, Kasperl, lieber Kasperl! Jäger. Der Puls stockt! – es ist aus mit ihm! (Grethl fällt in Ohnmacht, während Kasperl den Kopf aus dem Bett streckt und sie betrachtet.) Jäger. Mach keine Dummheiten, Kasperl. Jetzt gilt's. Grethl (erwachend). Wo bin ich? Jäger. Sie sind nun eine Wittwe, Madame Kasperl! Grethl. Gott tröst' ihn! er war ein guter Kerl, aber ein Lump! (Kasperl fährt aus dem Bett.) Jäger. Ha! das sind die Nachzuckungen, welche wir bei Gestorbenen häufig beobachten. (Zu Kasperl) : Sey doch kein Narr! Jetzt geh ich fort, Madame, und schick Ihnen den Sarg und die Träger. Empfangen Sie meine aufrichtige Beileidsbezeugung! Ich habe als Arzt Alles angewendet zur Rettung Ihres Mannes; aber es gibt Fälle, wo die Natur ihren Tribut fordert, und alle Kunst scheitert. (Geht ab.) Grethl. O mein Kasperl! Jetzt liegst halt da! Es thut mir wirklich herzlich leid, daß ich Dich nimmer hab! Aber was bleibt mir übrig, als daß ich mich bald um einen ander'n Lebenströster umschau! Wittwe kann ich nicht bleiben! – Wenn nur der Bursch nit Alles verthan hätt'; mit der Erbschaft wird's schlecht ausseh'n und der Lieutenant Pulvermann, der ein Aug auf mich hat, wird auch kein Vermögen haben! – Wenn jetzt nur mein Mann bald aus'm Haus wär! Es ist einmal vorbei! Da kann man nichts thun als sich trösten. (Während des Monologs muß – unbemerkt von Grethl – Kasperl im Bett durch Mimik seine Entrüstung ausdrücken.) (Es klopft an der Thüre.) Grethl. Wer wird das seyn? – Herein! Lieutenant Pulvermann. Mit Bedauern habe ich soeben das schreckliche Unglück vernommen, das Sie betroffen hat, verehrte Madame Kasperl! Ihr edler Gatte – – Grethl (stellt sich sehr traurig und weint). Er ist nicht mehr! Lieutenant. Oh! Oh! Oh! – Grethl. Der gute Mann! Lieutenant. Ja! der edle, allgemeingeschätzte Mann! aber gewiß war sein Tod die Folge seiner leichtsinnigen, sozusagen liederlichen Lebensweise! (Kasperl droht mit der Faust.) Grethl. Allerdings! Er ist ein Opfer der Trunksucht, wie mir der Doktor gesagt hat; denn er ist am laxirium clemens gestorben! Lieutenant. Am laxirium clemens ! – Wieder eine neuerfundene Krankheit! Grethl. Aber ich bin und bleibe eine verlassene Wittwe! Lieutenant. Wenn Sie einer Stütze bedürfen, wenn ich würdig wäre, Ihnen diese Stütze zu seyn – wie glücklich würde ich mich schätzen! Grethl Oh, ich bitte, Herr Lieutenant! Lieutenant Ja! ich beschwöre es bei dieser edlen Leiche, die hier vor uns liegt – Madame, Ihr Besitz würde mich zum Seligsten auf Erden machen! Grethl Wenn ich bedenke, daß eine Wittwe so allein da steht in der Welt, wenn ich bedenk – – Lieutenant O, bedenken Sie nichts, Madame Kasperl! Verfügen Sie über mein Leben! Es gehört Ihnen ganz und gar! Grethl Edler Pulvermann! Lieutenant Nicht Pulvermann ! Nein! bald Dein Mann ! Grethl Kühner Freund eines schwergedrückten Herzens? Was soll ich sagen? Lieutenant An mein Herz! (Umarmung) (Kasperl wirft ihm Decke und Kissen an den Kopf und springt aus dem Bett) Kasperl. Ah! das ist aber gar z' arg! Du abscheuliche, heuchlerische Grethl! Grethl. Herr Jemine! Was ist das? Kasperl. Ja! »Was ist das« hab ich zu fragen, Crocodill von einem Weibsbild! Und der saubere Herr Pulverstoffl da hilft auch dazu! (Schlägt um sich.) Ich bin nicht gestorben, nein ich bin so gesund, daß ich schon wieder den größten Appetit hab und Euch alle zwei aus Rache verschlingen könnt, wenn ihr nit so miserable Bissen wär't. Lieutenant. Herr Kasperl! vergessen Sie sich nicht gegen mich, ich bin Offizier! Kasperl. Was Offizier! (Nimmt den Nachttopf und zerschlägt ihn an seinem Kopf.) Da haben Sie Ihren Theil, miserabler Kerl! Kaum hat der Mann die Aug'n zug'macht, so woll'ns gleich die Wittib heurath'n! Lieutenant. Ha! ich bin verwundet! Rache, Rache! Kasperl. Und Du auch, wart ich komm Dir! Jetzt leb ich Dir zum Trotz extra noch recht lang. (Prügelt sie.) Lieutenant. Ich bin der Beschützer dieses edlen Weibes! (Allgemeine Prügelei, in welcher der Lieutenant von Kasperl todtgeschlagen wird.) (Kasperl wirft ihn in die Kulissen.) Ein Polizeidiener (tritt ein). Was ist da für ein Spektakel? Die ganze Straße ist voll Leute. Was hat's gegeben? Kasperl. Schläg hat's gegeben, Herr Polizarius, und Sie können auch welche kriegen, wenn S' nit bald weiterspazieren. Polizeidiener. Es ist die Pflicht der hohen Polizei, sich überall in's Mittel zu legen und möglichst alle Differenzen auszugleichen. Kasperl. Legen Sie sich hinein wo Sie wollen, in die Mitten oder auf die Seiten und weichen Sie allen Konferenzen aus, aber mich und meine Frau lassen's in Ruh! Grethl. Ja, Herr Polizeisoldat, stören Sie nicht das häusliche Glück einer stillen Familie. Polizeidiener. Die Familie muß nicht sehr still gewesen seyn, da sie einen solchen Straßenauflauf veranlaßt hat. Kasperl. Was geht mich der Chocoladauflauf an? Ich bitt mir's aus, sonst gebrauch ich mein Hausrecht. (Gibt dem Polizeidiener ein paar Ohrfeigen.) Polizeidiener. Unverschämter Flegel, das sollst Du büßen. (Schlägt den Kasperl.) Grethl. Was, Sie – meinen Mann schlagen? (Zaust ihn.) Kasperl. Brav, Grethl! helfen wir zusammen! Allgemeine Prügelei. Polizeidiener. Halt! halt! Unter diesen Umständen werde ich mich entfernen, aber ich weiche nur der Gewalt! Kasperl. Weichen Sie wem Sie wollen! Polizeidiener. Leben Sie wohl, Herr und Madame Kasperl! Kasperl. Leben Sie wohl und kommen Sie nie wieder, wenn S' nit den Buckel voll Schläg wollen! (Polizeidiener geht ab.) Kasperl. Grethl! ich verzeih Dir Alles; Du hast Dich jetzt brav g'halten! Grethl. O mein Kasperl, ich war ja immer Dein gutes Weiberl! Und wegen dem Pulvermann – schau – Kasperl. Geh, geh – sey nur still! Ueber diesen Punkt woll'n wir den Schleier der Vergessenheit fallen lassen. Grethl. Wir wollen unsere Schwächen gegenseitig ertragen. Kasperl (mit erhabenem Tone). Mir ist's recht! Aber bleiben wir dabei, wenn ich manigmal etwas schwach aus'm Wirthshäusl heim komm, so ertrage auch diese Schwachmatigkeit und dulde als ein standhaftes Weib! Grethl. Ich versprech Dir's! – Weißt was? Zu unserer Versöhnungsfeier geh'n wir gleich zusammen in's Wirthshaus. Kasperl. Großartiger Gedanke, dem Gehirne eines schwachen Weibes entsprungen! Weib, ich folge Dir, und ging es durch die Hölle! Grethl. Geh, sey nit gar so hochdeutsch! Kasperl. Ha! dieser ergreifende Monument hat mich auf das Tiefste erschüttert. (Umarmt Grethl.) Laß mich an Deinem liebenden Busen die Thränen der wiedererwachten Menschheit aushauchen! – (In seinem gewöhnlichen Tone.) Aber gelt, zur Versöhnungsfestivität werden z'erst einige Backhendln gegessen; nachher schmeckt's Bier besser, und zum Schluß lassen wir eine Poli Punsch auftragen, welche mein Freund Thomerl zahlen muß; denn er hat den ganzen Dechtmechtl erfunden. Grethl. Wie, der abscheuliche Mensch? Kasperl. Er ist weder abscheulich noch Mensch, sondern vacirender Chasseur und mein Freund! also keine Einred. Jetzt komm; Du kannst auch ein paar Frau Basen mitnehmen. Grethl. Dann laß ich mir auch den Thomerl gefallen. Kasperl. Arm in Arm, Hand in Hand wandeln wir jetzt in den »goldnen Stiefel!« Juheisaschnuderibix! Heut setzt's einen priviligirten Rausch ab; auf meine schwere Krankheit brauch ich eine gewaltige Stärkung! (Tanzt mit Grethl hinaus.)